deutſcher, engliſcher und franzöſiſcher Literatur 0 4— von. Eduard Oflmann in Gießen, Schloßgaſſe Lit. A. Nr. 256. Leih- und Ceſebedingungen. 3 1. Offensein der Bibliothek. Die Bibliothek ſteht zur Em⸗ pfangnahme und Rückgabe der Bücher jeden Tag von Morgens 7 Uhr bis Abends 8 Uhr offen. 3— 2. Lesepreis. Bei Rückgabe eines geliehenen Buches wird von jedem Tag 5 Pf. bezahlt. Die Zeit eines Tages iſt zu 24 Stun⸗ den angenommen.—. 3.(aution. Unbekannte Perſonen müſſen, bei Entgegennahme eines Buches, eine dem Werthe deſelben entſprechende Summe hinterlegen, welche bei deſſen Zurückgabe von mir zurückerſtattet wird b 4. Abonnement. Daſſelbe muß voraus bezahlt werden und eträgt: fͤr acheutlich 2 Bücher: 4 Bücher: 6 Bücher: — auf 1 Monat: 1 M. Pf. 1 M 50 Ff 2 M. PFf. Abriß der Laͤnder⸗ und Staaten⸗Kunde, . 6 beſonders von Deutſchland; beſtaͤndiger Hinſicht auf die neueſten Veraͤnderungen, und kurzen hiſtoriſchen Notizen. Bearbeitet von Johann Heinrich Muͤller, Lehrer an der Realſchule zu Hattingen, in der Grafſchaft Mark. Zum Schul⸗ und Privatgebrauch. RAN * 5 5— 4—. 3 A 4— 8 r bey PNeter Walddeck. 1 80 z. Sr. Hochwohlgebohrnen Herrn Johann Ernſt Auguſt von Beuſt, Krieges⸗ und Domainen⸗Rath bey der Königlich Preußiſchen Krieges⸗ und Domainen⸗Kammer zu Hamm, de m edeln, verdienſtvollen und geraͤuſchloſen Befoͤrderer gemeinnuͤtziger Thaͤtigkeit mit dem Gefuͤhle der innigſten Ehrfurcht gewidmet von dem Verfaſſer. Vorrede. — Ucber Veranlaſſung und Zweck dieſes Buches habe ich mich ſchon in der vor einigen Monaten erſchienenen Ankuͤndigung beſtimmt genug erklaͤrt; und ſetze alſd nichts weiter zur Entſchuldigung der — manchem vielleicht uͤbereilt ſcheinenden— Her⸗ ausgabe deſſelben hinzu, als daß wahres, ſelbſt empfundenes Beduͤrfniß, und der Gedanke an den vielſeitigen, leicht in die Augen fallenden Nutzen eines nach den gegenwaͤrtigen Zeitumſtaͤnden modi⸗ ficirten kurzen Abriſſes der Laͤnder⸗ und Staaten⸗ Kunde, alle andere Betrachtungen von neuen uns * 1 VI noch bevorſtehenden politiſchen Erſchuͤtterungen u. dgl. bey mir uͤberwogen, und mich beſtimmten, dieſes, in der That muͤhevolle Geſchaͤft, zu uͤber⸗ nehmen. Lehrer an den obern Klaſſen der Buͤr⸗ gerſchulen— denn daß die erſten, elementariſchen Begriff der Erdbeſchreibung hier ſchon vorausge⸗ ſetzt werden, zeigt die ganze Einrichtung des Bu⸗ ches— Lehrer alſo, denen es an Muſe zur Ent⸗ werfung eines eigenen Leitfadens, oder auch wohl an Bekanntſchaft mit den Ereigniſſen unſerer Tage fehlt, finden hier ein brauchbares Huͤlfsmittel zur Wiederbelebung des in manchen Schulen— wie ich aus Erfahrung weiß— ſeit langer Zeit ganz unnterhrochenen, wenigſtens ſehr mangelhaft ertheil⸗ ten und doch fuͤr den kuͤnftigen Buͤrger ſo nuͤtzli⸗ 89 chen lnterrichts in der Geographie, und Leſer aus gebildetern Deiden⸗ die gern ihre durch Zeitungs⸗ VII gektuͤre erworbene fragmentariſche Kenntniß der neueſten Laͤnder⸗ und Staaten⸗Verfaſſung einiger⸗ maßen ordnen moͤchten, erhalten wenigſtens die noͤthigſte Anleitung dazu; bis Fabri, Gaſ pari und andere Heroen in dieſem Fache, von neuem auftreten, und durch ihre vollkommnere Arbeiten die meinige verdunkeln. Dankbar geſtehe ich ohne⸗ hin, daß ich, ſo weit es meinem Zwecke und der Natur der Sache angemeſſen war, nicht nur ſie— beſonders den letztern— ſondern auch außerdem die hiebin gehoͤrigen Schriften eines Buͤſching, Norrmann, Remer, Grellmann, Walch u. f. und in einzelnen ſtatiſtiſchen Angaben, das frey⸗ lich oft unzuverlaͤſſige politiſche Journal, benutzt habe; wenn ich ihnen gleich nicht blindlings gefolgt bin. Um das Buch nicht zu ſehr anzuſchwellen, und dadurch einen ſeiner weſentlichſten Zwecke zu VIII verſehlen, durfte ich die mathematiſche und phyſika⸗ 7 liſche Geographie, woruͤber man doch eigene Lehr⸗ buͤcher haben muß, nur obenhin beruͤhren; und mußte mich bey der Angabe der vornehmſten Oer⸗ ter auf das bloße Namenverjeichniß, boͤchſtens mit Hinzufügung gewiſſe er leicht zu erklaͤrender Abkuͤr⸗ zungen, wodurch das hauptſaͤchlich bei ihnen zu be⸗ merkende angedeutet wird, einſchraͤnken; in der Vorausſetzung, daß der Lehrer aus weitlaͤuftigern Schriften mit leichter Muͤhe das Fehlende nachtra⸗ gen könne. Aehnliche Erweiterung des Unterrichts erwarte ich bey der, jedem europaͤiſchen Staate an⸗ gehaͤngten kurzen Urberſi icht der Geſchichte, welche ich deshalb beyzufuͤgen noͤthig fand, weil man in der Regel— aber gewiß nicht mit Recht— in den meiſten Schulen die Geſchichte der jetzigen Staaten, beſonders die neuere, ganz mit Still⸗ 1X ſchweigen uͤbergeht, um deſto laͤnger bey der, al⸗ lerdings auch nicht zu verſaͤumenden Geſchichte der alten Völker verweilen zu koͤnnen. Ueberhaupt waͤre es wohl gerathener, daß man den Vortrag der Geographie und Geſchichte enger mit einander verbaͤnde„und nicht dieſe ſo nabe verwandte Wiſ⸗ ſenſchaften, wovon eine der andern zur Erlaͤute⸗ rung dient, als heterogene Gegenſtaͤnde behandelte, wie es ſo haͤufig geſchieht.— Die hin und wieder angebrachten ſtatiſtiſchen Notizen Haͤnten allenfalls der Jugend halben wegbleiben koͤnnen; ſie ſtehen aber fuͤr andere Leſer, auf die ich ebenfalls mein Augenmerk richten mußte, da; und verſchiedene ſind eine Frucht muͤhſamer Rachforſchungen und Berechnungen. Des leichtern Behaltens wegen ſind uͤberall, wo es thunlich war, runde Zablen angenommen, welches ohnehin, bey den ſchwan⸗ X kenden Gruͤnden, worauf ſich ſolche Angaben ſtuͤz⸗ zen, das ſicherſte iſt. Noch bemerke ich, daß (außer Deutſchland) die einzelnen Oerter gefliſſent⸗ lich nicht unter die Provinzen geſetzt ſind, wozu ſie gehoͤren; weil ich wahrgenommen zu haben glaube, daß der Schuler, wenn er bey der Benennung der Oerter ſdesnal auf die Theile der Laͤnder zuruͤckge⸗ wieſen wird, worin ſie liegen. ſich weit eher orien⸗ tirt, und alles tiefer einpraͤgt. Daß Deutſchlands Beſchreibung verhaͤltnißmaͤßig den groͤßten Raum einnimmt, wird wahrſcheinlich niemanden mißfal⸗ len, un es waͤre aberfluͤſſt ig, die ausfuͤhrlichere Bearbeinung deſſelben zu vertheidigen. Eingetre⸗ tene politiſche Verbaͤltniſſe machten es noͤthig, waͤh⸗ rend des Abdruckes den groͤßten Theil davon wie⸗ der umzuarbeiten; und deshalb erhielt es erſt am Ende ſeinen Platz, welches im Grunde gleichguͤltig —— ——— 2* — iſt, da wohl kein vernuͤnftiger Lehrer ſich ſklaviſch an die Ordnungsfolge des in Haͤnden habenden Kompendiums binden, ſondern jedesmal beym Un⸗ terrichte von dem ihm zunaͤchſt liegenden Lande aus⸗ gehen wird. Es iſt ſehr natuͤrlich, daß in einem jeden geographiſchen Werke von einigem Umfange kleine Fehler und Verſtoße mit unterlaufen, —— quas aut incuria fudit Aut humana parum cavit natura.— und das wird vielleicht auch hier der Fall ſeyn; beſonders da, wo der Weg, den ich betreten mußte, gewiſſermaßen noch ganz ungebahnt war. Erklaͤrung der bey den Ortsbenennungen vorkom⸗ . menden Abkurzungen. H. bedeutet Hauptſtabt. ft.— Handelsſtadt. U.— Univerſttaͤt. 4 2* 5..— Feſtung. 554— Hafen. Erzb.— Erzbisthum. B.— Bisthum. Fl.— Fiaecken. Mfl.— Marktſlecken. Schl.— Schloß. D.— Dorf. Einwohner. I. Geographiſche Vorkenntniſſe. — 1) Geographie(deutſch Erdbeſchreibung) iſt dieje⸗ nige Wiſſenſchaft, welche uns mit dem(gegenwaͤr⸗ tigen) Zuſtande und der Beſchaffenheit der Erd⸗ Oberflaͤche naͤher bekannt macht. 2) Man theilt ſie gewoͤhnlich ein in die ma⸗ thematiſche, phyſikaliſche und politiſche Geographie. 3) In der mathematiſchen Geographie be⸗ trachtet man die Erde als einen meßbaren Koͤrper, unterſucht ihre Geſtalt, Groͤße und Bewegung, und erklaͤrt die darauf ſich beziehenden emngebuideien Linien und Punkte. 3 4) Die phyſikaliſche Geograpie beſchrelbt die natuͤrliche Beſchaffenheit und Verſchiedenheit der Erd Oberflaͤche, ohne dabey Ruͤckſicht auf ihre buͤr⸗ gerliche Zerſtuͤckelung in Staaten, Laͤnder u. dergl. zu nehmen. A —— . 3 Pe 5) Die politiſche Geographie hat die von den Menſchen vorgenommene Eintheilung der Laͤn⸗ der und Staaten zum Gegenſtande, und beſchreibt dieſelbe nach ihrer Lage, Groͤße, Einwohnern u. ſ. w. 6) Ein unentbehrliches Huͤlfsmittel zur Erler⸗ nung dieſer Wiſſenſchaft ſind Erdkugeln,(Globen) insbeſondere fuͤr die mathematiſche Geographie; und Landkarten, oder Grundriſſe der Erde im Klei⸗ nen, wovon ſolche, welche die Erdkugel auf zwey ebenen Flaͤchen abbilden, Univerſalkarten oder Planigloben, die uͤbrigen aber nach der Beſchaf⸗ fenheit ihres Umfangs entweder General⸗ oder Specialkarten genannt werden. 7) unſere Erde hat die Geſtalt einer runden, gegen Norden und Suͤden etwas plattgedruͤckten Kugel. Ihre Ruͤndung erhellt: 1) aus dem Schat⸗ ten, den ſie bey jeder Mondfinſterniß zirkelrund auf den Mond wirft; 2) aus der ungleichen Hoͤhe des Polarſterns an unterſchiedenen Orten der Erde; 3) aus der ungleichen Zeit des Auf⸗ und Unter⸗ gangs der Sonne; 4) aus der Eingeſchraͤnktheit unſers Geſichtskreiſes, und endlich 5) aus den wuͤrklichen Umſchiffungen der Erde z3. B. durch Magellan, Drake, Cook u. a. m. 8) Sie hat in ihrem Umfange 5400, und in ihrem Durchmeſſer etwa 1720 geographiſche(oder deutſche) Meilen, jede zu beynahe 24,000 rheinl. Fuß gerechnet; und ihre ganze Oberflaͤche enthaͤlt à 3 9,288000 gevierte Meilen, oder Flaͤchen, die 2 Stunden lang und breit ſind. 9) Sie bewegt ſich alle 24 Stunden von Abend gegen Morgen um ſich ſelbſt(Cum ihre Are) wodurch der Wechſel des Tages und der Nacht entſteht, und in 365 Tagen und beynahe 6 Stun⸗ den um die Sonne, welchen Zeitraum wir ein Jahr nennen. Dieſe Bewegung der Erde koͤnnen wir nicht merken, weil ihr Umſchwung immer gleichfoͤrmig ohne irgend eine Erſchuͤtterung geſchieht, und Luft und Wolken zugleich mit herum und fort⸗ gehen. 8 10) Von jeher hat man auf dem Globus ſo⸗ wohl als auf der Univerſalkarte, gewiſſer Meſſungen und Abtheilungen wegen, verſchiedene idealiſche Cirkel angenommen. 4 3 11) Die Erdaxe iſt diejenige Linfe, die man ſich mitten durch die Erde denkt, und um welche ſie ſich herumdreht. 12) Die aͤußerſten Enden dieſer eingebildeten Linie nennt man die Pole. Ihrer ſind zwey, wovon der eine nach Norden oder Mitternacht, der andere aber nach Suͤden oder Mittag gekehrt iſt. 13) Diejenige Cirkellinie, die man ſich von Weſten nach Oſten mitten um die Eedkugel denkt, und welche der groͤßte Kreis iſt, den man um die Erde ziehen kann, heißt der Aequator oder ſchlechthin die Linie. Dieſer Aequator theilt die A2. 4 ganze Erde in zwey Haͤlften, in die noͤrdliche und ſuͤdliche Halbkugel. 14) Sonnencirkel oder Wkliptik heißt der: jenige große Cirkel, der die ſcheinbare jaͤhrliche Bahn der Sonne um die Erde vorſtellt, und den Aequator in zwey entgegengeſetzten Punkten durch⸗ ſchneidet, und zwar ſo, daß die eine Haͤlfte derſel⸗ ben uͤber, die andere aber unter dem Aequator zu liegen kommt. Die beyden in den Aequator fallen⸗ den Punkte heißen die Aequinoktialpunkte (Punkte der Nachtgleichen), die vom Aequator ent⸗ fernteſten Punkte der Ekliptik aber nennt man Solſtitial oder Sonnenſtillſtands⸗Punkte. 15) Jede Cirkellinie in der Mathematik, folg⸗ lich auch jede, die man um den Globus zieht, ſie ſey groß oder klein, wird in 360 gleiche Theile oder Grade(auf deren jeden 15 deutſche Meilen gehen) eingetheilt, jeder Grad(°) enthaͤlt wieder 60 Minuten() und jede Minute 60 Sekunden() u. ſ. w. 16) Außerdem wird die Ekliptik auch noch nach unſern Monaten in 12 gleiche Theile oder himmliſche Zeichen eingetheilt, die ihren Namen von den Sternbildern haben, welchen die Sonne vor ohngefaͤhr 2000 Jahren nahe war. Sie heißen: 1) der Widder VN, 2) der Stier F, 3) die Zwil⸗ linge, 4) der Krebs, 5) der Loͤwe K⸗ 6) die Jungfrau m, 7) die Waage, 8) der 5 Scorpion m., 9) der Schuͤtze ¾, 10) der Stein⸗ bock, 11) der Waſſermann, und 12) die Fiſche*. Die 6 erſten davon bezn gegen Norden, die uͤbrigen gegen Suͤden. 17) Meridiane oder mittagseirkel ſind diejenigen Kreislinien, die von jedem Standorte aus durch den Aequator und beide Pole der Erde gezogen werden koͤnnen, und folglich der Erdkugel fuͤr jeden Ort, durch welchen ſie gehen in den oͤſt⸗ lichen und weſtlichen Theil ſcheiden. Mittagseirkel nennt man ſie deshalb, weil alle Oerter, die unter demſelben Meridianen liegen, zu gleicher Zeit Mite tag haben. 18) Unter den unzaͤhlichen Meridianen(benn jeder Ort hat ſeinen eigenen) nimmt man irgend einen fuͤr den erſten an, und zaͤhlet alsdenn von ihm die Grade auf dem Aequator, wenn man die geographiſche Laͤnge eines Orts wiſſen will. Am gewoͤhnlichſten nimmt man den Meridian, der durch die Inſel Ferro laͤuft, als den erſten an. 19) So viel Grade nun ein Ort nach Oſten oder Weſten hin vom angenommenen erſten Meri⸗ dian entfernt iſt, ſo viel Grade geographiſcher Laͤnge, ſagt man, habe er. 20) Der Ausdeuck: geographiſche Breite eines Orts zeigt an, wie viele Grade derſelbe vom Aequator gegen die Pole zu, entſernt ſey, welches man auf der Karte dadurch beſtimmt, daß man die Zahl der Grade des erſten Meridians vom Aequator bis zu dem angegebenen Orte zaͤhlet. Je⸗ nachdem nun ein Ort auf der noͤrdlichen oder ſuͤd⸗ lichen Halbkugel liegt, jenachdem hat er entweder eine noͤrdliche oder ſuͤdliche Breite. Die Polhoͤhe eines Orts ſtimmt mit ſeiner geographiſchen Breite uͤberein. 8 21) Boluren ſind diejenigen Meridiane, welche in den beiden Aequinoktial; und Solſtitial⸗ Punkten(5§. 14.) ſowohl den Aequator als die beiden Pole durchſchneiden. 22) Zu den dem Aequator parallel- oder gleich⸗ laufenden Zirkeln(die immer kleiner werden, je⸗ naͤher ſie den Polen kommen) gehoͤren vorzuͤglich die Wendecirkel und Polarcirkel. 23) Wendecirkel ſind die Kreislinien, welche die Sonne beſchreibt, wenn ſie am hoͤchſten und niedrigſten ſteht. Sie liegen auf beiden Seiten des Aequators, und der zwiſchen dem Aequator und Nordpole heißt der Wendecirkel des Krebſes (Tropicus cancri) welchen die Sonne beruͤhrt, wenn wir den laͤngſten Tag haben; der zwiſchen dem Aequator und Suͤdpole aber heißt der Wen⸗ deeirkel des Steinbocks(Tropicus capricorni), in welchem die Sonne den kuͤrzeſten Tag fuͤr uns macht. 24) Durch den ſcheinbaren Lauf der Sonne nach Norden und Suͤden zu, entſtehen alſo die 2 4 Jahreszeiten. Wenn die Sonne gerade uͤber dem Aequator ſteht, ſo haben wir Fruͤhling, und Tag und Nacht gleich, die aber auf der entgegen⸗ geſetzten Halbkugel haben Herbſt. Hat ſie den Wen⸗ dekreis des Krebſes erreicht, ſo haben wir Sommer und den laͤngſten, die aber auf der andern Seite, Winter und den kuͤrzeſten Tag. Wendet ſie ſich wies der zum Aequator; ſo iſt es bey uns Herbſt, auf der entgegengeſetzten Seite aber Fruͤhling, und wie⸗ derum Tag und Nacht gleich. Befindet ſie ſich ende lich am Wendekreis des Steinbocks; ſo haben wir Winter und den kuͤrzeſten, die auf der andern Seite Sommer und den laͤngſten Tag. 25) Zwiſchen den Wendecirkeln und den Polen liegen die Polarcirkel; ihrer ſind ebenfalls zweye, nemlich der noͤrdliche zwiſchen dem Nordpol und dem Wendecirkel des Krebſes, und der ſuͤdliche zwiſchen dem Suͤdpol und dem Wendecirkel des Steinbocks... 26) Durch die Parallelkreiſe des Aequators wird die Erde in verſchiedene Zonen oder Erdguͤrtel eingetheilt. Der Theil mitten uͤber der Erde, zwiſchen den beiden Wendecirkeln, durch welchen der Aequator laͤuft, heißt die heiße zone. Auf beiden Seiten derſelben liegen die gemaͤßigten Erdſtriche, nemlich der noͤrdliche gemaͤßigte zwis ſchen dem Wendecirkel des Krebſes und dem noͤrd⸗ lichen Polarcirkel, und der ſuͤdliche gemaͤßigte zwi⸗ ſchen dem Wendecirkel des Steinbocks und dem ſuͤdlichen Polarcirkel. Zwiſchen den beiden Polar⸗ eirkeln und den Polen liegen die beiden kalten Erdſtriche, der noͤrdliche und der ſuͤdliche. 27) Der Kreis, den wir im Freyen auf einer Anhöhe uͤberſehen koͤnnen, und wo der Himmel die Erde zu begraͤnzen ſcheint, heißt der ſchein⸗ bare Horizont, oder der Geſichtskreis. Die Kreis⸗ linie aber, die man ſich von dem Punkte, wo man auf der Erde ſteht uͤberall herum 90 Grade entfernt denkt, iſt der wahre Horizont. 28) Derjenige Punkt am Himmel, der in gerader Linie uͤber unſerm Haupte e ſteht, heißt das Fenith oder der Scheitelpunkt, und den entgegen⸗ geſetzten nennt man das Nadir oder den Fuß⸗ punkt. 29) Die 4 Hauptgegenden der Prde ſind: Morgen oder Oſt, Abend oder Weſt, Mittag oder Suͤd, und Mitternacht oder Norden. Außer die⸗ ſen giebt es noch mehrere Weltgegenden(einige zaͤhlen 32, andere 64) worunter Nordoſt, Nord⸗ weſt, Suͤdoſt und Suͤdweſt erzähli zu merken ſind. 3⁰) Man kann die Hauptgegenden der Erde ohngefaͤhr folgendergeſtalt im Freyen leicht finden: wenn man ſich am Mittage mit dem Geſicht gegen die Sonne wendet; ſo hat man zur Linken Morgen, 9 zur Rechten Abend, vor ſich Mittag, und hinter ſich ⸗Mitternacht. 31) Die Oberflaͤche der Erde beſteht aus trocken nem Lande und Waſſer, wovon dieſes beinahe ¾ des ganzen Raumes einnimmt. 32) Seſtes Land nennt man einen ſich ziemlich weit erſtreckenden Theil der Erde, der von andern Laͤndern durch kein Waſſer von allen Seiten abgeſondert wird. 33) Inſeln ſind groͤßere oder kleinere Stuͤcke Landes, die von allen Seiten mit Waſſer umgeben ſind. Haͤngen ſie aber noch von einer Seite mit dem feſten Lande zuſammen; ſo nennt man ſie Halbinſeln. 34) Erdzungen ſind ſehmalo Striche Landes, die ſich in's Meer hineinerſtrecken. 35) Erdengen ſind ſchmale Striche Landes zwiſchen zwey Meeren; ſo wie Meerengen ſchmale Durchgaͤnge des Meers zwiſchen zwey Laͤndern. 36) Die erhabene Ecke eines Landes, welches am Meere liegt, heißt die Kuͤſte, und das nie⸗ drige flach am Meer liegende Land, das Ufer oder der Strand, den Rand eines laͤngſt am Fluſſe liegenden Landes nennt man auch wohl das Geſtade. 37) Es giebt nur wenige vollkommne Ebenen auf dem Erdboden, haͤufig iſt er mit Huͤgeln, felſichten Klippen und Bergen bedeckt. Berge ſind 2 —— 3.* ———— 10 betraͤchtliche Erhoͤhungen des Bodens, eine Reihe zuſammenhaͤngender Berge macht ein Gebuͤrge aus, und ein Gebuͤrge, das ſich weit in's Meer hineinerſtreckt, wird ein Vorgebuͤrge genannt. Die hoͤchſten Berge: der Chimboraſſo in Suͤdamerika, der Montblanc in Savoyen, und der Pik auf Tene⸗ riffa, ſind noch bey weitem keine deutſche Meile oder 24,000 Fuß hoch. 38) Unter den Bergen giebt es verſchiedene Feuer ſpeyende oder Vulkane, welche von Zeit zu Zeit unter heftigem Krachen, Feuer, Steine und eine brennende Materie, Lava genannt, auswerfen. 39) Die zwiſchen den Bergen liegenden Tiefen heißen Thaͤler, und wenn ſie ſehr ſchmal ſind, enge Paͤſſe. 4⁰) Ein Land, welches viele noͤthige und nuͤtzliche Produkte hervorbringt, iſt fruchtbar, und im Gegentheil mehr oder weniger unfruchtbar. Bringt es aber ſo wenig hervor, daß es nicht bewohnt werden kann; ſo iſt es eine Wuͤſteney, Einoͤde oder Steppe. 41) Das Waſſer des Meers hat einen ſalzigen und bittern Geſchmack, damit es nicht faul werde. Deshalb wird es auch haͤufig von Stuͤrmen, und groͤßtentheils regelmaͤßig durch die Ebbe und Fluth bewegt, wobey es innerhalb 24 Stunden zweymal gegen das Ufer zu laͤuft(Fluth) und zweymal von demſelben zuräaſteß(Ebbe.) 11 42) Seen ſind ſtehende Waſſer mitten in Laͤndern von verſchiedener Groͤße und Beſchaffenheit. Ihrer iſt eine große Menge in allen Erdtheilen, vorzuͤglich in Nordamerika; und in Aſien das ans ſehnliche kaspiſche Meer. 43) Das Waſſer das auf der Erde iſt, iſt in einer beſtaͤndigen Bewegung. Aus dem Meere, Seen und Fluͤſſen duͤnſtet es aus, ſammelt ſich in der Luft in Wolken, faͤllt aus denſelben als Schnee, Hagel und Regen nieder, ſenkt ſich dann in die Erde, und. in der Erde ſammelt es ſich, und bricht an gewiſſen Orten wieder hervor. 44) Die Quellen entſpringen. ſolchergeſtalt auf Anhoͤhen und Bergen. 3 Zuſammenfluͤſſe einiger derſelben geben Baͤche, aus dieſen werden Fluͤſſe und Stroͤme, welche mehrentheils alle entweder mit einer oder mit mehrern Muͤndungen ſich in's Meer ergießen. Unter den Quellen giebt es mineralie ſche Waſſer, Geſundbrunnen, Ghlzanelen⸗ warme Baͤder u. ſ. w.. 45) Meerbuſen ſind Theile des Meers, die ſich in ein Land hineinkruͤmmen, und groͤßtentheils von demſelben ihren Namen erhalten. Kleinere Meerbuſen werden Bayen und Buchten, und kleinere Buchten Haͤfen genannt, die entweder durch Natur oder Kunſt ſo eingerichtet ſind, daß die Schiffe darin vor Sturmwinden öder Feinden ſicher liegen. Banaͤle ſi nd dinch Kunſt gezogene 12 Graͤben, wodurch 2 Gewaͤſſer mit einander ver⸗ bunden werden. 46) Ein Meerſtrudel iſt ein Theil des Meers, worin ſich das Waſſer im Kreiſe herumdreht. 47) Die ganze Oberflaͤche der Erde iſt rings herum mit einer Huͤlle bedeckt, die wir die At⸗ moophaͤre oder den Dunſtkreis nennen, weil die Duͤnſte der verſchiedenen Koͤrper auf der Erde in ihr aufſteigen. Man theilt ſie in 3 Regionen oder Lagen, und in derſelben erzeugen ſich die waͤßrigen, glaͤnzenden und feurigen Lufterſcheinungen oder Meteore z. B. Thau, Nebel, Regenbogen, Gewitter ꝛc. 48) So viel Himmelsgegenden es giebt, ſo viel Winde giebt es auch. Heftige Sturmwinde heißen Orkane, dreht ſich aber die Luft im Kreiſe herum; ſo ſind es Wirbelwinde. Der Samum in Ara⸗ bien, und der Sirokko in Italien nebſt mehrern andern ſind toͤdtlich, und die Paſſatwinde oder Muſſons im indiſchen Meere wehen eine Zeit des Jahrs hindurch nach dieſer, die andern nach der gerade entgegengeſetzten Richtung. 49) Das Klima eines Landes iſt die heir ſchende Witterung deſſelben, welche nicht immer von ſeiner geographiſchen Lage allein, ſondern auch oft von der Beſchaffenheit ſeiner phyſikaliſchen Lage, der Luft und des Bodens, abhaͤngt. Laͤnder z. B. die am Meere liegen, haben eine gelinde und feuchte, ſo 13 1 wie Geblitgs⸗ Länder eine kalte ſcharfe Luft. So findet man in ſuͤdlich hochliegenden Laͤndern Schnee⸗ gebuͤrge, und in noͤrdlich am Meer gelegenen nicht. Der Mangel an Kultur oder Anbau hat ebenfalls eine große Wirkung auf das Klima. Was war Deutſchland damals, als es zuerſt bekannt wurde, und was iſt es jetzt? 50) Produkte der Natur nennet man alles, was die Erde entweder von ſelbſt, oder durch Huͤlfe des Menſchen hervorbringt, und man thellt ſie in drey große Klaſſen ein, ſo daß es Produkte aus dem Mineral, Pflanzen⸗ und Thierreiche giebt. 51) In der Erdbeſchreibung merkt man vor⸗ zuͤglich diejenigen Produkte an, mit welchen großer Handel getrieben wird. Dergleichen ſind a) aus dem Mineralreiche, Metalle und Edelſteine; b) aus dem Pflanzenreiche, Getraide, Flachs, Hanf, Baumwolle, Baumfruͤchte, Wein, Kaffee, Thee, Zucker, Taback, Holz u. d. gl. c) aus dem Thier⸗ reiche, Pferde, Hornvieh, Schaafe, Küſche⸗ Seide. Pelzwerk u. ſ. w. 52) In Hinſi cht auf die Art die Nnrur⸗ Er⸗ zeugniſſe zu gewinnen und zu nuͤtzen(in oͤkonomis ſcher Hinſicht) theilt man die Produkte ein in Jagd⸗ Fiſcherey; und Waldprodukte, in Produkte des Felde baues, des Gartenbaues, der Viehzucht und des Bergbaues. ———————— 3—— 44 53) Der Menſch iſt an Geiſt und Koͤrper das vorzuͤglichſte Geſchoͤpf auf dem Erdboden, und als ſolches gebraucht er alle Erzeugniſſe deſſelben nach Gefallen und zu ſeinem Nutzen. Es giebt etwa 1000 Millionen Menſchen auf der Erde, die der Hauptſache nach einander aͤhnlich, aber doch auch in Abſicht ihrer koͤrperlichen Beſchaffenheit und Le⸗ bensart wieder merklich von einander unterſchieden ſind. 54) In Abſicht der koͤrperlichen Verſchieden⸗ heiten kann man die Menſchen vorzuͤglich nach den Farben in 5 Hauptſtaͤmme eintheilen. Der erſte iſt weiß, und begreift die Europaͤer und weſtlichen Aſiaten; der zweite iſt meiſt gelbbraun mit plat⸗ tem Geſichte, wozu die uͤbrigen Aſiaten und die noͤrdlichſten Amerikaner gehoͤren. Der dritte iſt ſchwarz mit ſtumpfer Naſe und meiſt krauſem Haare (Negern) wie die meiſten Afrikaner; der vierte iſt meiſt kupferroth, und enthaͤlt die uͤbrigen Ameri⸗ kaner; der fuͤnfte begreift die Bewohner der Suͤd⸗ ſee Inſeln, welche meiſt eine ſchwarzbraune Geſichts⸗ farbe, und eine breite Naſe haben. 5¹ 55) In Abſicht der Lebensart giebt es wilde Völker, die keine ordentliche Geſetze und kein da⸗ durch geſichertes Eigenthum haben, und ſich nicht vom Ackerbau oder von der Viehzucht, ſondern groͤßtentheils von der Jagd und Fiſcherey naͤhren; ferner nomadiſche oder Hirtenvoͤlker, die ſich beſon⸗ ders mit der Viehzucht beſchaͤftigen und von einem 15 Orte zum andern ziehen; und endlich mehr oder weniger geſittete(kultivirte) Voͤlker, die neben der Jagd, Fiſcherey und Viehzucht auch Ackerbau und Kuͤnſte treiben, und feſte Wohnplaͤtze, Geſetze und buͤrgerliche Einrichtung haben. 56) Diejenigen Menſchen, welche Sprache, Sitten und Urſprung mit einander gemein haben, nennt man eine Nation oder ein Volk. . 57) Ein Staat iſt ein gewiſſer Bezirk Landes, der viele Oerter in ſich faßt, deren Bewohner ſich vermittelſt einer unabhaͤngigen Regierung der gemein⸗ ſchaftlichen Sicherheit wegen mit einander verbunden haben. Ein ſolcher Staat kann mehrere Nationen, ſo wie eine Nation mehrere Staaten in ſich begreifen. 58) Die Regierungsform eines Landes iſt ent⸗ weder monarchiſch oder republikaniſch. 59) Ein monarchiſcher Staat iſt ein ſol⸗ cher, wo die geſetzgebende und vollziehende Macht in den Haͤnden eines einzigen hoͤchſten Oberhauptes entweder voͤllig oder noch zum Theil iſt. 60) Dergleichen Oberhaͤupter ſind in Europa: Kaiſer, Koͤnige, Churfuͤrſten, Erzherzoge, Groß⸗ herzoge, Herzoge, Fuͤrſten von verſchiedener Art, Grafen ꝛc. In den uͤbrigen Erdtheilen fuͤhren ſie den Titel: Sultan, Schach, Chan, Emir, Nabob, Cazike, Dey, Bey und dergl.— 61) In einigen Staaten herrſcht der Regent unumſchraͤnkt, d. h. er iſt an keine Geſetze gebun⸗ den, als an diejenigen, welche er ſelbſt giebt; in andern iſt er durch ſchon beſtehende Geſetze mehr oder weniger eingeſchraͤnkt. Despotiſch iſt die Re⸗ gierungsform alsdann, wenn der Regent nicht nach Geſetzen, ſondern nach ſeiner jedesmaligen Will⸗ kuͤhr und Laune herrſcht. 62) Man nennt diejenigen Unterthanen, welche in einer eingeſchraͤnkten Monarchie das Recht haben bey wichtigen Regierungsgeſchaͤften ihre Einwilligung zu geben, Land⸗ oder Reichsſtaͤnde.(Parlement, Senat u. ſ. w.) 63) Die Thronfolge in einem monarchiſchen Steaate iſt entweder erblich, d. h. nach dem Tode des Regenten folgt ihm(gewoͤhnlich) ſein aͤlteſter Sohn in der Regierung(in einigen Staaten erbt auch, in Ermangelung des maͤnnlichen das weibliche Geſchlecht) oder der neue Regent muß gewaͤhlt werden, in welchem Falle man den Staat ein Wahlreich nennt, dergleichen in Europa nur das deutſche Reich, der Kirchenſtaat, das Churfuͤrſten⸗ thum Mainz in Deutſchland, und einige kleinere geiſtliche Herrſchaften ſind.. 64) Eine Republik iſt ein Staat, wo die hoͤchſte Regierungs⸗ Gewalt mehrern Perſonen(zu⸗ weilen unter ſichtbar uͤberwiegendem Einfluſſe eines Einzigen, wie z. B. ebeinwier in Frankreich) anvertrauet iſt, 17 65) Man unterſcheidet ſie gewoͤhnlich in ariſto⸗ kratiſche und demokratiſche Republiken. Eine ariſto⸗ kratiſche Republik iſt eine ſolche, wo die Geſetz⸗ gebung und Regierung in den Haͤnden des Adels oder der Vornehmſten des Landes iſt, und eine de mokratiſche, wo das Volk ſelbſt, durch gewiſſe von ihm gewaͤhlte Repraͤſentanten an der Geſetzgebung Antheil nimmt, welches jetzt in den mehrſten euro⸗ paͤiſchen Republiken, wenigſtens dem Scheine nach, der Fall iſt. 66) Jeder nur einigermaßen betraͤchtliche Staat beſteht aus mehreren Staͤdten, Flecken, Doͤrfern ꝛc. Eine Stadt iſt ein Ort, deſſen Einwohner Buͤrger heißen, und ſich meiſtentheils mit Treibung der Handwerke, Kuͤnſte, der Handlung und der Wiſſen⸗ ſchaften beſchaͤftigen. Flecken(Marktflecken, Freyhei⸗ ten, Weichbilde u. ſ. w.) ſind Oerter, die zum Land⸗ bau ſowohl als zur buͤrgerlichen Nahrung eingerichter ſind. Doͤrfer(Weiler, Bauerſchaften) werden von Landleuten oder Bauern bewohnt, die ſich vom Alger⸗ bau und von der Viehzucht naͤhren. 1 67) Ein kultivirter Staat muß viele Aus⸗ gaben machen zur Unterhaltung des Regenten und der Staatsdiener, fuͤr die Juſtitzpflege, fuͤr das Polizey, und Kriegs⸗Weſen. Er muß alſo auch viele Einkuͤnfte haben, welche theils aus den Do⸗ mainen, oder den eigentlichen Staatsguͤtern, theils aus den Regalien z. B. den Zoͤllen, Poſten, dem B 48 Waſſer⸗. Zorg⸗ Jagd⸗ Bergwerks, Muͤnz⸗ und Salz⸗ Regal, theils aus den Steuern(Kontribution, Acciſe u. dergl.) herfließen.— 68) Die Mahht eines Staates beſteht üer haupt in der Menge, der Vaterlandsliebe, dem Wohlſtande, und der aufgeklaͤrten Denkungsart ſeiner Einwahner, insbeſondere aber in der Kriegesmacht zu W Waſſer und Lande. Die Landmacht eines Staa⸗ tes beſteht aus einem wohlgeubten Kriegesheere der Armee, ſoohl an Fußvolk(Infante erie) als an Reuterey(Cgvallerie), und Soldaten, die mit dem groben Geſchute umzugehen wiſſen(Artilleriſten). Ste werd en in Bri igaden, Halbörigaden oder Regi⸗ menter, und dieſe wieher in Bataillone, Eskadrone, und Kom pagnien eingetheilt.. Die Seemacht eines Sinates, der weitläuftige Seekäͤſten, oder uͤber das Meer entleggne Beſtzungen hat, und ſtarken See⸗ handel treibt. beſteht aus einer Menge Kriegsſchiffe (Flotte, oder wenn ſi ſie klein iſt, Geſchwader ge⸗ nannt) weiche nach ihrer verſchiedenen Groͤße und Beſtimmung Linienſchiffe, Fregatten, Galeeren, Schaluppen, Brander, Kutter u. ſ. w. genannt wer⸗ den. Ein Staat, der eine anſehnliche Land rmee unterhaͤlt, heißt eine Landmacht, und Staaten die eine große Flotte haben, nennt man Seemaͤchte 69) Die vornehmſten Arten der Gottesvereh⸗ rung auf dem Erdboden ſind die heidniſche, die lüdiſche, die muhammedaniſche, und die chriſtliche 7 19 Religion. Die letzkere theilt ſich wieder in dreh Hauptkirchen, neinlich die roͤmiſchkatoliſche,⸗ griecht⸗ ſche und proteſtantiſche, und dieſe in mehrere Arten, 3. B. die lutheriſche, reformirte, engliſche u. ſ. 3. 70) Man theilt das veſte Land der Erde in 5 Haupttheile ein: 1) Europa, 2) Aſten, 3) Afrika, welche zuſammenhaͤngen, und auch die alte Welt genannt werden, weil ſie am laͤngſten bekannt geweſen ſind. 4) Amerika, welches man auch die neue Welt nennt, weil es erſt vor 300 Jahren durch Chriſtoph Columbus entdeckt wurde, und 5) Auſtralien oder Polyneſten, welches aus vielen Inſeln beſteht, und erſt in neuen Zeiten durch Ceok und andere Seer kahrer naͤher bekannt geworden iſt. 71) Europa enthaͤlt 171, 16 Quadratmellen (nach einigen, die einen groͤßern Theil vom ruſſi⸗ ſchen Reiche zu Aſten rechnen, nur 161,425). Aften hat etwa 700,000 Quadratmeilen und iſt alſo uͤber 4 mal groͤßer als Europa. Afrika enthaͤlt 530 000 Kuadratmeilen, und iſt 3 mal ſo groß als Europa. Ihmerika begreift 600,000 Quadratmeilen, und Auſtra: liens Groͤße kann wegen der vereinzelten Lage ſeiner noch nicht genau bekannten Theile, bis jetzt noch nicht mit Zuverlaͤſſigkeit beſtimmt werden, jedoch ſoll Neuholland, die groͤßte ſeiner Inſeln uͤber 162 005 geographiſche Quadratmeilen enthalten. 72²) Unter dieſen Erdtheilen iſt Europa am beſten angebauet, und hat nach Verhaͤltniß ſeiner B 2 Groͤße die ſtaͤrkſte Bevoͤlkerung, treibt die groͤßte Handlung und Schiffahrt, und iſt maͤchtiger als die andern zuſammengenommen, indem ſeine Einwoh⸗ ner ſich einen großen Theil des uͤbrigen Erdbodens unterwuͤrfig, oder doch darin furchtbar gemacht haben. 73) Aſien iſt, ſo viel man weiß, unter allen Erdtheilen am erſten bewohnt geweſen, und manche in der alten Geſchichte merkwuͤrdige Voͤlker, haben ihren Wohnſitz darin gehabt. Afrika iſt nach ſeiner innern Beſchaffenheit den Europaͤern am unbekann⸗ teſten, weil es voll von brennenden Sandwuͤſten iſt; und Amerika iſt beynahe ganz unter verſchiedene europaͤiſche Nationen vertheilt. 74) Der ganze Ocean um die Erde wird in 5 Weltmeere eingetheilt, dieſe ſind 1) das noͤrdliche, und 2) das ſuͤdliche Eismeer. 3) Das weſtliche oder amerikaniſche Weltmeer, deſſen Haupttheile das atlantiſche und aͤthiopiſche Meer ausmachen. 4) Das ſuͤdliche oder indiſche Weltmeer, welches das arabiſche oder perſiſche Meer, den bengaliſchen Meer⸗ buſen, und die Meerbuſen von Siam und Tunkin begreift. 5) Das oͤſtliche oder große Weltmeer, ges woͤhnlich die Suͤdſee genannt. Dieſes enthaͤlt die Nordſee, das Japaniſche Meer, die Mittelſee oder das ſogenannte ſtille Meer, und die eigentliche Suͤd⸗ ſee, vom Wendecirkel des Steinbocks bis zum ſuͤdli chen Eismeere. „ 21 II. Von Europa uͤberhaupt. 1) Europa liegt zwiſchen dem 36 und 71ten Grad noͤrdlicher Breite, und ſeine oͤſtliche Laͤnge, wodurch es von Aſien getrennt wird, erſtreckt ſich vom 8ten bis zum 470 bis Konſtantinopel, bis zum 750 bey der Enge Waigaz, und nach den Beſtimmungen an⸗ derer Geographen gar bis zum 790. Es graͤnzt gegen Oſten an Aſien und das ſchwarze Meer, gegen Weſten an das atlantiſche, gegen Suͤden an das mittellaͤndiſche, und gegen Norden an das nirbliche Eismeer. 2) Seine groͤßte Laͤnge betraͤgt vom Kap St. Vincent in Portugall bis zum noͤrdlichen Ende der Graͤnze zwiſchen Europa und Aſten etwa 750 Meilen, ſeine groͤßte Breite belaͤuft ſich vom Kap Matapan in Morea bis zum Nordkap auf ohnge⸗ faͤhr 520 Meilen, und ſeinen Flaͤchen⸗Inhalt in Quadratmeilen berechnen einige Geographen auf 161,425, andere die das uraliſche Gebirge als den beſtimmten Graͤnzpunkt anſehen, auf 171,164 Qua⸗ dratmeilen. 7 3. Europa liegt groͤßtentheits in der noͤrdli chen gemaͤßigten Zone; nur ein kleiner Theil faͤllt in den noͤrdlichen kalten Erdſtrich. Es hat meh⸗ rentheils eine geſunde Luft, und ſein Boden iſt ſo fruchtbar, daß er alles, was Zzür Nothdurft, Bequemlichkeit und zum Verguu igen der E Einwohner erforderlich iſt, hinlaͤnglich hervorbringt; und was etwa einem Lande abgehen ſollte, das erſetzt das andere durch ſeinen Ueberfluß, wodurch der ſtarke Handel entſteht, den die Europaͤer unter ſch treiben. 4) Earopa's vorzuͤglichſte Produkte ſind a) aus dem Mineralreiche: etwas Gold und Siüber, Kupfer und Eiſen in Menge, auch Zinn und Bley im Ueberfluſſe, Steinkohlen, Satz, Bernſtein ꝛc. b) Aus dem Pflanzenreiche, Obſt, Wein, Holz, Torf, Flachs, in den fuͤdlichen Gegenden auch Baumoͤl, Baumwolle— Dagegen werden Kaffee, Thee, Zucker und mehrere Gewuͤrze aus Oſt⸗ und Weſtindien eingefuͤhrt. c) Aus dem Thierreiche, Seide, Pelzwerk(im Norden) Hornvieh, Pferde, Schaafe, Fiſche, hin und wieder Perlen, u. ſ. w. 5) Die Zahl ſeiner Einwohner beläuft ſich uͤber 16¼ Millionen, wenn man die§. 2. zuletzt keſtimmte Graͤnze annimnnt. Viele tauſend Euro⸗ puͤer leben auſſerdem noch in den uͤhrigen Erdthel⸗ len, und ſie ſind den Bewohnern derſelben an Cultur weit uͤberlegen, wozu ihnen beſonders die Erfindung 23 des Pulvers, der Buchdruckerkunſt und des Konn paſſes behuͤtflich war. ¹ 6) Seine vornehmſen Gebirge ſind: 1) die Alpen in und zwiſchen der Schweitz, Frankreich und Italien, deren aͤußerſter Gipfel der Montblanc in Vakeſten iſt. Zweige der Alpen, die nach Weſten zu gehen, bilden die Vogeſen und den Jura, weiter: hin die Sevennen, und ſchließen ſich gegen Suͤdwe⸗ ſten an 2) die Pyrenaͤen zwiſchen Frankreich und Spanten. 3) Die Karpathen oder das Rieſen⸗ gebuͤrge, zwiſchen Ungarn, Gallicien und Schl eſien. 4) Die Apenninen, wel lche mitten durch Italien laufen. 5) Das Gebirge zwiſchen Schweden und Norwegen(das Seno; Gebirge oder Koͤhlen; Felſen) 9) Feuerſpeyende Berge in Europa ſind: 1) der Aetna auf Sieilien, 29 der Veſuv im Koͤnigreiche Neapel, 3) der Hekla und 4) Krabla(Leihrnukr u. a. m.) auf der Inſel Island. 8) Europens merkwuͤrdigſte Vorgebirge ſ ſind: 1) das Kap St. Vincent in Algarbien unten an der Spitze von Portuzall; 2) das Kap Finisterraͤ unten an der Spitze von Spanien, 3) das Nordkap und Nordkyn in Nerwegen; 4) das Kap Matapan unten an Morea in der europaͤiſchen Tuͤrkey. 9) Die zu Curopa gehoͤrigen Gewaͤſſer des Oceans ſind: 1) das M dittellaͤndiſche Meer zwiſchen Eurepa, Aſten und Afrika, deſſen Theile und Buſen das Etruriſche Meer, das Adriatiſche 24 Meer oder der Meerbuſen von Venedig, und das Aegeiſche Meer oder der Archipelagus ſind. 2) Das ſchwarze Meer zwiſchen der europaͤtſchen und aſias tiſchen Tuͤrkey, der Krimm und Kuban mit ſeinem Buſen dem aſowſchen Meere. 3) Das deutſche Meer, oder die Nordſee, zwiſchen den brittiſchen Inſeln, Deutſchland, der bataviſchen Republik, Daͤnnemark und Norwegen, mit dem Battegat. 4) Das baltiſche Meer oder die Oſtſee, zwiſchen Deutſchland, Preußen, Rußland, Schweden und Daͤnnemark, mit dem bothniſchen und finniſchen Meerbuſen, und 5) das weiße Meer, ein großer Meerbuſen des noͤrdlichen Eismeeres. 10) Die groͤßten Landſeen in Europa ſind: 1) der Ladoga, 2) Onega und 3) Peipusſee in 3 Rußland, 4) der Wenner und 5) Wetterſee in Schweden, 6) der Bodenſee zwiſchen Deutſchland und Helvetien, und 7) der Genferſee zwiſchen Frank⸗ reich und Helvetien.. 11) Die merkwuͤrdigſten Meerengen ſind: 1) Die Straße von Gibraltar, zwiſchen Spa⸗ nien und Afrika. 2) Die meerenge des heil. Bonifacius zwiſchen Sardinien und Korſi ka. 3) Die Meerenge zwiſchen Neapel und Sicilien. 4) Die Meerenge der Dardanellen oder der Helle⸗ ſpont, der ſich in einen See den See von Mar⸗ mora oder Propontis erweitert, und dann 5) die thraciſche Meerenge dicht hey Konſtantinopel bildet; 25 6) die Straße von Kaffa; 7) der Kanal zwi⸗ ſchen England und Frankreich; 8) der große und kleine Belt in Daͤnnemark, und der Sund zwi⸗ ſchen Daͤnnemark und Schweden; 9) die Straße Waigatz, welche Novajaſemlja von Rußland trennt. (Die anſehnlichſten unter der Menge von Fluͤſſen, welche Europa durchſtroͤmen ſind: 1) die Wolga in Rußland, deren Lauf man von ihrem Urſprunge aus einem See an, bis zur Muͤndung am kaspiſchen Meere auf 400 Meilen ſchaͤtzt, 2) die Donau und 3) der Dneper in Rußland, welche in's ſchwarze Meer fließen, 4) der Don, der ſich in's Aſowſche, und 5) die Dvina, die ſich in's weiße Meer ergießt, beide in Rußland; 6) der Rhein, welcher unter einem andern Namen in die Nordſee faͤllt.) 12) Europens Hauptſprachen ſind: a) die Toͤchter der ausgeſtorbenen lateiniſchen Sprache, als die italiaͤniſche, ſpaniſche, portugieſiſche, franzoͤſiſche und wallachiſche; b) die deutſche, und die mit ihr verwandte daͤniſche, ſchwediſche, norwegiſche und hol⸗ laͤndiſche Sprachen; c) die engliſche Sprache„ welche aus der altbrittiſchen, lateiniſchen und deutſchen ent⸗ ſtanden iſt; d) die ſlawoniſche mit ihren verſchiede⸗ nen Mundarten, der ruſſiſchen, ungariſchen, polni⸗ ſchen, maͤhriſchen und wendiſchen; e) die neugriechi⸗ ſche, welche hin und wieder im tuͤrkiſchen Reiche ge⸗ redet wird; f) die tuͤrkiſche Sprache, die aus der 26 arabiſthen und perſiſchen viele Woͤrter Ahun hat, und mehrere andere von minderm Um fange. 3 13) Im groͤßten Theile von Europa heruſht die chriſtliche Religion nach ihren(I.§. 60. er⸗ waͤhnten) verſchiedenen Haupttheilen und Sekten⸗ Im tuͤrkiſchen Reiche herrſcht die muhammedaniſche Religion, wozu ſich auch die Bewohner einiger Gegenden des ruſſiſchen Reichs bekennen. Juden leben faſt in allen europaͤiſchen Staaten zerſtreut, und und oben in Norden giebt es noch kleine heidniſche Voͤlkerſchaften, welche aber nach und nach zum Ehri ſtenthume gebracht werden. 14) Seine erſten Bewohner eehteit Enropa hoͤchſt wahrſcheinlich aus Aſten, und die aͤlteſten Nationen deſſelben waren Phöͤnicier, Celten, Sey⸗ then, Thracier u. a. m. Thracien, gegenwaͤrtig Romanien genannt(ein Theil der europaͤiſchen Tuͤr⸗ key) haͤlt man fuͤr das Land, welches in dieſem Erdtheile zuerſt kultivirt wurde. Die verſchiedenen griechiſchen Voͤlkerſchaften, die Athener, Lacsdaͤmonier, Thebauer und Corinther, beſonders die erſtern, er⸗ reichten bald eine hohe Stuffe der Bildung, wodurch ſie in mehrerer Hinſicht die Lehrer und das Vorbild der Nachwelt wurden. Alepander, der Große genannt, unterwarf ſich Griechenland, und gruͤndete eine un⸗ geheure Monarchie, die aber nach ſeinem Tode in mehrere Relche zerfiel, deren ſich nachher größtenthells die Roͤmer bemaͤchtigten. Roms Urſprung war an⸗ . 27 faͤnglich klein, hald aber unterwarfen ſich die Roͤmer ganz Italien, die Truͤmmer der griechiſchen Monar⸗ chie, und einen großen Theil von Europa, welches durch ſte aus ſeinem rohen Zuſtande herausgeriſſen, gebeſſert, und verfeinert wurde.„Um die Zeit der Geburt Chriſti verwandelte ſich die vorherige republi⸗ kauiſche Regierungsform in eine monarchiſche; etwa 300 Jahre nachher wurde die chriſtliche Religion im roͤmiſchen Reiche herrſchend, und nach dem Tode des Kaiſers⸗ Theodoſtus des Großen, zerfiel es in's abendlaͤndiſche und morgenlaͤndeſche Kaiſerthum. Das erſte wurde bald durch die Voͤſkerwanderung verſchlun⸗ gen⸗ wodurch faſt ganz Europa eine neue Geſtalt erhielt, und das letztere ging durch den Einfall aſtatis ſcher Voͤlker zu Grunde. Ums Jahr gor nach Chriſti Geburt richtete Kaiſer Karl der Große das abendlaͤn⸗ diſche(roͤmiſch: deutſche) Kaiſerthum gewiſſer maßen wieder auf, und es bildeten ſich nach und nach die zum Theil noch beſtehenden europaͤiſchen Staaten (deren Entſtehung und Fortgang in der Folge bey jedem beſonders erwaͤhnt werden wird.) Die merk⸗ wuͤrdigſten Begebenheiten, welche auf ganz Europa Einfluß hatten, ſind kuͤrzlich noch folgende: die Kreutzs zuͤge nach Palaͤſtina; die Entdeckung von Amerika:; die durch Luther, Zwingel⸗ Kalvin und Andere bewirkte Kirchenperbeſſerung; der 39jaͤhrige Krieg, den der weſtphaͤlſche Friede 1648 endigte, und die franzoͤſiſche Nevolution in unſern Tagen. 28 15) Europa enthaͤlt gegenwaͤrtig in ſeinem gan⸗ zen Umfange 15 monarchiſche, und 11 republikaniſche Staaten, nebſt mehreren andern, die mit Deutſch⸗ land in Verbindung ſtehen, und daſelbſt vorkommen. 16) Unter den monarchiſchen Staaten werden 3 von Kaiſern, 10 von Koͤnigen, einer von dem Pabſte, und einer von einem geiſtlichen Ordens⸗ meiſter beherrſcht. 17) Die drey Vaiſerthuͤmer ſind: 1) das roͤmiſch deutſche; 2) das ruſſiſche und 3) das tuͤr⸗ kiſche(osmanniſche) auch die Pforte genannt. 18) Die 10 von Koͤnigen beherrſchten Staaten ſind: 1) Portugall; 2) Spanien; 3) Groß⸗ britannien, wozu England, Schottland und Irrland gehoͤren. 4) Daͤnnemark mit Norwegen; 5) Schwe⸗ den; 6) Preußen; 7) Ungarn, Boͤhmen und Galli⸗ zien, welche drey Reiche der jetzige deutſche Kaiſer beſitzt; 8) Neapel mit Sicilien; 9) Sardinien; 10) Etrurien, oder das ehemalige Großherzogthum Toskana, welches erſt im Jahre 1802 zum Koͤnig⸗ reiche erhoben wurde. Die drey letztern Staaten lie⸗ gen in Italien. Polen hat ſeit dem Jahre 1595, wo es unter Rußland, Oeſterreich und Preußen ver⸗ theilt wurde, aufgehoͤrt einen eignen Staat auszu⸗ machen. n rte 19) Der paͤbſtliche Kirchenſtaat, und die Inſel Malta, welche dem Großmeiſter des Malteſer⸗Ordens gehoͤrt, liegen ebenfalls in Italien, ſo wie auch das ——— —— 1 29 Herzogthum Parma, welches jetzt, nach dem Ab⸗ ſterben ſeines eigenen Landesherrn, der franzoͤſiſchen Republik anheim faͤllt, daher ſeine kuͤnftige Beſtim⸗ mung noch ungewiß iſt. 20) Die 11 Republiken in Europa ſind: 1) die franzoͤſiſche,(ſeit dem Jahre 1792); 2) die bataviſche(ehemals die vereinigten Niederlande); 3) die helvetiſche(die Schweitz); 4) die Valeſiſche (ſeit 1802, ehemals ein Theil der Schweitz); 5) die Italiaͤniſche; 6) die Liguriſche(Genua); 7) Lukka; 8) San Marino(die 4 letztern in Italien); 9) Ra⸗ guſa; 10) Poglizza, beide in Dalmatien, 11) die Republik der 7 vereinigten Inſeln, oder die Joniſche Republik ſeit 18017. Die ehemalige Republik Ve⸗ nedig iſt theils an Oeſterreich, theils an die Italiä⸗ niſche, theils an die joniſche Republik gekommen. 21) Europens Hauptſtaͤdte ſind: 1) im deut⸗ ſchen Reiche(wo man eigentlich der verſchiedenen Staaten wegen keine Hauptſtadt angeben kann) Wien, an der Donau, die Reſidenz des jetzigen deutſchen Kaiſers, und die Hauptſtadt der geſammten oſterreichiſchen Monarchie; 2) im ruſſiſchen Reiche Petersburg an der Newa und Moskau; 3) im tuͤrkiſchen Reiche Konſtantinopel an der thraci⸗ ſchen Meerenge. 22) Die Hauptſtadt in Portugall iſt Ciſſabon am Tejo; in Spanien Madrit; in England Lon⸗ don, die Reſidenz des Koͤnigs von Großbritannien; 30 in Schottland Pdinburg; in Jerlatd, Dublin, in Daͤnnemark Koppenhagen an der Oſtſee; in Norweßen Chriſtiania, in Schweden Stockholm, in Preußen Koͤnigsberg an der Pregel, in demn ehemahligen Koͤnigreich Polen, Warſchau an der Weichſel, welches jetzt preußiſch iſt, in Ungarn Ofen und Presburg an der Donau, in Boͤhmen Prag an der Moldau, in Gallizien Lemberg, im Koͤ⸗ nigreich Neapel, Neapel am mittellaͤndiſchen Meere⸗ in Sicilien Palermo, in Sardinien Cagliari(Cal⸗ jari), in Etrurien Florenz am Arno; im Kirchen⸗ ſtaate Rom an der Tieber, und ſauf der Inſel Malta, Valetta. 23) Die Hauptſtadt in der kranzzſſſchen Repu⸗ blik iſt Paris an der Seine(Saͤhne); in der Bata⸗ viſchen Amſterdam am 9(Ei), in der Helveti⸗ ſchen Zuͤrich(Bern, Lucern), in der valeſiſchen: Sitten, in der italiaͤniſchen: Mailand, in der liguriſchen Genua. In den Republiken Lukka, San Marino und Raguſa, heiſſen die Hauptſtaͤtte ſo, wie die Laͤnder. Die kleine Republik Poglizza enthaͤlt keine Stadt, ſondern der Hauptort iſt das Dorf Pirun Dubrava, und in der Joniſchen Re⸗ vubüt heißt die Hauptſtadt Korfu. 31 —-⸗— 4 a) Europens Kaiſerthuͤmer. III. Deutſchland, (wird am Ende bostaurne.) . Das ruff ſche Reich in En ropa. 1) Ghegegee Gegen Oſten trennen es die urali⸗ ſchen Gebirge vom aſtatiſchen Rußland, gegen Weſten graͤnzt es an Norwegen, Schweden Cinsbeſondere an Lappland und Finnland) an die Oſtſee, Preußen und Gallicien, gegen Suͤden an's ſchwarze Meer und die Moldau, und gegen Norden an's noͤrdliche Eismeer. 2) Sroͤße. Das europaͤiſche Rußland begreift etwa 94,000 Quadratmeilen, wenn man die uralis ſchen Gebirge zum Graͤnzpunkte gegen Oſten annimmt. Das ganze ruſſiſche Reich aber enthaͤlt uͤber 330,000 Quadratmeilen, folglich mehr als den 8ten Theil des bewohnten Erdbodens. 3) Sluͤſſe und Seen. Jn's weiſſe Meer er⸗ gießt ſich die Dwina, in die Oſtſee die Duͤna, in den finniſchen Meerbuſen die Newa, in's ſchwarze Meer der Dnieſter, Bog und Dneper; in's 32 aſotvſche Meer der Don, und in's kaspiſche Meer die Wolga. Merkwuͤrdig iſt auch der ladogaiſche Kanal. Die vornehmſten Seen ſind, der Ladoga⸗ und Onega⸗ See, der Peipusſee in Liefland, der Ilmenſee, der Bielooſoro(weiße See) und der Iwanoſero. 4) Natuͤrliche Beſchaffenheit. Der Boden iſt größtentheils eben und flach, doch ſind auch im Innern mehrere Bergruͤcken. Das Klima iſt rauher als in andern europaͤiſchen Laͤndern unter gleicher Breite; nur im ſuͤdlichen Theile iſt es warm, im noͤrdlichen aber hoͤrt Ackerbau und Viehzucht auf. Uebrigens iſt die Luft faſt uͤberall rein und geſund. 5) Hauptprodukte. Es hat Ueberftuß an Waldungen, Getraide, Salz, Fiſchen,(Hauſen, der Stoͤr, aus deſſen Rogen der Kawiar bereitet wird) und Bergwerken. Ferner fuͤhrt es viel Pelz⸗ werk, Lein, Rhabarber, Juchten, Borſten und dergl. aus. In der Ukraine giebt es ſchoͤne Pferde, und in den ſuͤdlichſten Laͤndern etwas Wein. Handlung und Schiffahrt ſind daher auſſerordentlich groß und eintraͤglich, aber an Fabriken und Manulaktuten fehlt es noch immer ſehr. 6) Volksmenge. Das ganze Reich zaͤhlt un⸗ geachtet ſeiner ungeheuren Groͤße nur 36 Millionen Menſchen,(der europaͤiſche Theil 33 Millionen) die aus mannigfaltigen z. B. ſlaviſchen, finniſchen, tata⸗ riſchen, ſamojediſchen, mongoliſchen und andern Na⸗ 33 tionen zuſammengeſetzt, und an phyſiſcher Beſchaffen⸗ heit, Lebensart und Kultur ſehr verſchieden ſind. Im Ganzen genommen ſind die Ruſſen von einer uͤber⸗ aus harten und dauerhaften Leibesbeſchaffenheit. Die Bauern leben groͤßtentheils in der Leibeigenſchaft unter hartem Drucke, folglich auch in der tiefſten Unwiſſen⸗ heit, und im finſterſten Aberglauben; unter den mitt: lern und hoͤhern Klaſſen aber giebt es manche aufge⸗ klaͤrte und gebildete Menſchen. 7) Aeligion. Die herrſchende Religion iſt die griechiſche, doch werden alle uͤbrige Neligionspartheyen, die Juͤden ausgenommen,(und in den ehemals pol⸗ niſchen Provinzen auch dieſe) geduldet. 8) Landes⸗Regierung. Dieſe iſt monar⸗ chiſch und uneingeſchraͤnkt; die Thronfolge iſt erblich, vor Paul I. auch in weiblicher Linie. Die Prinzen und Peinzeſſinnen haben alle den Titel: Großfuͤrſten und Großfuͤrſtinnen. 9) Eintheilung. Das europaͤiſche Rußland wurde ehemals eingetheilt in Groß⸗ Klein⸗ und Weiß⸗Rußland oder die Ukraine, und in die von Schweden eroberten Laͤnder, Ingermannland, Liefland, Eſthland, und einen Theil von Finnland.— Jetzt wird es mit Inbegriff der von Polen abgeriſſenen Laͤnder, und derer, die an Rußland von den Taͤrken abgetreten ſind, in 45 Stadthalterſchaften eingetheilt, von denen einige Geographen, 5 noch zu Aſten zaͤhlen. C 10) Die vornehmſten Staͤdte. A) In den Stadthalterſchaften an der Oſtſee: Petersburg an der Newa, Reſidenz und Hafen, hat 212,000 Ein⸗ wohner, mit den kaiſerlichen Luſtſchloͤſern Sarskoe⸗ ſelo, Katharinenhof, Peterhof, und Oranien⸗ baum. Kronſtadt F. Hf. Narwa F. Wiborg H. im ruſſiſchen Antheile von Finnland. Riga Hſt. F. an der Duͤna, und Dorpat, Univerſitaͤt, in Liefland. Reval an der Oſtſee Hf. in Eſthland; Mietau mit einem akademiſchen Gymnaſium, Win⸗ dau Hf. und Libau in Kurland. B) In den ehe⸗ mals zu NYolen und Lithauen gehoͤrenden Laͤndern: Wilenok(Wilna) Univ. Grodno, Minok, Cuͤck, Bryeſc am Bog, mitt einer beruͤhmten Judenſchule. Baminiez F. am Onieſter, Dubno, wo ein ſtarker Jahrmarkt gehalten wird, Mogilew am Dneper, mit einem Jeſuiter⸗Collegium. C) Im noͤrdlichen Theile von Rußland: Archangel Hſt. an der Dwina. Wologda Hſt., Pleskov F., Nowgorod(Neuſtadt) der Sitz des erſten ruſſiſchen Großfuͤrſten. D) Im mittlern Theile: Moſkwa oder Moſkau H. u. Unt⸗ verſ. hat uͤber 5 Meilen im Umfange, und im Win⸗ ter uͤber 270,000 Einwohner. Das Kloſter Troiz⸗ koi Sergiew. Jaroslawl an der Wolga, hat viele Juchten, Manufakturen. Tula mit einer aͤn⸗ ſehnl ichen Gewehrfabrik und 30,000 Einwohnern. Twer an der Wolga, nach Petersburg die ſchoͤnſte Stadt in Rußland. Niſchny⸗Nowgorod F. Smolensk F. Hſt. am DOneper, Woroneſch und Kursk Hſt. E) Im ſuͤdlichen Theile Kiew F. u. U. am Dneper, Poltawa F., Cherſon am Dneper Hſt. mit 36,000 Einw. Tſcherkask im Lande der doniſchen Koſaken. Kaffa, jetzt Feodoſta Hſt. und Kinburn F. in der Krimm oder Taurien. Ot⸗ ſchakow an der Muͤndung des Dneper. Aſow F. an der Muͤndung des Don. P) Nach Aſien hin lie⸗ gen,(und werden auch ſonſt zu Aſien gerechnet) Kaſan F., Saratow an der Wolga mit guten Fabriken. 11) Außereuropaͤiſche Beſitzungen. In Aſien das Land Aſtrachan, Orenburg, Geor⸗ gien, Siberien, viele Inſeln im nord oͤſtlichen Archipelagus u. ſ. w. 12) Kurze Geſchichte. Rußlands erſte Ein⸗ wohner waren ſcythiſche und ſarmatiſche Voͤlkerſchaft ten. Bey der großen Voͤlkerwanderung im Sten Jahrhunderte begaben ſich die Slaven und im 9ten Jahrh. die Waraͤger aus Skandinavien hieher, und ihr Anfuͤhrer Rurick gruͤndete zuerſt ein Reich. Wlas dimir der Große nahm 987 die chriſtliche Religion an, und verbreitete ſie im Lande. Im Jahr 1225 eroberten die Mongolen aus Aſien das ganze Reich, bis es Iwan Waſiljewitſch wieder von ihrer Herr⸗ ſchaft befreyte, und die neue ruſſiſche Monarchie ſtif⸗ tete, deren Regenten Czaare genannt wurden. Peter der Große, der von 1689 bis 1725 regierte, und den C 2 Kaiſertitel annahm, legte den erſten Grund zur Bildung der aͤußerſt rohen Nation, auf welchen be⸗ ſonders Katharina II. mit gutem Erfolge fortbauete, und dadurch Rußland zu einem hohen Grade von nur einige Jahre, und ihm folgte der jetzige Kaiſer Alexander I, unter deſſen weiſer und guter Regierung Rußland an Wohlſtand und Kultur ſichthar zunimmt. politiſcher Groͤße erhob. Ihr Sohn Paul I. regierte 37 —— V. Das osmanniſche Reich in Europa, oder: Die Europaͤiſche Tuͤrkey. 1) Graͤnzen deſſelben. Gegen Oſten der Archipe: lagus, das Meer von Marmora und das ſchwarze Meer; gegen Weſten, Dalmatien und das adriatiſche Meer; gegen Suͤden, das mittellaͤndiſche Meer; und gegen Norden das ruſſiſche Reich, wovon es der Dnieſter trennt, Siebenbuͤrgen und die ungariſchen Laͤnder, wovon es durch die Donau und Sau ge⸗ trennt wird. 2) Groͤße. Betraͤgt etwa 10,800 Quadratmeilen. 3) SFluͤſſe. Der Dnieſter, die Donau, welche in's ſchwarze Meer, und der Pruth und die Sau, welche in die Donau fallen. 4) Matuͤrliche Beſchaffenheit. Es iſt in den noͤrdlichen Gegenden groͤßtentheils eben, in den fuͤdlichen zum Theil bergicht(der Haͤmus und Rho⸗ dope in Romanien, der Parnaß und Helikon in Li⸗ vadien). Sonſt hat es einen fruchtbaren, aber zu wenig angebauten Boden, ein heißes Klima, und eine geſunde Luft, wiewohl zuweilen die Peſt, die aus Aegypten zu kommen ſcheint, heftig wuͤthet. 38 5) Haupt Produkte. Getraide, beſonders Reis, viele Suͤdfrüchte, korinthiſche Roſinen, Wein, Baumwolle, Seide, Taback, Siegelerde, Meer⸗ ſchaum ꝛc. Im Lande ſind Manufakturen und Fas briken von ſehr kuͤnſtlicher Arbeit, und der Handel wird(beſonders von den Juden und Armeniern) ſtark getrieben. 6) Volksmenge. Kaum 12 Millionen Men⸗ ſchen, worunter eigentliche Tuͤrken, Tatarn, Grie⸗ chen, Armenier, ſlaviſche Voͤlker, Wallachen, Arnaus⸗ ten, und andere Nationen ſich befinden. Die Tuͤr⸗ ken haben noch ganz aſiatiſche Sitten und Gebraͤuche, und lieben vorzuͤglich den Kaffee und den Taback. 7) Aeligion. Die Tuͤrken bekennen ſich zur muhammedaniſchen Religion(Islam) deren Lehrſaͤtze im Koran enthalten ſind. Ihr geiſtliches Oberhaupt iſt der Mufti,(Schehul Jelam). Sonſt giebt es in der Tuͤrkey ſehr viele griechiſche Chriſten und Juden, denen, ſo wie allen uͤbrigen Religionspar⸗ theyen, die freye Religionsuͤbung geſtattet wird. 8) Landes⸗Regierung. Sie iſt unter ge⸗ wiſſen Einſchraͤnkungen deſpotiſch, und in der maͤnn⸗ lichen Linie des osmanniſchen Hauſes erblich, doch mit Wahl verbunden. Der oberſte Staatsbediente heißt: Großweſſir, die Statthalter in den Provinzen Paſchas und Sandſchaken, und der hoͤchſte Rath fuͤhrt den Namen Dipan. . —— —— 39 9) Eintheilung. Man theilt die Europaͤlſche Tuͤrkey a) in die dem osmanniſchen Reiche voͤllig unterworfenen Laͤnder, dazu gehoͤren: 1) Roma⸗ nien, 2) Bulgarien, 3) Servien, 4) Boonien mit einem Theile von Croatien und Dalmatien, 5) Albanien, 6) Macedonien, 7) Janjah oder Theſſalien, 3) Livadien oder das eigentliche alte Griechenland, 9) die Halbinſel Moreg.(Die von 5 bis 9 angefuͤhrten Laͤnder machen Griechenland im weitern Verſtande aus). 10) Die Inſeln des Archi⸗ pelagus, im mittellaͤndiſchen und joniſchen Meere, worunter Candia bey weitem die groͤßte iſt, ſonſt aber noch Stalimene, Negroponte, Andros, Delos⸗ Paros, Antiparos und Naxos vorzuͤglich zu merken ſind. b) In die unter dem Schutze des osmanni⸗ ſchen Reichs ſtehenden, und demſelben zinsbaren Laͤnder, nehmlich 1) das Fuͤrſtenthum Wallachey, und 2) Moldau, wovon jedes ſeinen eigenen Fuͤrſten (Hoſpodar) griechiſcher Religion, hat. Dabey liegt das tatariſche Land Beſſarabien, welches nebſt dem obern Theile der Moldau voͤllig unter osmanniſcher Herrſchaft ſteht. 10⁰) Die vornehmſten Oerter. In a. 1) Ronſtantinopel(Iſtambol) HH. u. Reſ. ſoll gegen 1 Million Einwohner haben. Adrianopel. 2) So⸗ phia und Warna Hſt. Widdin und Stliſtria F. 3) Belgrad F. an der Donau und Semendriah. 40 4 Banjaluka 5. Sarajo Hſt., Wihits und Trebigao. 5) Der Monte Santo(Athos) ein Berg mit 2 griechiſchen Klöſtern, und Saloniki (Theſſalonich) Hſt. 6) Skutari F. Duleigno Hf. Der gebirgigte Strich Landes Montenero, der von den kriegeriſchen Montenegrinern bewohnt wird. 7) Lariſſa Hſt. 3) Livadia Hſt. Lepanto am Meerbuſen gleiches Namens. Thiva(Theben) und Athiniah(Athen). 9) Corinth, Miſitra(das alte Sparta), Napoli di Romania und Napoli di Malvaſia F. 10) Auf der Inſel Candia liegen Candia H. und Canea F. In b. 1) befinden ſich Bukereſcht H. R. Tergoviſcht, Giurgewo Hſt. an der Donau, und Neu Orſowa F. 2) Jaſſt H. N. Chotſchin und Bender F. In Beſſarabien liegen Ismail F. und Arkierman bey der Muͤndung des Onieſters. 11) Außereuropaͤiſche Beſigungen. In Aſien die ſogenannte aſiatiſche Tuͤrkey und ein Theil von Arabien; in Afrika Aegypten, ein Theil von Nu⸗ bien und die Schutzgerechtigkeit uͤber die Republiken Algier, Tunis und Tripoli. 1 7 12) Geſchichte. Das weitläuftige tuͤrkiſche Reich iſt theils aus dem roͤmiſchen Reiche und zwar dem Theile, der das morgenlaͤndiſche Kaiſerthum ausmachte, theils, in Abſi cht ſeiner außereuropaͤi⸗ ſchen Beſitzungen aus dem arabiſchen Caliſate ent⸗ ſprungen. Die eigentlichen Tuͤrken gehoͤrten mit zu 41 dem großen Voͤlkerſtamme der Tartarn. Im 12ten Jahrhunderte drangen ſie in die aſiatiſchen Provinzen des morgenlaͤndiſchen Kaiſerthums vor, vereinigten ſich darauf mit den Arabern oder Saracenen, von welchen ſie auch die mahomedaniſche Religion annahs men, und errichteten verſchiedene Regierungen. Os⸗ mann ſtiftete in 14ten Jahrhundert das Geſchlecht der nachherigen tuͤrkiſchen Herrſcher oder Sultane, unter welchen Muhammed II. im Jahr 1453 Kon⸗ ſtantinopel eroberte, und dadurch dem griechiſchen Kaiſerthume ein Ende machte. Nachher erſtreckten die Tuͤrken ihre Eroberungen immer weiter, und fuͤhrten haͤufige Kriege mit don deutſchen Kaiſern, als Koͤnigen von Ungarn; mit Polen und Rußland; in dem ver⸗ floſſenen Jahrhunderte jedoch groͤßtentheils mit ſchlech⸗ tem Erfolge. Gegenwaͤrtig befindet ſich das Reich in einem ſehr geſchwaͤchten Zuſtande, und der jetzige Kaiſer Selim III. konnte nur durch die wuͤrkſame Huͤlfe der Englaͤnder die Franzoſen aus dem in Beſitz genommenen Aegypten vertreiben, welches aber dene noch bis jetzt(ſo wie mehrere Theile des Reichs) fortfaͤhrt, ſich ſeinen Anordnungen zu widerſetzen. F 42 b) Koͤnigreiche. VI. Portugall. 1) Graͤnzen deſſelben. Gegen Norden und Oſten Spanien; gegen Suͤden und Weſten das atlantiſche Meer. 2) Groͤße. Mit Inbegriff der Inſcln im at⸗ lantiſchen Meere hat es etwa 2000 Quadratmeilen. 3) Die vornehmſten Fluͤſſe deſſelben ſind: der Minho, Duero, Tejo und die Guadiana, welche in Spanien entſpringen, Portugall durchſtroͤmen, und ſich in's atlantiſche Meer ergießet. 4) Matuͤrliche Beſchaffenheit. Portngall iſt in vielen Gegenden bergicht, und die Gebuͤrge ziehen ſich alle von Spanien her. Die Luft iſt warm, wird aber durch die Seewinde gemäßigt. Ueberhaupt ge⸗ nommen iſt das Land fruchtbar; aber in den noͤrdli⸗ chen Gegenden mehr angebaut als in den ſuͤdlichen. 5) Haupt⸗ Hrodukte. Dieſe ſind: Wein, mehrere Arten von Suͤdfruͤchten, Baumoͤl, viel Salz, gute Fiſchereyen, eintraͤgliche Schaafzucht, Seide und dergleichen. Es ſehlt aber an Getreide und ——— 43 Hornvieh, auch an guten Fabriken und Manufakturen, dagegen iſt der Handel jetzt ziemlich lebhaft, und die Schiffahrt ausgebreitet. 88¹ 0) Volksmenge. Es hat ohngefaͤhr 3 Millios nen Menſchen, die ſo wie ihre Nachbaren, die Spa⸗ nier, groͤßtentheils ernſthaft, ſtolz auf ihre Nation und Geburt, dabey aber traͤge ſind. Die Portugieſen lie⸗ ben die Schiffahrt ſehr, und haben einige wichtige Entdeckungen gemacht. Gelehrſamkeit kann aber unter ihnen wegen der ſehr eingeſchraͤnkten Denkfrey⸗ heit nicht emporkommen, und nur einige Faͤcher der⸗ ſelben werden mit einigem Fleiße betrieben. 