——— Leihbibliothek d deutſcher, engliſcher und franzöſiſcher Literatur Eduard Oltmann in Gießen, Schloßgaſſe Lit. A. Nr. 256. —— Leih- und Ceſe ebedingungen. 8 1. Ofensein der Bibliothek, Die Bibliothek ſteht zur Em⸗ jeden Tag von Morgens 7 Uhr bis Abends 8 Uhr offen. 2, Lesepreis. Bei Rückgabe eines geliehenen Buches wird von U jedem Tagl Pf. bezahlt. Die Zeit ei cj. pfangnahme und Rückgabe der Bücher eines Tages iſt zu 24 Stun⸗ den angenommen. 3.(aution. Unbekannte Perſonen müſſen, bei Entgegenna me eines Buches, eine dem Werthe deſſelben entſpr ende Whne hinterlegen, welche bei deſſen Zuructgabe von mir zurückerſtattet wird. 3 4 143 Abonnement. Daſſelbe muß voraus bezahlt werden und beträgt: fur wöchentlich 2 Biüchen: auf 1 Monat: 8 4 Bücher: 6 Bücher: 4 Mt.— Pf. 1 Mtk. 50 Pf. 2 Nk.— Pf. ückſendung b ——-— . S . 1 1 —— gämmtliche N Werke von Fritz Reuter. 4 Fünfter Band: Olle Kamellen II. 8 — Wismar, RKoſtock und Ludwigsluſt. Verlag der Hinſtorff'ſchen Hofbuchhandlung. 1867. Olle Kamellen. II. Theik. Von 1 Fritz Reuter. At mine Festungstid. echſie Auflage. S== ) Wismar, RKoſtock und Lndwigslnſt. 3 Verlag der Hinſtorff'ſchen Hofbuchhandlung. 1867. Ueberſetzung— auch in das Hochdeutſche— iſt vorbehalten. Meinem biederen Freunde und treuen Leidensgenoſſen, V Hermann Grashof, Lohe in Weſtphalen. Will auch der eig'ne Spiegel nicht Das Bild Dir ganz genau ſo zeigen, 8 Und ſpielt darauf zu heitres Licht Und pflückt' ich von den Diſteln Feigen, So denk, verwunden iſt das Leid, Und Jahre lagern ſich dazwiſchen: Die Zeiten nach der böſen Zeit, Sie konnten Manches wohl verwiſchen. Und habe ich den bittern Schmerz Durch Scherz und Laune abgemildert, So weiß ich doch, Dein freundlich Herz Lacht auch den Spaß', denn ich geſchildert. Fritz Reuter. —„ — Inhalt. Seite De Feſiung......... 1 De Feſtung M.............. 52 Berlin un de Husvagtei(Nich taum irſten, ne! taum annern Mal)............. 123 De Feſtung Gr............. 148 Dämms................ͤ 383803 I De feſtung g. Kapittel 1. Worüm den Minſchen friren ward, un worüm ok Linſen män⸗ nigmal gaud ſmecken. Wat woll de Oberſt B... von Stemhagen un Schill⸗Sommern wüßt, un worüm de Kreih hauſten würd, as de witte Duw' an ehr Husdör vörbiflog. „Wat ſo'n Minſch All erlewen deiht!“ ſäd oll Vader Rickert— dunn lewt hei noch— as ſin Jehann vor den Wallfiſchfang taurügg kamen was un nu's Abends in'n Schummern von Isbarg' un Isboren vertellte. „Wat ſo'n Minſch All erlewen deiht!“ ſäd oll Schult Papentin, as hei's Abends mit oll Bumgoren ut den Kraug nah Hus gung, wo Friedrich Schult von de Slacht von Leipzig vertellt hadd.„Unſerein kann ſäbentig Johr olt warden, äwer erlewen deiht hei nicks.“ —„„Du heſt Recht, Vadder,““ ſäd Bumgoren. Ik äwer ſegg, de Schult hett Unrecht!— So egal un ſo ſacht flütt kein Lewenslop, dat hei nich mal gegen einen Damm ſtödd un ſik dor in en Küſel dreiht, oder dat em de Minſchen Stein in't klore Water ſmiten. Ne, paſſiren deiht Jeden wat, un Jeden paſſirt ok wat Merkwürdigs, un wenn ſin Lewenslop ok ganz afdämmt Olle Kamellen. II. 1 ward, dat ut den lewigen Strom en ſtillen See ward; hei möt man dorför ſorgen, dat ſin Water klor bliwwt, dat Hewen un Ird ſik in em ſpeigeln kann. Min Lewenslop is mal tau ſo'n See upſtaut worden, lange Johren hett hei ſtill ſtahn müßt, un wenn ſin Water ok nich ganz klor un ruhig was un af un an in wille Bülgen ſlog, ſo gaww dat doch ok Tiden, wo ſik Hewen un Ird in em ſpeigeln kunn. Wat heit dit?— Wider nicks, as dat ſei mi mal ſäben Johr lang inſpunnt hewwen.— Worüm?— Dat weit de leiw Gott!— Stahlen un namen heww ik nicks, ok nich lagen un bedragen. Awer drei Johr hadd ik all ſeten; ik was taum Dod verurtelt; dat hadden ſei mi ſchenkt, äwer dorför hadden ſei mi dörtig Johr Feſtung ſchenkt. So’n Preſent kann Keiner richtig taxiren, as Einer, de all drei Johr un irſt drei Johr ſeten hett. De Utſicht was ſlimm, de Inſicht ſlimmer. Dortau kamm, dat ſei mi von ein Feſtung nah'ne anner verſetten deden. Wo ik weſt wir, hadd ik Kameraden, gaude Frün'n un Bekannten, wo ik hen ſüll, was ik allein. An einen bitterkollen Winterdag ſatt ik in en Plan⸗ wagen, en Schandor ſatt neben mi. Drei Dag' lang durte de Fohrt, de Mann was fründlich tau mi; äwer ik frür. De Küll un de Ungewißheit, wat nu kamen künn, ſchüddelten mi dörch de Knaken. Wenn den Min⸗ ſchen en Schickſal bevörſteiht, wat hei nich wennen kann, denn drängt ſik dat Blaud taum Harten, un denn frirt em. Den Soldaten in de heite Slacht, den Matroſen bi'n Schippbruch unner de gläugnige Sünn, den Verbre⸗ ker up dat Blaudgerüſt trett de Froſt an. Wi kemen up de nige Feſtung an.— Natürlich tauirſt taum Platzmajur!— De Mann ſatt un att Middag, hei ſtunn up, namm den Schandoren de Pap⸗ piren af un las; hei winkt ſine leiwe Fru tau; ſei bröchte en reinen Teller un ſet'te en Stauhl an den Diſch, un hei frog mi, ob ik ſin Gaſt ſin wull. Wo girn!— Dat was doch wat!— Gott ſegen den Mann för ſine Fründlichkeit!— Sinen braven Namen kann ik hir nich nennen, denn dat künn de annern Namen verraden, un dat wull ik nich girn. Wi eten Bratwuſt un Linſen. Mein Dag' hewwen mi kein Linſen ſo gaud ſmeckt; ik bün ſüs nich ſihr för Linſen. De Schandor namm Afſchid von mi, un ik was in de Hand von frömde Minſchen up en frömdes Flag.— De Platzmajur ſtek ſinen Degen an de Sid un winkte mi: wi wullen gahn. Wi gungen up de Kumman⸗ dantur taum irſten Kummandanten. Hei let mi nich vör. Dat was en eigen Gefäuhl. De Mann hadd in minen Ogen en groten Namen; hei was de Brau⸗ der von einen Mann, de Anno 13 in aller Welt Mun'n lewen ded, unner den ſin Fahn mine leiwſten Lihrers, mine eigenen Unkels in't Feld tagen wiren. Ik hadd ſinen Namen up den Turnplatz ſungen, hei was in minen Sinn Sweſterkind von Mand un von Friheit: un wat was't denn anners, wat mi up de Feſtung bröcht hadd, as dat ik deſ nah mine Ort inn 1* 2* Harten drog?— Un nu let mi de Mann mit den ſchönen Namen nich einmal vör?— Mi frür nich mihr, mi göt dat gläugnig heit äwer. De Platzmajur kamm herut un ſäd mi, dat wir en Verſeihn von't General⸗Auditoriat, min Bliwens wir nich hir, ik müßt bald wider, vörlöpig ſüll ik en Pri⸗ ſong hewwen, wo en Leutnant in ſeten hadd, de wegen Verrücktheit in't Lazareth kamen wir. An de Hauptwach würd en ollen Mann rute rau⸗ pen, de kamm mit en Bund Slätel tau Rum un ſlot nebenan'ne Dör up; wi gungen'ne Trepp tau Höch⸗ ten, un ik ſtunn in'ne lütte virkantige Kabach mit ein Fack düſtere Finſtern, natürlich mit iſerne Gardinen. En ollen wackeligen Diſch, en dreibeinigen Hüker, en Waterkraus un en Strohſack, dat was de Utrüſtung. De Platzmajur gung; oll Vatter Kähler makte Füer in den Aben un gung ok, ſlot äwer baben un unnen de Dör tau. So ſatt ik denn nu allein— ach, wo allein!— T is'ne ſchöne Sak üm dat Alleinweſen, wenn Einen fri üm't Hart is, un hei mit ſik tau Rath geiht äwer dat, wat in em lewt un wewt, wat em hölt un wat em driwwt, wenn hei olle Tiden vör ſik upſtigen lett un mit ehr vergahene Truer un vergahene Luſt, un wenn hei vör ſik ſüht un von de Taukunft drömt; äwer wenn hei mit ſik Rath hölt, möt hei ok Rath weiten, de ollen Tiden mit ehre Luſt un Truer möten verwun'n ſin, dat Hart darw dorbi nich mihr raſcher ſlagen un ſik ängſten, un de Taukunft möt vör em liggen, as en hellen Mor⸗ 5— gen. Awer— as ik ſegg— dat Hart möt fri ſin, un dat olle Unglück verwun'n.— Min Hart was nich fri; min Hart ſatt deiper in Keden un Banden, as mine Knaken; Johr un Dag dat Sülwige! un hüt dat Sül⸗ wige ſid Johr un Dag!— Nicks was verwun'n, un in de Taukunft legen dörtig Johr Fängniß.— Dröm ſik doch Einer mal äwer dörtigjöhrige Nacht in en hellen Morgen henäwer. Ik ſatt up minen Strohſack allein, wo lang', weit ik nich; wat ik an deſen Abend dacht heww, weit ik ok nich. Ik wakte von en Slätelklimpern up— dorvon wakt jeder Gefangen up, un ſet hei ok duſend Johr—, üm mi was dat Nacht; ik hadd woll lang' ſo ſeten. Min Dör würd upflaten, mit faſten Tritt kamm Einer in min Kamer rin:„Guten Abend!— Haben Sie hier kein Licht?“— Jk ſäd, ik hadd kein.—„Kähler,“ ſäd de Mann,„ſetzen Sie die Laterne hierher und holen Sie Licht.“ Dat geſchach, un vör mi ſtunn en middelgroten un⸗ nerſet'ten Mann in en griſen Militörmantel un ne Feldmütz. Hei kunn twiſchen virtig un föftig ſin, ſach äwer friſch un geſund ut, un ſin Handtiren was ſtrack un ſtramm, as Einer, de lang' kummandirt un ſik üm⸗ mer kort reſolvirt hett. Ik was upſtahn un ſtunn vör em.„Ich bin der zweite Kommandant, Oberſt B.,“ ſäd hei,„und wollte mich doch mal nach Ihnen umſehn.“— Ik antwurte dor wat up, wat'ne Höflichkeit ſin füll;'t mag äwer woll en Beten ſnurrig rut kamen ſin, denn mi was nich nah Höflichkeit tau Sinn. „Sie werden hier nicht lange bleiben können,“ ſäd hhei,„Sie werden bald weiter verſetzt werden.“— Jk ſäd, dat wüßt ik all, de Herr Platzmajur hadd mi dat all ſeggt. „Warum haben Sie kein Licht? und warum haben Sie es ſich noch nicht bequem gemacht?“ frog hei wider.— Ik ſäd, ik hadd noch nich utpackt un hadd an't Bequemmaken noch nich dacht. 1 „Glaub's Ihnen,“ ſäd hei;„aber quälen Sie ſich nicht mit ſchweren Gedanken. So lange Sie hier ſind, haben Sie es hauptſächlich mit mir zu thun, und ich werde, ſo weit es meine Pflicht erlaubt, Ihr Loos zu erleichtern ſuchen.“ Dormit wendt hei ſik üm, nickte mit den Kopp: „Adieu!“ un gung bet an de Dör. Hir dreiht hei ſik raſch üm, as wenn hei wat vergeten hadd, un frog mi, wo ik her wir.—„Ich bin ein Mecklenburger,“ ſäd ik.—„„En Meckelnbörger?““ frog hei up't beſte Pladdütſch, blot mit ſo'ne lichte preußſche Bimiſchung as ſei in de Gegend von Nigen⸗Strelitz reden.„„In wecke Gegend ſünd Sei denn dor gebürtig?““—„Ich bin aus Stavenhagen,“ antwurt ik.—„Ut Stem⸗ hagen?““ frog hei wider,„„wat is Ehr Vatter?““— „Bürgermeiſter,“ ſäd ik.—„„Wo lang' mag hei all dor ſin?““ frog hei.—„Sid Anno achteihnhunnert fiw,“ ſäd ik nu ok up Pladdütſch.—„„So? ſo?““ brummte hei ſo vör ſik hen; äwer mit ein Mal frog hei ſo recht indringlich:„„Seggen Sei mal, lewt de Bäcker Sommer noch?““— Je, ſäd ik, weckern hei meinen ded? Dor wiren twei Bäcker Sommers, den einen näumten ſei ümmer„Kriſtopher Geiſt,“ wil dat hei ſo'n Dodenfarw' hadd, un den annern näumten ſei „Schill⸗Sommer,“ wil dat hei dunntaumalen mit Schillen gahn wir. „„Dat is hei! Dat is hei!“⸗ röp hei raſch.„„Lewt de noch?““—„Ne,“ ſäd ik,„de's vör etzliche Johren ſtorben.“—„„Kunn ok nich utbliwen,““ ſäd hei kort, „„hadd den Bramwin tau leiw.“⸗ Nickte noch ein⸗ mal adjüs un gung. Mine ſworen Gedanken wiren weg, den Oberſten ſine fründliche Ort un ſine gauden Würd' hadden dat Ehrige dahn; äwer vör Allen ret mi de Niglichkeit dorute.— Dat unbedüdendſte Nige hett för en fangen Minſchen en grotes Bedüden. Awer hir was wat, wat am Enn Jeden niglich maken kunn. Wo kamm de Oberſt tau't Pladdütſchreden?— Na, hei kunn en Pommeraner weſen; äwer worüm würd hei ſo hell⸗ hürig, as ik von Meckelnborg ſäd?— Na, hei kunn jo ok en Meckelnbörger weſen,'t wiren vele Meckeln⸗ börger dunn bi de Preußen; äwer de Ort redte kein Pladdütſch, de ſnuwwelten un biſterten leiwerſt in'ne grugliche Ort Hochdütſch rümmer, wil dat ſei dat för vörnemer höllen, un deſ' Mann hadd ſo recht mit Be⸗ hagen ſin Pladdütſch ſpraken, un't was en richtigen Mund vull. Un wat wüßt hei denn nu von Stemhagen un von minen Ollen, un vör Allen, wat wüßt hei von Schill⸗Sommern?— JIk termaudbarſte mi denn nu hiräwer mit allerhand Fragen, funn äwerſt kein Ant⸗ —— wurd, un as ik mi taum Slapen up den Strohſack ſmet, ſäd ik tau mi:„Na, lat't! Ik glöw äwer, up dat legſte Flag büſt du grad nich kamen.“ Den annern Morgen packt ik min Habſeligkeiten ut'ne Kiſt; dor kamm denn allerlei herute, wat ſüs reiſen Lüd' nich in de Welt mit rümmer ſlepen:'ne Waſchſchöttel, en Glas, en Drahtlüchter, un denn min koſtborſtes Stück Möbel: ne Koffemaſchin. Vatter Kähler kamm un makte Füer in den Aben, ik ſet'te en lütten Pott mit Water an dat Füer, un as dat Water ſine vullen Blaſen ſmet, halt ik'ne Tüt mit mahlen Koffe taum Vörſchin un't wohrt nich lang', was min Koffe farig. Ik treckte minen ollen ihrwürdigen Slaprock an, de up de eine Sid mal häßlich anſengt was un leider Gotts nich in de Füerkaß' ſtunn, dortau mine ſchönen warmen Pampuſchen— ſei wiren von Daukeggen tau⸗ ſamfluchten un hadden blot den einen Fehler, dat ſei in de Nattigkeit nich dicht höllen; äwer wat hadd ik ok in'n Natten tau dauhn? ik ſatt jo inen Drögen— un ſo was mi denn up mine Ort ganz gaud tau Maud'. Dunn kamm de Reih bi't Utpacken an min Lewens⸗ mittel: en halw Kummisbrod, en Stück Zegenkeſ' un en En'n Talglicht. Dit letzte was denn nu grad nich taum Eten, äwer öt was jo doch noch tau bruken, un dorüm hadd ik dat mitnamen, denn wenn Einer mit fiw Sülwergröſchen den Dag äwer utkamen ſall, denn möt hei dat Sinige hellſchen tau Rad' hollen.— Fiw Sülwergröſchen däg⸗ lich is en grot Stück Geld, makt up't Johr ſößtig ————— — 8—— . Daler; äwer bi ſo'n armen Deuwel von Gefangen, de nich fülwſt för ſik ſorgen kann, maken ſik an ſine In⸗ künften noch annere Lüd' de Fingern blag, un hei möt ſikt gefallen laten. Dat hadd denn nu woll ſlicht bi mi uthau't, wenn min oll Vader nich weſt wir, de mi af un an mit en lütten Tauſchub unner de Arm grep; äwer vel dürwt dat ok nich ſin, un wat von dor kamm, leten ſei Einen ok man druppwiſ' taufleiten. Nu wüßt jo äwer min Vader gor nich, wo ik in de Welt was, ik müßt alſo irſt ſchriwen, un bet ik Antwurd hadd, müßt ik nu alſo mit min Statsgehalt von fiw Sülwer⸗ gröſchen utkamen, denn oll Vatter Kähler was woll en ollen gauden Mann, äwer ſo dumm was hei nich, dat hei ſik up Borgen inlet.— Ik ſchrew alſo.— As min Breiw farig was, ſtellt ik mi an't Finſter. Mi was hüt morgen ganz anners tau Sinn, as giſtern Abend; eine Nacht ruhigen Slap makt en annern Minſchen; dortau ſchinte de Sünn in min Finſter, un mine Gardinen wiren taum Glück nich ſo dicht, dat ſei den Strahl nich up mi fallen leten. Ik kunn nah'n Dur henſeihn, dor kemen Kutſchen rinne tau führen un Poſtwagens un Markwagens, ok en Likenwagen führte rute— dat hadd ik ſid virtehalw Johr nich mihr ſeihn — mi kamm Allens ſchön vör, ok de Likenwagen. Landmätens kemen mit Melk in de Stadt, Burjungs mit Holt, Börgers gungen ehren Geſchäften nah, olle Herrn mit warme Pelzkragens verpeddten ſik de Lik⸗ dürn en Beten, un denn kemen lütte, nüdliche Dams mit Feddern up den Haut un mit gräune Sleuers, wo de friſchen, roden Geſichter rute keken as de Muſch⸗ roſen. Sei wiren all hübſch, all! Ik wüßt nich ein, de mi häßlich vörkamen wir. Wovon kamm dat?— Na, ik was viruntwintig Johr olt, un ſid virtehalw Johr hadd ik kein anner Dam's ſeihn, as de oll dick Fru Grelen, de vör dörtig Johr as Macketenderin bi'n pohlſches Hulahnen⸗Regiment ſtahn hadd, un denn unſ' Corlin mit de Leckogen. Mit all de Lüd', de ik dor ſeihn ded, hadd ik nicks tau dauhn, ſei kümmerten ſik ok nich üm mi, ik mi äwer deſto mihr üm ehr, un nah en por Dag' wüßt ik all ganz ſchön Beſcheid. Dat lütte Dirning mit dat rodbunte Fähnken up den Liw' was den Arbeitsmann ſin Kind, de ümmer Middags mit Ärt un Sag tau Hus kamm, hei gaww ehr mal vör minen Finſter Geld, 4 un ſei kamm nah ne lütte Wil mit en Brod ut dat gräune Hus rechter Hand rute, dat Schild kunn ik nich ſeihn. Dor müßt alſo en Bäcker wahnen. En por Dag' drup ſlogen ſik en por rechte driftige Slün⸗ gels up de Strat, un en Mann mit'ne witte Schört kamm herut un höll Stür un gaww den einen en por in't Gnick, dat was alſo ſin eigen, un hei was de Bäcker; un de anner Slüngel lep in de Nahwers Dör rinne un kamm dor einen Mann mit en ſwart Schort⸗ fell in den Lop, de em ok en por verabfolgen ded, dat was alſo den Slöſſer ſin. Un ut dat Bäckerhus kamm en lüttes nüdliches Mäten, ſchir, as ut dat Ei pöllt, un witt, as'ne Duw', un de Unteroffzirer von de Wach gung en lütt En'n mit ehr tauſam un fot ſei — 11— dunn an de Hand un redte mit ehr ſihr angelegentlich, un ſei kek ümmer äwer de Schuller nah ehr Vaders Finſtern, un mit einmal würd ſei rod as'ne Roſ' un ret em de Hand weg un was ſnubbs üm de Eck.— Wat hadd de Herr Unteroffzirer mit min lütt Bäcker⸗ dochter tau reden?— Un't wohrt nich lang', dunn kamm ſei wedder, un in den Slöſſer ſin Dör ſtunn en ſmucken jungen Kirl; äwer ſwart as'ne Kreih, un de Kreih, de hauſte, un de lütt witt Duw' kek ſik üm, un öt wohrte nich lang', dunn ſtunnen ſei tauſam un lachten un ſpaßten mitenanner, un de Herr Unteroffzirer trippelte vör de Gewehren up un dal un bet de Tähnen tauſam un ſtrek den Snurrbort un kek grimmig nah de Beiden.— Wat hadd hei för Weihdag', wenn Kreihen un Tuwen ſik gaud ſünd, un Nahwers Kinner ſik leiw hewwen? Ja, up dat ſlichtſte Flag was ik noch lang' nich kamen! Minſchenverkihr, un gelt hei Einen ok nicks nich an, friſcht dat Hart up; äwer hei is as de Muſik, ſei möten beid nich tau driſt warden;'ne ſchöne, liſe Melodie leggt ſik weik an't Hart, äwer wenn Allens üm Einen rüm fidelt un tut't un trummelt, warden Einen de Uhren weih dauhn, un Ein ſehnt ſik nah de Einſamkeit. En por Dag' drup kamm min Oberſt B. wedder tau mi un wedder des Abends. Ditmal hadd ik Licht; min Drahtlüchter ſtunn preislich up den Diſch, un up em en Licht för'n halwen Sülwergröſchen. De Oberſt — 12— redte Hochdütſch mit mi, hei hett meindag' nich wedder Pladdütſch mit mi redt; ik natürlich ok nich. As hei gung, ſäd hei:„Aber was haben Sie für einen ſchlech⸗ ten Leuchter!“— Ik ſäd: je, dat let ſik doch nich anners maken, un ſin Ding' ded hei jo.—„Haben Sie denn etwas zu leſen?“ frog hei wider.— Ih⸗ ja, ſäd ik, ik hadd Höppnern ſine Inſtitutionen un Thibaut'v ſine Pandekten un en corpus juris un Ohmen ſine Mathematik un Fiſchern ſine Hydroſtatik un noch en por anner ſo'ne intereſſante Leſ'bäuker.—„Na,“ ſäd hei,„ich ſelbſt leſe wenig von Unterhaltungsſchriften, aber meine Tochter hat eine kleine derartige Biblio⸗ thek, und ich werde Ihnen etwas daraus beſorgen.“ Dormit gung hei. Kapittel 2. Worüm de Oberſt B. as en Kind⸗Jes utſach, un worüm ik minen Drahtlüchter ut dat Finſter ſmet. Dat de Herr Unteroff⸗ zirer Altmann leider nich as en jung Mäten up de Welt kamen was, un dat Schnabel iſerne Hanſchen anhadd, un dat ſik de Kummandanten⸗Dochter nah mi, un ik mi nah ehr ümkcek. Mitdewil was dat Däuweder worden, dat Is un de Snei wiren von en Frühjohrsregen wegwuſchen, un de Frühjohrsluft un de Frühjohrsſünn hadden den Regen wedder updrögt, un't ſach würklich ut, as wenn't Waſſen un Bläuhen all los gahn ſüll, un in mi wuß un bläuhte en Verlangen nah Frühjohrsluſt un Früh⸗ johrsſünn, dat ik't knapp achter mine Gardinen uthollen — — 13— kunn. Ik hadd an de Kummandantur üm de Erlaub⸗ niß ſchrewen, en Beten in de frie Luft ſpaziren tau känen, hadd äwer noch kein Antwurd. Wat ſchrew ik ok an de Kummandantur, wo de Mann mit den groten Namen de irſte Vigelin ſpelte? Worüm wendte ik mi nich an minen Oberſten B.? Dorüm, wil mi Keiner en Rath gaww un de Weg' wiſ'te. En Minſch, de fri is, hett duſend Weg', wenn hei wat för ſik beſorgen will; geiht't up den einen nich, geiht't up den annern. Unſerein hadd blot man einen Weg, un de gung dörch de Fängniß⸗Dör un ſchrammte an Slott un an Rigel. Awer't ſüll beter kamen, as mine Kleinmäudigkeit mi dat vörmalte. Unſ' Herrgott hadd för gaud inſeihn, in de letzten Dagen von den Februwori mi minen Heil⸗ Chriſt tau beſcheren, de tau Wihnachten utblewen was — denn dat möt Keiner glöwen, dat hei man blot Wihnachter⸗Abend beſchert, hei beſchert dat ganze Johr dörch, un en Heil⸗Chriſt kann alle Dag' kamen, un dat Kind⸗Jes, wat em bringt, ſüht ball ſo un ball ſo ut. Min Kind⸗Jes ſach an deſen Abend as en preußſchen Oberſt ut un kamm recht ſtramm in de Dör rinne. „Sie haben ſich um die Erlaubniß ſpazieren gehen zu dürfen an die Kommandantur gewandt,“ ſäd hei,„es iſt Ihnen dies geſtattet worden. Sie können ſich auf dem Feſtungswalle unter Aufſicht eines Unteroffiziers, den ich beſtimmen werde, Bewegung machen.“— Dat fung ſchön an, un en Strahl von de Frühjohrsſünn was all in min Hart follen.„Und hier,“ ſäd hei un langte — 142— in de Taſch,„iſt auch ein Brief von Ihrem Vater, er, ſchreibt ſehr freundlich an Sie und ſendet Ihnen Geld welches ich Ihnen nach Bedürfniß zukommen laſſen werde.“— Ik grep nah minen Breiw; dat let ſik hüt würklich wo nah an. De Oberſt gung an de Dör un röp:„Ordonnanz!“ Sin Ordonnanz kamm, hei namm ehr en Packet af, läd dat up den Diſch:„Bücher für Sie.“ Hei namm den Soldaten noch en Packet af:„Und hier ein paar an⸗ ſtändige Leuchter. Werfen Sie den Drahtleuchter zum Fenſter hinaus!— Gute Nacht!— Kähler, der Herr hat jetzt täglich einen halben Thaler zu verzehren!“ Dat was en Abend! En Breiw von minen Ollen; Geld in Hüll un in Füll; morgen ſpaziren gahn in Frühjohrsluft, all de lütten Mätens ganz in de Neg' ſeihn; nu dat ein Packet up! Göthe— Fauſt— Eg⸗ mont— Wilhem Meiſter; nu dat anner Packet up! twei lütte, wunderhübſche, fülwerne Spellüchter.— Rut mit den Drahtlüchter! Äwer nu, wo mit dat Sößlings⸗ licht hen? Up den einen Spellüchter? Ih, dat wir doch ſo, as wenn en Husknecht up en Vullblaudhingſt tau riden kümmt; dat geiht nich!„Vatter Kähler,“ ſegg ik, un ik was en ganz En'n gröter upſchaten, un Vatter Kähler was mine jitzigen Verhältniſſen gegenäwer en ganz En'n bet tauſamen krapen,„Va tter Kähler, halen S' mi mal twei Lichter, dat Stück taum Sülwergröſchen.“ — Vatter Kähler will all gahn.—„Holt,“ ſegg ir „Vatter Kähler!— Un denn— denn—... Süll woll up de Neg' en Bipſtück mit Bradtüften tau hewwen — ſin?— Ne, laten S' man!— Ik heww nu twei un en halw Johr nicks wider as Rindfleiſch tau ſeihn kregen, blot Wihnachten, Oſtern un Pingſten braden Bukſpeck, as en Happen för de Feſtdag'.— Ne, Vatter Kähler, wat meinen Sei? Süll woll Swinbraden...2“— Taum Glücken föll mi äwer noch tau rechter Tid in, dat ik jo för min ſchönes Geld vel wat Schöneres ver⸗ langen künn; ik let mi alſo de ſchönſten Gerichte dörch den Kopp gahn, denn worüm ſüll ik mi verkopſlagen? Na, tauletzt kamm ik denn alſo up Haſenbraden. De ſüll't ſin, dorin was ik nu faſt.„Alſo, Vatter Kähler, Haſenbrad!“ Vatter Kähler gung bet an de Dör.—„Oh, noch ein Wurd!— T langt woll nich, ſüs wull ik woll...“ —„„Wat wull'n Sei woll?““ frog Vatter Kähler.— „Je, ik meinte, ſo mit'ne halw Buddel Win? Awer man wollfeilen!“ ſet'te ik fix hentau, as ik ſach, dat hei ſik in den Kopp kratzen würd.— Endlich ſäd hei: „„Langen deiht't nich; äwer Sei müßten denn morgen ...*—„NJa,“ föll ik em in de Red',„dat geiht, ik müßt denn morgen wedder Kummisbrod knacken. Na, man tau!“ Un nah'ne halw Stun'n ſatt ik denn nu bi minen Haſenbraden un min halw Buddel Win, un vör mi ſtunnen twei ſchöne dicke Talglichter up de ſülwernen Lüchter, un Vatter Kähker hadd ordentlich updeckt un hadd ok'ne Salwjett mitbröcht.— Dat was en Heil⸗ Chriſt⸗Abend, un as oll Vatter Kähler gahn was, las ik minen Vader ſinen gauden Breiw noch mal, un dunn — 16— las ik in Wilhelm Meiſtern ſine Lihrjohren, un as ik an de Städ' kamm. Wer nie ſein Brod mit Thränen aß, Wer nie die kummervollen Nächte Auf ſeinem Bette weinend ſaß... dunn was mi tau Sinn, as wenn ik äwer mi ſülwſt rührt würd, un ik äwer mi ſülwſt weinen müßt. Un dat was ok ganz natürlich, denn ik was ſchön ſatt, un dat heww ik ümmer funnen in de Welt, dat Dejenigen, de recht ſchön ſatt ſünd, am lichtſten bi frömd Unglück rührt warden. Awer dorbi bliwwt dat denn ok, un wenn dat up würkliche Hülp ankümmt, denn ſünd ſei nich tau Hus, denn ſpringt ihre de Hungrige den Hung⸗ rigen bi. Den annern Morgen bröchte Vatter Kähler ſo hen⸗ tau elben den Unteroffzirer Altmann nah mi ruppe, de ſüll mit mi ſpaziren gahn. Na, dat geſchach denn nu ok, wi gungen up den Wall. Ach, wat was dat ſchön, wat was dat herrlich! Ik kunn in de Welt rinner ſeihn, hüren un athen. En Bom frilich gräunte noch nich, un keine Blaum bläuhte, de Wiſchen un Brinker hadden noch ehr oll verſchaten gelbrun Kled an, ehr ſchön niges, gräunes Kled was noch bi'n Snider; äwer de Snider let doch all velmal grüßen: in de negſte Woch' mit den letzten; wenn't Kled äwer mit Blaumen beſet't warden ſüll, künn hei't vör drei Wochen nich ſchaffen; un füllen't nich äwel nemen, dat hei nich ſülwſt kem, hei müßt noch— wat weit ik— in Italien oder in de ——— — 17— Türkey achter'n warmen Aben ſitten, hei ſchickte äwer vörlöpig ſinen eigenen Jungen, en lüftigen Slüngel, den Gruß äwer würd hei woll beſtellen. Na, un ſin Jung' was denn nu de ſchöne warme Frühjohrsluft, in de Allens all unſichtbor ſwemmt, wat dat Hart frölich maken kann.— Un min Hart was ok frölich,'t was ſchir tau vel! Dat det jo gor nich nödig, dat all de ollen lütten nüd⸗ lichen Frühjohrsgeſichter von Mätens mi up den Wall begegnen müßten; ik wir jo mit Ein taufreden weſt, mit eine Einzige, de an minen Arm hungen un mit mi in de Welt rinne ſeihn hadd. Awer wat kunn min Herr Unteroffzirer Altmann. dorför, dat hei nich as en jung; Mäten up de Welt kamen was; wat kunn hei dorför, dat hei juſt, wenn ik an Gras un Blaumen un an Friheit för mi un min Vaderland dachte, up Schnabeln verföll, wat en grug⸗ lichen Röwer un Mürder was un unner min Quartir in Keden un Banden ſatt? Ja, Schnabeln hadden ſei nu, hei was nu ok all— Gott ſei Dank!— taum Dod verurthelt, un Nacht un Dag brennte Licht in ſine düſtere Kamer, un en Attolleriſt ſtunn mit en blank „Seitengewehr“ vör ſine Britſch, denn dreimal was hei all utbraken un de faſteſten Warſchauer Slötter makte hei mit en Beſſenries un en Bindfaden up; äwer nu! Nu hadden ſei em iſerne Hanſchen antagen, nu müßt hei ſik gewen! Ach, du leiwer Gott, wo blew min Früh⸗ johr! Iſerne Hanſchen! Ik kunn jo ok mal mit iſerne Hanſchen bedacht warden. Olle Kamellen II. ‿ Un as min Herr Unteroffzirer Altmann mi dat grad utführlich vertellen ded, wo Schnabel mal vördem'ne Popp mit ſine Kledaſchen utſtoppt un up ſine Britſch leggt hadd, un wo hei ſülwſt in den iſernen Aben krapen was un dor lurt hadd, bet de Slüter kamen was un mit de utſtoppte Popp up de Britſch'ne Un⸗ nerhollung anfungen hadd, wo Schnabel dunn ut den Aben ſprungen was un den Slüter den ſworen iſernen Abendeckel in dat Gnick ſmeten hadd, dat de Mann tidlewens en Schaden dorvon namm, wo hei dorup twei ihrſame Börgers, de vör ſine Dör up Wach' ſtahn hadden, mit ehre leiwen Köpp tauſam ſtödd hadd, dat ſei för ümmer wat düſig blewen wiren, un endlich ſo up de Strat un in Friheit kamen was— grad dunn, ſegg ik, as mi ok ſo tau Maud' was, as müggt ik den Herrn Unteroffzirer ſinen Kopp ok mit en annern tauſam ſtöten, dat hei ok tidlewens düſig blew— grad dunn gungen uns en por Damen vörbi, un de ein kek mi merkwürdig an, un as ik mi ümſach, was ſei ſtill ſtahn blewen un kek ſik ok nah mi üm. Wat was dat för en fründliches, hübſches Ge⸗ ſicht! Wo trurig un wo leiw ſegen de ſchönen Ogen ut! Un deſe ſchönen Ogen hadden mi nahkeken! Wat is nu ſchöner, en Frühjohrsdag oder en por ſchöne Ogen?— Denn von minen Herrn Unteroffzirer un von Schnabeln will ik wider nicks nich ſeggen.— Ach, ik mein doch en por Ogen! In ſo'n Frühjohrs⸗ dag kann Einer rinner ſeihn wid weg— ja wid weg — ſchön ist; äwer je wider hei ſüht, deſto trüwer * un dunſtiger ward dat; in ſoe'n Mätens⸗Og. kann Einer rinner ſeihn— deip un ümmer deiper— un je wider hei ſüht, je klorer ward dat, un ganz unnen in'n Grun'n dor liggt de Hewen, un den ſine blagen Wunner hett noch kein Minſchen⸗Og dörch ſeihn. „Wer was dat?“ frog ik.„Kennen Sei de Dam'?“ —„„Gewiß!““ ſäd de Herr Unteroffzirer Altmann un läd de Hand an den Schacko, as wull hei ſine Honnürs maken,„„t is de einzigſte Dochter von den tweiten Kummandanten, Oberſten B., un annere Kinner hett hei äwerall nich.— Schnabel hett twei Kinner, de....““ „Dauhn S' mi den einzigen Gefallen,“ ſegg ik,„un laten S' Schnabeln nu ganz ruhig ſitten.“ „„Ih, wo denken Sei hen!““ ſäd de Herr Unter⸗ offzirer.„„De kann jo gor nich ruh hig ſitten, de Attol⸗ leriſt, de vör ſin Britſch ſteiht, ward jo alle twei Stun'n aflöſ't, un ahn Hiedensorien geiht jo dat nich af.— Schnabel ſeggt ok....““ „Na, will'n man nah Hus gahn,“ ſäd ik un folgte dat ſchöne Mäten ut de Firn nah; äwer in ehre Ogen ſach ik meindag' nich wedder, un dat was gaud. Wenn Einer lang' in den Schatten ſeten hett, un hei kickt denn mit einmal in de leiwe Gottesſünn, denn kann hei blind warden, un wenn Einer ſinen Dag äwer in den Keller rümmer handtirt hett, un kümmt rut un kickt in den blagen Hewen, denn flirrt em dat vör de Ogen un hei kann düſig warden, un kann't bliwen ſin Lewen lang. Dat grötſte Elend, wat mines Wiſſens noch kein 2* — — 20— 3 von de Herrn Romanſchriwers utführlich beſchrewen hett, is, wenn ſik ſoen arm, jung', inſpunnte Student in'ne Kummandantendochter verleiwt. Dat weit Keiner, wo dat deiht; äwer wi weiten Beſcheid, wi hewwen dat dörchmakt. Kapittel 3. Wo ik för en Row⸗Mürder anſeihn würd un worüm ik den Oberſten B. för en Landsmann von mi eſtimiren müßt; un wo⸗ rüm de Herr Juſtizrath Schröder in Treptow eigentlich de Mei⸗ nung is, ik hadd köppt warden müßt. Ditmal kamm dat nich tau ſo'n Elend, ditmal red⸗ dete mi Schnabel. Min Herr Unteroffzirer let mi nich Tid, mi in dat ſchöne Mäten tau verleiwen; grad wenn mi ſo recht hell tau Sinn was, dat ik mi de ſchöne Kummandantendochter ſo recht lewig vörſtellen wull, as wenn up Stun'ns Einer in ſo'n Ding von Stereoſkop rinner kickt, denn ret de Herr Unteroffzirer mine lütte, ſäute Herzenskummandantin unner dat Glas weg un ſchow Schnabeln mit„Sprenger, Weife“ un iſerne Hanſchen unner dat Glas. Wi kemen nah Hus, Vatter Kähler ſnabbte mi wedder rin in dat Lock, un dor ſatt ik nu, un in mi hüppte un prickelte Allens, nich blot Adern un Ner⸗ ven, ne! Sülpſt de ollen Knaken hadden ſik, as wull jeder von ehr up eigen Hand ſpaziren gahn. Nu was eigentlich de richtige Tid un Stun'n tau hen ordentlich un regelmäßig Verleiwen; äwer't was ok 4 grad Tid un Stun'n taum Middageten. T is wohr, wenn Einer viruntwintig Johr olt is, geiht Einer hell⸗ ſchen fix up dat Verleiwen in, äwerſten gewiß eben ſo fir up dat Middagbrod. Vatter Kähler kamm rin un ſtellte ne Ort Supp⸗Eten up den Diſch mit Hamel⸗ fleiſch un Arwten un Tüften un Kohl un Räuben. „Na,“ ſegg ik,„en por von dat Geſäuſ' hadd denn doch ok weg bliwen künnt; de Sak is mi denn doch tau kunterbunt.“ Ik kunn jo dat ſeggen, ik hadd jo däglich en halwen Daler tau vertehren. „„Sei hewwen Recht,““ ſäd Vatter Kähler,„„äwer ik kak jo nich för Sei allein, ik kak jo ok för all de Annern, un dit hett ſik Einer utdrücklich beſtellt, den ſin Ihrendag morgen is, un hüt is ſin Dodesurthel vonen König trügg kamen, un morgen ward Schnabel köppt.““ „All wedder Schnabel!“ raup ik un ſpring' tau Höchten un kik ut dat Finſter rut. „„Stellen Sei ſik dor nich hen,““ ſeggt Vatter Kähler,„„ſeihn Sei blot, wat dor för en Hümpel Minſchen ſteiht, de willen all Schnabeln ſeihn, un wil dat nich mäglich is, indem dat hei in'ne düſter Kamer ſitt, künnen ſei Sei för Schnabeln anſeihn un denn künn dat en Uplop gewen.““ Gott in'n hogen Himmel! Wat hadd ik mit Schna⸗ beln tau dauhn? Hadd ik denn würklich ſon Röwer⸗ un Mürdergeſicht.'T müßt jo woll ſin, denn knapp hadd ik uii an dat Finſter ſtellt, dunn bröllte dat Volk unnen:„Kikt dor! Schnabel! Schnabel!“ — 22— Ik prallte von dat Finſter taurügg.„Vatter Käh⸗ ler,“ ſäd ik,„heww ik ÄAhnlichkeit mit den unglück⸗ lichen Minſchen?“—„„Gott bewohre!““ ſäd hei. „„Hei is von Geburt en Snidergeſell, un hellſchen ſmächtig von Liw', un Sei ſünd jo ſchön breid in den Schullern.““ „Schnabel raus!“ bröllte dat Volk buten. Ik ſet'te mi up minen Strohſack dal, läd den Kopp in de Hand un ſunn'ne Tidlang nah un ſäd denn endlich:„Vatter Kähler, ik heww mines Wiſſens mein⸗ dag' keinen Minſchen ümbröcht, ok Keinen dat Sinige namen.“— „„Dat glöw ik,““ ſäd Vatter Kähler,„„ſüs würd de Oberſt nich ſo fründlich tau Sei ſin.““ „Worüm is hei eigentlich ſo fründlich tau mi?“ Vatter Kähler gung ganz dicht an mi ran un fluſtert mi in de Uhren:„„Hei weit, wo dat deiht. Hei hett ok all mal ſeten.““—„Wat?“ ſegg ik,„de tweite Kummandant hett ſeten?“—„„Ja, tau vir Johr was hei verurthelt, äwer de König hett em mit en halw loslaten.““—„Wo's denn dat kamen?“ frog ik.—„„Je,““ ſäd hei,„„dat is ok ſo'ne Ge⸗ ſchicht; ik red dor nich äwer, fragen Sei Altmannen dornah, de weit't ganz genau.““ „Mi is ſo wat noch nich vörkamen von Fründlich⸗ keit,“ ſegg ik,„un dat för en ganz frömden Min⸗ ſchen.“—„„Sei mägen em jo woll nich ganz frömd ſin,““ ſeggt hei,„„denn hei is jo en Landsman von Sei.“—„Alſo doch?“ frog ik.—„„Ja,““ ſeggt — 23— Vatter Kähler,„„dat ward woll ſinen Grund hewwen, denn hir in de Stadt wahnt en Snidermeiſter, wat en gauden Fründ von minen Swigerſähn is, de ſtammt ut Friedland in Strelitz⸗Meckelborg un de hett uns oft vertellt, dat de Oberſt en Landsmann von em wir, un dat hei ok ſine Ollern kennt hett, wat ganz gewöhn⸗ liche Kathenlüd' weſt ſünd.““—„Awer,“ raup ik ut, „wo Dauſend is hei denn taum Oberſten kamen?“— „„Oh, wat meinen Sei? Hei hett all lang' deint, hei is all dunn, as Schill dörch Meckelborg trecken ded, as halwwuſſen Knecht mit em gahn, un nahſten hett hei ſik ſo dörchfäuhlt nah Oſtpreußen un is dunn mit dat Yorkſche Anno 12 nah Rußland gahn, hett Anno 13, 14 un 15 mitmakt, un as ik nahſten in Breslau ſtunn, dunn was hei Rittmeiſter bi't irſte Küraſſirregiment. Dor was hei denn nu as Uhl mang de Kreihen; alle Offzirers bi dat Regiment wiren Eddellüd', hei was de einzigſte Börgerliche, un dorüm wullen ſei em alſo wegbiten; äwer hei gung nich, hei höll ſei ſik von'n Liw'. Na, dat hadd denn nu woll ſine Tid wohrt, un tauletzt hadden ſei em denn nu doch woll dümpelt, wenn de oll lütt pucklich General Hans von Ziethen nich weſt wir, de höll em; un dat was man en lütten Kirl, äwer en krätigen Kirl, de ſik ſo licht nich an den Wagen führen let.— Nu ſegen denn de Herrn, dat ſei dor nich mit dörchkemen; äwer ſei leten nich ſacken, ſei verſöchten't mal up'ne anner Manir un makten'ne grote Ingaw' bi unſern König, wo dat doch nich aſſiſtiren künn, dat bi dat öllſte Regiment in den ganzen preuß'ſchen Staat, — 24— wat all bi Fehrbellin vör den Find ſtahn hadd, en Börgerlicher as Offzirer ſtünn.““ „Ih, dat's jo recht nüdlich, Vatter Kähler,“ ſegg ik,„de Herrn hewwen blot vergeten, dat bi Fehrbellin en Snidergeſell dat Regiment kummandirt hett.“ „„Dat weit ik nich,““ ſäd Vatter Kähler,„„dat's vör min Tid weſt; äwer ſo vel weit ik, hei müßt weg; denn wat ded unſ' allergnedigſte König?— Hei wull de Herrn Offzirers nich vör den Kopp ſtöten, un den Rittmeiſter wull hei doch nich miſſen, hei makt em alſo taum Majur, äwer ok tauglik taum Eddelmann.— Wat ded äwer unſ' gaud Herr Oberſt? Hei ſtek den Majur ruhig in de Taſch un för den Eddelmann be⸗ dankt hei ſik, hei wull nich dörch de Pikanteri von ſin Kammeraden Eddelmann warden.— Na, nu was jo denn natürlich dat Kalw in't Og ſlagen, nu müßt hei furt, un ſo würd hei denn hir tweite Kummandant, denn ſei ſeggen jo All, de König höllt trotz alledem noch grote Stücken up em.— Un dat ſtrid ik gor nich,““ ſet'te oll Vatter Kähler hentau,„„denn bi de anner oll ekliche Geſchicht, de hei hir nahſten hadd, wo hei den Sträfling dodſtek, un wo ſei em mit vir Johr Feſtung bedachten, läd ſik jo ok de König in't Middel, dat hei mit en halw Johr afkem.“ „Wo was denn dat?“ frog ik. „„Dor möten Sei Altmannen nah fragen, de is jo dor mit bi weſt. Ik bün en ollen Mann un heww Fru un Kinner, un äwer mine Vörgeſetzten red ik äwerall nich; tau dem is de Oberſt en gauden — — 25— Mann gegen mi, un wotau ſall ik achter ſinen Rüggen von Ding' reden, de em all griſ' Hor naug makt hew⸗ wen, un de em von's Morgens bet's Abends in den Kopp liggen? Denn ſörredem is hei ſihr verännert; dat kann Einer marken, ahn dat hei tau de groten Prophe⸗ ten hürt. 4 Oll Vatter Kähler gung, un oll Vatter Kähler was en braven Mann, dat hürt ik un ſach ik, denn hei was up ſine Ort ganz trurig worden. Ik dachte äwer den Ollen ſine Vertellung nah.— Alſo doch en Meckelnbörger, en Landsmann! Hei un Schill⸗Sommer, beid' Kammeraden!— De Ein ver⸗ dorben un ſtorben, de Anner in Ihren un Würden un ge⸗ ſund un kräftig.— Schnabel föll mi in: wi wiren jo ok Kammeraden, beid' taum Dod verurthelt, hei ſatt unnen un ik baben, blot dörch en ſwacken Windelbähn von einanner ſcheidt. Wi hadden beid grugliche Verbre⸗ ken begahn; hei hadd en por Minſchen ümbröcht un ik hadd up eine dütſche Uneverſetät an den hellen lichten Dag de dütſchen Farwen dragen!— Wi hadden dat ſülwige Urthel, un nu ſatt hei in Angſten un Dodes⸗ nöthen, un mi krümmt Keiner en Hor.— Worüm dat? — Wo kamm dat? „Lieber Freund,“ ſäd ſpäderhen de Herr Juſtizrath Schröder tau mi, as ik em de Sak vertellte un deſe Frag' vörläd,„nichts einfacher als dies: der König hat Sie begnadigt, ihn nicht.“ „„Nich begnadigt,““ ſäd ik.„„Kraft oberſtrich⸗ terliche Gewalt hett hei de Straf in'ne Feſtungsſtraf — 26— verännert; un wo bliwwt denn dat Richteramt, wenn't mit de Gewalt tauſamſtellt ward?““ „Nun, Sie glauben doch nicht,“ ſäd hei,„daß der König von Preußen wegen ſolcher Bagatelle hundert junge Leute hinrichten laſſen werde?“ „„Worüm nich?““ frog ik.„„Wenn nu ſo'n achte Hinrich von England, oder en rußſchen Peiter, oder blot man ſo'n Nillas un ſo'n verrückten Korl von Brunswik up den preußſchen Thron ſeten hadd— worüm nich?““ „Gegen ſo einen Mißbrauch der Todesſtrafe ſchützt uns die Humanität der Regierung und der Zeit. Todesſtrafe muß ſein; die menſchliche Geſellſchaft muß die Gewalt haben, ſich der Beſtien aus ihrer Mitte zu entledigen.“ „„Dank för't Kumpelment!““ ſegg ik.„„Awer, Herr Juſtizrath, Humanität is up Stun'ns nicks wider, as en falſchen Gröſchen; blot de Gaudmäudigen un de Dummen nemen em; äwer de em utgewen un dormit tau Mark trecken, de häuden ſik.— Un wat de Dods⸗ ſtraf un ehre Nützlichkeit anbedrapen deiht, ſo wünſcht ik, Sei wiren mal mit deſe Weig' weigt; mäglich, dat Sei denn de Ogen upgüngen.““ „Sie haben ſich nicht zu beſchweren, denn das Ge⸗ ſetz ſagt ausdrücklich: Conat des Hochverraths wird be⸗ ſtraft, wie der Hochverrath ſelbſt. Nach Ihrer eigenen Ausſage iſt der conſtatirte Zweck Ihrer Verbindung ge⸗ weſen:„Herbeiführung eines auf Volksfreiheit und Volks⸗ einheit gegründeten deutſchen Staatslebens;“ dies hat man richterlicherſeits für einen Conat des Hochver⸗ raths angeſehen; ob mit Recht oder Unrecht laſſe ich — 27— dahin geſtellt(Notabene dit was nah 1848); aber das Geſetz iſt ſalvirt.“ „„Na, Herr Juſtizrath, denn will ik Sei wat ſeggen, denn hett dat Geſetz un de Humanität ſik gegenſidig taum Nahren; entweder dat Geſetz möt de Humanität afſchaffen, oder de Humanität dat Geſetz.— So, as ſik dat herutſtellt hett, was't en Puppenſpill, en grau⸗ ſames Puppenſpill!— Nich ſo ſihr grauſam gegen uns, as gegen unſ' ollen Ollern, un vel Minſchenglück is dormit tau Grun'n richt't. Ik bün en Gegner von de Dodsſtraf, un wer will mi't verdenken? Wer in't Water ollen un binah dorin verdrunken is, mag't Water nich recht liden; un nich ik allein, ne, en Jeder kann in't Water fallen.— Ik heww mal en tweiſnidiges Metz ſeihn, womit en Wahnſinnige en Minſchen ümbröcht hadd, mi grugte vör dat Metz, un eben ſo grugt mi ok vör en tweiſnidig Geſetz, wat Einer dreihn un wennen kann, as en natten Hanſchen, taumal, wenn dit Geſetz in de Hand von einen Wahnſinnigen gewen ward. Un de ſogenannte Referent in unſ' Sak, de Herr von Tſchoppe, de ut de Akten den gruglichen Hochverraths⸗ Conat rute dreſſelt hadd, was wahnſinnig un ſtüͤrw ok as en Wahnſinnige. Den hadden ſei tau rechter Tid inſpunnen ſullt, denn wiren Duſende von Familien vör unnütz Elend un Angſt bewohrt blewen.— Un wat hadden wi denn dahn?— 1 Nicks, gor nicks. Blot in unſ' Verſammlungen un unner vir Ogen hadden wi von Ding' redt, de jetzt up apne Strat fri utſchrigt warden, von Dütſchlands Fri⸗ — 28— heit un Einigkeit, äwer taum Handeln wiren wi tau ſwack, taum Schriwen tau dumm, dorüm folgten wi de olle dütſche Mod', wi redten blot doräwer. Dat was jo äwer ok naug för ſo en geſchickten Unnerſäukungs⸗ Richter, as unſ' Unkel Dammbach was, de grad in ſine beſte Carriere was un nu doch nich ſlüppen laten kunn. So würd denn nu alſo ut en frien, frölichen Sünnen⸗ pruſt en Dunnerſlag makt, un dat Dodsurthel würd ſpraken ahn alle Entſcheidungsgrün'n, denn, obſchonſt ſei uns verſproken ſei nahtauliwern, ſünd ſei in de Hor drögt, un wi hewwen ſ' meindag' nich tau ſeihn kregen. Stats deſſen wiren de Dicknäſigen, de dunn an't Räu⸗ der ſeten, hellſchen parat, allerlei gefährliche Geſchichten von Demagogen un Königsmürders in Umlop tau brin⸗ gen,— un doch— Gott vergewt ehr!— ſei wüßten am beſten, dat Allens utgeſtunkene Läg' wir. Vertheidiger kunnen wi uns nich wählen, de würden uns ſet't; min, de mi faſt verſprok, dat ik in min Vaderland, Meckeln⸗ borg, müßt utliwert warden, hett mi up keinen Breiw, den ik an em ſchrewen heww, antwurt't.— Nemen S' nich äwel, Herr Juſtizrath, ik bün en beten von't Hun⸗ nert in't Duſend geraden; äwer wenn ik an de Nütz⸗ lichkeit von de Dodsſtraf un denn wedder an de Huma⸗ nität denk, de mi von Gerichtswegen tauflaten is, denn bömt ſik in mi ſo allerlei up un ſtött min Gedanken as Kohl un Räuben dörchenanner.““ Kapittel 4. Mutter, mi grugt. Worüm ik mi mit den Herrn Unteroffzirer Altmann vertürn müßt, un worüm de Oberſt B. up de Feſtung kamen was, un dat ik wedder inpackt un nah M. afſchickt würd. So redte ik nah Johren; den Nahmiddag un Abend äwer, von den ik eben ſeggt heww, was mi nich taum Reſonniren tau Sinn, up mi lagg dat as de Mort, un de Gedanken an dat unglückſelige Minſchenworm unner mi ſtödden mi binah dat Hart af. Unner mi, dörch en ſwackes Minſchenwark von mi ſcheidt, ſtunn de Dod; hei was nich unverhofft kamen, as de Slap in de Kinnerjohren, hei was nich allmählig kamen, un dat Og hadd ſik an em gewennt; mit einem Mal hadd hei ſik an dat Lager von den Mürder ſtellt un ſtunn dor wis in ſine gruglichſte Geſtalt un rüppelte un rögte ſik nich un wiſ'te em Biller, blaudrode Biller, all ein bi ein, jo kein äwerſlagen! „Licht aus!“ röp de Schildwach von buten nah min Finſter rup; de Klock was teihn, von nu an müßt ik in'n Düſtern ſitten. Ik was nich gruglich; ik hadd up de Feſtung, von wo ik kamen was, Johre lang in'ne düſtere Kaſematt ſeten, unner mi bruſ'te un hulte de Stormwind dörch den langen, unnerirdſchen Gang, de dörch de ganze Feſtung gung, links von mi was de Feſtungskirch, hinner mi en düſtres Lock, wo de Röwer un Mürder Exner, von den Pitaval vertellt, in Keden un Banden an de Mur anſlaten weſt wir— ik hadd 6 mi nich grugt, ik wir oftmals des Nachtens dörch de Kirch gahn, de in Fredenstiden tau'ne Ort Mondi⸗ rungskamer brukt würd. Dor hungen de Wänrn ent⸗ lang olle witte, öſtreichſche Mantels, äwer jeden hung en Schacko, unner jeden ſtun'n en por Stäweln, de Finſtern wiren utnamen, dormit dat Tüg hübſch luftig hängen ſüll, un nu wewten un ſwewten de witten Man⸗ tels unner den Schacko un äwer de Stäweln de Wand entlang, un't was, as wenn de Geiſter von de ollen Oſtreicher, de bi Prag un Leuthen follen wiren, noch einmal in Reih' un Glid ſtün'n un noch einmal in'n Stormſchritt vörrücken müßten.— Ik hadd dat üm Middernacht ſeihn, äwer grugt hadd ik mi nich. Hüt grugte mi. Ik horkte un horkte nah jeden Ton, de von unnen ruppe kamm, un de lang' horkt, de hürt ok wat. Dat huſchte un ſtähnte üm mi rüm— dat was jo nicks, kunn jo nicks ſin; dat wiren jo blot min Gedanken!— Ja, äwer deſe Gedanken wiren ut mi rute treden un wiren üm mi lewig worden, un min Uhr glöwt ſei tau hüren, un min Og ſei tau ſeihn, un dat was de Grugel. Dat was'ne lange Nacht un'ne lange Qual!— Un ſo is de Minſch!— Tauletzt dacht ik blot noch an mi un nich an den Unſeligen unner mi; ik dankte Gott för den Morgen, de em ſo ſchrecklich upgahn müßt. Unner mi würd dat lewig, en Wagen führte lang⸗ ſam vör de Dör, nah en beten führte de Wagen langſam wedder furt; ik kek nich rut— mi was flicht tau Mand—— Den Nahmiddag kamm de Herr Unteroffzirer Alt⸗ mann un wull mi taum Spazirengahn afhalen:„Nemen S' nich äwel,“ ſäd hei, as hei in min Gefängniß rinne kamm,„dat ik nich all hüt morrn kamen bün; äwer ik müßt noch bi Schnabeln......*„„Hollen S' Ehr Mul von Schnabeln!““ fohrt ik em an. De Mann würd ordentlich verſtutzt äwer mine Haſtigkeit; äwer dat wohrte nich lang' hei kek mi ruhig an, denn hei was en Unteroffzirer in geſetzten Johren un hadd ſik in ſinen Lewen wat verſöcht:„Schön,“ ſäd hei,„wenn Sei min Unnerhollung nich geföllt, denn kann ſei nahbliwen; ik bün blot kummandirt, mit Sei up den Wall ſpaziren tau gahn.— Is't Sei alſo nu gefällig?“ Wi gungen up den Wall! de Herr Unteroffzirer gung twei Schritt ſidwarts achter mi, as wenn hei mi an'n Strick höll un mi tau Mark leddt, as de Bur ſin Farken.— Wi gungen den Wall entlang, wi gungen wedder t'rügg, ik kunn't nich länger uthollen, ik hadd den Mann Unrecht dahn; hei hadd' gaud meint, un ik was groww weſt. Ik dreiht mi alſo üm un ſäd: „Herr Unteroffzirer, nemen S' mi mine haſtigen Würd' nich äwel; ik heww deſ' Dag' ümmer blot von Schnabeln hürt, un de ganze Nacht is hei mi nich ut den Sinn kamen, dat ik kein Og taudahn heww, un as Sei nu hüt dormit wedder in de Dör rinne kemen, un ik mi dacht hadd, de Spazirgang ſüll mi up anner Gedanken bringen....“ „„Na, laten S' man,““ antwurt't hei mi,„„mi — 32— makt dat man ſo'n beten verſtutzt, dat ik binah de ſülwige Antwurd kreg, as hüt morrn bi den tweiten Kummandanten. Denn de ſüll eigentlich hüt morrn de Exkutſchon mit afwohren, hei hett ſik äwer krank mellen laten, un as ik em hüt morrn Rapport afſtatten ded un em de Sak utführlich vertellen wull— denn ik bün dor mit taugegen weſt— fohrt hei mi ok ſo an un wull nicks dorvon weiten.““ „Worüm dat?“ frog ik.—„„Je, wat weit ik?““ ſäd hei.„„Sörredem de Mann dunn dat Unglück mit den Sträfling hadd, is hei ſihr verännert, hei was'ne wohre Seel von'n Mann, nu is hei oft haſtig un up⸗ fohrend, un't is, as wenn em de Unrauh plagt.““ „Na, is dat mit den Sträfling en Geheimniß?“ frog ik.„Oll Vatter Kähler hett ok all dorvon ſeggt; äwer hei wull mi kein Utkunft gewen.“ „„Oll Vatter Kähler is en Haſ',““ ſäd de Herr Unteroffzirer,„„de Geſchicht weit jedes Kind up de Strat, un ſei is jo ok gerichtlich makt, un ik was de Nacht grad up Wach un heww ok in de Sak nahſten tügen müßt.— Dat was grad Wihnacht heilig Abend, un't ſünd nu en beten äwer vir Johr, un ik müßt up den „Stern“ up Wach. Nu hadden ſik de Sträfling' vör deſe Nacht fri Nacht losbeden, dat ſei ſik en beten tauſam freuen wullen un ok Licht in de Kaſematten brennen dürwten. Na, dat gung denn in de Irſt ok ganz gaud, ſei eten un drunken un ſungen tauſam un hadden ſik denn ok Bramwin kamen laten; un den is jo nu dat Volk nich gewennt, denn ſo as ſei annerthalwen Sül⸗ — 33— wergröſchen däglich tau vertehren hewwen un up drei Dag' fiw Pund Kummisbrod, ſo will dat för en Sluck nicks afſmiten. Na,'t durt ok nich lang', dunn hadden ſei wat in den Kopp, un de Slägeri gung los. Wi alſo mang ehr rinne un höllen Stüer, un wenn de Leutnant, de de Wach kummandirt, äwerſt man noch en blaudjungen Minſch was, ſin Lüd' kennt hadd un de Kirls in ehre Kaſematten hadd inſluten laten, denn wir Allens gaud gahn, ſo äwer let hei ſik dörch ehr Bidden begäuſchen un let ſei tauſam bliwen. Dat was en groten Fehler, un ut den müßt wat Slimmes rute bräuden.— Dat durt denn ok nich lang', dunn was de Larm wedder in den Gang', un as wi nu wedder dormang kemen, hadd ſik dat Blatt wenrnt, ſei ſlogen ſik nich mihr unnerenanner, ne, ſei fungen an uns tau drängen; unſ' Leutnant wull jo woll de Verantwurt⸗ lichkeit nich up ſik laden, Gewalt bruken tau laten, hei kummandirte uns taurügg un let dat Dur beſetten, un dor ſtunnen wi nu„Bangenett gefällt!“ un vör uns en hunnert un föftig Sträfling' in vulle Rebelljon. Unſ' Leutnant wüßt ſik nich tau raden, hei ſchickte alſo 'ne Ordonnanz an den tweiten Kummandanten, dat de Rath ſchaffen ſüll.— De Oberſt was den Abend ok in'ne luſtige Geſellſchaft weſt, hei kamm tworſt glik up de Städ'; äwer Einer kunn't em anſeihn, dat hei ut ſo'ne Geſellſchaft kamm— un dat ded em nahſten den Damp— hei ſach rod in't Geſicht ut, drängte ſik ahn wider wat tau ſeggen mang uns dörch, gung ſtrack up de Kirls los un fragte mit haſtige, lude Stimm⸗ Olle Kamellen II. 3 3 — 34— wat ſei wullen?— Sei wullen ehr fri Nacht hewwen, ſei wullen beteres Brod hewwen, ſei wullen.... un nu ſchreg Allens dörchenanner, wat ſei Allens hewwen wullen.— Einer ſüll reden! röp de Oberſt.— Dunn ſprung en langen Kirl vör,'t was en Snidergeſell un hadd en Bänkenbein in de Fuſt un röp:„Mit Gauden is hir doch nicks tau maken!“ un gung up den Oberſten los.— De ſtunn wis, ahn ſik tau rögen, un as em de Snidergeſell neger kamm, röp hei raſch achtern anner:„„Kerl, bleib mir vom Leibe!— Kerl, bleib mir vom Leibe!— Bleib mir vom Leibe oder....!““* — Hei ſtödd tau, un de Kirl lagg up de Städ' dod tau ſinen Fäuten. Seihn S, Herr, ik bün mit tau Feld weſt as At⸗ tolleriſt, un bi Kulm würd' de ganze Mannſchaft von min Batteri von de pohl'ſchen Hulahnen äwerreden un dodſteken bet up mi; äwer mi is nich ſo gräſen worden, un ik heww mi nich ſo verfirt as bi deſen enzelnen Fall. Dat möt doch dorvon kamen, dat Einer bi ſo'n Gefecht up Allens fat't is un tau'ne anner Tid nich. De Sträfling' müßten ſik ok ſo verfirt hewwen, denn kein Wurd let ſik hüren, un ſei drängten ſik ordentlich, dat man en Jeder fix in ſin Kaſematt herinne kamm. As de Letzten inſlaten wiren, ſtunn de Oberſt noch ümmer, ahn en Wurd tau ſpreken, up den Platz, dreihte ſik dunn kort üm, gung mang uns dörch un ſäd nich witt noch ſwart, un was noch, as ik man hürt heww, de ſülwige Nacht taum irſten Kummandanten gahn, hadd ſinen Degen afliwert un ſik taum Arreſt mellt. Dat Standrecht würd äwer em hollen, un ik müßt ok as Tüg' vör. Sei frogen vör Allen, ob de Oberſt wat in den Kopp hatt hadd.— Ja, wat wüßt ik? Haſtig was hei ankamen, haſtig hadd hei redt, haſtig hadd hei handelt un rod ſach hei in't Geſicht ut— mihr kunnen wi All nich ſeggen; äwer weck von ſine Geſellſchaft, mit de hei tauſam ſeten hadd, warden woll anners utſeggt hewwen; hei würd tau vir Johr Feſtung verurthelt. Un worüm? Wilt en Minſchen⸗ lewen was; un wenn't ok man en ſlichtes was, dat Lewen von einen Sträfling, de tau twintig Johr wegen Row un Deiwſtahl verurthelt was, mit en Minſchen⸗ lewen ſall Einer doch nich ſpillunken.““ En por Dag' nah deſe Vertellung föll wedder gru⸗ ſiges Weder in: min ſchön Frühjohr hadd lagen; un ik ſatt wedder achter mine Gardinen un kek in't Weder, wo de Wind mit den Snei towte, un de Ort von Behagen kamm äwer mi, wenn ik ſo den armen Schelm von Schildwach vör de Gewehren up un dal lopen un in den Snei rümmertrampſen ſach, dat hei ſik de Fäut warm höll.— Wenn buten de Sünn ſchint, un de Vägel ſingen, un de Blaumen bläuhn, wenn alle Welt ſik freut, un de Harten luſtiger ſlagen, denn is't för en Gefangen de ſlimmſte Tid; ſine beſte Tid is, wenn de Regen gütt, un de Stormwind raſt un den Snei in willen Warbel tauſamen jöggt.— T ſünd nu ſörredem vele Johren vergahn; äwer dit Gefäuhl is mi von jenne Tid her noch blewen, ik kann Stunnen⸗ lang in ſo'n willes Weder ſeihn, un mi ward denn ſo 3* 11 — 36— ſtill un ſacht tau Sinn, mi is denn, as wenn dat ſchurige Weder buten mine ſlimmen Johren ſünd, de nich mihr an mi ran kamen känen un vergews üm mi rümmer raſen, un'ne Trurigkeit kümmt denn äwer mi, dat grad dit wille Weder in min Lewensfrühjohr in⸗ fallen müßt; äwer— Gott ſei Dank!—'t is keine bittere Trurigkeit, denn unſ' Herrgott hett mi einen ſchönen warmen Aben ſet't, dat ik binnen warm bün. Ik was nu all gegen ſöß Wochen an Urt un Städ', un hadd all de Hoffnung, ik würd hir bliwen, wo ſik dat all ſo ſchön anlet; äwer deſe Hoffnung, dit Frühjohr von mine Taukunft hadd lagen. Eins ˙s Abends kamm de Oberſt un ſäd mi: t wir Order kamen, ik ſüll von hir furt.—„Wohen?“ frog ik.— „„Nah M.,““ was de Antwurt.— Dat was ſlicht Weder! M. was de Höll för uns; ik hadd dor en Vägelken von ſingen hürt.— Awer wat hülp dat All; äwermorgen ſüll't losgahn. Ik ſet'te mi den annern Dag hen, ſchrew an minen Vader, makte Reknung mit oll Vatter Kählern, ſäd den Unteroffzirer Altmann Adjüs, packte minen Klapperkram tauſamen un ſatt nu wedder twiſchen Dör un Angel, twiſchen Bom un Bork, kunn nicks för mi dauhn un müßt aftäuwen, wo't warden ſüll. Den Abend vör mine Afreiſ' kamm de Oberſt wedder un ſäd mi Adjüs.„Ich habe Ihre Reiſe ſo angeordnet,“ ſäd hei,„daß Sie nicht mit Extrapoſt nach M. befördert werden. Sie werden in kurzen Tagereiſen von Ort zu Ort reiſen; ich denke mir, dies 25 — 37— wird Ihnen lieber ſein.“— De Mann wüßt Beſcheid; hei wüßt, wat en Gefangen gaud ded.— Ik bedankt mi bi em un— worüm ſüll ik dat nich ingeſtahn— de hellen Thranen lepen mi äwer de Backen, as wenn ik von minen beſten Fründ up ümmer Afſchid nem. Un hei was en Fründ, un ik heww em meindag' nich wedder ſeihn.— 4 Kapittel 5. Worüm Schauſter Bank mi en Por Stäweln nich mihr för ſöß Daler maken wull. Wat ſik de Herr Poſtkummiſſorius mit den General Kalkreuth vertellte, un de Fru Poſtkummiſſoriuſſen mit mi. Worüm en Swin vörwarts führt warden möt, un de Fru Poſtkummiſſoriuſſen dat Allerheiligſte upſlot. Worüm deſe Ge⸗ ſchicht en trurig En'n nimmt. Acht Johr kunnen vergahn ſin, ik was all lang' friz ik was Landmann worden; ik gung mit Stulp⸗ ſtäweln un korte Hoſen in de Welt herüm; ik was en hellſchen Kirl, de ganze Damm, de hürte mi tau. Ik was noch mal ſo breid worden, as ik weſt was, un Schauſter Bank, wat noch en ollen Spelkammerad von mi was, ſäd:„Fritzing,“ ſäd hei,„mit Utnam von oll Bäcker Haufnageln heſt Du de dickſten Waden in de ganze Stadt; de Deuwel mak Di'n Por Stulpſtäweln för ſöß Daler!“ FSril Fri! un denn Landluft un Landbrod un von Morgens bet's Abends en deipen Drunk friſche Luft, 38 un Gottes Herrlichkeit rings herüm, blot taum Tau⸗ langen; un ümmer wat tau dauhn, hüt dit un morgen dat; äwer Allens in de beſte Regelmäßigkeit, dat dat ümmer ſtimmt mit de Natur, dat makt de Backen rod un den Sinn friſch, dat is en Bad för Seel un Liw, un wenn de ollen Knaken un Sehnen ok mal mäud warden un up den Grund ſacken willen, de Seel ſwemmt ümmer luſtig baben. Ik ſegen de Landwirthſchaft, ſei hett mi geſund makt un hett mi friſchen Maud in de Adern gaten. Un wenn Einer ok nich ſo vel dorbi lihren deiht, as en Anner, de bi dat allergelihrteſte Maſtfauder up'ne Univerſität ſmeten is, ſo giwwt dat doch vel tau beachten, un wenn Einer man nich tau ful un tau kortſichtig is un kickt en beten äwer den Tun von dat Gewarw, denn ward hei ok vele gande Koſt för Ver⸗ ſtand un Vernunft finnen, un wat hei findt is friſche, gräune Weid', de unnern blagen Hewen in Regen un Sünnenſchin wuſſen is un den Minſchen ganz anners bekümmt, as dat ſwore, gelihrte Maſtfauder up de Univerſitäten un de Stallfanderung achter'n Schriwdiſch. Ik was fri un was geſund!— Ik was tau Stadt führt nah min Vaderſtadt, un ſüll Klewerſaat halen, denn't was in de Frühjohrsſaattid un wi wullen unner't Sommerkurn unſern friſchen Slag anſeigen.— Na, 'ne Stadtreiſ' is'ne Dagreiſ'; ik hadd noch ſüs allerlei tau beſorgen, wat noch nich prat was, ik hadd alſo noch Tid un kunn mi de ollen Füerſtäden un de ollen Frünn' beſeihn. T was binah Middag, un üm de — 39— Middagstid plegt tau dunnmalen de Stemhäger Börger en beten in't Poſthus tau gahn, denn de Fru Poſt⸗ kummiſſoriuſſen hadd dat beſte Bir, un't gaww ok denn ümmer wat Niges tau ſeihn, wil denn de Ber⸗ liner Poſt ankamm. Ik kamm rinne in dat lütt Stüwken, ik was lang' nich dor weſt; äwer't was noch all ſo, as't weſt wir. Von dat lütte Stüwken was noch en En'n afbucht't mit hölterne Tralligen, wat de Herr Poſtkummiſſorius ſin„Contur“ näumen ded, wat äwer utſach as en. gadlich Vagelburken, un in dit Vagelburken ſatt de Herr Poſtkummiſſorius mit ſinen Herrn Sähn; ſingen deden ſei äwer nich, denn— ſo vel ik weit— ſingt kein Großherzogliche Poſtbeamter tau de Poſttid, un't was alſo ok von ehr nich tau verlangen. Un de Fru Poſtkummiſſoriuſſen ſtunn noch ümmer an den Aben, wo ſei all in mine Kinnertiden ſtahn hadd, dat müggt Winter oder Sommer ſin, äwer de Glaſur von de Kacheln hadd ſei weg un den witten Aben rod ſchürt. Un ok de ſülwigen Biller hungen in de Stuw' en por Biller von den ollen Fritz un'ne Mondirungskort von dat franzöſche Militör un denn de General Kalkreuth. Kalkreuth hadd bi den Herrn Poſtkummiſſorius ſin beſtes Tüg antreckt un ſtunn dor in'ne blage Frack un en dreikantigen Haut un witte Hoſen un gnäterſwarte, blankgewichste Poſtillonsſtäweln; von Geſicht ſach hei ſihr ſchön rod un geſund ut, un ſine Näſ' let in de Läng' nicks tau wünſchen äwrig. Hei hadd äwer den Ihrenplatz von all de Biller, denn de Herr Poſtkum⸗ — 40— miſſorius hadd unner em bi de litthauſchen Dreiguner ſtahn un eſtimirt em noch ümmer as ſinen Kumman⸗ danten. Un wenn de Herr Poſtkummiſſorius mal luſtig un ut ſin Burken rute laten was, denn drunk hei nah de Poſttid tauwilen etzliche von ſinen roden Magen⸗ bittern un gung ganz militöriſch in de Stuw' up un dal, un denn was dat för en Minſchenhart leiwlich antauſeihn, wo de beiden ollen Krigskammeraden ſik fründlich ankeken. Kalkreuth ſäd nicks; äwer de Herr Poſtkummiſſorius makte jedesmal Front vör ſinen Scheff, wenn hei in den Paradmarſch an em vörbikamm un röp em tau:„Du biſt mein Kalkreuth!