. 3 . — 6 i deutſcher, engliſcher und franzöſiſcher Literatur Eduard Ottmann in ieſen⸗ Schloßgaſſe Lit. A. Nr. 256 cLeih- und Seſchehugungen ofensein der Bibliothek. Di Bibliothek ſteht zur Em pf pſe und Rückgabe der jeden Tag von Morgens 2. Lesepreiß. Bei Ruckgabe eines geliehenen Buches wird von jedem Tag 5 Pf. bezahlt. Die Zeit eines Tages iſt zu 24 Stun den angenummen. 3. Cäution. Unbekannte Perſonen müſſen, bei Entgegennahme eines Buches, eine dem Werthe deſſelben entſprechende Summe hinterlegen, welche bei deſſen Zurückgabe von mir zurückerſtattet wird. 1. Abonnement. Daſſelbe muß voraus bezahlt werden und beträgt: für wocheutlich 2 2 kücher: 4 Bücher: 6 Bücher.: auf Monat: 4 F— f. 1 Mk. 50 Pf. 2 Mr. Pf. * 3 S Auswärtige erſen haben für Hin und Zurückſendung der Bücher auf ihre eigenen Koſten und Gefahr ſelbſt zu ſorgen. 5. Schadenersatz. Für beſchmutzte, zerriſſene, verlorene und defecte Bücher(namentlich bei ſolchen mit Kupfern ꝛc.) muß der Sehenreiß erſetzt werden.— Iſt das zerriſſene, beſchmutzte, ver lorene und defecte Buch ein Theil eines größeren Werkes, ſo iſt der Leſer zum Erſatz des Ganzen verpflichtet. 7. Ausleihezeit. Dieſelbe iſt auf 14 Tage feſtgeſetzt und wird beſonders darauf aufmerkſam gemacht, daß das Weiterverleihen der Bücher nicht ſtattfinden darf, indem Diejenigen, welche die⸗ ſelben von mir geliehen, auch dafür zu ſtehen haben. —— S Uhr bis Abends 8 Uhr offen. Die drei Prüder, oder Geſſchichte dreier Verlaſſenen, in Frankreich, England und den Niederlanden. Von † Karl Pougens, Mitglied des Inſtituts und Ritter mehrerer Orden. Frei uͤbertragen bon Friedrich Gleich. Merſeburg, 1824. Sonntags Buchhandlung. Vorwort des deutſchen Herausgebers. As vor nunmehr drei Jahren gegenwär⸗ tiges Werk des, als Dichter und Gelehrten gleich ruͤhmlich bekannten, Ritter Pou⸗ gens, unter dem Titel:„Abel, ou les trois Frères,“ in Paris erſchienen war, erwaͤhnten ſogleich mehrere franzd⸗ ſiſche und auch deutſche Zeitſchriften daſ⸗ ſelbe mit großem Lobe und! empfahlen es beſonders Eltern, Erziehern und Geſetz⸗ gebern, indem darin, eingekleidet in das Gewand einer fließenden Unterhaltungs⸗ ſchrift, wichtige Winke uͤber die Folgen unrichtiger Erziehungs⸗Maximen und der veralteten Geſetzgebung mancher Laͤnder gegeben waͤren. Spaͤter uͤberzeugte ich mich durch Leſung des Werkes ſelbſt von der Wahrheit dieſer Angabe, und faßte ſchön damals den Entſchluß, es in einer IV freien Ueberſetzung in unſerem Vaterlande bekannter zu wacheg; in Entſchluß, der dadurch noch verſtaͤrkt wurde, daß mir der wuͤrdige Vft mit welchem iich ohngefaͤhr um dieſelbe Zeit durch meine Uebertragung ſeiner,1 nun faſt in alle Sprachen berſetzten⸗ zarten und ruͤhrenden Dichtung„Les quatre àges0, brieflich bekanit ward— die Ehre erzeigre, den Wunſch gegen mich zu außern, ſeinen Abel, falls derſelbe in's Hrutſche ſollte uͤberſetzt mben, von mir behrbeitet zu ſehen. Daß ich vennch n nicht eher wie jetzt das damals ſchon mit Botgeticmmene, und nir natůrlich diucht das Vertrauen des Vfs⸗ boppelt werth Gewordene, ausfůhr ve, hat ſeinen Grund ledigl chi in den Abhaltungen, die mir vielfache andere, zum Dheil fruͤher uͤbernommene, zum Theil ſpaͤter geWordene literari ſche vicrdſchteen, verurſachten; ² 3 vier Aier des Lebens, von 6hat⸗ les Pougens! Mach der 2ten Aufl. des Hriginals frei öberſetzt von Frichp Gleich; Leipj zig, bei C. H. Rekiam, 1826. NV doch glaube ich die Hoffnung hegen zu duͤrfen, daß das, was im Jahr 1820 von mehreren Kritikern Frantreichs u. Deutſch⸗ lands als Zeitgemaß betrachtet wurde, auch jetzt noch ſo betrachtet werden wird, indem in bieſen Paar Jahren ſich wenig⸗ ſtens in den Dingen nichts aͤnderte, die Pougens hier in ſeiner Erzählung beruͤhrt, ja vielleicht, was den Punkt einer pieti⸗ ſtiſch ⸗ kopfhangeriſchen Erziehungsmethode betrifft, das daruͤber Geſagte, leicht jetzt bei Vielen unter uns, noch zweckmaͤßiger geworden ſeyn duͤrfte, als es damals war. Daß ich frei uͤberſetzte, manches ab⸗ ändertey anders ſtellte und verkürzte, deutet ſchon der Titel an; auch war dies der Wunſch des Vf. der fuͤr ſeine Lands⸗ ſeute beſonders ſchrieb, ſo wie ich jetzt fuͤr) die meinigen dies gethan zu haben hoffe, und ſo bliebe denn nur noch einiges im allgemeinen über die Abſicht des Pfs⸗ bei der Herausgabe des Buches ſelbſt zu ſagen, was am fuͤglichſten durch deſſen — VI eigene Worte in der Vorrede zum Ori⸗ ginal geſchieht. „Ich habe— ſagt Pougens, am a. D.— gute Vaͤter, zartliche Muͤtter ge⸗ kannt, die durch eine mißverſtandene Strenge der Sitten bei aller Liebe zu ihren Kindern dieſelben fort und fort tyranniſirten und ihnen dadurch das elterliche Haus zuwider machten; eben ſo ſah ich Väter und Vor⸗ muͤnder, die in ihrem Erziehungsſyſtem, ofter durch falſche Anſichten verleitet als durch natuͤrliche Haͤrte des Charakters, das Wort„Nachſicht“ gaͤnzlich geſtri⸗ chen zu haben ſchienen und die leichteſten Vergehen oder Verirrungen der ihnen anver⸗ trauten Jugend, mit einem Eifer ahndeten, als wären es die ſchwerſten Verbrechen.“ „Ich ſah ferner, mit Schauder, oft junge Leute das Opfer einer fuͤhlloſen Ge⸗ ſetzgebung werden, die manchmal weit mehr darauf berechnet zu ſeyn ſcheint, den Ge⸗ fallenen vollends zu zerdruͤcken, als ihn zu beſſern. Ich ſah, wie ſolche Unglůckliche zuweilen fuͤr ein Vergehen, deſſen Quelle VIT einzig jugendlicher Leichtſinn, und keines⸗ weges boͤſer Wille war, mit dem Abſchaum der menſchlichen Geſellſchaft, mit den voll⸗ endetſten Boͤſewichtern, zuſammen in ein Gefuͤngniß geſteckt wurden, ohne daß man dabei bedachte, wie man ſie haͤufig gerade hierdurch erſt dazu machte, als wo fuͤr man ſie ſchon anſah, und daß, wenn ein ſolcher Armer nach Ablauf ſeiner harten Strafzeit wieder in die buͤrgerliche Welt tritt, ihm dann das, durch das Geſetz, ſelbſt erweckte Vorurtheil im Volke faſt ſtets den Weg zu einem ehrlichen Fortkommen verſperrt; und ich geſtehe, daß ich, ſo oft ich dies alles ſah, nicht ohne den Wunſch an die menſchlicheren und zweckmaͤßigeren Einrich⸗ tungen in dieſer Art in den Nord⸗Ame⸗ rikaniſchen Freiſtaaten und den Mieder⸗ landen dachte: man moͤchte dieſe Ein⸗ richtungen in andern Ländern zum Muſter nehmen.“ „Dieſe Anblicke, dieſe Betrachtungen, die mich ſo oft ſchaudern machten, haben mich aber bewogen, gegenwaͤrtiges Werkchen ————— VIIT auszuarbeiten, dem ich nur darum die leichte Form einer Erzählung gab, damit auch ſolche, die nicht gern, ohne zugleich un⸗ terhalten zu werden, ein Buch in die Hand nehmen, es leſen, und in dem uͤbrigens alle erzählten Ereigniſſe wahr und witklich ſind und von mir nur das, was viele Ein⸗ zelne betraf, in das Geſchick der drei Brüder verflochten wurde, deren Leben den Faden zur Aneinanderreihung der Be⸗ gebenheiten hier bildet. 1 1nnmn . 1. Gegen die Mitte des vorigen Jahrhun⸗ derts lebte zu Amſterdam Jonathan Drian⸗ court, ein rechtſchaffener Mann, der ſich und ſeine Familie von dem ſchmalen Er⸗ trage einer Unterbeamtenſtelle bei dem dor⸗ tigen Zollweſen, einfach, aber redlich nährte, und ſeine Soͤhne, deren er dreie hatte, in Ordnung und Gottesfurcht erzog. Er ſelbſt ſtammte von einer, in fruͤ⸗ heren Zeiten aus la Rochelle der Religion wegen ausgewanderten, einſt wohlhabenden Familie, die aber durch die Verfolgungen, welche ſie im Vaterlande erlitten, arm ge⸗ worden war und deren eines Mitglied— ein Groß⸗Onkel, auf welchen ſich der ehrliche Jonathan noch immer viel zu gute that— 1 ein beruͤhmter hugenottiſcher Prediger ge⸗ weſen, eben dieſer Beruͤhmtheit und ſeines Eifers fuͤr das Evangelium wegen aber von den grauſamen Verfolgern ſchmaͤhlich gehangen wurde. Das Andenken an dieſen Maͤrtyrer ſeines Glaubens, ſo wie die eigene Anhaͤnglichkeit an denſelben, bewogen nun den alten Driancourt, ſeinen Soͤhnen eine ſogenannte gelehrte Erziehung geben zu laſſen, damit ſie einſt, wie ihr Groß⸗groß⸗ Onkel, das Wort des Herrn in der gerei⸗ nigten Form verkuͤnden koͤnnten, und ob⸗ ſchon nun weder die Kraͤfte des Vaters, noch die Anlagen und Neigungen der Kin⸗ der dieſem Vorſatz entſprachen, ſo beharrte, nach Art alter Leute, Jonathan doch eigen⸗ ſinnig auf ſeinem Plane und wies die gut⸗ gemeinten Rathſchlaͤge ſeiner Bekannten ſtets zuruͤck, die vernuͤnftiger Weiſe meinten, es wuͤrde beſſer ſeyn, wenn er ſeine Soͤhne zu nuͤtzlichen Handwerkern erzoͤge, als ſie mit 2 kein bib Be fin gut ſch ſi — — nes ber ich eſtn ene tine 3 . Dingen plagte, fuͤr welche ſie nun einmal kein Intereſſe haͤtten. Uebrigtſis ſprachen die Knaben, deren bibliſch gewaͤhlte Ramen Joſua, Abel und Benjamin waren, fertig hollaͤndiſch und franzoſiſch, und, da ſie von Natur ganz gute Jungens waren, ſo wuͤrden ſie wahr⸗ ſcheinlich auch einmal leidlich gute Men⸗ ſchen geworden ſeyn, haͤtte nicht der alte Driancourt, mit dem beſten Willen von der Welt, es ſich auf's eifrigſte angelegen ſeyn laſſen, von fruͤher Jugend an ihren Charac⸗ ter durch uͤbermaͤßige Strenge zu verderben. Als eifriger und ſtrenger Calvinift hielt er, wie jetzt manche ſich zum Hertenhuthinnjs⸗ mus Hinneigende, jeden Ton laut vertin der Freude fuͤr Suͤnde, und die Kinder vom Morgen bis zum Abend mit Auswendigler⸗ nen von Bibelſtellen und Spruͤchen, mit Leſen von trockenen Prebigten und unfrucht⸗ baren Streitſchriften uͤber Religionsgegen⸗ 1* 4 ſtaͤnde, plagend, geſtattete er ihnen nie, gleich andern ihres Alters umherzu⸗ ſpringen. Die einzige Ergotzlichkeit, die er ſich und den Seinen fuͤr erlaubt hielt, beſtand darin, daß er an Sonn⸗ und Feier⸗ tagen mit ihnen, nachdem ſie erſt zahlloſe Gebete hergeplappert und ſich ein Paar Stunden lang an den breiten Vortraͤgen eines zelotiſchen Kanzelſchreiers gelangweilt hatten, nach dem nahen, meiſt von Stil⸗ len im Lande bewohnten Dorfe Broeck, langſam hinwandelte, um dort in einer hollaͤndiſch aufgeputzten Stube, ehrbar da⸗ ſitzend, mit einigen ihm im Glauben Glei⸗ chen, von neuem durchzugehen, was heutt Ehren Beckhuſius oder ſonſt ein anderer Eiferer fuͤr den wahren Glauben, bereits vorgedonnert: oder was waͤhrend der letzten Woche, das Lamm dem begeiſterten Gemuͤthe irgend einer dickbluͤtigen Hol⸗ laͤnderin, offenbart hatte. Daß das Able⸗ ſef hat gei He zut der rig we ein get mi nicj 5 ſen mehrerer Kapitel aus der Bibel, und das Abſingen einiger Pſalmen Davids, dieſe geiſtreichen Unterhaltungen ſchloß, und der Heimweg eben ſo langſam und pedantiſch zuruͤckgelegt wurde, wie der Hinweg, laͤßt ſich denken, und zugleich auch, was 10 bis 12àh⸗ rige Knaben hierdurch gewinnen konnten, und welche Unterhaltung ihnen dies uͤberhaupt gewaͤhren mußte. Driancourt ſah dies aber freilich nicht ein. Weil er ſich durch dieſe Dinge angezo⸗ gen fuͤhlte, ſo glaubte er, auch die Seinen muͤßten daſſelbe Intereſſe dafuͤr haben und es ſey nur Einwirkung des Erbfeindes alles Guten, wenn ſie gaͤhnend, oder wohl gar ſanft entſchlummert, da ſaßen, waͤhrend er mit den froͤmmelnden Bewohnern von Broeck von den Wunden des Lammes, dem Angſt⸗Schrey der Glaͤubigen in dieſer ruch⸗ loſen Zeit, den Gnadenmitteln und der Gnadenmacht, und was dergleichen mehr, —— 160 ſich unterhielt. Dieſen Einwirkungen des Böͤſen wirkte aber nach ſeiner Anſicht nichts beſſer entgegen, als vermehrtes Gebet und — der Stock, und wenn daher die armen Jungen, und zuweilen ihre duldſame Mut⸗ ter mit, uͤber den Vortraͤgen irgend eines Broecker Kopfhaͤngers, oder gar bei denen des Non plus ultra's geiſtlicher Bered⸗ ſamkeit, des bereits gemeldeten Ehren Beck⸗ huſius— nach Jonathans Meinung, des erſten Glaubenslichtes der Welt— einnick⸗ ten: ſo ſtand ihren Ruͤcken ohnfehlbar eine ſtrenge Buße von des Vaters Hand, und ihrem Geiſte eine eben ſolche Poͤnitenz durch Auswendiglernen ganzer Kapitel aus irgend einem alten geiſtlichen Troͤſter, bevor. Wie ſehr die Kinder dadurch fuͤr alles, was Religion hieß, gewonnen wurden, darf nicht erſt bemerkt werden. Haͤtten ſie ihr Lebelang fuͤr jedes Unrecht einen ſolchen Abſcheu gehabt, wie ſie damals, Dank der berf e gehe Ne obe ir der e ho tiſ ſür Er S det wo es 70) 7 verkehrten Methode ihres Erzeugers, fuͤr die Kirche und alles was dazu gehoͤrte, im geheim empfanden: ſie wuͤrden Muſter von Menſchen geworden ſeyn; ſo geriethen ſie aber, als der vaͤterliche Zwang endlich auf⸗ hoͤrte, auf vielfache Abwege, und wer an⸗ ders war Schuld daran als eben der, der ſie zu ganz beſonders frommen Menſchen hatte machen wollen! Dennoch, und trotz dieſer verkehrten Erziehungsmethode, galt Jonathan Driancourt in ſeinem Stadtviertel fuͤr den beſten Vater unter der Sonne. Er liebte ja ſeine Kinder, hielt ſie zur Schule und Kirche an, ernaͤhrte und klei⸗ dete ſie ſo gut, wie er nur vermochte, wachte uͤber ihre Unarten— was konnte man mehr verlangen?! Die Welt ſah nicht, daß er durch ſeine uͤbertriebene Strenge den Geiſt ſeiner Kinder unterdruͤckte, daß er durch ſeine Kopfhaͤngerei, ſein uͤbelange⸗ wenbetes Bibelleſen, den Misbrauch, den er, 8 gleich ſo vielen Andern auch in unſerer Zeit, mit dem Gebet trieb, bei ein Paar von ihnen Irreligioſitaͤt ſtatt Religioſitaͤt erweckte, und daß er ſo gewiſſermaßen der urheber der traurigen Schickſale wurde, welche ſie, und gerade den beſten unter ih⸗ nen, am meiſten in der Folge trafen.— Moͤchten dies Eltern und Erzieher im⸗ mer bedenken; es wuͤrde dann manchen Un⸗ gluͤcklichen, manchen Uebelthaͤter weniger in der Welt geben!— 2. Der aͤlteſte Sohn mochte achtzehn, der juͤngſte ohngefaͤhr ſechzehn Jahre alt ſeyn, als Jonathan Driancourt zu ſeinen Vaͤtern ging und ſeine Wittwe, eine gute und brave Frau, die mit Muth und Ergebung ihr nicht immer angenehmes Loos duldſam getragen hatte, mit ſeinen Soͤhnen in ziem⸗ n⸗ der hn, ern em⸗ 9 lich traurigen Umſtaͤnden hinterließ, die freilich nicht ſo traurig geweſen ſeyn wuͤr⸗ den, haͤtte er den Rath kluͤgerer Freunde befolgt, und die Juͤnglinge ſtatt unablaͤſſig zu ſeinen Buͤchern, zu etwas fuͤr das buͤrgerliche Leben Nuͤtzlichem angehalten. So verſtanden ſie aber nichts als leidlich Rechnen und Schreiben und ein Bischen ſchlechtes Latein, wußten pichts als die un⸗ fruchtbare Nomenclatur aller calviniſtiſchen Zeloten und herrenhuthiſchen Schwaͤrmer, die jemals gelebt hatten und noch lebten, und kannten von der Welt nicht viel mehr, als daß ſie ein Jammerthal voll Angſt und Suͤnde, und das ſumpfige Dorf Broeck der einzige Fleck darauf ſey, auf welchem, wegen der Froͤmmigkeit ſeiner Bewohner, das Auge des Herrn noch mit einigem Wohlge⸗ fallen ruhe. Da indeß das nun veroͤdete väterliche Haus weder den Juͤnglingen noch ihrer 10 Mutter mehr einen Aufenthalt gewaͤhren konnte, ſo mußte ein Entſchluß gefaßt wer⸗ den und dieſer fiel dann, nach langem Ue⸗ berlegen dahin aus, daß Frau Rachel Dri⸗ ancourt die ihr angebotene Stelle einer Wirthſchaftsfuͤhrerin bei einem alten hollaͤn⸗ diſchen Landprediger annahm, der ein arger Eiferer gegen alle einer andern Dogmatik Folgende, ein tuͤchtiger Trinker und ein ſo furchtbarer Schwaͤtzer war, daß weit und breit keiner ſeiner ſchweigſamen Landsleute, mit ihm umgehen wollte; die beiden juͤn⸗ gern Soͤhne aber in die Welt gehen ſoll⸗ ten, um ſich etwas zu verſuchen; denn fuͤr den Aelteſten hatten die Freunde des ver⸗ ſtorbenen Driancourt ſo weit geſorgt, daß er einem bejahrten Supernumerar Damm⸗ Aufſeher als Untergehuͤlfe zugegeben ward, wo er dann neben der Hoffnung, einſt ſelbſt Supernumerar werden zu koönnen, genau „ „ un ſo viel erhielt, um bei maͤßigem Appetit nicht ganz zu verhungern. So leicht auch das Wort: in die Welt gehen und ſich etwas verſuchen, gewoͤhnlich von den Menſchen, und am meiſten von den jungen ausgeſprochen zu werden pflegt, ſo ſchwer fuͤhrt es ſich in der Regel gluͤcklich aus, wenn man ohne Huͤlfe, ohne Mittel und ohne die Kenntniß irgend eines ein⸗ traͤglichen Gewerkes iſt, und daß dies alles der Fall bei den Soͤhnen des ſeligen Zoll⸗ ſchreibers war, haben wir bereits bemerkt. Die Noth, dieſer großer Hebel im Menſchenleben, gebot aber, und ſo mußte denn auf gut Gluͤck und die Gnade des Ewigen hin, das Wagſtuͤck unternommen werden, und da nach Art junger Leute auch Abel und Benjamin meinten, im Auslande waͤren goldne Berge, ſo entſchloſſen ſie ſich kurz und gingen, der Erſte nach Frankreich, der Andere aber auf die Einladung eines 12 Schiffscapitains, welcher Wohlgefallen an dem ruͤſtigen Burſchen gefunden hatte, der trotz ſeiner pietiſtiſchen Erziehung ſchon Ta⸗ bak rauchen und Grog trinken konnte wie ein Matroſe, nach England. Am Abend vor der Trennung machte aber die betruͤbte Mutter vier gleiche Theile von dem geringen Nachlaß des Vaters, gab jedem Sohne Einen— ihrem Liebling Abel indeß außerdem noch heimlich zwei muͤhſam zuſammen geſparte Ducaten— behielt fuͤr ſich auch einen ſolchen Theil und ließ ſie dann, am naͤchſten Morgen ſelbſt das Haus verlaſſend, mit ihrem beſten Segen ihrer Beſtimmung entgegenziehen, mit bethraͤnten Blicken zu dem Herrn der Herren flehend, daß er ſeine Vaterhand nicht von ihnen ab⸗ ziehen moͤge. wel ſeir me Nach ziemlich langer Wanderſchaft, auf welcher er ſich gleich von Anfang herein ſeine zwei Dukaten von einem diebiſchen Reiſegefaͤhrten hatte entwenden laſſen, kam der zweite Sohn der Frau Rachel Drian⸗ court, den wir zuerſt ins Auge faſſen wol⸗ len, in Charenton an. Hier hoffte der we⸗ der die Welt, noch die Menſchen kennende Juͤngling die beſte und zuvorkommenſte Auf⸗ nahme zu finden, die er auch in ſeiner der⸗ maligen Lage ſehr bedurfte, denn hier lebte als erſter Vicar des Kirchſpiels, ein Ver⸗ wandter ſeiner Mutter, der ſich indeß um dieſelbe, als eine vom rechten Glauben ab⸗ truͤnnige Ketzerin, in vielen Jahren nicht bekuͤmmert hatte und auch nicht viel Luſt zu haben ſchien, ſich jetzt um den gleichſam daherſchneienden Sproͤßling derſelben zu be⸗ kuͤmmern, welcher ſchuͤchtern und demuths⸗ voll vor ihm ſtand und ihm mit zitternder 14 Hand und linkiſchen Buͤcklingen den Brief uͤberreichte, den ihm ſeine beſorgte Mutter noch in der Scheideſtunde an den wohlha⸗ benden Herrn Vetter gegeben hatte. Eine Weile ſah der Ehrenmann, be⸗ haglich in ſeinen Polſterſtuhl zuruͤckgelehnt, den Juͤngling ſtarr an, dann langſam den dargereichten Brief ihm abnehmend, ſetzte er eben ſo langſam die Brille auf ſeine hochrothe Naſe, betrachtete das Schreiben, ohne es zu eroͤffnen von allen Seiten, blickte wieder anf den Ueberbringer und ſchnarchte enblich, nachdem Abel ſeinen Spruch von Empfehlungen ſtotternd geendet, denſelben alſo an: „Man nehme ſeinen Wiſch, und gehe ſeiner Wege; denn man iſt ein Landlaͤufer. Ich kenne Euch nicht und will Euch nicht kennen, und was Ihr mir da von Eurer Mutter ſagt, die ſich der Ehre ruͤhmt“ mit mir verwandt zu ſeyn, ſo will ich auch von fie der de de 15 der nichts wiſſen. Darum: Marſch! und wofern man ſich noch ein Mal unterſteht und mich mit ſolchen Lapalien in meinen Betrachtungen ſtoͤrt, oder wohl gar der Freundſchaft mit mir ruͤhmt, ſo— merkt es Euch, junger Taugenichts— ſo wird man Euch nach Bicétre bringen laſſen. Im Uebrigen empfehle ich Euch, verirrtes Schaf, der Gnade Gottes.“ MNit dieſer freundlichen Ermahnung warf der Mann der Kirche dem armen Bittenden den Brief oder Wiſch, wie er's nannte, den die be⸗ ſorgte Mutterliebe dem Schmerzensſohne in der bangen Trennungsſtunde als Hoffnungs⸗ anker fuͤr das betretene fremde Lebensmeer reichte, vor die Fuͤße, dentete auf die Thuͤr, rief noch ein Mal mit rauhem Tone: „Marſch!“ und zerſchmettert ob ſolchem Empfang, beraubt aller Ausſichten, ohne Geld, ohne Huͤlfe, fremd in einem fremden Lande, wankte Abel zur Stube und zum 16 Hauſe hinaus, vor ſich die Ausſicht, die nahende rauhe Herbſtnacht, hungernd unter freiem Himmel zubringen zu koͤnnen.— Kaum war er aber aus dem Zimmer, da fiel plotzlich ein Gedanke, ein ſeltener Fremdling, in den dicken Schaͤdel des Vi⸗ cars von Charenton, und das vor ſich ſte⸗ hende Deckelglas auf einen Zug leerend, begann der Ehrenmann, wie folget, zu uͤber⸗ legen:„Gott in der Hoh', was faͤllt mir ein! Das wäre ein Mittel—— Maria und Joſeph, ich darf nicht ſaͤumen!— Er iſt alt, gichtiſch, trinkt und ißt wie ein Dragoner, und dann, die Betſtunden, die er alle Abend mit ſeiner ſchwarzhaͤrigen Nichte haͤlt—— ja, ja, das geht nicht lange mehr, und wenn ich nun den kleinen Ketzer—— es kann nicht fehlen—— hohl mich—— Gott vergebe mir die Suͤnde! Gertrud! Frau Gertrud! ge⸗ ſchwind!“ huu ſtg ige ſyb Eu un tiſe unb den bile au un it das fehl ni 17 Eine wohlbeleibte, noch leidlich huͤbſche Haushaͤlterin trat auf dieſen Ruf herein, fragend, was der hochwuͤrdige Herr ſo Ei⸗ liges befehle. „Frau Gertrud, fuhr dieſer fort, Ihr ſeyd eine geſcheute Perſon, hoͤrt was ich Euch ſage. Es war da eben ein Burſche da, ein huͤbſcher Junge mit rothen Backen und großen Augen, hatte ein blaues zer⸗ riſſenes Kluͤftchen an, eine alte Muͤtze auf und ein chamois Weſtchen. Schafft mir den wieder, Frau Gertrud, wir wollen ihn bekehren, denn es iſt ein verlorenes Schaf aus der Heerde des Herrn. Lauft, lauft, und hohlt ihn mir wieder; aber ohne Auf⸗ ſehen, ganz in der Stille, denn man muß das Gute im Stillen thun.