7) Religion. Im ganzen Lande wird keine andere als die roͤmiſche katholiſche Religion geduldet⸗ und die fuͤrchterlichen Inquiſttionsgerichte ſind gegen die ſogenannten Ketzer und heimlichen Juden, deren es noch viele giebt, angeordnet. 8) Landes⸗Regierung. Der Koͤnig(die Koͤniginn) herrſcht unumſchraͤnkt monarchiſch, und fuͤhrt zugleich den Titel: Sr. allergetreueſten Na⸗ jeſtaͤt. Die Prinzen und Prinzeſſinnen heißen Ins fanten und Infantinnen; der Kronprinz und die Kronprinzeſſinn aber werden Prinz oder Prinzeſſinn von Braſilien genannt. 9) Eintheilung in 6 Landſchaften. 1) PEntre Minho e Duero. 2) Traz os Montes, 3) Beira, welche noͤrdlich; 4) Eſtremadura, 5 Alentejo, und 6) Algarve mit dem Titel einss 44 1— Knigreiches, welche ſaͤlich liegen. Außerdem liegen noch in atlantiſchen Meere: 1) die 9 azoriſchen In⸗ ſeln, worunter Terceira die vornehmſte iſt; 2) die Inſeln Madeira und Porto Santo(dieſe Inſeln— werden indeß von mehrern Geographen zu Aifuta gerechnet.) 10) Vornehmſte DOerter. In 1) Porto oder Oporto am Duero Hf. mit 30,000 Einwoh⸗ nern, treibt einen anſehnlichen Handel mit Wein, Braga Erzb. 2) Miranda de Duero F. Bra⸗ ganza der Stammort des jetzigen koͤniglichen Hau⸗ ſes. 3) Coimbra, eine Univerſttaͤt. 4) Liſſabon am Tejo H. R. Hf. Hſt. mit 200,000 Einwohnern. Belem ein Flecken, wo das eoͤnigliche Begraͤbniß ſſt. Mafra ein Flecken und ekoͤnigl. Luſtſchloß. Leiria u., Setubal oder St. Ubes F. Hf. treibt ſtarken Handel mit Salz. 5) Evora U., Elvas F. 6) Lagos und Faro F. Hf. Auf der Inſel Terceira heißt die Hſt. Angra F. Hf. und auf Madeira, Sunchal F.. B 11) Auewaͤrtige Beſitzungen. 1) In Aſten verſchiedene Staͤdte und Haͤfen auf der weſtlichen Halbinſel des Ganges, und an der ſineſiſchen Kuͤſte die Inſel und Stadt Macao. 2) In Afrika: die Inſeln des gruͤnen Vorgebuͤrges(die kapverdiſchen) ferner die Inſeln St. Thomas und Aſcenſion, nebſt verſchiedenen Staͤdten in Nieder⸗ Guinea und an 1 — — 45 der Suͤdoſtkuͤſte von Afrika. 3) In Amerika: Braſilien und ein Theil von Guyana.* 12) Geſchichte. In den aͤlteſten Zeiten fuͤhrte Portugall den Namen Luſitanien: und es wurde zuerſt von den Karthagern und Roͤmern, dann im öten Jahrhundert nach Chriſti Geburt von den Alanen und Sueven, ferner nach und nach von den Weſtgothen und Saracenen, und endlich von chriſtli⸗ chen Fuͤrſten erobert, unter denen Alphonſus I. zuerſt den koͤniglichen Titel annahm. Im Jahr 1580 be⸗ maͤchtigten ſich die Spanier dieſes Reichs, allein im Jahr 1640 wurde es durch eine gewaltſame Staats⸗ veraͤnderung, in welcher der Herzog von Braganza, Johann IV. zum Koͤnige erhoben wurde, wieder von Spanien getrennt, und erhielt ſich in manchen folgen⸗ den Kriegen mit den Spaniern, unabhaͤngig. Die jetzige Koͤniginn heißt Maria Franciſca, aber der Prinz von Braſilien Johann herrſcht eigentlich in ihrem Namen, und im Jahre 1801 ſchloß er mit Spanien und Frankreich einen Frieden, worin er an die erſtere Macht die Stadt und das Gebiet Oli⸗ venza, und an die letztere einen Theil von Guyana in Amerika abtreten mußte. Uebrigens gehoͤrt Por⸗ tugall gegenwaͤrtig unter die kleinern europaͤſſchen Maͤchte. * VII. Spanien. 1) Graͤnzen. Gegen Nordoſt und Norden, Frank⸗ reich, wovon es durch das pyrenaͤiſche Gebirge ge⸗ trennt wird, und das biscajiſche Meer(ein Theil des atlantiſchen); gegen Weſten Portugall und das atlantiſche Meer; und gegen Suͤden und Oſten das mittellaͤndiſche Meer. 2) Groͤße. Es hat uͤber 9200 Quadratmeilen. 3) Fluͤſſe. In's atlantiſche Meer ergleßen ſich der Minho, Duero, Tejo, die Guadiana, und der Guadalquivir, und zwar die 4 erſten in Portugall. In's mittellaͤndiſche Meer faͤllt der Ebro. % Matuͤrliche Beſchaffenheit. Spanien iſt groͤßtentheils gebirgigt,(die Pyrenaͤen, die kantabti⸗ ſchen Gebirge, die Sierra Morena, im Innern des Landes die Atpujarras, wo die hoͤchſten Bergſpitzen ſind.) Daher iſt der Boden ſehr verſchieden, vom hoͤchſten Grade der Fruchtbarkeit bis zum aͤußerſten der Unfruchtbarkeit; er bedarf aber uͤberhaupt einer groͤßern Kultur. Die Luft an und auf den Bergen iſt kalt; dagegen herrſcht in den niedrigen Gegenden eine außerordentliche Hitze; und an den Kuͤſten iſt die Luft kuͤhl und feucht. — 6. —— 47 5) Haupt⸗ Produkte ſind: Wein, Salz, Roſinen, Feigen, Oel, Safran, Reis, Zuckerrohr, Honig, ſehr viel Seide, vorzuͤglich die beſte und feinſte europaiſche Wolle,(es hat 8,000900 Schaafe) die meiſten Metalle, Queckſilber und dergleichen. Dagegen hat das Land noch immer Mangel an Ge⸗ treide, wegen Vernachlaͤſſigung des Ackerbaues. Faꝛ briken und Manufakturen, ſo wie der Handel, kom⸗ men in den neuern Zeiten mehr in Flor, und die Tobacksmanufaktur zu Sevilla iſt einzig in ihrer Art. 6) Einwohner zählt Spanien etwa 11 Millio⸗ nen, die im Ganzen den Portugieſen an Sitten und Charakter aͤhnlich, und ſo wie dieſe an alten Gebraͤuchen klebend und bigott, aber auch unterein⸗ ander ſelbſt nach der Verſchiedenheit der Provinzen ſehr verſchieden ſind. Sie lieben beſonders Muſik und die Stiergefechte. Ohngeachtet ihrer 22 Univer⸗ ſitaͤten iſt die Nation in Kuͤnſten und Wiſſenſchaften merklich hinter den gebildetern Voͤlkern Europens, ja in mancher Abſicht hinter ſich ſelbſt in ihrer bluͤhenden Periode, zuruͤck; doch verſteht man ſich noch am meiſten auf ſchoͤne Literatur, Baukunſt und Kupferſtecherey. 7) Aeligion. Herrſchend und hoͤchſt unduld⸗ ſam gegen alle andere iſt hier die roͤmiſch katholiſche, welche, wie in Portugall, durch die Inquiſition im ganzen Lande allein aufrecht erhalten wird(wiewohl dieſe jetzt etws gemaͤßigter ſeyn ſoll, als ehedem.) 48 Spanien zaͤhlt uͤber 250,000 Geiſtliche, und mehr als 3,200 Kioſter. 8) Landes Regierung. Sie iſt uningeſchranke monarchiſch; die Thronfolge erblich; nach Erloͤſchung des maͤnnlichen Stammes auch in weiblicher Linie. Der Koͤnig fuͤhrt den Titel: Sr. katholiſchen Majeſtaͤt, der Kronprinz heißt Prinz von Aſtu⸗ rien, und ſaͤmmtliche Prinzen und Peinzeſſinnen heißen Infanten und Infantinnen. 9) Eintheilung. a) Kaſtilien, welches eigent⸗ lich aus 23 Landſchaften beſteht, ſonſt aber gewoͤhn: lich 1) in das Koͤnigreich Neukaſtilien, 2) Alt⸗ kaſtilien, 3) Leon, 4) Granada, 5) Galli⸗ eien, 6) Sevilla, 7) Cordova, 8) Murcia, 9) Jaen, 10) das Fuͤrſtenthum Aſturten, und 11) die Landſchaft Eſtremadura eingetheilt wird. b) Arragonien, wozu 1) das Koͤnigreich Arrago⸗ nien an ſich ſelbſt, 2) Valencia, 3) das Koͤnig⸗ reich Majorca(Mallorca) das die baleariſchen In⸗ ſeln Marjorca und Minorea, und die pythyuſiſchen Iviza und Formentera enthaͤlt, und 4) das Fuͤr⸗ ſtenthum Catalonien gehoͤrt. c) Das Koͤnigreich Navarra. d) die Herrſchaft Bisraya, nebſt den Landſchaften Geupuzcoa und Alava, 10) Die vornehmſten Oerter. a. 1) Ma⸗ drit H. R. mit 160,000 Einwohnern, die Luſtſchloͤſſer Pſcorial, Buenretiro, El Pardo und Aranjuez, Toledo am Tajo, ehemals der Sitz des Reichs, U. 49 Aleata de Henares u. 2) Burgos H., Sego⸗ via, mit wichtigen Tuchmanufakturen. Valladolid, eine der ſchoͤnſten Staͤdte in Spanien. San Il⸗ denfonſo koͤniglich Luſtſchloß 3) Leon H. Sau lamanca u.+ Granada H. U. Malaga Hſt. Hf. 5) Corunna Hſt Hf. Compoſtella U. Ferrol F. Hf. 6) Sevilla, die groͤßte Stadt in Spanien am Guadalquivir u. Hſt. Cadix, eine wichtige Hſt. F. und Hf.(Gibraltar F. an der Straße gleiches Namens, iſt brittiſch.) 7) Cordova am Guadal⸗ guivir. 8) Murcia H. Carthagena Hf. 9) Jaen H. 10) Oviedo H. 11) Badajoz(ausgeſprochen Wadaroß) F. b. 1) Saragoſſa H. U. am Ebro. 2) Valencia H. U. Alicante Hf. 3) Auf der Inſel Mallorca iſt die H. Palma U. Hf.; auf Minorca liegen Ciudadella H. F. und Mahon Hf.; auf Iviza heißt die H. eben ſo, und Formen⸗ tera iſt unbewohnt. 4) Barcellona H. F. Hf. Tarragona, Tortoſa und Lerida F. In c) liegt Pamplona H. U. F. und in d) Bilbao Hſt. (Wilwao) Vitoria, San Sebaſtian und Fuente Rabia, wovon die beiden letzten F. und Hf. ſind. 11) Auswaͤrtige Beſitzungen. 1) In Afrika verſchiedene Plätze an den nordafrikaniſchen Kuͤſten, und die kanariſchen nebſt einigen andern Inſeln. 2) In Aſia die philippiniſchen, ladroniſchen, und caroli⸗ niſchen oder Pelew⸗Inſeln. 3) Den groͤßten und beſten Theil von Amerika, z. B. das Reich Peru . D 50 Chili, einen Theil von Guyana, Alt; und Neu⸗ Mexiko, und viele Inſeln, worunter Cuba und Por⸗ toriko die wichtigſten ſind. 12) Geſchichte. Zuerſt ſetzten ſich die Phoͤs nicier und Carthager des Handels wegen in Spanien feſt, nachher eroberten es die Roͤmer und es blieb bis in's 5te Jahrhundert nach Chriſti Geburt eine roͤmi⸗ ſche Provinz. Die Weſtgothen, Alanen und Vandalen, noͤrdliche Voͤlker, nahmen es im Jahr 411 ein, und herrſchten daſelbſt 300 Jahre, bis ſie im 8ten Jahr⸗ hundert von den Arabern und Mauren verdraͤngt wurden, die daſelbſt mehrere Koͤnigreiche errichteten, neben welchen aber noch einige chriſtliche beſtanden. Dieſe letztern fuͤhrten faſt immer Krieg mit den durch innere Streitigkeiten geſchwaͤchten Mauren, und es gelang endlich im 13ten Jahrhunderte dem Koͤnig von Arragonien, Ferdinand, welcher die Erbin des kaſtiliſchen Reichs Iſabella heyrathete, und zuerſt den Beynamen des Katholiſchen erhielt, daß er ihnen ihr letztes Koͤnigreich Granada entriß, und durch die Vereinigung des kaſtilt ſch hen und arragoniſchen Reiches die ſpaniſche Monarchie ſtiftete. Waͤhrend ſeiner Re⸗ gierung wurde Amerika entdeckt. Nach ihm herrſch⸗ ten in Spanien bis zum Jahre 1700 Köͤnige aus dem oͤſterreichiſchen Hauſe, unter welchen Portugall auf einige Zeit mit der ſpaniſchen Monarchie verei⸗ niget wurde, wovon es ſich jedoch bald wieder trennte. Im Jahr 1700 ſtarb dieſes oͤſterreichiſche Haus mit Carl II. aus, und nach einem blutigen Kriege behauptete ſich 51 Philipp V. ein geborner franzoͤſiſcher Prinz, auf dem Throne, von dem der jetztregierende Koͤnig Carl IV. in gerader Linie abſtammt. Dieſer buͤßte im Kriege gegen die Franken einen Theil der Inſel St. Do⸗ mingo in Amerika ein, und da er ſich nachher mit denſelben wider England verbuͤndete, verlor er die Inſel Trinidad eben daſelbſt, gewann aber einiges gegen Portugall. Spanien gehoͤrt ohngeachtet ſeiner großen und mannigfaltigen Huͤffsquellen doch nur unter die europaͤlſchen Maͤchte vom zweyten Range, und der Grund dieſer Schwaͤche liegt theils in der Unthaͤtigkeit der Regierung, theils in dem durch Aberglauben und Traͤgheit herabgeſunkenen Charakter der Nation. 52 1 VIII. Das brittiſche Reich. 1) Lage. Es beſteht vornehmlich aus zweyen In⸗ ſeln; von denen die groͤßte, welche England und Schottland enthaͤlt, vom atlantiſchen und deutſchen Meere umgeben, und von Frankreich durch den ſoge⸗ nannten Kanal getrennt iſt. Die kleinere Irrland⸗ liegt im atlantiſchen Meere, und der St. Georgs⸗ Kanal, oder das irrlaͤndiſche Meer ſcheidet ſie von der Inſel Britannien. 2) Groͤße. Alle drey Reiche zuſammengenom⸗ enthalten etwa 6400 Quadratmeilen, nehmlich Eng⸗ land 3200, Schottland 1600, und Irrland ohngefaͤhr eben ſo viel.— 4 3 3) Gewaͤſſer. Die vornehmſten Fluͤſſe in Eng⸗ land ſind: 1) die Themſe, 2) der Trent, der mit dem Humber zuſammenfließt, 3) die Saverne. Die erſten beiden fließen in das deutſche Meer, und der letztere in den ſogenannten Kanal von Briſtol. In Schottland der Tay, der ſich in's deutſche Meer ergießt, und einige kleinere(z. B. der Forth, Clyde und Tweed). In Irrland ſind viele Seen, wovon der Lough Neagh(Lohf⸗ Neh) der groͤßte iſt; und der betraͤchtlichſte Fluß darin iſt der Schannon. 53 4) Natuͤrliche Beſchaffenheit. Der Boden in Schottland und den noͤrdlichen und weſtlichen Ge⸗ genden von England iſt ſehr gebirgig, der uͤbrige groͤßte Theil von England aber eben und fruchtbar; wird auch mit dem groͤßten Eifer und Erfolge bear⸗ beitet. Irrland iſt dagegen voll von Moraͤſten und Suͤmpfen, und der Ackerbau wird darin ſehr laͤßig betrieben. Die Luft in England iſt feucht und dicke, aber doch gemaͤßigt, indem der Winter nur in bald zerfließendem Schnee, Nebel und Regen beſteht. In Schottland iſt die Luft kaͤlter, aber auch reiner⸗ und Irrland hat wieder feuchte und dicke Luft. 5) Haupt⸗ Produkte. England hat in gu⸗ ten Jahren Ueberfluß an Getreidearten(ausgenom⸗ men an Roggen, welcher ſparſam gebaut wird) weil der Ackerbau außerordentlich beguͤnſtigt, und durch nuͤtzliche Erfindungen oͤfters neu belebt wird. Es hat unerſchoͤpfliche Steinkohlen⸗ Gruben, die den Mangel des Holzes erſetzen. Die Viehzucht, vor⸗ nehmlich die Pferde: und Schaafzucht, iſt ſehr an⸗ ‚„ſehnlich, und die Vortreflichkeit der engliſchen Wolle, welche naͤchſt der ſpaniſchen die beſte iſt, traͤgt mit zu dem ausnehmenden Flore, der daſigen Manufaktu⸗ ren bey. Auch die engliſchen Fabrik⸗Waaren zeich⸗ nen ſich durch innern Werth und aͤußere Schoͤnheit aus(wiewohl man oͤfters in Deutſchland allzu par⸗ theyiſch fuͤr ſie eingenommen iſt). Englands Zinnberg⸗ werke ſind die aͤlteſten in Europa. An Bau⸗ und Brennholz, ſo wie an Gold, Silber und Wein man⸗ 54 gelt es aber, indeß wird dieſer Abgang theils durch Schottland, theils durch den außerordentlich ſtarken Handel erſetzt, den die Englaͤnder durch alle Erdtheile treiben. Schottlands natuͤrliche Gaben ſind: Flachs, Hanf, Holz, Steinkohlen, Silber, Gold, Kupfer, Fiſche, beſonders Heringe, die bey den ſchottlaͤndiſchen Inſeln in ungeheurer Menge gefangen werden; und Irrlands Reichthum beſteht in der Viehzucht(die irr⸗ laͤndiſche Wolle giebt der engliſchen wenig nach) Fiſcherey, Flachs, Hanf u. ſ. w. 6) Einwohner. England hat beynahe 8 Mil⸗ lionen Menſchen, Schottland 1,800,000 und Jer⸗ land 3 ½ Million, folglich betraͤgt die Bevoͤlkerung dieſer drey Laͤnder zuſammen uͤber 13 Millionen Ein⸗ wohner, von denen die Englaͤnder insbeſondere viel Nationalſtolz, Freymuͤthigkeit, Großmuth und Ernſt, aber auch Neigung zum Vergnuͤgen und Spielen (beſonders dem Wetten, Pferderennen, Haͤhnenge⸗ fecht, dem Boxen) und zum Selbſtmorde haben. Die Hochlaͤnder in Schottland(Bergſchotten) ſind in der Kultur noch weit zuruͤck, und hangen feſt an, alter Kleidung und Sitten, und die Irrlaͤnder ſind kuͤhn und lebhaft, aber etwas traͤge zur Arbeit, und uͤberhaupt noch ziemlich rauh. In vielen Kuͤnſten und Wiſſenſchaften haben es die Englaͤnder, und noch mehr einige Schotten, ſehr weit gebracht, weil in keinem Lande die Gelehrſamkeit mehr Vorſchub und Belohnung erhaͤlt, als in Großbritannten.— In Jrrland hingegen legt man ſich nicht ſo ſehr dar⸗ 55 auf. Faſt in allen Gegenſtaͤnden die auf Handel und Schiffarth Bezug haben, uͤbertreffen die Britten alle uͤbrigen europaͤiſchen Nationen. 7) Religion. Herrſchend iſt in England die biſchoͤfliche oder hohe Kirche, wozu ſich der Koͤnig bekennt;— in Schottland die ſogenannte presbyte⸗ rianiſche, welche keine Biſchoͤfe wie die vorige, ſondern nur Prediger und Aelteſten zu Vorſtehern annimmt, und in Irrland bekennen ſich die meiſten Einwohner zur katholiſchen Religion, ohngeachtet dieſe keine durch Geſetze beſtaͤtigte kirchliche Einrich⸗ tung hat, und die reformirte Kirche auch hier die herrſchende iſt. Geduldet werden hier uͤbrigens alle andere Religionspartheyen und Sekten, ſo wie auch die Juden, deren es jedoch verhaͤltnißmaͤßig nur wenige giebt. 8) Landes⸗Regierung. Großbritannien iſt eine eingeſchraͤnkte Monarchie, deren Koͤnig zwar die völlige geſetzausuͤbende Gewalt beſitzt, die geſetzge⸗ bende aber mit dem Parlamente theilt. Das Par⸗ lament beſteht aus dem Oberhauſe, worin die hohe Geiſtlichkeit und der Adel; und dem Unterhauſe, oder dem Hauſe der Gemeinen, worin die Abgeordneten des uͤbrigen Ritterſtandes und der ſtimmfaͤhigen Staͤdte und Flecken Sitz und Stimme haben. Das ehemalige irrlaͤndiſche Parlament iſt jetzt mit dem britanniſchen vereiniget. Uebrigens iſt der Thron erblich, auch in weiblicher Linie, der Koͤnig fuͤhrt außer ſeinen gewoͤhn⸗ 56 lichen noch den Titel: Beſchuͤtzer des Glaubens, und der Kronprinz heißt: Prinz von Wales. 9) Eintheilung. a) Enaland wird uͤberhaupt in England an ſich und das Fuͤrſtenthum Wales einge⸗ theilt. Jenes pflegt man wieder in 7 ſogenannte Koͤ⸗ nigreiche,(und dieſe in 4w0 Shires[Scheirs] oder Grafſchaften) einzutheilen, nehmlich 1) Eſſep, 2) Kent, 3) Suſſex, 4) Weſtſex, 5) Mercia, 6) Oſtangeln und 7) Northumberland. Das Fuͤrſtenthum Wales zerfaͤllt in Suͤd und Nord⸗ Wales, welche ebenfalls 12 Shires ausmachen. Zu England gehoͤren auch noch die Inſeln: Man, Wight(Weiht) ferner 4 Inſeln an der franzoͤſiſchen Kuͤſte, von denen Jerſey und Guernſey die groͤßten ſind u. a. m. b) Schottland begreift: 1) Suͤd⸗ 2) Mittel⸗ und 3) Nord, Schottland, in 33 Land⸗ ſchaften vertheilt, nebſt den hebridiſchen, arkadiſchen und ſhetlaͤndiſchen Inſeln, worunter Pomona und Shetland die wichtigſten ſind. c) Irrland theilt man gewoͤhnlich in die Landſchaften 1) Leinſter, 2) Ulſter, 3) Konaught(Konaht) und 4) Moun⸗ ſter, welche wieder 32 Grafſchaften ausmachen. 10) Die vornehmſten Oerter. a) In Eng⸗ land, und zwar in Nr. 1) London H. R. Hf. eine uͤberaus wichtige Hſt. mit 130,000 Haͤuſern und uͤber eine Million Einwohnern, liegt an der Themſe. Renſington und Hamtoncourt(Haͤmtonkohrt) koͤnigliche Luſtſchloͤſſer, Chelſea(Tſhelſeh) D. mit einem großen Invalidenhauſe. 2) Canterbury 57 (Känterberri), Sitz eines Erzbiſchofs. Dover F. Hf. Chattam(Tſhaͤttaͤm) mit dem vornehmſten Seema⸗ gazin. Greenwich(Grihnitſch) mit einer beruͤhmten Sternwarte. 3) Chicheſter H. Southwark(Soͤd⸗ drik) an der Themſe, der ſuͤdliche Theil von London. Kew(Kiu) Luſtſchloß. 4) Portsmouth(Ports⸗ mauth) F. Hf. Epeter Plimouth(Pleimmauth) F. Hſt. Hf. Briſtol nach London die vornehmſte und reichſte Handelsſtadt mit 100,000 Einwohnern. Bath mit warmen Baͤdern. 5) Oxford u. Gloceſter (Gloſter) an der Saverne. Birmingham, die wichtigſte Fabrikſtadt mit 90.000 Einwohnern. Che⸗ ſter Hſt. 6) Norwich mit vielen Fabriken, Ips: wich Hf. Hſt. Narmouth(Naͤrmut) Hf. wo ſtarke Heringsfiſcherey iſt. Cambridge(Kaͤmbridſch) U. 7) Nork die zweyte Stadt nach London in Abſicht des Ranges, der Sitz eines Erzbiſchofs. Mancheſter wichtige Hſt. mit vielen Fabriken. Leverpool Hf. ebenfalls mit großen Fabriken. Newoaſtle(Niukäͤ⸗ ſtel) Hſt. mit Steinkohlen. Sheffield, mit wichtt⸗ gen Fabriken. Im Fuͤrſtenthume Wales iſt die Haupt⸗ ſtadt Pembroke. b) In Schottland, und zwar in 1) Edinburg H. U. 85000 E. Glasgow Hſt. u. Stirling F. Hf. 2) Perth Hſt. am Tay. Neu⸗Aberdeen u. und Alt⸗Aberdeen. 3) In⸗ verneß F. Hf. Auf der Inſel Shetland heißt die H. Lerwick. c) In Irrland, und zwar in 1) Du⸗ blin H. U. Hf. Hſt. mit 200,000 Einwohnern. 2) Belfaſt Hſt. Londonderry. 3) Gallway Hf. — 58 Athlone F. 4) Waterford, eine große Stadt, Hf. Limerik F. Corke Hf. Hſt., die zweyte Stadt in Irrland, mit 90,000 Einwohnern. 11) Auswaͤrtige Beſitzungen. 1) An der untern Kuͤſte von Spanien die Feſtung Gibraltar. 2) In Aſien beſitzt die oſtindiſche Compagnie den groͤßten Theil von Oſtindien, theils eigenthuͤmlich, theils als tri⸗ butbares Land(auch ſeit dem Jahre 1800 das anſehnliche — Gebiet des letzteren Regenten von Myſore, Tippo Sanib) ferner die von Holland im Frieden zu Amiens 1802 abgetretene Inſel Ceylon. 3) In Afrika einen Theil von Senegambien, verſchiedene Feſtungen auf der Kuͤſte von Guinea, die Inſel Helena ꝛc. 4) In Amerika: Canada, Neufoundland, Neuſchottland, einige Laͤnder an Hudſonsbai, die Inſeln Cap Bre⸗ 5 ton, Jamaika, Barbados, St. Vincent, Dominique, die Bermudiſchen und Bahama⸗Inſeln, und die von Spanien eroberte Inſel St. Trinidad. 5) In Suͤb⸗ indien einige Nieberlaſſungen auf Neuholland, z. B. Port Jackſon. Fuͤr ſich beſitzt der brittiſche Monarch noch die Churfuͤrſtlich⸗ Braunſchweig⸗ Laͤneburgiſchen Staaten in Deutſchland. 12) Geſchichte. England hieß ehemals Bri⸗ tannien, und wurde von Celten, Galliern und Brit⸗ ten, ſo wie Schottland von Picten und Scoten be⸗ wohnt. Die Einwohner Jerlands, das viellecht von mehrern Herren beherrſcht wurde, kennt man aus der alten Geſchichte zu wenig. Unter der Anfuͤhrung Jullus Caͤſars, kamen die Roͤmer ohngefaͤhr 60 . 59 Jahre vor der chriſtlichen Zeitrechnung nach England, aber erſt im Jahr 42 nach Chriſti Geburt, machten ſie es zur Provinz. Bey der großen Voͤtkerwande⸗ rung mußten die roͤmiſchen Kaiſer ihre Beſatzungen herausziehen, worauf die Picten und Scoten in's Land fielen. Die von den Britten wider ſie zu Huͤlfe gerufenen Sachſen ſetzten ſich hierauf im Lande feſt, ließen eine Verſtaͤrkung von Daͤnen und Angeln nachkommen, und errichteten die oben genannten ſieben kleinen Koͤnigreiche. Der Koͤnig in Weſtſex Egbert vereinigte dieſelben, und nannte darauf ſein Reich England. Ihm folgten 14 ſaͤchſiſche, hierauf 3 daͤniſche, und endlich wieder der ſaͤchſiſche Koͤnig Eduard, nach deſſen Tode Wilhelm der Eroberer, ein Herzog von der Normandie, das Reich erhielt. Nach ihm herrſchten einige Koͤnige aus ſeinem Stamme, darauf Koͤnige aus dem Hauſe Anjou, unter denen Heinrich II. Irrland, und Eduard I. das Fuͤrſtenthum Waſes ſich unterwarf. Damals beſaßen die Englaͤnder mehrere Theile von Frankreich⸗ die aber nach und nach verloren gingen. Unter den folgenden Regenten aus dem Hauſe Tudor zeichnete ſich die Koͤniginn Eliſabeth durch kluge Befoͤrderung der Handlung, Schiffahrt und Manufakturen aus, auch erhielt die proteſtantiſche Religion unter ihr im Lande die Oberhand. Der ihr in der Regierung folgende Jakob I. aus dem Hauſe Stuart, war Koͤnig in Schottland, und dieſes wurde alſo durch ihn mit England vereinigt. Sein Sohn Karl I. 60 gerieth mit ſeinen Unterthanen in Krieg, und ſie ließen ihn enthaupten, worauf England fuͤr eine kurze Zeit eine republikaniſche Regierungsform(unter Cromwell) bekam. Nachher rief man ſeinen aͤlteſten Sohn zuruͤck, verjagte aber von neuem deſſen in der NRegierung folgenden Bruder Jakob II., welcher ſei⸗ nem Schwiegerſohne Wilhelm, einem Prinzen von Oranien, das Reich uͤberlaſſen mußte. Im Jahr 1714 gelangte die jetzige Koͤnigl. Familie aus dem deutſchen Hauſe Braunſchweig⸗Luͤneburg zur Regie⸗ rung, wovon bisher 3 Koͤnige(gegenwaͤrtig Georg III.) herrſchten. In neuern Zeiten fuͤhrte England mit Frankreich, Spanien und Holland, beſonders mit der erſten Macht ſchwere Kriege. Durch den Friedensſchluß zu Amiens 1802 endigte ſich einer der hartnaͤckigſten davon. Großbritannien gehoͤrt uͤbrigens zu den herrſchenden Maͤchten von Europa, und ohn⸗ geachtet ſeiner uͤberaus betraͤchtlichen Staatsſchulden, ſetzt der innere Reichthum der Nation und ihr aus⸗ gebreiteter Handel ſie in den Stand, andern Voͤlkern, beſonders durch ihre uͤberaus furchthare Seemacht, die Spitze zu bieten. 61 IX. Daͤnemark und Norwegen. 1) Lage. Daͤnemark, welches aus einer Halbinſel und mehrern groͤßern und kleinern Inſeln beſteht, iſt von der Oſt⸗ und Nordſee umgeben, und wird durch die Eider und den neuen Canal von Deutſch⸗ land getrennt. Norwegen iſt auf drey Seiten vom Meere umgeben, und graͤnzt gegen Oſten an Schweden. 2) Groͤße. Daͤnemark enthaͤlt 820, das eigent⸗ liche Norwegen 7200, und Island uͤber 1400 Qua⸗ dratmeilen. Der ganze daͤniſche Staae(die deutſchen Laͤnder mitgerechnet) begreift etwa 10,000 Quadrat⸗ meilen. 3) Sewaͤſſer. Auf der Halb Inſel Juͤtland findet ſich: der Buſen Liemfiord, der Guden, Schley und die Eider, vermittelſt welcher, und des neuen Canals die Schiffarth von der Oſt⸗ und Nordſee kann getrieben werden, ohne durch den Sund zu gehen. In Norwegen die Fluͤſſe oder Elfen: Glaͤmman und Drammen, viele Meerbuſen, und der Moskoͤe⸗Strudel.. 4) Matuͤrliche Beſchaffenheit. Daͤnemark iſt eben, und hat keine betraͤchtliche Hoͤhen und Fluͤſſe, dagegen viele Buchten. Der Boden iſt leicht 62 zu bearbeiten und feuchtbar, den mittlern Strich von Jüͤtland ausgenommen. Norwegen iſt ſehr gebirgigt (der Koͤlen, Dofreſteld und Kangſield, welche zum Theil auch im Sommer ein beſtaͤndiger Schnee bedeckt) moraſtig und in vielen Gegenden noch oͤde. An den Kuͤſten iſt die Luft gelinde, feucht und vers aͤnderlich, mitten im Lande iſt ſie rein; aber die Kaͤlte im Winter ſehr ſtrenge. Im noͤrdlichen Theile Nor⸗ wegens dauern der laͤngſte Tag und die laͤngſte Nacht im Jahr einige Wochen hindurch. Die Inſel Island unter dem Polareirkel, beſteht aus einer Reihe von hohen Bergen, deren einige(Hekla, Krabla u. ſ. w.) feuerſpeiend ſind. Sie hat auch mehrere warme, 5 unnd zum Theil ſiedendheiße Quellen, z. B. den Geiſer. 5) produkte. Daͤnemark hat Getreide aller Art, in einigen Gegenden auch Taback, Senf, Manna oder Schwaden, viel Obſt, gute Hornvieh⸗ Schaaf⸗ Pferde: und Schweinezucht, ſtarken Fiſch⸗ fang, beſonders von Heringen, Lachs und Auſtern; aber Mangel an Bergwerken, Salz, Hanf, Flachs⸗ Wein und Holz, wogegen aber Torf reichlich vorhan⸗ den iſt. Norwegens vorzuͤglichſte Produkte ſind: Silber, Kupfer, Eiſen, Vitriol, Alaun, Marmor, außerordentlich viel Holz, Vieh, Wild, Gefluͤgel ꝛc.; es fehlt aber an Getreide, Wein und Salz. Die IJolaͤnder nebſt den Bewohnern der Faroͤer Inſeln⸗ naͤhren ſich von der Schaafzucht, dem Vogel⸗ und Fiſchfange. Im Ganzen genommen, haben die daͤnis 3 ſchen Staaten viele wohleingerichtete Manufakturen und Fabriken, jedoch in Norwegen noch nicht hin⸗ laͤnglich, und ſie treiben insgeſammt ſtarken Handel und Schiffarth. 6) Einwohner. In Daͤnemark leben etwa 1,200,000, in Norwegen und Island hoͤchſtens 900,000, und uͤberhaupt in allen daͤniſchen Staaten 2 ½ Million Menſchen. Die Daͤnen ſind langſam und bedaͤchtlich, aber nicht thaͤtig genug; ſie machen gern Aufwand, es fehlt ihnen aber groͤßtentheils an Mit⸗ teln dazu. Die Normaͤnner und Islaͤnder ſind red⸗ liche, gaſtfreye und muthige, aber zum Theil noch etwas ungebildete Leute, indeſſen ſehr geſchickt zur Seefahrt und zu mechaniſchen Kuͤnſten. Die Wiſ⸗ ſenſchaften werden in den daͤniſchen Staaten mit Eifer betrieben, wovon viele vorhandene gelehrte Ge⸗ ſellſchaften, Akademien und Schulen zeugen; die ſchoͤnen Kuͤnſte dagegen ſind mehr in Verfall als in Wachsthum. 7) Religion. Herrſchend iſt die evangeliſch⸗ lutheriſche, welche hier noch 12 Biſchoͤfe zu Vorſte⸗ hern hat, wiewohl die meiſten uͤbrigen Religions⸗ Partheyen, auch an einigen Orten Juden, zleichſals geduldet werden. 8) Regierungsform. Sie iſt uneiggeſchräͤukt monarchiſch, und in maͤnnlicher und weiblicher Linie erblich. Der aͤlteſte Prinz des Koͤnigs wird Kron⸗ prinz, die andern dagegen Erbprinzen, wie auch Erben von Norwegen genannt. 64 9) Eintheilung. a) Daͤnemark wird in 6 Stiftsaͤmter und 1 beſonderes Herzogthum eingetheilt: 1) das Stift Seeland, wozu die Inſel gleiches Namens, nebſt mehrern gehoͤrt, worunter Born⸗ holm am betraͤchtlichſten iſt; 2) das Stift Fuͤnen, welches die Inſeln Fuͤnen(Fyen) Langeland, Laaland und Falſter begreift. 3) Das Stift Aalborg. 4) Wiborg. 5) Aarhuus, und 6) Ribe, welche 4 Stif⸗ ter die Halbinſel Juͤtland ausmachen. 7) Das Her⸗ zogthum Schleswig oder Suͤdjuͤtland. b) Norwegen iſt unter 4 Stifter vertheilt, nemlich 1) Chriſtiania, und 2) Chriſtianſand im ſuͤdlichen, 3) Bergen und 4) Drontheim im noͤrdlichen Theile. c) Die Inſel Island macht nebſt den faroͤeiſchen Inſeln(zwiſchen Schottland und Island) ein zu Norwegen gerechne⸗ tes Stiftsamt aus. 10) Die vornehmſten Oerter ſind: In a. 1) Ropenhagen H R Hf. F. U. mit etwa 90, 000 Einw. Die koͤnigl. Luſtſchloͤſſer Friedrichsburg, Friedrichsberg, Hirſchholm und Jaͤgerspreis, Helſingoer am Sund, mit der F. Kronburg. Rothſchild. 2) Odenſee H. Nyeborg F. auf Fuͤnen; Naſkow H. auf Laaland, und Nyekioͤ⸗ bing H. auf Falſter. 3) Aalborg am Liemfiord, nach Kopenhagen die beſte Stadt. 4) Wiborg, die eigentliche H. in Juͤtland. 35) Aarhuus, Ran⸗ ders Hſt. 6) Ribe. Friederieia F. am kleinen Belt. 7) Schleswig H. mit dem Schloſſe Got⸗ torf. Flensburg Hſt. Hf. Tundern. Huſum Hſt. 65 Toͤnningen und Hadersleben. In b. 1) Chri⸗ ſtiania H. Hſt. 11,000 E. Aggerhuus, Bergf. Drammen Hſt. Vongsberg mit einem beruͤhm⸗ ten Silberbergwerk. Friedrichshald und Friedrichs⸗ ſtadt F. 2) Chriſtianſand Hf. F. 3) Bergen, die groͤßte und vornehmſte Hſt. in Norwegen F. Hſt. mit 20,000 E. 4) Drontheim Hſt. F. Hf. die noͤrdlichſte Feſtung Wardoͤehuus in Findmarken. c. Die beiden Hauptoͤrter in Island ſind: Skalholt und Horlum, und die groͤßte der faroͤeiſchen Inſeln heißt Stroͤmoͤe mit dem Staͤdtchen Thovshavn. 11) Auswaͤrtige Beſitzungen. a) In Eu⸗ ropa: das Herzogthum Holſtein in Deutſchlands nie⸗ derſaͤchſiſchem Kreiſe, nebſt der Grafſchaft Ranzau, in der Herrſchaft Pinneberg. b) In Aſien, die Stadt Trankebar mit der Feſtung Domsburg, und einigen andern Oertern in Oſtindien. c) In Afrika einige Fe⸗ ſtungen auf der Kuͤſte Guinea, und d) in Amerika die Inſeln St. Thomas, St. Croix, und St. Jean, nebſt der weſtlichen Kuͤſte von Groͤnland. 12) Geſchichte. Die alte daͤniſche Geſchichte iſt aͤußerſt dunkel, denn nach der Meinung einiger Ge⸗ ſchichtſchreiber, ſoll der Koͤnig Dan dieß Reich kurz vor Erbauung der Stadt Rom geſtiftet haben, wel⸗ ches andere bezweifeln, und Skiold als den erſten Koͤnig um die Zeit der Geburt Chriſti angeben. Kas nut der Große fuͤhrte die chriſtliche Religton ein, brachte Norwegen zum Retche, und eroberte auch Eng⸗ land, welches ſich jedoch bald wieder der Herrſchaft der E 66 Daͤnen entzog. Die Koͤnigin Margaretha(die nordi⸗ ſche Semiramis genannt) vereinigte die drey Reiche Daͤnemark, Norwegen und Schweden, allein das letz⸗ tere waͤhlte ſich unter ihren Nachfolgern wieder eigene Regenten, welches zu großen Kriegen veranlaßte, bis es ſich unter der Regierung Chriſtians II. der aus alas len 3 Reichen verjagt wurde, wieder voͤllig von Daͤne⸗ mark trennte. Darauf beſtieg Friedrich I. Herzog von Hollſtein den Thron von Daͤnemark und Norwegen, die von nun an immer vereinigt blieben. Seine Nachfolger fuͤhrten oͤfter zu ihrem Nachtheile mit den Schweden ſchwere Kriege, und Friedrich III. machte ſich zuerſt ſouverain, da vorher die Regierungsform außerſt eingeſchraͤnkt geweſen war. Der jetzige Koͤnig Chriſtian VII. tauſchte durch einen Vertrag mit Ruß⸗ land den von dem damaligen Großfuͤrſten beſeſſenen Antheil von Hollſtein gegen die Grafſchaften Oldenburg und Delmenhorſt in Weſtphalen— das Stammland der daͤniſchen Herrſcher, ein; und gegenwaͤrtig fuͤhrt in ſeinem Namen der Kronprinz Friedrich VI.— der muthvolle Vertheidiger Koppenhagens gegen die An: griffe der Englaͤnder im Jahr 1801— die Regierung. Seine Landmacht iſt betraͤchtlich, dennoch aber iſt die Flotte wichtiger, und verdient in Abſicht der Schiffe und Beſetzung vor den uͤbrigen— die brittiſche ausges nommen— den Vorzug. ——— 657 X Das ſchwediſche Reich. 7) Graͤnzen. Gegen Norden Norwegen und das ruſſiſche Lappland, gegen Oſten Rußland, gegen Suͤ⸗ den der finniſche und bothniſche Meerbuſen und die Oſtſee, und gegen Weſten der Sänd. die Nordſee und Norwegen. 2) Groͤße. Etwa 14,000 Quadratmeilen(nach andern nur 12,500). Finnland allein etwa 4680. 3) Gewaͤſſer. Die vornehmſten Fluͤſſe(hier⸗ wie in Norwegen Elfen genannt) ſind: die Goͤtha⸗ Elfe(fließt in's Kattegat), die Dal⸗Elfe(in den bothniſchen Meerbuſen), die Motala(in die Oſtſee), der Kymen(in den finniſchen Meerbuſen), und der Fluß und Kanal von Arboga, der den Maͤlar⸗ Hiel⸗ mar⸗ und Wener⸗See mit einander verbindet. Außer dieſen 3 Seen ſind noch der Wetter⸗See und der Pejende⸗ und Saima⸗See in Finnland zu merken. ₰ Naturliche Beſchaffenheit. Schweden iſt zum Theil ſehr gebirgicht, ſanoicht und ſteinicht, zum Theil moraſtig und voller Seen, beſonders Finnland. In den ſuͤdlichen Gegenden wird der Boden zum Acker⸗ bau ziemlich genutzt, aber in den noͤrdlichen Gegen⸗ den, und uͤberhaupt im Ganzen noch nicht ſo, wie es wohl geſchehen koͤnnte. Die Witterung iſt kalt und E 2 68 geſund, doch iſt im Sommer, wegen der Laͤnge der Tage, die Hitze zuweilen ſehr groß. In Lappland geht die Sonne im Sommer einige Wochen hindurch gar nicht unter, und im Winter in ohngefaͤhr eben ſo langer Zeit nicht auf; die langen Naͤchte werden aber durch die ſtarken Nordſcheine erhellet. 5) Produkte. Anſehnliche Viehzucht und 80 ſchereyen, Holzungen, Wildpret, wildes und zahmes Geſluͤgel, Pelzwerk, die reichhaltigſten Eiſengruben, Silber⸗ und Kupferbergwerke, viele andere Metalle und Minerallen, Flachs, Tabak und Hopfen. Im Lande ſind Seiden⸗ Leinen⸗ Woll⸗ und Seegeltuchma⸗ nufakturen, Zuckerſiedereyen, Spiegelglas⸗ Porcellan⸗ Gewehr⸗ und mehrere andere Fabriken, jedoch fehlt es noch an vielen Orten an den gewoͤhnlichen Lebensbe⸗ duͤrfniſſen. Der einheimiſche und auswaͤrtige Handel nimmt, ſo wie die Schiffarth immer mehr zu. 6) Einwohner. Ihrer ſind etwa 3 Millionen, wovon 900,000 auf Finnland(das halb ſo groß wie Deutſchland iſt), und nur 8000 auf Lappland gerech⸗ net werden. Die Schweden ſind kriegeriſch, arbeit⸗ ſam, zu allen Kuͤnſten und Wiſſenſchaften geſchickt(von denen auch viele mit gutem Erfolge bearbeitet werden), ernſthaft und zuruͤckhaltend, ſparſam und maͤßig. Die Finnen ſind meiſtens klein, aber doch herzhaft, und ihrer einfachen Lebensart wegen im Stande, die groͤß⸗ ten Beſchwerden und Ungemaͤchlichkeiten zu ertragen. Die Lappen ſind geſchickt zu allerhand Handarbeiten, 84 59 aber traͤge; die meiſten leben unter Zelten und fuͤhren ein nomadiſches Leben. ) Aeligion. Herrſchend 6 atch hier die lus theriſche unter einem Erzbiſchofe, 13 Biſchoͤfen, und einem Superintendenten; doch haben auch die Glieder der reformirten und engliſchen Kirche, nebſt den Ka⸗ tholiken freye Religionsuͤbung. Inden werden eben⸗ falls geduldet. (c. 8) Regierung. Schweden iſt eine(gegenwaͤr⸗ tig minder) eingeſchraͤnkte, in maͤnnlicher Linie erbliche Monarchie. Die Reichsſtaͤnde beſtehen aus dem Adel, der Geiſtlichkeit, den Staͤdten und Reichsbauern. Sie koͤnnen nur uͤber das, was ihnen der Koͤnig vorlegt, rathſchlagen, geben aber gemeinſchaftlich mit ihm neue Geſetze, und heben die alten auf. 0) Eintheilung. a) Schweden an ſich ſelbſt beſteht aus den fuͤnf Landſchaften: 1) Upland; 2) Soedermanland; 3) Nerike; 4) Weſtmanland, und 5) Thalland(Dalekarlien). b) Gothland oder das gothiſche Reich, begreift: 1) Oſtgothland mit den In⸗ ſeln Gothland und Oeland; 2) Weſt⸗Gothland, und 3) Suüd⸗Gothland, worin die am ſtaͤrkſten bevoͤlkerte „Provinz Schonen iſt. c) Nordland. d) Lappland oder Sameland, und e) das Großfuͤrſtenthum Finn⸗ land, mit der Inſel Aland. Sonſt wird Schweden und Finnland auch in 29 Landhauptmannſchaften ein⸗ getheilt. 3 10) Die popneßnuſten. Oerter. In a. 1) Stockholm H. R. Hf. mit etwa 80,000 Einwohnern. 70 Dieſe Stadt liegt am Ausfluſſe des Maͤlarſees in die Oſtſee. Die koͤnigl. Luſtſchoͤſeer Drotningholm und Ulrichsdal. Upſal, Erzb. u. die Kroöͤnungsſtadt. 2) Nykioͤping Hf. 3) Oerebro Hf. am Hielmar⸗ ſee. 4) Waͤſteraͤs; Sala oder Salberg, Bergſt. mit einem Silberbergwerke. 5) SJalun, Bergſt. wo ein wichtiges Kupferbergwerk iſt. In b. 1) Norkio⸗ ping am Fluſſe Motala Hf. Hſt. Calmar F. Hſt. Joͤnkioͤping. Wisby auf der Inſel Gothland. 2) Gothenburg F. Hſt. an der Muͤndung der Goͤtha⸗ Elfe, nach Stockholm die betraͤchtlichſte Stadt in Schweden. Marſtrand Hf. 3) Malmoͤ F. Lund F. u. Landskrone F. Hf. am Sunde. Die Sund⸗ inſel Hveen mit der Uranienburg, Karlskrona Hf. mit einer vortrefflichen Schiffsdocke. c. Gefle Hf. Hſt. Tornea die letzte Stadt in Europa gegen Nor⸗ den. In Finnland liegen Abo(Obo) H. Hf. U. Helſingfors Hf. Sweaborg F. Ubea Hf. Waſa Hf. Lowiſa Hf. Hſt. Borgo Hf. Hſt. 11) Mebenlaͤnder. a) In Deutſchland ein Theil von Vorpommern, und die Stadt Wismar, im Herzogthum Meklenburg. b) In Amerika die kleine Inſel St. Barthelemy. nn. 12) Geſchichte. So wie die daͤniſche, iſt auch die aͤlteſte Geſchichte der Schweden aͤußerſt dunkel. Der erſte chriſtliche Koͤnig war Olaus. Nach ſeiner Zeit regierten 2 Koͤnige zugleich; bis die Schweden und Gothen ſich im Jahr 1137 wieder unter ein ge⸗ meinſchaftliches Oberhaupt vereinigten. Hierauf herrſch⸗ 71 ten Regenten aus verſchiedenen Haͤuſern, und zweymal wurde Schweden von den Daͤnen unterjocht. Guſtav aus dem Hauſe Waſa, der die Daͤnen zum letztenmale voͤllig vertrieb, und die lutheriſche Lehre im ganzen Lande einſuͤhrte, wurde im Jahr 1523 zum Koͤnige er⸗ waͤhlt, und ſeine Nachkommen behaupteten den Thron, und fuͤhrten mit Daͤnemark, Polen und Rußland größtentheils gluͤckliche Kriege. Guſtav Adolph kam den Proteſtanten in Deutſchland zu Huͤlfe, wo er nach vielen Siegen in der Schlacht bey Luͤtzen ſein Leben einbuͤßte; und durch den unter ſeiner Tochter Chriſtina (die nachher die Krone niederlegte, und katholiſch wur⸗ de) geſchloſſenen Frieden ethielt Schweden auch ver⸗ ſchiedene Laͤnder in Deutſchland, welche aber in den anfangs gluͤcklichen, hernach aber hoͤchſt ungluͤcklichen Kriegen Koͤnig Carls XII. bis auf einen Theil von Vorpommern wleder verlohren gingen. Auch die von den vorigen Koͤnigen eroberten Laͤnder Liefland, Eſthe land und Ingermanland, nebſt einem Theile von Finn⸗ land mußten 1721 an Rußland abgetreten werden, und der ganze Staat gerieth in die aͤußerſte Noth. Daher ſchraͤnkte man nach Carls XII. Tode die Gewalt der Koͤnige ſehr ein, allein Guſtav III.(aus dem Hauſe Holſtein) erweiterte dieſelbe wieder, und bemuͤhte ſich mit gutem Erfolge den Flor des Landes neu zu beleben, und der Nation ihr voriges Anſehn zu verſchaffen; wurde aber in der beſten Bluͤthe ſeiner Jahre ermor⸗ det. Gegenwaͤrtig herrſcht ſein Sohn Guſtav IV. Sohweden gehoͤ8rt in Abſicht ſeines politiſchen Verhaͤlt⸗ 72² niſſes unter die Maͤchte von mittlerer Staͤrke, und we⸗ gen des Mangels an Menſchen muß es jede Gelegen⸗ heit zum Kriege vermeiden. Uebrigens iſt die Land⸗ armee, vorzuͤglich aber die ſehr beirachtliche Flotte, jetzt in gutem Stande. „ 1 Xl. Das Konigreich Preußen nebſt dem preußiſchen Antheile an Schleſte jen. a) Das Königerich Preußen. 1) Graͤnzen. Gegen Norden die Oſtſee, gegen Oſten Rußland, gegen Suͤden Gallizten und Schleſien, ge⸗ gen Weſten Deutſchland, insbeſondere die Mark⸗Bran⸗ denburg. 2) Groͤße. Beynahe betraͤgt dieſelbe 3000 Qua⸗ dratmeilen, nehmlich Oſt⸗ und Weſtpreußen 1380, und das ehemals zu Polen gehoͤrige Suͤd⸗ und Menvſtpteul ſen 1665 Quadratmeilen. Der ganze preußiſche Staat begreift in ſeinem jetzigen Umfange ohngefaͤhr 5960 Quadratmeilen. 3) Gewaͤſſer. Die Oſtſee bildet hier 2 große Meerbuſen, das kuriſche und das friſche Haf. In das erſtere faͤllt der Pregel, und in das andere und die Oſtſee, die Weichſel und Memel, welche auch der Niemen heißt; ſonſt ſind noch die Warta, Netze und andere kleinere Fluͤſſe vorhanden. Unter den vie⸗ len Landſeen ſind die groͤßten der Spuͤrdingsſee, der Angerburgiſche, Reiniſche und Drauſenſee, nebſt dem Goplo Sec. Mehrere Gewaͤſſer ſtehen durch 74 Kanaͤle(z. E. die neue Gilde und Deine, der kleine und große Friedrichsgraben, der Brombergiſche Kanal u. a. m.) mit einander in Verbindung.— 4) NMatuͤrliche Beſchaffenheit. Preußen iſt mehrentheils ſlach, ohne betraͤchtliche Berge; ſein Bo⸗ den iſt faſt durchgehends fruchtbar(doch giebt es auch viele ſandige und moraſtige Gegenden, und in den ſuͤd⸗ lichen und oͤſtlichen Theilen betraͤchtliche Waldungen). In den noͤrdlichen Provinzen iſt die Luft ſehr veraͤnder⸗ lich, und im Winter merklich kaͤlter als in Deutſchland, im Sommer zuweilen ſehr heiß; die ſuͤdlichen Gegen: den haben ein mehr mildes und gemaͤßigtes als rauhes Klima, und geſunde Luft, ſind aber noch lange nicht ſo gut angebaut, als ſie wohl ſeyn koͤnnten, wiewohl durch die Veranſtaltung der gegenwaͤrtigen Regierung ihre Kultur immer mehr ſteigt. 5) Hauptprodukte. Getreide, beſonders Weitzen, Roggen und Gerſte, Huͤlſenfruͤchte aller Art, Schwedengruͤtze(preußiſch Manna), Flachs, Hanf⸗ gute Vieh⸗ und Pferdezucht, Wildpret, Honig, Wachs⸗ Holz, Fiſche, Bernſtein, Eiſen, Steinkohlen, Torf; aber Mangel an Wein und Salz. Die Wollen⸗ und Leinewand⸗ nebſt mehrern andern Manufakturen, Loh⸗ gaͤrbereyen und Lederfabriken ſind anſehnlich, und der Seern und Landhandel aͤußerſt wichtig.. 6) Einwohner. Ihrer ſind in Oſt⸗ und Weſt preußen uͤber 1,600,000, in Suͤd⸗ und Neu⸗Oſtpreuſt ſen aber etwa 1,800,000, zuſammen uͤber 3,400,000. (Die Bevoͤlkerung der geſammten preußiſchen Monar⸗ 75 chie belaͤuft ſich gegenwaͤrtig uͤber 9 Millionen.) Die zwey Hauptnationen, welche man hier findet ſind Deut⸗ ſche und Slaven, unter welchen die erſtern ſehr geſittet, tapfer und gefaͤllig ſind, und ſich mit gutem Erfolge auf Wiſſenſchaften und Kuͤnſte legen, bey den letztern hingegen(beſonders den Bewohnern der ehemals pol⸗ niſchen Provinzen) iſt dies nicht ſo ſehr der Fall, weil ihre natuͤrlichen Anlagen unter der vorigen Herrſchaft durch Unterdruͤckung, Sklaverey und Mangel an Er⸗ ziehung groͤßtentheils erſtickt wurden, welche Hinder⸗ niſſe aber gegenwaͤrtig durch die Thaͤtigkeit der preußi⸗ ſchen Regierung und vbeſſerte Schul⸗Anſtalten immer mehr gehoben werden 7) neaen Oſtpreußen herrſcht die lu⸗ theriſche, in den uͤbrigen Provinzen aber groͤßtentheils die katholiſche Religion(unter 5 Biſchoͤfen); beide ha⸗ ben gleiche Rechte. Auch ſind viel Reformirte(zu wel⸗ chen ſich auch das koͤnigliche Haus bekennt) und Men⸗ noniten; ſo wie in Suͤd und Neu Oſtpreußen Grie⸗ chen und Iunden, ja im letztern ſogar einige Muhame⸗ daner vorhanden, welche ſaͤmmtlich eine ungeſtoͤrte Re⸗ ligions⸗Uebung genießen. 9) Landee negierung. Sie iſt unumſchränt monarchiſch⸗ und auf beide Geſchlechter erblich. Der Kronprinz fuͤhrt den Titel: Prinz von Preußen.— Uebrigens hat Oſt⸗Preußen ſein eigenes Staatsminiſte⸗ rium, und ſo wie die uͤbrigen 3 Provinzen mehrere Regierungs⸗Collegien, Hofgerichte, und Krieges und 76 Domainen⸗Kammern, welche ſaͤmmtlich unter der Lei⸗ tung des geheimen Staatsraths zu Berlin ſtehen. 9) Eintheilung. Das Koͤnigreich Preußen zer⸗ faͤllt 1) in Oſtpreußen, 2) Weſtpreußen mit dem Netz⸗ Diſtrikte, 3) Suͤd⸗ und 4) NeiOſtpreußen.— 10) Die vornehmſten Oerter. In 1) liegen Koͤnigsberg am Ausfluſſe der Pregel in's friſche Haf. H. Hſt. U. mit 60,000 Einwohnern. Pillau F. Hf. Braunsberg, Heilsberg und Zrauenburg, wo Kopernikus lebte, im ehemaligen Bisthume Ermeland. Preußiſch⸗Holland mit vielen Leder⸗ und Wollen⸗ manufakturen, Inſterburg Bumbinnen Tilſit an der Memel, Hſt. Memel§. Hf. In 2) Naa rienwerder, Marienbur bing, Hſt. Dan⸗ zig Hſt. F. an der Weichſel un„000 E. treibt ſehr ſtarken Handel und Schiffart)h. Culm U.— Thorn Hſt. Graudenz mit einer F. ſaͤmmtlich an der Weich⸗ ſel. Im Netz⸗Diſtrikte it Bromberg die H. In 3) Poſen, an der Warta Hſt. Bisth. Sneſen, Bisthum. Kaliſch, Petrikau, Alt⸗ und Neu⸗ Czenſtochov, letzteres mit einem reichen und befeſtig⸗ ten Kloſter. Warſchau an der Weichſel, die ehema⸗ lige Reſidenz der polniſchen Koͤnige; jetzt die zweyte H. von Preußen mit etwa 66,000 Einwohnern. Pra⸗ ga, Warſchau gegenuͤber. In 4) Plozk an der Weichſel, und Bialyſtock. 11) Nebenlaͤnder. Der Koͤnig von Preußen beſitzt außer dieſem Koͤnigreiche noch 1) den groͤßten Theil des Herzogthums Schleſien und die Grafſchaft — 27 Glatz(wovon gleich hiernach gehandelt werden ſoll). 2) In Deutſchland die Mark Brandenburg; den groͤß⸗ ten Theil des Herzogthums Pommern; das Herzog⸗ thum Magdeburg; die Fuͤrſtenthuͤmer Halberſtadt und Hildesheim; das Eichsfeldt und Erfurt in Thuͤringen, das Fuͤrſtenthum Minden, Oſtfrießland, Paderborn, zeinen Theil von Muͤnſter und Kleve, ferner die Graf⸗ ſchaften, Mark, Ravensberg, Lingen und Teklenburg, nebſt den ehemaligen Abteyen Werden und Eſſen in Weſtphalen; die Fuͤrſtenthuͤmer Anſpach und Bayreuth in Franken. 3) In der Schweitz das kleine Fuͤrſten⸗ thum Neufchatel. 4½ 12) Geſchichte von Preußen. Die aͤlteſten preußiſchen Voͤlkerſchaften, die Wenden und Slaven fingen erſt im 13ten Jahrhundert an, ſich zur chriſt⸗ lichen Religion zu bekennen, da die von einigen pol⸗ niſchen Fuͤrſten, welche mit den Preußen Krieg fuͤhr⸗ tten, zu Huͤlfe geruſenen deutſchen Ordensritter ſich im Lande ſeſtſetzten. Dieſer Ritterorden war zur Zeit der ſogenannten Kreutzzuͤge im ehemaligen juͤdiſchen Lande geſtiftet, nachher aber von den Tuͤrken aus demſelben vertrieben worden. Ihr Oberhaupt fuͤhrte den Titel Ordensmeiſter, und dieſe regierten eine Zeitlang unter beſtaͤndigen Unruhen und Kriegen mit Polen, welches ſogar den weſtlichen Theil von Preuſ⸗ ſen abriß, und den Orden zwang, das uͤbrig geblie⸗ bene Oſtpreußen von ihm zur Lehn zu nehmen. Im Jahre 1525 wurde der damalige Ordensmeiſter Ale bert, ein geborner Markgraf von Brandenburg, nach 78 einem neuen Kriege mit Polen zum erſten weltlichen Herzoge von dem oͤſtlichen Theile Preußens; jedoch unter fortdauernder polniſcher Lehnsherrſchaft erklaͤrt, durch ſeinen Nachfolger kam die Herrſchaft im Jahr 1618 an das Churhaus Brandenburg; bey welchem ſie ſeitdem beſtaͤndig geblieben iſt. Johann Sigis⸗ mund war aus demſelben der erſte Herzog von Preuſ⸗ ſen. Friedrich Wilhelm der Große machte es von Polen unabhaͤngig, ſein Sohn Friedrich verwandelte es 1701 in ein Koͤnigreich, und deſſen Enkel Frie⸗ drich der Einzige, vereinigte in der erſten polniſchen Theilung 1772 das vor langen Zeit abgeriſſene Weſt⸗ preußen(jedoch damals ohne die Städte Danzig und Thorn) wieder mit der Krone, und fügte noch den Netz⸗Diſtrikt hinzu. unnetfſenem Nachfolger Fries drich Wilhelm II. wurde in den Jahren 1793 und 1795 Polen voͤllig unter Rußland, Oeſterreich und Preußen vertheilt, und das letztere erhielt dadurch die anſehnlichen Provinzen, welche jetzt Suͤd⸗ und Neu⸗Oſt⸗Preußen ausmachen. Gegenwaͤrtig regiert Friedrich Wilhelm III. unter deſſen friedlicher und wohlthaͤtiger Regierung ſich die ohnehin muſterhafte preußiſche Landes⸗Verfaſſung in allen ihren Theilen immer mehr vervollkommnet. Der preußiſche Staat iſt wegen der uͤberaus zweckmaͤßigen Benutzung ſeiner Kraͤfte, der Ordnung in allen Zweigen der Verwal⸗ tung, der Betriebſamkeit, aufgeklaͤrten und patrioti⸗s ſchen Denkungsart ſeiner Bewohner, und insbeſon⸗ dere des vortrefflich eingerichteten Kriegsheers wegen 79 (welches ſich auf 250,000 Mann belaͤuft,) einer der herrſchenden, furchtbarſten und maͤchtigſten Staaten in Europa. 8——— b) Der preußiſche Antbeil an Schleſien. 1) Graͤnzen. Gegen Oſten Galltzien und Preußen, gegen Weſten Boͤhmen und die Lauſitz, gegen Suͤden Oeſterreichiſch⸗Schleſten und Gallizien, gegen Norden die Mark Brandenburg und Preußen. 2) Groͤße. Mit dem 1797 hinzugekommenen kleinen Theile von Polen, betraͤgt ſeine Große 746 Quadratmeilen. 3) Sluͤſſe. Die Oder, welche das ganze Land durchſtroͤmt, die Queis, Bober, Neiſſe, und Oh⸗ lau, die in die Oder fallen. 4) Matuͤrliche Beſchaffenheit. Da wo es an Polen und die Lauſitz graͤnzt, iſt es ſandig und eben; gegen Boͤhmen und Maͤhren aber gebirgig und waldig. Das Haupt⸗Gebirge iſt das Rieſengebir⸗ ge auf der boͤmiſchen Graͤnze(deſſen hoͤchſte Spitze die Schneekoppe heißt), auch erſtreckt ſich ein Arm des karpathiſchen Gebirges in den ſuͤdoͤſtlichen Theil des Landes; im Innern iſt der Zotenberg der hoͤchſte. Schleſiens Klima iſt geſund, und im Ganzen ge⸗ maͤßigt, ſelbſt in den bewohnten hohen Gebirgen. 5) Hauptprodukte. Getreide giebt's im Gan⸗ zen hinlaͤnglich, Flachs in ſehr großer Menge, wich⸗ tige Viehe beſonders Schaaftucht; Fiſche, Wildpret⸗ 8o Eiſen Bley und wenige Silberbergwerke; Stein⸗ kohlen; viele Geſundbrunnen und Bäͤder. Induſtrie und Handel ſind hier außerordentlich ſtark, und die ſchleſiſchen Leinwandfabriken und Bleichen ſind auch außerhalb Deutſchland beelcnt. 6) Einwohner. Ihrer ſind uͤber 1,800,000, die theils aus Deutſchen(in Niederſchleſi en), theils aus Polen, Boͤhmen und Maͤhren(vorzuͤglich in Ober⸗ und Neuſchleſien) beſtehen. Sie ſind uͤber⸗ haupt thaͤtig, gewerkſam, und geſchickt zur Bearbei⸗ tung der Kuͤnſte und Wiſſenſchaften; doch herrſcht in Nieder⸗Schleſien weit mehr Fleiß und Aufklaͤrung als in den andern Theilen. 7) Religion. Herrſchend ſind die lutheriſche und katholiſche Religion, jene in Nieder⸗ dieſe in Ober; und Neu⸗Schleſien. Doch giebt es auch einige Reformirte, wie auch Juden im Lande, die alle Frey⸗ heit genießen. 8) Landes⸗Regierung. Preußiſch⸗ Schleſt ĩen iſt ein voͤllig unabhaͤngiges, uneingeſchraͤnktes Her⸗ zogthum, außer aller Verbindung mit dem deutſchen d Reiche(wozu man es in geographiſcher Hinſicht zu⸗ weilen noch rechnet), deſſen Landesherr der Koͤnig von Preußen iſt. 9) Eintheilung. In 1) Niederſchleſien, wozu man die 8 unmittelbaren Fuͤrſtenthuͤmer: Breslau, Brieg, Schweidnitz, Jauer, Liegnitz, Wolau, Glo⸗ gau und Muͤnſterberg; ferner die 5 mittelbaren(wels che unter preußiſcher Landeshoheit ihre eignen Her⸗ . 81 ren haben) Neiſſe(zum Theil), Oels, Sagan, Tra⸗ chenberg, Karolath, und noch é kleinere Herrſchaften rechnet. 2) Oberſchleſien, wozu die unmittelbaren Fuͤrſtenthuͤner Oppeln, Natibor, und ein Theil der mittelbaren Troppau und Jaͤgerndorf, nebſt mehrern kleinen gehoͤren. 3) Neu⸗Schleſten, oder die im Jahr 1797 zu Schleſien geſchlagenen Theile von Polen, und 4) die Grafſchaft Glatz. Sonſt werden alle dieſe Theile noch in 50 Kreiſe eingetheilt. 10) Die vornehmſten Oerter. In 1) Bres⸗ lau an der Oder, H. Hſt. F. U. uͤber 60,000 E. Brieg F. an der Oder. Silberberg F. Schweid⸗ nitz F. Landshut am Bober, treibt ſtarke Lein⸗ wandhandlung. Jauer, Hirſchberg am Bober, wichtige Hſt. Liegnitz mit einer Ritter⸗Akademie. Groß⸗Glogau F. an der Oder. Gruͤnberg mit wichtigen Tuchmanufakturen. Sagan am Bober. Oels. In 2) Oppeln, Koſel F. und Ratibor, alle 3 an der Oder. Neiße F. Ceobſchuͤtz. In der Grafſchaft Glatz iſt die H. Glatz an der, Neiße, eine ſtarke Feſtung. 11) Seſchichte. Schleſiens aͤlteſte Einwohner waren die Sueven, im 6ten und 7ten Jahrhunderte aber bemaͤchtigten ſich die ſarmatiſchen Slaven und Wenden deſſelben. Es wurde hierauf mit Polen, und nachher mit Boͤhmen verbunden, deſſen Regen⸗ ten bis zum Jahr 1740 uͤber Schleſien herrſchten. In dieſem Jahre aber, worin die maͤnnliche Linie der Koͤnige von Boͤhmen aus dem Hauſe Oeſterreich 8 8² mit Kaiſer Karl VI. ausſtarb, erneuerte der dama⸗ lige Koͤnig von Preußen Friedrich der Einzige ſeine alten Anſpruͤche auf mehrere ſchleſiſche Laͤnder, und erhielt nach einem kurzen Kriege im Breslauer Frie⸗ den 1742 beinahe den Beſitz des ganzen Landes(ſo wie es vorhin angegeben iſt), behauptete es auch in zwey darauf folgenden blutigen Kriegen, wovon der letztere ſieben Jahre hindurch waͤhrte, mit einer noch nie geſehenen Tapferkeit. 83 XlII. Die oͤſterreichiſchen Koͤnigreiche Galliizien und Ungarn nebſt Siebenbuͤrgen. — a) Das Koͤnigreich Gallizien und lodomirien, nebſt der Bukowina. 1) Graͤnzen. Gegen Norden Preußen, gegen Oſten Rußland und die Moldau, gegen Suͤden Siebenbuͤr⸗ gen und Ungarn, und gegen Weſten Schleſien und Preußen. 2) Groͤße. Etwa 3000 Quadratmeilen(die Bukowina 178).. 3) Fluͤſſe. Die Weichſel, der Bug, Dnieſter und Pruth. 4) Matuͤrliche Beſchaffenheit. Es hat uͤber⸗ haupt eine hohe Lage, die ſich aber gegen Norden ſenkt, gegen Suͤden ſteigt, und ſich endlich an der Graͤnze von Ungarn und Siebenbuͤrgen zu hohen Ge⸗ birgen(den karpathiſchen) erhebt. Der Boden iſt leimigt, doch ein Strich Sandland, und ſeine Frucht⸗ barkeit wird durch die Menge großer und kleiner Fluͤſſe ſehr befoͤrdert. Das Klima iſt im noͤrdlichen Theile gemaͤßigt, heiter und geſund, im ſuͤdlichen aber der Gebirge wegen viel kaͤlter und rauher. F5 2 84 5) Produkte. Sehr wichtige Salzwerke, ſtarke Vieh⸗ und Pferdezucht, Tabak, große Waldungen, Wildpret, Fiſche u. ſ. w. Manufakturen und Fabri⸗ ken ſind außer den Metallfabriken noch nicht ſehr bedeu⸗ tend. 6) Einwohner. Man zaͤhlt ihrer uͤber 4 und eine halbe Million, welche aus deutſchen Koloniſten, Polen, Rußniaken, Armeniern,(und uͤber 250,000) Juden beſtehen. Ihre Cultur iſt im Ganzen noch ge⸗ ringe. 7) Religion. Die roͤmiſchkatholiſche iſt die herr⸗ ſchende, außerdem glebt es noch Griechen, Armenter, und andere Religionspartheyen, die ſammilich geduls det werden. 8) Landes⸗Regierung. Das Haus Oeſter⸗ reich beherrſcht dieſes Koͤnigreich uneingeſchraͤnkt⸗mo⸗ narchiſch. 9) Eintheilung. In 1) Alts oder Oſt⸗Galli⸗ zien, 2) Neus oder Weſt⸗Gallizien und 3) die Buko⸗ wina, wovon erſteres wieder in 18, letzteres in 12 Kreiſe eingetheilt iſt. 10) Die vornehmſten Oerter. In 1) Lem⸗ berg H. F. Hſt. U. mit 40,000 E. Przemysl. Ja⸗ roslaw Hſt. Bochnia und Wielitſchka mit uner⸗ ſchoͤpflichen Steinſalzbergwerken. Podgorze Hſt. an der Weichſel. Halitſch, die alte H. am Dnieſter. Brody, ſtarke Hſt. In 2) Krakau an der Weich: ſel, H. U. mit 24,000 E. Sandomirs, auch an der Weichſel. Lublin Hſt. Therespol am Bug. b 85 In 3) Tſchernowitſch H. Hſt. am Pruth. Sut⸗ ſchawa. 11) Geſchichte. Oſt⸗ und Weſt⸗Gallizien ge⸗ hoͤrten noch vor kurzem zu Polen, erſteres wurde im Jahr 1772, und letzteres 1796 davon getrennt. Die Bukowina machte vor dem Jahr 1777 einen Theil der Moldau aus, in dieſem Jahre aber traten die Tuͤrken ſie an das Haus Oeſterreich ab, welches dieſes Land gewiſſermaßen mit Gallizien vereinigte. b) Ungarn, mit den ihm einverleibten Koͤnigrei⸗ chen Slavonien, Kroatien und Dalmatien. 1) Graͤnzen. Gegen Oſten Siebenbuͤrgen und die Wallachey, gegen Suͤden das osmanniſche Neich, und die Republik Raguſa, gegen Weſten das adriati⸗ ſche Meer, der oͤſterreichiſche Kreis und Maͤhren, und gegen Norden Gallizien. 2) Groͤße. Das eigentliche Koͤnigreich Ungarn enthaͤlt 3200; Slavonien 340; Kroatien 314; und Dalmatien(den ehemals venetianiſchen Antheil mit ge⸗ rechnet) 406 Quadratmeilen; welches fuͤr alle Laͤnder 4260 Quadratmeilen betraͤgt. 3) Gewaͤſſer. Die Donau iſt hier der Haupt⸗ fluß, worin ſich die Drau, Sau, die Morawa, Theis, Waag(Vagh), Raab, und einige andere ergießen. Die groͤßten Seen ſind der Plattenſee, der Neuſiedler⸗ und Palitſcher⸗See in Ungarn, und 1 86 der See von Urona in Dalmatien. Das adriatiſche Meer bildet in dem letztern Lande verſchiedene Meer⸗ buſen, z. B. den Flaum, den Golfo di Quarnero, und die Meerbuſen von Cattaro.. 4) Natuͤrliche Beſchaffenheit. Der mitter⸗ naͤchtliche Theil von Ungarn iſt bergicht und waldicht (das karpathiſche Gebirge), folglich rauh und kalt. Im mittlern Theile iſt die Luft gelinde, im ſuͤdlichen warm, und zuweilen heiß, aber der vielen Moraͤſte und Suͤm⸗ pfe wegen ungeſund. Dennoch iſt in den meiſten Stri⸗ chen die Fruchtbarkeit anſehnlich. In Slavonien iſt der Sommer ſehr heiß, der Winter im Gebirge zwar ſcharf, aber nicht lange anhaltend. Die Luft in den Gebirgsthaͤlern des weſtlichen Theils ſo wie in Kroa⸗ tien, iſt rein und geſund, der oͤſtliche Theil dagegen ſum⸗ pfigt und ungeſund. Der Boden dieſer beiden Pro⸗ vinzen iſt im Ganzen genommen ſehr ergiebig, in dem gebirgigen Dalmatien aber nur mittelmaͤßtig und ſchlecht angebaut. 3 5) Hauptprodukte. Getreide(beſonders Wei⸗ tzen, auch tuͤrkiſcher), Wein(Tokaier), viel Tabak, Honig und Wachs, Ochſen, Pferde, Fiſche in Menge, Gold, Silber, Kupfer, Eiſen, Zinnober, Bley, Salz, viel Baͤder und Sauerbrunnen, etwas Seidenbau, da⸗ gegen Mangel an Zinn, Manufakturen und Fabriken; indeſſen iſt der Handel mit einlaͤndiſchen Natur⸗Pro⸗ dukten(beſonders mit Oeſterreich) wichtig. 6) Einwohner. Ihre Anzahl belaͤuft ſich in Ungarn auf beynahe 6,600,000, in den drey uͤbrigen 87 Laͤndern(wovon ein Theil auch Illyrien genannt wird) auf 1,200,000, zuſammen alſo auf 7,800,000 Men⸗ ſchen, die aus eigentlichen Ungarn, Slaven(Kroaten, Naitzen), deutſchen Koloniſten, Wallachen, Griechen, Armeniern, Juden und Zigeunern beſtehen. Die Na⸗ tion iſt uͤberhaupt genommen, kriegeriſch(beſonders die Kroaten), arbeitſam, treu von Gemuͤth, und ſtark von Koͤrper. Der Adel iſt ſehr zahlreich und hat große Vorrechte; der Bauerſtand dagegen lebt armſelig. Die Ungarn(ſo wie die Bewohner der polniſchen Provin⸗ zen) bedienen ſich außer ihrer eigenen auch haͤufig der lateiniſchen Sprache. Im Lande ſind Schulen genug vorhanden; ſie koͤnnten aber beſſer eingerichtet ſeyn; aberhaupt ſcheint die Gelehrſamkeit dort gegenwaͤrtig mehr zu ſinken als zu ſteigen. 7) Religion. Die Hauptreligion des Landes iſt die roͤmiſch⸗katholiſche(mit welcher ſich auch viele gries chiſche Chriſten vereinigt haben, die man die unirte Kirche nennt) unter 4 Erz und 34 Biſchoͤfen, und mit ihr ſollen nach der Reichsverfaſſung die nicht unirte griechiſche, reformirte und lutheriſche gleiche Rechte ge⸗ nießen. 8) Landes⸗Regierung. Ungarn iſt eine einge⸗ ſchraͤnkte Monarchie, und an der Geſetzgebung nehmen die(auf dem Landtage verſammelten) Reichsſtaͤnde Theil. Das Haus Oeſterreich beſitzt ſie ſeit 1683 erb⸗ lich, in maͤnnlicher und weiblicher Linie, und der Koͤ⸗ nig fuͤhrt den Titel: Sr. apoſtoliſchen Majeſtaͤt. 88. 9) Eintheilung. a. Ungarn wird in 1) Nle⸗ der⸗ und 2) Ober⸗Ungarn, und beyde wieder in 4 Kreiſe und 48 Geſpannſchaften eingekheilt. b. Slavo⸗ nien und Syrmten enthaͤlt 3 Geſpannſchaften, ohne das ſogenannte Militare. c. Kroatien wird eben ſo eingetheilt, und d. Dalmatien begreift 1) Ober⸗ und 2) Nlieder⸗Dalmatien, nebſt einem kleinen Theile von Albanien, und vielen Inſeln in ſich(wovon Nr. 2. erſt ſeit dem Jahre 1797 oͤſterreichiſch iſt). Die groͤß⸗ ten unter den Inſeln heißen: Cherſo, Oſero, Pago, Veglia, Groſſa und Curzola. 10) Die vornehmſten Oerter. In a. 1) Ofen an der Donau, H. F. der Sitz der Statthalte⸗ rey, mit ohngefaͤhr 26,000 E. Peſth, u. Pres⸗ burg, die ſchoͤnſte und volkreichſte Stadt des Koͤnig⸗ reichs an der Donau mit 30,000 E. Marien⸗The⸗ reſienſtadt und Neuſatz Hſt. Tyrnau, Schen⸗ nitz und Kremnit, 2 Bergſtaͤdte mit wichtigen Gold⸗ und Silberbergwerken. Neuſohl mit Kupferberg⸗ werken. Gran, Erzb. Die Inſel Schuͤtt. Oeden⸗ burg Hſt. Raab und Komorn, beyde F. an der Donau. Stuhl⸗Weiſſenburg, Fuͤnfkirchen. In a. 2) Baſchau, Eperies, Debretzin Hlt. eine der groͤßten Staͤdte in Ungarn mit 29,000 E Segedin und Sathmar F. Groß⸗Wardein 5. Temeſch⸗ war F. Alt⸗ und Neu Orſowa, letztere F. auf einer Inſel an der Donau. In b. Eſſek H. F. an der Drau. Poſchega. Peterwardein F. an der Do⸗ 89 nau. In c. Agram H. Waraſchdin, Kreutz und Barlſtadt Hſt. alle 3 F. Bellovar F. die ſchoͤnſte Stadt in Kroatien. In d. 1) Siume oder St. Veit am Flaum, Hſt. Hf. mit vielen Fabriken. Buecari und PortoRe beide mit Hafen. Zengh Hſt. Hf. In d. 2) Zara H. von Dalmatien F. Hf. Stona und Knin F. Sebenico Hf. Spalatro, die groͤßte und wichtigſte Stadt in Dalmatien, Hſt. Hf. F. Ca⸗ ſtellnuovo und Cattaro F. 11) Auswaͤrtige Beſitzungen. Außer den Koͤnigreichen Ungarn und Galltzien, nebſt den dazu gehoͤrigen Laͤndern, beſitzt das Haus Oeſterreich noch das Koͤnigreich Boͤhmen, die Markgrafſchaft Maͤhren und einen Theil von Schleſien(welche 3 Laͤnder bey 3 Deutſchland vorkommen). Ferner in Deutſchland den oͤſterreichiſchen Kreis, und in Italien das Herzogthum Venedig nebſt Iſtrien.(Saͤmmtliche Staaten des Hau⸗ ſes Oeſterreich haben einen Flaͤchen⸗Inhalt von 12,730 Quadratmeilen, und eine Bevoͤlkerung von mehr als 25 Millionen Menſchen.) 