“ Un dat makte den Herrn Poſtkummiſſorius alle Ihr, denn hei hadd ſik mal mit Kalkreuthen häßlich vertürnt, un Kalkreuth hadd em wegjagt; äwer hei drog em dat nich nah, ob⸗ ſchonſt dat Kalkreuth Schuld hadd. Denn Kalkreuth hadd den Herrn Poſtkummiſſorius, as hei noch Wacht⸗ meiſter bi de Dreiguner was, mal nah ein von ſin Gäuder ſchickt, dat hei dor dat Inventor upnemen ſüll — denn de Herr Poſtkummiſſorius was hellſchen ſtark in de Fedder— un dat was denn nu ok Allens ſihr ſchön afgahn bet up de Käuh, denn as de upſchrewen warden ſüllen, hadden ſei ſo'ne Nams, de't eigentlich gor nich giwwt, un de kein Deuwel ſchriwen kann, as Strimer un Bliß un Stirn un Dreititt, un— wat weit ik! Ok kemen deſ' Namen den Herrn Poſtkummiſ⸗ ſorius tau gemein vör, un hei makte ut Strimer— Juno, ut Bliß— Minerva un ut Dreititt— Venus — u. ſ. w.— Kalkreuth was tau ungebildt, üm de 41— Verſchönerung intauſeihn, hei fohrte up den Herrn Wachtmeiſter los, de äwer, in dat richtige Gefäuhl in Schönheitsſachen den Herrn General äwerlegen tau ſin, gaww nich nah, un ſei vertürnten ſik dägern. Nu is dat äwer meindag' noch nich ſo weſt, dat en Wacht⸗ meiſter en General wegjagen kann, un wil ſei nu doch einmal utenanner müßten, jog de General den Wacht⸗ meiſter weg.— Dat was ſin Glück; hei wir ſüs in'n Lewen nich Poſtkummiſſorius in Stemhagen worden. In't Irſt müggt em dat woll man ſwack gahn, äwer hei was en Mann, de ſik dörchtaubringen verſtunn, hei ſmet ſik mit ſine Gemahlin up de„dramatiſche Kunſt,“ as ſei dat hüt nennen, un— weit de Deuwel! hadd hei all in Oſtpreußen von Stemhagen hürt, dat dor en ſihr gebildtes Publikum ſin ſüll— genaug, eines ſchönen Dags kamm hei in min Vaderſtadt un ſpelte up Allmern ſinen Sal Theater, tworſt, wil hei man mit ſine leiwe Fru allein was, blot virbeinige Stücke, äwer de wiren ok von't beſte En'n. Nu müßt ſik dat grad begewen, dat oll Poſtmeiſter Toll ſik dat entſäd und begrawen was. Na, ahn Poſt⸗ meiſter kunn jo doch Stemhagen nich aſſiſtiren, un de Poſtmeiſterſtäd' würd utbaden as ſur Bir, Keiner wull för hunnert un twintig Daler dat Jahr äwer Poſt⸗ meiſter ſpelen, dunn äwernamm hei ſik de Sak, un hei hett ſei ok richtig dörchführt bet an ſin ſelig En'n, denn hei was en ollen trugen, braven Mann; äwer hei wüßt dor ok up tau lopen. Dat ſach hei: mit de hunnert un twintig Daler Poſtmeiſter⸗Gehalt kunn hei nich ut⸗ — 42— kamen, hei läd ſik alſo gradäwer von ſin Vagelburken noch en anner Vagelburken an un ſet'te ſine leiwe Fru dorin. Dat was de Kopladen, un de hett, ſo lang as hei beſtahn hett, en groten Raup hatt bi all de Schauſters in ganz Land Meckelnborg— wegen den Snuwtoback. — Un worüm? Dorüm, wil dat hei ſülwen'ne Näſ' för Snuwtoback hadd, un mit ſine eigene Näſ' för de Echtheit von ſine eigene Wohr inſtunn. Nah un nah kamm tau den Suuwtobackshandel noch en ſihr an⸗ ſeihnlichen Birſchank, un as de Großherzog em noch mit'ne lütte Taulag' unner de Arm grep, dunn was Keiner glücklicher, as hei un ſei un Kalkreuth, un alle Drei lewten in Freden mitenanner. Blot männigmal, wenn de Vagel tau luſtig würd un ſik tau vel mit Kalkreuthen vertellen ded, denn würd ſei ſchiwelich; äwer wenn hei marken ded, dat ſei en Wurd reden wull, denn flog hei in ſin Burken, un nu kunn ſei ſeggen, wat ſei wull, hei was nich tau Hus. Alſo tau deſ' ollen, gauden Lüd' kamm ik herinne un wull en Glas Bir drinken:„Guten Tag! Frau Poſtkommiſſariuſſen,“ ſäd ik tau ehr up Hochdütſch, denn ſei hadd dat ſihr äwel namen, wenn ik Platt⸗ dütſch mit ehr redt hadd, wil dat ſei ſülwſt blot Hoch⸗ dütſch reden ded— mäglich, dat ſei ſik noch ümmer as dramgtiſche Künſtlerin betrachten ded— mäglich ok, dat ſei ehren Stand nicks vergewen wull.„Was giebt es Neues?“ denn dat was de ewige Frag,, de ehr in frühern Tiden von Jedwereinen vörleggt würd, un de ſei ok ümmer beantwurten kunn, deils von wegen de Poſt, deils von wegen den Kopladen. Äwer nu ſtunn de olle Fru ſo kurlos an ehren Aben un ſchüttelt mit den Kopp:„Ach, Fritzeken, ich bin'ne alte Frau ge⸗ worden, mir erzählt jetzt Keiner mehr etwas Neues!“ un dorbi drögte ſei ſik de Ogen mit ehre Schört. Na, dat jammert mi denn nu, un blot üm ehr tau tröſten, log ik fix en por Verlawungen un en por Murddahten un en ganzen lütten, nüdlichen Brand tauſamen, dat ſei doch ehre Luſt doran hewwen kunn. Na, dat hülp denn ok, ſei würd ganz upgemuntert, un wil ſei doch nicks Niges wüßt, vertellten wi uns von ollen Tiden, un ut dat Vagelburken kemen af un an korte Würd' herute, as:„Gun Morrn, ok!“— „De Geſchicht is anners.“—„Ik heww man noch kein Tid.“—„Dreivirtel un en halben, ſieben achtel — koſt't drei Schilling— nah Jürgensdörp is nicks hir.— Gun Morrn, Herr Bold, gun Morrn, Herr Braun!“ Jenahdem de Stemhäger Börger an dat Kikfinſter von ſin Burken vörbigung. Un nu kemen ſ' denn All herinne: Otto Bold un Otto Braun un Kitte Riſch un Swager Irnſt, un Kitte Riſch hadd en Swin köfft, un as't von den Wagen afladen würd, was't dod weſt, un Otto Bold ſet't em dat utenanner: dat Swin wir rüggwarts führt, un dat künn kein Swin verdragen, en richtig Swin müßt vörwarts führt warden. Un Otto Braun gaww Otto Boldten Recht, denn en Swin wir inwennig grad as en Minſch getacht, un weck Minſchen künnen't Rüggwartsführen ok nich verdragen, un denn hadd ſo'n — 44— Swin eigentlich noch mihr Nerven, as de Minſch Un Otting Bold weddete mit Otting Braunen üm twei Seidel, dat ſin Gaſten, den hei hüt ſeigt hadd, bi't Döſchen ein Kurn mihr dauhn würd, as Braunen ſin; denn hei hadd ſinen Acker grundklor makt, un as hei fragt würd, wo hei dit anfungen hadd, kamm't rut, dat hei up en Schepels⸗Utſat Acker twei Pird mit hölterne Eggen twei un en halwen Dag hadd rümmer trampeln laten, un dat nennte hei grundklor. Un ſei drunken vörlöpig de beiden Seidel, un as ſei tau de Fru Poſtkummiſſoriuſſen ſäden, ein von ehr würd ſei up den Harwſt betahlen, dunn wull ſei nicks dorvon weiten un ſäd, up ſo'n willen Gauß'andel let ſei ſik nich in, un gung hellſchen falſch ut de Dör rut.— Nu was dat Wedden in den Gang', un as de Poſt vör de Dör führen ded, dunn weddte min Swager Irnſt mit Kitte Riſchen, hüt makte de Fru Poſtkummiſſoriuſſen ehr Allerheiligſtes up, un Kitte Riſch höll Gegenpart. Dat Allerheiligſte von de Fru Poſtkummiſſoriuſſen was en lütt Stüwken, wat achter dit lütt Stüwken was, un dor kamm Keiner rinne von de däglichen Gäſt, un Bir würd äwerall dor nich in ſchenkt; blot wenn Extrapoſt⸗Gäſt ankemen oder Fürſten un Grafen, denn würd de Dör upmakt, un an de Dör ſtunn denn de Fru Poſtkummiſſoriuſſen un bedrew mit Winken un Knickſen de dramatiſche Kunſt.— Tweimal in minen Lewen heww ik blot üm de Eck rinne kiken dürwt; äwer't was ſchön dor: an de Wän'n hungen de vir Johrstiden, all ungeheuer ähnlich, dat Frühjohr un de 4 — 45— Sommer mit Blaumen un Ohren up de italienſcher Strohhäud', un Harwſt un Winter hadden Häud' von ſwarten Sanft up, un de ein hadd Windruwen un Appel un Beren up den Kopp, un de anner witte Feddern, un ſei ſegen ſik all utverſchamten glik, as Sweſtern, de ſei jo ok ſünd, denn ſei ſünd jo all Kinner von ein un dat ſülwige Johr. Dat wiren all luter Kleinigkeiten un tauwilen ok Dummheiten, äwer de Kleinigkeiten kregen för mi ehr Bedüden dordörch, dat ik de Minſchen kennte, de ſik in ehr rümmer dreihten, as de Herr Poſtkummiſſorius in ſin Burken, un äwer de Dummheiten lachte ik recht von Harten, denn ik was fri un geſund; un för en frien Minſchen un en geſunnen Minſchen brukt de Spaß nich fin in'ne Neihnadel infädelt tau ſin,'ne richtige Packnadel deiht de ſülwigen Deinſten. Mit einem Mal würd dat düſter in de Stuw', as wenn an den Hewen en Swark uptrecken ded, denn vör dat einzige Finſter in de Stuw' hadd ſik Otto Bold heuſtellt un de hadd en Puckel as en⸗ Sagblock, ut den Einer dreifäutſche Bred ſniden kunn. Taum Utkiken was't alſo nich, un wi müßten de Poſtgäſt nemen, as. ſei de Döſt gaww.— Tauirſt ſchregelten denn alſo en por nüdliche Hand⸗ lungskommis herinne, de ſik in Kumpani en Seidel gewen leten, dorup kamm en lüttes, leiwes Kind von Mäten, wat knapp dat Hart hadd, en Glas Zucker⸗ water tau beſtellen— de Konduktöhr würd't betahlen. Nah ehr kamm en rüſtigen, forſchen Mann in preußſche — 46— Uneform in de Dör, gung up dat lütt Mäten tau: „Haben Sie ſchon?“—„Ich erhalte es gleich!““ ſäd ſei. De Mann redte noch en por fründliche Würd' tau ehr un dreihte ſik nu nah uns üm. Hei ſmet en flüchtigen Blick up uns, makte en verlurnen Diner un ſtellte ſik vör Kalkreuthen un kek em in de himmel⸗ blagen Ogen. Fru Poſtkummiſſoriuſſen halte en Slätel ut de Taſch, ſlot dat Allerheiligſte up, makte en Knicks un ne ſihr innemende Handbewegung:„Vielleicht gefällig?“ Swager Irnſt hadd de Wedd gewunnen, Kitte müßt betahlen.—„„Danke!““ ſäd de Herr ganz kort, kek in dat Allerheiligſte rin, as wenn't för em dat Aller⸗ glikgültigſte wir, un makte ſik wedder mit Kalkreuthen tau dauhn. Otto Bold hadd blot'ne halwe Wenning von't Finſter tau dat Vagelburken tau maken, hei frog alſo dorinne:„Wer?“—„„Zwei Perſonen nach Malchin, eine bis Güſtrow; eine bleibt hier,““ was de Antwurd ut dat Burken, un nu kamm noch en Nahſatz, de fluſtert warden ſull, den wi äwer All ſchön dütlich hürten: „„General von Sch.... mann.““ De Mann in de preußſche Uneform hadd wohr⸗ ſchinlich eben ſo helle Uhren, as wi, hei dreihte ſik üm, lachte un frog uns denn:„Meine Herren, wie weit iſt es von hier nach Ivenack?“ „„Wenn Sie den Fahrweg fahren, haben Sie eine ſtarke halbe Meile,““ ſäd ik,„„der Fußweg iſt aber nur eine viertel Meile und iſt reizend, er führt durch — 47— Wieſen und Wald und zuletzt durch den ſchönen Ive⸗ nacker Thiergarten.““ Hei beſunn ſik en Ogenblick, gung ut de Dör, ſprok mit en Kutſcher, de Treſſen an den Haud hadd, kamm wedder rin un ſäd:„Ich habe mich zu der Fuß⸗ parthie entſchloſſen, wie aber muß ich dann gehn?“ „„Sehn Sie mal,““ ſäd Kitte Riſch,„„denn gehn Sie hier erſtens den Wall entlang bis in die Malchinſche Straße, un denn gehn Sie rechtſch um die Suſeminſche Ecke in die Gatz, un denn gehn Sie rechtſch um den Burmeiſtergoren, da finden Sie ein Steg.... 44 „Ih wo? Wo braucht der Herr ſo weit zu gehn?“ ſäd Otto Bold.„Sie gehen blos von meinem Hauſ' dwas über die Straße, un denn gehen Sie durch Chriſtopher Schulten ſeinen Hof un Goren— wollt ich ſagen„Garten“— un denn ſind Sie in die Koppel.“ „„Ja, aber, meine Herrn....“* fung de Preuß an. „Erlauben Sie,“ ſäd ik,„ich habe augenblicklich nichts zu verſäumen, und ein Spaziergang iſt mir grade recht, ich werde Sie auf den rechten Weg führen.“ Hei namm dat höflich an, ſäd dat junge Mäten recht herzlich Adjüs, un wi gungen af. „„Haben Sie das junge Mädchen wohl bemerkt, das ſo ſchüchtern in dem Zimmer ſtand?““ frog hei mi, as wi ut de Stadt rute wiren.— Ik ſäd ja, un ſei ſchinte mi noch ſihr jung tau ſin. „„Sie iſt ſiebenzehn Jahre alt, hat nie vorher eine Reiſe gemacht, kennt von der Welt weniger als ein — 48— ſiebenjähriges Kind und geht ohne Schutz und ohne Geld nach Surinam. Die Kondukteurs ſind angewieſen, für ihre Bedürfniſſe unterwegs zu ſorgen; das Poſtgeld bis Hamburg iſt bezahlt, und dort nimmt ſie ein frem⸗ der Schiffskapitän in Empfang, der ſie über's Meer ſchafft.““ „Aber wie kommt dies?“ frog ik. „„Sie iſt Herrnhuterin aus Gnadenfrei in Schle⸗ ſien und wird ſich in Surinam mit einem ihr ganz fremden Manne verheirathen.— Wahrlich, es gehört Muth dazu,““ ſet'te hei hentau;„„ich bin mit ihr von Schleſien herunter gereiſ't und habe mich ihrer ein wenig angenommen, aber ein ſolches Vertrauen und ſolche Ergebenheit habe ich ſelten gefunden.““ „Aus Gnadenfrei,“ ſäd ik in Gedanken.„Merk⸗ würdig! dann habe ich das Mädchen ſchon öfter geſehen, das heißt, ich erinnere mich ihrer nicht; aber ſie muß doch unter der kleinen grauen Schweſterſchaar geweſen ſein, die alljährlich einmal mit ihrem Schulmeiſter, eine jede mit einem großen Feldblumenſtrauß, nach S. kam, um von dort die weite Ausſicht über das Land zu genießen.“ „„Nach S.? Aber, verzeihen Sie, wie kommen Sie nach S.? Ein mecklenburgiſcher Landmann nach S.?““ un dorbi kek hei mine Stulpſtäweln an. Ik wull all antwurten, hei unnerbrok mi äwer un lachte:„„Die Vorſtellung meiner Perſon hat freilich ſchon Ihr Poſtmeiſter übernommen; aber der Form wegen: ich bin der General von Sch.... mann aus G....““ — 49— „Beſitzer von M... hier in der Nähe?“ frog ik. „Dann kann ich mich Ihnen leicht vorſtellen, ich bin der Sohn Ihres Juſtiziarius.“ „„So? ſo?““ ſäd hei.„„Sehr angenehm! aber wie kommen Sie nach S.?““ Oh, ſäd ik, ik wir ok in ſine Garniſonsſtadt mal ſöß Wochen weſt, un vertellte em denn in'n Korten de Ümſtän'n. Ik vertellte em ok, wo dat mi de gaude Platzmajur mit en Linſengericht traktirt hadd, ik ver⸗ tellte em von Vatter Kählern un von den Herrn Unteroffzirer Altmann un von Schnabeln un vör Allen von den tweiten Kummandanten, Oberſten B.— Ach, dat vertellt ſik mal ſchön, wenn Einer in gauden Tiden von de lang' vergahenen, ſlimmen Tiden ſnackt un vör Allen, wenn de Dankborkeit en Würdken mit in redt! Mit de Wil wiren wi an dat Flag kamen, wo in den Stemhäger Stadtholt de Weg ſik twälen ded, un ik wiſ'te em Beſcheid un ſtunn dorbi ſtill, wil dat ik dor ümkihren wull.„Aber, Herr General,“ frog ik, „was machen meine alten Bekannten in G.... 5“ „„Ihr alter Vater Kähler muß todt ſein,““ ant⸗ wurt't hei,„„ein andrer, mir bekannter Unteroffizier iſt als Schließer dort angeſtellt. Der Unteroffizier Alt⸗ mann wird wohl zur Garniſonscompagnie gehört haben, und deßhalb kenne ich ihn nicht; aber der Platzmajor iſt wohl und munter und beſorgt ſeine vielfach unange⸗ nehmen Geſchäfte mit derſelben freundlichen Ruhe und derſelben Gewiſſenhaftigkeit, die Sie an ihm kennen ge⸗ lernt haben.““ Olle Kamellen. II. 4 — 50— „Und der Oberſt B.?“ frog ik ſo recht von Harten. „„Der Oberſt B.?““ frog hei mi entgegen.„„Kennen Sie den Vorfall, den der Oberſt B. einmal am heiligen Weihnachtsabend gehabt hat?““ Ja, ſäd ik, ik wüßte de Sak. „„Dann werden Sie auch wiſſen, daß Oberſt B. Wittwer war und keine andern Angehörigen hatte, als eine einzige, liebenswürdige Tochter.““ Ja, ſäd ik, ik hadd ſei ſeihn, un't wir en pracht⸗ vull, herrlich Mäten weſt. Dunn let de General ſinen friſchen Blick ſo ſtill tau Ird henſacken, un't was, as wenn en liſen Schudder äwer em kamm:„„Und dieſe einzige, liebenswürdige Toch⸗ ter,““ ſäd hei, un de Würd', de kemen ſo ſwor, ſo lang⸗ ſam ut em rut—„„dieſe einzige Tochter eines durchaus braven Vaters iſt am heiligen Weihnachts⸗Abend zu derfelben Stunde geſtorben, in der er den Sträfling erſtach— und der Vater iſt im Irrenhaus.““ Ik ſtunn as angedunnert. En Mann vull Kraft, vull Leiw', vull dägte Geſundheit— un wahnſinnig!— wahnſinnig dörch eine einzige raſche, haſtige Daht, de as en ſwarten Stein in en rühmlich, ihrenvull Lewen herinne follen was! De General drückte mi de Hand:„„Es thut mir leid, Ihnen mit einer ſo traurigen Nachricht für Ihre Begleitung danken zu müſſen.““ Un dormit gung hei ſinen Fautſtig wider. Ik dreihte mi üm un gung nah Hus taurügg, un as ik ſo in würkliche Truer dorhen gung, dunn föll mi —— — — 'ne Predigt von en ollen katholiſchen Preiſter in, wat en Waterpollack ut Awer⸗Schleſigen was un up Regi⸗ rungsbefehl dütſch predigen ſüll— ik hadd oft doräwer lacht— hei predigt':„Was is menſchliche Lewe?— Menſchliche Lewe is, wie Strohdach, kommt Wirbelwind, perdautz! fällt um.“ Ik hadd oft doräwer lacht; nu äwer, as ik dörch de ſchönen gräunen Wiſchen un dat leiwliche, olle be⸗ kannte Land tau Hus gung, dunn hadd ik keine lächer⸗ lichen Gedanken, dunn äwerſet't ik mi de Predigt von den ollen ihrlichen Papen:„Was iſt menſchliche Ver⸗ nunft? Menſchliche Vernunft iſt wie ein Strohdach; ſchickt unſer Herrgott einen Wirbelwind, dann iſt ſie dahin.“ 4* II. De Feſtung M. Kapittel 6. Up de Reiſ'. Worüm ik mi mit de lütten Stratenjungens af⸗ gewen müßt, un wat de beiden ollen Herrn mit mi tau dauhn hadden. Worüm ik nich weglep, un worüm'ne junge Fru Bur⸗ meiſtern warmer höllt as'ne Pirddeck, un dat de W... barger Primaner ſtaatsgefährliche Minſchen ſünd. De Reiſ' nah M.... gung los. Wedder kahle Feller un gruſiges Weder. Ummer von landräthlich Amt tau landräthlich Amt, männigmal ok blot man taum Herrn Burmeiſter. Ball en Fautſchandor mit Schapſchinken un„Seitengewehr“ in den Wagen, ball en„Berittener“ mit Slepſäwel un Piſtolen buten den Wagen.— Wenn mi dit letzte Glück drop, hadd ik vel Vergnäugen un Ogenweid'; denn wenn min Schandor tau Pird ſo rechtſch un linkſch von den ollen Planwagen, in den ſei mi as afſchreckend Biſpill in den Lan'n herümmerkarjolten, herümmerflankirte, un de Fuhrmann in en Likenwagen⸗Schritt dörch de Dörper un Städer hendörch paradirte un tauletzt bi'n Wirths⸗ hus anhöll, denn drängt ſik Allens üm uns rüm un bekek mi, dat ik mi ſülwſt ordentlich gefährlich vör⸗ kamm un tau gliker Tid gruglich, a wenn ik bi lewi⸗ gen Liw' ſpäuken ded un mit minen Kopp unner den Arm mang all de Minſchen herümgüng.— Ja,'t was en würklich fierlichen Uptog, un dat fäuhlten ſülwſt de lütten Stratenjungs, de uns ümmer dat Geleit gewen un mi mit allerlei Ihrentitel begrüßten, de ſik up en Hor as„Spitzbauw“ anhürten. Kamm ik denn des Abends nah ſo vele Upmark⸗ ſamkeiten in min Nachtquartir, müßte ik jedesmal noch irſt en Beſäuk bi den Herrn Landrath oder den Herrn Burmeiſter maken, un de gewen mi denn tau mine Unnerhollung twei ihrwürdige, utrangſchirte, öllerhafte Börgers mit in min Wirthshus, dat ſei mi de Nacht äwer von ehren Toback wat vörrökern ſüllen un neben⸗ bi dorup ſeihn, dat ik nich weglep un den königlich preußſchen Staat an alle vir Ecken anſtickte. Meiſtendeils wiren't luter brave, olle Herrn, un keinen einzigen heww ik dorunner drapen, de nich tau⸗ letzt, wenn ik mit Fragen binah dod quält was, mi'ne wollſlapende Nacht wünſcht un as letztes Wurd de Anſicht utſpraken hadd:„Je, äwer unſern König hewwen Sei doch dodmaken wullt.“ Unner uns, in de Wirthsſtuw', ſeten denn de Hun⸗ neratſchonen von de Stadt un nödigten ſik den Schan⸗ doren rinne, un de müßte vertellen un drinken, un wat hei vertellte un wat hei drunk, müßte ik Allens mit minen ihrlichen Namen betahlen. So kemen wir denn grad an den irſten Oſterdag 1837 in de lütte Stadt B..„ un as ik de Ihr ge⸗ naten hadd, mit den Herrn Kreisſecretair Bekannt⸗ — 54— ſchaft tau maken, genöt ik dat Vergnäugen, dat mi en ſchönen Sluchter von lütte, nüdliche Stratenjungens nah't Wirthshus taurügg bröchte, wo ik denn wedder von mine gewöhnliche Wach in't Gebett namen würd. Deſen Abend ſüll dat äwer beter för mi uthau'n, denn de Wirth, en groten Mann mit en fründlich Ge⸗ ſicht— Stier würd hei heiten— kamm nah mine Stuw' ruppe un nödigte mi, den Abend in ſine Fomili tautaubringen.—„Je,“ ſäd ik un kek mine beiden ollen Herrn an.—„„Oh,““ antwurte hei,„„dat hett nicks tau ſeggen; de Beiden kenn ik— Meyer, gahn S' runner un laten S ſik en por Buddel Bir gewen.““ Meyer gung, un ik gung ok. Dor ſatt ik alſo nu nah lange Tid taum irſten Mal wedder in'ne Fomili, mit an en runnen Diſch, un drunk Thee un hürte dat Klavirſpelen mit an. Muſik hadd ik in S., wo ik tauirſt ſatt, in vullen. Mat tau hüren kregen:„mein gutes Herr Bohl'chen“ ſpelte mi alle Abend mit de Ouvertür von de witte Dam' in den Slap, ſo dat ik ſei hüt un deſen Dag noch heil un deil nahfläuten kann;„frèére Braunen“ hadd dat Unglück'ne Fidel in de Hand gewen, de jeden Dag drei Stun'n lang de gruglichſten Strabazen uthollen müßt, un as„de Bur“ unner mi mit dat Hurn anfung, dunn kunn ik mi nich anners helpen, ik 3 grep nah den Waterkraus un göt em— platſch! up mine Delen, dat hei dörch den ollen ſlichten Bred'bähn dörchdrew un unnen as'ne gadliche Dackrönn ankem un em taum wenigſten dat ßackermentſche Notenblad 1 — 55— dörchweikte.— De Muſik was dat alſo nich, de mi dat hüt ſo warm ümt Hart makte,'t was ok nich de warme Aben, ik hadd jo doch ümmer, wenigſtens des Abends, en warmen Aben hatt. Wat was't denn?— Dunnmals wüßt ik dat nich; nu weit ikt äwer, dat wiren all de warmen Strahlen, de in den Kreis von ſo’n runnen Diſch tauſamen ſcheiten; för mi an deſen Abend de Erinnerung an de ſäute, glückliche Tid, wenn de oll Herr Amtshauptmann Wewer mit min Mutting an ſo'n runnen Diſch Thee drunk; för mi an deſen Abend, as wenn ik in Parchen bi de Fru geheime Hof⸗ räthin an den runnen Theediſch ſatt, un Adelheid in⸗ ſchenkte; för mi an deſen Abend, wil dat ſik rings üm mi rüm ſoen ihrliches un nich taudringliches Mitgefäuhl utſprok, wat mi allerwegen entgegenkamm, ahn mi weih tau dauhn.— Dat was, as wenn en Soldat, de Johre lang in'n Biwacht legen hett, taum irſten Mal in en Dunenbedd herin kümmt. Gott ſegen de Lüd', de dat an mi dahn hewwen, de mi taum irſten Mal in dat wille, weuſte Lewen de rauhige Ankerſtäd' för de Taukunft weſen hewwen! Ach, ſei lagg noch wid!— Gott ſegen dat gaude Mäten, wat mi an deſen Abend bi de Mahltid de Tüften afpöllte! 4 Doräwer mag Männigein lachen, un ik hadd't jo ok ſülwſt dauhn kunnt; ik hadd jo min Stäweln ſülwſt putzt, ik hadd jo min Bedd ſülwſt makt un mine Stuw' utfegt, ik hadd jo min Tüften ſülwſt ſchellt; wat was dor wider bi?— Dat müßten betere Lüd', as ik was, 56— Allens dauhn; äwer dat mi hir taum irſten Mal'ne fründliche Mätenshand ſo entgegenkamm, dat dedyt! Taum irſten Mal nah ſo lange Tid!— Nu deiht dat mine leiwe Fru ümmer bi de Pölltüften, un ik bün ehr dorför ſihr dankbor; äwer ik bün dor nu all an gewennt. Un ik in deſe Geſellſchaft?— Natürlich ſo unbe⸗ hülplich as mäglich.— En Jenenſer Student is för de minſchliche Geſellſchaft all en ſihr unverdaulichen Hap⸗ pen, un wenn de noch drei un en halw Johr up preuß'⸗ ſche Feſtungen inpökelt ward, denn ward hei woll, tau⸗ mal för de Dams, en beten tag weſen.— So was't denn nu ok ditmal, un vel Vergnäugen hewwen de Dams an mi nich hatt. Awer ik deſto mihr an ehr; un as ik gegen elwen tau mine ollen Herrn heruppe kamm un tau Bedd gahn was, dunn ſäd ik recht glücklich tau mi:„Unſ' oll Herrgott lewt noch!“ un. möt mit deſen Gedanken jo ok woll inſlapen ſin. Von nu an müßten wi en groten Bogen maken, wil up unſen graden Weg en anner dütſches Vader⸗ land lagg, in dat keine preuß'ſchen landräthlichen ÄAmter Mod' wiren, un ahn de führten wi uns faſt, de müßten wi hewwen. Deſen Dag— den tweiten Oſterdag— kemen wi nah Z., hir was kein Landraths⸗Amt, un de Bur⸗. meiſter was nich tau Hus un was in de einzigſte Glaskutſch, de in de Stadt uptaubringen was, en beten bi ſinen Swigervader tau Beſäuk führt; de Schandor müßte alſo Allens up eigene Hand anord⸗ — 57— niren. Dit würd em denn licht, denn in dat Wirths⸗ hus, wo wi afſtegen, ſeten ungefihr föftig olle Herrn un drunken Bier, hei wählte ſik twei von de beſten mang ehr ut, de ſet'ten ſik en Beten bet nah mi ranne, drunken ehr Bir wider un fungen mit de herkömmlichen Fragen an. De Wirth, noch en jungen Mann, ſtunn dorbi un hürte tau, un as hei vernamm, dat ik en Meckelnbörger was, kamm hei neger un grüßte mi as Landsmann. „Mein Gott!“ frog ik em,„wo kamen Sei hir⸗ her?„Jh,““ ſaͤd hei,„„dat is jo nich ſo wid; von hir bet an de meckelnbörgſche Grenz känen gradtau tein bet twölw Milen ſin.““ Ein Wurd gaww dat anner, hei was ut Grabow, hei kennte weck von mine Bekannten, ik weck von ſine; hei frog. angelegentlich nah Kl... bach, de ok ſeten hadd, un de nahſten Burmeiſter in Anclam was un nu in Amerika is. Wat gung mi Allens dörch den Kopp! So neg' bi de Grenz! un hadd ik de in den Rüggen, denn kunnen de Preußen mi nahfläuten. De Wirth hadd mi mäglich Vörſchub dahn, mäglich ok en Vörſchuß an Geld makt, dat fehlte mi; hir was kein Landrath un kein Burmeiſter, de Schandor was mit den Wagen wedder taurügg führt, un de anner, de mi in Empfang nemen ſüll, was wohr⸗ ſchinlich ok nich tau Hus, denn hei hadd ſik noch nich ſeihn laten; ik was allein up mine beiden ollen wür⸗ digen Herren anweſen, un de wedder up ehr Bir, un dat Bir was en gauden Fründ von mi un von Jena her un ſtunn mi bi, dat wüßt ik. Achteihn Gröſchen hadd ik up de Reiſ' däglich tau vertehren, un hüt hadd ik noch nich vel vertehrt, ik hadd alſo noch en ſchönes Deil Gröſchen bi den Wirth in Vörrath, un för de let ik mine beiden ollen Herrn flitig inſchenken.— De Wirth markte Müſ', dat was mi leiw, denn hei ſweg un makte en Geſicht as„wat gelt mi dat an“; ik frog bi weg'lang ſo verluren nah den Weg; dat gung Allens wunderſchön; blot twei Ding' wiren ſlimm, kein Geld in de Taſch un buten twei Faut hogen Snei un kein Weg un kein Steg, denn dat fiſſelte noch ümmer ſacht von den Hewen dal. Äwer wat mi taum Scha⸗ den was, was jo de ok taum Schaden, de mi wedder gripen wullen. As dat düſter worden was, gung ik ruppe nah mine Stuw' un treckte mi min beſten Stäwel un twei Hemden ein äwer dat anner, mi gegen de Küll tau wohren, denn Awertreckers gaww't dunn noch nich, un en Mantel hadd't bi mi noch nich afſmeten. So, nu was ik farig, nu kunn't losgahn; äwer Geld!— Ach, un nu kamm mi noch en anner Bedenken, un dat ſtödd den ganzen Plan üm. Min oll Vader hadd mi binah in jeden Breiw beden, ik ſüll doch meindag' nich up en Fluchtverſäuk verfallen; hei wir en ollen Mann, un wenn ik flüchtig würd, kregen wi uns ſeindag' nich wedder tau ſeihn; ik müßt jo ball fri kamen. Natürlich müßten wi ball fri kamen, dat was jo unſ' Morgen⸗ un Abend⸗Ge⸗ dank, dat ſchrewen uns unſ' Ollern, dat ſäden uns de Gerichtsperſonen, dat ſäden uns unſ' Vertheidiger, wi ſüllen man jo nich appelliren, denn denn durte dat noch lang, wi ſüllen uns man blot an de Gnad' von den König wennen.— Je, de Gnad'!— As hei dod was, dunn kamm de Gnad'.— Awer ik hadd minen ollen Vader faſt verſpraken, nich an Flucht tau denken, frilich tau ne Tid, as ik noch nich weiten kunn, dat ſei mi mal ſo licht warden würd; äwer ik müßt jo doch nu ball fri kamen! Dat was dat Grauſamſte bi dat ganze Verfohren, dat von allen Siden in uns ümmer de Hoffnung weckt un nahſten denn von de Miniſterbeinen un de ſtaats⸗ räthlichen Beinen tau Schanden peddt würd. Deſe Nacht kamm nich vel Slap in mine Ogen, ik termaudbarſt mi, ſüll ik't dauhn un dürwt ikt dauhn? Känen kunn ik'; mine beiden ollen Herren ſlepen in de Sofaecken ehren Slap von wegen ehre Gerechtigkeit un von wegen min Bir, ik lagg in min Kledungsſtücken dwars äwer min Bedd, unner mi was dat noch lang lewig, un de Husdör müßte noch up ſin, denn't was jo de tweite Oſterdag.— Äwer nel ik müßt jo ſo, wi ſo, ball fri kamen! Ik treckte mi ut, läd mi in't Bedd: äwer ſlapen kunn ik nich, mi gung tau vel dörch den Kopp. Was't recht, oder was't unrecht, dat ik blew?— Wer weit't. Weck von uns ſünd glücklich dörchkamen: von Maſſow ut Kolberg, Bönninger ut Sülwerbarg, un Wagner un Reinhard ut Magdeborg, äwer dat ſei dordörch vel glücklicher worden fünd, heww ik nich hürt. Wat ſall ſo'n halwe dütſche Juriſt oder Theolog, — 66— un wenn't ok en Mediziner is, in de Frömd?— För mi was't jedenfalls gaud, dat ik den Plan upgewen hadd; den annern Morgen wiren't 16— 17 Grad Küll, un de Snei lagg kneihoch; ik wir gewiß de Nacht verklamt. Den annern Morgen kamm de Schandor mit en Planwagen vör de Dör gehottert. De Nacht hadd ik nich ſlapen, denn früſt den Minſchen ſo all ümmer, un nu noch 16 Grad Küll un nicks up den Liw'.— Dat was denn nu en ſtark Stück.— Awer ik möt dat den Schandoren taum Ruhm nahſeggen, hei ſorgte för mi nah Mäglichkeit, hei gaww mi ne Pirddeck üm de Fäut; äwer wat hülp dat All? De Wind puſt'te uns grad in de Tähnen, in den ollen Planwagen herin, dat mi de Seel in den Liw' frür. Up den halwen Weg nah L. begegnete uns de Herr Burmeiſter in ſine Glaskutſch un höll an, as hei den Schandoren ſach un frog em, woſo un woans?— Hei hadd en warmen Mantel üm, ſatt in ne dicht taugemakte Glaskutſch, führte mit den Wind un bi em ſatt'ne lütte, warme, junge, hübſche Fru un kek mit roſenrode Backen dörch de Glasfinſtern. Ach, wo girn hadd ik mit em tuſcht un hadd mit ſine lütte, warme Fru Burmeiſterin mit den Wind in de Glaskutſch ſeten. Awer dat let ſik denn nu doch nich maken; alſo man ümmer„Jüh!“ Den Abend kamm ik in Kloſter L. an. In de Wirthsſtuw' ſeten en Stückener acht bet teihn junge Lüd', de ſik ball as W... barger Primaner utweſen; — 61— ik gung in de düſterſte Eck herin un ſet'te mi an den Aben. Dat wiren ganz friſche, nette Burßen, un ik hadd för ſo'ne Ort en Hart, as ik dat ok hüt noch heww; äwer ik müßt den Abend irſt dörchdäuen. Sei drunken Punſch, un as ik mit minen Schan⸗ doren herinner kamm, dunn würd dat en Fluſtern un en Kiken, denn ſei müggten jo woll marken, wat för en Geiſteskind ſei vör ſik hadden. De Schandor müßt den Wirth, un de Wirth ehr wedder Utkunft gewen, un as ſei ſik dorvon äwertügt hadden, dat ſei mit en richtigen Königsmürder tau dauhn hadden, kamm de Ein, wat woll ehr Obberſt was, an mi ran, preſen⸗ tirte mi en Glas von ehr Gedränk un frog mi, wat ik mi nich mit ehr en beten tauſamen ſetten wull. Ik müßt dit aflehnen; ik was würklich tau kaputt; äwer dat hinnerte em nich, mi in Korten tau vertellen, dat ſei nu all up dat W... barger Gymnaſium'ne lütte nüdliche dütſche Burſchenſchaft ſtift hadden, un dat hei de Spreker dorvon wir. Dat was jo ganz nett; de königlich preuß'ſche Staat hadd uns as afſchreckend Biſpill vör aller Welt hen⸗ ſtellt, un nu fungen de Primaner up de Schaulen all dormit an, womit wi uphürt hadden.— Ne,'t is nicks mit de Dodsſtraf, un mit de Afſchreckungstheorie irſt recht nich! As en ihrlichen Mann röd ik em, hei ſüll Dütſch⸗ land ſinen ollen ſcheiwen Gang gahn laten, em künn't ſüs as mi gahn; äwer hei wüßt dat beter— je jünger de Lüd', deſto beter weiten ſei dat jo— ſei hadden't vel tau fin infädelt mit Spitznamen, Stichwurt un ge⸗ heime Verſwörung. Dorbi was nicks tau maken, ik gung tau Bedd. Kapittel 7. Von minen Herrgott un minen Snider ſin Makwark. Worüm von einen Gefangenen'ne Schildwacht för'ne Taſchenklock an⸗ ſeihn ward, worüm dat allgemeine Ihrenteiken vör en Pund Toback tau Schan'’n warden kann, un wat Dr. Martin Luther perßönlich in den deipen Snei tau ſtahn hadd. Den annern Dag kemen wi nah M. un't was grad de höchſte Tid, ſüs wiren wi woll för't Irſte nicht henkamen, denn nu föll dat grugliche Sneiweder in, wat anno 1837 in de irſten Dagen von den April in Nurddütſchland alle Weg⸗ un Steg' verſlot. Wi führten tau'n Platzmajur, de up de Zitadell wahnen ded. Hei was vör mine Tiden Platzmajur tau S. weſt, von wo ik eigentlich herkamm, ik müßt em denn vertellen, woans dat dor utſeg, un dorbi kek ik ut dat Finſter, woans dat hir woll utſeg. As hei dit ſach, ſchüddelte hei den Kopp un ſäd:„Hier bleiben Sie nicht, Sie kommen in das Inquiſitoriat.“ Dat was bös! Ne Feſtung mag ſo ſlimm ſin, as ſei will, Einer hett doch Rum in de ollen Kaſematten, wo doch nothdürftige Bewegung mäglich is, Einer kriggt doch af un an en Minſchen tau ſeihn, un dat Ganze is doch nich utdrücklich dortau bugt, üm en Gefangenen nah alle Kanten tau ſchurigeln; äwer ſo'n apartig in⸗ gerichttt Gefangenhus nimmt Einen ok noch dat beten Luft un Licht un Bewegung un Ogenweid', wat Einen von Rechtswegen taukümmt. Wi wiren tau Feſtungs⸗ ſtraf verurthelt; äwer wat kihrte ſik de preuß'ſche Staat doran, wenn't in ſinen Kram paßte, uns in en Zellen⸗ gefängniß unnertaubringen. 8 Wi gungen nah dat Inquiſitoriat, un dor dörch mihrere Häw' bet nah den letzten Flügel, de mit ſine Finſtern grad nah Nurden lagg; hei was dreiſtöckig un hadd gegen twintig Zellen un drei lange Corridurs, de langs dat ganze Gebüd' lepen, un up jeden'ne Schildwach. As mi nu de Platzmajur in min niges Quartir af⸗ liwert hadd un gahn was, ſtunn ik in den Inſpekter ſine Stuw, un deſe Herr un ſin Handlanger, de Slüter D.... mann, ſtunnen vör mi un keken mi an, un wil dat nich verbaden was, kek ik ſei wedder an.—„Jetzt müßte ich Sie aber bitten....“ ſäd de Inſpekter un höll in.—„„Wat?““ frog ik.—„Es iſt Vorſchrift vom Kommandanten....“ ſtamerte hei wider.— Jk wüßt nich, wat hei von mi wull, un kek em un D.... mannen an.—„„Daß Sie ſich nackt aus⸗ ziehen,““ ſäd de Slüter, un as ik em dorup ankek, wil dat noch nahrends, ſülwſt in den Unnerſäukungs⸗ Arreſt nich, von mi verlangt was, blänkerte den Kirl von ſin dummdriſtes Geſicht ſoe ſures, fettes Griff⸗ lachen, as wir em dat Mul mit ſur Gauſſmolt in⸗ ſmert.— Wat Fettiges hett deſ' Ort äwerall un ok ſat Sures; deſ' hadd ok noch wat Freches, wil hei üßt, dat hei vördem bi den Herrn General Grafen H., den irſten Kummandanten, Uniformen putzt hadd un dat„allgemeine Ehrenzeichen“ in't Knoplock drog, wat hei mal wegen ſine Verdeinſte üm den preuß'ſchen Staat un üm de Stäwel von den irſten Kummandanten kregen hadd. Wat hülp dat All?— Ik müßt ehr wiſen, woans ik erſchaffen wir, un as ſei minen Herrgott ſin Mak⸗ wark beſichtigt hadden, fiſentirten ſei ok minen Snider ſin, indem dat ſei all mine Taſchen in de Kledaſchen ümkihrten un de Näd unnerſöchten, ob ik dor nich Pi⸗ ſtolen un Metzers un Dinger, oder gor Geld in hadd. As dit beſorgt was, kunn ik mi wedder antrecken un nu föllen ſei äwer minen Kuffert los.— Ne olle eingehüſige, ſülwerne Taſchenklock, de all ſo lang' ſtill ſtahn hadd, as ik ſatt, wil ik meindag' nich dat Geld taum Repariren hadd upbringen kunnt, mi ok an de Tid up Stun'ns gor nicks gelegen was, würd tauirſt mit Beſlag beleggt. Dorup kamm en ollen Pipendeckel, ſo'n ollen Klemmdeckel, taum Vörſchin.—„Iſt das Silber?“ frog de Inſpekter.—„„Ja,““ ſäd ik, denn mi fohrte dat ſo dörch den Sinn, dat deſe ſülwerne Pipenbeſlag en Glanz von Wollhabenheit up mi ſmiten kunn, un leigen ded ik dorbi ok nich, denn hei was würklich von Sülwer, äwer man von Niſülwer. Un as ſei mi nu noch'ne lütte goldne Dauknadel afnamen hadden, de ik von min Sweſter taum Wihnachten kregen hadd, un min Schriw⸗ un Teikengeſchirr, un as ſei dit Allens ſauber tau mine Perſonal⸗Akten leggt hadden, kunn ik jo nu mit den Slüter nah mine Nummer gahn. Sei lagg in den ündelſten Stock un was in den ganzen Huſ' dordörch bekannt, dat de Sünn un de Man, ſo vel Mäuh ſei ſik ok gewen, noch meindag' nich dat Glück hatt hadden, en flüchtigen Blick up de innere Inrichtung tau ſmiten. Dat was äwerſt jo ok ganz natürlich; dat lütte Lock von Finſter, wat annerthalw Faut hoch un annerthalw Faut breit ganz baben unner den Bähn ſatt, ſach nah Nurden, rechtſch un linkſch wiren breide Schuklappen von Bred' anbröcht, dormit wi un de beiden Himmelsſtirn doch bileiw' nich üm de Eck kiken künnen, un wenn in de langen Sommerdag' de Sünn dat doch binah dörchſetten ded un ſo wid herüm kamm, denn ſchow ſik de hoge Mur von den Hof un de Feſtungs⸗ wall vör ehr leiwes Angeſicht, un unſern Herrgott ſin ſchönſtes Makwark müßte vör ſo'n ſnödes Minſchenwark ſchamrod verſacken. Wenn ik minen Hüker up den Diſch ſtellen ded un dor denn ruppe klattert was, hadd ik'ne frie Utſicht up en lütten virkantigen Hof,'ne rendliche⸗ witte Mur un en ſwart un witt angeſtrekenes Schillerhus, un de einzigſte Afweſſelung in deſe Einfachheit was, dat bi ſlicht Weder en Soldat in dat Schillerhus ſtunn un bi gauden Weder dorvör up un dal gung.. Min Nummer, un ſo wiren ſei all, kunnen twölf Faut lang un ſöß breit weſen; en Aben ſtunn dor nich in, indem wi mit'ne Luftheizung bedacht wiren, de warme Luft ſtrömte dörch en Lock in de Wand von baben, un de kolle dörch en anner von unnen in, ſo dat wi ümmer Olle Kamellen. II. 5 — 66— kolle Fäut un en rechten warmen Kopp hadden, wat för de Geſundheit ſihr taudräglich ſin ſall. Awer wer kunn dor wat för? Dat was'ne nige Erfindung von en ſihr gelihrten Bumeiſter, de ſik ganz beſonders up den Gefängniß⸗Bu ſmeten hadd, un üm de Geſund⸗ heit von de Sak uttauprobiren, kunnen ſei jo gor keine paſſendere Lüd' finnen as uns; wi hadden'ne ſchöne Reih von Johren vör uns, un wenn wit uthöllen, denn was de Sak probat. In de Dör was en lütt virkantig Lock mit'ne Klapp; tau mine Tid is de Gott ſei Dank! nich mihr upmakt worden; äwer mine Kammeraden vertellten, dat de frühere, tweite Kummandant, Oberſt von B... ſtein, de nahſten wegen ſchamloſe Nider⸗ trächtigkeiten ſülwſt up de Feſtung kamm— allerdings nich up dörtig Johr— ſik oft dat Provat⸗Vergnäugen makt hett, ſei dörch de Klapp ſik tau bekiken, ok gaude Frün'n mitbröcht hett, üm ſei de tau wiſen.— Dit Kiken⸗ un Klappen⸗Pleſir hett ſo lang durt, bet mal de Mann von den beſchränkten Unnerdahnen⸗Verſtand, de Herr Miniſter von Rochow Exellenz, ſülwſt up ne Dörchreiſ' up den Infall kamen is, ſik de natürlichen Folgen von ſine kräftige Regirung tau beſeihn, un as hei dörch ſo'ne Klapp ſin ſchönes Kunſtwark ſeihn ded, wo hei dörch'ne gründliche virjöhrige Bearbeitung ut en rodbackigen, friſchen Burßen en bleikes Steinbild— fabrizirt hadd, dunn hett hei ſik vör ſin eigen Makwark ſchämt un hett deſe Klappen⸗Kikeri verbaden, un de Oberſt von B... ſtein hett ſik tworſt nich ſchämt, het't äwer„auf höhern Befehl“ inſtellen müßt. — 67— Jal bleike, witte, griſe Steingeſtalten wiren ſei wor⸗ den, deſe friſchen, geſunnen Lüd', dörch de ehre jungen Adern dat Blaud ſo luſtig flaten was, de ehre jungen Glieder nu ſtiw worden wiren, as bi ſteinolle Lüd', up de ehren Geiſt de Gefängnißqual laſten ded, un de minſchliche Nidertracht un de Hoffnungsloſigkeit von de Taukunft. As ik von de Viſitirung bi den Inſpekter mit den Slüter nah min Nummer gung, ſtunn en ollen leiwen Be⸗ kannten up den Korridur vör ſine Dör— ſin Lock würd juſt utfegt— ik hadd em ſeihn un em kennt in alle Pracht, de dat Minſchen⸗Frühjohr einen reinen un ſchönen, jungen Mann üm Höwt un Schullern un Lenden leggt; wat was hei nu?— De utbrennte Kahl, de Aſch von ſinen vörigen Lewen!— Wat ſäd hei tau mi, as hei mi wedder ſach?—„Unſelige Minſch! wo kümmſt Du hir her?“ Dat was de Empfang, den ik von min beſten Frün'n kreg. Ach, ik kunn woll lachen, denn ik hadd't doch beter hatt, äwer mine Frün'n hir!— Sei ſeten all äwer drei Johr ſo, un nicks was beter worden in ehre Lag'. As ik nah min Lock herin kamm, kek ik mi üm: vir kahle, witte Wän'n, en Diſch, en Schemmel, en Bedd⸗ geſtell un dorup'ne Seegras⸗Madratz, un ganz baben in de Wand dat lütte Finſter. Dat Awrige was mi All bekannt, blot wat von't Finſter ut tau ſeihn was, kennt ik noch nich, ik ſet'te alſo den Schemmel up den Diſch un klatterte up minen Kikut ruppe.— Snei, vir Faut hogen Snei up den lütten Hof, un dorin en Schiller⸗ 5⸗ — 68— hus, un dorin en griſes Worm von Schildwacht, de ſo ſtill ſtunn as mine Taſchenklock. Un för den Gefangnen ſünd de Schildwachten würklich Taſchenklocken, de bi Dag un bi Nacht de Tid angewen un alle twei Stun'n friſch uptreckt warden. Bi Dag' ſünd ſei ganz pleſirlich; äwer bi Nacht ſünd ſei en Beten unbequem, wenn ſei „Wer da?“ ſchrigen un up de Korridurs de Gewehr fallen laten un ſik en Lid fläuten, üm ſik den Grugel tau verdriwen. 4 „Na, ſtah du man!“ ſegg ik,„nah twei Stun'n wardſt du erlöſ't, dat höllſt du ſacht ut,“ un as ik noch ſo äwer ſine un mine Angelegenheiten in Bedenken ſtah ward de Dör upflaten, un de Slüter bringt minen Kuffert herinne.—„Na,“ ſeggt hei,„dat nenn ik driſt, glik in de irſte Virtelſtun'n dor baben ruppe tau klattern!“ —„Wat?““ ſegg it.„„Darw il dat nich?“, Dorvon hadd hei nicks ſeggt, ſäd hei, un dorbi blänkerte em dat ſure Gauſ'ſmolt wedder von dat Geſicht, äwer ik ſchinte em Einer von de Ort tau ſin, de ſik vel herute nemen wullen.— Dunnerwetter, wat was ik fix von minen Thron herunne! un ſtunn vör em un ſäd: hei hadd mi gor nicks tau ſeggen, un wenn ik wat ded, wat nich ſin ſüll, denn hadd hei't antauzeigen; hei müßt mi upwohren, im Awrigen hadden wi nicks mit enanner tau ſchaffen. — Ob, meinte hei, ik wir jo en hellſch kratzböſtigen Kirl; äwer ſo wiren Vele weſt, un ſei hadden ſei hir All tamm kregen, ſei würden mi ok woll krigen.— Grad, as ik up de Utverſchamtheit losbreken wull, — 60— kamm de Inſpekter doräwer tau un frog, wat hir los wir.— JIk ſäd em ſo un ſo un frog em, ob den Slüter dat tauſtünn, mi ahn Urſak mit ſnodderige Reden unner de Ogen tau gahn.— Wenn ik nich ut dat Finſter ſpraken hadd, hadd hei mi nicks tau ſeggen, was ſine Antwurd, un dormit wen'nte hei ſik an den Slüter un makte em wegen ſine Dumnmdriſtigkeit en lütten Vers.— Awer wat ſned de Kirl em för en Geſicht, ſo vull Gift un Gall! un as hei ut de Dör gung, brummte hei wat von„General“ un„tau weiten krigen“ in den Bort. De Inſpekter hadd drei Pund Toback unner den Arm un vertellte mi, min oll Vader hadd all vör mine Ankunft för mi'ne halw Kiſt Toback herſchickt, un hei würd mi dorvon taukamen laten, wenn ik wecken bruken ded.— Dat was gaud, äwer ebenſo gaud was't, dat ik tau weiten kregen hadd, woans de Inſpekter un de Slüter mit enanner ſtunnen. Wenn den Düwel ſin Reich uneinig is, hewwen de armen Seelen Firabend. Ik ſtickte mi'ne Pip Toback an, läd mi up de Madratz un wil ik mäud' was von de Reiſ, ſlep ik in, un wil ik minen Pipendeckel för en ſülwernen utgewen hadd, verbrennt ik mi minen Slaprock, de ſo all an— ſengt was, un twors dörch negen Stockwark, denn min Slaprock hadd mit de Tid ümmer ein Hut äwer de anner kregen, indem dat ik em ümmer wedder friſch äwertrecken let, un in de Ort was hei grad as Achil⸗ leſſen ſin Schild mit de negen Oſſenfellen. Hei ſwälte denn ok noch ümmer förfötſch weg, as de Slüter wedder rinner kamm, de eigentlich nicks bi — 0— mi tau dauhn hadd.—„Gotts Dunner!“ röp hei,„Sei brennen!“ un hülp mi dat Füer utſlahn.— Na, dor⸗ för bedankte ik mi denn bi em, un nu kreg hei Awer⸗ water un würd ſo tauvertrulich un ſmeichlich, as en Hund, de ſin Prügel kregen hett, un fung an: mit den Inſpekter ſüll ik mi nich inlaten, denn de wir woll fründlich in de Ogen, äwer falſch achter'n Rüggen, un wat hei dauhn künn, dat ſüll mi woll tau Gauden kamen, un vördem hadd hei jo man ſpaßt, un worüm ik keinen Spaß verſtahn hadd. Kort, dat was grad ſo'n Schubbejack von Kirl, as ik von de Ort all vele kennen lihrt hadd, negenklauk, hinnerliſtig, vull Schadenfreud', tau jeden Deinſt för ſine Vörgeſetzten parat, un wir't ok de niderträchtigſte, un dorbi feig, wenn em Einer de Tähnen wiſen ded. Min Toback ſtek em in de Näſ':„Woll ſchönen Toback?“ frog hei.—„„JIh ja,““ ſäd ik.„„Will'n Sei em mal probiren?““—„Ne,“ meinte hei,„wo denken Sei hen? Ik ſüll mi in ſo'ne Dörchſtekerien in⸗ laten?“—„„Schön,““ ſäd ik,„„denn laten Sit fin.“⸗— Herr D.... mann kamm wedder, hei hadd nicks bi mi tau dauhn:„Na, wo geiht't?“—„„Oh, recht gaud.““—„De Toback ſmeckt Sei woll?“—„Ja, ſihr gaud.““—„Na, wil Sei doch ſo fründlich wiren ... probiren will ik em doch mal.“— Herr D.... mann ſtoppte ſik'ne Pip:„Schön! Würklich ſchön!“—„„Na, denn nemen S' ſik en Pund mit,““ ſäd ik.— Ne, dat künn hei nich. Ne Pip Toback, dat güng woll; äwer — 71— en Pund! Dat wir gegen ſine Schülligkeit, dat künn hei nich dauhn. Wat ik von em denken ded?— Awer as Herr D.... mann ut mine Dör gung, hadd hei min Pund Toback in de Hand, un ik dacht wat von em. Den Dag dorup würden Sträfling' nah den lütten virkantigen Hof kummandirt, de müßten Bahn ſchüppen, dat min Kammeraden doch wedder mal in de Luft gahn kunnen. All, de up einen Korridur ſeten, kemen up 'ne Stun'n däglich in de friſche Luft. Min Korridur kamm tauirſt an de Reih', ik natür⸗ lich nich mit, denn ik hadd jo noch keinen Verlöw dortau; ik klatterte indeſſen up minen Diſch un Hüker ruppe un kek mi de Lüd' buten en beten an. Dicht unner dat Duwenſlaglock, wat för min Finſter gellen ſüll, ſtellte ſik en Por hen, von de ik den Einen recht gaud kennen ded, denn hei was en ollen Bekannten ut Jena; ſei hadden lütte, dünne Stöcker in de Hand un fechteten ſik dormit up Stoß, as wit in Jena up den Mark dahn hadden, äwer mit Iſen. Bi jeden Stoß un jede Parad' flöten mi en por Würd' tau: „Rechtſch von Di ſitten wi Beid', linkſch von Di ſitt Gr...“— de mi bi min Ankunft all begrüßt hadd —„de irſte Kummandant, Graf H., is de irſte Minſchenſchinner gegen uns; de tweite Kummandant, Oberſt von B., hett woll gauden Willen, kann äwer nicks maken, wil Graf H. dat för ſine Schülligkeit, as Spelkammerad von den König, höllt, uns perſönlich nah Mäglichkeit tau ſchikaniren. De Platzmajur kann deßwegen ok nicks. De Inſpekter is en gauden Mann, — 22— lewt äwer in ewige Angſt vör den irſten Kummandanten up de ein un den Slüter D.... mann up de anner Sid, denn dat is de heimliche Taubringer nah baben rup un is de legſte von Alltauſamen. De Gefängniß⸗ knecht K. bedrüggt uns, un deßwegen möt hei dauhn, wat wi willen; äwer D.... mann ſitt em tau ſihr up de Hacken, kei kann nicks dauhn. Häud' Di alſo vör D... mannen! Hei hett en wohren Haß up uns un is en ſihr ſlichten Patron un würd ſik ſäker ok beſteken laten, wenn wi em man en gauden Pris betahlen künnen, ſo äwer, wil wi nicks hewwen, känen wi nich an em kamen.“ Deſe Nahrichten flöten mi ſo ſtückwiſ' tau. Min oll Fründ Gr. gung an min Finſter vörbi:„En Metz kannſt Du von mi krigen.“— Dat was doch ok all wat— wenn'bt man irſt hadd!— Denn hir was't juſt ſo, as in den Unnerſäukungsarreſt, Metz un Gabel würden glik nah't Middageten wegnamen, un ik hadd all wedder tau dat olle Middel gripen müßt, un hadd den Stel von minen ollen bleckernen Lepel up de ein Sid ſcharp ſchürt, dat ik mi doch noddürftig en Stück Brod afſniden kunn. Awer wat ſüll dat mit D.... mannen heiten?— „Häud Di vör D.... mannen! Hei nimmt nicks von uns an.“— De Mann hadd jo von mi en Pund Toback annamen.— Na, de Tid müßt dat lihren. Den Nahmiddag kamm de Inſpekter tau mi un makte mi de Anzeig', dat ik ok'ne Stunen up den Hof ſpaziren kunn,'t wir allerdings noch nich von de — 73— Kummandantur anordnirt; äwer hei wull dat up ſine Kapp nemen, denn ik müßt jo doch an de Luft.— JIk namm dat denn girn an, un as ik up den Hof kamm, markte ik denn, dat dat Däuweder was, un dat de Snei ballte. Um mi nu'ne gaude Motſchon tau maken, wölterte ik grote Sneiballen tauſam un ſet'te ſei up enanner, bet'ne Ort von Poſtament farig was, un dunn namm ik en rechten ſchönen witten Sneiklut un fung dormit an tau kneden un tau puſſeln, bet ik imne Ort von Boſtbild farig hadd, un as ik min Makwark neger betrachten ded, dunn ſprüng mi'ne Ähnlichkeit mit den ollen, braven Dr. Martin Luther entgegen, ik makte em de Backen en beten dicker un de Näſ' en beten ſtuwer, un dor ſtunn hei likſterwelt. Dat was grad kein Kunſtwark; äwer, as de Upwohrer K. nahſten, üm mi wat Schöns tau ſeggen, ſäd, en Jeder künn doch ſeihn, dat't en Mannsminſch un kein Frugensminſch ſin ſüll. Ik hadd deſe Geſchichte nich vertellt, wenn dorut nich för mi wat Gaudes utbrött wir. De Platzmajur was glik nah mine Friſtun'n kamen un hadd minen Dr. Martin dor ſtahn ſeihn; hei let ſik alſo min Dör upſluten un frog mi, wat ik nich girn min Schriw⸗ un Teiken⸗Material hewwen wull. Ik ſäd natürlich: Ja, un hei verſprok mi dorför tau ſorgen; un ik kreg't ok. Kapittel 8. Dat bi weck Lüd' de ganze chriſtliche Moral nich en Pund Toback wirth is, un dat dat würklich Preiſters in de Welt giwwt, de kein Tid tau ehr Amt hewwen. Worüm den Herrn Inſpekter ſin leiwes Mulwark as en Knoplock let, un worüm de Fleigen den Herrn Platzmajur ſinen roden Kragen upfreten. Einige Dag' drup, ſo gegen Abend, hürte ik, dat bi minen Nahwer Gr... upſlaten würd— dat geſchach bi uns Allen ümmer üm deſe Tid, denn denn würd rein makt un friſch Water halt. Ik kloppte an mine Dör, un D.... mann ſlot up, obſchonſt de Gefängnißknecht bi minen Fründ Gr... noch nich farig was; ik kamm rute un gung up Gr... tau, un kunn doch en por Würd' mit em reden. As de Stuw' rein was, röp D.... mann:„Herr Gr...!“ un Gr... gung in ſin Lock herin; äwer ik ok un ſet'te mi ahn Wideres up dat Bedd. D.... mann röp mi, ik ſüll rute kamen; ik äwer rögte mi nich un meinte, hei künn mi jo bet Klock nägen bi minen Kammeraden ſitten laten, denn kem hei jo doch noch mal wedder taum Tauſluten för de Nacht.— Ne, dat künn hei nich, dat wir gegen de Husordnung, de Inſpekter künn kamen, un denn wir de Düwel los, denn de Inſpekter paßte em ümmer up den Deinſt.— Jk ſäd, de Inſpekter würd gewiß nich kamen, un ſäd, ik ded em ok mal wedder en Gefallen, indem ik nich ahn Abſicht ſo'n beten ſtark mit den Tunpal up dat Pund Toback henwinkte. Un wat was dat En'n? — Herr D... mann ſlot uns Beid tauſamen in. — 715— Dor ſeten wi nu un vertellten uns von ollen un nigen Tiden. Gr... gaww mi en Metz un allerlei Kleinigkeiten, de hei miſſen kunn, un't würd afmakt, ik füll bi de Kummandantur inkamen, dat wi tauſamen wahnen wullen. Binah all de Annern wahnten tau Twei in ehr Stuwen un't müggt uns jo ok woll glücken. Awer worüm vertell ik ſo'ne Kleinigkeiten?— Dorüm, wil ik nahwiſen kann, dat min Pund Toback de ganze ſchöne, nah allen Kanten ſo faſte Husordnung ümſmiten ded.— De Gefängnißknecht K. hadd ſeihn, dat D... mann ſik arg gegen de Beſtimmungen von den Grafen H. verſünnigt hadd; hei würd jo dit glik an den Inſpekter vertellen; de hadd nu den Slüter ſchön in de Fingern, dat hei em nich mihr hinnerrüggs bi den Kummandanten anpetzen kunn. Kort, de ganze, up gegenſidige Furcht un Niderträchtigkeit von de Be⸗ amten gründte Uprechthollung von den Grafen H. ſine ſcharpe Husordnung föll för ein Pund Toback. Un dat fratt mit de Wil ſo wid üm ſik, dat ik, as noch lang' kein Johr vergahn was, de Slätel ut den Inſpekter ſine Stuw' herute halte un all de Gefängniſſen upſlot. — Doch dorüm geſchach nicks Unrechts von uns— as denn äwerall in vir Johren äwer twintig bet dörtig junge Lüd' keine Klag' bi de Kummandantur vörkamen is, taum groten Arger von den irſten Kummandanten, de up öffentliche Parad' wüthend tau den Inſpekter ſeggt hewwen ſall:„Wieder nichts zu melden?— Melden Sie was, und ich werde den Leuten zeigen, — 76— wie man mit Hochverräthern umgehen muß!“— Un all de erbärmlichen Quälerien, mit de wi ſchurigelt würden, wiren nich mal en Pund Toback wirth! Hir kann mi nu Einer fragen, ob dat recht von mi was, un ob dat mit de chriſtliche Moral ſtimmt, dat ik en Beamten von ſine Pflicht afwennig makt heww? Dorgegen möt ik antwurten: ik heww't oft leſen un ut den Mun'n von ſihr frame Lüd' hürt, dat de Hand⸗ lungen von de Lüd', de de bäwelſten Spitzen von de minſchliche Geſellſchaft utmaken, gor nich nah de chriſt⸗ liche Moral tau taxiren ſünd, worüm will denn Einer de ündelſten Spitzen— un dat ſünd de Gefang'nen— mit en anner Mat meten? Aller Welt Hand was gegen uns, un wenn wi nich unnergahn ſüllen, müßten wi uns wehren; un gegen wen?— Gegen ſo'n Kirl, den ſine ⸗chriſtliche Moral nich mal en Pund Toback wirth was, den wi nahſten ſogar bi't Zigarrenſtehlen attrapirten. Nu wehr ſik mal Einer mit de chriſtliche Moral gegen einen Minſchen, de vör Wuth barſten müggt, dat hei junge Lüd', de in äwerminſchliche Geduld Johre lang Allens dragen, tau keine Klag' Anlat gewen had⸗ den, nich noch ſcharper anfaten kunn, de tau de ſtrengen, gedruckten Beſtimmungen för den ſworen Unnerſäukungs⸗ arreſt noch nige, ſtrengere utfünnig makt un ſei uns in dat Gefängniß rinne hängt hadd!— Nu wehr ſik mal Einer mit de chriſtliche Moral gegen'ne Karnallj von Kirl, de de gemeinſten Niderträchtigkeiten utbräuden ded, üm dat arme jammervulle Lewen noch jammervuller tau maken! 1 1 — 77— Un wat ded denn de preuß'ſche Staat för unſere chriſtliche Moral?— Dat is un was ok dunn ne geſetzliche Beſtimmung, dat jeder Gefang'ne Sünndags in de Kirch gahn ſüll, un wo ik bether weſt was, in S., künnen wi ümmer in de Kirch gahn; äwer hir?— Wat den Spitzbauwen, Röwer un Mürder tau Gaud' kümmt, dat was uns afſneden: in vir Johr hadd kein Einziger wat von chriſtlichen Gottsdeinſt noch äwerall von en Preiſter ſeihn.— De Katholiken utbenamen; denn dat möt Einer den katholſchen Paſter E... nah⸗ ſeggen, wat ſei em ok von Kummandantur wegen för Stein in den Weg ſmeten, hei wüßt ſei all furttaurümen, bet hei allwöchentlich ſine Bichtkinner beſäuken kunn. Awer de evangeliſchen Preiſters! Ih, Gott bewohre, föll ehr jo gor nich in.— Un as wi uns tauletzt mit de grötſte Dringlichkeit an de Kummandantur üm Gotts⸗ deinſt wennen deden, dunn kamm ſo'n Unglücksworm von Preiſter up den Hof— wi wiren grad in de Friſtun'n — un ſäd uns, de Kummandant hadd em ſchickt wegen den Gottsdeinſt; äwer hei hadd kein Tid, hei hadd tau vele annere Geſchäften, hei wull äwerſt tauſeihn, wat hei uns nich de anner Woch up den Husbähn— dat was de Waſchbähn, wo de Hemden un Hoſen un Strümp von de Criminalgefangen drögt würden—'ne Homilie leſen künn.— Dunn ſäden wi em, wi bedurten, dat hei kein Tid hadd; un wenn ſine Homilie mit den Waſchbähn as Kirch tauſam ſtimmen ded, denn bedurten wi, dat wi von ſinen waterigen⸗Kram keinen Gebruk maken künnen; dat freut' em denn ogenſchinlich, un hei gung.— — 78— Ik kamm nu, as wi uns dat verafredt hadden, bi de Kummandantur in, wat ik nich mit minen Fründ Gr... tauſamen trecken künn, un't würd taugeſtahn; ik treckte nu alſo tau em herüm, un dor ſeten wi nu un warmten uns an enanner, un mit ne Haſt würd fragt un Antwurd gewen, as wir morgen kein Tid mihr dortan. Wi frogen un vertellten; äwer jede Antwurd was trurig, ſine Nahrichten wiren äwer noch vel tru⸗ riger as mine, am ſlimmſten was't hir in M. taugahn. En Stückener acht von unſre Kammeraden wiren ogen⸗ blicklich in't Lazareth bröcht; krank wiren ok all de AÄwrigen; äwer för uns was de Rum in dat Lazareth man knapp, dorüm müßt denn af un an mal weſſelt warden. Ein hadd Tuberkeln in de Lung', Ein de Rüggendarr, Ein was dow un Ein lähmt worden, Ein was wegen Swindſucht entlaten un Ein wegen Ver⸗ rücktheit un bi en Annern was de Verrücktheit grad ut⸗ braken, as ik ankamm. Dat wiren de Slimmſten, de Annern leden an de Ogen, an de Lewer un an Blaudandrang nah den Kopp, un as ik nah Johr un Dag ut deſe Höll herute kamm, was ik ſo tämlich de einzigſte, de kein griſes Hor uptauwiſen hadd, all de annern 24— 25jöhrigen Lüd' hadden wenigſtens de Spuren dorvon. In de irſten Monate, de ik in M. was, kemen weck von min Kammeraden fri, meiſtendeils Bonnenſer un Hallenſer, de tau geringere Straf verurthelt weſt wiren. Dat was en grotes Freuen bi de, de dat Glück hadden; äwer ok bi de Annern, de taurügg blewen, man blot möt ik dortau ſetten, was deſe letztere Freud' nich ganz rein von eigene Hoffnungen un Wünſch, denn wenn de fri kemen, denn müßten wi jo ok ball fri kamen; wat hadden wi denn mihr dahn? För Gr... un mi hadd de Sak äwer uterdem wat in den Mun'n, wat uns ſihr tau Paß kamm, wi treckten in dat tweite Stockwark in de Eckſtuw', de dörch den Inſpekter ſine Käk un Wahnung von de annern Ge⸗ fängniſſen ſcheidt würd. Dat was gaud, denn wenn de Inſpekter uns en Breiw oder wat anners tau bringen hadd, würd em en Hüker henſchaben, hei ſet'te ſik en beten— hei hadd jo ok lang' Wil, un hir hürten de Annern nicks— ein Wurd gaww dat anner, wi kregen doch bi weg'lang tau weiten, wat buten paſſiren ded, ok wat in de Zeitungen ſtunn, denn de wiren verbaden. — Gr... was Katholik, em beſöchte af un an de Paſter E..., un dat was en uperweckten, lewigen Mann, de uns mit ſine Munterkeit unner de Ogen gung un uns männig ſchön Mal up annere Gedanken bröcht hett.— Mi beſöchte— ob mit, ob ahn Verlöw von den General, weit ik nich— af un an ein Herr K.. f, Geſchäftsführer von dat bedüdende Handelshus M.& W., un ümmer hadd hei mi tau Gefallen ſik wat utdacht, was mi Freud' maken künn. Alle Sünn⸗ dag kamm de oͤlle ihrliche Husknecht von ſin Kophus un bröcht bald dit, bald dat taum Middageten, nich ſo'n lütten taugedeckten Teller, as de framen un riken Lüd' in gauden Stun'n an de Armen un Kranken ſchicken, ne! ſo'n richtigen, dägten Braden, an den ſik — 80— ſo'n por tauſamſchräu'te junge Magen mal wedder en por Dag' lang richtig utliwen kunnen. Bet de letzte Stun'n, de ik in M. was, hett de Mann as en Brauder an mi handelt, un deßwegen was ik ümmer in de Meinung, hei ded dat in Updrag von minen Vader; äwer ne! Min Vader hett nicks dorvon wüßt, hei hett dat All ut ſinen gauden Harten dahn; äwer worüm grad an mi?— Ik weit't nich— hei is dor⸗ äwer wegſtorben, ik heww em nich dornah fragen, mi nich mal bi em bedanken künnt. Deſe leiwe, truge Mann hadd mi nu mal, as hei ſach, dat ik en Beten teiken kunn, en Kaſten mit Paſtellſtiften mitbröcht, un nu ſüll't Malen recht los⸗ gahn; äwer as Gott den Schaden beſach, wull de Farw nich up't Poppir hacken. Alles Mägliche würd verſöcht, äwer nicks hülp mi wider; binah en halwes Johr heww ik dormit rümmer probirt, bet tauletzt de Inſpekter mal mit de einfache Nahricht tau Hus kamm, dat müßt mit den lütten Finger inrewen warden. Dorut kann Einer nemen, wo ſur dat en Gefangen ward, ſik wider tau helpen un wat tau lihren. Dat heit för gewöhnlich: dor haddſt du rechte Tid taum Lihren, dor ſtürte di kein Minſch: ach, wat fünd de Lüd' doch klauk!— Stumm un dumm würd Einer bi ſin corpus juris un ſine Dogmatik, un blot Dejenigen, de all up de Uneverſitäten mit ehren Kram dörchwiren un ehr Sak all in'n Ganzen äwerſeihn kunnen, blewen bi ehr Fach, wi Annern ſmeten de Geſchicht ball in den Grawen un ſadelten üm; de Ein bedrew dit, de — 81— Anner dat, un vele Tid gung mit Kaken un Strümp⸗ ſtoppen un Snider⸗ un Oltflickerarbeit hen. Allerlei ſo'n Handgebird' müßt nothwendig makt warden, un't was en Glück, dat wi doran müßten; dat was en lichten un en taudräglichen Tidverdriw, denn hei bröcht up anner Gedanken. Dorüm kann ik mi ſihr gaud denken, dat en Minſch dat in en Gefängniß in allerlei Handfarigkeiten ſihr wid bringen kann; äwer ſeindag' nich kümmt ut en Gefängniß en Künſtler herut, oder en Gelihrten, de de Welt würklich wat nütt ward. De Muſik allein mag dorin'ne Utnam maken; äwer hir was't ok nicks mit ehr; denn ſingen un fläuten was verbaden, un Einen von uns, de ſik ſtark up Muſik verſtunn un ſik'ne Ort Akkordion ſülwſt bugt hadd, würd ſin Makwark von Kummandantur wegen weg⸗ namen. Ik ſmet mi alſo up dat Malen un up de Purtretts. Min oll Fründ Gr... müßt tauirſt ran; ik heww em von rechtſch un von linkſch, von vörn un von achter malt; mit Bliſtift un ſwarte Krid un ok bunt, denn mal eins mit en himmelblagen Hinnergrund, denn mal eins ganz in Wulken un einmal ok mit en prachtvullen, roſenroden Schin, as wenn's Abends de Sünn unner⸗ geiht. Dit Stück hett mi vel Mäuh koſt't, un as't farig was, ſach't gor nich dornah ut. As Gr... vullſtännig utnutzt was, kamm de Herr Inſpekter an de Reih'; dat Bild füll för ſine Brud, ik müßt em alſo en beten verſchönnern, un hei müßt ok en beten fründlich utſeihn.