10ſensein der Bibliothek. Die Bibliothek ſteht zur Em⸗ den angenommen. hinterlegen, welche bei deſſen Zurückgabe von mir zurückerſtattet beſonders darauf aufmerkſam gemacht, daß das Weiterverleihen Leihb hek 3 deutſcher, engliſcher und franzöſiſcher Literatur 5 von 6dnard Otkmann in Gieſen, 4 Feih- und geſebedingungen. 7 Uht bis Abends 8 Uhr offen.„ 2. Pesepreis. Bei Rückgabe eines geliehenen Buches wird von pfangnahme und Rückgabe der Bücher jeden Tag von Morgens F jedem Tag 5 Pf bezahlt. Die Zeit eines Tages iſt zu 24 Stun⸗ 1 3. Caution. Unbekannte Perſonen müſſen, bei Entgegennahme eines Buches, eine dem Werthe deſſelben entſprechende Summe wird. 4. Abonnement. Daſſelbe muß voraus bezahlt werden und eträgt; für wochentlich 2 Bücher: 4 Bücher: 6 Bücher: 2——————— auf 1 Monat: 1 F— Pf. 2 W Ff. „„ 5„ 5. Auswärtige Konnenten haben für Hin⸗ und Zurückſendung der Bücher auf ihre eigenen Koſten und Gefahr ſelbſt zu ſorgen. 6. Schadenersatz. Für beſchmutzte, zerriſſene, verlorene und vefecte Bücher(namentlich bei ſolchen mit Kupfern ꝛc.) muß der Ladenpreis erſetzt werden.— Iſt vas zerriſſene, beſchmutzte, ver⸗ torene oder defecte Buch ein Theil eines. größeren Werkes, ſo iſt der Leſer zum Erſatz des Ganzen verpflichtet. 7. Ausleihezeit. Dieſelbe iſ auf 14 Tage feſtgeſetzt und wird F ver Bücher nicht ſtattfinden darf, indem Diejenigen, welche die⸗ ſelben von mir geliehen, auch dafür zu ehen haben. 3 ——————..——— Lady Glami oder der Kerker von Stirling. Ein Roman nach von Heinrich Wullr. Dritter Theil. Quedlinburg und Leipzig, 1824, Lady Glami oder der Kerker von Stirling. —— Dritter Theil. Es ergriffen den Graf von Bothwell ſon⸗ derbare Gefuͤhle, als er die große Haupt⸗ ſtadt der Britten vor ſich ſah, in die er im Begriff war, als ein Verbannter ein⸗ zuziehen, der hier, gleichſam in Feindeslande, Zuflucht und Beruhigung ſuchte. Die Er⸗ innerung an die Vergangenheit vergegen⸗ wärtigte ihn jene gluͤckliche Zeit der Ju⸗ gend, wo er, ein ſchoͤner, kuͤhner, hoffnungs⸗ reicher Juͤngling, vor dem die Welt und ihre Zukunft im Roſenſchmucke lag, auf einem bäumenden, muthigen Roſſe, in ſchottiſcher Pracht, an der Seite ſeines Vaters durch die Straßen ritt und es mit innerm Wohlgefallen wahrnahm, daß 6 er die Augen Aller feſſelte. Welch ein Feld von Erfahrungen lag hinter ihm! Er ſah da ein Heer unerfuͤllter Wuͤnſche, einen Schwarm von Hoffnungen, die ihn taͤuſch⸗ ten und die abgefallenen Bluͤthen jugend⸗ licher Kraft und Schoͤne. Er war dem Greiſenalter nahe, wo ſich in uns Alles zu der Ruhe und Stille vorbereitet, wie ſie im Grabe herrſcht; er ſah es ein, daß uns das Leben in der Einbildung viel verſpricht und wenig haͤlt; die Gegenwart war zur Erhebung ſeines Gemuͤths nicht geeignet, ſie ſchlug ihn nieder. Das Bewußtſeyn, nach ſeiner Ueberzeugung recht gehandelt und kein entehrendes Verbrechen begangen zu haben, dieſer Troſt vieler Traurigen und Verfolgten war fuͤr ſeinen Schmerz nicht lindernd, er verwuͤnſchte es, daß er in einer ſo boͤſen Zeit geboren war und lebte, wo man die Sprache der Wahrheit mit Fluch und Verbannung belegte. 7 Aber unter dieſen niederbeugenden Vorſtellungen gewann der Gedanke, ſeine liebe Marie und ihre Kinder zu ſehen, Kraft und Licht und er zerſtreute die duͤ⸗ ſtern Nebel des Kummers, die auf ſeiner Seele lagen. Er ſah ihr Entzuͤcken im Geiſte ſchon und die Freude begeiſterte ihn. Laut pochte ſein Herz, als er ihre Wohnung endlich erfragt hatte, mit ſeinem Roſſe vor der Thuͤr hielt, herabſtieg und ſeinem Begleiter den Zuͤgel zum Halten gab. Angus und Marie ſaßen am Fenſter und ſahen in der Ferne den fremden Rei⸗ ter. An ſeiner Tracht erkannten ſie es, daß er ein Schotte war. Angus wollte die Treppen hinab, weil er glaubte, daß der Schotte ein an ihn abgeſandter Bote ſeyz aber er ließ ſich durch die Worte ſeiner Gattin noch zuruͤckhalten:„Frohes erfaͤhrſt 8 Du nicht und Trauriges nicht zu ſpat. Bleib bei mir.“ Als der Fremde aber vor der Thuͤr abſtieg, da ließ ſich Angus nicht mehr halten, er riß die Thuͤr des Zimmers auf, ließ ſie in der Haſt offen ſtehen und flog die lange Treppe hinab. Marie blieb im Zimmer mit den Kindern und wartete die Wiedererſcheinung ihres Gatten mit dem Unbekannten nicht ohne innere Gemuͤthsbewegung, ab. Es waͤhrte nicht lange, ſo hoͤrte ſie uͤberlaut ſprechen, ſie glaubte ein freudiges Getoͤſe zu ver⸗ nehmen, ſie hoͤrte kommen. Eben wollte ſie die Thuͤr oͤffnen, als ſie aufflog und Angus mit den Worten in die Stube trat: „Sieh, Marie, da iſt Dein Vater! Die Liebe und Sehnſucht fuͤhrt ihn in unſere Arme.“ Marie war außer ſich, ſie traute ih⸗ ren Augen nicht, ſie glaubte es kaum, daß 9 der ihr Vater ſey, der vor ihr ſtand. Sein Auge war truͤbe, ſeine Wange ver⸗ fallen, er hatte das heitere, muntere An⸗ ſehen nicht, ſein Anzug war der geſchmuͤckte, reinliche nicht, den ſie ſonſt an ihm ge⸗ wohnt war. Sie ahnete es, daß irgend eine gewaltſame und hochſt unguͤnſtige Verwandlung mit ihm vorgegangen ſeyn muͤſſe, die ſo maͤchtig auf ſein ganzes We⸗ ſen wirkte. Faſt zitterte ſie und fuͤrchtete Niederſchlagendes aus ſeinem Munde zu vernehmen. Aber dieſe fluͤchtigen Gedanken mußten bald dem ſtaͤrkern, ſiegenden Gefühl der Natur und Liebe weichen. Sie war ganz in Wonne und Freude aufgelöſet, als der Vater die Worte ſprach:„Nun, meine liebe Marie, mich in London zu ſehen, das haͤtteſt Du nie geglaubt! Dem Zuge mei⸗ nes Herzens folgte ich und das fuhrte mich hieher!“ Er oͤffnete ſeine Arme, Ma⸗ rie ſank an ſeine Bruſt, Thraͤnen floſſen 10 ihr die Wange herab und ſie rief nur die Worte aus:„Vater, Vater, mein lieber, einziger Vater!“ Angus beide Soͤhne, welche die Mut⸗ ter faſt taglich vom Großvater reden hoͤr⸗ ten, ohne daß ſie ſich ein deutliches Bild von ihm machen konnten, ſahen nun den Mann vor ſich, der ſchon lange der Ge⸗ genſtand ihrer Verehrung und Liebe war, den die Mutter naͤchſt Gott als das theu⸗ erſte Weſen im Leben achtete. Als er die Mutter losließ, um ſich ihrer zu freuen und ſeine Enkel zu begruͤßen, umſchlangen ſie ihn Beide und der aͤlteſte, Richard be⸗ namt, ſagte:„Großvater, wie hat die Mutter nach Dir geſeufzt, nun wird ſie ruhig werden! Was machſt Du uns fuͤr eine Freude!“—„Biſt Du Richard oder Jakob; ich verwechſele Eure Namen,“ fragte der Graf.—„Ich heiße Richard, 1¹ wie mein Großvater Douglas hieß und meinen Bruder nennen ſie, Jakob Her⸗ burn, das ſind Deine Namen. Wenn ich auch nicht Deinen Namen fuͤhre, ſo liebe ich Dich doch eben ſo, wie mein Bruder Jäkob Herburn.“—„Herrliche, ſchoͤne, kraͤftige Burſchen ſeyd Ihr, daß man ſeine Luſt an Euch ſieht, und ſo voll Herz und Freundlichkeit! Werdet ſtark an Leib und Seele, daß Ihr Euerm Vaterlande, wenn es Eurer je bedarf, wichtige Dienſte thun koͤnnt. Die Zeit wird kommen, wo man Euern Vater nach Schottland zuruͤckruft und dann, dann meine Söhne, kaͤmpft an ſeiner Seite wie Helden, und ſchlagt die boͤſe Macht nieder, die Eure Rechte und Freiheiten mit Fußen treten will. Das iſt Euer Beruf, dazu glaubt Euch geboren.“ Als ſich die freudigen Wallungen in den Gemuthern einigermaaßen gelegt hat⸗ 12 ten, fragte Marie, die wieder uͤber die un⸗ erwartete Erſcheinung des Vaters aͤngſt⸗ lich geworden war und nicht wußte, was ſie eigentlich davon halten ſollte:„Vater, ich muß es glauben, Eure Erſcheinung hat noch einen andern Zweck als den, uns zu beſuchen“—„Du irrſt Dich nicht, liebe Tochter.“—„Bringt Ihr mir guͤnſtige oder unwillkommene Nachrichten, die meine Perſon betreffen,“ fragte Angus,„ich hoffe jene und fuͤrchte dieſe nicht.“—„Nichts, nichts bringe ich, was Deine Perſon an⸗ geht. Damit ſteht es im Ganzen noch wie beim Alten. So viel kann ich nur ſagen, das Geſchrei gegen Dich hat ſich gelegt, aber fuͤr Dich wird auch keine Stimme laut. Man hat uͤberhaupt in Schottland ganz andere Geſchäfte, die al⸗ les Nachdenken, alle Aufmerkſamkeit ver⸗ ſchlingen, als daß man Zeit haͤtte, an die Entfernten zu denken. Wenn man bei dem Gefühl des eigenen Ungluͤcks nicht die Theilnahme fuͤr das Leid des Naͤchſten verloren hat, ſo bin ich vielleicht eine Weile das Hauptgeſpraͤch vieler Edeln ge⸗ weſen.“—„Ihr, Vater, Ihr, wie das?“ fragte Marie mit unruhiger Neugierde. —„Ja, ich, meine Tochter, denn wißt, ich bin ein Verbannter. Erſt nach vier Jah⸗ ren, wenn ich bekenne, daß die dreiſte Wahrheit Luͤge iſt, wenn ich mich ſchmiege, einem Pfaffen, der Regent jetzt iſt, den Pantoffel zu küſſen, habe ich die Erlaub⸗ niß, zuruͤckzukehren. Ach, es ſind bei uns boͤſe Zeiten; es iſt Alles in greulicher Verwirrung und der Himmel mag es wiſ⸗ ſen, wie und was das verhaͤngnißvolle Ge⸗ ſchick entſcheiden wird!“ Die beiden Soͤhne, Richard und Ja⸗ kob, mußten ſich entfernen. Der Wahr⸗ heit gemaß erzaͤhlte Herburn von Both⸗ h — L e. 14 well die uUrſache, weshalb er verbannt wäre; ſprach von dem Morde des Prie⸗ ſters, von dem ungluͤcklichen Leben der Graͤfin von Douglas, von der Schwer⸗ muth Glami's, von der Herrſchaft der Geiſt⸗ lichen, der Unterdruͤckung des Adels und der ſcheinbaren Abgeſtorbenheit aller Kräfte, die ſchlaff und feige danieder lägen und ſich zum Kampfe fuͤr Ehre und Freiheit nicht aufrafften. Angus war eine Weile in tieſes Nach⸗ denken verſunken, indeß Marie ihren Va⸗ ter zu troͤſten und ihn wegen ſeines harten und unverdienten Schickſals zu beruhigen ſuchte.„Darum, meine Tochter, verſchwen⸗ de kein Wort, ich habe in mir einen Rich⸗ ter und der verdammt mich nicht, wenn alle Menſchen mich verklagen. Ich redete da, wo ich wußte, daß Schweigen ein Verbrechen geweſen waͤre. Was iſt's denn nun weiter, daß man mich fortgejagt hat, die Wahrheit kann man doch nicht ver⸗ treiben und ſie zeugt ewig gegen das Schlechte und Verkehrte. Andere werden in meine Fußtapfen treten und das Un⸗ recht, was ich leide, wird ſie zu groͤßerm Zorn reizen. Tyrannei und Gewalt, die Mienen und Worte beſtraft, ſorgt ſchlecht für ihren Vortheil. Es kömmt die Zeit nie, daß man das Schaͤndliche ehren⸗ voll im Herzen nennt, wenn die Lippe auch nicht davon ſpricht. Ein einziger Boͤſewicht hat taufend Rächer wider ſich.“ „Nun, Vater,“ ſprach Angus,„Ihr muͤßt die Schotten nicht zu tief erniedri⸗ gen und von Abgeſtorbenheit, von Feigheit Was eine Weile es erwacht ke, der un⸗ ter der Aſche gluͤht, iſt noch nicht erloſchen, und Schlaffheit reden. ſchläft, iſt darum nicht todt, mit einer Staͤrke, und der Fun 16 er wird angeblaſen, man legt Feuerfangen⸗ des dazu und kann eine Welt in Aſche verwandeln. Wenn's Zeit iſt, werden mich meine Freunde wohl rufen, und dann will ich wie ein Engel mit einem flam⸗ menden Schwerte uͤber Alle Gericht hal⸗ ten, die ſich durch ſclaviſche Unterwuͤrfig⸗ keit ſchaͤnden und ſich nicht ruͤhren, wenn man mit den Fuͤßen auf ihnen geht. Rufen ſie mich aber nicht, ſo gehe ich ſelbſt! Beleidigungen, die ich erfuhr, ſind mit dem Schleier der Vergeſſenheit umhuͤllt, ich werde ſie nicht raͤchen; aber die Zwei⸗ zuͤngler, die Halbmenſchen, die jedem Herrn dienen, ſie will ich wie wucherndes Unkraut, das den nuͤtzlichen Pflanzen bie Nahrung entzieht und ſie verzehrt, nieder⸗ treten. So mußte es kommen, wenn es beſſer werden ſollte.“ „Wenn es nicht ſo gekommen wäre, 17 ſo war es doch beſſer,“ entgegnete Her⸗ burn.„Wenn in einem Lande Partheien herrſchen, die ſich einander heimlich oder öffentlich bekriegen, ſo muß das Wohl des Ganzen untergehen, es ſucht ein jeder zu zerſtoren, da er bauen ſollte. Die Einig⸗ keit, das Vertrauen, die Liebe und Achtung der Fuͤrſten und Voͤlker, vas iſt die Grund⸗ lage alles menſchlichen Glucks, es iſt der ſichere Boden, auf dem alle Tugenden ge⸗ deihen, die Quelle, aus der man die theuer⸗ ſten, edelſten Guͤter ſchoͤpft. In einem Staate, wo Rache, Mißtrauen, Zwiſt und Feindſchaft die Gemuͤther gegen einander verhetzt, wo der eine auf den Schaden und das Verderben des Andern ſinnt, wo der Eine auf den Truͤmmern des Heils ſeiner Mitbuͤrger die Gebaͤude ſeiner Macht, ſeines Hochmuths, ſeiner Herrſchbegierde errichten will: da haben Laſter aller Art freies Spiel, da muß ſich Tugend und Wahrheit III. 2 18 verkriechen, da ſteht die Religion im Schat⸗ ten und iſt unbeachtet, da werden die hei⸗ ligſten Pflichten verletzt, es ſchwindet aller Segen, man erleidet die haͤrteſten Verluſte und der Sieg der einen Parthei, auf Un⸗ koſten der andern, iſt der ſchrecklichſte, ver⸗ abſcheuungswuͤrdigſte Triumph. Können entſtandene Mißbraͤuche, Trennungen und unerlaubte Gewaltthaͤtigkeiten auf eine gu⸗ tige, weiſe, vermittelnde Art beigelegt wer⸗ den, ſo iſt das beſſer, als wenn man zum Schwerte greifen und Blut vergießen muß.“ „Wie aber,“ erwiederte Angus,„wenn Ruhe und Sicherheit, Freiheit und Eigen⸗ thum, unverletzter Beſitz alter Rechte, nicht anders, als mit dem Schwerte erkauft wer⸗ den kann? Soll man ſich beknechten, ent⸗ ehren, pluͤndern laſſen, nur um den Frie⸗ den zu erhalten? Es giebt eine Ruhe, ſie iſt verderblicher als der Krieg, ſie iſt ſchaͤnd⸗ 5 18 liche Feigheit, welche die Tyrannei nach Wilkühr ſchalten laßt, dem Laſter ſteies Spiel einraͤumt und muͤßig zuſieht, wenn man die Ketten ſchmiedet, in die ein freies Volk geſchlagen werden ſoll. Ein ſolches Nachgeben und Stillſitzen iſt aͤrger, als der Tod, es fuͤhrt Demuͤthigungen, Mar⸗ tern, Beſchimpfungen herbei, die das Herz zermalmen und das Leben verwuͤnſchens⸗ werth machen.“ „Truͤbt die erſte Stunde eures Zu⸗ ſammenſeyns durch ſolche Dispuͤte nicht,“ ſagte Maria,„ſie ſchaffen beſtehende Uebel nicht weg und verkuͤmmern eine Freude, die man auch unter den Stuͤrmen der Zeit genießen kann. Aber, Angus, wie koͤnnte es Dir einfallen, jetzt nach Schottland zu gehen, wo die maͤchtigſten Feinde Auf Dich lauern, wo Tauſende ihr Verdienſt darin ſetzen, Dich aufzugreiſen und der ſtrafenden 3 20 Gerechtigkeit zu uͤberliefern! Haſt Du Luſt, Dich in ein offenes Grab zu ſtuͤrzen, dem Du nicht entrinnen kannſt? Und würde Deine Erſcheinung fruchten? Oeffentlich darfſt Du nicht auftreten und ein gehei⸗ mes Umherſchleichen, wie das eines Ver⸗ brechers, was ſollte das fruchten? Dem Vaterlande zu dienen, das iſt Dir fuͤr jetzt unmoͤglich gemacht, Du biſt nur auf die Pflichten eines Familienvaters beſchraͤnkt und Dein Ruhm iſt's, ſie ganz zu erfüllen. Soll neue Angſt und groͤßerer Kummer meine Geſundheit zerſtöͤren? Koͤnnteſt Du es bei Deinem Herzen verantworten, wenn unſere Kinder Waiſen wuͤrden und der Ruf des Vaters nach ſeinem Tode noch ihnen ſchadete? Nennſt Du den Schiffer klug, der bei ungeſtümen Wetter aus dem Haſen läͤuft und ſich auf's wellenhohe Meer wagt? Soll ich wieder anfangen, an Dei⸗ ner Liebe zu zweifeln? Was haſt Du „ 2 ausgerichtet, als Du die Zügel der Regie⸗ rung von Schottland in den Haͤnden hat⸗ teſt? Hoffſt Du einen andern Lohn fuͤr Deine Anſtrengungen, fuͤr Dein kuͤhnes Wagen zu erndten? Verkenne die großen Warnungen nicht, die Dir das richtende Schickſal gegeben hat, Du möͤchteſt die Unfolgſamkeit gegen dieſe mit dem Verluſte der Freiheit und einem Tode, den Tau⸗ ſende einen ſchimpflichen nennen, bezahlen muͤſſen.“ Es wurde auch von Glami und Jacob geredet, daß dieſer nicht abgeneigt wäre, eine eheliche Verbindung mit ihr zu ſchließen. Angus bewunderte die Liebe des Juͤnglings zu ſeiner Schweſter und ehrte ihn deshalb um ſo mehr, Maria aber fand dieſe Liebe ſelten und herrlich. Der red⸗ liche Bothwell aber verſchwieg es nicht, daß er ſeinen Sohn gewarnt haͤtte, dieſe 22 Verbindung zu einer Zeit einzugehen, wo Alles in der groͤßten Gaͤhrung ſey und man doch nicht mit Gewißheit vorausſehen koͤnne, welch einen Ausgang die gegenſeiti⸗ gen feindlichen Reibungen nehmen wuͤrden. Faſt eine Woche war verfloſſen, als der treue Cunert neu gekleidet und geſund, aber in ſeiner Seele traurig und verſtimmt in London ankam. Guͤtig wurde er em⸗ pfangen und mußte ſeine Gefangennehmung und ſeine Rettung durch den Baronet Forbes erzählen. Allen war es unbegreiflich, daß ſie auf ihre Briefe, die ſie nach Schottland geſandt hatten, keine Antwort erhielten, und daß ſogar zwei expreſſe Boten, die dahin ge⸗ ſchickt waren, von dort nicht wieder zuruͤck⸗ kehrten. Der Graf Angus unterließ es nicht, durch beſoldete Spione Nachrichten 23 von der Lage der Dinge in Schottland einzuziehen und er freuete ſich insgeheim, daß die Verwirrung und das Mißvergnuͤgen daſelbſt immer groͤßer wurde, und daß ſich Alles zu einer großen Umwaͤlzung vorberei⸗ tete, bei der er kein muͤßiger Zuſchauer in der Fremde bleiben wollte, und wenn er auch ohne Wiſſen ſeiner von ihm hochge⸗ liebten Gattin London verlaſſen mußte. So verſchwiegen er mit den Neuigkeiten war, die ihm zu Zeiten mitgetheilt wurden, ſo erzaͤhlte er's doch, als er an einem Abende zu den Seinen zuruͤckkehrte, daß der Baronet Forbes auf eine ſchmähliche Art in Edinburg hingerichtet ſey.—„Das kann mich nicht wundern,“ entgegnete Bothwell mit Seelenruhe,„ſo ſehr mich der Tod eines ſo klugen, unternehmenden Mannes ſchmerzt, der in der Noth Andern große Dienſte leiſten konnte. Forbes war zu kuhn, zu verwegen, er wagte Unmoͤg⸗ 24 liches und ſah im hitzigen Eifer keine Ge⸗ fahr. Es iſt ſicher entdeckt worden, daß er, dem Geſetze zuwider, Cunerts Freiheit auf eine gewaltſame Weiſe erzwang. Cunert war ein, Moͤrder, er hatte den Tod ver⸗ dient. Was ſoll endlich aus einem Lande werden, wo ſich's ein Jeder herausnimmt, den Arm der Gerechtigkeit zu laͤhmen, ihr Schwert zu zerbrechen, der Obrigkeit Hohn zu bieten und ihre Beſchluſſe zu vereiteln! Nochmals ſage ich's, es iſt um Forbes ſehr ſchade, wenn er wrirklich hingerichtet iſt. Großes und Ausgezeichnetes konnte Schott⸗ land von ihm erwarten. Er beſaß ein herrliches Talent, ein muthiges Herz und eine Vaterlandsliebe ſonder gleichen. Er war nicht Herr ſeiner Leidenſchaft und ſeines Eiſers, und darum mußte er fallen. So ergeht es allen denen, welche Rieſengebaͤude errichten wollen und die Mittel, welche ihnen dazu zu Gebote 25 ſtehen, nicht pruͤfen, ſie werden unter Truͤmmern begraben. Das iſt eine neue Warnungstafel fuͤr Alle, die mit un⸗ gemeſſenen Kraͤften den Gang des Schick⸗ ſals hemmen und der Welt eine neue Ord⸗ nung geben wollen! Sie verkennen das Einwirken einer hoͤhern Macht, die ſie mit ſich ſortreißt! Im Strudel unbeſonnener Plane gehen ſie unter und verſuͤndigen ſich an ihrem Vaterlande, dem ſie durch ihre Hinrichtung erſprießliche Dienſte entziehen, die ſie ihm noch leiſten konnten.“ Der Graf von Bothwell bat ſeine Freunde gar ſehr, daß Cunert von dem ze⸗ waltſamen Tode des Baronet Forbes nichts erfuͤhre, weil er ein verſtimmtes, mißmuthi⸗ ges Gemuͤth haͤtte und leicht zum Selbſt⸗ moͤrder werden koͤnne, wenn er erfahre, wie ſeinem Retter gelohnt ſey. Die That, daß er in der Hitze einen Prieſter erſchlagen n —— 26 haͤtte, gereue ihn ſchmerzlich, und ſchrecklich waͤre es ihm immer noch, wenn er an Kirway daͤchte, den er erſchlug. Er habe ſchon geaͤußert, daß er nach Edinburg zu⸗ ruͤck gehen, ſich der obrigkeitlichen Strafe uberliefern wolle, da er zu keiner innern Ruhe kommen koͤnne und die viel haͤrtere Beſtrafung des ewigen Richters fuͤrchte. Wenn man aber glaubte, daß der Baronet darum ſtarb, weil er einen ver⸗ urtheilten Miſſethaͤter in Freiheit ſetzte, ſo irrte man ſich, es hatte damit eine ganz andere Bewandniß. Malcolm, wie wir es wiſſen, war, nach einem Kampfe auf Tod und Leben, in der Gewalt des Baronet Forbes, mit einem Stoß konnte er ihm das Leben nehmen. Der freche, hochmuͤthige Guͤnſtling des Koͤ⸗ nigs entwaffnete durch ſein Flehen und ſeine 27 Bitten, durch ſeine demuͤthige, unterwuͤrfige Stellung die Wuth ſeines Gegners.„Laird,“ redete ihn Forbes mit grimmigen Blicken an,„Ihr habt viel Boͤſes gethan, ich koͤnnte Euch in dieſem Augenblicke fuͤr Schottland auf immer unſchaͤdlich machen;z aber ich werde Euch Gelegenheit geben, Eure Suͤnden zu bereuen und Euch zu beſſern, damit Eure Seele gerettet werde, die ich nicht verderben mag. Ihr folgt mir ohne Widerſtand, und das kleinſte Zeichen, das Ihr von Euch gebt, entfliehen zu wollen, wird Euch das Leben koſten. Vielleicht ſchenke ich Euch die Freiheit wie⸗ der, vielleicht auch nicht, nun, das wird von Euch und andern Umſtaͤnden abhangen. Nun folgt mir, redet kein Wort, es giebt Leute, und zu dieſen gehoͤrt Ihr, mit denen ich nicht mehr ſprechen mag, als ich muß.“ Forbes ſuchte, da es heller Tag war, 25— 2—** S 2⁸ ein waldiges Gebirge zu gewinnen, ging auf Abwege, verbarg ſich in finſteres Ge⸗ buͤſch und ließ einen ſeiner Getreuen vor⸗ ausreiten, der die nöthigen Veranſtaltungen treffen mußte, damit der Laird, ohne daß es Jemand merkte, in einen Thurm ge⸗ bracht wurde, der ihm zum Aufenthalte waͤhrend ſeiner Gefangenſchaft angewieſen wurde. Als die Daͤmmerung eintrat, wurde die Reiſe uͤber Klippen und durch Gehoͤlz fortgeſetzt, bis man endlich auf einem be⸗ tretenen Wege ankam, auf dem man weiter ritt. Malcolm ſtraͤubte ſich, in die Thuͤr des Thurmes einzutreten. Da zog Forbes ſein Schwerdt und ſprach die Drohworte: „Gebt Ihr einen Laut von Euch und leiſtet Ihr nicht augenblicklichen Gehorſam, ſo habt Ihr's Euch ſelber beizumeſſen, wenn dieſe Schwelle von Eurem Blute be⸗ netzt wird.“. Malcolm ſah den Baronet mit funkelnden Augen an und ſagte:„Be⸗ 29 denkt, die Unſchuld hat unſichtbare Raͤcher, die werden Euch das Unrecht vergelten, das Ihr an mir begeht. Euch habe ich nie beleidigt und Ihr ſtraft mich hart.“ Wir verrechnen uns im Leben oſt, wenn wir gemeinen Leuten, die in unſern Dienſten ſtehen, Ehrlichkeit und Treue zu⸗ trauen. Sie ſind oft dem um den hoͤchſten Preis feil, welcher ihnen denſelben bietet, und kennen das Gebot der Pflicht und Liebe, des Dankes und der Redlichkeit nicht. Duns Mackertine, der Aufſeher uͤber die Schloßleute, welcher an zwanzig Jahre bei den Forbes gedient und ſein Brodt reichlich gegeſſen hatte, konnte nicht ſo viel uber ſich gewinnen, daß er den Bubenlohn ausſchlug, den ihm Malcolm auf der Stelle bezahlte. Das Aergſte war, daß er den Tod ſeines Herrn am ſchmerz⸗ hafteſten, dem äußern Anſcheine nach, be⸗ 30 trauerte als er, der Verraͤther deſſelben, eine lange Zeit unentdeckt blieb. Duns Mackertine war von allen Die⸗ nern des Baronets der Einzige, dem die ſichere Bewachung des gefangenen Laird übertragen wurde, weil man ſeiner langen Anhaͤnglichkeit an ſeinen Herrn nicht miß⸗ trauen konnte. Er ſtattete ſo oft Bericht von dem Gefangenen ab, als Forbes bei ſei⸗ ner oftermaligen Ruͤckkehr auf ſein Schloß ihn nach demſelben fragte. Die Zeit ſeiner Freilaſſung ließ ſich nicht beſtimmen. Malcolm erkrankte. Auf den Bericht von ſeinem Uebelbefinden erwiederte der Baronet: „Duns, gieb dem Kranken, was ihm dient, ſtirbt er dann, ſo iſt's meine Schuld nicht, und ich kann denken, der Himmel hat die Erde von einem Nichtswuͤrdigen befreien wollen, dergleichen noch allenthalben, wie giftige Pilze, wachſen.“ 4 31 Vor ſeiner Krankheit ſchon hatte der Laird das Herz Mackertin's zu beſtechen und ihm Mitleid einzufloͤßen gewußt, in⸗ dem er es dem Diener recht begreiflich machte, welch ein unverzeihliches Unrecht er an ihm veruͤbte und wie die MWitſchuldige waͤren, die ſich zu Werkzeugen einer fortge⸗ ſetzten Rache mißbrauchen ließen. Malcolm aber ſtellte ſich viel kraͤnker, als er wirklich war, und an einem Abende, wo ihm Duns Mackertine das Eſſen brachte, ſagte er zu ihm mit ſchwacher, bebender Stimme: Mackertine, ich fühle es, daß dieſes die letzte Nacht meines Lebens iſt. Morgen wirſt Du mich todt auf dem Lager finden. Meinen Feinden verzeihe ich, die mir großes Unrecht thaten. Du haſt es guͤtig und menſchlich mit mir gemeint, Du warſt es, der mir eine ſchwere Buͤrde ertraͤglicher machte. Ich weiß es ſelbſt nicht, wie ich Dir dafür genug danken ſoll. Da liegt 32 mein Koller, in der linken Taſche deſſelben findeſt Du einen Beutel mit Goldſtuͤcken, nimm ihn heraus, wenn ich todt bin, und ſiehe ihn als Dein Eigenthum an. Waͤre ich frei und könnte mit meinem Gute be⸗ liebig ſchalten, ſo gaͤbe ich Dir ſo viel, daß Du nicht nöthig hätteſt, ferner um Brodt einem Herrn zu dienen und beſonders nicht einem ſolchen, der da macht, daß die See⸗ len ſeiner Leute zur Hoͤlle fahren. Nun geh, und laß mich allein, daß ich mich unge⸗ ſtört zum Tode vorbereite.“ Als Duns am folgenden Morgen früher wie gewöhnlich und auch in der Ab⸗ ſicht wieder kam, um ſich des verſprochenen Geldes zu bemächtigen, fand er den Laird, mehr zu ſeinem Verdruſſe, als zu ſeiner Freude, noch lebendig, munterer und ge⸗ ſtarkter, als er ihn am Abend verließ. Malcolm rief ihm mit ſtaͤrkerer Stimme entgegen:„Gott hat in dieſer Nacht ein Wunder an mir gethan! Ich glaubte zu ſterben und ſiehe, ich lebe und fühle mich beſſer! Aber ich haͤtte den Tod dieſem verwuͤnſchten Leben vorgezogen. Da, nimm meinen Beutel mit Geld, er gehoͤrt Dir, ich habe ihn Dir verſprochen. Ach, Duns, wenn Du bedaͤchteſt, daß Du Deinen Herrn von der Hoͤllenſtrafe retten kannſt, wenn Du mir Gelegenheit zur Flucht ver⸗ ſtatteſt; daß ich Dich auf das beſte meiner Laͤnder verſetzen will, ohne daß Du Pacht zahlſt; oder daß ich Dir heimlich ſo viel Geld geben will, als Du verlangſt, daß mein Dank größer ſeyn ſoll, als der Dienſt, den Du mir erweiſeſt, kannſt Du noch an⸗ ſtehen, mich aus der Gewalt eines unge⸗ rechten Baronets zu retten? Du mußt es, wenn Du an einen Richter und an eine Ewigkeit glaubſt. Fordert Dich nicht Dein Herz zum Beiſtande eines Unglücklichen ur. 3 34 auf? Und wiſſe, auch Thaten, die der dickſte Schleier des Geheimniſſes umhuͤllt, kommen ans Licht, und welcher Lohn wird dann der Deine ſeyn? Es kann kein Ver⸗ brechen ſeyn, die Vergehungen des Naͤchſten gut zu machen.