12) Geſchichte. Die Pannonier, Ungarns aͤl⸗ teſte Bewohner, wurden nach und nach von den Roͤ⸗ mern, Weſtgothen, und im fuͤnften Jahrhunderte von dem Hunnen⸗Koͤnige Attila uͤberwunden. Karl der Große bezwang zwar die Hunnen, allein unter den folgenden Kaiſern fuͤhrten die Bewohner Ungarns mit den Deutſchen faſt immer blutige Kriege, bis gegen das Ende des zehnten Jahrhunderts der ungatiſche Fuͤrſt 90 Geiſa die chriſtliche Religion annahm, welche ſein Sohn Stephan, der erſte Koͤnig in ganz Ungarn, ein⸗ fuͤhrte. Im 14ten und 15ten Jahrhunderte kam Un⸗ garn an verſchiedene auswaͤrtige Haͤuſer, z. B. Boͤh⸗ men, Baiern, Neapel, Polen, bis es Kaiſer Ferdi⸗ nand I. aus dem Hauſe Oeſterreich im Jahr 1615 er⸗ hielt, worauf es beſtaͤndig bey den oͤſterreichiſchen Kai⸗ ſern blieb, welche aber faſt immerwaͤhrende Kriege mit den Tuͤrken, die zuweilen den groͤßten Theil des Lan⸗ des an ſich geriſſen hatten, fuͤhren mußten. Nach des Kaiſers Carls VI. Tode,(welcher einmal gluͤcklich, zum zweitenmale aber mit ſchlechtem Erfolge gegen die Tuͤr⸗ ken kriegte) erbte ſeine aͤlteſte Tochter Maria Thereſia das Land, und nach ihrem Abſterben ihr aͤlteſter Sohn Joſeph II. Auch dieſer war in einem Kriege gegen die Tuͤrken anfangs ungluͤcklich, nachher aber gluͤcklicher; aber ſein Nachfolger Leopold II. wurde vorzuͤglich durch Preußen genoͤthigt, den groͤßten Theil der gemachten Eroberungen fahren zu laſſen, und mit der Pforte 1791 Frieden zu ſchließen. Gegenwaͤrtig herrſcht Franz II. dem die Ungarn in dem Kriege gegen Frankreich dle thaͤtigſte Huͤlfe leiſteten.— Im Frieden zu Campo Formio erhielt das Haus Oeſterreich den ehemals vene⸗ tianiſchen Antheil von Dalmatien; und es verſprach denſelben Ungarn einzuverleiben.— Ueberhaupt iſt Ungarn das betraͤchtlichſte Land der oͤſterreichiſchen Mo⸗ narchie, welche in Abſicht ihrer Groͤße und innern Kraft zu Europens herrſchenden Landmaͤchten gehoͤrt; 91 wiewohl ſeit dem letztern Kriege ihr Gewicht einiger⸗ maßen geſunken iſt. — 1 c) Das Großfuͤrſtenthum Siebenbuͤrgen. 1) Graͤnzen. Gegen Oſten die Moldau, gegen Suͤden die Wallachey, gegen Weſten Ungarn, und ge⸗ gen Norden letzteres und die Bukowina. 2) Groͤße. Dieſe betraͤgt 1020(nach andern nur 730) Quadratmetlen. 3) Sluͤſſe. Der Maroſch und Samoſch, wel⸗ che in Ungarn ſich in die Theiß ergießen, und der Alt (Aluta), welcher in die Donau eaͤllt. 4) Natuͤrliche Beſchaffenheit. Das ganze Land iſt rings umher ven Ärmen des karpathiſchen Ge⸗ birges umgeben, die ſich gegen das Innere allmaͤhlich ſenken, und zum Theil Ebenen bilden. Ueberhaupt iſt. Siebenbuͤrgen ſehr fruchtbar und geſund, gegen Oſten und unter den Gebirgen kalt und feucht, in der Mitte des Sommers hingegen brennend heiß, und eben des⸗ halb auch faͤhig Nord⸗ und Suͤd⸗Produkte zu erzeugen. 5) Produkte. Dieſe ſind: Getreide, Wein, Obſt in großer Menge, Gold, Silber, Eiſen, Queck⸗ ſilber, Edelſteine, Steinſalz, Pferde, Schaafe, aller⸗ ley Arten von Wildpret, Baͤder und Geſundbrunnen. Mannufakturen und Fabriken ſind aber groͤßtentheils unerheblich, und werden faſt alle von Deutſchen bes⸗ trieben.. 6) Pinwohner. Dieſe belaufen ſich auf 1,580,000 Seelen, worunter die Ungarn, Szeklerl und Sachſen die drey Hauptnationen ausmachen, die Wallachen (beynahe 550,000 ſtark) aber, nebſt den Juden, Zi⸗ geunern, und mehrern klelnen Voͤlkerſchaften, nur ge⸗ duldet werden. Gelehrſamkeit ſteht hier, ohngeachtet, der Rohheit des groͤßern Theils der Nation, in mehr Achtung, als man denken ſollte, welches die Anzahl der hieſigen Lehranſtalten(3o hoͤhere Schulen) einiger⸗ maßen beweiſet. ) Religion. Die katholiſche, lutheriſche, re⸗ formirte und ſocinianiſche Kirche ſind hier durch Reichs⸗ geſetze beſtaͤtigt. Geduldet werden aber auch die ſehr 3 zahlreichen Griechen, Armenier und Juden. 8) Landes⸗Aegierung. So wie in Ungarn theilt der Regent auf dem Reichstage mit den verſam⸗ melten Staͤnden die geſetzgebende Gewalt. 9) Eintheilung. Ines Land der Ungarn, Szek⸗ ler, Sachſen, und in die Fiscalguͤter; und jene wie⸗ der in mehrere Geſpannſchaften, Stuͤhle und Diſtrikte. 10) Die vornehmſten Oerter. Klauſen⸗ burg H. F. Sitz des Guberniums an der Samoſch, mit 10,000 E. Herrmannſtadt F. die groͤßte Stadt des Landes mit 15,000 Einw. Kronſtadt F. Hſt. Karloburg F. an der Maroſch. 1t 12) Geſchichte. Vormals war Siebenbuͤrgen mit Ungarn vereinigt, ſeit dem Jahre 1526 aber wurde es von eignen Fuͤrſten(Woywoden) beherrſcht, welche durch die Wahl zur Regierung kamen. Der letzte der⸗ ſelben, Michael Abaffi II. ſuchte den Verfolgungen der Tuͤrken zu entgehen, die das Land von ſich abhaͤngig zu machen ſtrebten, und uͤberließ dem Hauſe Oeſter⸗ reich alle ſeine Rechte, welches demnach im Jahre 1713 zum wirklichen Beſitz gelangte, und das Land zu einem Großfuͤrſtenthum erhoben hat. 94 XIII. Die italieniſchen Koͤnigreiche Neapel mit Sicilien, Sardinien und Etrurien, nebſt dem Kirchenſtaate, Parma und Malta. a) Das Koͤnigreich beider Sieilien. 1) Graͤnzen. Das Koͤnigreich Neapel graͤnzt gegen Nordweſten an den Kirchenſtaat, an den uͤbrigen Sei⸗ ten iſt es ganz vom mittellaͤndiſchen und adrtatiſchen Meere umgeben. Das Koͤnigreich Sicilten iſt eine Inſel im mittellaͤndiſchen Meere. 2) Groͤße. Neapel begreift 1260 und Sietlien 570, beide Länder alſo 1830 Quadratmeilen. 3) Gewaͤſſer. Kein betraͤchtlicher Fluß iſt vor⸗ handen, nur der einzige Garigliano in Neapel iſt ſchiffbar. Landſeen giebt es mehrere, z. B. in Nea⸗ pel, der See Agnano, Averno, Lucrino; auch viele Baͤder und Geſundbrunnen(die Schwitzbaͤder von San Germano, Solfatara und Puzzuolo— die Hunds⸗ grotte im Neapolitaniſchen). 4 3 4) Matuͤrliche Beſchaffenheit. Der groͤßte Theil der Erdoberfläche im Koͤnigreich Neapel zeigt Spuren ſeines vulkaniſchen Urſprungs, daher feuer⸗ 95 ſpeyende Berge(der Veſuv und der Aetna in Sicllien) und oͤftere Erdbeben. Das apenniniſche Gebirge er⸗ ſtreckt ſich durch die ganze Laͤnge des Landes, und hoͤ⸗ ret erſt bey der ſiciltaniſchen Meerenge auf. Ueber⸗ haupt wechſeln in Neapel wie in Sicilien große Ebe⸗ nen und Gebirge mit einander ab, und in beiden Laͤn⸗ dern iſt die Luft meiſtentheils ungemein heiß und trok⸗ ken; nur einige am Meere und Gebirge liegende Ge⸗ genden machen hievon eine Ausnahme. Beſonders ver⸗ urſacht der Sirocco oder Suͤdoſtwind im Sommer eine alles durchdringende Hitze. Der Boden erfordert bey ſeiner in den meiſten Gegenden außerordentlich großen Fruchtbarkeit wenig Anſtrengung der Kraͤfte, wird aber nur hier und da emſig genug benutzt. 1 5) Produkte. Getreide(in Steilien waͤchſt es in weit groͤßerer Menge als in Neapel), Gartenge⸗ waͤchſe, Obſt, Suͤdfruͤchte, Oel, Wein, Safran, Manna, ſchoͤne Pferde, Schaafe, Flachs, viel Seide und Mineralien faſt von aller Art, beſonders Schwe⸗ fel. Viehzucht und Jaͤgerey wird ziemlich ſtark, Ma⸗ nufakturen, Fabriken und Aktiv⸗Handel aber nur we⸗ nig getrieben.. ) Einwohner. In Neapel zaͤhlt man an. 5 Millionen, und in Sicilien 1,300,000 Menſchen, grie⸗ chiſchen, arabiſchen und normaͤnniſch⸗franzoͤſiſchen Ur⸗ ſprungs. Man ſchildert insgemein die Neapolitaner als unruhige, liſtige, habſuͤchtige und groͤßtentheils bigotte Menſchen, doch legen ihnen mehrere Reiſende 96 ein vortheilhafteres Zeugniß bey. Die Zahl der Geiſt⸗ lichkeit und des Adels iſt ſowohl in Neapel als Sici⸗ lien zum groͤßten Nachtheil des Landes uͤberaus groß. Neapel hat z. B. uͤber 100,000 Prieſter, Moͤnche und Nonnen, und ihr Reichthum iſt ſo groß, daß man meynt, † aller Einnahme des ganzen Landes ſey in ih⸗ ren Haͤnden. Sicilien hat verhaͤltnißmaͤßig noch mehr Geiſtliche, denn die Zahl aller zur Kleriſey gehoͤrigen Perſonen wird auf 70 bis 80,000 geſchaͤtzt. Im Koͤnig⸗ reich Neapel rechnet man ohngefaͤhr 6000 Perſonen von adlichen Familien, und Sicilien wimmelt von Edelleu⸗ ten, welche aber groͤßtentheils arm ſind. Die niedern Volksklaſſen leben aͤußerſt duͤrftig, und ſeufzen unter ſchwerem Drucke. Aufklaͤrung und Gelehrſamkeit geht im Ganzen mehr zuruͤck als vorwaͤrts, wiewohl es manche geſchickte Maͤnner, beſonders Kuͤnſtler und Nuſiker giebt.. 7) Religion. In beiden Koͤnigreichen werden (außer den unirten Brlechen) blos roͤmiſch⸗karholiſche Chriſten geduldet. 3 8) Landes⸗Regierung. Iſt monarchiſch, und beynahe ganz uneingeſchraͤnkt. Der Thron iſt erblich in maͤnnlicher und welblicher Linie, und der Thron⸗ folger fuͤhrt den Titel: Herzog von Apulien. 9) Eintheilung. a. Neapel wird in 4 Haupt⸗ theile, nehmlich 1) Terra di Lavoro, oder Kampanien, 2) Abruzzo, 3) Apulien und 4) Kalabrien, und dieſe wieder in 12 Landſchaften oder Gerichtsbarkeiten einge⸗ . 97 theilt. b. Sictlien begreift 3 Landſchaften oder Thaͤ⸗ ler nebſt den aegadiſchen und lipariſchen Inſeln, un⸗ ter welchen letztern Lipari die groͤßte und allein be⸗ wohnte iſt. 10) Die vornehmſten Oerter. In a. 1) Neapel, an einem Buſen des mittellaͤndiſchen Mee⸗ res, H. R. Hf. U. mit 380,000 E. Portici F. und Caſerta, Stadt mit koͤntgl. Pallaͤſten. Die Inſeln Iſchia, Capri u. a. m. Capua. Gaeta F. Sa⸗ lerno u. Amalſi, Conza. 2) Aquila, Civita di Chieti(Tſchtwita di Kiett). 3) Leece(Cerſche) nach Neapel die groͤßte Stadt. Otranto F. Hf. Brindiſi. Taranto. Bari Hſt. Manfredonia. 4) Acerenza. Coſenza Hſt. Cattanzaro mit Sei⸗ denfabriken. In b. Palermo H. Hſt. F. Hf. mit 150,000 E. Trapani F. Hf. Meſſina Hſt. Hf. Catania am Fuße des Aetna. Siragoſſa F. Hf. 11) Nebenlaͤnder. Vor dem lettetn Kriege mit Frankreich beſaß der Koͤntg beider Sicilien den Stato degli Preſidii an den Kuͤſten von Etrurien, welchen er aber im Frieden verlor. 12) Geſchichte. Im 5ten Jahrhundert nach Chriſti Geburt entriſſen die fremden in Italien eindrine genden Voͤlker den Roͤmern Neapel und Sictlien hier⸗ auf beſaßen die orientaliſchen Kaiſer, dann die Sara⸗ cenen, und endlich die Normaͤnner dieſe Laͤnder, und errichteten darin ein eignes Reich. Der deutſche Kaiſer Heinrich VI. heyrathete die letzte Erbin deſſelben, und G 98 brachte es dadurch an das ſchwaͤbiſche Haus, welchem es von einem franzoͤſiſchen Prinzen(aus dem Hauſe Anjou), der den rechtmaͤßigen Erben Konradin ent⸗ haupten ließ, wieder entzogen wurde. Noch nicht voͤllig 2 Jahrhunderte darnach, eroberten die Spanier (denen ſich ſchon fruͤher hin Sicilien unterworfen hatte) das Koͤnigreich Neapel, und behaupteten ſich darin bis zum Anfange des vorigen Jahrhunderts, wo nach und nach beide Laͤnder an das Haus Oeſterreich, und ſo⸗ dann wieder an einen Prinzen aus dem ſpaniſchen Hauſe kamen, woraus der jetzt regierende Koͤnig Fer⸗ dinand IV. ebenfalls entſproſſen iſt. In einem gegen die Franzoſen begonnenen Feldzuge verlor derſelbe fuͤr eine Zeitlang das Koͤnigreich Neapel, welches in eine Republik unter dem Namen der parthenopeiſchen ver⸗ wandelt wurde. Doch gelangte er durch Huͤlfe der Oeſterreicher und Ruſſen bald wieder zum Beſitze deſt ſelben, mußte aber n Frieden mit Frankreich 1801 das vorhin(§. 11.) erwaͤhnte Gebiet abtreten.—— Der neapolitaniſche Staat gehoͤrt unter die kleinern eu⸗ ropaͤiſchen Maͤchte; koͤnnte ſich aber hoͤher ſchwingen, wenn nicht die Menge des Adels und der Geiſtlichkeit, neebſt andern Hinderniſſen im Wege ſtaͤnden. 7 b) Das Köͤnigreich Sardinien. 1) Lage. Sardinien iſt eine Inſel im mittel⸗ laͤndiſchen Meere, welche durch die Meerenge des hei⸗ / 99 ligen Bonifacius gegen Norden von Korſika getrennt wird.. 1 2) Groͤße. Betraͤgt 440 Quadratmeilen. 3) Gewaͤſſer. Der kleine Fluß Torres, ei⸗ nige Meerbuſen, und mineraliſche Waſſer. 4) Natuͤrliche Beſchaffenheit und Produkte. Sie iſt fruchtbar an Getreide(wtewohl der Ackerhau aͤußerſt laͤßig betrieben wird), Baumoͤl, Melonen und andern Suͤdfruͤchten, hat einige Silber⸗ und Eiſen⸗ bergwerke, Marmor, Alabaſter, Seeſalz, ſtarken Fiſch⸗ und Korallenfang an den Kuͤſten, auch ziemliche Viehzucht, aber eine ungeſunde Luft wegen der vielen Moraͤſte und hohen Berge an der Nordſeite; die den Nordwind abhalten, daß er die Inſel nicht durchſtrei⸗ chen kann. Manufakturen und Fabriken zur Verar⸗ beitung der NaturErzeugniſſe ſind nicht vorhanden, alles wird roh verkauft, und es fehlt ſogar oft an Handwerkern. N 5) Einwohner. 520,000 Menſchen, nach ane dern nur 450,000. Die Sarden ſind gegen das uͤbrige kultivirte Europa noch mehrere Jahrhunderte zuruͤck. Sie ſind roh, einfaͤltig und aberglaͤubiſch, dabey faul⸗ arm, hofefaͤrtig, wolluͤſtig, und im hoͤchſten Grade rachgierig; daher Mordthaten ſehr gemein unter ihnen ſind. Ungeachtet der beiden im Lande vorhandenen Univerſitaͤten, iſt hier an Gelehrſamkeit gar nicht zu denken, und derjenige, der leſen und ſchreiben kann, heißt ſchon ein Gelehrter. G 2 100 6) Beligion. Herrſchend iſt die roͤm iſch⸗katho⸗ liſche(unter 3 Erz: und 4 Biſchoͤfen) mit ſo viel Aber⸗ glauben und ſeltſamen Ceremonien verbraͤmt, daß ſelbſt Kathollken in andern Landern einen Greuel daran fin⸗ denr. 2 Landes Regierung. Der Koͤnig herrſcht unumſchraͤnkt monarchiſch, und der Thron iſt beider⸗ ley Geſchlechtern erblich. 3) Eintheilung, und vornehmſte Oerter. 1) Im ſuͤdlichen Theile liegt Cagliari(Calljari) Hſt. R. Erzb. U. F. Hf. Oriſtano Erzb. F. Hf. 2) Im noͤrdlichen: Saſſari am Fluſſe Torres, Erzb. u. Algeri, an einem Meerbuſen, wo eine ſtarke Ko⸗ rallenfiſcherey iſt. 9) Nebenlaͤnder. Vor dem letztern Kriege mit Frankreich beſaß der Koͤnig von Sardinien auf dem fe⸗ ſten Lande von Italien Savoyen, Piemont, Mont⸗ ferrat, und einen Theil von Mayland(810 Quadrat⸗ meilen, mit 2,700,000 E.), welche Laͤnder jetzt groͤß⸗ tentheils mit Frankreich vereinigt ſt ſind. 10) Geſchichte. Ehemals hatten die Carthager Sardinien inne; ſie verloren es aber im erſten puni⸗ ſchen Kriege an die Roͤmer. Im 5ten Jahrhunderte nach Chriſti Geburt ging es an die griechiſchen Kaiſer uͤber, und nachher ſetzten ſich die Araber darin feſt. Dieſe wurden im Irten Jahrhunderte von den Piſa⸗ nern und Genueſern in Italien vertrieben. Der Pabſt Bonifaz VIII ſchenkte es 1298 dem arragoniſchen Koͤ⸗ 101 nige, und es blieb hierauf bis in die erſten Jahre des vorigen Jahrhunderts mit Spanien vereinigt. Im Jahr 1720 erhielt es der damalige Herzog von Sa⸗ voyen, welcher ſich nun einen Koͤnig von Sardinien nannte. Gegenwaͤrtig macht es ſeine einzige Beſitzung, und augenſcheinlich die ſchwaͤchſte Monarchie in Europa aus. Der jetzige Koͤnig heißt Victor Amadeus IV. 9 c) Das Koͤnigreich Etrurien. 1) Lage. Es iſt vom mittellaͤndiſchen Meere, dem Kirchenſtaate, der italieniſchen Republik und Lukka umgeben.. 2) Groͤße. Betraͤgt 440 Quadratmellen. 3) Sluͤſſe. Der Arno, welcher ſich in's tuſcis ſche oder tyrrheniſche Meer(ein Theil des mittellaͤndi⸗ ſchen) ergießt. 4) Matuͤrliche Beſchaffenheit und Produkte. Das Land beſteht aus abwechſelnden Bergen(den Apen⸗ ninen), Huͤgeln, Thaͤlern und Ebenen, und hat im Ganzen einen fruchtbaren Boden, aber auch ungeſunde und moraſtige Gegenden. Landes Erzeugniſſe ſind: Getreide, Garten und Baumfruͤchte, Citronen, Po⸗ meranzen, Oel, vortrefflicher Wein, gute Viehwei⸗ den, eine Menge Seide, Kupfererze, Alaun, Kriſtalle, Salzquellen und warme Baͤder. Manufakturen und Fabriken ſind anſehnlich, und der Handel betraͤchtlich. 102 5) Einwohner. Ihre Zahl betraͤgt beynahe 1 Million, die ſich vor den uͤbrigen Italienern durch In⸗ duſtrie, Geſchicklichkeit, ſo wie bisher durch fleißige Betreibung der Wiſſenſchaften und Kuͤnſte(beſonders der letztern) auszeichnet. 6) Religion. Allein die roͤmiſchkatholiſche(bey der jetzigen Regierung wieder in ihrer ganzen Stren⸗ ge), nur in Livorno werden des Handels wegen, Grie⸗ chen, Proteſtanten, Juden, und ſogar Muhammeda⸗ ner geduldet. 7) Landes⸗Regierung. Bis zum Jahr 1801 war das Land ein Großherzogthum; allein in dieſem Jahre wurde es durch Buonapartes Betrieb zum Koͤ⸗ nigreiche erhoben. Die Gewalt des Regenten iſt uͤbri⸗ gens monarchiſchunumſchraͤnkt,(in ſofern es ſeine bis⸗ herige Abhaͤngigkeit von Frankreich geſtattet.) 8) Eintheilung und vornehmſte Oerter. Das Land wird eingetheilt in's florentiniſche, piſani⸗ ſche und ſieniſche Gebiet, und in den(ehemals neapo⸗ litaniſchen) Stato degli Preſidii.— Die vornehmſten Oerter ſind: Florenz am Arno, H. R. Hſt. mit etwa 80,000 E. Poggio und Pratolino, eoͤnigl. Luſt⸗ ſchloͤſſer. Arezzo, Prato, Piſtoja, Piſa am Arno, U. mit guten Fabriken und warmen Baͤdern. Livor⸗ no F. und gute Hſt. mit 40,000 E. Volterra, Sie⸗ na Uu. Monte Pulciano, wo vortrefflicher Wein waͤchſt. Im Stato deglt Preſidii liegen: Orhirallo 8. Hf. und Piombino am Meere. 9) SGeſchichte. Toskana, welches bey den Griechen Tytrhenten hieß, und in aͤltern Zeiten einen Theil von Etrurien ausmachte, wovon es jetzt wieder den Namen traͤgt, beſtand im 13ten bis 16ten Jahr⸗ hundert nach Chriſti Geburt aus mehrern Republiken, die ſich das Haus Medices nach und nach unterwarf⸗ welches erſt den herzoglichen, dann den großherzoglis chen Titel fuͤhrte, und im Jahr 1737 ausſtarb. Dar⸗ auf kam es an das lothringiſchsoͤſterreichiſche Haus, und im Jahr 1801 an einen Prinzen aus dem ſpaniſchen Hauſe, der unter dem Namen Ludewig I. durch Buonapartes Einfluß von den europaͤiſchen Maͤchten den koͤniglichen Titel erhielt, wogegen der ehemalige Großherzog in Deutſchland entſchaͤdigt werden ſollte. Der neue Koͤnig mußte an Frankreich den Theil der Inſel Elba, der ſonſt zu Toskana gehoͤrt hatte, abtret ten, wogegen er den von Neapel erberten Stato degle Preſidit erhielt. Die politiſche Lage des Staates iſt bis jetzt, ſowohl wegen der koͤrperlichen Umſtaͤnde des Regenten, als wegen ſeiner Verhaͤltniſſe gegen die fraͤn⸗ kiſche Republik noch ſehr ſchwankend. d) Der Kirchenſtaat. 1) Cage. Der Kirchenſtaat graͤnzt gegen Oſten an das adriatiſche, gegen Suͤden an das mittellaͤndiſche Meer, gegen Suͤdoſten an Neapel, und gegen Weſten 104 und Norden iſt er von Etrurien und der ttalieniſchen Republik umgeben. 5 2) Groͤße. Etwa noch 506 Quadratmeilen. 3) Gewaͤſſer. Der Hauptfluß iſt die Tiber, welche mehrere kleine aufnimmt, und ins tyrrheniſche Meer faͤllt. Es giebt verſchiedene Landſeen(Lago di Perugia) und große Suͤmpfe, worunter die pontini⸗ ſchen vorzuͤglich zu merken ſind. 4 Natuͤrliche Beſchaffenheit und Produkte. Die Luft iſt im Ganzen meiſtens rein, warm und tro⸗ cken, in den ſumpfigen Gegenden aber auch aͤußerſt ungeſund. Mitten durch das Land laufen die Apenni⸗ nen. Der Boden deſſelben iſt ſo ergiebig, daß es an allen Guͤtern der Natur den groͤßten Ueberfluß haben koͤnnte, wenn die Traͤgheit der Bewohner, und die elende Regierung es nicht hinderte. Doch waͤchſt Ge⸗ treide aller Art, jedoch nicht hinreichend; Huͤlſenfruͤch⸗ te, Obſt, Wein und Oel, hin und wieder anſehnliche Waldungen, Hornvieh, rohe Seide, Fiſche, Mar⸗ mor, Alaun und Steinkohlen und mineraliſche Waſſer ſind vorhanden, aber nur wenige Manufakturen und Fabriken. Auch der Handel iſt, der dazu vortheilhaf⸗ ten Lage des Staats ungeachtet, meiſtens geringe und paſſiv. 5) Einwohner. Ihre Zahl belaͤuft ſich auf et⸗ wa 1,300,000. Der große Haufe in der Hauptſtadt iſt ein ausgeartetes, feiges, muͤſſiges, geitziges und hungriges Geſchlecht, außerſt begierig auf Maskeraden, 105 Karneval u. dgl. In den Provinzen haßt und beneidet eine Stadt die andere, und der Zuſtand der Landleute iſt bedauernswerth. Wahre Gelehrte giebt es unter den jetzigen Roͤmern nicht viele, wenigſtens muͤſſen ſie ihre beſſern Einſichten geheim halten; aber fuͤr die ſchoͤ⸗ nen und bildenden Kuͤnſte wird mehr geſorgt,(wiewohl jetzt, da die Franken den groͤßten Theil der daſelbſt be⸗ findlich geweſenen Meiſterſtuͤcke des Alterthums mit ſi ch fortgefuͤhrt haben, auch der Eifer dazu Abnehrien koͤnnte.) 6) Religion. Keine andere als die roͤmiſchka⸗ tholiſche(und die damit unirte griechiſche) Kirche hat oͤffentliche Religionsuͤbung, aber dennoch duldet man uͤbrigens andere Glaubensgenoſſen ohne Schywierigkeit. 7) Landes⸗Regierung. Der Pabſt, das Ober⸗ haupt der katholiſchen Kirche(mit dem Titel: Ihre Heiligkeit—) beherrſcht dieſen Staat als weltlicher Fuͤrſt, unter gewiſſen Einſchraͤnkungen monarchiſch; ſou⸗ verain. Nach dem Tode des Pabſtes wird von unb aus dem Kardinalskollegium—(welches eigentlich aus 70 Mitgliedern beſtehen ſoll, wiewohl dieß Zahl ſelten voll iſt) ein neuer Pabſt gewaͤhlt. 8) Eintheilung. Gegenwaͤrtig nur noch in das eigentliche roͤmiſche Gebiet, das ſogenannte Patrimo⸗ nium Petri, die Herzogthuͤmer Caſtro, Spoleto und Urbino, die Landſchaften und Gebiete Sabina, Orvie⸗ to, Perugia, die Mark Ankona und einige kleinere Landſchaften. 106 9) Die vornehmſten Oerter. Rom an der Tiber, H. R. U. auf 12 Huͤgeln erbaut, mit 160,000 E. Viterbo, Civita Vechia(Tſchiwita wekja) F. Hf. Monte Fiaskone, wo guter Wein waͤchſt; Spoleto, Aſſiſio/ Orvieto, Perugia u. An⸗ kona Hf. F. ſtarke Hſt. Loretto, beruͤhmt wegen des heiligen Hauſes. Macerata U. Urbino, Si⸗ nigaglia F. Hf. Hſt. Peſaro. 10) Nebenlaͤnder. Wahrſcheinlich noch das Herzogthum Benevento im Umfange des Koͤnigreichs Neapel, mit der Stadt gleiches Namens. 11) Geſchichte. Der Kirchenſtaat begriff zuerſt nur das vorhin angefuͤhrte Patrimonium Petri, wel⸗ ches nach der Behauptung der roͤmiſchen Biſchoͤfe ihnen im Anfange des 4ten Jahrhunderts durch Konſtantin den Großen ſoll geſchenkt worden ſeyn. Der fraͤnkiſche Koͤnig Pipin und ſein Sohn, der Kaiſer Karl der Große vermehrten aus Dankbarkeit fuͤr die ihnen ge⸗ leiſtete Huͤlfe das Gebiet deſſelben mit anſehnlichen Stuͤcken des den griechiſchen Kaiſern und hernach den longobardiſchen Koͤnigen abgenommenen Exarchats. Auch in der Stadt Rom wußten ſich die Paͤbſte immer mehr Gewalt zu verſchaffen; und in dem Maaße, wie ſich ihre geiſtliche Herrſchaft weiter ausbreitete, erweis terte ſich auch ihre weltliche durch Hinzufuͤgung der be⸗ nachbarten Laͤnder. Selbſt in Frankreich beſaßen ſie bis zum Jahre 1790 den Staat von Avignon, und die Grafſchaft Venaiſſain; allein dieſen mußten ſie 84⁵ 5. 107 nebſt den Landſchaften Romagna, Bologna und dem Herzogthume Ferrara im Frieden zu Tolentino 1797 an Frankreich abtreten, worauf die drey letztern Pro⸗ vinzen mit der cisalpiniſchen(jetzt italieniſchen) Repu⸗ blik vereinigt wurden. Ja, dabey blieb es nicht; ſon⸗ dern im Jahr 1798 wurde der Pabſt von einem fraͤn⸗ kiſchen Heere aus Rom vertrieben, und der Kirchen⸗ ſtaat republikaniſirt; jedoch im folgenden Jahre wieder von den Franzoſen verlaſſen, und darauf nach dem in franzoͤſiſcher Gefangenſchaft erfolgten Tode Pius VI. ein neuer Pabſt, der jetzt regierende Pius VII. ge⸗ waͤhlt.— Er hat uͤbrigens als Oberhaupt der roͤmiſch⸗ katholiſchen Kirche gegenwaͤrtig nur noch geringen, und als weltlicher Fuͤrſt gar keinen Einfluß in Europens Staatsangelegenheiten. e) Das Herzogthum Parma und Piacenza. Es iſt vom Gebiete der franzoͤſiſchen, italieni⸗ ſchen und liguriſchen Republik umgeben; begreift etwa 93 Quadratmeilen, und 350,000 Menſchen, ſaͤmmt⸗ lich roͤmiſchkatholiſcher Religion, und iſt fruchtbar an Getreide, Oel, Baumfruͤchten, Seide, Rindvieh, Schaafen, Salz, Kupfer, Eiſen und Bergoͤl(aus den apenniniſchen Gebirgen).— Die vornehmſten Staͤdte ſind: Parma H. R. U. mit 40,000 E. und Pia⸗ cenza U. nicht weit vom Po. Guaſtalla.— Dies ſes Land machte zu verſchiedenen Zeiten einen Theil des Kirchenſtaats, dann einen eigenen Staat unter Regen⸗ 108 ten aus dem Hauſe Farneſe aus; nach deſſen Abſterben kam es an einen ſpaniſchen Prinzen, als dann an Oe⸗ ſterreich und ſeit 1748 wieder an einen Prinzen aus dem ſpaniſchen Hauſe, deſſen Sohn Ferdinand bis zum Jahr 1802 regierte.— Wahrſcheinlich ſaͤllt es nach ei⸗ nem vorhin getroffenen Vergleiche, jetzt an Frankreich, und es iſt noch ungewiß, ob es damit vereinigt, oder welches Schickſal ihm ſonſt zu Theil werden wird. (Nach einer Proklamation vom 23ſten Oktober 1802 iſt das Land mit der franzoͤſ ſchen Republik wirklich ver⸗ einigt) f) Die Inſel Malta. Sie liegt im mittellaͤndlſchen Meere zwiſchen Ita⸗ lien und Afrika, hat 15 Meilen im Umfange(8 Qua⸗ dratmeilen), und nebſt den benachbarten Inſeln Co⸗ mino und Goza eine Bevoͤlkerung von 150,000 Mann. Dieſe Inſeln ſind felſigt und haben Mangel an Getreide und Holz, hingegen Ueberfluß an Feigen, Pomeranzen, Baumfruͤchten, Honig, Baumwolle, Viehweiden, Fiſchen, Korallen und Meerſalz. Ihre Beſitzer ſind die geiſtlichen Johanniter⸗Ordens⸗Ritter; Edelleute, die zu einem beſtaͤndigen Kriege gegen die Tuͤrken und Seeraͤuber verbunden ſind, und deren Oberhaupt den Titel: Großmeiſter— fuͤhrt. Die Reſidenz deſſelben, und die Hauptſtadt der Inſel iſt Valetta oder Citta nuova F. Hf. ſonſt iſt znoch Citta vecchia oder Malta F. mitten auf der Inſel 99 zu merken.— Nachdem dieſe Inſel die Phoͤnicier, Karthager, Roͤmer, Gothen, Griechen, Araber, Nor⸗ maͤnner u. ſ. w. zu Bewohnern gehabt hatte; ſo kam ſie an Spanien, und Kaiſer Karl V. raͤumte ſie den durch die Tuͤrken von der Inſel Rhodus vertriebenen Rittern ein, welche ſie auch bis 1798, wo Buona⸗ parte dieſelbe mit Verraͤtherey einnahm, ruhig beſaßen. Im Jahr 1800 wurde ſie von den Englaͤndern wieder erobert, und im Frieden zu Amiens dem Orden zuruͤck⸗ gegeben(ſie iſt indeß bis jetzt[November 1802] von den Englaͤndern noch nicht geraͤumt). 110 “ 6 s c) Europens Republiken. XIV. Die franzoͤſiſche Republik. 1) Graͤnzen. Gegen Oſten die liguriſche, italleni⸗ ſche und helvetiſche Republik und Deutſchland, wovon ſie durch den Rhein getrennt wird; gegen Suͤden Spa⸗ nien und das mittellaͤndiſche Meer; gegen Weſten das atlantiſche Meer; gegen Norden die bataviſche Repu⸗ blik und der Kanal, welcher ſie in Nord⸗Weſten von England ſcheidet. 2) Groͤße. Vor der Revolution enthielt Frank⸗ reich mit Inbegriff von Korſika 10,200(nach andern nur 9,800); gegenwaͤrtig aber 12,500 Quadrat⸗ meilen. 3) Gewaͤſſer. Die vornehmſten Fluͤſſe ſind: 1) Die Seine, welche in den Kanal faͤllt, nachdem ſie die Vonne, Marne und andere kleinere Fluͤſſe aufgenommen hat. 2) Die Loire, welche durch Ka⸗ naͤle mit der Seine verbunden iſt, faͤllt in's atlantiſche Meer, worin ſich auch 3) die Gironde ergießt, die vor ihrer Vereinigung mit der Dordogne den Namen Garonne fuͤhrte. Durch den Kanal von Languedoc wird dieſer Fluß, und folglich das atlantiſche Meer mit dem mittellaͤndiſchen verbunden. 4) Die Rhone, 111 worin die Saone, Durance und Iſere fließen, faͤllt in's mittellaͤndiſche Meer. 5) Der Po, in dem ehemaligen Piemont, worin ſich die Seſia, Doria und der Tanaro ergießen. 6) In den Ahein faͤllt hier die Moſel. 7) Die Schelde, die in's deutſche Meer ſtroͤmt. Die groͤßten Seen ſind: der Annecy in dem Departement Montblanc(Savoyen); Grand⸗ lieu u. a. m. 4 1 4) Natuͤrliche Beſchaffenheit. Der Boden iſt im Ganzen genommen ergiebig(doch giebt es auch viele ſchlechte Gegenden), und der Ackerbau wird noch nicht ſo ſtark betrieben, wie er ſollte und koͤnnte. Manche Theile ſind mehr eben als gebirgigt, hingegen ſind wie⸗ der andere voll von Gebirgen. Die groͤßten derſelben ſind die Alpen, der Jura, welcher Helvetien von Frankreich ſcheidet, die Vogeſen, die Cevennen⸗ Pyrenaͤen, die auvergniſchen Gebirge; und die hoͤchſten Gipfel ſind der Montblanc, Cantal Mont⸗ terrible, und der Puy de Donne. Die Cote d'or iſt eine Reihe kleiner Berge. Die Luft und Witterung iſt ſehr gemaͤßigt, angenehm und geſund, vorzuͤglich in den mittlern Gegenden; auch die noͤrdlichen haben ge⸗ woͤhnlich einen gelinden Winter; die ſuͤdlichen dagegen ſind ziemlich heiß, und haben eine nicht ſo geſunde Luft. 3 5) Haupt⸗Produkte. Getreide giebts nicht uͤberall genug; dagegen Weine von verſchiedenen Sor⸗ ten im Ueberfluß(gegenwaͤrtig auch mehrere Arten von Rheinwein, Mosler und Bleichart); ferner in den 112 ſuͤdlichen Gegenden, Citronen, Pomeranzen, Feigen, Mandeln, Oliven, Kapern, Saffran; in den noͤrdlichen viele Aepfel, Birnen und Pflaumen. Einige Provin⸗ zen(z. B. Savoyen und die Laͤnder am Oberrheine) haben Ueberfluß an Bau⸗ und Brennholz, andere lei⸗ den Mangel daran.— Der Seiden⸗ Flachss und Hanf⸗ bau ſind anſehnlich; auch giebt es hin und wieder Ta⸗ bak⸗ und Faͤrbekraͤuter. Aus dem Thierreiche ſi ſind in den meiſten Provinzen Schaafe, aber nur mittelmaͤßig Rindvieh, Wildpret, auch zu wenig Pferde, dagegen an beiden Seekuͤſten Fiſche in Menge vorhanden. Aus dem Mineralreiche findet man hier Kupfer und Eiſen am meiſten, Zinn und Bley nicht haͤufig, Gold und Silber ſehr wenig.(Goldwaͤſchereien am Rheine und Silbergruben im Trieriſchen.) Marmor, Alabaſter, Salz, theils aus Quellen, theils und am meiſten aus Seewaſſer;; Baͤder und Geſundbrunnen giebt es in den meiſten Provinzen(Achen, Spa, Aix, Acqut u. ſ. w.). Fabriken und Manufakturen aller Art, welche im letz⸗ tern Kriege ſehr in Verfall gerathen waren, ſo wie der einheimiſche und auswaͤrtige Handel, wozu Frank⸗ reich eine vortreffliche Lage hat, fangen jetzt wieder an bluhend zu werden. 8) Pinwohner. Ihrer ſind gegenwaͤrtig uͤber 33 Millionen, worunter die eigentlichen Franzoſen ein uͤberaus lebhaftes, witziges, gelenkſames, aber auch ſinnliches, ruhmrediges, uͤbertrieben hoͤfliches, und zu andern Zeiten wieder zorniges und grauſames Volk ausmachen. Ihre(aus leicht zu entflammendem En⸗ — 113 thuſiasmus und Eitelkeit entſtehende) Tapferkeit haben ſie in dem letztern Kriege hinlaͤnglich bewaͤhrt. Man nimmt bey den meiſten mehr natuͤrliche Anlage zu Kuͤnſten und ſchoͤnen Wiſſenſchaften, als zum tiefſinni⸗ gen Studium hoͤherer Kenntniſſe wahr(wiewohl heuti⸗ ges Tages mehrere ihrer Gelehrten ſich in den mathe⸗ matiſchen und phyſikaliſchen Wiſſenſchaften als tieſe Forſcher und Erfinder neuer Syſteme gezeigt haben). Die gegenwaͤrtig zu franzoͤſiſchen Buͤrgern umgeſchaffe⸗ nen Savoyarden und Piemonteſer, ſtimmen in Abſicht ihres Nationalcharakters groͤßtentheils mit den Bewoh⸗ nern des ſuͤdlichen Frankreichs uͤberein, und die Be⸗ wohner der Rhein⸗ und Niederlande halten das Mittel zwiſchen Deutſchen und Franzoſen, ſind aber in den niedern Volksklaſſen aͤußerſt bigott. In der ganzen franzoͤſiſchen Republik giebt es zwar keinen eigentlichen Adel, jedoch ſcheint die von Buonaparte geſtiftete, ſo⸗ genannte Ehrenlegion wieder dahin zu fuͤhren.— Das Schul⸗ und Erziehungsweſen iſt noch immer ſehr in Verfall, weil die haͤufig genug vorhandenen Primair⸗ und Secundair⸗Schulen, Lycaͤen und Spectal⸗Schu⸗ len, beſonders die erſtern, bis jetzt weder zweckmaͤßige Einrichtungen, noch hinlaͤngliche Unterſtuͤtzung von Seiten der Re gierung haben. Fuͤr die Kultur der ſchoͤ⸗ nen und bildenden Kuͤnſte wird mehr geſorgt; und die (ehemals in Italien, nunmehr in Frankreich) vorhan⸗ denen Meiſterſtuͤcke des Alterthums belsdein das · Shn dium derſelten ungemein. 4 IrIn ge: 7 I14 ,5) Aeligion. Die Hauptreligion, welcher die meiſten Bewohner der Republik zugethan ſind, iſt die roͤmiſchkatholtſche unter 10 Erzbisthuͤmern und 50 Bis⸗ thuͤmern. Das mit dem Pabſte 1802 abgeſchloſſene Konkordat, beſtimmt und ſichert die Freyheiten und Ei⸗ genthuͤmlichkeiten der gallikaniſchen Kirche. Kloͤſter und Moͤnchsorden ſind im Staate(außer einigen ge⸗ meinnuͤtzigen Hoſpitien auf dem Bernhards⸗Berge) nicht mehr vorhanden. Auch die lutheriſchen und re⸗ formirten Kirchen haben voͤllige Religionsfreyheit, und mit den Katholiken gleiche Anſpruͤche auf alle buͤrgerli⸗ chen Rechte. In Abſicht des juͤdiſchen Gottesdienſtes ſcheint es bis jetzt noch eben ſo zu ſeyn. 8) Landes⸗Regierung. In der(nach der jetzi⸗ gen Lage der Dinge uneigentlich ſogenannten) franzöſi⸗ ſchen Republik, liegt die vollziehende Gewalt in den Haͤnden eines Oberconſuls, der zwey andere Conſulnn zu Rathgebern, und außerdem noch einen Staatsrath zur Seite hat. Die Conſuln behalten ihre Wuͤrde les benslang, und der Oberconſul kann ſeinen Nachfolger vom Senat noch waͤhrend ſeines Lebens ernennen laſ⸗ ſen; zwey vorgeſchlagene Subjekte kann der Senat ver⸗ werfen, den dritten muß er aber annehmen. Der Oberconſul hat die Macht, Geſetze vorzuſchlagen und bekannt zu machen, faſt alle Civil⸗ und Militair⸗Stel⸗ jen zu vergeben, die auswaͤrtigen Verhaͤltniſſe zu leis ten, Krieg anzufangen, Buͤndniſſe und Frieden zu ſchließen, u. ogl.— Die uͤbrigen Gewalten ſind: der Erhaltungsſenat von 100 Mitgliedern, das Tri⸗ 115 bunat von 100(kuͤnftig nur von 50) Gliedern, und der geſetzgebende Koͤrper von 300 Mitgliedern; wozu die Subjekte von den Diſtrikts⸗ und Departements/ Wahlkollegien dem Oberconſul vorgeſchlagen werden. Ueber die Juſtitz hat ein Großrichter die Oberaufſicht. 9) Eintheilung. Alle europaͤiſchen Laͤnder, die zur franzoͤſiſchen Republik gehoͤren(mit Inbegrlff von Piemont) werden in 107 Departements(deren jedes einen vom Oberconſul ernannten Praͤfekten zum Vorſte⸗ her hat) und dieſe wieder in Diſtrikte und Kantons eingetheilt. 10) Die vornehmſten Oerter. 1) In den Departements zwiſchen der Seine und Loire: Paris an der Seine H. Sitz der Regierungsgewalten, mit vielen Manufakturen, Fabriken, und 700,000 E. Verſailles, ſonſt die Reſidenz der Koͤnige von Fronk⸗ reich. St. Cloud, wo jetzt der Oberconſul reſidirt. Caen,.'Orient und Port⸗LCouis mit Hf. Nan⸗ tes an der Loire, Hſt. mit guten Fabriken, und Man. Cherbourg F. Hf. Rennes, St. Malo Hſt. Hf. Breſt Hſt. F. der beſte Hf. Angers, Tours,⸗ Blois, Chartres, Orleans an der Loire mit Fa⸗ briken und 40,000 E. Nevers. ²) In den Depar⸗ tements zwiſchen der Loire und Garonne: Bourges, Poitiers,(die im Revolutionskriege ſo beruͤhmt ge⸗ wordene Vendee) Angouleme, Limoges, Mou⸗ lins Clermont, Tours, Saintes, Rochelle Hſt. Hf. Rochefort Hf. Lion Hſt. an der Rhone, mit wichtigen Seidenfabriken. Nimes, Beaucaire H 2 116 an der Rhone, wo eine beruͤhmte Meſſe gehalten wird. Montpellier Hſt. 3) In den Departements zwi⸗ ſchen der Garonne und den Pyrenaͤen: Bourdeaup, am Ausfluſſe der Garonne ins Meer, wichtige Hſt. mit 84,000 E. Bajonne F. Pau, Toulouſe an der Garonne, Hſſt. mit Wollenmanufakturen. Marbonne, Perpignan F. 4) In den Departements zwiſchen der Rhone und den Alpen: Grenoble, Vienne, Valence, Avignon(ehemals paͤbſtlich), Aix Hſt. Marſeille Hſt. Hf. mit 88,000 Einw. Embrun, Briangon, Toulon F. Hf. am mitteellaͤndiſchen Meere. 5) In den Departements, welche die ehe⸗ deſſen ſardiniſche Laͤnder begreifen: Chambery und Annecy in Savoyen. Turin, vorhin die R. des Koͤnigs von Sardinien am Po, mit 78,000 Einw. Ivrea, Suſa, Aoſta, Vercelli, Coni F. Nizza F. Hf. Caſal, Acqui, Alleſſandria F. Tortona. 6) In den Departements zwiſchen dem Jura und der Cote d'or: Dijon, Chalons an der Saone. Beſan⸗ gon F. Genf, ehemalige Republik beym Ausfluſſe der Rhone in den Genferſee, Hſt. mit vielen Manufak⸗ turen. 7) In den Departements am Oberrhein und der Moſel(Elſaß und Lothringen): Strasburg F. Hſt. am Rhein, mit 44,000 E. Landau F. Col⸗ mar, Neu Breiſach und Huͤningen, beydes F. am Rein. Brundrut(ſonſt zum Bisthum Baſel gehoͤ⸗ rig). Naney, Luͤneville, Metz F. an der Mo⸗ ſel. Thionville F. Saarlibre F.(Saarlouis). Verdun F. Toul an der Moſel. 8) In den De⸗ . Ir partements nordwaͤrts der Seine: Troyes, RAheims, Chalons an der Marne. Rouen Hſt. Havre de Grace F. Hf. Soiſſons, Amiens mit guten Fa⸗ briken und 30,000 E. Abbeville, Calais F. Hf. am Kanal. Boulogne, Arras und St. Omer F. Cille oder Ryſſel wichtige Hſt. und F. mit 60,000 E. Valenciennes F. an der Schelde. Cambrai mit guten Manufakturen, an der Schelde. Duͤnkir⸗ chen Hſt. F. Hf. Douai F. 9) In den Departe⸗ ments, welche den ſonſt zu Deutſchland gehoͤrigen bur⸗ gundiſchen K Kreis, Luͤttich, und die von der bataviſchen Republik abgetretene Laͤnder begreifen: Bruͤſſel, wichtige Hſt. mit 50,000 E. Löoͤwen, Antwerpen an der Schelde, Hſt. mit 60,000 Einw. Mecheln, Doornik an der Schelde. Gent Hſt. an der Schelde. Bruͤgge mit vielen Fabriken. Oſtende Hſt. Hf. Ppern, Mons, Namur an der Maas. Lupem⸗ burg ſtarke F. Limburg, Eupen mit guten Tuch⸗ manuſakturen. Roermonde, Venlo F. Maſtricht F. an der Maas. Sluis F. Hf. Luͤttich F. Hſt. an der Maas. Spa mit einem beruͤhmten Geſund⸗ brunnen. Verviers mit guten Tuchmanufakturen. 10) In den ebenfalls ſonſt zu Deutſchland gehoͤrigen 4 Rhein⸗Departements: Zweybruͤcken, Worms⸗ Speier und Frankenthal am Rheine. Simmern, Kreuznach, Boblenz beym Einfluſſe der Moſel in den Rhein. Trier, Bonn und Koͤln Hſt. am Rhein. Juͤlich F. Aachen, Brefeld Hſt. Gel⸗ dern, Klevpe. 11) Auf der Inſel Corſika, welche in 118— 2 Departements vertheilt iſt, liegen:. Baſtia H. San Siorenzo Hf. an einem Meerbuſen. Corte, Ajazzo⸗ die ſchoͤnſte Stadt auft der Inſel, an einem Meerbuſen. Bonifacio F. Hf. Auf der Inſel Elba ſind: Porto Kerrajo/ ſtarke F. mit einem vortrefflichen Hf. Porto gongone F. 11) Auswaͤrtige Beſitzungen. a) In Aſien: auf der Kuͤſte Koromandel die Stadt Pondichery, nebſt einigen Faktoreyen auf der Kuͤſte Malabar. b) In Afrika einige Feſtungen auf der Kuͤſte von Guinea, am Cap Blanc, und am Fluſſe Senegal, nebſt den mas⸗ kareniſchen Inſeln bey Madagaskar. c) In Amerika: ein Stuͤck von Gulana, welches durch den Friedens⸗ ſchluß mit Portugall vergroͤßert iſt, nebſt der Inſel Cayenne; ferner die Inſeln St. Domingo, Martinis que, Guadeloupe, St. Lucie, Tabago und mehrere kleinere. 12) Geſchichte. Die Gallier oder Celten waren Frankreichs aͤlteſte Bewohner. Julius Caͤſar beſiegte ſie und machte dadurch Gallten zu einer Provinz des roͤmiſchen Reiches, welche es auch bis zum Verfalle des abendlaͤndiſchen Kaiſerthums blieb. Im 5ten Jahrs hundert nach Chriſti Geburt bemaͤchtigten ſich deut⸗ ſche, zwiſchen dem Rhein, Mayn und der Weſer woh⸗ nende Voͤlker eines Theils von Gallien, und richteten darin nachher das fraͤnkiſche Reich auf; einen andern Theil riſſen die Burgunder und Weſtgothen an ſich. Der erſte Stamm der fraͤnkiſchen Koͤnige war der me⸗ rovingiſche; worunter Chlodwig ſich im Jahre 495 ſich der Traͤgheit und uͤberließen ihren vornehmſten Mini⸗ ſtern(Majordomen) die Regierung des Staates, deren ſich endlich einer derſelben, Pipin der Kleine, im Jahr 750 voͤllig bemaͤchtigte. Sein Sohn und Nachfolger, Carl der Große, welcher dem karolingiſchen Koͤ⸗ nigsſtamme den Namen gab, vereinigte noch viele Laͤn⸗ 119 zum Chriſtenthume bekannte. Seine Nachfolger ergaben der mit dem fraͤnkiſchen Reiche, die aber in der Folge zeit wleder davon getrennet wurden. Nach den karo⸗ lingiſchen Koͤnigen herrſchten die kapetingiſchen, und hierauf die valeſiſchen bis 1589, wo Heinrich IV. Koͤnig von Navarra, der erſte des bourbonniſchen Hauſes, nach vielen Kriegen den Thron beſtieg. Sein Enkel, Ludewig XIV. regierte lange Zeit, und legte durch ſeine oͤftern und blutigen Eroberungskriege den Grund zu dem nachherigen Ungluͤck Frankreichs. Er verfolgte die Proteſtanten, und zwang ihrer viele Tau⸗ ſende in fremde Laͤnder zu ſluͤchten; indeß war ſeine Negierung das goldene Zeitalter der franzoͤſiſchen ſchoͤ⸗ nen Literatur. Unter ſeinen beiden Nachfolgern er⸗ reichte das waderben des Staates den hoͤchſten Gipfel⸗ und im Jahre 1789 begann endlich mit der Zerſtoͤrung der Baſtille die ſo folgenreiche franzoͤſiſche Revolution. Ihre Hauptereigniſſe bis jetzt waren: im Jahre 1789 die Umwandlung der vom Koͤnige berufenen Notablen in eine National⸗Verſammlung, welche ſofort die Ge⸗ walt des Koͤnigs ſehr beſchraͤnkte, das Feudalſyſtem und den Adel aufhob u. ſ. w.— 1791 die verſuchte Flucht und Wiedereinholung des Koͤnigs, und ſeine 120 Annahme der Konſtitution.— Anfang des Einfluſſes der Jakobiner.— 17902. Krieg der Oeſterreicher und Preußen gegen die Franken, anfangs mit gutem, bald nachher mit ſchlechterem Erfolge. Zuſammentritt des mehrentheils aus Jakobinern beſtehenden National⸗ Konvents.— Abſchaffung der koͤniglichen Wuͤrde und Gefangennehmung des Königs.— 1793. Hinrich⸗ tung des Koͤniges.— Krieg mit England, Holland und Spanien.— Schreckens⸗Syſtem.— 1794. Pichegruͤ dringt in Holland ein, und Jourdan ver⸗ treibt die Alltirten uͤber den Rhein.— Robespierres Ende.— 1795. Hollands Buͤndniß mit Frankreich. Friede mit Preußen und Spanien. Uebergang der Franzoſen uͤber den Rhein.— 1796. Bonaparte's erſte Siege in Italien. Friede mit Sardinten. Moreau's ruͤhmnlicher Ruͤckzug aus Schwaben. Stiftung neuer Revubitken in Italten.— 1797. Mantua wird ero⸗ bert. Friede mit dem Pabſte. Umſturz der Republik Venedig. Friede zu Campo Formio mit dem Kaiſer. Direktorial⸗Regierung in Frankreich.— 1798. Er⸗ richtung der roͤmiſchen Republik. Revolution in der Schweitz. Bonaparte's Zug nach Aegypten. Schlacht bey Abukir. Vertreibung des Koͤnigs von Sardinien aus Piemont. Krieg mit Neapel.— 1799. Umfor⸗ mung des Koͤnigreichs Neapel in eine Republik. An⸗ marſch der Ruſſen. Siege der Ruſſen und Oeſterrei⸗ cher in Italien und der Franken in der Schweitz.— Mißlungene Unternehmung der Englaͤnder auf Hol⸗ land. Zuruͤckkunft Bonaparte's aus Aegypten. Fall 121 des Direktorlums und neue Konſtitution.— 1800. Hauptſchlacht bey Marengo. Abermalige Verdraͤngung der Oeſterreicher aus Itallen.— Moreau's Siege in Schwaben und Bayern, und Eindringen in Oeſter⸗ reich.— 1801. Friede zu Luͤneville mit dem Kaiſer. Eroberung Aegyptens durch die Englaͤnder.— 1802. Friede mit den Britten zu Amiens. Bonaparte wird Praͤſident der italieniſchen Republik, und erhaͤlt das erſte Konſulat in Frankreich mit noch ausgedehnterer Gewalt lebenslaͤnglich.— Frankreich gehoͤrt gegen: waͤrtig zu den herrſchenden, furchtbarſten Landmaͤchten in Europa, und hat insbeſondere auf die bataviſche und helvetiſche Republik und faſt alle italieniſche Staaten den uͤberwiegendſten Einfluß. Seine Seemacht dage⸗ gen iſt bis jetzt noch unbedeutend gegen die brittiſche, weil ſie waͤhrend des Revolutionskrieges ganz in Ver⸗ fall gerathen war; indeß ſucht man ſie jetzt immer mehr zu verſtaͤrken. 122 XV. Die bataviſche Republif. 1) Graͤnzen. Gegen Norden und Weſten die Nord⸗ nebſt der Süderſee, auf den uͤbrigen Seiten iſt ſie von der franzoͤſiſchen Republik und von Deutſchlands weſts phaͤliſchem Kreiſe umgeben. 2) Groͤße. Etwa 600 Quadratmeilen. 3) Gewäſſer. 1) Der Rhein, theilt ſich gleich nach ſeinem Eintritte in die Republik in 2 Arme; der ſuͤdliche wird die Waal, und nach ſeiner Vereinigung mit der Maas die Merve genannt; der noͤrdliche bils det wieder 2 Arme, wovon der eine nach ſeinem 65 ſammenfluß mit der alten und neuen ſſel zuletzt mit dieſer in die Suͤderſee faͤllt; der andere laͤuft un: ter dem Namen Rhein bey der Stadt Wyk te Duͤur: ſtede vorbey, und thellt ſich gleichfalls in 2 Arme, von denen der groͤßere der Lek heißt, und ſich in die Mer⸗ ve ergleßt; der kleinere, ſehr waſſerarme, verliert ſich in den Sandhuͤgeln bey Kakwyk.— 2) Die Maas, welche bey Briel in's Meer faͤllt.— 3) Die Schel⸗ de, von der ein Arm(der Hont) Seeland von Flan⸗ dern ſcheidet.— Die groͤßten Seen ſind: die Suͤ⸗ derſee, eigentlich ein Meerbuſen der Nordſee; het N (Et) eine Fortſetzung, oder Buſen der Suͤderſee; das ſogenannte Haarlemer Meer. der Meerbuſen Dol⸗ lart u. a. m. 4) Matuͤrliche Beſchaffenheit. Die Luft iſt hier gemaͤßigt, aber gemeiniglich feucht und ſehr unbe⸗ ſtaͤndig; der Boden eben, ſandig, hin und wieder mo⸗ raſtig und mit vielen Graͤben und Kanaͤlen durchſchnits ten, wodurch das Land zwar zum Ackerbau groͤßten⸗ theils untuͤchtig, aber zu fetten Wieſen deſto geſchickter gemacht wird; wiewohl man auch den Ackerbau, un⸗ geachtet der unbequemen Lage des Bodens, keinesweges vernachlaͤſſigt, ſondern ihn vielmehr mit muſterhaftem Fleiße treibt. Ueberall iſt es gegen die lleberſchwem⸗ mungen des Meeres, welches theils hoͤher als das Land ſteht, von der Natur durch Duͤnen, und von der Kunſt durch Daͤmme und Teiche verwahrt, fuͤr deren Unter⸗ haltung aber der Staat jaͤhrlich ſehr viel aufwenden muß. 8 5) Produkte. Der vorzuͤglichſte Reichthum des Landes beſteht in der Viehzucht, und zwar beſonders in der Rindvieh⸗ und Schaafzucht. Hollaͤndiſche But⸗ ter und Kaͤſe(edammer, leidener und teſſeler) ſind all⸗ bekannte und beliebte Produkte. Doch findet man hier auch ſehr gute Wolle, feinen Flachs, Seeſalz, Fiſche, Färberroͤthe oder Krapp, Baumfruͤchte, etwas Tabak u. ſ. w. Dagegen iſt Mangel an Wein und Holz, weswegen alles Bauholz aus andern Laͤndern geholet werden muß; und zu Brenn⸗Materialien dienen Torf und Steinkohlen. Es ſind gute Papier; Porcellain⸗ und Tabakspfeiffen⸗Fabriken, Wollen⸗ Tuch⸗ und Sei⸗ 124 den Manufakturen, und feine Leinewebereyen vorhan⸗ den. Auch der Handel ſaͤngt jetzt wieder an, ſich von von neuem zu beleben, da er ehemals im hoͤchſten Grade ausgebreitet und wichtig war. 6) Einwohner. Ihre Zahl belaͤuft ſich üͤber 2 Millionen. Die Bataver(gemeiniglich Hollaͤnder ge⸗ nannt) ſind bedaͤchtlich und ernſthaft; ungemein thaͤtig und betriebſam, dabey aber etwas gewinnſuͤchtig. Der gemeine Mann iſt unbaͤndig, grob und geneigt, ſeine (gegenwaͤrtig ſowohl wie ſonſt) ſchimaͤriſche Freyheit zu mißbrauchen. Die Reinlichkeit liebt man hier aufs hoͤchſte, und ein Nationat⸗Vergnuͤgen iſt die Blumen⸗ Liebhaberey. Seit der im fraͤnkiſchen Kriege vorgegan⸗ genen Staatsveraͤnderung, giebt es hier, wie in Frank⸗ reich, keinen eigentlichen Adel mehr. Die Wiſſenſchaf⸗ ten bluͤhen zwar nicht ſo ſehr wie ehedem; aber dennoch haben ſie noch immer Verehrer und Anhaͤnger genug (beſonders die alte Literatur, Mathematik und Natur⸗ kunde). In der Mahlerey und andern ſchoͤnen Kuͤnſten zeichnen ſich die Hollaͤnder nicht mehr ſo vortheilhaft aus, wie ſie in einer gewiſſen Periode der aͤltern Zeit gethan haben. Ueberhaupt legt man ſich mit dem groͤß⸗ ten Fleiße auf diejenigen Kenntniſſe, die auf den Han⸗ del, dieſe Hauptnahrungsquelle des Staats, Bezug haben. 1. 7) Religion. Die meiſten Bataver bekennen ſich zur reformirten Kirche, und zwar nach dem ſtren⸗ gern Lehrbegriffe dieſer Religionsparthey. Jedoch ge⸗ nießen auch die im Lande vorhandenen Lutheraner, Ka⸗ 125 t tholiken, Arminianer, oder Remonſtranten, Menno⸗ niten oder Wiedertaͤufer, Herrnhuter und Juden mit jenen gleiche buͤrgerliche Rechte. 8) Landes⸗Regierung. Vor dem Jahre 1795 war das Land eine aus 7 vereinigten Provinzen zuſam⸗ mengeſetzte Republik, bey welcher ein Erbſtatthalter an der Spitze der geſetzansuͤbenden Gewalt ſtand. Nach mannichfaltigen Veraͤnderungen kam im Jahr 1801 die neueſte Konſtitution zu Stande, wornach die Voll⸗ ziehungsgewalt einem Staatsrathe(Staatsbewind) von 12 Perſonen uͤbertragen, und der geſetzgebende Koͤrper auf 35 Perſonen beſtimmt wurde. Jedes der 8 Departementer beſorgt indeß ſeine innern Angelegen⸗ heiten fuͤr ſich ſelbſt, alle zuſammen aber ſtehen unter der gemeinſchaftlichen Regierung. 8) Eintheilung. Die bataviſche Republik wird in 8 Departementer eingetheilt(wovon 7 jetzt wieder den Namen und Umfang der ehemals vereinigten 7 Provinzen haben). Sie heißen: 1) Holland. 2) See⸗ land. 3) Friesland. 4) Groͤningen. 5) Ober⸗Yſſel. 6) Geldern. 7) Uetrecht und 8) Brabant. 10) Die vornehmſten Oerter. In 1) Am⸗ ſterdam, am Y, da wo die Amſel ſich darin ergießt, H. Hſt. mit 250,000 E. Rotterdam an der Merve, wichtige Hſt. mit 48,000 E. Haag, Sitz der Regie⸗ rung mit 40,000 E. Dortrecht an der Merve, Hf. Hſt. HGaarlem, Delft, Leiden U. die groͤßte Stadt in Holland naͤchſt Amſterdam mit 40,000 Einw. Gouda oder Ter Gouw mit wichtigen Tabakspfeif⸗ 126 fenfabriken. Briel F. an der Muͤndung der Maas. Heusden F. Helvoetfluis Hf. Dieſe liegen in Suͤd Holland. In Nord Holland ſind zu merken: Alkmaar Hſt. Hoorn Hf. an der Suͤderſee. Enk⸗ huizen Hf. Edam Hf. Zaardam, ſchoͤner Flecken mit Schiffswerften. Die Inſel Texel.— In 2) lie⸗ gen: middelburg H. F. Hf. Hſt. und Vlieſſi ingen F. beyde auf der Inſel Walcheren. Zirikſee Hſt.— In 3) Leuwarden H. Sraneker U. Harlingen Hf.— In 4) Groͤningen H. u. Delfzyl F. an der Muͤndung der Ems.— In 5) Deventer F. Hſt. an der Yſſel. Kampen, 3woll.— In 6) Mim⸗ wegen F. an der Waal. 3uͤtphen an der Vſſel. Doesburg(Duͤsburg). Arnheim H. F. am Rhein. Harderwyk an der Suͤderſee, U.— In 7) Ut⸗ recht H. U. am alten Rhein. Amersfoort.— In 8) Herzogenbuſch 8. ſo wie auch Breda und Ber⸗ gen op Zoom. 1 11) Auswaͤrtige Beſitzungen. a) In Aſien die Kuͤſte der Inſel Java, nebſt der Stadt Batavia⸗ und die Oberherrſchaft uͤber den groͤßten Theil dieſer Inſel; Niederlaſſungen auf den Inſeln Celebes, Bors neo, Sumatra und Timor; die moluckiſchen und Ge⸗ wuͤrz⸗Inſeln, und verſchiedene Plaͤtze auf der Halbin⸗ ſel Malacca, den Kuͤſten Koromandel, Malabar und Bengalen. b) In Afrika, 13 Faktoreyen auf der Kuͤſte von Guinea, und das Vorgebirge der guten Hofnung mit einem anſehnlichen Landſtriche daſelbſt. e) In Amerika, ein Stuͤck von Guiana, die In⸗ 127 ſel Curaſſao und St. Euſtach, nebſt mehrern klei⸗ nern.. 3 12) Geſchichte. Die bataviſche Republik machte ehedem einen Theil der ſogenannten Niederlande aus, welche in den fruͤhern Zeiten theils zu Deutſchland, theils zu Gallien gehoͤrten, und Belgien genannt wur⸗ den; zuerſt eroberten die Roͤmer, dann die Franken dieſe Laͤnder, darauf kamen ſie an das lothringiſche Reich, und endlich an das Haus Burgund. Eine Prinzeſſin, die einzige Erbin deſſelben, heyrathete den Erzherzog Maximilian von Oeſterreich, und da deſſen Enkel, Kaiſer Karl V. die ſpaniſche Krone erhtelt, wur⸗ den die ſaͤmmtlichen, aus 17 Provinzen beſtehenden Niederlande ein Theil der ſpaniſchen Monarchie, und waren dem Koͤnige Philipp II. unterworfen. Dieſer ſtrebte darnach, ſie ihrer vornehmſten Rechte zu be⸗ rauben, und beſonders die proteſtantiſche Religion, welche ſich vorzuͤglich in den 7 noͤrdlichen Provinzen ſehr verbreitet hatte, zu unterdruͤcken. Ueber dieſes Verfahren, und die Grauſamkeiten des ſpaniſchen Ge: nerals, Herzogs von Alba, aufgebracht, warfen jene 7 Provinzen das druͤckende Joch ab, verbanden ſich unter dem Namen der vereinigten Niederlande und waͤhlten den Prinzen Wilhelm von Oranien zu ihrein Anfuͤhrer. Nach einem langen und blutigen Kriege mußten ſie in dem 1648 geſchloſſenen Frleden von Spa⸗ nien fuͤr unabhaͤngig erklaͤrt werden. In der Folge fuͤhrten ſie haͤufige Kriege theils wider England, groͤß⸗ tentheils aber mit dieſem verbunden wider Frankreich, 128 weſches auch(nach vorhergegangenen und duich Preuſ⸗ ſens thaͤtige Vermittelung fuͤr eine kurze Zeit beygeleg⸗ ten Streitigkeiten mit dem Erbſtatthalter) anfangs im franzoͤſiſchen Revolutionskriege der Fall war. Da aber der fraͤnkiſche General Pichegruͤ in dem Winterfeldzuge von 1794 auf 1795, beguͤnſtigt von vielen mit der Re⸗ gierung mißvergnuͤgten Batavern, in Holland eindrang, wurde die Erbſtatthalterwuͤrde, der Adel und die ganze Staatsverfaſſung abgeſchafft, und nach dem Muſter der fraͤnkiſchen eine neue Konſtitution eingefuͤhrt, die aber mehrere Abaͤnderungen erlitt, und im Jahre 1801 die oben beſchriebene Form erhielt. Durch den kurz nach der Staatsveraͤnderung geſchloſſenen Friedens⸗ und Buͤndniß⸗Traktat mit Frankreich, wodurch die Repu⸗ blik verſchiedene Laͤnder an der Maas und Schelde verlor, gerieth ſie in einen ungluͤcklichen Krieg mit den Britten, worin faſt der ganze Handel, und die Flotte des Landes zu Grunde gerichtet wurde(wiewohl eine von den Englaͤndern gewagte Landung in Holland fruchtlos abltef). Im Frieden zu Amiens 1802 traten die Bataver ihre vorherige wichtige Beſitzungen auf der aſiatiſchen Inſel Ceylon an die Britten ab.— Das ſonſt betraͤchtliche politiſche Gewicht dieſes Staats iſt uͤberhaupt ſehr geſunken, und ſogar ſeine Selbſtſtaͤn⸗ digkeit, wegen des ſichtbar uͤberwiegenden Einfluſſes der fraͤnkiſchen Regierung, bis jetzt zweiſehalt und bes loränee 129 XVI. Die helvetiſche und valeſi ſche Reoublitan 1 a) Die helvetiſche Republt. 1) Graͤnzen. Gegen Norden und Oſten Deutſch⸗ land, gegen Suͤden die italieniſche Republik und Pie⸗ mont, und gegen Weſten Frankreich. 2) Groͤße. In dem jetzigen Umfange nur nach 840(ehemals 958) Quadratmeilen. 3) Gewaͤſſer. Die betraͤchtlichſten Fluͤſſe ſinde der Rhein, welcher in Graubuͤndten auf dem Gott⸗ hardsberge eniſteht, und die Aar, dieſe aber die Reuß oder Ruͤß aufnimmt; ferner der Teſſin. Faſt alle dieſe Fluͤſſe haben kleine und große Waſſerfaͤlle. Die groͤßten Landſeen ſind: der Genfers⸗ Neuenbur⸗ ger und Bodenſee an den Graͤnzen, der Zuͤricher⸗ Vier Waldſtaͤdter Thuner⸗ und Brienzer⸗See im Innern. Baͤder und Geſundbrunnen ſind in großer Menge vorhanden; z. B. das bey Baden, das Pfef⸗ fersbad, das zu Schinznach u. ſ. w. 4) Matuͤrliche Beſchaffenheit. Helvetien iſt aͤberhaupt das hoͤchſte Land in Europa. In den mei⸗ ſten noͤrdlichen Theilen iſt der Boden gut zu bearbeit ten; die mittaͤgigen ſind voll von Gebirgen, die man J 130 7 uͤberhaupt Alpen nennt(obgleich dieſe Benennung eis gentlich nur die mittlern Gegenden dieſer Berge bedeu⸗ tet, die im Sommer von Hirten und ihrem Vieh be⸗ 3 wohnt werden; da hingegen die obern aus ſpitzigen, faſt unerſteiglichen Feiſen beſtehen, welche entweder ganz kahl ohne Erde und Gras, oder ſtets mit Schnee und Eis bedeckt ſind). Gletſcher oder Firnen ſind ganze Berge von lauter reinem Eiſe, deren es hier auch giebt. Die groͤßten Berge ſind: der St. Gott⸗ hard(deſſen hoͤchſte Spitze 8587 Pariſer Fuß hat), der Toͤdiberg, die rhaͤtiſchen Alpen, das Gebirge Jura, welches die Schweitz von Frankreich trennet u. a. m. Die Luft in den gebirgigten Gegenden iſt rand, neblicht und ſtuͤrmiſch, in den Thaͤlern aber die Hitze im Som⸗ mer oft unerträgtic. 5) produtte. Nicht genug Getreide; dagegen zahlreiche und vortreffliche Heerden von Hornvieh, da⸗ her Milch, Butter und Kaͤſe im Ueberfluß und von vorzuͤglicher Guͤte. Ferner etwas Wein, Baumfruͤch⸗ te, wilde Thiere(vorzuͤglich Gemſen) und Gefluͤgel, Fiſche; einige Metalle, Marmor, Alabaſter, Schie⸗ fer, Gyps, Thon, Steinkohlen, Schwefel, aber wes nig Salz. Gute Metallabriken und verſchiedene Ar⸗ ten von Manufakturen ſind auch, und zwar meiſtens in den proteſtantiſchen Gegenden vorhanden. Der Han⸗ del wird durch die vielen ſchiffbaren Seen und Fluͤſſe befoͤrdert, und war wenigſtens vor der letztern Staats. veraͤnderung ſehr lebhaft. 3 2— 131 6) Einwohner. Die Bevoͤlkerung der einzel⸗ nen Kantone iſt verhaͤltnißmaͤßig verſchieden, und be⸗ laͤuft ſich wahrſcheinlich auf 1, 800, 000. Die Schwei⸗ zer ſind ein maͤßiges, redliches, freyheits⸗ und vater⸗ 3 landsliebendes, tapfres Volk, wiewohl man bey ihnen auch vielen Starrſinn, und in den Berglaͤndern Traͤg⸗ heit, Rachſucht und Anlage zur Schwermuth findet. Durch die naͤhere Gemeinſchaft mit den Franzoſen ars ten indeß ihre graden und natuͤrlichen Sitten immer mehr aus. Der Adel war nie zahlreich, und jetzt iſt gar keiner mehr vorhanden. In Wiſſenſchaften und Kuͤnſten haben ſich die Helvetier jederzeit ausgezeichnet jedoch wurden die Katholiken darin von den Reforme ten weit uͤbertroffen. 7) Religion. Unter dem Scußs des Staakes ſteht die Religions⸗Uebung des roͤmiſchkatholiſchen und evangeliſch⸗reformirten Glaubensbekenntniſſes, zu wel⸗ chen beiden ſich die meiſten Schweitzer bekennen; allen uͤbrigen Religionspartheyen wird aber auch freyer Got⸗ tesdienſt erlaubt, wiewohl von ihnen nur wenige vor⸗ handen ſind. 8) Verfaſſung. Nach der neneſten Konſtitution vom Jahr 1802 beſteht die Regierung aus einer Tage ſatzung(die uͤber Geſetze und Vorſchlaͤge entſcheidet), einem Senate(der die Geſetze vorſchlaͤgt), und einem Vollziehungsrathe. Der Senat beſteht aus einem Land⸗ ammann mit zween Statthaltern und 24 Senatoren. Der Vollzlehungsrath beſteht aus dem Landammann und ſeinen zween Statthaltern. Er hat 5 Staatsſe⸗ J 2 13² ſekretaire unter ſich. Die Mitglieder deſſelben werden alle 9 Jahre ernannt, und wechſeln jaͤhrlich im Amte untereinander ab. Die Tagſatzung beſteht aus den Deputirten des Cantons, deren jeder ſeine beſondere Verwaltung und Rechtspflege hat. 9) Eintheilung. Die helvetiſche Republik wur⸗ de ehemals in 13, und wird gegenwaͤrtig in 18 Can⸗ tons eingetheilt; nehmlich: 1) Bern; 2) Zuͤrich; 3) Lucern; 4) Uri; 5) Schwyz; 6) Unterwalden; 7) Zug; 8) Glarus; 9) Appenzell; 10) Solothurn; 11) Freyburg; 12) Baſel; 13) Schafhauſen; 14) Thur⸗ gau; 15) Aargau; 16) Waat; 17) Graubuͤnden; 18) Teſſin. Hiezu kommt noch das preußiſche ſouveraine Fuͤrſtenthum Neufchatel und Vallengin, welches mit der helvetiſchen Republik im Bunde ſtehetrt. 10) Die vornehmſten Oerter. Bern, mit 13,000 E. H. an der Aar, Sitz der helvetiſchen Re⸗ gierung. Zuͤrich F. Hſt. an einem Ausfluſſe des Zuͤrt⸗ cher Sees, die Limmat genannt, mit 12,000 E. Win⸗ terthur, Lucern, Altorf, Schwyz, Sarnen, Stanz Fl. Zug, am See gleiches Namens. Glas rus und Appenzell Fl. Solothurn F. an der Aar, Freyburg, Baſel U. Hſt. am Rhein mit 15,000 E. Schafhauſen am Rhein. St. Gallen, Baden an der Limmat. Frauenfeld, Aarau an der Aar. Bapperſchweil am Zuͤrcherſee. Lauſanne im Waat⸗ Lande, nicht weit vom Genferſee, mit einer beruͤhmten Akademie. Chur H. in Graubuͤnden. Bellenz oder Bellinzona. Tiran Fl. an der Adda. Worms oder 133 Bornio, und Claͤwen oder Chiavenna(Kiawenna) Fl.— In dem preußiſchen Fuͤrſtenthume Neufchatel von 15 Quadratmeilen und 40,000 aͤußerſt betriebſa⸗ men Einwohnern, iſt die H. Neufchatel am See glei⸗ ches Namens. 11) Geſchichte. Die Halbettere ſtammen wahr⸗ ſcheinlich von den Galliern ab, die Julius Caͤſar un⸗ terjochte, nachdem ſie den Roͤmern viel zu ſchaffen ges macht hatten. Zu den Zeiten der Geburt Chriſti war Helvetien alſo eine roͤmiſche Provinz, welche beym Un⸗ tergange des roͤmiſch⸗ abendlaͤndiſchen Reiches im 5ten Jahrhundert zum Theil ſchon in die Gewalt der Deut⸗ ſchen kam. Kaiſer Konrad II. vereinigte im I1ten Jahrhundert ſchon die Schweitz mit Deutſchland, und ließ ſie, ſo wie ſeine Nachfolger, durch Landvoͤgte re⸗ gieren. Albert I. ſuchte die Freyheit der Helvetier zu ſehr einzuſchraͤnken, und insbeſondere zeichnete ſich ei⸗ ner ſeiner Landvoͤgte, Gesler, durch Tyranney und Haͤrte aus. Dieß, und die uͤble Behandlung eines braven Landmanns, Wllhelm Tell, veranlaßte die 3 Kantone, Schwyz, Uri und Unterwalden, einen Bund zur Beſchuͤtzung des Landes, und Vertheidig ung der Freyheit zu ſchließen, und darauf die Landvoͤgte zu vertreiben. An dieſen Bund ſchloſſen ſich in der Folge noch 10 andere Landſchaften oder Kantone, nebſt den (vor der Revolntion) ſogenannten zugewandten Orten oder Bundesgenoſſen, das Graubuͤndner⸗ Walliſere Land, und andere Staͤdte und Gebiete. In allen fol⸗ genden Kriegen mit Oeſterreich, Burgund und Frank⸗ 134 reich vertheidigten die Helvetier ihre Freyheit mit dem tapferſten Muthe und ausgezeichnetem Gluͤcke; und end⸗ lich wurde der Staat im weſtphaͤliſchen Frieden 1648 fuͤr unabhaͤng gig erklaͤrt. Nach dieſem Zeitraume lebten ſie(verſchiedene innere Streitigkeiten, die jedoch bald beygelegt wurden, abgerechnet) in beſtaͤndigem Frieden und glucklicher Ruhe, bis im Jahr 1798 das damalige franzoͤſiſche Direktorium(durch gewiſſe treuloſe und ei⸗ gennuͤtzige Menſchen aufgefordert) einige im Waatlande entſtandene Unruhen zum Vorwande nahm, eine Armee in die Schweitz eindringen zu laſſen; welche, wegen der unter den Schweitzern ſelbſt eingeriſſenen Unetinig⸗ keit nur in den kleinen Kantonen Widerſtand fand. Helvetlen bekam hierauf eine der ſranzoͤſiſchen aͤhnliche (oft wieder abgeaͤnderte) Verfaſſung; eine neue Ein⸗ theilung; mußte mit Frankreich in ein enges Buͤndniß treten, und verlor mehrere Theile ſeines Gebiets, von denen einige ſchon ſeit 1793 mit Frankreich vereinigt worden waren. Ueber kein Land in Europa brachte die, zwar allenthalben verheerende, Revolution ſo viel Elend und Verderben, als uͤber die Schweitz; welche ſonſt der Sitz des Friedens und der ſtillen Natur war. Noch jetzt 1802 dauern ihre ſchrecklichen Wirkungen fort; indem der groͤßere Theil des Volks die letzte(oben angegebene) und ihnen von Bonaparte aufgedrungene Konſtitution nicht annehmen wollte, und erſt durch neues Einruͤcken franzoͤſiſcher Truppen zum Nachgeben gezwungen werden mußte. Ob man bey dieſen Umſtaͤn⸗ den den helvetiſchen Staat frey und unabhaͤngig nen⸗ 135 nen koͤnne? dieſe Frage laͤßt ſich leicht beantworten, aber nicht ſo leicht die, wie lange das unſelige Verhaͤlt⸗ niß der tapfern Schweitzer gegen Frankreich dauern werde? 