“ Gehorſam hatte die Haushaͤlterin den Be⸗ fehl vernommen, gehorſam eilte ſie ihn ſo ſchnell wie moͤglich zu vollſtrecken; waͤhrend ſie aber 2 dem traurig dahin wandelnden Abel nach⸗ keucht, wollen wir dem Leſer deutlich ma⸗ chen, was eigentlich den Herrn Vicar be⸗ wogen hatte, ſeine Geſinnungen in Betreff des Juͤnglings ſo ſchnell zu aͤndern. Der Ober⸗Pfarrer des Kirchſpiels war, wie der vorher angefuͤhrte Monolog von Abels Vetter ſchon erwaͤhnte, alt, kraͤnklich und verſprach bei ſeiner Lebensart, bald von dannen zu ſcheiden. Rach der ſchoͤnen Stelle deſſelben hatte es dem Vicar laͤngſt geluͤſtet; ſie zu erhalten bedurfte es aber der beſondern Protection und Gewogenheit des Erzbiſchofs. Wie konnte die nun beſſer erreicht werden als durch Verdienſte um die Kirche, und welches Verdienſt iſt groͤßer, als das, einen Ketzer in den Schvoß der⸗ ſelben zuruͤckzufuͤhren? Gelang dies, und warum ſollte es nicht bei einem armen, verlaſſenen Juͤngling ohne Welt, Feſtigkeit und Erfahrung gelingen? und wurde es 19 nut mit gehoͤrigem Pomp ausgefuͤhrt, ſo wad kein Zweifel, daß der fromme Oberhirt, ſo wie die ganze Gemeinde, ſich maͤchtig evbaut fuͤhlten und dann—— Män ſieht, der erſte Vicar von Chatenton kontite ſo gut rechnen wie mancher Andere. Frau Gertrud trat jetzt mit Abel wieder ein.„Wenn man, naͤſelte der Prieſter den Juͤngling nach einigen Augenblicken Pauſe, in etwas milderem Tone wie vorher, an: Wenn man gelehrig ſeyn und ſeinen teuf⸗ liſchen Jrrthuͤmern entſagen will, ſo will ich ſehen, was ich fuͤr Euch thun kann.“ Abel erwiederte nichts hierauf. Ihm war es in dieſem Augenblick wenig um die abweichenden Lehrſaͤtze der verſchiedenen Kir⸗ chen zu thun; ſein Magen forderte eine lange nicht bekommend Erquickung, und er nahm ſich, nachdem der ftomme Mann noch ein Breites uͤber die Gottloſigkeit des Cal⸗ 20 ſeiner Heiligen.“ 4 vinismus geſprochen und weitlaͤuftig aus⸗ einandergeſetzt hatte, wie Recht und Billig⸗ keit eigentlich heiſche, alle dieſen Jerthuͤ⸗ mern Ergebenen, ſchon dießeits den Flam⸗ men zu opfern, die jenſeits ohnfehlbar ih⸗ rer warteten: zuletzt die Freiheit zu bemer⸗ ken, wie ihn gewaltig hungere und er vor allen Dingen Rettung des Leibes beduͤrfe. „Wohlan, Frau Gertrud, erwieberte hierauf der Vicar, ſo fuͤhrt denn den klei⸗ nen Ketzer in die Kirche, einige Broſaͤmlein zur Ehre Gottes und und gebt ihm Frau Gertrud war, wie ſchon bemerkt, eine wohlbeleibte Perſon und ganz gutmuͤ⸗ thig dazu. So wenig wie ſie ſelbſt gern Mangel litt, ließ ſie auch Andere gern lin ge 21 welchen leiden, und da ihr nun uͤberdem der Juͤngling mit dem offenen Geſichte recht wohl gefiel, ſo ſtand ſie auch nicht an, die erhaltene Weiſung auf's Beſte zu befolgen und fuͤtterte den verſchmachteten Ankoͤmm⸗ ling ſo reichlich und ſo gut, daß derſelbe wohl einſah, er werde bei fernerem Auf⸗ enthalte in dieſem Hauſe ſchwerlich Scha⸗ den an ſeinem Leibe erleiden. Hernach wies ſie aber, nicht wie es der zaͤrtliche Vetter begehrt hatte, den Muͤden auf einen alten Strohſack unter der Treppe, ſondern machte ihm ein weiches und warmes Lager in einem Kaͤmmerchen zu recht, wo denn unſer Held ſo ſanft ſchlief, daß die Mor⸗ genſonne bereits lange durch die kleinen Fenſter ſchien, eh' er ſich erhob, um ſich aus den Haͤnden ſeiner Pflegerin ein Mor⸗ genbrod zu erbitten. Dies war aber kaum verzehrt, ſo klin⸗ gelte auch der Herr Vetter Vicar nach ihm W und als der Juͤngling nun vor Se er⸗ ſchien, da ſprach er: „Hoͤrt jetzt kleiner Strauchdieb, was ch Euch ankuͤndige und bewahrt es wohl in Eurem ſuͤndlichen Herzen. Ihr ſeyd durch und durch von Ketzerey verpeſtet und, was eben ſo ſchlimm iſt, aͤrmer wie Hiob. Ihr habt alſo fuͤr dieſes Leben nichts zu er⸗ warten als Hunger und Elend, und fuͤr das Zukuͤnftige, nichts als ewige Flammenz; denn wißt es ein⸗fuͤr alle Mal, außer der vechtglaͤubigen Kirche giebt es kein Heils das iſt Gottes Ausſpruch.— Man merke auf! fuhr hier der Mann Gottes den etwas zerſtreut ſcheinenden Abel an, und habe nicht die Gedanken anderswo. Fuͤr mich, einen Diener der heiligen Kirche, ziemt es ſich eigentlich nicht, daß ich Ge⸗ meinſchaft hege mit einem Verlorenen wie ihr, indeß da ich Mitleid mit Euch Teu⸗ felsabbiß habe und Eure Jugend mich jal i wat he daf der Ue jammert(der guten Frau Gertrud ſchien dieſe Jugend auch zu jammern, denn ſie warf wäͤhrend dieſer Rede des geiſtlichen Herrn unſerm Abel fo freundliche Blicke zu, daß dieſer recht viel Muͤhe hatte, nicht wie⸗ der unaufmerkſam zu werden), ſo will ich ein Uebriges thun und Euch vorlaͤhfig als Laufburſche im Hauſe dulden, wenn Ihr mir verſprecht, daß Ihr von Euren ſatani⸗ ſchen Ketzereyen laſſen, ſie feierlich abſchwoͤ⸗ ren und zur rechten Gemeinde des Herrn zuruͤckkehren wollt. Eine Stunde gebe ich Euch Bedenkzeit; dann erſcheint wieder und ſagt Eure Meinung. Man uͤberlege wohl und waͤhle zu ſeinem Frieden.“ Abel wollte Einiges hierauf erwiedern; ein zuͤrnender Blick des theuern Verwand⸗ ten machte ihn aber verſtummen und er ſchied mit der Weiſung, ſich vorlaͤufig nur in allen Glaubensſcrupeln an Frau Ger⸗ trud zu wenden, die eine wohl unterrichtete 24 Perſon ſey, und ihm uͤber Alles ſo weit gehoͤriges Licht geben wuͤrde, bis es Zeit ſey, daß der geiſtliche Herr mit ſeinem Unterricht ſelbſt beginne. Was ſollte der arme Verlaſſene jetzt machen? So weit der Himmel blaute, wußte er keinen Menſchen, an den er ſich haͤtte wenden konnen, und waͤhrend ſo auf einer Seite das bereits empfundene Elend ihn anſtierte, ſtand auf der andern die freundliche Frau Gertrud mit den Fleiſch⸗ toͤpfen Egyptens.— Bedenkt man hierbei, daß Abel kaum 17 Jahre alt, und daß ſeine Erziehung nicht geeignet war, ihm den Calvinismus beſon⸗ ders lieb gewinnen zu laſſen, ſo wird man ſich nicht wundern, daß er bald zu wanken begann und nach kurzer Zeit den unzerricht der Dame Gertrud viel anmuthiger fand, wie den fruͤheren ſeines uͤberſtrengen Va⸗ teti uſ woh das rech mi we Kr nit m hat it 6t ett te, ſch uf 25 ters, und den polternden des Ehren Beck⸗ huſius zuſammt allen kopfhaͤngeriſchen Be⸗ wohnern von Broeck. Die Haushaͤlterin ließ ſich aber auch das ihr uͤbertragene Bekehrungsgeſchaͤft recht eifrig angelegen ſeyn. Obſchon nicht mehr jung, war ihr Herz doch noch keines⸗ wegs veraltet, und der braunlockige, von Kraft und Geſundheit ſtrotzende Juͤngling, mit den hellen Schelmenaugen, die gleich am erſten Abend der guten Frau ſo gefallen hatten— jammerte ſie viel zu ſehr, als daß ſie nicht Alles haͤtte anwenden ſollen, um ihn aus dem ewigen Schwefelpfuhle zu retten. Daß Abel uͤbrigens, trotz ſeiner Ketzerey, an die Gottheit des Erloͤſers glaubte, ja, daß er uͤberhaupt an Gott nur glaubte, war ihr nach Art vieler in voͤlli⸗ ger Unkenntniß der Lehrſaͤtze anderer Kir⸗ chen erzogenen Perſonen ihres Glaubens, 26 freilich neu*), doch hing ſie natuͤrlich viel zu ſehr an den ein Mal ihr beigebrachten Reinungen, als daß ſie auch nur einen Augenblirk daran hätte zweifeln koͤnnen, daß demohngeachtet der Juͤngling ewig verloren gehen muͤſſe, wenn er nicht ſobald wie moͤg⸗ lich den Irgewinden entzogen und auf die rechte Bahn zuruͤckgeleitet wuͤrde. So ſaß ſie denn jetzt alle Abende, waͤhrend es draußen der rauhen Jahreszeit gemaͤß, ſturmte und wehte, und der Herr Vicar in ſei⸗ nem Polſterſtuhle trank und verdaute(er nannte es aber: meditirte) mit ihrem Schuͤler beim waͤrmenden Kamin, ließ ihn die er⸗ baulichen Legenden der Heiligen, oder ein *) Schreiber dieſes hat bei ſeinen fruͤheren Reiſen in außer deutſche katholiſche Laͤnder, mehr⸗ mals im Geſpraͤch mit Landleuten u. ſ. w. ſelbſt Gelegenheit gehabt zu bemerken, welch Erſtau⸗ neyzes bei ihnen erregte, zu hoͤren, daß die ſo⸗ ihcrn Ketzer— doch auch an Chriſtus glaubten und Chriſten waͤren. S Paa derge ihm des das ſoy geln nan nich hen 27 e Paar Seiten aus des Herrn von Beaumont n atechismus leſen, erzaͤhlte ihm die Wun⸗ n dergeſchichten frommer Maͤrtyrer, und ſteckte ihm dabei die beſten Biſſen von der Tafel en des Hausherrn zu. ⸗ Darf es einen da noch wundern, daß ſtdas verirte Lamm nach Verlauf weniger Wochen nicht allein im rechten Glauben, d ſondern auch in der ihm früher ganz man⸗ ,„ gelnden Lebenserfahrung, wie man ſich k naͤmlich mit einer noch ganz huͤbſchen und nicht unempfindlichen Frau unter vier Augen zu 5 benehmen habe, recht bedeutende Fortſchritte machte? Frau Gertrud war uͤbrigens eine viel zu gewiſſenhafte Lehrerin, als daß ſie ihr Werk nicht haͤtte vollenden ſollen; und da nun der ſchlau berechnende Prieſter . auch die Fruchte ſeiner, oder vielmehr der Muͤhe ſeiner Haushaͤlterin, ſo bald wie moͤglich ernten wollte, ſo ward dem der Tag angeſetzt, an welchem Abel mit moͤg⸗ 28 lichſter effentlichkeit feierlich in die aus⸗ gebreiteten Arme der Mutterkirche zuruͤck⸗ ſinken ſollte. Daß zu dieſem Actus eine zahlloſe Menſchenmaſſe herbeiſtroͤmte, laͤßt ſich den⸗ ken. Der Herr Erzbiſchof des Sprengels, in Pontificalibus, die ganze Geiſtlichkeit, ſogar einige Herren und Damen vom Hofe, beſonders aber die Schaaren frommer Bet⸗ ſchweſtern, die, noch nicht ganz der Welt abgeſtorben, die Freuden derſelben moͤglichſt mit denen des Himmels in Einklang zu bringen ſuchen— fanden ſich ein und waͤhrend nun der junge und huͤbſche Con⸗ vertit, betrachtet von tauſend Augen, mit niedergeſchlagenen Blicken da ſtand, und ſein Herr Vetter in einer ſalbungsvollen Rede die Herzen der Verſammlung zer⸗ muͤrbte und dabei nicht vergaß zu bemerken, wie viele Nachtwachen es ihm gekoſtet habe, dieſen theuren Reffen den Klauen des Sa⸗ kans de unhe ling kiſe inſ nd Eij hin Jei wilo thi und 1 ber gen dem ſo v als⸗ loſe den⸗ els, eit ofe, Brt⸗ elt ichſt zu und on⸗ mit und llen jer⸗ Pn⸗ be, S 29 tans zu entreißen: gingen einige Freunde des Vicars in der dicht gedraͤngten Kirche umher, milde Beitraͤge fuͤr den armen Juͤng⸗ ling einzuſammeln und zugleich auch durch leiſe Zufluͤſterungen noch mehr auf die Ver⸗ dienſte des Gottesmannes aufmerkſam zu machen. Beides hatte denn auch den gewuͤnſchteſten Erfolg— fuͤr den bekehrenden Herrn Vet⸗ ter naͤmlich. Die Spenden von frommen Haͤnden floſſen ſo reichlich, daß der zehnte Theil mehr als hinreichend war die Koſten, welche Abel bisher ſeinem geiſtlichen Wohl⸗ thaͤter gemacht hatte, zehnfach zu verguͤten, und da auch der Herr Erzbiſchof den Werth der Bekehrung dieſes jungen Ketzers hoch genug anſchlug, um den Vicar dafuͤr mit dem ausgezeichnetſten Lobe zu uͤberſchuͤtten: ſo aͤrgerte ſich der alte und gichtiſche Ober⸗ Pfarrer von Charenton dermaßen daruͤber, daß ihn noch in derſelben Racht ein Schlag⸗ 30 fluß ruͤhrte, an welchem er ſofort in den Armen ſeiner ſchwarzhaͤrigen Nichte ſtoh⸗ nend verſchied. Daß niemand anders als det Vicar jetzt deſſen Nachfolger wurde, verſteht ſ wm Achtzehn Franks und zwoͤlf Sous er⸗ hielt Abel den zweiten Tag nach der Feier⸗ lichkeit, als angebliche Ausbeute der fuͤr ihn gemachten Sammlung; dazu den Se⸗ gen des Herrn Vekters, und die Etlaubniß zu gehen, wohin er wollte.— So glaubte der Mann Gottes ſeine Pflichten föt das koͤrperliche und Seelenheil des Jünglings vollkommen erfuͤllt zu haben, und der Arme wuͤrde bald wieder in ſeinen vorigen trau⸗ rigen Zuſtand zuruͤckgeſunken ſeyn, haͤtte nicht Frau Gertrud, mild wie ſie war und — den kun bre E da ſen du ſiin lu Nn icat i er⸗ eier⸗ fuͤt S⸗ zuiß ubte das n 95 unt ſal⸗ ätte eingenommen für den huͤbſchen Jungen, den ſie jn hauptſuͤchlich gerettet hatte, ſich ſei⸗ ner erbarmt. Durch ihre Connexionen, verbunden mit dem Intereſſe, welches einmal das Publi⸗ kum fuͤr den Conbertitien gefaßt hatte, brachte ſie es beim Secretair des Hetrn Erzbiſchofs— einem alten Bekannten— dahin, daß Musje Abel Driancourt den Po⸗ ſten eines Unter⸗Douanen an der Barriere du Tröne erhielt, ein Aemtchen, das ſchon ſeinen Mann naͤhrte; beſonders wenn bieſer tlug genug war, zu gewiſſen Zeiten nicht ſo hell zu ſehen, wie die Herren General⸗ paͤchter dies wohl wuͤnſchten. Wohrſcheinlich wuͤrde hier unſer Held auch ruhig und ohne weitere Schickſale ſein Leben mit Unterſuchung der einpaſſirenden Wagen c. zugebracht haben, haͤtte nicht die Liebe, deren erſte Elemente Frau Ger⸗ trud ihm beigebracht hatte, ihm einen ſahr 32 verdruͤßlichen Streich geſpielt und dadurch ſeine bisherige Wohlthaͤterin in eine Fein⸗ din verwandelt. Vier Monate waren naͤmlich ſeit der Ankunft des jungen Mannes in Charenton jetzt verſtrichen, da erſcholl ploͤtzlich einmal die Stimme der Dame Gertrud ſo laut uͤber die Gaſſe weg, daß maͤnniglich ver⸗ wundert ſtehen blieb und mit Erſtaunen folgende Exclamation anhoͤrte:„Ach uͤber die nichtswuͤrdige, unverſchaͤmte kleine Schlange! Ach uͤber das abſcheuliche, ver⸗ worfene Geſchoͤpf! Den eigenen Reffen des Herrn Ober⸗Pfarrer zu verfuͤhren! Pfui uͤber die haͤßliche Creatur!— Und du, undankbarer Taugenichts, du abſcheulicher Heide, ſind das die Fruͤchte meiner guten Lehren? iſt das der Lohn fuͤr meine Guͤte gegen dich? Aber wartet, ſo wie der hoch⸗ wuͤrdige Herr heimkehrt, werde ich ihm alles entdecken, und noch heute ſollſt Du mnd i nied Sta Eyr um ſch als m mut hoch dere ſie neh gef ſch ßig in⸗ der ton nal aut er⸗ nun ber und das Geſchoͤpf aus dem Kirchſpiel, oter ich lege mein Haupt nicht wieder ruhig nieder. Pfuj und pfni nochmals uͤber den Scandal!“ Der Zorn erſtickte hier die Stimme de Sprecherin, und wir benutzen dieſe Pauſe, um unſern Leſern zu ſagen, daß die unver⸗ ſchaͤmte kleine Schlange niemand anders, als ein hübſches, großaͤugiges Maͤdchen mit Namen Manette, war, deren Stief⸗ mutter, eine Obſthaͤndlerin, fuͤnf Treppen hoch dem Pfarrhauſe gegenuͤber wohnte, und deren ganzes Verbrechen darin beſtand, daß ſie den braunlockigen Abel eben ſo ange⸗ nehm fand, wie ihn Dame Gertrud laͤngſt gefunden hatte. Seit mehrerer Zeit hatte die letztere ſchon bemerkt, daß die jungen Leutchen flei⸗ ßig nach einander hin ſahen, und weil Ju⸗ gend nicht Tugend hat, ſo hatte ſie es fuͤr 3 34 ihre Pflicht gehalten, ein wachſames Auge auf beide zu werſen; an dieſem Abend nun war es ihr aber gelungen, das kleine Geheimniß der Leutchen zu erforſchen. Sie war leiſe, leiſe dem Unter⸗Douanen nach⸗ geſchlichen, der vermuthlich einmal ſehen wollte, ob Manette nicht verbotene Waaren in ihrem Dachkaͤmmerchen berge, und weil nun weder die Mutter, noch ſonſt jemand im Hauſe war, ſo hatte es ſich gefügt, daß Frau Gertrud gerade in dem Augenblick in das Kaͤmmerchen treten konnte, wo Abel am eifrigſten nachforſchte und Manetten in ihrer Unſchuld nichts mehr verbarg. Erſchrocken ob der ungewuͤnſchten Er⸗ ſcheinung waren die Liebenden aus einander geſtoben, Abel die Treppen hinab, Manette tief in einen Winkel ihrer Kammer. Bald ſollte ſie jedoch ſehen, daß dies kein ſichern⸗ der Zufluchtsort war; denn nicht lange, ſo trat Dame Gertrud von neuem mit der Pün 6 ſin trete verl Dy Du hin unb melt in! as * 35 eiligſt herbeigeholten Stiefmutter der kleinen Suͤnderin herein, und da dieſe eben nicht die Sanftmuth in eigener Perſon war, ſo geſchah es, daß das arme Maͤdchen nach wenig Minuten jaͤmmerlich zerblaͤut zum Hauſe hinaus flog, hinter ihr her ein Buͤndelchen Sachen, zur Zugabe aber noch die kreiſchende Drohung, wie man ihr kein Glied ganz laſſen wolle, falls ſie ſich unter⸗ ſtande, dieſe Schwelle jemals wieder zu be⸗ treten. Da ſtand nun die weinende Manette, verlaſſen und verſioßen, bei einbrechender Dunkelheit auf der Straße und ſann, wo⸗ hin ſie ſich wohl wenden koͤnne, und waͤh⸗ rend ſie nun ſo einige Schritte mehr tau⸗ melte als ging, nahte ſich ihr grabitätiſch, in behaglicher Zufriedenheit daher tretend, ein alter, wohlgekleideter Herr, der eben aus einer frommen Winkelverſammlung 36 nach Hauſe ſchlenderte, und nun bei dem Schein der Reverbéren, das Madchen in's Auge faßte, und ſie, trotz ihrer derangirten Toilette— und vielleicht eben deswegen, deſto mehr— ſehr nach ſeinem Geſchmacke fand. Solche fromme Herren ſind, wenn ſie einmal vom Verſucher erfaßt werden, ʒiem⸗ lich beharrlich in ihren Unternehmungen, und ſo ging es denn auch hier mit dem „ehrwuͤrdigen Vater“ Pickpuͤß, wie die ſtille Gemeinde den alten Patron nur nannte. Manettens Zurckweiſungen fruchteten nicht viel bei ihm, und er wuͤrde vielleicht in ſeiner Aufgeregtheit und, beguͤnſtigt von Nacht, Dunkel und Einſamkeit, ſehr weit geſchritten ſeyn, haͤtten ſich nicht zum Gluͤck fuͤr das arme Maͤdchen, zum ungluͤck fuͤr ihn, ein Paar luſtige Bruͤder, junge Nili⸗ tairs, die ſingend ihren Wohnungen zuzo⸗ — hen V habe bon fan den tre N Bel gor der vo It dem in's rten gen ucke nſe jem⸗ nen, dem ſille nntt. nicht t in bon weit Glück Nil⸗ o 37 gen, genaht, wodurch denn der ehrbare Vater Pickpuͤß nicht allein in ſeinem Vor⸗ haben geſtort, ſondern auch uͤberdem noch von den jungen Wildfängen, die ſchnell den Vogel erkannten, und eine Freude darin fanden, einen ſo heiligen Mann auf Suͤn⸗ denpfaden, die ſie ſelbſt gern wandelten, zu treffen— mit Spottliedern und lauter Nennung ſeines Namens, bis zu ſeiner Behauſung verfolgt wurde, die er denn ganz erſchoͤpft, die Hoͤllenbraͤnde zuſammt der lockenden Sirene, zu viel tauſend malen verwuͤnſchend, erreichte, um hier gleichſam aus dem Regen in die Traufe zu kommen, indem ihm nun ſeine wohlbetagte Jugend⸗ freundin und Haushaͤlterin, die ehrbare Jungfrau Sabina, ſcharf in's Gebet nahm und ihm mit vielen Worten begreiflich machte, wie unziemlich es ſey, den Lockungen des Teufels außer dem Hauſe nachzugeben. 38 Manette hatte lſich unterdeß zu einer Bekanntin gefluͤchtet, deren Tochter ihre Freundin war, und wo ſie fuͤr's Erſte auch Obdach und Schutz gegen die weitern Aus⸗ bruͤche des ſtiefmütterlichen Zornes 6 durfte. 6. Ein eben ſo ſchweres ungewitter zog aber uͤber Abels Haupt zuſammen, als der neue Herr Ober⸗Pfarrer von Charenton heimkehrte und Frau Gertrud noch in der erſten Aufwallung des Zornes, ihm alles harklein berichtete. Bisher hatte ſich, wie bereits gemeldet, der Herr Vetter ſeit jenem feierlichen Actus in der Kirche, nicht mehr um den jungen Verwandten bekuͤmmert. Das Aergerniß, welches dieſer aber nicht ſowohl ihm, als dem keuſchen Gemuͤthe der Haushaͤlterin . Rel hu hen et Ge inet hr uch lus⸗ fin 109 bel ton der Mes bei⸗ tus gen ni als gebracht, Abel ſelbſt aber, als ein leicht⸗ 39 gegeben, beſtimmte ihn jedoch nun, dies zu chun, und noch denſelben Abend den klei⸗ nen Suͤnder vor ſich citirend, uͤberhaͤufte er ihn nicht allein, im Verein mit Dame Gertrud, mit einer ganzen Fluth von un⸗ holden Worten, ſondern bedrohte ihn und die kleine gleißende Schlange, auch außer⸗ dem noch mit dem Arme der Gerechtigkeit, der— ſo war die Meinung des eifrigen Zeloten— nichts Eiligeres zu thun habe, als ſolch ſchweres Vergehen gegen Gott und die Geſetze, auf's Nachdruͤcklichſte zu ahnden. In der That hielt der Ehren⸗ mann auch hierin Wort. Durch ſeinen Einfluß gelang es ihm leicht, einen Befehl von dem Herrn Polizei⸗Lieutenant des Quar⸗ tiers auszuwirken, vermoͤge welchem das arme Maͤdchen, als eine liſtige und abge⸗ feimte Buhlerin, die nur darauf ausginge, die Jugend zu verderben, in die Salpetriére 40 ſinniger, ſeiner Familie Unehre machender Menſch, nach St. Lazare geſchafft, und dort der ſtrengen Aufſicht des Hauſes, zur Beſſerung ſeiner Sitten, uͤbergeben wurde. Ob dieſe hier wirklich erfolgte, wird der weitere Bericht ſeiner Geſchichte melden, den wir hier nur einen Moment unterbre⸗ chen, um zu erzaͤhlen, daß kurze Zeit nach dieſen Vorfaͤllen Dame Gertrud ſich gewiſſer urſachen wegen,— deren Grund die boͤſe Welt in den Bekehrungsſtunden, die ſie dem jungen Ketzer einſt gegeben, ſuchen wollte— auf's Land zu einer alten Ver⸗ wandten unter dem Titel, der Wittwe eines plotzlich verſtorbenen Douaniers, begab. Da ſie waͤhrend ihrer langjaͤhrigen und vielfachen Dienſte bei Sr. Hochwuͤrden nicht verſaͤumt hatte, ihr Schaͤſchen ins Trockene zu bringen, ſo konnte ſie denn auch hier ganz gemaͤchlich fuͤr ſich und das, was ſie erwartete, ſorgen, und es wird, . „ 4 ₰ 41 um den theilnehmenden Leſer uͤber ihr Ge⸗ ſchick vorlaͤufig zu beruhigen, genuͤgen, wenn wir ſagen, daß ihre weibliche Kampfſtunde ſich unter weit beſſeren Auſpicien machte, als die der armen Manette, welche wenige Wochen nach der ihren eintrat. Waͤhrend dies nun in der Stadt und auf dem Lande vor ſich ging, ſchmachtete der urheber all dieſer Veraͤnderungen noch immer zu St. Lazare, und wuͤrde wahr⸗ ſcheinlich noch ein feines Weilchen daſelbſt Gelegenheit gehabt haben, recht zu beden⸗ ken, wie uͤbel es iſt, zugleich mit einer gefuͤhlvollen Haushaͤlterin und einem jungen braunlockigen Maͤdchen zu verkehren, haͤtte nicht der, nach Verlauf von ungefaͤhr drei Viertel⸗Jahren erfolgende Tod des Herrn Ober⸗Pfarrers zu Charenton, ſeiner Haft ein Ziel geſetzt. Niemand hatte jetzt ein Intereſſe mehr, den jungen Menſchen feſtzuhalten, und weil 42 der Platz in dieſer trefflichen Anſtalt immer etwas beengt iſt, und es an Competenten, zu Stellen darin, Dank der Umſicht der Sitten beſſernden Polizei, nie fehlte: ſo deu⸗ tete man eines Morgens dem Sohne der Frau Rachel Driancourt die Erlaubniß, den Hrt zu verlaſſen, mit bem hoͤflichen Manoͤver an, daß man ihn zur Thuͤre hin⸗ ausſtieß, welches denn ſo viel hieß als; er koͤnne gehen wohin er wolle. Wohin aber ſich wenden? was begin⸗ nen? das waren die großen Fragen, de⸗ ren Antwort in dieſem Augenblick ſich ſehr ſchwer fuͤr ihn fand. Den ganzen Tag irres der Arme, ohne Brod, ohne einen Sous in der Taſche, ohne eine bleibende Staͤtte zu wiſſen, umher, und oͤder wie die Wuͤſten Arabiens, waren fur ihn, der keinen Menſchen hatte an den er ſich haͤtte vertrauend wenden koͤnnen, die volkreichen Straßen der Hauptſtadt. So ——— en⸗ . 