Leihbibli A— 4 8 othek deutſcher, engliſcher und franzöſiſcher Literatur Ednard Oltmann in Gießen, Schloßgaſſe Lit. A. Nr. 256. 1 Seih- und Leſebedingungnn. R 1. Offensein der Bibliothek. Die Bibliothek ſteht zur Em⸗ pfangnahme und Rückgabe der Bücher jeden Tag von Morgens 7 Uhr bis Abends 8 Uhr offen. 3 2. Lesepreis. Bei Rückgabe eines geliehenen Buches wird von jedem Tag 5 Pf. bezahlt. Die Zeit eines Tages iſt zu 24 Stun⸗ den angenommen. 1— 3. Caution. Unbekannte Perſonen müſſen, bei Entgegennahme eines Buches, eine dem Werthe deſſelben entſprechende Summe hinterlegen, welche bei deſſen Zurückgabe von mir zurückerſtattet wird. 4 4. Abonnement. Daſſelbe muß voraus bezahlt werden und. beträgt: 3———————— auf 1 Monat: 1 Mit.— Pf. 1 Mr. 50 Pf. 2 Wt.— Pf. „. 3„„.3„»„— 5. Auswärtige Abennenten haben für Hin⸗ und Zurückſendung der Buücher auf ihre eigenen Koſten und Gefahr ſelbſt zu ſorgen. 6. Schadenersatz. Für beſchmutzte, zerriſſene, verlorene und defecte Bücher(namentlich bei ſolchen init Kupfern ꝛc.) muß der Ladenpreis erſetzt werden.— Iſt das zerriſſene, beſchmutzte, ver⸗ lorene oder defecte Buch ein Theil eines größeren Werkes, ſo iſt der Leſer zum Erſatz des Ganzen verpflichtet. 3 7. Ausleihezeit. Dieſelbe iſt auf 14 Tage feſtgeſetzt und wird beſonders darauf aufmerkſam gemacht, daß das Weiterverleihen der Bücher nicht ſtattfinden darf, indem Diejenigen, welche die⸗ ſelben von mir geliehen, auch dafür zu ſtehen haben. 3 für wochentlich 2 Bücher: 4 Bücher: 6 Bücher: 3 “ 62 A,. 3 Walter Scott's ſaͤmmtliche VWer k e. Neu uͤberſetzt. Achtundſechszigſter Band. eben von Napoleon Buonaparte. Vierunddreißigſter Theil. Stuttgarkt, bei Gebruͤder Franckh. 1 8 2 3. — — „— von Napoleon Buonaparte, Kaiſer von Frankreich, mit einer Ueberſicht der franzoͤſiſchen Revolution. Von Walter Scott. Aus dem Engliſchen uͤberſetzt von General J. v. Theobald. Vierunddreißigſter Theil. Stuttgart, bei Gebruͤder Franckh. 18 2 8. Anhang. Nro. VII. (Leben Napoleons, Band XXI. S. 70.) Auszug aus handſchriftlichen Bemerkun⸗ gen uͤber Napoleon's ruſſiſchen Feldzug, von einem engliſchen Offizier von Rang. Nachdem der militaͤriſche Commentator die Wahr⸗ ſcheinlichkeit der Behauptung Segun's, daß Napoleon im Sinne gehabt habe, ſeine Winterqu artiere in Wi⸗ tepsk zu beziehen, unterſucht hat, faͤhrt er fort, wie folgt: Als das ruſſiſche Heer in Smolensk die Art ſah, auf welche die franzoͤſiſche Armee in Kantoni⸗ rungen zwiſchen den Fluͤſſen Dwina und Dnieſter zerſtreut war, ſetzte ſie ſich den 7. Auguſt nach Rud⸗ nei in Bewegung, um ſeine Quartiere aufzuſchlagen. Es gelang ihm, Sebaſtiani's Quartiere zu uͤberrum⸗ peln, und ihm bei einem Angriffe auf Jukowo großen 6 Schaden zuzuluͤgen. Inzwiſchen wurde Barclay von Tolly durch eine von dem Vicekoͤnige bei Souraj an der Dwina gemachte Bewegung beunruhigt, und han⸗ delte, in Abſicht auf die Ausdehnung ſeines rechten Fluͤgels, gegen den urſpruͤnglichen Operationsplan; einige Tage nachher machte das ruſſiſche Heer ver⸗ ſchiedene falſche Bewegungen, und befand ſich in be⸗ deutender Verwirrung. War nun Napoleons Plan auf dem Marſch des ruſſiſchen Heeres von Smolensk, wie Segur annimmt, oder auf deſſen Serlun bei Smolensk in den erſten Tagen des Auguſt gegrun⸗ det, immerhin fuͤhrte er ihn ungeachter dieſes Mar⸗ ſches aus. Demzufolge verließ er den 10. Auguſt ſeine Kan⸗ tonnirungen an der Dwina; und ließ ſein Heer in verſchiedenen Kolonnen, von dieſen Kantonnirungen, an der Fronte des ruſſiſchen Heere voruͤber, nach Naſſaſſna am Dnieper marſchiren. Die verſtellten Bewegungen, welche die ruſſiſche Armee vom Ften bis zum 12ten Auguſt machte, verhinderte ſie, fruͤbzeitig von dieſem Marſche Nachricht zu erhalten; auch ſie war nicht in der Lage, daß ſie dieſelbe haͤtte benutzen koͤnnen. Auf der andern Seite konnte Napoleon von den uͤbelberechneten Bewegungen des ruſſiſchen Heeres keine Nachricht haben. 8 In Raſſaſſna, wo Davoust mit drei Diviſionen des erſten Korps zu ihm ſtieß, angekommen, ging er den 14ten uͤber den Dnieper. Die Truppenkorps . „ 7— Poniatowsky's und Junot's bewegten ſich zu gleicher Zeit in gerader Richtung von Mohilow nach Smolensk. Napoleon ruͤckte nach Smolensk vor. Die Beſatzung dieſes Platzes, eine Diviſion Fuß⸗ volk unter General Newerofskoi, war bis Krasnoi vor⸗ geruͤckt, um die Bewegungen der franzoͤſiſchen Truppen auf dem linken Ufer des Dniepers, die, wie man vermuthete, laͤngs des Dniepers von Orcha vorruͤck⸗ ten, zu beobachten. Murat griff dieſes Truppenkorps mit ſeiner ganzen Reiterei an; allein es zog ſich gluͤck⸗ lich nach Smolensk zuruͤck, obſchon es auf ſeinem Ruͤckzuge wiederholt angegriffen wurde. Dieſe Angriffe halfen jedoch wenig, und dieſe Operation bietet ein neues Beiſpiel von der Sicherheit dar, mit der ein gutes Fußvolk dem Angriff der Reiterei widerſtehen kann. Dieſe aus ungefaͤhr 6000 Mann Fußvolk be⸗ ſtehende Diviſton hatte keine kuͤnſtliche Vertheidigung, zwei Reihen Baͤume auf jeder Seite der Straße aus⸗ genommen, die ſie ſicherlich benutzte. Allein der Ge⸗ brauch, der von dieſer Vertheidigung ſelbſt gemacht wurde, zeigt, welche kleine Hinderniſſe die Operatio⸗ nen der Reiterei hemmen koͤnnen. Es wuͤrde wahrſcheinlich raͤthlicher geweſen ſeyn, wenn Murat, der um die Bewegung Poniatowsky'’s und Junot's von Mohilow nach Smolensk wußte, dieſem Truppenkorps nicht zu har zugeſetzt haͤtte, Man haͤtte es bewegen ſollen, ſeinen Ruͤckzug zu verzoͤgern, um ſeinen Feind wirklich zu recognoseiren. 8 Das Fort wuͤrde in dieſem Falle ohne Zweifel in Poniarowsky's Haͤnde gefallen ſeyn. Den 12. Auguſt verſammelte Napoleon die ganze operirende Armee vor Smolensk auf dem linken Ufer des Dnieper. Sie beſtand aus folgenden Korps: Die Reiterei, unter Murat. 40,000 Mann. Garben........ 77,060— Erſtes Korys, unter Davoust. 72,000— Drittes Korps,— Ney. 39,000—. Viertes Korps,— dem Vicekoͤnig 45,000— Fuͤnſtes Korps,— Poniatowsky, 36,000— Achtes Korps,— Junot. 18,000— 5 297,000— Dieſe Korps hatten ungefaͤhr 6 Wochen zuvor das Land mit der oben angegebenen Truppenzahl be⸗ treten; ſie hatten keine Kriegs⸗Affaire, die ihnen Ver⸗ luſt verurſacht haͤtte, zu beſtehen gehabt; und doch, ſagt Segur, wurden ſie jetzt auf 185,000 Mann an⸗ geſchlagen. Die Berichte des 3. Auguſt ſollen bloß die letztere Zahl angegeben haben. Die Stadt war den 16ten angegriffen worden, zuerſt durch ein Bataillon, und dann durch eine Diviſion des dritten Korps; dieſe Truppen waren jedoch zu⸗ ruͤckgeſchlagen worden. Inzwiſchen bewegte ſich Ba⸗ gration nach Katani am Dnieper, als er von Napo⸗ leon's Abzug von der Dwina gehoͤrt, und Barclay von Tolly die Wiederannahme des Operationsplans, —— 9 kraft deſſen das ruſſiſche Heer den 1/ten von Smolensk aufgebrochen war, erlaubt hatte. Er bewegte ſich von da, laͤngs des rechten Ufers des Dnieper, nach Smo⸗ lensk zuruͤck, und verſtaͤrkte die Beſatzung. In der Nacht folgte ihm Barclay von Tolly, der die unter dem Befehle des General Bagration ſtehenden Trup⸗ pen in der Stadt entſetzte; und die ganze ruſſiſche Armee wurde in Smolensk, auf dem rechten Ufer des Dnieper, zuſammengezogen. Bagration bewegte ſich in derſelben Nacht mit ſeinem Heere auf der Straße nach Moskau. Bar⸗ clay blieb zur Unterſtuͤtzung der Truppen in Smo⸗ lensk zuruͤck. Als Naͤvoleon bis zwei Uhr gewartet hatte, in der Hoffnung, Barclay werde uͤber den Dnieper gehen und aus Smolensk ausruͤcken, um eine Hauptſchlacht zu liefern, griff er die Stabt den 17ten mit ſeinem ganzen Heere an, wurde aber mit Verluſt zuruͤckge⸗ ſchlagen; und am Abend dieſes Tages gelangten die ruſſiſchen Truppen wieder in den Beſitz aller Vor⸗ poſten. Barclay ließ jedoch die Beſatzung in der Nacht des 17ten abziehen, und zerſtoͤrte die Verbindungs⸗ bruͤcken zwiſchen den Franzoſen und der Stadt. Der Feind ſetzte an ſeichten Stellen uͤber den Dnieper, und gelangte auf einen Augenblick in den Beſitz der Vor⸗ ſtadt Petersburg, auf dem rechten Ufer dieſes Fluſ⸗ 10 tes, wurde aber zuruͤckgeſchlagen. Nachdem das ruſ⸗ ſiſche Heer den ganzen Tag uüber auf dem rechten uUfer des Fluſſes, Smolensk gegenuber, geblieben war, zog es ſich in der Nacht des 18ten zuruͤck; und die Franzoſen ſtelten in dieſer Nacht die Bruͤcken uͤber den Dnieper wieder her. Ehe ich in der Erzaͤhlung weiter fortfahre, muß ich dieſe Bewegung Napoleon's, die von Allen, welche uͤber dieſen Gegenſtand geſchrieben haben, ſehr bewun⸗ dert wird, ein wenig in Erwaͤgung ziehen. Als dieſe Bewegung uiernommen ward, wurde die Communfkatzon des Heeres nothwendig gaͤnzlich von der Dwina entfernt. Statt ihren Gang von Wilna nach Witepsk zu nehmen, lief ſie ven Wilna nach Minsk, wo ein großes Magazin angelegt wurde, und von da queer über die Bereſina nach Orcha am Dnieper, und von da endlich nach Smolensk. Die Fölgen dieſer Veraͤnderung werden ſich zeigen, wenn wir von dem Nuͤckzuge ſprechen werden. Es liegt am Tage, daß die Lage des großen Ma⸗ gazins zu Minsk die Communikationen nothwendig auf die Bereſina warf, und dadurch dem Einfluſſe der Operationen der ruſſiſchen Heere von der Suͤd⸗ ſeite her bloß ſtellte. Napoleon konnte bei dieſer Be⸗ wegung einen dreifachen Zweck haben; erſtens: die * 1 1 Ruſſen zu einem allgemeinen Treffen zu zwingen; zweitens: in den Beſitz von Smolensk, ohne den Ver⸗ luſt oder die Verzoͤgerung einer Belagerung, zu ge⸗ langen; drittens: wieder eine Stellung im Ruͤcken des ruſſiſchen Heeres, in der Naͤhe der Communika⸗ tionen deſſelben mit Moskau und den ſuͤdlichen Pro⸗ vinzen des ruſſiſchen Reichs zu erlangen. Dieſe Be⸗ wegung wird von den ruſſiſchen wie von den franzoͤ⸗ ſiſchen Schriftſtellern, die uͤber dieſen Krieg geſchrie⸗ ben haben, ſehr bewundert und erh zoben; allein wenn ſie an den wahren Pruͤf tein jeder militaͤriſchen Be⸗ wegung geſetzt wird— das heißt, wenn ihr Zweck mit ihren Gefahren und Schwierigkeiten, und iohr Erfolg mit denſelben Gefahren und Schwierigkeiten, mit den wahrſcheinlichen Zufaͤllen, und dem wahr⸗ ſcheinlich gluͤcklichen Reſultate anderer Bewegungen zur Erreichung deſſelben Zwecks, verglichen werden, ſo wird man finden, daß ſie gaͤnzlich verfehlt war. Die Gefahr, hat man angegeben, beſtand erſtens: in dem Marſche der verſchiedenen Korps aus ihren Kantonnirungen an der Owina nach Raſſaſſna am Dnieper, an der Fronte des ruſſiſchen Heeres voruͤber, ohne von einem zu dieſem Zwecke formirten Truppen⸗ korps beſchuͤtzt zu werden; und zweitens: in der Ge⸗ fahr, der man ſich durch die Entfernung der Com⸗ munikation des Heeres von Witepsk nach Minsk aus⸗ ſetzte. Dieß wird ſogleich eroͤrtert werden. 12 Was die erſte Abſicht betrifft,— naͤmlich die, das ruſſiſche Heer zu einem allgemeinen Treffen zu zwingen, ſo muß Jedermann wiſſen, daß die Fe⸗ ſtung Smolensk und der Fluß Dnieper zwiſchen Na⸗ poleon und dem ruſſiſchen Heere waren, als ſeine Be⸗ wegung ſtatt hatte. Wenn daher gleich die Heere ein⸗ ander nicht allein im Geſichte hatten, ſondern ſogar bloß einen Flintenſchuß von einander entfernt waren, ſo war es doch Napoleon unmoͤglich, den Feind in dieſer Stellung, ohne deſſen Einwilligung, zu einer Schlacht zu bewegen; und da der Boden fuͤr das ruſſiſche Heer nicht vortheilhaft geweſen waͤre, und ein unguͤnſtiges oder ſelbſt zweifelhaftes Reſultat Smolensk nicht haͤtte retten koͤnnen, auch kein hin⸗ laͤnglich wichtiger Grund vorhanden war, der den ruſ⸗ ſiſchen General haͤtte bewegen koͤnnen, ſich der Gefahr eines unguͤnſtigen Reſultates einer allgemeinen Schlacht auszuſetzen, ſo war es nicht ſehr wahrſcheinlich, daß er in die Falle gegangen ſeyn wuͤrde, die ihm, nach Segur, gelegt geweſen war. Auch war es nicht wahrſcheinlich, daß Napoleon Smolensk durch irgend einen Angriff, den er auf die⸗ ſen Platz zu machen, durch dieſe Bewegung in den Stand geſetzt wurde, nahm. Er hatte kein ſchweres Geſchuͤtz und vergeblich ſuchte er den Platz mit Sturm, zuerſt durch ein Bataillon, dann durch eine Diviſion, und endlich durch die ganze Armee, zu nehmen. Er 13 gelangte endlich in den Beſitz von Smolensk, bloß weil der ruſſiſche General keine vorlaͤufigen Anſtalten zur Beſetzung des Platzes getroffen hatte; und well Barclay wußte, daß wenn er eine Beſatzung ohne die erforderlichen Huͤlfsmittel daſelbſt zuruͤckließ, ſie einige Tage baͤlder oder ſpaͤter in Napoleons Haͤnde fallen mußte. Der ruſſiſche General fand daher fuͤr gut, den Platz zu raͤumen, und ungeachtet der Stellung Napoleons auf dem linken Ufer des Dnieper und ſei⸗ ner Verſuche, den Platz mit Sturm zu nehmen, wuͤr⸗ de Barclay Herr der Feſtung geblieben ſeyn, wenn er entweder die Stellung ſeines Heeres in der Naͤhe haͤtte behaupten, oder den Platz, ehe er ihn raͤumte, mit den noͤthigen Lebensmitteln verſehen koͤnnen. Der Beſitz des Platzes hing daher von der Stel⸗ lung des ruſſiſchen Heeres ab; und das Nachfolgende wird zeigen, daß andere Maßregeln und Bewegungen, als die angenommenen, beſſer darauf berechnet waren, das ruſſiſche Heer aus Smolensk zu vertreiben. Es kaun nicht in Zweifel gezogen werden, daß Napoleon, bei ſeiner Ankunft in Smolensk, ſeinem Feinde ſechs Tagmaͤrſche abgewonnen hatte. Wenn er nun, als er bey Raſſaſſna uͤber den Dnieper ging, Smolensk mas⸗ kirt haͤtte, und in gerader Richtung auf irgend einen Punkt oberhalb dieſes Platzes losgegangen waͤre, ſo haͤtte er mit ſeinem ganzen Heere in die Communika⸗ tionslinie ſeines Feindes mit Moskau fallen koͤnnen; 14 und ſein Feind haͤtte es kaum wagen koͤnnen, an ſeiner Fronte voruͤberzuziehen, um den Weg uͤber Kaluga zu ſuchen. Barclay haͤtte ſich nordwaͤrts wenden und Smolensk raͤumen oder daſſelbe ſeinem Schickſale uͤber⸗ laſſen muͤſſen, und Napoleon haͤtte ſeinen Marſch nach Morkau fortſetzen koͤnnen, ſeine Stellung ſtets zwiſchen ſeinem Feinde und ſeinen Communikationen mit dieſer Stadt und den uͤdlichen Provinzen haltend. Das Schickſal der Feſtung Smolensk haͤtte nicht zweifelhaft ſeyn koͤnnen, Hier wuͤrden alſo durch ein verſchiedenes Verfahren, ſogar nach dem naͤmlichen Operationsplane, zwei von den drei Zwecken erreicht worden ſeyn, die Napoleon bei dieſen Bewegungen im Auge gehabt haben ſoll. Al⸗ lein dieſes waren nicht die einzigen Bewegungen, wel⸗ che damals in ſeiner Macht ſtanden. Der Vicekoͤnig ſtand, laut der Berichte, bei Sonraj und Velj. Haͤtte Napoleon, ſtatt auf ſeinem rechten, auf ſeinem linken Flügel ſich bewegt, und das erſte, fuͤnfte und achte Korps von dem Dnieper entfernt, um die Reſerve zu bilden, und waͤre er von Sonraj nach irgend einem Punkte des obern Dnieper marſchirt, ſo wuͤrde er ſei⸗ nem Feinde ebenfalls in den Ruͤcken und in eine Stel⸗ lung gekommen ſeyn, in der er ouf deſſen Communi⸗ kationen haͤtte operiren koͤnnen. Er wuͤrde dieſen Zoeck mit groͤßerer Sicherheit erreicht haben, wenn er das erſte, ſowie das fuͤnfte und ochte Korps durch 15 das Land auf dem linken Ufer des Dnieper haͤtte mar⸗ ſchiren laſſen. Und mit dieſer letztern Bewegung wuͤrde keine große Gefahr verknuͤpft geweſen ſeyn, erſtens: weil Napoleon's Mansvers an der Dwina die ganze Aufmerkſamkeit des Feindes auf ſich gezo⸗ gen haben wuͤrden; zweitens: weil alle dieſe Truppen Smolensk hinter ſich gehabt haͤtten, ehe die ruſſtſchen Generale von ihrer Bewegung haͤtten benachrichtigt werden koͤnnen, auf dieſelbe Art, wie Napoleon ohne ihr Wiſſen uͤber den Dnieper ging und in Smolensk ankam. Durch jede dieſer Verfahrungsarten wuͤrde Napoleon ſeinen Feind von ſeinen Verbindungen ab⸗ geſchnitten, und ihn genoͤthigt haben, eine Schlacht zu liefern, um dieſe Communikarionen wieder zu ero⸗ bern; und aller Wahrſcheinlichkeit nach waͤre Smo⸗ lenak ohne Verluſt und mit allen ſeinen Gebaͤuden in ſeine Haͤnde gefallen,— ein Gegenſtand von der hoͤchſten Wichtigkeit im Verlaufe des Feldzugs. Jede von dieſen letztern Arten, den vorgeſetzten Zweck zu erreichen, wuͤrde um zwei Tagmaͤrſche kuͤr⸗ zer geweſen ſeyn, als die Bewegung des ganzen Heers nach Raſſaſſna. Nro. VIII. (Leben Napoleons, Band XXIX. Seite 33.) Bemerkungen uͤber den Feldzug von 1815. Von Kapit. John W. Pringle, Koͤnigl. Ingenieur. Die folgenden Bemerkungen wurden in Eile zu einer Zeit gemacht, in der die verſchiedenen Verichte des Feldzugs von 1815, die von verſchiedenen Indi⸗ viduen herausgegeben wurden, und alle auf die be⸗ ſondere Ehre Anſpruch machten, von Napoleon diktirt, oder unter ſeiner unmittelbaren Leitung geſchrieben worden zu ſeyn, großes Intereſſe erregten. Mit ei⸗ nigen unbedeutenden Ausnahmen und gelegenheitli⸗ chen Anekdoten ſtimmen ſie ſo ziemlich mit einander uͤberein, was die militaͤriſchen Einzelnheiten betrifft*). *) Buch 1X. Mémoires historiques des Napoléon. Lon- don, Sir R. Philips, 1820.— Montholon, Mé- , 17 Der neunte Band der Denkwuͤrdigkeiten Napoleons, den O'Meara herausgegeben hat, iſt vielleicht das Original, von dem der groͤßte Theil der andern Pro⸗ bukte entlehnt iſt. Es iſt jetzt allgemein anerkannt, daß er, bis zu einer gewiſſen Ausdehnung, von Na⸗ poleon verfaßt worden iſt. Dieſe Werke haben einen beſondern Zweck gehabt, — die Vertheidigung eines ungluͤcklichen und großen moires de Napoléon. Colburn, London 2 vol.— Gourgaud, Krieg von 1815. London, 1824.— Viele Stellen in dieſen Werken lauten ganz gleich; z. B. Montyolon vol. II. pag. 272— 289, mit Buch IX. S. 45. Grouchy, S. 4, ſagt von dieſen Werken von St. Helena, ſie enthalten:„des instructions et des ordres supposés; des mouvements imaginaires,“ etc.; auch: des 7) assertions erronnées; dos hypothèses faites après coup;“ ſiehe auch S. 26. Thl. 22. ſagt er mit Recht von dieſen Schriftſtellern: des individus, qui se persua- dent que l'auréole de gloire d'un grand homme, en les clairant un moment, les a transformés en d'irrécusables autorités, et ne voyant ques par un éelat d'emprunt, qui ne refléchit sur au- cun fait d'armes connn, sur aucuns services emi- nens, noe sert qu'à mieux faire rossortir la pré- somptueuse impéritio des jugemens qu'ils pro- noncent.“ W. Scott'd Werke, LXVIII. 2 18 Mannes. Das Individuum befindet ſich ſtets im Vordergrunde; die Handlungen ſind gemildert, oder verſtaͤrkt, um zu dieſem Zwecke zu paſſen, und bei der Durchfuͤhrung dieſes Planes wird der Ruf ſeiner eigenen Offiziere und die ſtrenge Beruͤckſichtigung der Thatſachen gelegenheitlich aufgeopfert. Die millitaͤri⸗ ſchen Geſichtszuͤge des geldzuges ſind unbeſtritten ge⸗ blieben; waͤhrend die verwundete Ehre ſeiner Geue⸗ rale einige Gegenangaben hervorgerufen hat, die ein merkwuͤrdiges Licht auf den ganzen Feldzug und auf die Maſchinerie eines Syſtems werfen, das die Welt ſo lange beunruhigt hat. Dieſe letztern ſind in Brit⸗ tannien wenig bekaunt. Wer immer die von franzoͤſiſchen Offizieren ver⸗ faßte Maſſe milirariſcher Werke, von denen die mei⸗ ſten gut geſchrieben, und viele kuͤnſtlich verfaßt ſind, durchleſen hat, muß fuͤhlen, wie ge⸗ignet ſie ſind, ein beſonderes Gefuͤhl von Nationaluͤberlegenheit in jun⸗ gen Gemuͤthern, in einem Lande, wo bloß ihre eige⸗ nen militaͤriſchen Werke geleſen werden, aufzumun⸗ tern. In dieſen Werken finden ſie nie ein franzoͤſi⸗ ſches Heer im Felde geſchlagen, ohne daß ein hoͤr⸗ barer Grund, oder wie Las Caſes*) ſich ausdruͤckt: nein Zuſammenfluß unerhoͤrter Unfaͤlle“ als Ent⸗ ſchuldigung angegeben waͤre. Auf die Gemuͤther der 4) Vol. II. pag. 15.. 19 jungen Krieger macht dieß einen unbeſchreiblichen Eindruck. In dieſen verſchiedenen Werken ſcheint man große Sorge dafuͤr getragen zu haben, den Anklagen mili⸗ taͤriſcher Perſonen, hinſichtlich der Vertheilung und Anwendung des franzoͤſiſchen Heeres zu begegnen. Wo ein Fehler begangen worden iſt, wird wenigſtens Buonaparte von der Schuld freigeſprochen, und die Unfaͤhigkeit oder Nachlaͤßigkeit ſeiner Generale ange⸗ klagt. Die Talente und die Ehre der brittiſchen Be⸗ fehlshaber werden nicht hoch angeſchlagen; ihr Gluͤck wird mehr dem Zufalle, als militaͤriſcher Geſchicklich⸗ keit, und das wichtige Reſultat der Schlacht weniger dem Muthe der brittiſchen Truppen als der gelegenen Ankunft der Preußen, die, ihrer Behauptuug zufolge, das brittiſche Heer von der Vernichtung retteten, zugeſchrieben. Die gegenwaͤrtig ſo genannten frei⸗ ſinnigen Ideen ſcheinen es zur Mode gemacht zu haben, ſolche Behauptungen aufzuſtellen und ihnen Glauben beizumeſſen, und es iſt kein ungewoͤhnlicher Fall, Englaͤnder zu treffen, welche den Ruhm und Sieg ihrer Landsleute an dieſem ereignißvollen Tage in Zweifel ziehen. Ein verwundeter Parteigeiſt hat zu dieſer Geſinnung beigetragen, Unter der Huͤll des Patriotismus ſeinen Unmuth befriedigend hat derſelbe auf die Kriegsthaten unſerer Landsleute einen Zweifel zu werfen geſucht, indem er jehes Verſehen 20 derſelben begierig aufgriff, zu gleicher Zeit aber die Fehler ihrer Feinde bemaͤntelte und oft den ſorgfaͤltig geſichteten Berichten der Franzoſen den unbedingten Glauben ſchenkte, den er der einfachen und maͤnnlichen Depeſche eines brittiſchen Generals verweigerte. Es zeigt ſich hierin eine Abnahme jenes Natio⸗ nalgefuͤhls und jener Eiferſucht auf die Ehre unſeres Landes, dieſer Hauptquelle aller großen Handlungen, welcher andere Voͤlker, unſere Nebenbuhler, mit er⸗ neuertem Eifer anhaͤngen. Niemand konnte einen Franzoſen uͤberzeugen, daß es brittiſche Tapferkeit war, die in faſt jeder Schlacht von Creſſy bis Water⸗ loo den Sieg entſchied, und es iſt unmoͤglich, jenen für den franzoͤſiſchen Namen ſo ehrenvollen National⸗ ſtolz zu vergeſſen, der ſogar die ungluͤcklichen Emi⸗ granten bewegen konnte, ihr eigenes Ungluͤck eine zeitlang uͤber dem Ruhme zu vergeſſen, der die Waffen der Republikaner in jener Revolution kroͤnte, der ſte aus ihrer Heimath vertrieb. Die brittiſchen Werke uͤber den Feldzug ſind mit einer einzigen Ausnahme”“) unvohlkommene Prohukte, von Perſonen geſchrieben, die von dem Kriegsweſen nichts verſtehen, und in Eile aus rohen Materialien *) Bally. 