Miniatur⸗Bibliothek der Deutſchen Claſſiker Sieben und ſiebzigſte Lieferung. Anthologie von Hebel's allemanniſchen Gedichten. 8 8 Miniatur⸗Bibliothek der Deutſchen Claſſiker. — 1030 Auswahl von Hebel's allemanniſchen Gedichten. —xᷓᷓᷓ Hildburghauſen u. New⸗York. Druck u. Verlag vom Bibliographiſchen Inſtitut. 1830. Ausgewaͤhlte allemanniſche Gedichte J. P. Hebel. Miniatur⸗Ausgabe. Hildburghauſen u. New⸗ Pork. Druck u. Verlag vom Bibliographiſchen Inſtitut. 1830. Leben des Dichters. Johann Peter Hebel. Geboren, 11. März 1760. Geſtorben, 22. Sept. 1826. ——— Auf dem deutſchen Parnaſſe ſteht Hebel wie auf einem einzelnen Felſen, erhaben, aber allein. Seine allemanniſchen Gedichte haben des Eigenthümlichen ſo vieles, daß ſie in ſich ſelbſt eine Gattung für ſich bilden.— Andere Dichter fanden die Formen ausgebil⸗ det vor; Hebel ſchuf ſie ſich ſelbſt. Hebel's Geburtsort iſt Hauſen, ein Dorf unweit Schopfheim im Badiſchen. Sein Va⸗ 8 ter, ein armer Gärtner, ſpäter Soldat unter den Schweizern in franzöſtſchen Dienſten, war ein biederer, wackerer Mann; ſeine Mutter ebenfalls aus dem niedrigſten Stande, eine gemüthliche, fromme Frau, die unſern Hebel mit der größten Sorgfalt erzog, und ihm Got⸗ tesfurcht, Gradheit und Rechtſchaffenheit tief und unerſchutterlich einprägte.— Hebels Vater ſtarb frühzeitig, und die Mutter fand mit ihrem Kleinen auf der Hau⸗ ſener Eiſenhütte durch Erzpochen ꝛc. ihr dürf⸗ tiges Stückchen Brod, wozu die Arbeit des Knaben, ſobald er nur handlangen konnte, beiſteuerte. Hebel zeigte ſehr früh in der jaͤmmerlich beſtellten Schule des kleinen Dörfchens ſo auf⸗ fallende Fähigkeiten, daß die zärtliche Mutter eine Gelegenheit, ihn zu einem Vaterfreunde nach Baſel und in die dortige Stadtſchule zu bringen, freudig ergriff. Der Ehrenmann, dem Hebel ſo viel verdankt und eine Zeitlang Vaterſtelle an ihm vertrat, hieß Iſelin, war Unteroffizier und ehemaliger Waffenbruder des Vaters.— Bald verlor auch Hebel ſeine gute Mutter; aber um eben dieſe Zeit hatte der Verwaiſte das Glück, dem Kirchenrath Preu⸗ ſchen in Karlsruhe bekannt zu werden, der ſich einer annahm und ihn guf das Pädagogium nach Lörrach brachte. Von da nahm er ihn zu ſich nach Karlsruhe, wo er ſeine Vorbe⸗ reitungsſtudien zur Univerſität(1775—78) voll⸗ endete. Er bezog im letzteren Jahre die Hoch⸗ ſchule zu Erlangen, um ſich der Theologie zu widmen. 1780 kehrte Hebel nach Karlsruhe zurück, be⸗ ſtand mit Ehre ſein Examen als Kandidat des Predigtamtes und ergriff, eltern⸗ und vermö⸗ gungslos wie er war, mit Freude eine Gele⸗ genheit zu einer Hauslehrerſtelle und damit verknüpftes Vikariat, welche ihm vom Pfarrer Schlottenbeck in Hertingen, einem Dorfe wenige Stunden von ſeiner Heimath, ange⸗ tragen wurde. Hebel hatte ſich in ſeinen Schul⸗ und Univerſitätsjahren gediegene philologi⸗ ſche Kenntniſſe angeeignet; der Ruf derſel⸗ ben kam ihm jetzt zu ſtatten, ſie verſchafften ihm 1788 zine Präzeptoratsanſtellung am Lör⸗ racher Pädagogium. Hier in der herrlichen, paradieſiſchen Natur— ein zweiſtündiger Spa⸗ ziergang, voll der anziehendſten Parthien, führt nach Baſel, näher noch wogt der Rhein, fern ragen die Höhen und Kuppen des Schwarz⸗ waldes, ferner noch die Alpen der Schweiz— lebte Hebel neben ſeinem Berufe ganz der Natur, der Freundſchaft und den Muſen; der Genius des allemanniſchen Dichters verſuchte hier ſeine erſten geprüfteren Flügelſchläge. 10 Im Jahre 4791 erhielt Hebel einen Ruf als Lehrer des Gymnaſius zu Karlsruhe und zugleich die Stelle eines Subdiakons an dor⸗ tiger Hofkirche.— Er predigte mit Beifall, und fand ſich in ſeinen neuen Verhaͤltniſſen bald zufrieden und glücklich. Beſonders fühlte er ſich durch ſein nun ausgebildetes Wirken als Lehrer gehoben, und er ſtand dieſem Theile ſeines Berufs mit einer ſeltenen An⸗ ſtrengung vor.— Sie blieb nicht unbemerkt und unbelohnt. Schon 1798 ward Hebel zum Profeſſor und Oberlehrer befördert. Um dieſe Zeit war der größte Theil ſeiner allemanni⸗ ſchen Weiſen bereits theils einzeln, theils ge⸗ ſammelt gedruckt, und gehörte dem Volke an. Aber die Wachter des deutſchen Parnaſſes kannten noch nicht ſeinen Ramen, bis endlich Jean Paul(in einem Schreiben an den Her⸗ ausgeber der damals in großer Ehre ſtehenden Zeitung für die elegante Welt) ziemlich derb mit der Naſe darauf ſtieß.— Jean Paul, der Hebels ganze Dichtergröße auf den erſten Blick durchſchaute, ſtellte ihn unmittelbar neben Herder.— Er ſagte von ihm, eben ſo ſchön als treffend:„Das Abendroth einer ſchönen, friedlichen Seele liegt auf allen Höhen, die er vor uns ſich hinziehen läßt, poetiſche Blu⸗ men erſetzt er durch die Poeſie. Das ſchwei⸗ zer Alpenhorn der jugendlichen Sehnſucht und Freude hat er im Munde, indeß er mit der 11 andern Hand auf das Abendglühen der hohen Gletſcher zeigt, und zu beten anfängt, wenn auf den Bergen die Betglocken herüberrufen. Hebels Dichterruf wurde von dieſem Zeit⸗ punkte an allgemein, und die Fürſten der Gei⸗ ſter, Herder, Göthe, Jakobi halfen ihn ver⸗ breiten, und gehörten unter die erſten, welche ihm volle Anerkennung zollten.— 1805 beehrte ihn ſein Furſt, der treffliche Karl Friedrich von Baden, mit dem Titel eines Kirchen⸗ raths, und drei Jahre ſpäter vertraute er ihm die Leitung des Gymnaſtums als Direktor. Der Mann des Volks ließ ſich durch die mit dem hohen Berufe verbundene neue Arbeits⸗ laſt nicht abhalten, ſeine literariſchen Beiträge zur Volksbildung in die derſelben beſtimmten deutſchen Zeitſchriften zu liefern. Vorzüglich legte er in dem Badiſchen Landkalender (bekannt unter dem Titel rheiniſcher Haus⸗ freund für Burger und Bauern) einen Schatz des nutzlichſten Wiſſens in der anſpruchloſeſten Einkleidung, als Scherze, Anekdoten, Erzäh⸗ lungen ze. nieder, und ſtiftete dadurch unbe⸗ rechenbares Gutes. So ſehr hatte ſich das Volk(immer dankbar für das ihm in paſſen⸗ der Form gebotene Beſſere!) an ſeinen Dar⸗ ſtellungen ergötzt, daß, ein vielleicht beiſpiel⸗ loſer Fall, die Nachfrage noch lange nach dem Vergreifen der frühern Jahrgänge für veranſtaltet werden mußten, und würtem⸗ bergiſche und badiſche Auswanderer ſogar den Begehr nach Amerika verpflanzten, wohin nun regelmäßig Verſendungen des Volksbuchs gemacht werden mußten. 1814 ward Hebel Mitglied des Konſiſtoriums, und 1819 erhob ihn ſein Landesherr zum Prälaten und Kom⸗ mandeur des Zähringer Löwenordens. Zu die⸗ ſen Ehren haufte für den Hochverdienten die theologiſche Fakultät in Heidelberg noch die Ertheilung des theologiſchen Doktordiploms.— Des Greiſes rüſtiger Sinn für ſeinen hohen Beruf als Volkserzieher bekundet eine neue Unternehmung— die Herausgabe ſeiner bibli⸗ ſchen Geſchichten, die in die ſämmtlichen badi⸗ ſchen Landſchulen als Lehrbuch eingeführt, gleich Hübner's bibliſchen Hiſtorien, Segen ſtiften werden, wenn Hebel's Aſche längſt verſtäubt iſt.— Sie ſind(Cotta, Stuttgardt und Tübingen) in mehreren Auflagen er⸗ ſchienen. Hebel genoß, trotz ſeines Alters, einer gu⸗ ten Geſundheit, nnd gab ſeinen Freunden Hoff⸗ nung ihn noch lange fortwirken zu ſehen. Doch nur zu plötzlich ward dieſe gefährdet, vernich⸗ tet. Sein Beruf führte ihn im Herbſte 4819 nach Mannheim, den dortigen Schulprüfungen beizuwohnen. Unwohl reiſte er am 16. Sept. dieſelbe zunahm, ſo ſehr, daß neue Auflagen 13 von Mannheim zurück, und kehrte unwohler bei dem Gartendirektor Zeyher in Schwetzin⸗ gen, ſeinem vieljäahrigen Freunde, ein. Das Uebel, geſtörte Wirkſamkeit des Verdauungs⸗ organismus, kündigte ſich bald als ein töodtli⸗ ches an. Schon nach 5 Tagen entſchlummerte er in den Armen ſeiner von nahe und ferne herbeigeeilton Freunde. Er ſtarb den 22. Sept. am frühen Morgen. Sein Grab iſt auf dem Kirchhofe zu Schwetzingen. Werfen wir noch einen Blick auf Hebel'’s Perſönlichkeit. Sein Körper war wohlgebildet, nicht groß, aber kräftig und in ſchönem Ebenmaß. Sein Geſicht war nicht ſchön aber ſehr intereſſant, ſein dunkles, feuriges Auge, die hohe edle Stirn und die etwas gebogene Naſe gaben dem ſchlappen faltigen Geſicht einen ganz ei⸗ genthumlichen Ausdruck, der ihn überall als einen ungewöhnlichen Menſchen kenntlich mach⸗ te. Seines Charakters Hauptzüge waren Kind⸗ lichkeit, Heiterkeit mit tiefer, inniger Men⸗ ſchenfreundlichkeit gepaart. Jedermann fühlte ſich von ihm angezogen. Wo er nur war, ſammelte der frohe Geſellſchafter alles um ſich her. Sein attiſcher Witz, ſeine originelle Laune, ſeine naiven Erzählungen, ſeine intereſſanten, feſſelnden Geſprache, reich an in der anſpruch⸗ 14 loſeſten Form eingewebten Belehrung üben wiſſenſchaftliche Gegenſtände, bezauberte allt Hörer.— Seine Rechtlichkeit war makellos, und die Pünktlichkeit, welche er in allen Le⸗ bensverhältniſſen als Gelehrter, Beamter und Freund geltend machte, erwarb ihm allgemeint Hochachtung. Aechte Frömmigkeit, keine Kopf⸗ hängerei, ſetzte ſeinem edeln Charakter dit Krone auf. Hebel war nie verheirathet. — G— Vorwort. Der Dialekt, in welchem dieſe Gedichte ver⸗ faßt ſind, herrſcht in dem Winkel des Rheins zwiſchen dem Frickthal und ehemaligen Sund⸗ gau, und weiterhin in mancherlei Abwandlun⸗ gen bis an die Vogeſen und Alpen und uüber den Schwarzwald hin in einem großen Theil von Schwaben. Fur Freunde ländlicher Natur und Sitten eignet dieſe Gedichte ihr Inhalt und ihre Manier. Wenn Leſer von höherer Bildung ſie nicht ganz unbefriedigt aus den Händen legen, und dem Volk das Wahre, Gute und Schöne mit den heimiſchen und ver⸗ trauten Bildern lebendiger und wirkſamer in die Seele geht, ſo iſt der Wunſch des Ver⸗ faſſers erreicht. Leſer, die mit dieſer Sprachweiſe nicht ganz bekannt ſind, werden folgende wenige gram⸗ 16 matikaliſche Bemerkungen nicht überflüſſig ſinden. Das u und ü vor einem h, dem wie⸗ der ein Vokal folgt, oder folgen ſollte, geht in die Triphtongen ueih und Ueih über und dieſe Form iſt alſo im Metrum immer einſil⸗ big. Z. B. früeih, frühe;— beide Arti⸗ kel werden meiſt abgekürzt, tonlos und in der Ausſprache wahre Präfixa des Subſtantivs oder Suffixa der Präpoſition. Hie und da ſchien es unvermeidlich ſie als ſolche auch in dem Texte auszudrücken, 3. B. Uffeme, auf einem Anere, an einer.— Der Akkuſa, tiv des Singulars iſt auch bei den Maſkulinis dem Nominativ gleich, z. B. der Tag, der und den Tag. Der Dativ des Singulars wird bei den Maskulinis und Neutris, bis⸗ weilen auch Femininis durch die Präpoſition in bezeichnet. 3. B. im Liecht, imme Liecht, dem, einem Licht; innere(in einer) Frau, einer Frau.— Das abſolute Prono⸗ men Ich lautet im Nominativ des Pluralis wie der Dativ des Singulars. Mir; auch Du, häufiger Dir als Ihr. Sich im Neu⸗ trum heißt bisweilen Ihns. Aber überall werden die Perſonalpronomina und das unbe⸗ ſtimmte Man, wenn ſie keinen Nachdruck oder Gegenſatz haben, wie der Artikel, abge⸗ kürzt und wahre Präfixa oder Suffixa der nächſten Wörter, letztere, wenn alsdann zwei Vokale zuſammen kämen mit einem eingeſcho⸗ 17 benen n., Sagi, ſage ich; Woni, wo ich; Wennd' und Wennde, wenn du; Wem⸗ me, wenn man; Sagmer, ſage mir; Denkder, denke dir; Bringem, Brin⸗ gere, bring ihm, ihr; Sàgemer, ſagen wir Sägetder, ſagt ihr; Sie Zéigenis, zei⸗ gen uns; Zeigenich, zeigen euch; Zuenis, zu uns; Zuenich, zu euch; Sälgene, ſage ihnen; Sagider, ſage ich dir; Sägim,, ſa⸗ ge ich ihm u. ſ. w. Indeſſen ſind dieſe Anhäng⸗ wörter, um dem Texte nicht ein zu fremdes Anſehen zu geben, auch in ihrer veränderten und abgekürzten Form faſt überall getrennt ge⸗ ſchrieben, wenn nicht Ausſprache oder Deut⸗ lichkeit die Verbindung zu erfordern ſchien. Das Gloſſarium am Ende enthält die in den Gedichten vorkommenden Idiotiſmen und ungewöhnlichen Formen des Dialekts. Die Abſicht des Verfaſſers war, theils ſolchen Le⸗ ſern, die manche Ausdruͤcke nicht kennen möch⸗ ten, mit der Erklärung entgegen zu kommen, theils einheimiſche, die in der Sprache ihrer Landsleute nur eine Entſtellung und Mißhand⸗ lung des gutdeutſchen Ausdrucks finden, an einzelnen Beiſpielen auf das Alter und die Ableitung ihrer eigenthümlichen Wörter auf⸗ merkſam zu machen. — Hebels Gedichte. 