43 war es Mittag geworden und Abend und noch hatte er nichts ausſinnen können; da geſchah es endlich, daß er in einem abge⸗ legenen Gäßchen einem Frauenzimmer be⸗ gegnete, die ihm bekannt vorkam. Bald erkannte er in ihr Cecilie, die Freundin ſei⸗ ner Manette, und mit einem Ausruf der Freude auf das Mädchen zueilend, war ſein erſtes Wort: Was macht Manette? wo lebt ſie? wie geht's ihr? Statt aller Antwort nahm Cecilie des Jünglings Hand, und mit ihm in ein ohn⸗ fernes Haus tretend, fuͤhrte ſie ihn eine ſolche Menge Treppen zu einem Dachſtub⸗ chen hinauf, daß er vermeinte, er ſtiege auf die Spitze von Notre⸗Dame, und als ſich nun die ſchlecht verwahrte Thuͤre oͤff⸗ nete, da ſah er bei dem Schimmer eines dunkel brennenden Laͤmpchens auf einem duͤrftigen Lager ein blaſſes Weib ſich lang⸗ ſam emporrichten, die ein Kind an der 44 Bruſt hielt und bei ſeinem Erſcheinen mit einem, von Freud' und Schmerz gemiſchten Tone ſeinen Namen ausrief, und dann er⸗ ſchoͤpft zuruͤck ſank. Es war Manette, die er hier wieder ſah. Kummer, Gram und Mangel hatten die bluͤhenden Zuͤge entſtellt, ach, und doch war ſie noch ſchoͤn! ſchoͤner noch fuͤr ihn in dieſem Augenblick, wo ſie ſein Kind, die ungluͤckliche Frucht einer unbewachten Stunde, an die Bruſt druͤckte, und mit Thraͤnen warf er ſich neben das Lager hin, umſchlang beide und genoß, vergeſſend ſeine, vergeſſend ihre huͤlfloſe Lage, das ſuͤße Ge⸗ fuͤhl, die Seinen in ſeine Arme zu ſchließen. ² Bald weckte aber die Noth, die bitterſte Noth, die ungluͤcklichen aus dem Taumel, in welchem die menſchlichſte und reinſte Em⸗ pfindung ſie einen Moment gewiegt hatte. Wohin ſie auch ihre Augen Huͤlfe ſuchend 5 ſit wendeten, üͤberall ſtierte ihnen das Elend, en die Verlaſſenheit, die Huͤlfloſigkeit entgegen⸗ und vie traurigen Erfahrungen, welche Manette und Cecilie ſchon dieſe Zeit daher det von der Hoͤrte der Menſchen gemacht hat⸗ en ten, vermehrten nur die Finſterniß ihrer ch Ausſichten. hn Manettens Stiefmutter hatte ſich in der die Zeit, daß ſie dem chriſtlichen Verlangen en des weiland Pfarrers zu Charenton zu nit Folge, in Haft ſaß, von Paris entfernt, i auch die Alte, bei welcher Cecilie ſonſt lebte, ne, war fort, und ſomit jede Ausſicht von die⸗ e⸗ ſer Seite abgeſchnitten; welche Hoffnungen z aber Abel hatte, iſt uns bekannt. Dennoch mußte ſchleunige Huͤlfe ge⸗ ſu ſchafft werden, wenn man nicht das Kind el ſammt der Mutter im Elend wollte um⸗ „ kommen ſehen, und der junge Mann wartete nur den Morgen ab, um den in der Stille nen Entſchluß auszufuͤhren. Seine 46 Abſicht war, ſich als Soldat anwerben zu laſſen, und den Preis fuͤr ſeine Freiheit Manetten zu bringen. Er ging demnach, als kaum der Morgen graute, nach dem Quai de la Megiſſerie, den das Volk ge⸗ woͤhnlich nur Quai de la Feraille nennt, und wandte ſich da an den erſten ihm be⸗ gegnenden Werbe⸗Unteroffizier eines Ma⸗ rine⸗Regiments, deſſen ehrliches, obgleich barſches Geſicht, ihm einiges Zutrauen einfloͤßte. Zum Ungluͤck fuͤr den Juͤngling, war dieſer Mann gewiſſenhafter, wie viele An⸗ dere ſeines Standes; denn nachdem er eine Weile den ſich ihm darbietenden Rekruten, deſſen kraͤftige Geſtalt ſehr gut in's Auge fiel, betrachtet hatte, ſagte er:„Ja, ja, brauchen koͤnnt' ich Euch ſchon, aber Ihr ſcheint mir den Schritt aus Uebereilung zu thun, und wißt wohl nicht, welches Loos ein Soldat auf den Schiffen hat. Sagt 5h No ſp de heit ſch, ge⸗ nt, be⸗ Na⸗ eich vu ar ln⸗ en, mir Euren Ramen, und uͤberlegt Euch die Sache noch ein Mal genauer, und wenn Ihr dann noch dabei beharrt, nun, ſo kommt morgen um dieſe Zeit wieder her, dann ſprechen wir wohl weiter; aber eher nicht, denn ich will nicht, daß ein Menſch mir ſpaͤter Vorwuͤrfe machen ſoll.“ Das war gewiß ſehr brav, vorzuͤglich, wenn man bedenkt, daß der Sprecher ein Werber war, indeß den jungen Driancourt nuͤtzte dieſe Rechtlichkeit nichts. Getrieben von der furchtbarſten Noth, die ihn zwang, Huͤlfe um jeden Preis zu ſuchen, wankte er traurig von dem Quai de la Megiſſerie weg und der Bude eines oͤffentlichen Schrei⸗ bers zu, den er um Gott und aller Heili⸗ gen willen bat, ihm Arbeit zu geben. Ich habe keine, marſch! war die Ant⸗ wort, die der Ungluͤckliche erhielt, und ſchon ſtand er im Begriff, verzweiflungs⸗ voller noch, wie er gekommen, die Bude zu 48 verlaſſen, als eine alte verkruͤppelte Figur im Hintergrunde ſich erhob, und unter vie⸗ lem Keuchen und Huſten hervorſtotterte, er ſolle ihm doch ein Mal etwas zur Probe ſchreiben. ic Zitternd, es auch gut genug zu machen, nahm Abel ein Blatt Papier vom Tiſch, die Feder in die Hand, und ſchrieb ſeinen Namen darauf, waͤhrend der Herr der Bude mit ſpoͤttiſchem Laͤcheln ihm zuſah, und uͤber die aͤcht national hollaͤndiſche Handſchrift des jungen Mannes ſeine miß⸗ billigenden Bemerkungen mit dem Beiſatze machte, wie es Schade ſey, daß ein Bogen vom feinſten Papier d'Angouleme durch ſolche ſteife Krakelei verderbt wuͤrde. Seyn Sie ruhig, werther Herr Roſſig⸗ nol, entgegnete der Kachectiker in der Ecke, ich bezahle das. Abel Driancourt, man folge mir. — ſch A 4 ka igur vir⸗ robe chen, Uſch, tinen der ſah iſche miß⸗ iſatze oen olche ſſis⸗ Ecke⸗ mon 49 Rit dieſen Worten ſchritt der Kruͤppel der Thuͤre zu, und demuͤthig folgte unſer uͤngling. 6 z1. Kaum waren beide auf der Straße, ſo wandte ſich der Erſtere aber um, und fluͤ⸗ ſterte Abel mit einer ganz veraͤnderten Stimme zu:„Du thuſt als wenn Du mich nicht keunſt; folgſt mir aber von Wei⸗ tem,“ und nun, um die Ecke biegend, ſchritt der vorher ſo hinfaͤllig ausſehende Alte, dem munterſten Juͤnglinge gleich aus, alſo daß der ganz in Erſtaunen ob dieſer Verwandlung gerathene Driancourt, ihm kaum zu folgen vermochte. So ging es fort durch Gaſſen, Gaͤß⸗ chen und Durchgaͤnge, in einem wahren Irgewinde, bis man endlich zu den Stein⸗ bruͤchen von Menil⸗Montant kam, wo der Unbekannte trefflich Beſcheid zu wiſſen ſchien und, die Schritte verdoppelnd, ſei⸗ nem Gefaͤhrten raſch nachzukommen winkte. — 1 Driancourt, von Natur herzhaft, wurde doch in dieſer einſamen und uͤbelberuchtigten Gegend, nicht ganz wohl zu Muthe, und einen Augenblick ſtehen bleibend, fragte er ſeinen Fuͤhrer, wohin denn ℳ W eigent⸗ lich ginge? Haſt Du Furcht? ſcholl es zur Antwort, und da Abel unerſchrocken hierauf mit ei⸗ nem: Nein! erwiederte, ſo ging es noch einige Schritte weiter, dann aber blieb der Andere ploͤtzlich ſtehen, riß ſich die Stutz⸗ peruͤcke vom Kopfe, warf ſeinen grauen Mantel ab, ſtrich ſich mit der Hand uͤber's Geſicht und fragte nun: Kennſt Du mich nicht mehr? Himmel! rief Driancourt aus, Du, Gasparin! Derſelbe; Dein Mitgefaͤhrte zu St. La⸗ zare; Dein Lehrer wuͤrde ich ſagen, wenn Du nicht zu dumm geweſen waͤrſt, meinen zu folgen. 3 1 urde igten und Re er igent⸗ twort⸗ it ei⸗ noch b der Stut⸗ rauen übers 51 Treffliche Rathſchlaͤge, entgegnete Abel. Geh', ich will nichts wiſſen. Nun, ſo verhungere denn, ehrlicher Narr, waͤhrend Du im ueberfluß leben koͤnnteſt. Verhungere und laß Manet⸗ ten—— O Manette! o ich ungluͤcklicher! Was hilft das Lamentiren. Dein Aeu⸗ ßeres zeigt genugſam, wie weit man heut zu Tage damit kommt. Sey kein Thor, Abel, und folge mir; ich bringe Dich zu lauter honetten Kerlen, luſtige Burſche, auf's Wort, die tauſendmal mehr werth ſind, wie all' das Gezuͤcht, welches mit dem Praͤdicat„Ehrlich“ behangen, taͤglich auf den Gaſſen frank und frey umherzieht, und doch nichts thut, als ſich einander betruͤgen. Komm, denke an Manetten, an Dein Kind—— Fuͤhre mich! rief Abel hier aus, fuͤhre mich, und gaͤng' es in die Hoͤlle. 4* wortreflche uch ge er Gaspa lamm vorſi chtig. 3 ᷣnn Kifte des Geſteins, bald rechts, bald ints, bis ſie zu einer Stelle kamen, wo die Tritte dumpf wiederhallten, und, nachdem Abel ſeinen Arm um ihn hatte ſchlingen muͤſſen, Beide nun wie in eine Verſenkung hinab⸗ fuhren. 7. Eine unterirdiſche Hoͤhle nahm die An⸗ koͤmmlinge auf. Mehrere Perſonen beiderlei Geſchlechtes, deren Phyſiognomieen einem Lavater zur Beſtimmung der Stufenfolge in Verbrechen aller Art, große Dienſte ge⸗ leiſtet haben wuͤrden, ſtanden oder ſaßen hier umher, während ein Veteran der edlen * 1 i. 53 hen⸗ Kunſt der Beutelſchneiderei mit ſo ernſter es Mine, wie ein Profeſſor der Weltweisheit, der einem Hauflein hoffnungsvoller Jugend, ſfir⸗ Knaben und Maͤdchen von zartem Alter, lift an einer, in der Ritte des Gewoͤlbes auf⸗ bis gehangenen und mit Schellen reichlich ver⸗ ritte ſehenen Figur, praktiſch zeigte, wie man Abel es anzufangen habe, um voͤllig unbemerkt ſen, Uhren, Doſen, Tuͤcher u. dgl. wegzuprac⸗ nab⸗ ttiziren. Wer von den Schuͤlern bei einem ſolchen Experiment ſo ungluͤcklich war, nur das kleinſte Geraͤuſch der Gloͤckchen zu ver⸗ urſachen, wurde ſofort uber einen herabge⸗ rollten Stein geſtreckt, und von dem Lehrer aufes unbarmherzigſte gezuͤchtigt. berei Die anweſenden erwachſenen Herren inum und Damen dieſer ehrenwerthen Geſellſchaft, ſolge die zum Theil in ſehr eleganten Anzuͤgen, m Theil in die ſeltſamſten Coſtume ver⸗ pupt erſchienen, waren aber meiſt damit beſchaͤftigt, die den Tag vorher, bei Gele⸗ 54 genheit einer großen Feierlichteit in den Gaͤrten von Verſailles, gemachte reiche Beute, zu ſortiren, und gewiſſenhaft zu theilen, und als nun, durch das Geräuſch der Herabfahrt der beiden Ankoͤmmlinge auf⸗ merkſam gemacht, ſie ſich umwandten, da erkannten mehrere unter ihnen, als ehema⸗ lige Bewohner von St. Lazare, alsbald den Sohn der Frau Rachel Driancourt, und hießen ihn mit freudigem Zuruf willkommen in ihrer trefflichen Compagnie. Und wo iſt Mademoiſelle Manette? fragte nach den erſten Bewillkommnungs⸗Compli⸗ menten der Andern, eine große dicke Weibs⸗ perſon unſern Abel, und verſicherte lachend, als dieſer erſtaunt den Namen ſeiner ſchuld⸗ loſen Geliebten hier und von ſolchen Zun⸗ gen zu hören, ſich daruͤber verwunderte daß ſie das kleine Ding bei ihrer ſiebenten Sitzung in la Salpétriére habe kennen lernen; daß es eine charmante Perſon, ein dn den riche iuſch auf⸗ hema⸗ d den und mme ſragle ompli⸗ ribs⸗ chend, ſhuld⸗ 3 derte benten ennen 55 wahrer Koͤnigsbiſſen, wie ſie ſich auszu⸗ druͤcken beliebte— ſey, und daß man nur zu bedauren habe, daß ſie ſo verwuͤnſcht tugendhaft waͤre. Ich, an ihrer Stelle, fuhr die liebenswuͤrdige Sprecherin fort, wollte weiß Gott, in der beſten Lage von der Welt ſeyn, und Euch, mein Freund, ſollte es dabei an nichts fehlen, denn Ihr ſcheint mir ein wackerer Burſche zu ſeyn. Laß das, alte Hexe, fiel hier Monſieur Gasparin ein, und komm Bruͤderchen und trink mit uns ein Glas Genevre; das iſt beſſer wie der Schnikſchnak, und wird dir wohlthun. Mit dieſen Worten ſchenkte er nun unſerm Juͤngling einen tuͤchtigen Be⸗ cher des geruͤhmten Labetrunkes ein und darauf mit ihm anſtoßend, ſprach er weiter: Ich hoffe, Du biſt der Unſere. Abel wollte etwas erwiedern, jener aber unterbrach ihn ſogleich: 56 Keine Phraſen, wenn ich bitten darf; wir lieben hier dergleichen nicht. Zum Teufel, was ſoll auch das Tugendgefaſele? Sieh Dich um in der Welt, ob's die Leut⸗ chen dort anders machen, wenn ſie auch den Mund noch ſo voll von ſchoͤnen Re⸗ densarten nehmen. Wir ſind hier Leute von Ehre, rechtſchaffen unter einander auf's Wort, und Menſchenliebe haben wir auch. Drum wollen wir Dich armen Schlucker aufnehmen und Dir Mittel an die Hand geben, wie Du honett durch's Leben kom⸗ men kannſt, ohne zu kriechen und zu tuck⸗ maͤuſern. Und wenn Du vielleicht denkſt, daß wir Raͤuber ſind, oder dergleichen Ge⸗ ſindel, ſo irrſt Du mein Bruͤderchen, denn bei uns geht alles ſolid zu, anſtaͤndig und ohne Laͤrm. Kein Blutstropfen klebt an unſern Haͤnden, und wenn einer aus unſe⸗ rer Mitte es ſich einfallen ließe, auf einem andern, als den unter uns erlaubtem Wege, ei ge barf; 3um aſele? ut⸗ auch Re⸗ Lute aufs auch. lucket Hand kon⸗ tuc⸗ denlſ⸗ n Ge⸗ denn und itmn mnſe⸗ einem 57 einen Verdienſt zu machen, ſo wuͤrde er, beim heiligen Diony's! den Augenblick aus⸗ geſtoßen. Iſps nicht wahr, Kameraden? So iſt es! ſo iſt es! ſcholl es von allen Seiten wieder; keine Ungebuͤhr, alles auf dem Wege der Geſetze. Siehſt Du wohl, fuhr Gasparin fort; nun urtheile ſelbſt. Zwar weiß ich recht gut, daß man demohngeachtet in der Welt uͤber uns herzieht, aber das iſt ſchlecht, recht ſehr ſchlecht von den Leu⸗ ten, und kein braver Burſche kuͤmmert ſich um ſolch ſpießburgerliches Gerede. Und Du auch nicht, hoff' ich. Ueberlege Dir's wohl Abel, und zu Deiner Beruhigung will ich Dir nur noch ſagen, daß uns die Po⸗ lizei gern, und ſo oft wie's nur irgend geht, durch die Finger ſieht, denn.. verſtehſt Du(das Folgende ſprach der Gau⸗ dieb leiſer) man braucht jetzt zuweilen Leute, die Alles wiſſen, Alles hoͤren, Alles auf⸗ 58 ſchnappen's iſt ſo der Ordnung wegen Bruͤderchen, und darum(hier warf ſich Monſieur Gasparin ordentlich in die Bruſt) koͤnnen wir gleichſam ſagen, daß wir dem Staate dienen. Schweigend hatte Abel die Rede ſeines ſogenannten Freundes vernommen, jetzt rief er, uͤbermannt von Abſcheu, aus:„Nim⸗ mermehr! beim ewigen Gott!“ Was ſoll dieſe alberne Exclamation? fragte Gasparin. Sprich offen und ehrlich, willſt Du der Unſere ſeyn und flott leben, oder nicht und hungern? Wie iſt's! Ja oder Nein? Eher den Tod! erwiederte Driancourt. Ein dumpfes Gemurmel ließ ſich bei dieſen Worten in der unterirdiſchen Halle vernehmen und trotzig trat Gasparin auf den Unverſtaͤndigen, wie er Abel nannte, zu, ihm andeutend, daß man hier Kerker und Ketten fuͤr diejenigen habe, welche ſich w 59 ———————— vegen widerſpenſtig bezeigten, und daß er nicht ſich uͤbel geſonnen ſey, ihn ein Bischen muͤrbe ruſ zu machen. dem Jetzt wandte ſich der quasi Herr Pro- feſſor, welcher bisher ziemlich unbekuͤmmert tines um die Vorgaͤnge um ihn her, fortgefahren trirf hatte, ſeinen Schuͤlern den oben bereits er⸗ Nin⸗ waͤhnten Unterricht zu ertheilen, der Gruppe zu und ſprach:„Nicht alſo, werthe Herren ion? und Damen und hochgeneigter Monſieur rlich Gasparin. Mit Kerker und Ketten iſt es eben, hier nichts, das waͤre gegen die Ordnung, J6 und Ordnung erhaͤlt die Welt. Hier an⸗ weſender Herr Abel Driancourt haben der⸗ urt. malen gleichſam noch nicht das Vergnuͤgen, bi ein Mitglied unſerer achtbaren Kunſtverbin⸗ hale dung zu ſeyn, und da es jedem frei ſtehen uf muß, eine Ehre abzulehnen, ſey ſie auch min noch ſo groß, welche ihm nicht convenirt, let ſo und folglich“—— Wohlgeſprochen, alter Kauz! bruͤllte lachend die Mehrzahl 60 der Anweſenden, und da nun die Mehrzahl z — wenn ſie naͤmlich will— immer Recht u behaͤlt, ſo geſchah es auch hier, daß Mon⸗ un ſieur Gasparin mit ſeinen Einwendungen ſh nicht durchdrang, und man ſich begnuͤgte, ſů den ſofort ein Mitglied zu werden fuͤr un⸗ wuͤrdig erklaͤrten Abel, einen Eid abzuneh⸗ n men, daß er nichts von alle dem, was er 5 geſehen, verrathen wolle, und ihn dann ſ mit verbundenen Augen von dannen zu 9 fuͤhren. t ĩ 8. Dies geſchah nicht ohne die gehoͤrige Vorſicht. b Auf einem ganz andern Wege als den, ki welchen ſie gekommen, fuͤhrte Gasparin den Juͤngling ans Tageslicht zuruck, empfahl 19 ihm noch ein Mal Verſchwiegenhet, nit der Zuſicherung, daß er ihm im entgegen⸗ „ . ⸗ † htzehl Recht Non⸗ ungen nigt, n zuneh⸗ as er bunn u örige den, den mit 1 gab ihm den Muth dazu; noch ein Mal leuchtete die Hoffnung in ſeinem Herzen auf. 61 geſetzten Falle das Hirn einſchlagen wuͤrde, und ließ ihn hierauf allein, allein mit ſei⸗ nem Erſtaunen ob dem Geſehenen und Ge⸗ hoͤrten, allein mit dem Schmerz uͤber ſeine huͤlfloſe Lage.— Nit Schauder dachte er an Manetten, an ſein Kind! Wohin er aber auch die Blicke richtete, uͤberall ſtarrte ihn das Elend und nur das Elend an, und nirgends, nir⸗ gends zeigte ſich ein Weſen, das ihm eine troͤſtende Hand reichte.— Zufall oder Geſchick, wie man es nen⸗ nen will, fuͤhrten ihn auf den Place royale. Hier wohnte eine Dame, Frau von Livois, bei welcher Manette fruͤher zuweilen gear⸗ beitet hatte, und die, wie er wußte, ſich immer guͤtig des Mädchens annahm. Zu dieſer entſchloß er ſich zu gehen; die Noth Frau von Livois war zu Hauſe; mit Guͤte empfing ſie den Bittenden, deſſen Thraͤnen, deſſen Seufzer ihr Herz ruͤhrten. Hingeriſſen von Mitgefuͤhl erhebt ſich die Dame, um aus ihrer Chatulle dem ungluͤck⸗ lichen eine anſehnliche Gabe zu reichen, eine Gabe, die mehr als hinlaͤnglich geweſen ſeyn wuͤrde, Manette und ihr Kind zu retten, den armen Abel zum gluͤcklichſten der Men⸗ ſchen zu machen— aber, da tritt in dem⸗ ſelben Augenblick, wo der Entzuͤckte ſchon di. Hand hinhaͤlt, um die Spende der Men⸗ ſchenliebe zu empfangen, der Gemahl der Dame, ein Geizhals ſeltener Art, in's Zimmer und fort, fort iſt auf ein Mal jede Hoffnung!— Mit wuͤthender Geberde reißt der Har⸗ pagon der ſchönen Frau die Boͤrſe aus der Hand. Ein Strom von Verwuͤnſchungen ſtuͤrzt aus ſeinem Munde uͤber ſie und uͤber den Ungluͤcklichen, dem augenblicklich Ent⸗ nt beſen hrten die gläc⸗ eine ſih relten⸗ Men⸗ dew⸗ ſchon Men⸗ der m jede pn⸗ 6 der über 1 3 fernung geboten wird, und der nun zer⸗ ſchmettert, beraubt der letzten Hoffnung, verzweifelnd an Welt und Menſchengute, einem Beſinnungsloſen gleich dem Vorſale zuwankt, wo ihn eine ſolche Schwaͤche be⸗ fallt, daß er einige Minuten ſtehen bleiben muß. Noch iſt ihm die Beſinnung nicht voͤllig wiedergekehrt, da fallt ſein Blick auf ein offenſtehendes Seitenkabinett, auf deſſen Ka⸗ min⸗Conſole eine goldne Uhr, Ketten, Ringe und mehrere Gegenſtaͤnde dieſer Art liegen. Der Moment der Verſuchung naht ſich dem ungluͤcklichen. Ein einziges Stuͤck von dieſen Sachen, toͤnt es in ihm, reicht hin, dich, deine Geliebte, dein Kind zu retten; nimm, was der Hartherzige dir verweigerte, und was die Milde dir doch reichen wollte; es iſt keine Suͤnde, denke an Manette, denke an dein armes Kind.—— 64 Unſeliger, was willſt du thun! ruft eine andere Stimme ihm zu. Zittere vor dem Verbrechen—— Der Schrei eines Kindes drang in die⸗ ſem Augenblick zu ſeinem Ohr. Maͤchte des Himmels, das iſt mein Kind! rief er aus, und wie ein Raſender in das Gemach ſtuͤrzend, riß er einen kleinen Ring mit Perlen weg, und eilte, als jagten ihn die Furien, zum Hauſe hinaus. Mit verſtoͤrten Minen, die Hand, in welcher er das geraubte Gut hielt, krampf⸗ haft geballt, trat er in ein Leihhaus. Wie viel bekomm' ich auf dieſen Ring? ſtotterte er hier hervor. Wem gehoͤrt er? fragte der Verleiher, deſſen geuͤbter Blick alsbald den verworre⸗ nen Seelenzuſtand des Gekommenen ent⸗ deckte. Mir— meiner Frau— o geben Sie nur! ruft tvor in die⸗ Machte ief er ench g nit dit ,in auyf⸗ Rin leiher⸗ vorre⸗ ent⸗ E 65 Sechs Livres kann ich geben) erwie⸗ derte der Mann kopfſchuͤttelnd⸗ ſechs Libres, mehr nicht einen Sous. Nun meinetwegen, geben Sie, geben Sie nür. Wie iſt Ihr Name? Ihre Wohnung? fuhr der Andere fort. Mein Name! meine Wohnung! v Him⸗ mel, muß das ſeyn? Ohne dies, keinen Liard, ſo iſt der Befehl. Bebend gab Abel die verlangte Nach⸗ weiſung, die uͤbrigens keineswegs durch das Geſetz geboten war, empfing das un⸗ heilvolle Geld und eilte einem Laden zu, um etwas Brod und Wein fuͤr die hun⸗ gernden Seinen zu kaufen. Die Angſt, die Beklommenheit, die Ver⸗ wirrung, wat bei ihm ſo groß, daͤß er nur mit Muͤhe die Wohnung ſeiner Maneétte 5 66 wieder fand, die kaum noch ſo viel Kraft hatte, ihm die welken Arme entgegen zu ſtrecken. Einen Augenblick hatte jetzt das Ge⸗ fuͤhl, ſie, die er uͤber alles liebte, gerettet zu haben, die Stimme in ſeiner Bruſt be⸗ taͤubt; bald erwachte dieſe aber mit neuer Staͤrke und weinend und ſich das Geſicht mit den Haͤnden bedeckend, ſinkt er nun ſelbſt ermattet neben dem Lager hin, auf dem die ungluͤckliche Mutter mit ihrem ar⸗ men Kinde ruht. Nicht lange iſt er hier, ſo erhebt ſich aber ein Gepolter auf der Treppe; man klopft an, man dringt herein; es iſt der Pfandverleiher mit der Polizei. Da iſt er! ruft der Erſte aus, nehmen Sie ihn feſt, es iſt der Dieb! und kaum ſind dieſe Worte ausgeſprochen, ſo fuͤhlt ſich Abel auch ſchon von den Helfershelfern te ſt Kraft en j s Ge⸗ erettt uſt be⸗ er Grſcht nn af em al⸗ öt ſch wan iſt dr keun 67 der Gerechtigkei — gkeit gepackt und in die Hoͤhe „— war fruͤher etien⸗ — es Heten von Livois gewe⸗ —— den oft geſehenen — rkannt, mit Fleiß nur eine —— gegeben, und war als⸗ — els Emfew zu ſeinem n geeilt, der, ſeinem Charac⸗ — nicht verfehlte, den Dieb mn — he Strenge verfolgen zu laſſen —— der ungluͤckliche —— Roth und die —„ Augenblicks zu einem Ver⸗ — en — Armen ſeiner —.. entriſſen, ohne daß Jammer, auf den Jammer —— Manette Ruͤckſicht 3 in ein Gefaͤngniß zu Verbre⸗ 5* 68 chern geſteckt, die zum Theil laͤngſt jedes Gefuͤhl fuͤr Ehre und Schande abgethan hatten. Nach Wochenlangem Schmachten— denn man hatte ihn und ſeine Sache uͤber wichtigeren Dingen, als z. B. Nachſpuͤrung zu freier Pamphletiſten u. d. g. beinahe ver⸗ geſſen— ward er endlich hervorgehohlt und vor Gericht geſtellt. Ein unter Actenſtaub ergrauter Richter, deſſen Herz nie eine andre Liebe, als die zu den Pandecten kannte, und der ſelbſt nie von einer andern Noth geplagt worden war, als der, die ihm zuweilen die Aus⸗ legung einer dunkeln Stelle in einem ver⸗ blichenen Coder machte— ein ſolcher Mann, der von den Gefuͤhlen, welche des uUngluͤck⸗ lichen Bruſt zerriſſen, keine Idee hatte, fragte ihn hier im trockenen Amtsſtyle, und weil es eben ſo hergebracht iſt, nach ſeinen Complicen, und erzuͤrnte ſich ſehr jedes gethan e über irung he ben⸗ gehehlt ichtet, ſs die ſilbſt worden Ms⸗ n vel⸗ Man glüc⸗ hatt⸗ iy nach E ——————— 69 ————————— uͤber die Frechheit des Verbrechers, der ihm zur Antwort gab, Liebe und Hunger ſey ihr Name. Solche Mitſchuldige waren dem Mann in ſeiner Praxis noch nicht vorgekom⸗ men, er beſtand auf anderen, und da-Abel bei ſeiner Ausſage blieb und ſich auf weiter nichts einlaſſen wollte, ſo fuͤhrte man ihn, als einen verſtockten Boͤſewicht, wieder ab, und ſprach dieſem zu Folge das Urtheil uͤber ihn aus, daß er drei Jahre auf den Galeeren ſeiner allerchriſtlichſten Majeſtät rudern ſolle. Ob er dieſe wahrhaft furchtbare und entehrende Strafe wirklich verdient, ob er durch dieſelbe, wie die Geſetze doch wollen, gebeſſert, und vor ferneren Fehltritten gewarnt, oder vielleicht erſt dadurch recht zu dem gemacht wurde, was er noch nicht war, zu einem Boͤſewicht naͤmlich; ob ihm bei ſeiner Ruͤckkehr in die buͤrgerliche Welt, nicht ge⸗ rade durch dieſe Strafe jede Ausſicht zu 70 einem ehrlichen Fortkommen abgeſchnitten ward; was aus Manette und ſeinem Kinde in dieſer Zeit wurde, ob beide umkamen in Noth und Elend oder nicht; oder ob viel⸗ leicht die Mutter, getrieben von Verzweif⸗ lung zu einem entſetzlichen Schritt ſich hin⸗ reißen ließ: dies alles kuͤmmerte keinen Menſchen, am wenigſten die Richter, die ihr Urtheil ſo kalt ausſprachen, als gaͤlte es einen Spatziergang. War doch dem todten Buchſtaben Genuͤge geſchehen, was brauchte es mehr!