“ Duns hatte den Beutel mit dem Gelde in der Hand, welchen ihn der Laird uͤber⸗ reichte, er wog ihn und fand, daß er nicht leicht war. Malcolm verſprach, ihm das Zehnfache zu geben und ſetzte hinzu:„Was bedarf es denn weiter als eines Seils, mit dem ich mich vom Thurme in einer finſtern Nacht hinablaſſe und Deiner Fuͤh⸗ rung bis auf einen ſichern Weg außerhalb des Schloſſes, und Du haſt eine edle, ein⸗ traͤgliche That verrichtet! Kannſt Du zoͤgern, ſie zu vollbringen?“ Schweigend ging Duns mit dem ge⸗ 35 ſchenkten Gelde hinweg, um Mittel zu er⸗ finden, die groͤßere Summe zu verdienen und von aller Verantwortlichkeit frei zu bleiben. Endlich, als ihm Malcolm feier⸗ lich gelobte, daß er in Edinburg kein Wort verlauten wollte, wer der ſey, der ihn ſo gewaltſam behandelt haͤtte, kam er nach mehrern Abenden mit dem Seil zum Laird und beſtimmte die Stunde, in welcher er ſich vom Thurme herablaſſen, und wo er ihn zum Begleiter dienen wollte, nachdem er ſich's abermals ſchwoͤren ließ, daß dem Baronet kein Haar gekruͤmmt werden ſollte. Forbes war in Berkonlitte, um wichtige Berathſchlagungen mit dem Graf Murray anzuſtellen, als der Laird durch Duns Mackertine ſeine Freiheit erhielt. Am Mor⸗ gen machte Duns, um ſeine Unſchuld zum Scheine zu behaupten, einen gewaltigen Lärin im Schloſſe, daß der Laird heimlich 36 entwiſcht ſeyo. Er bot Reiter in Menge auf, die den unbekannten Gefangenen, wie er Malcolm nannte, nachſetzen, einholen und ihn der Verhaft wieder uͤberliefern ſollten. Zugleich ſchickte er einen Eilboten nach Berkonlitte zum Ritter Forbes und ließ ihm ſagen, daß der Laird durch die Huͤlfe eines treuloſen Verraͤthers entwiſcht ſey Dieſe Nachricht erſchreckte den Baronet gar ſehr.„Wenn ich nun auf meine Sicherheit nicht bedacht bin,“ ſagte er,„ſo iſt's um mein Leben geſchehen! Wer den Guͤnſtling eines Großen beleidigt, das wird wie eine Kraͤnkung geraͤcht, die ihm ſelber widerfuhr. Das Geſetz verdammt mich. Wer mag der Bube ſeyn, der den Gefangenen erloͤſete und mich in die Lebens⸗ gefahr ſturzte!“ Ohne Aufenthalt eilte Forbes nach ſei⸗ nem Schloſſe zuruͤck, um ſein baares Geld 37 zuſammenzuraffen, ſich in das Gebirge zu⸗ ruͤckzuziehen, und wenn er fuͤr ſeine Sicher⸗ heit Alles fuͤrchten mußte, entweder zu Waſſer oder zu Lande zu entfliehen. Ver⸗ zweifelt und troſtlos fand er insbeſondere ſeinen Duns, als dieſer ihm erzaͤhlte, wie er am Morgen den Thurm leer und ein Seil fand, das an demſelben bis zur Erde hinabhing. Alle Diener wurden vor den Baronet gefordert, aber keiner von ihnen war es eingeſtaͤndig, daß er einem ſremden Gefangenen den Weg aus dem Thurme gezeigt haͤtte. Nachdem Forbes dem alten Duns die Aufſicht uͤber ſein Schloß und ſeine Leute auf eine ungewiſſe Zeit anver⸗ trauet hatte, ergriff er die Flucht, und das Roß des Knechtes, den er mit ſich nahm, war mit ſchwerem Gelde beladen. Aber ſchon nach drei Tagen erkannte es Duns, daß der Laird ſeinen Eid ge⸗ brochen und es nicht verſchwiegen hatte, daß ihn Forbes gefangen nahm. Die Strafe folgte dem Verbrecher auf dem Fuße und Duns war vor Schmerz, Reue und Angſt außer ſich, daß er um Geld der Verraͤther ſeines Herrn geworden war. Er verfluchte das Geld und die That.„Ja,“ ſagte er,„dieſer Laird iſt der Undankbarſte, er iſt ein gewiſſenloſer Bube, dem ſelbſt das Heiligſte nicht heilig iſt. Statt ihn loszulaſſen, hätteſt du ihm einen Dolch in die Bruſt jagen muͤſſen. Welche Schande, welche Verachtung wird dich treffen, und haſt du nicht die Pein der Hölle verdient? Zu welch einer Handlung hat dich das Geld verleitet, die nicht ſchaͤndlicher erdacht werden kann.“. Hätte er nicht die Hoffnung gehabt, daß ſich Forbes retten, ſeinen Feinden entgehen, und daß er ſelber, als ein Treuloſer, un⸗ 39 entdeckt bleiben wuͤrde, er wuͤrde ſich augenblicklich das Leben genommen haben. Malcolm kam in Edinburg an, und ſo wie er war, bleich und abgezehrt, ließ er ſich dem Koͤnige vorſtellen. Ohne eine beſondere Aufforderung nannte er den Baronet, der ihn gefangen nahm, und trug auf ſeine Beſtrafung an. Im Herzen des Koͤnigs war Forbes, ohne vorhergegangene Unterſuchung, das Todesurtheil geſprochen und es ſollte an ihm vollzogen werden, ſobald man ſich ſeiner bemaͤchtigte. Der Kardinal Beautoun war der feſten Mei⸗ nung, daß man dergleichen Verbrechen auf's haͤrteſte ahnden muͤſſe, um dem Adel, der ſich in keine geſetzliche Ordnung fuͤgen wolle, zu ſchrecken. Wenige Stunden nach Malcolms Ankunft wurden Garden ausge⸗ ſandt, die den Befehl erhielten, daß ſie den Baronet Forbes todt oder lebendig bringen 40 gen ſollten. Man ſorgte zugleich dafuͤr, daß ſein Vergehen allgemein bekannt wurde und ſetzte auf ſeinen Kopf eine große Be⸗ lohnung. Es fand ein Jeder, daß er des Todes ſchuldig ſey, und daß er dazu beigetragen hätte, dem Koͤnige den Adel noch verhaßter zu machen. Als man den Baronet auf ſeinem Schloſſe nicht fand und nur erfuhr, daß er gefluͤchtet ſey, kehrten die Garden nach Edinburg zuruͤck. Seine Guͤter wurden eingezogen und ſeine ſämmtliche Diener⸗ ſchaft erhielt den Abſchied. Duns trauerte im Herzen unbeſchreiblich, daß er an dem Ungluͤcke vieler Leute Schuld war, die durch ihn ihren Unterhalt verloren hatten und in den Verdacht geriethen, an dem Vergehen ihres Herrn Theil genommen zu haben. Nach Verlauf von etlichen Wochen wurben ſie eingezogen, verhoͤrt, und die, 41 welche dem Baronet gedient hatten, als er Malcolm gefangen nahm, ſperrte man auf eine ungewiſſe Zeit in Gefaͤngniſſe. Duns behielt ſeine Freiheit, aber das groͤßere Geld⸗ geſchenk was ihm Malcolm verſprach, zahlte er ihm nicht aus. Da er's von ihm ſelbſt trotzig forderte, ſagte der Laird zu ihm: „Sey zufrieden, Deine Schande iſt theuer genug bezahlt. Wer ſeinen Herrn verräth, der iſt ein Verbrecher. Mein Fuͤrwort hat Dich von der Strafe frei gemacht.“ Nach einiger Zeit fand man Duns Mackertine auf dem Wege nach Stirling zwar lebend, aber mit toͤdtlichen Wunden bedeckt. Seine Braut in Stirling, welche von ſeiner Ver⸗ rätherei gehört halte, wies ihm die Thuͤr und hatte fuͤr ihn keine Liebe mehr und kein Mitleid. Auf Befehl des Koͤnigs wurden nach allen Gegenden des Gebirges hin Bewaff⸗ 42 nete geſchickt, welche ſich der Perſon des Baronets bemaͤchtigen ſollten. In den Haͤfen wurde geboten, keinem Unbekannten, bei der groͤßten Strafe, zu ſeiner Entfer⸗ nung von der ſchottiſchen Kuͤſte behuͤlflich zu ſeyn. Wochen verſtrichen, als mehrere Geruͤſtete eine Pferdeſpur bemerkten, die in ein dickes Gebuͤſch fuͤhrte, hinter dem ſich die nackten Scheitel hoher Felſen erhoben. Sie verfolgten den Pfad und kamen vor einer geraͤumigen Hoͤhle an, in der ſie nicht allein Nahrung fuͤr Menſchen, ein Lager von Moos, ſondern auch Futter fuͤr Roſſe fanden. Dies brachte ſie auf die Vermuthung, daß hier der verborgene Auf⸗ enthalt des Baronets ſey. Sie banden ihre Roſſe ſeitwaͤrts im Gebuͤſch an und ließen ſie graſen, ſie ſelbſt aber verbargen ſich mit Schwertern im Hintergrunde der dun⸗ keln Höhle und Einige in der Naͤhe der⸗ ſelben. Als die Daͤmmerung eintrat und 43 der Mond die Gegend hell erleuchtete, hoͤrten ſie plotzlich das laute Wiehern ihrer Roſſe, zugleich aber erblickten ſie auch zwei Reiter, welche ſtutzten und ſtille hielten, Jetzt kamen ſie raſch angeſprengt und der Eine von ihnen ſagte ſo laut, daß ſie's hören konnten:„Kempeltille, was iſt das? Vielleicht willkommener Beſuch, mein Duns! Vielleicht auch nicht. Ziehe auf jeden Fall Dein Schwert, wenn ſich hier Knechte ver⸗ ſammelt halten, die uns greifen wollen. Ihnen will ich mein Leben theuer ver⸗ kaufen.“ Als der Baronet ein Weilchen vor der Hoͤhle gehalten hatte und nichts bemerkte, ſtieg er vom Roſſe, nahete mit gezogenem Schwerte der Hoͤhle und rief hinein:„Wer lebendig in feindlicher Abſicht hier iſt, der wird todt herauskommen!“ In demſelben Augenblicke ſah er ſich von vier ſtarken 44 Menſchenarmen umklammert, ſo daß er zu ſeiner Rettung keine Bewegung machen konnte. Er fluchte und donnerte, er wand ſich mit gewaltiger Kraſt nach allen Seiten hin, aber ſich frei machen, das konnte er nicht.„Baronet,“ ſprach der Eine, der ihm das Schwert entwunden und es auf den Boden geworfen hatte,„ſtraͤubt Euch nicht vergebens, wenn Ihr nicht augen⸗ blicklich des Todes ſeyn wollt. Ein Ruf, und unſerer Sechs kommen herbei, die Euch niederhauen.“. Sein Diener, von der Gefahr abgeſchreckt, verließ ſeinen Herrn, den er ohne Rettung verloren glaubte und wich, um ſich den Verfolgern nicht zu uͤber⸗ liefern, mit den Roſſen in den Wald zuruͤck. Die gegenſeitigen Kraͤfte im Kampfe waren ſehr ungleich und der Baronet, welcher ſeine Feinde auf alle Weiſe reizte, daß ſie ihn toͤdten ſollten, mußte ſich ihnen 45 als ein Gefangener ergeben. Er gelobte ihnen große Schaͤtze fuͤr ſeine Losloſſung und die heiligſte Verſchwiegenheit, aber ſie blieben unbeſtechlich.„Ihr habt Drei von unſern Kameraden abgeſchlachtet,“ ſagte der Eine,„darum haben wir auch mit Euch kein Erbarmen. Will der Richter Ench ſchonend behandeln, ſo mag er's, wir aber muͤſſen Euch ihm uberliefern.“ Ohne ein Wort zu verlieren„ folgte Forbes mit gebundenen Haͤnden den Gar⸗ den. Am nachſten Nachmittage wurde er ſo durch die Straßen von Edinburg nach dem koͤniglichen Schloſſe hingefuͤhrt, in ein feſtes Verwahrſam eingeſperrt, das man mit einer ſtarken Wache beſetzte. Schnell verbreitete ſich das Geruͤcht ſeiner Gefan⸗ gennehmung und Niemand zweifelte an ſei⸗ ner Hinrichtung. 46 Als er vor die Richter zum Verhor gefuͤhrt wurde, fand er auch den Koͤnig und Malcolm in dem Saale. Er nahm das Wort zuerſt und ſagte:„Erſpart Euch das viele Fragen und mir das Ant⸗ worten, ich erkenne mich ſelbſt des Todes ſchuldig. Waͤre ich weniger menſchlich ge⸗ weſen und haͤtte dieſen Malcolm in dem Augenblicke niedergeſtoßen, wo ich ihn ge⸗ fangen nahm, ſo haͤtte ich eine gute That gethan, ſie blieb unentdeckt und unbeſtraſt. Ich liebe das Leben nicht, darum ſchaudert mich auch nicht vor dem Tode. Aber glaubt es mir, ich bin der letzte Feind derer nicht, welche den Adel unter die Fuͤße treten wollen, es werden Andere nach mir aufſtehen, die es beweiſen, daß in der Bruſt der Edlen das Ehrgeſuͤhl, die Frei⸗ heitsliebe nicht erſtorben iſt, und wehe, wehe dann denen, die ſich jetzt nicht war⸗ nen laſſen! Nur um die Gnade jlehe ich, 47 laßt mich nicht lange im Kerker ſchmachten, damit Malcolm deſto fruͤher zum Beſitz meiner Guter gelangt. Er mag ſo lange auf denſelben ſchwelgen, bis ein anderes Schwert, das fuͤr ihn geſchliffen wird, ſeinen Nacken trifft. Nun, Koͤnig, gewaͤhrt mir die Erfuͤllung dieſer Bitte! Um Schottland, ſo glaube ich, haͤtte ich einen beſſern Lohn verdient, wenn ich mit einem Schlage die niederwerſen konnte, die es mit Euch und dem Vaterlande nicht red⸗ lich meinen, die von fremdem Marke zehren, im Truͤben ſiſchen und bei einer geſetz⸗ loſen Unordnung am meiſten zu gewinnen hoffen.“ Der Koͤnig ſchwieg, Malcolm warf auf den Baronet wuthende Blicke hin und der Kardinal nahm das Wort und ſagte: „Ihr habt Euch das Urtheil ſelbſt ge⸗ ſprochen und es ſoll an Euch vollzogen 48 werden. Eure ſonſtigen Drohungen und alberne Prophezeibungen verlachen wir, ſie machen es uns nur begreiflicher, welchen Zuͤgel man dem Adel anlegen muß, um ihn zu baͤndigen und ſeinen Nacken unter die buͤrgerliche Ordnung zu beugen. Wenn Krieg und Flamme ein Land verwuͤſtet, das kuͤmmert Euch nicht, Euch iſt's genug, auf die allgemeine Zerſtörung Eure einge⸗ bildeten Rechte zu bauen, die ſich Eure Vorfahren erwarben, deren Eures Gleichen nicht wuͤrdig ſind. Ihr moͤchtet jeden Arm laͤhmen, der das Staatsruder fuͤhrt, und da den Regenten ſpielen, wo Euch die Stelle eines Unterthans angewieſen iſt. Leben und Freiheit habt Ihr verwirkt und Beides muͤßt Ihr verlieren. Wohlan, ſchickt Euch an, bald vor dem Richter zu er⸗ ſcheinen, der Mord und Ungehorſam haͤrter beſtraft, als es die menſchlichen Richter ver⸗ moͤgen. Was Euch gebuͤhrt, wird Euch die 49 Gerechtigkeit des Koͤnigs ohne Eure Bitte gewaͤhren.“ Nach Verlauf von einem Monat wurde dem Baronet, am Abend vor ſeiner Hin⸗ richtung, das Todesurtheil bekannt gemacht. Er vernahm es mit einem Laͤcheln in der Miene, als ob ihm eine frohe Botſchaft mitgetheilt wuͤrde, und ſagte:„Einen groͤ⸗ ßern Gefallen, als den, daß mich meine Richter zum Tode verdammten, konnten ſie mir nicht erweiſen, und ich ſage ihnen da⸗ fur beſondern Dank. Was Andere ein Uebel nennen, das gilt mir für eine Wohl⸗ that. Eine Bitte habe ich noch, daß man meine beſten Sachen meinem treueſten Die⸗ ner Duns Mackertine ſchenkt, den ich nicht anders mehr belohnen kann.“ „Duns Mackertine,“ ſagte der Richter, „iſt Eurer Dankbarkeit am wenigſten werth, UI. 4 50 und ein treuloſer Knecht verdient die wohl⸗ thatige Liebe ſeines Herrn nicht. Wißt, er gab dem Laird Malcolm das Seil in die Haͤnde, an dem er ſich vom Thurme herab⸗ ließ, er zeigte ihm den Weg, um allen Nachſtellungen zu entgehen. Darum iſt er von aller Schuld frei geſprochen. Hat er aber ein Herz mit Gefuͤhl, ſo muß ihn dieſes martern.“—„Und,“ erwiederte Forbes,„wenn ſich Duns auch an mir ſtraͤflich vergangen hat, ſo will ich um einer boͤſen That willen, nicht Rache an ihm uͤben Wo iſt ein Leben ohne Flecken! Meine Großmuth wird ihn vor aͤhnlichen Fehltritten bewahren. Viel Gutes hat er mir erwieſen, und ich fuͤhle es, daß ich ihm ein dankbares Andenken an ſeinen Herrn ſchuldig bin. Man erfulle das Wort eines Sterbenden, wie das heiligſte, und gebe ihm meine beſten Sachen.“— Der Schlaf des Baronets war in der Nacht ein ruhiger, 51 nur erwachte er fruͤher, wie gewoͤhnlich, und kleidete ſich an. Er wies alle Neu⸗ gierigen von ſich; er wollte keine Augen ſehen, die ihn mit Mitleid oder Rache an⸗ ſahen. Dem Gebete und dem ernſten Nachdenken ſollten ſeine letzten Stunden geweiht ſeyn. Unerwartet bald traten die Gerichtsdiener in das Gefängniß, um ihn zu ſeiner Hinrichtung abzuholen. Feſten Schrittes ging er durch die bewaffnete Reihe und man ſah keinen Zug von Angſt und Furchſamkeit auf ſeinem Geſichte. Als er aber am Ende derſelben, den Laird Mal⸗ colm gewahr wurde, der ihm ſagte: „So ſtraft der Koͤnig Verbrecher,“ da er⸗ wiederte er:„Wenn jeder Verbrecher nach dem Geſetze gerichtet würde, ſo hättet Ihr laͤngſt Euern Kopf verloren. Vielleicht geht Ihr auch bald den Todesweg, und auf eine andere Weiſe, wie ich.“ Auf der Gerichtsſtelle rief er laut:„Ich habe die Strafe, die ich leide, verdient; aber das Gefühl der Gerechtigkeit reizte mich zur un⸗ erlaubten That!“ Ein allgemeines Bedauern folgte dem Baronet, welches ſein gefaßtes und männ⸗ liches Betragen in allen Seelen erweckte. Die Gemuͤther zuͤrnten auf die Haͤrte der Richter, und verwuͤnſchten den Laird Mal⸗ colm als die Urſache, daß Einer ver Edeln, auf deſſen Geiſt und Kraft man bei ſchwie⸗ rigen Unternehmungen rechnen konnte, ge⸗ fallen war. Wenn das allgemeine Murren auch nicht zum Ausbruch kam, ſo trug dieſe Hinrichtung doch dazu bei, die Ge⸗ muͤther noch mehr gegen die Regierung zu erbittern. Mehrere hatten dem Laird den Tod geſchworen, ihrer Ahndung ſollte er nicht entgehen, und er ſelbſt erfuhr es, daß man ihn aufgreifen wollte, wenn er wieder nach Doventale gehen, und dort ſein zuͤgel⸗ 53 loſes Weſen fortſetzen wollte. Er kam nie aus der Naͤhe des Koͤnigs, in der er ſich ſicher glaubte. Als aber Duns Mackertine erfuhr, daß ſein guͤtiger Herr auf dem Blutgeruͤſte ge⸗ ſtorben war, und daß er ihn durch ſeine Verraͤtherei dahin gebracht hatte, da verlor er auf eine Weile ſeine Beſinnung, und raſete vor innerm Schmerz. Er hatte ſei⸗ nen Verſtand wieder erhalten, als ihn ein noch haͤrterer Schlag traf. Nach des Ba⸗ ronets letzter Verordnung, die ihm bekannt gemacht wurde, ſollte er die beweglichen Sachen deſſelben als ein Eigenthum in Empfang nehmen. Es wurde ihm zugleich geſagt, wie großmuͤthig ihm ſein Herr ver⸗ ziehen haͤtte. Als er dies hoͤrte, da ſchlug er, einem ſinnloſen Verzweifelten gleich, die Haͤnde uͤber dem Kopfe zuſammen, und rief mit brullender Stimme aus:„Der 64 Laird, der mich zum groͤßten Verbrechen reizte, iſt an mir zum Betruͤger geworden, und der Baronet, deſſen Liebe und Güte ich mit Fuͤßen trat, uͤberhaͤuft mich mit Wohlthat! Nein, ertrage das, wer ver⸗ mag, ich kann es nicht!“ Ohne daß man den Troſtloſen und Verwirrten halten konnte, ſtuͤrzte er aus dem Zimmer. Als man ihm nacheilte, da⸗ mit er nicht Hand an ſein Leben legen ſollte, fand man ihn auf einer ſchroffen Fel⸗ ſenklippe ſtehend. Auf den erſten Ruf, da man ſeinen Namen nannte, ſtürzte er ſich mit zum Himmel gerichteten Händen von der ſchauderhaften Höͤhe hinab. Zerſchlagen und todt fand man ihn am Fuße der Klippe. Durch dieſe Todesart, welche Duns ſich ſelber anthat, tilgte er gleichſam die Schande ſeines Lebens. Ein allgemei⸗ nes Bedauern folgte ihm nach, das den 55 Haß gegen Malcolm vermehrte, der wort⸗ bruͤchig war, den Diener taͤuſchte, und eine ungebuͤhrliche Rache an dem Herrn nahm, welcher ihm das Leben ließ, das er ihm in jedem Augenblicke nehmen konnte. Allen Edeln aber war es hoͤchſt auf⸗ fallend, daß ſich unter dieſen und aͤhnlichen Ereigniſſen, welche vorgingen, die den Haß des Koͤnigs und des Kardinals gegen den Adel deutlich bezeichneten, und ſeinen Unwillen immer hoher ſpannte, Jakob von Bothwell zur königlichen Parthei hielt, da ſein Vater doch verbanntwar, und Angus von Douglas, ſein Schwager, den vaterländiſchen Boden nicht betreten durſte, wenn er ſich nicht der ſichern Lebensgefahr blos ſtellen wollte. Die Sucht, ſich an Murray auf's empfinblichſte zu rächen, war es, die ihn das beſondere Wohl des Adels vergeſſen ließ, und ihn antrieb, es mit den königlich Geſinnten 56 und vorzuͤglich mit dem Kardinal zu hal⸗ ten. Er wurde dem König naher bekannt, der ihn, ſeines Geiſtes und ſeines Herzens wegen, in gleichem Grade ſchätzte, und eine vortheilhafte Eroberung an ihm gemacht zu haben glaubte. Das Geſpräch kam einſt ſogar auf Murray und Glami, und der König ſagte:„Es war ein trugeriſches Spiel, was die Graͤfin Dougals mit mir und ihrer Tochter trieb. Angus war im Hintergrunde, er dachte, indem er mich von dem Throne meiner Ahnherrn ſtieß, mich auf den der Liebe zu ſetzen. Seine hoch⸗ muͤthige Abſicht errieth ich bald, ſie iſt ver⸗ eitelt, und er dafuͤr beſtraft. Wehe ihm, wenn ſein Fuß je wieder ſchottiſchen Boden beruͤhrt! Seiner Rache muß ich zuvorkom⸗ men, und die Mittel ſeiner Macht zu ſchwaͤchen, das iſt mein Befehl, mein Ziel. Ja, ich geſtehe es, es gab eine Zeit, die ſich im Alter einer unbeſonnenen Jugend 57 wohl findet, wo ich mit ganzem Herzen an Glami hing; aber als ich es wohl be⸗ merkte, daß ihre Liebe nicht die reinſte war, daß ſie mich nur fuͤr das Werkzeug hielt, um zu der erſten Frauenwuͤrde des Landes zu gelangen, da wich ich verachtend und kalt von ihr zuruͤck. Sie hat mir Hartes geſchrieben, an das mein Ohr nicht ge⸗ wöhnt iſt, das ſie auch im Unmuth uͤber unerfuͤllte Hoffnungen ſich nicht erlauben durfte; ob ich ihr das für's ganze Leben verzeihen kann, das iſt die Frage. Werde ich von meinen Kundſchaftern recht berichtet, ſo lagt auch Ihr eine Weile in den Banden ihrer Liebe. Eure Stelle erſetzt jetzt der Graf Murray. Man ſagt mir uͤberhaupt, daß alle Wege nach Doventale gebahnte ſind, weil die Feinde der guten Ordnung dahin⸗ und zuruͤckziehen. Welchen Antheil ſie an den Aufruhrsplanen nimmt, die dort geſchmiedet werden, auch das wird mir 58 verrathen werden. Wie es kömmt, daß ich ſie jetzt haſſen kann, wie ich ſie einſtens liebte, das weiß ich nicht, doch iſt es ſo. Dem Heinrich Murray, welcher in Ein⸗ verſaͤndniß mit ihr lebt, bin ich feind, wie ein Eiferſuchtiger gegen ſeinen Neben⸗ buhler. Daß Glami mir zuͤrnt, das iſt mir wohl bekannt, ſie hat um ſich treuloſe Menſchen, die jedes ihrer Worte weiter ſagen, ſie iſt meine Feindin, und da glaube ich, wer ſich wie Murray zu ihr geſellt, ſich mit ihr ehelich verbinden will, den kann ich fuͤr meinen Freund nicht ach⸗ ten. Der Hochzeitsfeier koͤnnte leicht ein Hinderniß in den Weg geſchoben werden, daß ſie verzoͤgert oder ganz aufhebt.“ Der Koͤnig entfernte ſich auf einen Augenblick, er hatte einen Befehl ertheilt und fragte Jakob Bothwell:„Wie ſteht Ihr denn mit Heinrich Murray? Ich 59 weiß, Ihr waret ſonſt die beſten Freunde.⸗ —„König,“ erwiederte Bothwell,„das waren wir; aber Glami iſt die ſchuldige oder unſchuldige Urſache, daß wir uns feindlich von einander trennten. Es kann kein Vergehen ſeyn, wenn ich aufrichtig ge⸗ ſtehe, daß ich dieſe Glami von zarter Kind⸗ heit an liebte. Nur Monden ſind ſeitdem verſtrichen, daß ich ſie um ihre Hand bat, da ich ihr Herz ſchon zu haben glaubte. Sie ſchreckte mich unſanſt und ploͤtzlich aus dem Schlummer meiner ſuͤßeſten Hoff⸗ nungen auf und erklaͤrte ohne Schonung, daß ſie mich nie, nie zum Gatten wählen werde. Als ich wegen argen Verdachts in Edinburg gefangen gehalten wurde, verlobt ſich Murray mit ihr. Schier muß ich glauben, daß er fruͤher mit ihr vertrauten Umgang unterhielt. Falſchlich hat mich der vermeinte Freund beſchlichen und mir das theuerſte Gut geraubt, was ich in die⸗ 60 ſer Welt beſaß. Kein Menſch mit Herz und Gefuͤhl muͤßte ich ſeyn, wenn ich ihn ferner lieben koͤnnte, ja, in mir lodert das Feuer der Rache; aber meine Liebe gegen Glami iſt noch nicht ganz erkaltet. Koͤnnt ich ſie aus Murray's Armen reißen und ſie an meine Bruſt druͤcken, fuͤrwahr, ich wuͤrde es thun. Ein Maͤdchen laͤßt ſich beſchmeicheln, es iſt leicht verfuͤhrt, und ſo edel ihre Seele denkt, ſie vermag ſich nicht immer ſelbſt zu beherrſchen.“—„Was wollt Ihr mit dieſem Murray, der Euch ſo ſchaͤndlich hinterging?“—„Meine Rache an ihm kuͤhlen, ihn fuͤr ein Unrecht zucht⸗ gen, weshalb ihn kein Geſetz beſtraft.“— „Aber,“ fuhr der Koͤnig fort,„noch blendet Euch die Liebe gegen Glami, ſonſt koͤnntet Ihr ein Vergehen, was ſie an Euch ver⸗ übte, nicht ſo leicht verzeihen. Mich, das iſt mir nun nur zu klar, hat ſie nur aus Eitelkeit und Rangſucht geliebt, wie 61 haͤtte ſie ſonſt ihr Herz ſo leicht an einen Graf verſchenken koͤnnen! Glaubt mir, es fließt in ihr kein gutes Blut, wie in ihrem Bruder, und haͤtte ſie ſo die Macht, wie ſie den Willen hat, vom Throne wuͤrde ſie mich ſtuͤrzen und ſich darauf ſetzen. Nein, Bothwell, da denke ich anders, wie Ihr.“ Am Hofe zu Edinburg machte ſich der junge Bothwell Freunde und am meiſten war ihm der Kardinal gewogen. Dieſer liſtige Prieſter bot Alles auf, um ihn auf ſeine Seite zu ziehen, weil er mit ihm alle die vornehmen Jünglinge für ſeine Parthei gewann, welche Jakobs Freunde waren. Die Gelegenheit zur Rache gegen Murray, die ſich Bothwell ofter ſo gunſtig zeigte, benutzte er nicht, theils weil der Haß gegen den Nebenbuhler den letzten Fun⸗ ken einer Liebe fur ihn noch nicht ausgelöſcht halte, vorzuglich aber, weil er's erfahren hatte, daß Murray ſeltener in Doventale war, und man deshalb vermuthen mußte, daß ſein Verhältniß zur Glami nicht mehr das zaͤrtliche, innige war und vielleicht gar ein Bruch zwiſchen den Beiden eintrat. Ging er aber feindlich auf Murray los, ſo konnte die Lady ſein rachſuͤchtiges Be⸗ tragen leicht mißbilligen und ſich mit vollem Herzen dem wieder nahen, den ſie um ihretwillen gehaßt und verfolgt ſah. Der Graf von Bothwell war es, welcher es durch den Kardinal zu bewir⸗ ken wußte, daß die Graͤfin von Douglas im ungeſtoͤrten Beſitze ibres Vermögens blieb, daß Malcolm die Aufſicht uͤber ihre Unterthanen und Guͤter nicht wieder erhielt, und daß ſie dem redlichen Laird Burleigh uͤbertragen wurde. Dieſer bewohnte eins der Douglasſiſchen Schlöſſer und führte, im Namen und auf Befehl des Königs, — 63 die Regierung des Ganzen. Gerechtigkeit, den. Da der Laird Burleigh, der ein Freund des alten Grafen von Bothwell bis zu der Zeit war, wo er ſich an die koͤnigliche Parthei anſchloß, von wo an Herburn allen Umgang mit ihn aufhob, ſo liebte er doch ſeinen Sohn Jakob noch immer, den er von ſeiner Geburt an kannte. Wie kraͤftig der junge Graf auf den Kardinal wirkts, als er die Guͤter der Douglaſſe verwaltete, das hatte ihm der Kardinal ſelbſt geſagt. Er war öſter in Doventale, wurde oͤfter von der Graͤfin dahin eingeladen, die ibn ehrte und ein unverſtelltes Vertrauen zu ihm hegte. Durch den Laird erfuhr ſie's und ihre Tochter, wie edelmüthig der beleidigte Jakob gegen ſie handelte, wie beſorgt er Güte und Schonung waren ſeine Tugen⸗ 64 fuͤr ihr Beſtes war, das ruͤhrte ſie, dafuͤr wußten Beide ihm im Herzen Dank.