— Leihbibliothek deutſcher, engliſcher und franzöſiſcher Literatur von Eduard Oktmann in Gießen, Schloßgaſſe Lit. A. Nr. 256. Leih- und LCeſebedingungen. 1. Offensein der Bibliothek. Die Bibliothek ſteht zur Em⸗ pfangnahme und Rückgabe der Bücher jeden Tag von Morgens 7 Uhr bis Abends 8 Uhr offen.. 2. Lesepreis. Bei Rückgabe eines geliehenen Buches wird von jedem Tag 5 Pf. bezahlt. Die Zeit eines Tages iſt zu 24 Stun⸗ den angenommen. 3. Caution. Unbekannte Perſonen müſſen, bei Entgegennahme eines Buches, eine dem Werthe deſſelben entſprechende Summe hinterlegen, welche bei deſſen Zurückgabe von mir zurückerſtattet wird. 4. Abonnement.3 Daſſelbe zmuß voraus bezahlt werden und beträgt:. 8 4 für wöchentlich 2 Bücher: 4 Bücher: 6 Bücher: —————— auf 1 Monat: 1 Mk.— Pf. 1 Mk. 50 Pf. 2 Met.— Pf. 3 4 3 „ 5— n. 8—„„—„ 5. Auswärtige Abonnenten haben für Hin⸗ und Zurückſendung der Bücher auf ihre eigenen Koſten und Gefahr ſelbſt zu ſorgen. 6. Schadenersatz. den beſchmutzte, zerriſſene, verlorene und defecte Bücher(namentlich bei ſolchen mit Kupfern ꝛc.) muß der Ladenpreis erſetzt werden.— Iſt das zerriſſene, beſchmutzte, ver⸗ lorene oder defecte Buch ein Theil eines größeren Werkes, ſo iſt der Leſer zum Erſatz des Ganzen verpflichtet. 7. Ausleihezeit. Dieſelbe iſt auf 14 Tage feſtgeſetzt und wird beſonders darauf aufmerkſam gemacht, daß das Weiterverleihen der Bücher nicht ſtattfinden darf, indem Diejenigen, welche die⸗ ſelben von mir geliehen, auchgdafür zu ſtehen haben. ——— Gottkrieds von Verlichingen Ritterliche Thaten. 8 Mit dem Vorworte eines Ungenannten und ergänzenden Einleitungen. Herausgegeben von Dr. Karl Riedel. Leipzig, 1843. Verlag von Ludwig Schreck⸗ Vorwort. Als mich Herr Dr. Riedel an der Wirths⸗ tafel im Hotel de Pologne zu Leipzig einlud, zu der von ihm beabſichtigten Herausgabe der „ritterlichen Thaten des Goͤtz von Ber⸗ lichingen“ eine Vorrede zu ſteuren, dachte ich ſo bei mir, dem ſchreibſt du Etwas, was Nie⸗ mand vermuthen ſoll, und du wirſt nur deſto gelehrter vor der ſtaunenden Welt daſtehen. In allem Ernſte dachte ich an ein Vorwort zu Goͤtz: uͤber die Kunſt, das menſchliche Leben zu verlaͤngern. Ich meine z. B. das Leben eines Privatdozenten, wenn ihm die Verlaͤum⸗ dung im Bunde mit adminiſtrativen Ruͤckſichten ſeine Zuhoͤrer abwendig macht, oder eines Schrift⸗ ſtellers, dem Licht und Luft entzogen wird, oder eines Seifenſieders, dem man zumuthet, ohne Kali Seife zu kochen, oder eines Theologen, ohne Vernunft zu predigen und zu lehren— lauter Probleme aus wirklichen Krankheitsgeſchichten unſerer Tage. Hat man doch juͤngſt erſt einem Theologen ſchweren Vorwurf daruͤber ge⸗ macht, daß er bisher zu vernuͤnftig gelehrt und IV gepredigt, und ein armer Dichter ward ſuſpen⸗ dirt, weil er ſo gar unpolitiſch war, wie die wirbelnde Lerche ein freies Lied in den freien Himmel hinaus zuſingen. Da ich den Leſer doch einmal mit dem Thema jener beabſichtigten Vorrede uͤber die Kunſt, das menſchliche Leben zu verlaͤngern, bekannt machte, ſo ſoll er auch den kurzen Inhalt derſelben erfahren; mein politiſch⸗therapeutiſcher Rath beſtand naͤmlich darin: Eſſen, Trinken und Schweigen. Schweigen iſt in allen Faͤllen und Verhaͤltniſſen das Politiſchſte. Ich gedachte mit der bekannten Anſpielung auf das philoſophiſche Schweigen auch einem großen Meiſter der philoſophiſchen Hiero⸗ phantik eins zu verſetzen. Wie ruhig koͤnnte der auf ſeinem Lorbeerkronenbette forttraͤumen, wenn er zu ſchweigen verſtanden haͤtte. Ich kenne auch einen Breslauer Profeſſor, der heute ſeine zweitauſend Thaler Gehalt bezoͤge, ein ſchoͤnes makrobiotiſches Elixir, wenn er, wie andere ehrliche Leute, zu ſchweigen, unpolitiſchem Liederſang vorzog. 3 Das waren ohngefaͤhr meine erſten Gedan⸗ ken uͤber die Kunſt das menſchliche Leben zu verlaͤngern, als ich an der Wirthstafel im Hotel de Pologne zu Leipzig ſaß, wo man Eſſen und Trinken lernen kann. Jedem, der die Trias der Kunſt, das menſchliche Leben zu verlaͤngern, er⸗ gruͤnden will, rathe ich, ſeine erſten Studien dort zu machen, das Schweigen aber in mei⸗ v nem ſtillen, ſtillen Kaͤmmerlein zu lernen, wo zuweilen nur ein idylliſches Heimchen zirpt oder eine unpolitiſche Wespe ſummt. Aber Unpo⸗ litiſch hin, Unpolitiſch her, ich ſchlage die Wespe todt, weil ich in meinem Staate, in meinem ſtil⸗ len Kaͤmmerlein Ruhe haben will. Man hat mich Schweigen gelehrt und ich kann es wieder lehren. Jeder, der weiß, daß ich, ehe mir die Poli⸗ tik des Schweigens zu brechen einfiel, der Ge⸗ lehrſamkeit eifrig befliſſen, an Eſelshaͤuten— per⸗ gamentenen Manuſcripten mir die Augen faſt aus⸗ guckte, weshalb ich auch Jahr aus Jahr ein eine gruͤne Schirmmuͤtze trage,— Jeder, der weiß, daß ich in Bibliotheken manch' ſauern Schweiß vergoß, den ich ſonſt beim Angedenken an die Tage der goldenen Aernte als einen wahren the⸗ saurus operum supererogationis betrachtete,— Jeder, der mich von dieſer Seite her kennt, er⸗ wartet von mir in dieſer Vorrede einen kritiſchen Nachweis uͤber die Authentizitaͤt der Berliching⸗ ſchen Handſchrift ſeiner„ritterlichen Thaten,“ oder der Berlichingiſchen Hand— der eiſernen verſteht ſich,— die in mehreren Exemplaren kurſirt. Ich leiſte weder das Eine noch das Andere. Aufrichtig geſtanden, ich weiß weder von der einen, noch der andern Authentizitaͤt etwas Sicheres. Und geſetzt, ich wuͤßte es: ich wuͤrde es Euch nicht ſagen, denn ich muͤßte fuͤrchten, mit den Nachkommen des edlen Goͤtz oder mit dieſem und jenem Antiquitaͤtenhaͤndler, VI welche jetzt obenauf ſchwimmen und das Heft in der Hand haben, Haͤndel zu bekommen. Und vor den Haͤndeln mit den Antiquitaͤtenhaͤndlern an der Jaxt und an der Spree huͤte ich mich: ich habe Schweigen gelernt. Um den Anforderungen des Herrn Dr. Rie⸗ del, ihm eine ſach⸗ und zeitgemaͤße Vorrede fuͤr die„ritterlichen Thaten des Goͤtz von Ber⸗ lichingen“ zu ſchreiben, einigermaßen nachzu⸗ kommen, ſuchte ich nach Stoff im dritten Bande der Goethiſchen Selbſtbiographie, wo ich wußte, eine Menge Bemerkungen uͤber unſern Gegen⸗ ſtand zu finden. Ich habe die Goethe'ſche Selbſt⸗ biographie in fruͤhern Zeiten geleſen; aber ietzt mich entſetzt, wie Goethe, nicht der Juͤngling, der das Drama Goͤtz von Berlichingen ſchreibt, ſondern der gereifte Mann, der ſein Leben ver⸗ faßt, den hiſtoriſchen Goͤtz von Berlichingen ver⸗ kennt. Goethe ſieht mitten in der Aufloͤſung aller politiſchen Ordnung den Goͤtz, als einen ſolchen, der dieſer Aufloͤſung als biederer Deut⸗ ſcher entgegen arbeitet und er will darſtellen,„wie in wuͤſter Zeit der wohldenkende brave Mann allenfalls an die Stelle des Geſetzes und der ausuͤbenden Gewalt zu treten ſich entſchließt, aber in Verzweiflung iſt, wenn er dem aner⸗ kannten verehrten Oberhaupte zweideutig, ja ab⸗ truͤnnig erſcheint“(Dichtung und Wahrheit III. 143.). Uns iſt es unbegreiflich, wie Goͤtz durch ſein Thun und Laſſen, durch die Dienſte, die VII er Andern beim Raube leiſtet, bis er das Hand⸗ werk auf eigene Fauſt betreibt, durch zahlloſe Haͤndel und Fehden, welche die oͤffentliche Ruhe und Sicherheit ſtoͤren, das Geſetz und die exekutive Gewalt vertritt, es muͤßte denn jeder andere Raubmoͤrder und Mordbrenner auch das Geſetz und die exekutive Gewalt vertreten. Und Goͤtz iſt in Verzweiflung, wenn er als ſo ein Stoͤren⸗ friede, ſo ein Reichsfeind, vom Kaiſer abtruͤn⸗ nig erſcheint! Vo bleibt da die Logik eines Goethe? Wir wuͤrden uns uͤber ſo entſetzliche Infraktion der geſunden Vernuuft nicht aͤrgern, wenn nicht auf jenen Trugſchluͤſſen das ganze ariſtokratiſche Gebaͤude einer ſogenannten hiſtori⸗ ſchen Schule baſirte. Da hat man freilich Recht, den öͤffentlichen Lehrern das bischen Antheil ge⸗ ſunder Vernunft, das ſie in ihre Lehrvortraͤge miſchten, zu verbieten. Goethe uͤberſandte das Manuſcript des Goͤtz Herdern. Herder, der edle ſcharfſichtige Her⸗ der, vor dem die Weltgeſchichte wie ein Ko⸗ loſſ aber in allen ihren Gliederungen da ſtand, machte Spottgedichte darauf. Er hatte Recht. Und jenes Bewußtſein uͤber die Haltloſigkeit und Rohheit des Ritterthums, welches damals nur in einzelnen bevorzugten Geiſtern aufleuch⸗ tete, das iſt zum Gluͤcke jetzt weiter verbreitet. Wir ſehen dieſe plumpe, ungeſchlachte Welt des Mittelalters in ihrer wahren Geſtalt; wir VIII ſtaunen nicht mehr vor ihr; ihre Entartung ver⸗ wuͤnſchen und verabſcheuen wir. Ein ernſtes Wort an Euch Juͤnglinge, Soͤhne einer werdenden Zeit, denen gewiß einer ſchoͤnern Gegenwart Bild noch zu ſchauen gegoͤnnt iſt, als uns: Strebt nach der Wahrheit; ſie allein iſt Schoͤnheit und in ihr allein iſt Freiheit. Will man Euch Nebelbilder einer untergegangenen Welt vorzaubern, will man Euch zwingen, nie⸗ derzufallen vor dem falſchen Goͤtzen der Vorzeit, wie jene Studenten mit Mitra und Eſelsohr vor dem Eichhoͤrnchen im Kaͤfich, will man Euch zwingen, im Dunkel der Mitternacht den hellen Tag zu ſehen, wehrt euch im Bewußtſein er⸗ bluͤhender Mannheit gegen ſolchen Trug. Nur im Lichte wird die Welt wiedergeboren, nur im Lichte wird die Freiheit ſiegen. Es iſt bei gewiſſen Antiquitaͤtenhaͤndlern, be⸗ ſonders an den Ufern der Spree, zur Mode geworden, diejenigen als frivol zu verſchreien, welche gewiſſe Notabilitaͤten angreifen. Man kann aber dem Dichter Goethe gut ſein, und den Politiker in ihm anklagen duͤrfen. Was ſagt ihr dazu, wenn Goethe bei Gelegenheit, wo er von dem jammervollen Zuſtande des Reichskam⸗ mergerichts in Wetzlar ſpricht, nicht als Juͤng⸗ ling, ſondern im Alter, folgende Worte ſich ent⸗ ſchluͤpfen laͤßt.„Die Sachen von ſchwererem Gehalte, die eigentlichen Rechtshaͤndel blieben (beim Reichskammergerichte) im Ruͤckſtande und IX es war kein Ungluͤck. Dem Staat liegt nur daran, daß der Beſitz gewiß und ſicher ſei; ob man mit Recht beſitze, kann ihn weniger kuͤm⸗ mern. Deswegen erwuchs aus der nach und nach aufſchwellenden ungeheuern Anzahl von ver⸗ ſpaͤteten Prozeſſen dem Reich kein Schade. Gegen Leute, die Gewalt brauchten, war ja vorgeſehen, und mit dieſen konnte man fertig werden; die Uebrigen, die rechtlich um den Beſitz ſtritten, ſie lebten, genoſſen oder darbten, wie ſie konnten; ſie ſtarben, verdarben, verglichen; das alles war aber nur Heil und Unheil einzelner Familien, das Reich ward nach und nach beruhigt.“ Ein Reichsfuͤrſt nahm einſt um ſeinen Park zu arron⸗ diren, einem Bauer ſeine Felder weg. Der Bauer machte alle Landesinſtanzen gegen den Markgrafen fruchtlos durch und ging endlich nach Wetzlar. Dort hoͤrt er zwar, daß er Recht habe, aber geſchrieben giebt man's ihm nicht. Als er wieder heim kommt, findet er Haus und Hof konfiscirt und verkauft; den Erloͤß hatten die Sporteln gefreſſen. Der Bauer muß mit den Seinigen den Bettelſtab ergreifen. Solche Rechtshaͤndel, ſind in Goethe's Augen Nichts, als Bagatellen. Es kommt ihm nur darauf an, daß der Beſitz ſicher ſei— der Beſitz jener Fel⸗ der als integrirender Theil des hochfuͤrſtlichen Park's. Aber auf ſolcher Rechtsanſicht beruht die ganze Apotheoſe des Goͤtz von Berlichingen zum deutſchen Biedermann. Nebenbei geſagt, — X — denn ganz aus den Wolken kommt mir der Einfall— wir muͤſſen auch das Wort: Bieder⸗ frau haben. Ich kenne eine ſolche, die eine leid⸗ liche nationaloͤkonomiſch⸗philoſophiſche Schrift⸗ ſtellerin iſt. Ich ſehe wohl, ich komme vom Hundertſten ins Tauſendſte und ich muß mir das Schwei⸗ gen noch mehr lernen. Vom Ernſthafteſten ſpringe ich zum Scherze uͤber. Scherz iſt immer praͤju⸗ diziell. Hat man in China doch einmal ver⸗ moͤge Staatsrathbeſchluſſes den Spaß foͤrmlich verboten. Goldene Zeiten auch, als man in Muͤnchen denſelbigen in der Perſon des Herrn Moſes Saphir exilirte; am meiſten Vorſchub findet der Spaß, ſo viel ich hoͤre, in Berlin, wenn er meine makrobiotiſche Regel befolgt: ißt, trinkt und ſchweigt. Und um den Spaß iſt es doch ein goͤttlich Ding. Keinen groͤßern Spaß kann ich mir machen, als wenn ich, nach dem bunten Ge⸗ wuͤhle des Tags ausruhend, meine Tabacks⸗ pfeife anbrenne, jenes liebliche Halbdunkel um mich verbreite, in dem Propheten ihre Geſichte der Zukunft ſehen ſollen und— wer ſollte es glauben?— aus meinem Kopf eine Menagerie loslaſſe, wie ſie uns in der Fabel mit menſch⸗ lichen Verrichtungen geſchildert wird: einen Loͤwen frei ſtreifend und waltend in der duͤſtern Wild⸗ niß, mit Kron' und Scepter, einen Rudel Hunde aller Racen und Geſtalten um ihn her; dar⸗ XI unter einige, welche den Mond anbellen— die ſentimentalen Romantiker, dann Bull⸗ doggs, welche jetzt in Hamburg und Berlin ver⸗ boten ſind— ſie repraͤſentiren mir den, wie Hegel ſich ausdruͤcken wuͤrde, ſubſtantiellen Stand im Staate. Ich ſehe einen großmaͤchtigen Bull⸗ dogg an ihrer Spitze, gleich darneben krumm⸗ beinige Dachshunde mit den gelben, charakteri⸗ ſtiſchen Tupfen uͤber den Augen— geheime Poliziſten und Demagogenriecher,— Pudel, welche heiße Kaſtanien aus dem Feuer appor⸗ tiren, Diplomaten, Ambassadeurs, Envoyés, Ministres plenipotentiaires, Attachés. Weiter erſcheint ein Affe, der Hengſtenbergs Kirchen⸗ zeitung lieſt und ſich die Haare ſcheitelt, der Arme, dem ſie ſtruppig immer wieder aufſtehen, — der Theologe wuͤrde ſagen: ſo iſt die ſuͤnd⸗ hafte Natur des Menſchen; ein beinerner Eſel, der in Schleiermachers Dogmatik blaͤttert und ſein Ya, Ya, als Pſalmodie ſingt, aber, wird er von ſeinem Treiber, einem mitleidloſen Bauer geſchlagen, ſo aus ſeiner andaͤchtigen Rolle faͤllt, daß er einen Sack voll Fluchworte herausſchuͤt⸗ tet; ein Strauß, der mit Kameelen kaͤmpft; endlich ein liebes, kleines Eichhoͤrnchen, das be⸗ zaubert vor Klapperſchlangen einhertanzt,— eine alte Geſchichte, die ſchon Buͤffon und Raff erzaͤhlen, die mir aber immer neu und poſſirlich vorkommt. Doch zum Teufel, wohin entfuͤhrt mich jetzt meine Phantaſie, die mir weiter Nichts als einen Spaß vormachen ſollte! Die Phantasmagorie ſteht leibhaftig vor mir und wirbelt und tanzt, beugt ſich und neigt ſich. Mitten in dieſer Menagerie kommt ein Ritter geſchritten, mit funkelndem, blutduͤrſtigem Auge, uͤber den Panzer eine Bulldogghaut gewor⸗ fen, mit rechter Doppelſchnauze— am Ende kein Andrer, als Ritter Goͤtz von Berli⸗ chingen, der die Urfehde bricht,— faͤngt mit dem Strauße, den Kameelen, dem beiner⸗ nen Eſel und dem Bauer, ſeinem Treiber, und den verſchiedenen Hunden, den Romantikern, wie den Spionierern, ja zuletzt mit dem Loͤwen ſelbſt Haͤndel an. Was geſchieht? Wenn ich ein Poet waͤre, wuͤrd' ich's euch ausmalen. Der Ritter erſchlaͤgt den Loͤwen und ſich ſelbſt legt er Kron' und Scepter zu. Aber der Loͤwe wird wieder aufgeweckt, freilich nur zu ſeiner Schmach. Der Ritter heißt ihn ſeinem Triumphzuge fol⸗ gen, und der ſtolze Loͤwe, ja der Loͤwe muß am Zaume den Eſel fuͤhren, auf dem der ge⸗ ſcheitelte Affe reitet. O Schmach! Hiemit iſt mein Spaß aus; ich bitt' Euch laßt mir ihn hingehen. Gott weiß es, ich hab' ihn nicht boͤſe gemeint. Und die Vorrede iſt auch aus. Wer ſie ſchrieb? Dr. Riedel und ſein wackerer Verleger werden es euch nicht verra⸗ then. Ich ſelbſt aber habe eſſen, trinken und — ſchweigen gelernt. — 1. Kriegs⸗ und Ritterthum zu Ausgang des funfzehnten und Anfang des ſechzehnten Jahrhunderts). Wie das adlige Minnelied, das in den Palaͤſten und Burgen der Fuͤrſten und Herren erklungen war, in den buͤrgerlichen Meiſterſang, ſo wandelte ſich das abentheuernde Ritterthum in vas Kriegshandwerk der Landsknechte um. An die Stelle der Stahl⸗ ruͤſtung und des Wappenrocks hoch auf gepanzertem Roſſe tritt zu Anfang des ſechzehnten Jahrhunderts das luftige Wams, die baͤueriſche Bewehrung und der ungezwungene, oft etwas linkiſche Anſtand des Landsknechts; wie denn jetzt auch im Schmidt, im Schuſter, im Weber des Geſanges Kunſt ſich ver⸗ herrlichte. So verlor das deutſche Leben den Stem⸗ ) Vergl. Georg von Frundsberg von Bartholdt, ein treffliches Buch. 1 2 pel der Vornehmheit, wurde neben dem Gemeinern allgemeiner und darum erfreulicher. Was ſonſt nur in den hoͤhern Regionen ſich bewegte, ſtieg in die untern Kreiſe des Volks herab. Warum ſollte daſ⸗ ſelbe mit allen Wohlthaten und Freuden, welche das Leben verſchoͤnen, nicht auch ſeine Muͤhe und Verantwortlichkeit uͤbernehmen und um Wohl oder Weh des Vaterlands ſtreiten? Im Jugendalter des germaniſchen Reichs war jeder Freie durch den Heerbann zum Kriegszuge verpflichtet, und diente in weiten Fahrten dem Haupte der Nation— dem Koͤnige oder Kaiſer— ohne andern Lohn als um Ausſicht auf Beute. Dieſe urſpruͤngliche, naturgemaͤße Kriegsverfaſſung endete allmaͤlig mit der Entwicklung des Lehen⸗ weſens, welches hervorgegangen aus dem uralten Geſindegefolge, die adligen Lehensinhaber zu Roß⸗ als Vaſallen in den Streit ihrer Herren rief. Dieſe erſten Vaſallen hatten wieder Vaſallen und dieſe Unterordnung des Lehensverbandes befaßte zuletzt den ganzen Kern der Nation. Fußvolk gab es faſt nicht oder wurde gering geachtet; Armbruſtſchuͤtzen kamen erſt im vierzehnten Jahrhunderte auf. Die Vaſallen⸗ unterordnung knuͤpfte jedoch bald ein ſehr loſes Band zwiſchen dem Reichsoberhaupt und dem Adel. Fuͤr groͤßere Kriege reichte ſie nicht mehr aus, aber Kriegsluſt und Kriegsnoth blieben. Man mußte auf Mittel bedacht ſein, das Heerweſen durch und durch umzugeſtalten. 92 ◻ Da trat an die Stelle des dienſtpflichtigen Rit⸗ ters der Soͤldling. Fuͤrſten und Staͤnde gaben eine beſtimmte ihnen aufgelegte Schatzung an Geld und die Kaiſer fochten mit den Waffen zunaͤchſt adliger Soͤldner, welche ihre Marſchaͤlle und Kammerherrn fuͤhrten. Sie unterlagen aber meiſt in auswaͤrtigen Fehden, waͤhrend die Streitluſt des ſich ſelbſt uͤberlaſſenen, faſt aller geſetzlichen Verant⸗ wortlichkeit entnommenen Adels ſich in Gaufehden, Wegelagerei und Geſellenritten verzehrte. Kaiſer Maximilian voll unermuͤdlicher Anſchlaͤge, mußte, verlaſſen von dem Adel ſeiner Erbſtaaten, die neue Heerorganiſation raſch betreiben, wollte er die Wuͤrde des Weltoberhaupts behaupten. Das Heer mußte aus der Nation genommen werden; er ſchuf „die frommen Landsknechte,“ vom Lande, im Gegenſatze des Gebirgs(der Schweiz), nicht Lan⸗ zenknechte. Bedeutſam iſt, daß in demſelben Jahre, als die Wehr deutſchen Reichs dem Adel entriſſen und dem Buͤrger⸗ und Bauernſtande uͤber⸗ antwortet wurde, die Ritterſchaft der vier Nationen, der ſchwaͤbiſchen, fraͤnkiſchen, bairiſchen und rheiniſchen, das ſechs und dreißigſte und letzte allgemeine deutſche Turnier feierte im Jahre 1487 zu Worms. Als ahne die anweſende Ritterſchaft ihrer Zuſammenkunft tragiſche Bedeutung, wurden die vier Turnierkoͤnige nebſt dem Hauptſieger und je einem Edlen aus den Nationen„zum Blatt getragen“, d. h. ihre Wappenſchilde mit feierlichem Gepraͤnge zur Schau 1* 4 herum gefuͤhrt. Das deutſche Ritterthum ging zu Grabe; es konnte ſich des neuen Prinzips nicht er⸗ wehren. Wie nun einmal der ſinnreiche Kaiſer die Form gefunden, unter welcher die Tuͤchtigkeit der reichs⸗ treuen Staͤdter und Landbewohner ſich kriegeriſch be⸗ waͤhren konnte, und wie die erſten Siegesfruͤchte in den Niederlanden und Italien die Brauchbarkeit des neuen Standes erprobt hatten, iſt es kein Wunder, daß bei den ewig ſich neugebaͤhrenden Kriegen, welche die Herzlaͤnder Europa's erſchuͤtterten, unzaͤhlbare Schwaͤrme deutſchen Fußvolks uͤber alle Graͤnzen Deutſchlands ausgegoſſen wurden. Es erſchien eine Glanzperiode deutſchen Waffenruhms, wie ſie kaum wiederkehrte; der verſtaͤndige Adel beugte ſich den Forderungen einer neuen Zeit und verlieh dem zu⸗ ſammengetrommelten Volke Ordnung und Zier; Edel⸗ leute draͤngten ſich in die Faͤhnlein der Lands⸗ knechte und ſtritten in ihrem guten Harniſch mit dem Spieß in den erſten Reihen. Indem bald ſtaͤdtiſche Hauptleute mit den Rittern in Aufrichtung der Faͤhnlein wetteiferten und das deutſche Fußvolk immer mehr zu Ehren kam, ward jene Unuͤberwind⸗ lichkeit der Landsknechte vorbereitet. Jemehr die üͤbrigen uneinigen Fuͤrſten Europa's die Nothwendig⸗ keit des Fußvolks erkannten, aber unter ihren Unter⸗ thanen die Kluft zwiſchen waffenberechtigtem Adel und zahmer Buͤrger⸗ und Bauerſchaft noch befeſtigt fanden, deſto geſuchter waren die deutſchen Lands⸗ 5— knechte im Auslande und deſto lockender der Lohn. Die Truppen, auf welche Waſiljowitſch traute, wenn er ſeine Moskowiter gegen die Polen fuͤhrte, welche Schweden der Union unterwarfen, welche in England wider die Sache der Yorks auf derſelben Stelle ſtarben, wo ſie die Schlacht erwartet hatten, die Vertheidiger und Beſieger Neapels, die Ueberwinder von Ungarn, ſo lang ſie wollten, und die es rette⸗ ten, da ſie mit der Beute nach Haus giengen, dieſe Kriegsfuͤhrer und Entſcheider in aller Welt waren ſaͤmmtlich Deutſche. Die reichsunmittelbaren Edel⸗ leute, welche daheim der gebotene Landfriede im Zaum hielt, fuͤhrten dieſe Kriegshaufen außer Deutſchland. Die Verfaſſung deutſchen Fußvolks war von Urſprung an eine freie, geſetzliche. Kein landesherr⸗ liches Zwangsgeſetz, keine Konſcription und Kanton⸗ pflichtigkeit noͤthigte die fuͤr ihre Perſon ungebunde⸗ nen deutſchen Bauers⸗ und Buͤrgersleute vom Pfluge oder der Werkſtaͤtte zu fuͤrſtlichen Fahnen. Sie ſtellten ſich von ſelbſt in den Waffendienſt und wie daheim Zunft und Genoſſenſchaft ſie vor Verun⸗ glimpfung und Gewalt ſchuͤtzte, ſo begehrten ſie auch im Feldlager des Kaiſers Sicherung ihrer perſoͤnlichen Rechtsverhaͤltniſſ; was man ihnen denn gewaͤhren mußte, man haͤtte ſonſt kein Volk unter ſeine Fah⸗ nen bekommen. Ein beruͤhmter Kriegsmann adligen oder buͤrgerlichen Standes erhielt einen Beſtallungs⸗ brief als Feldobriſter, nebſt dem offenen Patente, . 6 ein Regiment ober⸗ oder niederlaͤndiſcher Knechte aufzurichten und zugleich den Artikelbrief(Rechts⸗ brauch, Verfaſſung), wie der Fuͤrſt ſein Volk gehal⸗ ten wiſſen wollte. Da die Errichtung eines Regi⸗ ments dem erkornen Obriſten eine weite Ausſicht auf Erwerb bot, ſo hatten die Fuͤrſten nicht immer gleich noͤthig, den Seckel aufzuthun; ſondern der Obriſte beſtritt die Werbung zunaͤchſt auf ſeine Koſten, war er zumal ein durch viele Feldzuͤge und gluͤckliche Thaten beruͤhmter und bereicherter Mann. Er waͤhlte unter ſeinen Vertrauteſten den Obriſt⸗ lieutenant und ſetzte den einzelnen Faͤhnlein Haupt⸗ leute vor. Mittelſt dieſer lief die Werbung ſchnell durch Landgemeinden, Flecken und Staͤdte. Ehr⸗ liche, ruͤſtige Geſellen wurden uͤberall durch Trommelſchlag und Bekanntmachung des fuͤrſtlichen Werbepatents zum Kriegsſpiel eingeladen; und in kurzer Zeit war gewoͤhnlich eine Menge junger Hel⸗ den zuſammengelaufen. daß muͤſſiges Geſindel und der Hand der Gerechtig⸗ keit entronnene Verbrecher ihr Brot in des Kaiſers Regiment geſucht haͤtten. Der Eintritt war nicht ſo leicht; nur, wer verſehen mit Wams und Schu⸗ hen, Blechhaube, Harniſch, gutem Schwerte, eine Hellebarde, außerdem auch noch mit etwas Geld vor dem Hauptmann erſchien, ward in die Muſter⸗ rolle aufgenommen. Nur Buͤrger und Landleute von einer gewiſſen Wohlhabenheit konnten ſomit in den Kriegsdienſt treten. Man darf nicht glauben, 7 Wenn ein Kriegsgeſell ſeinen Namen in die Muſterrolle des Hauptmanns hatte eintragen laſſen, auch der Brauch war bekannt worden, erhielt er ein „Stuͤck Geld auf den Kauf, um ſich beſtimmten Tags an dem beſchiedenen Sammelplatze einzuſtellen. Sobald die Haufen zuſammengefloſſen waren, fand ſich kaiſerlicher- oder fuͤrſtlicherſeits ein Muſter⸗ herr einz Kriegsraͤthe und Muſterſchreiber ſtanden ihm zur Seite. Dann wurde auf freiem Felde eine Pforte von Spießen aufgerichtet, zwei mit dem Schaft in die Erde geſteckt und ein Spieß daruͤber. Dadurch ließ der Muſterherr die Knechte eines jeden Faͤhnleins ziehen. In jedem Faͤhnlein mußten hun⸗ dert Ueberſolde, d. h. adlige und ſonſt ehrliche, verlaͤſſige Leute eintreten, welche„das erſte Blatt“ bildetenz Doppelſold empfing nur, wer ganz vorzuͤg⸗ lich geharniſcht erſchien. Nach der Muſterung wurde der Artikelbrief, der von guter Ordnung und Kriegs⸗ zucht handelte, verleſen. Die Gewalt des Obriſten war eine unbeſchraͤnkte. Das Regiment gliederte ſich in Hauptleute, Faͤhndriche, Weibel. Mit Haupt⸗ mannsrange geſchmuͤckt erblicken wir den Huren⸗ weibel. Der altgermaniſche Gebrauch, Weib und Kind auf Kriegszuͤgen mitzuſchleppen, fand im Re⸗ gimente der Landsknechte um ſo eher Eingang, als dieſes Inſtitut zumeiſt als eine Fortſetzung des buͤr⸗ gerlichen Lebens betrachtet wurde, und ſich jeder Ge⸗ ſell moͤglichſt große Behaglichkeit zu verſchaffen be⸗ muͤht ſein durfte. Es war jedem Regiment ein 8 —— ungeheurer Troß von Weibern und Kindern„an⸗ gehenkt“, die man unter dem unhoͤflichen Namen: Huren und Buben bezeichnete. Dieſen Schweif in Ordnung zu halten, war Sache des Hurenweibels. Die Aufſtellung und Fechtart der ungeheueren Landsknechtsregimenter, deren Zahl ſich mindeſtens von 4 bis auf 10,000 erſtreckte, war natuͤrlich ſo verſchieden, wie Wahlſtatt oder ſonſt Gelegenheit des Kampfes gebot. Muͤhſamen taktiſchen Uebungen von Hauſe aus abhold fand das deutſche Fußvolk ſeinen Beruf, im offenen Felde mit gedraͤngtem Lanzen⸗ und Hellebardenwald auf den Feind los⸗ zubrechen oder in geſchloſſenen Gliedern gegen Schan⸗ zen und Feſtungen ſtuͤrmend anzulaufen. Fuͤr unuͤber⸗ windlich galten die Landsknechte in ihrer vierten Ordnung, welche in folgender Art gebildet war. Voran ging„der verlorene Haufe“, die„Laͤufer“, in altfranzoͤſiſcher Kriegsſprache die enfants perdus genannt; ihre Lage war am gefaͤhrlichſten, da man ſie oft bei ungluͤcklicher Wendung ihrem Geſchick uͤberließ, woher denn die klaͤgliche Bezeichnung bei den Franzoſen. Sie wurden durch das Loos ge⸗ waͤhlt oder Rotten und Faͤhnlein theilten nach be⸗ ſtimmter Folge dieſen muͤhſamen Dienſt. Dann druͤckte„der helle Haufe“ nach, im geſchloſſenen Viereck undurchbrechbar in einander geſchraͤnkt; er bewegte ſich im wuchtigen Sturmſchritt, je drei 8 Tritte bei fuͤnf merklich abgeſetzten Schlaͤgen der hohlen Trommel. Die aͤußerſte, dem Feinde zu⸗ 9 gewandte Linie des hérisson(Igel) bildeten drei Glieder der am beſten geruͤſteten Knechte mit lan⸗ gen Spießen, doch in ungerader Zahl, um Luͤcken fuͤr die eingelegten Wehren ihrer Hintermaͤnner zu laſſenz„ein Blatt“ mit Schwertern und Hellebarden folgte, in deſſen Reihe die erſten drei Faͤhnlein flatterten; den mittlern Umfang fuͤllten alle langen Spieße, deſſen Kern, ſaͤmmtliche kurze Wehren, von den zehen Faͤhnlein vier umſchloſſen; wiederum ſtarrte darauf ein Wald von Spießen, zunaͤchſt ein Glied kurzer Wehren mit den hintern drei Faͤhnlein. In dem letzten Blatt waren die ſtaͤrkſten wohlbewehrteſten Leute mit langen Spießen geſtellt, gewoͤhnlich Doppel⸗ ſoͤldner. So oft es zur offnen Schlacht ging, beobachtete das deutſche Fußvolk unverbruͤchlich die Sitte, nieder⸗ zufallen und ein Gebet zu verrichten, auch wohl ein geiſtliches Lied anzuſtimmen. War das Regiment vom fußfaͤlligen Gebete aufgeſtanden, ſo warf es nach uralter Kriegsſitte den Staub hinter ſich oder ſchuͤttelte ihn von Schuhen und Waͤmſern, als ent⸗ ledige es ſich alles Schlechten und weihe ſich dem Schlachtengeſchickz dann ſenkten die Knechte die Spieße. Vor der erſten Reihe ritt oder ging der Obriſt, neben ihm die Hauptleute des Regiments; ein ſpaͤteres Jahrhundert fand die Ruͤckſicht billig, daß Befehlshaber gemeiner Sache willen, ihre Perſon hinter den Gliedern ſchirmten. Wollen wir uns ein recht lebendiges Bild die⸗ — 12. ſer abentheuerlichen Kriegshaufen entwerfen, ſo be⸗ trachten wir die ergoͤtzlichen, buntgefaͤrbten Holz⸗ ſchnitte, mit welchen Melchior Pfintzing, Kaplan zu St. Sebald in Nuͤrnberg, im Jahre 1517 ſeinen. Theuerdank kunſtreich verzieren ließ. Wie wir ſie da auf vielen Tafeln erblicken, jeder anders nach ſeiner Laune oder nach ſeinen Umſtaͤnden gekleidet und bewehrt, der eine mit der Pickelhaube, der an⸗ dere mit geſchloſſenem Helm, der mit dem Hute, der mit dem Federbaret, im Bruſtharniſch, im Hals⸗ kragen, Krebs; Andere mit gefaͤltetem Wams, bald mit ausgenaͤhten, bald mit bunt und kraus auf⸗ geſchlitzten Aermeln; Jener im Kollerz dann wie⸗ der im mannigfaltigſten, komiſchſten Schnitte der Hoſen, von der Pracht der vielfach gebauſchten Pluderhoſe bis zur eng anſchließenden, an die Ferſe ſich herabſchmiegenden Reiterhoſe; wiederum ein Jeder geguͤrtet an Huͤfte und Knieen und beſchuht ganz wie es ihm gemach war und ſchoͤn duͤnkte; dabei nun die verſchiedenartigſte Tracht des Bartes und der Haare; endlich Waffen, wie jeder ſie in der Werkſtatt aus der Vaͤterzeit aufgehaͤngt fand oder den Feinden abnahm; Federſpieße, lange Lanzen, Schaͤfte mit mannigfach geformter Spitze, Hellebarden, Partiſanen, Morgenſterne, Fauſthammer, Schlacht⸗ ſchwerter, oder der kurze breite Landsknechtsdegen, der, bequemlichkeitshalber, quer uͤber den Hintern oder den Magen geguͤrtet wurde; Andere dann mit unfoͤrmlichen Hakenbuͤchſen, die Pulverflaſche an der 11 Huͤfte, wie die Schließer ihr Schluͤſſelbund oder die alten Schreiber ihr Schreibzeug. Denken wir uns nun zehn bis funfzehntauſend ſo grillenhaft aufge⸗ putzter Geſellen, voran ein hoher Kriegsmann zu Roß vom Kopf bis zum Fuß geharniſcht, von ſeinen Trabanten in noch wunderlicherer Tracht und von ſeinen Hunden umſprungen, die Faͤhndriche mit den thurmhohen Fahnen, die Trommler mit ihren Trommeln, groß wie Weinfaͤſſer, hinterher der regellos, ſingend und fluchend einherziehende helle Haufe, endlich das Regiment des ehrſamen Huren⸗ weibels und der Rumormeiſter, die Huren und Buben, mit einem Rudel biſſiger Hunde— da ſehen wir den wichtigſten Theil der Heeresmacht, mit welcher Karl V. die Welt im Zaum hielt, den Koͤnig Franz bei Pavia, die Tuͤrken in Ungarn, in Tunis und was das Schwerſte, die deutſchen Fuͤrſten und Staͤnde ſelbſt in die Flucht ſchlug. Der Geſang war in dieſen Kriegshaufen zu Hauſe; viele der erſten Kriegsgeſellen waren Dichter. Bei vielen gemuͤthlichen Seiten, welche das Kriegs⸗ leben damaliger Zeit darbot, fehlte es jedoch nicht an Gewinnſucht, Frechheit, Gewaltthat, Meuterei und ausgelaſſenem Praſſen bei Hauptleuten ſowohl als dem gemeinen Volke. Freundes⸗ und Feindesland ward auf den Zuͤgen mit gleicher Wildheit behandelt, ſo daß beſonders Frankreich wenig Segen verſpuͤrte, wenn es einen deutſchen Edlen in ſeinen Sold rief. Gier nach erhoͤhtem Solde brach oft den wichtigſten 12 ꝭ—— Unternehmungen die Spitze ab. Daß uͤberhaupt der Kriegsdienſt ſo fruͤhe begann aus kaufmaͤnniſchem Geſichtspunkte betrachtet zu werden, mußte unedle Intereſſen erwecken. Beſonnene Berechnung, ob bei einer Unternehmung auch etwas Anſehnliches„hinter ſich zu ſchlagen ſei“, nicht der Entſchluß, ſich und dem Vaterlande Ehre zu erkaͤmpfen, leitete Obriſten, Hauptleute und Knechte. Das Gewonnene zerrann aber bald wieder in alle Welt, beſonders in Folge des Hangs zum Gluͤcksſpiel, welcher ſich ganz natuͤr⸗ lich mit der Luſt zum waghalſigen Handwerk ver⸗ band. Demnaͤchſt die Trinkluſt. Wegen der rebelli⸗ ſchen Herrſchaft ihres Bauches war denn, wie Macchia⸗ velli in ſeiner Schilderung Deutſchlands richtig be⸗ merkt, die Belagerung einer Stadt, wenn Schmal⸗ hans die Kuͤche verſah, ihres Berufes nicht. Die Befriedigung der Leibesbeduͤrfniſſe machte auch Heer⸗ lager und Zug hoͤchſt ſchwerfällig und den unge⸗ heuern Troß von Weibern, Sudlern, Kraͤmern und Marketendern noͤthig. Luther ſchilt in ſeiner Tuͤrken⸗ predigt die Hauptleute, daß ſie freilich nichts gegen die Tuͤrken ausrichten koͤnnten, weil„ ſie immer ihre linden Federbetten unterm Hintern haben muͤßten.“ Solchen Umweg durch das ſeinem erſten Ent⸗ ſtehen nach ſo gefaͤhrliche und bei ſeiner Entartung ſo unzweckmaͤßige Inſtitut der Soͤldnergeſellſchaften unter einem unabhaͤngigen Obriſt mußte deutſches, ja europaͤiſches Kriegsweſen nehmen, ehe die neueſte 13 Zeit zur alten naturgemaͤßen Art der Landesbewehrung zuruͤckging. Aber bei allen Maͤngeln und Miß⸗ braͤuchen waren im ſechzehnten Jahrhunderte in der Fremde geworbene Soͤldner noch immer ein zuver⸗ laͤſſigerer Schutz der Staaten, als die hochadlige, in blankem Stahl und mit hohen Buͤſchen, goldenen Ketten und Sporen prunkende. Ritterſchaft. Sie wurde ungehorſam, trotzig, wenn man ſie vom Tum⸗ melplatze ihrer im Leben untergegangenen Romantik in die durchaus veraͤnderte Wirklichkeit fuͤhrte. Auch wollte ſie nicht gerne zu Fuß fechten, wie bei Sem⸗ pach und Nancy, und wollten„ihr edles Blut nicht gegen die harten Bauern wagen.“ Die Feigheit des Adels bezuͤchtigt der ſtaͤdtiſche Patrizier, Willibald Pirkheimer als die Urſache des ſchimpflichen Aus⸗ gangs, welchen der große Schweizerkrieg Kaiſer Maximilians nahm. Wir duͤrfen uns um ſo weniger wundern, daß die Anwendung des Schießgewehrs den Kriegsmuth des Adels in Verruf brachte, wenn wir ſchon drei Jahrhunderte fruͤher den Bannſtrahl der Kirche gegen den Gebrauch einer Waffe geſchleu⸗ dert finden, die, ſo armſelig und kindiſch ſie gegen die Muskete erſcheint, dennoch den Vorzug perſoͤn⸗ licher Tapferkeit aufhob und deshalb als unedel und gottlos unter den chriſtlichen Streitern verboten wurde. Als die Armbruſt in Brauch kam, donnerte naͤmlich dagegen Papſt Innocenz II. auf dem zweiten lateraniſchen Konzil 1139. Spaͤter befreundete ſich die Ritterſchaft mit der handlichen Waffe, welche außer dem Geſchicke noch immer koͤrperliche Kraft erforderte. Die Liebe zum Alten behielt das Kunſterzeugniß einer kindlichen Welt bei und bediente ſich indeſſen gar haͤufig deſſelben in anderer Art, als die urſpruͤng⸗ liche Beſtimmung war, wie wir aus Goͤtz von Ber⸗ lichingens kecken Abentheuern kennen lernen werden, der es in der Noth hoͤchſt gebrauchswidrig dem Geg⸗ ner an den Kopf warf. Bellaͤufig geſagt, in Eng⸗ land wurde das Feuergewehr am ſpaͤteſten allgemein eingefuͤhrt; 1572 ſandte Koͤnigin Eliſabeth dem Koͤnig Karl IX. 6000 Mann mit Armbruͤſten be⸗ waffnet, und noch im Jahre 1627 ſchleuderten die Englaͤnder Pfeile auf das Fort Isle de Ré. Mit der Umaͤnderung ritterlicher Kriegskunſt in eine buͤrgerliche geht das deutſche Ritterthum allmaͤlig zu Grabe. Franz von Sickingen ſank unter ſeines Schloſſes Truͤmmer, Goͤtz von Berlichingen ſchmach⸗ tete im Thurme und verbrachte, von Urphede be⸗ ſtrickt, ſeine letzten Lebenstage auf verfallendem Hauſe; ein Dritter, wie Wilhelm von Grumbach, ſtarb unter des Henkers Beil; hundert Andere mit dem Marggrafen von Brandenburg oder dem Herzog von Braunſchweig auf der Wahlſtatt. Der groͤßere Theil des Landadels verfallen und geſpannt mit dem Friedensgebote, ſchleppte auf ſeinen Landſitzen ein kleinmuͤthiges, jaͤmmerliches Leben hin, etwa in Nachbarhaͤndeln um Wildbahn, Ackergraͤnze oder Lehensſtuͤcke aufgereizt, mit poſſenhafter Praͤtenſion an Selbſthuͤlfe und Ritterwehr. Die rohe Luſt, 15 drein zu ſchlagen, mußte ſelbſt dem ſchleppenden Rechtsgange des Reichskammergerichts erliegen. An⸗ dere vermietheten ſich als Schranzen und Diener an den Hof kleiner und großer Fuͤrſten und ver⸗ gaßen im geſchmeidigen Herrendienſt jedes edlern Selbſtgefuͤhls, wovon uns Goͤthe im Weißlingen ein Lebensbild aufſtellt. Viele gingen unbekannt unter als Geißeln ihrer Bauern, als Landjunker in der Pflege ihrer Hufen, hoͤchſtens beruͤchtigt als unermuͤdliche Weidmaͤnner; nur ein kleiner Theil der Ritterſchaft ward fuͤr den edlern Dienſt des Staats, der Wiſſenſchaft oder der neuen Kriegs⸗ kunſt gerettet. Die Enkel der Vaͤter, die an der Schwelle des neuen Jahrhunderts noch einmal wie eine ſterbende Kerze aufflackerten, der Sickingen, Berlichingen, Thuͤngen, Kronenberg, Flersheim ſchleppen am Ausgange deſſelben ein ſo inhalts⸗ loſes, durchbechertes, kaum durch geniale Wildheit ausgezeichnetes Daſein hin, wie wir es am ſchleſiſchen Junker Hans Schweinichen— nomen tibi sit et omen— zu ſattſamer Ergoͤtzlichkeit kennen lernen. „ 2.