21 zuſammengeſetzt, die ſie aus unvollkommenen Quellen geſammelt haben*). Wer immer ſich bemuͤht hat, die Berichte der neuern Schlachten zu zergliedern, und in ihnen das, was durch Thatſachen bewieſen werden kann, von dem zu trennen, was dafuͤr ausgegeben wird, oder die Privatnachrichten(die zu oft unbeſcheidenerweiſe bekannt gemacht worden) mit den offiziellen Urkun⸗ den, und der aus eigentlichen Quellen geſchoͤpften Belehrung zu vergleichen, wird nicht erſtaunt ſeyn, in dieſen brittiſchen Berichten des Feldzugs eckelhafte Lobſpruͤche an einzelne Individuen und Regimenter vergeudet zu ſehen**); Erzaͤhlungen von Angriffen, die ganze Korps haͤtten vernichten ſollen, und doch nur 50 oder 60 Mann in einem ganzen Regimente toͤdteten und verwundeten**s). *) Die beſie Erzaͤhlung des Feldzugs iſt in Stuttgart 1817 von einem anonymen Verfaſſer C. von W. erſchienen und wird dem Baron Muffling zugeſchrieben. Sie macht ihrem Ver⸗ faſſer ihrer Biederkeit und Maͤnnlichkeit wegen Ehre, obſchon er dem preußiſchen Angriffe am 18ten mehr Wirkung zu⸗ ſchreibt, als wirklich der Fall war; d. h. er bringt ſie mit ihrer ganzen Macht zu fruͤhe am Tage ins Feuer. Richtlg iſt im Buch IX. S. 150 bemerkt:„les détails on appartiennent plus à l'’histoire de chaque régiment qu'à l'histoire générale de la bataille. — 88*) Rogniat pag. 147. ſagt, indem er von Angriffen ſpricht: „Sils marchent, à la balonnette, ce n'est qu'un 22 Unſere Offiziere, welches auch ihre Korps ſeyn mögen, ſollten uͤber eitle Prahlereien oder Uebertrei⸗ bungen erhoben ſeyn. Es iſt ſchon viel, daß wir waͤh⸗ rend des Zeitraums von acht Jahren, auf das Lob Anſpruch machen koͤnnen, mit Truppen der erſten militaͤriſchen Macht in Europa ſiegreich gekaͤmpft zu haben; waͤhrend unſern Soldaten die Palme der Tapferkeit ſtreitig gemacht, und unſere Offiziere mit minder auspoſaunten Anſpruͤchen als ihre geruͤhmten Marſchaͤlle, eine eben ſo große millitaͤriſche Geſchicklich⸗ keit und unſere Heere im Augenblicke des Sieges einen Geiſt der Menſchlichkeit und Maͤßigung, der ihren Gegnern haͤufig mangelte, an den Tag gelegt haben. In den folgenden Bemerkungen will man nichts Neues uͤber einen ſchon ſo oft beſprochenen Gegen⸗ ſtand geben; wohl aber ſind einige Thatſachen und Gruͤnde mitgetheilt, die vielleicht noch nicht ſattſam oder redlich genug gewuͤrdigt worden ſind. Es ſind viele tadelnde Angriffe gegen die Generale der ver⸗ buͤndeten Maͤchte gemacht worden, und ihren Gegnern iſt ein uͤberlegenes Talent in Betreff der Benuͤtzung simulacre d'attaque; ils ne la croisent jamais avec celle d'un ennemi qu'ils craignent d'aborder, parce qu'ils se sentent sans defense dontre ses coups et l'un des deux partis prend la fuite avant d'en vonir aux mains.“— Dieß iſt der Fall bei allen Angriffen. 25 ihrer Mißgriffe zugeſchrieben worden, das recht gut als eine Folge der Lagen, in denen ſie ſich gegenſeitig befanden, betrachtet werden kann. Um, z. B. uͤber die Behauptung zu entſcheiden, daß Napoleon ihre Heere in ihren Kantonnirungen uberfallen habe, muͤſſen wir den Zuſtand beider Laͤnder(Frankreichs und Bel⸗ giens) und die Gegenſtaͤnde kennen, auf welche, neben der bloßen Bewachung der Graͤnzen, die Aufmerkſam⸗ keit der verbuͤndeten Befehlshaber vor dem Beginnen des Kriegs, und waͤhrend derſelbe gewiſſermaßen noch fuͤr zweifelhaft galt, nothwendig gerichtet war. Frank⸗ reich iſt bekanntlich an der belgiſchen Graͤnze mit einer Menge von Feſtungen beſetzt; Belgien dagegen iſt ge⸗ genwaͤrtig wehrlos. Die in unſern fruͤhern Kriegen ſo beruͤhmten zahlreichen Feſtungen in den Nieder⸗ landen waren unter der Herrſchaft des Kaiſers Jo⸗ ſerh niedergeriſſen, und ihre Zerſtoͤrung von den Fran⸗ zoſen, als ſie nach der Schlacht von Fleurus, 1794, von dem Lande Beſitz nahmen, vollendet worden, mit Ausnahme von Antwerpen, Oſtende, Nieport, welche Staͤdte ſie wegen ihrer Wichtigkeit als Seehaͤfen un⸗ angetaſtet gelaſſen hatten. Dieſe Umſtaͤnde verſetz⸗ ten die zwei Porteien in ſehr verſchiedene Logen, ſo⸗ wohl hinſichtlich der Sicherheit, als der Leichtigkeit, die Angriffs, oder Vertheidigungs⸗Maßregeln vorzube⸗ reiten, oder in Ausfuͤhrung zu bringen. Die Franzoſen hatten ihre bekannte dreifache Fe⸗ ſtungslinie erhalten, die ſich in dieſer Gegend der 24 Grenze von Duͤnkirchen nach Philippville ausdehnt, und waͤhrend des Krieges in dem vorangegangenen Jahre in Vertheidigungszuſtand geſetzt worden war. Dieſe Feſtungen erleichterten auf jede Art die Zu⸗ ſammenziehung und Bildung der Truppen— die Herbeiſchaffung neuen Geſchuͤtzes und jedes Erforder⸗ niſſes zu ihrem Auszuge ins Feld, und zur Ver⸗ bergung ihrer Bewegungen, beſonders in Folge der franzoͤſiſchen Organiſation ihrer National⸗Garden, welche die Letzteren in den Stand ſetzte, den Schild⸗ wachendienſt der Beſatzungen alsbald zu verſehen, oder die Vorpoſten laͤngs der Graͤnzen abzuloͤſen und zu beſetzen— dieß war die gegenſeitige Lage der Graͤn⸗ zen zur Zeit der Ruͤckkehr Napoleons aus Elbg. Die Nothwendigkeit der Wiederherſtellung der Hauptfeſtungen an der belgiſchen Grenze, welche die Schleuſen und die Ueberſchwemmung des Landes be⸗ herrſchten, war bereits eingeſehen worden, und man hatte, ſo lange Napoleon noch auf Elba war, beſchloſ⸗ ſen, Hand an das Werk zu legen. Ein Ausſchuß brittiſcher Ingenieure hatte das Land zu dieſem Ende beſichtigt, allein bloß die allge⸗ meinen Plane und Berichte waren fertig, als Buo⸗ naparte's ploͤtzliche Ruͤckkehr, ſein raſches Vorruͤcken nach Paris und die Wayrſcheinlichkeit einer ſchnellen Erneurung des Kriegs ſchnelle und unmittelbare Ver⸗ 26 theidigungsmittel noͤthig machten. Die Erklaͤrung des Kongreſſes zu Wien vom 15. Maͤrz erreichte Pa⸗ ris an eben dem Tage, an welchem er daſelbſt an⸗ kam, was ihn uͤberzeugt haben mußte, daß man ihm nicht geſtatten werde, ſeinen Thron ruhig wieder in Beſitz zu nehmen. Man darf annehmen, daß man in Belgien allge⸗ mein glaubte, er werde keine Zeit verlieren, ein Land wieder zu erobern, das er faſt als einen Theil von Frankreich betrachtete, und das ihm wegen der Huͤlfs⸗ quellen, die es ihm dargeboten haben wuͤrde, wichtig war, und vielleicht noch mehr, weil die Wiedererobe, rung deſſelben ſeine Feinde einer ſo bequemen Opera⸗ tions⸗Baſis zur Vorbereitung der Angriffsmittel ge⸗ gen Frankreich beraubte. Die Unzufriedenheit in Bel⸗ gien und in den preußiſchen Rhein⸗Provinzen, ſo wie unter den ſaͤchſiſchen Truppen, die bei ſeinem Heere gedient hatten, war bekannt*). Der aufruͤhreriſche Geiſt dieſer Truppen ſchien mit den Bewegungen der franzoͤſiſchen Streitkraͤfte an den Grenzen im Ein⸗ klange zu ſtehen; ſo daß ſie entwaffnet und unter den Nachtrab geworfen werden mußten. In dem er⸗ ſtern Lande wurde die Unzufriedenheit, beſonders durch die vielen franzoͤſiſchen Offiziere und Soldaten, genaͤhrt, die als Fremde von dem franzoͤſiſchen Heere, bei dem *) Muffling S. 5. 26 ſie faſt ſeit der Revolution gedient hatten, entlaſſen worden waren, und die ſich jetzt wenig bemuͤhten, ihre wahren Geſinnungen und Neigungen zu verheh⸗ len. Die Flucht Ludwigs aus Lille(Ryſſel) durch Flandern vermehrte dieſe Geſinnung in Belgien, die der herrſchende Geiſt zu ſeyn ſchien. Die Streit⸗ kraͤfte, welche die Britten hatten, um denſelben im Zaume zu halten und einer Invaſion zu widerſtehen, beliefen ſich bloß auf 6000 oder 7000 Mann, die von Sir Thomas Graham befehligt wurden, und hauptſaͤchlich aus zwei Bataillonen beſtanden, die man in Eile zuſammengezogen hatte, da ein großer Tyeil unſerer beſten Truppen noch nicht aus Amerika zu⸗ ruͤckgekehrt war, Auch lag in Belgien die deutſche Legion, nebſt 9ooo oder 10,000 Mann der neuaus⸗ gehobenen hannoͤveriſchen Truppen. Die Orgaviſation der belgiſchen Truppen hatte ſo eben begonnen, ſo daß die Streitmacht des Prinzen von Oranien ſich ungefaͤhr auf 20,000 Mann belaufen mochte. Der preußiſche General Kleiſt, der an dem Rhein und der Maas beſehligte, hatte 30 coo0 Mann unter ſich, die nachmals auf 50,00o erhoͤht wurden, worun⸗ ter ſich jedoch auch die Sachſen befanden. Dieſe Generale waren mit einander uͤbereingekom⸗ men, gemeinſchaftlich zu operiren; allein wenn Napo⸗ leon den erſten April bei Lille 36000 Mann zuſam⸗ 8 27 mengezogen haͤtte, was ihm, wie er ſagt, moͤglich ge⸗ weſen, und nach Belgien vorgeruͤckt waͤre, ſo iſt es ſehr wahrſcheinlich, daß er die wichtigſten Reſultate erlangt haben wuͤrde; denn der Prinz von Oranien, der ſeine Truppen bei Ath, Bergen und Doornik ver⸗ ſammelt hatte, war nicht ſtark genug, Bruͤſſel zu decken, und haͤtte ſich entweder nach Antwerpen zuruͤck⸗ ziehen, oder zu dem preußiſchen General Kleiſt ſtoßen muͤſſen. Die Nachricht von der Landung Napoleons zu Cannes, am erſten Maͤrz, erreichte Bruͤſſel den neunten. Alsbald wurden Anſtalten zur Vertheidi⸗ gung des Landes getroffen. Die brittiſchen Truppen unter General Clinton zogen ſich mit ihren Verbuͤn⸗ deten bei Ath, Bergen und Doornik zuſammen; und dieſe Plaͤtze, nebſt Ppern, Gent und Oudenarde er⸗ hielten den Befehl, ſich in Vertheidigungszuſtand zu ſetzen, ſo gut es der Drang des Augenblicks erlaubte. Zu dieſem Ende wurde alles benuͤtzt, was von den alten Feſtungswerken uͤbrig geblieben war. Neue Werke wurden hinzugefuͤgt, und das große Vertheidi⸗ gungsſyſtem in dieſem Lande, das im Allgemeinen niedriger liegt, als irgend ein Kanal oder die See, und folglich uͤberſchwemmt werden kann, benuͤtzt. Die Schleuſen, welche die Ueberſchwemmungen beherrſchten, wurden durch ſtarke Redouten gedeckt. Die Ueberſchwemmung des Landes in der Naͤhe der See kann auf zwei Arten ſtatt haben. Die Kanaͤ⸗ 2,8- le oder Fluͤſſe fuͤhren das friſche Waſſer des Landes nach der See ab. Die Schleuſenthore werden bei nie⸗ drigem Waſſerſtande zum Ausfluſſe deſſelben geoͤffnet und bei der Ruͤckkehr der Fluth verſchloſſen, um den Einfluß des Salzwaſſers zu verhindern. Es liegt da⸗ her am Tage, daß wir das Land haͤtten unter Waſſer ſetzen und ſeine Feſtungen dadurch auf zwei oder drei Seiten decken koͤnnen, was die Nothwendigkeit aufge⸗ hoben haͤtte, ſtarke Beſatzungen zu ihrer Vertheidigung in ſie zu legen. Allein eine Salzwaſſer⸗Ueberſchwem⸗ mung verderbt den Boden auf mehrere Jahre, und man hatte beſchloſſen, ſie bloß als letztes Huͤlfsmittel zu gebrauchen, und inzwiſchen wurden die Schleuſen⸗ thore bloß verſchloſſen, um den Ausfluß des friſchen Waſſers zu verhindern, das ſich in dieſer naſſen Jah⸗ reszeit bald anhaͤufte; und die Ueberſchwemmung des friſchen Waſſers verdarb bloß die Aerndten eines ein⸗ zigen Jahres. Ungefaͤhr 20,000 Arbeiter, die man durch ein Aufgebot im Lande zuſammen gerufen hatte, arbeite⸗ ten noch außer den Handwerkern, welche die Truppen lieferten, taͤglich an den Befeſtigungswerken. Die noͤ⸗ thige Artillerie und die Kriegs⸗Vorraͤthe wurden aus England und Holland geliefert. Taͤglich kamen Trup⸗ pen an und ſetzten ſich alsbald nach den Graͤnzen in Bewegung, von wo aus in Folge der fortwaͤhrend ſtatthabenden Bewegungen wahrſcheinlich uͤbertriebene 29 Berichte an den Feind gelangten. Durch dieſe kraͤf⸗ tigen und raſchen Maßregeln wurde das Zutrauen wieder hergeſtellt;— der paniſche Schrecken unter dem belgiſchen Volke verſchwand;— es ſah, daß ſein Land nicht ohne einen harten Kampf werde aufgege⸗ ben werden; der Wankende wurde beſtaͤrkt, und der Mißvergnuͤgte zum Schweigen gebracht. In weniger als einem Monat war der groͤßte Theil der Grenz⸗ Feſtungen gegen einen Ueberfall geſichert. .„ Der Herzog von Wellington war zu Anfang des Aprils aus Wien in Bruͤſſel angekommen und hatte alsbald die Grenze und die Feſtungen beſichtigt; wor⸗ auf er ſich mit den Preußen uͤber einen Operations⸗ plan verſtaͤndigte, in Folge deſſen ſie ihre Truppen laͤngs der Samore und Maas zuſammen zogen, Char⸗ leroi, Namur und Luͤttich beſetzten und auf dieſe Art mit ſeinem linken Fluͤgel in Verbindung ſtanden. Die Preußen hatten die Werke um Koͤln wieder aus⸗ gebeſſert, was ihre Communikationen mit Preußen ſicherte, und ihnen einen Stuͤtzpunkt am Rheine gab. Durch die kleine Feſtung Juͤlich beherrſchten ſie die Roͤhr auf derſelben Linie; auw beſaßen ſie Maſtricht an der niedern Maas. Es war von Wichtigkeit, Luͤt⸗ tich und Namur zu beſetzen, obſchon ihre Feſtungs⸗ werke zerſtoͤrt waren. Sie gewaͤhrten eine große Leich⸗ tigkeit, auf jeder Seite der Maas raſch zu agiren, und eine Wahl der ſtarken Stellungen laͤngs der Ufer 30 oieſes Fluſſes. Das Mißvergnuͤgen in den Provinzen am Rheine, die unlaͤngſt mit Preußen vereinigt wor⸗ den waren, hielt man fuͤr noch groͤßer, als in Belgien. Die Feſtung Luxemburg war der große Schluͤſſel, den Preußen zu ihrer Erhaltung beſaß; und ſein Vortheil wuͤrde es bewogen haben, dieſen Platz als Depot und Operationsbaſis fuͤr den Einfall in Frankreich zu waͤh⸗ len; allein zudem, daß ſie ſoweit von Bruͤſſel entfernt waren, daß die Heere, die ſolche ferne Punkte beſetzt „hielten, nicht gemeinſchaftlich agiren konnten, waren die Straßen, in dieſem Theile des Landes, zwiſchen der Maas und der Moſel, fuͤr die Artillerie und die allgemeine Communikation eines Heeres faſt unbrauch⸗ bar. Auf der andern Seite ſind die Straßen und Communikationen zum Uebergange uͤber den Rhein bei Koͤln gut, die Stadt ſelbſt haͤtte in Vertheidi⸗ gunasſtand geſetzt werden koͤnnen, und wuͤrde die ſicherſte und beſte Communikationslinie geworden ſeyn. Die Karte wird dieſe Bemerkung erlaͤutern und zeigen, daß die Kantonnirungen der Preußen laͤngs der Sambre und Maas ſie in den Stand ſetz⸗ ten, gemeinſchaftlich mit unſerem Heere zu agiren: ihre Communikationslinie mit Preußen zu decken, und raſch in die Provinzen der Moſel zu marſchi⸗ ren, falls der Feind aus Metz vorruͤckte*). *) Dieß haͤtte jedoch bloß abſpringender Angriff ſeyn koͤnnen, denn die Straße uͤber Charleroi und Givet war auf dieſer Seite 21 Die Ruſſen haͤtten bei Mainz in die Linie kom⸗ men ſollen, allein ſie erreichten den Rhein erſt im Junius, und zwar bloß mit dem erſten Korps; ſo daß fuͤr den Augenblick eine Luͤcke, von dem preußi⸗ ſchen linken Fluͤgel bei Dinant, bis zu dem öͤſterreich⸗ bairiſchen rechten Fluͤgel bei Mannheim Statt fand. Die Deckung Bruͤſſels war ein wichtiger Punkt; und man muß bedenken, daß dieſe Stadt gleichſam einen Mittelpunkt fuͤr einen bedeutenden Theil der franzoͤ⸗ ſiſchen Grenze bildet, der ſich ungefaͤhr ſiebenzig Mei⸗ len von der Lys bis zu der Maas, d. h. von Menin bis Philippepille oder Givet erſtreckt; daß ſie unge⸗ faͤhr fuͤnzig Meilen von dieſen aͤußerſten Punkten entfernt iſt, und daß es nothwendig war, den Ein⸗ gang aus Frankreich bei Dopenik, Bergen und Char⸗ leroi zu bewachen und ferner zu verhuͤren, daß Gent, ein ſehr wichtiger Platz, von Lille aus angegriffen wurde. Die Beſchuͤtzung aller dieſer entfernten Punkte, nebſt der Schwierigkeit, Truppen, beſonders Reiterei und Artillerie, zu unterhalten, reichen hin, um zu erklaͤren, warum die Heere in ihren Kantonnirungen nicht beſſer vereinigt wurden*). Buonaparte ſcheint der naͤchſte Eingang aus Frankreich. Das Land von da bis Mainz war damals fuͤr große Heere faſt ungangbar. Seitdem ſind gute Straben durch daſſelbe angelegt worden. *) Buonaparte tadelt die Generale der Verbuͤndeten, daß ſie kein Lager im Angeſichte von Bruͤſſel errichtet haben, was, wie er 92 der Beſetzung Bruͤſſels große Wichtigkeit beigelegt zu haben, wie es ſich aus den Bulletins ergibt, die man in ſeinem Gepaͤcke, das ihm weggenommen wur⸗ de, ſchon gedruckt fand. Es war daher in jeder Hinſicht von großer Wichtigkeit, auch nur eine temporaͤre Oc⸗ cupation dieſer Stadt zu verhindern, und dies konnte bloß dadurch geſchehen, daß man eine Schlacht im Angeſichte derſelben wagte. Der Herzog von Welling⸗ ton und der Marſchall Bluͤcher hatten auch beſondere Abſichten bei der Erhaltung ihrer Operations⸗Linien, — der eine uͤber Koͤln mit Preußen; der andere mit England uͤber Bruͤſſel,— die weder der eine, noch der andere aufgeben wollte. Dieß mag wahrſcheinlich die Urſache geweſen ſeyn, warum Quatre⸗Bras und Ligny als Stellungen zur Deckung beider gewaͤhlt wurden. — behauptet, im Anfang des Mai haͤtte geſchehen koͤnnen. Die naſſe Jahrszeit und die Schwierigkeit, ein ſo großes Truppen⸗ korps zu unterhalten, ſprechen einigermaßen dagegen. Zudem haͤtte Buonaparte Demonſtrationen in der Fronte machen, fer⸗ ner 20,000 Mann von ſeinen Beſatzungen zur Verheerung Gents und der Gegend jenſeits der Schelde abſchicken, und unſere Communikationen mit Oſtende abſchneiden koͤnnen. Im Jahr 1314, als die Preußen ſich in der Naͤhe von Bruͤſſel zuſammen⸗ gezogen hatten, war dieß mit g von Lille aus geſchehen. Wenn auch dem Feinde eine ſolche Maßregel nur wenig zu ſtat⸗ ten gekommen waͤre, ſo wuͤrde man ſich doch großem Tadel ausgeſetzt haben, wenn man keine Vorſichts⸗Maßregeln dagegen ergriſſen haͤtte. Die Deckung Brüͤſſels, der Hauptſtadt des Landes, war ſicherlich von großer Wichtigkeit; und waͤre das der einzige Zweck geweſen, ſo wuͤrde Lager vor derſelben ſicher⸗ lich das beſte Mittel zur Erreichung deſſelben geweſen ſeyn. 35 Es liegt am Tage, daß ein Heer, welches ſo kan⸗ konnirt war, daß es alle dieſe Zwecke erreichte, in eine die Stadt deckende Stellung nur dann zuſammenge⸗ zogen werden konnte, wenn die Vortruppen im Stan⸗ de waren, den Feind im Schach zu halten, und da⸗ durch Zeit zu dieſer Zuſammenziehung zu gewinnen. Die Stellungen auf den verſchiedenen Annaͤherungs⸗ ſtraßen von der franzoͤſiſchen Graͤnze her waren auf⸗ merkſam rekognoscirt worden, beſonders die von Mont St. Jean de Waterloo; und keine Vorſichtsmaßregel ſcheint vernachlaͤßigt worden zu ſeyn, durch welche eine offenſive Bewegung des Feindes gehemmt werden konnte. An der franzoͤſiſchen Grenze, zwiſchen Lille und Bergen, wurden einige Bewegungen, die, wie es ſchien, Vorbereitungen zu offenſiven Operationen waren, zu Ende des Maͤrz bemerkt, um welche Zeit die in der Naͤhe von Menin kantonnirten Truppen den Befehl hatten, ſich, wenn ſie einen gehoͤrigen Widerſtand ge⸗ leiſtet und die Bruͤcke uͤber die Lys zerſtoͤrt haben wuͤrden, nach Charleroi, ihrem Sammelplatze, zuruͤck zu ziehen; und ſich dann, nach einem Widerſtande, der ihre Sicherheit beim Ruͤckzuge nicht gefaͤhrden wurde, des Zweckes der feindlichen Bewegungen zu verſichern, und den Truppen Zeit zu ihrer Zufam⸗ menziehung zu verſchaffen. Sie ſollten ſich nach Oudenarde und Gent zuruͤckziehen, die Schleuſen oͤff⸗ nen, und die Ueberſchwemmung ausdehnen. Zu W. Scott's Werke, LXVIII. 5 54 Anfang des Maͤrz wurden aͤhnliche Bewegungen be⸗ merkt; allein damals hatte man weniger zu befuͤrch⸗ ten, weil wir, vermoͤge des vorgeruͤckten Zuſtandes der Befeſtigungswerke Doornik's, den Bruͤckenkopf bei Oudenarde und Gent, damals die Schelde beherrſchten, und die Offenſive haͤtten ergreifen koͤnnen*). Ohne Zweifel gebuͤhrt Napoleon wegen der Art, wie er ſeine Bewegungen verbarg, und der Schnellig⸗ keit, mit der er ſein Heer zuſammenzog, großes Lob. Die Eilmaͤrſche, die er zu machen gezwungen war, ſcheinen jedoch ſeine nachfolgenden Bewegungen, in Folge der Ermuͤdung ſeiner Teuppen, gelahmt zu ha⸗ ben. Die zahlreichen franzoͤſiſchen Feſtungen beguͤn⸗ ſtigten ſeine Plane in einem hohen Grade; denn ſie verſchafften ihm die Mittel, die Beſatzungs⸗Truppen und die Nationalgarden zur Beſetzung der Vorpoſten laͤngs der Grenze zu gebrauchen, und ſpaͤter die Ge⸗ legenheit, an den Grenzen in der Naͤhe von Lille De⸗ monſtrationen zu machen, wahrend er ſein Heer an der Sambre verſammelte. Auch wurden ſie einiger⸗ maßen durch den Umſtnd beguͤnſtiget, daß die Feind⸗ ſeligkeiten noch nicht wirklich begonnen haͤtten, was unſere Vorpoſten, ſelbſt wenn ſie eine Veraͤnderung in den ihnen gegenuͤberſtehenden Truppen argwoͤhnren, *) Liv. IX. p. p. pag. 60— 86. Montholon. vol. II. pag. 132. ₰ abhielt, den Feind zu noͤthigen, ſich zu zeigen, oder ein Scharmuͤtzel zun liefern, und durch Gefangene Aufſchluß uͤber ſeine Bewegungen zu erhalten. Er hatte einen andern Vortheil von großer Wichtigkeit. Das Heer, welches er befehligte, beſtand groͤßtentheils aus alten Kriegern von einer und derſelben Nation, und unter einem einzigen Oberhaupte. Die Heere der Verbuͤndeten beſtanden das Rerieeußnen N nen, waren großentheils junge kruten und ſtande unter zwei Generalen von— 1 Jus„ die deywe⸗ gen wohl keine große 9 i bi gegen einander haben kon „In der Nacht vom vierzehnte das franzoſiſche Heer in drei Diviſion moͤglich bei der Grenze ohne von merkt zu werden; der linke Fluͤgel k Centrum bei Beaumont, wo geſchlagen war, und der rechte peville**). Um drei Uhr, den 15:en Julius, uͤberſchritt das —x *) Buonaparte hat ſelbſt bemerkt:—„L'unite de commapn- dement est la chose 1a plus importaule dans la guerre.