“ Jakob von Bothwell beſuchte ſeinen väterlichen Freund, den Laird Bürleigh, einzig in der Abſicht, um es von ihm muͤndlich zu erfahren, wie es eigentlich mit der Liebe zwiſchen Murray und Glami ſtehe. Die Hoffnung, je mit ihr verbun⸗ den zu werden, hatte er laͤngſt auſgegeben; aber Alles, was ſie betraf, hatte immer noch großes Intereſſe fuͤr ihn. Ohne daß er's ſelbſt wußte und ſich's geſtehen mollte, liebte er ſie noch in einem ſo hohen Grade, daß keine Jungfrau für ihn Reiz hatte und daß er ſich zur Wahl einer Gattin nicht hätte entſchließen koͤnnen. Immer noch golt ſie ihm fuͤr das Ideal der Schonbeit und Tugend. Er fand nichts Verdammliches mehr an ihr und wußte es zu entſchulvigen, daß ſie ſich in das Bund⸗ 65 niß mit Murray einließ, das Strafbare deſ⸗ ſelben rechnete er nur ſeinem ehemaligen Freunde an. Mit Liebe und Freude wurde er auf dem Schloſſe Kirway empfangen, was in dem Gebiete der Grafen von Douglas lag, wo der Laird Burleigh ſeinen Wohnſitz aufge⸗ ſchlagen hatte, der es ſehr wohl wußte, was Jacob that, um ihn zum Oberauf⸗ ſeher zu machen. Gegen dieſen Beweis der Achtung und des Vertrauens, den ihm Jakob gab, war er nicht undankbar. Er umarmte den Graf mit väterlicher Liebe, bezeigte aber auch ſeine Verwunderung uͤber den unverhofften Beſuch. Der Laird fragte nach den erſten Begruͤßungen:„Bringt Ihr mir etwa Verhaltungsbefehle von Edinburg? Verfahre ich zu gelinde oder zu ſtrenge? Will man die Herrſchaft einem andern uͤbertragen? Wenn ich auf meinem m. 5 66 Poſten nicht die Geſetze der Gerechtigkeit und Billigkeit ferner ausuben kann, ſo lege ich ihn gern nieder. Eines ſchimpflichen Vergehens bin ich mir nicht bewußt. Ich glaube ſo gehandelt zu haben, daß Freund und Feind mit mir zufrieden ſeyn muß. Man laſſe die Graͤfin Douglas ſelber reden und ſie wird der Wahrheit die Ehre geben muͤſſen, daß ich, unter uns geſogt. kein Malcolm bin.“ „Laird,“ erwiederte Jakob,„ich habe keine Auftrage an Euch, ich kann Euch ſo⸗ gar betheuern, daß man die Art und Weiſe, wie Ihr hier Euern Poſten verwaltet, achtet und billigt. In eigener Sache, eine ſon⸗ derbare Herzensangelegenheit moͤchte ich ſie nennen, komme ich zu Euch. Wie ich mit Glami Douglas ſtand und wie ich jetzt mit ihr ſtehe, das iſt Euch wohl bewußt. Hat ſie ihr Herz an Murray, aus innerer Nei⸗ gung, ohne Ueberredung und angewandte Liſt, verſchenkt, hat mir es Murray geraubt, ich will es nicht entſcheiden; aber das Eine moͤchte ich wiſſen, ob er ſie oft beſucht, ob man Anſtalten zur Hochzeit macht, ob Glami's Liebe ohne Verminderung gegen ihn fortbeſteht.“—„Da fragt Ihr mich zu viel,“ erwiederte der Laird,„darauf kann ich keine befriedigende Antwort geben, das vermag die Ladi nur allein, und wenn Ihr ſelber kaͤmt, ſie ließe ſich das von Euch nicht abfragen. Was ich aber von ihr und Murray mit Augen und Ohren geſehen und gehoͤrt habe, das ſollt Ihr mit treuem Wahrheitsſinn erfahren. Kommt naͤher, tuht Euch aus, Ihr ſeyd ſcharf geritten, die Schweißtropfen perlen Euch von der Stirn. Laßt Euch Erquickungen reichen, Hier giebt's den älteſten Malwaſier und den hat mir die Graͤfin aus ihrem Keller egeſchiat. Seht, ſo gut meint ſi's mit mir. Ich denke, dem, der von einer Laſt ſchwer niedergebeugt wird, muß man keine groͤßere Buͤrde auflegen.“ Burleigh faßte Jakob unter den Arm, fuͤhrte ihn in ein Zimmer, wo ſeine Gattin und beiden erwachſenen Toͤchter, bluͤhende, wohlgebildete Jungfrauen, zugegen waren. Er verneigte ſich ehrerbietig, ſie ſtanden auf und Geſpräche, was ſich unter ihnen entſpann, ſagte Mechtild, des Lairds Gattin, zu ruͤhmen hören; aber Eins iſt mir bisher in Eurem Charakter raͤthſelhaft geblieben, viel⸗ Ich mag es nicht leiden, wen ich bei vor⸗ zuglichen Tugenden, die ich an Menſchen wahrnehme, Flecken bemerke, die das helle Licht des Schoͤnen und Guten verdunkeln. erwiederten eben ſo hoͤflich ſeinen Gruß. Im Jakob:„Als einen unſerer tapferſten und ſittlichſten Juͤnglinge habe ich Euch immer leicht geſallt es Euch, es mir zu loͤſen. — —— 6. Oſt ruͤhrt das Schwache und Fehlerhaſte, was man von den beſten Menſchen ſagt, nur von Irrthum und Tauſchung her, und daß man ſie nicht richtig verſteht. Bemerkt es, Graf Bothwell, gleichguͤltig ſeyd Ihr mir nicht, was früge ich ſonſt darnach, ob Ihr mehr gut oder boͤſe waͤret, denn vom Erſtern haͤtte ich keinen Nutzen und vom Letztern keinen Schaden.“ „Redet nur frei heraus, Lady. Wenn ich's ſelber kann, gebe ich Euch Beſcheid. Es iſt mir nicht gleichgultig, ob eine ver⸗ ehrte Frau mehr oder weniger von mir yält, als ſich's gebuͤhrt.“—„Ihr waret fruͤher kein Freund von der koͤniglichen Parthei, da ſie Euch nicht beleidigt hatte und ſeyd es doch jetzt, da Ihr eine lange Weile in Edinburg eingekerkert ſaßet. Das iſt ein Widerſpruch in der Hand⸗ lungsweiſe, die ich nicht deuten kann.“— 4 70 „Einer der Edlen, der meine ganze Liebe, mein ganzes Vertrauen hatte, taͤuſchte mich ſchaͤndlich. Verhaßt war's mir, ein Glied der Parthei zu ſeyn, der er angehoͤrte, dar⸗ um trennte ich mich von ihr und verband mich mit ſeinen Gegnern. Wozu dem König aus Eigennutz und Hochmuth zu⸗ wider ſeyn, der das Land regieren und handhaben ſoll! Wer es nicht gelernt hat, ſeinen Privatvortheil dem Beſten des Allge⸗ meinen aufzuopfern, der iſt ein ſchlechter Buͤrger, er heiße Baronet, Laird oder Graf.“—„Der Freund, der Euch taͤuſchte, von dem Ihr Euch trenntet, iſt kein an⸗ derer, als Murray. Gewiß, ich habe recht 3 gerathen. Aber thut Ihr ihm nicht Un⸗ recht? Aus dem Munde der Gräfin weiß ich's ganz gewiß, Ihr ſteht bei ihr ſehr hoch angeſchrieben. Glami redet kein Wort von Euch, aber in ihrer Miene, wenn von Euch geſprochen wird, liegt viel, „ 7¹ wenn ich's in Worte verwandeln koͤnnte, ſo wuͤrde es nicht unguͤnſtig von Euch reden, ſo waͤhne ich. Nur bauet nicht darauf, man kann nicht jedem Worte trauen. Die Frau iſt klug, ſie weiß es wohl, wie mein Burleigh Euch achtet, der ihr das Leben ſuͤß und bitter machen kann, mit dem ſie's nicht verderben will. Ihr ſeyd ein ſonderbarer Juͤngling! Ihr wißt's, daß Euch die Lady nicht zum Gatten wollte und haßt doch den, dem ſie ihre Hand reichte?“—„Nicht darum haſſe ich Murray, aber wenn ich mir's denke, wie er zu ihrem Beſitze kam, das macht mir ihn abſcheulich. Glaubt Ihr, daß ich die Hoffnung aufgeben kann, einſt noch mit ihr verbunden zu werden? Es iſt zwar nur ein leerer Wahn, aber den möchte ich meinen Freund nicht nennen, der ihn mir entriſſe.“—„Fuͤrwahr, ſo treu und feſt als Ihr, hat noch nie ein Juͤnglingsherz 72 Als Jakob den Laird nach Murray fragte, erhielt er folgenden Beſcheid: Nicht allzu oft ſey er in Doventale, doch oͤfter, als jeder andere Hausfreund und Gaſt. Glami begegne ihm mit anſtaͤndiger Höflich⸗ keit, etwas vertraulicher, als ſie gegen an⸗ dere Fremde ſey, doch nicht ſo innig und zaͤrtlich, wie es Geliebte pflegten. Mur⸗ ray ſey dagegen ſehr liebreich, ſchmeichelnd, unterthaͤnig, nicht wie einer, der ein Maͤd⸗ chenherz erobert haͤtte, ſondern es noch er⸗ obern wolle. Ob dies Alles nun wirklich ſo ſey, oder ihm bloß ſo ſcheine, das konne er nicht mit Gewißheit ſagen. Die Mutter habe ihre Toͤchter gefragt, welche Glami bisweilen beſuchten und oͤfter die treffliche Anna Auley bei ihr faͤnden, ob ſie kein Wort Lon BVothwell fallen ließe und dieſe geliebt,“ ſagte Mechtild,„die Goͤtter muͤſſen Euch belohnen!“ — ——————— 73 ſagten aus, daß dieſer Name ihr nie in den Mund kam. Eine gluͤckliche Braut aber ſey ſie ſicher nicht, oft ſeufze ſie, oft ſtaͤnden ihr Thraͤnen in den Augen, ſie rede gern von geliebten Verſtorbenen und ſage, eine Wohlthat ſey der Tod, der uns⸗ von der Laſt eines beſchwerlichen Lebens befreie. Als Jakob die beiden Töchter fragte, ob Glami ſich wirklich ſo gebehrde und dieſe Reden gefuͤhrt hätte und dieſe es bejahten, fuhr Bothwell auf:„Ich muß Glami ſehen, ich muß ſie ſelber ſprechen, vielleicht gelingt es mir, ſie zu beruhigen. Wie oft, als ſie ein zartes Kind noch war, habe ich ihre Traurigkeit in Freude verwandelt, das wird ſie nicht ver⸗ geſſen haben. Bin ich durch meine Schweſter nicht mit ihr verwandt und darf mon mir den Zutritt verſagen?“ „Jakob,“ ſagte Burleigh zu ihm,„Ihr . ſeyd zu bitzig, zu wenig bei uͤberlegendem Verſtande, bedenkt, dieſer Beſuch kann Euch theuer zu ſtehen kommen. Ob ihn der König billigt? Wißt Ihr's denn nicht, wie er von Glami denkt? Ob Murray's Haß, wenn er davon erfaͤhrt, nicht in offenbare Rache gegen Euch ausbricht? Man muß die Fackel des Zwiſtes nicht unter Liebende werfen, das kann uns jeder Redliche verargen. Wie Ihr von Andern geachtet werdet, das kann Euch auch nicht gleichgultig ſeyn. Ihr thut vielleicht Ver⸗ gebliches und Schaͤdliches, das müßt Ihr unterlaſſen.“—„Laird, wie Eure Vorſicht, ſo rechnet mein Herz nicht. Dem Koͤnig hebe ich meine Freiheit nicht verkauft und er kann mich nicht zwingen, die Perſonen zu haſſen, die ihm zuwider ſind. Ich denke, er iſt gerecht und billig. Ware Murray der Angreifer, ſo wuͤrde er mich gewaffnet finden, und wie ſich dann der Kampf ent⸗ 56 ſchiede, den ich laͤngſt ſchon wuͤnſchte, dafür waͤre er verantwortlich. Aber auf das Urtheil der Welt, wenn ich mit mir ſelbſt eins bin, gebe ich wenig, es hat nie meine Handlungsweiſe beſtimmt, als ich noch ein unbaͤrtiger Juͤngling war. Es hat mich eine unſichtbare Hand ergriffen, ſie reißt mich fort mit einer Macht, der Niemand widerſtehen kann. Es ruft mich eine Stimme, wie aus den Wol kn⸗ der ich gehorſamen muß.“ Ohne weitern Aufenthalt beſtieg Jakob ſein Roß, und verfolgte den Weg nach Doventale. Kurz vor dem Thore von Kirway beſtellte er dem Jaͤger, dem Laird Burleigh zu ſagen, daß er in ſpäter Nacht zuruͤckkehren werde. Der Mond erhob ſeine volle Scheibe ſchon hinter dem Gebirge hervor, als er 36 vor Doventale ankam. Linperbitte, der Thorwart, welcher ihm mit ganzer Seele ergeben war, ließ ihn ein, ohne daß er von der Graͤfin die Erlaubniß dazu hatte. „Giebt ſie mir den Abſchied, daß ich aus Liebe zu Euch, nicht ſtreng an meiner Pflicht hielt,“ ſagte Linperbitte,„ſo nehme ich ihn ohne Murren an. So lange Ihr lebt, werde ich nicht, wie ein alter Bettler, nach Brodt gehen duͤrfen. Graf, Murray darf ich jetzt nicht mehr ſo oft, wie im An⸗ fange, das Thor oͤffnen, ich denke, das yat etwas zu bedeuten. Wenn Ihr noch Wuͤnſche habt, die ſich auf Glami beziehen, vielleicht ſteht Ihr der Ertuͤllung derſelben näher, als Ihr es hofft und glaubt.“— Mit den Worten:„Haͤtteſt Du Wahrheit geredet!“ ritt er raſch uͤber den Schloßbof hin, hielt vor der Thuͤr, ſprang vom Roſſe, trat auf den Flur, klopſte an die Thuͤr, trat hinein und— fand die Graͤfin Dou⸗ 77 glas, Glami, Anna Auley um den Tiſch verſammelt. Er meldete ſich mit den Worten an:„Bin ich auch kein willkom⸗ mener Gaſt, ſo bin ich doch ein freund⸗ licher!“ Als die Anweſenden den Graf von Bothwell erkannten, erſtarrten ſie faſt, da ſie die Veranlaſſung nicht wußten, weshalb er nach Doventale kam. Endlich ſtieß die Graͤfin die Worte aus:„Ihr kommt ſehr ſpaͤt, wir haͤtten Euch nicht erwartet! Eure Erſcheinung muß uns aber um ſo auffal⸗ lender ſeyn, da Ihr Euch ſo lange nicht in Doventale ſehen ließet. Wißt Ihr es noch, mit welchem Ungeſtuͤm Ihr uns das letzte Mal verließet? Im Thore hatte ſich Eure Wuth noch nicht gelegt, und was Ihr da ausſtießet, daß hat Linperbitte wörtlich beſtellt. Haͤtte ich's doch nie ge⸗ glaubt, daß ſich Jakob von Bothwell, der ſehr hart auf mich, das merke ich wohl. zu kränken. Was mein Gemuͤth empoͤrte, Entſchuldigung bei Euch Anſpruch machen kann ich Euch betheuern. Was ich in wißt Ihr nicht, und ich will es Euch nicht ſagen. Rache habe ich nicht geuͤbt. Bin ich Euch aber mit meiner Perſon laͤſtig, ſo Es iſt nicht edel, dem Naͤchſten im Ver⸗ druß ſeine Vergehen vorzuwerfen, um ihn hier manche gläckliche Stunde genoß, ſo weit vergeſſen koͤnnte! Was verbindet Ihr mit Euerm Beſuche fuͤr eine Abſicht?“— Unmuthig erwiederte Jakob:„Graͤfin, ich bitte Euch, ſeht mich nicht als einen Boten an, den man eilig abzufertigen ſucht, weil man ihn bald los ſeyn will. Ihr zuͤrnt das wißt Ihr, und ich glaube, daß ich auf koͤnnte. Daß meine zornige Aufwallung ein Sturm war, der bald vorüberging, das Edinburg zu Euerm Beſten wirkte, das koſtet es Euch nur ein ja, und ich eile da⸗ 79 hin zurück, woher ich kam, von Kirway nach Edinburg.“ Dieſe Worte Jakobs, in denen maͤnn⸗ licher Ernſt und ein gutes Herz zugleich lag, ſtimmten die Graͤfin milder und gů⸗ tiger gegen ihn. Sie faßte ihn bei der Hand, hieß ihn ſich niederſetzen und ſagte: „Ihr muͤßt mir das nicht ſo uͤbel deuten, daß ich ohne Ruͤckhalt gegen Euch redete. Gegen meine Freunde behalte ich keine Er⸗ bitterung im Innern, ſie muͤſſen es wiſſen, wie ich mit ihnen ſtehe. Deß Ihr keine Rache an uns uͤbtet, daß Ihr Euch fuͤr unſern Vortheil, fuͤr unſere Ruhe verwen⸗ detet, das hat uns der Laird Burleigh⸗ ge⸗ ſagt, der Euer Freund iſt. Euer Herz mußte ſich zum Boͤſen umgewandelt haben, wenn Ihr gegen uns haättet anders handeln koͤnnen, als Ihr gehandelt habt. Aber ſagt mir doch, da Ihr der Eſſe ſo nahe ſeyd, 30 wo man die Pfeile ſchmiedet, mit denen man den Adel verwundet, der ſtark und feſt an ſeinen Rechten haͤlt, und ſie ſich nicht rauben laſſen will, was hat man denn uͤber mich und meine Guͤter beſchloſſen? In dem Laird Burleigh hat man mir einen zwar gütigen Aufſeher geſchickt, der nicht ſo herriſch, raͤuberiſch und tyranniſch zu⸗ fährt, wie der Malcolm; aber gleichguͤltig iſt es mir doch nicht, daß ich wie ein Kind, oder wie eine Unſinnige, bevormundet wer⸗ de, und daß er befiehlt, und meine Befehle vereiteln kann. Wann wird dieſer Zwang, dieſe Beaufſichtigung aufyoͤren, die ſich ein Douglas nie haͤtte gefallen laſſen.“— „Das weiß ich nicht,“ erwiederte Jakob. „Hätten wir von weiter nichts, als dem zu reden, was Euch zuwider iſt und Euch verdrießt? Man kann ſich die Buͤrde der Gegenwart erleichtern, wenn man die Bilder einer heitern Vergangenheit in die Seele 8¹ zuruͤckruft. Ihr waret einſt in Doventale ſehr gluͤcklich, ich war es auch, und Ihr haͤttet Euer Gluͤck mit dem einer Koͤnigin nicht vertauſcht. Denkt Ihr noch an die Feſte, an die ſtillern Freuden, die hier un⸗ gerufen ſich einſtellten und im frohen Kreiſe vertrauter Freunde genoſſen wurden? Wie war mir da um's Herz, als ich die rau⸗ ſchenden Spiele der Jugend, ihr Reiten und Jagen, ihre Kaͤmpfe und Waffenubungen verließ, und mit Glami Hand in Hand in den großen Gaͤrten umherſtreifte, und wir die Welt ſo uͤberſchoͤn fanden, und wir keines Menſchen bedurften, und uns ſelbſt genug waren. Dies Leben, ſo waͤhnte ich, ſollte ewig dauern, und in ſeiner Fortſetzung herrlicher, genußreicher werden. Aber ein Geſpenſt verrennte mir die weitere Bahn mit ihr, ſie riß ſich von mir los, ſie trennte ſich von mir, wie von einem Feinde. Ich hatte ſie nie gekränkt! Kein Wort von dem 6 82 Kummer, den ich noch nicht beherrſchen kaun! Man hoͤrt den ungern klagen, dem man nicht zu helfen im Stande iſt, wenn man es moͤchte. Ich will ſchweigen. Was plaudere ich auch von einem ſuͤßen Trau⸗ me, der mich taͤuſchte, der ſich nie verwirk⸗ lichen wird.“ Es entſtand eine lange Pauſe, Nie⸗ mand redete ein Wort. Jakob ſah es, daß Glami mit erblaßter Miene vor ſich nieder blickte, und daß eine Thraͤne uͤber ihre Wange rollte. Er redete ſie alſo an: „Glami, ſeyd Ihr durch Murray auch gluͤcklich? Ich wuͤnſche es Euch, davon iſt der Gott mein Zeuge, der einſt die Wahr⸗ heit und das verborgene Gefuͤhl an—'s Licht bringen wird. Euch ungluͤcklich zu wiſſen, das wuͤrde mich niederſchlagen. Daß ich den freundlichſten Antheil an Euerm Schick⸗ ſal nehme, das kann mir Niemand wehren, * 83 und Ihr moͤgt es glauben. Daß ich aber nicht mit bloßen Worten ſpiele, um mir in Euerm Herzen einen Grad von Gunſt zu erwerben, das werde ich beweiſen, wenn ſich mir die Gelegenheit dazu darbietet, und im bunten Wechſel des Schickſals, wo das Hohe fällt und das Niedere ſteigt, wo ein ſchon zertruͤmmertes Gluͤck noch mehr zuſam⸗ menſtuͤrzt, kann ſich die wohl finden. Da ſollt Ihr ſehen, was ein Jugendfreund vermag, was er zu leiſten, wie er ſich fuͤr Euch aufzuopfern faͤhig iſt. Zuͤrnt mir nicht mehr, wenn ich Euch hart gekraͤnkt habe, Ihr wißt es, im hoͤchſten Schmerze und geſtochen von allen Qualen, ſtoͤßt Mancher unverzeihliche Worte aus, mit denen er es nicht ernſtlich meinte.“ Glami erhob ihren Blick, ſie ſah den Graf an, Wehmuth lag in ihrem Auge, und ein ſanftes Laͤcheln ging in ihrer 34 Miene auf. Mit bebender Stimme ſagte ſie die Worte:„Jakob, es iſt Alles ver⸗ geſſen und vergeben, womit Ihr mich ſo ſchwer beleidigtet! Sicher rechne ich auf Eure Freundſchaſt. Wer kann dem Juͤng⸗ ling zuͤrnen, der auf meinen Jugendpfad die Blumen der Freude ſtreute! Dankend muß ich ewig Eurer gedenken. Aber be⸗ herrſcht Euch ſelbſt, ſucht Euer Gluͤck an der Seite einer Gattin zu finden, die Eurer würdig iſt, das ich Euch nicht ge⸗ waͤhren kann, und jetzt mit aller Neigung nicht gewaͤhren könnte. Wenn ich es weiß, daß Ihr im Innern leidet, muß ich auch trauern. Koͤnnt Ihr Euch mit Mur⸗ ray nicht verſoͤhnen, ſo nehmt doch an ihm keine Rache, das bitte ich von der Liebe, die Ihr zu mir hegt.“ Jakob ergriff Glami's Hand und druͤckte ſie mit groͤßter Innigkeit, indem er 85 ſprach:„Ich werde keine Rache ſuchen! Laͤnger darf ich hier nicht verweilen. Es ſtuͤrmt in mir von maͤchtigen Gefuͤhlen, die ich Euch nicht verrathen darf. Wunderbar ſind des Himmels Fügungen, ſie fuhren uns zu einem Ziel, das wir nicht ahneten. Entzieht mir Eure Achtung nicht, und glaubt an meine Liebe, die in dieſer Rein⸗ heit, in dieſer Zartheit auf Erden nicht mehr gefunden wird. Glami, lebt wohl! Wie und wann wir uns wieder ſehen, das iſt mir ein Geheimniß, und nur dem Auge des Allwiſſenden offenbar.“ Große Thraͤnen ſtuͤrzten aus ſeinen Augen, er verneigte ſich, ging raſch aus dem Zimmer, ſchwang ſich auf ſein Roß und— eilte davon. Als der Thorwart Fragen an ihn that, erwiederte er:„Schweig nur, ich kann nicht reden, mein Herz iſt zerknirſcht.“ Dieſe Worte Jakobs 86 berichtete Linperbitte am folgenden Morgen der Lady Glami wieder, als ſie Anna Au⸗ ley eine Strecke begleitete, die nach ihrem vaäterlichen Schloſſe zuruͤckreiſete. Jakob ritt langſam in der Nacht wei⸗ ter. Statt aber den Weg nach Kirway einzuſchlagen, wollte er einen Beſuch bei der Mutter abſtatten, und auf eine laͤngere Zeit bei ihr bleiben. Er kam in Dunskirk an, als der Morgen graute. Von dem Thorwart erfuhr er, daß ſein Bruder Hein⸗ rich ſeit mehrern Tagen mit ſeiner Familie hier ſey, um der Graͤfin, ſeiner Mutter, Beiſtand zu leiſten, die dem Tode nahe geweſen ware, jetzt aber wieder geneſe. So leiſe, als es geſchehen konnte, ſchlich er ſich in's Schloß, legte ſich nieder und verſuchte es, wiewohl vergebens, einzuſchlafen. Es war ſeine hoͤchſte Freude, daß ſich Glami mit ihm verſoͤhnt hatte, daß ſie es wußte 1 87 wie treu er ſie liebte. Dem Glauben, daß ſie ihm ihre Hand jetzt geben werde, wenn Murray ihm nicht hindernd im Wege ſtaͤn⸗ de, gab er immer mehr Raum. Aber, wenn nicht gewaltſame Mittel angewandt werden durften, auf welche andere und er⸗ laubte Weiſe konnte man die Liebenden von einander trennen? Er machte ſich dieſe Aufgabe, aber loͤſen konnte er ſie mit allem Scharfſinn und Nachdenken nicht. Er lag in halbem Schlummer, als ihm eine Hand ſanft uͤber das Geſicht ſtrich und er plotzlich erwachte. Er ſchlug die Augen auf und erblickte ſeine Mutter, die mit blaſſem Geſicht vor ihm ſtand. „Sehe ich Dich endlich wieder,“ ſagte ſie,„Du finſterer Schwaͤrmer? Faſt wäre ich geſtorben. Soll ich noch Böſes oder Gutes auf Erden erleben, das moͤgen die Goͤtter wiſſen.“ Sie hatte kaum das 88 letzte Wort geſprochen, als ſich die Thuͤr oͤffnete und Heinrich hereintrat. Er hatte zu ſeiner Mutter gehen und fragen wollen, wie ſie geſchlafen haͤtte, und erfuhr es auf dem Gange dahin, daß ſie bei ſeinem Bru⸗ der waͤre, der vor wenigen Stunden ange⸗ kommen ſey. Das erſte Laͤcheln, als er Jakob erblickte, mußte bald dem Ernſte weichen, der aus ſeiner Miene ſprach. Die Mutter fragte ihren juͤngern Sohn: „Koͤmmſt Du von Edinburg? Bringſt Du uns etwa Nachricht, daß abermals ein Edler, dem ein freies, wahres Wort in gerechtem Unwillen entfiel, das Blutgeruͤſt beſteigen muß? Man fuͤhrt offenen Krieg gegen den Adel, und hat keine Scheu mehr, ihn an den empfindlichſten Seiten anzu⸗ taſten. Woher koͤmmſt Du?“ Als Jakob die Fragen beantwortet hatte, und man ſich wunderte, daß er von ————————————— 89 Doventale kam, ſagte Heinrich:„Jakob, Jakob, wie hat ſich Deine Natur veraͤndort, was laͤſſeſt Du vom Schickſal aus Dir machen! Deine Tugend iſt ein ſchwanken⸗ des Rohr, was der Wind hin und her bewegt! Keine Staͤrke, keine Feſtigkeit iſt in Dir, um Deine Selbſtſtaͤndigkeit zu be⸗ haupten. So habe ich mir Dich nie ge⸗ dacht? Was kannſt Du in Doventale wollen, da Du weißt, daß Glami Murray's Braut iſt! Biſt Du dem Freunde, den Du Dir zum Feinde gemacht haſt, nicht heilige Pflichten ſchuldig? Willſt Du Zwiſt und Trennung zwiſchen ihm und ſeiner Braut ſtiften? Welchen Lohn erwarteſt Du, wenn Dir's gelingt?“—„YPah, Schwätzer,“ er⸗ wiederte Jakob mit zornigem Blick,„Du beſchuldigſt mich einer hoͤlliſchen Abſicht, die ich verabſcheue. Nie war ich ſo gut, als Du mich dachteſt, und nie ſo boͤſe, als Du Dir's einbildeteſt. Ein Jeder hat ſein 90 Ziel, nach dem er ſtrebt, und Du wirſt mir den Weg nicht verſperren, der dahin fuͤhrt. Wenn der Bruder gegen den Bruder ſo auftritt, wie Du, ſo ſchlagt er die Liebe nieder.“ „Nicht ſo heftig, Jakob,“ ſagte die Mutter.„Verkenne Heinrichs Gutmeinen nicht. Der innere Mißmuth blendet Dich, daß Du das bruderliche Wohlwollen ver⸗ kennſt.“ „Schweigen moͤchte ich,“ ſagte Hein⸗ rich,„kein Wort mehr mit Dir reden, davon gehen, Dich auf dem Wege nach dem Ziele, das Du Dir gewaͤhlt haſt, Dich uͤberlaſſen; aber eben weil ich Dich liebe, weil ich die Achtung gegen Dich nicht aufgeben moͤchte, darum ſollen mich auch Deine ausge⸗ pßenen Beleidigungen nicht aufbringen. Es Pflicht, den Bruder zu warnen, ihn zu S ergreifen, wenn er voreinem Abgrunde ſteht, wo er und mit ihm ſeine Ehre begraben wird. Kannſt Du es vor Deinem Vater, vor den Edlen, kannſt Du's bei Deinem Gewiſſen verantworten, daß Du ein Ab⸗ truͤnniger von der Parthei des Adels ge⸗ worden und zu der des Königs uͤberge⸗ ſprungen biſt? Was bewegte Dich dazu? ich frage Dich. Wie, wenn Alle Deinem Beiſpiele folgten wuͤrden wir nicht beknech⸗ tet? Ware das der Preis fuͤr die großen Thaten unſerer Eblen, daß wir uns, denen ſie heilige Rechte, eine freie Verfaſſung uͤberlieferten, mit Ketten belaſten ließen und ſie geduldig truͤgen? Wer Boöͤſes nicht verhuͤten kann, der ſoll es nicht befoͤrdern helfen. Biſt Du ein Bothwell, erkennſt Du denn Sinn, die Pflicht nicht, die dieſer Name von Dir heiſcht? Verlaß Edinburg auf immer und kehre dann in unſere 92 Ame zuruͤck. Wer frei geboren iſt, der muß ſrei leben und ſterben.“ „Wie Du doch ſprichſt,“ ſagte Jakob, „als ob Trotzen, Widerſtreben, Aufruhr⸗ ſtiſten die Pflicht des Adels, als ob das Ehre und Freiheit waͤre! Der Konig will nichts Anderes, als den Uebermuth und die grenzenloſe Frechheit einiger Edeln daͤm⸗ pfen, damit Ruhe und Eintracht im Lande gedeihe, damit in dem Reiche neben ſeinem Throne nicht ein anderer beſtehe, auf dem Hochmuth und Zwietracht ſitzt, der den ſei⸗ nen beherrſchen und ihm die Bedingung vor⸗ ſchreiben will, unter der er fortbeſtehen oder einſtuͤrzen ſoll. Einen Schattenkönig moͤchten die Edlen, der ſich, wie die Wetterfahne, nach ihrem Winde dreht. Ein ſolcher will und ſoll er nicht ſeyn. Die Herrſcher in andern Laͤndern ſind Herren, das Volk iſt unterthaänig, regiert dort der wilde, un⸗ — —— — —,— ruhige, zum Aufruhr geneigte Geiſt, wie in Schottland? Sind ihre Völker nicht gluͤcklicher als wir? Wenn der Haß gegen mein Geſchick, wenn das Treiben der Lei⸗ denſchaft mich zur koͤniglichen Parthei ge⸗ ſellte, ſo gehoͤre ich ihr jetzt aus Gerechtig⸗ keitsliebe, aus Grundſatz an. Alle Ueber⸗ redungen ſollen mich von ihr nicht ablen⸗ ken und Du wirſt es ſehen, ich bin kein Rohr, das der Wind hin und her bewegt. Kannſt Du aber mein Bruder mit Liebe und Achtung gegen mich nicht mehr ſeyn, weil wir in unſerm politiſchen Meinen ver⸗ ſchieden ſind, wohlan, ich bin's gewohnt, große Verluſte zu betrauern, ſo wird auch dieſer mich nicht daniederſchlagen.“ Seufzend ſagte die Mutter:„Das alſo wäre der Lohn, daß ich euch mit Schmerzen gebar, daß ich euch nun in die⸗ ſer feindlichen Trennung ſehe? Sie iſt 94 ganz geeignet, auch meine Abneigung her⸗ beizufuͤhren. Bedenkt ihr nicht, daß ich einer ſorgenvollen Wittwe gleiche und wollt ihr mir auch den Troſt rauben, den ich in eurer bruͤderlichen Liebe fand? Euer Vater mag es nicht erfahren, der ver⸗ bannte Mann, in welcher Uneinigkeit ihr lebt, das würde ſeinen Gram vergroͤßern und auch er hat das um euch nicht ver⸗ dient. Jakob, ſo ſcheint mir's, das Recht iſt nicht auf Deiner Seite. Zu Deines Vaters Feinden geſellſt Du Dich!