* Georg von Frundsberg und Götz von Berlichingen Jene zwei faſt entgegengeſetzte Richtungen im öffentlichen Leben Deutſchlands, die eine: die Bil⸗ dung einer regulaͤren Soͤldnerſtreitmacht aus buͤrger⸗ lichen Elementen, die andere: das Fortwuchern des abentheuernden und in ſeinem Falle noch trotzigen Ritterthums, finden wir in zwei Maͤnnern repraͤſen⸗ tirt, die, merkwuͤrdig genug, im Leben befreundet, in Kriegsthaten und Ritterzuͤgen ſich mannigfach be⸗ ruͤhrten, ſo daß die zeitgeſchichtlichen Beziehungen des Einen auch die des Andern ſind. Nur tritt Georg von Frundsbergs Wirkſamkeit, eben weil ſeine Kraft und ſeine That dem Geiſte der Neuzeit entſprach, viel reicher und maͤchtiger hervor, waͤhrend Goͤtz von Berlichingen in den Praͤtenſionen und Untugenden einer untergehenden rohen Zeit oft eben ſo verab⸗ ſcheuungswurdig als lcherlich erſcheint und an den 17 Helden des goͤttlichen Cervantes, Don Quixote erinnert. Das haben nun in Cervantes die Spanier ein fuͤr alle Mal voraus, daß ſie an der Leerheit, Hohlheit, an der Raubgier und Raufluſt des ſonſt geprieſenen Ritterthums, als es ſeine Zeit erreicht hatte, das unbarmherzigſte Strafgericht uͤbten, waͤh⸗ rend ſie es dem Spotte und Hohne preis gaben. Wir Deutſche hingegen, in politiſchen Dingen, in Dingen, die unſer allgemeines Wohl und Wehe an⸗ gehen, ſtets kurzſichtig, wir beſchworen dreihundert Jahre nach dem Falle des Ritterthums dieſes Idol wieder herauf, vor 70 Jahren in Spießiſcher Aus⸗ ſtattung, und neuerdings erhoben von der tauben Bluͤthe ſiegstrunkener Begeiſterung im modernſten Zuſchnitt deutſchthuͤmlenden Heldencoſtums, in Ge⸗ ſtalt ſuͤßlicher Unritterlichkeit mit etwas mehr Unklar⸗ heit und Sprachverwirrung, Edel⸗ und Hochmuth. Es iſt wahrer Verrath an den heiligſten Intereſſen des Vaterlands, an Sitte, Verſtand, Gluͤck und Fortſchritt der Menſchheit, wenn einzelne Schrift⸗ ſteller es unternahmen, die bodenloſe Schlechtigkeit des zerfallenden Ritterthums, Raub, Mord, Brand⸗ ſchatzung, Hohn gegen alle menſchliche Ordnung mit Schoͤnpflaͤſterchen zu ſchmuͤcken und die bloͤde Menge zwangen, das Raubgeſindel zu bewundern, das unſere Voreltern peinigte und quaͤlte und den Grund legte zu Deutſchlands Ungluͤck und Zerriſſenheit. Denn wenn jeder Ritter ein Herrſcher ſein, Recht geben und Recht nehmen will, noch mehr, wenn er 2 — behauptet, daß fremdes Eigenthum unbedenklich das ſeinige werde, wenn er bei naͤchtlicher Weile im ab⸗ gelegenen Walde, durch welchen die Heerſtraße zieht, an deſſen Erwerb einen Ritt, Fauſtſchlag und Schwertſtreich ſetzt, wenn er friedliche Staͤdte, die Staͤtten der Gewerbe, der Kuͤnſte und Wiſſenſchaften, in der Entwickelung ihres ſchoͤnſten Gluͤcks ungeſtraft ſtoͤren, wenn er daheim in der Naͤhe ſeines Raub⸗ neſtes den friedlichen Landbauer um den Lohn ſei⸗ nes ſauren Schweißes betruͤgen darf, daß nie eine geſunde, kraͤftige, ihres Lebens und Beſitzes frohe Bevoͤlkerung gedeihen kann, dann iſt zu des Vater⸗ lands Verfall und dauerndem Ungluͤck unrettbar der Grund gelegt. Es iſt unbegreiflich, wie beſſere Geiſter, ein Goethe z. B., dieſer Grundſchlechtigkeit eine poetiſche Geſtalt geben, ja den Kranz der Apo⸗ theoſe auf das Haupt druͤcken mochten. Im Raube, im Mordbrande iſt keine Poeſie; dieſes Ritterthum ſchuͤtzte kein gekraͤnktes Recht, keine gekraͤnkte Unſchuld. Wo ſich nur irgend eine Fehde erhob, da draͤngten ſie ſich ein und waren der Beute beim gewinnenden oder verlierenden Theile gewiß. So namentlich Goͤtz von Berlichingen. Warum betrat er nicht fortan, wie er angefangen hatte, die Bahn des ehr⸗ ſamen Kriegshandwerks im Dienſte des Vaterlands, wie ſein edlerer Freund Frundsberg? Einmal weil er Nichts gelernt hatte, denn er war nur ein Jahr lang zur Dorfſchule gegangen und dann gewiß, weil die Raub⸗ und Heereszuͤge, die er auf eigene Fauſt, ohne allen hoͤheren Zweck, ohne beſſere Richtung, wie Franz von Sickingen, unternahm, mehr Beute abwarfen, als regelrechter Kampf im offenen Felde. Goethe iſt nie zu entſchuldigen, daß er Goͤtz von Berlichingen poetiſch aufputzte und der ganzen Fluth von Ritterromanen und Ritterſchauſpielen den Weg zeichnete und das deutſche Publikum verfuͤhrte, zu be⸗ wundern, wo Nichts zu bewundern iſt. Viel ver⸗ dienſtlicher iſt, die Perſonen und Zuſtaͤnde in ihrer wahren Geſtalt dem Auge des vorurtheilsloſen Leſers vorzufuͤhren und in die klaffenden Wunden ſchauen zu laſſen, wo ſie vorhanden ſind. Wir verdammen am wenigſten wahre Poeſie; nur ſoll ſie ihre Stoffe und Geſtalten nicht auf dem Boden niedriger Ent⸗ artung ſuchen. Indem wir Solches ſchreiben, wiſſen wir wohl, daß wir bei manchen vornehmen Leuten anſtoßen; aber dieſe vornehmen Leute ſind es eben, welche wiſſen, warum ſie der Vorurtheile uͤber die Rohheit des Mittelalters voll ſind oder wenig⸗ ſtens den ſchlichten, biedern Buͤrgern die Freiheit mißgoͤnnen, welche uns die Ereigniſſe der Neuzeit und die fortſchreitende Kultur Europa's ſchenkt und ſichert.’ Darum ſei es uns erlaubt, den Ritter Goͤtz von Berlichingen in ſeiner wahren Geſtalt, groͤßten⸗ theils mit ſeinen eigenen Worten vorzufuͤhren. Jeder brave Buͤrger, der Solches lieſt, wird uͤber die Rich⸗ tung unſerer Zeit, das Ritter⸗ und Adelthum wie⸗ der vergoͤttern zu wollen, keinen Augenblick im Un⸗ 9* 20 klaren ſein; es iſt gar viel leichter, vom Raube des gewerbfleißigen Buͤrgers, des arbeitſamen Bauers zu leben, als ſich ſelbſt das Noͤthige zumal bei den ge⸗ ſteigerten Anforderungen des Luxus zu erwerben. Mißtraut alſo dem Lobe des Mittelalters und ſeiner Ritterſitte; es gilt zumeiſt einer Theodizee des Rau⸗ bes und des durch ihn moͤglichen arbeitſcheuen Lebens einiger weniger Bevorberechtigten. Doch wir wenden uns dem ſchoͤnern Wirkungs⸗ kreiſe Georgs von Frundsberg zu*). Ruͤhmlicher Sinn fuͤr geſetzliche Ordnung zeichnete dieſes Stam⸗ mes Glieder ſchon zur Zeit Kaiſer Friedrich III. aus, daher wir ſie denn unter den Stiftern und Hauptleuten der Geſellſchaft vom St. Georgenſchilde, deren Zweck Aufrechthaltung des Landfriedens war, genannt finden. Johann und Huldrich von Frunds⸗ berg halfen den Ritterverein zum ſchwaͤbiſchen Bunde erweitern und beide waren Hauptleute des adligen Theils an der Donau. Georg von Frundsberg, von der Natur mit dem rieſigſten Leibe und einer ſelbſt in jenen Tagen ungewoͤhnlichen Staͤrke begabt — er ruͤckte die ſchwerſte Karthaune mit ſeinen Lenden von der Stelle, hielt ein laufendes Pferd beim Zuͤgel und ſtieß mit dem Mittelfinger der rech⸗ ten Hand einen feſtſtehenden Mann fort— ward zwar fruͤh zum Kriegshandwerk beſtimmt, doch ſcheint ²) Georg von Frundsberg, von Bartholdt. S. 117 ff. 4 21 ſeine geiſtige Bildung nicht verwahrloſt worden zu ſein. Mit Freudigkeit und Ernſt bekannte er ſich zur Reformation. Berlichingen's Lutherthum, das er allerdings bekannte, mag ihm eben nicht feſtgeſeſſen ſein. Die Moͤnche von Schoͤnthal behaupteten, er habe ſich durch ſein Teſtament mit dem Katholicis⸗ mus wieder ausſoͤhnen wollen. Ein Raub an den Schaͤtzen der Fugger im Odenwalde zog ſeine Auf⸗ merkſamkeit mehr auf ſich, als jene geiſtige Be⸗ wegung. In Frundsberg wandte ſich die Kraft ſeiner Seele uͤberwiegend jedoch auch auf den Krieg, deſſen einzelne Kuͤnſte und Pflichten er fruͤhe zu uͤben begann. Er fuͤhlte aber, daß die Neige des Jahrhunderts fuͤr den deutſchen Adel ruhmlos war; darum mochte Junker Georg, als er mit ſeinem Bruder, Adam, Hauptmann des ſchwaͤbiſchen Bun⸗ des, unter der Reichsfahne gegen die Schweizer zog, in den Faͤhrlichkeiten jenes Kampfes, eben ſo wenig Gelegenheit ſich auszuzeichnen gehabt haben, als ſein Zeitgenoſſe Goͤtz von Berlichingen, der wie er in der folgenden Selbſtbiographie erzaͤhlt, damals zum erſten und letzten Mal des Reichs Banner flattern ſah. Waͤhrend aber dieſer bis zum hohen Alter des ordentlichen Kriegs ſich entſchlug, und lieber auf eigene Fauſt in Wegelagerei, Geſellenritten und Stegreif ſich umtrieb, ſchaute Georg mit klugem Auge drein und lernte ſoviel von dem Weſen ſchweizeriſchen Fußvolks, daß er bald unter Kaiſer Maximilians Hauptleuten ſich hervorthat. Als im 22 Jahre 1504 die bairiſche Fehde ſich erhob, der ſchwaͤbiſche Bund dem Kaiſer die Pfalzgrafen Philipp und Rupprecht uͤberziehen half, war Frundsberg unter der Reichsfahne und legte in der Feldſchlacht bei Regensburg ſoviel Tapferkeit an den Tag, daß er von Maximilian zum Ritter geſchlagen wurde. Ein dauerndes Wahrzeichen ſeiner Mannhaftigkeit war das Faͤhnlein, welches er den Boͤhmen abnahm und ob der Frundsberger Begraͤbniß in der St. Annen⸗ kapelle zu Mindelheim aufhaͤngen ließ. Wie er deſſenungeachtet adlige Unart damals noch nicht ab⸗ geſtreift und wie jene fromme Schonung im Kriege gegen arme Leute und Bauern, die ihn ſpaͤter be⸗ zeichnet, noch nicht zum Bewußtſein gekommen, lehrt die Erzaͤhlung des Ritters Goͤtz. Waͤhrend noch im bairiſchen Kriege beide Rit⸗ ter dieſelbe Bahn verfolgten, wo Beide gleicher Unart froͤhnten, gewann Georgs Leben bald einen groß⸗ artigen Zuſchnitt im Dienſte des Kaiſers, zum Hel⸗ denthum deutſcher Nation, in Schlacht und Zug gegen des Reiches Feinde. Goͤtz dagegen blieb bei dem alten Brauche und muͤhte ſich auf weiten, naͤchtlichen Ritten, durch Franken, Schwaben, Heſſen und Weſtphalen, kannte jeden Pfad, jede Furt der Fluͤſſe, merkte jede Haltſtatt, ſpann heiß und zornig Fehde an Fehde, neckte mit der tollſten Keckheit maͤchtige Fuͤrſten und Staͤdte, brandſchatzte, ſengte, warf Kaufleute nieder und ſchleppte mit dem Danke „fur die Gnade Gottes“ die in ſo„ehrlichem“ Streite 8 23 gewonnene Beute auf ſeine Haͤuſer; ohne daß ſelbſtiſche Verblendung irgend der Pflicht gedachte, welche er dem gemeinen Vaterlande ſchuldete, hatte ſein Gemuͤth, zu dem die Stimme der Zeit nicht ſprach, ſich in ſo unabſehbares Gewirr von klein⸗ licher Feindſchaft und unedler Gewinnſucht verloren, daß es ihn mehr als ein Mal ſchimpflichem Tode von Henkers Hand nahe brachte. Georg von Frunds⸗ berg dagegen entſagte ſolcher„Heckenreiterei“ und hatte ſeinen Sinn auf Hoͤheres geſtellt. Gleich ein Jahr nach der bairiſchen Fehde finden wir ihn in den Niederlanden, in landsknechtiſcher Ruͤſtung und fortan iſt ſein Leben eine Reihe von Schlachten und Faͤhrlichkeiten, die er alle in des Kaiſers Namen beſtand. In dieſe fuͤr die deutſche Geſchichte ſo wichtigen Zeitlaͤufte faͤllt die praktiſche Ausbildung des Lands⸗ knechtsbrauchs, an welchem Georg von Frundsberg mit ſeinem Kaiſer gemeinſam arbeitete. Wir haben das ausdruͤckliche Zeugniß im„Ehrenſpiegel“, daß die loͤbliche Anſtalt,„den Krieg in einen ordentlichen Staat zu verfaſſen“, mit Georgs Rath getroffen worden ſei. Daß es Frundsberg zu etwas Unge⸗ woͤhnlichem in ſeiner Kunſt gebracht, dafuͤr zeugen die Beſtuͤrmung Brescia's, die Schlacht bei Ravenna, wo der ritterliche Gaſton de Foix fiel, die Belage⸗ rung von Verona. Nach ſchwerem Kriege heim⸗ gekehrt— auf ſein Schloß Mindelheim zu ſeinem Weibe, Anna, geborner Graͤfin von Lodron aus 24 dem welſchen Tyrol, und zu ſeinen Soͤhnen, wurde er doch bald wieder in das Gewirre von Reichsgeſchaͤf⸗ ten, Tagfahrten und Staͤndeverſammlungen gefuͤhrt. Immer die geſetzliche Gewalt in Schild und Wappen ſehen wir ihn zuerſt in der wuͤrtembergiſchen Fehde. Herzog Ulrich, in welchem das unruhige Blut ſo oft geſtrafter Vorfahren tobte, hatte mit Muͤhe bei Kaiſer Maximilians Tagen ſich in den Zwang der Reichs⸗ geſetze gefunden und war, wiewohl ſeine leidenſchaft⸗ lichrohen Thaten, der Mord des Stallmeiſters Hans von Hutten und die Behandlung ſeiner Gemahlin Sabina von Baiern, ſchweren Haß des Adels und anderer Staͤnde erweckt, der Strafe noch immer durch Vorſchub Befreundeter entronnen. Aber als der alte Kaiſer Maximilian die Augen zugethan, ver⸗ mochte er nicht laͤnger ſich zu zuͤgeln. Wie er nach dem Trauermahl zu des Kaiſers Ehren erfuhr, ſein Landvoigt von Achalm ſei bei einem Ge⸗ zaͤnke zu Reutlingen erſchlagen worden, ſchickte er, ſo ſtrenge der Winter war, ſeine Kriegsvoͤlker vor die Reichsſtadt, zwang ſie am 28. Jan. 1519 zur Uebergabe und noͤthigten die Gemeinde, ein Glied des ſchwaͤbiſchen Bundes, zur Erbhuldigung. Doch erhoben ſich aller Orten Feinde gegen den Trotzigen. Das Geſchlecht der Hutten, fraͤnkiſcher, ſchwaͤbiſcher, rheiniſcher Adel ergriff die Waffen und zog dem ſchwaͤbiſchen Bunde zu, welcher ſchon Ende Maͤrz an der Graͤnze Wuͤrtembergs erſchien. Herzog Wil⸗ helm von Baiern, der ungluͤcklichen Sabina Bruder, 25* war Oberfeldherr des Bundes, neben ihm Georg von Frundsberg als oberſter Hauptmann des oͤſtreichi⸗ ſchen Volkes. Von Franzoſen und Schweizern, auf die er gerechnet hatte, verlaſſen, beſetzte Ulrich die Feſtungen ſeines Landes und floh. Fuͤr wenige Burgen fand er ſo entſchloſſene Vertheidigung als Hohenaſperg, in neuerer Zeit berühmt als das laͤngere Abſteigequartier der demagogiſchen Jugend Schwa⸗ bens. Die andern Staͤdte und Flecken ergaben ſich alſobald. Georg von Frundsberg ſchonte die armen Leute, wie er vermochte; ohne ſeine eilige Dazwiſchen⸗ kunft, ſeine Scheltworte und Streiche wuͤrden die „frommen“ Landsknechte das Slaͤdtchen Weilheim mit Mord und Raub erfuͤllt haben. Stuttgart eroͤffnete die Thore am 5. April; auch das Schloß auf Tuͤbingens Felſenmauern ergab ſich bald. Nur Hohenaſperg und Noͤckmuͤhl waren noch uͤbrig. Georg ruͤckte vor jenes Felſenneſt; durch das Rems⸗ thal kam eine buͤndiſche Schaar unter Hans von Hattſtein und Hans von Ehrenberg vor Moͤckmuͤhl. Da begann Berlichingens Ungluͤck, nur gemildert durch ſeines Freundes Frundsberg und durch Sickin⸗ gens ritterliche Dienſte, der ihn vergeblich vor der Mausfalle gewarnt. Goͤtz hatte ſich auf Seite des Wuͤtherichs Ulrich geſchlagen und hielt Moͤckmuͤhl beſetzt. Goͤtzens und ſeiner Verwandten Muth war bei der nun eingetretenen Belagerung zwar noch nicht gebrochen; aber es fehlte an Mehl, an Schieß⸗ 2* 26 bedarf, an Waſſer ſogar, weßhalb Kriegsleute und Pferde ihren Durſt in Wein ſtillten, die Buͤrger in der Stadt, welche den Buͤndiſchen ihre Thore geoͤffnet hatten, hielten alle Vorraͤthe im Verſchluß. Das Weitere wird uns von Goͤt ſelbſt erzaͤhlt. Er ſet ward gefangen genommen. Kaum war Göͤtz aus ſeiner Haft durch die Verwendung Frundsbergs und Sickingens befreit, ſo mußte beſonders Frundsberg ſchwere Nachrede uͤber ſich ergehen laſſen, was ihn jedoch nicht abhielt, ſich noch ein Mal fuͤr ihn zu verwenden. In Worms ſehen wir Georg von Frundsberg neben dem geiſtlichen Kriegsmanne aus Wittenberg. Als Doktor Luther unerſchrocken durch die Reihen der verſammelten Staͤnde und Herren vor das Angeſicht des Kaiſers zu treten im Begriff war, klopfte ihm Georg auf die Schulter und ſprach die Worte: „Moͤnchlein, Moͤnchlein, Du gehſt einen Gang, dergleichen ich und mancher Obriſter auch in unſrer allerernſteſten Schlachtordnung nicht gethan haben; biſt Du auf rechter Meinung und Deiner Sache gewiß, ſo fahre in Gottes Namen fort, Gott wird Dich nicht verlaſſen!“ So ſtellt Georg von Frundsberg durch ſeine Wirkſamkeit fuͤr regelmaͤßige Kriegfuͤhrung, wie durch ſein Intereſſe an der Reformation den Anfang der neuen Zeit vor, waͤhrend Goͤtz von Berlichingen, der Geprieſene und viel Verherrlichte, den Untergang des Mittelalters. Letzterer traͤgt ſelbſt alle Spuren des Verfalls in eine Epoche heruͤber, die reich an groͤßern Entwuͤrfen und Regungen, recht ge⸗ pflegt und genuͤtzt, fuͤr Deutſchlands ſpaͤte Zukunft nothwendig die ſchoͤnſten Prücht gebracht haben wuͤrde. 3.* Götz von Berlichingens Heimath. (Nach vorhandenen Volkserinnerungen an ihn.) Blick auf das Heimathland unſers Goͤtz zu werfen. Wir folgen dabei einem wackern Fuͤhrer, Willibald Alexis, der jene Gegenden in ſeinen Schattenriſſen aus Suͤddeutſchland mit vieler Gemuͤthlichkeit ge⸗ ſchildert hat. Wie in Rheinbaiern ſein Held, Franz von Sickingen, noch im Volke lebt, ſo ſind auch die Ufer des Neckar, des Mains, der Tauber, des Kocher und der Jaxt noch voll von den Erinnerungen an den Ritter mit der eiſernen Hand und man ſpricht vom Goͤtz, ohne von Goethe etwas zu wiſſen. In Heidelberg wohnte er in dem ſtattlichen Wirthshauſe zum Ritter von St. Georg, was noch jetzt in ſeiner kuͤnſtlichen Facade mit ſaubern Reimſpruͤchen Vielen unſerer Leſer iſt es wohl intereſſant, einen 29 nach dem Markte zu und ſeiner gewoͤlbten Trink⸗ ſtube und noch vor Kurzem mit den trefflichen Wei⸗ nen, die man daſelbſt geſchenkt erhielt, allen Rittern und ihrer Zeit Ehre gebracht haͤtte. Leider iſt dies Ehrenhaus jetzt zu einer Fuhrmannsausſpannung herabgeſunken. Am Neckar, bei der herrlichen Burg der Frei⸗ herrn von Gemmingen, am Hornberg, den Goͤtz von Konrad Schott gekauft, wurde er gefangen und ſaß in Haft auf dem Felſenſchloſſe, das ihm eine Ausſicht gewaͤhrte, wie er ſie in ſeinem beſcheidenen, ererbten nie gehabt. Die Ruine gehoͤrt zu den wohlerhaltenſten und iſt wahrhaft ſchoͤn gelegen. Noch bis vor wenigen Jahren bewohnte der alte Herr von Gemmingen den ſpaͤtern Anbau dieſes Felſenſchloſſes. Ein dunkler Wald ſenkt ſich von der Burg herab landeinwaͤrts— ein Wald, geeignet fuͤr Ritterthaten, die uͤber die Zeiten eines Goͤtz hinausreichen. In Heilbron weiß jedes Kind den Thurm, wo der Goͤtz geſeſſen, und in Weinsberg findet ſich in einem Fenſterchen des Thurms unter der Burg ein buntes Glasgemaͤlde darſtellend den Ritter in ſeiner Haͤuslichkeit. Er iſt krank; der Arzt bei ihm mit der Hausfrau— ein kraͤftig, friſches Bild. Es verdiente bekannter zu werden. Aber wo du hintrittſt und hinblickſt, an der Jaxrt und am Kocher, huͤgelauf und huͤgelab, 30 es kommt dir uͤberall vor, als ſei hier das rechte Feld fuͤr dieſen letzten Ritter aus dem Stegreif, als koͤnne er noch jetzt dort die ausſterbende Birn⸗ baumallee hinaufreiten, dort unter den Haſel⸗ buͤſchen ausruhen und aufpaſſen auf Nuͤrnberger Kaufleute, oder einen Franz von Weißlingen. Jeder Meierhof, jeder Stall in dieſer Gegend traͤgt das Gepraͤge des ſpaͤtern Mittelalters; die Staͤdte ſind noch alle feudaliſtiſch mit ihren Mauern und Wart⸗ thuͤrmen und die Wege ſind auch ſo, daß Nuͤrnberger Waaren langſam fahren muͤſſen. Nur zweifle ich, ob den Wein, wie er am Neckar und der Tauber heut getrunken wird, der Ritter mit der eiſernen Hand ſchon im letzten Kruge, den ihm ſeine Haus⸗ frau verſtohlen reichte, an die Lippen gebracht. Tief unten in einem gewaltigen Huͤgelbette, deſſen Seitenwaͤnde oft zu bedeutenden Felsbergen werden, wendet ſich ein kleiner Bach unter binſigen Wieſenufern fort; man begreift nicht, wie das wenige Waſſer, einſt dieſe ungeheure Schlucht bohren konnte. Doch iſt es kein plaͤtſchernder Forellenbach, er iſt dunkel und tief, und ſeine Wellen fließen unaufgehal⸗ ten fort. So ſteinig, ſteil und rauh ſind ſeine Ufer, daß auf den ſchmalen Straßen, die mit den Bergen ſteigen und mit ihnen ſich ſenken, kaum alle halbe Jahre zwei Wagen ſich begegnen; es iſt dann nicht dafuͤr geſorgt, daß ſie ſich ausweichen. Jeder Wan⸗ derer ſah uns verwundert an, und im Dorfe ſtan⸗ — den ſie zuſammen, wie vor einem nie geſehenen Schauſpiele, wenn wir unſer Cabriolet uͤber ein Geroͤll von Feldſteinen hinabgleiten ließen. Auf unſere Frage, wie iſt es denn zu machen, wenn uns ein Wagen begegne, antwortete man nur:„O es wird Ihnen keiner begegnen.“ Einer muͤßte unbedenklich umkehren, oder den ſteilen Abhang hinunterſtuͤrzen. Ich meine, daß auch Goͤtz hier nicht oft geritten iſt. Die hohen Ufer der Jaxt haben, trotz der uͤber⸗ raſchend lieblichen und ſchoͤnen Einblicke ins Thal, ein nur ſteriles Anſehen. Niedriger werden die Flußgebirge gegen die noͤrdlichſte Wendung der Jaxt und hier auf einem noch niedrigeren Vorhuͤgelufer, liegt die Burg Jaxthauſen, kaum wenige Fuß uͤber dem Flecken gleichen Namens, nur durch einen ſchmalen Graben von demſelben getrennt, und ich glaube, man uͤberſieht nicht einmal von der Thor⸗ warte den ganzen Ort. In der That iſt man uͤber⸗ raſcht, wo man ſoviel erwartete, ſo wenig zu finden, und man begriffe nicht die freien Ritter von Ber⸗ lichingen, wie ſie gerade hier an einer tiefen Stelle ihr feſtes Stammſchloß erbauen konnten, wenn man nicht annehmen wollte, daß ſie ihren beſten Schutz in der Unzulaͤnglichkeit der Wege ſuchten. Auch war Jaxthauſen vielleicht, ehe es eine Ritterburg wurde, nur der befeſtigte Weiler eines freien germa⸗ — 3² niſchen Saſſen, genug zum Schutz und an einen Angriff dachte man nicht. Fuͤr dieſe urſpruͤngliche ehrenwerthe Beſtimmung ſpricht auch der Umſtand, daß man rings auf den hoͤhern Hoͤhen der Jaxt kein Ritterſchloß erblickt. Es war kein ſpezielles Revier fuͤr Raubritter. Das Herrenhaus der Berlichingiſchen Familie liegt, nur durch einen Obſtgarten getrennt, unterhalb des Burgthors und wird auch erſt ſeit einigen Jah⸗ ren ausſchließlich von derſelben bewohnt, indem noch vor Kurzem die erhaltenen Theile der Burg zum Wohnhauſe dienen mußten. Der lettverſtorbene Graf von Berlichingen, ein Mann von Sinn fuͤr das Alterthum und Kenntniß deſſen, was die Zeit fcordert, hat eine Stiftung errichtet, vermoͤge deren die Burg ſeiner Ahnen im gegenwaͤrtigen Zuſtande erhalten und jedem Fremden auf die gaſtlichſte Weiſe gezeigt werden ſoll. Der beſtellte Fuͤhrer und Verwalter darf fuͤr ſeine Bemuͤhungen nicht die geringſte Erkenntlichkeit nehmen. Ein einziger Schluͤſſel oͤffnet das einzige morſche Eichenthor der Burg, welche einmal einer kaiſerlichen Exekutions⸗ armee Trotz bot(denn ich folge dem Dichter, der Goͤtzen hier hauſen laͤßt; der Goͤtz der Geſchichte, dem das Alles auf Hornberg paſſirt, nimmt nicht daſſelbe Recht der Theilnahme in Anſpruch, als der des Drama's)— und man ſieht, daß die Herrlich⸗ keiten einer reichsfreien Ritterburg ſich auf dem Papiere glaͤnzender ausnehmen, als in der Wirklichkeit. Holz⸗ bauten, wenige Gewoͤlbe, dafuͤr Eichendecken. Eine kleine Stechbahn um den Burghof und ein tiefes, ſchauriges Burgverließ, nach der Jaxt hinabgehend und vielleicht noch von Niemand ergruͤndet, ſind faſt die einzigen Symbole des aͤchten Feudalismus. Da⸗ gegen tritt uͤberall nicht unerfreulich der Charakter des Haͤuslichen heraus; der große Ritterſaal mit ſeinem uralt eichenen Schranke ohne Schmuck und Zierde und dicht daran ein Ort, den man nicht nennt, der aber im Goͤtz vorkam; die große Kuͤche, in der man die Maͤgde und die ruͤſtige Hausfrau noch walten zu ſehen glaubt, denn der Schlot iſt noch voll Ruß und von dem nach alter Art niedrigen Herde moͤgen ſie kaum die Aſche abgekehrt haben, vermuthlich um Seife zu kochen. In einer gewoͤlbten kleinen Halle, jetzt Archid, Regiſtratur, Ruͤſtkammer, Ahnenſaal der Familie, werden einige Ruͤſtungen, alte Waffen und dergleichen aufbewahrt, von nicht viel Bedeutung; aber aus einem Kaͤſtchen holte der Fuͤhrer das werthvolle Kleinod hervor, die Hand, welche ein Schrecken der Reichen war. Und wie klein iſt dieſe Hand, kleiner als jede ausgewachſene Mannshand, und dabei, ob⸗ gleich von Eiſen, doch gelenkig. Sie wurde feſt⸗ geſchraubꝗt an das Schwert; aber ich meine nicht, daß ein ungariſcher Ochs von jedem Schlage davon zu Boden fallen mußte. 3 34 Einige Kanonenſchuͤſſe muͤßten das Schloß, wie es jetzt iſt, demoliren, und ich ſtelle mir nicht vor, daß es ehedem anders geweſen. Noch iſt ſeine Lage, wenn man es im milden Abendlichte ſieht, anmuthig genug. An Thuͤrmen hat es keinen Mangel; eben desgleichen nicht an Wieſewachs. Eine bedeutende Heuernte gruͤnt ringsumher und Ehren⸗Götz haͤtte ein trefflicher Viehzuͤchter ſein koͤnnen. Ohngefaͤhr eine Stunde die Jarxt aufwaͤrts finden wir ein ſtilles, ſchoͤnes Thal, das auch von Bedeutung iſt in der Geſchichte des Berlichingen. Von hohen Bergen eingeſchloſſen, vermoͤge ſteiler, gefaͤhrlicher Wege ſchwer zugaͤnglich, liegt hier in Abgeſchiedenheit von der Welt das alte Kloſter Schoͤnthal. Die frommen Geiſter, welche es, ich glaube, 1100 gruͤndeten, dachten nicht daran, welche Umgeſtaltungen, welche Vervollkommnung, Verſchoͤne⸗ rung und welcher Ausgang ihrem Inſtitute bevor⸗ ſtuͤnde. Sie nannten das Thal Vallis speciosa, und bauten eben nichts, als ein kleines Kirchlein und Kloſter. Nachdem es im Verlauf des Mittelalters ſich amplifizirt hatte, wurde es vor noch keinen 200 Jahren zu einem der eleganteſten Kloſtergebaͤude im Styl der jeſuitiſchen Architektur umgewandelt. Statt der ſtillen Beſchaulichkeit lebte geiſtlicher Luxus in den prachtvollen Raͤumen des einſamen Schoͤnthals. Die Sage weiß viele Hiſtoͤrchen von der Herrlichkeit der geiſtlichen Herren, unter deren Regiment ſich 35 uͤbrigens gut leben ließ. Jetzt— es ſind noch kaum vierzig Jahre, ſind ſie ausgetrieben, d. 5. ſaͤculariſirt und penſionirt; ihre wunderthaͤtige, an Reliquien reiche Kirche, dient einer ſehr kleinen, armen Gemeinde, die keinen Anſpruch hat auf ſolchen Cultus, zum Gotteshaus, und das große, reich⸗ begabte Kloſter iſt zu einem proteſtantiſchen Seminar geworden. Dies jedoch nur mit Modifikationen; denn von den 80,000 Gulden, welche die frommen Dominicaner in Schoͤnthal jaͤhrlich verzehrten, bezieht das Seminarium nur 11,000. Von den andern 69,000 iſt indeß kein neuer Buͤßerorden geſtiftet worden. Der Wuͤrtembergiſche Kommiſſaͤr, beauftragt, die Schaͤtze des Kloſters zu inventiren, lag im ſuͤßen Mitternachtſchlummer in dem herrlichen Gaſtgemach, das zum letzten Mal zu dieſem Zwecke dienen ſollte, als es entſetzlich knarrte und krachte. Er ſchlug die Augen auf und auch die Wand uͤber ſeinem Bette that ſich auf, und ein Glatzkopf beugte ſich uͤber ihn. Die ſtieren Augen und die heiſere Stimme gehoͤrten jedoch diesmal nicht dem raͤchenden Schutz⸗ geiſt des Kloſters, ſondern ſeinem Verraͤther an. Es war ein guter Moͤnch, welcher gewiſſe vom Prior anzugeben vergeſſene Schätze dem Kommiſſaͤr auf dieſe Weiſe zu notifiziren fuͤr die Pflicht eines gewiſſenhaften, ſaͤculariſirten Moͤnchs hielt. Das 3* 36 Gaſtzimmer war ſo eingerichtet geweſen, daß die frommen Herrn die heimlichen Gedanken ihrer ehrenwerthen Gaͤſte vermoͤge durchloͤcherter Spinden belauſchen konnten und der hoͤchſt gewiſſenhafte Kloſterbruder hatte dieſen Weg gewaͤhlt, um ſeine Herzenserguͤſſe an den Mann zu bringen. Noch immer iſt die Kirche ein Meiſterſtuͤck der Glanz ſuchenden Architektur. Arme Bauersleute in entlegenen Thaͤlern mußten vor Staunen und Be⸗ wunderung auf die Knie ſinken, wenn ſie dieſen Luͤſtre erblickten; und es bewaͤhrt ſich, wie geſchickte Komoͤdianten die katholiſchen Clerici noch nach der Re⸗ formation waren, indem ſie ſich mit ſolchem eleganten Glanz umgaben, nachdem der altkatholiſche Nimbus langſt erloſchen war. Fuͤr das Kunſt und Alter⸗ thum ſuchende Auge, das ſich dadurch nicht beſtechen laͤßt, haben ſie dafuͤr aufgerichtet die eherne Statue eines Friedrich Barbaroſſa, eines Papſtes Alexander III., eines Hohenſtaufen, des Konrad von Weinsberg u. ſ. w. Dies ſind ſehr intereſſante, doch zweifel⸗ hafte Alterthuͤmer. Minder zweifelhafte weiſt uns der eine Kreuzgang auf mit ehrwuͤrdigen Leichen⸗ ſteinen. Hier ruhen die alten Berlichingen, eine lange Wand voll in Stein gemeiſelter Ritter, uralte Bil⸗ der, von ſolchen an mit eng anſchließenden Schuppen⸗ panzern, hagern, ſchmaͤchtigen Taillen, langen Panzer⸗ 37 hemden und Schnabelſchuhen des dreizehnten und vierzehnten Jahrhunderts, bis zu den Vollmonds⸗ geſichtern und Panzerleibern der Helden des ſech⸗ zehnten. Leider muß ich es bekennen: der theure Goͤt gehoͤrt zu den behaglichſten Vollmondsgeſichtern; wenigſtens hat ſein Bildhauer oder Steinmetze ihn mit„klobigen“ Haͤnden conterfeit. Er knieet in voller Ruͤſtung und betet, derweil ſeine„großen Ahnen“ ſehr keck, vermuthlich ihrer Schnabelſchuhe wegen, in der Mauer ſtehen und ausſchauen, ob Jemand Etwas dagegen hat. Göͤtz betet und iſt zerknirſcht! Ob aus chriſtlicher Demuth, oder aus antidemagogiſcher Reue, daß er einmal die rebelliſchen Bauern angefuͤhrt, weiß ich nicht. Man erzaͤhlt ſich dabei eine curioſe Geſchichte, aber ſie iſt beglaubigt. Goͤtz von Berlichingen hatte ſich in ſeinem letzten Lebensjahre zu dem— wie es die Moͤnche nann⸗ ten—„luͤderlichen Lutherthume“ gewandt. Wer duͤrfte nun erwarten, daß in einem ſtreng katholiſchen Kloſter das Bildniß eines Abtruͤnnigen aufgeſtellt werden koͤnne? Seine Ahnen hatten ungeheuer Viel dem Kloſter geopfert— aber genuͤgte das? Allein Goͤtz, der lutheriſche Goͤtz hatte in ſeinem letzten Willen dem Kloſter ſein Reitpferd vermacht! Dies war ein Faktum, was ſich nicht abſtreiten ließ! Alſo argumentirten die Geiſtlichen— hat der alte Goͤtz auf dem Todtenbette, Reue und Hinneigung zum Katholicismus empfunden; ergo— wird wei⸗ 38 ter argumentirt— konnte man dem verlornen Sohne die Thuͤre nicht verſchließen. Er trat ein in die ſteinerne Reihe ſeiner Ahnen und erwartet daſelbſt mit ihnen— die Auferſtehung. Wir laſſen nunmehr den Helden im Folgenden ſeine eigenen ritterlichen Thaten erzaͤhlen. Gottfried's von Berlichingen ritterliche Thaten. Erstes Buch. Erſtes Kapitel. Erſtlich hab' ich wohl etwa von meinen Vater und Mutter ſel., auch meinen Bruͤdern und Schwe⸗ ſtern, die aͤlter waren denn ich, und auch von alten Knechten und Maͤgden, ſo bei ihnen gedient, vielmals gehoͤrt, daß ich ein wunderbarlicher junger Knabe geweſen und mich dermaßen in meiner Jugend erzeigt und gehalten, daß maͤnniglich daraus geſpuͤrt und abgenommen, daß ich zu einem Kriegs⸗ oder Reitersmann gerathen wuͤrde, aus vielen Urſachen, die allhier zu erzaͤhlen zu lang und unvonnoͤthen. Welches ich denn fuͤr meine Perſon nicht gewußt haͤtte, wenn es mir nicht erzaͤhltermaßen ſeither ge⸗ ſagt und angezeigt worden waͤre: das weiß ich aber wohl, daß ich meine Mutter ſel. oftmal gebeten, man ſolle mich hinweg unter die Fremden thun, auf daß ich auch etwas bei denſelben lernen moͤchte, wie denn auch hernach geſchehen, und ich in meiner Jugend hin und wieder, wie folgen wird, viel ge⸗ braucht worden bin. 42 Anfaͤnglich bin ich zu Niedernhall am Kocher ein Jahr lang in die Schule gegangen und bei einem Vetter geweſen, der hieß Kunz von Neuenſtein; der ſaß zu Niedernhall und hatte allda ein Haus gebaut. Wie ich aber nicht viel Luſt zur Schule, ſondern vielmehr zu Pferden und Reiterei trug, und mich dabei finden ließ, bin ich darauf alsbald zu Herrn Konrad von Berlichingen, Ritter, meinem Vetter ſel. gekommen, bei dem ich 3 Jahre verharrt und als ein Bube gebraucht worden. Und der erſte Ritt, den ich bei meinem Vetter gethan, der iſt ge⸗ ſchehen, als ihn Herr Marggraf Friedrich von Brandenburg zu Ansbach auf den großen Reichstag gen Worms im Jahre, da man 1495 geſchrieben, als einen fuͤrſtlichen Rath verordnet und geſchickt, mit dem ich denn alſo in meiner Jugend auf ſol⸗ chen Reichstag auch mitreiten mußte. Und ſo lang bin ich auch reißig geweſen. In der erſten Faſten⸗ woche ſind wir gen Worms gekommen und es war meines Vetters erſter Ausritt von Ansbach an bis gen Schrotzberg in ſeine Behauſung, von Schrotzberg ein Tag bis gen Moßbach, ein Tag von Moßbach bis gen Heidelberg. Da aßen wir zum Morgen bei dem Wirth zum Hirſch und nach dem Imbis ritten wir noch denſelben Tag bis gen Worms. Das rechne ich einen Tag auf 8 oder 9 Meilen und daͤuchte mir damals meinem Thun nach, wie ich ein Geſell war, weit und viel zu ſeinz aber ſeit derſelbigen Zeit her habe ich es wohl gewohnt, und 43 in wenigen Tagen und Naͤchten weite Reiſen voll⸗ bracht und dabei Nichts gegeſſen und getrunken, welches die Nothdurft alſo erforderte, denn es mußte ebenſo geſchehen. Als wir nun nach Worms kamen, war mein Herr ſel. der Erſten Einer, die daſelbſt auf dem Reichstag ankamen und blieb allda liegen, bis daß alle Kurfuͤrſten und Fuͤrſten, auch Andere hohen und niedern Standes, ſelbſt perſoͤnlich oder durch ihre Botſchaften auf der Reichsverſammlung er⸗ ſchienen ſind. In den beruͤhrten drei Jahren, derweil ich bei meinem Vetter, Herrn Konrad von Berlichingen, Rit⸗ ter, geweſen, wurden viele Tage hin und wieder zu Worms, Ulm, Augsburg und andern Orten ge⸗ halten, da Kurfuͤrſten und Fuͤrſten außer dem gro⸗ ßen Reichstage zu Worms zuſammen kamen, auch Kaiſerliche Majeſtaͤt zuweilen ſelbſt. Auf allen die⸗ ſen Tagen iſt mein Vetter ſel. viel gebraucht wor⸗ den, alſo daß er das ganze Jahr nicht viel uͤber 2 Monate in allen ſeinen Haͤuſern, deren er drei ge⸗ habt, einheimiſch ſein konnte. Und ob er ſchon je einmal heimkam, waren ſeine und ſeiner guten Freunde, auch der Ritterſchaft in Franken Geſchaͤfte ſo viel und weitlaͤuftig, daß er als ein alter Ritter fuͤr und fuͤr wenig Ruhe haben konnte, wobei ich denn allenthalben als ein Bube und Junger mußte mitreiten und gebraucht werden. Der letzte Reichstag, da ich bei ihm geweſen 44 bin, war zu Lindau am Bodenſee. Daſelbſt iſt er auch geſtorben. Und kamen wir auf Lorenzentag dahin, wo er hernach um Faſtnacht verſchieden iſt. Seine Knechte und ich haben ſeine Leiche herab⸗ gefuͤhrt bis gegen Schoͤnthal, in das Kloſter und ging der Biſchof von Mainz mit Namen Berthold von Henneberg, loͤbl. Gedaͤchtniß, ſelbſt mit der Leiche von dem Lindauer Thore an bis gar uͤber die Bruͤcke heraus, die uͤber den Bodenſee geht, die denn eine ſehr lange Bruͤcke iſt. Sonſt war kein Fuͤrſt da, denn der Biſchof von Mainz, als ein Erzkanzler von des Kaiſers wegen; aber ſonſt hatten alle Staͤnde im Roͤm. Reiche ihre verordneten Raͤthe und Ge⸗ ſandten da. Unſern Weg mit der Leiche nahmen wir auf Heilbron zu und lagen uͤber Nacht in der Herberge, die hieß zum Spiegel. Zum Wahrzeichen brannte es dieſelbe Nacht daſelbſt zu Heilbron, gleich gegen den Abend, da wir zu Nacht gegeſſen hatten. Und mußten wir in der Herberge bleiben und durften nicht heraus. Des andern Morgens fuhren wir mit der Leiche gen Schoͤnthal, allda auch gedachter mein Vetter ſel., wie gemeldet, begraben worden. Und gleich hernach um Pfingſten begab ich mich zu hochgedachten Marggraf, loͤbl. Ged., und iſt damals Hans Berlichingen von Heilbron des Marggrafen Thuͤrhuͤter, auch mein und anderer Buben Zuchtmeiſter geweſen. Alsbald erhob ſich darauf ein Zug nach Hochburgund, in welchem Herr 45 Veit don Lentersheim etliche Reiter fuͤhren ſollte. Da erlangte ich von hochgedachtem meinem gnaͤdig⸗ ſten Fuͤrſten und Herrn, daß ich ihm, von Lenters⸗ heim aufwarten ſollte. Und war damals ein großer Reichstag zu Freiburg im Breisgau, wo wir 14 Tage ſtill liegen mußten. Darnach ſind alle Haufen zu Roß und Fuß zu Einsheim, im obern Elſaß gelegen, gemuſtert worden und alsbald zogen wir in Hochburgund und nahmen etliche Haͤuſer ein. Tag und Nacht waren wir in der Ruͤſtung bis wir vor Langres kamen. Auf St. Jakobstag kamen wir in ein Lager und erſtickten uns denſelbigen Tag um großer Hitze willen drei Burgundiſche Kuͤraſſiere und etliche Reiter, die unter meines Herren Haufen waren; die fielen unter die Gaͤule, als ob ſie trun⸗ ken waͤren, wiewohl ſie ſelbigen Tag keinen Wein geſehen hatten. Wie wir des Morgens auf St. FJakobstag aufſitzen wollen, da kam ein groß Wetter und fielen Steine ſo groß wie Huͤhnereier und wenn ein Landsknecht uͤber die Gaſſe lief und ihn ein Stein traf, ſo ſchlug er ihn nieder, alſo, daß wir daſelbſt verziehen mußten, bis das Wetter voruͤber kam. Und als wir darauf wohl anderthalb Meilen gezogen waren, da ſahen wir die Kieſelſteine*) unter⸗ —— *) Man traue dem guten Götz nicht die Albern⸗ heit zu, als meine er, es ſeien Kieſelſteine ge⸗ fallen. In Franken heißen die Schloßen: Kieſel. Statt zu ſagen, es ſchloßt, ſagt man: es kieſelt 46 wegen noch hin und wieder liegen, obwohl ein grauſam heiße Zeit war, und uns etliche Knechte Hitze halber, wie gemeldet, erſtickt waren. Als wir um Tag und Nacht vorzogen, kamen wir, wie berichtet, nach Langres und haͤtten uns daſelbſt gern mit den Feinden geſchlagen; aber es wollte nicht ſein. Und hielten wir in einem Holze von der Nacht an bis auf den folgenden Tag und meinten unſere Hauptleute, unſere Feinde ſollten ſich von Langres heraus thun, ſo wollten wir ſie dar abgeſchlagen haben; aber ſie kamen nicht, und hat⸗ ten, als wohl zu gedenken, wie man ſagt, den Braten geſchmeckt. Darnach zogen wir vor Langres hinein uͤber ein großes, weites Feld und liegt die Stadt und das Schloß Langres auf einem ſehr hohen Berg. Wir ließen es zur linken Hand lie⸗ gen, alſo daß uns die Feinde konnten ſehen vom Schloſſe aus und der Stadt; darum denn unſere Hauptleute die Ordnung großmachten und ſtellten die Glieder weit von einander damit der Haufe deſto ſcheinbarlicher ſein ſollte, denn wir waren gar ſchwach und hatten uͤber die 700 Pferde nicht und 2000 Landsknechte, wiewohl wir ſonſt noch einige Haufen mehr hatten, ſie waren aber nicht bei uns. Da wir gen Langres kamen und lagerten uns in ein Dorf, nicht ſonderlich weit von Langres, da hatten wir einen ernſtlichen Laͤrm und mußten von Stund an wieder aufſitzen. Mein Herr hatte einen Knecht oder Troſſen, der war wohl 30 Jahre alt und gar wohl in dreien Zuͤgen mit Herrn Veit von Lentersheim geweſen; der war alſo langſam und ungeſchickt mit der Reiterei, daß er nicht Einen Gaul konnte zuruͤſten und zaͤumen, bis ich die an⸗ dern alle geſattelt und gezaͤumt hatte. Da gab ich meinem Herrn den Gaul, das Helmlein und den Spieß und ich den Naͤchſten hinach. Wie wir denn daſſelbe Lager raͤumen muͤſſen, zogen wir denſelben Tag bis in die Nacht und kamen in ein ander Lager, da war ein Schloͤßlein und ein Waſſerhaͤus⸗ lein, war aber doch franzoͤſiſch. Und hatten allda Nichts zu eſſen, allein fuͤr die Gaͤule fanden wir Fuͤtterung genug, denn es waren eben die Scheuern alle voll Waaren. Doch beſcheerte uns Gott damals in der Noth Huͤhner und Fiſche, welche wir Nachts bekommen, die wir des Morgens zu braten und da⸗ mit zu leben im Sinne hatten. Aber wie nun das Eſſen fertig war, und alle Dinge zugeruͤſtet, da kommt Botſchaft, wir ſollen ſchnell aufſitzen, denn man wolle anſtoßen und