Leihbiblivthet deutſcher, engliſcher und franzſiſcher Literatur Cdnard Ottmann in Gießen, Schloßgaſſe Lit. A. Nr. 256. cLeih und geſebedingungen. 1. Offensein der Bibliothek. Die S ſteht zur Em⸗ pfangnahme und ſb der Bücher jeden Tag von Morgens 7 Uhr bis Abends 8 Uhr offen. 2. Lesepreis. Bei Nückgabe eines geliehenen Buches wird von jedem Tag 5 Pf bezahlt. Die Zeit eines Tages iſt zu 24 Stun⸗ den angenommen. 3. Caution. Unbekannte Perſonen müſſen, bei Entgegennahme eines Buches, eine dem Werthe deſſelben entſprchende Summe hinterkegen, welche bei deſſen Zurückgabe von mir zurückerſtattet wird. S———— 4. Abounement. Daſſelbe muß voraus bezahlt werden und eträgt: für nochenilſch 2 Bücher: 4 Bücher: 6 Bücher: —————— auf 1 Monat: 1 Mk.— Pf. 1 M 5 Pf 2 Pf. „„ 3 8„ S„„—„ 35 Auswärtige Abonnenten haben für Hin⸗ und Zurückſendung der Bücher auf ihre eigenen Koſten und Gefahr ſelbſt zu ſorgen. 6. Schadenersatz. 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De Korſarenkapitaine Gordon ſitzt auf einemFelſen der Inſel Likante,*) und ſchaut in die Ferne des tobenden Meers, deſſen Fluthen ſich an dem klippichten ufer brechen. Er ſieht ſtarr vor ſich 8) Dieſe Inſel liegt von der Kuͤſte von Chili einige hundert Seemei⸗ len entfernt. Sie iſt ſüdöſtlicher als die Oſterinſel(Jle de Paques) und wurde von Hollaͤndern entdeckt, die ſich nicht die Muͤhe nahmen, ſie naͤher zu unterſuchen. Da ſie den Peru,⸗ und Chilifahreren nicht im Wege liegt, hat ſich daher bis jetzt Riemand um ßie bekuͤmmert. hin, und blickt dann ſchmerzhaft gegen den Himmel. Zuweilen ballen ſich ſei⸗ ne Faͤuſte kramphaft, oft faltet er weh⸗ muthsvoll die Hände, und ſchwere Seuf⸗ zer entſteigen ſeiner Bruſt. Endlich lo⸗ ſen ſich ſeine Gefuͤhle in Worte auf. „O du! dem alle Buſen wallen, alle Herzen glühn. Allmaͤchtiger, Güti- ger Vater der Sterblichen! wohin hak niich der Weg deiner weiſen xorſchuns gefuͤhrt?— Wo bin ich?— Weit ent⸗ fernt von meinem Vaterlande„auf ei⸗ ner Inſel, welche ungeheuere Meere von Europas Kuͤſten trennen? Was umgiebt mich?— Eine unabſehbare See, Kinder der Natur, und Menſchen, die freywillig mein Schickſal theilen. Wer bin ich?— Ein Korſarenkapitaine 1— ——— —— — 7 Guͤtiger Himmel vergieb der That des Zweckes wegen. Liebe und Rache thei⸗ len mein Herz, und treiben mich in die weite Welt hinaus. O laß mich Gerech⸗ ter das Kleinod finden, das ein Bube mir entrieß, laß die einzig geliebte mir beſitzen, und die reinſte Tugend ſoll je⸗ den Pfad meines Lebens bezeichnen!— Ach! ich bin ſo ungluͤcklich, keine Freu⸗ de kennt mein Herz, ſeit ich ihn Ihr der holden, lieblichen Laura alles und alles verlohr!— So monologiſirte der unglückliche Gordon, deſſen Herz mancherley Lei⸗ denſchaften beſtürmten.— Liebe und Schwaͤrmerey vereinigt entflammten ihn 6 zu ungewöhnlichen Thaten, und gaben ſeinen Handlungen den Anſchein des Rechts. Er verließ den Felſen mit Wehmuth im Herzen, und begab ſich zu ſeinen Leuten, die am Strande des Meeres in voller Arbeit waren, ihre Schiffe auszubeſſern. Er ging in ſein Zelt, nahm die Kart⸗“ von Ameri⸗ ka vor ſich, und ſeine Blicke weilten lange auf der Kuͤſte von Peru und Chili. „Dort, ſagte er mit einem ſchwe⸗ ren Seufzer, dort hält ſie ein Barbar gefangen. D meine Laura, wie wer⸗ de ich dich retten?“ de Eine ſtlle Wehmuth nahm ſein Herz in Beſitz, er verſank in ſüͤſſe Träu⸗ mereyen. Die lieblichen Bilder der Vergangenheit gaukelten vor ihn her, und die Hoffnung zauberte ihn ihre Wie⸗ derkehr mit den friſcheſten Farben vor. Der Eintritt ſeines Steuermanns Robert, ſtörte ihn in ſeinen Phantaſien. Robert. Kapitaine! warum ſo traurig. Biſt du krank?— Gordon. Ach guter Robert, ich bin krank, ſehr krank. Meine See⸗ le umduͤſtern traurige Gedanken, Tha⸗ ten halten meinen Wuͤnſchen nicht glei⸗ ——— ke iſt es, der mich ſtärkt. 10 will, und das betruͤbt mich. Robert. Ja, wer da immer koͤnnte, was er wollte? Ob es wohl gut waͤre? Ich denke nein. Wie oft han⸗ delt der Menſch zu raſch, wie oft be⸗ reut er ſeine Handlungen, wie freut er ſch, wenn ſein Wille nicht zur That reifte.(innig) Es iſt eine Vorſehung, und die lenkt alles zu unſern Beſten. Gordon. Wahr! dieſer Gedan Robert. Nun, und warum ſo traurig? Du der Beherrſcher des Mee⸗ res. Sieger bei den Antillen, Sieger —— 4 —= in der Havanna, verlierſt du jetzt den Muth, wo du naher um Ziele biſt. Gordon. Am Ziele! Welcher Menſch'kann ſagen, ich bin am Zie⸗ le? Schon reift dir die Palme der Vollbringung, ſchon ſtreckſt du die Hand aus, den Preis deiner Kampfe zu em⸗ pfangen, und ein Zufall entreiſt ihn dir, 5 und deine ſchönſten Hoffnungen. Robert. Laß dieſe Grillenfan⸗ getey. Du haſt Menſchen um dich, die ihr Blut und Leben für dich wagen.— Sieh⸗ wenn du das Herz aus dem Lei⸗ be forderteſt, und ich ware überzeugt, es könnte dir helfen, bei Gott! ich aebe es di.— „ „ 12 3 ⸗ Gordon. Guter, ehrlicher Robert. Robert. Mein Zweck iſt der dei⸗ nige. Mein Ziel das deinige. Für dich lebe ich, fur dich ſterbe ich. Du warſt mein Wohlthäter; deine Hand hat mir oft das Leben erhalten, es iſt daher dein.— Gebiete, und ich gehorche. Gordon.(ihn umarmend) Hert⸗ licher Junge!— Doch laß uns davon abbrechen.— Was machen meine Lute Robert. Sie ſind luſtig und gu⸗ ten Muths. Die Schiffe ſind bald aus⸗ gebeſſert, und wenn ſichig acht Tagen — ——— 13 ein Weſtwind einſtellt, ſo ſeegeln wir ab. Gordon. In das Grab.— Robert. Kapitaine, du biſt heute böſer Laune.— Soll ich dir Jlve her⸗ ſchicen? Das gute Mädchen liebt dich ſo herzlich. Sie iſt ſo froh, wenn ſie bei dir iſt. Laß ſie kommen⸗ ihr Ge⸗ ſchwätz wird dich erheitern. Gordon. Bre Liebe wird ihr Ruhe und Freude rauben. Ich kann ihr nur ein getheiltes Herz anbieten, nur Ritleid⸗ und ſie will Liebe. 8 1 Robert. Pfluͤcke die Roſen der Gegenwart, ſo werden dich die Dor⸗ nen der Zukunft nicht ſtechen. Die ſanfte, ſtille Jloe, war die Tochter eines Wilden, deren Stamm die Inſel bewohnte. Als Gordon vor drey Monden auf dieſer Inſel landete, empfingen ihn die Landeseingebohrnen, deren Zahl ſich auf einige Hunderte be⸗ lief, mit Herzlichkeit, und guten Wil⸗ len. Sie verſorgten die Siffsmanh⸗ ſchaft mit allen Raturprodukten, wel⸗ che die Inſel hervorbrachte„und gab man ihnen eine Kleinigkeit, einen Na⸗ gel, ein Beil und dergleichen, ſo hiel⸗ ten ſie ſich hinlänglich belohnt. —— ——— ſul * ————————— Die Inſulaner auf Likante waren ein gutmuthiges Voͤlkchen, braun von Farbe, aber übrigens gut gebaut. Sie 4 . kleideten ſich in Schilf, den ſie recht 4 artig zuzubereiten wußten, und Putz war wie bei allen Wilden, ihr höchſter * Wanſch, ihre liebſte Beſchäftigung. Sie lebten in patriarchaliſcher Eintrat zuſammen, und nur das Alter hatte einen Vorrang. Ihre Religionsbegriffe waren natürlich ſehr beſchränkt. Sie liebten ein gutes Weſen, und fuͤrchteten eein böſes, ohne jedoch ihre Begriffe zu — 1 verſinnlichen, Iloe war eine der reitzendeſten In⸗ 1 ſulanerinnen, ein Maͤdchen von ſechzehn Jahren, ſchlanken Wuchs, feurigen Pe S. 16 ſchwarzen Augen, brennenden Corral⸗ lenlippen, und Zähnen wie Elfenbein ſchoͤn. Gleich den erſten Tag, als ſie mit Gordon einen kleinen Tauſchhandel vorhatte, wallte ihr junges Herz den liebenswuͤrdigen Fremdling entgegen. Sie beſuchte ihn alle Tage, unterhielt ſich mit ihn, ſuchte ſeine Sprache zu faſſen, und lauſchte auf jeden ſeiner Winke, um den Wunſch des ſchoͤnen Kapitaines zu erfullen. Die Liebe ſchaͤrf⸗ te Iloens Begriffe, es dauerte nicht lange, ſo verſtund ſie ſo ziemlich, die Sprache ihres Geliebten. Als ſie F auf engliſch „Wie heißt bas“ begriff, kam ſie eines Morgens in Gordons Zelt. Sie — 17— ſetzt ſich zu ihn, legt erſt ihre Hand auf ihr Herz, dann auf das ſeinige, ſie wiegte ihr Köpfchen auf ſeiner Bruſt. und blickte mit liebevollen Blicken zu ihn hinauf.„Wie heißt das? fragte ſie. Gordon ward von der Lie⸗ be des Maͤdchens geruͤhrt, er kuͤßte fie, und antwortete„ich liebe dich.“ — Iloe verſtand ihn, ſie drückte ſei⸗ ne Hand an ihren Mund, und wieder⸗ holte die Worte„ich liebe dich“ mit dem zärtlichſten Akzente der Liebe. Was wollte Gordon thun? Soll⸗ te er das Mädchen betruͤben, und ihre 8 Liebe nicht erwiedern? Freilich hing ſein Herz ſchon an der innig geliebten B 18 Laura, aber Iloe, die gute, unſchul⸗ dige Ilve forderte nur Ergebenheit, nur Duldung, ſie liebte Gordon mit ganzer Seele, und dieſer konnte ſich uicht erwähren, das Mädchen wenig⸗ ſtens aus Mitleid zu lieben. Iloens Liebe blieb ſich immer gleich. Gordon mochte ihr alles gewaähren, oder alles verſagen. Dieß iſt die wah⸗ re Liebe, die kein Intereſſe hat, als zu lieben. Manche Stunden brachte Gordon in Iloens Geſellſchaft zu. Sie vertan⸗ delte ſeinen Mißmuth, und verſcheuchte zu Zeiten den Kummer, der ſein Herz* druͤckte. Er ſaß oft mit ihr in dem ——— † Kreiß ihrer Verwandten, erzählte Iloen die Gebraͤuche und Sitten ſeines Va⸗ 3 terlands, welche dieſe wieder ihren Ver⸗ wandten erklaͤrte. Gordon zeigte den„. . guten Wilden den Gebrauch europäiſchey Geräthe, und ihr Staunen, ihre Ver⸗ wunderung uͤber dieß und jenes, prgotz⸗ te den Erzaͤhler auf mancherleꝝ/Arten.. Oft durchirrte Gordon die Inſel, 4 welche in ihrem ganzen Umfange einige Meilen häben mochte, und Iloe ward ſtets ſeine Begleiterinn. Sie lernte ihn gegenſeitig die Pflanzen, und Ra⸗ turprodukte ihrer Inſel kennen, ſie er⸗ zähtte ihn die Gebräuche ihres Volkes; und gemeiniglich endigte ſie ihre Er⸗ B2 20 zaͤhlung mit den Wunſche, Gordon moͤchte immer auf ihrer Inſel bleiben. Aber die flammendeſie Liebe trieb den Kapitaine an die Küſten von Chili und Peru. Dort hielt man ſein Lieb⸗ chen gefangen, dort hin mußte er, ſo gebot ſeine Liebe, ſein gluhendes Herz! Die Schiffe waren bereits ausge⸗ beſſert, der Prowiant eingenommen. Gordon befahl die Anker zu lichten; er und ſeine Leute nahmen Abſchied „on den wirthbaren Inſulanern, und -—— — 2—— man machte ſich bereit in die See zu — Iloe weinte die bitterſten Thraͤnen des Abſchieds an Gordons Halſe, und beruhigte ſich nicht eher, bis er ihr verſprach, wiederzukommen. Ein friſcher Weſtwind ſchwoll die 4 Seegel. Die Schiffe ſtießen unter lau⸗ tem Jauchzen der Matroſen vom ufer ab, und grwannen bald die offene See. 3 6 Die guten Inſulaner hatten ſie eine Strecke weit in ihren Kanots begleitet, 6 und kehrten traurig auf ihre Inſel wie⸗ 6 der zuruͤck. 63 Iloe ſtand auf einen Felſen am ufer des Meeres. Ihre glühenden — e* — —— 22— Blicke ſtarrten in die weite See hinaus, die ihren Geliebten auf ihren Ruͤcken trug, ihr Herz fuͤllten Wehmuth und Schmerz, es klopfte bange und ſchwer, und wiegte ſich in der Errinnerung ver⸗ floſſener, liebevoller Tage.„Er ver⸗ läßt mich, ſeufzte ſie, und all mein Glück entflieht mit ihn! Guter, gro⸗ ßer Geiſt ſchütze ihn vor Gefahr, und t laß ihn in meine Arme zuruckkehren,. die ſo liebevoll bereit ſind, den ſchönen Mann zu umpfangen.“ Dieß innige Gebeth richtete Iloe an den guten, großen Geiſt, worun⸗ ter ſie ſich dem Schöpfer der Welten dachte, und kehrte dann traurig in ih⸗ P ——— 27 Verdeck des feindlichen Schiffs kam es zu einem hitzigen Gefechte, wobei man von beiden Seiten Wunder der Tapfer⸗ keit that. 4 Don Antonio de los Quitos ſchrie den Spaniern Muth zu. Er focht wie ein Raſender, und war überall, wo die Gefahr am groͤßten, der Haufen der Sterauber am dichteſten war, zugegen. Gordon ſuchte ihn im Kampfe zu be⸗ gegnen. Lange rannte er vergebens hin und her. Endlich fuͤhrte ſie der Zufall zuſammen. Gordon drang auf Don Antoniv ein,„Moͤrder meines Glucks, ſchaͤnd⸗ licher Tinie finde ich dich endlich“ —— —— rief er, und ſein Säbel ſpaltete den Kopf ſeines Gegners Don Antonie ſiel, mit ihn der Muth der Spauier. Sie ſchrien um Pardon, welcher ihnen auch gewaͤhrt wurde, ſo ſehr als Gor⸗ don gegen dieſe Nation auf das empfind⸗ lichſte erbittert war. Es war des Bluts geuug gefloſſen, und die Menſch⸗ lichkeit gebot den Seeraäuberhauptmann edler, als mancher ſeines Gelichters zu handeln. Die beſiegten Spanier harrten angſt⸗ voſl ihres Schickſals. Gordon ſtand in ihrer Mitte, und warf die glühenden Blicke um ſich her.„Werft die Todten in das Meer, ſagte er mit ernſter Stim⸗ 5 dir.“ — „ me, pflegte der Verwundeten, und zeigt mir eure Schiffsſadung an.“ Man gehorchte. Zwey Drittheile des Goldes und der noͤthigen Lebens⸗ mitteln ließ Gordon auf ſein Schiff bringen.„Das wihrige, ſagte er zu dem ſpaniſchen Kapitaine, behaltet ſammt euern Schiffe. Kehrt nach eurem Va⸗ terlande zurück, wer aber von euch Luſt hq bei mir zu bleiben, der melde ſich.