— Walter Scott's ſaͤmmtliche . Neu uüberſetzt.* — — Neunundſechszigſter Band. Leben von Napoleon Buonaparte. Fuͤnfunddreißigſter Theil. Stuttgart, bei Gebruͤder Franckh. 1 82 8. 4 L e b en von Napoleon Buonaparte, Kaiſer von Frankreich, mit einer Ueberſicht der franzoͤſiſchen Revolution. Von Walter Scott. 3 Aus dem Engliſchen uͤberſetzt von General J. v. Theobald. Fuͤnfunddreißigſter Theil. — Stuttgart, 3— bei Gebruder Franckh. 3 132 8. Anhang. Nro. XII. Napoleons Teſtament. — Longwood auf der Inſel St. Helena, den 15. April 1821. Dieß iſt mein Teſtament, oder meine letzte Willens⸗ Verfuͤgung. I. ¹) Ich ſterbe in der apoſtoliſch⸗roͤmiſchen Religion, in deren Schooße ich vor mehr als 50 Jahren gebo⸗ ren worden bin. 2) Es iſt mein Wunſch, daß meine Aſche an den Ufern der Seine, in der Mitte des franzoͤſiſchen Vol⸗ zes, das ich ſo ſehr geliebt habe, ruhen moͤge. 3) Ich habe ſtets Urſache gehabt, mit meinem theu⸗ een Weibe, Marie Louiſe, zufrieden zu ſeyn. Ich hege bis zu meinem letzten Augenblicke die zaͤrtlich⸗ ſten Geſinnungen gegen ſie; ich bitte ſie, wachſam zu ſeyn, um meinen Sohn vor den Schlingen zu be⸗ wahren, die ſeine Kindheit ſchon umgeben. 6 4) Ich fordere meinen Sohn auf, nie zu vergeſ⸗ ſen, daß er als franzoͤſiſcher Prinz geboren wurde, und nie zu geſtatten, daß er ein Werkzeug in den Haͤnden der Triumviren werde, welche die Voͤlker Europas unterdruͤcken; er ſoll nie gegen Frankreich fechten, oder es auf irgend eine Weiſe beeintraͤchtigen, und ſoll mein Motto annehmen:—„Alles fuͤr das franzoͤſiſche Volk.“ 4⁴ 5) Ich ſterbe vor der Zeit, gemordet durch die engliſche Oligarchie, und ihre... Das engliſche Volk wird nicht zoͤgern, mich zu raͤchen. 6) Die beiden ungluͤcklichen Reſultate der Einfaͤlle in Frankreich, als es noch ſo viele Huͤlfsquellen hatte, ſind der Verraͤtherei Marmont's, Augereau's, Talley⸗ rand's und La Fayette's zuzuſchreiben. Ich verzeihe ihnen,— moͤgen Frankreichs Nach⸗ kommen ihnen, gleich mir, verzeihen! 7) Ich danke meiner guten und trefflichen Mut⸗ ter, dem Kardinal, meinen Geſchwiſtern: Joſeph, Lu⸗ cian, Hieronimus, Pauline, Caroline, Hortenſia, Ka⸗ tharine, Eugen ſaͤr die Theilnahme, die ſie fortwaͤh⸗ rend fuͤr mich gefuͤhlt haben. Ich verzeihe Ludwig die Schmaͤhſchrift, welche er im Jahr 1820 herausge⸗ geben hat; ſie iſt voll falſcher Behauptungen und ver⸗ faͤlſchter Urkunden.. 8) Ich verlaͤugne das Manuſcript von St. Heleng, und andere Werke, unter dem Titel: von Marimen, Spruͤchen u. ſ. w., die in den letzten ſechs Jahren . 7. erſchienen ſind. Es ſind nicht die Regeln, welche meinem Leben zur Richtſchnur gedient haben. Ich ließ den Herzog von Enghien verhaften und vor Ge⸗ richt ſtellen, weil dieſer Schritt zur Sicherheit, zum Intereſſe und zur Ehre des franzoͤſiſchen Volks zu einer Zeit weſentlich nothwendig war, in welcher der Graf von Artois, nach ſeinem eigenen Geſtaͤndniſſe, 60 Meuchelmoͤrder in Paris unterhielt. Unter aͤhn⸗ lichen Umſtaͤnden wuͤrde ich auf die aͤhnliche Art ver⸗ fahren.. II. 1) Ich vermache meinem Sohne die Doſen, Or⸗ den und andere Artikel, ſo wie mein Silbergeſchirr, Feldbett, Weißzeug, meine Saͤttel, Sporen, Buͤcher, Kirchengefaͤße, welche ich zu tragen und zu gebrauchen pflegte, gemaͤß dem beigefuͤgten Verzeichniſſe(40. Es iſt mein Wunſch, daß dieſes geringfuͤgige Ver⸗ maͤchtniß ihm in ſo fern theuer ſeyn ſoll, als es ihm das Andenken eines Vaters zuruͤckruft, von dem die ganze Welt ihm erzaͤhlen wird. 2) Ich vermache der Lady Holland den antiken Cameo, den mir der Pabſt Pius VI. zu Tolentino gab.. 3) Ich vermache dem Grafen Montholon zwei Millionen Franken, als einen Beweis meiner Zu⸗ friedenheit mit den kindlichen Aufmerkſamkeiten, die er mir ſechs Jahre lang erwieſen hat, und als eine 8 Entſchaͤdigung fuͤr die Verluſte, die ihm ſein Aufent⸗ halt in St. Helena verurſacht hat. 4) Ich vermache dem Grafen Bertrand 500,000 Franken. 5) Ich vermache meinem Kammerdiener Mar⸗ chand 400,000 Franken. Die Dienſte, welche er mir geleiſtet hat, ſind die eines Freundes; ich wuͤnſche, daß er die Wittwe, Schweſter oder Tochter eines Offiziers meiner alten Garde heirathe. 6) Item St. Denis 100,000 Franken. 7) Item Novarre 100,000 Franken. 8) Item Pierron 100,000 Franken. 9) Item Archambaud 50,000 Franken. 10) Item Curſor 25,000 Franken. 11) Item Chandellier ebenſo. 1²2) Dem Abbé Vignali 100,009 Franken. Es iſt mein Wunſch, daß er ſein Haus neben der Ponto- novo di Costino bauen ſoll. 15) Item dem Grafen Las Caſes 100,000 Franken. 140 Item dem Grafen La Valette 100,000 Franken. 15) Item Lerrey, dem Ober⸗Wundarzt 100,000 Franken. Er iſt der tugendhafteſte Mann, den ich gekannt habe. 16) Item dem General Brayher 100,000 Franken. 17) Item dem General Le Feyre Desnouettes 100,000 Franken. 18) Item dem General Drouot 100,000 Franken. 19) Item dem General Cambrone 100, 00 Franken. 3 9 20) Item den Kindern des General Mouton Duͤ⸗ vernet 100,000 Franken. 21) Item den Kindern des tapfern Labedoyère 100,000 Franken. 22) Item den Kindern des General Girard, der bei Liguy getödtet wurde, 100,000 Franken. 25) Item den Kindern des General Marchand 100,000 Franken. 24) Item den Kindern des tugendhaften General Travoſt 100,000 Franken. 4 25) Item dem General LAllemand, dem aͤltern, 100,000 Franken.. 26) Item dem Grafen Neal 100,000 Franken. 27) Item Coſta de Baſilika auf Corſika 100,000 Franken. 28) Item dem General Clauſel 100,000 Franken. 29) Item dem Baron von Menevalle 100,000 Franken. 3⁰) Item Arnault, dem Verfaſſer des Marius, 100,000 Franken. 51) Item dem Obriſten Marbot 100,000 Fran⸗ ken. Ich fordere ihn auf, fortzufahren, den Ruhm der franzoſiſchen Waffen in ſeinen Schriften zu ver⸗ theidigen, und ihre Verlaͤumder und Abtruͤnnige zu beſchaͤmen. 3 d 3²) Item dem Baron Bignon 100,000 Franken. Ich fordere ihn auf, die Geſchichte der franzoͤſiſchen Diplomatie von 1792 bis 1815 zu ſchreiben. 10 33) Item Poggi de Talavo 100,000 Franken. 40 Item dem Wundarzt Emmery 100, 00 Franken. 55) Dieſe Summen werden von den ſechs Mil⸗ lionen erhoben werden, die ich bei meiner Entfernung aus Paris im Jahr 1815 niederlegte; ſo wie von dem Intereſſe, zu 5 pr. Ct., ſeit dem Julius des Jahrs 1815. Die Rechnung wird mit dem Ban⸗ quier von den Grafen Montholon, Bertrand und Marchand in Richtigkeit gebracht werden. 56) Was dieſes Depoſitum uͤber die Summe von 5,600,000 Franken, uͤber die oben verfuͤgt worden iſt, einbringt, ſoll als Geſchenk unter die Soldaten, welche in der Schlacht von Waterloo verwundet wor⸗ den ſind, und unter die Offiziere und Soldaten des Bataillons der Inſel Elba, nach einem von Montho⸗ lon, Bertrand, Drouot, Cambrone und dem Wund⸗ arzt Larrey zu beſtimmenden Maßſtabe vertheilt werden. 37) Dieſe Vermaͤchtniſſe ſollen im Sterbfalle des Erben den Wittwen und Kindern bezahlt werden, und in Ermanglung ſolcher an die Hauptmaſſe mei⸗ nes Eigenthums zuruͤckfallen. III. ¹) Da mein Privatgut mein Eigenthum iſt, deſ⸗ ſen mich kein franzoͤſiſches Geſetz, das mir bekannt waͤre, beraubt, ſo wird eine Rechnung daruͤber von dem Baron de la Bouillerie, Verwalter deſſelben, verlangt werden; es ſollte ſich auf mehr als 200,000,000 pr. Ct. Franken belaufen, naͤmlich 1) das Portefeuille, 11 das die Erſparniſſe enthaͤlt, die ich, waͤhrend eines Zeitraums von 14 Jahren, an meiner Civilliſte machte und die ſich auf mehr als 12,000, o0o belie⸗ fen, wenn mein Gedaͤchtniß nicht irrt. 2) Den Er⸗ trag dieſes Portefeuille's. 5) Die Moͤblirung meiner Pallaͤſte, ſo wie ſie im Jahre 1814 war; mit Ein⸗ ſchluß der Pallaͤſte zu Rom, Florenz und Turin. Alle dieſe Moͤbeln ſind mit Geldern, die aus der Civilliſte erwuchſen, erkauft worden. 40 Das Ein⸗ kommen meiner Haͤuſer in Italien, ſo wie Geld, Silbergeſchirr, Juwelen, Moͤbeln, Equipagen. Die Rechnungen werden von dem Prinzen Eugen und dem Haushofmeiſter der Krone Campagnoi uͤbergeben werden. Napoleon. 2) Ich vermache von meinem Privateigenthum die eine Haͤlfte den noch lebenden Offizieren und Solda⸗ ten des franzoͤſiſchen Heeres, die von 1792 bis 1815 für den Ruhm und die Unabhaͤngigkeit der Nation gekaͤmpft haben. Die Austheilung ſoll nach Maßgabe ihrer Gehalte beim wirklichen Dienſte erfolgen. Die andere Haͤlfte den Staͤdten und Diſtrikten im Elſaß, in Lothringen, der Grafſchaft Hochburgund, Burgund, auf der Isle de France, in Champagne Foreſt, in der Dauphiné, die durch eine der beiden Invaſtonen gelitten haben. Es ſoll vorlaͤufig von dieſer Summe eine Million fuͤr die Stadt Brienne und eine Mil⸗ lion fuͤr die Stadt Meri abgezogen werden. Ich 12 ernenne die Grafen Montholon, Bertrand und Mar⸗ chand zu Vollſtreckern meines Willens. Dieſe meine Willensverfuͤgung, die ich durchaus eigenhaͤndig geſchrieben habe, iſt unterzeichnet und verſiegelt mit meinem eigenen Wappen. (L. S.) Napoleon. Verzeichniß(—1x¼. Meiner Willensverfuͤgung angehaͤngt. Longwood, Inſel St. Helena, den 15. April 1821. I. 1) Die heiligen Gefaͤße, welche in meiner Kapelle zu Longwood gebraucht worden ſind. 2) Ich fordere den Abbs Vignali auf, ſie aufzube⸗ wahren und meinem Sohne zu uͤbergeben, wenn er. das Alter von 16 Jahren erreicht haben wird. II. 1) Meine Waffen, d. h. mein Schwerdt, das ich zu Auſterlitz trug, Sobiesky's Saͤbel, meinen Dolch, mein breites Schwerdt, meinen Hirſchfaͤnger, meine zwei Paar Verſailler⸗Piſtolen. 2) Meine goldene Reiſedoſe, die, welche ich am Morgen bei Ulm und Auſterlitz, bei Jena, Eylau, Friedland, der Inſel Lobau, Moskau und Monmirail gebrauchte. Aus dieſem Grunde wuͤnſche ich, daß ſie in den Augen meines Sohns koſtbar ſeyn ſoll.(Sie iſt im Jahr 1814 dem Grafen Bertrand in Ver⸗ wahrung gegeben worden.) V b 15 5) Ichs gebe dem Grafen Bertrand den Auf⸗ trag, fuͤr die Aufbewahrung dieſer Gegenſtaͤnde zu ſorgen und ſie meinem Sohne zu uͤbergeben, wenn er das Alter von 16 Jahren erreicht haben wird. III. 1) Drei kleine Schachteln von Mahagony⸗Holz, von denen die erſte 35 Tabaksdoſen oder Konfekt⸗ ſchachteln enthaͤlt; die zweite zwölf Doſen mit dem kaiſerlichen Wappen, zwei kleine Augenglaͤſer und vier Doſen, die auf dem Tiſche Ludwigs XVIII. in den Tuilerien, den 20. Maͤrz 1815, gefunden wurden; die dritte drei Tabaksdoſen, die nach der Gewohnheit des Kaiſers, mit ſilbernen Medaillen geſchmuͤckt ſind; und verſchiedene Artikel zum Gebrauche der Toilette, nach den Verzeichniſſen I., II., III.. 2) Mein Feldbett, das ich in allen meinen Feldzuͤgen gebrauchte. 3) Mein Feld⸗LTelescop. 4) Meine Putzſchachtel, eine von jeder meiner uniformen, ein Dutzend Hemden, und ein vollſtaͤndi⸗ ger Anzug aller meiner Kleidungen, und im Allge⸗ meinen alles, was ich bei meiner Toilette gebrauchte. 5) Meine Waſchtoilette. 6) Eine kleine Glocke, die ſich in meinem Zim⸗ mer zu Longwood befindet. 7) Meine zwei Uhren und die Kette vom Haare der Kaiſerinn. 24 8) Ich gebe Marchand, meinem erſten Kam⸗ merdiener, den Auftrag, Sorge fuͤr dieſe Artikel zu tragen und ſie meinem Sohne zu uͤbergeben, wenn er das Alter von 16 Jahren erreicht haben wird. IV. 1) Mein Medaillen⸗Kabinet. 2) Mein Silber⸗Geſchirr und Sevres⸗Porcel⸗ lan, das ich auf St. Helena gebrauchte(Verzeich⸗ niß B und C). 5) Ich gebe dem Grafen Montholon den Auf⸗ trag, Sorge fuͤr dieſe Artikel zu tragen und ſie mei⸗ nem Sohne zu uͤbergeben, wenn er das Alter von 16 Jahren erreicht haben wird. 8* V. ¹) Meine drei Saͤttel und Zaͤume, meine Spo⸗ ren, die ich auf St. Helena gebrauchte. 2) Meine Vogelflinten, fuͤnf an Zahl. 3) Ich gebe meinem Jaͤger Novarre den Auf⸗ trag, Sorge fuͤr dieſe Artikel zu tragen, und ſie mei⸗ nem Sohne zu uͤbergeben, wenn er das Alter von 16 Jahren erreicht haben wird. VI. ¹) Vierhundert Baͤnde, die ich aus meiner Bib⸗ liothek ausgelefen habe, und die ich am meiſten zu gebrauchen pflegte. 2) Ich gebe St. Denis den Auftrag, Sorge fuͤr ſte zu tragen und ſie meinem Sohne zu uͤbergeben, wenn er das Alter von 16 Jahren erreicht haben wird, —— — 15 Verzeichniß(4). 1) Keiner der Artikel, die ich gebraucht habe, ſoll verkauft werden; der Ueberreſt ſoll unter den Vollſtrecker meiner Willens⸗Verfuͤgung und unter meine Bruͤder vertheilt werden. 2) Marchand ſoll mein Haar aufbewahren, und Armbaͤnder mit goldenen Schließen daraus machen laſſen, um ſie der Kaiſerinn Marie Louiſe, meiner Mutter und allen meinen Bruͤdern, Schweſtern, Nef⸗ fen, Nichten, dem Kardinal zu iiberiicen, und ein groͤßeres fuͤr meinen Sohn. 5) Marchand wird ein Paar von meinen golde⸗ nen Schuhſchnallen dem Prinzen Joſeph ſchicken. 4) Ein kleines Paar goldener Knieſchnallen dem Prinzen Lucian. 5) Ein goldenes Halsbandſchloͤßchen dem Prinzen Hieronymus. Verzeichniß(4&). Inventarium meiner Effekten, fuͤr welche Mar⸗ chand Sorge tragen wird, um ſie meinem Sohne zu uͤbergeben. 1) Meine ſilberne Putzſchachtel, die, welche auf meinem Tiſche iſt, mit allen ihren Werkzeugen, Ra⸗ ſirmeſſern u. ſ. w. 1 ²) Meine Weckuhr; es iſt die Weckuhr Frie⸗ derichs, die ich zu Potsdam erbeutete. 3) Meine zwei Uhren mit der Kette von dem Haare der Kaiſerinn, und eine Kette von meinem 6 6 5 5 J., tikel enthalten. 16 eigenen Haare fuͤr eine andere Uhr; Marchand wird ſie zu Paris machen laſſen. 4) Meine zwei Siegel(ein franzoͤſiſches), die in der Kapſel Nro. III. enthalten ſind. 5) Die kleine goldene Glocke, welche ſich gegen⸗ waͤrtig in meinem Schlafzimmer befindet. 6) Mein Waſchbecken nebſt dem Waſſerkruge und Fußbecken u. ſ. w. 7) Mein Nachttiſch; der, welchen ichvin Frank⸗ reich gebrauchte, und mein Badbecken von vergoldetem Silber. 3) Meine zwei eiſernen Bettſtellen, meine Ma⸗ tratzen und Bettdecken, wenn ſie erhalten werden koͤnnen. 9) Meine drei ſilbernen Tafelglaſchen, in wel⸗. chem mein eau-de vie war, und die meine Chaſſeurs ins Feld nahmen. 10) Mein franzoͤſiſches Telescop. 11) Meine Sporen, zwei Paare. 12) Drei Schachteln von Mahagonyholz, Nro. II, III., die meine Tabaksdoſen und andere Ar⸗ 15) Eine Rauchpfanne von vergoldetem Silber. Weißzeug. Hemden. Taſchentuͤcher, Cravatten. Servietten. —— — 4— 17 Paar ſeidene Struͤmpfe. ſchwarze Halsbinden. Paar Unterſtruͤmpfe. Paar Betttuͤcher von Kammertuch. Ueberzuge zu Kopffiſſen. Schlafroͤcke. Paar Betthoſen. Paar Hoſen. Paar weiße Hoſen und Walen von Kaſimir. Madras. flanellene Waͤmſer. Paar Unterhoſen. kleine Schachtel mit meinem Schnupftabak angefüllt. goldene Halsſpanne Paar goldene Knieſchnallen In der kleinen Schach⸗ Paar goldene Schuhſchnallen tel Nro III. enthalten. K-leider. Chaſſeurs⸗Uniform. Grenadiers⸗Uniform. dittko der Nationalgarde. Huͤte. gruͤner und grauer Ueberrock. blauer Rock(der, den ich bei Marengo trug), gruͤner Zobelpelz. Paar Schuhe. Paar Stiefeln. W. Scott's Werke. LXIX. 2 Paar Pantoffeln. 6. Wehrgehexke.. Napoleon. Verzeichniß(B). Inventarium der Effekten, die ich im Beſitze des Herrn Grafen von Turenne ließ. 1. Sobiesky's⸗Saͤbel. Er iſt durch ein Verſehen auf das Verzeichniß A geſetzt worden. Es iſt der Saͤbel, den der Kaiſer bei Abukir trug, und der ſich in den Haͤnden des Grafen Bertrand beſindet. großes Halsband der. Ehrenlegion. 1. Schwert von vergoldetem Silber. 1. Konſular⸗Schwerts. Schwert von Stahl. . Wehrgehenk von Sammt. 3 2. Halsband des goldenen Vließes. 1 kleine Reiſedoſe von Stahl. 1.—— voon Silber. 1. Griff von einem antiken Saͤbel. 2. Hut Heinrichs IV. und eine. Muͤtzes. Die Treſſe des Kaiſers. 2 kleines Medaillen⸗Kabinet. 2 tuͤrkiſche Teppiche. 2, geſtickte Maͤntel von ſcharlachrothem Sammt, nebſt: Weſten und Beinkleidern. Ich gebe meinem Sohn:: den Saͤbel Sobiesky's,, 1 19. das Halsband der Ehrenlegion, das Schwert von vergoldetem Silber, das Konſular⸗Schwert, das ſtaͤhlerne Schwert, das Halsband des goldenen Vließes, den Hut Heinrichs IV. und die Muͤtze, die goldene Putzſchachtel fuͤr die Zaͤhne, die in den Haͤnden des Zahnarztes iſt. Der Kaiſerinn Marie Louiſe meine Treſſe. Der Madame die ſilberne Nachtlampe. Dem Kardinal die kleine ſtaͤhlerne Reiſedoſe. Dem Prinzen Eugen den Leuchter von vergolde⸗ tem Silber. Der Prinzeſſinn Pauline bie kleine Reiſedoſe. Der Koͤniginn von Neapel einen kleinen tuͤrki⸗ ſchen Teppich. Der Koͤniginn Hortenſia einen kleinen tuͤrkiſchen Teppich. Dem Prinzen Hieronymus den Griff des an⸗ tiken Saͤbels. Dem Prinzen Joſeph einen geſtickten Mantel, Weſte und Beinkleider. Dem Prinzen Lucian einen geſtickten Mantel, Weſte und Beinkleider. 1 Longwood den 16. April 1821.. Dieſes iſt ein Auhang zu meinem letzten Willen. 20 1) Es iſt mein Wunſch, daß meine Aſche den Ufern der Seine, in der Mitte des franzoͤſiſchen Volkes ruhen moͤge, das ich ſo ſehr liebte. 