7 b) Die valeſiſche Republik.. Dieſe neueſte der europaͤiſchen Republiken machte bis zum Jahre 1802 unter dem Namen des Wallis⸗ ſer⸗Landes einen Theil der Schweitz aus, wurde aber durch Bonaparte's Veranſtaltung in jenem Jahre da⸗ von getrennt, und zu einem etgenen Staate unter fran⸗ zoͤtſchem und helvetiſchem Schutze erhoben. Sie iſt von der franzoͤſiſchen, italieniſchen, helvetiſchen Re⸗ publik und dem Genferſee umgeben, enthaͤlt 80 bis 90 Quadratmeilen, uͤber 100,000 Einwohner, und begreift ein großes fruchtbares Thal zwiſchen hohen Schees und Eisgebirgen, unter denen der Montblanc (gemeſſene Hoͤhe 14,676 pariſer Fuß), der große St. Bernhardsberg, der Gemmi, die Furke die vornehmſten ſind. Auf dem letztern entſpringt die Rhone, und fließt von da in den Genferſee. Die katholiſche Religion iſt im ganzen Lande die einzig herrſchende, und es wird von einer General⸗ Tag⸗ ſatzung(dem Geſetzgebungs⸗Koͤrper) und einem Staatsrathe regiert, welcher letztere aus einem Grand⸗Bailli(Groß⸗ Landvogt) und zween Staats⸗ 136 8 raͤthen beſteht, und die vollziehende Gewalt ausuͤbt. Die Haupt⸗ und einzige Stadt iſt Sitten, unweit der Rhone, Sitz eines Biſchofs, ferner iſt zu mer⸗ ken der Flecken Leuk mit warmen Baͤdern, und an⸗ dere mehrr. XVII. Republiken in und bey Italien. a) Die italieniſche Republik. 1) Graͤnzen. Gegen Oſten das adriatiſche Meer, und das oͤſterreichiſche Herzogthum Venedig, wovon es durch die Etſch getrennt wird; gegen Norden Tyrol⸗ die helvetiſche und valeſiſche Republik; gegen Weſten die franzoͤſiſche Republik, und gegen Suͤden das Her⸗ zogthum Parma, und zum Theil die liguriſche Repu⸗ blik, nebſt dem mittellaͤndiſchen Meere. ) Groͤße. Sie betraͤgt nach wahrſcheinlichen Berechnungen an 1000 Quadratmeilen. 3) Gewaͤſſer. Hauptfluͤſſe ſind: 1) der Po, welcher in den Alpen entſpringt, und ſich aus 7 Muͤn⸗ dungen in's adriatiſche Meer ergießt; 2) die Etſch. welche aus Tyrol kommt, und ebenfalls in's adriatiſche Meer faͤllt; 3) der Teſſin, der in Helvetien ent⸗ ſpringt, durch den Lago maggiore fließt, und nachher in den Po faͤllt; 4) die Adda, der Oglio, Pana⸗ ro, und mehrere kleinere.— Die groͤßten Seen ſind: der Lago maggiore, Lago di Lugano, Lago di Como, Lago di Garda(uͤber Meilen lang) u. a. m. 138 4) Matuͤrliche Beſchaffenheit. Die italieni⸗ ſche Republik begreift uͤberhaupt den ſchoͤnſten und fruchtbarſten Theil des ohnehin ſo paradteſiſchen Ita⸗ liens. Ber Boden iſt außer den noͤr ediichen und einis gen im apenniniſchen Gebirge liegenden füdlichen Stri⸗ chen, eben, nur hin und wteder ſumpfig, und in ho⸗ hem Grade fruchtbar, ohnerachtet verſchiedene Gegen⸗ den noch beſſer bebaut werden koͤnnten. Die Witte⸗ rung iſt im Ganzen warm, die Luft milde, rein und geſund, nur in den noͤrdlichſten Laͤndern etwas rauh. 2 Hauptprodukte. In den melſten Gegen⸗ den iſt Ueberfluß an Getreide, Reis, Baumoͤt, Wein, edlen Erd⸗ und Baumfruͤchten, Seide, Salz, Mar⸗ . mor, verſchiedenen andern Mineralien und Merallen. Es giebt vortreffliche Weiden und Viehzucht, wohl⸗ ſchmeckende Kaͤſe(Stranchino und Parmeſan⸗Kaͤſe im Matlaͤndiſchen) u. ſ. f. Man findet auch bedeutende Fabriken und Manufakturen, vorzuͤglich in Seide; und der mit dieſen und andern Produkten getriedene Handel iſt aͤußerſt lebhaft und wichtig. 8 6) Einwohner. Ihre Zahl belaͤuft ſich uͤber 3 800,000. Von dem allgemeinen Charakter derſelben laͤßt ſich noch nichts Beſtimmtes ſagen, da der Staat aus ſo vielen verſchledenartigen Laͤndern und Voͤlker⸗ ſchaften zuſammengeſetzt iſt, die ehemals ein zum Theil entgegengeſetztes Intereſſe hatten. Indeſſen ruͤhmt man an ihnen, wie an den uͤbrigen Italienern, Maͤßig⸗ keit im Eſſen und Trinken, natuͤrlichen Witz und — 139 Scharfſinn, Anlage zur Muſik und andern ſchoͤnen Kuͤnſten, tadelt aber ihre Hitze, Rachgierde, Spiel⸗ ſucht und uͤbertriebenen Hang nach Vergnuͤgungen. In der ganzen Republik iſt, ſo wie in den vorigen, kein eigentlicher Adel mehr vorhanden, und die Gelehrſam⸗ kelt wird beſonders durch das zur Vervollkommnung der Kuͤnſte und Wiſſenſchaften errichtete Narionalinſtitnt immer weiter ausgebreitet. 7) Religion. Die Staatsreligion 6 die ro miſchkatholiſche, indeß genießt jeder Einwohner freye Privatausuͤbung ſeiner Religion, wiewohl die Zahl der Nichtkatholiken geringe iſt. 8) Verfaſſung. Nach der im Jahre 1802 zu Lyon angenommenen Konſtitution, iſt die Vollziehungs⸗ gewalt in den Haͤnden eines Praͤſidenten(gegenwaͤrtig Bonaparte), der durch einen von ihm zu ernennenden Vize⸗Praͤſidenten in ſeiner Abweſenheit repraͤſentirt wird, und eine Staats⸗Konſulta, Miniſter und Ge⸗ ſetzgebungs⸗Rath zur Seite hat. Der geſetzgebende Koͤrper beſteht aus 75 Mitgliedern, wovon alle 2 Jahre ein Drittel austritt, welches aus und von den dreyen Wahlcollegien ergaͤnzt wird. Der Praͤſident bleibt 10 Jahre im Amte, kann aber von neuem gewaͤhlt werden. 9) Eintheilung. Das Gebiet der Republik wird gegenwaͤrtig in 12 Departementer, und dieſe wies der in Diſtrikte und Kommuͤnen eingetheilt. 10) Vornehmſte Oerter. Mailand H. Sitz der Regierung, Hſt. mit wichtigen Fabriken, und 140 6. 1 120,000 E. Pavia am Teſſino, u. Lodi an der Adda, wo ſchmackhafter Kaͤſe bereitet wird. Como am See gleiches Namens. Novara, Cremona nicht weit vom Po. Mantua, wichtige F. in einem See. Peſchiera am Garda⸗See, und Legnago an der Etſch, beyde F. Breſcia und Bergamo, beyde mit 30,000 Einw. Rovigo, Ferrara am Po, mit 30,000 E. Bologna, wichtige Hſt. mit anſehnli⸗ chen Fabriken, U. hat an 80,000 E. Ravenna, eine ehemals beruͤhmte, jetzt aber ſehr verfallene Stadt, unweit des adriatiſchen Meeres. Faenza, wovon das unaͤchte Porcellan Fajence den Namen hat. Imola, Aimini, Modena, eine ſehr ſchoͤne Stadt mit 15,000 E. Reggio F. Mirandola, Maſſa, nicht weit vom mittellaͤndiſchen Meere. Carrara, wo vors trefflicher weißer Marmor gebrochen wird. 11) Geſchichte. Vor dem Jahre 1796 gehoͤr⸗ ten die Laͤnder, welche jetzt die italieniſche Republik aus⸗ machen, itheils zu der 1797 zertruͤmmerten Republik Venedig, theils zur oͤſterreichiſchen Lombardey, zum Kirchenſtaate, zum Herzogthum Modena u. ſ. w. An⸗ 4 faͤnglich ſollten aus dieſen Provinzen mehrere Republi⸗ ken gebildet werden, allein nachher wurden ſie unter dem Namen der cisalpiniſchen vereinigt, und im Frie⸗ den zu Campo Formio erkannte der Kaiſer Cisalpinien zum erſtenmale voͤllig als einen Freyſtaat an. Bey dem. wieder erneuerten Kriege aber eroberten die vereinigten Oeſterreicher und Ruſſen in kurzer Zeit den ganzen 8 141 Staat wieder, bis ſein Schoͤpfer, der indeß aus Egyp⸗ ten zuruͤckgekehrte, und zum erſten Konſul Frankreichs gewordene, Bonaparte, durch die Schlacht bey Ma⸗ rengo Italiens Schickſal entſchied, und den unterge⸗ gangenen Freyſtaat von neuem gruͤndete, welcher auch im Luͤneviller Frieden nochmals beſtaͤtigt wurde, und bey der vorhin erwaͤhnten, zu Lion geſchehenen Ein⸗ richtung ſeiner neueſten Konſtitution den bedeutenden Namen der italieniſchen Republik erhielt.— Es ver⸗ ſteht ſich von ſelbſt, daß dieſer zweymal von Bona⸗ parte geſtiftete Staat, auch ganz von thm und ſeiner Willkuͤhr abhaͤngt, und daß bis jetzt außer dem Na⸗ men hier in der That von keiner Sel ftgandſgkalr die Rede ſeyn kann. b) Die liguriſche Republik. 1) Cage. Die liguriſche Republik liegt in el⸗ nem halben Cirkel am mittellaͤndiſchen Meere. Auf der Landſeite wird ſie von den jetzt zur franzoͤſt ſchen Re⸗ publik gehoͤrigen, ehemals ſardiniſchen Staaten, dem Herzogthum Parma, und einigen kleinen Theilen der italieniſchen Republik und Etruriens umſchloſſen. 2) Gröͤße. Mit den ſeit der Revolution hinzu⸗ gekommenen Diſtritten⸗ betraͤgt ſ ſie etwa 120 2 AAndrate meilen. 3) Gewaͤſſer. Flaͤſſe von anm Baſanug 142 keit ſind nicht vorhanden, wohl aber verſchiedene Meer⸗ buſen, z. B. der von Spezza.. 4 NMatuͤrliche Beſchaffenheit. Der Boden iſt mehrentheils bergigt, felſicht und duͤrre, wird aber vortrefflich angebaut. Das groͤßte Gebitge iſt die Bocchetta. 5) Produkte. Sie hat Mangel an Getreide, dagegen ſchoͤne Gartengewaͤchſe, Wein, das beſte euro⸗ paͤiſche Baumoͤl, Oöbſt, Citronen, Pomeranzen, Salz, Seide, Marmor, Schiefer. Treffliche Manufaktu⸗ ren in ſeidenen 3 Zeugen, Scharlach, Sammet, Spitzen u. ſ. w. ſind auch vorhanden, und der Handel iſt an⸗ ſehnlich, obſchon nicht mehr ſo ſehr, wie in aͤltern Zeiten. ſtarke Volksmenge belaͤuft ſich uͤber eine halbe Million. Die Bewohner Liguriens zeichnen ſich an der einen Seite durch Muth, und einen hohen Grad von Thaͤ⸗ tigkeit und Arbeitſamkeit aus; ſie ſind hoͤflich, ſcharf: ſinnig und unermuͤdet; auf der andern Seite aber reißt eine zu große Reitzbarkeit ſie oft zu heftigen Leldenſchaf⸗ ten hin; ihr Geiſt iſt unruhig, fuͤr jeden Eindruck em⸗ pfäͤnglich, und daher auch zur Unbeſtaͤndigkeit geneigt. 7) Religion. Staatsreligion, und allgemein herrſchend iſt die roͤmiſchkatholiſche. 8) Verfaſſung. Am Ruder des Staats ſteht ein Senat von 30 Gliedern, der die Geſetze vorſchlaͤgt, und in 5 Claſſen getheilt iſt, wovon die öte die eigent⸗ 6) Einwohner. Die nach Verhaͤltniß der Grͤße. 143 liche Vollztehungsmacht begreift. Dieſe beſteht aus 9 Mitgliedern, an deren Spitz ein alle 6 Jahre neu zu erwaͤhlender Doge iſt. Der Senat ſelbſt wechſelt alle 2 Jahre um ein Drittheil, und wird von und aus den Wahlcollegien wieder ergaͤnzt. 9) Eintheilung. Das Gebiet der Repubit iſt in 6 Diſtrikte, und dieſe wieder in Cantons abgetheilt. Jeder Diſtrikt hat eine Art von Sratthalter unter dem Namen Proveditore. 710) Vornehmſten Oerter. a) Im oͤſtlichen Theile: Genua H. Sitz der Regierung, Hſt. mit großen Fabriken, Hf. F. an einem Berge am Meere mit 80,000 E. Spezza am Meerbuſen gleiches Na⸗ mens. Sarzana F.— b) Im weſtlichen Theile: Savona Hf. Novi, Sinale F. Hf. Oneglia F. ehemals ſardiniſch. San Remo Hf. wo das beſte Baumoͤl waͤchſt. Vintimiglia. 4 11) Geſchichte. Das Gebiet dieſes gayſtaats machte in alten Zeiten nur einen Theil von Ligurien aus, welches während der beyden erſten puniſchen Kriege unter die Bothmaͤßigkeit Roms; nachher in der Voͤlkerwanderung des Mittelalters unter die Herrſchaft der Oſtgothen, dann der Longobarden⸗ und endlich der deutſchen Kaiſer kam. Dieſen ſuchten ſich die Genueſer allmaͤhlich zu entziehen, und es gelang ihnen nicht nur dieß, ſondern ſie erhoben ſich zugleich zu einem hohen Grade von Groͤße, zu ausgebreitetem Handel und Reichthum. Innere Zertuͤttungen und auswaͤrtige 144 Kriege, beſonders mit der jetzt vernichteten Republik Venedig, hemmten indeß ihren Wachsthum ſo ſehr, daß ſie abwechſelnd unter die Gewalt der matlaͤndiſchen Fuͤrſten, und der Franzoſen kam, bis einer ihrer Mit⸗ buͤrger, der heldenmuͤthige Andreas Doria, die letz⸗ tern vertrieb, und 1528 eine ariſtokratiſch⸗ republikant⸗ ſche Regierungsform gruͤndete, die ſich unter mannich⸗ faltigen Stuͤrmen bis zum Jahr 1797 erhielt, wo die alles verwandeluden Franzoſen auch hier die bisherige Verfaſſung abſchafften, und eine neue, nach dem Mu⸗ ſter der damals in Frankreich vorhandenen, anordne⸗ ten. Verſchiedene ehemalige Reichslehen und kleine Theile der ſardiniſchen Staaten erweiterten hierauf das Gebiet der Republik, und im Jahr 1802 erhielt ſie ihre jetzige Reglerungsform.(Bis zum Jahre 1768 waren die Genueſer im Beſitze der Inſel Corſika, in dieſem Jahre aber traten ſie wegen der vieljaͤhri⸗ gen Empoͤrung eines großen Theils der Einwohner, [welche ſich unter andern den aus der Grafſchaft Mark gebuͤrtigen Theodor, Baron von Neuhof, zum Koͤnige gewaͤhlt hatten] dieſelbe an Frankreich ab.) In Abſicht der Abhaͤngigkeit von Frankreich ſteht es hier eben ſo, wie in den vorhin beſchriebenen Republiken. c) Die Republik Lukka. Dieſer kleine, im Jahr 1370 geſtiftete Freyſtaat von 18 Quadratmeilen, und 120,000 E. liegt am mit⸗ ff — 145 tellaͤndiſchen Meere, und wird von der Landſeite von Etrurien, und den Laͤndern der talteniſchen Republik umgeben. Sein Geblet iſt ungemein fruchtbar an Wein und Oel, weniger an Getretde; und die aͤußerſt betriebſamen Bewohner deſſelben, legen ſich am ſtaͤrk⸗ ſten auf Seiden⸗Manufakturen und Handlung. Ehe⸗ mals war die Regierungsform ariſtokratiſch; jetzt fäͤllt der Adel weg, und alle obrigkeitliche Perſonen werden aus und von den Reichern gewaͤhlt. Nach der neueſten Konſtitution vom Jahre 1802, die viele Aehnlichkeit mit der alten hat, fuͤhrt ein ſogenannter aus den 12 Anziani(Aelteſten) gewaͤhlter Gonfaloniere, 2 Monate die Regierung; auch iſt eine Signoria oder Collegium von 300 Buͤrgern vorhanden, die alle 3 Jahre zum Drittheil erneuert werden, und endlich ein Adminiſtra⸗ tions⸗„Rath, der aus Aelteſten und Magiſtratsperſonen beſteht. Im ganzen Staate herrſcht die roͤmiſchkatho⸗ liſche Religion, und die Haupt- und einzige Stadt, heißt Lukka F. Hſt. d) Die Republik St. Marino. zuf einem hohen und hoͤckerichten Berge im Kir⸗ chenſtaate zwiſchen den Landſchaften Romagna und Ur⸗ bino, an deſſen Seiten ſehr guter Wein waͤchſt, liegt die kleine Stadt St. Marino von 6— 7000 Men⸗ ſchen. Dieſer Berg, nebſt einigen nahe gelegenen Huͤ⸗ geln an dem Fuße deſſelben macht den ganzen Umfang K 146 des Gebieis der kleinen Republik St. Marino aus⸗ welche allein waͤhrend der letztern Kriege ungeſtoͤrt, und ihrer alten Verfaſſung treu geblieben iſt. Ihre Bewoh⸗ ner ſind roͤmiſchkatholiſch, zeichnen ſich durch ein ſanf⸗ tes ruhiges Betragen aus; und 2 Capitani, die halb⸗ jaͤhrig veraͤndert werden, ſind die Haͤupter des Raths oder Ausſchuſſes der Buͤtgerſchaft von 40 Perſonen. 2) Die Neuubdt Raguſa⸗ Sie liegt in Dalmatien am adriatiſchen Meere, ſteht unter dem Schutze des deutſchen und tuͤrkiſchen Kaiſers, des Koͤnigs von Neapel, und anderer Staa: ten, begreift etwa 24 Quadratmeilen mit 60,000 E. ſlavoniſchen Urſprungs, die ſich mit Manufakturen und der Handlung beſchaͤftigen, und ſich faſt insgeſammt zur roͤmiſchkatholiſchen Religionsuͤbung bekennen; wiewohl auch Arminianer und Muhammedaner vorhanden ſind. Die Regierungsgewalt iſt in den Haͤnden des Adels, aus welchem alle Monate ein neues Oberhaupt unter dem Namen Rektor erwaͤhlt wird. Die Hauptſtadt des Freyſtaats iſt Raguſa, Erzb. Hf. Hſt.; ſonſt ſind noch zu merken: Stagno F. Hf. auf der Halb⸗Inſel Sabionocello, und die Inſel Milet. f) Die Republik Poglieza. Dieſer kleine Freyſtaat in Dalmatien, von 18 Quas⸗ dratmeilen und 15 bis 20,000 E. ſteht gegenwaͤrtig un⸗ . 147 ter dem Schutze des deutſchen Kaiſers. Das Ober⸗ haupt deſſelben fuͤhrt den Titel Großgraf, und wird alle Jahre erwaͤhlt. Der merkwuͤrdigſte Ort iſt das Dorf Pirun Dubrava. 8) Die Republik der 7 vereinigten Inſeln, oder die joniſche Republik. Die Inſeln, woraus dieſer im Jahr 1800 errich⸗ tete Freyſtaat beſteht, gehoͤrten ehedem der Republik Venedig. Nach der Aufloͤſung derſelben kamen ſie uns ter die Gewalt der Franzoſen, dieſen wurden ſie aber von den Ruſſen und Tuͤrken bald wieder entriſſen; un⸗ ter deren Schutz der Staat gegenwaͤrtig ſteht, und jaͤhrs lich dafuͤr an die letztern 75,000 Ptaſter bezahlt. Die meiſten dieſer Inſeln liegen im mittellaͤndiſchen Meere, nur eine(Cerigo) im aͤgeiſchen. Sie enthalten zuſam⸗ men(einige kleine Gebiete auf dem feſten Lande von dem Gnne gehoͤren, mitgerechnet) uͤber 60 Quadrat⸗ meilen, und an 190,000 E. bringen treffliche Roſinen, eine Menge Citronen, Pomeranzen, Feigen, und gute Weine hervor, und ihre Einwohner ſind groͤßtentheils der griechiſchen, auch hin und wieder der roͤmiſchkatho⸗ liſchen Religion zugethan. Die Regierungsform iſt Ariſtokratie mit Demokratie vermiſcht. Die vornehmſte und volkreichſte Inſel heißt: 1) Borfu, mit der H. K 2 148— gleiches Namens, die teveſtig iſt, und einen guten Hafen hat. Die uͤbrigen heißen: 2) Pachſu und An⸗ tipachſu, zwey kleine Inſelchen. 3) Santa Mau⸗ ra, mit der Stadt gleiches Namens. 4) Theaki, ehemals Ithaka, das alte Koͤnigreich des Ulyſſes. 5) Cefalonia, mit der Stadt gleiches Namens. 6) Zante, ebenfalls. 7) Cerigo, ehemals Cythera, bes ruͤhmt im Alterthum wegen des Tempels, und der Ver⸗ ehrung der Venus, auch wegen ihrer Natur⸗Schoͤnhei⸗ ten, wovon aber jetzt nur noch wenig Anzeigen vorhan den ſind. Außerdem gehoͤren noch hieher die unbetraͤcht⸗ lichen ſtrophadiſchen Inſeln(der Wohnſitz der Har⸗ pyen in der Mythologie), und in den vorhin erwaͤhn⸗ ten Strichen auf dem feſten Lande, einem Theile des alten Koͤnigreichs Epirus, liegen die Staͤdte Larta, Hf. Hſt. Butrinto Hf., und einige andere. 149 XVIII. Aſien. 1) Lage und Graͤnzen. Aſten liegt von Abend ge⸗ gen Morgen zwiſchen dem 45 und 2050 der Laͤnge, von Suͤden gegen Norden aber erſtreckt es ſich vom Ae⸗ quator bis zum 760 noͤrdlicher Breite. Es graͤnzt ge⸗ gen Norden an das noͤrdliche Eismeer, gegen Oſten an das oͤſtliche Weltmeer(welches hier inſonderheit das anadyrſche, japoniſche und ſineſiſche Meer genannt wird) und an Nordamerika, wovon es durch eine Meer⸗ enge(Cook's Meerenge) getrennt wird; gegen Suͤden an das ſuͤdliche oder indiſche Weltmeer, insbeſondere das arabiſche Meer, und die Meerbuſen Bengalen und Siam, und gegen Weſten an den arabiſchen Meerbu⸗ ſen, die Landenge von Sues, wodurch es mit Afrika zuſammenhaͤngt, das mittellaͤndiſche und ſchwarze Mir⸗ und an das europaͤiſche Rußland. 2) Groͤße. Die groͤßte Ausdehnung des feſten Landes von Aſien betraͤgt von Weſten gegen Oſten an 1300, von Suͤden gegen Norden beynahe eben ſo viel deutſche Meilen, und ſein Klöcheninhalt uͤber 700,000 Quadratmeilen. 3) Gewaͤſſer. Die vornehmſten Meere und Meerbuſen ſind: 1) das arabiſche Meer(auch das perſiſche und indiſche genannt) mit dem arabiſchen 150 Meerbuſen, ober dem ſogenannten rothen Meere, der Straße Babelmandal, und dem perſiſchen Meerbu⸗ ſen; 2) der bengaliſche Meerbuſen; 3) die Meerbu⸗ ſen von Siam, Tunkin, von Malacca und Son⸗ da. Dieſe alle ſind Theile des uͤdlichen oder indiſchen Weltmeers. Mit dem oͤſtlichen Ocean verbinden ſi ch die Meere von Anadir, Kamtſchatka, Ochotzk oder Amur, das japaniſche und ſineſiſche Meer, nebſt dem Meerbuſen von Korea. Das noͤrdliche Eis⸗ meer bilder die Meerbuſen von Oby, Jeniſey u. a. m. Aſtens groͤßte Landſeen ſind: 1) das kaspiſche Meer(140 Metlen lang und 24 breit) zwiſchen Per⸗ ſien und Aſtrachan; 2) der See Aral in der ſogenann⸗ ten Tatarey; 3) der Baikal, Altin, nebſt verſchie⸗ denen andern in Sibtrien; 4) der Tongting, nebſt mehrern in Sina; 5) das Meer von Tiberias, oder der See Geneſareth, und das todte Salzmeer in der aſtatiſchen Tuͤrkey. Von Aſſiens groͤßten Fluͤſſen er⸗ gießen ſich ¹) in's kaspiſche Meer: die Wolga und der Ural(ehemals Jaik). 2) In den perſiſchen Meer⸗ buſen: der Euphrat, welicher vorher den Tiger auf nimmt. 3) In oen bengaliſchen Meerbuſen der Gan⸗ ges, und in den indtſchen der Indus oder Sind. 4) Ins ſineſiſche Meer: der Jan tſe kian und Hoangho. 5) Ins amurſche Meer: der Amur, und ins anadyrs ſche der Anadyr. 6) Ins nordliche Eismeer die Le⸗ na Jeniſey and der Ob, welcher letztere vorher den Irtyſch aufnimmt. 150 4) Natuͤrliche Beſchaffenheit. Man kann Aſien in Abſicht des Klima in drey Theile, nehmlich den noͤrdlichen, mittlern und ſuͤdlichen eintheilen. Der noͤrdliche oder obere Theil iſt aͤußerſt kalt, und faſt ganz unfruchtbar an Erdgewaͤchſen; dagegen aber reich an großen Waldungen, Mineralien und Pelzwerk. Er wird wenig angebaut, und ſeine Bewohner naͤhren ſich faſt nur von der Jagd, Fiſcherey, und dem Bergbaue. Der mittlere Theil hat zwar hin und wieder große Sandwuͤſten, iſt aber doch zum Theil fruchtbar, gut angebaut, und ziemlich bewohnt. Die in dieſem Stri⸗ che liegenden weiten Ebenen des Landes Tibet ſind wahrſcheinlich die erhabenſten Gegenden von Aſien, wo⸗ von ſich 2 Hauptgebirge gegen Norden, 3 gegen Oſten, eben ſo viel gegen Suͤden, und eins gegen Weſten er⸗ ſtreckt. Dieſes letztere breitet ſich noch nach verſchiede: nen Richtungen in mehrere Zweige aus. Die Urali⸗ ſchen Gebirge kommen von Europa, verbinden ſich mit dem Berge Imaus, und von da mit den Altai⸗ ſchen Bergen. Dieſe verbreiten ſich unter dem Na⸗ men Sayansky bis zum See Baikal. Oeſtlich vom ſchwarzen Meere erhebt ſich der Kaukaſus, der ſich an den Taurus anſchließt. Der fruchtbarſte und be⸗ völkertſte Theil Aſiens iſt der untere oder ſuͤdliche, ob er gleich auch lange nicht gut genug angebaut iſt. Er hat eine heiße, und an den Kuͤſten feuchte Luft, und der toͤdtliche Wind Samum wehet hier. 4 152 5) Hauptprodukte. Aſien hat nicht nur alles, was ſeine Einwohner zur Erhaltung des Lebens beduͤrfen, ſondern auch viele andere Guͤter und Produkte, die in al⸗ len Gegenden der Welt geſchaͤtzt, von den Europaͤern haͤu⸗ fig gekauft, und zu Gegenſtänden des Handels gemacht werden. Vorzuͤglich reich iſt Suͤdaſten an Specereyen und Gewuͤrzen, Balſam, Weihrauch, Myrrhen u. ſ. f. Der Oelbaum, Kaffeebaum, Maulbeerbaum und Ge⸗ wuͤrznelkenbaum, der Zimmt⸗ Muskatennuß⸗ und Kam: pherbaum, das Zuckerrohr, der Thee⸗ Pfeffer⸗ und Baumwollenſtrauch, die Indigo Pflanze, die Wein⸗ rebe, die Piſang⸗Datteln, Orangen und Granaten⸗ bäͤume, Betel und Areka, die Ananas, Limonen und Melonen ſind hier einheimiſch, und wachſen unter freyem Himmel. In den Waͤldern ſindet man Cedern, 4 Cypreſſen. Ebenholz, Tik, Sandelholz, Bambusrohr u. ſ. w. Die Kokospalme, Reis, Mais und die Jamm⸗Wurzeln geben den Einwohnern uͤberfluͤſſige Nahrung. In Siberien und der Tatarey waͤchſt die Rhabarbarwurzel, und in China der Wachs⸗ Firniß⸗ und Unſchlitt⸗Baum, nebſt der Chinawurzel haͤufig. Auch im Thierreich beſitzt Aſten große Vorzuͤge. Der Elephant und das Kameel werden zu Laſtthieren ge⸗ zaͤhmt. Ochſen, Pferde und Schaafe ſind von vor⸗ trefflicher Art. Die Kaͤmelziege liefert das ſogenannte Kameelgarn, und die Zobel, Vielfraße, Hermeline und Fuͤchſe in den noͤrdlichen Laͤndern das koſtbarſte Pelzwerk. Zu Aſt ens ſeltenen Thieren gehoͤrt das Nas⸗ 153 horn, die Gazelle, das Biſamthier, die Zibetkatze, faſt alle Arten von Affen, der Tiger, Tſchakal, die Rieſen⸗ und Klapperſchlange, Skorpionen und andere Thiere. Von Gefluͤgel giebt es hier Papageyen, Paradiesvoͤ⸗ gel, Ortolanen, Goldfaſanen, und eine Art Schwal⸗ ben, deren Neſter man ißt. Das Meer liefert Per⸗ len, und in den Fluͤſſen halten ſich hin und wieder Krokodille auf. Aus dem Mineralreiche iſt vorhanden: Gold, Silber, etwas Eiſen, Kupfer(in Sina von Natur weißes Kupfer), Zinn, die beſten Diaman⸗ ten, Schwefel, Ambra u. dgl. In verſchiedenen aſias tiſchen Laͤndern, der aſtatiſchen Tuͤrkey, vorzuͤglich in Oſtindien, Perſien, Sina und Japan ſind Seiden⸗ und Baumwollen,Manufakturen, auch Kupfer⸗ und Stahl⸗Fabriken von ſehr kuͤnſtlicher Arbeit zum Theil in Menge vorhanden; ferner bereitet man treffliches Porcellan, Tuſche, lackirte und Toͤpfer⸗Arbeiten, Ta⸗ peten, Papter von Seide, Baumwolle oder Bam⸗ bus, Chagrin(eine Art von Leder) u. w. Mit dieſen Fabriken, und den vorhin genannten Produk⸗ ten treiben die Bewohner der aſiatiſchen Tuͤrkey, die Araber, und einige tatariſche Voͤlkerſchaften, betraͤchts lichen Landhandel, durch eine Art von Reiſegeſellſchaf⸗ ten, Karawanen(oder Kiervanen) genannt. Der oſt⸗ indiſche Handel iſt fuͤr die Europaͤer aͤußerſt wichtig⸗ und gegenwaͤrtig groͤßtentheils in den Haͤnden der Britten. Doch haben auch die Bataver, Franzoſen, Daͤnen, Spanier und Portugieſen Antheil daran. 154 Die Sineſer und Japaner legen ſich ebenfalls ſehr ſtark auf die Handlung, welche ſie theils unter ſich und mit andern aſiatiſchen Voͤlkern, meiſt aber mit den Europaͤern, jedoch, ſo wie alle Aſtaten, ohne eis gene Schiffarth von Betraͤchtlichkeit treiben. Die Europaͤer bringen folglich ihre Waaren, z. B. wol⸗ lene Tuͤcher, Schießgewehr, Uhren, Brillen, Fern⸗ glaͤſer u. dgl. zu den Sineſern u. ſ. w. und fuͤhren die dortigen aus. Es ſollen jaͤhrlich gegen 17 Mil⸗ lionen Pfund Thee aus Sina nach Europa gebracht werden. 6) Einwohner. Die Bevoͤlkerung Aſiens laͤßt ſich nicht mit Gewißheit, ja nicht einmal mit Wahr⸗ ſcheinlichkeit beſtimmen. Einige Geographen nehmen nur 300, andere 500 Millionen Einwohner an. (Nach Staunton, einem der neueſten engliſchen Rei⸗ ſebeſchreiber ſoll das ſineſiſche Reich allein 312,500 Quadratmeilen und 333 Millionen Menſchen haben, welches aber uͤbertrieben ſcheint.) Darunter giebt es, nach der Lage und dem Klima der Laͤnder ganz ſchwarze, ſchwaͤrzliche, gelbliche und weiße. Man kann ſie uͤberhaupt in 3 Claſſen, nehmlich in die Ackerbautreibenden, Hirtenvoͤlker und Wilden einthei⸗ len. Zur erſten Klaſſe gehoͤren: die Tuͤrken, Tatarn, Araber, Perſer, Indier, Malayer, Sineſer und Ja⸗ paner. Zur andern: die Kalmucken, Mongolen und Tunguſen. Zur dritten: das kleine ſchmutzige Volk der Samojeden, oben im aſiatiſchen und europaͤiſchen 8 155 Rußland u. ſ. w. Ehedem waren auch die Juden ein herrſchendes Volk in Aſien, nun aber ſind ſie be⸗ kanntlich uͤber den ganzen Erdboden zerſtreut. In dem jetzigen, durch mannichfaltige aus der Geſchichte zu erſehende Veranlaſſungen gebildeten Charakter der Aſiaten, ſind zwey Neigungen hervorſtechend: die zur Pracht, und der Hang zu einer uneingeſchraͤnkten Herrſchaft, oder der Despotism der Großen, ver⸗ bunden mit einer im hoͤchſten Grade ſklaviſchen Un⸗ terwuͤrfigkeit der Unterthanen.— Unter allen aſias tiſchen Nationen zeichnen ſich die Sineſer durch meh⸗ rere Kenntniſſe, Geſchicklichkeit und fruͤhe Bekannt⸗ ſchaft mit verſchiedenen wichtigen europaͤiſchen Erfin⸗ dungen aus, wiewohl ſie hinter den Europaͤern, faſt in jeder Hinſicht, noch ſehr zuruͤck ſind; wozu die Schwierigkeit ihrer aus 80,000 Zeichen beſtehenden Schrift ſehr viel beytraͤgt; uͤbrigens ſind ſie zwar ar⸗ beitſam, maͤßig und gleichmuͤthig, dabey aber ſkla⸗ viſch geſinnt, uͤbertrieben hoͤflich, weichlich und feige. — Die Japaner haben viel Aehnliches mit den Si⸗ neſern, und Hauptzuͤge ihres Charakters ſind beſon⸗ ders Reinlichkeit, Aberglaube, Sparſamkeit, Hoch⸗ muth, unverſoͤhnlicher Haß gegen ihre Feinde, und beharrlicher Fleiß.— Die Perſer haben einen leich⸗ ten und durchdringenden Verſtand, eine fruchtbare und lebhafte Einbildungskraft; ſie ſind geneigt zur Eitel⸗ keit, Pracht und Freude, dabey ungemein hoͤflich und gaſtfrey, welches letztere auch ein Hauptzug der Aras 156 ber iſt.— Die Hindus, die urſpruͤnglichen Bewoh⸗ ner von Hindoſtan, find ein fleißiges, ſanftes und ſchoͤnes, aber feiges und ſchlaffes Volk, welches ſich bis auf unſere Zeiten in ſeiner alten Verfaſſung und Sitten, z. B. Enthaltung von Fleiſchſpeiſen, Scho⸗ nung aller Thiere, wegen des Glaubens an Seelen⸗ wanderung, Aufopferung der Weiber nach dem Ab⸗ ſterben ihrer Maͤnner und dergl. erhalten hat. Sie unterſcheiden ſich durch ihre Herkunft, und die Ge⸗ werbe, welche ſie treiben, in gewiſſe Kaſten(Staͤm⸗ me), nehmlich: 1) die Braminen(Gelehrte und Prieſter); 2) die Chetris oder Sittri(Soldaten und Kuͤnſtler); 3) Banianen(Kaufleute) und Schutter oder Sudder(Handwerker und Landleute, worunter die niedrigſte Klaſſe die Parier begreift, die man als unreine und verworfene Leute betrachtet). Aus al⸗ len dieſen Umſtaͤnden ſieht man leicht ein, daß es bey den Aſtaten um die wahre Gelehrſamkeit ſchlecht ſte⸗ hen muß, wiewohl bey den Sineſen, Japanern, Perſern und einigen tatariſchen Staͤmmen, mehr oder weniger Anſchein dazu vorhanden iſt.— Aſiens Hauptſprachen ſind; die arabiſche, perſiſche, indiani⸗ ſche, unter verſchiedenen Geſtalten(worunter dle Sanſkritta die aͤlteſte und Religionsſprache iſt), nebſt mehrern europaͤiſchen in den Niederlaſſungen der Lr ropaͤer. 3 ») Religion. Die muhammedaniſche Nard herrſcht in der aſt ſatiſchen Tuͤrkey, Tatarey, Arabien, 157 Perſien, verſchiedenen Gegenden von Oſtindien, und auf mehrern Inſeln daſelbſt. Griechen und Arme⸗ nier findet man vorzuͤglich in dem aſiatiſchen Ruß⸗ land, in Georgien oder Gruſinien, und den meiſten der vorhin benannten Laͤnder. Die Gauren oder Feueranbeter in Perſien ſind Heiden, und ſehen die Sonne als Sinnbild des unſichtbaren Gottes an. In Oſtindien findet man Einwohner faſt von allen Religionen, indem die Europaͤer in ihren Niederlaſ⸗ ſungen auch ihre Landesreligion ausuͤben und theils zu verbreiten ſuchen; jedoch iſt die Religion der Bra⸗ minen in den meiſten Landſchaften die allgemeinſte. In Japan herrſcht die heidniſche Religion, und man duldet daſelbſt keine Chriſten. In Sina ſind eigent⸗ lich 3 heidniſche Hauptreligionen außer der lamaiſchen, welcher der Hof und die dem ſineſiſchen Reiche un⸗ terworfenen tatariſchen und mongoliſchen Voͤlkerſchaf⸗ ten zugethan ſind; ſonſt werden auch Juden, Chri⸗ ſten und Muhammedaner geduldet. Faſt in allen aſiatiſchen Reichen trift man hin und her zerſtreute Juden an. 4 8) Regierung. Das aſiatiſche Rußland iſt in Statthalterſchaften eingetheilt; auch die tuͤrkiſchen Staaten in Aſien werden groͤßtentheiis von Statt⸗ haltern(Paſcha oder Beglerbeg genannt) regiert. Die Araber haben ihre eigene Fuͤrſten, Scheiks oder Emirs, die eigentlich Vaſallen des Sultans ſeyn ſol⸗ 158 len, welcher indeß gegenwaͤrtig nur ſehr wenig Ein⸗ fluß hat. In Perſien giebt es verſchiedene von eine ander unabhaͤngige Chane, und in Oſtindien herrſcht nicht Ein Oberherr, ſondern mehrere groͤßere und kleinere Regenten(Koͤnige, Nabobs, Subah, Najah,) theils unabhaͤngig und deſpotiſch, theils unter engli⸗ ſcher, bataviſcher, ſpaniſcher und ſineſiſcher Oberherr⸗ ſchaft.— Die Landesregierung in Sina iſt monar⸗ chiſch und erblich, wiewohl gewiſſermaßen vom Wil⸗ len des Monarchen abhaͤngig, und nicht immer an den Erſtgebornen gebunden. Die Reichsbedienten heißen Koan und Mandarinen. Verſchiedene mogo liſche und tunguſiſche Voͤlkerſchaften ſind dem ſineſi⸗ ſchen Reiche unterworfen, unter deſſen Oberherrſchaft auch das Land Tibet ſteht, wovon der noͤrdliche Theil von einem geiſtlichen Regenten, dem Dalai Lama, beherrſcht wird. Die uͤbrigen tatariſchen Laͤnder ſind aus vielen kleinen zum Theil ariſtokratiſchen Staaten zuſammengeſetzt, und entweder voͤllig frey und unab⸗ haͤngig, oder ſtehen als Schutzverwandte oder Unter⸗ thanen unter ruſſiſcher Hoheit. Manche dieſer Chan⸗ ſchaften ſind ſo unbedeutend, daß ſie ſich nur auf eine einzige Dorfſchaft einſchraͤnken.— Japans Regie⸗ rung iſt unter mehrere kleine Fuͤrſten vertheilt, die aber doch von der unumſchraͤnkten Oberherrſchaft des Kuba Soma oder Kaiſers abhaͤngen. Der Dairo Soma, der japaniſche Pabſt oder Hoheprieſter, wel cher ehemals geiſtlicher und weltlicher Regent zuglelch 8 15o war, hat von ſeiner ehemaligen Macht außer dem Titel faſt gar nichts uͤbrig behalten; die Thronfolge iſt indeß in beyden regierenden Haͤuſern erblich. 9) Eintheilung. I. Die dem ruſſiſchen Reiche unterworfenen Laͤnder in Aſien. Dazu gehoͤrt: 1) Sihirien,(deſſen Groͤße 200,000 Quadratmeilen betraͤgt; Volksmenge 1 ⅞ Million) wohin die ruſſi⸗ ſchen Staatsverbrecher geſchickt werden; nebſt der Halbinſel Kamtſchatka(worauf mehrere feuerſpeyende Berge ſind) und den kuriliſchen, aleutiſchen, andria⸗ nofiſchen und Fuchsinſeln zwiſchen Aſten und der nordweſtlichen Landſpitze von Amerika. 2) Das aſias tiſche Raptſchak. 3) Gruſinien(ehemals Geor⸗ gien), welches ehemals ſeine eigene Fuͤrſten hatte, ſeit 1801 aber mit Rußland vereiniget iſt, ein Land von 300,000 Quadratmeilen. II. Die zum osman⸗ niſchen Reiche gehoͤrigen Laͤnder in Aſien, nehmlich: 1) Anadoli oder Natolien, mit den Inſeln Cypern, Rhodos, Mitylene, Scio, Samos u. a. m. 2) Soriſtan oder Syrien. 3) Al Dſcheſira oder Mes ſopotamten. 4) Ein kleiner Theil von Georgien. 5 Turkomannien oder Tuͤrkiſch Armenien, nebſt Erak Arabi(Chaldaͤa, Babylonien und Aſſyrien). III. Arabien, welches man gewoͤhnlich(wiewohl un⸗ richtig) in das wuͤſte, petraͤiſche und gluͤckliche, rich⸗ tiger aber in 6 Provinzen abtheilt, nebſt der Inſel Socotora. IV. Perſien oder Irak; welches aus 160 Weſt⸗ und Oſt⸗Perſien beſteht, wovon das letztere in Verbindung mit einigen andern Provinzen das 1746 geſtiftete Reich der Afganen ausmacht. V. Oſtin⸗ dien, unter welchem Namen man gewoͤhnlich begreift: 1) Hindoſtan mit dem Lande oder der ariſtokrati⸗ ſchen Republik der Seiks, und verſchiedenen von den Britten und Maratten abhaͤngigen Nabobſchaften und Rajahs. 2) Bengalen, welches groͤßtentheils der engliſchen oſtindiſchen Compagnie gehoͤrt, wiewohl auch die Maratten, Franzoſen und Bataver einige Beſitzungen darin haben. 3) Vorder⸗Indien, oder die Halbinſel diſſeilts des Ganges, deren weſtliche Kuͤſte zuweilen die malabariſche, ſo wie die oͤſtliche Coromandel, und einem kleinen Theile nach die Kuͤſte von Carnate heißt. Die Maratten, vor⸗ mals eine wilde Naͤuberhorde von der Religton der Hindus, beſitzen hier das mehreſte; ferner liegen hier der Staat von Golconda,(wo die beruͤhmteſten Demantgruben ſind) unter einem eigenen Koͤnige oder Nizam; das im Jahr 1799 von den Britten erober⸗ te, vorher dem bekannten Tippo Saheb gehoͤrige Reich von Myſore; die von den Englaͤndern abhaͤn⸗ gige Nabobſchaft Carnatik oder Arkot u. a. m. nebſt mehrern brittiſchen, franzoͤſiſchen, bataviſchen, portux gieſiſchen und daͤniſchen Beſi itzungen. 4) Hinter In⸗ dien, oder die Halbinſel jenſeits des Ganges, mit den Koͤnigreichen Aſchem, Avan und Pegu, Siam, der Halbinſel Malakka, und den von Sina abhaͤngi⸗ 161 gen Koͤnigreichen Tungkin oder Tunquin, Cochinſina und Cambodia. 5) Die Inſel Ceylon, mit eigenen Koͤnigen, und vielen brittiſchen Beſitzungen; der Ar⸗ chtpelagus der maldiviſchen und lakediviſchen In⸗ ſeln, welcher ohngefaͤhr 12,000 Inſeln begreift; die ſundiſchen Inſeln: Borneo(uͤber 14,000 Quadrat⸗ meilen); Java, Sumatra, und Celebes, welche aber von mehrern Koͤnigen beherrſcht werden, und wichtige bataviſche(Borneo und Sumatra auch brit⸗ tiſche) Beſitzungen enthalten; die molukkiſchen oder Gewuͤrzinſeln, groͤßtentheils unter bataviſcher Herr⸗ ſchaft, wovon die vornehmſten Amboina, Ternate mit einem feuerſpeyenden Berge, Silolo und Ti⸗ dor heißen; die hollaͤndiſche Inſel Timor; der Jo⸗ lo(Dſcholo), Archipelagus unter einem eigenen Sultan; die ſpaniſche Inſel magindanao(Min⸗ danao) und die philippintſchen oder mantliſchen, die karoliniſchen, und der Lazarus⸗ Archipelag oder die Marien⸗(auch Ladronen⸗ oder Diebes⸗) Inſeln, woruͤber ſich die Spanier ebenfalls die Herrſchaft an⸗ maßen. VI. Das ſineſiſche Reich, wozu 1) das eigentliche Sina mit der Inſel Formoſa; 2) die dem ſineſiſchen Neiche zinsbaren Laͤnder, nehmlich die Mongoley, das ſineſiſche Tunguſien, die kleine Bucharey⸗ Tibet(worin der vorhin erwaͤhnte Staat des Dalat Lama), die Halbinſel Borea, nebſt verſchiedenen Inſeln gehoͤren. VII. Die aſiati⸗ ſche Tatarey, welche in 2 Haupttheile zerfäͤllt, nehm⸗ L 162 lich 1) in die kaukaſiſche Tatarey uuf der Weſtette des kaspiſchen Meeres; 2) in die Oſt⸗Tatarey, auf der Oſtſeite deſſelben. VIII. Das aus 3 Haupt⸗ und mehrern kleinen Inſeln beſtehende Reich Japan, deſe ſen groͤßte Inſel Niphon heißt. 10) Vornehmſte Oerter. I. Im aſiatiſchen Rußland liegen, und zwar 1) in Sibirien: Tobolsk H. Hſt. F. am Irtiſch, mit 17,000 E. Jeniſeisk Hſt. am Jeniſey. Irkutsk, vornehmſte Hſt. F. Ja⸗ Futok an der Lena, wegen des Zobelhandels wichtig. Koluͤvan am Ob. Der Peter⸗Pauls,Hafen in Kamts ſchatka. 2) In dem Kaptſchak: Aſtrachan H. F. an der Wolga mit 70,000 E. Orenburg Hſt. F. 3) In Gruſinien: Tiflis Hſt. am Fluſſe Kur mit 20,000 Einw. II. In der aſiatiſchen Tuͤrkey, und zwar 1) in Natolien: Burſcha am Fuße des Olymps, mit Sei⸗ den⸗ und Muſſelinfabriken. Smyrna oder Ismir⸗ die wichtigſte Hſt. in der Levante, an einem Meerbuſen des Archipelagus, mit 60. 000 E. Kutaje H. in Na⸗ tolien. Angora, bekannt wegen einer Ziegenart. Siinope Hſt. Pergamo, Cepſek, ehemals Lampſa⸗ kus. Sard Epheſus D. Cogni, Laodiki(Laos dicaͤa)), Tarſus, Sivas, Tarabaſon(Trapezunt) am ſchwarzen Meere, Hf. Hſt. mit 100,000 E. Riſe Hſt. Ceraſonte Hf. Auf der Inſel Cypern liegen: Nicoſia H. und Jamaguſta. 2) In Soriſtan: Haleb oder Aleppo, Hſt. mit wichtigen Fabriken und 163 100,000 E. Damaſchk, große Fabrik und Hſt. mit 80,000 E.(Gaza Hſt. Solima, ehemals Jeruſa⸗ lem mit 28,000 E. Jericho, Bethlehem D. He⸗ bron mit 20,000 Einw. Nazareth, Ramah Hſt. ſaͤmmtlich in dem ehemaligen Palaͤſtina.) Akre oder Jean d'Akre F. Hf. wo im letztern Kriege Bonaparte durch Sidney Smith zuruͤckgetrieben wurde. Ta⸗ rabluͤs(Tripolis in Syrien) Hſt. Das Land der Druſen unter beynahe unabhaͤngigen Emirn. 3) In Meſopotamien: Diarbekir, am Tigris, eine anſehn⸗ liche Fabrik⸗ und Hſt. Moſul am Tigris. 4) In Georgien: Akalzighe F.(Cotatis F. Hſt.) 5) In Turkomannien: Erzerum, Bagdad Hſt. am Tigris⸗ Basra(Beſſora), wichtige Hſt. III. In Arabien: Mecea, Muhammeds Geburtsort. Medina, deſ⸗ ſen Begraͤbniß. Mochha Hſt. Hf. Sanna Hſt⸗ Maskat Hſt. Hf.(Die Gebirge Sinai und Horeb.) IV. In Weſtperſten: Jspahan Hſt. mit 300,000 E. Schiras, Bender⸗Abaſſi oder Gamron, der beſte Hf. In Oſtperſien: Herat R. Hſt. Candahar H. von Oſtperſien. Die Inſel Ormus. V. In Oſtin⸗ dien ſind die wichtigſten Staͤdte, und zwar 1) in Hin⸗ doſtan: Lahor, Tatta oder Sind, Hſt. und hohe Schule der Indier. Benares, am Ganges, eben⸗ falls mit einer hohen Schule. Delhi, vormalige Re⸗ ſidenz des maͤchtigen Moguls von Indien. Agra⸗ ehemalige H. von ganz Hindoſtan. 2) In Bengalen t Calcutta, H. an einem Arme des Ganges, Hſt. Sitz 2 2 164 des brittiſchen Statthalters aller oſtindiſchen Beſitzun⸗ gen mit 600,000 E. und dem Fort William. Chan dernagor, franzoͤſiſche F. Dacca, Fabrikſtadt. Jaggrenat, wohin die Indier Wallfahrten zu einer uralten beruͤhmten Pagode anſtellen. 3) In Vorder: Indien: Punah, R. des Paiſchva oder Oberregenten der Maratten. Amedabad, wichtige Fabrik⸗ und Hſt. Bagnagar, H. des Koͤnigs von Golconda. Golconda F. Seringapatnam F. Calicut Hſt. Bednur oder Hydernuggur(Hydersſtadt), große Stadt mit mehr als 120,000 E. Arcot und Gingi F. Travancor, Tanjore und Tritchinapoli F. Tutacorin, wo eine hollaͤndiſche Perlenfiſcherey iſt. Cochim, hollaͤndiſch. Madras, wichtige brittiſche Hſt. mit 300,/000 E. Bombay mit 100,000 und Surate mit 600,000 Einw. ebenfalls brittiſche Hſt. Pondichery, franzoͤſiſche Hſt. mit 20,000 Einw. Goa F. Hf. und Diu, portugieſiſch. Trankebar F. mit 15,000 Einw. daͤniſch. 4) In Hinter⸗In⸗ dien: Axa, Pegu, Ranguhn, H. R. des Koͤnigs von Ava. Bankok, H. in Siam. Malakka, an einer Meerenge, iſt hollaͤndiſch. Racho, H. in Tun⸗ quin. Hue, H. in Cochinſina(ſoll 5 deutſche Mei⸗ ien im Umfange haben). Camboja, mit Baumwol⸗ len: Manufakturen. 5) Auf der Inſel Ceylon lie⸗ gen: Candy, R. eines Koͤnigs. Colombo und Trinconomale, brittiſche F. Der Adamsberg. Auf Borneo iſt der hollaͤndiſche Ort Banjermaſ⸗ 1635 ſing. Auf Java: Batavia, H. aller bataviſchen Beſitzungen in Oſtindien, R. des Generalſtatthalters, F. Hſt. mit 160,000 Einw.— Auf Sumatra iſt: Achem, R. eines Koͤnigs. Padang, hollaͤndiſch.— Auf Celebes iſt die H. Makaſſar, hollaͤndiſch. Am⸗ boina, KRaupang, H. auf der Inſel Timor. Ma⸗ gindanao, Reſ. des Sultans gleiches Namens. Manila, F. Sitz eines Inquiſitions⸗Gerichts auf der gleichbenannten Inſel. VI. In Sina iſt die H. und R. Peking(5 Meilen im Umfange). Nanking⸗ ehemalige R. mit 1 Million E. und einem beruͤhmten Porcellanthurme. Canton, eine beruͤhmte Hſt. Hf⸗ mit 75,000 E,— Die portugieſiſche Inſel Macao⸗ mit der Stadt gleiches Namens. In dem Gebiete der unter ſineſiſcher Herrſchaft ſtehenden Kalkasmongolen, war die ehemals beruͤhmte Hauptſtadt Karakorum; gegenwaͤrtig iſt Urga oder Kuroe die R. eines ihrer voornehmen geiſtlichen Herren, Kutuchta genannt. Im ſineſiſchen Tunguſien liegen die Staͤdte Tſitſikar, Ki⸗ rin⸗ Ula Choton und Mukden; in der kleinen Bu⸗ charey: Yerkim H. und Kasgar, wichtige Hſt. In Tibet: Chaſſa(Baranthola) H. Hſt. und auf der Halbinſel Korea iſt Kingi⸗Kitao, die H. und Reſi⸗ denz des Koͤnigs. VII. In der aſiatiſchen Tatarey fin⸗ det man: Turkeſtan, Buchara, eine wichtige Fas brik⸗ und Hſt. Samarkand, eine große und volk⸗ reiche Stadt, mit einer mahommedaniſchen hohen Schule. Balk, und andere mehr. VIII. In Jas 166 pan tiegt. Miako oder Kio, Ss. Reſ. des Dapro⸗ Soma,(uͤber 1 Million Einw.) und Jeddo, Hſt. Reſ. des Kuba⸗Soma, beide auf der Inſel Niphon; ferner Nangaſaki eine wichtige Hſt. auf der Inſel Pimo, der einzige Ort, den ausſchließlich die Hollaͤns der des Handels waden beſuchen düͤrfen. 167 1) Lage und Graͤnzen. Afrika liegt der Breite nach zwiſchen dem 350 ſuͤdlicher und 370 noͤrdlicher Breite, der Laͤnge nach aber zwiſchen dem 1 und 710. Ss graͤnzt gegen Norden an das mittellaͤndiſche Meer; gegen Oſten an Aſien, mit welchem es durch die 17 Meilen lange Landenge von Sues zuſammenhaͤngt, und an den arabiſchen Meerbuſen; gegen Suͤden an den in⸗ diſchen Ocean, und gegen Weſten an das aͤthiopiſche und atlantiſche Meer. Durch die Meerenge von Gi⸗ braltar und das mittellaͤndiſche Meer, iſt es von Eu⸗ ropa; durch den arabiſchen Meerbuſen, von Aſien, und durch das atlantiſche Meer von Amerika abgeſondert. 2) Groͤße. Das feſte Land von Afrika iſt von Norden nach Suͤden, das heißt, von der Straße von Gibraltar bis zum Vorgebuͤrge der guten Hofnung, folg⸗ lich in ſeiner groͤßten Ausdehnung, 1300 Meilen breit; ſeine Laͤnge von Oſten gegen Weſten iſt ſehr ungleich, betraͤgt aber von ſeinem oͤſtlichen bis zum gruͤnen Vor⸗ gebuͤrge, welches das weſtliche iſt, 1360 deutſche Mel⸗ len; der Flaͤcheninhalt in Quadratmeilen belaͤuft ſich auf 530,000, folglich iſt Afrika zwar viel kleiner als Aſien, aber doch uͤber 3 mal groͤßer als Europa. 168 3) Gewaͤſſer. Die vornehmſten Meere ſind: 1) das mittellaͤndiſche Meer; 2) das atlantiſche Welt⸗ meer; 3) das aͤthiopiſche Meer; der indiſche Ocean. Die groͤßten Meerbuſen: 1) der weit ausgedehnte Bu⸗ ſen von Guinea, ſuͤdweſtlich, und 2) nordoͤſtlich, der ſehr ſchmale, aber ungemein lange arabiſche Meerbu⸗ ſen. Meerengen ſind: 1) die von Gibraltar; 2) der ſogenannte Kanal von Moſambique, welcher die Inſel Madagaskar vom feſten Lande trennt. Unter den vie⸗ len Landſeen ſind beſonders merkwuͤrdig: 1) die Seen Mareotis und Moeris in Aegypten; 2) der See Bahr Dembea in Abyſſinien, und der groͤßte 3) Marawi im Negerlande. Nur drey Hauptſluͤſſe fin⸗ det man in Afrika, die ſaͤmmtlich im noͤrdlichen Theile der heißen Zone entſpringen, nehmlich 1) der Nil, welcher in Abyſſinten entſpringt, und ſich durch Aegyp⸗ ten in verſchiedenen Armen in’s mittellaͤndiſche Meer ergießt.(Dieſer Fluß pflegt durch gewoͤhnliche jaͤhrliche Ergießungen Aegypten unter Waſſer zu ſetzen, und das durch den an ſich duͤrren und heißen Boden des Landes zu befeuchten.) 2) Der Senegal und 3) der Gam⸗ bia, die beyde oͤſtlich entſpringen, und weſtlich in's Meer fallen. Außer dieſen ſind noch zu merken: der Niger, der große Fairo und Coanza in Nieder⸗Guis⸗ nea, wovon die beiden letzten in's aͤthiopiſche Meer fließen. Der Nil und Niger haben mehrere Waſſer⸗ fälle. Noch giebt es hier eine außerordentliche Menge Kuͤſten- und einige ſehr große Steppen Fluͤſſe, welche im Sande entquellen, durch denſelben in weiten Strek⸗ ken fortrollen, und nachher wieder im Sande verſiegen. 4) Natuͤrliche Beſchaffenheit. Im noͤrdli⸗ chen Afrika erhebt ſich das große Atlas⸗Gebirge, und durchſtreicht es in verſchiedenen Richtungen von Weſten nach Oſten. In der Mitte von Afrika ſind die Monds⸗ berge, im weſtlichen die Sierra Leona(das Loͤ⸗ wengebirge) und im ſͤdlichen der Lupata, den die Einwohner das Ruͤckgrat der Welt nennen, mit dem Teufel⸗ Tafel⸗ und Loͤwenberge. Der Pik auf Tene⸗ riffa(gemeine Hoͤhe 11,424 pariſer Fuß) iſt ſechs Mei⸗ len weit ſchon von ferne auf der See ſichtbar, und ſtoͤßt faſt immerwaͤhrend Rauch und Schwefeldampf aus. Die bekannteſten Vorgebirge ſind: das gruͤne Vor⸗ gebirge, und das Vorgebirge der guten Hof⸗ nung. Afrika's Kuͤſten ſind faſt durchgehends frucht⸗ bar, der groͤßte Theil des innern Bodens dagegen be⸗ ſteht aus Steppenland, und da es mehrentheils in der heißen Zone liegt, ſo findet man ungeheure Wuͤſten von Sand und Aſche, und ganze Strecken von ausgebrann⸗ ten Waldungen. Ueberhaupt enthaͤlt Afrika die groͤßs ten Wuͤſten der Erde. Das Klima iſt brennend heiß, und da in der ganzen Breite zwiſchen den Wendezirkeln JIahr aus Jahr ein der Morgenwind herrſcht, welcher uͤber den breiteſten Strich von Afrika hinwehet; ſo wird die Hitze noch mehr vergroͤßert. Denn indem die Sonne das Land erhitzt; ſo wird auch zu gleicher Zeit die Luft ſehr erwaͤrmt. Dieſe warme Luft treibt den 169 ͤZͤſͤſͤſſee——õü nͤnͤnͤn 170 Oſtwind immer weiter; und weil er auf kein Meer, wo 2 er ſich abkuͤhlen koͤnnte, ſondern immer nur auf erhitz⸗ tes Land und heiße Luft ſtoͤßt, ſo verſtaͤrkt er auch die Hitze immer mehr; daher es denn im weſtlichen Theile von Guinea, Senegambien u. ſ. w. am heißeſten iſt. Die Wuͤſteneyen von brennendem Sande, worin hier. die verſengende Luft ganze Landſchaften verwandelt, ſetzt ein maͤßiger Wind leicht in Bewegung, und begraͤbt die Einwohner darunter. Sturm und Wirbelwind ſind alſo Plagen von Afrika, und erheben ſich hier mit eis ner allen unſern Begriff uͤberſteigenden Gewalt. In einem Augenblicke reißen ſie die hoͤchſten Baͤume und. die feſteſten Gebaͤude nieder, deren Bewohner ſich als⸗ danu in's freye Feld fluͤchten muͤſſen. 8 5) Haupt⸗Produkte. Afrika's vorzuͤgliche Pro⸗ dukte, von denen mehrere als Handelswaaren von den Europaͤern geholt werden, ſind: 1) aus dem Pflan⸗ zenrelche: Weitzen(beſonders auch tuͤrkiſcher), Gerſte, Reis, Datteln, vorzuͤglich in Aegypten und der weſte lichen Barbarey; Zucker, Pfeffer, Ingwer, Baum⸗ wolle, Orſeille, Balſam, Orangenfruͤchte, Mandeln, Senesblaͤtter, Weintrauben, Roſinen, Kaſſee, der letztere vornehmlich von den Inſeln Frankreich und 333 8 Reunion; wo auch Muskaten und Gethuͤrznaͤglein, Baͤume vorhanden ſind; der Schilf Papyrus, Lucerne und Acacien, etwas Tabak, Aloe, Palm’ und Kokos⸗ baͤume, viele Medicinal⸗Pflanzen und dergleichen. 2) Aus dem Mineralreiche: Salpeter, Salmiak, Sees 171 und Steinſalz, Kupfer, Edelſteine, Silber, Gold in Stangen und Goldſtaub. Das feinſte Gold iſt auf der ſogenannten Goldkuͤſte von Guinea(wovon die engliſche Goldmuͤnze Gulnee den Namen hat). 3) Aus dem Thierreiche: in den afrikaniſchen Wuͤſten ſieht man Ti⸗ ger, Leoparden, das Panterthier, Nashorn, den Luchs, Elephanten, das Kameel, den Zebra, Buͤffel⸗ Biſon, Straus, Affen, die Hyaͤne; ferner giebt es hier Krokodile, Nilpferde, das Chamäleon, Schaaſe mit fetten und dicken Schwaͤnzen, Papageyen, Ga⸗ zellen, Giraffen u. ſ. w. Man treibt Handel mit El⸗ fenbein, beſonders auf der Zahnkuͤſte von Ober⸗Guinea, wo oft Elephantenzaͤhne von 200 Pfund verkauft wer⸗ den; mit Honig und Wachs, Corallen, Strausfedern und Straußeneyern, Zibeth, Ambra, trocknen Haͤu⸗ ten, mit Mumien(in Aegypten), und leider! auch noch mit Menſchen, nehmlich mit den afrikaniſchen Ne⸗ gern; mit Chriſtenſklaven, die wieder los gekauft wer⸗ den, in der Barbarey. Induͤſtrie, betraͤchtliche Ma⸗ nufakturen und Fabriken ſucht man hier vergebens(das meiſte davon findet man indeß noch in den Laͤndern der Barharey und in Aegypten), und um den Handel ſteht es hier, ſo wie in Aſien, er iſt nehmlich groͤßtentheils in den Haͤnden der Europaͤer. 6) Einwohner. Weil Afrika bis jetzt von allen Erdtheilen der unbekannteſte iſt; ſo kann die Menſchen⸗ zahl deſſelben nicht mit einem Grade von Wahrſcheins lichkeit beſtimmt werden(wiewohl einige Geographen 172 von 100 bis 150 Millionen Menſchen reden). Afrika's Bewohner zeichnen ſich im Ganzen genommen durch Traͤgheit und Dummheit aus. Es faͤllt ihnen ſchwer, anhaitend vernuͤnftig, mit Nachdenken und nach Pla⸗ nen zu handeln, woran die Hitze vornehmlich ſchuld iſt; deswegen trift man in Afrika wenig ordentliche Einrich⸗ tungen an, und die meiſten Voͤlkerſchaften fuͤhren eine nomadiſche Lebensart. Bewohnt wird Afrika: 1) von Baͤrhaͤrn(Berbern) oder Kabylen, welche von den Arabern aus Nord⸗Afrika in die Gebirge ſuͤdlicher hin⸗ abgedraͤngt wurden. In Aegypten, der Barbarey und mehrern Laͤndern findet man daher: 2) Araber, auch Mauren genannt. 3) In Abyſſinien und Aegypten les ben noch Abkoͤmmlinge der alten Aegypter unter dem Namen Kopten. 4) Die Neger, von denen ſaͤhrlich gegen 100,000 als Sklaven nach Amerika verkauft wer⸗ den, bewohnen mehr als zwey Drittheile von Afrika, und ein Theil von ihnen hat den Namen Kaffern. Fer⸗ ner findet man 5) Hottentotten. 6) Türken. 7) Ju⸗ den, und 8) Europaͤer, insbeſondere Portugieſen, Hollaͤnder, Englaͤnder, Daͤnen, Franzoſen und Spa⸗ nier. Die Mauren ſind von brauner, die Baͤrbaͤrn von ſchwaͤrzlicher, die Hottentotten von gelbbrauner Farbe. Die eigentlichen Neger zeichnen ſich durch eine mehr oder weniger ſchwarze Hautfarbe, aufgeworfene große Wurſt⸗Lippen, ein pechſchwarzes, kurzes, krau⸗ ſes wollichtes Haar, breite, eckigte und eingedruͤckte Geſichter, tieſltegende kleine Augen, breite plattges 173 druͤckte Naſen, ſtarke Glieder, breite Schultern, und uͤberhaupt durch eine kurze untergeſetzte Statur aus. Hauptſprachen ſind: die tuͤrkiſche, arabiſche, kop⸗ tiſche Reltgionsſprache(in Aegypten, den Republiken der Baebarey u. ſ. f.), die kabyliſche, mauriſche, man⸗ digoiſche(in Senegambien und Nigritien), die Kon⸗ goſprache(in Guinea), die Tigres oder Genz⸗Sprache, und die amhariſche(in Abyſſinien); ferner die ſpani⸗ ſche, portugieſiſche, und uͤberhaupt in den europaͤiſchen Beſitzungen die Sprachen der Beſitzer.— In den aͤls teſten Zeiten bluͤhten in Aegypten die Wiſſenſchaften und Kuͤnſte, jetzt ſind außer einigen Ueberbleibſeln von alten praͤchtigen Gebaͤuden(z. B. Pyramiden, Obelisken) wenig Spuren davon vorhanden; und man verfertigt hier nur grobe Leinwand, Tapeten und To⸗ pfergeſchtre. Die Bewohner der nordafrikaniſchen Republiken, Algier, Tunis und Tripoli naͤhren ſich groͤßtentheils von Seeraͤuberey und Schiffarth, und im Innern des Landes vom Straßenraube; doch fehlt es tlicht ganz an Sammt⸗ Seiden⸗ Taffent⸗ und Leder⸗ fabriken, wovon einige wichtig ſind; auch werden ihre Haͤfen von vielen europaͤtſchen Handelsnationen beſucht. Faſt eben dieſes iſt, wiewohl in geringerm Grade der Fall in dem ſogenannten Kaiſerthume Marokko. In Abyſſinien iſt die Cultur noch ſehr geringe; und außer einigen Handarbeiten ſind alle Arten von Kuͤnſten unbe⸗ kannt. Daß es in ganz Afrika um die Gelehrſamkeit u. dgl. ſchlecht ſtehe, braucht wohl kaum erinnert zu werden. ————ꝛ———.———— ͦ—õm———— 174 ) Religion. In Afrika's noͤrdlichen Laͤndern findet man vornehmlich Mohammedaner, Juden, kop⸗ tiſche, armeniſche und griechiſche Chriſten; in Abyſſis nien herrſcht eine Art von chriſtlicher Religion, die mit der koptiſchen ſehr uͤbereinkommt, und das geiſtliche Oberhaupt daſelbſt wird Abuna genannt. In den aͤbrigen afrikaniſchen Laͤndern herrſcht groͤßtentheils das Heidenthum nach ſehr verſchiedenen Lehrbegriffen; doch ſind die Fetiſch⸗Anbeter am zahlreichſten. Der Koͤnig von Kongo in Nieder⸗Guinea bekennt ſich zur katholis ſchen Religion, welche ſich uͤberhaupt in den Kuͤſten⸗ Gegenden ſehr verbreitet hat, und durch Miſſionsan⸗ ſtalten noch immer mehr fortgepflanzt wird.— 8) Regierung. Aegypten ſteht ſeit dem Jaßre 1801, wo die Franzoſen es nach einem dreyjaͤhrigen Beſitze raͤumten, wieder unter der Herrſchaft der Pfor⸗ te, die es durch einen Paſcha regieren laͤßt, der wahr⸗ ſcheinlich jetzt mehr Gewalt haben wird als ehedem, wo die ganze Regierung des Landes unter 24 Beys oder Sandſchaks vertheilt war. Die Republiken Algier, Tunis und Tripoli ſtehen, wenigſtens dem Namen nach, unter der Oberherrſchaft des tuͤrkiſchen Sultans, und haben ihre Dey's(in Tunis einen Bey), die an der Spitze eines Diwans regieren; wozu in Tripolis noch ein tuͤrkiſcher Paſcha kommt. In Fetz und Ma⸗ rokko herrſcht ein Sultan ganz despotiſch, ſo auch in Abyſſinien, wo der große Negus oder Kaiſer in Civil⸗ und Kirchenſachen ganz unumſchraͤnkt gebietet. In den 175 uͤbrigen aftikaniſchen Laͤndern giebt es eine außerordent⸗ liche Menge von Staaten, Koͤnigen, Fuͤrſten(deren mehrere von den Portugieſen abhaͤngen) und Republi⸗ ken, von denen ein großer Theil kaum dem Namen nach bekannt iſt, und viele Voͤlkerſchaften irren ganz ohne Regierungsform in den Wuͤſten herum. Außer⸗ dem haben die Spanier, Portugieſen, Franzoſen, Englaͤnder und Hollaͤnder Beſitzungen an den Kuͤſten und auf Inſeln, die durch Statthalter und Gouver⸗ neure regiert werden. 1 zan. 9) Eintheilung. I. Aegypten(Groͤße mit Inbegriff der Wuͤſten 4000 Quadratmeilen, und 4 Millionen Menſchen, nach andern nur 2 ½ Million) mit einem Theile von Nubien, und der Kuͤſte Ha⸗ beſch oder Abex, welche ebenfalls tuͤrkiſch ſind. II. MNubien. III. Die Republiken: Algier, Tunis und Tripoli. IV. Das Kaiſerthum Fetz und Ma⸗ rokko, mit der Wuͤſte Sahara. V. Senegam⸗ bien und MNigritien. VI. Guinea, in das eigent⸗ liche und Nieder Guinea eingetheilt, welches letztere auch die Kuͤſte von Congo heißt. VII. Das Kaf⸗ fernland, mit dem Reiche Monomotapa, und den Kuͤſten von Moſambique, Zanguebar, Ajan und Adel. VIII. Abyſſinien oder Habeſch. IX. Die Inſel Madagaskar(10,500 Quadratmeilen, und 4 Millionen E.). X. Die afrikaniſchen Inſeln, worun⸗ ter die komorriſchen und maskareniſchen(letztere franzoͤſiſch) am merkguͤrdigſten ſind. XL. Die weſt⸗ 176 4 afrikaniſchen Inſeln: Helena(brittiſch), Annaboa, Prinzen⸗Inſel und Fernando del Po(ſaniſch)⸗ St. Thomas und die Inſeln des gruͤnen Vorgebir⸗ ges, worunter St. Jago die wichtigſte iſt, und die Inſel Suego, die einen feuerſpeyenden Berg hat(por⸗ tugieſiſch), die kanariſchen Inſeln, von denen Cana⸗ ria, gerro, von deren Mittagslinie die Grade der Laͤnge gewoͤhnlich gezaͤhlt werden, Palma mit einem feuerſpeyenden Berge, und Teneriffa mit dem hohen Pik vorzuͤglich zu merken ſind(ſpaniſch). Die azoriſchen Inſeln, ferner Madera und Porto ſanto, die von vielen Geographen ebenfalls zu Afrika gezaͤhlt werden, ſind ſchon in Europa bey Portugall⸗ vorgekommen. 2141.1 10) Die vornehmſten Oerter. I. In Aegypr ten: Cairo(Kahira) H. Hſt. am Nil mit 200,000 E. Sues Hf. am rothen Meere. Alepandria Hſt. Hf. Die Inſel Pharos. Roſette und Damiette, Hſt. auf dem Theile von Nieder⸗Aegypten, welcher das Delta heißt. II. In Nubien: Sennar, an einem Arme des Nils, H. eines gleichbenannten Reiches. Dekin, ebenfalls, Dungala Hſt. H. einer Republik am Nil. III. In den Republiken der Berberey: Al⸗ gier F. Hſt. mit guten Seidenmanufakturen. Con⸗ ſtantine, Bugie Hf. Maſalquivir Hf. iſt ſpa⸗ niſch. Tunis Hſt. mit 150,000 E. Bizerta, Suſa Hſt. Tripolis Hſt. IV. Im Kaiſerthum Marokko: getz, eine wichtige Hſt. mit guten Fabriken, und 30,000 E. Mekines, R. des Kaiſers. Sale Hf. 177 Larache und Tanger Hf. Tetuan Hf. Hſt.(Ceu⸗ ta F. Penon de Velez Melilja und andere ſind ſpaniſch.) Marokos H. des ganzen Reiches, von 20,000 E. Mogador Hf. Tafilet. Der franzoͤſi⸗ ſche Hf. Portendik im Lande Sahara. V. In Se⸗ negambien liegen: Jamesfort(engliſch), das Fort Senegal, die Inſel Goree(franzoͤſiſch), und in Ni⸗ gritten: Tombut, H. eines der anſehnlichſten Laͤnder in Niarttten. VI. In dem eigentlichen Guinea lie⸗ gen: Cabo Corſo auf der Goldkuſte(brittiſch) St. George della Mina, und Friedrichsberg(bata⸗ viſch). Fort frangois(franzoͤſiſch). Chriſtians⸗ burg, Friedensburg und eintge andere(daͤntſch). In Nieder⸗Gutnea oder der Kuͤſte von Kongo findet man: Loango H. R. eines Koͤntas. Kingela H. des Koͤnigs von Kakongo. St. Salvator oder Kon⸗ go(portugteſiſch). Pemba, angeblich R. des Kö⸗ nigs von Kongo. St. Paul de Loanda, Hf. im Koͤnigreiche Angola(portugieſiſch), ſo wie auch St. Philipp de Benguela Hf. St. Maria de Ma⸗ tamba im Lande der Schaggas(Taggas) oder Anzi⸗ ker, eines ſehr ſtreitbaren und grauſamen Negervolkes, wo auch Monſol, R. ihres Koͤnigs. VII. Im Lande der Kaffern und Hottentotten ſind: die Kapſtadt am Vorgebirge der guten Hofnung(bataviſch, gegenwaͤr⸗ tig ein freyer Hafen fuͤr die Britten und Franzoſen) mit 10,000 E. ohne 40.000 Negerſ klaven. Die Ko⸗ lonie Stellenboſch und mehrere andere. Im Reiche M 178 Monomotapa(voon einigen mit dem Titel eines Kaiſerthums beehrt) liegen die portugieſiſchen Oerter⸗ Senna, Tete und Maſſapa; auf der Kuͤſte von Moſambigue, die Inſel und Stadt gleiches Namens, welche ſo wie Mongale portugieſiſch iſt; auf der Kuͤſte von Zanguebar die portugieſiſche Stadt Melinde, fer⸗ ner: Monbaza und Magadoxo, L. Hf. und R. eis nes Koͤnigs, und auf der Kuͤſte von Ajan: Adel. VIII. In Abyſſinten: Gondar R. Axum, Deb⸗ ſan, Amaſan, Adova, Sire und Gavza Hſt. IX. Auf Madagaskar beſaßen die Franzoſen ehemals die Forts Dauphin und St. Louis, und die Brit⸗ ten das Fort Franzhere; welches ſie aber wegen der unfreundlichen Einwohner und Seeraͤuber, die hier Maronen heißen, wieder verlaſſen haben. X. Auf der maskareniſchen Inſel Reunion(ſonſt Bourbon) liegt St. Denis, und auf der Moritz⸗Inſel oder Iosle de Franee: Portlouis. XI. Auf der Inſel Helena liegt das Fort James, auf St. Thomas die Stadt gleiches Namens. Auf der kapverdiſchen Inſel St. Jago iſt die H. und Reſidenz des portugie⸗ ſiſchen Statthalters Ribeira grande; auf der Inſel Kanaria die H. und Reſidenz des ſpaniſchen Statthal⸗ ters: Palmas, und auf Kauuriſf liegt St. Croce mit einer guten Rhede. e d a.K s s XX. Amerika. 8 „ 1) Lage und Graͤnzen. Amerika liegt zwiſchen dem 560° ſuͤdlicher, bis uͤber den 800° noͤrdlicher Breite, ſeine Laͤnge erſtreckt ſich oben bey der nordoͤſtlichen Spitze von Spitzbergen von 12° Oſtlaͤnge bis 200° Weſtlaͤnge; in Suͤdamerika in der groͤßten Laͤnge von 15 bis 65°. Gegen Oſten wird es uͤber der Linie durch das atlantiſche Meer von Europa und Afrika, und unter derſelben durch das aͤthiopiſche Meer von Afrika geſchieden, gegen Suͤden macht das magellani⸗ ſche Meer ſeine Graͤnze, gegen Weſten wird es durch das Suͤd⸗Meer von Aſten getrennt, und gegen Norden hat man wegen des ewigen Schnees und Eiſes bis jetzt keine genaue Kenntniß der Graͤnzen erhalten koͤnnen. 2) Groͤße. Nord⸗Amerika iſt vom Cap Hope bis zur ſuͤdlichſten Spitze von Florida 621 Meilen lang und vom Cap Roſier an, auf der oſtlichen Kuͤſte von Neu⸗Schottland, an der Muͤndung des Lorenzfluſſes, bis eben dahin, betraͤgt die Laͤnge 417 Meilen. Suͤd⸗ Amerika iſt von Suͤden gegen Norden an 1000 Mei⸗ len lang, und ſeine Breite von Weſten gegen Oſten nimmt von 60 bis 600 Meilen zu. In Quabratmei⸗ len enthaͤlt Nord⸗ Almerika(nach Tempelmanns Derech⸗ M a2 180 nung) 231,192, und Suͤd⸗Amerika 340,918, zuſam: men alſo 572,110; indeß kann man wegen der noch nicht genau zu beſtimmenden Graͤnzen in runden Zah⸗ len 600,000 Quadratmeilen annehmen. 