“ Lopetz, ein Bedienter des getoͤdten Don Antonio drängte ſich an Gordon „Ich bin dein, rief er, und bleibe bei „Gnt, verſetzte Gordon, ihr Uibri⸗ gen fahrt hin nach Europa. Moöge euch ein guͤnſtiger Wind bald dahin bringen.— Die Spanier erſtaunten uͤber Gor⸗ dons Großmuth, dankten ihn mit ge⸗ ruͤhrten Herzen, und die Schiffe trenn⸗ ten ſich. „Lopetz, ſagte Gordon, als ſeine Flottille ruhig den Küſten Perus zu⸗ ſeegelte, du warſt der einzige, der frei⸗ willig in meine Dienſte trat. Ich will dich reichlich belohnen, wenn du gegen mich aufrichtig ſeyn wirſt.“ Ach Herr! wie könnt ihr an mei⸗ ner Redlichkeit zweifeln, da ich frei⸗ 31 willig in eure Dienſte trat. Bei Gott! ich werde euch ſtets treu und ehrlich er⸗ geben fkyn. Sprecht, in was kann ich euch dienen? „Du warſt in Antonios Dienſten. Sprich, haſt du ihn nie von einer ge⸗ wiſſen Lanra reden hoͤren?“ D ja, ſehr oft. Ich kenne ſelbſt das liebliche Mädchen. „Du kennſt Sie. Gerechter Him⸗ mel, wo hat ſie der Barbar hinge⸗ bracht?“ Sie ſchmachtet in dem Schloße Rovala, bei Don Pedro, einen Vetter Don Antonios. 32 „In welchem Winkel der Sie liegt dieſes Schloß?“ . ⸗ 1 Vier Meilen landwaͤrts von den kleinen Hafen Arica in Peru.— Das gute Kind, ſie verlebte Tage des Jam⸗ mers und des bitterſten Kummers. Don Antonio plagte ſie täglich, und faſt ſtuͤnd⸗ lich mit ſeiner Liebe, ſie widerſtand ihn, und litt eher alles moͤgliche Ungemach, als daß ſie ſeinen Willen erfuͤllt hatte. Müde ſeiner Anwerbungen uͤbergab ſie Don Antonio feinen Vetter, der zwar ein menſchliches Herz hat, ſie aber nichts deſtoweniger hart genug behandelt. Mein ehemaliger Herr, war Willens nach Europa zurückzukehren, dort alles zu berichtigen, dann nach Peri wiederzu⸗ —— — — — 33— kommen, und die ſchöne Laura mit Gewalt zur Ergebung in ſeinen Willen zu zwingen. Ich bin übrigens erſt in Braſilien in ſeine Dienſte getreten, und habe nie etwas von Lauras fruheren Schickſalen erfahren. „Maͤchtiges Geſchick, rief Gordon, ich danke dir,daß du durch mich die Er⸗ de von einem Boͤſewicht geſäubert haſt, der Tugend und Gerechtigkeit mit lau⸗ ten Hohn unter die Fuͤſſe trat. Wiſſe Lopetz, mir hat Don Antoniv die lieb⸗ liche Laura entriſſen, ich bin ihr Ge⸗ liebter, um mich leidet ſie, um ihrent⸗ willen durchirre ich die Welt, und ſuche ſie uͤberall 5 C —— 34——— Ihr lieber Herr? Nun da wundert mich nicht der Muth, die Tapferkeit, welche euch überall begleiten. Wohl iſt die Liebe ein machtiger Sporn zu großen, herviſchen Thaten, oft mehr als jede andere Grundurſache, und nicht ſelten der Taliſman, der unſer Geſchick leidentlicher macht. „Ach ja, nur Hoffnung und Liebe verſüͤſſen uuſte Lebensbahn, und ebnen den rauhen Weg zur Zukunft. Lopetz, ich hab dich lieb gewonnen, ich zwei⸗ fle nicht, daß du meinen Kummer fuhlſt. Es wird einem ſo wohl, wenn man ſich mittheilen kann. Komm, laß uns in die Kajüte zu dem öſtlichen Fenſter ſetzen, ich og meine Geſchichte * „ —— — 35 . erzählen, und dich feſter an mein Schick⸗ ſal knuͤpfen. Herr, euer Vertrauen ſollt ihr nicht einen Unwürdigen geſchenkt haben. Ich liebe euch vom ganzen Herzen. Kann ich euch rathen, oder gar helfen, ſo befehlt, mein Leben ſteht euch zu Ge⸗ bote.. 1„Guter Menſch, deine Herzlich⸗ keit macht mir ungemein viel Freude. Setze dich, und nun hoͤre meine Ge⸗ ſchichte.“ —.———— „Ich bin in London gebohren, und der Sohn eines ſehr reichen Kauf⸗ munns. Schon von Jügend auf, er⸗ — — ————— ——— 36 hielt ich eine zweckmäſſige Erziehung, und bildete mich zu allen Guten. Mein Vater liebte mich ungemein, und ſeine Guͤte gegen mich kannte keine Grenzen. Ich mißbrauchte die väterliche Zärtlich⸗ keit nicht im geringſten, lebte ſtets ta⸗ delloſe, und genoß der heiterſten Ruhe, die nur ein gutes Gewiſſen, und er⸗ fullte Pflichten geben können. „Da mein Vater einen ausgebrei⸗ teten Handel nach Hſtindien, und in der Oſtſee beſaß, ſo machte ich, wenn es die Geſchaͤfte erforderten, mehrere Reiſen, deren Bemuͤhung jederzeit das ſelteneſte Gluͤck kroͤnte. 37 „Ich lernte unter fremden Men⸗ ſchen, die Kunſt aus jeden Geſchäfte Rutzen zu ziehen, und ſammelte mir Erfahrung, wie die Biene Honig aus Blumen. Mein Herz erſchlapte nicht in dem brennenden Klima des Suͤdens, und erſtarrte nicht in der kalte Zone des Nordens. „Wohl hatte ich Umgang mit dem ſchönen Geſchlecht, aber keine der Mäd⸗ chen, die ich je ſah, machte einen Ein⸗ druck auf mein Herz. Die Wolluſt hat⸗ te keinen Reitz fuͤr mich, und die gluͤck⸗ lichen Stunden der wahren Liebe hat⸗ ten mir noch nicht geſchlagen. Mein Herz, meine Phantuſien verlohren ſich in Jdealen, zu deren Realiſirung ſich 38 mir kein Gegenſtand darbot. So blieb meine Unſchuld bewahrt, und die voll⸗ ſte Kraft, die blühendeſte Geſundheit zierte meinen Korper, und erhielt die Seele in ihrer klaͤrſten Reinheit. „Ich erreichte das vier und zwan— zigſte Jahr, als mein guter Vater ſtarb. Ich ward Erbe eines unermäß⸗ lichen Vermoͤgens, daß mir jedoch kei⸗ neswegs erſetzen konnte, was ich an meinen guten Vater verlohr. Geſchaͤf⸗ te zwangen mich, eine Reiſe nach Ca⸗ dir zu unternehmen, um dort mit den Coreſpondenten meines Vaters alles ſelbſt in Hrdnung zu ſetzen. Es ſollte meine letzte Geſchäftsreiſt ſeyn. Dann wollte ich mir ein ſchoͤnes Landgut kau⸗ —.——— — 39 fen, ein tiebliches Weib erkieſen, und ſo den Sommer Abend meines Lebens im reinſten Genuße der Natur, und ei⸗ nes gluͤcklichen, haͤußlichen Wirkens ver⸗ leben. „Aber das Schickſal hatte es an⸗ ders beſchloſſen. Ich hatte den Hafen der Ruhe vor Augen, und es warf mich unter die ſturmiſchen Wogen des Le⸗ bens. „Voll der ſchonſten Hoffnung kam ich nach Cadix. Meine Freunde empfin⸗ gen mich mit der liebreichſten Zuvor⸗ kommung, und wandten alles an, mir neinn Aufenthalt in Spanien ange⸗ nehm zu machen. . 40 „Einſt, o ich vergeſſe des Tages nie, ging ich allein in die Kirche des heiligen Antons; da meine Ration kei⸗ ne Kirche ihrer Religion in Cadir be⸗ ſaß, und ich dennoch gerne meine Ge⸗ bete in einem den Allerheiligſten geweih⸗ ten Tempel verrichtet hätte. Ich trete in das majeſtätiſche Gebäude, das ganz dazu geeignet war, die tiefſte Ehrfurcht einzuflößen, ich knie nieder, und ver⸗ finke in Andacht und Betrachtungen, da rauſchte es bei mir vorbei. Ich blicke auf. Es iſt ein im Schleyer ge⸗ huͤlltes Frauenzimmer, die fich ohnweit mir in einem Bechſuhl niederläſt. Ih⸗ re Geſtalt macht in mir einen unbe⸗ ſchreiblich ſüſſen Eindruck. Meine Bli⸗ + 41 cke hangen unwillkuhrlich an ihr, und mein Herz klopft ungeſtümm und ſtark. Jetzt ſchlägt ſie den Schleyer zuruͤck, und ich glaube in einen Himmel zu ſe⸗ hen. Ein Paar der ſchoͤnſten, lieblich⸗ ſten Augen blickten auf den Hochaltar hin, und verweilten da in der reinſten Anbetung. Ihre Haͤnde falteten ſich ehrfurchtsvoll zuſammen, und der gan⸗ ze Koͤrper nahm eiue Stellung an, die von der innern Andacht zeigte. Sanf⸗ te Wehmuth thronte auf ihren Anlitz, und bange Seufzer entſchlupften ihrer Bruſt. „Je laͤnger ich ſie anſah, je mehr fuhlte ich mich zu ihr hingezogen. Noch nie war mir ein ſo ſchönes Maͤdchen zu Geſicht gekommen; meine Gefuͤhle lößten ſich bei ihren Anblick auf, und ich betrachte ſie mit geheimen Entzuͤcken. „Als die Andacht geendigt war, verließ die ſchoͤne Unbekannte die Kir⸗ che, ich ſchliech wie ein Träumender ihr nach, und merkte mir das Haus, wel⸗ ches ſie betrat. „So wie ich nach Hauſe kam, erkundigte ich mich bei meinem Wirthe nach ihr, und erfuhr, daß ſie eine edle Spanierinn ſey, und mit ihrer Mutter ſeit drey Jahren Cadix bewohne. „Mein Trachten und Dichten ging nun dahin, mit der Auserwahlten mei⸗ — 43— nes Herzens bekannt zu werden. Ich ſann hin und her, aber es zeigte ſich mir keine Gelegenheit, die meinem Wun⸗ ſche eine hilfreiche Hand geboten haͤtte. „So wie es Abend wurde, ſchliech ich mich um Lauras Wohnung herum, ich blickte ſehnſuchtsvoll nach dem Fen⸗ ſier hinauf, und meine heißeſten Seuf⸗ zer flogen der Wohnung meiner Gelieb⸗ ten zu. Sah ich ſie zuweilen aus dem Fenſter ſchauen, ſo labte ich mich von Ferne an ihren lieblichen Geſicht, auf welchen ſich zu Zeiten die Strahlen des Mondes verklaͤrten. Machte ſie nur ei⸗ ne Bewegung, ſo folgten dieſer meine Augen, mein Herz. Ich konnte ſiun⸗ denlang an meinen Poſten bleiben, und 44 glaubte mich glücklich, wenn ich ſie nur auf Augenblicke ſah. „Eines Abends ging ich wie ge⸗ wöhnlich an meinen Poſten. In Lau⸗ ras Hauſe waren die Fenſter erleuchtet; ſo viel ich bemerken konnte, befand ſich eine große Geſellſchaft daſelbſt. Ich ſchliech mich an den Hauſe vorbei, und kam an die Gartenthuͤre. Sie war offen, ich ging hinein. Ein langer, dichter Bogengang fuͤhrte mich zu einem Rundel von Baäumen, das ſparſam mit Lampen erleuchtet war. Ich ſetzte mich auf eine Bank, und dachte an meine einzig Geliebte, an die Moglichkeit, ſie hier zu treffen. Ein leiſes Rauſchen ſtörte mich in meinen ſuͤſſen Träumen; * 35. ich blickte auf. Eine weibliche Geſtalt näherte ſich dem Rundel. Ich zog mich in den Bogengang zuruͤck. Gott, wie klopfte mir das Herz, als ich in der Fremden die liebliche Laura erkannte. Nur mit Muͤhe konnte ich mich uber⸗ winden, nicht zu ihren Fuͤſſen zu ſtuͤrzen. „ Das holde Mädchen ſetzte ſich auf eine Raſenbank, ſie ſeufzte, und nahm eine Theorbe unter den Mantel hervor, die ſie ſorgfaͤltis ſtimmte. Rach einem ſanften, rührenden Vor⸗ ſpiel ſang ſie mit ſchmelzender Stimme: Ich klage den bitterſten Kummer Dir dufiere, ſchaurige Nacht⸗ 1 46 Nich labt nicht der tröſtende Schlum⸗ mer, Nicht Amors beglückende Macht. e Ach jeglicher Morgen erneuert Im Buſen den glühenden Schmerz, Mit Thränen im Auge nur feyert Den Abend, mein ängſtliches Herz. *„ 4 Mit Wehmuth und Trauer umfuaſſen Die Tage der Jugend mein Glück, Ich bebe, und fühl' mich erblaſſen, Nich ſchrecket der Zukunft Geſchick. ** 6 * 65 Ich ſoll nicht in Armen der Liebe Des ſchoͤneren Lebens mich freu'n, 2—— 47— Richt weihend dem heiligſten Triebe Die Blumen der Gegenwart ſtreu'a? „* „ Rur Einem, nur Einem, den gluͤhet Mein Herzchen, und innig die. Rur Einem, nur Einem erblühet Der Wuͤnſche Gebilde mit Luſt. .„ „ Wie? ſoll ich mit Schrecken nun wan⸗ deln Des Kummers empyriſchen Pfad, Dem Herzen entgegen ſtets handeln, und jammern ach frühe und ſpat. „„ 3„ So rettet vor meinen Geſchicke Mich Rieiand„ſo ſoll ich vergehn, Verzweifeln an Liebender Gluͤcke, Vergeblich mir Rettung erflehn? „* .„ 4⁸ „Mit bangen Herzklopfen hatte ich dem Liede zugehort, das meine hol⸗ de Laura geſungen hatte; ihre ruͤhren⸗ den Klagen fullten mit Wehmuth mein Herz. Ich vernahm, daß ſie ungluͤck⸗ lich ſey, und mein Herz blutete bei ih⸗ ren Leiden. Ich ſann nach, wer wohl der Gluͤckliche ſey, deſſen ſie in ihren Liede erwaͤhnte, und ein leiſer Wunſch, daß ich es ſeyn moͤchte, keimte in mei⸗ ner Seele auf. Als Laura nach einem verhallen⸗ den Rachſpiel die Theorbe aus der Hand legte, ſtuͤrzte ein Mann aus dem naͤch⸗ ſten Bosket hervor. 1 „Das Fraͤulein winſeln und jam⸗ mern ſchon wieder. Die Empfindſam⸗ — . — ℳ 49 keit kleidet ſie nicht übel, und leiht ih⸗ ren Reitzen etwas anziehendes, das ſie nur noch intreſſanter macht. Darf man wohl wiſſen, wer mein begluͤckter Re⸗ benbuhler iſt. Es giebt der Dolche ge⸗ nug, um ſeiner los zu werden.“ So ſagte er laͤchlend.— Barbar! rief Laura, ſo grauſam. können ſie noch ſpotten, ſie, dem ich mich, ein ungluͤckliches Opfer der Kon⸗ vention, ohne Thränen weihen ſoll. „Nicht doch ſchöne Laura. In Armen der Liebe ruht ſich's ſo wohl, und wahrhaftig in den meinigen ſoll ihnen nichts abgehen. Laura gab ihn keine Antwort. D % „Nun, fing der Fremde wieder an, werden ſie ewig hier bleiben? Kom⸗ men ſie, wir gehen zur Geſellſchaft. Nein, ich bleibe hier allein, mit meinen Kummer. „Sie ſollen aber nicht hier bleiben. Man wird ſie vermieſſen. Ich bleibe. „Kleine Widerſpaͤnſtigkeit ſchoͤnes Mädchen, ich werde das nicht leiden. Elender! noch bin ich ihre Gattinn nicht, noch haben ſie kein Recht, ſich An⸗ maſſungen uͤber mich zu erlauben. 51. „Mein Troſt, daß dieſe Sprache nicht lange wehren wird. Es wird ſich geben. O Gott! wie wird es mir ergehn! „Keine Tyraden Fraͤulein. Fol⸗ gen ſie mir, oder— Oder! mein Herr?