“«* *n) Buonaparte Buch IX. S. 122,400 Mann, und 350 4 auf 130,/000. Andere Be gibt ſie guf 127,000 N₰ 69 gibt nonen a 56 franzoͤſiſche Heer die Grenze in drei Kolonnen, die ihre Richtung nach Marchiennes, Charleroi und Chate⸗ ler nahmen. Die preußiſchen Vorpoſten wurden raſch zuruͤckgetrieben; ſie hielten jedoch auf drei Punkten bis eilf Uhr hartnaͤckig Stand, um welche Zeit Ziethen eine Stellung bei Gilly und Goſſelies nahm, um das Vorruͤcken des Feindes zu yemmen, und ſich dann langſam nach Fleurus, gemaͤß den Befehlen des Mar⸗ ſchalls Bluͤcher, zuruͤckzog, damit der letztere Zeit zur Zuſammenziehung ſeines Heeres erhielt*). Die Bruͤcke bei Charleroi, die nicht ganz zerſtoͤrt worden war, wurde von dem Feinde ſchnell wieder hergeſtellt. Als Ziethen die Straße verließ, welche durch Quatre⸗ Bras mach Bruͤſſel fuͤhrt, erhielt Marſchall Ney, der den linken Fluͤgel des franzoͤſiſchen Heers kommandirte, den Befehl, auf dieſer Straße nach Goſſelies vorzu⸗ ruͤcken, und fand bei Frasnes einen Theil vom He ere des Herzogs von Wellington, der aus naßauiſchen Truppen beſtand, und ſvon dem Prinzen Bernhard von Sachſen Weimar befehligt wurde, der nach eini⸗ gen Scharmuͤtzeln ſeine Srellung behauptete**). *) Grouchy, 59) ſpricht von der Schnelligkeit, mit welcher Bluͤ⸗ cher ſein Heer zuſammenzog. Verſchiedene franzoͤſiſche Schrift⸗ ſteller ſpielen ebenfalls auf dieſen Umſtand an. **) Ney wuͤrde wahrſcheinlich dieſe Truppen zuruͤckgetrieben und die wichtige Stellung bei Quatre⸗Bras genommen haben; als er aber auf ſeiner rechten Flanke, wo Ziethen ſeine Stellung. 57 Die franzoͤſiſche Armee wurde in der Nacht des 5ten in drei Colonnen formirt; der linke Fluͤoel ſtand bei Goſſelies, das Centrum bei Gilly und der rechte Fluͤgel bei Chatelet. Zwei Korps der Preußen beſetz⸗ ten in derſelben Nacht die Stellung bei Sombref, wo das erſte Korps zu ihnen ſtieß, und ſie St. Amand Bry und Ligny beſetzten; ſo daß die Franzoſen, un geachtet aller ihrer Bemühungen, in einem Augen⸗ blicke, in welchem die Zeit ſo koſtbar war, bloß un⸗ gefaͤhr 15 engliſche Meilen im Laufe dieſes Lags, bei ungefaͤhr 15 Stunden Tageslicht, vorzuruͤcken im Stande geweſen waren*). Ziethen's Korps hatte be⸗ deutend gelitten, allein er hatte ſeine Befehle vollo⸗ gen. So ſah ſich Marſchall Bluͤcher im Stande, drei Korps ſeines Heeres, 80,000 Mann, fruͤh Mor⸗ genommen hatte, eine ſchwere Kanonade hoͤrte, ſo hielt er es für noͤthig, Halt zu machen, und eine Diviſion in der Nich⸗ tung von Fleurus abzuſchicken. Dieß erzeugte einen merkwuͤr⸗ digen Fall, indem Ney von Napoleon ſtirenge dafuͤr getadelt wurde, daß er ſeine Befehle nicht buchſtaͤblich befolgt, und nach Quatre⸗Bras vorgedrungen war. Dieß geſchah in Gegen⸗ wart des Marſchalls Grouchy,—(ſfehe Grouchy's Observa- tions sur la Hélation de la Campagne de 1815, par Général Gourgaud, herausgegeben in Philadelphia 1818)— der dieß als einen Grund(S. 32, 53, 61) fuͤr ſein Verfahren am zoten, und dafuͤr angibt, daß er ſich zur Unterſtuͤtzung Napoleons bei Waterloo nicht links gewendet habe. *) Rogniat, S. 341, ſagt: daß ein großer Theil des franzs ſiſchen Heeres Charleroi erſt ſpaͤt am 15ten, und Fleurus um m1 Uhr am zeten erreichte.— S. Gruchy, S. 36. 58 3 gens am 15ten zu verſammeln und ſein viertes Korps, das im Anzuge begriffen war, ſollte dieſen Abend zu ihm ſtoßen. 4 Der Herzog von Wellington ſcheint einen Angriff von der Straße uber Bergen her erwartet zu haben—), und als er die erſte Nachricht von den Bewegungen edes Feindes erhielt, gab er ſeinen Truppen bloß den Befehl, ſich in Bereitſchaft zu halten; dieß war am Abend des 15. Junius, um ſechs Uhr. Als er um ſieben Uhr weitere Nachrichten erhalten hatte, nach denen der wirkliche Angriff laͤngs der Sambre geſche⸗ hen ſollte, erhielten die Truppen alsbald Befehl, nach Quatre⸗Bras zu matſchiren; eine falſche Bewegung des engliſchen Generals zu ſeiner Rechten in die⸗ ſem Zeitpunkte, konnte wohl nicht ſo ſchnell wieder gut gemacht werden, daß er vor Bruͤſſel fechten, und ſeine Vereinigung mit den Preußen bewerkſtelligen konnte; und in dem Falle, daß bloß Marſchall Bluͤ⸗ cher bei Ligny focht, in der Erwartung, von dem Herzog von Wellington unterſtuͤtzt zu werden, wuͤrde dieſes Treffen wahrſcheinlich nicht ſtatt gefunden ha⸗ ben. Er hatte jedoch einen ſichern Ruͤckzug nach Buͤ⸗ low's Korps und Maaſtricht, wie der Herzog von Wellington nach Gent und Antwerpen; ſonſt haͤtte **) Offäzielle Depeſche.— Muffling S, 10o, 3— Do. 18.— 29 der nachmals angenommene Plan, die Heere bei Wa⸗ terloo und Warres zuſammenzuziehen, nicht wohl ausgefuͤhrt werden koͤnnen. Es befremdet in der That, daß Buonaparte keine wichtigere Demonſtration bei Lille und Bergen machte. Als der Herzog ſich zu dieſen Bewegungen entſchloß, befand er ſich in der Nothwendigkeit, nach den Nachrichten zu agiren, die er von Smionen oder Ausreißern eingezogen hatte, und auf die man ſich nur in ſofern verlaſſen kann, als ſie durch Berichte von den Vorpoſten, die ſelbſt getaͤuſcht werden koͤnnen, beſtaͤtigt werden*. Was bei ihrer Entfernung wahr war, konnte bei ihrer Ankunft gaͤnzlich veraͤndert ſeyn, und was auch fruͤher der Fall geweſen ſeyn mag, ſo kommen doch gegen⸗ waͤrtig wenige oder gar keine Beiſpiele davon vor, daß eine Perſon, beſonders ein Offizier, dem ein Ka⸗ dinet ſein Zutrauen geſchenkt hat, zum Verraͤther an dieſem wird. Der Herzog von Wellington kam den 6ten fruͤh⸗ zeitig in Quatre Bras an, und ſetzte ſeinen Marſch ſogleich nach Bry fort, um ſich mit dem Marſchall *) Mufflling, S. 17. Man erzaͤhlt jedoch, Fouché habe dem Her⸗ zog von Wellington Nachrichten von Buonaparte's Bewegun⸗ gen uͤberſchickt. Der Kourier ſey jedoch, und zwar auf Fouché's Veranlaſſung, angegriffen worden, ſo daß er fuͤr beide Theile eine Entſchuldigung in Bereitſchaft gehabt habe, 4⁰ Bluͤcher uͤber den wirkſamſten Unterſtuͤtzungsplan zu verſtaͤndigen. Um dieſe Zeit ſchien es, der ganze franzoͤſiſche Angriff werde gegen die Preußen gerichtet werden, da bedeutende Maſſen des feindlichen Heeres in ihrer Fronte in Bewegung waren. Bluͤcher ſtand um dieſe Zeit bei der Windmuͤhle von Bry, ungefaͤhr fuͤnf engliſche Meilen von Quatre⸗Bras*). Der Herzog hatte im Sinne, nach Frasnes und Goſſe⸗ lies vorzurüͤcken, was eine entſchiedene Bewegung geweſen waͤre; da ſie auf die franzoͤſiſchen Kommuni⸗ kationen, und zwar unmittelbar in den Ruͤcken ihrer linken Flanke agirt haͤtte; da aber die Truppen nicht vor vier Uhr aus Quatre⸗Bras ausruͤcken konnten, ſo waͤre der Angriff zu ſpaͤt geſchehen, und die Preuß ſen haͤtten inzwiſchen den Angriff faſt des ganzen franzoͤſiſchen Heeres zu beſtehen gehabt. Marſchall Bluͤcher hielt es daher fuͤr raͤthlicher, daß der Her⸗ zog in gerader Richtung auf der Straße von Quatre⸗ Bras nach Bry marſchirte, und eine Verbindung mit dem preußiſchen rechten Fluͤgel bewerkſtelligte**,). *) Muffling, S. 10. *n) Muffling, S. 64 gibt zu, daß die Stellung bei Ligny zur Linken zu ausgedehnt, der Zweck davon aber der geweſen ſey, eine Kommunikationslinie mit der Maas und Koͤln zu ha⸗ ben; ein Fehler, den er dem Umſtande zuſchreibt, daß man zwei Heere und zwei Anfuͤhrer, mit verſchiedenen Zwecken im Auge gehabt habe. 41¹ Der Zweck des Feindes am 16ten war(wie man aus Napoleons allgemeinen Befehlen, die Soult den Marſchaͤlen Ney und Grouchy mittheilte, erſehen kann) der, den preußiſchen rechten Fluͤgel, durch die Vertreibung der Britten aus Quatre⸗Bas, zu um⸗ gehen, und dann die Straße hinab nach Bry zu mar⸗ ſchiren, und ſo die beiden Heere zu trennen*). Zu dieſem Ende wurde Ney mit 45000 Mann abge⸗ ſchickt**). Aus den genannten Befehlen ergibt es ſich, daß man keinen großen Widerſtand bei der Be⸗ ſitznahme von Sombref und Quatre⸗Bras erwarte⸗ te***). Ney iſt angeklagt worden, daß er zu ſpaͤt angegriffen habe, allein die obigen Befehle zeigen, daß er keinen Befehl hatte, fruͤher als bis zwei Uhr anzugreifen †). Der Plan war vortrefflich und wuͤrde, wenn Ney gluͤcklich geweſen waͤre, zu wichtigen Re⸗ ſultaten gefuͤhrt haben. Nachdem er Beſitz von *) Siehe Beſehle in dem Anhange zu Vatty IX bis XIII, S. 150 bis 153. Buch IX. S. 105, offizielle Papiere. ***) Siehe Grouchy, S. 47. Gourgaud, B. IX. E. 102. r) Es laͤßt ſich kaum annehmen, daß ein Offizier von Ney's kuͤhnem und unternehmendem Charakter, der zudem ſo ſehr in der Klemme war, gezöͤgert haben wuͤrde, bei Quatre⸗Bras anzugreifen, wenn er ſeine Truppen in Bereitſchaft gehabt häͤtte; allein es ſcheint, daß er keine Zeit gehabt haben konnte, in der von Buonaparte angegebenen Stunde bis zu dieſem Punkte vorzuruͤcken. Neh kannte auch die Truppen, mit de⸗ nen er es zu thun hatte, zu gut, als daß er zu raſch verfahren waͤre. *⁵* 4²2 Quatre⸗Bras genommen hatte, ſollte er einen Theil ſeiner Streitkraͤfte abſchicken, um den preußiſchen rechten Fluͤgel, im Nuͤcken von St. Amand anzugrei⸗ fen, waͤhrend Napoleon den Hauptangriff auf dieſes Dorf, das ſtaͤrkſte in der Poſition, machen und zu gleicher Zeit die ganze preußiſche Linie beſchaͤftigen wollte. Die Haͤlfte von Ney's Streitmacht wurde in der Naͤhe von Frasnes als Reſerve zuruͤckgelaſſen, um zur Unterſtuͤtzung der Angriffe auf St. Amand vder Quatre⸗Bras in Bereitſchaft zu ſeyn, und im Falle beide Angriffe gelaͤngen, in gerader Richtung auf Wagnele oder Bry los zu ziehen, und den preuſ⸗ ſiſchen rechten Fluͤgel zu umgehen*). Das Dorf St. Amand war gut vertheidigt; der preußiſche rechte Fluͤgel ſtuͤtzte ſich darauf, und ver⸗ möge der verſchiedenen Gaͤrten und Hecken, die es durchſchnitten, war es ſehr leicht zu vertheidigen, ob: ſchon die uͤbrige preußiſche Poſition weit hinter ihm zuruͤcklag. Die Geſtaltung des Landes auf der Vor⸗ derſeite dieſer Stellung zeichnete ſich durch keine merkwürdigen Zuͤge aus; die Abhaͤnge gegen den Strom hin ſind ſanft und zugaͤnglich. Nach einem ununterbrochenen Angriffe von zwei Stunden hatte der Feind bloß die Haͤlfte des Dorfs St. Amand **) Die Franzoſen griſſen erſt den 3ten an, da die verſchiedenen Korps nicht angekommen waren, um die noͤthigen Anſtalten fruͤher zu rreffen.— Grouchy, S. 56. Rognliat, S. 541. 1 45 erobert, und ein ſtarker Angriff war auf Ligny ge⸗ macht worden, das verſchiedene Male genommen und wieder genommen wurde*). Um dieſe Zeit ſchickte Buonaparte nach dem Reſervekorps, das Ney bei Frasnes zuruͤckgelaſſen hatte. Ehe es jedoch St. Amand erreichte, erhielt es den Befehl zum Ruͤckmarſche, und war deßwegen weder Buonaparte noch Ney von großem Nutzen. Als Buonaparte die Heeresmaſſen bemerkte, die Bluͤcher hinter St. Amand aufgeſtellt hatte lund wahrſcheinlich als Folge davon, daß die oben erwaͤhnten Korps bei Quatre⸗Bras nothwendig waren]**), verfuͤgte er anders uͤber ſeive Reſerve⸗ Truppen, die auf dem Wege nach St. Amand be⸗ griffen waren, und ertheilte ihnen den Befeyl, ſich rechts zu wenden, um den preußiſchen Mittelpunkt bei Ligny anzugreifen, den ſie durchbrachen und da⸗ durch in den Beſitz dieſes Dorfes gelangten**r). Eine *) Ney's Brief an den Herzog von Otranto. Paris, 1815.— Muffling, S. 14. **) Muffling, S. 15, 64.— Bluͤcher hatte ſeine Reſerve⸗Truppen zur Unterſtuͤtzung ſeines rechten Fluͤgels bei St. Amand ge⸗ vraucht, und war auf dieſe Veraͤnderung des Angriffs nicht ge⸗ faßt. Muffling behauptet jedoch, wenn er, ſtatt ſeiner Reiterei, ſein Fußvolk von St. Amand zur Wiedereinnahme von Ligny ausgeſchickt haͤtte, ſo wuͤrde er geſiegt und die Schlacht gewon⸗ nen haben. 3 **³) Grouchy, S. 10 zeigt, wie wenig entſcheidend die Schlacht war. „La bataille de Lignvn'a ſini que vers les neuf heures du soir; seulement alors la retraite des Prussiens a εte présumée.¹* 4 * 9 44 ziemlich ſtarke Abtheilung der franzoͤſiſchen Reiterei und eine andere des Fußvolks eilte jetzt nach der Hoͤhe zwiſchen Bry und Sombref, unmittelbar im Ruͤcken von Ligny, und ganz in dem Herzen der preußiſchen Stellung, wo ſie von Bluͤcher, an der Spitze ſeiner Reiterei, angegriffen wurden; dieſer Verſuch, das Treffen wieder herzuſtellen, ſchlug fehl, und die preußiſche Reiterei wurde auf das Fußvolk zuruͤckge⸗ trieben*). Es war jetzt neun Uhr, und bereits finſter, was die Franzoſen abhielt, weiter vorzuruͤcken; ſie begnuͤgten ſich mit der Beſitznahme Ligny's. Die Preußen raͤumten Bry nicht vor drei Uhr am 17ten**). Im Laufe der Nacht zogen ſich die Preußen nach Tilly und Gembloux. Der Verluſt der Preußen, ihrer eigenen Angabe zufolge, belief ſich auf 14000 Mann und 5 Stuͤcke ſchweres Geſchuͤtz. Der fran⸗ zoͤſiſche offizielle Bericht gibt 15000 Mann an**“). *) Hier war es, wo Bluͤcher ſo nahe daran war, in die Haͤnde der franzoͤſiſchen Reiterei zu ſallen. **) Grouchy, S. 11 ſagt: man habe eben am 17ten vermuthet, die Preußen haben ſich nach Namur zuruͤckgezogen, ſo ſchwach wurde ihnen nachgeſetzt. Die leichte Kavallerie des General Pajot verfolate ſie in dieſer Richtung am 17ten und nahm einige Kanonen weg, die, nebſt einigen Nachzuͤglern, wie ſie bei allen Heeren gefunden werden, ſeinen ganzen Sieg aus⸗ machten. **) Die aus St. Helena hervorgegangenen Werke erhoͤhen den Belauf auf 20,000 Mann, z0 Kanonen, Fahnen u. ſ. w. Siehe Grouchy uͤber dieſen Punkt, S. 48, 49.— Montholon ſagt: ſie haben 60,000 Mann verloren.— B. X. S, 148 ſagt: das preuſ⸗ 45 Die Franzoſen verloren, ihrer eigenen Angabe zufolge, 7000 Mann. Es liegt am Tage, daß Buonaparte, durch die Verlegung des Angriffspunkts von dem preußiſchen rechten Fluͤgel bei St. Amand nach dem Mittelpunkte bei Ligny, die Preußen, wenn ſie ge⸗ ſchlagen wurden, gewiſſermaßen zwang, ſich auf das brittiſche Heer zuruͤckzuziehen, und ihre eigene Opera⸗ tionslinie aufzugeben, gleichwohl aber ſcheint, zu je⸗ ner Stunde des Abends, wenn man die Stellung der Heere in Erwaͤgung zieht, die Veraͤnderung des Angriffs das einzige Mittel geweſen zu ſeyn, durch das er auch nur einen theilweiſen Erfolg zu errin⸗ gen hoffen konnte; unter ſolchen Umſtaͤnden war es vielleicht das beſte, was er thun konnte*). ſiſche Heer ſey durh den Verluſt, den es erlitten, und der ſich auf 30,000 Mann Todte und Verwundete belaufen habe, ferner durch 20,000 Mann, die ſich zerſtreut und die Ufec der Maas verheert haben, ſo wie durch die zur Deckung des Ruͤckzugs und des Gepaͤcks in der Richtung von Namur ab⸗ geſchickten Detachements, bis auf 40,000 Manu zuſammenge⸗ ſchmolzen. *) Der Entſchluß der verbͤndeten Marſchiͤlle, ſich unter jeden Vor⸗ 3 fallen nicht zu trennen, iſt bekannt. Lord Wellington hatte befoh⸗ len, die Umgegend von Antwerpen, ſo viel alsmoͤglich, zu uͤber⸗ ſchwemmen. Die Feſtungen ſollten ihrer eigenen Stäͤrke uͤberlaſ⸗ ſen werden, und hiͤttea es die Eretgniſſe des 16t en nothwendig ge⸗ macht, einen Ruͤckzug zu unternehmen, und Braͤſſel aufzugenen, ſo haͤtken ſich die beiden Heere wahrſcheinlich nach Maaſtricht zu⸗ ruͤckgezogen⸗ 45 Es laͤßt ſich nicht leicht begreifen, wie eine Nie⸗ derlage in irgend einem Falle der Art haͤtte ſeyn koͤnnen, daß ſie ihre Vereinigung verhinderte, da je⸗ des Heer ſo bedeutende Verſtaͤrkungen in der Naͤhe hatte; allein ſelbſt in einem aͤußerſten Falle haͤtte . jedes ſich in ſeine Feſtungen zuruͤckzirhen und ganz ſichere verſchanzte Lager formiren koͤnnen in denen ihnen jedes Mittel, die erlittenen Verluſis zu er⸗ 1 ſetzen, zu Gebot geſtanden waͤre*). Die Macht des Feindes, in dem Augenblicke, in wel⸗ chem der Herzog von Weuington Quatxe⸗Bras ver⸗ ließ, um mit Bluͤcher in Verbindung zu treten, ſchien ſo ſchwach, daß um dieſe Zeit kein ernſthafter Angriff zu befuͤrchten war; allein bei ſeiner Ruͤckkehr nach dieſer Poſition, um drei Uhr, fand er, daß die Fran⸗ zoſen bei Frasnes eine Uedentende Streitkraft ver⸗ ſammelt hatten, und Anſtalten zu einem Angriffe trafen, der um halb vier Uhr durch zwei Kolonnen Fußvolk, und faſt ihre ganze Reiterei, die durch ein ſchweres Artilleriefeuer unterſtuͤtzt ward, gemacht wurde, Die damals unter ſeinen Befehlen ſtehende 3 **) Hoͤtte Lord Wellington fruͤhere oder beſtimmtere Nachrichten von den Planen des Feindes erhalten, und waͤren die T Truppen am Abend des 15ten in Bewegung geſetzt wor den, ſo haͤtte nichts zur Vollkom⸗ menheit der Combinat onen der verbuͤndeten A fuͤhrer gemangelt. Es braucht nichts mehr, um zu zeigen, wie gut ihre Plane entwor⸗ fen waren; allein einer jener Lufaͤlle, die keine menſcht iche Vorſicht verhuͤten kann, verhinderte ihre vollſ aͤndige Ausfuͤhrung. 1 4 47 Streitmacht belief ſich auf 17,000 Mann Fußvolk und 2,000 Mann Reiterei, worunter ſich ungefaͤhr 4500 Mann brittiſches Fußvolk befanden; der üͤbrige Theil dieſes Hreres beſtand aus hannoveriſchen, bel⸗ giſchen und noſauiſchen Truppen*). Der Feind er⸗ rang anfaͤnglich einige Vortheile, indem er die bel⸗ giſche und braunſchweigiſche Reiterei zuruͤcktrieb; ſeine Reiterei drang in die Reihen unſeres Fußvolks ein, ehe es Zeit gehabt hatte, Vierecke zu bilden, und noͤthigte einen Theil, ſich in das benachbarte Gehölz zuruͤckzuziehen; ſie wurde jedoch zuruͤckgeſchlagen. Um dieſe Zeit kam die dritte brittiſche Diviſton unter General Alten, ungefaͤhr um vier Uhr, bald nachdem die Schlacht begonnen hatte, an. Sie beſtand aus ungefaͤhr 6,300 Mann, und war eine Miſchung von brittiſchen und hannoͤveriſchen Truppen und der koͤnig⸗ lichen deutſchen Legion. Sie hatte einige Muhe, Stand zu halten, und ein Regiment verlor eine Fahne*). Es gelang ihr jedoch, den Feind von den — *) Buch IX. S. 103. Buonaparte ſagt: Ney habe mit 16,000 Mann Fußvolk, 3,000 Mann Reiterei, und 44 Kanonen angegriffen, und 15,000 Mann Fußvolk, 4/,500 Mann Reiterei und 64 Ka⸗ nonen als Reſerve in Fraͤsnes 3 elaſſen. 8*5) Dieſe gehoͤrte dem ögſten Regimente, nicht dem zaſten, wie im 104 angegeben iſt, und war faſt die einzige Buch IX. Fahne, die waͤhrend des ganzen Kriegs erbeutet wurde. Es kann hier bemerkt werden, de an die Franzoſen den vierten Theil ſo viele Adler bei i egimentern gehabt häͤtten, als wir Fahnen, eine wei oͤßere Anzahl jetzt in Whitehall 48 Vorpoſten, die er bei dem Pachthofe Gemincourt und dem Dorfe Pierremont erſtuͤrmt hatte, zuruͤck⸗ zutreiben. Ney hielt jedoch noch einen Theil des Waldes Boſſy beſetzt, der ſich von Quatre⸗Bras, auf der rechten Seite der Straße nach Frasnes bis auf eine Entfernung von ungefaͤhr einer Meile ausdehnte. Dieß beguͤnſtigte einen Angriff auf die rechte Seite unſerer Stellung, den er demzufolge machte, nachdem er auf der rechten Seite zuruͤckgeſchlagen worden war. In dieſem Augenblicke kam die Diviſion des General Cooke(Garden), 4000 Mann ſtark von Enghien an, und trug weſentlich zur Zuruͤckſchlagung dieſes Angriffs bei; dieſe erfolgte nach großen Anſtrengun⸗ gen, und der Feind wurde in großer Verwirrung nach Frasnes zuruͤckgetrieben. Dieſer Kampf war ſehr hartnaͤckig, und obſchon der Feind zurückgeſchla⸗ gen wurde, ſo war doch der Verluſt auf beiden Sei⸗ ten faſt gleich, was eine Folge der Ueberlegenheit der Franzoſen in der Artillerie war. Jedoch war der Verluſt, den die Franzoſen durch das Musketenfeuer zu finden waͤre. Ein ſchwaches Bataillon engliſchen Fußvolkes fuͤhrt faſt ſtets zwei große ſchwere unbequeme Fahnen mit ſich, waͤhrend ein franzoͤſiſcher Adler, ungefaͤhr von der Groͤße einer Amſel, bloß einem aus mehreren Bataillonen beſtehenden Re⸗ gimente gegeben wurde, und daher bei Unfaͤllen leicht in Si⸗ cherheit zu bringen war. 3 49 erlitten, dem die angreifenden Kolonnen ausgeſetzt geweſen, ſehr betraͤchtlich, und wog den Vortheil auf, den ihnen ihre Artillerie verſchaffte. Bei den gegen⸗ waͤrtigen relativen Stellungen der beiden Heere er⸗ forderte es große Anſtrengungen, den wichtigen Poſten von Quatre⸗Bras zu behaupten. Es iſt gewiß, daß wenn Ney ſo raſch vorgeruͤckt waͤre, als er nach Buo⸗ naparte's Behauptung haͤtte vorruͤcken koͤnnen, er ſeinen Zweck erreicht haben wuͤrde. Ney widerſpricht jedoch in ſeinem Briefe der Moͤglichkeit, daß er dieß haͤtte thun koͤnnen; was durch Soults Brief an ihn, von 2 Uhr Nachmittags datirt, beſtaͤtigt zu ſeyn ſcheint. In dieſem ſagt er ihm, daß Grouchy Bry mit dem 3ten und Aten Korps um halb drei Uhr angreifen ſolle*); daß er(Ney) das ihm gegenuͤber⸗ ſtehende Korps anzugreifen, und dann dem Marſchall Grouchy beizuſtehen habe; allein wenn er(Ney) die ihm gegenuͤberſtehenden Truppen zuerſt ſchlage, ſo werde Grouchy den Befehl erhalten, ſeine Operatio⸗ nen zu unterſtuͤtzen. Wahrſcheinlich war das bei Frasnes gelaſſene Korps, das, wie Ney ſich beklagr, ohne ſein Wiſſen weggenommen wurde, dazu be⸗ ſtimmt, beide Angriffe, je nachdem man es gerade fuͤr noͤthig finden mochte, zu unterſtuͤtzen. Haͤtte auch Ney Quatre⸗Bras fruͤhzeitig erobert, ſo wuͤrde er doch ſchwerlich im Stande geweſen ſeyn, —— 8 *) Siebe offizielle Papiere in dem Anhange zu Batty. W. Scotr's Werke. LXVIII. 