2) Ich vermache den Grafen Bertrand, Mon⸗ tholen und Marchand das Geld, die Juwelen, das Silbergeſchirr, Porcellan, die Mobilien, Buͤcher, Waf⸗ fen, und uͤberhaupt alles, was auf der Ki St. He⸗ leua mir angehoͤrt. 4 Dieſer Anhang iſt ganz eigenhaͤndis von mir ge⸗ ſchrieben, unterzeichnet und mit meinem Wappen verſiegelt. 1 (L. S.) Napoleon. Dieß iſt mein Codicil oder Nachtrag zu meinem letzten Willen.. Von den von meiner Civflliſte in Italien herruͤh⸗ renden Gegenſtaͤnden, naͤmlich Geld, Juwelen, Silber⸗ geſchirr, Waͤſche, Geraͤthſchaften, die der Vic koͤnig in 8 Haͤnden hat, und welche mir gehoͤren, verfuͤge ich uͤber zwei Millionen, welche ich meinen treueſten Die⸗ nern vermache. Ich hoffe, daß mein Sohn Eugen Napoleon ſie ihnen ohne Umſtaͤnde treulich ausbezah⸗ len wird. Er kann die 40 Millionen, welche ich ihm in Italien und bei der Vertheilung des Erbes ſeiner Mutter gab, nict vergeſſen. 1) Von dieſen zwei Millionen vermache ich dem Grafen Bertrand 500,000 Franken, von welchen er 100,000 in die Kaſſe des Schatzmeiſters niederlegen 21. wird, um nach meinen Anordnungen bei Ausbezahlung der Gewiſſensverwaͤchtniſſe daruͤber verfuͤgen zu koͤnnen. 2) Dem Grafen Montholon 200,000 Franken, von welchen er 100,000 Franken fuͤr den gleichen Zweck, der oben erwaͤhnt wurde, in die Kaſſe niederlegen wird. 5) Dem Grafen Las Caſes 200,000 Franken, von welchen er gleichfalls zu dem obenerwaͤhnten Zwecke 100,000 Franken in die Kaſſe niederlegen wird. 4) Marchand 100,000 Franken, von welchen er 50,005 zu dem gleichen Zwecke in die Kaſſe nieber⸗ legen wird. 5) Dem Grafen Lavalette 100,000 Franken. 6) Dem General Hogendorf von Holland, meinem „ Adjutanten, welcher ſich nach Braſilien begeben hat, 100,000 Franken. „) Meinem Adiutanten Corbineau 50, 000 Franken. 3) Meinem Adjutanten, General Caffarelli 50,000 Franken. 9) Meinem Adiutanten Deſean 50,000 Franken. 10) Perci, dem Oberwundarzt bei Waterloo, 50⁰,000 Franken. 11) 50,000, das heißt 10,000 Pieron, meinem Haushofmeiſter; 10,000 St. Denis, meinem Leibjaͤger; 10,000 Nodarre; 10,000 Curſor, meinem Kuͤcheſchrei⸗ ber; 10,000 Archamband, meinem Aufſeher. 1²) Dem Baron Mainévalle 50,000 Franken. 15) Dem Herzog von Iſtrien, Beſſieres Sohn, 50,000 Franken. 22 14) Der Tochter Duroc's 50,000 Franken. 15) Den Kindern Labedoyeère's. 50,000 Franken. 16) Den Kindern Mouton Duvernet's 50,000 Fr. 17) Den Kindern des tapfern und braven Gene⸗ rals Travoſt 50,000 Fr. 18) Den Kindern Chartrand's 50,000 Fr. 19) Dem General Cambrone 50,000 Fr. 20) Dem General Lefevre Desnouertes 50,000 Fr. 21) Unter ſolche verbannte Perſonen, die in frem⸗ den Laͤndern umher irren, moͤgen ſie nun Franzoſen, Italiener, Belgier, Hollaͤnder, Spanier, oder Einwoh: ner der Rheindepartemente ſeyn, ſollen nach der Ver⸗ fuͤgung der Vollſrecker meines Teſiaments 100,000 Franken vertheilt werden. 22²) Unter diejenigen, welche bei Ligny oder Water⸗ loo verſtuͤmmelt oder ſtark verwundet wurden, und die noch leben, ſollen nach Liſten, welche durch meine Voll⸗ 8 ſtrecker, denen noch Cambrone, Larrey, Perci und Emmery beigefuͤgt werden ſollen, entworfen werden, 200,000 Franken ausgetheilt werden. Die Garde ſoll doppelt bezahlt werden; die Soldaten der Inſel Elba vierfach. — Dieſer Anhang iſt ganz eigenhaͤndig von mir ge⸗ ſchrieben, unterzeichnet und mit meinem Wappen verſiegelt. Napoleon. — ¹22 Den 24. April 182 1, Longwood. Dieß iſt ein dritter Anhang zu meiner Willens⸗ verfuͤgung vom 16. April. 1) Unter den Krondiamanten, die ihm Jahr 181 ½ uͤbergeben wurden, befanden ſich einige im Werthe von 5 oder 600,000 Franken, die nicht dazu gehoͤrten⸗ ſondern einen Theil meines Privateigenthums aus⸗ machten; dieſe ſollen zur Entrichtung meiner Ver⸗ maͤchtniſſe zuruͤckgefordert werden. 2) Der Banquier Torlonia zu Nom hatte Wech⸗ ſel im Betrage von 2 oder 500,000 Franken, den Ertrag meiner Einkuͤnfte der Inſel Elba ſeit 1815 von mir in Haͤnden. Der Herr von la Perouſe nahm dieſe Summe in Beſitz, obſchon er nicht mehr mein Schatzmeiſter war und uͤberhaupt keine Stelle bekleidete. Er ſoll zur Zuruͤckgabe derſelben gezwun⸗ gen werden. 3) Ich vermache dem Herzoge von Iſtrien 300,000 Franken, wovon bloß 100,000 Franken ſeiner Wittwe anheim fallen ſollen, falls der Herzog bei der Bezah⸗ lung des Vermaͤchtniſſes todt ſeyn ſollte. Es iſt mein Wunſch, daß der Herzog, wenn dieß keine Schwierig⸗ keiten hat, Duroe's Tochter heirathe. 4) Ich vermache der Herzoginn von Friaul, der Tochbter Durve's, 200,000 Franken; ſollte ſie bei der Bezahlung dieſes Vermaͤchtniſſes todt ſeyn, ſo wird die Mut ter nichts erhalten. 24. 5) Ich vermache dem General Rigaud(ihm, der proſcribirt wurde) 100,000 Franken. 6) Ich vermache Boisnod, dem Intendanten, 100,000 Franken.. 7) Ich vermache den Kindern des General Letort, der in dem Feldzuge von 1815 getoͤdtet wurde, 100,000 Franken. 3) Dieſe Vermaͤchtniſſe von 900,000 Franken ſol⸗ len als am Ende des zöſten Artikels meines Teſta⸗ ments eingeſchoben betrachtet werden; dadurch werden die Vermaͤchtniſſe, uͤber die ich durch meinen Willen verfuͤgt habe, ſich uͤber die Summe non 6/400,000 Franken belaufen; die Schenkungen, welche ich durch meinen zweiten Anhang gemacht habe, nicht mitbe⸗ griffen. Dieß habe ich eigenhaͤndig geſchrieben, unterzeich⸗ net und mit meinem Wappen verſiegelt. (L. 8.) 3 Napoleon. (Auf der Außenſeite, ungefaͤhr in der Mitte ſteht geſchrieben:) das iſt mein dritter Anhang zu meinem letzten Willen; ganz eigenhaͤndig von mir geſchrieben, unterzeichuet und mit meinem Wappen verſiegelt. (Dieſe Worte ſind den unterſchriften Bertrand's, Montholon's, Marchand's, Vignalis, nebſt ihren Sie⸗ geln untermiſcht;, und ein Stuͤck gruͤner Seide laͤuft durch den Mittelpunkt. Auf der obern linken Ecke ſtehen folgende Vorſchriften.) ———— „Iſt an demſelben Tage zu oͤffnen, und unmittel⸗ bar nach der Eroͤffnung meines letzten Willens. 1 Napoleon. (OMit einigen Bruchſtuͤcken der Unterſchriften der obenerwaͤhnten Zeugen.) Longwood, den 24. April 1821. Dieß iſt ein vierter Anhang zu meinem Teſta⸗ mente. 3 Durch unſere bisherigen Verfuͤgungen haben wir nicht alle unſere Verpflichtungen erfuͤllt, welches uns bewogen hat, dieſen vierten Anhang zu machen. 1) Wir vermachen dem Sohne oder Enkel des Baron Dutheil, des Generabieutenants der Artillerie, und feuͤher Lords von St. André, welcher der Schule von Auxronne vor der Revolution vorſtand, die Summe von 100,000 Franken, als ein Andenken unſerer Dank⸗ barkeit fuͤr die Sorge, welche dieſer wackere General fuͤr uns trug, als wir Lientenant und Kapitain unter ſeinen Befehlen waren. 2) Deßgleichen dem Sohne oder Enkel des Gene⸗ ral Dugomier, welcher den Oberbefehl uͤber das Heer bei Toulon fuͤhrte, die Summe von 100,000 Franken. Wir leiteren unter ſeinen Befehlen dieſe Belagerung, und befehligten die Artillerie; es iſt ein Denkmal der Erinnerung fuͤr die Beweiſe von Achtung, Liebe und Freundſchaft, die dieſer tapfere und unerſchrockene Ge⸗ neral uns gegeben hat. 2 6 3) Ferner vermachen wir 100,000 Franken dem Sohne oder Enkel des Abgeordneten des Konvents Gaſparin, Repraͤſentanten des Volks bei dem Heere von Toulon, dafuͤr, daß er durch ſeine Autoritaͤt den von uns mitgetheilten Plan, der die Einnahme dieſer Stadt zur Folge hatte, und der dem von dem Aus⸗ ſchuſſe der oͤffentlichen Sicherheit uͤberſchickten zuwider⸗ lief, unterſtuͤtzte und genehmigte. Gaſrarin ſtellte uns durch ſeinen Schutz gegen die Verfolgung und Unwiſſenheit der Oberoffiziere, welche das Heer vor der Aukunft meines Freundes Dugomier befehligten, ſicher. 4) Deßbleichen vermachen wir 100 oo Franken der Wittwe, dem Sohne oder Enkel unſers Adjutau⸗ ten Muiron, der bei Arcole an unſerer Seite getoͤd⸗ tet wurde, waͤhrend er uns mit ſeinem Koͤrper bedeckte. 5) Item 10,000 Franken dem Subaltern⸗Offizier Easntillon, der ein gerichtliches Verhoͤr beſtanden, weil er eines Mordanſchlags auf das Leben des Lord Wel⸗ lington angeklagt war, von dem er aber freigeſprochen wurde. Cantillon hatte eben ſo viel Recht, dieſen Oligarchiſten zu ermorden, als der Letztere mich auf den Felſen von St. Helena zu ſchicken, um da umzukommen. Wellington, der dieſe Unthat vor⸗ brachte, ſuchte ſich durch die Vorſchuͤtzung des In⸗ tereſſes Großbritanniens zu rechtfertigen. Cantillon wuͤrde, wenn er dieſen Lord wirklich ermordet haͤtte, ſich durch dieſelben Beweisgruͤnde, naͤmlich den Vor⸗ — . 27 theil gerechtfertigt haben, der fuͤr Frankreich daraus hervorgehen mußte, daß man von einem General be⸗ freit wurde, der die Kapitulation von Frankreich ver⸗ letzt, und ſich dadurch fuͤr das Blut der Maͤrtyrer Ney, Labedoyere u. ſ. w., ſo wie fuͤr das Ver⸗ brechen, die Muſeen gegen den ausdruͤcklichen Inhalt der Vertraͤge gepluͤndert zu haben, verantwortlich ge⸗ macht hat. 6) Dieſe 400,000 Fr. ſollen zu den 6/400,000, Aber die wir verfuͤgt haben, hinzugethan werden, und werden den Belauf unſerer Vermaͤchtniſſe auf 6 310,000 Franken erhoͤhen; dieſe 410 000 Franken ſollen als ein Theil unſeres Teſtaments, Artikel 56, betrachtet werden, und es ſoll dabei durchaus derſelbe Gang be⸗ folgt werden, wie bei den andern Vermaͤchtniſſen, 7) Die 9000 Pfd. Sterling, welche wir dem Gra⸗ fen und der Graͤfinn Montholon gaben, ſollen, wenn ſie bezahlt worden ſind, abgezegen, und zu dem Be⸗ laufe der Vermaͤchtniſſe, die wir ihm durch, unſer Teſtament zugetheilt haben, geſchlagen werden. Wenn ſie jedoch nicht bezahlt worden ſind, ſo ſollen unſere Handnoten annullirt werden. 3) In Betracht des Vermaͤchtniſſes, das wir dem Grafen Montholon durch unſern letzten Willen zuge⸗ theilt haben, iſt die ſeinem Weibe bewilligte Penſion von 20,000 Franken annullirt. Graf Montholon hat den Aufirag, ſie ihr zu bezahlen. 28 9) Da die Verwaltung eines ſolchen Erbes, bis zu ſeiner endlichen Liquidation viele Reiſe⸗, Sendungs⸗, Berathungs⸗ und Prozeßkoſten erfordert, ſo erwarten wir, daß unſere Teſtaments⸗Vollſtrecker drei pr. Ct. an allen Vermaͤchtniſſen, ſowohl an den 6/800,000 Franken, als an den, in den Anhaͤngen enthaltenen Summen, und an den zwei Millionen des Privat⸗ eigenthums zuruüͤckbehalten werden. 1⁰) Der Belauf der auf dieſe Art zuruͤckbehalte⸗ nen Summen ſoll in die Haͤnde eines Schatzmeiſters niedergelegt, und von unſern Teſtamentsvollſtreckern verwendet werden. 1 11) Wenn die aus den genannten Abzuͤgen ent⸗ ſpringenden Summen zur Beſtreitung der Koſten nicht hinreichen, ſo ſollen die drei Teſtamentsvoll⸗ ſtrecker und der Schatzmeiſter, jeder nach Verhaͤltniß des Vermaͤchtniſſes, das wir ihm in unſerem letzten Willen, und in unſern Anhaͤngen vermacht haben, das Uebrige beſtreiten. 12) Sollten die aus den obenerwaͤhnten Abzuͤgen entſpringenden Summen mehr als hinreichend ſeyn, ſo ſoll der Ueberſchuß unter unſere drei Teſtaments⸗ vollſtrecker und den Schatzmeiſter, nach Maßgabe ihrer gegenſeitigen Vermaͤchtniſſe, vertheilt werden. 15) Wir ernennen den Grafen Las Caſes, und in Ermanglung ſeiner, ſeinen Sohn, und in Ermang⸗ lung des Letztern, den General Drouot zum Schatz⸗ meiſter, 29 Dieſer Anhang iſt durchaus eigenhaͤndig von uns geſchrieben, unterzeichnet und mit unſerm Wappen verſiegelt. Napoleon. Longwood, den 2½. April 1821. Das iſt mein Codicil oder die Urkunde meines letzten Willens. 3 An den der Kaiſerinn Marie Louiſe, meiner ſehr theuren und vielgeliebten Gattinn, zu Orleaus im Jahr 1814 in Gold uͤbermachten Fonds bleibt ſie mir zwei Millionen ſchuldig, uͤber die ich durch das gegenwaͤr⸗ tige Codicil verfuͤge, um meine treuſten Diener zu belohnen, die ich uͤberdieß dem Schutze meiner theu⸗ ren Marie Louiſe empfehle. 1) Ich bitte die Kaiſerinn, das Einkommen von 36,d0o Franken, welches der Graf Bertrand in dem Heezogtdi Parma und auf dem Mont Napeleon in Mailand beſaß, demſelben nebſt den ſchuldigen Raͤckſtänden wieder zuſtellen zu laſſen. ²) Um daſſelbe bitte ich ſie in Betreff des Her⸗ zogs von Iſtrien, der Tochter Duroc's und anderer meiner Diener, die mir fortwaͤhrend treu geblieben und mir ſtets theuer ſind; ſie kennt ſie. 3) Von den obenerwaͤhnten zwei Millionen ver⸗ mache ich 300,000 Franken dem Grafen Bertrand, von denen er 100, oo in die Kaſſe des Schatzmeiſters 50 niederlegen wird, damit ſie gemaͤß meiner Verfuͤgun⸗ gen zu Gewiſſensvermaͤchtniſſen verwendet werden. 4) Ich vermache 200,000 Franken dem Grafen Montholon, die er zu demſelben obenerwaͤhnten Zwecke in die Kaſſe des Schatzmeiſters niederlegen wird. 5) Item 200, 000 Franken dem Grafen Las Caſes, von denen er 100,000 in die Kaſſe des Schatzmeiſters zu demſelben obenerwaͤhnten Zwecke niederlegen wird. 6) Item Marchand 100,000, von denen er 50,000 in die Kaſſe des Schatzmeiſters zu demſelben obener⸗ waͤhnten Zwecke niederlegen wird. 7) Dem Johann Hieronymus Levi, Major von Alaccio, im Anfange der Revolution, oder ſeiner Wittwe, ſeinen Kindern, oder Enkeln 100, o00 Fr. 3) Duroc's Tochter 100,000 Franken. 9) Dem Herzoge von Iſtrien, Beſſieres Sohn, 100,000 Franken. 10) Dem General Drouot 100,000. 11) Dem General Lavalette 100, 000. 12) Jiem 100,000; d. h. 25 000 Piéron, meinem Haushofmeiſter, 25,000 meinem Jaͤger Novarre, 25,/9e0 meinem Buchhalter St. Denis, 25,000 San⸗ tini, meinem fruͤheren Thuͤrhuͤter. 15) Item 100,000, d. h. 40,000 Planta meinem Hausoffizier; 20,000 Hebert, dem vormaligen Inten⸗ danten von Rambouillet, der in Aegypten zu meiner Umgebung gehoͤrte; 20,000 Lavigné, der vormals Aufſeher einer meiner Staͤlle, und in Aegypten mein 31 Stallknecht war; 20,000 Jeanet Dervieux, der Auf⸗ ſeher der Staͤlle war, und in Aegypten mit mir diente. 14) 200,000 Fr. ſollen den Einwohnern von Brienne le Chateau, die am meiſten gelitten haben, als milde Gabe ausgetheilt werden. 15) Die 500,000 Fr. die noch uͤbrig bleiben, ſok⸗ len den Offizieren und Soldaten meiner Garde auf der Inſel Elba, die noch leben, oder ihren Weibern, oder Kindern nach Maßgabe ihrer Einkuͤnfte und zu Folg: einer Schätzung meiner Teſtamentsvollſtrecker 6 auszetheilt werden; die, welche verſtuͤmmelt oder ſchwer verwundet worden ſind, ſollen das Doppelte erhalten; die Schaͤtzung ſoll durch Larrey⸗ und Emmery ge⸗ ſchehen. Dieſes Codicil iſt durchaus eigenhaͤndig von mir geſchrieben, unterzeichnet und verſiegelt mit meinem Wappen. 4 Napoleon. (Auf der Ruͤckſeite des Codieil ſteht geſchrieben:) Dieß iſt mein Codicil, oder meine letzte Willens⸗ verfuͤgung, deren Vollziehung ich meinem theuerſten Weibe, der Kaiſerinn Marie Louiſe anempfehle. (L. S.) Napoleon. (Beſcheinigt von den folgenden Zeugen, deren Siegel jedesmal beigedruckt ſind.)) Montholon Bertrand Marchand Ein Stuͤck gruͤner Seide. Vignali Sechstes Codicil. Herr Lafitte, ich uͤbergab Ihnen im Jahr 1815, im Augenblicke meiner Abreiſe aus Paris, eine Summe von ſechs Millionen, fuͤr welche Sie mir einen Em⸗ pfangſchein in Doppelſchrift gegeben haben. Ich habe einen der Empfangſcheine vernichtet und beauftraae den rsn Montholon, Ihnen den andern zu üͤber reichen, damit Sie ihm nach meinem Tode die ge⸗ nannte Cunine nebſt den Zinſen zu 5 pr. Ct., von dem erſten Julius 13 5 an, mit Ahzug der Zahlun⸗ gen, die Sie in Gemaͤßheit meiner Befehle gemacht haben, bezahlen moͤgen. Es iſt mein Wille, daß Ihre Rechnung zwiſchen Ihnen, Graf Montholon, Graf Bertrand und Herrn Marchand berichtigt werde; und wenn dieſe Berichti⸗ gung erfolgt iſt, ſo gebe ich Ihnen durch Gegenwaͤr⸗ tiges einen vollſtaͤndigen und unbedingten Zahlungs⸗ ſchein fuͤr die genannte Summe. Ich vertraute Ihnen auch um dieſe Zeit ein Kiſt⸗ chen an, das mein Medaillen⸗Kabinet enthaͤlt. Ich bitte Sie, daſſelbe dem Grafen Montholon zu uͤber⸗ geben. 35 Da dieſer Brief keinen andern Zweck hat, ſo em⸗ pfehle ich Sie, Herr Lafitte, Gotkes heiligem und gnaͤdigem Schutze. Longwood, Inſel St. Helena, den 25. April 1821. Napoleon. Siebentes Codicil. Herr Baron Lavouillerie, Schatzmeiſter meines Privateigenthums, ich bitte Sie, die Rechnung nebſt der Bilanz nach meinem Tode dem Grafen Montho⸗ lon zu uͤbergeben, den ich mit der Vollziehung meines Winens beauftragt habe. Da dieſer Brief keinen andern Zweck hat, ſo em⸗ pfehle ich Sie, Herr Baron Labouillerie, Gottes hei⸗ ligem und gnaͤdigem Schutze. ongwood, Inſel St. Helena, den 25. April 1821. Napoleon. e W. Scott's Werke. LXIx. 5 Nro. XIII. Memorandum von dem Haushalte zu 1 2 Longwood. 4 General Buonaparte........ Gefolge. 1 General und Frau Bertradd 2 Deren Kinder....... 5 General und Frau Montholon 2 Deren Kinder........... 32. General Gourgaud........ 1 Graf Las Caſes......... 1 Deſſen Sohn........ Kapitain Prowtowsky... 1 Fremde Diener des General Buonaparte.. 12 Marchand, Novarrez, Santini, Pierron,. Lepage, Archambaud 1. Aby, Archambaud 2.. Cypriani, Gentilini, Roſſeau⸗ 1 Köchin. 35 Bernard, Weib und Sohn, fremde Diener des Generals Bertrand.. 5 1 franzoͤſiſches Dienſtmaͤdchen des Generals Mon⸗ tholon ⸗„.