“— „Mag's ſeyn,“ erwiederte er,„ſo will ich ihm meinen Kindesdank doch auf eine thaͤtigere Art beweiſen, als es Heinrich mit allen ſeinen Edeln nicht vermag.“—„Und wie wollteſt Du das?“ fragte die Mutter. —„Ihm zu ſeiner baldigen Ruͤckkehr in Eure Arme behuͤlflich ſeyn,“ erwiederte er. —„Durch Flehen und Bitten,“ ſiel ihm Heinrich ins Wort.„Was dieſem Vater 95 von ſeinen Feinden als Gerechtigkeit nicht zugeſtanden werden muß, das wird er ſicher von ihrer Gnade nicht annehmen, da kenne ich ihn beſſer, als Du. Spare Deine Muͤhe.“ Als Heinrich dieſe Worte gefagt hatte, fuhr Jakob heftig gegen ihn hervor. Die Mutter ſuchte ſein Ungeſtüm zu beſaͤnftigen und gab es ihm deutlich zu verſtehen, wie ungerecht er gegen ſeinen Bruder handele. Jakob ſprang von ſeinem Lager auf, um⸗ guͤrtete ſich mit dem Schwerte und ſagte: „Von dieſem Augenblicke weiß ich's, daß ich in meinem Vaterhauſe ein verhaß⸗ ter Gaſt bin, daß ihr meine Feinde ſeyd, und keine Macht ſoll mich hier laͤnger halten“ Die Mutter faßte ihn am Arm, ſie bat, daß er bleiben ſollte, aber raſch ging er zur Thuͤr hinaus. Auf der Treppe begegnete ihm Heinrichs Gattin, 96 die ihr jungſtes Kind an der Hand fuͤhrte, ſie erkannte ihn ſogleich und redete ihn an, er wuͤrdigte ſie keiner Antwort und ging mit zornigem Blicke ihr voruͤber. Zu Fuß eilte er uͤber den Hof durch's Thor, und befahl vorher ſeinem Diener, ihm die Roſſe auf der Straße nach Evinburg nachzu⸗ fuͤhren.— S Bruder gegeben hatte, die Ruͤckkehr ſeineß Vaters aus der Verbannung zu beſchleuni⸗ gen, wollte er halten. Er fuͤrchtete es nicht, daß der Vater ſeine Freilaſſung, wenn ſie ihm auf eine ehrenvolle Art an⸗ gekuͤndigt wuͤrde, zuruͤckweiſen werde. Nach ſeiner Ankunft in Edinburg nahm er Ver⸗ anlaſſung, zuerſt mit dem Kardinal Beatoun 4 und dann mit dem Koͤnige ſelbſt daruber zu ſprechen.„Ihr werdet Eurer Parthei durch dieſen Beweis Eurer Gnade einen Das Wort, welches Jakob ſeinem 97 Freund mehr gewinnen und manches Ge⸗ muth, das ſeine Verweiſung empoͤrte, be⸗ ſänftigen,“ ſagte er.„Ein Herrſcher ſoll großmuthig ſeyn, und verzeihen koͤnnen, wenn er ſtraſen muͤßte. Dem Kindesher⸗ zen macht dies Freude und fuͤhrt den Vater in ſeine Naͤhe zuruͤck.“ Der Koͤnig wurde von den Bitten Jakobs ſo geruͤhrt, daß er ſagte:„Wißt, daß ich treue Anhaͤnglichkeit belohnen kann. Den Befehl zur Zuruͤckberufung des Grafen von Bothwell will ich ausfertigen laſſen, mit meiner Unterſchrift iſt er morgen in Euern Haͤnden. Vielleicht iſt's dem Vater lieb, wenn er ihn mit einem Beiſchreiben von dem Sohne empfaͤngt. Sorgt, ſo viel Ihr koͤnnt, daß mich dieſer Beweis von Gnade, der das Gebot der Gerechtigkeit mildert, nie gereuet.“ ur.* 98 Dankend ging Jakob von dem Koͤnig, erhielt, wie der verſprochen hatte, das Schreiben und beeilte ſich, es dem Vater zu uberſchicken. Er ruͤhmte die große Guͤte des Königs, ließ ſeinen vorzuglichen Eigen⸗ ſchaften Gerechtigkeit widerfahren und er⸗ klaͤrte ohne Ruͤckhalt, daß es die Schuld des Adels ſey, wenn die Kuft zwiſchen ihm und dem Herrſcher immer groͤßer und die Abneigung bitterer wuͤrde. Wem das Recht ertheilt ſey, zu befehlen, der duͤrfe nicht gehorchen. Es waͤre doch beſſer, wenn ein Herr, von dem Geſetze geleitet, gebiete, als wenn viele kleine Herren, die unter einander ſelbſt uneinig waͤren, ſich befehdeten, ein ganzes Land in unvertraͤg⸗ liche, ſich bekriegende Theile zerriſſen. In der Aenderung der Zeitumſtaͤnde laͤge die Unmoͤglichkeit, daß nicht jeder Graf und Laird Despot in ſeinem Gebiete ſeyn koͤnne, der ſich wie ein Glied zum Ganzen ver⸗ 99 halten muſſe.. Jakob meldete es dem Vater auch, wie falſch und hinterliſtig Murray an ihm handelte, was er dennoch zum Beſten der Graäfin Douglas that, und was ihn beſtimmte, zur Parthei des Koͤnigs uberzutreten. Der Brief Jakobs kam mit dem Be⸗ gnadigungsſchreiben des Königs zu einer Zeit an, wo die Gemuͤther des Grafen von Bothwell und des Grafen von Douglas in einer beſondern Spannung waren. Sie hatten nach Schottland mehrere Briefe abgehen laſſen, in denen ſie den Vornehm⸗ ſten ein wichtiges Geheimniß entdeckten, das ſie erforſcht hatten, und worin ſie ihnen zugleich die Maaßregeln diktirten, welche ſie ergreifen und anwenden muͤßten, um ſich gegen den Hauptſchlag zu ſichern, der den Adel niederwerſen und ihn dem Throne unterthaͤnig machen ſollte. 100 Heinrich VIII., Koͤnig von England, nur von ſeinem Volke gefuͤrchtet und nicht geliebt, war beſorgt, daß die Schotten die feindſelige Stimmung in England benutzen und einen Einfall wagen wuͤrden, um fruͤhere Beleidigungen zu raͤchen, die er ihnen zugefuͤgt hatte. Papſt und Kaiſer waren ſeine Feinde, die in fernern Unter⸗ handlungen mit Jakob V., Koͤnig von Schottland, ſtanden, weil ſie ihn in ihr Buͤndniß, gegen Heinrich ziehen wollten. Von dieſen geheimen Umtrieben erhielt er durch ſeine beſoldeten Spione Nachricht und bot nun Alles auf, um das Ungewitter, das von weitem drohte, zu zerſtreuen. Liſtige, kluge Abgeſandte wurden nach Edin⸗ burg geſchickt, welche es dem jungen Kö⸗ nige begreiflich machen mußten, daß er durch eine Verbindung mit England vor⸗ zuglich und einzig für ſeinen Vortheil ſorge; wollte er dieſe anknͤpfen, ſo lade 101 ihn Heinrich zu einer freunblichen Unter⸗ redung nach York ein. Nach Jakobs Ermeſſen konnte ihm nichts vortheilhafter ſeyn, als der ihm an— gebotene Bund. Von Englands Heer un⸗ terſtuͤtzt, konnte er den Adel bezaͤhmen und ſich unterwerfen, der hie und da Miene machte, in feindlicher Empoͤrung gegen den Thron hervorzubrechen. Heinrichs Eigen⸗ ſinn und rachſuͤchtige Laune auf der an⸗ dern Seite war ihm nicht unbekannt und er ſah es voraus, wenn er in das Aner⸗ bieten deſſelben nicht willigte, daß ihm Heinrich den Krieg ankundigen wuͤrde. In dieſem Falle bedurfte er des Beiſtandes der Edeln, mußte ſie darum erſuchen, weil er ohne ſie keine Armee anwerben und ſie nicht gegen den Feind ziehen laſſen konnte. Wie, wenn ſie ihm das Heer verweigerten, oder im Felde ihre Pflicht nicht thaten? 102 Es konnte dahin kommen, daß er dem Adel Alles verſtatten, ihm groͤßere Rechte einraͤumen uußte, um ſeine Si zu er⸗ kaufen⸗ Alles gegen einander abgewogen, hielt* es Jakob fuͤr nothwendig, den ihm gemach⸗ ten Antrag zu einer Unterredung in York anzunehmen. Sobald der Kardinal Beatoun Kenn⸗„ niß von dem Buͤndniß erhielt, in welches. Jakob mit dem Koͤnige Heinrich teten wollte, verſuchte er Alles, um es zu ver⸗ hindern und dem Koͤnig von Schottland ſelbſt die Reiſe nach York zu verleiden. WMan kannte Heinrichs ſchwankende, religioſe Grundſaͤtze, ſeine Feindſchaft gegen den Papſt und die katholſſche Kirche; man wußte es, wie er die Güter der Geiſtlich⸗ keit eingezogen und ſie auf einen geringen Gehalt geſetzt hatte; er war auf eine Art ein Anhaͤnger der abtruͤnnigen Sekte, die ſich vom Papſtthume trennte, und man fuͤrchtete mit Recht, daß er Jakob, ſeinem Neffen, ein gleiches Neuerungsgift einfloͤßen und ihn zu einem gleichen Verfahren gegen die Geiſtlichen uͤberreden werde. Kam es dahin, ſo verlor die Kleriſey ihre Pfruͤnden und ihr Anſehen, ſo war der Sieg der Cal⸗ viniſten in Schottland uͤber die Katholiken entſchieden, ſo fand der Adel Gelegenheit, ſeinen Abſcheu gegen die Diener der Reli⸗ gion in offenbare Rache ausbrechen zu laſſen. Alles, Alles mußte in Bewegung geſetzt werden, den Koͤnig von York zu⸗ ruͤckzuhalten und ihm das Anerbieten Hein⸗ richs, als ein eigenſuͤchtiges und feindſeliges verdaͤchtig zu machen. Als der Koͤnig mit ſeinen vornehm⸗ ſten Miniſtern von ſeiner Zuſammenkunft 104 mit Heinrich ſprach und die Vortheile her⸗ rechnete, die ihm aus einem Buͤndniſſe mit England erwachſen wuͤrden, da entgegnete man ihm von allen Seiten:„Ihr ſtuͤrzt Eure Perſon in augenſcheinliche Gefahr, wenn Ihr Euch ſo weit in das engliſche Gebiet waget. Was habt Ihr fuͤr eine eine andere Sicherheit, als das Wort eines Mannes, der Alles, was in der Religion heilig und ehrwuͤrdig iſt, mit Fuͤßen tritt. Auf Euern Untergang wird er die Ver⸗ groͤßerung ſeiner Macht bauen. Macht Ihr mit den Erbfeinden des Vaterlandes gemeinſchaftliche Sache, dann wird der Adel alle Schranken der Maͤßigung uͤber⸗ ſchreiten und ein blutiger Buͤrgerkrieg muß davon die unvermeidliche Folge ſeyn. Eng⸗ land zerſtoͤrt Euern Thron und nimmt Euch auf, als einen Flüchling, dem man Gnadenbrodt reicht.“ 105 Die Geiſtlichkeit, um ihren Vorſtellun⸗ gen groͤßern Nachdruck zu geben, trug dem Koͤnig ein Jahrgehalt von funfzig Tauſend Kronen an; gelobte ihm allen erſinnlichen Beiſtand, im Fall es zu einem Kriege mit England kaͤme, und verhieß ihm große Reichthuͤmer, die von den Guͤtern der Per⸗ ſonen, welche der Ketzerei uͤberwieſen und verurtheilt waͤren, in ſeinen Schatz floͤſſen. Jakob ließ ſich durch die Geiſtlichen ſchrecken und beſtimmen, er ging nicht nach York. Heinrich war bereits daſelbſt ange⸗ kommen, er erwartete den König von Schottland, und als ihm dieſer unter einem gunſtigen Vorwande ſein Wegbleiben mel⸗ den ließ, gerieth dieſer in ungeſtume Hitze, und that den Schwur, daß er dieſen Schimpf mit einem blutigen Kriege gegen den König raͤchen wollte, zu dem es ſpäter 106 auch kam, der fuͤr Jakob hoͤchſt verderblich wurde. Waͤhrend dieſe Unterhandlungen unter den beiden Koͤnigen gepflogen wurden, die zur Kenntniß des Grafen Bothwell und Douglas kamen, von denen dieſe glauben mußten, daß ſie die gaͤnzliche Unterdruͤckung des Adels zur Folge hatten, wenn ein ſo mächtiger Allürter auf Jakobs Seite ſtand, boten ſie Alles auf, den Adel die Waffen und den Gebrauch derſelben zu lehren, um dem Verderben zu entgehen, es moöglichſt unſchädlich zu machen, und es auf ine Feinde hinzulenken. Douglas ging mit dem Plan um, insgeheim aus London zu entweichen, und verkleidet nach Schottland zu entfliehen. Hier wollte er die Gemüther zum Gegen⸗ kampfe anfeuern; ſich an die Spitze der — — 107 Unzuftiedenen ſtellen; ſeine Mannſchaft zuſammenraffen, und ſo ein Gegenheer bil⸗ den, das dem König Jakob und ſelbſt der engliſchen Armee die Siege erſchwerte, oder ſie gaͤnzlich vereitelte. In der tumultua⸗ riſchen Verwirrung ging ſeinem Hochmuthe von neuem die Hoffnung auf, vielleicht Koͤnig zu werden. Den Adel glaubte er auf ſeine Seite zu ziehen, wenn er als Be⸗ ſchutzer der Rechte deſſelben auftrat, Hein⸗ rich VIII. als Freund zu gewinnen, wenn er mit ihm in ein Buͤndniß trat. Herburn von Bothwell war in einer unrichtigen Spannung, er verwuͤnſchte ſeine Verbannung, die ihn verhinderte, dem Va⸗ terlande oder vielmehr dem Adel erſprieß⸗ liche Dienſte leiſten zu koͤnnen. Er ſchwankte, ob er bleiben oder eigenmaͤchtig ſeine Verbannungszeit abkurzen ſollte, als der Brief von ſeinem Sohne mit dem kö⸗ 108 5 niglichen Begnadigungsſchreiben in London ankam. Die Nachricht, daß Bothwell die Frei⸗ heit erhielt, daß er nach Schottland zuruͤck⸗ kehren konnte, war unter dieſen Umſaͤnden die erfreulichſte, und ſie ſollte auf der Stelle benutzt werden, weil man glaubte, daß ſie hoͤchſt nutzlich ſey. Deſto nieder⸗ ſchlagender aber waren fuͤr ihn die Eroͤff⸗ nungen, welche der Brief ſeines Sohnes enthielt, und das hitzige Gemuͤth des Gra⸗ ſen Angus, der in ſeinem Schwager einen offenbaren Feind des Adels erkannte, jagte ſie in zornigen Eifer.„Mag er Gnaden⸗ denbeweiſe fuͤr meine Mutter und Schwe⸗ ſter von dem Koͤnig und Kardinal erbettelt haben,“ ſagte Douglas,„ich achte ſie nicht, ſie ſind mit Unehre und Schande verdient. Ein Abtruͤnniger, ein Verraͤther der guten Sache, ein Feind der Glieder ſeines Stan⸗ * 109 des, iſt dieſer Jakob, den man mit Feuer und Schwert vertilgen muß. Der ſollte der Gatte meiner Schweſter werden? Sie hat recht gethan, daß ſie Heinrich Murray und nicht ihm ihre Hand gab!“ Bothwell ſuchte den aufgebrachten Douglas vergebens zu beſaͤnftigen. Die ungluͤckliche Marie ſchwamm in Thraͤnen. Der Verluſt des Vaters war ihr gewiß, an dem ſie eine troͤſtende Stuͤtze fand. Sie fuͤrchtete, da ſie die Lage der Dinge in Schottland kannte, daß er ſein ihr ſo theu⸗ res Leben auf ein gefahrvolles Spiel ſetzen werde. Aus den Mienen und Worten ihres Gatten erkannte ſie es nur zu deut⸗ lich, wie er ſich eben jetzt nach Schottland hinſehnte, und wie es ſein heißeſter Wunſch war, ihren Vater begleiten zu duͤrfen. Sie fuͤrchtete, daß eine Zeit kaͤme, wo alle Ban⸗ de zerriſſen, die ihn in London bei ihr 110 hielten, und daß ſein Eifer, ſeine Leiden⸗ ſchaft, Rache und Hochmuth, ihn auf ein Meer voll Sturm und Wogen hinſchleu⸗ derte, auf dem er ſein Leben für einge⸗ vildetes oder wahres Große wagte. Sie war traurig geſtimmt, und ſagte am Abend vor der Abreiſe ihres Vaters zu ihm:„An⸗ gus, koͤnnteſt Du mich wohl verlaſſen, um Dich in Schottland zu dem mißvergnügten Adel zu geſellen?“—„Bei aller Liebe, die ich zu Dir und den Kindern habe,“ ent⸗ gegnete er,„das könnte ich. Das Vaterland geht mir uͤber Alles, und es hat die erſten Anſpruͤche an meine Dienſte.“—„Aber, es hat Dich des Hochverraths ſchuldig erklaͤrt! Der unzufriedene Adel war es, der Dich ſtuͤrzte; Du erſcheinſt Vielen als ein Ver⸗ brecher! Koͤnnteſt Du auch feindlich gegen England auftreten, wo Du Schutz und Rettung fandeſt? Nich faͤndeſt Du viel⸗ leicht nicht lebendig wieder, ich wuͤrde mich 11¹ um Dich zu Tode grämen.“—„Marie, ſo rede nicht,“ ſprach er,„wenn Du mei⸗ nem Herzen nicht wehe thun willſt. Uebri⸗ gens lehrt es die Erfahrung, wer ſein Thun und Laſſen durch Ruͤckſichten und Bedenklichkeiten beſtimmen laͤßt, der kann nie Großes thun. Raſch und ſchnell, wie ein Pfeil, fliegt der Mann mit Kraft vor⸗ warts, wenn der Entſchluß in ihm ſeſt ſteht, er ringt dem Ziele entgegen und er⸗ reicht es, wenn ihn keine ſiegende Macht uͤberwindet. Doch, was reden wir von eingebildeten Dingen, die Wirklichkeit ent⸗ hält Stoff genug zu unſerer Unterhaltung.“ Der Abſchied Bothwells von ſeiner Tochter und ihren Soͤhnen war ſchmerz⸗ haft. Troͤſtend fagte er:„Es kann wohl geſchehen, daß wir uns zu Dunskirk bald wieder ſehen. Die Zeit geht mit großen Ereigniſſen ſchwanger, wo Ungeglaubtes 112 geboren wird. Beruhige Dich, erhalie nur Dein theures Leben. Du biſt ein edles Weib!“ Als ſich Maria nicht ſogleich uber die Trennung von ihrein Vater beruhigen konnte, ſagte Angus zu ihr:„Warum graͤmſt Du Dich ſo vergebens! Der feu⸗ rigſte Wunſch Deines Vaters iſt durch ſeine Abreiſe nach Schottland erfuͤllt. Deine Liebe, Deine Bitten haͤtten ihn hier doch nicht gehalten. Deine Trauer iſt eine eigennützige. Haſt Du denn mit ihm Alles verloren und bin ich Dir mit Deinen Sohnen nicht auch ein ſchaͤtzbares Gut? Wer nicht Alles beſitzen kann, der muß ſich auch mit dem Wenigern begnuͤgen. Ich beneide Deinen Vater, er kann ſchaffen und wirken; mich aber ſollteſt Du bedauern, daß mir die Hände ſo gebunden ſind und ich zuſehen muß, wenn Andere Herrliches vollbringen, das iſt Pein und Marter fuͤr einen ſtrebſamen Geiſt.“ Herburn von Bothwell ſuchte ſeine Reiſe nach Dunskirk möglichſt zu beſchleu⸗ nigen. Er kam daſelbſt Nachmittags an und es entſtand ein Jubel unter ſeinen Leuten, als man den guͤtigen und geliebten Herrn erkannte. Seine Gattin war ſeit mehreren Tagen abweſend, um ſich in der Geſellſchaft ihres Sohnes Heinrichs und ſeiner Gattin zu zerſtreuen, da ihr die Buͤrde der Einſamkeit, ſeit Jakob ſo feind⸗ lich von ihr ſchied, immer unertraͤglicher wurde Als er mit dem Haushofmeiſter Benedikt allein war, der ihm alles erzahlen mußte, was ſich waͤhrend ſeiner Abweſen⸗ heit zugetragen hatte, fragte dieſer, der ein naher Vetter des treuen, redlichen Cunert war:„Habt Ihr von Cunert nichts ge⸗ hoͤr? Er beging ein ſtraͤfliches Verbrechen, II. 8 114 aber in der Hitze, und Gott wird ihm die Schuld verzeihen; aber ſein groͤßeres Ver⸗ gehen iſt, daß er ſich der obrigkeitlichen Strafe entzog. Sein irdiſches Leben war ihm lieber als die Seligkeit. Doch dauert er mich im Herzen.“—„Cunert,“ ſagte der Graf,„folgte mir nach London nach, dort lebt er bei dem Graf Augus. Nie darf er den Boden ſeines Vaterlandes wit⸗ der betreten. Aber, verrathe mich nicht.“ — Benedikt war hoch erfreut und gelobte) Verſchwiegenheit. Am meiſten wurde von Jakob geredet und Benedikt ſagte, daß die feindliche Spaltung zwiſchen ihm und dem Graf Heinrich bloß daher ruhre, daß er die Parthei des Adels verlaſſen haͤtte und zu der des Koͤnigs übergetreten ſey.—„Ja, ₰ ja,“ ſagté Herburn,„das iſt auch ein Fehltritt, den ich ihm nicht verzeihe. In⸗ 11⁵ deß bin ich gewiß, daß er die Stimme des Vaters nicht uberhoͤren, und ſich dem Adel wieder anſchließen wird. Was er von Heinrich Murray hoͤrte, daß er ſich in das Herz Glami's eindrängte, und auf ſeinen Freund keine Ruͤckſicht nahm, das verdachte er ihm ſehr, wiewohl er ſich freute, daß zwiſchen ſeinem Sohne und der Lady die Verbindung nicht zu Stande kam. Daß Jakob vielleicht aber auch deshalb es mit den koͤniglich Geſinnten hielt, um ihm die fruͤhere Zuruͤckrufung aus der Verbannung zu bewirken, daſuͤr dankte er ihm im Herzen. An demſelben Abend noch, wo Her⸗ burn allein im Schloſſe war, hoͤrte er es von dem Haushoſmeiſter und Jaͤger, daß unter den Edeln eine große Bewegung herrſche, daß man Krieg mit den Englaͤn⸗ dern, und durch dieſe die Unteriochung 116 des Adels fuͤrchte. Es ſey zwiſchen den beiden Koͤnigen Heinrich VIII. und Ja⸗ kob V. eine Zuſammenkunft in York ver⸗ abredet, wo daruͤber verhandelt werden ſollte, dem ſchottiſchen Zepter eine unum⸗ ſchränkte Macht zu ſichern. Man fuͤrchte, der preſſenden, niederdruͤckenden Gewalt keine tauglichen Waffen entgegenſetzen zu können, und Viele haͤtten es geſchworen, lieber mit der Freiheit, in der ſie geboren waͤren, zu ſterben, als ihre Beknechtung zu uͤberleben. Man zittere vor einem drohen⸗ den Schlage, da alle Mittel nicht hinreichend waͤren, ihn abzulenken. Herburn ſchlief in der Nacht wenig und trat am fruͤhen Morgen die Reiſe zu ſeinem Sohne an. Außer den Gliedern ſeiner Familie fand er noch Argyle, Mur⸗ ray mit ſeinem Sohne Heinrich, die Grä⸗ fin Donglas und Glami, den Laird Ken⸗ „ 117 worloch und mehrere Baronets. Als er durch's Thor ritt, ſah er die Geſellſchaft unter den ſchattigen Baumen verſammelt, die vor dem Schloſſe ſtanden. Nur Hein⸗ rich Murray und Glami hatten ſich entfernt, ſie luſtwandelten in dem großen Garten, und ahneten die Ankunft des Both⸗ well nicht. Die Ueberraſchung, den Graf Bothwell zu ſehen, als er in der Naͤhe war, erſchuͤt⸗ terte die Gemuͤther aller Anweſenden, und Alle ofſenbarten, als das erſte Staunen voruͤber war, ihre herzlichſte Freude. Hein⸗ rich hielt insbeſondere den geliebten Vater lange in ſeinen Armen und konnte ihn faſt nicht loslaſſen.„„Du kommſt zur rech⸗ ten Zeit,“ ſagte der Graf Murray,„das Schickſal ſcheint uns die Aufgabe gemacht zu haben, entweder feſter zu ſtehen, oder zu jallen, und es bedarf der erfahrnen Weis⸗ 118 heit und der nachdrucksvollen Kraft Vieler, um ſie zu unſerm Vortheil zu loͤſen. Die Gräfin Douglas uberhaͤufte ihn mit Fragen nach ihrem Sohne, und ſtieß einige Klagen uͤber den Zwang aus, in dem ſie lebte. Er beruhigte ſie mit wenigen Worten und verwies ſie auf die Hoffnung beſſerer Zei⸗ ten. Alle aber brannten vor Neugierde, zu wiſſen, ob er eigenmächtig ſeine Ver⸗ bannung abgekuͤrzt haͤtte, oder ob er die königliche Erlaubniß erhalten habe, fruͤher, als vor Ablauf der vier feſtgeſetzten Jahre zu bekommen. Er erklaͤrte: beſtimmt wiſſe er es nicht, wem er dieſen Beweis königlicher Gnade verdanke, er ſelbſt habe darum keine Sylbe verloren, und muͤſſe es glauben, daß Jakob mit kindlichem Herzen fuͤr ihn ge⸗ ſprochen hätte. Es entfuhr ihm ein tieſer Seufzer und er ſagte:„Haͤtte ich nicht ge⸗ glaubt, eben jetzt meinem Vaterlande nütz⸗ liche Dienſte erweiſen zu können, ſch wurde — 119 London nicht verlaſſen haben. Man wird ſich ſehr irren, wenn man irgend eine Art des Dankes von mir fordert, daß man meine Beſtrafung abkuͤrzte, die ich der Wahrheit wegen leiden mußte. Ich bin ein Schotte, das Blut meiner Ahnen kreiſet in meinen Adern, ich kenne meine Rechte, und werde ſie zu vertheidigen wiſſen; aber nichts, nichts kann mich bewegen, ſie um irgend einen Preis hinzugeben. Was mich in den Tod betruͤbte, das iſt mein Jakob. Was zwang ihn, ſein Dunskirk mit Edin⸗ burg zu vertauſchen? Es muß ihm arg mitgeſpielt ſeyn, daß er dieſen Schritt that, und die haben es zu verantworten, die ihn feindlich oder ſchmeichelnd dazu reizten! Und Du, Heinrich, der Du ſonſt ſo viel uͤber ſeine Beſchluͤſſe vermochteſt, konnteſt ihn nicht zuruͤckhalten? Du lebſt mit dem Bruder in Feindſchaft? Die Schuld des Zwiſtes trifft Euch Beide. Wenn die 120 Edeln ſich entzweien, dann iſt es leicht, ſie zu beſiegen, Einer fuͤhrt die Waffen gegen den Andern.“ Als der Graf noch ſo ſprach, kam Heinrich Murray mit ſeiner Glami aus dem Garten. Sie wunderten ſich gar ſeyr, als ſie ſahen, daß Alle aufgeſtanden waren und in einem Kreiſe ſtanden, in dem ſie eine unbekannte Stimme lauter ſprechen hoͤrten. Sie erblickten einen Fremden, in dem ſie bald den Graf Herburn von Both⸗ well erkannten. Da ſie naher gekommen waren, wandte ſich der Graf zur Glami und ſagte:„Du haſt meinem Jakob eine tiefe Wunde geſchlagen, die ſo leicht nicht wieder heilen wird. Er hat mir's ſelbſt noch London geſchrieben, wie ſehr ſie ihn ſchmerzt. Er iſt ſo gut, er war der Ge⸗ ſpiele Deiner Jugend, und als Jüngling iſt er Dir zuwider? Die Madchen haben 121 doch beſondere Grillen, wenn es zur Wahl eines Gatten mit ihnen kömmt!“— Murray fand, daß in Herburns Wor⸗ ten eine Beleidigung fuͤr ihn lag, und ſagte:„Graf, nennt Ihr das auch eine be⸗ ſondere Grille, daß die Lady mich ſtatt Eures Sohnes zum Gatten waͤhlte, ſo muͤßte ich um eine naͤhere Erklaͤrung bit⸗ ten. Ich bilde mir ein, daß ich der Glami würdig bin, und ohne mich und ſie zu be⸗ leidigen, köͤnnt Ihr das Gegentheil nicht beweiſen.“—„Beweifen will ich nichts, gar nichts,“ erwiederte Herburn mit falten⸗ der Stirn und zuͤrnendem Seitenblick,„nur das eine fuͤhre ich an, daß Jakob Euch bei mir verklagt hat, daß er feſt uͤberzeugt iſt, Ihr hättet ihm die Braut abſpenſtig ge⸗ macht, als er ein Gefangener in Edinburg war. Ob er Euch Unrecht thut, das muͤßt Ihr beſſer wiſſen.“—„Ja, ſo glaubt er,“ 122 entgegnete Heinrich Murray.„Wenn meine Rechtfertigung nichts gilt, ſo fordere ich Glami ſelber auf, das Wort fuͤr mich zu reden.“—„Vielleicht,“ ſagte Herburn, „haben wir von wichtigern Dingen, als von Brautbewerbungen zu reden. Iſt Ja⸗ kob Unrecht geſchehen, glaubt er ſein Recht verletzt, ſo hat ihm der Himmel einen kraͤf⸗ tigen Arm und ein Schwert gegeben, das mag entſcheiden.“—„Das mag entſchei⸗ den,“ ſagte Murray,„Beides fehlt mir auch nicht, und gegen einen Abtruͤnnigen, der die Sache ſeines Standes verließ, trete ich am liebſten in den Kampf. Hier, das ſehe ich wohl, wachſen die Blumen meiner Freude nicht.“ Mit den Worten:„Lebt wohl, Glami!“ ging er davon, ohne von irgend einem Mitgliede der Geſellſchaft Ab⸗ ſchied zu nehmen.—„Der junge Mann iſt ja ſehr empfindlich,““ ſagte Herburn, „und laßt ſich nicht beruͤhren.“—„Das —— 123 iſt er,“ erwiederte der Graf von Murray, „wenn man ſeiner Ehre und ſeinem Herzen zu nahe tritt, und waͤre er es nicht, ſo moͤchte ich ihn nicht zum Sohne haben. Bothwell, laß uns nicht mit einander uͤber unſere Kinder rechten, damit der Friede nicht gebrochen wird, welcher beſonders un⸗ ter uns jetzt beſtehen muß. Die Liebe der Vaͤter kann die Söhne verſoͤhnen, aber ihre Feindſchaft empört ſie noch mehr gegen einander.“ Glami von Douglas entfernte ſich mit der Graͤfin von Bothwell auf eine kurze Zeit aus der Geſellſchaft, und als ſie wie⸗ der kam, ſah man es, daß ſie geweint hatte.„Nun,“ redete ſie Murray an, in⸗ dem er ſie forſchend anblickte,„ich denke, eine Braut, die auf den Fittigen der Hoff⸗ nung getragen wird, hat nur Thraͤnen fuͤr die Freude! Ihr ſcheint mit traurig zu 124 ſeyn.“—„Graf,“ erwiederte ſie, indem ſie heiter zu ſcheinen ſuchte,„wohnt im Leben der Schmerz nicht oft neben der Freude? Ich liebe Euern Sohn, ich achte Jakob von Bothwell, ich muß mich als die Ur⸗ ſache ihres Zwiſtes betrachten, kann mich das auch jetzt froͤhlich ſtimmen?“— „Stille, ſtille, meine Glami,“ ſagte die Graͤfin von Bothwell,„es wird ſich Alles gut enden, und die Feinde werden ſich ver⸗ ſoöhnen. Die Zeit ſtumpft das Schmerz⸗ liche wibriger Erfahrungen ab, und in ihr ſelbſt liegen die Entſchuldigungen, mit denen man den Beleidiger verzeihlich findet.