3) SGewaͤſſer. Außer den ſchon angefüͤhrten Meeren, welche Amerika umgeben, finden ſich hier die Meerbuſeu Baffin, Hudſon, St. Lorenz, Plaiſance in Neufoundland; Fundy in Neuſchott⸗ land; Maſſachuſet, Delaware und Cheſapeak im nordamerikaniſchen Freyſtaate; der kaliforniſche und mexikaniſche Buſen, die Bay von Campeche (ein Theil des letztern) und Honduras, der Meer⸗ buſen von Panama in Terranfirma; die Allerhei⸗ ligen⸗Bay in Braſilien u. a. m. Die merkwuͤr⸗ digſten Meerengen ſind: die Davids: Hudſons⸗ Beerings und Dipons⸗Straße, die bahamiſche (der Gulſſtrom), magellaniſche und lemaireſche Meerenge. Amerika's groͤßte Seen ſind folgende, und zwar in Nord⸗Amerika: der See Superior, hHuron, Miſchigan, Prie(an deſſen oͤſtlichen Ende die nach Norden ſließende Stroͤmung Niaga⸗ ra, beruͤhmt durch ihren 150 Fuß hohen Waſſerfall iſt), Ontario, Champlain und der Georgen⸗ ſee, welche durch Fluͤſſe alle mit einander in Ver⸗ bindung ſtehen. In Suͤd⸗Amerika liegen: der See WMaracaybo in Neu⸗Granada, der Titicaca in Peru u. a. m. Die Fluͤſſe in Amerika ſind viel breiter, als die in den andern Erdtheilen; ſo wie 181 es uͤberhaupt die groͤßeſten Fluͤſſe und Gewaͤſſer auf dem ganzen Erdboden hat. Die anſehnlichſten dar⸗ unter ſind: 1) in Nord⸗Amerika: der Weſt Fluß mit dem St. Charles§Fluß, welcher ſich unter dem 45 noͤrdlicher Breite im Suͤdmeere in die von Martin und Aquilar entdeckte Muͤndung er⸗ gießt; der Kriſtino, der in die Hutſons⸗Bay faͤllt, der Miſſiſippi, welcher ſich mit dem Ohio verei⸗ nigt, uͤberhaupt an 600 Meilen laufen ſoll, und in den mexikaniſchen Meerbuſen faͤllt; der Lorenz⸗ fluß, welcher oͤſtlich vom Miſſiſippi, aus dem großen See koͤmmt, und in's atlantiſche Meer faͤllt; fer⸗ ner der St. John, Connecticut, Delaware, Hudſon, Patowmack, Savannah, St. Juan, die ſaͤmmtlich in's atlantiſche Meer fallen; der Apa⸗ lachicola und Colorado. 2) In Suͤd⸗Amerika: der Amazonenfluß oder Maranhon, welcher eine Strecke von 660 bis 1080 Meilen durchlaͤuft, bey ſeiner Muͤndung 30 bis 48 Meilen breit iſt, und ſich oͤſtlich ohnweit dem Aequator in's atlantiſche Meer ergießt, nachdem er mehrere Nebenfluͤſſe auft genommen hat, die an Groͤße den Hauptfuͤſſen an⸗ derer Erdtheile wenig nachgeben; der Magdale⸗ nenfluß und Oronoko, deſſen Lauf ſich auf 450 deutſche Meilen erſtreckt; der Eſſequebo, der Ja⸗ nuariusfluß(Rio de Janeiro) in Braſilten, ei⸗ gentlich ein SeesArm; und der Rio de la Plata, welcher von den andiſchen Gebirgen kommt, als⸗ 182 dann Suͤdamerika von Norden nach Suͤden durch⸗ ſtroͤmt und ſich in's atlantiſche Meer ergießt. 4) Matuͤrliche Beſchaffenheit. In Nord⸗ Amerika haben nicht nur die allernoͤrdlichſten, ſon⸗ dern auch diejenigen Gegenden, welche mit dem brit⸗ tiſchen Reiche und dem groͤßten Theile von Deutſch⸗ land unter einerley Breite liegen, wegen ihres aͤuſs ſerſt harten Winters nur kurzen Sommer und gar keinen Ackerbau. In Neu⸗York, Penſylvanien, ei⸗ nem großen Theile von Kanada, und mehrern Laͤn⸗ dern unter der nehmlichen Breite, wie Spanien und Italien, iſt der Winter doch anhaltend und ſtrenge. Andere Provinzen des amerikaniſchen Frey⸗ ſtaates, z. B. Virginien, Maryland und Nordka⸗ rolina, die ihrer Lage nach mit Europens ſuͤdlich⸗ ſten Laͤndern gleiches Klima haben ſollten, empfin⸗ den eben ſowohl Schnee und Froſt, als die ſchwuͤlſte Hitze, und die Fluͤſſe gefrieren dort im Winter, obgleich nur auf kurze Zeit. Man ſchreibt dieß groͤß⸗ tentheils den Gebirgen, Gehoͤlzen, haͤufig vorhande⸗ nen Meeren, Seen und Fluͤſſen zu. Selbſt die noch ſuͤdlicher gelegenen Provinzen Suͤdkarolina, Georgien und Florida erfahren, wie die vorigen, eine aͤußerſt ploͤtzliche Abwechſelung der Witterung, die Urſache ge⸗ faͤhrlicher Krankheiten, beſonders bey neuankommen⸗ den Europaͤern; ſo wie auch die Nachbarſchaft des Meers und der Gebirge oͤfters ſtarke Gewitter und Regenguͤſſe verurſacht,. Mexiko, Terra firma, Guſa⸗ 24 ’ 183 na, Peru, Braſilien und die Antillen liegen im heißen Erdſtriche: dennoch iſt die Hitze hier nicht ſo groß, als in den Provinzen von Aſien und Afrika von gleicher geographiſchen Lage, weil die heftigen und beſtaͤndigen Seeluͤfte die Hitze ſehr mildern, und die Landwinde nicht wie in Afrika und manchen Gegenden Aſtens, uͤber ſandige Striche gehen. Der ſogenannte Regen⸗ Sommer(denn nach der Naturart dieſes Himmelsſtrie ches ſind hier 2 Sommer) fuͤhrt gemeiniglich große Ue⸗ berſchwemmungen mit ſich, indem das Waſſer von den hoͤchſten Bergen, und aus den großen Fluͤſſen in die Ebenen ſtroͤmt. Uebrigens zeichnet ſich in Suͤd⸗Ame⸗ rika der Boden durch viele Moraͤſte und Suͤmpfe aus; und es giebt eben ſo, wie in Nord⸗Amerika. noch eine Menge von wuͤſten unangebauten Strecken Landes⸗ Faſt die ganze oͤſtliche Kuͤſte von dem letzten Theile iſt ſandig und ſo unfruchtbar, daß hoͤchſtens nur Fichten daſelbſt wachſen; beſonders gilt dieß von den ſuͤdlichen Provinzen; denn je weiter man hier nach Suͤden kommt, deſto breitere Ebenen von duͤrrem und bren⸗ nendem Sande trift man an; jemehr man ſich aber den Gebirgen naͤhert, deſto ſchoͤner und fruchtbarer wird der Boden; deswegen findet man hier und an den Fluͤſ⸗ ſen, die eintraͤglichſten Pflanzungen. Die hoͤchſten Gebirge in Suͤdamerika ſind die andiſchen(Cordillera de los Andes), die hoͤchſten bekannten Gebirge der Erde, die zuweilen in doppelten auch wohl dreyfachen Reihen fortziehen, und von den Laͤndern oder Gegen⸗ 184 den, die ſie durchſtreichen, beſondere Namen fuͤhren. Gegen den Aequator werden ſie am hoͤchſten; ſo daß der flache Boden von Quito ſo hoch iſt, als die hoͤchſten Spitzen der Pyrenaͤen. Der Tſchimboraſſo iſt der hoͤchſte unter allen(ſeine Hoͤhe betraͤgt 19,302 pariſer Fuß), und demnaͤchſt der Coraſſon(14,856 pariſer Fuß). Verſchiedene dieſer Berge ſind Vulkane. Durch die Landenge Panama verbinden ſie ſich mit Nordame⸗ rika, wo ſie den Namen der apalachiſchen oder alli⸗ ganiſchen Gebirge erhalten, die ſich von Florida an durch ganz Nordamerika bis in die noͤrdlichen Gegenden erſtrecken, und ſich an das Gebirge Landshoͤhe an⸗ ſchließen. Die merkwuͤrdigſten Vorgebirge ſind: Cap de Raz auf Terre Neuve, Cabo Sable in Akadien, S. Lucar und Cap Blanco di San Sebaſtian in Kalifornien, Cap Mulgrawe, Lisburn, und das Eiskap an der Nordweſtkuͤſte, C. Blank, St. Maria, Honduras und Grazia a Dios in Me⸗ riko, C. de la Vela in Terra firma, des Pedros, St. Roch und Frio in Braſilten, Mary in Para⸗ guay, Cap des Vierges unten in Patagonien. Betraͤchtliche Sandbaͤnke ſind die große Bank vor Terre neuve, Sablebanc vor Akadien, St. Geor⸗ genbank u. ſ. w. 5) Hauptprodukte. Die Schaͤtze der Natur, welche Amerika beſitzt, und durch deren Verſendung es viel, theils zum Gluͤcke, theils zum Ungluͤcke von Eu⸗ ropa beygetragen hat, ſind faſt unzaͤhlig. Es zeugt 185 nicht allein die meiſten europaͤiſchen Produkte, nebſt verſchiedenen aſiatiſchen und afrikaniſchen; ſondern hat auch viele eigenthuͤmliche. Dahin gehoͤrt beſonders die Vicunha⸗(Vicogne:) Wolle in Peru von der Kaͤmel⸗ ziege; die Faͤrbehoͤlzer, als das Campechen Mahagoni⸗ Braſiliens und Fernambukholz, der Guajakbaum, der Copahubalſam in Braſilten, die mediciniſchen Rinden Caſcarille, Fieberrinde und Saſſafras; die Saſſapa⸗ rille, die verſchiedenen Arten von Manioc; der Indi⸗ go, die Cacaonuͤſſe, die Vanilleſchote, die Ananas⸗ ſorten und dergl. Der Tabak und die Kartoffeln ſind urſpruͤnglich aus Amerika zu uns gekommen, und vor der Entdeckung deſſelben ganz unbekannt geweſen. Mais oder tuͤrkiſcher Weitzen iſt von den aͤlteſten Zeiten her, die gemeinſte Nahrung der Einwohner. Die vornehm⸗ ſten, Amerika eigenen Thiere ſind: der Alligator(eine Art von Krokodillen), die Klapperſchlange, das Stink⸗ thier, das Faulthier, der Geyerkoͤnig, der Kolibri, der Flamingo, der Agami oder Trompeter, ſchoͤne Ar⸗ ten von Papageyen, die Cochenilleninſekten, die von einer Art Feigen geſammelt, und als eine koͤſtliche Purpurſatbe gebraucht werden; die Muskitos, Kaker⸗ laken, und eine Art großer Fledermaͤuſe, welche den Amerikanern zu großen Plagen gereichen. Gold und Silber beſitzt Amerika ſo haͤufig, daß, wenn es eher, als die uͤbrigen Erdtheile kultivirt worden waͤre, dieſe beyden Metalle wahrſcheinlich nicht zum Maaßſtabe des Werthes der Dinge gemacht ſeyn wuͤrden; auch iſt 186 ihm die Platina eigen Suſ die meiſten der oben ge⸗ nannten Produkte, nebſt Queckſilber, Perlen, Edel⸗ ſteinen, Viehhaͤuten, Pelzwerk, Baumwolle, Zucker, Pfeffer, Ingwer, Terpentin, Harz, Wachs, Gum⸗ mi, Maſten, Segelſtangen, Dielen, Oel, Pech, Theer, Stockfiſchen, Kabeljau, Wallſiſchen, werden von den Spaniern, Portugieſen, Britten, Batavern, Franzoſen, Daͤnen und Schweden ausgefuͤhrt, und dagegen allerley Manufakturen⸗ und Fabriken Waaren, wollene und ſeidene Zeuge, eiſernes und kupfernes Hausgeraͤth, Gewehre, Pulver und Bley, Leinwand, Kleidungsſtuͤcke, Spiegel, Wein, Brantewein ꝛc. ein⸗ geführt. Eigene Fabriken und Manufakturen von Er⸗ heblichkeit findet man nur in den nordamerikaniſchen Freyſtaaten(wenigſtens nehmen ſie, ſo wie auch der Handel, hier mit der Bevoͤlkerung immer mehr zu), und hin und wieder in den ſpaniſchen Beſitzungen, wo indeß, um der Einfuhr aus Spanien nicht zu ſchaden, nur gemeine Waaren gellefert werden. 6) Einwohner. Ihre Zahl laͤßt ſich unmoͤglich mit Genauigkeit beſtimmen, nur ſo viel iſt ausgemacht, daß Amerika ungemein arm an Menſchen iſt(weshalb einige Geographen fuͤr dieſen ganzen Erdtheil nur 20 Millionen annehmen, welche Zahl jedoch viel zu ge⸗ ring ſcheint). Im nordamerikanlſchen Freyſtaate ſol⸗ len gegenwaͤrtig uͤber 5 Millionen Menſchen leben, und die Volksmenge ſteigt wegen der Einwanderungen aus Europa noch immer, obgleſch die meiſten der da⸗ 187 hin gehenden Europaͤer das ertraͤumte Gluͤck dort wohl ſchwerlich finden duͤrften. Amerika's Bewohner ſind theils Eingeborne, theils Europaͤer von verſchiedenen Nationen, und theils Neger, die von den Europaͤern als eine brauchbare Waare aus Afrika nach Amerika gefuͤhrt werden. Kinder von Negermuͤttern und weiſ⸗ ſen europaͤiſchen Vaͤtern, heißt man hier Mulatten; und Kinder von weißen Vaͤtern und amerikaniſchen Muͤttern Meſtizen. Die von europaͤiſchen Eltern in Amerika gebornen nennt man Kreolen, und die außer Afrika gebornen Neger, Kreol⸗Neger.— Die eit gentlichen Amerikaner(oder Indianer) ſind uͤberhaupt, gegen andere Nationen gerechnet, von Leibesgeſtalt groß, ſtark, breitſchulterig, und beynahe alle ohne Bart. Ihre Koͤpfe ſind durch die Kunſt laͤnglicht und zugeſpitzt; die Stirn kurz und platt, die Augen klein, ſchwarz, ohne Ausdruck; die Naſe kurz, dick und platt, die Naſenloͤcher weit, der Mund groß, die Lippen dick und aufgeworfen, die Ohren groß, und noch durch ſchwere Ohrgehaͤnge verlaͤngert, welche bey manchen Voͤlkern ein ſo ungeheures Gewicht haben, daß die Ohrlappen dadurch bis auf die Schultern herabgezogen werden. Die Farbe ihrer Haut iſt in Canada braun, in Florida, Louiſtana und Mexiko olivenfarbig, im untern oder ſuͤdlichen Theile kupferfarbig, in den andi⸗ ſchen Gebirgen aber und in der Erdenge weiß. Ihre Geberden ſind ernſthaft und ſtolz, dabey ſind ſie aber faſt durchgaͤngig dumm, aberglaͤubiſch und traͤge, in 188 einigen Faͤllen ſchuͤchtern und verzagt, in andern herz⸗ haft, kuͤhn, und gegen ihre uͤberwundene Feinde bis zur Ausſchweifung grauſam. Einige der bekannteſten indiſchen Voͤlkerſchaften ſind: die Eskimos und Kriks oben im Norden, die Irokeſen, Huronen, Ilinaͤer ꝛc. in Nordamerika;—. die Caraiben, welche zum Theil auf den kleinen Antilleninſeln wohnen, die Abiponer, Araukaner, Topinamber, Tapuyer, Patagonier und Peſcheraͤs in Suͤdamerika. Die Hauptſprachen der ſo⸗ genannten wilden Indianer ſind: die tſchipiwaͤiſche, huroniſche, mohawkiſche, die Quichuaſprache u. ſ. w. nach verſchiedenen Mundarten; alle ſehr arm, und ein Beweis der geringen Cultur und wenigen Beduͤrfniſſe dieſer Voͤlker. In den europaͤiſchen Beſitzungen herr⸗ ſchen auch die Sprachen der Beſitzer, in Canada wird haͤufig franzoͤſiſch, und in den vereinigten Provinzen, engliſch, hollaͤndiſch, deutſch, franzoͤſiſch, ſchwediſch u. ſ. w. geſprochen. Um die Wiſſenſchaften ſteht es in den letztern Staaten ziemlich gut, und es ſind Univer⸗ ſitaͤten, Bibliotheken, Buchdruckereyen, Buchlaͤden und Schulen aller Art vorhanden; in den ſpaniſchen Beſitzungen ſind zwar auch einige Univerſitaͤten, aber ihre Einrichtung ſoll nicht die beſte ſeyn, und daher koͤnnen ſie zur Verbreitung nuͤtzlicher Kenntniſſe wenig beytragen. 7) Religion. In Groͤnland und den Hudſons⸗ bailaͤndern, giebt es Lutheraner und Herrnhuter, in den vereinigten Provinzen Presbyterianer, Katholi⸗ — —— 189 ken, Quaͤcker, Wiedertaͤufer, und faſt alle andere Religionsſekten. In den ſpaniſchen, portugieſiſchen und franzoͤſiſchen Beſitzungen herrſcht die katholiſche Religion.(In den ſpaniſchen ſind 44 Erzbiſchoͤfe und Biſchoͤfe, nebſt 3 Inquiſitionsgerichten.) In den bataviſchen Beſitzungen findet man Reformirte, 4 Lutheraner und Juden, und die freyen Indianer ſind, wenige zum Chriſtenthum bekehrte ausgenommen, ſaͤmmtlich Heiden und Fetiſchanbeter. 8) Regierung. Die europaͤtſchen Nationen has ben in ihren Kolonien auch ihre eigenen Regierungs⸗ formen eingefuͤhrt, und laſſen ſie durch Gouverneure und Statthalter regieren. Der im Jahr 1776 er⸗ richtete, und im Pariſer Frieden vom Jahr 1783 von den Britten, welche vorhin die Oberherrſchaft uͤber die dazu gehoͤrigen Laͤnder hatten, anerkannte nordamertkaniſche Freyſtaat, beſteht gegenwaͤrtig aus 16(anfangs nur 13) von einander unabhaͤngigen Re⸗ publiken, die durch den, aus Deputirten aller Pro⸗ vinzen beſtehenden General⸗Kongreß mit einander ver⸗ bunden werden.— Von den freyen indianiſchen Voͤl⸗ kerſchaften ſind viele Nomaden; andere wohnen in zuſammengebauten Ortſchaften, welche gewoͤhnlich un⸗ ter Caciken(auch wohl vom weiblichen Geſchlechte) oder Sachems, und von dieſen wieder einige mit ein⸗ ander in Verbindung, unter einem gemeinſchaftlichen Oberhaupte ſtehen, welches bey mancher dieſer Na⸗ tionen Mingo genannt wird. Eigentlichen Adel ha⸗ ... 190 ben die Indtaner nicht, ſondern dasjenige Geſchlecht, das die andern an Klugheit und Tapferkeit uͤbertrift, wird als edel angeſehen; und ſo lange dieſe Eigen⸗ ſchaften bey einem Geſchlechte bleiben, ſo lange bleibt auch der Adel. Aus den aͤlteſten der edlen Geſchlech⸗ ter werden die Hauptleute und Feldherren erwaͤhlt, deren Stimmen man in den Verſammlungen als End⸗ urtheile anſteht.(Als die Spanier das Koͤnigreich Peru eroberten, fuͤhrten die Koͤnige daſelbſt den Ti⸗ tel Inca.) 9) Eintheilung. Ueberhaupt in Nordame⸗ rika, Weſtindien und Suͤdamerika. I. Nord⸗ amerika beſteht 1) aus Groͤnland mit der Inſel Spißsbergen; 2) den Hudſonsbaylaͤndern; 3) dem brittiſchen Nordamerika, beſtehend aus den Gou⸗ vernements Neufoundland(mit der Kuͤſte von La⸗ brador), Quebeck, oder Brittiſch⸗Canada, Neu⸗ ſchottland, mit der Inſel Cap Breton, und Neu⸗ braunſchweig⸗ wozu noch die brittiſchen Niederlaſ⸗ ſungen am Nutkaſunde kommen. 4) Aus dem nord⸗ amerikaniſchen Freyſtaate, weſcher die 16 Provinzen, Neubampſhire, Maſſachuſetts, Rhode⸗Jos⸗ land, Connecticut, Nev⸗ Pork, Nev. Jerſey, Penſylvanien, Delavare, Maryland, virgi⸗ nien, Nord und Suͤd⸗Carolina, Georgien, Geneſſee⸗Land, Vermont, Rentucket, Frank⸗ land, nebſt dem Congreßlande, oder dem nord⸗ weſtlichen und ſuͤdweſtlichen Gebiete von Ohio be⸗ 191 greift. 5) Aus dem ſpaniſchen Nordamerika, wozu . man das Gouvernement Jlorida und Louiſiana (wiewohl hier die Eingebornen den groͤßten Theil des Landes inne haben), die Statthalterſchaft Neume⸗ xiko mit Neu⸗Navarra und der Halbinſel Kali⸗ fornien, und das Vice⸗Koͤnigreich Alt⸗Mexiko oder . Neuſpanien rechnet. 6) Aus den der Herrſchaft der Europaͤer und des nordamerikaniſchen Freyſtaats nicht unterworfenen Laͤnder der freyen Indianer.— II. Weſtindien begreift: 1) die großen anttlliſchen In⸗ ſeln Cuba und Porto⸗Rifo(ſpaniſch), Jamaika (brittiſch), St. Domingo(franzoͤſiſch). 2) Die kleinen antilliſchen oder karaibiſchen Inſeln, worunter St. Thomas, St. Croip und St. Jean daͤniſch; St. Barthelemi ſchwediſch; Euſtaz, Saba, St. Martin und Curaſſao bataviſch; Guadeloupe, Martinique, St. Lucia und Tabago, nebſt mehrern kleinern, franzoͤſiſch; Anguilla, St. Chri⸗ ſtophers oder St. Kitts, Antigoa, Dominica, Trinidad, St. Vineent, Barbadoes, Grena⸗ da nebſt den Grenadillen aber brittiſch ſind. 3) . Die Lukagyiſchen oder Bahama⸗Inſeln, worunter Providence, Abaco, Lukaya und Guanaha⸗ mi oder St. Salvador, wo Columbus 1492 zuerſt anlandete, die betraͤchtlichſten ſind(brittiſch). 4) Die . bermudiſchen Inſeln, wovon St. George die groͤßte iſt(ebenfalls brittiſch). III. Zu Suͤdamerika gehoͤren: 1) die ſpaniſchen Beſitzungen, nehmlich das Vice Koͤntgreich Neu Granada(mit Terra firma, einem Theile von Guiana und der Provinz Qulto), das Vice⸗Koͤnigreich Deru und das Vice⸗Koͤnigreich Rio de la Plata(wozu ein Theil von Chilt, Pa⸗ raguay und Tucuman gehoͤrt); ferner rechnet man gewoͤhnlich noch Patagonien oder Magellansland zu den ſpaniſchen Beſitzungen, obgleich der Einfluß der Spanier gar nicht von Bedeutung iſt. 2) Das por⸗ tugieſiſche Suͤdamerika, wozu das ſüdoͤſtliche Guiana, der groͤßte Theil des ſogenannten Amazonenlandes, Braſilien, nebſt Stuͤcken von Peru und Paraguay gehoͤrt. 3) Das bataviſche Suͤdamerika, ein Diſtrikt von Gutana mit den Kolonten Eſſequebo, Deme⸗ rary, Berbice und Surinam. 4) Das franzoͤſi⸗ ſche Suͤdamertka(France equinoxiale), ebenfalls ein Strich von Guiana. 5) Das Feuerland(Tierra del Fuego) Neu⸗ oder Suͤd⸗Georgien, Sandwich⸗ land; die Falklands⸗Inſeln; die unbewohnten gallas pagiſchen oder Schildkroͤten⸗Inſeln, nebſt der Inſel Ivan Jernandes mit der Cumberlandsbay, be⸗ kannt wegen des Aufenthalts des Schotten Alexan⸗ der Selkirk, deſſen Geſchichte zu den Robinſonaden Anlaß gab.. 10) Die vornehmſten Oerter. I. 1) In Groͤnland haben die Daͤnen 13 Kolonien, und die Herrnhuter die Miſſionsplaͤtze Neuherrnhut, Lich⸗ tenfels und Lichtenau; 2) In den Hudſonsbay⸗ laͤndern hat eine engliſche Handelsgeſellſchaft verſchie⸗ 193 dene Forts, und die Herrnhuter 3 Miſſionsplaͤtze. 3) Auf der Inſel Neufoundland iſt Placentia H. Hf. in Canada, Quebec am Lorenzfluſſe, H. Hf. mit 15000 E. Montreal F.— In Neuſchottland: Ha⸗ lifax Hf. mit 12,000 E. LMneburg und Annapo⸗ lis; in Neubraunſchweig, die Stadt gleiches Namens, und Shelburne H. Hf. mit 13,000 E. und auf der Inſel Cap Breton liegt CLouisburg Hf. 4) In dem nordamerikaniſchen Freyſtaate ſind die betraͤchtlichſten Oerter, und zwar 1) in Neuhampſhire: Portsmuth Hf. mit einer Akademie; 2) in Maſſachuſetts: Boſton Hſt. Hf. mit wichtigen Fabriken und 20,000 E. Sa⸗ lem, Cambridge u. Portland Hf. 3) In Rho⸗ de⸗Island: Providence Hf. und Nevport Hf. 4) In Connecticut: Hartford H. Newhafen u. 5) In New⸗York; Neujork Hſt. Albany auf der In⸗ ſel LCong⸗Jsland. 6) In Nev⸗Jerſey: Perth⸗ Amboy H. Hf. Trenton. 7) In Penſylvanien: Philadelphia, der ehemalige Sitz des Congreſſes, U. Hf. Germantovn(Oſchermentaun), Frankfort; Bethlehem, Hauptſtadt der vereinigten Bruͤder, mit bluͤhenden Manufakturen, ſo wie auch Nazareth. 8) In Delavare: Newcaſtle und Wilmington Hſt. 9) In Maryland: Annapolis U. Belfaſt Hſt. Hf. Baltimore, und die neue Stadt Waehington, ge⸗ genwaͤrtig die Haupt⸗ und Bundesſtadt des nordameri⸗ kaniſchen Freyſtaats. 10) In Virginien: Williams⸗ burg u. Richmond H. 11) In Nordkarolina: N 194 Raleigh H. Jayetteville, ſonſt Croß Creek Hſt. 12) In Suͤdkarolina: Columbia H. Charlestovn Hſt. Hf. 13) In Georgien: Savannah. 14) In Vermont: Bennington. 15) In Kentucket: Le⸗ xington und Louisville Hſt. Hf.— 5) In Florida liegen: St. Auguſtin und Penſacola Hf. In Loni⸗ ſiana: Neu Orleans F. auf einer Inſel an der Muͤndung des Miſſiſippi; in Neu⸗ Mexiko: St. ge H. In Californien: Monterey Hf. und in Altme⸗ riko: Mexiko H. Hſt. U. mit mehr als 100,000 Ein⸗ wohnern. Acapulco, Tlaſcala, Guadaloxpara u. Campeche, auf der Halbinſel Yucaten. Guati⸗ mala U. Hſt. 6) In dem Gebiete der freyen India ner ſind keine Staͤdte von Erhabticäleſt II. 1) Auf der Inſel Cuba it die H. Havana F. Hf. U. mit 25,000 E. ferner St. Jago de Cuba; auf Porto⸗Riko: St. Juan de Porto⸗Rico F.— Auf Jamaika: Kingſton und Port⸗Royal.— Auf St. Domingo: Leogane, Port au Prince, Cap Frangois, St. Domingo F. 2) Auf der Inſel St. Thomas iſt die Stadt gleiches Namens; und auf St. Croix die Staͤdte Chriſtianſtadt und Friedrichs⸗ ſtadt.— Auf Curaſſao liegt die ſchoͤne Stadt Wil⸗ helmsſtadt Hf.— Auf Guadeloupe: Baſſeterre. — Auf Martinique: Port⸗Royal(republican).— Auf St. Chriſtoph: Baſſeterre und Sandypoint. — Auf Antigog: St. John.— Auf St. Vincent: 1 195 Ringſton,— und auf Barbados: Bridgetown (Bridſchtaun). 3) Auf der lukayiſchen Inſel Provi⸗ dence liegt das Fort Naſſau, mit einem Hafen; und 4) auf der bermudiſchen Inſel St. George liegt die H. gleiches Namena III. 1 In Terra firma finden ſich Porto bello (Puerto de Velo) F. Hf. Panama Hf. Carthagena F. Hſt. St. Martha Hf. Venezuela, Popayan, Caracas, Santa§e de Bojota R. des Vicekoͤnigs, u.— In der Provinz Quito liegt Quiro, die hoͤchſte Stadt auf unſerm Erdboden.(Sie wurde aber 1797 nebſt mehrern andern durch ein heftiges Erdbeben faſt ganz vernichtet.) In Peru: Lima H. R. des Vice⸗ koͤnigs, U. gute Fabrik und Hſt. mit 60,000 E. mit dem Hafen Callao. Cuſco, Sitz der alten Incas; Potoſi, beruͤhmt wegen eines jetzt beynahe erſchoͤpften Silberbergwerks. In Chili: St. Jago de Chile H. Hſt. uUu.— In Paraguagy: Buenos Ayres am Ausfluſſe des Platafluſſes, R. eines Vicekoͤnigs, Hf. F. Hſt. mit 40,000 E. und die Colonie St. Sagra⸗ ment. In Patagonien liegt Ciudad del Rey u. ſ. w.— 2) In dem portugieſiſchen Suͤdamerika: Rio de Janeiro H. von Braſilien, Hſt. mit der Citadelle St. Sebaſtian, und 30,000 E. St. Salvador F. mit 20,000 E. Pernambuco oder Olinda. Para Hf. 3) Im bataviſchen Suͤdamerika liegen: Para⸗ maribo H. Demerary, Eſſequebo und Amſter⸗ N 2 196 dam. 4) Im franzoͤſiſchen: Cayenne auf der Inſel gleiches Namens. 5) Von den Falklands⸗Inſeln bes ſitzen(wahrſcheinlich) die Spanier die kleinere oͤſtliche, von dem franzoͤſiſchen Weltumſegler Bougainville Port Louis genannt, worauf Port Soledad liegt. XXI. Auſtralien. 1) Lage. Auſtrallen(auch Suͤdindien und Polyne⸗ ſien, oder die Inſelwelt genannt) liegt groͤßtentheils auf der ſuͤdlichen Haͤlfte der Erdkugel zerſtreut, und mit Ausſchluß der Sandwich Inſeln, zwiſchen dem Aequa⸗ tor, und dem 48° und 600 ſuͤdlicher Breite, u und dem 90° bis 234 weſtlicher Laͤnge. 2) Groͤße.(S. I. 71.) 3) Gewaͤſſer. Die Suͤdſee; verſchiedene Meer⸗ engen, z. B. die Endeavours⸗(Indewwer) ſtraße zwit ſchen Neu⸗Guinea und Neu⸗Holland, die Dampiers⸗ Pitts, Byrons⸗ Cooksſtraße, der Georgs⸗ Kanal u. ſ. w. Stroͤme und Fluͤſſe von Betraͤchtlichkeit ſind ücht vorhanden. 4 Matuͤrliche Beſchaffenheit und Produkte. Das Kllma in ganz Auſtralten iſt milde, und zum Theil heiß; in Neu⸗ Seeland aber iſt die Witterung rauher, als in den andern Inſeln. Einige derſelben haben hohe Berge(z. B. der Manua Koah auf Owaiht uͤber 18,000 Fuß hoch) und Vulkane, wie man denn auch mehrern Inſeln Auſtrallens vulkaniſchen Urſprung bey⸗ legt. Verſchiedene werden von Korallen Baͤnken um⸗ geben. Die Produkte ſind meiſt denen des ſuͤdlichen 198 Aſiens gleich, und eins der vorzuͤglichſten iſt der Brod: fruchtbaum. Von Edelſteinen und Metallen hat man aber bisher nur wenige Spuren entdeckt. 5) Pinwohner. Auſtraliens Bewohner ſind entweder Nichtſchwarze, deren Farbe vom Gelbweißen bis zum Schwarzbraunen ſteigt, und wohin die Neu⸗ Seelaͤnder, die Einwohner der freundſchaftlichen, der Sandwich⸗ Societaͤts und Oſter⸗Inſeln gehoͤren; oder Schwarze, theils wahre Neger, theils negeraͤhn⸗ lich, wie z. B. die Neu⸗ Hollaͤnder, Neu⸗ Guineer u ſ. w. Ihre Zahl mag ſich wahrſcheinlicher Weiſe etwa auf 2 Millionen belaufen. In Abſicht der Kultur ſte⸗ hen ſie im Ganzen genommen, noch auf einer ſehr nie⸗ dern Stufe; jedoch zeichnen ſich unter ihnen die Be⸗ wohner der freundſchaftlichen und der Societaͤts Int ſeln, beſonders aber der Inſel Owaihi durch Geſchick⸗ lichkeit und Induſtrie aus. Ihre Sprachen haben viele Aehnlichkeit untereinander; am meiſten verbreitet iſt die taitiſche. 6) Regierung. Die Britten und Hollaͤnder eig⸗ nen ſich verſchiedene Gegenden zu; andere haben gewiſſe Oberhaͤupter und Koͤnige, mit mehr oder weniger Ge⸗ walt und Vorzuͤgen; noch andere leben ganz ohne Re⸗ gierungsform. 7) Religion. Einige der Suͤdſee⸗ Inſulaner haben Prieſter, und verehren mehrere Gottheiten, deren faſt jede Inſel ihre eigenen hat, und denen ſie — 199 Menſchenopfer bringen, andere haben weder Prieſter noch gottesdienſtliche Verſammlungsplätze.. 8) Namen der vornehmſten Inſeln. a. Suͤdlich vom Aequator. 1) Neuholland, die groͤßte, von welcher die Hollaͤnder ſich den noͤrdlichen und weſtlichen’, die Britten aber den oͤſtlichen Theil zueig⸗ nen, welchen ſie Neu Suͤd Wales nennen. Die Botany⸗ Bay(Boͤttni Baͤ), Port⸗Jakſon, d ie neue Stadt Albion, und die neue Grafſchaft Cum⸗ berland liegen hier. Von der ſuͤdlichen Kuͤſte kennt man blos die aͤußerſte Spitze, das Land Diemen. 2) Neu⸗Guinea, nach der vorigen die groͤßte In⸗ ſel im Suͤdmeere. Ein Theil davon wird das Land der Papuer(Kuͤſtenbewohner) genannt. 3) Neu⸗ Britannien, Neu⸗Irrland und Neu; Hanno⸗ ver, wovon die zweite von der erſtern durch den Georgskanal, und die dritte von der zweyten, durch die Byronsſtraße getrennt wird. 4) Neu Caledo⸗ nien mit dem Prinz⸗Wales⸗Vorgebirge. 5) Die Neuhebridiſchen Inſeln, worunter Mallicolo die anſehalichte iſt. 6) Neu⸗Seeland, welche aus 2 Inſeln beſteht, die durch einen Canal, Cooksſtraße Jenaane⸗ von einander abgeſondert ſind. Hier liegt der Pik Egmont, 10,000 Fuß hoch. 7) Die So⸗ cietaͤts⸗Inſeln, unter welchen Otaheite oder Taiti die bekannteſte, groͤßte, volkreichſte, und zugleich eine der kultivirteſten im Suͤdmeere iſt. Sie hat einen ſehr hohen Berg. 8) Die Salomons Admira⸗ 200 litaͤts: Charlotten, freundſchaftlichen, Mar⸗ keſas, Oſter⸗ und Pfingſt⸗Inſeln u. ſ. w. b. Noͤrdlich vom Aequator: 1) Die Saͤndwich; In⸗ ſeln. Auf der dazu gehoͤrigen Inſel Owaihi, welche 50 Meilen im Umfange, und an 150,000 Einwoh⸗ ner hat, verlor Cook im Jahr 1770 ſein Leben. Hier liegt auch der vorhin erwaͤhnte Berg Manuah Koah, nebſt mehrern andern. 2) Die Inſeln Mulgrave und Necker. (Zu Seite 31) 6 II Das deutſche Reich, nebſt Boͤh⸗ mmen, Maͤhren u.. WwW. a) Deutſchland uͤberhaupt. 1) Lage und Graͤnzen. Das deutſche Reich(auch das heilige Roͤmiſche Reich deutſcher Nation genannt) liegt zwiſchen dem 23 und 360 der Laͤnge, und dem 45 bis 550° noͤrdlicher Breite. Gegen Norden graͤnzt es an das deutſche Meer, Daͤnemark(insbeſondere das Herzogthum Schleswig, wovon es durch die Ey⸗ der und den holſteinſchan Kanal getrennt wird) und an die Oſtſee; gegen Oſten an Weſt, und Suͤdpreuſ⸗ ſen, Gallizien und Ungarn; gegen Suͤden an das adriatiſche Meer, das oͤſterreichiſche Herzogthum Ve⸗ nedig, die italieniſche und helvetiſche Republik, und. gegen Weſten an Frankreich,(wovon es der Rhein ſcheidet,) und die bataviſche Republik. 2) Groͤße. Seine groͤßte Ausdehnung betraͤgt von Suͤden gegen Norden 144, und von Weſten ge⸗ gen Oſten etwa 110 deutſche Meilen. Die ganze Oberflaͤche enthaͤlt(mit Ausſchluß des preußiſchen An⸗ theils an Schleſien, aber den oͤſterreichiſchen Antheil, Bohmen⸗ Maͤhren und die Lauſitz mit einbegriffen) 1 202 2 2 gegenwaͤrtig nur noch in runden Zahlen 10,500 geo⸗ graphiſche Quadratmeilen; da es vor dem Luͤneviller Frieden deren uͤber 11,700 hatte. 3) Gewaͤſſer. Außer den oben angegebenen Meeren, welche Deutſchland gegen Suͤden und Nors den umſtroͤmen, hat es noch viele Landſeen; mehr als 500 große und kleine, und darunter uͤber 6o ſchiff⸗ bare, Fluͤſſe, mineraliſche Quellen, Geſundbrunnen u. ſ. w. Unter den Landſeen zeichnen ſich als die merkwuͤrdigſten aus: 1) Der Boden: oder Coſt⸗ nitzerſee zwiſchen Helvetien und Schwaben. 2) Der Chiemſee in Baiern. 3) Der Cirknitzer See in Krain, 3) Der Duͤmmer und Steinhuder ⸗ See in Weſtphalen. 5) Der Muͤritz im Meklenburgi⸗ ſchen, nebſt mehrern andern in Pommern, der Mark und Holſtein. Deutſchlands Hauptſtroͤme ſind: 1) die Donau; 2) der Rhein; 3) der Main; 4) die Plbe; 5) die Weſer und 6) die Oder; unter wel⸗ chen die Donau von Weſten nach Oſten, der Rhein, die Weſer und die Oder nach Norden, der Main nach Weſten, und die Elbe nach Nordweſten ſtroͤmt. Die Donau insbeſondere entſteht in Schwaben, ober⸗ halb Ulm, in deſſen Nihe ſie die Iler aufnimmt, ſchiffbar wird, ſich ſodann außer andern minder be⸗ traͤchtlichen Gewaͤſſern unterhalb Donauwerth, durch den Lech, unterhalb Deckendorf durch die Iſer, bey Paſſau durch den Inn, und bey der Stadt Ens durch die Ens vergroͤßert; unterhalb der oͤſterreichi⸗ — . 203 ſchen Stadt Haimburg in Ungarn eintritt, und end⸗ lich als der groͤßte Strom Europens ins ſchwarze Meer ausfließt. Der Rhein hat in Helvetien ſeis nen Urſprung, fließt durch den Bodenſee, macht als⸗ dann die Graͤnze zwiſchen Deutſchland und Frankreich, und theilt ſich in der bataviſchen Republik in mehrere Arme. Er nimmt bey Mannheim den Necker, bey Mainz den Main, bey Oberlahnſtein die Lahn, unweit Duisburg die Ruhr, und bey Weſel die Lippe auf. Bis Mainz fuͤhrt er den Namen des Ober⸗Rheins, und von ſeiner daſigen Vereinigung mit dem Main an, den Namen des Nieder Rheins. Der Main entſteht im Fraͤnkiſchen Kreiſe auf dem Fichtelberge, und geht mit mehrern kleinern Fluͤſſen, z. B. der Regnitz und Tauber bey Mainz in den Rhein. Die Elbe entſpringt an der ſchleſiſchen Graͤnze auf dem Rieſengebuͤrge, und faͤllt in die Nord: ſee, nachdem ſie in Boͤhmen durch die Moldau und Eger, im Oberſaͤchſiſchen Kreiſe durch die Mulde, Saale und Havel verſtaͤrkt worden war. Die We⸗ ſer erhaͤlt dieſen Namen erſt bey Muͤnden im nieder⸗ ſaͤchſiſchen Kreiſe, wo die zwey ſchiffbaren Fluͤſſe Fulda und Werre zuſammenfließen. Sie nimmt waͤhrend ihres fernern Laufes in die Nordſee bey Verden die Aller, und im Herzogthum Bremen die Wuͤmme auf. Die Oder oder Ader hat ihre Quelle in eini⸗ ger Entfernung von den karpathiſchen Gebirgen, fließt durch Schleſien, wo ſie ſich durch die Bober und 30 4 Reiſſe, durch die Mark Brandenburg, wo ſie ſich durch die Warte, vergroͤßert, und durch Pommern in das große Haff, und daraus in die Oſtſee.— Die bekannteſten Baͤder und Geſundbrunnen ſind zu Baden in Oeſterreich, zu Ems, Wisbaden, Lan⸗ genſchwalbach, Selters, Pyrmont, Toͤplitz und Karlsbad in Böhmen, u. ſ. w. e 40 KNatuͤrliche Beſchaffenheit. Deutſehland hat in ſeiner ſuͤdlichen Haͤlfte ſehr viele und große Gebirge; im noͤrdlichen Theile dagegen verlieren ſich Berge und Anhoͤhen mehr in Ebenen, und das Land wird uͤberhaupt gegen die Kuͤſten der Oſt; und beſon⸗ ders der Rordſee hin, ſo niedrig, daß es durch koſts bare Deiche und Daͤmme gegen die Fluthen des Meers geſchuͤtzt werden muß. Dagegen hat der Nor⸗ den mehr duͤrres Haides und Sande auch Sumpfland als der Suͤden, obgleich die Natur jene Einoͤden wies der durch fette Marſchlaͤnder verguͤtet hat. Die Haupt⸗ gebirge des ſuͤdlichen Deutſchlande ſind: der Schwarz⸗ wald, und die rauhe Alb in Scchihaben; die tyro⸗ ler Alpen mit ihren Gletſchern, der Rahlenberg, 2 8 (von Wien her durch Steyermark und Kaͤrnthen bis in Krain) das ſudetiſche Gebirge zwiſchen Boͤhmen, Maͤhren und Schleſten, wovon das Rieſengebirge ein Theil, und deſſen hoͤchſter Gipfel die Schnee⸗ Foppe(Hoͤhe 4887 Pariſer Fuß) iſt. In der Mitte von Deutſchland in Franken liegt der Fichtelberg, und noͤrdlich der Harz mit dem Brocken(Hoͤhe zor 3276 Pariſer Fuß). In der ſaͤdlichen Haͤlfte iſt Deutſchland der mehrern Gebirge wegen waldichter, als in der noͤrdlichen. Die groͤßten aller deutſchen Waͤlder, welche zum Theil ſich viele Meilen in die Laͤnge und Breite erſtrecken, ſind: der Boͤhmer⸗ wald, der Birnbaumerwald in Krain, der Speſ⸗ ſart, der Schwarzwald, der Harz“ und der Thuͤ⸗ ringer⸗Wald.— Deutſchlands Luft und Witterang iſt zwar im Ganzen gut und geſund, da es in der Mitte des gemaͤßigten noͤrdlichen Erdſtrichs liegt; aber dennoch iſt ſein Klima nach Verſchiedenheit der Ober⸗ flaͤche des Bodens oft in wenig Meilen ungemein verſchieden. Am mildeſten und ſchoͤnſten iſt es in ſei⸗ nen mittlern Provinzen; den ſuͤdlichen Theil erhalten meiſt Gebirge und Waͤlder rauh; obgleich auch in off⸗ nern Thaͤlern und Ebenen, ſelbſt italieniſches Klima iſt. Der ebene Norden wird hier und da durch ſte⸗ hende Waſſer und Suͤmpfe, durch Muͤndungen großer Fluͤſſe und Seeluft feucht. 5) Haupt⸗Produkte. Deutſchland iſt theils ſchon an und fuͤr ſich von der Natur mit ſehr reichen Gaben ausgeſtattet; theils durch menſchliche Pflege nach Maaßgabe ſeiner Gegenden faſt zur Hervorbrin⸗ gung aller Erzeugniſſe geſchickt, und wird bey der thaͤ⸗ tigen Wirkſamkeit ſo vieler gutgeſinnten Fuͤrſten und Landesobrigkeiten hin und wieder an Produkten, wie an nutzbarer Oberflaͤche immer reicher und mannichfal⸗ tiger. Es hat ſowohl an den Kuͤſten der See als im Innern vermittelſt ſeiner vielen Fluͤſſe und Gewaͤſſer 206 einen Uleberfluß an Fiſchen von mancherley Art, auch findet man in einigen Fluͤſſen Perlenmuſcheln. Die zahlreichen Waͤlder ſind voll Wild, wiewohl leider noch immer in manchen Gegenden zur Plage der Ein: wohner. Woͤlfe ſind jetzt ſelten; Elendthiere und Baͤt ren aber, die ſonſt haͤufig vorhanden waren, ganz un⸗ ſichtbar geworden. In verſchiedenen deutſchen Pro⸗ vinzen giebt es eine Menge Hamſter, Gemſen und Steinboͤcke. Pferde von allerley Gattungen ſind in einigen Gegenden im Ueberfluſſe vorhanden, andere leiden Mangel daran. Schaafe hat Deutſchland mehr als 12 bis 13 Millionen, deren Wolle, von verſchiede⸗ ner Guͤte, man haͤufig durch fremde zu veredeln ſucht; und nicht geringer iſt verhaͤltnißmaͤßig auch die uͤbrige Viehzucht; worunter das Rindvieh in den Marſchlaͤn⸗ dern, die Schweine in Weſtphalen, die Gaͤnſe in Pommern, nebſt den Kapaunen in Boͤhmen und Steyermark an Menge und Guͤte ſich beſonders aus⸗ zeichnen; einiger Arten des wilden Gefluͤgels nicht zu gedenken. Die Bienenzucht und der Seidenbau ſind nur in einigen Provinzen von Bedeutung. Im Pflan⸗ zenreich zeichnet ſich Deutſchland durch ſeinen Ueber⸗ fluß an Getreide(beſonders Roggen, Dinkel, Spelz und Sommergerſte), Baumfruͤchten(in ſuͤdlichen Pro⸗ vinzen auch Citronen, Pomeranzen und Oliven), Wein, Flachs und durch ſeine Holzungen aus, wenn gleich die letztern durch unwirthſchaftliche Verſchwen⸗ dung hier und da bereits ſtark ausgelichtet ſind. Sonſt baut man auch Waid, Krapp, und andere Faͤrbe⸗ — 6 207 traͤuter, Hopfen, Tabak, Hanf und Rhabarber. In Deutſchlands Bergwerken ſowohl als in mehrern ſei⸗ ner Fluͤſſe findet ſich Gold, obgleich jetzt in geringe⸗ rer Menge als ehemals. An Silber, einem Haupt: produkte Deutſchlands dagegen, werden jaͤhrlich etwa 200,000 Mark, ſo wie an Kupfer 100,000 Centner gewonnen. Auch mit Zinn, Eiſen, Bley, Queckſil⸗ ber, Halbmetallen aller Art, vornehmlich mit Kobolt iſt es theils reichlich und uͤberfluͤßig, theils hinlaͤng⸗ lich verſehen. Wichtige Erzeugniſſe, wodurch in meh⸗ rern Gegenden der Mangel an Holz erſetzt wird, ſind Steinkohlen und Torf. Stein und Brunnenſalz iſt nicht nur hinlaͤnglich zu eigenem Bedarf, ſondern es wird deſſen jaͤhrlich eine Menge dem Auslande zuge⸗ fuͤhrt. Von ſeltnern Erdarten und Steinen findet man hier vortreffliche Porzellanerde, Thon, Mergel, Waͤlker: Siegel⸗ und Farben Erde, Marmor, Ala⸗ baſter, Serpentinſtein, Achat, Jaſpis, Topaſen u. ſ. w. Bey dieſen ſo reichen Naturprodukten iſt auch der deutſche Kunſtfleiß in Manufakturen und Fabriken von ungemeiner Wichtigkeit. Unter den erſtern zeichnen ſich die Leinewand⸗ Wollen Baumwollen; und Spitzen⸗ Manufakturen, unter den letztern die Porzellain⸗ Stein⸗ gut⸗ Eiſen; und Stahlfabriken, die Gold⸗ und Sil⸗ berarbeiten, Glaswaaren, Wachsbleichen und ſelbſt die Nuͤrnberger Kleinwaaren, aus. Dagegen haben die Papier⸗ Tabak und Seidenfabriken noch nicht den groͤßtmoͤglichſten Grad der Vollkommenheit erreicht. Zum Handel hat Deutſchland wegen ſeiner Lage in der 1 208 Mitte von Europa, ſeiner Begraͤnzung von 3 Meeren, ſeiner anſehnlichen Stroͤme, und ihrer vortheilhaften Richtung nach verſchiedenen Gegenden hin, alle er⸗ wuͤnſchte Bequemlichkeit; und wenn dieſe bis jetzt nicht ſo benutzt wurde, wie es wohl ſeyn koͤnnte; ſo lag die Schuld mehrentheils an manchen Erſchwerniſſen von Seiten der Regierungen; anderntheils an dem, aus der — großen Zerſtuͤckelung Deutſchlands herzuleitenden Man⸗ gel an Gemeingeiſt. 3 6) Einwohner. Zwey Haupkvoͤlker bewohnen Deutſchland: 1) die eigentlichen Deutſchen oder Ger⸗ manen; deren Wohnpläͤtze die Laͤnder der Unterelbe, nebſt den noͤrdlichen und ſuͤdlichen Gegenden des deut⸗ ſchen Reichs ſind. 2) Die Slaven und Wenden, welche deſſen Provinzen nord⸗ und oſtwaͤrts der Elbe, ſo wie eine Strecke nord⸗ und oſtwaͤrts der Mulde und ſuͤdoͤſt⸗ lich herab, bewohnen. Außerdem finden ſich als einge⸗ wanderte Fremde: Franzoſen(haͤufig), Englaͤnder, Ita⸗ liener, Griechen, Juden und Zigeuner. Ueberhaupt hatte Deutſchland vor dem Luͤneviller Frieden(das preußiſche Schleſien nicht mit einbegriffen) nach wahr⸗ ſcheinlichen Berechnungen eine Volkszahl von mehr als 28 Millionen, wovon durch den Verluſt des linken Rheinufers 3,600,000 abgehen, ſo daß man gegenwaͤr⸗ tig noch etwa 25 Millionen Einwohner rechnen kann. Der Deutſche iſt uͤberhaupt(ſo merklich auch im Einzel⸗ nen nach Verſchiedenheit der Provinzen, Religion und anderer Ruͤckſichten ein moraliſcher und phyſiſcher Un⸗ terſchied ſtatt findet) kraftvoll, von ernſter und bedacht⸗ 209 ſamer Denkungsart, treu, geradſinnig und ehrliebend, tapfer, arbeitſam, wißbegierig, und gerecht in ſeinem urtheile uͤber das Gute anderer Nationen. Die Ge⸗ ſchichte der Erfindungen und Literatur beurkundet ſeine guͤnſtigen Talente, und die Tiefe ſeiner Forſchungen. Deutſchland hat ſowohl zum erſten Unterricht der juͤn⸗ gern Menſchheit, als auch zur Befoͤrderung hoͤherer Kenntniſſe und Geiſteskultur uͤberaus mannichfaltige und zum Theil vorzuͤgliche Einrichtungen, deren Ver⸗ beſſerung und Vermehrung eine beſonders lebhaft bes triebene Angelegenheit der letztern Jahrzehnde gewen ſen iſt. So ſind im deutſchen Reiche und Boͤh: men gegenwaͤrtig 31 Univerſi taͤten, und eine üͦberaus große Menge von Gymnaſten, Lyeaͤen, Neal⸗ Indu⸗ ſtrie und wohleingerichteten Landſchulen; der vielen Akademien und gelehrten Geſellſchaften, der Inſtitute zur Bildung beſtimmter Gewerbe, und Penſionsan⸗ ſtalten nicht zu gedenken. Alles dieß traͤgt ſehr viel zu dem, ſelbſt von partheyloſen Auslaͤndern nicht zu verkennenden, bluͤhenden Zuſtande bey, worinn die Kuͤnſte und Wiſſenſchaften jetzt in Deutſchland ſtehen: welches nicht ſowohl die Menge ſeiner Schriftſteller (an 7000), ſondern hauptſaͤchlich der Eifer und das Gluͤck beweiſet, womit ſie alle Theile des menſchli⸗ chen Wiſſens bearbeiten; obgleich der Erfolg nicht in allen gleich ſtark ſeyn mag. So hat Deutſchland we⸗ niger geſchickte Bildhauer, Baumeiſter und Taͤnzer, als Maler, Kupferſtecher und Tonkuͤnſtler. Vorzuͤg⸗ 9 & n * — liche Verdienſte haben ſich die Deutſchen um Geogra⸗ phie, Statiſtik, Mathematik, ſpekulative Philoſophie, kritiſche Sprachforſchung, um die Religionswiſſenſchaft⸗ und einen gruͤndlichen Vortrag der Geſchichte erwor⸗ ben. In einem kurzen Zeitraume trat ungeachtet der verhaͤltnißmaͤßig unguͤnſtigen Zettumſtaͤnde eine Menge von vortrefflichen und zum Theil klaſſiſchen Dichtern auf, und noch jetzt erſcheinen von Zeit zu Zeit dich⸗ teriſche Werke von großem Werthe;(ob man gleich nicht verkennen kann, daß die ſchoͤne Literatur der Deutſchen mehr faͤllt als ſteigt.) 7) Religion. Vermoͤge der Reichs, Grundger ſetze ſind in Deutſchland 3 chriſtliche Religionspar⸗ theyen, nemlich die katholiſche, lutheriſche und refor⸗ mirte, herrſchend. Die katholiſchen Religionsverwand⸗ ten haben vornemlich im ſuͤdlichen Deutſchlande ihren Sitz; die lutheriſchen in den noͤrdlichen Laͤndern, und die Reformirten am Rhein. Außer dieſen giebt es aber noch viele andere chriſtliche Sekten, z. B. Wale⸗ denſer, Mennoniten, maͤhriſche Bruͤder, Griechen, Herrnhuter u. ſ. f., die nicht nur Gewiſſensfreyheit, ſondern in manchen Laͤndern, nebſt den Inden, auch freye Religionsuͤbung genießen. 8) Politiſche Verfaſſung. Das deutſche Reit begreift eine Menge von Staaten in ſich, die an Groͤße, Titeln und Verfaſſung ſehr von einander ver⸗ ſchieden ſind. Einer dieſer Staaten iſt ein Koͤnig⸗ reich; wieder andere heißen Kurfuͤrſtenthuͤmer, Erz⸗ . 211 herzogthuͤmer, Herzogthuͤmer, Markgrafſchaften, Land⸗ grafſchaften, Fuͤrſtenthuͤmer, Graf⸗ und Herrſchaften; noch andere ſind Gattungen von Republiken, und heißen Reichsſtaͤdte; wozu noch die unmittelbare Reichs⸗ Ritterſchaft u. dgl. kommt. Die Regenten aller dies ſer Laͤnder beſitzen zwar in ihrem Gebiete die voͤllige Landeshoheit; aber dennoch haben ſie ſich des gemeis nen Beſtens und der Sicherheit wegen, unter einem gemeinſchaftlichen Oberhaupte, dem deutſchen Kaiſer, gegenwaͤrtig Franz II. aus dem Hauſe Oeſtreich, ver⸗ bunden. Dieſer iſt alſo zwar das Oberhaupt der ſaͤmmtlichen Reichsſtaͤnde; allein ſeine Regierungsge⸗ walt iſt in den wichtigſten Angelegenheiten, außer ſei⸗ nen weitlaͤuftigen Erblanden aͤußerſt beſchraͤnkt; theils durch die Reichs⸗Grundgeſetze— z. B. die goldene Bulle, den Land⸗ Religtons: und weſtphaͤliſchen Frie⸗ den, und die jedesmalige Wahl⸗Kapitulation— theils durch die Verſammlung der Reichsſtaͤnde auf dem Reichstage zu Regensburg, wo die Abgeordneten der Reichsfuͤrſten und Reichsſtaͤnde(in 3 Kollegien, das kurfuͤrſtliche, fuͤrſtliche von 131 Stimmen, und reichs⸗ ſtaͤdtiſche, vertheilt) zuſammen treten, uͤber die vor⸗ kommenden Gegenſtaͤnde ſich berathſchlagen, und Be⸗ ſchluͤſſe faſſen, denen aber erſt die Genehmigung des Kaiſers geſetzliche Kraft giebt. Außer dieſem Reichs⸗ tage ſind der Reichshofrath an des Kaiſers Hofla⸗ ger(gegenwaͤrtig zu Wien) und das Reichs Kam⸗ mergericht zu Wetzlar die vornehmſten Reichsge⸗ O 2 212 richte.— Nach dem Abſterben des Kaiſers, zuweilen auch wohl ſchon bei ſeinen Lebzeiten, wird von und aus den Kurfuͤrſten, durch die Mehrheit der Stim⸗ men, ein neues Oberhaupt erwaͤhlt, welches im letzs teren Falle den Titel eines roͤmiſchen Koͤnigs fuͤhrt. Gegenwaͤrtig ſind 10 Kurfuͤrſten vorhanden, nemlich: 1) der Kur⸗Erz⸗Kanzler(das einzige geiſtliche Mit⸗ glied); 2) der Koͤnig von Boͤhmen; 3) die Kurfuͤr⸗ ſten von Bayern; 4) Sachſen; 5) Brandenburg; 6) Braunſchweig⸗Luͤneburg oder Hannover; 7) Heſſen⸗ Kaſſel; 8) Wuͤrtemberg; 9) Baden, und 10) Salz⸗ burg. 1 9) Eintheilung. Kaiſer Maximilian I. errich⸗ tete(1512) und Karl V. beſtaͤtigte(1522) folgende 10 Kreiſe, nemlich: 1) den oͤſtreichiſchen, 2) bayri⸗ ſchen, 3) ſchwaͤbiſchen, 4) fraͤnkiſchen, 5) kurrheini⸗ ſchen, 6) oberrheiniſchen, 7) niederrheiniſch⸗weſtphaͤ⸗ liſchen, 8) oberſaͤchſiſchen, 9) niederſaͤchſiſchen, und 10) burgundiſchen Kreis. Der letztere, welcher bis zu dem franzoͤſiſchen Revolutionskriege die oͤſtreichi⸗ ſchen Niederlande in ſich faßte, iſt gegenwaͤrtig vom deutſchen Reiche voͤllig abgeriſſen; und der kurrheini⸗ ſche kann fuͤglich mit dem oberrheiniſchen verbunden werden: da der groͤßte Theil der ehemals dazu gehoͤ⸗ rigen Laͤnder am linken Rheinufer, folglich innerhalb der durch den Luͤneviller Frieden feſtgeſetzten Graͤnzen Frankreichs liegt; ſo daß alſo jetzt nur noch 8 Kreiſe uͤbrig bleiben, deren jeder ſeine eigene(wiewohl nicht 8 213 in allen uͤbliche) Kreistage und Kreis Direktoren hat. — Das Koͤnigreich Boͤhmen, der oͤſtreichiſche Antheil an Schleſien, die Markgrafthuͤmer Maͤhren und Ober⸗ und Nieder⸗ Lauſitz, nebſt mehrern kleinern Gebieten, ſind nicht mit unter dieſer Kreis⸗Abtheilung begrif⸗ fen; ob ſie gleich Ebenfals zum denrſchen Meiche ge⸗ hoͤren. 10) Vorepmfe Staͤdte. Vorläuſig Leiher⸗ ken wir a. im ſuͤdlichen Deutſchlande(wozu man den oͤſtreichiſchen,(bayriſchen, ſchwaͤbiſchen und fraͤnkiſchen Kreis rechnet): Wien an der Donau, R. des Kats ſers; Salzburg, R. des Kurfuͤrſten gleiches Nas mens; Muͤnchen an der Iſer, R. des Kurfuͤrſten von Bayern; Regensburg an der Donau, R. des Kur⸗Erz⸗ Kanzlers und Sitz des Reichstages; Stutt⸗ gard, R. des Kurfuͤrſten von Wuͤrtemberg; Karls⸗ ruhe,(bis jetzt) R. des Kurfaͤrſten von Baden; Augsburg und Muͤrnberg, freye Reichsſtäͤdte. b. Im noͤrdlichen Deutſchlande(wozu die uͤbrigen 4 Kreiſe gehoͤren) liegen: Baſſel, R. des Kurfuͤrſten von Heſſen⸗Kaſſel; Hannover an der Leine, H. im Kurfuͤrſtenthum Braunſchweig⸗Luͤneburg; Berlin an der Spree, H. im Kurfuͤrſtenthum Brandenburg, und R. des Koͤnigs von Preußen; Dresden an der Elbe, R. des Kurfuͤrſten von Sachſen; Frankfurt am Mayn, Hamburg, Luͤbeck und Bremen, freye Reichsſtaͤdte. c. In den nicht zu den Kreiſen ge⸗ rechneten Laͤndern ſind: Prag an der Moldau, H. in. Boͤhmen; Bruͤnn 9. in Maͤhren; Budiſſin oder Bauzen an der Spree, H. in der Ober; Lauſt itz⸗ und Guben H. in der Nieder⸗Lauſitz.. 11) Geſchichte. So wie die aͤlteſte Geſchichte aller andern Voͤlker ihre mannichfaltigen Dunkelheiten hat; ſo ſi nd auch die Nachrichten von der Geſchichte Ah Verfaſſung der Deutſchen in den aͤlteſten Zeiten, aͤußerſt mangelhaft: und das Wenige, was uns da⸗ von bekannt iſt, muͤſſen wir aus roͤmiſchen, gewiß nicht immer unpartheyiſchen Schriftſtellern, z. B. dem Cäſar und Tacitus, ſchoͤpfen.— Die mehrſten Be⸗. wohner Deutſchlands machten wahrſcheinlich mehrere von einander unabhaͤngige Voͤlkerſchaften eines weit verbreiteten Hauptſtammes aus. Vorzuͤglich zahlreich ſcheinen unter dieſen die Chatten, Chaucen, Cherus⸗ ker, Sueven, Hermunduren, Cimbern und Teutonen geweſen zu ſeyn. Die beyden Letztern wurden den Roͤmern zuerſt durch ihr Vordringen von der Nieder⸗ elbe nach dem obern Italien bekannt und furchtbar; und veranlaßten, nebſt dem Einfalle der Sueven in Gallien, jene blutigen Kriege, in welchen die Roͤmer Deutſchland zu unterjochen ſtrebten. Beynahe waͤre dieß auch dem Druſus, einem Stiefſohne des Kaiſers Auauſt, gelungen, indem er ſich bereits bis an die Elbe ausgebreitet hatte: aber ein unvorſichtiger Feld⸗ herr, Varus, vereitelte alle Fruͤchte der bishertgen Fortſchritte, da er ſich von Hermann(Arminius), dem Fuͤrſten der Cherusker, in eine ſumpfige Gegend 1 215 locken ließ, wo er ſelbſt mit dem groͤßten Theile ſeis nes Heeres umkam; worauf die Roͤmer gezwungen waren, ſich uͤber den Rhein zuruͤck zu ziehen, und alle gemachten Eroberungen diſſeit deſſelben zu verlaſ⸗ ſen. Nach dieſer Zeit fuhren ſie zwar fort, mit den verſchiedenen deutſchen Voͤlkerſchaften zu kriegen; weil aber dieſe allmaͤhlig in engere Verbindungen zuſam⸗ men getreten waren, konnten ſie nicht nur den Roͤ⸗ mern widerſtehen, ſondern mehrere derſelben, vorzuͤg⸗ lich die Gothen, Vandalen und Longobarden befoͤr⸗ derten ſogar den Umſturz des roͤmiſchen Reichs; denn bey der großen Voͤlkerwanderung im fuͤnften Jahr⸗ hundert war es ein deutſcher Feldherr, Odoaker, wels cher Rom eroberte, das abendlaͤndiſche Kaiſerthum vernichtete, und ſich zum Koͤnige der Deutſchen in Italten ausrufen ließ.— In Deutſchland ſelbſt ent⸗ ſtanden waͤhrend und nach dieſer Zeit viele Reiche un⸗ ter den Sachſen, Franken, Frieſen, Sueven, Bayern u. ſ. w. Aber auch die gegen Suͤden und Weſten liegenden Laͤnder Europens wurden mit Deutſchen be⸗ ſetzt; ſo wie ſchon in noͤrdlichen und oͤſtlichen Gegen⸗ den Deutſche herrſchten. Urſpruͤnglich deutſche Reiche waren bald nach der Voͤlkerwanderung: das Vanda⸗ liſche in Afrika, das Sueviſche und Weſtgothiſche in Spanien, das Burgundiſche und Fränkiſche in Gal⸗ lien(wovon das letzte bis an den Rhein und Mayn ging), das Angeſſaͤchſiſche in Britannien u. ſ. f. Alle dieſe Reiche, bis auf das angelſaͤchſiſche, wurden all⸗ 216 8 maͤhlig von den Arabern und Franken verſchlungen;’ beſonders riſſen die Franken nach und nach das deut⸗ ſche Reich an ſich, und zu den Zeiten Karls des Großen war blos Sachſen noch im Beſitze der Frey⸗ heit. Doch endlich unterwarf er ſich auch dieſes, be⸗ ſiegte die Avaren, eine aſtatiſche Nation in Oeſtreich und Ungarn, bezwang die Slaven; und nachdem er auch den Longobarden das unter vielen Abwechſelun⸗ gen indeß beſtandene Reich in Italien abgenommen hatte, richtete dieſer große Deutſche im Jahr 800. das abendlaͤndiſche Kaiſerthum gewiſſermaaßen wieder auf, woraus ſich nachher das eigentliche deutſche, und fran⸗ zoͤſiſche Reich bildete. Karl der Große erwarb ſich viele Verdienſte um Deutſchland durch die Cfreilich gewaltſame) Ausbreitung des Chriſtenthums; durch die Anlegung der Schulen, und die Aufmerkſamkeit, welche er der deutſchen Sprache ſchenkte. Nach dem Tode ſeines ſchwachen Sohns und Nachfolgers, Lud⸗ wig des Frommen, ward die fraͤnkiſche Monarchie getheilt, und Deutſchland machie von jetzt an einen eigenen Staat aus, in welchem Karls Nachkommen bis zum Jahr 912. regierten. Nachdem dieſe aus geſtorben waren, erhielt es Koͤnige aus dem ſaͤchſi⸗ ſchen(bis 1024.) dann Kaiſer aus dem fraͤnkiſchen (bis 1137.) und endlich aus dem ſchwaͤbiſchen 3 Hauſe(bis 1254.), wornach ein 23jaͤhriges ſogenann⸗ tes Zwiſchenreich erfolgte; waͤhrend deſſen von vie⸗ len erwaͤhlten Kaiſern eigentlich keiner oberherrliche 217 Gewalt ausuͤbte.— Unter den ſaͤchſiſchen Koͤnigen zeichneten ſi ſich Heinrich I. durch Befeſtigung ſchon vorhandener, und Anlegung neuer Staͤdte; ferner Otto der Große, durch muthige Behauptung des bisher geſunkenen Anſehens der deutſchen Koͤnige in Italien, und Wiederherſtellung des Kaiſertitels aus. Unter Heinrich IV. aus dem fraͤnkiſchen Hauſe, ſtieg der Einfluß der Paͤbſte auf Deutſchland ſehr, und in eben dem Maaße verminderte ſich die Gewalt der Kai⸗ ſer uͤber die deutſchen Oberbefehlshaber und Herzoge, welche nach und nach ihre vorhin vom Kaiſer beſetze ten Stellen erblich zu machen wußten, und ihre Macht und Rechte immer weiter ausdehnten. Vorzuͤglich ge⸗ ſchah dieſes nach der Verloͤſchung des fraͤnkiſchen Mannsſtammes unter Heinrich V. wo ſich Deutſch⸗ land in ein Wahlreich verwandelte, und die Wuͤrde eines Reichs: Oberhauptes noch mehr von ihrem An⸗ ſehen verlor. Nicht wenig trugen die indeß angefan⸗ genen Kreuzzuͤge dazu bei; woran mehrere Kaiſer zu ihrem groͤßten Schaden Antheil nahmen.(In dieſe Periode faͤllt auch die Errichtung der Kurfuͤrſtenthuͤ⸗ mer und der Hanſe, oder des deutſchen Handlungs⸗ buͤndniſſes.) Nach dem vorhin erwaͤhnten jhrue Zwiſchenreiche waͤhlten die Kurfuͤrſten Rudolf I. nen Grafen von Habsburg in Helvetien, den e vater des oͤſtreichiſchen Hauſes, welches ſich in der Folge lange auf dem Kaiſerthrone zu erhalten wußte; 9 ob ihm gleich das luxemburgiſche Haus(aus dem 218 Kaiſer Karl IV. die goldene Bulle errichtete, und Siegmund den ſchrecklichen Huſſitenkrieg fuͤhrte) eine Zeitlang die erſte Stelle in Deutſchland ſtrettig mach⸗ te.— Die merkwuͤrdigſten Begebenheiten unter den Kaiſern aus dem Hauſe Oeſtreich(von Albert II. im Jahr 1438. bis zum Tode Karls VI. im Jahr 1740 in ununterbrochener Folge) ſind: die Aufrichtung des Landfriedens, um die haͤufigen Befehdungen zu ver⸗ hüten, und die damit verbundene Anſtellung des Reichs⸗ kammergerichts; die Kreis⸗„Eintheilung; der Anfang der Reformation unter Maximilian l.; der Bauern⸗ krieg; der Reichstag zu Augsburg, und daſelbſt ge⸗ ſchehene Uebergebung der augsburziſchen Konfeſſi on⸗ der ſchmalkaldiſche Krieg und darauf erfolgte Reli⸗ gionsfriede, unter Karl V.— Der zojaͤhrige Krieg (1618) und weſtphaͤliſche Friede(1648) unter ger⸗⸗ dinand II. und ſeinem Nachfolger Serdinand III. — Ceopolds J. Kriege mit den Tuͤrken und Frank⸗ reich; beſonders der letzte wegen der ſpaniſchen Erb⸗ folge von 1701 an, welcher in Abſicht Deutſchlands erſt unter Karl VI. durch den Frieden zu Baden 1714 geendiget wurde.— Nach dem Tode dieſes letz⸗ teren, mit welchem der oͤſtreichiſche Mannsſtamm aus⸗ ſtarb, wurde der damalige Kurfuͤrſt von Bayern un⸗ ter dem. Namen Karl VII. im Jahr 1742 zum Kai⸗ ſer gewaͤhlt; nachdem ſich ſchon ein Jahr vorher der Krieg wegen der oͤſtreichiſchen Erbfolge entſponnen 4 hatte; welcher bis zum Aachner Frieden 1748 dauerte, „ 1 4 und waͤhrend deſſen der Gemahl der Koͤniginn von Ungarn, Maria Thereſia, Sranz I. Großherzog von Toskana, und Stifter des neu oͤſtreichiſchen Hauſes(im Jahr 1745) die Kaiſerkrone erhielt. In den Zeitraum von 1740 bis 45 fallen auch die beyden erſten ſchleſiſchen Kriege Friedrichs des Großen; welche den dritten aͤußerſt blutigen Fjaͤhri⸗ gen Krieg(von 1756 bis zum Hubertsburger Frieden 1763.) zur Folge hatten. Im Jahr 1765 ſtarb Franz I. und ihm folgte ſein Sohn Joſeph II., welcher mit Preußen und Sachſen einen kurzen, durch den Frieden zu Teſchen 1779 beygelegten Krieg we⸗ gen der bayriſchen Erbſchaft fuͤhrte. Seinen nachhes rigen Plan, Bayern gegen die oͤſtreichiſchen Nieder: lande umzutauſchen, vereitelte Friedrich II. durch die Errichtung des deutſchen Fuͤrſtenbundes. Joſeph II. ſtarb, nachdem er faſt alle ſeine groͤßtentheils wohl⸗ thaͤtigen Entwuͤrfe vereitelt geſehen hatte, unter der Empoͤrung eines Theils ſeiner Unterthanen 1790; und ſein nachfolgender Bruder Leopold II. uͤberlebte ihn nur 2 Jahre. Unter dem jetzt(ſeit 1792) regieren⸗ den Kaiſer Franz II. begann der ungluͤckliche Krieg des deutſchen Neiches gegen die franzoͤſiſche Republik, welcher nach einer kurzen Unterbrechung durch den Frieden zu Campo Formio 1797, und nach dam frucht⸗ los abgelaufenen Kongreſſe zu Raſtadt, 1799 von neuem anfing, und erſt durch den Friedene ſchluß 3u Wuͤneville 180t voöͤllig geendiget. ward. Das deutſche Reich verlor darinn einen betraͤchtlichen Theil 220 ſeines Gebletes; erlitt nachher ſelbſt in ſeinen uͤbrig gebliebenen Provinzen große Umformungen in Hinſicht auf innere und aͤußere Verfaſſung, zufolge⸗ der ver⸗ ſchiedenen Entſchaͤdigungs⸗Traktate,(wodurch z. B. faſt alle geiſtliche Herrſchaften aufgehoben, und ihre Beſitzungen in Erb⸗Fuͤrſtenthuͤmer verwandelt, auch Heſſen Kaſſel, Wuͤrtemberg, Baden, und nachher noch der ehemalige Großherzog von Toskana, als ge⸗ genwaͤrtiger Beſitzer von Salzburg, zu Kurfuͤrſten er⸗ nannt wurden,) und wird wahrſcheinlich in kurzem auch mnehreer Veränberungen erleiden. Befndar Bethreuuns Daufthlandee. 1) Der oſtreichiſche Kreis. . u) Lage und Graͤnzen. Die Hauptmaſſe der öſtreichiſchen Kreislaͤnder graͤnzt gegen Oſten an Un⸗ garn; gegen Suͤden an Croatien, das adriatiſche Meer, das Herzogthum Venedig und die italieniſche Republik; gegen Weſten an Helvetien, den Boden⸗ ſee, Schwaben und Bayern; und gegen Norden eben⸗ falls an Bayern, Boͤhmen und Maͤhren. Viele ein⸗ zelne Stuͤcke liegen hin und Ahä,ber in Schwaban zer⸗ ſtreut.* 2) Groͤße. Die zur eniegidigung des vorma⸗ ligen Großherzogs von Toskana beſtimmten, vorhin zum bayriſchen Kreiſe gehoͤrigen, jetzt aber zum oͤſtreis chiſchen hlchhraenan Laͤnder mit eingeſchloſſen, betraͤgt J—₰ —— 221 der Flaͤcheninhalt dieſes Kreiſes uͤber 2400 Duadrat, meilen. 3) Gewaͤſſer. Die Donau iſt der Hauptftuß des ganzen Kreiſes; die vornehmſten Nebenfluͤſſe aber ſind: die Ens im Erzherzogthum Oeſtreich; die Mur und die Drave oder Drau(welche ſich in Ungarn mit einander vereinigen) in Steyermark und Kaͤrn⸗ then; die Save oder Sau in Krain; der Iſonzo in Friaul; die Etſch, der Inn, Lech u. f. in Ty⸗ rol; die Salza in Salzburg. Außer der Etſch und dem Iſonzo, welche ins adriatiſche Meer fließen, und der Salza, die ſich in den Inn ergießt, fallen dieſe Kluͤſſe ſaͤmmtlich, theils in: theils außerhalb den Graͤn⸗ zen des Kreiſes in die Donau.— Unter der großen An⸗ zahl von Landſeen ſind die betraͤchtlichſten: der Traun⸗ oder Gmuͤnderſee in Nieder Oeſtreich; der Werth⸗ und Weißenſee in Kaͤrnthen; der Cirknitzerſee in Krain; der Aber und Mattſee u. f. in Salzburg u. a. m.— Außer den beruhmten Baͤdern zu Baden in Oeſtreich giebt es an verſchiedenen Orten noch mehr 1 Baͤder, Geſund und Sauerbrunnen. 4) Natuͤrliche Beſchaffenheit. Der geoßte Theil dieſes Kreiſes iſt ſehr gebirgig und waldig; ſo lie⸗ gen hier z. B. der Wienerwald, Kahlenberg, das mManhards ⸗Gebirge, der Birnbaumerwald, der Loibel⸗Berg in Kaͤrnthen, der ungeheure Berg Terglou in Krain; die Tyroler Alpen, von wel⸗ chen der Klockner und Brenner die hoͤchſten Spitzen ſind, nebſt einigen merkwuͤrdigen Hoͤhlen, als: der 222 4 Adelsberger⸗ und Magdalenen Hoͤhle in Krain. Innerhalb der Gebirge findet man aber viele angeneh⸗ me und fruchtbars Thaͤler, zum Theil von ſehr großem Umfange, wie das Innthal in Tyrol und das Salz⸗ thal in Salzburg.— In den noͤrdlichen Laͤndern iſt die Witterung warm, in den mittlern und ſuͤdlichen aber hin und wieder rauh und kalt; jedoch wird auch hier in einigen Thaͤlern zur Sommerszeit die Hitze ſo groß, daß die Einwohner gezwungen ſind, ihre Woh⸗ nungen zu verlaſſen, und auf den Bergen Kuͤhlung zu ſuchen.— Im Ganzen genommen iſt die Luft bey der hohen Lage der meiſten Kreislaͤnder geſund und rein, oögleich in Tyrol der ſchaͤdliche Strokko zuweilen wehet. 5) Haupt⸗ Produkte. In den vortrefflichen Waldungen dieſes Kreiſes giebt es eine Menge Gefuuͤgel und Wildpret, insbeſondere Gemſen und Steinboͤcke auf den ſteilen Felſen in Steyermark, Krain und Tyrol. Salzburg hat gute Pferdezucht. An Getreide hat daſ⸗ ſelbe nebſt Kaͤrnthen und Tyrol Mangel; indeß wird derſelbe aus Nieder⸗Oeſtreich, Krain und Steyermark (welches letztere viel tuͤrkiſchen Weitzen bauet) groͤßten⸗ theils erſetzt. Ueberall werden die ſchoͤnſten Obſtarten gezeuget, und durchgaͤngig(nur in Kaͤrnthen und Salz⸗ burg nicht) Wein gewonnen. Der groͤßte Reichthum beſteht aber in Mineralten. Steyermark, Kaͤrnthen und Krain liefern eine Menge Eiſen und Stahl;(er⸗ ſteres allein jaͤhrlich 400,000 Centner Erz,) Kaͤrnthen uͤberdem noch Bley von vorzuͤglicher Guͤte; Tyrol und Salzburg aber außer dem vorhergehenden, Gold, Sil⸗ 223 ber und Kupfer. Die Queckſilberbergwerke bey Idria in Krain, wie auch in Tyrol, und die Alaunbruͤche eben⸗ daſelbſt und bei Krems in Oeſtreich ſind ungemein ber traͤchtlich. Salz findet ſich, außer Krain, allenthalben reichlich, beſonders in Tyrol und im Salzburgiſchen.