„„. 95 1 Engliſche Bediente. 1 engliſcher Gaͤrtnerr 1 Engliſche Soldaten(Bediente)...... 12 1 Knabe, der Sohn eines Soldaten 1 ꝛ engliſche Dienerin des Generals Bertrand.. 1 2 engliſche Maͤgde des Generals Montholon 2 Schwarze Bediente........ 3 Brittiſche Offiziere, die zum Haushalte gehoͤrten. Kapitain Poppleton, Kapitain der Garde 1 Dr. O'Meara, Wundarzt... 1 Bebteite........... 3 Summe 44. Den 29. Auguſt 1816. Von dieſen Perſonen kehrten General Gourgaud, Fran Montholon und ihre Kinder, Graf Las Caſes und ſein Sohn, Prowtowsky und Santini in ver⸗ ſchiedenen Zeitpunkten nach Europa zuruͤck. Cypriani, der Haushofmeiſter, ſtarb auf der Inſel. „Der Abbs Bonavita, Wundarzt Antomarchi, der Prieſter Vignali und zwei Koͤche wurden im Jahr 1819 nach St. Helena geſchickt. 56 Der Abbé kehrte im Jahre 1821 nach Europa zuruͤck. Er verließ St. Helena im Monat Maͤrz beß ſelben Jahrs. Zwiſchen den drei Dienern Wierron, Aby und Ar⸗ chambaud ereignete ſich ein Vorfall, der jetzt nicht genau beſtimmt werden kann. Man glaubt jedoch, Pierron ſey in Folge eines Stbeits wegen einer Die⸗ nerinn weggeſchickt worden.— Aby ſtarb wahrſchein⸗ lich, und einer von den Archamband's ging nach Ame⸗ rika... General Bertrand's Familie in Frankreich und die Verwandten ſeiner Frau in England(die Jernings⸗ hams) ſchickten ihnen verſchiedene Diener, deren Na⸗ men nicht beſtimmt angegeben werden koͤnnen. Auszug aus dem handſchriftlichen Tage⸗ buche des Grafen Las Caſes. Dec. 1815.— Depuis notre départ de Ply. mouth, depuis notre déberquement dans l'ile, jus- qu'à notre translation à Longwood, la maison de PEmpereur, bien que composée de onze personnes avait cessée d'exister. — Personnes composant le Service de l'Empereur.— Marchant)a Prem. valet de chambre. St. Denis Valet de chambre. Naverraz Chambre Id. Santini Huissier. 1 Cypriani Pierron Lepage Rosseau Archambaud, ainé Archambaud, cadet Gentilini 27 Moitre d'hotel. Officier. Cuisinier. Argentier. Piqueur. Valet de pied- Des que nods fämſfes tous réunis ALöngwood, pEmpereur vöulüt réguläriser touùt ce qui était à employer chacun de conservant autour de lui, et chercha nous suivant la pente de son esprit, au Grand Maréchél le wommandement et la sur- veillanés de tontien grsnd“ II eonfa à M. de Monthölii fous les détails domestiques. II donna à Monsieur Gourgaud la direelion de Pécurie, et me reserva 1o détsil des meuhles avec la régulari- sation des objets qui nous seraient fournis. Cette dernière partie me gemblait tellement en contraste avec'les détails domestiques, et je trouvais que punité sur ce point devait étre si avantageux ou bien commun, que je me prétai le plus que je ce qui ne fut pas- pus à mfen faire dépouiller; difficilé. 8 Bns 4 Nro. XIV. Zuſammenkunft zwiſchen Buomaparke und der Witiwe des Therhalde Woli Tone. Lflo 19 in 9! Zur Rechtfertigung deſſen, was wir in dem Texte hinſichtlich des leichten Zutritts zu Napoleon, dem Kaiſer, geſagt haben, mag es enicht unzweckmaͤßig ſeyn, folgenden merkwuͤrdigen Auszug aus den bereits erwaͤhnten Denkwurdigkeiten des Theobald Wolf Tone mitzutheilen. Es iſt der Bericht, den ſeine Wittwe von einer Zuſammenkunft mit dem Kaiſer abſtattete, und es darf blos die einleitende Bemerkung voraus⸗ geſchickt werden, daß Frau Tone, als ſie von der franzoͤſiſchen Regierung nach dem ungluͤcklichen Ende ihres Gemahls eine Penſion empfangen hatte, noch den Wunſch hegte, ihren Sohn in die Kriegsſchule zu St. Cyr aufgenommen zu ſehen. Als der Kriegs⸗ miniſter ihr Anſuchen nicht beguͤnſtigt hatte, rieth man ihr, ihre Bittſchrift dem Kaiſer ſelbſt zu uͤber⸗ geben. Nachſtehendes iſt eine anziehende Schilderung —— 59 des Auftritts, der zwiſchen ihnen ſtatt hatte, und bei welchem Napoleon ohne Zweifel aus großmuͤthigen Gefuͤhlen gegen die Wittwe und den verwaisten Sohn eines Mannes, der in ſeinem Dienſte geſtorben war, handelte.— r 8 „Bald fuhr der Wagen mit dem Kaiſer und der Kaiſerinn in den Kreis; die Pferde wurden blitz⸗ ſchnell gewechſelt; allein ich trat hinzu und uͤber⸗ reichte das Buch und Memorial. Er nahm ſie, uͤbergab das Buch ſeinem Stallmeiſter und oͤffnete die Schrift. Kaum hatte er zu leſen begonnen, als ter mit einem ausdrucksvollen Tone ſagte:„Tone! Ich erinnere mich recht gut“(Fe m'en souviens bien). Er las es ganz und hielt zwei oder dreimal inne, blickte mich an und verbeugte ſich, waͤhrend er es las. Als er fertig war, ſagte er zu mir: „Jetzt ſprechen Sie mit mir von Ihnen ſelbſt Main- tenant, parlez-moi de vous). Ich zoͤgerte, denn ich war auf dieſe Frage nicht vorbereitet, und nahm we⸗ nig Antheil an dem Gegenſtande. Er fuhr fort: „Haben Sie eine Penſion?“ Ich ſagte:„Ja!“„Iſt ſie hinreichend? Haben Sie irgend eine außerordent⸗ liche Huͤlfe noͤthig?“— Jetzt hatte ich mich wieder erholt und ſagte:„Die Guͤte Sr. Majeſtaͤt habe mich keinem perſoͤnlichen Mangel Preis gegeben; mei⸗ ne ganze Sorgfalt, mein ganzes Intereſſe im Leben ſey auf mein Kind beſchraͤnkt, das ich jetzt dem Dienſte Sr. Majeſtät uͤbergebe.“ Er antwortete:„Seyen 40 Sie doch ruhig in dieſer Hinſicht— ſeyen Sie ganz ruhig in Betreff ſeiner,“(Soyez donc tranquille sur son compte— soyez parfaitement tranquille sur lui). Ich bemerkte ein kleines Laͤcheln, als ich ſagte:„mein Kind“(mon enfant); ich haͤtte ſagen ſollen:„mein Sohn.“ Ich wußte, aber vergaß es. — Er hatte ſo lange verweilt, daß ſich ein Haufen Volks zuſammengerottet hatte, der ſich unter dem Rufe„Vive Fempereur!« herbeidraͤngte. Die Leute miſchten ſich unter die Garde und ein Pferd kam mir fehr nahe. Ich erſchrack und entfernte mich, allein er rief mir zu, ich ſolle ſtehen bleiben—„Restez la, restez là.“ Ob dieß meiner Sicherheit wegen geſchah, oder weil er noch mehr ſagen wollte, kann ich nicht beſtimmen; allein des Geraͤuſches wegen war es unmoͤglich, das Geſpraͤch fortzuſetzen. Ich war nahe bei dem Kutſchenſchlag und die Garden zu Pferd ſtanden dicht hinter mir, und ich zitterte in der That. Er gruͤßte die Leute und befahl, daß den alten Weibern und Frauen mit kleinen Kindern, die ihre Haͤnde ausſtreckten, zwei Napoleons gegeben werden ſollten. Ehe er wegfuhr, winkte er mir noch zwei oder dreimal mit wohlwollender Vertraulichkeit zu und ſagte:„Ihr Kind ſoll gut naturaliſirt wer⸗ den“(Votre enfant sera bien naturalisé), mit ei⸗ nem ſcherzhaften Nachdrucke auf die Woͤrter votre enkant. Deer Jüngling wurde in die Reiterſchule zu St. Eyr aufgenommen, und Folgendes iſt ein Bericht von 41¹ dem Beſuche, den Napoleon dieſer Erziehungsanſtalt abſtattete: Der Kaiſer beſuchte haͤufig die Infanterieſchule zu St. Cyr, muſterte die Cadetten und gab ihnen kalte Küche in dem Park; allein die Reitereiſchule hatte er ſeit ihrer Errichtung noch nie beſucht, was uns nicht wenig in den Kopf ſtach, und wir thaten alles Moͤgliche, um ihn herbeizulocken. So oft er jagte, ſtanden die Zoͤglinge in großer Parade auf dem Par⸗ terre und ſchrieen mit ihrer ganzen jugendlichen Kraft „vive l'empereur!“ Er luͤpfte ſeinen Hut, als er an ihnen voruͤberging; allein dieß war alles, was wir erhalten konnten. Kluge Leute fluͤſterten uns zu, er werde nicht hingehen, ſo lange wir ihn ſo augen⸗ ſcheinlich erwarten; er moͤchte uns ſtets auf der Hut erhalten; dieß ſey fuͤr die Disciplin gut. Der Ge⸗ neral nahm einen andern Plan an und verbot, ir⸗ gend ein Lebenszeichen um das Schloß herum zu aͤußern, waͤhrend der Kaiſer voruͤberging— es glich einem oͤden Platze. Allein auch dieß half nichts; er ging voruͤher, als ob kein Schloß da waͤre. Dieß war zum Verzweifeln; aber ſiehe! ſchon den zweiten Tag, nachdem ich mit ihm geſprochen hatte, gallo⸗ pirte er ploͤtzlich in den Hof des Schloſſes und der Ruf der Schildwachen:„Pempereur!“ war der erſte Wink, den ſie von ſeiner Gegenwart erhielten. Er unterſuchte Alles. Alle trugen ihre pewoͤhnliche Haus⸗ kleidung, alle waren an der Arbeit, und dieß war 1 42 es, was er wollte. In den Kriegsſchulen erhielten die Cadetten Kommisbrod und lebten wie gut genaͤhrte Soldaten; allein in den Zirkeln von Paris verfuͤhrte man ein großes Geſchrei gegen das Brod der Schule von St. Germain. Die Damen klagten, daß ihre Soͤhne dadurch vergiftet wuͤrden. Der Kaiſer hielt es für bloße Verzaͤrtelung und ſagte: Niemand tauge zu einem Offizier, der kein Kommisbrod eſſen koͤnne. Da er jedoch hier war, ſo forderte er einen Laib und ſah, daß es garſtiges Zeug war, das aus Erbſen, Bohnen, Roggen, Kartoffeln und allem, was Mehl geben konnte, ſtatt aus gutem, ſchwarzem Weizen⸗ mehl, beſtand. Wuͤthend riß er den Laib entzwei und warf ihn an die Wand, und da hing er, wie ein Stuͤck Moͤrtel, zum großen Leidweſen derer, deren Pflicht es war, ein Auge auf dieſe Sache zu haben. Er ließ den Baͤcker rufen und hieß ihn das Brod betrachten, das an der Wand hing. Der Mann war anfangs uͤber den Zorn des Kaiſers ſehr erſchrocken; allein er faßte Muth und bat: Seine Majeſtaͤt moͤchte ihm ſeinen Kontrakt nicht nehmen⸗ er wolle in Zu⸗ kunft gutes Brod liefern, worauf der Kaiſer in ei⸗ nen koͤniglichen und kaiſerlichen Zorn ausbrach und ihn auf die Galeere zu ſchicken drohte; allein ploͤtz⸗ lich ſich umwendend ſagte:„ja,“ er wolle ihm ſei⸗ nen Kontrakt laſſen, unter der Bedingung, daß er, ſo lange derſelbe daure, die Schule mit gutem, weiſ⸗ ſem Hausbrode(pain de ménage), ſo wie man es in den Baͤckerlaͤden in Paris kaufe, verſehe;— daß er ſich dazu entſchließen muͤſſe, oder ſeinen Kontrakt verlieren werde. Der Baͤcker verſprach, dankerfuͤllt, er wolle in Zukunft gutes, weißes Brod um denſel⸗ ben Preis liefern. 1 Gourgaud's Widerleg ung des Leben Napoleons von Sir Walter Scott. —— Ein Werk, wie das Leben Napoleon's von Scott, welches, man kann wohl ſagen, beinahe von ganz Eu⸗ ropa ſo begierig erwartet wurde, mußte natuͤrlich zu den mannichfachſten Critiken Veranlaſſung geben, die auch unter den verſchiedenſten Formen als Auffaͤtze in gelehrten Blaͤttern, als Broſchuͤren oder als neue Beſchreibung von dem Leben Napoleon's erſchienen.— Eine der erſten Stellen unter dieſen Critiken nimmt ein Werk ein, das man dem bekannten Ge⸗ neral Gourgaud zuſchreibt, und das den Titel fuͤhrt: „Réfutation de la vie de Napoléon par Sir Walter Scott par le général Grrrx.“ Wir glauben es unſern Leſern ſchuldig zu ſeyn, und hoffen, dieſelben werden es nicht ungerne ſehen, wenn wir, ſoviel es der ge⸗ ringe Raum dieſer Blaͤtter noch erlaubt, als Anhang einen gedraͤngten Auszug aus obigem Werkchen geben. Der Verfaſſer der Widerlegung beginnt damit, daß er Scott den Vorwurf macht, deſſen Werk ſeye das Produkt einer Geldſpeculation, um ſeine zer⸗ ruͤtteten Finanzen wieder in Ordnung zu bringen, und nun geht er auf Beurtheilung der einzelnen 46 Theile des Werkes uͤber, indem er verſichert, daß er Alles, was er berichte, ſelbſt geſehen habe, waͤhrend Scott nur das ſchreibe, was er vom Hoͤrenſagen ver⸗ 1 nommen oder geleſen habe. Bei der Beſchreibung der Lage Europa's, 10 Jahre vor der Revolution, kommt Scott auch auf Joſeph II. zu ſprechen, von dem er, nachdem er dieſen Kaiſer wegen der vom demſelben allzuſchnell angeführten Neuerungen getadelt j hat, noch ſagt: Nicht uͤbel moͤchte als Grabſchrift fuͤr 1. dieſen anfaͤnglich ſo hoffnungsvollen und geliebten Monarchen eine Inſchrift paſſen, welche eines Mor⸗ gens auf dem von Joſeph erbauten Narrenhoſpital zu Wien ſiand:„Josephus ubique secundus, hic pri- mus.— Der Grund, ſagt der Recenſent, warum Scott den Kaiſer Joſeph einen Narren und Raͤuber nennt, und warum er denſelben uͤberhaupt in einem Werke uͤber Napoleon anfuͤhrt, iſt nach des SOeſchicht⸗ ſchreibers Worten der:„die unnuͤtze und erniedrigende Meiſe Pius VI. nach Wien lieferte ſpaͤter Napoleon eine Art Vorwand fuͤr ſein Betragen gegen Pius vII.!!? Nun zeigt der Recenſent in mehreren Beiſpielen, wie ſehr ſich Scott widerſpricht, indem er bald den heiligen Stuhl vertheidigt, bald denſelben auf's haͤr⸗ 3 teſte anklagt, indem er einmal aus Gelegenheit des Sturms der Baſtille die ganze franzoͤſiſche Nation der Grauſamkeit und Barbarei beſchuldigt, und ein andermal ſagt: blos einige Unſinnige, welche wie 4 Doggen unter einer jungen Meute im Volke zer⸗ 47 ſtreut geweſen waren, um daſſelbe zur Raſerei und zum Blutvergießen zu verleiten, waren es, welche das Beiſpiel der unerhoͤrteſten Grauſamkeiten gaben. Der Lebensumſtaͤnde, ſagt der Recenſent, erwaͤhnt Scott nur deshalb ſo ausfuͤhrlich, um bei deſſen Tod ſagen zu koͤnnen:„Carl Buonoparte ſtarb ungefaͤhr in einem Alter von 45 Jahren den 24. Febr. 1795 an dem Magenkrebs. Sein ſo beruͤhmter Sohn war das Opfer derſelben Krankheit.“ Doch, faͤhrt der Widerleger weiter fort, haben wir in den ſechs, ſeit Napoleons Tode verfloſſenen Jahren noch nicht die Worte des großen Kaiſers vergeſſen:„Ich vermache England die Schmach meines Todes.“ Hudſon Lowe wird wohl beſſer als jeder Andere die Natur der Krankheit, welcher Napoleon unterlag, kennen; er weiß, was der Kaffeeſatz zu bedeuten hat, welcher in des Kaiſers Magen gefunden wurde. 4 Nun geht der Verfaſſer obiger Schrift auf die Belagerung von Toulon uͤber. Hier findet er, daß Scott, deſſen Werk nur ein Vertheidigungs⸗Geſchaͤft des engliſchen Miniſteriums zu ſeyn ſcheint, alle Schuld und alle Grauſamkeiten bei der Raͤumung dieſes Ortes auf die Spanier und Neapolitaner zu ſchieben ſucht, waͤhrend es doch nur zu bekannt ſey, wie treulos und grauſam die Englaͤnder gegen die ungluͤcklichen Be⸗ wohner dieſer Stadt gehandelt haͤtten. Doch nicht allein ſolche bedeutende Fehler, ſondern guch kleinere Irrthuͤmer fuͤllen Scott's Werk an. 48 So ſagt derſelbe, daß Napoleon, als er im Mai 1795 nach Paris kam, ſich in ſolch duͤrftiger Lage befunden haͤtte, daß er mit Dank von Talma eine Summe Geldes zur Unterſtuͤtzung empfangen habe; allein haͤtte Scott bei ſeiner Reiſe nach Paris den großen Tra⸗ giker beſucht, ſo wuͤrde er erfahren haben, daß dieſe Angabe ganz unwahr iſt. Eben ſo falſch iſt, was Scott ſagt, daß Napoleon zum Commandanten einer Brigade Artillerie in Holland ernannt worden ſey. Denn in dem allgemein geſchaͤtzten Werke Arnault's, deſſen erſter Band ſchon 3 Jahre vor dem Werke Sir Walters erſchienen war, heißt es ausdruͤcklich: „Man ſagt auch, daß Buonaxparte endlich ernannt worden ſey, um die Artillerie der Armee in Holland zu kommandiren, dieß iſt ein Irrthum.“ „Er war noch ohne Anſtellung in der activen Armee, als ihn eine neue Revolution wieder in die Bahn rief⸗ auf der er anfaͤnglich zu dem Ruhm und dem Gluͤck, das ſeiner in Italien wartete, gelangen wollte.“ Ddieſe Irrungen, faͤhrt der General weiter fort, ſind zwar nicht ſehr bedeutend, aber zeigen dieſelben nicht hinlaͤnglich, mit welcher Eile und welcher Un⸗ kenntniß der Thatſachen der ſchottiſche Geſchichtſchrei⸗ ber die vorgebliche Geſchichte des gröͤßten Feldheren unſerer Zeiten fabricirt hat? Mit mehr Genauigkeit berichtet uns Scott die erſten Feldzuͤge in Italien, und man ſieht gleich, daß hiehei keine engliſchen Heere im Spiel waren. Doch 49 auch hier, weil er die Siege des Helden nicht uüber⸗ gehen kann, ſucht er denſelben zu tadeln, und um dieß mit groͤßerem Anſcheine von Recht thun zu koͤnnen, ſo ſteht er nicht an, die Begebenheiten zu entſtelen. In dieſem Sinne ſucht er das ganze Ge⸗ haͤſſige der Verſchwoͤrung von Pavia auf die franzoͤ⸗ ſiſche Armee und deren Oberhaupt zu waͤlzen. Doch nicht Vaterlandsliebe war es, was die verblendeten Einwohner die Waffen zu ergreifen veranlaßte, ſon⸗ dern die Umtriebe der Prieſter und Edelleute. Als Beleg dieſer Behauptung moͤgen folgende Worte ei⸗ nes wahrhaft unpartheiiſchen Geſchichtſchreibers die⸗ nen:„Unter dem Vorwande ihrer Achtung fuͤr die republicaniſche Gleichheit ſchickten zu gleicher Zeit alle Großen ihre Diener weg. Dieß hieß Frankreich eben ſo viele Feinde aus einer Anzahl von Leuten machen, deren Traͤgheit nicht mehr bezahlt wurde, und die dem Elende nne durch Arbeitſamkeit oder durch Verbrechen entgehen konnten. Die Prieſter hrerſeits, die Beſitznahme des Kirchen⸗Silberzeugs ſich zu Nutzen machend, nannten dieſe Vollziehung des Vertrags eine Gotteslaͤſterung.