3 4 50 eine hinreichende Macht gegen die Preußen abzuſen⸗ ben, da er haͤtte ſehen muͤſſen, oder wenigſtens be⸗ rechnen ſollen, daß die brirtiſchen Streitkraͤfte raſch auf dem Punkte ankamen, den er, wie wir voraus⸗ ſetzen, beſetzt hielt. Die Britten haͤtten ſich immer noch nach Waterloo zuruͤckziehen, und den 17ten auf dieſer Stellung zuſammenziehen koͤnnen; und nichts haͤtte die Preußen abhalten koͤnnen, ſich nach Wavres zuruͤcksuziehen, was ſie ſpaͤterhin auch thaten. Ob⸗ ſchon Buonaparte ſagt), den 15ten ſey Alles nach ſeinem Wunſche gegangen, und der Herzog von Wellington habe ſo manoͤverirt, wie er es immer nur haͤtte wuͤnſchen koͤnnen, ſo hatte doch ein Korps des preußiſchen Heeres ihn ſo ſehr im Schach gehalten, daß er nicht im Stande, war, Fleurus zu erreichen, und am u6ten den Angriff erſt um 3 Uhr Nachmit⸗ tags beginnen konnte. Er gelangte erſt am Vor⸗ mittag des 17ten in den Beſitz von Quatre⸗Bras; hatte mit einem Theile ſeines Heeres einen namhaf⸗ ten Unfall erlitten, und mit dem andern ein unent⸗ ſchiedenes Gefecht gewonnen; da der Verluſt der Ver⸗ buͤndeten den ſeinigen nicht uͤberſtieg, waͤhrend ſie den Vortheil hatten, ſich mit Muße nach ihren Huͤlfs⸗ quellen und Verſtaͤrkungen zuruͤckzuziehen, und keinen Platz, keine Stellung, die jetzt dem verfolgenden Feinde von Wichtigkeit war, aufgaben. Das Reſul⸗ 9. Buch IX., S. 109, 51 tat der Operationen des 16ten brachte fuͤr die Fran⸗ zoſen keine wichtigen Folgen hervor. Der beruͤhmte Jugenieur, General Rogniat, traͤgt kein Bedenken, es ein unentſchiedenes Treffen zu nennen. Der gluͤckliche Erfolg, mit welchem die Britten den An⸗ griff von Quatre Bras zuruͤckſchlugen, bewog ſie, dem erneuerten Angriffe bei Waterloo mit groͤßerer Zu⸗ verſicht entgegen zu gehen, und hatte wahrſcheinlich auf den Feind eine entgegengeſetzte Wirkung; waäͤh⸗ rend die Art, auf welche das preußiſche unter Thiel⸗ man ſtehende Korps den Angriff des Marſchall Grouchy, der eine uberlegene Streitkraft hatte, am rten empfing, bewies, wie wenig das Zutrauen der Preußen durch das Treffen bei Ligny erſchuͤttert wor⸗ den war. Es kann bemerkt werden, daß die bei Ligny kaͤmpfenden Streirkraͤfte faſt gleich waren, ſelbſt wenn deErlou's Corps, das bei Frasnes gelaſſen wurde, als nicht im Feuer geweſen, abgezogen wird. Die Frauzoſen gingen ungefaͤhr mit 125,000 Mann uͤber die Grenze— Bluͤcher hatte 80,000— und beim Schluſſe des Tages hatte Lord Wellington 5⁰0,000*). Die Befehlshaber der verbuͤndeten Heere *) Buch IX. S. 60. Buonaparte bemerkt: die Zahl des Heeres der Verbuͤndeten duͤrſe nicht nach ſeiner numeriſchen Stoͤrte angeſchlagen werden.„Parceque l'armée des alliés était composée de troupes plus ou moins bonnes. Un Anglais pourrait étre compté pour un Frangais; et deux Hollandais, l'russiens, ou hommes de la 5² ſcheinen von ihren Truppen nicht zu viel erwartet zu haben, was bei ihren Gegnern nicht ganz der Fall war. Der Entwurf der Operationen und die Liſt von Seite Napoleons, die beiden Heere zu trennen, war ohne Zweifel trefflich eronnen, und waͤre, wie wir geſehen haben, faſt gegluͤckt; doch laͤßt ſich annehmen, daß, wenn das Letztere auch in der ganzen Ausdeh⸗ nung, in welcher Buonaparte es hoffen oder wuͤnſchen konnte, der Fall geweſen waͤre, die Verbuͤndeten doch immer noch einen ſichern Ruͤckzug und hinlaͤngliche Huͤlfsquellen gehabt haͤtten. Auf allen Seiten war es eine Berechnung von Stunden. Es iſt kaum moͤg⸗ lich, den Punkt zu kennen, den ein unternehmender Feind anzugreifen geſonnen iſt, beſonders bei einer ſo ausgedehnten Linie; und hier hat der Angreifer oonféderation, pour un Frangais. Les armèées annemies étaient cantonnées sous le commandemen: de deux Genéraux différens, et formées de deux mations divisbes d'intéréts et de sentimens.“ Sein Heer dagegen ſtand unter Einem Anfuͤhrer, dem Abgotte ſeiner Soldaten, die zu ſeinen vorzuͤglichſten gehoͤrten.— Vete⸗ raner, die in dem glaͤnzenden Feldzuge von 1615— 1814 gefoch⸗ ten hatten, und die Auswahl von den verſchiedenen Beſatzun⸗ gen waren, die ſeitdem in Frankreich von Antwerpen, Ham⸗ burg, Magdeburg, Danzig, Mainz, Alexandrien, Mantug, u. ſ. w. eingeruͤckt waren, nebſt den zahlreichen Gefangenen aus England. Buch IX. S. 201.. 5³3 den Vortheil. Man hat den Herzog von Welling⸗ ton getadelt, daß er am 16ten keine Artillerie und nur ſehr wenige Reiterei gehabt habe. Weder von der erſtern noch von der letztern fand ſich in der Reſerve von Bruͤſſel irgend etwas vor, was beſonders in Betreff der Artillerie bemerkenswerth iſt. Die muthvolle Art, auf welche die verbuͤndeten Marſchaͤlle auf thren fruͤher entworfenen Vertheidi⸗ gungsplanen beharrten, und ſich von den ſchwierigſten Umſtaͤnden befreiten, in welchen ſie ſich durch den ploͤtzlichen und lebhaften Angriff, den ſie zu beſtehen hatten, verſetzt fanden, und die durch ihre verſchiedenen Befehle noch vergroͤßert wurden, muß Bewunderung erregen; und da der Krieg bloß ein großes Spiel iſt, bei welchem die Bewegungen von vielen Begebenhei⸗ ten abhaͤngig ſind, die ſich waͤhrend ihrer Ausfuͤhrung und ihres Fortgangs ereignen, Begebenheiten, welche keine menſchliche Berechnung vorherſeben kann— ſo iſt es eine leichte Sache, zu tadeln, wenn die Ope⸗ rationen voruͤber und alle Daten, auf welchen ſie be⸗ ruhten oder haͤtten beruhen koͤnnen, bekannt ſind; al⸗ lein nur ſehr wenigen Menſchen von den vielen, wel⸗ che je den Oberbefehl über ein Heer erlangt haben, kann nachgeruͤhmt werden, daß ſie einen guten An⸗ griffs⸗ oder Feldzugsplan zu entwerfen wußten, und ſie mit Beſtimmtheit und Feſtigkeit und einem ſol⸗ chen„Coup d'oeil“ agirten, daß ſie die Veraͤnde⸗ 54 rungen, die unablaͤßig ſtatt hatten, augenblicklich zu benuͤtzen verſtanden. Am Morgen des u/ten blieben die brittiſchen Truppen in dem Beſitze von Quatre⸗Bras, wo der Reſt des Heeres zu dem Herzoge von Wellington geſtoßen war, der dieſe Stellung gegen das franzoͤ⸗ ſiſche Heer zu behaupten bereit war, waͤhrend die Preußen in der Stellung bei Ligny geblieben, ſo daß ſie ihn haͤtten unterſtuͤtzen koͤnnen. Marſchall Bluͤcher hatte, um den Herzog von ſeinem Ruͤckzuge zu benachrichtigen, einen Adjutan- ten abgeſchickt, der aber ungluͤcklicherweiſe getoͤdtet wurde; und erſt um 7 Uhr am z7ten erfuhr Lord Wellington die Richtung, welche die Preußen ge⸗ nommen hatten. Eine Streifwache, die bei hellem Tage ausgeſchickt worden war, um mit den Preußen in Verbindung zu treten, ruͤckte bis uͤber Bry und Sombref hinaus, was bewies, wie wenig von der preußiſchen Stellung die Franzoſen in Beſitz genom⸗ men hatten. Die Preußen waren ganz in Muße nach Wavre zuruͤckgewichen, und ihre Nachhut hielt Bry beſetzt, das ſie nicht vor drei Uhr am Morgen des ioten raͤumte. Indem Buonaparte das franzoͤſiſche Volk durch ſeine Berichte von der Niederlage der Preußen bei Ligny taͤuſchte, ſcheint er ſich faſt ſelbſt getaͤuſcht zu haben. Er mußte wiſſen, daß das Tref⸗ 55⁵ fen nicht entſcheidend war— daß ſich der Feind in trefflicher Ordnung zuruͤckgezogen hatte— daß er nicht im Stande geweſen war, ihn zu verfolgen— und daß ſein eigener Verluſt ſein Heer bedeutend geſchwaͤcht hatte, waͤhrend die Preußen ſich nach ihren Verſtaͤrkungen zuruͤckzogen— und vor Allem, daß Marſchall Bluͤcher ſie befehligte. Die preußiſche Ar⸗ mee war fruͤhzeitig bei Wavre's zuſammengezogen, und zwiſchen dem Herzoge von Wellington und Bluͤ⸗ cher fand eine Kommunikation Statt, welche eine Vereinigung des Heeres fuͤr den naͤchſtkommenden Tag bei Waterloo zur Folge hatte*). Die ruͤckgaͤn⸗ gige Bewegung der Preußen machte eine entſprechende Bewegung von Seite der Britten noͤthig, die ganz mit Muße Statt hatte, indem der Herzog ſeinen Leuten Zeit ließ, die Bereitung ihrer Speiſen zu be⸗ endigen. Um zehn Uhr zog ſich das ganze Heer in drei Kolonnen uͤber Genappe und Nirvelles nach ei⸗ ner Stellung bei Waterloo zuruͤck— ein Nachzug wurde zuruͤckgelaſſen, um das Terrain zu beſetzen, ſo daß die Bewegung dem Feinde verborgen blieb, der gegen Mittag ſeine Truppen in angreifenden Kolonnen aufſtellte, als ob er das engliſche Heer da in Schlachtordnung zu finden gehofft haͤtte. Er folgte *) Muffling, S. 20 ſagt:„Bluͤcher habe bloß um Zeit gebeten, um Levensmittel und Patronen unter ſeine Leute auszu⸗ theilen.“ 1 56 alsbald dem Ruͤckzuge mit Reiterei und leichter Ar⸗ tillerie. Ein Reiterſcharmuͤtzel fiel bei Genappe vor, wo das te Huſaren⸗Regiment ein Regiment franzoͤ⸗ ſiſcher Lancier ohne Erfolg angriff, worauf der Mar⸗ quis von Angleſea die ſchwere Reiterei anruͤcken ließ, die denn durch einen kraͤftigen und entſcheidenden Angriff das Vorruͤcken des Feindes hemmte. Als die Truppen vor Mont Saint Jean anka⸗ men, beſetzten ſie das Terrain, das ſie behaupten ſollten, was gegen Abend geſchab. Das Wetter fing um dieſe Zeit an ſehr ſtrenge zu werden. Das ganze franzoͤſiſche Heer unter Buonaparte, mit Aus⸗ nahme von zwei unter Grouchy ſtehenden Korps (52000 Mann und 108., Kanonen), nahm alsbald eine Stellung in der Fronte, und nach einer kurzen Kanonade blieben beide Heere die Nacht hindurch einander gegenuͤber geſtellt, indeß der Regen in Stroͤ⸗ men fiel. Der Herzog hatte bereits mit Marſchall Bluͤcher kommunicirt, und dieſer ihm verſprochen, ihm mit ſeinem ganzen Heere am Morgen des 18ten zu Huͤlfe zu kommen. Es wurde daher beſchloſſen, Bruͤſ⸗ ſel(deſſen Erhaltung dem Koͤnige der Niederlande in jeder Hinſicht ſo wichtig war) durch die Behaup⸗ tung der Stellung von Mont Saint Jean zu decken. Die Generale der Verbuͤndeten hatten die Abſicht, den Feind am ꝛ9ten anzugreifen, wenn ſie am 18ten nicht angegriffen werden wuͤrden. 57 Da wir jetzt auf die Stellung bei Mont Saint Jean zu ſprechen gekommen ſind, ſo glauben wir, daß einige Bemerkungen in Betreff der Stellung ſelbſt, die von einigen Schriftſtellern fuͤr ſchlecht er⸗ klaͤrt worden iſt*), ſo wie hinſichtlich einiger lockern Anſpielungen auf ihre Maͤngel, beſonders den, daß ſie, falls der Angriff des Feindes gegluͤckt waͤre, kei⸗ nen ſichern Ruͤckzug geſtattet haͤtte, hier nicht am unrechten Orte ſeyn werden. Ehe wir uns jedoch in eine Unterſuchung uͤber das Verdienſtliche der Stel⸗ lung von Mont Saint Jean einlaſſen, mag es zweck⸗ maͤßig ſeyn, einige von den Bedingungen, die als mehr oder minder weſentliche Erforderniſſe jeder Stellung, die ein Heer nimmt, betrachtet werden, in Erwaͤgung zu ziehen. Das erſte Erforderniß iſt, daß das Terrain in der Fronte auf einen Kanonen⸗ ſchuß weit gut geſehen und jeder Angriffspunkt einen lintenſchuß weit deutlich unterſchieden werden kann. — Zweitens, daß das Terrain, das in Beſitz genom⸗ men wird, eine freie Kommunikation fuͤr die Trup⸗ pen und Kanonen von dem recdten zum liuken Fluͤ⸗ gel, und von der Fronte nach der Reſerve zulaͤßt, damit uͤberall, wo Huͤlfe nöthig iſt, ſolche hingeſchafft werden kann; ferner, daß ſolche Bewegungen durch *) Montholon, VII. S. 154, Buch IX. S. 125— 207. Gourgaud, S. 131. 58 die Kruͤmmungen des Bodens, oder durch irgend eine andere Bedeckung dem Feinde perborgen bleiben. — Drittens, daß die Flanken auf irgend einem ſichern Punkte ruhen, der nicht umgangen werden kann— und endlich, daß der Rückzug, falls die Stellung er⸗ ſtuͤrmt oder umgangen wird, geſichert iſt. Die Lage der Stellung von Mont Saint Jean und die natuͤrliche Beſchaffenheit der Umgegend ſind ſo oft und gut beſchrieben worden, daß wir annehmen koͤnnen, ſie ſeyen dem groͤßten Theile unſerer Leſer bekannt; und daraus wird der Beſitz dieſer nothwen⸗ digen Bedinaungen bereits erhellen. Der leichte Ab⸗ hang von unſerer Fronte in das Thal, von wo er in einer gleich ſanften und regelmaͤßigen Anhoͤhe nach den entgegengeſetzten Hoͤhen emporlaͤuft, auf denen der Feind in einer Entfernung von ungefaͤhr einer Meile oder einer halben Meile poſtirt war, verlieh ihr, in einem ausgezeichneten Grade, die in der er⸗ ſten Bemerkung feſtgeſetzte Bedingung. Die zwei Straßen, welche in gerader Richtung nach unſerer Linie hinliefen,— das Thal, unmittelbar im Ruͤcken unſerer erſten Linie und parallel mit derſelben, nebſt zwei Landſtraßen, die in derſelben Richtung hinliefen, und endlich die Offenheit des Landes— verliehen der Stellung die in der zweiten Bemerkung angegebenen Erforderniſſe. Daſſelbe Thal gewaͤhrte der erſten Linie, ihrer Artillerie und einigen Munitionswaͤgen 59 Schutz, waͤhrend die zweite Linie und die Reſerven, welche auf und hinter den naͤchſten Huͤgeln nebſt un⸗ gefaͤhr 500 oder 600 Garden hinter der erſtern auf⸗ geſtellt waren, von der Stellung des Feindes aus nicht geſehen werden konnten, obwohl ſie ſicherlich in ſo weit bloßgeſtellt waren, als manche der feind⸗ lichen Kugeln und Bomben, die uͤber die erſte Linie wegflogen, in die zweite und unter die Reſerven fielen. Das vierte Erforderniß, in ſo weit es die Sicherheit der Flanken betrifft, erlangte man voll⸗ ſtaͤndig durch die Beſetzung des Dorfes Braine la Leude zur Rechten, das verſchanzt worden waͤre, wenn nicht gewiſſe Befehle zufaͤllig mißverſtanden worden waͤren; ferner durch die Beſetzung der Doͤr⸗ fer La Have und Ohain zur Linken; und endlich da⸗ durch, daß beide Flanken auf dem Walde Soignies ruhten. Daß fuͤr unſern Ruͤckzug im Falle eines unguͤn⸗ ſtigen Erfolges hinlaͤnglich geſorgt war, glauben wir, ungeachtet des oben bemerkten Tadels, zur Genüge darthun zu koͤnnen. Unſere Stellung war nahe ge⸗ nug bei dem Eingange der Straße in den Wald, um von jeder Seite des Feldes eine freie Annaͤherung an dieſen Punkt zu gewaͤhren; ein guͤnſtiger umſtand, deſſen Benuͤtzung den Truppen durch den offenen Zuſtand des Landes ungemein erleichtert wurde. War unſere erſte Stellung erſtuͤrmt, ſo bot das Dorf 60 Mont Saint Jean, bei dem Zuſammenlaufe der beiden Straßen einen vortrefflichen Haltpunkt fuͤr eine zweite dar, deren Erſtuͤrmung dem Feind gleiche Muͤhe gekoſtet haben wuͤrde, zudem liegt ein anderer Maierhof und ein Wald unmittelbar hinter Mont Saint Jean und vor dem Eingange in den Wald; was uns in den Stand geſetzt haben wuͤrde, dieſen Eingang offen zu erhalten. Vermittelſt der Beſetzung dieſer Punkte haͤtten wir zu jeder Zeit einen Ruͤck⸗ zug bewerkſtelligen und alle Kanonen, die fortgeſchafft werden konnten, in behaglicher Muße in den Wald defiliren laſſen koͤnnen. Wenn unſer Mittelpunkt durch den letzten Angriff des Feindes*) durchbrochen worden waͤre, ſo haͤtte ohne Zweifel ein betraͤchtlicher Theil unſerer Artillerie, eine große Anzahl zu Grunde gerichteter Kanonen und viele getoͤdtete und verwun⸗ dete Menſchen und Pferde zuruͤckgelaſſen werden muͤſ⸗ ſen; dieſe waͤren nothwendig dem Feinde in die Haͤn⸗ de gefallen; eben ſo auch die Brigaden auf den an⸗ gegriffenen Punkten, die vor das Fußvolk hingeſtellt waren, und die feindlichen Kolonnen mit Trauben⸗ feuer begruͤßend, bis zuletzt blieben. Die Menſchen und Pferde wuͤrden ſich mit dem Fußvolke gerettet und in den Feſtungen bald eine neue Equipirung ge⸗ funden haben. Die Truppen zu Hougomont wuͤrden, *) Um halb acht Uhr. 6¹ falls dieſer Angriff gegluͤckt waͤre, abgeſchnitten wor⸗ den ſeyn; allein ſie haͤtten einen offenen Ruͤckzug gehabt, entweder nach dem bei Halle zur Deckung Bruͤſſels zuruͤckgelaſſenen Korps von 16000 Mann oder nach Braine la Leude, das von einer Brigade Fußvolk beſetzt war; und zwiſchen dieſem und unſerer rechten Flanke erhielt eine Brigade Reiterei die Kommunikation offen. Von Braine la Leude geht eine ſehr gute Straße durch den Wald uͤber Alem⸗ berg nach Bruͤſſel, auf der die Truppen und die Ar⸗ tillerie unſerer rechten Flanke ihren Ruͤckzug haͤtten bewerkſtelligen können. Wenn wir nun annehmen, daß der Feind, ſtatt unſern rechten Mittelpunkt, un⸗ ſern linken, durch den großen Angriff, den er um drei Uhr, auf denſelben machte, durchbrochen haͤtte, ſo gewaͤhrte Ohain dem linken Fluͤgel unſers Heeres faſt denſelben Vortheil, den Braine la Leude dem rechten Fluͤgel gewaͤhrt haben wuͤrde. Eine Straße durch den Wald fuͤhrt von da nach Bruͤſſel; oder die⸗ ſer Fluͤgel haͤtte ſich auch zu den Preußen bei Wayre zuruͤckziehen koͤnnen, ſo daß, wenn einer von dieſen zwei großen Angriffen gelungen waͤre, der Ruͤckzug in die Engpaͤſſe des Waldes nicht haͤtte beſchleunigt werden duͤrfen. Es gehoͤrt nicht zu den Schwaͤchen unſerer Truppen, daß ſie in Beſtuͤrzung gerathen oder den Muth verlieren, wenn ſie ſich umgangen oder theilweiſe geſchlagen finden. Es koͤnnten viele Beiſpiele davon aufgezaͤhlt werden. Der beſte Be⸗ 6² weis iſt jedoch der, daß der Feind ſich kaum ruͤhmen kann, waͤhrend des ganzen letzten Krieges einige hun⸗ dert Gefangene gemacht zu haben. Kein Sieg von Seite des Feindes, auf den dieſer rechnen durfte, haͤtte uns dann in gaͤnzlicher Unordnung in den Wald treiben koͤnnen. Die Angriffe, welche wir am 18ten bis ans Ende beſtanden, waren ſo beſtimmt und hef⸗ tig, als ſie immer nur gedacht werden koͤnnen. Den⸗ noch hatte, bis ans Ende, ein Theil der Reſerve und der Reiterei nicht viel gelitten; wogegen die franzoͤſiſche Reiterei(die ſchwere), vor fuͤnf Uhr ins⸗ geſammt Theil an der Schlacht genommen hatte; und in Folge der ſchweren Verluſte, die ſie erlitten hatte, nicht im Stande war, einen Sieg zu benuͤtzen*). Allein angenommen, wir waͤren in einem ſo ver⸗ wirrten Zuſtande, wie der der Franzoſen war, in *) Siehe Buch IX. S. 196.„Ainsi à cing heures après midi, l'armée se trouva sans avoir une réser e de cavale- rie. Si, A huit heures et demi, cette réserve eüt exi- Stée.“ etc. 4 S Es iſt ſonderbar, wie ſehr große⸗Generale in ihren Schlacht⸗ berichten einander widerſprechen koͤnnen. Napoleon ſchreibt den Verluſt der Schlacht großentheits dem Umſtande zu, daß jeine Reiterei ſo bald und ſo allgemein in den Kampf verwi⸗ ckelt wurde, daß er keine Reſerve zur Deckung ſeines Nuͤckzugs mehr hatte. General Foy dagegen verſichert, nicht die franzoͤ⸗ ſiſche, ſondern die brittiſche Reiterei ſey vei Waterl'o zernichtet worden.— Guerre de la Peniasule, Pat- ¹ 16, note. 65 das Gehoͤlz getrieben worden, ſo haͤtte der Wald uns nicht hermetiſch eingeſchloſſen, wie ein undurchdring⸗ licher Sumpf die geſchlagenen Truppen bei Auſter⸗ litz. Die Ueberbleibſel unſerer zerſtreuten Bataillone haͤtten den Wald erreicht und ſich da ſicher gefun⸗ den. Er beſteht aus hohen Baͤumen, ohne niederes Geſtraͤuch und iſt faſt uͤberall fuͤr Menſchen und Pferde gangbar. Die Truppen haͤtten daher die Land⸗ ſtraße durch denſelben erreichen koͤnnen, und haͤtten wir uns im außeeſten Falle auf die Vertheidigung des Eingangs des Waldes beſchraͤnkt, ſo kennt ja Jeder, der auch nur die geringſte Kriegs Erfahrenheit beſitzt, die ungemeine Schwierigkeit, Fußvolk aus ei⸗ nem Walde, der nicht umgangen werden kann, zu vertreiben. Wenige Regimenter, mit oder ohne Ar⸗ tillerie, wuͤrden das ganze franzoͤſiſche Heer hinge⸗ halten haben, ſelbſt wenn es ſo friſch geweſen waͤre, als an dem Tage, an welchem es die Grenzen uͤber⸗ ſchritt). In der That, der Wald in unſerem Ruͤ⸗ cken verlieh uns einen ſo augenſcheinlichen Vortheil, daß man kaum glauben kann, Napoleon habe das Gegentheil angenammen. Konnte er ſeinen eigenen *) Den z6ten bei Quatre⸗BVras rettete ſich das dritte brittiſche Regiment, und nachher zwei Bataillone der Garden, als ſie ei⸗ nem Angriffe des Feindes weichen mußten, und von der fran⸗ zoͤſiſchen Reiterei verfolgt wurden, in den Wald Voſſy, und trieben den Feind mit großem Perluſte zuruͤck. . 64 Ruͤckzug ganz vergeſſen? Es half ihm wenig, daß er zwei praͤchtige Straßen und ein offenes Land in ſeinem Ruͤcken hatte; ſein Material war ganz verloren, und ſelbſt kein einziges Bataillon zuſam⸗ mengehalten. 3 Die zwei Maierhoͤfe in der Fronte der Stellung von Mont St. Jean verliehen dieſer ihre Haupt⸗ ſtaͤrke. Der Maierhof Hougomont, mit ſeinen Gaͤr⸗ ten und Verzaͤunungen konnte eine Streitmacht in ſich faſſen, die hinreichend war, einen hoͤchſt wichtigen Poſten daraus zu machen. La Haye Sainte war zu dieſem Ende zu klein, ſonſt haͤtte ſeine Lage auf der uͤber Genappe fuͤhrenden Straße, in dem Mittelpunkte der Stellung, es zu dieſem Zwecke geeigneter gemacht. Dieſe Maierhoͤfe lagen auf dem Abhange des Thales, ungefaͤhr 1500 Yarden abſeits, in der Fronte un⸗ ſerer Linie, ſo daß keine feindliche Kolonne zwiſchen ihnen voruͤberziehen konnte, ohne einem Flankenfeuer ausgeſetzt zu ſeyn. Ohne dieſen Poſten verlieh uns das Terrain in der That nur geringe Vortheile vor unſerem Feinde, den Verluſt ausgenommen, dem er not endig ausgeſetzt ſeyn mußte, wenn er in Ko⸗ lonnen nach einer bereits feſt geſtellten Linie vorruͤckte. Aus dieſen Bemerkungen ergibt ſich, daß unſer Ruͤckzug gut geſichert war, und daß die Vortheile der Stellung zu einem Schlachtfelde ſehr betraͤchtlich 65 waren; ſo daß nur wenig zu befuͤrchten ſtand, daß es nicht gluͤcklich vertheidigt werden wuͤrde, ſelbſt wenn die Preußen durch irgend einen Vorfall verhindert worden waͤren, eine Verbindung mit uns zu bewerk⸗ ſteligen. Der ſchlechte Zuſtand der Straßen, wel ver von dem ſtarken Regen herrührte, war Urſache, daß ſie wenigſtens zweimal ſpaͤter zu uns ſtießen, als man erwartet hatte. Wir hatten daher den Angriff eines uͤberlegenen Heeres um ſo viel laͤnger zu be⸗ ſtehen; gleichwohl war das letztere nicht im Stande, etwas auszurichten. Jeder Angriff war glücklich zu⸗ ruͤckgeſchlagen worden; und wir koͤnnen daraus den ſichern Schluß ziehen, daß wenn auch die Preußen nicht zeitig genug zu uns geſtoßen waͤren, wir doch im Stande geweſen ſeyn wuͤrden, unſere Stellung zu behaupten, und den Feind zuruͤckzuſchlagen; allein wir waͤren vielleicht unfaͤhig geweſen, wie dieß bei Talapera der Fall war, dieſen Vortheil zu benuͤtzen, oder unſern Sieg zu verfolgen*). 