brennen. Da nahmen wir den Naͤchſten die Gaͤule, banden ſie heraus an die Zaͤune, und das Harniſch auch heraus zu den Zaͤunen. Und konnten alſo die Gaͤule kaum herausbringen, da fing das Haus, Scheuern und das ganze Dorf ſchon allenthalben an zu brennen, und ſprangen die Gaͤule der Hitze halben vom Feuer, wie die Boͤcke, alſo daß wir von Stund an wieder aufſitzen und abermal wieder fortziehen mußten. Und hatten wir und die Gaͤule in drei Tagen und zwei Naͤchten nicht diel zu eſſen gehabt. Folgends zogen wir heraus gen Thann im Sundgau, allda wir eine Weil verharrten, bis daß wir uns wiederum er⸗ quicken moͤchten. Darnach zogen wir nach Lothrin⸗ gen und ſtieß Kaiſer Maxmilian zu uns mit etlich hundert Pferden, darunter war Herzog Friedrich und Herzog Hans von Sachſen, Gebruͤder; die waren mit dem Kaiſer Marxmilian von Freiburg heraus⸗ gezogen und nahmen den Zug auf Doll und Metz zu. Da zogen wir auch ziemlich hart, dann Herr Ruprecht von Arenberg war mit etlichem Kriegs⸗ volk auch in derſelbigen Landesort, alſo daß der Kaiſer hart zog, und meinten Ihre Majeſtaͤt nicht anders, denn ſie wollten ihn uͤbereilt und geſchlagen haben. Aber wir kamen ein wenig zu langſam, alſo daß er, Ruprecht von Arenberg irgend einen halben Tag vor uns hinweg war. Da zogen wir gen Metz und blieben ungefaͤhrlich 14 Tage daſelbſt liegen, darnach waren wir wieder auf und zogen in Welſch Braband und ſaͤumten uns allda auch eine Weil, darnach auf Namur zu auch in Braband. Da war der Winter vorhanden und ließ uns mein Herr die Winterkleidung machen, alſo daß wir auch etliche Tag daſelbſt lagen, und um Martini oder vielleicht daruͤber kamen wir wieder heim gen Ans⸗ bach, und iſt dieſer Zug ein Jahr vor dem Schwei⸗ zer Krieg geweſen. Als wir nun heim kamen, bat ich meinen Herrn, daß er mir gen Jarxthauſen er⸗ lauben wollte. Denn mein Vater ſel. war eben 49 denſelben Sommer geſtorben, und wollt' ich auch ſehen, wie meine Mutter, Bruͤder, Schweſtern ſel. haushielten. Wie ich dann that und blieb den⸗ ſelbigen Winter, bis die Faſtnacht herzuging, bei meinen Freunden zu Jaxthauſen. Folgends hat Marggraf Friedrich loͤbl. Gedaͤchtn. mich als einen Knaben auferzogen, und mußt' ich ſammt etlichen viel andern Knaben auf Ihre fuͤrſtliche Gnaden, wann ſie eſſen wollten, warten, wie ich dann that. Und be⸗ gab ſich auf eine Zeit, daß ich mich neben einen Polacken zum Eſſen niederſetzte, welcher ſein Haar mit Eiern gepicht, und hatte ich zu allem Gluͤck einen großen welſchen Rock an, den mir Herr Veit von Lentersheim zu Namur in Brabant hatte machen laſſen. Und wie ich denn neben jetzt bemeldetem Polacken heranſpringe, hatte ich ihm das ſchoͤne Haar mit dem Rocke etwas erwiſcht und in einan⸗ der verwirrt. Da erſehe ich ohngefaͤhrlich im Sprin⸗ gen, daß er nach mir ſticht mit einem Brodmeſſer, und hatte doch mein verfehlet, welches mich nicht unbillig zum Zorn beweget. Und wiewohl ich einen langen und kurzen Degen bei mir hatte, ſo nahm ich das kurze Degelein und ſchlug ihn damit um den Kapf, wartet aber doch nichts deſto weniger auf mei⸗ nen Dienſt, wie denn der Brauch war und blieb Nachts im Schloß. Des Morgens fruͤhe da ging der Marggraf in die Pfarrkirche und hoͤrte Meſſe, wie er dann ein gottesfuͤrchtiger Fuͤrſt war. Und wie wir wieder aus der Kirche gingen in das Schloß, 4 50 — da ſperrte man das Thor hinter mir zu, und gehet eben der Untermarſchalk her und ſpricht zu mir, ich ſoll mich gefangen geben. Da ſagt ich, laßt mich unverworren, ich glaub's nicht, ich muß gehen hin⸗ auf zum jungen Herrn, und gab ihm alſo nicht viel gute Worte. Aber der gute Mann war weiſer denn ich, und ließ mich gehen; da er mich aber haͤtte an⸗ gegriffen, haͤtte ich mich gewißlich gewehrt, und waͤr ich irgend in ein groß Ungluͤck dadurch kommen. Und ging ich auf ſolches herauf zu den jungen Herrn, ſagt ihnen wie die Sache beſchaffen, und was mir mit dem Marſchalk und dem Polacken begegnet war. Da wollten ſie gleich zu Tiſch gehen und zu Morgen eſſen, und ſagten die Fuͤrſten zu mir, ich ſollte da⸗ bleiben, und ob Jemand kaͤme, ſollt ich hineingehen in die Kammer und mich in das heimlich Gemach verbergen und daſſelbig innen verſperren. Wie denn geſchah und wartete ich alſo bis die jungen Fuͤrſten vom Eſſen wiederkamen. Und war das die Meinung, ſie haͤtten mit dem alten Fuͤrſten, ihrem Herrn Vater, und auch mit der Koͤnigin (köͤniglichen Prinzeſſin von Polen), ihrer Frau Mut⸗ ter meinethalben geredet und gebeten, mich der Strafe des Polaken halben zu entſichern; aber es haͤtte nicht ſein wollen, ſondern wollte der alte Marggraf ein gut Weib, und ſie, die jungen Herren, eine gnaͤdige Mutter haben. So mußte der Markgraf zuſagen, daß er mich wollte im Thurm ſtrafen. Und ſagten mir doch die beiden jungen Fuͤrſten dabei, ich ſollt's nicht abſchlagen, ſie wollten mich uͤber eine Viertelſtunde nicht darin laſſen liegen. Da ſagt ich: was ſoll ich im Thurm thun, hat's doch der Polack an mich gebracht. Da ſagten ſie mir wieder zu: ſie wollten mich nicht uͤber eine Viertelſtunde darin laſſen liegen, alſo daß ich mich darauf ließ bereden und williglich in den Thurm legen und wollte mir je Marggraf Georg loͤbl. Gedaͤchtniß eine ſammtne Schaube, die war mit Maͤrtern und Zobeln gefͤttert, geben, mich damit zu bedecken und darein zu legen. Aber ich ſagte, was ſoll ich mit thun, ich leg mich ebenſobald mit in Koth als daneben, und weil die Sache ſo kurz geſtellt iſt, ſo bedarf ich ihrer nicht, ſondern will mich williglich in den Thum begeben, wie that. Und hielten mir die jungen Fuͤrſten dermaßen Glau⸗ ben, daß ich nicht uͤber eine Viertelſtunde im Thurme liegen durft, ſondern kam alſobald mein frommer Hauptmann, Herr Paulus von Absberg und that mich wiederum außer den Thurm, und mußte ihm ſagen, wie es zu waͤre gegangen, oder was die Urſach waͤre. Das that ich nun und zog er folgends mit mir dahin vor die Raͤthe, und that mir der fromme Ritter das Wort und entſchuldigte mich, und ſtunden alle Buben und Edelknaben bei mir, die damalen bei dem Markgrafen am Hof waren und ich glaube, daß deren in die 50 oder 60 geweſen. Und haͤtte Herr Paulus von Absberg gern Fleiß angekehrt, daß man den Polacken auch in den Thurm haͤtte gelegt, aber es wollte nicht helfen. 4* 52 Darnach ungefaͤhrlich uͤber ein Vierteljahr begab es ſich, daß ein anderer Polack nnd einer von Wollmers⸗ hauſen ſollten mit einander ſtechen, und war der Wollmershauſer Zeiſolfs von Roſenberg ſel. naher Freund. Und wurden ſie mit einander der Sachen gar zu Unfrieden, alſo daß ſie zur Wehr griffen. Da ſtand ich als ein Bub dabei, und als der Zeiſolfs Freund von ſeiner Schaube(gehindert) mit der Wehr nicht nachher konnte kommen, und der Polack die Stechſtangen zum Stoß gefaßt hatte, da war ich hie zwiſchen der Stangen und dem Polacken, und ſchrei ihn an: ſtoͤßt Du, ſo will ich Dich auf den Kopf hauen, daß Dich die Druſſe muß ankommen; alſo daß er den Stoß nicht vollbringen konnte. Da gings klink, klank, und wie ich ſo alſo dahinten ſtehe und wollte zuͤchtig ſein, denn es war mir vor uͤbel mit einem Lecker, dem andern Polacken, gegangen, da laͤuft aber eben derſelbig Polack, den ich hievor zu Hof geſchlagen haͤtt allein daher und wollte ſich an mir raͤchen. Und war auch ich allein, daß wir fein Raum hatten. Und hatte ich kein Geſellen bei mir, und er auch keinen bei ſich, darum ich mich dann nicht lange ſaͤumete, ſondern ruckte zu ihm hinzu und trieb ihn hinter ſich, daß er in die Flucht kam, und lief des Herzogs von Litthauen Herberge zu, des Diener er war, und half ihm darvon, ſonſt wollt ich ihm wieder einen Streich oder etliche gegeben haben. Und wurde damit das Geſchrei ſo groß, daß ich glaub' es haben 100 53 Menſchen in Fenſtern und auf dem Markt zu⸗ geſehn. Item, als auf eine Zeit der Landgraf zu Heſſen, jetzigen Landgrafens Herr Vater ſel., der hieß Landgraf Wilhelm ſeine erſte Gemahl nahme, und war die Hochzeit zu Kaſſel, da ward ich von meinem gnaͤdigſten Fuͤrſten und Herrn, Markgrafen Friedrich verordnet auf Markgrafen Georgen ſeinen Sohn zu warten. Und wie ich da ſelbſt in der Stadt war geweſen bei meiner Geſellen einem, der hieß Joachim von Arnn, und wollten wir beide wieder hineingehen zu Hof, wie wir dann thaten. So wird aber mein Geſelle mit einem Trometer von ſeiner Herberge, ehe wir ins Schloß kamen, zu Unfrieden, und war gleich ganz Abend. Und wie ich das ſahe, da griffen ſie zu den Wehren. Nun hatte der Trometer zuvor einen erſtochen, und auch ſonſt einem von Adel, einem Seckendorfer, durch die Blaſe geſtochen, daß Niemand gemeint, daß er lebendig geblieben. Und wie nun der Trometer die Wehr herausthaͤt, da lauf' ich zu ihm hinein, und erwiſch' ihn mit der Wehr und fallen wir beide mit einander uͤber und uͤber. Aber ich gewann ihm doch die Wehr ab und werde daruͤber etwas verwundet, nicht weiß ich, ob ers der Trometer oder mein Ge⸗ ſell gethan hat. Und war ſolche Wunde am Kopf wohl eines Fingers lang, alſo, daß ich erſt daruͤber erzuͤrnete und wollte wieder zu ihm getreten ſein. Da entlauft er mir aber in ſeine Herberge 54 hinein und war es ganz dußel und Nacht, daß ich die Gelegenheit im Haus nicht wußte. Sonſt ſollte er mir alſoleichtlich nicht davon ſein kommen, ſondern wollte ihn zum wenigſten irgend an einem Fuß ge⸗ zeichnet haben. Und dieweil man woollte gleich ſo bald uf die Hochzeit gen Kaſſel in acht oder zehn Tagen aufſitzen, verſuchte ich mich alle Tage der beruͤhrten Wunde halben mit dem Eiſenhut, ob ich ihn fuͤhren moͤchte, denn ich ſorgen mußte, ich konnte in kurzer Zeit nicht gar heil werden. Aber ich ruͤſtete mir den Hut zu, daß ich mit Andern den⸗ noch konnte nachher kommen. Zweites Kapitel. Als ich, wie gemeldet, den Winter bis auf die Faſtnacht bei meiner Mutter, Bruder und Schwe⸗ ſter ſel. war, da fing ſich der Schweizerkrieg unge⸗ faͤhrlich um Faſtnacht an und hatte der Markgraf ſchon zwei Zuͤge nach einander hinweg geſchickt. Da ich nun daſſelbige gehoͤrt, gedachte ich, was ſoll ich daliegen, denn ich hatte, Jaxthauſen ſchon genug, und reite hinauf gen Ansbach und wollte hoͤren was fuͤr ein Geſchrei da waͤre. Und alsbald ich gen Hof kam, erſah mich mein gnaͤdiger Herr Mark⸗ graf Friedrich; da ruft er einem ſeiner Diener zu —— „-— 55 ſich, mit Befehl, er ſollte den Gewandſchneider kom⸗ men laſſen, wie denn beſchah. Und ſobald der Schneider kam, ſpricht der Markgraf zu ihm, nimm den Berlinger und miß ihm Kleider an, er muß uf mich warten. Denn er der Markgraf wollte gleich alsbald aufſitzen. Aber es kam Pfalzgraf Philipp loͤbl. Gedaͤchtn. des andern Tages auch dahin, alſo daß er noch zwei Tage allda mußte verziehen. Und wollte Pfalzgraf Pilipp die N.umark und die Oberpfalz einnehmen, denn Herzog Otto von Baiern war geſtorben. Da wurde ich als ein Knab ver⸗ ordnet, in des Pfalzgrafen Gemach aufzuwarten, wie ich auch that. Und wie der Pfalzgraf hinweg⸗ zieht, ſo war der Markgraf des andern Tages ſelbſt perſönlich mit dem dritten Zug auch auf. Denn er hatte ſchon, wie gemeldet, zwei Zuͤge hinweggeſchickt. Und wir hinauf kamen gen Ueberlingen, da hatten die Schweizer ſchon einen Haufen geſchlagen, und lagen wir ein Zeitlang zu Uebertingen. Darnach ſammelten ſich die Kaiſerlichen und Reichsſtaͤdte wie⸗ der, und zogen mit Macht hinein gen Konſtanz, und ſtieß der Kaiſer in der Nacht auch zu uns; der hatte ein kleines gruͤnes altes Roͤcklein an und ein gruͤnes Stutz⸗Kaͤpplein, und einen großen gruͤ⸗ nen Hut daruͤber, daß ihn keiner fuͤr einen Kaiſer gefangen oder angeſehen haͤtte. Ich aber als ein Junger kannte ihn bei der Naſe, daß ers warz denn ich hatte ihn davor, wie gemeldet, auf etlichen Reichs⸗ tagen, da ich bei meinem Vetter ſel. war, geſehen. 56 Und hatte der Kaiſer Maximilian einen guten An⸗ ſchlag fuͤr ſich, denn wir kamen, wie gemeldet, bei der Nacht und in der Stille dahin gegen Konſtanz mit allen Haufen zu Roß und Fuß. Welche auch des Morgens alle zuſammen gefuͤhrt wurden, und waren alle Schlachtordnungen zu Roß und Fuß, wie ſich's gebuͤhrt, gemacht. Indem aber, ſo haͤlt der Kaiſer Marmilian und Markgraf Friedrich loͤbl. Gedaͤchtn., ſanunt etlichen Hauptleuten und Raͤthen bei einander, und fuͤhrte ich meinem Herrn dem Markgrafen einen großen Spieß, ſammt einer großen Fahne daran nach; und war der Spieß weiß und ſchwarz, die Fahnen auch weiß und ſchwarz*) und hatte ich auf den Helmlein eine große Feder, auch weiß und ſchwarz, die ſtand ſtracks uͤber ſich. Wie mich nun der Kaiſer erſieht, ſo reitet er von dem Markgrafen zu mir und ſpricht, wem ich zu⸗ ſtehe; da ſagte ich, meinem g gnaͤdigſten Fuͤrſten und Herrn, dem Markgraf Friedrichen. Da hebt er an und ſpricht, du haſt einen langen Spieß und eine große Fahne daran, reit mit dorthin zu jenem Hauf bis daß des Reichs Fahne der Adler von Konſtanz dort herkommt. Da that ich nun, die⸗ weil ich den Kaiſer kannte und wußte, daß ers war, fragt derohalben Niemand und kam alſo neben Schenk Chriſtoph von Limburg; der hatte der Zeit )„Ich bin ein Preuße; kennſt Du meine Far⸗ ben?“ das waren die Hohenzollern'ſchen Farben! Nellenburg im Hegen innen pfandweis und hielt nit einer Fahne neben ihm. Das waͤhrete irgend eine halbe Stunde ungefaͤhrlich mehr oder weniger, da gab man Schenk Chriſtophen von Limburg, den Adler, des Reichs Fahne in ſeine Hand. Das iſt das erſte und letzte Mal, daß ich im Felde des Reiches Adler fliehen ſehen, darnach zog ich wieder zu meinem Herrn, und wartete, was ich zu ſchaffen hatte. Und ſo viel ich von meinem gnaͤdigen Fuͤrſten und Herrn, dem Markgrafen und Andern als ein Junger um die 17 oder 18 Jahr verſtanden habe;: wo man(den ſelbigen Tag fortgezogen waͤre, ſo wollten wir die Schweizer im Schwaderloch uͤbereilt und geſchlagen haben. Den andern Tag ſchickete man ſich wieder, daß alle Haufen zuſammen ver⸗ ordnet wuͤrden, der Meinung, anzuziehen, da kam aber Kundſchaft, daß die Schweizer ſich alſo geſtaͤrkt haͤtten, und darzu ihren Vortheil eingenommen, daß dardurch derſelbig Zug unterlaſſen ward. War man aber den erſten Tag wie es der Kaiſer gewollt haͤtte, angezogen, ſo glaube ich, es ſollte auf unſerer Seite, ſo viel ich gehoͤrt, recht und wohl zugegan⸗ gen ſein. Wo man aber viel Raͤthe und viele Köpfe hat, da gehet es gern alſo zu; denn es iſt mir ſelbſt in meinen eigenen Haͤndeln alfo ge⸗ gangen. Kurz nach demſelben hatten die Wuͤrtember⸗ giſchen und Markgraͤfiſchen Verwalter auch einen Anſchlag vor Schaffhauſen mit ihren Reiſigen und 58 Fußvolk, alſo, daß wir bei der Nacht vor einen Flecken kamen, der hieß Taingen, liegt nicht weit von Schaffhauſen. Nun waren etliche Schweizer von Schaffhauſen herausgekommen in denſelbigen Kirchthurm. Die wehrten ſich und wollten ſich nicht gefangen geben, ſondern ſagten, ſie wollten ſterben als wie fromme Eidsgenoſſen. In Summa Herr Melchior Suͤzel ſel. der hielt zwiſchen Schaff⸗ hauſen und Tainigen, da trieben ihn die Schweizer von der Warte ab, und warf ihm ein Schweizer einen Stein in das Angeſicht, und wehrten ſich die in der Kirche dermaßen, daß ſie viele vom Adel und Unadel zu Roß und Fuß erwarfen und erſchoſſen. Und nachdem mein Gaul, darauf ich auf den Markgrafen wartete, geſtorben war, lief ich als ein boͤſer Bub zu Fuß, hinein zu der Kirche, erwiſcht ein altes Scheffelein und hatte mein Degen auch. auf dem Bart gebunden und die Hoſen abgeſchnitten. Da wurde Meiſter Jacob, ein Buͤchſenmeiſter, der mir hart an den Seiten ſtand, geſchoſſen, und ging der Schuß durch ihn hinaus und traf einen Knecht, der gehoͤrt zum Wuͤrtembergiſchen Haufen, hatte ein bloſes Kleid an; der blieb todt, aber der Buͤchſen⸗ meiſter lebendig und die Letzte brachte Herr Dippold Spat und Andere Pulver unten zu dem Thurm hinein in die Kirche und ſtieß es an. Da mußten die, ſo darin waren, verbrennen. Aber ein Schweizer fiel oben heraus und hatte einen jungen Buben auf den Arm. Und wie er herabfaͤllt, da lief der Bub 1 A 3 4 59 von ihm und ſchadet ihm nichts, aber der Schweizer blieb todt, und nahm das Buͤblein ein Markgraͤfiſcher Reuter mit ſich, nicht weiß ich wo er iſt mit hin⸗ gekommen, ich habe es auch ſeithero nicht geſehen. Nun hatten ſich etliche Knechte in der Kirche ver⸗ ſaͤumt, da man das Pulver anzuͤndete, kann geden⸗ ken, ſie haben irgend wollen mauſen, und hatte ſie das Pulver auch ereilt; die mußten ja jaͤmmerlich im Feuer leiden, nicht weiß ich, ob ſie todt oder lebendig blieben ſind, denn ſie liefen nicht heraus. Und als wir wieder von der Kirche hinweg kamen, hielt unſer Haufen in der Schlachtordnung zu Roß und Fuß und meinten, die Schweizer wuͤrden zu ihnen hinausfallen. Aber da Niemand kam, zogen wir wieder ab. Bei dieſer That bin ich, wie ge⸗ meldet, geweſen, und ſonſt bei keinem ernſtlichen Handel, da man alſo im gemeinen Krieg mit der That angegriffen haͤtte. Sonſt weiß ich nichts Son⸗ derliches vom Schweizerkrieg, denn daß die Schwei⸗ zer viele Haufen geſchlagen, als dieſelbigen nicht bei einander waren, aber mein Herr der Markgraf iſt bei derſelbigen Haufen keinem geweſen. Es wurde auch Graf Heinrich von Fuͤrſtenberg im Sungau in ſeinem Lager von den Schweizern in der Nacht uͤberfallen nnd geſchlagen, ging auch ſammt den Seinen dadurch zu Grunde und blieb todt; aber zwei Herren kamen davon, die auch bei Sr. Gnaden geweſen, welche ſich zum Markgrafen in ſein Lager thaten. Von denen ichs ſelbſt gehort, wie die 60 Sachen bei ihnen zugegangen ſind; da ich dann ſo viel vernommen, daß es durch Fahrlaͤſſigkeit, Verach⸗ tung und Liederlichkeit verſaͤumt ſei worden. Denn ich bin dabei geſtanden, da es die Herrn dem Mark⸗ grafen anzeigten und war dazu gegen den Abend in der Nacht, da ſie zum Markgrafen kamen und Ihro Fuͤrſtliche Gnaden ſolche böſe Zeitung, wie gemeldet, anbrachten. Drittes Kapitel. NNachfolgends uͤber ein Jahr, da hab' ich das Harniſch angethan, welches die Geſtalt gehabt. Mein Bruder Philipp ſel. und ich ritten gen Heil⸗ bronn und wollten zu Unſer lieben Frauen, im Mitfaſten ohngefaͤhrlich, und wie wir wieder m Heimreiten waren, und zu der Neuſtadt am Kocher durchziehen, laͤuft uns der Schultheiß nach, der hieß Schwarzhanns und ſchreit uns und ich wurde es zwar am erſten gewahr und ſagte meinem Bru⸗ der: der laͤuft und ſchreit uns nach, wir wollen hoͤren, was er will. Blieben alſo halten bis er kommt. Da war das ſeine Werbung, es haͤtte uns ein guter Geſelle gebeten, wir ſollten ihm einen Reiß dienen. Da ſagte ich fuͤr mich, wiewohl als 61 der Juͤngſte: waͤre er ein guter Geſelle, ſo ſollte er zu uns kommen, und uns ſelbſt anſprechen, wollten ihm gute Antwort geben, und zogen alſo unſers Pfads. Den andern Tag kam derſelbige gute Geſelle gen Jaxt⸗ hauſen und war der alte Thalacker, ſelbigenmals des Herzog von Wuͤrtemberg Feind; ich hatte ihn auch vorhin nie geſehen. Der ſprach uns an, wir ſollten ihm mit drei Pferden dienen. Da gab mir mein Bruder einen Gaul, und brachte ich ſonſt auch zwei Knechte auf, und dienete ihm einen Reiß. Er hatte freilich auch nicht mehr wie drei Pferde; darunter war Heſſelſchwert und ſonſt noch Einer ſeiner Geſellen; alſo daß unſerer 6 waren, Nun fiengen wir ungefaͤhr eilf reiche Bauern auf dem Kapfen hart, die waren Wuͤrtembergiſche und war eben denſelbigen Tag Wochenmarkt zu Heilbronn und mahnte der Thalacker ſolche Bauern, daß ſie ſich auf St. Georgentag ſollten gen Drachen ſtets ſtellen, und zogen wir fuͤrder auf Heilbronn zu, und was Wuͤrtembergiſch war, das nahmen wir gefangen und zogen bis an die Schranken hinein, daß die⸗ jenigen, ſo zu den Thoren verordnet, mit ihrem Harniſch allernaͤchſt bei uns waren. Das war das erſte Banzer und Harniſch das ich anthat. Sonſt war ich fuͤr einen Jungen ziemlich verſucht und ge⸗ braucht worden, in Kriegen, und anders, doch in Knaben Weiſe, und machte in dieſem erſten Angriff bei dem Thalacker mit beruͤhrten Knechten und Rei⸗ tern die erſte Kundſchaft, daß ich folgends als ein — 62 Junger wohl zwei Jahre mit ihnen ritt und ihnen anhaͤngig war. Darnach aber wurde bemeldeter Thalacker des ganzen Bundes Feind. Und uͤber zwei Jahre ritt ich zum Sottenberg zu meinem Vetter Herr Neidhard von Thuͤngen ſeel. eines Gauls halben, den er mir zugeſagt hatte. Und wie ich dahin kam, war er gleich wohl nicht daheim. Da er aber heim kam, ließ er mir Kleider machen, ich ſollte auf ihn warten. Dieweil er nun meiner Mutter ſeel. Bruder war, konnte ich es ihm nicht wohl abſchlagen, blieb alſo den Winter bei ihm⸗ Ich denke, er habe mich darum bei ſich behalten, daßer vielleicht Sorge um mich gehabt, weil ich nehmlich des Thalackers Reitern anhing, und mit ihnen ritt, daß ich irgend daruͤber moͤcht ſchnapfen(umkommen). Und wie nun der Fruͤhling wieder herging, fing ſich die Handlung mit dem Markgrafen und denen von Nuͤrnberg an, da ließ ich mich brauchen und reite zum Markgrafen mit 4 Pferden, ohne alle Beſtal⸗ lung, denn er hatte mich von Knaben weiſe, wie oblaut, auferzogen. Darum braucht ich mich und that mein Beßtes auch, wie denn ein junger Geſelle in den Haͤndeln billig thun ſoll, und hielt mich ohne Ruhm zu reden dermaßen alſo, daß Markgraf Kaſimir etwa nach mir ſchickte, daß ich nicht wußte, was er wollte, und mir ſelbſt aus treuer Meinung anzeigte und ſagte, ich laͤg immer auf der Bahn, 1 ſchwaͤrmte umher, ich ſollte es nicht thun, gab ich Ihro furſtl. Gnaden gleich etwas ſtumpfe Antwort 63 und ſagte, ich will waͤhnen, ich ſei darum hier daß ich reiten ſoll, wann man mir anſagt, ſo reit ich; wann ich es nicht thaͤte, haͤtte villeicht Euer Fuͤrſtl. Gnaden auch kein Gefallens daran und hab wohl zu Ihro Fuͤrſtl. Gnaden geſagt, ich haͤtte mir fuͤr⸗ genommen, wann ich jetzt erſt kaͤme, und daß man mir angeſagt, ſo wollte ich reiten, weil die Gaͤule gingen. Da meinte aber Ihro Fuͤrſtl. Gnaden, ich ritt, wann mir ſchon nicht angeſagt; das nicht ohne war; denn ſo oft 20 oder 30 Pferde ritten, ſagt man mir auch alle wege an, ſo ritt ich mit; wollte waͤhnen, ich waͤre, wie vorgemeldet, darum da. Ich weiß auch keinen Vortheil, den ich hatte, denn daß mir Herrmann Futtermeiſter mehr Futter gab, denn einen Andern, dieweil ich mich ſo willig brauchen ließ. Dem ſei nun wie ihm wolle, ſo zog mich der Herr Hauptmann von Obsberg hervor, und nahm mich zu ihm, daß ich ſtets im Felde neben und bei ihm ſein mußte. Kurz danach begab ſich, daß man einander auf die Kirchweih lud, und ſollten wir Markgraͤfiſchen in der Nacht aufſitzen, wie denn geſchah. Und war des Margrafen Volk hart gezogen, und kamen dieſelbige Nacht gen Schwabach bei eitler Nacht ungefaͤhrlich um 1 Uhr. Und war ich und Herr Siegmund von Lentersheim die Erſten am Thore, da nun der Haufe gar auf war, zogen wir fort. Und wie wir auf eine halbe Meile ungefehrlich heraus kamen, 64 ſtieß Chriſtoph von Giech mit etlichen Reitern auf uns, der hatte des Nachts gewartet und Wach gehalten. Nun wußt' ich wohl, daß er die Saue bei den Ohren nehmen wuͤrde, dann er war denen von Nuͤrnberg nicht hold, war auch dafuͤr neulich ihr Feind geweſen. Wie nun alle Haufen verordnet waren zu Roß und Fuß, will ich mit Chriſtoph von Giech dahin ziehen, ſo erſieht aber es mein guter Herr Paulus von Absberg, daß ich mit ihm ziehe, und erkennt mich an meiner Ruͤſtung und ſchrie einmal 2 oder 3 Chriſtoph, Chriſtoph! Da fragte Chriſtoph von Giech, was er wolle, da ſagte er von Absberg: laß mir meinen Berlinger bei mir, und nimm da meinen Vetter des Markgrafen Landvolk auf dreihundert Landsknecht und 300 Schweiber. Als es nun Zeit war zogen die von Nuͤrnberg mit ihrem Geſchuͤtz, Wagenburg und reißigen Zeug uf uns daher, ſo viel deren haͤtten, und waren wahr⸗ lich nicht ungeſchickt ſondern wohl gefaßt, mit der Wagenburg, Geſchütz und ihren Leuten, und da es am Treffen war, ſchickten wir und unſere Haupt⸗ leute zu Markgraf Caſimirus, Ihro fuͤrſtlichen Gnaden ſollten uns nachrucken, dann es war Zeit, ſo ging uns auch ab und ihnen zu, darum man ſich nicht ſaͤumen doͤrft, da ſchickten Ihro fuͤrſtlichen Gnaden wieder zu uns, wir ſollten im Namen Got⸗ tes fuͤrfahren, Ihro fuͤrſtlichen Gnaden wollten uns nachrucken und bald bei uns ſein, als wie einen frommen Fuͤrſten zuſtuͤnde, da fuhren wir im Namen —— Gottes fort, aber des Markgrafen Landvolk flohe alles von uns hinweg bis allein das Kitzinger Fahnlein, das blieb bei uns und 300 Landsknechte auch 300 Schweitzer ſammt denen Reißigen, mit welchen wir zogen dem Feind entgegen und ging ihr Geſchuͤtz dermaßen an, daß man den Haufen vor dem Rauch nicht wohl ſehen konnt. Da nun ſelbiges geſchahe und ich wiederum zu meinem Hauptmann kam, ziehen wir hinein gen Nuͤrnberg, dem Siech⸗ graben zu, und wollten ſehen, wie die Gelegenheit allenthalben beſchaffen, wie und weß ſich die von Nuͤrnberg halten wollten. Denn Herr Paulus von Absberg ſeinen Vortheil hingegen auch wohl erkennen konnte. Aber ſie, die von Nuͤrnberg waren von Stund an auf mit einem großen Haufen und dem Geſchuͤtz, und ſchoſſen einen Schuß in den andern zu uns. Da zog Herr Paulus und wir die bei ihm waren, wieder hinter ſich, gleich als waͤren wir fluͤchtig, und wollten wiederum wegeilen, wie wir denn nicht wohl im Walde auskommen koͤnnten. Da waren aber die von Nuͤrnberg an uns mit dem Geſchuͤtze und der Wagenburg, und ließen es der⸗ maßen daher gehen, daß uns zum Theil die Weile nicht kurz war, denn es kann nicht ein Jeglicher das Gepolter leiden. Und kamen wir alſo an die Orte, da der Markgraf ſich mit ſeinem Haufen verſteckt hatte, und hielt in der Schlachtordnung zu Roß und Fuß, wartet, ob die Feinde zu ihm 5 66 hinaus thun wollten, denn es war nahe an der Stadt und nicht weit im Nuͤrnberger Wald, alſo daß ihnen zu und uns abging. Und hatten wir ungefaͤhrlich um die 700 Pferde und zu ihrer Wagenburg kamen, wollten ſie dieſelbige beſchließen, das denn auch nicht viel gefehlt hat, und waren wahrlich die Fuhrleute nicht ungeſchickt, ſondern hurtig mit, da daͤuchte mich mein Herz im Leibe ſagt mir's, und daß es mir Gott in Sinn gab; ſo wollts auch meines Verſtands die Nothdurft erfordern, daß ich dem vorderſten Fuhrmann von dem Gaul herabſtach. Das that ich nur darum, damit der Wagen nicht weiter kommen konnt, und daß die andern auch ſtill halten mußten. Und be⸗ hielt ich dieſelbige Luͤcke ohne Geheiß und Befehl meines Hauptmanns, oder Anderer mit Gottes Gnad und Huͤlf' inne, daß ſie die Wagenburg nicht gar ſchließen koͤnnten, wiewohl es, wie gemeldet, nicht viel gefehlt, ſie haͤtten ſie gar beſchloſſen. Und war alſo meine Verhinderung unſer größter Vortheil, den wir hatten, und iſt ohn' allen Zweifel nicht undienlich zu unſerm Sieg und Gluͤck geweſen. Denn ich ſonſt nicht weiß, wie es zugangen ſein moͤcht, denn ſie waren uns zu ſtark und hatten da⸗ zu das Geſchuͤtz und die Wagenburg bevor und waren ſie auch geruhet und wir muͤde, und zoge ihnen auch ein großer Haufe nach und waren ſchon nahe bei uns, daß wir mit ihnen ſcharmuͤtzelten, verloren auch die meiſten Reißigen gegen denſelben — 67 Haufen. Denn wir zum erſten nicht anders meinten, denn ſie waͤren auf unſere Seiten und unſere Geſellen, bis daß erſt das Geſchuͤtz ein⸗ herging, und unſere Geſellen, etliche einſpaͤnnige Reißige gegen uns flohen, die ich auch ſelbſt ſammt Hannſen Hunden dem Markgraͤfiſchen Reiterhaupt⸗ mann habe helfen entſchuͤtten(entkommen), welche ſonſt ohne Zweifel niedergelegen waͤren. Und wehr⸗ ten wir uns dermaßen, daß ſie ſelbſt wieder fliehen mußten, welches unſer fuͤhrnehmſtes Gluͤck war, denn als die fluͤhhtigen blutigen Leut ſahen, gegen ihnen fliehen, da merkten ſie, daß ſie die Schlacht verloren haͤtten und ihr Haufe geſchlagen war, und fingen an und flohen auch. Ohne das, ſo war mancher guter Geſelle daraufgegangen, und hatte ich mich ſelber erwegen(fuͤr verloren gegeben), denn mein Gaul war mir hart verwundet und geſtochen, ſtarb auch deſſelbigen Stichs, und war zudem ſo ein heißer Tag, daß uns mehrere Leute erſtickten, als zu todt geſchlagen wurden. Und ich dachte eine Weile es waͤre uns fonſt ſo heiß, dieweil wir in der Handlung und Arbeit waren, aber wo ich dar⸗ nach hinkam, ſagte Jedermann, wie es deſſelbigen mahls ſo eine Hitze waͤre geweſen. Als wir nun gehoͤrtermaßen die Schlacht be⸗ hielten, nahmen wir⸗das Geſchuͤtz und die Wagen⸗ burg, und zogen mit in das Lager gen Schwabach. Ich hab' auch ſeither dieſelbigen Buͤchſen, ſo wir darvon brachten, zu Ansbach im Zeughaus geſehen, 5* 68 und waren dazu eiſerne Feldſchlangen, die ich wohl gekannt hab', daß es eben dieſelbigen Buͤchſen ge⸗ weſen. Solche Schlacht iſt geweſen auf Sonntag nach St. Veits Tag, da man 1502 geſchrieben hat, und gleich den andern Tag, des Montags, gehe ich von meiner Herberg zu Schwabach in ein anderes Wirths⸗ haus, da wir gewoͤhnlich innen aßen, und wie ich alſo darzu kam, ſo ſitzt ein kleines Maͤnnlein auf einem großen Holz, das hieß Haͤnslein von Eber⸗ ſtadt im Weinsberger Thal, und es daͤuchte mich, ich ſollte ihn kennen, und ich ſagte, Haͤnslein, biſt du es, und als er ſagt, ja, fragt ich wo er her⸗ kaͤme. Und dachte nicht anders als er waͤre das Land unten heraufgekommen; da ſpricht er aber er fahre von Nuͤrnberg heraus. Sagt ich zu ihm gleich mit den Worten: was iſt geſtern fuͤr ein Handel und Geſchrei zu Nuͤrnberg geweſen? ant⸗ wortet er mir; Junker! ich wills euch ſagen, ſo eine erſchreckliche Handlung iſt in der Stadt, die freilich dieweil Nuͤrnberg geſtanden kaum darinnen geſehen oder gehoͤrt iſt worden. Da ſagt ich: wie ſo? Sprach er: es iſt kein Menſch an keinem Thor und Keiner bei ſeiner Wache blieben, und haben die Fluͤchtigen bei dem Thor dermaßen ein⸗ ander gedraͤnget, daß ſie in die Graͤben hinein ge⸗ fallen ſind, darnach haben ſie die Bruͤcken in der Stadt abgeworfen, der Burg und andern Thoren zugelaufen. Welches Alles alſo die Wahrheit war, denn ich habe es von Andern ſeithero auch alſo gehoͤrt, 69 hab' auch denen von Nuͤrnberg etliche Leute nieder⸗ geworfen und gefangen, die mirs gleichermaßen, wie der bemeldete Haͤnslein von Eberſtadt angezeigt haben. Er ſagte mir auch dabei, als ſie ihre Leute haben einher laufen ſehen, haͤtten ſie gemeint, wir die Feind' waͤren es geweſen. Das mir denn nicht unglaublich iſt, aus der Urſache, wie vorgemeldet. Aber Herr Gott! wir waren müude und hatten hart gearbeitet mit dem Geſchuͤtz der Wagenburg, bis wir ſie in unſer Lager brachten, und glaub' ohne daſ⸗ ſelbige, wenn wir fort haͤtten gedruͤckt, und waͤren geruhet geweſen, wir wollten Nuͤrnberg fuͤr ſolch mal erobert haben. Und ſoviel dieſen Krieg betrifft, weiß ich keine Beſoldung ſo ich oder mein Bruder Philipp ſeel. davon gehabt haben, oder auch begehrt, denn was wir gethan, haben wir von gutem freien Willen ge⸗ than. Aber das iſt wahr, daß kurz darnach ein großer Tag zu Ansbach zwiſchen dem von Thuͤngen und denen von Heßberg des neuen Hauſes halben geweſen, auf welchem ich auf meinen Vetter Herrn Neidharden von Thuͤngen gewartet. Die denn zu beiden Seiten friedlich die beſten und geſchickteſten Ritter und Knechte auf ſolchen Tag hatten, die im Land zu Franken waren. Und war Herr Georg von Roſenberg auch da, und wurden ſolcher Hand⸗ lung und Schlacht in der Herberge zum Hauken mit dem Hauptmann Herrn Paulus zu Absberg zur Rede, daß Herr Georg von Roſenberg ſagte: mein 70 O— gnaͤdiger Herr der Markgraf hat gute und willige Leute gehabt; auf den Tag wo man willige Leute hat, da kann mann etwas mit ausrichten. Da ſagte aber Herr Paulus von Stund' an darauf, ja mein gnaͤ⸗ diger Herr hat willige Leute gehabt, aber ſo ſind zwei Berlinger da geweſt, da hab ich nicht zwei williger geſehn. Und ich glaub' noch nicht, daß Herr Paulus von Absberg gewußt habe, daß ich in der Stube geweſen ſei. Und wie er die Rede thut, ſo ſtehet einer dahinten bei meinem Haufen neben mir, den ſtieß ich alſo mit einem Arm neben an die Seite, und ſagte: hoͤrſt auch, was der ſagt? Antwortet' er mir: Ja! Und ſagte darauf, nun weiß ich in Wahrheit keinen Berlinger, der auf dem Tag bei der Schlacht iſt geweſen, denn mein Bruder Philipp und ich, denn mein Vetter Herr Bernhard von Berlingen kam irgend 8 Tage hernach gen Schwabach, er war aber nicht bei der Schlacht. Das iſt mein und meines Bruders ſeel. Be⸗ ſoldung geweſen. War uns auch lieber, dann haͤtt uns der Markgraf 2000 fl. geſchenkt, wiewohl wir wahrlich arme Geſellen waren. Noch haben wir den⸗ noch eine gute Beſoldung empfangen, daß nicht allein unſer gnaͤdigſter Fuͤrſt und Herr, der Herr Markgraf ſondern auch Ihro fuͤrſtl. Gnaden Obriſte, Raͤthe und Hauptleute, Ritter und Knechte, Preiß Ruhm, Lob und Ehr uns nachgeredet haben. Da wir vielmals etwa bei 20 oder 30 Meilen Wegs nicht dabeigeweſen, daß nehmlich hoch gedachter Markgraf 71 ſelbſt und Ihro fuͤrſtlichen Gnaden Raͤthe und Hauptleute uns Ehren und Gutes nachgeredet und unſer im Beßten gedacht, das denn uns von unſern guten Geſellen und Freunden iſt angezeigt worden. Iſt uns auch lieber geweſen, denn Gold und Sil⸗ ber, welches wir nicht dafuͤr genommen haben wollten. Und als ich nun von ſolchem Krieg wieder heim wollte, da hatte ich von den 4 Pferden, die ich bei der Schlacht hatte, nicht mehr denn noch eins, welches unter denſelben das boͤſeſte war, und liehen mir meines gnaͤdigſten Fuͤrſten und Herrn, des Herrn Markgrafens Obriſte Raͤthe ihre ſelbſt eigenen Leibpferde. Und ſonderlich Herr Veit von Veſtenberg, der hatt ein Pferd ſo ihm gar lieb war, und liehe es mir doch, daß ſich nun alle Menſchen daran verwunderten, und ſagten, ſie glaub⸗ ten: wenn ihn ſein Herr, der Markgraf, ſelber da⸗ rum gebeten haͤtte, er haͤtt es ihm nicht geliehen. Dieſe Beſoldung, wie vorgemeldet, iſt mir und meinem Bruder die liebſte Beſoldung geweſen, daran wir uns als arme Geſellen von Adel wohl haben begnuͤgen laſſen. Viertes Kapitel. Wie die Handlung und Schlacht vor Nuͤrnberg, als vorgemeldet iſt, auf den Sonntag nach St. 72 Veitstag geſchehen iſt, ſo hat ſich gleich darnach ohngefaͤhr um Michaelis zugetragen, daß ich mit Neidhart von Thuͤngen, dem ich der Zeit aufge⸗ wartet, von Sottenberg herab geritten bin. Und als wir ſo fortzogen, werden wir zweier Reiter bei einem Höͤltzlein gewahr, bei einem Dorf, heißt Obereſchenbach, und waren Endres von Gemuͤnd, Amtmann zu Saaleck und ſein Knecht, den hieß man den Affen. Nun begab ſich zuvor, wie ich⸗ zu Herrn Neidharten kam, daß ein Tag zu Ham⸗ melburg gehalten wurde, und war Neidhart auch da mit Grafen Wilhelm von Henneberg und Graf Michael von Werthheim, welche etliche Haͤndel eines Feindes halben hatten, der des jetzt beruͤhrten Grafen Michael von Werthheim geweſen war. Den hatten ſie dahin vertagt, und wurde die Handlung gerichtet und geſchlichtet. Nun gehe ich aber und will zu Herrn Neidharten in die Herberge und zu ſeinen Knechten gehen, welche mehrentheils trunken waren. Und war bemeldeter Affe ſo voll und hatte ſo viel Winds in der Naſe, trieb viel ſeltſamer Rede und ſagte: was will der Junker thun? will er auch zu uns? und dergleichen hoͤhniſche Reden mehr, daß es mich denn hinten nach verdroß. Und ſagte zu ihm: was bedarf ich deiner Junkerei und deines Geſpoͤttes oder Voͤllerei? Wenn wir ein⸗ mal im Felde zuſammenſtoßen, da wollen wir ſehen, wer Junker oder Knecht ſei. Da wir von Sottenberg herab ziehen, dacht' ich wohl: er wirds ſein und mit ſeinem Junker reiten. Und ich rannte den Naͤchſten einen großen, hohen Berg hinein und brachte die Armbruſt im Rennen auf und den Naͤchſten hinuͤber zu ihnen. Ich hatte dennoch weit zu ihm und floh ſein Jun⸗ ker dem Dorfe zu und ich gedachte, er mahnte die Bauern auf. So hatte aber der Knecht, der Uffe, auch eine Armbruſt und gab die Flucht gleicher weiſe, wie ſein Junker. Und wie ich nun an ihn kam, da mußte er einen tiefen hohlen Weg hinein dem Dorfe zu. Ich hatte noch weit bis an das Ech, da der Weg hinein ging und ließ ihn den hohlen Weg einher reiten und ſchoß ihm auf dem Ruͤcken hinweg. Nun wollte ich die Armbruſt wohl wieder aufgebracht haben, dachte aber er wird dein nicht warten, weil er auch einen Pfeil auf der Armbruſt hatte. Ich hatte keinen Menſchen bei mir und ließ es dethalben mit der Armbruſt bleiben, rannte ihm nach die Hoͤhle hinein, und da er ſah, daß ich die Armbruſt nicht aufbrachte, wartete er mein vorm Thor, bis ich ſchier zu ihm kam, da ſchoß er her und ſchoß mich vorn auf den Krebs (Bruſtharniſch), daß der Pfeil zu Spreiſeln gieng⸗ die ſprangen mir uͤber den Kopf hinaus. Da warf ich ihm den Naͤchſten meine Armbruſt an den Hals, denn ich hatte keinen Pfeil darauf und mit dem Schwert raus und rannte ihn zu Boden, daß ſein Gaul mit der Naſe auf der Erde lag. Aber 3 5**X.