“ Es iſt wahr, faͤhrt der Kritiker weiter fort, daß Benaro verbrannt wurde, aber man ließ deſſen Einwohner nicht niederſaͤbeln: mehrere derſelben, mit den Waffen in der Hand getroffen, wurden getoͤdtet, aber dieß heißt nicht die Einwohner uͤber die Klinge ſpringen laſſen. Wie leid Buonaparte der ganze W. Scott's Werke. LXIX. 4 503 Vorfall war, beweist eine von ihm hierauf erlaſſene Proclamation, in welcher er, um ferneren Ungluͤcks⸗ faͤllen zuvorzukommen⸗ das Schickſal Benaro's dem verfuͤhrten Volke vor Augen haͤlt, und dieſem eine Friſt von 24, Stunden anberaumt, daß es die Waffen niederlege. Allein dieſe Proclamation fuͤhrt der ſchottiſche Romanſchreiber nicht an, eben ſo wenig, als dieß, daß ſich Buonoparte mit dem Erzbiſchof von Mailand an die Thore von Pavia, den Hauptheerd des Aufſtandes, begab, um mit Huͤlfe der Ermah⸗ nungen dieſes Prieſters ſeinen verfuͤhrenden Worten Gehoͤr zu verſchaffen; und daß der Obergeneral erſt, nachdem er alle Mittel der Guͤte verſucht hatte, ſeine Zuflucht zur Gewalt nahm. Alles dieß verſchweigt uns Scott, der mit der groͤßten Unpartheilichkeit zu Werk zu gehen verſpracht Deſto mehr Luͤgen, Aus⸗ laſſungen und ungenauigkeit liefert er uns aber in ſeiner Veſchreibung von der Wegnahme Livorno's. Zuerſt iſt es ungetreu, zu ſagen, die Franzoſen haͤt⸗ ten die Neutralitaͤt gebrochen; ſie drangen allerdings in ein neutrales Land ein, aber es geſchah dieß nur, um die Englaͤnder, welche zuerſt dieſe Neutralitaͤt verletzt hatten, indem ſie taͤglich franzoͤſiſche Fahrzeuge unter den Kanonen der Forts von Livorno wegnah⸗ men, aus demſelben zu vertreiben. Alsdann iſt es falſch, daß der Miniſter von Toscana uͤber dieſen Vorgang einen Schleier von Schicklichkeit zu werfen geſucht habe. Der Großherzoga billigte oͤffent⸗ * 25 ¹ 4 5¹ lich das Benehmen der Franzoſen und gab ſelbſt den Befehl zur Verhaftnehmung des Commandanten von Livorno. Wem hofft endlich Sir Walter Scott glau⸗ ben zu machen, daß Buonaparte, als er die Nach⸗ richt von der Wegnahme der Citadelle von Mailand erhielt, zu dem Großherzog geſagt habe, indem er ſich mit zufriedener Miene die Haͤnde rieb:„der Kaiſer, Ihr Bruder, hat nun die letzte ſeiner Be⸗ ſitzungen in der Lombardei verloren.“ Der Charak⸗ ter und die Sitten der Franzoſen widerlegen dieſe Luͤge hinlaͤnglich; nicht einmal der geringſte Unter⸗ offizier in der Armee waͤre einer ſolchen Unſchicklich⸗ keit faͤhig geweſen, und Scott wagt es, dieſelbe ei⸗ nem Manne zuzuſchreiben, der tauſend Beweiſe von Edelmuth und Seelengroͤße gegeben hat.— Die Wahrheit an der ganzen Sache iſt, daß Buonaparte, els die Nachricht ankäm, mit dem Gooßherzog ſpeiste, und daß beide Gaͤſte genug Herrſchaft uͤber ſich hat⸗ ten, der eine, um ſeine Freude nicht laut werden zu laſſen, und der andere, um ſeine Traurigkeit zu ver⸗ bergen.. Nun kommt Scott an die Geſchichte des Feldzugs von Egypten; hier ſcheut er ſich dann nicht ſeiner uͤblen Laune freien Lauf zu laſſen, welche ſich zuerſt darin ausſpricht, daß er die Schlacht bei den Pyra⸗ miden als ein Scharmuͤtzel darſtellt. Nun kommt die Reihe an Buonaparte's Proclamation, welche nach, dem Aufſtande von Cairo in orientaliſchem 52 Style erlaſſen, die aufgeregten Geiſter wieder be⸗ ruhigen ſollte. Von ihr ſagt Scott:„Dieſe Pro⸗ clamation beweist klar, daß Buonaparte als ein uͤber⸗ natuͤrliches Weſen angebetet ſeyn wellte, ſobald die Alkaͤre errichtet und die Aabeter vereinigt ſeyn wuͤr⸗ den; aber die Tuͤrken und Araber waren kluͤger, als die Perſer bei Gelegenheit des jungen Ammon.“ Kann man je groͤßeren Unſinn in ſo wenigen Zei⸗ len leſen. Daß man aber ja nicht glaube, als ſcherze der Geſchichtſchreiber blos mit dieſer Auklage, ſo nimmt er ſpaͤter ſeine ganze Logik zu Huͤlfe, um zu beweiſen, daß Buonaparte ſehr unklug gehandelt ha⸗ ben wuͤrde, wenn er ſich haͤtte fuͤr einen Gott aus⸗ geben wollen. 3 Was die ſo oft aufgeſtellte und auch eben ſo oft widerlegte Geſchichte wegen der Vergiftung der Kran⸗ ken und Verwandeten in Egypten betrifft, ſo ſtellt Scott die Sache zu Anfang als wahrſcheinlich dar, alsdann traͤgt er Sorge, dieſelbe mit einer Menge von Lmſtaͤnden zu unterſtuͤtzen, welche zu beweiſen ſcheinen, daß dieſer ſchaͤndliche Mord wirklich begangen worden ſey, und nun erſt nachdem er dem Leſer voll⸗ kommene Ueberzeugung gegeben zu haben glaubt, wirft er einige Entſchuldigungs⸗Worte für den An⸗ geklagten leicht hin. Es wird daher nicht uͤberfluͤſ⸗ ſiz ſeyn, wenn wir die Sache berichten, wie ſie wirk⸗ lich iſt; der erſte Urheber dieſer Beſchuldigung iſt ein gewiſſer Roger, ein Apotheker der Armee. Ueber⸗ 53 wieſen, die Kameele, welche zum Transporte der Me⸗ dicamente nach Syrien beſtimmt waren, mit Wein und andern geiſtigen Getraͤnken beladen zu haben, wurde dieſer Beamte durch den Ober General abge⸗ ſetzt; da er es nicht wagte, nach Frankreich zuruckzu⸗ kehren, aus Furcht, er moͤchte daſelbſt den Lohn fur ſeine barbariſche Untreue empfangen, ſo blieb er nach der Raͤumung Egyptens unter den Englaͤndern, und verlaͤumdete nun hier den Ober⸗General Buonaparte, von dem er ausſogte: er habe ihn aus Politik zu ei⸗ nem ewigem Euil verdammt, um den Agenten ent⸗ fernt zu halten, deſſen er ſich bediente, als er ſich in Jaffa der Peſtkranken entledigte. Wuͤrde wohl der Mann, der eine ſolche That zu begehen faͤhig ge⸗ weſen waͤre, einen Menſchen geſchont haben, auf deſ ſen Verſchwiegenheit er ſo wenig zaͤhlen konnte, und den er haͤtte zernichten koͤnnen, wenn er ihn dem militaͤriſchen Richterſtuhle, dem er wegen ſeiner Be⸗ truͤgereien verfallen war, uͤbergeben haͤtte! Wie dem auch ſey, die Englaͤnder nahmen mit Begier dieſe Verlaͤumdung auf, welche der ehrenwerthe General Wilſon nur zu ſehr beglaubigt hat. Allein die Zeit iſt gekommen, wo wahrheitsliebende Maͤnner, welche dieſelbe nach ihm weit verbreitet haben, ſich, wie er, eine Pflicht daraus machen, dieſe Ausſage zu wider⸗ rufen, und mit derſelben Loyalitaͤt, wovon jener General das Beiſpiel gibt, wiederholen:„Ich habe geſagt, was ich damals fuͤr wahr hielt.“ 3 * 54½ Wir uͤbergehen nun eine Menge anderer ebenſo unrichtig angegebener Gegenſtaͤnde, welche aber zu un⸗ bedeutend ſind, als daß wir dieſelben widerlegen ſollten, und zehen nun auf Buonaparte's Rückkehr nach Europa uͤber. Scott ſagt aus Veranlaſſung derſel⸗ ben:„Haͤtte man erwarten ſollen, daß Napoleon die Armee ihrem Schickſale uͤberlaſſen, und ohne Er⸗ laubniß noch Befehl der Regierung ſeine Dienſte da anbieten wuͤrde, wo man dieſelben nicht verlangte oder vielleicht nicht einmal wuͤnſchte?“ Der Roman⸗ ſchreiber haͤtte ſich alle dieſe Phraſen erſparen koͤnnen, wenn er gewußt haͤtte, was heut zu Tage bis zur Evidenz erwieſen iſt; und zwar, daß Napoleon vor ſeiner Abreiſe von dem Directorium ermaͤchtigt wur⸗ de, mit allen Maͤchten, die von ihm für paſſend erach⸗ teten Vertraͤge abzuſchließen, alle Unternehmungen, die er fuͤr moͤglich hielte, auszufuͤhren, ſich einen Nachfolger zu erwaͤhlen und nach Europa zuruͤckzu⸗ kehren. Dieß iſt eben ſo wahr als Buonaparte ſechs Monate vorher, ehe er dem General Kleber den Oberbefehl uͤber das Heer uͤbergab, an das Directo⸗ rium ſchrieb:„Wenn ſich mir im Laufe des Mo⸗ nats Maͤrz der Bericht des Buͤrgers Hamelin be⸗ ſtaͤtigen, und Frankreich mit den Koͤnigen im Kampfe ſeyn würde, ſo werde ich dahin zuruͤck kehren.“ Das Directorium ſeinerſeits ſchrieb an Buonaparte: Buͤrger⸗General! Die außerordentlichen Anſtrengungen, welche Oe⸗ 555 ſterreich und Rußland immer mehr an den Tag le⸗ gen, die ernſthafte und beinahe beunruhigende Wen⸗ dung, welche der Krieg genommen hat: alles dieß veranlaßt die Republik, ihre Kraͤfte zu concentriren. Das Directorium hat dieſes dem Admiral Bruir aufge⸗ tragen, alle zu ſeinem Gebot ſtehenden Mittel aufzubieten um ſich zum Herrn des mittellaͤndiſchen Meeres zu ma⸗ chen, und ſich nach Egypten zu begeben, um von dort⸗ die unter Ihren Befehlen ſtehende Armee zuruͤckzufuͤhren. Sie werden beurtheilen, General, ob ſie mit Sicherheit einen Theil ihrer Streitkraͤfte zuruͤcklaſſen koͤnnen. Das Dieectorium ermaͤchtigt Sie in dieſem Falle, den Oberbefehl uͤber die Truppen einem von Ihnen er⸗ waͤhlten Offizier zu uͤbertragen. Das Directorium rwuͤrde Sie mit Vergnuͤgen wieder an der Spitze der republikaniſchen Heere, welche Sie bis jetzt ſo glorreich befehligt haben, geſtellt ſehen. Unterzeichnet: Treillard, La Riveillère-Lèpaux et Barras. Bei der Darſtellung der Revolution, welche das Directorium ſtuͤrzte, bleibt Scott ſeiner gewohnten Ungenauigkeit und Pattheylichkeit treu. Wenn Scott ſpaͤter aus Veranlaſſung des Friedens von Amiens eine Menge von Beſchuldigungen gegen Frankreich vorbringt, ſo haͤtte er auch als unpartheyiſcher Schrift⸗ ſteller etwas fuͤr Frankreich ſagen ſollen und er haͤtte Stoff genug hiezu gehabt; denn nach dem Vertrage haͤtten die Englaͤnder ihre Truppen aus Egypten zie⸗ 56 hen ſollen, allein ſie verſtaͤrkten dieſelben noch; die Hollaͤnder ſollten wieder Beſitz von dem Cap der gu⸗ ten Hoffnung nehmen; doch der engliſche Gouverneur verweigerte jede Ruͤckgabe, ebenſo wie den Johanitter⸗ Rittern der Eintritt in Malta, das ſie nach dem Vertrage wieder erhalten ſollten, verweigert wurde. In dem bald auf den Frieden folgenden Kriege beruͤhrt Scott den beabſichtigten Einfall nach Eng⸗ land als eine hoͤchſt ſinnloſe Idee, und erklaͤrt hiebei die Englaͤnder fuͤr unbeſiegbar und einen Einfall in ihr Land als eine in Nichts zerfallende Chimaͤre, be⸗ denkt hiebei aber nicht, daß Wilhelm der Eroberer und der Prinz von Oranien, Wilhelm III., auch von der Eroberung Englands traͤumten? Was die Ermordung des Herzogs von Enghien betrifft, ſo haͤtte der Romanſchreiber dieſelbe ganz uͤbergehen ſollen, um nicht genoͤthigt ſeyn zu muͤſſen, die ſchaͤndliche Treuloſigkeit des engliſchen Kabinets an den Tag zu bringen, welches dieſen Prinzen viel⸗ leicht gegen ſein Wiſſen in die nur zu ſehr erwieſene Verſchwoͤrung Pichegru's Moreau's und George Ca⸗ doudal's verwickelte. Dieß beweist die Ausſage des Herzogs vor ſeinen Richtern hinlaͤnglich:„Ich ver⸗ langte von England eine Stelle unter ſeinem Heere. Jedoch man gab mir zur Antwort: man koͤnne mir keine ſolche geben, ſondern ich ſoll am Rheine bleiben, wo ich nothwendigerweiſe eine Rolle zu ſpielen haͤtte; und ich wartete.“— Doch uͤber dieſe ganze Sache iſt 5) noch ein zu dichter Schleier geworfen, als daß wir verſuchen koͤnnten, denſelben zu luͤften.— Leicht bemerkt man, daß bei dem jetzt folgenden Feldzuge gegen Oeſterreich keine Englaͤnder mit im Spiele waren, den außer einigen kleinen abſichtlichen Irrthuͤmern, kann man Scott nur den Vorwurf ma⸗ chen, daß er zu viel die Scheere gebraucht habe, um deſto eher auf die See⸗Unternehmungen uͤbergehen zu koͤnnen. Fuͤr dieſe ſcheint der neue Geſchichtſchreiber den Muth aufgeſpirt zu haben, mit welchem er ſo oft die gehaͤſſigſten Verletzungen des Voͤlkerrechts von engliſchen Seite als geſetzmaͤßige Handlungen darzu⸗ ſtellen ſucht. So z. B. ſaat er bei Gelegenheit der mitten im Frieden erfolgten Wegnahme von eilf mit Gold beladenen ſpaniſchen Galionen, England habe dieſe Schiffe nur in Beſchlag genommen, um Spanien zu noͤthigen, kuͤnftighin eine aufrichtigere Neutralitaͤt zu beobachten; zu bedauern hiebei ſeye ge⸗ weſen, daß England nicht mehr Schiffe abgeſchickt haͤtte, und auf dieſe Art einem Kampfe zuvor ge⸗ kommen waͤre, wobei leider eine der Galionen in die Luft geflogen ſey.— Iſt es nicht laͤcherlich, Scott auf dieſe Weiſe England bei ſeinen ungeſetzmaͤßigſten Hand⸗ lungen vertheidigen zu ſehen, waͤhrend er bald dar⸗ auf Preußen es aufs bitterſte vorwirft, daß daſſelbe das ihm fuͤr andere Provinzen angebotene Hannover annahm. 5 5 Bei dem Feldzuge von 1806 gegen Preußen zeigt Scott, wie ſehr freundſchaftlich er gegen Bluͤcher geſinnt iſt, den er auf alle Art hervorzuheben und ihn ſchon als den kuͤnftigen Helden und Retter ſeines Vaterlandes zu bezeichnen ſucht. So ſagt er von demſelben: n⸗hdem ſich Bluͤcher nach der Schlacht von Jena ge⸗ gen Luͤbeck zuruͤckgezogen, und ſich in den Straßen dieſer Stadt tapfer vertheidigt hatte, gelang es ihm, mit einer Hand voll Tapferer Schwerta zu erreichen. Allein nun befand er ſich auf den Grenzen der preu⸗ ßiſchen Monarchie, und indem er das neutrale daͤni⸗ ſche Gebiet verletzt haͤtte, haͤtte er ſeinem ungluͤcklichen Monarchen nur einen Feind mehr zugezogen; er legte daher die Waffen nieder und ergab ſich mit einigen 1000 Mann, welche ihm noch uͤbrig geblieben wa⸗ ren.— Die Wahrheit jedoch an der ganzen Sache iſt: Nach der Schlacht von Jena zog ſich Bluͤcher au der Spitze von 6000 Mann Reiterei gegen Weiſ⸗ ſenſee zuruͤck; er war beinahe daſelbſt angekommen, als der General Klein mit den franzoͤſiſchen Drago⸗ nern ihm den Paß verrennte. Als Bluͤcher bei ſeiner Ehre betheuerte, daß ein Waffenſtillſtand zwiſchen Preußen und Frankreich abgeſchloſſen ſey, ſo ließ ihn der franzoͤſiſche General ziehen. Bluͤcher warf ſich nun, als er die Niederlage ſeiner Infanterie in Luͤ⸗ beck vernahm, auf das daͤniſche Gebiet, und hier war es, wo er die ſo wenig ehrenvolle Capitulation ab⸗ ſchloß, welche Napoleon zu den Worten veranlaßte: 59 „Die Preußen werden in Zukunft weniger voreilig ſeyn, ſie werden nicht mehr von Ulm ſprechen.“ Bei der Beſchreibung der Schlacht von Pultusk laͤßt ſich Sir Walter abermals wieder etliche Unrich⸗ tigkeiten zu Schulden kommen. Er laͤßt z. B. Da⸗ voust derſelben beiwohnen, aber leider war dieſer Marſchall, der nicht wußte, daß 20 Jahre ſpaͤter ein ſchottiſcher Romanſchreiber ihn in ſeiner ſogenannten Ge⸗ ſchichte auffuͤhren wuͤrde, an dieſem Tage nicht in Pultusk, ſondern er focht in Golymin. Auch verloren die Franzoſen in dieſem Gefechte nicht 8000, ſondern blos 1800 Mann; und der Beweis, daß ſie nicht zuruͤck gedraͤngt wurden, iſt, daß ſie auf dem Schlacht⸗ felde uͤbernachteten, wo ſie freilich die Koſacken aus dem guten Grunde nicht mehr trafen, weil dieſe letz⸗ teren gegen das Ende des Gefechts nach Oſtrolenka hin entflohen waren. Das gleiche Urtheil gilt von der Beſchreibung der Schlacht von Eylau. Der Schnee, welcher, wie Scott ſagt, fuͤr die Franzoſen gunſtig ge⸗ weſen ſeyn ſoll, war denſelben gerade ſehr verderblich. Zwar ruͤckten die Kolonnen Augereau's unter deſſen Schutze vor, allein ſie verfehlten den Weg und haͤt⸗ ten beinahe das Wohl der ganzen Armee auf das Spiel geſetzt. Eben ſo falſch iſt es, daß Ney von den Ruſſen aus dem Dorfe Schloditbon vertrieben worden ſey; es wurde daſſelbe allerdings von ſechs Bataillonen angegriffen, allein dieſe wurden ſo em⸗ pfangen, daß ſie nicht darau dachten; in daſſelbe ein⸗ 60 zudringen, ſondern ſich bis hinter die Friſching zuruͤck⸗ zogen. Den Verluſt an Todten bei dieſer Schlacht gibt Scott auf 50,000 Mann an; der Moniteur aber ſpricht von 14,000 außer Gefechtsfaͤhigkeit geſetzten Leuten. Nun muß man zwar ſagen, daß der Mo⸗ niteur ein wenig luͤgt, aber wir ſehen hiebei hings⸗ gen auch, daß Sir Walter ſehr ſtark luͤgt. So ver⸗ ſichert der Letztere, die Ruſſen haͤtten nicht Ein Ge⸗ ſchuͤtz verloren, allein es iſt gewiß, daß man ihnen deren uͤber 40 wegnahm. Die Anzahl der Todten und Verwundeten war auf beiden Seiten ſo ziemlich gleich, aber die Franzoſen blieben Herren des Schlacht⸗ feldes: Dieß iſt die ſtrengſte Wahrheit, und nun frage ich Jeden, ob die Schlacht von Eylau, wie es Scott behauptet, fuͤr die Franzoſen verloren war?— Die Schlacht von Friedland betreffend, ſo geſteht zwar der neugebackene Geſchichtſchreiber ein, daß dieſelbe von Napoleon gewonnen worden ſey, dieß iſt aber auch das einzig Wahre in dem ganzen Berichte, und Scott huͤtet ſich wohl zu ſagen, daß die Ruſſen in dieſer Schlacht 25 Generale und 90 Stuͤck Ge⸗ ſchuͤtz verloren. Der Grund dieſer Ungenauigkeit iſt der, daß Großbrittannien, wie Scott bei irgend einer Gelegenheit ſagt, der Haupt⸗Allürte Rußlands war.— Scott, der ſelbſt nicht franzoͤſiſch kann, bringt in einem Appendice, der auf die Beſchreibung des Frie⸗ dens von Tilſit folgt, die Beſchuldigung gegen den 6¹ Kaiſer vor, derſelbe habe die Orthographie der fran⸗ zoͤſtſchen Sprache nicht inne gehabt; zum Beweis fuͤhrt er eine von Napoleon ſelbſt verfertigte Schrift an, und in dieſer bezeichnet er die Abbreviaturen deren ſich, wie Jedermann weiß, Napoleon haͤuflg bediente, als Fehler. Wenn Scott aus Gelegenheit der Expedition des Sir John Stuart nach Calabrien und des dabei vor⸗ gefallenen Gefechts die Tapferkeit ſeiner Englaͤnder uͤber die aller Truppen der Welt erhebt, ſo mag er dieß immerhin thun, nur moͤge er ſich huͤten, ſich in den Augen der Welt laͤcherlich zu machen, indem er behauptet, die Sieger von Lodi, Jena und Auſter⸗ litz, vor deren Blicken die engliſchen Truppen ſchon in mancher Schlacht zuruͤckwichen, ſeyen unter Rey⸗ nier, beim Anblick der engliſchen Rekruten erſchrocken geflohen. Nach Reynier kommt nun die Reihe des Herabſetzens an Sebaſtiani, allein gluͤcklicherweiſe iſt fuͤr dieſe beruͤhmten Maͤnner der Durchfall Scott's ſo groß, daß ſie von deſſen Angriffen nicht mehr erreicht werden koͤnnen. Doch jetzt kommen wir an die groͤßte Aufgabe des unpartheiiſchen Geſchichtſchreibers. Er redet naͤm⸗ lich von der vokerrechtswidrigſten aller Unternehmun⸗ gen, von dem Bombardement von Kopenhagen, und ſtellt dieſe treuloſe barbariſche That als eine kluge Hand. lung dar, an deren uͤblen Folgen dlos die Hartnaͤckig⸗ teit des daͤniſchen Kabinets Schuld geweſen ſey. Und 6² doch iſt dieß derſelbe Schriftſteller, der Frankreich ſo oft und ſo bitter die Verletzung der Neutralitaͤt vorwirft.