— Doch, laſſen wir das; laſſen wir den ungluͤcklichen Juͤngling, das verlaſſene Maͤd⸗ chen, das huͤlfloſe Kind; wir werden zu ſeiner Zeit, wenn Abel erſt die ihm zur mo⸗ raliſchen Beſſerung dictirte Strafe uͤberſtan⸗ den hat, Gelegenheit finden, wieder von ih⸗ nen zu ſprechen. Jetzt nimmt eine andere Scene unſere Aufmerkſamkeit in Anſpruch. hnitten Kinde men in ob viel⸗ trzwei⸗ ch hin⸗ tinen , die gilt del was vir den Wid⸗ den 30 erſta⸗ von ih⸗ anden uch. 9. Gezwungen, mich nach Holland zu fluͤch⸗ ten, weil ich die Kuͤhnheit gehabt hatte, in einem kleinen Libell zu behaupten, die Re⸗ ſpectirung des Poſtgeheimniſſes ſey nicht die ſtarke Seite unſeres hochverehrten erſten Herrn Miniſters, fand ich da Gelegenheit, Frau Rachel Driancourt kennen zu lernen. Daß dies reiner Zufall war, will ich nicht ſagen, obſchon dieſer vague Ausdruck häu⸗ fig in der Hofſprache und ſogar in den Sitzungen unſerer Akademie noch immer gebraucht wird, und gewiß auch noch ſo lange gebraucht werden wird, bis irgend ein gut accreditirtes Genie ein Mal bewei⸗ ſen wird, daß kein Sinn darin iſt— und melde nur, daß meine Bekanntſchaft mit der guten und bereits uͤber die Bluͤthenjahre längſt hinweg geſchlüpften Frau, ſich ſo gleichſam zufaͤllig machte. 72 Frau Driancourt hatte ſich ſeit eini⸗ ger Zeit durch den Tod des alten Geiſt⸗ lichen, dem ſie die Wirthſchaft fuͤhrte, außer Brod befunden, und ſich, um nicht zu verderben, gezwungen geſehen, die Ver⸗ traute einer jungen Dame von ſehr ſanftem Benehmen zu werden, die mir das Ver⸗ gnuͤgen machte, mich waͤhrend meines Exils woͤchentlich einige Male in meiner Woh⸗ nung auf dem Lftergraft, nahe am Ochſen⸗ markt, zu beſuchen, die ich, mehr noch wegen des ſchoͤnen und ſonoren Klanges der angefuͤhrten Namen, als wegen ihrer Net⸗ tigkeit mir gemiethet hatte. Dieſe junge und tugendhafte Perſon nannte ſich Mademoiſelle Willibrodina Van⸗ derklapp, und ihre Hauptbeſchaͤftigung be⸗ ſtand darin einigen, woͤchentlich zu gewiſſen Tagen der Speculation in Staatspapieren wegen, nach Amſterdam kommenden, reichen und dicken Herren aus Broeck die Zeit ver⸗ it ein⸗ BGeiſt⸗ füͤhrte, un nicht die Ver⸗ ſunftem Plr⸗ es Gils Voh⸗ Ochſen⸗ hr noch a9e5 der rer Mt⸗ Perſon na Vol⸗ un9 be⸗ geiſin papiin nichen it vel⸗ 73 treiben zu helfen, was denn naturlich in allen Ehren und mit moͤglichſt großem hol⸗ laͤndiſchen Phlegma geſchah. Wenn es ſich nun zutrug, daß Demoi⸗ ſelle Willibrodina Vanderklapp, die nebenbei bemerkt, eine der ſchweigſamſten Perſonen der vereinigten Provinzen war, mir etwas außer der gewoͤhnlichen Zeit mitzutheilen hatte, dann ſandte ſie mir ihre Vertraute, Dame Rachel Driancourt, und bei einer ſolchen Gelegenheit geſchah es denn, daß ich von ſelbiger erfuhr, ſie ſey eine Lands⸗ maͤnnin von mir— geweſen. Dies Ge⸗ weſen haͤtte mich uͤbrigens beinah gegen die gute Frau aufgebracht. Wenn man Fran⸗ zoſe iſt, ſo muß man es immer ſeyn! rief ich, patriotiſch wie ich ein Mal bin, miß⸗ muthig aus, und bedachte nicht dabei, daß ganz andere Perſonen, wie die Wittwe des einſtigen Zolleinnehmers, es ſelbſt im Lande nur zu oft vergeſſen, daß ſie zur Nation ——————— ——— ———— —— En 36 6 74 gehoͤren. Bald beſann ich mich aber wie⸗ der. Von Herzen bin ich es immer geblie⸗ ben, erwiederte mir die Frau, und dies reichte hin, ihr auch das meinige zu gewin⸗ nen. Ich ſchenkte ihr eine Kleinigkeit und zum Dank erhielt ich als Gegengeſchenk die Mittheilung ihrer Lebens⸗ und Leidensge⸗ ſchichte.„Ach! rief ſie aus, ich habe drei Soͤhne. Mein Abel, mein armer Abel, den haͤtten Sie kennen ſollen, das war ein Kind! ach, wenn er noch lebt, ſo iſt er jetzt vier und zwanzig Jahre. Nun ſind es bald acht Jahre, daß er mich verließ und nach Frankreich ging; ſeitdem habe ich wenig von ihm gehoͤrt; vielleicht hat er ſein Gluͤck ge⸗ macht. Aber nein! nein! dann haͤtte er mich nicht vergeſſen, mich, ſeine Mutter, denn er liebte mich. Ach, er iſt gewiß todt!“ Und nun fortfahpend, mir ihrẽ und ihrer Soͤhne Schickſale; ſo weit ſie dieſel⸗ ben ſelbſt wußte, zu erzaͤhleh, erfuhr ich er wit⸗ gebli⸗ nd dies gwin⸗ keit und hert bie densge⸗ abe hrei beh den nFind! 6t vier es bald nd nuh enih von lͤck ge it e Nuttet, gn u n iſil⸗ 75 dann, daß ihr Juͤngſter, der nach England gegangene Benjamin, dort in die Noth⸗ wendigkeit gerathen ſey, freiwillig,— ver⸗ ſteht ſich wie ſo Mancher freiwillig dies thun muß— Dienſte auf den Schiffen Sr. Majeſtaͤt zu nehmen, und daß er da auf eine wuͤſte Inſel gekommen ſey, wo er, Dank ſeinem huͤbſchen Aeuſſeren, viel Gluͤck gemacht habe. Was nun aber den aͤlteſten, Joſua, anlangt, ſprach ſie weiter, und Thraͤnen ganz anderer Art, wie bisher— denn auch die Thraͤnen haben ihren Character— bedeckten ihr Geſicht: ach lieber Herr, da bin ich eine recht ungluͤckliche Mutter. Mein Joſua war von Jugend auf immer etwas roh und garſtig, ohne daß man doch be⸗ haupten konnte, er habe ein boͤſes Herz. Das ſchlimmſte iſt, daß er, ſeitdem er Un⸗ ter⸗Damm⸗Schreiber geworden, ſich drei große Unarten angewoͤhnt hat. Gott mag 76 es ihm verzeihen, er liebt die Karten, den Brantewein und die Weiber ganz uͤber die Maßen, und wenn er etwas im Kopfe hat, dann iſt kein Auskommen mit ihm.“ „Eines Tages nun, als er eben alles, was er beſaß, und noch etwas mehr, im Spiel verloren, und ihn noch obendrein eine von ſeinen Bekanntinnen hintergangen hatte, kam er zu mir, wo ich damals war, und konnte kaum mehr gehen und ſtehen, und daran war nichts Schuld, wie der ver⸗ wuͤnſchte Genevre, den er nun ein Mal gern trinkt. Mein alter Herr Paſtor, der auch gern mehr zu ſich nahm, als ihm dienlich war, ſah ihn zum Ungluͤck kommen⸗ und wie nun Joſua in's Zimmer turkelte und Geld von mir haben wollte, und ich doch keines geben konnte und mochte, da fing der Herr Paſtor an, ihn tuͤchtig aus⸗ zuſchelten, und ſchimpfte ihn einen Sauf⸗ aus. Mein Sohn aber hat Ehre im Leibe ——„„— ten, den uͤber die ft hat, en ale, ehr, in endrein ergungen als wot⸗ ſhen der ber⸗ ein ior, der als ihn und leidet ſo etwas nicht. Er meinte, der Herr Paſtor moͤgte ſelbſt einer ſeyn, und da ſich der ehrwuͤrdige Herr hieruͤber ge⸗ kraͤnkt fuͤhlte, und in der Stimmung, in welcher er war, nicht recht wußte, was er that, ſo geſchah es, daß ſich beide in die Haare geriethen, wo denn natuͤrlich Ihro Ehrwuͤrden, als ein alter, ſchwacher Mann den Kuͤrzern zogen, und von meinem gottloſen Sohne, trotz meines Geſchreies, ſo arg zerblaͤut wurden, daß ſie fuͤr todt lie⸗ Nal, kommen trlilte ud ih hte/ d i n Euß 7 —— 11 1 — — gen blieben.“ „An dem ganzen ungluͤck war aber nichts Schuld, als der verwuͤnſchte Gene⸗ vre und der Umſtand, daß Herr Van⸗Es⸗ pen— ſo nannte ſich der geiſtliche Herr— immer ſehr heftig ſtotterten, wenn ſie zu viel getrunken hatten, was denn meinen Sohn auf den Gedanken brachte, er habe ſich uͤber ihn luſtig gemacht, denn, die Wahrheit zu ſagen, Joſua ſtammert auch ein wenig, wenn er von der Flaſche koͤmmt.“ urber den abſcheulichen Laͤrm, welchen dieſer Auftritt gemacht hatte, kamen nun die Nachbaren herbei, und da ſie den ehr⸗ wuͤrdigen Herrn am Boden liegend fanden, und meinen Sohn auf ihm, ſo nahmen ſie den letztern feſt, fuhrten ihn vor Gerſcht und klagten ihn an, er habe den alten Van⸗Espen erſchlagen wollen. ungluͤck⸗ licher Weiſe ſtarb dieſer auch bald darauf, und alle Welt, und beſonders die Neider meines Sohnes, die gern ſeine Stelle ge⸗ habt haͤtten, ſchrieen nun ſo laut, er ſey der Moͤrder des frommen Mannes, daß endlich das Gericht darauf Ruͤckſicht nahm, und Joſua in's Gefäͤngniß ſteckte. Den⸗ noch haͤtte noch alles gut enden koͤnnen, waͤre er nicht noch in eine fatale Geſchichte verwickelt worden. Er hatte naͤmlich kurz vorher mit einer weitlaͤuftigen Couſine ſich — —— ein 5 his r inme k k, le henbe moiſel dieſe Sie ſo h uch unb Grri Ang ſonſ chen in dir Zit, ben herkl Bet luſih lchen un ehl⸗ nden, en ſe icht alten c⸗ rauf, eider le ge⸗ rſih daß nhn Den⸗ nnen⸗ hichte turz ſi 79 ein Bischen zu ſehr eingelaſſen, und da dies nun Folgen hatte und das Frauen⸗ zimmer ihm dieſerhalb anging, da gerieth er, lebhaft wie er iſt, in Eifer, und miß⸗ handelte ſie ein Bischen zu ſehr. Made⸗ moiſelle Willibrodina Vanderklapp— denn dieſe iſt die Verwandte— hat aber, wie Sie wiſſen, viele vornehme Bekanntſchaft; ſo kam es denn, daß mein armer Joſua auch von dieſer Seite ſich Feinde machte, und das hatte denn die Folge, daß er vor Gericht uͤbel angeſehen, und wegen ſeines Angriffes auf Herr Van⸗Espen und ſeiner ſonſtigen, zum oͤffentlichen Aergerniß gerei⸗ chenden Auffuͤhrung, zu mehrjaͤhriger Haft im Correctionshauſe verurtheilt wurde. Hier iſt er denn nun ſchon eine geraume Zeit, und wuͤrde noch laͤnger daſelbſt blei⸗ ben muͤſſen, haͤtte nicht Mademoiſelle Van⸗ derklapp, die es doch dauerte, daß ihr Vetter, den ſie ein Mal ein Paar Wochen 80 geliebt hatte, und fuͤr welchen ſie noch der ſn immer einige Neigung empfindet— denn uC er iſt ein ſchmucker Menſch— unter dem ſewan Vorwand, ſie ſey von ſeiner Vaterſchaft teln doch nicht ganz gewiß uͤberzeugt, ihre Klage wert gegen ihn zuruͤckgenommen, und haͤtten cbere nicht die hochmogenden Herren, in Betracht Pe der großen Beſſerung ſeiner Sitten, ihm Lerb ein Paar Jahre von der Strafe geſchenkt, er 9 ſo daß er nun in einigen Tagen der buͤr⸗ ſi, gerlichen Geſellſchaft wiedergegeben ſeyn ſig wird. Da hoffe ich denn, ſoll er ſich recht a ſi wohl befinden, denn er hat ſich waͤhrend ur ſeiner Haft etwas erſpart, und kann nun Ven einen kleinen Handel anfangen, in welchem ver — ihn einige reiche Kaufleute die als Vor⸗ ſſhif ſtände des Correctionshauſes, ſeine jetzige nn Hrdnungsliebe haben kennen lernen, unter⸗ nin ſtützen wollen.“— ſnß Hier ſchwieg Daine Nachel, und ich be⸗ ſ lin gann uͤber das Gehörte nachzudenken. As „ noch denn rdem ſchaft Klahe haͤtten etracht ihm ſhenfh bir⸗ ſeyn ticht ihend nn elchen Vol⸗ ſitzge unte⸗ be⸗ 2 81 der Enkel eines zu ſeiner Zeit ſehr beruͤhm⸗ ten Criminaliſten, und ſelbſt nicht ganz un⸗ bewandert in der Geſetzgebung meines Va⸗ terlandes, fand ich manches Bemerkens⸗ werthe in der Erzaͤhlung der guten Frau, aber auch manches mir ſchwer Erklaͤrliche. Wie kann ein zum Zuchthaus verurtheilter Verbrecher ſich etwas erſparen? Wie kann er an dieſem Ort des Elends und des La⸗ ſters, den man fuͤglich eine hohe Schule fuͤr Boͤſewichter nennen darf, wie kann er da ſeine Sitten ſo beſſern, daß Ehrenmaͤn⸗ ner ſich entſchließen, ihm einen Theil ihres Vermoͤgens anzuvertrauen, und mit ihm nach verlaufener Strafzeit in eine Art von Ge⸗ ſchaͤftsverbindung zu treten? Dies und manches andere noch, fiel mir ein und ich wuͤrde wahrſcheinlich noch lange mich um⸗ ſonſt bemuͤht haben, mir das Raͤthſel zu löͤſen, das mir freilich, der ich keine andere 6 2 Geſetzgebung und keine andere Strafanſtal⸗ ten, als die meines Vaterlandes und einige deutſche dazu kannte, ein Raͤthſel bleiben mußlej haͤtte nicht Mademoiſelle Willibro⸗ dina Vanderklapp meine Meditationen fur diesmal unterbrochen. Doch behielt ich mir vor, des andern Tages ſogleich in Geſellſchaft der Frau Rachel Driancourt, eine Anſtalt zu beſuchen, in welcher das mir voͤllig neue, naͤmlich die moraliſche Beſſerung verhafteter Ver⸗ brecher geſchah. 10. Ich trat in das Haus. Hier keine weitlaͤuftige Beſchreibung des Gebaͤudes ſelbſt; es iſt durch Reiſeberichte in allen Sprachen hinlaͤnglich bekannt. Ein Mann von anſtaͤndigem und freundlichem Aeußern kam mir ſogleich ent⸗ geh kon fihre Rach Corpt dann weit ware bier hrtte Anſt ieſu und bode en ittt 1 * nſtul einige leiben bto⸗ n fir andern Frau ſuchen⸗ mlich Ver⸗ ine äudes gllen und gegen und bot mir auf die hoͤflichſte Art von der Welt ſeine Dienſte zum Herum⸗ führen un, und ſo folgte ich und Frau Rachel Driancourt— der das Gehen, ihrer Corpulenz wegen, etwas ſchwer ward— ihm dann, und ſah, wie alle Gemaͤcher des weitlaͤuftigen Hauſes, hell, hoch und luftig waren. In keinem befanden ſich mehr wie vier oder fuͤnf Gefangene. Die Mauern hatten hier nicht das duͤſtere und rußichte Anſehen, wie in vielen andern Gebaͤuden dieſer Art, ſondern waren rein und weiß, und eben ſo der ſehr nett gehaltene Fuß⸗ boden; kurz es herrſchte hier die ausgeſuch⸗ tetſte Reinlichkeit. „Daß hier, ſprach mein Begleiter, Ver⸗ irrte und eigentliche Verbrecher nicht zu⸗ ſammen geſperrt werden, werden Sie auf den erſten Blick ſehen. Dieſe Schmach, die ſich die Geſetzgebung von ſo manchem Lande 6* 84 zu Schulden kommen laͤßt, kennen wir hier nicht.“ Ich ſchlug im Namen meines Vater⸗ landes und noch manches andern, das ich kenne, bei dieſen Worten die Augen nieder und ſchwieg; der Mann aber fuhr fort: „Auch wird hier kein Verhafteter den Verfuͤhrungen des Muͤßigganges uͤberlaſſen; alles arbeitet, aber alles nach Verhaͤltniß ſeiner Kraͤfte und ſeiner Fähigkeiten. Hier ſteht kein Zuchtmeiſter mit der entehrenden Knute im Hintergrunde, auch buͤrdet man keinem eine Arbeit auf, die ſeinen Kraͤften oder ſeinen Anlagen widerſtreitet. Auch der groͤßte Verbrecher iſt noch ein Menſch, und er ſoll ja wo moglich ſittlich gerettet, nicht durch entwuͤrdigende Behandlung noch mehr hinabgedruͤckt werden.“ O mein Vaterland! ich durfte noch immer mein Auge nicht erheben. Der Stolz, dir anzugehoren, fuhlte ſich furchtbar gebeugt.— ſiſe n angem ßimen ien ri imn dies des der E un ſ nittag 1 h Vue alis hoft. hn iinn ihn. —— 4 iſ ir hier Pater⸗ das ich nieber ort: er den rlaſſen halinß Hier renden et wan Kriften Auch Renſch⸗ enut, g n inntt ugt. — 85 —— „Was die Frauen im Spinnhauſe be⸗ trifft, fuhr der Fuͤhrer fort, ſo werden dieſe natuͤrlich auf eine ihrem Geſchlechte angemeſſene Art beſchaͤftigt. Sie naͤhen, ſpinnen oder krempeln Wolle. Im Gan⸗ zen reicht der hierdurch erzielte Gewinn zum Unterhalt der Gefangenen hin; wo dies nicht iſt, oder vielleicht durch Schwaͤche des Verhafteten ſeyn kann, da ſchießt billig der Staat zu. Um 6 Uhr Morgens off⸗ nen ſich die Arbeitsſaͤle, um 11 Uhr Vor⸗ mittags werden ſie wieder geſchloſſen. Um 1 Uhr Nachmittags beginnt die Arbeit von neuem und dauert bis s8 Uhr. Dann iſt alles geendet. Auch bekommen die Ver⸗ hafteten noch gewiſſe Stunden frei, in wel⸗ chen ſie, wenn ſie wollen, fuͤr ſich arbeiten koͤnnen. Was ſie in dieſen gewinnen, iſt ihre.“ „Die Bekoͤſtigung iſt nicht lecker, aber geſund. Zum Fruͤhſtuͤck bekommen ſie ein 86 halbes Pfund Brod und etwas Kaͤſe; des Nittags ein halb Pfund Fleiſch und Ge⸗ muͤſe; des Abends irgend eine dickgekochte Speiſe von Huͤlſenfruchten oder dergleichenz auch bekommen Maͤnner und Frauen taglich eine Portion gutes Bier.“ „Jeder zum Tode verurtheilte Verbre⸗ cher wird fuͤr ſich beſonders in ein dunkeles, jedoch geraͤumiges Gemach gebracht. Er iſt nicht gefeſſelt, denn Ketten entehren die Menſchheit; damit er aber nicht entfliehen kann, ſind Fenſter und Thuͤren gehorig ver⸗ wahrt. Auch laͤßt man ihn nie ganz allein, ſondern es iſt ſiets ein Waͤrter bei ihm, damit er ſich nicht in der Verzweiflung ſelbſt ein Leid anthue.“ „Uebrigens ſind bei uns die Todesſtra⸗ fen ſehr ſelten, und die Zahl damit belegter Verbrecher mindert ſich, Gott und unſerer Geſetzgebung ſey Dank, mit jedem Jahre. In Ein und zwanzig Jahren hatten wir in n Aß, hat, i den, gehen kaun wo d * hre uir idu, chan. und jn kn 87 des allen Provinzen nur zwei und zwanzig- 6 Daß, wenn ein ſolcher ungluͤcklicher Kinder ekochte hat, dieſelben im Waiſenhauſe erzogen wer⸗ ichen; den, und nie ein Vorwurf von dem Ver⸗ tigich geben des Vaters ſie trifft, darf ich wohl kaum erſt erwaͤhnen. Schande dem Lande, Jetbte⸗ wo dies anders iſt!“ ers,„Dies, mein Hert, ſind die Grundzuͤge Cr der Einrichtung dieſes Hauſes. Ich muß zu en die Ihnen nun noch von der Art ſprechen, wie fiehen wir hier das moraliſche Gefuͤhl zu heben, gbr⸗ oder, wo es ſchlummerte, zu erwecken ſu⸗ gllein, chen. Sie ſind Franzoſe; Ihre Landsleute und unſere Nachbaren, die Deutſchen, auch —— i ihn, iflung jenſeits des Kanals, die ſtolzen Britten, koͤnnen hier ſchon etwas von uns lernen.“ ſr⸗ Wie gern waͤr' ich hier auf den Mann egl boͤſe geworden, der es wagte, meinem nſn Lande eine ſolche Weiſung zu geben. Aber, Fr. hatte er nicht Recht? Ich ſchlug noch ein i6 Nal im Namen der vaterlaͤndiſchen Geſetz⸗ 8⁸ gebung die Augen nieder und hoörte nun, vihnt daß man hier nie einen Menſchen unbe⸗ nnch dingt und auf Lebenszeit einkerkert, mag ſien auch ſein Verbrechen ſeyn, welches es will. BStraft „Dies thun, ſagte mein Fuͤhrer, heißt dunh einem Menſchen die Hoffnung zur Beſſe⸗ gewor rung ſelbſt rauben, und da jeder ſich noch ſcz m beſſern kann, auch der verwildertſte Verbre⸗ Unrer cher, ſo iſt es ein Unrecht, ihm den Weg ne und die Ausſicht dazu abzuſchneiben. Auch guße bindet man ſich hier nicht ſo eiſern an den mir h todten und kalten Buchſtaben des Geſetzes, fen, das keine Reue, keine wahrhafte Beſſerung, auc nicht eine Aenderung in dem Ausſpruch die deſſelben hervorbringen konnte. Iſt Einer di z. B. zu einer zehnjährigen Haft verur⸗ † ich theilt, ſo haͤngt es nur von ihm ſelbſt ab, zue dieſe Zeit zu verkuͤrzen, denn das Geſttz ſiy belegte mit dieſer Strafe einen boͤſen Men⸗ i ſchen, einen guten kann es nicht mehr treffen. Aendert daher der Verurtheilte n nut, unbe⸗ mag wil. „heift Feſt⸗ nch erbre⸗ Veh Vuch nden ſches⸗ ſirung⸗ ſpruch Einer berun⸗ ſt ab, Geſtz Men⸗ neht heilt — 89 während ſeiner Haft, ſein Benehmen, ſei⸗ nen Character, legt er die hoͤſen Gewohn⸗ heiten ab, die ihm vielleicht allein die Strafe zuzogen, beweißt er unumſtoßlich durch ſein Leben, daß er ein anderer Menſch geworden iſt, ſo kann ihn ja auch das Ge⸗ ſetz nicht mehr treffen und ſes iſt dann ein unrecht, ihm noch ferner des allgemeinen, angeborenen Rechtes aller Menſchen, der Freiheit zu berauben, denn, Sie werden mir beiſtimmen, nicht blos um zu ſtra⸗ fen, ſind die Geſetze da, ſondern auch um zu beſſern, und, wenn dies geſchehen, zu belohnen. Das Beſſern iſt, und ſoll aber nament⸗ lich der Haupt⸗, ja der einzige Zweck von Anſtalten und Haͤuſern ſeyn, wie dieſes hier. Finden Sie dies nicht auch?“ Was ſollte ich ſagen! In meinem Va⸗ terlande iſt es nicht ſos in mehreren andern 90 ————— Laͤndern ebenfalls. Sind wir denn in der wahren Civiliſation ſo weit hinter den Nie⸗ derlaͤndern zuruͤck? Ich mußte ſchweigen, und daß ich es mußte, ſchmerzte mich tief. „Anderwaͤrts, fing der Mann wieder an, belegt die Strafe haͤufig den, den ſie trift, mit Unehre, ſo daß er dadurch faſt immer in den Augen ſeiner Landsleute ge⸗ brandmarkt und ihm ſeine fernere Lebens⸗ bahn auf's grauſamſte erſchwert, ja es ihm oft unmoͤglich gemacht wird, ehrlich zu ſeyn. Bei uns iſt dies nicht ſo. Ich konnte Ihnen Beiſpiele genug erzaͤhlen, wo Perſonen, die im Correctlonshauſe waren und ſich beſſerten, nachher allgemein mit Liebe und Achtung angeſehen und zu den ehrenwertheſten Buͤrgern und Buͤrgerinnen gezaͤhlt werden.