2 Die Irrlichter. Es wandlen in der ſtille dunkle Nacht wohl Engel um, mit Sterneblume bichrönt, uf grüne Matte bis der Tag verwacht, und do und dört e Betzit⸗Glocke tönt. Sie ſpröche mitenander deis und das, ſie machen öbbis mitenander us; 's ſin geheimi Sache, niemes rothet, was? Druf göhn ſie wieder furt, und richte's us. Und ſtoht ke Stern am Himmel und ke Mon, und wemme numme ſieht, wo d'Nutzbäum ſtöhn, müten ſelli Marcher uſem Fuür an d'Frohn, ſie müen den Engle zünde, wo ſie göhn. 20 Und jedem hangt e Bederthalben a, und wenn's em öd wird, lengt er ebe dri, und biißt e Stückli Schwefelſchnitten a, und trinkt e Schückli Treber⸗Brentewi. Druf puzt er d'Schnören amme Tſchäubli ab, Hui, flackerets in lichte Flammen uf, und, hui, gohts wieder d'Matten uf und ab, mit neue Chräfte, d'Matte ab und uf. 's iſch chummliger ſo, wenn eim vorem Fuß und vor den Auge d'Togge ſelber rennt, aß wemme ſie mit Hände trage muß, und öbbe gar no d'Finger dra verbrennt. Und ſchritet ſpot e Menſch dur d'⸗Nacht derher, und ſieht vo witem ſcho die Kerli goh. und betet liſli:„Das walt Gott der Her“— „Ach bleibe bei uns“— im Wetter ſind ſie do. Worum? So bald der Engel bete hört, ſe heimelets en a, der möcht derzu. Der füurig Marcher blieb io lieber dört, und wenn er chunnt, ſo hebt er d'Ohre zu. Und ſchritet öbſch e trunkne Ma dur d'Nacht, er fluecht und ſappermentet:„Chrütz und Stern“ 4 und alli Zeichen, aß der Bode chracht, ſell hörti wohl der fuürich Marcher gern. 2 Doch wirds em nit ſo gut. Der Engel ſeit: „Furt, weidli furt! Do magi nüt dervo!“ Im Wetterleich, ſen iſch der wiit und breit kei Marcher me, und au kei Engel do. Doch goht me ſtill ſi Gang in Gottis G'leit, und denkt:„Der chönnet bliben oder cho, „ne jede weiß ſi Weg, und ˙s Thal iſch breit,“ ſel iſch's vernünftigſt, und ſie lön ein go. Doch wenn der Wundervitz ein öbbe brennt, me lauft im Uhverſtand den Engle no, ſel iſch ene wie Gift und Poperment; im Augeblick ſe lön ſie alles ſtoh. Z'erſt ſage ſie:„Denkwol es iſch ſi Weg, „er goht verbei, mer wen en wenig z'ruck!“ So ſage ſie, und wandle ſtill us weg, und ſider nimmt der füürig Ma ne Schluck. Doch folgt me witers über Steg und Bort, wo nummen au der Engel goht und ſtoht, ſe ſeit er ylezt: Was gilts i find en Ort, „du Lappi, wo di Weg nit dure goht! Der Marcher muß vora, mit ſtillem Tritt der Engel hinterher, und lauft me no, ſe ſinkt men in e Gülle,'s fehlt ſie nit. Jez weiſch di B'richt, und jez chaſch wieder göoh! 22 Nei, wart e wenig,'s chunnt e guti Lehr! Vergiß mer's nit, ſchribs lieber in e Buch! Zum Erſte ſagi: Das walt Gott der Her, iſch alliwil no beſſer, as e Fluch. Der Fluch jagt d'Engel mittem Heil dervo; ne chriſtli Gemueth und's Bette zieht ſi a; und wemme meint, me ſeh ne Marcher cho, 's iſch numme ſo d'Laterne vorne dra. Zum Anderen, und wenn en Ehre⸗Ma ne Geſchäft für ihn ellei z'verrichte het, ſo loß en mache, was gohts die denn a? Und los nit, wemme mittem Nochber redt! Und goht me der us Weg, ſe lauf nit no! Gang diner Wege furt in Gottis G'leit! 's iſch Uhverſtand, me merkts enanderno, und ˙s gilt en Unehr. Sag, i heig ders gſeit. 23 Der Schmelzofen. Jez brennt er in der ſchönſten Art, und ˙s Waſſer ruuſcht, der Blosbalg gahrt, und bis aß d'Nacht vom Himmel fallt ſe würd die erſti Maßle chalt. Und's Waſſer ruuſcht, der Blosbalg gahrt; i ha druf hi ne Gulde g'ſpart. Gang Chüngi, lengis alte Wi, mer wen e wengli luſtig ſy! Ne Freudeſtund iſt nit verwehrt; me g'nießt mit Dank, was Gott biſchert. me trinkt e friſche frohe Mueth, und druf ſchmeckt wieder's Schaffe gut. E Freudeſtund, e guti Stund! 's erhaltet Lib und Chräfte g'ſund; doch muß es in der Ordnung goh, ſuſt het mer Schand und Leid dervo. E frohe Ma, ne brave Ma! Iez ſchenket i, und ſtoßet g: „s leb der Marggrof und ſi Huus!“ Ziehnt d'Chappen ab, und trinket us! Ne beſſere Her treit d'Erde nit, s iſch Sege, was er thut und git, 24 i cha's nit ſage, wieni ſott, Vergelts em Gott! Vergelts em Gott! Und's Bergwerch ſoll im Sege ſtoh! s het menge Burger's Brod dervo. Der Her Inſpekter lengt in Trog, und zahlt mit Freud, es iſch kei Frog. Drum ſchenket i, und ſtoßet a! Der Her Inſpekter iſch e Ma, mit üſers Gattigs Lüte g'mei, und fründli gege groß und chlei. Er ſchafft e gute Wi ufs Werk, er holt en über Thal und Berg, er ſtellt en luter uffe Tiſch, und mißt, wie's recht und billig iſch. Sell iſch verbei, der Ma am Füür muß z'trinke ha, wärs no ſo thür. Es rieslet menge Tropfe Schweiß, und wills nit go, men ächzet eis. Me ſtreift der Schweiß am Ermel ab, me ſchnufet, d'Bälg verſtuune drab, und mengi liebi Mitternacht wird ſo am heiße Herd verwacht. Der Schmelzer iſch e plogte Ma, drum bringem's ein, und ſtoßet a: Gſegott! Vergiß di Schweiß und Ach! 's het jeden anderen au ſi Sach. Am Zahltag theiltiſch doch mit kei'm, und bringſch der Lohn im Nastuch heim, ſe luegt di d'Marei fründli a, und ſeit:„I ha ne brave Ma!“ Druf ſchlacht ſie Eiern⸗ Anken i, und ſträut e wenig Imber dri; ſie bringt Salat und Gruebe dra, und ſeit:„Iez iß du liebe Ma!“ Und wenn e Ma ſi Arbet thut, ſe ſchmekt em au ſi Eſſe gut. Er tunſchti nit in Leid und Lieb mit mengem riche Galge⸗Dieb, Mer ſitze do, und ˙s ſchmektis wohl. Gang Chüngeli leng no nemol, wil doch der Ofe wieder goht, und's Erz im volle Chübel ſtoht! Se brenn er denn zu guter Stund, und Gott erhalt ich alle gſund, und Gott bewahr ich uf der Schicht, . aß niemes Leid und Ungluͤck gſchicht! Und chunnt in ſtrenger Winters⸗Zit, wenn Schnee uf Berg und Firſte lit, 25 26 en armer Bub, en arme Ma, und ſtoht ans Fuür, und wärmt ſie dra, Er bringt e paar Grumbireli, und leits ans Füür, und brotet ſie, und ſchlofft bei'm Setzer uffem Erz— ſchlof wohl, und tröſt der Gott di Herz! Dört ſtoht ſo ein. Chumm arme Ma, und thunis Bſcheid, mer ſtoßen a! Gſegott, und troſt der Gott di Herz: me ſchloft nit lieblig uffem Erz Und chunnt zur Zit e Biderma, ans Füür, und zündet's Pfifle a, und ſetzt ſi näumen ane mit, ſe ſchmeks em wohl, und— brenn di nit! Doch fangt e Büebli z'rauchen a, und meint es chönns, as wie ne Ma, ſe macht der Schmelzer churze Bricht, und zieht em's Pfifli uſem Gſicht. Er keits ins Füür, und balgt derzu: „Heſchs au ſcho glehrt, du Lappi du! „Sug amme Störzli Habermark, „Weiſch? Habermark macht d'Bube ſtark!“ 's iſch wohr,'s git mengi Churzwil mehr am Suntig no der Chinderlehr, und ſträmt der füürig Iſe⸗Bach im Sand, es iſch e ſchöni Sach. Frog menge Ma:„Sag, Nochber he! „heſch au ſcho Iſe werde ſeh „im füͤuürige Strom de Forme no?“ Was gilts, er cha nit ſage: Jo? Mir wüſſe, wie me's Iſe macht, und wie's im Sand zu Maſſle bacht, und wiemes druf in d'Schmidte bringt, und d'Luppen unterm Hammer zwingt. Jez ſchenket i, und ſtoßet a: Der Hammermeiſter iſch e Ma! War Hammerſchmid und Zeiner nit, do läg e Sach, was thät me mit? Wie giengs im brave Hamberchs⸗Ma? 's muß jede Stahl und Iſe ha; und muß der Schnider d'Nodle ge, ſen iſchs au um ſie Nahrig gſcheh. Und wenn im früeieh Morgeroth der Buur in Feld und Fuhre ſtoht, ſe mus er Charſt und Haue ha, ſuſt iſch er e verlohrene Ma. Zum Broche brucht er d'Wägeſe, zum Meihe brucht er d'Säͤgeſe, 28 und d'Sichle, wenn der Weize bleicht, und's Meſſer wenn der Trübel weicht. So ſchmelzet denn, und ſchmiedet ihr, und dankich Gott der Her derfür! Ung mach en andre Gichle drus, und was me bruucht in Feld und Hus! Und numme keini Sebel meh! 's het Wunde gnug und Schmerze ge. 's hingt mengen ohni Fuß und Hand, und mengi ſchloft im tiefe Sand. Kei Hurlibaus, ke Füſt meh!. Mer hen's Lamento obbe gſeh, und ghört wie's in de Berge chracht, und Aengſte gha die ganzi Nacht, Und glitte hemmer, was me cha; drum ſchenket i, und ſtoßet a: Uf Völker Fried' und Einigkeit von nun a bis in Swigkeit! Iez zahlemer! Jez göihmer hei, und ſchaffe hut no allerlei, und dengle no bis tief in d⸗Nacht, und meihe, wenn der Tag verwacht. Der Morgenſtern. Woher ſo früheih, wo ane ſcho. Her Morgeſtern enanderno in diner glitzrige Himmelstracht, in diner guldige Locke Pracht, mit dinen Auge chlor und blau und ſufer g'wäſchen im Morgenthau? Heſch gmeint, de ſeiſch alleinig do? Nei weger nei, mer meihe ſcho! Mer meihe ſcho ne halbi Stund; fruͤhe ufſto iſch de Gliedere g'ſund, es macht e friſche frohe Muth, und d'Suppe ſchmeckt eim no ſo gut. *s git Lut, ſie doſe frili no, ſie chonne ſchier nit uſe cho. Der Maͤhder und der Morgeſtern ſtöhn zitli uf, und wache gern, und was me frueih um Vieri thut, das chunnt eim z'Nacht um Nüni gut. Und d'Vöglei ſin au ſchon do, ſie ſtimmen ihre Pfifli ſcho, und uffem Baum und hinterm Hag ſeit eis im andere gute Tag! Und*s Turteltubli ruukt und lacht, und ˙s Betzitglöckli iſch au verwacht. 29 30 „Se helfis Gott und gebis Gott „e gute Tag, und bhütis Gott! „Mer beten um e chriſtlig Herz, „es chunnt eim wohl in Freud und Schmerz; „wer chriſtli lebt, het frohe Muth: „der lieb Gott ſtoht für alles gut.“ Weiſch Jobbeli was der Morgeſtern am Himmel ſucht? Me ſeits nit gern! Er wandlet imme Sternli no, er cha ſchier gar nit vonnem lo. Doch meint ſi Mutter,'s müeß nit ſy, und thut en wie ne Hüenli i. Drum ſtoht er uf vor Tag, und goht ſi'm Sternli no dur's Morgeroth. Er ſucht, und's wird em windeweh, er möcht em gern e Schmützli ge, er möcht em ſagen: J bi der hold! es wär em über Geld und Gold. Denn wenn er ſchier gar binem wär, verwacht ſie Mutter handumcher, und wenn ſie rüef enanderno,. ſen iſch mi Bürſtli niene do. Druf flicht ſie ihre Chranz ins Hoor, und lueget hinter die Berge vor. 31 Und wenn der Stern ſi Mutter ſieht, ſe wird er todesbleich und flieht, er rueft ſi'm Sternli: Bhütdi Gott! es iſch, as wenn er ſterbe wott. Jez Morgeſtern heſch hohi Zit. di Mütterli iſch nümme wit. Dört chunnt ſie ſcho, was hani gſeit, in ihrer ſtille Herrlichkeit. Sie zündet ihre Strahlen a, der Chlich⸗Thurn wärmt ſi au ſcho dra, und wo ſie fallen in Berg und Thal, ſe rüehrt ſi's Leben überal. Der Storch probiert ſi Schnabel ſcho, „de chaſchs perfekt, wie geſter no!“ und d'Chemi rauchen au alsgmach; hörſch's's Mühlirad am Erlebach, und wie im dunkle Buchewald mit ſchwere Streiche d'⸗Holzax fallt? Was wandlet dört im Morgeſtrahl mit Tuch und Chorb dur's Mattethal? 's ſind d'Meidli jung, und flink und froh, ſie bringe weger d'Suppe ſcho, und's Anne Meili vornen a, es lacht mi ſcho vo witem a. 32 Wenn ich der Sunn ihr Buͤebli wär, und's Anne Meili chäm ung'fähr im Morgeroth, ihm giengi no, i müeßt vom Himmel abe cho, und wenn au d'Muetter balge wott, i chönnts nit lo, verzeihmers Gott! Der Karfunkel. Wo der Aetti ſi Tuback ſchnätzlet, ſe lueget en d'Marei fründlig und bitwis a:„Verzelis näumis o Aetti, „weiſch ſo wieder, wie necht, wo's Chüngi het welle verſchlofe!“ Drüber rucke's Chüngi, und's Anne Bäbi und d'Marei mit de Chunklen ans Licht, und ſpanne d' Saiten, und ſtriche mittem Schwärtli's Rad, und zupfen enander am Ermel. Und der Joppi nimmt e Hampfle Liechtſpöhn, und ſeßt ſi nebene Liechtſtock hi, und ſeit:„Das willi verrichte.“ 33 Aber der Hans Jerg lit e lange Weg überen Ofe, lueget aben und denkt:„Do obe höri's am beſte, „und bi nimes im Weg.“ Druf, wo der Aetti ſi Tuback gſchnitte het, und's Pfifli drunter, und trinkt in gierige Züge, bis es brennt. Druf drukt er*s Fuuür mit de Fingeren abe, und macht's Deckeli zu.„Se willi denn näumis verzehle,“ ſeit er, und ſizt nieder,„doch muender ordeli ſtill ſy, „aß i nit verſtuun, ebs us iſch, und du dört obe, „pack di vom Ofen abe! Heſch wieder niemne ke Platz g'wüßt? „Iſchs der zwohl, und g'luſtet's di wieder no nem Karfunkel? „Numme ken, wie ſell ein gſi iſch, woni im Sinn ha:“ „'s iſch e Plätzli näumen, es goht nit Ege no Pflug druf, Hurſt an Hurſt ſcho hundert Johr und giftigi Chruüter, 's ſingt kei Troſtle drinn, kei Summervögeli bſuecht ſie, breiti Doſche hüete dört e zeichnete Chörper. Hebels Gedichte.. 3 34 s wär ke ungeſchickt Bürſchli gſi, ſel ſeit me, doch ſeig er zitlich ins Wirthshus g'wandlet, und über Bi⸗ bel und Gſangbuch ſin em d'Charte gſi am Samſtig z'oben und Sunntig. Flueche het er chönne, ne Hex im rueßige Chemi hätt ſie bſegnet und bettet, und d' Sternen am Himmel hen zittert. z6 het e mol im grüene Rock e borſtige Jäger zug'luegt, wie ſie ſpiele. Mit unerhörte Flueche het der Michel Stich um Stich und Büeßli verlore. „Du vertlaufſch mer nit!“ ſeit für ſi ſelber der Grunrock. d⸗Wirthene hets no ghört, und denkt:„Iſchs obbe ne Werber!