— 74 er kam allemal wieder auf und ſchrie immer die Bauern an, ſie ſollten ihm helfen. Und wie ich alſo mit ihm im Dorfe umherrannte, da ſtehet ein Bauer, der hatte eine Armbruſt und ſchon den Pfeil darauf: ich den Naͤchſten auf ihn zu, ehe er zum Schuß kam, und ſchlug ihm den Pfeil von der Armbruſt und hielt alſo bei ihm und ſtieß das Schwert wieder ein und redete mit ihm und gab ihm Beſcheid und ſagte, ich ſtuͤnde Herrn Neidhart von Thuͤngen zu und waͤren auch gut Fuldiſch. In⸗ dem kommt ein ganzer Haufe Bauern mit Schweins⸗ ſpießen, Handbeilen, Wurfbeilen, Holzbeilen und Steinen und hatten mich umringt, wirfſt du nicht, ſo haſt du nicht, ſchlaͤgſt du nicht, ſo gilt es nicht, daß mir etwa die Beile und Steine neben dem Kopf hinfuͤhren, daß mich bedaͤuchte, es ruͤhrte mich an der Pickelhaube. Da laͤuft aber ein Bauer da⸗ her, der hatte einen Schweinſpieß, welchem ich zu⸗ rannte und wie ich das Schwert wieder gewann, fo ſchlaͤt der Bauer her und trifft mich auf den Arm, daß ich dachte, er haͤtte mir den Arm entzwei ge⸗ ſchlagen. Und wie ich nach ihm ſtach, da faͤllt er mir unter den Gaul, daß ich nicht ſoviel Platz hatte, daß ich mich nach ihm buͤcken hatte koͤnnen. In Summa ich brach durch, aber doch laͤuft noch ein Bauer daher, der hatte ein Holzbeil, dem gab ich einen Treff, daß er neben an den Zaun ſiel. Da wollte mein Gaul nimmer laufen, denn ich hatte ihn gar ausgeſchlagen und war mir Angſt, wie ich zum 75 Thore hinaus kommen moͤchte. Und wie ich dem⸗ ſelbigen zueile, war gleich Einer da, der wollte das Thor zuſchlagen, aber ich kam doch hinaus, ehe er das Thor zuſchlug. Und wie ich ein wenig vor das Thor hinaus komme, war der Affe ſchon wieder da und hatte wieder einen Pfeil auf der Armbruſt und viele Bauern bei ihm, und ſchrie: her, her, her, und ſchießt damit wieder nach mir, daß ich den Pfeil auf der Erde ſah grellen und ich den Naͤchſten wieder zu ihm und mit dem Schwert raus und jagte ſie alle fuͤnf in das Dorf hinein. Da fingen die Bauern an und ſchlugen Sturm uͤber mich, aber ich ritt davon. Und wie ich wieder Herrn Neidhart zuziehe, der hielt gar weit draus auf dem Feld, ſahen wir den Bauern allenthalben nach. Aber es wollte keiner mehr zu mir kommen. Und wie ich ſchier zu Neidharten kam, rennt ein Bauer daher mit einem Pflug dem Sturm nach und ich uͤber denſelbigen und fieng ihn, daß er geloben und ſchwoͤren mußte, daß er mir meine Armbruſt wieder heraus bringen wollte, denn ich hatte ſie nach dem Affen, da er mich wie vorgemeldet ſchoß, geworfen, da ich denn nicht ſoviel Weile hatte, daß ich ſie wieder haͤtte erlangen moͤgen, ſondern mußte ſie im Wege liegen laſſen. Fünftes Kapitel. In dem Jahre da man 1503 geſchrieben, hab⸗ ich des Thalackers Reitern, mit andern meinen guten Freunden und Geſellen abermal gedient, da wir denn bei 14 Tagen in den Hoͤlzern hielten. Aber wir hat⸗ ten gute Goͤnner und Freunde, die uns Kaͤs und Brod brachten, daß wir darnach bleiben konnten. Dazu ſo hatten des Thalackers Reiter auch gute Herren und Fuͤrſten und Andere, da ſie ſich unter⸗ ſchleifen und ſicher ſein konnten. Welchen auch mein Bruder und ich, auch andere Geſellen, ziemlich gute Anſchlaͤge gemacht und wohl zu ſagen, die Haͤnde darauf gelegt, daß wir ihnen gerathen und geholfen haͤtten. Aber es wollte etwa wenig Fuͤr⸗ gangs haben, denn, ſie hatten nicht allerwegen Gluͤck dazu. Und wie wir alſo da abzogen, zog ich mit des Thalackers zweien Knechten in einen andern Ort. Da begab ſich, daß wir auch auf Leute ſtießen, die ihre Feinde waren, da ſich denn der Handel ſo zutrug, daß ich und ſie, die Feinde, unſere Armbruſt nicht aufbringen konnten, aber des Thal⸗ ackers Knecht, mit Namen Haſelſchwert und ſein Geſelle fuͤhrten ſtets ihre Stellebogen, die fuͤr und fuͤr geſpannt waren, alſo, daß ſie nicht mehr denn einen Pfeil darauf ſchlugen. Da kam ich nun an einen Knecht, der konnte auch nicht, wie ich, zu 77 ſeiner Armbruſt kommen oder dieſelbige aufbringen; darum wir denn die Armbruſt einander an den Hals war⸗ fen und mit den Klingen zuſammen. Aber ich ſchlug ihn vom Schwert und Armbruſt, daß er keine Wehr mehr hatte, und als ſich ein Anderer von meinen Geſellen losmachte und will ihnen entreiten, ſprengt ich hinzu und behielt denſelbigen auch, welcher auch nicht mehr denn einen kurzen Degen hatte. Und er wehrte ſich alſo damit gegen beide des Thalackers Knechte, verwundete ſie auch alle beide, daß ſie ihm nichts thun konnten. Derhalben ich den Naͤchſten zu ihnen und ſagte, behaltet ihr den Erſten, welchen ich allein erlegt hatte, und laßt mich an den auch. Da ich nun an ihn kam, wollte er mir entweichen, aber ich erreite ihn und ſtach ihn mit dem Schwert unter den Gaul, alſo daß ich ſie beide behielt. Darauf es denn Zeit war, daß ein Jeglicher ſahe, wo er bleiben wollte, und ich packte mich an die Orte, da gute Geſellen und Reiter nicht theuer, ſondern wohlfeil waren. So machten ſich des Thal⸗ ackers Knechte auch hin, wo ſie mochten. Sechſtes Kapitel. Des andern Jahrs, da man 1504 hat ge⸗ ſchrieben, fieng ſich der Bairiſche Krieg an und zog Pfalzgraf Philipp loͤbl. Gedäͤchtniß, ehe der Krieg ——— 78 anfieng, von Heidelberg herauf auf Wuͤrzburg und darnach hinauf in das Baierland, vielleicht in Ge⸗ muͤth und Meinung Daſſelbe einzunehmen, dieweil Herzog Georg loͤbl. Gedaͤchtniß allererſt geſtorben war und ihm das Baierland, wie ich nicht anders weiß, vermacht hatte. Zog erſtlich auf Werthheim zu Graf Michael, der zog mit Ihro fuͤrſtl. Gnaden auf Wuͤrzburg heraus, allda ſich begab, daß zwei pfalzgraͤfiſche Grafen von Wuͤrzburg herausritten, gemeint, in ihre Heimath zu ziehen. Das war Graf Bernhard von Solms und ein Graf von Iſenburg. Und war Kunz Schott auch zu Wuͤrz⸗ burg und wollte des Pfalzgrafen Feind werden. Zog Herr Neidhart von Thuͤngen und er miteinander von Wuͤrzburg aus und gab mir Herr Neidhart ſeinen Knecht zu, ich ſollte ihm, Kunz Schotten, aufwarten, der denn der Zeit noch nicht Ritter und auch noch nicht der Pfalz Feind war, aber ich konnte merken, daß er's werden wollte. Und war ſonſten kein Edelmann darunter, denn ich und Goͤtz von Thuͤngen, den mir Herr Neidhart auch zu ſeinen Knechten zugab. Und da wir nun ins Feld kamen, weiß ich nicht, was Kunz Schott an mir erſehen hatte. Er gab mir den gaͤngſten und beſten Gaul, den er hatte, und verordnete ſeine Knechte auch zu mir, daß ſie mir aufwarten ſollten. Und wiewohl ich ſagte: ich haͤtte einen guten Gaul und koͤnnte bei den Leuten bleiben, mußte ich doch auf ſeinen Gaul ſitzen. So wehrte ich mich auch 79 deſſen, das ſeine Knechte mir aufwarten ſollten, ſondern ich wollte ihnen aufwarten oder ihrer Einem, es waͤre, welcher es wollte, die der Sache beſſer verſtaͤndig waͤren, denn ich. Denn er hatte feine Knechte, die pfalzgraͤflich und landgraͤflich geweſen waren. Aber er beharrete auf ſeinem Vornehmen und mußten die Knechte mir aufwarten. Da ich nun zu meinem Vetter, Goͤtz von Thuͤngen und ſeinen Reitern komme, hielten wir lange bei einander. Und haͤtte er einen Menſchen gehabt, der die Raine und Wege ein wenig gewußt (ſoviel ich in einem Vierteljahr darnach erfuhr), wollten wir wohl etwas ausgerichtet haben, das zur Sache gedient haͤtte. Aber es wollte nicht aller⸗ dings recht thun. Denn wie die Straße ober uns weg⸗ gieng, hielten wir unterhalb auf einem Fußpfad und daͤuchte mich, es waͤre nicht gerathen, daß wir alſo darunter halten ſollten; zog derhalben hinauf auf die Straße und war eben ein Schneelein gefallen auf dem Speſſart, daß man den Hufſchlag wohl ſehen und merken konnte. Wie ich nun auf die Straße komme, ſpuͤrte ich derjenigen Hufſchlag, deren wir gewartet hatten, friſch, und ſahe, daß der Schaum, wie die Gaͤule geſchaͤumt hatten, noch dalag. Und wie Konrad Schott kommt, ſagt ich ihm: Da ziehen ſie hinein, ich glaube, ſie ſeien nicht weit, denn der Schaum liegt noch da. Und es war alſo, aber er Herr Konrad Schott war auch ein fauler Reiter und wollte Nachts im Speſſart bleiben, war kaum 80 —x 3 Meilen Wegs geritten, und konnt ich ihn mit Noth und Angſt kaum wieder hinter ſich bringen, daß wir in ein Thuͤngeniſches Dorf kommen und auf dies Mal Nichts ausrichten konnten. Darneben, als ſich der bairiſche Krieg im be⸗ ruͤhrten Jahre erhob, war ich noch bei meinem Vetter, Herrn Neidhart von Thuͤngen und mußte mit ihm hinauf in das Land Baiern, das mir nun hoch zu⸗ wider. Denn ich hatte zwei Bruͤder, die waren pfalzgraͤfiſch und waͤre ich auch gern auf der Pfalz Seite geweſen. Alſo zog ich mit Herrn Neidhart von Thuͤngen hinauf zum Markgrafen(von Ansbach), der lag zu Roth mit⸗ ſeinem Herrn und nahmen wir ein den Hilpodtſtein und andere Flecken mehr, ſo in die obere Pfalz gehoͤren. Desgleichen die von Nuͤrnberg ſaͤumten auch nicht, aber Heideck das hielt den Stich und ergab ſich nicht. Da ver⸗ ordnete der Margraf etliche Pferde in ſeiner Landes⸗ art gegen die obere Pfalz zu Roß und Fuß, und zog er mit ſeinen andern Reitern und Knechten, die er bei ſich hatte, erſtlich gegen Ingolſtadt und hernach gegen Muͤnchen zu Herzog Albrecht. Da ſtießen ſie mit dem Haufen zuſammen, der buͤndiſch und kaiſerlich war, und zog der Maͤrkgraf darnach mit etlichen Mann zu Roß und Fuß vor Landau und nahm es ein. Darin lag Herr Georg von Roſenberg mit etlichen Reiſigen und Boͤhmen. Und wie wohl es ein faul Neſt war, hielten ſie ſich dennoch etliche Tage, daß ſie ſich beſchießen ließen. Darnach nahmen wir Braunau ein und zogen vor Landshut und hatten Haͤndel und Scharmuͤtzel genug, wo wir hinkamen, hatten auch zwei harte Schar⸗ muͤtzel vor Landshut auf einem Samſtag und Sonn⸗ tag, da ich denn auch geſchoſſen bin worden. Und erlangten mir der Markgraf und meine Freunde, daß mich mein gnaͤdiger Fuͤrſt und Herr, Herzog Ruprecht loͤbl. Gedaͤchtn. gen Landshut vergeleiten ließ, daß ich mich darin ſollte heilen laſſen. Aber ich blieb dieſelbige Nacht, als ich geſchoſſen war, heraus vor Landshut im Lager und des andern Tags fruͤh in der Kuͤhle, denn es war ſehr heiß und eben in den Hundstagen, daß mir denn als einem Verwundeten zu reiſen ſorglich und beſchwerlich war, zog ich fort und war zu Herrn Siegmund von Thuͤngen ver⸗ ordnet, daß ich in ſeine Herberge ſollte fahren und einkehren. Und wußte nicht anders denn ich fuͤhre zu ihm in dieſelbige Herberge meinen Vetter, aber wie ich aus dem Lager heraus kam, auf Landshut zu, nicht weit von unſerem Lager, als es noch gar fruͤhe war, da kam Chriſtoph von Giech, der auf Herzog Ruprechts Seite war. Und hatte des Nachts Wacht und Skart gehalten und kam an die Skart⸗ leute, die unſyr Hauptmann hinaus beordert hatte. Da mußte der Fuhrmann ſtill halten, damit ich ſah, wie ſie aneinander jagten bis in unſere Wagenburg hinein. Und hatte Chriſtoph von Giech erfahren, daß ich geſchoſſen und im Einherfahren waͤre und beſtellt, daß ich in ſeine Herberg fahren ſollte, denn 6 82 wir waren vor zwei Jahren bei einander geweſen in der Nuͤrnbergiſchen Schlacht, daß wir einander wohl kannten. Allſo wollte ich waͤhnen, ich fuͤhre in Herrn Sigmunds von Thuͤngen, meines Vettern, Herberg, ſo kam ich aber zu vermeldetem Chriſtoph von Giech⸗ und that er mir warlich viel Gutes und erbot ſich ge⸗ gen mich, daß er mich nicht laſſen wollte, ich ſollte ihm nur ſagen was ich gern haͤtte und was ich be⸗ duͤrfte; waͤre es menſchlich und moͤglich, ſo wollte er ſich nicht ſparen und wollte es uͤberkommen. und ſagte mir auch dabei, ich habe noch Geld, das meine Geſellen nicht wiſſen, und wenn ſie es wuͤßten, ſo ließen ſie mir keine Ruhe, und nannte mir die Summe und ſagte, Dir will ichs nicht ver⸗ halten. Und kamen ſonſt viele andere mehr Geſellen zu mir, alſo daß ich in zwei oder drei Tagen nicht viel Ruhe hatte; es war gleich einer Wallfahrt zu mir und kamen viel gute Leute, die mich kannten und beſahen wie mirs ging und kamen auch ſonder⸗ lich zu mir Herr Georg von Roſenberg und Herr Georg Truchſes von der Au und viel großer Hanſen mehr, die mich beſahen. Und merkte ich ſo viel von ihnen, daß mein gnaͤdiger Herr Herzog Rup⸗ precht ſelbſt ein Mitleiden mit mir hatte, wiewohl ich mich wider ihn geſetzt, und kam auch ein guter Freund zu mir, der ſagte, ich ſollte mich anthun, das ich ein wenig ſauber laͤge, denn er haͤtte ge⸗ hoͤrt, Herzog Rupprecht löbl. Gedaͤchtn. der wuͤrde zu mir kommen und wuͤrde mich beſehen. Wie ich 83 denn that und wartete, da kommt aber wieder Bot⸗ ſchaft, die rothe Ruhr haͤtte Ihre fuͤrſtliche Gnaden angeſtoßen. Wie denn wahr geweſen und Ihre fuͤrſt⸗ liche Gnaden daran geſtorben, auch Chriſtoph von Giech und viele Andere mehr damals an der rothen Ruhr verſchieden, alſo daß Gott der Allmaͤchtige ihrer viele kurz miteinander von dieſem Jammerthale genommen. Da mir denn die Weile bei meiner Krankheit auch nicht ſehr kurz geworden. Wie ich aber damals geſchoſſen ſei worden, das hat dieſe Geſtalt. Ich that als ein junger Geſelle, der auch gern ein Menſch waͤre geweſen, und daͤuchte mich auch, als jung ich war, man muß mich auch einen Menſchen und guten Geſellen ſein laſſen. Und wie wir demnach am Sonntag vor Landshut abgehoͤrtermaßen wieder ſcharmuͤtzelten, da richten die von Nuͤrnberg das Geſchuͤtz in Feind und Freund, und hielten die Feinde alſo in einem Vortheil an einem Graͤblein, daß ich gern meinen Spieß mit Einem zerbrochen haͤtte. Und wie ich alſo halte und ſah nach dem Vortheil, ſo haben die Nuͤrnbergiſchen das Geſchuͤtz gegen uns gerichtet in Feind und Freund, wie vorgemeldet, und ſchießt mir Einer den Schwertknopf mit einer Feldſchlange entzwei, daß mir das halbe Theil in den Arm ging und drei Armſchienen damit, Und lag der Schwert⸗ knopf in der Armſchiene, daß man ihn nicht ſehen konnte, alſo daß es mich noch wundert, daß es mich nicht vom Gaul herabgezogen hat, dieweil die 6* 84 —— Armſchienen ganz blieben, denn allein die Ecken, wie ſie ſich gebogen hatten, gingen noch ein wenig heraus. Aber der Schwertknopf lag, wie gemeldet, in den Armſchienen drinnen, das andere Theil des Knopfes und die Stangen am Schwertheft hatten ſich gebogen, waren aber doch nicht entzwei, daß ich gedenke, die Stange und das andere Theil vom Knopf habe mir zwiſchen dem Handſchuh und dem Armzeug die Hand herabgeſchlagen, alſo daß der Arm hinten und vorn zerſchmetterk war Und wie ich ſo das ſehe, ſo haͤngt die Hand noch ein wenig an der Haut und liegt der Spieß dem Gaul unter den Fuͤßen. So thaͤt ich eben, als waͤre mir nichts darum und wandte den Gaul allgemach um und kam dennoch ungefangen von den Feinden hinweg zu meinem Haufen. Und wie ich ein wenig von den Feinden hinweg kam, ſo laͤuft ein alter Lands⸗ knecht heran und will auch in das Scharmuͤtzel; den ſpreche ich an, er ſoll bei mir bleiben, denn er ſaͤhe, wie die Sache mit mir geſchaffen waͤre. Der thats nun und blieb bei mir, mußte mir auch den Arzt holen. Und nachdem ich gen Landshut kam, ſagten mir meine alten Geſellen, die wider mich im Scharmuͤtzel waren geweſen wie ich geſchoſ⸗ ſen waͤre worden und waͤre ein Edelmann, Fabian von Wazdorf, ein Voigtlaͤnder, mit mir auch in Einem Schuſſe geſchoſſen worden. Und blieb er todt, wie wohl mich der Schuß zuvor traf, daß alſo Feind und Freund miteinander Schaden nahm. — Und war derſelbige ein feiner huͤbſcher Geſelle, als man unter Tauſenden kaum einen ſo graden Men⸗ ſchen finden ſollte. Sie ſagten mir auch dabei, was ich die zwei Tage den Samſtag und Sonntag, gethan und gehandelt, und zeigten mir alle Wahr⸗ zeichen an, was ich fuͤr einen Hauptharniſch und wie ich einen Gaul gehabt und was ich gehandelt haͤtte, daß ſie es eben ſo wohl wußten als ich, wie und was ich mich die zwei Tage gehalten haͤtte. Und von der Zeit an, am Sonntag nach St. Jakobstag da bin ich zu Landshut gelegen bis um Faſtnacht außen; und was ich die Zeit fuͤr Schmer⸗ zen erlitten habe, das kann ein Jeglicher wohl erachten. Und war das meine Bitte zu Gott, die ich that, wenn ich in ſeiner goͤttlichen Gnade waͤre, ſo ſollte er im Namen Gottes mit mir hinfahren, ich waͤre doch verderbt zu dem Kriegsmann. Doch fiel mir ein Knecht ein, von dem ich etwa von meinem Vater ſeel. und allen Knechten, Pfalzgraͤfiſchen und Hohenlohiſchen, gehoͤrt hatte, welcher der Koͤchle geheißen und Herzog Georgens von Bayern Feind geweſen; der haͤtte auch nicht mehr denn eine Hand gehabt und haͤtte eben alsſobald ein Ding gegen den Feind im Feld ausrichten koͤnnen, als ein Anderer. Der lag mir im Sinne, daß ich Gott abermalen anrufte und gedachte, wenn ich ſchon zwoͤlf Haͤnde haͤtte und ſeine goͤttliche Gnade und Huͤlfe mir nicht wohl wollten, ſo waͤre es doch Alles umſonſt, und 86 vermeinte derenthalben wenn ich doch nicht mehr denn ein wenig einen Behelf haͤtte, es waͤre gleich eine eiſerne Hand, oder wie es waͤre, ſo wollte ich dennoch mit Gottes Gnad und Huͤlfe im Feld noch irgend ſo gut ſein als ſonſten ein heilloſer Menſch, ich bin auch ſeithero mit deſſelben Koͤchles Soͤhnen geritten, die redliche und beruͤhmte Knechte geweſen. Und nachdem ich nun ſchier ſechzig Jahr mit einer Fauſt Krieg, Fehd und Haͤndel gehabt, ſo kann ich wahrlich nicht anders befinden noch ſagen, denn daß der allmaͤchtige, ewige, barmherzige Gott wunderbarlich mit großen Gnaden bei und mit mir in allen meinen Kriegen, Fehden und Gefaͤhrlich⸗ keiten geweſen. Mehr hat ſich im Land Bayern begchen, daß unſern Hauptleuten(die der Zeit uͤber St. Georgen Fahnen verordnet waren, als naͤmlich Herr Neid⸗ hart von Thuͤngen und Herr Wilhelm Marſchalk von Pappenheim, und wenn der eine heute Haupt⸗ mann war, ſo war's der andere morgen, ein Tag um den andern) eine Kundſchaft im Feld zu⸗ kam, als ſollten zwei Faͤhnlein Knechte gegen Neu⸗ enmerckla, das nicht weit von Beyratingen, im Land Bayern, liegt, die waren Feinde, hinein ziehen. Darum die Hauptleute ſagten, wer Luſt dazu hat, ſie anzugreifen, die moͤchten ſich ausſchießen. Das geſchahe, und war ich auch ſelbſt Einer, und ſchoſſen freilich ein Pferd oder anderthalb Hundert aus, wahrlich gute redliche Geſellen, wie mich daͤucht, 87 und ich glaube, wir waͤren bei einander blieben todt und lebendig. Und wie wir alſo daherziehen durch einen ziemlich großen Wald, da ging gleich der Abend her, und wie ich bei den Vortreibern war, ſo ſehe ich Leute von uns hinweg fliehen, und ich den Naͤchſten ſetzte an ſie im Wald, und erreite Zwei, die behielt ich bei meinen Haͤnden. Und waren Bauersleute, waren aber doch Feinde, und mußte alſo auf jeglicher Seite ihrer Einer bei mir bleiben halten, bis die Andern herzu gekommen. So kommt aber eine junge Gecksnaſe, naͤrrichter denn ich, der ließ denn einen Bauern bei mir halten und ſchlug ihn gar uͤbel. Nun war Niemand da, denn ich, die zwei Bauern, und der ſo den Bauern ſchlug, und ich laß die Bauern halten, und an ihn, und ſchmierten einander, und wie ich ihn fragte, was er mir den gefangenen Bauern halten thaͤt und warum er ihn ſchluͤge, gab er mir etliche boͤſe Worte. Da ſchlug ich ihn gleich genug. In⸗ dem konnt Georg von Frundsberg, der war noch nicht Ritter, mit etlichen Reitern auch darzu, und ruͤckte mit ſeinen Reitern, ungefaͤhr um 20 oder 30 Pferde, um mich herum und wollte haben, wir ſollten Beide zum Frieden geloben. Mein Geſelle, den ich geſchlagen hatte, der gelobte bald, ich aber wollt es nicht thun und ſagte, warum ſchlaͤgt er mir dieſe meine Gefangenen, warum faͤngt er nicht ſelbſt einen? Und auch weiter ſagte ich zu dem⸗ 88 ſelbigen, wann du mir noch einmal einen Gefangenen ſchlagen wollteſt, ich wollt' es nicht von Dir leiden. Da ruͤckten Herr Georg von Frundsberg und Andere um mich herum, der Eine hatte einen Pfeil auſ der Armbruſt, ſo waren die Andern auch ge⸗ ruͤſtet, und hielt ich unter ihnen als wie ein wildes Schwein unter den Ruͤden. In Summa, ich wollt' die Geluͤbde nicht geben, ſondern ich blieb auf meiner hervorigen Rede, denn es war ſchon ganz dunkel, ſo daß es Nacht war, und hatte mir vorgenommen, wann ſie Hand an mich gelegt haͤtten, ſo wollt ich mich durch ſie ſchlagen, und ſagte doch dabei, daß ich nichts gegen ihn bei meines Edelmanns Trauen und Glauben wollt fuͤrnehmen, er huͤbe es denn mit mir am erſten an; huͤbe er aber mit mir an, ſo wollt ich ihn uͤbel ſchmieren, ſein Leib muͤßt ihn reuen, oder er muͤßte mirs thun. Dabei ließen ſie mich bleiben. Indem zogen wir wieder an und kamen weit in der Nacht, meines Behalts, gen Braunau hinein. Des Morgens ſchickte mir Herr Georg und ſein Haufe einen Boten, ich ſollte zu ihm kommen, und wie ich kam, ſaßen ſie und trunken Rheinfall. Sie haͤtten die Bauern geſchaͤtzt und Rheinfall da⸗ rum gekauft. Ich that nun auch einen Trunk und ſagten ſie zu mir, ich ſollt niederſitzen und mittrinken, aber ich ging gleich den Naͤchſten wieder von ihnen hinweg, und trank nicht weiter, denn ich hatte ſonſt auch ein Geſchaͤfte. —/ —/ 89 Solche Artikel: Herr Georg von Frundsberg und Franz von Sickingen ſeien mir allhier zu Ge⸗ fallen, zeige ich um folgender Urſache willen an. Die von Heilbronn hielten mir nicht ritterliche Gefaͤngniß, wie ſie mir zuſagten, und ſie Beide wollten kurzum haben, daß mir ritterliche Gefaͤng⸗ niß, wie mir zugeſagt war, gehalten werden ſollt, und verhielt ſich meinethalben gar wohl, daß ſich die von Heilbronn mußten verſchreiben, mir ritterlich Gefaͤngniß zu halten, ſo lang es waͤhret, wie ich dann dieſelbige Verſchreibung noch in meinen Haͤnden habe. Und des Nachts kommen ſie in mein Stuͤb⸗ lein zu mir, in des Diezen Herberg, und waren ihrer viel, daß ſie nicht Alle ſitzen konnten, ſondern mußten der mehrſte Theil ſtehen. Nun zechten wir und waren froͤhlich, da gedenkt Herr Georg der ob⸗ beruͤhrten Leute und ſagt, Schwager Goͤtz, weiſt du auch, daß wir einmal eine Beute miteinander gewon⸗ nen haben im Lande Baiern? Da ſagte ich, ja ich weiß wohl. Darauf ſagte er: Du wollteſt zeitlich zu einer Neſſel werden. Dieweil er ſich nun bei mir ſo ritterlich und wohl hielt, ſo wollt ich mich auch nicht weiter mit Reden gegen ihn einlaſſen, er hat ſich auch gegen mich ſeithero immer wohl gehalten. Weiter trug ſich darnach zu, daß ein boͤhmiſcher Herr der Krone Böhmen Feind ward. Des nahm ſich an Hans von Selbiz, ich und andere gute Geſellen mehr, und wollten ihm in ſeiner Sache 90 dienen und behuͤlflich ſein. Und erfuhr darauf von Stund an, daß die reichſten und beſten Herren, die uͤber die Krone Boͤhmen regierten(denn es war damahlen gar ein junger Koͤnig, der nicht regierte), an etlichen Orten durchziehen ſollten. Da machten wir nun Kundſchaft uͤber ſie, daß ſie ſeit der Zeit in Niederland waren geweſen, und wußten wohl, daß ſie wieder herauf ziehen wuͤrden, auch wer ſie waren geweſen, und in der Krone Boͤhmen der Zeit regierten. Und war ich dazu verordnet, daß ich ſollt hinab reiten mit etlichen Knechten, die wiſſend waͤren, als ich die Wahl haͤtte. Und ritt ich freilich 3 oder 4 Wochen, bis ich die Kundſchaft allenthalben einnahm, wo wir naͤmlich ſie angreifen wollten, und waren die Reiter ſchon beworben und kam Kund⸗ ſchaft, daß ſie daher zogen. Nun hatte Philipp Sturmfeder ſel. mir und meinen Bruder Philipp geſchrieben, wir ſollten bei ihm zu Heidelberg ſein auf einen Tag und ſollten etliche gute Geſellen, ſo viel wir koͤnnten, mit uns bringen, und bei ihm auf den Tag ſtehen. Das thaͤten wir nun und ritt mein Geſell Hans von Selbiz und mein Bruder Philipp ſel., auch Andere mehr, und der Herr, ſo der Krone Boͤhmen Feind war, ſelbſt auch mit gen Heidelberg, doch als ein Unbekannter. Und waren viele in der Herberge zum Hirſch, die machten ihre Wappen, und das thoͤrichte Herrlein, ſo der Krone Boͤhmen Feind war, hatte ſeine Wappen auch ge⸗ macht, daß nun ich und mein Haufe nichts darrm 91 wußten. Und wie wir zu Heidelberg hinwegkamen und getagleiſtet hatten, da kamen die boͤhmiſchen Herren, welche die Krone Boͤhmen regierten, auch dahin, und waren alſo ungefaͤhr herausgegangen auf den Markt, zu ſpazieren, und als ſie uͤber ſich ge⸗ ſehen, hatten ſie der Wappen, die man angeſchlagen, wahrgenommen und darunter auch des boͤhmiſchen Herrn Wappen geſehn und gekannt. Darauf denn ein Aufruhr ward, und riefen ſie den Pfalzgrafen an um Geleit, und gab man ihnen Reiter zu und vergeleitete ſie mit Gewalt hinweg. Und verderbte alſo das gute Herrlein den Anſchlag mit ſeinem eigenen Wappen, daß er nichts mit ſeinen Feinden ausrichten konnte. Sonſten waͤre es ohne Zweifel zu einem guten Frieden und Ruhe gekommen. Und nachdem mir ſein Name entſunken und vergeſſen iſt, ſo wird man freilich ſein Wappen noch zu Heidel⸗ berg in der Herberg zum Hirſch finden, und wiewohl ich es fuͤr ein gutes frommes Herrlein hielt, ſo daͤucht mich doch, es waͤre noch ein junger unſchuldiger Feind, und waͤre noch nicht wohl berichtet im Handel, haͤtte aber gute Schulmeiſter bei ihm. So habe ich ſeit⸗ hero hoͤren ſagen, es ſei mit der Krone Boͤhmen gerichtet und vertragen worden. Weiter iſt auch wahr, daß auf eine Zeit Ulrich Beck, ſo ein Buͤrger und Viehtreiber zu Kitzingen geweſen und der Zeit hinter Markgraf Friedrich loͤbl. Gedaͤchtniß geſeſſen, ein wohlhabender Mann, der hatte ein Weib, welche zuvor auch einen Mann ge⸗ 92 habt hatte, mit Namen von dem Geſchlecht Seyboth. Dieſelbige Frau hatte einen Sohn, der hieß Philipp Seyboth, nicht weiß ich, wie ihr Mann mit dem Taufnamen geheißen hat. Derſelbige Philipp Seyboth ward Herrn Neidharts von Thuͤngen Knabe. Nun bat mich Ulrich Beck, ſein Stiefvater, und der Philipp Sey⸗ both, der Stiefſohn, ſelbſt, als er gleich das Har⸗ niſch anthun ſollt', daß ich ihn ihm gegen die Wald⸗ ſtrommer, ſo zu Nuͤrnberg ſitzen und von Adel ſind, huͤlflich und raͤthlich ſein ſollte. Und zeigte mir an, wie die Waldſtrommer ihnen Gewalt und Unrecht eines Erbes halber thaͤten, und waren der Hoffnung, wo ſie ſich nicht guͤtig mit ihnen vertragen konnten, daß ſie Weg ſuchen und dermaßen mit dem Ernſt gegen ſie handeln wollten, damit ſie einen guten Vertrag erlangen moͤchten. So gab ich ihnen darauf dieſe Antwort: Mein gnaͤdiger Herr, der Markgraf Friedrich haͤtte mich erzogen, wo ſie denn guͤtlich Verhoͤr zu Recht und Billigkeit vor Ihro fuͤrſtliche Gnaden leiten moͤchten, wollt ich ihnen meines Ver⸗ moͤgens raͤthlich und huͤlflich ſein und an moͤglichen Fleiß nichts erwinden laſſen. Darauf wir der Sache weiter nachgedacht und den Anſchlag gemacht, daß wir die Waldſtrommer in kurzer Zeit nach unſrer Abrede im Nuͤrnberger Walde fiengen und nieder⸗ wuͤrfen, als ſie naͤmlich in ihrer Doͤrfer eins fahren wollten. Und geſchahe es am Morgen ziemlich fruͤhe. Wollten daſelbſt in ihrem Dorf eine Meſſe hoͤren, und es war auf St. Mathaͤustag und waren der 93 Waldſtrommer zwei Bruͤder und hatte der eine einen huͤbſchen jungen Sohn bei ſich, der bat freundlich, wir ſollten ſein verſchonen, wie ich auch that, und fuhren mit den zwei Gebruͤdern dahin und zogen Tag und Nacht bis wir ſie gen Jaxthauſen brachten, da ſchlugen ſich des Markgrafen Raͤthe in die Sachen, vertagten uns und die Waldſtrommer gen Ansbach; da ich denn ſelbſt als ein Helfer mit geritten bin, mit ſammt einen oder zwei guten Freunden. Wie es nun zum Reden kam auf den Tag, nahm ſich der Markgraf der Waldſtrommer an, mit Fuͤrgeben, ſie waͤren Ihrer Fuͤrſtlichen Gnaden Diener, als wie dann nicht ohne mag ſein, denn ſie haͤtten einen erblichen Dienſt vom Markgrafen etlicher Waͤlder halben, ſo der Markgraf um Nuͤrnberg haͤtte, und wiewohl der Ulrich Beck des Markgrafen Hinterſaß war zu Kizingen und ſie, die Waldſtrommer, Ihrer Fuͤrſtlichen Gnaden Diener, ſo machten doch des Markgrafen Raͤthe einen Vertrag zwiſchen den zwei Partheien, alſo daß die Sachen hingelegt und ver⸗ tragen wurden. Weiß aber nicht, was mir von ſolchem Vertrag fuͤr meine Perſon worden iſt, doch hat mir der Ulrich Beck etwas gegeben, kann aber nicht wiſſen wie viel, und dieweil ich ſo weit in die Handlung gekommen bin, ſo hab ich ſolches in die⸗ ſem meinem Schreiben nicht unangezeigt laſſen wol⸗ len, ſonderlich weil ermeldeter Philipp Seyboth mei⸗ nes Vettern ſeel. Bub und Diener geweſen. 94 Siebentes Kapitel. Nach dem Bairiſchen Krieg bin ich und Andere mehr von Adel und andere gute Geſellen bewegt und erbeten worden, von Eines wegen, der hat der Meuterer geheißen, der war derer von Rotenburg Feind, und hat ihm mein Vetter Wilibald von Thuͤngen ſein Haus eroͤffnet zum Reuſſenberg. Deſſen nahmen ich und Andere mehr meiner guten Freunde und Geſellen uns an, daß wir ihm ein Reiß oder zwei dienten, Aber es ſchlug ſich mein gnaͤdiger Fuͤrſt und Herr von Wuͤrzburg, Biſchoff Lorenz loͤbl. Gedaͤchtniß, in die Sache und vertrug's. Und wie⸗ wohl ich und Andere meiner guten Freunde und Ge⸗ ſellen des Sinnes waren, demſelbigen Meuterer weiter verhuͤlflich zu ſein und uns auch verwahrt wollten haben, wie dann die Briefe ſchon gemacht waren, ſo wurde es doch mit der Huͤlfe Gottes und des frommen Biſchoffs Zuthun, wie gemeldet, vertragen, daß wir weiter Nachdenkens deſſenthalben nicht be⸗ duͤrfen. Achtes Kapitel. Des andern Jahres darnach, ſchrieben mir Etliche meiner guten Freunde, Herzog Ulrichs von Wuͤrtemberg Hofgeſind, und war ſonderlich mein 95 Schwaͤher, Reinhard von Sachſenheim Einer, und baten mich von Eines wegen, der hieß Hans Sindel⸗ finger und war ſeines Handwerks ein Schneider und ein guter Zielſchuͤtz mit der Buͤchſe. Der war zu Stuttgart daheim, und hatte zum Ziel geſchoſſen zu Koͤln, und war, wie ichs behalten, 100 Fl. das Beßte geweſen, das gewann er. Aber die von Koͤln hatten ihn darum betrogen und wollten ihm nichts geben. So hat er vielleicht Solches den Hofjunkern zu Stuttgart geſagt und geklagt Da ſchrieb mir mein Schwaͤher, Reinhard von Sachſen⸗ heim ſeel. wie gemeldet, von ſeinet⸗ und andern Hof⸗ geſindes wegen, und baten mich, ich ſollte mich ſeiner annehmen. Das ich nun tha. o wurde der von Koͤln Feind und warf ihnen zwei Buͤrger, die Kaufleute waren, einen Vater und ſeinen Sohn, nieder. Darnach trug ſich zu, daß neun Wagen von Frankfurt herauf fuhren, die Koͤlniſch waren, und ſtieß ich ſelber allein auf ſie und hatte meinen Knecht und meine Reiter nicht weit davon. Zog derohalben hinauf gen Kronberg zu meinem guten alten Philippſen von Kronberg, der etwa ein Mar⸗ ſchalk zu Heidelberg iſt geweſen. Deſſelbigen Rath hatte ich, und er gab mir Erlaubniß, ich ſollte die Wagen und Guͤter hinauf fuͤhren gen Kronberg, da dauerte mich aber ſein, dieweil er alt und krank war, daß ich ihm ſollte alſo eine Unruhe machen. Dieweil aber mein gnaͤdiger Herr von Koͤnigſtein mir ein ganz gnaͤdiger Herr war, wollte ich ſie auch 96— nicht gern auf Ihrer Gnaden Straßen angreifen, ſondern auf einer andern, die an Ihrer Gnaden graͤnzt. Und ſchickte demnach einen Knecht zu Ihrem Gnaden, Namens Kaſper Sinnwurm, mit der Anzeige, daß ich Ihro Gnaden verſchont haͤtte und doch Willens waͤr, dieſelbigen Guͤter an einem andern Ort anzugreifen, da Ihro Gnaden keine Straße oder Geleit haͤtten, und thaͤte es darum, wenn irgend ein Geſchrei kaͤme, daß ſich Ihro Gna⸗ den, wie ich dann mein Vertrauen zu Dero haͤtte, auch wuͤßten ſich baß gegen mich zu halten. Aber Ihro Gnaden entboten mir wieder durch denſelbigen Knecht Kaſper Sinnwurm, das ich ſollt Ihro Gnaden zu Ehren und Gefallen jetzt zumal abſtehen, und ermahnete mich ſo hoch und gnaͤdiglich, daß ich die neun Wagen, die da hielten, wieder fahren ließ, und erboten ſich Ihro Gnaden, ſie wolltens in einem Andern wiederum einbringen und in Gutem und Gnaden nimmermehr gegen mich in Vergeß ſtellen. Wie dann geſchehen und Ihro Gnaden ſich auch nachfolgends in die Sachen ſchlug und einen Tag zu Frankfurt zwiſchen mir und denen von Koͤln an⸗ ſetzten, da wir dann ſolches Kriegs und Fehde endlich vertragen und verglichen wurden. 1 Weiter aber, wie es mir mit den zwei Kauf⸗ maͤnnern, die ich gefangen hatte, ergangen, baten ſie mich, ich ſollt ihrer Einem erlauben, gen Leipzig zu ziehen, daſelbſt haͤtten ſie ihre Waaren und Guͤter, und koͤnnten ſonſt weder ihnen noch mir helfen. Das 97 that ich, und behielt den Sohn, dieweil der Vater alt war, dacht ich, der Sohn kann Gefaͤngniß beſſer leiden, und machte nun eine Verſchreibung mit ihm und gab ihm ſelbſt meinen Rath und alle Wahr⸗ zeichen, wie er ſich halten ſollt. Und haͤtte ich nicht anders gedacht, ſeinem Geloben und Schwoͤren nach, auch ſeiner Handſchrift, die er uͤber ſich gab, er wuͤrde ſeinem Sohn und mir Glauben halten, wie denn billig geweſen. Und gab ihm den Rath, er ſollt mit den Kaufleuten, ſie waͤren Nuͤrnbergiſche oder wer ſie waͤren, von Leipzig heraus ziehen auf Koburg und Bamberg zu, da komme er ſicherer heraus. Und gab ihm auch meine Handſchrift und meinen Buben, und band ihm ein in ſein Geluͤbd und Pflicht, in welche Herberg er ziehen ſollt, und wann er den Buben ſehe und ihm den Zettel gebe, der ſeinem gleich waͤr, ſo ſollt er froͤhlich mit ihm reiten und wuͤrde alsdann bald bei mir ſein, wollt ich ihm wiederum zu ſeinem Sohn fuͤhren oder ſei⸗ nen Sohn zu ihm ſchicken. Ich ließ ihm auch den Buben wohl beſehen und gab ihm allen Beſcheid, aber er wurde treulos und meineidig an mir und an ſeinem Sohn und verrieth mir den Buben, daß ihn der Biſchof von Bamberg, ſo Georg von Limburg geweſen, eingelegt, da wartete ich lange, wann er und der Bube kaͤme. Aber der Bube hielt ſich ſo geſchicklich, daß ich es kaum hinter ihm ge⸗ ſucht oder ihm anvertraut haͤtte. 98 Wir zogen einmal von Neuſtadt an der Aiſch heraus und neben Hoͤchſtaͤtt, ſo des Biſchofs von Bamberg iſt. Nicht weit davon liegt ein Holz, und ich ſagte ungefaͤhr zu dem Buben, da waͤre eine gute Haltſtatt, wenn Du einmal Reiter wirſt, daß Du es auch wiſſeſt. Und zog alſo an den Ort, da ich hin wollt, nicht weit von Bamberg. Das hatte der Bube gemerkt, und als ich ihn gen Bam⸗ berg in die Herberg, da der Kaufmann hinkommen ſollt, verſchickt, mit Befehl, was er allda verrichten ſollt, wurde der Bube, wie gemeldet, verrathen, gefangen und eingelegt. Und man hatte kurzum von ihm wiſſen wollen, wo ich waͤre und wo er zu mir kommen ſollt. Da hatte der Bube geſagt, es liegt ein Holz nicht weit von Hoͤchſtaͤtt, da hat er mich hinbeſchieden. Eben zu derſelbigen Zeit fuͤhrte ich ſchwarz, denn meine Mutter ſel. war in kurzen Tagen davor geſtorben. Sie thaten um des⸗ willen einem andern Buben die ſchwarzen Kleider an und ſetzten ihn auf den Gaul, darauf mein Bube geſeſſen, und ließen ihm dem Holz zuziehen und die Bambergiſchen Reiter zogen hinten hernach, und vermeinten, ſie wollten mich da finden, wie der Bube geſagt hatte. Allein es fehlte ihnen, denn der Bube hatte allein einen bloßen Poſſen damit gemacht und ihnen das Blatt geſteckt, daß ſie darob irre geritten waren. Als ich nun erfuhr, daß der Bube eingelegt worden, ſchrieb ich dem Biſchof von Stund an, er ſollt mir den Buben ohne alle Ent⸗ 99 geltniß wieder ledig laſſen, denn ich haͤtte mich der Untreue gegen ihn nicht verſehen, ſonderlich auf das Anſprechen, ſo er zu Schweinfurth mir gethan hatte, ihm eine Reiß zu geben, und wo es nicht geſchaͤhe, muͤßt ich Nachdenkens haben, wie ich meinen Buben wieder ledig mache. Da vertagte er den Buben von Pfingſten an bis auf Michaelis, daß er ſich zu ſelbiger Zeit wieder ſtellen ſollt. Indem aber erfuhr ich, daß er, der Biſchof von Bamberg, gen Goͤp⸗ pingen zu den Sauerbrunnen ins Wildbad geritten war, wo er wollt baden, fuͤr den reißenden Stein. So hatte ich es gut im Sinne, ich wollt ihm das Bad geſegnet und ihm ausgerieben haben. Und hatte mich ſchon zum Handel geſchickt und beworben, und befahl Einem, dem ich ſonderlich traute und ihm nichts verhielt, der ſich auch daͤuchte aller Rei⸗ ter Mutter zu ſein, daß er mir etliche Pferd ſollt bewerben, wie er dann auch that. Aber als der⸗ jenige, bei dem er geworben, ihn gefragt, wer iſt der, fuͤr welchen Du bewirbſt und welchen trifftts an, hat er ihm allen meinen Anſchlag eroͤffnet, und viel⸗ leicht den Biſchof von Bamberg ſelbſt genannt. Das war nun nicht redlich von ihm. Und doch hatte ihm Derjenige, bei dem er geworben, zugeſagt, er wollte mir dienen, aber uͤber das alles reitet derſelbe, den er geworben und alle Dinge geſagt und vertraut hat, zu dem Biſchof gen Goͤppingen und warnt ihn, ſo daß ich nichts mehr konnte ausrichten, ſon⸗ dern all mein Anſchlag verderbt und verloren war. 7* 100 Und wenn ich's gewußt haͤtte daß die Verraͤtherei vor⸗ handen waͤre geweſen, ſo wollt ich des Biſchofs leiblichen Bruder niedergeworfen haben, der dann gewiß mein war,(Gott wollte es denn ſonderlich nicht gehabt haben). So zog ich von Jarthauſen aus auf Krailsheim nach der Fils zu, zu meinen Freunden, denen von Rechberg, und wie ich in Schwaͤbiſch Gemuͤnd hindurchziehe, war es gegen den Abend. Da reiten etliche Reiter die Gaͤule aus der Weide uͤber den Kaſten und traͤnken. Nun zog ich fort neben ihnen her, da ſah ich, daß ſie die Bambergiſche Farbe hatten, und ſagte zu meinen Reitern, ziehet hin, ich will bald bei Euch ſein, und reite dem Kaſten zu und gruͤße der Reiter Ei⸗ nen und frage alsbald, weß die Pferde waͤren. Da ſagt er mir Schenk Friedrich von Limburg, das war des Biſchofs Bruder. Ich verſah mich aber nicht, daß die Verraͤtherei vom Biſchof vorhanden waͤre oder daß er gewarnt waͤre worden, ließ alſo den Bruder aus den Haͤnden und ſaß, wie man ſagt, zwiſchen zwei Stuͤhlen, und es hat mich auch uͤbel gereut, daß ich den Bruder von mir gelaſſen hatte. 