— 2 Auch auf den Code civil dieſes von allen aufge⸗ klärten Maͤnnern unſeres Jahrhunderts als vortreff⸗ lich anerkannte Werk, kommt Sir Walter zu ſpre⸗ chen. An einigen Stellen lobt er denſelben; im Gan⸗ zen nennt er ihn aber ein ſehr mittelmaͤßiges Mach⸗ werk, und erhebt hiebei die engliſche Jurisprudenz in alle Himmel; doch wir wiſſen ja, daß er auch die engliſchen Soldaten uͤber alle uͤbrigen Truppen der Welt ſetzt. Bei Erwaͤhnung des Conferiptions⸗ Geſetzes bringt der Edinburger Geſchichtſchreiber wie gewoͤhnlich wieder einige falſche Angaben aufs Tapet, welche beweiſen, wie ſehr er den ſo getadelten Code civile kannte. So waren die Soͤhne der Wittwen nicht conſcriptionspflichtig, ſondern frei, ſo wie auch⸗ wenn der aͤltere von zwei Soͤhnen im octiven Dienſte ſtand, der Nachgeborne frei war. Es war jedem unbenommen, ſich einen Erſatzmann zu waͤhlen, der nicht nur nicht aus demſelben Arrondiſſement, ſon⸗ ſeyn mußte. Es iſt ferner unwahr, daß man die bei der Conſcription nachſichtigen Magiſtratsperſonen auf die Galeeren ſchickte; die Regierung duldete blez nicht, daß mit den Beguͤnſtigungen ein ſchaͤndlicher Handel getrieben wurde. Die ungehorſamen Mili⸗ taͤrpflichtigen wurden blos durch Gensd'armen zu dern gar nicht einmal aus demſelben Departement⸗ 635, ihren betreffenden Regimentern escortirt, oder wenn ſie deſertirt waren, wurden ſie unter Disciplinar⸗Ba⸗ taillone gethan, und nur ſehr ſelten erſchoß man ei⸗ nige von ihnen. Wahr iſt es, der Despotismus einiger Praͤfecten und ihr Streben, ſich in Gunſt bei dem Monar⸗ chen zu ſetzen, war oft die Urſache der Nichtvollziehung oder der Uebertretung der menſchenfreundlichen Arti⸗ kel dieſes Geſetzes; und gegen das Ende des Kaiſer⸗ reichs machte das Ungluͤck der Zeiten dieſe Uebertre⸗ tungen haͤufiger. Aber deshalb war dieſes Geſetz weder unmenſchlich noch barbariſch; es glich in kei⸗ ner Ruͤckſicht dem, welches die engliſche Regierung anwendet, um ſich Soldaten und Matroſen zu ver⸗ ſchaffen.—— Doch jetzt kommen wir an eine Epoche des Le⸗ ben Napoleons, wo die Partheilichkeit und die Un⸗ getreuheit des neuen Gecchichtſchreibers ſich beſonders bemerkbar machen: es iſt dieß der Krieg auf der py⸗ renaͤiſchen Halbinſel. Wir wollen hiebei die Gewalt⸗ thaͤtigkeit des Kaiſers durchaus nicht in Schutz neh⸗ men; allein haͤtte Seott nicht auch in der Wahrheit⸗ genug Vorwurf fuͤr Napoleon finden koͤnnen, mußte er noch ſeine Partheilichkeit und Bitterkeit hinzufuͤ⸗ gen, wie wir dieß gleich ſehen werden. Wir muͤſſen geſtehen, Sir Walter geht mit ziem⸗ lich viel Decenz uͤber die Intriguen weg, welche dem Kriege mit Spanien vorhergingen und denſelben her⸗ 64 beifuͤhrten. Da unſer unpartheitſcher Geſchichtſchrei⸗ ber nicht beſſer von allen dieſen Vorfaͤllen unterrich⸗ tet zu ſeyn ſcheint, als wir ſelbſt, ſo wollen wir die⸗ ſelben auch uͤbergehen, und zuerſt an der Capitula⸗ tion des Generals Dnupont ſtehen bleiben, den Scott läͤcherlicherweiſe einen der beſten Generale Napoleon's nennt. Die Lage Duponts war durchaus nicht ſo ſchwie⸗ rig, was ihm auch mehrere ſeiner Offiziere bemerk⸗ bar machten. Reding ſelbſt, der ihn angriff und ſchon ſehr geſchwaͤcht war, war auf dem Punkte, ſich zuruͤckzuziehen; allein, ganz eingeſchuͤchtert durch den Uebergang einiger ſeiner Schweizerbrigaden, beſtand Dupont darauf, zu capituliren. Der General We⸗ del, der in dieſem Augenblicke den Feind ſchlug und demſelben mehr als zoo Mann gefangen nahm, S haͤndlichſte behandelt, konnte ſich vor Erſtaunen nicht faſſen, daß er Gefan⸗ gener ſeyn ſolle. Wenn Scott uns ſagt, daß der Artikel der Capitulation, welche dieſen braven Gene⸗ ral und ſeine Truppen betraf, uͤbertreten wurde, ſo haͤtte er auch hinzufugen ſollen, durch wen. Da er es unterlaͤßt, ſo ſehen wir uns genothigt, dieß zu thun. Die Capitulation wurde gebrochen, weil die Englaͤnder ihre Zuſtimmung verweigerten; die tapfern Truppen Wedels wurden in den Bagno von Cadir geworfen, von da diuch die Englaͤnder reclamirt, auf deren Ge⸗ fangene⸗Schiffe naich Plymouth gebracht und dort aufs 65⁵ Man ſtaune, Scott vergleicht Wellington mit Na⸗ poleon!! Zum Beweis, was Napoleon, der, wie man weiß, ſich ſehr gut auf die Menſchen und ihre Faͤhig⸗ keiten verſtand, von dieſem Generale hielt, moͤgen fol⸗ gende Worte des Kaiſers uͤber ihn dienen:„Das Gluͤck hat mehr fuͤr ihn gethan, als er fuͤr das Gluͤck.“ Welch, ein breites Gewaͤſche wegen eines Schar⸗ muͤtzels(das Gefecht bei Roliſſa)! Sir Arthur greift mit 15,000 Mann den General Laborde an, welcher nur 2,000 Franzoſen befehligte; die Englaͤnder ver⸗ lieren doppelt ſo viel Mannſchaft als die Franzoſen, welche ſich in guter Ordnnng zuruͤckziehen, und dar⸗ uͤber triumphirt Scott, als wie wenn es ſich von dem Gewinnſte einer großen Schlacht handelte. . Bei der fünf Tage auf dieſes Gefecht folgenden Schlacht von Vimeira ſcheut ſich der gerechte Roman⸗ ſchreiber nicht, wieder etliche Unwahrheiten vorzu⸗ bringen. So beſtant Junot's Armee nicht, wie Scott ſagt, aus 14,000, ſondern aus 9,000 Mann, waͤhrend Wellesley ihm 18,000 entgegenſtellte. Der General Laborde war in einem vorhergehenden Ge⸗ fechte ſchwer bleſſirt worden und konnte alſo von kei⸗ ner großen Unterſtuͤtzung mehr ſeyn. Schaͤndliche Verlaͤumdung iſt es, wenn Scott ſagt, die Grenadiere des Generals Loiſon ſeyen vor den Bajonetten Fer⸗ guſſon's geflohen. Wenn dieſe Tapfern geflohen waͤren, ſo waͤre ihr erſtes Glied nicht niedergeſchmet⸗ W. Scott's Werfe. LXIX. 5 tert worden; auch nicht auf der Flucht ſielen dieſe alten Krieger, ſondern auf dem Platze ſelbſt, wo ſie kaͤmpften; ſie fielen nicht unter den engliſchen Ba⸗ jonetten, wohl aber unter einem moͤrderiſchen Artil⸗ leriefeuer, das ſie auf halbe Schußweiten niederwarf. Der Sieger hatte nach Scott nur die Haͤnde auszu⸗ ſtrecken, um die Fruͤchte ſeines Sieges zu ſammeln; allerdings wollte dieß der Sieger thun, allein die Ge⸗ nerale Kellermann und Margaron verſetzten demſelben einen ſolchen Schlag auf die Fingerſpitzen, daß er wohl fuͤhlen konnte, ein Ruͤckzug in voller Ordnung ſey keine Niederlage. Poſſirlich anzuſchauen iſt es, wie viele Muͤhe ſich der Vertheidiger des engliſchen Miniſteriums gibt, um bei dem ungluͤcklichen ſchleunigen Ruͤckzug Moore's vor Napoleon die Wahrheit zu verbergen. Um nur Ein Beiſpiel hievon außzufuͤhren, ſo erwei⸗ ſen wir blos die Stelle, wo Walter Scott ſagt: bei Lugo, wo ſich Sir John Moore geſtellt habe, haͤtten die Franzoſen den Kampf verweigert. Iſt es fuͤr einen vernunſtigen Mann wohl denkbar, daß die ſieg⸗ reiche und ſtarke franzoͤſiſche Armee einem Gefechte mit den Truͤmmern des engliſchen Heeres ausgewi⸗ chen ſeyn ſollte? Bei Corunna endlich, wo die Eng⸗ laͤnder von Soult eingeholt wurden, wurde dieſer Mariſchall nicht zuruͤckgedraͤngt, ſondern toͤdtete dem erſtern mehr als 2,o00 Mann. 67. Von Spanien fuͤhrt uns Sir Walter ploͤtzlich nach Oeſtreich, wo der Krieg aufs Neue ausgebrochen war. Da er jedoch genoͤthigt iſt, die Reihe von Siegen, welche die Franzoſen in dieſem Feldzuge er⸗ fochten, nach einander zu berichten, ſo entſchaͤdigt er ſich fuͤr dieſe Pein dadurch, daß er verſichert, Napo⸗ leon wurde bei Eßling beſiegt.— G Was den Tod des Marſchalls Lannes betrifft, ſo bietet derſelbe nichts Anſtoͤßiges dar, wohl aber iſt dieß der Fall bei der Art, mit welcher ein Verlaͤum⸗ der, wie Sir Walter, denſelben berichtet. Der Her⸗ zog von Montebello hatte ſattſam bewieſen, daß er den Tod nicht fuͤrchte. Die Chirurgen hielten an⸗ faͤnglich die Amputation fuͤr unnoͤthig; allein Lannes befahl denſelben nicht nur in einem feſten Tone, ihm die durch eine Kugel zerſchmetterten Beine abzuneh⸗ men, ſondern er ertrug auch dieſe fuͤrchterliche Ope⸗ ration, ohne nur einen einzigen Schmerzenslaut aus⸗ zuſtoßen. Bei der Wegfuͤhrung des Pabſtes von Rom ſagt Scott am Ende der Erzaͤhlung:„es ſchien, als ob ſich Napoleon ſpaͤter feines Betragens ſchaͤmte; wirk⸗ lich verſuchte er es auch, daſſelbe als durch die Poli⸗ tik geboten und nicht aus ſeinem Charakter entſprin⸗ gend darzuſtellen.“— Napoleon konnte ſein Be⸗ tragen hinſichtlich der Entfuͤhrung des Pabſtes nie bereuen, denn er hatte dieſelbe nie geboten, und dieſe Maßregel war beinahe ſchon ausgefuͤhrt, als es 68 der Kaiſer in Schoͤnbrunn inne wurde. Das Wahre an der Sache iſt dieß: Nach einigen Unterhandlun⸗ gen zwiſchen Pius VII. und dem General Bodet, der die franzoͤſiſchen Truppen in Rom befehligte, zog ſich der Pabſt ohne alle ſcheinbare Urſache in ſei⸗ nen Pallaſt Monte Cabello zuruͤck, verbarricadirte ſich daſelbſt, und ließ durch Sbirren die Ausgaͤnge bewahren. Da der General Bodet befuͤrchtete, er moͤchte einem Handgemenge, wobei das Leben des Pabſtes ſeloſt in Gefahr kommen koͤnnte, nicht aus⸗ weichen koͤnnen, ſo faßte er nun den Entſchluß, den Pabſt waͤhrend der Nacht zu entfuͤhren. Als der Kaiſer dieſe Nachricht erhielt, ſo konnte er ſein Miß⸗ fallen daruͤber nicht verbergen; er fertigte deshalb ſogleich mehrere Kuriere ab, um dem Pabſte in Flo⸗ renz, Turin und Sarona die beſte Aufnahme zu be⸗ reiten. Es iſt wahr, der Partheigeiſt hat Napoleon aus dieſer Handlung ein Verbrechen gemacht; aber ſoll ſich ein Geſchichtſchreiber an das Gerede des Volks halten?. Nach Anfuͤhrung der Heirath Napoleons mit der Erzherzoginn Marie Louiſe, wobei Scott gleichfalls ſchlecht von den Einzelnheiten, welche dieſer Heirath vorhergingen oder ihr folgten, unterrichtet zu ſeyn ſcheint kommt derſelbe wieder auf die Begebenhei⸗ ten in der Halbinſel und auf ſeinen geliebten Wel⸗ lington zuruͤck. 69 Statt daß Sir Walter ganz einfach ſagt, der Marſchall Soult oͤffnete ſich die Straße nach Oporto, haͤtte er hiebei anfuͤhren ſollen, daß der Marſchall erſt unter die Mauern jener Stadt gelangte, nach⸗ dem er eine Armee von 60,000 Mann geſchlagen und beinahe aufgerieben hatte. Es iſt allerdings wahr, daß die Franzoſen beim Sturme dieſer Stadt einige uUnordnungen begingen, aber es iſt unwahr, daß die Einwohner unbewaffnet waren, es wurden im Ge⸗ gentheile mehrere derſelben mit den Waffen in der Hand angetroſſen; uͤberdiß jedoch wurde die Ruhe am näͤmlichen Tage noch hergeſtellt. Wenn der neue Geſchichtſchreiber uns keine naͤ⸗ heren Details uͤber die vorgeblich unter den Mauern von Oporto vorgefallene ſo glaͤnzende Schlacht gibt, ſo hat er dazu ohne Zweifel ſehr gute Gruͤnde, denn es iſt dieß ſicherlich eine jener zahlreichen Schlachten, welche wie durch Zauberei unter der Feder des Ro⸗ manſchreibers entſtehen, wenn es ſich um ſeinen Freund Wellington handelt. Wenn Scott den Ruͤck⸗ zug Soult'’s mit der Flucht Sir John Moore's ver⸗ gleicht, ſo hat er ſehr unrecht, denn die Armee des Marſchalls hatte dabei ſo wenig gelitten, daß er, in Galizien angekommen, die Offenſive wieder ergriff, und ſich nur erſt nach Zamora zuruͤckzog, nachdem er den Marſchall Ney, deſſen nicht ſehr zahlreiches Corps von weit bedeutenderen Streitkraͤften einge⸗ ſchloſſen war, befreit hatte. 70⁰ Da uns Sir Walter die naͤhern Umſtaͤnde des ſo großen Siegs der Englaͤnder bei Talavera nicht angibt, ſo wollen wir ſein Schweigen ergaͤnzen. Die Wahrheit iſt, daß bei dieſer Schlacht der Verluſt der Franzoſen dem des Feindes ungefaͤhr gleich kam, allein die erſtern, welche Scott gaͤnzlich geſchlagen nennt, blieben Herren des Schlachtfeldes, und der von ſeinem Freunde ſo ſiegreich geſchilderte Sir Ar⸗ thur floh mit Zuruͤcklaſſung nicht von 1500, ſondern von mehr als 4,000 Mann Verwundeter und Kran⸗ ker. Und doch ſagt Scott aus Veranlaſſung dieſer Schlacht:„Napoleon ſah, daß die Schlacht von Tala⸗ vera den Englaͤndern und Spaniern dafuͤr buͤrgte, daß die Frauzoſen vor ihnen fliehen wuͤrden, ſobald ſie denſelben nur einen feſten Widerſtand entgegen⸗ ſetzten.“ 3 Scott verſichert uns ganz treuherzig, Wellington habe in ſeinem Lager bei Liſſabon geringere Streit⸗ kraͤfte als Maſſena beſeſſen, waͤhrend dieſer blos un⸗ gefaͤhr 30,000 Mann befehligte, jener aber 36,000 Englaͤnder, 30,000 Portugieſen und 12,000 Spanier unter ſich hatte. Was allen Glauben uͤbertrifft, iſt das, daß der engliſche Geſchichtſchreiber Maſſena anzuklagen wagt, als habe dieſer ſeine Armee zu ſchaͤndlichen Greuelthaten aufgemuntert. Allerdings wurden . 71 in dieſem ungluͤcklichen Lande Greuelthaten begangen, aber Wellington iſt dabei allein der ſchuldige Theil; denn dieſer General, taub fuͤr die Stimme des Mit⸗ leids, noͤthigte auf ſeinem Ruͤckzuge alle Einwohner, ihm zu folgen, und hinterließ den Franzoſen nichts, als rauchende Ruinen, verwuͤſtete Felder, und beim Anblick der brennenden Huͤtten wuͤnſchte er ſich Sluͤck, Maſſena kaum fuͤr zwei Tage Lebensmittel hinterlaſ⸗ ſen zu haben. Mit ſchlecht verhehltem Bedauern verlaͤßt Sir Walter ſeinen theuern Wellington, um auf den ruß ſiſchen Feldzug uͤberzugehen. Hiebei geſteht er ganz naiv, daß er ihn von Segur abgeſchrieben hat; der ein⸗ zige Unterſchied zwiſchen beiden Beſchreibungen iſt der, daß das Werk des Herrn von Segur lebhaft intereſſirt, waͤhrend die Copie Scotts zum Sterben langweilig iſt. Nach Scott iſt es nicht das fuͤrchterliche Klima, welches die große Armee zernichtet hat, ſondern es ſind die Ruſſen, und wenn es den Soldaten an Le⸗ bensmitteln fehlte, ſo iſt dieß die Schuld der fran⸗ zoͤſiſchen Generale.— Man weiß, wie ſich unſere Tapfern durch die Schaaren von Feinden durchge⸗ ſchlagen haben, aber Sir Walter ſchreibt alle unſere unfaͤlle nur der Feigheit dieſer Tapfern zu, denn er zeigt ſie uns, wie ſie ſtets beim Aublick der Lanzen⸗ 72² ſpitzen der Koſacken erſchrocken nach allen Seiten hin. fliehen. Die Verſchwoͤrung des Generals Mallet ſtellt Scott als einen Beweis der allgemeinen Unzufrieden⸗ heit in Paris dar, und doch waren die drei Haͤupter der Verſchwoͤrung, Mallet, Lahorie und Guidal ſchon ſeit mehreren Stunden verhaftet, ehe die Pariſer nur wußten, daß eine Verſchwoͤrung im Werke war. Nach Sir Walter haͤtte Rußland allein Preußen veranlaßt, ſich den Franzoſen feindlich gegenuber zu ſtellen, aber bald entſchluͤpft ihm, ohne daß er es gewahr wird, die Wahrheit, und er ſagt:„In Preuſ⸗ ſen war das Geld ſelten, aber England war freige⸗ big.“ Hatte denn alſo Napoleon ſo unrecht, wenn er die Kriege, welche Europa ſo lange in Schrecken ſetzten, dem Golde Englands zuſchrieb? Von Bluͤcher, welchen Scott den groͤßten Feld⸗ herrn nach Welington nennt, ſagt der unpartheiiſche Geſchichtſchreiber, Napoleon habe ihn ſehr gefuͤrchtet und als ſeinen perſoͤnlichen Feind betrachtet, und doch geſteht er bald darauf ein, dieſer General ſey un⸗ faͤhig geweſen, große Plane zu erdenken und ein Heer anzufuͤhren, ſondern er waͤre blos ein tuͤchtiger Hau⸗ degen! 