“ ¹z iſch ke Werber gſi, der werdets beſſer er⸗ fahre, wenn der Michel g'wibet het, und ˙s Güetli verlumpet. Was het's Stroßwirths Tochter denkt? Sie het em us Liebi Hand und Jowort ge, doch nit us Licbi zum Michel, nei zu Vater und Mutter, es iſch ihr Willen. und Wunſch gſi. n 35⁵ Sellen Oben iſchs in ſchwere Gidanke vert⸗ ſchlofe, ſelli Mittnacht hets e ſchwere bidütſeme Traum gha. 's iſch em gſt, es chömm vo Staufe füren an d'Landſtroß; an der Landſtroß goht e Chapeziner und betet. „Schenket mer au ne Helgli, Her Pater, went der ſo gut ſy! „Bini nit e Bruut?'s cha ſy's het guti Bidutig.“ Landſem ſchüttelt ſi Chopf der Pater, und unter der Chutte lengt er e Hampfle voll Helge.„Do zieh der ſelber ein uſe!“ Seits, und wo nes zieht, ſe lengt's in ſchmu⸗ tzigi Charte. „Heſch echt's Eckſtei⸗Aß?'s bidutet e rothe Charfunkel; „'s iſch ke gute Schick.“—„Jo weger,“ ſeit es,„das hani.“ Wieder ſeit der Pater:„Se zieh denn anderſt, o Brutli! „Heſcht echt ſiebe Chrütz?“—„Jo weger“ ſeit es und ſüfzget.— „Tröſt di Gott, zieh anderſt! Es chönne no beſſeri drinn ſy. „Heſch e blutig Hers?„Jo weger! ſeits und erſchrickt drob.— 36 „Jez zieh no ne mol,'s cha ſy, die Heilige chunnt no!“ „Iſchs der Schuflebueb?“— Es wird wol, bſchauet en ſelber!“— „Jo de heſch en! Tröſt di Gott! Er ſchuflet di abe.“ So hets im Kätterli traumt, und ſo hets ſelle mol gſchlofe. Stroßwirths Tochter, was heſch denkt, und heſch mer en doch g'no? Jo, es het jo müeßen und gſeit:„Ins Here Gotts Name! „No de ſiebe Chrützen und hinterem blutige Herze „chunnt mi Heilige, wills der Her, und ſchuflet mi abe.“ Z'erſt hätt's möge go. Zwor mengmol het no der Michel gſpielt und trunke, bis gnug, und gflucht, und 's Katterli ploget. Mengmol iſch er in ſi gange, wenn's en mit Thrane bittet het, und bette. Ne mol ſe ſeit er:„Jez willi „mit der akkordieren, und d'Charte willi ver⸗ flueche. „Soll mi der T.... hole, ſo bald i eini me ga'ruhr!. 1 „Aber ins Wirthshus gangi, ſel willi, ſel chani nit mide, 37 „Grums und hul, ſo leng's der gefallt, ich der nit helfe!“ Het er's Erſt nit gehalte, ſen iſch er im An⸗ dere treu gſi. Woner ins Wirthshus chunnt, ſe ſizt mi bor⸗ ſtige Grünrock hinterm Tiſch, ſelb tritt, und muſchlet d'Char⸗ ten, und rüeft m; „Biſch mer e Cammerad, ſe chumm, ſe wem⸗ mer eis mache!“ „Ich nit,“ ſeit der Michel,„Bas Margreth leng mer e Schöpli!“ „Du nit?“ ſeit der Grün. Chumm numme, bis de di Schoppe „trunke heſch, und's goht um nüt, mer mache für Churzwil!“ „He,“ denkt binem ſelber der Michel,„wenn es um nüt goht, „ſell iſch io nit g'ſpielt,“ und ſezt ſie nebene Grünrock. 's chunnt e Chnab ans Fenſter mit lockiger Stirnen und rueft em: „Meiſter Michel, uf e Wort! Der Stroße⸗ wirth ſchickt mi.“ „Schicken wieder,“ ſeit er,„i weiß ſcho, was er im Chopf het! „Wer ſpielt us, und was iſch Trumpf, und gſtoche das Eckſtei!“ Druf und druf! Z'lezt ſeit der Grün:„Was biſch du ne Glückschind! „Möchtſch nit numme Chrützer mache?“— Sel iſch iez eithue, denkt der Michel, gſpielt iſch gſpielt, und ſeit: „Es iſch eithue!“ „Chömmet“ rüeft der Chnab, und pöpperlet wieder am Fenſter, „Nummen uf en enzig Wörtli!“—„Los mi ung'heit iez! „Chrütz im Baum, und Schufle no, und no ne mol Schufle!“ Und ſo gohts vom Chrützer bis endli zu der Dublone. Wo ſie ufſtöhn, ſeit der Grünrock:„Michel, i cha di „iez nit zahle. Magſch derfür mi Fingerring bhalte, „bis i en wieder lös. Es ſin verborgeni Chräfte „in dem rothe Charfunkel. O lueg doch, wie ner ein a'blizt!“ ¹s dritmol chlopfts am Fenſter:„O Michel chommet, wil's Zit iſch!“ — „Loß en ſchwetze, ſeit der Grünrock, wenn er nit goh will! 39 „Nimm du no mi Fingerring, und wenn de ke Chrutzer „Geld deheim, und niene heſch, es cha der nit fehle. „Wenn der Ring am Finger ſteckt, und wenn de in Sack lengſch „alli Tag emol, ſe heſch e bairiſche Thaler. „Nummen an kem Fyrtig, i wott der das ſelber nit rothe. „Chaſch mi witers bruche, ſe ruef mer num⸗ men! ₰ hör di. „Heißi nit Vizli Buzli, und hani d'Ohre nit bymer? Sieder briegget d'Frau deheim im einſeme 3 Stübli, und list in der Bibel und im verrißene Bet⸗ buch, und der Michel chunnt und ſchändet:„Findi di wieder 8 „an dim ewige Betten und dunderſchießige 5 Hüle? „Lueg do, was i gunne ha, ne rothe Char⸗ funkel!“ *s Kätterli verſchreckt:„O Jeſis,“ ſeit es, 3„was ſiehni! . 40 „'s iſch ke guete Schick!“— und ſinkt dernieder in Ohnmacht. Wärſch doch nümme verwacht, wie menge bittere Chummer hättſch verſchlofen, armi Frau, wo diner no wartet! Icz wirds tägli ſchlimmer. Uf alle Merte flankiert er, alli Chülbene bſucht er, und wo me ne Wirths⸗ hus bitrittet, z'nacht um Zwölſti, Vormittag nnd z'oben um Vieri, ſizt der Michel dört, und müſchlet trüglichi Charte. 's Chind verwildert,'s Guetli ſchwindet, Acker um Acker chunnt an Staab und d'Frau vorgoht in bittere Thräne. Goht er öbbe heim, gits ſchnödi Reden und Antwort: „Chunnſch du Lump? Und ſo und ſo.— Mit trunkene Lippe fluecht der Michel, ſchlacht ſi Frau. Jez muß er zum Pfarrer, iez vor Oberamt, und mittem Haſchierer im Thurn zu. 41 Goht er ſchlimm, ſe chunnt er ärger, wennem der Vizli Buzli wieder d'Ohren ſtriicht, und Gallen ins Blut miſcht. So währts ſiebe Johr. Emol ſe bringt en der Buzli wieder uſem Thurn, und„Allo göhn mer ins Wirthshus, „eb he heim chunnſch mit de Streiche, wo ſie der ge hen! „Was der d'Frau zum Willkumm gichocht het, wird di nit brenne. „Los, de duurſch mi, wenn i dra denk, ˙s möcht mi verſprenge, „wie's der goht, und wi der d'Frau di Lebe verbittert. „So ne Ma, wie du, ſo ˙s Tags ſi Thaler verthue cha. „Glücklich biſch im Spiele, doch no nem leidige Sprückwort, „mittem Wibe heſch's nit troffe, chani der ſage. „Wärſch ellei, wie hättſch's ſo gut, und leb⸗ tiſch ſo rüeihig! „'s pin'get di, me ſieht ders a, und d'Odere ſchwelle. „Trink e Schlückli Brenz, er ſchüeltder bbbe die Jaſt ab!“ 42 Aber d'Frau deheim, mit z'ſemegſchlagene Hände ſizt ſie uffem Bank, und luegt dur Thränen am Himmel. „Siebe Johr und ſiebe Chrutz!“ ſo ſchluchzget ſte endli, „'s wird mir redli wohr, und Gott im Him⸗ mel wells ende!“ Seits und nimmt e Buch und betet in Todes⸗ gidanke. Drüber ſchnellt der Michel d'Thür uf, und fürchterli ſchnauzt er: „Hülſch au wieder? Du heſchs nöthig, falſchi Canali! „Sur⸗Chrut choch mer! ˙s Kätterli ſeit:„s iſch niene ke Füuür meh.“ „Sur⸗Chrut willi! Lueg i dreih der's Meſſer im Lib um.“— „Lieber hüt, as morn. De bringſch mi untere Bode „ei Weg wie der ander, und ˙s Buebli heſch mer ſcho g'mordet.“— „Di ſoll der Dunder und's Wetter in Erds⸗ boden abe verſchlage!“ Seit's und zuckt, und ſinnlos ſchwanket ˙s Kätterli nieder. „O mi bluetig Herz,“ ſo ſtöhnt's no lisli wo's umfallt. 8 4³ „Chumm, b Schueflebub, do heſchmi, ſchufle mi abe!“ Jez der Michel furt, vom ſchnelle Schrecken ergri iffe, lauft ins Feld, der Bode ſchwankt, und 1s raßlet im Nußbaum. „Vizli Buzli roth mer du!“ So ruͤeft er. Der Buͤzli, hinterem Nußbaum ſtoht er, und chunnt und frogt en:„Was fehlt der?“ „D' Kätteri hani verſtoche, iez roth mer, was i ſoll mache!— „Iſch das alles 2“ ſeit der Buzli.„Weger de chaſch ein „doch verſchrecken, aß me meint, was Wunder paſſiert ſeig! „Närſch, iez chaſch im Land nit blibe,'s möcht e Verdruß ge. „Iſch nit dört der Rhi? Und chumm, i will di bigleite, „s ſtoht e Schif am Gſtad!“— Jez ſtige ſie ehnen im Sunggäu friſch ans Land, und quer dur's Feld. Im ein⸗ 4 ſeme Wirthshus brennt e Licht.„Mer wen doch luege, wer no do in iſch,“ ſeit der Grüͤn,„wer weiß do chaſch der d' Grille vertreibe!“ Aber im Wirthshus ſitze no ſpoti nächtligi Gſelle, und's goht vorne amit Banketiere und Spiele. „Chrütz iſch Trumpf! Und no ne mol! Und chönnetder di do? „Gſtoche die! und no ne Trumpf! Und— gſtoche das Herzli!“ 's iſch ſcho halber Zwölfi. Will echt mit locki⸗ ger Stirne iez ke Chnab erſchine? Nei weger! Michel, es endet! O, wie ſpielſch ſo ſöllich ungſchickt? G'ſtoche das Herzli, lengt em tief in d'Seel, und alli mol, wenn er e Stich macht, wiederholts der Grün, und wirft im Michel e Blick zu. Drüber warnts uf Zwölfi. Mit alliwil ſchlech⸗ tere Charte ſpielt er allwill ſchlechter, und zahlt afange mit Chride. Druf hets Zwölſi gſchlage. Jez lengt er mit g'ringletem Finger friſch in Sack:„Wer wechslet no ne bairiſche Thaler? Schlechti Münz, Her Michel! Er lengt in glaſige Scherbe, thut e Schrei, und luegt mit Gruus und Schrecke der Grün a. 45 Aber der Buzli leert ſi Brenntewigläsli und ſchmazget; „Michel, chumm iez furt, der Wirth würd wellen ins Bett goh! „s chömme hüt viel Gaͤſt, ſie hen e luſtige . Fyrtig. „Iſch nit Ludwigstag, der fünfezwenzigſt Auguſti? Dreih am Ring, ſo lang de witt, de bringſch en nit abe!“ O, wie het der Michel g'lost— e luſtige Fyrtig; O wie het er d'Füeß am Tiſchbei unte ver⸗ chlammert! 's hilft nit lang, und thut nit gut. Mit ängſtlichem Bebe ſtoht er uf. und ſeit ke Wort, und göhn mit enander, vornen a der Grün, und an de Ferſe der Michel, wie ne Chalb im Metzger folgt zur bluetige Schlachtbank. Oebbe ne Büchſeſchuß vom Wirthshus ſtellt een der Buzli. „Michel, ſeit er, lueg es ſtoht kei Sternli am 4 Himmel! und über! „'s goht kei Luft, es ſchwankt kei Naaſt, es ruhrt ſi ke Läubli, „Und du biſch mer au ſo ſtill. J glaub, de witt bette, „oder machſch der e' Uerthen und iſch der's Lebe verleidet? „Wie de meinſch! Die Wahl iſch ſchlecht, i muß ders bikenne. „Se, do heſch e Meſſer! J ha's am Blotzemer Mert g'chauft! „Hau der d'Gurgele ſelber ab, ſe choſt's di ke Trinkgeld!“ So het der Aetti verzehlt, und mit engbrü⸗ ſtigem Othem ſeit druf d'Mutter:„Biſch bal fertig? Mach mer die Meidli „nit ſo z'förche,'s ſin doch nummen erdichtete Mahrli!“— „So, i bi jo ferig!“ erwiedert der Aetti, dört lit er „mit ſim Ring im Dorne Ghürſt, wo die Troſtle nit ſinge.“ „Lueg, der Himmel hangt voll Wetter über 47 Aber d'Marei ſeit:„O Muetter, wer wird em denn förche! „Denkſch, i merk nit, was er meint, und was er will ſage? der Vizli Buzli, das iſch die böſi Ver⸗ ſuchung. „Lokt ſie nit, und fuhrt ſie nit in Sünden und Elend, „wenn e Menſch nit bete mag, und folgt nit, und ſchafft nut! „Und der lockige Chnab iſt gueti Warnig im SGwwiſſe. „O i chenn mi Aetti wohl, und ſine Gi⸗ danke!“ „Jo, Das Herlein. Und woni uffem Schnittſtuhl ſitz für Baſſeltang und Liechtſpöhn ſchnitz, ſe chunnt e Hexli wohlgimuth, und frogt no frei:„Haut's Meſſer gut? Und ſeit mer frei no Gute Tag! und woni lueg, und woni ſag: „'s chönnt beſſer go, und Große Dankl“ ſe wird mer's Herz uf ei mol chrank. Und uf, und furt enanderno, und woni lueg, iſchs numme do, und woni ruef:„Du Hexli he!“ ſo gilts mer ſcho kei Antwort meh. Und ſieder ſchmeckt mers Eſſe nit; ſtell numme, was de heſch und witt, und wenn en anders ſchlofe cha, ſe höri alle Stundi ſchlah. Und was i ſchaff, das g'rothet nit, und alli Schritt und alli Tritt, ſe channt mim Sinn das Hexli für, und was i ſchwetz, iſch hinterfür. ¹s iſch wohr, e Gſichtli gha, 's verluegti ſie en Engel dra. und's ſeit mit ſo'me freie Muth, ſo lieb und ſuß:„Haut's Meſſer gut.“ Und leider hani's ghört und gſeh, und ſellemols und nümme meh. Dört iſchs an Hag und Kurſt verbei, und witers über Stock und Stei. Wer ſpöchtet mer mi Hexli us, wer zeigt mer ſiner Mutter Hus? „J lauf no was i laufe cha, wer weiß, ſe triffi's doch no a! lauf no alli Dörfer us, i ſuch und frog vo Hus zu Hus, und würd mer nit mi Hexli chund, ſe würdi ebe nümme g'ſund. Der Sommerabend. O, lueg doch, wie iſch d'Sunn ſo müed, lueg, wie ſi d Heimath abezieht! Hebels Gedichte. O lueg, wie Strahl um Strahl erglipant, 50 und wie ſie's Fazenetli nimmt, e Wülkli, blau mit roth vermüſcht, und wie ſie an der Stirne wüſcht. 's iſch wohr, ſie het au übel Zit, im Summer gar, der Weg iſch wit, und Arbet findt ſie überal in Hus und Feld, in Berg und Thal. 