— Swor isit mi worden; Olle Kamellen. II. 6 — 82— äwer brecht heww ibt kregen. Taum Glücken hadd hei 'ne wat lange Näſ'— dat's ümmer'n Glück för en Anfänger— de fat't ik un as ik ſei fat't hadd, dunn müßt all dat Anner nah, dat müggt willen oder nich. — Awer de Fründlichkeit un dat leiwliche Utſeihn? Ok dormit würd ik prat; ik knep em de Ogen en beten tauſam, makt em up de Backen en lütten Swulſt, tröck den Mund an de beiden Enns en virtel Toll in de Höcht un makt em dor en por richtige Falten, dat hei utſach as en Knoplock, wat en düchtigen Snider linkſch un rechtſch gaud verfeſtigt hett. Dit Bild bröcht mi vele Ihr in. De Inſpekter wiſ'e dat in ſine Hartensfreud' bi all min Kammera⸗ den rümmer, un nu wull Jeder von mi malt ſin. Mit allerlei Künſten würd de Inſpekter denn dortau bröcht, dat hei de enzelnen Frün'n von mi tau uns rinne let. Min Malwarkſtatt was eben ſo gaud, as jede anner; dat Licht föll ſchön von baben un was dat käuhlſte Nurdlicht, wat ſik en Maler wünſchen kann. Äwer uterdem hadd ik noch en groten Vurthel vör min an⸗ nern Maler⸗Collegen vörut: de Lüd', de mi ſeten, wiren dat Sitten gewenn't, ſei kunnen't up de Läng uthollen, un wenn ik minen Diſch ehr en beten knaſſ up den Liw' ſchow un Gr... ſinen Stauhl en halwen Faut bet an ehr'ran rückte, denn ſeten ſei as in en Schruwſtock, un ſchappiren kunnen ſei nich, uthollen müßten ſei, denn de Dör was tauſlaten. Hir möt ik äwer ingeſtahn, dat ik mi in deſe Tid ſihr gegen dat Ebenbild Gottes verſünnigt heww, ir heww Geſichter malt, de't meindag' nich gewen hett un ok meindag' nich gewen kann, un dat mit Kalüren, de ſüs up de Welt nich vörkamen.— Mit de Swartköpp würd ik ſo tämlich prat; äwer wenn ſoen Flaßkopp mit unnerlep, denn was't ſlimm; ik hadd mi dat— leider Gotts— anwen'nt, de Flaßhor mit Gräun tau ſchat⸗ tiren, un wil ik nu ok de dämliche Mod' an mi hadd, in dat Geſicht en beten ſtark mit Rothſtein rümmer tau arbeiten, ſo leten mine flaßhörigen Biller von Firn likſterwelt as'ne Ananas, taumal wenn nah unnenwarts noch en gräunen Rock kamm. Mine Biller würden nu meiſtens tau Geburtsdagen un Wihnachten an de ollen Ollern un an Sweſtern un Bräuder ſchickt, un wenn weck von ehr noch lewen ſüllen, denn will ik mi bi deſe Gelegenheit bi ehr ver⸗ beden hewwen, wenn ik ehr an ſo'ne Feſtdag' en Sihrec injagt heww äwer dat Utſeihn von ehre leiwen Verwandten.— Min oll Vader taum wenigſten ſchrew mi, as ik em min eigen, ungeheuer ähnlich Purtrett tauſchicken ded, hei hadd ſik ſihr verfihrt, un ik müßt mi gruglich verännert hewwen. Dat müggt nu äwer All ſin, as dat wull, dit was doch de Anfang, dat wi uns enanner beſäuken kunnen, un wenn D.... mann ok ſihr ſcheiw dortau utſach un männigen Rigel dortüſchen ſchow, ſo würd hei doch af un an dörch en friſch Pund Toback wedder ſmidiger; un as ik em tauletzt gor dorbi attrapiren ded, dat hei minen Fründ G... ſine Zigarren, de em en ganden Fründ ut Lübeck ſchick hadd, heimlich angung, un as 6* ſik tauletzt de Herr Platzmajur ſülwſt von mi malen let, dunn was ſin Regiment braken, un hei gung up de langen Korridurs rümmer, as en Cherubim, de ſinen gläugnigen Degen in de Scheid' ſteken hett, wil dat hei ſik doran de Flunkfeddern verſengte. Dat Afpurtrettiren von den Herrn Platzmajur was eigentlich in deſe Hinſicht min Glanzpunkt in M.— Jk würd ut min Lock nah den Herrn Inſpekter ſine Stuw' rümmer nödigt, denn hir ſüll de grote Daht geſcheihn. — Jk kamm nu mit min Maler⸗Geſchirr an; ik hadd en Bagen upſpannt, de en ſihr ſchönen gräunlichen Schin hadd un all min Stiften wiren ſcharp; äwer as ik in de Stuw' kamm, verfihrt ik mi, denn min ſchön Babenlicht, woran ik gewennt was, was hir nich be⸗ gäng', de Stuw' hadd en grotes, natürliches Finſter. Ik fung nu dormit an, dat ik mit den Herrn Platz⸗ majur in alle Ecken herümmer exerzirte, dat ik dat rich⸗ tige Licht fünn; äwer't wull nich warden, bet tauletzt den Inſpekter ſine Beddeck unnen an't Finſter tüdert würd.— Unglücklicher Wiſ' was de Herr Platzmajur en Flaßkopp un hadd kein Ogenbranen— un ik Un⸗ glücksworm hadd dat an de Mod' mit de Ogenbranen antaufangen.— Wat nu?— Süs ſmerte ik tauirſt en por Ogenbranen hen un let de Näſ', ſo lang oder ſo kort as ſei juſt was, doranner dal bammeln. Äwer wat nu? Hei hadd kein Ogenbranen, un ik keinen Anfang, un ſin Näſ' was för en Maler ok man ſo ſo. Ik hadd mi de Sak vermeten; äwer ik was ganz ut de Richt; anfangen müßt ik, un mit wat Horigs müßt * ik anfangen, dat hadd ik mi tau dägern anwennt; ik fung alſo mit den Snurrbort an. Dat is mi nich led worden, un wenn Einer von min Maler⸗Kollegen mal in ſo'ne Lag' kamen ſüll, ſo kann hei mi driſt folgen, denn dat wohrte gor nich lang', dunn ſäd de Inſpekter, de mi ümmer äwer de Schuller kek, dat Bild würd ſihr ähnlich, un de Mann wüßt dorup tau lopen un hadd Inſichten in de Sak, denn hei hadd mi all oft taukeken un hadd ſin Urthel an mine Stücker utbildt. Wohrt ok nich lang' dunn was dat Geſicht farig, ſihr ſchön; blot mit en beten gräunlichen Schin, woran dat gräune Poppir Schuld ſin kunn. Nu kamm äwer de Uneform, blag mit en roden Kragen, un denn de goldnen Epoletts un de blanken Knöp.— Wer dat ſeindag' noch nich makt hett, de ward ſik hellſchen dor⸗ vör verſtutzen; ſo gung mi dat denn nu ok; ik hadd Ber⸗ linerblag un Zinnober un Kromgel in minen Kaſten, ik gung alſo forſch drup los, un wil ik mal leſen hadd: „Beiwerke bei'm Portrait müſſen mit einer gewiſſen flüchtigen Genialität behandelt werden,“ ſo ded ik dat denn ok. Flüchtig naug was't; äwer mit de Genialität blew ik vullſtändig hacken; denn as ik dormit dörch was, ſäden ſei all Beid', de Inſpekter un de Platz⸗ majur: ne! Dat wir nicks! Mit den berlinerblagen Rock gung dat notherwiſ', äwer de Epoletts un de Knöp, de ſegen jo ut, as wenn ſei in ſäben Johr nich putzt wiren, un de Kragen was jo kein Platzmajur⸗ Kragen, dat was man en ganz gewöhnlichen preuß⸗ ſchen Poſtmeiſter⸗Kragen.— Argern ded ik mi nider⸗ trächtig; äwer wohr was't, en beten gellerich ſach hei ut, denn mit den Zinnober was ik ogenſchinlich anführt, dat was idel roden Mönning, un ik hadd wedder mit den entfamtigen Rothſtein in de Schatten rümmer fuhrwarkt. Ik hadd all ſo vel von de Malerkunſt lihrt, dat ik mi nich verblüffen let, un dat ik ſäd, ik wull dat Bild mit mi nemen, un nah en por Dag',, denn wulln wi uns wider ſpreken. Un nu ſatt ik von ein Licht in't anner un putzte den Herrn Platzmajuren ſine Epoletts un Knöp up, bet G.... dat tauletzt jammern würd un hei mi ſäd, nu wiren ſei blank naug. AÄwer de Kragen!— Noch up Stun'ns, wenn ik ſo'n preuß'ſchen Infanterie⸗Kragen ſeih, fallen mi all mine Sünden in; dat würd nicks, un dat wull nicks warden! Tau⸗ letzt ſmet ſik de Taufall in't Middel, G.... ſin Kar⸗ nallenvagel ſpölterte mi en Druppen Water up den Kragen, un up dit Flag würd hei ſchön ſchörlaken ut⸗ ſeihn.— Wenn du em ſo mit'ne Ort von Firnitz an⸗ ſtriken dedſt? dacht ik. Äwer ne! de Firnitz is tau ölig, dat künn utſeihn as en richtigen Fettplacken. Mit Gummi arabikum? den hadd ik äwer nich tau Hand. Ik ſunn un ſunn un verföll tauletzt up Zucker. Dat geiht! Ik ſmölt'te mi alſo en por Stücken Zucker in Water un fung dunn ſauber an, de Sak irſt an de Kanten mit en Pinſel tau probiren.— Wunder⸗ ſchön! Ik ſtrek driſt wider un't durt nich lang', dunn was min Kragen ſo, dat jeder Kaptehndarm — — 37— em för en richt'gen preuß'ſchen Soldaten Kragen an⸗ ſeihn hadd. Gr... ſäd frilich, de Kragen wir tau blank gegen de annere Maleri; äwer wat verſtunn Gr... von de Kunſt?— Ik ſtellte minen Platzmajuren up den Diſch, läd mi up min Bedd un kek em bet's Abends Klock nägen an, bet de Schildwach:„Licht aus!“ röp.— T is mäglich, dat Raphael ſine Madonna, as ſei farig was, ok lang ankeken hett, äwer ſo verleiwt, glöw ik nich, dat hei in ehr weſt is, as ik in den Herrn Platz⸗ majuren. Ik lagg noch lang' un kunn nich ſlapen vör Freuden.— En preuß'ſchen Offizir in vulle Uneform, dat will wat ſeggen, mine Herrn! Tauletzt ſlep ik in, ſlep äwerſt ok in den hellen Dag herin. Un as ik upwakt— Gott in den hogen Himmel! — Gr... hadd ditmal nich as Fründ gegen mi handelt, hei hadd't hinnern künnt— dunn wiren duſend Fleigen dorbi un vertehrten den Herrn Platz⸗ majur ſinen Kragen un hadden dor ok mit mang malt un hadden luter lütte ſwarte Punkte in mine ſchönſten Lichter ſet't. So wat nenn ik en Mallür.— Un wat nu?— Dat Einzigſte was, ik müßt em up't Friſch wedder äwerlackiren un de Fleigen möten, bet hei ut mine Hän'n was. Dat ſchach denn nu ok ball; ik was min Makwark los. Wat äwer den Herrn Platzmajur ſine leiwe Fru tau de Ähnlichkeit ſeggt hett, un ob de Herr Platzmajur ſik mi taum Andenken in ſine Deinſt⸗ wahnung uphängt hett, heww ik meindag' nich tau — 88— weiten kregen. So vel is gewiß, ik hadd mi bi em un bi den Inſpekter en Stein in't Bredd ſet't, un dat kamm nich mi allein, ne, uns allen ſchön tau Paß. Kapittel 9. Worüm de Herr Inſpekter ſik as en Hampelmann birden, un de Gefängnißknecht K..... ſik von den Diſch hauſten ded. Worüm de Herr Inſpekter as forſche Voß anſeihn würd, un worüm wi nich för den Hertog Corl von Meckelnborg beden deden. Awer ein Ümſtand müßt nu noch dortaukamen, de den Utſlag gaww un uns düdlich wiſ'te, wo wid wi all mit de Afſchaffung von de ſaubere Husordnung kamen wiren.— Min oll Vader hadd mi ſchrewen, ik ſüll mi 'ne Mäntel maken laten, un eines Dags kamm de Inſpekter nah mi rüm un ſäd mi, ik ſüll nah ſine Stuw' kamen, de Snider wir dor un wull mi Mat nemen. Ik gung alſo in minen Slaprock rüm. Nu wiren dor in de Stuw' äwerſt twei Lüd', de Ein ſach gor nich as en Snider ut, de anner äwer deſto mihr; ik frog alſo deſen, wat hei mi Mat nemen wull. Äwer ihre de Snider mi Antwurd gaww, gung de Anner up mi tau un frog mi: wat ik ein von de politiſchen Gefangen wir.— Dat kunn ik nich ſtriden.—„Denn kennen Sei gewiß minen Brauder: ik bün de un de von'n Rhein her un heit H.... mann.“—„Ja woll,““ ſegg ik,„„kenn ik Ehren Brauder, hei ſitt in den drüdden Stock mit M.... tauſamen.““— Hei — — — 89— wull noch wider reden, dunn kamm de Inſpekter rin, un de Snider gung an ſin Geſchäft. Hei was noch nich dormit prat, as de Dör wedder upgung, un de Husknecht ut de Stadt Prag mit en Korw vull Buddeln rinne kamm. De Inſpekter makte grote Ogen; äwer de Rheinlänner let em kein Tid, Mulapen tau verköpen, hei namm de höflichſte Min' von de Welt an un ſäd in ſo'n frien, friſchen Ton, as blot ſo'n ollen luſtigen Rheinlänner kann, hei hadd ſik dat verlöwt, den Herrn Inſpekter mit en Dutzend Buddeln Virundörtiger unner de Ogen tau gahn.— Ach, nu äwer de Herr Inſpekter!— De Snider was dor, ik was dor— hei ſäd, hei künn't nich, un dat wir tau vel, un dorbi dinert hei mit den Kopp un treckte mit de Schullern, as ſet Einer unner ſine Stuwendelen un regirt em von dor an en Band, as en Hampelmann.— Wat äwer ſo'n richtigen Rheinlänner reſolvirt ſin kann, dat heww ik hir ſeihn; unſ' Rhein⸗ länner kreg, mir nichts, dir nichts, en Proppentrecker rut, makte'ne Buddel up, namm en Waterglas, wat up den Diſch ſtunn, ſchenkte in un let den Inſpekter vör allen Dingen irſt doran rüken. Dat hulp! De Geruch paßte em, un hei kreg nu ok ſo'n beſondere Luſt dortau, em tau probiren. Taureden helpt, un em würd tauredt; hei drunk ſin Glas ut.„Ik will nu Ehren Brauder halen,“ ſäd hei,„äwer....“ un dorbi kek hei mi un den Snider an. De Snider was en Mann von Bildung, hei verſtunn den Wink un gung; ik wull em doch dorin nich nahſtahn un wull ok gahn; aͤwer de — 90— Rheinlänner ſtellte ſik dwaslings vör de Dör:„„Sei bliwen hir! Nich wohr, Herr Inſpekter, de Herr bliwwt hir?““— Nu fung de entfamte Kirl unner de Stuwen⸗ delen wedder an, an den Band tau tucken, un de In⸗ ſpekter treckte mit de Schullern un handtirte mit de Häu'n un trippelte mit de Bein; äwer dat En'n von dat Lid was: ik blew. De Brauder kamm un föll den Brauder üm den Hals, un't was en grotes Freu'n un en grotes Fragen, un wil dat de beiden Bräuder doch in ehre Freud' nich ſitten kunnen, ſet'ten ik un de Herr Inſpekter uns up den Sopha un drunken Rheinwin tau ehre Freud' un uns taum Wollgefallen un freuten uns ok. Un as de irſte Hitt bi de beiden Bräuder verflagen was, dunn ſet'ten ſei ſik ok un hülpen uns bi unſ' Ge⸗ ſchäft, un de Herr Inſpekter makte den Rheinlänner en Kumpelment: de Win wir gaud, de Win wir ſihr gaud.„„Denn dauhn Sei em ok ſine Ihr an,““ ſäd de Frömde un ſchenkte den Herrn Inſpekter dat Birglas wedder vull; denn dat ein hadden wi man. Nu kann äwer jeder Minſch inſeihn, dat unner ſo'ne Ümſtän'n ein Birglas nich gaud langen deiht, ik twei tau halen un wil de Herr Inſpekter nich achter'n Diſch bequem rutkamen kunn, namm ik minen Slätel von't Slätelbredd un wull gahn, dreihte mi äwer irſt noch üm un ſäd:„Awer, Herr Inſpekter, G.... bring⸗ ik mit.—„„Ja,““ ſäd H.... mann,„»un il hal ok Gläſ' un bring M.... mit.““— De Herr Inſpek⸗ kamm alſo up den klauken Infall, ut mine Stuw' noch — — — 1— ter fung wedder an tau trecken mit de Schullern; äwer't was nich mihr ſo utdrücklich as vördem, un tauletzt nickte hei blot noch mit den Kopp. As ik rute kamm, gung D.... mann vör den In⸗ ſpekter ſine Dör up un dal, denn hei hadd woll en beten horkt, wat woll paſſiren ded, un as hei mi in ſin Slätel⸗Amt fuſchen ſach, wull hei mi bähnhaſen un frog mi, wo ik dortau kem.„Herr D.... mann,“ ſäd ik,„Sei ſeihn, ik kam mit den Slätel ut den Herrn Inſpekter ſine Stuw', un as Sei weiten, is hei binnen, un wat em paßt, ward Sei jo ok woll paſſen. In'n Awrigen will ik Sei raden, laten S ſik mit mi nich in'n Böſen in, Sei weiten, wo wi mit enanner ſtahn; wiln Sei äwer vernünftig ſin, denn will ik ok dorför ſorgen, dat Sei Ehr Deil von de Luſtborkeit afkrigen.“ — Oh, hei meinte ok man, ſäd hei. Ik ſlot alſo up, halte Gr... un Birgläſ'; H.... mann kamm mit ſinen Stuwenkammeraden M.... antautrecken, un nu würd de Sak irſt vullſtändig. Wi„organiſirten“ uns, as ſei dat nennen, nich blot binnen üm den Diſch herüm, ne ok buten, dat uns Keiner äwer den Hals kamen kunn. D.... mann müßt up den ündelſten Gang patrulliren un kreg tau de Unnerhollung in ſine Einſamkeit'ne Buddel Win, un de Gefängnißknecht K.... würd up unſern Gang up en Diſch ſtellt un müßt äwer den vördelſten Hof kiken, ob de Platzmajur woll kem. Hei kreg kein Buddel Win; äwer de Wiſung, wenn em ſihr döſten würd, denn ſüll hei hauſten. Hei hett den Nahmiddag äwer wat Ihrliches tauſam hauſt, — 92—. un tau Schaden is hei dorbi nich wider kamen, as dat hei ſik gegen Abend mit ſammt den Diſch ümhauſten ded. Wi äwer ſeten binnen un hadden vulle fiw Johr ut unſern Lewenskalenner utſtreken un fungen bi den letzten Kommers, den wi in Jena un in Bonn mit⸗ makt hadden, hir up den Inſpekter ſine Stuw' wedder an. De Herr Inſpekter würd as Voß anſeihn, un M...., wat de Ollſt von uns was, äwernamm ſik dat Amt, em in alle Swindigkeit en beten ut den Gräwſten för den Kummang tautauſtutzen, vör Allen makte hei em denn begriplich, dat en forſchen Voß ümmer funditus drinken müßt. De Herr Inſpekter beweſ' in deſe Sak vele Inſichten, un wil dat wi em doch mit gauden Biſpill vörangahn müßten, ſo kemen wi bald in jenne Ort von Verfat, wo dat Singen los⸗ taugahn pleggt.— M.... de all mal katholſche Preiſter weſt was, un de drei irſten Weihen kregen hadd, hadd in ſinen früheren Stand von Amtswegen ſchön ſingen müßt, hei ſtimmte alſo mit ſinen höchſten un ſchönſten Ton an:„Freiheit, die ich meine, die mein Herz er⸗ füllt....“ un wi Annern föllen kräftig mit in, as— bautz! in unſere„Freiheit, die wir meinten“, de Schild⸗ wach mit ſinen Gewehrkolben gegen de Dör ſtödd: „„Ruhig, da drinne!““ De Inſpekter flog tau Höcht, hei hadd ganz ver⸗ geten, dat de Schildwachen den Befehl hadden, Singen un Fläuten nich tau liden.— Dat was en ſlimm Stück för mine Kammeraden, de in fiw Johr nich hadden ſingen dürft un nu ſo'ne ſchöne Gelegenheit dortau hadden; ———— — 93— äwer hir hulp H.... mann ut de Noth, hei ret de Dör wid up un röp den Musquetirer, hei ſüll doch in de Stuw' rinne kiken, un frog em, ob em dit as en Gefängniß vörkem?— Na, ſo'ne Ort Gefängniß, mit ſo vele Buddeln un Gläſ' up den Diſch, hadd de jo denn woll noch nich ſeihn, hei meinte alſo: wi ſüllen't nich äwelnemen, hei wir hir taum irſtenmal. Dat was nu wedder ſo wid in de Reih; äwer unſ' forſche Voß was ganz ut den Lim. Um Gotteswillen nich wider ſingen!— Ja, dat was licht ſeggt; äwer ſwer hollen.— Nah langen Prekademen mit den Herrn Inſpekter würd denn nu utmakt, ſungen müßt warden, äwer ſacht, ganz ſacht. Dat was denn nu ſo, as wenn Einer ſeggt: waſch mi den Pelz, äwer mak mi nich natt; oder as wenn ſei in de hillſte Tid von de franzöſche Revolutſchon ſeggt hadden: köppt möt warden, äwer ſacht, ganz ſacht! De Irſte, de ſik gegen dit nige Afkamen verſünnigen ded, was de Herr Inſpekter ſülwſt. Hei hadd'ne Ort von Guitarren⸗Stimm, un hadd ok'ne Ort von Guitarr; äwer de Lider, de hei weiten ded, wiren'ne Utwahl von olle verſchatene fadenſchinige Leiwslider, de hellſchen up⸗ kratzt un utböſt warden müßten, wenn ſei hallweg paſ⸗ ſiren füllen. Un dat ded hei denn ok, un hei kratzte un böſte denn ok ſchön drup los. Un von uns Annern wull en Jeder nah ſo vel Johren doch girn hüren, wo ſik ſine Stimm eigentlich utnem, un ob ſei ok ganz inruſtert wir, un ſo durte dat denn nich lang', dunn gung't wedder von Fläſſen. — 94— Wer weit, wat de Sak för'ne Endſchaft namen hadd, wenn ſik nich üm deſe Tid, as ik all ſeggt heww, de Gefangenknecht von den Diſch herunne hauſt hadd. Hei föll recht mit Nahdruck mit den vullen Puckel gegen den Inſpekter ſine Dör, un as wi bi den Larm herute ſtört'ten, lagg hei up de Ird un de Diſch lagg up em, as hadd hei dat Diſchblatt för ſin Awerbedd anſeihn un hadd ſik warm dormit taudeckt.— Nahſten ſäd hei, hei hadd mit Hauſten nich mihr dörch unſern Geſang dörch⸗ dringen kunnt, hei hadd't mit Kloppen verſäuken wullt, hadd ſik dorbi tau wid up de Diſchkant wagt, un hadd de Blanſirung verluren.— In deſen Ogenblick ſäd hei nicks, hei was ganz ſtill, un as wi em rute treckten un em upricht'ten, was hei von den Fall oder von dat vele Hauſten ganz düſig; äwer, as de Inſpekter up em infohren ded: hei füll ſik wat ſchämen.... kreg hei doch ſo vele Beſinnung, dat hei em raſch in de Red' föll un ſäd: hei glöwt, de Platzmajur kem. Na, dit was en ſchönen Hopphei! Gr... un ik wutſchten in unſ' Lock, H.... mann un M.... ſprungen de Trepp heruppe, de Inſpekter un de Rheinlänner ſmeten vulle un leddige Buddeln un Gläſ' in den Korw, un de Gefangenknecht ſlot uns in. So, nu kunn de Platzmajur kamen; äwer hei kamm nich. Den annern Dag, as wi uns dat nahdenken deden, kamm uns dat binah ſo vör, as wir mit uns en afkort't Spill drewen, dat wi man wedder utenanner kemen; äwer dat was egal: wi hadden en frölichen Nahmiddag hatt un hadden de ſchöne Husordnung gründlich verrun⸗ — genirt; denn von nu an was alle Abend groten Beſäuk, ball hir, ball dor. Wi vertellten uns wat, leſen wat vör, ſpelten Schach, ok woll en beten Korten, drunken en Glas Bir tauſamen un leihnten enanner unſ' Bäuker; denn dat was ok verbaden. Bäuker un Zeitungen wiren vör Allen de beiden Artikel, de wi am meiſten miſſen müßten. Zeitungen wiren ganz verbaden, un Bäuker bet up de Fachbäuker binah ok. As Biſpill will ik blot vertellen, dat ſik vör mine Tid mal Einer dat Brockhus'ſche Converſations⸗ Lexikon, un en Anner en Atlas von de olle Welt an⸗ ſchaffen wull, dat würd allens Beid's afflagen, wil, nah de Anſicht von den Herrn Grafen H...., dat Conver⸗ ſations⸗Lexikon„revolutionäre Artikel“ enthöll un„Land⸗ karten überall nicht zu geſtatten ſeien, weil ſie bei einem Fluchtverſuche Vorſchub leiſten könnten.“— Dat was von em ne ſihr luſtige, äwer för uns'ne ſihr harte Anſicht. Af un an kregen wi äwer doch von den Paſter E... oder von den Stabsarzt Reiche oder den Inſpekter, ja ok männigmal dörch en oll Zeitungsbladd, wo Keſ' un Hiring inwickelt was, en beten tau weiten, wort in de Welt hergung. Gegen den Harwſt von dit Johr (1837) würd denn uns ok vertellt, dat unſ' Sak in den Statsrath vörkamen ſüll, wat wi nich tau dat virtig⸗ jöhrige Jubiläum von den König Fridrich Wilhelm III. begnadigt warden ſüllen. Dat gaww nu vel Reden un Hoffen unner uns, weck hofften un weck ſtreden dorgegen, un einer von de Letztern brukte dorbi mal den deſpek⸗ — 96— tirlichen Utdruck:„de olle Rülps“ ſtats„de olle König“, dat fohrte äwer minen ollen Kapteihn, de nahſten mit mi in Gr... ſatt, ſo in de Kron', dat hei deſen Majeſtätsbeleidiger up de Städ' up einen Gang krumme Säwel föddern ded, uttaufechten an den irſten Dag, wenn wi frikemen, wil dat hei ſik an ſinen König ver⸗ ſünnigt hadd.— So'ne Ort von Königsmürder wiren mang uns! Na, wi hofften alſo wedder: wi müßten jo fri kamen! Awer dat kamm anners, as mit de ſel Fru; de Hertog Corl von Meckelnborg, as Preſendent von den Statsrath, hadd ſik gegen uns vernemen laten un hadd den Utſlag gewen: wi müßten ſitten.— Dat hett em denn nu grad nich vele frame Wünſch von uns indragen. Korte Tid nahher kamm de Stabsarzt mal tau uns un vertellte uns, de Hertog Corl von Meckelnborg wir dod.„Dat weiten wi all,“ ſäden wi.— Dat wir nich mäglich, ſäd hei, hei kem graden Wegs von den General Grafen H.... her, un de hadd in ſine Gegenwart de Depeſch upmakt, wo de Nahricht in ſtahn hadd; un in keine Zeitung ſtünn noch dor wat von.— Dat wir mäglich, ſäden wi, äwer weiten deden wi dat all.—„„Von wen?““ frog hei.— „Von Z...,“ ſäden wi,„de hett uns dat hüt morgen vertellt.“—„„Von Z....? von Z....?““ frog hei un ſchüttelt mit den Kopp,„„üm den ſinentwillen ik hüt hirher kamen bün? Merkwürdig! Merkwürdig!““ un dormit gung hei ut de Dör. Z.... was en prächtigen un mächtigen Kirl, as ik em up ſine Dörchreiſ' in Jena kennen lihrte, hei was de Grötſte un de Starkſte von uns Allen, ok hir noch; hei was en ihrlichen un trugen Fründ tau mi — dat weit ik, denn ik heww nahſten mit em in Gr.... up ein Stuw' tauſamen ſeten—, äwer ſin Geiſt hadd leden.— Sei ſäden, hei hadd't von den Ogenblick an kregen, as em dat Dodsurthel ſpraken würd. Ik weit dat nich— tau mine Tid bildte hei ſik dat in, hei künn prophenzeih'n un ut de Kreihn un Sparlings un Karnallenvägel ehr Gebirden de Taukunft ſeihn. Alle Abend, vertellte hei, kamm'ne ſchöne Fru in en ſwart⸗ ſiden Kled tau em un ſet'te ſik vör ſin Bedd un ſäd em, wat ſcheihn würd.— Hei hett vel tauſamenprophen⸗ zeiht, un nicks is indrapen; äwer de Dodsnahricht von den Hertog Corl von Meckelnborg hett hei vörherſeggt, dat is Wohrheit! Un noch'ne anner Sak hett hei mit de lüttſten Umſtän'n vörher wüßt— ik ward ſei an Urt un Städ vertellen. De Kreihen wiren in ſinen Ogen de ſlimmen Vägel, un de Karnallenvägel, von de binah en Jeder weck hadd, wiren de ganden. Nu begaww ſik dat ſonderbore Wiſ' dat binnen eine Woch' binah all de Karnallen⸗ vägel in den ganzen Huſ' krank würden, ſei kregen all⸗ tauſamen, obſchonſt de Ein ſo, de Anner anners fauderte, ein un de ſülwigen Krämpfen un föllen för dod in ehr Burken üm, un weck ſtürwen würklich doran. Dit hadd em nu in'ne grote Upregung ſekt, un de Stabsarzt müßt em in't Lazareth nemen, von wo hei Olle Kamellen. IU. 7 — 98— up dreivirtel Johr in de Charité nah Berlin bröcht würd, üm dor kurirt tau warden; äwer as hei von dorut, as geſund entlaten, uns nah Gr.... nahkamm, was hei noch eben ſo krank, as hei weſt was. Doran, deſen armen Minſchen tau entlaten, den ſei up ſo'ne grugliche Wiſ' unſchädlich makt hadden, was kein Ge⸗ dank.— Tau mine grote Freud' heww ik hürt, dat de Friheit em dat wedder gewen hett, wat em de Knecht⸗ ſchaft namm, un dat min oll„Franzoſ'“ lewt un geſund is. As ik vördem all ſeggt heww, let wi uns den Upentholt in't Lazareth ſo tämlich ümgahn, un wil de Stabsarzt en minſchenfründlich Hart hadd, un wi ok Alltauſamen ſo beſchaffen wiren, dat hei't mit gauden Gewiſſen verantwurten kunn, wenn hei uns dorhen nem, ſo kamm denn mitdewil ok mal an mi de Reih, un ik erlewte dorin'ne Geſchicht, de de ganze Kum⸗ mandantur ut den Lim bröchte un för uns mit de Tid von dat arötſte Bedüden würd. — 99— Kapittel 10. Dat Einer männigmal en annern Minſchen an en kahlen Kopp wedder kennen kann, un dat'ne lütte Sweſter tauwilen en klauken Infall hewwen kann. Worüm de Schildwachten, as W.... un R.. weglepen, vör ehr preſentiren deden, un worüm de olle ihrwürdige Oberſtleutnant von H... in Angſt wir, dat em Graf H... up ſine ollen Beinen trampeln würd. Wat'ne Gefängniß⸗ Kummiſchon männigmal för friſche Luft tau rüken kriggt, un worüm en ordentlich Minſch tauletzt en Demokrat warden kann. Üm dit ordentlich tau vertellen, möt ik von de Ümſtän'n reden, unner de wi dor wahnten un von de Ort un Wiſ', in de wi dor lewten.— Wi wahnten in twei Timmer; in ein lütt, wat vörn lagg, ſlepen drei von uns, in ein grot, wat dor achter lagg, ſöß bet acht, je nahdem. Wi kregen hir gaude Koſt, kunnen des Dags äwer vir Stun'n in de frie Luft ſpaziren gahn, un kunnen ahn alle Widlüftigkeiten mit enanner ümgahn. Tauſlaten würd denn hir natürlich ok; äwer mit de Tid hadd ſik dat all ſo wid taurecht tagen, dat bi allerhand lütte un grote Friheiten de Ogen taudrückt würden. De ollen Stammgäſt' von mine Kammeraden, de hir all Johr un Dag weſt wiren, kennten deſen Unteroffzirer un jennen Kumpani⸗Gregorius, ſei wüßten, wen tau trugen wir, un vör wen ſik Einer häuden müßt, ſei kregen un beſorgten heimlich Breiw' un hadden ſik bor Geld tau verſchaffen wüßt, ſei hadden Middel funnen, ſik annere Kledungsſtücken, as de blag⸗ un wittſtripigen Lazareth⸗Kleder antauſchaffen; ja! vör 7 A 2————uu — 100— mine Tid wiren ſei männigmal tau twei un drei heimlich Nachtens ut dat Lazareth rute gahn un wiren des Morgens irſt wedder taurügg kamen.— Wo ſei dit all mäglich makt hadden, weit ik nich, un wenn ikt wüßt, würd iktt nich vertellen!— Genaug! ſei hadden allerhand Bekanntſchaften in de Stadt makt, hadden Geld un ſlicht würd nich lewt. Männig Potſchon Braden, männig Buddel Moſelwin un Rhinwin würd dor herinne mogelt, un wenn wi uns ok alle Mäuh gewen, de vullen Buddeln rinne tau ſchaffen, ſo was dat Ruteſchaffen von de leddigen doch tau beſwerlich, un ſo würden ſei denn all ungeheuer künſtlich achter de Dör von unſen ollen groten Kamin tau Höchten ſtapelt, un H.... mann was as Bumeiſter bi deſen Baby⸗ lonſchen Thorm anſtellt. 4 Nu begaww ſik dat, dat de Cholera in de Stadt un in dat Lazareth utbrok, de Stabsarzt hadd alſo vel bi uns rüm tau dauhn, hei kamm oft, un as em twei von uns, de Mediziner wiren, beden, hei ſüll ſei mit tau de Kranken nemen, ded hei dat; denn hei was ſo faſt davon äwertügt, dat deſe Krankheit nich anſticken ded, dat hei fülwſt ſine beiden einzigſten lütten Jungs dor mit hennamm. Ob hei in deſe Meinung Recht hadd, weit ik nich; ik weit man blot, dat W.... un R..... ſik nich dorvör grugten, un wi annern ok nich; äwer as deſe beiden Geſellen tauletzt mit en Stück Lung' un Lewer un Darm taurügg kemen un dorbi up ſo'n höltern Schinkenteller tau ſniden un tau mantſchen anfungen. dunn würden ſei von uns ut de grote Stuw' nah de vördelſte lütte Stuw' herute kumpelmentirt. Un dat hadden de Rackers man wullt, as en Jeder ut den Verlop von de Geſchicht ſeihn ward. Eines Dags gah ik buten ſpaziren, dunn geiht mi en Minſch in'ne Uneform von en Kumpani⸗Gregorius vörhi, un, as hei mi ſo vörbi geiht, grint hei ſo, un as ik em en Beten nauer ankiken will, wiſ' hei mi den Rüggen un geiht graden Wegs nah unſern Timmer tau.— Gradäwer von uns, up den ſülwigen Gang wahnte äwer ok en Kumpani⸗Gregorius, un ik denk alſo,'t is en Mitkolleg von em un beſöcht em; ik gah alſo wider, bet tauſlaten ward. As ik in unſ' Stuw' herinne kamm, dunn ſitt dor Ein, mit den Rüggen tau mi dreiht, in Lazareth⸗ Kittel 4 frilich, äwer mit en kahlen Kopp. Nu h hadden wi man Twei mit en kahlen Kopp tüſchen uns hatt, un de Ein, Piter, hadd all ſo vel ſmert un dahn, dat hei all'ne Ort korte Lammwull wedder kregen hadd, un de Anner, Br...., was vör en Virteljohr fri kamen. Wer was dit?— Ik kamm negen—'t was Br...., de olle luſtige fidele Br...., de den Unkel Dambach ſo velen ſchönen Arger makt hadd, de för jede ſlimme Sak ümmer'n friſchen Witz hadd, un mal, as em ſin oll Vader beſöchte, tau uns ranne ſprungen kamm: „Denkt Jug, min Oll hett nu ok all en kahlen Kopp!“— Ut Fründſchaft hadd deſe brave Kirl dat wagt, ſinen ihrlichen Kahlkopp wedder in den Löwen⸗ rachen rinne tau ſteken; äwer ſo ganz unbeſunnen was dat nich, ſine Fründſchaft hadd wat Anners in den Sinn. Hei blew deſe Nacht bi uns, un vel müßte hei vertellen. Den annern Morgen gung hei ſtrack un ſtramm as Kumpani⸗Gregorius wedder ut dat Lazareth⸗ Dur rute. As hei weg was, kamm W.... nah mi ranne: „Charles douze,“— dit was min Spitznam, de Pommern un Meckelnbörger ſäden äwer ümmer„Korl Duß“—„Charles douze, haddſt Du woll Luſt von hir dörchtaubrennen?“—„„Worüm dat nich?““ ſäd ik.„„Gor tau ſihr, Herr Rolack!““—„Kannſt Du Geld anſchaffen?“—„„Anners nich, as von minen Vader.“—„Süll hei Di woll wat ſchicken?“— „„Weit't nich,““ ſegg ik,„„bet up Stuns hett hei nicks von't Weglopen hüren wullt.““—„Verſöcht möt't warden,“ ſeggt hei;„ſett Di dal un ſchriw en Breiw; beſorgen will ik em, un up de Perſon, de mi dorbi behülplich is, kann ſik Din Vader faſt verlaten.“ Ik ſet'te mi alſo dal un ſchrew en ſchrewen Breiw an den Ollen, dat dat Weglopen mi ſihr taudräglich ſin würd, dat ik dat ungeheuer fin infädeln würd, dat ik en por richtige Mitkollegen dortau hadd, un dat uns kein Deuwel wedder krigen ſüll; ik för min Part wull denn nah Sweden gahn, wull dor Landmann ſpelen, mi in Schonen en Gaud, wenn't mäglich,'ne lütte Grafſchaft köpen un wull denn ümmer af un an heim⸗ lich nah Meckelnborg räwer kamen un em en beten beſäuken; un tau all deſe Herrlichkeit hürte wider nicks ——õ——y— *— 8 — 103— tau, as en por Hunnert Daler Geld, de füll hei dor⸗ tau hergewen, dat Anner beſorgte ik denn nahſten. W.... namm minen Breiw un bröchte nah'n acht Dag' richtig Antwurt.— De Oll wull nich; ik müßte jo bald fri kamen.— Jk kreg kein Geld un müßte alſo ſitten bliwen. Den Namen von den Mann, de den Breiw beſorgt hett, weit ik nich, un dor wir hei bi'n Hor mit de Näſ' an't Fett kamen, de ganze Geſchicht wir an den Dag kamen, wenn min Krätending von lütt Sweſter nich en verdeuwelten Infall hatt hadd.— Ik möt de Geſchicht hir inſchuwen. Tau de ſülwige Tid was B.... von den S....⸗ barg weglopen, un de Platzmajur dor, wat en Meckeln⸗ börger was, un mit minen Vader ſik männigmal Breiw' ſchrew, klagte em ſine Noth, wo em dat güng, denn ſei wullen em un den General von K.... ut B.... ſin Utritſchen'ne Nahläſſigkeit in ehren Deinſt nahwiſen. Min Oll antwurt't em wedder, hei hadd ok en Breiw von einen em ganz unbekannten Mann kregen, de mi tau'ne Flucht behülplich weſen wull, hadd äwer de Sak aflehnt. Deſen Breiw nimmt nu de Kumman⸗ dant von den S.... barg un ſchickt em an dat gott⸗ geſegente preuß'ſche Miniſterium, wenn't ſo los güng, wenn de Lüd' butwarts von'ne Feſtung ſik all dormit afgewen de Gefangen fri tau maken, denn müggt uns de Düwel möten, hei för ſin Part wull leiwerſt Flöh⸗ häuden gahn. Dat preuß'ſche Miniſterium wendte ſik nu an de meckelnbörgſche Regirung— denn dunntau⸗ — 104— malen hadden wi noch kein Miniſterium in Meckelnborg — ſei ſüll doch mal en beten nahhorken, wer woll den Breiw an minen Vader ſchrewen hadd, un as min Oll eines Dags bi ſin Middageten ſitt, kümmt denn ok richtig en großherzoglichen Kummiſſorius an, de nah den Breiw fragen ward.— Na, nu ſchütt denn minen armen Ollen dat Bladd, un hei ward gewohr, dat hei ſik in ine grote Dämlichkeit inlaten hett. Awer hei ſüll dor noch gaud naug rute kamen!— Min lütt Krät von Sweſter ſüht, wo de Oll in de Klemm ſitt, ſei weit, wo de dumme Breiw liggt, ſei geiht alſo driwens ut de Dör, ſöcht em ſik, un geiht dormit nah de Käk; dor brennt noch juſt en ſchönes Koffefüer, ſei höllt den Breiw en beten an dit Füer, un as hei ſchön verbrennt is, leggt ſei de Aſch up en reinen Teller, kümmt rin tau den Herrn Kummiſſorius:„Hir is de Breiw!“ — Je, wat nu?— De Oll wüßt den Namen nich mihr, un min lütt Krätending von Sweſter hadd en braven Mann vör ne langjöhrige Feſtungsſtraf reddt. — Dit Stück hett mi ümmer ſihr ſchön gefollen. Awer wo würd dat nu in dat Lazareth tau M...? — JIk wüßte jo nu, wo de Klocken lüdd'ten, un dat ik för min Part in de Geſchicht vullſtännig utſpannt was. Dat Kläukſte was nu, ik kümmerte mi nich mihr üm de Sak, un dat ded ik denn ok. Mit de Wil was friſchen Nahſchubb in dat Lazareth kamen, en por ſwor kranke Kammeraden wiren inbröcht worden, de Platz würd tau beengt un eines Dags ord⸗ nirte de Stabsarzt dat an, dat vir von uns— ik ok mit— nah'ne lütte Stuw' in dat tweite Stockwark bröcht warden ſüllen. Den ſülwigen Abend kamm de Platzmajur, as all tauſlaten was, let ſik de Dör unnen upfluten un bröchte för Einen en Breiw. In ſine Gegenwart würd de Dör von den wachthabenden Unter⸗ offzirer wedder tauflaten, in ſine Gegenwart würd de Slätel an den Lazareth⸗Inſpekter afliwert, un den annern Morgen wiren W.... un R.... weg. Wo ſei dit farig kregen hewwen, weit ik von eignen Ogenſchin nich, un't wüßt ok Keiner von uns Allen nich; äwer nah un nah hewwen wi uns unner enanner dat befragt, un de Ein wüßt dit, un de Anner dat, un tauletzt kregen wi ok den Breiw tau leſen, den ſei an den irſten Kummandanten Grafen H... ſchrewen hadden, wo ſei em dat utführlich vertellten, woans ſei't makt hadden.— T was'ne Ort von niderträchtigen Breiw, un ik red dor noch wider äwer. Vörlöpig dit. De lütte Br...., de olle lütte fidele Br... hadd ut reine Fründſchaft för W.... ſine Friheit, de hei knapp hadd geneiten kunnt, wedder wagt, üm ſinen Fründ fri tau maken. Wat dat heit, kann Jedwerein inſeihn, äwer vullſtändig kann ſo'ne Daht blot Einer taxiren, de nah Johren mal fri kamen is un weit, wo ſäut denn de Friheit ſmeckt.— Hei verlet Vader un Vaderland, würd en Flüchtling in de Welt, ſet'te ſine ganze Taukunft up't Spill; äwer hei ſet'te dat dörch, hei makte den Fründ fri. Em ſall't gaud gahn ſin, hei ſall Einer von de beleiwtſten Schriftſtellers in Wien ſin, un dat freut mi recht von Harten, dat hei för — 106— gaude Daht gauden Lohn fuunen hett. Hei hadd ſik bi ſine Anweſenheit de Släd' in Waß afdrückt, hei hadd mit'ne Waſchfru, de för den einen Kumpani⸗Gregorius waſchte, Bekanntſchaft makt un hadd ſei dortau bröcht, dat ſei unner ehr Wäſch en por Uneformen un wat dortau hürte för de Beiden rinne ſmuggeln ded, un an deſen Dag, von den ik red', was hei ut Berlin kamen un was juſt dorbi weſt, de Dör uptaudidrichen, as de Platzmajur för den Einen von uns en Breiw bröchte. — Knapp ſall hei man Tid hatt hewwen, ſik up de Retürad' tau retüriren, un dor ſall hei denn ſo lang ſeten hewwen, bet de Luft rein worden is; dat heit buten. As de Platzmajur weg weſt is un Allens ſchön hett tauſluten laten, hett hei de Dör wedder upſlaten, de annern Beiden hewwen ſik fix in'ne Uneform ſmeten, un ſo ſünd ſei denn ganz gemächlich, de Ein as Attolleri⸗ Leutnant, de annern Beiden as Kumpani⸗Gregoriuſſen ut den Dur rute gahn; up den Mark hett'ne Extra⸗ poſt parat hollen, un dormit ſünd ſei denn nah Ham⸗ burg kutſchirt un nahſten tau Water wider nah Helgoland. — Dit Allens vertell ik blot von Hürenſeggen, un't kann ſik mägliche Wiſ' ok en beten anners verhollen hewwen; äwerſt wat nu kümmt, heww ik wedder ſülwſt mit anſeihn. Den annern Morgen würd dat unner uns in de grote Stuw' all ſihr tidig hellſchen lewig, un Ein von uns, de dat Mul nich recht hollen kunn un ümmer Hans vör allen Hägen was, de Baukhändler Cornelius ut Stralſund, makte unnen dat Finſter up un röp nah uns, nah baben ruppe.— Wi keken ut:„Wat?“— „„De ſünd weg!““ röp hei.—„Wer?“—„„W.... un R...„““ ſäd hei.—„Un, denn lat ſei, Schaps⸗ kopp. Wat heſt Du hir tau raupen?“ ſäden wi un makten dat Finſter wedder tau. Awer't müggt jo doch woll noch wer Anners hürt hewwen, denn't was noch lang nich Tid taum Upfluten, as de Inſpekter all mit de Slätels lep. Un't wohrte nich lang', dunn würd dat en Upſtand un en Rönnen un Lopen, Wachtmannſchaften un Upwohrers un In⸗ ſpekter un Unteroffzirers, Allens lep dörch enanner, un mit de Wil kamm denn ok de Präſes von de Lazareth⸗ Kummiſchon, de olle Oberſtleutnant von H... ch, wat de öllſte Offzirer von de ganze preuß'ſche Armee was, denn hei was all Leutnant bi den ollen Fritz weſt, her⸗ annewackelt, un unner uns würd dat nu ſihr lud, denn de olle Herr towte för ſin Oller nich ſlicht. As hei unnen farig was, kamm hei nah uns ruppe:„Meine Herrn, zwei von Ihren Kameraden ſind zum Deuwel gegangen.“—„„Schön,““ ſäden wi.—„Den Deuwel ſchön!“ ſäd hei.„Wenn ik dat den General Grafen H.... ſage, denn trampelt er mir ja uf de Bene rum.“ — ge, ſäden wi, wi künnen bi de Sak ok wider nicks nich dauhn.— Hei kennte uns, meinte hei, wi wiren eben ſo, as de, de weglopen wiren, wi wiren mitſchüllig.— Dat wiren wi nich, ſäden wi. Sei faſttauhollen, dortau wiren wi nich ſet't, un mitlopen wiren wi jo ok nich. Wat uns de ganze Sak angüll?— Nu würd de olle Herr äwerſten hellſchen kratzböſtig:„Dat Mitlopen will — 108— ik Ihnen woll verpurren: hier in de Stube werde ik Ihnen Dag un Nacht'ne Schildwacht rinner ſetzen.“ — Nu lep mi ok de Lus äwer de Lewer. Hei künn dauhn, ſäd ik, wotau hei en Recht hadd, hei künn uns buten Schildwachen hinnen un vören henſetten; äwer in de Stuw' brukten wi ſei nich tau liden.— Na, nu äwer de olle Herr! Wo lodderte hei up mi los! Un wer weit wat noch paſſirt wir, wenn nich de Stabsarzt kamen wir— ok uter Puſt un Athen.— De röp em nu tau:„Herr Oberſtleutnant, Herr Oberſtleutnant, übereilen Sie ſich nicht! Die Sache iſt ſchon in Richtig⸗ keit, ich habe eben dem General den Fall mitgetheilt. Alle Gefangenen bis auf drei, bei denen ein Transport lebensgefährlich wäre, werden heute Abend in's Inqui⸗ ſitoriat zurückgebracht“— Na, nu gaww ſik de oll Herr, denn nu brukte hei jo nich mihr tau den General tau gahn un ſik up ſine ollen ihrwürdigen Beinen. rümmertrampeln tau laten. 3 Mit de Wil was denn nu ok de Platzmajur un de Auditöhr kamen, un all unſ' Kammeraden würden tau uns ruppe bröcht, dat de Herren unnen fri Feld behöllen, an Urt un Städ' tau unnerſäuken, wo de Kirls dat Stück anfungen hadden. Wi künnen äwer all ehre Unnerhollung mit anhüren, ja ok ehr Heſ'weſen mit anſeihn, wil de Bähn keinen Windelbähn hadd, un de 3 Delenritzen wid utenanner ſtunnen. Ik will bi deſe Gelegenheit vertellen, dat unſe drei dodkranken Lüd' up deſe Stuw' nahſten blewen, ok dunn, as unnen en Choleralazareth inricht't würd, un dat ſei Dag un Nacht —..“ — 109— dat Stähnen, dat Günſen, de Krämpfen un dat Star⸗ wen von de unglücklichen Minſchen hewwen mit anſeihn un anhüren müßt. Ok en lütt Stückſchen von de Humanität! Dat Irſte, worup ſei verföllen, was ok dat Einfachſte, nämlich ſei wiren dörch de Dör gahn, dorgegen ſtred äwerſt de Platzmajur, wil dat hei den Abend vörher ſülwſt in Perſon bi't Tauſluten taugegen weſen was; dat Tweite wiren de Finſtern, äwer de ollen Finſter⸗ gardinen wiren noch all vör, un tüſchen dörch kunn ſik Keiner klemmen, dat Drüdde was denn nu natürlich de Schorſtein. Der Herr Auditöhr gung denn nu ſülwſt eigenhändig bi un makte den Kamin up, was äwerſt dorbi vel ungeſchickter as min Fründ H... mann, denn knapp hadd hei em up, dunn ſchot em ok de ganze künſtliche Buddelthorm entgegen, un nu würd dat unnen en dull Lachen, blot de oll Oberſtleutnant ſchull mit den Lazareth⸗Inſpekter, wo dat hei ſo'ne Unregelmäßig⸗ keit hadd liden kunnt. Awer ok hir ſmet ſik de Stabs⸗ arzt tüſchen un makte den ollen Herrn begriplich, dat de Buddeln jo all leddig wiren, un dat'ne leddige Buddel keinen Schaden bi en Kranken anrichten kunn. Dat müßt de oll Herr denn jo ok woll inſeihn, un as ſei tauletzt in ganden Freden utenanner gungen, dunn was en Jeder von ehr grad ſo klauk, as hei weſt was. Wi, de wi gahn kunnen, würden gegen Abend All wedder in't Inquiſitoriat taurügg bröcht, un hir— ach, du leiwer Gott, wo hadd ſik dat verännert! All unſere „Errungenſchaften“, as ſei dat hüt nennen, wiren fläuten — lo— gahn; de Herr Inſpekter let de Uhren hängen, as en begaten Pudel, D.... mann triumphirte, de Gefäng⸗ nißknecht K... was wegiagts denn Se. Excellenz, de Herr General Graf H.... was in eigene Perſon up den Inquiſitoriatshof kamen un hadd dor rümmer puſt un towt, as en Dampwagen, de ut de Schinen jahi is, un hadd tauletzt an den Gefängnißknecht K.. afſchreckend Biſpill ſtatewirt.— Nu gung hir Aüent up de Tehnen rümmer. Twei Dag' nah dit Weglopen Legaw ſik en luſtigen Spaß tüſchen den Herr Auditöhr un den Herrn Platz⸗ majur, den wi nahſten, as de Tiden wedder beter wür⸗ den, ſchön warm tau weiten kregen.— De beiden Herrn drapen ſik bi unſern Inſpekter, un de Auditöhr ſeggt:„Wiederkriegen werden wir ſie denn wohl,“ womit hei de Utknipers meinte.—„„Das iſt keine Frage,““ ſeggt de Platzmajur. nohin wollen ſie groß, die Steckbriefe....““—„Ja,“ föllt em de Auditöhr in't Wurt,„ich wollte Sie ſchon immer dar⸗ nach fragen, wie Sie es mit den Steckbriefen eingerichtet haben.“—„„Ich?““ fröggt de Platzmajur.—„Ja, Sie!“ ſeggt de Anditöhr.—„„Das iſt ja Ihre Sache,““ ſeggt de Platzmajur.—„Den Teufel auch,“ ſeggt de Auditöhr,„das müſſen Sie beſorgen.“ Un as Gott den Schaden beſach, wiren deſe ſchönen Infangel⸗ breiw' noch gor nich in Kurs ſet't. Nah ſöß— ſäben Dag' hadd wi denn ok all de tröſtliche Nahricht, dat unſ' gauden Frün'n richtig in Helgoland ankamen wiren; ſei hadden dit fröliche Er⸗ “ — 111— eigniß den Herrn General in einen ungeheuer luſtigen un niderträchtigen Breiw perßöhnlich anzeigt, un wi kregen deſen Breiw den annern Dag all in'ne ſaubere Afſchriwwt tau leſen.— Wo dit mäglich was, weit ik nich, un wenn ik't wüßt, ſäd ik't nich.— Wohr is't äwer!— Excellenz wiren in helle Wuth, un wat em am meiſten argern ded, dat was dat, dat ſei em vertellten, wo de Schildwachen ehr noch alle mäglichen Honnürs wegen den falſchen Attolleri⸗Offzirer makt hadden, un dat ſei unner de brüklichen militöriſchen Ihren ut dat Lazareth⸗Dur rute gahn wiren. Dat was eigentlich en beten fatal för unſere Excel⸗ lenz— oder„Peſtilenz“, as de Bur bi uns ſeggt— un fatal wiren em ok de nüdlichen Näſen, de em von Berlin tauſchickt würden, hei kamm alſo up den Infall, de ganze Sak unſern braven Stabsarzt in de Schauh tau ſchuwen: hei hadd geſunne Lüd' in't Lazareth rinne namen. Awer de Voß was em tau klauk; de Stabs⸗ arzt was en Mann, de ſik de Botter nich von't Brod nemen let; hei verlangte'ne Kummiſchon, de den Geſundheitsſtand bi uns unnerſäuken ſüll, un ſo kemen denn ok eines Dags drei Herrn bi uns an, de General⸗ arzt B., de Regirungsrath A. un de Ingeniür⸗Majur von L. Gr... un ik wiren de Irſten, bi de ſei rinne kemen, wi wahnten an de Trepp. De Majur met ſik dat Lock ut, hei met ok dat Finſter, un wo hoch dat von de Ird was. De annern beiden Herrn frogen uns, ob wi äwer unſ' Geſundheit tau klagen hadden. Gr... ſäd, hei led an de Lewer, de Generalarzt frog em, wat hei dorgegen bruken ded.— Hei drünk Quaſtian⸗Thee, ſäd hei.— De Regirungsrath frog mi, wat mi fehlen ded; ik ſäd, ik wir wegen ſwacke Ogen von S. hirher verſett worden.— Hei ſach ſik üm, ſchüddelte mit den Kopp:„Hieher, wo Sie niemals ein direkter Lichtſtrahl treffen kann, wo Sie ſtets nur ein ſchwach reflektirtes Licht trifft?“— Hei beſach mine Ogen un gaww mi den Rath, mi nich bitt Waſchen den Vörkopp ſo natt tau maken, as ik dat an de Mod' hadd, ik riskirte ſüs, dat ik den ſwarten Stor kreg.— Sei probirten dunn noch unſ' Drinkwater un gungen wider. Up annere Fläg' hadden ſei ſik de koſtbore Luft⸗ heizung anſeihn, un tauletzt wiren ſei nah den Hof gahn un hadden ſik unſ En'n Spazirgang bekeken. Dor hadden ſei denn nu wat Sauberes raken: up unſern Hof wiren twei Kloaken, wo Allens dat tauſam flöt, wat gegen 500 Minſchen, de in't Inquiſitoriat ſeten, jichtens maken känen, un links von uns, nah Weſten tau, lagg 'ne grote Iſengeiteri, von de wi den Steinkahlendamp ut de irſte Hand kregen.— Deſe friſche Luft hadd ehr begripliche Wiſ' nich ſihr tauſeggt, un as ihrliche Lüd', de ſei würklich wiren, hadden ſei ehr Gaudachten dorhen afgewen:„Den politiſchen Gefangenen im In⸗ quiſitoriat zu M. fehlt es an den drei nothwendigſten Lebensbedingungen, an friſcher Luft, an Licht und an Wärme; auch iſt das Trinkwaſſer, da es Flußwaſſer von unterhalb der Stadt iſt, nicht zu genießen.“ Sol Dat was denn nu nah unſ' virjöhriges Elend * — 113— dat Urthel von drei ihrenwirthe, ſakverſtännige Lüd'; dor wiren nu Miniſter un Generals un Oberſten un Upſeihers un Schinnerknechts bi herümmer gahn un hadden ſeihn un hürt un raken, un keinen was't infollen, dat wi, wenn wi dörtig Johr afſitten ſüllen, doch ok dörtig Johr lewen müßten. Ik will nicks wider dorvon ſeggen, denn up Stun'ns noch, nah fiw un twintig Johr, kriwwelt mi de Hut, wenn ik doran denk. Un denn wunnern ſik de Lüd' noch, wo Einer Demokrat warden kann. As wi inſpunnt würden, wiren wift nich, as wi rute kemen, wiren wi't All. Kapittel 11. Dat Graf H.... ſik dat entſäd, un dat de Gaus en ſnurrigen Vagel is. De Kapteihn trett up; nich blot in deſe Geſchicht, ne! hei trett för uns All up un fecht't en nigen, vörnemen Titel för uns dörch. Worüm min olle brave Kapteihn in ſinen dodigen Friwilligen⸗Bort rinne weint un ſik mit mi verſetten let, un wat ſin olle griſe Fründ dormit tau dauhn hett. De Bericht von unſere Lag' un unſern Geſund⸗ heitsſtand was denn nu an de hohe Miniſterial⸗ Kummiſchon in Berlin inſchickt, un obſchonſt de drei Herrn, de in deſe Anſtalt ehr Weſen bedrewen, de hartſte Tucht för uns noch för'ne Gnad' höllen, ſo müggt bi ehr doch woll in'ne gaude Stun'n, wo de Ein von ehr an ſlimm Ogen, de Anner an'ne Boſt⸗ Olle Kamellen. II. 8 — 1114— beklemmung, un de Drüdde an kolle Fäut led, de Gedank upſtigen, dat ſik ahn Licht un Luft un Warm⸗ niß man hellſchen gadlich lewen lett, ok müggten ſei bedenken, dat ſon laues, flaues un fläumiges Fluß⸗ water lang' nich ſo taudräglich för de Geſundheit is, as dat Gedränk, womit ſei ſik in ehren Geſchäften ſtärken deden: Der Herr Miniſter Regiment Soll beim Burgunder ſein. Genaug, ſei beſloten uns annerswo intaumeiden. Ik glöw äwer, dor wir ok noch lang' nicks ut worden, wenn ſik nich noch en annern Ümſtand begewen hadd: de irſte Kummandant, General Graf H...„ ſturw nämlich üm deſe Tid, un mit em würd en gaud Deil Haß gegen uns begrawen. De tweite Kummandant, Oberſt B., folgte ſine Lik, verküllte ſik dägern dorbi, un drei Dag' drup folgte hei ſinen Vörgeſetzten up den ſülwigen Weg. Vörher äwer, up ſinen Dodenbedd, hadd hei den Platzmajur tau ſik raupen laten un hadd em dat up de Sel bunnen, dat hei, de Platz⸗ majur, dat utführen ſüll, wotau hei ſülwen kein Tid mihr hadd. Hei ſüll an de Herren in Berlin ſchri⸗ wen, dat, wenn nich bald'ne Ännerung mit uns vörgüng, wi alltauſamen vör de Hun'n gahn müßten. Dat geſchach denn nu ok, un dat.Miniſter⸗Regi⸗ ment müggt jo denn nu woll bedenken, dat wi doch eigentlich ok Minſchen wiren, wenn ok man ſwart⸗ rod⸗goldene; de Herrn makten denn nu alſo ok all⸗ mählige Anſtalten. — 145— Dat tägerte ſik äwer hellſchen hen; denn ſo wat darw jo doch nich äwerilt warden, un ſo kamm dat denn, dat de interimiſtiſche Kummandant, de General⸗ Leutnant v. Th... I., de dat Armeekur kummandiren ded, noch vullup Tid behöll, unſere Bekanntſchaft tau maken. De Mann kamm ſülwſt tau uns— ſel Graf H... is ſeindag' nich mit keinen Faut bi uns weſt, hei hett ſeindag' nich de Kurage hatt, dat Elend an⸗ tauſeihn, wat ſine Geſinnungen„mit Gott, för König un Vaderland“ anſtift hewwen.— Deſe Mann kamm alſo tau uns, un wil dat Gr... un ik dicht an de Trepp ſeten, wiren wi de Irſten, bi de hei vörſprak, hei frog nah Allens: wo wi uns befünnen, wo uns tau Maud' wir, woans wi hollen un behandelt würden, un up all deſe Fragen kreg hei ein un de ſülwige Ant⸗ wurt:„niderträchtig!“ Un as de Tappen man irſt ut de Tunn treckt was, dunn pruſte dat ok bi uns ſchön herute, un all de Gift un Gall, de de ſel Graf in uns upſpikert hadd, de kamm taum Vörſchin. Hei ſäd nich vel; äwer as wi dorup kemen, dat wi nich mal in den Gottsdeinſt gahn dürften, dunn rögte ſik wat bi em, un hei ſäd: dat ſüll wi un dat wull hei up ſine Kapp nemen; dat Anner müßt äwer ſo bliwen, bet en nigen Kummandanten inſtellt wir. Sei ſäden dunnmals, hei hürte unner de Framen, un wenn hei de Minſchlichkeit in unſere Behandlung achter de Frömmigkeit ſtellte, ſo will ik den Mann dorüm nich verachten, denn för uns was hei beter as de ſel Graf, wat en Weltküken was un„die Güter dieſer Welt“ woll tau taxiren verſtunn 8⸗ — 116— indem dat hei des Morgens taum Frühſtück en ganzen Gauſ'braden upet un denn tau ſine leiwe Fru ſäd: „Mein liebes Kind, eine Gans iſt doch ein ſonderbarer Vogel, ißt man eine zum Frühſtück, ſo wird man nicht ſatt, ißt man zwei, ſo verdirbt man ſich das Mittag⸗ brod.“— So vertellten ſei ſik wenigſtens. Den Dag dorup kregen wi von den Herrn General⸗ Leutnant Jeder en Geſangbauk un, wat beter was, einen Beſäuk von den Diviſions⸗Paſter L... Dit was en annern Mann, as de Preiſter, de uns'ne Homilie up den Waſchbähn leſen wull un kein Tid hadd; deſe Mann hadd Tid för uns un ſet'te dat dörch, dat wi in de Kirch kemen; frilich blot ein⸗ mal un in de Geſellſchaft von vele Schandoren, äwer dit einmal was beter, as ſüs hunnertmal, un ſine Red' klingt mi noch in mine Uhren, un ik will hoffen, dat ſei mi bet an min End in'n Harten klingen ward.— Ik hadd nu all ſo ungefihr en Johr in deſe Spitz⸗ bauben⸗Anſtalt von Inquiſitoriat ſeten, un dat beten Lewensluſt, wat ſik noch hen un wenn in dat tauſam⸗ ſchräute Mark von de Knaken vörfinnen ded, kunn nich mihr dörch den Jammerkram taum Vörſchin kamen, as eines Abends in den Februwori 1838, wo de Snei vör beiden Dören lagg, un dat buten Stein un Bein frür, de Platzmajur bi uns vörſprak un Lock bi Lock frog, wat ſik nich weck von uns dortau verſtahn wullen, ſik den annern Morgen Klock vir up den Wagen tau ſetten un in Nacht un Küll nah'ne anner Feſtung — 117— aftaureiſen.— Wohen? ſäd hei nich, dürwt hei ok nich ſeggen.— Keiner wull.— De Meiſten wiren krank, de Annern hadden bi ſo'ne Küll nich recht wat von Tüg up den Liw, un ut all de Wolldahten, de uns de Herrn Miniſters taudacht hadden, wir nicks worden, wenn mi de Snider nich dunn an den luſtigen Dag 'ne nige Mantel anmeten hadd. Ik äwerläd mi de Sak; en rechten warmen„Scheper⸗wohr⸗di“ hadd ik, mit mine Geſundheitsümſtän'n gung dat paſſabel, un im Awrigen dacht ik: wat kann dor Grots nah kamen? En Oſſen un en Fäuder Heu möt Einer ut den Weg' gahn. Du büſt nu all up vir, fiw Fläg' weſt, ball up en gaudes, ball up en ſlichtes, un't is jo mäglich, dat't ümſchichtig geiht, un ſlimmer as hir kann't jo nich kamen. Ik ſäd alſo tau den Platzmajur, ik för min Part wir parat, un hei meinte jo, wenn wi man noch Einen dortau hadden, denn künn de Reiſ' losgahn, un deſe Eine funn ſik denn ok.— Min oll Fründ, de Kapteihn, dacht ebenſo as ik, un denn hadd hei ok'ne Mantel un tworſten ein mit ſäben Stockwark ümmer ein äwer't anner; ſei ſach man gris ut, un ok deſe Farw wir all en beten verſchaten, äwer Jedwerein kunn't ehr anſeihn, dat ſei unner'ne unſchinliche Buten⸗ ſid en wolldähtig Gemäud hadd, un dat ſei in ehren langen Lewen an ehre velen Herrn vel Schutz un vel Warmniß veraffolgt hadd. Up deſe olle Fründin verlet ſik de Kapteihn, un den annern Morgen Klock vir ſeten wi tauſam up den Wagen un führten mit twei Schan⸗ doren in den kollen Wintermorgen herin. Wohen? Dat — 118— wüßt blot de leiw' Gott un de allmächtige Miniſterial⸗ Kummiſchon. Heww ik nu eben de Mantel beſchrewen, denn möt ik doch ok woll en por Würd' von den Kirl ſeggen, de dorinne ſatt.— De Kapteihn— eigentlich heit hei anners— verdeinte ſinen Namen mit Recht, un wat ſin militöriſches Utſeihn anbedrapen ded, ſo hadd hei eigentlich„Oberſt“ näumt warden müßt, blot dat hei bi de flichte Koſt, de wi kregen, ſik nich de paßliche Vülligkeit von ſoen Regimentskummandür up de Ribben ſchaffen kunn. Hei was man hellſchen drög; äwer ſchadt em nich, ſülwſt bi deſe wenigen Mittel wüßte hei dat Militöriſche, wat in em ſatt, ſo herute tau kihren, dat de Schildwachen, wenn hei in ſinen griſen Mantäng un'ne olle Soldatenmütz ſpaziren gung, ümmer nich recht wüßten, ſüllen ſei't Gewehr antrecken, oder nich. Sei hadden't dahn, ſei hadden't, der Deu⸗ wel hal! dahn, wenn hei ſinen gelen Snurrbort noch hatt hadd, de em in gauden Tiden, as hei tau Hall as Füſelir ſin Johr afdeinte, unner de Näſ' dal hung; äwer den hadd em de ſel General Graf H.... af⸗ ſcheren laten, nich up Statskoſten, ne! up ſine eigenen, grad as uns Awrigen All. Denn de ſel Graf dachte ſo: kannſt du de entfamten Bengels nich an Kopp un Kragen kamen, ſallſt du taum wenigſten mit den Bort vörleiw nemen, un ſo was denn nu tau de annern Schererien ok noch de Bortſchereri kamen; äwer man twei Mal up de Woch, weswegen wi fiw Dag' up de Woch as de Stachelſwin herümlopen müßten. Keiner — 119— von uns argerte ſik äwer deſe Schurigeli düller as min Kapteihn, wi Annern verlüren man blot en beten un⸗ bedüdendes Studentenbortwarks un müßten allerdings dortau noch de Koſten dragen; äwer hei verlür einen vullſtännig in einjöhrigen Friwilligen⸗Deinſt utgebilde⸗ ten Militör⸗Bort, un dat will en ganz Stück mihr be⸗ ſeggen. Hei ſmet alſo tau ſinen natürlichen Gefangen⸗ Haß noch en ſeparaten Militör⸗Haß up den General un ſäd, achtteihnhunnert drütteihn hadden vele Lüd' in de Grabens rümmer ſeten, un wat hei noch ſüs wider för unbedachtſame Anſpelungen vörbröchte. Un as hei mal en Breiw von de Kummandantur kreg mit de Up⸗ ſchrift:„an den Demagogen Sch...“, dunn kreg hei den Oſſen bi't Hürn tau faten un ſchrew an den Herrn Kummandanten: hei verbed ſik dat;„Demagog'“ wir en Schimpwurt, un dat wull hei nich för ſin Vull hewwen. Un de General ſchrew em wedder, hei wir en Demogog', un hei würd em ümmer ſo nennen; un de Kapteihn antwurt em wedder: hei wir kein Dema⸗ gog'; un de General ſchrew taurügg: hei wir doch en Demagog, un ſo ſchrewen ſei ſik'ne Hand vull Breiw' mit allerlei Andüdungen un Upklärungen, de Kapteihn noch uterdem mit Spitzen, un de General mit Grow⸗ heiten, bet deſ' tauletzt ſik de ganze Schriweri verbed. Dunn gung min oll gaud Kapteihn an ſinen Kuffert un halt en tauſamgewickeltes Poppir herute un läd dat up den Diſch un ſet't ſik dorvör un folgt dat ut⸗ enanner un kek lang' dat an, wat dorinne wickelt was, bet de hellen Thranen em in de Ogen ſtunnen un — 120— herinne föllen in den Bort, denn ſin Friwilligen⸗ Militör⸗Bort was in dat Poppir wickelt un lagg vör em up den Diſch, un hei hadd trotz ſine Kriegsdeinſten en helliſch rührſam Hart behollen. Un ut de Rühr⸗ ſamkeit äwer den Verluſt von den horigen Fründ, den hei in betern Tiden, wenn ok nich an't Hart, doch unner de Näſ' dragen hadd, kamm hei in helle Wuth äwer de Nidertracht, de em irſt in Schaden von wegen den Bort, un dunn in Schimp von wegen den Dema⸗ gogen bröcht hadd, un hei ſwur en ſworen Eid, hei wull jede Gelegenheit benutzen un all ſine Kraft tau⸗ ſam nemen, dat hei mitdewil wedder wat unner de Näſ' un de Herr General wat in de Näſ' kreg. Dat Irſte gung nu nich ſo up en Slump, ſo'n Bort wull Tid hewwen tau waſſen, vörnemlich up ſo'n jung' Rad'land, un wenn hei ok mal einen Balbirdag ne lütte Schonung glücklich dörchbröcht, dat negſte Mal müßt ſei doch wedder reglementsmäßig fallen, un hei kunn nich dorför ſorgen, dat ſin Näſ' wedder unner⸗ warts mit militöriſche Ihren ümgewen würd, hei müßt ſik mit den tweiten Deil von ſinen Swur begnäugen, nemlich dat den Herrn General ſine Näſ' ehr Recht geſchach. Hei ſet'te ſik alſo hen un ſchrew en dicken Breiw an dat Kammergericht un ſchickte ſinen ganzen ſchriftlichen Schormützel mit den Herrn General mit in un verlangte ſtats„Demagog'“ den Titel, de em von Rechtswegen taukamm. Richtig! hei ſet'te dat dörch, den Herrn General würd von babenwarts'ne lütte nüdliche Priſ' in de Näſ' rewen, un min gaud Kap⸗ — ——— —yyy — 121— teihn kamm dat negſte Mal up den Hof ſprungen un höll in grote Freuden en Breiw von den Herrn General in de Höcht, worin de em ſchrew, von jitzt an würd hei ſine Breiw' nich mihr an den„Herrn Demagogen Sch....“ adreſſiren, ſünnern an den „Herrn politiſchen Verbrecher Sch....“, wat ogen⸗ ſchinlich en groten Unnerſcheid is, denn en politiſchen Verbreker is vel mihr, as en gewöhnlichen Demagog'. — De Kapteihn hadd't dörchſet't, nich allein för ſik, ne, ok för uns, un wi freuten uns denn ſihr tau deſen langen Titel un bedankten uns bi den Kap⸗ teihn un höllen en langen Rath, wat wi nich dorüm inkamen wullen, dat ſei uns ok noch den Titel „geheime politiſche Verbrecher“ verſtatten wullen, wil dat wi doch nu ok all Johre lang in't Geheime ſeten; dor würd äwer nicks mihr ut, denn de Herr General ſturw glik nahher. Dit hadd de Kapteihn richtig dörchſet't, äwer ſinen Militör⸗Bort ſette hei nich dörch, un dit was eigentlich de Grund, weswegen hei ſik verſetten let. Dat Klima in M... ſäd ſine Bort⸗Conſti⸗ tution nich tau. Ut deſe lütte Vertellung kann Einer ungefihr ut⸗ nemen, wat för'ne Ort Minſch min oll Kapteihn ei⸗ gentlich was. Von butwennig was hei en ſtatſchen Kirl mit gele Hor un en gelen Snurrbort— dat heit jitzt noch nich, irſt nahſten— vull militöriſche Anſtalten un in'ne griſe Mantel mit ſäben Kragen; äwer man mager; von binnen was hei en braven Mann, vull Ihr un vull Redlichkeit, mit en gor tau ſihr rührſam Hart un mit'ne Inbillung behaft, de ümmer up Jenſid von de Feſtungswäll ſpaziren gung un dor„die Eine“ ſöchte, de hei ſik för't Lewen tau⸗ leggen wull, ball was't'ne Blonde, ball was't ne Brune, ball was't'ne Swarte, ſülwſt de Roden let hei nich.