“ „Um aber dieſen chriſtlichen, menſchen⸗ freundlichen, frommen Zweck der morali⸗ § h ſchen Beſſerung, oder Wiedergeburt mochte 4 ſch ſyit hüt m icht d bezahlt eine C Einſch leitet ſe fi zu d Klge ren, dieſi in lono 5 Age u in du en Nie⸗ weigen, ich tief. wieder ben ſie ch fuſ ute ge⸗ Lebens⸗ es ihm ich zu 3ch , we waren in nit zu den rinnen nſchin⸗ ————— 9¹ jch ſagen, deſto ſicherer zu erreichen, uͤber⸗ giebt man hier die Verwaltung der Anſtalt nicht den rohen und habſuͤchtigen Haͤnden bezahlter Aufſeher und Waͤrter, ſondern eine Comitte von Buͤrgern, die ſich durch Einſicht und Characterguͤte auszeichnen, leitet das Ganze, und Vaͤtern gleich ſorgen ſie fuͤr das Wohl der ihnen Anvertrauten, zu denen ſie ſich oft begeben, um ihre Klagen, ihre Bitten, ihre Wuͤnſche zu hoͤ⸗ ren, und ſelbe, wenn es irgend ſtatthaft, abzuhelfen oder zu erfuͤllen.“ „Alle Freitage verſammelt ſich nun dieſe Comitté, und hier wird dann alles in der Woche Vorgefallene, ſowohl die De⸗ konomie des Hauſes betreffend, als die Angelegenheiten der Einzelnen Verhafteten, in Ordnung gebracht. Diejenigen unter den Gefangenen, welche ſich gut aufgefuͤhrt haben, werden oͤffentlich belobt, wo das Gegentheil eintrat, da ermahnt man eben 92 ſo oͤffentlich und immer zeigt man dabei den Leuten, wie es nur von ihnen abhaͤngt, die Zeit ihres hieſigen Aufenthaltes zu ver⸗ kuͤrzen.“ 11. Gern haͤtte ich noch mehr von dem Manne uͤber eine Anſtalt gehoͤrt, von deren Wirken ich leider bisher noch keinen Begriff hatte, und die ſo ganz anders war als die aͤhnlichen, welche ich anderwaͤrts geſehen hatte; wir wurden aber durch das Herzu⸗ treten von Joſua Driancourt unterbrochen, der in dieſem Augenblick von dem eben ver⸗ ſammelten Ausſchuſſe, wegen ſeiner guten Auffüͤhrung und Beſſerung, lange vor Ab⸗ lauf ſeiner eigentlichen Haftzeit, fuͤr frei erklärt worden war, und nun herbei eilte, ſeine alte Mutter zu begruͤßen, die u er, wie er ſagte, ſo ſchwer beleidigt hatte, un te und ſo S ſteund kes, e gerette zůckte Blc einße ſilln hen ads ten hin n ſen k ein bei den bhngt, zu ver⸗ ————— und deren Alter er nun durch Redlichkeit und ſorgſame Liebe verſuͤßen wollte. So ſah ich denn, Dank der menſchen⸗ freundlichen Geſetzgebung eines braven Vol⸗ tes, einen aus den Tiefen der Unmoralitaͤt geretteten Sohn, an der Bruſt ſeiner ent⸗ zuͤckten Mutter liegen und ſegnete mit den Gluͤcklichen im Stillen ein Land, wo man einſichtsvoll und edel genug iſt, dem ge⸗ fallenen Bruder eine helfende Hand zu rei⸗ chen und ihn nicht, wie anderwaͤrts, voll⸗ ends durch den eiſernen Arm des ſogenann⸗ ten Rechtes und durch liebloſes Vorurtheil, hinabzudrucken. Auf dem zu Hauſe Wege, auf welchem ich Mutter und Sohn begleitete, hoͤrte ich nun noch, wie Joſua waͤhrend der Jahre ſeiner Haft, durch Fleiß und Ordnung ſich ein kleines Suͤmmchen erſpart hatte, und wie er nun Willens ſey, damit und mit dem Credit, den ihm, wie fruͤher bereits 94 gemeldet, ein Paar reiche Kaufleute, Vor⸗ 6 ſteher der Anſtalt, zugeſichert hatten, ein h F kleines Geſchaͤft anzufangen, das er bald kin ſo zu heben gedachte, daß ſeine Mutter zun fortan nicht mehr noͤthig haͤtte, die Ver⸗ vie traute von Demoiſelle Willibrodina Vander⸗ nige klapp zu machen. habe Spaͤter erfuhr ich denn auch durch de Mann, welcher mich im Correctionshauſe iec herumgefuͤhrt hatte, und der mir zuweilen te die Ehre erzeigte, des Vormittags ein Gläs⸗ tenen chen Liqueur und einige Erfriſchungen bei iny mir einzunehmen, und mir zum Dank da⸗„ uhn fuͤr noch manche Notiz uͤber die Strafan⸗ echt ſtalten der Niederlande gittheilte: daß ſich ſih die Sache mit Joſua Driancourt recht huͤbſch nb machte, und daß er im Begriff ſtehe, ein ehrbares Maͤdchen, die Tochter eines wak⸗ keren Handwerkers, zu heirathen. „Das wird bald, ſetzte der Erzähler hinzu, ein gemachter Mann ſeyn, der Joſua. „Vr Er iſt fleißig ub ordentlichzs n ein tige Frau iſt es auch e bald Ein Paar Schiffe Nuttet ihrem Ntlet gExłf ie Vet⸗ wie Heu. 5 8 Bunbet⸗ mogendon duch ich no eſſerung.“ chmittag erſchien auch Frau habe /Theil a rch den Den Ni Rachel Driancourt bei mir. Sie kam mir weilen die vorhabende Verbindung ihres Erſtgebo⸗ glis⸗ renen anzuzeigen, und mich zur Hochzeit. einzuladen. Leider konnte ich dies nicht an⸗ hauſe bei vnn Ich hatte Briefe aus Frankreich niſ ethalten Der Zorn des Miniſters hatte g ſi ſich g ich durfte wieder in's Vater⸗ hubſh land zuruͤck(verſteht ſich unter dem Ver⸗ ei ſprechen, mich nicht mehr um die Sicher⸗ we⸗ heit von anderer Menſchen Briefen zu be⸗ kuͤmmern), und da ich vorher noch einen le kleinen Abſtecher nach England machen wollte, ſo blieb mir keine Zeit, den Hyme⸗ 6 33 3 ſ 1 nͤen dis Herrn Joſua Driancourt und der ſ tugendhaften Jungfer Cordula Sluyts bei⸗ ſ. r meine kleinen Ange⸗ ſih a nung, bezahlte, was I Afen ich zu bezahlen atte gufte einen ſchoͤ⸗ Hinm nen Baß, den ich mir zu iiner Unterhal⸗ horn tung und zur Qual meiner Hausgenoſſen angeſchafft hatte, um waͤhrend meines dri Exils in den Stunden der Sehnſucht nach Muft dem Vaterlande darauf zu phantaſirenz un beſuchte noch ein Mal die huͤbſche und blonde Demoiſelle Willibrodina Vanderklapp, 13 und verſprach ſchließlich der Frau Rachel gin Driancourt, ſowohl in England wie in wir Frankreich nach ihren beiden verlorenen wieb Soͤhnen, Benjamin und Abel, mich beſtens dun zu erkundigen. br eine tere und der 12. s bei⸗ Gewiſſenhaft, wie ich immer bin, hielt ich auch hierin Wort, ſkurz auch mein Aufenthalt in London Iber lieber nge⸗ Himmel, was mußte ich bu don Benjamin heh hoͤren! 4. mſn Der Schmerzensſohn war, er zu drei oder vier Reiſen auf den Schi n Sr⸗ Majeſtät nach Indien gemacht hattey und ſun nun wieder in England lebte, einergper aſſren georden. Bald als Jockey bei einem jun⸗ gen und liedeklichen Lord, bald als Auf⸗ waͤrtet auf einem Kaffeehauſe dienend, dann erklapp⸗ Rachel ie in„ 6. e„ wieder 4 Gefangenwaͤrter in Nerwogate, orenen* J dann den Lohnbedienten, dann den Schrei⸗ beſtens ber bei einem Journaliſten, dann endlich einen falſchen Zeugen machend,(welches letz⸗ 4 tere bekanntlich in England eben kein ſelte⸗ 7 d 3 Taugenichtſe der drei Reiche nes und un uͤberall ſeiner vöſen jagt wordeg⸗ 6 hierauf unter der Gewerbe eines Pnches, wie je⸗ 4 er in England. li en% nur zu ſinn kw fuͤhlte je Benjamin ſehr gut, und Alle, kannten, verſcherten m vi⸗ ne Rappen zwiſchen den er auch ſeitdi Ehre wegen⸗— noch vie traͤnke und Lurten ſpiele, ſwie. hier mit indeß— zufp hatte ſich, ſein Stolz ſogar ſo weiß“ verſißgen⸗ daß er 99 deutſchen i ehmch reet, richtete, eines ber deſto wz den ₰ poyl 5 de zu den wie j⸗ ſhuͤbſch ausſ nlnd ieiden moch 5 Stillen ſtendz Harat usler ſihlt Pierin“begcht mit. der Toch e nd A, iShm. 5 ſen und xrere d des 6“* W ein Greuol, und* kr 3 7 hre nicht zu ſchätzen nink 3 kgervater eines andſraßenritti 3 den, ſo geſchah es, daß Benjamin nur zu — v K Fu da er eben ein Bis⸗ litin⸗ Grp und Gloria zu viel getrunken b te, ſo erboſt wurde, daß er dem Peruk⸗ mache dermaßen den Kopf zerſchlug, kaß derſelbe drei Tage darauf ſtarb. Wegen dirſer Uebereilung ward aber nicht nur die ſich nie Familie des Verſchiedenen ſo boͤſe auf ———— 100 Musje Benjan, daß Miß Judith auf dec d“ Stelle 4 mit ihm ſondern 2) außð ßerſte mcht eum, im 5 Makel haf⸗ ſulbo tete, und ſo kam es daß ſie einmuͤ⸗ linqu thig einen Menſchen aus ihrebt Geſelſchaft nte ausſchloſſen, und ihn fuͤr unwürdig erklaͤr⸗ habe ten, jemals wieder auf irgend bit Land⸗ ſhin ſtraße Reiſende auszupländern, det übeilt 6. genug geweſen war, einem pietiſtiſchů dlt City⸗Bewohner das Hirn einzuſchlahen u Hierdurch nun des Schutzes und Beiſtandes kin der ganzen Congregation von Taugenichtſen 5 und deren Hehler in London, beraubt, fiel 4 Ma aber Benjamin gar bald in die Haͤnde der Conſtabler, und ward in Folge dieſes Un⸗ Act falls vor eine Jury geſtellt, die bei ihrer naͤchſten Sitzung das fuͤrchterliche:„Schul⸗ h. ſondern aymanns 101 dig!“ uͤber ihn ausſprach, kraft welchem er zu Tyburn ſollte gehangen werden. Dies urtheil war kaum geſprochen, ſo auf Ehn machte ſich auch ſchon ein ehemaliger Be⸗ er keinen alel haf⸗ e einmi⸗ eſilſhaft erfli⸗ er Land⸗ icit iſin ſchlhen⸗ ſſundes— enichtſen ubt/ fel inde dr eſes U⸗ bei ier Schu kannter des Ungluͤcklichen an die Arbeit, und elaborirte eine ruͤhrende Rede, die der De⸗ linguent einige Minuten vor ſeinem Tode unter dem Galgen noch ſollte geſprochen haben; unglücklicherweiſe ward aber dieſe ſchoͤne Spekulativn zu Waſſer, denn, indem es einigen Leuten einfiel zu behaupten, der alte Haarkraͤusler in Jermyn⸗Street habe auch wohl an etwas anders noch ſterben koͤnnen, als an den Streichen, die ihm Benjamin gegeben, beliebte es Andere, Se. Majeſtaͤt von Großbrittannien daran zu er⸗ innern, daß ſie durch die Habeas-corpus- Acte ermaͤchtigt waͤren, einen armen, der Felonie und anderer boͤſen Streiche ange⸗ klagten, Teufel zu begnadigen, und ſo ge⸗ ſchah es denn, daß Benjamin Driancourt 102 nicht zu Tyburn gehangen, ſondern blos in die Colonieen transportirt wurde, was denn dem Verurtheilten ganz recht war, dem geiſtreichen Verfaſſer jener Rede aber einen todtlichen Verdruß verurſachte.— So ge⸗ wiß iſt es, daß in dieſer boͤſen Welt kein Schelm dem Galgen entlaufen kann, ohne daß ein Anderer dadurch beeintraͤchtigt wird. Alle dieſe Begebenheiten hatten ein Paar Jahre vor meiner Ankunft in London ſtatt gefunden, und ich war eben im Begriff, das neue Karthago wieder zu verlaſſen, als ich noch mit einem Mit⸗Shipsmann be⸗ kannt wurde, der ohnlaͤngſt von einer Reiſe um die Welt zuruͤckgekommen war, und nun in meiner Nachbarſchaft, in Norfolks⸗Street wohnte. Dieſer Spemann hatte Gelegen⸗ heit gehabt, den juͤngſten Sohn der Frau Rachel Driancourt kennen zu lernen, nund ſo erfuhr ich denn von deſſen — Si K S lch g Prinz daß e Pette groß un Kloi Ech ſte der her R eib 6 Unt blos in as denn dem er tinen trächtigt in Paat on ſitt Pegrif, ſin, als ann be⸗ er Weiſe und nun Street elege n hu jmen veſm 103 Schickſalen noch weiter, daß er auf eine der Sandwich Inſeln verſchlagen, ſo gluck⸗ lich geweſen war, die Liebe einer braunen Prinzeſſin von Gebluͤt zu erwerben, und daß er dermalen als erſter Kaͤmmerling und Vetter des Koͤnigs Owg⸗Towg⸗Haut in großem Anſehen und Ueberfluß lebe und an nichts Mangel leide, wie an einigen Kleidungsſtuͤcken und Schuhwerk, welche Sachen naͤmlich, als uͤberfluͤſſiger Lurus, die ſelbſt barfuß einherwandelnde Majeſtaͤt Owg⸗Towg⸗Haut, in ihre Staaten nicht einzufuͤhren erlaubten. Daß ich alles dieſes, nebſt meinen be⸗ ſten Wuͤnſchen und meiner Gratulation zu der Ehre, die Seitenverwandte eines Selbſt⸗ herrſchers geworden zu ſeyn, der Frau Rachel Driancourt ſchrieb, verſteht ſich; leider mußte ich aber viele Jahre nachher, als ich ein Mal wieder nach England kam und die Zolleinnehmer⸗Wittwe laͤngſt im 104 Grabe ſchlummerte, vernehmen, daß ſich das ſchoͤne Verhaͤltniß ihres Jüngſtgebore⸗ nen etwas unſanft geloͤſt hatte. Die braune Prinzeſſin hatte naͤmlich, veraͤnderlich wie die Damen ſind, nach und nach immer weniger Wohlgefallen an dem erſten Kaͤm⸗ merling ihres koͤniglichen Oheims gefunden, und da es Musje Benjamin ein Mal in ſeiner, durch Palmenſaft bewirkten, Exalta⸗ tion einfiel, den geſtrengen Eheherrn zu ſpielen, und ſeine erlauchte Gemahlin des⸗ wegen etwas unſanft zu behandeln, weil ſie ſich unter vier Augen mit einem aͤußerſt elegant taͤtowirten Hugh⸗Wuſch, d. h. zu deutſch, Garde⸗Hauptmann, unterhielt: ſo war, auf ihre Klage, die Majeſtaͤt in Zorn gerathen, und hatte befohlen, den Kaͤm⸗ merling zu braten, und ihn ihnen ſelbſt zum Male vorzuſetzen; was auch ohnfehlbar ge⸗ ſchehen ſeyn wuͤrde, waͤr“ es Musje Ben⸗ 105 daß ſch jamin nicht gelungen, ſich durch eilige ſgebote⸗ Flucht dieſer Ehre zu entziehen. braune Eine Weile irrte nun der ſo aus ſeiner ch wie glänzenden Hof⸗Carriere durch den Unbe⸗ im ſtand einer Prinzeſſin und die Dazwiſchen⸗ in⸗ kunft eines nackten Garde⸗Hauptmanns, eſunde Herausgeriſſene, auf mehreren Inſeln der Mal in Suͤd⸗See umher, bis er endlich nach Port⸗ gulu⸗ Jackſon auf Botany⸗Bay kam, wo er ei⸗ nen alten Bekannten, Maͤſter Barrington, errn iu ſin des⸗ antraf, der einſt in London ein beruͤhmter wil Taſchendieb geweſen war, nun aber ſchon ußuſt ſeit Jahren in jener gegenfuͤßleriſchen He⸗ misphaͤre(wohin man ihn verbannt hatte) h z . das Amt eines Friedensrichters mit großer n Auseichnung bekleidete⸗ nim⸗ Dieſer alte Spießgeſelle unſeres Bejamin tſ zn nahm ſich nun des Ankommenden freund⸗ bar ⸗ ſchaftlich an, und da derſelbe in Folge ſeines vielen Herumtreibens in der Welt, drei europaͤiſche Sprachen mit großer Ge⸗ 106 laͤufigkeit planderte, auch ſonſt mit der Fe⸗ der ganz leidlich umzugehen wußte, ſo machte er ihn zu ſeinem Gehuͤlfen und ſtellte ihn uͤberhaupt ſo, daß er ganz anſtaͤndig leben konnte. Damals zaͤhlte Benjamin acht und drei⸗ ßig bis neun und dreißig Jahr, und war, durch Erfahrung gewitzigt, etwas beſonne⸗ ner in ſeiner Handlungsweiſe wie bisher geworden. Um ſich nun nicht neuen Ruͤck⸗ faͤllen auszuſetzen, entſchloß er ſich, ſich zu vermaͤhlen und wahrſcheinlich glaubend, daß Viel viel hilft, nahm er auf ein Mal ein Paar Wayſen, Eingeborene des Landes, die außerdem, daß ſie keine Verwandten hatten, und ihn folglich nicht in die Ver⸗ druͤßlichkeit, in Familienzaͤnkereien zu gera⸗ then, ſtuͤrzten, auch noch den Vorthell boten, daß ſie vom Scheitel bis zur Sohle 6 6 5 . * EGrdero wi ihn Val den 9u werden nindeſt ein ile alten( ſogene hine g bi, hu ſogen) Sc) den wach aun ien auf's ſchoͤnſte gemalt und taͤtowirt waren, r Fl⸗ ſo ſtellte iärdig hrei⸗ wal, ſonn⸗ 6her ch zu doß lein ndes ndten Pll⸗ gera⸗ theil oh en⸗ 107 was ihn denn der Sorge uͤberhob, fuͤr ihre Garderobe zu ſorgen. Bald mochte dieſer doppelte Eheſtand den guten Benjamin aber doch zu läſtig werden; er uͤberließ daher die aͤlteſte und mindeſt huͤbſcheſte ſeiner Gemahlinnen gegen ein kleines Equivalent an Gelde, einem alten Gelehrten, der ohnlaͤngſt wegen einiger ſogenannt gefaͤhrlicher Schriften(die indeß keine andere Gefahr in ſich verſchloſſen, als die, daß ſie den Leſern den Mundkrampf zu⸗ zogen) aus ſeinem Vaterlande nach Botany⸗ Bay verbannt worden war, und kaufte fuͤr den Betrag der Andern, die er zur Chriſtin machen ließ, ein Roͤckchen, ſintemal es ſich nun nicht mehr ſchicken wollte, daß ſie in einem blos gemalten Coſtuͤm umherlief. Nachdem ich dies letztere alles von Herrn John White, dem Verfaſſer einer in ſehr mittelmaͤßiges Franzoͤſiſch uͤberſetzten Reiſe nach Neu⸗Suͤd⸗Wallis, vernommen, 108 und auch noch gehoͤrt hatte, daß Musje Benjamin Driancourt in Folge der Zeiten ein ganz wohlhabender dann geworden war, der, ſeitdem er Kaͤnguruhfleiſch aß und nicht mehr die Stickluft von London athmete, ein Muſter von Geſetztheit ward, verließ ich England zum letztenmale, und kehrte nach Frankreich zuruͤck, wo mir denn das Weitere von den Schickſalen des be⸗ ſten und ungluͤcklichſten der drei Bruͤder bekannt wurde. 13. Zu welcher entehrenden Strafe dieſer junge Mann von fuͤhlloſen Richtern war verdammt worden, habe ich bereits erzaͤhlt. Sehen wir nun, wie es ihm erging. Zuſammengeſperrt mit dem Abſchaum der Nation, gezwungen die ſchwerſten und abjecteſten Arbeiten zu verrichten, den 1 ho i ſich ehrtes Das ſi Hunbe rungsm kiftta unter die D entmen und al ſis, k Sor ward zeihli ſewi ungeſt mher ſreu ſch aß ondon ward, und denn h⸗ ide ruͤder bieſr wak 109 Kopf halb geſchoren, eine langt Kette hin⸗ ter ſich herſchleifend, ſchleppte er ſein ent⸗ ehrtes Leben muͤhſam von Tag zu Tag. Das ſchwaͤrzeſte Brod, zu ſchlecht, als daß Hunde es freſſen wuͤrden; verdorbene Nah⸗ rungsmittel, die die Habgier nichtswuͤrdiger Lieferanten noch verkuͤrzte, dienten ihm zum Unterhalte, und wenn die Nacht kam und die Qualen des Tages und die Barbareien entmenſchter Aufſeher ihr Ende erreichten, und alle Weſen in den Armen des Schla⸗ fes, des groͤßten Labſals der Natur, ihre Sorgen und Kuͤmmerniſſe vergaßen, dann ward er, der nur ein Mal, und wie ver⸗ zeihlich! gefehlt hatte, mit den aͤrgſten Boͤ⸗ ſewichtern des Koͤnigreichs in ein feuchtes, ungeſundes Loch geſperrt, um dort auf ver⸗ modertem, und dazu noch ſehr ſparſam ge⸗ ſtreuetem Stroh, dem neuen Morgen ent⸗ gegen zu ſeufzen. Denn man muß wiſſen, daß auf das Stroh, welches die Krone 110 damals auf die Galeerenſclaben vergutete, von dem Miniſter, in deſſen De⸗ partement die Verwaltung der Galeeren des allerchriſtlichſten Mo⸗ narchen gehoͤrte, einer beruͤhmten Schauſpielerin eine Rente von 6 000 Livres jaͤhrlich als Gratifi⸗ cation angewieſen war. Da war es denn freilich natuͤrlich, daß jene ungluck⸗ lichen auf faulendem Lager liegen mußten, und oft ihr Schickſal, die Welt und die Haͤrte der Menſchen verfluchend, in unheil⸗ baren und ekelhaften Krankheiten ihren Geiſt aufgaben. Aber Paris hatte dafuͤr auch eine ſchoͤne und uͤppige Komoͤdiantin mehr, die ſich auf Daunen wiegte, waͤh⸗ rend Hunderte in Elend und Schmutz um⸗ kamen, und die durch ihre Coquetterie und ihre Kunſt die vornehme Welt entzuͤckte.— Dieſe Thatſache iſt wahr, und wenn die Schauſpielerin noch lebte, ſo wuͤrde ich ſie nennen. Kehren wir jedoch zu unſerer Geſchichte zuruͤck. So war es vor der Revolu⸗ tion in Frankreich. Aus dem Blut und den Thraͤnen, die ſie koſtete, iſt doch manches anders geworden.— Daß die neuen Gefaͤhrten des ungluck⸗ lichen Juͤnglings nicht verfehlten, ihn ſei⸗ ner Traurigkeit und Niedergeſchlagenheit we⸗ gen mit ihren rohen Einfaͤllen zu peinigen, verſteht ſich. Solchen Menſchen iſt nichts heilig, das Graͤßlichſte und Gemeinſte ih⸗ nen das Willkommenſte. Sein Schmerz um Manette, um ſein ungluͤckliches Kind, diente ihnen zum Spott; uͤber ſeine Reue lachten ſie. Dennoch gelang es ihm end⸗ lich durch Feſtigkeit und Geduld, ſich Ruhe vor dieſen Unholden zu verſchaffen; ſie lie⸗ ßen ihn gehen, und er konnte nun doch, waͤhrend ſie in liederlichen Geſpraͤchen und 112 —— — mit den Etzaͤhlungen ihrer Schandthaten ſich ergoͤtzten, ungeſtort von ihnen weinen. Bald ward ihm aber auch dieſer Troſt, der einzige, den er hatte, geraubt. Gas⸗ — parin, dieſer Nichtswuͤrdige, vermehrte die Geſellſchaft, und von dieſem Augenblicke ging erſt das wahre Leiden fuͤr Abel an⸗ Mit teufliſcher Schadenfreude gefiel ſich Gasparin darin, den Ungluͤcklichen auf jede Art zu kraͤnken, und da er einſt ihm vor⸗ ſchlug, Theil an dem Plan zur Flucht zu nehmon, den er entworfen hatte, und Abel dies, im ſeſten Vorſätz, ſeine Strafzeit aubzuhalten, und nie wieder die Bahn des Verbrechens zu betreten, ausſchlug; da ver⸗ † folgte er ihn ſo unablaͤſſig, und machte ihm bei den Gefaͤhrten und Aufſehern ſo boͤſes Spiel, daſt der Arme mehrmals auf dem Punkte ſtand, ſeinen Leiden in den Wellen ein Ziel zu ſetzen. 4 8 Nm gen ſih trei Wiſütz Mi Zwiling in na lennen leichten nehrere Ad ſih hule ouc dohn lit d Wo er hn ijede thaten einen⸗ Gas⸗ rte die enblicke roſt⸗ — bel an uf jdt nvor⸗ ſcht zu d Abel tußzit hn des da bel⸗ hte ihm böſts f den Pel 113 Dennoch widerſtand er lange den Lok⸗ kungen Gasparins, bis endlich ein Vorfall ſich ereignete, der ſeinen Muth und ſeine Vorſaͤtze mit einem Schlage umſtieß⸗ Mit ihm zugleich duldeten ein Paar Zwillingsbruͤder, die man ihrer treuen Liebe zu einander, Nyſus und Eurialus haͤtte nennen konnen, dieſelbe Strafe. Eines leichten Vergehens wegen waren ſie auf mehrere Jahre, eben ſo unmenſchlich wie Abel, zu den Galeeren verurtheilt worden, und faſt war dieſe Zeit verſtrichen, als die uͤberlegte Bosheit eines Aufſehers ſie un⸗ gluͤcklicher wie je machte. Mit Aerger und Hohn hatte dieſer Unmenſch die Anhaͤnglich⸗ keit der beiden Bruͤder zu einander bemerkt; wo er wußte und konnte, und wie oft konnte es dieſer Despot! quaͤlte er ſie auf jede Art; mit unbarmherziger Haͤrte miß⸗ handelte er ſie bei jeder Gelegenheit, und 8 114 . als dies alles ſie nicht erſchuͤtterte, und gr ſie immer Erſatz fuͤr ihr Leiden in wechſelſeitigen Troͤſtungen fanden, da wußte es der Elende dahin zu bringen, daß ſie Astun getrennt, und ſo des letzten Gluͤckes, des ſguhn Gluͤckes einander im Leiden beiſtehen zu jt 5 können, beraubt wurden. wuln, Standhaft hatten die Ungluͤcklichen bis⸗ uen beß alſes ertragens dieſen Schlaß enngenn ſie nicht. Als der Zuruͤckbleibende ſeinen nuſl Bruder fortfuͤhren ſah, da erbleichte er, z ſein Haar ſtraͤubte ſich; ein Schrei, der Cuyn durch die Seele drang, entfuhr ſeinen Lip⸗ uſin pen; dann verfiel er wie in ſtillen Wahn⸗ e ſinn. Als aber der Abend kam, und das Nolt Auge harter Menſchen ihn nicht mehr 6. entfeh obachtete, da zog er ein verborgen gehalte⸗ Juult nes Meſſer hervor, und ſtieß es ſich, Dun Namen des Bruders auf der ſterbenden Lippe, tief in das treue Herz. Der Andere ſuchte ſein Grab in den Wellen.— ſinr fun . 