— Manufakturen und Fabriken, vorzuͤglich die in Eiſen und Stahl, ſind zahlreich und zum Theil ſehr erheb⸗ lich; der auswaͤrtige Handel dagegen iſt zwar lebhaft, aber doch lange ſo wichtig nicht, als er ſeyn koͤnnte, wenn mancherley Hinderniſſe und Erſchwerungen geho⸗ ben wuͤrden. 6) Einwohner. Man rechnet ihrer an 4,600,000 welche theils Deutſche, theils Slaven, theils Italiener ſind, und auch dreyerley Sprachen reden.— Unter der liberalen Regierung Joſephs II. machten die Oeſtreicher in Wiſſenſchaften und Geiſteskultnr ſchnelle Fortſchritte; bey den der Aufklaͤrung entgegen wirkenden Maaßregeln der jetzigen Regierung aber ſcheint alles von der Art wies der ins Stecken zu gerathen.— Die Tyroler ſind ein arbeitſames, tapferes und redliches Volk, nur wirft man ihnen blinden Aberglauben und Mangel an Ge⸗ wandheit des Geiſtes vor.— Die Salzburger haben wegen ihrer Abgeſchiedenheit von andern Laͤndern viel Eigenthuͤmliches in Sprache, Sitten und Lebensart; inſonderheit die Gebirgsbewohner, welchen das Lob der Nechtſchaffenheit und des Fleißes gebuͤhret. Die Stadt⸗ und Landſchulen im Salzburgiſchen zeichneten ſich bis jetzt unter denen im katholiſchen Deutſchlande durch eine gute Lehrart vortheilhaft aus. 3 1 224 9) Religion. Durch den ganzen Kreis iſt die katholiſche Religion herrſchend; wiewohl es auch viele Lutheraner und Reformirte in demſelben giebt, die erſt unter Joſephs II. Regierung freye Religionsuͤbung er⸗ langt und bisher behalten haben. Im Herzogthume Krain bekennen ſich nicht wente Einwohner Sür nench ſchen Kirche. . 8) Regierung. Außer den Landern des Kurfär ſten von Salzburg(jetzt Ferdinand) und des ehemali⸗ gen Herzogs von Modena, ſteht der ganze Kreis unter der Herrſchaft und Landeshoheit des regierenden Erzher⸗ zogs aus dem Hauſe Oeſtreich; welcher zugleich Koͤnig von Ungarn, Boͤhmen und Gallicien und genwae deutſcher Kaiſer iſt. 9) KEintheilung. a. Die zſtreichiſchen Lander.. Dazu gehoͤrt 1) das eigentliche Erzherzogthum Oeſt⸗ reich, eingetheilt ins Cand ob, und unter der Ens. 2) Inneroͤſtreich, oder die Herzogthuͤmer Steyer⸗ mark, Kaͤrnthen und Krain; das oͤſt eichiſche Friaul, und das Trieſter Gebiet. 3) Oberoͤſt⸗ reich, oder die gefuͤrſtete Grafſchaft Tyrol mit den vormaligen Stiftern Trient und Brixen, und die vorzarlbergiſchen Herrſchaften. 4) Schwaͤbiſch⸗ Oeſtreich, welches aus mehrern in Schwaben zerſtreut liegenden Laͤndern beſteht.— b. Die Laͤnder des Kur⸗ fuͤrſten von Salzburg, nemlich: ¹) das ehemalige Erz⸗ ſtift Salzburg mit der Probſtey Berchtolsgaden. 2) Der Theil des ehemaligen Hochſtiftes Paſſau, wel⸗ cher diſſeits der Ilz und des Inn auf der oͤſtreichiſchen 225 Seite liegt(mit einigen geringen Ausnahmen).(3) Der groͤßte Theil des ehemaligen Hochſtifts Eichſtaͤdt im fraͤnkiſchen Kreiſe.) Alle dieſe Laͤnder enthalten an 2280 Quadratmeilen und 360,000 Einwohner.— c. Die Laͤnder des geweſenen Herzogs von Modena: 1) die Landgrafſchaft Breisgau und 2) die Landvogtey Ortenau; zuſammen uͤber 60 Quadrat⸗ Meilen mit 130,000 Einwohnern. 10) Vornehmſte Oerter. In a. n Wien an der Donau, H. der ſaͤmmtlichen oſtreichiſchen Staaten, R. des Kaiſers, Erzb. UI. Hſt. mit wichtigen Fabriken, Manufakturen und 270,000 E. Schoͤnbrunn, La⸗ xenburg und St. Veit Luſtſchl. Baden mit warmen Baͤdern. Neuſtadt mit einer Militair⸗Akademie. Bloſter⸗Meuburg an der Donau. St. Poͤlten und Tuln mit Manufakturen. BormNeuburg, Krems an der Donau, mit guten Fabriken. Linz H. des Lan⸗ des ob der Ens, F. B. Hſt. an der Donau, mit 16,000 E. Steyer, Ens am Einſluß der Ens in die Donau. Gemuͤnden, Braunau F. und Schaͤrding am Inn.— 2) Graͤtz H. Hſt. an der Mur mit 36,000 E. Marburg Hſt. an der Drau. Cilli, Bruck, Ceo⸗ ben und Judenburg an der Mur; ſaͤmmtlich in Steyermark.— Klagenfurt H. F. mit 10,000 E. St. Veit, St. Andree, Frieſach, Villach an der Drau, in Kaͤrnthen.— Laybach H. Erzbisth. mit 20,000 E. Gottſcher, Mitterburg, Biben, Idria Bergſt. mit einem beruͤhmten Queckſilberbergwerk, in Krain.— Goͤrz an der Iſonzo mit 13,000 Einw. P 226 Gradiska F. und Aquileja oder Aglar in Friaul.— Trieſt, wichtige See und Hſt. Hf. mit 21,000 E.— 3) Innsbruck H. von Tyrol, U. mit 12,000 Einw. Hall am Inn, mit einem beruͤhmten Salzwerke. Kuff⸗ ſtein am Inn, F. Meran, Botzen, wo betr aͤcht⸗ liche Seidenmanufakturen und jaͤhrlich 4 große Meſſen ſind. Cienz, Roveredo Hſt. an der Etſch. Trient an der Etſch. Brixen, mit 4000 E.— In den vor⸗ arlbergiſchen Herrſchaften ſind: B Bregenz, Jeldkirch und Pludenz. 4) Guͤnzburg an der Donau, in der Markgrafſchaft Burgau. Stockach, in der Land: grafſchaft Nellenburg. Altdorf Mfl. Die 5 Donau⸗ Stadte: Munderkingen, Waldſee, Sulgau, Mengen und Riedlingen. Koſtanz oder Koſtnitz am Bodenſee. Whingen an der Donau.— In b. 1) Salzburg H. R. des Kurf. F. U. an beiden Seiten der Salza, mit 16,000 E. Hellbrunn und Kleß⸗ heim, Luſtſchl. Hallein an der Salza, wo ein altes Salzwerk. CLaufen, Radſtadt, unweit der Ens⸗ Quelle. Gaſtein Mfl. beruͤhmt wegen ſeines warmen Bades. Berchtolsgaden, mit 3000 E. 2) Haf⸗ nerzell Mfl. an der Donau, wo ſehr ſchoͤne ſchwarze thoͤnerne Geſchirre und Schmelztiegel verfertigt werden. — In c. Freyburg H. im Breisgau, Reſ. U. mit 9000 Einw. Alt⸗Breiſach am Rhein. Villingen, Waldshut, Seckingen, auf einer Inſel im Rhein. Lauffenburg, zum Theil.(Im Frieden zu Luͤneville wurde derjenige Theil des Breisgaus, welcher auf der Suͤdſeite des Rheins liegt, oder das ſogenannte Srick⸗ thal, mit der Stadt Rheinfelden und einem Theile von Lauffenburg an Frankreich abgetreten. Wahr⸗ ſcheinlicherweiſe wird es kuͤnftig mit Hebderten vereini⸗ get werden.) 11) Geſchichte. Das Wichtigſte von der Ge⸗ ſchichte des oͤſtreichiſchen Hauſes iſt bereits in der allge⸗ meinen Geſchichte des deutſchen Reichs kuͤrzlich erzaͤhlt, und koͤmmt ferner bey Ungarn, Boͤhmen und Gallicien vor. An hang. Das oͤſtreichiſche Herzogthum Venedig in Ita⸗ lien, nebſt Friaul und Iſtrien. 1) Graͤnzen. Gegen Oſten das adriatiſche Meer und Krain; gegen Suͤden die italieniſche Republik; gegen Weſten dieſelbe und Tyrol, und gegen orden Tyrol und Kaͤrnthen. 2) Groͤße. Alle oben angegebene Laͤnder be⸗ greifen etwa 540 Quadratmeilen. 1 3) Gewaͤſſer. Außer der Etſch, welche das Land von der italieniſchen Republik ſcheidet, ſind die wichtigſten Fluͤſſe: die Brenta und der Taglia⸗ mento. Mineraliſche Waſſer und Geſundbrunnen giebt es hier in Menge. 4) Matuͤrliche Beſchaffenheit. Das Klima in den ſuͤdlichen und trockenen Gegenden iſt ſanft, an⸗ genehm und ſehr geſund; in den ſumpfigen meiſt das P 2 227 228 Gegentheil. Der Boden iſt geſchickt zur Erzeugung aller menſchlichen Beduͤrfniſſe, und die Miſchung von Ebenen, Bergen und Thaͤlern hoͤchſt angenehm, aus⸗ genommen in Friaul und Iſtrien, wo viel rauhe Ges birge ſnd. 5) Produkte. Getreide giebt es hier in Uebers ſluß(beſonders in der Tarviſer Mark), ſo wie edle Fruͤchte, Reis, Anis⸗ Saffran, Wein, Holz(auch zum Schiffbau), Hanf und Flachs. Aus dem Mi⸗ neralreiche findet man hier: Gold in einigen Fluͤſſen, Kupfer, Eiſen, Bley, ſeinen Marmor, Porzellan⸗ erde, Salz aus Meerwaſſer, Steinkohlen u. f. Die Meere und Fluͤſſe ſind fiſchreich; die Hornviehs und Schaafzucht nebſt dem Seidenbau betraͤchtlich; Mas nufakturen und Fabriken(worunter die Gewehr: und Spiegelfabriken die vorzuͤglichſten ſind) dagegen nicht mehr ſo bluͤhend, wie ehedem. Der ſonſt ſo ausges breitete Handel iſt beynahe in Nichts verwandelt. 6) Einwohner. Ihre Zahl mag ſich auf 2,200,000 belaufen, welche, ſo wie die meiſten Ita⸗ liener, zwar ihrer guten Beurtheilungskraft und Maͤſs ſigkeit wegen, zu loben, aber auch ihrer Rachgierde, Spielſucht und Traͤgheit halben zu tadeln find. 7) Beligion. Herrſchend iſt die roͤmiſchkatholis ſche; man duldet indeß Juden, Armenier, Griechen und Proteſtanten. 3) Regierung. Seit dem Traktat zu Campo Formio 1797, welcher im Luͤneviller Frieden in Hins ſicht auf Venedig, nur mit wenigen Abaͤnderungen⸗ 229 beſtaͤtiget wurde, beſitzt das Haus Oeſtreich dieſes Land, welches bis dahin einen anſehnlichen Freyſtaat ausmachte. 9) Eintheilung. Bisher wurde das Land in das eigentliche Herzogthum Venedig, die Gebiete von Padua, Verona und Vicenza, die Tarvi⸗ ſer Mark, und die Landſchaften Friaul und Iſtrien (oder das Hiſterreich) eingetheilt; woraus jetzt 7 Kreis: aͤmter gemacht ſind. 10) Vornehmſte Oerter. Venedig H. auf vielen kleinen Inſeln in einem moraſtigen See, Hſt. mit 150,000 E. Chiozza Hſt. auf einer Inſel. Die Inſel Murano mit vortrefflichen Glasfahriken. Pa⸗ dua unweit der Brenta, U. mit 34,000 Eintv.— (Verona, welches zum Theil an der andern Seite der Etſch in der italieniſchen Republik liegt; der dieſ⸗ ſeitige Theil heißt Veronetta.) Vicenza mit 30,000 Einw. Treviſo F. mit 18,000 E. Baſſano mit 10,900 E. Udine H. in Friaul. Palma nova 8. Capo d'Iſtria H. F. in Iſtrien. Pola Hf. ARo⸗ vigno Hſt. mit 16,000 E., 11) Geſchichte. In den Zeiten des Einfalls fremder Voͤlker(beſonders der Hunnen unter ihrem Koͤnige Attila) in Italien, flohen viele Bewohner, der Sicherheit wegen, auf die Inſeln des adriatiſchen Meeres, und legten daſelbſt die Stadt Venedig an, welche anfangs durch Konſuln regiert wurde; ſtatt des ren man im achten Jahrhundert einen Herzog oder Doge waͤhlte. Gegen das Ende des zwöͤlften Jahr⸗ 230 hunderts nahm der Staat eine demokratiſche Regie: rungsform an; allein etwas uͤber 100 Jahr nachher wußte ſich der Adel die hoͤchſte Gewalt zu verſchaffen, und dem Volke ſeine bisherigen Nechte zu entreißen. Mittlerweile hatte ſich, vorzuͤglich waͤhrend der Kreuz⸗ zuͤge, die Handlung und Macht der Venetianer un⸗ gemein ausgebreitet; ſie erwarben ſich nicht allein auf dem feſten Lande von Italien wichtige Beſitzungen, ſondern machten auch Eroberungen in Iſtrien und Dalmatien; fuͤhrten mit den auf ihre Groͤße eifer⸗ ſuͤchtigen Genueſern gluͤckliche Kriege u. ſ. w. Aber durch die Entdeckung eines bis dahin unbekannten Weges nach Oſtindien, um die ſuͤdliche Spitze von Afrika herum, und die beynahe zu gleicher Zeit ge⸗ machte Entdeckung von Amerika, erlitt ihr Handel den empfindlichſten Stoß; und ſeit dem ſechzehnten Jahr⸗ hundert ſank ihre Macht immer mehr.— Die in dem franzoͤſiſchen Revolutionskriege lange behauptete Partheyloſigkeit, konnte dieſen Staat dennoch nicht vor gewaltſamen Erſchuͤtterungen ſichern. Denn Bona⸗ parte, der Beſieger und Umwandler Italiens, nahm einen waͤhrend ſeines Vordringens nach Oeſtreich(1707) gemachten, wahrſcheinlich durch das uͤble Betragen der Franzoſen verurſachten, Aufſtand im Venetiani⸗ ſchen, zum Vorwande, Venedig zu beſetzen, die alte Verfaſſung abzuſchaffen und eine demokratiſche einzu⸗ fuͤhren. Der auf dieſe Art neugebildete Staat hatte indeß keinen langen Beſtand; denn im Frieden zu Campo Formio wurde er ganz aufgeloͤßt, und gelangte 231 theils an Oeſtreich, theils an die eisalpiniſche Repu⸗ blik, theils an Frankreich.— Im Luͤneviller Frieden ward der Thalweg der Etſch als Graͤnzlinie zwiſchen dem oͤſtreichiſchen Gebiete und der nalenithen Repus blik fatgeſet 2) Der bayriſche Kreis. 1) Graͤnzen. Gegen Oſten und Suͤden der oͤſtreichiſche; gegen Weſten der ſchwaͤbiſche; gegen Nordweſten der fraͤnkiſche Kreis; und gegen Nord⸗ oſten Boͤhmen. 2) Groͤße. Gegenwaͤrtig, nachdem Salzburg⸗ Paſſau u. ſ. w. davon getrennt ſi nd, betraͤgt ſe e noch etwa 840 Quadratmeilen. 3) Gewaͤſſer. Hauptfluß iſt auch hier die Do⸗ nau; worin ſich auf der ſuͤdlichen Seite 1) der Lech⸗ welcher groͤßtentheils die bayriſche Graͤnze gegen Schwaben bildet, 2) die Iſer, 3) die Vils und 4) der Inn ergießt. Auf der noͤrdlichen Seite fallen 1) die Altmuͤhl, 2) die Naab, 3) der Regen, 4) die Vils(von der vorigen unterſchieden) u. a. m. in die Donau.— Betraͤchtliche Landſeen ſind: der Chiemſee, Ammer und Wurmſee; insgeſammt ſehr fiſchreich; auch fehlt es Bayern nicht an Geſund⸗ brunnen und Baͤdern. 4) Matuͤrliche Beſchaffenheit. Das eigent⸗ liche Herzogthum Bayern iſt in Suͤden bergig; gegen 232 die Mitte hin wird es immer ebener, und hat einige unuͤberſehbare Flaͤchen, aber auch viele(zum Theil ſehr große) ſogenannte Silze oder Moͤſer, d. i. moo⸗ rige Suͤmpfe; im Norden der Donau erhebt es ſich wieder bis zu den boͤhmiſchen Gebirgen. In den noͤrdlichſten Theil des bayriſchen Kreiſes, die Ober⸗ pfalz, tritt von Norden her das Fichtel⸗ von Oſten das böhmiſche Gebirge hinein, und an ſeiner weſt⸗ lichen Graͤnze laͤuft ein hoher Erdruͤcken hin; daher der Boden faſt allenthalben mager und in großen Strichen mit Sande bedeckt, oder mit einem nackten, ununterbrochenen Felſengrunde verſehen iſt. Der groͤßte Theil des Herzogthums Neuburg dagegen hat einen fruchtbaren Boden, gute Getreideaͤcker und Wieſen, auch(ſo wie die Oberpfalz) eintraͤgliche Waldungen. — Die Luft in allen dieſen, und den uͤbrigen Kreis⸗ laͤndern iſt im Ganzen geſund und milde, einige Nie⸗ derungen voll ſtehender Feuchtigkeiten ausgenommen. 5) Haupt⸗Produkte. Bayern an ſich ſelbſt hat Ueberfluß an Getreide, Holz, Torf, Wildpret, Fiſchen; man findet auch Mineralien, z. B. etwas Gold, Silber und Kupfer, viel Eiſen, Bley, Gal⸗ mey, Vitriol und ſchoͤnen Marmor. Die beyden Salz⸗ werke zu Reichenhall und Traunſtein liefern al⸗ lein jaͤhrlich üͤber 120,000 Centner reines Kochſalz. Der Mangel an Wein wird durch vortreffliches Bier verguͤtet. Die Viehzucht iſt ſehr ausgebreitet und wichtig.— In der Oberpfalz machen die Eiſenberg⸗ werke und Steinbruͤche den Hauptnahrungszweig der 233 Bewohner aus; obgleich auch der Boden— bey mits telmaͤßiger Viehzucht— ſo fleißig angebauet wird, daß er alle Getreidearten, Baum- und Garkenfruͤch⸗ te, wo nicht reichlich, doch hinlaͤnglich hervorbringt. Ueberhaupt genommen, wird in den meiſten Laͤndern dieſes Kreiſes die wirklich vorhandene große Menge der trefflichſten Naturerzeugniſſe nicht ſo genutzt, wie man wohl zu erwarten berechtiget waͤre. Denn an Induſtrie fehlte es bisher faſt gaͤnzlich, und(wenn man Maͤnchen, einige Gegenden der Oberpfalz und beſonders das Herzogthum Neuburg ausnimmt, deſ⸗ fen Einwohner ſich durch groͤßere Betriebſamkeit aus⸗ zeichnen) ſind noch weniger Manuſakturen und Fa⸗ briken von Belange vorhanden; wiewohl dies alles durch die weiſen Veranſtaltungen der gegenwaͤrtigen Regierung hoffentlich bald ein anderes Anſehen ges winnen wird.— Ohngeachtet jenes auffallenden Man⸗ gels an Thaͤtigkeit, iſt der auswaͤrtige Handel, bey den Reichthuͤmern des Landes an den unentbehrlich⸗ ſten Produkten dennoch von der aͤußerſten Wichtigkeit. 6) Einwohner. Der ganze Kreis zaͤhlt ihrer gegenwaͤrtig noch etwa 1,300,000; welche insgeſamme Deutſche ſind, und gleich ihren Nachbarn, den Oeſt⸗ reichern, dieſe Sprache mit vielen Provinzialismen untermiſcht, in einer harten und rauhen Mundart reden.— Vor der jetzigen, in ſo mancher Ruͤckſicht muſterhaften Regierung, ſtand es im Kurfuͤrſtenthume Bayern, der verſchiedenen Inſtitute fuͤr die Gelehr⸗ 234 ſamkeit und in großer Menge vorhandenen Schulen ohngeachtet, um gemeinnuͤtzige Kenntniſſe und wahre Aufklaͤrung, ſehr ſchlecht; aber Maximilian Jo⸗ ſeph. der es als eine ſeiner weſentlichſten Regenten⸗ pflichten anſieht, die ſittliche und intellektuelle Bil⸗ dung ſeiner Unterthanen eben ſo ſehr als ihren phy⸗ ſiſchen Wohlſtand zu befoͤrdern, hat durch eingreifende Verbeſſerung des Kirchen: und Schulweſens in ſei⸗ nen Staaten ſchon die wichtigſten Schritte zur Er⸗ reichung jenes edlen Endzwecks gethan; und ſchon jetzt fangen die gluͤcklichen Folgen davon an, ſichtbar zu werden.— Auch von dem als Schriftſteller ruͤhm⸗ lich bekannten jetzigen Kur⸗Erzkanzler, Karl Theo⸗ dor Anton Maria Freyherr von Dalberg, koͤn⸗ nen ſich ſeine neuen lineerthanen alles Gute verſpret chen.— 7) Religion. Außer der Stadt Regensburg und der Grafſchaft Ortenburg, wie auch einem Theile der Oberpfalz und des Herzogthums Sulzbach, welche lutheriſche Bewohner haben, herrſcht in allen bayri⸗ ſchen Kreislaͤndern die katholiſche Religion, welche ſi ch vormals beſonders in dem eigentlichen Herzogthum Bayern ſehr unduldſam bewies, und deren Geiſtlich⸗ keit eine fuͤr das Wohl des Landes viel zu große An⸗ zahl der reichſten Praͤlaturen, Abteyen und Klöſter beſaß. Jetzt iſt die Zahl dieſer geiſtlichen Stiftungen ſehr vermindert, und die Nichtkatholtken genießen un⸗ geſtoͤrte Religionsuͤbung. 235 9) Regierung. Bei weitem den groͤßten Theil dieſes Kreiſes beſitzt der Kurfuͤrſt von Bayern; ge⸗ ringere Antheile haben: der Kur⸗Erzkanzler, das fuͤrſtliche Haus Lobkowitz, die Grafen von Ortenburg u. ſ. w. 4 9) Theile. a. Die kurbayriſchen Laͤnder, nem⸗ lich 1) das Herzogthum Bayern an ſich, eingetheilt in Ober; und Nieder⸗Bayern, nebſt dem ehema⸗ ligen Hochſtifte Freyſingen; einem Theile des paſ⸗ ſauiſchen Gebietes und einigen kleinern Herrſchaften. 2) Die Oberpfalz, nebſt der Landgrafſchaft Leuch⸗ tenberg. 3) Die Herzogthuͤmer Neuburg und Sulzbach. b. Die Beſitzungen des Kur Erzkanz⸗ lers, nemlich: das jetzige Erzbisthum Regensburg, mit der Stadt gleiches Namens, und den Abteyen St. Emmeran, Ober; und Rieder/ Munſter. c. Die gefuͤrſtete Grafſchaft Sternſtein in der Ober⸗ pfalz, dem fuͤrſtlichen Hauſe Lobkowitz gehoͤrig. d. Die Grafſchaft Ortenburg in Niederbayern. 11) Vornehmſte Oerter. In a. 1) Muͤn⸗ chen an der Iſer, H. R. mit 50,000 E. Nym⸗ phenburg und Schleißheim, Luſtſchl. Ingol⸗ ſtadt mit 7000 E. und Donauwerth, bende an der Donau. Waſſerburg am Inn. Burghauſen an der Salza. Neu⸗Oetting nahe am Inn. Rei⸗ chenhall und Traunſtein, mit wichtigen Salzquel⸗ len. Landshut an der Iſer, U. mit 11,000 E. in Niederbayern. Straubing an der Donau mit 236 9000 E. Cham am Fluß Regen. Deckendorf, nahe an der Donau. Kellheim, auf einer Inſel beym Zuſammenfluſſe der Donau und Altmuͤhl. Stadt am Hof, Regensburg gegenuͤber. Freyſing an der Iſer, mit 6000 E. Paſſau, beym Einſluſſe des Inn und der Ilz in die Donau, Hſt. mit 9000 E. Muͤldorf am Inn, ſonſt ſalzburgiſch. 2) Amberg an der Vils, H. mit 3000 E. Neumarkt, Auer⸗ bach. 3) Neuburg an der Donau, H. mit 3500 E. Hochſtaͤdt an der Dongu, ſo wie Lauingen Hſt. mit 3500 E. Burg Kengenfeld an der Naab, H. des Nordgaues(des oͤſtlichen Theils des Landes). Sulzbach mit 3500 E. Weyden.— In b. Ae⸗ gensburg R. des Kur⸗Erzkanzlers und Sitz des Reichstages, an der Donau, dem Einfluſſe des Fluſ⸗ ſes Regen gegenuͤber. Donauſtauf Mfl. an der Donau.— In c. Neuſtadt an der Naab.— In d. Alt⸗Ortenburg Mfl. mit 1200 E. und Neu⸗ Ortenburg Reſidenzſchloß. 11) Geſchichte von Bayern. Waͤhrend der Regierung der karolingiſchen Kaiſer waren Grafen über Bayern geſetzt; nachher bekam es Herzoge aus verſchiedenen Geſchlechtern, worunter das welfiſche im IIten und 12ten Jahrhundert das anſehnlichſte war. Heinrich der Loͤwe, der beruͤhmteſte aus dieſem Hauſe, beſaß die beyden Herzogthuͤmer Bayern und Sachſen zugleich. Allein beyde wurden ihm vom Kai⸗ ſer Friedrich I. entriſſen, und der Pfalzgraf Otto von Wittelebach erlangte das erſtere, deſſen Sohn Ludwig zugleſch die Pfalz am Rhein, erhielt. Beyde Laͤnder blieben jedoch nicht lange vereinigt; denn im dreyzehnten Jahrhundert vertheilte ſie Her⸗ zog Ludwig der Strenge ſo, daß ſein aͤlterer Sohn, Rudolph, die Pfalz nebſt der Kurwuͤrde, und der juͤngere, Cudwig, welcher hernach Kaiſer wurde, Bayern zu ſeinem Antheile bekam. Im 3ojaͤhe rigen Kriege brachte indeß auch die bayriſche Linie die Kurwuͤrde(nebſt der Oberpfalz) an ſich. Als der letzte Kurfuͤrſt von Bayern Maximilian Joſeph 1777 ohne maͤnnliche Erben ſtarb, fielen ſeine Laͤnder wies der an den damaligen Kurfuͤrſten von der Pſalz⸗ Karl Theodor, zuruͤck; ein kleines Stuͤck ausge⸗ nommen, welches dem Hauſe Oeſtreich, nach einem kurzen Kriege, durch den Teſchner Frieden zu Theil wurde. Seit dem Jahre 1799 regiert Maximilian Joſeph, aus der Zweybruͤckiſchen Nebenlinie des pfaͤlziſchen Hauſes, die ſaͤmmtlichen bayriſchen Staa⸗ ten, welche außer den vorhin beſchriebenen Laͤndern noch aus vielen andern Beſitzungen im ſchwaͤbiſchen⸗ fraͤnkiſchen und weſtphäͤliſchen Kreiſe beſtehen, die er zum Theii erſt im Jahr 1802 u. f. als Entſchaͤdigungen fuͤr den Verluſt der Rhein⸗Pfalz, der Herzogthuͤmer, Zweybruͤcken, Juͤlich u. ſ. w. erhalten hat.(In ſei⸗ nem gegenwaͤrtigen Umfange faßt der ganze bayriſche Staat nahe an 1200 Quadratmeilen und 2,400,000 Einwohner in ſich.) — ——— 3) Der ſchwaͤbiſche Kreis. 1) Graͤnzen. Der ſchwaͤbiſche Kreis macht die ſuͤdweſtliche Ecke des deutſchen Reiches aus; und graͤnzt gegen Oſten an Bayern; gegen Suͤden an den oͤſtreichiſchen Kreis, den Bodenſee und Helvetien; ge⸗ gen Weſten an den Rhein, welcher ihn von Frank⸗ reich ſcheidet, und gegen Norden an den ober⸗(kur) rheiniſchen und fraͤnkiſchen Kreis. 2) Groͤße. Mit Ausſchluß der zwar innerhalb der Graͤnzen dieſes Kreiſes gelegenen, aber nicht dazu gehoͤrigen Laͤnder, betraͤgt ſ e hngeliht ů40 eolerte Meilen. 3) Gewaͤſſer. Schwabens vornehmſten Fluͤſſe ſind: die Donau, der Ahein und der Neckar. Die Donau entſpringt hier zu Doneſchingen am Schwarzwalde, wird zu Ulm ſchiffbar, und nimmt in Schwaben viele kleinere Fluͤſſe, z. B. die Iler, Guͤnz, Mindel, Brenz u. ſ. w. auf. In den Rhein fallen hier: die Alb, Elz, Schutter, ARin⸗ zig, Murg u. a. m. Der Meckar entſpringt an den oͤſtlichen Vorgebirgen des Schwarzwaldes, nahe an den Quellen der Donau, fließt mitten durch Schwaben nordwaͤrts und geht bey Mannheim in den Rhein, nachdem er zur rechten Hand die Kocher und Japt; zur linken die Eno(welche die Nagold mit ſich fuͤhrt) und einige kleinere Fluͤſſe aufgenom⸗ men hat.— Unter den verſchiedenen Landſeen ſind die anſehnlichſten: 1) der Bodenſee(in ſeiner groͤß⸗ ten Ausdehnung 16 Stunden lang und 4 breit); 2) der Jederſee, deſſen Ausſluß, die Kanzach, in die Donau fließt, und 3) der Alpſee in der Grafſchaft Rothenfels.— Die bekannteſten der ſchwaͤbiſchen warmen Baͤder ſind: das Wildbad, und der Gop⸗ pinger Sauerbrunnen im Herzogthum Würtem⸗ berg; die zu Baden u. a. m. 4) Matuͤrliche Beſchaffenheit. Schwaben iſt ein ſehr gebirgiges Land. Nahe an ſeiner weſtlichen Graͤnze erhebt ſich der Schwarzwald, deſſen ſuͤd⸗ liche Gegend man den obern, die noͤrdliche den un⸗ tern Schwarzwald nennt. Faſt alle ſeine Berge ſind bis auf ihre Gipfel tragbar, und die Thaͤler haben guten Wieſewachs; daher iſt auch das Gebirge ſtark bewohnt, und nach Moͤglichkeit angebaut. Weit an⸗ ders verhaͤlt es ſich mit den ſchwaͤbiſchen Alpen(Alb genannt) welche die eigentliche Graͤnze zwiſchen Ober⸗ und Nieder⸗Schwaben machen, und ſteinig, kahl⸗ waſſerarm und unfruchtbar ſind. Der hoͤchſte, kaͤlteſte und ſchlechteſte Theil dieſer Bergkette iſt die rauhe Alb. In der Gegend von Kempten erheben ſich die Allgauer Alpen, und ziehen ſich mit immer ſtei⸗ gender Hoͤhe ſuͤdwaͤrts an den Arlberg und die Ty⸗ roler Gebirge.— Ueberhaupt iſt der groͤßte Theil von Ober⸗Schwaben(welches den Strich zwiſchen dem Rhein, Lech und der Donau auf beyden Seiten der Iler begreift,) mit Bergen angefuͤllt; daher auch 240 rauher, ſteiniger und unfruchtbarer, als Nieder⸗ Schwaben, welches zu den reizendſten, waͤrmſten und geſegneteſten Landſtrichen Deutſchlands gehoͤrt. 5) Haupt⸗Produkte. Die vorzuͤglichſten Nah⸗ rungsquellen der Bewohner dieſes Kreiſes, vornehms lich der wuͤrtembergiſchen und badenſchen Laͤnder ſind: Getreide Flachs⸗ Hanf⸗ und Weinbau(Neckar⸗ Zocher, und Markgraͤfler⸗Weine), Obſt⸗ und Wieſenwachs, Wildpret, eintraͤgliche Viehzucht,(im Wuͤrtembergiſchen allein giebt es uͤber 300, o00 Stuͤck Hornvieh, 40,000 Pferde und eine halbe Milllon Schaafe) Baͤder, Geſundbrunnen; vortreffliche, wohl⸗ benutzte Forſten, Steinbruͤche, hin und wieder auch Eiſen⸗ Kupfer⸗ und Silberbergwerke, und im Ba⸗ denſchen(wo auch Tabak, Wald und Krapp gezogen wird) einige Goldwaͤſchereyen. Einen beſondern Nah⸗ rungszweig machen im Wuͤrtembergiſchen, hauptſaͤch⸗ lich aber im Ulmer Gebiete, die Schnecken, deren jaͤhrlich einige Millionen fett gemacht, und ausgefuͤhrt werden. Der ziemlich allgemeine Mangel an Salz wird groͤßtentheils aus Bayern erſetzt, welches dages gen vielen Wein aus Schwaben bezieht.— Der Kunſtſleiß iſt verhaͤltnißmaͤßig in ganz Schwaben ge⸗ ringe; am ſtaͤrkſten wird indeß die Leinweberey ge⸗ trieben, welche eine Menge Waaren fuͤr das Ausland liefert; und Wuͤrtemberg iſt ein Hauptſitz derſelben. Sonſt finden ſich noch einige Tuch⸗ und Baumwol⸗ lenmanufakturen, mehrere Eiſen⸗ Schmelzs und Huͤt⸗ 241 tenwerke, Porcellan⸗ und Spiegelfabriken u. ſ. w. Auch werden in den Gebirgen viele hoͤlzerne Arbei⸗ ten verfertigt. Der Handel mit dLeinwand, Wollen⸗ waaren, Holz, Getreide, Wein und andern einheis miſchen Prodnkten, iſt ſehr betraͤchtlich; und zur Be⸗ foͤrderung deſſelben ſind im Wuͤrtembergiſchen und Badenſchen gute Anßalten getroffen. 1 6) Einwohner. Nahe an 2 Millionen Men⸗ ſchen bewohnen dieſen Kreis, welche ſaͤmmtlich in ſehr verſchiedenen, von der ſaͤchſiſchen Mundatt betraͤcht⸗ lich abweichenden Dialekten, deutſch ſprechen; im All⸗ 8 gemeinen das Lob eines biedern und gutmuͤthigen Charakters haben; und in Abſicht ihrer Kultur und Aufklaͤrung nach den Gegenden, die ſie bewohnen, auffallend von einander abweichen.— Kein Land in Europa hat auf gleichem Flaͤchenraume ſo viele ge⸗ lehrte Schulen, als das Herzogthum Wuͤrtemberg; (eine Univerſität, eine Akademie der Kuͤnſte, ein Kol⸗ legium illuſtre fuür den Adel, ein Gymnaſium, vier Kloſter⸗ und 55 lateiniſche Schulen,) aber viele dem ſelben muͤßten, nebſt den Landſchulen, eine verbeſſerte, dem Geiſte der Zeit mehr angemeſſene Einrichtung erhalten, um weſentlicheren Nutzen zu ſtiften.— Im Badenſchen ſind ſehr gute Anſtalten fuͤr den oͤffentli⸗ chen Unterricht getroffen; und die Beſitzungen des Kurfuͤrſten von Bayern⸗ werden bald in dieſer Hin⸗ ſicht den gluͤcklichen Einfluß ihrer vortreſflichen Lan⸗ desherrſchaft empfinden.— Unter den ehemaligen Neichsſtiftern zeichnete ſich Neresheim durch treffliche Q 242 Schulanſtalten ruͤhmlich aus; ſonſt aber ſcheint es in den geiſtlichen Kreislanden ziemlich finſter geweſen zu ſeyn. 135 7) Beligion. Katholiken und Lutheraner hal⸗ ten ſich in dieſem Kreiſe ziemlich das Gleichgewicht. Im Herzogthum Wuͤrtemberg herrſcht indeß die lu theriſche Religion nach den ſtrengſten Symbolen, und es ſind nur wenig Katholiken, Reformirten und Ju⸗ den vorhanden. Die Markgrafſchaft Baden hat Ka⸗ tholiken und Lutheraner zu Bewohnern; außerdem noch Reformirte, Wiedertaͤufer und Juden. Die oͤts tingiſchen Laͤnder ſind gemiſcht; die bayriſchen groͤß⸗ tentheils, und die fuͤrſtenbergiſchen, hohenzolleriſchen u. ſ. w. faſt durchgehends katholiſch. 3) Regierung. Kreisausſchreibende Fuͤrſten ſind die Kurfuͤrſten von Wuͤrtemberg und Baden, welche auch, nebſt dem Kurfuͤrſten von Bayern, das Meiſte dieſes Kreiſes beſitzen. In dem Herzogthum Wuͤrtemberg iſt die Regierungsgewalt des Kurfuͤrſten durch Landſtaͤnde merklich eingeſchraͤnkt; dergleichen es in den badenſchen und dem groͤßten Thelle der uͤbris gen Laͤnder nicht giebt. Minder betraͤchtliche Gebiete haben hier das fuͤrſtliche Haus Juͤrſtenberg; die Fuͤrſten und Grafen von Oettingen; die Fuͤrſten von Hohenzollern, Thurn⸗ und Taxis⸗ Bu⸗ chau, Auersberg, Lichtenſtein, Schwarzen⸗ berg(Diedrichſteln), Naſſau⸗Oranien Fulda und Bretzenheim; das Haus Oeſtreich; der deut⸗ ſche⸗ und Maltheſer⸗Orden; die graͤfliche Familie der Erb⸗Truchſeſſe von Waldsburg; die Grafen von Koͤnigsegg, Sugger, von Sickingen, von der Leyen, von Abensberg und Traun; von Stadion, Metternich, Sternberg, Quadt, Wartemberg(Oſtein), Baſſenheim und Pletten⸗ berg, Toͤrring, Aſpremont, Schaesberg, Sin⸗ zendorf u. a. m. 3 9) und 10) Theile und vornehmſte Oerter. a. Die Laͤnder des Kurfuͤrſten von Wuͤrtemberg, nem⸗ lich: 1) das Herzogthum Wuͤrtemberg, einge⸗ theilt ins Land ob, und unter der Staig(wovon dieſes letztere den noͤrdlichen, beſten und fruchtbarſten jenes aber den ſuͤdlichen, kaͤltern und minder frucht⸗ baren Theil ausmacht); nebſt der Herrſchaft Juſtin⸗ gen. Vornehmſte Herter ſind, im Unterlande: Stuttgard H. R. des Kurfuͤrſten, nicht weit vom Neckar, mit 22,000 E. Hohenheim Luſtſ. Lud⸗ wigsburg, 2te Reſ. mit guten Manufakturen und 6000 E. Bannſtadt am Neckar, welcher hier ſchiff⸗ bar wird, mit einem Bade. Goͤppingen Hſt. Fa⸗ brikſt. mit beruͤhmten Geſundbrunnen und 4200 E. Schorndorf F. an der Rems. Murrhard Vay⸗ hingen an der Enz. Waiblingen und Weins⸗ berg. Maulbronn und Murrhard, Kioͤſter⸗ Hohen; Aſperg Bergf. Im Oberlande: Tuͤbin⸗ gen, 2te H. U. mit 6000 Einw. Blaubeuren. Kalw an der Nagold, wichtige Hſt. mit 3600 E. Pbingen mit 3800 E. Freudenſtadt F. Horn⸗ berg. Birchheim unter Teck, mit Manufaktu⸗ 22— 244 ren und 35000 E. Solituͤde Luſtſ. Nagold, Nuͤr⸗ tingen am Neckar. Pfullingen, Sulz am Neckar, mit einem Salzwerke. Tuttlingen Hſt. an der Do⸗ nau. Urach Fabrikſt. von 3200 E. Ehningen Mfl. von 39800 E. meiſt Hauſirern. Wildbad an der Enz, mit warmen Baͤdern. Bahlingen Hſt. mit 2600 E. Bebenhauſen, Blaubeuren u. a. Kloͤſter. Hohen⸗Meuffen und Hohentwiel, Bergf. letztere in der oͤſtreichiſchen Landgrafſchaft Nellenburg. (Die Grafſchaft Loͤwenſtein mit dem Staͤdtchen gleiches Namens, gehoͤrt, unter wuͤrtembergiſcher Lan⸗ deshoheit, dem fuͤrſtlichen und graͤflichen Hauſe Loͤ⸗ wenſtein⸗Wertheim.) 2) Das Fuͤrſtenthum(vor⸗ hin Probſtey) Ellwangen an der fraͤnkiſchen Grän⸗ ze, mit der H. Ellwangen an der Jaxt, von 4500 E. Ferner die Abteyen: Zwiefalten, Rottmuͤn⸗ ſter u. ſ. w. nebſt den ehemaligen freyen Reichsſtaͤd⸗ ten: Eßlingen, am Neckar, mit 7000 E. Reut⸗ lingen mit 8000 E. Halle in Schwaben am Kocher, mit 5a00 E. und Salzwerken. Heilbronn am Neckar, Hſt. mit 7200 Einw. Schwaͤbiſch⸗ Gmuͤnd mit 5000 E. Weil, Siengen, Aalen am Kocher. Rottweil am Neckar, mit 4000 E. (3) Im fraͤnkiſchen Kreiſe beſitzt der Kurfuͤrſt von Wuͤrtemberg einen Antheil an der Grafſchaft Lim⸗ purg, und die Herrſchaft Welzheim.) Alle Laͤnder des Kurfuͤrſten haben zuſammen einen Flaͤcheninhalt von 192 Quadratmeilen und uͤber 700,000 Einwoh⸗ ner. 4 245 b. Die Laͤnder des Kurfuͤrſten Baden, nemlich: 1) die Markgrafſchaft Baden, eingetheilt in die un⸗ tere, mittlere(nebſt der Herrſchaft Mahlbesg und der Grafſchaft Eberſtein) und obere, welche aus der Markgrafſchaft Hochberg, der Landgrafſchaft Sau⸗ ſenberg, und den Herrſchaften Badenweiler und Roͤtheln beſteht. Vornehmſte Oerter ſind: Karlsruhe H. R. des Kurfuͤrſten mit 8000 Einw. Durlach an der Pfinz. Pforzheim an der Enz, Hſt. mit anſehnlichen Fabriken, Manufakturen und 6000 E. Baden, mit warmen Baͤdern. Raſtadt an der Murg. Kavorita Luſtſchloß, nahe dabey. Schwarzach, ehemalige Abtey. Mahlberg, Kehl am Einfluß der Kinzig in den Rhein, geweſene Reichsf. Gernsbach, in der Grafſchaft Eberſtein. Emmen⸗ dingen, in der Markgrafſchaft Hochberg. Loͤrrach, in der Herrſchaft Roͤtheln. 2) Das ehemalige Hoch⸗ ſtift Roſtanz oder Koſtnitz am Bodenſee, mit der H. Moͤroburg, von 2000 E. und der Inſel Reiche⸗ nau; ferner die Abteyen Gengenbach, Peters⸗ hauſen, Salmansweiler(zum Theil), und die geweſenen Reichsſtaͤdte: Wimpfen am Neckar; Of⸗ fenburg an der Kinzig, mit 4000 E.; Gengen⸗ bach; Zell am Harmerſpach; Ueberlingen am Bodenſee, mit 3000 E.; Biberach, mit 7000 E.; Pfullendorf.— 3) Im kur⸗ und oberrheiniſchen Kreiſe beſitzt der Kurfuͤrſt von Baden: einige Aem⸗ ter von der Ahein⸗ Pfalz; die am rechten Rhein⸗ ufer gelegenen Reſte der Bisthuͤmer Speier, Strae⸗ burg und Baſel; die Herrſchaft Hanau:Lichten⸗ berg, ſofern ſie innerhalb der deutſchen Granzen liegt, und die Herrſchaft Lahr in der Ortenau(un⸗ ter gewiſſen Bedingungen). Alle dieſe Laͤnder haben einen Flaͤceninhalt von 129 Quadratmeilen, und 420,000 Einwohner. c. Die ſchwaͤbiſchen Beſſtzungen des Kurfürſten von Bayern, nemlich: 1) das ehemalige Hochſtift Augsburg worin Dillingen H. U. an der Donau, mit 3000 E. Schwabmuͤnchen Mfl. Oberdorf Mfl. Fuͤſſen am Lech. 2) Das ehemalige Stift Kempten, mit der Stiftsſtadt Kempten,(ver⸗ ſchieden von der folgenden Stadt gleiches Namens) mit 3000 E. an der Iller. 3) Die vormaligen Ab: teyen Yrſee, Wengen, Soͤfflingen, Elchingen, Urſperg, Wettenhauſen(Ottobeuren, welches nicht kretsſtaͤndiſch iſt) und Kaiſersheim; nebſt den vormaligen Reichsſtaͤdten: Ulm an der Donau, wel⸗ che oberhalb der Stadt die Iler aufnimmt, mit 14,000 E. Noͤrdlingen mit 7000 E. Duͤnkelsbuͤhl mit 6500 E. Bopfingen, Ravensburg mit 4000 E. Kempten im Allgau, an der Iler, mit 3600 E. Wangen, Leutkirch, Buchhorn am Bodenſee. Memmingen, unweit der Iler, mit 7000 Einw. Kaufbeuren im Allgau, an der Wertach, mit 5000 E. 4¼) Die Herrſchaften: Wieſenſteig an der Fils; Mindelheim im Allgau; Schwabeck an der Wer⸗ tach u. a. m. mit gleichbenannten Oertern.— Alle dieſe Laͤnder von 128 Quadratmeilen und 330,000 E. 5 ſtehen unter den beyden Regierungen und Kammern zu Dillingen und Kempten. 3. Die fuͤrſtenbergiſchen Laͤnder, worunter die Landgrafſchaft Baar, worin Doneſchingen Mfl. R. am Urſprunge der Donau, das betraͤchtlichſte iſt. Sonſt gehoͤren noch dazu: die Grafſchaften Stuͤh⸗ lingen und Heiligenberg; die Herrſchaften Trach⸗ telſingen, Jungnau, Moͤßkirch, Gundelſin⸗ gen, Haslach u. ſ. w. zuſammen 60 Quadratmei⸗ meilen und 80,000 E. e. Die Grafſchaft Oettingen(24 Quadratmei⸗ len mit 60,000 E.) unter 3 regierende Linien, Oet⸗ tingen⸗Spielberg, Wallerſtein und Baldern, wovon die beyden aͤltern den reichsfuͤrſtlichen Titel haben, vertheilt; jedoch ſo, daß die Grafſchaft als Ein Land angeſehen wird. H. des ganzen Landes iſt Oettingen an der Wernitz, mit 5000 E. f. Die fuͤrſtlich hohenzolleriſchen Lande werden von 2 regierenden Linien Hohenzollern⸗ Hechin⸗ gen und Siegmaringen beherrſcht. Außer den H. und R. Staͤdten gleiches Namens iſt hier noch das Schloß Hohenzollern merkwuͤrdig, weil es das Stammhaus der Koͤniglich Preußiſchen Familie iſt.ü g. Der Fuͤrſt von Thurn und Taxis beſitzt: 1) die Abtey Buchau mit der Stadt gleiches Namens, am Federſee. 2) Die Abteyen Marchthal und Ne⸗ resheim, nebſt dem vorhin zur Abtey Salmanswei⸗ jer gehoͤrigen Amte Oſtrach. 3) Die gefuͤrſtete 248 Grafſchaft Friedberg Scheer, und mehrere kleinere Herrſchaften. h. Der Fuͤrſt von Auersberg beſitzt die Graf⸗ ſchaft Thengen; der Fuͤrſt von Lichtenſtein das gleichbenannte Fuͤrſtenthum, beſtehend aus den Herr⸗ ſchaften Vadutz und Schellenberg; der Fuͤrſt von Schwarzenberg die gefuͤrſtete Landgrafſchaft Klett⸗ gau; der Fuͤrſt von Dietrichſtein die(reichunmitt telbare) Herrſchaft Neu⸗ Kavensburg; der Fuͤrſt von Naſſau⸗Oranſen die ehemalige Abtey Weingar⸗ ten; der Faͤrſt von Bretzenheim Stift und Stadt Lindau auf 3 Inſeln im Bodenſee; das Haus Oeſt⸗ reich die Grafſchaft Hohen⸗Ems, nebſt den Herr⸗ ſchaften Tetnang und Argen; der deutſche Orden die Commenthureyen: Alſchhauſen Meinau Rohr und Waldſterten; der Maltheſer⸗Orden unter an⸗ dern die Grafſchaft Bondorf am Schwarzwalde. i. Die Beſitzungen der Reichs⸗Erb⸗Truchſeſſe von Waldburg, die ſich in 2 Hauptaͤſte, Wolfegg und Zeil, und jeder wieder in 2 Zweige vertheilt ha⸗ ben, beſtehen in mehrern kleinen Graf⸗ und Herr⸗ ſchaften. k. Den Grafen von Koͤnigsegg gehoͤren die Graf⸗ ſchaften Rothenfels und Aulendorf, von welchen die beiden graͤflichen Linten den Namen haben. In jener liegt Immenſtadt; in dieſer Aulendorf. 1. Das in 9 Linien zerfallene graͤflich Fuggeri⸗ ſche Haus beſitzt die Grafſchaften Kirchberg und. Weiſſenhorn, nebſt einer Menge kleiner Herrſchaften. 1* — 249 m. Die Grafen von Sickingen beſitzen die Herrſchaft gleiches Namens; die Grafen von der Ceyen die Grafſchaft Hohengeroldseck; die Grafen von Abensberg und Traun die Herrſchaft Egloffo; die Grafen von Stadion die Herrſchaft Tannhau⸗ ſen; die Grafen von Metternich die Abtey Ochſens hauſen; die Grafen von Sternberg die Abteyen Schuſſenried und Weiſſenau; von Quadt die Stadt und Abtey Nßny; von Wartenberg die Ab⸗ tey Roth; von Oſtein die nichtſtaͤndiſche Karthauſe Buxheim; die Grafen von Baſſenheim und Plet⸗ tenberg zuſammen die Abtey Heggbach; von Toͤr⸗ ring die Abtey Gutenzell; von Aſpremont die Ab⸗ tey Baindt; von Schaesberg das von der Abtey Ochſenhauſen getrennte Amt Tannheim; von Sin⸗ zendorf das ebendaſelbſt gelegene Dorf Winterrie⸗ den, mit dem Titel eines Burggrafthums u. ſ. w. n. Die freye Reichsſtadt Augsburg, Hſt. mit wichtigen Fabriken, Manufakturen und 37,000 E. zwi⸗ ſchen dem Lech und der Wertach, nebſt ihrem kleinen Gebiete. 11) Geſchichte. a. Von Wuͤrtemberg. Vor Alters war Wuͤrtemberg eine Grafſchaft, deren an⸗ fangs geringes Gebiet nach und nach ſo ſehr anwuchs, daß im Jahr 1495 der damalige Graf Eberhard IV. vom Kaiſer Maximilian zum Herzoge erhoben wurde. Unter Herzog Ulrich gerieth das Land fuͤr eine kurze Zeit in oͤſtreichiſche Herrſchaft; indeß kam derſelbe mit Huͤlfe des Landgrafen Philipps von Heſſen wieder in 250 Beſitz, und legte darauf den Grund zur Einfuͤhrung der evangeliſchen Lehre, auf welchen ſein Sohn Chri⸗ ſtoph nachher kortbauete. Der Nachfolger dieſes letz⸗ reren, Ludwig, ſtarb 1593 ohne Erben; worauf ſein Vetter, Friedrich Graf von Moͤmpelgard, aus einer Nebenlinie des wuͤrtembergiſchen Hauſes, die Reglerung antrat, und 3 Lnien ſtiftete, von denen die Stutt⸗ gardiſche noch fortdauert, die Moͤmpelgardiſche und Oelſiſche aber bereits ausgeſtorben ſind.— Her⸗ zog Carl Alepander(von 1733 an) wurde zwar ka⸗ tholiſch, aber dieſe Veränderung hatte auf Wuͤrtems bergs Religionsverfaſſung keinen Einfluß. Nach ihm herrſchten, Carl Eugen(deſſen erſte Regierungspe⸗ riode fuͤr das Land ſehr druͤckend war), Ludwig Eu⸗ gen, und ſeit 1795 Friedrich Eugen, welcher ſeine Beſitzungen durch die in den Entſchaͤdigungs⸗Traktaten erlangten Gebiete anſehnlich erweiterte, und die Kur⸗ wuͤrde an ſein Haus brachte. G p. Von Baden. Der erſte von den Vorfahren des uralten Fuͤrſtenhauſes Baden, welcher ſich einen Markgrafen nannte, war Herrmann II. Markgraf Chriſtoph I.(ſtarb 1527) hatte zwey Soͤhne, Bern⸗ hard und Ernſt, denen er aber wegen Geiſtesſchwaͤche ſchon bey Lebzeiten die Regierung ſeiner Lande uͤberließ⸗ die ſie unter ſich theilten, die Reformation einfuͤhrten⸗ und die Baden⸗Badenſche und Baden Durlachi⸗ ſche Linie ſtifteten. Die erſtere wurde aber bald dar⸗ auf wieder katholiſch, und ſtarb 1771 aus, worauf das ganze Land unter dem noch jetzt(ſeit 1738 als Mark⸗ graf von Baden⸗Durlach) regierenden Carl griedrich vereiniget, und durch ſeine hoͤchſt weiſen und muſter⸗ haften Veranſtaltungen zu einem Wohlſtande erhoben ward, den es vorher nie kannte. Durch den Entſchäͤ⸗ digungs Plan erhielt ſein Gebiet einen ſehr betraͤchtli⸗ chen Zuwachs(ſtatt der verlornen 14 Quadratmeilen et⸗ wa 70) und das badenſche Haus zugleich die Kurwuͤrde. * 4) Der fraͤnkiſche Kreis. 1) Lage und Sraͤnzen. Der fraͤnkiſche Kreis iſt ringsum von deutſchen Laͤndern umgeben, nemlich: im Suͤden vom ſchwaͤbiſchen Kreis und dem bayriſchen Herzogthum Neuburg; im Oſten vom bayriſchen Kreis und Boͤh hmen; im Nordoſten und Norden vom ober⸗ ſaͤchſiſchen; im Nordweſten und Weſten vom ober⸗ Cmd kur;) rheiniſchen Kreiſe. 2) Groͤße. Der Flaͤcheninhalt betraͤgt ohnge⸗ faͤhr 484 Quadratmeilen. 3 SGewaͤſſer. Der Mayn, welcher hier ent⸗ ſpringt; bald anſehnlich und ſchiffbar wird, und in ei⸗ nigen großen Kruͤmmungen durch das Land ſtroͤmt, iſt der Hauptfluß. An der linken Seite nimmt er bie Tauber und die aus der Vereinigung der Aednitz und Pegnitz entſtehende Regnitz; au der rechten die Ilz und die(fraͤnkiſche) Saale auf. Andere betraͤcht⸗ liche Fluͤſſe ſind: die Werre im noͤrdlichſten Theile; die hier entſpringende(thuͤringiſche) Saale, welche 252 im oberſaͤchſiſchen Kreiſe in die Elbe faͤllt; die Alt⸗ muͤhl und Wernitz, welche in Bayern in die Donau fließen; der Rocher und die Jaxt, welche ſich in Schwaben mit dem Neckar voreinigen.— Der ehe⸗ mals beruͤhmte Fichtelſee im Bayreuthiſchen, iſt jetzt Aur noch ein bloßer Schlammbehaͤlter, mit einer be⸗ weglichen, mit Moos bewachſenen Rinde bedeckt.— Im Fuͤrſtenthum Bayreuth iſt ein Wildbad, und ver⸗ ſchledene Sauerbrunnen; dergleichen es auch im Wuͤrz⸗ burgiſchen giebt. 2 4) Matuͤrliche Beſchaffenheit. Dieſer Kreis gehoͤrt zu Deutſchlands ſchoͤnſten und waͤrmſten Provin⸗ zen. Er iſt zwar faſt durchgehends huͤgelig und ber⸗ gig; aber die Berge ſind, bis auf einige wenige, von maͤßiger Hoͤhe und fruchtbar; und die vielen Fluͤſſe bil⸗ den eine Menge ſchoͤner Thaͤler.— Die vornehmſten Gebirge ſind: der Fichtelberg im Fuͤrſtenthum Bay⸗ reuth, an der Graͤnze von Boͤhmen, deſſen hoͤchſte Ge⸗ gend der Ochſenkopf heißt; der nordweſtlich daran ſtoßende Thuͤringerwald, welcher elgentlich Thuͤrin: gen von Franken ſcheidet, und wovon der groͤßte Theil nebſt ſeinen hoͤchſten Spitzen zum oberſaͤchſiſchen Kreiſe gehoͤrt; ferner das Ahein⸗Gebirge, welches ſich in den oberrheiniſchen Kreis erſtreckt; der Steigerwald zwiſchen dem Mayn und der Regnitz, ein Stuͤck des Odenwaldes, des Speſſarts u. ſ. w. Gegen Suͤd⸗ oſten hin giebt es einige ſandige, aber doch nutzbar zu machende Flaͤchen; nirgends aber betraͤchtliche Haide⸗ und Moor⸗Gruͤnde. 5) Haupt: Produkte. Einige Laͤnder dieſes Kreiſes, z. B. Anſpach, Bamberg, Wuͤrzburg und Hohenlohe, haben Ueberfluß, andere, wie das bayreu⸗ thiſche Oberland, der noͤrdliche Theil vom Henneber⸗ giſchen u. a. hin und wieder Mangel an Getreide und Gartenfruͤchten. Faſt uͤberall iſt der Obſte Flachs⸗ Hanf⸗ Tabaksbau betraͤchtlich; die ſtarke Rindvieh⸗Pferde⸗ und Schaafzucht wird, vornehmlich im Anſpachiſchen⸗ immer mehr verbeſſert; die Holzungen und Jagden ſind anſehnlich; und einen Hauptnahrungszweig machen an vielen Orten die guten Frankenweine aus, worunter der Wuͤrzburger und Klingenberger fuͤr die beſten ge⸗ halten werden. Die vielen Fluͤſſe und Teiche ſind fiſch⸗ reich;(in einigen bayreuthiſchen Baͤchen giebt es, wie⸗ wohl ſparſam, ſehr ſchoͤne Perlen.) Bey Bamberg waͤchſt viel Suͤßholz, obglelch jetzt weniger, wie ſonſt. Die Salzquellen zu Salzungen und Schmalkalden im Hennebergiſchen ſind ſehr ergiebig; außerdem findet man deren noch einige im Wuͤrzburgiſchen, Hohenlohi⸗ ſchen und Anſpachiſchen; den uͤbrigen Laͤndern fehlt es an Salz. Das Fuͤrſtenthum Bayreuth, wie auch Eich⸗ ſtaͤbt, Bamberg und Henneberg, hat einen Reichthum von mannichfaltigen Mineralien, z. B. Eiſen, Kupfer, Silber, Alaun, Vitriol, Schiefer, Kalk, Marmor, Kobalt, Serpentin, Steinkohlen u. f. Vorzüglich wichtig ſind die Eiſen⸗Bergwerke in der Herrſchaft Schmalkalden, welche jaͤhrlich uͤber 22,000 Tonnen Stahl; und Eiſenſteln liefern.— Durch Kunſtfleiß. zeichnen ſich unter den Laͤndern dieſes Kreiſes das Ans⸗ bach⸗Bayreuthiſche, Hennebergiſche und Bambergi⸗ ſche aus; worin viel Flachs, Wolle und Baumwolle, beſonders aber viele Mineralien verarbeitet werden; auch giebt es hier mehrere Spiegel⸗ Glas: Porzellan⸗ Fabriken, Papier⸗ und Pulvermuͤhlen u. ſ. w. Im Wuͤrzburgiſchen, Eichſtädtiſchen, dem Fuͤrſtenthume Schwarzenberg u. f. mangelt es noch ſehr an Manu⸗ fakturen und Fabriken. Die Stadt Ruͤrnberg iſt wegen ihrer außerordentlichen Induſtrie, und ehemals ausgebreiteten, jetzt aber geſunkenen Handlung, eine der beruͤhmteſten Staͤdte in Europa. Die ſogenannten Nuͤrnberger kurzen Waaren von unendlicher Man⸗ nichfaltigkeit werden in großer Menge verfertigt, und bis in die entfernteſten Theile der Erde ausgefuͤhrt.— Ueberhaupt iſt faſt in allen Kreislanden der Handel und die Ausfuhr von ungemeiner Erheblichkeit. 55) Einwohner. Der ganze Kreis zäͤhlt ihrer ohngefaͤhr 1,400,000, beynahe durchgehends altdeut⸗ ſchen Urſprungs. Im Ansbach⸗Bayreuthiſchen leben viele Nachkommen der aus Frankreich gewanderten Hugenotten.— In demſelben Lande, ſo wie im Bam⸗ bergiſchen, Wuͤrzburgiſchen und Meiningiſchen, ſind fuͤr den wiſſenſchaftlichen und Volksunterricht gute Beranſtaltungen getroffen. 2) Religion. Man rechnet, in Abſicht der Re⸗ ligion den fraͤnkiſchen Kreis unter die gemiſchten. Die lutheriſche Religion herrſcht in eß in Bayreuth, Ans⸗ bach, Henneberg, Hohenlohe, den Grafſchaften Ca⸗ ſtell, Wertheim und Erbach, und im Nuͤrnbergi⸗ 255 ſchen; die katholiſche in Bamberg, Wuͤrzburg, Eich⸗ ſtaͤdt und den Beſitzungen des deutſchen Ordens; beyde genießen gleiche Rechte im Fuͤrſtenthum Schwar⸗ zenberg, und außerdem findet man noch Reformirte, beſonders in der Herrſchaft Schmalkalden, auch hin und wieder Juden. 8) Aegierung. Kreisausſchreibende Fuͤrſten ſind: der Kurfuͤrſt von Bayern als Beſitzer von Bamberg, und der Koͤnig von Preußen als Fuͤrſt von Ansbach⸗Bayreuth. Außer dieſen beyden haben hier noch die Kurfuͤrſten von Sachſen, Heſſen⸗Kaſ⸗ ſel, Wuͤrtemberg und Salzburg, der Deutſch⸗ meiſter, die Herzoge von Sachſen, die Fuͤrſten von Hohenlohe und Schwarzenberg, der Fuͤrſt und die Grafen von Loͤwenſtein Wertheim, die Grafen von Erbach, Caſtell, Noſtitz u. a. mehr oder weniger bedeutende Gebiete. 9) 10) Theile und vornehmſte Herter. a. Die bayriſchen Beſitzungen(166 Quadratmeilen mit 480,000 E.) oder das Herzogthum Franken, welches 1) aus dem ehemaligen Hochſtifte Bamberg; 2) dem groͤßten Theile von Wuͤrzburg; 3) einem kleinen Theile von Eichſtaͤdt, und 4) verſchiedenen vormalt⸗ gen Reichsſtaͤdten beſteht. Vornehmiſte Oerter ſind: in 1) Bamberg U. an der Regnitz, welche unwelt der Stadt in den Mayn faͤllt, Hſt. mit 20,000 E. See⸗ hof Luſtſch. Vorchheim, Cronach, Herzogenau⸗ rach und Hollfeld. Vilſeck in der Oberpfatz. Sand D. bekannt wegen des ſtarken Korbflechtens.— In 2) Wuͤrzburg F. U. auf beyden Seiten des Mayns⸗ mit 16,000 E. und der F. Marien: oder Frauen⸗ berg, wo der beliebte Leiſtenwein waͤchſt. Der be⸗ nachbarte Steinberg traͤgt den edlen Steinwein.— Karlſtadt und Kitzingen, Hſt. mit vielen Fabriken, beyde am Mayn. Kiſſingen an der Saale, mit ei⸗ nem Salzwerke und Geſundbrunnen. Neuſtadt an der Saale. Koͤnigshofen im Grabfelde, an der Saale. 3) Abenberg und Spalt, Städtchen in dem obern Stift Eichſtaͤdt, woruͤber Preußen ſeit 1796 die Landeshoheit hat. 4) Rothenburg ob(an) der Tauber, mit 8000 E. Windsheim, mit 4500 E. Schweinfurt am Mayn. Weißenburg im Nord⸗ gau, mit guten Fabriken und 6000 E. b. Die preußiſchen Beſitzungen,(144 Quadrat⸗ meilen und 450,000 E.) nemlich: 1) das Fuͤrſtenthum Bayreuth, eingetheilt ins Ober: und Unterland. 2) Das Fuͤrſtenthum Ansbach, nebſt verſchiedenen ſeit 1796 neu hinzugekommenen Erwerbungen. Vor⸗ nehmſte Oerter ſind: in 1) Bayreuch H. mit 10,000 E. St. Johannes D. u. Schl. mit der be⸗ ruͤhmten Eremitage. Sanspareil Schl. Rulmbach, wobey die Bergf. Plaſſenburg. Hof an der Saale, mit wichtigen Manufakturen und an 5000 E. Wun⸗ ſiedel mit 2z00 E. Goldkronach und Pegnitz, Staͤdtchen. Dieſe liegen im Oberlande. Im Unter⸗ lande findet man: Erlangen U. an der Regnitz, mit 9000 E. Neuſtadt an der Aiſch, Burgbern⸗ heim Mfl. mit einem Wildbade. 2) Ansbach H. mit 257 13,000 E. Bruckberg Luſtſchl. Fuͤrth, am Zuſam⸗ menfluſſe der Rednitz und Pegnitz, Mfl. mit wichtigen Fabriken, ſtarker Handlung und an 18,000 E. worun⸗ ter 7000 Juden. Marktſteft, Mfl. am Mayn, mit Fabriken. Creilsheim an der Jaxt. Wuͤlzburg Bergf. Schwabach Fabrikſt. Uffenheim. Gun⸗ zenhauſen und Waſſertruͤdingen. Pllingen, ei⸗ gentlich zur Balley Franken gehoͤrig. Goſtenhof und woͤhrd, Mfl. und ſogenannte Vorſtaͤdte von Nuͤrn⸗ berg.. c. Der groͤßte Theil des ehemaligen Hochſtifts Eichſtaͤdt, dem Kurfuͤrſten von Salzburg gehoͤrig, mit der Hauptſtadt Eichſtaͤdt an der Altmuͤhl, mit 7000 E. und dem Bergſchl. Wilibaldsburg.— d. Das Meiſterthum Mergentheim, und die damit verbundene Balley Franken, dem Hoch⸗ und Deutſchmeiſter(gegenwaͤrtig Erzherzog Karl von Oeſtreich) gehoͤrig. Außer der Stadt Mergentheim an der Tauber, iſt hier kein Ort von Bedeutung. e. Die gefuͤrſtete Grafſchaft Henneberg, woran die Kurfuͤrſten 1) von Sachſen und 2) Heſſen⸗Kaſſel; ferner die Herzoge von 3) Sachſen⸗Meiningen, 4) Sachſen⸗Weimar, 5) Sachſen⸗Gotha, Koburg und Hildburghauſen, Antheil haben. Vornehmſte Oer⸗ ter in 1) Schleuſingen und Suhla mit 6000 E. Fabrikſtaͤdte. 2) Schmalkalden, mit wichtigen Ei⸗ ſen: und Stahlfabriken, einem Salzwerke und 3000 E. Barchfeld D. Sitz einer Nebenlinie von Heſſen⸗Phi⸗ lippsthal. 3) Meiningen an der Werra, H. und R 258 4 R. des Herzogs, mit 3500 Einw. Wafungen und Salzungen, Fabrikſt. an der Werra. Römhild, woran auch Sachſen⸗Koburg Antheil hat. 4) Ilme⸗ nau, an der Ilm, mit einem Silberbergwerke. Kal⸗ ten⸗Nordheim und Oſtheim vor der Rhoͤn. 5) Themar, Stadt an der Werra, und Behrungen, Marktfl. 1 f. Das Fuͤrſtenthum Hohenlohe, deſſen regie⸗ rendes Haus ſich in 2 Haupilinien, die aͤltere Neuen⸗ ſteiniſche(evangellſche) und die juͤngere Waldenbur⸗ giſche(katholiſche) theilt. Die erſtere zerfaͤllt wieder in 4 regierende Linien, nemlich: Hohenlohe Neuen⸗ ſtein, Cangenburg, Ingelfingen und Birchberg; die juͤngere nur in 2; Bartenſtein und Schillings⸗ fuͤrſt. H. des ganzen Fuͤrſtenthums iſt Oehringen, mit 4000 E. Die Stadt Langenburg liegt an der Jaxt. Ingelfingen, am Kocher. Kirchberg, an der Jaxt. Bartenſtein Reſidenzſchloß. Jaxtberg, ehemals wuͤrzburgiſch, jetzt dem Fuͤrſten von Hohenlohe⸗ Bartenſtein gehoͤrig. Schillingsfuͤrſt Reſidenzſchl. und Waldenburg St. G 1 g. Die gefuͤrſtete Grafſchaft Schwarzenberg⸗ nebſt der Herrſchaft Seinsheim, mit der Stadt Markt ⸗Brait am Mayn. h. Die Grafſchaft Wertheim, welche von 2 Hauptlinien des Hauſes Loͤwenſtein⸗Werthheim gemein⸗ ſchaftlich beherrſcht wird, wovon die aͤltere die graͤfliche, die juͤngere aber die fuͤrſtliche Wuͤrde hat. Dieſe iſt ka⸗ tholiſch, und jene lutheriſch. H. iſt Wertheim, am 259 Zuſammenfluſſe der Tauber und des Mayns, mit 5000 E. Durch den Entſchaͤdigungs⸗Traktat hat der Fuͤrſt von Loͤwenſtein⸗Wertheim das Amt Rothenfels; und der Graf das Amt Freudenberg im Wuͤrburgiſchen erhalten. 1. Die Grafſchaft Caſtell gehoͤrt dem in 2 Linien, zu Remlingen und Ruͤdenhauſen, getheilten graͤf⸗ lichen Hauſe gleiches Namens. Caſtell R. und Rem⸗ lingen ſind Mfl. und Ruͤdenhauſen D. R. k. Die Grafſchaft Rieneck, theils dem Grafen von Noſtitz, theils dem Kur⸗Erzkanzler(welcher hier auch das wuͤrzburgiſche Amt Aura im Sinngrunde beſitzt,) gehoͤrig. Im graͤflichen Antheile liegt das Staͤdtchen und Schloß Rieneck, an der Sinn; in die⸗ ſem: Lohr, am Mayn. 1. Die Grafſchaft Erbach, welche etwas abgeſom dert von den uͤbrigen fraͤnkiſchen Kreislanden liegt, und deren regierendes Haus ſich in 3 Linien, Juͤrſtenau, Schoͤnberg und Erbach theilt, die das Land ge⸗ meinſchaftlich beherrſchen, und, bis auf den regieren⸗ den Grafen der zweiten Linie, welcher katholiſch iſt, ſich zur lutheriſchen Religion bekennen. H. des Fandes iſt: Michelſtadt.’ m. Die Grafſchaft Limpurg, unter viele Be ſitzer, z. B. Wuͤrtemberg, Hohenlohe⸗Bartenſtein, die Grafen von Loͤwenſtein⸗Wertheim, die Grafen von Puͤckler u. a. m. vertheilt; nebſt der Herrſchaft Speck⸗ feld, den Grafen von Rechtern gehoͤrig. H. in der Graſſchaft Limpurg iſt: Gaildorf am Kocher; und in R 2 260 der Herrſchaft Speckfeld liegen die Mfl. Sommer⸗ und Winterhauſen, am Mayn. n. Die Herrſchaft Wieſentheid Cdunbotniſ) und Welzheim(wuͤrtembergiſch). 0. Die freye Reichsſtadt Nuͤrnberg an der Peg⸗ nitz, Hſt. mit 30,000 E. In ihrem Gebiete llegen: Altdorf u. Petzenſtein. Lauf und Velden an der Pegnitz.— 7 5) Der kur⸗ und oberrheiniſche Kreis. 1) Lage und Graͤnzen. Die zu dieſen Krei⸗ ſen gehoͤrigen Laͤnder graͤnzen gegen Norden an den weſtphaͤliſchen und niederſaͤchſiſchen; gegen Oſten an den oberſaͤchſiſchen und fraͤnkiſchen; gegen Suͤden an den ſchwaͤbiſchen Kreis, und gegen Weſten an den Rhein. 2) Groͤße. Vor dem letzteren Kriege etwa 960, jetzt nur noch 580 Quadratmeilen. 3) Gewaͤſſer. In den Rhein fallen hier der Meckar, der Mayn und die Lahn; in den Mayn die Kinzig und Nidda, welche die Wetter und NMidder mit ſich fuͤhrt. Die Lahn entſpringt auf dem Weſterwalde im Fuͤrſtenthume Naſſau⸗Siegen, und nimmt waͤhrend ihres Laufes durch Heſſen unter andern die Ohm auf. Die Fulda kommt aus dem Fuͤrſten⸗ thume gleiches Namens, und vereinigt ſich im nieder⸗ ſaͤchſiſchen Kreiſe mit der Werra, nachdem ſie die Eder aufgenommen, in welche ſich vorher die in Ober⸗ 261 Heſſen entſtehende Schwalm ergoſſen hat. Im Hers zogthum Weſtphalen nehmen die Ruhr und Diemel, ſo wie im Eichsfelde die Ceine, Unſtrut und Wip⸗ Per ihren Urſprung.— Unter den in großer Menge vorhandenen Baͤdern und Geſundbrunnen ſind die vors nehmſten: die Baͤder zu Ems, Wiebaden, das Schlangenbad u. f. die Brunnen zu Hofgeismar, Langenſchwalbach, Wilhelmsbad⸗ Nieder⸗ Wildungen, Niederſelters u. ſ. w. 4) Natuͤrliche Beſchaffenheit. Alle Laͤnder dieſer Kreiſe ſind mehr oder weniger bergig und wals dig, und deswegen in Abſicht ihrer Tauglichkeit zum Ackerbau verſchieden; haben aber dabey viele reizende und fruchtbare Thaͤler, und reine Luft. Das Eichsfeld und die Grafſchaft Waldeck gehoͤren zu den hoͤchſten Ges genden in Deutſchland.— Die vornehmſten Gebirge und Waldungen ſind: der Vogelsberg, welcher ſich von der Wetterau(ſo nennt man den vortrefflichen, von Franken, Heſſen, Weſtphalen und dem Rheine begraͤnzten Strich Landes an der Wetter) bis Hersfeld erſtreckt; der Malches im Darmſtaͤdtiſchen, einer von Deutſchlands hoͤchſten Bergen; der Meisner und Keller in Niederheſſen, letzterer an der Waldeckiſchen Graͤnze; der Reinhardswald; der groͤßte Theil des Speſſarts und Odenwalds, welcher nicht nur der Holzungen, ſondern auch ſeiner Fruchtbaͤume wegen ſehr eintraͤglich iſt. Merkwuͤrdig iſt auch die Reihe von vormaligen Vulkanen am Rhein, die ſich von hier bie in den weſtphaͤliſchen, ja bis zum niederſaͤchſiſchen 262 Kreiſe ausbreiten.(Swiſchen Heidelberg und Darm⸗ ſtaͤdt iſt die beruͤhmte Bergſtraße, welche mit wel⸗ ſchen Nußbaͤumen beſetzt iſt, auf beyden Seiten ſchoͤne Felder und Wieſen, und alsdann Huͤgel und Berge hat. 5) Haupt⸗Produkte. Getreide iſt zwar im Ganzen wentgſtens hinlaͤnglich vorhanden; doch leiden einige Gegenden von Heſſen, der ſuͤdliche Theil des Herzogthums Weſtphalen und des Eichsfeldes nebſt der Grafſchaft Witgenſtein Mangel daran. Deſto betraͤcht⸗ licher ſind die Holzungen, der Gartenbau, und, 1 wegen des guten Wieſenwachſes, die Viehzucht; vornehmlich aber der Weinbau in den Rheingegenden, wo ſich un⸗ ter den vortrefflichen Rheinweinen der Johannisber⸗ ger, Hochheimer, Ruͤdesheimer, Markebrun⸗ ner(und am Mayn der Klingenberger) vorzuͤglich auszeichnen. Hanf und Flachs werden ſehr haͤufig, Seide, Tabak und Krapp aber nur hin und wieder ge⸗ baut, und in der Bergſtraße wachſen Kaſtanien, Man: deln und Nuͤſſe im Ueberfluß. Salzquellen ſind im Herzogthum Weſtphalen zu Werl und Weſterkotten; im Heſſiſchen zu Allendorf, Karlohafen und Salz⸗ hauſen; in der Grafſchaft Hanau zu Nauheim; im Fuͤrſtenthum Aſchaffenburg zu Orb; ferner im Iſen⸗ burgiſchen, Fuldiſchen u. ſ. w. Der groͤßte Reichthum dieſer Laͤnder beſteht aber in den aͤußerſt ergiebigen Bergwerken, welche eine Menge Eiſenerz, ferner Kupfer, Bley, Gallmey, Kobalt, Queckſilber, Alaun⸗ erz, Schiefer, Steinkohlen, etwas Silber und Gold liefern; welches letztere die Eder auch im Sande mit 263 ſich fuͤhrt, Marmor u. f.— Die Induſtrie iſt im Heſſen⸗Kaſſelſchen und in den Rheingegenden nicht ſo anſehnlich, wie ſie ſeyn koͤnnte; im Heſſen⸗Darmſtaͤd⸗ tiſchen, Hanauiſchen, und auf dem Eichsfelde dagegen betraͤchtlicher und lebhafter. Doch ſind faſt allenthalben Eiſenwerke, Kupfer⸗ und Meſſinghuͤtten, Stahl“ und Gewehrfabriken u. dgl. vorhanden; ſo wie in den zuletzt angegebenen Laͤndern Manufakturen von Tuch, Garn, Leinwand, baumwollenen und wollenen Zeugen und Struͤmpfen, auch wohl in Seide. Der Handel iſt durchgehends in bluͤhendem Zuſtande, ob er gleich an einigen Orten wegen der ſchaͤdlichen Konkurrenz der bes nachbarten Franzoſen etwas abgenommen haben mag. 6) Einwohner. Nach wahrſcheinlichen Berech⸗ nungen werden dieſe Kreislande, in ihrem jetzigen Um⸗ fange, von etwa 1,500,000 Menſchen bewohnt; wor⸗ unter ſich die Heſſen durch Tapferkeit und(oͤfters hart erprobte) Treue gegen ihre Landesherrſchaft; die Be⸗ wohner der Rheingegenden hin und wieder durch einen gewiſſen Grad von geiſtiger Indolenz; und die des Eichsfeldes und einiger anderer Gegenden durch Fleiß und Betriebſamkeit auszeichnen.— An hoͤhern und niedern Schul“ und Erziehungsanſtalten iſt kein Man⸗ gel; aber ſie ſind bis jetzt, einige in Heſſen und im Nauſſauiſchen ausgenommen, durchgehends in keinem bluͤhenden Zuſtande. e 7) Religion. Katholiken und Proteſtanten les ben in den meiſten dieſer Kreislande vermiſcht; ſo wie man auch faſt uͤberall Juden duldet, deren es an vers 264 ſchiedenen Orten ſehr viele giebt. Doch herrſcht insbe⸗ ſondere die katholiſche Religion im Veſt oder der Graf⸗ ſchaft Recklinghauſen, dem Herzogthum Weſtphalen, den Ueberreſten des koͤllniſchen und trieriſchen Gebietes am Rhein, Worms, Speyer, Straßburg u. ſ. w. im Eichsfeldiſchen, in den Fuͤrſtenthuͤmern Aſchaffen⸗ burg und Fulda, in dem leiningenſchen Geblete; die. reformirte im Heſſenkaſſeliſchen, Hanauiſchen, den Graf⸗ ſchaften Solms, Iſenburg, Witgenſtein, einem Theile der Pfalz und der naſſauiſchen Laͤnder; und die lutheri⸗ ſche im Heſſen⸗Darmſtaͤdtiſchen, Waldeckiſchen, der Grafſchaft Wetzlar, hin und wieder im Naſſauiſchen, in der Stadt Frankfurt u. ſ. w. In dem heſſiſchen Hauſe ſindet man alle 3 Religionspartheyen; denn der Kurfuͤrſt von Heſſen⸗Kaſſel bekennet ſich nebſt der Phis lippsthaliſchen und Homburgiſchen Nebenlinie zur re⸗ formirten, der Landgraf von Heſſen Darmſtadt zur lus theriſchen und der von Rheinfels, Rorhenburg zur ka⸗ tholiſchen Neligion. 8) Regierung. Der Kurfürſt von Heſſen⸗ Raſ ſel, und der Landgraf von Heſſen; Darmſtadt(an welchen nach Erloͤſchung der kaſſeliſchen Linie die Kur⸗ wuͤrde fallen ſoll) haben hier die betraͤchtlichſten Beſize zungen; die uͤbrigen Laͤnder gehoͤren dem Koͤnige von Preußen, dem Kurfuͤrſten von Baden, dem Kur⸗ Erzkanzler, dem Fuͤrſten von Naſſau Oranien⸗ Fulda, den Fuͤrſten von Naſſau⸗ Uſingen und Weilburg, von Waldeck, dem Herzog von Arem⸗ berg, den Fuͤrſten und Grafen von Solms, Iſen⸗ 265 burg, Stolberg, Leiningen, Salm⸗Reifer⸗ ſcheid, Witgenſtein, dem Maltheſer Orden u. ſ. w. 9. 10) Theile und vornehmſte Oerter. 3. Die Beſitzungen des Kurfuͤrſten von Heſſen⸗Kaſſel⸗ nemlich: 1) Nieder⸗Heſſen, eingetheilt in die Land⸗ ſchaften an der Diemel, Fulda, Werra und Schwalm; wozu noch das zur Landſchaft an der Fulda gerechnete Fuͤrſtenthum Hersfeld kommt. Vornehmſte Oer⸗ ter. Kaſſel H. R. an der Fulda, mit guten Fabri⸗ ken und 19,000 E. Weißenſtein, mit der beruͤhm⸗ ten Caskade, und Wilhelmsthal Luſtſch. Karls⸗ hafen, beym Einfluſſe der Diemel in die Weſer, mit einem Salzwerke. Hofgeismar, mit einem Geſund⸗ brunnen. Groß ⸗ Almerode, Fabrikort. Rothen⸗ burg an der Fulda, der Rheinfelſiſchen Nebenlinie ge⸗ hoͤrig; ſo wie Wanfried und Eſchwege an der Wer⸗ ra. Allendorf an der Werra, mit einem wichtigen Salzwerke. Bovenden Fl. an der Leine, in der Herr⸗ ſchaft Pleſſa, welche die Rheinfelſiſche Linie beſitzt. Homberg, mit dem Zunamen in Heſſen. Ziegen⸗ hain F. an der Schwalm. Vach an der Werra, woran auch Philippsthal, Fl. und R. einer Nebenlinie des kaſſeliſchen Hauſes liegt. Hersfeld, mit 3000 E. 2) Der kleinere Theil von Ober⸗ Heſſen, oder die Land⸗ ſchaft an der Lahn, worin Marburg Ul. an der Lahn, mit 6000 E. Kirchhayn und Wetter, St. Fran⸗ kenberg an der Eder„welche zu keinem der vorherge⸗ henden Fluß⸗Diſtrikte gehoͤrt, mit einem ergiebigen 266 Kupfer? Bley: und Silberbergwerke. 