4 Da Schenk Friedrich von Limburg ein redlicher Herr war, ſo war ich des Sinnes, daß ich ihn nicht wollt hinweg gefuͤhrt haben, ſondern wollt ihn in ſeine eigene Behauſung betagt haben, der müͤßte mir einen Frieden machen mit ſeinem Bruder, dem Biſchof von Bamberg. Dieweil mir nun die zwo 101 Schanzen umſchlugen, feierte ich doch nicht, und warf den Biſchof ungefaͤhrlich in 8 oder 10 Tagen darnach einen Bundsrath und einen einſpaͤnnigen Reiter nieder, und machte dadurch meinen Buben wieder ledig, und es wurde durch Herzog Ulrich von Wuͤrtemberg ein Frieden zwiſchen mir und dem Biſchof von Bamberg aufgerichtet und die Sache verglichen. Ferner aber lieh ich auf eine Zeit meinem Bruder Philippſen von Berlingen ſel. zwei Knechte, die ſtießen von ungefaͤhr auf Philipp Stumpffens zwei Soͤhne, und hatten nichts mit denſelbigen zu ſchicken oder zu ſchaffen. Der eine Sohn hatte eine Buͤchſe und der andere einen Schweineſpieß und waren zu Fuß und was ſie gethan hatten, das weiß ich nicht, und der eine Sohn war nur ein halber Stumpf, denn ſein Vater hatte ihn mit einer Dirne erzeugt. Wie nun dieſe Beide meinen Knechten zu⸗ ziehen, wie ſie gedachten, in allem Guten, als Leute, die nichts mit einander zu thun haben, haͤtten auch, wie ſie mich berichteten, nicht im Willen gehabt, etwas Arges gegen die Stumpfe fuͤrzunehmen, ihre Pfeile nicht aufgebracht, noch etwas Gefaͤhrliches be⸗ ſorgt, ſonſt wuͤrden ſie ſich wohl beſſer und anders darzu geſchickt haben: aber deſſen unerwogen ſo habe der eine Stumpf, ſo mit Namen Friedrich geheißen, auf meine Knechte mit dem Handrohr abgeſchoſſen und den einen durch beide Arme getroffen. Da gebuͤhrte nun meinen Knechten auch zu thun, was dazu gehoͤrt, und fieng der, ſo geſchoſſen ward, den der ihn geſchoſſen hatte, unangeſehen, daß er ſo hart verwundet war, und wurde der andere Stumpf mit dem Schweineſpieß durch meinen Bruder Philipp⸗ ſen und die Andern auch gefangen, welche auch Beide in Geluͤbd genommen und folgends zu Domeck ſelbſt gemahnt wurden. Aber ſie blieben aus, ver⸗ gaßen ihrer Pflicht und wurden alſo treulos und meineidig. Haͤtten ſie ſich geſtellt, wie denn billig geſchehen ſein ſollte, wollten wir gute Freunde ge⸗ weſen ſein und die Sache vereinigt und vertragen haben und waͤre Niemand Nachtheil oder Schaden daraus entſtanden. Aber uͤber das fuhr ihr Vater zu, unangeſehen, daß ſeine Soͤhne bei gefangenen Leuten und wie gemeldet, treulos und meineidig waren, und verbrannte uns heimlich und unverwarnt einen Hof und eine Muͤhle. Nun haͤtte ich aber gern andern meinen Feinden nachgetrachtet, als ſonderlich denen von Koͤln, dem Biſchof von Bamberg und Anderen, die mir Urſache dazu gaben, und verhinderten mich alſo die heilloſen Leute, daß ich auch ihnen mußt nachtrachten und mich wehren. Wie mir dann Warnung zugekommen, daß der alte Stumpf Gewerbe haͤtte, welches ich erfahren wollte, und hielt vor Domeck. Da kamen 5 Pferde, die hinein zum Stumpfen wollten, unter denen ich die 4 niederwarf und blieb Einer todt. Und wie wir ſie erritten, dacht' ich, ſie waͤren alle 5 bei einander, aber mitten in den Harthaͤuſer Walde 193 hatte ſich der eine von ihnen gethan, und ich glaube, wenn ich es gewußt haͤtte, ſo wuͤrden wir ihn auch behalten haben. Ferner aber, ſo viel die von Koͤln anbelangt, nahm ſich mein Herr von Hanau ihrer Gefangenen an und ſagte, ſie waͤren in ſeinem Geleit; wie denn auch ein Hanauiſcher Geleitsmann bei ihnen war gefangen worden. Aber die von Hutten wollten, es waͤre in ihrem Geleit geſchehen. Da mußte ich mein Abenteuer auch gegen ſie verſuchen und kam alſo damit in fuͤnf Fehden, die alle aus einer herge⸗ floſſen. Haͤtte ich meine Reiter auf eine Zeit gefun⸗ den, wie ich ſie beſchieden hatte, ſo haͤtte Herr Fro⸗ win von Hutten mein Gefangener ſein muͤſſen, denn ich ihn niedergeworfen haben wollte, weil er mir des Geleites halber nachgetrachtet, auch etliche Droh⸗ worte getrieben hatte. Und erfuhr ich, daß ihn der Biſchof von Mainz, deſſen Marſchalk er war, gen Erfurth geſchickt hatte. Da ritt ich ſelbſt mit einem guten vertrauten Knecht, der mir lieb war, und auch mit der Landesart wohl vertraut, hinein nahe bei Erfurth zu einem guten Geſellen und Freund, und machte meine Kundſchaft, wann der von Hutten aufſein wollt, da wollte ich auch alſobald angezogen ſein, ihn, wie ich meine Sachen angeſchlagen hatte, niedergeworfen haben, ehe er gen Saalmuͤnſter ge⸗ kommen waͤre. Aber ich fand meine Reiter nicht, wie ich ſie beſchieden hatte, und war alſo das Spiel auf dies mal verloren. Wie ich nun vernahm, daß 104 er ſchon gen Saalmuͤnſter gekommen waͤre, hielt ich dennoch 2 oder 3 Tage vor ihm, aber ich konnte nicht wiſſen, wenn er aufſein wollte; denn er war daſelbſt daheim, und ſo konnte ich auch nicht laͤnger in derſelbigen Landesart bleiben und mußte alſo wiederum ungeſchaffter Dinge davon ziehen. Zudem war mir ermeldeter von Hutten ein lieber und naher Freund, gegen den ich auch, da er ein waidlicher Ritter war, nichts wollte ernſtlich ge⸗ meint haben, ſondern gedachte allein, ihn darnach zu fragen, wie und weſſen er ſich gegen mir gehalten haben wollte, wenn er auf mich geſtoßen waͤre und haͤtte es beſſer gehabt denn ich; haͤtte er geſagt, wie er ſich zuvor hatte hoͤren und vernehmen laſſen, ſo wollte ich ihn in ritterliches Geluͤbd genommen haben; haͤtte er ſich aber laſſen hoͤren, er wolle ſich vetterlich und freundlich und nicht ernſtlich gegen mich gehalten haben, ſo wollte ich ihn auch alſo gehalten und ledig gelaſſen haben. Das war mein Sinn und Gemuͤth gegen ihn, aber es ging, wie gemeldet hinter ſich. Neuntes Kapitel. Noch habe ich einen Handel mit dem Biſchof von Bamberg gehabt, welcher hat die Geſtalt. Eu⸗ ſtachius von Thuͤngen, mein Vetter, der wurde des 15 Biſchofs von Bamberg Feind und warf ihm zwei Frankfurter Schiffe nieder auf dem Main. Da zog ich nun ungefaͤhrlich von dem Weſterwald herauf, dem Lande Franken zu, daß ich nichts wußte von der Reiterei. Denn ich war eben noch der von Koͤln Feind, daß ich meiner Schanze ſelbſt mußte warten, und kam in ein Thuͤngiſch Haus und war ganz mude, denn ich hatte freilich in 16 Tagen keine Nacht ge⸗ legen. Da ich nun die andere gelegen, fragt ich meinen Vetter Euſtachius von Thuͤngen, was das fuͤr eine Reiterei waͤre. Da ſagte er, wie er wollte den Biſchof von Bamberg angreifen. Nun war ich zuvor zweifach am Biſchoff ge⸗ weſen, und derenthalben unangeſehen, wie müd ich war, ſo zog ich doch mit ihm von Thuͤngen und waren zu Nacht auf und wie wir mit den Reitern zu⸗ ſammen kamen, ſo kommt meinem Vetter Euſta⸗ chius ein Schreiben im Feld zu, ſo daß ich an ihm merkte, wie er gern abgelaſſen haͤtte und als ſollten die Wuͤrzburgiſchen Reiter mit den Schiffen herauf ziehen. Nun er hatte meinen Rath auch, da ſagt ich, er moͤchte thun, was er wollt, wenn es aber mich anginge, ſo waͤre das mein Rath, und ſagt's ihm, nehmlich er konnts ſelbſt erachten, daß die Sache in Geheim nicht bleiben wuͤrde, denn er ſehe wohl, was fuͤr Reiter da waͤren, aus viel und mancherlei Orten und auch Viele zu Fuß, die nicht alle verſchwiegen ſein wuͤrden, auch koͤnnt er ſolchen Anſchlag in viel langen Jahren nicht alſo wieder zu wege bringen, und darum ſo es mich anginge, wollte ich nicht nachlaſſen, ſondern das Gluͤck ver⸗ ſuchen, und wenn die Wuͤrzburgiſchen auch kaͤmen, ſo wuͤrden wir doch ſtark genug ſein; darzu haͤtte er nichts mit dem Biſchof von Wuͤrzburg in Unguten zu thun, auch waͤre dieſer Weg nicht ſeine Straße und Geleit. In Summa, das Maͤnnlein folgte mir, und wie mich nun daͤuchte, es ſollte an der Zeit ſein, brach ich auf und reite vor ihnen her und ließ ſie allgemach heran kommen; aber es ging langſam. Wie wir auf einen Berg gekommen gegen den Main zu auf einen Fußpfad, ſahe ich denſel⸗ bigen hinein und wollte lugen, wie die Schiffe den Main herauf giengen. Wie ich nun alſo auf den Berg kam, lagen viel Buͤchſenſchuͤtzen daran, und waͤhnte ich, ſie ſtuͤnden uns zu, ſchrie ſie an und ſprach, es iſt Zeit. Und da ich den Berg hinankam, hatte es Weingaͤrten und ging ein Weg unter den Weingaͤrten her in den Main, da hielten zwei alte beſcheidliche Knechte, die waren Reineckiſch und ohne Zweifel rechtſchaffene Leute, dafuͤr ſah ich ſie an, und hatten ihre Pfeile auf den Armbruͤſten. Wie⸗ wohl ich nur allein war mit einem Buben, ſprach ich ſie doch an und ſagte, wer ſeid ihrz da ſagten ſie, ſie waͤren Reineckiſch und haͤtten vier Schuͤtzen zu Fuß bei ſich. Darauf ſagte ich, ſie ſollten halten bleiben;z und fragte mich der eine Knecht auch, wer wir waͤren, da ſagte ich wir waͤren Thuͤngiſch. O, ſagte er, Ihr werdet meinen Herrn heut verderben, — 19 worauf ich ihm zur Antwort gab, wir haͤtten mit ſeinem Herrn in Unguten nichts zu ſchaffen, darum ſollte er ſtill halten und zufrieden ſein. Als wir nun alſo hielten, kommt uͤber eine kleine Weile mein guter Goͤtz von Thuͤngen und Georg von Gelbſattel mit einem Haͤuflein, die ruͤcken mir nach und blieben alſo mit mir bei den zwei Reitern halten, bis Euſtachius von Thuͤngen auch kam; den ſprach ich an, er ſollte dieſe beiden Knechte in Ge⸗ luͤbd nehmen und nicht von ihnen laſſen, auf daß ſie kein Geſchrei machten und mehr Leute aufbringen konnten. Das that er nun, und ſprach ich weiter zu ihm, was wir thun wollten, das iſt Zeit, da fuͤhrt er uns alſo durch einen alten Furth uͤber den Mayn, der nicht mehr gebraucht war, was ich gern ſah und das auch ein gut Reiterſtuͤck von ihm war. Da wir nun hinuͤber kamen, zogen wir daher und ich ſagte zu Goͤtz von Thuͤngen und Georg von Gelbſattel, bleibt Ihr bei den Reitern halten, denn ſollen wir zu ihnen ſchießen, ſo ſchießen ſie heraus und wir hinein, ſo gehet uns ab und ihnen zu, ich will zu ihnen hin⸗ einruͤcken und mit ihnen reden, wie ich auch that. Und den Naͤchſten zum Schiff, ſo nahe ich konnte, damit ich mit ihnen reden moͤchte, und ſprach ſie an und ſagte, gedenkt, was Wuͤrzburgiſch und Rei⸗ neckiſch, iſt das mache ſich aus dem Schiffe, ſo lieb einem jeden ſein Leib und Gut ſein, denn wir haͤt⸗ ten nichts in Unguten zu thun mit den Wuͤrzburgi⸗ ſchen und Reineckiſchen. Da hebt aber Einer an 108 und ſchreit heraus, ob ſie aber auch ſicher waͤren. Da ſagte ich, ja Leibs und Guts was Wuͤrzburgiſch und Reineckiſch iſt. Aber was Bambergiſch iſt, ſo ſind wir dergeſtalt da, daß wir gegen ſie wollen handeln, wie ſich gebuͤhren wird. Und von Stund an luden ſie einen großen Nebenſchelch, wie man ſie an die großen Schiffe haͤngt, voll wehrlicher Leute, die zu ihnen in das Schiff kommen waͤren, daß ich bei meinem Eide Sorge hatte, es wuͤrde untergehen. Alſo daß kein Schuß zu ihnen geſchahe, ſo geſchahe auch keiner von ihnen heraus, und welche Partei haͤtte angefangen zu ſchießen, ſo waͤre es ſeltſam zu⸗ gegangen; auch kann ich nicht achten, das wir etwas haͤtten ausgericht, denn wenn ich waͤre im Schiff geweſen und haͤtte ſo viel wehrlicher Leute bei mir gehabt, wollte ich mir nichts beſorgt haben und wenn tauſend Reiter herauſen geweſen waͤren. Der Ur⸗ ſachen halber, wie ich achte, ohne Gott zum foͤr⸗ derſten und ohne mich, haͤtte Euſtachius von Thuͤn⸗ gen ſelbigen Tag nichts ausgerichtet. Und von Stund an ſchickten wir einen mit dem Seil, daran die Gaͤule ziehen, in einem Schelch hinuͤber auf die andere Seite, zogen das Schiff auch hinuͤber auf die andere Seite und luden 16 Wagen mit allerlei Waaren, nahmen aber nichts, als was Bamberbergiſch war, und fuͤhrten und brachten das Gut dieſelbige Nacht zum Reiſenberg. Wie aber mirs darnach mit dem Biſchof von Bamberg zu Heidelberg gegangen, davon will ich 109 jetzt auch mit der Kuͤrze ſchreiben. Da mein gnaͤ⸗ diger Churfuͤrſt und Herr, Pfalzgraf Ludwig loͤbl. Gedaͤchtniß ſeine Hochzeit hatte mit Herzogs Wil⸗ helms von Baiern Schweſter, ritten unſer viel junge Geſellen von Adel, wie man dann thut, auch dahin auf die Hochzeit, und hatte einer ein Kleid an wie der andere, das war nicht koͤſtlich und weder Seide oder Sammt daran. Der arme Haufe wurde gut gehalten und hatten wir viel guter Geſellen und that man uns ſchier mehr Ehre an, denn wir werth waren, man ſetzte uns auch allein zuſammen, und trug ſich die Handlung alſo zu. Martin von Sickingen, mein Schwager, und ich gingen in der Herberg zum Hirſch die Stiegen hinauf und mein Schwager vor mir, und wie man ſchier hinauf kommt auf die Stiegen, da iſt ein eiſernes Gelaͤnderlein, daran ſtund der Biſchof von Bamberg, der gab meinem Schwager Martin von Sickingen die Hand und mir auch. Und wie er ſie mir gegeben hatte, ſo ging ich hin zu Graf Ludwig von Hanau, der zunaͤchſt dabei ſtund und mir gar ein gnaͤdiger Herr war, und ſagte zu ihm: Der Biſchof hat mir die Hand gegeben, ich glaube, er hat mich nicht gekannt, er haͤtte ſie mir ſonſt nicht gegeben und dergleichen. Wie ich achte, hatte der Biſchof das gehoͤrt, denn ich rede laut, und kam der Biſchof her zu mir und ſagte, er haͤtte mir die Hand gegeben, aber mich nicht gekannt. Da ſagte ich, Herr ich habe wohl gedacht, Ihr habt mich — 110— nicht gekannt, und habt hiermit Eure Hand wieder. Da lief das Maͤnnlein von mir hinein in die Stube zu Pfalzgraf Ludwig und Biſchof Lorenz von Wuͤrz⸗ burg, Beide meine gnaͤdigen Herren, und war roth am Hals, als wie ein Krebs, ſo zornig war er, daß er mir die Hand gegeben hatte. Denn er wußte wohl, daß ich meinem Vetter Euſtachius von Thuͤngen gedient, da er ihm die Schiffe auf dem Main niedergeworfen. Auch hatte ich zuvor ſelbſt zwei Haͤndel mit ihm gehabt, die aber damalen wiederum gerichtet und vertragen waren. Nun will ich Niemand bergen, ich hatte Wil⸗ lens, auch derer von Nuͤrnberg Feind zu werden und gieng ſchon mit der Sache um und dachte: du mußt noch einen Handel mit dem Pfaffen, dem Biſchof von Bamberg, haben, damit die von Nuͤrn⸗ berg auch in das Spiel gebracht werden. Und warf alſo darauf dem Biſchof in ſeinem Geleit 95 Kauf⸗ maͤnner nieder und war ſo fromm, daß ich nichts heraus nahm, als was Nuͤrnbergiſch war. Derer waren nun ungefaͤhrlich 30, welche ich am Montag nach unſers Herrn Auffahrtstag des Morgens fruͤhe angriff, und ritt denſelbigen Dienſtag und die Nacht und am Mittwoch darnach mit den 30 Kaufmaͤnnern immer fort. Ich hatte meinen guten Hans von Selbiz bei mir und waren unſer auch 30, der andern Reiter aber waren viel, die ſchob ich immer von mir, ein Haͤuflein nach dem andern, wo mich daͤuchte, daß ein jeglicher hingehoͤrte. Und wurde mein Reit⸗ I11 geſell Hans von Selbiz in 14 Tagen darnach auch des Biſchofs von Bamberg Feind und brannte ihm ein Schloß und eine Stadt aus, mit Namen Filßeck, alſo, daß die Handlung zwo Kappen brachte. Und war derſelbigen Zeit ein Reichstag zu Trier, der wurde geruͤckt gen Koͤln hinab. Sobald ich nun die Gefangenen verſteckt, nahm ich mir fuͤr, auch uͤber den Rhein zu ziehen und Kundſchaft gen Koͤln zu machen, wie ich auch that, und kam zu einem guten Freund, mit deſſen Rath handelte ich, ſo gut ich konnte und gedachte, ob die Nuͤrnbergiſchen und Bambergiſchen Raͤthe uͤber Land den Rhein herauf ritten, ob ich ihnen moͤchte auch etwas daſelbſt ab⸗ brechen oder ausrichten. In Summa mir kam Botſchaft, daß die von Nuͤrnberg nicht herauf ritten, ſondern auf dem Schiffe fuhren. Und wie ich zu Bacherach im Wirthshauſe war und wollte zum Morgen eſſen, und hatte keinen meiner Knechte bei mir, aber ſonſt ein Geſinde, unter dem der eine die Pfalzgraͤfliche Farbe am Rocke fuͤhrte, und hatte ich nicht in Wil⸗ len lange allda zu verharren. Da kommt aber Einer und ſpricht, es halte ein Bube draußen am Rhein, der ſei Bambergiſch und begehre ſeinem Herrn Geleit, und derſelbe Bube war einer von Adel, vom Geſchlecht ein Seckendoͤrffr. Da war weder Amt⸗ mann noch Keller daheim, und ging doch ein Buͤr⸗ ger hinaus und ſagte zu dem Buben, ſie haͤtten doch kein Geleit hinab genommen, ſo haͤtte der 112 Rhein auch ohne dem Geleit, alſo daß ſie weitern Geleites nicht beduͤrften. Aber der Bube ſagte zu ihm, es waͤre jetzt eine andre Meinung und wollte alſo ohne Geleit nicht abweichen. Da er nun das ſagte, that ich mich auf die Mauern und hinum zu dem Thor, da die Weingaͤrten gegen den Hunds⸗ ruͤck zugingen, welches ſehr hohe Berge ſind. Und hatte darneben die Sache dermaßen angeſtellt, daß man Aufmerkſamkeit haben ſollte, wann etwas vor⸗ handen, daß man wuͤßte, wo man mich finden ſollte. In Summa, der Biſchof ſtieg aus dem Schiffe und ging mit all' ſeinem Geſinde in die Herberge, wo ich innen war, und aß darinnen zum Morgen. Nun war Niemand da, der mit ihm ritte und ihn vergleiten konnte, dann allein der Knecht, der die Pfalzgraͤfliche Farbe hatte und mir zu Gefallen da war und nicht ihm, der mußte mit ihm reiten und ihn vergleiten, ſo weit ſeines Herrn Geleit ging, wie dann geſchehen und alſo durch ihn der Biſchof vergleitet worden. Zehntes Kapitel. Damit ein Jeder Wiſſens habe, wie und warum ich mit denen von Nuͤrnberg in Krieg und Fehden gekommen bin, ſo iſt das die Urſache. Fritz 113 von Lidwach, ein Markgraͤflicher Diener, mit dem ich Knabenweiſe und im Harniſch auferzogen bin, der auch mir viel Gutes gethan, der iſt auf eine Zeit allernaͤchſt bei Ansbach heimlicherweiſe verloren, gefangen und hinweg gefuͤhret worden, daß in langer Zeit Niemand wußte, wo er hingekommen war, oder wer ihn hinweggefuͤhrt hatte. Bis uͤber lang, da lag ein Verraͤther nieder, der ihn verrathen und auch denen Reitern, die ihn niedergeworfen, alle Wahrzeichen gegeben hatte. Den warf nun der Markgraf nieder, und erfuhr man alſo allererſt, wo Fritz von Lidwach hingekommen waͤre, denn der⸗ ſelbige Verraͤther hatte, wie gemeldet, alle Wahr⸗ zeichen angezeigt. Nachdem nun Herr Hans von Seckendorf derſelbigen Zeit Markgraͤflicher Hofmeiſter geweſen(welchem Fritz von Lidwach nahe befreundet und verwandt war) und alſo deshalben uͤbel zufrieden war, daß ſein Freund alſo ſchaͤndlich und heimlich verloren werden ſollte, habe ich ihn, Herrn Hanſen von Seckendorf, als meinen Verwandten, der mir Gutes goͤnnte, angeſprochen und gebeten, daß er mir die Urfehd des Verraͤthers zuwege braͤchte, was er auch willig that. Und war alſo die Sache damit lautbar, daß es deren von Nuͤrnberg Diener gethan haben ſollten, darauf er auch in ihre Haͤuſer und Frohnfeſten, wie zu erachten, gefuͤhrt worden. Das iſt meiner Urſachen eine an die von Nuͤrnberg, darum ich mit ihnen zu Fehde gekommen, denn der 8 114 Fritz von Lidwach mir allwegen gewogen und dienſt⸗ lich geweſen iſt. Zum Andern hatte ich einen Knecht gedingt mit Namen Georg von Gaißlingen, der hatte mir einen Dienſt verſprochen und zugeſagt, den haben die von Nuͤrnberg bei Stachuſen von Lichtenſtein hart verwundet und erſtochen, auch ſeinen Junker gleichergeſtalt hart verwundet, wiewohl derſelbige am Leben geblieben iſt. Auch viel Andere waren, die feindlich boͤſe wollten ſein, da noch Niemand wußte, wo Fritz von Lidwach hingekommen waͤre, aber ſo habe ich doch Keinen gemerkt, der der Katze, wie man ſagt, die Schellen angehaͤngt, oder die Sachen angegriffen haͤtte, denn der arme getreuherzige Goͤtz von Berlichingen. Der nahm ſich beider an. Welche Urſach ich gegen die von Nuͤrnberg auf allen Tagen, ſo ich mit ihnen vor Kaiſerl. Majeſtaͤt Kommiſſarien, auch geiſtlichen und weltlichen Fuͤrſten, als wir mit einander getagleiſtet haben, je und allewegen ange⸗ zeigt und dargethan. Und will nun weiter ſchreiben und anzeigen, wie es in der Nuͤrnbergiſchen Fehde mir und meinen Verwandten gegangen iſt. In Summa Summarum, das Reich verordnete 400 Pferde wider mich, dar⸗ unter Grafen und Herren, Ritter und Knechte waren, wie denn dieſelbigen Feindsbriefe noch vorhanden. Und kamen ich und mein Bruder in die Acht und Aberacht, und in etlichen Staͤdten ſchoſſen die Pfaf⸗ fen und Moͤnche auf der Kanzel mit Lichtern zu 115 mir und erlaubten mich den Voͤgeln in Luͤften, ſie ſollten mich freſſen, und ward uns Alles genommen⸗ was wir hatten, daß wir nicht eines Schuhes breit mehr behielten. Nun war keines Feierns da, wir mußten fort, und brach ich dennoch meinen Feinden ziemlich ab an Guͤtern und ſonſten, alſo daß ſich Kaiſerl. Majeſtaͤt etliche mal in die Sachen geſchlagen und ihre Kommiſſarien verordnet, die zwiſchen uns handeln und alle Sachen richten und vertragen ſoll⸗ ten, welches mir mehr denn zweimalhunderttauſend Gulden Anſchlaͤge halben, die mir Kaiſerl. Majeſtaͤt damit verhindert, Schaden thut, denn ich damalen Gold und Geld gegen die von Nuͤrnberg zu wege gebracht haben wollte. Und wiewohl die Kaiſerl. Kommiſſarii erzehltermaßen verordnet geweſen, ſo wurde doch zur ſelbigen Zeit nichts ausgerichtet, und wollte ich damalen denen von Nuͤrnberg wohl all' ihr Kriegsvolk, auch den Buͤrgermeiſter ſelbſt (der eine große guͤldene Kette am Halſe haͤngen und einen Kuͤriß Bengel in der Hand hatte), auch alle ihre Reiſige und ein Faͤhnlein Knechte, da ſie vor Hohen⸗Kraͤhen zogen, mit der Huͤlfe Gottes ge⸗ ſchlagen, gefangen und niedergeworfen haben, war auch ſchon zu Roß und Fuß darzu geſchickt und ge⸗ faßt, daß es nicht mehr denn ja und gewiß war, daß ich es vollendet wollt haben. Da hatte ich aber gute Herren und Freunde, die meine Sache treulich und gut gemeinten, deren Rath ich hatte, ob ich Kaiſerl. Majeſtaͤt zu Ehren den Tag beſuchen, . 8* 116 oder jetzt beruͤhrten meinen Anſchlag in das Werk richten ſollte. Da war nun ihr treuer Rath, ich ſollte der Kaiſerl. Majeſtaͤt zu Ehren und Gefallen den Tag beſuchen. Denen folgte ich mit meinem großen merklichen Schaden und Nachtheil, und wurde darzu auf dieſelbige Zeit die Sache, wie gemeldet, nicht gerichtet. 3 Darnach auf den andern Sommer ſetzte Kaiſerl. Majeſtaͤt wieder einen Tag an zwiſchen mir und denen von Nuͤrnberg, ungefaͤhrlich um Pfingſten, und verordnete die Kommiſſarien gen Wuͤrzburg. Da hatte ich aber einen guten Anſchlag, der war nicht mehr denn auch ja und gewiß, denn ich hatte nicht mehr denn gute Herren und Freunde, die treulich zu mir ſetzten und mir rathen und helfen wollten: aber wollt' ich einen gnaͤdigen Kaiſer, gnaͤdige Fuͤrſten und Herren und gute Freunde im Lande Franken haben und behalten, mußt' ich mich uͤber all meinen Dank und Willen zu Wuͤrzburg vertragen laſſen, hatte aber all mein Geld gegeben, daß es ſich nicht mehr als einen Monat lang verzogen haben ſollte. Weiter habe ich auch gleich nach der Abklage, da ich deren von Nuͤrnberg Feind wollte werden, einen großen und hohen Anſchlag mit meinen ver⸗ trauten Helfern gehabt gegen die Nuͤrnberger, daß ich ſie erſtmals angreifen wollte und die Kaufleute, die gen Frankfurt zogen, zwiſchen Nuͤrnberg und Fuͤrth mit ſammt den Reitern niederwerfen und 117 mit ihnen hinein bis an die Thore wollte arbeiten. Solchen Anſchlag hielt ich auch meinen Freunden und dem Hauptmann, den ich bei mir gehabt und der auch mein naher Freund war, vor und meinte nicht anders, als es werde ihnen, wie mir die Sache wohlgefallen und wie denn billig geweſen waͤre, eine Luſt daran habenz denn da war Ehre und Gut zu erlangen, und ich wollte auf allen Seiten zur Ruhe und Frieden kommen. Aber es wollte nicht ſein, ſondern Etliche der Meinen, als ſie die Thuͤrme von Nuͤrnberg ſahen, thaten ſie eben, als wenn ſie ſchon darinnen laͤgen, und ſo habe ich mich darauf, wie gemeldet, vertragen laſſen und meine Kriege die Zeit meines Lebens dermaßen gefuͤhrt, daß ich gerne bald zu Frieden gekommen. Und daß dem alſo, ſo bin ich gegen alle meine Feinde, gegen die ich Fehde gehabt, allwegen mit Gottes Gnade und Huͤlfe bald zur Ruhe und Frie⸗ den gekommen und weiß keine Fehde oder Feind⸗ ſchaft, ſo ich gehabt, klein oder groß, die uͤber zwei Jahre gewaͤhret haͤtte. Ich hatte wohl einem Fuͤrſten verredet und verheißen, ich muͤßte als ſein Feind erſterben, und haben mirs ſeine eigenen Hauptleute mit meinem eigenen Bruder zu entboten, und ſchickte es dennoch Gott der Allmaͤchtige dahin, daß es ſchier meiner kuͤrzeſten Fehden eine geweſen, die ich je gehabt habe. Neben dem iſt auch weiter wahr, als ich deren von Nuͤrnberg Feind geweſen, daß ich einen 118 großen Anſchlag hatte, ihnen ein groß Gut nieder⸗ zuwerfen, der mir aber durch meinen Kundſchafter, der ſich nicht recht gehalten hatte, wie ich ihm be⸗ fohlen, in einer halben Stunde verwahrloſt wurde, ſo daß ich nicht das rechte Gut, weshalben ich da war, angriff. Und daß es wahr ſei, ſo war der⸗ malen Kaiſerl. Majeſtaͤt Maximilian zu Augsburg, und wollten die Kaufleute nicht anders waͤhnen, denn ich haͤtte den rechten Wagen angegriffen, wo⸗ rauf ſie ihr beſtes Gut hatten. So hatte ich aber den boͤſen angegriffen, und liefen zum Kaiſer gen Augsburg und fielen Ihrer Kaiſerl. Majeſtaͤt zu Fuͤßen und verklagten mich aufs Hoͤchſte, wie ſie nemlich verdorbene Leute waͤren und einen unuͤber⸗ windlichen Schaden empfangen haͤtten, den ſie und ihre Kinder und Nachkommen nicht uͤberwinden koͤnn⸗ ten. Darauf hat ihnen der fromme Kaiſer Maxi⸗ milian geantwortet und geſagt:„Heiliger Gott, heiliger Gott! was iſt das? Der hat Eine Hand und ſo hat der Andere Ein Bein, wenn ſie denn erſt zwei Haͤnde haͤtten und zwei Beine, wie wolltet Ihr dann thun?“ Das war nun auf mich und Hanſen von Selbitz geredet, und hatte auch der Kaiſer dabei geſagt:„Wie gehts zu, wenn ein Kaufmann einen Pfefferſack verliert, ſo ſoll man das ganze Reich aufmahnen und ſo viel zu ſchicken haben, und wenn Haͤndel vorhanden ſind, daß Kaiſerl. Majeſtaͤt und dem ganzen Reiche viel daran gelegen iſt und das Koͤnigreich, Fuͤrſtenthum, Herzogthum 1119 und Anderes antrifft, ſo kann Euch Niemand daher bringen.“ Solche Rede habe ich ungefaͤhrlich drei oder vier Tage darnach bei eines Fuͤrſten Gewaltigem erfahren, dem ſie durch die Poſt von Augsburg aus zu wiſſen gethan oder vielleicht zugeſchrieben worden, und gefiel mir ſolches von der Kaiſerl. Majeſtaͤt ſo wohl, daß es mir im Herzen eine Freude war, auch kann ich mich nicht erinnern, daß ich mein' Tag' je Etwas wider Kaiſerl. Majeſtaͤt oder das Haus Oeſterreich gehandhabt habe. Haͤtte auch wohl dem Kaiſer ſelbſt hinter ſein Geld und Gold kommen koͤnnen, wenn ich gewollt haͤtte, aber ich habe es Kaiſerl. Majeſtaͤt unſerm allergnaͤdigſten Herrn zu Ehren und Gefallen unterlaſſen und mich ſonſt als ein armer Kriegs⸗ und Reitersmann beholfen und viel Gefaͤhrlichkeit ausgeſtanden. Noch weiter habe ich einen Artikel nicht an⸗ gezeigt. Da ich derer von Nuͤrnberg Feind war, brachte ich in Erfahrung, wie etliche Wagen mit Guͤtern durch den Wald, den man Hagenſchieß nennt, gefuͤhrt werden ſollten, und war ich derſel⸗ bigen Zeit bei meinem Herrn und guten Geſellen, da wir einander etlicher Sachen halber zuſammen beſchieden hatten. Als ich nun erfuhr, daß die Sache gewiß waͤre, denn die Wagen zogen daher, ruͤckten wir zu ihnen und griffen ſie an. Aber ſie zeigten an, ſie haͤtten Pfalzgraͤfiſch Geleit, und obwohl ich nie gehoͤrt, daß Pfalzgraͤfiſch Geleit an ſelbigem Orte waͤre oder jemalen gegeben worden, ſo waren 120 ſie auch Kaiſerlich und nicht Pfalzgraͤflich, denn mein Kundſchafter hatte mich aller Sachen berichtet, wie ſie beſchaffen waren. Aber wie ich nachhero gehoͤrt, hat der Kundſchafter das Maul zu weit gegen den Wirth aufgethan, daß die Fuhrleute gewarnt und Geleit begehret haben. Da ich nun der Zeit gut Pfalzgraͤflich war, wollte ich nichts gegen ſolche Fuhrleute fuͤrnehmen, auch mir die Pfalz etlicher Urſachen halber ſonderlich im Herzen lieb war, darum ich dann je und allewegen Ihre Churfuͤrſtl. Gnaden verſchonet. Als ich nun hierauf von er⸗ meldetem Wege abgezogen, fiel mir ein anderer An⸗ ſchlag bei. Ich wußte, wenn die Frankfurter Meſſe war; da zogen die von Nuͤrnberg aus Wuͤrzburg heraus zu Fuß gen Frankfurt, durch Habichtheil und Lengefeld dem Speſſart zu; die Kundſchaft war gemacht, und warf ich ihrer 5 oder 6 nieder, dar⸗ unter ein Kaufmann, den ich zum drittenmale und in einem halben Jahre zweimal gefangen und ein⸗ mal an Guͤtern beſchaͤdigt hatte. Die Andern waren eitel Ballenbinder zu Nuͤrnberg. Ich ſtellte mich, als wollt' ich ihnen Allen die Haͤnde und Koͤpfe ab⸗ hauen, aber es war mein Ernſt nicht, und mußten niederknien und die Haͤnde auf den Stock legen. Da trat ich Einem mit dem Fuß auf den Hintern und gab den andern eins an ein Ohr, das war meine Strafe gegen ſie und ließ ſie alſo wieder von mir ziehen. Da machte der Kaufmann, den ich ſo oft niedergeworfen, das Kreuz fuͤr ſich und ſagte, 121 ich haͤtte mich ehe des Himmels Einfall verſehen, denn daß Ihr mich heut ſolltet niedergeworfen haben, aus der Urſache, daß erſt vor gar wenig Tagen unſer bei 100 Kaufmaͤnner zu Nuͤrnberg auf dem Markt geſtanden und da Eurer geredet worden, und habe ich gute Kundſchaft gehabt, daß Ihr allererſt im Hagenſchieß geweſen und Guͤter habt angreifen und niederwerfen wollen, alſo daß mich zum hoͤch⸗ ſten verwundert, wie Ihr doch ſobald hierher ge⸗ kommen ſein moͤget. Darauf habe ich mich ſelbſt verwundert, daß in ſo kurzer Zeit das Geſchrei meines Hin⸗ und Wiederreitens halben, gen Nuͤrnberg gekommen. Und auf ſolches hat ſich fol⸗ gends die Kaiſerl. Majeſtaͤt alſobald in die Sache geſchlagen und ſolche zu Wuͤrzburg vertragen und aufgehoben, wie hier oben beſonders vermeldet und erzaͤhlt worden. Dieſen Artikel zeig' ich darum an, daß ein jeder Kriegs⸗ und Reiters⸗Mann daraus wohl vernehmen kann, daß die von Nuͤrnberg große Verraͤtherei uͤber ihre Feinde haben und machen, auch wie zu erachten, Groß und Viel darauf wenden muͤſſen. Und wie ich zu Wuͤrzburg mit denen von Nuͤrnberg gerichtet wurde, fing ſich eben der arme Cunz(man ſehe die Einleitung) an Wuͤrtembergi⸗ ſchen Lande an. Da ritte ich demnaͤchſten hinauf zu dem Herzoge, und brachten Ihro Fuͤrſtl. Gna⸗ den mein Bruder ſeel. und ich, freilich in großer Eil, 30 oder mehr Pferd, mit denen ich auch in 8** 12² einen Handel kommen ſein ſollte. Denn mein ſel. Schwager Jakob von Bernhauſen war der Zeit ein Obervogt zu Waiblingen, und Philipp von Nippenburg der Hofmeiſter unſer Reiterhauptmann. Nun kam Jakob von Bernhauſen ungefaͤhrlich zu mir in der Stadt Waiblingen bei dem Thor und ſpricht:„Schwager Goͤz, da lauft Einer zum Thor hinaus, der iſt der rechten Hahnen Einer, kannſt Du auf die Gaͤule kommen und Dich an ihn machen, ſo kehre Fleiß an und ſiehe zu, ob Du ihn behalten kannſt, denn es iſt der rechten Aufruͤhrer Einer.“ Ich den Naͤchſten in die Her⸗ berge, that nicht mehr, denn zwei Sporen an und nahm mein Schwert zu mir, desgleichen zwei meiner Diener, und hinaus. Aber wir konnten Niemand ſehen, die Weingaͤrten waren dicht mit Laubich, wie der Zeit gewoͤhnlich iſt, ob er ſich nun irgend darin verſteckt hatte oder wo er hingekommen, konnten wir nicht wiſſen, auch Niemand ſehen oder hoͤren. Aber als wir ein Gruͤndlein hinabgekommen, ſahen wir einen großen Haufen in der Schlachtordnung an einem Berge, ſo dem Kappelsberge zugezogen, und hielten wir lange und ſahen ihnen zu, wohin und was ſie doch fuͤrnehmen wollten. Und wie wir alſo halten und haben das Maul offen, ſo ſtehen drei weidlicher Geſellen neben uns, die hatten ihr Armzeug und Harniſch bis auf die Knie, und hatte der Eine eine Buͤchſe, der Andere eine Hellebarde und der Dritte einen langen Spieß, und ſprachen 123 uns an und ſagten: was macht Ihr da? Da ſagte ich: was ſollen wir machen, wir ſind ſpazieren ge⸗ ritten. Da fing der Eine an, ein feiner weidlicher beſtandener Geſelle und Kriegsmann, der nicht gar zu jung war: wollen wir aber eins machen? Da ſagte ich zu ihm: Du ſieheſt wohl, daß wir nicht dazu geſchickt und gefaßt ſind, daß wir fechten koͤnn⸗ ten; wir ſind ſpazieren gerittenz wenn wir aber ge⸗ ruͤſtet waͤren, wollten wir Dir eine gute Antwort geben. Da ſagte er, wir ſehen es wohl, Ihr waͤret uns lieber geſchickt und gefaßt dazu. Da ſagte ich zu ihm: Blau,) ich hoͤre und merke, daß Du ein Kriegsmann biſt, und weil Du des Sinnes biſt, ſo wollen wir uns ein wenig anthun und bald wieder zu Euch kommen und hiermit zuſagen, daß wir nicht mehr denn ſelb dritt kommen wollen, wie Du uns da ſieheſt, desgleichen ſollt Ihr auch thun. Und ſagten daſſelbige zu beiden Theilen einander bei hoͤchſtem Glauben zu, darauf wir auch alſobald heim eilen und uns anthun wollten. Aber wie wir der Stadt zuziehen, zogen die von Tuͤbingen daher mit 800 Mannen, auch der Stadt zu, die hielten dem Herzog Glauben, daß ſie nicht von ihm fielen, und ich hatte Sorge, daß ſie nicht eher kaͤmen unter die Thore als wir, und mußten wir rennen, daß wir gleich moͤglich vor ihnen hinein kaͤmen, ſo ritten wir *) Blaues Wunder.(Barbleu!). 