1 — „ und den in wußte vß ſi 8, des hen zu en bis⸗ rtrugen ſeinen hte er, der en bip⸗ Vehr⸗ nd das ht be⸗ haltt⸗ den bendi ydere 115 Der Eindruck, den dieſe Scene des tiefſten Jammers auf Abel machte, ließ ihn zugleich an der Menſchheit und an der Ausdauer ſeiner Kraft verzagen. Er ſuchte Gasparin auf, und wuͤrde, haͤtte dieſer ihn jetzt noch mit ſeinem Vertrauen beehren wollen, alles gewagt haben, um Banden zu entgehen, die ihm gleich den gräßlichſten und verhaͤrtetſten Boͤſewicht, von einem un⸗ menſchlichen Geſetz zuerkannt worden waren. Zu ſeinem Gluͤck glaubte aber der elende Gasparin nun einen andern Ton gegen ihn anſtimmen zu muͤſſen. Veraͤchtlich wies er Abel zuruͤck, und bald darauf mit einer Rotte ihm Aehnlicher ſeine Feſſeln brechend, entfloh er, um nicht lange nachher fuͤr neue Frevelthaten ſie auſ's neue zu empfangen. Dreimal ſah ſo unſer Juͤngling waͤhrend ſeiner noch uͤbrigen Strafzeit, den Verwor⸗ fenen ſich auf dieſe Art dem Arm ſoge⸗ 8* 116 nannter Gerechtigkeit entziehen, und drei⸗ mal als immer mehr beladener Verbrecher wiederkehren„ ohne daß die barbariſche Strafe auch nur im Mindeſten ihn gebeſſert, oder nur zu irgend einem Entſchluß zum Beſſerwerden gebracht haͤtte; ja im Gegen⸗ theil ſchien bei Gasparin und ſeinen Spieß⸗ geſellen das Mittel) welches man anwen⸗ dete, ſie zur Umkehr vom Laſterwege zu bringen, auf den entgegengeſetzten Zweck zu wirken, und die Folge wird zeigen, wie ſehr dies wirklich der Fall war. 14. Endlich nahte fuͤr Abel der Tag der Erlöſung. Er verließ die Galeeren in Ge⸗ ſelſchaft eines Haͤufleins Auswurf, das vor Verlangen brannte, da wieder anzu⸗ fangen, wo es ſtehen geblieben war, als man es verhaftete. Vervollkommt in der Nihwt un ſi Uulung hůrteter iberwu Pnſch tung Etnats ftüher mhr d wilbern ſiſh n. Gilee infuni Butn nen e m( dic u ———— 6 dr Richtswuͤrdigkeit durch gegenſeitigen Um⸗ threchet gang, ſtolz auf das ſchamloſe Gefuhl, jeden barſche Anklang von Ehre und Recht in der ver⸗ gihſer, haͤrteten Bruſt mit gluͤcklichem Bemuͤhen uß jun uͤberwunden zu haben, und vor nichts Gegen⸗ Menſchlichem und Goͤttlichem mehr Scheu Spiß zu tragen, kehrte dieſe Rotte, kraft weiſer Staatseinrichtung, auf den Schauplatz ihrer vryo u fruͤheren Thaten zuruͤck, jetzt nicht allein 13w mehr durch eigene Schlechtigkeit und Ver⸗ en, wi wilderung gezwungen, der menſchlichen Ge⸗ ſellſchaft zum Schaden, Hohn und Trotz zu leben. Denn wer wird einen entehrten Galeerenſclaven aufnehmen? Wer einem mit infamirender Strafe Belegten, Arbeit und Vertrauen geben?— Dies iſt aber der nin 6⸗ boͤſe Fleck in unſeren Inſtitutio⸗ ds nen und in unſerer viel geprieſe⸗ nen Civiliſation.— Was jene Un⸗ gläcklichen fruͤher aus Leichtſinn, Faulheit oder Liederlichkeit begingen, muͤſſen ſie nun⸗ anwen⸗ 8 44) de e vu — — 4 tin 118 hat der ſie entehrende Arm der Geſetze erſt getroffen, aus Noth begehen, und ſo bewirkt ſchon hierdurch allein, alles Andere abgerechnet, die Geſetzgebung, wie ſie in ihrer nackten Einſeitigkeit daſteht und aus⸗ geuͤbt wird, gerade das Gegentheil von dem, was ſie eigentlich bewirken ſoll, in⸗ dem ſie nicht allein die, die ſie ſtrafend beſſern ſollte, durch die uͤble innere Orga⸗ niſation ihrer Strafanſtalten verſchlimmert, ſondern dieſelben auch durch die unrechte Anwendung ihrer Macht,(die dem Vorur⸗ theil in der buͤrgerlichen Welt ſtatt ent⸗ gegenzuarbeiten, noch Vorſchub thut) ge⸗ wiſſermaßen zwingt, Verbrecher zu bleiben. Hier ließe ſich noch Vieles ſagen, ſehr viel, was ſowohl Frankreichs als Eng⸗ lands und Deutſchlands criminaliſtiſche In⸗ M ſtitutionen mit billigem und gerechtem Ta⸗ del trifft, doch unterlaſſen wir das hier gern, Einmal weil keine juriſtiſche Abhand⸗ i di d Böiſchch auch 0 reichenb Rrüͤgte tunge hmn 5 tht und pi lut deſſn deſih den b n ein Kunn eg 1 bi ihr ſn 119 —————— Geſchr lung dieſer Materie hier gegeben werden ind ſod ſoll; dann, weil der weitere Verfolg der Undere eſe in dam⸗ reichend Stoff zu Betrachtungen uͤber die il bon ll, i⸗ ſirufend Dr⸗ mwrt, nrecht⸗ Porbr⸗ t ent⸗ t) g⸗ bleiben⸗ n ſiht Eng⸗ he 2 hie bhan⸗ Geſchichte des armen Abel Nachdenkenden auch ohne genauere Eroͤrterung noch hin⸗ geruͤgten Maͤngel liefern wird: Andeu⸗ tungen uͤber dieſen Punkt aber ohne⸗ dem nur Zweck dieſer Blaͤtter iſt. In ſolcher Geſellſchaft und mit Solchen kehrte alſo Abel nach der Hauptſtadt zuruͤck, und wie war dieſe Ruͤckkehr beſchaffen?— unter Aufſicht eines rohen Kerketmeiſters, deſſen hoͤchſtes Labſal der Branntwein, deſſen ultima ratio der Stock war, wur⸗ den die entlaſſenen Straͤflinge, wie Heringe in eine Tonne, geſchloſſen auf einen elenden Karren gepackt, und ſo zur Schau der WMenge und unter dem zermalmenden Hohn des Poͤbels, durch das Land gefahren, und bei ihrer Ankunft in Paris, indem man ſie laufen ließ, wohin ſie wollten, der ſpe⸗ 120 ciellen Aufſicht der Polizei empfohlen, die denn freilich in manchen Zeiten mehr und anderes zu thun hat, als ſich um muͤßige und verachtete Pflaſtertreter zu bekuͤmmern. Abel anlangend, ſo hatte man ihm bei ſeiner Entlaſſung, wegen ſeiner guten Auf⸗ fuͤhrung waͤhrend ſeiner Strafzeit, zwar ein recht guͤnſtiges Certificat ausgeſtellt, aber, was half dies dem Armen! Ex war dar⸗ um nicht weniger durch die erlittene harte Strafe geſchaͤndet, und wir werden ſehen, welche Hinderniſſ ihm dadurch uͤberall in Ergreifung eines ehrlichen Nahrungszwei⸗ ges in den Weg traten. Auch— es darf nicht verhehlt werden— war er doch jetzt nicht ganz mehr derſelbe, der er fruͤher war, und eher, als ihn ſein Unſtern mit dem Abhub der buͤrgerlichen Geſellſchaft zu⸗ ſammenbrachte. Die liederlichen Grund⸗ ſaͤtze dieſer Elenden erregten wohl noch im⸗ mer ſeinen Abſchen, ihre Verruchtheit em⸗ —— pint n 6 gab tie ei vende heiltol und m nen ufi nißbr das in W der dieſt ner bill vie! in Uber en 8 ſ hr und imern. ihm bei en Auf⸗ war ein aber, ar dor⸗ harte ſehen, etal in wr⸗ es dorf och jitt nn mit haſt i⸗ Grund⸗ in⸗ eit en⸗ 12¹ porte noch immer ſeine beſſere Ratur: aber es gab doch Augenblicke, wo er nicht mehr wie einſt, ſich im Innerſten empoͤrt ab⸗ wendete, wenn ſie die lange Liſte ihres un⸗ heilvollen Lebens im Geſpraͤch entfalteten, und mit der Behaglichkeit eines welkterfahre⸗ nen Menſchen, das auskramten, was ihnen auf ihrer Bahn begegnet, was ſie oft mit Scharfſinn und einem bedaurungswerth mißbrauchten Talent, ausgefuͤhrt hatten.— Das Andenken an ſeine Manette war hier in Wahrheit noch der wohlthaͤtige Schutz, der ihn vor dem gaͤnzlichen Herabſinken zu dieſen Menſchen bewahrte; ohne die Erin⸗ nerung an ſie, an ſein Kind, waͤre er jetzt vielleicht nur wenig beſſer noch geweſen, wie die Gefaͤhrten. Seine erſte Sorge nach ſeiner Ankunft in der Hauptſtadt war, zu ihr hinzueilen. Aber wo ſollte er die Arme finden, um de⸗ ren Geſchick in der großen, weiten Stadt 122 ſich niemand bekuͤmmerte! Das Haus, in welchem er ſie verlaſſen, hatte den Herrn geaͤndert; andere Menſchen waren hinein⸗ gezogen, was wußten die von Manette, was von ihrem Kinde!— Nach langem Forſchen erfuhr er endlich als Geruͤcht, daß das junge Maͤdchen aus der Stadt fort⸗ geſchafft worden ſey, und daß man ihr Kind in ein Findelhaus gegeben habe. Traurig ob dieſer Kunde, ſchlich Abel mehrere Tage zwecklos durch die Straßen, wo ihm alles, alles ſo fremd war, wo kein bekanntes Geſicht ihm begegnete, wo er keine Seele mehr wußte, der er haͤtte ſein Leid klagen koͤnnen: da begegnete ihm einſt, als er eben wieder, blos um ſeinen truben Ideen zu entfliehen, auf den ge⸗ raͤuſchvollſten Plätzen der Hauptſtadt ſich umhertrieb, en ehemaliger Camerad von der Douane, der nichts von Abels letzten Schickſalen wiſſend, ihn mit Traulichkeit ahrhttt prerkend — um ei Lhore „ Eprech hun dumm mit e veiſchl brſin (wn liſhe ein hatt tiſt gin n * s, in Herrn hinei⸗ daneite, raßen⸗ „ e hitt te ihn ſinen en gl⸗ bo ſbten ichtut 123 anrebete, und, ſein reducirtes Aeußere be⸗ merkend, ihn aufforderte, ſich doch wieder um eine Anſtellung an irgend einem der Thore von Paris zu bewerben. „Der Augenblick iſt guͤnſtig, fuhr der Sprecher fort, darum zaudere nicht. Man hat dieſer Tage erſt drei arme Teufel, die dumm genug waren, ihr Einverſtaͤndniß mit einigen Defraudanten nicht gehorig zu verſchleiern, fortgejagt, und ich will dir den beſten Weg an die Hand geben, um ſogleich einen der erledigten Plaͤtze zu erhalten.“ Dieſe Worte waren fuͤr Abel himm⸗ liſche Muſik. Das, was ihm das Nitleid einiger guten Seelen in Marſeille geſchenkt hatte, als er die Ruderſchiffe Sr. aller⸗ chriſtlichſten Majeſtaͤt verließ, war faſt gaͤnzlich aufgezehrt; nur wenige Tage be⸗ durfte es noch, um wieder in derſelben ent⸗ ſttzlichen huͤlfloſen Lage zu ſeyn, in welcher er ſih befand, als er den kleinen Ring 124 entwendeke, und ſo mußte ihm, den Hoff⸗ nungsloſen, denn wohl eine Hoffnung will⸗ kommen ſeyn, die ihm Ausſicht zu einem kleinen Erwerbe machte. Dringend bat er daher ſeinen Freund um Nachweiſung deſſen, was er zu thun habe, und dieſer ſprach ₰ nun: „Ich kenne Mademoiſelle Adelgunde, die Geliebte des Herrn Ober⸗Rechnungs⸗ fuͤhrers der Acciſe⸗Caſſe. Zu der wollen wir gehen. Sie iſt ein gutmuͤthiges Maͤd⸗ chen, und huͤbſch wie ein Engel. Haſt du das Gluͤck, ſie füͤr dich zu intereſſiren, ſo ſetze ich einen Livre gegen einen Nadel⸗ tnopf, daß du morgen ſchon deine Anſtel⸗ lung haſt; denn was Mademoiſelle Gund⸗ chen will, muß der Herr Ober⸗Rechnungs⸗ fuͤhrer thun, er mag wollen oder nicht.“ Die Sache leuchtete Abel ein, und auf der Stelle begab er ſich mit dem Andern zu der huͤbſchen und vielvermoͤgenden Ge⸗ — — — — liihn uiſe. 7) dies unvet iben and rem Cur ſe Ant aht geh hic ch auj Hof⸗ will⸗ einen bat er beſſen, — ſrch gunde, uno6⸗ wolen Mad⸗ i du n/ ſp Mudel⸗ nſtel⸗ binb⸗ ungs⸗ . u⸗ Ge⸗ liebten des alten und dicken Herrn von der Acciſe. 15. Demviſelle Adelgunde war nicht, wie dies bei Perſonen ihrer Art, wenn ſie ein unverhofftes Gluͤck machen, oft der Fall iſt, uͤbermuͤthig geworden, ſondern noch immer an die Tage denkend, wo auch ſie, niede⸗ rem Stande eutſproſſen, in Mangel und Elend ſorgenvoll ihr Leben verbrachte, hatte ſie jetzt im Ueberfluſſe Gefuͤhl fuͤr die Noth Anderer behalten, und wuͤrde ſomit zu den achtungswerthen Perſonen ihres Geſchlechtes gehoͤrt haben, haͤtte nicht ein grenzenloſer Leichtſinn und ihr dermaliger, freilich nicht ehrenwerther Stand, einen tiefen Schatten auf ſie geworfen. Mit Gaͤte wurde unſer Abel von ihr empfangen. Seine Bitte um Verwendung bei dem Herrn Ober⸗Rechnungsfuͤhrer fand um ſo leichter bei ihr ein geneigtes Ohr, da ſie hoͤrte, daß der Huͤlfeſuchende der Freund der ungluͤcklichen Manette war, die ſie einſt kannte, und ſo geſchah es denn, daß bereits am folgenden Tage Abel Dri⸗ ancourt wieder an die Barriere von Cha⸗ renton placirt wurde, woſelbſt er, wie wir wiſſen, bereits vor Jahren das Intereſſe der Herren General⸗Paͤchter in Acht nahm. Beinahe ſechs Wochen ging die Sache vortrefflich. Ohne ſich durch Anmaßung und Brutalitaͤt, wie viele ſeiner Herren Collegen in Frankreich und auch anderwaͤrts, Ein⸗ und Auspaſſirenden verhaßt zu machen, ſtand Abel gewiſſenhaft ſeinem Poſten vor, und wuͤrde ihn noch laͤnger vorgeſtanden haben, haͤtte nicht ſein Unſtern es gefuͤgt, daß unter einem Haufen Contrebandierer, welche eines Tages an der Barriere feſt⸗ genommen wurden, ſich ein ehemaliger Ga⸗ lune li üb ſehlich heimni die nu horde wie ih Gr. 2 einer Dranc D Ehrg Schi hitt bei he lujt ihei nl tung ſ we w r fand Ohr, de der var die 127 leerengefaͤhrte von ihm befand, der erbit⸗ tert uͤber ſein Mißgeſchick und Abels be⸗ hagliche Lage, des letzteren trauriges Ge⸗ heimniß den andern Douaniers verrieth, die nun ſogleich in einem an die Oberbe⸗ dem I Dri⸗ n Che⸗ vie vir nertſt nahm. Sache noßung Herreb wärts, nchen n voi⸗ ſanden gefühh diere ſit 1 hoͤrde eingereichten Memoriale erklaͤrten, wie ihre Ehre und die Ehre des Dienſtes Sr. Majeſtaͤt dadurch litte, wenn der mit einer infamirenden Strafe einſt belegte Driancourt, laͤnger unter ihnen weile. Daß uͤbrigens nicht allein das zarte Ehrgefuͤhl die Herren Douaniers zu dieſem Schritte bewog, ſondern auch etwas Neid hier mit im Spiele war, mag nur neben⸗ bei bemerkt werden. Abel hatte ſich in der kurzen Zeit ſeiner Anſtellung durch Puͤnkt⸗ lichkeit und gutes Benehmen, das Wohl⸗ wollen der Obern erworben; eine Beforde⸗ rung ſtand ihm bevor; dies wußte man, und ſo war denn die Sache mit der Galeere doppelt willkommen. 128 Daß der Ungluͤckliche nun abetmals ver⸗ ſtoßen ward, laͤßt ſich denken. Er erhielt ſeine Entlaſſung, und mit zerriſſenem Her⸗ zen, ſein furchtbares Geſchick anklagend, ſtand er wieder, wie vor wenig Wochen⸗ huͤlflos und ausgeworfen aus der buͤrger⸗ lichen Geſellſchaft da.. Mehrere Tage wagte er, gleich als druͤcke ihn das ſchrecklichſte Verbrechen, ſich vor keinem Menſchen ſehen zu laſſen, und als ihn endlich die Noth zum Ausgehen zwang, da ſchlich er tief gebeugt den bit⸗ terſten Gram in der Bruſt, mit niederge⸗ ſchlagenen Angen, wie ein Dieb, uͤngſtlich an den Mauern der Haͤuſer weg, bebend von jedem, als ein durch die Geſetze auf ewig Verworfener erkannt zu werden⸗ Zu Demoiſelle Adelgunde war ſein erſter Weg. Offen ſein ganzes Schickſal ihr er⸗ zaͤhlend, klagte er iht ſeine Noth und mitleids⸗ voll hoͤrte das gutmuͤthige Geſchoͤpf ihn an. W k ſuch kie ſol ßreche fihnr ntfern untet Menſt uf n ſhen N ſin s vet⸗ erhielt m Her⸗ legend, Vochen bůͤtger⸗ ich as hen ſch und ögehen n bit⸗ iedetge⸗ inſiich bebend ſetzt quf n. n erſit hr e⸗ nilds⸗ ihn M. 129 Lroͤſten Sie ſich, lieber Driancourt, ſprach ſie nach Beendigung ſeiner Relation, Sie ſollen nicht verlaſſen ſeyn. Noch heute ſpreche ich mit dem Herrn Ober⸗Rechnungs⸗ fuͤhrer; er ſoll Ihnen einen Platz in einer entfernten Provinz verſchaffen; Sie gehen unter einem andern Namen dahin; kein WMenſch kennt Sie dort. Verlaſſen Sie ſich auf mich, Sie ſollen ruhig und gluͤcklich leben.“ Mit neuen Hoffnungen kehrte Abel in ſeine Wohnung zuruͤck. Er wollte ja nichts als Gelegenheit, ſein Brod auf ehrliche Art erwerben zu koͤnnen; wo dies geſchah, galt ihm gleich; ſeit Manette, ſeit ſein Kind fuͤr ihn verloren waren, feſſelte ihn nichts mehr an die Hauptſtadt. Bei guter Zeit begab er ſich den an⸗ dern Tag zu ſeiner Goͤnnerin, aber welche Veraͤnderung mußte er hier erblicken! Der 9 130 Herr Ober⸗Rechnungsfüͤhrer war den Abend oorher, in Folge des Genuſſes von ein Paar Hundert Auſtern und einer Schne⸗ pfenpaſtete, plotzlich ans dieſem Erden⸗ Jammerthale zu den, ſonder Zweifel weniger materiellen Freuden der Ewigkeit hinuber gewandelt, und jetzt trieben ſich nun Juden und jůdiſche Chriſten, mit denen der Se⸗ lige vielfach verwandt war, im Hauſt her⸗ um, und bezeigten ihr großes Beileid dar⸗ uͤber— daß ſich nur ſo wenig vorfand, woran ſie in Ermangelung anderer Valuta, ſich mit ihren in Haͤnden haltenden Papier⸗ chen, zu erhohlen vermochten. Daß es nun mit Mademoiſelle Adel⸗ gunde's Glanz und Protection, ſo wie mit allen ſchoͤnen Hoffnungen des armen Abel vorbei war, bedarf hiernach wohl keiner beſondern Bemerkung mehr. Das Geſchick hatte dem jungen Manne hier wieder ein Mal ſeine Tuͤcke gezeigt; es hatte ihm hfun Rt in ſnken wo e ſuchte bend von ein Schn⸗ Erden⸗ weniher hwübet n Juden dir S⸗ ſt hel⸗ eid dar⸗ vorfand, Paluta Pwir⸗ wir nit in W — geſtik u h lkeint 131 —— Hoffnungen erweckt, um ihn deſto grauſa⸗ mer in die Tiefe ſeines Ungluͤcks zuruͤck⸗ ſinken zu laſſen, und bald kam die Zeit, wo es ihn mit neuen Streichen heim⸗ ſuchte. 16. Nach vielem Bemuͤhen war es ihm ge⸗ lungen, Arbeit in einer großen Druckerei zu erhalten. Man brauchte ihn hier als eine Art Corrector, als Gehuͤlfe beim Fuͤh⸗ ren der Rechnungsbuͤcher der Arbeiter, kurz zu allerlei Geſchaͤſten, die zwar ſaͤmmtlich nicht ſonderlich eintraͤglich waren, jedoch immer genug einbrachten, um ihn uͤber die Sorgen fuͤr die dringendſten Beduͤrfniſſe des Lebens wegzuheben. Bald ſollte jedoch auch dieſes kleine Gluͤck dem Armen wieder geraubt werden. Ein liederlicher und dem 9* ———— Trunk ergebener Drucker⸗Geſelle, beſſen Le⸗ benslauf in einem fortwaͤhrenden Wandern von Stadt zu Stadt auf Koſten ſeiner flei⸗ ßigen Handwerksgenoſſen beſtand, kam an⸗ gezogen, und ſprach zum Schein um Arbeit, im Ernſt aber um ein Viatikum an. Abel hatte das, was die Milde der Arbeiter in der Offizin woͤchentlich zur Un⸗ terſtuͤtzung ſolcher Zugvoͤgel beſtimmte, zu vertheilen. Die Gabe ſchien dem Bruder Trunkenbold nicht reichlich genug zu ſeyn; er ward ungezogen, und Abel machte kurzen Prozeß mit dem elenden Subject und be⸗ foͤrderte es zur Thuͤre hinaus. „Das ſollſt Du mir theuer buͤßen! ſchrie der Unhold, ich kenne Dich von Mar⸗ ſeille aus, elender Galeerenſclave.“— Dieſe Worte waren fuͤr Abel ein Don⸗ nerſchlag. Er erinnerte ſich jetzt, den er⸗ baͤrmlichen Menſchen oft am Hafen jener Stadt muͤßig ſich herumtreiben geſehen zu ha⸗ tn, unt un erw Vir an näc denfte — bende 2 Folg Unglc ken S gewie tefon ſett ſ S lub wih 133 ſen ben, und zweifelte nicht, welches Loos ihn anden n erwartete. i ſli⸗ Wirklich erfullte ſich auch dies bereits an m⸗ am nächſten Tage. Mit haͤmiſcher Scha⸗ Abei, denfreude hatte der Andere Abels ehrrau⸗ bende Beſtrafung Allen mitgetheilt, und die Folge war, daß der Herr der Offizin den ide der . Un⸗ Ungluͤcklichen verabſchieden mußte, mit dem kein Menſch in Gemeinſchaft leben wollte. Brudir ſehni turzen u b⸗ So abermals verſtoßen und zuruͤck⸗ gewieſen, wo er um Arbeit und Un⸗ piſn terkommen anhielt, wuͤrde Abel vielleicht Mr jetzt ſchon einen verzweifelten Schritt gethan 3 haben, haͤtte ſich nicht eine arme, redliche dun Seele ſeiner erbarmt, und durch die ihm 3 beweiſende Theilnahme, ſeinen wankenden „jn e die beſſere menſchliche Natur zuh wieder befeſtigt. 134 Dieſer Retter— denn ſo konnte ihn Abel fuͤglich in dieſem Augenblick nennen— war ein alter armer Abbé, der durch Roth gezwungen, ſeine Freiheit und ſein Bischen Talent, einem Buchhaͤndler hatte verkaufen muͤſſen, der ihn nun gegen ſchmales Ho⸗ norar arbeiten ließ, wie jeden andern Handlanger, und ihn mit der Inſolenz be⸗ handelte, die der Reichthum ohne Verſtand ſich ſo gern gegen die Armuth mit Ver⸗ ſtand erlaubt. Abel hatte den Mann waͤhrend ſeiner Dienſtzeit in der Druckerei kennen lernenz zu ihm ging er jetzt, und der Duͤrftige, der oft ſelbſt manchen Tag kaum ſo viel hatte, um ſeine Beduͤrfniſſe zu ſtillen, that, was Tauſend und Tauſend im Ueberfluß Schwel⸗ gende nimmer thun, er brach ſein Brod mit dem Verlaſſenen, und theilte ſeine Wohnung mit dem Ausgeſtoßenen. N ſhmalen enn ſ bes b ſ ecturen bend Uebel und be ſo viel ihn u i Wihn ſtnd innt Mane Etun ne ihn — Noth rkaufen andert enz be⸗ find t Ver⸗ ſünr lernen ge dr hatte⸗ , pas Schwl Brod e ſtur 135 ————— Da ſaßen dann oft die beiden Stief⸗ tinder des Gluͤcks in ihrem engen und ſchmalen Dachſtuͤbchen und philoſophirten, wenn ſie den Tag uͤber mühſam das Joch des Lebens getragen, und langweilige Cor⸗ recturen geleſen, oder aͤhnliche Geiſterhe⸗ bende Arbeiten gemacht hatten— uͤber die Uebel in dieſer beſten Welt; und ſo arm und beengend auch alles um ſie war, und ſo viele Entbehrungen auch das Geſchick ihm auflegte, ſo wuͤrde Abel doch glucklich geweſen ſeyn, endlich und zum Erſtenmal ein Weſen gefunden zu haben, das ihn ver⸗ ſtand und an ſich zog, haͤtte nicht das immer ſich wieder erneuernde Andenken an Manette, an ſein Kind, ihn oft auch dieſe Stunden verbittert. Bald ſollte ſich indeß auch der ſuze Schimmer von Ruhe, den der Arme bei ſeinem theilnehmenden Freunde genoß, wie⸗ der verlieren, und er auf's neue unter die — 1 6 —— 136 —.— Menſchen geſchleudert werden, die ihn ſo hart behandelten. Eine bittere Satyre auf die allvermoͤ⸗ gende Maitreſſe eines allvermoͤgenden Mi⸗ niſters, ſetzte durch ihr Erſcheinen Hof und Stadt in Bewegung. Die beleidigte Schoͤne ſchrie Rache; ihr gehorſamer Ver⸗ ehrer verſprach Befriedigung dieſes Wun⸗ ſches, und alle Hebel der geheimen Polizei wurden in Bewegung geſetzt, um den ab⸗ ſcheulichen Boͤſewicht ausfindig zu machen, der es gewagt hatte, der Beguͤnſtigten ei⸗ nes beguͤnſtigten Miniſters einige Wahrhei⸗ ten zu ſagen.— Bald hatte man auch den Thaͤter heraus, aber leider! war es ein Mann von Einfluß; ein Mann, dem man nicht fuͤglich zu Leibe konnte.— Was thun hierbei? Ein Opfer wollte der gekraͤnkte Staatsmann und ſeine Schoͤne ein Mal ha⸗ ben, am beſten war's, man nahm den er⸗ ſten beſten armen Teufel von Autor beim S ur Fba ihn hin Seufzu Frende legung nigſen nachde unter figich des d Pahl nſer dacht Niſ der um! hn E din S ihn ſo vermö⸗ e Ni⸗ hof unb eleidigte er Ver⸗ s VWun⸗ Poli den ab⸗ machen Ken iie gohrhei⸗ uch de ein em mun us thun crint Mal h⸗ zn et⸗ r bein 137 Kopf und ſetzte ihn in die Baſtille; mochte er da klagen und lamentiren, wer hoͤrte ihn hinter jenen dicken Mauern, denen die Seufzer unſchuldig Eingekerkerter nichts Fremdes waren.— So dachte bei Ueber⸗ legung dieſes verdrießlichen Handels we⸗ nigſtens der Herr Praͤfect der Polizei, und nachdem er reiflich erwogen hatte, wer unter den armen Poeten in Paris wohl am fuͤglichſten dazu tauge, dermalen die Rolle des Opferlammes zu uͤbernehmen, fiel ſeine Wahl auf den alten Freund und Schuͤtzer unſeres Abels, und das mit gutem Be⸗ dacht, denn nicht vergeſſen hatte der Herr Praͤfect, daß vor 30 Jahren, als er und der alte Abbe noch das Kollegium beſuch⸗ ten, letzterer ihm einſt eines huͤbſchen Maͤd⸗ chens wegen etwas rauh behandelt hatte. Es traten dem zufolge eines Tages die Diener der Gerechtigkeit in das enge Stübchen des unglucklichen Poeten, ver⸗ 138 ſiegelten ſeine Papiere, die ſo unſchuldig waren, wie die Sonne am Himmel, ſetzten ihn ſelbſt in einen Fiaker, und brachten ihn ſo in das Gebaͤude, das bis zur Re⸗ volution das Zwing⸗Uri Frankreichs war. Unſerm Abel erlaubte man großmuͤthig, hinzugehen, wohin er wollte. 