3) Die niedere Grafſchaft Katzenellnbogen,(dieſer Name kommt von den ehemaligen Bewohnern dieſer Gegend, den Chatten, und dem Berge Melibocus oder Malches her,) welche die Linie Heſſen⸗Rheinfels, nebſt ver⸗ ſchtedenen vorhin erwaͤhnten Oertern in Nieder Heſſen, unter kaſſeliſcher Landeshoheit beſitzt; worin: Goaro⸗ hauſen, Langenſchwalbach, mit beruͤhmten Ge⸗ ſundbrunnen, und Schlangenbad, mit Baͤdern. 4) Die ehemals maynziſchen Aemter Fritzlar(zwlſchen Niederheſſen und der Grafſchaft Waldeck) und Amo⸗ neburg, in Oberheſſen; worin: Fritzlar an der Eder. Naumburg am kleinen Fluſſe Elbe. Amoͤneburg an der Ohm. Neuſtadt. 5) Die Graſfſchaft(jetzt Fuͤrſtenthum) Hanau⸗ Muͤnzenberg, oder auch blos Hanau, in der Wetterau; worin: Hanau H. Fabrik⸗ und Hſt. mit 12,500 E. nicht weit vom Mayn an der Kinzig. Philippsruh Luſtſch. Wilhelmsbad, mit einem Geſundbrunnen. Nauheim Fl. mit einem wich⸗ tigen Salzwerke. Biber Fl. mit Bergwerken. Ba⸗ benhauſen. Gelnhauſen an der Kinzig.(6) Der Kurfuͤrſt von Heſſen⸗Kaſſel beſitzt im fraͤnkiſchen Kreiſe die Herrſchaft Schmalkalden im Hennebergiſchen; und im weſtphaͤliſchen Kreiſe Theile der Grafſchaften Schaumburg, Hoya und Diepholz.) Saͤmmtliche heſſen kaſſeliſche Laͤnder haben einen Flaͤcheninhalt von 176 Quadratmeilen und 460,000 Einwohner. d. Die Laͤnder des Landgrafen von Heſſen⸗ Darmſtadt, nemlich: 1) der groͤßte Theil von Ober⸗ 267 Heſſen, mit der einverleibten Grafſchaft Nidda, und Herrſchaft Itter. Vornehmſte Oerter ſind: Gieſ⸗ ſen U. mit 6008 E. an der Lahn. Allendorf an der Lumde. Alsfeld, nicht weit von der Schwalm. Busbach, in der Wetterau. Biedenkopf, mit Schmelzhuͤtten. Battenberg und Hatzfeld an der Eder. Salzhauſen, mit einem Salzwerke. Nidda. Thal⸗Itter Bergſt. Homburg an der Hoͤhe R. einer Nebenlinie des Darmſtaͤdtiſchen Hauſes. 2) Der groͤßte Theil der obern Grafſchaft Katzenellnbogen; worin: Darmſtadt R. mit 12,000 Einw. Dianen⸗ burg Jagdſchl. Trebur Fl. beruͤhmt in der alten deutſchen Geſchichte. Zwingenberg an der Berg⸗ ſtraße. 3) Ein Theil des ehemaligen Erzſtiftes Maynz, und der Reſt des Bisthums Worms; worin: Stein⸗ heim am Mayn. Heppenheim und Bensheim an der Bergſtraße. Hirſchhorn am Neckar. Gerns⸗ heim am Rhein. Die ehemalige Abtey Seligen⸗ ſtadt am Mayn. Vilbel Fl. in der Grafſchaft Koͤ⸗ nigſtein, an welchem auch Heſſen⸗Kaſſel Antheil hat. 4) Ein Stuͤck von der Rheinpfalz, worin: Linden⸗ fels. Umſtadt, welches ſonſt Pfalz und Darmſtadt gemeinſchaftlich gehoͤrte. 5) Die ehemalige Reichsſtadt Friedberg in der Wetterau, mit 2000 E. 6) Das Herzogthum Weſtphalen, zwiſchen dem weſtphaͤliſchen Kreiſe und Waldeck, Heſſen und Witgenſtein. Es wird in den Hellweg, Haarſtrank und das Sauerland eingetheilt, und enthaͤlt: Arensberg an der Ruhr. Brilon H. Stadtberg an der Diemel, wo vor Al⸗ 268 reers die ſaͤchſiſche Feſtung Eresberg ſtand. Volk⸗ marſen. Attendorn. Werl, mit Salzkothen. Geſeke. Ruͤthen.— Allle heſſen darmſtaͤdtiſche Laͤnder enthalten an 110 Quadratmeilen, mit 260,000 Einwohnern. c. Die preußiſchen Beſitzungen, als: 1) das Eichsfeld, zwiſchen Niederſachſen, Thuͤringen und Heſſen, in das obere und untere eingetheilt; wo Hei⸗ ligenſtadt H. an der Leine. Stadt Worbis. Tref⸗ furt an der Werra, wovon nur ein Drittheil hie⸗ hin gehoͤrt; die uͤbrigen zwey Drittheile ſind kurſaͤch⸗ ſiſch und heſſiſch. Duderſtadt im untern Eichsfelde. 2) Das Fuͤrſtenthum Erfurt in Thuͤringen; worln: Prfurt U. am Fluſſe Gera, mit 3400 Haͤuſern und 17,000 E. Groß⸗Vargula Fl. und Soͤmmerda, Stadt an der Unſtrut.(Die Herrſchaft Blankenhayn mit dem Staͤdtchen gleiches Namens.) Dieſe beyden Laͤnder enthalten 48 Quadratmeilen und 120,000 Ein: wohner. 4. d. Der Kurfuͤrſt von Baden beſitzt: 1) ein Stuͤck der Rheinpfalz; worin: Mannheim, am Einfluſſe des Neckars in den Rhein, mit 20,000 E. Heidel⸗ berg am Neckar, U. mit 11,000 E. Schwetzingen, mit einem Luſtſch. Weinheim in der Bergſtraße. Neckar⸗ Gemuͤnd. Ladenburg am Neckar. Bret⸗ ten, Melanchthons Geburtsort. 2) Den Reſt des ehemaligen Hochſtifts Speyer, oder das Fuͤrſtenthum Bruchſal, mit: Bruchſal am Fluß Salza. Phi⸗ lippoburg, vormalige Reichsfeſtung am Rhein. 3) 269 Der Ueberreſt des Bisthums Strasburg, oder das Fuͤrſtenthum Ettenheim, mit den Staͤdten Ober⸗ kirch, Oppenau, Ettenheim, und dem Fl. Ren⸗ chen. 4) Die Herrſchaft Hanau Lichtenberg, ſo⸗ fern ſie zum deutſchen Reiche gehoͤrt; mit dem Flecken Lichtenau. 5) Die Herrſchaft Lahr in der Orte⸗ nau, mit der gleichbenannten Stadt am Fluſſe Schut⸗ ter. 6) Ein kleines Stuͤck des ehemaligen Hochſtiftes Baſel, nemlich das Oberamt Schlingen im Breis⸗ gau am Rhein, mit dem Mfl. Schlingen. e. Der Kur⸗Erzkanzler beſitzt hier: 1) Das Fuͤr⸗ ſtenthum Aſchaffenburg am Speſſart, mit Aſchaf⸗ fenburg am Mayn. Dettingen D. bekannt wegen einer 1743 daſelbſt vorgefallenen Schlacht. Klingen⸗ berg Fl. am Mayn, wo ſehr guter Wein waͤchſt. Procelden, St. Orb, mit einer ergiebigen Salze ſiederey. 2) Die Reichs⸗Grafſchaft wetzlar, mit der St. Weyplar an der Lahn, Sitz des Reichskam⸗ mergerichts, mit 6000 E.— Außer dieſen Laͤndern hat der Erz⸗Kanzler noch einige Beſitzungen im bayri⸗ ſchen und fraͤnkiſchen Kreiſe, nebſt einer wichtigen Ein⸗ nahme aus den Rhein Zoͤllen. f. Der Fuͤrſt von Naſſau⸗Oranien beherrſcht: 1) das Fuͤrſtenthum Fulda(groß 33 Quadratmeilen, mit 90 000 Einw.), worin: Fulda H. U. an der Fulda. Biberſtein Schl. Salzſchlirf D. mit einem Salz⸗ werke. Mackenzell Fl. Bruͤckenau an der Sinn. Hamelburg an der Saale, in deren Gegend Wein⸗ bau getrieben wird. 2) Die Herrſchaft Beilſtein auf e 270 dem Weſterwalde, mit einem Staͤdtchen gleiches Nas mens. 1 g. Der Fuͤrſt von Naſſau⸗Uſingen(lutheriſcher Religton) beſitzt: 1) das eigentliche Fuͤrſtenthum Naſe ſau⸗Uſingen, wo: Uſingen, mit guten Strumpfma⸗ nufakturen. Idſtein, wo eine gute Weißlederfabrik, und ein Gymnaſium. Wisbaden, mit warmen Baͤ⸗ dern. Biberich D. am Rheine, mit einem Reſidenz⸗ ſchloſſe. 2) Einige Theile der Grafſchaft Katzenelln⸗ bogen, mit Epſtein, Braubach am Rhein, Ems, Fl. an der Lahn, mit warmen Baͤdern. 3) Verſchie⸗ dene Maynzer Aemter, worin: Kaſſel St. am Rhein, Maynz gegenuͤber. Koſtheim D. am Mayn. Hoͤchſt⸗ am Mayn und an der Nidda. Kronberg. Blfeld H. im Rheingau. Ruͤdesheim Mfl. und Johan⸗ nesberg D. beruͤhmt wegen des vortrefflichen Weins. Ober Lahnſtein, am Rhein, in welchen ſich hier die Lahn ergießt. Koͤnigſtein, und Ober Urſel in der Grafſchaft Koͤnigſtein. 4) Das ehemals pfaͤtziſche Amt Kaub, mit dem gleichbenannten Staͤdtchen, am Rhein. 5) Einige Reſte der koͤllniſchen Rheinlande, worin: Cinz, Roͤnigswinter und Unkel am Rhein. Deutz Fl. am Rhein, Koͤlln gegenuͤber.(6) Die Grafſchaft Sayn⸗Altenkirchen im weſtphaͤliſchen Kreiſe, nach dem Abſterben des jetzigen Beſitzers.) h. Dem Fuͤrſten von Naſſau⸗Weilburg(refor⸗ mirter Religion) gehoͤrt: 1) Das Fuͤrſtenthum Naſ⸗ ſau⸗Weilburg, wo Weilburg H. an der Lahn. Selters D. in deſſen Gegend ein Sauerbrunnen iſt. 271 weilmuͤnſter Fl. mit Bergwerken. Kleeberg Ft. und Amt mit Naſſau Uſingen gemeinſchaftlich. 2) Die Ueberreſte des Erzſtiftes Trier, worin: Welmich am Rhein. Vallendar, Montabaur, Limburg an der Lahn. Die ehemalige Abtey Arnſtein. Nieder⸗ Selters, mit einem beruͤhmten Sauerbrunnen. En⸗ gers. Ehrenbreitſtein, vormalige ſtarke Bergfe⸗ ſtung, unter welcher das Staͤdtchen Thal Phren⸗ breitſtein am Rhein liegt. Camberg, gemeinſchaft⸗ lich mit Naſſau⸗Dietz.(Hersbach, St. in der Graf⸗ ſchaft Nieder⸗Iſenburg, an welchem Laͤndchen auch der Fuͤrſt von Wied⸗Runkel, und der Freyherr von Walderdorf kleine Antheile haben.) i. Dem Fuͤrſten von Waldeck gehoͤrt hier: die Grafſchaft Waldeck(34 Quadratmeilen mit 72,000 E.), worin: Korbach H. Arolſen R. Nieder⸗ Wildungen, in deren Nachbarſchaft 3 Geſundbrun⸗ nen ſind. Mengeringhauſen. Waldeck.(Im weſtphaͤliſchen Kreiſe beſitzt der Färſt die Grafſchaft Pyrmont.) k. Der Herzog von Aremberg hat die Grafſchaft oder das Veſt Rerklinghauſen, innerhalb der Graͤn⸗ zen des weſtphaͤliſchen Kreiſes, worin: Recklinghau⸗ ſen und Dorſten an der Lippe.(Auch das Amt Mep⸗ pen im Maͤnſteriſchen gehoͤrt dem Herzog von Arem⸗ herg.). 1. Die Grafſchaft Solms in der Wetterau, zwi⸗ ſchen Oberheſſen und den Naſſauiſchen Laͤndern iſt unter 4 Herren, nemlich die Fuͤrſten von Solms⸗Braun⸗ 27² fels und Solms⸗Lich, und die Grafen von Solms: Laubach und Roͤdelheim, vertheilt. Vornehm⸗ ſte Oerter ſind: Braunfels R. Klein Schwal⸗ bach D. wo ein Geſundbrunnen iſt. Hohenſolms Schl. mit einem Staͤdtchen, im Thal genannt. Lich, an der Wetter. Laubach R. Roͤdelheim Fl. R. Aſſenheim, woran mehrere Herrſchaften Antheil ha⸗ ven. 4 m. Die Grafſchaft Ober⸗ Iſenburg in der Wet⸗ terau(15 Quadratmeilen mit 36,000 E.), hat eben⸗ falls 4 Beſitzer, nemlich den Fuͤrſten von Iſenburg⸗ Birſtein, und die Grafen von Iſenburg⸗Buͤdin⸗ gen, Waͤchtersbach und Meerholz. Vornehmſte Oerter ſind: Birſtein Fl. mit einem Reſidenzſchl. Offenbach am Mayn, bluͤhender Fabrik, und Han⸗ delsort, mit einem Schloſſe. Dreyeichenhain. Neu⸗ Iſenburg, franzoͤſiſche Colonie. Buͤdingen H. der ganzen Grafſchaft, mit einem graͤflichen Reſidenzſchl. und einer benachbarten Salzſiederey. Waͤchtersbach R. Meerholz Fl. R. n. An der Grafſchaft Koͤnigſtein haben Naſſau⸗ Uſingen und Heſſen⸗Darmſtadt Antheil; das Ue⸗ brige beſitzt das Haus Stolberg, wovon Stolberg⸗ Gedern die fuͤrſtliche, und Stolberg⸗Roßla die graͤfliche Wuͤrde hat. Geudern oder Gedern iſt ein Fl. und Reſidenzſchloß, am Vogelsberge. 0. Das Leiningiſche Haus theilt ſich in zwey Hauptlinien, die weſterburgiſche und dachsbur⸗ giſche; und jede derſelben wieder in verſchiedene Ne⸗ benlinien, unter welchen Leiningen Dachsburg die fürſtliche Wuͤrde hat. Statt der am linken Rheinufer gelegenen vormaligen Beſttzungen hat dieſes Haus ei⸗ nige Maynziſche und Pfaͤlziſche Aemter zwiſchen dem Mayn, der Tauber und dem Neckar erhalten, worin: Miltenberg am Mayn. Amorbach und Wall⸗ thuͤrn. Biſchoffsheim und Boͤnigshoffen an der Tauber. Boxberg. Mosbach. Neidenau an der Jayt. Schoͤnthal, ehemaliges reichsunmittelbares Kloſter, an der Jaxt. p. Der Graf von Salm⸗Reiferſcheid⸗ Bed⸗ burg beſitzt Amt und Stadt Krautheim an der Jaxt, nebſt einem Antheile an der Stadt Niedernhall am Kocher, in der Grafſchaft Hohenlohe, wo uralte Salz⸗ quellen ſind. 3 q. Die Grafſchaft Witgenſtein an der Lahn und Eder, hat den Fuͤrſten von Witgenſtein⸗Berleburg, und den Grafen von Sayn⸗ Witgenſtein zu Beſitzern. Jenem gehoͤrt Berleburg an der Odeborn und dem Berlenbach; dieſem das Schloß Witgenſtein, die Stadt Laaſphe an der Lahn; der Fl. Schwarzenau an der Eder, und das Jagdſchl. Cudwigseck.(Dem Fuͤrſten von Berleburg gehoͤrt auch die reichsunmittel⸗ bare Herrſchaft Homberg im weſtphaͤliſchen Kreiſe, zwiſchen dem Herzogthum Berg und der Grafſchaft Mark, mit dem Flecken gleiches Nomens.) r. Der Maltheſer⸗Ordensmeiſter in Deutſchland beſitzt das Fuͤrſtenthum Heitersheim am Rheine, ne⸗ ben Breisgau, mit dem Mfl. gleiches Namens. S * * 274 s. Die freye Reichsſtadt Frankfurt am Mayn, wichtige Hſt. mit 43,000 E. und einem kleinen Ge⸗ biete. 24. 11) Geſchichte von Heſſen. Den groͤßten Theil derjenigen Laͤnder, welche jetzt Heſſen ausma⸗ chen, bewohnten in den aͤlteſten Zeiten die Chatten. Schon im I1ten Jahrhundert hatte Heſſen eigene Gra⸗ fen, von denen Ludwig der Baͤrtige ſich in Thuͤrin⸗ gen ſo viele Guͤter erwarb, daß ſein Enkel Ludwig III. zum Landgrafen von Thuͤringen ernannt wurde. Doch dieſes Landgraͤfliche Haus Thuͤringen und Heſſen ſtarb bereits 1247 mit dem Enkel des Stifters, dem zum GegenKaiſer Friedrichs II. erwaͤhlten Heinrich Raſpo aus; worauf nach einem lange Kriege Thuͤrin⸗ gen an den Markgrafen zu Meißen, und hernach an Sachſen; Heſſen aber an einen Fuͤrſten aus brabandi⸗ ſchem Stamme, Heinrich das Kind, den Stamm⸗ vater des noch jetzt fortbluͤhenden heſſiſchen Hauſes, ge⸗ langte, unter welchem es zu einem Fuͤrſtenthum erho⸗ ben ward, und nach und nach den Titel einer Land⸗ grafſchaft annahm. Der merkwuͤrdigſte von den Nach⸗ folgern dieſes Heinrich I. war der in der Reformations⸗ geſchichte beruͤhmte Philipp der Großmuͤthige. Er hatte die vorher ſchon einigemal vertheilt geweſene heſſiſche Lande aufs neue unter ſich vereinigt; aber er theilte ſie wieder unter ſeine 4 Soͤhne, von welchen neuerrichteten Linien jedoch die zwey mittlern gleich mit ihrem Stifter wieder ausſtarben, ſo daß nur noch die heſſen kaſſeliſche(von Philipps aͤlteſtem Sohne Wil⸗ 275 helm IV.) und die darmſtäͤdtiſche(von deſſen juͤngſtem Sohne Georg J. geſtiftet) bis jetzt fortdauern. Außer dieſen beyden Hauptlinien beſtehen indeß noch einige Nebenlinien, die aber blos gewiſſe Landeseinkuͤnfte oder ſogenannte Appanagen, und keine Hoheitsrechte beſitzen. Zwey davon, Heſſen⸗Rheinfels⸗Rothenburg, und Philippsthal ſind Nebenlinien der Kaſſelſchen; Heſſen⸗Homburg aber iſt eine Nebenlinie der Darm⸗ ſtaͤdtiſchen Hauptlinte.— Der vorhin erwaͤhnte Land⸗ graf, Philipp der Groͤßmuͤthige, war ein eifriger Be⸗ kenner und Vertheidiger der lutheriſchen Lehre, worin auch das Darmſtaͤdtiſche Haus beharrte; ſein Enkel Moritz hingegen, der zweyte Landgraf von Heſſen⸗ Kaſſel, bekannte ſich zur reformirten Konfeſſion. Frie⸗ drich I. wurde als Erbprinz Koͤnig von Schweden, ehe er 1730 die Regierung der kaſſelſchen Lande antrat. Unter ſeinem Bruder und Nachfolger Wilhelm VIII. litt Heſſen durch den ſiebenjaͤhrigen Krieg ſehr viel, ob⸗ gleich die heſſiſchen Truppen mit ausgezeichneter Tapfer⸗ keit ſochten. Friedrich II. der als Erbprinz zur ka⸗ tholiſchen Religion uͤbergetreten war, ſetzte in Verbin⸗ dung mit England nicht nur diefen Krieg bis zu dem 1762 erfolgten Frieden fort, ſondern gab auch nach dem⸗ ſelben zum Behuf des amerikaniſchen Krieges ein an⸗ ſehnliches Heer in brittiſchen Sold, wodurch zwar ſein Schatz ſehr vermehet, aber auch zugleich ein großer Theil ſeiner Unterthanen in Elend und namenloſen Jammer geſtuͤrzt wurde. Er ſtarb 1785, und ihm folgte ſein(proteſtantiſch gebliebener) Sohn, Wil⸗ S 2 helm IX. welcher zugleich mit Preußen Antheil an dem Kriege gegen Frankreich nahm, und auch faſt mit demſelben zu gleicher Zeit einen SeparatFrie⸗ den ſchloß. Fuͤr den Verluſt einiger Gebiete jenſelts des Rheins, wurde er durch verſchiedene Maynziſche in Heſſen gelegene Aemter entſchaͤdigt, und erhielt zugleich die Kurwuͤrde.— Der jetzt regierende Land⸗ graf von Heſſen⸗ Darmſtadt heißt Ludwig X. deſſen Beſitzungen durch den Eniſchadigungs, rattat eben: falls betraͤchtlich vergröhert wurden, 1 6) Der weſtphaͤliſche Kreis. 1) Graͤnzen. Gegen Norden die Nordſee und das Herzogthum Bremen; gegen Weſten die batavi⸗ ſche Republik; gegen Suͤdweſten der Rhein und die franzoͤſiſche Republik; gegen Suͤden und Oſten der kur- und obeerheiniſche, auch gegen Oſten der nieder⸗ ſaͤchſiſche Kreis. 2) Groͤße. Sie betrug vor dem letztern Kriege 1250, jetzt nur noch etwa 1000 Quadratmeilen. 3) Gewaͤſſer. In den Rhein fallen hier, die Siieg mit der Acher, die Wupper, die Ruhr, die Emſcher, und die Lippe. Die Ruhr nimmt die Cenne, Volme, und Ennepe auf. In die Lippe ergießen ſich: die Alme, Pader, Aſſe, Seſicke und Stever. Die aus dem Paderbornis ſchen kommende Ems nimmt im Muͤnſteriſchen die 277 Heſſel, Bever, Aa und Haſe auf, und faͤllt in den Meerbuſen Dollart in Oſtfriesland. In die Weſer fließen: die Diemel, Bever(von der vori gen zu unterſcheiden), Nette, die große Emmer, die Exter, Werre, Aue, die Hunte u. a. m. Dieſe letztere nimmt ihren Urſprung im Fuͤrſtenthu⸗ me Osnabruͤck, ergießt ſich in den(I Meile langen und ½ Meile breiten) Duͤmmerſee, wird, nachdem ſie wieder herausgekommen iſt, nebſt den 6 andern Ausfluͤſſen des Sees, mit dem allgemeinen Namen: Loͤhne, belegt, erhaͤlt aber unter Diepholz den al⸗ ten Namen Hunte wieder. Außer dieſen Fluͤſſen ſind noch die Vecht, die Berkel nebſt einigen andern, die den Namen Aa fuͤhren, im Muͤnſteriſchen, und die alte Iſſel im Cleviſchen, zu bemerken; ſo wie auch der Steinhuderſee im Norden der Grafſchaft Schauenburg.— mintot den mineraliſchen und Ge⸗ ſundbrunnen ſind die beruͤhmteſten zu Pyrmont, Nenndorf, Schwelm, Boppenbruͤgge, Godel⸗ heim im Korveyiſchen; Fachingen im Fuͤrſtenthum Naſſau⸗Dietz u. ſ. w. nebſt vielen andern in Pader⸗ born, Osnabruͤck, Ravensberg, im Naſſauiſchen u. f. 4) Matuͤrliche Beſchaffenheit. Die ſuͤdlichen Theile dieſes Kreiſes, z. B. die auf dem Weſter⸗ walde gelegenen Naſſauiſchen Lande und die Graf⸗ ſchaft Sayn, ferner die Grafſchaft Wied, das Her⸗ zogthum Berg, der ſuͤdliche Theil der Grafſchaft Mark u. f. ſind gebirgig und waldig, haben aber doch mit⸗ unter gutes Ackerland, und eintraͤgliche Viehzucht⸗ 278 oder wo dieſes nicht ſeyn kann, ergiebige Bergwerke. Die vornehmſten Gebirge ſind die ſauerlaͤndiſchen, von welchen die Haar gleichſam das Vorgebirge, und die Aardey in der Grafſchaft Mark, ein Theil iſt. Auch die ſuͤdoͤſtlich liegenden Laͤnder Lippe, Schauenburg und Pyrmont, nebſt einigen Staͤdten von Paderborn und Osnabruͤck, ſind bergig; die uͤbri⸗ gen, als Muͤnſter, Minden, Ravensberg, Hoya, Diepholz u. f. dagegen faſt uͤberall eben, mit Sand⸗ huͤgeln, Heide⸗ und Torfmoorland untermiſcht. Durch Paderborn, Lippe, Ravensberg und Rietberg erſtreckt ſich bis ins Muͤnſterſche und Osnabruͤckſche eine große Heide, die Senne genannt. Die Laͤnder an der Nordſee haben laͤngs der Seekuͤſte fruchtbaren Marſche und Kley Boden, der aber ſeiner Niedrigkeit wegen durch koſtbare Daͤmme gegen die oft vielen Schaden verurſachenden Meeresfluthen verwahrt werden muß. Die Luft iſt hier in den obern Gegenden feucht und dick, doch durch Seewinde gereinigt; in den mittlern hin und wieder ſumpfigt, in den ſuͤdlichen aber et⸗ was kalt, und im Ganzen ſehr geſund. 5) Haupt⸗ Produkte. Verſchiedene Laͤnder die⸗ ſes Kreiſes, z. B. einige Naſſauiſche, das Herzog⸗ thum Berg, der ſuͤdliche Theil der Grafſchaft Mark und der noͤrdliche des Muͤnſteriſchen, Osnabruͤck, Ra⸗ vensberg u. f. leiden Mangel an Getreide und Gar⸗ tenfruͤchten; andere haben ſoviel, als ſie zur Noth⸗ durft brauchen, und nur wenige Ueberfluß, wozu das Zuͤrſtenthum Minden, Paderborn, der noͤrdliche Theil 279 der Grafſchaft Mark, und der ſuͤdlichſte des Muͤnſte⸗ riſchen, nebſt einigen Rheingegenden gehoͤren, in wels chen letzteren auch etwas Wein waͤchſt. Dagegen iſt die Viehzucht faſt uͤberall vortrefflich, welches unter andern die weſtphaͤliſchen Schinken und Wuͤrſte be⸗ weiſen; insbeſondere wird in Oſtfriesland, Oldenburg, Hoya und Diepholz die Hornvieh: Pferde⸗ und Schaafzucht, auch ebendaſelbſt und im Muͤnſterſchen und Ravensbergiſchen die Bienenzucht fleißig getrie⸗ ben. Au Federvieh, Wildpret und Fiſchen iſt kein Mangel. Einen der wichtigſten Nahrungszweige ver⸗ ſchafft indeß den meiſten Weſtphaͤlingern die außeror⸗ dentliche Menge von Flachs und Hanf, mit deren Verarbeitung ſich(außer Oſtfriesland) alle noͤrdliche und mittlere Provinzen beſchaͤftigen. Die ſuͤdlichen und ſuͤdoͤſtlichen Gegenden haben hin und wieder an⸗ ſehnliche Waldungen, Kupfer⸗ Eiſen⸗ Bleys und be⸗ ſonders Steinkohlenbergwerke, Stein; und Marmor⸗ bruͤche, Kalk, Gyps, Vitriol, Alaun, Galmey, et⸗ was Silber, Torf(vorzuͤglich in Oſtfriesland, Ols denburg, im noͤrdlichen Theile von Muͤnſter, Osna⸗ brück, Hoya, Minden u. f.) und haͤufige Salzquel⸗ len, z. B. zu Diſſen, Rehme, Salzkotten, Sol⸗ torf, Uffeln, Saſſendorf, Boͤnigoborn u. ſ. w. Einen ſchoͤnen Aublick von Kunſtſleiß und ausnehmen⸗ der Bettiebſamkeit gewaͤhrt das Unterbergiſche und das Maͤrkiſche Suͤderland, wo Eiſen: und Stahlt fabrtken jeder Art, Tuchs und Baumwollenmanufak⸗ turen, Leinwandbleichen u. f. in einem(wiewohl ſeit 280 der franzoͤſiſchen Beſitznahme des linken Rheinufers minder) bluͤhenden Zuſtande ſind. In der Grafſchaft Ravensberg trifft man die trefflichſten Bleichereyen an, und die Bielefelder und Warendorfer Leinwand wird weit und breit verſandt. Emden fuͤhrt einen großen Seehandel, und ſchickt ſeit 1770 Schiffe auf den Heringsfang aus. Das im Niederſtifte Muͤnſter gelegene Dorf Papenborg treibt Wenfalls betraͤcht⸗ lichen Seehandel und zugleich Schiffbau. Sonſt be⸗ ſchraͤnkt ſich in den meiſten uͤbrigen Laͤndern Weſt⸗ phalens die Induſtrie auf Garnſpinnen und Leinwand⸗ weben.(In einigen Strichen, die an Holland graͤn⸗ zen; im Osnabruͤcktſchen, der Grafſchaft Diepholz u. f. herrſcht die Gewohnheit, daß viele Einwohner jaͤhr⸗ lich zu allerhand landwirthſchaftlichen Arbeiten nach Holland gehen, von da ſie denn gegen Anfang des Winters mit einer guten Baarſchaft in ihre Heimath zurückkehren. Man nennt di keute dorten Sol⸗ landsgaͤnger.) 3 6) Einwohner. Ueber 1,800,000 Menſchen bewohnen dieſen Kreis, in ſeinem jetzigen Umfange. Die Weſtphaͤlinger zeichnen ſich durch eine ernſte Den⸗ kungsart, Feſtigkeit und Treue aus. Sie bemuͤhen ſich, lieber im Stillen etwas Gutes und Nuͤtzliches zu wirken, als vor der Welt zu glaͤnzen; ein Grund⸗ ſatz, der ihnen zuweilen von oberflaͤchlichen Beurthei⸗ lern manche unverdiente Vorwuͤrfe zugezogen hat. Die groben Sitten, welche man ihnen haͤufig zur Laſt legte, nimmt man freylich noch in vielen Ge⸗ 281 genden bey den niedern Staͤnden wahr; aber auch hier ſind ſie ſeit einigen Jahrzehenden ſehr verfeinert worden, beſonders da, wo man durch Verbeſſerung der Schulanſtalten gemeinnüuͤtzige Geiſtesbitdung zu befoͤrdern ſuchte; in welcher Hinſi cht das Muͤnſteri⸗ ſche, Bergiſche, Maͤrkiſche, Lippe⸗Buckeburgiſche u und Mindenſche bisher viel geleiſtet haben. 7) Religion. In den ehemaligen geiſtlichen Stiftern bekennen ſich faſt alle Einwohner zur katho⸗ liſchen Religion; doch giebt es im Osnabtückiſchen auch ſehr viele Lutheraner. Die lutheriſche Kirche herrſcht in Oſtfriesland(wo indeß ein betraͤchtlicher Cheil der Einwohner reformirt iſt), Oldenburg, Hoya, Diepholz, Schauenburg, Minden, Ravensberg, Pyrs mont, groͤßtentheils in der Grafſchaft Mark u. f. die reformirte im Naſſauiſchen, Wied, Lippe, Bentheim, Tecklenburg, Lingen, hin und wieder im Cleviſchen, Maͤrkiſchen u. ſ. w. Das Herzogthum Berg iſt ver⸗ miſchter Religion, doch ſo, daß die Katholiken den 3 groͤßten Haufen ausmachen, welches auch wahrſchein: lich im Cleviſchen der Fall ſeyn wird. An verſchie⸗ denen Orten duldet man Meinaniten maͤhriſche Bruͤ⸗ der und Juden. 8) Regierung. Kreisditektor iſt der Köͤnig von Preußen als Fuͤrſt von Maͤnſter und Herzog von Cleve; mitausſchreibender Fuͤrſt iſt der Kurfuͤrſt von Bayern. Außer ihnen haben in dieſem Kreiſe der Koͤnig von England als Kurfuͤrſt von Han⸗ nover, der Kurfuͤrſt von Heſſen⸗ Baſſel, der Fuͤrſt 282 „ von Naſſau Oranien, der Herzog von Olden⸗ burg, die Herzoge von Aremberg, von Croy, von Looz und Corswaren, die Fuͤrſten von Salm⸗ Salm und Salm Kyrburg, nebſt den Rhein⸗ grafen von Salm, die Fuͤrſten von Wied, der Fuͤrſt von Naſſau Uſingen, von Waldeck, von Kaunitz⸗Rietberg, von Anhalt⸗ Bernburg⸗ — Hoym, der Fuͤrſt und Graf von der Lippe, die Grafen von Bentheim, Limburg⸗Styrum, Walmoden, Neſſelrode, und die Burggrafen von Kirchberg groͤßere und kleinere Beſitzungen. 9„. 10) Theile und vornehmſte Oerter. a. Die preußiſchen Laͤnder in Weſtphalen. Dazu gehoͤrt 1) das Herzogthum Kleve(ſoviel davon am rechten Rheinufer liegt), worin: Weſel F. am Einftuſſe der Lippe in den Rhein, mit 8000 E. Duisburg U. am Rheine, mit 4400 E. Emmerich am Rhein, ſo wie Rees. Dieolaken. Ruhrort, am Ein⸗ fluß der Ruhr in den Rhein, treibt Schiffbau. Das ehemalige reichsunmittelbare Stift Elten an der hole Uandiſchen Graͤnze.(Die noch vor kurzem zum kle⸗ viſchen gehoͤrige, etwas abgeſondert liegende Stadt Sevenaer und Huiſſen, ſind an die bataviſche Re⸗ publik abgetreten.) 2) Die ehemaligen Abteyen Eſ⸗ ſen und Werden, mit Staͤdten gleiches Namens. 3) Die Grafſchaft Mark(40 Quadratmeilen, mit 150,000 E.), eingetheilt in das Sauer,(Suͤder⸗) Wand ſuͤdwaͤrts, und den Hellweg nordwaͤrts der Ruhr; und außerdem noch in 4 Kreiſe. Sie ſteht 283 mit dem Kleviſchen unter einer gemeinſchaftlichen Re⸗ gierung; indeß hat jede Provinz ihre beſondere Krie⸗ ges⸗ und Domainen⸗Kammer. Vornehmſte Oer⸗ ter ſind: Hamm H. beym Einſluß der Aſſe in die Lippe, mit einem Gymnaſium, guten Leinwandblei⸗ chen und 380 Haͤuſern. Unna mit 500 Haͤuſern, in deren Nachbarſchaft, zu Koͤnigsborn, ein wich⸗ tiges Salzwerk iſt. Kamen an der Seſicke, mit 354 Haͤuſern. Schwerte, unweit der Ruhr, mit 286 Haͤuſern. Luͤnen, beim Einfluß der Seſicke in die Lippe, mit 284 Haͤuſern. Soeſt, mit einem Gymnaſtum, und 5600 E. Ihr Gebiet wird die ſoeſter Boͤrde genannt, worin zu Saſſendorf ein Salzwerk iſt. Bochum mit 355 und Hattingen, ohnweit der Ruhr, mit 363 Haͤuſern. Iſerton, wichtige Fabrikſtadt mit 500 E. Altena an der Lenne, Fabrikſt. mit 600 Haͤuſern. Hagen, mit 240 Haͤuſern. Schwelm, mit 250 Haͤuſern und einem Geſundbrunnen. Luͤdenſcheid, Plettenberg, Neuenrade, Breckerfeld u. ſ. w. Lippſtadt an der Lippe, gemeinſchaftlich zwiſchen Preußen und dem Fuaͤrſten von der Lippe. Im Umfange der Grafſchaft Mark liegt die Grafſchaft Limburg an der Lenne, dem Grafen von Tecklenburg⸗Bentheim, unter preuſ⸗ ſiſchem Schutze, gehoͤrig. Sie enthaͤlt das Schloß Limburg, das Pfarrdorf Elſey, und andere Oerter mehr. 4) Die Grafſchaft Ravensberg(17 Qua⸗ dratmeilen, 72,000 E.), worin: Bielefeld H. bes ruͤhmt wegen ihrer Bleichen und Leinwandhandels, 284 mit 5500 E. Herford, mit 3600 E. bey welcher eine Reichs⸗Abtey war. Enger und Halle. Vlo⸗ tho Hſt, an der Weſer. Holzhauſen D. wobey ein Geſundbrunnen. Rehme D. wo ein beträͤchtliches Salzwerk. 5) Das Fuͤrſtenthum Minden(24 Quat dratmeilen, mit 60,000 E.), wo Minden an der Weſer, nait vielen Fabriken und 6400 E. Luͤbbeke, Hausbergen, Petershagen St. 6) Die Grafe ſchaften Lingen und Tecklenburg, wo Lingen unweit der Ems, mit einem akademiſchen Gymna⸗ ſium. Ibbenbuͤhren, Tecklenburg und Lenge⸗ rich. 7) Das Fuͤrſtenthum Oſtfriesland(54 Qua: dratmeilen, 108,000 E.), worin: Emden an der EFmsmuͤndung, Hſt. Hf. mit 8400 E. Aurich H. und Sitz der Landeskollegien, mit 2400 E. Nor⸗ den Hf. mit 3000 E. Jemgum Fl. Hf. an der Ems. Keer, großer Fl. unweit der Ems, mit gu⸗ ten Leinwandmanufakturen und 4500 E. Eſens St. und Wittmund Fl. im Harlinger⸗Lande. Die Inſeln Borkum, Juiſt, Morderney, mit See⸗ baͤdern. Baltrum, Langenoog und Spiekeroog. 8) Das Fuͤrſtenthum Muͤnſter(ein Theil des ehes Orl Hochſtifts)⸗ 60 Quadratmeilen und 160,000 E. enthaltend, worin: Muͤnſter an der Aa, H. Hſt. mit 14,000 E. und einem praͤchtigen Schloſſe. Bekkum, Telgte an der Ems. Warendorf an der Ems, mit eintraͤglichem Leinwandgewerbe und 3300 E. Werne, unweit der Lippe. Bevergern Fl. mit Salzauellen. Kappenberg, vormallges 235 reichsunmittelbares Stift. 9) Das Fuͤrſtenthum Pa⸗ derborn(44 Quadratmeilen, 124,000 Einw.), mit Paderborn H. an der Pader, U. Neuhaus Fl. mit einem Schloſſe. Salzkotten, mit Salzauellen. Altenbecken D. mit dem Bullerborn.(In der Naͤhe dieſes Ortes hat das beruͤchtigte Goͤtzenbild Irmenſul wahrſcheinlich geſtanden.) Buͤren, War⸗ burg, die 2te Stadt des Landes, mit Eiſen: und Bleygruben. Brakel, Borgentryck, Neheim und Driburg, Beverungen, mit Sazquellen. Luͤde an der großen Emmer, innerhalb der Grafſchaft Pyr⸗ mont, mit Brunnen. Lippſpring.— Saͤmmt⸗ liche preußiſch⸗weſtphaͤliſche Laͤnder enthalten 290 Qua⸗ dratmeilen, und an 800,000 Einwohner. b. Der Kurfuͤrſt von Bayern beſitzt das Herzoge thum Berg(55 Quadratmeilen, und uͤber 260,000 Einw.) Vornehmſte Oerter ſind: Duͤſſeldorf H. und ehemalige F. am Rhein, mit beynahe 20,000 E. Benrath und Benoberg Schl. Ratingen, mit Fabriken und 3800 E. Mettman Fl. von 5200 E. Elberfeld, anſehnliche Fabrik⸗ und Hſt. an der Wupper, mit 17,000 E. Barmen,(ſo nennt man das ungemein ſtark bebaute und ſchoͤne Wupperthal bey Elberfeld, zu welchem die Ortſchaften Gemarke, Wupperfeld, Wichlinghauſen, Hechinghauſen und Rittershauſen gehoͤren.) Ronsdorf, So⸗ lingen mit 9,500 E. berüͤhmt wegen der hier ver⸗ fertigten Senſen, Degen⸗ und Meſſerklingen. Burg Fl. mit 2000 E. Lennep von 3500 E. dem Range 286 nach die erſte Stadt des Landes, mit ſchoͤnen Tuch⸗ manufakturen. Wipperfuͤrth an der Wupper, mit 4800 E. Rade vorm Wald, im Jahr 1802 ab⸗ gebrannt. Huͤckeswagen Fl. an der Wupper, mit 4400 E. Remſcheid und Kronenberg, ſchoͤne D. mit vielen Eiſenfabriken. Muͤlheim am Ahein, mit 3200 E. Blankenberg, Siegberg, Gerres⸗ heim St. Uekerath Fl. mit 2100 E. Die Herr⸗ ſchaft Hardenberg, worin die Fl. Langenberg und Neviges. Die freye Herrſchaft Broich mit dem Fl. Muͤlheim an der Ruhr. Stadt Kai⸗ ſerswerth am Rheine, mit 1200 E. c. Der Kurfuͤrſt von. Braunſchweig⸗Luͤneburg oder Haunover beſitzt: 1) Das Fuͤrſtenthum Osna- bruͤck, von 56 Quadratmeilen und 160,000 E. Vor⸗ nehmſte Oerter: Osnabruͤck H. an der Haſe mit 6000 E. Quackenbruͤck mit 8000 E. treibt ſtar⸗ ken Strumpfhandel. Die Freyheit Wulften. Diſ. ſen D. mit einem Salzwerke. Wiedenbruͤck an der Ems, abgeſondert liegend. 2) Die Grafſchaft Hoya groͤßtentheils, worin: Nienburg H. F. an der Weſer. Liebenau Fl. wo feine Spitzen verſer⸗ tigt werden. Hoya, Stolzenau, Diepenau u. a. Fl. 3) Die Grafſchaft Diepholz, mit dem großen Fl. gleiches Namens, an der Hunte. 4) Das Fuͤr⸗ ſtenthum Verden, mit der St. Verden an der Al⸗ ler, und dem Fl. Rotenburg an der Wuͤmme. d. Dem Kurfuͤrſten von Heſſen⸗Kaſſel gehoͤrt: 1) der groͤßte Theil der Grafſchaft Schauenburg 8 287 (16 Quadratmeilen, 36,000 E.), mit: Rinteln u. F. an der Weſer und Exter. Oldendorf, nahe bey der Weſer. Obernkirchen, wobey ein vortrefflicher Steinbruch. Sachſenhagen. Fiſchbeck, Fl. und Stift an der Weſer. Soltorf D. mit einer Salz⸗ ſiederey. Nenndorf, wo ein kaltes Schwefelbad iſt. 2) Ein kleiner Theil der Grafſchaft Hoya und Diep⸗ holz; wo die Fl. Baſſum, Freudenberg, Loge und das Schloß Auburg. e. Der Fuͤrſt von Naſſau⸗Oranien⸗Fulda beſt itzt hier: 1) das Fuͤrſtenthum Naſſau, aus den ehemali⸗ gen Landesantheilen Naſſaus⸗Dietz, Siegen, Dillen⸗ burg und Hadamar zuſammengeſetzt(30 Quadratmeis len, mit 30,000 E.), worin: Dietz an der Lahn. Oranienſtein Luſtſchl. Naſſau Fl. an der Lahn, woran auch Naſſau⸗Uſingen und Weilburg Antheil haben. Fachingen D. mit einem Sauerbrunnen. Siegen an der Sieg. Dillenburg H. des ganzen Landes an der Dill, mit 4000 E. Hayger, Her⸗ born, mit einem akademiſchen Gymnaſtum. Drie⸗ dorf, Probbach D. mit einem Sauerbrunnen. Hadamar Fl. 2) Die Grafſchaft Spiegelberg, welche unter hannoͤveriſcher Landeshoheit ſteht, und den Fl. Coppenbruͤgge, mit einem Schwefelbrun⸗ nen hat. 3) Das Fuͤrſtenthum Corvey an der We⸗ ſer(5 Quadratmeilen, 9000 E.), mit der Stadt Hoͤxter an der Weſer, und dem Schloß Corvey. 4) Die Grafſchafe Dortmund, zwiſchen der Graf⸗ ſchaft Mark und Muͤnſter, wo Dortmund, ehema⸗ 288 lige freye Reichsſtadt, mit 1200 Haͤuſern und uͤber 6000 E.(Saͤmmtliche Naſſau⸗Oraniſche Laͤnder im weſtphaͤliſchen, oberrheiniſchen und ſchwaͤbiſchen Kreiſe haben 80 Quadratmeilen, und uͤber 200,000 Ein⸗ wohner.) f. Der Herzog von Oldenburg beſitzt: 1) die Grafſchaft Oldenburg und Delmenhorſt; worin: Oldenburg H. R. an der Hunte. Elsfleth Fl. am Einfluß der Hunte in die Weſer. Die Herrſchaft und Fl. Varel an der Jade. Delmenhorſt an der Delme. 2) Das Amt und die Stadt Wildeshau⸗ ſen an der Hunte. 3) Einen Theil des Unterſtifts Muͤnſter, mit Vechta F. an der Vecht. Kloppen⸗ burg Fl. oder ſogenanntes Wigbold. Friſoͤte(Fry⸗ ſoyta). Das Saaterland.(4) Das Fuͤrſtenthum Luͤbeck im niederſaͤchſiſchen Kreiſe.) Alle zuſammen enthalten 76 Quadratmeilen und 150,000 Einw. g. Dem Herzoge von Aremberg gehoͤrt das Muͤn⸗ ſterſche Amt Meppen; wo Meppen, beym Zuſam⸗ menfluſſe der Haſe und Ems, mit 1200 E. Haſe⸗ luͤnne an der Haſe, mit 1300 Einw. Die Freyheit Papenborg von 1500 E. h. Dem Herzoge von Croy gehoͤrt im Oberſtift Muͤnſter: der groͤßte Theil des Amtes Duͤlmen, wo Duͤlmen und Halteren, letztere nicht weit vom Einfluſſe der Stever in die Lippe. i. Dem Herzoge von Looz und Corswaren gehoͤret ebendaſelbſt: die Stadt Rheine an der Ems, welche hier ſchiffbar iſt; nebſt einem kleinen Bezirke. 289 k. Die Fuͤrſten von Salm⸗ Salm und Salm⸗ Kyrburg beſitzen hier die Aemter Bocholt und Aa⸗ hauß, und zwar der erſtere zwey Drittheitle, der andere nur ein Drittheil davon. Vornehmſte Oer⸗ ter ſind: Borken und Aahauß an der Aa; Vre⸗ den und Stadt⸗Loen an der Berkel; Bocholt an der Aa, mit einem Eiſenbergwerke; und Weerdt an der alten Yſſel.— Außerdem beſitzt der Fuͤrſt von Salm⸗Salm hier noch die Herrſchaft Anholt, mit dem Staͤdtchen gleiches Namens.— Den Wild⸗ und Rheingrafen von Salm ſind die Reſte des Am⸗ tes Horſtmar als Entſchaͤdigung zugefallen; worin: Coesfeld, mit betraͤchtlichen Leinewand⸗ und Wol⸗ 1 lenmanufakturen. Horſtmar. Borchorſt Fl. 1. Die Grafſchaft Wied, unter 2 regierende Fuͤr⸗ ſten getheilt; wovon 1) der Fuͤrſt von Wied⸗Runkel die ſogenannte obere Grafſchaft(nebſt der ehemals koͤllniſchen Grafſchaft Alt⸗Wied), und 2) der Fuͤrſt von Neu⸗Wied die untere Grafſchaft am Rhein be⸗ ſitzt. In 1) liegen; Runkel, Flecken an der Lahn. Dierdorf, mit einem Reſidenzſchl. In 2) Neu⸗ wied am Rheine, R. mit guten Manufakturen und Einwohnern von allerley Religtonspartheyen. Hed⸗ desdorf D. mit einem Eiſenwerke, Faͤrberey, Ger⸗ berey u. ſ. w. Montrepos Luſtſchl. Wied Fl. Grenzhauſen Fl. wo allerley ſteinernes Eeſchter Tobakspfeifen u. dgl. verfertiget wird. m. Der Fuͤrſt von Naſſau⸗Uſingen bekommt hier nach dem Tode des Markgrafen von Ansbach 1, 1 290 die Gtafſchaft Sayn Altenkirchen, groͤßtentheils auf dem Weſterwalde gelegen; wo Altenkirchen, Freus: burg, nahe bey der Sieg. Friedewald, Daden Fl. mit einem Kupferbergwerk. Bendorf Fl. un⸗ weit des Rheins. Die Burggrafen von Kirchberg haben auch Antheil an der Grafſchaft Sayn; in wel⸗ chem die Stadt Hachenburg. n. Die Grafſchaft Pyrmont, oͤſtlich von det Grafſchaft Lippe, gehoͤrt dem Fuͤrſten von Waldeck. Sie enthaͤlt Stadt und Schloß Pyrmont, mit ei⸗ nem beruͤhmten Geſundbrunnen; und ein Salbans an der Emmer. 0. Die Grafſchaft Rietberg, mit dem Staͤdt⸗ chen gleiches Namens, beſitzt der Fuͤrſt von Kaunitz⸗ 3 Rietberg. p. Die Grafſchaft Holzapfel an der Lahn, wel⸗ che, nebſt der reichsunmittelbaren Herrſchaft Schaum⸗ burg, dem Fuͤrſten von Anhalt⸗ Vernburg⸗Hoym gehoͤrt, enthaͤlt das Staͤdtchen Holzapfel, mit ei⸗ nem Silberbergwerke. q. 1) Der Fuͤrſt von Lippe⸗Detmold beſitzt(auſ⸗ ſer dem Antheile an der Stadt Lippſtadt) den groͤß⸗ ten Theit der Grafſchaft Lippe; worin Detmold R. an der Werre, mit einem Schloß, in deren Ge⸗ gend der Teuteberg liegt, wo Varus die beruͤhmte Niederlage erlitten hat. Temgo, die groͤßte Stadt in der Grafſchaft. Horn am Teutenburger Wald; nicht weit davon die Eyterſteine. Blomberg, Uf⸗ feln, mit reichen Salzbrunnen. Schwalenberg 291 Fl. mit Paderborn gemeinſchaftlich. Die Graſſchaft Sternberg, mit dem Schloß gleiches Namens. 2) Der Graf von Lippe; Buͤckeburg beſitzt: den klei⸗ neren Theil der Grafſchaft Schauenburg, mit: Stadt⸗ hagen H. Buͤckeburg Reſ. Hagenburg und Steinhude Fl. Wilhelmſtein F. im Steinhuder See; ferner ein kleines Stuͤck der Grafſchaft Lippe, wo im Amte Schieder der ſogenannte Winterberg liegt, auf dem man noch Ueberbleibſel der alten Herr⸗ manns oder Harminsburg ſiehet. Alvendiſſen Fl. und Sitz einer Nebenlinie dieſes Hauſes. r. 1) Der Graf von Bentheim beſitzt die gleich⸗ benannte Grafſchaft, an der Graͤnze der bataviſchen Republik, an beyden Seiten der Vecht; worin: Bentheim Fl. und Schl. Schuͤttorf H. an der Vecht. Northorn, Wittmarſchen, Stift. Neuen⸗ haus. 2) Der Graf von BentheimSleinfurt bes ſitzt die kleine Grafſchaft Steinfurt, worin die St. gleiches Namens an der Aa, mit einem Gymnaſium. s. Einem Grafen von Limburg⸗Styrum gehoͤrt die Herrſchaft und der Flecken Gehnien an der Aa, im Muͤnſteriſchen. t. Der Graf von Walmoden⸗Gimborn beſitzt die Herrſchaft Gimborn und Neuſtadt, im Suͤden der Grafſchaft Mark; mit dem Schl. Gimborn, der St. Neuſtadt, und den Ortſchaften Gummere⸗ bach und Ruͤnderad. u. Die Grafen von Neſſelrode haben die Herr⸗ ſchaft Keichenſtein in der Grafſchaft Wied, und die T 2 292 unnmittelbaren Herrſchaften Landskron und Rhade, an und in der Grafſchaft Mark.(Außer dieſen un⸗ mittelbaren Herrſchaften liegen noch im Umfange des weſtphaͤliſchen Kreiſes: 1) die dem ruſſiſchen Kaiſer gehoͤrige Herrſchaft Jever an der Nordſee und Jade, mit der Stadt Jever. 2) Die Herrſchaft Knip⸗ hauſen neben Jever, dem Grafen von Benttuük. 3) Herrſchaft und Stadt Rheda an der Ems, dem Grafen von Tecklenburg⸗Limburg gehoͤrig.) 7) Der niederſaͤchſiſche Kreis. 1) Sraͤnzen. Gegen Norden die Nordſee, Daͤ⸗ nemark, insbeſondere das Herzogthum Schleswig, und die Oſtſee; gegen Oſten der oberſaͤchſiſche Kreis; gegen Suͤden derſelbe und der oberrheiniſche Kreis; gegen Weſten der weſtphaͤliſche Kreis und die Nordſee. 2) Groͤße. Sein Flaͤcheninhalt betraͤgt 1100 (nach andern uͤber 1400) Quadratmeilen. 3) Gewaͤſſer. Hauptſtroͤme ſind: die Weſer, im Weſten, in welche ſich die Aller und Wuͤmme, von denen jene vorher die Oeker(nebſt der Bode, und mit dieſer die Holzemme), Juhſe und Leine (mit der Innerſte) aufgenommen hat, ergießen; die Plbe im Oſten, womit ſich links die Ohre, Jetze, Ilmenau, Luhe, Seve, Eſte, Schwinge und Oſte, rechts die Elde, die mit der in die Trave fallenden Steckenitz durch einen Kanal verbundene Delvenau; die Bille und Stoͤr vermiſchen; ferner ſind noch die in die Oſtſee fließende Warnow, und die Graͤnzflͤſſe Recknitz, Trebel und Peene, nebſt der unter dem Namen Stoͤpenitz in den Daſſower Meerbuſen fallende Radegaſt(Naͤmmtlich im Mek⸗ lenburgiſchen) zu merken. Der Holſteiniſche Kanal verbindet vermittelſt der Byder die Oſt⸗ und Nord⸗ ſee; ſo wie der Plauenſche Ranal im Masdebur⸗ giſchen aus der Elbe in die Havel fuͤhrt, noch ehe ſich dieſe beyden Fluͤſſe vereinigen.— Die groͤßten Landſeen ſind: der Ratzeburgerſee(aus welchem die ſchiffbare Wackenitz in die Trave fließt) und der Schallſee im Herzogthum Lauenburg; der Muͤritz⸗ Koͤlpin⸗ der Plauiſche⸗ Schweriner⸗ und Ku⸗ merow⸗See im Meklenburgiſchen; der Pploͤner⸗ Seelenter: Weſten, und Eutiner See im Hol⸗ ſteiniſchen.— Der bekannteſte Geſundbrunnen iſt zu Rehburg im Fuͤrſtenthum Kalenberg. % Matuͤrliche Beſchaffenheit. In den ſuͤd⸗ weſtlichen Gegenden dieſes Kreiſes liegt der Sollin⸗ gerwald und der Harz, ein hohes metallreiches Ge⸗ birge, 12 bis 16 Meilen lang, 5 bis 6 breit, und nnaach ſeiner natuͤrlichen Lage, vom Brocken(3276 Pariſer Fuß hoch) in den Ober: und Unterharz ab⸗ getheilt. Merkwuͤrdig ſind im Blankenburgiſchen auch die ihrer Tropfſtein⸗Figuren wegen beruͤhmte Bau⸗ mannehoͤhle, und die Bielſteinshoͤhle.— Die ſuͤdoͤſtlichen Laͤnder Magdeburg und Halberſtadt ſind groͤßtentheils eben, haben einen lehmigen, thonigen 294 Boden, auch hin und wieder ſumpfige Niederungen und Bruͤcher, die aber nach und nach trocken gelegt und urbar gemacht werden. Von. Hildesheim, Wol⸗ fenbuͤttel und Kalenberg ſind die ſuͤdlichen, vom letz⸗ tern auch die noͤrdlichen Theile etwas bergig(der Deiſter und Suͤnter), doch mit breiten Thaͤlern und Ebenen durchſchnitten; in allen uͤbrigen noͤrdli⸗ chen Kreislaͤndern iſt der Boden, bis auf einige un⸗ betraͤchtliche Erhoͤhungen, flach; und kahle unuͤberſeh⸗ bare Haiden, z. B. die große Luͤneburger Haide, wechſeln mit Torfmooren(wie der ſogenannte Duͤ⸗ velsmoor im Herzogthum Bremen), Suͤmpfen, Bruͤchern(deren Groͤße indeß immer mehr eingeſchraͤnkt wird), Geeſt⸗ und fruchtbaren, beſonders an den Fluͤſſen gelegenen Marſchlaͤndern ab.— In den Ge⸗ birgsgegenden iſt das Klima ziemlich rauh, in den ſuͤdoͤſtlichen und mittlern gemaͤßigter; in den noͤrdli⸗ chen iſt die Luft etwas feucht und dick, und insbe⸗ ſondere Holſtein wegen ſeiner Lage zwiſchen 2 Mee⸗ ren haͤufigen und ſchnellen Veränderungen der Witte⸗ rung nebſt heftigen Stuͤrmen ausgeſetzt. 5) Haupt⸗Produkte. Die beſten Getreide⸗ laͤnder dieſes Kreiſes ſind die Provinzen an der Oſt⸗ und Nordſee, in welchen der Ackerbau durchgehends mit muſterhaftem Fleiße getrieben wird; vornehmlich in Meklenburg, wo man ſich dabey des Hakens ſtatt des Pfluges bedient. Aber auch der noͤrdliche Theil der Fuͤrſtenthuͤmer Wolfenbuͤttel und Hildesheim, nebſt Magdeburg und Halberſtadt, haben eintraͤglichen, Ka⸗ 295 lenberg mittelmaͤßigen, und Grubenhagen nebſt dem ſuͤdlichen Theile von Wolfenbuͤttel, ſehr wenig Acker⸗ bau; im Läneburgiſchen gedeiht vorzuͤglich der Buche weizen wohl. Garten⸗ und Huͤlſenfruͤchte, Obſt, Hopfen, Flachs und Hanf, ſind faſt uͤberall haͤufig vorhanden; in Meklenburg, Magdeburg und Kalen⸗ berg baut man uͤberdem Tabak, und in dem letztge⸗ nannten, ſo wie im Braunſchweigiſchen, viel Cicho⸗ rien an. Eintraͤgliche Waldungen und Wildpret ſind in Grubenhagen, Kalenberg, Luͤneburg, dem ſuͤdlis chen Gebiete von Wolfenbuͤttel und Hildesheim, auch im Lauenburgiſchen; dagegen haben Holſtein, Meklen⸗ burg, Bremen, Magdeburg und Halberſtadt Mangel an Holz, welcher indeß durch den in Menge vorhan⸗ denen Torf, wozu in Magdeburg und Halberſtadt noch anſehnliche Stein⸗(und Braun:) kohlenlager kommen, erſetzt wird. Die Hornvieh⸗ Pferden Schaaf⸗ Schweine: Federvieh⸗ und Gaͤnſezucht treibt man beynahe in allen dieſen Kreislaͤndern mit Erfolge; doch am ſtaͤrkſten in den Herzogthuͤmern Holſtein, Meklenburg und Bremen. Eine beſondere geringe Art von Schaafen, Haideſchnucken genannt, fin⸗ det ſich auf der Luͤneburger Haide; wo insbeſondere auch die Bienenzucht, ſo wie in den Gegenden an der Elbe und Weſer, die Fiſcherey einen betraͤchtli⸗ chen Nahrungszweig ausmacht. Der Seidenbau kommt im Magdeburgiſchen immer mehr in Aufnah⸗ me. Mit Salzquellen iſt dieſer Kreis ſo reichlich verſehen, daß man blos mit einigen der ergiebigſten, 296 z. B. zu Halle, Schoͤnebeck, Salzdahlum, Lu⸗ neburg u. f. ganz Deutſchland verſorgen koͤnnte. Großen Reichthum an mannichfaltigen Mineralien, inſonderheit an Metallen und Halbmetallen, z. B. Silber, Kupfer, Bley, Eiſen, etwas Gold, Zink und Kobalt, auch Vitriol, Marmor, Alabaſter, Schie⸗ fer, Jaſpis u. dgl. liefert der Harz; in andern Ge⸗ genden trift man gute Stein⸗ und Kalkbruͤche, Thon⸗ und Porzellanerde, Mergel, Salpeter, Alaun und Theerquellen an. Dle noͤrdlichen Laͤnder ſind, etwas Kalk, Thon; und Walkererde, Salz und Torf, nebſt vielem Bernſtein an Holſteins weſtlicher Kuͤſte aus⸗ genommen, arm an Mineralien. Statt des in ganz Niederſachſen ſehlenden Weinwachſes hat man hier treffliche braune und weiße Biere, worunter der ſoge⸗ nannte Broihan, die goslariſche Goſe, braunſchwei⸗ ger mumme, der Duckſtein zu Koͤnigslutter, und der ratzeburger Kummeldey am bekannteſten ſind.— Der groͤßte Theil dieſer Erzeugniſſe dient, ſo wie die allgemein verbreitete Leinenſpinnerey und Weberey, Wollen; Baumwollen: und Seidenmanufakturen, Pa⸗ pier⸗ Oel⸗ Toͤpfer⸗ Seife⸗ und Staͤrkefabriken, Sei⸗ ler: und Holzarbeiten u. ſ. w. zur Grundlage eines bedeutenden Handels; welcher außer den 3 Hanſeſtaͤd⸗ ten, von den Bewohnern der Laͤnder an der Nord— und Oſtſee, nebſt einer lebhaften Schiffahrt vorzuͤg⸗ lich ſtark getrieben, in den uͤbrigen Provinzen aber durch die vielen ſchiffbaren Fluͤſſe und Kanale unge⸗ mein befoͤrdert wird. 297 6) Einwohner. Die 2 Millionen Menſchen, welche dieſen Kreis bewohnen, ſind groͤßtentheils ur⸗ ſpruͤnglich Deutſche, und reden(wenigſtens die niedern Volksklaſſen) ihre Mutterſprache, gleich den Weſtphaͤ⸗ lingern, in einem faſt in jeder einzelnen Landſchaft ver⸗ ſchiedenen, plattdeutſchen Dialekte.— Im Meklen⸗ burgiſchen herrſcht unter den Bauern noch eine ziemlich harte Leibeigenſchaft, welche aber die Regierungen im⸗ mer mehr zu mildern ſuchen; im Holſteiniſchen iſt ſie meiſt abgeſchafft.— An guten Anſtalten zum Unter⸗ richt, ſowohl fuͤr das Volk(wozu auch die beſonders im Kur⸗Braunſchweigiſchen angelegten Induſtrieſchu⸗ len gehoͤren), als auch fuͤr die hoͤhern Staͤnde, ſehlt es nicht, und mehrere derſelben ſtehen in einem vor⸗ zuͤglich guten Rufe.. 7) Religion. Die lutheriſche Konfeſſion iſt in allen Kreislaͤndern herrſchend, außer in dem ehemali⸗ maligen Hochſtifte Hildesheim, wo die katholiſche Re⸗ ligion mit der lutheriſchen gleiche Rechte hat, und in der Reichsſtadt Bremen, welche reformirt iſt. Doch giebt es auch in allen Theilen katholiſche und reformirte Gemeinen, die an mehrern Orten ſtillen, an einigen auch oͤffentlichen Gottesdienſt haben; ja im Holſteini⸗ ſchen iſt eine kleine griechiſche Gemeine, nebſt Herrn⸗ huthern, Mennoniten u. ſ. w. Juden ſind aber nur an einigen Plaͤtzen zahlreich. 8) Regierung. Kreis⸗Direktoren und ausſchrel⸗ bende Fuͤrſten ſind wechſelsweiſe der Koͤnig von Preuſ. ſen, als Herzog von Magdeburg, und der Kurfuͤrſt 298 von Braunſchweig⸗Luͤneburg. Außer dieſen bey⸗ den haben hier noch der Herzog von Braunſchweig⸗ Wolfenbuͤttel, der Koͤnig von Daͤnemark, und die Herzoge von Meklenburg⸗Schwerin und Strelitz (deren Regierungsgewalt durch die vorhandenen Land⸗ ſtaͤnde ſehr beſchraͤnkt iſt) anſehnliche, der Herzog von Oldenburg, Koͤnig von Schweden und die 3 Han⸗ ſeſtaͤdte aber, kleine Gebiete. 9. 10) Theile und vornehmſte Oerter. a. Die preußiſchen Laͤnder in Niederſachſen; nemlich: 1) das Herzogthum Magdeburg(87 Quadratmeilen, 284,000 E.), eingetheilt in den Holz⸗Kreis, den Jerichowiſchen, Fieſariſchen(welcher jetzt ſtatt des in der Mittelmark liegenden Luckenwaldiſchen Kreiſes in gewiſſer Ruͤckſicht zu Magdeburg geſchla⸗ gen iſt) und Saalkreis, in Oberſachſen liegend. (Unter den magdeburgiſchen Landeskollegien ſteht noch der preußiſche Antheil an der Grafſchaft Mansfeld und das ehemalige Stift Quedlinburg in Ober⸗ ſachſen.) Vornehmſte Oerter ſind: Magdeburg H. F. Hſt. an der Elbe, mit 30,000 E. Kloſter⸗ Berge, Acken an der Elbe. Calbe an der Saale. Sroß Salze und Staßfurt, mit Satzwerken. Neu Haldensleben, Harpke D. in deſſen Naͤhe ein Geſundbrunnen und Bad iſt. Schoͤnebeck an der Elbe, mit einem wichtigen Salzwerke. Woll⸗ mirſtaͤdt an der Ohre. Burg an der Ihle, mit Tuchfabriken und 5000 E. Parei D. an der Elbe, von 1000 E. am Anfange des Plauenſchen Kanals. .. 299 Zieſar, Halle an der Saale, U. welche aus den 3 Staͤdten: Halle, Neumarkt und Glaucha beſteht. In der letztern iſt das beruͤhmte Waiſenhaus. Zu⸗ ſammen ſind hier 2250 Haͤuſer und 21,000 Civilein⸗ wohner, nebſt einem uralten Salzwerke. Coͤnnern, mit einem guten Steinbruche. Giebichenſtein D. wobey die Ruinen des beruͤhmten Schloſſes gleiches Namens. Lobeguͤn und Wettin an der Saale, mit Steinkohlenbergwerken. Rothenburg D. an der Saale, mit Kupferſchiefergruben. 2) Das Fuͤr⸗ ſtenthum Halberſtadt, nebſt der Herrſchaft Deren⸗ burg(unter deſſen Kollegien auch die Grafſchaften Wernigerode und Hohenſtein, im oberſachſiſchen Kreiſe, ſtehen). Groͤße: 28 Quadratmeilen, mit 95,000 E. Vornehmſte Oerter: Halberſtadt an der Holzemme, H. Hſt. mit guten Manufakturen und 13,000 E. Die Spiegelberge. Oſterwieck an der Ilſe. Oſchersleben an der Bode. Aſchers⸗ leben, mit Manufakturen, Sandſteinbrüchen und 6500 E. Gruͤningen an der Bode. Reinſtein Bergſchl. Weferlingen und Walbeck, Fl. an der Aller, letzterer mit einer Tabakspfeifenfabrik. Stroͤ⸗ beck D. deſſen Einwohner als ſtarke Schachſpieler bekannt ſind. Derenburg. 3) Das Furſtenthum Hildesheim(40 Quadratmeilen, mit 90,000 E.. worin: Hildesheim H. Hſt. an der Innerſte, mit 14,000 E. Peina an der Fuhſe. Alfeld an der Leine. Daſſel, etwas abgeſondert liegend. Lam⸗ ſpringe Fl. und Abtey. Mark Oldendorf, Fl. 300 der wichtigen Garn; und Leinwandhandel treibt. Ru⸗ the Schl. am Zuſammenfluß der Innerſte und Leine. Salzdetfurt und Salzgitter oder Salzliebenhall, Fl. mir Salzwerken, von denen das letzte mit dem Kur und herzoglichen Hauſe Braunſchweig gemein⸗ ſchaftlich iſt. Wrisbergholtenſen D. mit einer Fayencefabrik. 4) Die ehemaligen Reichsſtaͤdte: Gos⸗ lar, am Fuße des Nammelsberges, am Oberharze, mit 6000 E. Muͤhlhauſen in Thuͤringen, an der Unſtrut, mit guten Faͤrberehen, Druckereyen, Ger⸗ bereyen, und 6000 E. ihr Gebier von 3 Quadrat⸗ 1 meilen mitgerechnet. Nordhauſen, ebenfalls in Thuͤ⸗ ringen an der Zorge, mit einer beruͤhmten Brannt⸗ weinbrennerey, und 10,000 E. b. Die Kur⸗Braunſchweigluͤneburgiſchen Laͤnder. Dazu gehoͤrt: 1) Das Fuͤrſtenthum Kalenberg, in 4 Quartiere getheilt, von denen das goͤttingiſche ſuͤd⸗ lich etwas abgeſondert liegt. Es enthaͤlt auf 78 Qua⸗ dratmeilen uͤber 200,000 E. Vornehmſte Oer⸗ ter: Hannover an der Leine, H. mit 20,000 E. Herrnhauſen und Monbrillant, Luſtſchl. Eldag⸗ ſen H. der Grafſchaft Hallermund. Muͤnder, mit einem Salzwerke. Lokkum, ervangeliſches Stift. Rehburg, mit einem(eine Stunde davon entfern⸗ ten) Geſundbrunnen. Hameln F. beim Einfluß der Hamel in die Weſer, mit Fabriken, Manufakturen und 4000 E. Bodenwerder, auf einer Inſel in der Weſer. Duingen Fl. mit vielen Toͤpferfabriken. Haſtenbeck D. bekannt wegen einer 1757 hier vor⸗ 301 gefallenen Schlacht. Heinſen D. an der Weſer, das Schiffbau und ſtarken Handel treibt. Salzhem⸗ mendorf Fl. an der Saale. Lauenau Fl. Goͤt⸗ 34 tingen, beruͤhmte U. an der ſogenannten alten Leine, mit Tuchmanufakturen und 10,000 E. Nordheim, mit 3600 Einw. Muͤnden, an der Muͤndung der Fulda in die Werra, welche dann Weſer heißt, Hſt. mit Tabaksfabriken, Schiffbau und uͤber 4000 Einw. Dranofeld, Uslar, mit Eiſenwerken, Pfeifenfabri⸗ ken u. f. Alten⸗Gleichen, wuͤſtes Bergſchl. Noͤr⸗ ten Fl. im Gerichte Hardenberg. Hedemuͤnden, Weende D. mit elner anſehnlichen Tabaksfabrik. 2) Das Fuͤrſtenthum Grubenhagen(22 Quadrat⸗ meilen, 75,000 E.), worin: Eimbeck H. Hſt. an der Ilme, mit 4500 E. Oſterode Hſt. mit Ma⸗ nufakturen und beynahe 4000 E. Herzberg Fl. mit einer Gewehrfabrik. Lauterberg Fl. mit dem wichti⸗ gen Eiſenhammerwerk Voͤnigehuͤtte. Salz der Hel⸗ den Fl. und Suͤlbeck, D. mit Salzwerken. Elbin⸗ gerode, abgeſondert auf dem Unterharz liegend. Auf dem Oberharz liegen: Clausthal H. mit einer Muͤnze und 3000 E. St. Andreasberg, Zeller⸗ feld, Wildemann und Kautenthal an der Inner⸗ ſte. Der ſogenannte Rommunion ⸗Unterharz mit dem Salzwerk Julius Halle wird mit dem Herzoge von Braunſchweig gemeinſchaftlich beſeſſen. 3) Das Fuͤrſtenthum Luͤneburg(210 Quadratmeilen, mit 225,000 E.) liegen: Celle, an der Aller, Sitz des Ober: Appellations 3 Gerichts ſaͤmmtlicher kurhannoͤde⸗ 302 riſcher Laͤnder, mit 6000 E. Luͤneburg H. Hſt. an der Ilmenau, mit der Suͤlze(wo das beruͤhmte Salz⸗ werk) und einer Ritterakademie. Uelzen an der Il⸗ menau. Haarburg Hſt. Fabrikſt. an der hier in die Elbe fließenden Seve, mit einer F. und 3000 E. Bar⸗ dowiek, merkwuͤrdiger Fl. Edemiſſen, D. wobey Theerquellen. Sifhorn St. an der Aller. Schnak⸗ renburg Fl. Winſen an der Luhe, Dannen⸗ berg und Hitzacker, an der Jetze. 4) Das Herzog⸗ thum Bremen(96 Quadratmeilen, 180,000 Einw.), mit: Stade H. an der Schwinge, mit 4000 Einw. Buptehude an der Eſte, mit 2400 E. Bremer⸗ voͤrde Fl. an der Oſte. Bremerlehe an der Weſer, großer Fl. von 341 Haͤuſern. Neuhaus Fl. Hf. an der Oſte. Ottersberg Fl. an der Wuͤmme. Scharm⸗ beck, Zeven und Horneburg Fl. Brunshauſen D. im Alten Lande. Freyburg Fl. und Butzfleth D. im Kehdinger Lande. Dorum Fl. im Lande Wur⸗ ſten. 5) Das Herzogthum Sachſen⸗Lauenburg nebſt dem Lande Hadeln, an der Muͤndung der Elbe, worin: Ratzeburg F. auf einer Inſel des von ihr be⸗ nannten Sees. Lauenburg Hſt. an der Elbe. Moͤl⸗ len an der Steckenitz, mit Till Eulenſpiegels Grab⸗ mal. Otterndorf Hſt. im Lande Hadeln. Alten⸗ bruch Fl. Hf.— Saͤmmtliche kurhannoͤveriſche Staae ten im niederſaͤchſiſchen und weſtphaͤliſchen Kreiſe(wozu noch die Landeshoheit uͤber einen Theil der Grafſchaft Hohenſtein im oberſaͤchſiſchen Kreiſe kommt) enthalt ten 570 Quadratmeilen und 960,000 Einwohner. .393 c. Der Herzog von Braunſchweig⸗Wolfenbuͤttel beſitzt: 1) das Fuͤrſtenthum Wolfenbuͤttel, worin: Braunſchweig H. R. Hſt. F. an der Ocker, mit 30,000 E. Wolſenbuͤttel, mit 6000 Einw. F. an der Ocker. Scheppenſtedt, Salzdahlum D. mit einem Salzwerke und Luſtſchl. Helmſtaͤdt u. mit 4000 Einw. Schoͤningen und Koͤnigslutter St. Calvoͤrde Fl. und Vorsfeld Fl. an der Aller, beyde am Droͤmling. Dieſe liegen im noͤrdlichen Theile des Landes. Im ſuͤdlichen findet man: Gandersheim, wo ehemals ein Reichsſtift war, mit 2500 E. See⸗ ſen, Gittelde Fl. Holzminden Hſt. an der Weſer, mit 3000 Einw. Stadt⸗Oldendorf. Bevern Fl. und Sitz einer Nebenlinie des regierenden Hauſes. Fuͤrſtenberg Schl. an der Weſer, mit einer guten Porzellanfabrik. 2) Das Fuͤrſtenthum Blankenburg⸗ wo Blankenburg H. mit 2600 E. in deren Gegend die Teufelomauer. Haſſelfelde, Ruͤbeland, wo die Baumanns; und Bielſteinshoͤhle. Außerdem beſitzt der Herzog noch das Amt Thedinghauſen in der Grafſchaft Hoya; und das zum oberſaͤchſiſchen Kreiſe gehoͤrige, aber dem Fuͤrſtenthum Blankenburg einverleibte Stift Walkenried; zuſammen 76 Qua⸗ dratmeilen, mit 200,000 E. d. Der Koͤnig von Daͤnemark hat hier das Her⸗ zogthum Holſtein, eingetheilt in das eigentliche Hol⸗ ſtein, Stormarn, Wagrien und Dithmarſchen; ferner die Herrſchaft Pinneberg und die Grafſchaft Ran⸗ zau. Vornehmſte Gerter: Biel„ſt.(der Kieler 304. Umſchlag) Hf. an einem Meerbuſen der Oſtſee, mit ei⸗ ner U. und 8000 E. Rendsburg F. an der Eyder. Itzehoe an der Stoͤr. Wilſter, Sluͤckſtadt F. Hſt. Hf. an der Elbe. Krempe, Wandobeck Fl. Heide und Lunden Fl. Brunsbuͤttel und Mel⸗ dorf Fl. Oldesloe an der Trave, mit einer Salz⸗ quelle. Segeberg, mit einem Kalkbruche. Ploͤn und Oldenburg. Heiligenhafen und Neuſtadt, St. und Hf. Travendal Schl. Altona Hſt. von 3200 Haͤuſern und 25,000 E. an der Elbe. Pinne⸗ berg und Ueterſen Fl. Barmſtedt und Elmshorn Fl. Dieſe Laͤnder haben einen Flaͤcheninhalt von 144 Quadratmeilen und 320,000 Einwohner. e. Das Herzogthum Meklenburg iſt unter 2 re⸗ gierende Herzoge vertheilt. Der Herzog von Meklen⸗ burgSchwerin beſitzt den moklenburgiſchen und wen⸗ diſchen Kreis, die Grafſchaft Schwerin, nebſt dem Fuͤrſtenthume gleiches Namens, und die Herrſchaft Roſtock; zuſammen 217 Quadratmeilen, mit 290,000 Einw. Darin liegen: Schwerin, an dem gleichben nannten See, Sitz der Regierung, mit dem dicht da⸗ bey liegenden Staͤdtchen Neuſtadt Schwerin oder der Schelfe; beyde haben 10,000 E. Parchim an der Elde, mit 3600 Einw. Doͤmitz, Gadebuſch, Grabow und Neuſtadt an der Elde. Malchow und Sternberg. Waren am. Muͤritzſee. Dobbe⸗ ran Fl. und Schl. mit einem Seebade und dem Hei⸗ ligen⸗ Damm. Ludwigsluſt, ſchoͤner Fl. und R. Guͤſtrow, mit 7000 E. Boitzenburg Hſt. an der „ 305 Elbe. Malchin, zwiſchen 2 Seen. Penzlin, Rib⸗ nitz und Roͤbel. Suͤlz an der Reckenitz, mit einem Salzwerke. Teterow und Plau. Roſtock Hſt. U. an der Warnow, mit 12,000 E. warnemunde Fl. Hf. Buͤtzow.— Der Herzog von Meklenburg⸗ Strelitz beſitzt den ſtargardiſchen Kreis und das Fuͤr⸗ ſtenthum Ratzeburg, zuſammen 36 Quadratmeilen, mit 60,000 E. Vornehmſte Oerter ſind: Neu⸗Stre⸗ litz R. mit 3500 E. Alt Strelitz, Neu⸗Bran⸗ denburg H. Hſt. Friedland, Juͤrſtenberg an der Havel. Stargard. Der Domhof und Palmberg in der Stadt Ratzeburg. Schoͤnberg.— Die Krone Schweden beſitzt im Meklenburgiſchen Wismar Hf. Hſt. an der Oſtſee, mit einem kleinen Gebiete und der Inſel Poel. f. Dem Herzoge von Oldenburg gehoͤrt das Fuͤr⸗ ſtenthum Luͤbeck im Holſteiniſchen, worin Eutin H. an einem fiſchreichen See. g. 1) Hamburg, freye Reichs⸗ und Hanſeſtadt, die reichſte und wichtigſte Hſt. in Deutſchland, an der Elbe, Bille und Alſter, mit 2 Hf. 7900 Haͤuſern und 125,000 E. worunter 3300 Juden. In ihrem Gebiete liegen: Bergedorf St. mit Luͤbeck gemeinſchaftlich. Die Inſel Billwaͤrder. Harvſtehude, Gut und ehemaliges Kloſter. Das Amt Ritzebuͤttel, oben an der Nordſee, wo Cuphafen Fl. Hf. 2) Kübeck, freye Reichsſtadt an der Trave, Hſt. mit 3300 Haͤu⸗ ſern und uͤber 30,000 Einwohnern. Zu ihrem Gebiete gehoͤrt Travemuͤnde Hf. 3) Die freye Reichsſtadt u 306 Bremen Hſt. an der Weſer, mit 5500 Häuſttn und 45,000 E. Vegeſack Fl. Hf. 11) Geſchichte des grzunſchtegiſche Hauſes. Das braunſchweiglſche Haus ſtammt von dem ſaͤchſiſchen Herzoge Heinrich dem Loͤwen, aus dem welſiſchen Geſchlechte, ab. Dieſer verlor zwar durch ſeine Achtss erklaͤrung den groͤßten Thell ſeiner weitlaͤuftigen Be⸗ ſitzungen, behielt aber doch noch ſeine braunſchweigluͤs neburgiſchen Erblaͤnder, woruͤber Kaiſer Friedrich II. ſeinem Enkel Otto, mit dem Zunamen, das Kind, den Titel eines Herzogs beylegte. Von deſſen Nach⸗ kommen wurden dieſe Laͤnder bald zuſammen, bald ge⸗ trennt regiert, bis ſie endlich nach dem Tode Herzogs Prnſt, welcher ſich zuerſt in ſeinem geſammten Hauſe zur evangeliſchen Religion bekannte, in 2 Hauptlinien, die braunſchweigiſche und luͤneburgiſche, zerfielen. Beide theilten ſich wieder in verſchiedene, jedoch bald erloͤſchende Nebenlinien; und Herzog Wilhelm, der Stifter der juͤngern luͤneburgiſchen Hauptlinie, erbte die Grafſchaften Hoya und Diepholz; Georg Wil⸗ helm verſchaffte ſeinem Hauſe das Sachſen⸗Lauenbur⸗ giſche; Ernſt Auguſt erlangte 1692 die Kurwuͤrde, welche aber erſt ſein Sohn, Georg Cudwig, 1708 wirklich antrat, der ſeinen Staat durch die den Schwe⸗ den entriſſenen Laͤnder, Bremen und Verden, merklich vergroͤßerte, und ſogar 1714 unter dem Namen Georg I. den engliſchen Thron beſtieg.(Siehe England.) Die Verbindung mit England verflocht die kurhannoͤveri⸗ ſchen Lande in mehrere verderbliche Kriege mit Frank⸗ K 307 reich; und 899. in den letztverfloſſenen Jahren waͤren ſie gewiß ein Opfer des franzoͤſiſchen Haſſes gegen die Britten geworden, wenn nicht Preußens maͤchtiger Schutz die drohende Gefahr von ihnen abgewendet haͤtte. Durch den Entſchaͤdigungs⸗Traktat wurde das ehemals wechſelsweiſe mit elnem katholiſchen und pro⸗ teſtantiſchen Biſchofe(wovon letzterer aus dem Hauſe Hannover ſeyn mußte) beſetzt geweſene Hochſtift Osna⸗ bruͤck, gegen die Abtretung einiger kleinen Bezirke, vöͤllig mit der Maſſe der uͤbrigen Kurlande verbunden. — Das herzoglich braunſchweigiſche Haus hat bisher manche weiſe und gute Regenten, auch verſchledene tapfere Feldherrn gellefert; und der jetzt regierende Herzog, Karl Wilhelm Ferdinand, vereinigt alle dieſe Eigenſchaften in einem hohen Grade in ſi ſich. 8 7 8) Der oberſaͤchſiſche Kreis. 1) Graͤnzen. Gegen Norden die Oſtſee; gegen Oſten Weſt⸗ und Suͤd⸗Preußen, und die Lauſitze; gegen Suͤden Boͤhmen und der fraͤnkiſche Kreis, und ge⸗ gen Weſten der oberrheiniſche und niederſaͤchſiſche Kreis. 