's will alles Liecht und Wärmi ha, und ſpricht ſie um e Segen a. Meng Blümli het ſie usſtaffirt, und mit charmante Farbe ziert, und mengem Immli zttrinke ge, und gſeit: Heſch gnug und witt no meh? und's Chäferli het hinte no doch au ſi Tröpfli übercho. Meng Some⸗Chöpfli het ſi gſprengt, und's zitig Sömli uſe g'lengt. Hen d'Vögel nit bis z'allerlezt e Bettles gha, und d'Schnäbel g'wezt? Und kein goht hungerig ins Bett, wo nit ſi Theil im Chröpfli het. Und wo am Baum e Chrieſt lacht, ſe het ſie'm rothi Bäckli gmacht; und wo im Feld en Aehri ſchwankt, het no nit gnug, er bſchaut ſis no. und wo am Pfohl e Rebe rankt, ſe het ſie eben abe glengt, und het's mit Laub und Blueſt umhengt. Und uf der Bleichie het ſie gſchaft hütie und je us aller Chraft. Der Bleicher het ſie ſelber g'freut, doch hätt er nit, vergelts Gott gſeit. Und het e Frau ne Wöſchli gha, ſe het ſie trochnet druf und dra. 's iſch weger wohr, und überal, wo d'Sägeſen im ganze Thal dur Gras und Halme gangen iſch, ſe het ſie g'heuet froh und friſch. Es iſch e Sach, bi miner Treu, Am Morge Gras und z'obe Heu! Drum iſch ſie iez ſo ſölli müed, und brucht zum Schlof kei Obe⸗Lied; ke Wunder, wenn ſie ſchnuuft und ſchwitzt. Lueg wie ſie dört uf's Bergli ſitzt! Jez lächlet ſie zum lezte mol. Jez ſeit ſie: Schlofet alli wohl! Und d'unten iſch ſie! B'hüt di Gott! Der Guhl, wo uffem Chilch⸗Thurn ſtoht, 52 Du Wunderwitz was gafſch denn ſo? Was gilt's, ſie thut der bald derfür, und zieht e rothen Umhang für! Sie duuret ein, die guti Frau, ſie het ihr redli Hus⸗Chrütz au. Sie lebt gwiß mittem Ma nit gut, und chunnt ſie heim, nimmt er ſi Hut; und was i ſag, iez chunnt er bald, dört ſizt er ſcho im Fohre⸗Wald. Er macht ſo lang, was tribt er echt? Me meint ſchier gar, er traut nit recht. Chum numme, ſie iſch nümme do, zs wird alles ſy, ſe ſchloft ſie ſcho, Jez ſtoht er uf, er luegt ins Thal, und ˙s Möhnli grüeßt en überal. Denkwohl, mer göhn iez au ins Bett, und wer kei Dorn im Gwiſſe het, der brucht zum Schlofen au kei Lied; me wird vom Schaffe ſelber müed; und öbbe hemmer Schöchli gmacht, drum gebis Gott e guti Nacht! 53 8 Eine Frage. Sag, weiſch denn ſelber au, du liebi Seel, was s Winechtchindli iſch, und heſchs bidenkt? Denkwol i ſag der's, und i freu mi druf. O, s iſch en Engel uſem Paradies mit ſanften Augen und mit zartem Herz. Vom reine Himmel abe het en Gott de Chindlene zum Troſt und Sege gſchickt. Er hüctet ſie am Beitli Tag und Nacht. Er deckt ſie mittem weiche Fegge zu, und weiht er ſie mit reinem Othem a, wird's Aeugli hell und's Bäckli rund und roth. Er treit ſie uf de Hände in der G'fohr, günnt Blüemli für ſie uf der grüene Flur, und ſtoht im Schnee und Rege d'Wienecht do, ſe henkt er ſtill im Wienechtchindli⸗Baum e ſchoͤne Früehling in der Stuben uf, und lächelt ſtill, und het ſi ſüeßi Freud, und Mutterlibi heißt ſi ſchöne Name. Jo, liebi Seel, und gang vo Hus zu Hus, ſag Gute Tag, und B'hütich Gott, und lueg! Der Wienechtchindli⸗Baum verrothet bald, wie alli Müetter ſin im ganze Dorf. Do hangt e Baum, nei lueg me doch und lueg! 54 In alle Näſte nüt as Zuckerbrod. zs iſch nit viel nutz. Die het e närſchi Freud an ihrem Büebli, will em alles ſüeß und liebli mache, thut em, was es will. Gib acht, gib acht, es chunnt e mol e Zit, ſe ſchlacht ſi d'Händ no z'ſemmen überm Chopf, und ſeit;„Du gottlos Chind, iſch das mi Dank?“ Jo weger Müuetterli, das iſch di Dank! Jez do ſiehts anders dri in Nochbers Hus. Scharmanti bruni Bire, welſchi Nuß und menge rothen Oepfel ab der Hurt, e Gufebüchſli, doch wills Gott der Her ke Gufe drinn. Vom zarte Beſe⸗Ris e goldig Rüethli, ſchlank und nagelneu! Lueg, ſo ne Muetter het ihr Chindli lieb! Lueg, ſo ne Muetter ziehts verſtändig uf, und wird mi Bürſtli meiſterlos, und meint, es ſeig der Her im Hus, ſe hebt ſi b'herzt der Finger uf, und förcht ihr Büebli nit, und ſeit:„Weiſch nit, was hinterm Spiegel ſteckt?“ Und s Büebli folgt und wird e brave Chnab. Jez göhn mer wieder witers um e Hus. Zwor Chinder gnug, doch wo me luegt und luegt ſchwankt wit und breit ke Wienechtchindli⸗ Baum. 55⁵ Chumm, weidli chumm, do blibe mer nit lang! O Frau, wer het di Muetterherz ſo g'chüelt? Verbarmt's di nit, und goht's der nit dur d'Seel, wie dins Chindli wie di Fleiſch und Blut verwildern ohni Pfleg und ohni Zucht, und hungrig bi den andre Chinde ſtöhn mit ihre breite Rufe, ſchüch und fremd? Und Wi' und Caffi ſchmeckt dir doch ſo gut! Doch lueg im vierte Hus, das Gott erbarm, was hangt am grüene Wienechtchindli⸗Baum? Viel ſtachlich Laub, und näume zwiſche drinn ne ſchrumpfig Oepfeli, ne dürri Nuß! Sie möcht, und het's nit, nimt ihr Chind uf d'Schoß, und wärmt's am Buſe, luegts a und briegt; der Engel ſtüürt im Chindli Thränen 1. Sel iſch nit gfehlt,'s iſch mehr as Marzipan und Zuckererbsli. Gott im Himmel ſiehts, und het us mengem arme Büebli doch e brave Ma und Vogt und Richter gmacht, und uſem Töchterli ne bravi Frau, wenns numme nit an Zucht und Warnig fehlt. Noch eine Frage. Und weiſch denn ſelber au du liebi Seel, worum de dine zarte Chinde d' Freud ⸗ in ſo ne ſtachlig Bäumli*) ine henkſch? Wil's grüeni Blättli het im Winter, meinſch und ſpitzi Dörn, aß's Büebli nit, wie's will die ſchöne Sachen uſe höckle cha. 's wär nit gar über gfehlt, hoch weiſchs nit recht. Denkwol, i ſag ders, und i freu mi druf. Lueg, liebi Seel, vom Menſcheulebe ſoll der dornig F eudebaum en Abbild ſy. Nooch bi nenander wohne Leid und Freud, und was der's Lebe ſüeß und liebli macht, und was no ſchöner in der Ferni ſchwebt, de freuſch di druf, doch in de Dörne hangts. Was denkſch derzu? Zum Erſte ſagi ſo: Wenn Wermeth in di Freudebecher fließt und wenn e ſcharfe Schmexz dur's Lebe zuckt/,; verſchrick nit drab, und ſtell di nit ſo fremds! Di eigni Muetter ſelig, troſt ſte Gott, ſi het der's Zeichen in der Chindheit ge. *½) Stechpalme. 57 Drum denk:„Es iſch e Wienechtchindli⸗Baum nooch bi nenander wohne Freud und Leid.“ Zum Zweite ſagi das: Es wär nit gut, wenns anderſt wär. Was us de Dorne luegt, ſieht gar viel gattiger und ſchöner us, und's fürnehmſt iſch, me het au länger dra. 's wär iuſt,, as wemme Zuckerbrod und Nuß, und was am Bäumli ſchöͤn und glitz'rig hangt. uf eimol in e Suppeſchüßle thät, und ſtellti's umme:„Iß ſo lang de magſch, „und näumis do iſch!“ Wärs nit Uhverſtand? Zum Dritti ſagi: Wemmen in der Welt will Freude haſche, Vorſicht ghört derzu; ſuſt lengt me bald in d'Aglen und in Dörn, und zieht e Hand voll Stich und Schrunde pruck. Denn d'Freud hangt in de Dorne. Denk mer 8 dra, und thue ne wenig gmach! Doch wenn de's heſch, ſe loß ders ſchmecke! Gunn ders Gott der 3 Her! Hanns und Verene. Es gfallt mer nummen eini, und ſelli gfallt mer gwis! O wenni doch das Meidli hätt, es iſch ſo flink und dundersnett, ſo dundersnett, i wär im Paradies! 's iſch wohr, das Meidli gfallt mer, und's Meidli hätt i gern! 's het alliwil e frohe Mueth, e Gſichtli hets, wie Milch und Bluet, wie Milch und Bluet, und Auge wie ne Stern. Und wenni's ſich vo witem, ſe ſtigt mer's Bluet ins Gſicht; es wird mer übers Herz ſo chnapp, und's Waſſer lauft mer d'Backen ab; wohl d Backen ab; 1 weiß nit, wie mer gſchicht. Am Ziſtig früeih bym Brunne, ſe redt's mit frey no a: „Chumm, lüpf mer Hans! Was fehlt der echt! „Es iſch der näume gar nicht recht, nei gar nit recht!“ denk mi Lebtig dra. 59 ha's em ſolle ſage, und hätti's numme gſeit! Und wennni numme richer wär, und wär mer nit mi Herz ſo ſchwer. mi Herz ſo ſchwer, zs ga wieder Gelegeheit Und uf und furt, iez gangi, *3 würd iaten im Salat, und ſag em's wenni näume cha, und luegt es mi nit frundli a, nit fründli a, ſe bini morn Saldat. Ein arme Kerli bini, arm bini ſell iſch wohr. Doch hani no nüt Unrechts tho, und ſufer gwachſe wäri io das wäri ſcho, mit ſellem hätts ke G'fohr. Was wiſpelt in de Hürſte, was rüehrt ſie echterſt dört? Es viſperlet, es runſcht im Laub. O bhüetis Gott der Her, i glaub, 3 i glaub, i glaub, es het mi näumer ghört. „Do bini io, do heſch mi, „und wenn de mi denn witt! 60 „ ha's ſcho ſieder'm Spöthlig gmerkt; „am Ziſtig heſch mi völlig bſtärkt, io, völlig bſtarkt, „Und worum ſeiſch denn nit? „Und biſch nit rich an Gülte, „Und biſch nit rich an Gold, „en ehrli Gmüeth iſch über Geld,. „und ſchaffe chaſch in Hus und Feld, in Hus und Feld, „und lueg, i bi der hold!“ O Vreneli, was ſeiſch mer, o Vreneli iſch ſo? De heſchemit uſem Fegfüür gholt,. und länger hätti's nümme tolt, nei, nümme tolt. Jo friili willi, io! 61 Der Winter. Iſch echſt do obe Bauwele feil? Sie ſchütten eim e redli Theil in d'Gärten aben und ufs Hus; es ſchneit doch au, es iſch e Gruus; und's hangt no menge. Wage voll am Himmel obe, merki wol. Und wo ne Ma vo witem lauft, ſo het er vo der Bauwele gchauft: er treit ſie uf der Achsle no, und uffem Hut, und lauft dervo. Was laufſch denn ſo, du närſche Ma? De wirſch ſie doch nit gſtole ha? Und Gärten ab, und Gärten uf, hen alli Scheie Chäpli uf. Sie ſtöhn wie großi Here do; ſte mein's heigs ſuſt niemes ſo. Der Nußbaum het doch au ſie Sach, und ˙s Here Hus und's Chilche⸗Dach. Und wo me luegt, iſch Schnee und Schnee me ſieht ke Stroß und Fueß⸗Weg meh. 62 Meng Some⸗Chörnli, chlei und zart, lit untem Bode wohl verwahrt, und ſchnei's ſo lang es ſchneie mag, es wartet, uf ſi Oſtertag. Meng Summer⸗Vögeli ſchöner Art lit unterm Bode wohl verwahrt; es het kei Chummer und kei Chlag, und wartet uf ſi Oſtertag; und gangs au lang, er chunnt emol, und ſieder ſchlofts, und's iſch em wohl. Doch wenn im Frühlig's Schwälmli ſingt, und d'Sunne⸗Wärmi abe dringt, Potz tauſig, wacht's in jedem Grab, und ſtreift ſi Todte⸗Hemdli ab. Wo nummen au ne Löchli iſch, ſchlieft's Leben uſe jung und friſch.— Do fliegt e hungerig Spätzli her! e Brösli Brod wär ſi Begehr. Es luegt ein ſo erbärmli a: 's het ſteder nechte nüt meh gha. Gell Bürſtli, ſel iſch anderi Zit, wenn's Chorn in alle Fure lit? Do heſch! Loß andern au dervo! Biſch hungerig, chaſch wieder cho!— 63 2 muß wohr ſy, wie's e Sprüchli git: „Sie ſeihe nit, und ernde nit; „ſte hen kei Pflug, und hen kei Joch, „Und Gott im Himmel nährt ſie doch.“ Das Habermuß. 's Haber⸗Mueß wär ferig, ſe chömmet ihr Chinder und eſſet! Betet: Aller Augen-— und gent mer ordeli Achtig, aß nit eim am rueßige Tüpſt's Ermeli ſchwarz wird. Eſſet denn, und ſegnichs Gott, und wachſet und trüeihet! D' Haber⸗Chörnli het der Aetti zwiſche de Fuhre gſeiht mit flißiger Hand und abeg'eget im Früeih⸗Johr. Aß es g'wachſen iſch und zitig worde, für ſel cha euen Aetti nüt, ſel thut der Vater im Him⸗ mel. 64 Denket numme Chinder, es ſchloft im mehlige Chörnli chlei und zart e Chiimli, das Chiimli thutich ke Schnüfli, nei, es ſchloft, und ſeit kei Wort, und ißt nit, biß es in de Fuhre lit, im luckere Bode. Aber in de Fuhren und in der füechtige Wärmi wacht es heimli uf us ſim verſchwiegene Schlöfli, ſtreckt die zarte Gliedli, und ſuget am ſaftige Chörnli, wie ne Mutter⸗Chind,'s iſch alles, aß es nit briegget. Siderie wirds größer, und heimli ſchöner und ſtärcher, und ſchlüft us de Windlen, es ſtreckt e Wür⸗ zeli abe, tiefer aben in Grund, und ſucht ſi Nahrig und find't ſte. Jo und's ſtichts der Wundervitz,'s möcht nummen au wiſſe, wie's denn witer oben iſch. Gar heimlig und . furchtſem güggelet's zum Boden us— Potz tauſig, wie gfallts em! Uiſe lieber Hergot, er ſchickt en Engeli abe, „Bringem e Troͤpfli Thau, und ſag em fründli⸗ Gottwilche!“ 65 Und es trinkt, und's ſchmecktem wohl, und 's ſtreckt ſi gar ſölli. Sieder ſtrehlt ſi d'Sunnen, und wenn ſie gwä⸗ ſchen und gſtrehlt iſch, chunnt ſie mit der Strickete füre hinter de Berge,. wandlet ihre Weg hoch an der himmliſche Land⸗Stroß, ſtrikt und lueget aben, aß wie ne fründligi Muetter no de Chindlene luegt. Sie lächlet gegenem Chiimli, und es thutem wohl, bis tief ins Würzeli abe. „So ne tolli Frau, und doch ſo güetig und fründli!“ Aber was ſie ſtrickt? He, Gwülch us himm⸗ liſche Düfte! 8 tr apſlet ſcho, ne Sprützerli chunnt, druf regnets gar ſölli. ˙8 htimli trinkt bis gnug; druf weiht e Lüftli und trochnet's, und es ſeit:„Jez gangi nümmen untere Bode, um ke Pris! Do blibi, geb, was no us mer will werde!“ Eſſet hindli⸗ gſegn' es Gott, und wachſet und trueihet! 's wartet herbi Zit ufs Chiimli. Wulken an Wulke Hebels Gedichte, 5 66 ſtöhn am Himmel Tag und Nacht, und d'Sunne verbirgt ſi. Uf de Berge ſchneit's, und witer nide hur⸗ niglet's. Schocheli ſchoch, wie ſchnatteret iez, und brieg⸗ get mi Chiimli! und der Boden iſch zu, und's het gar chündigi Nahrig. „Iſch denn d'Sunne gſtorbe, ſeit es, aß ſie nit cho will! „oder förcht ſie au, es frier' ſie? Wäri doch 4 bliebe, „woni gſi bi, ſtill und chlei im mehlige Chörnli, „und deheim im Boden und in der füechtige Wärmi.