18. Seit lange hatte Abel ſchon den Plan gehegt, ſeine alte Goͤnnerin, Dame Ger⸗ trude, in ihrer laͤndlichen Zuruͤckgezogenheit einmal zu beſuchen. Die Zeit, hoffte er, wuͤrde ihren Zorn gegen ihn befaͤnftigt ha⸗ ben, und ſo machte er ſich denn, weil er eben nichts Beſſeres vorzunehmen wußte, auf den Weg. WVillommen war er jedoch der guten Frau nicht. Sie hatte ſich ſeit einiger Zeit einem alten reichen Hageſtolz, der gih ei iimer krin u ſamſte, nur w ſiinen grin ginent holts⸗ * warh Vyh gung uß Futt Ungl lben ſebten rachten ur Re⸗ s wer. nithi, Pla n Gut⸗ genhit fle e) igt hr weil“ wußte⸗ gut enher huldig ( 139 gleich einem Kaͤuzlein einſam auf ſeinem einſamen Landhauſe hauſte, als Geſellſchaf⸗ terin und Wirthſchaftsfuͤhrerin zugeſellt, und da ſie ſich hier ſehr wohl befand, außerdem aber auch ihres Patrons Anlage zur Eifer⸗ ſucht kannte, ſo hielt ſie es fuͤr das rath⸗ ſamſte, ſich mit dem jungen Ankoͤmmling nur wenig zu befaſſen, der denn auch bald ſeinen Ruͤckweg wieder antrat, und nun, gedraͤngt von Noth, Dienſte in einem Re⸗ gimente nahm, das ohnfern dem Aufent⸗ halts⸗Ort der Dame Gertrud cantonirte. Ordnung und Tuͤchtigkeit im Dienſt, er⸗ warben hier dem jungen Manne bald das Wohlwollen ſeiner Obern und die Zunei⸗ gung ſeiner Kameraden, und er wuͤrde ge⸗ wiß in dieſem neuen Stande ſein redlich Fortkommen gefunden haben, haͤtte ſein Ungluͤcksſtern ihn nicht abermals aus dem⸗ ſelben herausgeriſſen. 140⁰ ——— Das Regiment mußte ſein Standquar⸗ tier veraͤndern. Abels boͤſes Schickſal wollte, daß es an einen Ort gelegt ward, durch welchen er einſt auf ſeiner Ruͤckkehr von Marſeille gekommen war. Man er⸗ kannte ihn hier wieder, und kaum erfuhren Einige ſeiner Kameraden, daß er die ent⸗ ehrende Strafe der Galeeren hatte erdulden muͤſſen, ſo war es auch um ihn geſchehen⸗ Am Morgen nach der unſeligen Ent⸗ deckung traten drei Grenadiere von ſeiner Compagnie, alte, wackere Krieger, in ſein Quartier.„Abel“, ſprach der Aelteſte, und ſein Blick hing mit Bedauern an dem jun⸗ gen Manne,„Abel, Du biſt ein braver Kamerad, und wir alle haben Dich lieb. Aber Du biſt Galeerenſclave geweſen, war⸗ um? wiſſen wir nicht, und wollen es auch nicht wiſſen. Du thuſt uns leid; mit Dir öne ſi nie zahm ſ in ein ſchlig theilte deren ih „ „ fut, in ment huhn 6t einen g — dienen koͤnnen wir jedoch ſo nicht mehr. Du mußt Dich mit uns ſchlagen.“ hit hinr zullte ndquat⸗ Schickſal tward, Müh Nan e⸗ rſuhet bie ent“ erdulden ſchehe * n Ent⸗ ſeinet in ſin ſe, und en jin⸗ hraver i lb. wa⸗ es ac mit** . nchr. 4 141 Einen Augenblick ſtand der Ungluckliche wie niedergedonnert; dann ermannte er ſich, nahm ſeinen Saͤbel und folgte den Andern in ein nahes Gehoͤlz. Brav, wie er war, ſchlug er ſich mit Einem nach dem Andern; theilte einige Wunden aus, und empfing deren welche; aber damit war die Sache nicht abgemacht. Andere traten auf, und noch Einmal mußte er ſich ſchlagen, und noch Einmal; und ſo ging es fort und fort, bis der Spektakel zu arg wurde und eine allgemeine Schlaͤgerei unter dem Regi⸗ ment ſelbſt zu befuͤrchten ſtand. Denn Viele nahmen jetzt Parthei fuͤr ihn, und an ihrer Spitze ſtanden die Dreie, die ihn zuerſt zu einem Gange herausgefordert hatten und billig nun meinten, des Juͤnglings Brav⸗ heit habe den Flecken aus ſeinem Leben hinreichend weggewaſchen; Andere dagegen wollten nichts davon wiſſen, und fuhren 142— fort, ihn zu verhoͤhnen, und auch die, die ſich ſeiner annahmen, zu ſchelten. Jetzt mußten die Oberen einſchreiten, die uͤbrigens in Frankreich ſelbſt vor der Revolution, nicht ſo wie anderwaͤrts, dem gemeinen Soldaten jede Willensfreiheit zu beſchraͤnken das Recht und die Gewohnheit haben: und indem der Commandeur den jungen Mann zu ſich kommen kieß, ſprach er:„Belleroſe(denn alſo hatte ſich Drian⸗ court im Regimente genannt) ſag' mir die Wahrheit, iſt es gegruͤndet, daß Du auf den Galeeren warſt?“ Mit niedergeſchlagenen Blicken bejahte Abel dieſe Frage, und fuͤgte eine kurze Er⸗ zaͤhlung ſeiner truͤben Schickſale hinzu. „Ich bedaure Dich, armer Teufel, ſagte der Offizier hierauf, aber helfen kann ich Dir nicht. Es thut mir weh, einen ſo braven Jungen, wie Du biſt, zu verlieren; fort mußt Du jedoch; es wird ſonſt keine Niſt j 0 6 Ni dem 3 in die fühl,n jen, die ſc in ber dh voribe Guh, hört umbl die i aufhe ghlt ſpih in de Mh n Em ie, die ſchriten⸗ vor der 6, dem iheit zu wohrhel Nur den ſuc Drian⸗ mir dit Du uf hjehte urze E⸗ zu einen 6 5 Einmal machen. 143 Ruhe im Regimente. Da nimm, und moͤge Dich Gott geleiten.“ Mit dieſen Worten druͤckte der Krieger dem Juͤngling einige Sechs⸗Frankenſtuͤcke in die Hand, und mit dem bitterſten Ge⸗ fuͤhl, mit der tiefſten Verzweiflung im Her⸗ zen, ging Abel, ausgeſtoßen auf's neue, die ſchrecklichſten, ſchwaͤrzeſten Entſchluſſe in der Bruſt. Ohnfern der Stadt rauſchte die Yonne voruͤber. In ihren Wellen wollte er ſein Grab, das Ende ſeiner Leiden ſuchen. Da hoͤrt er plotzlich hinter ſich rufen; als er ſich umblickt, ſieht er die drei alten Grenadiere, die ihn zuerſt zu einem Gange in's Gehoͤlz aufgefordert hatten. Rachdem ſie ihn ein⸗ geholt haben, nimmt Einer das Wort und ſpricht:„Belleroſe, wir haben den Saͤbel in der Hand einander gegenuͤber geſtanden, und wenn Du willſt, ſo koͤnnen wir's noch Aber, Gott verdamm' mich, Du biſt ein redliches Blut, und im Grunde liebt Dich das ganze Regiment. Du mußt jetzt fort und weißt nicht wohin. Sieh, Bruder, da hat die Compagnie zuſam⸗ mengeſchoſſen; es iſt nicht viel, denn wir ſind arme Teufel;'s hilft Dir aber doch wohl etwas. Nimm und vergiß uns ahn nicht. Damit legte der Mann, den Jüngling, mit naſſen Blicken an ſein Herz druͤcken), ein kleines Beutelchen in des erſtaunten Abels Hand, und als haͤtten ſie ein Ver⸗ brechen begangen, ſo eilig entfernten ſich der redlichen Krieger in dieſem Moment hoͤchſter Verzweiflung ergriffen. 65 kan ß weit prtſetz tief di 2) das gi Dnſt hngto Ruch u nun die Dreie, denen Abel ſprachlos, ver⸗ ſteint nachſah; ſo hatte ihn der Edelmuth ſen D btref 4 und im 1 egiment. t wohin. t ſam⸗ den nir ber doch iß uns zinging ckend, rſtaunttl in Per⸗ rnten ſch os, bt⸗ Sdlmt Noment — Lange brauchte der Ungluͤckliche, um ſich ſo weit zu erhohlen, daß er ſeinen Weg ſortſetzen konnte. Zu furchtbar hatte das Gefuͤhl, ſich abermals ausgeſtoßen zu ſehen, * tief ſelbſt der Edelmuth ſeiner Kame⸗ raden in dieſem Augenblick ihn erſchuͤttert. Die That der hraven Maͤnner gab ihm jedoch das gaͤnzlich geſchwundene Vertrauen auf die Menſchen in etwas wieder: ſein verzweif⸗ lungsvoller Entſchluß wankte, aber nur nach und nach vermochte er ſich mit dem Gedanken zu befreunden, noch ein Mal ſein Heil in der Welt zu verſuchen. Das Gluck ſchien ſich uͤbrigens jetzt in Betreff ſeiner Geſinnungen gegen ihn, etwas indern zu wollen; ich ſage ſchien, denn zur zu bald zeigte es ſich, daß der alte Unſtern keineswegs von dem Armen ge⸗ ichen war. 10 1 146 Abel hatte ſich den Plan gemacht, Frankreich, Europa, zu verlaſſen und in die Coolnieen zu gehen. Dort, jenſeits des Ozeans, hoffte er unerkannt zu bleiben, ein neues, nach unſeren Ehrbegriffen nicht be⸗ ſchmitztes, Leben beginnen zu koͤnnen. Er wandte daher, um dieſem Plane nachzu⸗ kommen, ſeine Schritte einer Kuͤſtenſtadt zu und die Gabe der Liebe, welche er von ſeinen Kameraden erhalten hatte, verbunden mit dem Geſchenke, das ihm der Commandeur des Regimentes beim Abſchiede reichte, langte gerade hin, ihn bis Breſt zu bringen. Hier hoffte er ein Schiff zu finden, auf welchem er ſich zur Ueberfahrt verdingen koͤnnte; leider fand er aber keines, welches ſobald unter Segel zu gehen gedachte, und ſo mußte er dann, die Zeit abwartend, einſt⸗ weilen ſich nach einem Unterkommen umſehen. Das Gluͤck wollte ihm hier wohl. Die Direction des Theaters brauchte einen ne jnt ſtrice hm e vihrt keit ha N Vorſte fihlvo Puln fulen; Awan A ſigen das 9 ſdoch kanen ſuhn Netih ihe gemacht, und in ſits des iben ein nicht b⸗ n. Er nachl⸗ nſtadt zu 0 ſeintn den mi mandel teicht. beingen⸗ imn, uf ubg nlhes chte w nd enſ⸗ unſth ohl 2 ke iu 147 Menſchen, der gut mit der Feder umzu⸗ gehen wußte, und da Abel der jungen Di⸗ rectrice gefiel, ſo bekam er die Stelle, die ihm ein recht leidliches Auskommen ge⸗ waͤhrte und noch manche Nebenannehmlich⸗ keit hatte. Madame Petitvierre, ſo nannte ſich die Vorſteherin der Buͤhne, war jung, ge⸗ fuͤhlvoll, und Wittwe dazu. Der huͤbſche Belleroſe hatte ihr beim erſten Anblick ge⸗ fallen; ſein Fleiß und ſeine Beſcheidenheit gewannen ihm ihr Herz. Anfaͤnglich ahnete Abel von dieſen guͤn⸗ ſtigen Geſinnungen ſeiner Gebieterin nicht das geringſte; bald wurde ihm die Sache jedoch klarer und— die Wahrheit zu be⸗ kennen— er war durchaus zu wenig Jo⸗ ſephartiger Natur, um die reizende Madame prtitpierre durch ſtorriſchen Eigenſinn zu raͤnken. 0* So lebte er denn beinahe ein Jahr in ſo runhigen und angenehmen Verhaͤltniſſen wie noch nie, und glaubte ſchon, ſein alter Unſtern ſey muͤde geworden, ihn zu ver⸗ folgen, als ſich plotzlich die Scene aͤnderte und er ſich auf ein Mal wieder von dem Gipfel ſeines Gluͤcks herabgeſtuͤrzt ſah. Madame Petitpierre war, obgleich eine Schauſpielerin und durchaus keine Lukretia, doch ſehr fromm und unterhielt deswegen mit einigen heiligen Ordensleuten einen leb⸗ haften Verkehr. Vorzuͤglich war der Prior eines Minoritenkloſters, ein anſehnlicher und im Geruche großer Heiligkeit ſtehender Mann, ihr Rathgeber und Troͤſter in geiſt⸗ lichen⸗ und, wie die boͤſe Welt behauptete, zuweilen auch in ſehr weltlichen Dingen. Dieſem Ehrenmann war die genaue Bekanntſchaft ſeines geiſtlichen Muͤndels mit dem braunlockigen Abel laͤngſt ein Dorn im Auge geweſen; ſo folgſam das Beicht⸗ inh uhnu hatte igene Ihnt blieb ein g Vitty Werz 5 niht winh pfieg fält. ſihn zum hir. hin liche un cſ jil Jahr ſin alter zu ber⸗ aͤndert an bem von dem ſah. leich int bulreti⸗ ſchnliche ſihender 149 lind ſich aber auch ſtets gegen ſeine Er⸗ mahnungen bewies: in dieſem einen Punkte hatte Madame Petitpierre doch auch ihr eigenes Köpfchen, und der fromme Vater Ignatius mochte reden, ſo viel er wollte, ſie blieb dabei, Monſieur Abel Belleroſe ſey ein guter Menſch und fuͤr ſie, in ihrer Wittwenhaften Verlaſſenheit, von großem Werthe. Herren wie Pater Ignatius ſind indeß nicht gewohnt, eine Sache gleich aufzugeben, wenn auch der Baum, wie man zu ſagen pflegt, nicht alsbald auf den erſten Streich faͤllt. Was heute nicht iſt, kann worgen ſeyn, und Beharrlichkeit fuͤhrt zuletzt immer zum Ziele.— Dies geſchah denn auch hier.— Nach einer in Ordensangelegen- heiten unternommenen Reiſe in die ſüͤd⸗ lichen Provinzen des Reichs, kam der 6 fromme Vater ſehr vergnuͤgt, nun auch den iihm wiberlichen Liebling ſeines Beichtkindes 150 —,—— expulſiren zu koͤnnen, in ſein Kloſter zuruͤck, und bereits der naͤchſte Morgen ſah ihn im Hauſe der Madame Petitpierre, wo Abel gerade gegenwaͤrtig war, den dießmal der ehrwuͤrdige Herr mit ganz beſonderer Freundlichkeit begruͤßte. Nach einem Weilchen entfernte ſich Abel um ein ihm uͤbertragenes Geſchaͤft zu verrichten, waͤhrend der Herr Prior der Dame die Begebenheiten ſeiner frommen Reiſe referirte, und kaum war er zur Thuͤre hin⸗ aus, ſo ſprach Ignatius mit gleißendem Ton: „Ein huͤbſcher, anſtaͤndiger Menſch, der Abel Belleroſe, oder Driancourt, wie er eigentlich heißt. Schade, ſchade! daß —— der Himmel mag es denen verzeihen, die ſo gewiſſenlos ſeine Erziehung verſaͤum⸗ ten. Maria und Joſeph, ich wollte es gar nicht glauben, denn wer kann denken, daß hinter einer ſo unſchuldigen Miene, wie er hat—— ach heiliger Dionys! der Menſch daue Dig Gale ganz Rön ſtine doch Wo wedte ſiile hab der bat hu Moc Hol vor wa vu ſi rzurich, m, wo dießmal ſonderer rnte ſih rior der nen Reiſt re hin u Ton: Munſch urt, wie ade! diß verzeiben⸗ vrſuum e es gu nken⸗ 5 e nit „Nanſ 151 dauert mich recht; aber Vorſicht iſt zu allen Dingen nutze und wer ein Mal auf der Galeere“——„ Madame Petitpierre hatte waͤhrend der ganzen Rede ſchon mit Aengſtlichkeit des Moͤnches Geſicht bewacht, denn ſo mild ſeine Stimme auch war, ſo bedenklich waren doch ſeine Mienen, und als er nun das Wort Galeere ausſprach, und nun mit be⸗ redter Zunge erzaͤhlte, wie man ihm in Mar⸗ ſeille Abels ganze Geſchichte mitgetheilt habe, und wie kein Zweiſel obwalte, daß derſelbe, das geheime Mitglied einer furcht⸗ baren Diebesbande, vielleicht gar ihr Ober⸗ haupt geweſen ſey, oder es moͤglicher Weiſe noch ſeys da ſank die huhſche und wohl⸗ wollende Goͤnnerin des jungen Mannes vor Schreck faſt in Ohnmacht und erreicht war, was der neidiſche Pfaffe ſeit lange wuͤnſchte. Abel erhielt ſeinen Abſchied und weh es auch der gefuͤhlvollen Frau that, ſie ſah ihn nicht wieder, denn wie haͤtte ſie, ohne zu ſterben vor Entſetzen, mit einem verworfenen Galeerenſclaven noch ſprechen koͤnnen, an deſſen Haͤnden vielleicht vergoſſenes Blut klebte.— 20. Warum that ich nicht laͤngſt, was ich mir vornahm, rief Abel aus, nachdem ihm dieſer neue Schlag getroffen, und floh ein Land, wo keine Reue, kein redliches Be⸗ tragen, den Flecken von mir abzuwaſchen vermag, den ein grauſames Geſetz meinem Leben aufdruͤckte! O, wie viel Tauſende thaten Boͤſeres wie ich, und nur mich, nur mich verſtoͤßt die Welt, waͤhrend ſie jene ungehindert ſeyn und treiben laͤßt, was ſie wollen! Des feſten Vorſatzes voll, ſeinen Plan, jenſeits des Meeres ein neues Vater⸗ land hiel Men einen von ſuͤrz zu hoch ſcht Nn dußt Abe Flu ſit und ih ie hätt n mit en wch viellicht wus ich en ihm ſloh ein ſes Be⸗ waſhen meinem Lauſtnde r ni rend ſi i ws n ſu⸗ Vatt 153 land aufzufuchen, nun auszufuͤhren, eilt Abel dem Hafen zu, wo er eine Maſſe Menſchen findet, die eben beſchaͤftigt ſind, einem jungen Manne, der das Ungluͤck hatte, von dem Gemaͤuer in die Wellen hinab zu ſtͤrzen, mit Tauen und Stangen zu Huͤlfe * zu eilen. Die Wogen gingen in dieſem Augenblick hoch, und die Kraft des Verungluckten reichte ſichtbar nicht hin, auch nur noch wenige Minuten dem ungeſtuͤmen Elemente zu wi⸗ derſtehen. Ohne ſich zu beſinnen, ergriff Abel daher eines der herbeigeſchleppten Taue, ſchlang das eine Ende deſſelben ſich um den Leib und ſprang ſo in die tobende Fluth hinab. Bald hatte er den jungen Mann erreicht; im Moment des Unter⸗ ſinkens erfaßte er ihn; wenige Minuten und der Ungluͤckliche war gerettet. Jubelnd begleitete die Menge den Retter und den Geretteten nach der Stadt zuruͤck. 154 Eine ältliche Dame kam in praͤchtiger Equipage daher gerollt; es war die Mutter des jungen Mannes, den Abel ſo eben dem Tode entriſſen hatte und kaum hoͤrte Frau von St. Amarante, was vorgegangen und wer der Retter ihres einzigen Sohnes war, als ſie ſich an Abel wandte und ihn bat, ſie in das Hotel zu begleiten, in welchem ſie bei ihrem dermaligen kurzen Aufenthalte in Breſt ihr Abſteigequartier genommen habe. Beſcheiden folgte Abel der Einladung und ehe noch der Weg zuruͤckgelegt war, wußte Frau von St. Amarante genug von den Schickſalen des jungen Mannes, den das Gluͤck zum Retter ihres Sohnes ge⸗ macht hatte, um ihm ihr Haus als einen Zufluchts⸗ und Aufenthaltsort anzubieten. Die Verſuchung war groß; dennoch widerſtand Abel. Frau v. St. Amarante wohnte Jahr aus Jahr ein in einer ent⸗ un he; ie C eben hett, geweſ Abel, mant auf Echn raͤchtiget Nuttet ſo eben um hirte gegangel Sohnes und ih iten, in kurzen tquuttitt wladuns est wal, enug von nes, dn hnes. 46 einen nzubiten denn 1 wuͤrde. Aber Driancourt war mißtrauiſch m geworden; er hatte zu oft ſchon die trau⸗ quant in legenen Gegend der Provinz auf ihrem Gute; kaum ein Mal jaͤhrlich kam ſie in die Stadt; ihr Sohn, derſelbe, den Abel eben dem Tode in den Wellen entzogen hatte, lebte bei ihr. Er war Militair geweſen, ungefaͤhr von gleichem Alter wie Abel, hatte aber den Dienſt ſeiner durch manche Exceſſe zerruͤtteten Geſundheit wegen, aufgeben muͤſſen, und Beide, Mutter wie Sohn, wuͤnſchten jetzt den Mann an ſich zu feſſeln, der durch ſeine unerſchrockene That ihre Dankbarkeit ſich erworben hatte. Dem Unſchein nach konnte Abel mit Sicherheit ein Erbieten annehmen, welches ihm ein ruhiges und angenehmes Loos verſprach; denn kaum ſtand zu erwarten, daß in die laͤndliche Einſamkeit, wohin man ihn einlud, jemals das Geruͤcht von ſeinem Ungluͤck und ſeiner Entehrung dringen —= rigſten Erfahrungen in dieſer Hinſicht ge⸗ macht und lehnte daher beſcheiden, aber feſt das Erbieten der ihm Wohlwollenden ab. Daß er dieß nicht ohne Kampf, nicht ohne ſichtbare Verlegenheit that— denn immer ſchwebte ihm dabei das Geſtaͤndniß ſeines Ungluͤcks auf den Lippen, das nur Furcht und Scham zuruͤckhielten— war ſichtbar, doch wurde dieß jedoch damals weder von der Mutter noch von dem Sohne bemerkt und letzterer rief endlich auf Abels fortgeſetzte Weigerung mit ihnen auf ihrem Schloſſe fuͤr immer zu leben, aus: „Wohlan! da Sie ſich nicht entſchließen koͤnnen, uns in unſerer ländlichen Zuruck⸗ gezogenheit Geſellſchaft zu leiſten, ſo leiſten Sie ſie mir wenigſtens auf einer Reiſe, die ich in wenig Wochen zur Herſtellung meiner Geſundheit nach Italien unternehme. Sie wollen Frankreich verlaſſen und nach den Colonieen gehen; warum das? Kom⸗ miy( Mti ngen vielle 2 — iicht Soh der daß wit uit Ung nch Pn ſicht gl⸗ n, aber wolenden ſpf, nicht — denn ſtanduß dus nur — vr hmals Sohnt f Obels ihren ſſchlefin ʒuid⸗ ſo ſeiſten r Reiſt, ſteluns urnehn und nach 157 men Sie mit nach Italien; meine Dank⸗ barkeit wird ſich beſtreben, Ihnen das Un⸗ angenehme vergeſſen zu machen, was Sie vielleicht erdulden mußten.“ Dieſem Vorſchlage widerſtand Abel nicht laͤnger. Er ſah, daß es Mutter und Sohn Ernſt war, ihm zu helfen; jenſeits der Alpen durfte er eben ſo gut hoffen, daß ſein Mißgeſchick ihn vergeſſen wuͤrde, wie jenſeits des Meeres, und einwilligend ſomit in den Vorſchlag des jungen St. Amarante, folgte er ſeinen neuen Beſchutzern noch denſelben Tag auf ihr Gut in der Provinz, von wo er wenige Wochen dar⸗ auf mit dem Sohne in der Eigenſchaft eines Freundes und Geſellſchafters, wohl ausgeruͤſtet mit allem Erforderlichen, den Weg nach dem ſo oft beſchriebenen Garten ron Europa antrat. 158 21. Da St. Amarantes geſchwaͤchter Koͤrpet keine großen Anſtrengungen auszuhalten vermochte, ſo machte man nur kleine Tage⸗ reiſen, hielt ſich hier und da auf, und Wochen vergingen ſo, ehe man die Dau⸗ phiné erreichte, wo ein Verwandter des Reiſenden wohnte, dem man zugleich noch einen Beſuch abſtatten und ſich kurze Zeit auf ſeinem Schloſſe verweilen wollte. Die Freundſchaft des jungen Edel⸗ mannes zu ſeinem Begleiter hatte ſich unter⸗ deß immer vermehrt; er konnte faſt nicht mehr ohne Abel leben, deſſen Unterhaltung ihn aufheiterte, und deſſen ſanftes Weſen ihn anzog.„Nie, ſagte er oft, nie laſſe ich Dich wieder von mir; Dich ſchickte der Himmel mir zur Rettung im Augenblick hoͤchſter Gefahr; Du allein biſt im Stande, den Mißmuth, der mein Leben verbittert, zu zerſtreuen; ſchwoͤre mir, Belleroſe, mich Sch ſim zn 2 und Nant kannt ihm Unfil St „ L dier w ſein wol in zit 5 139 — nimmer zu verlaſſen.“ Geruͤhrt verſicherte Förpet ihm Abel, ſeinen Wunſch erfullen zu wollen zlhalten und mit einer Herzlichkeit ſich an den jungen ine Lig⸗ Mann ſchließend, die kaum noch eine Grenze uf, unb kannte, pries er im Stillen ſein Loos, das ie Du⸗ ihm endlich nach ſo vielen Stuͤrmen und dtet des Unfaͤllen, nach ſo vielen Kraͤnkungen und Schmerzen, einen Menſchen finden ließ wie St. Amarante. ich uch ne Zrit Der Arme! indem er noch mit freu⸗ Ebel⸗ diger Ruͤhrung dem Himmel dankte, zogen ſich ſchon die Wolken herauf, die das Ende ſch vntet⸗* niht ſeines Lebens beſchatten ſollten. oſt n0 Bei den Verwandten, die man beſuchen wollte, angekommen, verlebte man hier . uſe einige heitere Tage und ſchon war die Zeit der Abreiſe wieder beſtimmt, als ein Ereigniß eintrat, deſſen Folgen unſern Abel 6 auf immer elend machten. Eine Jagdparthie war angeordnet wor⸗ n St Amarante, dies Vergnügen le⸗ 6 Veſin 160 ———— denſchaftlich liebend, hatte ſich demſelben mit einer Heftigkeit uͤberlaſſen, die keine Grenzen kannte, ein hitzig Fieber war die Folge dieſer unmaͤßigen Anſtrengung.— So mußte man denn bleiben und durch treue Sorge fuͤr den Kranken, durch auf⸗ opfernde Muͤhe fuͤr ſeine Geneſung, wurde Abel jetzt gewiſſermaßen zum zweitenmale der Retter des Lebens von ſeinem Freunde. Langſam erhohlte ſich St. Amarante wieder; aber an Fortſetzung der Reiſe war fuͤr's Erſte nicht mehr zu denken; auch haͤtte ſich, ſelbſt wenn die Geſundheitsum⸗ ſtaͤnde des jungen Mannes dies erlaub⸗ ten, die beſorgte Mutter, die auf die erſte Nachricht von dem Unfalle ihres Soh⸗ nes herbeigeeilt war, jetzt nicht entſchließen koͤnnen, ſich von ihm, der ihr und ihrer Familie einzige Hoffnung war, zu trennen⸗ Man beſchloß daher, den Reſt des Jahres auf dem Schloſſe, wo man ſich befand, vohn Nhs lſen ancou nicht dſelben ie keine er die un nd duch urch auf⸗ vollends zuzubringen, und die Ausſicht, Frank⸗ reichs fuͤr ihn ſo unheilvollen Boden, ver⸗ laſſen zu koͤnnen, verſchwand ſomit fuͤr Dri⸗ ancourt, den Alles beſchwor, jetzt, nur jetzt 3/ wurde itenmle Freunde⸗ natante eiſe war uh dheitsum⸗ 6 ulub⸗ uf die reb 6⸗ und ihrer trennn 3 qhrts befa nicht von dem Freunde zu gehen. 