“ In der kurzen Zeit, in welcher Glami mit der Graͤfin Bothwell allein war, hatte ſie's ihr anvertrauet, daß ihr das Rauhe, Hitzige und Gebieteriſche, was ſie in Murray's Charakter entdeckte, von ihm entferne, und daß ihre Liebe zu ihm ſo groß nicht ſey, um dieſe Fehler zu uͤberſehen. Sie ahne es leider, daß ſie in ſeinem Beſitze das Gluͤck nicht finden werde, was ſie geglaubt haͤtte, aber ſie habe ſich's geſchworen, und wenn es ihr das Leben koſten ſollte, in der Beſtaͤndigkeit und Treue gegen ihn nicht zu wanken. Er ſcheine es zu merken, daß ſie ihm nicht mit voller Seele ergeben ſey und es koſte ihr den peinlichſten Kampf, ſein Mißtrauen nicht noch mehr zu begruͤnden. Jakobs erwaͤhne er mit keiner Sylbe. Die Stimmung ihres Herzens, daß ſie nicht ihm ihre Hand gegeben hätte, könne ſie ſich noch nicht deuten, ſie ſey ihr raͤthſel⸗ haft, jetzt aber habe ſie ſeine Guͤte, ſeine Großmuth, ſeine Ausdauer in der Liebe voͤllig uͤberwunden. Wenn ſie nicht durch heilige Pflichten gebunden ſey, ſo fuͤhle ſie ſich ſtark, ihm jedes Opfer zu bringen. Inſtändig bat Glami die Gräfin von 126 Bothwell, das ihr offenbarte Geheimniß Niemanden zu enldecken, weil es die nach⸗ theiligſten Schatten uͤber ihre Geſinnung verbreiten und ſie in dem Lichte eines wandelbaren, leichtſinnigen Weſens erſchei⸗ nen werde, dem kein zu hartes Geſchick be⸗ gegnen koͤnne, was es nicht verdient haͤtte. Die Graͤfin Bothwell ſuchte Slami zu beruhigen, lobte ihre Geſinnung und rieth ihr Klugheit und ein weiſes Benehmen an. DDie Frauen entfernten ſich bald, da die Maͤnner uber politiſche Gegenſtaͤnde zu reden anfingen, die ſie langweilten. Höoͤchſt glüclich war die Gräfin Bothwell uͤber die unerwartete Ruͤckkehr ihres Gatten und ſie ließ ihre Freude laut werden. Selbſt das Geheimniß, was ihr Glami enideckt haite, gab ihrem Gemuthe eine heiterere Stim⸗ 127 mung und liebender nahte ſie ſich der Die Entfernung Glami's mit der Bothwell war Margarethen, der Schweſter Heinrich Murray's, ſehr aufgefallen; noch mehr befremdete ſie's, als die Lady mit ver⸗ weinten Augen zuruͤck kam. Das zärtliche, liebevolle Weſen der Graäfin gegen Glami, beſtatigte einen Argwohn, den ſie gefaßt hatte. Sie ſuchte mit ihr allein zu ſeyn und ſagte:„Glami, Du weißt es, wie ich meinen Bruder uber Alles liebe, wie ſein Gluͤck das meine iſt; Du weißt es, daß ich eine Schweſter nicht zaͤrtlicher lieben kann, wie ich Dich liebe. Wie wuͤrde es mich betruͤben, wenn Du in dem Beſitze meines Bruders die Erfüllung der Hoff⸗ nungen nicht faͤndeſt, zu denen Du ein Recht haſt? Ein Band, das durch den prieſterlichen Eheſegen noch nicht unaufloslich 128 feſt geſchlungen iſt, läͤßt ſich leichter wieder trennen. Die Taͤuſchung, daß uns die Wirklichkeit weniger giebt, als uns der Glaube verheißt, muß oft ſehr theuer be⸗ zahlt werden. Vertraue mir Dein Herz an, mache mich zur Vermittlerin zwiſchen Dir und meinem Bruder. Mag ihm eine tiefe Wunde geſchlagen werden, die Zeit wird ſie heilen; es iſt doch beſſer, als wenn er ein Leben hindurch an Deiner Seite leidet. Kannſt Du ihn nicht ganz lieben, ſo liebe ihn nicht mehr; Du begehſt an ihm eine Suͤnve, fuͤr die Du hart wirſt buͤßen muͤſſen. Rede.“. „Gar keine Antwort ſollte ich Dir eigentlich geben,“ ſagte Glami. Dein Mißtrauen, Dein Verdacht kraͤnkt mich! Sage mir, worauf er ſich grundet?“ Margaretha war aufrichtig und Glami 129 fuͤhlte es, daß ſie in große Verlegenheit gerieth. Zu ihrem Gluͤcke wurde ſie von der Mutter gerufen, die ihr die Abreiſe nach Doventale ankuͤndigte. Die Graſin ſagte beim Abſchiede zum Graf Herburn: „Ihr muͤßt Wort halten, und mich bald beſuchen. Viele, viele Fragen habe ich noch an Euch zu thun, die unſere Kinder in London betreffen, die Ihr nur beantworten konnt.“ Ein großer Theil der Nacht wurde ſchlaf⸗ los zugebracht, weil man Berathſchlagun⸗ gen anſtellte, welche aile auf das Beſte des Adels, ſeine Rechte und Freiheiten, ſeinen Schutz und ſeine Sicherheit hinzielten. Auf dem Tage einer allgemeinen Zuſam⸗ menkunft der Edlen, der näher beſtimmt werden ſollte, wollte man ſich zuerſt über die Mittel verſtändigen, wie die einflußreiche Macht der Geiſtlichkeit bei dem Könige II. 9 130 geſchwaͤcht und der Kardinal ſeines hohen Poſtens, mit Guͤte oder mit Gwalt ent⸗ ſetzt werden koͤnnte. Mit dem groͤßten Nachdruck aber dachte man es den Herren verſtaͤndlich zu machen, wie ſie gegen ihre eigene Ehre, gegen ihren Vortheil handel⸗ ten, wenn ſie ſich laͤnger an die Parthei der Unterdruͤcker des Adels angeſchloſſen hielten, daß ſie ſelbſt an ihrer Ungluͤcks⸗ grube gruͤben, und welche Umwandlung der Dinge auch eintreten möchte, immer der verlictenbe Zheit ſeyn wuͤrden. Herburn von Bothwell einige Lage unter wichtigen Beſchaͤftigungen und vielfachen Beſuchen zugebracht hatte, wan⸗ delte ihn eine ſehnſuchtsvolle Unruhe an, feinen Jakob zu umarmen.. Wenn Jakob in Dunskirk ſey, den er durch einen Expreſ⸗ ſen einladen ließ, wollte er auch feinen näher wohnenden, älteſten Sohn zu ſich 7 131 bitten, um die Bruͤder mit einander zu verſoͤhnen. Mit dieſen gemeinſchaftlich dachte er dann Alles anzuwenden, um Jakob wieder auf die Seite der adlichen Parthei zuruͤckzufuͤhren, die er in einer Art von Verdruß und Unwillen verließ. Es war wirklich ein ruͤhrender Auf⸗ tritt, als Jakob in Dunkskirk ankam, ſei⸗ nem Vater in die Arme ſank, Thraͤnen vergoß, und mit bebender Stimme ſagte: „Vater, waͤret Ihr hier geblieben, ſo hätte ich manches Ungemach leichter ertragen. Ein unerfahrner Sohn geht an der Hand ſeines Vaters den ſichern Weg, der ihn zum Glücke fuͤhrt! Als das groͤßte Ge⸗ ſchenk des Himmels preiſe ich's, Euch wie⸗ der in meiner Nähe zu haben.“ Herburn war erſchuttert. Mit liebevollem und trauerndem Auge ſah er ein Weilchen ſchweigend ſeinen Sohn an und ſagte 132 dann:„Das glaube ich wohl, mein guter Jakob, daß Du Dich nicht auf eine falſche Bahn verirrt haͤtteſt, auf der Du jetzt wan⸗ delſt, wenn ich hier geblieben waͤre; aber, Du kannſt ſie verlaſſen, ein begangenes Unrecht laͤßt ſich wieder gut machen. Ge⸗ gen die rathende Stimme des Vaters warſt Du niemals taub, und in der wichtigſten Angelegenheit, die Deine Ehre, meine Liebe und Achtung gegen Dich betrifft, wirſt Du ſie nicht uͤberhoͤren, ſo viel Herz und Ver⸗ ſtand traue ich Dir zu. Aber davon laß uns jetzt nicht reden. Herburn ſprach mit ſeinem Sohne von der politiſchen Lage Schottlands, von dem Koͤnig, dem Fardinal, der fuͤr den Adel druͤckenden Macht der Geiſilichkeit und einer Umaͤnderung der Dinge, die nur auf eine ſtuͤrmiſche Weiſe herbeigefuͤhrt werden koͤnne. Er erfuhr es von Jakob 133 beſtimmt, daß er es war, dem er ſeine fruͤhe Zuruͤcktufung aus der Verbannung verdankte, und er bat den Vater, gegen dieſen Beweis koͤniglicher Milde nicht gleich⸗ guͤltig zu ſeyn, und dem Koͤnig dafuͤr per⸗ ſönlichen Dank zu bezeigen. Darauf er⸗ wiederte Herburn:„Wenn Du meine fruͤhere Ruͤckkehr in's Vaterland zu einer Zeit bewirkteſt, wo ich ihm erſprießliche Dienſte thun kann; wenn Andere nur die Erlaubniß dazu gaben; wenn man ohne Dich nicht an mich dachte, ſo glaube ich, daß ich nur allein an Dich meinen Dank abtragen muß. Ich denke auch, daß man durch dieſe Erlaubniß nur ein Unrecht gut gemacht hat, was man an mit beging, und daß ich der beleidigte Theil bin. Nach Edinburg ſollte ich gehen, mich hoͤflich beu⸗ gen, mich demuͤthigen, danken, daß man nicht aͤrger mit mir verfuhr, nein, das kann ich nicht, und wenn man auch ſagte, daß 134 man einem Unwuͤrdigen eine Wohlthat er⸗ wieſen hätte! Du weißt es, wie ich denke, meine Grundſätze ſind unerſchuͤtterliche, nicht Guͤte noch Haͤrte koͤnnen ſie umaͤn⸗ dern. Treue Anhaͤnglichkeit habe ich mei⸗ nem Stande geſchworen, und die will ich behaupten, ſo lange ein Athemzug in mir iſt. Wenn ich nicht ehrenvoll ſtehen kann, ſo will ich ehrenvoll fallen, dann ruht auf meiner Gruft keine Schande. Siehſt Du, ſo denkt Dein Vater, koͤnnte ich Dir dieſen Geiſt auch einflößen, er iſt es, der unſere Freiheit, unſere Rechte beſchuͤtzt, und die Sclavenketten zerſchlaͤgt, die unſere Feinde fur uns ſchmieden.“ Auf die Einladung des Vaters kam auch Heinrich von Bothwell am Abend in Dunskirk an. Die Bruͤder erwieſen ſich in der Gegenwart ihrer Eltern die gewoͤhn⸗ liche Hoͤflichkeit, und ſagten einander kein 135 feindliches Wort, aber daß ſie die alten, herzlichen Freunde nicht waren, das merkte man doch.“ „Das Aergſte, was meine Abweſenheit von Schottland geſtiftet hat,“ ſagte Her⸗ burn zu ſeinen Soͤhnen,„iſt die Entzweiung, die unter Euch Statt findet. Sie eben iſt es, die mich ſo tief betrubt. Macht mit einander Friede, gebt Euch das Herz, die Haͤnde wieder, und laßt meine Bitte nicht umſonſt an Euch gethan ſeyn.“— „Heinrich hat mich ſchwer gekraͤnkt, er hat die Bruderpflicht verletzt“ ſagte Jakob, „aber, Vater, auf Euer Wort will ich Alles vergeſſen und vergeben.“—„Wer dem Andern am haͤrteſten fiel,“ entgeg⸗ nete Heinrich,„das ſoll hier nicht zur Entſcheidung kommen. Unter einer Be⸗ dingung erklare ich mich zur Verſöhnung auch bereit, ſonſt aber nicht, es iſt nicht 136 anders moͤglich.“—„Und die waͤre?“ fragte Herburn.—„Daß Jakob,“ erwie⸗ derte Heinrich,„Edinburg meidet, der Parthei, die er ergriffen hat, abſchwört, und wieder auf unſere Seite tritt. Koͤnnte ich mit Einem, der uns feindlich gegen⸗ uber ſteht, der ſeine Erhebung in unſerer Erniedrigung ſucht, der frei zu ſeyn glaubt, wenn wir Sclaven ſind, in offene, treue, redliche Freundſchaft treten? Was ich an jedem Edlen tadle, kann ich das an mei⸗ mem Bruder ruhmlich finden? Vater, ent⸗ ſcheidet Ihr, ob ich Recht oder Unrecht habe.“—„Heinrich,“ ſagte der Vater, „Du haſt Recht. Fuͤr eine jugenbliche Uuebereilung will ich es gelten laſſen, die oft zu großen Fehltritten verleitet, daß Du Dich zur königlichen Parthei geſellteſt; aber ich bitte Dich, tritt zuruͤck, wenn Du nicht auch mit mir in Widerſtreit gerathen willſt.“ Herburn machte ein finſteres Ge⸗ 137 ſicht.—„Vater,“ erwiederte Jakob,„das kann ich nicht. Mich knuͤpft die Pflicht des Dankes und der Achtung an den Koͤ⸗ nig. Daß ſeine Sache keine ungerechte iſt, davon bin ich uͤberzeugt. Hochmuth und Mißtrauen des Adels iſt der Grund alles Bwiſtes. Wo Einer Herrſcher ſeyn muß, da muͤſſen nicht Mehrere Koönige ſeyn wollen. Das Rechte wird ſiegen. Ich bin kein unverſtaͤndiges Kind mehr, das ſich durch Drohungen oder Schmeicheleien auf die eine oder auf die andere Seite locken läßt. Kann ich Eure und meines Bruders Gunſt nicht auf dem Wege erhalten, der mir der rechte erſcheint, ſo muß ich darauf ver⸗ zichten.“ Herburn mußte ſeinen Zorn unterdru⸗ cken und ſagte:„Laßt uns von dieſem Ka⸗ pitel nicht mehr reden, es emport mein Gemuͤth. Einen Feind des Abels haͤtte ich 138 alſo in Dir erzogen? Das iſt ſchrecklich! Soll ich mir den Tod oder ein läͤngeres Leben wuͤnſchen, ich weiß es nicht! Waͤre es nicht Pflicht, das Aeußerſte zu thun, damit ich Dir und mir die groͤßere Schande ſpare, daß ich Dich in engem Verwahrſam halte, damit Dein Fuß die Schwelle des koͤniglichen Schloſſes nie wieder betritt?“ —„Vater,“ ſagte Jakob mit ruhiger Faſſung,„thut an mir, was Ihr fur Recht erkennt; iſt Eure Macht groͤßer, als die meine, ſo muß ich es dulden. Der Kerker wird in meinen Grundſaͤtzen keine Aende⸗ rung hervorbringen, ich bleibe wer ich bin. Es thut mir ſchmerzlich leid, daß wir in unſern Urtheilen ſo verſchieden denken, daß Ihr das fuͤr Recht erkennt, was ich miß⸗ billigen muß. Seyd dem Geſetz und dem Koͤnig unterthan, mehr will ich nicht, und aller Zank und Zwiſt, der Schottland von jeher zerruͤttete, hort auf, und das Land 1 139 genießt den Frieden und eine Sicherheit, die es ſonſt nicht begluͤcken wird.“— „Gehoͤrt denn eine ſo kurze Zeit dazu,“ ſagte Herburn zornig,„ein freies Gemuth in ein ſclaviſches zu verwandeln? Du biſt kein Bothwell, kein Graf, ein Knecht biſt Du, meiner und Deiner Ahnen nicht wuͤr⸗ dig! Unertraͤglich iſt mir Deine Naͤhe, hebe Dich weg, Dein Anblick empoͤrt mich. Wenn Du die unedle Geſinnung abgelegt, wenn die Reue uͤber die Schande, der Du Dich uͤberlieferteſt, Dich ergriffen hat, dann kehre wieder, nicht eher. Koͤnnle ich es Dir mit den Zinſen zuruͤckgeben, daß Du Dich bei dem Koͤnig fuͤr mich verwandteſt, ich wurde es thun! Eine Wohlthat, die der Vater von einem ſolchen Sohne annimmt, iſt ihm verhaßt.“—„Wohlan, Ihr weiſet dem Sohne die Thuͤr, er geht und wird nicht wieder kommen. Wer aber recht und tügch gehandelt hat, das wird die Zukunft 140 entſcheiden. Haßt mich nur, ich kann Euch dennoch lieben.“ Die Mutter hielt Jakob am Arm, als er ſich entfernen wollte, ſie bat ihn mit Thraͤnen, zu bleiben; aber Herburn ſagte: „Laß ihn los, ein Menſch ſeiner Art, und iſt er auch ein Sohn, ſoll unter dem va⸗ terlichen Dache keine Herberge finden.“ Jakob blutete uͤber die Haͤrte des Va⸗ ters das Herz; aber ſeine Liebe, ſeine Verzeihung konnte er nicht auf eine Weiſe gewinnen, die er fuͤr eine verbrecheriſche hielt. Es war ihm auf dem Poſten moͤg⸗ lich, ohne daß er falſch und treulos war, dem Adel große Dienſte zu erweiſen, und vielleicht konnte er auch viel Ungemach von der Graͤfin Douglas abwenden, was ihr zugedacht war, und was er nur, wenn 14¹ er ſein Verhaltniß gegen den Konig feſthielt, zu mildern vermochte. Ekinſt, als Jakob dem König begegnete, der von der Schloßtreppe herab kam, und mit dem Laird Malcolm in den großen Garten gehen wollte, redete ihn dieſer alſo an:„Habt Ihr Euern Vater nach ſeiner Ruͤckkehr von London verändert gefunden? Iſt er derſelbe geblieben?“—„Wie meint Ihr das?“ fragte Jakob den Laird,„die Frage iſt doppelſinnig.“—„Ich wuͤnſche es ſelbſt zu wiſſen,“ ſagte der Koͤnig.— „Die Zeit ſeiner Abweſenheit war eine zu kurze,“ erwiederte Jakob,„als daß eine merkliche Veraͤnderung mit ihm vorgegan⸗ gen ſeyn konnte. In ſeinem Alter ſcheint man derſelbe zu bleiben, und es tritt in dem menſchlichen Weſen eine Art von Stillſtand ein.“—„Ich meine,“ ſagte der Konig,„ob er noch ſo feindlich gegen die 142 Anordnungen der Regierung denkt. Seine Ruͤckberufung, dachte ich, ſollte ihm gerech⸗ tere und mildere Geſinnungen einfloͤßen.“ —„Feindſelige hat er gewiß nicht,“ ant⸗ wortete Jakob.—„Nein, und was ſagt er denn dazu, daß Ihr in Edinburg ſeyd?“ —„Koͤnig, Ihr wißt es, daß es einge⸗ fleiſchte Grundſaͤtze giebt, die man feſthält, die man keiner Pruͤfung unterwirft, welche man ſich nicht abſtreiten laͤßt. Mich aber ſoll keine Macht zwingen, je undankbar ge⸗ gen die königliche Gnade zu werden. Die Treue, welche ich Euch geſchworen habe, werde ich redlich halten.“—„Man moͤchte es doch verſuchen, ſie wankend zu machen,“ ſagte der Laird„darum macht Euch ſtark, und ſeyd auf Eurer Hut.“—„Laird,“ entgegnete Jakob voll Abneigung gegen den Guͤnſtling,„ich bedarf keines warnenden Fuͤhrers mehr, und werde ohne Wanken den Weg gehen, den mir die Pflicht vor⸗ 143³ zeichnet. Mit ſchmeichelnden, falſchen Wor⸗ ten hatte ich es nie zu thun, und ließ immer offene That fuͤr mich reden.“— Mit den Worten:„Ich rechne auf Eure Treue, und Niemand ſoll ſie mir verdächtig machen,“ ging der Koͤnig die Treppe hinab. Jakob ſah es, daß ihm der Laird einen zurnenden Blick zuwarf. Wie uͤbel es Heinrich vIII. aufgenom⸗ men hatte, daß Jakob V. zu der Unterre⸗ dung nach York nicht kam, das offenbarte ſich bald, als er durch einen Abgeſandten den Schotten den Krieg erklaͤren ließ. Jakob zürnte eine Weile auf den Kardinal, der ihn zuruͤckhielt. Jetzt trat fuͤr ihn die verhaßte Nothwendigkeit ein, daß er die Edeln in ihre Theilnahme an dem Kriege erſuchen mußte. Er ſah es voraus, daß ſie ihm harte Beleidigungen machen wuͤrden, ehe ſie zu den Waffen griffen, um einem 144 gemeinſchaftlichen Feinde die Spitze zu bie⸗ ten. Es wurden Vermittlungen in der Guͤte verſucht, aber Heinrich VIII. ſchlug ſie mit einer kraͤnkenden Verachtung aus. Der Adel glaubte, daß ihm nun die Gele⸗ genheit geboten ſey, den Feind deſſelben, die Geiſtlichkeit, zu ſtuͤrzen, und es dem König fuͤhlbar zu machen, wie das Fort⸗ beſtehen ſeines Thrones einzig auf dem Beiſtande der Edeln beruhe. Waͤhrend dieſer Zuruͤſtungen und Verhandlungen⸗ wodurch Großes entſchieden werden ſollte, da Heinrichs VIII. Plan dahin ging, Schott⸗ land von ſeiner Krone abhaͤngig zu machen, hegten viele Edle den Wunſch, daß der kluge und unternehmende Angus gegenwaͤr⸗ tig ſeyn moͤchte, um den Berathſchlagungen einen Ausſchlag zu geben, und das Gewicht der Parthei zu verſtärken, die der konig⸗ lichen gebietend auftreten ſollte. Man bat den Koͤnig um Begnadigung fuͤr Angus, 145 aber die Bitte wurde mit harten Ausdruͤ⸗ cken zuruͤckgewieſen. Es wurde ſogar be⸗ kannt, daß der Laird Malcolm auf's leb⸗ hafteſte gegen ſeine Ruͤckkehr redete, und ſie als ein großes Uebel zum Gelingen der Sache des Koͤnigs darſtellte, Malcolm furchtete Angus Naͤhe beſonders darum, weil er in ihm den Raͤcher der Greuel zu finden glaubte, welche er auf ſeinen Gutern veruͤbt hatte.* Nicht unbekannt konnte es dem Graf von Douglas bleiben, daß man ſich zu einem Kriege gegen die Schotten in Eng⸗ land ruͤſtete. Solch eine Zeit hatte er er⸗ wartet, um in ſeinem Vaterlande eine Rolle zu ſpielen, die entweder dem ihm verhaßten Leben ein Ende machte, oder ihm zum Beſitze ſeiner verlornen Guͤter und Rechte wieder verhalf. Weit entfernt, den Englaͤndern gegen die Schotten zu dienen, III. 10 „ 146 oder fuͤr das Beſte Jakobs geſchaftig zu ſeyn, war ſeine Abſicht vielmehr keine an⸗ dere, als dem auf ihn zuͤrnenden Adel mit ſich wieder zu verſoͤhnen, fuͤr die Aufrecht⸗ haltung ſeiner Verfaſſung Alles zu wagen. Die Moͤglichkeit dachte er ſich ſogar, daß ihm für geleiſtete Dienſte das Schickſal die Krone Schottlands reichen könne. Aufge⸗ blaͤht von ſchmeichelhaften Hoffnungen, von Rieſenplaͤnen erfullt, konnte er dem gehei⸗ men Drange, der ihn von London nach Doventale trieb, nicht laͤnger widerſtehen, dem Hochmuthe, dem Durſte nach großen Thaten mußte die Liebe zu ſeiner Gattin und ſeinen Kindern weichen. An einem Morgen fand Marie die geſchriebenen Zei⸗ len von ſeiner Hand auf dem Tiſche: „Es ſteht Dir völlig frei, mir nach Schott⸗ land nachzukommen, oder in England zu bleiben. Mich rief ein verhaͤngnißvolles Geſchick von Dir hinweg, ich mußte ihm heren, ohne mein Wiſſen iſt er nach Schott⸗ 147 folgen. Noch ein Mal will ich's verſuchen, was ich mit meiner Kraft ausrichten kann. Bin ich nicht im Stande, mein feindſeliges Schickſal zu beſiegen, ſo mag mich's in Truͤmmern zerſchlagen. Ich weiß es, was ich mir, meinem Namen und meinen Kin⸗ dern ſchuldig bin. Du wirſt das Geheim⸗ niß, daß ich nach Doventale ging, nicht ver⸗ rathen. Der Graf von Douglas ſoll ent⸗ weder in ſeiner Herrlichkeit wieder glaͤnzen, oder in einer ungluͤcksvollen Nacht unter⸗ gehen. Dein Angus.“ Marien uberwältigte der Schmerz, ſü ſank auf einen Lehnſeſſel nieder, und als der alteſte Sohn herbeieilte, um ihr beizu⸗ ſtehen, da er ſie ohnmaͤchtig glaubte, ſagte ſie:„Kinder, Ihr habt Euern Vater ver⸗ 148 land gegangen, und dort, dort wird er ſein offenes Grab finden. Auf die Nachricht von ſeinem Tode laßt uns vorbereiten. Er weiß es nicht, wie wir ihn lieben, ſo k hat er uns nie geliebt!—„Ach, ja, Mutter, 66 ſagte der Knabe,„er liebt uns ſehr, daran mußt Du nicht zweifeln. Kann Gott ſein Leben dort nicht auch beſchutzen?“ Ein Strom von Thraͤnen rollte über ihre Wangen. Als ſie die Frage aufwarf, ob ſie in London bleiben, oder dem Vater nachgehen wollten, entſchieden beide Soͤhne, dem Vater nachzufolgen. Ohne Zoͤgern trat Marie nach wenigen Tagen mit ihren Soͤhnen und der Dienerſchaft die Reiſe an. Cunert mußte zuruͤck bleiben, dem ſie das Verſprechen gab, fuͤr ſeinen Unterhalt zu ſorgen. Als ſich nach mehrern Tagen das Geruͤcht verbreitete, daß der Graf von Douglas London heimlich verlaſſen haͤtte, 149 und es ſelbſt zu den Ohren des Königs kam, wollte dieſer der Gattin deſſelben be⸗ ſonders wohlthun, weil er gewiß glaubte, daß Douglas nicht fuͤr ſeinen König kaͤm⸗ pfen werde, um ihn deſto ſicherer auf ſeine Seite zu ziehen, und ihn uͤberdies durch große Verſprechungen an ſich zu locken. Ein Eilbote wurde der Graͤfin nachgeſchickt, der ſie auf der Haͤlfte des Weges einholte, und ihr ein Schreiben an ihren Gatten vom Koͤnig uͤberreichte, in dem er ihm mit großen Verſprechungen ſchmeichelte. Heinrich von Murray war in Doven⸗ tale, als ſich der Graf Angus am Thore meldete, und eingelaſſen zu werden ver⸗ langte. Er verſtellte ſeine Stimme, um von dem Thorwart nicht erkannt zu wer⸗ den, und hatte ſeine Muͤtze tief zu den Augen hinabgedruͤckt. Er nannte ſich den Baronet von Landerdale. Linperbitte mel⸗ 15⁰ dete den Fremden bei der Graͤfin an, und ſie erſchrak, als ſie den Namen deſſelben nennen hoͤrte. Alle Landerdales waren Glieder der königlichen Parthei.„Gewiß.“ ſo ſagte ſie,„bringt uns dieſer eine Hiobs⸗ poſt, ich will ihn ſprechen. So iſt es in meinem Leben, auf eine kurze, ungewiſſe Ruhe folgt ein deſto groͤßeres Ungewitter. Man wird die Douglaſſe endlich doch noch aus Schottland treiben, viel beſſer iſt es, wir gehen ohne Machtbefehl. Glami, willſt Du bleiben, mich begleiten, es ſteht in Deinem Willen. An Marien findeſt Du eine Schweſter, und ſiehſt Deinen Bruder wieder. Linperbitte, eile, ich bin gefaßt, eine boͤſe Nachricht zu vernehmen.“ Der Fremde wurde eingelaſſen, er hatte nur einen Diener hinter ſich. Seine Roſſe waren abgemagert, und dicker Staub lag auf den Maͤnteln.„Die kommen von noch weiter her, als von Edinburg,“ ſagte Linperbitte in ſich,„vielleicht btigen ſie eine beſſere Nachricht, als die Graͤfin glaubt.“ Als er ihnen den Weg nach dem Schloſſe zeigen wollte, ſagte Angus: „Das iſt nicht nöthig, wir wiſſen den Weg hier zu finden.“ Die Grafin ſtand mit Murray und Glami vor der Thuͤr, um den unangenehmen Gaſt hoͤflich zu empfangen. Er ſchwang ſich raſch vom Roſſe, gab ſeinem Diener den Zuͤgel, faßte, ohne ein Wort zu ſagen, die Gräfin am Arm, und führte ſie durch die Stube in ein geheimes Kabinet, das an dieſelbe ſtieß. Sie folgte dem Fremden mit innerer Verwunderung, der ſie mit ſich fortzog, indeß Murray und Glami ihnen langſamer nachgingen. Als er die Thuͤr des Kabinets ſeſt zugeſchloſſen hatte, ſagte er:„Mutter, ich komine unerwartet, und ungerufen; aber ich denke Euch Ruhe und dem Namen Douglas Ehre zu verſchaffen. Iſt Murray der Braͤutigam meiner Schwe⸗ ſter, ſo mag er es wiſſen, daß ich hier bin, ſonſt aber bleibe es ihm ein Geheimniß.“ Die Freude, das Erſtaunen der Graͤ⸗ fin Douglas war ſo groß, daß ſie ſich nicht enthalten konnte, den Namen ihres Sohnes mehrere Mal laut zu nennen. Deutlich verſtanden ihn Murray und Gla⸗ mi im Nebenzimmer. Sie eilte nach der Thuͤr hin, riß ſie mit Ungeſtum auf und — lag ihrem Bruder in den Armen.„Mur⸗ ray,“ ſo rief dieſem Angus zu,„verhindert mein großes Unternehmen nicht, das ich im Sinne trage, wenn Ihr meine Erſcheinung verrathet. Eine Weile muß ich noch im Dunkeln ſtehen, ehe ich an's Licht hervor⸗ trete. Der todten Maſſe des Adels, in der ſich nichts ruͤhrt und regt, denke ich Leben, 1⁵3 Kraft und Rache gegen ſeine Gegner zu geben. Sind mir die Götter günſtig, ſo wird das Werk gelingen, ſind ſie es nicht, ſo iſt an meinem Leben nichts gelegen, das in dieſer Erniedrigung nicht beſtehen konnte.“ Auf mehrere Fragen, welche Angus an Murray und an die Seinen that, erhielt er den einſtimmigen Beſcheid, daß das Feuer der Emporung unter den Edeln lodere, da ſich der Koͤnig mit Heinrich von England verbinden wolle, um den Abel un⸗ ter ſeine Fuͤße zu werfen.—„Thoren, die Ihr ſeyd, das noch zu glauben,“ ſagte An⸗ gus,„Heinrich ruͤſtet ſich gegen Schottland zum Kriege, und giebt uns die Gelegenheit, mit einem Schlage das zu gewinnen, was uns Pfaffenliſt entreißen will. Kann unſer Sieg nicht errungen werden, daß wir gegen die Englaͤnder ſtreiten, ſo zeigt uns die Klugheit andere Wege, unſerm verdunkelten Ruhme ſeinen Glanz wieder zu geben.“ „Aber, Angus, Angus,“ ſagte die Graͤ⸗ fin ſeufzend,„was unternimmſt Du fuͤr ein Wageſtuͤck! Du biſt des Hochverraths be⸗ ſchuldigt, und koͤmmſt nach Schottland? Tauſend Pfeile ſind auf Dein Leben ge⸗ richtet.“—„Aber,“ ſagte er,„ſie werden es nicht treffen. Glaubt nur, es iſt mir keine Gefahr zu groß, die ich nicht uͤberwin⸗ den könnte, wenn die Edeln Eins mit mir ſind, und dahin will ich meine Feinde brin⸗ gen, daß ſie mir Abbitte thun. Ich kenne die gemeinen Creaturen, wenn ſie den Ruͤk⸗ ken frei haben, da ſpeien ſie Gift und Galle, werden ſie bedroht, ſo kriechen ſie wie Hunde, welche Strafe furchten.