— Na, wi warden't jo ball ſeihn.— III. Berſin un de Husvagtei. (Nich taum irſten, ne! taum annern Mal.) Kapittel 12. Von't Wedderſeihn un den Herrn Kriminaldirekter Dambach. Ne Geſchicht, de glik achter't Uphängen kümmt. Worüm mi de Kammergerichtsbad' Heubold as de Düwel un de Schandor Reſ' as en Gottsengel vörkamm. Wedderſeihn! Wedderſeihn! Wer kennt nich dit leiwe, truge Wurd? Wer kennt nich deſe handgrip⸗ liche Gewißheit, von de uns de Hoffnung Johre lang vertellt hett, up de ſei uns vertröſt't hett? Wer hett nich ſine Brud mal wedder ſeihn, wer nich ſine ollen Ollern, wer hett nich ſinen Fründ ut jungen Johren (Korl Kräuger, Fritz Peiters) an't Hart drückt?— Un wenn ſik't Einer ok nich ſo marken lett, wil dat hei mit de Tid ok oltfränkſch worden is— warm ward't em doch üm't Hart, denn de, de em de ollen trugen Geſichter vör de Ogen rückt— unſ' Herrgott — de ſteiht denn ganz dicht bi em up de Neg', un hett ſei noch an ſinen Faden:„Süh dor! Freu Di!“— Wer hett nich de Städen wedder ſeihn, wo mal en grotes Glück, en grot Hartled em bedrapen?— Ach, — 124— de Städen!— Worüm ſtigen ut deſe Städen, ut Buſch un Wald, ut Gras un Blaumen, ut Lauwen un Gräwer ſo vele ſtille, ſchöne Weſen up un lachen uns an un weinen in unſere griſen Hor ehre Thranen, un wi känen ſei nich faten un hollen, dat ſei uns Antwurd gewen von't Wedderſeihn!— Ja, ſchön is dat Wedderſeihn, ok bi de Städen; äwer wenn Einer up en Flag kümmt, wo ſin Hart mal mit Fäuten peddt is, wo nicks, rein gor nicks von Gotts⸗Segen un Minſchen⸗Fründlichkeit up em follen is, denn krempt ſik ſin Hart üm, un denn is dat Wedderſeihn Gift, un de Weſen, de dor upſtigen, ſünd bleike, griſe Späukels, de in ehre Hän'n Rad un Galgen dragen un en unverſtändlich Bauk:„Preußiſches Landrecht; Titel: Conat des Hochverraths.“ Oh, ik heww Di velmals wedderſeihn, Du olles griſes Hus up den Schinkenplatz tau Berlin. Dat letzte Mal was't verleden Sommer, as ut ganz Dütſch⸗ land de friſchen Grisjacken un Widbüxen tau't Turner⸗ feſt in Berlin tauſamen kemen, as de ſwart⸗rod⸗gollnen Fahnen ut alle Finſtern weihten, un ſülwſt de wirk⸗ lichen Herrn geheime Räthe„Gut Heil“ ut dat Finſter röpen.—„Kumm mit, Fritz!“ röp mi en ollen Fründ an den irſten Dag tau,„wi führen hüt All nah Spandau. De Stadt Spandau ſpandirt hüt, de Ma⸗ giſtrat hett virhunnert Daler tau unſ' Bewillkamung utſet't.“—„„Ik dank velmal!““ ſäd ik,„„de Weg von Swart⸗rod⸗gold nah Spandau is mi gaud naug bekannt,““ un gung nah Hus un namm mine gaude Fru unner den Arm un ſäd:„„Dat känen wi neger hewwen.““ Un ik bröcht ſei nah den Schinkenplatz vör dat olle trurige Hus un ſäd:„Süh, dor hewwen ſei mal üm min Lewensglück ſpelt, un ſei hewwen ge⸗ wunnen.“— Un ſchreg äwer weihte'ne ſwart⸗rod⸗ gollene Fahn ut en Finſter rut, un ik namm mine leiwe Fru faſter in den Arm un ſäd:„Ik heww't be⸗ tahlt; mihr as betahlen kann de Minſch nich; ward ok nich von em verlangt.“— Un as ſei ſo fründlich un ſtill tau mi tau Höchten kek, ſäd ik:„Min leiw Döch⸗ ting, Einer ſall Gott för Allens danken. Wenn ik hir nich ſeten hadd, wer weit, wat ik Di denn kregen hadd.“ Den annern Dag ſet'te ik mi up de Iſerbahn un führte tau Hus, let Turnerfeſt Turnerfeſt ſin, dat Wedderſeihn hadd mi't Hart ümkrempt. Awer mine Geſchicht! De Kapteihn un ik ſeten alſo in en Wagen un führten mit twei Schandoren, de Slott un Käden in ehre Patrontaſchen as nothwennige„Bedürfniſſe“ för uns mit ſik führten, nah— Berlin.— Hir kemen wi in de negſte Nacht, Klock halw twölwen, bi dat lütte, unſchinliche griſe Hus up den Schinkenplatz, de Hus⸗ vagtei, wedder an, von wo wi unſen nigen Lewenslop hadden antreden müßt, un wo de Herr Kriminalrath Dambach, unſ' würdige Unkel, inwahnen ded, äwer mit en högern Titel, denn hei was ſörre de Tid Kri⸗ minaldirekter un Husvagt worden, wil em dat ſo ſchön gelungen was, ut uns dummen Jungs de ſwönnſten politiſchen Verbrekers herute tau unnerſäuken, de all⸗ — 126— ſeindag' en preußſchen Staat un den leiwen Bundes⸗ dag bet dicht an den Afgrund bröcht hewwen. As wi vör de Dör führt wiren un klingelt hadden, kamm de Herr Entſpekter mit dat ſülwige dröge Knaken⸗ gerüſt un den ſülwigen fettigen Schappelz tau Rum, mit den hei uns vör fiw Johren alle Morgen un Abend de Ihr andahn hadd, ſik nah uns ümtauſeihn. Hei was ſihr in Verlegenheit, wat hei mit uns upſtellen ſüll, wil wi— as hei ſäd— em nich ordnungsmäßig anmellt wiren, un hei kein Lock för uns in de Reih hadd. Wi müßten alſo ut de bitterliche Küll in de Wachtſtuw' herinne un dor in Qualm un Dunſt un 'ne Hitt von 22— 24 Grad(unnerdem deiht dat kein preußſche Wachtſtuw') bet gegen Klock twei ſitten. Um deſe Tid kamm de Herr Entſpekter taurügg un mellte uns:„nun wäre Alles fertig“ un wi ſüllen man mit kamen. As wi äwer den ollen bekannten Hof gungen, wo ik ſo männigen Tritt liggen hadd, de en vulles Johr hendörch mine ganze Welt utmaken ded, ſchot mi ſo allerlei dörch den Sinn, ik müßt ſtahn bliwen.— Dunnmals un jitzt!— Dunnmals, herute reten ut dat ſchöne, junge, friſche Studentenlewen, üm achter Bleck⸗ kaſten, Slott un Rigel jeden Sünnenſtrahl von Leiw' tau vermiſſen, üm as'ne Dreiörgel, de dagdäglich mit twölw Gröſchen in Puſt un in Gang hollen würd, de Melodie uptauſpelen, de de Herr Kriminalrath Dambach vör't hochpreißliche Kammergericht ſingen wull, dormit dat hei ſin beter Furtkamen finnen wull. Hei hadd't — 127— dörchſett, hei was up de Koſten von uns, von äwer duſend junge Lüd, de irſte Kriminal⸗Beamte in Preußen worden, hei hadd't farig kregen, ut uns, de wi in de unſchülligſte Uprichtigkeit nich blot ſäden, wat wi dahn, ne, ok wat wi dacht un wat wi fäuhlt hadden, ſik Leddertramen tau ſniden, dat hei doran tau ſine jitzige höchſte Stellung heruppe klattern künn.— Dunnmals! — Wir de Leiw' ok nich begäng', blew de Hoffnung doch bi uns. Hadd hei doch ſülwſt tau mi ſeggt— den Herrn Kriminaldirektor mein ik—:„laſſen Sie ſich immerhin auf die Feſtung abführen, Sie müſſen entſchieden in Ihr Vaterland ausgeliefert werden,“— un nu? Fiw Johr binah hadd ik ſeten un keinen Schritt vörwarts! Den Herrn Kriminaldirektor hadd ik von früher her kennen lihrt, un ik dacht ſo bi mi: ¹t is en legen Kirl; ik ſüll em äwer doch noch beter kennen lihren; hei was nich leg, hei was niderträchtig! De por Dag', de wi ditmal in Berlin blewen, hewwen mi dat utwiſ't. Na, ik will't vertellen.— De Inſpekter bröcht uns in en Gefängniß rin. Merkwürdig! in dat ſülwige, wo ik früher mal ſeten hadd. Dor was de ſülwige Bleckkaſten vör't Finſter, de ſülwigen Ritzen in de Wand, up de ik ſo oft minen Blick richt't hadd, de ſülwigen Delen, wo ik ſo oft in unrauhige Qual herümmer gahn was, dor was de Städ' noch, wo ik mi mal heimlich en Keinſpohn ut de Delen ſneden hadd. Ut deſen Keinſpohn hadd ik mi'ne Schriwfedder makt, verſteiht ſik von fülwſt, — 128— heimlich! Tau Wihnachten hadd ik en por Wallnät kregen, ik hadd de Nätſchellen brennt un mi dorut'ne Ort Tuſch makt, mit de hadd ik ſchrewen, natürlich heimlich! Nicks Böſes hadd ik ſchrewen, nicks wat gegen de Husordnung was, blot Gedichte— ſlichte Gedichte, worin de Wuth utbrok, worin de ganze Bitterlichkeit von mine Lag' ludhalſ' ſchreg, worin ik dat beten Welt in Grus un Mus tauſam ſlagen un mi dennahſten as „Herrgott der zweite“ up deſen Schutt etabliren wull. Taum Glück för de Welt is dit Allens verluren gahn, un taum Glück för mi klingen deſe Gedichte in minen Harten nich mihr wedder, ſülwſt de Fedder, de Kein⸗ ſpohn, mit de ik dit Allens ſchrewen heww, un de ik Johre lang as Andenken uphegt heww, is von Mariken Gramkows in Treptow mal as en gewöhnlichen Spohn taum Anbäuten in en Aben vernutzt worden.— Wenn mi äwer Einer mal beſäuken ſüll, denn kann ik em doch wat Schriftlichs ut deſe Tid wiſen:„die Tochter Jephtas“ von Byron, de ik ut den Gedächtniß dal ſchrewen heww.— Byron was tau dunnmalen min Mann. In dit Gefängniß kemen wi in deſe bitterkolle Nacht herin. Allens noch as ſüs, äwer kolt, kolt, bitterkolt! Allens was noch ſo as ſüs; äwer up dat Beddgeſtell hadd en Strohſack legen, de fehlte ditmal.—„Na, Kapteihn, denn helpt dat nich!“— Wi läden uns up de Delen, en Stück Dings unner den Kopp, mit den Mantel taugedeckt, un ſtats tau ſlapen, früren wi de Nacht hendörch, denn dat Lock was lang' nich dörch⸗ — 129— warmt. Den annern Morgen ſlot de Entſpekter de Dör up un frog recht fründlich, woans wi ſlapen hadden, wi deden, as wenn wi ſine ſpöttſche Reden nich markten, un verlangten för den Fall, dat wi noch 'ne Nacht hir bliwen ſüllen, en Bedd, taum wenigſten doch en Strohſack. Doräwer, meint hei, künn hei nich beſtimmen, hei wull't äwer den Herrn Kriminaldirekter Dambach ſeggen; im Awrigen hadden wi däglich fiw Sülwergröſchen tau vertehren.— Ik antwurt't em, wi wiren doch up de Reiſ', un unner ſo'ne Ümſtän'n wir dat doch Satz, dat wi twintig Sülwergröſchen kregen. — Dat hadd de Herr Kriminaldirekter ſo beſtimmt, ſäd hei un gung dormit ut de Dör.— As hei weg was, kamm denn de Slüter un frog, wat wi geneiten wullen. Wi wiren dörchfroren bet up de Knaken un lepen in unſen Kaſten rümmer, as de willen Dir, blot üm warm tau warden; wat was denn nu natürlicher, as dat uns nah'ne warme Taß Koffe verlangen ded? Alſo twei Potſchonen Koffe!— Wi kregen den Koffe, äwer de Potſchon koſt'te vir Sülwer⸗ gröſchen, uns blew noch ein Sülwergröſchen för den ganzen äwrigen Dag. Wat ſüllen wi dorför köpen? Natürlich Brod. Alſo en Brod taum Sülwergröſchen för Jeden, un wi wiren mit unſ' fiw Sülwergröſchen dörch. As wi gegen Abend ok mit unſ' drög' Brod dörch wiren un in'n Düſtern herümme huckten, kamm de Herr Entſpekter wedder, üm uns gaude Nacht tau wün⸗ ſchen.— Dat was denn nu nicks wider, as de nichts⸗ würdigſte Spott, ik let mi dat äwer nich marken, wo Ollle Kamellen. II. 9 130— ingrimmig dat in mi towte, un frog em, ob wi denn ok deſe Nacht noch ahn Bedd oder Strohſack ſlapen füllen; wenn uns von wegen de Husvagtei⸗Verwaltung kein Lager gewen warden künn, ſo hadd ik noch 26 Thlr. un de Kapteihn noch 21 Thlr. Provat⸗Geld, wat de beiden Schandoren ut M.... mitbröcht un hir af⸗ liwert hadden un dorvon künnen jo de Koſten för en Bedd betahlt warden.— De Entſpekter makte mi en höflichen Diner un ſäd, dat wir Allens recht gaud, äwer de Herr Kriminaldirekter hadd beſtimmt, wi ſüllen uns irſt von unſ' fiw Sülwergröſchen ſo vel tauſamen⸗ ſporen, dat wi uns en Bedd meiden künnen.— Dat was denn nu doch apenbore Niderträchtigkeit, wenn wi däglich von unſ' erbärmlich Traktement einen Sülwergröſchen afſtödden, denn müßten wi dörtig Dag' up de blanken Delen liggen von des Abends Klock fiwen bet des Morgens Klock achten in Düſtern, ihre wi den Daler tauſam hadden, den dat Bedd för't Monat koſten ded, müßten Hunger un Kummer liden, un weswegen? Hadden wi up't Friſch denn wedder wat verbraken, dat ſei ſo mit uns in't Gericht gahn kunnen?— Ik verlangte denn alſo den Herrn Krimi⸗ naldirekter perſönlich tau ſpreken.— De Antwurt was, de Herr Kriminaldirekter let ſik üm deſe Tid nich ſpreken, un dormit würd de Dör wedder tauſlaten, un wi legen de Nacht wedder up den Fautboden un früren. Den annern Morgen dat Sülwige: wedder warmen Koffe un en Sülwergröſchenbrod.— Ik wull nu den Herrn Kriminaldirekter ſpreken, as Husvagt was dat — 131— ſine amtliche Schülligkeit, Klagen von de Gefangenen antaunemen, un wi hadden tau klagen. De Antwurd was: de Herr Kriminaldirekter wull uns äwerall gor nich ſpreken. Ik ſet'te mi alſo dal un ſchrew an em, ik verlangte einen Protocollführer, wil dat ik mi äwer em biet Kammergericht beſweren wull.— Ik kreg kein Antwurd.— Den Abend wedder den fründlichen Gaude⸗ Nacht⸗Wunſch von den Entſpekter un dat harte Lager up de Delen. De drüdde Morgen kamm un bröchte dat Sülwige, äwer hei bröchte einen Dag, an den ward ik tidlewens denken, denn uter dat anner Ungemack, wat uns all ſo mör makt hadd, bröchte hei'ne nige Angſt un en niges Elend. Min oll Kapteihn würd krank. Ne grote Unrauh,'ne jagige Haſt kamm äwer em, hei grep hir hen un dor hen. Ne Bibel lagg in unſ' Gefängniß, hei namm ſei, hei leſ’, hei ſmet ſei weg, hei leſ' wedder, hei ſmet ſei wedder weg un lep in't Gefängniß rümmer, rod, blaurod in't Geſicht, un ſmet ſik denn wedder up de harten kollen Delen dal.— Jk weit't, hir hett hei den Grund tau en por ſwere Lungenkrankheiten leggt, de em nahſten in ein Johr up de nige Feſtung beföllen.— „Ne Bibel in en Gefängniß is'ne ſchöne, minſchen⸗ fründliche Sak, un de Mann, de tauirſt dorför ſorgt hett, hürt tau jenne uterwählten Minſchen, de nich allein dat ſwacke Minſchenhart, ne, ok unſern Herrgott ſine allbarmherzige Afſichten richtig verſtahn hewwen. Männig ſteinern Hart mag weik worden ſin vör Gotts⸗ wurd; männig Verbreker mag dordörch tau de richtige 9⸗ — 132— Inſicht un tau Gott kamen ſin; äwer wi wiren keine Verbreker, wi wiren Sünner alltaumal, eben ſo'ne Lumpenhun'n as de, de up ehre twei Beinen fri herümmerlepen, äwer in unſen Fall hadden wi nicks verbraken, un dorin ſtunnen wi rein vör Gott, un nich unſ' Herrgott drop uns hir mit Jammer un Elend, nel de Niderträchtigkeit von Minſchen, de ehr grauſam Gelüſt an uns utlaten wullen, de nicks mit unſen Herrgott, deſto mihr äwer mit den Düwel tau dauhn hadden. „Lat dat Bauk liggen, Kapteihn, unſ' Herrgott drop Di nich, ſin ſlichtes Afbild hir up de Ird hett Di blot en por Stein in den Weg ſmeten! Lat dat Bauk liggen, Kapteihn, mak Di nich tau'm Mitſchuldigen von de Gottsläſterer, de mauthwillig Elend äwer de Lüd' brin⸗ gen un denn Gottswurd taum Troſt dorför henleggen!“ Ik kloppte an de Dör un würd up den Gang herute laten, dor drop ik en allen Kammergerichtsbaden, de mi ut frühere Tiden bekannt was, Heubold heit de Kirl, hei ſall nahſten wegen Unnerſleif up de Feſtung kamen ſin, wat ik äwer nich verbürgen kann. Wenn hei dorhen kamen is, denn het't de Hallunk allein all för den Hohn verdeint, den hei mi mit ſin grinſiges Geſicht entgegenſmet, as ik em frog:„Heubold, wiſſen Sie nich, wie lange wir hir noch bleiben müſſen?“— Dor ſtunn hei vör mi mit dat olle, weike, witte, upgedunſene Geſicht, mit dat olle ſlappe Lachen üm dat breide Mul, mit de olle voſſige Perük, un langſam kamm de Ant⸗ wurd herute:„Sie bleiben immer hier. Glauben Sie, — 133— daß der König alle dieſe großen Gebäude hier leer ſtehen laſſen will? Nein, Sie bleiben hier und Ihre Kameraden kommen alle nach.“ De Schuft wüßt dat beter: hei wüßt recht gaud, dat wi wider reiſiten, hei wüßt recht gaud, wo elendigli ch wi hir hollen würden, hei wüßt recht gand, wo vull Sorgen uns tau Maud' was; äwer't kettelte den Hal⸗ lunken doch, uns ok noch en Fauttritt mit up den Weg tau gewen; Einer kunn em de entfahmtigte Luſt von't Geſicht herunner leſen, mit de hei ſprok:„Nein, Sie bleiben hier.“ Ik kann't un will't nich ſtriden, dat ik mi von de gründliche Gemeinheit von deſen Kirl int Buckshürn jagen let— ſo'n Gefangen is gor tau zag, un drei Dag' Water un Brod, dat Liggen up den Fautboden un de bittere Küll maken grad ok nich vel Kuraſch'— ik glöwte, hei redte de Wohrheit un ik verfirte mi dägern doräwer, velmihr as dunnmals, as ſei mi min Dodsurthel ſpraken hadden. Dat was en Ogenblick Sak, un dit was'e lange, lange, all mälige Dodquäleri. T giww man wenig Minſchen in de Welt, de en Begriff dor⸗ von hewwen, wat dat heit, wenn Einer up Staatskoſten langſam tau Dod' quält ward. Mäglich was't, de Anfang was jo all makt, un worüm ſüllen ſei de Sak nich wider bedriwen.— Ach! mi was ſlicht tau Sinn; äwer dat vulle Unglück ſüll irſt losgahn: min olle leiwe Kapteihn hadd de ganze Geſchicht anhürt, un wat för mi'ne jammervulle Qual was, kunn för em tau en dödlich Gift warden. — 134— As wi wedder inſlaten wiren, felen wi uns einan⸗ ner in de Arm, un lang' mägen wi woll ſo ſtahn un Schutz un Troſt an einanner ſöcht hewwen— wo lang' weit ik nich mihr— äwer dat weit ik noch as hüt, dat min oll brav Kapteihn ſtrack un ſtramm in dat Lock herümmer gung un ſine Krankheit äwerwunnen hadd, un dat in mi en allmächtigen Trotz upbegehrte: De Düwel müßt mit den Düwel verdrewen warden. Ik kloppte an de Dör; ik wull en Protokollführer hewwen! Ik wull mi bi't Kammergericht beſweren!— Richtig! nah en por Stun'n kamm en Kirl herinner, ſo'n oll binnen un buten ſmeriges Worm von Referen⸗ dorius, von de Ort, de ehr Richterexamen nich farig krigen känen un ehr Lewen lang as Schauhputzer bi de höhern Gerichte vernutzt warden. 0 „Sie wollen ſich beim Kammergericht beſchweren?“ —„Ja!““—„Am Beſten wäre es denn wohl, wenn Sie ſelbſt Ihre Beſchwerde aufſetzten.“— Ne, ſäd ik, dat wull ik nich, hei wir dortau ſet't, un hei müßt dat, hei müßt mi dat ok betügen, dat wi all drei Nacht up de blanken Delen legen un den Dag äwer von Water un Brod lewt hadden. Mit Hängen un Wörgen kamm hei dortau; äwer de Redensorten, de ik äwer den Herrn Kriminaldirekter makte— fin wiren ſei juſt nich— de wull hei nich in ſin Protokoll upnemen. Natürlich müßten wi deſe Nacht noch wedder up den Fautboden ſlapen; wi legen tauſam, min oll brav Kapteihn lagg in minen, ik in ſinen Arm; dat Unglück ſmedt de Minſchen hellſchen dicht tauſam. — 135— Den annern, den virten Morgen ümmer dat Sül⸗ wige! Min oll Kapteihn blew ſtill up ſin hart Lager liggen, ik gung up un dal un ſtellt mi endlich vör den Bleckkaſten hen, wo de grage Wintermorgen twei Hän'n breit von baben herinne ſach.— Leiwer Gott! un hir noch fiw un twintig Johr! Min oll Kapteihn was upſtahn, hei grep wedder nah dat Bibelbauk.„Lat dat Bauk liggen, Kapteihn! Unſ' Herrgott helpt blot den, de ſik ſülwen helpt. — Wi willn uns wehren, Kapteihn!“ Ach, du leiwer Gott! wi ſtunnen tauſamen in en halwdüſter Lock, inſlaten, nicks up un nicks in den Liw', un wullen uns gegen de Welt wehren! Mäglich, dat mi Einer von de ſogenannten Framen deswegen verachten deiht, dat ik dat Bibelbauk taurügg ſmeten heww, ik kann ehr äwer de Verſicherung gewen, dat en helles, friſches Gottvertruen ahn Bibelbauk un Beden äwer mi kamen was, un taum Pris un Ruhm von unſen Herrgott will ik't hir ſeggen:„Dat hett mi nich bedragen!“ De Dör würd upflaten, un in de Dör ſtunn de Schandor Reſ', de mi vör. fiw Johren ſo oft taum Ver⸗ hür bi den Herrn Kriminalrath bröcht hadd. Hei was en ollen, langen, drögen Mann, ſin Geſicht was von Pockennoren terreten un von Sommerſprutten bemalt, en kümmerlich griſ' Hor hung em von baben dal, un ut jeden Näſ'lock hung em„Friedrich Wilhelm, der Dritte“ as en griſes Talglicht herute— hübſch was hei nich, äwer dennoch!— wenn mi einmal unſ' Herr⸗ — 136— gott in mine Dodsſtun'n en Erlöſungsengel ſchicken will, denn ſall hei mi den ollen Schandoren Reſ' ſchicken. Dor ſtunn hei in de Dör in ſine königlich preuß⸗ ſche Engelsuniform un röp herinne in unſ' Jammerlock: „Meine Herren, machen Sie ſich bereit; in einer halben Stunde reiſen wir.“ Ach, Kapteihn! Charles douze! Wat was't för 'ne Freud!— Weg!— Weg!— Wohen?— Wi wüßten't nich; äwer man weg!— Wegl! von den Kirl, de uns up Lewenstiden unglücklich makt hadd! Weg von den Kirl, de ſine Freud doran hatt hadd, uns ahn Urſak bet up't Blaud tau quälen! Äwer, ward Männigein ſeggen, dat hewwen doch anner un vel beter Lüd' noch düller uthollen müßt.— Denkt doch an de Landwehren von achtteihnhunnert⸗ drütteihn!— Ja,'t is wohr, äwer de Lüd' hewwen nich blot leden, ſei hewwen ok wat dahn. Un dat is de Sak!— Wi jungen Lüd', in de jede Athentog von Dauhn un Wirken redte, wi ſüllen blot von Liden un von Dulden reden; wi ſüllen uns von ſo'n Graf H.... un en Kriminaldirekter Dambach nah Gefallen tau Water riden laten?— Ja, Schandor Reſ' un unſ' Herrgott erlöſten uns dunnmals ut unſere Qual, un ik will den Herrn Krimi⸗ naldirekter Dambach dat nich anreken, eben ſo as ik äwer ſine annern Quälerien, de hei in den Unner⸗ ſäukungsarreſt gegen mi utäuwt hett, ok en dicken Strich maken will; äwer in eine Hinſicht ſall hei mi ,— — 137— Red' ſtahn— hei is all dod, up deſe Ird kann hei't nich mihr— äwer up Jenſid ſall hei ſik ver⸗ antwurten, worüm hei minen ollen Vader, de grad in deſen Dagen in ſine hartliche Leiw' för ſinen einzigſten Sähn nah Berlin kamen was, üm wat för ſin Frikamen tau dauhn— worüm hei minen ollen Vader de twintig Schritt tau min Gefängniß nich wiſ't hett, dat de Sähn doch an Vaders Boſt ſik mal utweinen künn.— Dorför ſallſt Du mi Red' ſtahn!— Kapittel 13. Woans de Schandor Prütz ſik as'ne Mutter för uns utwiſen ded, un Vatter Reſ' as en Vatter. Up wecker Ort wi tau en Frühſtück, un de Schandoren tau en Middageten kemen. Ik be⸗ gah en niderträchtigen Streich, indem dat ik anfang' Quittungen tau ſchriwen un Vatter Reſen antauführen. Worüm wi binah in't Water un nahſten in en pol'ſches Wirthshus rinne föllen. „Meine Herren, machen Sie ſich bereit; in einer halben Stunde reiſen wir.“— Je, wat was dor grot bereit tau maken? Unſ' Kufferts wiren packt, de Mäntel legen noch von dat Taudecken äwer Nacht up de Delen un Afſchid brukten wi, Gott ſei Dank! nahrends tau nemen; de Kapteihn namm alſo blot ſin grotes Burken mit de Karnallenvägelheck unner'n Arm, de hei mit up Reiſen namm, un de hei bi de Küll ümmer ſorglicher mit ſinen Griſen taudeckt hadd, as ſin eigen arm Knei⸗ un Beinwarks.— Wat ſatt ſin oll lütt Volk dor pluſtrig! Keinen Ton hadd't wilen de ganze Tid taum Beſten gewen.— Ik ſöcht unſ Pipengeſchirr ut de vir Ecken tauſam, ſtek dat halwe anbraken Pund Toback in de Taſch— un nu kann't losgahn, Schandor Reſ'! — Awer Reſ' kamm nich.— Wenn Einer up en Wagen luren möt, dat hei girn nah en anner Flag henkamen müggt, ſo is dat all'ne häßliche Unrauh; äwer vel düller is't, wenn Einer luren möt, dat hei man von en Flag wegkamen müggt. Na,'t müßt jo doch ok en En'n nemen, un't namm jo ok en En'n. Schandor Reſ' kamm mit en annern Kammeraden— hei heit Prütz un was en lütten, friſchen, fründlichen Kirl— un halte uns af; unſ' Saken würden upladen, wi ok, un nu för ümmer Adjüs, Husvagtei! Ik heww Di woll von buten wedder ſeihn, äwer nah Din Binnenſid verlangt mi nich wedder!— 4 'T was mitdewil Däuweder worden,'t hadd twei Dag' regent, un de Snei was weg; de irſte leiwe Frühjohrs⸗ ſünn ſchinte hell up de düſtere Ird un hell in unſ' düſter Hart, un wenn ſei ok noch nich warmen kunn, denn verſprok ſei dat doch, un ſei hett ehr Wurd hollen: de ſlimmſten Tiden legen achter mi, un von nu an ſullet beter warden.— De Kapteihn ſlog de Slipp von ſinen Griſen von dat Burken taurügg un ſer'te ſine Vägel in de Sünn, un ut de ollen pluſtrigen Dinger würden lütte, ſchöne, glatte Vägel, de luſtig hen⸗ un herſprungen un pipten, wenn ſ' ok grad noch nich ſungen. — 139— Ach, wat was dat anners worden ſörre'ne Stun'n! Min oll Kapteihn was ebenſo updäut, as ik; oll Vatter Reſ' vertellte Geſchichten von den Unnerſäukungs⸗Arreſt her un röp uns de ollen Frün'n in't Gedächtniß; de lütt Prütz ſorgte as'ne Mutter för uns:„Täuwen S', hir's noch'ne Deck, de will'n wi uns äwr'e Fäut leggen.— Steken S' Ehr Beinen doch hir dörch, denn ſitten Sei bequemer.“— Un Allens wir gaud weſt, wenn mi nich twei Ding' in den Magen legen hadden, irſtens de Ungewißheit, wo wi henkemen, un tweitens en ganz entfahmtigen Hunger.— Äwer ok hirför ſüll Rath warden. As wi en En'nlang führt wiren, kamm mi de Gegend ſo bekannt vör, ik was de Strat all einmal führt, un ſei gung nah Oſten.—„Mein Gott,“ ſäd ik,„dit geiht jo woll nah M. barg hentau?“—„„Ja woll,““ ſäd Reſ',„„un dor maken wi Middag.““—„Un nahſten?“ frog ik wider.—„„Oh, denn geiht't ümmer ſo wider nah Gr... hentau,““ ſäd Vatter Reſ' in ſine unſchüllige Gaudmäudigkeit, denn ik glöw noch hüt, dat hei dor hellſchen unverwohrs mit rute kamm, denn Vatter Reſ' was man en beten düſig.— Mit de Ungewißheit was dat nu vörbi, äwer den Barg wiren wi glücklich räwer, un wat achter den Barg lagg, dat ſüll uns för't Irſte noch nich küämmern.— Awer mit den Hunger.— Na, dat ſüll ſik ok ſtüren. As wi en twei Milen müggten führt ſin, namm de lütt Schandor Prütz, de mi genäwer ſatt, ſinen Schacko af— denn dunn hadden ſei noch keine Helms— un — 140— ſnerte dat Unnerfutter up un halte en blagwörpelten Snuwdauk herute.— Na, ik denk, hei will ſil de Näſ' ſnuwen, aber dat kamm anners as mit de ſel Fru.— Hei halte ut den Snuwdauk en Stück gekaktes Kalw⸗ fleiſch rute un ut de Taſch en ſchönen Knaggen Brod un en Metz un fung an recht nührig tau frühſtücken. As Vatter Reſ' dit ſach, namm hei ok ſinen Furaſch⸗ kaſten von den Kopp un läd ſik ok dwaslings vör ſine Gottsgaw', un dor ſeten ſei nu vör uns un eten as de Engel in'n Himmel un de Kapteihn un ik ſegen andächtig tau. Unſere Andacht müggt äwerſt woll en beten tau utdrücklich warden un ſik up unſ' Geſicht afmalen, ge⸗ naug, Prütz markte Müſ' un ſäd, ſin Snuwdauk wir ganz rein un wenn wi Apptit hadden.... un Vatter Reſ' verſwur ſik, ſine Wuſt wir von den rendlichſten Slachter in ganz Berlin, hei höll dorup un ok ſine leiwe Fru, un wenn wi Luſt hadden.... un ſomit würd dat Dammaſt⸗Gedeck von blagwörpelten Snuw⸗ dauk äwer de acht Knei deckt, un de Wuſt gung in de Run'n, un dat Kalwfleiſch un de Metzers gungen üm⸗ ſchichtig un tauletzt eten de Kapteihn un ik noch, as de Engel in'n Himmel, un Prütz un Reſ' ſegen andächtig tau.— Sörredem ward mi ümmer ungeheuer dankbor tau Sinn, wenn ik en preußſchen Schandoren un en blagwör⸗ pelten Snuwdauk tau ſeihn kreg’. De Schandoren möt ik nemen, as ſei kamen; äwer von de blagwörpelten Snuwdäuker heww ik mi en por anſchafft, nich tau den — gewöhnlichen Gebruk, ne, as Diſchdäuker, un de war⸗ den denn blot updeckt, wenn ik en beten wat Be⸗ ſonners heww, as en rechten fetten Kalwsbraden un 'ne ſchöne meckelbörgſche Mettwuſt, un denn frag' ik mi ümmer:„je, ſmeckt Di dat woll ſo as dunn?“ un ümmer is de Antwurd:„ne, Prützen ſin utkaktes Kalwfleiſch un Reſen ſin Slackwuſt, dat was doch en annern Snack.“ Awer lang' höll dat nich vör, wi wiren tau ſihr utheert, un as wi gegen hentau tweien nah M.... barg kemen, was dor'ne grote Tafel deckt för de Poſtgäſt mit witt Linnen, nich mit blagwörpelt. Sörre en Johr hadd ik nich an en Diſch mit witt Linnen eten, un't kamm mi gefährlich apptitlich vör; wi hadden in M.... ok alle Middag updeckt, äwer man mit griſ' Löſchpoppir, dat de blank Diſch nich ſmerig warden füll, un nu ordentlich mit witt Lin'n!—„Vir Potſchonen!“ ſäd ik tau en jung' Mäten, de dor ſtunn un ehr Mulapen verköfft un uns ankek, as wiren wi Apen un Boren, de för Geld in'n Lan'n rümmerledd't würden.—„„Ne,““ ſäd Vatter Reſ',„„man twei Potſchonen!— Prütz un ik hewwen all eten, wi eten nich mit.““—„Na, dat wir nett!— Ne, dat Brüden geiht üm, ſeggt Trohls. — So Du mi, ſo ik Di; hewwen wi Sei dat Früh⸗ ſtück vertehren helpen müßt, ſälen Sei uns bi't Middag biſtahn.“—„„Ja, dat is All recht ſchön; dat Geld langt man nich. Sei hewwen tauſam en Daler un acht Gröſchen tau vertehren, un wenn wi dat hir verputzen, denn hewwen Sei up de Nacht nicks. Wi führen de Nacht dörch, un de Nacht is lang.““—„Herr Reſ', wi hewwen jo unſ' Provat⸗Geld noch.“—„„Je, dat Provat⸗Geld....““— Awer hei würd mit ſine In⸗ wendungen nich mihr prat, de vir Potſchonen Supp wiren bröcht, de lütt Prütz ſet'te ſik dal:„Na, denn helpt dat nich!“ Wi ſeten ok all, un Vatter Reſ' wull de Supp doch nich kolt warden laten, hei ſet'te ſik alſo ok dor achter.—„Oh, bringen Sei doch'ne Buddel Win!“ röp ik.—„„Üm Gotteswillen, wi kamen jo hir All in Schulden!““ röp Vatter Reſ'.—„Laten Sei dat man, wi hewwen jo dat Provat⸗Geld noch!“— „„Ach, du leiwer Gott! Dat is jo äwerſt inſigelt un dat möt ik jo an de Kummandantur tau Gr.... af⸗ liwern.““—„Laten Sei man, dat treckt ſik All nah'n Liw', as de Snider ſeggt.“— De Win, de kamm, wi drunken, un Vatter Reſ' drunk mit.—„Oh, min Kind, noch'ne Buddel; äwer en beten betern!“— „„Herr, du meines Lewens! Dit geiht jo doch allmein⸗ dag' nich!““—„Vatter Reſ', wi hewwen jo dat Provat⸗ Geld noch.“— Un wi drunken noch ein, un noch ein, un as up Jedwereinen en Vagel kamen was, dunn ſäd ik tau den Ollen:„So, Vatter Reſ', nu maken S' mal min Schatzkäſtlein up un halen S' mal en Teihndalerſchin herute, un Sei, min Döchting, bringen S' mal Dint un Fedder her;“ ſet'te mi dal un ſchrew den ollen Herrn Reſ' ne ſchöne Quittung, worin ſtunn, dat hei teihn Daler von min Provat⸗Geld in minen Nutzen verutgawt hadd, un betahlte de Reknung un ſtek dat Geld, wat ik wedder rut kreg, in mine — 143— eigene Taſch, denn wat ſüll Reſ' ſik dor noch vel mit dragen. Un wil ik nu juſt bi't Schriwen was, ſchrew ik noch en Breiw an minen Fründ Gr... in M...„ worin ik em meldte, dat ik min Teikenbrett dor ver⸗ geten hadd, dat ſüll hei an ſik nemen.— Nu paßte äwer Vatter Reſ' eklich up un frog, wat ik dor ſchriwen ded.—„En Breiw,“ ſäd ik.— Dat kunn hei nich liden, ſäd hei.— Je, ik hadd in M.... wat vergeten.— Dat wir em gonz egal un hei led't nich.— Hei ſüll den Breiw doch ſülwſt leſen.— Dat wir em ganz egal, hei led't nich.— Na, ſäd ik tauletzt, denn ſüll hei ſik ſülwſt henſetten, un ſüll de Upſchrift ſülwſt„an de Kummandantur in M....“ maken, denn kem de Breiw doch gewiß in unverdächtige Hän'n— un Vatter Reſ' ded't.— Vatter Reſ', Vatter Reſ', dor heww ik Di ſchön anführt! Ik hadd mi nämlich mit minen Fründ Gr... ver⸗ afredt, wenn ik em ſchrew, dat ik en por Strümp vergeten hadd, denn güng't mit uns nah Pillau, un en Bauk ſüll Glatz bedüden, un en Hemd Kolbarg un en Teikenbrett Gr..., dat ſei doch wüßten, wo wi hen⸗ kamen wiren, un wohen ſei uns wohrſchinlich nah⸗ folgen würden. Un dit ſlog mi richtig in, un nah en beten ſeten wi up den Wagen un führten in den Abend herin, un ſeindag' mag woll keine Schandoren⸗ un Verbreker⸗Geſellſchaft ſo luſtig in den preußſchen Stat herümmerkutſchirt ſin, as wi; blot dat Vatter Reſ' bi jeden Schoſſeſtein utröp:„Na, Sei warden — 144— uns doch in kein Ungelegenheiten bringen?!“— Dor dachten wi gor nich an, wi wiren tau froh, dat wi vergnäugt wiren; äwerſt dat Quittungſchriwen hadd uns doch ſihr gefollen, dat ſet'ten wi nah, un as Vatter Reſ' nahſten in Gr... unſ' Provat⸗Geld af⸗ liwern ſüll, dunn hadd hei nicks as Quittungen.— Na,'t was jo ganz einerlei, ob hei't hadd, oder ob wiet hadden: Ei is en Ei, ſäd de Köſter, hei langt äwer nah't Gauſ ei. So kemen wi denn nah twei Dag' un twei Nacht gegen Gr... ranne, äwer tüſchen uns un unſe nige Feſtung gung en groten Strom, un de höll nich un brök nich un was up de beiden Siden all updäut, blot in de Midd ſtunn dat Is noch; dor ſüllen wi räwer. —„Vatter Reſ',“ ſäd ik,„in de Gefohr gew ik mi nich; de preußſche Stat kann von mi as Utlänner nich verlangen, dat ik en groten Heldenmauth upwenn, blot üm en por Dag' ihre wedder up ein von ſine Feſtungen tau kamen; mit den Kapteihn is dat anners, hei is en Landskind, un hei will jo abſlut ok räwer. Ik will Sei en Vörſlag maken, gahn Sei mit den Kap⸗ teihn äwer dat Is, ik will mit Prützen hir up deſe Sid in den Gaſthof ſo lang liggen bliwen, bet dat Water fri is.“ So uneben was min Vörſlag grad nich, un Prütz hadd ok Luſt dortau, un wer weit, wat ik dormit nich dörchkamen wir, hadd ik mi Vatter Reſen för den Gaſthof wählt; denn hei ſtunn dor un kratzte ſik den Kopp un ſäd: ſlimm wir't, un hei hadd ok von lütt — up en groten Grugel vör't Water hatt, äwer wat ſin müßt, müßt ſin, un räwer müßten wi. Un ſo hülp dat denn nich; as ſei All gegen mi wiren, müßt ik mit un müßt min jung' Lewen wagen as en Stint, un de Fohrt gung los. Des Morgens gegen Klock achten würden wi mit de beiden Schandoren un unſ' Saken in'ne Boot laden, un ſös Schappelzen, in de ſös Pollacken ſeten, flötterten uns dörch dat frie Water, wat'ne virtel Mil lang de Wiſchen äwerſwemmt hadd, bet an dat Is ranne. Dor müßten wi utſtigen, de beiden Schan⸗ doren nemen ehr Gewehr in den Arm, de Kapteihn namm dat Vagelburken, un ik unſ' Pipengedriw', un ſo gung't ümmer bet an de Enkel in't Water räwer äwer dat Is, un von baben fuchte uns unſ' Herrgott mit en ſachten Fiſſelregen an; de ſös Schappelzen gungen in de Folg un treckten unſ' Saken up en Sleden nah. — De Uptog was nich ſlicht, äwer dor fehlte kein Timmermannshor an, denn wir de ganze Uptog mit Schandoren un Vagelburken un all de ſchönen Pipen för ümmer fläuten gahn, un nicks wir äwrig blewen, wat dorvon Nahricht gewen kunn, as mäglicher Wiſ' de ſös Schappelzen. Wi müggten woll dreivirtel räwer ſin, as up Jenſid en Raupen würd un en Winken mit Däuker un Dinger, un as wi uns doräwer verſtutzen deden, dunn ſegen wi denn ok, dat wi up den beſten Weg wiren, in dat blanke Water rinne tau lopen, denn wer Deuwel kann dor nipp ſeihn, wenn Einer dörch fanthoges Water Ollle Kamellen. II. 10 — 146— waden möt, un de Regen Einen in't Geſicht ſleiht. Vatter Reſ' kummandirte denn ok glik:„Kehrt!“ un nah'ne Wil kemen wi denn ok mit nauer Noth tüſchen de velen Löcker dörch, de ſik de Strom all dörch dat Is freten hadd, bet an en Flag, wo ſei Bred' leggt hadden, un von dor up'ne Ort Lopplank, de bet an't Äuwer upricht't was. Dormit was denn nu deſe ekliche Geſchicht ver⸗ wunnen; äwer nu ſüll ein kamen, de was noch en ganz Deil eklichter, un dat was en pol'ſches Wirthshus. Wi müßten in dat Fährhus rinne. Dor hadd nu de ganze Nacht de Thranlamp brennt, un in den dicken Dunſt ſtreden ſik nu Hiring, ollen Keſ' un Fuſelbramwin, wer am düllſten ſtinken wull; middwarts von de Stuw' ſtunn en Aben mit gräune Kacheln, ſo grot as bi uns en Backaben, un üm em rümmer lep'ne Bänk, dor legen drei Bootsknecht up un ſlepen as de Rotten, un baben up den Aben legen ſäben Schappelzen taum Drögen. 1 As wi de Dör upmakten, ſtunn uns de Athen ſtill, un wi zupften beid taurügg; äwer Vatter Reſen ſine Näſ' was all in de verſchidentlichen Wachtſtuwen up ſo wat inäuwt, hei meinte, wenn't ok grad nich nah Mäſch rüken ded, denn wir't doch warm, un't wir ok dröger as buten in'n Regen. Dat hülp alſo nich, wi müßten dor mit herin un ſüllen dor nu ſo lang ſitten, bet Prütz en Wagen beſorgt hadd.— Dat wohrte äwer nich lang', dunn kihrte ſik bi mi inen Liw' Allens üm un dümm, ik müßt herute, un de Kap⸗ .— 147— teihn kamm mi nah, un ok de oll Herr müßt uns folgen. Äwer, wir dat nu, dat hei ſik tau gaude Letzt noch en beten in de Boſt ſmiten wull, oder frür em würklich ſo, kortüm, hei verlangte von uns, wi ſüllen uns wedder ſtats mit friſche Luft, mit Keſ' un Hiring un Thran begnäugen. Tauletzt un tauletzt, nah velen Prekademen gaww hei nah, dat wi up de Del beſtahn blewen, bet Prütz kamm. Na, de kamm jo denn nu ok, wi ſet'ten uns up den Wagen un führten up de Feſtung. 10* — 148—. IV. De geſtung gr... Kapittel 14. Worüm de Herr General von T... nich för Fickfackerien is, un worüm hei uns en Abendbrod ſchickt. Wat en ſtudirten Philoſoph för en Jammer in de Fomilien un en unſtudirten Balbirer för en Elend bi Prüken anrichten kann, un wo't nu nahgrad' mit den Kapteihn ſinen Bort en geſegenten Anfang nimmt. Ganz tauletzt: Herr Bartels. Wenn en Minſch blot von unſen Herrgott afhängt un von dat, wat de em ſchickt, denn möt hei ſik beſchei⸗ den, wat em drapen deiht, un wenn hei en framen Sinn hett, denn ward hei ſeggen möten: wat de mi ſchickt, dat is gaud. Anners is't äwer, wenn Glück un Unglück von einen Minſchen in de Hand von einen annern Minſchen leggt is. In ſo en Fall äwer⸗ kümmt Einen en bang Gefäuhl, denn Jedwerein weit ut ſinen eigen Verſtand un ut ſin eigen Gewiſſen, wo ſwack dat mit minſchliche Inſichten un mit minſchliche Gaudheit beſtellt is.— Nu lagg wedder unſere ganze Taukunft in de Hand von einen einzigen Mann, von den Kum⸗ mandanten von Er... un wotau dat führen kann, wiren wi bi'n Grafen H... tau M... all wohr worden. — 149— De Feſtung liggt en En'nlang afſid von de Stadt up en Auwer an den Strom, un ehre Muren un Wäll ſegen von butwennig eben ſo troſtlos un langwilig ut as all de annern, wenigſtens in de Ogen von en Ge⸗ fangenen; ehre Durweg wiren eben ſo düſter un ehre Togbrüggen rummelten eben ſo holl, as wi doräwer führten, äwer von inwennigtau kreg dat doch en anner Anſeihn. Frilich wiren dor ok ringsüm luter Kaſe⸗ matten, un de kennte ik all von S.... her, äwer ſei wiren⸗ſauber afputzt, un von buten leten ſei recht ſchön, un denn gung dörch de ganze Feſtung'ne Reih Hüſer entlang, ſo dat Einer ſeihn kunn, dat hir ok anner Lüd' wahnen deden, as blot Soldaten un Gefangen, un ok Alleen wiren dor von Linden un von Pöppeln; kort, de irſte Anblick was nich ſlicht, as Adam ſäd, as hei Eva tau ſeihn kreg. Vör dat grötſte von de Hüſer führten wi vör, dat was de Kummandantur, un as wi aſfſtegen wiren, gung Vatter Reſ' mit unſ' Poppiren tau den General von T... herinne un wi lurten up den Vörſal.— Nah en beten gung de Dör up, un de General kamm herute, en groten, ſtatſchen Mann mit en ſlohwitten Snurrbort un ſlohwittes Hor— nahſten ſäden ſei, dat wir man'ne Prük, äwer de Prük, de kledt em mal!— un ſäd tau uns mit'ne dütliche weſtphälſche Utred':„Ich ſeh' aus Ihren Papieren, daß Sie ordent⸗ liche Leute ſind, und Sie ſollen's hier auch gut haben, denn meine Sache iſt es nicht, Leute, die im Unglück ſind, noch mehr hinunter zu treten. Sie ſind von — 150— Ihren Kameraden, die mir angemeldet ſind, hier zuerſt angekommen, ich will Ihnen deshalb die, Erlaubniß geben, von den Kaſematten, die für Sie beſtimmt ſind, ſich die auszuſuchen, die Ihnen am beſten ſcheint. Haben Sie aber eine gewählt, denn müſſen Sie ſie auch behalten; denn für Fickfackereien bin ich nicht.“ Dat wiren— ik weit't noch ganz genau— ſine eige⸗ nen Würd'. Wi bedankten uns, un wullen gahn, dunn röp hei uns noch mal taurügg un ſäd:„Und denn iſt hier noch Einer von Ihren Kameraden, er heißt„Schr...“ — Sie mögen ihn wohl kennen— der hat hier den dummen Streich gemacht, daß er ſich mit einem Mäd⸗ chen verlobt hat— ein ordentlich Mädchen und ordent⸗ lich verlobt— dem habe ich die Erlaubniß gegeben, daß ihn ſeine Braut und deren Bruder wöchentlich dreimal beſuchen kann; darauf werden Sie ſich nicht berufen, denn die Erlaubniß kann ich Ihnen nicht geben.“— Wi ſäden denn, up ſo'ne Saken wullen wi uns nich inlaten, un för unſerntwegen künn Schr... ſogar ümmer frigen, wenn't de Herr General för gaud inſeihn ded.—„Solche Antwort habe ich von Ihnen erwartet,“ ſäd hei, un wi gungen. Hei hadd uns den Kummandantur⸗Schriwer mit⸗ gewen, dat de uns Beſcheid wiſen ſüll; de ded dat ok, un nu hadden wi tau wählen. Taum Glücken wüßt ik mit den Krempel all Beſcheid, ik hadd all Johrelang in Kaſematten ſeten;„Kapteihn,“ ſäd ik,„wi nemen ein int tweite Stock,'t ſüht frilich gruglich ut, as 6 *— — 151— · wenn Einer in en groten Reiſkuffert inſpunnt is, von wegen dat runne Gewölw baben; äwer't is ümmer beter, wenn Einer anner Lüd' up den Kopp peddt, as wenn hei ſik ſülwen up den Kopp pedden laten ſall, denn tüſchen de beiden Stockwark ſünd keine Windel⸗ bähns, blot Bred', un in den Frühjohr, in den irſten Andäu, denn fangen de ollen Dinger an tau lecken, un de Wän'n, de driwen, un de unnen wahnt, kriggt Allens duwwelt. Wi wählten uns alſo dat tweite Stock von'ne Kaſematt; de Kummandantur⸗Schriwer ſorgte för'ne Upwohrfru, de ſorgte för en Bedd, unſ' Saken würden ruppe bröcht, un Vatter Reſ' un Prütz ſäden adjü!— Wo't woll mit Vatter Reſen ſine velen, ſchönen Quit⸗ tungen aflopen was?— Jk frog den Kummandantur⸗ Schriwer dornah, un de ſäd mi:„Um ſo etwas be⸗ kümmert der General ſich nicht, das iſt Sache des Platzmajors, und der wird morgen wohl zu Ihnen kommen und mit Ihnen darüber verhandeln.“— De Mann was en beten niglich, Einer kunn em dat an⸗ marken, denn hei blew tau lang' bi uns, ahn dat hei dor wat tau dauhn hadd; na, ik was ok niglich un frog em denn alſo, woans dat Schr.... hir güng, ik kennte em all von Jena her un von den Unnerſäukungs⸗ arreſt. De Antwurd was:„Sehr gut!“— Ein Wurd gaww dat anner, un hei vertellte denn tauletzt, as Schr.... hir ankamen was, un de General ſinen Namen leſen hadd, hadd hei em fragt, wer ſin Vader wir.— Dat wir de Regimentsarzt Schr.... tau — 152— Gl.— Dunn hadd de olle brave General de Hän'n tauſam ſlagen un hadd utraupen:„Und den Sohn des Mannes, der mir bei Waterloo das Leben gerettet hat, ſoll ich hier mit ſolcher Strenge behandeln!“ — Hei hadd't äwerſt intaurichten wüßt, un Schr.... hadd't gaud hatt, hadd äwer vel dumm Tüg bedrewen. Je, ſo geiht dat in de Welt, deſe Burs hadd dat gaud hatt, wil dat annere un betere Lüd' bitter leden, un weck von ehr gänzlich tau Grun'n gahn wiren. Hei was in unſere Verbindung in Jena weſt, un dörch ſin grotes Mul hadd hei dor de irſte Vigelin mitſpelt, äwer as de Sak taum Klappen kamm, as em Unkel Dambach de Klemm upſetten ded, un as em Unkel Dambach üm den Bort gung un em vörpredigte, hei wir„ein philoſophiſcher Kopf, er könnte das Object der Unterſuchung in ſeiner ganzen Totalität umfaſſen und überſehen,“ dunn kamm de erbärmlichſte Eitelkeit un de jämmerlichſte Swäcklichkeit bi em tau Rum, un hei geſtunn nich blot— dat hewwen wi Annern all dahn— ne, hei fung an tau denunziren un wull ſik leiw Kind maken un let ſik bi Nacht und bi Dag' bi den Herrn Kriminalrath mellen, wenn em ſon arme Paſter in Sachſen, oder ſo'n arme Dokter in Schle⸗ ſingen ut olle Tiden inföll, de ok einmal„Burſchenſchaft“ ſpelt hadd un nu mit Fru un Kinner dor ſet, dormit dat ſei doch ok dat Vergnäugen hadden, ſin vergritztes Angeſicht bi'ne Confrontation mal wedder tau ſeihn. — Un de Knaw hadd dat hir gaud hatt!— De Herr Kriminalrath Dambach kunn ok dankbor ſin, denn hei hadd em nah'ne Feſtung ſet't, wo hei allein was, un wi annern em de Höll nich heit maken kunnen, un nu hadd de Taufall mit den ollen General noch en Awriges dahn. Wil deß, dat wi knapp unner'n anner ſpreken dürwten, hadd hei mit gebildte Lüd' ümgahn durwt un hadd'ne Brud up den Schoot un herzte un küßte ſik dormit, un de armen Frugens un Kinner von de Lüd', de hei angewen hadd, hadden wildeß in Jam⸗ mer de Arm nah den Mann un den Vader utreckt.— So geiht't in de Welt. Hieräwer redten wi, de Kapteihn un ik, as de Kum⸗ mandantur⸗Schriwer gahn was, un ik was vör Allen up em falſch, denn mi hadd hei ok ümmer unnödige Wiſ' in ſine friwilligen Bichten mit herinne fligt un glik den irſten Dag hadd hei mi verraden un hadd an⸗ zeigt, dat ik em en Erkennungsteiken makt hadd; äwer't was jo nu all ſo lang' her, allentwegen, wo wi weſt wiren, hadden wi unner enanner in Freden lewt, wat ſüllen wi hir olle Geſchichten uprühren? Un de Kap⸗ teihn un ik beſloten, wi wullen mit em in Freden lewen, un dat, meinten wi, ſüll uns ſo ſwor nich war⸗ den, denn wi ſüllen man in de Friſtun'n mit em tau⸗ ſam kamen, wil dat hei up dat anner En'n von de Feſtung wahnen ded; äwer hei makte uns hir ok ſo velen Spermang, dat ut de gaude Afſicht nich recht wat würd.—— As dat Abend was, let de wachthabend Unter⸗ offzirer den General ſinen Bedeinter bi uns rin, un de bröcht uns en Korw: Ne Empfehlung von den — 154— Herrn General un hei ſchickte uns hir en beten taum Abendbrod, denn wi wiren woll nich vüllig inricht't.— Dat kamm uns ſchön tau Paß, un ut de brunen Brad⸗ tüften un dat heite Eierbir keken allerlei ſchöne Hoff⸗ nungen för de Taukunft herute, un de Kapteihn ſäd: „Charles, ik glöw, wi ſünd hir beter dran, as bi den ſeligen Grafen.“—„„Ik glöw ok, Kapteihn; äwer nu will'n wi tau Bedd gahn, ik bün hundsvöttſchen mäud'. AÄwer noch eins! Wenn Du tau Bedd geihſt, denn darwſt Du nich ſteidel herinne ſtigen, Du möſt Di up de Beddlad ſetten un ganz dukerig rinne krupen, ſüs wardſt Du Di an dat olle Tunnengewölw häßlich den Kopp ſtöten. Süh! ſo makt Ein dat in de Kaſematten.““ Ik krop herin un hei puſſelt un kramt dor noch wat, un as ik all binah inſlapen was— bautz!— knallte dor wat up de ollen Breddelen dal. Min oll Kap⸗ teihn hadd mine Warnung vergeten, was mit den Kopp gegen den Swibbagen rönnt un nu rügglings ut dat Bedd rute ſchaten. Ja, ehre Unbequemlichkeiten hewwen de ollen Kaſematten ok.— Den annern Morgen kamm de Platzmajur tau uns, hei was en ollen gaudmändigen Drähnbartel un vertellte ſil mit uns von allerlei, blot nich von Schandor Reſen ſine Quittungen, un as hei uns unſere königlich preußſchen Staats⸗Traktementen mit fiw Sülwergröſchen däglich blank un bor up den Diſch tellen ded, dunn ſegen wi, dat wi von jitzt an wollhabende Lüd' warden ſüllen, de bi paſſende Gele⸗ genheit doch ok mal in de Taſchen rümklimpern kunnen. — Nu müßten wi tau den General, müßten uns äwer vörher doch balbiren laten, denn de Bort ſtunn uns as de Hekeltinnen in't Geſicht. En ſtudirten Bal⸗ birer kunn ſik up de Feſtung nich hollen,'t was alſo en Soldat, de dat Horſniden un Balbiren bedrew, wenn hei juſt kein Holt tau hau'n hadd. Sei ſäden All, hei hadd keine lichte Hand, un dat hadd ik ok ſpört, un dortau hadd hei blot en Sößlingsmetz; un dat hadd em juſt den Damp nich dahn, de arm Schelm hadd äwerſt dat Unglück hatt un hadd den General ſine ſchöne Prück för natürlich Hor anſeihn, un as hei em de por würkliche Locken ut den Nacken hadd ſniden ſüllt, hadd hei ſine Sak recht gaud maken wullt un hadd em de ſchöne Prück hinnenwarts ganz kahl ſcheert. Dorüm was hei denn nu bi Allen un Jeden in en recht leges Verhältniß geraden, un ahn grote Noth let ſik Keiner von em ſniden un ſcheeren.— Na, wi wiren in grote Noth, un ik ſet'te mi alſo dal; äwer ſo lang, as ik bi dit Geſchäft worden bün, bün ik vördem un ſörredem meindag' nich weſt, un lütt Lüd' füllen ſik ümmer von en preuß'ſchen Füſelir un mit en Sößlings⸗ metz balbiren laten.— Nah mi kamm de Kapteihn, hei höll ok driſt ut; äwer as em de Kirl den Snurr⸗ bort inſmeren wull— denn hei balbirte nich in'n Ganzen, blot ſtückwiſ'— dunn ſäd de Kapteihn: Holt! dat wir ſine Sak, hei hadd ſine Schonung nu äwer'ne Woch glücklich dörchbröcht, ut den Gräwſten wir ſei nu, un hadd hei de Laſt dorvon hatt, wull hei nu ok ſin Vergnäugen doran hewwen. Un ſörredem hett hei ok ſin Vergnäugen doran hatt, un ſo'n Bort, as hei ſik anbändigen ded, heww ik meindag' nich wedder tau ſeihn kregen. Hei krüſ'te em nich, hei kliſterte em nich, hei ſmerte em nich, ne! hei treckte em ganz einfach as an'ne Spaljeh, blot nah unnenwarts, ſtats ſüs nah babenwarts, un gel un unſchüllig hung hei em äwer ſine beiden Lippen dal, as en niges Strohdack äwer de beiden halwen Dören von en Kathen, in den Taufredenheit un Gaudhartigkeit wahnen.— Ik heww mi nahſten ok wat waſſen laten; äwer't würd ok dornah. Wi kemen tau den General; hei ſtellte uns einen Herrn vör, de ſüll up uns uppaſſen un ſüll uns be⸗ wohren un bewachten, dat wi nich von den vörſchrewen Sparzirgang up Afweg' geröden; dat was de Herr Unteroffzirer Bartels. Herr Bartels gung mit uns af, un as wi in de Lindenallee kemen, ſäd hei:„Sehn Sie, meine Herrn, von dieſe kleine Linde an bis an's Niederthor können Sie nun's Morgens zwei Stunden lang immer in der friſchen Luft auf und nieder gehen, und's Nachmittags wieder, d. h. reden dürfen Sie nicht mit keinem Menſchen, als blos mit Ihnen und mit mir.“ So wüßten wi jo denn nu Beſcheid, un wil wi't ſo gaud noch meindag' nich hatt hadden, un von den Eſel up't Pird kamen wiren, ſo lewten wi uns bald in de Verhältniſſen in.. v vV— Kapittel 15. Worüm ik mi awer den Apoſtel Paulus un de Kapteihn ſik äͤwer Schr.... men ſine Brud argert. Worüm de Kapteihn mit beide dörchlopene Stäwelſahlen in den deipen Dreck peddt un ſik nahſten an en Pal ſtellt, un up den Abend'ne Brudſchaft för't Heiligſte, un rode Hor un gräune Ogen för't Schönſte erklärt un ſik up de Letzt mit de Königin Victoria in England verlawt. Nu wir dat woll nich mihr als billig weſt, dat wi uns dankbor un taufreden mit dat begnäugt hadden, wat uns de oll Herr General un dat Glück ſo ſchön in den Schoot rinneſmeten hadd; äwer de Minſch is nu einmal ſo, hei rückt un rögt an'ne gaude Lag' ebenſo, as an'ne ſlichte, hei will't ümmer noch anners un noch beter hewwen, un wenn nah buten tau nich vel tau rücken un tau rögen is, as in unſen Fall, denn fangt hei binnen an mit allerlei Wünſch' un Hoffnungen un Afſichten ſin Hart tau äwerlaſten, un wir de Utführung von de Hoffnung ok ſo wid af, as Kukuk von't Säbenſtirn. Na, ik bün ok allmeindag' en unrauhigen Gaſt weſt; äwer ditmal was ibt nich, de den Surdeig in den Backeltrog ſmet, ditmal was dat min oll Kapteihn. Wi wiren nu all an de virteihn Dag' an Urt un Städ' un gungen regelmäßig Morgens un Nahmiddags bet an de lütte Lind' ſpaziren, ein achter'n anner, as de Gäuſ' in den Gaſten, denn dat was ſihr deip tau gahn un ut de Allee dürwten wi nich rute; Herr Bar⸗ — 158— tels ſatt denn middwegs von unſen Spazirgang an't Wagenhus up en Kugelhopen— un wenn't Weder dornah was— in'n Sünnenſchin, un kek uns nah de Beinen un ſpelte mit de Quaſt von ſin„Kurzgewehr“. — Schr... men hadden wi all den tweiten Dag wed⸗ der tau ſeihn kregen, un hei gung ok mit uns un wüßt vel tau vertellen, denn ut den philoſophſchen Kopp von den Unnerſäukungsarreſt her hadd ſik up de Feſtung en poetſchen rute puppt, hei hadd en grotes Heldengedicht ſchrewen„Paulus“ un dat wüßt hei un⸗ glücklicher Wiſ' utwennig un deklamirt uns de ſchönſten Städen dorut vör; ſei ſüllen nah de Melodie von den ollen Homer gahn, ſei gungen äwer meiſtendeils nah de Melodie von Jehann Hinrich Voſſen, as hei ſik den Spaß maken ded un de Hexameters von Goethen un Schillern en lütten Lack anhängte: „In Weimar und in Jena macht man Hexameter, wie die da; Aber die Pentameter ſind noch viel ſchlechterer.“ Schr... men ſin„Paulus“ was för mi un den Kapteihn all ſlimm, denn wi hadden nicks dorgegen uptauwiſen, womit wi em wedder traktiren un dat Mul ſtoppen kunnen; äwer ſlimmer was't noch, wenn hei uns mit ſine Brud kamm, denn von de Ort had⸗ den wi irſt recht nicks uptauwiſen. Hei läd dat or⸗ dentlich dorup an, uns den Mund wätern tau maken, hei beſchrew uns ſine Leiwſte von Kopp bet tau Fäuten, hei wiſ'te ſei uns ut de Firn un tauletzt ok in de Neg — un ſei was för en philoſophſchen Kopp ok aller⸗ ihrenwirth— hei malte uns dat ſo ſäut vör, wenn — ſei dreimal in de Woch ſo bi em ſet, un hei ehr ut de Bäuker Bildung bibröcht, denn ſei wir— as hei ſäd—„noch nicht auf der Höhe ſeiner Bildung an⸗ gelangt.“ Kortüm! Schr.... ſtek uns allerlei Sticken un ſtrigelte unſ' Fleiſch mit allerlei Durn⸗ un Nettelwark. De Kapteihn un ik, wi argerten uns, un wi deilten uns ihrlich in den Arger; ik argerte mi äwer Pauluſſen, un hei argerte ſik äwer de Brud. Nu müßt ſik dat eines Dags drapen, dat uns'ne öllerhafte Dam mit en jung, ſlank Mäten begegen ded, un wil dat nu de Fautſtig ſo ſmall was von wegen de Deipigkeit von den Weg, ſchrammten wi ein achter'n anner an de beiden Frugenslüd' vörbi. Mit de jung' Dam gung dat noch handlich, äwer mit de olle Dam, de en beten ſtark vüllig was, gung dat man ſwack, un de Kapteihn, de ſin Lewsdag' ümmer ſihr ritterlich gegen Damen weſt was un hüt taufällige Wiſ' ſine Stäweln anhadd, wo de Bodden ſo tämlich rute was, läd up militöriſch de Hand an de Mütz, ſäd en por verbindliche Würd' un peddte mit beide un⸗ verſäkerte Beinen in den deipen Dreck, ik ſtröpte noch ſo knappemang vörbi, denn ſei hadden dunntaumalen noch keine Kreolinen. As wi en por Schritt wider gahn wiren, kamm de Herr Unteroffzirer Bartels pil up den Kapteihn los un ſäd:„Sie haben eben mit die Dam geredt, das dürfen Sie nicht.“— De Kapteihn ſäd, hei hadd blot'ne Höflichkeit tau ehr ſeggt.—„Höflichkeit oder Grob⸗ heit,“ ſäd Bartels,„is ganz engal; Sie ſollen überall — 160— nich mit Keinem reden, und wenn Ihnen Einer ent⸗ gegenkommen thut, ſo ſollen Sie auch nicht grüßen, denn ſie kennen Ihnen nicht.“— Wer dat denn weſt wir? frog ik.—„Das darf ich Ihnen nicht ſagen,“ ſäd Herr Bartels.—„„Na, denn will ich es Dir ſa⸗ gen,““ ſäd Schr....„„das iſt die Frau des Proviant⸗ meiſters Lucke, und die junge Dame iſt ihre Tochter aus erſter Ehe und heißt Aurelia Schönborn, und ſie wohnen in der Kaſematte, in die ſie jetzt hineingehn.““ —„Herr Schr....,“ ſäd Bartels,„ich weiß recht gut, Sie kennen hier die gaͤnze Menſchheit auf der Feſtung; aber das muß ich dem Herrn General mellen, daß Sie hier Inſtruktſchonen for die beiden fremden Herrn ausgeben.“ Nu was äwer de Kaſematt, wo de beiden Damen rinne gahn wiren, grad äwer von de lütte Lind', bet wo wid wi man gahn dürwten, un as wi bet an de gahn wiren, ſtellte ſik de Kapteihn an de lütte Lind', ſlog den Griſen mit de ſäben Kragen dichter üm ſik un kek nah de Kaſematt räwer.— Schr.... un ik gungen wedder taurügg, un Herr Bartels was taum irſtenmal in grote Verlegenheit: ſüll hei den Kapteihn dor ſtahn helpen, oder ſüll hei mit uns den Weg ent⸗ lang gahn? Tauletzt wählte hei den Middelweg, hei ſet'te ſik wedder up den Kugelhopen un ſpelte mit den Quaſt, kek äwer mihr den Kapteihn, as uns an.— Wi kemen wedder taurügg, de Kapteihn ſtunn an de Lind', wi gungen un kemen wedder, de Kapteihn ſtunn ümmer noch an ſine Lind, blot dat hei ſik dat bequemer —y *— * — 161— makt un ſik an den Pal lehnt hadd.—„Kapteihn, kumm doch mit!“—„„Laßt mich!““ ſäd hei, ſtrek mit de Hand äwer dat gele Stoppelfeld, wat nu unner ſine Näſ' all gadlich begäng' würd, un läd ſik noch driſter an den Pal. De Friſtun'n was tau En'n, wi würden inſlaten, un de Kapteihn gung mit groten Schritten in de Kaſe⸗ matt up un dal:„Ein dummer Kerl!“ ſäd hei,„ein ſehr dummer Kerl!“—„Bartels?““ frog ik.— „Nein, Schr...“ ſäd hei;„der Hanswurſt renommirt ordentlich damit, daß er eine Braut hat. Iſt das eine Kunſt ſich eine Braut anzuſchaffen, wenn Einer mit der ganzen Welt verkehren kann?“ Dormit gung hei noch forſcher up un dal.—„„Kapitain,““ ſäd ik,„„heute war er im Ganzen doch recht freundlich. Er hat mir ſeinen Paulus mitgegeben; ſieh einmal hier, er hat gleich Bilder dazu gezeichnet.““—„So? das will er auch können?— Ja, er weiß Alles, er kann Alles, er hat Alles.— Sein Dickthun iſt unausſtehlich!— Und welcher anſtändige Menſch thut wohl mit ſeiner Braut dick? Charles, ich betrachte ein ſolches Verhältniß als das zarteſte und heiligſte, welches ſelbſt den vertraute⸗ ſten Freunden verſchloſſen bleiben muß; und der alberne Menſch bringt geſtern ſogar einen Schuh ſeiner Braut mit auf die Promenade, um uns zu zeigen, was für einen kleinen Fuß ſie hat!“ Wohr was't, wat de Kapteihn ſäd; äwer wat argerte hei ſik denn ſo ſihr doräwer? ik hadd doräwer ümmer von Harten lacht.— Nu las ik in Pauluſſen; Olle Kamellen. II. 11 — 162— äwer ik fung mi ok allmählig an tau argern; jede Satz fung ſo breitſpurig an, as wenn de Weisheit ſülwen Einen bi den Kanthaken kreg, un wennt dick En'n nahkamen ſüll, denn ſnappte dat af, as wenn Einer mit'ne Fleigenklapp nah'ne Fleig' vörbi ſleiht. Un denn de Verſen!—„Kaptain, hör'mal. Rätetetätete⸗ Kätete.....„—„„Ach was! laß das doch! Dieſelbe Stelle hat er mir ſchon zweimal als ganz was Beſon⸗ deres vordeklamirt.““—„Dann ſieh doch das Bild einmal an, was dazu gehört.“— Dat was Paulus, as em Satan verfolgen deiht. Paulus lep all wat hei kunn, äwer Satan let nich locker un folgt em up Fledermusflüchten, un ut ſinen langen Start ſchot hei ümmer mit hölliſche Blitzen up Pauluſſen dal.— De Kapteihn kek mi, ſur as wir hei in Eſſig leggt, äwer de Schuller, un weit de Kukuk, wat em hüt fehlen ded; hei was ſo vergritzt, as ik em meindag' noch nich ſeihn hadd.—„Ein erbärmlicher Kerl,“ ſäd hei.— „„Schr....2““ frog ik.—„Ne, Paulus,“ ſäd hei, „Sch... men ſein Paulus; reißt aus, wenn's was gilt; ſieht aber auch gerade ſo aus, wie Schr.... ſelbſt. Ich wette drauf, er hat ſich in ſeiner Citelkeit vor den Spiegel geſtellt und hat ſich zuletzt ſelbſt für den Paulus angeſehn.“—— Mit den Kapteihn was hüt Abend nich tau reden, hei was ſo ut den Lim, as ik em meindag' noch nich ſeihn hadd, hei ſach wedder ſo rod ut, as ik em in dat Berliner Gefängniß ſeihn hadd.—„Naſſe Füße gekriegt,“ ſäd hei un treckt ſik de Stäweln ut.— — — 163— Haha, dacht ik, dorvon is dat ok, un ſet'te lud hentau: hei hadd ok Vernunft bruken künnt, un wenn hei von ſine Stäwel⸗Ümſtänen Beſcheid wüßt, denn hadd hei ok nich nödig hatt üm de oll Dam ehrentwegen mit beide Beinen dörch'ne Pütt dörchtauwaden un ſik nah⸗ ſten mit de natten Fäut'ne Stun'n lang an de lütte Lind' hentauſtellen.—„Charles,“ frog hei un ſine Ogen lücht'ten ordentlich,„haſt Du die junge Dame geſehn?“— Ja, ſäd ik, un't wir en rank un ſlank Mäten weſt.—„Haſt Du ihr Haar geſehen?“— Ja, ſäd ik,'t wir rod weſt.—„Roth?— Das nennſt Du roth?— Ich ſage blond!— Ich will auch zugeben: hochblond! Und das iſt eine Farbe, die zu allen Zeiten von Dichtern und Malern geprieſen iſt. Nicht der Sonnenſtrahl vergoldet das Haar, das Haar vergoldet den Sonnenſtrahl.“— Wat Dauſend! wat „ heit dit?—„Haſt Du den Teint der Dame geſehn?“ — Ja, ſäd ik, ſo vel as dat in'n Vörbigahn un dörch en gräunen Sleuer mäglich wir.—„Weiß, wie Ala⸗ baſter!“ röp hei ut.— Ja, ſäd ik, äwer ſei hadd Sommerſprutten.— De Kapteihn kek mi an, tog mit de Schullern un gung up un dal; äwer nah en beten ſtellte hei ſik vör mi hen:„Charles, willſt Du mich ärgern?“— Ne, ſäd ik, doran hadd ik nich dacht.— „„Warum führſt Du denn grade den Umſtand gegen mich an, der ſonſt allgemein für einen Beweis eines zarten Teints gilt?“— Gegen em, frog ik, wo ſo? — Ik hadd jo nicks nich gegen em ſeggt; ik hadd ok nicks wider gegen dat Mäten, as dat ſei intt Geſicht 11* — 164— ſo bunt utſeg, as en Kuhnenei.„Solche Vergleiche verbitte ich mir,“ ſäd hei un lep wedder haſtig up un dal.— Dit würd ümmer ſchöner un nahgradens markt ik, wo dat fuchten was; ik ſäd alſo, hei ſüll dat man ſin laten, un't wir jo doch ümmer'n hübſch Mäten. Dat geföll em, un hei würd mit einmal wedder de oll Kapteihn vull Füer un Fett, wenn't ſine Inbillung an⸗ gahn ded:„Charles,“ röp hei,„haſt Du ihre Augen geſehn?