3 *) Die Heere ſtanden jetzt unter ihren Lieblingsänfuͤhrern, wie das Kampfplatze, der ſo trefflich war, als ihn der Zufall des Krieges nur immer haͤtte darbieten können. Die brittiſchen Truppen beſtanden jedoch nicht aus unſern beſten Regimentern, wenigſtens unſer Fußvolk nicht, und konnten ſich auch nicht mit jenem Heere meſſen, das in dem zunaͤchſt verfloſſenen Jahre im Suͤden von Frankreich geweſen war. Viele von den tapferſten Re⸗⸗ mentern waren nach Amerita geſchicht worden; erſtens, eine Brigade von Bordeaux nach Waſyington; eine andere nack W. Scott's Werke. LXVIII. 5 —. 66 Der Morgen des z8ten und ein Theil des Vor⸗ mittags wurden von dem Feinde in einem Zuſtande der Traͤgheit hingebracht, fuͤr den ſich nicht leicht ein Grund angeben laͤßt. Der Regen hatte ſicherlich ſeee Bewegungen, beſonders die Stellung ſeiner Ar⸗ tillerie, verzoͤgert; doch wurde bemerkt, daß dieß fruͤh am Tage geſchah. In Grouchy's Schrift finden wir einen Grund, der dieſe Verzoͤgerung verurſacht haben mag; naͤmlich der, daß Napoleon's Ammunition in den vorhergegangenen Gefechten ſo erſchoͤpft worden, daß das Heer nur noch fuͤr eine Schlacht von acht Stunden damit verſehen geweſen ſey. Buonaparte gibt an*), man habe warten muͤſſen, bis der Boden hinlaͤnglich trocken geweſen ſey, damit die Reiterei und Artillerie habe manoͤvriren koͤnnen**), obwohl auf einem ſolchen Boden wenige Stunden nur einen geringen Unterſchied machen konnten, beſonders da den ganzen Morgen hindurch, und in der That, als die Schlacht ſchon begonnen hatte, ein ſtarker Regen herabfiel. Die heftigen Regenguͤſſe in der Nacht des 17ten zum 18ten waren ohne Zweifel fuͤr den Canada; und nachher eine Streitmacht aus Portsmuth nach Neu⸗Orleans. Keine von dieſen kehrte zeitig genug zuruͤck, um bei Waterloo fechten zu toͤnnen, obſchon ſie auf dem Wege waren.— Buch 1X. S. 208. Es iſt gezeigt worden, wie das franzoͤſiſche Heer zuſammengeſetzt war. *) Buch IX. **ε) Montholon, VI. II. S. 136. 67 Feind nachtheiliger, als fuͤr die unter Lord Wellington ſtehenden Truppen; die letztern waren ſchon in ihrer Stellung, und hatten nur wenige Bewegungen zu machen; waͤhrend die feindlichen Kolonnen, und be⸗ ſonders die feindliche Reiterei durch den Zuſtand des Bodens, ſehr ermuͤdet und verhindert wurden; ein Umſtand der ſie noͤthigte, langſamer vorzuruͤcken, und ſie dem feindlichen Feuer laͤnger ausſetzte. Auf der andern Seite verzoͤgerten dieſelben Urſachen die Ver⸗ bindung der Preußen mit den Englaͤndern, welche jene um eilf Uhr zu bewerkſtelligen verſprochen hat⸗ ten; und noͤthigten Lord Wellington, die Stellung allein faſt acht Stunden laͤnger, als man berechnet hatte, zu vertheidigen. 3 um zwoͤlf Uhr begann der Feind das Treffen durch einen Angriff auf Hougomont mit verſchiedenen Kolonnen, denen zahlreiche, leichte Truppen voran⸗ gingen, die nach einigen hitzigen Scharmuͤtzeln die naſſauiſchen Truppen aus dem Gehoͤlze in ihrer Fronte verjagten und daſelbſt Poſto faßten. Dieſer Angriff wurde durch das beſtaͤndige Feuer einer zahl⸗ reichen Artillerie unterſtuͤtzt. Ein Bataillon der Gar⸗ den beſetzte das Haus und die Gaͤrten nebſt den an⸗ dern Umzaͤunungen, die ſehr leicht zu vertheidigen waren; und nach einem hitzigen Gefechte und unge⸗ heurem Verluſte wurde der Feind zuruͤckgeſchlagen, 4 68 5 und ein großer Theil des Gehoͤlzes wieder erobert*). 1 Waͤlrend des fruͤhern Theils des Tags war das Treffen faſt gäͤnzlich auf dieſen Theil der Linie be⸗ ſchränkt, mit Ausnahme eines heftigen Artillerie⸗ feuers laͤngs des Mittelpunkts, das durch unſe ere Ka⸗ nonen kraͤftig erwiedert wurde. Das Fener dehnte ſich allmaͤhlig nach dem linken Fluͤgel aus, und der Feind machte einige Demonſtrationen eines Ausriffs mit der Reiterei. Da die Truppen auf dem Ab⸗ *) Buonaparte Buch X. 142, ſagt: er habe mit Vergnuͤgen bemerkt, daß die engliſchen Garden, als unſere beſten Truppen auf unſerem rechten Fluͤgel geſtanden ſeyen, was ſeinen beabſichtigten Angriff auf unſern linken Fluͤgel um ſo leichter gemacht habe. Unſere Garden ſind keineswegs, wie dieß bei andern Heeren der Fall iſt, der Kern unſeres Heeres; ſie werden nicht, wie vei andern Voͤlkern, aus den beſten Kriegern anderer Regimenter ausgeleſen, ſondern bloß als Linientruppen ausgehoben, mit der einzigen Ausnahme, daß ſie etwas hoͤher ſeyn muͤſſen. Es mag hier der Ort ſeyn, die Gruͤnde der großen, ſcheinbaren Ueberlegenheit anzugeben, welche die franzoͤſiſchen und andere Truppen am Schluſſe des Krieges uͤber die unſrigen beſaßen. Sie liegen in der Art der Aushebung. Auch war unſere Miliz in dieſem Geſichtspunkte den Linientruppen weit uͤberlegen, und viele der beſten Leute erhielt man von ihr. Unſer⸗ friſch ausgehobenen Truppen beſtanden im Allgemeinen aus de Einwohnern großer Staͤdte, oder den Manufakturſtaͤdten, die ſicher lich nicht die beſten Proben unſerer Bevoͤlrerung ſind; der Kriegs dienſt ſteht in keiner Achtung unter unſerem Bauernvolke, waͤhrend das franzoͤſiſche Heer aus den auserleſenſten Leuten von dreißig Mil⸗ lionen und andern Nationen im Verhaͤltniſſe beſtand. 69 hange des Hügels auſgeſtellt waren, litten ſie bedeu⸗ tend durch die Artillerie des Feindes. Um dem ab⸗ zuhelfen, ließ Lord Wellington ſie ungefaͤhr 150 oder 200 Yarden nach dem Abhange auf der andern Seite des Huͤgels zuruͤckweichen, um ſie gegen das unmittel⸗ bare Feuer der Kanonen zu ſchuͤtzen; unſere Artillerie blieb jedoch, damit ſie ins Thal ſehen konnto. Dieſe Bewegung wurde zwiſchen: und 2 Uhr von dem Herzoge in eigener Perſon gemacht; ſie war allge⸗ mein laͤngs der Fronte oder des Mittelpunktes der Stellung auf der Hoͤhe nach der rechten Seite von La Haye Sainte zu. Es iſt keineswegs unwahrſcheinlich, daß der Feind dieſe Bewegung als den Anfang eines Ruͤckzuges be⸗ trachtete, da ein bedeutender Theil unſerer Truppen ſeinem Aublicke entzogen wurde; er beſchloß daher, unſern linken Fluͤgel anzugreifen, um in den Beſitz der Gebaͤude, Ferme de Mont St. Jean oder des Dorfes ſelbſt zu gelangen, das den Vereinigungs⸗ punkt der beiden Straßen beherrſchte. Die angreifen⸗ den Kolonnen ruͤckten auf der uͤber Genappe fuͤhren⸗ den Straße und neben derſelben vor; ſie beſtanden aus vier Kolonnen Infanterie(d'Erlon's Korps, das am 16ten noch nicht im Feuer geweſen war), dreißig Stuͤcken Geſchuͤtz und einer ſtarken Abtheilung von Kuͤraſſieren(Milhaud's). Auf der linken Seite dieſes Angriffs ging die franzöſiſche Reiterei dem 7⁰. Fußvolke voran, und war ſchon bedeutend weit vor⸗ geruͤckt, als der Herzog von Wellington ſie durch die ſchwere Reiterei angreifen ließ, waͤhrend ſie die Stellung bei La Haye Sainte erſtiegen. Sie wur⸗ den nach ihrer Stellung zuruͤckgetrieben, wo die Straße, die ſich uͤber die Anhoͤhe hinzieht, auf beiden Seiten von ſteilen Hoͤhen eingeſchloſſen iſt. In die⸗ ſem beſchraͤnkten Raume kaͤmpften ſie einige Minuten lang mit dem Schwerdte, bis der Feind mit leichter Artillerie von den Hoͤhen herabruckte, worauf ſich die brittiſche Reiterei nach ihrer eigenen Stellung zuruͤck⸗ zog. Der Verluſt der Kuͤraſſiere ſchien nicht groß zu ſeyn; ſie ſchienen ihre Reihen alsbald wieder her⸗ zuſtellen, und ruͤckten bald nachher wieder vor, um unſer Fußvolk anzugreifen, das in Carrés formirt wurde, um ſie zu empfangen, und damals von der Reiterei nicht unterſtuͤtzt ward. Die Kolonnen des Fußvolks brachen inzwiſchen auf unſern linken Fluͤgel, auf der Genapper Straße jenſeits des Maierhofes La Haye Sainte los, welchen letztern ſie bei dieſem Angriffe nicht zu nehmen verſuchten. Eine belgiſche Brigade Fußvolk wich zuruͤck und dieſe Kolonnen er⸗ ſtiegen die Stellung. Als Sir Thomas Picton die Brigade des General Pack von der zweiten Linie (das 92ſte Regiment der Fronte), herbeibrachte und dieſe ein Feuer auf die feindliche Kolonne gerade in dem Augenblicke eroͤffnete, in welchem ſie die Hoͤhe erreichte, und auf ſie zuruͤckte, begann die Kolonne zu 71 ſchwanken; in dieſem Augenblicke ſchwenkte ſich eine Brigade ſchwerer Reiterei(das erſte und zweite Dra⸗ goner⸗Regiment) um das 9aſte Regiment, und fiel der Kolonne in die Flanke; eine gaͤnzliche Verwirrung folgte; die Franzoſen warfen ihre Waffen weg, und eilten nach unſerer Stellung, um nicht von der Rei⸗ terei niedergehauen zu werden; viele wurden getoͤdtet, zwei Adler erbeutet, und 2000 zu Gefangenen ge⸗ macht; allein die Reiterei verfolgte ihren Sieg zu weit, und da eine der andern feindlichen Kolonnen auf ſie feuerte, und ſie zu gleicher Zeit- in ihrer Verwirrung, von einer Abtheilung franzoͤſiſcher Rei⸗ terei, die zur Unterſtützung des Angriffs abgeſchickt worden war, angegriffen wurde, ſo ſah ſie ſich genoͤ⸗ thigt, ſich mit bedeutendem Verluſte zuruͤckzuziehen. Bei dieſem Angriffe hatte der Feind verſchiedene Stuͤcke Geſchuͤtz vorgefuͤhrt, die von unſerer Reiterei erbeutet wurden; die Pferde an den Kanonen wurden jedoch getoͤdtet, und wir mußten die Kanonen im Stiche laſſen. General Ponſonby, der die Reiterei befehligte, wurde getoͤdtet. Der tapfere Sir Thomas Picton fiel ebenfalls, als er ſeine Diviſion vorfuͤhrte, um dieſen Angriff zuruͤckzuſchlagen*). Die Menge *) Rogniat, S. 251, tadelt beide Generale wegen der zu fruͤhen Anwendung der Reiterei. In dem hiererwaͤhnten Falle, ſagt er, war der Sieg gegen alle Wahrſcheinlichkeit, da die Reiterei fri⸗ ſches Fußvolk angriff. Die Spitze der angreiſenden Kolonnen war jedoch bereits durch den Angriff des 52ſten Reglwents erſchüttert. worden, der faſt in dem Augenblicke ſtatt hatte, in welchem die Reiterei angriff. 7² von Vorfaͤllen, die ſich der Aufmerkſamkeit aufdraͤng⸗ ten, machten es jedem Individuum unmoͤglich, das ganze Treffen zu uͤberſehen, und mitten unter Ge⸗ raͤuſch, Verwirrung und perſoͤnlicher Gefahr iſt es ſchwer, die Zeit, in welcher das Ereigniß ſtatt hat, genau zu bemerken*), Erſt ſpaͤter, wenn man alle moͤgliche Faͤlle und Umſtaͤnde eroͤrtert, werden ſolche Fragen intereſſant, welche die Verſchiedenheit der Berichte anweſender Offiziere in Beziehung auf die Zeit und die Umſtaͤnde einiger der Hauptbegebenheiten einigermaßen erklaͤren köͤnnen. Von dieſem Zeitpunkte an, halb zwei Uhr, bis zum Ende der Schlacht war die brittiſche Reiterei kaum einmal im Feuer, ſondern blieb in der zweiten Linie in Bereitſchaft*²). Nachdem die franzoͤſiſchen Kuͤraſſiere ihre Schlachtordnung wieder hergeſtellt hatten, und bedeutend verſtaͤrkt waren***), ruͤckten ſie wieder nach unſerer Stellung vor, und machten verſchiedene verzweifelte Angriffe auf unſer Fußvolk, das ſich alsbald in Carrés formirte, und mit dem * Muffling, S. 26, bemerkt:„La fumée étoit si epaisse, Aue porsonne ne voyoit l'ensemble de l'action.“ **½) Buch IX. S. 209, ſagt Buongparte:„L'infanterie Anglai- se a été ferme ot solide. faire.¹⁰ **n) Rogniat, S. 251, ſagt: ſie haben ſich auf 12,000, andere ſchwere Reiterei mit eingeſchloſſen, belaufen. La cavalerie pouvait mieuz 75 entſchloſſenſten Muthe und Kaltſinne Stand hielt. Einige Zeit vor dieſem, um drei Uhr, wurde ein An⸗ griff auf La Haye Sainte gemacht, das bloß ein klei⸗ nes Pachthaus iſt; es war von zwei Kompagnien der deutſchen Legion beſetzt. Der Feind war uͤber daſ⸗ ſelbe hinausgeruͤckt, ſo daß die Verbindung auf eine zeitlang abgeſchnitten war, und nicht wieder herge⸗ ſtellt werden konnte. Als die Truppen ihre Ammu⸗ uttion verſchoſſen hatten, wurde der Poſten genom⸗ men. Nach dieſem Punkte wurde ein beſtaͤndiges Feuer unterhalten, und der Feind war bald genoͤthigt, es zu verlaſſen, ohne im Stande zu ſeyn, ſich deſſel⸗ ben als eines Stuͤtzpunktes fuͤr ſeine angreifenden Kolonnen zu bedienen. Das Haus war zu klein fuͤr eine Truppenzahl, die hinreichend geweſen waͤre, ſich ſo nahe bei unſerer Stellung und unter einem ſo ſchweren Feuer zu halten. Die franzoͤſiſche Reiterei wurde bei dem eben er⸗ waͤhnten Angriffe auf den Mittelpunkt unſerer Linie durch das Fußvolk nicht unterſtuͤtzt. Sie naͤherte ſich jedoch den Vierecken unſeres Fußvolks mit der groͤß⸗ ten Herzhaftigkeit; die Artillerie, die vor der Fronte ſtand, unterhielt ein gut geleitetes Feuer auf ſie, als ſie herbeiruͤckte; als ſie aber naͤher kam, ſahen die Ka⸗ noniere ſich genoͤthigt, ſich in die Carrés zuruͤckzu⸗ ziehen, wodurch die feindliche Reiterei in dem wirk: lichen Beſitze der Kanonen war; dieſe konnte ſich je⸗ . 74 8 doch, in Folge des ſchweren Musketen⸗Feuers, dem ſie ausgeſetzt war, derſelben nicht bemaͤchtigen oder ſie auch nur vernageln, wenn ſie die Mittel dazu gehabt haͤtte. Die franzoͤſiſchen Berichte ſagen, es ſeyen ver⸗ ſchiedene Carrés durchbrochen, und Fahnen genommen worden, was entſchieden falſch iſt; im Gegentheil trieben die kleinen Carrés die Reiterei ſtets zuruͤck, die ſie im Augemeinen ihren Bajonnetten ganz nahe kommen ließen, ehe ſie feuerten. Sie wurden auf allen Punken mit Verlnſt zuruͤckgetrieben, und die Artilleriſten bemaͤchtigten ſich, ſo ſchnell als moͤglich, ihrer Kanonen wieder, und eroͤffneten ein heftiges und verheerendes Traubenfeuer auf die Zuruͤck⸗ fliehenden. Nach dem Mißlingen des erſten Angriffs hatten die Franzoſen wenig oder keine Ausſicht, bei einer Erneuerung deſſelben zu ſiegen; allein die Offiziere, die ſich vielleicht durch das Unterliegen ſo beruͤhmter Truppen beſchaͤmt fuͤhlten, ſuchten ſie zu wiederholten Malen zum Angriffe gegen die Carrés zuruͤckzufuͤhren; allein ſie konnten bloß dazu gebracht werden, zwiſchen ihnen und um ſie her zu ziehen; ſie drangen ſogar bis zu unſerer zweiten Linie ein, wo ſie einige Irr⸗ laͤufer und Fuhrleute der Artillerie, die bei den Am⸗ munitionswaͤgen waren, niederhieben. Sie griffen die belgiſchen Vierecke in der zweiten Linie mit kei⸗ nem beſſern Erfolge an; und als eine kleine Ab⸗ 75 theilung der ſchwediſchen hollaͤndiſchen Reiterei ſich zeigte, zogen ſie ſich bald zuruͤck. Wenn der Feind uns im Ruͤckzuge begriffen glaubte, dann haͤtte ein ſolcher Angriff der Reiterei zu den wichtigſten Reſultaten fuͤhren koͤnnen; allein indem er ſo nutzlos in unſerer Stellung blieb, und an den Vierecken unſeres Fußvolks hin⸗ und herzog, litt er bedeutend durch ihr Feuer; ſo daß ſeine Rei⸗ terei, vor dem Ende der Schlacht, als ſie nicht nur bei dem Angriffe, ſondern auch bei der Deckung des Ruͤckzuges von großem Nutzen geweſen ſeyn waͤrde, faſt gaͤnzlich vernichtet war*). Der einzige Vor⸗ theil, der daraus entſprang, daß ſie auf unſerer Stel⸗ lung blieben, war der, daß er das Feuer unſerer Kanonen auf die Kolonnen abhielt, die ſich nachher *) Man hat geſagt, wenn der Feind Fußvolk und leichte Artillerie häͤtte anruͤcken laſſen, ſo haͤtten unſere Vierecke weichen muͤſ⸗ ſen. Dieß wuͤrde ohne Zweifel raͤthlicher geweſen ſeyn; allein dann wuͤrde unſere Reſerve und Reiterei vorgeruͤckt ſenn, um die feindliche Reiterei aufzuhalten, und die Vierecke wuͤrden wahrſcheinlich den Angriff des Fußvolks zurüͤckgeſchlagen haben. Der Feind hatte am Tage den Verſuch gemacht, mit den an⸗ greifenden Kolonnen Kanonen auf unſern linken Fluͤgel zu brin⸗ gen. Die Folge davon war, daß die Pferde getoͤdtet wurden, ehe ſie weit vorgeruͤckt waren, und die Kanonen daher den Bewe⸗ gungen des Fußvolts nicht folgen konnten, ſondern zuruͤckgelaſſen wurden. Ein aͤhnlicher Verſuch wurde im ſuͤdlichen Frankreich bei dem Angriffe des Korps des Lord Hill auf Nive gemacht; al⸗ lein er mißlang auf dieſelbe Weiſe. 76 bei La belle Alliance zum Behufe eines neuen An⸗ griffs formirten. Da jedoch das heftige Feuer des Fußvolks die franzoͤſiſche Reiterei endlich zwang, ſich in den Hohlweg zuruͤckzuziehen, um ſich zu decken, ſo befanden ſich die Artilleriſten wieder bei ihren Kanonen, und im Vorſprunge der Vierecke ſich be⸗ findend, ſahen ſie vollkommen in das Thal hinab, und ſchienen durch ihr gut geleitetes Feuer Luͤcken in deren Reihen zu machen, waͤhrend ſie ſich wieder formirte, um dieſes vergebliche Blutbad zu wiederhe⸗ len. Waͤre Buonaparte naͤher bei der Fronte gewe⸗ ſen, ſo wuͤrde er ſicherlich dieſe nutzloſe Aufopferung ſeiner beſten Truppen verhindert haben. In der That, der Angriff ſeiner Reiterei in dieſem Zeitpunkte laͤßt ſich bloß durch die Vorausſetzung erklaͤren, daß das brittiſche Heer im Ruͤckzuge begriffen geweſen ſey; er hatte keine Zeit gehabt, ſeine gewaltige Ar⸗ tillerie zu benuͤtzen, um einen Eindruck auf jenen Theil der Linie, den er angreifen wollte, zu machen, wie er ſtets gewohnt geweſen war; auch behandelte er ſeinen Feind mit einer Verachtung, die ſich durch das, was er bei Quatre⸗Bras erfuhr, nicht rechtfer⸗ tigen ließ*). Er gibt in Buch IX, S. 156 zu, daß dieſer Angriff zu bald gemacht wurde**), daß er *) Dieß war es, was Marmont bei den Arivilen in der Schlacht von Salamanca gethan hatte, und wofuͤr er ſo hart buͤßte. ***⁸) Muffling S. 2, ſagt, nach dieſem Angriffe, der ihm zufolge um 4 Uhrerfolgte:„La bataille avait ete très- sanglante, 77 aber nothwendig habe unterſtuͤtzt werden muͤſſen, und die Köraſſiere unter Kellermann, 300o an Zahl⸗ emzufolge abgeſchickt worden ſeyen, um die Stehung zu behaupten. Und S. 196 und 157, Buch IX. gibt er zu, daß die Grenadiers à cheval und die Dra⸗ zoner der Garde, die in der Reſerve waren, ohne Befehle vorruͤckten; daß er ſie zuruͤckrufen ließ, daß aber bereits jede ruͤckgaͤngige Bewegung, da ſie ſchon im Geſechte begriffen waren, gefaͤhrlich geweſen wäre. So war jeder Angriff des Feindes mit großem Ver⸗ luſte zuruͤckgeſchlagen worden. Der Einfluß, den dieß auf das Moraliſche jedes Heeres gehabt haben mußte, war ſehr zu Gunſten der Britten, und die Wahrſcheinlichkeit des Sieges von Seite des Feindes voon jenem Zeitpunkte an, bedeutend vermindert. Der Feind ſchien ſeine Artillerie zuſammen zu ziehen: beſonders auf der linken Seite der Genap⸗ per Straße vor La belle Alliance, und eroͤffnete ein ſchweres Feuer(ein großer Theil ſeiner Kanonen be⸗ ſtand aus Zvoͤlfpfuͤndern) nach jenem Theile unſerer Linie, der ſich hinter La Haye Sainte nach Hougo⸗ mont ausdehnte. Unſer Fußvolk ſchuͤtzte ſich dadurch, daß es ſich hinter dem Ruͤcken der Anhoͤhe nieder⸗ legte. Verſchiedene unſerer Kanonen waren zu Grun⸗ de gerichtet, und viele Artilleriſten getodtet und ver⸗ mais iln'y arait point de daugoe pour armée Anglaise. Er ſagt, es ſey damals 5 Uhr zeweſen. 