“ Lueget Chinder, ſo gohts! Der werdet au no ſo ſage, wenn der uſe chömmet, und unter fremde Lüte ſchaffe müent und reblen, und Brod und Plun⸗ der verdiene: „Wäri doch deheim bi'm Müetterli, hinterem Ofe!“ Tröſtich Gott!'s nimmt au en End, und öbbe wirds beſſer, wie's im Chiimli gangen iſch. Am heitere May⸗Tag weihts ſo lau, und d'Sunne ſtigt ſo chräftig vom Berg uf, 67 und ſie luegt, was's Chiimli macht, und git em e Schmützli, und iez iſch em wohl, und's weiß nit z'blibe vor Freude. Nootno prange d'Matte mit Gras und far⸗ bige Blume; nootno duftet's Chrieſte⸗Blueſt, und grünet der Pflum⸗Baum; nootno wird der Rogge buſchig, Weizen und Gerſte, und mi Häberli ſeit:„Do blibi io nit de⸗ hinte!“ Nei es ſpreitet d'Blättli us, wer het em ſie gwobe? und icz ſchießt der Halm— wer tribt in Röh⸗ ren an Röhre 's Waſſer us de Wurzle bis in die ſaftige Spitze? Endli ſchlieft en Aehri us, und ſchwankt in de Lüfte— Sagmer au ne Menſch, wer het an ſideni Fäde do ne Chnöſpli ghenkt und dört mi chünſtlige Hände? dEngeli, wer denn ſuſt? Sie wandle zwiſche de Fuhren uf und ab, vo Halm zu Halm, und ſchaffe gar ſolli. Jez hangt Blueſt an Blueſt am zarte ſchwan⸗ kizgen Aehri, und mi Haber ſtoht, as wie ne Brüütli im Chilch⸗Stuhl. Jez ſin zarti Chörnli drin, und wachſen im Stille, und mi Haber merkt afange, was es will werde. D'Chäferli chömme und d'Fliege, ſie chömme z'Stubete zu'nem, luege, was er macht, und ſingen: Eye Popeye! Und ˙s Schi'⸗Würmli chunnt, potz tauſig mittem Laternli, „'Nacht um Nüne z'Licht, wen d'Fliegen und d'Chäferli ſchlofe. Eſſet Chinder, ſegn' es Gott, und wachſet und trüeihet! Sieder het me gheuet, und Chrieſi gunne no Pfingſte; ſieder het me Pflümli gunne hinterem Garte; ſieder hen ſte Rocke gſchnitte, Weizen und Gerſte, und die arme Chinder hen barfis zwiſche de Stupfle gfalleni Aehri gleſen, und's Müusli hetene ghulfe, 4 69 Druf het au der Haber bleicht. Voll mehligi Chörner het er gſchwankt und gſeit:„Jez iſchs mer afange verleidet, „und i merk, mi Zit iſch us, was thueni ellei do, „zwiſche de Stupfel⸗Rüben, und zwiſche de . Grumbire⸗Stude?“ Druf iſch d'Muetter uſen und's Eferſinli und's Plunni, 's het ein ſcho an d' Singer gfrore z'morgen und z'obe. Endli hemmer en brocht und in der ſtaubige Schüre hei ſie'n dröſcht früeih um zwei bis z'oben um Vieri. Druf iſch's Müllers Eſel cho, und hetten in d' Mühli gholt, und wieder brocht, in chleini Chörnli vermahle; und mit feiſter Milch vom junge fleckige Chüeihli hetten ˙s Müetterli g'chocht im Tüpfi— Gel⸗ tet,'s iſch gut gſi? Wüſchet d'Löffel ab, und bett eis! Danket dem Heren— und iez göhnt in d'Schul, dort hangt der Oſer am Simſe! 70 Fall mer keis, gent achtig, und lehret, was menich ufgit! Wenn der wieder chömmet, ſe chömmetder Zibbertli über. Sonntagsfruͤhe. Der Samſtig het zum Sunntig gſeit: „Jez hani alli ſchlofe gleit: „ſie ſin vom Schaffe her und hi „gar ſolli müed und ſchlöfrig gſi,. „und's gohtmer ſchier gar ſelber ſo, „i cha faſt uf ke Bei me ſtoh.“ So ſeit er, und wo's Zwölfi ſchlacht, ſe ſinkt er aben in d'Mitternacht. Der Sunntig ſeit:„Jez iſchs an mir!“ Gar ſtill und heimli bſchließt er d'Thür. Er düſelet hinter de Sterne no, und cha ſchoer gar nit obſi cho. Doch endli ribt er d'Augen us, er chunnt der Sunn an Thür und Hus; ſie ſchloft im ſtille Chämmerli; er pöpperlet am Lädemli; er rüft der Sunne:„d'Zit iſch do!“ Sie ſeit:„J ſchumm enanderno.“— Und lisli uf de Zeche goht, und heiter uf de Berge ſtoht der Sunntig und's ſchloft alles no; es ſieht und hört en niemes goh; er chunnt ins Dorf mit ſtillem Tritt, und winkt im Guhl:„Verroth mi nit!“ Und wemmen endli au verwacht, und ſchlofe het die ganzi Nacht, ſe ſtoht er do im Sunne⸗Schi', und luegt eim zu de Fenſter ni mit ſinen Auge mild und gut, und mittem Meyen uffem Hut. Drum meint ers treu, und was i ſag, es freut en wemme ſchlofe mag, und meint, es ſeig no dunkel Nacht, wenn d'Sunn am heitere Himmel lacht. Drum iſch er au ſo lisli cho, drum ſtah er au ſo liebli do. Wie glitzeret uf Gras und Laub vom Morgenthau der Silberſtaub! 72 Wie weiht e friſche Mayeluft, voll Chrieſt⸗Blueſt und Schleche⸗Duſt! Und d'Immli ſammle flink und friſch, ſie wüſſe nit, aß's Sunntig iſch. Wie pranget nit im Garte⸗Land der Chrieſt⸗Baum im Maye⸗Gwand, Gel⸗Veieli und Tulpia, und Sterneblumle nebe dra, und gfüllti Zinkli blau und wiiß, me meint, me lueg ins Paradies! Und iiſch ſo ſtill und heimli do, men iſch ſo rüeihig und ſo froh! ſ Me hört im Dorf kei Hüſt und Hott; e Gute Tag, und Dank der Gott, und's git gottlobe ſchöne Tag, iſch alles, was me höre mag. V Und ˙s Vögeli ſeit:„Frilo io! „Potz tauſig, io, do iſch er ſcho! „Er dringt io in ſi'm Himmels⸗Glaſt „Dur Blueſt und Laub in Hurſt und Naſt!“ Und's Diſtelzwigli vorne dra het's Sunntig⸗Röckli au ſcho a. Sie lüte weger's Zeiche ſcho, der Pfarrer, ſcheint's, well zitli cho. 73 Gang, brechmer eis Aurikle ab, verwüſchet mer der Staub nit drab, und Chüngeli, leg di weidli a, de mueſch derno me Meje ha! Die Vergaͤnglichkeit. (Geſpräch auf der Straße nach Baſel zwiſchen Steinen und Brombach in der Nacht.) Der Bub ſeit zum Aectti: Faſt allmol, Aetti, wenn mer's Röttler Schloß 3 ſo vor den Auge ſtoht, ſe denki dra, öbs üſem Hus echt au e mal ſo goht. Stohts denn nit dört, ſo ſchuderig, wie der Tod im Baſler Todtetanz? Es gruſet eim, wie länger as me's beſchaut. Und üſer Hus, es ſitzt jo wie ne Chilchli uffem Berg, und d'Fenſter glitzeren, es iſch e Staat. Schwetz Aetti, gohts em echterſt au no ſo? mein emol, es chönn ſchier gar nit ſy. 74 Der Aetti ſeit: Du gute Burſt,'s cha frili ſy, was meinſch? 's chunnt alles iung und neu, und alles ſchlicht ſim Alter zu, und alles nimmt ein End, und nüt ſtoht ſtill, Hörſch nit, wii ˙s Waſſer ruuſcht, und ſiehſch am Himmel obe Stern an Stern? Me meint, vo alle rühr ſie kein, und doch ruckt alles witers, alles chunnt und goht. Je,'s iſch nit anderſt, lueg mi a, wie d' witt, De biſch no iung; närſch, ich bi au ſo gſi, iez würds mer anderſt, ˙s Alter,'s Alter chunnt, und woni gang, go Gresgen oder Wies, in Feld und Wald, go Baſel oder heim, 's iſch einerlei, i gang im Chilchhof zu,— briegg, alder nit!— und biß de biſch wien ich, e gſtandene Ma, ſe bini nümme do, und d'Schof und Geiße weide uf miem Grab. Jo wegerli, und's Hus wird alt und wüſt; der Rege waſcht der's wüſter alli Nacht, und d'Sunne bleicht der's ſchwarzer alli Tag, und im Vertäfer popperet der Wurm, Es regnet no dur d⸗Bühne ab, es pfift der Wind dur d'Chlimſe. Drüber thueſch du au no d'Auge zu; es chomme Chindes⸗ Chind, und pletze dra. Z'lezt funlts im Fundement, und's hilft nüt me. Und wemime nootno gar 75 zweituſig zehlt, iſch alles z'ſemme gykeit. Und's Dörfli ſinkt no ſelber in ſi Grab. Wo e’Chilche ſtoht, wo's Vogts und's Here Hus, goht mit der Zit der Pflug— Der Bub ſeit: Nei, was de ſeiſch! Der Aetti ſeit: Je,'s iſch nit anderſt, lueg mi a, wie d' witt! Sſch Baſel nit e ſchöͤni tolli Stadt? (s ſin Hüſer drinn,'s iſch mengi Chilche nit ſo groß, und Chilche,'s ſin in mengem Dorf nit ſo viel Hüſer.'s iſch e Volchſpiel,'s wohnt e Richthum drinn, und menge brave Her, und menge, woni gchennt ha, lit ſcho lang, im Chrütz⸗Gang hinterm Münſter⸗Platz und ſchloft. 's iſch eithue, Chind, es ſchlacht e mol e Stund, goht Baſel au ins Grab, und ſtreckt no do und dört e Glied zum Boden us, e Joch, en alte Thurn, e Giebel⸗Wand; es wachst do Holder druf, do Büechli, Tanne dört, und Moos und Farn, und Reiger niſte drinn— 's iſch ſchad derfür!— und ſin bis döͤrthi ſo ärſch wie iez, ſe göhrr an Gſpenſter um, 's iſch mer iez ſie fang ſcho ag, und was veis ich, wer meh. W as ſtoßiſch mi? d'Bruck . und do an Verg und Wald verbei! Dört obe iagt e wilde Jager, weiſch? Und lueg, do niden in de Hürſte ſeig „halber ful, gwiß's Eyer⸗Meidli g'lege 's iſch Johr und Tag. H der Laubi Er het der Pfnüſel! t Sei doch nicht ſo närſch! — und loß die Todte ſie thüen der nüt meh!— Je, was hani gſeit? es au e mol verfallt:— Und goht in langer Zit e Wanders⸗Ma ne halbi Stund, e Stund wit dra verbey, ſo luegt er dure, lit ke Nebel druf, und ſeit ſi'm Camerad, wo mittem goht: „Lueg, dört iſch Baſel gſtande! Selle Thurn „ſeig d'Peters⸗Chilche gſi,'s iſch ſchad derfür!“ i? 77 Der Bub ſeit: Nei Aetti, iſchs der Ernſt, es cha nit ſy? Der Aetii ſeit: Je's iſch nit anderſt, lueg mi a, wie d'witt, und mit der Zit verbrennt die ganzi Welt. Es goht e⸗Wachter us um Mitternacht, e fremde Ma, me weiß nit, wer er iſch, er funklet, wie ne Stern, und rüeft:„Wacht auf!. „Wacht auf, es kommt der Tag!“— Drob röthet ſi der Himmel, und es dundert überall, perſt heimlig, alsg'mach lut, wie ſellemol wo Anno Sechſenünzgi der Franzos ſo uding gſchoße het. Der Bode ſchwankt, aß d'Chilch⸗Thürn guge; d'Glocke ſchlagen a, und lüte ſelber Bett wit und breit, und alles bettet. Drüber chunnt der Tag; o, b'hütis Gott, me brucht ke Sunn derzu, der Himmel ſtoht im Blitz, und d'Welt im Glaſt. Druf gſchieht no viel, i ha iez nit der Zit; und endli zündets, a, und brennt und brennt, wo Boden iſch, und niemes löſcht. Es glumſi wohl ſeiber ab. Wie meinſch, ſiehts us derno? Der Bub ſeit: O Aetti, ſag mer nüt me! Zwor wie gohts de Lüte denn, wenn alles brennt und brennt? Der Aetti ſeit: 1— He, d'Lüt ſin nümme do, wenns brennt, ſie ſin— wo ſin ſie? Seig du frumm, und halt die wohl, geb, wo de biſch, und bhalt di Gwiſſe rein! Siehſch nit, wie d'Luft mit ſchöne Sterne prangt! 's iſch jede Stern verglichlige ne Dorf, und witer obe ſeig e ſchöni Stadt, me ſieht ſie nit vo do, und haltſch di aut, ſe chunnſch in ſo ne Stern, und s iſch der wohl, und findſch der Aetti dört, wenn Gotteswill iſch, und's Chüngi ſelig, d'Mutter. Oebbe fahrſch au d'Milchſtroß uf in die verborgeni Stadt, und wenn de ſitwärts abe luegſch, was ſiehſch? e Röttler Schloß! Der Bleche ſtoht ver⸗ chohlt, der Blauen au, as wie zwee alti Thürn, und zwiſche drinn iſch alles uſe brennt. bis tief in Boden abe. D'Wieſe het ke Waſſer meh,'s iſch alles öd und ſchwarz, und todteſtill, ſo wit me luegt— das ſiehſch, und ſeiſch di'm Cammerad, wo mitder goht: „Lueg, dört iſch d'Erde gſi, und ſelle Berg „ihet Belche gheiße! Nit gar wit dervo „iſch Wisleth gſi, dört hani au ſcho glebt, „und Stiere g'wettet, Holz go Baſel g'führt, — 2 79 „und brochet, Matte g'raust, und Liecht⸗Spöh' g'macht, „und g'vätterlet, bis an mi ſelig End, „und möcht iez nümme hi.“— Hüſt Laubi, 4 Merz! , 3 Das Spinnlein. Nei lueget doch das Spinnli a, wie's zarti Fäde zwirne cha! Bas Gvatter meinſch, chaſch's au ne ſo? De wirſch mers, traui, blibe lo. Es machts ſo ſubtil und ſo nett, i wott nit, aßi's„'haſple hätt. Wo het's die fine Riſte g'no, bi wellem Meiſter hechle lo? Meinſch, wemme's wüßt, wol mengi Fran) ſie wär ſo gſcheit, und holti au! Jez lueg mer, wie's ſie Füeßli ſezt, und d'Ermel ſtreift, und d'Finger nezt. Es zieht e lange Faden us, es ſpinnt e Bruck ans Nochbers Hus, 80 es baut e Lane⸗Stroß in der Luft, morn hangt ſie ſcho voll Morgeduft, es baut e Fußweg nebe dra, 's iſch, aß es ehne dure cha. Es ſpinnt und wandlet uf und ab, Potz tauſig, im Gallop und Trap!— Jez gohts ring um, was heſch, was giſch! Siehſch, wie ne Ringli worden iſch! Jez ſchießt es zarte Faden i. Wirds öbbe ſolle gwobe ſy? Es iſch verſtuunt, es haltet ſtill, es weiß nit recht, wo's ane will. s goht weger z'ruck, i ſieh's em a; s muß näaumis rechts vergeſſe ha. Zwor denkt es, ſel preſſirt io nit, i hait mi nummen uf dermit. Es ſpinnt und webt, und het kei Raſt: ſo gliichlig, me verluegt ſie faſt. Und's Pfarrers Chriſtoph het no gſeit, 's ſeig jede Fade zeme gleit. Es mueß ein guti Augi ha, wers zehlen und erchenne cha. Jez puzt es ſine Händli ab, es ſtoht, und haut der Faden ab, Jez ſtzt es in ſi Summer⸗Hus, und luegt die lange Stroßen us. Es ſeit:„Me baut ſi halber z'tod, doch freuts ein au, wenns Hüsli ſtoht.“ In freie Lüfte wogt und ſchwankts, und an der liebe Sunne hangts; ſie ſchint em frei dur d'Beinli dur, und's iſch em wohl. In Feld und Flur ſteht's Mückli tanze iung und feiß; ss denkt bi nem ſelber:„Hätti eis!