“— Ja, ſäd ik, ſei hadd blag'.— Dat was em nu äwer nich naug: blag' Ogen hadden Vele, ſei müßt nu doch noch wat vörut hewwen.—„Blau?“ röp hei;„ja blau; aber was für ein Blau? Ein Blau, ſo warm, daß es ordentlich einen grünlichen Schein annimmt. Der klare blaue Himmel nicht allein; auch das traute Grün der Erde ſpiegelt ſich in dieſem Auge!“— Nu müßt ik äwer lachen, gegen minen Willen lachen, un ik ſäd, dat hadd ik meindag' noch nich hürt, dat gräune Ogen ſchön wiren, un't wir woll von den gräunen Sleuer herkamen, dat hei ſei för gräun anſeihn hadd.— Nu was äwer dat Kalw ganz un gor in't Og ſlagen; hei hadd ümmer ungeheuern Reſpect vör de Frugenslüd' ehr Ogen, grad as de ni⸗ modſchen Dichters, de reden ok man ümmer blot von de Ogen, un dat Awrige von den minſchlichen Liw', dat bammelt man blot ſo dorbi. Hüt Abend würd dat nicks mihr mit mi un den Kapteihn, wi kemen nich mihr äwerein. Un doch! Ik leſ' de erhabenen Stellen von Pauluſſen, de Schr.... wollweislich rod anſtreken hadd, un de Kapteihn lep —* — 165— in de Kaſematt rümmer un deklamirt dortau mit de Hän'n. Wir ik verſtänniger weſt un hadd ik von lütt up mihr up Mutter Roßſch un Mutter Snurſch ehren Rath hürt un hadd mi mihr mit de minſchlichen Krank⸗ heiten un mit Smeren un Püſtern afgewen, denn hadd ik dat mit en Stock fäuhlen müßt, dat minen ollen Kapteihn wat in de Knaken ſatt, un dat hei ſik'ne Krankheit vermauden was; ſo äwer gung ik ruhig tau Bedd un dacht an nicks Slimmes; äwer den annern Morgen ſüll ik wat gewohr warden. Den Morgen wakte ik tidig von einen Spektakel up, un as ik mi in de Höcht richtete, dunn ſatt min oll leiw' Kapteihn ſteidel in'n Bedd un röp ümmer ut vullen Halſ:„Victoria! Victoria!“—„„Kapteihn, wat is'e los?““—„BVictoria, ich bin Dein Albert!“ —„„Gotts dauſend nich mal tau!““— Ik alſo ut dat Bedd herute, un dor ſach ik denn dat Unglück: hei ſatt dor brunrod in't Geſicht un ſlog mit de Arm üm ſik un wüßt von ſinen Sinnen nicks.—„Victoria, ich bin dein Albert!“ kamm denn mal herute, un denn mal wedder:„Charles, verdammtes Kuhnenei! Schmeiß doch den Hampelmann von Schre.... heraus! Da ſteht er und zeigt mir immer den Schuh ſeiner Braut. — Roth ſind ſie nicht,— blond— blos blond!“ Un ſo gung dat nu hen un her. Na, ik wüßt mi ok nich wider tau raden, ik gaww em en Glas koll Water un lep unnen runner un röp nah de Wach, dat de den Stabsarzt beſorgen ſüll.— 166— De kamm denn ok mit de Wil un let em en gaud Deil Blaud af, bet hei ruhiger würd; äwer de„Vie⸗ toria“ wull hei nich vergeten, de brummelte hei noch ümmer vör ſik hen.—„Was hat er denn mit der Bictoria?“ frog de Stabsarzt.— Je, ſäd ik, dat wüßt ik ok nich; ik künn mi dat äwer woll denken, wo dat tauſam hängen ded: hei hadd in de Zeitungen leſen, dat de Königin Victoria in Engelland den Prinzen Albert frigen wull, un wil dat hei nu ok Albert mit Vörnamen heiten ded, hadd hei ſik dat mäglich inbildt, dat hei de richtige Albert wir, un dat dat för em in'n Ganzen taudräglicher wir, wenn hei Prinzregent von Engelland würd, as dat hei hir noch länger up de preuß'ſchen Feſtungen rümmer ſet.— Na, dat gaww nu ok de Stabsarzt Bifall un ordnirte dat nie dat hei in dat Lazareth kamm. Un ſo gung denn min oll Kapteihn von mi af, un ik müßt nu blot mit Schr.. men un Pauluſſen ſpaziren gahn un des Abends allein in min Kaſematt ſitten. Kapittel 16. Mit de Königin Victoria is dat vörbi, äwer mit Aurelig'n is't in'n vullen Gang.. Don Juan un Kopernikus, un woans de heiligſte Erzbiſchof von Dunin bi uns ankamm. Worüm de Kopernikus nicks von rode Hor weit un weiten will, un dat hei ſik tauletzt as'ne„Schlange“ utwiſen ded. Unſ' Herrgott gaww, dat min oll gaud Mitkolleg ſine Lungenſtichkrankheit bald un glücklich äwerſtahn ded, —— — — — 167— un as hei taurügg kamm, freu'te ik mi recht, denn de philoſophſche Kopp, de mi alle Dag as einzigſtes Gericht upſchöttelt was, kamm mi tauletzt gor tau tag un leddern vör, un dortau piſackte un tahrte hei mi mit ſine velen Eitelkeiten, denn hei höll ſik för en„bedeutenden“ Minſchen un gebirdte ſik ſo, as hadd dat hochpreißliche Kammergericht uns utdrücklich tau ſine Bewunnerung nah Gr... ſchickt.— Wer was alſo fideler, as ik, dat min oll Kapteihn nu wedder mang uns begäng' was; äwer— weit de Kukuk!— hei was gor tau ſtill, gung ümmer in Gedanken herüm, un as wi in de Friſtun'n kemen, ſtellte hei ſik wedder an ſinen Lindenpal un kek nah de Kaſematt heräwer, in de ehr düſter Gewölw ſin Stirn mal unnergahn was. Dat ſach ik denn nu düdlich, dat mit Victoria'n un den Thron von Engel⸗ land hadd⸗ hei upgewen, denn dat lagg blot in't Blaud, un dat hadden ſei em aftappt, äwer mit Aurelia'’n was't noch in'n vullen Gang', denn dat ſatt em deiper, mäg⸗ lich all bet in't Hart.— Schr.... müßt ok all ſo wat marken, hei makte allerlei verdächtige Anſpelungen, natürlich mit allerlei Winken mit den Tulpenſtengel up ſine eigene Klaukheit, mit wecke hei dat mit ſine Brudſchaft anfungen hadd; ſülwſt Herr Bartelſen fung in den beſchränkten Unter⸗ offzirskopp en Licht an uptaugahn. Em müggt de Kap⸗ teihn woll grad ſo vörkamen, as hei ſik ſülwen von früheren Tiden her, as hei in düſtere Middernacht ſtunn einſam up de ſtille Wacht un an ſin jitzig Fru hadd dacht, as hei ſik dunn ok männigmal, wenn — 168— de Run'n vörbi was, an en Pal ſtellt hadd, dat Kinn up den Gewehrlop, un ruhig indruſſelt was, bet de Pal ümſackt, un hei ſik un ſin Gewehr nahſten von de Ird upſammeln müßt.— Awer dat was lang' her, un hei hadd in de Ort weder Mitled mit ſik ſülwen, noch mit Annern: hei gung alſo up den Kapteihn los:„Jeht die verdammte Pahlſteherei ſchon wieder an? Dat muß ich mellen.“—„„Melden Sie's zum Teufel!““ bölkt em de Kapteihn grimmig an.—„Ne, ich mell's en General,“ ſäd Herr Bartels.—„„Das können Sie. — Bis hierher kann ich gehn, und ich kann ſtehen bleiben, wo ich will.““—„Das können Sie; aber Sie ſollen ſich man nich an den Pal ſtellen; Sie ſtehen mich den Pal ümmer ſchief, und ich muß mich denn ümmer ein Beil von den Steuerkontroleur leihen, daß ich ihn wieder grad' richt', und der will mich ſein Beil nich mehr borgen.“ Dorut kann nu Einer afnemen, von wat för Ver⸗ dreitlichkeiten de Leiw' up'ne Feſtung afhängen deiht; den Kapteihn ſin hung an den Pal von de lütte Lind'. In deſe verdreitlichen ümſtän'n müßt ſik dat glück⸗ liche Wiſ' begewen, dat weck von unſ' Kammeraden ut M..... uns nahkemen, un dat gaww denn nu wedder 'ne lütte Upfriſchung, un ſülwſt min oll Kapteihn verget ſin Janken nah Aurelia'n up'ne Tid lang, as ſin beſte Fründ von Hall her, de lütte Kopernikus, un Don Juan inrückten.— Na, dat wiren en por pläfirliche Kirls: Don Juan was en argen Sünner, hei was all von Geburt en Stralſünner, hei was, wat ſei up — 169— Hochdütſch en beten von Lüderjan näumen, hei was meindag' nich, as de Kapteihn, ſterblich, ne ümmer bi lewigen Liw' verleiwt; hei hürte eigentlich ok nich tau uns, denn hei was ſines Glowens en Baukhändler un hadd blot einmal'ne grote Red' bi't Hambacher Feſt hollen, äwer hei hadd Johre lang mit uns tauſamen in den Unnerſäukungsarreſt un in M.... ſeten, was en groten ſtatſchen Kirl, un wat för mi dat Beſte an em was, hei was'ne Ort von Dichter, un dorüm freu'te ik mi, dat wi nu doch einen mang uns hadden, mit den wi Pauluſſen dümpeln künnen. Don Juan was ümmer tau jede Stun'n prat ſik tau verleiwen, nich ein mal för ümmer, ne! ümmer för ein Mal. Ik weit nich, wat ſei den richtigen Don Juan mal an de Ked leggt hewwen, un wo hei ſik dorbi hatt hett, deſe ret äwer in ſine Keden ſo rümmer, wenn hei en hübſch Mäten ſach, as en Windhund, wenn em von Firn en Haſen wiſ't ward. De lütte Kopernilus was dorgegen en ganz anner Gewächs von en Kirl; was Don Juan binah ſös Faut hoch, ſo was hei knapp fiw, was äwer dennoch bi de Füſelir tau Hall linke Flügelmann in't tweite Glid weſt; wog Don Juan gaud tweihunnert Pund, ſo wog hei man nah Tollgewicht ſös un nägentig up't Og; ſach Don Juan in't Geſicht ſchön witt un rod ut, ſo ſach hei dorgegen ſchön gel un brun ut, denn ſei hadden em ok enmal mit en Kuhnenei in't Geſicht rin ſmeten; hadd Don Juan ok'ne krumme Näſ', ſo was ſei doch taum wenigſten dick, äwer de Kopernikus hadd'ne krumme — 170— Näſ', de was ſo ſpitz, dat ſei in'ne gadliche Stopp⸗ nadel infädelt warden kunn, un't Ding ſach ſo driſt in de Welt herinne, as„ſühſt mi woll“. Un deſe Näſ' hürte tau einen Kirl, de was ſtrack un ſtramm, un wenn hei de Groten nich aflangen kunn, denn ſtellte hei ſik up de Tehnen, un denn ſtunn hei eben ſo ſtiw, as en Sösfäutigen.— Weck Minſchen bedriwen Allens mit Arm un Häuen, weck mit den Kopp, weck mit de Mag, hei bedrew ſine Geſchäften blot mit de Gall; dreivirtel von dat Johr, wat ik mit em hir in Gr.... tauſam weſt bün, hadd hei de gele Sucht, un de Hälfte von de Tid, de wi taum Spazirgang hadden, hett hei ihrlich in Smidt Grunwaldten ſine Theertunn rinnekeken, denn deſe Zympathi hülp em, un as hei mal ganz gel tau den General gahn was, hadd de oll Herr ſik äwer ſine Utſicht ſo dägern verfihrt, dat hei em de Erlaubniß dortau ein för allemal gewen hadd; un Smidt Grun⸗ wald, de uns ſchreg genäwer wahnt, hadd ok nicks dor⸗ gegen, dat hei ſik in ſinen Theer ſpeigeln ded. De Freud was grot, as de Beiden ankamen deden, vör Allen äwer den Kopernikus un vör Allen bi minen ollen Kapteihn, denn de nige Ankämling was ſin beſte Fründ von Hall her, ſei hadden Pandekten un preußſch Landrecht tauſam bedrewen, hadden ehre Krigsjohren tauſamen dörchfuchten un't irſte Examen tauſamen makt un hadden nahſten in M.... de ganze Tid lang up eine Stuw' tauſamen ſeten. De Kopernikus müßte nah unſe Sid räwer trecken un in de Kaſematt unner uns wahnen, un nu kunnen wi Drei ümmer tauſamen kamen, denn tüſchen uns würd nich tauſlaten. Vel würd nu vertellt von dit un von dat: de Kopernikus vertellte von de ollen Frün'n, un dat W.... noch nahkamen ded, un mäglich ok noch de Franzoſ', den ſei äwer vörlöpig wegen ſin geſtürtes Weſen nah Berlin in de Schariteh bröcht hadden, un wi vertellten nu von den ollen Gene⸗ ral un von Herr Bartelſen un von Schr.. men un Pauluſſen. Hadd de Kapteihn ſik'ne Karnallvagelheck mitbröcht, ſo bröchte ſik nu de lütte Kopernikus'ne Heck von witte Müſ' mit, de in en ordentlichen Glas⸗Paleh wahnen deden, un de hei in'n Groten tüchtete. Na, all Bott helpt, ſäd de Mügg, un ſpuckt in den Rhein, un was dat ok kein grot Pleſir, dat mi de Müſ' maken deden, ſo kunn ik ſei mi denn doch ok af un an eins bekiken, un Einer ſall Gott för Allens danken, ok för Müſ', d. h. ſo lang, as ſei ſäker in en Glaskaſten ſitten. En por Dag' drup gung dunn up de Feſtung dat Gered, de Erzbiſchoff ut Poſen, Dunin, ſüll nah uns bröcht warden un ſüll bi uns ſitten, denn dit was dunnmals grad de Tid, as de Katholſchen an den Rhein un in Poſen un Schleſingen den preuß'ſchen Stat groten Spermang makten. Wi hadden dat von Schr... men tau weiten kregen, de dat von ſine Brud ehrentwegen wüßt, un ok Herr Bartels was dor mal unverwohrs mit rute kamen, as ſik in ſine Unteroffzirerboſt de könig⸗ lich preuß'ſche Deinſt⸗Inſtruktſchon mit ſinen katholſchen Globen in de Hor lagg.— Na, eins Dags gung't denn nu los. Allens wat up unſ' Feſtung katholſch was— un dat was dat Meiſte— kamm ut Hüſer un Kaſe⸗ matten herut un ſtellte ſik an de Strat up:„Er kommt, er kommt! Er iſt ſchon da!“— Na, wi gungen denn ok, ſo wid as wi gahn dürwten, bet an unſere lütte Lind', Herr Bartels ümmer hart an uns. Von dor ut kunnen wi nu nah de Kummandantur henſeihn, un vör de Kummandantur ſtunn en Kutſchwagen, üm den dat Volk ſik ordentlich drängte, un as wi en beten ſtahn hadden, kamm wer ut de Kummandantur rute, un dat Volk bückte ſik andächtig un bed üm ſinen Segen un hei hadd den Haut afnamen un winkte ümmer mit de Hand, un as hei uns neger kamm, dunn kunnen wi dat ſeihn: hei was en lütten ſtatſchen Herr, en beten kumplett von Liw' un mit en ihrwürdigen, kahlen Kopp, un as hei ganz neg' heranne was, dunn bögte ſik ok Herr Bartels nah vör un wull ſik ſegen laten, äwer mit einmal kregen wi dat mit dat Lachen, un de oll lütt Kopernikus ſchöw Herr Bartelſen taurügg un ſprung up den Herrn Erzbiſchoff los un röp:„Donnerwetter! Dicker, wo kommſt Du her?“ Un wi nu all üm em rümmer, un Herr Bartels röp ümmer dormang:„Das muß ich mellen! Das muß ich mellen! und, meine Herren, Sie dürfen nicht mit den allerheiligſten Herrn reden!“ bet endlich de Kummandantur⸗Schriwer, de doräwer tau kamm, tau em irnſtlich ſäd:„Sind Sie denn unklug, Bartels? Das iſt ja nicht der Erzbiſchof, das iſt ja ein Kamerad von den Herrn.“ Na, dunn was Fred in't Land, un wi trocken mit unſern Erzbiſchoff af, un't Lachen wull gor kein En'n nemen, as hei uns vertellte, wo ſei — 173— em up den Weg mit allerlei Ihren unner de Ogen gahn wiren, un wo em namentlich de Poſtmeiſters mit Spiſ' un Gedränk ihrfürchtig unner de Arm grepen hadden. Hei kamm ok ganz unverfallen an, un de Verweſſe⸗ lung, de mit em paſſirt was, hadd mit keinen Annern von uns ſo vullſtännig paſſiren kunnt, denn hei was uns in geiſtlichen Utſeihn gor tau ſihr äwerlegen. Von Natur all lagg up ſin runnes Geſicht'ne geiſtliche Sal⸗ wung, de bi jede Gelegenheit dorut hervör blänkerte, de hei äwer beter as Smer för ſinen Kopp hadd vernutzen⸗ füllt, mäglich, dat em de Hor dornah wuſſen wiren, denn de ſach blank ut as'ne Billardkugel, wo Einer unnenwarts en por Frangen rümmer makt hett. Dortau hadd hei wegen de Warmniß en langen brunen Awer⸗ trecker an, den hei von ſinen leiwen Papa arwt hadd; un ſin Papa was en ſösfäutſchen Kirl weſt, un hei was man en halwen Toll gröter, as de Kopernikus. Deſe lange Pahletoh un'ne vigelettrode, ſammtene Kapp, de em Don Juan mal in M... tau Wihnachten mit en Gedicht, wat den Titel führen ded:„Dieſem Kürbis fehlt ein Stengel“, verihrt hadd, hadd em tauirſt unner⸗ wegs in den heiligen Geruch bröcht, un deſen Geruch hadden de Poſtillons von Statſchon tau Statſchon wider verbreit't, un ſo was hei denn nu bi uns as Exzbiſchoff ankamen. Awer nu? Wo mit em hen?— Hei was en Schriwwtſetter un hadd en ſo grugliches Verbreken be⸗ gahn, dat ſülwſt wi, de wi doch as Königsmürders — 174— anſchrewen wiren, uns ſchugen müßten, mit em tauſam tau wahnen. Hei was nämlich in de Sweiz weſt un hadd dor ihrlich ſin Brod, as Schriwwtſetter bi Orelli'n in Zürich verdeint, hadd äwer— un dat was dat Schauderhaftige an den Kirl— ſin gaud Brod nich upgewen wullt, as de König von Preußen up den In⸗ fall kamm, de ganze Sweiz för ſine leiwen Landskinner tau verbeiden, un as hei dämlicher Wiſ' wedder taurügg kamen was, hadden ſei em up'ue Reih' von Johren up de preuß'ſchen Feſtungen ſchickt, dar hei ſik doch allmählich wedder von dat ſweizer an't preuß'ſche Brod gewennen ſüll. Mit ſo einen ſworen Verbreker kunnen wi doch un⸗ mäglich tauſamen wahnen; äwer taum Glücken beſtimmte ditmal unſ' oll Herr General dat: de Schriwwtſetter ſüll mit den Baukhändler tauſamen wahnen, denn ſei wiren ſo wie ſo Annerbäulkenkinner, un ſo müßte denn de allerheiligſt Erzbiſchoff mit Don Juanen tau⸗ ſamen trecken.— Nich wohr?— Ne ſlichte Paſſung; äwer wat helpt dat All? In de Ort hett'ne Feſtung ÄAhn⸗ lichkeit mit den Ehſtand: wat tauſam ſall, kümmt tauſam, un ſülltt de Düwel mit de Schuwkohr tauſam karren. Na, nu kamm'ne muntere Tid, nu kamm Lewen in de Baud'; för uns würd't idel ſpaßig un luſtig; äwer för Herr Bartelſen würd't argerlich un verdreitlich, dat Spelen mit den Degenquaſt was vörbi, un de Kugelhopenſitteri hadd ehren Vergang nich mihr, hei müßt von Einen taum Annern lopen un müßt häuden un möten, denn männigmal wiren wi langs unſen —-— 1 — 175— Spazirgang utenanner, as ne Tiralljür⸗Ked vör den Find, un en Jeder ſöcht ſik vör Herr Bartelſen ſin Og' achter Böm un Gebüden tau decken; Sch.... gung mit ſinen Swager tauſam un redte mit em von ſine Brud, dor ſüll hei nu uppaſſen, dat de Swager nich mit uns reden ded. Kopernikus ſtunn in Smidt Grunwaldten ſinen Durweg un kek in ſine Theertunn, un wenn hei den in't Og faten wull, denn brok Don Juan ut de Bahn un fung en lütten Roman mit de Schenkjumfer in den negſten Huſ' an, oder de Erz⸗ biſchoff kreg'ne olle Fru up de Strat fat't, de ſik Hiring halt hadd, un frog, wat hei gellen ded— denn hei was hellſchen ökonomſchen— oder ik lep äwer dat Mal von de lütte Lind' henut un ket en beten nah't Waterdur dal, un bi Allendem ſtunn de Kapteihn wed⸗ der an ſine Lind' un ſtunn em den Pal ſcheiw. Herr Bartels hadd ſwore Dag', un alle Dag' meldte hei wat bi den General,'t kamm äwer nicks dornah. Wildeß ſatt Aurelia ümmer flitig an't Finſter un ſtickte un neigte dor, denn wo füll ſei ok juſt anners ſitten, as an't Finſter, wenn ſei ſticken un neigen wull, denn de ollen Kaſematten ſünd gefährlich düſter. Männigmal kamm ſei ok vör de Dör tau Rum, un denn trock de Kapteihn in vulle Parad up un makte Front un ſtrek ſik den gelen Snurrbort— denn de was nu all— un redte mit mi oder en Annern ſihr lud, wat dat för ſchönes Weder wir; un männigmal gung ſei ok ſpaziren un ſchrammte em wedder ſo dicht vörbi, as dunnmals, denn makte hei den ſülwigen Diner, den hei ſik tau maken vörnamen hadd, as hei de Königin Victoria üm ehre Hand anſpreken wull, un wenn ſei denn, ſlank un rank, an em vörbigahn was denn gung hei fiw Schritt achter her un tred, ſo vel as mäglich in ehre Fauttappen, un denn ſtred ſik in ſin Hart Leiw' un Arger, denn Bartels let em denn nich ut dat Og' un gung denn wedder fiw Schritt achter em, un achter Bartelſen fiw Schritt kamm denn Schr.... blot ut fründſchaftliche Niglichkeit, wat dat den Kapteihn woll ſo glücken ded, as em, un achter den folgte Don Juan up de Spör von en hübſch Mäten, un achter den de Erzbiſchoff, üm em von'ne dugendloſe Verführung aftauhollen; un wenn denn min oll Kap⸗ teihn ſik ümkek un ſach de ganze Prozeßſchon achter ſik, denn lep hei wüthig in ſin Lock herin un bedrew dor dulle Ding', un wenn ik denn nahkamen ded, denn hürte ik noch ſo'ne afgebrakene Redensorten, as:„Das Heiligſte wird hier in den Staub getreten“ un„wiſſen denn dieſe Menſchen gar nicht, was Liebe heißt?“ un denn namm hei ſik dat gor nich äwel, den Don Juan för einen liderlichen Racker, Schr... men för en Hans⸗ wuſten, den ihrlichen Erzbiſchoff för einen Däsbartel un den braven Bartels för en vullſtännig Rindveih tau eſtimiren. Kopernikus, ſäd hei, wir noch de einzigſte von all de Ankämlingen, de noch Takt un Ihr in'n Liw' hadd.— Arme Kapteihn! Hei ahnte gor nich, dat em grad' von den lütten Kopernikus ſine Sid her all't mägliche bren'nte Hartled andahn warden ſüll. „Charles,“ frog mi de lütt Kopernikus en por Dag' — 177— nah ſo’n Trubel,„warum ſteht der Kapitain immer wie angenagelt an der kleinen Linde?“— Dat was nu'ne ekliche Frag': ganz tau verheimlichen was de Sak nich mihr. un doch wull ik ok nich verraden, wo deip min oll Kapteihn in de Leiwesquäleri un Angſt herinne ſatt, un dat hei all ſine Anſprüch' up de⸗ Königin von Engelland tau Gunſten von Aurelia'n up⸗ gewen hadd; ik ſäd alſo:„„Ih, hei kickt dor man blot; dor grad äwer wahnt en hübſch Mäten.““—„Dieſelbe, hinter der er vor ein paar Tagen herlief?“ frog hei, un dorbi fohrte dat Ding ſo haſtig up mi los, dat ik denk, hei ſteckt Di mit de Näſ' dörch den Halſ'dauk.„„Gott bewohre!““ ſegg ik,„„wat heſt Du? Kann hei nich dor⸗ nah kiken un achter ehr hergahn?““—„Charles, iſt das dieſelbe mit dem ſchönen goldblonden Haar?“—„„Dat weit der Deuwel!““ ſegg ik,„„Du ſeggſt von blond, un hei ſeggt ok von blond, un ik ſeih dat för rod an. Heww ik denn kein Ogen mihr in den Kopp?““— Dor brok hei nu knas von af, äwer nu frog hei mi nah de Fomilienümſtän'n, un ik, Däskopp, mark ok nicks Slimmes, denn ik denk, dat is, wil dat hei en gauden Fründ von den Kapteihn is, un ſegg em Allens.— Den annern Dag, as wi in de Friſtun'n gahn, ſtellt ſik't oll lütt Ding ok an de Lind', un ik denk noch ſo bi mi: ſüh, dat Krät hett doch en minſchlich Gefäuhl, hei will doch den ollen Kapteihn dor nich allein ſtahn laten un will em mäglicher Wiſ' en beten upvermüntern, trotzdem hei wedder ſine gelen Turen hett un kolle Fäut krigen kann, un ik freu mi ordentlich äwer den Kopernikus.— Schlange! Olle Kamellen II. 12 3 Kapittel 17. Worüm nu ümmer Twei an de lütte Lind' ſtahn. Mine lütte leiwe Idachechen. De witten Müſ' warden gris, un de Koper⸗ nikus gräun un möt wedder in Smid Grunwaldten ſine Theer⸗ tunn kiken. De Kapteihn ward en blagen Löw, un de Erzbiſchoff hölt'ne Red' äwer Stülp un Pott, bet hei binah ut ſin Vaders Rock rute ſchüddt ward. En por Dag dorup kümmt Bartels an mi ran: „Nu ſchtehn da ümmer Zwei.“—„„Wo?““—„Na, an die kleine Linde.“—„„Denn laſſen Sie ſie ſtehen!““ —„Ne, dat muß ich mellen.“—„„Na, denn melden Sie's!““—„ZJa, das is auch man ſo. Recht giebt mich der General ümmer, aber er will nichts davon ſtellen wollten, mit den Rücken gegeneinander, daß Jeder den Andern Gegenſtand hielte, oder beide mit's Geſicht nach das Wagenhaus hin, denn wollt ich noch nichts nich ſagen.“—„„Warum ſollen ſie denn nicht nach der anderen Seite zu ſehen?““—„Na, wegen das junge Mädchen; junge Mädchen ſchtehn in meine Inſtruktſchon oben an.“—„„Wie denn das?““— Un Herr Bartels kamm neger nah mi ranne un fluſtert mi halflud tau:„'S is wegen Herr Schr... men, und der General hat an die eine Brautſchaft genug und will ſich nicht auft Friſche Läuſ' in den Pelz ſetzen.“ Na, wat Herr Bartels marken ded, müßten wi doch ok nahgradens marken: ut de beiden gauden wiſſen; un wenn die Herrn ſich man ſo an den Pal Frünen von Hall her wiren en por richtige Gegen⸗ buhler worden; de Kapteihn in'n gauden Glowen un in den irſten Beſitz, dat Krät von Kopernikus as en Indränger, de em ſin rechtlich Eigendaum ſtridig maken wull. Ob Aurelia den Kapteihn ſine mäuhſamen An⸗ ſtalten an den Pal gewohr worden is, is meindag' nich bekannt worden, ſei ſatt un neigte un let ſo un⸗ ſchüllig, as wull de Kapteihn ehr leiw' Mutting frigen; as nu äwer de Kopernikus ok Dag för Dag Stun'n lang an ehren Hewen ſtunn un neben dat ſtille Pla⸗ netenlicht von den Kapteihn as en ſwewelgelen Komet upgung un in ehren Geſichts⸗ un Dunſtkreis hen un her ſchot, blot mit den Unnerſcheid, dat de Komet den Start, un hei de Näſ' in Enn reckte, dunn müggt ſei woll wat marken. Awer as dat för gewöhnlich in de Welt taugeiht, de dat am irſten marken müßt un markt hewwen ſüll, de Kapteihn, was de Letzte, de up flimme Gedanken kamm, un wenn dat Kopernikuſſen⸗Krät de Dumen in dat AÄrmellock ſlog un mit ſin wißnäſ'tes Fragteiken von Näſ' allerlei anzügliche Fragen an Aurelia'n richt'te, denn ſtunn hei mild an ſinen Pal, un ſin ſtilles Abendſtirn⸗Geſicht ſchinte knappemang dörch de fürigen Anſtalten hendörch, de de Hall'ſche Flügelmann von't tweite Glid vör un tüſchen ſine un Aurelia'n ehre Ogen bedrew. Na, tauletzt, tauletzt, füll hei ok dorachter kamen, as Thoms achter de Hamel; äwer üm dormit klor tau warden, möt ik'ne Hakwenning taurügg trecken. 12* — 180— Dicht bi unſe Kaſematten was'ne Kinnerſchaul von lütte Mätens, un wenn wi Klock twölwen in unſ' Löcker wedder inſnappt würden, denn begegent uns dat lütte Görenwarks un ſprung in den ſchönen Frühjohrs⸗ ſünnenſchin herümmer, as wenn'ne Haud Bottervägel loslaten wir un wull ſik nah'n langen Winter mal wedder up Blaumen weigen. Sei danzten ſo luſtig de Lindenalleh entlang, un in de friſche Frühjohrsluft was de dumpige Schaulſtuw' vergeten, ſei ſmeten de ollen verdreitlichen Schaulbäuker mit de Eſelsuhren hoch in de Luft, dat ſei doch ok wat von de Frühjohrsſünn annemen künnen, un äwer ehr luſtig Gedriw' breid'ten ſik de jungen, friſchen Lindenbläder un malten Lichter un Schatten doräwer, dat de roden un witten un blagen un gräunen Röckſchen noch bunter un luſtiger leten, un ut deſe bunten Röckſchen keken mit blage un brune Ogen de lütten weiken Kinnergeſichter herute, friſch in Geſundheit un lewig in Luſt. Blot, wenn wi mit Bartelſen an ehr vörbikemen, denn würden ſei ſtill un keken uns ſchu an, as wir wat Frömds, wat Gefährlichs in ehr Spill follen, un ein un de anner von de grötern makte en verlegenen Knicks, den ſei för ſo'ne beängſtliche Fälle von ehr Mutting lihrt hadd. Awer't ſüll nich lang' duren, dunn würden wi driſter mit enanner, ſei wüßten jo ok von ehr Schaul⸗ ſtuw' her, wat inſpunnen heit; un mäglich, dat Herr Bartels de lütten Kinner noch nich för junge Mätens anſach, hei drückte en Og' tau, wenn wi mit ehr en por Würd' weſſelten.— Ein was äwer dorunner, dat 2 — 181— was de Kron von dat Ganze, dat was en Kind, ſo wunnerleiwlich, dat ſülwſt Bartels dat nich äwer't Hart bringen kunn, mi den Mund tau verbeiden, wenn ik mit ehr länger redte. Ut de groten, brunen Ogen kek ſo'ne ſchelmiſche Frölichkeit, un äwer ehr friſches Angeſicht dor flog dat räwer mit Schatten un Licht, as wir ſei unner Sünnenſtrahl un weiken, gräunen Frühjohrs⸗Lindenſchatten geburen un hadd ehr kortes Lewen lang in en Land wahnt, wo't ümmer Frühjohr is.— Sei is dod— un ik bün en ollen Kirl worden, äwer noch ümmer ſteiht ſei mi in all ehr Leiwlichkeit vör Ogen, un wenn ik en ſchönes, frömdes Kind ſeih, denn met ik ſine Schönheit, ahn dat ik doran denk, an mine lütte Ida ehr, un ik dank Gott hüt noch dorför, dat hei mi dunnmalen an dit lütte Weſen ſo'ne reine Freud hett erlewen laten.— Sei was de Halfſweſter von Aurelia'n, un obſchonſt Herr Bartels up de öllſte Sweſter binah en grimmigen Haß hadd wegen de Schererien, de ſei em makte, ſo kunn hei dit lütt Dirning doch nich bös warden, hei led, dat ik mit ehr redte, un näumte ſei ümmer, üm ſine eigene Tauneigung tau bewiſen, mit en duwwelten Leiws⸗Akzent:„dat Idachechen.“. Nu müßte äwer dat Idachechen des Nahmiddags Klock twei ümmer an den Kopernikus ſin Finſter vörbi, un wil hei unnen wahnen ded, dat Weder ok all ſo was, dat Einer dat Finſter uphewwen kunn, ſo makte ſik dat ganz natürlich, dat hei mit ehr en beten an tau klänen fung.— De Kopernikus was in'n Ganzen — 182— en gauden Kirl; äwer von den Kapteihn ſine Groß⸗ müthigkeit, de ſik blot tüſchen Mahn un Stirn an den Hewen rümmer drew, ſlog em nich'ne Ader; hei krawwelte ümmer up de Ird rümmer, un dor wüßt hei ſik Allens ſo handlich taurecht tau leggen. Wat was denn nu natürlicher, as dat hei min lütt Idachechen tau ſinen Aportendräger maken ded. Sei müßte em ver⸗ tellen, wat Aurelia hüt ſeggt hadd, un wat ſei giſtern ſeggt hadd, un wohen ſei vörgiſtern ſpaziren gahn was, un hei let denn up ſine verdammte pfiffige Manier mit infleiten, wat hei von Aurelia'n ſeggt hadd, un wat Jdachechen ſeggen füll, wat hei ſegg!t hadd.— Genaug, de Telegraph was in vullen Gang', un de Racker let minen ollen Kapteihn in aller Unſchuld up den koppernen Draht danzen, ahn dat de arm Kirl wüßt, wat unner em paſſiren ded, un dat ik lud hadd lachen müggt, wenn mi de Kapteihn nich neger an⸗ gahn hadd. Wenn de Kapteihn dat Glück hatt hadd, ſinen Engel up den Spazirweg tau grüßen, denn gung hei ümmer in de Kaſematt taurügg un ſned en Karn in den Dörenſtänner taum Wohrteiken un Andenken an ſin flüchtiges Glück; un denn ſtunn hei männigmal Stun'n lang vör de Karn un röp ſik bi jeden de be⸗ ſondern Ümſtän'n in't Gedächtniß un drunk ſo döſtig un ſo deip ut den Hoffnungsbeker, bet de helle Kuraſch' em ut de blanken Ogen lücht'te, un denn halte hei ſik ut ſin Karnallenvagelburken ſinen ſchönſten jungen, gelen Hahn herute un ſtrakte un eiete em un wüßt em 5„ — 183— ſo vel tau vertellen, wo ſchön dat lütte Dirt dat mal hewwen ſüll, un't ded em led, äwer trennen müßten ſei ſik.—„Willſt Du em denn verköpen?“ frog ik.— „„Für kein Geld!““ was de Antwurd,„„aber...... 242 — Jk verſtünn dit„Aber“ un dacht ſo bi mi: wer weit, wat hei mit den Karnallenvagel nich ſin Glück makt?— Hei äwer drömte blot von dat Glück, wat ſinen Karnallenvagel bevörſtunn, un verget ſin eiger doräwer, denn de Kopernikus kamm em tauvör. Eins Middags kümmt denn dat lütte, giftige Ding nah uns ruppe:„Charles, haſt Du nicht eine Schachtel?“ — Ja, ſäd ik, de hadd ik woll, äwer de brukte ik ſülwen.— Un't was ok wohr, denn ik hadd dorin ſwarte Krid un Keinruß, den ik ümmer in'n Groten brukte, wil ik meiſtendeils alle Lüd' in'n ſwarten Liw⸗ rock malen müßt.— Oh, ik ſüll em de doch leihnen, in en por Dag' kreg ik ſei wedder. Na, ik ded dat ok; wat wüßt ik dorvon? Un hei nimmt de Schachtel un ſet't en por witte Müſ' ut ſinen Muſ'paleh dorin, un as ik noch achter em ankam un will em noch von dat inwennige Utſeihn von de Schachtel Beſcheid ſeggen, dunn langt hei de oll Schachtel all haſtig dörch ſine iſerne Gardinen un ſeggt tau dat lütte Jdachechen: „und grüß auch Aurelia vielmal!“ Nu hadd ik jo den Bewis in Hän'n, dat hei den Kapteihn verraden ded. —„Was haſt Du in die Schachtel gepackt?“ frog ik. —„„Oh, ich habe der kleinen Ida nur ein paar weiße Mänſe geſchenkt,““ ſäd hei un dorbi ſteg em dat blage Blaud in't gele Geſicht, dat hei ganz gräun utſeihn — 184— würd.— Hahal dacht ik: up den Sack ſleihſt Du un den Eſel meinſt Du! un ik argerte mi doräwer, dat hei dat oll lütt unſchüllig Kind in ſinen Nutzen ver⸗ wendte, un dat hei den Kapteihn tauvör kamm, de doch dat Vörkopsrecht hadd; äwer mi kettelte dat ok, wo woll de witten Müſ' in de Keinrußſchachtel ut⸗ ſeihn würden. Ik bün nu grad nich niglich, mag äwer doch girn Allens weiten, un kort vör Klock twei, as upſlaten warden ſüll, un de oll lütten Mätens nah ehr Schaul vörbi gungen, gung ik runne un läd mi mit'ne Pip Toback bi den Kopernikus recht tauvertrulich in't Finſter; un't wohrt denn ok nich lang', dunn kamm min oll lütt Iding mit rodweinte Ogen an: un ſei hadd gor tau vel Schell kregen, un Aurelia hadd ſik dägern verfihrt, as ſei de Schachtel upmakt hadd, un ehr Mutting let den Herrn Kopernikus ſeggen, wenn hei wider nicks wull, denn ſüll hei't man för ſik be⸗ hollen, denn von de Ort hadd ſei ſülwen naug in ehr Kaſematten, un ſei güngen ehr all dat Speck an.— De Kopernikus würd wedder gräun vör Bosheit, un as hei de Schachtel upmaken ded, dunn ſeten dor twei natürliche griſe Müſ' in, grad ſo, as ſei allentwegen wild herümmelopen.— Den Blick verget ik meindag' nich, den hei mi tauſmiten ded, as hei de beiden kein⸗ ruſſigen Wörm wedder in dat Paleh ſetten ded— „Das habe ich Dir und der dummen Schachtel zu ver⸗ danken!“ röp hei mi giftig tau.— Na, ik verdeffen⸗ dirte mi denn nu ok, denn ik was jo in minen Recht; ——4y 2 — 185— äwer dat Unglück wull, dat de Kapteihn doräwer tau⸗ kamen ded un ut unſen Strit tau weiten kreg, dat de Kopernikus Aurelia'n en por witte Müſ' hadd taum ewigen Angedenken ſchenken wullt. In de Irſt, as hei ſo unverwohrs achter uns ſtunn, verfirte ik mi gruglich, un de Sünner von Kopernikus noch düller, de Kapteihn fung äwer ut vullen Halſ' an tau lachen:„Nu bitte ich Einen um Alles in der Welt! Schenkt der kleine verdrehte Kerl einer jungen Dame ein paar weiße Mäuſe! Na höre, Kopernikus! Ein Roſenbouquet wäre wohlriechender geweſen.“— Gott ſei Dank! denk ik ſo bi mi, de Sak is em blot ſpaßig, un üm em in ſinen luſtigen Tog tau hollen, ſegg ik: „„un kik mal, wo de beiden Beiſter in mine Keinruß⸗ Schachtel utſeihn worden ſünd!““ un wiſ' em dat Pre⸗ ſent, wat nu as dull in dat Muſ'paleh herümmer fohren ded un mit ſine griſe Jack de annern tau grugen makte. De Kapteihn wull ſik ümmer dod lachen; äwer de Ko⸗ pernikus was ſo gräun worden as Gras un dreihte ſik von ſinen Muſkaſten af un lep ut de Dör, de grad upſlaten was, un röp:„Und wenn ich einer Dame etwas ſchenke, ſo geht das Keinen was an!“—„„Keinen was an?““ ſäd de Kapteihn.„„Keinen was an?““ un lep, nu ok in Arger, achter em her.„„Mich gehts was an, und Du weißt es, daß es mich was angeht; und ich leid's nicht, daß Einer dieſe Dame in ſolche lächerliche Geſchichten hinein bringt.““— So ſuſen ſei denn Beid' an Don Juannen un den Erzbiſchoff vörbi, de ok grad in de Friſtun'n gahn ſünd; de Kopernikus — 186— ſtracks nah Smidt Grunwaldten ſine Theertunn, wil dat hei dat in't Gefäuhl hadd, dat em de Gall wed⸗ der äwertreden was, un wil hei ſik doch nah dat af⸗ blitzte Muſ'preſent nich vör Aurelia'n ſeihn laten kunn; de Kapteihn graden Wegs nah de lütte Lind', wo hei up un dal tau gahn anfung, grad as en blagen Löwen, denn bi dat gaude Weder hadd hei den Griſen mit de ſäben Kragen affmeten un gung in en blagen Rock, un tau ſine ſtille Palſtaheri fehlte em hüt de Andacht. Don Juan un de Exrzbiſchoff fragten mi denn nu, wat paſſirt wir, un ik vertell ehr de Muſgeſchicht un dat de beiden Frün'n ſik vertürnt hadden. Dat was denn nu Ol up den Erzbiſchoff ſine geiſtliche Lamp, ſin Beraup was Freden tauſamen ſtiften, un hei makte ſik nu alſo glik an den Kapteihn un fädelte ſine Sak mit allgemeine Redensorten in:'t gew tweierlei Min⸗ ſchen in de Welt, ſäd hei, Mannsminſchen un Fru⸗ gensminſchen, un unſ Herrgott hadd ſei beid in de Welt ſet't, dat ſei för enanner paſſen ſüllen; männig⸗ mal paßten ſei ok ſo ſchön as Stülp tau en Pott, äwer männigmal wull ſik de Paſſung abſlutemang nich finnen; männigmal kek ſik de Pott nah'ne Stülp üm, an de kein Minſch dacht hadd. Hir höll hei in un kek den Kapteihn ſo recht mit Mitled in de Ogen, un ſin kahle Kopp fung noch ihrwürdiger an uttauſeihn, as för gewöhnlich. De Kapteihn kek em ok an; äwer— wi geſeggt— as en blagen Löwen. De Erzbiſchoff äwer, ahn ſik im Geringſten tau fürchten, fohrte in ſine Red' un in ſin Bild furt: ja, ſäd hei, un wenn Einer nu Pott — 187— un Stülp, de nich tauſam paßten, mit Gewalt tauſam bringen wull, denn gung dat ahn Sprüngen un Hart⸗ boſten nich af, un dorvör müßt ſik Jedwerein in Acht. nemen, un hei, de Erzbiſchoff, gew em, den Kapteihn, den Rath, hei ſüll den Pott, den hei ſik utſöcht hadd, Pott ſin laten, un hadd ſik de Pott'ne anner Stülp utſöcht, denn ſüll hei de Stülp Stülp ſin laten.— De Kapteihn hadd em wildeß mit ümmer grötere Ogen anſeihn, un as de Erzbiſchoff ſine Pott⸗ un Stülpen⸗Red' mit de letzte Stülp taudeckt hadd, fohrte de Kapteihn up den ihrwürdigen Herrn los un— der Deuwel hal!— hadd hei Hor up den Kopp hatt, hei wir em dorinne fohrt, ſo kreg hei em äwer in dat lange Arwſtück von väterlichen Paletoh tau faten un ſchüddte den geiſtlichen Herrn up de weltlichſte Wiſ' dorin hen un her:„Was ſagſt Du da? Was ſagſt Du da?“— Je, wat ſüll de Erzbiſchoff nu anners ſeggen? So in de Klemm kamm hei mit de Wohr⸗ heit herute: em kem dat ſo vör un Jedwerein von uns wüßte dat jo ok, dat de Kopernikus ok en Og' up Aurelia'n ſmeten hadd, un wenn hei nah de Anteiken urtheln ſüll, denn ſeg ſei mihr up den Kopernikus, as up em, den Kapteihn, obſchonſt de Kopernikus lütter un lang nich ſo ſtatſch wir. Dat was noch en Glück för den Erzbiſchoff, dat hei em dat ſo buh un bah! in't Geſicht ſeggen ded, denn de Kapteihn würd ganz ſtiw, let den brunen Paletoh los, kek den Erzbiſchoff ahn allen Utdruck in de woll⸗ meinenden Ogen, ſäd mit velen Utdruck:„Du Schafs⸗ — 188— kopf!“, ſmet en langen, bittern Blick up Aurelia'n ehr Finſter un ſuſ'te an mi un Don Juannen vörbi un ſo in de Kaſematt herin, dat ik denk: Na, dit geiht all⸗ meindag' nich gaud. Awer achter em her kamm de Erzbiſchoff, hadd de Hän'n äwer den brunen Paletoh folgt, dreihte mit de Dumen un ſach ſo fram ut, as Gottswurd, wenn't in brun Kalwledder bunnen is.—„Er weiß es nun,“ ſäd hei,„ich habe es ihm geſagt.“—„„Was ſagte er denn?““ frog ik.—„Geſagt hat er eigentlich nichts; er war im Ganzen ſehr ruhig und ſagte zuletzt blos: Du Schafskopf!“—„„Ja,““ denk ik ok:„„Du Schapskopp!““ un lop nu nah unſre Kaſematt, üm mi nah den Kapteihn ümtauſeihn. Dor ſatt hei, hadd den Kopp in de Hänn ſtüt', en witten Bagen Poppir vör ſik un ſchrew dorup mit allerlei ſchöne Zügen; denn dit ded hei ümmer, wenn hei in grote Unrauh was. Ik kamm nah em ranne: „Kapteihn!“ Hei hürte mi nich; ik kek äwer ſine Schul⸗ ler, dor hadd hei mit dütſche Baukſtawen ſchrewen: „Freund“; dorunner ſtunn mit ſchöne latinſche Schriſt: „mein beſter Freund!“ un wider dal mit Fraktur: „mein beſter Freund hat mich verrathen!“— „„Kapteihn!““ raup ik wedder— hei hürt nich; un as ik mi nu ümwen'n un rathlos in alle Ecken rüm⸗ kik, dunn ſeih ik dor nicks, as luter witte Müſ'!— „„Wat's dit?““— — 189— Kapittel 18. Wo de Müſ' utwannern, un de Herr General den Kopernikus achter dat Geheimniß kümmt. Worüm Herr Bartels üm Gotts Willen dat Mul hadd hollen ſüllt, un de Herr Erzbiſchoff ok. Worüm ik'ne Anſtellung as Richter in Leiwsſaken krig, de mi ſtats Sporteln un Ihr blot'ne Taß Koffe un Hunnlohn in⸗ dröggt. Un worüm ſik den Kapteihn ſine Großmaud an en ſwarten Kledrock un en preuß'ſchen General breckt. Nu hadd dat Krätending von Kopernikus, as em de Kapteihn äwer den Hals kamm, in ſine Verlegen⸗ heit vergeten dat Muſ'paleh tautaumaken, un ſine drei⸗ jöhrſche Muſ'heck— wat dat beſeggen will, weit Jed⸗ werein— was mit Fru un Kind ut de Arche Noäh utwannert un beſet'te nu Allens, wat faſt was, un vör Allen unſ' Kaſematt.—„Kapteihn,“ ſchreg ik,„ik bidd Di üm Gottswillen, hir ſünd all den Kopernikus ſine witten Müſ'!“— Wer denkt denn äwer ok an Allens? Mit deſe Würd' ret ik den Kapteihnen ſine Wun'n wedder bläudig, denn von de ßackermentſchen Müſ' was jo de ganze Spermang herkamen. Hei ſprung up un kek den Kopernikus ſin lüttes, wittes, frames Volk mit'ne Wuth an, as wir'ne Haud wille Dird bi em in⸗ braken, ſmet mit Stücken un Dinger nah de Unſchulds⸗ wörm, nennte ſei„ekelhaftes Ungezifer“, un denn mal lachte hei wedder höhnſchen up, wenn hei doran dachte, dat de Kopernikus an Aurelia, an ſine Aurelia, weck von dit Takel hadd taum Preſent maken wullt, un tauletzt — 190— ſet't hei ſik wedder dal un kümmert ſik üm den ganzen Krempel nich. Ik för min Part fung nu an, mi mit de ßacker⸗ mentſchen Dinger rümmer tau jagen— in de Dör wiren ſei rin kamen, dor müßten ſ' doch alſo wedder rute— je ja! je ja! hadd ik ein von dat Wormtüg herute, denn kamm en halw Dutzend friſchen Nahſchub wedder rin.— Allein kreg ik dat nich farig, ik röp alſo den Erzbiſchoff un Don Juannen, de Röck wür⸗ den uttreckt, un nu gung de Jagd los!—„Hir ſünd ſ'!“—„Holl wiß! Holl wiß!““—„Hurah! ik heww ein!“— Mit de Jagd kamm ok de Luſt äwer de Jagd, un mit de Luſt kamm ok dat Lachen äwer de Luſt, un dat olle Kaſematten⸗Gewölw ſchallte vör Luſt un Lachen, wenn de erzbiſchöfflichen Gnaden in Hemds⸗ maugen ſik as en Brummküſel herümmer küſelte un in de Ecken herümmer tründelte, oder Don Juan mit de langen Beinen unner't Bedd herute ſpaddelte, oder ik mi mit den breiden Puckel unner den ollen hochbeinten Aben faſt klemmt hadd.— Äwer'ne Luſt is up Feſtungen verbaden, un'ne Jagd irſt recht, un as Gott den Schaden beſach, un wi ſo recht in Iwer wiren, kamm Herr Bartels herin:„Das muß ich mellen. Die Schildwach hat ſchon zweimal„Ruhe da oben!“ ge⸗ rufen und hat's dem Unteroffzir gemellt, und der hat's dem du jour gemellt, und ich muß es dem General mellen.“— Na, wenn Einer midden in ſo'n luſtig Wirken is, dat is, as wenn en Strohdack brennt, dat lett ſik mit ein Emmer vull Water nich löſchen, ik ſäd — 191— alſo driſt: hei ſüll man hengahn un't mellen; un as hei Don Juannen un den Erzbiſchoff ut unſ' Kaſematt gahn heiten ded, lachte Don Juan em inrt Geſicht un makte allerlei Bubulum mit em, un de Erzbiſchoff ſet'te em mit ſine angeburne Salwung utenanner, dat de Friſtun'n noch nich tau En'n wiren, un dat ſei bi uns bliwen künnen, ſo lang', as de durten. Herr Bartels gung mit Recht wüthend von uns weg, un as hei unnen bi den Kopernikus dörchkamm, was de taurügg kamen un bedrew ok de Muſzagd, äwer nich mit Luſt, ne, in grimmigen Arger, un as Herr Bartels em ſeggt hadd, hei müßt em mellen, wil dat hei de Kaſematten mit Ungezifer beſetten ded, hadd de Kopernikus em'ne ſnodderige Redensort in't Geſicht ſmeten.— Herr Bartels gung alſo un mellte.— Un wi? Wi gungen, as wi baben farig wiren, unnen dal nah den Kopernikus un drewen dat Rewir ok af, un nu kamm de Exrzbiſchoff, de vel in ökonomiſchen Dingen verſtunn, up den geſegenten In⸗ fall, dat en Jeder ſik einen Stäwel uttrecken un in de düſtern Ecken leggen ſüll, un dat de Müſ' in de Stäwelſchächt jagt warden müßten.— Dit Middel is probat, un ik bedriw de Muſjagd noch hüt un deſen Dag ſo.. Grad, as wi nu wedder in vulle Arbeit wiren un up einen Stäwel un einen Socken herümmer hüppen deden, gung de Dör up, un de Platzmajur kamm herin: wat hir los wir, de Larm wir all up de Wach' mellt?— Ik wull em nu in'n Korten de Sak utenan⸗ — 192— ner ſetten, äwer de Erzbiſchoff drängte ſik vör, un wil dat ik wüßt, dat hei'n grot Stück bi den Platzmajur güll, let ik em ſinen Willen, denn mit en por richtige Drähn⸗ bartels is't juſtement ſo, as mit en por Tobacksbräuder, ſei verlaten ſik nich un hacken tauſam as Pick un Ledder.*) Un as de Drähnbartel von Erzbiſchoff Allens kort un klein ſnacken ded, dunn hülp em de Drähnbartel von Platzmajur ihrlich dorbi, un as dunn Don Juan ſäd: Bartels hadd mit dat Mellen ſihr Unrecht dahn, dunn *) Wo wid en por richtige Drähnbartels geraden känen un wo fir ſei vörwarts kamen, dorvon heww ik mal en ſtark Biſpill hatt.— Minen Wirth ſin Vader was ſtorben, un wil dat ik nu den Ollen gaud naug kennt hadd, un dat ok mit anſtändige Gräfniſſen ſtark Mod' in de Stadt was, ded mi min Wirth de Ihr an, mi tau de Folg' intauladen. Na, ik gung denn ok mit, un as wi den ollen Mann tau Ird bröcht hadden, würden wi in dat Starwhus rinne nödigt, dat wi dor'ne lütte Klats tau uns nemen ſüllen— blot ſo up„mir nichts, dir nichts,“ ſäd min Wirth. Na, dat geſchach.— Dor würd nu von allens Mägliche redt, blot nich von den verſtorben ollen Mann. Dicht bi mi ſatt Schauſter Pläter un Snider Drähnert un tüſchen de hadd ſik de Frag' upſmeten, wat de Swin kolt oder warm fau⸗ dert warden müßten. Sei kemen tau keinen Zweck, un as ik weggung, fungen ſei grad wedder von vörn an.— Den annern Morgen—'t was en Sünndag— gah ik nah de Kirch, un vör mi up geiht Schauſter Pläter un Snider Drähnert, un wil dat nu de Schauſter ſihr harthürig was, hür ik all von Firn, dat ſei noch bi't Swinfaudern ſünd.—„Na,“ denk ik,„de beſorgen de Sak gründlich.“— Ik kam in de Kirch, Pläter un Drähnert ſeten mi grad gegenäwer, de irſte Geſang ward ſungen, de tweite ward ſungen— bums!— ſwiggt de Ordel un de Gemein, an'ne Stimm ſchallt dörch de Kirch:„Ik ſegg: warm, Vadder! warm!“— Dat was de Snider, de den Schauſter noch mal ſine Meinung in de dowen Uhren raupen müßt. — 193— ſäd de Platzmajur: ja, hei hadd ok ſihr Unrecht dahn, un as de Kopernikus un ik grad achter'n por Müſ' her wiren, dunn möt't ſei de Platzmajur mit ſine Beinen, un ik glöw, wenn hei nich juſt den Degen an de Sid un den Fedderbuſch up den Kopp hatt hadd, hei hadd ſik mit uns up dat Muſ'gripen leggt, ſo ſihr hadd em de Erzbiſchoff von unſere gerechte Sak äwertügt. Nu lat Bartelſen man kamen! wi hadden nu den Herrn Platzmajur un kunnen em as en ſchönen Stein in't Bredd ſchuwen. ÄAwer den annern Dag kamm Bartels: de Kopernikus un ik ſüllen taum General kamen.— Na, wi gungen.— Bi den General was de Platzmajur, un Herr Bartels kamm mit uns rinne. — De olle Herr ſach verdeuwelt irnſthaft ut, un de witte Prück ſtunn em ſo krus üm den Kopp, as wenn dat unner ehr nich ſo ganz ruhig utſach.—„Sie ha⸗ ben geſtern einen ſolchen Lärm in Ihren Kaſematten gemacht,“ was de Anred'’.— Ja, ſäd ik, wi hadden blot'ne lütte Muſ'jagd hollen.—„Die Schildwache hat Ihnen Ruhe geboten, und Sie haben nicht darauf gehört!“— Dat hadden wi in unſen eigen Larm nich hürt, wi wiren dor hellſchen giftig achter an weſt.— „Sie ſollen aber keinen Lärm machen.“—„„Herr General,““ ſäd ik,„„es war'ne vollſtändige Treib⸗ jagd, und wie Sie wiſſen, geht das ohne Halloh nicht ab.““— De oll Herr vertrock den Mund en beten taum Lachen, hei was en Jäger, äwer'ne Driwjagd up Müſ' was em woll noch nich vörkamen, un ik dacht ok ſo: ſmäd Du dat Iſen man, ſo lang' dat noch Ollee Kamellen II. 13 — 194— warm is, un ſäd: de Herr Platzmajur wir doch ok dor weſt un hadd jo ſeihn, dat nicks Unrechts paſſirt wir. — De oll Herr kek den Platzmajur an, un de ſchüd⸗ delte mit den Kopp: ne, Unrechts nich;'t wiren blote Muſ'angelegenheiten weſt.— Deſe Unnerſäukung let de oll Herr nu fallen, wendte ſik äwer an den Koper⸗ nikus un frog em: Bartels hadd mellt, dat hei un de Kapteihn ümmer an de lütte Lind ſtahn deden, un hei ſülwen hadd dat ok all von ſinen Finſter ut bemarkt, wat ſei dor tau ſtahn hadden?— Dat was nu'ne häßliche Frag' för den Kopernikus, hei ſtamerte denn irſt en beten hen un her un kamm tauletzt mit de Antwurd herute:„Wegen der ſchönen Ausſicht.“— De General kek Bartelſen an, un Bartels ſäd nu ſo recht höhnſchen:„„Ja, nach die Proviantmeiſters⸗Doch⸗ ter.““—„Na, hören Sie mal!“ ſäd de oll Herr mit en groten Nahdruck tau den Kopernikus.— Hir müßt nu wat geſcheihn, dat dat Spill nich verluren gung, ik ſpelte Bartelſen alſo gradtau Trumpf in't Geſicht un ſäd: de Utſicht von de lütte Lind' wir äwer de ſchönſte up unſen ganzen Spazirweg, un Bartels, de ſünn dor man ordentlich up, dat hei wat mellen wull, unt wi⸗ ren luter unſchüllige Saken, wo hei wat rute ſäuken ded. Von de unſchüllige Muſ'geſchicht hadd ſik de Herr Platzmajur ſülwſt äwertügt; äwer hei hadd jo ok mellt, dat Ein von uns nah den Pris von'n Hiring fragt hadd, un dat wi de lütten Schaulkinner de Dagstid baden hadden.— Nu fohrte äwer de oll Herr up mi los:„Das ſoll er auch melden, das iſt ſeine Pflicht: er ſoll Alles melden, was gegen ſeine Inſtruktion iſt!“— Hadd Bartels nu dat Mul hollen, denn wir de Sak vörbi weſt, un wi wiren mit en ſchönen Wiſcher nah Hus ſchickt worden; äwer hei wull ok dat Iſen ſmäden, ſo lang' dat noch heit was, un heit was't bi den ollen Herrn.„„Ja,““ ſäd hei, „„und Sie mellen ſich man, Sie reden ümmer mit die kleine Idachechen, und wenn ich man Allens ſo ſagen wollt...“—„Zum Teufel, ſagen Sie's,“ fohrt em de oll Herr in de Parad'.—„„Ja, und die Mäuſ'geſchicht iſt ganz anders. Der Herr da hat ein paar Mäuſe in'ne Schachtel gepackt und hat die Pro⸗ viantmeiſter⸗Dochter da en Preſent mit machen wollen.““ —„Was iſt das?“ fohrt de oll Herr up den Koper⸗ nikus los.— Kopernikus, Kopernikus, dit ward ſlimm! — Awer tau gliker Tid dreihte hei ſik ok nah Bar⸗ telſen üm:„Woher wiſſen Sie das?“— Un ut Herr Bartelſen ſine Ogen ſtek de gele Voß ſinen Start herute, un ſin dämlich Geſicht würd ganz glücklich äwer ſine eig'ne Pfiffigkeit utſeihn, as hei ſtill ver⸗ gnäugt ſäd:„„Das hab' ich die kleine Idachechen ab⸗ gefragt.““— Herr Bartels, Herr Bartels, dit ward ſihr ſlimm!—„Kinderſchnack!“ fohrte de General up em los,„habe ich Ihnen befohlen, die Schulkinder auszufragen? Steht es in Ihrer Inſtruktion, daß Sie ſpioniren ſollen? Das ſollen Sie melden, was augen⸗ fällig iſt.— Und gehn Sie man nach Hauſ'“ ſäd hei tau uns;„aber das ſag' ich Ihnen, wenn die Schild⸗ wache ruft, denn müſſen Sie Ordre pariren.“ 138 — 196— Den Abend kamm de Kummandantur⸗Schriwer en beten an den Kopernikus ſin Finſter un vertellte uns mit grote Häg': Bartels wir bi uns afſett as en Bucklamm; denn dat, wat för de gemeine Nider⸗ trächtigkeit von alle Minſchen gelt, dat ſei ſik äwer't Unglück von einen Annern freuen, gelt för de Hand⸗ langers in Feſtungs⸗ un Gefangen⸗Anſtalten duwwelt. Na, de General un wi kunnen dormit taufreden ſin, denn ſtats den ſchulſchen, ewigen Mell⸗Brauder kregen wi einen ollen, gaudmäudigen Mann, de nicks hüren un ſeihn wull, un de General einen, de em nicks mellen ded.— Lewandowsky heit hei un bedrew neben ſinen Unteroffzirer⸗Poſten noch de Snideri. Ik lep nu alſo nah den Kapteihn heruppe, üm em in ſin Trübſal'ne Freud' tau maken, un vertellte em, Herr Bartels wir aſfſett. Äwer dor kamm ik ſchön an.— Bartels, ſäd hei, hadd ſinentwegen noch lang' bliwen kunnt, denn Bartels wir noch lang' nich de Legſt';'t gew vel ſlichtere Minſchen in de Welt; un wenn hei klauk weſt wir, denn hadd hei mihr up de Stein Obacht gewen, de em Bartels bi de lütte Lind' in den Weg ſmeten hadd.„Aber,“ ſäd hei wild,„es ſoll Alles ausgerottet werden aus meinem Herzen! ſelbſt die Erinnerung!“ un dormit ſprung hei up un kreg en Metz tau faten, lep nah de Dör un ſned all de Erinnerungskaren an den Dörenſtänner ut.— AÄwer, as hei dat dahn hadd, kamm'ne Weikmäudig⸗ keit äwer em, hei ſackte up ſinen Stauhl tauſamen un kek mi äwer dat preuß'ſche Landrecht weg in de Ogen, — 197— denn hei was up den vernünftigen Infall kamen, de Leiw' mit dat preuß'ſche Landrecht tau verdriwen un ſäd:„Charles, was ſollen jetzt noch Heimlichkeiten? Ja, ich habe ſie geliebt, ich habe ſie glühend geliebt; aber nicht um meinetwillen, um ihretwillen habe ich ſie geliebt, und wehe!“ hir ſchot hei äwer de Paragraphen in't Landrecht, de von de unrechtmäßige Erſitzung han⸗ deln, einen ſcharpen Blick nah mi räwer:„wehe dem Kopernikus, wenn er eigenſüchtige Zwecke verfolgt!— Wehe ihm! ſage ich, wehe!“ Un ſo blew dat bi, bet wi tau Bedd gungen. Awer wenn de Kopernikus blot halw all de Weihdag' in'n Liw' hatt hett, de an den Abend von baben äwer em kamen is, hei wir mäglicher Wiſ' tau Inſichten von ſine grote Slichtigkeit, oder ok tau ſtarken Kamellenthee kamen. Drei Dag' lang gung de Kapteihn nicht ut, drei Dag' lang was hei in't Gewäuhl; twei Dag' lang was hei giftig up den Kopernikus, den drüdden Dag ſmet hei ſik up Schr... men:„Der Hanswurſt,“ ſäd hei, wenn jem de blot von Firn in de Ogen kamm, „glanbt, weil er eine Braut hat, den Dicknäſigen ſpielen zu können.— Iſt das'ne Kunſt? wenn Einer gehen kann, wo er will?“—— Glik den irſten Dag kamm ok de Erzbiſchoff un bed em, hei ſüll mit runne kamen; hei wull nich. De geiſt⸗ liche Herr beſwur em bi Allens in de Welt, hei ſüll kamen, dat wir'ne Nothſak, de uns All angahn ded; wi müßten doch Rath hollen doräwer, woans wi uns gegen den nigen Uppaſſer tau ſtellen hadden; hei ded't — 198— nich, un de Erzbiſchoff müßt mit uns Awrigen vörleiw nemen. De ganze Nacht hadd ſik de würdige Herr up 'ne Red' tau Lewandowsky'n ſinen Regirungsantritt vör⸗ bereit't un hadd ſik de Weg' äwerleggt, de hei uns för de Taukunft vörſchriwen wull. As wi All, utbenamen de Kapteihn, üm em rümmer wiren, let hei ſine woll⸗ äwerleggte Red' los, un fung mit en„Gott ſei Dank!“ an, dat wi ut den Bartelſchen Löwenrachen erret't wiren, kamm denn up de irſte Veranlaſſung, up den Kopernikus ſin Muſ'preſent, un ſet'te hentau, dat ok ut de apen⸗ bore Durheit von einen Minſchen Glück för de annern entſtahn künn.— Hir würd nu de Kopernikus falſch, un as de Erzbiſchoff dit wohr würd, ſet'te hei in ſine Gaudhartigkeit hentau: äwer de Kopernikus hadd dat dörch ſin klaukes Benemen un dörch ſine driſten Reden vör den General wedder gand makt.— Dordörch ſtödd hei mi nu vör den Kopp, denn wat dor Klauks un Driſts redt worden was, rekente ik mi an, un as hei wohr würd, dat ik ok doräwer falſch wir, ſäd hei raſch: „Aber Charles auch!“— Dorup makte hei den Vör⸗ ſlag: von nu an af ſüll Keiner mihr an de lütte Lind' ſtahn— hir wull de Kopernikus losfahren— denn, ſet'te hei hentau, wenn ok Einer unner uns ungerechter Wiſ' mihr Friheiten hadd, as de Annern, un mit'ne Brud an den Arm gahn künn, ſo— dit kamm Schr... men ſine Philoſophi an't Mager, äwer as hei Inwendungen maken wull, winkte em de Redner mit de Hand tau Rauh— ſo, ſäd hei, wir dat vör unſ Tid verlöwt worden, un de General hadd dat — 199— verlöwt, un den General ſin Seggen un Dauhn müßte för uns dat heiligſte Geſetz ſin.„Darum,“ ſlot hei ſine Red',„beſchwöre ich Euch, lieben Brüder, ſchweift nicht über die vorgeſchriebenen Schranken hinaus, meidet den Verkehr mit unerlaubten Menſchen, dringt nicht auf heimlichen Wegen in die Häuſer hieſiger Bewohner“— hir kek hei Don Juannen an—„kurz, laßt uns dem neu angeſtellten Heryn Lewandowsky zeigen, daß wir zu gehorchen wiſſen, und er wird das Befehlen vergeſſen; vor Allem aber warne ich Euch: ſtellt Euch nicht mehr an die Linde, Ihr würdet nicht bloß den Baum, nein! Ihr würdet auch Lewandowsky in eine ſchiefe Stellung bringen!“— Awer nu gungt los! De Irſte was natür⸗ lich dat giftige Ding von Kopernikus: hei würd ſik an de Lind' henſtellen, wenn't em geföll, un wull hei den mal ſeihn, de't em wehren wull! Un Schr.... frog em ſpöttſchen up philoſophiſch: ob dor en Sinn in wir, dat hei üm ſinentwillen, den Erzbiſchoff ſinentwillen, un üm Lewandowsky'n ſinentwillen, ſine Brudſchaft up⸗ gewen ſüll? Un ik frog em, ob hei wider keine Smerzen hadd? Hei wir doch de Irſte weſt, de ſik mit en oll Wiw in en verbaden Hiringshandel inlaten hadd.— Awer dat was Allens nicks gegen Don Juannen, wo de upbegehrte.— Hei hadd ſik ebenſo gand, as de Erzbiſchoff, de Nacht hendörch all de Weg' utdacht, de hei unner Lewandowsky'n ſin Regiment wandeln wull, un de lepen meiſtendeils all in de Ställ un de Durweg' achter rüm in de Hüſer. Hei hadd eben'ne Red' an⸗ hürt, ſäd hei,„ein ſchwächliches Produkt, geboren aus — 200— der Schwächlichkeit einer geiſtlichen Natur“— denn hei drückte ſik ümmer ſihr ſauber ut, wil hei en Dichter was— äwer, ſäd hei, hei för ſin Part wir nich ut Kummandantur⸗Befehlen un Unteroffzirer⸗Inſtrukt⸗ ſchonen tauſam pappt, hei wir ut Fleiſch un Bein, un hei wir nich dortau dor, Lewandowsky'n dat Lewen be⸗ quem un ſäut tau maken, ne! hei wull ſik ſin eigen Lewen ſäut maken; un dortau, ſäd hei, wir minſchliche ümgang nödig, vör Allen mit Frugenslüd’ Un nu let hei ſik äwer deſe Annehmlichkeit widlüftiger ut un wiſ'te ſei an Biſpillen ut ſinen eigenen Lewen nah.„Und,“ flot hei ſine Red',„meine Herrn, wir müſſen Lewan⸗ dowsky'n verblüffen,„verblüffen“ iſt das rechte Wort, wir müſſen gleich in den erſten Tagen alle möglichen Extravaganzen mit der unſchuldigſten Miene begehen, damit er glaubt, daß wir ein Recht dazu haben, und im Uebrigen bin ich der Meinung, ein Jeder thue, was er will.“ Un dorin gewen wi em All Recht, bet up den Erzbiſchoff, unſ' Verſammlung ſlot grad ſo, as ſei all ſluten, wi gungen utenanner un deden All, wat wi wullen.— De Kopernikus ſtunn an de Lind', Schr.... gung mit ſin Brud, ik ſpaßte mit lütt Idachechen, un Don Juan würd von Lewandowsky'n bi de Schenkjumpfer rute halt, würd äwer nich mellt; blot unſ' geiſtliche Herr tründelte den irſten Dag as ne ſtreng geſetzliche Körbs den Spazirweg entlang, den tweiten Dag äwer ſach ik all, dat hei mit de dicke Bäckerfru äwer den Tun räwer parlamentiren ded, un den drüdden ſatt hei bi ehr up de Bänk un let ſik von A — 201— ehr ehre grote Krankheitsgeſchicht un ehren Kinnerſegen utenanner ſetten, denn as ik ſeggt heww, hei inter⸗ eſſirte ſik ſihr för ökonomiſche Angelegenheiten.— Blot min oll gaud Kapteihn ſatt in ſin Kaſematt in Gram un in Led.— Den virten Dag endlich— t was en Sünndag — ſach ik, dat hei ſik Vatermürder ümbinnen würd un dat hei ſinen nigen blagen Rock utböſten ded.— Hahal denk ik, hüt geiht hei ut!— Ja, dor hadd ne Uhl ſeten, hei gung nich ut, wenigſtens den Morgen nich. ÄAwer as wi unſ' Middageten vertehrt hadden, treckte hei ſik den Blagen an, rückte de Vatermürder en beten vör den Speigel taurecht un ſäd:„Charles, ich habe einen ſchweren Gang vor mir, willſt Du mich begleiten?“— Ja, ſäd ik, wohen hei ok ümmer gahn wull, ik wull em ümmer tau Hand ſtahn; äwer nu wir de Dör unnen noch tauſlaten.—„Wir gehen blos runter zum Kopernikus,“ ſäd hei un gung.— Leiwer Gott, dacht ik, wat dit woll ward! un folgt em. As wi unnen dal kemen, was dat Krät grad dorbi un makte ſik Koffe; de Kapteihn gung ſtrack un ſtramm up em los, höll em de Hand hen un ſäd:„Kopernikus, wir ſind ſechs Jahre lang ehrliche Freunde geweſen, ſind wir das noch?“—„„Ja,““ ſäd dat Ding un gaww em verlegen de Hand un ſtickte ſik gräun dorbi an.—„Kopernikus,“ ſäd de Kapteihn wider un ſchüd⸗ delte em ſo recht truhartig de Hand,„haſt Du etwas dagegen, daß Charles Zeuge unſerer Unterredung wird? Ohne daß wir weitläuftig darüber geſprochen hätten, — 202— weiß er, worum es ſich handelt; er ſoll Richter ſein zwiſchen mir und Dir.“— Dor heſt Du en gauden Poſten kregen! dacht ik bi mi, wo dit woll warden deiht? Un ik denk: Täuw'! denk ik, ſallſt dat Krät en beten weikmäudig maken, de Kapteihn is't all, un tüſchen weikmäudig Lüd' geiht Allens glatter. Un ik gew em ok min Hand hen un kik en⸗ mit alle mägliche Weihleidig⸗ keit in dat gräune Geſicht; dunn ritt ſik dat Ding los un ſpringt nah ſinen Koffepott hen un röppt: de kakte em äwer! un hei wull noch friſchen Koffe upſchüdden, un denn wullen wi hüt Nahmiddag recht ſchön Koffe tau⸗ ſam drinken, un de Kapteihn ſüll ut'ne lange irdne Pip Toback dortau roken. Nu bidd ik Einen üm Gotteswillen! üm'ne Pip Toback was doch de Kapteihn nich herkamen, un üm 'ne Taſſ' Koffe giwwt doch Keiner'ne Aurelia upl— De Kapteihn ſäd alſo ok ſihr kolt:„Laß das! Ich will Dich blos fragen: liebſt Du Aurelien?“— Süh ſo, nu ſatt dat Krätending dor un ſüll Hals gewen, un nu wull hei nich.— Awer de Kapteihn was up den rich⸗ tigen Weg, un hei let nich locker:„Ich frage Dich,“ ſäd hei,„liebſt Du Aurelien?“—„„Ja,““ ſüäd endlich de Kopernikus.— Dat was äwer den Kapteihn nich naug, kunn em ok nich naug ſin, denn wenn hei ſik dor⸗ mit begnäugt hadd, wir de Sak ut de Welt weſt, un up ſo'ne Wiſ''ne Sak ut de Welt tau bringen, dat is jo binah, as wenn't Kind in de Weig' ümbröcht ward; hei frog alſo noch indringlicher:„Liebſt Du Aurelien mit all der Innigkeit, mit der ich ſie geliebt habe?“— — 203— Dat was nu'ne dämliche Frag' von den Kapteihn, wo kunn de Kopernikus weiten, wo deip ſei em ſatt; ik ſäd alſo ok as Richter in de Sak: de Frag' dürwt hei nich ſtellen, denn dordörch ſet'te hei den Kopernikus blot in Verlegenheit. Un ik denk noch ſo bi mi: na, dor heſt Du Dinen Poſten mal gaud verwacht!— Je ja, je ja! dunn ſpringt dat Ding von Kopernikus up mi los un fröggt: wat ik dormang tau reden hadd? ſei wullen ehr Sak allein utmaken; un de Kapteihn ſeggt: dorüm hadd hei mi nich mitnamen, dat ik ſei utenanner brin⸗ gen ſüll.