— „Zwingen ſie mich nicht, ihren Kleingeiſt offentlich Hohn zu ſprechen. Der Fremde nahm Lauren gewalt ſam bei der Hand, und wollte ſie mit ſich ſchleppen. „Ich ſprang aufgebracht uͤber die Riedertraͤchtigkeit des Fremden, züs ————— 52 meinen Hinterhalt, und rieß Lauren aus ſeinen Händen. Der Fremde ſah mich mit großen Augen an, er zog ſei⸗ nen Degen, und ging auf mich zu. Laura ſank in Ohnmacht. Ich erſchrack, und war bemüht ſie ins Leben zuruck⸗ zuruffen. Der Fremde ſtand drohend vor mir, und gebot mir, ſich zu ent⸗ fernen. Ich ward hitzig, nahm einen abgebrochenen Baumaſt, und ſchlug meinem Gegner den Degen aus der Hand. Er entfernte ſich fluchend, und ſchwor mir fuͤrchterliche Rache. „Die ſchöne Laura ſchlug endlich die Augen auf. Ich kniete vor ihr nie⸗ der, und küßte ihre Hand. Sie ſah mich an, und eine hohe Roͤthe färbte werden ſollen?— 53 ihre Wangen.,, Was haben ſie gethan, ſagte ſie, das war mein künftiger Ge⸗ mahl.“ „Vergebung, rief ich, es war mir nicht moͤglich, das Benehmen ihres be⸗ ſtimmten Gemahls, laͤnger geduldig an⸗ zuhören. Ach Gott, welche Angſt er⸗ greift mich bei den Gedanken an ihren künftigen Gemahl. Iſt es möglich, daß ſo viele Reitze einen Barbaren zu Theil — „In dieſen Tone ſprach ich eine Weile fort. Ich erzählte ihr, daß ich ſie ſchon oft geſehen, und entdeckte ihr endlich, welchen Eindruck ſie auf mich gemacht hatte. Nun ergoß ich mich in der ruͤhrendſten Sprache uͤber meine Lie⸗ be, und entdeckte ihr, mit den feurig⸗ ſten Ausdruͤcken die Gefuhle meines Herzens. Sie hoͤrte mich an, ſie ſeufzte, ich las mit unausſprechlichen Entzuͤcken ihre Gegenliebe in ihren lieblichen Au⸗ gen, in den verklaͤrten Lächeln, das auf ihren roſigten Lippen ſchwebte. „So wie ſie mir ihre Liebe geſtand, faßte ich ſie in meine Arme, drückte ſie an mein liebeklopfendes Herz, und preßte den erſten, ſuͤſſeſten Kuß auf ih⸗ ren Mund, ſo innig, als wollte ich mit ihr in Eins verwachſen.„ℳ „Eben ließ ich ſie aus meinen Ar⸗ men, als Lauras Mutter Donnn Fran⸗ . 4 . 2 „ 55 ziska vor uns ſtand. Sie maß mich von Kopf bis zu den Füſſen, und lä⸗ chelte uns wehmuͤthig an. Laura fiel zu ihren Füſſen, und benetzte ſie mit Thränen der innigſten Ruͤhrung. Ich ſtand verbluͤſt mit der brennendeſten Roͤthe auf meinen Wangen. „Ich weiß, ſagte Donna Franzis⸗ ka, was geſchehen iſt. Don Antonio hat mir mit rollenden Augen, mit be⸗ benden Lippen erzählt, was zwiſchen ihn und euch vorgefallen iſt. Kin⸗ der, was habt ihr gethan. Ihr habt euch Antonios Rache bloße geſtellt. Wie wird es nun werden. „Gut, ſagte ich, indem ich der edlen Mutter Hand küßte. Ich fuͤrchte .———————— Don Antonios Rache nicht, fuhr ich fort, und wage mein Leben fuͤr Lauras Beſitz. Ja liebe Mutter, ich liebe Lau⸗ ren vom ganzen Herzen, ſie mich des⸗ gleichen. „Ich weiß es, unterbrach mich Donna Franziska, meine Tochter hat mir die Gefühle ihres Herzens geſtan⸗ den, und ich habe vor den Angenblick gezittert, der euch einander in die Ar⸗ me führen wird. Ach ſtände ich nicht in den traurigſten Verhaltniſſen, bei Gott, die Liebe meiner Tochter waͤre mir heilig. „Sorgen ſie nicht, ſagte ich, ich hoffe ihre Verhaͤltniſſe mit Don Anto⸗ nio zu heben. Wenn es mit Geld ge⸗ ¹5 U⸗ 55 ſchehen kann, umdeſto beſſer, daran hab ich Gott ſey Dank, einen Uiber⸗ fluß. „Laſſen ſie uns gehen, verſetzte Donna Franziska, ich werde ihnen auf meinen Zimmer die Verhältniſſe unſres Hauſes erklären. „Als ich in Donna Franziskas Gemach anlangte, erzählte ſie mir fol⸗ gendes.“ „Mein Gemahl Don Sebaſtian de los Quitos, der jungſte Sohn eines alten und edlen Hauſes, Kapitain der koniglichen Garde, henrathete mich wi⸗ ———8 — 6 —— * —53—— der Willen ſeiner Eltern, da ich von bürgerlichen Stande bin. Seine El⸗ lern ſchloßen ihn von jeder Erbſchaft aus, und verſtießen ihn aus ihren Her⸗ zen und Sinn. So ſehr als mein Ge⸗ mahl ſich darob hekuͤmmerte, ſo fand er doch in meiner Liebe Erſatz, für das verlohrene Gluͤck. Wir liebten uns mit aller Gewalt, deren nur die keuſche, reine, heilige Liebe faͤhig iſt. Jahre der Freude floſſen uns dahin. Eine Toch— ter die ich gebahr, verſtärkte die ſuͤſſen Bande, die uns bereits an einan⸗ der knuͤpften, und wir liebten uns von neuen in dem Pfande unſerer Liehe. „Laura, unſre geliebte Tochter wuchs zu unſerer größten Freude, ge⸗ — 55 ziert mit allen weiblichen Tugenden auf. Sie bluhte wie eine Roſe, und zog alle Augen auf ſich.— Ach kein Gluͤck iſt ohne Dauer, keine Roſen oh⸗ ne Dornen!— „Eines Abends, o ich denke mit Schaudern und Wehmuth an dieſen Abend, brachte man mir meinen Gemahl tödtlich verwundet nach Hauſe. Ich ſchrie laut auf bei dieſen Anblick, Angſt und Schrecken ergriffen mein Herz. Man brachte den Verwundeten in ſein Bett, ich ſank neben ihn nieder, und weinte ohne Unterlaß. Mein Gemahl tröſtete mich mit ſchwacher Stimme, und erzählte mir, daß er unter eine Bande falſcher Spieler gerathen ſey⸗ 60 an welche er ſein ganzes Vermoͤgen ver⸗ lohren habe.„Ich uͤberzeugte mich, ſagte er, daß man mich hinterliſtig be⸗ trogen hatte, und droßte der Spiel Gilde, ſie öffentlich vor Gericht zu ziehen. Die Boͤſewichter lachten mich aus, und ich verließ ſie mit Groll und Rache im Herzen. Als ich in eine ab⸗ ſeitig gelegene Gaſſe kam, fielen mich drey verlarvte Männer an. Vermuth⸗ lich waren es einige von der Rotte der falſchen Spieler, die von meinen Dro⸗ hungen aufgeſchreckt, ſich durch meinen Tod in Sicherheit ſtellen wollten. Ich vertheidigte mich lange gegen ſte, aber endlich durchbohrte mich der Eine von ihnen, und ich ſank ohne Bewuſiſecyn nieder. 61 „Als ich von einer langen Ohn⸗ macht mich erholte, ſtanden einige Men⸗ ſchen aus der Nachbarſchaft um mich herum, welche ſich alle Mühe gaben, mich ins Leben zuruͤckzurufen. Ich ſag⸗ te ihnen wer ich ſey, und ſie trugen mich nach meiner Behauſung.— Ich fuͤhle es, daß ich dem Tode nicht entgehen werde, es wuͤrde mich nicht ſchmerzen, die Welt ſo bald verlaſſen zu müſſen, nur dein Schickſal liebes Weib, und das meiner Tochter, er⸗ ſchweren mein Scheiden.“ „Ich und Laura weinten und jam⸗ merten bei dieſer Rede. Mein Gemahl tröſtete uns, und verſchied in unſern Armen.“ 62 „So war ich dann ohne oller Stütze, verlaſſen von der ganzen Welt. Rirgends bot ſich mir eine Ausſicht dar, wie und auf welche Art ich mein Le⸗ ben friſten könnte, Angſt und Schre⸗ cken, Furcht und Hoſſnung beſturmten mein Herz. Ich beſchloß mich durch Hand⸗ arbeiten zu ernähren, und ſchon woll— te ich meinen Vorſatz ausführen, als wie ich glaubte, der Himmel mir einen Retter zuſandte, der mich allen Roͤthen entreißen ſollte. „Don Antonio, ein Vetter mei⸗ nes verſtorbenen Mannes, beſuchte mich in einigen Tagen. Er ſchien von mei⸗ ner traurigen Lage geruͤhrt zu ſeyn, und verſprach, ſich meiner auf das — 63 thätigſte anzunehmen. Meine Tochter, die damals bereits dreyzehn Jahre zaͤhl⸗ te, gefiel Don Antonio ganz beſonders, er taͤndelte mit ihr, lobte ihre Schoͤn⸗ heit, und bewunderte ihre Talente. Ich und ſie waren von den mitleidigen Vet⸗ ter ganz eingenommen. „Den andern Tag brachte Don Antonio mir eine Verſchreibung, mit⸗ telſt welcher er mir jährlich tauſend Realen anwieß, doch mit der Klauſel, inſolangr ich mich ſeiner Guͤte wurdig bezeigen wuͤrde. „Ich nahm in meinen Umſtaͤnden dankbar ſein Geſchenk an, und freute mich, ſo der druͤckendeſten Armuth ent⸗ 64 riſſen zu ſeyn. Don Antonio that noch mehr fuͤr mich. Er erlaubte mir, da er in Cadir zwey Häuſer beſaß, das eine in Beſitz zu nehmen. Ich zog nach Cadir, und verlebte da zweh Jahre, ohne von Don Antonio etwas zu hö⸗ ren, noch zu ſehen. Jedes Jahr be⸗ kam ich richtig die tauſend Realen ausgezahlt, und mußte auch darüber quittiren. Vor einem Jahr ungefähr, kam unſer* Vetter in Cadix an, und wir freuten uns vom Herzen ſeiner Ankunft. Er bezog ſein zweytes Haus, und machte uns taglich einen Beſuch. Meine Tochter hatte das fünfzehnte Jahr erreicht, und war ein holdes, liebenswuͤrdiges Maͤd⸗ en e ſer n let chen geworden, die durch ihre Tugen⸗ den meine Tage verſußte. „Don Antonio bezeigte erſt ſein Wohlgfallen an ihr, und endlich geſtand er mit, daß er meine Tochter liebe, und ſie zur Gattinn zu beſitzen wuͤnſche. Die Dankbarkeit gebot mir, ſeinen Wunſch als einen Befehl ahzunehmen. Ich ſagte Lauren ihn zu, wenn ſie ſelbſt gegen dieſe Verbindung nichts ein⸗ wenden wuͤrde. K„Meine gute Tochter, der die in⸗ nige, heiße Liebe bis jetzt unbekannt . geblieben war, und die nur für Anto⸗ nio Freundſchaft fühlte, gab ihre Ein⸗ willigung nicht aus Liebe, wohl aber E 66 aus kindlicher Pflicht. Sie opferte ſich meiner Erhaltung auf, und da ihr Heré frey von Liebe war, ſo fiel ihr das Opfer nicht ſo ſchwer. Es wurde be⸗ ſchloſſen, ihre Verbindung in Zeit von einem halben Jahre zu feyern. „Es wird ein Monden verfloſſen ſeyn, als meine Tochter eines Morgens aus der Kirche kam, und ſich bewegt. in meine Arme warf. Sie geſtand mir, ſie geſehen, und zugleich der heftigſten Liebe entbrannt zu ſeyn. Ich ſuchte ſie zu beruhigen, aber ſie ward mir, das erſtemal in ihren Leben ungehor⸗ ſam, und elklärte, es wäre ihr unmoͤg⸗ ich die Hand einem Manne zu geben, den ſie nicht lieben könnte. Ihr Bild 67 — lieber William, ſchwebte inmer vor ih⸗ ren Augen. Sie ward traurig, wein⸗ 5 te und haͤrmte ſich ab. Don Antonio ward von ihr zuruͤckſetzend behandelt. 5 Er nahm das ubel, d behandelt Lau⸗ r uns ſich be⸗ ag verging nun Maͤdchens erſte, mit unglaublicher ren dagegen, 1z wuſten Gewalk n ohne Thraͤnen 6 heißeſte Liebe gt. Gewalt auf ihr Herz. Sie fühlte das Dpfer, welches ſie unſerer Lage brin⸗ n gen ſollte, und entſchloß ſich endlich, * es zu vollbringen, aber guͤtiger Him⸗ 5 mel, mit welchen Herzen! t⸗ „Jetzt lieber William, hat die La⸗ , ge der Sachen durch ihre Erſcheinung⸗ b und Erklärung eine andere Geſtalt ge⸗ C 2 — 68 nommen. Das Maͤdchen hat mich ge⸗ jammert, es iſt meine Tochter, und ihr Gluͤck mein einziges Beſtreben. Wenn ſie lieber William in Stande ſind, mei⸗ ne Beſorgniſſe z en, ſo ſey Laura zu . — — m 65 Zweytes Buc. Voll Sehnſucht hängt mein Aug' an blauen Weiten; Ich male mir ein holdes Traumge⸗ ſicht. Wo weilſt du Laura?— Froh entge⸗ genbreiten Wollt' ich die Arme dir, und— fand dich nicht! — „ 71 (x Ich dankte der edlen Dame für ihre Bereitwilligkeit, mein Gluͤck zu gruͤn⸗ den. Ich berichtete ihr, wer ich ſey, und ſchilderte ihr meine Ausſichten und Hoffnungen; und Laura ward mir vol⸗ lig zugeſagt.* „Meine Geſchäfte zu Cadir waren beendigt, und ich machte Anſtalten, Spanien mit meiner Geliebten, und ihrer Mutter zu verlaſſen. Ich ſchrieb an Don Antonio einen Brief, worinn 72 ich ihn Lauras Geſinnungen erröffnete, und zugleich alle die Koſten erſetzte, welche er auf Donna Franziska, und ihre Tochter ſeit drithalb Jahren ver⸗ wendet hatte. Noch war ſeine Verbin⸗ dung mit Lauren vor Gottes Altar nicht geſchloſſen, des Mädchens Wille war bis auf den letzten Augenblick frey, und ich glaubte, Don Antonio würde der Rothwendigkeit weichen, und ſich mit ſeinen Schickſal verſoͤhnen. Aber, wie ſehr hatte ich mich geirtt. „Der Tag war bereits beſtimmt, as welchen ich nach Engelland zuruͤck⸗ ſeegeln wollte. Ich haarte ſeiner mit ungeduldiger Sehnſucht. In Engelland wollte ich mich mit Lauren auf ewig 5 9 verbinden, und meines Lebens in ihren Armen freuen. Schon der Gedanke an die Liebliche hatte ſo viel reitzendes für mich, daß ich der Zeit Flügeln wünſch⸗ te, um die Wirklichkeit ſchnell herbei⸗ zufuͤhren. „Es war am Vorabende des Ta⸗ ges, an welchen ich Spanien verlaſſen wollte, da ſaß ich in meinen Zim⸗ mer, und ſah in die ſchöne Schöpfung hinaus. Unter meinem Fenſter lag ein herrlicher Garten, deſſen Blumen und Hrangenbäume ſuͤße Geruche mir ent⸗ gegenſtrömten, und ſo weit mein Blick reichen konnte, fluthete die offene See. Auf der einen Seite lag die Stadt mit ihren Thürmen und Wällen, auf der 74 andern der Hafen voll Schiffe, deren Maſten, wie ein Wald uber die Fläche der See hervorragten. Von Ferne rauſchte das Meer, und hin und wie⸗ der hallte der Ton einer Quitare oder Zyther, in Begleitung einer männlichen Stimme. Ein leiſes Wehen und Wal⸗ len des Windes umgab mich, und füll⸗ te meine Seele mit den lieblichſten Ge⸗ danken. „So ganz in den Gefuͤhlen mei⸗ nes Herzens verſunken, war ich in eine Feemoelt entruͤckt, wo es keine Gebre, chen, keinen Mangel gab, als ſich plotz. lich im Hauſe ein heftiger Lärm erhob Ich hörte eine rauhe Stimme rufen: Gebt ihn heraus, gebt ihn heraus. Der d/ 9r he re W en w —— Laͤrm naͤherte ſich meinem Zimmer, ich grif nach meinen Degen, und ſtürzte heraus, eben als man an meiner Thü⸗ re pochte. So wie man mich gewahr wurde, ſchrie ein großer Kerl: Der da iſt es, faſt ihn.