“ Ehe die Mitternachtsſtunde eintrat, war Angus ſchon mit Heinrich Murray 15⁵ auf dem Wege nach Berkonlitte. Von Doventale hatte er bereits Boten an die maͤchtigſten Grafen und Herren abgeſchickt, und ſie eingeladen, ſich in einer beſtimmten Nacht heimlich vor dem Doventaler Moor an der großen Patrik⸗Eiche, insgeheim ver⸗ kleidet und ohne Begleitung einzuſinden, weil dort Wichtiges verhandelt werden ſollte, was den Adel betraͤfe. Daß er es war, der dieſe Zuſammenkunft veranlaßte, das ver⸗ rieth er nicht. Der alte Graf Murray wunderte ſich nicht wenig, als er aus dem Schlafe ge⸗ weckt wurde, in die große Halle kam, und den Graf Angus erblickte. Alle Geſpraͤche, die nicht Bezug auf politiſche Angelegenhei⸗ ten hatten, wurden vermieden. Angus zog durch ſeine Klugheit, durch den Plan, den er ihm offenbarte, den alten Graf Murray bald auf ſeine Seite, und Heinrich, ſein 156 — Sohn, da Douglas ihm die Hand mit der Betheurung gab, daß er in ſeine Verbii⸗ dung mit Glami freudig willige, verband. ſich auf Leben und Tod mit ihm. Hier ſich in Doventale betrug, und von Rache erfuhr es Angus, wie ſchaͤndlich Malcolm. entflammt, ſchwur er dem Guͤnſtlinge des Königs den Tod, wo er ihn fände. Mah ruͤhmte ihm Burleighs milderes Betragen, aber Angus ſagte:„Ich betrachte ihn als ein Ungeziefer, das ſich auf einer fremden Haut ernaͤhrt, will man es nicht tödten, ſo muß man es von derſelben entfernen. Der Laird wird zu ſeiner Zeit die Flucht er⸗ greifen.“ Ueber Jakob von Bothwell zürnte er ſehr hart und ſprach:„Er iſt ein Un⸗ ſinniger, dem man verzeihen muß. Das edle Herz des Juͤnglings liebte ich immer, aber ſein Verſtand geht in der Irre. Laßt die Leuichen nur, die von uns abgeſprun gen ſind, ſie werden, wenn es mit ihrem 5 Pante nicht mehr geht, ſchon zu uns ge⸗ tuchen kommen.“ . Ohne Aufenthalt eilte Angus wieder nach Doventale zuruck. In der Nacht ließ er ſeine Leute in der großen Halle ver⸗ ſamweln, gab ſich ihnen zu erkennen, ſchil⸗ derte das Unrecht, was er erlitten haͤtte, mit grellen Farben, erinnerte ſie an genoſ⸗ ſene Wohlthaten, lockte ſie durch Ver⸗ ſprechungen, und überredete ſie dahin, daß ſi von ſeiner Naͤhe kein Wort reden woll⸗ ten. Die meiſten erklaͤrten es ihm laut und ehrlich, daß ſie bereit wären, mit ihm in den Tod zu gehen, und ihr Leben fuͤr ihn zu laſſen. Die Ruͤſtungen aber, die Angus mit Nachdruck betrieb, konnten nicht unentdeckt blziben, ſie kamen zuerſt zu den Ohren des Laird Burleigh, welcher in Kirway wohnte. 15⁸ Er fuͤrchtete den Graf Angus nicht, da er ſich keiner unerlaubten Handlung gegen ihn bewußt war, und auf Befehl des Königs handelte, daß er die Aufſicht uͤber die Dou⸗ glasſchen Guͤter fuͤhrte. Er machte ſich ſogleich auf den Weg nach Doventale, um ſich von der Wahrheit der Sache ſelbſt zu uͤberzeugen, die er für ein Mahrchen hielt. Er hatte es unterlaſſen, von dem Geruͤcht, an das er ſelbſt nicht glaubte, den Koͤnig in Kenntniß, vor ſeiner Weß von Kirway, zu ſetzen. Als ſich der Laird am Thore von Do⸗ ventale meldete, wurde er ohne Verzug ein⸗ gelaſſen. An der wirklichen Ankunſt des Grafen Douglas konnté er nicht zweifeln, da er auf dem Hofe viele Menſchen, eine große Geſchaͤftigkeit- und Waffenarten in Menge ſah. In dieſem Augenblicke über⸗ ſiel ihn doch ein Schreck, und es leuchtete 1⁵9 ihn ein, wie unvorſichtig und unklug er ge⸗ handelt hatte, daß er der Großmuth eines Feindes des Königs ſo viel vertraute, und ſich ihm uͤberlieferte. Er forderte alſo von dem Thorwart, daß er das verſchloſſene Thor wieder öffnen ſoülte. Dieſer aber ließ ſich dazu nicht bewegen und ſagte: „Reitet nur weiter, Ihr werdet im Schloſſe Geſellſchaft finden, die Euch Unterhaltung gewaͤhrt. Ich habe den Befehl nicht, einen Gaſt, der einpaſſirt iſt, ſogleich wieder her⸗ aus zu laſſen.“ Der Laird fragte aͤngſtlich: „Iſt der Graf Angus wirklich hier?“— „Das könnt Ihr am beſten ſelbſt erfahren,“ war die Antwort Linperbittens.—„Hün⸗ dert Kronenthaler gebe ich Dir, wenn Du mir das Thor wieder oͤffneſt—„Fuͤr Tauſende würde ich dem Befehle meines Herrn nicht zuwider handeln, und Ihr thut Unrecht, wenn Ihr mich durch Beſtechung zu einem treuloſen Buben machen wolt. 160 Behaltet Euer Geld, reitet vorwaͤrts, ruck⸗ waͤrts geht es nicht.“ Als ſich der Thorwart weder durch Bitten noch durch Drohungen bewegen ließ, dem Laird den Willen zu thun, hielt er eine Weile auf einem Flecke ſtill, und ritt dann aͤngſtlich weiter. Vor der Schloßthuͤr ſtand die Graͤfin Douglas, welche ihn mit zer⸗ ſtoͤrtem Geſichte empfing. Sie hieß ihn abſteigen und naͤher treten.—„Ihr wißt,“ ſagte der Laird,„ich fiel Euch nie laͤſtig, und ſo viel ich es vermochte, habe ich das Rauhe, was mein Auftrag fuͤr Euch ent⸗ hielt, gelindert, ſorgt nun auch dafuͤr, daß mir von Euerm Sohne nichts Unfreund⸗ liches begegnet.“ Die Antwort erhielt der Laird von Angus ſelbſt, der ſeine Worte gehoͤrt hatte, und in die Thuͤr trat, indem er ſprach; 161¹ „Laird, Ihr haͤttet doch edler gehandelt, wenn Ihr den Auftrag zuruͤckwieſet. Wenn Walcolm, der privilegirte Raͤuber, hier großes Unheil ſtiftete, ſo unterſcheidet Ihr Euch von ihm doch nur dadurch, daß Ihr kleineres Verderben anrichtet. Ich gelobe es Euch, ich will Euch großmuͤthig behan⸗ deln, und Boͤſes nicht mit Böſem vergelten. Ihr wißt es, ich koͤnnte eine ſchwere Rache an Euch nehmen, denn Ihr waret auch unter der Rotte, die darauf ausging, mir bei Stirling den Kopf einzuſchlagen, und zu der gehoͤrt Ihr noch. Tretet nur naher, der Weg zur Flucht iſt Euch verſperrt, wir haben ein ernſtes Wort mit einander zu reden, dann will ich Euch auch ſicher ſtellen, — daß Ihr nicht in Gefahr kommt, an Eurer Pflicht zum Verraͤther zu werden.“ Aller Weigerung ungeachtet mußte ſich der Laird doch endlich bequemen, daß er III. II 162 vom Roſſe ſties, und mit Angus in den Saal ging, deſſen Augen feurig loderten, der in großer Unruhe zu ſeyn ſchien. „Hoͤrt,“ ſagte der Graf,„ich habe viel zu thun, darum mußt Ihr mir's zu gute hal⸗ ten, wenn ich mich mit Euch nicht in eine 3 lange Unterredung einlaſſe. Es ſey Euch alſo nur dies Wenige geſagt, Ihr bleibt als mein Gefangener hier, damit Ihr nicht gezwungen ſeyd, dem König meine Ankunft in Schottland zu verrathen, die Ihr nicht verſchweigen duͤrftet, wenn ich Euch frei ließe. Erkennt es, daß ich's gut mit Euch meine. Ihr ſollt hier ſo behandelt werden, wie es Euerm Stande gebuͤhrt. Kann es. mir nicht mehr ſchaͤdlich werden, daß es die † Welt weiß, daß ich hier bin, ſo erhaltet. Ihr Eure Freiheit wieder. Aber eine Be⸗ dingung mache ich noch, die Ihr efügen müßt, ſtraͤubt Euch nicht dagegen, Ihr ſeyd in meiner Gewalt, und zwingt mich nicht, 165 Euch hart zu fallen. Die Noth hat kein Geſetz, und noch muß ich Alles thun, daß meine Gegenwart in Doventale nicht be⸗ kannt werde. Ihr ſchreibt nach Kirway, daß Euch ein königlicher Vote begegnete, der Euch den Befehl uͤberbrachte, ſogleich nach Edinburg zu kommen, und daß Ihr die Stunde Eurer Ruͤckkehr nicht beſtimmen konntet.“ Der Laird weigerte ſich eine Weile, ehe er ſich zu dieſem Schreiben entſchloß, aber er that es endlich doch, da ihm An⸗ gus, indem er ihm ſein Schwert zeigte, ſo nachdrülich zuſetzte.„Seht,“ ſagte er, „ich bin in eine Lage verſetzt, wo ich mei⸗ nem Willen Alles unterwerfen muß, und unn i9 das mit Bitten und Vorſtellungen nicht Glangen, ſo muß ich zum Schwerte greifen. Leben oder Tod, das iſt mein Loſungswort.“ Der Laird wurde in 164 ein anſtaͤndiges Verwahrſam gebracht, und der von ihm geſchriebene Brief nach Kirway abgeſchickt. Noch war die Abenddämmerung nicht eingetreten, als Graf Herburn von Both⸗ well mit ſeinem Sohne Heinrich in Doven⸗ tale ankam. Die Nachricht, am Moor bei der Patrikeiche zu erſcheinen, mit dem Zu⸗ ſatz, daß dort von den Edeln Großes un⸗ terhandelt werden ſollte, hatte ihn erſchreckt, ſeine Neugierde erregt, es war ihm unbe⸗ greiflich, daß man die Zuſammenkunſt in der Naͤhe von Doventale halten wollte, „Wäre Angus angekommen,“ ſagte er zu ſich ſelbſt, taͤuſcht ihn ſeine Rache, glaubt er Großes auszurichten? Was denkt ſich dieſer Rieſengeiſt, der ungemäßigte Kräſte hat, nicht als moͤglich! Zu welchen kuhnen Unternehmungen fehlte dem der Muth! Wer ſein Leben auf's Spiel ſetzt, der 165 ſcheuet ſich nicht, das Gefaͤhrlichſte, das Hoͤchſte zu wagen.“ Schon im Thore erfuhr es Herburn, daß Angus im Schloſſe ſey. Seine erſte Anrede, als er ihn ſelbſt anſichtig wurde, war:„Habt Ihr vom Koͤnig auch die Er⸗ laubniß erhalten, in's Vaterland zuruͤck⸗ kehren zu konnen?“—„Nein,“ war ſeine Antwort,„ich bin mein eigener Herr, und habe ſie mir ſelbſt gegeben!“—„Aber Ihr ſeyd des Hochverraths beſchuldigt.“— „Ich werde meine Anklaͤger zum Widerruf zwingen,“ erwiederte er.—„Was fuͤhrt Ihr denn im Schilde?“—„Die Ehre des Adels von den Flecken will ich reini⸗ gen; die Ketten fuͤr die Freiheit zerſchmeißen, und unſere Rechte ſchuͤtzen.“—„uUnd welches ſind die Mittel, durch die Ihr das bewirken wollt?“—„Das könnt Ihr fragen?“ ſagte Angus.„Dem einſtimmigen 166 Willen des Adels iſt Alles moͤglich.“— „Wie wollt Ihr es zu dieſem Willen brin⸗ gen?“—„Daß ich,“ ſagte Douglas, „den Blinden die Augen oͤffne, die den Abgrund des Verderbens nicht ſehen, vor dem ſie ſtehen, in den man ſie ſtuͤrzen wird, wenn ſie thatenlos noch lange zoͤgern, und es abwarten, wo es mit ihnen hinaus will.“—„Ihr waget Großes, ob es ge⸗ lingen wird? Ich zweifle.“—„Der Zwei⸗ fel laͤhmt die Kräfte,“ entgegnete Angus, „der Glaube macht ſie unſberwindlich.“— „Ach,“ ſagte Bothwell„wenn er Uebertrie⸗ benes glaubte, ſo hat er oft getaͤuſcht.“— „Ob auch für diesmal, das kann die Zukunſt nur beweiſen, und vor ihr habe ich nie gezit⸗ tert, wenn ſchwache Seelen, die jeden Erfolg im voraus berechnen wollen, in ihrem Glucke verzagten, und es darum nie erreichten.“ Es wurde von dem bevorſtehenden 167 Friege mit England; von der dräckenden Macht der Geiſtlichkeit; von einer gaͤnzlichen Umwandlung der Regierung in Schottland; von den Rechten des Königs und des Idels geredet. Endlich kam das Geſpraͤch auch auf Jakob. Die Graͤfin Douglas und Glami hatten ihn gegen Angus ge⸗ rühmt, und ihn einen Edelmuͤthigen ge⸗ nannt, der ſich ihres Vortheils auf's thaͤ⸗ tigſte annaͤhme. Er ſelbſt bewunderte die Liebe des Juͤnglings, die er fortgeſetzt gegen ſeine Schweſter unterhielt.„Staͤnde er nicht auf der Seite der koͤniglichen Parthei,“ ſagte Angus,„keinen Andern, als ihn, duͤrfte Glami zum Gatten wählen. Er ſteht mir mit ſeinen Charakter viel höher, als Murray. Scheint es doch ſo, als ob er das Opfer ſeiner Freunde und ſeiner Fa⸗ milie iſt, und ſich darum an unſern Wider⸗ ſacher anſchloß, um der zu dienen. Gewiß, es wird die Zeit kommen, wo er ſich recht⸗ 168 fertigen kann. Ihn wollen wir nicht ver⸗ dammen.“ Mit geheimer Freude horte Glami je⸗ des Wort, was ihr Bruder von Jakob fagte, ſie war ganz ſeiner Meinung, und behielt es feſt in ihrem Herzen. „Aber,“ ſo ftagte Bothwell,„was ſagte Marie, was ſagten Eure Kinder, daß Ihr ſie verließet, und verwegen einer au⸗ genſcheinlichen Gefahr entgegen ginget?“— „Ihre Thraͤnen habe ich nicht geſehen, ihre Seufzer nicht gehört. Ich liebe ſie mehr als mich ſelbſt, das könnt Ihr ſelbſt be⸗ zeugen, aber das Heil des Vaterlandes, die Ehre und Freiheit meines Standes, die Achtung, die ich meinen beruͤhmten Ahnen ſchuldig bin, iſt hoͤher in mir angeſchrieben. Soll mich die Gatten⸗ und Vaterliebe be⸗ wegen, daß ich den Namen der Douglaſſe 169 in Schmach und Schande untergehen laſſe, und ſoll ich der Verdammliche ſeyn, in dem der Ruhm dieſes Stammes erloͤſcht? Unſer Vater, ſo ſollen meine Soͤhne, ſo ſoll die Nachwelt ſagen, war ein großer Mann. Wenn er unter den Truͤmmern ſeiner Unternehmungen auch begraben wurde, und das Große, was er ſich zum Ziele ſetzte, nicht erreichte, ſo hat er es doch gewollt! Ich habe es meiner Marie frei geſtellt, ob ſie mir nach Schottland ſogleich nachkom⸗ men, oder erſt den Sturm in London, der hier losbrechen wird, abwarten will. Sie iſt ungebunden, und kann frei wählen.“— „Denkt an mich,“ ſagte Herburn,„ich kenne ihr Herz, ich weiß es, wie ſie an Euch haͤngt, ſie kömmt gewiß.“ Unter vielfachen und hoͤchſt angreifen⸗ den Beſchaͤftigungen, denen ſich Angus un⸗ terzog, welcher in der großten Thatigkeit 170 war, und weit und breit Alles in Bewe⸗ gung ſetzte, war der Tag erſchienen, wo ſich die Edeln am Moor bei der Patrik⸗ eiche verſammelten, neugierig und in ge⸗ ſpannter Erwartung, was ſie dort verneh⸗ men, und welche Beſchluͤſſe dort zu ihrem Heil gefaßt werden wuͤrden. Abſichtlich war der Graf Douglas einer der Letzten, welcher bei der Eiche erſchien. Eigentlich waren es nur wenige Schwindelkoͤpfe, die ſich einbildeten, daß ſie mit ihrer Kraft Berge verſetzen koͤnnen, welchen es in kei⸗ nem Vaterlande gefaͤllt, die in dem Streben ihrer Neuerungsſucht wie Sumpflichter ver⸗ ſchwinden, welche ſich über das Erſcheinen des Grafen Angus freueten, und ein Ober⸗ haupt in ihm gefunden zu haben waͤhnten, um ihre tollen Plane zu verwirklichen, die beſtehende Ordnung in eine Verwirrung zu verwandeln, aus der ſie dann einen, nach ihrer Einbildung idealiſchen Staat hervor⸗ 171 gehen laſſen wollten. Sie waren es, die ihn mit lauten Freudenbezeugungen wie einen Meſſias empfingen, der ein neues Reich ſtiften ſollte. Nur auf ſie merkte Douglas insbeſondere, ſie benebelten ihm den Kopf, und die Beſonnenen, Kaltblu⸗ tigen, denen er aus der Miene, aus ihrem Betragen ein widriges Befremden, eine Art von Abneigung las, ſollten durch ſeine gleichſtimmigen Mitgenoſſen in den Stru⸗ del eines allgemeinen Auſſtandes, den er bezweckte, hingezogen werden. Die meiſten Grafen, Lairds und Baronets, welche ſich verſammelt hatten, waren der uͤbereinſtim⸗ menden Meinung, daß es weiſer und raͤth⸗ licher iſt, ein Staatsgebaͤude, welches wie jede menſchliche Einrichtung nicht ohne Fehler iſt, und niemals Allen gefallen kann, zu verbeſſern, als es ganz nieder zu reißen, es von neuem und mit neuen und groͤßern unvollkommenheiten wieder aufzu⸗ 172 bauen, wohl wiſſend, daß beim Umſturz herrliches Alte, unverbeſſerliches Gute zer⸗ truͤmmert wird. Nach ihrem Urtheile war Angus von Douglas, der hochmüthige, rachſuͤchtige, aufbrauſende Kopf, keineswegs der rechte Mann, der ein Werk ſtiften konnte, wozu Beſonnenheit, Uneigennuͤtzig⸗ keit, ein edler, frommer Sinn erfordert wird, wenn es gerathen ſoll. Der Graf von Douglas hielt eine Rede, in der er alle Beweggruͤnde auſſtellte, um gegen den Koͤnig und die Regierung zu erbitternz er ſprach von den ſchimpflichen Demuͤthigungen des Adels; von der Ge⸗ fahr, durch den Krieg mit England in un⸗ abſehbares Verderben zu gerathen; er for⸗ derte zum Gegenkampfe aufz rieth, ſich un⸗ ter ſeinem Panier zu verſammeln, und gab die gewiſſe Verheißung von großen, guͤnſti⸗ gen Erfolgen. Beſonders rieth er Eile in den Ruͤſtungen zum Streit gegen die vom Adel, welche zur königlichen Parthei ge⸗ hoͤrten. Als er die Zuſtimmung der Herren forderte, trat der Graf von Argyle am ſchaͤrfſten gegen ihn auf und redete alſo: „Wie koönnt Ihr es erwarten, daß wir Euch ſo blindlings, wie unverſtändige Kin⸗ der, die ſich durch blendendes Spielwerk locken laſſen, folgen werden? Von der Schuld des Hochverraths, mit der Euch das Geſetz bekaſtet hat, ſeyd Ihr noch nicht frei geſprochen, und Keiner hat von uns Luſt, einem Manne zu folgen, der nicht von jedem Flecken rein iſt. Die Mittel zu unſerer Aufhuͤlfe, die Ihr vorſchlagt, wer⸗ den ein groͤßeres Verderben uͤber uns ver⸗ breiten, und uns zu Strafwuͤrdigen ernie⸗ drigen. Die Cür, die Ihr rühmt, uns von gefuhlten Uebeln zu heilen, wird ſie nur 174 verſchlimmern. Ganz andere Ereigniſſe muͤſſen eintreten, um unſern Beſchwerden abzuhelfen, auf dem Wege, den wir nach Euerm Rathe betreten, ſtuͤrzen wir uns in das Schwert der richtenden Gerechtigkeit, und der Richter wird ſich bald finden. Zu Euerm Vortheil rathe ich, wenn ich Euch bitte, kehrt dahin zuruͤck, woher Ihr ge⸗ kommen ſeyd, und laßt uns in Ruhe. Wer dem Adel nicht auf eine andere Weiſe zu helfen weiß, als die iſt, welche Ihr vor⸗ geſchlagen habt, dem koͤnnen wir für ſeine ½ Dienſte nicht danken. Edle und Herren, nach meiner Meinung iſt es am beſten, wir gehen ſo aus einander, wie wir gekommen ſind, und harren auf eine andere Huͤlfe, die von Oben koͤmmt, welche ein Graf von Douglas mit aller ſeiner Macht uns nicht gewaͤhren kann.“ Als der Graf von Argyle ſchwieg, 175 entſtand in der Geſellſchaft ein unzufriede⸗ nes Murmeln. Angus drang mit Ungeſtüm auf ihn ein, und bediente ſich harter Worte gegen ihn. Argyle ſagte:„Schweigt Ihr nicht, ſo ziehe ich wider Euch mein Schwert.“„ Er hatte kaum das letzte Wort geſprochen, als das Schwert des Grafen Angus in der Luft blitzte, und er ihn mit den Worten zum Kampfe heraus forberte:„Kommt, feigherziger, ehrloſer Mann, der ſich Hohn und Schimpf bieten laͤßt, und ſich begnuͤgt, wenn man ihn, wie ein Ungeziefer, nur ungeſtört auf ſeinem Blatte freſſen laͤßt, kommt, daß ich die Welt von einem Unwuͤrdigen befreie, der fuͤr den Ruhm und die Freiheit ſeines Standes keinen Finger in's Waſſer zu tau⸗ chen wagt! Kommt!“ Argyle hatte ſein Schwert ebenfalls gezogen, und war im Begriff, ſich mit 176 Angus auf einen freien Platz zu entfernen, wo der Zweikampf beginnen ſollte, als der Graf Murray ploͤtzlich herzutrat, ihn am Arm faßte und ſagte:„Euer Leben iſt uns Allen ein theures, wir geben es nicht zu, daß Ihr es einer unnuͤtzen Gefahr blosſtellt. Douglas, ruͤhrt Ihr dieſen Mann an, der Wahrheit geredet hat, ſo habt Ihr uns Alle zu Feinden.“—„Und,“ ſagte Dou⸗ glas mit wuthvollem Blick,„wenn Ihr alle meine Feinde werdet, der Graf von Argyle muß ſich mit mir ſchlagen, wenn ich ihn nicht ehrlos ſchelten ſoll.“—„Ein Hochverraͤther kann nicht beleidigen,“ ſagten Mehrere, und zogen gleichfalls ihre Schwer⸗ ter.„„Wollt Ihr Euch muthwillig dem Tode opfern?“ ſprach Herburn mit lauter Stimme.„Entfernt Euch, Ihr ſeht ja, daß man Euern Plan verwirft.“— Angus warf im Grimm ſein Schwert auf die Erde, daß es hoch empor ſprang, und * 5 177 donnerte die Worte, indem er ſeinen Koller aufriß, und die entbloͤßte Bruſt zeigte; „Hieher ſtoßt mit den Spitzen Eurer Schwerter, ſo ſterbe ich als ein freier Mann, und— Ihr bleibt Knechte.“ Alle wandten ihm den Ruͤcken, er eilte fluchend davon, ſchwang ſich auf ſein Roß und jagte nach Doventale. Die verſammelten Herren zerſtreueten ſich bald, und Wenige ausgenommen, ge⸗ reuete es Alle, daß ſie gekommen waren; aber auch den Wenigen war die Luſt nicht vergangen, ſich in das Wageſtuͤck mit dem Graf Douglas einzulaſſen. Als die ver⸗ ſtaͤndigen, uͤberlegenden Maͤnner ſich ſchon lange von der Patrik⸗Eiche entfernt hatten, da ſtellten ſie unter einander Berathſchla⸗ gungen an, und faßten endlich den Ent⸗ ſchluß, Angus anzukundigen, daß ſie ihm mit ihrer Perſon und ihrem Anhange III. 12 178 Beiſtand leiſten wollten. So unnatürlich uns dies ſcheint, ſo iſt es doch aus dem Grunde erktarbar, daß es Menſchen giebt, denen der Muth mit der Größe der Gofahr waͤchſt, denen die oft taͤuſchende Hoffnung vorſchwebt, mit wenigen Mitteln die wich⸗ tigſten Zwecke zu erreichen. In einer Stimmung, in welcher Blitz und Donner hauſete, kam Douglas in Doventale an. Mit Planen der Rache ging er ſchwanger. Die Möglichkeit, ſich in Schottland lange halten zu können, leuchtete ihm nicht ein, die Ruͤckkehr nach England war ihm abſcheulich. Jetzt faßte er den Entſchluß, ſich dem Koͤnig Hein⸗ rich VIII. als Soldat in dem gegen Schott⸗ land beſchloſſenen Kriege anzubieten, um einer doppelten Rache, der gegen den Köͤ⸗ nig und den Adel, zu genuͤgen.— Wie ſchrechaft aver wurde er übertaſcht, als er 179 vom Thorwart erfuhr, daß ſeine Gattin mit den beiden Soͤhnen vor mehrern Stunden angekommen ware! Er verwuͤnſchte ihre Liebe zu ihm die ſie hieher zog. Welchen Gefahren war ſie blosgeſtellt! Nach ſeinem Wiüen ſollte ſie morgen in aller Fruhe ſchon Doventale verlaſſen, zu ihrem Vater ziehen, um die Schuld aller Theilnahme an ſei⸗ nen Unternehmungen von ihr abzuwenden. Sie mußte ihm folgen, und er ließ ſie nicht in Doventale. Das Erſte, was die Graͤfin Douglas zu Marien ſagte, als ſie ſie mit einem fluͤchtigen Lächeln begrußt hatte, war: „Ach, liebe Marie, Du koͤmmſt zu einer unguͤnſtigen Zeit hieher, und haſt Dich aus dem ſichern Hafen in's ſturmvolle Meer gewagt. Angus iſt in einer Verſammlung der Edeln, die er zum Aufſtande aufreizen will. Faſt muß ich es wuͤnſchen, daß ſeine 180 Piane nicht gelingen. In welche Gefahren wird er mich ſtuͤrzen, wenn ſein Unterneh⸗ men mißgluͤckt! Sein Hierſeyn wird dem Koͤnige verrathen, und Alles wird man aufbieten, ſich ſeiner zu bemaͤchtigen. Du biſt eine ungluͤckliche Frau, wie ich eine be⸗ dauernswerthe Mutter bin. Sein Feuer⸗ eifer wird ihn in die Flammen ſtuͤrzen, die ihn verzehren. Warum leidet er nicht weiſe und ruhig, wie Hunderte, die mit ihm eine Laſt tragen! Ach, ſeine Erſchei⸗ nung hat mich nur beträbt, ſie aͤngſtigt mich! Konnteſt Du ihn in London nicht zuruͤckhalten?“—„Heimlich entfernte er ſich“ entgegnete Marie.„Koͤnnt Ihr den Löwen halten, der jede Feſſel ſprengt? Ach, neben ſeiner großen Liebe zu mir wohnt in ihm ein Ungeſtüm, das er ſelbſt mit al⸗ ler ſeiner Vernunft nicht baͤndigen kann, es iſt maͤchtiger als er, und wird ihn zermal⸗ men. Fürwahr, ich furchte ſeinen Anblick, 181 auf keine Weiſe wird er mir Gutes be⸗ richten.“ Da die Graͤfin aus dem Zimmer ge⸗ rufen wurde, war Marie mit Glami allein in demſelben. Um das Geſpraͤch von An⸗ gus abzulenken, fragte Marie nach ihrem Bruder Jakob, und wuͤnſchte den Grund zu erfahren, weshalb er ſich an die Parthei des Koͤnigs angeſchloſſen haͤtte, was man ihm als ein großes Verbrechen anrechnete. Glami konnte ihr darauf keine genügende Antwort geben; aber ſie ruͤhmte ſeine Guͤte, die er ihr und ihrer Mutter noch fortgeſetzt bewieſe.„Aber,“ ſprach Marie, „es iſt mir doch raͤthſelhaft, daß Du ihm Deine Hand verweigerteſt, die Du dem Graf Murray gabſt. Dn kannteſt ihn von Jugend an, Du liebteſt ihn, Du weißt, kein Flecken iſt in ſeinem Herzen, und wie liebte er Dich? War er Dir nicht ſchoͤn, nicht reich genug?“—„Schoͤnheit und Reichthum,“ erwiederte Glami mit ſicht⸗ barer Aengſtlichkeit,„konnte meine Wahl nie beſtimmen. Ich kann mich ſelber nicht ergrun en. Sieht man ſeinen Fehltritt nicht oſt hinterher ein, wenn er gethan iſt? Handelt man nicht oft aus dunkelm Gefuͤhl, von dem man ſich mit der Vernunft keine Rechenſchaft geben kann? Es ſey Dir ge⸗ nug, zu wiſſen, daß ich Deinen Bruder ehre, daß ich ihn noch als eine Schweſter lieben kann. Koͤnnte ich ihn von jedem Kummer frei machen, mit dem er ſich mei⸗ netwegen haärmt! Aber ein gegebenes Wort kann ich nicht brechen, und was würde ich ihm, mir und der Welt noch gelten, wenn ich eine heilige Pflicht verletze! Ohne meine Schuld habe ich ſchwer gelitten, ſoll ich das Haͤrteſte durch das Bewußtſeyn eines Vergehens leiden?“—„Glami, ich ver⸗ ſtehe, ich bedaure Dich, Dein Inneres iſt 183 in ſchwankender Bewegung, ſuche Feſtigkeit zu gewinnen, entſcheide Dich unabaͤnderlich, und ſo, wie es ſich mit der Ruhe Deines Lebens, Deiner Ehre und Deinem Gluͤcke vertragt.“ Im vollen Galopp kam Angus dem Schloſſe naͤher, ſprang von ſeinem Roſſe, Marie eilte ihm entgegen, fiel ihm in die Arme, und mit ernſter Miene ſagte er: „Fuͤrwahr, Du haͤtteſt beſſer gethan, wenn Du in London bliebſt, und Dich mit Dei⸗ mem Herkommen nicht uͤbereilteſt! Ich ſtehe in einem Ungewitter und habe Dich nicht hineingezogen. Hier iſt man Sclave, und will es bleiben. Morgen reiſeſt Du mit Deinen Kindern nach Dunskirk, hier nicht, dort biſt Du ſicher. Nimm dies fuͤr einen Befehl, der keine Abänderung leidet.“— Marie bat ihren Gatten flehend, daß 184 er mit ihr ſeine Rückreiſe nach England, ſeiner Sicherheit wegen, antreten ſollte, aber er verweigerte ihre Bitte mit den Worten:„Ich habe aufgehoͤrt ein Kind zu ſeyn, das vor jeder Mummerei erſchreckt, ein Mann bin ich geworden der das Ru⸗ der nicht weibiſch von ſich wirft, wenn die Wellen der Gefahr um ihn ſtuͤrmen. Kann ich das Schiff nicht retten, ſo will ich mit ihm untergehen!“—„Und,“ ſagte Marie, „was wird dann aus mir?“—„Weiter nichts,“ erwiederte er,„als eine Wittwe, welche ſich mit der Zeit tröſtet, daß ſie einen Verluſt erlitt, den ſie nicht verhindern konnte.“—„Dazu koͤnnteſt Du w machen?“ ſagte Ve weinend. Otne weiter ein Wort zu reden, ging Angus aus dem Zimmer. Die Gräfin er⸗ ſchien bald nach ihm in demſelben, und verkuͤndete mit Angſt und Schreck, daß ihr 185 ein Bote von dem Graf Bothwell gemeldet hätte, Angus Ankunft ſey dem König ver⸗ rathen. Es wuͤrden Anſtalten getroffen, um ihn zu fangen, ſie habe ihm das geſagt und er hätte erwiedert:„Der Vogel, den man fangen will, iſt darum noch nicht im Kaͤfig.“„ An demſelben Abend mußte Marie mit ihren Soͤhnen Doventale ver⸗ laſſen, und nach Dunskirk ziehen. Um Mitternacht kamen Angus Freunde und kuͤndigten ihm an, daß ſie mit ihm gemeinſchaftliche Sache machen und das Aeußerſte wagen wollten. Er forderte ſie auf, eilig ihre Geruͤſteten zu verſammeln, um einen uͤberraſchenden Angriff auf Edin⸗ burg ſelbſt zu machen, und wenn es ihnen gelaͤnge, den König und den Kardinal Bea⸗ toun gefangen zu nehmen. Als ſeine Mit⸗ genoſſen das Unternehmen zu verwegen fanden, und meinten, man muͤſſe auf ein 186 Mal nicht Alles auf's Spiel ſetzen, erwie⸗ derte er:„Nur auf dieſe Weiſe können wir gewinnen, und glaubt es nur, Viele, die ſich Freunde des Koͤnigs nennen, ſind ees nicht, ſie ſind geheime Glieder unſeres Bundes, die ſich für uns erklären, wenn uns das Gluck hold iſt. Was die Edeln ſelbſt betrifft, die an der Patrik⸗Eiche mir ſo abgereigt waren, ein guͤnſtiges Geſchick kann ſie bald zu unſern Freunden machen. Es giebt Partheigaͤnger, die ihre Dienſte der ſiegenden Parthei anbieten, und nicht fragen, ob ſie das Recht fuͤr oder gegen ſich hat.