73 wundet, ſo daß dieſes Feuer kaum erwiedert wurde; allein als der neue Angriffspunkt nicht laͤnger zwei⸗ felhaft war, ſo wurden zwei Brigaden von dem Korps des Lord Hill auf den rechten Fluͤgel gebracht, wo ſie hoͤchſt weſentliche Dienſte leiſteten. Es mag hier nicht am unrechten Orte ſeyn, die Lage des preußiſchen Heers, und die Hulfe, die es zu dieſer Zeit, um ſechs Uhr leiſtete, in Erwaͤgung zu ziehen. Das brittiſche Heer hatte verſchiedene ſtarke An⸗ griffe beſtanden, die alle zuruͤckgeſchlagen worden waren, und die Feinde hatten keinen Vortheil von Bedeutung errungen. Sie hatten einen Theil von dem Gehoͤlze und Garten von Hougomont und La Haye Sainte beſeſſen, welches letztere ſie nicht beſetzen konnten. Nicht ein einziges Carré war durchbro⸗ chen, oder zum Ruͤckzuge genoͤthigt worden. Unſer Fußvolk fuhr fort, dieſelbe Hartnaͤckigkeit, daſſelbe kaltbluͤtige und kalkulirende Zutrauen zu ſich, ſeinem Anfuͤhrer und ſeinen Offizieren zu zeigen, welche es in dem langen und ſchwierigen Kriege auf der Halb⸗ inſel mit Ruhm bedeckt hatte. Wegen der beſchraͤnk⸗ ten Ausdehnung des Schlachtfeldes und des furcht⸗ baren Feuers, dem ſeine Kolonnen ausgeſetzt waren, konnte der Verluſt des Feindes nicht geringer, als 15000 Todte und Verwundete geweſen ſeyn. Zwei 79— Adler waren erbeutet, 2000 Mann zu Gefangenen gemacht, und die feindtiche Reiterei faſt gaͤnzlich ver⸗ nichtet. Unſere Stellung war faſt noch dieſelbe wie am Morgen; allein unſer Verluſt war groß geweſen, und belief ſich vielleicht auf nicht weniger, als 10000 Todte und Verwundete. unſere Reihen wurden fer⸗ ner durch die Menge derer verringert, welche die Verwundeten hinwegfuͤhrten, und die grohentheils nicht mehr auf das Schlachtfeld zuruͤckkehrten; die Zahl der belgiſchen und hanoͤveriſchen Truppen, die groͤßtentheils aus jungen Rekruten beſtanden, die ſich nach dem Hintertreffen draͤngten, war ſehr betraͤcht⸗ lich, wozu noch die große Zahl unſerer eigenen unbe⸗ rittenen Dragoner und ein Theil unſeres Fußvolkes kam, von dem viele, wie man dieß bei den beſten „Heeren findet, jede Gelegenheit ergriffen, von dem Schlachtfelde zu entkommen. Dieſe fuͤllten die Straße nach Bruͤſſel auf eine Art an, die bloß ein Augenzeuge geglaubt haben konnte, ſo daß vielleicht die wirkliche Streitmacht unter dem Herzoge von Weuington um dieſe Zeit, halb ſechs Uhr, ſich auf nicht mehr als 54,000 Mann belief*). Wir wa⸗ *) Siehe Muffling 32, der die Zahl auf 10,000 angibt, und es iſt wenig zu zweifeln, daß ſeine Angabe richtig iſt. Als ein Re⸗ giment von der Reiterei der Verbuͤndeten, deſſen Uniform der franzoͤſiſchen glich, nach Bruͤſſel geflohen war, verbreitete ſich die Nachricht, der Feind ſey vor den Thoren. Viele von denen, welche von dem Schlachtſelde entfiohen waren, und— die 30 ren fruͤhzeitig mit einigen Streifwachen der preußi⸗ ſchen Reiterei auf dem außerſten Theile unſers lin⸗ ken Fluͤgels in Verbindung geſtanden. Ein preußi⸗ ſches Korps unter Bülow war fruͤhzeitig aus Wavre marſchirt, um auf dem rechten Fluͤgel und dem Ruͤ⸗ gen des franzoͤſiſchen Heeres zu mandͤveriren; allein eine ſtarke Abtheilung des preußiſchen Heeres befand ſich noch auf den Hoͤhen jenſeits Wavre, nachdem die Schlacht bei Waterloo begonnen hatte*). Der Zuſtand der Straßen und der ungeheure Artillerie⸗ zug, den es bei ſich fuͤhrte, hielt Buͤlow's Korps eine ungemein lange Zeit auf, obſchon es nicht wei⸗ ter als zwoͤlf oder vierzehn Meilen zu marſchiren hatte. Um ein Uhr*) entdeckten die Franzoſen die Vorhut dieſes Korps, und um zwei Uhr wurden die Streifwachen von Buͤlow's Korps von einem Theile unſerer Stellung aus entdeckt. Die Franzoſen ſchick⸗ ten eine Abtheilung leichter Reiterei ab, um ſie zu beobachten, was die einzige Diverſion war, die bis zu dieſer Zeit ſtatt gefunden hatte. Um halb fuͤnf Wahrheit geſprochen— auch Englaͤnder fluͤchteten ſich aus der Stadt, und machten nicht eher Halt, als bis ſie Antwerpen erreicht hatten. Dieſe That ſache iſt zu ſehr begraubigt, als daß ſie bezweiſelt werden koͤnnte. *) Mufſling, 29. Um vier Uhr ſagt er:„IIn'avait pas encore paru un hommede cette armee.. **) Siehe Soult's Brief an Grouchy, der von dem Schlachtſelde um ein Uhr datirt iſt. —— —— 81 Uhr war Bluͤcher perſoͤnlich zu Buͤlow's Korps ge⸗ ſtoßen, um welche Zeit zwei Brigaden Infanterie und einige Reiterei abgeſchickt wurden, um auf dem rechten Fluͤgel der Franzoſen zu agiren*). Er war ſo weit von dem rechten Flügel der Franzoſen ent⸗ fernt, daß ſein Artilleriefeuer zu entfernt war, um irgend eine Wirkung hervorzubringen, und hauptſaͤch⸗ lich den Zweck hatte, uns Nachricht von ſeiner An⸗ kunft zu geben**). Fuͤnf Uhr mar ſicherlich ver⸗ ſloſſen, ehe das Feuer der preußiſchen Artillerie***) von unſerer Stellung aus bemerkt wurde, und bald ſchien es ganz aufzuhoͤren. Es ſcheint, ſie ſey vor⸗ geruͤckt und habe einige Vortheile erlangt, ſey aber nachher wieder bis zu einer bedeutenden Entfernung von den Franzoſen zuruͤckgetrieben worden, die ein Korps unter dem Generale Lobau abſchickten, um ſie im Schach zu halten †). Um halb ſieben Uhr trat das erſte preußiſche Korps mit dem aͤußerſten Theile unſeres linken Fluͤgels bei Ohain in Verbindung. Der effektive Stand der verſchiedenen Heere kann folgendermaßen angenommen werden. *) Siehe Muffling S. 30, 31, neben Frichermont. **) Ebendaſelbſt S. 31. A*nn) Buͤlow's Korps. †) Buch IX, S. 155. Vuonaparte ſagt, es ſey ſieben Uhr geweſen, als Lobau ſie zuruͤckgeſchlagen habe. W. Scott's Werke. LXVIII. 6 — 82. Das Heer unter dem Herzoge von Wellington belief ſich im Anfange des Feldzugs auf 75,000 Mann mit Einſchluß jeder Waffengattung*), worunter un⸗ gefaͤhr 40 000 Englaͤnder, oder die koͤnigliche deutſche Legion waren. Unſer Verluſt bei Quatre⸗Bras be⸗ lief ſich auf 4,5 00 Todte und Verwundete, welche das Heer auf 70,500 Mann herabſetzten; von die⸗ ſen waren ungefaͤhr 54,000 Mann bei Waterloo wirklich im Feuer, und 32,000 Mann davon beſtan⸗ den aus brittiſchen Truppen, oder aus der koͤniglichen deutſchen Legion mit Einſchluß der Reiterei, des Fuß⸗ volks und der Artillerie; der uͤbrige Theil unter Prinz Friedrich nahm keinen Antheil an dem Gefechte, ſondern deckte den Zugang nach Brüſſel von Niyelles her, und war in der Naͤhe von Habe poſtirt. Die franzoͤſiſche Streitmacht iſt verſchieden angegeben wor⸗ den, und es iſt nicht leicht, die Staͤrke derſelben ge⸗ nau zu beſtimmen. Batty gibt ſie auf 127,000 Mann an; dieß iſt die Zahl, welche die Graͤnzen uͤberſchritt. Buch IX, S. 69, iſt ſie zu 122,000 angegeben. Gourgaud beſchraͤnkt ſie auf 115,000 Mann; worunter 24,000 Mann Reiterei waren; ſie hatten 550 Kanonen. Wir wollen jedoch die Angabe in Buch 1X annehmen, und ſagen *9) Unter dieſen waren ungefäͤhr 12,700 Mann Reiterei. 8 85 122,000 5,30 Abzug, bei Charleroi gelaſſen, Buch IX, 116,700 S. 92*). 10.330 Veriuſt bei Quatre⸗Brus und Ligny, Buch lXx, 106,550 S. 100 und 106. 3,z00 bei Ligny gelaſſen(Grouchy S. 8) Buch IX, 205,155 S. 19; dieß iſt zu 5,000 angegeven. 52,000 bei Grouchy(Grouchy S. 3). 72,150 oie Autheil an der Schlacht bei Waterloo nahmen. Dieſe Zahl iſt ſicherlich zu nieder angeſchlagen, und es iſt wenig zu bezweifeln, daß Buonaparte am 18ten Julius gegen 75,000 Mann unter ſeinem unmittelbaren Befehle hatte**). Buonaparte Buch IX, S. 162, 117, gibt die bei Wavre konzentrirte preußiſche Macht auf 75,000 Mann an. Grouchy, S. 9 erhöht ſie bis auf 95,000 Mann. Man weiß jedoch allgemein, daß ſie daſelbſt nicht uͤber 70,000 Mann ſtark war. 4 **) Buch IX, S. 193. Dieſe Streitmacht iſt zu 4— 5000 Mann angeſchlagen.* **) Muffling, 58, ſagt, Blonaparte habe einem General⸗Offazier am Morgen des zeten erklaͤrt, er hahe„5.000 Mann, und die Engloͤnder bloß 50,000. Buch IX, S. 195 wird man, wenn man in dieſin Theile des Buchs Napoleons eigenen Vericht annimmt, durch Verechnung finden, daß er daſelbſt zugibt, er hahe gegen 74,000 Mann unter ſich gehabt. 8½ Es iſt wohl hier nothwendig, auf die Operationen des Korps unter Grouchy, das zur Verfolgung der Preußen abgeſchickt wurde, zurückzukehren. Es ſcheint, daß Buonaparte um zwoͤlf Uhr am 17ten die Rich⸗ tung nicht kannte, welche das preußiſche Heer genom⸗ men hatte. Man vermuthete allgemein, daß es den Weg nach Namur eingeſchlagen habe. Um dieſe Stunde ſchickte Buonaparte Grouchy mit 532,000 Mann ab, um demſelben zu folgen. Da die Trup⸗ pen ſehr zerſtreut waren, ſo wurde es drei Uhr, bis ſie ſich in Bewegung ſetzten, und ſie kamen in Gem⸗ blour nicht vor der Nacht des 17ten an, in welcher Grouchy Buonaparte von der Richtung, die das preuſ⸗ ſiſche Heer genommen hatte, benachrichtigte. Er ent⸗ deckte den Nachtrab der Preußen bei Wavre um 12 Uhr am 15ten, und um zwel Uhr griff er Wayre an, das vom General Thielmann hartnaͤckig verthei⸗ digt wurde, und es gelang jhm, einen Theil des Dorfes zu erobern. Die tapfere Vertheidigung die⸗ ſes Poſtens durch General Thielmann brachte Grou⸗ chy auf den Glauben, daß das ganze preußiſche Heer ihm gegenuͤber ſtehe. Bluͤcher hatte jedoch Buͤlow's Korps(ates) fruͤhzeitig nach Chapelle⸗Lambert abge⸗ ſchickt, um im Ruͤcken des franzoͤſiſchen Heeres zu agiren. Die Bewegung bieſes Korps wurde jedoch durch eine zufaͤllige Feuersbrunſt in Wavre und durch den ſchlechten Zuſtand der Straßen ſehr ver⸗ zoͤgert, ſo daß es große Muͤhe hatte, die zahlreiche 8⁵ Artillerie, die es bei ſich hatte, fortzubringen, und den Feind nicht vor halb fuͤnf Uhr angreifen konnte*). Das zweite preußiſche Korps marſchirte nach Chapelle⸗Lambert und Lasne; und ſpaͤter am Tage**) marſchirte das erſte Korps in der Richtung von Ohain. Das dritte Korps haͤtte das vierte und zweite unterſttzen ſollen. Bluͤcher wußte nicht, welch' eine bedeutende Macht Grouchy unter ſich hatte, der das dritte Korps angriff, als es ſich an⸗ ſchickte, Wavre zu verlaſſen; er ließ es daber Stel⸗ lung an der Dyle zwiſchen Limale und Wavre neh⸗ men, wo er ihm nachmals befahl, ſich ſo gut als moͤglich zu halten. Das brittiſche Heer belief ſich in dieſem ereigniß⸗ vollen Zeitpunkte des Tages auf ungefaͤhr 34,000 Mann,(zugegeben daß 10,000 Mann gktoͤdtet und verwundet wurden, und weitere 10,000 Mann das Schlachtfeld verlaſſen hatten***); worunter 18,000 Englaͤnder waren. Der Feind mag ungefaͤhr 45,000 *) Siehe Murfling 22, 51, 62. Gourgaud S. 98 und go ſagt: es war halb fuͤnf Uhr, als General Dumont ihn von ihrer Ankunft benachrichtigte. 28) Buch lX, S. 168, 159 läßt Buonaparte Buͤlow's Korps nach Sonnenuntergang angreifen⸗ *2*) Siehe Muffling 52. 86 Mann gehabt haben, die uns unmittelbar gegenuͤber ſtanden, zugegeben, daß 20.000 verwundet, getoͤdtet und gefangen genommen, und 10,000 Mann allge⸗ ſchickt wurden, um gegen die Preußen zu agiren. Der Beiſtand der Preußen war fruͤhzeitig*) er⸗ wartet worden, was den Lord Wellington bewogen hatte, eine Schlacht anzunehmen. Das brittiſche Heer hatte daher den ganzen feindlichen Angriff eine weit laͤngere Zeit, als berechnet worden war, zu be⸗ ſtehen. Lord Wellington zeigte ſich jedoch wegen des Reſulrats nicht bekuͤmmerr. Das Korps des Lords Hill, verſchiedene belgiſche Bataillone, und ein betraͤchtlicher Theil der Reiterei hatten nur geringen Antheil an der Schlacht genommen. Er kannte die Truppen, die er unter ſich hatte, und ſchien ſich im Stande zu fuͤhlen, ſeine Stellung zu behaupten, ſelbet wenn die Preußen vor Nacht nicht ankaͤmen. Das Heer wußte nichts von ihrer Annaͤherung; auch hint er es nicht fuͤr nothwendig, deſſen Anſtrengungen durch die e Nachricht zu beleben. Buonaparte dagegen fand fuͤr gut, den ſinkenden Muth ſeiner Truppen, und ſelbſt ſeiner Garden, die noch nicht im Feuer geweſen waren, dadurch zu beleben, daß er ſeinen *) Muffling, 62, ſagt: man habe gehofft, das preußiſche Heer werde um zwei Uhr angreifen koͤnnen; allein es ſey halb fuͤnf Uhr geworden, ehe es eine Kanone abgefeuert habe. 4 837 4 Adlutanten Labedoyere abſchickte, um ihnen, als ſie im Begriff waren, vorzuruͤcken*), anzuzeigen, daß Grouchy zu ihrem rechten Fluͤgel geſtoßen ſey, und taͤuſchte ſogar den Marſchall Ney durch dieſe falſche Nachricht. Ddie obigen Einzelnheiten ſind in der Abſicht mitgetheilt worden, den Zuſtand der Heere gegen das Ende des Tages zu zeigen. Buonaparte ſah die ge⸗ waltige Diverſion, welche die Preußen zu machen im Begriffe ſtanden; allein er ſcheint zu gleicher Zeit geglaubt zu haben, Grouchy werde im Stande ſeyn, ihre Bewegungen zu laͤhmen⸗ Er beſchloß da⸗ her, einen letzten verzweifelten Verſuch zu machen, den Mittelpunkt des brittiſchen Heeres zu durchbre⸗ chen und ihre Stellung zu nehmen, ehe die Preußen ihren Angriff wuͤrden beginnen koͤnnen. Die kaiſerliche Garde war in der Reſerve geblie⸗ ben und hatte ſich einige Zeit lang auf den Hoͤhen, die ſich von la beue Alliance nach Hougomont hin⸗ ziehen, und auf welche ihr linker Fluͤgel ſich ſtuͤtzte, formirt. Sie hatten noch keinen Antheil an der Schlacht genommen. Um ſieben Uhr ruͤckten ſie in zwei Kolonnen vor**), ließen aber vier Bataillone ⸗) Buch IX, S. 167, Ney's Breef. ) Buch[X, S. 167. Rey's Brief. 88 in der Reſerve. Marſchall Ney ſtand an ihrer Spitze. Zu gleicher Zeit ſchickten ſie einige leichte Truppen in der Richtung von la Haye ab. Das Vorruͤcken dieſer Kolonnen der Garden begleitete kein ſchweres Artilleriefeuer. Augenblicklich ließ der Herzog von Wellington unſer Fußvolk, das auf der Ruͤckſeite des Huͤgels poſtirt war, um gegen das Feuer der Kanonen geſchuͤtzt zu ſeyn, vorruͤcken. 3 General Maitlands Garden⸗Brigade, und General Adam's Brigade(52ſte und 7 ſte Regiment) hielten dieſen furchtbaren Angriff aus. Sie waren von zwei Brigaden Artillerie flankirt, die ein moͤrderiſches Feuer auf die vorruͤckenden Kolonnen unterhielten. Unſere Truppen erwarteten ihre Annaͤherung mit ih⸗ rer gewoͤhnlichen Kaltbluͤtigkeit, bis ſie unſerer Linie auf eine geringe Entfernung nahe gekommen waren, in welchem Augenblick ſie ein gut geleitetes Feuer auf ſie eroͤffneten. Die Linie war vier Mann hoch. Die Soldaten feuerten unabhaͤngig von einander, ſie zogen ſich naͤmlich einige Schritte zuruͤck, um zu la⸗ den, und traten dann vor und feuerten, ſo daß ihr Feuer keinen Augenblick aufhoͤrte. Die Franzoſen ruͤckten, mit ihrem tapfern Anfuͤhrer an ihrer Spitze, immer raſch vor, ungeachtet des ſchweren Verluſtes, den ſie durch dieſes Feuer erlitten, das ihre Bewe⸗ gung augenſcheinlich; hemmte. Sie waren jetzt un⸗ ſerer Linie auf ungefaͤhr 50 Yarden nahe gekommen, und ſuchten ſich zu entwickeln, um das Feuer zu er⸗ 39 wiedern. Unſere Linie ſchien ſie zu umſchließen. Sie konnten ſich jedoch unter einem ſolchen Feuer nicht entwickeln, und von dieſem Augenblicke an hoͤrten ſie auf, vorzuruͤcken; ihre Ausſicht auf Sieg war dahin. Sie bildeten jetzt eine verworrene Maſſe und wichen endlich in der hoͤchſten Verwirrung zuruͤck. Alsbald wurden ſie von den leichten Truppen der Brigade des General Adam verfolgt. Dieß entſchied das Treffen. Der Feind hatte jetzt ſeine Angriffs⸗ mittel erſchoͤpft. Er hatte jedoch noch die vier Ba⸗ taillone der alten Garde in der Reſerve. Lord Wel⸗ lington ertheilte alsbald der ganzen Linie den Be⸗ fehl, vorzuruͤcken, um ihre Stellung anzugreifen. Der Feind verſuchte bereits einen Ruͤckzug. Dieſe Bataillone bildeten ein Viereck, um den Ruͤckzug der fliehenden Kolonnen, die von wenigen Kanonen flan⸗ kirt und von einiger leichter Reiterei. unterſtuͤtzt wa⸗ ren, zu decken. Das erſte Korps der Preußen hatte jetzt unſern aͤußerſten linken Fluͤgel erreicht. Sie hatten das Dorf La Haye erobert und die leichten franzoͤſiſchen Truppen, die es beſetzt gehalten hatten, daraus ver⸗ trieben. Buͤlow hatte mit dem vierten Korps einige Zeit zuvor einen erfolgloſen Angriff auf das Dorf Planchenoit, im Ruͤcken des rechten Fluͤgels des Fein⸗ des gemacht und ſtand, da das zweite Korps(Pirch's) zu ihm geſtoßen war, im Begriff, ſeinen Angriff zu 9⁰ ernenern*). Inzwiſchen behauptete ſich das Carré der alten Garde, deren Kanonen auf ihrer Flauke auf unſere leichte Reiterei, die jetzt vorruͤckte und ihre Flanke zu umgehen drohte, feuerten. Unſere leichten Truppen, ſo wie unſere ganze vorruͤckende Linie waren dicht an ihrer Fronte, als dieſes Korps, der Kern und jetzt die einzige Hoffnung des Feindes in Betreff der Deckung ſeines Ruͤckzugs und der Rettung ſeines Heeres wich, und ſein Geſchuͤtz und ganzes Material zuruͤcklaſſend, ſich unter die allge⸗ meine Verwirrung und Unordnung miſchte. Es war jetzt dunkel. Buͤlow griff, als Pirch's Korps zu ihm geſtoßen war, Planchenoit von Neuem an und um⸗ ging es. Hierauf verließ es der Feind. Er ruͤckte unverzuͤglich nach der Genapper Straße uͤber Ge⸗ nappe vor, und umſchloß den rechten Fluͤgel der Fran⸗ zoſen*), den Feind vor ſich hintreibend, und ſeine Verwirrung vermehrend. Seine Truppen kamen auf die Landſtraße, oder Chauſſée, in der Naͤhe von Maiſon du Roi, und da Bllcher und Wellington um dieſe Zeit bei La belle Alliance zuſammengetroffen waren, ſo beſchloß man, den Feind zu verfolgen, und ihm keine Zeit zu laſſen, ſich wieder zu ſammeln. Der Verluſt der Preußen am u8ten uͤberſlieg die *) Sneiſenau ſagt, es wurde halb acht Uhr, ehe Pirch' Korps ankam.— Siehe Btuͤchers Depefchen. **8) Buch IX. S. 169. — 3 291 G Zahl von 300 Mann nicht. Den Hauptangriff be⸗ ſtanden die Truppen der Britten und der Koͤniglichen deutſchen Legion, wie ihr Verluſt zeigen wird. Es muß hier bemerkt werden, daß die andern Kontin⸗ gente große Huͤlfe leiſteten; allein ſie waren großen⸗ theils junge Rekruten, auf die man ſich an einem wichtigen Poſten nicht verlaſſen konnte. Einige be⸗ nahmen ſich feige, wie allgemein bekannt iſt. Keine dieſer Truppen waren in der erſten Linie, ausgenom⸗ men die naſſauiſchen Truppen bei Hougomont, und einige auf unſerem aͤußerſten linken Fluͤgel. Sie ſtanden in der zweiten Linie in dem Thale hinter der erſten Linie, und auf dem rechten Fluͤgel bei Braine la Leue. Sie waren im Allgemeinen mit den brittiſchen Brigsden der verſchiedenen Diviſionen Cauf die Art, die Lord Wellington bei den portugie⸗ ſiſchen Truppen ſo vortheilhaft fand) formirt wor⸗ den; allein dieſe Anordnungen waren eben erſt ge⸗ troffen worden. Die verſchiedenen Brigaden in ei⸗ ner Diyiſion kannten einander nicht, oder hatten kein Zutrauen zu einander. Viele Bataillone, beſonders einige brittiſche Truppen, im Ruͤcken der erſten Li⸗ nie, hieiten feſten Stand gegen die franzoͤſiſche Rei⸗ terei und trieben ſie zuruͤck. Sie litten vielleicht ſtarker, als die erſte Linie, von dem Feuor der feind⸗ lichen Artillerie, und ruͤckten beim Schluſſe der Schlacht zur Unterſtuͤtzung der erſten Linie, mit großer Feſtig⸗ keit und Regelmaͤßigkeit vor. — 9² Die Preußen, welche den Tag uͤber nur einen kurzen Marſch gemacht hatten, verfolgten den Feind mit einer ſolchen Lebhaftigkeit, daß er nicht ein ein⸗ ziges Bataillon wieder ſammeln konnte. Das brit⸗ tiſche Heer machte auf dem Schlachtfelde Halt. Der Feind verſuchte einmal einen Schein von Widerſtand bei Genappe zu leiſten, wo er ſich vielleicht, wenn er einen Aufuͤhrer gehabt haͤtte, bis zum Anbruche des Tages haͤtte halten koͤnnen, da die Lage des Dorfes ſehr ſtark war; dadurch haͤtte er, vielleicht wenigſtens den Schein eines Heeres retten koͤnnen. Das zweite preußiſche Korps wurde ſodann abgeſchickt, um Grou⸗ chy abzuſchneiden, der das Reſultat der Schlacht erſt um zwoͤlf Uhr des naͤchſten Tages erfuhr. Es war ihm gelungen, einige Vortheile, uͤber den General Thielmann zu erringen und Wavre zu beſetzen. Er zog ſich unverzuͤglich nach Namur zuruͤck, wo ſein Nachtrap ſich gegen alle Anſtrengungen der Preußen, die bei ihrem Verſuche, den Platz zu nehmen, ſtar⸗ ken Verluſt erlitten, hielt. Dieß deckte ſeinen Ruͤck⸗ zug, den er mit großer Geſchicklichkeit ausfuͤhrte; und ſein Heer in paralleler Linie mit Bluͤcher haltend, und viele von den Fluͤchtlingen ſammelnd, brachte er ſeine Truͤppen ohne Verluſt nach Poris. Man hatte ihn fuͤr verloren, und ſein Heer fuͤr gefangen gehal⸗ ten; dieſer Glaube war eine große Urſache der Re⸗ ſignation Buonaparte's; ſonſt wuͤrde er mit dieſem Heere, das auf 7o oder 8⁰0,000 Mann haͤtte anwach⸗ 9³ G ſen können; mit den Befeſtigungswerken und Huͤlfs⸗ quellen von Paris, das gegen einen Ueberfall hin⸗ laͤnglich geſichert war, ſich wahrſcheinlich, nach ſeinem glaͤnzenden vertheidigenden Feldzuge im vorigen Jahre, nicht ſo leicht ohne Kampf unterworfen haben. Die großen Centraldepots von Paris und Lyon ſicher⸗ ten ihm große Vortheile, wie in dem einleitenden Kapitel Buch IX. und Seite 181 hinlaͤnglich gezeigt iſt. Die ſuͤdlichen und weſtlicen Theile Frankreichs waren ſicherlich zu ſeinen Gunſten geſtimmt; er und ſein Heer waren daſelbſt kaum wenige Wochen zuvor gut aufgenommen worden. Dieſes Heer und ein großer Theil der Bevoͤlkerung wuͤrde noch immer mit Freuden Opfer gebracht haben, um den getruͤbten Glanz der franzoͤſiſchen Waffen wieder herzuſtellen. Wenigſtens ſtand ihm die Chre zu Gebot, mit dem Schwerdte in der Hand zu fallen. Die Zeit der Ankunft und Mitwirkung der Preu⸗ ßen iſt verſchieden angegeben worden*). Der obige Bericht kommt vielleicht der Wahrheit ſo nahe, als dieß immer nur möglich iſt. Die franzoͤſiſchen *) Buch N. ſagt: es war eilf Uhr⸗ als die Preußen zu den Eng⸗ laͤndern ſtießen. Gourgand und Montholon kopiren dieß. Der Brief von Soult an Grouchy, der von halb 2 Uhr datirt iſt, und ſagt, ſie ſeyen durch einen Gefangenen von Vuͤlow's Marſch in Kenntniß geſetzt worden und glauben ſeine Vorpoſten um dieſe Stunde bemerkt zu haben, widerſpricht dieſem geradezu, Buch IX. 3„ 94 Schriftſteller geben eine fruͤhe Stunde an, um ihre Niederlage deſto beſſer rechtſertigen zu koͤnnen. Die Preußen geben ſie ebenfalls etwas fruͤher an, als es wirklich der Fall war, um einen reichlicheren Antheil an der Ehre des Tases zu haben. Ihr maͤchtiger Beiſtand iſt in ſeiner ganzen Ausdehnung anerkannt worden. Sie volendeten die Vernichtung des fran⸗ zoͤſiſchen Heeres, nachdem dieſem alle ſeine Augriffe 8 gegen die Britten, die gegen ſieben Stunden fortge⸗ ſetzt wurden, mißlungen waren, nachdem ſeine Rei⸗ terei vernichtet, ſeine Kaiſerlichen Garden zuruͤckge⸗ trieben, und Adler und Leute genommen waren, und als ſeine Mittel zu einem weitern Angriffe als er⸗ ſchoͤpft betrachtet werden konnten. Das brittiſche Heer hatte bedeutend gelitten, und befand ſich nicht in dem Zuſtande, daß es den Ruͤckzug der Franzoſen haͤtte viel benuͤtzen koͤnnen. Allein ſeine Sicherheit war keinen Augenblick gefaͤhrdet, und keine Berech⸗ nung konnte den Gedanken rechtfertigen, daß wir ſo leicht beſiegt und aus unſerer Stellung vertrieben worden ſeyn wuͤrden, ohne daß der Feind ſo geſchwoͤcht worden waͤre, daß er keinen großen Vortheil aus un⸗ ſerer Niederlage haͤtte ziehen koͤnnen. Selbſt in ei⸗ nem ſolchen Falle wuͤrde die Askunft der Preußen ihn zum Räckzuge genoͤthigt haben. Muffling hat bemerkt, die kuͤhne Bewegung Bluͤchers am 16ten ſey nicht hinlaͤnglich gewuͤrdigt worden*). Sie war kuͤhn und meiſterhaft. Selbſt als ihm geſagt wurde, Grouchy befinde ſich mit einer bedeutenden Macht in ſeinem Ruͤcken, erlitten ſeine Plane keine Stoͤrung, obſchon dieß ſeine Bewegungen einigermaßen haͤtte verzoͤgern koͤnnen. Der erfahrene Veteraner wußte, daß auf dem Felde von Waterloo das Schickſal des Tages entſchieden werden mußte, und haͤtte Grouchy auch Buͤlow's Korps angegriffen, ſo haͤtte nichts das erſte und zweite Korps abhalten konnen, zu dem brit⸗ tiſchen Heere auf dem Wege uͤber. Ohain zu ſtoßen. Prouchy haͤtte im hoͤchſten Falle das dritte und vierte Korps aufhalten koͤnnen. Es kann keinen Augenblick an dem aͤngſtlichen Beſtreben der Preußen, dem brit⸗ tiſchen Heere am 18ten beizuſtehen, gezweifelt werden. Die Herzlichkeit und Freundſchaft der Preußen wurde von jedem Offiziere, der Preußen nachmals zu beſu⸗ chen Gelegenheit hakte, gefuͤhlt und anerkannt; dieß iſt beſonders bei dem Militaͤr der Fall geweſen. 