— Na, dat treckt mi denn nu ok eklich an, un ik frog denn, wat ſei ſik ſtats mi nich leiwer den Erzbiſchoff raupen wullen, de wüßt jo Allens taum Gauden tau kihren, oder ok Don Juannen, de wüßt jo mit Leiwsangelegenheiten am beſten Beſcheid.— Dat wullen ſei äwer all Beid' nich, un ik würd nu ok ſtein⸗ pöttig un ſet't mi dal un drunk Koffe un rokte Toback un denk: lat't Ding ſinen Lop. De Kapteihn hadd nu äwer in de drei Dag', de hei allein ſeten hadd, ſik einen in allen Kanten faſten Plan utdacht, un. hei was en tau gauden Militör, as dat hei ſinen Find ſlippen laten ſüll, un wenn de Kopernikus Sprüng' nah rechtſch un linkſch maken ded, gung hei em ümmer wedder driſt tau Liw' mit de Frag':„Liebſt Du ſie mit all der Innigkeit, mit der ich ſie geliebt habe?“ — Nu kunn de Kopernikus nich wider retüriren, hei müßte ſik ſtellen: Dat wüßt hei nich, ſäd hei, wo wid de Kapteihn in de Leiw' herinne geraden wir, bet an den Hacken oder bet an dat Hart; hei wüßt blot, dat — 204— hei fülwen dat Mäten liden müggt, un dat hei eben ſo gaud wir, as jeder Anner.— Dunn let de Kapteihn den Hall'ſchen Flügelmann von't tweite Glid los un let em ſchappiren un gung mit groten Schritten up un dal un ſäd:„Das war Dein Glück! Die Antwort rettet Dich! Hätteſt Du dieſe Frage mit einem einfachen„Ja“ beantwortet; ich hätte Dich für einen Lügner anſehen müſſen, denn ſo wie ich ſie geliebt habe, kannſt Du ſie nicht lieben.“—„„Nicht?““ röp de Kopernikus un ſet'te ſoen verwogen Geſicht up, as wull hei wedder mit fleigende Fahnen un Standarten in de Slacht rücken. „Herre Gott!“ röp ik dormang,„nu makt äwer Freden! De Sak is jo nu vörbi, nu kamt her un drinkt Koffe!“ —„Schweig, Charles!““ röp de Kopernikus;„„was haſt Du darin zu reden?““—„Ja, ſchweig Charles!“ röp ok de Kapteihn,„nun kommt erſt die Hauptfrage.“ — Na, dacht ik, ditmal un nich wedder! Wo gahn ſei mit ehren Richter in Leiwsſaken m!—„Kopernikus,“ frog äwer mit einmal ruhig un kolt de Kapteihn un richtete ſik ſteidel vör em in de Höcht:„Willſt Du Aurelien heirathen?“— As nu äwer dit ſwore Geſchütz von Frag' unverſeihens achter'n Barg rute kamm un em in de Flanken fot, treckte de Kopernikus Fahnen un Standarten in un wull ſik heimlich ut den Stohm maken, äwer de Kapteihn ſchot ümmer wedder mit de Frag' up em los:„Willſt Du ſie heirathen?“— Na, ik was woll verdreitlich wegen de Behandlung, de ſei mi as Richter hadden taukamen laten; äwer bi deſe Frag' müßt ik doch nu ludhalſ' lachen:„Kapteihn,“ ſäd ik,„dat is jo mines Wiſſens de allerletzte Frag', un de leggt Einen jo irſt de Preiſter an'n Altor vör.“— „„So?““ ſäd de Kapteihn un kek mi von baben dal an,„„ſo?— Nu, dann laß Dir ſagen, ich ſtehe hier auch gleichſam als Prieſter, denn bevor ich an dies ernſte Werk gegangen bin, habe ich mein Theuerſtes als Opfer dargebracht.— Und dann laß Dir ſagen, daß dieſe Frage wohl am rechten Orte iſt, denn der Koper⸗ nikus kann ſie zu jeder Zeit beantworten; er iſt homo sui juris, er iſt majorenn, ſeine Eltern ſind todt, er hat Vermögen und hat ſein Auskultatoren⸗Examen ge⸗ macht.““—„Un ſall noch fiw un twintig Johr ſitten,“ ſäd ik.—„Das geht Dich nichts an,““ ſäd de Kopernikus,„„ſorge Du für Dich ſelbſt! Du haſt ſelbſt noch fünf und zwanzig Jahr.““—„Ja,“ ſäd de Kap⸗ teihn,„Du kannſt nicht heirathen, denn Du haſt ja noch nicht das Auskultatoren⸗Examen gemacht. Jeder Auskultator im preußiſchen Staat kann heirathen, d. h. wenn er Vermögen hat; ich hab's nicht, aber Kopernikus hat es, und darum ſoll er heirathen— ich ſage: er ſoll heirathen, und wär's auch erſt nach fünf und zwanzig Jahren.“— Un hir fung taum irſtenmal bi den ganzen Handel ſik in den Kopernikus ſine Boſt wat von Begeiſterung an tau rögen un ganz gräun gaww hei den Kapteihn de Hand un röp:„„Und ich will heirathen!““— Un de Kapteihn ſlot em in de Arm un küßt em baben up den Kopp, denn an den Mund kunn hei wegen den Kopernikus ſine korte Verſtiperung un wegen ſine krumme Näf' nich gaud ankamen, un reckte — 2062— den einen Arm in de ganze Welt un röp:„Und hiermit entſag' ich allen meinen Rechten!“— In deſen Ogenblick müßt dat nu grad paſſiren, dat Aurelia an unſe Kaſematt vörbi gung, an'n Sünndag⸗ nahmiddag en beten ſpaziren. Snubbs wendte ſik de Kapteihn af, un gung hinnen nah de Kaſematt rin; hei was en Mann von Ihr un von Wurd; de Kopernikus ſtellte ſik an't Finſter un kek ſin niges Eigendaum nah, un ik ſatt dor as't föwt Rad an'n Wagen un hülp mi mit Koffedrinken ut de ſlimme Lag'; denn alle Beid' hadden ſei en Haß up mi ſmeten, as wir ik Schuld an all de Qual; äwer ſo mag dat woll all de Richters gahn.— Ik wull nu doch äwer ok nich ſo von minen Poſten afgahn, ahn dat ik mi wat marken laten ded, ik ſäd alſo:„Ja,“ ſäd ik,„wir dat nu woll nich gaud, dat wi ehr“— un ik wiſte ſo äwer de Schuller ut dat Finſter rute—„dat wi ehr, minentwegen dörch de lütt Iding, tau weiten kamen leten, wat wi hüt hir äwer ehr utmakt hewwen, denn Ji mägt nu ſeggen, wat Ji willt, mit in de Geſchicht rinne hüren deiht ſei doch.“ — Dunn fohrte de Kapteihn hinnen ut de Kaſematt herute un ſäd, dorvon verſtünn ik nicks, tau Kinnerkram un Apoſteldräger wir de Sak nich anleggt, de Kopernikus müßte den negſten Sünndag en ſwarten Kledrock un witte Hanſchen antrecken un müßte bi den Papa mit paßliche Würden üm de Dochter anhollen.— Nu ſmet ſik äwer de Kopernikus up min Sid un ſäd: hei hadd äwer keinen ſwarten Kledrock.— Denn müßt hei ſik einen von den Erzbiſchoff borgen, de hadd — 207— einen.— Ne, ſäd de Kopernikus, dorför bedankt hei ſik, denn dorin würd hei utſeihn as de Hiring in'n Rockluhr. —„Ja,“ ſäd ik,„un wat würd de General dortau ſeggen?“— Dit verblüffte den Kapteihn, hei wüßt ogenſchinlich keinen Rath wider!„„Oh!““ röp hei, „„wenn Ihr ahntet, was mir dieſe That gekoſtet hat, und ſie ſoll an einem Leibrock und an einem General ſcheitern!““ Dormit gung hei wedder in dat hindelſt En'n von de Kaſematt un ümmer up un dal.— Nah'ne Wil kamm hei ſtill nah uns ranner:„„Charles,““ ſäd hei,„„komm!““ un dorbi wiſchte hei ſik de kollen Sweit⸗ druppen von dat blaſſe Geſicht; ik kloppte min Pip ut, un wi gungen nah baben.—— Kapittel 19. De Philoſoph vertürnt ſik mit den Kapteihn wegen den Begriff „Liebe“, mit Don Juannen wegen Pauluſſen, mit den Erzbiſchoff wegen de Waden un mit mi wegen unſen leiwen Unkel Dambach. Worüm ik tau den General up de Parad' müßt, un worüm de Kopernikus nich mit de Rotten in de Dackrönn ſpaziren gahn wull. Dat was dat En'n von den einen Roman, un nu füll de anner anfangen. Äwer ihre de losgahn ſüll, müßt irſt de Sommer vergahn un de Spätharwſt kamen un wil deſe Tid wiren wi gor nich in ruhige Taufredenheit, obſchonſt de Gegen⸗ buhleri von den Kapteihn un den Kopernikus vullſtännig uphürt hadd; denn min oll ihrlich Kapteihn höll Tuck; mit keinen Blick ſtröpte hei nah Aurelia'n räwer, mit — 208— keinen Faut peddte hei in ehre Fauttappen, un för ſinentwegen ſtunn de Pal an de lütte Lind' grad as en Licht.— Äwer—— hei hadd en ſtillen Haß up Schr... men ſmeten, hei kunn em nich vör Ogen ſeihn, wil dat de dat farig kregen hadd, wat hei nich farig kregen hadd, nämlich'ne Brudſchaft.— Sei vertürnten ſik denn ok bald, un tworſt äwer den Begriff„Liebe“. — De Philoſoph was allmählich dörch ſine lütte, nüd⸗ liche, pummliche Brud up en Begriff von„Liebe“ kamen, den min brawe Kapteihn in ſine Ritterlichkeit un ſine Opferſtimmung unmäglich för den richtigen annemen kunn.„Er iſt trotz aller precieuſen Redensarten ein ſinnlicher Selbſtſüchtling,“ ſäd hei un gung den Philo⸗ ſophen ut den Weg'. Mit Don Juannen was de Philoſoph glik in de irſten acht Dag' äwer den Faut ſpannt; ſei wiren ſik einanner an den Dichterwagen führt.— As Schr.... tau weiten kreg, dat Don Juan ok in ſin Fierabend⸗ ſtun'n en beten up Pegaſuſſen ſpaziren riden ded, hadd hei em ſinen höchſten Trumpf— Pauluſſen— entgegen⸗ ſpelt, üm em von vörnherin tau verblüffen.— Nu hadd äwer Don Juan en ſihr ſchönes Lid makt nah de Me⸗ lodi:„Morgenroth! Morgenroth!“'t fung äwer taum Unnerſcheid mit den Abend an:„Hesperus! Hesperus! Bring dem Liebchen Gruß und Kuß! u. ſ. w.“ Un wil hei nu en ſchönen Baß un vele Liebchens hadd, de hei all mit Grüß' un Küſſ' unner de Ogen gahn müßt, ſtimmte hei dit alle Abend an, ſo drad ſik ſin Breiw⸗ dräger, de Abendſtirn, an'n Hewen ſeihn let. Wi hürten — — 209— denn andächtig tau, denn Geſang is en Artikel, de is ror up de Feſtungen; hewwen dat Lid äwer mindag' nich bet tau En'n tau hüren kregen, denn wenn hei ſo recht mit Grüß' und Küſſ' üm ſik ſmiten un de Stimm dorbi erhewen ded, röp de Schildwacht ümmer:„Ruhe da drinnen!“— Na, dit Gedicht ſtek hei nu up Schr... men ſinen Trumpf un begung dormit nah mine Anſicht'ne grote anmaßliche Dämlichkeit. Denn wo kann Einer mit en Gedicht von drei— na, will'n ok ſeggen, fiw — Verſ' en grotes Heldengedicht von dörtig Bagen af⸗ trumpfen willen, un noch tau mit Biller? De Philo⸗ ſoph funn nu dat Richtige ok glik rute un lachte äwer Hesperuſſen, un taum Dank dorför lachte Don Juan äwer Pauluſſen; kortüm, de Gegenbuhleri was ok hir in vullen Gang', un wenn de tüſchen en por richtige Dichter utbreckt, denn is ſei ſäben un ſäbentigmal ſlimmer, as de tüſchen Leiwslüd', denn bi deſ' kann doch bi Weg' lang ok noch de Großmaud utbreken, as uns de Kapteihn wiſ't hett, bi de richtigen Dichter äwer meindag' nich.— Dat Ei was alſo von Anfang an intwei.— Mit den Erzbiſchoff hadd hei de ganze Tid lang Fred hollen; äwer as Lewandowsky'n ſin Regiment un den Erzbiſchoff ſine Bekanntſchaft mit de dicke Bäckerfru anfung, paſſirte en Stück, dat ſei ganz un gänzlich ut⸗ enanner bringen ſüll.— De Erzbiſchoff unnerhöll ſik eins Dag's up ſine gewöhnliche ihrbore Wiſ' mit de Bäcker⸗ fru äwer den Gorentun heräwer un twors von ehr Häuhner, denn as ik ſeggt heww, hei us eir för't Olle Kamellen. II. — 210— Skonomſche; un de Bäckerfru klagte em, dat ſei nah ehre grote Krankheit ſo ſihr ſtark un kumplett worden wir, dat ſei nu nich ſülwſt mihr nah den Hauhnerwim ruppe kamen kunn, un dat de Lihrburs, de dit nu be⸗ ſorgen müßt, ehr ümmer de Eier utſöp un nahſten ſäd: de Mort hadd't dahn.„Ja,“ ſäd ſei,„Sei glöwen gor nich, wat dat för'ne Laſt is, wenn Einer ſo utenanner geiht, as en Weitendeig;— un natürlich is dat nich!“ ſet'te ſei hentau.— Nu was de Erzbiſchoff ümmer vull Mitgefäuhl bi allerlei minſchliche Leiden, hei wull de arme Bäckerfru alſo tröſten un ſäd: doräwer füll ſei ſik keine griſen Hor waſſen laten, denn hei wull doch leiwer — nu gung grad de Philoſoph achter em vöräwer un hei kek ſik üm— hei wull doch leiwer up en por dägte Waden in de Welt rümgahn, as up en por Stöcker, up de ſik Keiner för en Sößling Zyrup von en Kop⸗ mann tau halen trugte— un dorbi kek hei mit Ver⸗ gnäugen ſin eigen Unnergeſtell an un mag jo ok woll den Philoſophen ſin dorbi anſeihn hewwen— wat weit ik?— Genaug, de Philoſoph dreihte ſik üm un ſäd: „So ein Klotz!“— Dat Wurd ſmet hei em ſo— baff! in dat Geſicht un dat in Gegenwart von de dicke Bäcker⸗ fru, de hei grad äwer ehr Vülligkeit tröſten ded. De Erzbiſchoff ſet'te alſo ſine geſun'n Pal in Be⸗ wegung un ſo achter den Philoſophen ſine Stöcker achter drin, un, as dat nich anners ſin kunn, de Pal würden de Stöcker Herr un grepen ſ' ſik.— Un nu würd dat einen häßlichen Strid tüſchen de Stöcker un de Pal, un as wi Annern doräwer taukemen, ſäd de olle gaudmäu⸗ — 2411— dige Erzbiſchoff: hei för ſin Part vergew em den Ut⸗ druck„Klotz“, ſo vel chriſtliche Beſinnung hadd hei, obſchonſt dat en infamen Utdruck wir— äwer hei hadd dormit ſo baff üm ſik ſmeten, un de Utdruck künn ok äwer den Tun flagen ſin un künn de brave Bäckerfru, de jo noch kumpletter wir, as hei ſülwſt, bet up't Blaud beleidigt hewwen, un de arme Fru hadd ſo wie ſo ehre grote Laſt tau dragen; hei verlangte alſo, de Philoſoph ſüll de Bäckerfru Afbidd dauhn!— Natürlich! Dat kunn hei jo nich!— Un de beiden geſunnen Pal un de beiden drögen Stöcker ſünd meindag' nich wedder tauſamen kamen. Nu blew den Philoſophen blot noch de Kopernikus un ik tau de Unnerhollung up den Spazirgang, un de Kopernikus was gor nich tau reken, denn de ſtunn blot ſpaziren an de lütte Lind', un tau'ne Unnerhollung hadd hei kein Tid nich; alſo ik was't allein, an den hei ſinen Haken anſlagen kunn.— Äwer't durt ok man ſo lang, as't duren ſüll.— Eins Dags kamm hei nah mi ranne un vertellt mi, dat wir nu afmakt, hei wull ſin Brud nah ſinen Vader ſchicken, dat ſei noch mihr Bildung kreg.—„Wo?“ ſegg ik,„Du heſt jo doch nu all twei Johr Bildung mit ehr drewen, hett ſei noch nich naug?“—„Ne,““ ſeggt hei,„„de Fomilien⸗ bildung fehlt ehr noch.““—„Na, denn man tau!“ ſegg ik.—„„Ja,““ ſeggt hei;„„äwer't is mi tau wid afgelegen,““ ſeggt hei,„„ik müggt ſei doch af un an mal eins bi mi ſeihn.““—„Verdenk ik Di gor nich,“ ſegg ik.—„Un deßwegen,““ ſeggt hei,„„müggt ik mi 14* — 212— von hir weg nah S.... verſetten laten, wil dat up de Neg' is.““—„Dauh dat nich!“ ſegg ik,„ik weit dor Beſcheid, dat Brod, wat Di dor backt ward, kenn ik.“—„„Langwiliger as hir kann't ok nich ſin,““ ſeggt hei.—„Dat nich,“ ſegg ik,„äwer verdreitlicher.“— „Wo ſo dat?““ frog hei.—„Je,“ ſegg ik,„kannſt Du en uprichtig Wurd verdragen?“—,„Ja, dat kann ik.“—„Na,“ ſegg ik,„denn willk Di man ſeggen, Du ſteihſt in keinen beſondern Geruch bi all unſ' Kammeraden von wegen de Unnerſäukung her, un as wi hir herkemen, hewwen wi uns dat Verſpreken gewen, dat wi Di dat nich fäuhlen laten wullen. Nu heſt Du hir äwer allerlei Bubulum anfungen un heſt Di mit Jedwereinen ſeparat vertürnt, un dor warſt Du ok von Dine Nücken nich laten; äwer de Ort, de dor ſitt, de kenn ik; mit Pauluſſen küämmſt Du dor nich dörch, un Keiner will von de Philoſophi wat weiten, deſto beter hewwen ſei äwer noch Unkel Dambachen un Berlin in't Gedächtniß, un ſei künnen Di mit allerlei Fragen un Anſpelungen unner de Ogen gahn, un denn ſetſt Du dor as de Pogg up't Glattis.“— Ik ſäd dit in de wollmeinenſte Afſicht, un wil dat hei ſeggt hadd, hei kunn en uprichtig Wurd verdragen— äwer hei kunn't nich.— Hei tred en por Schritt von mi taurügg, dat hei mi ut de Fingern kamm, un ſäd dunn, indem dat hei mi von baben bet unnen beſach un tauletzt ok mine Waden— grad as bi den Erzbiſchoff— in't Og faten ded:„So ein Klotz!“— grad as bi den Erzbiſchoff. Ne,'t was würklich doch en ganz entfamten Kirl!— As hei ſik nu nah un nah mit uns Alltauſamen vertürnt hadd, ſchickte hei richtig ſinen Schatz an ſinen Ollen, un hei kamm för ſik üm Verſettung nah S.... in, un't gelung em; äwer vörher makte hei uns dor noch en Stück, wat uns unſ' Hauptvergnäugen, den Spazirgang, binah gänzlich verleden un mit den ollen, braven General utenanner bringen ſüll. Was dat nu pure Rach', oder was dat dat häßliche Gefäuhl, wat hei hadd, wenn hei ſo allein ahn allen Verkihr mang uns rümmer gahn füll, kortüm, hei gung nah den ollen Herrn un bed em, wat hei nich up de anner Sid von dat Wagenhus ſpaziren gahn künn. Worüm? frog de oll Herr.— Anſtatt nu de Wohrheit tau ſeggen, dat hei mit uns Alltauſamen up Karangzett ſtunn, ſäd hei, up unſen Spazirweg güngen em tau vele Minſchen, ok männigmal Frömde, de uns niglich ankeken, un hei müggt ehr nich taum Ulenſpeigel deinen.— De General gung dorup in un ſet'te hentau, denn ſüllen wi von jitzt af Alltauſamen dor gahn. Wi ſüllen alſo unſen ſchönen Spazirweg verlaten, wo de Sünn ſo ſchön warm ſchinte, wo wi doch Minſchen tau ſeihn kregen, un wo Jedwerein von uns all ſinen lütten pläſirlichen Haken anſlagen hadd, un ſüllen dorför uns achter'n ollen groten Kaſten von Hus mang Kugelhümpel verluſtiren, wo nich Sünn noch Man ſchinen ded, un wo wi keinen Minſchen tau ſeihn kregen, as Lewandowsky'n, un dat blot, wil de Philoſoph flichte Waden hadd— denn dat was ſin Hauptarger.. Nu was denn äwer unner jeden ſinen Ketel tau — 214— ſcharp unnerbött worden, un ſei kakten all äwer; blot minen ollen Kapteihn ſin Ketel, de rögte ſik nich, unner em legen ſwart un düſter de dodigen Kahlen von ſine verbrennten Hoffnungen, un de fungen kein Füer, denn ſei müggten woll von männige heimliche Thran natt ſin. Awer bi uns Annern dor ziß'te un ſuſ'te dat man ſo: Kopernikus ſüll Aurelia'n verlaten, ik de lütte Idachechen, Don Juan ſin Schenkjumfer un de annern All, un de Erzbiſchoff ſine dicke Bäckerfru, un as de Platzmajur kamm un uns de nige Verordnung anſäd, dunn brok't los, un vör Allen was ik wedder ſo dämlich, dat Mul am widſten uptauriten: dat ded ik nich, ſäd ik, dor güng ik nich!— Wat? ſäd de Platzmajur, dat ded ik nich! De General hadd dat Recht, hei künn uns en Spazirgang anwiſen, de em geföll.— Dat wüßt ik, ſäd ik, äwer mi ſtünn ok dat Recht tau, dorvon Gebruk tau maken oder nich; ik würd hir blot vör de Wach up un dal gahn, oder ik würd ganz in mine Kaſematt bliwen.— Dat wir Wedderſetzlichkeit!— Dor ſeg ik de Sak anners an, antwurte ik, wi kemen up de Ort mit unſen Spazirgang von't Pird up den Eſel, un ik höll dat för'ne Straf, un de hadd ik nich verdeint! —— Dat was'he grote Dämlichkeit von mi; na, dat ſegg ik jitzt, ik bün nu ſo vel äwer föftig, as dunn äwer twintig, äwer led dauhn deiht mi dat hüt un deſen Dag noch nich, dat ik ſo redte, denn ſüs hadd ik woll kein Gelegenheit hatt vull intauſeihn, wat för'n ollen prächtigen Minſchen unſ' oll General was. T müggten woll en acht Dag' vergahn ſin, dat ik mit den Kopernikus— denn de was eben ſo dull as ik un wull ok nich hohaliren— vör de Wach up un dal gahn was, as ik nah den General up de Parad' kummandirt würd.— Dor ſtunn hei nu mit ſinen witten Fedderbuſch mang all de ſwarten un ſwart un witten Fedderbüſch, un as ik ranne kamm, gung hei up mi tau un ſäd:„Herr, warum opponiren Sie ſich gegen den Kommandantur⸗Befehl?“— Nu ſtunnen de Herrn Majurs un Kapteihns un Leutnants üm em rüm un keken mi All mit nigliche Geſichter an, un dat makt Einen in ſo'ne Lag' hellſchen empfindlich; ik ſäd alſo trotzig: achter't Wagenhus güng ik nich ſpaziren.— Nu fohrt de olle Herr denn hellſchen up un frog, ob ik nich wüßt, dat hei de Kummandant wir un dat ik tau gehorken hadd, wenn hei befehlen ded?— Ja, ſäd ik, äwer dit ſeg ik för'ne Straf' an, un ik wir mi nicks bewußt, wodörch ik de verdeint hadd.— Ne Straf' ſüll dat nich ſin, ſäd hei, un ſin Haſt hadd ſik all leggt; weck von min Kammeraden hadden üm deſen Spazirgang beden, un dorüm hadd hei em anbefahlen. — Dat künn man Einer ſin, de dorüm beden hadd, un de habd wohrhaftig nich dorbi in'n Sinn hatt, uns en Gefallen tau dauhn, ſäd ik.— De olle Herr kek mi an, winkte dorup Lewandowsky'n un ſprok mit den afſid un kamm dunn wedder ran un ſäd:„Ich werde mich darnach erkundigen, Ihnen gebe ich indeſſen den Rath, ſich meinen Befehlen zu fügen; und das ſagen Sie dem Andern auch.“— Dor meinte hei den Koper⸗ nikus mit.—„Und nun können Sie gehn.“ — 216— So, nu was' noch grad ſo, as't weſt was; blot ſo vel wüßt ik nu doch, de olle Herr hadd dat nich in böſe Afſicht dahn; hei hadd Schr... men dormit en Gefallen dauhn wullt, un wer weit, wat de em vör⸗ ſnackt hadd.— Ik ſäd denn dit nu ok Allens den Ko⸗ pernikus; äwer dat Krät bruſte glupſchen up un ſäd: hei gung dor nich, hei ded't nich.— De Erzbiſchoff kamm doräwer tau un höll uns'ne lütte Predigt, wo⸗ rin hei ſchön utenanner ſetten ded, de General künn uns befehlen, wi ſüllen in de Dackrönn von't Wagen⸗ hus oder up de Faſt ſpaziren gahn, un wenn ſik bi deſe Gelegenheit de Hälft von uns dat Gnick afſchöt, denn kreih'te in Berlin nich Hund noch Hahn dornah. — Sinentwegen, ſäd de Kopernikus, künn de Erzbiſchoff mit de Rotten in de Dackrönn ſpaziren gahn, hei güng nich up't Wagenhus un nich achter't Wagen⸗ hus.—„Je,“ ſäd ik,„Kopernikus, mi kümmt den Erzbiſchoff ſine Predigt gor nich ſo dämlich vör, denn wat hei hir ſeggt, hett hei blot as en Glikniß ſeggt. Denk doch äwer mal nah M.... taurügg, wat ſo'n General all tauſteiht. Hett uns General Graf H.... ok nich up de Däker ſpaziren gahn laten, wuil em dat mäglich tau fri was, ſo hett hei uns doch up Meß⸗ kulen gahn laten, un de Hälft von uns is dorbi tid Lewens ungeſund worden, un wecke Hund un Hahn hadd in Berlin dornah kreiht, wenn heitt ſik nich tau rechte Tid entſeggt hadd?— Mi dücht, wi gahn achter't Wagenhus, de Oll het't nich bös meint.“— De Kopernikus wull nich.— Ik kreg em bi'n Arm: — 217— „Kopernikus,“ ſegg ik,„denk doch an Aurelia!“— „„Das iſt es ja eben,““ fohrt hei herute.—„Ih gebe Dir Brief und Siegel,“ ſegg ik,„je eher Dich der General zwiſchen den Kugelhaufen ſieht, deſto eher ſiehſt Du Aurelien wieder.“— Dit ſlog dörch, un den Nahmiddag gung ik mit den Kopernikus Arm in Arm mang de Kugelhümpel ſpaziren. Dat was en eklich Gefäuhl för uns Beiden, un de Anſtifter von deſe Verdreitlichkeit kreg grad nich de fründlichſten Geſichter tau ſeihn, wenn hei an uns vörbi gung. Ik heww deſe Geſchicht blot vertellt üm nahtau⸗ wiſen, wo oft un wo unſchülliger Wiſ' en Minſch in ſo'ne Lag' ſik wat gefallen laten möt, un dat bi en gauden Kummandanten, von de legen gor nich tau reden.— Dat hadd ik mi nich gefallen laten! ſeggt hir Männigein, ik hadd't nich dahn!— Na, denn wir wi von't Feg'füer in de Höll kamen.— Ja, Ji wir't äwer in Jug' Recht.— Ach, du leiwer Gott! Mit dat Recht hadd wi nu all ſo lang' Bekanntſchaft makt, uns verlangt nich wider dornah— un wat füllen wi denn dauhn?— Uns beſweren bi't Kammergericht in Berlin?— Denn hadden wi de tröſtliche Antwurd kregen, t blew Allens ſo, as't beſtimmt wir, un unſ' olle brave Kummandant hadd mäglicher Wiſ' en Wiſcher kregen, dat hei uns mihr Erlaubniſſen gew, as dat Kammergericht taugeſtahn wull.— Un dat verdeinte de olle Herr nich! Dat verdeinte hei üm uns nich! Twei Dag' wir de Kopernikus un ik up den nigen — 218— Spazirweg gahn,— de oll Herr kunn uns von ſin Eckfinſter ut ſeihn— dunn let hei ſik Lewandowsky'n raupen, un as de nah uns taurügg kamm, vertellte hei uns ganz heimlich, de oll Herr hadd em fragt, wat dat nich de lütte gele Hallenſer un de obſter⸗ natſche Meckelnbörger wiren, de dor ſpaziren güngen, un as hei„ja“ ſeggt hadd, hadd hei't Finſter taumakt un hadd wat in den Bort brummelt.— Den annern Morgen kamm de Platzmajur mit ſinen Fedderbuſch un Degen un makte uns den Kummandantur⸗Befehl be⸗ kannt:„Die Staatsgefangenen, ſo und ſo, und ſo und ſo, ſollten wieder den alten Spaziergang bis zu der kleinen Linde in der Nähe des Waſſerthors benutzen.“ — So hadden wi denn nu wedder, wat wi wünſchten, un de oll General was en braven Mann.— Ach, wat würd Graf H.... mit uns upſtellt hewwen?— Awer deſe Mann was all colonnel bi den Kaiſer Napoleon weſt, hei hadd in Spanjen un Rußland ſin Ding'n dahn, hei hadd gegen Dütſchland fechten müßt, — dorför kunn hei nich, dorför kunnen de Fürſten— un up de velen Slachtfeller un ut dat gruglichſte Elend hadd hei ſik en minſchenfründlich Hart bewohrt, un in dit ihrlich Hart was kein Platz för de Erbärmlichkeiten un Jämmerlichkeiten, de annere Kummandanten gegen uns utäuwen deden.— Kirls, de in jene ſchöne Fre⸗ denstiden Kummandanten würden, wil ſei nich en Re⸗ giment kummandiren kunnen, Kamaſchenhingſte, de ehre Seligkeit dorin funnen, de Inſtruktſchonen von ehre Vörgeſetzten bet up den Baukſtaben uttauführen, dat 1 8 4 — 219— wiren de, de uns ſchinnen deden; äwer Lüd' as deſe Mann un as de Oberſt B.... in Gl...„ de ſik wat verſöcht hadden un wüßten, wo't hergung in de Welt, de hewwen uns meindag' nich ſchurigelt.— Un noch hüt un deſen Dag freut ſik min Hart, wenn't ſo'n ollen witten Snurrbort tau ſeihn kriggt, dörch den de Wind von Anno drütteihn mal weiht is— mag't nu General oder Kapperal weſen. För Schr... men was deſe letzte Kummandantur⸗ Befehl ſihr fatal, denn hei müßt nu wedder as Ulen⸗ ſpeigel dor rümmer lopen, bet hei denn tauletzt glück⸗ lich verſett würd. Hei reiſ'te af, un ik heww em meindag' nich wedder ſeihn. Nu kamm ne ruhige Tid,'t was Winter worden, 'ne lütte Ümkateri hadd ſtattfunnen: de Kapteihn was mit ſinen lütten Hallſchen Fründ tauſam treckt, un ik hadd den Franzoſen as Stubenkammeraden kregen, de uns ut Berlin nahkamen was. Kapittel 20. Ik gew mi mit den Franzoſen in de Menage. Worüm den Fran⸗ zoſen ſin Hals för Arwtenſluſen tau fin, un worüm de Roddog ok en Fiſch is. Zipollen un Lurbeerbläder verdarwen kein Ge⸗ richt. Worüm de Fürwarksleutnant von C.... mi mit en blan⸗ ken Degen tau Liw' geiht, un de Franzoſ' mi dat heite Fiſchwater äwer den Kopp ſtülpt. Von't bairſche Bir un von't Lüttjedünn. Z... oder de Franzoſ', as wi em näumen deden, was, as ik all früher vertellt heww, en groten, ſtaat⸗ ſchen Kirl; äwer von de Behandlung in M.... was hei krank an ſinen Geiſt worden.— Statt em nu fri tau laten, hadden ſei em nah Berlin in de Schariteh ſchickt, un von dor kamm hei tau uns— was äwer nich heilt. — Hei hadd ſik inbildt, hei künn prophenzeihn, un dorbi blew hei un ſatt Stun'n un Dag' lang un läd ſik Korten un ſlog in den Virgil un de Bibel de Pagina's up un dachte ſik allerlei Tügs dorbi.— Na, üm em nu up annere Gedanken tau bringen, makte ik em den Vörſlag, wi wullen uns ſülwen kaken, unft gung ok richtig los.— Tüften würden köfft, un dor ſeten wi denn un ſchellten ſei in ein von unſ' ſihr rein utgeſpäulte Waſchſchötteln; äwer de Franzoſ' was nich dortau tau krigen, ehr ordentlich de Ogen uttauſtecken; up unſen Vörbähn lag en ganzes Sortiment Suppen⸗ krut in Sand inpackt;'ne Sammlung von grote un lütte Pött ſtunn bi den Aben rümmer— glik tau Hand— denn in'n Aben würd kakt, un blot de Obergerichte, tau de vele Kunſt un Uppaſſung hürt, würden, as ſikt hürt, up en Füerhird vörkregen. Mit grote Koſten würd'ne bleckerne Bifſtück⸗Maſchin anſchafft un Allens, wat dor⸗ tau ſin möt; blot dat Fleiſch fehlte uns ümmer, wil dat nich gaud antauſchaffen was. So gung't denn nu in'n Groten los, un't Kaken ſüll ümgahn; wi loßten, un den Franzoſen drop't Loß.— So lang hadd ik ümmer den Koffe makt, nu müßt de Franzoſ' em maken; hei gung ok an't Wark, ſchüddte Koffe baben up, ſtickte Füer unnen an, verget äwer dat Water intaugeiten un ſmölt'te ut den Klempner Löffen in Berlin ſin ſchönſtes 3 — 221— Kunſtwark den Bodden ut.— Dat was de Anfang von unſ' Geſchäft.—„Franzoſ',“ frog ik,„heſt Du Di all mal mit dat Kakgeſchäft bemengt, oder doräwer nahdacht, oder dorbi mal tauſeihn?“—„„Wo ſo?““ frog hei.—„Na, ik mein man,“ ſegg ik,„ob Du all mal kakt heſt, oder ob Du mal in en Kakbauk ſtudirt heſt, oder ob Du ok man blot mal'ne richtige Käkſch, de in ehren Fach gebildt is, en beten äwer de Schuller ſeihn heſt?“— Kakt hadd hei noch nich, ſäd hei, mit Kakbäuker hadd hei ſik ok nich afgewen, äwer gebildte Käkſchen hadd hei all oft naug äwer de Schullern ſeihn— un hei nennte mi'ne ganze Reih, luter franzöſche Namen. —„Je,“ ſegg ik,„all Dine Madelons un Louiſons un Scharlottons känen uns hir nich helpen, hir heit dat,„ſülwſt is de Mann,“ trugſt Du Di en richtig Suppeten taurecht tau kaken?“—„„Ne,““ ſäd hei. —„Na,“ ſegg ik,„denn will'w dat ſo maken; ik will kaken un't Geſchirr inklarren, un Du makſt dat wedder rein, ſmittſt mi äwer kein Pött intwei, denn de warden Di an't Lohn aftreckt; dat Tüftenſchellen un Suppen⸗ krutputzen is gemeinſchaftliche Arbeit, wil ſei in'n Ganzen ſihr pläſirlich is un ſik dorbi en Wurd ver⸗ tellen lett.“ Nah dit Awereinkamen gung denn nu de Kakeri los.— Ik hadd noch en ſchönes Stück Mal⸗Linnen, wo ik mine irſten Verſäuke mit luter echte Oelfarben upmalt hadd, dat namm ik mit de verſchiden Geſichter un Böm un Blaumen, de dorup ſtunnen, as Schört un bunn ſei mi mit en por Bindfaden hinnen tau⸗ — 222— ſamen, un dunn gungt los:„Franzoſ', mak mi mal deſen Pott rein— ganz rein.— So!— Nu giww mi mal de Arwten her!— Schapskopp, de nich; de ingequellten dor baben up den Aben!— So!— Nu hal mal en por dröge Spöhn taum Anbäuten!“— Min oll Franzoſ' ded Alles:„„Was kochſt Du für Erbſen?““ frog hei,„„dünne oder dicke?““—„Fran⸗ zoſ',“ ſegg ik,„nu willk Di ein för allemal wat ſeg⸗ gen!— De Pöttenkikeri kann k nich liden. Süh, Du deihſt Din Ding'n, un ik dauh min Ding'n, un wenn't Eten farig is, denn kümmt'tt up den Diſch, un denn ettſt Dut.“— Min Arwten wiren wunderſchön, ik hadd en gaud Stück Speck anſteken, äwer trotzdem kau'te de Franzoſ' dor ümmer ſo hoch up.—„Wat heſt Du?“ frag ik. — Je, ſeggt hei, em kemen ſo vel Sluſen mang de Tähnen.— Na, dat müßt mi jo denn doch argern: „Wo?“ ſegg ik;„Du heſt jo en verdenwelt finen Hals, wo nich mal'ne Arwten⸗Sluſ' dörchkamen kann.— Meinſt Du, dat wi hir in’n Vullen lewen, un de Arwten⸗Sluſen in den Drank ſmiten känen?— Wi hewwen jo nich mal en Swin, den't tau Gaud kamen kann.— Un kik hir! Einen Daler un acht Gröſchen; dor ſälen wi virteihn Dag' von lewen, de kän wi doch nich glik den irſten Dag utgewen, un wenn Di de Sluſen tau ſtruw ſünd, denn ſchaff mi irſt en Tämſ' an.“ Na, dat hülp; in de negſte Tid ſäd hei ok gor nicks, äwer ik kakte ok ümmer ſchönes Eten, un dorbi kamm mi dat hellſchen tau Paß, dat dat grad in de nüchterne Kalwertid was, un dat wi grad an'n Dur wahnen deden, denn dor hadd ik de ſchönſte Gelegenheit ſo'n halwes nüchternes Kalw rinne tau ſmuggeln— up de Feſtung was noch Mahl⸗ un Slachtſtüer— un dat ded ik oft, denn ik köfft ſo vel as mäglich ümmer in'n Groten.— En halw Kalw koſt'te dunntaumalen acht Gröſchen, wenn't ſmuggelt was, un wenn ik denn up minen Vörbähn ſo'n halw Kalw baben hängen un unnen en Schepel Tüften liggen hadd, denn freu't ſik min Hart ordentlich, un ik kamm denn rinne in de Kaſematt un ſäd:„Franzoſ, för ditmal verhungern wi noch lang' nich!“— Dit hadd nu ümmer in alle Sporſamkeit un Nohr⸗ haftigkeit ſo furt gahn kunnt, wenn de Franzoſ' kein Leckertähn weſt wir; äwer ſo geiht hei mal de Alleh hendal, un en hübſch Mäten kümmt, un hei fröggt, wat ſei in den Korf hadd?„Karpen,“ ſeggt ſei,„ſchöne Ruhrkarpen!“— Nu ſtiggt em de Giwwel nah Karpen up, un hei föllt mi in min Geſchäft— denn de Kaſſ' un den Inkop hadd ik— un köfft de Karpen för en grot Stück Geld.— JIk ſtah grad mit den Füerwarks⸗ Leutnant von C....„ den ik malt hadd un de uns oftmals beſöchte— denn unſ' oll General hadd gegen ſo wat jitzt gor nicks— un vertellt em grad von unſe vorzügliche Kakinrichtung, as de Franzoſ' ankümmt un von mi Geld ut de Kaſſ' för ſinen Karpenhandel verlangt, na, ik betahl alſo un dauh dorbi ſo, as wenn Karpen en ganz gewöhnlich Gericht för uns wir— wer will ſik ſo'n Leutnant gegenäwer ok'ne Thimothee gewen? —„Karpen?“ fröggt de Leutnant.—„„Ja,““ ſegg ik,„„Karpen! Mägen Sei girn Karpen?““— Nu fangt hei denn von Karpen en Strahl an tau ſingen, un dat hei ſik mal krank dorin eten, äwer nu ſid vir Johren kein mihr tau ſeihn kregen hadd, un ik kann nich anners: ik nödig em tau Middag, denk äwer noch ſo bi mi:„Na, täuw, för't Kranketen will'k Di woll en P vörſchriwen.“— Hei nimmt dat an, un ik gah nu ruppe un will unſ' Karpen kaken— natürlich in Bir. As ik baben kamm, frag ik:„Franzoſ', wo ſünd de Karpen?“—„„Hir in Din Waſchſchöttel!““ ſeggt hei. — Ik gah ranne un bekik mi de Dinger, un de Arm ſacken mi an den Liw' dal:„Dat nennſt Du Karpen?“ raup ik.—„„Ja,““ ſeggt hei,„„Ruhrkarpen!““— „Na,“ ſegg ik,„ik nenn't Roddogen,“ un kik de Krea⸗ turen in ſtille Wuth an: irſt dat grote Stück Geld dorför tau betahlen un ſik denn babenin noch vör'n königlich preuß'ſchen Füerwarksleutnant mit Roddogen blamiren!„Glik löppſt de Dirn nah un lettſt Di dat Geld wedder gewen,“ ſegg ik,„un denn ſegg man den Leutnant, hei ſüll man wo anners eten, mit de Karpen wir dat Eſſig,'t wiren Roddogen worden; un dat Du man ſeggſt, Du wirſt doran Schuld, dormit de Däm⸗ lichkeit nich up minen Schalm kümmt.“— Na, dat wull hei nu nich, un ik ſach dat ok in: dat was tau vel verlangt, un ik äwerlegg mi dat wider un ſegg endlich:„Na,“ ſegg ik,„wat tau maken is, ſall makt warden, un wenn'ne Roddog' gaud kakt ward, denn is Roddog' ok en Fiſch.— Franzoſ',“ ſegg ik,„min leiw' Franzoſ', nu paß ok recht up, wat ik Di ſeggen will, ſüh, nu ſnid ehr irſt all de roden Flotten un den Swanz af, denn de verraden uns taum irſten, un denn rit ſei up, un dat Ingedäum leggſt Du mi hir up deſen Töller, un bileiwe nimm Di mit de Gall in Acht, un denn ſnid ſei in ganze lütte Stücken, dat dat utſüht, as wir't en koſtbor Gericht, von dat nich vel mit einmal gewen warden kann; ik will noch fixing henlopen un will noch allerlei Gewürzen inköpen, wi willen den Leutnant en ſchönen blagen Dunſt vör de Ogen maken.“— Jk lop; äwer as ik up de Trepp bün, krig ik dat wedder mit'ne Angſt, un ik kam taurügg un ſegg:„Franzöſing!“ ſegg ik un ſtrak em eins äwer,„nimm Di jo mit de Gall in Acht!“— Na, hei verſprok dat ok, un ik lop nah den Kopmann un köp in:„Ne Buddel Birle—„„Echtes Bair⸗ ſches Bir?““ fröggt hei.—„Ne,“ ſegg ik,„ſäut Bir.“—„Süs, ik heww ok ganz kaptales Bair⸗ ſches,““ ſeggt hei.— Je,'t was hüt'ne Gelegenheit dortau:„Na,“ ſegg ik,„denn gewen S' mi ok man glik drei Buddel Bairſches, un denn för'n halwen Sülwergröſchen Nägelken, för'n halwen Sülwergröſchen engelſch Gewürz, för'n halwen Sülwergröſchen brunen Honnigkauken un en por Lurbeerbläder tau.“— Na, ik krig dat ok all, de vir Birbuddeln lett hei mi von ſinen Jungen hendragen, un ik gah mit'ne ganze Göps vull Lurbeerbläder achter an.—„Wat heſt Du dor?“ fröggt de Kapteihn.—„„Lurbeerbläder,““ ſegg Olle Kamellen. II. 15 ik,„„wi eten hüt Karpen.““—„Karpen?“ fröggt Don Juan,„ik weit gor nich mihr, wo de Ort ſmeckt.“ —„Je,““ ſegg ik,„„Kinnings, ik wull Jug girn in⸗ laden, äwer't langt nich, denn wi hewwen hüt all den Füerwarksleutnant von C... tau Middag.““— Nu kamm de Erzbiſchoff ok an, un as de von Karpen hürte un de Lurbeerbläder ſach, ſäd hei: dat ſeg hei, ik verſtünn de Sak, Lurbeerbläder hürten dortau, un dunn kek hei uns all indringlich an un ſäd:„Und das merkt Euch, Lorbeerblätter und Zwiebeln verderben kein Gericht.“ Blot wat Backels⸗Kram wir, as Pottkauken un Pudding, ſäd hei, dor müßt mit deſe Saken ſpor⸗ ſam ümgahn warden.— Na, as ik weggah, freu ik mi denn, dat ik mit den Erzbiſchoff ſine Anſichten ſo äwerein ſtimmte, denn hei verſtunn vel von't Okonomſche: un as ik baben ruppe kamm, was de Franzoſ' mit ſine Geſchäften all prat, un hei hadd ok nah mine Meinung Allens ſihr ſchön un hadd ok Füer anmakt, ik treckte mi alſo den Rock ut, bunn mi mine bunte Schört vör un tred an den Füerhird, denn dit Gericht was en Obergericht, un't gung mit em in den Aben abſlutemang nich. Ik ſtröpte mi de Ärmel up un nu kunn't minentwegen losgahn. Unnen in den Rägen, wil dat hei ſüs nich gor ward, denn'ne Schicht Solt un Zipollen un nu üm⸗ mer Roddogen un Solt un Zipollen un Solt un Roddogen un Zipollen, bert all was.— As min Fiſch äwer halw gor wiren, raup ik den Franzoſen un ſegg: „Nu ſtellſt Du Di hir bi mi her un deihſt mi Hand⸗ reikung, denn för Einen allein is de Sak nich an⸗ 1 dahn.“ Un dormit geit ik dat Fiſchwater af, un hei möt mi'ne Schöttel dortau halen. Un as it dormit prat bün, ſegg ik:„So nu hal dat Bir!“— Dat deiht hei denn ok, un ik geit dat äwer de Zipollen un de Fiſch un lat dat upkaken un ſmit nah'n lüttes Bedenken min Gewürzen un minen Honnigkauken an un ſtah nu blot noch mit mine Göps vull Lurbeerbläder dor. Vel wiren't; äͤwer de Erzbiſchoff hadd ſeggt: Zipollen un Lurbeerbläder verdarwen kein Gericht; ik hadd dägt Zipollen anſmäten, alſo müßten ok dägt Lurbeerbläder an, un ſo ſtreu ik denn min Göps vull rinne.—„So,“ ſegg ik,„Franzoſ', nu de Botter!“ „„Von de friſch?““ fröggt hei,„„oder von de vll2—„Meinſt Du,“ ſegg ik,„dat för de ollen Roddogen unſ' olle ſchöne Botter nich gaud naug is?⸗ — Na, hei bringt ſei, un de Botter was ſihr ſchön, denn ik hadd ſei von Hus ſchickt kregen, un ſei was in min Vaders Hus ſülwſt makt worden;z äwer vör en halw Johr.— Um min Sak gaud tau maken, ſtek ik denn alſo ok einen unverantwurtlichen Stich dorvon in den Pott— denn en Ketel hadd wi nich— un ik ſtunn nu dor un täuwte ruhig min Sak af, denn min Ding'n hadd ik dahn, un wat dortau hürt, was richtig rin kamen:„So,“ ſegg ik,„Franzoſ', wat wi nich an de Fiſch hewwen, warden wi an de Sauß hewwen.“— Un nu ſtahn wi dor, un ik freu mi äwer den ſchönen Geruch, de ut minen Pott ſtiggt, un hei ſeggt: „Nu fünd ſei gaud.“—„Ne,““ ſegg ik,„„noch fünd ſei nich gaud: Roddogen möten lang kaken.““— 15* — 228— Un deſe Vörſicht hett mi mäglicher Wiſ' dat Lewen reddt, denn grad nu kamm de Leutnant an, un wil hei irſt dörch unſ' Käk müßt, nemen wi em dor in Empfang, un de Franzoſ' makte de Honnürs un näumte em ümmer„Herr Kammrad“, denn hei ſülwſt was ok Leutnant bi de Landwehr weſt, un ik wull doch ok dat Minige dauhn un mak an den Füerhird ümmer ſo'n verſchraten Diner: un ik freute mi ſihr, un dat wir doch nett von em, dat hei Wurd hollen hadd; un bi de Gelegenheit kamm ik mit mine ßackermentſche Schört von Oellinnen in dat Füer un ſtah ok in'n Ogenblick middwarts in helle Flammen. De Leutnant— dit ſeihn— de Gefohr inſeihn— denn hei was Füer⸗ warksleutnant un müßt dat weiten— treckt den Degen blank un fohrt mi mit dat ſpitze Ding tau Liw', un de Franzoſ' kriggt de Schöttel mit dat heite Fiſchwater tau faten un gütt mi dat— ſwabb!— äwer den Kopp.— Gotts ein Dunner! wo was mi tau Maud'! — zwer de Leutnant hadd richtig mit den ſtumpen Degen den Bindfaden dörchfidelt, un min Käkenſchört föll mit min Anfangsgrün'n in de Oelmaleri vör mi dal, un ik ſprung dorup herümmer un grep mit de Hän'n bald unnen un bald baben, un hadd ik nich vörher in Bedenken mit de Lurbeerbläder ſtahn, un wir de Roddog' nich ſo'n tagen Fiſch taum Kaken, denn wir dat Fiſchwater noch kakend weſt, un de Fran⸗ zoſ' hadd mi afbräut as en Kapunhahn. Dorüm ſegg ik, Bedenken is bi jeder Sak gaud, un wir't ok man'ne Roddog'.— Ik kamm ditmal mit — 229— en por Blaſen up de Knei, mit'ne verbrennte olle Hoſ', mit en halw afſengten Bort un mit niderträch⸗ tige Koppweihdag' von wegen dat heite Fiſchwater dor⸗ von af, un't kamm blot von de Awerleggung her. Na, äwer den Brandſchaden wiren nu äwerſten min Fiſch vergeten un kakten ümmer ſtill vör ſik hen. un as nu de Franzoſ' den Leutnant rinne nödigt hadd, ſäd ik tau mi:„Na, wenn ſ' nu nich mör ſind, denn warden ſ' ok nich.“— Ik nem alſo den Pott von't Füer un ward de Stücken rute fiſchen un krig tauirſt en Kopp— ſchön mör! wohrhaftig ſchön mör.— Ik will doch ok mal probiren, wo de Sak utfollen is, ik pöll mi alſo en Spirken von den Kopp af— ſchön mör! äwer gallenbitter!—„Ne!“ ſegg ik,„up den Minſchen, den Franzoſen, is doch gor kein Verlat, nu hett hei mi de ſchönen Köpp gällt, na, täuw! Dorför ſallſt Du ſ' ok beid alleiner upeten!“— Ik grawwel nu mit minen Lepel wider in den Pott— luter Kräu⸗ mels! De ganze Geſchicht was tau Grütt kakt!— „Ja, dat kümmt dorvon her!“ ſegg ik,„ik ſegg em, hei ſall ſei lütt ſniden, un nu ſnitt hei ſ' in luter lütte Finzel!“— Tauletzt un tauletzt fiſch ik noch en por Swänſ' rut, de wiren noch heil, wil unſ' Herrgott de Roddog' in'n Swanz mit ſihr faſte Graden er⸗ ſchaffen hett.—„De ſälen för den Leutnant,“ ſegg ik, „dor kann de Gall nich ankamen ſin.“ As dat Gericht nu up den Diſch ſtunn, rök't recht apptitlich un't ſach ok ſo ut, un dorbi kemen mi de velen Lurbeerbläder ſchön tau Paß, denn de hadd ik — 230— baben upleggt, dat de Grütt nich tau ſeihn was.— Dormit dat hei mi nu nich achter dat Geheimniß kamen ſüll, läd ik ſülwen vör un ded ſo, as wenn ik ſihr beſorgt wir, dat hei ok dat richtige Stück kreg.— „Au'n fetten Karpen,“ ſegg ik,„is de Swanz dat beſte Stück; un dat ſälen Sei hewwen!“ ſegg ik un legg em richtig de beiden Swänſ' up.— Hei kickt mi an, as wenn em dat ganz wat Niges wir, un mi was't ſülwſt ganz wat Nig's; äwer ik ſlog den Dummen an den Hals. — De Franzoſ' kreg tau Straf den Kopp.— Ihre ik nu ſülwſt anfung tau eten, wohrſchugte ik ſei denn all Beid', wo ſei ſik woll hadden.— De Franzoſ' et up ſinen Kopp düchtig los; äwer de Leut⸗ nant ſned ſnurrige Geſichter un kau'te verdeuwelt hoch up den Swanz.— Ja, denk ik, kan Du man! Dat ſünd de Graden, un för de kann ik nich, ik heww de Roddogen ok nich makt.— Nu fang ik denn ok an tau eten— Gotts ein Dunner!— gallenbitter!— nich blot de Fiſch— ne! de Sauß!— Still, man nicks ſeggen!— Ik et alſo driſt drup los un, üm mi nich tau verraden, fang ik an tau nödigen:„Herr Leutnant, villicht en por Zipollen oder en por Lurbeerbläder?“ un legg em denn ok en Hümpel Zipollen un Lurbeer⸗ bläder up den Teller, dat hei mit de letzt Ort ſinen ganzen Krigsruhm bekränzen kunn.—„„Ich danke! ich danke!““ ſtamert hei,„„ich bin gar kein Freund von Lorbeerblättern, ſie ſchmecken gar zu— bitter— pikant, wollte ich ſagen.““— Un nu ſchot mi dat Bladd, nu gung mi en Licht up; von de ßackerment⸗ — 231— ſchen Lurbeerbläder kamm de ganze Strengigkeit in den Ge⸗ ſmack, un dor was Keiner wider an Schuld, as de dämliche Erzbiſchoff mit ſinen dämlichen Rath un de Gaudmändig⸗ keit von den Kopmann, de mi ſo vele Lurbeerbläder tau⸗ gewen hadd.— Ik was dor nich an Schuld un de Franzoſ' ok nich; ik hadd em mit dat Gällen Unrecht dahn, ik füll em alſo noch en por Lepel von min Grütt up un ſegg: „Franzoſ’, nahſten möt ik Di Afbidd dauhn.“— Hei et ok ümmer förfötſch dorin furt; äwer de Hauptperßohn, de Leutnant, auſte mit Fingern un Tung' un Tähnen in den Mund nah Graden rümme, dat ik denk: de wir gaud bitt Nahharken in ſo'n korten Gaſten tau bruken. Äwer dunn mit einen Mal kamm mi Rath: de Düwel möt mit den Düwel verdrewen warden. Wenn Du nn ſo mit Din Bairſches Bitterbir vörrücken dedſt, mäglich, dat denn in Verglik mit dat Bitterbir Din Fiſch ſäut as en Nätkarn ſmecken künnen.—„Na,“ ſegg ik,„nu will'n wi äwer doch ok tau unſ' Karpen en ſchön Glas Bairſches drinken!“ gah hen un ſchenk Jeden en Seidel in.—„„Merkwürdig!““ ſeggt de Leutnant,„„mein Bier ſieht viel heller aus, als das Ihrige.““—„Ja,“ ſegg ik,„wohrhaftig!— Dat is doch merkwürdig,'t is all von einen Kopmann.“— De Leutnant ſet't ſin Seidel an, ſet't äwer glik wedder dal:„„da iſt auch der Hopfen dran geſpart,““ ſeggt hei.— Sall denn hüt Allens verkihrt gahn? denk ik. Din Bir ſmeckt doch hellſchen bitter, un ik nem den Leutnant ſin Glas:„Erlauben Sie mal!“— Leiwer Gott! Nu was dat Lüttjedünn. Nu was dat dat Fiſch⸗ — 232— bir, un de Franzoſ' hadd'ne Buddel Bairſch Bir an de Fiſch gaten.— Na, nu was't jo All klor!— De Roddogen, de Zipollen, de Lurbeerbläder, nicks was doran Schuld, blot de Franzoſ' un dat Bairſche Bir! — De Franzoſ' hadd taum Glücken ut ſin Glas noch nich drunken, ik ſchow dat den Leutnant hen, un ſet'te den Franzoſen dat Lüttjedünn vör.— Da drink' Du man!— Jk nödigte nu noch ümmer tau min Fiſch; äwer Keiner wull, un as endlich tau mine Freud de Kaſematt upflaten würd, gung de Leutnant un bedankte ſik höflich för dat ſchöne Middageten. Kapittel 21. De Franzoſ' ward unbeſcheiden. Wat'ne Hoſ ok tau en Käken⸗ inventor tau reken is? Worüm ik nah Muttern gah, beit mit Kodillg' ward un as en Schauſtermeiſter ut de Dör gah. Worüm 'ne Nachtmütz tau Gottes Finger warden kann. Dat ik ok mal 's Nachtens in de Tacken von en jungen Plummenbom ſeten heww, un woans en Minſch taum Börnkalw warden kann. Nu was ik mit den Franzoſen allein; ik gung ſtumm in mine Blamage herüm.—„Na,“ ſeggt hei endlich un drinkt ſin Glas mit Lüttjedünn ut,„ſchön Tüg von Bir heſt Du uns äwer köfft.“—„„För Di gaud naug!““ ſegg ik.—„Wat meinſt Du eigentlich hüt Middag dormit?“ frog hei,„Du wullſt mi noch Afbidd dauhn?“—„Di Af⸗ bidd? Ok dat noch?““ ſegg ik.„„Irſt köffſt Du mi Rodd⸗ ogen ſtats Karpen up den Hals? Nahſten ſniddſt Du ſei mi in luter lütte Finzel? Un tauletzt güttſt Du mi Bair⸗ — 233— ſches Bir in't Gericht?— Du ſüllſt Di as Koch afmalen laten!““— Dat ſüll ik dauhn, ſäd hei, ik äwernem mi ümmer Saken, de ik nich wuſſen wir.— Un ſo kamm tau de Bitterkeit von de Lurbeerbläder un dat Bairſche Bir noch en bittern Strid, un as dat gegen Abend kamm, würd het unbeſcheiden un verlangte noch Abendbrod.—„Mi dücht,“ ſegg ik,„Du heſt hüt Middag gaud naug eten un künnſt hüt Abend woll mal äwerſcheiten, un ik heww mi hüt all naug an den Füerhird afextert, ur Du künnſt mi de Rauh nu woll günnen.“— Awer ne! Dor legen noch drei Eier in't Schapp, undt ſtunn dor ok noch en Teller mit Weitenmehl, un hei verlangte, ik ſüll em en Pannkauken backen. Ik hadd kein Pann, ſäd ik.— Dat güng ok in de Bifſtück⸗ Maſchin, ſäd hei.— Dor wir kein Spirtus, ſäd ik.— Dat güng ok mit Kahlen, ſäd hei.— Wi hadden kein Melk, ſäd ik.— Dat güng ok ahn Melk, ſäd hei.— „Denn back Di fülwſt weck,“ ſegg ik,„wenn Du't doch all ſo ſchön weitſt.— Un hei deiht't un rührt ſik de Eier un dat Mehl tauſam, leggt Kahlen unner de düre, nige Maſchin un rührt nu ümmer dorin rümmer, dat em ſin Kauken nich anbrennt, un ik gah dor ümmer an vörbi, ſegg nicks, ſeih äwer, dat dat luter Wrümmels warden, un denk: Na, wo dit woll möt? un bün noch ſo niderträchtig un häg' mi doräwer, dat hei mit ſinen Kaulen in'n Nettel leggt.— Nu wiren ſine ollen lütten brunen Wrümmels jo woll nah ſine Meinung gaud, un hei ſchrapte ſei ſik tauſam un drückt jo woll mit den Lepel en beten faſt — 234— up den Bodden— klack! ſäd de Bodden, un de ganze, düre Maſchin lagg in de Kahlen.—„Süh ſo!“ ſegg ik—„„Sa.““ feggt hei.—„Dat kümmt dor von her!“ ſegg ik.—„„Ja,““ ſeggt hei un kickt bald de utenanner ſmölt'te Maſchin un bald ſin Wrümmels an. —„Mit de Sak ſünd wi nu farig,“ ſegg ik,„denn de Sak geiht nich länger!“ un gah hen un hal unſt drei heilen Pött tauſam un ſtell de halwe Biſſtück⸗ Maſchin dorbi hen un ſegg:„So, nu kik Di mal unſ' Beſcheerung an! As wi vör twei Monat uns in de Kakeri begewen, künnen wi Jedwereinen mit ſäben nige Pött— dat Stück dörchſnittlich tauun gauden Gröſchen— unner de Ogen gahn; wo vel ſtahn dor nu?— drei!— de annern heſt Du All liwert, un nu de Bifſtück⸗Maſchin, un irſt min Koffemaſchin, un drei flack Teller fehlen, dat ik hüt Middag min Fiſch heww von en deipen eten müßt.“— Grütt, ſäd hei höhn⸗ ſchen, müßt ok von en deipen Teller eten warden, un wat von't Kakinventor in'’n Deinſt tau Grun'n güng, müßten wi Beid' dragen.—„Haha!“ ſegg ik,„ſo willſt Du? na, denn man tau!“ un gah hen un hal min Hoſ, de ik mi hüt Middag verbrennt hadd, un legg ſei bi de Bifſtück⸗Maſchin hen.„Denn geiht de ok ut de allgemeine Kaſſ',“ ſegg ik.— Ne Hoſ', ſäd hei, hürte nich taum Kakinventor, un dormit fung hei an up ſine Wrümmels tau kauen.— De Ort un Wiſ kunn mi denn doch nich gefallen.—„Hir,“ ſegg ik, „is unſ' Kaſſ, hir's mine dägliche Bereknung un nu kumm mit!— Hir liggt en Schepel Tüften, de känen wi deilen, un dat Suppenkrut ok; üm de drei Pött un de Bifſtück⸗Maſchin känen wi loßen, ut dat halw Kalw, wat ik giſtern köfft heww, will ik Di Dinen Part bor utbetahlen, un de Teller deilen wi uns ok. — Nu, mein ik, ſünd wi utenanner.“— Dunn kriggt hei mine unſchüllige Hoſ' tau faten un böhrt ſei in de Höcht un fröggt:„„Sall üm de ok loßt warden? denn Du heſt ſei jo utdrücklich tan't Käkeninventor rekent.““ Dat wiren nu Spitzen: ik argerte mi woll doräwer, äwer ſei makten mi faſt, mi meindag' nich wedder in 'ne vortheilhafte Kapruſch⸗Wirthſchaft intaulaten.— Von jitzt an kakte ik mi allein, denn ik hadd de drei Pött gewunnen, un hei let ſik för düres Geld ut de Leutnantskäk ſpiſen. Awer't was ok dornah; gegen mi kamm hei nich an, denn ik kakte em tau'n Arger von nu an de künſtlichſten un ſwönnſten Gerichte, un wenn hei achter ſinen Teller mit de ollen groten griſen Arwten mit'ne ſure pohlſche Sauß ſatt, denn hadd ik en ſchönes Kalwfleiſch⸗Frikanßeh, oder il hadd mi ok en Stück Hamelfleiſch mit Käm ſmurt; un wenn hei mit ſine Flintenkugeln in'n Liw' in de Kaſematt herümmerlopen ded, denn ſatt ik in alle Behaglichkeit dor un freute mi, dat mi keine Flintenkugeln in'n Liw' klätern deden. Mine Käk gaww mi ok'ne nützliche Beſchäftigung un'ne grote Belihrung, denn von ehr ut bün ik all⸗ mählich up de Chemi verfollen, un as mi de oll Herr General de Verlöwniß gaww, en por lütte nüdliche Jungs in de Wiſſenſchaften tau unnerwiſen, dunn hadd ik mit min Malen tauſamen den Dag äwer utreikende Geſchäften, un de Tid gung hen. Mit min Malen hadd ſik dat ok utſpraken, un äm Wihnachten ut kamm min oll lütt Idachechen mit'ne Empfehlung von ehr leiw' Mutting, un wat de öllſte Sweſter von Aurelia'n wir, de ſüll frigen, un wil ſei dat en beten vörnemer as gewöhnlich inrichten wull, ſüll bi deſe Gelegenheit'ne Transparent in ehre Kaſe⸗ matt anbröcht warden, un wat ik mi de Sak äwernemen wull?— Dat ded ik driſt, ſäd ik.— Na, denn ſüll ik doch den General bidden, dat ik Mutting mal beſäuken künn.— Un ik ded dat ok, un de oll Herr General ded't ok.—— Na, as dit nu bekannt würd, dunn gaww dat en Upſtand, denn dit was dat irſtemal, dat Ein von uns in en Provathus gahn dürwt, un noch dortau in dit, wo ſik all ſo vel üm dreiht hadd. De Kapteihn ſtunn lang' un kek mi an, as wull hei wat ſeggen, ſäd äwer nicks, Don Juan kamm, gratulirt mi un gaww mi männigen finen Wink, woans ik de Gelegenheit in minen eignen Nutzen verwennen künn, de Franzoſ' treckte mi an, leihnte mi en por Vatermürder, bünn ſei mi ſülwſt vör un makte mi en künſtlichen Knuppen in't Halsdauk, de Erzbiſchoff, de en por Hän'n as en por Waſchhölter hadd, un von den ſei ümmer vertellen deden, dat hei ut twei Por gewöhnliche ledderne Hanſchen ſik ein Por maken let, indem dat ümmer twei un twei tauſam neigt würden, leihnte mi en por von ſine, äwer't wiren en por wullene, utgeflüſchte, un ik dacht ok ſo: na, t is — 237— Winterdag; denn dunnmals was dat noch nich abſlut nothwennig, dat Einer, de den Finen utluſen wull, mit Schapledder an den Knäwel herüm gahn müßt.— Na, ik ſach ſtatſch naug ut, as ik in minen beſten Rock un Don Juannen ſine pohlſche Pelzmütz un de annern tauſamgepumpten Saken unnen bi den Kopernikus rinne kamm.— Dat Ding wull platzen vör Arger un Afgunſt: „Süh!“ ſäd hei ſpitz,„ik hadd nich dacht, dat Ji mit Jug' Tauſamenſcheiten ſo'n Stat updriwen künnt.“— „„Je,““ ſegg ik,„„dat ſeggſt Du woll!— Süll ik in deſen Uptog mi woll ſülwen en beten an ehr ranne ſwenken känen?““— Nu würd em äwer woll bang,, un hei bedwung ſinen Arger un ſäd:„Charles, dauh' mi den Gefallen un ſegg ehr....“—„„De Mutter?““ frog ik.—„Ne! ehr.“—„„De Brud?““ frog ik.— „Ne, Aurelia'n,“ ſäd hei verdreitlich.—„„Heſt Du ehr denn ſülwſt all wat ſeggt?““ frog ik.—„Ne!l“ ſeggt hei.—„„Na, denn ſegg ik ehr ok nicks,““ ſegg ik.„„Ik künn dor ankamen, as de Säg' in't Juden⸗ hus, denn dat Mäten kann jo noch recht gaud den ollen, braven Kapteihn in ehre bläudige Seel dragen, oder de Mutter mag jo ok woll dat för gaud inſeihn hewwen, dat ik de Paßlichſte för ehre Dochter bün, denn ſo vel ik weit, hett ſei mi un nich Di tau ſik inladen.““ Dormit gung ik ut de Dör: ſo! dor rük an! Du willſt Di äwer mine Utſtaffirung monkiren? Heww ik von Din Wormtüg von Kinnerkledaſchen all wat leihnen wullt?—— As ik nu buten tau Rum kamm, ſegen mi de Annern All recht erfreulich an, denn ik was ehr Stolz, wil ik von Jeden von ehr wat an mi drog, un as ik nu, ſihr mit min Utſeihn taufreden, de Alleh entlang gah un mi'ne Anred' an de Mutter inäuw':„Wenn ich es wage.....„— Wat was dorbi grot tau wagen?— „Wenn ich ſo frei bin....“— Ik was man nich fri. —„Wenn ich Ihren Befehlen gehorche....“— Dat was tau vel; ſei hadd mi nicks tau befehlen.—„Wenn ich Ihren Wünſchen nachkomme, ſo....“— Dunn kümmt Einer achter mi un grawwelt mi hinnen an de Rocktaſch, un as ik mi ümſeih, was't de Erz⸗ biſchoff, de mi minen buntbomwullnen Taſchendauk'ne halw Ehl ut de Taſch trecken ded.—„So,“ ſäd hei, „das fehlte noch,“ un dunn bögte hei ſik nah mi ran un fluſtert mi in de Uhren, dat Lewandowsky, de bi mi gung, dat nich hüren füll:„Es prüfe, wer ſich ewig bindet, ob ſich das Herz zum Herzen findet.... Na, Charles, Du weißt, was ich meine,“ ſlog mi mit ſine Segenshand driſt in dat Gnick:„Nu geh mit Gott, alter Junge!“ un ik was nu up mine eignen Kräfte anweſen. Lewandowsky blew buten, ik gung rinner in de Pro⸗ viantmeiſters Kaſematt.— Na, de dummſten Lüd' bugen de meiſten Tüften; ik hadd alſo dat grote Glück, Aure⸗ lia'n allein tau drapen.— As ik rin kamm, ſprung ſei von ehr Stickgeſchirr tau Höcht, un as en oll lütt nüd⸗ lich unſchüllig Mäten reckt ſei mi de Hand entgegen: „Guten Tag! guten Tag! Das iſt ſehr freundlich von Ihnen.“— De Anfang was gaud, äwer nu hadd ik de —ꝗyꝗq—— ßackermentſchen utflüſchten Hanſchen von den Erzbiſchoff an de Fingern, un de kunn ik ehr doch nich gewen, un as ik ſei endlich aftagen hadd un hadd ſei in Don Juannen ſine Pudelmütz rinne leggt, was ehr Hand all weg.— Nu hadd ik mi woll up ne Anred' bi de Mutter prekawirt; äwer up en jung Mäten was ik nich inricht't, un wenn ik ok in vergahnen Johren männig ſchöne Anred' an en jung' Mäten hollen hadd, ſo was ik up Stun'ns gänzlich ut de Äuwung mit Frugenslüd', denn ik hadd in de ſös Johr Feſtung mi blot an de Corline mit de Leckogen in S.... un hir an min oll Fru Bütow'n äuwen kunnt, un mit de kunn ik ſei doch nich äwer einen Leiſten ſlagen.— Ik ſtamerte wat taurecht un tauletzt kamm ik mit de grötſte Dämlichkeit tau Platz, de Einer utfünnig maken kunn:„Iſt Ihre Frau Mutter wohl zu ſprechen?“ ſäd ik.— Leiwer Gott! ik hadd't ganze Spill in Hän'n mit drei Matadur un de Irſten un würd beit!— beit mit Kodillg'!„„Ich will Mutter rufen,““ ſäd ſei un lep rute, un ik ſtunn nu dor un wunnerte mi, dat ik mit mine langen Uhren nich an den Bähn ſchrammte. Nu was„Mutter“ denn woll noch in hüsliche Ge⸗ ſchäften un in en Morgenrock inwickelt, ik hadd alſo Tid naug, mi wenigſtens de Anred' an„Muttern“ noch en pormal dörch den Kopp gahn tau laten, un as ſei endlich kamm, dunn fung ik denn ok an:„Wenn ich Ihren Wünſchen nachkomme, ſo..—„„Sie ſind ſehr gütig!““ ſäd Mutter.„„Sehn Sie, dies hier iſt die Niſche. Und wenn Sie ſo gütig ſein wollten, — 240— mir darin ein Transparent zu machen....““—„Ja woll! Ja ſehr gerne!“ un dormit müßt ik nu Aurelia'n den Rüggen taukihren, un de ſethte ſik nu wedder antt Finſter un ſtickte wider.—„Ja, ſehr gerne!“ ſäd ik, un ik hadd mi all vörlöpig ſo'ne Idee von de Sak makt. —„Wie meinen Sie denn wohl?““ frog ſei.— Oh, ſäd ik, ik meinte in de Midd en rechten ſchönen Altor mit Epha bewuſſen,„um die Dauer der Liebe auszu⸗ drücken,“ ſäd ik; up den Altor en brennend Hart,„um die Gluth der Liebe auszudrücken,“ ſäd ik; un äwer de Flamm en por verſlungene Hän'n,„um den geſchloſſenen Bund auszudrücken,“ ſäd ik.— Dat geföll Muttern ok ganz gaud; äwer't würd tau kahl utſeihn, meinte ſei. — Ja, ſäd ik, dat ſüll ſei mi man maken laten, üm de Geſchicht herümmer müßten noch en por Engel ſwewen, de Myrthen un Palmtwig in de Hän'n höllen un unnenwarts an de Bein mit'ne Roſengirland' ankedt wiren.— Mit dat Awrige was ſei taufreden; äͤwer mit de Engel, dat wull ehr nich in den Kopp, un't kamm binah ſo rute, as wenn ſei mi Engel nich recht tautrugen ded.— Ob wie de Engel nich weglaten künnen, frog ſei.— Ne, ſäd ik, von Engel künn ik nich afſtahn: de Sak würd ſüs tau dodig utſeihn, wat Lewigs müßt dor mang.— Na, ſei gaww ſik denn ok dorin, un as ik mi ümdreih, üm Aurelia'n doch wedder antauſeihn, dunn ſitt dat liſtige Ding dor, kickt ut dat Finſter rute, lacht äwer't ganze Geſicht, böhrt en Finger in de Höcht, nahſten en halwen, leggt en annern dor⸗ gegen un makt mit beide Hän'n allerlei Mirkens.— — 241— Dunner! Wats dit? denk ik un gah neger an't Finſter. —„Alſo meinen Sie?“ ſeggt Mutter.—„„Ja,““ ſegg ik,„„ſo meine ich,““ un kik ut't Finſter rut un dor ſtunn de Kopernikus an de lütte Lind' un makt juſtement ſoene Mirkens as Aurelia.— Hahal denk ik, Ji kikt Jug nu nich mihr blot an, Ji makt Jug nu all Telegraphen! Un ik gah noch neger an't Finſter un kik dörch de Ruten, un dunn makt mi dat Krät von Koper⸗ nikus ok'ne Telegraph tau, de ik recht gaud verſtunn, hei ſparrte de Fingern utenanner un läd de beiden Hän'n unner ſinen krummen Näthaken von Näſ' un grinte mi an:„Schrap Räuben, Charles! Dat hett Di doch nicks hulpen.“— Ik gung noch mal nah de Niſch' ran un namm Mat un dacht, ik wull noch Gelegenheit finnen tau'n recht gebildtes Geſpräk; äwer de Ollſch frog mi blot, wenn ik mit min Arbeit woll farig ſin künn.— Oh, in drei Dagen, ſäd ik, un as de Unnerhollung nu wedder in't Stocken kamm, namm ik min Pudelmütz un min utflüſchte Hanſchen, ſäd Adjüs, un as ik ut de Dör gung, hadd ik dat Gefäuhl, as wir ik en Schauſtermeiſter, de up Beſtellung arbeiten ded un de Muttern en por nige Stäwel anmeten hadd. Oh, wat was ik falſch up mi! Mine ganze Damen⸗ unnerhollung hadd ik verlihrt; all de ſchönen Redens⸗ orten wiren mi up de verſchidenen Feſtungen afhannen kamen, un hadden ſei mi as Schauſter traktirt, hadd ik mi jo as Schauſter man bedragen. Awer as ik den Kopernikus buten ſtahn ſach, dunn begehrte in mi en Trotz up: jo nicks marken laten, leiwer leigen!—„Du Olle Kamellen. II. 16 kümmſt jo ſo bald wedder?“ ſeggt hei ſpöttſchen tau mi. —„FJa,““ ſegg ik,„„wenn Du't weſt wirſt, Du haddſt jo woll glik bi'ne Antrittveſit de Lüd' den gan⸗ zen Vörmiddag up den Halſ' legen?— Ne, Gott ſei Dank! Sovel kenn ik dor denn doch noch von.““ Dor⸗ mit gung ik denn forſch an em vörbi un nah den Fran⸗ zoſen, Don Juannen un den Erzbiſchoff ran.—„Na, wie iſt's gegangen?“ frog Don Juan un de Franzoſ' kamm up mi los un treckte mi den einen Vatermürder bet rute, as wenn dat nu noch Noth wir.—„„Schön,““ ſäd ik,„„ſihr ſchön!— As ik rin kamm, ſtunn en ſchönes Frühſtück up den Diſch, un Aurelia namm mi bi de Hand un nödigt mi up den Sopha dal un ſchenkte mi en Glas Madera in.““—„Madera?“ frog de Erzbiſchoff un lickmün'nte dorbi,„ordentlichen Madera?“ —„Natürlich,“ ſegg ik;„„meinſt Du, dat ſei mi dor en Bittern vörſetten warden?— Un dor ſeten wi denn recht tauvertrulich tauſamen un kemen denn ok bald up dat Kapittel„Liebe.““—„Dat ſettſt Du tau,“ ſeggt de Franzoſ'„dortau was de Tid tau kort.“— „„Na,““ ſegg ik,„„wenn Dut beter weitſt, ſüs frag Don Juannen, ob Einer, de ſik dorup verſteiht, lange Tid dortau brukt.