124 den Naͤchſten der Herberge zu, thaten uns an, und wieder hinaus. Sagte aber meinem Bruder oder keinem Menſchen etwas davon, wo wir hin wollten, oder was wir vor uns haͤtten. In Summa, wir eilten ſehr, aber da wir hinab kamen, fanden wir die beruͤhrten drei Knechte nicht mehr bei Handen, wir ſuchten ſie hin und her, konnten aber keinen mehr ſehen. Und wie wir ſo halten, zieht des armen Cunzen Hauptmann daher und hatte Etliche ſeines Geſindes bei ſich und war zu Waiblingen bei unſerm Hauptmann geweſen. Da ſagt ich: das iſt der Hauptmann Hans Wagenbach, der zu Schorn⸗ dorf daheim, ich kenne ihn, er wird bei unſerm Hauptmann geweſen ſein, wir wollen zu ihm reiten und ihm ſagen, wie es uns gegangen. Wie wir zu ihm kamen, da ſagte ich: Wagenbach, Du haſt drei Geſellen unter Deinen Haufen, nicht weiß ich, wie ſie heißen, die haben uns Drei, wie Du uns hier ſiehſt, gefordert, nun ſind wir denn hinein ge⸗ ritten, und haben uns zum Scherz auf etwas ge⸗ ruͤſtet, und haben die Wahlſtatt wieder beſucht, aber ſie nicht gefunden; deſſen magſt Du Nach⸗ forſchung haben, wer ſie ſeien, und magſt wohl zu ihnen ſagen, wir habens Dir angezeigt, daß wir die Wahlſtakt wieder beſucht und Glauben gehalten, wie wir ihnen zugeſagt, aber ſie nicht gefunden, alſo daß ſie uns hingegen nicht Glauben gehalten. Da war er ſehr zornig uͤber ſie und ſagte, er wollte ſie ſtrafen. Da ſagte ich aber zu ihm, thue ihnen 125 nichts, allein ſag' ihnen, wir wir Dir befohlen haben, daß wir die Wahlſtatt wieder beſucht und Glauben gehalten, aber ſie nicht gefunden; denn wenn wir ſchon einander alle Sechs erwuͤrgt haͤtten, ſo waͤrn doch die Sachen nichts deſto weniger ver⸗ tragen und gerichtet worden, darum thue ihnen nichts. Ueber eine lange Zeit hernach, da die Sachen ſchon gerichtet worden, kam ich zu meinen Schwager Jakob von Bernhauſen, weiß nicht, ob es zu Stuttgart geweſen, oder wo ſonſt, da ſagte er zu mir: Schwager Goͤtz, ich habe den einen Kriegsmann, wie Du weißt, erfahren, wer er iſt; er iſt bei mir geweſen und hat mir befohlen, ich ſollte Dir ſagen, wann Du ſein behufſt, ſo wollte er Dir hundert mal nachziehen und wollte Dir die⸗ nen. Und dabei ſagte mir mein Schwager auch, es waͤre der feinſte Kriegsmann geweſen, den mein Herr ungefaͤhrlich im Wuͤrtemberger Lande haben moͤchte; und derſelbige Kriegsmann iſt von Winter⸗ bach geweſen, das allernaͤchſt bei Waiblingen liegt, ich weiß es aber doch nicht eigentlich, darzu iſt mir auch ſein Name vergeſſen, wiewohl wir ihn Jakob von Bernhauſen genannt. Da ſagte ich ihm, er gefiele mir nicht mehr denn zu wohl, denn ich hoͤrte und merkte an allen ſeinen Geberden, daß er ein rechtſchaffener Kriegsmann war. Und ſagte auch weiter, ich hab' ihn eben alſo lieb nicht funden, als daß wir uns funden haͤtten;z denn wir haͤtten doch einander alle Sechs erwuͤrgt, es waͤre gleich ge⸗ 126 rathen, welchem Theile es gewollt haͤtte. Und der⸗ ſelbige Hauptmann Hans Wagenbach, der iſt bei dem Herzoge geblieben, und hat ſich wohl bei ihm gehalten, hat ſich auch mit ihm verjagen laſſen und iſt bei ihm geblieben, bis er wieder ins Land gekommen. Das haben ſie nicht Alle gethan, ſondern ihrer nur Wenige Farbe gehalten. Ich hatte auch meinen Dienſt aufgeſchrieben, ehe der Herzog vor Reutlingen zog, ich wußte aber nicht, daß er des Bundes Feind ſollte werden oder ob er dem Bunde kriegen wollte oder nicht, und waͤre es zuvor ge⸗ ſchehen, ſo haͤtte ich meinen Dienſt nicht aufgeſchrie⸗ ben, denn ich ſollt ſelbigesmal Kaiſerlich ſeien worden, hatte auch meinem Schwager Franz von Sickingen ſchon zugeſagt, daß ich ihm wollte folgen und wollte meinen Dienſt aufſchreiben, denn ich hatte noch laͤnger denn ein halb Jahr zu dienen. So mußte ich doch den Dienſt ein halb Jahr zuvor, ehe das Jahr aus war, aufſchreiben. Ich ritt darob heim und ſchrieb den Dienſt von Stund an auf, ich hatte mir aber doch vorbehalten, daß ich mich nicht wider den Herzog von Wuͤrtemberg und die Pfalz wollte brauchen laſſen. Da ſagte mir nun Franz von Sickingen zu und ſagte, es wuͤrde keine Noth haben; und uͤber eine kurze Zeit, da zog der Herzog vor Reutlingen und gewann es auch. Darum ſich auch Ihrer Fuͤrſtl. Gnaden und mein Ungluͤck an⸗ heben thut, daß Ihro Fuͤrſtl. Gnaden verjagt worden⸗ und ich darob zu ſcheitern ging, das mir denn mehr 127 ſchadete, denn ich auf dieſem Erdreich habe, wie ich wohl wußte Urſache anzuzeigen. Auch ſtarb Kaiſer Maximilian gleich alsbald, da der Herzog vor Reut⸗ lingen zog, und bin alſo, wie ich zu Meckmuͤhl niederlag, vierthalb Jahre in des Bundes Verhaft gelegen zu Heilbronn, doch Gott der Allmaͤchtige hat mich dennoch erhalten und wunderbarlich mit mir gehandelt. Und hat der Bund damalen das ganze Wuͤrtemberger Land, alle Feſtungen, Schloͤſſer, Staͤdte und Haͤuſer gewonnen, den Hohen⸗ Aſperg allein ausgenommen, der hielt noch etliche wenige Tage, und zog doch nichts deſto weniger der Bund herab, in der Meinung, daß ſie mich wollten uͤber⸗ eilen und aus der Mausfallen zu Meckmuͤhl nehmen, wie dann die Katzen ſchon vor der Mausfallen waren und warteten auf das Maͤuslein, daß ſie es freſſen wollten, wie auch geſchahe und ich daruͤber gefangen wurde. Anfaͤnglich aber lagen vor mir drei Aemter, als Weinsberg, Neuenſtadt und Meckmuͤhl, daß ſie und ich gegen einander ernſtlich gehandelt haben, ich weiß aber nicht eigentlich, ob ſolches zwei oder drei Wochen gewaͤhret, denn ich habe ſo viel Straͤuße ſeithero und zuvor gehabt, daß ich irrig bin und es zum Theil vergeſſen habe. Und ich moͤchte auch wohl ſagen, ich haͤtte mich laͤnger in der Mausfalle zu Meckmuͤhl gewehret, denn kein einzig Haus im Lande Wuͤrtem⸗ berg fuͤr eins; doch Niemand zur Verachtung oder Nachtheil. Und dieſelbigen drei Aemter, als Weins⸗ 128 berg, Neuenſtadt und Meckmuͤhl fielen auch vom Herzoge ab und wurden Buͤndiſch und hielten ihrem Herrn und mir nicht, wie ſie denn meines Erachtens billig gethan haben ſollten als wie frommen Leuten und Hinterſaſſen gebuͤhrt. Damit ich auf das kuͤrzeſte anzeige, wie es mit mir damalen gegangen iſt, ſo zogen die Buͤndiſchen vor Meckmuͤhl und in die Stadt hinein, welche letztere auch wider mich war, und forderten das Haus und Schloß, worauf ich war, auf und theidigten und handelten lange mit mir, daß ich ſollte das Haus aufgeben. Unter ihnen waren Johann von Hattſtein, Hans von Ehrenberg und Florian Geyer und dann ein Zeug⸗ oder Buͤchſenmeiſter die ich nicht Alle, weiß oder ge⸗ kannt habe. Und fing der Buͤchſenmeiſter, wer er geweſen ſein mag, an und ſagte: wenn ers nicht gern will aufgeben, ſo gebt ihm kein gut Wort und war darauf die Sache angerichtet und dahin gedei⸗ tingt(entſchieden), daß ſie mich und die Meinigen, die bei mir in der Beſatzung lagen, mit unſerm Leib, Hab und Gut, auch mit Wehr, Harniſch und Pferden, und was ein Jeglicher hat, frei wollten abziehen laſſen. Sie hatten auch das Geſchuͤtz zum Theil ſchon hinauf gebracht zu der Kirche bei dem Schloſſe, die man die Dechanei nennt, gleich vor das Thor. Dieſer Betheidigung(Vergleichung) waren ich und meine Verwandten, die mit mir in der Be⸗ ſatzung lagen, wohl zufrieden, denn wir hatten nicht mehr denn noch drei Malter Mehls im ganzen Hausz 129 ſo hatten die Buͤrger in der Stadt den Kaſten und Keller inne, daß wir nichts mehr zu eſſen bekommen moͤchten; auch hatten wir noch etliche Schaafe, die „ich den Buͤrgern vor der Stadt nahm und trieb ſie Nauf das Schloß und ließ ſie zuſehen, davon wir uns auch eine Weil erhielten. So hatten wir auch keine Kugeln mehr zu ſchießen, als was ich aus den Fenſtern, Thorangeln, Zinn und was es war, zu wegen brachte, daß ich dennoch wieder zu einem Anlauf gefaßt war; darzu hatten wir kein Waſſer, das wir den Pferden geben moͤchten, und auch keinen Wein mehr, als was mein war, den mußten wir und unſere Pferde trinken und uns mit behelfen. So war auch keine Frucht oder Haber mehr droben, als was mein war, aber es war auch nicht viel, da mußten wir uns von erhalten, denn die Buͤrger hatten, wie gemeldet, den Kaſten inne, nicht ich, alſo daß wir ohnedes, Hungers halben haͤtten davon ziehen und weichen muͤſſen. Nun vermeinte ich aber auf bemeldete Theidung nicht anders, daß es ſollte ſein und darbei bleiben, wie abgeredet und mir zugeſagt war. Ich und meine Geſellen, die bei mir waren, verließen uns auch darauf, ich wollte ſonſt wohl heraus gekommen ſein, eben ſo wahr, als ich meines Herrn Dienern Et⸗ lichen heraus half, wie naͤmlich Wolff Endriſſen von Weiler und andern mehr ſeiner Geſellen. Aber ich verließ mich auf ihr Zuſagen und meinte, ſie wuͤrden mich vberzihlterunſen diehen Eäe. Doch 911 130 dieſes iſt nicht geſchehen, denn wie ſie mir Glauben gehalten, das ſieht man und hat es wohl gehoͤrt, denn ich lag darob nieder und wurden meine Knechte und Geſellen erwuͤrgt und erſtochen, was mir auch nicht weit fehlte, und was noch mehr iſt, ſo haben mir die Buͤndiſchen ſelber, die auf dem Felde auf mich ſtießen, ehe ich gen Sulzen kam in das Lager, ver⸗ traulicher Meinung geſagt und angezeigt, daß der oberſte Bundeshauptmann Befehl gegeben, mich nicht leben zu laſſen, ſo gewiß haben ſie es gehabt. Ich wollte deſſen wohl noch mehr anzeigen, aber es iſt nicht vonnoͤthen, und kann ich auch nicht anders gedenken, denn daß der allmaͤchtige Gott nicht allein in dieſem Handel, ſondern auch in andern meiner ſorglichen Gefaͤhrlichkeiten, Fehden und Kriegshand⸗ lungen gegen hohe und niedere Staͤnde, da ich viel und oftmals ingeſtanden und geweſen bin, ſeine goͤtt⸗ liche Gnade, Huͤlfe und Barmherzigkeit mir viel⸗ faͤltig mitgetheilt hat und mehr fuͤr mich geſorgt, denn ich ſelbſt, und iſt auch die Wahrheit, daß ich durch Unglauben, ſo mir wie gemeldet begegnet, in all mein Ungluͤck, Schaden und Nachtheil gekom⸗ men bin. Und wie ich nun zu Heilbronn nach jetzt be⸗ ruͤhrten Gefaͤngniß etliche Wochen in einer Herberg verhaftet gelegen bin, ſchickte der Bund Einen, der war von Conſtanz ein Schweizer, Stadtſchreiber oder was er war, gen Heilbronn. Der hatte eine urfehde bei ſich, die las er mir vor in der Stube, 131 in Beiſein Vieler von Heilbronn, alſo daß die Stube voller Leute war, und begehrte, ich ſollte ſolche ſchwoͤren und annehmen, und wo ichs nicht thaͤte, ſo hatte der Bund geſchrieben, ſollten ſie mich nehmen und in den Thurm legen, aber ich ſchlug ſolche Urfehde ſtracks ab, wollte eher ein Jahr im Thurm liegen, als ſie annehmen. Dazu ſo zeigte ich hingegen an, ich waͤre in einer ehrlichen Fehde betreten und haͤtte mich auch bei meinem gnaͤdigen Fuͤrſten und Herrn, wie einem Frommen von Adel und einem Rittersmann wohl anſtund, gehalten; darzu ſo war ich auch in ein ehrlich ritterlich Gefaͤng⸗ niß vertagt, alſo daß ich verhoffte, ſie wuͤrden mich dabei bleiben laſſen und nicht daraus nehmen; haͤtte ich mich aber in meinem Gefaͤngniß uͤbel gehalten, ſo ſollten ſie mirs anzeigen; ich wuͤßte mich aber nicht beſſer zu halten. Da wußten ſie mir nichts anzuzeigen, denn ich hielt mich dermaßen, wie mir auferlegt war worden und ſonderlich war mir erlaubt in die Kirche zu gehen und von der Kirche wieder in die Herberge und wenn ich aus der Kirche ging und etwan Leute mit mir reden wollten, ſo wollt ich nicht auf der Gaſſe bei ihnen ſtehen und ging demnaͤchſten wieder der Heeberge zu, damit ich mich unverdaͤchtig hielte. In Summa, da ich die Urfehde nicht annehmen wollte, hatten ſie die Weinſchroͤter beſtellt, die traten zu mir in die Stube in des Diezen Herberge, die wollten mich fangen. Ich zog demnaͤchſten vom Leder und mit der Wehr her⸗ 9* 13² aus, da ſchnappten ſie wieder hinter ſich und baten mich die Buͤrger des Raths fleißig, ich ſollte ein⸗ ſtecken und Friede halten, ſie wollten mich nicht wei⸗ ter fuͤhren, denn auf das Rathhaus, das ich ihnen auch glaubte. Wie ſie mich zur Stube in der Her⸗ berge herausfuͤhrten, ging meine Hausfrau gleich die Steigen herauf, die war in der Kirche geweſen. Da riß ich mich von ihnen und ging zu ihr und ſagte: Weib erſchrick nicht, ſie wollen mir eine Ur⸗ fehde fuͤrlegen, die will ich nicht annehmen, will mich ehe in Thurm legen laſſen; thue aber alſo und reite hinauf zu Franciscus von Sickingen und Georgen von Frundsberg und zeig' ihnen an, die ritterliche Gefaͤngniß, wie mir zugeſagt, ſolle mir nicht gehalten werdenz verſtehe mich, ſie werden ſich als Redliche von Adel und Hauptleute wiſſen zu halten. Das that denn mein Weib. Die Buͤndiſchen fuͤhrten mich nun auf das Rathaus und von dem Rathhaus in den Thurm und mußte ich dieſelbige Nacht darin liegen, und wie ſie mich auf den Pfingſtabend hineinlegten, mußten ſie mich auf den Pfingſttag des Morgens fruͤhe wiederum heraus thun und auf das Rathhaus fuͤhren. Da waren etliche des Rathes bei mir in der Stube, meine Hausfrau war wieder vom Lager gekommen und ſtand außen vor der Stube. Da hatten ſie vielleicht gehoͤrt, daß der ganze Haufen wieder herabzoͤge der Stadt zu, da baten ſie mich, ich ſollte zu meiner Hausfrau gehen und ihr ſagen, daß ſie wieder hinausritte und fuͤr ſie bitten ſollte, denn der Haufen zog eben der Stadt zu, zu Roß und zu Fuß. Da ging ich zu meiner Hausfrau und ſagte ihr in ein Ohr, was meine Meinung war, reite hinaus und ſage zu meinem Schwager Franciscus von Sickingen und zu Herrn Georgen von Frundsberg, ſie haͤtten mich gebeten, fuͤr ſie zu bitten; wenn ſie aber was im Sinne haͤtten, ſo ſollten ſie fortfahren, ich wollte gern ſterben und erſtochen werden, allein daß ſie Alle mit mir erſto⸗ chen wuͤrden. Das hatte ſie nun ausgerichtet, und kam Herr Georg von Frundsberg mit Andern auch zu mir hinein auf das Rathhaus. Die handelten mit denen von Heilbronn, daß ſie ſich mußten ver⸗ ſchreiben mir ritterlich Gefaͤngniß zu halten, ſo lange derſelbige Krieg und mein Gefaͤngniß waͤhret, und ich mit dem Bunde vertragen wuͤrde, welche Verſchreibung ich noch auf dieſen Tag habe und die mir auch durch die von Heilbronn gehalten worden. Als mich aber nun der Bund wieder aus Verhaft that, mußte ich ihnen liefern 2000 fl. in Gold, welche ſie den Knechten gaben, die mich gefangen hatten, und wiewohl ich dieſelben nicht hatte, ſo brachte ich ſie doch auf bei meinen guten Herren und Freunden, wie ich konnte, die ſchickte ich ihnen gen Ulm und ließ ſie wohl mit leben. Weiter da Franciscus von Sickingen, mein freundlicher lieber Schwager, der Stadt Worms Feind war, da fuͤhrten ich und Hans Thoma von Roſen⸗ berg und andere gute Geſellen mehr, ihm, Franzen 134 unſerm Schwager und Freund an die 70 oder 80 Pferde gen Worms in ſein Lager und brachten ſie auf unſere eigenen Koſten dahin, und wollte gleich⸗ wohl Franz uns Beide ausloͤſen und Geld geben, aber wir waren nicht dergeſtalt da, ſondern wollten ihm vergebens dienen, aus der Urſache, daß wir beide in dergleichen Faͤlle wohl auch etwa der Leute beduͤrften. Wie denn gleich darnach, ungefaͤhrlich in einem Monat, ich des Stiftes Mainz Feind wurde. So hatte Thoma von Roſenberg auch in Willens, Borberg halber einen gleichen Handel fuͤrzunehmen, wie er auch that zur Zeit als man 1515 geſchrie⸗ ben. Und wurde ich des Stiftes Mainz Feind um unſerer Frauentag, gleich darauf gegen den Fruͤhling, als man 1516 gezaͤhlet. Zur ſelbigen Zeit warf ich auch den alten Graf Philippſen von Waldeck nieder und kam mit ihm in einen Umſtand, alſo daß die Sache gleich bald gerichtet wurde, unterwe⸗ gen daß(wenn gleich) der Biſchof, wie in der Mainziſchen Fehde auch gemeldet iſt, verredet hatte, weil ich ſein erſter Feind ward, muͤßte ich als ſein Feind erſterben. Doch ſchickte es Gott der Allmaͤch⸗ tige, daß es die allerkuͤrzeſte Fehde ward, die ich unter allen meinen Fehden gehabt habe, ohnangeſe⸗ hen, daß viele Leute mir große Anſchlaͤge durch Fahrlaͤſ⸗ ſigkeit und Liederlichkeit verſaͤumt haben, wie hiervon genugſam gemeldet iſt. Darnach auch bald im 16. Jahr zog Franziscus von Sickingen uͤber den Herzog von Lothringen und gewann ihm ein Haus ab, das heißt 135 Schaumberg, und vertrug ſich der Herzog wieder mit ihm, daß Franciscus wieder vom Feld abzog. Derſelbi⸗ gen Zeit hatten Fritz von Thuͤngen und ich unſere Knechte und Pferde, was wir konnten aufbringen, Franzen auch zugeſchickt, und nachdem ſich Graf Albrecht von Mannsfeld und Graf Philipp von Solms in die Sachen ſchlugen, mich gegen das Stift Mainz zu vertragen, hab' ich muͤſſen warten, ich waͤre ſonſt ſelber auch in demſelbigen Zug geweſen. Und iſt dies Alles im 15. und 16. Jahre, wie gemeldet, geſchehen. Eilftes Kapitel. Nun weiter und zum Eilften, will ich anzeigen, wie ich mit dem Stift Mainz in Krieg und Fehde gekommen. Als ich zu Wuͤrzburg mit denen von Nuͤrnberg vertragen und gerichtet worden, reit ich zu Wuͤrzburg heraus gen Gruͤnsfeld. Da war ein Edelmann mit Namen Bartholomaͤus Hund, der hatte ein Haus da und war mein gar guter Schwa⸗ ger und Freund. Der fragte mich, ob ich nicht wuͤßte, wie es mit meinen Bauern zu Haimſtadt ginge? Sagte ich nein, wie es auch wahr war, denn ich wußte es nicht. Da ſagte er, die von Buchen haͤtten ihm einen großen gebauten Acker, 10 oder 12 — Morgen, mit Frucht, das heißt in der Laffen(Lap⸗ pen), und ſtoͤßt ein Holz daran, das heißt auch in der Laffen, der in allem Gewaͤchs ſchoͤn erwachſen war, daß man ſchier ſchneiden hat ſollen, mit allem Viehe zu Buchen freventlich und muthwilliger Weiſe darein getrieben und haͤtten fuͤrgegeben, der Acker waͤre ihr, und als ſollte ihn der Bauer unbillig gebaut ha⸗ ben; aber das war nun nicht, wie er dann noch auf dieſen Tag mein und meiner Hinterſaſſen iſt. Da ſagte ich zum Bartholomaͤus Hund: es ahnet mich eben, als ſollt ich von einem Krieg in den andern wachſen, bin erſt geſtern mit denen von Nuͤrnberg gerichtet worden, ſo kommt mir nun das auch. So ritt ich den Naͤchſten heim Jaxthauſen zu und beſchickte von Stund an den Bauer zu Haim⸗ ſtadt, der hieß Chriſtmann, ein gar frommer Menſch, den fragt ich, daß er mir ſollt ſagen, wie die Sa⸗ che Geſtalt haͤtte, ich haͤtte gehoͤrt, man habe ihm einen Schaden gethan. Da ſagte er mir alle Ge⸗ legenheit, wie man mir auch vorgeſagt hatte und ſchier mehr; darauf ſchrieb ich denen von Buchen, daß ſie mir und meinen armen Leuten Abtrag thaͤ⸗ ten um ihrer freventlichen, muthwilligen und gewalt⸗ ſamen Handlung willen, die ſie wider Gott, Recht und alle Billigkeit wider meine Unterthanen geuͤbt haͤtten. Aber es wollte nicht helfen, und bin ich laͤnger denn ein Jahr mit denen von Buchen und dem Biſchof von Mainz in Schriften geſtanden. Da ſetzte mir der Biſchof von Mainz etliche Tage an 137 gen Adolzheim, die ich beſuchte, aber ſie kamen nicht. Darnach ſetzte er mir einen Tag gen Bi⸗ ſchoffsheim, den ich auch beſuchte. Da ſaßen die Mainziſchen Amtleute Leonhard von Thurn und Wolff von Hartheim, die uns hoͤren ſollten, und ſpielten im Brett, das mir nun gleich ſpoͤttlich war, und huben die Mainziſchen gleich einen Hader an und ſchlugen einander zu todt, und wurde mir ge⸗ ſagt, wie ſie ſich hoͤren ließen, ich wuͤrde die von Nuͤrnberg nicht an ihnen haben. Das gefiel mir nun nicht ſo gar uͤbel, aber wir ſchieden ohne Ends und ich dachte auch, was ich zu ſchaffen haͤtte. Ich that darnach eine Abklage an den Biſchof von Mainz und ließ ihn darobſitzen und hatte meiner Sache auch bald in Acht und that als Einer, der etwas anfangen wollte. Und erfuhren ſie es auch alſobald im Stifte Mainz, wie ich die Sachen angreifen wollte. Nun war erſtlich das mein Anſchlag und Fuͤrnehmen, daß ich wollte dem Biſchof bei Aſchaffenburg in das Frankfurter Geleit fallen am Hefftzaun, und wollte die Sachen ernſtlich angreifen, hatte auch freilich ein Pferd oder anderthalbhundert aufgebracht und meinte, ich wollte den Biſchof und die Seinigen damit ſchlagen, denn ich wußte wohl, daß ſie auch eilen wuͤrden. Nun ließ ich den Zug weit am obern Reißig am ſelbigen Schlag halten, damit ſie denſelbi⸗ gen zuhielten, und zog ich Tag und Nacht, bis ich kam ins Dammsfeld, wo ich dann Willens hatte anzu⸗ greifen. Ich hatte damalen nicht uͤber 32 Pferde 138 bei mir, und wiewohl ich gute ſchriftliche Kund⸗ ſchaft hatte von Nuͤrnberg an bis gen Frankfurt, ſo wollt ich doch der Sachen gewiß ſein, und ließ des⸗ halben einen Knecht ober Miltenberg halten, der ſollte ſehen, wo ſie hineinzogen, auch wie ſtark ſie waren. Und beſchied ihn, daß er ſollt' auf unſer Frauen Geburtstag fruͤhe an eine Haltſtatt am Dammsfeld kommen, da wuͤrde er mich mit Got⸗ tes Gnade und Huͤlfe auch finden, und wer eher kaͤme, der ſollte des Andern warten. Das geſchah nun und fand ich den Knecht an dem Orte, da fragte ich ihn, wie die Sache ſtuͤnde und wie ſtark ſie hinein waͤren auf Miltenberg zu. Da ſagte er, 7 oder 8 waͤren hineingezogen und haͤtte er mehr nicht geſehen. In Summa, der Knecht hatte nicht lange genug gehalten, denn haͤtte er noch ungefaͤhrlich eine Stunde gehalten, ſo haͤtte er den Haufen ganz geſehen, und ſo wuͤrde ich auf den Tag 4 oder 5 Tonnen Goldes zu wegen ge⸗ bracht und dazu Bericht und Geld gehabt haben, denn die reichſten Kaufleute waren da und ihrer bei hundert. Nun beſorgte ich, es waͤre wie der Knecht geſagt hatte. Sollte ich die von mir laſſen, die er geſehen, ſo waͤre der Anſchlag ſchon verderbt ge⸗ weſen, und waren die Andern alſo damit gewarnt worden, denn ich konnte nicht wohl mit einem ſolchen Haufen ungewarnt abgezogen ſein, er war zu groß, und dachte ich: es iſt dennoch beſſer etwas denn gar nichts, du willſt dennoch ein 8000 fl. heraus 139 bringen, mit welchen dem Krieg ein Anfang mag gemacht werden, denn der Anſchlag war doch ver⸗ derbt geweſen. In Summa, wie der Knecht ſagte, dieſelben kaͤmen, die fuͤhrte ich hinweg, damit der Krieg angefangen wurde, und haͤtte mich die Nacht nicht abgetrieben, ſo wollte ich die Andern in der Eile auf dem Speſſart auch geſchlagen haben. Aber ehe ich zum Haufen meiner Reiter kam, hatte mich die Nacht ſchon begriffen, daß ich mußte abziehen, wie ich denn that, und zog ein Jeglicher, da er ver⸗ meinte, daß er hingehoͤrte. Aber der andere Anſchlag, den ich hatte, war der, daß ich meinen Knechtan befahl, weil die von Buchen die erſten Anfaͤnger des Krieges waͤren, ſo waͤre es auch billig, daß ſie zum erſten angegriffen wuͤrden. Das thaten nun die Knechte, ſo gut ſie konnten und hatten uͤber 5 oder 6 Pferde nicht bei ſich. Darnach dachte ich, was Gott ferner verhaͤn⸗ gen will, das wird auch geſchehen, und begab mich gleich alsbald an einen Ort, wo ich die Pferde eine Weile ruhen ließ. Nun hatte ich meine Knechte auch von mir geſchoben, Einen hierhin, den Andern dorthin, daß ich Niemand bei mir hatte, denn einen Buben, welcher mir ſagte, daß mein Gaul uͤbel beſchlagen und lange nicht waͤre beſchlagen worden; da war ein guter Schmidt zu Marbach, das wußte ich und ritt dorthin und wollte meinen Gaul beſchlagen laſſen. Wie ich nun hinein kam zu einem Wirth, der hieß der Schreiberlein, den 140 ich wohl kannte, dachte ich, du willſt ein Bislein bei ihm eſſen und willſt hernach den Gaul beſchlagen laſſen, wie ich auch that. Da verſtund ich ſo viel vom Wirth, daß die Mainziſchen mit 16 Pferden dieſelbige Nacht bei ihm gelegen, und der Einſpaͤn⸗ nigen 12 Pferde geweſen, die waͤren wieder hinter ſich heimgezogen, und waͤre ein Bundesrath das Land hinauf, aber er wuͤßte nicht wohin. Da konnte ich wohl achten, er waͤre nach Ulm geritten zu dem Bundestag. Ich ſagte nun zu dem Buben, er ſollte flugs den Gaul beſchlagen laſſen und ſo ſehr eilen, als er koͤnnte, wir aßen alſo ein Bißlein mit ein⸗ ander und ſetzte mich mit Naͤchſtem mit dem Buben auf und hatte nicht ſo viel Weile, daß ich meine Knechte beſcheiden und beſchreiben konnte. Und wie ich hinauf kam bis gen Tuͤrkheim, wußte ich einen Pfad, der ging hinter dem Pferch zu Eßlingen hin⸗ uͤber gegen die Filz zu, den hatte ich wohl bei Tage geritten. Nachdem es aber finſter war, beſorgte ich, es moͤchte mir irgend fehlen, da kam ein Bauer von Tuͤrkheim, dem gab ich ein Schenk, daß er mich denſelbigen Pfad fuͤhrte bis an die Filz. Da hieß ich den Bauer wieder von mir gehen, und nachdem es ganz finſter war, mußte ich mit dem Schaͤftlein ſtapfen und Sorge haben, ich verfehlte etwan des Furths, wie man dann oft hinuͤber un wieder heruͤber muß, wie diejenigen wiſſen, die ſolche Straße von Goͤppingen an bis gen. Eßlingen ge⸗ braucht haben. Und konnt' auch nicht ſehen, wenn 141 ich hinein ſetzte, wo ich wieder heraus ſollte. Ich mußte mich alſo behelfen, wie ich konnte. In Sum⸗ ma, ich kam an einen Ort zu meinen guten Geſellen und Freunden und brachte allda ein Pferd oder 6 zuſammen, mit denen ich fortfuhr und mir die Sache gerieth, daß ich ermeldeten Bundesrath auf der Ul⸗ mer Straße erwiſchte, denn ich der Wuͤrtembergi⸗ ſchen Straßen allwegen verſchonte. Und ging mir die Sache gluͤcklich und wohl ab; es war auf Luciaͤ Tag Abend, da man noch 15. geſchrieben, und als ich vor dem Angriffe noch uͤber die Filz wollte, kam ich an einen Ort, einen gar alten Furth, den man nicht brauchte, und trug Sorge, ich moͤchte nicht hinuͤber kommen, aber ich hatte dennoch einen Men⸗ ſchen bei mir, der wußte denſelben heimlichen Furth, daß wir hinuͤber kamen. Wie nun der Bundesrath daher zog, waren ihrer freilich auch 6 und hatten Einen bei ſich, der war des Kaiſers Buͤchſenmeiſter, dem that ich nichts und gab ihm gute Worte und befahl meinen Knechten, nachdem es ſorglich allda war, ſollten ſie ſich nicht mehr denn an die Knechte machen und keinen hinweg laſſen, und mich mit dem Herrn handeln laſſen, wie denn geſchah. Die Knechte hielten ſich wohl, desgleichen that auch ich, und wie ich alſo zu ihm ziehe, hatte er einen Knecht bei ſich, der hatte mich gekannt und zu ſeinem Herrn geſagt, es iſt wahrlich der Goͤtz. Da war ich ſchon an ihnen und hatten meine Knechte auch Befehl, wie ſie ſich halten ſollten, und nun den Naͤchſten — 142. zu ihm, da wollte er viel Tagleiſten(ſich auf einen Tag zur Ausgleichung ſtellen), das mir nicht wohl gelegen war, daß ich allda viel mit ihm Tagleiſten ſollte, denn es gar ſorglich an dem Orte ward, und ſchmiert ihn ein wenig uͤber den Kopf. Und hatte ſich das Schwert gewendet, daß ich ihm irgend ein Aederlein getroffen, das da feindlich ſchweißte, alſo daß mir Angſt war, und gab ihm doch eine Blut⸗ wurzel in die Hand, da verſtund es ihm wieder. Nun brachte ich ihn an einen Ort, da ich meinte, er waͤre gleichwohl verſehen, und hatte große Zu⸗ ſagung und Vertroͤſtung von ihm, ſo daß ich meinte, die Sache wuͤrde gleich recht ſtehen. Aber es wurde mir der Gefangene verrathen und im Wuͤrtembergi⸗ ſchen Lande aus eines Edelmanns Hauſe genommen, und wollte man ſagen, Max Stumpf haͤtte ſein Amt mit verdient zu Krautheim und darauf ihm ſolch Amt geworden iſt, und war mir ſolches etlicher Urſachen halber nicht unglaublich. Wiewohl ich den⸗ jenigen befahl, welchem ich den Gefangenen vertraut hatte, wenn er ihn nicht koͤnnte oder wuͤßte zu behalten, ſo ſollte er mirs nur ſagen, denn ich wußte wohl, wo ich ſonſten mit ihm hin ſollte. Weil ihn aber das Gluͤck getroffen, wollte ich ihm die⸗ ſelbige Verehrung oder was es ſonſt war, das ihm zuſtunde, lieber goͤnnen, denn einem Andern. Denn meine Sache ſtund nicht allein auf den Mann, ich mußte weiter ſehen, was ich zu thun hatte. Da vertroͤſtete er mich hoch, es haͤtte keine Noth, wenn 143 es ſchon uͤbel zuginge, ſo wollt er ihn allwegen an einen andern Ort ſchaffen. 4 Nun war ich des Sinnes, daß ich die Lands⸗ Art eine Weil geſegnen und weiter mein Heil ver⸗ ſuchen wollte und nahm mir fuͤr, ich wollte doch zuvor ein wenig raͤchen und brannte in Einer Nacht an drei Orten, das war Ballenberg, Oberndorf und das Schafhaus zu Krautheim unter dem Schloßberg herab, da wir auch hinauf in das Schloß von der Mauer herab miteinander reden konnten. Ich habe gleichwohl nicht gern gebrannt, aber es geſchah dies⸗ mal darum, daß ich dachte, der Amtmann ſollte uͤber das Feuer rucken, und hielt wohl eine oder zwo Stunben zwiſchen Krautheim und Neuenſtaͤdten, denn es war gar hell und lag ein Schnee dazu, ob ich moͤchte mit ihm zur Handlung gekommen ſein. Und wie ich alſo unten brannte, da ſchrie der Amt⸗ mann oben heraus, vorne gen Klepſen zu, da ſchrie ich wieder zu ihm hinauf: er ſollte mich hinten le⸗ cken. Nun war es nicht lange Sattelhenkens, ich machte mich wieder aus dem Orte, und am dritten Tage darnach ergriff ich Einen von Miltenberg, der hieß der Reußlin, mit drei Geſchirren, und drehte mich darnach aus in ein weit fremd Land, da ſtund mir ein Gluͤck zu, daß ſechs Domherrn und Naͤthe waren auf einem Wagen hineingefahren gen Halle in Sachſen zum Biſchof von Mainz, und hatten 14 Pferde bei ſich. Das waren, wie gemeldet reiche Domherrn und feine Raͤthe. Ich machte 144 gute Kundſchaft uͤber ſie, die ganz recht und gewiß war, daß ſie naͤmlich ſchon daher ziehen ſollten, wie wohl ſich die Sache lang und wohl auf einen Mo⸗ nat verzogen, ſo daß mir wahrlich viel darauf ging. Nun hatte ich drei Orte inne, als den Thuͤringer Wald, das Frankenland und die Buchen, ſie moch⸗ ten ziehen, welche Straßen ſie wollten, ſo waren ſie mein, und lagen meine Knechte im Lande Heſſen, das wußte ich, denen befahl ich auch, ſie ſollten dieſelbige Straße inne haben, ſollten aber nichts fuͤr⸗ nehmen, es waͤre was es wollte, ſondern ſollten des Handels und Beſcheids erwarten, da verließ ich mich darauf. Aber ſie hielten nicht, ſondern ſchlu⸗ gen zwei Doͤrfer aus im Amelberger Amt, pluͤnder⸗ ten und brandſchatzten dieſelben und verderbten mir alſo den Anſchlag, ſo ich mir gemacht hatte, denn die Raͤthe kamen gen Amelberg, das iſt des Bi⸗ ſchofs von Mainz, und als ſie daſelbſt hoͤrten, daß man die Doͤrfer gebrandſchatzt hatte, waren ſie in der Nacht wieder auf, nahmen geruhte Gaͤule in die Wagen und eilten mit fort. Wie ich berichtet worden, haben ſie damalen auf die 34,000 Gulden gen Frankfurt gefuͤhrt, und dem Fugger, der hatte es dem Biſchof zu Rom fuͤr das Pallium darge⸗ liehen, uͤberliefert. Es ging mir alſo ſehr uͤbel, daß mir in der kurzen Zeit ſo viel große Anſchlaͤge zuruͤcke ſchlugen und durch liederliche, heilloſe Leute verwahr⸗ loſet worden und hinter ſich gegangen waren. 145 — Indem erfuhr ich, wie ich ein offen Haus in Weſtphalen haben wuͤrde, welches ich zuvor nicht — wußte, das gefiel mir wohl und reite hinein und wollte beſehen, was es fuͤr ein Haus und wie die Sache beſchaffen waͤre, und kam auf den Palmabend zum Haus in einen Weiler, das liegt nicht weit, ſondern zunaͤchſt darunter, und ging den Palmtag hinauf zum Amt, wie es einem Chriſtenmenſch ge⸗ buͤhrt. Und wie das Amt aus war, ſo nahmen mich die Enthaͤlter(Gaſtfreunde), denen das Haus war, auf einen Ort und ſagten mir, wie der Graf von Waldeck in kurzen Tagen zuvor ihnen geſchrie⸗ ben, zu ihm in ſeiner Flecken einen, der Adorf hieß, zu kommen. Und da ſie nun gekommen waͤ⸗ ren, haͤtte er ihnen zu erkennen gegeben, wie er ge⸗ hoͤrt, daß ich mich zu Botberg aufhielte, wider das Stift Mainz. Nun wollte er ihnen nicht ver⸗ halten, daß er mit ſeinen Staͤdten und Schloͤſſern und Grafſchaft Waldeck dem Stift Mainz alſo und dermaßen verwandt und zugethan waͤre und auch verſchrieben, dazu waͤre er Rath und Diener, daß es ihm in keinem Weg gebuͤhren wollte, ſolches zu leiden, oder zu gedulden, und kurz, ſo ſollte man die Brandſchatzung nachlaſſen, die Gefangenen wieder ledig geben und die gepluͤnderte Habe auch wieder ſtellen, und daß er ſich damit als ein Feind gegen mich erklaͤrt haben wollte. Das war nun redlich von ihm, denn zu beſorgen, wo ers nicht gethan haͤtte, ſo moͤchte es mir zu Nachtheil ge⸗ 10 146 reicht haben, denn ich hatte auch nicht gewußt, daß er Mainziſch waͤre geweſen, und glaube, ich wußte es auf dieſen Tag nicht, wenn er ſich nicht gegen mich ſolchermaßen als ein Feind erklaͤrt haͤtte, denn ich hatte mich nicht vor ihm beſorgt, darob moͤcht ich ein Schnapp genommen(mein Leben ver⸗ loren) haben. Nun fragten mich meine zwei Geſel⸗ len, die Enthaͤlter, was ich dazu ſagte oder rathen wollte. Da ſagte ich: was ſoll ich rathen oder darzu reden, er hat ſich gegen uns erklaͤrt als ein Feind und will unſer Feind ſein, ſo wollte ich mich auch gegen ihn gern halten, wie einem Feinde zuſtuͤnde. Da fragten ſie, wie ihm dann zu thun waͤre? Sagte ich: ich bin ein unbekannter Geſell hier im Lande und kenne Niemand, ſollte wohl ſobald einen Feind anſprechen als einen Freund; wenn wir aber Kundſchaft koͤnn⸗ ten machen, wollte ich wohl der Sache Nath finden, denn wir hoͤren, was er im Sinne hat und wollten alſo darnach lugen, daß wir ſobald kaͤmen, als er. Das gefiel ihnen nun wohl und machten Kundſchaft, daß er in ſeiner Schloͤſſer einem war, das heißt Willenberg und liegt auf einem hohen Berge und ein Staͤdtlein dabei, auch auf dem Berge. Hart am Hauſe daran, da hatte er ein Wildbad, in dem er badete; denn ich war am Palmabend davor her⸗ geritten, dachte aber nicht, daß er mein Feind war, und hatte willen, in einer Kuͤrze auf zu ſein, und in das Land zu Juͤlich zu reiten. Da hatte er ſein Lebenlang eine Herrſchaft inne, die heißt Arnsberg, die hatte ihm der Herzog von Juͤlich eingegeben, der war des Grafs von Waldeck Schweſter Sohn. Und wir erfuhren auch, welchen Tag er aufſein wollte. Da gedacht' ich ſelbſt: ſollſt du herumwerben, ſo wirſt eben ſo bald einen Feind als Freund antreffen. Ich hatte aber gar einen frommen Knecht, dem ich viel und hoch vertraute, der mir auch treulich diente, den ſprach ich an, ob er nicht koͤnnte 10 oder 12 Pferde aufbringen und nannte ihm die Orte, da ichs gern haͤtte. Da ſagte er, ja, Junker, ich weiß. Fragt' ich aber:„Wo weißt Du 2 Da ſagte er:„Georg Biſchof Rath, der liegt in einem Hauſe, das heißt zum Hahn, der iſt des Abts von Fulda Feind, der hat ſtets 10, 12 oder 15 Pferde bei ſich, und der hat mir befohlen, wenn Ihr ſein beduͤrft, ſo wollte er Euch mit ſeinen Knechten und Pferden dienen.“ Da ſagte ich zu ihm,„Boz Leichnam, ich habe ihn einmal niedergeworfen, als ich der von Nuͤrnberg Feind geweſen, war er ihr Diener und Rittmeiſter: meinſt Du auch, daß ich ihm trauen darf?“ Da ſagte er,„er hat mir das zugeſagt.“„Wohlan,“ ſagte ich nun,„Georg Biſchof Rath, der hat eine gute ehrliche Freundſchaft und einen redlichen Vater, deſſelbigen halben und der Freundſchaft zu Ehren und Gefallen, habe ich ihn auch wohl gehalten und leichtlich von mir kommen laſſen, derohalben ſo reit, zu ihm und ſage ihm, wie Du mir ſein Er⸗ bieten haſt angezeigt, deſſen habe ich mich nun hoch bedankt, wolle auch deſſelbengleichen wieder bei ihm . 10* 148 thun, als ein Freund, und bitte ihn von meinet⸗ wegen, daß er mit ſeinen Knechten und Pferden, ſo viel er in der Eile haben koͤnnte, mit Dir auf ſei, denn ich hoffe, es ſolle mir und ihm zu Gu⸗ ten kommen.“ Als nun mein Knecht ihn brachte und ſie Beide zu mir kamen, trug ſich die Sachen dermaßen zu, daß ich nicht eine Stunde uͤber den Grafen von Waldeck hielt. Da kam er ſchon und war gleich ſtark als ich. Da befahl ich meiner Knech⸗ ten zween, ſie ſollten nichts thun als auf den Gra⸗ fen Acht haben und ſollten ſich an ihn neſteln und ſo viel wie moͤglich ihn nicht ſchießen, noch ver⸗ wunden, wenn er aber entreiten wollte, ſo moͤchten ſie ihm den Gaul wohl erſchießen oder erſtechen, ſo wollte ich mit des Grafen Reitern ſchlagen. Nun es ſchickte ſich die Sache alſo, daß es gluͤcklich und wohl zuging, daß ich bald mit den Knechten fertig wurde. Darnach ruͤckte ich den Naͤchſten dem Gra⸗ fen zu und fand meine zwei Knechte an ihm, als waͤ⸗ ren ſie an ihn gekuppelt, ſo wie ich ihnen denn be⸗ fohlen hatte, da ſprach ich ihn an, was ich mit ihm zu thun haͤtte, daß er mir meine Brandſcha⸗ tzung gefangen, enthalten und entwehret, und haͤtte er ſich dazu gegen mich als ein Feind erklaͤrt. Da ſagte er zu mir:„Goͤtz von Berlichingen, iſts nicht beſſer, ich habs Euch, geſagt, als daß ich geſchwie⸗ gen haͤtte?“ Darauf ich ihm die Antwort gab,„Herr, habt Ihrs aus Redlichkeit gethan, ſo werdet Ihrs mehr genießen, denn entgelten, aber kurzum, da 149 werdet Ihr mein Gefangener ſein(und er hat es auch der Redlichkeit halben um die 20,000 fl. genoſſen, er und die Seinen.)“ Alſo fuhren wir miteinander dahin mit all ſeinen Reitern, die fuͤhrt' ich eine Weile mit mir bis irgend eine halbe Stunde in die Nacht, und wie wir anzogen, ſo huͤtete ein Schaͤfer allernaͤchſt dabei und zum Wahrzeichen, ſo fallen 5 Woͤlfe in die Schafe und griffen auch an, das hoͤrte und ſah ich gerne und wuͤnſchte ihnen Gluͤck und uns auch, und ſagte zu ihnen, Gluͤck zu, lieben Geſellen, Gluͤck zu uͤberall. Und ich hielt es fuͤr ein Gluͤck, weil wir alſo miteinander angegriffen hatten. Nun griff ich den Grafen an auf Paderborniſchem Bo⸗ den; darnach fuͤhrte ich ihn auf Koͤlniſchen Boden, darnach durch ſeine eigene Herrſchaft, darnach durch die Landgrafſchaft Heſſen, von dannen auf Hersfeld, iſt auch ein Fuͤrſtenthum, darnach auf Fulda und Henneberg, iſt auch ein Fuͤrſtenthum, darnach durch Sachſen, Wuͤrzburg, Bamberg, Markgraͤfiſchen, Nuͤrn⸗ bergiſchen und Pfalzgraͤfiſchen Boden, ſind 12 Furſten⸗ thuͤmer und die von Nuͤrnberg, und iſt der keiner, ich hab' ihren Boden und Land gebraucht mit den Gefangenen, bis ich ihn brachte, da er hingehoͤrte. Da hat der Biſchof von Mainz verredet gehabt, ich waͤre ſein erſter Feind, ich muͤßte auch ſein erſter Feind erſterben, das entbot mir ſein eigener Haupt⸗ mann Joß, Freund bei meinem Bruder Han⸗ ſen von Berlichingen ſelbſt. Aber es trug ſich zu, daß ich nicht ein halbes Jahr ſeiner Churfuͤrſtl. Gnaden Feind bin geweſen, da ſchickte man mir nach, daß ich ſollte mit mir zu Friede handeln laſſen. So einen gnaͤdigen Gott habe ich in dem allen ge⸗ habt, und einen ſolchen maͤchtigen Fuͤrſten in ſo kur⸗ zer Zeit dahin gebracht, daß er meines Friedens be⸗ gehrt hat. Darum ſoll ſich Niemand auf ſeine Macht und Hochmuth verlaſſen, welches ich darum melden thue, daß etliche verlogene Leute, meine Mißgoͤnner(ſie ſeien, wer ſie wollen) mich des Gra⸗ fen halber und vielleicht in mehr meinen Haͤndeln, wie hierinnen gemeldet, gern ſo viel an ihnen iſt, verunglimpfen wollten, die ich auch zum Theil zu Recht fuͤrgefordert und ſie mir unter ihrem Siegel ſolchen Rechten auszuwarten, zugeſchrieben. Sind aber uͤber daſſelbige treulos und mir zu Recht fluͤhtig geworden, wie ich das kann mit Brief und Siegel und des Grafen von Waldeck Handſchrift ſelbſt und mit andern Vertragsbriefen und Siegeln darthun und genugſamlich beweiſen. Und es iſt auch nicht uͤber ein Halbjahr, daß mir die Hand⸗ lung aufgeſtanden iſt, daß ich gegen das Stift Mainz gehandelt habe, desgleichen er gegen mich auch, und was ich gegen das Stift Mainz gehandelt habe, das iſt Alles ungefaͤhrlich in einem halben Jahre ge⸗ ſchehen. Darnach kam ich in ſeinen Umſtand und kann nicht anders achten, denn Gott der Allmaͤch⸗ tige habe mir in der kurzen Zeit als einen armen Rittersmann von Adel Gluͤck und Sieg gegeben, allein daß mir große treffliche Anſchlaͤge durch lie⸗ derliche, fahrlaͤſſige Leute verhindert und verwahrloſt worden, wie oben vermeldet. Und hab' mich in meiner Jugend in große Kriege, Fehden und Feind⸗ ſchaft eingelaſſen, deren wohl fuͤnfzehn ſind, die mich ſelbſt angetroffen, die ich auch hinausgefuͤhrt, ohne was ich bei Kaiſer und Koͤnig, Churfuͤrſten und Herren gethan habe, und was ich auch andern meinen Herren, Freunden und guten Geſellen in ihren ſelbſteigenen Sachen gedienet, deren auch wohl ſo viele ſind, die ich hierinnen nicht angezeigt habe. Nun weiß ich keine Fehde, Gott Lob! die ich ge⸗ habt, die uͤber zwei Jahre gewaͤhret haͤtte, ich habe es zu Frieden gebracht und hinausgefuͤhrt. Gott dem Allmaͤchtigen ſei darum Lob und Dank geſagt, denn ich verwundere mich ſelbſt daruͤber, daß ich all⸗ wegen die Sache ſo gluͤcklich und in ſo kurzer Zeit hinausgebracht. Nach aller oberzaͤhlter Handlung aber, hat mein gnaͤdiger Herr Graf Albrecht von Mannsfeld, meinen alten Reitgeſellen, Hanſen von Selbiz zu mir geſchickt und ließ mich bitten, ihrer Gnaden Handlung zu geſtatten, zwiſchen dem Stift Mainz, Graf Philipp von Waldeck, dem alten, und mir, das ich Ihrer Gnaden bewilligt, und wurde darauf ein Tag fuͤrgenommen gen Schweinfurt. Da hat mich Graf Albrecht von Mannsfeld und Graf Philipp von Solms mit dem Stift Mainz gerichtet und vertragen, wie denn Brief und Siegel, die ich noch bei Handen, genugſam ausweiſen. 15⁵2 Weiter iſt maͤnniglich in dieſen und andern Landsarten weit und nahe wiſſend und offenbar, wie Georg von Boͤdigheim ſel.