“ Mit mehrern Tauſenden, die Alle wohl geruͤſtet waren, zog Douglas aus, und nahm ſeinen Marſch auf Edinburg. Auf dem Wege dahin umzingelte er das Schloß Randelisle, welches dem Laird Maſcolm gehoͤrte, um es von den Seinen auspluͤndern „ 187 zu laſſen. Der Laird, welcher beſorgt war, daß Angus, um ſich an ihm rächen, eine Streifparthei hieher ſchicken könnte, um allerlei Verwüſtungen anzurichten, hatte ſich von Edinburg dahin begeben, weil er ſeine Koſtbarkeiten retten, und ſie nach der Stadt in Sicherheit bringen wollte. Daß Angus Schaar ſo bald hieher kommen wuͤrde hatte er nicht geahnet. Man wur⸗ de ſeine Naͤhe gewahr, als die erſten ſeiner Gewaffneten aus dem nahen Holze kamen. Sogleich meldete man dem Laird die An⸗ kunft der Feinde. Er warf ſich auf ſein ſchnelles Roß, um zu entfliehen; als er aber außerhalb des Thores war, ſah er ſich von den Douglasſchen Soldaten umringt, die ihn gefangen vor Angus brachten.— „Raͤuber, habe ich Dich,“ ſagte Angus, „Du ſollſt fuͤr Deine Schande buͤßen!“— Er achtete in der Wuth nicht auf Mal⸗ colms Flehen, und durchſtieß ihn ohne 188 Gnade mit ſeinem Schwerte, daß er ruͤck⸗ lings vom Roſſe ſtürzte. Zu ſeinen Um⸗ gebungen ſprach er:„Es wüſſen durch⸗ greifende Mittel angewandt werden, um uns Furcht zu ſchaffen! Wollen die Edeln mir nicht vertrauen, ſo ſollen ſie zittern! Der alſo, der mir ſchadete, waͤre auf die Seite geräumt, nun ſoll das Gericht uber die ergehen, welche Feinde des Adels und des Vaterlandes ſind.“ Noch hatte man die Hoͤhe von Edin⸗ burg nicht erreicht, als man auf der Spitze derſelben einen Trupp koͤniglicher Reiter bemerkte, deren Anzahl ſich mit jedem Au⸗ genblicke vermehrte. Jetzt drang die Maſſe vorwaͤrts, den Berg hinab, und Infanterie folgte nach. Die feindliche Macht ſtuͤrmte mit einer ſolchen Gewalt den Heraufkom⸗ menden entgegen, daß Angus den Wider⸗ ſtand nicht denken konnte. Eilig zog er 189 ſich in die Thalgegend zuruͤck, und henutzte die Zeit, um ſich in Schlachtordnung zu ſtellen. Von beiden Partheien wurde mit erbitterter Wuth gefochten, aber Angus mußte das Feld raͤumen, der groͤßte Theil der Seinen war verwundet, erſchlagen und gefangen. Als ein elender Fluchtling kam er in Do⸗ ventale an, und war ſelbſt der Schreckens⸗ bote, der die Nachricht von ſeiner gaͤnzlichen Niederlage uͤberbrachte.„Zum Ungluͤcke bin ich verdammt!“ rief er mit wuͤthender Stimme aus,„der Himmel zuͤrnt mir, und die Erde iſt mir feind!“ Die Koͤnig⸗ lichen waren ihm faſt auf dem Fuß nach⸗ gefolgt, und die Reiter umſchwaͤrmten Do⸗ ventale von allen Seiten, ſo, daß Niemand entkommen konnte, der auf dem Schloſſe war. Seine letzte Kraſt bot Angus auf, um die Belagerer zu überwältigen, die 190 mehrere Verſuche machten, die Mauern zu erſtuͤrmen. Da ſich die Koͤniglichen in den ſolgenden Tagen ſehr vermehrten, und alle Hoffnung, ſich laͤnger halten zu koͤnnen, ihm ſchwand, da erſann er eine Liſt, um ſeine Freiheit zu retten, und ſeine Schmach raͤchend mit dem Heere der Englaͤnder nach Schottland wieder zu kehren. Man erlaubte es von Seiten der Be⸗ lagerer, daß alle Frauen und Kinder Do⸗ ventale verlaſſen durften, ohne daß ihnen ein Haar gekruͤmmt wurde, weil man einen Sturm auf Tod und Leben beſchloſſen hatte, wo alles Maͤnnliche niedergemetzelt, und die aufruͤhreriſche Brut vertilgt werden ſollte. Die Grafin Douglas mit ihrer Tochter wollten von dieſer Erlaubniß kei⸗ nen Gebrauch machen, und ſich ihren Fein⸗ den lieber todt als lebendig uͤberliefern, da ſie das ſchreckliche Schickſal ahneten, was 191 über ſie verhaͤngt ſey. Angus erbat ſich die Kleidung ſeiner Schweſter, hing einen großen Plaid um, verhuͤllte ſich bis an die Naſe, den Kinn und den Mund, miſchte ſich unter die abziehenden Frauen, und glaubte ſo zu entkommen. Aber ſein Gang und Wuchs verrieth ihn. Der Ba⸗ ronet Mervitle, den er einſt als einen Ge⸗ fangenen eine lange Zeit eingeſperrt hielt, ſagte, als ihm die Frauen, und Douglas un⸗ ter dieſen vorüber gingen:„Ich wette, dieſe da iſt kein Weib“ Er riß Douglas den Plaid ab, ſtreifte ihm die Bedeckung von dem Kinn und Munde, erkannte ihn und rief laut:„Da haͤtten wir den Hochverräter!“ —„Du haſt ihn nicht,“ bruͤllte Angus, in⸗ dem er einen Dolch aus dem Buſen zog, den er mit den Worten ſich in die linke Seite ſtieß:„Frei bin ich geboren, frei will ich ſterben!“ Er ſtuͤrzte nieder wie eine Eiche, die der Sturm getroffen hat. Wenn 192 man den Mann auch nicht achten konnte, der heilige Geſetze mit Fuͤßen trat, und mit ſeinem Hochmuthe und ſei⸗ ner Herrſchbegierde Recht und Ordnung entehrte, ſtaunen mußte man doch uͤber ſeine Rieſengroͤße, uͤber ſeine Süh beit und ſeinen unerſchrockenen Geiſt. Er zuckte mit den Haͤnden, verkehrte die hn und— war dann nicht mehr. Auf Beſehl des Laird Inverleith wurde er in dem Anzuge ſeiner Schweſter nach Edinburg gebracht, wo man an dem Tod⸗ ten noch ein Strafurtheil vollzog. Die Freude des Kardinals uber den Fall des Grafen Angus war ſehr groß. Aber ver⸗ dammlich fand es der Prieſter, daß Glami ihrem Bruder zur Flucht behuͤlflich ſeyn wollte, indem ſie ihm ihren Anzug lieh. Der Koͤnig war jetzt mehr auf Alle erbit⸗ tert, die den Namen Douglas fuhrten, als „ 193 je, und er ſelbſt unterzeichnete den Befehl daß die Graͤfin und Glami von Doventale durch eine Wache abgeholt, und in der Nacht in ein Gefängniß nach Stirling ge⸗ bracht wurden. Fuͤr jetzt wußte es Niemand, wo ſie geblieben waren. Angus von Douglas, dieſer ſturmiſche, ruhmſuͤchtige Mann, der dem unklugen Drange, Großes in's Werk zu richten, wo⸗ zu ihm doch die Mittel fehlten, Alles auf⸗ opferte, was jedem Menſchen heilig und theuer iſt, wurde nur im Grunde des Her⸗ zens ſeiner Gattin aufrichtig betrauert, ſie wußte es, daß ſein Gemuͤth, bei allen Feh⸗ lern des Verſtandes, herrliche, liebenswuͤr⸗ dige Eigenſchaften ſchmuͤckten. Als ſie von ſeinem Selbſtmorde hörte, da ſie ſich ſchon vorbereitet hatte, daß ſein Unternehmen einen höchſt unglücklichen Ausgang gewin⸗ nen werde, verließ ſie die Sprache. Sie m. 194 erblaßte und ſank ohnmaͤchtig nieder. Als ſie wieder zum Bewußtſeyn kam, ſagte ſie mit bebender Stimme:„Seine Feinde wer⸗ den ſich freuen, daß er nicht mehr iſt, ich aber muß ſeinen Tod ewig beweinen. Sein Rieſengeiſt konnte unter den umſtänden nicht ſo fortbeſtehen, er mußte die Huͤlle zerſchlagen, in die er eingezwaͤngt war. Welten bauen oder zerſtören, das ſprach ihn an, um Kleines hat er ſich nie bekuͤm⸗ mert. Nun ſchwebe ich ſeinetwegen nicht in aͤngſtlichen Zweifeln mehr, er hat über ſich ſelbſt geboten, ſeiner Seele ſey Gott gnaͤ⸗ dig, der bei großen Tugenden auch großen Fehlern verzeiht. Haßt ihn ganz Schott⸗ land, mit meinen Soͤhnen werde ich ihn ewig lieben!“— Fremder Troſt genuͤgte Marien nicht, ſie konnte ſich ſelbſt be⸗ Nicht der Tod des Angus allein, ſondern auch das ploͤtzliche Verſchwinden ſeiner Mutter und Schweſter machte unter den Edeln großes Aufſehen. Am gewiſſe⸗ ſten glaubte man anfangs, daß die Gräfin und Glami, auf geheimen Befehl, bei der Wegnahme des Schloſſes Doventale er⸗ mordet wären. Heinrich, Graf von Murray, fluchte dem verwegenen Douglas, der aus London kam, neues Unheil ſtiftete, viele Perſonen, die ſich von ihm blenden ließen, in's Ungluck ſtuͤrzte, und auch an der Hin⸗ richtung ſeiner Braut Schuld war. Nach Doventale aber ritt er nicht hin, um ge⸗ nauere Erkundigungen einzuzieben. Da der Name Angus von Douglas ſo allgemein verhaßt war, und der von keiner Parthei geachtet wurde, der ſein Freund war; da man die Mitgeſellen der Empoͤrung, welche er anzettelte und allgemein verbreiten wollte, aufſuchte, verfolgte, um ſie zur peinlichen Haft zu ziehen, da war es Heinrich Murray 196 lieb, daß er ſich mit Glami in keine ehe⸗ liche Verbindung eingelaſſen hatte, und aus Vorſicht und Klugheit fragte er Niemanden, wo ſie geblieben ſey. Sollte er ihren Tod oder ihr Wiedererſcheinen wuͤnſchen, das wußte er ſelbſt nicht gewiß. War ſie noch lebendig, kam ſie wieder an's Licht, ſo ge⸗ rieth er, nach ſeinem Gefuͤhl und ſeinem Urtheil, in eine große Verlegenheit, denn alle Perſonen, die zu der Douglasſchen Familie gehoͤrten, waren dem Koͤnig und dem Adel in gleichem Grade verhaßt. Zu Murray's groͤßtem Schreck erſchien von Seiten des Hofes nachſtehende Erkläͤ⸗ rung an die Edeln des Landes:„Wir ſind der guten Hoffnung, daß der Adel endlich einſehen wird, wie wenig er für das allge⸗ meine Beſte und ſeinem eigenen Vortheil ſorgt, wenn er auf dem Wege der Gewalt und Empoörung das erzwingen will, was — — 197 ihm Geſetz und Ordnung nicht geſtatten kann. Der Aufruͤhrer Angus von Douglas iſt einer gerechten Beſtrafung dadurch ent⸗ gangen, daß er ſich ſelbſt den Dolch in's Herz ſtieß. Tod und Gefaͤngniß iſt der Lohn der Unruheſtifter, die auf eine allge⸗ meine Zerruͤttung das Gebaͤude ihres Hoch⸗ muths, ihrer Zuͤgelloſigkeit errichten, und da gebietende Herren ſeyn wollen, wo ſie ſich mit dem Range geachteter Unterthanen be⸗ gnuͤgen ſollten. Was kann aus einem Volke werden, wo der Fuͤrſt und die vor⸗ nehmſten Glieder deſſelben in feindlicher Spaltung lehen insbeſondere, wenn es zum Kriege, der uns in der Naͤhe droht, koͤmmt. Niemand muß es ungerecht finden, wenn wir die Mitgeſellen des Douglas, welche Theilnehmer ſeiner Empoͤrung ſind aufgrei⸗ fen, und nach Verdienſt beſtrafen laſſen. Die Rotte des gemeinen Haufens, welche die Radelsfuͤhrer blendeten, mit ſich fort⸗ 198 riſſen, ſoll unſere Verzeihung und Gnade erfahren. Es iſt Angus Schuld, daß auch ſeine Mutter und Schweſter leiden müſſen, was ihr Vergehen werth iſt. Sie ſind uns Beide uͤberliefert, und in peinlicher Verhaft. Beſonders aber hat ſich Lady Glami vergangen, indem ſie ihrem Bruder, welcher heimlich eniſchluͤpfen wollte, ihren Anzug lieh. Daß ſie einem Verbrecher zur Flucht behuſlich ſeyn wollte, hat ſie im erſten Verhoͤr eingeſtanden. Das Geſetz ſoll uͤber ſie entſcheiden, und aus Gerech⸗ tigkeitsliebe und um ein Abſchreckungsbei⸗ ſpiel zu geben, wollen wir das ei was uber ſie ergeht, nicht mildern t. sönig ute 5 Sᷣnt war Senich h die Nachricht, daß Glami noch lebte, daß ſie eine Gefangene war, daß ſie ſich ſtrafbar gemacht hatte, und von dem Geſetze mit 199 aller Strenge gerichtet werden ſollte. Er verwuͤnfchte jetzt die Stunde, wo er um ihre Hand warb, daß er ſich durch die Verbindung mit ihr Jakob zum Feinde ge⸗ macht, und vielleicht den Koͤnig ſelbſt gegen ſich aufgebracht hatte. Es fiel ihm in der Ferne nicht ein, ein Wort zu ihrer Rettung fallen zu laſſen, oder ſich ihrer auf irgend eine Weiſe anzunehmen. Voͤllig uberließ er ſie ihrem Schickſale, mit dem Wunſche, daß es bald entſchieden werden moͤchte. Wo ſich ihm die Gelegenheit dazu bot, erklaͤrte er es oͤffentlich, daß er alle Verbindung, in der er fruͤher, von den Reizen der Lady geblendet, mit ihr ſtand, aufgehoben haͤtte. Alle die, welche Mitleid mit ihr hatten, und es nicht ſtrafbar fanden, daß die Schweſter dem Bruder ihre Kleider lieh, damit er ſeine Freiheit und ſein Leben zu retten verſuchte, fanden Murray hart, ver⸗ aͤchtlich und ohne wahre Liebe. Wenn er 200 ſie auch nicht aus dem Kerker fuͤhren und die Strafe von ihr abzuwenden vermochte, ſo konnte er ihr hartes Schickſal doch be⸗ trauern und liebend an ihr feſthalten, bis in den Tod. Als Jakob von der Erſcheinung des Grafen Angus in Doventale hörte, zitterte ſein Herz fuͤr Glami, er furchtete, daß ſie dadurch auf irgend eine Weiſe in Gefahr gerathen koͤnne. Da er das Unternehmen fur tollkuhn halten mußte, weil er die Kräfte kannte, die ihm entgegen ſtanden, um es zu vereiteln, nahm er an demſelben auch nicht den entfernteſten Antheil. Das Geruͤcht, daß ſich Angus ſelbſt umgebracht hatte, kam ihm pald zu Ohren. Seine Schweſter betrauerte er aufrichtig, wiewohl er ſeinen Tod fuͤr eine Wohlthat fuͤr ſie hielt. Daß ſie mit ihren Söhnen bei ſei⸗ nem Vater war, das wußte er noch nicht. 201 Maͤßigen aber konnte er ſeinen Schmerz nicht, als er von Glami's Gefangenneh⸗ mung hoͤrte, und daß ſie den verbrecheriſchen Bruder Vorſchub geleiſtet hatte, um zu entkommen. Bei der zornigen Stimmung des Koͤnigs gegen ſie und alle Douglaſſe, durfte er ſich mit der Hoffnung nicht ſchmeicheln, daß die Strenge des Geſetzes, was gegen ſie erkannte, gemildert werden wuͤrde. Es war feſter Entſchluß bei ihm, wenn es ihm unmoͤglich war, ſie den Haͤn⸗ den der Gerechtigkeit zu entziehen, und wenn gar das Todesurtheil über ſie gefaͤllt wurde, an dem Tage ihrer Hinrichtung mit ihr zu ſterben. Eben jetzt, da er ſie in der groͤßten Geſahr ſah, hatte ſeine Liebe zu ihr, die er nie verieugnete, den groͤßten Aufſchwung genommen. Es war ihm zu Ohren gekommen, daß ſie es nicht ableugnete, wie ſie ihrem Bruder freiwillig ihre Kleidung darreichte, als er ſie darum 202 bat, ſie hatte ſogar, als ob ſie des Lebens muͤde ſey, und zu ſterben wuͤnſchte, unauf⸗ gefordert und ungefragt geſtanden, daß ſie das Aeußerſte zu ſeiner Rettung gethan haben wuͤrde, ſelbſt wenn ſie den Tod da⸗ fuͤr leiden muͤßte. Bei allen ſeinen Ver⸗ gehungen und Fehlern waͤre das Schweſter⸗ gefuͤhl in ihr unerſchuͤttert geblieben, und ſie haͤnge noch mit innigſter Neigung an den Todten, ob ihn auch die ganze Welt haſſe. Das Schickſal habe wunder⸗ bar mit ihr geſpielt, ſie auf den Gipfel eines glaͤnzenden Gluͤcks gehoben und wie⸗ der hinabgeſtoßen, darum, weil ſie ſich nichts mehr vom Leben verſpreche, ſey der Tod ihr Wunſch. Nur Eins bereue üe, daß ſie dem Graf von Bothwell ihre Hand verweigert haͤtte. Sie waͤre mit ihm eine gluͤckliche Frau geworden, und in der Ver⸗ bindung mit ihm waͤre ſie nie dahin ge⸗ kommen, da als eine Gefangene zu ſitzen, 203 wo ſie alle Huldigungen einer jungen Kö⸗ nigin genoſſen haͤtte. Ihr Ende ſey fuͤr Tauſende ein belehrendes. Sie bat ihre Richter flehentlich, da ſie ihrer That ſelbſt eingeſtaͤndig ſey, mit der Vollſtreckung nicht zu zoͤgern. Da ſie es ausdruͤcklich verlangte, daß man es Jakob von Bothwell ſagen moͤchte, wie ſie mit Dank, Liebe und Achtung gegen ihn ſturbe, ſo machte man ſich's zur Pflicht, ihren Wunſch zu vollziehen. Er war dar⸗ uͤber im hoͤchſten Grade geruͤhrt, und rief ſeufzend aus:„Ach, ſie hat ein beſſeres Loos verdient! Unbegreiflich ſind die Wege des Himmels! Waͤre ſie meine Gattin ge⸗ worden, ſo hätten ſie die Blitze nie getrof⸗ fen, die ſie nun erſchlagen werden. Schei⸗ nen doch gewiſſe Menſchen dazu beſtimmt zu ſeyn, als Opfer einer gewaltigen, zer⸗ ſtrenden Macht zu fallen!“ 204 Die Thraͤnen rollten ihm uͤber die Wangen, er verbiß ſeinen Schmerz und fragte:„Aber, hat ſie denn des Grafen Murray nicht erwaͤhnt? Er war ja ihr Braͤutigam?“—„Mit keiner Sylbe,“ lau⸗ tete die Antwort. An demſelben Tage noch hatte er mit dem Kardinal ein Geſpraͤch, welches Glami betraf. Von ihm erfuhr er daß die Lady nach Edinburg gebracht und daß ihr Prozeß hier bis zur Entſcheidung geleitet werden ſollte. Er fuͤrchte, daß das Geſetz ſie hart beſtrafen werde. Joakob that an ihn die Frage, ob der Verſuch nicht zu machen ſey, den Koͤnig zu bewegen, daß er diesmal Gnade fuͤr Recht ergehen laſſe. Die Lady habe viel Entſchuldigendes auf ihrer Seite, was zu ihrer Verzeihung ſpraͤche, der Kö⸗ nig ſey großmüthig und guͤtig, das habe er ſelbſt erfahren.—„Ja, das iſt er, und 205 ich glaube ſogar, daß er alle die Brauſe⸗ koͤpfe begnadigen wird, die mit dem Graf Angus liefen, der nichts weniger im Schilde fuhrte, als die Krone von Schottland auf ſein verbrecheriſches Haupt zu druͤcken; aber gegen die Douglaſſe iſt er unerbittlich. Er laßt das Geſetz uͤber die Lady reden. Noͤthigt ihn nicht, Eure Bitte abzuſchlagen, Ihr koͤnntet Euch uͤberdies bei ihm ſchaden. Bedenkt, oft muß uns der Wille fuͤr die That gelten.“ Als Jakob von dem Oberſten der Garde, dem Graf von Lipthermoore, ſeinem Vetter von Mutterſeite, das Verſprechen erhalten hatte, daß er benachrichtigt werden ſollte, wenn er den Befehl vom Koͤnig er⸗ hielt, mit ſeiner Mannſchaft die Graͤfin Douglas und Glami nach Edinburg von Stirling zu führen, da wälzten ſich man⸗ cherlei Plane in ſeinem Kopfe umher, aber 206 noch gefiel ihm keiner, er konnte mit ſich ſelber nicht eins werden. Lipthermoore wußte es wohl, wie zärtlich Jakob die Lady liebte, er ſelbſt war der vertrauteſte Freund ihres Vaters geweſen, und ſah ſie von ihrer erſten Kindheit aufbluͤhen. Daß Jakob etwas im Sinne fuͤhrte, was Glami betraf, das glaubte er gewiß, aber er wollte es nicht hindern, da das Mädchen nach ſeiner innerſten Ueberzeugung dem Zuge des ſchweſterlichen Herzens folgte, wenn ſie dem Bruder ihre Kleider hingab, um dadurch ſeine moͤgliche Rettung zu bewirken. Und welche Schweſter haͤtte das nicht gethan! Aber das Geſetz richtet in vielen Stücken anders, als unſere durch das Gefuhl be⸗ ſtimmte Ueberzeugung. Jakob mußte es ihm bloß mit einem Eide betheuern, daß er es nicht verrathen wollie, wenn er ihm Tag und Stunde zur Abholung Glami's von Stirling kund that. 207 Als er in ſeine Wohnung zurück kam, fand er dort einen Boten von Dunskirk, der ihm einen Brief uͤberreichte. Er ſtaunte, als er an der Anſſchriſt erkannte, daß ſeine Schweſter ſie geſchrieben hatte. Ehe er ihn erbrach, fragte er, ob die Graͤ⸗ fin Douglas, ſeine Schweſter, bei ſeinem Vater ſey, und erhielt die Antwort von dem Boten:„Das iſt ſie und ihre beiden Soͤhne ſind bei ihr. Beim Wegreiten rief ſie mir nach:„Du darfſt nicht allein zu⸗ ruͤckkommen, und mußt meinen Bruder mit⸗ bringen“ Sie ſchrieb alſo:„Es iſt Dir nicht unbekannt, daß Angus ſich ſelbſt ermordet hat. In ſeiner Lage, bei ſeinem Gemuͤthe konnte er ſeine Ehre und Frei⸗ heit nicht anders als durch den Todesſtoß retten und— ihm ſey verziehen. Treu und edel hat er mich geliebt. Es iſt meine Schuld nicht, daß ſein Leben in eine ſo unglckliche Seit fiel, und er mußte das 208 Opſer derſelben werden. Unter andern Verhältniſſen wuͤrde man ſeinen Ruhm zum Himmel erhoben haben, wie man den+ Verblichenen jetzt verdammt. Kein Wort mehr von ihm, er ſchied im Leben von mir, mein Geiſt iſt mit ihm verſoͤhnt und eins, und meine Hoffnung, meine Freude iſt es, ihn wieder zu ſehen.“ „Daß ich in Dunskirk bin, weißt Du gewiß nicht, ſonſt haͤtte Deine Bruderliebe ſo lange nicht gezögert, mich zu umarmen. Ich kenne Dein liebendes Herz, es hat ſich gegen mich nicht verleugnet. Das Schick⸗ ſal Glami's beugt Dich gewiß. Komm, mein Bruder, leidende Seelen richten ſich am beſten an einander auf. Wir beduͤrfen einander. Meine Kinder ſehnen ſich mit mir nach Dir. Eine Strecke des Weges komme ich Dir mit ihnen entgegen. Uns mennt keine politiſche Meinung, kein 209 Partheigeiſt, wir ſind Geſchwiſter. Die Eitern gruͤßen Dich, und vereinigen ihre Wuͤnſche mit den meinen Dich hier iu ſehen. Deine Marie.“ Es war eine beſondere Stimmung der Seele, welche dieſer Brief in Jakob hervor⸗ brachte, ſie war nicht Freude, nicht Schmerz. Das eine Gefuͤhl verdraͤngte ſchnell das andere, das eine folgte auf's andere. Sollte er gehen, ſollte er bleiben, er konnte zu keinem feſten Entſchluſſe kommen. Er ſtand zwiſchen zwei Punkten, wo der eine ihn an ſich zog und der andere ihn nicht losließ. Gern, gern wollte er hineilen zu der geliebten Schweſter, die durch eine Reihe vielfacher Leiden einen ſo herrlichen Sinn bewaͤhrt hatte, die ihn zu einer Zeit mit muͤtterlicher Liebe pflegte, die ſeinem U. 14 gänzen Denken und Handeln ſeine Rich⸗ ug gab, der er mehr Dank ſchuldig zu ſeyn glaubte, als ſeiner Mutter. Sie for⸗ derte Troſt von ihm, und nichts hatte er bisher ihr erweiſen koͤnnen, was fuͤr ihre Wohlthaten des Nennens wuͤrdig war. Die Beſorgniß, daß der Vater ihm den Aufenthalt durch Vorwuͤrfe verbittern wer⸗ de, ſchreckte ihn nicht zuruͤck. Aber wenn Glami in Edinburg ankam, wenn er ſie nicht ſah, wenn er ihr kein Wort zur Be⸗ ruhigung ſagen konnte, wenn man ihm die Erlaubniß nicht geſtattete, ſie im Kerker zu ſehen! Verſaͤumte er durch ſeine Entſer⸗ nung nicht auch die Gelegenheit, zu ihrer Rettung Alles oder Etwas beitragen zu koͤnnen? Eben darüber dachte er nach, was darauf Bezug hatte, und es war in ihm noch zu keinem Lichte, zu keinem feſten Grunde gekommen.— Jakob ging zu ſei⸗ nem Vetter, dem Graf von Lipthermoore, — 21¹ und ſprach mit ihm von der Einladung ſeiner Schweſter nach Dunskirk, erklaͤrte aber zugleich auch, daß er nicht dahin reiſen werde, wenn er ihm nicht durch einen ge⸗ heimen Boten von ihrer Abholung nach Edinburg Nachricht gaͤbe.„Reiſet immer dahin,“ ſagte der Graf,„und laßt Euern getreueſten Diener hier, der ſoil Euch dieſe Nachricht uͤberbringen, darauf gebe ich Euch mein Ehrenwort. Ich ſehe wohl, es iſt Euch viel daran gelegen, daß Ihr die Zeit wißt. Jakob, verrathet mich nicht. Das Schickſal der Lady ſchmerzt mich ſehr; aber ich kann nichts fuͤr ſie thun, es wird ſehr hart ſeyn. Ganz Schottland muß ſie betrauern. Die Pflicht der Schweſterliebe galt ihr mehr als das Geſetz. Wißt, ich ſende nur vier Bewaffnete zu ihrer Abho⸗ lung. Thut, was Ihr nicht laſſen koͤnnt, nur miſcht mich nicht in Euer gewagtes Spiel. Ihr verſteht mich, ich habe Euch 212 verſtanden. Nun, Punktum, kein Wort mehr von der Sache.“ Mit einem Schlage war der Beſchluß zur Reife gekommen, die Lady auf dem Wege von Stirling nach Edinburg den Be⸗ waffneten zu entreißen, als der Graf alſo geſprochen hatte. Die Leute, um das Un⸗ ternehmen auszufuͤhren, waren in Dunskirk licht gefunden. Als Jakob die Erlaubniß zu der Abreiſe erhalten hatte, unterrichtete er ſeinen Diener, der ihm nachkommen ſollte, und verließ mit einem Herzen, in dem die widerſtreitendſten Gefuͤhle kaͤmpften, das koͤnigliche Schloß, das er nie, nie wieder zu betreten gewiß glaubte. Er zweifelte nicht, daß ihm ſein Wageſtuͤck gelingen werde. Faſt auf dem halben Wege begegnete ihm ſeine Schweſter mit ihren beiden Soͤh⸗ 213 nen. Alle verließen ihre Roſſe und um⸗ armten ſich mit ſchmerzhafter Wehmuth. Marie ſagte:„Jakob, von dem Todten laß uns nicht reden, er iſt im ſichern Haſen, und nach einer kurzen Zeit voll Unruhe bin ich auch bei ihm; aber von ſeiner ungluͤck⸗ lichen Schweſter, von der Glami, die in einem ſchweren Kampfe begriffen iſt, welche Dich immer ſo lieb hatte, laß uns reden.“ Zu ihren Soͤhnen ſagte ſie:„Reitet vor⸗ ſichtig voraus, und meldet die Ankunft des lieben Onkels Jakob.“ Als ſie nun allein waren und un⸗ geſcheuet reden konnten, ſagte Marie: „Glaube mir, daß ich die Wahrheit ſage, wenn ich's Dir offenbare, daß Dich Glami mehr als den Graf Murray liebt. Mit verblumten Worten hat ſie mir das in Do⸗ ventale ſelbſt geſtanden. Aber welcher Troſt kann das fuͤr Dich ſeyn, da ſie am 214 Rande eines Abgrundes ſteht, in den ſie die Strenge des Geſetzes bald ſtuͤrzen wird! Du kannſt ſie ſchwerlich retten.“—„Ma⸗ rie, ich kann es, ich will es,“ ſagte Jakob, und theilte ihr ſeinen Entfuͤhrungsplan mit, den ſie billigte. Er hatte beſchloſſen, ſeine Flucht mit ihr nach England zu nehmen. „Meinſt Du es gewiß, daß ſie mit ihrer Liebe einen Dienſt lohnen wird, der ihre Freiheit, vielleicht ihr Leben rettet? Arm, verbannt will ich ſeyn, wenn mich nur Glami mit ihrem Herzen lohnt!“—„Ja⸗ kob, bei Gott, das wird ſie! Wie leicht wird Murray ihrem Gedaͤchtniſſe entfallen! Was hat er denn fuͤr ſie gethan? Fuͤrchte nichts von ihm, Dein Bruder Heinrich hat es ſelbſt aus ſeinem Munde gehoͤrt, daß er ſich von ihr losgeſagt hat, und ſeine Schwe⸗ ſter hat es mir verſichert, ihr Bruder habe alle Gemeinſchaft mit ihr aufgehoben.“— „Der Bube, der Treuloſe, der Nichtswur⸗ — 2¹5 dige!“ rief Jakob aus,„wie ſchlecht beſteht er in der Probe!“—„Das mußt Du ihm verzeihen,“ ſagte Marie,„das Gemeingut der Maͤnner iſt nicht anders, wie dieſer Murray. Man umflattert die reizende Schoͤne mit ſuͤßen Schmeicheleien, und fliegt von ihr, wenn ſie von harten Unfallen heimgeſucht wird. Sie ſoll nur zur Luſt und zum Scherze dienen, findet man den nicht mehr bei ihr, ſo wird ſie verlaſſen, und mag Huͤlfe und Troſt ſuchen, wo ſie ihn findet.“ Guͤtig und freundlich wurde Jakob in Dunskirk empfangen. Er fand ſeinen Bru⸗ der mit ſeiner Familie daſelbſt, der allen Zorn vergeſſen zu haben ſchien, und nicht mehr mit ihm haderte. Man hatte es ein⸗ geſehen, wie übel es um die ſtand, welche ſich als offenbare Feinde des Königs zeig⸗ ten. Margaretha aber hatte eine gewiſſe 216 Scheu vor Jakob, dem Feinde ihres Bru⸗ ders, und fuͤrchtete ſogar, daß er harte Urtheile uͤber ihn faͤllen werde, weil es allgemein bekannt war, daß er von Glami von Douglas gewichen war. Jakob erwaͤhnte ſeiner mit keiner Sylbe, und ſprach kein Wort, als von dem ungluck⸗ lichen Schickſal der Graͤfin und ihrer Toch⸗ ter geredet wurde. Da man ihn fragte, ob er am Hofe von den Gefangenen nichts gehoͤrt haͤtte, fuͤr die man ſich allenthalben ſo ſehr intereſſire, gab er die kurze Antwort: „Nichts habe ich von ihnen gehört, ich will auch nichts von ihnen yoͤren.