““ Ne, ſäd Don Juan, hei för ſin Part hadd männig Mäten binnen fiw Minuten'ne ut⸗ führliche Leiwserklärung makt, un denn wir Madera dor noch gor nich mit mang weſt.—„„Na,““ vertellte ik denn nu wider,„„un ſo ſeten wi denn tauſam; ik hadd ehr Hand fat't un drückte ſei männigmal, un ſei drückte ſei mi wedder..... 42—„Das lügſt Du!“ röp'ne ſcharpe Stimm achter mi, un as ik mi ümkik, ſteiht de Kapteihn achter uns un lickt mi mit wüthende Ogen an: „Das lügſt Du, Charles, und Du ſollteſt Dich ſchämen, daß Du auf Koſten eines braven Mädchens lügſt.“— Dat was mi nu gornich infollen, ik wull blot nich ingeſtahn, dat mi mine Damenunnerhollung fläuten gahn, un dat ik as Schauſtermeiſter ut de Dör gahn was.— „„Wo ſo?““ frog ik denn alſo ſihr verdutzt.—„Ich will's dir beweiſen!“ ſeggt hei,„komm mit!“ un ik tüffel ok richtig achter em an, denn wenn Einer ſo up friſche Daht fat't ward, denn giwwt hei ſik in Allens. „Sieh, wie abſcheulich Du gelogen haſt: Aurelia hat Dir blos guten Tag geſagt, hat dann ihre Mutter gerufen und hat kein Wort weiter mit Dir geſprochen.“ — Dunner, wo verfihrt ik mi! wovon wüßt hei dat all?— Ja, ſäd ik, ik wull em Allens ingeſtahn, wo't weſt wir; äwer hei ſüll mi ok ſeggen, wovon hei dat weiten ded.— Hei wünn ſik irſt, tauletzt ſäd hei: „Charles, Du weißt, ich bin aus einem Nebenbuhler ein Vertrauter, ja ein Beſchützer von Kopernikus's Liebe geworden.“— Dat wüßt ik nu gor nich, äwer ik ſlog den Dummen an den Hals.—„Du weißt,“ ſäd hei wider,„hier auf der Feſtung treibt ſich ein armes taub⸗ ſtummes Mädchen umher, welches in einer Anſtalt die Fingerſprache erlernt hat. Dies arme Mädchen erhält alle Sonnabend ihr Mittageſſen bei Proviantmeiſters, und der hat Aurelia ihre kleinen Künſte abgelernt— zufällig, nicht in beſonderer Abſicht. Ich habe mal mit einem Stubenburſchen in Halle zuſammen gewohnt, der 16* — 244— ſich zum Lehrer in einem Taubſtummen⸗Inſtitut aus⸗ bilden wollte, der hat mir dieſe Sprache beigebracht, und ich wieder dem Kopernikus.—„„Zufällig,““ ſäd ik,„vnicht in beſonderer Abſicht!““— Nu würd de Kapteihn en beten verlegen:„Nein,“ ſäd hei,„dies war volle Abſicht, denn, wie geſagt, ich betrachte mich als Schützer dieſer Liebe.“—„„Haha!““ ſegg ik,„„nu weit ik jo mit de Telegraphen Beſcheid, de achter minen Rüggen ſpelen deden. Dat is jo denn alſo de gewöhn⸗ liche Spitzbauben⸗Kasperi, as ik ſei up de Stadtvogtei achter jeden Bleckkaſten herute fingeriren ſeihn heww, un dorüm ſteihſt Du up Stun'ns woll ümmer wedder bi de lütte Lind', üm den Kopernikus Provat⸗Unnerricht tau gewen?““— Nu ſtickte de Kapteihn ſik äwer rod an, un ſin Og, dat würd unſäker.—„Darum nicht,“ ſäd hei.—„„Dit is nett,““ ſegg ik,„„Ji verlangt von mi, ik ſall ümmer de Wohrheit ſeggen, un Ji hewwt allerlei Heimlichkeiten vör mi!““—„Nein, Charles,“ ſäd de olle ihrliche Burß,„ich weiß, daß Du nichts verrathen wirſt:„ich liebe.“—„„Gotts ein Dunner!““ ſegg ik,„„all wedder!““—„Haſt Du mich jemals nach der bewußten Zeit an der kleinen Linde nach Aurelien blicken ſehn?“—„„Ne,““ ſegg ik,„„dat kann'k Di betügen, Du heſt ehr ümmer den Rüggen taukihrt un heſt ümmer up de anner Sid nah Majur Martini'n ſine Finſtern henkeken, un nu brukt Lewandowsky den Pal nich mihr tau richten, denn Du un de Kopernikus ſtaht em ümſchichtig ſcheiw un wedder grad.““—„Ja, Charles, ſie iſt es,“ ſäd hei un ſtrek ſik gedankenvull äwer de Ogen, un as de Hand an ſinen dreivirteljöh⸗ rigen, prachtvullen Snurrbort kamm, fung hei dormit an tau dreihn, un as de Snurrbort pil in En'n ſtun'n, ſäd hei:„Ja, Charles, ſie iſt es, Auguſte von Martini iſt es, und ſie wird es.“— Dortau was nich vel tau ſeggen, denn hei was nah mine Inſichten up den richtigen Weg; tüſchen de Proviantmeiſters⸗Doch⸗ ter un de Königin Victoria wählte hei de Middelſtrat un namm ſik en adlich Frölen, un de Middelſtrat was dunn allentwegen ſihr begäng', denn de beiden berühm⸗ teſten Lüd' tau de dunnmalige Tid, Herr Guizot un Lurwig Philipp gungen de ſülwige Strat.„„Kapteihn,““ ſegg ik,„„ik glöw, ditmal heſt Du de Wuſt up't richtige En'n anſneden; äwer wo is dat kamen?““—„Je,“ ſeggt hei,„'s iſt augenſcheinlich Gottes Finger.— Damals als der Kopernikus und Du Euch beide weigertet, den Spaziergang hinter dem Wagenhaus zu benutzen, hatte Schr.... einmal Beſuch von ſeiner Braut, der Erzbiſchoff hatte den Schnupfen, ging nicht aus, und Don Juan verſuchte auf dem anderen Ende des langen Wagenhauſes, ob er nicht einen freundlichen Blick von dem Schenkmädchen erhaſchen konnte, kurz ich befand mich allein auf der Promenade, denn Lewandowsky be⸗ ſchäftigte ſich mit Don Juan. Da gehe ich an dem geöffneten Thorwege des Major von Martini vorüber, der Thorweg ſteht auf, und ich erblicke eine reizende Dame, die dort Zeug zum Trocknen aufhängt— Du meinſt vielleicht Bett⸗, Hand⸗ und Tiſchtücher, nein, die niedlichſten, freundlichſten Toiletten⸗Gegenſtände, die — 246— uns in ihrer Zartheit und mannichfachen Bezüglichkeit ſo rührend tief erfreuen, als Unterärmel, Buſenkragen und Nachtmützen.— Daraus ſtrahlte ſie hervor, wie eine volle aufgeblühte Roſe zwiſchen weißen Lilien.“— „„Ja,““ ſegg ik, üm em'ne Freud tau maken,„„wat vüllig is ſei, un dat hett ſei vör Aurelia'n vörut.““— „Nicht wahr?“ fröggt hei un vergett ſine herrliche Aurelia ganz un gor.—„Sie iſt eine prachtvolle Er⸗ ſcheinung! Und wie ich nun ſo in der Fülle ihrer Schönheit verſunken daſtehe, erhebt ſich ein ſtarker Windſtoß, und eine der Nachtmützen flattert durch den offenen Thorweg auf mich zu, ich ergreife ſie, bevor ſie zur Erde fällt, und ſage:„glücklich, mein Fräulein, der⸗ jenige, der wenigſtens mit der Hülle Ihrer Träume hat Bekanntſchaft machen können.“— Dat weit de Kukuk! denk ik ſo bi mi, de Kapteihn hett de Damen⸗ unnerhollung doch nich verlihrt, worüm Du? un arger mi.—„„Na,““ ſegg ik giftig,„„un dunn lacht ſei un dunn was't vörbi?““—„Charles,“ ſäd hei irnſthaftig, „die junge, ſchüchterne Liebe lacht nie.— Wir ſtanden ſchweigend in dem Thorwege, und ſie zupfte in holder Verlegenheit an den Bändern ihrer Traumhülle. Plötz⸗ lich rief eine barſche Männerſtimme aus einem Fenſter in den Hof hinein:„Auguſte, meine Schärpe!“— Sie erſchrak, rief ängſtlich:„„Ach Gott! Vater muß zur Parade!““ riß ſtärker an den Bändern, ſprang in den Töôhorweg und hinterließ mir dies Angedenken.“ Un dormit treckte de Kapteihn einen natürlichen Nachtmützen⸗ band unner de Weſt herute.—„„Kapteihn,““ ſäd ik, 2 — —— —.— weik ſegg nicks wider, as Du büſt up den richtigen Weg!— Mit allerlei loſe Bänner fangt'ne richtige Sak an un mit en Band, wo'n Knuppen inſlagen is, hürt ſei dennahſten up.— Ach Gott!““ ſegg ik un mi würd ok weikmäudig tau Sinn,„„heww ik All dörch⸗ makt! Wenn ok nich grad mit en Nachtmützenband!— Ik heww ok mal'ne ſchöne blage Sleuf von en ſchönen blonden Kopp unner de Weſt dragen un hadd nu all Fru un Kinner hewwen künnt, wenn de ßackermentſche Feſtungsgeſchicht dor nich mang kamen wir.— Ach, Kapteihn! Wat heww ik för romantiſche Geſchichten anſtellt!— So wat is Di meindag' nich in den Sinn kamen.““— Na, dat wull hei nu nich; dorin wull hei ſik nu nich vörbijagen laten.—„„So?““ ſegg ik,„„heſt Du all mal in en jungen Plummenbom ſeten, in all de verdammten Tacken, de ſo'n Kretur hett? blot üm ehr Slapſtubenfinſter tau ſeihn?““—„Ne,“ ſäd hei. —„„Na,““ ſegg ik,„„dat heww ik, un unner mi ſtunn min Fründ Wählert,— na, mag nu ok all lang' Preiſter mit Fru un Kinner ſin— un ſpelte up'ne Guitahr un ſung:„Höre, wie der Regen fällt, hör', wie Nachbars Hündchen bellt!“— Un ſihr ſchön ſung hei, äwer Hun'n wiren dor nich, un de Einzigſten, de dor herümmer bleken deden, dat wiren hei un ſin Gui⸗ tahr. AÄwer ſlimm wast, dat de Regen nich föll, un de Mahn hell ſchinte, denn dat würd min Unglück, indem dat ſei— wat ſei was— mi dor in de Tacken ſitten ſach un ehr Sweſter röp; un dunn bekeken ſei mi Beid' in mine Verlegenheit, un de Sweſter, de ſtark äwer⸗ — 248— ſichtig was, noch dortau mit'ne Lorjett. Un Wählert lep weg un let mi dor ſitten, as wir ik gegen de Sparlings rinne ſet't, un as ik tauletzt ut den Bom rute ſprung, ret ik mi mine einzigſte Hoſ' hinnenwarts intwei, von't Fleiſch gor nich tau reden, denn dat heilt woll wedder; un wil nu min Snider de Ort Hoſentüg in ganz Parchen nich updriwen kunn— denn de Hoſ' hadd'ne entfahmte Kalür un ſtammte ut Stemhagen — müßte ik den ganzen Harwſt äwer— un't was en windigen Harwſt— mit de Rockſlippen möten, dat de Lüd' doch nich ſegen, wo ſlicht min Achterdeil mit min Vödderdeil ſtimmte; äwer de ollen lütten Quintaner hadden't doch ſeihn un röpen achter mi her:„Stige⸗ litſch!“ Äwer dat ſlimmſte En'n kamm all glik den annern Morgen, dunn ſchickte de oll geheime Hofrath ſinen Bedeinter tau mi:„Ne Empfehlung von den Herrn geheimen Hofrath, un wenn ik dat nich ſin let un em de nachtſlapen Tid nich günnen ded, denn zeigte hei't bi'n Schauldirekter an.“— Heww ik All dörchmakt, Kapteihn!“— Dat hadd denn nu de Kapteihn woll nich in mi ſöcht, denn hei was ogenſchinlich erfreut, as hei dat tau hüren kreg, un hei würd noch tauvertrulicher un vertellte mi nu, hei hadd ſin Auguſte nahſten noch⸗ mals ſpraken, as de Oll up de Parad' gahn was. Sei hadd'ne Lin anbinnen wullt, äwer ehre Natur was tau kort dortau weſt, un hei was henſprungen un hadd ehr hulpen, un ſei hadden äwer den hübſchen Hof redt, un dunn hadd ſei em ok de einzelnen Ställ wiſ't un ſäben wunderſchöne Käuh, denn wat ehr Vader was, de was V — Majur von den Platz, un ſine Inkünften beſtunnen uter dat Awrige noch ut all dat Heu, wat up de Feſtung waſſen ded, un ſei müßt de Melkwirthſchaft bi ehren leiwen Vatting bedriwen un hadd ok den Melkverkop; äwer't gung man ſlicht, denn up Stun'ns wiren dor gor tau vel Käuh up de Feſtung.— Un dorbi was de Kapteihn up'ne romantiſche Idee verfollen: wi ſüllen, meint hei, all unſ' Melk von ſine Auguſte köpen. „Je,“ ſegg ik,„Kapteihn, wi Annern dauhn't woll, äwer de Erzbiſchoff deiht't gewiß nich, denn de hett ſik all tau deip mit ſine Bäckerfru inlaten.“—„„ Wahr!““ ſeggt hei un geiht in deipen Gedanken neben mi:„„Der Abſatz würde zu unbedeutend ſein.““— Mit einmal dreiht hei ſik nah mi üm un fröggt:„„Charles, was hältſt Du von dem Stabsarzt R.... in M....2“°* —„Dat is en heil prächtigen Kirl!“ ſegg ik.—„„Ich meine, was Du von ſeinen mediziniſchen Fähigkeiten hältſt?““—„Oh,“ ſegg ik,„ik holl em för en uter⸗ wählten Dokter.“—„„Weißt Du, was der einmal äußerte?— Wir alle in M.. müßten einmal eine gründliche Milchkur durchmachen.““—„Woans is dei?“ frog ik.—„„Man genießt nichts anders als Milch; in den erſten drei Tagen iſt noch etwas trockner Semmel dabei erlaubt, aber ſpäter genießt man vier Wochen hindurch nichts als Milch.““—„Gott ſall mi bewoh⸗ ren!“ ſegg ik,„dor möt jo en Minſch rein taum Börn⸗ kalw warden.“—„„Ja, verjüngt wird er,““ ſeggt hei, „„ganz verjüngt!““—„Verjüngt?“ frag ik.—„Denn ſlag Di dat ut den Sinn; de Sak paßt nich för uns. Wenn wi in vir Wochen dörch Dine Kur fiw un twin⸗ tig Johr öller würden, denn let ik ſei mi gefallen, denn künnen wi fri dormit kamen.“— Hei meinte nu jo woll, ik wull äwer em ſpektakeln, un namm't äwel un gung von mi furt. Kapittel 22. Wat de Kopernikus von de Kunſt verſtunn, un worüm ik mi mit em in ne duüſtere Käk ſcheiten ſüll. Wat en richtigen Nahtuſch is, un worüm ik in Fru Bütow'n ehr Emmer kik. Troſtloſe Inſicht in dat Emmer un in minen Geldbüdel. De Kapteihn un ik leg⸗ gen'ne vullſtändige Hollänneri an. Ik gung nu in mine Kaſematt un fung bi den Transparenten an. Ik malte, dat dat man ſo ſtöwen ded, von't ein Licht in't anner— denn de Dag' wiren man kort— ik ſned mit en ſtumpes Diſchmetz in de dickſte Papp herüm, dat ik Queſen in beide Hän'n hadd, un tauletzt was't denn ok ſchön ſo wid farig, bet up de beiden Engels:„Franzoſ““ frag ik,„meinſt Du, dat ik ſei mit'ne Poſaun, oder ahn'ne Poſaun maken ſall?“ —„Je,““ ſeggt hei,„„dat kümmt up de Backen an; willſt Du ſei mit Pluſterbacken malen, denn hüren ſik Poſaunen, för ſmallbackte möten äwer kein.““— De Sak hadd ehren Grund un ik ſtah noch in Bedenken, wat för mi lichter wir, mit ſmalle Backen oder mit Pluſterbacken, dunn kümmt de Kapteihn herin⸗„Charles, haſt Du Düd's überlegt?“—„„Ne,““ ſegg ik,„ik bün dor noch grad bi.““—„Na,“ ſeggt hei,„willſt ——— — 251— Du denn eine gründliche Milchkur anfangen oder nicht?“ —„„Jh, doran heww ik noch gor nich dacht!““ ſegg ik,„„ik judizir hir blot doräwer, ob hir en por Po⸗ ſaunenengel hübſcher kleden würden, oder en por gewöhn⸗ liche.“— De Kapteihn dacht jo woll nu wedder, ik wull äwer em minen Spektakel bedriwen, hei gung falſch ut de Dör un ſmet ſei achter ſik tau. Den annern Dag bün ik denn wedder düchtig dor un mal mine Engels; de Franzoſ' kickt mi äwer de Schuller:„Weitſt Du wat?“ ſeggt hei,„Din Engels ſünd ſo wid recht rund und nüdlich: äwer de Poſaunen ſünd tau kort!“— denn wi wiren äwer Poſaunen einig worden.—„„Dat ſeggſt Du woll,““ ſegg ik argerlich, „„wo ſall'tt herkamen? För ſo'ne lange Muſik heww ik keinen Rum.““— Indem kümmt de Kapteihn wedder rin un fröggt, as hei min Bild ſüht, worüm ik de. beiden ollen lütten Gören mit en Poſtilljonstrumpet makt hadd?—„Dat is dat richtige Wurd,“ ſeggt de Franzoſ';„äwer an ſo'n Trumpet hüren ſik noch Trod⸗ deln.“—„„Makt mi den Kopp nich warm!““ ſegg ik, „nhei rokt mi ſo all von all dat Bedenken.““—„Dorüm kam ik ok nich,“ ſeggt de Kapteihn,„ik wull Di blot fragen, wo vel ſall ik denn för Di beſtellen?“— „„Wat beſtellen?““ frog ik.—„Melk,“ ſeggt hei.— „„Ei wat!““ ſegg ik,„„fohr mi hir nich mit ſo'ne Fragen in de Kunſt rinne, frag' den Erzibſchoff, de weit mit ſo'ne Saken Beſcheid!““—„Mit Di is ok nich tau reden,“ ſeggt hei un geiht ſin Weg' Nu hadden ſei mi mit de Troddeln'ne Flöh in't — 252— Uhr ſet't, un wenn ik ok recht gaud wüßt, dat för ge⸗ wöhnlich de Engels ahn Troddeln afmalt warden, ſo geföll mi dat doch, denn up de Wiſ' hadd ik de ſchönſte Gelegenheit mit rechte bunte Kalüren en beten tau ſpil⸗ lunken.—„„Franzoſ,““ ſegg ik,„„meinſt Du, ik ſall mine meckelnbörgſchen Landsfarben, blag, rod un gel, nemen?““—„Bewohr uns,“ ſeggt hei,„Du möſt ſwart, rod, gold nemen, denn dorüm ſitt wi jo. Un denn möſt Du de beiden lütten Knaben middwarts noch mit'ne Scherf verſeihn, denn ſo is't en beten tau ſchanirlich.“— Dorin hadd hei Recht, äwer dat hei wull, ik ſüll de Scherf ſwart un witt up Preußſch malen, dorin hadd hei Unrecht, denn dat hadd allmeindag nich kleddt— hir bröcht ik mine meckelnbörgſche Landsfarben an, denn preußſche Leutnants wull ik jo nich malen, un wil hinnenwarts noch Rum was, let ik de Enns lang hängen.— Nu ſtellte ik Lichter dor achter, un wil ik nu de beiden ollen lütten Jungs mit blage un witte Flüchten malt hadd, ſo wiren ſei denn ok würklich ſo bunt as en por Pagelunen.— De Fran⸗ zoſ' ſäd, ſei wiren prächtig, un as wi nu Beid' dorvör ſtahn un uns freuen, kümmt de Unglücksvagel von Kap⸗ teihn mit den Kopernikus heruppe un ſeggt:„Du, ich habe ihn gefragt.“—„„Wen?““ ſegg ik.—„Den Erz⸗ biſchoff,“ ſeggt hei.—„„Na, wat ſeggt de tau de ſwart, rod, gollenen Troddeln un de Scherf?⸗“—„Acht bis zehn Quart meint er,“ ſeggt hei un lickt min Wark gor nich an.—„„Minentwegent!““ ſegg i, „„minentwegent ſösteihn!““ un ik arger mi, dat hei bi — 253— all ſine Leiw' för dat weibliche Geſlecht ok gor keinen Kunſtſinn hett. Dunn kümmt dat olle ſchulſche Krät von Kopernikus ranne un belickt ſik dat.—„„Na?““ frag ik.—„Ih ja,“ ſeggt hei,„aber ein Bischen zu bunt; ich vermiſſe die Harmonie der Farben, und die Engel ſcheinen mir im Verhältniß zu klein.“ Dat was mi denn doch tau ſtripig, en Kirl, de knapp dat Militörmat hadd, de ſäd von„zu klein“?— En Kirl, de gel un gräun iwt Geſicht utſach, ſäd von„Harmonie der Farben“?— „„Kopernikus,““ ſegg ik,„„Du weitſt, ik bün en Lamm, — en wohres Lamm!— Awer wenn en Lamm maud⸗ willig up de Tehnen peddt ward, denn is't All mit dat Lamm! Ut Di ſprekt de gelgräune Afgunſt, Du kannſt ſo'n Transparent nich malen, Du kannſt dat morgen nich uphängen; äwer ik kann dat!““ un dormit nem ik den Franzoſen unner den Arm, gah mit em up un dal un ſegg:„„Franzoſ', wat will'n wi uns äwer den Minſchen argern?““——„Charles,“ ſeggt de Kapteihn, „Charles!— Ich bitt Dich, beruhige Dich, es war wirklich nicht ſo bös gemeint!“ un geiht ok mit mi up un dal, un de Kopernikus ſteiht dor, kickt dat Bild an un will mi antwurten, äwer hei kann't nich— ne, hei kann't nich.—„Charles,“ ſeggt de Kapteihn,„bleibt es im Übrigen bei Deinem letzten Wort?“—„„Ja,““ ſegg ik un rit mi von em los,„„und wenn auch das noch durchgemacht werden ſoll, ſo wird es durchgemacht!““ Dunn geiht de Kapteihn nah den Kopernikns, nimmt em bi den Arm un geiht mit em af, dreiht ſik äwer in de — 254— Dör noch üm un ſeggt:„Charles, morgen Nachmittag kriegſt Du Beſcheid.“—„„Schön!““ ſegg ik,„„ſchön!““ un puſt dorbi as'ne Adder.—— „Na, dit ward'ne ſchöne Geſchicht!“ ſeggt de Fran⸗ zoſ, as ſei weg ſünd,„Du, als Jenenſer wardſt up Stoß los gahn willen un hei, als Hallenſer up Hieb, un wo will't Ji Waffen krigen?“—„FIs mi ganz egal,““ ſegg ik.—„Dat Einzigſt wir noch Piſtolen, de kregen wi woll dörch den Füerwarksleutnant,“ ſeggt hei.— „„Js mi ganz egal!““ ſegg ik.—„Je, up de Promenad' känt Ji doch nich losgahn, un hir in de Kaſematt ok nich, dat ballert tau dull; de Mäglichkeit wir noch in de Käk; äwer denn müßten wi de Bedden gegen de Dör leggen, dat dat nich ſchallen deiht.“—„„Is mi ganz egal,““ ſegg ik,„„äwer in de düſtere Käk un denn up drei Schritt?““—„Is'ne ganz gewöhnliche Förderung bi’t Militör,“ ſeggt hei, un hei müßte dat weiten, denn hei was jo Landwehrleutnant.—„„Schön!““ ſegg ik, „„denn ward in'n Düſtern losgahn.“— Ik legg mi nu tau Bedd, äwer dat ik vel ſlapen heww, kann ik nich ſeggen,— Piſtolen, up drei Schritt, in'n Düſtern?— Kinnerſpill is dat ok nich!— Ik gah alſo mit mine Ihr tau Rath.— Beleidigen hadd hei mi wullt— wo kann hei ſüs von„Harmonie der Farben“ reden?— Hadd hei in ſinen Lewen all malt?— Wüßt hei, wat bi de Sak vermakt was?— Jk lagg de ganze Nacht un termaudbaſt mi, un as ik upſtunn, was ik noch eben ſo klauk, as ik tau Bedd gahn was.— Awer min Transparent was farig, dat müßt henbröcht warden, — 255— de oll Herr General hadd't verlöwt, Fru Bütow'n müßt't dragen, Lewandowsky un ik gungen achter her, un wenn uns Einer begegen ded, denn würd't ümmer upſtellt as 'ne Dreihördel un Räubergeſchicht bi Johrmarkstiden. As ik weg gung, wull mi Don Juan un de Erzbi⸗ ſchoff wedder utkleden,„ziviliſiren,“ ſäden ſei; ik ſäd äwer, dornah wir mi hüt nich tau Maud', un gung mine Weg'. Awer as ik ſo mit minen Herrn Lewan⸗ dowsky’n un mine Fru Bütow'n de Alleh lang gah, dunn kümmt dor en wat ſtrammen Togwind, fött mine Fru Bütow'n un minen Transparenten, un wenn Don Juan nich bi Gelegenheit tauſpringt, denn ſuſ't jo woll min Transparent mit mine Fru Bütow'n as en Draken dörch de Luft.— Don Juan törnt ſei äwer all Beid' noch glücklich un helpt uns dat Beiſt bet in de Husdör un fluſtert mi tau:„Charles, ik gah mit rin!“ „„Minentwegen!““ ſegg ik, un ſegg tau Lewandowsky'n: „„Dat hewwen Sei nu doch ſeihn, wo ſwer ſo'n Kretur tau regiren is, wenn de Herr nich mit rin kümmt, ik krig't allein gor nich faſt.““— Lewandowsky kek noch raſch mal ut de Dör, ob de Luft rein wir un plinkte dunn Don Juannen tau: Na, gahn S' man mit rin!— Wi kemen denn nu ok dwaslings mit dat Ding rinne tau dragen, un Aurelia kamm uns entgegen: „Na?“—„Ja,““ ſäd ik,„„farig is't.“,— Un nu fung Aurelia mit Don Juannen an, Kumpelmenten tau maken, wil dat hei ſik dormit beſwert hadd, un Don Juan makte denn nu de mäglichſten Redensorten, un mi kreg Mutter in de Mak un lawte mine Fründlichkeit — 256— dörch dat Bredd, un wenn unſ' gegenſidig Glück pundwis taxirt würd, denn wir ik Don Juannen ſtark äwerlegen weſt, denn nich allein Mutter was dicker, as Aurelia, ne! ok ehre Kumpelmenten wiren dicker.— Awer argern ded ik mi nich ſlicht, denn ik hadd denn doch wohrhaftig de grötſte Mäuh dorvon hatt, un nu fiſchte ſik Don Juan dat ſäute Smolt von min Arbeit af, un as Mutter röp:„Aurelia, ſetz die Fenſter zu! Ich will Lichter holen, wir wollen's doch gleich probiren,“ un nu rute lep, dunn ſtunn ik mit minen Transparenten inen Arm in'n Düſtern dor un hürte vör mi wat ruſſeln un tuſſeln. Na, denk ik, dit's en ſchönen Beſäuk! Du ſteihſt hir mit'ne Hand vull Queſen, un hei drückt jo woll nu ne lütte weike Hand? In deſen Ogenblick kamm Mutter rinner, preißlich mit twei Lichter in de Hän'n, un Don Juan ſtunn dor un hadd en Tügſtänner ümfat't un hadd ſo recht weik un warm Muttern ehren flanellnen Unnerrock in den lin⸗ ken Arm un drückte ſo zärtlich den Fäutling von Vattern ſinen Strump, denn dat liſtige Ding, de Aurelia, hadd em ſtats de Hand ehr Knütt⸗Tüg henreckt, indem dat ſei grad' för ehren leiwen Vatting noch en por warme Strümp tau Wihnachten knütten ded. Mutter fung denn nu hell an tau lachen, denn ik ſtunn dor as en Wapenlöw' an den Transparenten un Don Juan as Vagel Grip an den Tügſtänner; un dat oll lütte Krät von Aurelia lachte in Muttern ehr fettes Lachen ſo hell un ſäut mit mang, as wenn mang Swinſmolt Bursdörper Appel bradt warden. — 257— Ditmal gung dat meiſtendeils up Don Juannen ſinen Schalm, äwer't wohrt nich lang', dunn ſüll't up minen Seelſack los gahn.— De entfamte Transparent würd up un de Lichter dorachter ſtellt— un nu kikt Jug mal eins an, wat en Minſch mit Awerleggung un Kunſt tauſam katern kann!— Jk kektt Ding nich an, denn ik wüßt jo, wo't ſik utnemen müßt, un as ik nu mit den Rüggen gegen min Makwark ſtah, un de Ge⸗ ſchicht anfung utenanner tau ſetten, as Künſtler, geiht en Lachen los: Mutter lacht fett, Don Juan frech, un dat Krät, de Aurelia, liblich! liblich, äwer de Maßen leiwenswürdig! äwer för mi nichtswürdig verdreitlich.— Ik ſeih mi vörwarts an: heſt Du wat an Di?— Ne! — JIk will mi hinnenwarts bekiken, hewwen ſei Di in'n Düſtern en Zopp anſteken?— Ach du leiwer Gott, as ik mi äwer de Schuller lik, krig ik denn min Kunſtwark tau ſeihn, un mine beiden Poſaun⸗Engel kiken mi mit de kläglichſte Min' an, Jeder von ehr hadd en groten ſwarten Snurrbort!—— Dat hett de Hallunk, de Kopernikus, dahn!— „Don Juan,“ ſegg ik,„Du weißt, was vorgekommen iſt, iſt dieſer Schnurrbart nicht ein Nachtuſch von dem Kopernikus?“—. Ja, ſäd hei, dat wir hei mit Recht. — Jk ſpring up den Transparenten los, rit em dal un will em denn nu all mit beide Beine bearbeiten, dunn fohrt Mutter mi entgegen:„Herr! hab ich's Ihnen nicht geſagt, Sie ſollten die Engel fortlaſſen?“ — Jk kihr mi äwer nah Aurelia'n üm:„„Sie lieben ihn?— Sie lachen über mich?— Fräulein, den Olle Kamellen. II. 17 — 258— Vogel, der am Morgen ſo ſchön ſingt, frißt am Abend die Katz!— Ich empfehle mich Ihnen!““ dormit gah ik ut de Dör, un Don Juan un Lewandowsky dragen den Transparenten achter mi her. Ik kamm tau Hus an, de Beiden ſetten den Trans⸗ parenten recht behutſam an de Wand un ik gah glik nah en Pott mit Keinruß, ſtipp minen Pinſel rin; dunn kümmt de Franzoſ':„Na?“ ſeggt hei.—„„Ja,““ ſegg ik un ſtrik de ganzen Engels mit en Keinrußpinſel äwer. — Nu will ik ok all de beiden Trumpeten mit de Trod⸗ deln äwerſtriken, äwer dat led de Franzoſ' nich:„Holt!“ ſäd hei,„de lat ſtahn, de maken ſik tau ſchön.“— „Ei wat!““ ſegg ik,„„ik bün in'n Stan'n un ſtrik de ganze Paſtet äwer.“—„Wo ſo?“ ſeggt hei.„Mor⸗ gen is de Hochtid, verſpraken heſt Du't, kriggſt Du bet morgen en nigen farig?“— Dat was wohr, un as ik noch ſo in min gallig Bedenken ſtah, kümmt Fru Bütow'n rin un ſet't en Emmer an de Dör dal un ſeggt, ſo'n groten Pott hadd ſei nich hatt, unt Emmer müßt ſei ok ball wedder hewwen, un hir!— un gaww mi en Zeddel— de wir von den Kapteihn. „Haha!“ ſegg ik,„Franzoſ', nu rögt ſik wat. Äwer is dat en Kummang, Fru Bütow'n tau'n Kartelldräger tau maken?— Da!“ ſegg ik,„dat's Din Sak,“ un gew den Zeddel an den Franzoſen.— De nimmt den Zeddel un leſ't un fangt ludhalſ' an tau lachen:„Na,“ ſegg ik falſch,„lächerlich is de Sak nu grad ok nich.— Leſ!“— Un hei fangt nu an:„Lieber Charles! Acht Quart täglich, das Quart einen Silbergroſchen, macht — auf einen Monat grade acht Thaler.— Da wir nun anſtändiger Weiſe bei'm Herrn Major vorausbezahlen müſſen, ſo bitte ich mir das Geld noch heute aus.— Dein n. ſ. w.— Nachſchrift: ich denke, wir fangen mit acht an, wir können ja ſpäter bis auf zehn oder zwölf ſteigen.“— „Himmliſcher Vater!“ raup ik,„wat's dit?“ un lop an dat Emmer ran un kik rinne— luter Melkl binah bet baben vull Melk!—„Na,“ ſegg ik,„dor ſlag ſik doch Höppner'n ſin Deuwel mang!— Un dat ſall ik all betahlen?“—„„Ja,““ lacht de Franzoſ',„„un ſallſt't ok all utdrinken!— Un nah mine Meinung wir't woll am beſten, Du makſt Di glik dorbi, denn ſüs wardſt Du hüt mit Din Sak nich prat.““—„De Kapteihn is nich klauk,“ ſegg ik,„un Du ok nich.“—„„Ja,“* ſeggt hei,„„äwer ſeggt heſt Du't.— Hei frog Di noch utdrücklich, ob dat bi Din letztes Wurd blew? un Du ſädſt: Ja.““—„Ja, ik meinte mit den Kopernikus.“ —„ Un hei meinte mit de Melk. Un dat Beſte is, Du fangſt dorbi an.““— Ne, wo's't mäglich? Dor ſatt ik nu, ik ſüll en ganzen Monat lang acht Quart Melk däglich utdrinken un acht Daler vörut ⸗betahlen, un dat All, wil de ßacker⸗ mentſche Kapteihn ſik in den Majur Martini'n ſine Dochter verleiwt hadd!— Nel leiwer noch up drei Schritt Piſtolen in'ne düſtere Käk! Ik halte minen gottserbärmlichen Geldbüdel ut den Kuffert herut un äwerſchot min Vermägen.— Je ja, je ja! Allens in Allen— dat lütt Schurr⸗Murr ingerekent 17* — 260— — knapp drei Daler.—„Franzoſ',“ ſegg ik,„heſt Du Geld?“—„„Ja,““ ſeggt hei,„„äwer bruk ik ſülwſt.““ — Hm— brukt hei alſo ſülwſt.— Dat was afbluckt.— „Franzoſ',“ ſegg ik,„Melkdrinken ſall ungeheuer geſund ſin.“—„„Dor ſtrid ik gor nich gegen,““ ſeggt hei.— „Will'n wi nich mit de Melk halw Part hollen?“— frag ik.—„„Ne!““ ſeggt hei un grint mi an,„„ſörre de Tid, dat ich nich mihr von Dine verdammten Gerichten et, bün ik mit mine Geſundheit ſihr taufreden.“— Hm!— Is mit ſine Geſundheit ſihr taufreden.— Dat was alſo ok afbluckt.—„„Süh!“ u ſeggt hei un lacht ſo ſpöttſchen,„„mit Di is dat wat Anners, Du heſt in de letzte Tid ſo vele nüchterne Kalwer vertehrt, de ehr Recht mit de Melk nich kregen hewwen, wenn Du nu de Melk ehr nahgüttſt, denn kümmt Allens wedder in de Reih.“—„Sallk mi an Di hir noch vel argern?“ raup ik.„Ut einen Lock möt de Voß herut,“ un lop nah den Kapteihn dal. De ſitt nu vör'ne grote Schöttel mit Melk un ett ſo nührig, un as ik rin kamm, röppt hei mi ſo recht heldenmäudig tau:„Charles, ich bin ſchon dabei!“— „„Dat ſeih ik,““ ſegg ik, un ſett em nu utenanner, dat mi dat tau vel Melk un tau vel Geld wir; äwer dor kamm ik ſchön an: hei hadd dacht, ſäd hei, dat hei mit en Mann von Wurd tau dauhn hadd.— Nu kunn ik em dat gor nich utenanner ſetten, dat dat Ganze en Mißverſtändniß wir, denn de Kopernikus ſatt dorbi un grinte uns an.— Je, du Krät! Du ſüllſt man de Melk⸗ kur bruken,„daß die Milch der frommen Denkart“ dat — — — 261— „gährende Drachengift“ in Di verwandeln ded.— „„Na,““ ſegg ik denn endlich,„„denn helpt dat nich, äwer de Majur möt pumpen!““ un dormit gah ik ut de Dör.—„Das thut er nicht,“ röppt de Kapteihn mi nah.—„„Denn behölt hei ſin Melk!““ raup ik noch mal in de Dör rinne, un gah verdreitlich nah baben un quäl mi en ſchönen Poſten Melk rin in dat Liw— äwer, äwer! wat ik ok haspeln ded, dat En'n wull nich ran. Den annern Morgen fung ik all tidig an, in dat Melkgeſchäft tau gahn; äwer't was'ne pure Unmäglich⸗ keit. De Reſten würden ümmer gröter, un wenn ik dacht: nu wardſt Du ehr Herr, denn kamm Fru Bütow'n wedder mit friſchen Nahſchub. All min Schötteln un Pött un Tellers ſtun'n vull Melk.— Unnen was't grad ſo, un as ik dörch den Kapteihn ſin Kaſematt gung, dunn ſtunn Fru Bütow'n ganz kurlos dor un ſäd: ſei wüßt't ok nich, wo't warden ſüll, denn hir wir't noch düller as baben.— De Franzoſ' un de Kopernikus, de uns nu hadden ſchön helpen kunnt, leten ſik up nicks in un hägten ſik äwer unſere Ver⸗ legenheit, un de Kopernikus hadd jo tau den Kapteihn mal ſeggt, wenn hei nu noch en groten Pott vull Honnig köpen ded, denn wiren wi vullſtännig in'n gelobten Lan'n. De Kapteihn was mi falſch, wil dat ik nich betahlen ded, äwer dat Unglück bringt de Minſchen tauſam, un wi ſeten in dat ſülwige Unglück. Den drüdden Dag, as de Melkbeſcherung von Fru Bütow'n wedder los gung, — 262— un hei mi ſine Noth klagte, ſäd ik:„Weitſt wat, Kap⸗ teihn? Ümmer praktiſch! ſäd de Düwel. Wi will'en bottern un Keſ' maken.“—„„Wo ſo?““ fröggt hei. —„Dat will'k Di ſeggen,“ ſegg ik,„ut den Rom mak wi Botter un ut dat Anner Keſ'. En Botterfatt hewwen wi nich; äwer wi bottern in'ne Buddel. Wi ſchüddeln ſo lang', bet dat Botter ward, un't Keſ'maken is noch lichter, taum wenigſten makt dat weniger Arbeit.“ Un ik ſett em dat Allens nah Kunſt und Wiſſenſchaft gelihrt utenanner, wo un worüm dat ſo un ſo makt ward, as ik dat ut de ratſchonelle Landwirthſchaft von oll Thaeren⸗ Vatting un von min Tanten Schäning lihrt hadd, un ſegg denn tauletzt:„Blot de Keſ'büdels! Wo nemen wi twei Keſ'büdels her?“ un gah an minen Kuffert un ſeih minen Linnenſchatz nah.— Je't was doch all man Schad, un denn müßt't irſt neiht warden.—„„Holt!““ ſeggt de Kapteihn, geiht dal un kümmt mit'ne engelſch ledderne witte Hoſ' ruppe.—„„Süh hir! Sei is ganz heil un rein, äwer ik kann ſei nich mihr dragen, wil dat ſei mi unnen tau kort un baben tau eng worden is.““—„Prächtig!“ ſegg ik,„un nu bruken wi nich tau neihen un nicks, wi fniden de beiden Beinlings knas af, binnen ſei unnen tau un baben füllen wi in.“ Kapittel 23. Wi bottern un maken Keſ' un drinken Kardinal un en Jeder ſitt up Sinen. Wat dat'ne Thranendrupp oder'ne Waddickdrupp was, de den Kopernikus längs de Näſ' dallep. Worüm de Keſ' utſchot, un Fru Bütow'n de Hän'n äwer den Kopp tauſamſlog un ehre lütten Gören däglich mit 16 Quart ſäut Melk börnte. Na, dat geſchüht denn ok; ik röm all unſ' Melk ordentlich af, füll den Rom in en por Tweipotts⸗Buddeln un de upgekakte Klüter⸗Melk in de beiden Beinlings, häng' deſ' ſauber an de Wand un ſtell unner jeden'ne Waſchſchöttel för den Waddick.—„So,“ ſegg ik,„nu geiht't Bottern los!“ un gew em ſine Buddel, un ik nem min, un nu gahn wi denn up un dal, un jeder hett ſin Buddel in de Hän'n un lett ſin Pöppedeiken danzen, dat dat man ſone Luſt is; de Keſ'büdels äwer lepen von ſülwen.—„„Wat dauhn wi man äwer mit de Botter?““ fröggt hei,„„denn in vir Wochen dörwen wi jo kein eten.“—„Heww ik Allens bedacht,“ ſegg ik.„De Botter verköpen wi; wenn de Exbbiſchoff ſei en Schilling billiger kriggt, köfft hei ſei uns mit Kuß⸗ hand af, un de Keſ'— na, de hett lang Tid, de möt ſo wi ſo irſt dörchliggen.“ So reden wi denn un bottern, un bottern un reden, dunn kloppt wat an min Dör:„Herein!“ un wer kümmt rinne? Min lütt Idachechen mit en groten Korf:„Em⸗ pfehlung von Mutter, und ſie hätte Sie gerne auf der Hochzeit geſehen, da das aber nicht möglich geweſen, — 264— ſo nähme ſie ſich die Erlaubniß und ſchickte Ihnen dies; und das Transparent wäre auch gar zu hübſch geweſen.“— Ik ſtell alſo min Botterbuddel bi Sid un pack den Korf ut— Kauken un luter Kauken un vir Buddeln, dor was wat anners in as in unſ'.— JIk let mi ok velmal bedanken, ſäd ik; un as lütt Iding wedder rut is, hett de Kapteihn ok ſine Botteri inſtellt, un wi kiken de Beſcherung an.—„So,“ ſegg ik,„dit fehlt noch, un wi ſünd nu grad bi't Bottern! un dat darw keinen Stillſtand hewwen,“ un grip wedder nah min Buddel.—„„Ja,““ ſeggt de Kapteihn un grippt ok nah ſin Buddel,„un midden in unſ' Kur! Charles, Du wirſt doch nicht ſo unvernünftig ſein und ſie unter⸗ brechen?“—„Bewohre,“ ſegg ik, un wi bottern wider, ümmer up un dal. Wenn wi äwer an den Diſch kemen, wo unſ' Herrlichkeiten ſtun'n, denn botterten wi dor länger, un tauletzt ſegg ik:„Kapteihn, weitſt wat? In de irſten Dagen von de Kur känen wi Semmel eten, in den irſten Dagen ſünd wi noch, un dit hir is Besgwit, un de Ort ward männigmal för de Kranken up den Dodenbedd noch expreß verſchrewen; de kann uns nich ſchaden.“—„„Dat glöw ik nu grad ok nich,““ ſeggt hei. Un wi ſetten unſ' Buddeln hen un eten de Besqwit. Un as wi dormit prat ſünd, rük ik an en anner Stück Kauken un ſegg:„Dit rückt ſik ſo an as'ne Mandelturt, un mi dücht, dat ſtimmt mit unſ' Melk gaud äwerein, denn ut de Mandeln ward jo ok Melk makt.“—„„Dat hett ſinen Grund,““ ſeggt hei un wi eten ok de Mandelturt.—„Wat woll in de — 265— Buddeln is?“ ſegg ik.—„„Ja,““ ſeggt hei,„„wat ſei woll tauſambru't hewwen?““— Un ik mak den Proppen up un ſchenk em en Drüpping in un ſegg: „Preuw mal!“—„„Kardinal,““ ſeggt hei.„„Schönen Kardinal.““—„Dat weit der Deuwel!“ ſegg ik,„un wi ſünd grad in de olle dämliche Kur, un wenn ſo'n Kardinal vir Wochen ſteiht, denn ward hei ſur.“— „„Dats gewiß,““ ſeggt hei.—„Kapteihn,“ ſegg ik, „heſt Du all'ne Prauw von Botter in Din Buddel?“ —„„Ne,““ ſeggt hei.—„Ik ok nich,“ ſegg ik,„äwer't is'ne olle Sak, wenn dat nich bottern will, denn bottert dat nich,“ un ſomit gah ik an de Keſ'büdels ranne un ſegg:„De ſünd all ſchön utleckt, un nu möten ſei unner'ne dägte Preß.“—„„Denn möt wi woll Stein halen,““ ſeggt hei.—„Ih ne,“ ſegg ik, „dat kän wi uns ſülwſt verdeinen,“ un ik legg den einen Beinling up den Franzoſen ſinen Breddſchemel un den annern up minen un up jeden einen ollen Kiſtendeckel, de ik noch hadd, un ſegg:„So, Du ſett Di up Dinen, un ik ſett mi up minen.“ Un dat deden wi un ſeten uns gegenäwer un botterten un makten Keſ' un tüſchen uns ſtunnen de vir Buddeln Kardinal.—„Je,“ ſegg ik,„ik möt em doch ok mal preuwen, biot preuwen.“— Un ik ded dat.—„Hür mal,“ ſegg in,„dat Tüg is gaud, dat hett Aurelia richtig drapen.“—„Aurelia?““ fröggt hei.—„Ja,“ ſegg ik, „Aurelia!— Mutter hett den nich tauſamſtellt, ſüs wir hei ſäuter.— Je öller de Frugenslüd warden, je ſäut⸗ müliger warder ſei.“—„„Alſo, Du meinſt würklich, — 266— Aurelia hett em bru't,““ ſeggt hei,„„dor möt ik em doch eins up anſeihn,““ un hei ſchenkt ſik enen Drup⸗ pen in un mi ok, un wi preuwen em wedder, äwer ditmal utdrücklicher, indem dat wi Aurelia'n ehr Kunſt un Kardinal-Dugenden doch recht taxiren wullen.— As wi nu dormit up den Grund wiren un up en richtigen, ſegg ik:„Kapteihn, ſei is doch en lüttes, prächtiges Mäten, un ik denk, wi laten ſei lewen.“— „„Dat is ſei,““ ſeggt hei,„„un dormit Du ſühſt, dat ik keinen Grull gegen ehr heww....,““ un ſomit drinkt hei dat Glas heil un deil ut.— Na, ik ſtah em denn nu in mine Anſichten tru tau Sid; äwer't durt nich lang', dunn würd em dat Gewiſſen ſlahn— nich eben wegen den Kardinal un de Melkkur, ne! wegen ſine nige Auguſte, un hei ſeggt:„„Charles, weil wir doch einmal dabei ſind— es iſt noch ein anderes liebenswürdiges Geſchöpf hier auf der Feſtung — Du weißt, wen ich meine,““ un dormit ſchenkt hei wedder in.—„Holt!“ ſegg ik,„de ehr Geſundheit möt wi ut de Rombuddel drinken, för jeden Vagel hüren ſik ſin eigen Feddern.“—„„Charlts,““ röp hei,„„willſt Du mich kränken?““ Na, dat wull ik nu nich, un wi nemen de Gläſer tau Hand un ſtödden an, un hei läd ſik ſine Hand up't Hart an drunk in deipe Andacht an de Majursdochter ſin Glas ut, un unner em ſiperte dat ganz ſacht un ſtill ut den Keſ⸗ büdel rute un föll in liſen Druppen up jen Bredbähn: 't was en rechten feierlichen Ogenblick un wi ſeten ſtill dor.— Still ſchenkte ik ok wedde in, un as ik dunn recht weihmäudig ſeggen will:„Nu kik doch mal Einer, de oll Buddel is all leddig,“ dunn ward dat unner uns lewig, denn de Franzoſ' un de Kopernikus kemen ut de Friſtun'n un würden gewohr, dat de un⸗ ſchüllige Waddick dörch den Bähn drewen is un unnen ok in liſen Druppen in de Stuw' rin drüppt.— „„Willn wi ehr nich wat afgewen?““ fröggt de Kap⸗ teihn in ſine andächtige Beſinnung.—„Wotau dat?“ ſegg ik.„Hewwen ſei uns nich bi de Melk hulpen, bruken ſei uns ok nich bi den Kardinal tau helpen,“ un blot üm tau wiſen, dat ik mi an ehr räken will, mak ik de tweite Buddel up un ſchenk in. Nu kümmt denn de Franzoſ' mit en groten Halloh ruppe un fröggt, wat wi taum Kukuk hir maken deden. —„ Keſ,“ ſegg il ſihr kolt.—„„Keſ'?““ fröggt hei verſtutzt; äwer as hei neger kümmt un den Kauken un de Buddeln ſüht, dunn ward hei ſo hellögig utſeihn: „„wat Deuwel!““ ſeggt hei un ritt de Ogen wid up. — LJa, denk ik, blänker Du man mit Dine ollen groten Külpogen! för Di is hir nich updeckt.—„„Mei⸗ nes Lebens!““ fröggt hei un höllt de ein Buddel gegen den Dag,„„wat's dit?““—„Kardinal,“ ſegg ik.— „„Wo Duſend! kümmt de hir her?““— Dunn richt ik mi äwer in Eu'n un denk, ſallſt em doch glik ſo kamen, dat heit verſteiht, un ſegg: „Wer etwas kann, den hält man werth; Den Ungeſchickten Niemand begehrt.“ Awer hei verſtunn t nich, un as hei mi un den Kap⸗ teihn ſo unſäker anſach, ſäd de Kapteihn:„„T is wegen den Transparenten; Charles'n ſine Kunſt hett uns dit indragen.““—„Charles, olle Jung', heww ik Di nich ümmer dorbi hulpen?“— Dat was wohr, dat mit de Trumpeten un de Troddeln hadd hei an⸗ gewen.—„„Na,““ ſäd ik,„„denn hal Di ok en Glas,““ un wi ſtödden up de Kunſt an. Un as ik nu noch en Glas drunken hadd, dunn würd mi ſo rührſam tau Maud', un ik ſtah ſachten up von minen fuchten Sitz un ſegg:„Kumm her Franzoſ', Du kannſt ok wat dauhn; äwer ſett Di nich mit en Ruck dal!““ un ſo⸗ mit gah ik unvermarkt ut de Dör, dal nah den Ko⸗ pernikus, un red em fründſchaftlich an un gew em de Hand un ſegg:„„Kumm, Kopernikus, wi willen uns wedder verdragen, un kumm mit baben ruppe, denn wi maken dor Keſ' un drinken von Aurelia'n ehren Kardinal dortau.““ Un't oll lütt kratzböſtige Ding würd ſo wabbelig, dat em de Thranen an de krumme Näſ' dal lepen, un folgte mi as en Lamm.— Nahſten hett hei frilich ſeggt, dat wiren kein Thranen weſt, dat wir en Waddick⸗Druppen weſt, de em up de Näſ' follen wir— äwer ik kenn em beter, hei hadd ok ſine weih⸗ mäudigen Turen.— Un as ik nu mit den lütten Geſellen ruppe kamm, dunn gung en Hurah! los, denn de beiden Keſutſitters hadden ehre Tid in Kardinal begrepen un hadden ſei ſörredeß ſihr nützlich anwendt, de Kapteihn in'n ruhigen Furtſchritt up den Vörweg, un de Franzoſ' in Haſtig⸗ keit, dat hei nahkem.— Wegen den Kopernikus müßte nu Aurelia noch mal — 269— lewen, un nahſten ok Mutter, un't würd'ne grote Frölichkeit, äwer keine Utgelatenheit. Un wovon kamm dat?— Wil dat wi dat niützliche Geſchäft mit de Luſtborkeit tau verbinnen wüßten, denn't wohrte nich lang', dunn botterten wi Beiden, ditmal de Kopernikus un ik, wedder in de Kaſematt up un dal, dat dat'ne wohre Luſt was, un de annern Beiden ſeten wiß un ſtiw up de Büxenbeinlings. Äwer de Kapteihn was tan ſihr up den Vörweg un tau ſihr ut de Richt, un as wi de drüdde Buddel binah ut hadden, dunn ſlog hei ſik vör de Boſt un ſäd:„Kopernikus, von mir haſt Du ſie, ich habe ſie Dir abgetreten.“— Un de Ko⸗ pernikus ſäd, wat dat för'n dämlichen Snack wir, un mi würd himmelangſt, dat den Kapteihn ſine Groß⸗ muth wedder losbrök, denn wat dunnmals bi den Koffe ſo ſo aflopen was, kunn bi'n Kardinal ſlimm warden, un ik redte taum Gauden, un min oll Kapteihn let Allens äwer ſik ergahn;„denn,“ ſäd hei,„ich habe einen Troſt gefunden, einen Erſatz— und was für einen Erſatz!— einen reichen Erſatz!“ un nu vertellte hei denn ok de Annern in aller Heimlichkeit von ſine Auguſte, un wo't ſo kamen was, un wenn hei hacken blew, denn hülp ik mit in.— Un mit einem Mal, as ik grad de virte Buddel upmaken ded, kreg hei den Ko⸗ pernikus, de unverwohrs an em vörbi bottern ded, an den Slaprock tau faten un treckt em up ſinen Schot un küßt em un ſäd:„Kopernikus, wir bleiben ewig Freunde.“ —„„Ja,““ ſäd de Kopernikus un botterte ruhig wider. — Un de Franzoſ' un ik ſegen uns dit Bild von de — 270— ewige Fründſchaft an, ik käuhl bet an dat Hart, un hei käuhl bet an de Knei, von wegen dat Sprütten von den Waddick.—— Un ut Dankborkeit wull nu deKepernikus den Kap⸗ teihn ſinen nigen Schatz lewen laten:„Auguſte Martini!“ röp hei un ſtunn mit en Ruck von den Kapteihn ſinen Schot in de Höcht un—„Puff!“— ſäd dat unner den Kapteihn, un de Kapteihn ſackte en vir Toll ſider dal; ſo'ne Fründſchaft un ſo en Vivat kunn de Bein⸗ ling nich uthollen, hei was platzt, un de Keſ' was ut⸗ ſchaten. Herr Gott von Bentheim! Dor lagg nu de ſchöne witte Keſ' up de ſandigen Delen, un wat nich dor lag, dat hackte fläg'wis an den nigen hellgräunen Bodden, den ſik de Kapteihn in ſinen Slaprock ſet't hadd, un de Gegend dorümmer let ſo as en ſchönes gräunes Roggen⸗ feld in'n Frühjohr, wenn noch Sneiſchanzen doräwer liggen.—„So,“ ſegg ik,„dat kümmt dorvon!“— „„Ja,““ ſeggt de Kapteihn,„„dat kümmt dorvon;“— un de Kopernikus ſeggt„Oh!“ un de Franzoſ' will up⸗ ſtahn, üm ſik ok den Schaden tau beſeihn, ik holl em äwer wis un ſegg:„„Franzoſ', ik bidd Di üm Gotts willen, bliw ruhig ſitten, Du richtſt ſüs am En'n noch en niges Elend an.““— Aver hei lett dat nich, un as hei den Schaden ſüht, verföllt hei in en ganz unver⸗ ſtänniges Lachen un kriggt ſin Glas tau faten un röppt: „Charles'n ſine Melkwirthſchaft ſall lewen!“ un as hei den Kapteihn ſine Achterſid tau ſeihn kriggt, breckt hei wedder los mit Lachen un ſmitt ſik up de unverſtännigſte Wiſ' up ſinen Sitz taurügg:„Paff!“ ſeggt ok ſin Bein⸗ ling, un dor liggt de Paſtet.— „„Süh ſo,““ ſegg ik,„„mit dat Geſchäft wiren wi nu farig, nu fehlt blot noch, dat en por von Jug up den Infall kamen un ſtöten mit de Rombuddeln up Auguſte ehr Geſundheit tauſamen.— Willſt Du nich, Franzoſ'?— Willſt Du nich, Kopernikus?““ un ik ſchuw jeden en Ding hen.— Sei wullen nich; äwer de Kapteihn, de wull.—„Auguſte?“ frog hei.„Für Auguſte iſt nichts zu gut!“ un— bautz— ſleiht hei mit de ein Rombuddel an de anner, dat all unſ' Botter un all unſ' Inkünften von den Botterverkop äwer Diſch un Stäul lopen.—„„Oh, hir is noch'ne Buddel Kardinal,““ ſegg ik,„„willſt Du de nich leiwer ok intwei ſlagen?““— Un hei hadd't dahn, hei hadd't wohrhaftig dahn, wenn de Kopernikus nich ſo vel mitleidige Be⸗ ſinnung hatt hadd, tau ſeggen, dat wir doch man Schad, un em in den Arm tau fallen. Ik ſtunn dor un kek as en bedräuwten Lohgarwer mine fläutengahne irſte ökonomſche Unnernemung an, de Franzoſ' un de Kopernikus beſchäftigten ſik angelegentlich mit de letzte Buddel un mit vele ſlichten Witzen äwer de Melkwirthſchaft, wodörch ſei mi mäglicher Wiſ' up⸗ vermüntern wullen, un de Kapteihn gung nah ſine letzte Heldendaht un nah dat grote Botteropfer, wat hei ſine Auguſte bröcht hadd, mit'ne Ort militöriſchen Hahnen⸗ tritt up un dal un höll'ne lopende Standred' an ſine Büxenbeinlings, dat ſei em Johre lang tru deint hadden, dat ſei ümmer hollen hadden, un dat ſei ok ehren letzten Deinſt woll verſeihn hewwen würden, wenn minſchliche Unverſtand nich de Unmäglichkeit von ehr verlangt hadd. As dat letzte Glas in'n Stahn utdrunken was, denn taum Sitten was't nahrends mihr, kamm Fru Bütow'n rinne un ſlog de Hän'n äwer'n Kopp tauſam:„Herre Je! un unnen is't ebenſo, de ganze Stuw', de driwwt. — Na, Rendlichkeit is't halwe Lewen,“ ſäd ſei un fegte den Diſch mit en Beſſen af.— Dat was dat En'n von minen Transparenten un von den Kapteihn ſine witten militöriſchen Sommer⸗ Beinen; oder— beter ſeggt— dat was noch nich dat En'n, denn up de Nacht würd ik ſo krank, ſo krank, dat dat ſülwſten den Franzoſen jammern würd, un hei de ganze Nacht mit unſ' einzigſte Medizin, mit en Pott vull Kamellenthee vör min Bedd ſtunn. Un as Fru Bütow'n den annern Morgen rin kamm un minen erbärmlichen Verfat ſach, ſlog ſei wedder de Hän'n äwer'n Kopp tauſam un röp:„Herre Je! un unnen is't ebenſo; de Herr Kapteihn weit ok ſinen Liw' keinen Rath.“ Alſo de ok! na, denn wüßt ik jo nu Beſcheid, un as de Annern in de Friſtun'n gahn ſünd, kräpel ik mi nah den Kapteihn dal, un dor ſitten wi denn beid' un kiken uns enanner an, as Waddick un Weihdag', un ik ſegg:„Dat kümmt dorvon.“— Un hei ſeggt:„„Ja, dat kümmt dorvon; von den Kardinal.““—„Ne,“ ſegg ik;„von de Melk.“— Un wi ſtriden uns doräwer, äwer man ſwack, un tauletzt ſegg ik:„Kapteihn, lat dat! Sovel is gewiß: Kardinal un Melk verdragen ſik man ſlicht in den minſchlichen Liw', un in de irſten drei Dag — — 273— känen wi dat Ein un dat Anner nich geneiten. Süh, hir achter Din Bedd ſtahn all wedder acht Quart, min heww ik Fru Bütow'n hüt morgen all gewen, denn up 'ne Holländeri lat ik mi nich mihr in. Wo wir dat, Kapteihn, wenn Du Di, nahdem dat Du Di en beten verhalt heſt, ſauber antrecken dedſt un nah den Herrn Majur güngſt un den Melkhandel upkünnigen dedſt?“ Dat künn hei nich, ſäd hei, wat de Majur un ſine Dochter von em denken ſüllen?—„Kapteihn,“ ſegg ik, „Du büſt en ollen Haſ, Du verſteihſt Dinen groten Vurthel nich wohr tau nemen.— Süh, de General ward Di dat girn verlöwen, Du kümmſt mit den dicken Majur in en ſihr angenehmen perßöhnlichen Verkihr, un wenn Du'ne genaue un utführliche Beſchriwung von unſen ogenblicklichen Geſundheitsſtand makſt, denn müßt dat jo mit den Deuwel taugahn, dat ſik in Auguſte'n nich en Mitgefäuhl rögen ſüll.— Mitleid im Frauen⸗ herzen,“ ſegg ik,„Kapteihn, iſt halbe Liebe.“—— Richtig!— Nah drei Dag' gung de Kapteihn tau den Herrn Majur, un in deſe Tid börnte Fru Bütow'n ehr fiw lütten Gören dagdäglich mit 16 Quart ſäute Melk.— Olle Kamellen. II. 18 Kapittel 24. Ik krig en nigen Poſten in den Kopernikus ſine Leiwsangelegen⸗ heiten. Worüm de Bäcker krank warden möt, un worüm en richtigen Brüdjam ümmer up ein Sid ſine Brud un up de anner en gerökerten Schinken hewwen füll. Wat de General ſäd, un wat Vatter un Mutter ſäden, un worüm de Kapteihn nich wull, as ſei All wullen. Wo dat halw Anker tauletzt en Ennn kreg. De Kapteihn was rinne bi den Herrn Majuren gahn, un ik ſtah up de Lur, mit wat för en Geſicht hei woll wedder herute kümmt.— Wer kümmt antaugahn?— Aurelia.— Ik ſwenk mi alſo en beten an ehr ranne, denn ik heww ok Bildung, un ward mi bi ehr för Kauken un Kardinal bedanken, un wil dat ſei dat jo woll nich ſihr ilig hadd, ſo ſnackten wi an den Speckrüker ſine Eck en ganzen lütten nüdlichen Strämel taurecht. Na, ik ahn mi nicks Slimms, äwer as ſei weggahn is, kümmt de Kopernikus up mi tau un ſeggt, hei höll dat för ſihr ungebildt, dat ik'ne Dam' up de Strat anreden ded. — Je, ſei hadd eigentlich mi anredt, ſäd ik.— Dat wir lik gaud, ſäd hei, denn hadd ik mi nich dormit inlaten müßt.— Un de Kapteihn kümmt doräwer tau un ſüht ut as Bruſbort in't Kortenſpill un ſeggt, ik hadd em einen heimtückſchen Rath gewen, un dor wir hei ſchön ankamen, denn de oll Majur wir em eklich ſpitz kamen, un von Auguſte'n hadd hei blot noch en Zippel von de Nachtjack ſeihn, as ſei ut de Dör flitſcht was, un wider nicks.— Un wil dat ſei nu all Beid' ehre Leiwſten de Kur nich maken kunnt hewwen, maken ſei — 275— mi de Kur, bet ik denn tauletzt falſch würd un ehr frog ob ſei mi denn nu vullſtännig för ehre Wederſtang' an⸗ ſeihn deden, wenn an ehren Leiwshewen en Swark up⸗ trecken ded?— Nu gnurrte un gnägelte dat üm mi rümme, denn mit all de vele Leiw' was ok all de Dunner un dat Ungemack bi uns losbännig worden, wat äwerall dormit vermakt is; un wenn dat ſchöne Frühjohr nich kamen wir, denn wir ik jo woll dor ganz muſikaliſch mang worden, as oll Jakobſch in Stemhagen ſäd, as ehr Mann wegen de Schapfellen inſpunnt was. Awer dat Frühjohr friſcht den Minſchen wedder an, un ſo lang ik jichtens kunn, dammelte ik wedder unner de gräunen Lin'n hen un her. Un as ik einmal wedder an de lütten Tüſchengatz von Smidt Grunwaldten ſinen un den Bäcker ſinen Huſ' vörbi gahn will, wat ſeih ik dor?— Minen gauden Kopernikus un Aurelia, un hewwen't ok gor tau hild un reden un drücken ſik de Hän'n un— der Kukuk hal!— dat Ding, de Koper⸗ nikus, wuppt up de Tehnen in de Höcht un giwwt ehr — ſwabb!— en Kuß grad in't Geſicht.— Na, denk ik, dit's en ſchönen Beſäuk! Mi will hei dat Reden up de Strat verbeiden un hei fangt hir an tau küſſen! Du kumm mi man!— Un hei kümmt ok mitdewil.—„Kopernikus,“ ſegg ik,„ik holl dat för ſihr ungebildt, wenn Einer mit'ne Dam' up de Strat reden deiht.“ Hei kickt mi wat unſäker an un fröggt endlich:„„Wo ſo?““—„Awer noch ungebildter is dat, wenn Einer'ne Dam' up de 18* — 276— Strat küſſen deiht.“—„„Charles,““ fangt hei an ſo halwlud tau fluſtern, äwer hellſchen indringlich,„„ich bitte Dich! Sag nichts davon, wir haben uns eben verlobt.““—„Dit is luſtig,“ ſegg ik ebenſo verdutzt, as de Klockſiner Smidt, as Herr von Friſch tau em ſäd, hei wir en Eſel.—„„Ja,““ ſeggt hei,„„und Alles iſt in Richtigkeit, denn Mutter weiß es.“— „Dit ward ümmer luſtiger!“ ſegg ik, as de Klockſiner Smidt, as em Herr von Friſch en por Mulſchellen gaww un em nahſten ut de Dör rute ſmet.—„„Char⸗ les,““ ſeggt hei,„„ich mache Dich zum Vertrauten unſerer Liebe, Du kannſt uns helfen.““— All wedder en nigen Poſten bi dit Geſchäft! denk ik un ſegg:„denn ſall ik bi Jug woll as Vater ſpelen?“— Ne, ſäd hei; de kem ſo wi ſo in de negſten Dagen ran an den Baß; morgen äwer wir Sünndag, un de Reih taum Kirchengahn nah de Stadt wir an den Kapteihn un den Erzbiſchoff un mi, un ob ik dat nich ſo maken künn, dat de Kapteihn mit em tuſchen ded, un de Erzbiſchoff taurügg blew, denn wull hei de Gelegenheit nutzen un mit Aurelia'n up den Kirchweg dat Nothwennige bereden; ik müßt denn äwer den Unteroffzirer em von den Liw' hollen.— Alſo„Vertrauter unſerer Liebe!“ ſäd ik tau mi ſülwſt, as ik in de Kaſematt taurügg kamm:„dat büſt Du meindag' noch nich weſt!“ un ik äwerlegg mi de Sak un ſegg tauletzt:„ahn grugliche Lägen geiht de Geſchicht nich af;“ äwer ik fang ok furtſen dormit an. — Jk gah runne tau den Kopernikus un den Kapteihn — 277= un ſegg:„Kopernikus, Du ſädſt doch nilich von en Schinken; ik weit einen, in de Stadt is en ſchönen Schinken tau verköpen.“—„Ja,““ ſeggt dat lütte pfiffige Krät,„„äwer ik möt em ſülwſt ſeihn.““— „Na,“ ſegg ik,„denn kümmſt Du morgen mit rin in de Stadt, de Kapteihn ward Di ſine Städ' woll äwerlaten.“ — Un de olle gaude Kapteihn ahnte nicks Böſes, dachte ok mägliche Wiſ' an den Schinken un was mit den Tuſch taufreden.— Awer nu de Erzbiſchoff!— Ik kloppte den ganzen Nahmiddag up den Buſch: äwer ne! hei wull irſt den Paſter Salm⸗Salm hüren un ſik nahſten en por Pund gräun Sep köpen, denn hei wir in de Waſch, ſäd hei. — Jk redte mägliches Tüg; hülp mi all nich, ſine geiſtliche un ökonomiſche Natur brok ümmer wedder dörch.— Tauletzt kamm ik up den Infall un ſegg, as wi grad bi dat Bäckerhus vörbi gahn:„de ward ok nich wedder.“—„„Wer?““ fröggt hei.—„De Bäcker,“ ſegg ik,„hei hett dat jo woll mit en Swindel kregen. Hüt morgen ſtunn de Fru jo ganz kurlos in de Dör.“ —„„Wat?““ fröggt hei,„„wat? de arme Fru!““— „Ja,“ ſegg ik,„un ſei hett keinen Minſchen üm ſik, de ehr en beten an de Hand gahn deiht, un hei is ok ſihr kumplett un korthalſig.“— Nu wiren de Friſtun'n tau En'n, un as Fru Bütow'n den Abend kümmt, ſegg ik:„Fru Bütow'n, dat Leigen ward en enzeln Minſchen gor tau ſur, Sei möten mi en beten helpen; ik heww Sei jo ok dunn all de Melk gewen. Wenn morgen de Erzbiſchoff nah den — 278— Bäcker fröggt, denn ſeggen Sei man: mit em wirt ſlimmer worden; wider nicks.“— Na, Fru Bütow'n verſprok dat ok un ded dat ok, un as wi den annern Morgen prat wiren mit den Unteroffzirer in de Kirch tau gahn, ſtunn de Erzbiſchoff bi dat Bäckerhus un kek äwer den Tun un wull nich mit, wil dat hei de Bäcker⸗ fru tröſten wull. So alſo gahn wi Beiden den Kirchweg alleine dal, un ik ſegg:„Kopernikus, den Schinken möſt Du äwer köpen, denn ik weit würklich einen, un wenn Du ahn Schinken kümmſt, warden ſei de Lägen marken.“ In de Kirch ſatt uns Aurelia ſchreg gegenäwer, un wenn ik den Herrn Unteroffzirer utbenem, was ik den Dag woll de framſte von uns drei, denn knappemang was de Predigt ut, dunn gung dat ok all mang de Beiden ſtramm wedder mit Telegraphen los. Wi gungen ut de Kirch, de Kopernikus köffte den Schinken, un as wi de Schaſſeh nah de Feſtung ruppe gahn, dunn wankt Aurelia dor vör uns up, äwer mit knappe Schritten un't Geſicht meiſtens up den Rüggen.„Nu holl uns den Unteroffzirer von'n Halſ',“ ſeggt de Kopernikus, un ſine korten Beinen fungen an ſtüerlos tau warden, un ik würd mit einmal ſo amböſtig, dat ik ſtill ſtahn un mi verpuſten müßt.— Utenanner wiren wi nu; äwer de Unteroffzirer drew, dat wi wedder tauſamen kamen ſüllen, un dat ſüll ik jo nu doch hinnern.— Jk fung alſo an, de Gegend tau betrachten, ik plückte Blaumen an de Grawenburd, un as hei ümmer vörwarts driwen ded, ſprung ik ratſch äwern Schaſſehgrawen un frog em von Jenſid:„Wenn'k Sei nu weglopen ded?“ — Oh, dat würd ik jo doch woll nich dauhn, meinte hei.— Je, kumpawel wir ik dortau, ſäd ik; un as ik wiß wir, dat ik em'ne Flöh in't Uhr ſet't hadd, kamm ik wedder räwer un hadd nu dat Vergnäugen, dat hei ſik ümmer drang' an mi höll, un dat de Kopernikus ſin Leiwsangelegenheiten afmaken kunn. Kort, ik ſpelte'ne Ort von Schutzengel un hadd mine Freud an de Beiden, wo ſlank un rank Aurelia dorhen gung, wo friſch un rod ehr de Backen lücht'ten von Hoffnung un von Früh⸗ johrs⸗Morgenwind, un wo dat lütte Krät von Koper⸗ nikus mit de korten Beinen gegen ehr up haspelte, in den Harten de friſche Leiw' un unner den Arm den ge⸗ rökerten Schinken.— So het't Ort, ſegg ik tau mi, denn wat nützt uns de Leiw', wenn de Nohrung fehlt! Un ſörre de Tid hett mi ümmer de Kopernikus un Aurelia un de Schinken vör Ogen ſtahn, wenn ik an'ne gangbore Leiw' dacht heww. Un dat ſei äwer de Nützlichkeit de Annehmlichkeit nich vergeten heww'n, kann ik ok betügen, denn as wi mang de Feſtungswark kemen, wo de Weg ſik ſwenkt dunn wiren ſei nich tau ſeihn, un as wi en beten wider gahn wiren, dunn kemen ſei achter uns her, achter'n Kugelfang rute un hadden ſik ok Blaumen plückt, ſäden ſei; un ik will't glöwen. De Kopernikus hadd ſik rode Feldnägelken plückt, un ſei gele Botterblaumen, denn ehre Lippen gläuhten rod, un hei was wedder gel. „Charles,“ ſäd dat lütte Ding von Brüdjam tau mi, as Aurelia ſelig verſwunnen was,„der Vater weiß es auch ſchon und hat ſeine Einwilligung gegeben.“— „²„Ja,““ ſegg ik,„„dat is All recht ſchön, äwer, paß up! nu geiht't up mi wedder los;““ denn ik ſach den Erzbiſchoff unner de Linden rümmer puſten.— Knapp wiren wi gegen em kamen, dunn ſnow hei mi an: „Lauter Lügen! lauter ausgeſtunkene Lügen! Der Bäcker iſt ganz geſund.“—„„Dat freut mi,““ ſegg ik,„„freut mi üm de Fru ehrentwillen; alſo hett hei ſik wedder verdort?““—„Er iſt gar nicht krank geweſen.“— „„Nich?““ ſegg ik;„„deſto beter.“—„Awer denk Di mal!“ ſeggt Don Juan, de dorbi ſtunn,„nu ſlickt ſik de Erzbiſchoff ut Mitgefäuhl för de Fru in dat Hus rinne, un as hei in de Stuw' rin kümmt, ſitt de Bäcker dor un hett en Spickaal un ſur Fleiſch un'ne Kämbuddel vör ſik ſtahn un frühſtückt ganz as en Ge⸗ ſun'n, un as hei ſik doräwer verfihrt un von Dod un Deuwel an tau reden fangt, kumpelmentirt em de Bäcker ut de Dör rute, denn Grunewaldten ſine Emillie ſeggt, hei kann dat Wurd„Dod“ äwerall nich liden.“— Un dormit kriggt hei mi unner den Arm tau faten un geiht mit mi allein un ſeggt:„Du? Is dat nu All in de Reih?“—„„Wat?““ frag ik.—„Oh, ik mein man! Mit den Kopernikus un Aurelia'n.— Grun⸗ waldten ſine Emilie ſeggt, dat is all lang in'n vullen Gang'“— Sol nu wiüßt de dat ok all, un ik kamm mi as„Vertrauter unſerer Liebe“ ſihr äwerflüſſig vör. Ik gah alſo nah den Kopernikus un ſegg:„Koper⸗ nikus, Du weitſt't, Mutter weit't, Vater weit't, un Au⸗ —— 12— — 281— relia weit't irſt recht; ik weit't, Don Juan weit't un Grunwaldten ſin Emillie weit't ok; nimm mi den Ver⸗ trugenspoſten af, denn mit den Erzbiſchoff bün ik nu ok all wedder äwer den Faut ſpannt. Süh, hüt is Sünn⸗ dag, un hüt Nahmiddag bi den Koffe, wo wi All tau⸗ ſamen ſünd, wir de beſte Gelegenheit, de Annern mit Dinen Brüdjamsſtand bekannt tau maken.“ Un dat geſchach, un as de Kopernikus ſin Glück vertellt hadd, was min oll Kapteihn de Herzlichſte bi't Gratuliren, denn hei dachte jo woll an ſine Auguſte; un as Allens ruhiger worden was, dunn ſmet ſik de Frag up, wat nu geſcheihn müßt, un't wohrt nich lang', dunn wiren wi All einig: de Kopernikus müßte den General ſine Ver⸗ lawung anzeigen un müßte den Andrag ſtellen, ſine Brud beſäuken tau dörwen. Dat gung dörch, un de Kopernikus let ſik up den annern Dag bi den Herrn General melden, un de Antwurd kamm taurügg: de General wull em den annern Dag ſpreken, wenn hei von’t Waterdur nah de Parad' güng. Den annern Morgen Klock elben, as dat Tid tau de Parad' was, gaww ik Kopernikuſſen dat Geleit up ſinen ſuren Gang, hei müßt ſik bi de lütte Lind' up⸗ ſtellen, un ik ſtellte mi achter'ne dicke Pöppel, hei lurte up den General, un ik lurte up em, woans hei ſik woll bi de Sak ſtellen würd, un af un an röp ik em ſo'ne lütte Upmünterung tau, as:„Ummer düchtig dor, Kopernikus!“ un„Holl de Uhren ſtiw, Kopernikus!“ un „lat Di nich verblüffen, is't elwte Gebot!“ Endlich kamm de oll Herr grot un ſtatſch mit Drei⸗ — 282— maſter un Fedderbuſch langſam antauſtigen, un unſ' lütt Brüdjam trippelte em krätig entgegen. Dat ſach ik nu glik, dat dat en ſwor Stück för den Kopernikus warden würd, denn de oll Herr kek annerthalwen Faut up em dal un redte mit em bargdal, un de Kopernikus ſüll bargan reden.—„Was wünſchen Sie?“ frog de General ganz fründlich.— Mi kloppte dat Hart achter de olle Pöppel.—„„Herr General,““ ſäd dat Krät ganz vernimm, ſtellte ſik up den linken Bein, höll den Kopp ſo'n beten ſcheiw, wohrſchinlich, üm ſinen wiß⸗ näſ'ten Snabel in dat gehürige Licht tau ſtellen,„„ich komme her, um Ihnen meine Verlobung anzuzeigen.““ —„Was? Deuwel....“ röp de oll Herr, un't was ordentlich, as wenn ſik de Hor up ſine witte Prük ver⸗ firen deden, denn de Fedderbuſch ſchot noch annerthalben Toll höger up.—„„Ja,““ ſäd unſ' Brüdjam ganz driſt un makte dörch ſine Apenherzigkeit ſinen nigen Stand alle Ihr,„„ich habe mich geſtern mit der Tochter des Herrn Proviantmeiſters Lucke verlobt.