(welcher der Zeit als junger Geſell der Chur⸗Pfalz Diener geweſen) un⸗ ſchuldig und unbilliger Weiſe niedergeworfen worden, da bin ich, Gottfried von Berlichingen, durch Graf Micheln von Werthheim, meinen gnaͤdigen Herrn(ſo auch mein Lehnherr geweſen), Schenk Velthin und Schenk Eberharden von Erbach, Gebruͤder,(die mich gleich kurz davor, ehe die That geſchehen, Pfalz⸗ graͤfiſch machten)., angeſprochen worden, die That, ſo an Georg von Boͤdigheim begangen zu raͤchen, und beſchied mein gnaͤdiger Churfuͤrſt und Herr, Pfalzgraf Ludwig Hochloͤbl. Gedaͤchtniß, Wilhelm von Habern und mich, gen Heidelberg zu kommen. Und hatten ihre Churfuͤrſtl. Gnaden Graf Micheln von Werthheim und der Zeit Schenk Velthin und Eberhard Gebruͤder von Erbach, auch dahin beſchrie⸗ ben, ſammt Ihrer Churfuͤrſtl. Gnaden geheimſten Raͤthen. Und war das Ihrer Churfuͤrſtl. Gnaden Da⸗ fuͤrhaltung, daß Sie uns angezeigt, wie und welcher Geſtalt gegen Georg von Boͤdigheim gehandelt waͤre worden, und wie er wieder und uͤber alle Recht und Billigkeit unverdienter und unredlicher Weiſe unverſchuldeter Sachen niedergeworfen waͤre worden. Und zeiget Ihrer Churfuͤrſtlichen Gnaden dieſe Urſachen an, des Georg von Boͤdigheim Vater haͤtte Herrn Konrad Schotten 100 fl. geliehen und er waͤre ſie ihm lange ſchul⸗ dig geweſen, die haͤtte er ihm, da er mein Haus Horn⸗ 1⁵³ berg noch inne gehabt, in guten Trauen und Glauben ge⸗ liehen. Nun war meines gnaͤdigen Herrn Meinung, daß Wilhelm von Habern und ich die Sache ſollten anfangen und uns als Ihre Churfurſtl. Diener ſoll⸗ ten brauchen laſſen. Und ſagte ich zu Wilhelm von Habern:„Mein Geſell, Du haſt gut wiſſen, daß ich viel Fehd und Feindſchaft gehabt habe, auch meine Herren und Freunde bemuͤhet und gebraucht, die ſich meinethalben in große Sorgé und Faͤhrlich⸗ keit begeben. Sollte nun derſelben guten Geſellen einer im Handel verdaͤchtig ſein oder werden, das waͤre mir beſchwerlich, ihn niederzuwerfen, ſonder⸗ lich ſo unverwahrt meiner Ehren(ehe ſchriftlich die Fehde angekuͤndigt worden.) Und ſagte, weil wir nun Beide Pfalzgraͤfiſche Diener waͤren, und es unſer gnaͤdiger Churfuͤrſt und Herr unſern Pflichten nach je haben wollte, daß ich fuͤr gut angeſehen, wir haͤtten Ihrer Churfuͤrſtl. Gnaden angezeigt, daß, wie wir gleichwohl geſtuͤnden, wir verpflichtete Diener waͤren, aber wider Jemand unverwahrt der Ehren uns ge⸗ brauchen zu laſſen, das waͤre uns zum Hoͤchſten beſchwerlich. Und war demnach meine Meinung, ſo mein gnaͤdiger Churfuͤrſt und Herr, der Pfalz⸗ graf je wollte haben, daß wir uns ſollten brauchen laſſen, daß wir deshalben ein Ausſchreiben thun, und maͤnniglich, wie die Handlung an ſich ſelbſt beſchaffen und der unſchuldige junge Geſell Georg von Boͤdigheim unredlicher Weiſe, uͤber das ſein Vater ſel. das Seine aus treu nachbarlicher Meinung — — —õ———ÿ— — 154 hingeliehen hat, niedergeworfen und gefangen worden, anzeigen wollten, und wie daß er, Georg v. Boͤdigheim, als Sohn das hingeliehene Geld gefordert, darauf er be⸗ ſchrieben und beſchieden worden, man wollte ihm einen Gaul daran geben, der 100 fl. werth waͤre, er ſollte nur kommen und ihn holen, wie er dann gethan und den Gaul geholt und darauf wiederum heim gen Binen reiten wol⸗ len. Wie er aber allernaͤchſt bei Meckmuͤhl herauskom⸗ men, da ſei er gefangen, ihm der Gaul wieder genom⸗ men, und er hinweg gefuͤhrt worden. Und war die gemein Sage, Herrn Konrad Schottens Knechte ſollten ſolches gethan und ihn niedergeworfen haben. Wie dann nicht ohne war, und war Einer bei ihm geweſen, der erklaͤrte ſich folgends als ein Pflalzgraͤfiſcher Feind, wurde auch gleich darnach des Pfalzgrafen Diener, und habe ich ihn ſeithero geſehen, iſt mir aber ſein Name entſunken, das weiß ich aber wohl, daß es ein großer ſtarker dicker Knecht war. Solches Al⸗ les haben wir durch ein oͤffentlich Ausſchreiben an vielen Fuͤrſtenhoͤfen, wo uns bedaͤuchte, daß ſie ihre Unterſchleifung haͤtten, angeſchlagen, in welchem Ausfchreiben auch alle dieſe Handlung beſſer zu fin⸗ den denn ich allhier erzaͤhlen kann. Und auf ſolch Ausſchreiben haben wir Beide, Wilhelm von Habern und ich, gethan als Diener und haben uns brau⸗ chen laſſen, und alsbald legte mein gnaͤdiger Chur⸗ fuͤrſt und Herr, der Pfalzgraf, mir aus der Kanzlei einen Zettel dar, wie ich reiten und mich halten ſollte. Da warf ich den Raͤthen den Zertel wieder 155 hin und ſagte, ich wuͤßte nach dem Zettel nicht zu reiten, denn ich reit' nicht mehr heim gen Hornberg, ich weiß nicht, was mir begegnen mag, das ſteht in dem Zettel nicht, ich muß die Augen ſelbſt auf⸗ thun und ſehen, was ich zu thun habe. Darauf bracht, ich in Erfahrung, daß Herr Konrad Schott und ſein Haufe einen großen Tag zu Ansbach vor dem Markgrafen haben ſollten. Da legte ich mich in den Ort und wollte mein Heil verſuchen, ſchickte auch einen vertrauten Knecht gen Ansbach zu einem vertrauten Freund und meiner Reitgeſellen Einen, mich der Sachen zu berichten. Aber gleich darauf brachen ſie vom Tage auf, ritten heraus und hatten 95 Pferde bei ſich und lagen uͤber Nacht zu Markt Birkel, und ich lag uͤber Nacht zu Windsheim, nicht weit davon, und hatte nicht mehr denn 15 Pferde bei mir. Und war meine Kundſchaft gar gut, daß ſie Nachts zu Birkel lagen, darauf ich meinen Anſchlag machte, daß ich wollte den Haufen fuͤrlaſſen und darnach auf ihren Troßfuß, wie ſie von Ansbach auf Birkel zugezogen waren, dringen und ſie niederwerfen. Denn ſie waren Alle geruͤſtete Leute, alſo daß ich Sorge hatte ich ſchluͤge die Hand in die Kohlen, wie auch geſchah. Denn wie ich zu Winds⸗ heim herauszog, da hatte es ein Gruͤndlein hinauf bis gen Birkel, daß einer unſichtig hinauf kommen konnte, bis ſchier gen Birkel hinan. Und befahl ich einem Knechte mit Namen Martin Maurer, nachdem es eine ebene Hoͤhe oben hinein hatte bis 156 gen Birkel, er ſollt auf die Hoͤhe hinauf ziehen und Acht haben, ob ſie heraus waͤren oder nicht, und ſo der Haufe herausziehe, ſollte er ſie ziehen laſſen und mirs anzeigen. Nun der Knecht kam und ſagte, es ziehen nicht mehr denn 15 Pferde heraus, das waren ihre Vortraͤber, da wollte ich ihm nicht trauen und ſchickte ihn noch einmal hinauf und ſagte, ſiehe eben darauf, denn es ſind heute ſo viel Pferde darinnen gelegen, das weiß ich, und nannte 95 und ſagte, es waͤre ein boͤſer Weg, es koͤnnten uͤber Drei nicht neben einander reiten, darum ſollte er eben darauf ſehen, wie viel heraus ziehen und mirs wieder wahrhaftig anzeigen, damit wir die Haͤnde nicht in die Kohlen ſchluͤgen. In Summa, er kam wieder und ſagte, ihrer ſein nicht mehr denn 15, da glaubt ich ihm und dachte nicht anders, es waͤre alſo, zog ein Gruͤndlein hinauf, bis daß ich an den Haufen hinan kam, da waren es aber, wie vorgemeldet, die Vortraͤber, und kamen meine Reiter, die bei mir waren, in den Haufen hinein. Und begeg⸗ nete mir gleich eben zum Gluͤck mein Vetter Herr Sigmund von Thuͤngen und Hans von Selbiz, und ſpricht mein Vetter Sigmund von Thuͤngen zu mir, Vetter, ich wollte, daß Du weit hinweg waͤ⸗ reſt, denn ich weiß, daß nicht 10 unter dem Hau⸗ fen ſind, die gut Pfalzgraͤfiſch ſind. Da war mein Geſind ſchon unter ihnen und ſchlugen einander auf die Maͤuler, daß ihnen die Naſen bluteten. Und 157 auf Herrn Sigmunds Rede ruͤckte ich hinein in den Haufen zu meinen Reitern und ſprach ſie an und ſagte, was macht ihr da, Roͤſch, und bald wart auf mich, daß euch Boz Rehmſchend! Da folgten ſie mir bald und war auch Zeit. Und ehe ſie ſich recht beſannen, hatte ich ſchon einen Vortheil einge⸗ nommen und kam mit Gottes Huͤlfe von ihnen Allen ohne Nachtheil und Schaden, wiewohl etliche boͤſe Reiter unter ihnen waren, die kamen hernach und waren gar zornig im Halſe geweſen und hatten einen Strauß mit Herrn Sigmund von Thuͤngen gehabt. Aber er hatte zu ihnen geſagt, ſiehe, dort haͤlt er noch, reite hin und fahe ihn. Wie ich nun ſammt den Meinen unverletzt davon kam, wollte ich meinen Weg auf Ansbach zu nehmen, ob ir⸗ gend ein Geſind meiner Gelegenheit auf mich ſtoßen und ob ich weiter moͤchte zur Handlung kommen. All⸗ da mir dann Herrn Conrad Schottens Hausfrau ſelbſt aufſtieß, und ruͤckt' ich ſelbander zu ihr zum Wagen, wollte ſehen, wer ſie waͤre, und ließ die andern Reiter dahinten, daß ſie nicht geſehen wuͤr⸗ den. Und ſobald ſie mich erſieht, ſpricht ſie, Schwager, wo zieht er her? gruͤß euch Gott, Ge⸗ ſchweih, ſeid Ihrs? ich weiß ſelbſt kaum, wo ich herziehe. Indem hielt ich da ſchier bis auf den Abend, daß ich dann noch moͤchte nach Windsheim kommen. Da mir nun Niemand mehr aufſtieß, zog ich wieder hinein und ließ dieſelbige Nacht et⸗ was an der eiſernen Hand, ſo mir zerbrochen war, 158 machen, darnach that ich einen Streif oder zwei in ſelbigen Ort und hielt etliche Tage vor Frankenberg. Und als ſich Herr Conrad Schott bei ſeinem Schwaͤher etwas verweilet, warf ich mittlerweile Schenk Friedrich von Limburg nieder im Feld und gedachten ich und meine Geſellen Alle nicht anders, Herr Conrad Schott waͤre es ſelber aller Gelegen⸗ heit nach, dieweil er auch Meß(meſſingene Ruͤ⸗ ſtung) fuͤhrte und auch Kleidung anhatte, wie Herr Conrad Schott. Denn ich wußte wie und in was fuͤr Kleidung er ritt, aber es war dennoch Schenk Friedrich von Limburg, den ließ ich auf eine alte Urfehd wieder reiten und gab ihn wieder ledig. Ich warf auch gleich davor einen Buͤchſenmeiſter nieder, der ſtund Herrn Conrad Schott zu, den vertagt' ich, noch weiß ich nicht, ob er ſich geſtellt hat; auch ei. nen Knecht, der hieß Heinz Buſchmann, den ver⸗ tagt' ich allhero in meine Behauſung, der ſtellte ſich, denn er war ein wiſſentlicher Knecht, den Herr Conrad Schott lieb hatte und den ich von Knaben weiſe auf gekannt und wohl wußte, bei wem er allezeit in Fehden geweſen war. Da ſchrieb ich aber meinem gnaͤdigen Churfuͤrſten und Herrn, dem Pfalzgrafen, wenn Ihro fuͤrſtlichen Gnaden ihn wollte des Henkens und ewigen Gefaͤngniſſes ent⸗ laſſen, ſo wollt' ich ihn hinab gen Heidelberg ſchicken, wie er ſich denn ohne das in meiner Behauſung geſtellt haͤtte, welches ich nun nicht viel von Fuͤr⸗ 159 ſtenhauptleuten gehoͤrt, die ſich alſo gegen ihres Herrn Feinde gehalten haben. Bald nach dem erfuhr ich weiter Kundſchaft, wie eine große Faſtnacht zu Haßfurth ſein wuͤrde, und hatten wir Herrn Conrad Schottens Knecht, einen jungen Knaben, der mein Vetter war und Hans Jöoͤrg von Thuͤngen hieß, auch niedergeworfen, welcher auch zu einem rechtſchaffenen Menſchen wor⸗ den. Den hatte ich verſchickt in eines Fuͤrſten Dienſt zu einem Ritter des Landes Franken, ſonderlich Herzog Ulrich von Wuͤrtemberg betreffend, den hat⸗ ten dieſelbigen Knechte gefuͤhrt gen Aichelsdorff, das unterm Haßberg liegt, zu Veltin Schotten in ſeine Behauſung. Der hatte die Knechte und die⸗ ſelbigen untergeſchleift; das erfuhr ich und auch mehr, daß Veltin Schott hatte geſagt, wenn ſei⸗ nes Vettern Herrn Conraͤd Schotten Knechte noch einmal kaͤmen, er wollte ſie einlaſſen und wenn noch ein Goͤz von Berlichingen waͤre. In Summa, ich hatte ein Geſind in demſelbigen Ort, die mir auch lieb waren, mir Gutes goͤnnten und dienten, und dachte wohl, er, Veltin Schott wird mit ei⸗ nem Geſind nach Haßfurt kommen, ſonderlich mit ſeinem Vetter Ehrhard Truchſeßen, auf welchen er der Zeit wartete. Da hatte ich gar einen feinen wiſ⸗ ſenden Knecht bei mir, den ich auch Pfalzgraͤ⸗ flich machte, ſammt etlichen von Adel, die in den⸗ ſelbigen Ort daheim waren und mir dienten, und hatte 16 Pferde und zwei Buben darunter. Und 160 als wir nun auf ſie hielten, da zogen ſie daher bei 10 oder 12 Pferden, wie wir ſie erſtlich an⸗ ſchlugen, und dieweil ſie nicht mehr hatten, theilten wir uns und gab ich Georg Gebſattel die beſten Knechte zu, daß ſie ſollten bei einer Muͤhle hinuͤber ziehen, denn ſie konnten ſonſt nicht uͤber das Baͤch⸗ lein kommen daſelbſt, und ſollten ihnen unter die Augen ziehen; traͤfen ſie dann mit ihnen, ſo wollte ich nicht weit von ihnen ſein, traͤfen ſie dann mit mir zuſammen, ſollten ſie deſſelbigen gleichen auch thun. In Summa, ich ruͤckte zu einem Dorf hinter eine Scheuer und meinte, ich wollte Veltin Schotten und den Erhard Truchſeſſen mit ihrem Haufen fuͤrlaſſen und wollte ihnen auf dem Fuße nachziehen, wie ich denn den Beſcheid mit meinen Reitern gemacht hatte. Da wurden ſie aber mein gewahr hinter der Scheuren und ruͤckten bei dem Dorfe zuſammen auf ein Buͤ⸗ chelein und hatten ihre Spieße auf den Beinen und ihre Armbruͤſter aufgebracht, wie dann ein Jeglicher geruͤſtet war. Da zog ich Fuß fuͤr Fuß zu ihnen, das that ich darum, daß der Georg Gebſattel und die an⸗ dern Reiter, die ich von mir geſchickt hatte, deſto eher mir zu Huͤlfe und zum Handel kommen moͤchten. Und war mir die Weile dabei nicht kurz, denn je naͤher ich zu ihnen kam, je groͤßer daͤuchte mich der Haufe zu ſein, und hatten bei 24 oder 25 Pferde. Nun wollte ich mit Gottes Gnad' und Huͤlfe wohl von ihnen kommen ſein; ſo gedachte ich aber die 6 Pferde, die ich von mir geſchickt hatte, moͤchten darob geſchlagen, gefan⸗ 161 gen und erſtochen werden, das moͤchte mir zu gro⸗ ßem Nachtheil und Schaden gereicht haben, und daß ich dem Beſcheid nicht nachgekommen war, wie ich denn mit ihnen gemacht hatte. Und wie ſie auf dem Buͤſchelein(Huͤgel) hielten, hielt ich darunter, da ich aber nicht kommen wollte, da kamen ſie und durchrannte mir Erhard Truchſeß einen Knecht, der hieß Leonhard Schmidle und war Pfalzgraͤflich, doch ſonſt kein Pfalzgraͤflicher Knecht bei mir, denn er, daß er mit ſeinem Nuͤcken auf dem Ruͤcken des Gaules lag. Darauf ich Erhard Truchſeſſen auch alſobald vom Pferd herabſtach, daß er mit ſammt dem Federbuſch im Dreck lag, das dann, wie ich meine, unſer groß Gluͤck war. Nun war einer bei ihm, der hatte eine Armbruſt und ſchoß auf mich ab und hatte auch die Armbruſt nach mir geworfen, was ich aber nicht geſehen, denn ich hatte mit den Andern zu ſchaffen, ſo daß ich' ſein nicht warten konnte. Da ging es, daß ich bei 3 oder 4 mal mit den 10 Pferden und den 2 Buben durchbrechen mußte, ehe denn die andern 6 Pferde zu uns kamen. Dar⸗ nach fingen wir ſie Alle, ohne die uns entrit⸗ ten.*) Doch hatten ſie Alle gethan, wie der gute, fromme Erhard Truchſeß und ein Knechtlein, ſo beim Bernhard von Hutten geweſen: es waͤre mein und meines kleinen Haͤufleins uͤbel gewartet worden. Denn wenn ich ſchon das Maͤnnlein ein⸗ ⁹) Ein Schlachtbericht für ewige Zeiten 1 162 mäl von mir gebracht und ich etwa ſonſt an einem An⸗ dern war, ſo kam es gleich wieder an mich. Es hieb mich auch durch den Panzeraͤrmel hindurch daß es ein wenig gefleiſcht hatte, und hatte ich ſonſt ſo viel zu thun, daß ich ſein allein nicht warten konnte, und daſſelbe Maͤnnlein entbot mir hernach, wenn ich es zu meinen Diener annehmen wollte, ſo wollte es mir ein Jahr umſonſt dienen. Ich weiß nicht, was es an mir erſehen hatte, entbot ihm aber, es ſollte kommen, ich wollte es nicht umſonſt begehren, ſon⸗ dern ich wollte ihn halten, wie einen andern Knecht. Und wiewohl mir das Maͤnnlein dieſen Tag hart zu⸗ geſetzt und ich ſein nicht bedurfte, ſo haͤtte ich ihn doch gern zu einem Diener angenommen, denn er gefiel mir nicht mehr denn zu wohl. In Summa, ich fing ſie Alle und gab ſie doch auf eine alte Urfehd wieder ledig, ohne allein Veltin Schotten, der Herrn Konrads von Schotten Knecht, meinem jungen Vetter von Thuͤngen, auch meinem gnaͤdi⸗ gen Churfuͤrſten und Herrn, dem Pfalzgrafen, und mir zum Nachtheil und zuwider eingelaſſen und untergeſchleift hatte, den behielt ich, Georgen von Boͤdigheim und meinem Knaben und Vetter Hans Georgen von Thuͤngen zu gut, bei meinen Handen. Und iſt dieſe Handlung alle, wie vor und nach ge⸗ meldet iſt, ungefaͤhrlich in einem Monat von mir und meinem kleinen Haͤuflein ausgerichtet worden. Und wie ich ſie Alle ledig gab und fortzog, da ſtie⸗ ßen wir irgend ein Viertelmeil Wegs wieder auf 163 einen andern Haufen. Die hatten ungefaͤhrlich auf etliche 30 Pferde und wollten den andern gleich nachziehen und auch auf die Faſtnacht gen Haß⸗ furth kommen. Da dachte ich wohl, mein Schwa⸗ ger Sigmund Truchſeß waͤre darunter, der hatte meine Schweſter, den forderte ich aus dem Haufen, daß er zu mir kaͤme, der ſagte mir, wer die Reiter alle waͤren. Da ſagte ich ihm gleichwohl, wie es mir gegangen waͤre, und ließen ſie mich bei ihnen hinziehen, und als ich ihnen geſagt, daß ich es ge⸗ weſen waͤre, hatten ein Theil viel boͤſer Reden und Worte getrieben. Nun war ich Herrn Konrad Schotten noch 2000 fl. am Hauſe Hornberg ſchuldig, die ſollte ich ihm auf St. Peters Tag zu Schweinfurth er⸗ legen, wie ich auch auf dieſelbige Zeit that, und war ſeine Hausfrau da, die empfing das Geld. Und wie ich die Quittung von ihr nahm und gehe auf dem Markt heim der Herberg zu, ſo kam des Markgrafen Stallmeiſter zu mir, auf dem Markte, der kannte mich nun wohl und ſprach mich in al⸗ lem Guten an und warnte mich und ſagte, wie denſelbigen Tag bei 60 Pferde auf ihn geſtoßen waͤren, nicht weit von Schweinfurth, ich ſollte meine Sachen in guter Acht haben, denn er haͤtte gemetkt, daß es wider mich waͤre, und ich dankte ihm, wie billig, denn ich hoͤrte auch gern, damit ich mich konnte darnach richten.. h 86 11* 164 Nun dachte ich doch vorhin, ohne dieſe War⸗ nung, Herr Konrad Schott der wird ſich regen und mir irgend ein Poſſenſpiel zurichten; nahm mich nichts an, ging in die Herberg und aß zu Nacht; und da es wohl eine Stund oder zwo in die Nacht, und alle Thore zugemacht waren, hatte ich Sorge, ſie hielten vor allen Thoren und ſonderlich am Main⸗Thor, oder an dem Thor gegen den Schweinfurther Gau zu, da ich hinreiten wollte. Und wie ich ſorgte, ſo war es auch, und nahm mir fuͤr, ich wollte zu dem Thore hinaus gegen den Schleichtig zu, wie ich dann auch that. Das war nun nicht meines Weges, ſondern damit ich ihnen entgehen moͤchte, denn ich hatte wenig Pferde bei mir und nicht mehr denn meinen Knecht, und be⸗ fahl meinen Reitern, ehe wir hinaus zogen, daß ſie den Naͤchſten die Spieße auf den Beinen haͤtten. Denn hielte ſchon ein Geſinde vor uns, ſo wollten wir den Naͤchſten mit ihnen treffen und durch ſie ſchlagen. Aber ich hatte das rechte Thor vorgenom⸗ men, dahin hatten ſie nicht gedacht, daß ich zu ſel⸗ bigem Thore hinaus ſollte, aber die andern zwei Thore, wie ich Sorge hatte, die hatten ſie verhal⸗ ten, und mußte ich meinen Vortheil ſuchen, wie ich uͤber den Main wollte wieder auf Heidelherg zu. Ich hatte aber doch davor meinen gnaͤdigen Chur⸗ fuͤrſten und Herrn durch Hanſen von Rothenhahn verſtaͤndigt, was ich gehandelt hatte. Alſo kam ich 165 zu Zellingen uͤber den Main, darnach durch die Herrſchaft Werthheim herein wieder auf Heidel⸗ berg zu. Zweites Buch. Erſtes Kapitel. Weiter iſt auch maͤnniglich wohl wiſſend, daß in dieſer Landsart ein großer baͤuriſcher Auf⸗ ruhr ſich erhoben, dergleichen vor nie geweſen. Da ſchrieb mir mein Bruder Hans von Berlichingen ſel. anhero gen Hornberg, ich ſollte zu ihm kommen, nachdem viel Bauern zu Schoͤnthal laͤgen, ſollt ich ihm helfen, damit ſie ihn nicht uͤbereilten. Das that ich nun als ein getreuer Bruder, kam dahin, und handelte ſo viel mit denſelbigen Hauptleuten, daß ſie ihn zufrieden ließen. Darnach brauchte mich der Deutſche Meiſter in das Weinsberger Thal, da reit ich' als ein getreuer Nachbar Ihro Fuͤrſtl. Gna⸗ den zu Ehren und Gefallen und mit großen Sorgen dahin. Was mir begegnet, das zeigte ich Ihro Fuͤrſtl. Gnaden und Dero Befehlshabern zu Horneck an, und ſonderlich, daß ſie kein Geſchuͤtz haͤtten, nicht eine Buͤchſe, daß ſie koͤnnten einen Stein aus ſ h 1 5 — ͦ 166 einer Mauer ſchießen, welches ich darum that, da⸗ mit die zu Horneck ſich deſto beſſer darnach koͤnnten richten. Denn es waren etliche Leute darin, alſo daß das Haus dennoch beſetzt ward. Wie nun die Bauern zu Weinsberg gehandelt haben, das iſt maͤn⸗ niglich in dieſen Landesorten wiſſend, und zogen ſie darnach herab, den Naͤchſten auf Horneck und nah⸗ men es ein ohne alle Wehr. Wie wohl ich nicht mehr Pfalzgraͤfl. Diener war, ſo war ich doch gern bei Ihro Churfuͤrſtl. Gnaden in dieſer Handlung geweſen, und befahl demnach Wilhelm von Habern, daß man mir ſchreiben ſollte, wie ich mich ſollte halten. Denn ich hatte Sorge, dieweil die Bauern nahe da lagen, ſie wuͤrden mich auch uͤbereilen. Dazu beſorgte ich auch meines Weibes und Kindern, die lag auch der Zeit eines Kindes innen. Nun hatten mich mein Bruder und Andere meiner guten Freunde und Geſellen beſchieden in ein Holz bei Boxberg, das heißet das Heſpach, da ich denn mit großen Sorgen zu ihnen kam, denn der Teufel war uͤberall ledig. Da bedachten wir uns miteinander, zu welchem Fuͤrſten wir doch ziehen wollten, der in der Naͤhe waͤre. Da zeigte ich an, wie ich keinen ſolchen wuͤßte, denn meinen gnaͤdig⸗ ſten Herrn den Pfalzgrafen, der haͤtte ſich bewor⸗ ben, und war der meiſte Theil der Meinung, daß mir wollten zum Pfalzgrafen reiten. Da ſagte ich, ich waͤre einer Schrift wartend, waͤre es moͤg⸗ lich, ſo wollte ich ſie's wiſſen laſſen, was mir be⸗ 167 gegnete. Nun ritt ich von Stund an mit großen Sorgen in meine Behauſung, und ehe ich mich austhat, fragte ich mein Weib ob kein Brief von Heidelberg kommen waͤre. Da ſagte ſie: nein und ich erſchrack wahrlich uͤbel, daß ich nicht wußte, wie ich mich halten ſollte, denn es ging die Rede, daß ſich mein Herr, der Pfalzgraf, wollte mit den Bauern vertragen, daß ich nicht wußte, wie ich ihm thun ſollte. Habe auch ſeither denſelbigen Brief nicht geſehen, aber ſoviel erfahren, daß er meiner Schwieger und meinem Weibe zugekommen iſt, und als ſie ſolchen meiner Schwieger geleſen, hat ſie ihr befohlen, ſie ſollte mir bei Leib und Leben nichts davon ſagen, ſonſt waͤren ſie Alle geſtorben und ver⸗ dorben. Darum ich ſolchen Brief, wie gemeldet, nicht geſehen habe, und kam aus der Urſache in all mein Ungluͤck und Unrath, das mir begegnet iſt. Habe auch alsbald darnach, da ich die Sachen beſ⸗ ſer erfahren, die Schwieger nicht laͤnger in meinem Hauſe haben wollen, ſie iſt auch ſeithero nicht mehr darein gekommen. Und wie die Bauern zu Gundelsheim lagen, da waren daſelbſt etliche von Bernlingen und auch An⸗ dere, als Beringer von Bernlingen, ein ſehr alter Mann, und auch mein Bruder Wolff von Bern⸗ lingen, und andere mehr von Adel, die wußten auch nicht wo aus noch ein und haͤtten Alle gern Frieden erlangt. Und war ich auch bei ihnen und vertrugen ſich mit den Bauern, wie mehr an⸗ dere Fuͤrſten, Grafen und Herren gethan haben. Aber ich hatte mich in keinen Weg weder mit Wor⸗ ten noch mit Werken mit den Bauern eingelaſſen, ſondern mich fuͤr und fuͤr aufenthalten, und zog wieder in mein Haͤuslein und hoffte immer auf die Schriften von Heidelberg, wie ich denn mit Wil⸗ helm von Habern beredet hatte, ſie ſollten mir zu⸗ geſchickt werden: und weiß noch auf dieſen Tag nicht einen Buchſtaben ihres Inhaltes, darauf wollt ich ſterben, und ſo wahr als Gott im Himmel iſt und bei meiner Seelen Heil und Seligkeit. Wie ich nun in meinem Hauſe war, da bra⸗ chen die Bauern zu Gundelsheim wieder auf, und ſchickten die Hauptleute meinen Schultheißen zu mir, ich ſollte zu ihnen kommen, ſie haͤtten etwas mit mir zu verhandeln. Wußte ich doch nicht wie oder wann, fuͤrchtete mich auch, ſie moͤchten mich uͤber⸗ eilen, daß es meinem Weibe und Kindern und den Meinigen zum Nachtheil moͤchte gereichen. Denn ich hatte kein wehrſames Volk in meinem Hauſe, und waren die Bauern alle voll Teufel und wollten Knechte und Maͤgde auch nicht gut thun. Alſo zog ich mit dem Schultheiß hinauf und ſaß vorm Wirths⸗ 8 haus ab, und wie ich hineingehen wollte, ſo geht Max Stumpf von den Bauern die Stiegen herab und ſpricht:„Goͤtz biſt Du da?“ Da ſagt' ich:„jal was iſt die Sach', was ſoll ich thun oder was wollen die Hauptleute von mir?“ Da hebt er an: „Du mußt ihr Hauptmann werden.“ Da ſagt ich: 169 Gott, mir nicht! das thue der Teufel, warum thuſt Du es nicht, thue Du es an meiner Statt. Da ſagte er:„ſie haben mir es zugemuthet, ich habe mich aber pon ihnen geredet, und wann ich es meines Dienſtes halber thun koͤnnte, ſo wollte ichs thun.“ So ſagte ich wie vor:„ſo will ichs nicht thun, viel eher ſelbſt zu den Hauptleuten gehen, ſie werden mich nicht darzu zwingen oder noͤthigen.“ Da ſagte er:„nimms an, meinem gnaͤdigen Herrn und andern Fuͤrſten und uns allen, dem gemeinen Adel zu gut.“ Da ſagte ich:„ich wills nicht thun.“ Darauf ging ich zum Hauptmann ſelbſt und erlangte guten Beſcheid, allein daß ſie mir das anhaͤngten, ich ſollte zu den andern Hauptleuten auch gehen, die unterm Haufen draußen vorm Thore waͤren, wo ich ſie denn im Felde ſehen wuͤrde und ſollts ihnen auch anzeigen und ſie bitten. Das that ich denn, ritt hinaus und ſprach ſie an, eine Rotte nach der andern, wie ſie denn in allen Faͤhnlein haufen⸗ weiß bei einander waren. Da fand ich aber guten Beſcheid bei allen Fuͤrſten, Grafen und Herren, Verwandten und Unterthanen, die im Haufen waren, ausgenommen bei den Hohenlohiſchen. Die nahmen meinen Gaul bei dem Zaum und umringten mich, mit dem Vermelden: ich ſollte mich gefangen geben, geloben und ſchwoͤren, den andern Tag bei ihnen zu Buchen im Lager zu ſein, da wuͤrde ich ſie fin⸗ den, und ſollte ohne ihr Wiſſen nicht abziehen. Dies Geluͤbde zwang mich, daß 49 mich zu ihnen gen 170 Buchen ſtellte, damit nicht mein Weib und Kind und Andere von Adel beſchaͤdigt wuͤrden und ich that es mit traurigem, betruͤbtem und bekuͤmmertem Herzen, denn ich ließ mich nicht gern erwuͤrgen, wie ſie neulich vielen Frommen von Adel zu Weinsberg gethan hatten, und hoffte noch immer, ich wollte etwas Gutes erlangen, und zog alſo des andern Tages zu ihnen ins Lager, wuͤnſchte mir aber vielmal dafuͤr, daß ich in dem boͤſten Thurm laͤge, der in der Tuͤrkei waͤre, oder auf Erdrich, es waͤre wo es wollte, und ginge mir wie Gott wollt, wie mir gleich Gott aushilft. Da ich nun kam zum Hau⸗ fen, Gott erkannte und weiß wie mir war, da nahmen ſie den Gaul beim Zaum und mußt' ich abſtehen zu ihnen in den Ring. Da redeten ſie mit mir der Hauptmannſchaft halber, das ſchlug ich ihnen nun frei und gut rund ab. Ich konnte und wußte es meiner Ehren und Pflichten nach nicht zu thun; dazu verſtund ich mich nicht ihres Handels, denn ihre Handlung und meine Handlung und ihr Weſen und mein Weſen war ſo weit von einander als der Himmel von der Erde. Dazu konnt ich es auch gegen Gott, Kaiſerl. Majeſtaͤt, Churfuͤrſten, Grafen und Herren, und der gemeinen Ritterſchaft und gegen den Bund, auch alle Freunde und Feinde mit Ehren nicht verantworten, und bat, ſie ſollten mich deſſen entlaſſen. Aber es war ver⸗ loren, kurzum, ich ſollte ihr Hauptmann ſein. Da ſagte ich, ehe ich ihr Hauptmann ſein und ſo ty⸗ ranniſch handeln ſollte, wie ſie zu Weinsberg gethan und gehandelt haͤtten, oder auch nur dazu rathen und helfen ſollte, ehe muͤßten ſie mich todtſchlagen wie einen wuͤthenden Hund. Da ſagten ſie, es waͤre geſchehen, wo nicht, geſchaͤhs vielleicht nimmer. Nun kamen die Mainziſchen Raͤthe auch gen Buchen ins Feld zum Geſpraͤch, und Marx Stumpf mit ihnen. Deren waren fuͤnf oder ſechs, und war einer darun⸗ ter, der hieß hab ich es recht behalten, der Rucker. In Summa, die Mainziſchen Raͤthe baten mich auch, wie Marr Stumpf, ich ſollte ſolche Haupt⸗ mannſchaft ihrem gnaͤdigſten Herrn zu Gefallen, auch allen Fuͤrſten und dem Adel, hohen und nie⸗ dern Staͤnden im Reiche zu gut annehmen, ich moͤchte vielen Unraths damit vorkommen. Da ſagt ich drauf: wenn die Bauern von ihrem Fuͤrnehmen wollten abſtehen und der Obrigkeit und ihrer Herr⸗ ſchaft gehorſam ſein, mit ihren Frohnen Recht nehmen und geben, wie von Alters Herkommen waͤre, und ſich halten gegen ihre Obrigkeit, als wie frommen gehorſamen Unterthanen und Hinterſaſſen wohl anſteht und gebuͤhret, ſo wollt es ich acht Tage mit ihnen verſuchen. Da ſchlu⸗ gen ſie mir eine lange Zeit fuͤr, aber es kam letztlich auf einen Monat, doch daß ſie in allen Herrſchaf⸗ ten, Aemtern, Staͤdten, Flecken und Doͤrfern, ſie waͤren gleich daheim wo ſie wollten, weit oder oder nahe, unter ihrem Siegel hinter ſich ſchreiben, daß ſie dem Allem, wie obgemeldet, nachkommen wollten, und auch keines Fuͤrſten oder Edelmannes 172 Haus brennen oder beſchaͤdigen. Darauf nahm ich etliche ihrer Raͤthe und Hauptleute, die mich daͤuch⸗ ten tuͤchtig dazu zu ſein, und war ſonderlich deren einer, Wendel Hippler, ein feiner geſchickter Mann und Schreiber, als man ungefaͤhrlich einen im Reiche finden ſollt, war auch ein Hohenlohiſcher Canzlar geweſen, und thaͤten ihm die von Hohen⸗ lohe, ſo viel ich Wiſſens hab, auch nicht viel Glei⸗ ches. Den nahm ich zu mir und machten einen Vertrag, wie vorgemeldet, daß ſie gehorſam ſein ſollten und dergleichen und ſchreiben es hinter ſich in alle Amt und Herrſchaft, wo ein Jeglicher daheim war. Und wurd' auch ſolche Betheidigung und Vertrag uͤberantwortet und vom hellen Haufen und ihren Hauptleuten bewilligt, daß ich nicht anders wußte, als die Sache ſtuͤnde deſſelbigen halben, wie gemeldet, gar wohl und waͤre angenommen. Was geſchah aber? Sie wollten hinabziehen von Amor⸗ bach gen Miltenberg, und wollte Graf Georg von Wertheim auch dahin kommen, daß er ſich auch mit denen heilloſen Leuten vertragen moͤchte. Und ziehe ich dahin und waͤhne, ſie ziehen mir nach, ſo hal⸗ ten ſie ohne mein Wiſſen eine Gemeine mit dem ganzen Haufen, und war das die Meinung, die Bauern, denen man hinter ſich geſchrieben hat, waͤren mit ihrer Botſchaft da und ſagten, ſie wollten waͤhnen, ſie kriegten um ihre Freiheiten; ſo waͤre ihnen geſchrieben worden und geboten, ſie ſollten eben thun wie vorhin auch und dergleichen, und 173 machten alſo einen Aufruhr unter dem Haufen, daß ſie zuſammen ſchwuren und die Finger aufweckten und dieje⸗ nigen, die ſolchen Vertrag aufgerichtet haͤtten und ihnen zugeſchickt, todt zu ſchlagen, um der Urſache willen, daß ſie dem Vertrag, den wir aufgerichtet haͤtten, nachkom⸗ men und alſo handeln ſollten. Da wußt ich Herr Gott! nichts darum und zog doch dem Haufen zu und wollte ſehen, was die heilloſen Leute fuͤr einen Han⸗ del haͤtten. Da laͤuft ein Kriegsmann herab, der war von Heilbronn und war auch bei den Bauern, (den hatte ich gekannt, als unſer Etliche, als Phi⸗ lipp Echter, Franz von Sickingen, ich und andere gute Freunde und Geſellen Umſtadt einnahmen, da er Franz vor Darmſtadt lag); der gemeint's ohne allen Zweifel gut gegen mich und hatte alle Rede gehoͤrt, das ich nicht wußte. Und ſagte mit kurzen Worten zu mir: Junker reit nicht zum Haufen. Da ward ich ſchellig und ſchwur uͤbel, daß euch Boz der und jener auf einen Haufen ſchaͤnd'; was habe ich denn gethan? Denn ich konnte nicht wiſſen, was es war, oder warum ich beſorgen ſollte. Hatte an den Vertrag nicht mehr gedacht, ſondern gemeint, es bliebe dabei und ſtuͤnde gleich wohl. Wie ich ſchier zum Haufen kam, da ſah ich ein Schloß brennen, das heißt Willenberg, iſt des Biſchofs von Mainz. Welches alles wider den Vertrag, den wir aufgerichtet hatten, gehandelt war. Und wie ſie mit mir theidigten vor Buchen, und wollten mir alsbald oblaut laͤngere Zeit bei ihnen f. 4 — 174 zu bleiben auflegen, denn ich thun wollte, da ſagte ich frei zum ganzen Haufen, ſie ſollten mich alſo wie ich bewilligt, die acht Tage bleiben laſſen, ich wollte mich dermaßen halten, ſie ſollten mein eben⸗ ſobald muͤde werden, als ich ihrer. Und das geſchah auch und waͤhrte ſolche Hauptmannſchaft nicht uͤber acht Tage, wie ich geſagt hatte. Alſo zogen ſie'nein vor Wuͤrzburg, und lag das Lager hinaus zu Hutt⸗ berg; da hatten ſie abermal eine Gemeine, und wollten weder Fuͤrſten, Herren noch Edelleute bei ſich haben, und gaben mir auch vor der Zeit, wie ich ihnen geſagt, Urlaub. Da war ich mein Leben⸗ lang nicht froher, denn ich ließ mir in den 8 Tagen, was ich im Sinne hatte, das Herz nicht abſtoßen, wie ich denn nie ein Heuchler geweſen bin und noch auf dieſen Tag nicht, und redete nichts, das ihnen gefallen that, gab ihnen auch nicht Recht, wo ſie Unrecht hatten. Als ſie nun gen Wuͤrzburg kamen, richteten ſie die Sachen dahin, daß man ſie hinein in die Stadt ließ, und lagen bei St. Burkhards Muͤnſter und daſelbſt herum um die Bruͤcke, auch viel⸗ leicht zum Theil in der Stadt darinnen, denn es waren der Haufen viel. Und wie wir alſo etliche Tage zu Wuͤrzburg gelegen, da kommt ein guter frommer treuherziger Mann der vielleicht ſahe, daß ich die Sachen meiner Meinung nach treulich und gut gemeint und nicht jedwedem redete, was ihm wohlgefiel) zu mir allein und warnet mich, ohne Zweifel aus redlich treuer Meinung mir zu Gutem, 175 und ſagte, ich waͤre ein guter freier Edelmann und redete frei und waͤre kein Heuchler, er riethe mir aber doch vertraulicher Weiſe, ich ſollte ſolcher Rede muͤßig gehen und ſollte mir auch bei Leib und Le⸗ ben nichts merken laſſen, daß er mich gewarnt haͤtte, denn wo ich es nicht thun wuͤrde, ſo waͤre beſchloſ⸗ ſen, ſie wollten mir den Kopf herab ſchlagen. Und war derſelbige darzu der Siebener und inneren Raths Einer. Was die Bauern beſchloſſen, das nahmen ſie an, und was ſie handelten, das war gethan, dabei mußten die Bauern bleiben. Das nahm ich nun willig zu großem Danke an, denn ich merkte, daß ers treulich und gut ge⸗ meint, und war wohl bedacht, was ich thun oder wie ich mich halten ſollte. So lag mir das im Wege, daß ich einen Monat zu ihnen gelobt und geſchworen hatte. Nun hielt ich mich, wie vorge⸗ meldet, daß es acht Tage waͤhrete, daß ſie mir Ur⸗ laub gaben. Ich blieb aber doch die vier Wochen, wie ich gelobt und geſchworen hatte, damit ſie nicht Urſache haͤtten, als ob ich mein Geluͤbde gebrochen. Dem ſei nun, wie ihm wolle, ſo wußt' ich weder in Wuͤrzburg noch im Lager von ihnen zu kommen, denn wenn Gott vom Himmel zu mir gekommen waͤre, ſo haͤtten ſie ihn nicht mit mir reden laſſen, es waͤren denn zehn oder zwoͤlf dabeigeſtanden, die zugehoͤrt haͤtten. So hatte ich Sorge, wenn ich ſchon von ihnen gekommen waͤre, alle Fuͤrſten, Gra⸗ fen, Herren, Ritter und Knechte die haͤtten mein ent⸗ —õ:;———-—— 2„ 1 176 gelten muͤſſen, aus der Urſache, daß ich meiner Ge⸗ luͤbd und Pflicht, einen Monat bei ihnen zu blei⸗ ben, nicht nachgekommen waͤre, und moͤchten daſ⸗ ſelbe als eine Urſache fuͤrgewendet haben, damit es viel unſchuldigen Leuten vom Adel und andern zum Nachtheil gereicht haben wuͤrde. Indem gab Gott der Allmaͤchtige dem Schwaͤbiſchen Bunde Sieg und Gluͤck, daß ſie einen Haufen im Lande zu Schwaben ſchlugen. Da merkte ich wohl, daß ihnen die Katze den Ruͤcken hinauf lief, darum ſie denn bald zu Wuͤrzburg aufbrachen, und zogen her⸗ aus auf Lauda zu und hatten das erſte Lager an der Tauber, darnach zu Krautheim, darnach auf die Neuenſtadt an der Linde und durch die Hohenlohi⸗ ſchen Orte, und blieb ich bei ihnen bis gen Adols⸗ furth, das iſt auch Hohenlohiſch. Da hatten ſie ein Lager, und war eben auf denſelbigen Tag meine Zeit und Ziel der vier Wochen, die ich zu ihnen verpflichtet war, aus und dachte ich, nun iſt es Zeit, daß Du ſiehſt, was Du zu ſchaffen haſt. Und ich glaube nicht, daß ſie es wußten, daß meine Zeit aus war, ich aber wußte es wohl, denn ich rechnete ſchier alle Tage daran. Alſo Gott der All⸗ maͤchtige gab Gluͤck, daß ich von den boͤſen oder frommen Leuten, wie ich ſagen ſoll, loskam. Nun hat ein jedweder ehrlicher verſtaͤndiger Menſch, er ſei wer er wolle, aus dieſer meiner ſchriftlichen Anzeigung leichtlich und wohl zu verneh⸗ men, ob ich mich wohl oder uͤbel bei dem Bauern⸗ 177 kriege gehalten habe, und wollte auch gern einen redlichen Menſchen, er ſei wer er wolle, ob er ſchon partheiiſch waͤre, hoͤren davon reden, wie ich mich doch anders bei einem ſo tyranniſchen Volke, wie ich zu dieſem verpflichtet bin geweſen, gehalten ha⸗ ben ſollte als wie ich gethan habe. Und haͤtt' ich es beſſer gewußt, ſo wollte ich es auch beſſer gethan haben, und ich weiß nichts, das ich gethan habe, als daß ich manchen Churfuͤrſten, geiſtlichen und weitlichen, auch Grafen, Herren, Rittern und Knech⸗ ten hoch und niedern Standes großen merklichen Schaden ſo viel mir moͤglich geweſen, verhuͤtet habe, auch darum mein Leib und Leben in Faͤhrlichkeit begeben, daß ich keinen Tag wußte, ob ich ſicher war, daß ſie mich nicht zu todt oder den Kopf herabſchlugen. Und kann mir auch keiner, er ſei wer er wolle, auflegen, daß ich je Einem eines Neſtels werth genommen, entwendet oder begehrt habe, ſon⸗ dern ſo viel woͤglich einen jeden fuͤr Schaden und Nachtheil bewahrt, auch mein Lebenlang in keinem Krieg geweſen, da ich Gott mehr und vielfaͤltiger in dem Felde um Frieden, daß ich mit Ehren davon kommen moͤcht, angerufen und gebeten habe, denn bei denen ehrloſen(2) Bauern. Und iſt auch die Wahrheit, daß der Abt und das