— Ich zog meinen De⸗ gen: Wer es wagt an mir Hand an⸗ zulegen, rief ich, der iſt des Todes.— Der Kerl lachte laut auf, und ſagte mit nachdrucksvollen Tone.„In Rahmen der heiligen Hermandad, gebt euch ge⸗ fangen.“ „Dieſe Worte ſchlugen mich wie ein Donnerkeil zu Boden. Der Degen entſank meiner Fauſt, und ich ſand da wie ein reuiger Verbrecher. 76 „Man fuͤhrte mich fort, und brach⸗ te mich in einen der Kerker der abſcheu⸗ lichſten Inquiſition. „Die erſten Tage gliech ich einen Wahnſinnigen. Der Gedanke an mei⸗ ne Laura, an Don Antonio, durch deſſen Schuld ich ohne Zweifel der In⸗ quiſition unter irgend einem Vorwande uͤbergeben worden war, brachte mich zur Naſerey. ch tobte, ſchrie und kärmtr, ach! nur ſolange bis mich mei⸗ ne Kraͤfte verließen. „Mein Kerkermeiſter brachte mir alle Tage die ſchlechte Koſt. Es war ein Menſch ohne Theilnahme, ohne Ge⸗ ſühl. Fragte ich ihn, ob er nicht wiſſe 3 ur ſ 77 warum man mich in dieſen Kerker ge⸗ worfen hat, ſo ſah er mich vielſagend mit ſeinen großen Kalbsaugen an, leg⸗ te den Finger auf den Mund, und bruͤlle te, daß der Kerker widerhallte„Stumm wie ein Fiſch!“ „Einen ganzen Monat lang ſaß ich im Gefaͤngniß, ohne daß man mich zum Verhoͤr fuͤhrte. Am Tage umgaukelten mich die Bilder der Vergangenheit, und fuͤllten mein Herz mit Wehmuth und Trauer, in der Nacht wälzte ich mich auf meinen Strohlager, und wimmer⸗ te den Schlaf von meinen Augen. An⸗ tonio und Laura ſtanden vor mir in Trauer, ich ſah mein Liebchen jammern und wehklagen, mein ploͤtzliches Ver⸗ 78 ſchwinden am Vorabend meines Glücks durchbohrte mit Angſt und Schrecken ihr Herz. Sie ſtreckte die Haͤnde nach mir aus, und rief mich mit den zaͤrt⸗ lichſten Nahmen. Don Antonio ſtand vor ihr, er heuchelte Theilnahme an ihren Schickſal, ſuchte ſie bevor zu troͤ⸗ ſten, und machte mich ihr hintendrein verdaͤchtig. Ich ſah Lauren wanken, und meinen Rebenbuhler glücklich. „Dergleichen Bilder verhitterten mein Leben, und wenn ſie auch lachen⸗ der, lieblicher waren, ſo waren ſie doch nicht im Stande, meine Beſorgniß zu ſtillen. „So nahe am Hafen des Gluͤcks, und ſo plotzlich wieder zurückgeſchleudert⸗ k „ ——— 79 hinaus in die offene Sce des Jammers geworfen;— o es iſt ſchrecklich, wenn das Schickſal ſo grauſam mit uns ſpielt, furchtbar, wenn die Verzweiflung jeder aͤngſtigenden Möglichkeit die ſchwärze⸗ ſten Furben zu einem Gemäide leiht, deſſen Anblick uns Furcht und Entſetzen einfloͤßt.— „Endlich nach Monatsftiſt fuͤhrte man mich vor das Gericht. Ich war in den Augen meiner Richter ein Ketzer, das verdiente nach ihrer Meinung kei⸗ ne Strafe, weil ich von einer Nation war, die mit der ſpaniſchen in Allianz ſtand, aber, daß ich eine rechtgläubi⸗ ge Chriſtinn(meine Laura) verfuͤhren wollte, abtrünig zu werden, denn das 30 ſetzte man voraus, wenn ſie meine Gat⸗ tinn geworden waͤre, das verdiente Ahndung und Strafe. „Vergebens ſtellte ich ihnen die Sa⸗ che in einem andern Lichte vor, man hoͤrte mich nicht, und führte mich, als einen verſtockten Suͤnder in das Gefaͤngniß zuruͤck. „Herrſcher der Welt! rief ich, als ich in meinen Kerker zuruͤckkam, und dort auf meine Knie ſank. War meine Liebe ein Verbrechen? du, der du auf Thaten des Herzen deiner Kin⸗ der ſiehſt, und nicht ihre Meinungen in Betrachtung ziehſt, du, dem die Voͤl⸗ ker der Erde, Brama, Tien, Elloh, —— at⸗ nte ⸗ an s „ 81 Allah. O! und mit taufend andern Nahmen nennen, der du Ein und der⸗ ſelbe biſt, o vergieb, wenn ich murre, wenn ich klage. Es iſt ja den Wurm das Krümmen vergönnt.— Unendlicher! ſtärke mich in meinem Kummer, erbar⸗ me dich meines Elends, rühre die Her⸗ zen meiner Mitmenſchen, laß mich nicht vergebens flehen, nicht vergobens hoffen. Und hab ich als Prüfung meine Leiden verdient, ſo ende ſie bald, daß ich nicht verzweifle. „Dieß Gebet ſtaͤrkte mich ungemein. Es war mir, als flüſtre mir mein Ge⸗ nius zu„du wirſt erhört“ und ich fühlte mein Herz außerordentlich er⸗ leichtert. F — 82 ₰ „ uiber vierzehn Tage verfloſſen, und noch zeigte ſich nirgends ein Strahl von Rettung. Endlich, o! des ſeligen Tags ſchlug die Stunde meiner Ret⸗ tung. Eben hallte die Glocke von be⸗ nachbarten Kirchenthurm die Mittags⸗ ſtunde, ſo raſſelten die Schlöſſer mei⸗ ner Kerkerthur, und es däuchte mir, man öffne ſie mit haſtiger Eile. Der Kerkermeiſter trat zuerſt ein, ihm folgte ein junger Mann, der ſich an meinen Hals warf, und laut vor Freuden auf⸗ ſchrie. Ich ſah den Fremden an, und erkannte in ihm einen jungen Portugi⸗ ſen, der ſich ſeit meinem Aufenthalte in Cadir ſehr mit mir abgegeben hatte, und mich ſeiner Freundfchaft oft und mehrmals verſicherte. 1 83. „Sie ſind frey, ſagte er jetzt mit freudigen Beben zu mir. Gottlob, es iſt mir gelungen, ſie den Händen der Inquiſition zu entreißen. „Dieſe Worte klangen lieblicher als Flötenton in meinen Ohren. Ich umarmte meinen Retter, ich fragte wie es moͤglich ſey, u, ſ. w. aber der junge Alonzo vertroͤſtete mich, auf eine ande⸗ re Zeit, wo er mir alles erzaählen wol⸗ le, und drängte mich mit haſtiger Eile zum Kerker hinaus. Er fuͤhrte mich nach meiner Wohnung, ließ mir die kräftigſten Speiſen und Weine vorſetzen, labte mich auf das beſte, und bezeigte mit der herzlichſten Theilnahme ſeine Freude, uͤber meine Befreyung. F2 ——— . * 84 „ „Als ich mich geſtaͤrkt hatte, bat ich ihn zu erzählen, wie es ihn moög⸗ lich geweſen ſey, mich zu. und was ihn bewogen habe, ſich meiner an⸗ zunehmen.“ „Ich bin ihr Freund ſagte der edle junge Mann, und das iſt hinlaͤng⸗ lich, um mich zu beſtimmen, an ihrem Schickſale Antheil zu nehmen.— Als ich hoͤrte, fuhr er' fort, daß ſie in die Kerker der Inquiſition gebracht wurden, forſchte ich nach, aus welcher Uurſache es wohl geſchehen ſeyn mochte. Ich er⸗ fuhr ihre Liebſchaft mit Fräulein Laura, 85 und den Antheil, welchen Don Antonio bei derſelben habe. Zuerſt machte ich mich auf den Weg zu Donna Laura, Ich komme in ihre Behauſuug, und— finde ſie leer. „Um Gotteswillen, unterbrach ich meinen Freund, leer! . „Ja lieber William, verſetzte er, hoͤren ſie weiter. Von dem Hauſe ihrer Geliebten eilte ich zu Don Antv⸗ nio, ich forſchte nach, ob er zu Hauſe ſch, und erfuhr, er ſey geſtern in der Nacht auf das Land gefahren. Mir ging ein ſchreckliches Licht auf. Es ſchien mir außer Zweifel, Don Antoniv habe ſie lieber William„unter irgend einen Vorwande der Inguiſition uber⸗ —— geben, und ſey mit Donna Laura ent⸗ flohen. „Gütiger Himmel, man hat mei⸗ ne Laura eutfuͤhrt. Ach, ſie iſt für mich verlohren, der Boͤſewicht Don Antonio wird fie zwingen, meiner zu vergeſſen.— 3 „Troͤſten ſie ſich Freund, der Him⸗ mel wird uns ein Mittel an die Hand geben, Lauren den Schaͤndlichen zu ent⸗ reißen.— Als ich es gewiß wußte, daß ſie in den Kerkern der Inquiſition ſchmachteten, ging ich zu einem meiner Pettern, der Beiſitzer des heiligen Tri⸗ hunals war, und bat füͤr ſie um Hilfe und Rettung. Der gute Mann gab ſich al⸗ le Rühe, ihnen dieFreiheit zu verſchaffen, aber ſeine Mitcollegen, deren mehrere von Don Antonio beſtochen waren, wi⸗ derſetzten ſich den Begehren meines 1 Vetters. Es blieb mir nichts übrig, als nach Madrid zum Grosinqüiſitor zu eilen, und von dort aus, ihre Frey⸗ peit zu bewirken. Mein Vetter, der ein Jugendfreund des Grosinquiſitors war, gab mir Empfehlungsſchreiben an ihn mit, und ich reiſte voll Hoffnung und Vertrauen nach Madrid. „Ich gab meinen Brief an den Grosinquiſitor ab. Es war ein freund⸗ licher Alter, der mich als einen Ver⸗ wandten ſeines Jugendfreunds ſehr zu⸗ vorkommend, und mit vieler Herzlich⸗ — 35 keit empfing. Er hatte kaum den Brief geleſen, als er ſich von mir eine vol⸗ le Aufklärung erbat; ich gab ſie ihn, und ſchilderte ihre Unſchuld, und das ſchlechte, verrätheriſche Betragen Don Antonios mit der ganzen Gewalt der Wahrheit; dann bat ich um ihre Frey⸗ laffung, ſo innig, ſo voll Vertrauen auf des Grosinquiſitors Güte, daß man unmöglich meinen Bitten widerſte⸗ hen konnte. „Der Grosinquiſitor gewährte mein Begehren. Er gab mir einen Loslaſſungsbrief für ſie, und ich eilte nach Cadix zurück.— Sie ſind frey, und ich danke dem Himmel, daß er „ 39 meine Bemühungen mit den ſchoͤnſten Erfolg gekrönt hat.“ —— „So endigte Alonzo, und ich ſchloß den lieblichen Retter mit warmer In⸗ nigkeit in meine Arme. „Aber wiſſen ſie nichts von dem Schickſale meiner Laura, fragte ich ihn nach einer Pauſe? „Richts, als daß ſie Don Antonio ſammt ihrer Mutter entführt hat. Wohin, hab ich noch nicht erfahren können. Doch das hoffe ich bald her⸗ auszubringen. 20—— „O eilen ſie Freund, bringen ſie mir Gewißheit, und ich will ſchnell den ſchändlichen Räuber nacheilen, und ihn ſeinen Raub mit Güte oder Gewalt entreißen. „Alonzo verſprach genau nach den Weg zu forſchen, welchen Don Antonio mit meiner Laura genommen hatte. Schon den andern Tag glaubte er durch erſchiedene ſich kreutzende Geruͤchte uͤber⸗ zeugt zu ſeyn, daß Antonio nach Se⸗ villa entflohen ſey. Obwohl es nur ei⸗ ne Vermuthung war, ſo faßte ich ſir dennoch begierig auf, und machte mich bereit, Cadix zu verlaſſen. „Ich nahm Abſchied von Alonzo, deſſen Geſchäfte ihn nicht erlaubten, —— mir zu folgen, und cilte in Begleitung eines treuen Dieners nach Sevilla. un⸗ terwegs erkundigte ich mich ſorgfältig in jeder Poſſada, jeder Venta, ob man die Perſonen nicht geſehen habe, welchen ich mit ſo vielen Eifer nachſetz⸗ te, aber nirgends wußte man etwas von ihnen. „Traurig und niedergeſchlagen ſetz⸗ te ich meinen Weg fort. Ich blieb nicht auf der Heerſtraſſe, und machte bald auf dieſes, bald auf jenes Schloß einen Abſtecher in der Hoffnung, daß vielleicht Don Antonio irgendwo in ei⸗ nem dieſer Schloͤſſer, die auf dem We⸗ ge nach Sovilla lagen, meine Geliebte verborgen halte. 92 „Eines Abends verirrte ich mich in einer wüſten Berggegend. So viel Wühe als ich mir auch gab, auf den rechten Weg zu gelangen, ſo ſchlug mir doch jeder Verſuch fehl. Die Sonne ſpiegelte ſich nur noch auf den hoöchſten Gipfeln der Berge, und die Thdler deckte der matte Schleyer des Zwie⸗ lichts. Ein leiſer Weſtwind rauſchte in den Geſtraͤuchen, und ſtreute die Wohl⸗ geruͤche der Hrangenbäume um ſich her. Stille herrſchte in der ganzen Gegend, und nur ein Heimchen, oder eine zir⸗ pende Grille unterbrach ſie durch ihren monotoniſchen Gefang. Mir war ſehr ſonderbar zu Muthe. Eine unbegreifli⸗ che Angſt ergriff mich, und die peinlich⸗ 93 ſte Wehmuth fullte mein hörbar pochen⸗ des Herz. „Ich ſtieg von meinem Pferde, und legte mich unter einen Baum. Mein Diener folgte ſtillſchweigend mei⸗ nein Beiſpiele. Es war indeß Nacht geworden, und rings umher kein Licht zu ſchen, das uns eine menſchliche Wohnung verrathen haͤtte. Es blieb uns nichts ubrig, als geduldig in die⸗ ſer Wildniß die Nacht zuzubringen. Wilhelm, mein Diener zitterte bei je⸗ den Rauſchen der Blätter, ſeine Phan⸗ taſie erwartete Geſpenſter zu ſehen, oder wenigſtens von Raͤubern überfal⸗ len zu werden. Mir war mein Leben — 4— gleichgultig geworden, mit Lauras Ver⸗ luſt hatte es keinen Reitz für mich. „Ich mochte eine Viertelſtunde ge⸗ ruht haben, als ich durch das Dickicht der Geſtraͤuche ein Licht erblickte, das mir immer näher zu kommen ſchien. Wilhelm zitterte vor Augſt, er hatte die furchtbarſten Vermuthungen, und betete leiſe vor ſich hin. „Das Licht kam indeß imüter nä⸗ her auf uns zu. Unſre Pferde brauſten und ſchnaupften gewaltig. Entſchloſſen erwartete ich die Erſcheinung, welche uns bevorſtand, und hielt meinen De⸗ gen und Piſtolen in Bereitſchaft. Der Anſchein einer Gefahr machte mir Muth mein Leben zu erhalten.. 95 „Endlich trat eine Einſiedeler Ges ſtalt, mit einer Laterne in der Hand aus dem Geſtraͤuche, und mein Wil⸗ helm ſchoͤpfte den von der Angſt ver⸗ haltenen Athem. „Gott gruß euch fremde Maͤnner, ſagte der Einſtedler. Ihr habt euch vermuthlich verirrt. „ Ich. So iſt es ehrwuͤrdiger Al⸗ ter. Wir fanden in der Naͤhe keine menſchliche Wohnung, und beſchloſſen hier zu uͤbernachten. Der Einſiedler. Wenn ihr mit einem Mooslager und einer freuga⸗ len Mahlzeit vorlieb nehmen wollt, ſo folgt in meine Hütte. Ich gebe euch beydes mit willigen Herzen. Ich. Dank euch fuͤr euer Aner⸗ bieten, So ihr erlaubt, ſo werden wir euch folgen.