73 Einen abermaligen Beweis von ſeiner Unparthei⸗ lichkeit gibt uns Scott damit, daß er verſichert, der Sieg in den beiden Schlachten bei Luͤtzen und Bau⸗ tzen ſey zweifelhaft und der Verluſt der Franzoſen bei weitem groͤßer geweſen, als der der Alliirten, und daß ſich dieſe letztern blos deshalb zuruͤckgez ogen haͤtten, um ſich die errungenen Vortheile zu ſichern. Allein es iſt erwieſen, daß die Ruſſen und Preußen um ein Drittheil mehr Leute verloren, als die Fran⸗ zoſen, daß das verſchanzte Lager der erſtern mit Sturm weggenommen wurde und dieſelben ihr Heil blos dem Umſtande zu verdanken hatten, daß es den Franzoſen an Reiterei mangelte. Von der unterredung zwiſchen Napoleon und Metternich in Dresden, welche bei verſchloſſenen Zimmern Statt fand, gibt uns der gewiſſenhafte Romanſchreiber ausfuͤhrlichen Bericht; doch wenn man glaubt, als habe er denſelben aus dem Munde Met⸗ ternichs oder mittelbar von Napoleon geſchoͤpft, ſo irrt man ſich, denn wie er ſagt, ſprach Napoleon ſo laut, daß die Perſonen, welche ſich in einem andern Theile des Hauſes befanden, das Geſpraͤch um ſo leichter verſtehen konnten, als die Hofleute, wie man weiß, ein ſehr feines Gehoͤr haben. Jedermann kennt die Einzelnheiten von der Spren⸗ gung der Bruͤcke bei Leipzig, wobei uͤber 5000 Mann 74 dem Feinde preisgegeben waren, und theils in den Wellen ihren Tod fanden, theils gefangen genom⸗ men wurden. Niemand aber iſt es noch eingefallen, dieſe That Napoleon zuſchreihen zu wollen, weil man allgemein weiß, daß es die uüͤbereilte Handlung eines Subaltern war. Scott jedoch legt es bem Kaiſer zur Laſt; zwar behauptet er dieß nicht geradezu, aber er ſtellt es doch als moͤglich auf, und ſucht den Satz mit den ſpibſindigſten Gruͤnden zu unterſtuͤtzen. Scott wirft in ſeinem Werke Napoleon ſo oft die Verletzung der Neutralitaͤt zu, und nun entſchul⸗ digt er die Aliirten wegen Verletzung der Neutrali⸗ taͤt der Schweiz damit, daß dieſelben blos Gleiches mit Gleichem vergolten haͤtten. Die herrliche Moral! Welche Begriffe hat wohl Scott von einer Schlacht, wenn er die dreitaͤgige Schlacht von Brienne blos ein Scharmuͤtzel nennt? Weil die Franzoſen die Schlacht von Brienne ge⸗ wonnen haben, ſo nennt Scott dieſelbe ein Schar⸗ muͤtzel, aus dem entgegengeſetzten Grunde aber nennt er die unbedeutenden Gefechte bei Chaumont und la Bothière, welche den andern Tag Statt fanden, eine entſcheidende Schlacht. Die ſchaͤndliche Verwuͤſtung und Pluͤnderung bes ſchoͤnen Frankreichs nennt der edle Baronnet blos 7⁵ gerechte Repreſſalien. Waren es aber nicht die Ruſ⸗ ſen, welche ihr Land ſelbſt verwuͤſteten; war es nicht Wellngton, der die Halbinſel jedesmal zu einer Einoͤde machte, ſobald er zum Ruͤckzuge genoͤthigt war? Was die unter den Mauern von Paris gelieferte Schlacht anbetrifft, ſo iſt der Bericht Scotts daruͤber ſo ziemlich genau. Nur vergißt er von einigen wich⸗ tigen Umſtaͤnden Erwaͤhnung zu thun. Er ſpricht von der Kapitulation des Herzogs von Naguſa blos mit einigen Linien, und koͤnnte ganze Seiten daruͤber ſchreiben. Denn warum ſagt er nichts von der un⸗ beſchreiblichen Verwirrung, welche im Dienſte herrſchte; warum ſagt er nichts davon, daß das franzoͤſiſche Ar⸗ tilleriefeuer im Augenblicke des hitzigſten Gefechts aus Mangel an Munition, woran Paris doch Ueberfluß hatte, ganz aufhoͤrte oder doch ſchwaͤcher wurde? Warum erwaͤhnt er nicht, daß man der auf der Straße nach Vincennes aufgeſtellten Batterie, als ſie nach einem halbſtuͤndigen gut unterhaltenen Feuer neue Munition verlangte, ſtatt Zwoͤlfpfuͤnder Ladun⸗ gen, Sechspfuͤnder Ladungen ſchickte; oder daß die Gewehre der Infanterie nicht losgingen, weil die Patronen entweder kein Pulver enthielten oder durch⸗ naͤßt waren. Alle dieſe Thatſachen ſind jedem Fran⸗ zoſen, der dieſer Schlacht beiwohnte, bekannt, und Scott erwaͤhnt ihrer doch nicht. 76 Scott, welcher uns bei der Capitulation von Pa⸗ ris nichts von dem Herzoge von Raguſa geſagt hatte, unterhaͤlt uns doch ſpaͤter von dieſem General. Er geſteht ein, Marmont habe mit den Aliirten einen beſondern Vertrag abge chloſſen. Aber dieß iſt Sir Walters Anſicht nach eine ganz natuͤrliche Sache, und beweist blos, daß die Uhr des Marſchalls hein wenig vorging. Wahrſcheinlich alſo, um dem Marſchall die Mittel zu verſchaffen, ſich eine beſſere zu kaufen, geſtanden ihm die Alllirten eine Penſion von 50,000 Franken zu, die er noch heut⸗ zutage genießt, und von der Sir Walter kein Wort ſagt. Der Varonnet ſpricht von dem Tode der Kaiſerinn Joſephine, aber ohne uns eine Sylbe von der Krank⸗ heit zu ſagen, welcher ſie unterlag... Vielleicht kennt der ſchottiſche Romanſchreiber die Art der Krankheit nicht; doch Gott kennt dieſelbe!.. Was aber der Baronnet gewiß kennt, wovon er aber in ſeiner ſogenannten Geſchichte nicht das Ge⸗ ringſte erwaͤhnt, iſt, die Niederlage Wellingtons bei Toulouſe, wo der engliſche General von einer drei⸗ mal ſchwaͤcheren Armee gaͤnzlich geſchlagen wurde. Wie mitleidig Scott iſt, beweist er dadurch, daß er die franzoͤſiſche Geiſtlichkeit wegen ihrer Armuth beklagt. 1 77 Die Beſchreibung deſſen, was ſeit der Ruͤckkehr Kapoleons von Elba bis zu ſeinem Abgang zum Heere vorfiel, iſt wirklich nicht werth, critiſirt zu werden. Sie enthaͤlt die Calembourgs der Damen der Halle, und die von den Royaliſten der nieder⸗ ſten Claſſe verfertigten abernen Satyren. In eben dieſer Beſchreibung finden wir auch, daß Napoleon die Einwohner der Vorſtaͤdte nur erſt zu beſichtigen gewagt habe, nachdem er zuvor mit Kartaͤtſchen ge⸗ ladene Geſchuͤtze auf dieſelben habe richten und ei⸗ nige Sous, Lobeserhebungen und Branntwein un⸗ ter ſie austheilen laſſen. Mit Einem Worte, dieſer ganze Theil des Buchs iſt eine Art Cloack, wo der Romanſchreiber den ſtinkendſten Koth aufzuhaͤufen be⸗ liebte. Wir muͤſſn geſtehen, daß der Bericht, welchen der bisher ſo leidenſchaftliche Sir Walter von der Schlacht von Waterloo gibt, gegen das, was er bis dahin herzaͤhlte, wenn auch nicht getreu, doch ſo ziem⸗ lich gemaͤßigt iſt. Da es eine Menge von Berichten uͤber dieſen denkwuͤrdigen Tag gibt, ſo beſchraͤnken wir uns darauf, blos die Beſchuldigungen hervorzu⸗ heben, welche Scott ganz gegen alle Wahrheit vor. bringt. So verſichert uns der Baronnet, der Sieg der Englaͤnder ſeye keinen Augenblick zweifelhaft ge⸗ weſen, und es iſt gewiß, daß von Mittag bis Abends 6 Uhr Wellington auf allen Punkten geſchlagen wur⸗ 78 de; die Englaͤnder traten den Ruͤckzug an, und das Gluͤck ſchien den Franzoſen dermaßen zu laͤcheln, daß Ney, der gegen 5 Uhr an dem Kaiſer vorbeiritt, dieſem zurief:„Ah, Sire! welch' ein ſchoͤner Steg!“ Der neue Geſchichtſchreiber ſagt ferner: Cam⸗ bronne habe ſeinen Degen dem engliſchen Offiziere, der denſelben forderte, ganz gutwillig uͤberreicht; und es iſt doch ausgemacht, daß Cambronne, den man todt glaubte, ſchwer verwundet aus einem Haufen Todter und Bleſſirter hervorgezogen wurde. Der edle Sir zieht weiter noch die Treue und Tapferkeit der Belgier in Zweifel; er ſtellt ſie, wie von einem paniſchen Schrecken ergriffen und bei Annaͤherung der Franzoſen nach allen Seiten hin fliehend dar. Allein die Wahrheit iſt, daß die Bel⸗ gier, welche im erſten Treffen ſtunden, ſich wacker ſchlugen; der Prinz, welcher ſie befehligte, wurbe verwundet und waͤre gefangen geweſen, menn ihn nicht die Tapferkeit ſeiner Truppen gerettet haͤtte. Der Romanſchreiber behauptet noch, daß die preußiſche Armee fuͤr Wellington von keinem beſon⸗ dern Nutzen geweſen ſey. Dieß heißt aber, mit har⸗ tem Undank den Haudegen Bluͤchers bezahlen, wel⸗ cher gerade zur rechten Zeit ankam, um die Sache des edlen Herzogs wieder herzuſtellen, 8 79 Weiter heißt es, die Verraͤtherei habe nicht den geringſten Antheil an der Niederlage der Franzoſen gehabt, und man haͤtte den Ruf:„Rette ſich wer kann!“ nicht gehoͤrt. Doch, Sir Walter, wir haben ihn gehoͤrt, und zwar in einem Augenblicke, wo noch gar nichts verloren war. Will man nun endlich wiſſen, welches die Quelle iſt, aus der Scott dieſe ganze Beſchreibung ſchoͤpfte? Ein flammaͤndiſcher Bauer, ſagt er, aus der Gegend von Waterlboo. Man ſtaune, die Erzaͤhlung eines einfachen Bauern iſt dem Bericht ſo vieler angeſehe⸗ ner Augenzeugen vorzuziehen! Daraus moͤge der Le⸗ ſer auf den uͤbrigen Theil des Werks urtheilen. Nachdem Scott mit ſtets gleicher Wahrheitsliebe die Abdankung Napoleons und den Friedensſchluß er⸗ zaͤhlt hat, ſo ruͤhmt er die Maͤßigung der Allirrten. Die edlen Souveraine bemaͤchtigen ſich der Haupt⸗ Grenz⸗Plaͤtze und verlangen, daß alle uͤbrigen Feſtun⸗ gen durch ihre Truppen beſetzt werden; ſie fordern von den ungluͤcklichen Bauern, denen ſie die Wohnun⸗ gen verbrannt und die Erndte zertreten haben, un⸗ geheure Abgaben und Reguiſitionen. Die Kapitula⸗ tion von Paris enthielt unter Anderem, daß die Monumente der Hauptſtadt reſpectirt werden ſollten: allein bald darauf wird der Triumphbogen in den 80 Tuilerien verſtuͤmmelt, die Jenabruͤcke unterminirt, und nur die Furcht vor einem Aufſtande des Volks vermochte die Preußen von der Zerſtoͤrung dieſer Bruͤcke abzuhalten. Das Muſeum ſollte unberuͤhrt bleiben, und es wurde ſeiner Meiſterwerke beraubt. Napoleon, ſich auf die Großmuth der Englaͤnder verlaſſend, will ſich unter den Schutz Großbrittanniens begeben, blos als einfacher Burger in deſſen Staaten leben und ſich allen Verfugungen der Regierung un⸗ terwerfen. Statt deſſen aber wird er wie ein Ver⸗ brecher aus der Botany⸗Bay behanele Und wenn das brittiſche Miniſterium noch 100 Baͤnde zu ſeiner Rechtfertigung ſchreiben ließe, ſo wuͤrde es ſich doch nicht von der Schmach rein waſchen, mit der es ſich hiebei beſudelt hat, von welcher Wahrheit auch die angeſehenſten Englaͤnder uͤberzeugt ſind, indem ſie dieſelbe beweinen. Doch Sir Walter iſt natuͤrlich nicht dieſer Meinung; was man jedoch ſicherlich erſt erwartet haͤtte iſt dieß, daß er behauptet die engliſche Regierung babe ſich nur zu edelmuͤthig gegen den Erkaiſer benommen. Es wird deßhalb auch durchaus nicht befremden, wenn wir Sir Walter den Gouverneur Hudſon Lowe in einem guͤnſtigen Lichte darſtellen ſehen. Dieſer ſchaͤndliche Menſch iſt in dem Buche des Baronets als ein Ehrenmann, und als ein braver Soldat ge⸗ 81 ſchilzert, und die Maskerade iſt ſo vollſändig, baß. Hudſon Lowe, wenn ſein Name nicht ſo haufig ge⸗ nannt ware, ſich gewiß nicht in dem Portrait erken⸗ nen würde. Sir Walter verſichert uns, daß eine lange Unter⸗ redung, welche er uns auch au fuͤhrt, zwiſchen Lowe und Napoleon dem erſteren ſehr mißfallen habe, und dießmal glauben wir dem edlen Sir auf ſein Wort. Allein Napoleon hatte ſehr unrecht, einem Menſchen von einem Schlage, wie Hudſon Lowe, derbe Wahr⸗ heiten zu ſagen, er ſollte erfahren, was ein uͤbelge⸗ launter Kerkermeiſter vermag. Die bis daher ſo dauerhafte Geſundheit des Kaiſers wurde immer ſchwaͤcher, und die Freunde dieſes großen Mannes ſahen bald ein, daß ein Hudſon Lowe eine Schlange ſey, deren Biß tödte. In dem Maaße, als ſich die Krankheit Napoleons verſchlimmerte, wurde der Ker⸗ kermeiſter auch unausſtehlicher: der Doctor O'Meara, der das ganze Vertrauen des erlauchten Kranken be⸗ ſaß, wurde von Hudſon weggejagt; Las Caſes ver⸗ trieb durch ſeine Talente das Einformige einer Ge⸗ fangenſchaft. Hudſon, unter dem unbedeutendſten Vorwande, noͤthigte ihn, die Inſel zu verlaſſen; kurz 3 die Verfolgungen und Plackereien folgten ſich ohne Unterbrechung, bis der Tod die Augen des Opfers ge⸗ ſchloſſen hatte. Doch Hudſon ehrte ſelbſt die irdiſchen Ueberreſte des großen Mannes nicht; durch Aerzte W. Scott's Werke. 1.X †X. 6 82 von ſeiner Wahl laͤßt er die Leichenſchau vornehmen.. ohne Zweifel hatte er ſeine Gruͤnde, um ſo zu han⸗ deln.— Doch huͤten wir uns, den Schleier zu luͤf⸗ ten, der ſo viele Graͤuel deckt! Nach dem Tode Napoleons begibt ſich der junge Las Caſes nach Eng⸗ land; er fordert Rechenſchaft von Hudſon Lowe uͤber die ſeinem Vater zugefuͤgten Kraͤnkungen, aber der Er⸗Kerkermeiſter antwortete der Ausforderung durch einen Befehl, ſeinen Gegner feſtzunehmen. Dieſer Letztere verlaͤßt England: aber um Hudſon zu zwin⸗ gen, ſich mit ihm zu ſchlagen, inſultirt er ihn: allein dieſer Tapfere, dieſer Ehrenmann, wie ihn Scott nennt, ſteckt die Hiebe, welche er oͤffentlich empfaͤngt, geduldig ein. Endlich kommt Hudſon Lowe nach Frankreich— er erhaͤlt eine neue Ausforderung; den andern Tag wird der junge Las Caſes von mehreren Dolchſtichen durchbohrt, und der Er⸗Kerkermeiſter ver⸗ laͤßt ſchleunig Frankreich. Und dieſen Mann bemuͤht ſich Walter Scott zu vertheidigen, waͤhrend er zu glei⸗ cher Zeit die Ehre eines franzoͤſiſchen Generals zu beflecken ſucht, indem er denſelben als einen durch die engliſche Regierung bei den Gefangenen aufge⸗ ſtellten Spionen darſtellen will. Vergebens citirt der ſchottiſche Geſchichtſchreiber nach dem Datum die vorgeblichen Rapporte dieſes Generals entweder an den Kerkermeiſter Napoleons oder an das brittiſche Miniſterium; eine Verlaͤumdung mehr koſtete dem Baronnet Nichts: dieß werden die aufgeklaͤrten Leſer .35 denken, ſie werden ſich durch den Anſchein von Au⸗ thenticitaͤt, welchen jene⸗ Rapporte an ſich tragen, nicht zu einem voreiligen Urtheile verleiten laſſen, und die Antwort des General Gourgaud abwarten. Wir haben, ſchließt nun der Recenſent ſein Werk, eine Menge falſcher, verlaͤumderiſcher, verkleinerter und ungetreuer Daten in dem Werke Scotts wider⸗ legt, aber doch haben wir von dieſer vorgeblichen Ge⸗ ſchichte noch bei weitem nicht alles geſagt, was man von ihr ſagen koͤnnte. Die Unwiſſenheit des Man⸗ nes, das ein Geſchichtſchreiber zu ſeyu behauptet, kommt ſeiner Aufrichtigkeit ſo ziemlich gleich: ſeine Daten ſind beinahe immer falſch und die Anachronis⸗ men ſehr haͤufiz: er mißt Napoleon alle Werke bei, welche durch die Freunde dieſes Mannes, die ihn in ſein Eril begleiteten, herausgegeben wurden: er citirt bei jeder Gelegenheit die Memoiren Fouchs's, als wie wenn dieſelben, welche ſchon laͤngſt von unſern Tribunalen als unaͤcht verdammt wurden, Glauben verdienten. Wellington iſt der Gott Sir Walters; man koͤnnte glauben, er habe bei ſeinem Verke nur den Ruhm dieſes Generals im Auge gehabt, wenn man nicht wuͤßte, daß es ſich bei der ganzen Sache darum handelte, Geld zu gewinnen. Kurz, wer das Werk Walter Scotts liest, wird die Frage aufſtellen: ob ſich derſelbe uͤber das Publikum 1 84 luſtig machen wollte? Wir glauden dieß bejehen zu buͤrfen, aber wir halten auc dafuͤr, daß es ein herr⸗ licher Spaß ſey, ſich 300,600 Franken fuͤr einen Be⸗ trug auszahlen zu laſſen.—*— „ Es iſt am Ende der Recenſton von einer Antwort des General Gourgaud die Rede, wodurch derſelbe di in dem Werke Scotts enthaltenen Beſchuldigungen wi⸗ derlegen wollte. Dieſe Antwort erſchien nun in dem Blatte des Conſtitutionel vom 2. Sept. 1327. 3 Da dieſelbe vielleicht nicht allen unſern Leſern zu Geſichte gekommen ſeyn moͤchte, ſo theilen wir bie⸗ ſelbe hier wie folgt, mit: 11 s Antwort des General Gourgaudd. Ich war auf einer Reiſe im ſuͤdlichen Frankreich begriffen, als die Nachricht von gehaͤſſigen Beſchul⸗ digungen, welche Sir Walter Scott in ſeinem letzten Roman„Leben Napoleons“ gegen mich vorgebracht habe, mich nach Paris zuruͤck fuͤhrte. Mit Unwillen las ich die Blaͤtter durch, in welchen man meinen Charakter zu beflecken ſucht; wenn ich darauf ant⸗ worte, ſo geſchieht es deßhalb, weil es nicht immer hinreichk, der Verlaͤumdung das Stillſchweigen der 85 Verachtung entgegenzuſetzen.— Zum Hauptopfer, warum, weiß ich nicht— eines hoͤlliſchen Plans er⸗ ſehen, hat mir das Durchleſen der Kapitel, welche auf die Gefangenſchaft des Kaiſers Napoleon in St. Helena B⸗zug haben, ſowohl den Zweck des Verfaf⸗ ſers, als auch den Plan, der ihm vorgeſchrieben war, enthuͤllt. Die allgemeine Stimme, welche ſich in Eu⸗ ropa gegen die grauſame Behandlung des großen Mannes erhob, ließ dem engliſchen Miniſterium, welches dieſelbe angeordnet hatte, die Nothwendigkeit einſehen. Die Schmach von ſich abzuſchuͤtteln, welche ſich an ſeine Handlungen geheftet hatte. Dem Verſaſſer von Pauls Briefen(Walter Scott) wurde ausgetragen, der Welt darzuthun, daß alle ſtreugen Maßregeln, welche gegen den hohen Gefan⸗ genen in Anwendung gebracht wurden, durch die Noth⸗ wendigkeir, deſſen Entweichung vorzubeugen, entſchul⸗ digt wuͤrden., eſe Plase zur Flucht und deren laͤcherliche Ausfuhrungs⸗Mittel, welche uns der Vertheidiger des engliſchen Miniſteriums ſo gefaͤllig erzaͤhlt, ſind reine Fabeln. Nie hatte der Kaiſer die Abſicht, von Helena zu entfliehen; wenn er dieſelbe aber wirklich gehabt haͤtte, ſo waͤre ſein Betragen ganz anders geweſen: er haͤtte geſucht, Sir Hudſon Lowe fuͤr ſich zu gewin⸗ nen, zwar nicht durch Geld oder Ehrenſtellen Ver⸗ 86 ſprechungen, aber durch das Verfuͤhrende ſeiner Ma⸗ nieren, durch den Reiz ſeiner Unterhaltung, und durch das unwiderſtehliche Uebergewicht, welches dem Genie eigen iſt. Das Intereſſe, welches der ge⸗ fangene Held ſeinem Huͤter eingefloͤst haͤtte, wuͤrde das Vertrauen des Letztern zur Folge gehabt, die Strenge der Vorſichtsmaßregeln gemildert, und ſo die Mittel zur Flucht vermehrt haben; Gold, Kuͤhn⸗ heit und Gluͤck haͤtten das Uebrige gethan. Napoleon hegte ſo wenig den Wunſch, von Helena zu entfliehen, daß er ſich niemals nur den geringſten Plan zur Flucht gemacht haͤtte. Ganz mit dem Ge⸗ danken beſchaͤftigt, die Gewalt der Dinge werde ihn eines Tages wieder auf die Weltbuͤhne zuruͤckfuͤhren, war blos ſein einziges Denken, die Moͤglichkeiten da⸗ von zu erwaͤgen, ohne vorauszuſehen, daß der Tod, und welch ein Tod! ſobald die Verwirklichung dieſer Moͤglichkeiten vereiteln wuͤrde. Um ſeine Reſignation an den Tag zu legen und ſich den Erniedrigungen und Plackereien einer aͤngſt⸗ lichen und tyranniſchen Beaufſichtigung zu entziehen, hatte Napoleon ſelbſt dem Admiral Georg Cockburn das ſicherſte Mittel angegeben, um alle Beſorgniß wegen einer Flucht zu zerſtreuen; dieß beſtand darin, daß man kein Fahrzeug abgehen laſſen ſollte, ohne daß man ſich von der Anweſenheit des Gefangenen 57 auf irgend einem Punkte der Inſel genau uͤberzeugt haͤtte. Nachdem ich nun den feſten Willen des Kaiſers dargethan zu haben glaube, ſo komme ich auf die in⸗ famen Beſchuldigungen des engliſchen Baronnets zu⸗ ruͤck; er ſtellt mich nicht mit der Sprache eines recht⸗ lichen und gewiſſenhaften Geſchichtſchreibers, ſondern mit den Winkelzuͤgen eines gewandten Verlaͤumders als den Mann dar, der die engliſche Regierung auf die Spur der Huͤlfsmittel gebracht habe, welche dem Gefangenen zu ſeiner Flucht bereit ſtunden, was die indirecte Urſache des gegen, denſelben beobachteten Syſtems von Haͤrte geweſen ſey. Ich werde mich nicht ſo weit herablaſſen, zu eroͤr⸗ tern, aus welchem Interreſſe ich den großen Mann, deſſen Zuneigung den Ruhm meines ganzen Lebens ausmacht, mit ſolch großem Undanke haͤtte bezahlen ſollen. Die beſte Widerlegung einer ſo gehaͤſſigen Beſchuldigung wird die Darſtellung des vorgefallenen ſeyn. Waͤhrend der ganzen Dauer meines Aufenthalts in Longwood, beinahe drey Jahre, ſtand ich mit Hud⸗ ſon Lowe nicht in der geringſten directen oder indi⸗ recten Beruͤhrung, und nie geſchah es, daß ich ihn angeredet haͤtte. Waͤhrend dieſer drei Jahre, beſon⸗ ders aber im Jahre 1816, ſeit der Wegweiſung des 88 Grafen Las Caſes, ſchienen dem Kaiſer die gegen ihn beobachteten Aufſichts⸗Maßregeln den hoͤchſten Grad von Graufamkeit und Kraͤnkung erreicht zu haben. Es iſt alſo ausgemacht falſch, daß es indiscrete Vor⸗ ſchläge von mir ſeyen, welche zu den ſeit 1815 einge⸗ führten druͤckenden Maßregeln Veranlaſſung gegeben haͤtten. .