7 V Dieſer kurze Stunden⸗Feldzug war eine vereinigte Operation. Die Ehre muß getheilt werden. ») Maffling p. 6. II ne s'agit pas de savoir ee qu'un génsral ordinaire aurait fait; mais une V nonvelle de cette pature aurait pu entrainer le gensral le plus distingue à prendre des précau- tlons, on la résolution de changer l'offensive vi- . goureuse ea simple démonstration- 4 96. Am 16ten fochten die Preußen bei Ligny unter dem Verſprechen unſerer Mitwirkung, die jedoch nicht in dem Grade, in welchem man es wuͤnſchte oder hoffte, ſtatt haben konnte. Am ꝛ8ten focht Lord Wellington zu Waterloo unter dem Verſprechen des fruͤhen Bei⸗ ſtandes der Preußen, der, obſchon unvermeidbar ver⸗ zoͤgert, endlich mit einem vielleicht beiſpielloſen Nach⸗ drucke erfolgte. Das ſchoͤnſte Heer, das Frankreich je ſah, von dem groͤßten und erfahrenſten ſeiner Feld⸗ herrn befehligt, war nicht mehr⸗ und in einem Augen⸗ blicke war das Schickſal Europa's veraͤndert. Nro. IX. Buonaparte's Proteſtation. „Je proteste solennellement ici, à la face du ciel et des hommes, contre la violence qui m'est fäite, contre la violation de mes droits les plus sacrés, en disposant par la force de ma persomne et de ma liberté. „Je suis venu librement à bord du Bellerophon, je ne suis point prisonnier; je suis l'höte de l'An- gleterre. Py suis venu à Pinstigalion même du Capitaine, qui a dit avoir des ordres du Gouver- nement de me recevoir, et de me conduire en Angleterre, avec ma suite, si cela m'était agréable. Je me suis présenté de bonne foi pour venir me mettre sous la protection des lois d' Angleterre. W. Seort's Werke. LXVIII. 7 9⁸ Aussitèt assis à bord du Bellerophon, je fus sur le foyer du peuple britannique. Si le Gouverne- ment, en donnant des ordres au Capitaine du Bel- lerophon, de me recevoir ainsi que ma sunte n'a voulu que tendre une ambuͤche, il a forfait à phonneur et flétri son pavillon. Si cet acte se consommait, ce serait en vain que les Anglais voudraient parler à l'Europe de leur loyauté, de leurs lois, de leur liberté. La foi britannique s' trouvera perdue dans Dhospitalité da Bellero- phon. J'en appelle à Phistoire, elle dira qu'un ennemi, qui fit vingt ans la guerre aux peuples Anglais, vint librement, dans son infortune, cher- cher un asile sous ses lois. Quelle plus éclatante preuve pouvait-il lui donner de son estime et de sa conſiance? Mais comment réponditon en An- gleterre à une telle magnanimité?— on feignit de tendre une main hospitalière à cet ennemi, et quand il se fut livré de bonne foi, on l'immola. A bord du Bellerophon, 3 4 Acùt 1815. (Sianc) Napoléon- UNeberſetzung. Ich proteſtire hiermit feierlich, im Angeſichte des Himmels und der Menſchen, gegen die Gewaltthaͤtig⸗ 6 — 3 99 keit, die man an mir veruͤbt hat, und gegen die Ver⸗ letzung meiner heiligſten Rechte, der man ſich durch eine gewaltſame Verfuͤgung uͤber meine Perſon und meine Freiheit ſchuldig machte. Ich bin freiwillig an Bord des Bellerophon ge⸗ kommen; ich bin kein Gefangener— ſondern der Gaſt Englands. Ich bin ſogar in Folge der Auffor⸗ derung des Kapitains an Vord gekommen, der mir ſagte, er habe Befehle, mich aufzunehmen und mit meinem Gefolge nach England zu fuͤhren, wenn mir dieß angenehm ſey. Ich erſchien mit Zuverſicht, um mich unter den Schutz der engliſchen Geſetze zu ſtellen. So bald ich mich an Bord des Bellerophon befand, ſtand ſich unter dem Schutze des brittiſchen Volks. Wenn die Regierung, als ſie dem Kapitain Mait⸗ land den Beſehl gab, mich nebſt meinem Gefolge aufzunehmen, bloß die Abſicht hatte, mir eine Schlin⸗ ge zu legen, ſo hat ſie ihre Chre verwirkt und ihre Flagge entehrt. Wenn dieſe Handlung volffuͤhrt wird, ſo werden die Englaͤnder Europa hinfort vergebens ihre Biederkeit, ihre Geſetze und ihre Freiheit ruͤh⸗ men. Die brittiſche Treue wird in der Gaſtfreund⸗ ſchaft des Bellerophon ihr Grab finden. Ich berufe mich auf die Geſchichte; ſie wird ſagen, daß ein Feind, der zwanzig Jahre laug Krieg gegen das eugliſche Volk fuͤhrte, in ſeinem Ungluͤcke freiwillig kam, um Schutz unter ſeinen Geſetzen an ſuchen. Welchen 190 glaͤnzenderen Beweis ſeiner Achtung und ſeines Zu⸗ trauens konnte er ihm geben? Allein wie erwiderte England eine ſolche Großmuth? Man ſtellte ſich, als reiche man dieſem Feinde eine gaſtfreundliche Hand, und als er ſich treuherzig ergeben hatte, opferte man ihn auf. An Bord des Bellerophon, den 4. Aug. 1815. (Unterzeichnet) . Napoleon. Wir haben bereits in dem Terte die Behauptung, daß Buonaparte an Bord des Bellerophon gelockt worden ſey, vollſtaͤndig widerlegt. Jeder Ausdruck des Kapitains Maitland ſtellte jede Vollmacht, mit Napoleon zu unterhandeln, oder ihm Bedingungen irgend einer Art zu bewilligen, in Abrede; auch konnte er, als er um ſeine beſondere Meinung be⸗ fragt wurde, nicht weiter ſagen, als daß er keine Ur⸗ ſache habe, zu vermuthen, Kapoleon werde in Eng⸗ land uͤbel aufgenommen werden. Dieß geſchah in Gegenwart des Kapitains Sartorius und des Kapi⸗ tains Gambier, auf die ſich Kapitain Maitland zur Unterſtuͤtzung ſeiner Angabe berief. Wir halten es jedoch bei der gegenwaͤrtigen Gelegenheit nicht fuͤr uͤberfluͤſſig, die Briefe zu copiren, die zwiſchen Lord Keith, auf der einen Seite, und Kupitgin Maitland⸗ 101 Kapitain Sartorius, und Kapitain Gambier, auf der andern, gewechſelt wurden. den 7. Auguſt 1815. Tonnant, unter Beryhead vor Anker. Sir! Graf Las Caſes hat mir dieſen Morgen eroͤffnet, er habe, als er ſich an Bord des Bellerophon auf den baskiſchen Rheden mit einer Sendung von General Buonaparte befunden, vernommeu, daß Sie bevoll⸗ maͤchtigt ſeyen, den General und ſein Gefolge an Bord des Schiffes, das Sie befehligen, aufzunehmen, um ſie nach England zu bringen; und daß Sie ihn zugleich verſichert haben, ſowohl der General als ſein Gefolge werden daſelbſt gut aufgenommen werden. Sie werden in Folge deſſen zu meiner Belehrung diejenigen Bemerkungen niederſchreiben, die Sie uͤber dieſe Behauptungen zu machen fuͤr noͤthig halten moͤgen. Kapitain Maitland, Bellerophon. Ihr gehorſamſter Diener, Keith, Admiral, g 102 H. M. S. Bellerophon Plymouth⸗Sound, 8. Auguſt 1815. Mylord! b Ich habe Ew. Herrlichkeit den Empfang des von geſtern datirten Briefes anzuzeigen, in welchem Sie mich benachrichtigen, daß Graf Las Caſes Ihnen er⸗ oͤffnet haͤtte, er habe, als er ſich an Bord des Belle⸗ rophon auf den baskiſchen Rheden, mit einer Sen⸗ dung vom General Buonaparte befunden, von mir vernommen, ich ſey bevollmaͤchtigt, den General und ſein Gefolge an Bord des Schiffes, das ich befehlige, aufzunehmen, um ſie nach England zu bringen, und ich habe ihn zu gleicher Zeit verſichert, das ſowohl der General als ſein Gefolge daſelbſt gat aufgenom⸗ men werden wuͤrden;— und mir ferner befohlen, zur Belehrung Ew. Herrlichkeit diejenigen Bemerkun⸗ gen niederzuſchreiben, die ich uͤber dieſe Behauptun⸗ gen zu machen fuͤr noͤthig halten moͤge. Ich werde daher, ſo gut ich mich deſſen zu erinnern weiß, den ganzen Verkehr angeben, der zwiſchen Graf Las Caſes und wir den 14. Julius, hinſichtlich der Ein⸗ ſchiffung Napoleon Buonaparte's, ſtatt hatte. Zur Bekraͤftigung meiner Angabe in Beziehung auf das, was am Morgen geſagt wurde, bitte ich Ew. Herr⸗ lichkeit, das Zeugniß des Kapitains Sartorius, und in Bezißbung auf das, was am Abend vorfiel, das Zeugniß deſſelben Offiziers und des Kapitains Gam⸗ 105 bier(der Myrmidon war am Abend zu mir geſtoßen), zu vernehmen. Da Ew. Herrlichkeit von der neutralen Flagge, die den 10. Julius ſich mir nahete, ſo wie von allem, was bei dieſer Gelegenheit vorfiel, bereits in Kennt⸗ niß geſetzt iſt, ſo werde ich mich auf die Vorfälle des 14. deſſelben Monats beſchraͤnken. Fruͤh am Morgen dieſes Tages benachrichtigte mich der Wachtoffizier, daß ſich ein Schooner mit einer neutralen Flagge naͤhere. Als derſelbe das Schiff um ſieben Uhr erreicht hatte, kamen der Graf Las Caſes und General„'Allemand an Bord. Als ſie in die Kajuͤte eingefuͤhrt waren, fragte mich Las Caſes: ob irgend eine Antwort auf den Brief zuruͤck⸗ gekommen ſey, den ich an Sir Heinrich Hotham, hinſichtlich Napoleon's Bitte, entweder auf den Fre⸗ gatten, oder auf einem neutralen Schiffe nach Ame⸗ rika zu gehen, abgeſchickt habe? Ich ſagte: daß keine Antwort zuruͤckgekommen ſey, daß ich aber in Folge dieſer Depeſchen die Ankunft des Sir Heinrich Hotham ſtuͤndlich erwarte, da ich Herrn Las Caſes, als er zuletzt am Bord geweſen ſey, geſagt habe, ich werde mein Boot ſchicken, wenn die Antwort an⸗ komme, ſo habe er ganz unndͤthigerweiſe deßwegen eine neutrale Flagge ausgeſchickt;— hier endete fuͤr jetzt die Unterhaltung. Als ſie an Bord gekommen 104 waren, hatte ich den Kapitain des Slaney herbeizu⸗ rufen befohlen, weil ich einen Zeugen alles deſſen, was vorfallen moͤchte, zu haben wuͤnſchte. Nach dem Fruͤhſtuͤcke(waͤhrend dieſer Zeit kam Kapitain Sartorius an Vord) begaben wir uns in die Hinterkajuͤte, wo Herr Las Caſes, von demſelben Gegenſtande beginnend, ſagte: der Kaiſer iſt ſo aͤngſt⸗ lich beſorgt, ferneres Blutvergießen zu verhuͤten, daß er auf jede Art, welche die Genehmigung der engli⸗ ſchen Regierung erhielte, entweder auf einer neutra⸗ len, einer entwaffneten Fregatte, oder auf einem eng⸗ liſchen Kriegsſchiffe nach Amerika gehen wuͤrde! Hier⸗ auf antwortete ich: Ich habe keine Vollmacht, irgend eine dieſer Maßregeln zu erlauben; allein, wenn er an Bord des Schiffes, das ich befehlige, kommen will, ſo glaube ich, daß ich, nach den Befehlen, unter denen ich handle, es wagen darf, ihn aufzunehmen und nach England zu fuͤhren; allein wenn ich dieß thue, ſo kann ich keineswegs fuͤr die Aufnahme, die ihm zu Theil werden wird, verantwortlich ſeyn(dieß wiederholte ich mehrmals). Las Laſes ſagte hierauf: Ich zweifle unter dieſen Umſtaͤnden wenig, daß Sie den Kaiſer an Bord des Bellerophon ſehen werden. Nach einer kurzen allgemeinen Unterhaltung, und nachdem das Obige haͤufig wiederholt worden war, entfernten ſich Herr Las Caſes und General L'lle⸗ mand; und ich verſichere Ew. Herrlichkeit, daß ich 105 mich durchaus in keine Bedingung hinſichtlich der Aufnahme, die dem General Buonaparte zu Theil werden wuͤrde, eingelaſſen habe; auch wurde es bei dieſer Gelegenheit nicht deſtimmt feſtgeſetzt, daß Buonaparte an Bord des Bellerophon kommen werde. Im Laufe der Unterhaltung fragte mich Las Caſes: ob ich glaube, Buonaparte werde in England gut empfangen werden? Hierauf gab ich die einzige Antwort, die ich in meiner Lage ertheilen konnte: daß ich durchaus nicht wiſſe, was die Abſicht der brittiſchen Regierung ſey; allein keine Urſache habe, zu vermuthen, daß er nicht gut aufgenommen wer⸗ den wuͤrde! Es verdient hier bemerkt zu werden, daß Las Caſes, als er an Bord kam, mich verſicherre⸗ Buonaparte befinde ſich derzeit in Rochefort und er muͤſſe dorthin gehen, um ihm von der Unterhaltung, die zwiſchen uns ſtatt gefunden hatte, Bericht abzu⸗ ſtatten(dieß kann ich durch das Zeugniß des Kapi⸗ tains Sartorius und des erſten Lieutenants dieſes Schiffes, mit denen ich damals davon ſprach, bewei⸗ ſen), eine Angabe, die nicht richtig war, da Buona⸗ parte die Inſel Aix oder die Fregatten nach dem 3ten nie verlaſſen hatte. Ich war daher ſehr erſtaunt, als ich Herr Las Caſes vor ſieben Uhr deſſelben Abends wieder an Bord ſah; und eine der erſten Fragen, die ich ihm vorlegte, war die: ob er in Rochefort geweſen ſey? Er antwortete: bei ſeiner Nuͤckkehr 106 nach der Inſel Air habe er gefunden, daß Vancken daſelbſt angekommen ſey. Herr Las Caſas uͤbergab mir hierauf den Brief, den Graf Bertrand hinſichtlich der Abſicht Napoleons, an Bord des Schiffes zu kommen, ſchrieb,(eine Ab⸗ ſchrift davon iſt Eurer Herrlichkeit von Sir Heinrich Hotham uͤberſchickt worden) und erſt damals verſtaͤn⸗ digte man ſich daruͤber, daß ich ihn aufnehmen ſolle; um welche Zeit entweder Monſieur Las Caſes, oder General Gourgaud(ich weiß dieß nicht beſtimmt, da ich gerade meine eigenen Depeſchen ſchrieb) Bertrand ſchrieb, um ihn davon zu benachrichtigen. Waͤhrend das Papier zu dem Briefe zubereitet wurde, ſagte ich abermals zu Monſieur Las Caſes:„Sie werden ſich erinnern, daß ich keine Vollmacht habe, Bedingungen irgend einer Art einzugehen!“ Auch hat Monſieur Las Caſes bis vorgeſtern keinen ſolchen Gedanken geaͤußert. Daß dieß nicht die Geſinnung Buonaparte's oder ſeiner uͤbrigen Umgebung war, davon werde ich einen ſtarken, aus den Unterredungen, die ſie mit mir hatten, gezogenen Beweis geben. Da ich des Gegenſtandes bis auf die angegebene Zeit nie erwaͤhnen hoͤrte, ſo werde ich nicht jede ſtatt⸗ gehabte Unterhaltung berichten, ſondern mich an die⸗ ſen Zeitpunkt beſchraͤnken, 107 In der Nacht, in welcher das Geſchwader bei Beryhead vor Anker ging, ſchickte Buonaparte um 10 Uhr nach mir und ſagte: Bertrand habe ihm ge⸗ ſagt, daß ich Befehle erhalten habe, ihn nach dem Northumberland zu entfernen, und er wuͤnſche nun zu wiſſen, ob dieß der Fall ſey. Als ich ihm dieß bejaht hatte, bat er, ich moͤchte einen Brief an Ber⸗ trand ſchreiben und erklaͤren, ich habe ſolche Befehle, daß es nicht ſcheine, als ſey er freiwillig gekommen, ſondern dazu gezwungen wordey. Ich ſagte ihm, ich koͤnne nichts dagegen einzuwenden haben, und ſchrieb deßhalb einen Brief, den Eure Herrlichkeit nachher genehmigt und mich zugleich aufgefordert haben, ihm eine Abſchrift des Befehls zu geben, wenn er es ver⸗ lange. Nachdem dieſe Sache beigelegt war, wollte ich mich entfernen, als er mich zu bleiben bat, da er noch etwas zu ſagen habe. Er fing an, ſich daruͤber zu beklagen, daß man ihn nach St. Helena zu gehen gezwungen habe; unter anderem bemerkte er: man ſagt, ich habe keine Bedingungen gemacht; ſicherlich machte ich keine Bedingungen; wie koͤnnte ein Private (un particulier) Bedingungen mit einer Nation ab⸗ ſchließen? Ich wollte nichts von ihr, als Gaſtfreund⸗ ſchaft, oder(wie die Alten ſich ausdruͤcken wuͤrden) Luft und Waſſer. Ich warf mich der Großmuth des engliſchen Volks in die Arme; ich verlangte einen 108 Platz an ſeinem Herde(sur leurs foyers) und mein einziger Wunſch war, ein leines Landgut zu kaufen und mein Leben in Ruhe zu enden! Nach einem weiteren Geſpraͤche deſſelben Inhalts verließ ich ihn fuͤr dieſe Nacht. Am andern Morgen, an welchem er ſich von dem Bellerophon auf den Northumberland begab, ſchickte er wiederum nach mir und ſagte:„Ich habe nach Ihnen geſchickt, um Ihnen meine Dankbarkeit fuͤr Ihr Betragen gegen mich, ſo lange ich mich an VBord 1 des von Ihnen befehligten Schiffes befand, auszu⸗ druͤcken. Meine Aufnahme in England taͤuſchte meine Erwartung ſehr; allein Sie haben ſich durchgaͤngig als Mann von Ehre betragen, und ich bitte Sie, meinen Dank anzunehmen und denſelben den Offi⸗ zieren und der Schiffsmannſchaft des Bellerophon in meinem Namen abzuſtatten.“ Bald nachher kam Montholon von Seite Buona⸗ parte's zu mir; allein, um das, was zwiſchen ihm und mir vorfiel, verſtaͤndlich zu machen, muß ich auf ein Geſpraͤch zuruͤckgehen, das ich mit Madame Ber⸗ trand auf der Ueberfahrt von Rochefort hatte. Es braucht nicht angegeben zu werden, wie das Geſpraͤch begann, da es ſich nicht auf den gegenwaͤr⸗ tigen Vorfall bezieht; allein ſie eroͤffnete mir, Napo⸗ 109 leon habe die Abſicht, mir eine Doſe mit ſſeinem mit Diamanten beſetzten Bildniſſe zum Geſchenſte zu ma⸗ chen. Ich antwortete:„Ich hoffe nicht, denn ich kann es nicht annehmen.“—„Dann werden Sie ihn ſehr beleidigen,“ ſagte ſie.„Wenn dieſt der Fall iſt,“ erwiderte ich,„ſo bitte ich Sie, Alles zu thun, daß es mir nicht angeboten wird, da ich es durchaus nicht annehmen kann; und ich wuͤnſchte ihm die Kraͤnkung und mir die Pein einer Zuruͤckweiſung zu erſparen.“ Hierbei blieb es, und ich hoͤrte niches mehr von der Sache, bis eine halbe Stunde, ehe Napoleon den Bellerophon verließ, in welchem Zeitpunkte Mon⸗ tholon zu mir kam und ſagte: Buonaparte habe ihm aufgetragen, mir die Dankbarkeit auszudruͤcken, zu der er ſich wegen meines Betragens waͤhrend ſenes ganzen Verkehrs mit mir verpflichtet fuͤhle; es ſey ſeine Abſicht geweſen, mir eine Doſe mit ſeinem Bildniſſe zum Geſchenke zu machen; allein er habe gehoͤrt, ich ſey entſchloſſen, es nicht anzunehmen. Ich ſagte:„In der Lage, in der ich mich befinde, halte ich es fuͤr unmoͤglich, ein Geſchenk von ihm anzuneh⸗ men, obſchon ich mich durch ſein Zeugniß in Betreff der Biederkeit meines Betragens in jeder Hinſicht im höchſten Grade geſchmeichelt fuͤhle.“ Montholon fuͤgte hinzu:„Eine der groͤßten Urſachen des Verdruſſes, den er daruͤber empfindet, daß er nicht zu einer Au⸗ dienz bei dem Prinz⸗Regenten zugelaſſen worden iſt, iſt die: daß er beſchloſſen hatte, ſich von demſelben 3 110 die Gunſt zu erbitten, Sie zum Range eines Contre⸗ Admirals zu befoͤrdern.“ Hierauf antwortete ich: „Dieß wuͤrde ganz unmoͤglich geweſen ſeyn; allein ich fuhle darum die Guͤte der Abſicht nicht minder.“ Ich ſagte dann:„Es ſchmerzt mich, daß Las Caſes ſagt, ich habe in Beziehung auf den Empfang Buo⸗ naparte's in England irgend eine Verſicherung er⸗ theilt.“—„Oh!“ ſagte er,„Las Caſes hat ſich in ſeinen Erwartungen getaͤuſcht; und da er die Sache verhandelte, ſchreibt er die Lage des Kaiſers ſich zu; allein ich kann Sie verſichern, er(Buonaparte) iſt uͤberzeugt, daß Sie in jeder Hinſicht als Mann von Ehre gehandelt haben.“ Da Eure Herrlichkeit einen Theil einer Unterhal⸗ tung, die zwiſchen Las Caſes und mir auf dem Hin⸗ terverdecke des Bellerophon ſtatt hatte, hoͤrte, ſo halte ich es fuͤr uͤberfluͤſſig, Bericht von ihr abzuſtatten; allein bei dieſer Gelegenheit laͤugnete ich in beſtimm⸗ ten Ausdruͤcken, daß ich irgend etwas in Beziehung auf die Aufnahme Buonaparte's und ſeines Gefolges verſprochen habe; und ich glaube, Eure Herrlichkeit war der Meinung, er koͤnne Ihnen die Angabe nicht beweiſen. Es iſt mir hoͤchſt unangenehm, in Einzeln⸗ heiten der Art eingehen zu muͤſſen; allein die unred⸗ liche Art, auf die Las Caſes Eurer Herrlichkeit mein Betragen ſchildert, hat mich genoͤthigt, Beweiſe von der Art vorzulegen, wie Napoleon und ſeine Begleiter das Vorgefallene betrachteten. 111 Ich wiederhole nochmals, das Kapitain Gambier und Sartorius den hauptſaͤchlichſten Theil meiner Angabe, in ſo weit ſie die vom Grafen Las Caſes gegen mich erhobene Anklage betrifft, beſtaͤtigen koͤnnen. Ich habe die Ehre, zu ſeyn Eurer Herrlichkeit Dem ſehr ehrenwerthen Vicomte Keith, G. C. B. u. ſ. w. gehorſamſter und unterthaͤnigſter Diener Friederich L. Maland. Slaney, Plymouth⸗Sound, 15. Auguſt 1815. Mylord! Ich habe Kapitain Maitlands Brief an Eure Herrlichkeit vom 8. dieſes Monats, welcher ſeine Be⸗ merkungen uͤber die den Tag zuvor vom Grafen Las Caſes aufgeſtellten Behauptungen, enthaͤlt, geleſen; und beſtaͤtige im vollſten Sinne des Worts die Rich⸗ tigkeit ſeiner Angabe, in ſo fern ſie ſich auf die Ge⸗ ſpraͤche bezleht, die in meiner Gegenwart Statt hatten. Ich habe die Ehre, zu ſeyn . Eurer Herrlichkeit Dem ſehr ehrenwerthen gehorſamſter und unter⸗ Vicomte Keith, G. C. B⸗ thaͤnigſter Diener u. ſ. w. G. R. Sartorius, Kapitain des Slaney. 112 Zufaͤllig hatte Kapitain Maitland das Zeugniß des Kapitain Gambier in Beziehung auf die obige An⸗ gabe nicht in Haͤnden; allein da wir eine Abſchrift davon durch die Guͤte des Herrn Meike, Secretaͤrs des Lord Keith, erhalten haben, ſo koͤnnen wir dieſes neue Zeugniß einem bereits an und fuͤr ſich ſchon ſo klaren Beweiſe beifuͤgen. Ich habe den Brief des Kapitain Maitland ge⸗ leſen und bezeuge im umfaſſendſten Sinne des Worts die Richtigkeit deſſen, was Kapitain Maitland in Be⸗ ziehung auf das geſagt hat, was in meiner Gegen⸗ wart am Abend des 1. Julius vorgefallen iſt. (Unterzeichnet) Robert Gambier, 1 Kapitain des Myrmidon. 115 Nro. X. Stand des Thermometers zu Deadwood, auf der Inſel St. Helena, nach einer 12 Monate langen, naͤmlich vom 1. Sept. 1820 bis zum 51. Auguſt 1821 incluſive fort⸗ geſetzten Beobachtung.— Dieſe gedraͤngte Ueberſicht wurde zu Deadwood, das bloß eine kleine Meile von Longwood entfernt iſt, entworfen, und zeigt daher genau die Tempe⸗ ratur des Clima an, in welchem er lebte, und das ſicher⸗ lich milder und gleichmaͤßiger iſt, als das der meiſten Gegenden der bekannten Welt. Was die Feuchtigkeit betrifft, ſo iſt Dr. Syortt nicht der Meinung, daß St. Helena ſich von irgend einer andern tropiſchen Inſel von derſelben Ausdehnung weſentlich unterſcheide. Seines Berichtes uͤber den allgemeinen Geſundheits⸗Zuſtand unter den Truppen iſt bereits erwaͤhnt worden. Thermometer 2 Monate. 2. 2. 5. Bemerkungen. 1 58 5 8 15 Sept. 1820 6 8 6 410 2(Der Wind blies von Suͤdoſten, Okt.— 68 63 62——. Nov.— 7 2766 61 Im Allgemeinen von Suͤdoſten, 6 Tage von Nordw. Dec.— 7 2166[61[Wind von Suͤdoſten. Jan. 1821[70[70˙[68—— Febr.— 76[20 6271—— Mäaͤrz— 26 2167— April— 2 4 79166 5— Mai— 22 68 64 5 Juni— 70[65 5 7 Im Allgem. Suͤdoſt, 1 T. Weſtw. Juli— 7 1 6 6 57— Auguſt— 6 8164 6 2 Wind von Suͤdoſten. 83 Beſcheinigt von Thomas Shortt, Arzt der Truppen Sr. Majeſtaͤt auf St. Helena. W. Scot Werke. LXVIII. 