“ Daß Jakob irgend ein ſchweres Ge⸗ heimniß auf dem Herzen hätte, das wollte ein Jeder bemerkt haben. Seine Miene war ernſt, ſein Auge feurig, Minuten lang auf einen Punkt gerichtet, an den Geſpraͤ⸗ chen nahm er nur Theil, wenn er ausdruck⸗ 217 lich gefragt wurde.„Aber was fehlt Dir, Jakob,“ fragte der Vater,„biſt Du doch, als ob Dir das groͤßte Ungluͤck begegnet waͤre, oder als ob Du es fuͤrchteteſt?— „Vater, das fragt Ihr mich? Wer koͤnnte jetzt ſcherzen! Sind nicht die Zeiten ſo, daß ſie zum Ernſte ſtimmen? Mit welchen Gedanken beſchaftigen ſie das Nachdenken? Sollte nicht ganz Schottland trauern, und — Ihr? Mir ſcheint, wir ſtehen vor einem großen Vorhange, hinter dem Tod und Leben, Fall und Auſerſtehen verborgen iſt, und— wann er aufgezogen wird, wer kann das wiſſen, wer wird es erleben. Ein blu⸗ tiger Krieg ſteht uns bevor, die Englaͤnder drohen nicht umſonſt, ſie werden zuſchlagen, und ob uns dann die Noth nicht trifft, die wir jetzt in der Einbildung zu tragen waͤh⸗ nen, das iſt die Frage. Nun, es iſt Alles auf einen ſolchen Punkt geſtellt, daß ſich in Kurzem das Wichtigſte entſcheiden muß, 2¹8 ob fuͤr den Thron, ob fuͤr den Adel, das wiſſen nur die Götter.“ Einige Stunden in der Daͤmmerung vermißte man Jakob ganz und wußte nicht, wo er geblieben war, dieſe aber wandte er zu dem wichtigen Geſchaͤfte an, daß er acht der beherzteſten Leute auf ſeine Seite brachte, die ihm die Betheurung gaben, daß ſie mit ihm ein Wageſtuͤck ausfuͤhren und auf ſeinen Wink bereit ſeyn wollten, ihm zu folgen. Alle mußten ihm mit einem Eide Verſchwiegenheit geloben, und er verſprach ihnen dagegen eine betraͤchtliche Geldſumme. Paul Witterbolder, der aͤlteſte von Allen, ſagte:„Graf, wir dienen Euch aus Liebe, und nicht um Sold. Wer Geld nimmt, und nur um Geld dient, der iſt in Gefahr ein ſchlechter Held. Wie ich, ſo denken meine Cameraden. Verlaßt Euch darauf, wenn Ihr ruſt, ſo kommen wir. Unſere 2¹9 Schwerter, wie Ihr wißt, ſind immer ge⸗ wetzt, weil wir denken, es wird fuͤr uns bald etwas zu thun geben, ſo munkeln die Leute.“ Sie ſaßen Alle in der großen Halle um den Tiſch und unterhielten ſich mit Geſchichten der Vergangenheit, weil die Ge⸗ genwart keinen Stoff zu erheiternden Ge⸗ ſpraͤchen darbot, als Michael, Jakobs Be⸗ diente, in's Zimmer trat und meldete: er ſey ihm mit einem Schreiben nachgeſchickt, deſſen Inhalt er nicht kenne, es waͤre ihm aber beſtellt, es nach Dunskirk zu bringen. Jakob erſchrak.„Dummer Teufel,“ ſagte der Graf Herburn,„biſt Du am Hofe noch nicht kluger geworden? Sagt man dem Boten auch, was im Briefe ſteht? Wer gab Dir den Brief?“—„Ein Schloß⸗ bediente,“ entgegnete Michael.„Die Kerls ſehen in ihrer Livrse alle egal aus, daß man 220 den Einen von dem Andern nicht unterſchei⸗ den kann, und nach ſeinem Namen habe ich nicht gefragt. Er ſagte bloß:„Du uͤber⸗ bringſt dieſen Brief Deinem Herrn, der vor wenigen Stunden Edinburg verlaſſen hat.“ Ich aber erwiederte: warum hat man denn meinem Herrn das nicht vor ſeiner Abreiſe geſagt, was man ihm nun ſchreibt? Mir und dem Roſſe die Muͤhe zu machen! „Schaf,“ ſagte der geputzte Kerl,„wozu ſind denn die Roſſe in der Welt, als daß ſie geritten werden, und Ihr Burſchen, daß Ihr ſie reitet?“ Ich mußte uͤber den Kerl lachen, und dachte, daß er viel duͤmmer wäre als ich.“—„Plappermaul,“ ſagte der Graf,„gehe nur.“—„Ja,“ ſagte Michael im Gehen,„wer gefragt wird, der ſoll antworten, das iſt eine Lehre, die ich von meiner Großmutter habe. Hatte ſie Recht oder Unrecht, ich weiß es nicht, ſie kann ſich aber nicht mehr verantworten, da 221 ſie ſeit vierzebn Jahren ganz ſtumm im Grabe liegt.“ „Nun,“ fragte der Vater, als Jakob den Brief geleſen hatte,„ſteht Neues darin?“—„Nichts weiter, als daß ich wieder abreiſen muß. Der Koͤnig' ſtellt in der Gegend von Falkirk ein großes Jagen an, und ich ſoll dabei nicht fehlen.“—„Wirſt Du uns ſo eilig wieder verlaſſen?“— „Vater, Ihr habt uns zum Gehorſam ge⸗ woͤhnt, und ich kann nicht wegbleiben. Bald komme ich wieder.“—„Ja, ja, ſo geht es,“ ſprach Herburn kopfſchuͤttelnd, „wer einem großen Herrn dient, der hat aufgehoͤrt, ſein eigener Herr zu ſeyn. Wie Du Dich fuͤgen mußt!“ Am ſpäten Abend, als Marie auf ihrem Schlafzimmer war, ging Jakob zu ihr und entdeckte ihr das Geheimniß, daß 222 der Graf von Liptermoore ihm gemeldet haͤtte, daß vier Garden nach Stirling abge⸗ ſchickt waͤren, um Glami nach Edinbung zu fuͤhren. Sie haͤtten den ausdrücklichen Be⸗ fehl, die Sache geheim zu halten, und um alles Aufſehen zu vermeiden, des Nachts ihre Ruͤckreiſe mit der Gefangenen zu ma⸗ chen. Er entdeckte es ihr, daß er acht Ge⸗ treue gefunden haͤtte, die unter ſeiner An⸗ fuͤhrung Glami's Befreiung bewirken helfen wollten. Marie wuͤnſchte ihrem Bruder zu dem Unternehmen Gluͤck, das ihr nicht ſchwierig erſchien, und gab ihm ihre beſten Koſtbarkeiten, damit es ihm nicht an den Mitteln, ſeine Flucht zu beſchleunigen, und in England nicht an dem Nöthigen zu ſei⸗ nem Unterhalte mangele. Er umarmte dankend ſeine Schweſter und ſprach:„Ich werde Deiner Liebe ewig gedenken! Vielleicht ſehe ich Dich mit Glami in beſſern Zeiten wieder!“ Er ſchied von ihr, ſeine und ihre „ 223 Thraͤnen floſſen.— Als er kurz nach Mit⸗ ternacht mit ſeinen acht Geruͤſteten, die alle zu Roſſe ſaßen, in möglichſter Stille aus dem Thore ritt, ſagte er zu dem Thor⸗ wart:„Meldet morgen meinem Vater, daß ich auf einen Streifzug ausziehe, und daß ſeine Leute nach vier Tagen wiederkommen.“ Als er und neben ihm Michael, der treue Diener, ein zweiter Cunert, einige Stun⸗ den geritten waren, zog er ſich mit ſeinen Leuten in einen dicken Wald zuräck, fern von der Straße. Hier verweilten ſie den Tag uͤber. Michael mußte in der naͤchſten Meierei Lebensmittel einkaufen und ſie nach dem Walde bringen. Waſſer, um den Durſt der Menſchen und Pferde zu loſchen, war bald gefunden. Jakob entdeckte ſeinen Leuten nur das Eine, daß ſie, ihrer Zehne, es nur mit Vieren aufnehmen duͤrften und ſagte, daß ſie erſt dann die Schwerter gebrauchen ſollten wenn er es beföhle.—„Ei,“ ſagte 24 Paul Witterbolder,„dieſe Arbeit iſt fuͤr uns faſt zu leicht, die hätten unbaͤrtige Knaben auch verrichten koͤnnen.“—„Das vielleicht“ ſagte Jakob,„aber man kann nicht wiſſen, ob ich nicht der maͤnnlichen Arme bedarf. Ihr ſeyd auch verſchwiegen, und Knaben plaudern. Mag Eure Muͤhe nicht groß ſeyn, ſo ſoll es doch der Lohn werden, den ich Euch zugedacht habe. Ihr wollt mir nicht um Geld dienen, und ich mag Euer Schuldner nicht bleiben.“ Einigemal entfernte ſich Jakob auf mehrere Stunden, und kam dann wieder zuruͤck. Waͤhrend er auf der Lauer lag und mit klopfendem Herzen ſeinen Fang abwartete, verbreitete ſeine Entfernung mit den acht treueſten und beſten Leuten in Dunskirk eine große Verwirrung. Man glaubte nicht, daß Jakob dem Thorwart die Wahrheit geſagt hatte. Die fuͤr ihren 6) 225 Bruder beſorgte Margaretha fiel ſogar auf den Gedanken, daß Jakob geſonnen ſey, Rache an ihm zu uͤben. Sie wollte durch⸗ aus Dunskirk verlaſſen, um ihn zu be⸗ nachrichtigen, daß er nicht in Gefahr ge⸗ riethe. Als ſie ſich nicht halten laſſen wollte, ſagte Marie:„Daß Jakob Deinen Bruder nicht liebt, das weiß ich ganz ge⸗ wiß; aber daß er ihm kein Leid zufügt, das verbuͤrge ich Dir mit meinem Leben. Sey ruhig, warte die Ankunſt der zuruck⸗ kehrenden Leute ab, und wir werden dann Alles erfahren.“— WMan glaubte, daß Jakob Marien ſein Geheimniß anvertrauet haͤtte, drang in ſie, daß ſie es offenbaren ſollte, aber ſie verrieth keine Sylbe. Am dritten Abend war es, wo Jakob mit ſeinen Leuten aufbrach, und ſich in ein dickes Gebuͤſch dieſſeirs Stirling verbarg. Sie mußten, als die Mitternachtsſtunde 15 226 voruͤber war, ſich auf den Roſſen helten, um in jedem Augenblicke hervorzuſprengen. Unter den Verhaltungsbefehlen, die er ihnen gab, war auch der, daß Keiner ein Wort reden ſollte. Michael war fortgeſchickt, um zu kundſchaften, ob er nicht Reiter kom⸗ men hoͤrte. Die Nacht verfloß, der Mor⸗ gen graute, und Jakob war in der groͤßten Angſt, ob die Garden nicht aus Vorſicht den offenen Weg gewaͤhlt, und den wal⸗ digen vermieden haͤtten. Der liſtige Mi⸗ chael wurde am Tage nach Stirling ge⸗ ſchickt, um Erkundigungen mit aller Vor⸗ ſicht einzuziehen, ob die Lady ſchon abge⸗ fuͤhrt ſey, oder noch in ihrem Gefaͤngniſſe gehalten werde. Erſt am Abend kam er wieder und meldete:„Ich habe ei⸗ nen der Garden, den alten Oldenlewer, auf der Straße ſelbſt geſehen, und mußte in eine Gaſſe ſchleichen, damit ich ihm nicht begegnete, und er mich nicht erkannte. 227 In einem Wirthshauſe wußte ich es uͤber⸗ dies zu erforſchen, daß die Graͤfin Dou⸗ glas mit ihrer Tochter noch im Kerker iſt. Man meinte, der Letztern wurde es ſchlimm ergehen, und ſie wuͤrde mit dem Leben nicht davon kommen.“ Der Mond ſchien hell, die Sterne leuchteten klar, es war eine ſchoͤne Som⸗ mernacht. Die Stille des Waldes wurde nur durch das Geſchrei der Uhu's und das Geflatter der Raben unterbrochen. Jetzt hoͤrte man den Hufſchlag mehrerer Roſſe, und Michael, der von ſeinem Po⸗ ſten zuruͤckkam, ſagte:„Sie kommen! Glami iſt in ihrer Mitte! Das Biitzen der Schwerter habe ich mit meinen Augen geſehen!“ „Nun,“ ſo ſprach Jakob zu den Sei⸗ nen,„nun ſeyd Maͤnner, helft mir das 228 Theuerſte gewinnen, ſteuert Euerm Unge⸗ ſtum und redet kein Wort.“ Jakob ſprengte im vollſten Galopp voran, und ſeine Geruͤſteten folgten ihm auf dem Fuße nach. Die Garden, in deren Mitte die Lady auf einem Roſſe ſaß, waren ſogleich umringt, und der Graf ſagte mit verſtellter, faſt bruͤllender Stimme: „Garden, gebt uns die Lady frei, weiter verlangen wir nichts! Ihr ſeht, daß Ihr uͤbermannt ſeyd, und daß Euer Widerſtand fruchtlos ſeyn wuͤrde. Wozu ein unnuͤtzes Blutvergießen? Jeder Einzelne von uns iſt bereit, fur die Freiheit der Gefangenen ſein Leben zu laſſen. Gebt uns Antwort, was Ihr entſchloſſen ſeyd zu thun.“ Der alte Gardiſt Oldenlewer erwiederte: „Wir ſollen die Lady Douglas nach Edin⸗ burg bringen, und Ihr durft uns in der 229 Erfuͤllung unſerer Pflicht nicht hindern. Wenn Ihr uns aber zum Gegenkampfe zwingt, ſo werdet Ihr Euern Zweck den⸗ noch nicht erreichen. Sobald Ihr auf uns gewaltſam eindringt, ſtoßen wir die Lady nieder, die Ihr entfuͤhren wollt. Ihr Moͤr⸗ der ſeyd Ihr dann.“ Er hatte kaum das letzte Wort ge⸗ ſprochen, als Glami's Roß auf ihren An⸗ trieb ſeitwaͤrts ſprang, und ſo aus der Mitte der Garden heraus war. Ein Gar⸗ diſt that einen Schwertſtreich nach ihr, der den Ruͤcken des Roſſes traf und machte, daß dieſes im ſauſenden Galopp davon flog. Alle ſolgten ihr nach. Sie erreichte ven Wald, und im vordern Gebüſch brachte ſie das Thier wieder zum Stehen. Jakob fing an mit den Garden zu capituliren, er machte ihnen ernſte und 230 gutige Vorſtellungen. Als ſie ſich durchaus nicht weiſen laſſen wollten, kam es zu einem kurzen aber heftigen Kampfe, in dem Mehrere verwundet wurden, und zwei Roſſe der Garden niederſtuͤrzten. Jetzt ſagte der Graf zu ſeinen Leuten:„Nun nehmt die Garden gefangen, haltet ſie einen Tag feſt, thut ihnen kein Leid, und entlaßt ſie dann. Auf geheimen Wegen ſucht Ihr heute Eure Heimath, und verrathet es mit keiner Sylbe, wer Ihr ſeyd und wohin Ihr wollt. Komm, Michael,“ ſprach er zu ſeinem Die⸗ ner,„daß wir unſer Werk vollenden.“ Beide ritten nun in den Wald hinein, um die Lady zu ſuchen. Sie hielt unfern einer Eiche im dicken Gebuͤſch. Als ſie zu ihrem Erſtaunen Jakobs Stimme erkannte, ritt ſie auf ihn zu. Da ſie vor ihm hielt, ſprach ſie:„Mein Retter, Edelſter Deines Geſchlechts, Leben und Freiheit verdanke ich — 231 Dir, hier bin ich, handle mit mir nach Deiner Guͤte, ich bin ganz Dein!“. Jakob reichte ihr mit unaus ſprechlichem Gefuͤhl die Hand und erwiederte:„Mur⸗ ray hat ſich von Dir losgeſagt, ich habe Dich immer geliebt, mein Leben wollte ich fuͤr Dich wagen! Komm, folge mir, auf ſchottiſchem Boden bluͤht kein Heil fuͤr Dich, wir ſinden unſere Sicherheit nur auf engliſchem Gebiete.“ Da Glami's Roß nur leicht verwun⸗ det war, ſo wurde daſſelbe fuͤr den Marſch nicht unbrauchbar. Die Fluͤchtlinge nah⸗ men den Weg uͤber Hamilton, Lanerk nach Belford, dem erſten Orte Englands, den ſie gluͤcklich erreichten, ohne daß ihnen ein unfall zuſtieß. Die Lady war uͤber Ja⸗ kobs Großmuth entzuͤckt, ſie konnte kein Wort finden, ihm wuͤrdig zu danken. Er ſagte ihr Alles, was er von Murray's Aeuße⸗ 232 rungen wußte, und ſie erwiederte:„Von ihm laß uns nicht reden, es war eine traurige Verwirrung meines Gefüuhls, zu der ich mich verlocken ließ, die ich bereue, mein Herz gehoͤrt Dir, ganz Dir.“„ Als ſie ängſtlich war, wie ſie ihren Unter⸗ halt finden wuͤrden, zeigte er ihr die Koſt⸗ barkeiten, die ihm ſeine Schweſter geſchenkt hatte, um ſie in Geld zu verwandeln. Während ihres Aufenthalts in Durham ließen ſie ſich durch den prieſterlichen Segen zum ehelichen Leben verbinden. Jakob war am Ziele ſeiner Wuͤnſche, er hatte das hoͤchſte erreicht, und auf Erden gab es keinen Gluͤcklichern. Glami, die den hohen Werth eines Gatten, der durch alle Beweiſe der Tugend, der Großmuth, des Muthes, ihr ſeine Liebe erwieſen hatte, war in ſeinem Beſitze höchſt gluͤcklich; aber es traten Stunden ein, wo eine tiefe Traurigkeit ſie übetwältigte, und ſie ſich nicht tröſten 233 laſſen wollte.„Denke an mich,“ ſagte Jakob,„das Finſtere Deines Schickſals wird ſich aufklaͤren, es wird Dir ein hei⸗ terer Tag anbrechen. Den Anfang dazu hat der Allmaͤchtige gemacht, der Dir Frei⸗ heit und Leben ſchenkte.“ Nach London gingen ſie nicht, und ließen ſich in York wohnhaft nieder. Von da aus ſchickte Jakob ſeinen treuen Michael nach der Hauptſtadt und ließ ſeinen ge⸗ treuen Cunert zu ſich rufen. Welche Freude des Dieners und des Herrn, als ſie einander ſahen!“ In Dunskirk harrte man mit der ge⸗ ſpannteſten Erwartung auf die Ruͤckkehr der Leute, welche Jakob auf dem Zuge ge⸗ folgt waren. Sie komen, ſie ſagten aus, daß der junge Graf und Michael glucklich entkommen waͤren, aber Keiner ließ ſich 234 das Geheimniß, daß ſie ihm zur Entfuͤhrung Glami's behuͤlflich waren, abpreſſen. Paul Witterbolder, da Marie ihn ſagte, daß der Bruder ihr ſeinen Entfuͤhrungsplan ent⸗ deckt haͤtte, erzaͤhlte ihr das ganze Ereig⸗ niß. Sie beruhigte ihre Eltern und ſprach: „Wartet nur eine kurze Zeit noch, und Ihr werdet Alles erfahren.“ Das geſchah auch. Die Garden, welche nach Edinburg zuruͤckkamen, meldeten, was ihnen begegnet ſey. Man glaubte gewiß, daß der Graf Heinrich Murray der Entfuͤhrer ſey; aber er wurde bald gerechtfertigt, als ein Brief, ohne Datum und Ort, in Edinburg von England ankam, der eine zweite Vermu⸗ thung beſtaͤtigte, daß Jakob von Bothwell das ſtrafbare Wageſtuͤck ausgefuͤhrt, und die Lady der Gewalt der Garden entriſſen hätte. Er ſchrieb alſo an den Koͤnig: 1 235 „Daß ich ſtrafbar bin, ſagt mir mein Herz; aber ich habe auch wichtige Gruͤnde fuͤr mich, die zu meiner Entſchuldigung⸗ dienen. Haͤtte die Lady Douglas, nach meinem Ermeſſen, ein wirkliches Ver⸗ brechen geuͤbt, ſo wuͤrde ich zu ihrer Be⸗ freiung keinen Finger geruͤhrt haben. Was that ſie mehr, als daß ſie ihrem hoͤchſt un⸗ gluͤcklichen Bruder die Mittel, vielleicht ſeine Flucht zu bewirken, mit ihrer Fleidung darreichte? Wenn das nach menſchlichen Geſetzen verdammlich iſt, ſo wird Gott anders richten. Meine Liebe gegen ſie iſt ohne Grenzen, und konnte ich ſie nicht vom Tode retten, ſo waͤre ich mit ihr an einem Tage geſtorben. Durch meine That, ſo glaube ich gewiß, habe ich der Welt ein edles Weſen erhalten, und einen Mord vereitelt, den der leidenſchaftliche Zorn an ei⸗ ner Unſchuldigen zu vollziehen beſchloſſen hatte. Koͤnig, ſo verhaßt ich Euch auch gewor⸗ 236 den bin, die Geſinnungen der Ehrfurcht und des Dankes gegen Euch, werden den⸗ noch in meiner Bruſt nie erſterben. Sichert Ihr mir und meiner Glami Freiheit und Leben, ſo kehren wir, Everm koͤniglichen Worte vertrauend, nach Schottland zuruck, und den redlichſten, treueſten Unterthan habt Ihr an mir. Jetzt bin ich da, wo mich das Schwert Eurer Gerechtigkeit nicht er⸗ reichen kann. Jakob v. Bothwell.“ Jakob und Glami waren am Hofe leicht vergeſſen. Wichtige, große Angele⸗ genheiten nahmen jetzt die ganze Aufmerk⸗ ſamkeit des Koͤnigs in Anſpruch. Deſto ſonderbarer aber aͤußerte ſich Heinrich von Murray, welcher es laut erklaͤrte, daß ſich Jakob von Bothwell ſtrafbar an ihm ver⸗ gangen, und ihm die Braut geraubt haͤtte. Der Graf Herburn von Bothwell ſtopfte 237 dem Schwaͤtzer auf eine derbe Art den Mund, und Heinrich, Jakobs Bruder, be⸗ drohte ihn mit einem Zweikampfe auf Tod und Leben, wenn er noch ein ſchimpfliches Wort gegen denſelben und Glami aus⸗ ſtieße. Die Graͤfin Douglas war der Ver⸗ haſt entlaſſen und lebte in Dunskirk, wo die edelmuthige Marie bei ihr die Stelle der Tochter vertrat. Sie hatte den Ent⸗ ſchluß gefaßt, wenn ruhigere Zeiten einträ⸗ ten, zu ihrer Glami zu gehen und bei ihr zu ſterben. Jetzt ſah ſich der Konig Jakob ge⸗ zwungen, zur Vertheidigung ſeiner Staaten gegen die Englaͤnder ſeine Zuflucht zu dem Adel zu nehmen. Auf ſein Gebot ſammel⸗ ten die Edeln ihre Vaſallen und Lehns⸗ leute Insgeheim aber hatten ſie den Plan entworfen, in dem devorſtehenden Kriege die Geiſtlichkeit zu ſtuͤrzen, die Miniſter 238 und beſonders den Kardinal auf die Seite zu räumen, die man fuͤr die Anſtifter aller Beſchwerden und Demuͤthigungen hielt. Die beiderſeitigen Armeen ruͤckten in's Feld. Raſch und ohne Aufenthalt drang das engliſche Heer vor und war bereits auf ſchottiſchem Boden. Alles ſchien ihm den Sieg leicht zu machen. Ein anderer Feind, den die Englaͤnder nicht fuͤrchteten, ſtritt fuͤr die Schotten; die rauhe, unge⸗ ſtuͤme Witterung, der Mangel aller Lebens⸗ mittel zwang ſie, das ſchottiſche Gebiet wieder zu verlaſſen. Dieſen Zeitpunkt hielt der Koͤnig Jakob V. fuͤr den guͤnſtig⸗ ſten, um mit ſeiner Geſammtmacht die Feinde anzugreifen, und ſie uͤber den Hau⸗ fen zu werfen. Er ertheilte dazu die noͤ⸗ thigen Befehle; aber der Adel weigerte ſich mit ſeinen Vaſallen trotzig und ſtandhaft, 239 einen Schritt uͤber die Grenzen des Vater⸗ landes zu gehen. Bitten und Drohungen richteten nichts aus. Der Koͤnig ließ in höchſter Erbitterung die Armee aus ein⸗ ander gehen, und eilte im größten Unmuth nach Edinburg zuruͤck. Er war in Ver⸗ zweiflung, und ſah ſich von ſeinen Unter⸗ thaßen verlaſſen, und der Verachtung der Feinde blosgeſtellt. Schwermuth, Unge⸗ duld, Zorn und Wuth fuͤllten ſeine Seele. Faſt immer war er allein und ſcheute den Anblick der Menſchen. Es ſollte ein Einfall an der weſtlichen Seite Englands unternommen werden, und ein Corps verſammelte ſich, um dies Un⸗ ternehmen auszufuͤhren. Der Koͤnig, voll Abſcheu gegen den Adel, wollte ihm nicht das Commando uͤber die Truppen anver⸗ trauen, die er ſelbſt angeworben hatte, er ubertrug es ſeinem Guͤnſtlinge Sliverius Sinclair. Seine Erſcheinung erregte bei der Armee Unwillen und Wuth. Nur fünfhundert Englaͤnder griffen die Schot⸗ ten an. Es ergaben ſich ihnen zehntauſend Schotten ohne Schwertſchlag. Alle boten ſich als Gefangene an. Als dem König dieſe Botſchaft hinter⸗ pracht wurde, gerieth er in Raſerei. Sein Herz wurde vom Gram zernagt und ſein feſter Körper verwüſtet. Er ſtarb bald und konnte ſein Ungluͤck nicht ertragen. Mit ſeinem Tode hob der niedergebeugte Adel ſein ſtolzes Haupt wieder empor. Die Freunde des Koͤnigs ſchmeichelten ſich der Parthei des Adels wieder an und wurden, anfangs wenigſtens, mit Kalte und Verach⸗ tung behandelt. Einer der erſten Aete der neuen Regentſchaft war, das die Graͤfin Douglas in den Beſitz aller ihrer Rechte und Guter wieder verſetzt, und daß Mariens 24¹ Soͤhne als ihre rechtmaͤßigen Erben beſtatigt 6 wurden. Die Mutter ging mit ihren Kin⸗ dern nach dem reizenden, geliebten Schloſſe Kirway, wo ſie mit Angus in den erſten Zeiten ihrer Ehe die glucklichſten Tage verlebte. — Unter den Verhannten und Gefluchte⸗ 5 ten, die fuͤr ſtraflos erklärt und zuruchge⸗ rufen wurden, war auch Jakob und Glami. Schon fruͤher war ihnen die Nachricht be⸗ kannt gemacht, daß ſie nicht lange mehr in dem fremden Lande leben wuͤrden. Die Reiſe nach Doventale wurde angetreten, aber ſie konnte nur langſam und vorſichtig forigeſetzt werden, weil Glami, die gluͤck⸗ lichſte Frau auf Erden, das erſte Unterpfand ihrer Liebe unter dem Herzen trug. Jakobs treue Begleiter waren Michael und Cunert, der auch von der Beſtrafung frei geſpro⸗ chen war. Der Empfang der Fluchtlinge in Do⸗ u. 16 242 ventale war uͤber alle Beſchreibung ruͤhrend. Bald verſammelte ſich dort die ganze Fa⸗ milie, um die Angekommenen zu begruͤßen. Als Heinrich von Murray es ſpaͤter erfuhr, wie glücklich Jakob durch ſeine Glami ſey, ſagte er:„Ich habe an ihr ein Verbrechen begangen, das keine Reue wieder gut ma⸗ chen kann. Mag mir die ganze Welt und Gott ſelbſt verzeihen, ich vergebe mir es ſicht Vier Tage wußte man es nicht, wo er geblieben ſey, am fuͤnften kam ein Schaͤ⸗ ſer nach Berkonlitte und meldete:„Am Felſen, bei dem Fieldermoore, liegt der junge Graf Murray zerſchmettert!“ Ende. Folgende ſehr intereſſante Romane ſind ganz beſonders zu empfehlen, und in allen Buchhandlungen Deutſchlands fuͤr beigeſetzte Preiſe zu bekommen: Eduard's letzte Jahre. Roman von M. Salomon. 2 Theile. Mit einer Muſik⸗ beilage. 8. 1 Thlr. 18 Gr. Einſiedelei, die, oder Theodore. 2 Thle. S. 1 Thlr. 16 Gr. Einſiedler, die, auf Spitzbergen. Roman von C. Hildebrandt. 8. 1 Thlr. Eiſſig Schmul, oder die Mißheirathen. Ein Roman in 2 Thln. 8. 1 Thlr. 12 Gr. Emma von Roͤmhold. Ein Roman von Philippine von Mettingh. Z. 1 Thlr. Erzählungen von Alexander von Lengerke. 8. 1 Thlr. 4 Gr. Erzaͤhlungen, Schwaͤnke und Launen. Von C. Nicolai. 2 Bände. Zweite wohl⸗ feilere Ausgabe. 1 Thlr. 12 Gr. Familie Buonaparte, der, Heimkehr nach Corſika. Ein Schwank in 2 Akten. 8. * 8 Gr. Familie Sternfels, die. Roman von C. Nicolai. 3 Theile. 2te Ausgabe. Z. 2 Thlr. 12 Gr. Feldzug, abentheuerlicher und wunderbarer, eines jungen Koſackenofficiers. 8. 22 Gr. Felſenmaͤnnchen, das graue. Ritter- und Räubergeſchichte aus dem Mittelalter. Von J. Aibiny. 2 Theile. 8. 1 Thlr. 18 Gr. Fernando Lomelli, der kuhne Raͤuber, oder die Höhlen der Rache. Von C. Hilde⸗ brandt. 3 Baͤndchen. 8. 3 Thlr. 4 Gr. Feſttagslaunen, von E. Nicolai. 2 Bde. Z. 2 Thlr. — — Findlinge, hiſtoriſche. Rittergeſchichten und Erzaͤhlungen. Z. 1 Thlr. Fluch, der, der Weiſſagung. Roman von Poilippine von Mettingh. 2 Theile. 8. 1 Thlr. 12 Gr. Fodor und Athanaſia, oder die Schreckens⸗ naͤchte in den Qualgefaͤngniſſen der ſie⸗ ben Thuͤrme zu Conſtantinopel. Ein. Schaudergemaͤlde aus dem gegenwaͤrtigen Freiheitskriege der Griechen. Roman von C. Hildebrandt. 4 Theile. 8. 4 Thlr. Geheimen, die, des Bundes. Roman von C. Hildebrandt. 3 Theile. 8 3 Thlr. 12 Gr. Geiſter, die, der Schauerhoͤhle, oder das Wunderbluͤmchen. Erzählungen von C. Hildebrandt und Andern. 8. 1 Thlr. Gemälde des weiblichen Lebens, in Er⸗ zahlungen. Zweite durchgeſehene und wohlfeilere Auflage, von C. Nicolai. Ss. Geſchichten vom Teufel. 8. 20 Gr. Gewalt, die, der erſten Liebe. Von H. Muͤller. 2 Theile. s. 2 Thlr. 8 Gr. Giftmiſcherin, die, oder die Geheimniſſe des Grabes. Vom Verfaſſer des Romans: Ritter Golo der Grauſame. 2 Theile. 8. 1 Thlr. 20 Gr. ——— Glorina, eine Legende.— Der jungſte Tag, ein Schwank.— Taͤuſchung in der Liebe, Erzahlung.— Kraͤhwinkel, keine Legende. Von C. Nicolai. 8. 20 Gr. Grab, das, am Veſuv. Von C. Nicolai. 8. 1 Thlr. 4 Gr. Graf Albert von Reinſtein, oder das heim⸗ liche Gericht der Teufelsmauer. Ritter⸗ 6 — — geſchichte aus den Zeiten der Vehme. 3 Thle. Mit 1Kupfer. 8. 3 Thlr. 4 Gr. Haideblüthen, nordiſche. Von F. C. B. Waͤchtter. Mit 1 Kupfer. g. 1 Thlr. 8 Gr. Heldentod, der, für's Vaterland. Ein dra⸗ matiſches Gemalde in 3 Aufzügen. Z. 18 Gr. Helene, oder die wunderbare Erſcheinung im Münſter zu Straßburg. Ein Roman aus der Vorzeit. 3 Theile. 8. 2 Thlr. 20 Gr. Herrmann von der Heideburg, oder der Eremit in der Walvklauſe. Von H. Muͤller. 8. 20 Gr. Herrmann Streit, oder Leben und merk⸗ wuͤrdige Schickſale eines Preußiſchen Land⸗ wehrmannes. Keine Dichtung.(Vom Verf. des Fiorenzo). 2 Bande 8. 1 Thlr. 18 Gr. Horatier, die, Trauerſpiel in 5 Akten. Nach Corneille. gr. 8. 12 Gr. Huſar, der. Roman von C. Hildebrandt. 3 Theile. Mit 1 Kupfer. 8. 3 Thlr. 8 Gr. Jakob Schwänzlein und die Seinen. Ein komiſcher Roman vom Verfaſſer der Mit⸗ ternachtsglocke und des Zweikampfs. S. 1 Thlr. Ignez und Leonelli, eine ſpaniſche Geſchichte. Lorenza, oder das Unſchuldsopfer aus Kindesliebe.— Adelaide und Adelbert⸗ ein Feenmärchen.— Franziscus, oder die Mitternachtsſtunde im Kloſtergarten. Neue Ausgabe. 8. 18 Gr. u bn ſſſſ 15 16 17 1 8 10 11 12 13 14