22. Ruhig und angenehm waren abermals einige Wochen verſtrichen, da verbreitete ſich ploͤtzlich in der Gegend das Geruͤcht, e ine Raͤuberbande treibe ſich im Gebirge herum und mache die Wege unſicher. Wirklich geſchahen auch kurz nach ein⸗ ander mehrere arge Frevelthaten, die um ſo nehr Schrecken verurſachten, da die Kuͤhn⸗ heit, ſo wie die Art der Ausfuͤhrung der⸗ ſelben vermuthen ließ, daß das Geſindel — Anhang unter den Einwohnern, vieleicht gar Einverſtändniß mit dieſem oder 11 162 jenem Bewohner der vielen, in jener Provinz damals befindlichen, Edelhoͤfe und Schloͤſſer habe. Daß hierdurch die Aufmerkſamkeit der Behoͤrden wie der Gefaͤhrbeten in einem hohen Grade erweckt wurde, verſteht ſich wer ſchildert aber das Entſetzen der Familie, in welcher Abel jetzt lebte, als plötzlich ein vor dem Thore des Schloſſes gefundener verſiegelter Zettel ihnen zeigt, daß Belleroſe, derſelbe Belleroſe, der in ihrer Mitte als Freund und Geſellſchafter lebt, ein Mit⸗ glied jener Rotte iſt, oder wenigſtens mit derſelben in enger Verbindung einſt ſtand. Das Schreiben war von Gasparin⸗ jenem Elenden, der bereits mehrmal ſo un⸗ heilvoll in Abels Leben eingegriffen hatte, und enthielt die Aufforderung an Abel, ſich zu einer beſtimmten Stunde an einem be⸗ zeichneten Ort einzufinden, weil ihm da⸗ ſelbſt einige alte Kameraden aus Mar⸗ uc, ſu, bo ur Probin dSchlſet umkeit der n einen ſeht ſchi er ʒunili zlch ti guden Bellroſe Mite a in Ni s u und Bitten ſeiner Mutter zu hören, gefolgt igſten von ein Paar Bedienten, dem angeblichen einſt ſun ßubynin nal ſo un . hott. 1 feille zu ſprechen wunſchten, und män hatte es am fruͤhen Morgen an einen Platz ge⸗ legt, wo Abel vegelmaͤßig ſeinen Spatziet⸗ gang machte und es ſo der Berechnung nach von ihm gefunden werden mußte, fruͤher aber bereits von einém Olener des Hauſes aufgenommen ünd der Herrſchaft ͤbergeben ward, waͤhrend Driancburt noch, nichts ahnend, ſeiner b nach, ſich in der Gegend erging. 6 non Wüthend uͤber dieſe eusei ſturzte St. Amarante, ohne auf die Warnungen Verraͤther mit dem Degen in der Hand nach, des feſten Vorſatzes voll, ihn, den dt jetzt, ohne ihn zu hoͤren, fuͤr einen Abſchaun von heuchleriſchen und verſchmitzten Boͤſe⸗ —— niederzuſtoßen, wo er ihn findet⸗ 11* 464 Ruhig hatte Abel unterdeß ſeinen Weg gemacht, und eben im Begriff, wieder in den Park des Schloſſes zu treten, trifft er auf St. Amarante, der ihn ſchon von weitem mit den ſhärteſten Worten belegt, und nun naͤher kommend, mit einer Wildheit ihn onfaͤllt, die Abel zwingt, zurückzuweichen. nen dieſem Augenblick faͤllt ein Schuß ans dem angrenzenden Holze und ſtreckt einen der Diener nieder; der Andere ergreift die Flucht und ſo ſiehen nun die Freunde „Auch das noch! ruft St.— ich konnt' es denken, daß Deine Rotte nahe wari aber Deinem Lohne entgehſt Du nicht, Flender, und wenn ich auch neben Dir fallen muß,“ und mit dieſen Worten von neuem auf den Wehrloſen eindringend, ſtoßt er ſeinen Degen dem einſtigen Freunde in die Bruſt, der ſogleich blutend und be⸗ wußtlos niederſinkt, waͤhrend jetzt mehrere befan deren ſchu huhn gllein einander gegenuͤber. ſaptul endlj nen Vez wicder is „tifft er ſchon von en belegt, „Vilbheit zuwechen in Eiuß und ſut t ergii Frrunde Anatanle ut uht Du ſich⸗ onn bon gnd,„ teunde be⸗ 163 Schüſſe aus dem Dickicht bem nun gleichfalls ſiehenden St. Amarante folgen. 6 Als Abel die Augen wieder aufſchlug, befand er ſich in einer tiefen Felſengrotte; deren dunkle Woͤlbungen nur durch einen ſchwachen Lichtſchimmer) erhellt wurdrn an einem Lager aber ſtanden ein Paar ver? mummte Figuren, deren Eine ſich mit Verbindung ſeiner Wunde beſchaͤftigte, und endlich erktaͤrte, daß die Gefahr fuͤr den Lranken verſchwunden, und daß er in —— ghMe— — W Rnt erwiederte Andere, und mit Schauded er⸗ hnnten Kbs jetzt den⸗ an der Stmmenn„ 166 Gasparin! rief er ee aus und cieſt erwiederte un c ne „So iſt's! ich bin es und ich hoffe, Du wirſt jetzt, wo ich große Abſichten mit Dir vorhabe, kluͤger und dankbarer ſeyn, wie einſt in den Steinbruͤchen von Mont⸗Menil und fpaͤter in Marſeille.“ nan Abel wollte hier unterbrechen, gispnin fuhr nber fort:„Schweig! das Reden iſt Dir jetzt ſchädlich und unnuͤtz dazu. Die Zeit des Bedenkens iſt fuͤr dich vorbei, mein Brief, den Du nicht erhalten ſhaſt, hat die Bewohner des Schloſſes uͤber das auf⸗ geklaͤrt, was Dun biſt. Dahin kannſt Du nimmer zuruͤcktehren, ſo wenig/ wie in die Welt, denn wiſſe, daß meine Leute Dich an dem Elenden St. Amarante gerächt haben; er iſt nicht mehr. Als er mit ſeiner bet⸗ ſchweſierlichen Mutter einige Taße, nachdem er Dich niedergeſtreckt hatte, fortreiſte, da pßt du gluch ſchne ob g geleg hune brhi Di g pif von ber Du u uus ünd ich hoff, ſchtn nit ſehn, wir ont Menil Gisprin Nrdin ſ . Di vorbei t da uf tunnt di wie in 1Di n habeni ſiner„ nbn treſ* bie aber fuhr fort: 167 * „— und ein wohlgezielter — Anargntn ich un⸗ —— chweig, und vetnc — ſoll das Jammern? Als inem muͤßigen Thoren v . nungen faſſen, merk' es Dir. Mei —„„ Dir. Mein bi —„ ich hab' es wohl um— ient, denn meine. — r Sorge dankſt Z —— und immer behielt ich— Deinen abgeſch. uͤrgerlichen Wegen.“ Mit Ab — ſcheu wandte Abel die Au angeblichen Retter weg— der — thaͤtigſten Gehuͤ — Sehuͤlfen der Polizei wurd e och ſeyn wuͤrde, waͤre es mir 168 am Ende nicht langweilig geworden, der Knecht von den Launen einiger Geiſterſehen⸗ den Obern zu ſeyn. Ich fuͤhlte mich zu groͤßeren Dingen berufen, als lieder⸗ lichen Dienern und erbaͤrmlichen Beutel⸗ ſchneidern in ihren Schlupfwinkeln nach⸗ zuſpuͤren, oder auf Kaffeehaͤnſern und an andern oͤffentlichen Orten die traulichen Reden ehrlicher Lente zu behorchen; und ſo bin ich denn in die Geſellſchaft freier Maͤnner getreten, die jetzt ihren Aufenthalt in dieſen Bergen haben und von Schwach⸗ koͤpfen faͤlſchlich„Raͤuber“ genannt werden, waͤhrend ſie doch eigentlich nichts thun, als vornehme Faulheit vom Lager aufruͤtteln und uͤppigem Reichthum lehren, nicht ſtols auf die Guͤter dieſer Welt zu ſeyn.“ „Anfaͤnglich biente ich als ihres Gleichen unter den Braven; bald verſchaffte mir aber mein Muth den erſten Platz. Ich ſchoß in einem Duell den bisherigen Haupt⸗ nn ich Nan pri u un, der ſterſchen⸗ ſte nich s lieder⸗ Feuttl nach⸗ und al raulihen en; und ſt fuirr ufenthalt Schnuch⸗ t werben⸗ thun als uftütrln i ſul n“ ſte„ aß hu 169 mann nieder, und einſtimmig erwaͤhlten mich die Andern an ſeine Stelle. Ein Mann wie Du, Driancourt, hat mir bisher noch gefehlt. Du haſt Muth, das weiß ich, biſt geſchickt mit der Feder; Dein Aeußeres gewinnt die Weiber. Ich mache Dich zu meinem Lieutenant und nie will ich mehr ein ehrlicher Kerl heißen, wenn wir nicht binnen hier und wenigen Mo⸗ nathen ſo viel zuſammen haben, um in einem andern Welttheil wie kleine Furſten leben zu koͤnnen. Ein huͤbſches Suͤmmchen iſt bereits von mir uͤber die Seite gebracht; wie geſagt, noch wenige Monathe, dann iſt fuͤr uns Beide geſorgt; wir ſchleichen uns fort, Du nimmſt Deine Manette.. „Manette! rief Abel hier aus, Manette! o ſag', wo iſt ſie, wo iſt mein Kind?“ „Wo werden ſie ſeyn, entgegnete Gas⸗ arin, als wohin Deine Albernheit ſie ge⸗ bracht hat. Hätteſt Du mir gefolgt, ſo ———— 170 lebte ſie jetzt im Ueberfluß— nun bettelt ſie ihr Brod und Dein Kind mit ihr—“ Laut ſchluchzend ſank Abel bei dieſer Rachricht auf ſein Lager zuruͤck und mit beiden Haͤnden ſich das⸗Beſicht bedeckend, verwuͤnſchte er ſich und ſein ungluͤckliches Geſchick. wartet und vorausgeſehen; geſchickt benutzte er ihn nun den Aufgeregten auf immer an ſich zu feſſeln und leider! es gelang ihm⸗ wornach er ſo lange geſtrebt hatte; es ge⸗ lang ihm wenigſtens fuͤr jetzt.— Ausgeſtoßen aus der Welt, auf allen Pfaden nichts, als das ihn mit unerbittlichem Haſſe verfolgende Schickſal ſehend, mit dem Gedanken beladen, die beiden liebſten Weſen, die er hat, im Elende ſchmachtend zu wiſſen⸗ ſchwor Abel in dieſer ungluͤckſeligen Stunde in Gasparins und der uͤbrigen Raͤuber Hand, der ihre zu ſeyn, und unwiderruflich Diefen Moment hatte Gasparin er⸗ ſgr bettelt — ei dieſtr und nit deckend⸗ ickliches gein(⸗ benutzte mer ab 6 ihm⸗ e R⸗ uf n itlichen mit den Vrſen⸗ wiſſen/ Stund⸗ vhr unufih rollte nun das Rad ſeines Lebens dem Abgrunde zu, der es verſchlingen ſollte“ 11 Die Anſtalten, welche man von Seiten der Obrigkeit traf, nothigken die Raub⸗Rotte, auf ihren Ruͤckzug zu denken. Gasparin befahl einen allgemeinen Aufbruch und Abel folgte gezwungen jetzt der Bande. So kam man auf Umwegen und rauhen Gebirgspfaden uͤber die Grenze, bis ins Piemonteſiſche hinein, wo Gasparin einige Zeit zu verweilen gedachte und gute Ge⸗ ſchaͤfte zu machen hoffte, indem hier, wie bekannt, die Polizei in Betreff des Raub⸗ geſindels, von je an eben nicht die ſtrengſte war. WVirklich fuͤhrte auch die treffliche Ge⸗ ſellſchaft in der Geſchwindigkeit hier manchen guten Schlag aus, doch nahm Abel an ———— —— — 172 keiner dieſer Heldenthaten Antheil, und wußte immer unter dem Vorwande koͤrper⸗ licher Schwaͤche von ſeiner Verwundung her, geſchickt es ſo zu machen, daß ihm, waͤhrend die Andern auszogen, die Be⸗ wachung der in Beſitz genommenen alten Ruinen verblieb, in welchen dermalen die Compagnje ihre NRiederlage hatte, nund die ſich ihrer Abgelegenheit wegen, auch trefflich zu ſolchem Zwecke eigneten. Daß Drian⸗ court ubrigens hieybei zugleich die Hoffnung hegte, gelegentlich ein Mal einen gunſtigen Zeitpunkt zu erlauern, in welchem er ſich von ſeinen abſcheulichen Geſaͤhrten die ihn ſtets ſorgſam im Auge hielten, durch Flucht retten konnte, darf wohl kaum erſt bemerkt werden. Leider gelang dies dem unglͤcklichen aber nicht; ſein Schickſal ereilte ihn,eh' er dies auszufuͤhreu vermochte. Ausgeſendete Spione hatten Gaßpnrin die Nachricht gebracht, daß den naͤchſten it lift leich Abe tuef und ric fehl auf zwu des jan zur ehe wo egl ut i Lo ſih und tower⸗ undung ß ihn e⸗ alten en di nd de rflich Drian⸗ fun wigen ſch von ſütz retten werdeh⸗ n aber u dies un nichſte 6 Tag ejne vornehme Dame mit anſehnlichem Gefolge die große Straße, welche nach Frank⸗ reich füͤhrt, paſſiren und daß ſie gegen Abend ain der Gegend an der Grenze ein⸗ treffen wurde, wo jetzt die Rotte lagerte, und ſogleich entwarf er ſeinen Plan, um die reiche Beute zu erwiſchen. Auf ſeinen Be⸗ fehl mußte diesmal Alles zu der Expedition aufbrechen und auch Abel ſah ſich ge⸗ zwungen, Folge zu leiſten, und that es diesmal nicht ungern, denn wie ein Blitz kam ihm der Gedanke, dieſe Gelegenheit zur Flucht zu benutzen, die er hier um ſo eher auszufuͤhren hoffte, da man ihm— was noch nie geſchehen— zu dieſer Ab⸗ legung ſeines ein an⸗ vertraute. So zog denn die n Enige be⸗ n die Andern zu Fuß, dem erwaͤhlten Sammelplatze zu, wo angelangt, Gasparin ſeine Wachen ausſtellte, und nun mit den —— nebrigen im dichten Geſtraͤuch verborge, der Ankunft der Reiſenden hartte. Bald rollten auch ein Paar hochbepackte Wagen daher. Bewaffnete Bediente und einige Mann Landmilizen begleiteten dieſelben⸗ denn unſicher, wie die Straßen laͤngſt durch die Raͤuber im Gebirge waren, pflegte man damals gern ſolche Bedeckung von Station zu Station mitzunehmen. Jetzt gab Gasparin das Zeichen und hervorſtuͤrzte die Bande; aber nicht ge⸗ ſonnen, den Raͤubern zu weichen, ſetzten ſich die die Wagen Begleitenden zur Wehre, und es entſtand mun ein Kampf, in welchem bald auf beiden Seiten Blut floß. Grimmig uͤber den Widerſtand, der ihm geleiſtet wurde, ſprengte Gasparin endlich⸗ Alles, was ſich ihm in den Weg ſetzte, nie⸗ derſtoßend auf den einen Wagen zu, in welchem mehrere Frauenzimmer ſaßen, deren Eine ein lieblich Kind auf dem Schoße hi h bar wit ein ſul toh pa ri ve et ſi ſul dr 2 175 borgi, hielt. Ein Bodienter vertheidigte die Palb chuͤre; Abel, ſtets an der Seite Gas⸗ un parins, will ihn wegreißen; der Menſch dnig widerſetzt ſich, und während Beide noch mit diſſelben einander ringen, feuert einer der Milizen gibu nach Abel und verwundet ihn am Arw⸗ g nn Jetzt reißt dieſer ſeine Piſtole aus dem Sutin Guͤrtel; der ungluͤckliche Schuß dringt in den Wagen und mit einem lauten Schrei 1n ud ſinkt das vorher erwaͤhnte it gu todt zuſammen. — ſch Alles weicht jetzt zuruͤck unb indem Gas⸗ „0 un parin nun den Schlag des Wagens auf⸗ vlhn reißt und ein anderer der Raͤuber mit einer erborgen gehaltenen Laterne herzutritt, „ihn erkennt Abel in dem blutenden Leichnam ſeine Manette, die noch im Tode ihr gleich⸗ falls verwundetes Kind feſt, mit dem Aus⸗ „ druck muͤtterlicher Liebe, an die entſeelte wumn druͤckt. Sce 176 Ein Schrei, deſſen Sthmerzenston ſelbſt die verwilderten Herzen der Raͤuber traf, entfuhr bei dieſem graͤßlichen Anblick dem ungluͤcklichen Driancburt, der nun, ſehend⸗ wie Gasparin die verruchte Hand nach dem Kinde, nach Manettens, nach ſeinem Kinde ausſtreckte und es zum Wagen herausriß, mit einem andern Schuſſe den Urheber all ſeines Ungluͤcks zu Boden ſtreckte und hierauf, erdruͤckt von dem auf ihn herein⸗ ſtuͤrmenden Schmerz, von dem furchtbaren Gedanken, der Moͤrder ſeines Weibes zu ſeyn, ſelbſt ohnmaͤchtig niederſank. Gasparius Fall und das Nahen meh⸗ rerer Landleute, die durch das Schießen herbeigelockt worden waren, beſtimmten die uͤbrigen Raͤuber, auf ihren Ruͤckzug zu den⸗ ken. Sie eilten mit moͤglichſter Schnelle on ſelbſt be traf, blick em ſchend nach dem n Kinde eruutiß ucheber eckte und nhertin⸗ rchtbaren hts il e uch⸗ Schießen nten di n 177 — in ihre Schlupfwinkel zuruͤck, und die Wagen ſetzten, nachdem man die Verwundeten auf⸗ geladen und auch dem aus ſeiner Erſtarrung wieder zu ſich gekommenen Abel, einen Platz eingeraͤumt hatte, langſam ihren Weg fort. So kam man auf die naͤchſte Station, den erſten Ort auf franzoͤſiſchem Gebiete, und hier war es zuerſt, wo Abel wieder Zei⸗ chen von Beſinnung und Erinnerung an das, was vorgegangen war, gab. Auf dem ganzen Wege hatte er einer Bildſaͤule gleich, das ſtarre Auge auf die Leiche ſeiner Manette, und auf ſein blutendes Kind ge⸗ richtet, dageſeſſen, und keine Bewegung, kein Ton ſeiner Lippen hatte den Jammer verrathen, der ſeine Bruſt erfuͤllte. Als man aber nun hielt, da verlangte er vor den Richter geführt zu werden, damit ihm, als dem Moͤrder ſeiner Lieben, ſein Recht geſchehe. 12 178 ————————— Frau von Livois— denn dieſe wat die Dame, die man angefallen hatte, die ſe wat es welche Manette, nachdem ſie ſelbſt, wie fruͤher gemeldet, Wittwe und ſomit frei in ihren Handlungen geworden war, zu ſich genommen und großmuͤthig verſorgt hatte — bat ihn, ſich zu beruhigen; ſelbſt die Milizen, die geſehen hatten, wie er mit eig⸗ ner Hand den Anführer der Bande nieder⸗ ſtreckte, der ihn durch ein Luͤgengewebe auf einen Augenblick an ſich kettete: ſelbſt dieſe beſchworen ihn, den Schritt nicht zu thun, und erboten ſich, fuͤr ihn zu zeugen; aber umſonſt! feſt blieb der Un⸗ gluckliche bei ſeinem Vorſatz und nichts vermochte ihn abzuwenden, und als nun keiner ihn dahin begleiten wollte wohin er verlangte, als jeder ſich weigerte das ungluckliche Opfer eines traurigen Verhaͤng⸗ niſſes ſeinem Schickſale entgegenzufuͤhren: da nahm Abel den immer krampfhaft ge⸗ djeſt wet ite, dieſe . ſi ſelbſ ſonit frei vat, zu ſich örgt hatte ſilbt de er mit ig⸗ e niedet⸗ gengebt : ſelbt it nict it eihn i b der U⸗ nb nichts n noh erte dis Lerhin⸗ njufihnu ſint 9. 179 —.———— haltenen Leichnam ſeiner Manette und ging, waͤhrend ihm ein Diener mit dem Kinde ſolgte, feſten Schrittes dem Rathhauſe zu, wo er mit den Worten:„Ich bin der Moͤrder dieſer Frau,“ die Leiche hinlegte und nun ruhig ſtehen blieb, ſein Urtheil zu erwarten. Anfaͤnglich glaubten die Richter, Wahn⸗ ſinn ſpreche aus dem Armen; da ſie aber ſahen, daß er ſtill blieb und auf alle Fragen nur ſein Geſtändniß wiederhohlte, auch die von ihm als Zeugen aufgerufenen Milizen und andere Begleiter der Wagen, ſeine Ausſagen beſtätigen mußten: da wurden ſie endlich gezwungen ſeinen Worten zu glauben; und der Ungluͤckliche in ein Ge⸗ faͤngniß abgefuͤhrt; ſeine Sache aber, nebſt en Ausſagen der Andern vund den Ge⸗ ſtaͤndniſſen von ein Paar, bald darauf ein⸗ gefangenen Raͤubern, an das oberſte Tri⸗ 112* 180„ bunal der Provinz geſendet, wo denn bald, da er gefliſſentlich auf alle Vertheidigungs⸗ mittel verzichtete, und alles, was ihn ent⸗ ſchuldigen konnte, zuruckwies, ſein urtheil kam, das ihm das Leben auf die grau⸗ ſame Art zu verlieren zuſprach, mit welcher damals, kraft der peinlichen Geſetzgebung Frankreichs, diejenigen belegt wurden, die Straßenraub veruͤbten. Als das urtheil publicirt und der Tag der Execution gekommen war, da verſam⸗ melte ſich eine zahlloſe Maſſe Volks, um den Ungluͤcklichen zu ſehen, deſſen Geſchick, Jugend und Reue jedes Herz ergriffen hatte; als man nun aber in's Gefaͤngniß kam, um das Opfer menſchlicher Harte und Verkehrtheit zu ſeinem letzten Gange abzuhohlen; da fand man nur noch ſeinen entſeelten Leichnam.— Ob der unglückliche ſelbſt in einem Anfalle von Verzweiflung ſeinem Leben ein Ziel geſetzt, oder ob viel⸗ ki 11 von vol fen ſht on ig zur den Und V in ge V ſů lad balb gunos⸗ ⸗ urtheil grau⸗ velcher gebung , die Tag rſam⸗ un griften ingniß hirte zunge ſeinen dliche iſuns biel⸗ 181 leicht der erbarmende Gott den ſo ſchuldlos in den Abgrund des Ungluͤcks Geſunkenen, von der letzten Qual durch einen ſanfteren Tod befreit hatte, iſt dem Verfaſſer unbe⸗ kannt geblieben; ſo viel hat er aber in Er⸗ fahrung gebracht, und es hat ſeinen Glauben an die beſſeren Gefuͤhle der Menſchen maͤch- tig geſtaͤrkt: daß nur Wenige unter den zur Hinrichtung herbeigeſtroͤmten Tauſen⸗ den waren, die ſich nicht daruͤber freuten und noch lange mit Ruͤhrung des armen Abel Driancourt gedachten, den, unter einem Volke, das ſich laͤngſt zu den auf⸗ geklaͤrteſten der Welt rechnet, Haͤrte und Vorurtheil in ein fruͤhes, entehrtes Grab ſtuͤrzten, waͤhrend ſeine, weit Schuldbe⸗ ladeneren, Bruͤder unter andern Nationen und Geſetzgebungen, zuletzt noch dahin ge⸗ langen konnten, einen Platz unter den Buͤr⸗ gern des Staates zu finden.— 182 Abels und Manettens ungluckliches Kind, dem der Schuß, welcher ſeine Mutter todtete, fuͤr immer das Licht der Augen geraubt hatte, wurde von Frau von Livois verſorgt. 834 liches Nutter Auhn iois In der Verlagsbuchhandluhg ſind noch fök⸗ gende, allen Leſe⸗Inſtituten und Leihbi⸗ bliotheken zu empfehlende Unterhaltungs⸗ ſchriften erſchienen und in allen Buchhand⸗ lungen zu haben: Burgfraͤulein Siſivee, oder das war⸗ nende Kobermaͤnnchen von F. W. Moſerz8. 1 thlr. 2 gr⸗ Ich und mein Nachbar. Stenen aus Paris. Komiſcher Roman nach dem fran⸗ zoͤſiſchen von Friedr. Gleich. 2 Bde. S. Wthlt 8 gr. Fehlgeſchlagen! oder der vereitelte Plan. Luſtſp. in 3 Aufz. von G. L. Eich. 18 gr. Romantiſche Heldengemälde, nach der morgenländiſchen Geſchichte des Mittelalters, von Kurt von der Aue. 8. 1r Band enth. Attila, der große Hunnenkoͤnig. 2r Band, Gengiskhan der Mongole. Unterhaltende Raͤthſelſpiele, volks⸗ thuͤmlich, neue und alte, geheftet, 5 gr. Scenen aus den deutſchen Bauern⸗ kriegen, von F. W. Moſer, 2 Thle. 12mo. 2 thlr. 8 gr. Der erſte Theil auch unter dem Titel: Hanno der Kuͤhne, oder der raͤthſelhafte Kriegsknecht. Der zweite Theil auch unter dem Titel: Spießbach, der Rothbart, Thomas Muͤnzers Todtfeind. Dominhio, oder Geſchichte eines indianiſchen Fuͤrſtenſohns, von F. W. Moſer. 8. 1 thlr. 4 gr. Walter Scott, Redmund und Mathilde, oder der Verrath. Frei nach dem Eng⸗ liſchen und mit Anmerkungen von F. W. Moſer, 2 Thle. gr. 12mo auf weiß Druckpap. 1 thlr. 20 gr. Velinpap. 3 thlr. Deſſelben, der Minſtrel, nach dem Eng⸗ liſchen bearbeitet von C. H. Weiſe. gr. 12 mo auf weiß Druckpapier, 1 thie. 8 gr. Ve⸗ linpapier 2 thlr. . Der Caſtellan. Geſchichte aus dem Mit⸗ telalter, von F. W. Moſer, 2 Bde. 8. 2 thlr. 8 gr⸗ Das Vehmgericht, oder die unterirdiſchen Racheſchwerdter, von F. W. Moſer. 12mo. 1 thlr. 4 gr. Hirſul, die Hexe der Bielshohle, von F. W. Moſer. 12mo. 1 thlr. Det eluge Peter, oder ſeltſame Schick⸗ ſale eines pilgernden Hannoveraners, von Jacob Kyau. 2 Thle. 12mo. 2 chlr. Novellen, Maͤhrchen und Erzahlungen von Friedrich Gleich. 2 Baͤndchen. Svo. 2 thlr. 4 gr. Fidelitäts⸗Collegium. Oder neuer Ta⸗ lismann fuͤr luſtige Bruͤder. Von Carl Schwan. 8oo in Unſchlag geheftet. 1 chlr. Der Erzaͤhler in den Herbſt- und Winter⸗ abenden, von F. W. Moſer. 2 Thle. 8. 2thlr. 8 gr⸗ Rittlers Reiſe durchs Leben, oder die Kunſt⸗ v8 in bona pace zu leben. S. in geſchmack⸗ vollem Umſchlag gehefket. 1 thlr. 4 gr. 3 Tobias Nimmerſatt, oder komiſche Le⸗ 1 ½ bensgeſchichte eines Gethalſes. gr. 12 mo. 1 14 gr⸗ —,—————— SGrey Sortroi Chart Green vllow Red