* Meine Abreiſe von St. Helena geſchah weder aus der Veranlaſſung, um meine Familie wieder zu ſehen, noch wegen meiner geſchwaͤchten Gefundheit. Die Angabe einer Leberkrankheit war nur ein Vor⸗ wand von meiner Seite. Ich hatte dem ungluͤckli⸗ chen Napoleon alle meine Neigungen, alle meine In⸗ tereſſen untergeordnet, und mein einziger Ehrgeiz auf Helena war, fuͤr ihn zu ſterben. Doch gleichviel, welches die Urſache meiner Abreiſe war, ich verließ Longwood den 15. Februar 1818. Blos zu jener Zeit und blos ſeit den Schritten, welche meine Einſchiffung veranlaßten, war es, daß der Gouverneur und Herr Stuͤrmer in meiner Ge⸗ genwart von dem Kaiſer ſprachen, welcher unter ſo verſchiedenen Titeln damals die ganze Welt intereſ⸗ ſirte und der edle Gegenſtand aller Unterhaltung war. Ich keune die von Hudſon Lowe in ſeinen Depeſchen gegebene Wendung meiner Antworten und Reden nicht, aber ich finde deren Sinn in den durch 89 Scott herausgegebenen Auszuͤgen ſchaͤndlich entſtellt. Obgleich in eine eben ſo zarte als ſchwierige Lage verſetzt, obgleich zu Schonungen gegen diejenigen verdammt, deren Wigküͤhr ich presgegeben war, ſo habe ich doch nie, wie es Sir Walter zu verſtehen girt, die Sicherung meiner Ruͤckkehr nach Europa durch irgend eine meiner unwuͤrdigen Sylbe erkauft. Da die wohl bekannte Abſicht Napoleons nicht war, ſich zu ſtuͤchten, ſo war es natuͤrlich, daß ich meine Meinung uͤber die Nichtigkeit der wegen des Ge⸗ ſangenen getroffenen Vorſichts⸗Maßregeln frei aus⸗ ſprach. 4 In London habe ich weder Lord Bathurſt, noch irgend einen der Miniſter geſehen. Ich war und mußte blos gemeldet ſeyn bei dem Herrn Staats⸗ ſecretaͤr Goulbourn. Es ſchien, als ob er nicht viel von mir zu erlangen hoffte, denn er ließ mich im Ganzen blos zwei oder dreimal zu ſich rufen. Dieß ſind alle meine Com munikationen mit der engliſchen Regierung. Bald nachher ließ mich dieſe Regierung, indem ſie die Fremden⸗Bill auf mich anwandte, aus meiner Wohnung reißen, bemaͤchtigte ſich meiner Papiere, und warf mich blutend auf eine Ecke des Continents. Wie in Verbannung von der menſchlichen Geſellſchaft lebend, und wechſelsweiſe durch die ruſiiſche, öſtreichiſche, belgiſche, baieriſche 90 und ſelbſt däniſche Regierung zuruͤckgewieſen, vege⸗ tirte ich ſo zu ſagen zwei Jahre, zuerſt in Hamburg, dann in Fraukfurt, bis die Thraͤnen meiner alten Mutter mir den Eingang in mein Vaterland eroͤff⸗ net hatten. und nun fordere ich Jeden, wer es auch ſey, auf, eine Schrift, eine einfache Note oder nur eine. einzige Linie von mir aufzuweiſen, welche nicht das Gepraͤge der Geſinnungen von Treue und Ergebung an ſich truͤgen, die ich dem großen Manne ſchuldig bin, der mich mit ſeiner Achtung und ſeinem Ver⸗ trauen zu beehren wuͤrdigte, und der ſeine Wohllha⸗ ten bis uͤber das Grab hinaus gegen mich fortſetzte. Was vermoͤgen die elenden Beſchuldigungen und treu⸗ loſen Winkelzuͤge eines Fremden, des unverſöhnlichen und hirnloſen Feindes der Franzoſen und Frank⸗ reichs, was vermoͤgen ſie gegenuͤber von einem Leben, das jenem großen Manne mit Enthuſiasmus zuge⸗ than war. Hoffte dieſer Fremdling bei der Nachwelt die Henker des ungluͤcklichen Helten, der ſich auf brittanniſche Treue und Ehre verlaſſen hatte, rein zu waſchen? Und welcher Glauben kann bei den Zeitgenoſſen eine Rechtfertigung des Miuiſteriums eines Chaſtlereaghs und eines Bathurſt finden, wenn ſie auf die von 10 Jahre her publicirten Berichte ihrer Agenten begruͤndet iſt? Was vermoͤgen alle Worte, welche man mir zur Laſt legt, und welche 91¹ alle meine Handlungeu Luͤgen ſtraten? Warum hat man ſo lange gewartet, um ſich auf dieſe Worte zu berufen und auf ſie zu ſtuͤten? Warum bediente man ſich derſelben nicht, als die Anklage, welche ich im Jahre 1819 bei dem engliſchen Parlamente vor⸗ brachte, die Miniſter den haͤrteſten Angriſfen, welche durch die gegen mich ansgeuͤbten Gewaltthaͤtigkeiten begruͤndet wurden, ausſetzte? Und doch war dieß der Augenblick und das Mittel, um das Intereſſe welches man an meinem Ungluͤcke nahm, zu ſchwaͤchen? Doch zu lange beſchaͤftige ich mich ſchon mit die⸗ ſen elenden Angriffen; in mir iſt ein Etwas, was mir ſagt, daß ſolche Verlaͤumdungen mich nicht er reichen köͤnnen; es gibt auch Beleidigungen, welche⸗ ehren. Welche Gerechtigkeit koͤnnte ich von der giftigen Feder und von dem gehaͤſſigen Geiſte des Geſchicht⸗ ſchreibers erwarten, der das hoͤchſte Ungluͤck ins La⸗ cherliche zu ziehen ſucht, der den abgehaͤrtetſten Cha⸗ rakter als Carricatur darſtellt, und der mit barba⸗ riſcher Spoͤtterei Napoleon anklagt, daß er ſich ſelbſt gemordet habe, indem er den meuchelmoͤrderiſchen Kraͤnkungen, unter deren Laſt das edelſte Leben er⸗ loſch, nicht Widerſtand geleiſtet haͤtte. Paris den 1. Sept. 1827. Der General Gourgaud. In der Verlagsbuchhandlung der Gebruder Franckh in Stuttgart erſcheinen im Laufe des Jahrs 1828 folgende allgemein nuͤtzliche und intereſſante Werke: Hiſtoriſcher Bilderſaal fuͤr 219,n allen Sit aͤen de, 183 berausgegeben. in Verbindungmit mehreren Gelehrten von Dr. Karl von Rotteck, Großherzoglich BVaden'ſchem Hofrath und Profeſſor. Jedes Baͤndchen in 6. br. zu 18 Kr. oder 5 Gr. ſaͤchſ. Es iſt eines der bedeutſamen und zugleich hoff⸗ nungsreichen Zeichen der Zeit, daß die Neigung der Leſewelt mehr und mehr von frivoler zu ernfer Lekture ſich wendet, und daß zumal die Geſchichte mit ihren hohen Bildern ſo Manche jetzt anzieht, die ehedeſſen nur gern auf den blumigen Feldern der Romane ſich ergingen. Jede literariſche Erſcheinung, die auf Befriedigung ſo edlen Geſchmackes abzweckt, darf ſich einer wohlwollenden Aufnahme getroͤſten, wofern ſie nach Geiſt und Form gebildeter Leſer nicht unwuͤrdig iſt. Auch laͤngſt dekaunte Geſchichten laͤßt man gerne von Neuem ſich vorfuͤhren, wenn ſie nach ihrem höheren Intereſſe zu miederholtem Verweilen bei ihnen einladen, oder wenn ein neuer Standvunkt ihrer Beſchauung auch neue Partien oder neue Verhaͤltniſſe darſtellt. Alſo wird ein en Schönheiten reiches Land immerdar mit ſich wieder⸗ holender Freude bereiſet, und der ſinnige Wanderer zeichnet gern in ſeine Gedaͤchtnißtafeln einige der anziehendſten, uͤberraſchendſten, oder reichſten Anſichten und Leudſchaften ein, um dadurch ſeinen eigenen Ge⸗ nuß dauerhafter zu machen, und ihn gleichgeſtimmten Freunden mitzutheilen.— Der hiſtoriſche Bilderſaal, deſſen Eroͤffnung wir hiemit ankuͤnden, enthaͤlt eine ſolche Anzahl ausgewaͤhlter Zeichnungen, faͤmmtlich aus den bekannteren und wohl von allen unſern Le⸗ ſern ſchon wiederholt bereisten Raͤumen; doch auch ſämmtlich von der Art, daß jede wiederholte Beſchau⸗ ung u. it erneuteimn Genuſſe lohnt, und jede Veraͤn⸗ derung des Standpunktes neue Anſichten darbieter. Sie ſind alle in verwandtſchaftlicher Beruͤhrung mit den großen Erſcheinungen der Gegenwart, mit den verhaͤngnißreichen Lehren, Wuͤnſchen, Bedurfniſſen und Befuͤrchtungen, welche die neueſte Zeit bewegen und uͤher ganz Europa, ja uͤber die Welt, alle beſern Gemuͤther füͤllen. Sie ſind ſammtlich be⸗ deut ungsvoll, ſprechen gleichmaͤßig zu den Koͤnigen wie zu den Voͤlkern, zeigend, hier wie die Herrſchaft und kort wie die Fretheit errungen, behauptet und verloren wird, jenes durch Maͤßigung, Gerechtigkeit⸗ 1 Weisheit, dieſes durch Engherzigkeit, Unrecht und Uebertreibung. Es ſind füͤr's erſte dreizehn Bilder gewählt norden, deren Intereſſe ſich wohl ſchon durch die Ueber⸗ chrift ausſpricht und daher keiner weitern Empfehlung bedarf. 1) Geſchichte der Inquiſition. Es kann nur heilſam ſeyn, die vollendeten Schre⸗ cken dieſer ſcheußlichen Ausgeburt des Fangtismus und der Tyrannei ſich zu vergegenwaͤrtigen; denn dieſelben werden und muͤſſen wiederkehren, wenn nicht das Syſtem geſetzlich begruͤndeter Freiheit uͤber (die Anmaßungen der Gewalt den Sieg erringt. Wahr⸗ lich! nichts iſt natuͤrlicher verbunden, daher nichts con⸗ ſequenter, als der verbundene Ruf:„Abſolutis⸗ mus und Inquiſition!“ 20) die Geſchichte des unglüͤcklichen Johann Huß und des Conſtanzer Conciliums unterhaͤlt unſern Abſcheu gegen das Reich der Finſter⸗ niß; und durchdrungen von ihm begreift man klarer Geiſt und Wohlthat der Kirchen⸗Reformation, und begleitet man mit erhoͤhtem Intereſſe 5) den Heldenkampf der Niederlaͤnder fuͤr ihre Befreiung vom Spaniſchen Joche. Dieſes dritte Gemaͤlde muß auch in der drang⸗ vollſten Zeit einen troͤſtenden Eindruck geben. 4) Auch die Geſchichte der Bildung der Schwetzer'ſchen Eid⸗ genoſſenſchaft, das vierte Bild in unſerer Gallerie, wird den Freun den der Freiheit willkommen ſeyn; der eigenthuͤmliche Reiz deſſelben, wie jene des herrlichen Schweizerlandes erhaͤlt ſich auch bei täglicher Betrachtung.— Als minder erfreuende, doch gleich lehrreiche Gegenſtuͤcke folgen 5) und 6) die Geſchichte des Bauern⸗Krieges in Deut ſchland und jene der Ligue in Frankreich, zweier verungluͤckter und des Verungluͤckens werther unternehmungen, dort eines durch Mißhandlung in Wuth gebrachten Volkshaufens, hier einer theils herrſch⸗ ſuͤchtigen, theils fanatiſchen Partei. Schlechtigkeit der Fuͤhrung dort, und Schlechtigkeit der Zwecke hier erklaͤren den Ausgang und laſſen uns ſelbſt ihn wuͤn⸗ ſchen. Dagegen ſprechen 5) und 8) die Geſchichte der Vertreibung d der Stuarts und jene der Nordamerikaniſchen Revolution ein reines, aͤcht humaues und bürgerfreundliches In⸗ tereſſe an, als die glorreichſten, entſcheidendſten, ma⸗ ckelfreifen und fruͤchtereichſten Triun phe des Rechts üͤber die Anmaßung und als hoͤchſt impoſante Lehren fuͤr deepotiſche Machthaber. Auch 9) Geſchichte des Lerhengißt ictä Feldzugs wider Rußland im Jahr 1812. und 10) Blicke auf Napoleon in ſeiner Verbannung St. Helena bieten ſolche Lehren— wohl auch Stoffe z9 hochwich⸗ ige Vergleichungen— dar, und koͤnnen fuͤr fuͤhlende Gemuͤther nur von vielfach erſchuͤtternder Wirkung ſeyn. 4 An das Ende der Gallerie(unter 11, 12 und 15) — — werden wir drei Gemaͤlde aus der varerlaͤndi ſa en Geſchichte ſetzen, die Geſchichte des deutſchen Adels, die des deutſchen Staͤdte⸗ weſens und die der deutſchen Bauern. Wem es angelegen iſt, ſeine eigene Stellung im Vaterland zu kennen, mehr noch, wer uͤber Gegenwart und Zukunft Deutſchlands, ſey es vom rechtlichen oder vom politiſchen Standpunkt zu urtheilen, ver⸗ nuͤnftige Wuͤnſche oder Ahnungen zu hegen, obder auch mit mehr oder weniger zaͤhlender Stimme zu ſpre⸗ chen begehrt, dem muß jene dreifache Geſchichte koſt⸗ bar, jedenfalls eine willkommene Leuchte ſeyn. Wenn wir dieſem unſerm hiſtoriſchen Bilderſaal die Gunſt des gebildeten Publikums aller Staͤnde, insbeſondere auch der edleren Jugend und ihrer Er⸗ zieher verſprechen, ſo berechtigt uns dazu außer der Natur ſeines Inhaltes auch der Name der Herren Mitarbeiter, welche, wie Muͤnch, Pahl, Pfaff, Schneller, v. Theobald u. A. ſchon lange ſich der Achtung und Liebe der Geſchichtfreunde erfreuen und nur in zeitgemaͤßer, nach Recht und Wahrheit gehender Richtung zu arbeiten gewoͤhnt ſind. Der Bilderſaal wird aus einer Reihe von fuͤnf⸗ zig Baͤndchen beſtehen, wovon monatlich 1— 2 in Oktav geheftet erſcheinen werden. Um dieſes Werk, an deſſen Spitze der als Hiſtoriker und als Publiziſt gleich hochgeachtete Herr Hofrath von Rotteck ſteht, in Jedermanns Haͤnde gelangen zu laſſen, haben wir den Subſcriptionspreis(18 Kr. oder 5 Gr. ſaͤchſ. fuͤr das geheftete Baͤndchen) aufs Billigſte geſtellt. Subſcribenten⸗Sammlern, namentlich den Herren Lehrern, welche fuͤr ihre Schuͤler auf dieſes Werk zu ſubſcribiren wuͤnſchen, bewilligen wir auf zehn Exemplare das eilfte frei. —ꝛ—O W. Seott's Werke. LXIX, 7 Ernſt Ludwig Poſſelt's ſaͤmmtliche Werke. Herausgegeben veon Dr. Wilderich Weick. Jeder Band in 3. br. zu 56 Kr. oder 9 Gr. ſaͤchſ. In einer Zeit, wo beinahe auf jeder Meſſe unſere deutſche Literatur mit neuen Ausgaben ſaͤmmtlicher Werke bereichert wird, wo nicht nur die Werke ei⸗ nes Johannes Muͤller, Heeren, Wolt⸗ mann, Zſchokke, Goethe, Schiller und An⸗ derer mit Beifall aufgenommen werden, ſondern wo ſogar die Erzeugniſſe der Waͤlſchen, Franzofen und Englaͤnder in zahlreichen Ausgaben unſer deutſches Baterland uͤberſchwemmen; in einer Zeit, wo man haͤufig nicht immer das Gediegenſte, ſondern gar oft auch Werthloſes vom Auslande in unſern heimath⸗ lichen Boden verpflanzt ſieht⸗ wovaller Arten in⸗ und auslaͤndiſcher Schmarozerpflanzen gewaltſam ſich ein⸗ draͤngen, bedarf es wohl keiner Rechtfertigung, wenn dem Publikam E. L. Poſſeit’ s Schriften in einer vollſtaͤndigen Sammlung von Neuem in die Haͤnde gegeben werden; ja der Unterzeichnete iſt der Ueber⸗ zeugung, daß er ſeinen Zeitgenoſſen, und namentl ch den Freunden der hiſtoriſchen Literatur mit dieſer neuen Ausgabe, deren Werth dadurch noch bedeutend erhoͤht wird, daß er aus Poſſelt's literari ſchem Nachlaſſe auch noch Ungedrucktes mittheilen kann, keine unwillkommene Gabe darbiete. 1 Statt aller Lobpreiſungen erlauben wir uns da⸗ her auch nur das Urtheil eines unſerer beliebteſten Soriftſteller uͤber Poſſelt anzufuͤhren: „Poſſolt,“ ſagt er,„war einer der geiſtvollſten Geſchichtſchreiber der Deutſchen, und verband mit dem Talent der lebendigſten ſtyliſtiſchen Darſtellung eine genaue Kenntniß der hiſtori⸗ chen Meiſterwerke des klaſſiſchen Aterthums, be⸗ onders der Roͤmer. Seine fruͤheren hiſtoriſchen Arbeiten verkuͤndigten ſchon den Geiſt, der in ſeinen nachherigen Schriften wehte; am freieſten aber entfaltete ſich dieſer Geiſt an dem großen Intereſſe der Zeitgeſchichte, ſeit die franzoͤſiſche Revolution die Aufmerkſamkeit von ganz Europa feſſelte. Da ſchilderte er die ueueſten Ereigniſſe mit warmen oft gluͤhenden Farben in ſeinen Europaiſchen Annalen, und leiſtete, ausgeſtattet mit reichen hiſtoriſchen, geographiſchen, ſtatiſti⸗ ſchen: und ſtaatsrechtlichen Kenntniſſen alfes, was man nur von einer Wuͤrdigung und Dar⸗ ſtellung der hiſtoriſchen Fakten in dem Jahre verlangen kann, in welchem ſie ſich zutragen. Poſſelt gehoͤrt zu der kleinen Zahl der beſten hiſtoriſchen Schriftſteller unſerer Na⸗ tion, der bei Vermeidung mehrerer ſtyliſtiſchen Eigenheiten, Uebertreioungen und Haͤrten, im ſtrengen Sinne klaſſiſch ſeyn wuͤrde.“ uUnd der alte ehrtvbuͤrdige Voß, dem wir den Mlan unſerer Unternehmung mittheilten, ſagte noch kuͤrz vor ſeinem Ende in einem Briefe: „Ich freue mich recht ſehr Jyres Unterneh⸗ mens. Der edle, fuͤr alles Große und Schoͤne, fuͤr Freiheit und Vaterland begeiſterte und be⸗ geiſternde Poſſelt haͤtte ſchon laͤngſt dieſe Eyre verdient; es iſt wohl noͤthig, daß neben dem luftigen Geſindel, das jetzt uͤberall Schutz und Oodach findet, von Zeit zu Zeit auch erwas Kuͤch⸗ riges erſcheine.“ Doch es moͤchte ſcheinen, als gaͤbe man der Ver⸗ muthung Raum, unſer deutſchess Publikum ſey ge⸗ gen das Bewaͤhrteſte ſeiner Literatur in Gleichguͤl⸗ tigkeit verſunken, wollte man zweifeln, daß es die hier angekuͤndigte Sammlung nicht mit aller Theil⸗ nahme aufnehmen werde. Die Sammlung wird aus folgenden vier Haupt⸗ abtheilungen beſtehen, in deren jeder die einzelnen Werke in ſchronologiſcher Ordnung folgen, wo nicht etwa durch verwandte Materien eine Aenderung ge⸗ boren iſt. I. 3) Geſchichte der Deutſchen bis zum Tode 8 Siegismunds 1457. b) Geſchichte Karls XII. nach Voltaire; c) Geſchichte Guſtavs III. II. Schriften uͤber die franzoͤſiſche Revolution: 3) Geſchichte des peinlichen Prozeſſes gegen Ludwig XVI. b) der Krieg der Franken gegen die verbuͤndeten Maͤchte Europens, die Jahre 1792, 95, 94, 95, 97, 1800, 1802, bis zum Traktat von Amiens, wie dieſe große Hauptbegebenheiten jener Zeit in den Taſchenbuͤchern fuͤr die neueſte Ge⸗ ſchichte und in den Europaͤiſchen Annalen er⸗ zaͤhlt ſind. e) Lexicon der franzoſiſchen Revolution, oder Sammlung von Biogra⸗ phien der wichtigſten Maͤnner, die ſich im Lauf derſelben beſonders ausgezeichnet haben (der zweite Band hievon iſt bisher noch ungedruckt). 