Konvent zu Amor⸗ bach den Hauptleuten, wer ſie auch waren, jegli⸗ chem einen oder zwei Becher gaben und wollten mir auch zwei geben. Das merkte ich wohl, daß ein Betrug dahinter war, die Andern hahnen ihre, 178 allein ich gab ihnen meine zwei wieder und ließ ſie auf dem Tiſche ſtehen, denn ich wollt' ihrer nicht, weiß auch nicht wo ſie hingekommen ſind, ich habe ihrer keinen in mein Haus gebracht. Etliche Dinge kaufte ich den Bauern ab und waͤhnte, es waͤre Silber und uͤbergoldet, aber es waren meſſin⸗ gene Roͤhren und uͤbergoldet, und liehe mir auch Leonhard von Thurn daſſelbige Geld, das ich ihm wieder erſtattete und weiß nicht einen Pfennig, daß ich es genoſſen habe. Und hat mich gleichwohl nach ſolchem Handel glaubig angelanget, wie der Abt von Amorbach ſich hoͤren laſſen, er habe viel Silberge⸗ ſchirr verloren, und der Meinung, ob es ihm ent⸗ wendet waͤre worden, davon ich denn bei der goͤtt⸗ lichen Wahrheit nicht weiß zu ſagen, denn daß ich mit dem vermeinten Geſchirr als ob laut zum hoͤch⸗ ſten betrogen worden, welches die gruͤndliche Wahr⸗ heit iſt und viel guter ehrlicher Leute darum wiſſen. So hat man auch daſſelbige Silbergeſchirr, das der Moͤnch klagte, darnach, da er ſterben wollte, hinter ihm ſelber unter ſeinem Bette, darauf er geſtorben iſt, gefunden. Iſt gut zu denken, daß ers ſelber wollt behalten und wollen verdeſtilliren. Das hat mir meiner Pfarrherrn Einer, der ein frommer ehr⸗ licher Mann war, und von dem nie keine Luͤgen gehoͤrt worden, angezeigt, mit Namen Friedrich Wohlfarth, der dann laͤnger als 50 Jahr mein und meiner Bruͤder Pfarrherr zu Jaxthauſen und Neuen⸗ ſtaͤbten geweſen; der hatte es von etlichen Moͤnchen 170 aus dem Konvent zu Schoͤnthal gehoͤrt, dahin es ohne Zweifel von den Moͤnchen zu Amorbach gekommen; wie denn die Moͤnche einander Nichts verhehlen. Das habe ich dennoch zu Entſchuldigung meiner Ehren und Anderer, die der Sache auch unſchuldig ſind, nicht unangezeigt laſſen wollen. Zweites Kapitel. Nun kann und willl ich meiner großen Noth⸗ durft nach auch einem jeden nicht verhehlen, daß ich auf etlicher Leute Anſuchen, die meinethalben mit Herrn Georg Truchſeſſen geredet, zu ihm gen Stuttgart geritten, der denn ein Obriſter Haupt⸗ mann und Gubernator uͤber das ganze Wuͤrtember⸗ giſche Land geweſen iſt. Und wie ich nun etliche Tage bei ihm zu Stuttgart verharret und wir des Baͤueriſchen Aufruhrs und andrer Sachen halber viele Sprach mit einander gehalten haben, trug ſich zu, daß er mich zuletzt anſprach, ich ſollte Koͤnigl. Majeſtaͤt Ferdinandus, der jetztund Kaiſer iſt, Die⸗ ner werden. Und wie wohl ich wußte, wo ich hin ſollte und guten Plaß wollt⸗ gehabt haben, da ich denn auch gern geweſen waͤre, nund hatte mir ein guter Freund daſſelbige zugeſchrieben. Jedoch gedachte ich daß ich, meines Weihes Auntdr dügbet⸗amh * 180 meiner Armuth halber, etwas thun mußte, und auch daß ich Kaiſerl. Majeſtaͤt, der denn unſer Ob⸗ riſter Herr im ganzen Roͤmiſchen Reiche iſt, billiger und ſchuldiger zu dienen, denn einem Andern, ſein ſollt. Ich ſagt's ihnen derohalben zu, daß ich keinen andern Herrn wollte annehmen) ſondern ſeines Beſcheids wollte erwarten, doch ſo fern, daß es auch Glaub' wer, darauf ichs denn mehr als einmal Ihro Gnaden zugeſagt, ich wollte mich darauf verlaſſen. Da ſagte er mirs auch zu, und ſollt ich wie billig und meinen Zuſa⸗ gen nach Glauben halten, und war ſelten eine Wo⸗ che, ich reit' einmal nach Stuttgart und lud er mich und that mir alle Ehre an und meinte, des Beſcheids halben ſtund es gleichwohl. Wie es aber mir gangen, das weiß Gott, denn ich bei ſol⸗ chem Trauen und Glauben in des Bundes Hand unſchuldig niedergeworfen worden, wie ich hiervon genugſam gemeldet und angezeigt habe; und haͤtte ich mir ſelbſt gefolgt, ſo wollt' ich mich an allen meinen Feinden gerochen haben, es waͤre denn Sache, daß ich darob zu Grunde gangen ſein moͤchte, welches zu Gott dem Allmaͤchtigen geſtanden waͤre. Und wurde ich dergeſtalt vergluͤbdet: wenn man mich mahnte, ſo ſollte ich mich ſtellen, und war mir doch kein Platz, weder in meiner Behauſung noch anderswo, wo ich mich ſtellen ſollte, benamt, al⸗ lein ich ſollte der Mahnung warten, und ließen mich darauf wieder reiten. Daraus denn ein Jeg⸗ licher müh erathten kann, wenn ich mich der Ge⸗ faͤngniß hoch beſorgt oder ſchuldig gewußt haͤtte, daß ich wohl an einen Ort wollt geritten ſein, daß ſie mich ihr Lebenlang nicht ſollten gemahnet haben; wollt' demnach wohl Rath gefunden haben, oder wo ich mich geſtellt haͤtte, wollte ichs mit Unterſchied gethan haben, daß ich dann alles gewußt haͤtte als einer der lebt. Aber ich wußte mich ſolcher Sachen frei, unſchuldig, und das noch mehr iſt, da ich mich ſtellen ſollt und wollt,, da kam ich gleich in kurzen Tagen davor gen Wertheim zu meinem gnaͤ⸗ digen Herrn Grafen Georgen von Wertheim, der denn mein gar vertrauter und gnaͤdiger Herr war, der mir auch uͤber ſeinen Leib, Hab und Gut, Land und Leute vertraute, desgleichen vertraute ich Ihro Gnaden auch und er war mein Lehnherr dazu; und allda lag Herr Tillmann von Bremen, der war de⸗ rer von Nuͤrnberg Diener und Rittmeiſter und ſo⸗ ich recht behalten, ihr Schuldheiß darzu, und lagen alle in meiner Herberge zu Wertheim, da ich in⸗ nen lag. Nun mein gnaͤdiger Herr Graf Georg der ſchickt gegen den Abend ganz ſpaͤt, da wir ſchon zu Nacht gegeſſen hatten, Einen zu mir in die Herberg, daß ich ſollt' am Morgen zum Fruͤheſten droben im Schloſſe ſein. Das that ich, fand auch Ihro Gnaden auf mich wartend, wie ſie mich beſchieden hatten, denn er war ein emſiger Herr in ſeinen Sachen, empfing mich, bot mir die Hand und fragte mich in allem Guten und treuer Meinung, wie ich mich halten 182 wollte, ob ich mich gen Augsburg ſtellen wollte oder nicht. Ich ſagte: Ja. Da widerrieth er mirs wahrlich aus treuer Meinung, anders konnt ichs nicht merken, und ſagte: ob ich mich doch ſtellen wollte. Da ſagte ich: ich will mich ſtellen und ſollte ich wiſſen, daß ſie mich zu unterſt in Thurm werfen, denn ich weiß mich der Sachen des Baͤueriſchen Aufruhrs halber, wie Euer Gnaden ſelbſt wiſſen, unſchuldig und mit guten Ehren wohl zu verantwor⸗ ten. Da fuhr er weiter heraus und ſagte: er wollt⸗ mir in guter treuer Meinung nicht verhalten, daß Befehl verordnet waͤre von den Bundesſtaͤnden, ſo⸗ bald ich vor der Herberge abſaͤße, ſollte man mich den Naͤchſten nehmen und in Thurm werfen. Und merkte ich ſo viel von Ihro Gnaden, daß ſie ſol⸗ ches von Herrn Tillmann von Bremen, wie ich denn nicht anders achten konnte, verſtanden hatten, doch weiß ich es nicht fuͤrwahr, denn ich ſolches nicht eben von Ihro Gnaden verſtanden, ſo hab ich auch nicht wollen fragen, und lag ſolcher Herr Till⸗ mann, wie gemeldet, in meiner Herberg. Und wie mir der gute fromme Graf ſagte, alſo ging mirs auch, allein daß ich oben darauf und nicht unten in Thurm kam. Da lag ich zwei Jahre und mußte das Meine verzehren, das mir lange Zeit ſauer worden war.*) Und bin darnach von des Herzogs von Wuͤrtemberg wegen vierthalb Jahr zu Heilbronn gefangen gelegen, habe das Meine *) zu rauben? 183 daſelbſt auch verzehrt und ihnen Geld dazu geben muͤſſen. Das ſind ſchon 5 ¼½ Jahr, darinnen ich gefaͤnglich enthalten worden, darnach wie Kaiſer⸗ liche Majeſtaͤt mich in Ihren Schutz Schirm und Geleit aufgenommen und in ſolchem Geleitbrief mir zu gut angezeigt, daß Ihro Kaiſerl. Majeſtaͤt mich wollten in Ungarn brauchen, habe ich mich 16 Jahr in meiner Behauſung behalten und bin nicht aus meiner Mark gekommen und habe mich anders nicht, als denn ich verpflichtet geweſen, gehalten, wie ich bei der goͤttlichen Wahrheit ſagen darf. Und als ich einmal auf dem Waidwerk geweſen war, auf ein Wieſenplaͤtzlein gekommen und der Markung ſo mir in der Verſchreibung beſtimmt geweſen, nicht in Acht genommen, bin ich gleich darob erſchrocken und dachte, ich waͤre aus der Markung, aber die Ver⸗ ſchreibung ſtund ſo weit meiner Markung Zins und Guͤlt reicht. Da erfuhr ich alsbald bei meinen Verwandten, daß mir das Wieslein einen Som⸗ merhahnen zu Zins gab, und wurde froh und wohl zufrieden, daß ich nicht aus der Markung geſchritten, wiewohl es ungefaͤhrlicher Weiſe geſche⸗ hen war. Aus dem allen konnten alle Staͤnde, Churfuͤrſten, Grafen, Freiherrn, Ritter und Knechte, hoch oder niedern Standes, wohl und richtig erachten, was mein Sinn und Gemuͤth allweg geweſen, und auch wiſſentlich iſt, daß ich viele Fuͤrſten, auch meinesgleichen, auch andere hoch und niederen Standes, und ſchier vom Hoͤchſten bis zum Niederſten ohne alle Beſoldung 184— aus freiem Willen, mein Leib und Blut, Leben und Gut in ihren Haͤndeln und Kriegen in Gefaͤhr⸗ lichkeit begeben und darob auch große Noth erlitten, dabei ich es jetzt, zumal ſo viel dieſen Artikel be⸗ ruͤhrt, auch beruhen und bleiben laſſen will. Drittes Kapitel. Und das noch mehr iſt, ſo bin ich zwei Jahr in dem Gefaͤngniß zu Augsburg gelegen, wie denn oben genugſam davon gemeldet, wie ich mich ge⸗ halten; uͤber das ich von hohen und niedern Staͤn⸗ den aus treuer Meinung bin gewarnt worden, dennoch habe ich mich meiner Sachen ſo frei ge⸗ wußt, daß ich kein Recht oder Billigkeit geſcheut und meiner Pflicht nach, unangeſehen der großen Ge⸗ faͤhrlichkeit und Warnung halben, ſo mir beſchehen, mich gen Augsburg geſtellt. Und als mich die Buͤndiſchen Raͤthe etlichemal angeredet haben des Baͤuriſchen Aufruhrs halben, da habe ich ihnen frei zu erken⸗ nen gegeben, ich wuͤßte mich ſolches mit Gott und den Rechten wohl zu verantworten, und ſie darauf gebeten, der Bund ſolle einen Schreiber zu mir ab⸗ fertigen, da wollt ich aufzeichnen laſſen, wie die Sache beſchaffen ſei, daß ich zu Gott verhoffte, der Bund ſollte einen Gefallen daran haben. Das ha⸗ ben ſie gethan und einen feinen Mann, der zu Augs⸗ burg daheim geweſen, zu mir geſchickt, da habe ich, wie die Sachen beſchaffen, mit eigener Hand auf⸗ geſchrieben, daß es der Schreiber wieder abſchreiben ſollte und dem Bund uͤberantworten. Und uͤber eine lange Zeit darnach kommen etliche Bundesraͤthe zu mir in mein Gefaͤngniß und zeigten mir wieder etliche Artikel von dem Bunde an, das denn mei⸗ nem Schreiben und Verzeichniß ganz zuwider war, daß es mir im Herzen wehe that, dieweil ſie mei⸗ nem wahrhaften Schreiben nicht Statt oder Glauben geben wollten, und ſagte aus lauterm Zorn und Unmuth mit weinenden Augen: wer mir anders zumaͤße, denn wie in meinem Schreiben und Ver⸗ zeichniß, ſo ich dem loͤblichen Bunde zugeſchickt, ge⸗ meldet, der thaͤte mir Gewalt und Unrecht und leugt auf mich als ein ehrendiebiſcher Boͤſewicht, er ſei wer er wolle, das will ich mit Gottes Huͤlfe dar⸗ thun, als einem frommen ehrlichen von Adel ge⸗ buͤhrt. Und das noch mehr iſt, da ich aus der Gefaͤngniß gekommen bin, ſo habe ich muͤſſen ge⸗ loben und ſchwoͤren, dem Biſchof von Mainz und dem von Wuͤrzburg des Rechtens zu ſein, wie ich denn gethan habe. In derſelben Rechtfertigung ſchrieb mir ein Freund, Wolff von Freiburg, deren von Augsburg Hauptmann, der meiner Sache wahr⸗ lich treu und gut hat gemeint, iſt auch oftmals bei mir im Thurme geweſen und hat ſich aus Mitleiden als ein Frommer von Adel alles Guten gegen mich 186 erzeigt und nicht anders geſpuͤrt, dann er ein groß Mitleiden mit mir hatte. Und als ich mit dem Biſchof von Mainz zu Augsburg vor dem Bunde in Rechtfertigung ſtand, da hat er und vielleicht Andere mehr, mit den Mainziſchen Bundesraͤthen meinethalben geredet und gehandelt. Dieſe ſeine Meinung ſchrieb er mir herab in meine Behauſung, wie ſeine und Anderer Abrede mit den Mainziſchen geweſen waͤre und daß er verhoffte, es waͤre um ein Geringes zu thun, um ein 1000 fl. mehr oder weniger ungefaͤhrlich, und war ſein getreuer Rath, ich ſollte ſolches bedenken und nicht abſchlagen, denn er wollte alle die Bundesraͤthe, die daſaßen und meine Sache gut und treulich meinten, mit einem Pfenning weg ſpeiſen. Da ſchrieb ich ihm wieder auf friſchem Fuß, ich wuͤßte mich meiner Sache oder Baͤuriſchen Aufruhrs halben frei und gerecht, und wenn ich den wenigſten Heller in meiner Stuben finde, der je aufs Erdreich kommen waͤre, ſo wollte ich ihn nicht geben, ſondern wollte ſehen, was Recht waͤre. Daraus aber ein jeglicher Verſtaͤndiger kann abnehmen, wie unſchuldig ich in dieſe Laſt und Ge⸗ faͤhrlichkeit kommen bin. Darauf haben die Bundesraͤthe beſchloſſen und fuͤnf Raͤthen befohlen, das Urtheil meinethalben zu beſchließen und auszuſprechen. Das iſt nun geſche⸗ hen, dabei es noch bleibet und ſtehet. Und habe ich der Zeit nicht gewußt, wer die fuͤnf Raͤthe und und Urtheilſprecher geweſen ſein, denn was ich dar⸗ 187 nach erfahren, wie das Urthel heraus kommen, und ich glaube, wenn ich gewußt, daß die fuͤnf das Ur⸗ thel ausſprechen ſollten, waͤre es mir etlicher Urſa⸗ chen halben hochbeſchwerlich geweſen. Allein ein Edelmann iſt unter ihnen geweſen; den kannt ich, der hatte nur Ein Auge und iſt ein Marſchalk von Pappenheim geweſen. Den haͤtte ich als einen Edelmann unverdaͤchtlich geachtet, aber die Andern zum Theil waͤren mir verdaͤchtig genug geweſen, aus Urſachen, daß die Geiſtlichen nicht meines Glaubens waren und ich mit denſelben Fuͤrſten in vielen Feh⸗ den und Handlungen geſtanden und derſelbigen Rich⸗ tern einen ſeines Herrn halben in Fehden niederge⸗ worfen und etliche Zeit gefangen gehabt hatte, wel⸗ chen ich doch als einen Biedermann allwegen in ſeinem Gefaͤngniß geſpuͤrt, und bin ſeithero nicht zu ihm kommen; aber zuvor, es ſei auf Bundestagen oder ſonſt geweſen, iſt er allwegen zu mir gegangen und hat mir die Hand geboten, ich hab ihn aber auch in ſeinem Gefaͤngniß, ſo viel an mir und moͤg⸗ lich geweſen, gehalten, als wie ein Frommer von Adel einen gefangenen Biedermann billig halten ſoll, wie er denn ohne Zweifel, ſo er noch am Leben, ſagen wird. An den andern drei Richtern, als Aebten und Praͤlaten, wer ſie ſind, haͤtte ich auch keinen Mangel gehabt, allein der Sekte halben, daß wir nicht Eines Glaubens ſind, wußte ich wohl, daß ich nicht viele Gunſt oder Gnade bei etlichen geiſtlichen und weltlichen Fuͤrſten des Glaubens hal⸗ 188 ber hatte. Aber fie haben ſich wohl gehalten und ohne allen Zweifel gethan, als wie fromme Herren und Nichter billig thun ſollen, will ſie auch in dem ungetadelt haben, ſondern ihnen alles Gute thun, ſo viel an mir iſt, bei dem allen will ich es laſſen bleiben. Viertes Kapitel. Und beſchließlich zeig' ich das Alles darum an, daß ein Jeder aus dieſem meinem Schreiben ohne Zweifel abnehmen und erachten kann, wie unbillig und unſchuldig ich in beruͤhrte Gefaͤngniß und ſchwere Laſt kommen bin. Ich hatte auch keinen Zweifel, wo der Schwaͤbiſche Bund nicht zertrennt waͤre worden, ich wollte meiner Verſchreibung halben mir und meinen Erben zu Guten eine Erleichterung von ihnen erlangt haben, wie ich dann ſolches meinen Freunden, in meinem Gefaͤngniß, angezeigt habe, daß ſie nicht erſchrecken ſollten. Denn ich ſcheue kein Recht, ich wollte meine Sache und Unſchuld mit der Zeit dem loͤblichen Bunde dermaßen weiter zu erkennen geben, daß ich ohne Zweifel ſei, ſie werden mir ſolche ſchwere Urfehd erleichtern und ſich gnaͤdiglich gegen mich als einem Rechtmaͤßigen von Adel beweiſen, daß ich auch keinen Zweifel gehabt 189 haͤtte, wenn der Bund, wie gemeldet, nicht waͤre zertrennt worden. Dieweil denn nun wiſſentlich war, daß ich des baͤuriſchen Aufruhrs unſchuldig geweſen bin, auch die Mainziſchen Raͤthe und Amtleute, die mir ſol⸗ ches Spiel zugerichtet, wie denn ich ſelbſt von ihnen verſtanden, mich geheißen und von ihres Herrn wegen gebeten, ſo habe ich auch mich in demſelbi⸗ gen dermaßen gehalten, daß Churfuͤrſten, Fuͤrſten und allen denen von Adel meine Handlung zu allem Guten gereicht, darum ich billiger Lob, Ehre und Dank ſollte verdient haben, denn die Strafe, und ich um derſelbigen willen alle Tage meinen Kopf, Leib und Leben von hohen und niederen Staͤnden wegen in die Schanze geben muͤſſen, wie denn hiervor in meiner Verantwortung oft ge⸗ meldet. So waͤre ſchier zu vermuthen, daß in die⸗ ſer meiner Fehde und Krieg, ſo ich gegen etliche Staͤnde im Bunde gehabt, die denn alle gerichtet und vertragen geweſen, mehr muͤſſen entgelten, denn der Bauern halben. Ich habe mich des baͤuriſchen Aufruhrs halben klaͤrlich und genugſam verantwortet, das Alles ich Gott dem Allmaͤchtigen in ſeine ge⸗ waltige, ewige, allmaͤchtige Hand allwegen befohlen und noch befohlen haben will. 19 Drittes Buch. 8 Erſtes Kapitel. Mattan Erſtlich: kurz nach der Nothenburgiſchen he. lung, da habe ich aber einen Handel gehabt, denn Herr Melchior Suͤzel ſel. ſchrieb mir gen Jaxthau⸗ ſen, als ich eben ungefaͤhrlich dahin kommen war, und bat mich, ich ſollt' eilend zu ihm kommen gen Balbach, und gemeinte er, wie ich doch nicht an⸗ ders gewußt, meine Sache treulich und gut. Wie ich dahin kam, hatte er viel Geſinds im Hauſe, die er vielleicht auch beworben hatte, welche zu mir kamen und zeigten mir an, was die Meinung waͤre und warum mir Herr Melchior Suͤzel ſel. geſchrie⸗ ben haͤtte, und ſagten, wie der Landgraf von Leuch⸗ tenberg ihm den andern Tag zuvor einen Knecht auf dem Waidwerk niedergeworfen haͤtte da er vermeinte, das Jagen waͤre ſein. Und er haͤtte nun wieder einen An⸗ ſchlag, da er wuͤßte wo der Landgraf den andern Tag auch jagen wuͤrde, da wollte er ſich an ihm raͤchen und wollte auch dagegen handeln. Da ſagte ich, als der Juͤngſte unter ihnen, wie wenn der Verraͤther, den ihr habt, uns alsbald verrieth als jene, und wie es mich ahnte, ſo gings auch. Wir waren fruͤher zu Bal bach heraus, und gab ich einem Knechte, der hieß Dalle, zwei Buben zu, einer war Goͤtz von Thuͤn⸗ gens und der andere mein, und befahl ihm, daß er ſollte die Buben zu ſich nehmen, die Augen auf⸗ thun und die Hoͤlzer und alle Dinge wohl beſehen, 191 auf daß wir nicht die Haͤnde in die Kohlen ſchluͤgen. Und er und die Buben wurden keines Reiters ge⸗ wahr, und ließ ich Goͤtz von Thuͤngen bei den Rei⸗ tern und zog ich dem Dallen und den Buben zu, und wollte acht haben, ob irgend Reiter hielten, damit ich ſolches Goͤtzen von Thuͤngen und ſeinem Haͤuflein konnte zu verſtehen geben, daß wir den⸗ noch ſaͤhen, wie wir von ihnen kaͤmen. Aber der Dalle und die Buben uͤberſahen die Reiter und wur⸗ den, wie vorgemeldet, keines gewahr. So zeucht Hans von Wald, ein Allesheimer, auch neben mir auf der rechten Seite ein gutes Weglein von mir. Da kommt Einer an ihn mit einem Spieß, und fiel er vom Gaul herab, ehe der bei einer halben Ackerlaͤnge zu ihm kam, und kam auch Einer an mich, aber ich beſorgte mich nicht vor ihm, denn ich war ziemlich beritten und war ſchon faſt ins Holz gekommen. Und haͤtte mich derſelbige auch ſchier an einem Buſch herabgerannt. Aber ich er⸗ hielt mich, und ehe ich mich wieder eingerappelt im Sattel, da war wieder Einer an mir und ſtach mich herab, daß ich ihn nicht ſahe. Ich den Naͤch⸗ ſten auf und den Schaͤftlein zu, alſo daß er mir nichts mehr anthun konnte, denn er war auch vom Spieß kommen, und ich kam zur Wehre, daß ich mich ſeiner wohl betragen und erwehren moͤchte. Da von der Au aber Herr Georg Truchſeß kam mit des Landgrafen Reitern auch, und war ich ſchon am Holz daran und meinte ich wollte hineinſpringen 192 daß ich irgend einen Vortheil moͤchte haben. Aber es kam noch ein Knecht an mich, ehe ich ins Holz kam, welcher den Spieß hatte eingeworfen, und wie mich der hievor vom Gaule geſtochen, alſo rannte mich dieſer mit dem Spieße zu Fuß um. Da war Herr Georg Truchſeß auch gleich mit ſeinen Reitern da und ſagte:„Schwager Goͤtz, biſt Dus?“ Antwort' ich„ja“. Da ſagt' er:„Du wirſt des Landgrafen und mein Gefangener ſein, wie ich dann thun muß.“ Und zog ich als ein gefangener Mann hinein gen Balbach, wiewohl mir Herr Georg Truchſeß nicht anders ſagte, denn da ſollt ich des Landgrafen und ſein Gefangener ſein, und zeigte mir nicht an, wo ich mich ſtellen oder wie ich mich halten ſollte; oder wo der Mahnung gewarten. Und da ich gen Balbach kam, da war Hans von Wald auch da gefangen und hatte keinen andern Beſcheid wie ich. Da ſagte ich zu ihm:„wir ſind junge Geſellen, es iſt Einem bald eine Schelle angehaͤngt; wir wol⸗ len ihm alſo thun und wollen morgen auf das Fruͤheſte vor das Schloß Lauda ruͤcken und einen zu Georg Truchſeſſen hineinſchicken und ihm anzeigen laſſen, wir waͤren junge Geſellen und in ſeiner Hand, er haͤtte uns niedergeworfen und gefangen. Nun hatten wir keinen Beſcheid, wie wir uns halten ſollten, ſo wollten wir uns als junge, fromme und redliche Geſellen von Adel auch gern halten, daß wir ohne Nachrede waͤren, dieweil wir auch in Unguten nichts mit ihm oder dem Landgrafen zu thun haͤtten, baͤten wir ihn darauf freund⸗ 193 lich er ſollte uns ledig geben oder einen guten Beſcheid widerfahren laſſen, wie wir uns halten ſollten. Da beſchied er uns den andern Tag gen Borberg, allda wollte er zu uns kommen und uns guten Be⸗ ſcheid geben, wie er auch that. Und da er nun zu uns kam, da handelte er nichts mit uns, ſondern gab uns frei ledig und ohne alle Urfehde, und hielt ſich auch darnach dermaßen gegen mich, daß er mir einen großen vertraulichen Dienſt that, als mir kaum ein Freund gethan hat, und iſt auch ſeithero mein guter Freund und Herr geweſen und geblieben. Und, weil ich je im Handel bin, ſo habe ich des Artikels auch nicht vergeſſen wollen, wiewohl ich darob ge⸗ ſchlagen, gefangen und herabgeſtochen worden bin. Zweites Kapitel. Zum Andern, nach dem Allem hat mir Fran⸗ ciscus von Sickingen, mein Schwager, auf eine Zeit gen Meckmuͤhl geſchrieben, zu ihm gen Eberberg zu kommen, als ich auch gethan habe, und nahm meinen Weg von Meckmuͤhl gen Heidelberg. Ich hatte ein boͤs heimlich Leiden bei mir, daß mir nicht wohl war, und ließ meinen Harniſch, zum Theil auch Schurz und Ermel und was es bem war, in . 1 194 Heidelberg zum Hecht liegen, und war des Mor⸗ gens am Allerheiligenabend fruͤhe auf und aß oder trank nichts. Denn meine Gewohnheit war, wenn ein Faſttag war, ſo aß ich einen ganzen Tag nichts bis Nachts, und wie ich den Rhein zu gen Pfedersheim ziehen will, mußt' ich alſo hart neben dem Thore herziehen, und iſt ein tiefer hohler Weg da hinab, alſo daß man ein⸗ ander nicht ſehen kann. Wie ich nun die Hoͤhle auf Alzei zuziehe und mich keiner Reiterei verſehe, auch dahin nicht gedachte, denn es war mir mehr als wehe, daß ich eben lieber geweint als gefochten haben wollte. Und wie wir vor dem hohlen Weg hinauskamen, da faͤngts an eben zu werden und lagen da etliche Weingaͤrten und eine Flur mit Frucht, wie man im Herbſte geſaͤet hatte. Und hatte ich einen Buben bei mir und meinen Knecht Kitzen, welcher der Feinde gewahr wird und ruͤckt zu mir und ſpricht:„Junker, es jagen uns Leute nach!“ Da ſagte ich:„wir wollen ein wenig fortruͤcken und ir⸗ gend einen Vortheil einnehmen, daß ſie uns nicht ſo flugs uͤbereilen,“ wie wir auch thaten. Denn ich gedachte, es waͤre irgend ein Pfalzgraͤfiſcher Rath. Und wie wir alſo am Vortheil einhielten, rannten ihrer zwei auf uns daher, als wollten ſie uns freſ⸗ ſen, aber wir furchten uns vor ihnen nicht, ſondern hatten Sorge, Herr Unrulus kaͤme hernach die Hoͤhle herauf und hatten immer Acht auf die Hoͤhle, ob ihr mehr kaͤmen. Da wir ſahen, daß nicht mehr kaͤmen, da ruͤckten wir zu ihnen und gewannen * 195 ihnen Beſcheid ab, wer ſie waͤren, und wie wir bei einander hielten auf einem ebenen Aeckerlein, fragt' ich Kitzen, wie ſie ſich genannt haͤtten, denn ich hatt' es vergeſſen. Sagt er: er wuͤßts auch nicht. Da ſagte ich, nun wollen wirs wahrlich wiſſen, und zu ihnen zu, ich an den Alten und mein Kitz an den Jungen, ſein Sohn, und jagt ich dem Alten eine Armbruſt im Rennen ab und bracht ihn in der Flucht dahin, daß er mir ſagen mußte, wer er waͤre. Da nannte er ſich Rudolph von Schwalbach. Und jagt' ich ihn wieder in die Hoͤhle hinein. So jagte Kitz ſeinen Sohn in die Weingaͤrten hinein, und ſchoß der junge Schwalbach Kitzen ſeinem Gaul durch die Ohren, ſo ſchoß Kitz jenen durch einen Arſchba⸗ cken und haͤtte ich das Schaͤftlein nicht abgeſtoßen, daß es nicht gebrochen waͤre, ſo waͤre es dem alten Schwalbach nicht gut geweſen, aus der Urſache, es war ein ſtark Schaͤftlein, alſo daß ich einen großen Vortheil der Wehr halben gegen ihn hatte, wenn es zu weiterer Handlung waͤre gekommen. Aber ich mußte mich des Schwerts danach behelfen, und ging mir, Gott ſei gelobt, gluͤcklich genug. Ich ſagte zu Kitzen!„Blau! wir wollen die Wahlſtadt noch eine Weil inne behalten, ob ſie irgend wiederkom⸗ men, ſo wollen wir noch einmal aneinander.“ Und wir hielten wohl eine halbe Stunde auf der Wahl⸗ ſtadt, aber ſie kamen nicht, und dieweil wir einan⸗ der alſo auf der Wahlſtadt herumjagten, da ſchrien die Bauern in den Weingaͤrten, deeaiiel⸗ waren, 196 mmer: Juch, je jene, je jene, geht End? geht End!? In Summa, ich nahm die Armbruſt mit und fuͤhrte ſie gen Ebernberg und ſagte meinem Schwager Franciscus, wie es mir mit Einem ge⸗ gangen waͤre, wie er hieß, und daß ich eine Arm⸗ bruſt haͤtte, die waͤre ſein geweſen. Da ſagte er: „Blau! nun iſts der? er iſt mein Diener, ich will den Krieg richten.“ Da gab ich ihm die Armbruſt und ſagte:„der Krieg iſt bald gerichtet; er ſollte mein maͤchtig ſein, ſollt ihm die Armbruſt wieder geben.“ Seithero habe ich derſelben keinen mehr geſehen.— Drittes Kapitel. Und nachdem auch Kaiſerl. Majeſtaͤt mich ver⸗ ſchiedener Jahren auf Fuͤrbitte von Churfuͤrſt und Fuͤrſten und anderer meiner Herren und Freunde, aus meiner Verhaft in meinem Hauſe, wo ich, wie vorgemeldet, etliche Jahre verhaftet geweſen, und mich Ihro Majeſtaͤt in Dero Schirm⸗ und Geleits⸗ brief ſelbſt beruͤhmt, daß ich mich 16 Jahre meiner Urfehd nach ehrlich und wohlgehalten, haben mir die Hauptleute darauf geſchrieben, 100 Pferde auf⸗ zubringen und dann in 14 Tagen mit auf zu ſein. Und nachdem ich zur ſelbigen Zeit weder Knechte noch —— 1 Pferde hatte, ſondern meiner Gefaͤngniß und Urfehde gewartete, ſo ſchrieb ich ihnen doch wieder, daß ich keine Summa benennen koͤnnte, aus der Urſache, daß ich Sorge haͤtte, ich koͤnnte nicht Reiter auf⸗ bringen, aber ich wollte doch ſo viel mir moͤglich, keinen Fleiß ſparen und bei ihnen erſcheinen. Da brachte ich dennoch in kurzer Zeit etliche 100 Pferde zuſammen und zog mit ihnen an die Orte, da ich hinbeſchieden worden, und kommen Etlichen meiner Freunde Briefe zu, die gleich mir, in Fußſtapfen zu Gefallen mit ritten; das hab ich fuͤr treulich, ehrlich und wohl von ihnen verſtanden und vermerkt. In Summa, ehe wir in Oeſterreich kommen, da war der große Haufe zu Peſth von den Tuͤrken geſchla⸗ gen, und flohen Etliche derjenigen, die dabei gewe⸗ ſen ſind, das Land gegen uns herauf und ſtießen auf uns ins Land Baiern. Nun zogen wir nichts deſto weniger fort und legten uns um Wien herum in etliche Flecken, da lagen wir 1 oder 2 Monat, da war der Winter da, daß man uns erlaubte und befahl, abzuziehen. Und das groͤßte Abentheuer, das ich und mein Haufe beſtanden, das iſt das geweſen, daß es im Land Baiern bis in Oeſterreich feindlich ſtarb, und kam der Sterb unter meinen Haufen auch, und ſtarben etliche Edle und Unedle. Das iſt das Abentheuer, das ich in dem Kriege beſtanden habe, darnach zog ich mit meinem Hau⸗ fen durch das Land Boͤheim heraus auf Neumarkt 198 herein, und zog folgends ein Jeglicher wieder, wo er hingehoͤrete. Viertes Kapitel. Darnach da man 1544 geſchrieben hat, da war ein Reichstag zu Speier, und zog Kaiſerl. Majeſtaͤt in Frankreich, und etliche viele Staͤnde mit einem großen Haufen, und zogen hinein auf 3 St. Deſier. Bei denen ich auch geweſen, und la⸗ 4 gen wohl 1 oder 2 Monat, und ob man wohl ernſtlich ſchoß Tag und Nacht und darnach ſtuͤrmte, ſo wehrten ſich doch die zu St. Deſier ſo lange und viel, bis daß ſie zuletzt Hungers und anderer Noth⸗ durft als Pulver halben und dergleichen nicht wohl laͤnger konnten bleiben. Aber ſie wehrten ſich rit⸗ terlich, ehe ſie die Stadt aufgaben, doch gaben ſie es letztlich dergeſtalt auf, daß man ſie ließ mit Leib, Hab und Gut als Kriegsleute abziehen. Darnach zogen wir in Frankreich und huben an und brann⸗ ten Alles was uns im Wege lag. Da fing der Winter an und ging daher, und wie Kaiſerl. Ma⸗ jeſtaͤt anfing zu brennen. Das war davor meine 5 Meinung, ehe wir anzogen, aus der Urſachen, daß ich zu Etlichen ſagte:„ſoll Kaiſerl. Majeſtaͤt fuͤr mehr Staͤdt oder Flecken ziehen, als wie man denn 199 davon ſagt, ſo wehren ſie ſich,— wie wir denn jetzt geſehen haben— ſo iſt der Winter da, und haben wir nichts ausgerichtet und wird große Koſten, Muͤhe und Arbeit, und darzu Leute koſten, und muͤſſen mit großem Nachtheil und Schaden wieder abziehen. Solches ſagt ich zu Einem, der war ein großer und anſehnlicher ſtarker Kriegsmann, auch nicht unverſtaͤndig, den kannt' ich, weiß aber nicht, wie er geheißen und ob er noch lebt, denn es iſt mir vergeſſen, will aber doch Urſachen anzeigen, daß man wohl weiß, wer er geweſen. Er war Kaiſerl. Majeſtaͤt Ferdinandus Diener und der Reiter, die man Hatſchiere nennet, Hauptmann, aber dazumal in Frankreich, da wartete er auf Ihro Kaiſerl. Ma⸗ jeſtaͤt Sohn Maximilian. Und nachdem wir einan⸗ der wohl kannten, ſo hatten wir viel Geſpraͤche mit einander und kamen auch an die Rede, wie Kaiſerl. Majeſtaͤt Willens waͤre vor etliche Staͤdte zu ziehen, Einer ſagte:„vor Paris,“ der Andere:„vor einen andern Flecken,“ wie denn die Reden mancherlei waren. Darauf ſagte ich zu ihm wie vorgemeldet:„ſoll Kaiſerl. Majeſtaͤt vor mehre Staͤdte und Flecken ziehen, ſo wiſſen wir und habens geſehen, daß es harte Leute ſind und hart halten und ſich auch weidlich wehren; ſollen wir nun vor einen Flecken ziehen, ſo geht der Winter daher und wo wir alſo ſchaͤndlich muͤßten abziehen, waͤren Koſten, Muͤhe und Arbeit verloren und muͤßten darzu vielleicht mit großem Schaden und Nachtheil abziehen und haͤtten dazu den Spott zu Schaden.“ Aber wenn ich Kai⸗ ſer Karl hieße, ſo daͤuchte mich, ich wollt; den Weg vornehmen und ein Gedaͤchtniß hinter mir laſ⸗ ſen, dermaßen brennen, daß ſie uͤber 100 Jahr ſagen muͤßten, Kaiſer Karl waͤre da geweſen, und wuͤrde auch die Sache alsdann eher zum Frieden kommen. Wie ich nun geſagt hatte, alſo ging es auch, denn wie wir anzogen, fing man an zu brennen, wie ich es im Sinne gehabt hatte, nicht weiß ich, wer es Ihro Kaiſerl. Majeſtat gerathen hatte, oder ob der Kaiſer auch meines Sinnes ge⸗ weſen, und war ſelten eine Nacht oder zwo, die Franzoͤſiſche Botſchaft kam zum Kaiſer ins Lager und fielen ihm zu Fuͤßen und baten um Frieden, wie dann auch auf die Letzte geſchah. Und erlangte Kaiſerl. Majeſtaͤt einen guten, ehrlichen, nuͤtzlichen Frieden. Wie wir gen Camern(Cambray?) ka⸗ men, da gab man allen Haufen Urlaub und ließ die abziehen. Und ging mir auch ſehr uͤbel vor St. Deſier, da ſtieß mich, mit Urlaub und Gunſt zu ſchreiben, die Ruhr an, die waͤhrte bis in meine Behauſung, das waren 9 Wochen. Noch that ich meinen Harniſch, dieweil wir gegen die Feinde zo⸗ gen, nicht von mir, ſo lang und viel bis man den Frieden ausſchrie, allein, daß ich nicht mit dem Haufe zog, denn ich mußte meinen Vortheil ſuchen, wie ich konnte und die Nothdurft in Krank⸗ heit erheiſcht, daß mancher guter junger Geſelle ſagte, der alte Kriegsmann, mich meinend, wird — 201 kaum ausreißen, noch riß ich aus, und blieben dieſelbigen zum Theil dahinten. Fünftes Kapiel. Und dieweil ich je ſo weit in die Handlung kommen bin und viel gutherziger, frommer, redli⸗ cher Leute vor etlich viel Jahren mich angeſprochen und gebeten, ſolche alle meine Handlung in Schrif⸗ ten zu verfaſſen, hab' ich ihnen ſolches nicht ge⸗ wußt abzuſchlagen, denn ſie verhofften, es ſollte mir, meinen Erben und Nachkommen mehr zu Gu⸗ tem denn zu Ungutem gereichen, auch maͤnniglich hohen und niedern Standes ein Wohlgefallen ſein, ſonderlich bei denen, ſo unparteiiſch ſind. Nach den Andern, meinen Mißgünſtigen, frage ich nicht, die ſich alſo unbilliger Weiſe meinethalben unver⸗ ſchuldet gegen mich heimlich oder oͤffentlich, aus Neid oder Haß legen, und mich hin und wieder bei ehrlichen Leuten zu verunglimpfen unterſtehen und ſuchen, welches ich doch nicht um ſie verdient habe. Und will alſo hiermit alle ſolche Artikel, wie vor und nach gemeldet, beſchließen: dergeſtalt, daß dieſer mein letzter Wille und Anzeigung, der recht lautern Grund und Wahrheit iſt, daß kein Artikel oder einig Wort darinnen begriffen, das ich nicht 202 koͤnnt oder wuͤßt zu erinnern, daß es nicht die rechte gruͤndliche Wahrheit ſei. Und will alſo hier⸗ mit meine Sachen zu Gott ſetzen, der ſoll mein Zeuge ſein hier auf dieſem Jammerthale und am jüͤngſten Gerichte, daß ich mein Lebenlang, es ſei als Knabe oder in meinen maͤnnlichen Tagen, kei⸗ nem Biedermann, er ſeie wer er wolle, Feind oder Freund, dem ich wenig oder viel, klein oder groß von meiner Jugend an bis ins Alter zugeſagt, wel⸗ ches nicht die Wahrheit geweſen, oder ihm nicht Treue und Glauben gehalten, oder daß ich auch mein Tag an einigem Brief oder Siegel, es ſei meiner Gefaͤngniß oder anders halben, einigen Man⸗ gel gelaſſen, oder daß ich mich auch nicht als wie einem frommen Ehrlichen von Adel gebuͤhrt, ge⸗ halten haben ſollte, ich ſeie gleich gegen Freunde odey Feinde gebraucht worden. Das weiß ich mich mit Gott und der Wahrheit frei zu beruͤhmen. Wiewohl ich dennoch von hohen und niedern Staͤn⸗ den etwan gewarnt bin worden, mich wider mein Zuſagen nicht zu ſtellen, aber ich bin allwegen mei⸗ nen Zuſagen, Glauben und Pflichten, die ich ge⸗ than, nachgekommen, und gegen meine Feinde, de⸗ ren viel im Schwaͤbiſchen Bund, Fuͤrſten und An⸗ dere geweſen, ſo ich mit ihnen in Krieg und Fehden geſtanden, auch meiner Nothdurft nach gehandelt habe. Aber es iſt Gottlob Alles vertragen, ge⸗ ſchlichtet und gerichtet. So habe ich mich auch meinen Pflichten nach in ihre Haͤnde geſtellt, wie⸗ —— — v“ 203 wohl ich keine Vertroͤſtung gehabt, denn allein, daß ich meiner Sache gerecht bin geweſen, der Teufel haͤtte ſich ſonſt alſo geſtellt. So ſagten mir auch Etliche der Fuͤrnehmſten vom Bunde ſelbſt: ich haͤtte thoͤricht gethan, daß ich mich alſo zu den Leuten geſtellt haͤtte, denen ich viel Leides gethan und die mir alſo gram und feind geweſen. Aber wie mich der fromme Graf Georg von Werthheim, mein gnaͤ⸗ diger Herr, warnte, alſo ging mirs auch, und iſt das Alles die recht gruͤndliche Wahrheit und ich weiß bei der goͤttlichen Wahrheit kein Wort daran zu aͤndern, will auch darauf ſterben und ſo mir Gott der Allmaͤchtige Gnade giebt und verleiht in meinem letzten Ende, ſo ich von dieſer Welt ſchei⸗ den ſoll, das hochwuͤrdige Sacrament darauf em⸗ pfangen. Und ob Einer oder Mehre mir anders nachſagen wollten, denn wie ich in dieſem meinem Ausſchreiben vor und nachgemeldet, er ſeie, wer er wolle, ſo thut er mir Gewalt und Unrecht. Sechſtes Kapitel. Und zum Beſchluß kann und will ich auch nicht verhalten, daß mir der Allmaͤchtige Gott Sieg und Gluͤck gegen alle meine Feinde von Jugend auf, als einem armen Menſchen durch ſeine goͤttliche Gnade 204 vielfaͤltig gegeben und verliehen hat, und kommt mir mein Ungluͤck, darin ich lange Zeit geweſen, al⸗ lein daher, wenn ich mit meinen Feinden und Wi⸗ derwaͤrtigen gehandelt, daß ich ihnen vertraut habe und vermeint, ja ſollt ja ſein, und nein ſollt nein ſein, und was man einander zugeſagt, daß man das wie billig halten ſollte. Darauf hab ich mich ver⸗ laſſen, vertraut und gemeint, andre Leute ſollen thun, wie ich mein Lebtag' gethan habe, und durch ſolche Urſachen und zu viel Vertrauen bin ich, wie gemeldet, in all' mein Ungluͤck kommen und erwachſen. Wenn ich aber als ein Feind meinen Feinden nie vertraut, wie denn nach Gelegenheit wohl beſchehen mag, iſt es mir mit Gottes Gnad' und Huͤlfe gluͤcklich und wohl gegangen, anders kann ich Gott ſei Lob, nicht ſagen, denn da ich habe gewußt, wie ich mich gegen meine Feinde halten ſollte, Gott der Allmaͤchtige helfe mir noch. Das habe ich als ein alter, erlebter, betagter Mann allen frommen, lieben und gottſeligen, red⸗ lichen Menſchen, ſie ſeien Kriegsleute oder ſonſt, ho⸗ hen und niedern Standes, Kaiſerl. Majeſtaͤt, Chur⸗ fuͤrſten, Fuͤrſten, Grafen, Freiherren, Rittern und Knechten, Staͤdten und Andern, ſie ſeien, in welchem Stande ſie wollen, Geiſtlichen und Weltlichen, die in Fehden und Kriegslaͤufften begriffen, als ein alter Treuer von Adel, zu einer Warnung und Exempel aus treuem Herzen und Gemuͤth nicht wollen verhal⸗ ten. Und helf' uns darauf Gott, das ewige Wort, dem armen Leib hie und der Seelen dort, behuͤt uns auch der allmaͤchtige Gott vor dem ewigen Tod, Amen! Gottfried von Berlichingen zu Hornberg. ſſſſfffff 9 10 11 12 13 14 15 16 17 1 4 * 1 4 4 8 4 ☛ 8 3 8 4 4