— Aber was fuͤhrt euch noch jetzt in dieſe Gegend. Einſtedler. Ich ſuche Kraͤuter, die nur im Mondſchein gepfluͤckt, hei⸗ lende Kraft haben. Ich. Und für wem, wenn ich fra⸗ gen darf. Einſied. Für mich, und ande⸗ re gute Menſchen, die mich zuweilen aus der Nachbarſchaft beſuchen, und à denen ich meine Hilfe bereitwillig an⸗ ged eihen laſſe. er⸗ Ich Ein edles, ſchoͤnes Geſchäͤft. den Es iſt ein gottlicher Gedanke, ſelbſt, uch wenn eigene Leiden das Herz mit ſtil⸗ ler Trauer und Wehmuth umfaſſen, fremde Leiden zu lindern. er,. Einſied. Wohl, hehr und gott⸗ lich iſt er, und ſuͤß ſeine Vollbringung. — Aber kommt, laßt uns nicht hier 3 verweilen. Die Rachtluft wird kalt 3 und in der heimiſchen Huͤtte wird es euch wohl thun. t⸗ n Wir folgten den Einſiedler. Er d leuchtete uns vor, und wir fuͤhrten G 98— unſere Pferde auf einen ſchmalen Pfad hinter ihm her. Eine Viertelſtunde lang mochte wohl unſer Weg dauern. Er fhrte uns durch lichtes Geſtripp einen kleinen Verg hinauf, deſſen Wege ſich ſchraͤge hin und her ſchlängelten. Der Vollmond beleuchtete die Gegend, und ſeine milden Strahlen blinkten wie Sil⸗ berglanz auf Blättern und Gräſern. Hie und da krächzte eine Eule, ſchwirr⸗ te eine Fledermaus, pickte ein Heimchen, oder knarrte ein Holzwurm. „Wir ſind an Ort und Stelle, ſagte endlich der Einſiedler, als wir bei einer niedlichen Hütte anlangten, die im Kranze dicht verflochtener Ei⸗ chen ſtand. Er zeigte uns einen Platz, —— und il⸗ ern, irt⸗ en 9— wo wir unſere Pferde anbinden konn⸗ ten, holte Gras und friſches Waſſer herbei, half den Roſſen eine Rachtla⸗ ger von duͤren Baumblaͤttern bereiten, und fuͤhrte uns dann in ſeine Hutte. Sie war, wie ich auf den erſten Blick gewahrte, ſehr reinlich und groß, und hatte mehrere Abtheilungen. In der Mirte hing eine Lampe, der Einſedler zundete ſie an, und ihr heller Schein zeigte mir die ländliche Eleganz, mit welcher die Siedeley verziert war⸗ „Der Einſiedler brachte uns Kaͤſe und Brot, etwas Butter, und eine Flaſche Wein.„Nehmt vorlieb, ſagte er, hätte ich mich der Gäſte verſehen, ſo wuͤrde ich mich etwas beſſern verſorgt 6 2 100 haben. Wir dankten den guten Siedler, und erſuchten lhn, an unſerer Mahl⸗ zeit Theil zu nehmen. Er war bereit⸗ willig dazu, zog ſeine Kutte aus, und ſtund in einer reinlichen Rachtklei⸗ dung vor uns.„Hm! dachte ich, ein ſonderbarer Einſiedler, er weicht ſehr von den Regeln ſeiner Gefaͤhrten ab.“ Als er ſich zu uns ſetzte, und den gro⸗ ßen Hut abnahm, der bis jetzt ſein Ge⸗ ſicht bedeckt hatte, erſtaunte ich in ihm einen jungen Mann zu finden, deſſen maͤnnliche Schönheit und Fülle der Ju⸗ gend, auffallend mit ſeinem Lebenszweck kontraſtirte. „Ich theilte ihn mein Erſtaunen mit. Er lächelte ſchmerzhaft, und Thra⸗ — 101 nen traten in ſeine Augen.„Sie ſtau⸗ nen, ſagte er, einen jungen Mann in der Kutte eines Einſiedlers zu finden. Ach wem ſtechen die Dornen des Lebens mehr, als ein jugendliches Herz. Wer fühlt ſie mehr, als eine Bruſt, die der ſuͤſſeſten Empfindungen fähig iſt. Ich. Verſteh ich recht, ſo ſind euch die Leiden der Liebe nicht unbekannkt. Einſied. Ach ja, die Liebe hat meine Tage verbittert, aber nein, die Liebe nicht. Ein Elender, der ſie mit Gewalt zerriß, mit Hohngelaͤchter mir mein Alles raubte, und mir nur die Ausſicht der Wiedervereinigung fuͤr die Ewigkeit ubrig ließ. 482 Ich. Gutiger Himmel, ſo finde ich ſelbſt in der furchtbarſten Wildniß ein Opfer der Leidenſchaft. Mich treibt ſie in der Welt umher, o! in welchen Hafen wird ſie mich führen! Einſied. Ich bin im Hafen der Ruhe, aber ach Gott welcher Ruhe. Jede Errinnerung ſchreckt mich auf, jedes Andenken an ſie durchglüht noch ummer mein Herz. Ich. Erzählt junger Mann, wel⸗ cher Dämon hat eure Liebe zernichtet. Einſted. Es ſey, ich will die Wunden meines Herzens wieder aufrei⸗ ken, vielleicht wird ihre Mittheilung, — 1 k. c 103 ihr Antheil an meinem Schickſale, ihnen ein lindender Balſam ſeyn. — —— „Sevilla iſt der Ort, wo ich ge⸗ bohren und erzogen wurde. Mein Va⸗ ter war in Dienſten der koͤniglichen Muͤnze. Ich wuchs heran, und trat in die Fußſtapfen meines Vaters. Als ich kaum dreyzehn Jahre alt war, ſo ward ich ſchon bei den königlichen Münz⸗ amte angeſtellt, freylich war es nur ein unbedeutender Dienſt, da ich faſt noch ein Kind war, aber er war doch hin⸗ laͤnglich, um in ihm mein weiteres Fortkommen zu finden. 1 4 „In unſerer Rachbarſchaft wohn⸗ te eine Wittwe, die nur ein einziges Kind hatte. Es war ein Mädchen, ein Jahr juͤnger als ich. Schon in der zarten Knospe entfaltete ſich der Lieb⸗ reiz der kuͤnftigen Schoͤnheit, und ich hing mit ganzer Stele an der lieblichen Roſa. Als Kinder taͤndelten wir zuſam⸗ men, und bezeigten eine Anhänglichkeit an einander, die fuͤr die Zukunft auf die innigſten, dauerhafteſten Bande ſchließen ließ. „VWirklich, je alter wir wurden, je mehr entwickelten ſich die Gefühle der innigſten Liebe in unſeren Herzen. Ich bekam in Kurzen einen Dienſt, deſſen Gehalt hinlänglich wae, ein Weib we 2e 105——— zu ernähren, und ſehnte mich mit Un⸗ geduld nach den Augenblick, der mir das liebende Maͤdchen in die Arme füh⸗ ren ſollte. Meine NPeale von häuslichen Gluͤck, meine Phantaſien, meine Plane für die Zukunft kreutzten ſich in mei⸗ nem Kopfe herum, und füllten ihn mit den lichlichſten Gedanken. Schon reif⸗ te mein künftiges Gluͤck, aber ſeine Knospen zerknikte ein giftiger Wurm. „Don Antonio de los Quitos— „Wie! unterbrach ich den Siedler, wars Antonio, der das Glück ihres Lebens zerſtorte, der— 106 „Ja, ſagte der Einſiedler, aber fuhr er fort, hoͤren ſie erſt weiter. Don Ankonio machte durch Zufall die Bekannt⸗ ſchaft meiner Roſa. Die blühende Schoͤnhelt des Mädchens erregte ſeine Luſt, entflammte ſeine Begierden Der Boſewicht ſchliech ſie unter den Nahmen eines reichen reiſenden Kaufmanns aus Bilbao, in die Gunſt von Roſas Mut⸗ ter. Dieſe, eine gute aber eitle Frau, die nichts ſehnlicher wünſchte, als im uißerfluß ſchwelgen zu können, und in Geheim ſchon lange die Liebe ihrer Tochter zu mir getadelt, da ſich aber vor der Hand keine beſſere Parthie vorfand, dennoch zugelaſſen hatte, nahm Untonios Beſuche ſehr bereitwil⸗ lig auf. Des Fremden Reichthum mach⸗ In ger ſic de kei ge 9I te auf ſie den vortheilhafteſten Eindruck. Im Geiſt ſtand er ſchon als ihr Schwie⸗ gerſohn vor ihr, und ſie ſelbſt dunkte ſich bereits im Genuße des beglücken⸗ den Reichthums. Auf mich nahm ſie keine Ruͤckſicht. Ich war in ihren Au⸗ gen eine Rulle, die den Zähler nur voran ſtand. „So oft ich meine Roſa beſuchte. fand ich Antonio bei ihr. Ich ahndete nicht einmal das Schickſal, das mir bevorſtand, und bezeugte gegen den Fremden keinen urgiohn. Antonio be⸗ trug ſie als der gůtigſe Freund gegen mich und Roſa. Er bot alles auf, um uns beide zu vergnuͤgen. Bald veran⸗ ſtaltete er kleine Feſte im Hauſe, oder 03 ——— führte uns zu den öffentlichen Luſtbar⸗ keien der Stadt. Roſa liebte und ehr⸗ te ihn als ihren und meinen Freund, und behandelte ihn ſtets liehevoll als ſolchen. Die Mutter lächelte ihr oft Bepfall zu, und das Lächeln war mir nlcht in geringſten verdächtig. „Ein höſer Genius wollte es, daß gerade um dieſe Zeit eine Verwandte von mir in die Stadt zog. Es war ein junges, liebenswürdiges Mädchen, die im Dienſte einer Gräfinn ſtand. Ich beſuchte mein Miünmchen zuweilen, und vertrieb mir ſhr angenehm in ihrer Ge⸗ ſellſchaft die Zeit. Weiß der liebe Him⸗ mel, mje Roſa aus meinen Beſuchen“ bei Cöleſtinen einen Argwohn ſchöpfte. 6 aß die at gel an Zärtlichkeit vor, und gab mir kleiner Streit. Ich war unbeſonnen 109 Sie ruͤgte mein Benehmen, ich wußte mich unſchuldig, und hielt es nicht der Muͤhe werth, mich zu verantworten. Aber ihr Schmollen nahm täglich zu, ſie wußte jedes meiner Worte, welches ich bei Cöleſtinen geſprochen, und gab ihnen, wie ich glaubte, von ſelbſt eine* falſche Deutung. Sie warf mir Man⸗ nicht undeutlich zu verſtehen, meine Treue zu ihr ſey eben nicht die feſteſte. Mich verdroßen dieſe Aeußerungen, und zuweilen entſpann ſich zwiſchen uns ein genug, auf Roſas Liebe zu trotzen, und dieſer Leichtſinn machte Roſa und mich unglucklich. 1.10 — „Roſa fuhlte mein Betragen, ſie laͤutete es aus andern Quellen, und mißverſtand mich gänzlich.— Die Lie⸗ be haͤtte unſern Zwieſt bald vergliechen, aber Antonio war der Teufel, der jede Wiedervereinigung zu verhindern ſuch⸗ G. Er fachte Roſas Seele mit dem Feuer der Verläumdung an, er goß Gift unter der Mabke der Freundſchaft 3 in ihr empfaͤngliches Perz. „Obwohl ich Roſa, und ſie mich 3 gränzenlos und gluhend liebte, ſo ließ es doch eine Art von Hochmuth und Selbſigefühl nicht zu, daß einer oder der andere den Schleyer luͤften ſollte, der unſer Mißverſtändniß ſiebenfach be⸗ deckte. Wir thaten einander alles zum Pe ſa wl Poſſen. Ich ſchmeichelte mir, daß No ſa ſich mir zuerſt nahen wuͤrde, und Roſa glaubte, daß ich zuvor nachgeben würde. „Kam Antonio zu meiner Gelieb⸗ ten, ſo empfing ſie ihn jetzt freundlicher als ſonſt, ſie taͤndelte mit ihn, ſie ließ ſich einen Kuß von ihn rauben, und das oft in meiner Gegenwart. Mich verdroßen dieſe Auszeichnungen, die Ei⸗ ferſucht nahm mein Herz in Beſitz. Ich wollte mich raͤchen, ging zu Cöleſtinen, und heuchelte ihr Gefuͤhle vor, die ich nicht empfand. Roſa erfuhr es durch Ankonio, der überall ſeine beſoldeten Spione hielt. Sie ſchmollte nicht mehr mit mir, ſie litt es geduldig, wenn ich 112 ſie in meine Arme nahm, lachte laut „ und ihr Herz riß ſich indeß gewaltſam von mir los. „Einige Geſchaͤfte zwangen mich, Sevilla zu verlaſſen, und nach St. Lu⸗ car de Barrameda, einer am Ausflu⸗ ße des Quadalquioir gelegenen Stadt zu reiſen. Ich mußte daſelbſt ſechs Wochen lang verweilen. Mit inniger Sehnſucht, mit verdoppelter Liebe eil⸗ te ich dann zu meiner Roſa zuruͤck. Aber welche furchtbaren Gefühle be⸗ meiſterten ſich meiner, als ich erfezr, Antonio habe meine Roſa entfuͤhrt, ob mit oder wider ihren Willen, war auf, wenn ich von meiner Liebe ſprach, mir, und blieb mir auch unbekannt. J un d ſpr An mü ut m 113 Ich ging wie ein Träumender umher, und lebte einige Monate wie ein Menſch, der für nichts mehr eine Empfindung hat. „Wie ich ſpäter erfuhr, war Ro⸗ ſa mit ihren neuen Geliebten nach Bil⸗ bao geflohen. Er hatte ihr weis ge⸗ macht, ich wůle mich ſeiner Verbin“ dung mit ihr widerſetzen, weil, wie er ſagte, ich ein größeres Recht auf ſie haätte, und es ſey beſſer eine Stadt zu verlaſſen, wo ein alter Liebhaber Ein⸗ ſpruch machen, oder zum wenigſten ſein Anblick widerwärtige Gefuͤhle erregen müßte „In Bilbao zauderte Antonio ihr die verſprochenen Rechte einzuräumen⸗ H er wollte ſie, gleich ſeinen andern Li ſchaften behandeln, aber das edle Mäd⸗ chen widerſtand jeden ſeiner Anerbitten. Die Tugend ihr hoöͤchſtes Idol bannten keine Schmeicheleyen, keine Lockungen aus ihren Herzen. „Don Antonio de los Quitos, (ſeinen wahren Rang erfuhr ich von einem Freunde, der eben aus Bilbao kam) verzweiflend an der Erfullung ſeiner Wünſche, verließ die Getäuſchte, und eilte andern Liebesabentheuern nach. „Die gute Roſa, welche es jetzt bitter bereute, mich aufgeopfert zu ha⸗ ben, die mein Betragen nun in einem 115 (b⸗ ganz andern Lichte ſah, graͤmte und id⸗ härmte ſich ab. Als ſie Antonio ver⸗ 5 ließ, nahm ſie eine gute Witwe zu ſich e Dort lebte ſie einige Monate, und en ſtarb. Der tetzte Seufzer galt mir und der wiederkehrenden Liebe, die ſie ſammt meinen Beſitz auf ewig verloh⸗ 3, ren zu haben glaubte. Ich erfuhr dik en Nachricht von ihrem Tode und Schick⸗ o ſalen, und weinte die bitterſten Thrä⸗ n9 nen der armen Getäuſchten. Mich eckel⸗ „ ten die Freuden des Lebens an. Alles rn um mich her ward mir zuwider. Ich hatte in Roſen mein einziges Gluͤck verlohren, dieß fuͤhlte ich nur zu leb⸗ 6 haft bei ihren Tode, und die Staͤrke ⸗ meiner ſchmerzhaften Gefuͤhle, verleite⸗ en H2 116 te mich zu dem ſonderbaren Entſchluße, ein Siedler zu werden. „Der Gedanke, ewig nur Roſas Andenken zu leben, mich einzig nur mit ihr, waͤhrend meiner irrdiſchen Lauf⸗ bahn zu beſchäftigen, hatte ſo viel rei⸗ tzendes fuͤr mich, als daß ihn mein Herz, meine Phantaſie, laͤnger ohne der ſchnellſte Ausführung ertragen hät⸗ te. Ich verlteß meinen Dienſt, ver⸗ kaufte alles, was ich nicht zu bedür⸗ fen glaubte, ging aus Sevilla, und ließ mir hier dieſe nette Siedeley bau⸗ en. Um nicht ganz muͤſſig zu ſeyn, verlegte ich mich auf die Kraäuterkun⸗ de. Ich brachte es durch fleißiges Stu⸗ diren bald ſo writ, daß ich im Stan⸗ ———— 7 de war, den Bauern in meiner Nach⸗ barſchaft Hilfe angedeihen laſſen. Aus Dankbarkeit bringen ſie mir dafuͤr Le⸗ bensmitteln, und unterſtützen mich auch in mancherley haͤuslichen Arbeiten. So lebe ich ruhig, mir, und den Anden⸗ ken meiner verklaͤrten Roſa. Mich ge⸗ luͤſtet nicht nach den Freuden der Welt, und mein einſames Leben hat auch Blumen auf ſeinen Pfad.