“ O Thierli, wie heſch mi verzückt! Wie biſch ſo chlei, und doch ſo gſchickt! Wer het di au die Sache glehrt? Denkwol, der, wonis alli nährt, mit milde Handen alle git. Bis z'frieden! Er vergißt di nit. Do chunnt e Fliege, nei wie dumm!, Sie rennt em ſchier gar's Hüsli um. Sie ſchreit und winſlet Weh und Ach! Du arme Chetzer heſch di Sach! Heſch keini Auge bi der g'ha? Was gohn ei üſt Sachen a? Lueg,'s Spinnli merkts enanderno, es zuckt und ſpringt und het ſie ſcho. Es denkt:„J ha viel Arbet g'ha, Hebels Gedichte. 6 „iez mußi au ne Brotis ha!“ J ſags io, der wo alle git, wenns Zit iſch, er vergißt ein nit. Geiſterbeſuch auf dem Feldberg. Hani gmeint, der Denglegeiſt, ihr Chnabe vo Dotnau ſeig e böſe Geiſt, iez wüſti andere B'richt z'ge. Us der Stadt das bini, und wills au redli bekenne, mengem Chauf⸗Her verwandt„vo ſiebe Suppe ne Tünkli“ aber e Suntig⸗Chind. Wo näume luftigi Geiſter uffem Chrützweg ſtohn, in alte G'wölbere huſe, und verborge Geld mit füürigen Augen hücte, oder vergoße Blut mit bittere Thräne wäſche, und mit Grund verſcharre, mit rothe Nagle verchratze, ſiehts mi Aug wens wetterleicht, Sie wimsle gar ſölli. Und wo heiligi Engel mit ſchöne blauen Auge in der tiefe Nacht in ſtille Dörfere wandle, 3 i i 3 8³ an de Fenſtere loſe, und, höre ſie liebligi Rede, gegen enander lächlen, und an de Husthüre ſitze, und die frumme Lüt im Schlof vor Schade bewahre, oder wenn ſie, ſelb ander und dritt, uf Grä⸗ bere wandle, und enander ſage:„do ſchloft e treui Mutter „do en arme Ma, doch het er niemes betroge, „Schlofet ſanft und wohl„mer wennich wecke wenns Zit iſch,“ ſiehts mi Aug im Sterneliecht, und höri ſt rede. Menge chenni mit Namen, und wemmer enan⸗ der bigegne, biete mer is d'Zit, und wechsle Reden und Antwort: „Grüß di Gott! Heſch guti Wacht?“—„Gott dank der! ſo zimli.“ Glaubets oder nit! Ne mol, ſe ſchickt mi der Vetter Todtnau zu, mit allerhand verdrießliche G'ſchafte, 4 wo mer's Kaffe trinken und Ankeweckli drin tunke: „Halt er ſi nienen uf, und ſchwetz er nit was em ins Mul chunt,“ rüft mer der Vetter no.„und loß er ſi Ta⸗ batiere 84 „nit im Wirthshus lige, wie's ſuſt bim Here der Bruch iſch.“ uf und fort, i gung, und was mi der Vetter ermahnt het, hani richtig verſorgt. Jez ſißi z'Todnau im Adler— und iez gang i ſpaziere und mein i chön nit u verirre, mein' i ſeig am Dorf; zlezt chreſmi hinten am 13 Feldberg, d'Vögel hen mi g'lockt, und an de Bächlene d'Blümli. Selle Fehler hani, i cha mi an allem verthörle. 8 Drüber wird es chuel und d'Vögel ſitzen une ſchwige. af S' ſtreckt ſcho dört und do e Stern am düſtere Himmel ih 15 Chöpfli uſe, und luegt, ob d'Sunn echt aben ins Bette ſeig,„ öb es echt dörf cho, und ruft de andere:“ „Chömmet!“ und i ha kei Hofnig meh. Druf leg i mi nieder.„ 's iſch e Hütte dört, und iſch en Aerfeli Strau drinn.„ „O du liebe Zit,“ ſo denki,„wenn i deheim wär!„u „Oder es wär ſcho Mitternacht. Es wird doch e G'ſpenſterli — 85 „näume dohinte ſy, und z'nacht um zwölfi verwache, „und mer Zit vertribe, bis früeih die himm⸗ liſche Lichter „d'Morgenluft verlöſcht, und wird mer zeige wo's Dorf iſch.“ Und iez woni's ſag, und mittem vordere Finger 's Zitli frog, wo's Zeigerli ſtand,'s iſch z'fin⸗ ſter für's Aug gſi, und wo's Zitli ſeit,'s gang ab den Oelfen, und woni ¹s Pfifli uſe leng, und denk: iez trinki no Tuback, aßi nit verſchlof— bi'm Blueſt, ſo fangen uf eimol ihrer zwee ne Geſpröchli a. J mein, i ha g'loſet.— „Gell, i chum hüt ſpoot? Drum iſch e Mei⸗ deli g'ſtorbe 'Mambach,'s het e Fieberli geha und leidige Gichter. 's iſch em wohl. Der Todesbecher hani em g'heldet, „aß es ringer gang, und d'Augen hani em zudruckt, 4 nund ha g'ſeit: Schlof wohl! Mer wen die wecke, wenns Zit iſch.—— „Gang, und bis ſo gut und hol mer e wengeli Waſſer. 86 „in der ſilberne Schaale, i will iez mi Sägeſe dengele.“ Dengle? han i denkt, e Geiſt, und düſele uſe. Woni lueg, ſo ſitzt e Chnab mit goldene Fegge und mit wiißem G'wand und roſefarbigen Gürtel ſchön und lieblig do, und nebenen brenne zwei Lichtli. „Alle gute Geiſter“ ſagi„Herr Engel Gott grüeß di!“ „Loben ihre Meiſter;“ ſeit druf der Engel, e Gott dankder!“— „Nüt für übel, Herr Geiſt, und wenn e Frögli erlaubt iſch, „ſag mer was heſch du den z'dengele?“— „d'Sägeſe,“ ſeit er. „Jo, ſel ſtehni,“ ſagi,“und ebe das möchti gern wiſſe, „wozu du ne Sägeſe bruuchſch.“— Zum Meiht. „Was heſch g'meint?“ ſeit er zu mer. Druf ſagi:„und ebe das möchti gern wiſſe.“ Sagi zunem:„Iſchs verlaubt? Was heſch du den z'meihe?“ „Gras, und was heſch du ſo ſpoot do hinte z'verrichte?“ heit gar viel,“ hani gſeit,„i trink e wengeli Tuback, c. ꝛe 87 „wäri nit verirrt, wohl wärs mer'Todnau im Adler, „Aber mi Red nit zvergeſſe, ſe ſag mer wenn d' witt ſo gut ſi, „was du mittem Gras witt mache.“—„Fut⸗ tere,“ ſeit er. „Eben und das nimmt mi Wander, de wirſch doch Gott will ke Chue ha?“ „Nei, ne Chue iuſt nit, doch Chalbele ſeit er, „und Eſel.“ „Siehſch doͤrt ſelle Stern? Druf het er mer obe ne Stern zeigt. „ 8 Wienecht⸗ Chindlis Eſel, und's heilige Fridelis Chalb'le*) „othme d'Sterne Luft dört oben, und warten ufs Futter. „Und dört wachst kei Gras, dört wachſe numme Roſinli“ **) Nach einer alten Sage hätte der heil. Fri⸗ dolin,(in der katholiſchen Schweiz und dem obern Schwarzwalde ein gefeierter Name) mit zwei jungen Kühen eine Tan⸗ ne bei Seckingen in den Rhein geführt, und dadurch dieſen Fluß von der einen Seite der Stadt auf die andere geleitet. 88 het er g'ſeit,„und Milch und Honig rieſlen in Bäche, „aber's Vieh iſch ſemper,'s will alli Morgen ſi Gras ha, „und e Löckli Heu, und Waſſer us irdiſche Quelle. „Dordurwille dengli iez, und will go meihe. „Warſch nit der Ehre werth, und ſeiſch de wellſch mer au helfe?“ So het der Engel g'ſeit. Druf ſagi wieder zum Engel: „Lueg,'s iſch ſo ne Sach. Es ſott mer herz⸗ lige Freud ſy, „d'Stadtlüt wiſſe nüt vo dem; mer rechne und ſchribe, „zähle Geld, ſel chönne mer, und meſſen und wäge; „laden uf, und laden ab, und eſſen und trinke. „Was me bruucht ins Muul, in Chuchi, Chel⸗ ler und Chammer, „ſtrömt zu alle Thoren i, in Zeinen und Chretze; „'s lauft in alle Gaſſen, es rueft an allen Ecke; „Chromet Chirſt, chromet Anke, chromet An⸗ divi! „Chromet Ziebele, geli Rüebe, Peterliwurze! „Schwebelhölzli, Schwebelhölzli, Bodekolrabe!. „Paraplü, wer koof? Reckholderberi und⸗ Chümmi! 89 „Alles für baar Geld und alles für Zucker . und Kaffe.... „Heſch du au ſcho Kaffi trunki Her Engel wie ſchmeckt's der?“ „Schwetz mer nit ſo närſch, ſeit druf der En⸗ gel und lächlet. „Nei, mir trinke Himmelsluft und eſſe Roſinli, „vieri, alle Tag, und an de Suntige fünfi. „Chum iez wenn de mit mer wit, iez gangi go — meihe, „hinter Todnau abe, am Weg, an graſige Halde.“ „Jo Her Engel freili willi, wenn de mi mit nimſch, „’' wird e fange chüel. J will der d'Sägeſe trage. „Magſch e Pfifli Tuback rauche, ſtohts der zu Dienſte.“ Sieder rüeft der Engel:„Puhuh!“ Ne füü⸗ rige Ma ſtoht wie im Wetter, do.„Chumm, zündis abe go Todnau!“ Seits, und voris her marſchirt der Puhu in Flamme, über Stock und Stei und Dorn, er lebigi Fackle. „Wel es iſch chumli ſo,“ ſeit iez der Engel: „was machſch echt? Wornm ſchlagſch denn Füür? Und worum zündiſch di Pfifli 9⁰ „nit am Puhuh a? De wirſch en doch öbb nit förchte, „ſo ne Fraufaſte⸗Chind, wie du biſch— het er di g'freſſe!“ „Nei Her Engel g'freſſe nit. Doch mußi be⸗ kenne, „halber hani'm numme traut. Gut brennt mer der Tuback. „Selle Fehler hani, die füürige Manne förchi; „lieber ſieben Engel, als ſo ne brennige Sa⸗ tan.“— „'s iſch doch au ne Gruus, ſeit iez der Engel, aß d'Menſche „ſo ne Furcht vor G'ſpenſter hen, und hätte's nit nöthig. „'s ſind zwee einzigi Geiſter de Menſche gefährli und furchtbar; „Irrgeiſt heißt der eint, und Ploggeiſt heißt der ander; „und der Irrgeiſt wohnt im Wi. Us Channe und Chruſe „ſtigt er eim in Chopf, und macht zerrüttete Sinne. „Selle Geiſt führt irr im Wald uf Wegen und Stege, „es goht mit eim z'unterſt und z'öberſt der Bode will unter eim breche! „d'Brucke ſchwanke, d'Berg bewege ſie, alles iſch doppelt. 91 „Nim di vorem in Acht!“ Druf ſagi wieder zum Engel: „'s iſch e Stich, er blutet nit! Her Gleitsma i merk di. „Nüechter bini gwis. ha en einzig Schöpli „trunke g'ha im Adler, und frog der Adler⸗ wirth ſelber. „Aber bis ſo gut und ſag mer wer iſch der ander?“ „Wer der ander iſch,“ ſeit iez der Engel,„das frogſch mi! „es iſch e böſe Geiſt, Gott well di vorem bi⸗ wahre. „Wemme früeh verwacht, um viere oder um fünfi. „ſtoht er vorem Bett mit große füürige Auge, „ſeit eim gute Tag mit gluhige Ruthen und Zange. „'s hilft kei das walt Gott, und hilft kei Ave Maria! „Wemme bete will, enanderno helt er eim's Muul zu. „Wemmen an Himmel luegt, ſe ſtreut er Aſche 3 in d'Auge; „het me Hunger, und ißt— er wirft eim Wer⸗ muth in d'Suppe; „möcht me z'obed trinke, er ſchüttet Gallen in Becher. „Lauft me, wie ne Hirtz, er au, und blibt nit dehinte. „Schlicht me wie ne Schatte, ſo ſeit er: Jo mer wen g'mach thu. „Stoht er nit der Chilchen, und ſitzt er nit zu der ins Wirthshuus? „Wo de goſch, und wo de ſtohſch, ſin G'ſpenſter und Geſpenſter. „Goſch ins Bett, thueſch d'Augen zu, ſe ſeit er: ˙s preßirt nit „mittem Schlof. Los, i will der näumis ver⸗ zehle: „Weiſch no, wie de g'ſtohle heſch, und d'Waisli betroge, „So und ſo, und das und dies, und wenn er am End iſch „fangt er vorne a, und viel wills ſchloffe nit ſage.“ So het der Engel g'ſeit, und wie ne füürige Luppe, het der Puhu g'ſprüzt. Druf ſagi wieder: „3 bi doch „au ne Suntig Chind, mit mengem Geiſtli befrundet, „aber b'hüt mi Gott der Her!“ Druf lächlet der Engel. „B'halt die Gwiße rein,'s goht über bſtebnen und b'ſegne, „und gang iez das Wegli ab, dört nieden iſch Todnau. 93 „Nimm der Puhuh mit, und löſch en ab in der Wieſe, „aß er nit d' Dörfer rennt, und d' Schüüre nit azunt. „B'hüt di Gott, und halt di wohl!“ Druf ſagi:„Her Engel! „B'hüt di Gott der Her, und zürn' nüt! wenn del in d'Stadt chunſch, „in der heilige Zit, ſe b'ſuech mi,'s ſoll mer en Ehr ſy. „' ſtöhn der Roſinli Dienſt und Hypokras wenn er di annimmt. „d'Sterneluft iſch rau, abſunderlig nebe der Birſig.“*) Drüber graut der Tag, und richtig chummi go Todnau, und gang wieder Baſel zu im lieblige Schatte. Wonni an Mambach chumm, ſo trage ſie's Meideli uſe, mittem heilige Chrütz und mit der verblichene Fayne, mittem Chranz am Todtebaum und briegge und ſchluchze. Hent ders denn nit g'hört! Er wills jo wecke wenns Zit iſch, . 9 4 *½) Fluß dieſes Namens. 94 und am Ziſtig druf, ſe chummi wieder zum Vetter, d'Tuback⸗Toſe hani richtig näume lo liege. Der Wegweiſer. Guter Rath zum Abſchied. Weiſch, wo der Weg zum Mehlfaß iſch, zum volle Faß? Im Morgeroth mit Pflug und Charſt dur's Weizefeld, 1 bis Stern und Stern am Himmel ſtoht. Me hackt, ſo lang der Tag eim hilft, me luegt nit um, und blibt nit ſtoh; druf goht der Weg dur's Schurc⸗Jenn der Chuchchi zu, do hemmers io! Weiſch wo der Weg zum Gulden iſch? Er goht de rothe Chrützere no, und wer nit uffe Chrutzer luegt, der wird zum Gulde ſchwerli cho. — Wo iſch der Weg zur Suntig Freud? Gang ohni Gfohr im Werchtig no, dur d' Werkſtatt und dur's Ackerfeld! der Sunntig wird ſcho ſelber cho. Am Samſtig iſch er nümme wit. Was deckt er echt im Chöorbli zu? Denkwol e Pfundli Fleiſch ins Gmües, 's cha ſy, ne Schöpli Wi derzu. Weiſch, wo der Weg in d'Armeth goht? Lueg numme, wo Taffere ſin? Gang nit verbei,'s iſch gute Wi, 's ſin nagelneui Charte d'inn! Im letſte Wirthshus hangt e Sack, und wenn de furt gohſch, henk en al „Du alte Lump, wie ſtoht der nit „der Bettelſack ſo zierlig a!“ Es iſch e hölze Gſchirli drinn. gib achtig druf, verliehr mer's nit, und wenn de zu ne Waſſer chunnſch und trinke magſch, ſe ſchöpf dermit! Wo iſch der Weg zu Fried und Ehr, der Weg zum guten Alter echt? Grad fürſi gohts in Mäßigkeit mit ſtillem Sinn in Pflicht und Recht. 