2) Groͤße. Der noͤrdliche Theil dieſes Kreiſes, welcher das Kurfuͤrſtenthum Brandenburg und Pom⸗ mern enthaͤlt, hat einen Flaͤcheninhalt von 1180; der ſuͤdliche Theil, der das Kurfuͤrſtenthum Sachſen und die uͤbrigen Laͤnder begreift, 730; zuſammen alſo der ganze Kreis 1960 Quadratmeilen. U 2 ³ 3⁰8 Flbe und Oder durchſtroͤmen dieſen Kreis. In dem ſuͤdlichen Theile deſſelben(in Sachſen) nimmt die Elbe rechts die ſchwarze Elſter; links die Mulde und Saale auf, nachdem ſich mit der letztern vorher die Ilm, die Unſtrut,(nebſt der Gera, Wipper, Helbe und Helme) die weiße Elſter, die Pleiße, die Fuͤhne, Wippra u. a. m. vermiſcht haben. Im noͤrdlichen Theile fallen links die Tanger, Zehre, Aland u. f. rechts die Havel(welche die Spree mit⸗ bringt), die Stepenitz und Lockenitz(ein Arm der Elde) in die Elbe. Die Spree iſt mit der Oder durch den Friedrich⸗Wilhelms⸗Graben, und weiter nordwaͤrts durch den Finow⸗Kanal verbunden. Die Oder nimmt die Warthe(bieſe aber die Netze) auf, breitet ſich alsdann in Pommern in viele Arme und Kanale aus, deren einer, die große Regelitz, gegen ihre Muͤndung hin den großen Dammiſchen See bil⸗ det, und ſich durch den See Damanzke und das Pa⸗ penwaſſer in das ſogenannte Friſche Haff, einem Buſen der Oſtſee,(deſſen 3 Ausfluͤſſe die Divenow, Swiene und Peene heißen) ergießt. Außerdem fal⸗ len noch die Uker mit der Randow, und die Peene mit der Trebel und Tollenſe ins friſche Haff; in den Dammſchen See die ſchiffbare Ihna; unmittelbar in die Oſtſee aber die Rega, Perſante, Wipper, Stolpe, Lupow, Leba, nebſt andern kleinen Kuͤ⸗ ſtenſtuüͤſſen. Die ſuͤdlichſten Gegenden dieſes Kreiſes werden von der hier entſpringenden Werra(worin 3) Gewaͤſſer. Zwey deutſche Hauptfluͤſſe, die 3⁰9 ſich die Hoͤrſel, und die thuͤringiſche Ceine mit der Meſſe ergießen) und eintgen Seitenfluͤſſen des Mayns, z. B. der Steinach, Itſch und Redach durchfloſſen. Unter den, beſonders im noͤrdlichen Theile, haͤufig vor⸗ handenen Landſeen verdienen in Pommern, außer den vorhin angegebenen, der Leba⸗ Garde, Dolgen⸗ und Dvazig⸗See; in der Mark Brandenburg der Uker⸗Ruppiner⸗ Fehr⸗ Straus Muͤnde⸗ Wer⸗ belliniſche Dolgen:⸗ Mandel, und Enzig⸗See, nebſt den Seen bey Soldin und Arendſee; und der ſuͤße und ſalzige See im Mannsfeldiſchen, bemerkt zu werden.— Im Kurfuͤrſtenthum Sachſen giebt es 13 mineraliſche Quellen und Baͤder, z. B. zu Lauch⸗ ſtaͤdt, Bibra, Radeberg, Wollenſtein u. f. Ferner iſt im Altenburgiſchen ein Geſundbrunnen zu Ronneburg, in der Mark zu Freyenwalde, in Pommern zu Kenz bey Barth, und zu Polzin u. ſ. w. 4) Natuͤrliche Beſchaffenheit. Der ſuͤdliche Theil dieſes Kreiſes iſt von dem noͤrdlichen aͤußerſt ver⸗ ſchieden. Jenen umſchließen in einem Halbzirkel Ge⸗ birge, die ſich von Suͤdoſten bis zu Nordweſten erſtrek⸗ ken, und zu den vornehmſten Deutſchlands gehoͤren. Die ſuͤdliche Graͤnze macht auf der einen Seite das Erzgebirge(deſſen hoͤchſten Berge der ſaͤchſiſche Sichtel⸗ und der Auersberg, und wovon die ober⸗ lauſitziſche oder kleine Rieſengebirge eine Fortſetzung ſind); auf der andern der ſogenannte Thuͤringerwald (mit ſeinen hoͤchſten Spitzen, dem Schneekopf und Inſelsberg), welcher nahe am Fichtelgebirge anhebt, 310 und nordweſtwaͤrts ſtreicht, bis er ſich an das Vorge⸗ birge des Harzes ſchließt, wovon noch ein anſehnlicher Theil hieher gehoͤrt. Von dieſen Hauptgebirgen laufen mehrere Arme in das Land, fuͤllen es mit fruchtbaren Bergen von maͤßiger Hoͤhe, und darunter liegenden zum Theil hoͤchſt reizenden Thaͤlern(wie z. B. die goldene Aue in Thuͤringen) an, und verwandeln ſich nordwaͤrts allmaͤhlig in Huͤgel und Ebenen. Der noͤrdliche Theil dagegen macht eine ungeheure huͤgelichte Flaͤche aus, deren Boden groͤßtentheils aus Fluß⸗ oder auch wohl Flugſand beſteht, und(etwa den Gollen⸗ berg in Pommern ausgenommen) ohne alle betraͤcht⸗ liche Erhoͤhung iſt. Die Luft iſt in Sachſen geſund, und die Witterung milder, als vielleicht irgendipo auf der Erde unter gleicher Breite. Auch in der Mark iſt das Klima fuͤr die Polhoͤhe noch milde genug, ſo daß ſelbſt die Traube hie und da eßbar wird; die Witterung aber oft abwechſelnd, und heftige Stuͤrme nicht ſelten; indeß iſt die Luft durch die Austrocknung der großen Moraͤſte in manchen vorher feuchten und ungeſunden Gegenden heiterer und geſunder geworden. In Pom⸗ mern weht eine ziemlich kalte Seeluft, und ſeine Wit⸗ terung iſt unruhig. Hinter⸗Pommerns Kuͤſten ſind durch Duͤnen oder Sandhuͤgel gegen das Meer geſchuͤtzt, dagegen auch der Verſandung ausgeſetzt. 1 55) Haupt⸗Produkte. Die ſuͤdlichen Laͤnder dieſes Kreiſes, insbeſondere die kurſaͤchſiſchen, gehoͤren 34 zu den beſten und fruchtbarſten in Deutſchland. Sie haben, wenn gleich nicht, wie in den Fuͤrſtenthuͤmern 311 Anhalt, Altenburg, Koburg u. f. uͤberfluͤſſigen, doch im Ganzen hinlaͤnglichen Getreidebau; Garten⸗ und Baumfruͤchte in Menge, ziemlich viel Flachs, Hanf und Hopfen, wovon treffliches Bier(Merſeburger, Wurzner, Eulenburger, Torgauer, Zerbſter,) gebrauet wird; in einigen Gegenden auch Faͤrbekraͤuter, Nuͤb⸗ ſen, Tabak oder allerley Gewuͤrzkraͤuter; Weinbau, ſelbſt in den noͤrdlichſten Strichen, wiewohl nicht zu⸗ reichend fuͤr das Land; anſehnliche Waldungen, Pech, Theer, Kienruß, Potaſche; gute Vieh: beſonders Schaaf⸗ und Schweinezucht; Roth⸗ Schwarzs und Federwildpret; Pferde, Fiſche; Porzellan⸗ Siegel⸗ Walkers und Farbenerden, Serpentin, Edelſteine, Marmor, Schiefer, Sand⸗ und Quaderſteine; ſchoͤne Perlen in der Elſter u. ſ. w. Die Bergwerke liefern viel Silber(aus dem Erzgebirge jaͤhrlich 64,000 Mark), Zinn, Kupfer, Bley, Eiſen, Halbmetalle, Schwefel und Steinkohlen. Die vorhandenen Salz⸗ quellen, z. B. zu Duͤrrenberg, Artern, bey Breuz⸗ burg, Frankenhauſen n. f. verſehen das Land reich⸗ lich mit Salz. Manufakturen und Fabriken aller Art, beſonders Wollen⸗ Baumwollen/ und Spitzenmanufak⸗ turen(nebſt einer Porzellanfabrik, welche das beſte Porzellan in der Welt liefert) trifft man im Kurſaͤchſt 5 ſchen faſt allenthalben an;(in den herzoglich aͤchſi ſchen und ſchwarzburgiſchen Landen in einem geringern Gra⸗ de; im Anhaltiſchen am wenigſten,) und der Handel mit den Natur; und Kunſtprodukten, vornehmlich auch der Buchhandel iſt in einem bluͤhenden Zuſtande, weil 31². er wenigerm Zwange unterworfen iſt, als in den mei⸗ ſten andern Staaten.— Die Mark Brandenburg traͤgt Getreide(beſonders Rocken) von vorzuͤglicher Gute, aber in gewoͤhnlichen Jahren nicht zureichend; viel Flachs, etwas Hanf: Hopfen, Tabak, Faͤrbekraͤu⸗ ter; wohlſchmeckende Gartengewaͤchſo, wovon die Naͤr⸗ kiſchen Ruͤben allgemein beruͤhmt ſind; Hirſe, Hai⸗ dekorn u. dgl. Sie hat weitlaͤuftige Waldungen, da: her viel Wild, und Theer und Pottaſche in Menge; gute Vieh⸗ inſonderheit Schaafzucht(an 1 400,000 Stuͤck Schaafe), nicht unerhebliche Bienenzucht, Sel⸗ denbau(doch jetzt in Abnahme); aber Mangel an Mi⸗ neralten; Sumpferz, Mergel, Kalk, Gyps, Lehm, Toͤpferthon, einige Arten von Farbenerden, auch Bern⸗ ſtein, Alaun, Waikererde, Torf und viele, jedoch we⸗ niger als in andern preußiſchen Provinzen genutzte Salzquellen ausgenommen. Die Manufakturen und Fabriken in Seide, Baumwolle, Wolle, Leder; in Eiſen, Kupfer und andern Mineralien ſind zahlreich, und liefern ſehr gute Waaren; die Spiegelmanufaktur zu Neuſtadt an der Doſſe iſt aͤußerſt wichtig; ſo wie auch die Berliner Porzellanfabrik und einige große Zuk⸗ kerſi ſedereyen. Der auf die Ausfuhr einheimiſcher Fa⸗ brikate groͤßtenthells beruhende Handel findet unge⸗ meine Erſeichterung durch die vielen vorhandenen Ka⸗ naͤle, und man ſucht ihn noch durch andere(zum Theil Zwangs:) Mittel zu befoͤrdern.— Pommern hat mehr Getreide und Feldfruͤchte, als es zur eigenen Konſum⸗ tion bedarf; vortreffliche Viehzucht, inſonderheit von 313 Rindvieh, Schweinen und Gaͤnſen; eintraͤgliche Wal⸗ dungen, ſtarke Fiſchereyen, Schaaf⸗ und Bienenzucht in den Haidegegenden; Flachs, Hanf, Tabak, Hopfen, Kuͤmmel, Ruͤbeſaat, Salzquellen bey Kolberg ꝛc. gute Thonarten, Walkererde, Mergel, Torf, Bernſtein Sumpferz u. f. In dem preußiſchen Antheile ſind die Wollenmanufakturen, Leinwebereyen, Gaͤrbereyen und Tabaksſpinnereyen, der Schiffbau nebſt dem Land und Seehandel ſehr bedeutend; im ſchwediſchen dagegen wollen die Manufakturen nicht gedeihen; doch ſind die Tabaksfabriken, und beſonders die Maͤlzereyen und Branntweinbrennereyen erheblicher; und der meiſte Handel beſteht in Getreideausfuhr zur See. 6) Einwohner. Im ganzen oberſaͤchſiſchen Kreiſe leben uͤber 3,800,000. Menſchen; wovon ein großer Theil, beſonders in der noͤrdlichen Haͤlfte noch deutliche Spuren ſeiner ſlaviſchen Herkunft in Sprache, Kleidung und Sitten traͤgt; und ehemals einer harten, jetzt aber in manchen Gegenden fehr gemilderten, in andern ganz abgeſchafften, Leibeigenſchaft unterworfen war.— Seit der Reformation iſt Sachſen immer ein Hauptſitz der Literatur geweſen, und noch jetzt ſteht es in mehrerer Hinſicht auf der hoͤchſten Stufe der Kul⸗ tur: wiewohl die haͤufig vorhandenen hoͤhern Anſtalten fuͤr den oͤffentlichen Unterricht im Kurſaͤchſiſchen, viel von ihrem vorigen Glanze verlohren, und insbeſondere die niedern Schulen auch bey weitem den Werth nicht haben, welchen man unter den vorhin bemerkten Um⸗ ſtaͤnden erwarten koͤnnte. Anders verhaͤlt es ſich damit 314 in dem groͤßten Theile der herzoglich ſächſiſchen, anhal⸗ tiſchen und ſchwarzburgiſchen Laͤnder, wo man dem oͤf⸗ fentlichen Unterrichte eine thaͤtige und weiſe Auſmerk⸗ ſamkeit ſchenkt.— Gewoͤhnlich haͤlt man den meißni⸗ ſchen Dialekt, woraus die hochdeutſche Bücherſprache entſtanden iſt, fuͤr den beſten Provinzial⸗Dtalekt in Deutſchland.— Auch die Mark Brandenburg iſt, und wird immer mehr der Sitz wahrer Geiſtesbildung, zu deren Befoͤrderung verſchiedene muſterhafte Anſtalten vorhanden ſind. Weniger gut iſt, einiger vortrefflichen Landſchulen(z. B. der zu Rekahn) ohngeachtet, der Unterricht des gemeinen Mannes auf dem Lande, wel⸗ ches auch insbeſondere in Pommern der Fall iſt, wo die niedern Volksklaſſen zwar das Lob der Treue und Ehrlichkeit, aber zugleich nur einen geringen Grad von Kultur haben. Indeß darf man ſich von dem liberalen Geiſte der jetzigen preußiſchen Regierung, welche alles beguͤnſtigt, was dahin abzweckt, das Volk ſittlich beſ⸗ ſer und dadurch gluͤcklicher zu machen, eine allmaͤhlige Abſtellung der bemerkten Mange mit Gewiſßheir ver⸗ ſprechen. 3 7) Religion. Faſt alle Betvohner des oberſaͤch⸗ ſiſchen Kreiſes bekennen ſich zur lutheriſchen Religion; doch iſt beſonders in der Mark Brandenburg(wo es viele franzoͤſiſche Fluͤchtlinge oder ſogenannte Hugenot⸗ ten giebt), im Anhaltiſchen, in der Grafſchaft Hohn⸗ ſtein, an einigen Orten in Pommern, ein guter Theil (nebſt dem koͤniglich preußiſchen Hauſe) reformirt. Ka: tholiken giebt es hin und wieder in Pommern, der 1 315 Mark und Sachſen, wo ſich auch das regierende Kur⸗ haus zur katholiſchen Kirche bekennt, obgleich die lu⸗ theriſche ſo allgemein herrſcht, daß an das Bekenntniß derſelben das Buͤrgerrecht und der Beſitz liegender Guͤ⸗ ter und oͤffentlicher Aemter gebunden iſt. Juden giebt es uͤberall wenig, am meiſten noch in der Mark, und in Anhalt.. 8) Regierung. Kreisausſchreibender Fuͤrſt und Direktor iſt der Kurfuͤrſt von Sachſen; indeß ſind ſeit 1683 keine Kreistage mehr gehalten worden. Im Kur⸗ fuͤrſtenthum Sachſen iſt die Regierung durch Landſtaͤn⸗ de, welche viele Vorrechte haben, merklich eingeſchraͤnkt, weniger in den herzoglich ſaͤchſiſchen Laͤndern. Außer dem Kurfuͤrſten von Sachſen und den Herzogen von Sachſen⸗Weimar, Gotha, Koburg⸗Saalfeld, Meiningen und Hildburghauſen beſitzen im ſuͤdli⸗ chen Theile dieſes Kreiſes noch die Fuͤrſten von An⸗ halt und Schwarzburg, die Fuͤrſten und Grafen von Reuß und Schöͤnburg, die Grafen von Stol⸗ berg; ferner Preußen, Kur⸗ Hannover und Braun⸗ ſchweig groͤßere und kleinere Gebiete. Der noͤrdliche Theil hat nur 2 Landesherren, nemlich Preußen und die Krone Schweden. 9. 10) Theile und varnehmſte Oerter. I. Der ſuͤbliche Theil. a. Die Laͤnder des Kurfuͤrſten von Sachſen, wozu das eigentliche Kurfuͤrſtenthum, in 7 Kreiſe getheilt; die ehemaligen Bisthuͤmer Merſe⸗ burg und Naumburg, das Fuͤrſtenthum Querfurt, und ein Theil der Grafſchaft Mannofeld,(zuſammen 316 mit den Laͤndern, woruͤber der Kurfuͤrſt die Landesho⸗ heit ausuͤbt, 528 Quadratmeilen, mit 1,600,000 E.) gehoͤren. Vornehmſte Oerter ſind: 1) im Kur⸗ kreiſe: Witrenberg U. an der Elbe, mit 7000 Einw. Herzberg an der ſchwarzen Eiſter, Hſt. mit Manu⸗ fakturen. Annaburg Fl. Baruth, gehoͤrt einer Nebenlinie des graͤflichen Hauſes Solms. Bitterfeld. 4 Barby H. einer Grafſchaft, am Einfluß der Saale in die Eibe; ein Hauptſitz der Herrnhuther. 2) Im thuͤ⸗ ringiſchen Kreiſe: Langenſalza, Manufaktur, und Hſt. mit 6000 E. Weißenfels an der Saale, mit 4000 E. Tennſtaͤdt, Sitz des Kreisamts mit 3000 Einw. Schul⸗Pforte, die vornehmſte unter den 3 Landesſchulen. Bibra, mit einem Geſundbrunnen. Eckartsberg. Freyburg an der Unſtrut. Roßbach D. bekannt genug. Sangerhauſen, mit Manufak⸗ turen und 5000 E. Weißenſee, Boͤſen D. mit ei⸗ nem Salzwerke. 3) Im meißniſchen Kreiſe: Dres⸗ den H. R. Hſt. mit guten Manufakturen und Fabri⸗ ken und 55,000 E. Pillnitz, Luſtſchl. an der Elbe. Plauen D. wo der romantiſche Plauiſche Grund anfaͤngt. Meißen an der Elbe, mit einer von den 3 Fuͤrſtenſchulen, einer beruͤhmten Porzellanfabrik und 6000 E. Keſſelsdorf D. bekannt wegen der Schlacht von 1745. Mapen D. Dippoldiswalda St. mit Steinbruͤchen. Pirna an der Elbe, Hſt. mit 4500 E. wobey das Schloß Sonnenſtein. Berggießhuͤ⸗ bel, mit einem Sauerbrunnen und Bade. Roͤnigs⸗ ſtein, beruͤhmte Feſtung auf einem Felſen an der Elbe, 317 mit dem Staͤdtchen gleiches Nameus am Fuße des Fel⸗ ſen. Schandau an der Elbe, mit einer mineraliſchen Auelle. Sebnitz⸗ Biſchoffswerda, mit Manu⸗ fakturen Stolpen, mit einem ehemals feſten Schl. Radeberg, wobey der Auguſtusbrunn. Großen⸗ hayn, mit Manufakturen und 4000 E. Moritz burg Luſtſchl. Senftenberg an der ſchwarzen Elſter. Friedrichsthal, vortrefſtiche Glas⸗ und Spiegelfas brik. Muͤhlberg an der Elbe. Torgau Hſt. an der Elbe, mit 3600 E. Schilda, Oſchatz. 4) Im Leipziger Kreiſe: Leipzig an der Pleiße, U. wichtige Hſt. mit 32 000 E. Alt⸗Ranſtaͤdt D. Deligſch. Zoͤrbig. Eulenburg, auf einer Inſel der Mulde, mit 2200 E. Duͤben an der Mulde. Grimma, mit einer Fuͤrſtenſchule, guten Fabriken und 4000 E. Hubertoburg Schl. Doͤbeln, mit Manufakturen und 5000 E. Leißnig, mit 3000 Einw. Rochlitz Hſt. mit Manufakturen und 2500 Einw. Geithayn. Mitweyda, wichtige Manufaktur, und Hſt. mit 35000 Einw. Waldheim, mit einem Zucht und Waiſen⸗ hauſe. Colditz, Borna, Pegau, St. Wurzen an der Mulde, H. eines ehemaligen Stifts, mit 3000 Einw. 5) Im erzgebirgiſchen Kreiſe: Freyberg, Bergſt. mit guten Fabriken und 10,000 Einw. Him⸗ melofuͤrſt, das wichtigſte Silberbergwerk in Sachſen und ganz Deutſchland. Haynichen, Gellerts Ge⸗ burtsſtadt. Altenberg, mit Zinngruben. Augu⸗ ſtusburg, Luſtſchl. auf einem Berge, an deſſen Fuße das Staͤdtchen Schellenberg liegt. Zſchopau, mit 318 4000 E. Chemnitz, mit guten Manufakturen und 11,000 E. Frankenberg. Zoͤblitz, beruͤhmt wegen der Serpentinſteinwaaren. Annaberg, Bergſt. treibt ſtarken Spitzenhandel, hat 4500 E. Wolkenſtein, in deſſen Naͤhe ein Bad iſt. Marienberg. Stol⸗ berg im Gebirge. Schneeberg, Bergſt. Hſt. ohn⸗ weit der Mulde, mit 4400 E. Aue und Pyben⸗ ſtock. Johann⸗Georgenſtadt, Bergſt. mit 3000 Einw. Schoͤnheyda D. von 4000 E. Zwickau, Manufaktur⸗ und Hſt. an der Mulde, mit 6000 Einw. Werdau an der Pleiße. Wildenfels, Herrſchaft der Grafen von Solms. 6) Im votgtlaͤndiſchen Kreiſe: Plauen, mit 5700 E. und Oelsnitz mit 3000 E. an der Elſter. Schoͤneck St. mit ſonderbaren Privile⸗ gien. Auerbach und Reichenbach. Neukirchen, wo viele muſikaliſche Inſtrumente verfertigt werden⸗ 7) Im Neuſtaͤdtiſchen Kreiſe: Neuſtadt an der Orla, mit 2500 E. Weyda, mit 2200 Einw. 8) Im Stifte Merſeburg: Merſeburg H. an der Saale, mit 7500 Einw. Luͤtzen, wo Guſtav Adolph fiel. Lauchſtaͤdt, mit einem Bade. Duͤrrenberg, er⸗ giebiges Salzwerk. Paſſendorf D. 9) Im Stifte Naumburg: Naumburg H. Hſt. an der Saale, mit 12,000 E. Zeiz an der weißen Elſter, Hſt. mit 6000 Einw. 10) Im Fuͤrſtenthume Querfurt liegt die Stadt gleiches Namens in Thuͤringen; und die Staͤdte Juͤterbock und Dahme, an der brandenburgiſchen Graͤnze. 11) Im ſaͤchſiſchen Antheile an der Graf⸗ ſchaft Mannsfeld liegen: Eisleben H. mit 5000 E. 319 Luthers Geburtsort. Zettſtaͤdt a an der Wipyper. Ar⸗ tern an der Unſtrut, mit einem wichtigen Salzwerke. Außer dieſen Laͤndern beſitzt der Kurfuͤrſt von Sachſen noch einen Theil der gefuͤrſteten Grafſchaft Henneberg im fraͤnkiſchen Kreiſe, und die Markgrafſchaft Ober⸗ und Nieder⸗Lauſitz; zuſammen 715 Quadratmeilen, mit 2,100,000 Einwohner. b. Die Laͤnder des Herzogs von Sachſen Wei⸗ mar; nemlich: 1), das Fuͤrſtenthum Weimar, worin Weimar H. R. an der Ilm,(das deutſche Athen) mit 7000 E. und dem Luſtſchloß Belvedere. Butt⸗ ſtaͤdt, Buͤrgel, Apolda, Stadt⸗Sulza St. Tieffurt D. und Schl. Jena U. an der Saale, mit 6000 E. Allſtaͤdt und Lobeda St. 2) Das Fuͤr⸗ ſtenthum Eiſenach, worin: Eiſenach H. an der Hoͤr⸗ ſel, mit 8000 E. und in ihrer Naͤhe das alte Berg⸗ ſchloß die Dartburg. Kreuzburg an der Werra, mit einem benachbarten Salzwerke. Ruhla, mit Fa⸗ briken und einem Geſundbrunnen; zum Theil gothaiſch. Berka an der Werra. Farnrada, Herrſchaft der Burggrafen von Kirchberg. Außer dieſen Fuͤrſtenthuͤ⸗ mern beſitzt der Herzog von Sachſen⸗ Weimar noch ei⸗ nen anſehnlichen Theil der gefuͤrſteten Grafſchaft Hen⸗ neberg in Franken. Alle ſeine Beſitzungen enthalten an 36 Quadratmeilen und 110,000 Menſchen. c. Die Laͤnder des Herzogs von Sachſen⸗Gotha; nemlich: 1) das Fuͤrſtenthum Gotha, nebſt der Lan⸗ deshoheit uͤber einen Theil der Graſſchaft Gleichen. Vornehmſte Oerter ſind: Gotha H. R. Fabrikſt. 320 an der Leine, mit dem Schloß Friedenſtein, dem Luſtſchloß Friedrichsthal, der beruͤhmten Sternwarte auf dem Seeberge, und an 12,000 E. Walters⸗ hauſen, mit 2000 E. wobey das Gut Schnepfen⸗ thal, wo eine beruͤhmte Erziehungsanſtalt. Kranich⸗ feld an der Ilm, zum Theil. Friedrichsroda St. und Graͤfentonna Mfſſ. Blaſienzella, mit einer Gewehrfabrik. Ohrdruf an der Ohra, H. in der Grafſchaft Gleichen, mit 4200 E. gehoͤrt der aͤltern Hauptlinie des fuͤrſtlich hohenlohiſchen Hauſes 2) Ein Theil des Fuͤrſtenthums Altenburg, wo Altenburg H. Hſt. an der Pleiße, mit 9000 E. Ronneburg, mit einem Geſundbrunnen. Schmoͤlln, Lucka, Ei⸗ ſenberg, mit 3200 E. BKahla, Roda und Orla⸗ muͤnde St. Neu⸗Sulza D. mit einem Salzwerke. Außerdem hat der Herzog von Sachſen⸗Gotha noch ei⸗ nige Bezirke im Fuͤrſtenthum Koburg, und Antheil an dem gemeinſchaftlichen Hennebergiſchen Amte Themar, zuſammen 52 Hundeurmeilen, mit 169 Einw. d. Die Länder des Herzogs von Sachſen, Soburg⸗ Saalfeld; nemlich: 1) ein Theil des Fuͤrſtenthums Koburg, worin Koburg H. R. an der Itſch, mit ei⸗ nem akademiſchen Gymnaſium, dem Reſidenzſchloß Ehrenburg und 7000 E. Rodach und Meuſtadt an der Haide St. Grub am Forſt O. mit einem Blaufarbenwerk und Geſundbrunnen. 2) Ein Theil des Fuͤrſtenthums Altenburg, wo Saalfeld, an der Saale, mit 3300 E. Poͤsneck, mit Manufakturen und 3000 E. Graͤfenthal. Wallendorf D. mit einer guten Porzellanfabrik.— Außerdem beſitzt dieſe Linte noch einige Aemter im Hennebergiſchen, theils mit Gotha, theils mit Meiningen gemeinſchaftlich. Dieſe ausgenommen, enthaͤlt das koburg ſaalfeldiſche Gebiet 18 Quadratmeilen und 60,000 Einwohner. e. Die Laͤnder des Herzogs von Sachſen: Meinin⸗ gen; nemlich: 1) ein Theil des Fuͤrſtenthums Koburg, worin: Sonnenberg Hſt. mit 2000 E. Oberlind Mfl. in deſſen Naͤhe zu Röͤppelsdorf eine Spiegel⸗ fabrik iſt. Schalkau St. Steinach, großes D. 2) Der groͤßte Antheil an der gefuͤrſteten Grafſchaft Henneberg.(Saͤmmtliche Laͤnder des Meiningenſchen Hauſes enthalten 20 Quadratmeilen und 50,000 Men⸗ ſchen. 4 f. Die Laͤnder des Herzogs von Sachſen⸗Hild⸗ burghauſen; nemlich: 1) ein Theil des Fuͤrſtenthums Koburg, worin Hildburghauſen H. R. an der Wer⸗ ra, mit 500 Haͤuſern. Eisfeld an der Werra. Roͤ⸗ nigsberg in Franken. Ummerſtadt an der Ro⸗ dach. Lindenau D. wobey das Salzwerk Srie⸗ drichshall.(2) Das Amt Behrungen im Henne⸗ bergiſchen.) Zuſammen 11 Quadratmeilen mit 32,000 Einwohner. g. Das Fuͤrſtenthum Anhalt(50 Quadratmeilen, 120,000, Menſchen) unter 3 regierende Hauptlinien X 1 8 vertheilt, wovon 1) die deſſauiſche: Deſſau H. R. an der Mulde, mit 10,000 E. Oranienbaum, mit einem Schloß. Wöoͤrlitz, auch mit einem Schloß. Jeßnitz, Raguhn, Sandersleben St. Zerbſt, mit 3000 E. und einer wichtigen Gold⸗ und Silber⸗ fabrik, beſitzt. 2) Der bernburgiſchen Linie gehoͤrt: Bernburg an der Saale, H. mit einem Schl. wie auch Ballenſtaͤdt. Harzgerode, mit Silberberg⸗ werken. Hoym, einer Nebenlinie gehoͤrig. Gern⸗ rode, ehemaliges Reichsſtift. Koswig an der Elbe. 3) Die koͤthenſche Linie beſitzt: Köthen H. R. Hſt. mit 6000 E. Nienburg, Aoßlau, Dornburg D. an der Elbe, mit einem Schloß. h. Die Grafſchaft Schwarzburg, in die von einander getrennte obere und untere Grafſchaft getheilt, (45 Quadratmeilen, uͤber 100,000 Einwohner) wird von zwey fuͤrſtlichen Linten, als ſachſen weimariſches und kurſaͤchſtſches Lehn, zum Theil auch unter kurſaͤch⸗ ſiſcher Landeshoheit, regiert. 1) Der Fuͤrſt von Schwarzburg⸗Nudolſtadt beſitzt in der obern Grafſchaft: Audolſtadt H. R. mit 4500 E. an der Saale. Ilm, Blankenburg, Koͤnigſee St. In der untern Graf⸗ ſchaft: Frankenhauſen, mit Salzwerken. Herin⸗ gen und Kelbra, mit Stolberg gemeinſchaftlich. 2) Der Fuͤrſt von Schwarzburg⸗Sondershauſen beſitzt in der obern Grafſchaft: Arnſtadt H. an der Gera. Au⸗ guſtenburg Luſtſchl. Dorotheenthal D. mit einer Porzellanfabrik. In der untern Grafſchaft: Son⸗ 323 dershauſen H. R. an der Wipper. Ehrich und Greußen St. Keula und Ebeleben Mfl. i. Die Lande der Fuͤrſten und Grafen Reuß(24 Quadratmeilen und gegen 70,000 Einw.) werden von zwey Hauptlinien, der aͤltern(weiche die fuͤrſtliche Wuͤrde hat) und juͤngern, beherrſcht, wovon die letzs tere in 3 Linien, Gera, Schleiz und Lobenſtein, und dieſe wieder in verſchiedene Nebenlinien getheilt ſind. Die Lobenſteiniſche Linie hat ſeit 1790 ebenfalls die fäͤrſtliche, die andere aber die graͤfliche Wuͤrde. Vor⸗ nehmſte Oerter ſind: Greiz H. Reſ. der aͤltern Hauptlinie, an der Elſter. Zeulenroda, Gera R. mit guten Manufakturen und 7000 E. Boͤſtritz D. mit einem Reſidenzſchloß einer Nebenlinie. Sagl⸗ burg, Schleiz R. mit 3000 E. Lobenſtein R. mit 2500 E. Ebersdorf D. mit einem Reſidenzſchl. Hirſchberg St. an der Saale.(Seit dem zwoͤlften Jahrhundert fuͤhren alle maͤnnliche Perſonen dieſes Hauſes den Namen Heinrich.) k. Die ſchoͤnburgiſchen Herrſchaften, im Umfange des Kurfuͤrſtenthums Sachſen, unter deſſen Landesho⸗ heit ſie auch mehr oder weniger ſtehen, enthalten 13 Quadratmeilen und 32,000 Einwohner. Sie ſind un⸗ ter zwey Haupt und mehrere Nebenlinien getheilt, wovon die Waldenburgiſche Hauptlinie die fuͤrſtliche, die juͤngere(in 4 Nebenlinien) dagegen nur die graͤſ⸗ liche Wurde hat. Vornehmſte Oerter ſind: Wal⸗ X 2 ——— 2 1 * denburg R. an der Mulde, mit 3000 E. Lichten⸗ ſtein, Hartenſtein, Loͤßnitz, mit 3200 E. St. Rochsburg Reſidenzſchloß. Burgſtaͤdt und Lun⸗ zenau St. Glauchau an der Mulde, R. mit 5000 Einw. Merane, Hohenſtein, mit einem Geſund⸗ brunnen und 3000 E. Ernſtthal, Penig mit 3000 Einw. und Wechſelburg an der Mulde. 1. Die Grafſchaften Stolberg und Wernigerode liegen in Thuͤringen, an und auf dem Harze. 1) Die Grafſchaft Wernigerode gehoͤrt unter preußiſcher Lan⸗ deshoheit dem Grafen von Stolberg⸗ Wernigerode. Darin iſt die H. gleiches Namens an der Holzemme, mit 6500 E.; der Mfl. Ilſenburg und der beruͤhmte Brocken. 2) Die eigentliche Grafſchaft Stolberg gehoͤrt unter kurſaͤchſiſcher Landeshoheit den Grafen von Stolberg⸗Stolberg und Stolberg⸗ Roßla. Darin lies gen: Stolberg am Harze, H. R. mit 3000 Einw. Roßla H. an der Helme. m. Der Koͤnig von Preußen beſitzt hier: 1) einen Theil der Grafſchaft Mannsfeld, worin: Mannofeld Schl. mit dem Staͤdtchen Thal⸗Mannsfeld. Gerb⸗ ſtaͤdt, mit Kupferbergv. Leimbach und Schrap⸗ lau St. 2) Das ehemalige Stift Quedlinburg, mit der Stadt gleiches Namens an der Bode, von 12,000 E. und dem Fl. Ditfurt. 3) Einen Theil der Grafſchaft Hohnſtein; nemlich die Herrſchaften Lora und Blettenberg, worin: Ellrich an der Zorge, mit 325 Manufakturen und 3000 E. Sachſa, Benneken⸗ ſtein und Bleicherode. n. Das Kurhaus Hannover hat die eigentliche Grafſchaft Hohnſtein,(zum Theil den Grafen von Stolberg, jedoch unter hannoͤveriſcher Landeshoheit ge⸗ hoͤrig,) worin: Neuſtadt, Ilefeld Fl. mit einem Vidag iun 0. Zerzoglich⸗Braunſchweigiſch iſt das ehema⸗ lige Neichsſtift Walkenried, mit dem Flecken gleiches Namens, und den Doͤrfern zorge und Wieda. II. Der noͤrdliche Theil. a. Das Kurfuͤrſtenthum Brandenburg, eingetheilt in die Kur⸗ und Neumark, wovon jene wieder 4 Provinzen, die Mittelmark, (mit den Herrſchaften Beeskow und Storkow,) Alte⸗ mark, Prignitz und Ukermark ausmacht. Vor⸗ nehmſte Oerter: 1) In der Mittelmark: Berlin an der Spree, H. R. des koͤniglich preußiſchen Hau⸗ ſes, Sitz der hoͤchſten Kollegien,(des Geheimen Staatsraths, worin ſich das Cabinets⸗ Miniſterlum, General⸗ Direktorium, das Juſtitz⸗Miniſterium u. f. vereinigen,) wichtige Manufaktur; und Hſt. eigentlich aus 5 Staͤdten beſtehend; hat gegen 2 ½ Meilen im Umfange, an 7000 Haͤuſer und 140,000 E. vom Ci⸗ vilſtande. Oranienburg St. an der Havel mit ei⸗ nem Schloſſe. Nieder Schöͤnhauſen D. mit ei⸗ nem Luſtſchl. Vriezen, an einem Buſen der Oder⸗ der Fauleſee genannt, mit Manufakturen und 4000 E. Strausberg am Strausſee. Neuſtadt⸗Pbers⸗ walde, merkwuͤkdig wegen der Eiſen⸗ und Stahlar⸗ beiten. Freyenwalde an der Oder, mit einem Ge⸗ ſundbrunnen. Frankfurt an der Oder, wichtige Hſt. mit 11 000 E. und einer U. Fuͤrſtenwalde an der Spree. Lebus an der Oder. Cremmen. Neu⸗ Ruppin, an einem See, mit 4500 E. Neuſtadt an der Doſſe, mit einer beruͤhmten Spiegelfabrik. Rheinsberg, mit einem Schloß und einer Fayence⸗ fabrik. Brandenburg, dem Range nach die erſte Stadt der Mark, an der Havel, mit 11,000 Elnw. Potsdam, zweyte R. an der Havel, mit 18,000 E. Sansſouci Schl. Spandau F. am Zuſammenſluß der Havel und Spree. Rathenau an der Havel. Naue, Fehrbellin, Plaue St. Treuenbrietzen, Belitz, Werder St. Rekahn D. Luckenwalde und Zinna, eigentlich zum Herzogthum Magdeburg gehoͤrig. Charlottenburg an der Spree, mit ei⸗ nem koͤniglichen Luſtſchl. ſo auch Röͤpenick. Tel⸗ tow St. bekannt wegen der Nuͤben. Beeskow und Starkow St. 2) In der Altmark: Stendal H. mit 5000 E. Oſterburg, Tangermuͤnde, Seehauſen, Werben, Arendſee St. Salzwe⸗ del Hſt. mit 4500 E. Gardelegen. 3) In der Prignitz oder Vormark: Perleberg H. an der Ste⸗ penitz, mit 2500 E. Kenzen, Pritzwalk, Witt⸗ ſtock an der Doſſe, mit 3000 E. und Kyritz. Ha⸗ velberg, auf einer Inſel der Havel, von 2000 E. 327. Wilsnack. 4) In der Ukermark(der fruchtbarſten unter allen maͤrkiſchen Provinzen): Prenzlow H. Hſt. mit 6500 E. Templin Hſt. Strasburg, Neu⸗ Angermuͤnde, Zehdenick an der Havel; und Schwedt an der Oder. 5) In der Neumark: Bü⸗ ſtrin H. F. an der Oder, mit 4500 E. Koͤnigs⸗ berg, mit 3000 E. Zorndorf D. Soldin, an einem Sce, mit 2500 E. Landoberg an der Warte Hſt. mit Manufakturen und 6000 Einw. Drieſen an der Netze. Sriedeberg, Arenswalde, Dramburg St. Schievelbein, Sitz einer Johan⸗ niter⸗ Commenthurey. Sonnenburg, R. des Heer⸗ meiſters vom Johanniter⸗Orden. Droſſen, Ku⸗ nersdorf D. Croſſen, am Einfluß der Bober in die Oder, Hſt. mit 3500 E. Sommerfeld. Zuͤl⸗ lichau Hſt. mit anſehnlichen Manufakturen, einem großen Waiſenhauſe und 6000 Einw. Kottbus an der Spree, Hſt. mit 6000 E. beruͤhmt(ſo wie Croſ⸗ ſen und Ruppin) wegen des hier gebrauten guten Bieres. Peitz.(Die beyden letztern Staͤdte liegen in der Nieder⸗Lauſitz.) Die ganze Mark hat einen Flaͤcheninhalt von 674 Quadratmeilen und 1,100,000 Einwohner. . b. Das Herzogthum Pommern, eingetheilt in Vor; und Hinter⸗Pommern. Preußen beſitzt: 1). in Vor ⸗Pommern: Stettin H. von ganz Pommern, Sitz der Regierung, Hſt. F. an der Oder, mit 17,000 E. Paſewalk an der Uker. Gollnow, 328 an der rechten Seite der Oder, ſo auch Alt, Damm F. Garz an der Oder. Anclam Hſt. an der Pee⸗ ne, mit 3400 E. Ukermuͤnde, Demmin am Ein⸗ fluß der Trebel und Tollenſe in die Peene, von 2400 Einw. Treptow an der Tollenſe. Uſedom und Swienemuͤnde Hf. auf der Inſel Uſedom. Wol⸗ lin an der Dtvenow, auf der Inſel Wollin. 2) Hin⸗ ter⸗ Pommern iſt ganz preußiſch; darin liegen: Grei⸗ fenhagen, an der Reglitz, von 3000 E. Pyritz. Stargard an der Ihna, H. von Hinter⸗ Pommern, mit einem anſehnlichen Gymnaſium und 6000 Einw. Cammin, an einem See, ehedem der Sitz eines Bisthums. Treptow an der Rega. Sreifen⸗ berg und Labes, an der Rega. Kolberg F. Hf. Hſt. an der Muͤndung der Perſante, mit Salzwer⸗ ken und 4500 E. Coͤslin Hſt. mit 3500 E. Bel⸗ gard, Neu Stettin, Tempelburg. Ruͤgen⸗ walde, Hſt Hf. an der Muͤndung der Wipper. Schlawe und Rummeleburg St. Stolpe Hſt. von 4200 E. mit dem Hf. Stolp ⸗Muͤnde. Die Herrſchaften Lauenburg und Buͤtow, mit gleich⸗ benannten Staͤdten, welche in Juſtitz, und kirchlichen Sachen unter der weſtpreußiſchen Regierung ſtehen. Der preußiſche Antheil an Pommern begreift 45⁰ Quadratmeilen, und etwa eine halbe Million Ein⸗ wohner.— Im ſchwediſchen Antheile an Vor⸗ Pom⸗ mern(70 Quadratmeilen, mit 120,000 Einwohner) liegen: Stralſund H. Sitz des General⸗Gouver⸗ neurs, F. Hſt. Hf. mit 11,000 E. vom Civilſtande. 3²9 Greifswalde u. Hſt. von 5400 E. Wolgaſt Hſt. Hf. an der Peene, mit 4000 E. Barth Hf. von 3200 E. Grimm, Tribeſees, Loitz, Damgar: ten St. Bergen H. auf der Inſel Ruͤgen. Die Halbinſel Wittow, mit dem Vorgebirge Arkona. Die Halbinſel Jasmund. Die Inſelchen Hid⸗ densde, Ummanz u. ſ. w. 11) Geſchichte. a. Von Sachſen. Schon in uralten Zeiten gab es in Sachſen eine Menge ſtreit⸗ barer, von einander unabhaͤngiger Voͤlkerſchaften, die durch ihre Kriege mit den Roͤmern und den Zug nach Britannien bekannt wurden. Im achten Jahrhun⸗ dert nach Chriſti Geburt beſtegte Karl der Große die Sachſen, und zwang ſie, den chriſtlichen Glau⸗ ben anzunehmen. Vom Kten bis zum 15ten Jahrhun⸗ dert herrſchten in Sachſen nach einander Herzoge aus dem wittekindiſchen(dem alten Koͤnigsſtamme), billungiſchen(von Herrmann Billung), bayriſch⸗ welfiſchen und afkaniſchen Stamme. Aus dieſem letzteren erhielt Bernhard die Kurwuͤrde, wiewohl erſt Rudolph III. den Namen eines Kurfuͤrſten von Sachſen gebrauchte; deſſen Bruder Albert III. 1422 erblos ſtarb. Friedrich der Streitbare, Markgraf von Meißen, welcher zugleich Thuͤringen und Koburg beſaß, wurde hlerauf von Kaiſer Siegmund mit dem Kurfuͤrſtenthum Sachſen belehnt; und ſeine beyden Enkel, Ernſt und Albert, theilten das meißniſch⸗ ſaͤchſiſche Haus in zwey noch jetzt fortdauernde, von 330 ihnen benannte Hauptlinien. Die Kurwuͤrde blieb anfaͤnglich bey der aͤltern erneſtiniſchen, fiel aber bald an Herzog Moritz aus der albertiniſchen Linie, da Ernſts Enkel, Johann Friedrich der Großmuͤ⸗ thige, wegen des ſogenannten ſchmalkaldiſchen Krie⸗ ges, von Kaiſer Karl V. in die Reichsacht erklaͤrt, nach einem verlohrnen Treffen gefangen genommen, und nebſt der Kurwuͤrde eines Theils ſeiner Laͤnder (1547) beraubt wurde. Der Enkel dieſes ungluͤckli⸗ chen letzten Kurfuͤrſten aus der erneſtiniſchen Linie, Herzog Johann von Weimar und Gotha, iſt durch ſeine beyden Soͤhne, Wilhelm und Prnſt den SFrommen, der Stammvater aller Herzoge von Sach⸗ ſen. Denn jener, Herzog Wilhelm, ſtiftete das Haus Sachſen⸗Weimar(deſſen Nebenlinien ausgeſtorben ſind), dieſer aber, Herzog Ernſt, das Haus Sach⸗ ſen⸗Gotha, welches ſich anfaͤnglich in 7 Aeſte ver⸗ theilte, wovon aber jetzt nur noch 4 vorhanden ſind. Mcoritz war alſo der erſte Kurfuͤrſt von der albertini⸗ ſchen Hauptlinie: die nach Johann Georg J. Tode ebenfalls in 4 Nebenlinien zerfiel, davon die 3 klei⸗ nern aber eine kurze Zeit dauerten, ſo daß nur noch die jetzt regierende Kurlinie uͤbrig iſt. Kurfuͤrſt Srie⸗ drich Auguſt verband 1697 die polniſche Krone mit der Kurwuͤrde; nahm deshalb die katholiſche Religion an, gerieth aber in einen ungluͤcklichen Krieg mit dem Koͤnige von Schweden, Karl XII. worin er ge⸗ zwungen wurde, jener Krone zu entſagen. Er nahm ſie indeß nach Karls XII. Flucht in die Tuͤrkey wie⸗ der in Beſitz, und ſein Sohn gleiches Nainens folgte ihm in der Regierung, ſowohl von Polen als Sach⸗ ſen. Dieſer wurde in die 3 ſchleſiſchen Kriege ver⸗ wickelt, und noch jetzt ſind die Wunden nicht ganz geheilet, die der ſiebenjaͤhrige Krieg dem Lande ſchlug. Der jetzige Kurfuͤrſt, Friedrich Auguſt III. herrſch⸗ te, außer dem Antheile, welchen er an dem kurzen bayriſchen Erbſolgkriege, und dem letztern Reichskriege gegen Frankreich nahm, friedlich, und— was bey der Menge von Landesſchulden vorzuͤglich nothwendig war— mit weiſer Sparſamkeit. b. Von Brandenburg. Die Mark Branden⸗ burg wurde um die Zeit der Geburt Chriſti von ſue⸗ viſchen Voͤlkerſchaften, dem Semnonen und Longo⸗ barden, alsdann von den Markomannen bewohnt. Im ſechſten Jahrhundert bemaͤchtigten ſich ihrer die Slaven oder Wenden aus Sarmatien, welche Karl der Große, und als ſie ſich nachher wieder frey ge⸗ macht hatten, Heinrich I. uͤberwand. Otto der Große zwang einen Thell der Wenden zur Annahme des chriſtlichen Glaubens, und machte den Theodorich zum erſten eigentlichen Markgrafen in der noͤrdlichen Mark; die uͤbrigen Wenden aber behielten ihre Koͤ⸗ nige, unter welchen Pribislaw(in der Taufe Hein⸗ rich genannt) zu Brandenburg der letzte war. Die⸗ ſer vermachte ſein Land an Albrecht den Baͤren, aus dem aſkaniſchen Hauſe; welches Haus die Mark gegen 200 Jahre beſaß, bis ſie nach dem Tode des 332 des Markgrafen Heinrichs, der auf den machtigen Waldemar folgte, an das bayriſche; von dieſem an das luxemburgiſche, und endlich 1415 durch Kauf an das hohenzolleriſche Haus gelangte; aus welchem Frie⸗ drich, Burggraf von Nuͤrnberg, der erſte Kurfuͤrſt war. Unter ſeinen Nachfolgern wurden die branden⸗ burgiſchen und fraͤnkiſchen Laͤnder verſchiedenemale ge⸗ theilt; allein ſie kamen bald wieder zuſammen; die letztern ausgenommen, deren Trennung von der Haupt⸗ linie bis zum Jahr 1792 fortdauerte, wo ſie der letzte Markgraf von Ansbach, Friedrich Karl Chriſtian Alexander, freywillig an das koͤnigliche Haus abtrat.— Kurfuͤrſt Joachim der Zweyte ging 1539 zur lutheri⸗ ſchen; Johann Siegmund aber, der zum Beſitz des damaligen Herzogthums Preußen, und der Laͤn⸗ der Cleve, Mark und Ravensberg gelangte, 1614 ſchon wieder zur reformirten Kirche uͤber. Friedrich Wilhelm der Große erhielt durch den weſtphaͤli⸗ ſchen Frieden den groͤßten Theil von Hinterpommern, das Erzbisthum Magdeburg, die Bisthuͤmer Halber⸗ ſtadt, Minden, Kamin, machte ſich in Preußen un⸗ abhaͤngig, und legte den Grund zu dem nachmaligen unngemein ſchnellen und doch feſten Wachsthume ſei⸗ nes Hauſes.(Siehe Preußen und Schieſien.) 333 9) Die nicht zu den vorhin abgehandelten Kreiſen gehoͤrigen Reichslande: Boͤh⸗ men, Maͤhren, Oeſtreichiſch⸗ Schleſien und die Lauſitze. a) Das Koͤnigreich Boͤhmen, nebſt Maͤhren und Deſtreichiſch⸗Schleſien. 1) Lage. Boͤhmen an ſich iſt von Oeftreich, Bayern, der Oberpfalz, Bayreuth, Sachſen, der Ober ⸗Lauſitz, Schleſien und Maͤhren umgeben. Maͤh⸗ ren liegt zwiſchen Ungarn, Oeſtreich, Boͤhmen und Schleſien; und Oeſtreichiſch⸗Schleſien ſeinem weſtli⸗ chen Theile nach, zwiſchen Maͤhren, Preußiſch⸗Schle⸗ ſien und Glatz; ſeinem oͤſtlichen Theile nach aber zwi⸗ ſchen Galizien, Ungarn, Maͤhren und Preußiſch⸗ Schleſien. 2) Groͤße. Boͤhmens Flaͤcheninhalt wird von 900 bis zu 980 Quadratmeilen angegeben; Maͤhren enthaͤlt 396, und Oeſtreichiſch Schleſten 83; folglich alle 3 binder. ungefaͤhr 1400 Quadratmeilen. 3) Gewäͤſſer Hauptftuß in Boͤhmen iſt die daſelbſt entſpringende Elbe, worin ſich die Moldau, Eger und Iſer ergießen; in Maͤhren iſt die March oder Morawa der groͤßte Fluß, womit ſich vorzuͤglich die Taya, welche vorher durch die Igla verſtaͤrkt 334 wurde, vereinigt; auch nimmt die Oder daſelbſt ih: ren Urſprung, in welche die im weſtlichen Thelle von Schleſten entſpringende Oppa(mit der Mora) fäͤllt. Im oͤſtlichen Theile von Oeſtreichiſch⸗ Schle⸗ ſien entſteht die Weichſel und die ſich in die Oder ergießende Elſa.— Mit mineraliſchen Quellen(war⸗ znen Baͤdern, Geſundbrunnen und Bitterwaſſer) ſind dieſe Laͤnder reichlich verſehen, und viele davon, z. B. zu Karlsbad, Eger, Toͤplitz, Sedlitz, Seid⸗ ſchuͤtz u. f. gehoͤren zu den beruͤhmteſten in Europa. 4) Natuͤrliche Beſchaffenheit. Boͤhmen iſt rings umher von hohen Bergen und ungeheuern Wal⸗ dungen eingeſchloſſen; denn gegen Nordoſten wird es durch die Sudeten und ihrer hoͤchſten Kette, dem Rieſengebirge, von Schleſien; gegen Südoſten und Suͤden durch ſanft und allmaͤhlig ſich erhebende Mit⸗ telgebirge von Maͤhren getrennt; weſtlich iſt der Boͤh⸗ merwald, und noͤrdlich das Erzgebirge, an welches ein Arm des Fichtelgebirges ſtoͤßt. Das Innere des Landes iſt mehr eben, doch haͤufig mit einzelnen ho⸗ hen und ſpitzigen Bergen beſetzt. Der Boden beſteht groͤßtentheils aus einem fetten, ſehr ergiebigen Erd⸗ reiche, das die Muͤhe des Anbaues reichlich belohnt. Im Innern iſt die Luft warm, heiter und geſund, und die Witterung beſtaͤndig und regelmaͤßig; gegen die Graͤnzen hin wird beydes rauher.— Maͤhren wird durch das ſogenannte Geſenker oder Maͤhri⸗ ſche Gebirge(einen Theil der Sudeten) von Oeſt⸗ 335 reichiſch⸗Schleſien geſchleden, wohin ſich viele Berge davon erſtrecken; und beyde Provinzen trennt das Karpathiſche Gebirge, welches in Maͤhren ſeinen Anfang nimmt, von Ungarn. Beyde ſind daher im Ganzen gebirgig; jedoch hat Maͤhren verſchiedene fruchtbare Thaͤler, und kleine, gegen die Suͤdſpitze hin auch groͤßere Flaͤchen. Das Klima iſt noch ziems lich gemaͤßigt, und nur in der Naͤhe der ͤrpathen merklich rauh und kalt. 5) Haupt⸗Produkte. Boͤhmen hat uͤberfluͤß⸗ ſig Getreide, vortrefflichen Hopfen, Flachs, Hanf, faſt alle Arten von Gartengewaͤchſen, Obſt von vor⸗ zuͤglicher Guͤte: hie und da Safran und Wein; an⸗ ſehnliche Waldungen, Wildpret, Federvieh(insbeſon⸗ dere Faſanen), wichtige Fiſchereyen, Perlen(in der Ottawa und Moldau), betraͤchtliche Bienen; und Schweinezucht, mittelmaͤßige Pferde⸗ und Schaaf⸗ und nur geringe Nindviehzucht. Mit Mineralien iſt es uͤberaus reichlich verſehen; denn es liefert Gold⸗ ſand, Silber, Kupfer, Bley, Zinn(nach dem eng⸗ liſchen das beſte), Eiſen, Kobalt, andere Halbme⸗ talle, Schwefel, Salpeter, Vitriol, Alaun, Stein⸗ kohlen, Torf, Edel⸗ und Halhedelſteine, Marmor, Kalk, Asbeſt, Serpentin, Farben⸗ und Porzellaner⸗ den u. f. Die Manufakturen und Fabriken, beſon⸗ ders in Leinwand, Wolle, Baumwolle u. ſ. w. kom⸗ men immer mehr in Aufnahme, und die vielen Pa⸗ piermuͤhlen, Glashuͤtten, Eiſen⸗ Kupfer: und Meſ⸗ 336 ſinghaͤmmer, liefern Waaren von ganz vorzüͤglicher Guͤte; daher gewinnt Boͤhmen im Handel jaͤhrlich einige Millionen Gulden.— Maͤhren hat ebenfalls Neberfluß an Getreide, Huͤlſenfruͤchten, Flachs, Obſt und Fiſchen, ſtarken Weinbau in den ſuͤdlichen Ge⸗ genden, Reis, Safran, Suͤßholz, Gallaͤpfel, be⸗ traͤchtliche Waldungen, gute Schaaf⸗ Schweine⸗ und Gaͤnſezucht, hin und wieder Bienenzucht, Eiſenberg⸗ werke, Alaun, Marmor⸗ und Steinkohlenbruͤche, edle Steine, vornehmlich Topaſen, gute Tuchmanu⸗ fakturen, ſtarke Lein; und Wollenſpinnerey, Hutfa⸗ briken, Papiermuͤhlen u. dgl.— Oeſtreichiſch Schle⸗ ſten hat keinen zureichenden Getreidebau, doch viel Haber, auch Flachs und wichtige Waldungen; ſtarke Hornviehzucht; außer Eiſen wenig oder gar keine Mi⸗ neralien; und Manufakturen und Fabriken in Lein⸗ wand, Tuch, Eiſen, Spiegel⸗ Glas u. f.— Allen 3 Laͤndern mangelt es an Salz, welches aus Oeſt⸗ reich eingefuͤhrt wird. —6) Einwohner. Boͤhmen hat nahe an 3 Mil⸗ lionen; Maͤhren 1,450,000, und Oeſtreichiſch⸗Schle⸗ ſien 280,000; folglich haben dieſe 3 Laͤnder zuſam⸗ men 4,730,000 Einwohner, groͤßtentheils ſlaviſcher Abkunft, doch mit Deutſchen, Polen und Juden un⸗ termiſcht. Der Hauptſtamm der Boͤhmen(die ſich ſelbſt Tſchechen nennen) hat ſeine eigene mit der pol⸗. niſchen verwandte Sprache, welche aber von der deut⸗ ſchen immer mehr verdraͤngt wird; viele Reſte ſlavi⸗ ſcher Sitten und Denkungsart, und außerordentliche Neigung und Anlage zur Muſik. In Maͤhren un⸗ terſcheidet man beſonders 3 flaviſche Voͤlkerſchaften: die Slowaken, Wallachen und Hannaken. Der Adel iſt in allen dieſen Laͤndern aͤußerſt beguͤtert; der Bauernſtand dagegen lebt, ohngeachtet der uUnter Jo⸗ ſeph II. aufgehobenen Lelbeigenſchaft, unter hartem Drucke.— An Schulen fuͤr den gelehrten und Volks⸗ Unterricht iſt kein Mangel; doch koöͤnnte in den letz: tern die Methode beſſer ſeyn. Indeß zeichnen ſich die zahlreich vorhandenen Induſtries Schulen durch eine zweckmaͤßige Einrichtung an6. 7) Religion. Herrſchend iſt uͤberall die katho⸗ liſche; doch werden auch Inden(in Boͤhmen an 50,000) geduldet, und ſeit dem Toleranz⸗Edikt 1781 haben nicht nur Lutheraner und Reformirte, ſondern auch Huſſiten und Deiſten, die ſich indeß zu einer proteſtantiſchen Konfeſſion bekennen muͤſſen, nebſt ei⸗ nigen nicht unirten Griechen(ſaͤmmtlich unter dem Namen Akatholtken begriffen) freye Reltgionsuͤbung. 8) Regierung. Das Haus Oeſtreich beherrſcht dieſe Laͤnder unumſchraͤnkt monarchiſch und erblich, obgleich die vorhandenen Landſtaͤnde noch einige Rechte haben. Die hoͤchſten Landeskollegten ſind: das Lan⸗ des Gubernium uͤber Boͤhmen, an deſſen Spiitze der Oberſt⸗Burggraf als Praͤſtdent ſteht; und ein ande: res uͤber Maͤhren und Schleſien mit einem koͤnigli⸗ „ 338⁸ chen Statthalter unter dem Namen eines Landes⸗ hauptmanns. 9) Eintheilung. Boͤhmen an ſich iſt in 16 Kreiſe getheilt, wozu noch die zu keinem derſelben gehoͤrige Hauptſtadt, und die ehemals reichsunmittel⸗ bare(dem Freyherrn von Zedtwitz unter boͤhmiſcher Landeshoheit gehoͤrige) Herrſchaft Aſch, zwiſchen dem oberſaͤchſiſchen und fraͤnkiſchen Kreiſe, kommt. Maͤh⸗ ren zerfaͤllt in 6, und das gewiſſermaßen damit ver⸗ einigte Oeſtreichiſch⸗Schleſien in 2 Kreiſe. 10) Vornehmſte Oerter. a. In Boͤhmen: Prag, auf beyden Seiten der Moldau, H. Erzb. u. Hſt. mit 80,000 E. Kaurzim, Volin an der Eibe. Beraun, Rakonitz. Raudnitz St. und Herzogthum des Hauſes Lobkowitz. Saatz an der Eger. Bruͤx, Kaaden und Kommotau. Sed⸗ litz und Seidſchitz D. mit Bitterwaſſer⸗Quellen. Leitmeritz, Bisth. an der Elbe. Thereſienſtadt, ſtarke Feſtung an der Muͤndung der Eger. Außig, Toͤplitz, mit warmen Baͤdern. Loboſitz, Stadt. Jung⸗Bunzlau an der Iſer. Nimburg an der Elbe, und Melnik, wo ſtarker Weinbau. Reichen⸗ berg⸗ anſehnliche Fabrikſtadt mit 10,000 E. Tur⸗ nau an der Iſer, mit Schleifmuͤhlen und ſtarkem Steinhandel. Neu⸗Bidſchow. Voͤnigingraͤtz F. Bisth. an der Elbe. Trautenau, mit Manufak⸗ turen. Braunau. Reichenau, in deren Naͤhe ein 339 Bad. Chrudim, Hohenmauth, Policzka und Pardubitz. Czaslau und Deutſch⸗Brod. Kut⸗ tenberg, mit Silberbergwerken. Tabor und Pil⸗ gram. Budweis an der Moldau. Krummau, Bergſt. und fuͤrſtlich ſchwarzenbergiſches Herzogthum. Piſek, Klattau und Tauß. Pilſen Hſt. mit 5000 E. Ellbogen an der Eger, ſo wie Karls⸗ bad, mit warmen Quellen, Baͤdern und 3000 E. Joachimsthal, Bergſt. mit reichen Silber⸗ und Kobalt⸗Bergwerken. Bleiſtadt, mit Bleyminen. Schlakenwald, Bergſt. mit Zinngruben. Eger F. mit Manufakturen und Fabriken, am Fluſſe glei⸗ ches Namens; wobey Franzensbrunn, Flecken mit Sauerbrunnen und Badeanſtalten. Aſch Mfl. b. In Maͤhren: Olmuͤtz, ſtarke F. Erzb. mit 11,000 Einw. Maͤhriſch⸗Neuſtadt. Bruͤnn, H. F. Bisth. Hſt. mit dem feſten Schloß Spiel⸗ berg, und 14,000 Einw. MNikolsburg, mit 7500 Einw. worunter 3000 Juden, gehoͤrt dem Fuͤrſten von Dietrichſtein. Zwittau. Iglau, mit 10,000 Einw. Trebitſch, mit guten Tuchmanufakturen. Trieſch Mfl. mit einem Silber⸗ und Bley⸗Berg⸗ werke. Fnaym an der Taya, mit 6500 E. Hra⸗ diſch Feſt. auf einer Inſel der March. Ungriſch⸗ Brod, wobey ein Schweſelbad. Straznitz an der March, mit 4000 E. Goͤding, Stadt und Herr⸗ ſchaft, worin der Mfl. Czech, mit einem Geſund⸗ bade, und das Dorf Thereſienfeld. Fulnek, mit N 2 340 5000 Einw. Kremſier, ſchoͤne Stadt und Reſidenz des Erzbiſchoſs von Ollmutz. Neu⸗Titſchein. Weiß⸗ kirchen, mit einem warmnen Bade. c. In Oeſtreichiſch⸗Schleſten, und zwar: 1) in den lichtenſteiniſchen Fuͤrſtenthuͤmern Troppau und Jaͤgerndorf, ſoweit ſie zum baͤhmiſchen Antheile ge⸗ hoͤren, Troppau, mit Tuchmanufakturen, Seifen⸗ ſiedereyen, und 3000 Einwohnern; und Jaͤgern⸗ dorf, beyde an der Oppa. 2) Im Fuͤrſtenthum Neiße, boͤhmiſchen Antheils: Zuckmantel u. Jauer⸗ nik. 3) In den Minder⸗Herrſchaften Freuden⸗ thal und Olbersdorf die Staͤdte gleiches Namens. 4) In den vorhin zu Maͤhren gehoͤrigen Diſtrikten: Hotzenplotz St. und Roßwald Mfl. und Schl. 5) Im Furſtenthume Teſchen, dem Herzog von Sach⸗ ſen Teſchen gehoͤrig: Teſchen an der Elſa, mit 3000 Einw. Jablunka. 6) Im Furſtenthum Bielitz, und den MinderHerrſchaften Freiſtadt, Friedeck, Deutſch⸗Ceuthen, Reichenwalde und einem Theil von Oderberg, die Oerter gleiches Namens. 11) Geſchichte. Boͤhmens aͤlteſte Einwohner waren nach einander die Sueven, Bojer und Mar⸗ komannen, denen im fuͤnften Jahrhundert die Tſches chen(eine ſlaviſche Nation) folgten, welche anfangs von Herzogen regiert wurden, die ſeit dem zehnten Jahrhundert vom deutſchen Reiche abhingen, und ſchon im 11ten von den Kaiſern die koͤnigliche Wuͤrde 341 erhielten, welche ſie jedoch erſt ſeit dem 13ten Jahr⸗. hundert auf beſtaͤndig fuͤhrten. Mit dem Anfange des 14ten erloſch der Stamm dieſer einheimiſchen Re⸗ genten von Boͤhmen, und man waͤhlte hierauf Koͤ⸗ nige aus dem luxemburgiſchen(unter denen der fuͤrch⸗ 4 terliche Huſſitenkrieg gefuͤhrt wurde) und oͤſtreichiſchen Hauſe, dann wieder boͤhmiſche und polniſche Herren, d bis endlich das Reich in den erſten Zeiten des 16ten Jahrhunderts an Ferdinand, Erzherzog von Oeſt⸗ reich, fiel, bey deſſen Nachkommen, einige bald wie⸗ der gehobene Unterbrechungen(z. B. die Wahl des Kurfuͤrſten Friedrich von der Pfalz, welche durch Re⸗ ligionsbedruͤckung veranlaßt wurde, und die kurze Be⸗ ſitznahme des nachher unter dem Namen Karl VII. zum Kaiſer erwaͤhlten Kurfuͤrſten von Bayern im Jahr 1741) abgerechnet, bis jetzt geblieben iſt.— 4 Die Markgrafſchaft Maͤhren hatte anfaͤnglich ihre ei⸗ gene Fuͤrſten. Im Jahr 1013 kam ſie an Polen und 1026 an Boͤhmen, womit ſie Katſer Heinrich IV. auf beſtaͤndig verband.— Von Schleſien ſiehe bey. Preußen. ) Die Markgrafthuͤmer Ober⸗ und Nieeder⸗ G Lauſitz.— 1) Lage. Dieſe beyden Laͤnder liegen zwiſchen Echleſten, Boͤhmen, Sachſen und Brandenburg. 342 2) Groͤße. Der Flaͤcheninhalt der Ober⸗Lauſitz betraͤgt 100 bis 120, und der Nieder⸗Lauſitz 80 bis 85; beyde Provinzen enthalten alſe hoͤchſtens 200 Quadratmeilen. 3) Gewaͤſſer. Die ſchwarze Elſter,(worin ſich das Schwarzwaſſer und die Pulsnitz ergieſ⸗ ſen,) die Spree, und die in die Oder fallende Neiße entſpringen hier. Gegen Schleſien macht der Queis die Graͤnzen.— Die vorhandenen mineraliſchen Brunnen werden faſt gar nicht benutzt. 4) Natuͤrliche Beſchaffenheit. Der ſuͤdliche CTheil der Ober;Lauſitz iſt, beſonders gegen die boͤh⸗ miſche Graͤnze hin, gebirgig(die Tafelſichte und der Tafelſtein), aber doch fruchtbarer und weit ſtaͤr⸗ ker angebaut, als der noͤrdliche, welcher mehrentheils aus einer magern Sandflaͤche beſteht.— Die Nie⸗ der⸗Lauſitz bildet eine einzige, nur wenig von zuſam⸗ mengewehten Sandhaufen unterbrochene Ebene, wel⸗ che durchaus mehrere Fuß, ja wohl Klafter hoch mit Flußſande bedeckt, und laͤngs den Fluͤſſen moraſtig iſt. 5) Haupt⸗Produkte. Die Ober Lauſitz ha nicht hinlaͤngliches Getreide, Obſt und Flachs: dage gen baut man Hirſe, Schwaden, und in einige Gegenden Tabak. Die Schaaf⸗ Bienen; und Gaͤ⸗ ſezucht iſt anſehnlich, die Fiſcherey(auch von Pe⸗ len in der AQueis und Neiße) betraͤchtlich; Holz le 1 —— und da uͤberfluͤſſig, anderwaͤrts wenig oder gar nicht vorhanden. Von Mineralien findet man hier nur Sumpferz, Kalk, Sand, und Muͤhlſteine, Alaun, Torf und unterirrdiſche Holzkohlen. Die Induſtrie iſt außerordentlich, welches die vielen guten Manu⸗ fakturen und Fabriken in Leinen, Wolle, Baumwolle, Eiſen, Leder, Papier, beweiſen, mit deren Erzeug⸗ niſſen ein lebhafter, und großen Gewinn bringender Handel getrieben wird.— Die Nieder⸗Lauſitz hat zureichend Getreide, und Ueberfluß an Weitzen, Ger⸗ ſte, Haidekorn und Hirſe; guten Garten⸗ Obſt⸗ Flachs⸗ Tabaks, Schwaden⸗ und Hopfenbau, ziem⸗ lichen Weinbau, wenig Hornvieh: und Pferde; aber beſſere Schaaf⸗ und Schweinezucht, betraͤchtliche Wal⸗ dungen,(der Spreewald, 6 Meilen lang und 1 ½ breit,) Fiſcherey, Bienenzucht und Seidenbau; we⸗ nig Mineralien und bey weitem den Kunſtfleiß nicht, der in der Ober⸗Lauſitz herrſcht; daher beruht der Handel des Landes, außer Leinwand und Tuch, haupt⸗ ſaͤchlich auf ſeinen Natur⸗Produkten. 6) Einwohner. Die Ober⸗Lauſitz zaͤhlt ihrer etwa 310,000, die Nieder Lauſitz aber nur 120,000, welches fuͤr beyde Provinzen 430,000 Einwohner be⸗ traͤgt. Außer den Deutſchen trifft man hier Sor⸗ ben und Wenden an, die noch immer ihre eigene National⸗Sitten, Tracht und eine von andern ſla⸗ viſchen Dialekte weſentlich verſchiebene Sprache ha⸗ ben; unter einer ſehr gemilderten Leibeigenſchaft ſte⸗ hen, und ziemlich roh und aberglaͤubiſch ſind; woge⸗ gen unter den deutſchen Einwohnern alle Geiſteskul⸗ tur irgend einer deutſchen Provinz verbreitet iſt. . 7) Religion. Die lutheriſche Religion iſt zwar die herrſchende; doch haben die Katholiken mit den Proteſtanten beynahe gleiche Rechte, und wegen der ſehr ausgedehnten Duldung, findet man hier noch mancherley Sekten, beſonders Herrnhuther; Juden aber duͤrfen ſich nicht anſaͤſſig machen. 8) Regierung. Landesherr iſt der Kurfuͤrſt von Sachſen, deſſen Regierung aber durch Landes⸗ ſtaͤnde, die in jeder Provinz ihre beſondere Vasſal fung haben, ſehr eingeſchraͤnkt wird. 9) Eintheilung. Die Oberlauſitz wird in 2 Hauptkreiſe, den Budiſſinſchen und Goͤrlitziſchen, ein⸗ getheilt, wovon jeder wieder 3 von den ſogenannten Sechsſtaͤdten, 2 Standesherrſchaften und 2 geiſtliche Stifter begreift.— Die Nlederlauſitz faßt 5 Kreiſe in ſich. 10) Vornehmſte Oerter. a. In der Obers Lauſitz: Bautzen oder Budiſſin, H. Hſt. mit wich⸗ tigen Manufakturen, einem Gymnaſium und 10,000 Einw. Camenz an der ſchwarzen Eiſter, mit 5000 Einw. Loͤbau, mit 2500 Einw. Hoyerswerda und Koͤnigsbruͤck, Staͤdte und Standesherrſchaf⸗ † 345 ten. Bernſtadt und Wittichenau, St. dem Stift Marienſtern gehoͤrig. Eberbach D. von 4000 E. und Eibau D. von 5000 E. Hennersdorf D. von 4000 E. Hochkirchen D. beruͤhmt durch die Schlacht von 1758. Goͤrlitz an der Neiße, mit ei⸗ nem Gymnaſium und 8000 E. öittau, wichtige Hſt. mit 9000 E. Lauban am Queis, Hſt. von 6000 E. Muskau und Seidenberg, Staͤdte und Standesherrſchaften. Oſtritz St. dem Stifte Ma⸗ rienthal gehoͤrig. Herrnhut Fl. mit mannichfaltigen Manufakturen und großem Handel; Stammort und Hauptſitz der Herrnhuther.— Niesky U. der Bruͤ⸗ dergemeine. b. In der Nieder⸗Lauſitz: Luckau, dem Range nach die erſte Stadt, mit 5500 Einw. Guben an der Neiße, mit einem Gymnaſtum und uͤber 5000 Einw. Neuen Zelle, Kloſter, dem das Staͤdtchen Juͤrſtenberg an der Oder, wo ein Zoll erhoben wird, gehoͤrt. Dobrilugk, Sonnewalda, Forſta und Pfoͤrthen, Staͤdte und Herrſchaften. Sorau, mit 3500 E. Luͤbben an der Spree, mit 3000 Einw. Kalau. Luͤbbenau an der Spree, Stadt und Herrſchaft. Spremberg, auf einer Inſel der Spree. Lieberoſe, Stadt und Herrſchaft. 11) Geſchichte. Die Semnonen waren die aͤl⸗ teſten Bewohner der Lauſitz, wurden aber von den Slaven verdraͤngt. Heinrich I. ſetzte im 10ten Jahrs . . 346 hundert Markgrafen in die Lauſitz, von denen der letzte, Dedo, zugleich Markgraf von Meißen war. Nach ſeinem Tode kam die Oberlauſitz an Boͤhmen; und ſeine Nachkommen behielten nur die Niederlau⸗ ſitz. Beyde ſielen nicht lange nachher an Branden⸗ burg, dann wieder an Boͤhmen, und in der Mitte des 15ten Jahrhunderts nochmals an den Kurfuͤrſt Friedrich II. von Brandenburg, der ſie aber endlich an Boͤhmen abtreten mußte, und nur den Kotbuſi⸗ ſchen Kreis behielt. Von der Zeit an blieben ſie bey Boͤhmen bis zum Prager Frieden 1635, da ſie der damalige Kaiſer Ferdinand II. dem Kurhauſe Sach⸗ ſen, dem ſie ſchon ſeit 1620 verpfaͤndet waren, zur Entſchaͤdigung fuͤr die Unkoſten im 3ojaͤhrigen Kriege, und fuͤr die dem Hauſe Oeſtreich geleiſtete Huͤlfe, mit aller Landeshoheit, jedoch als ein boͤhmiſches Lehen, erb: und eigenthümlich abtrat. Verbeſſerungen und Zuſaͤtze, 3 welche vor dem Gebrauche des Buches gehori⸗ gen Orts zu bemerken ſind. S. 2. Nr. 8. und S. 4. Nr. 10. Genau gerechnet gehen auf jeden Grad des Aequators 17 ¾ deut⸗ 8 ſche— 15 geogr. Meilen. S.. 16. Nr. 63. ſetze man ſkatt des Kurf. Mainz: das Erzbisthum Regensburg, wonmiit die Kur⸗ Erzkanzler⸗Wuͤrde im deutſchen Reiche ver⸗ bunden iſt. S. 23. Z. 10. ſtreiche man die Worte: oder das Rieſengebirge, aus. S. 34. Z. 14. ſt. Bryeſe l. Brzeſe. S. 39. Z. 6. l. 5) Macedonien, 6) Albanien. 1 S. 40. Z. 2. l. Trebigno.. 4 S. 54. Nr. 6. Nach neuern Unterſuchungen ſoll das vereinigte brittiſche Reich zwiſchen 15 und 16 Millionen Einwohner haben; und beſonders Schottland weit ſtaͤrker bevoͤlkert ſeyn, als man gewoͤhnlich annahm. S. 57. Z. 8. Briſtol ſoll nur 64000. Z. 23. Edimburg aber 100,000 und Glasgow 90,000 Einwohner haben. S. 65. Z. 10. l. Holum. Z. II. l. Thorshavn. 3. 14. ſt. in l. und. Z. 16. I. Dansburg. S. 70. 3. 18. I. Uleg. S. 80. Nr. 6. Schleſten hat jetzt an 2 Millionen Menſchen.— S. 89. 3. 6. l. Nona ſt. Stona. S. 101. Z. 7. ſt. Viktor Amadeus l. Viktor Ema⸗ nuel. S. 103. Der Koͤnig Ludwig von Etrurien ſtarb ſchon 1803, mit Hinterlaſſung eines unmuͤndigen Prinzen. S. 103. Z. 16. I. Gozo; und 3. 17. ſt. Mann l. Menſchen. 1 S. I11. ſetze man zu Frankreichs Hauptfluͤſſen noch die Maas. S. 115. Z. 19. ſt. Man l. Mans. S. 122. 3. 17. l. Katwyk. S. 125. 3. 7. von unten l. Amſtel. S. 129. Nr. 2. Nach andern Verechnungen enthaͤlt Helvetien, mit Ausſchluß von Wallis, Velt⸗ lin ff. nur noch 75 Quadratmeilen. S. 131. heißt es jetzt Nr. 9. Nach der allerneueſten Konſtitution Helvetiens vom J. 1803 beſteht die Foͤderal, Regierung aus einer Tagſatzung, zu welcher jeder der 19 Kantone— denn zu den Nr. 9 angegebenen 18 iſt St. Gallen hinzu⸗ gekommen— einen Deputirten ſchickt; und dieſe 19 Dep. haben zuſammen 35 Strimmen. Die Tagſatzung verſammelt ſich ordentlicherweiſe jaͤhr⸗ lich im Junius auf einen Monat; und zwar abwechſelnd in den Kantonen Freiburg, Bern, Solothurn, Baſel, Zuͤrich und Luzern. Derjenige, in welchem ſie ſich ver⸗ ſammelt, iſt fuͤr dieſe Zeit Direktorialkanton, und ſeine oberſte Magiſtratsperſon Helvetiſcher Landammann; weicher uͤber die Anordnungen und Geſetze der Tagſatzung wacht, die Konſtitu⸗ tion der Kantone ſchuͤtzt und bei einem Aufruhre Teuppen— deren jedoch kein Kanton mehr als 200 Mann halten darf— marſchiren laſſen kann. Die Befugniſſe der Tagſatzung ſind: das Recht, Krieg, Frieden und Buͤndniſſe zu ſchließen, Ge⸗ nerale und Geſandten zu ernennen u. ſ. w.— Uebrigens hat jeder Kanton ſeine eigene Ver⸗ fiſſung; und zwar Bern, Zuͤrich, Solo⸗ thurn, Freiburg, Luzern, Baſel, Schafhauſen, Aargau, Thurgau, Leman(Waadt) St. Gallen und Teſſin ene mehr oder weniger ariſtokratiſche, und die ubrigen eine demokratiſche. Hiernach iſt das uͤbrige abzuaͤndern und S. 132 unten, die Oerter Tivan in der Land⸗ ſchaft Veltlin, Worms und Claͤwen wegzu⸗ ſtreichen, und als zur italieniſchen Republik ge⸗ hoͤrig S. 140 nachzutragen. S. 137. Nr. 2. ſt. 1000 lI. 800 Quadratmeilen. letzten Bogen ſeines Manuſcripts noch nicht erhalten . 145 u. 146. Auch in der Verfaſſung der Repu⸗ blik San Marino iſt die Abaͤnderung ge⸗ macht, daß ein auf 3 Monate zu erwaͤhlender Gonfaloniere an der Spitze der Regierung ſteht, und einen kleinen Rath von 12, nebſt einem Rath der Aeltern von 300 Mitgliedern zur Seite hat. S. 154. Nr. 6. Nach den neueſten Nachrichten ſoll China nur 55 Millionen Einwohner haben. S. 159. Z. 15. ſt. Quadratmeilen l. Einwohner. S. 164. Z. 20. l. Ava. S. 169. Z. I1. ſt. ge⸗ meine l. gemeſſene. S. 191. Z. 2. Louiſtana iſt von Sparien an Frankreich, und von dieſem an den anerikani⸗ ſchen Freiſtaat abgetreten. S. 194. Z. 3 von unten: Port royal, jetzt Fort de France. S. 209. Z. 5. ſt. guͤnſtigen l. geiſtigen. S. 212. ſt. Kurf. von Heſſen⸗Kaſſel, blos: Furf. v. Heſſen. Wahrſcheinlich wird auch der Herzog von Meklenburg⸗Schwerin die Kur⸗ wuͤrde erhalten. S. 225. Z. 3 von unten l. Gottſchee. S. 229. 3. 8. ſt. 7 l. 10 Kreisaͤmter. Weil der Verfaſſer indem er dieſes ſchrieb, die hatte; ſo koͤnnen hier nur noch die waͤhrend des langſamen Abdruckes erfolgten Veraͤnderungen in Deutſchland uͤberhaupt angegeben werden, und es bleibt dem Leſer uͤberlaſſen, dieſelben gehoͤrigen Orts zu bemerken, und die etwaigen minder erheblichen Druck⸗ und Interpunctionsfehler zu verbeſſern. Beim ſchwaͤbiſchen Kreiſe. 1) Die neuen Beſitzungen des Kurf. von Wuͤrtem⸗ berg ſind in die Landvogteien Heilbronn, Ell⸗ wangen und Rottwell, die ſaͤmmtlichen Be⸗ ſitzungen des Kurf. von Baden aber in die baden⸗ ſche Rheinpfalz, die eigentliche Markgrafſchaft Baden und das obere Fuͤrſtenthum Baden ver⸗ theilt. 2) Zu den an Bayern gekommenen Abteien muß Roggenburg hinzugeſetzt werden. 3) Der Fuͤrſt von Bretzenheim, der Graf von Koͤnigseck Rothenfels, und die Grafen von Quadt, haben ihre ſchwaͤbiſchen Beſitzungen an Oeſtreich abgetreten. 4) Der Fuͤrſt von Ligne hat die Abtei Edelſtatten (in der Markgrafſchaft Burgau) unter dem Na⸗ men einer Grafſchaft als Entſchaͤdigung erhalten. Der Kurfuͤrſt von Wuͤrtemberg heißt Friedrich II. und folgte ſeinem Vater Friedrich Eugen 1797. Beim fraͤnkiſchen Kreiſe. 55) Der Kurfuͤrſt von Bayern hat ſeinen Antheil an dem Stifte Eichſtaͤdt nebſt mehrern kleinen Dis ſtrikten an Preußen abgetreten. Beim oberrheiniſchen Kreiſe. 6) Die Stadt Volkmarſen im Herzogthum Weſt⸗ phalen iſt von Heſſen⸗Darmſtadt an Kur⸗Heſſen gegen deſſen Antheil an dem Flecken Vilbel ver⸗ tauſcht. Beim weſtphaͤliſchen Kreiſe. 7) Die Grafſchaft Bentheim iſt nach Abſterben der aͤltern graͤflichen Linie an Bentheim Steinfurt ge⸗ fallen; indeß hat ſie bisher Kur⸗Hannover pfand⸗ weeiſe beſeſſen. 8) Der Fuͤrſt von Waldeck unterhandelt mit Kur⸗ Heſſen uͤber den Verkauf der Grafſ. Pyrmont. Beim niederſaͤchſiſchen Kreiſe. 9) Schweden hat die Stadt Wismar mit ihrem Gebiete an den Herzog von Meklenburg⸗ Schwerin verkauft. — —— . 3 . 1 . 3 2 8— 6. . . 8 3 7 ) 8— 8 —“———— —— 5 2. 1 2 ſſſſſſſſſſffiniſſſſſſſſſſifſnnſſſſnnſiniii 14 15 16 17 18 19 9 aeeLl 3,— 111, „ er 3 4 3 4 3 4 8 4 4 — 1 3 1* * 3 4 4 — 2 8 e“