“ „Der Siedler endigte hier ſeine traurige Geſchichte. Ich und mein Die⸗ ner hattrn waͤhrend ihrer Erzaͤhlung ſchon mache Thranen vergoßen, und der Antheil, welchen wir an Ludvikos 118 Schickſale nahmen, rührte ihn unge⸗ gemein Da es ſchon ſpät in der Racht war, ſo begaben wir uns zur Ruhe. Die Strapatzen des verfloſſenen Tages warfen uns ermüdet auf unſer weiches Mooslager, und wir ſchliefen ſunft in Morpheus keuſchen Armen. „Als wir erwachten, war der Siedler nicht mehr in der Hütte. Ich trat heraus, um nachzuſehen wo er ſich befinde, und ward ſehr angenehm uͤber“ raſcht, als ich in die offene Gegend hinausblickte, deren Schoͤnheit mich un⸗ gemein frappirte. Mir zur Rechten und Linken erhob ſich ein majeſtätiſches Gebürge, uber deſſen Gipfeln der Wind die leichten Wolken hintrieb. Zu mei⸗ 119 nen Füſſen breitete ſich ein langes Thal aus, das ein großer Bach durch⸗ floß, der ſich durch blumichte Auen pinſchlaͤngelte, und deſſen Ufern ſchlan⸗ ke Erlen und Papelbäume begränzten. Die Strahlen der alles belebenden jun⸗ gen Sonne des Morgens, beleuchteten das Ganze in mannichfaltigen Schatti⸗ rungen, und boten dem Auge dir lieb⸗ lichſten Gruppen dar. Ein tanſendſtim⸗ miger Voͤgelchor ertönte aus der Feu⸗ erbräune der Gebuͤſche, und erweckte unwillkuͤhrlich eines innere Andacht in mir. Im ſeligen Entzuͤcken verſunken, betete ich ein Morgengebet, und mein Herz hob ſich reiner und geläuteter zu den Schoͤpfer aller Welten. 120 „Plötzlich ertoͤnte iy Quittare k 6„ 2 1„ mir zur Seite. Eine ſchoͤße männliche Stimme ſank folgende Stzophen. Nie dein Pergeſſen! Geſpielin Gefallene Geliebte Warſt du dir Luß zum Raube, Verweh'ſt diz glech im Staube, So liebt di ch mein Herz. —— Nie werd' ich pein vergeſſen! Du Holde, achdu Meine, Gefallene, docht Reine, Verklärte Duldchinn. Im Land der enfgen Wahrheit, Am Thron der cthten Klarheit Da find ich Holdk dich. 121 Nie J ich dein vergeſſen! n nie der Freuden Der Lihbe und der Lei iden Der Hihnmelsſeligkeit; Die ich in deinen Kliſſen In deinei Herzergüſſen, In deinen. * Nie werd' ₰ de vergeſſen! Du Holde, iehenswerthe, Gereinigte, Verſoͤhnte Büſſthi Ja ewig wird gadenken, Dich lieben, und ſirts lenken Mein Herz ſich nur zu dir. „Die Stimine ſchwieg jetzt, und nur das Rachſpie auf der Quittare dau⸗ — 122 erte noch eine Weile fort. Als auch dieſes aufhörte, ſchliech ich mich den lieblichen Sänger naͤher. Ich vermu⸗ thete, daß es der Siedler Ludoviko ſey, und betrog mich in meiner Er⸗ wartung nicht. Er war es wirklich. Ich fand ihn auf einer Raſenbank ſitzend, welche am Fuße eines Piedeſtalls an⸗ gebracht war, das eine weibliche Ge⸗ ſtalt vorſtellte. Die Quittare lag ne⸗ ben ihn, und ſeine Augen weilten ſchwermuthsvoll auf der Statue der verblichenen Geliebten. „Guten Morgen lieber Ludoviko, ſagte ich, ſchon ſo fruͤh auf? „ „Ach ja, verſetzte er, ſo fruͤh gls mein Kummer. — 123 Ich.(auf die Statue weiſend) Iſt das Roſas Gebilde? Er. Ja. Ich. und das eben geſungene Lied 2 Er. Die Morgenfeyer der ſeligſten Errinnerungen. Ich. Wahrlich, man ſieht es der Kopie an, daß der Künſtler die Natur . getreu nachgebildet hat. Er. Das hat er, es war einer meiner Freunde, der Roſen genau ge⸗ kannt hat. Die Aenlichkeit iſt ihn ſehr taͤuſchend gelungen. Ach in meinem Herzen da lebt ſie am deutlichſten. Je⸗ F — 124 1 den Morgen, und jeden Abend komm ich hieher, da ſetz ich mich nieder, ſin⸗ ge ein Lied dem Andenken meiner Ro⸗ ſa, weine meinem Schickſal eine Thra⸗ ne, und hole mir Troſt fuͤr die Zukunft. Ich. Guter Ludoviko, mich hat das Schickſal mit euch in eine aͤhnliche Lage verſetzt. Eben der Boͤſewicht Don Antonio hat meine Geliebte mir ent⸗ führt. Ich bin in Begriff ihn nachzu⸗ ſetzen, vielleicht hol ich ihn bald ein, wo nicht, ſo will ich ihn bis ans En⸗ de der Welt verfolgen. Er. Iſt es moͤglich? 2 H guter Gott, ſo hat der Schandliche nicht auf⸗ gehört, die weibliche Tugend zum Spiel — ſeiner Leidenſchafteu herabzuſetzen! Ich wünſche vom ganzen Herzen, daß ſie ihm ſeinen Raub abjagen, und es ih⸗ nen gelinge, einen Richtswuͤrdigen zu beſtrafen, der ſeine hehre Beſtimmung entheiligt. Ich. Der Himmel wird mir bei⸗ ſtehen, und ſich der Unſchuld erbarmen. Er wird den Verbrecher in meine Hän⸗ de fuͤhren, und mein Herz wird über ihn richten. Vor jetzt ſtatt ich euch gu⸗ ter Ludoviko für eure freundliche Auf⸗ nahme den innigſten Dank ab. Ich werde euch nie vergeſſen, und ſtets eu⸗ er mit Liebe und Freundſchaft ge⸗ — denken. 126 Er. Gott geleite euch, edler Fremdling. Ich. Ich heiße William Gordon, bin ein Engelländer, und wohne in London, ſolltet ihr einſt wuͤnſchen, wie⸗ der in der Welt leben zu wollen, ſo kommt zu mir. Mein Herz wird im⸗ uter bereit ſehn, einen edlen unglück⸗ lichen aufzunehmen. —— „Indeß hatte mein Diener die Pferde geſattelt, wir ſehten uns auf, und verließen den Einſiedler, nachdem er uns den rechten Weg bezeichnet hat⸗ te, mit gerührten Herzen⸗ 127 „Es ging ſchon bald auf den Mit⸗ tag zu, als wir Sevilla erreichten. Ich erkundigte mich alſogleich nach Don An⸗ tonio, und erfuhr, er ſey nach St. Lu⸗ car de Barrameda gereiſt. Ich kam gegen Abend nach St. Lucar. Don Antonio hatte ſich mit einem jungen Frauenzimmer bereits ringeſchifft, und wie man erzählte, ſey er nach Ameri⸗ ka gefahren„ und vermuthlich nach Vera Eruce. So erzählten mir ei⸗ nige Schiffer. Dhne zu verweilen, frug ich ob kein Schiff nach Amerika ſeegeln werde, aber es lag eben keines im Hafen. Ich war entſchloſſen, Don Antonio nachzuſeegeln, da es aber nicht anging, ſo ſchiffte ich mich nach Engel⸗ land ein, wo ich nach einer ſechs wo⸗ 128 chentlichen Fahrt anlangte. Meine inni⸗ ge Liebe, und die ſehnſuchtsvolle Wuͤn⸗ ſche zu Lauras Beſitz zu gelangen, ließen mir keine Ruhe, keine Raſt. Ich form⸗ te mir einen ſeltſamen Plan. Don Antonio war bei ſeinen Landsleuten ein zu angeſehener und mächtiger Mann, als daß ich mit Recht und Guͤte etwas gegen ihn auszurichten hoffen konnte. Nur Gewalt blieb mir übrig, um ihn Lauren zu entreißen. Aus dieſen Grun⸗ de nahm ich mir vor, einige Schiffe aus⸗ zurüſten, mir ein Kaperpatent geben zu laſſen, nach Amerika zu ſeegeln, und zu verſuchen, ob ich meine Laura nicht mit Gewalt aus Don Antonios Hän⸗ den befreyen koͤnnte; da eben damals der Koͤnig von Engelland an Spa⸗ 5 * 129 — nien den Krieg erklärte, ſo kam mir dieſer Umſtand ſehr zu ſtatten. Ich hatte Geld genug, und keine Unterneh⸗ mung war mir zu koſtſpielig. Drey Fregaten waren bald gekauft, und mit Mannſchaft in Kurzen hinlänglich ver⸗ ſehen. Die Schiffe wurden mit allen Roͤthigen verproviantirt. Ich nahm Abſchied von Engelland, bis auf ein ſchoͤneres Wiederſehen, und meine klei⸗ ne Flottile lichtete bei dem günſtigen Winde die Anker. 2 4 — 131— Drittes Buh. Wenn wir bang durch's Leben geh'n, Wenn uns Weh und Gram umnachten, Wenn in Sehnſucht wir verſchmachten, Leuchteſt, labſt du, Wiederſehn 7 Schinke — Ein friſcher Rordoſtwind trieb meine drey Seegler ſchnell in die offene See hinaus. Meine Mannſchaft war frohen Muths, und brannte vor Begierde, ſich bald mit einen Spanier zu ſchla⸗ gen. Ihr Wunſch blieb nicht lange un⸗ erfuͤllt. Auf der Hoͤhe der azoriſchen Inſeln begegneten wir zwey ſpaniſchen Schiffen. Es waren Kauffahrer, die von der Havanna nach Hauſe kehrten. Wir griffen ſie an, die Kraͤmer wag⸗ ten es kaum ſich zu wehren, und der Sieg wurde uns ſehr leicht. Die Beu⸗ 134 te, welche uns zu Theil wurde, war hetraͤchtlich. Ich theilte ſie unter mei⸗ ne Mannſchaft aus, und behielt nur Schiffe nicht mit ſich ſchleppen wollten, ſo tirhen wir ſie den Spaniern, die über unſere Großmuth erſtaunt, ih⸗ ren Weg nach dem Vaterlande fort⸗ ſetzten. „Ich habe in der Folge mehrere Kauffarthey Schiffe genommen, aber immer nur die Ladung behalten, denn zu was haͤtte ich mich ihres Verkaufs wegen, erſt nach einem engliſchen, oft, entfernten Hafen begeben ſollen, da mein Hauptzweck auf ganz andere Din⸗ ge gerichtet war, einen Theil fuͤr mich. Da wir die— wat nei⸗ nut die ten, die ort⸗ rert ber enn ufs da in⸗ „Ich kam endlich glücklich bei den Antillen an, und ſeegelte auf Vera Cruce zu. In den dortigen Gewäſſer überfiel mich ein heftiger Sturm, einer der gräßlichſten, den ich je erlebte. Er trennte meine Flottille ganz auseinan⸗ der. Das Schiff auf welchen ich mich befand, kaͤmpfte den wuͤthendeſten Kam⸗ pfe mit den Elementen. Alle Augen⸗ blicke drohten es die Wellen zu verſchlin⸗ gen. Die Nacht eilte herbei, und ver⸗ mehrte die Schrecken dieſer furchterlich grauſen Scene. Mein Schiff bekam zum Ungluck einen Leck, welchen zu ſtopfen, wir uns alle Muͤhe gaben, aber es war vergeblich. Die Muth ei⸗ ner einzigen Welle, zerſtörte die Arbeit ————————— 36 einer ganzen Stunde. Her Tod wink⸗ te uns mit allen ſeinen Schreckniſſen, nirgends bot ſich uns ein Ausweg zur Rettung dgr. „In dieſen entſcheidenden Augen⸗ blicke trug der Sturm, der gluͤcklicher⸗ weiſe etwas nachgelaſſen hatte, zwey — ſpaniſche Fregatten zu uns heran. Es tagte béreits, und wir konnten ihr, Flagen erkennen. Was blieb uns jetzt übrig? Der Tod in den Wellen, oder von Feindes Hand zu ſem„ ſonſt nichts anderes. „Entſchloſſen alles zu gewinnen, oder alles zu verlieren, berief ich mei⸗ Leute auf den Verdeckzuſammen.„Kin⸗ 137 ink⸗ der, ſagte ich, der Tod droht uns von en, allen Seiten! Habt ihr Muth es zu zur verſuchen, ob es nicht moͤglich iſt, ihn zu entgehen.“ „Wir haben ihn, riefen alle ein⸗ * ſtimmig. veh„Nun wohl, fuhr ich fort, ſo laßt 6 uns eine der vor uns kreutzenden Fre⸗ hre gatten enttern. Sieg oder Tod ſey un⸗ 6t ſere Loſung! Ich laſſe die Boote aus⸗ e ſetzen, und wir verſenken unſer Schiff ni ſelbſt auf das geſchwindeſte, damit es uns nichts uͤbrig bleibt, als Sieg oder Tod. „Sieg oder Tod! brullten mir meine Leute nach. 138 „In der: größten Eile wurden nun unſere ſechs Boote ausgeſetzt. Wir ſchifften uns ein, und ſteuerten auf ei⸗ ne der feindlichen Fregatten los. Indeß hatte der Sturm noch etwas mehr nachgelaſſen, und wir waren im Stan⸗ de uns ohne großer Gefahr dem Fein⸗ de zu naͤhern. DHieſer ſah unſern Vor⸗ haben, wie wir nachher erfuhren, mit Angſt und Erſtaunen zu. Er gewahrte unſere Entſchloſſenheit, die Groͤße des 1 Kampfes, welche er beſtehen ſollte, und ihn ſank der Muth, mit Verzweifeln⸗ den, wie wir es waren, zu kämpfen. „Wir entterten unter den gräß⸗ üchflen Geſchrey. Der hefligſte Kampf begann. Es dauerte nicht lange, ſo * nuug Vir uf ei⸗ Ideß mehr Stun⸗ Fein⸗ Por⸗ „nit vohrte ſe des „und ifeln⸗ pfen. gräß⸗ zanpf 3. ſp 139—— waren wir Sieger. Die gefangenen Feinde ließ ich in unterſten Raum des Schiffes werfen, entſchloſſen ſie bei er⸗ ſter Gelegenheit ans Land zu ſetzen⸗ denn zu was haätte ich die unnuͤtzen Brodfreſſer ernähren ſollen. „Rachdem dieſes in Ordnung war, ſahen wir uns nach der andern Fregalle um, dieſe war entflohen. Unſer vo— riges Schiff bargen ſchon halb die Wellen. „Die Beute, welche uns in die Haͤnde kam, war dießmal nicht betraͤch⸗ lich. Das Beſte war das Schiff, wel⸗ ches gut gebaut, und ein ſchneller Seegler war. 140 „Der Himmel hatte ſich bereits 1 aufgeklaͤrt, ausgetobt hatte der Sturm, und ein lieblicher Hſtwind ſchnellte un⸗ ſere Seegel. Wir kreußten in der Gegend dieſer See umher, um unſere beiden Schiffe aufzuſuchen, und waren 3 ſo gluͤcklich, ſie gegen Mittag zu finden. ₰ „Vereint ſeegelten wir den Kuſten Amerikas zu, wohin mich Liebe und Sehnſucht mit vereinten Kräften trie⸗ ben. „Am dritten Tage des frühen Mor⸗ gens lag das feſte Land vor uns. Es war die Provinz Yucatan. Um mei⸗ ner Gefangenen loß zu werden, ließ ich ſie insgeſammt ein Voot beſteigen, E ereits urm, un⸗ der nſere varen 9 3 üſten und ttie⸗ Not⸗ 65 mei⸗ ließ gen⸗ 141 und gebot ihnen, nach den nächſten Hafen bei Merida zu ſeegeln. Sie ver⸗ ſprachen es, und ich trennte mich von ihnen, nachdem ich meinen Weg rechts nach Vera Cruce zu, einſchlug. „Gegen Abend des zweyten Ta⸗ ges, ſeit meiner Abfahrt von den Ku⸗ ſten Yukatans, ließ ich ohngefähr zwey Meilen von Vera Cruce in einer geräu⸗ migen Bucht, an welcher ein kleines Dorf lag, die Anker fallen, Ich hat⸗ te, um mich nicht zu verrathen, die ſpaniſche Flage aufgeſteckt, und befahl meinen Leuten, daß nur diejenigen, welche der ſpaniſchen Sprache kundig wären, mit den Spaniern in ein Ver⸗ kehr tretten ſollten. Ich ſelbſt verließ 2 — 14 41 1 ————— ————— meine Schiffe, und entſchloß mich zu Lande nach Vera Cruce zu begeben.. „Der Weg dahin führte durch ein wohlangebautes Land, deſſen Fruͤchte ihr Daſeyn den Schweiß und Thraͤnen unglücklicher Sklaven zu verdanken hat⸗ ten. Da ich der Fußreiſen nicht ge⸗ wohnt war, ſo ſetzte ich meinen Weg nur langſam fort. Die Hitze des Ta⸗ ges ermattete mich ungemein, und zwang mich in irgend einer Hutte ein⸗ zuſprechen, und um einen friſchen Trunk Waſſer zu bitten. Ich nahte mich in dieſer Abſicht einer Hütte, bei welcher nnter einen Platanenbaume eine junge Negerinn ſaß. Sie ſtand auf, als ich ihr gegenüber ſtand, verbeugte ſich eh⸗ ſich zu rch ein rüchte räen nhal⸗ ge⸗ Veh 5 To⸗ und e ein⸗ runk ich in elchet jnge ks ich rerbittig, und blieb ſo in einer ehifurchts⸗ vollen Stellung mit kreutzweiſe über⸗ einander geſchlagenen Armen ſtehen. Es war eine ſchlanke Figur, ſchwarz wie die Nacht, und glanzend wie geklätte⸗ ter Stahl. Ihre Lippen waren roth wie Kirſchen, und ihre Augen funkel⸗ ten wie ein Paar Sterne. „Liebes Maͤdchen, ſagte ich ihr, willſt du nicht ſo gut ſeyn, und mir ei⸗ nen Trunk Waſſer holen. „Sie nickte mit den Koͤpfchen, lief in die Huͤtte, und brachte mir in kurzer Zeit in einem reinen, irdenen Topfe friſches Waſſer.