9⁵ Und wenn de amme Chrützweg ſtohſch, und nümme weiſch, wo's ane goht, halt ſtill, und frog di Gwiſſe z'erſt, 's cha dutſch, Gottlob, und folg ſi'm Roth. Wo mag der Weg zum Chilchhof ſy? † Was frogſch no lang? Gang, wo de witt! Zum ſtille Grab im chüele Grund führt iede Weg, und's fehlt ſi nit. Doch wandle du in Gottis Furcht! i roth der, was i rothe cha. Sel Platzli het e gheimi Thür, und's ſin no Sachen ehne dra. Der Abendſtern. Du biſch ou wieder zitli do und laufſch der Sunne weidli no, du liebe, ſchöne Obeſtern! Was gilts de hettſch di Schmützli gern! Es trippelt ihre Spure no, und cha ſi doch nit übercho. Vo alle Sterne gros und chlei iſch der der liebſt und er ellei, ſi Brüderli der Morgenſtern, ſie het en nit ums halb ſo gern; und wo ſi wandlet us und i, ſe meint ſi, müeß er um ſi ſy. Früeih wenn ſi hinterm Morgeroth wohl ob em Schwarzwald ufe goht, ſi führt ihr Bübli an der Hand, ſi zeigt em Berg und Strom und Land, ſi ſeit:„Thue g'mach,'s preßirt nit ſo! „di Gumpe wird der bald vergoh.“ Er ſchwezt und frogt ſi das und deis, ſie git em B'richt, ſo guet ſie's weiß. Er ſeit: O Mutter lueg doch an Hebels Gedichte. 7 97 do unte glänzts im Morgethau io ſchön wie in dim Himmelsſaal! „He, ſeit ſie, drum iſch's Wieſethal.“ Sie fragt en:„Heſch bald alles gſeh? „Jez gangi, une wart nümme meh.“ Drauf ſpringt er ihrer Hand dervo, und mengem wiiße Wülkle no: doch, wenn er meint jez han i di, verſchwunden iſch's, weiß Gott, wohi. Druf wie ſi Mutter höcher ſtoht, und allsg'mach gegenem Rhiſtrom goht, ſe rüeft ſi'm:„Chumm und fall nit do!“ Sie führt en feſt am Händli no: „De chönntſch verlöſche, Handumcher, „Nimm was mers für e Chummer wär!“ Doch, wo ſi überm Elſas ſtoht, und allsg'mach ehnen abe goht, wird nootno's Büebli müed und ſtill es weiß nümme, was es mache will; zs will nümme goh, und will nit goh, 's frogt hundertmol:„Wi wit iſchs no?“ Druf wie ſie obe de Berge ſtoht, und tiefer ſinkt ins Oberoth und er anfange matt und müed, im rothe Schimmer d'Heimoth ſieht, 2 ſe loßt er ſie am Fürtuch goh, und zettlet alsgmach hinte no. In d'Heimeth wandle Herd und Hirt, der Vogel ſitzt, der Chäfer ſchwiert; und's Heimli betet dört und do, ſi luten Obedſege ſcho. Jez denkt er hani hochi Zit, Gottlob und Dank,'s iſch nümme wit. Und ſichtber, wiener nöcher chunnt, umſtrahlt ſi au ſi Gſichtli rund. Drum ſtoht ſi Mutter vorem Hus: „Chumm, weidli chumm, du chleini Muus!“ Jez ſinkt er freudig niederwärts— jez iſchs em wohl am Muetterherz. Schlof wohl, du ſchöner Obeſtern! 's iſch wohr, mer hen die alle gern. Er luegt in d'Welt ſo lieb und gut, und bſchaut en eis mit ſchwerem Muth, und iſche me müed, und het e Schmerz, mit ſtillem Frieden füllt er's Herz. Die anderen im Strahleg'wand, he frili io, ſin au ſcharmant. O lueg, wie's flimmert wit und breit in Lieb und Freud und Einigkeit, “s macht kein em andere's Lebe ſchwer, wenns doch do nieden au ſo war! 10⁰⁰ Es chunnt e chüeli Obedluft und an de Halme hangt der Duft. Denk wohl, mer göhn jez au alsg'mach im ſtille Frieden unter Dach! Gang, Liſeli, zünd's Aempli a! Mach kei ſo große Dochte dra! Worterklaͤrungen zu —+ * ‿ 82 vorſtehendem A. A ecke, der Nacken. Aetti, Vater. Altdeutſch: Atta. Afange, verb. Anfangen. Aber Afange, adverb. Endlich, Nach und nach. Agle, subst. plur. Steife ſtechende Spitzen, z. B. an den Aehren. Aculei. Alder, Oder(auf dem Wald.) Sch. Alt, Alder, Alt. Almi 9, Ehemals. Ane, Hin. Woane? Wohin? Anke, Friſche Butter. Altdeutſch: Anka. Arfel, subst. Ein Arm voll Aerfeli, de- minut. As, Als. Aß, Daß. Bah, 1) Bahn, 2) Bann, Gemarkung. Balge, Vorwürfe machen. Altdeutſch: zür⸗ nen, von Balg, Zorn. Baſchge, verb. neut. Im Ringen die Kräfte gegen einander meſſen, act. Bezwingen. Baſſeltang, Kurzweil. Passe le temps. Batte, nützen, fruchten. Verwandt mit Baß, Beſſer. Baum, außer den gewöhnlichen Bedeutungen, bei einem gewiſſen Kartenſpiel der Valet in Treffle, Kreutz dem Baum, Heraus⸗ forderung dieſer Karte durch ein ausgeſpiel⸗ tes Treffle-Blatt. Bederthalbe, adv. Auf beiden Seiten. Dah. Bederthalbe, subst. Ein Zwerch⸗ ſack. Von Beide und Halb. Altdeutſch: die Seite. Belche, subst. propr. Hoher Berg des Schwarzwaldgebirges im Breisgau. Sch. Belch, Boelchen, cacumina montium. Bis, Imperativ zu Seyn. Scy! Bitzeli, Wenig. Blueſt, Blüthe. By'm Blueſt: Eine mißſtellte Betheurungsformel, dann ein Aus⸗ druck der Verwunderung, beſonders bei un angenehmen Ueberraſchungen. Bohle, Werfen. 54 lerv. Bosge, Eine Bosheit verüben. 105 Bosget, Bosheit, auch im unſchuldigern, Sinn, Muthwille.. Brenz, subst. masc., Branntewein. Ge⸗ branntes. Briegge, Weinen. Buεονν. Bouy*⁴ος Briggem, Bräutigam.(Baſel.) Bringe 1) Bringen. 2) Zutrinken. Bruttle, verb. 1) mit dem Hülfswort Ha⸗ ben: Halblaut reden, beſonders im Unwil⸗ len. 2) mit Sein: Halblaut redend fort⸗ gehen. B'ſcheid, Beſcheid, B'ſcheid thue, Ei⸗ nen zugebotenen Trunk annehmen. B'ſchießc, Zureichen, Saͤttigen, gedeihli⸗ chen Fortgang haben. Büeßli, Zehnkreuzerſtück. Piece. Bugg, Hügel. Bünyni, 1) Obere Decke des Zimmers, 2) Der oberſte Boden des Hauſes. 3). Der Raum zwiſchen demſelben und dem Dache. Bunte, Pfropfer, Spunte. Buſper, Munter, beſonders von Vögeln. Etwa ſo viel als buſchbar, wenn die He⸗ cken buſchig werden, und die Vögel niſten? Büttene, Großes hölzernes Gefäß zum Ein⸗ ſalzen des Fleiſches u. ſ. w. Von Bute. C. Carfunkel, 1) Jeder rothe Stein von Glanz. 2) Rother Ausſchlag im Geſicht. 106 Cheri, Reihe, Ordnung deſſen, was regelmä⸗ ßig wiederkommt. Daher: Die Cheri, dies⸗ mal; en anderi Cheri, Ein andermal. Von Kehren. C be ttzneblume. Leontodon taraxacum uin. Chib, Neid, Verdruß, auch Feindſchaft. Da⸗ her Chibe, verb., verwandt mit Keifen, Chibig, adject. Chilche, Chille, Kirche. Altd.: Chilcha. Chilchelueger, Kirchenaufſeher. Von Luege, Schauen. Chilſpel, Kirchſpiel. Chlimſe, Spalte. Verwandt mit Klemm, Klemmen. Chlöpfe, Knallen, Krachen. Id. Klapf. Choli, ſchwarzes Pferd. Chölſch, Leinwandzeug von blau gefärbtem Garn. Cölniſch? daher chölſchblau. Chreſme, Klettern. Chretze. 1) Geflochtener Hängkorb. Von Chratte, Handkorb. Crates. 2) Ueber die Achſeln gehendes Tragband für die Bein⸗ kleider. Chrieſi, Kleine Waldkirſchen. Chirſi⸗ Große, Veredelte. Chrome, 1) Einkaufen. 2) Zum Geſchenk vom Markt u. ſ. w. bringen. Chruſe. Krug mit Bauch und weiter Oeff⸗ nung. Chrüsli, deminutiv. 1 „ 4 107 Chülbi, Kirchweihe. Chummli, Chummlig, Begquem. Von Kommen, Kommlig. Chündig, Aermlich. Chüngi, Kunigunda. 3 Chuuche, Hauchen. D. Deis, Jenes. Deggle, Dengeln, Senſen und Sicheln durch das Hämmern ſchärfen. Schwediſch: Danga. Dinge(zu jemand) Dienſte nehmen. Diſtelzwigli, Diſtelfink. Sch.„Alle Ge- schoepfe und alles, das do lebet, begehrt Freyheit, ein Foegelein, ein Distelzwiglin. Geil. v. Keysersb. Dolder, Gipfel eines Baums, Strauches. Noch übrig i.. Dolde. 3 Doſch, Kröte. Doſe, verb. Schlummern. Dotſch, ein Ungeſchickter. Dunders— verſtärkt in der Zuſammenſe⸗ tzung mit einigen Adverbien. Dunders⸗ nett, Ueberaus nett. Dunte, unten mit Beziehung auf einen ge⸗ wiſſen Ort. Durane, Ueberall. Aus Dur, Durch, und Aue, Hin. Dure, adv. Hindurch, Hinüber, Herüber. Verſchieden von Dur'en, durch ihn, den einen— Düſele, Schlummern, Halbſchlafend gehen, deminut. von Doſen. Duſſe, Draußen. Düſſele, 1) aet. Leiſe reden. 2) neutr. Leiſe gehen. Von Duſſen, verwandt mit Toſen. Duure, verb. impers. Bedauren. Er duurtmi. Ich bedaure es. E. Echt, Echter, Echterſt, Etwa, Doch, Wohl? Egerte, Ungebauter Feldplatz. Ehne, Jenſeits, drüben, Eiere⸗Anke, subst. Eier in Butter ge, backen. Eineweg, Gleichwohl, deſſen ungeachtet. Eis Gangs. Eines Ganzes, Unmittelbar. Eithue, Einerley, Gleichviel. Ein Thun. Enanderno, Uunmittelbar, Geſchwinde⸗ Einander nach. Engelſücß, die Wurzel von Polypodium vulg. Lin. Eninne, Gewahr. Entinnen. Erluſtere, Erlauſchen. 3 Ermel, subst. plur. Weibliches Kleidungs⸗ ſtück zur Bedeckung der Arme. 109 F. Fatzenetli, Sacktuch. Aus dem Italieni⸗ ſchen Fazzoletto.. Fegge, Flügel. Fern, Vor einem Jahr'. Firſt, Das Oberſte. Daher 1) Rücken des Dachs, beſonders an Strohdächern. 2) Fort⸗ laufender Bergrücken. Fl5 ſch, Schwammigt von Leibeskonſtitution. Flaccus. Frauenmenteli. Alchemilla vulgaris Lin. Fraufaſte, Ein berüchtigtes Geſpenſt in Ba⸗ ſel und der umliegenden Gegend. Aus Frrohnfaſten. Fraufaſtechind, ſo viel als Sonntagskind, das die Geſpenſter ſieht. Frech, 1) Frey, wahrſcheinlich das Intenſi⸗ vum zu dieſem. 2) Geſund von Anſehen. Feſt, Muthig.. Frey, Außer der gewöhnlichen Bedeutung, adv. Sogar. Fürcho, Scheinen, Erſcheinen im Traum u. ſ. w. Vorkommen. Füre, Hervor. Verſchieden von Füre, Fü⸗ ren. Für ihn, den, einen— Fürtuch, Schürze. Füſi, Flinte, Fusil. Futtergang, Seitengang neben den Stal⸗ lungen zur Bereitung und Aufſteckung des Futters. * 110 G. Gahre, Knarren. Gattig, Wohlgebildet, Gefällig. Von der Stammſylbe Gattig in Gattung, wie Artig von Art. Gäutſche, Schwanken, von flüſſigen Dingen. Daher Vergäutſche. 1) act. Durch Schwanken ausgießen. 2) neut. Durch Schwanken ausfließen. Geb. Abgekürzt, ſtatt: Gebe Gott, Geb, wo debiſch, Du magſt ſein, wo du willt. Gell, Gellabel, verb. imperat. Nicht wagr plur. Geltet. Gehre, Begehren. Das Stammwort zu die⸗ ſem, und zu Gierde, Gierig, Gerne. G'halt, Gehalt, Zimmer. G'heie, verb. impers. Verdrießen, anfechten. G'hürſt, Gebüſch. Gehürſte von Hurſt. Gigſe, Knarren. Gizi, Junge Ziege. Gitzili, demin. Glaſt, Glanz, beſonders Schein von Bliß und Feuer. Gliichlig, durchgehends gleich. Glitzerle, Schimmern. Von Glitzen, Glänzen, verwandt mit Gleiſſen u. ſ.w. Davon: Glitzerig, Schimmernd. Glümſe, Heimlich(in der Aſche) brennen, Daher: Abglumſe, Nach und nach erlöſchen⸗ er je 111 Go, praep. Gen, Nach. Verſchieden von Goh. Gehen. Götti, Taufpathe. Gotte, fem. Gottwilche, Begrüßungsformel. Von Gott oder Gottes Willkomm! Grüebe, Ueberreſte von ausgeſottenem Schweinfett. Grumbire, Cartoffeln(Grundbirnen) Demin. Grumbirli. Grumſe, Durch unverſtändliche Töne und abgebrochene Worte ſeine Unzufriedenheit ausdrücken. Von Gram. G'ſegott, Segne Gott! G'ſtable, Geſtabeln, Steifwerden, beſon⸗ ders von Kälte. Stabiliri. Guge, Sich hin und her bewegen. Primitiv zu Gaukeln u. ſ. w. Güggele, Durch eine kleine Oeffnung ſchauen. Dem. von Gucken. Guhl, Hahn. Gallus. Gülle, Pfütze. Par.„und daß die Predikan⸗ ten ſich befleißigen zu predigen, nit aus menſchlichen Güllen, ſondern aus dem lautern Brunnen evangeliſcher Leer.“ Gumpe, Hüpfen. Ueber etwas hinweg oder hinabſpringen. Gumyiſtöpfel. Eingemachte Aepfel. Von Compositum Compot. Günne, Pflücken, Gewinnen. Gvatterle, verb. Das Spielen der Kinder, wenn ſie Verrichtungen der Erwachſenen nachahmen. Habermark, Tragopogon partense Lin. Halde, Auf oder abneigende Bergſeite. Von Helden, Neigen,(ein Gefäß an der un⸗ tern Seite aufrichten, um der Mündung ei⸗ ne Neigung zu geben.) Daher auch Abhel⸗ dig, ſchiefliegend. Häli, Schaf in der Kinderſprache und beim Locken. Hamberch, Handwerk. Hamme, Schinken. Sch. Pessuis. Ha mpfle⸗ subst. 4) Eine Handvoll, 2) Der Raum zwiſchen beiden hohlen Händen. Da⸗ her Hampflevoll, beide Hände voll. Hämpfeli. Demin. Handumcher, So geſchwind als man eine Hand umkehrt. Haſebrödli, Juncus pitosus Lin. Haſeliere, Toben. Aus d. Franz. Hättelz Ziege in der Kinderſprache und beim Locken. Haupthöchlige, adv., Mit aufgerichtem Haupt. Dah. laut, munter. Hebe, Halten. Heimele, Der Heimath aͤhntich ſein. Daher Aheimele. An die Heimath erinnern. 113 Helge, Helgli, Helgeli, 1¹) ein auf Pa⸗ pier gemalter Heiliger. Daher 2) Jedes klei⸗ ne Papiergemälde. Helſe, Glückwünſchen. Dah. Etwas zum 3 Gruß, Neujahr u. ſ. w. ſchenken. Von Heil. n Altdeutſch: Heilizen, Grüßen, Heili⸗ . zunga, Gruß. Dän. Helſe, Schwed. Helſa. Hentſche, Handſchuh. Her, Herr. Der Her, der Pfarrer. Her⸗ n get, Herr Gott. V Hinecht, ad. In dieſer Nacht. Nechtie, die ganze Nacht hindurch. Hirz, Hirſch. Hircus, Hirce, die Hirzen. Hofertigſtoh, Zu Gevatter ſtehn. Hold, Geneigt, Ausſchließlich von der gegen⸗ ſeitigen Liebe zwiſchen Jüngling und Mäd⸗ chen gebräuchlich, Von Helden, ſ. Halde. Daher. 3— Holderſtock, der oder die Geliebte. Hüble, 1) An den Haaren ſchütteln. Daher 2) Züchtigen. Hurlibaus, Kanone. Hurnigel, Kleiner Winter⸗Hagel. Daher s hurniglet, verb. es rieſlet. Viel⸗ leicht verwandt mit Hornung, Hornig. 's horniggelet. Es friert empfindlich an die Finger. Hurſt, Strauch. d'Hürſt', pl. Das Gebü⸗ ſche. Dickicht. Angelſ. Hurst und Hirst. Hebels Gedichte. 