1II. a) Entwurf eines hiſtoriſchen Gemaͤldes der Fortſchritte des menſchlichen Geiſtes. Aus dem Franzöͤſiſchen des Condorcet. b) Ueber Mirabeau's histoire secrete de la cour de Berlin. o) Ewald Friedrich⸗ Graf von Herzberg.) Die kleineren Schriften und Reden: Friedrich dem Großen; dem Va⸗ terlandstod der 400 Pforzheimer; uͤber deutſche Hiſtoriographie; uͤber die Reden großer Roͤmer in den Werken ihrer Ge⸗ ſchichtſchreiber; uͤber die zweifache Ehe Phi⸗ lipps von Heſſen; uͤber das Poſtweſen u. a. m. IV. a) Geſchichte der deutſchen Fuͤrſtenvereine(bis⸗ her noch ungedruckt); vermiſchte Auſſaͤtze aus dem Magazin füͤr Aufklaͤrung, und aus 4 dem Archiv fuͤr aͤltere und neuere, vorzug⸗ lich deutſche Geſchichte ꝛc., endlich einige ju⸗ 4 riſtiſche und beſonders ſtaatsrechtliche Ab⸗ handlungen. Die Entwicklung der Gruͤnde der beſolgten Ord⸗ nung bleibt der Vorrede aufbehalten. Als Zugabe zu dieſen Werken erſcheint eine Biographie des Ver⸗ faſſers vom Herausgeber. Schließlich ſehen wir uns zur Vermeidung allen⸗ falſiger Mißverſtaͤndniſſe zu der Bemerkung veranlaßt, daß wir von den Erben ſaͤmmtliche hinterlaſſene Ma⸗ nuſcripte, nebſt der Abtretung des von der Großher⸗ zoglich Badenſchen Regierung denſelben ertheilten Pri⸗ vilegiums käuflich an uns gebracht haben, daß ſonach die hier angekuͤndigte Ausgabe die einzig rechtmaͤßige und vollſtaͤndige ſeyn kann. Freiburg den 4. Auguſt 1827. Dr. Wilderich Weick. Wir haben den Verlag dieſes Werkes uͤbernom⸗ men. Daſſelbe erſcheint in gefaͤlligem Oktav⸗For⸗ mat in Lieferungen von je drei Baͤnden, der Band koſtet 36 kr. oder 9 Gr. ſächſiſch, alſo jede Lieferung 1 fl. 48 kr. oder: Thlr 3 Gr. ſaͤchſiſch, um welchen Preis man in jeder ſoliden Buchhandlung des In⸗ und Auslandes unterzeichnen kann. Das Ganze wird innerhalb zwei Jahren beendigt ſeyn. Der Subſeriptionspreis dauert bis zur Oſtermeſſe 1828 3 nach Verfluß dieſes Termins tritt der Ladenpreis von 48 kr. pr. Band oder 2 fl. 26 kr. fuͤr jede Liefe⸗ rung unabaͤnderlich ein. Gebruͤder Franckh. Geſchichte des Moͤnchthums n— allen ſeinen Verzweigungen und Folgen fuͤr Kirche und Staat. Nach den beſten aͤltern und neueren Werken und Berichten wLurch Dr. Ernſt Muͤnch. Jedes Baͤndchen in Taſchenformat zu 2akr. oher 6Gr. ſaͤchſ. In einer Zeit, welche ſo monche wunderbare Er⸗ ſcheinung wiederum aufweist, die man für ewig ver⸗ draͤngt zu haben glaubte; wo die Unwiſſenheit, der Aberglaube und der Fanatismus, auf mehr als ei⸗ nem Punkte des gebildeten Europa, ſieghaft das Haupt wiederum zu erheben wagen; wo kelbſt die ſchauerli⸗ chen Ketzergerichte des finſtern Spaniens ihre Lob⸗ preiſer und Vertheidiger, zum Erſtannen der Welt, gefunden haben, und eine, von gleich blutiger Politik als unchriſtlicher Geſinnung beherrſchte Partei nach allen Seiten hin, in beklagenswert ⸗uͤpviger Bluͤthe emporſtrebt; iſt es gewiß nicht unzweckmaͤßig, einer großen Menge von Leſern, welche weder Zeit noch Geld, noch Luſt genug haben, haͤndereiche Werke muhſam durchzuſtudiren, in gedraͤngter Ueberſicht und dennnch möglichſter Vollſtaͤndigkeit alle die Denk⸗ male des Aberglaubens, der Verblendung und der Glaubenswuth voruͤber zu fuͤhren, durch welche das Moͤnchthum, dem wahren Chriſtenthum gegenuͤber, — 2 die Herrlichkeit dieſes letztern, in einer langen Reihe von Jahrhunderten, zu ſchaͤnden verſucht hat; ebenſo die großherzigen Anſtrengungen erleuchteter Regenten und begeiſterter Einzelnen, welche das Rieſengeſchlecht der Nacht aus Kraͤſten bekaͤmpft und ſeinen endlichen Sturz im groͤßten Theile von Europa herbeigeführt haben; hierauf die abermaligen Verſuche der Zelo⸗ ten neueſter Zeit, daſſelbe wieder aus dem Grabe zu erwecken, und auf dem Sarge des geſunden Men⸗ ſchenverſtandes den umgeſtuͤrzten Thron des Fanatis⸗ mus von Neuem wieder aufzurichten; dieſen Bemuͤ⸗ hungen gegenuͤber das kräftige und acht fuͤrſtliche Walten von Monarchen, wie Friedrich ll., Ma⸗ rimilian l, Maximilian lI, Friedrich der Große, Joſeph II., Friedrich Wilhelm III. von Preußen; Leopold II., Maximilian I. und Marimilian Joſeph lII. von Baiern; Koͤnig Wilhelm der Niederlande; endlich den unausge⸗ ſetzten Kampf einer Auzahl beherzter und geleyrter Maͤnner in mehr als einem europaͤiſchen Lande, fuͤr die Rettung kirchlicher Freiheit aus den Uberall ge⸗ ſtellten Schlingen der Moͤncherei von jeder Farbe, und ultramontaner Anmaßungen von der verwegen⸗ ſten Art. Bei Bearbeitung dieſes großen hiſtoriſchen Cyclus, welcher in der Profan⸗ wie in der Kirchengeſchichte einen bedeutenden Raum einnimmt, ſollen jederzeit die gruͤndlichſten und geiſtvollſten Vorarbeiten aus aͤlterer und neuerer Zeit zu Grunde gelegt, die vor⸗ handenen Luͤcken ergaͤnzt, Irrthuͤmer berichtigt, und die Fehler, Laſter und Thorheiten, ſo wie die reellen Verdienſte jener furchtbaren Inſtitute, in gehoͤriges Licht geſtellt werden. Nicht ſowohl eine zuſammen⸗ haͤngende Geſchichte demnach, als eine Reihe einzel⸗ ner Special⸗Geſchichten wird hier gelieſert; eine Bi⸗ bliothek des Pikauteſten, was uͤber Moͤncherei ſeit langer Zeit erſchienen, wobei die Hauptidee des Gan⸗ zen ſelbſt dem Leſer den Faden der Verbindung reicht. Das Vorliegende ſoll eine ausgeſuchte Materialien⸗ ſammlung und Vorarbeit werden, für ein kuͤnftiges pragmatiſches Werk, das die Geſchichte des Moͤnch⸗ thums erſchoͤpfend behandelt; die Darſtellung unge⸗ ſucht und für alle Klaſſen von Leſern berechnet. Zur genauern Wuͤrdiaung dieſes volksthuͤmlichen und im Intereſſe der Wahrheit einzig und allein berechneten Unternehmens diene nachſtehender kur⸗ zer Proſpee us der zu behandelnden Materien: Erſte Abtheilung; I. Einleitung in die Geſchichte des Moͤnch⸗ thums im Allgemeinen. ¹) Urſprung und erſte Geſtalt des Moͤnchweſens in den erſten chriſtlichen Jahrhunderten.— Die Ein⸗ ſiedler.— die Kloͤſter.— 2) Die Verdienſte und die Thorheiten dieſer Letz⸗ tern gleich zu Aufang ihres Entſtehens. Nach He⸗ lyot, Walch, Schroͤckh, Zimmermann und dem Verfaſſer der Ordres monastiques.— 3) Ungeheures Wachsthum und uͤberwiegender Einfluß der Kloͤſter waͤhrend des Mittelalters bis zum 15. Jahrhundert. Nach Spittler. II. Die Geſchichte der einzelnen Moͤnchs⸗ Orden: 1) Carmeliter; ²) die Vaͤter des Todes; 3) Ka⸗ maldulenſer; 4 Karthaͤuſer; 5) Ciſterzienfer; 65 Or⸗ den von Fontevraud; 7) Benedictiner; 3 Bernhar⸗ diner; 9) die Bruͤder von der Barmherzigkeit; 10) Ma⸗ thuriner; 11) Praͤmonſtratenſer; 12) Franciskaner; 13) Minimen, Kapuziner, Recollekten; 14) Domini⸗ kaner; 15) Antonsbrüder; 16) Ciceſtiner; 17) Au⸗ guſtiner; 13) Theatiner; 19) Vaͤter der chriſtlichen⸗ Lehre; 20⁰) die von Portroyal; 21) Hoſpitaliter; 22) Urſuliner; und die uͤbrigen Nonnen⸗Kloͤſter; 25) Lazariſten. Jede dieſer Einzelgeſchichten enthaͤlt: 3) Die Biographie des Stifters oder des Refor⸗ mators; P) die Regeln und Obſervanzen des Ordens, ſo wie deſſen Einrichtungen; c) die Koryphaͤen deſ⸗ ſelben im Guten wie im Schlechten; d) des Ordens Einfluß auf Kirche und Staat. Nach Helyot un Walch.. Zweite Abtheilung. III. Die Oppoſition gegen das Moͤnchswe⸗ ſen von oben herab und von unten hinauf, in den verſchiedenen Perioden des Mit⸗ telalters und der neuern Zeit. 1) Peter Abaͤlard und Arnold von Brescia. 2) Die Zeiten der Abnahme des Anſehens der Moͤnchsorden waͤhrend des 15ten und 16ten Jahrhun⸗ derts.— Laurentius Valla; Nieolaus von Euſa; Felix Haͤmmerlein; Johann Huß und der Vertilgungs⸗ kampf der Huſſiten. 5) die Hauptbekaͤmpfer des Moͤnchthums im 15. Jahrhundert.— Savonarola; Reuchlin; Gailer von Kaiſersberg und Erosmus; der Kampf mit den Koͤl⸗ nern; die Epistolae obseurorum virorum. 4) Die Erſcheinung von Luther, Zwingli und Calvin, als Haͤupter der Reformation.— Ihre An⸗ ſtrengungen wider Moͤnchthum und Ultramontanis⸗ mus, abgeſehen von ihren Unternehmungen auf das Gebaͤude der Hierarchie ſelbſt;— Auswahl aus ih⸗ ren Schriften, welche gegen die Moͤnche gerichtet waren.— Auswahl aus den Schriften Ulrichs von Hutten, Herrmann von dem Buſche; Eoban Heſſe, Bilibald Virkheimer, Eurfcius Cordus, Crotus Ru⸗ „bignus, Nikodemus Friſchlin, Herrmann v. Nuͤenar, 7 Dohann Eberlin, Thomas Murner, Heinrich Glarea⸗ nus u. ſ. w. gegen Moͤnche und Moͤnchthum, 5) Die Geſchichte der Inquiſition in Italien, Spanien, Portugal, Oſt⸗ und Weſtindien. Nach Llorente. 65) Die Geſchichte der Jeſuiten. Nach Wolf, Lang, Buchner und Friedmann. 7) Die beruͤhmteſten Opfer der Moͤnchneref. Dritte Abtheilung. IV. Die Zeiten allgemeinen Kampfes wider das Monchthum, von der Mitte des acht⸗ zehnten Jahrhunderts bis zu Ende der franzoſiſchen Revolution. 1) Die Reformen des Marquis von Pombal in Portugal. 2) Die Reformen Kaiſer Joſephs II. in Oeſtreich. 3) Leopold II. und Scipio Ricci's Anſtrengungen in Toscana.. 4 4) Marximilian's J. und Montgela's Wirkſamkeit in Baiern. 5) Die Maßregeln verſchiedener anderer Fuͤrſten gegen die Moͤnche. 8 V. Die Verſuche des Moͤnchthums in neue⸗ ſten Tagen zu ſeiner Wiederherſtellung. 1) Die Jeſuiten; die uͤbrigen Moͤnche a) in Ita⸗ lien; b) Spanien und Portugal(Wiederherſtellung der Inquiſition); 03) in Oeſtreich: aa) Ligorianer, bb) Redemptoriſten ꝛc.; d) in Frankreich und der Schweiz: aa) die eigentlichen Kloͤſter; bh) die Con⸗ gregationen; dd) die Frères ignorantins; ee) die Miſſionaͤre; die Collegien und Penſionate; g8) die marianiſchen Sodalttaͤten. 1 2) Ueber die Gefahren geheimer Geſellſchaften und Propagnanden in den europaͤiſchen Staaten ſuͤr — X Kirche und Gemeinweſen.— Nach den zuverlaͤßigſten neuern Berichten. 3) Die Anſtrengungen der Regierungen und der Einzelnen gegen moͤnchiſche Umtriebe der neueſten Zeit. 7 4) Literatur der Geſchichte des Moͤnchweſens, von den aͤlteſten Zeiten bis auf unſere Tage. Freiburg im Breisgau. Prof. Dr. E. Muͤnch. Die Zweckmaͤßigkeit und Nuͤtzlichkeit des Unter⸗ nehmens leuchtet zu ſehr in die Augen, als daß wir uns zur Empfehlung deſſelben viel zu verbreiten brauch⸗ ten. Es darf wohl in keiner Bibliothek eines Geiſt⸗ lichen, ſey er Katholik oder Proteſtant, fehlen, ja auch die gebildeten Laien unſeres Vaterlandes werden mit Vergnuͤgen ein ſolches Werk neben das „Converſotionslericon“ und die„Stunden der An⸗ dacht“ ſtellen. Wir exrkauben uns daher nur die Art der Erſcheinung hiemit anzuzeigen. Das Ganze wird 20— 25 Bñndchen, das Baͤndchen zu 180— 200 Seiten, umfaſſen. Der Preis einer Lieferung von zwei Baͤndchen iſt z8 kr. oder 12 gr., wofuͤr man in jeder ſoliden Muchhandlung ſubſeribiren kann. Von ſechs zu ſechs Wochen wird immer eine Lieferung er⸗ ſcheinen. Subſcribentenſammler erhalten auf 10 Er⸗ emplare das aute Exemplar gratis. Gebruͤder Franckh. E. T. W. Hoffmann s er zaͤhlende Schriften. Herausgegeben feiner Wittwe, Micheline Hoffmann, geborne Rorer. Neb ſt 8.. b ſt Hitzig' s: Aus Hoffmann'’ s Leben und Nachlaß. Achtzehn Baͤndchen in Taſchenformat jedes Baͤndchen zu 16 kr. oder 4 Gr. ſaͤchſiſch. Von vielen Seiten her bin ich aufgefordert wor⸗ den, das biographiſche Werk, welches der vertrauteſte Freund meines verſtorbenen Ehegatten, Herr Crimi⸗ naldirektor Hitzig in Berlin, im Jahre 1825 UMber denſelben zu meinem Vortheil herausgegeben, in einer wohlfeilen Ausgabe, wie ſie das Bedurfniß der jetzi⸗ gen Zeit erheiſcht, dem Publikum vorzulegen. Ich entſpreche dieſem Verlangen gerne, und um den Freun⸗ den Hoffmann's ein noch angenehmeres Geſchenk zu machen, habe ich mich entſchloſſen, dieſer Ausgabe eine Auswahl aus ſeinen fruͤhern in Taſchenbuͤchern, Zeitſchriften u. ſ. w. zerſtreuten erzaͤhlenden Schrif⸗ ten beizufuͤgen. Das Ganze ſoll in einer Sammlung von Baͤnd⸗ chen erſcheinen, uͤber deren Anordnung u. ſ. w. die Herren Verleger ſich in der Nachſchrift naͤher aus⸗ ſprechen werden, weßhalb ich nichts weiter beizufuͤgen habe, als die Bemerkung, daß dieſelben mir fuͤr den Fall einer neuen Auflage dieſes Werkes großmuͤthig ſolche Bedingungen geſtellt haben, daß ich dann einem ſorgenfreien Alter wuͤrde entgegenſehen koͤnnen. Je⸗ der, der den Abſatz deſſelben durch Unterzeichnung foͤrdert, wird daher auch ſeinen Theil dazu beitragen, ——— ———— daß die durch Nachdruck und auf andere Weiſe viel⸗ fach beeintraͤchtigte Wittwe eines deutſchen Lieblings⸗ ſchriftſtellers, der ihr nichts hinterlaſſen, als was ſie aus ſeinen geiſtigen Erzeugniſſen noch zu gewinnen vermag, nicht ganz die Fruͤchte des ruhmvollen Lebens ihres Gatten verliere. 3 Micheline Hoffmann, geb. Rorer. Zum Lobe Hoffmann's oder zur Empfehlung ſei⸗ ner Schriften hier etwas zu ſagen, ſcheint uns uͤber⸗ fluſſig. Der Beifall ſeiner Zeitgenoſſen, der ſich von Jahr zu Jahr ſteigerte, und nach ſeinem Tode bei ſo Manchen in Wehmuth und Bewunderung uͤber⸗ ging, uͤberheht uns deſſen. In Beziehung auf die vorſtehende öffentliche Anzeige ſeiner Wittwe, theilen wir hier den Plan mit, nach welchem von einem Freunde des Verſtorbenen im Namen ſeiner Wittwe die Auswabl aus den zerſtreuten Schriften Hoffmann's beſorgt wurde, die in unſerm Verlag erſcheinen wird Nach dieſem Plane wuͤrden die erzaͤhlenden Werke und Hitzig's treffliche Biographie in ſechs Lieferungen oder 18 Baͤndchen erſcheinen, und zwar: Erſte Lieferung. Erſtes Baͤndchen enthaͤlt: Meiſter Martin und ſeine Geſellen.— Zweites: Der unheimliche Gaſt. Die Aukomate.— Drittes: Aus Hoffmann’'s Leben und Nachlaß erſtes Baͤndchen.— Zweite Lieferung. Viertes Baͤndchen enthaͤlt: Signor Formica erſte Abtheilung.— Fuͤnftes: Signor Formica zweite Abtheilung. Spielergluͤck.— Sechstes: A. H. Leben und Nachlaß zweites Baͤndchen.— Dritte Lieferung. Siebentes: Doge und Dogareſſe.— Achtes: Rath 7 Krespel. Die Fermate.— Neuntes: A. H. L. und N. drittes Baͤndchen.— 1 Vierte Lieferung. Zehntes: Fraͤulein Scudery. Erſte Abtheilung.— Eilftes: Fraͤnlein Scudery. Zweite Abtheilung. Abenteuer dreier Freunde.— Zwoͤlftes: A. H. L. und N. Viertes Baͤndchen.— 1 Fuͤnfte Lieferung. Dreizehntes: Der Zuſammenhang der Dinge.— Vierzehntes: Datura Fastuosa.— Fuͤnfzehntes: A. H. L. und N. Fuͤunftes Baͤndchen.— Seechste Lieferung. Sechzehntes: Der Kampf der Saͤnger. Der Ar⸗ tushof.— Siebzehntes: Meiſter Johannes Wacht.— Achtzehntes: A. H. L. und N. Sechs⸗ tes Baͤndchen.— Wir glauben, daß zu einer Zeit, wo Hoffmann's Erzaͤhlungen in mehrere Sprachen uͤberſetzt wurden, und namentlich in England großen Beifall fanden, auch ſein Vaterland und ſeine Freunde, die ihm ſo manche frohke Stunden danken, den unvergeßlichen Dichter mit nicht minder warmen Ankdheil lohnen werde. In der Druckeinrichtung haben wir geſucht, ein anſtaͤndiges und gefaͤlliges Aeuſſere, wovon Proben in jeder Buchhandlung zur Anſicht vorliegen, mit moͤglichſter Woolfeilheit zu vereinigen. Der Subſcrip⸗ tionspreis iſt per. Baͤndchen: 18 Kr. oder 4 Gr. ſͤchſ. oder 5 Silbergroſchen, welcher immer nach Empfang der Baͤndchen zu be⸗ zahlen iſt. Subſcribentenſammler erhalten, wenn ſie ſich di⸗ rekte an uns wenden, auf zehn Exemplare das eilfte —— — frei. Jede ſolide Buchhandlung nimmt Subſcription auf das Werk an. Saͤmmtliche Werke der 6 Lady Sidney Morgan. Neu uͤberſetzt. Jedes Baͤndchen gr. 12. br. Preiß 56 Kr. oder 9 Gr. ſaͤchſ. Es iſt gewis kein unverdienſtliches Unternehmen, die Werke dieſer ausgezeichneten Schriftſtellerinn in einer vollſtaͤndigen vorzuͤglichen Ueberſetzung in einer wohlfeilen Auszabe dem deutſchen Publikum vorzulegen.* Man kann mit Recht behaupten, daß Lady Morgan unter allen Damen, die es jemals gewagt baben, ia politiſchen, geſchichtlichen und poetiſchen Dirſt⸗llungen mit Maͤnnern zu wetteiſern, den erſten Rang behauptet. Ste hat mit ondern nicht nur Kenntniſſe, nicht nur Scharfſinn und Witz, nicht nur ein gefuͤhlvolles Herz, nicht nur die Gabe der Rede gemein, ſondern vor allen andern auch einen gewiſſen Tact, eine Hal⸗ tung des Charakters und Ideen, die man in der Regel ſonſt nur bei Maͤnnern findet, und die bei ihr um ſoo mehr Bewunderung verdienen; ſie hat ſich dadurch den Vorrang üder ihre geiſtreiche Neben⸗ buhlerinn, die Frau v. Staël, geſichert. Den Anfang der Werke bildet der ſo eben er⸗ ſchienene Roman: Die O'Brien's und O'Fla⸗ herty's, welcher von allen Kritikern als ein Mei⸗ ſterwerk bezeichnet wird. Ausfuͤhrliche Anzeigen werden naͤchſtens im Buchhandel zu haben ſeyn. 4 4 — ſnſſfſſſſiinſiiiiſnſſſnſiſiiiſſſſſſſſſſſſ 9 10 11 12 13 PMrraxqaaaaaaaaammmmmmmmmnmnnnn 14 15 16 17 18