88 Nro. IX. Zuſammenkunft zwiſchen Napoleon Buona⸗ parte und Heinrich Ellis, Esg., dritten Bevollmaͤchtigten der Geſandtſchaft des Lord Amherſt nach China. Obſchon ich, gleich Andern, mft der gegenwaͤrtigen Lage Buonaparte's umſtaͤndlich bekannt war, und man deßwegen vermuthen koͤnnte, ich ſey mit jenen Gefuͤhlen des Erſtaunens geſaͤttigt worden, die ein ſo außerordentlicher Gluͤckswechſel zu erregen geeignet war,— ſo muß ich doch geſtehen, daß ich mich keines großen Selbſtgefuͤhls ruͤhmen konnte, als ich in die Gegenwart eines Mannes trat, der ehebem der Schrecken und das Wunder der civiliſirten Welt ge⸗ weſen war. Der Mangel an Bedienten und andern. uUmſtaͤnden, die einen hohen Standpunkt im Leben zu begleiten pflegen, ſchienen ſeine individuelle Groͤße nicht vermindert zu haben; ſo erhaben auch ſein Rang⸗ geweſen war, ſo hatten ihn doch ſeine Haudlungen⸗ 115 weit uͤberragt. Selbſt die gewaltigen Waffen, die er fuͤhrte, waren ſeiner rieſenmaͤßigen Staͤrke leicht; der Glanz eines Hofes, der Pomp und die Zahl ſeiner Heere, die zur perſoͤnlichen Groͤße eines erblichen Monarchen hingereicht haben wuͤrden, vermehrten kaum die Wirkung, welche die furchtbaren, aber gluͤck⸗ licherweiſe ſchlecht geleiteten Kraͤfte ſeines Geiſtes her⸗ vorbrachten. Ihr Mangel verminderte daher den Ein⸗ fluß ſeiner Individualitaͤt nicht. Ich wuͤßte nicht, daß ich mich je zuvor in der Gegenwart eines, nicht dem Grade, ſondern der Natur nach, von dem mei⸗ nigen verſchiedenen Geiſtes befunden haͤtte; und konnte daher eben nicht ſehr geneigt ſeyn, meine Nengierde durch die Erforſchung der Veweggründe, tie ſein Be⸗ tragen bei den folgereichſten Handlungen ſeines Lebens geleitet hatten, zu befriedigen. Ich kam, zu hoͤren und mich zu erinnern, nicht aber zu fragen oder zu ſpekuliren. Als Lord Amherſt mich ihm vorgeſtellt hatte, begann Navoleon mit der Bemerkung: mein Name ſey ihm bekonnt; ſo viel er wiſſe, ſey ich in Konſtantinopel geweſen, und er habe eine ſchwache Erinnerung, daß eine Perſon meines Namens in Rußland beſchaͤftigt geweſen ſey. Ich erwiderte ihm: ich ſey auf meinem Wege nach Perſien in Konſtan⸗ tinopel geweſen.„Ja, ich war es, der euch den Weg nach dieſem Lande zeigte. Eh bien comment se porte mon ami le Schah? Was haben die Ruſſen neulich in dieſer Gegend gethan?“ Als ich ihm ſagte, 1 16 daß das Reſultat des letzten Krieges die Abtretung des ganzen Gebiets, das ihre Truppen mililaͤriſch beſetzt gehabt haben, geweſen ſey, bemerkte er:— Ja, Ruß⸗ land iſt die Macht, die jetzt am meiſten zu fuͤrchten iſt,— welches Heer Alerander auch haben mag. Un⸗ aͤhnlich den Franzoſen und Englaͤndern verbeſſern die Unterthanen des ruſſiſchen Reiches ihre Lage, wenn ſie Soldaten werden. Wenn ich einen Franzoſen auf⸗ forderte, ſein Vaterland zu verlaſſen, ſo wuͤrde ich von ihm verlangen, daß er ſeiner Gl uͤckſeligkeit ent⸗ ſagen ſolle. Der Ruſſe dagegen iſt als Bauer ein Sclave, und wird als Soldat frei und geachtet. Ein Franzoſe, der ſein Vaterland verlaͤßt, trifft ſtets einen ſchlechten Tauſch, waͤhrend Deutſchland, Frankreich und Italien dem Geburtslande der Ruſſen insgeſammt vorzuziehen ſind. Ihre ungeheuern K Koſakenkorps ſind ebenfalls furchtbar; in ihrer Art zu reiſen gleichen ſie den Beduinen der Wuͤſte. Sie ruͤcken mit Zu⸗ verſicht in die unbekannteſten Gegenden vor. Er fuͤhrte hierauf folgendes Beiſpiel von der außerordent⸗ lichen Sehkraft der Araber an. Als er in Aegypten war, nahm er ſein Fernglas zur Hand, um einen Araber zu betrachten, der ſich noch in einiger Ent⸗ fernung befand. Ehe noch Buonaparte mit Huͤlfe des Inſtrumentes ſein Aeußeres hatte erkennen koͤnnen, hatte ihn ein Beduine, der neben ihm ſtand, ſo ſcharf ins Auge gefaßt, daß er die Tracht des Stammes, welchem er angehoͤrte, erkannte.„Rußland, fuhr er 117 fort, hat noch ſtets Abſichten auf Konſtantinopel. Meine Zuſtimmung zu ſeinen Planen auf die Turkei zu erhalten, war der große Wunſch des Kaiſers Alerander; allein vergebens; ich ſagte ihm: ich werde nie dulden, daß das griechiſche Kreuz mit der Krone der Czars vereinigt werde, Oeſterreich wuͤrde ſich mit Rußland gegen die Tuͤrkei unter der Bedingung verbunden haben, daß ihm geſtattet worden waͤre, die an ſeine Grenzen ſtoßenden Provinzen zu behalten. Frankreich und England ſind die einzigen Maͤchte, in deren Intereſſe es liegt, ſich ihren Planen zu wi⸗ derſetzen. Ich fuͤhlte dieß ſtets, und unterſtuͤtzte die Tuͤrken jederzeit, ooſchon ich ſie als Barbaren haßte. Wenn Rußland, ſetzte er hinzu, Polen organiſirt, ſo wird es unwiderſtehlich werden.— Napoleon entwarf bei dieſer Gelegenheit einen raſchen Ueberblick uͤber den militaͤriſchen Charakter der Voͤlker Europa's und erklaͤrte, ohne das, was er ſo eben in Betreff der Ruſſen geſagt hatte, zu beruͤckſichtigen, die Franzoſen und Englaͤnder ſeyen die einzigen Truppen, welche Anſpruch auf Kriegszucht und ſittliche Eigenſchaften machen koͤnnen. Die Oeſterreicher und Preußen, fuͤgte er hinzu, ſtehen weit hinter ihnen zuruͤck; in der That, die wirkliche Staͤrke und Thatkraft beſchraͤnkt ſich auf die Englaͤnder und Franzoſen. Der uͤbrige Theil ſeiner Anrede(denn ſeine Gewohnheit, nicht auf Antworten zu warten, oder auf ſie zu hoͤren, macht den Ausdruck Unterhaltung unanwendbar) 118 handelte von dem gegenwärtigen Zuſtande Englands, der ſeiner Meinung nach hoͤchſt ungluͤcklich, und eine Folge der Unklugheit war, ſich in die Anagelegenheiten des Feſtlandes zu miſchen. Die Herrſchaft zur See und die Aufrechterhaltung eines Handels⸗Monopols betrachtete er als die einzig aͤchte Grundlage der Wohlfahrt unſerer Nation. Wie groß auch die Tapfer⸗ keit unſerer Teuppen ſeyn moͤge, ihre beſchraͤnkte Zahl, werde uns ſtets abhalten, eine große militaͤriſche Macht zu werden. Vous avez toujours votre bra- voure des siècles, mais avec quarante einq mille, vous ne serez jamais puissance militaire. Indem wir unſer Seeweſen aufopferten, verfuhren wir, ſeiner Meinung nach, wie Franz der Erſte in der Schlacht bei Pavia, deſſen General einen trefflichen Schlacht⸗ plan entworfen und 45 Stuͤcke Geſchuͤtz(eine uner⸗ hoͤrte Batterie zu jener Zeit) ſo aufgepflanzt hatte, daß der Sieg dadurch geſichert werden mußte. Allein Franz ſtellte ſich, ſeinen großen Saͤbel in der Hand, an die Spitze ſeiner Gensd'armerie und Haus⸗Trup⸗ pen zwiſchen die Batterie und den Feind, und verlor dadurch den Vortheil, den ihm ſeine üͤberlegene Ar⸗ tillerie verſchaffte; auf dieſe Art, ſagte er, maskirt ihr, durch ein voruͤbergehendes Gluͤck verfuͤhrt, die einzige Batterie, die ihr beſitzt, eure Ueberlegenheit zur See. So lange dieſe dauert, koͤnnt ihr ganz Europa blockiren. Ich kenne die Wirkung der Blockade recht gut. Mit zwei hoͤlzernen Maſchinen verſetzt ihr —— . 119 einen Kuͤſtenſtrich in Betruͤbniß, und bringt ein Land in die Lage eines mit Oel geriebenen und da⸗ durch der natuͤrlichen Ausduͤnſtung beraubten Koͤrpers. Ich leide, ſagte er, gegenwaͤrtig an meinem Geſichte durch dieſe Verſtopfung der Ausduͤnſtung, und die Blockade bringt dieſelbe Wirkung bei einer Nation hervor. Was habt ihr durch den Krieg gewonnen? Ihr habt euch meiner Perſon bemaͤchtigt, und eine Gelegenheit erhalten, ein Beiſpiel von Mangel an Großmuth aufzuſtellen. Dadurch, daß ihr die Bour⸗ bons auf den Thron ſetzet, habt ihr die Legitimitäaͤt der Koͤnige zerſtoͤrt, denn ich bin der natuͤrliche Sou⸗ verain Frankreichs. Ihr glaubtet, Niemand als Na⸗ poleon koͤnne euch die europaͤiſchen Haͤfen verſchließen: allein jetzt verhoͤhnt euch jeder kleine Souverain durch Verbote in Betreff eures Handels.— PAngleterre ebt déchue depuis gu'elle s'est mèlée des affaires du continent.— Ihr haͤttet die Anſtalten, die ich zur Verbeſſerung der Manufakturen in meinem ganzen Reiche getroffen hatte, bemerken und die Ruͤckzahlung eurer Ausgaben waͤhrend des Krieges durch eine ge⸗ zwungene Ausdehnung eures Handels ſichern ſollen. Wer ſetzte den Koͤnig von Portugal auf ſeinen Thron? War es nicht Englaud? Hattet ihr deßwegen nicht das Recht, entſchaͤdigt zu werden, und dieſe Entſchaͤdi⸗ gung haͤtte in dem ausſchließenden Handel Braſiliens, waͤhrend eines Zeitraums von fuͤnf Jahren beſtehen koͤnnen. Dieſe Forderung war billig, und haͤtte nicht 120 verweigert werden koͤnnen. Ich bemerkte ihm, daß ein ſolches Verfahren mit unſerem politiſchen Beneh⸗ men nicht im Einklange geſtanden waͤre, und der Koͤ⸗ nig von Portugal, wenn er dieß gemerkt haͤtte, um ſo eher Widerſtand geleiſtet haben wuͤrde, als er auf den Thron geſetzt, unſeres Beiſtandes nicht laͤnger bedurft haͤtte. Die Forderung haͤtte gleich im erſten Augenblicke, ſagte er, gemacht werden ſollen; jetzt aber iſt es zu ſpaͤt; und ihr habt bloß eure Miniſter zu tadeln, die den Vortheil Englands gaͤnzlich vernach⸗ laͤßigt haben. Rußland, Oeſterreich und Preußen ha⸗ ben alle gewonnen, England allein hat verloren. Ihr habt ſogar das arme Koͤnigreich Hannover vernach⸗ laͤßigt. Warum habt ihr nicht 5 oder 4 Millionen zu ſeiner Bevoͤlkerung hinzugefügt? Lord Caſtlereagh wurde unter den Monarchen ein Hoͤfling, und war mehr auf ihre Vergroͤßerung, als auf die Anſpruͤche ſeines Landes, bedacht. Euer Gluͤck et mes fautes, mes imprudences haben einen Zuſtand der Dinge herbeigefuͤhrt, von dem ſelbſt Pitt nie zu traͤumen wagte; und was iſt das Reſultat? Euer Volk ſtirbt Hunger und euer Land leidet an den Zuckungen des Aufruhrs. Die Lage Englands iſt hoͤchſt merkwuͤrdig. Es hat alles gewonnen, und doch iſt es zu Grunde gerichtet. Glauben Sie der Meinung eines Mannes, der an die Beurtheilung politiſcher Gegenſtaͤnde ge⸗ woͤhnt iſt; England ſollte ſein Augenmerk ausſchließ⸗ lich auf den Handel und das Seeweſen richten; es 121 kann nie eine Kontinentalmacht werden, und der Verſuch muß es zu Grunde richten. Behauptet die Herrſchaft der Meere, und ihr koͤnnt eure Geſandten an die europaͤiſchen Hofe ſchicken und verlangen, was ihr wollt. Die Souveraine kennen eure gegenwaͤrtige betruͤbte Lage und verhoͤhnen euch.“ Er wiederholte: „45000 Mann werden nie eine Kriegsmacht aus euch machen; dieß liegt nicht in dem Genius eurer Nation. Bloß die Hefe der Nation tritt in die Reihen des Heeres ein; der Kriegsſtand iſt nicht beliebt.“ Er wollte nicht auf eine Bemerkung hinſichtlich des großen Verſtaͤrkungs⸗Kanals von der Miliz zu der Linie, die er mit den Freiwilligen zu verwechſeln ſchien, hoͤren. Napoleon ſetzte ſeine Bemerkungen fort und ſagte: „Die Aufhebung der Habeas⸗Corpus⸗Akte wuͤrde kein geeignetes Mittel gegen die Aufſtaͤnde ſeyn; die Leute muͤſſen Nahrung haben. Der Stillſtand des Handels vermindert Eure Ausfuhren und Eure Manufakturen darben. Es iſt albern, dieſe Uebel als voruͤbergehend zu ſchildern. Wellesley hat hierin Recht, das Elend iſt allgemein und muß fortdauernd ſeyn. Den Uebeln durch die Aufhebung der Habeas⸗Corpus⸗Akte Einhalt zu thun, heißt oͤrtliche Mittel da anwenden, wo die Krankheit in dem Syſteme liegt: oͤrtliche Mittel wer⸗ den bloß einen oͤrtlichen Ausbruch entfernen; das Ue⸗ bel erſtreckt ſich aber uͤber den ganzen Koͤrper.— Nicht ein einziger faͤhiger Mann befindet ſich in dem Kabinete. Lord Chatam verſtand die wahren In⸗ 1 2 2 tereſſen Englands, als er ſagte:„Wenn wir auf 24 Stunden gerecht ſind, ſo muͤſſen wir zu Grunde ge⸗ hen.“ Eine ungeheure Ausdehnung des Handels, in Verbindung mit Beſchraͤnkungen und Reformen, haͤtte allein die gegenwaͤrtige Kriſis in England verhindern koͤnnen. Er, fuͤr ſeinen Theil, wuͤnſchte, daß alles ruhig und geordnet waͤre, da ihm ein ſolcher Zuſtand der Dinge die einzige Ausſicht auf ſeine Befreiung eroͤffne. Ein großes Heer, bemerkte er, ſey zudem mit unſerer freien Verfaſſung, an der wir, mit Recht ſo ſehr haͤngen, unvertraͤglich. Ich bemerkte ihm, unſere Miniſter ſeyen von der uͤberlegenen Wich⸗ tigkeit, welche das Seeweſen fuͤr England habe, voll⸗ kommen uͤberzeugt; und ſie wuͤrden herzlich froh ſeyn, wenn ſie im Stande waͤren, das brittiſche Con⸗ tingent in Frankreich(worauf er angeſpielt zu haben ſcheint) zuruͤckzuziehen; die gegenwaͤrtige Noth in England entſpringe aus dem Syſteme des oͤffentlichen Kredits, du ch das man den Krieg unterhalten habe, und deſſen Folgen ihrer Natur nach bleibend ſeyen; dieſe Folgen ſeyen vorhergeſehen worden und werden, wie zu hoffen ſtehe, nicht unheilbar ſeyn.„Ja,“ ſagte Napoleon,„eure Huͤlfsquellen ſind groß, aber euer Untergang iſt gewiß, wenn ihr auf eurer gegen⸗ waͤrtigen Politik beharrt: eure Miniſter haben ſich großmuͤthig geſtellt und das Land zu Grunde gerich⸗ tet. Durch dieſe Großmuth habt ihr euch von dem Syſteme eurer Vorfahren entfernt, die nie einen ——ÿ—x—x—xxx 125 Frieden ſchloßen, ohne daß ſie irgend einen Vortheil gewannen, oder zu gewinnen geſucht haͤtten; ſie wa⸗ ren ſtandhafte Kaufleute, die ihre Boͤrſen fuͤllten; ihr aber ſeyd als Gentlemen's aufgetreten und ſeyd zu Grunde gerichtet. Obſchon der Friede, nach dem Schluſſe des amerikaniſchen Krieges, ehrenvoll fuͤr Frankreich war, denn er zwang England, die Unab⸗ haͤngigkeit Amerika's anzuerkennen; ſo war doch der Vertrag im Jahr 1785 fuͤr den franzoͤſiſchen Handel verderblich; und warum glaubt ihr, daß er abgeſchloſ⸗ ſen worden ſey? Die franzoͤſiſchen Miniſter ſahen die ſchlimmen Folgen deſſelben recht gut ein; allein England drohte mit Krieg, und ſie hatten kein Geld, um die Koſten deſſelben zu beſtreiten.“ Napoleon ſagte, glaube ich, dieſe Angabe werde durch Memoiren in dem Buͤreau der auswaͤrtigen Angelegenheiten un⸗ terſtuͤtzt. Waͤhrend der unterhaltung, die ungeachtet der verſchiedenen Gegenſtaͤnde, die zur Sprache ka⸗ men, wenn auch nicht eroͤrtert wurden, nicht laͤnger als eine halbe Stunde dauerte, wurden beſondere Ausdruͤcke oft wiederholt, z. B.„PAngleterre est déchue; avec 45,000 hommes vous ne serez jamais puissance continentale.“ Buonaparte hoͤrte nie auf irgend eine Antwort, die natuͤrlich aus ſeinen Be⸗ merkungen entſprang, ſondern fuhr fort, ſeine eigene Auſicht von dem Gegenſtande, den er eroͤrterte, auf⸗ zuſtellen. Er ſchien wenig Muͤhe auf die Anordnung ſeiner Gedanken zu verwenden, ſondern ſtroͤmte ſeine 124 Ideen mit einer Raſchheit der Sprache aus, die faſt der Raſchheit gleich kam, mit der ſie ſich ſeinem Geiſte aufdraͤngten. Sein Styl in Beziehung auf politiſche Gegenſtaͤnde iſt ſo epigrammatiſch und ſchnei⸗ dend, daß man ihn an einem Manne, deſſen Hand⸗ lungen ihm nicht entſprochen haͤtten, fuͤr Charlata⸗ 4 nerie gehalten haben wuͤrde. Man muß zugeben, daß Buonaparte beredt iſt. Er beſitzt jene Art von Beredtſamkeit, die einer Volksverſammlung, oder Perſonen, die ſchon dazu vorbereitet ſind, nach ihm emporzublicken, hoͤchſt entſprechend iſt. Auf die er⸗ ſtern wuͤrde ſein Ungeſtuͤm Eindruck machen, und eine Art orakelmaͤßiger Zuverſicht, an der er reich iſt, die letztern zur Ueberzeugung zwingen. Sein Benehmen war im Ganzen gefaͤllig, und hatte eine Miſchung von Einfachheit und ſelbſtbe⸗ wußter Ueberlegenheit, die ich zuvor nie geſehen hatte. Der Ausdruck ſeiner Miene iſt mehr verſtaͤndig als gebieteriſch; und ſeine Perſon ſcheint, weit entfernt von einer uͤbermaͤßigen Wohlbeleibtheit, der Ausdauer der groͤßten Anſtrengung gewachſen zu ſeyn. Ich moͤchte fagen, er ſey ſo gut, als zu irgend einer Zeit im Stande, die Strapatzen eines Feldzugs zu erdul⸗ den, und in Betracht ſeines Alters, nicht ungewoͤhn⸗ lich korpulent. Ich habe vergeſſen, eine Erlaͤuterung mitzutheilen, die Napoleon anwandte, als er von dem Betragen der engliſchen Miniſter bei dem Kongreſſe ſprach.„Ihr gleicht,“ ſagte er,„dem Hunde in der 125 Fabel, der das Stuͤck Fleiſch in das Waſſer fallen ließ, waͤhrend er ſein eigenes Bild betrachtete. Ihr haltet den Handel der Welt in Haͤnden, und ergreift keine Vorſichtsmaßregeln, um ihn euch zu ſichern. Nichts als eine große Ausdehnung des Handels haͤtte euch in den Stand ſetzen koͤnnen, eure ungeheuern Steuern zu tragen, und ihr habt nichts fuͤr ſie ge⸗ than.“ Buonaparte ſpricht engliſche Namen und Wöͤrter weit unrichtiger aus, als irgend ein Fremder, den ich je zuvor gehoͤrt und der Anſprüche auf die Kenntniß der Sprache gemacht hatte; auch ſcheint er, ungeachtet ſeiner Lektuͤre und der Aufmerkſamkeit, die er dem Gegenſtande wahrſcheinlich gewidmet hat, mit der Natur unſerer haͤuslichen Politik wenig be⸗ kannt zu ſeyn. Seine Plane, wie ſeine Handlungs⸗ weiſe, ſind gleicherweiſe deſpotiſch, und ohne Ruͤckſicht auf konſtitutionelle Beſchraͤnkungen entworfen. In ſeiner Unterhaltung mit Lord Amherſt ver⸗ weilte er lange bei ſeiner gegenwaͤrrigen Lage und druͤckte ſich hinſichtlich des Sir Hudſon Lowe mit großer und unverantwortlicher Bitterkeit aus. Lord Bathurſt's Rede hatte ihn augenſcheinlich gekraͤnkt, und er druͤckte ſein Mißvergnugen uͤber die Unter⸗ ſtuͤtzung aus, die eine ſolche Sprache und Behandlung von Seite des Lord Sidmouth und Liverpool gefun⸗ den habe, mit denen er fruͤher auf einem freund⸗ ſchaf lichen Fuße geſtanden zu haben vorgab. Er ſagte, ein Mann wie Lord Cornwallis haͤtte auf Sir 126 H. Lowe's Poſten geſtellt werben ſollen. Es iſt ſchwer, ſich unbilligere Klagen zu denken, als die, welche Buonaparte uͤber Sir H. Lowe's Betragen fuͤhrte. Es gab vielleicht nie einen Gefangenen, der ſo ſorgfaͤltig bewacht werden mußte, und dem gleich⸗ wohl ſo viele Freiheit und ein ſo großer freier Raum zu koͤrperlichen Bewegungen bewilligt war. Mit ei⸗ nem Offizier kann er die ganze Inſel durchſtreifen; ganz unbemerkt hat er einen freien Naum von vier Meilen— theilweiſe bemerkt von acht— und ganz im Auge behalten, von zwolf Meilen. Bei Nacht umringen die Schildwachen Longwood allerdings. Das Haus iſt klein, aber gut moͤblirt; und faſt ſo bequem als es unter den obwaltenden Umſtaͤnden eingerichtet werden konnte. Ich kann ſeinen Muthwillen und ſeine ungegruͤndeten Klagen bloß zwei Beweggruͤnden zuſchreiben,— entweder wuͤnſcht er dadurch das In⸗ tereſſe fͤr ihn in Europa, und beſonders in England, wo er eine Parrei zu haben ſich ſchmeichelt, rege zu erhalten; oder ſein beunruhigter Geiſt fiadet eine Beſchaͤftigung in den Qualereien, denen er den Gou⸗ verneur daurch ſein gegenwaͤrtiges Betragen ausfetzt. Wenn das Letztere der Fall iſt, ſo iſt es fuͤr jeden Gouverneur unmöglich, ein gutes Vernehmen mit ihm mit der Erfuͤllung ſeiner Pflicht zu vereinigen. Als Buonaparte die Bemerkungen ſchloß, die er an mich zu richten fuͤr gut fand, machte er mit ſeiner Hand eine Bewegung, um dem Lord Amherſt zu be⸗ . 127 deuten, er moͤchte den Kapitain Marwell und die Herren der Geſandtſchaft einfuͤhren. Sie traten ein, begleitet von den Generalen Vertrand, Montholon und Gourgaud. Es wurde unter der Leitung des Großmarſchalls ein Kreis gebildet, und als Lord Am⸗ herſt den Kapitain Marwell vorſtellte, ſagte Buona⸗ parte:„Ich habe fruͤher von Ihnen gehoͤrt— Sie nahmen eine meiner Fregatten, die Pauline; vous êtes un méchant; gut, Ihre Regierung kann nichts daruͤber ſagen, daß Sie das Schiff verloren haben, denn Sie haben zuvor eines fuͤr ſie genommen.“ Er bemerkte von Lord Amherſt's Sohn, daß er ſeiner Mutter gleichen muͤſſe und fragte ihn ſcherzend: was er aus China gebracht habe, eine Muͤtze, oder einen Mandarin. Er fragte Herrn M. Leod, den Wund⸗ arzt der Alceſte, wie lange er gedient habe, und ob er verwundet worden ſey;— er wiederholte die Frage auf Engliſch. Als Hr. Abel als Naturaliſt vorge⸗ ſtellt wurde, fragte er: ob er Sir Joſeph Banks kenne, deſſen Name ſtets ein Geleitsbrief geweſen, und deſſen Bitten, ſelbſt waͤhrend des Krieges, ſtets willfahrt worden ſey? Er wuͤnſchte zu wiſſen, ob Herr Abel ein Mitglied der koͤniglichen Geſellſchaft, oder Bewerber um dieſe Ehre ſey. Buonaparte ſchien hinſichtlich eines Sohns des Sir J. Banks, der eine Expedition nach der afrikaniſchen Kuͤſte un- ternommen haben ſollte, im Irrthum zu ſeyn. Hrn. Cook's Name fuͤhrte ihn naturlich auf die Frage, ob⸗ 128 er ein Nachkomme des beruͤhmten Cook, des See⸗ fahrers ſey, wobei er hinzufuͤgte:„er war in der That ein großer Mann.“ Als Dr,. Lynn als Arzt vorgeſtellt wurde, fragte Napoleon: auf welcher Uni⸗ verſikaͤt er ſtudirt habe?„in Edinburgh“ war die Antwort.„Ah!“ rief Buonaparte aus,„ſind Sie in der Praxis ein Brunonianer, und laſſen Sie ſo viel zur Ader, und geben Sie ſo viel Merkur, als unſere Doktoren auf St. Helena?“ Herrn Griffiths, dem Kaplan(den er Aumönier nannte) legte er ei⸗ nige Fragen in Betreff des Zuſtandes der Religion in China vor; es wurde ihm geantwortet, daß eine Art Polytheismus daſelbſt herrſche. Da er dieſes engliſch geſprochene Wort nicht zu verſtehen ſchien, ſo erklaͤrte es Bertrand Pluralité de dieux!„Ah! Pluralité de Dieux! Glauben ſie,“ fuhr er fort, „an die Unſterblichkeit der Seele?“„Sie ſcheinen einigen Begriff von einem kuͤnftigen Zuſtande zu ha⸗ ben,“ war die Antwort. Er fragte hierauf: zu wel⸗ cher Univerſitaͤt er gehoͤre? und ſagte ſcherzend zu Lord Amherſt:„Sie muͤſſen ihm, wenn Sie nach Hauſe kommen, eine gute Pfruͤnde auswirken; ich wuͤnſchre,“ fuͤgte er hinzu,„Sie wuͤrden ein Domherr.“ Er fragte hierauf Herrn Hayne: wie und wo er er⸗ zogen worden ſey? Als ihm dieſer geſagt hatte, daß er zu Hauſe bei ſeinem Vater erzogen worden ſey, wandte er ſich ploͤtzlich um; und da er nun jedem etwas geſagt hatte, entließ er uns. —— ——