8 Hurt, Lager zur Aufbewahrung des Winter⸗ obſtes. Hüſt und Hott, Links und Rechts! Zuruf an Zugpferde, Daher(Hotten, von ſtat⸗ ten gehen.) Hütie, adv. Heute den ganzen Tag. Hütte und ie, Hente ie und ie. Huure, Niederhuure. Den Körper ſte⸗ hend gegen die Erde niederlaſſen. Hauren. J. 1 Femerſt, Affektswort der Klage und Sehn⸗ ſucht. 2 Seſte, subst. plur. Launen, Muthwille. Von Jeſen, Gähren, Daher Iſte, Hitze, Launen. Filge, Lilie. Imme, 1) fem. Die Biene. 2) masc. col- lect. Der Bienenſtock. Id. Verſchieden von imme, Einem, In einem Im mli, Demi- nut. Immis, auch Zimmis, Das Mittageſſen. (Baſel). Jobbi, Jakob. Joch, Außer der gewöhnlichen Bedeutung,⸗ ein Brückenpfeiler. Junte, Weiberrock. Füype, Kinderrock. Aus dem Italieniſchen Giubba. 4 3 Juſt, Eben, gerade recht. Dah. Wohl zu 9, 115 Muthe. In der erſten Bedeutung auch Juſtement. Aus dem Franz. oder Ital. K. Keie, 1) neutr. Fallen. 2) act. Werfen, 2ε εω. S. Lädemli, kleiner Fenſterladen. Landſem, Langſan. Lanbi, Einer von den Namen, die der Land⸗ mann den Zugochſen giebt. Horni, Merz, Laubi, Luſti, von den vier zum Theil nicht mehr gebräuchlichen Namen der Früh⸗ jahrmonate: Hornung, Merz, Laubmonat, (April) Luſtmonat,(May). Leerlauf, Kanal zu Ableitung des Waſſers neben den Mühlrädern. Legi, Damm durch das Beet eines Fluſſes zur Ableitung des Waſſers. Auch Wehr, Wuhr. Lehre, beides Lehren und Lernen. Lenge, 1) Bis woſhin reichen. Daher 2) Nach etwas greifen, Holen. 3) Zureichen, Genugſein. Von Lange und noch übrig in Be⸗Verlangen u. ſ. w. Letſch, Schlinge, Schlaufe aus dem Ueber⸗ ſchuß von Band an Kleidern u. ſ. w. Ital. Laccio. Letſchli, Deminut. Lewat, Brassica Napus. L. Licht, ZLicht. Auf Nachtbeſuch. Logel, Fäßchen. Langenula. Lopperig, adj. Was nicht mehr feſt iſt, hin und her wankt. Loſe, Horchen. Stammwort zu Loſung, Lauſchen u. ſ. w. Sch. Id. Luege, Schauen. Verluege, recipr. Sich über dem Zuſchauen vergeſſen. Luft, masc. Sanfter Wind, fem. 2uft. Lüpfe, In die Höhe heben. Luppe, Großer Klumpe glühenden Eiſens, das aus dem Friſchfeuer zum erſtenmal un⸗ ter dem Hammer kommt. Luſtere, Lauſchen. Von Loſen. M. Manne, verb. Einen Mann nehmen. Marcher, Der die Felder ausmißt und Grenz⸗ ſteine ſetzt. Von March, Grenze. Martſche. Eine Art Kartenſpiel. Maßle, Maſſe Roheiſen in langer priſma⸗ tiſcher Form. Massa, Masula. Sonſt Gans, Eiſengans. Matte, Wieſe, Von Mähen. Meidli, Mädchen. Von Meid. Par. Marc. 5.„Meidle, ich ſag dir ſtand auf! Und alsbald ſtuond das Meidlin auf.“ Meiddeli, Ein kleines Mädchen. Meje, Blumenſtraus. Meiſter, Außer den gewöhnlichen Bedeu⸗ 117 tungen euphemiſch, der Scharfrichter, Der Meiſter vo Hage. Meng, Manch. Noch übrig in Mannigfaltig. Möhnli, Unke. Mayfröſchchen von Mön. Sch. Moen, Majaus. Morn, adv. Morgen. Morndrigs, am folgenden Tag. Moſe, Flecke. Verwandt mit Maſer. Mö⸗ ſeli. Deminut. Mummeli, Name des Kindes in der Kin⸗ derſprache und beym Locken. Mumpfel, subst. Stück Eßwaare. Ein Mundvoll. N. Näumer, Jemand; Näumis, Etwas; Näume, Irgendwo. Aus einer unbekann⸗ ten Vorſilbe und den Wörtern We r, Was, Wo. Sch. Niesswar, was, wo. Necht, adv. In der erſten Hälfte der vori⸗ ggen Nacht. Nemtig, subst. Die Nemtig; Vor eini⸗ gen Tageu. Nidſi, Unter ſich, Abwärts. Von Nid, Stammſilbe in Nieder, und dem abgekürzten Sich. Niede, Unten. Niemes, Niemand. Niene, Nirgends. Nootno, Nach und nach.) ¹ Numme, Nur. Nümme, Nicht mehr. Nüt, Nichts. O. O, zuſammengezogen aus Au, einigen Gegenden. Obſi, Ueber ſich. Aufwärts. Oebber, Jemand; Oebbis, Etwas; Oeb⸗ be, Etwa. In alten Schriften Etwer. Etber, Ebber, Etbes. Sch. Oebſch, Oebſche, Etwa. Oed, Schwach von Nüchternheit. Oehli, Oehlpreſſe. Oerliger, grobes weißes Wollenzeug. Oſer, Bücherſack. P. Pappe, Brey. Pfnüſel, Schuppen. IIeuois. 4 Phateſt, Laune, Muthwille. Phantaſt. Plunder, Kleidungsſtücke. Alles was zum Anzug gehört. Daher Plündern, spoliare- Plunni, Apollonia. Popperment, Operment, Arſenik. Pooppere, Schnell und ſchwach klopfen. Popperle, Demin. 3 Preſte, subst. Gebrechen. Vom verb. Preſten, Fehlen. Par. Uns priſt nit an Geſchicklichkeit. Auch. Nur in 119 R. Räf, Leiterwerk, hinter welchem dem Vieh das Futter aufgeſteckt wird. Das letzte im Raf haben. Sprichwort: Dem Tode nahe ſein. Ranft, Rand, Rinde; Ränftli, Demin. Rauſe, Kleine Gräben zur Waſſerleitung machen. Reble, Sich kraftlos hin und her bewegen. Daher Mit unüberwindlichen Schwierig⸗ keiten kämpfen. Dah. Verreble, Langſam zu Grunde gehn. Reckholder, Wachholder. Ribi, Reibmühle. Richter, 1) Gemeinderath. 2) Weiter Haarkamm. Rickli, Angeſetzte Schnüre, durch welche ein Band geht, um Kleidungsſtücke feſt anzu⸗ ziehen. Ring, adv. Leicht; Ringer, mit weniger Mühe, Lieber. Dah. Geringe. Rinke, Schnalle. Rinkli, Demin. Ruchgras, Anthoxantum odoratum. L. Rufe, Ausſchlag, Kruſte auf heilenden Wun⸗ den u. ſ. w. Rübeli, eine Art Baumwollen⸗Zeug, Halb⸗ ſammet. Runke, Girren. Ruͤmmechbüsliger.„Eine Art Winter⸗ äpfel. Rung, subst. 1) Unbeſtimmt kurze Zeit. 2) ⸗mal Ci. Nung, Einmal. Rüngli., Dem. von 1. S. Sägeſe, Senſe. Altd.: Sagys, Sagi⸗ ſen. Aus einer alten Stammſylbe, die noch in Sech, Säge, Sichel, Seco üb-: rig iſt, und aus Eiſen zuſammengeſetzt. Schaffig, Arbeitſam. V Scheie, Palliſade um die Gärten. Schellewerche, Oeffentliche Arbeit ſtraf⸗ 0 weiſe verrichten. Schicht, Arbeitszeit der Schmelzer u. ſ. w. am Hohofen. Sch. Series, Ordo, Par- titio.. b Schiehut, Strohhut. Von Schiene, oder Schein. 6 Schliefe, Schlüpfen. Das veraltete Stamm⸗ wort zu dieſem und zu Schleifen, Schlep⸗ pen u. ſ w. Schmähle, verb. Vorwürfe machen. Das 6 Demin. von Schmähen, und verw. mit Schmollen. Schmecke, Beides Schmecken und riechen. Daher Ahnen, Merken. Schmehle, subst. Grashalm. Schmuris, eine Mehlſpeiſe mit Eiern. Schnatte, Wunde. Von Schneiden. Schnaue, Im Unwillen ſprechen. Aſchnaue, 121 Hart anreden. Das Stammwort zu dem Intenſ. Schnauzzen, u. zu Schnau⸗ ben, und ohne Zweifel auch zu dem noch nicht heimgewieſenen Hochd. Schnöde. Sch. Schnöwen, Aufschnauen, a Schnau pro Schnauze. Schnöre, Rüſſel. Schoch, Schocheli, Ausdruck des Ge⸗ fühls der Kälte beim Schauern. Sch. Schoch Interjecto ex frigore. Schöchli, Kleine Heuhaufen auf den Wie⸗ V ſen. Dem. von Schoch, Haufe. Daher Schöchle, verb. das Heu in ſolche zu⸗ ſammenzubringen. Schrunde, Aufgeſprungene und aufgeritzte Haut. Setzer, der auf dem Hohofen das Erz u. ſ. w. einſetzt. Sieder, praep. Seit. adv. Unterdeſſen. Siederie, Seit her. Semper, der nicht alle Speiſen mag. Simſe, Vorſchuß unter den Fenſtern. Dav. Geſimſe. Sinne, verb. Weinfäſſer ausmeſſen und be⸗ zeichnen. Scherzweiſe von Menſchen. Si- gnare. Sch. Sinnen, signare in doliis quan- titatem mensurae. Hinc Sinner, Homo quid id facit. Sölli, Sehr. 122 Spöchte, Spähen. Das Inten. zu dieſem. Spectare. Spöthlig, Spätling, Spätjahr. Das Ge⸗ genwort zu Frühling. Stabhalter, der zweite Vorgeſetzte in Land⸗ gemeinden. Verſchieden von Statthalter. Stapfle, Stufe, Stäpfeli. Demin. Stotze, Starke Beine nnd Schenkel. Sch. Stozen, refercire. Strehle, Kämmen. Von Strehl. Kamm, verwandt mit Striegel, Strigilis. Id. von Strahl. Strolch, Vagabund. Strübli, Gewundenes Backwerk. Von rube, Struve, Schraube. Stud, Pfoſten. Verw. mit Stütze, Stotze Statua. Sunneblum e, Chrysanthemum Ceucanta- Lin. Stubete, Z'ſtubete. Auf Beſuch. T. Tafere, Wirthshausſchild. Taberna Sch. Tafern... Tage, verb. Tag werden. Sch. Taue, Feldmaß bei Wieſen. Ein Morgen⸗ Tenſch, Schleuſe bei der Waſſerleitung. Sch. Tensch, Landveste a Latino Tenere. Togge, Strohfackel. Tole, Vertragen, Dulden. Das Stammwor 123 4 zu dieſem. Mertoltenis, Wir dulden 5, uns. Gothſelſ. Thulan, Ang Tholian, Dän. Tagle, Isl. Dol. Schwed. Tola, ⸗ Gr. 71G% Lat. tolerotuli. Toll. 1) Ueberhaupt Schön. 2) Insbeſ. Was mmit großem Aufwand verſchönert iſt. Könnte b wohl das Wort von dieſer Urbedeutung zur Bezeichnung des thörichten Aufwandes, und zuletzt des Thörichten, Uebertric⸗ n, 4 7 2 benen, überhaupt übergegangen ſeyn? Vergl. Ad. unter dieſem Art. Id. Toll, Groß, Hübſch. Engl. tall. 1 Todebaum, Sarg. Tragete, Laſt, ſo viel man auf einmal tra⸗ . gen kann. Treber, Treſtern. 6 Tremel, Balke. Von Tram, Sch. Trinke, Tuback trinke, Taback rauchen. Noch aus einer alten Bedeutung des Wortes Trinken, Ziehen, Trahere Par.„Die den freien und reichlichen Geiſt(der Lehre) n. in ſich getrunken haben.“ Trog, Hölzerne Kiſte. Sch. Truhe, recep- taculum clausum, Trog. n. Troſtle, Droſſel. . Trüceihe,(Trühen) Urſprünglich: Sammeln, Zulegen. Von Truhe. Daher: Fett, ſtark werden. Sch. Teuhen. in arcunlam coejice- rt re.„Unrecht Gut truhet nicht.“ Truümmle, 1) Sich auf einem Punkt herum 124 bewegen. 2) Unſtät gehen. Tremulare. Davon Trümmlig, Schwindlicht. Tſchäubli, Tſchaubbeli, Kleiner Stroh⸗ büſchel, Warnungszeichen an verbotenen keegen. Deminut. von Schaub, Stroh⸗ bund. Tſchope, Kamiſol mit Ermeln, Tſchöpli. hDem Aus dem Ital. Giuhba. 3 Tunke, Tauchen. Tingere. u. Uding, Unding, adv. Sehr, Ueber das⸗ Gewöhnliche. Umme, Hin, Herum, Verſchieden von Um⸗ me, Ummen, Um ihn, den, einen. Ung'heit, Unangefochten von Geheien. Unrueih, Perpendikel an der Uhr. Unruhe. Uerthe, 1) Wirthsrechnung, 2) Abrech⸗ nung überhaupt. Sch. Urt, Uirihe, Symbola, coltecta etc. Urig, 1) Lauter Dinge einer Art beiſam⸗ men. 2) So viel Dinge einer Art, daß man die andern nicht bemerkt. Wahrſcheinlich von der noch in Zuſammenſetzungen übrigen Stammſylbe Ur. V V . ,2, ,2 28 Ver⸗ in der Zuſammenſetzung mit dem Ver⸗ I bum, oft ſtatt Er⸗— Vert⸗ ſiatt Ent⸗ Vergelſtere, Erſchrecken. Sch. Gal„ stern, sascinare, Vergallen, facere 1 ut fonet... Verglichlige, ado. Vergleichungsweiſe. N Verſtune, Irre werden. Viſperle, v. act. Kleines Geräuſch machen. neutr. Mit ſolchem ſich fortbewegen. S, chulze.. Volchſpiel, Menge Volks in Bewegung. 125 . W. Wägeſe, Pflugſchar. Altd. Wagiſen, . Wägeneſe, Wagys, Von Wägen, Auf⸗ n winden, In die Höhe heben, und Eiſen. ch. Wagle, Wiege. 4 Wahle, verb. Wogen. Verw. mit Wal⸗ len, Sieden, und Welle. Warbe, Das gemähte Gras zum Trocknen guseinander ſchütteln. Eigentlich Umwen⸗ den. Verarbeiten. Verwandt mit Werben, G Erwerben, Gewerbe, Wirbel u. ſ. w. Waſſerſteelzli, Bachſtelze, Weger, Weg erhi, Wahrlich. Eigentlich Komparativ von Wahe, Schön, Gut. Par. „Hätten ſie geſprochen, es waͤre w äger, man ließe einen Menſchen Schaden leiden . mit Haltung des Sabbathstags.“ Sch. Id. Wäͤger, Wahrlich, Beſſer. Weidli, Hurtig. Sch. Id. Weihe. Speckkuchen.. Welle, zubst. Bündel von Reis, Stroh u. ſ. w. Seh. Werktig, Werktag. eſeri, 1) Berechnungsſtelle bei den Eiſen⸗ rhütten. 2) Dabei errichtete Weinſchenke. (Werte, verb Binden, Zuſammenfügen. Dah. An das Joch ſpannen. etterleich, Wetterleuchten. Im Wet⸗ terleich, Blitzſchnell. Wibe, verb. Ein Weid nehmen. Sbed, gedrehte Weide zum Binden. Altd. Sei der Wide, Beim Strang. Vindew eh, Wind und Weh. Ausdruck für das Geſühl der Unruhe bei langem War⸗ en. Wunder weh? Sch.„Wer kannn allwegen geduldig seyn, wan eim s0 wunn und wee ist.“ 126 Wintergfriſt, Gfriſtig, Froſtbeulen. Wolfel, Wohlfeil. Wuhr, Damm durch einen Fluß zur Ablei⸗ tung des Waſſers... Wuli, Namen der Gänſe bei Locken und in der Kinderſprache.. Wunderwitz, 1) Neugierde. 2) Ein Menſch, der alles zu wiſſen verlangt. Würtſche, Sich ſchnell bewegen. Intenſ. von Wiſchen in Entwiſchen, u. ſ. w. 3. Zeiche, Alle Zeichen fluchen. All Verwünſchungsformeln ausſprechen, 1 Zeine, Rundkorb. Von Zein. Sch. Zein, virga. et Zain. Zeiner, Schmid, der das Stabeiſen in Stangen ſtreckt. Ziberlli,(Getrocknete) weiße Pflaumen. Id. Zibarten Prunellen. 3 Zimpfer, Jungfraulich, Fein im Betragen, auch affectirt. Sch. Zinkli, Hyacinthen.— Ziſtig, Dienſtag. Sch. Zit, 1) foem. Zeit, 2) neutr. Uhr. Dah⸗ Zitli, Dem. Die Taſchenuhr. Altd. Zit Stunde. Zſendane, Ueberall. Zur Hand hin. Züber, Hoͤlzernes Waſſergefäß, Leben des Dichters... Vorwort.........15 Die Irrlichter.„....... 1. 19 2. Der Schmelzofen.... 23 3. Der Morgenſtern....... 29 4. Der Karfunkel.......... 32 Das Hexlein........... 48 Der Sommerabend........ 49 Eine Frage........... 53 .Noch eine Frage......... 56 9. Hanns und Verene..... 28 10. Der Winter.......... 641 11. Das Habermuß....... 63 12. Sonntagsfrühe... 7 9 8â ....... 7 43. Die Vergänglichkeit........ 73 11. Das Spinnlein......... 79 15. Geiſterbeſuch auf dem Feldberg.... 82 16. Der Wegweiſer......... 94 12. Der Abendſtern......... 97 „ As