— Ich trank mit vollen Zugen, und ſchenkte ihr ei⸗ 144 nen ſpaniſchen Thaler. Das Mädchen ſah bald mich, bald das Geld an.„Ach Herr, ſtammelte ſie, das iſt zu viel“— Behalte es nur, ſagte ich, es kömmt mir nicht ſchwer, dir es zu geben. Ein Strahl vor Freude glaͤnzte bei dieſen Worten in ihren Augen, ſie küßte mei⸗ ne Haͤnde, und warf ſich zu meinen Fuͤſſen. Ich hob ſie auf. Thraͤnen ſtan⸗ den in ihren Augen, und mitten durch dieſe lächelte die Freude auf ihren Ge⸗ ſicht. Was weinſt du? fragte ich ſie. „Ach Herr, gab ſie zur Antwort, mich willen, den es für mich hat. Ihr muͤßt wiſſen. Ich habe einen Gelieb⸗ ten, o der gute, gute Seliko, wie rrührt euer Geſchenk, um des Werthes idchen „Ach ömmt Ein dieſen mei⸗ einen ſtan⸗ durch Ge⸗ h ſi. wird es ihn Freude machen, wenn ich ihn den Thaler bringe. Er wird ihn ſeinen Aufſeher geben, und dieſer wird dann erlauben, daß er zu Zeiten von ſeiner beſchwerlichen Arbeit ausruhen, und die Stunde des Feyerabends bei mir zubringen darf.— H! man geht ja mit uns haͤrter um, als mit unver⸗ nünftigen Thieren. Alle Freude, jeder Genuß des Lebens wird uns verſagt, immer ſchwebt die Peitſche über unſern Ruͤcken, und jedes Wort, das man zu uns ſpricht, iſt eine Drohung, ein Fluch gegen uns Ungluckliche.“ Arme, bemitleidungswerthe Men⸗ ſchen. — „Ja wohl bemitleidungswerth, das ſind wir, und wenn uns die Liebe das Leben nicht verſuͤſſen würde, ſo wären wir ſchon längſt in der Heimath der großen Götter. Du liebſt wohl deinen Geliebteu ſehr? „Mehr wie mein Leben„aber er verdient es auch!“ Da ſetze dich nieder, und erzaͤhle. Welcher Himmelsſtreich ſah dich geboh⸗ ren werden, wie kamſt du hicher, und welchen Antheil hat dein Geliebter an dir? h, das Lebe e, ſo eimath iebten ber er zahle. eboh⸗ und ter on 147 „Die junge Regeeinn ſetzte ſich nie⸗ der, ich neben ihr, und ſie erzaͤhlte folgendermaſſen ihre Geſchichte.“ „Ich bin im Königreich Gongo am Fluße Zaire gebohren. Meine Ael⸗ tern beſaßen an ſeinen Ufern einen cken Lands, den ſie mit Maiß und ei⸗ 7. nigen Wurzelarten anbauten. Eine ſchlechte Huͤtte gab uns Obdach, und ene der nahe Fluß verſorgte uns mit Fi⸗ ſchen. Meine Aeltern waren arm, aber 2 gut. Ich war ihr einziges Kind, und ₰24 ſie liebten mich mit unbegränzter Zärt⸗ V e lichkeit. Ich wuchs ſorglos und fröh⸗— Aa lich heran, und da ich die Plagen mei⸗ .. —— Ec ℳ— 146 nes Väterlands nicht kannke, ſo zitter⸗ te ich vor keiner Zukunft nicht. Mein Geſpiele der junge Seliko, deſſen Va⸗ ter ein Rachbar von uns war, wuchs. mit mir auf. Wir liebten uns als Kinder, und thaten es auch, als wir herangewachſen waren. Die graufamen Europder(verzeiht, euch meine ich nicht) ſprechen uns alle zarten Gefüh⸗ le ab, o ihr guten Götter, wie ſehr ſetzen ſie uns herab. Ich errinere mich noch, wie ich das erſtemal in Seli⸗ kos Arme ſank, wie ich von der innig⸗ ſten, zarteſten Liebe durchdrungen, nur mit ihn zu leben, und zu ſterben, ihn verſprach, wie wir uns ſchone pläne für die Zukunft entwarfen, und des zitter⸗ Mein Vo⸗ wuchs 6 als ls wir ſamen efüh⸗ e ſehr emich Seli⸗ nnig⸗ nur ihn — 49—— ſuͤſſen Augenblicks mit Sehnſucht entge⸗ gen ſahen, der uns vereinigen ſollte. Zwar erlauben es die Geſetze unſers Landes, daß der Mann mehr als ein Weib beſitzen koͤnne, aber Seliko ver⸗ ſprach, mich allein zu lieben, und ich war auf den Gipfel meiner Wuͤnſche Schon war der Tag nicht mehr fern, der uns auf ewig verbinden ſollte, als uns ein ſchreckliches Ereigniß, wie es ſchien fuͤr immer trennte. „Es war in einer Racht vor dem Feſte der großen Schlange, als mich ein gewaltiger Lärm aufweckte. Ich ſprang auf, und trat aus der Huͤtte hervor. Guͤtigen Goͤtter, welcher An⸗ blick bot ſich mir dar. Fremde Sol⸗ — 150—— daten waren in unſer Dorf gedrungen, ſie pluͤnderten unſere Wohnungen, und fuͤhrten die Menſchen als Sklaven mit ſich. Einige Hütten brannten lichter⸗ loh, und erhellten die grauſende Sce⸗ ne. Ich fah mit Angſt und Zittern, wie die Barbaren die Kinder unſers Lands fortſchleppten„ und erwartete alle Augenblicke daſſelbe Schickſal. Mei⸗ ne Aeltern waxen bei mir, auch Seli⸗ ko eilte zu meinem Schuß herbei. Die Huͤtte meiner Aeltern ſtand am äußer⸗ ſten Ende des Dorfes unter den Ab⸗ hange eines Felſens. Bis jetzt war noch kein Feind bis zu uns vorgedrun⸗ gen, aber endlich führte ein feindliches Weſen einen Haufen von ihnen herbey. . ungen, 1 und en mit ſichter⸗ Get⸗ ttern, unſers artett Nei⸗ Seli⸗ Die ußer⸗ Ab⸗ war rn⸗ iches rbeh⸗ 151 Sie fielen uns mit großen Geſchrey an; bemachtigten ſich unſer trotz jeden Wi⸗ derſtand, und ſchleppten mich und mei⸗ ne Aeltern davon. Seliko war ſo glůck⸗ lich, ſich zu retten. „Die Raͤuber waren aus dem Koͤ⸗ nigreiche Angola. Europäiſche Schiffe hatten an ihrer Kuͤſte gelandet, und kauften daſelbſt Sklaven ein. Da man ihrer dort nicht in Menge vorräthig hatte, ſo überfielen die Angolaner die benachbarten Staaten, und raubten die Menſchen zu hunderten, um ſie den grauſamen Europaͤern zu verkaufen. „Mit meinen unglucksgefaͤhrten wurde ich eine Tagreiſe weit nach An⸗ 182 5* gola gefuhrt; dort beſahen uns die Eu⸗ ropder(es waren Spanier) und kauf⸗ ten diejenigen, die ihnen anſtunden. Ich war unter der Zahl derjenigen, wel⸗ che ſie ſich zu ihren Sklaveu auslaſen. Man führte mich auf eines ihrer Schif⸗ fe, und ſpeerte mich, da ich dem Kapi⸗ taine ganz beſonders gefiel, in ſeine Kajüte ein. Drey kummervolle Tage floßen mir dahin. Ich ſeufzte, weinte⸗ klagte und härmte mich ab. Meine Ge⸗ danken beſchäftigten ſich ſtets mit Seli⸗ ko. Die Trennung von ihm ängſtigte mit tauſend Qualen mein Herz, die weit peinlicher waren, als die Leiden der mir bevorſtehenden Stlaverey. Am vierten Tag, eben als ich eine kummer⸗ volle Nacht durchwacht hatte, ſtͤrtzte er⸗ rhle Seliko in die Kajute, Ich ſank vor freudigen Schrecken zuſammen, Als ich mich erholte, hielt er mich in ſeinen Armen, und benetzte mit Thränen mei⸗ ne Wangen.„O meine Liri⸗ rief er, jezt trennt uns nichts mehr, als der Tod.“— Ich ſah ihn erſtaunt an.„Wie ſoll ich das verſtehen? fragte ich“— Ein Thranenſtrom ſtuͤrzte aus ſeineu Augen.„Ach Liri, verſetzte er, ich bin ein Sklave wie du. Es war mir unmöglich, ohne dich zu leben. Ich bot den Barbaren Loͤſegeld für dich an, aber es war zu wenig, was ich geben konnte. Ich bot mich ſelbſt ſtatt deiner an. Der Kapitaine laͤchelte, und hieß mich auf ſein Schiff folgen. Ich be⸗ trat das ſchimmerndr Gebaude mit B froher Erwartung, aber wie ſchrecklich hat mich der Weiße betrogen. Als er mich zu der Thüre der Kajüte brachte, ſtieß er mich hinein, und ſagte hohn⸗ lächelnd.„Dummer Junge, du ent⸗ kömmſt mir nicht mehr.“ Liri, es ſchmerzt mich, betrogen zu ſeyn, aber der Gedanke daß ich bei dir bin, ſtärkt mich in meiner Hoff⸗ nung. „Seliko hielt mich in ſeinen Ar⸗ men umpfangen, benetzte meine Wan⸗ gen mit Thraͤnen, und ich weinte mit ihn. Kummer fullte unſre Herzen, aber die Hoffnung richtete ſie von neuen wieder auf. Der Kapitaine unſers Schif⸗ ſes war ein roher, an ſein Geſchaͤft recklich As er rachte, hohn⸗ ent⸗ 1„ es abet ſůtlt huf n Ar⸗ Wan⸗ te nit tzen neuten Schif⸗ ſhiſt —— 5 laͤngſt gewohnter Mann, aber er war kein Barbar. Ich und Seliko gaben uns für Geſchwiſter aus, und erhielten die Erlaubniß, beiſammen bleiben zu köͤnnen. Meine geringen Reitze zogen des Kapilaines Augen auf ſich, und er plagte mich mit ſeiner Liebe die ganze Fahrt nach Amerika. Ich wollte ihn nicht erzürnen, um mein und Selikos Schickſal, das ſeine Liebe uns erleichter⸗ te, nicht zu verſchlimmern, und hielt ihn mit Hoffnungen hin, die ich nie erfuͤllen wollte. Sicher hätte ich doch am Ende in Güte oder mit Gewalt ihn unterliegen muͤſſen, wenn wir nicht in Kurzen in Vera Cruce angelangt waͤren. Der Gelddurſt überwog des Kapitaines 156 Liebe; ich und Seliko wurden an einen Platagenbeſitzer verkauft, bei welchen wir uns noch jetzt befinden. unſer Herr iſt keiner der ſchlimmſten, aber ſein Meiſterknecht behandelt uns oft auf die grauſamſte Art. Sklaven haben kein Recht, und darfen nicht murren, ihr Leben ſteht in der Gewalt ihrer Ty⸗ ranen, es gilt kein Wagen, weil man ſich nicht den mindeſten Erfolg davon prrſprechen kann. Man muß geduldig leiden, denn hier iſt Leiden unſer Beruf. „Die liebliche Liri ſchwieg ſtil. Wuͤnſchteſt du wohl mit deinen Seli⸗ ko verbunden zu werden? fragte ich die ſchöne Ungluͤckliche. neinen welchen Unſer 1abet oft auf haben urten, ter Ty⸗ il man davon Huldig unſet 8 ſtil. Stli⸗ ic die —— 57 Ach ja, ſagte ſie leiſe verſchämt vor ſich hin, und ihre Augen glänzten von dem reinſten Feuer der Liebe. Aber ſetzte ſie nach einer Pauſe hinzu. Die⸗ ſe Verbindung ware zwar mein hoͤch⸗ ſtes Gluͤck, und zugleich auch mein bit⸗ terſtes Ungluck. „Wie ſo? fragte ich.“ Welche Freude ſoll es mir ſeyn, Geſchopfe auf die Welt zu ſetzen, de⸗ ren Loos ewige Sklaverey iſt. „Beruhige dich liebes Kind. Dein Schickſal, deine und Selikos zarte Liebe haben mich gerührt. Ich gehe nach Vera Cruce, vielleicht kann ich —— ——— — die Wellen Columbus Schiff zertrumert, 158 dern Schickſal lindern. Wie heißt dein Herr? Alvaro Fimenes. „Gut, ich ſcheide von dir, und wenn ich dich wieder ſehe, ſo ſoll dein Glück mein Werk ſeyn. „Liri warf ſich zu meinen Füſſen, ſie dankte mir mit dem innigſten Ent⸗ zucken, denn ſie hatte dem Sinne mei⸗ Worte gefaſt, und weinte Thränen der begluͤckten Hoffnung.— Ich ſchied on ihr, und verfolgte meinen Weg nach Vera Cruce. Dl ſagte ich zu mir, hätten doch —— „ ißt dein t, und ll dein Füſſen, en Ent⸗ ne mei⸗ Lhränen ſchied u Wi en doch tümert⸗ 5% ehe er Amerika erreichte, wie viel Qua⸗ len und Leiden wären der Menſchheit entgangen, welche Verbrechen, welcher Fluch wäre von ihren Haͤuptern ge⸗ waälzt worden. Aber jetzt, die Menſch⸗ heit ſchauderte vor den Thaten, die ih⸗ re Söhne vollbringen, ihr Genius ver⸗ hüllt fliehend ſein Geſicht, und ſie reifen der ewigen Gerechtigkeit entge⸗ gen. Strafe und Lohn wartet zwar ihrer, aber welche Waage wird ſinken 2 Unker derley Betrachtungen kam ich nach Vera Cruce. Ich gab mich für einen Kaufmann aus Merida aus, beſuchte einige Handlungshäuſer, und forſchte wie vom Dhngefähr nach Don Antonio. 6% ing wie ein Träumender umher, und ſchwaͤnkte von einem Entſchluße zum andern. Es blieb mir nichts übrig, da —— ,, „Zu meinen größten Schrecken er⸗ fuhr ich, daß dieſer zu Lande nach Al⸗ capulco, und von da nach Peru oder Chili gereiſt ſey. Wie ich weiter noch fragte, ſo erzahlte man mir, ein ſchö⸗ nes Mädchen ſey in ſeiner Geſellſchaft geweſen, die wie es ſchien, ungern und mit Widerwillen ihren Begleiter gefolgt ſey. Nach der Beſchreibung erkannte ich in ihr meine Laura. Der Schmers, ſie nicht in Vera Eruce gefunden zu ha⸗ ben, ſchlug mich ganz darnieder. Ich ich um meinen Entzweck zu erreichen, mich von meinen Schiffen nicht trennen konnte als um das ſüdliche Amerika 6—. ⸗ ſ — recken et⸗ nach Al⸗ eru oder iter noch ein ſch⸗ eſellſhoft gernund gefolgt erkannke Schuett, en h der, 36 her, und uße jum übtig, do erreichen trennen Amit m —— 161 herum zu fahren, und nach Peru zu ſeegeln. Schon wollte ich die Stadt verlaſſen, als ich mich Liris errinnerte. Ihre und ihres Geliebten Befreyung nahm ich mir vor zu bewirken. Es lag ſo etwas ſuͤſſes in den Gedanken: du kannſt zwey unterdruͤckte Menſchen glücklich machen, welche die Liebe ver⸗ einigt, und nur ihr Schickſal trennt; daß ich keinen Augenblick ſäumte, ih⸗ re Rettung zu beginnen. Am Golde war mir nichts gelegen, ich hatte deſ⸗ ſen im Uiberfluß, und ſo war mir es ein Leichtes, Liri und Seliko von ih⸗ ren Herrn zu kaufen. „Ich eilte den andern Morgen, als es noch kaum tagte, um den bei⸗ L . 