““—„Den Deu⸗ wel haben Sie!“ röp de oll Herr.— Den hadd hei nich, ſäd de Kopernikus, kränſch as en Vullblaudpony, hei hadd blot'ne Brud.—„Un dat ſagen Sie mir? Un dat ſoll ich nach Berlin melden?— Himmel⸗Kreuz⸗ Donnerwetter, was würden die in Berlin vor Augen machen, wenn ſie zu hören krigten, daß ſich die Dema⸗ gogen hier ſchon verloben?“— Awer de Kopernikus let ſik nich verblüffen, hei ſtellte ſik blot tau de Afweſſelung up den annern Bein, ſet'te de Arm in de Siden un ſäd:„„Herr General, gegen die Verlobung ſelbſt können — 283— Sie gar nichts einwenden, das iſt meine Sache; ich komme auch blos her, um Sie um die Erlaubniß zu bitten, meine Braut beſuchen zu dürfen.““—„Und Sie meinen, ich bin ſo dumm und ſoll Ihnen die Er⸗ laubniß geben?— Ne!— Wenn das die Andern erſt zu wiſſen kriegen, daß ſie dadurch in die Häuſer hinein⸗ kommen können, ſie verloben ſich morgen im Tage All⸗ zuſammen.— Ne, auf ſolche Geſchichten wollen wir uns doch lieber nicht einlaſſen,“ ſäd hei, un ſomit gung hei af un läd nich mal de Fingern an den Haut.—— „Charles.“¹ ſäd de Kopernikus tau mi, as ik achter de dicke Pöppel herute kamm—„Charles....“ ſäd hei un was ganz intwei.—„„Lat Du dat man ſin,““ ſegg ik,„„up den irſten Hau föllt de Bom nich,““ un ik klarr an em mit allerlei Troſt herümmer, un as wi tau de Annern taurügg kamen, fangen de ok an; äwer wi wiren All ſihr bedräuwt, denn de Kopernikus was unſ' Brüdjam, un wat em paſſirt was, was uns paſſirt, denn Schr.... ſine Brudſchaft was nich tau reken, de was vör unſ' Tid taurecht kamen. Wi termaudbarſt'ten uns den Kopp nah'ne Utkunft; äwer Allens, wat ſüs in ſo'ne Verhältniſſen taudräglich un paßlich is, taum Biſpill:'ne Entführung, de Don Juan abſlut in de Reih bringen wull, kunn nich billigt warden, denn de Kopernikus hadd ſine Brud up de Fe⸗ ſtung ümmer in en Ring rümmer entführen müßt. Ne heimliche Eh' ſlog de Erzbiſchoff vör.— Ja, ſei wir in Gang tau bringen: de Kopernikus hadd wedder ſine gelen Turen krigen müßt, un wildeß, dat Lewandowsky — 284— glöwte, hei ſpeigelte ſik in Grunwaldten ſine Theertunn, hadd hei ſik in den Durweg trugen laten müßt, äwer wo en Preiſter herkrigen? denn de Erzbiſchoff was ka⸗ tholſch, un Keiner von uns hadd tau ſinen geiſtlichen Stand rechten Fiduz.— De Sak was äwerall ſlimm; äwer tauletzt kemen wi äwerein, de Kopernikus hadd ſin Mäglichſtes dahn, nu müßte ſei ok wat dauhn, dat heit Aurelia. Sei kreg alſo deſe Orrer, un de Sak kreg'ne Ut⸗ ſicht. Aurelia was nämlich'ne uterwählte Fründin von den General ſine annamene Dochter, un de oll Herr müggt ſei girn liden un ſpaßte girn mit ehr, un as hei nu in de negſten Dagen nah dat Waterdur runner gung, un ſei— ganz taufällig— äwer de Boſtwehr von de Ramp räwerkek, drauhte hei ehr mit ſine olle brave Fuſt un ſäd:„Warten Sie man, Sie haben mich einen Demagogen verführt.“— Ja, ſäd ſei, dat hadd ſei woll; äwer Vurthel hadd ſei nich dorvon, denn ehr Brüdjam dürwt ehr nich beſäuken.— Dunn hadd de olle Herr ſik an den witten Snurrbort dreiht un ſik an de witte Prück ſchaben un hadd tauletzt halw gaud⸗ mäudig, halw verdreitlich ſeggt:„Na, ſchicken Sie mich heute Mittag den Papa mal zu.“— Un Vater was ok hengahn, un de oll Herr hadd em fragt, wat hei dor⸗ för inſtünn, dat de Kopernikus nich weglöp? Un Vater hadd ſeggt: dat künn hei nich, wil dat hei nich in den Kopernikus ſine Hut ſtek; hadd äwer ſihr verſtännig dortau ſet't: hei hadd äwer noch ſeindag' nich dorvon hürt, dat Einer deſſentwegen ihre weglopen wir, wil — 285— dat hei'ne Brud hadd.— Dat hadd den ollen Herrn denn nu inlücht't, un den Nahmiddag müßte de Brüd⸗ jam tau em kamen.— „Nu kümmt de Sak taum Swur,“ ſäden wi, as wi All up en Dümpel bi de lütte Lind' ſtunnen un up den lütten Kopernikus täuwten.— Na, tauletzt kamm hei, un wo ſmet hei de lütten Bein! So utwarts gung hei as mäglich, un as hei gegen de Lind' kamm, dunn ſwenkte hei dreimal ſinen witten Snuwdauk gegen Au⸗ relia'n ehr Finſter un de weihte dreimal wedder, un Lewandowsky ſäd: dat ſeg hei nu, de Herr Kopernikus künn nu mit gepackten Tornüſter, mit Ober⸗ un Unner⸗ Gewehr in ſinen Brudſtand rinnner marſchiren. Un as wi in unſre Kaſematt taurügg kamen wiren, kregen de Franzoſ' un ik den Kopernikus tau faten un ſtellten em up den Diſch, denn hei was unſ' Stolz, wil hei't dörchfuchten hadd för uns Alltauſamen; un de Koper⸗ nikus höll'ne Red', de fung an: in de Ort, as Aurelia dat ſchönſte Frugenzimmer up de ganze Welt wir, wir ok de oll General de beſte Kirl up de ganze Welt; un hei ſlot: in de Ort, as de General de beſte Kirl up de Welt wir, wir Aurelia dat ſchönſte Frugenzimmer up de ganze Welt. Un wi ſtimmten em dorin bi, ut Ihrlichkeit wegen den ollen General un ut Höflichkeit wegen Aurelia'n, un as wi glöwten, nu wir de Sak taum Sluß, dunn kamm äwerſt dat dick En'n nah, denn de Kopernikus langte in den Buſſen un treckte'ne Schriwwt herute, de müßten wi, ſäd hei, tau ſin vull⸗ ſtännig Glück All unnerſchriwen. Un as hei ſei vör⸗ — 286— leſen müßt, dunn ſäd de oll General dorin: wi Awrigen füllen uns All hir unnerſchriwen, dat Keiner von uns ſik hir wider verlawen wull, denn an eine Verlawung hadd hei naug.—— Na, dat was nu mal en Stück! De Geſichter wür⸗ den denn ok ſihr lang utſeihn; äwer wat hülp dat All? Ik äwerſchot in Gedanken mi de Frugenzimmer, de up de Feſtung noch begäng' wiren, un as ik dor nich recht wat Paßlichs funn, ſchrew ik mi unner: Charles douze. Nah mi kamm de Franzoſ', de ſäd, ſo lang hei ſitten ded, dacht hei nich an't Frigen, un wenn hei fri kem, wir hei wedder preußſche Leutnant, un denn müßt hei, wenn hei ſik verfrigen wull, 12000 Daler up⸗ wiſen, un de hadd hei nich, alſo: Franzoſ, königlich preußiſcher Lieutenant, augenblicklich a. D. Dunn kamm de Erxzbiſchoff, de ſäd, vör en por Dagen hadd hei't nich dahn, nu äwer dat hei den Bäcker bi dat Frühſtück ſeihn hadd, wull hei't dauhn, denn de Mann künn noch lang' lewen: F. W., Erzbiſchoff. Don Juan ſäd, hei wull kein Narr ſin un ſik faſt binnen, hei wir noch jung, un em hürte noch de ganze Welt tau, ſo wat ded hei den Kopernikus girn tau Gefallen: Don Juan, Dichter. Nu kamm de Kapteihn an de Reih'; äwer de wull nich.—„Ih, Kapteihn,“ ſegg ik,„Du wardſt doch woll vör Allen de jungen Lüd' ehr Glück up de Bein helpen.“— Ne, hei wull nich un as wi em driſter tau Liw' gungen, ſäd hei, wi ſüllen rechtlich von em denken, hei hadd wiß un wohrhaftig naug dahn gegen den Kopernikus, hei hadd em'e vullſtännige Brud aftreden, un wat em dat koſt't hadd, dat wüßt hei; äwer ſine Taukunft künn hei em nich verſchriwen, denn an ſine Taukunft hüng dat Glück von en anneres Weſen, un för dat müßt hei upkamen, denn dat wir en ſwackes Frugenstimmer. Dor ſeten wi denn nu wedder mit en dicken Kopp! Ik argert mi nich ſlicht un kreg den Kapteihn allein un frog em:„Na, büſt Du mit Dine Auguſte denn nu ok all wedder in de Reih'?“—„„Ne!““ ſeggt hei, „„vull ſo wid is't noch nich.““—„Na,“ ſegg ik, „denn mötſt Du Di ſpauden, denn dat, wat nu all en Virteljohr lang munkelt hett, hett ſine Richtigkeit, de oll Majur is tau de Dispoſition ſtellt un treckt deſ' Woch' all af, un de nige Majur von den Platz is all hir.“— Dat wull un kunn hei nich glöwen; äwer as hei Lewandowsky'n fragt hadd, un as den annern Morgen de Drähnbartel von Erzbiſchoff den Drähnbartel von Platz⸗ majur in ſine Gegenwart fragen ded, woans de Sak ſtünn, un as de Platzmajur mit alle Ümſtäu'n vertellen ded, dat de oll Majur noch deſ' Woch' aftrecken ded, un Auguſte all afreiſ't wir, dat ſei de nige Wahnung up Jenſid von den Fluß inrichten ſüll, dunn ſackte an den Kapteihn ſinen He⸗ wen ein Stirn nah den annern dal, un as hei nu in'n Stickendüſtern ſatt, dunn verſchrew hei ſine Taukunft ok an den Kopernikuſſen ſin Glück:„Aber,“ ſäd hei tau mi, „Charles, ich habe mit meinem Herzblut unterſchrieben.“ Den annern Dag gung nu de Schriwwt an den General taurügg un de Kummandantur⸗Befehl kamm taurügg un würd in't Wachbauk indragen: Wil dat Unglück nu doch einmal geſcheihn wir, ſo künn de Ko⸗ pernikus ſine Brud alle drei Dag' beſäuken un't künn den Dag glik losgahn. Lewandowsky ſüll äwer üm⸗ mer bet an de Dör mit em gahn. Mit uns Awrigen blew't bi'n Ollen. Nu treckten wi denn unſen lütten Brüdjam ſmuck an, un as hei ſo vör uns ſtunn in ſinen Stat, dunn ſach hei ſo nüdlich ut, as'ne Kin'njes⸗Popp, äwer mit en blagen Liwrock, denn hei hadd ſik tau deſen Gang en nigen maken laten. Un nu gung hei bi uns rüm⸗ mer un bedankte ſik bi uns, dat wi em tau ſin Glück verhulpen hadden, un gung an ſinen Kuffert un halte den Schinken herute un ſmet em up den Diſch un ſäd: Da, den gew hei taum Beſten. Un wi nemen em nu in unſere Midd un gewen em dat Geleit— bet up den Kapteihn, de wull nich, denn dat wir em tau an⸗ grepſch, ſäd hei— un bröchten em bet an de lütte Lind', un von dor ſchot hei von uns furt up ſine Leiwſte tau, de ganz roſenrod in de Husdör ſtunn, as ſo'n lütten blagen Käwer, de pil up'ne Roſ' los burrt un ine Ümſeihn dorin verſwunnen is, denn— ſwabb! — flog de Husdör tau, un wat Käwer un Roſ' ſik —= 289— dor vertellt hewwen, dat kreg Lewandowsky wenigſtens nich tau weiten, denn de kläterte nu irſt mit ſin„Sei⸗ tengewehr“ bet an de Dör ranner. Un wi ſtunnen nu dor un lurten, denn ſei müßten ſik doch an't Finſter wiſen, un as dat irſte Heſ'weſen tüſchen de Leiwslüd' voräwergahn ſin müggt, dunn kemen ſei denn ok Arm in Arm an't Finſter un dinerten un nickköppten, un dat Ding de Kopernikus ſach ſo vörnem ut, as en twölwjöhrigen Graf, un Aurelia bögte ſik ſo ſmidig, as en Lilgenſtengel, up den rode Roſen waſſen, un för de Beiden hadd ſik lütt Idachechen drängt un klappte in de Hän'n un winkte un lachte un wiſ'te up ehren lütten nigen gelen Swager, as wir't'ne Honig⸗ popp, de ſei tau Wihnachten kregen hadd, un achter dat Ganze ſtunn„Mutter“ un dukerte ümmer knixwis up un dal, dat de Franzoſ' tau mi ſäd:„Du, dor achter ward bottert.“— Un Don Juan, de inn Horen gung un nicks taum Swenken tau Hand hadd, ret den Erz⸗ biſchoff ſinen Körbſenſtengel von den Kopp un ſwenkte em in de Luft un röp:„Hurah för de Beiden!“ un wi Annern röpen„Hurah!“ mit un ſwenkten ok mit de Mützen— blot de Erzbiſchoff nich, de grawwelte ſik verlegen up den kahlen Kopp herüm.— Un de oll Herr General hadd dat Hurah ok hürt un hadd jo nahſten tau Lewandowsky'n ſeggt,'t wir nich ganz in de Ord⸗ nung weſt; äwer hei hadd ſik doch freut, dat wi ſo kammeradſchaftlich tau enanner höllen. Un as wi nu mit Spaß un Lachen wedder an unſe Kaſematten ranne kamen, dunn ſitt unſ' oll brav Kap⸗ Olle Kamellen II. 19 teihn in ſine grote Bedräuwniß an den Diſch un hett ſik den Schinken utenanner klöwt un fött ſinen Hartens⸗ kummer un ſine Leiwsnoth mit Speck un Brod tau en wohren Riſen in ſik grot, un as wi nu mit Hägen un Lachen üm em ſtahn un uns wunnern, dat Schinken gaud ſin ſall gegen Trurigkeit, ſeggt hei mit'ne gotts⸗ erbärmliche Min', hei hadd dat Bedürfniß in ſik fäuhlt ſit nützlich tau beſchäftigen, üm de ſwarten Gedanken Herr tau warden, un in deſen Tauſtand wir em de Schinken in de Hand follen un hei hadd em uns blot mundrecht maken wullt.—„Un dat hett hei dahn!“ röp Don Juan,„un nu will'n wi taulangen. Äwer täuwt noch en Beten: ik bring ok noch wat.“— Un hei gaww den Erzbiſchoff en Wink, un ſei gungen un kemen wedder; äwer mit en halw Ankersdeil Win, un Don Juan ſäd, dat hadd eigentlich irſt an den Dag drunken warden füllt, wenn hei frikamen ded— denn hei hadd ſine Tid negſtens afſeten— äwer hüt wir ok en Dag un en ſchönen Dag.— Ja, ſäd ik, denn't wir eigentlich för uns Alltauſam unſ' Ihrendag.— Un de Kapteihn kreg wegen ſine grote Bedräuwniß dat irſte Glas, un hei drunk't ok richtig ut, in de vernünftige Anſicht: Schinken allein ded't bi em nich.— Un as wi nu All ſo recht ſchön in'n Tog wiren, gung de Füer⸗ warksleutnant mit en por annere Leutnants, de wi kennen deden, an't Finſter vörbi, un ſei müßten rin kamen, un de Herr Unteroffzirer von de Wach wull nich rinne ut Reſpekt vör ſine Vörgeſetzten, ſtunn äwer achter de Dör un drunk ein Glas nah dat anner, un as Lewandowsky mit unſen lütten Brüdjam endlich wedder angeleddt kamm, ſtellte hei ſik mit den Herrn Unteroffzirer tauſam, un ſei unnerhöllen ſik dor beid ut ein Glas.— Awer unſ' lütt Brüdjam würd baben an⸗ ſet't un ſin un Aurelia'n ehr Geſundheit würd ümmer ümſchichtig drunken, un denn mal wedder tauſam, un Don Juan makte up de Verlawung en Gedicht ut den Kopp, ſo as hei ſtunn un gung, äwer ſei ſäden All, dat paßte mihr up'ne Hochtid as up'ne Verlawung wegen de Anſpelung, un de Franzoſ' näumte ſik mit de Leutnants ümmer„Herr Kammrad“, un de ein Leutnant kamm dor ſpaßwiſ' mit rute, dat de Füerwarksleutnant un de Kapteihn eigentlich en por Gegenbuhler bi Auguſte Martini wiren, ſo dat ſei Beid ganz weikmäudig würden un ſik in de düſterſte Eck von de Kaſematt tau'ne ewige Fründſchaft verſwüren, un de Erzbiſchoff vertellte de annern beiden Leutnants ſine Gefangenſchaft up de Husvagtei un wiſ'te ehr ſinen kahlen Kopp, den hadd hei dorvon kregen, ſäd hei, dat ſei em'ne tau korte Beddſtäd' gewen hadden, wo hei unnen un baben anſtödd hadd, un dor hadd hei ſik babenwarts all de Hor afſchürt. Un ſo kregen denn de Verlawungsfeſtlichkeiten en En'n as dat halw Anker en En'n kreg, un de lütt Kopernikus blew en Brüdjam bet hei en Ehmann würd, un de Kapteihn blew leddig un los, bet hei en Brüd⸗ jam würd. Un wenn ſei Beid noch lewen, denn wünſch ik ehr vel Glück, vel Glück, denn ſei wiren en por brave Kirls un hewwen mi männig Gauds andahn.—— 19* — 292— Kapittel 25. Tauletzt ſeggt de Franzoſ' doch noch wohr. Woans ik„Urphede“ ſwören möt un wedder mit en Schandoren dörch't frie dütſche Vaderland reiſen möt. Wat mi up de Reiſ' paſſiren ded. Worüm de preuß'ſche Schandor en ſlichten Begriff von de meckelnbörgſchen Beamten kriggt, äwer mitdrinken deiht. Franzing, weitſt woll noch? V Don Juan was fri kamen, un wi Annern muddelten ümmer ſachten wider. Söß Johr hadd ik nu all ſeten un blot vir un twintig blewen mi noch nah. Mine meckelnbörgſche Landesregierung hadd mi taurügg föddert, dreimal hadd ſei mine Utliwerung verlangt; äwer de Preußen deden't nich, obſchonſt ik kein Preuß was, mein⸗ dag' nich in Preußen ſtudirt, alſo ok min gruglich Ver⸗ breken nich in Preußen begahn hadd.— De Sleswiger un Holſteiner wiren up Verlangen an Dänemark utliwert 4 — worüm de? wohrſchinlich, wil Dänemark gegen Preußen dat Mul wid upreten hadd, grad as nu.— Mine meckelnbörgſchen Kammeraden von Jena her wiren mit en halw, mit dreivirtel, höchſtens mit ein Johr af⸗ kamen, un as ik noch up de Husvagtei in Unnerſäukung ſatt, ſtudirte ein von ehr all wedder luſtig in Berlin, un de was deiper in de Sak verwickelt, as ik.— So was't dunnmals in Dütſchland— Gott gew, dat't beter ward!— Sei ſeggen jo, Preußen hett up Stun'ns de Führung in Dütſchland äwernamen— in Gotts Namen! ſegg ik— äwer dunnmals hadd't ok de Führung, in Norddütſchland wenigſtens, un wo hett't uns dunn r — 293— henführt? De ganze Karr, de mit alle Kraft un Gewalt, mit Haw un Gaud, mit Thran un Blaud von dat Volk ut den franzöſchen Sump ruterreten was, hett dat dunn in en Grawen ſmeten un den Einzelnen mit Un⸗ gerechtigkeit un Grauſamkeit verfolgt.— Äwer lat dat! de Wind hett dräwer weiht, un de Vagel is dräwer flagen, un von de ſwarte Tafel, worup de bittern Ge⸗ danken von jeden Enzelnen von uns verteikent wiren, is de Schriwwt binah verlöſcht— ſall verlöſcht ſin, wenn de groten Herrn de Schriwwt blot leſen wullen, de vör ewige Tiden in Stein uthau't is.— Allens hett up Stun'ns wedder Hoffnung, Allens politiſirt üm mi rümmer, un binah bi Allen kümmt dat up't Reken rute, de Ein rekent ſinen Vurthel ſo herümmer, un de Anner anners herümmer, ſei politiſiren mit den Kopp; Unſer⸗ eins ok mit dat Hart; denn ſtahn in ehren Kopp de Tallen ok hell un klor, ſchön in eine Reih, wat uns in't bläudige Hart ſchrewen is, höllt doch länger un ſtrömt doch warmer dörch't ganze Weſen, as de heilge Zins⸗ up Zins⸗Reknung. Awertt ſüll nu anners warden, un de mi dat tauirſt verkünnen ded, was min Franzoſ'.— Ik heww all ſeggt, dat hei en grot Geſchäft mit Prophenzeihen bedrew, ok mit Drömen; un ſo waken wi denn eins Morgens up, un hei ſeggt tau mi:„Weitſt, wat mi drömt hett?“— „„Ne,““ ſegg ik.—„Mi hett drömt,“ ſeggt hei,„Du kriggſt hüt en Breiw von Dinen Vader.“—„„Dat's woll mäglich,““ ſegg ik kort, denn wenn Einer up ſine Geſchichten ingung, denn was den ganzen Dag kein — 294— Vergang mit em.—„Du kriggſt ok Geld,“ ſeggt hei. —„Ne,““ ſegg ik,„„min Vader hett mi irſt vör virteihn Dag' Geld ſchickt, ſo fix geihtt nich.“— „Du kriggſt Geld,“ ſeggt hei,„un kriggſt noch'ne annere fröliche Nahricht.“— Na, ik eſtimir dat nich wider un gah, as dat Tid is, dal nah de Friſtun'n un as ik mit de Annern dor vör de Dör ſtah, de upflaten ward, geiht juſt de Kopmann Swarz dor vörbi, bi den ik dörch minen Vader akkreditirt was, un de meiſtendeils mine Breiwſchaften beſorgen ded, d. h. wenn de oll General ſei leſen hadd.—„Schön, dat ik Sei drap!“ ſeggt hei. „Sei hewwen en Breiw unnen up de Poſt.“—„„Sühſt Du?““ ſeggt de Franzoſ', de achter mi ſtunn.— „Awer de Breiw,“ ſeggt de Kopmann wider,„is mit Geld beſwert, un ik möt irſt den Poſtſchin dal ſchicken.“ „„Sühſt Du?““ ſeggt de Franzoſ' wedder.— „„Merkwürdig!““— Na, wi gahn in de Friſtun'n, un't paſſirt wider nicks; äwer as wi des Nahmiddags unner de gräunen Linden ſitten, un ik mit den Kapteihn ne Partie Schach ſpel, ſteiht de Franzoſ' un kickt tau. — Na, ik kik denn einmal ſo verluren de Alleh entlang un ſeih den Kopmann dor dal kamen mit en witten Snuwdauk in de Hand, den ſwenkt hei ümmer ſo dörch de Luft.—„Wat föllt den in?“ ſegg ik,„ſo warm is't doch grad ok nich, dat hei ſik fäkeln möt.“—„„Hei bringt Di de gaude Nahricht!““ ſeggt de Franzoſ', un as de Kopmann neger kümmt, röppt hei mi tau:„Sie kommen von hier fort, Sie werden an Ihr Vaterland ausgeliefert.“—„„Merkwürdig!““ röp de Franzoſ' un — gung ganz verſtutzt bi Sid, as hadd hei ſik äwer ſine eigne Kunſt verfirt. Un't was ok merkwürdig, dat ſin Prophenzeihen einmal würklich genau indrapen was, denn wohr is de Sak; äwer't wir noch vel merkwürdiger weſt, wenn all ſin Wohrſeggen indrapen wir, denn min gaud Franzoſ' hett de wunderlichſten Saken vörher ſeggt, un wenn dat Allens würklich geſcheihn wir, denn hadd de ganze Welt en Rucks kregen, un wi güngen dorin jo woll nu up den Kopp ſpaziren.— Mi wenigſtens würd binah ſo tau Sinn, as ſüll ik en pormal vörlöpig Heſterkopp ſcheiten, üm den Bregen wedder in de gehürige Lag' tau ſchüdden, as ik deſe Nahricht kreg un't wohrte'ne ganze Tid, ihre ik mit Verſtand minen Vader ſinen Breiw leſen kunn; äwer dor ſtun'nt jo düdlich in, dat ik in min Vaderland ut⸗ liwert warden ſüll, frilich blot bet an ſin bütelſt En'n un in keine angenehme Gegend, nämlich nah Däms; äwer dor ſtunn't jo düdlich in, dat ik deſe Verſettung de perßöhnliche Vörbed von minen Großherzog Paul Fridrich bi den ollen König von Preußen tau danken hadd, wat ſin Swigervader was, frilich mit den eklichen Tauſatz: de König von Preußen behöll ſik dat Begnadi⸗ gungsrecht vör, un wat min eigen Großherzog wir, dürwte mi nich gahn laten.— Dat was Allens recht ſlimm, äwer't was doch nich anners tau maken; all Bott helpt, ſäd de Mügg un ſpuckt in den Rhein, un ik dacht bi mi, wenn Du man irſt dor büſt, denn ward't ok woll nich ſo heit eten, as't upfüllt is. Un dat hett Paul Fridrich för mi dahn, un wenn — 296— ik nah Swerin kam, denn beſäuk ik em up ſin Poſtament vör den Sloß, denn begrüß ik em in ſine ſtille Gruft, un de Würd', de min Hart denn redt, ſünd vull Dank dorför, dat hei mal'ne arme afquälte Minſchenſeel tau 'ne grote Freud uperweckt hett. Virteihn Dag' vergungen nu noch, bet dat Allens „officiell“ in Ordnung was, dunn würd ik tau den Auditöhr kummandirt un müßte„Urphede“ ſwören, dat ik keinen Faut meindag' nich up dat preußſche Rebeit ſetten wull, ſüs ſüllen de Schandoren mi upgripen un wat ganz Gruglichs— ik weit nich mihr wat— mit mi upſtellen.— Du leiwer Gott! wo ännert ſik dat All; nu bün ik Preuß,— koſt't mi ſäben un twintig un en halwen Sülwergröſchen— un wahn as Inligger in Meckelnborg, un wer weit, wat mi nu de Meckeln⸗ börger nich wedder„Urphede“ ſwören laten, denn „Was iſt des Deutſchen Vaterland?“ is en ſchön Lid, un ik heww't ok oft ſungen, äwer meindag' nich funnen un bün nu doch ok all binah twei un föftig Johr dorin rümmer wandert, ok dorin rümmer ſtött worden. As de Feierlichkeit mit dat„Urphede“⸗Swören tau En'n was, as ik von minen ollen braven General un mine trugen Kammeraden Afſchid namen hadd, müßt ik tau den Herrn Landrath kamen. De Mann was fründ⸗ lich gegen mi, un ſet'te in minen Paß utdrücklich:„der Flucht nicht verdächtig, weil er in ſein Vaterland aus⸗ geliefert wird“; äwer'n Schandoren kreg ik doch mit up den Weg, un ſo reiſ'te ik denn wedder mit deſen Klotz an'n Bein hunnert un twintig Mil dörch't frie dütſche Vaderland. — ——— — 4— — 297— Den irſten Dag hadd ik dat Glück, Auguſte von Martini vör ehre nige Wahnung up Jenſid von den Strom tau drapen un bröchte ehr en Gruß von minen ollen Kapteihn.—„Herr Reuter, was heißt dies?“ röp ſei mi in den Wagen rinne— wi hadden meindag' kein Wurd mit enanner ſpraken.—„„JIch werde aus⸗ geliefert,““ röp ik taurügg,„„und.... läßt vielmal grüßen!“—„Kommt er auch frei?“ frog ſei.— „„Bald!““ ſäd ik,„„bald““— Un de Poſtilljon blos, un ſei winkte mi noch tau, un ik ehr ok, un kennten uns doch gor nich; äwer wenn dat Led ok de Harten tauſamen ſmäd't, iſern, faſt, von'ne richtige Freud' geiht en Blitzſtrahl ut un ſleiht hir in un dor in, woran Keiner denkt, un wer ſik ſüs frömd un kolt vör⸗ bigahn is, de fäuhlt ſik warm, wenn em de warme Freud' von en annern Minſchen dröppt, denn en jeglich Minſchenhart is von unſen Herrgott nich för ſik allein — ne, för alle Minſchen makt. Un den annern Dag kemen wi in en Holt,'t was en Eikwald, in ſöß Johr hadd ik keinen ſeihn.—„Ach,“ ſäd ik tau den Schandoren,„willen Sei mi ne Freud' maken? Laten S' uns dörch dat Holt gahn.“— Un de Schandor ded't, un de Poſtilljon blos ſin luſtig Stück⸗ ſchen, un dat Holt rök as idel Mäſch, un de Boſt dehnte un widete ſik, un de Bottervägel ſpelten in de Sünn— dor was en Swälkenſwanz, dor en Schiller⸗ falter, dor en Sülwerſtrich!— en Kind kunn Einer warden, en wohres Kind! Un as wi ut dat Holt kemen dunn lagg dor linkſch en wittes Klewerfeld, en Saat⸗ — 298— klewerfeld, un dat rök ſo ſäut, ſo ſäut as idel Honnig, un de Immen, de drögen ſo flitig, as Husfrugens, un ſummten vör ſik hen, as junge Mätens, wenn ſei en Lid anſtimmen willen, wat Harten rühren un gewinnen will; un äwer Allens lüchte Gottsſünn in den Jehanns⸗ mand!— Ik ſmet mi hen up de Grawenburd, un de hellen Thranen lepen mi in den Bort, un de Schandor ſtunn dorbi un ſäd, wi müßten wider un de Poſtilljon lurte all.— Un wat was't denn ok?— In acht Dagen was dat Klewerfeld'ne Stoppel, un de Immen drögen anners wo her, un de Eikwald lagg achter uns, un denn ſatt ik in Däms.— Awer in ſöß Johren taum irſten Mal!— Un dorbi ſtunn de Kriminalrath Dam⸗ bach un ſäd: Sitzen müſſen ſie; un de Herr von Tſchoppe: Sitzen müſſen ſie; un de Preſident von't Kammergericht, de Herr von Kleiſt, de bläudige: Sitzen müſſen ſie! un Friedrich Wilhelm, de gerechte: Sitzen müſſen ſie! Den Dag dorup kemen wi nah Berlin, wo ik wed⸗ der drei Dag' bliwen müßt, ditmal äwer taum groten Glücken up de Stadtvagtei, wo ſüs jo woll man Spitz⸗ bauben inſpunnt warden; äwer dat ſchadt nich,'t was doch beter as bi den Herrn Kriminaldirekter Dambach. Awerhaupt heww ik de Bemarkung makt, dat tau jennen Tiden de richtigen Spitzbauben, taumal wenn ſei von vörnemen Stand wiren, dat vel beter up preußſche Feſtungen hadden, as wi.— In S..., wo ik tau⸗ irſt ſatt, hadd ik Gelegenheit, deſe Kalür kennen tau lihren: ein Herr von B...., de mit de ganze Stüer⸗ — ʒ—— — 299— kaſſ' taun Grüneberg dörch de Lappen gahn was, de ſin Fru un ſin einzigſtes Kind verlaten un ſik dorför en Schätzſchen mit up de Reiſ' namen hadd, de, as hei de 40 bet 50,000 Daler in Italien verjuchhei't hadd, in Frankfurt a. M. as falſcher Speler infat't würd, de tau föftig Johr, Utſtellung an den Pranger, Staupen⸗ ſlag, Verluſt von Adel un Ihrenteiken u. ſ. w. verurthelt was, wahnte ganz gemüthlich in de Stadt; en Herr von Sch...., de'ne ganze königliche Kaſſ' in Oeil⸗ de⸗perdrix un Chateau flüſſig makt hadd, wahnte mit Fru un Kinner as anner ihrliche Lüd' ebenfalls in de Stadt; ſei kunnen beid de Luft up de Feſtung nich verdragen, för uns was ſei gaud naug. En Herr von O— de Karnalj hadd gradtau ſtahlen— kunn gahn, wo hei wull un ſpelte den Galanten in de Stadt un up de negſten Dörper, un wenn wi Unglückswörm unſ' Frühſtück von Kommisbrod un Swinſmolt dal⸗ wörgten un am En'n noch halw mit en verfrigten Herrn Leutnant deilten, denn ſatt Herr von O.... in den irſten Gaſthuſ' in de Stadt un hadd en warm Frühſtück vör ſik un ſpäulte mit Ungarwin nah.— Deſe Ort ehr koſtbar Lewen müßte conſervirt warden, an uns, Hochverräthers un Königsmürders, was jo nicks gelegen. Schad, dat wi nich ok vörnem wiren un ſtahlen hadden. Dat hürt hir mäglicher Wiſ' nich her, äwer mi krüppt dat, wenn ik doran denk, wenn ik an dat Preußen von dunnmals denk, un nu ſeih, dat all deſe Hallunken⸗ un Hansbunken⸗Streich blot dortau utäuwt würden, — 300— dat de Wagen rüggwarts ſchaben warden ſüll, un dat dortau de Räd' mit unſ' Fett ſmert würden. Awer nu was't jo vörbi— taum wenigſten för mi — ik kamm jo nah min Vaderland, nah Däms; un as drei Dag' üm wiren, ſatt ik mit en nigen Schan⸗ doren up'ne Extrapoſt un führte gegen de meckeln⸗ börgſche Grenz hentau.— Adjüs ok Preußen!— Doch ihre ik dit tau Warnow raupen ſüll, müßt mi noch wat paſſiren, wat mi in't Hart ſniden ſüll; ik ſüll noch tau weiten krigen, dat ſei mit unſ' Dodesurthel nich blot uns allein, ne, dat ſei mit dat Bil, wat ſei uns ſlepen hadden, ok Ollern, Verwandten un Fründſchaft drapen hadden.— Ik ſtah unnerwegs in en Poſthuſ' un beſeih mi de Biller an de Wand, as dat mine Mod' is— un'ne gaude Mod' is't, denn Einer kann meiſtendeils von de Biller up de Lüd' urtheln, de ſei uphängt hewwen— dunn hür ik achter mi ſtill wat vör ſik hen weinen, un as ik mi ümdreih, ſeih ik dor'ne Fru up en Staul ſitten, de hett de beiden Hän'n vör't Geſicht deckt, un de Thranen lopen ehr mang de Fingern dörch.— Leiwer Gott! un ik denk an en plötzliches Unglück, wat äwer de Fru kamen is.—„Was iſt Ihnen?“ frag ik. —„„Ach,““ röppt ſei,„„ich habe auch einen Sohn dabei!““ un dormit ſteiht ſei up un leggt mi de Hand up de Schuller un kickt mi ſo troſtlostrurig mit ehre natten Ogen an, dat mi dat dörch Mark un Bein gung, un ſei mi vörkamm, as wir ſei min eigen Mutter, de all lang' den letzten Slap ſlep.—„Wer?“ frog ik.— — 301— „Wer iſt Ihr Sohn?“—„„W..„er ſitzt in S....““ ſäd ſei ſtill— un müggte woll denken, ik kennte em nich.— Awer ik kennte em recht ſihr gaud, un'ne ordentliche Freudigkeit kamm äwer mi, dat ik hir recht wat Gauds ſeggen un vertellen kunn, denn hei was geſund blewen an Liw un Geiſt, un't wohrt nich lang, dunn ſatt ſin Vader bi uns un ſin Sweſter, en leiwlich Kind von ſäbenteihn Johren, un ik müßte vertellen von den Sähn un den Brauder, un ümmer wedder vertellen, bet de Schandor kamm un ſäd, nu wir't de allerhöchſte Tid.— Ach, du leiwer Gott! ſo hadd't in min Vaderhus ok woll utſeihn, mäglich noch ſlimmer. Un as wi bi Warnow äwer de Grenz kemen— adjüs ok Preußen!— dunn was't düſter worden, un as wi nah Grabow kemen un vör den Keller führten, dat wi de Nacht dorbliwen wullen, dunn ſäd'ne Stimm up de Ramp vör den Huſ':„Gute Nacht, und morgen wollen wir das Nähere beſprechen.“— Un deſe Stimm hadd ik vör acht Johr taum letzten Mal hürt, as ſei mit mine tauſam Antwurd gaww in dat mündliche Schaulexamen, wo uns de oll Herr Konrekter frog: „Wie viel mal iſt Conſtantinopel erobert worden?“— Un ik kennte deſe Stimm in'n Düſtern wedder, un wer mi dat nich tau glöwen will, de frag den Herrn Hof⸗ rath Franz Flürk tau Grabow.—„Gun Abend, Franz!“ röp ik ut den Wagen,„täuw noch en beten!“— Un as ik nu mit minen Schandoren tau Rum un gegen't Licht kamm, freu'te de olle Knaw ſik ordentlich un ver⸗ — 302— get ganz, dat hei Burmeiſter was un ik Delinquent. — De acht Johr hadden en ſchönen Slagbom tüſchen uns ſmeten, un nu is de Tun noch höger worden dörch den Hofrathstitel, un paß Einer up!— dor kümmt mit de Tid noch en Hakelwark baben up, denn wo lang' ward't wohren, denn möt hei jo doch wat Geheims warden, un dortau ward ik mi ſihr freuen, denn heww ik ok en geheimen Dutzbrauder. Awer den Abend wull de Schandor ganz utenanner gahn, as hei hürte, dat de Burmeiſter ſik mit den Vagebunden dutzte, un as hei ſach, dat hei mit em'ne Buddel Win drünk; hei kreg ne ſlichte Meinung von de meckelnbörgſchen Beamten, äwer mitdrinken ded hei doch.— Franzing, weitſt woll noch? V. Däms. Kapittel 26. Wen Däms tau dunnmalen eigentlich tauhüren ded. Worüm iß un de Schandor ut ein Glas Rodwin drinken müßten, un wo⸗ rüm de Jung's in Ludwigsluſt ümmer„Ledderbom!“ röpen, un de Schildwachten in Däms„Hunde vorbei“. Wat Leutnant L.... von Krigskunſt verſtunn, un wat'ne Pag' för en Dirt is. Wo⸗ ans ik fri kamm un dunn ſplitterfadennakt unner'n Dannenbuſch in de Bokupper Haid ſatt, un nahſten den rechten Weg nich finnen kunn. Worüm ik tauletzt'ne ganze Geſellſchaft in't Water ſmit, un worüm de dummſten Lüd' de meiſten Tüften bugen. Den annern Morgen gung't nu nah Däms.— Wer in verleden Tiden in Meckelnborg dat Wurd „Däms“ hürte, den würd ſo tau Mand, as weck Lüd', wenn von de Krätz de Red is, hei makte ſik ganz'ne falſche Vörſtellung, denn ik heww binah luter ihrliche Lüd' in Däms kennen lihrt. Däms was dunnmals de Ruklas von ganz Meckeluborg; äwer mit Unrecht. Däms hadd ſine ſwacken Siden, as minſchliche Inrichtung äwer⸗ haupt, äwer as Feſtung hadd Däms blot ſtarke Siden, trotzdem dat de olle langbeinige Spigelbarg mit de groten Ogen ümmer de Feſtung in frühern Tiden ſtürmt hadd, denn hei was ümmer ſtaats unner dat Dur dörch, baben dat Dur weg gahn. Däms würd vertheidigt up de ein Sid von de Elw— grot Elw, lütt Elw, oll Elw, Elwen⸗Graben— denn von de Eld— grot Eld, lütt Eld, oll Eld un ſäben Elden⸗Grawen; von de anner Sid dörch ſine natürliche Lag' un den Bokup⸗Eldenger⸗ Sand— för'ne Feſtung gor nich tau betahlen.— T was'ne grote Gegend, un Voß un Haſ' ſäden ſik dor „Gun Morgen“; Minſchen wahnten dor nich, un ſei ſäden jo, ſülwſt de Franzoſ' wir ümkihrt, as de Sand em bet an den Schinken gahn was.— Uterdem würd't noch dörch en Brüggentoll vertheidigt; de Magiſtrat hadd weislich för dat einzige Dur en Brüggentoll inricht't, wo för jedes Pird en Gröſchen betahlt war⸗ den müßt, dat was den Find tau dür, un hei führte leiwerſt nah den roden Huſ' un vertehrte dor up Amts⸗ Rebeit ſin Geld in Bradaal un ſure Gurken.— Wen Däms tau de Tid hüren ded, wüßt kein Minſch; de Feſtung hürte den Großherzog, dat ſäd hei nich allein, ſünnern ok ſin Oberſtleutnant, den hei as Kumman⸗ danten dor inſet't hadd un doräwer was ok kein Strid; äwer wen de Stadt hüren ded?— De Oberſtleutnant ſäd, hei wir nich blot Kummandant von de Feſtung, hei wir ok as Guwernör von de Stadt, un ſinen Großherzog hürte de Stadt ok, un wenn hei de Feſtungsklock ſtellen ded, denn müßte de Stadtköſter ſik dornah richten. De Köſter ſäd äwerſt, hei richt'te ſik nah de Sünn; un de Oberſtleutnant un de Groß⸗ herzog hadden em in de Ort nicks tau befehlen. As deſe Strid ſo recht in'n Gang was, kamm mit ein Mal en drüdden Pretendent, dat was de Herr Stadthauptmann Zachow, de beweſ' ſin Recht ut de superficies; hei weſ' nah, dat em von Rechtswegen all de Stratenmeß taukamm, un dat Jeder an ſine Stäweln des Abends ſeihn künn, up weckern ſinen Grund un Bodden hei ſpaziren gahn wir. Nah mine Meinung, ahn'ne hohe bundesdägliche Auſträgal⸗In⸗ ſtanz vörgripen tau willen, hadd de Mann Recht: Däms hürte em tau. Un hei was ok bet an ſinen ſeligen Dod en billigen Regent, denn hei regirte ſtill för ſik hen un jedes Lock in ſine Regirung würd mit den Stratenmeß tauſtoppt— blot gegen den Stadt⸗ muſkanten was hei hart, denn hei kunn kein Muſik verdragen, un wenn hei länger an de Regirung blewen wir, denn wir Däms mäglicher Wiſ' de einzigſte Feſtung weſt, de von den Muſikdeuwel nich erobert worden wir. — Em gungtt as Lurwig Philippen, den hett de Her⸗ zog von Modena un de Bauldrücker Pompejus in Glatz meindag' nich anerkennt— em erkennte de Oberſt⸗ leutnant nich an; ſin grötſte Find was äwer ſin Nah⸗ wer Leutnant Lang', de de eklichte Gewohnheit hadd, des Nachts up de Fidel tau ſpelen; un ſei ſeggen jo, hei ſall em ein Mal paddendod un Däms wedder in den Beſitz von den Großherzog ſpelt hewwen, wat äw⸗ rigens grad keine Kunſt was, denn de Stadthaupt⸗ mann hinnerlet keinen Erbprinzen. So ſach dat in Däms ut, as ik des Nahmiddags Klock drei in den Jehannsmand ein duſend acht hunnert Olle Kamellen. II. 20 — 306— un nägen un dörtig äwer de Stadtbrügg führte, un de Schandor den Brüggentoll betahlte.— As ik in den Gaſthuſ' ankamen was, treckte ik mi en ganzen hagelnigen ſwarten Kledrock un ſwarte Hoſen an— de hadd ik mi in Gr.... up de Letzt noch maken laten, dat ik minen Großherzog Paul Fridrich doch kein Schand' makte, un hei doch keinen Lumpen in't Land kreg— un lep minen Schandoren weg, nah'ne Tanten von mi, de as Wittfru dor wahnte un mi mit alle mäg⸗ liche Fründlichkeit upnamm.— Dunner! wat was ik för'n Kirl worden!— En ſwarten Liwrock hadd ik up den Liw', in de Taſch hadd ik Geld— Franzing, weitſt noch?— in't Gewiſſen hadd ik de königlich preuß'ſche Urphede, un nu hadd ik noch'ne gaude Tanten för de Nothfäll; äwer den preuß'ſchen Schandoren hadd ik doch nooch up de Hacken. Hei grep mi hir wedder, un nu hülp dat nich, ik müßt mit up de Feſtung. Nu begaww ſik dat, dat den Stadtköſter ſine Klock grad vir ſlog, un dat de lütten Schauljungs ut de Schaul kemen, un as de den preuß'ſchen Schandoren tau ſeihn kregen, kamm hei ehr ſo niglich vör, dat ſei uns tau Gefallen wedder ümkihren deden, un as wi uns verbiſtert hadden un, ſtats rechtſch, linkſch gahn wiren, halten wi uns de annern lütten nüdlichen Gören ut de Elwſtrat un de ganze Gegend ok noch af, un nu gewen ſei uns mit allerlei Juchhei! dat Geleit up de Feſtung; Ich aber gung mit Weinen Zu Däͤms woll über die Steinen. — 307— Woll vor's Kommandanten⸗Haus. „Guten Tag! Guten Tag, Herr Kommandant! Ich hab' eine Bitt' an Sie: Wollet meiner Bitt gedenken Und mir Eure Gnade ſchenken, Dazu ein frei Quartier. As wi rinne nah em kemen, ſatt hei dor in en gräunen Sommerrock vör en ſwartes Schapp, wat hei ſinen Arbeitsdiſch näumen ded, un leſ' in„de ollen verfluchten Wiwergeſchichten“ von Henriette Hanke, un as ik em„Gun Dag“ böd, ſmet hei Henriette Hanke bi Sid un frog mi:„Ach, das ſind Sie woll?“— „„Ja,““ ſäd il,„„dat wir il.“⸗—„Na, hören Sie mal,“ ſäd hei,„wir haben ſchon lange auf Sie ge⸗ lauert, ich habe Ihnen ein gutes Quartier angewieſen, und Ihre Frau Tante iſt hier geweſen, und hat Alles gut für Sie eingerichtet.“ Dormit ſtunn hei up, makte de ein Dör von ſin Schapp up, halte'ne Buddel un en Birglas rute, ſchenkte en driſten Strämel Rodſpohn in dat Glas un höll mi dat hen:„Na, da! Trinken Sie man mal.“ Un as ik dit in allen Reſpekt farig kregen hadd, ſchenkte hei för den Schandoren in dat ſülwige Glas in:„Da! Wollen Sie auch mal?“— Un de Schandor wull ok.—„Na,“ wendt hei ſik dunn wedder an mi,„wie iſt Ihnen denn das bei den Preußen gegangen?“—„Je,““ ſäd ik,„„man ganz ſwack.““ —„Ja,“ lachte hei,„das glaub' ich, die Preußen die fackeln nicht lange,“ un dorbi kek hei den preuß'ſchen Schandoren von baben bet unnen an un würd ok bi deſe Gelegenheit ſin Portepeh anſichtig.—„Was Dau⸗ 20* ſend,“ frog hei,„wie iſt das jetzt bei den Preußen mit dem Portepeh?“— Un de Schandor müßt em dat wiſen, wo dat dörchſchaten un knüppt warden müßt, un as em dit gefallen ded, ſäd hei:„Nun will ich Ihnen was ſagen, nun gehen Sie mal hin zum Haupt⸗ mann von Hartwig und ſagen Sie ihm, ich hätte mir das angeſehen, und es hätte mir gefallen; er ſollte ſich das auch anſehen, wir wollten das hier bei unſeren Truppen auch ſo einführen; und Sie,“ ſäd hei tau mi, „können nu rüber gehen und es ſich bequem machen, und dann kommen Sie man wieder her, dann ſollen Sie mir und meiner Familie erzählen, wie's Ihnen in Preußen gegangen iſt.“—— De Sak, de kunn mi gefallen, de oll Herr was idel fründlich, un wenn hei ok ſo utſach, as hadden ſik bi em vele Eigenheiten inquartirt, ſo hadd hei nu nahgradens ok all en Recht dortau, denn hei was gegen de Achtig ranne un all lang' Kummandant in Däms, un dat makt den Kopp eigenwillig. Ik gung nu räwer nah min fri Quartier, dat lagg up de Wach; äwer as ik de Trepp mir nichts, dir nichts ruppe ſtigen wull, ſtellte ſik en ollen langen utgedeinten Herr in'ne olle lang' utgedeinte Leutnants⸗Uneform vör mi hen un frog mi:„Um Vergebung zu fragen, ſind Sie nämlich der Herr Reuter?“— Ja, ſäd ik, ſo wir min Nam'.—„Denn muß ich Ihnen ſagen, daß Sie einen großen Verſtoß nämlich gegen die hieſige Wach⸗ ordnung begangen haben; Sie hätten ſich nämlich erſt hier melden müſſen, bevor Sie zum Herrn Komman⸗ danten gingen— nämlich zum Herrn Oberſt⸗Leutnant.“ — Je, ſäd ik, dat ded mi led; äwer ik müßt hengahn, wo de Schandor hengüng, un wenn Einer en Verſeihn makt hadd, denn hadd de dat dahn.—„Oh, es macht auch gar nichts aus,“ ſäd de oll Herr;„treten Sie ge⸗ fälligſt näher— nämlich hierher,“ un nödigt mi in de Offzirer⸗Wachſtuw' rinne. Na, von wegen de Höflichkeit müßt ik jo denn nu folgen un frog nu: mit wen ik de Ihr hadd.—„Ich bin nämlich der Premier⸗Leutnant K....,“ ſäd hei „Sr. Königlichen Hoheit, der hochſelige Großherzog Friedrich Franz nämlich, haben die hohe Gnade gehabt, mich bei meinem funfzigjährigen Dienſtjubiläum zum Premier⸗Leutnant zu ernennen.“— Na, de Minſch will doch ok höflich ſin, ik ſäd alſo:„„Wohl nicht wegen der langjährigen Dienſte, ſondern wegen der Verdienſte.““ —„Ach nein!“ ſäd de olle gaude Mann,„Verdienſte habe ich gar nicht.“—„„Nun dann wegen Ihrer Dienſte in den Feldzügen.““—„Feldzüge,“ ſäd hei ganz ruhig,„habe ich gar nicht mitgemacht. Blos 1812 habe ich mal'ne Partie Ochſen nach Polen geleiten müſſen; denn Sie müſſen wiſſen, ich ſtand bei den Reutern zu Pferde in Ludwigsluſt, wir hatten Blau mit Gelb und waren nämlich unſerer funfzig, hatten aber nämlich nur fünf und zwanzig Pferde, die mußten wir immer umſchichtig gebrauchen, und weil ſie nämlich nicht reichten, riefen die böſen Buben immer hinter uns her: „Ledderbom! Ledderbom!“ womit ſie nämlich ſagen wollten, die Hälfte von uns müßte auf dem Leiterbaum reiten.“— De Sak würd mi pläſirlich; ik vertellte mi wider wat mit den ollen Herrn.„Ja,“ ſäd hei,„meine Stel⸗ lung bei den Reutern zu Pferde in Ludwigsluſt war einträglicher als meine jetzige; ich war nämlich Feld⸗ webel und hatte außer meinem Traktement noch all die Bittſchriften an Sr. Königlichen Hoheit, und da hatte ich einmal das Glück, einer alten Frau eine ſonderbare Penſion zu verſchaffen.— Sr. Königlichen Hoheit hatten nämlich die Gewohnheit, die alten ausrangirten Jagd⸗ hunde nämlich gegen einen Thaler monatlich in Koſt zu geben, und die alte Frau hatte die Anwartſchaft auf die nächſterledigte Penſion; nun hatte ich aber in Er⸗ fahrung gebracht, daß einer der großherzoglichen Jagd⸗ hunde aus dieſer Welt geſchieden war, und kam für die alte Frau nämlich um die Hundepenſion ein, und— richtig!— ſie erhielt ſie.“— Na, ſäd ik, denn hadd hei ſik doch dor ſihr verdeint üm de Welt makt.— „Ja,“ ſäd hei,„das wohl, aber es waren auch mancher⸗ lei Verdrießlichkeiten dabei. Zum Exempel nämlich war mal der hochſelige Erbgroßherzog Friedrich geſtorben, und ich hatte die Leichenwache; es war nämlich Befehl, keine Kinder und keine Dienſtmädchen zuzulaſſen. Nu denken Sie ſich, nu kommt der Obermedizinalrath Sachſe mit ſeiner kleinen Tochter anzugehen.— Iſt ſie ein Kind oder iſt ſie's nicht?— Ich kann nun doch nicht fragen, nämlich wie alt ſie iſt; das würde nämlich un⸗ gebildet herausgekommen ſein.— Aber ich faßte mich und fragte nämlich: Um Vergebung, mein Fräulein, haben Sie ſchon das heilige Abendmahl genoſſen oder . V — 311— nicht? Und wenn ein Mädchen kam, was mir nämlich als Dienſtmädchen vorkam, fragte ich: Um Vergebung zu fragen, ſind Sie'ne Jungfer oder ſind Sie'ne Mamſell?— Damit bin ich durchgekommen.“— Dat wir ſchön, ſäd ik, äwer nu, hir in Däms, hadd hei denn ok woll ruhige Dag'.—„Arger,“ ſäd hei,„und böſe Buben gibt's allenthalben und hier erſt recht. Sehn Sie,“ ſäd hei un wiſ'e upeſin oll ihrlich Mund⸗ ſtück,„ich bin ein alter Mann, und die Vorderzähne ſind mir ausgefallen, und ich kann das„R“ nicht mehr deutlich ausſprechen. Wenn ich nun des Abends die Rhunde gehe und die Schildwacht ruft:„Wer da?“ dann antwort' ich„R—hunde“, und dann rufen dieſe böſen Menſchen immer:„Hunde vorbei!“ Ach, de olle gaude Mann! Hei hadd einige ſäbentig Johr lewt un was noch as en Kind, hei vertellte in de irſte halwe Stun'n einen wildfrömden Minſchen ſine ganze Lewensgeſchicht.—„Ne,““ ſäd ik, as ik de Trepp tau Höchten ſteg in min niges Quartier,„„duſendmal leiwer in Keden un Banden, as mit ſös un ſäbentig Johr Premier⸗Leutnant.““ 1 Gott ſei Lob un Dank! min Stuw' hadd keine iſernen Gardinen. Ik rümte min Habſeligkeiten en Beten in un gung wedder räwer nah den Oberſt⸗Leutnant. Hir hadd ſik dat nu ſihr tau ſinen Vurthel ver⸗ ännert; min Herr Oberſt⸗Leutnant hadd en ganzes Neſt vull Döchter, ein ümmer ſchöner as de anner, de Fru Oberſtleutnantin was'ne gaude fründliche Fru, un männigen frölichen Nahmiddag un tauvertrulichen — 312— Abend heww ik in deſen gaſtfründlichen Huſ' taubröcht, un noch hüt denk ik doran un dank dorför recht ut Hartensgrun'n. Blot mit den ollen Herrn müßte ſik Einer en beten in Acht nemen, denn as ik ſeggt heww, hei hadd ſine Eigenheiten, un wil hei man wenig Ümgang hadd, un em de Tid tauwilen lang würd, was hei ok männig⸗ mal wat verdreitlich.⸗Mit ſine Offzirers kunn hei ſik nich recht verdragen:„Luter olle nägenklauke Feldwebels,“ ſäd hei,„ſchicken ſei mi hir her; und das ſollen denn Offiziers ſein!— Was weiß ſo'n Leutnant L..... von Kriegskunſt?— Damals als Diebitſch in der Türkei war, ſagte dieſer Leutnant L..., Diebitſch könnte nicht über den Balkan kommen; aber Leutnant Th.... ſagte ihm, er käme rüber, und er iſt auch rüber gekommen; aber Th.... war auch ein wirklicher Offizier.“ Recht hadd min oll Herr Oberſt⸗Leutnant,'ne ſonder⸗ bore Verſammlung von Krigshelden hadd ſik in Däms tauſam funnen, un em würd't ſwor ut dit vertüderte Klugen dat En'n rute tau finnen, an dat hei ſine Unnergewenen anbinnen ſüll; ik mein, hei kunn ſeindag' keinen Adjudanten dor mang rute finnen. Un noch denk ik doran, wo em dat gung, as mal'ne nige Uplag' von Offzirer för em in Wismar rute kamen was, de ſei em as ganz wat Beſonders tauſchicken deden. Hei beſlot, dit ſüll von jitzt af ſin Adjudant warden, un, üm em doch glik mit aller mäglichen Fründlichkeit unner de Ogen tau gahn, gaww hei en feierliches Abendbrod, wotau de nige Adjudant mit de Fru Adjudantin inladen — 313— würd. Mit Eten un Drinken wüßten ſik denn ok de beiden Ihrengäſt ganz gaud tau behelpen; äwer as dat nah Diſch mit'ne Unnerhollung losgahn ſüll, dunn wull dat nich recht, dunn hackt dat.— Ein von de Frölens kamm denn nu up den Infall, den Quartir⸗ meiſter P...., de dor up de Feſtung ſatt un aller⸗ lei Hokus⸗Pokus mit Taſchenſpelerſtückſchen verſtunn, räwer kamen tau laten. Na, de Mann makt denn alſo ok ſin Sak, un as hei mal unner'n Haut en Ball in en Karnallenvagel verpuppen deiht, ſeggt de nige Herr Adjudant:„Herr Oberſt⸗Leutnant, das Stück habe ich ſchon mal geſehen, das war aber dunnmals kein Kar⸗ nallenvagel, das war eine Pag'.“—„Nein, lieber Mann,““ röppt de Fru Adjudantin,„„es war keine Pag', es war eine Maus.““„Nein,“ ſeggt hei,„es war eine Pag'““— De olle Herr, de all wat ſworhürig was, glöwt jo woll, hei hadd ſik verhürt un fröggt mi:„Was meint er mit'ner Pag'?“—„„Ich glaube, Herr Oberſtlieutenant, er meint einen Froſch.““—„Und dazu ſagt er'ne Pag'? Mein Adjudant ſagt zu einem Froſch'ne Pag'?—'ne Pag'?“ un dormit gung hei ut de Dör herute.— Ja, för Adjudanten was Däms man'ne ſwacke Gegend.— T mag ſik äwer dor jo ok woll mit betert hewwen. Ik ſatt hir in Däms nu noch äwer fiwvirtel Johr un vel let ſik dorvon noch vertellen; äwer't würd in'n Ganzen dorup herute kamen, dat mi de meckelnborgſche Regirung allens Mägliche tau Gauden ded, un dat ik't bi minen ollen braven Kummandanten ſo gand, as — 314— Kind in den Huſ' hadd; äwer wat helpt dat All? de Friheit fehlte, un wo de fehlt, ſünd an de Seel de Sehnen dörchſneden. Fridrich Wilhelm III. ſturw 1840, un wat ſin Sähn was, Fridrich Wilhelm IV. let'ne Amneſtie för all de Demagogen utgahn, un in de Zeitungen ſtunn tau leſen, wo ſei allentwegen fri kamen wiren; äwer mi hadden ſei vergeten; ik müßt ruhig wider ſitten; de Preußen dachten nich an mi, un de Meckelnbörger dürwten mi nich gahn laten. Ach, wat ſünd mi de vir Wochen lang worden!— Eines Dags äwer— ik was en beten utgahn— kamm mi en Unteroffzirer nah tau lopen:„Herr Reuter, Sei ſälen fix nah den Herrn Gerichtsrath Blankenberg kamen, för Sei is wat ankamen; Sei kamen fri.“— Jk gung taurügg, ik gung an en ſwartes Stakettengelänner vörbi, de deipe Nahmiddags⸗Sünn ſchinte grell dörch de ſwarten Stäw, dat fung an mi vör de Ogen tau flirren; ik müßt mi faſt hollen. Ik kamm tau den Gerichtsrath, hei äwergaww mi en Schriwen:„Hir, Sei ſünd fri, Sei känen, as Sei gahn un ſtahn, von de Feſtung gahn, Keiner hett Sei wat tau befehlen.“— Un dor ſtunn't: Paul Fridrich hadd't up ſin eigen Hand dahn ahn de Preußen tau fragen, un as ik nah acht Dag' all bi minen ollen Vader tau Diſch ſatt, kamm en ſchönen Breiw von den Herrn Juſtizminiſter Kampz, worin de em meldte, ik würd nu ok bald an't Hus kamen. Ja,'t was recht fründlich von em, blot dat't en beten tau lat kamm. „—— Ik ſäd Adjüs bi minen Herrn Oberſtleutnant un bi annere gaude Lüd' in de Stadt, packte mine ſäben Saken un gaww ſei mit Frachtgelegenheit. Den annern Morgen Klock vir namm ik en lütten Ränzel up den Puckel, bunn minen lütten Hund an de Lin, dat de Soldaten em mi nich weglockten, un gung as en frien Mann ut dat Dur, nah de Fenzirſche Mähl hentau. As ik achter de Mähl kamm, kamm ik in de Haid— 'ne troſtloſe Gegend! Sand un Dannenbuſch un Haid⸗ krut un Knirk, ſo wid dat Og reckt; Weg' gungen bi Weg', äwer wecke was de rechte? Ich wüßte keinen Beſcheid; ik ſet'te mi dal un mi kemen allerlei Ge⸗ danken. So! Säben Johr legen achter mi, ſäben ſwore Johr, un wenn ik ok up Stun'ns in'n Ganzen luſtig dorvon vertellt heww, ſei legen mi dunn ſwor as Zentner⸗Stein up't Hart; in deſe Johren was nicks ge⸗ ſcheihn, mi vörwarts tau helpen in de Welt, un wat ſei mi mäglich nützt hewwen, dat lagg deip unnen in'n Harten begrawen unner Haß un Fluch un Grugel; ik müggt nich doran rögen;'t was, as ſüll ik Gräwer upriten un ſüll minen Spaß mit Dodenknaken bedriwen. — Un wat lagg vör mi?— Ne Haid mit Sand un Dannenbuſch.— Weg'?— Oh, vele Weg' führten dor dörch, äwer gah man einer ſo'n Weg, hei ſall woll mäud' warden.— Un wecker was de rechte?— Ik bün rechtſch gahn— nicks as Sand un Dannen⸗ buſch; ik bün linkſch gahn— dat Sülwige.— Wo ik henkamm— keine Utſicht! Ok de Minſchen wiren — 116— anners worden.— Männigein hett mi ne fründliche Hand henreckt; äwer in'n Ganzen ſtimmte ik nich mihr mit ehr tauſam. Mi was tau Maud', as wir ik en Bom, de kröppt wir, un üm mi rümmer ſtunnen de annern un gräunten un bläuhten un nemen mi Licht un Luft weg. Dat Kröppen hadd ik mi woll noch gefallen laten, denn ik fäuhlte in mi noch'ne düchtige Luſt taum Driwen un Utſlagen; äwer in de Tid wiren mi ok de Wörteln afſneden.— Min oll Vader was nah Däms henkamen un hadd mi beſöcht; hei was de ſülwige olle gaude Vader von vördem; äwer in de ſäben Johr wiren mit mine Hoffnungen ok ſine verdrögt; hei hadd ſik gewennt mi ſo antauſeihn, as ik mi ſülwſt anſach— as en Unglück; hei hadd ſik för de Taukunft en annern Tauſnitt makt, un ik ſtunn nich mihr vöran in ſin Rekenexempel. Wi wiren uns frömd worden; de Schuld lagg mihr an mi, as an em; de Hauptſchuld äwer lagg dor, wo mine ſäben Johr legen. Ach, wat wiren dat för Gedanken!— Wat was ik? Wat wüßt ik? Wat kunn ik?— Nicks.— Wat hadd ik mit de Welt tan dauhn?— Rein gor nicks.— De Welt was ehren ollen ſcheiwen Gang ruhig wider gahn, ahn dat ik ehr fehlt hadd; üm ehrentwillen kunn ik noch ümmer furt ſitten un— as ik ſo unner den Dannenbuſch ſatt— för minentwegen ok.— ÄAwer Du büſt fri! Du kannſt gahn, wohen Du willſt! De Welt ſteiht Di apen!— Ja, äwer wecker Weg is de rechte?— „Schüten, kumm her!“ un ik bunn minen lütten Hund von de Lin los,„Allong! Vöran!“ Ik ſpelte en beten Blin'nkauh mit de Welt.— De Taufall un de Inſtinkt, dat wiren de beiden einzigſten Haken, de ik in ehre kahlen Wän'n inſlagen kunn. Up de Feſtungen hadden ſei mi knecht't; äwer ſei hadden mi en Kled gewen, dat was dat füerfarben Kled von en grimmigen Haß; nu hadden ſei mi dat uttagen, un ik ſtunn nu dor — fri!— äwer ok ſplitterfadennakt, un ſo ſüll ik rinne in de Welt. „T gaww noch wat— dat fäuhlt ik— wat mi wed⸗ der inſetten kunn in de Welt, dat was de Leiw'; äwer ſei was mi verluren gahn, ſei lagg wid af von den Sand un de Dannenbüſch, up de min Og' föll.— „Schüten, min olle lütte Hund, lop vöran!“— Hei lep vöran, un ik folgte, hei was in deſen Ogenblick dat einzigſte Kreatur, wat mit Leiw' an mi hung. Hei was los von ſine Lin un hei ſprung luſtig hen un her, hei ſprung an mi tau Höchten— dat was Leiw'— un äwer minen lütten Hund un mi ſchinte Gottes Sünn hell un warm, un wo de ſchint, ſallt nich lang düſter bliwen; in mi würd't heller. Schüten hadd den richtigen Weg inflagen, ik kamm nah Grabow un tau olle Frün'u— Franzing, weitſt noch?— Awer wo kamm mi Allens vör?— Keiner mag't markt hewwen, äwer in mi was't, as ſtunn ik mang all dat Gräunen un Bläuhen, un ſei hadden mi de Telgen afſlahn. Franz hadd mit mi ſin Schaulexamen makt, ſin — 318— Unkel Höſ' hadd em dortau'ne halw Buddel Scham⸗ panger ſchenkt. Hei hett ſei ihrlich mit mi deilt, as wi glücklich dörchkamen wiren. Nu was hei Burmeiſter in'ne lütte hübſche Stadt un hadd ſik'ne leiwe, fründliche Fru frigt, un von baben bet unnen ſach ſin Hus ut, as künn hei dor Lewenstid glücklich in wahnen. — Hei hett mi dat woll nich anmarkt, wo mi tau Sinn was— Afgunſt was dat bi Gott! nich— äwer mi was ſo tau Maud, as wir ik mit dreckige Stäweln in'ne ſaubere Stuw' rinne treden. Ik beſöchte en annern ollen Schaulfründ von mi, den Amtsverwalter Prehn. De ſülwige fründliche Up⸗ nam.— Ja, ſei was ſo fründlich un herzlich, dat mi deſe olle brave Fründ noch dat vulle Geleit nah Lud⸗ wigsluſt hen gaww. Dor drop ik minen gauden Vetter Auguſt.— Hei wull mi wat tau Gefallen dauhn un bröchte mi tau den Hofmaler Lenthe, de wiſite mi ſine Biller, un as ik de ſach, ſäd ik tau mi:„So, dormit büſt Du nu ok dörch! Du heſt ſäben Johr teikent un malt, un nu is dat ok man en Quark!“— Dunn föll wedder en Telgen up de Ird. Ik kamm nah Parchen, wo ik up de Schaul weſt was, mine Lihrers von vördem nemen mi fründlich up — ſei ſünd vörher un nahher ümmer fründlich tau mi weſt— de Direkter namm mi mit nah Prima in de Klaſſ.— De Primaner kemen mi as pure Kinner vör, un doch, wenn ik't mi recht äwerläd, denn ſtunn ik mit mine dörtig Johr up den fülwigen Punkt, wo ſei mit ehr achteihn ſtunnen, dat heit bet up dat, wat ik — 319— vergeten hadd.— Wo wiren mine ſchönen Johren blewen!— Ik kamm nah Hus.— As ik mit min Felliſen up den Nacken ut de Pribbenowſchen Dannen tred un nah mine lütte Vaderſtadt räwer kek, kennte ich ſei binah nich wedder. Dat olle Bild, wat mi in de Firn ümmer vör Ogen ſtahn hadd, was unnergahn; nige Straten wiren upkamen, un de Stadt hadd ſik nah allen Kanten utbugt. Ik gung in min Vaders Hus— dat was en frölich⸗trurig Wedderſeihn!— denn äwer de Freud' läd ſik bi mir ſwor, as Bli, de Frag': wat nu? un bi em ok; ik kunn't em anſeihn.— Ik ſäd mine Sweſtern un minen Swager„gun Dag“; ok in unſere Famili hadd ſik allerlei utbugt, äwer mi kamm't eben ſo frömd vör, as de nigen Straten.— Stadtmuſbant Berger bröchte mi en Ständſchen; ſei ſäden:'t wir ok man ſo ſo weſt, äwer ik freu'te mi doräwer; de Lüd' dachten doch noch an mi. As ik den annern Morgen upwakte, frog ik mi: wat nu? un as ik tau minen Vader kamm, frog de ok: wat nu? Un in deſe ſchreckliche Frag' bün ik Johre lang herümmer biſtert; ik grep hir hen, ik grep dor hen, nicks wull mi glücken; ik weit, ik hadd Schuld— de Lüd' ſäden't jo ok— äwer wat helpt dat All, ik was ſihr unglücklich, vel unglücklicher, as up de Feſtung.— Min Vader was ſtorben, un nu hadd ik mi de ſlimme Frag' man noch allein vörtau⸗ leggen; ik was Landmann worden; mit Luſt was ik dat weſt; äwer mi fehlte de Hauptſak taum Landmann — dat Geld.— Ik hadd vele gaude Frün'n, un einen — 320— gauden Fründ; de gauden Frün'n treckten mit de Schuller, un de gaude Fründ kunn mi nich helpen, hei hadd ſülwſt man knapp Geld. Dunn ſäd ik eines Dags tau mi: Din Kahn geiht tau deip, Du heſt em äwerladen; Du heſt all dat Takel⸗ tüg in den Kahn, wat Di mal mit Hoffnungen un Wünſch un Utſichten unner de Ogen gahn is, un Kein von de Rackers rögt Hand un Faut, un Du ſallſt den Kahn allein räudern? Rut mit den Ballaſt!— Un ik krig den Irſten bi den Kragen:„Wer ſünd Sei?“— „„Aokat,““ ſeggt hei.—„Nu kik den Düwel an, wat hei för Schauh verdröggt!“ ſegg ik.„Heww ik Di raupen?“— Un— plumps!— lagg hei in't Water. Un ich krig den Tweiten tau faten:—„Wer is dit?“ „„Ein Verwaltungsbeamter,““ ſeggt hei,„ 31 dienen.““—„As wat?“ frag ik.—„„Oh,““ ſeggt hei,„„man blos als Rathsherr oder Kammerarius oder Stadtprotocolliſt, in'ner kleinen ungebildeten Stadt.““ —„Un Du meinſt, ik ſall mi mit ſo'n Schubbejack noch länger rümmerſlepen?“—„„Aufzuwarten,““ ſeggt hei. —„Ce, il will Di upwohren!“ ſegg ik, un dunn lagg ok de rin in't Water.— Dunn kamm de Drüdde an de Reih.—„Wer büſt Du?“ frag ik.—„„Ein Künſtler,““ ſeggt hei.—„Wo ſo?“ frag il.— „„Ein Maler,““ ſeggt hei.—„Ja,“ ſegg ik,„dat hadd ik Di glik an Dine verdreihten Anſtalten af⸗ ſeihn kunnt: Wat ſniddſt Du Din Brod langs, wenn anner Lüd' ehr verdwars ſniden? So'ne ükerwendſche Ort kann ik hir nich bruken.— Rin mit Di!“— Na, —4 — 221— de ſpaddelte noch en En'nlang wider, de wull ſik noch nich gewen; äwer tauletzt müßt hei doch Water ſluken.— „Alſo nu de Virte!“ röp ik.— Nu wuchte ſik dor wat in de Höcht, dat hadd grad kein Rick un Schick; äwer'n ſchön Gewicht, un dorüm was't mi tau dauhn.— „Woher des Lan'ns?“ frag ik.—„„Ut't Domanium,““ ſeggt hei.—„Un wat för Einer?“ frag ik.—„„En Pächter,““ ſegg't hei.—„Kann Di hir nich länger bruken, Bräuding,“ ſegg ik.„Kann nich in Din Hut krupen; Din Hut is mi tau wid.— Rinne mit Di!“ — Na, Fett ſwemmt haben; de mag mägliche Wiſ' noch rüm ſwemmen.— As ik den Föften bi den Kanthaken kreg, ſäd hei gotteserbärmlich tan mi:„„Laten S'!— Ik bün en Entſpekter un möt mi vel gefallen laten un heww an tweihunnert Daler un en Pird fri un denn dat beten Laſtengeld.““—„Laſtengeld heſt ok noch?“ ſegg ik.—„Racker! un denn willſt mi hir noch Spermang maken?“ Hei wull ſik noch wehren; äwer hir hülp kein Wehren un kein Beden.— Rinne mit em!— Nu kamm de Letzt, en oll lütt tauſam⸗ ſchräutes Männeken:„Na, Brauder, wat büſt Du för ein?“—„„Nemen S' nich äwel,““ ſeggt hei,„„ik bün en Schaulmeiſter, heww nägentig Daler Gehalt un fri Wahnung in de Schaulſtuw', ſchriw all unſern Herrn Paſter ſine Schriwwten un heww dorför noch fri Tüftenland. Mi geiht't grad ſo as Sei: ik heww ok mal ſtudirt; Sei ſtimmen nich mit de Welt äwerein, un ik nich mit den Oberkirchenrath. Mi känen S' ümmer leben laten.““—„Ja,“ ſegg ik,„olle Burs Olle Kamellen. II. 21 3 13 Dine Hoffnungen un Wünſch un Utſichten warden minen Kahn grad nich tau ſihr belaſten; äwer wenn wi an't Land kamen, denn borg mi Dinen Rock.“—„„Hei's flickt,“ ſeggt hei.—„Schadt em nich.“—„„Hei's Sei tau eng,““ ſeggt hei.—„Schadt em ok nich, ik möt mi in em inrichten.“ Un as wi an't Land kemen, treckte ik den Schaul⸗ meiſter ſinen Rock an, un was hei ok eng, ſo höll hei mi doch Wind un Weder von'n Liw', un wenn ik ok Johrelang de Stun'n tau twei Gröſchen gewen müßt, heww ik mi in em doch gaud naug gefollen; un hadd ik för den Herrn Paſtor ok kein Schriweri tau beſorgen, denn ſchrew ik des Abends„Läuſchen un Rimels“ un dat würd min Tüftenland, un unſ' Herrgott hett doräwer jo ſine Sünn ſchinen laten un Dau un Regen nich wehrt— un de dummſten Lüd' bugen de meiſten Tüften. — = —j—— 4 — adewigs tufn. Academiſche Behörd — I. Rector 4 vom 29. September 1865 bes dah a Dr. med. et phil. Wermann 92 11. . jur. et phit Königl. Niederkä hen Löwen⸗ 1I. Univerſitätsrichter. Georg Haberforn, Reglerungs IV. Aleadeimiſcher Senat. Ganzer Semat. Hi Pe ector: der Rattur. N der Kanzler und ſämmtliche ordentlie itglieder: .— Engerer Senkt. Director: Rector. Mitglieder: der Kanzler un ie Decan ver Farul Dr. Gaß. Dr. Birnbaun. Pr. Meku⸗ er. V. Immatrkenlution⸗Behörde Der Rector. VI. Academiſches Diseiplinar⸗ etvr der Nätor. 8 der Kanzler und der Fon jeder der vier eurer.)r. Eckhard. miniverſitän⸗Geri⸗ Tarl Schmitt. es 8 A ztes bei den 1:P. dei dki c Birnban ademiſche Bibliotheks⸗Commiſſ 2 Directoriun 1 verſelsn. führt der Kanzlch 3 Unſtan aus der theologiſ ſchen uu nd glied, aus derr foph zelnen Facultäten 3 gewäylt. Dr. Waſſerſchleben.. Wilbrand. IX. Aecademiſche Adinininratkons Da ct ium derſelben führt de 3 r Kauzler, Dr. N Mit glieder — —