6 den Gluͤcklichnn die Freyhreit anzukun⸗ digen. Die Sonne neigte ſich ſchon gegen Mittag, als ich bei Liris Woh⸗ nung anlangte. Die liebliche Negerinn ſah mich ſchon von Ferne ihrer Woh“ nung zueilen. Sie hatte mich erkannt, denn eben war ſie vor ihrer Hutte ge⸗ ſtanden, und hatte ſehnſuchtsvoll mei⸗ ner Ruckkehr geharrt. Als ich zu ihr kam, blickte ſie mich mit fragenden Blicken an.„Biſt du ein Boche des Friedens oder der Verzweiflung, ſo fragte ſie mich mit bebender Stimme?“ Faſſe Muth Liri, verſetzte ich. Es giebt Augenblicke in menſchlichen Leber, wo die Freude ſo ſehr auf uns wirkt, als der heftigſte Schmerz. anzulin⸗ ch ſchon WVoh⸗ NRegerinn et Woh' erkonnt, itte ge⸗ voll mei⸗ n ihr ragenden othe des ung, ſo ) mme? ih b n Lebe irkt, 9 w 163 „Freude ſagſt du, wiederholte ſie, Freude! o ihr guten Goͤtter, wel⸗ che Ahndung erfuͤllt mein Herz. Edler Herr, ſprich, ſoll ich gluͤcklich werden?“ Du ſollſt es, ſage ich! „Ich ſoll, rief ſie, ich bin es, ja ich bin es, ich leſe es in deinen Au⸗ gen.“ „Mit dieſen Worten warf ſie ſich zu meinen Fuͤſſen, ſie weinte vor Freu⸗ den. Ich hob ſie auf, druͤckte ſie an mein Herz, gab ihr einen Kuß auf die Stirne, und ihre Freude preßte mir ſelbſt Tbränen aus. „Du biſt frey, ſagte ich. Alvaro hat mir dich und Seliko verkauft, und ch ſchenke euch die Frepheit.“ Q0 164 „Liri ſah mich ſtarr an, dieß war uͤber ihre Erwartung. Sie wußte ſich vor Freuden nicht zu faſſen. Sie tanz⸗ te, ſprang umher, warf ſich von neu⸗ en um meinen Hals, und lief endlich unter lautem Geſchrey davon. Ich ſah der Glucklichen nach, und ſeufzte uber mein eigenes Geſchick. „Kaum waren einige Minuten ver⸗ floſſen, da kam Liri in vollen Ver⸗ gnügen zu mir geloffen. An ihrer Hand folgte ein junger Neger; es war Seli⸗ ko, und hinter ihnen keuchte der Mei⸗ ſterknecht. Sie warfen ſich zu meinen Fuͤſſen, und ihre Freude, ihre Ruͤh⸗ rung ließ ſie nur umzuſammenhangende Worte ſtammeln, welchd die Groͤße ih⸗ — —— ieß war ußte ſich ie tanz⸗ on neu⸗ f endlich 3ſh te uͤber uten ver⸗ len Ver⸗ er Hand nSelt⸗ et Nei⸗ nmeinen re Fih⸗ hngendt — 165—— res Gefühls bezeichneten. Ich hob die von Freude Verauſchten auf, und druck⸗ te ſie an mein Herz. Der Augenblick war fuͤr mich ſo koſtlich, daß ich nicht begreifen konnte, warum die Großen der Erde ſo wenig Wohlthaten ſpenden, da Wohlthun ſo herrliche Zinſen traͤgt, uns über uns ſelbſt erhebt, und den Urbild des weiſeſten Weſens nähert. „Der Meiſterknecht hatte der ſcho⸗ nen Stcene ſtillſchweigend zugeſehen. „Iſt es denn wahr, ſagte er endlich zu mir, daß dieſe Beiden(er wies auf Li⸗ ri und Seliko) euch mein Herr verkauft hat?— Ich bejahte ſeine Frage, und zeigte ihn. den Befehl ſeines Herrn, mir Liri und Seliko ausfolgen zu laſ⸗ — ſen.„Sie ſind mein, ſagle ich dann, und ich gebe ihnen die Freyheit.“ Der Neiſterknecht erſtaunte uber meine Groß⸗ muth, wie er meine That bezeichnete, und ich freute mich nur meiner Menſch⸗ lichkeit. „Als ſich der Meiſterknecht eutfernt hatte. hieß ich Liri und Seliko mir ſolgen.„Es iſt nicht genug, ſagte ich ihnen, daß ich euch die Freyheit erkauf⸗ te, denn zu was würde ſie euch fro⸗ men, wenn ich euch nicht die Rittel verſchaffte, ſie gemeßen zu können. Man muß nichts unvollendet laſſen. Folgt mir auf meine Schiffe, ich neh⸗ me euch nach St. Domingo. Dort hat eben ein Reger Touſaint dann, Der ichnele, evifemt ito mit erkauf⸗ uch fro⸗ Nittel lönnen. loſſen⸗ ih neh⸗ Dort uſain! 167 ['Querture das Joch der Sklavereh ſeinen Bruͤdern abgenohmen. Er hat die Freyheit der Reger erfochten, und iſt eben in Begriff, ſich von allen euro⸗ päiſchen Mächten unabhaͤngig zu erklä⸗ ren. Schon hat er Spanier und En⸗ gelländer beſtegt, und auch die Fran⸗ ken werden ihn bald das Feld räumen muͤſſen. Unter ſeinen Schutz will ich euch füͤhren. Dort koͤnnt ihr euch nie⸗ derlaſſen, und euch eines ſchoͤneren Le⸗ bens, als bisher erfreuen.“ „Liri und Seliko waren von mei⸗ ner Guͤte ganz entzückt. Sie konnten nicht genug Worte finden, um mir zu danken. Ich erzaͤhlte ihnen noch einige Thaten des Touſaint l'Duerture, —— ——————— 168 und ſie ſehnten ſich bald in das Land zu kommen, wo die ſo grauſam unter⸗ druͤckte Menſchheit, das Gefuͤhl ihrer Wuͤrde, den Werth ihrer Selbſtſtaͤn⸗ digkeit wieder erhielt. „Wir kamen endlich bei meinen Schiffen an. Meine Leute hatten meiner bereits mit Sehnſucht ge⸗ haart. Ohne uns länger zu verweilen, lichteten wir die Anker, und ſeegelten nach St. Domingo zu. „Den zweyten Tag nach unſerer Abfahrt kamen wir daſelbſt an. Ohn⸗ fern eines Dorfes ließ ich ein Boot ausſetzen. Ich ſchenkte Liri einige hun⸗ dert Thaler, gab ihr ſonſt noch einige us Land vnter⸗ hl ihrer löſſtän⸗ meinen hatten ucht ge⸗ rweilen, ſergelten unſetet Ohn⸗ in Boot ige hun⸗ 5 einihe 169 Geſchenke, und nahm von ihnen Abſchied. Die beiden Freygelaſſenen weinten Thrä⸗ nen der innigſten Rührung. Wir trenn⸗ ten uns. Liri und Seliko beſtiegen das Boot, und meine Leute fuhren ſie ans Land. Als dieſe wieder zuruͤck⸗ gekehrt waren, ſeegelten wir ohne uns aufzuhalten nach Südamerika zu. Un⸗ ter Wegs machten wir zwar einige Prieſen, da ich mich aber nicht mit ih⸗ ren Verkauf aufhalten konnte, ſo nahm ich nur ihr baares Geld, oder ſonſt Waaren, die im hohen Preiſe ſtanden, und ließ die Schiffe dann wieder un⸗ gehindert weiter ſeegeln. Endlich ka⸗ men wir durch die magelaniſche Meer⸗ enge oder Straſſe nach Südweſtameri⸗ ka. Als wir eben nach Chili ſeegeln 170 wollten, überfiel uns ein heftiger Sturm. Er richtete unſere Schiffe ſehr übel zu⸗ und wir hatten von Gluck zu ſprechen, daß wir die Inſel Likante entdeck⸗ ten, wo wir wieder unſere Schiffe aus⸗ beſſerten, und nach einen dreymonatli⸗ chen Aufenthalt dann weiter ſeegelten. „unaufhorlich ſchwebte mir das Schickſal meiner Laura vor Augen, ich dachte nur an ſie, und wuͤnſchte mir Flügeln, um nur bald bei ihr zu ſeyn. Saß ich in meiner Kajuͤte, ſo plickte mir aus jeden Winkel Laura entgegen, ſah ich in die See hinaus, ſo ſchwebte ſie auf den Fluthen des Meers. Lag ich zu Bette, ſo glaubte ich ſie bei denſelben ſizend zu ſehen? techen, entdeck⸗ ffe aus⸗ onatli⸗ elten. it das Augen, vünſchte ihr zu ite ſo Laut hinaus/ hen des glaubte ſthen 171 im Trqume war ſie um mich, und wacht ich auf, ſo duͤnkte ich mich, ſie läge an meiner Seite.— So beſchaͤf⸗ tigte ſich meine Phantaſie nur immer mit ihr, und nur an ſie waren alle meine Gedanken gerichtet. „Du weißt wie ich das Schiff erreichte, das deinen ehemaligen Herrn Don Antonio am Vord hatte. Das Geſecht und ſein Ausgang iſt dir ſa Der nichtswuͤrdige Bube hat ſeinen Lohn empfangen, wollte der Himmel, mei⸗ ne Laura ware ſchon in meiner Gewalt, denn ich furchte, Antonios Helfer wer⸗ den nicht zum Beſten mit ihr ver⸗ fahren.“ — * 172 ** Hier endigte Gordon ſeine Geſchich⸗ te. Lopetz troͤſtete ihn, und gab ſich alle Mühe, ſeine Hoffnungen zu bele⸗ ben, und die bangen Ahndungen ſeines Herzens zu verſcheuchen. —— * Indeß gelangte man an der Kuͤſte von Peru an. Einige Meilen von der Stadt Arica liegt eine Inſel Nohmens Quitolo; ſie iſt unbewohnt, und hat außer ftiſchenWaſſer„nichts als wil⸗ den vfeh. Dort landete in einer 6 ſichern Bucht Gordon mit ſeinen dreh 2 Schiffen, Er waͤhlte von ſeinen Leu⸗ ten hundert Mann, die er als ſpaniſche Soldaten kleiden ließ, und ließ ſich mit ihnen durch Böte ans feſte Land brin⸗ gen. Lopetz, der den Ort wußte, wo ab ſich u bele⸗ ſeines üſte von det qnens nd hat ls nil⸗ neinet en deh. en Lel⸗ niſce ſch nit e, wo — 173— Laura xitn wurde, fuͤhrte den Zug an. Man landete bri Racht, und zog ohne Geraͤuſch in die ſüdlich von Arica gelegenen . Als der Tag zu dämmern begann, beſand ſich Gordon mit ſeinen Leuten im Angeſichte des Schloſſes Silva, wo ſeine Laura nach Lopetz Ausſage tei Don Alvaro di Cusco in Verwahrung gehalten wurde. Gordon und Lopetz hielten Ruͤckſprache, wie ſie es anfan⸗ gen wollten, um Lauren mit Liſt zu erhalten, denn nur im aͤußerſten Falle wollten ſie Gewalt brauchen. Endlich daß Lopetz in das beſchloß man, 174 Schloß ſich begeben, und vorgeben ſoll⸗ te, ſein Herr habe ihn zurückgeſandt, um Lauren abzuholen, da er ſich entſchloſſen habe, ſie wieder nach Europa mit zurückzunehmen. Gordon verbarg ſich mit ſeinen Leuten indeß in einen nahe gelegenen dichten Wald, und Lopetz ging nach dem Schloſſe Silva, um ſein Gluͤck zu verſu⸗ chen. * Don Alvato war ſehr erſtaunt; den Diener Don Antonios bei ſich zu ſehen, Er erſchrack bei ſei en Anblic und fuͤrchtete, daß ſeinem n ein ungluͤck begegnet ſey, als aber Lopetz ihn die urſache ſeiner Ruͤckkehr anzeig te, ſo beruhigte er ſich, und war gar . en ſoll⸗ eſandt, et ſich nach Gotdot n irdeß Vald, Schloſſe verſu⸗ rſtaun i ſch i Mbli⸗ unde ein er Lopes inzeig⸗ wat 90 1 8 175 — nicht abgeneigt, ihn Lauren verabfol⸗ gen zu laſſen. Er traf alſogleich An⸗ ſtalten, um Lauren nach dem ufer zu bringen, und machte ſich auf, ſie mit“ ſechzig Peruanern zu begleiten. So ſehr als Lopetz gegen dieſe Be⸗ gleitung protefiirte, ſo war Alvaro da⸗ von nicht abzubringen.„Ich kann, ſagte er, das Fleinod nicht genug be⸗ wahren, das mir mein Freund anver⸗ traut hat. Lopetz war in Verlegenheit. Er bat Don Alvaro, ihn dieſen Tag aus⸗ vuhen zu laſſen, und erſt den kuͤnſti⸗ gen Morgen abzureiſen, indem das Boot bei Arica auf ihn ſchon warten würde, Alvaro war es zufrieden. Auf ſei⸗ 176 — ne Frage, wie weit Don Antonio ſchon geſeegelt ſey, gab Lopetz den Hafen Coquimbo in Chili an, wo ſein Herr ſeiner Ruͤckkunft harre. Sobald als Lopetz das Schloß oh⸗ ne Aufſehen verlaſſen konnte, eilte er zu Gordon, und berichtete ihn die La⸗ ge der Sachen. „Laß die Anzahl derer, die Laura begleiten auch Hunderte ſeyn, ſagte die⸗ ſer, was ſchadet es, ich greif ſie an, und es ſoll mir nicht ſchwer werden, die Rotte zu zerſtreuen, und Lauren in meine Gewalt zu bekommen. Geh nur zuruͤck auf das Schloß, fuhr Gor⸗ don fort, ſprich mit meiner Laura, 2 nio ſchon n Hafen ein Herr chloß oh⸗ eilte er ndie Lo⸗ die Louto ſagte die⸗ f ſie an werden/ nd Labren nen⸗ 6ch fihr Son r Laurs/ — und entdecke ihr ihre baldige Rettung. Auf, ſpude dich. Morgen bricht der ſchoͤnſte Tag meines Lebens an.“ Lopetz kehrte nach dem Schloſſe Silva zuruck. Er bat Don Alvard, ihn Lauren ſprechen zu laſſen, da er ihr von ſeinem Herrn etwas beſonders auszurichten habe, und dieſer, der nichts arges ahndete, füͤhrte ihn zu ihr. Laura erſchrack, als ſie den Die⸗ ner ihres ehemaligen Peinigers erblick⸗ te, aber ihr Schrecken verwandelte ſich bald in die innigſte Freude, als ihr Lopetz erzählte, daß Don Antonio todt 6 ſey, Gordon in der Rähe des Schloſ⸗ ärndten wuͤrde. ſes ihrer harre, Morgen ſie ihrer Ge⸗ * 1 fangenſchaft befreyt, und in ſeinen Ar⸗ men den Lohn ihrer Standhaftigkeit ————————— Kaum dämmerte der Morgen, ſo eilte Don Alvaro, ſeine ſchoͤne Gefan⸗ gene an den Hrt ihrer Beſtimmung zu Er machte ſich mit ihr, Lo⸗ petz und ſechzig Bewaffneten auf den Weg nach Arica. Als ſie der Gegend vorbe Fogen„wo Gordon der ſchonen Bente harrte, brach dieſer mit ſeiner muthigen Schaar hervor, und zog Ih⸗ nen friedlich entgegen. Don Alvaro Ge⸗ en Ar⸗ ſügkeit en, ſo Gefan⸗ ung zu Lo⸗ uf den Gcgeid ſchönen ſeinet 9J⸗ Alvar 0 glaubte, es wären ſpaniſche Truppen, die von Potoſie oder La Plata kämen, und ihr Erſcheinen befremdete ihn im geringſten nicht. Gordon und ſeine Truppen umzin⸗ gelten wie von Fngefähr Don Alva⸗ ros ſchwarze Beglciter, und als Gor⸗ don glaubte, jetzt wäre es Zeit, die Geliebte ſeines Herzens zu befreyen, gab er ſeinen Truppen ein Zeichen, die alſogleich uͤber die Schwarzen her⸗ fielen, und ſie entwaffneten. Er ſelbſt ſprang auf Don Alvaro zu, und woll⸗ te Lauren von ſeiner Seite reißen, aber der Spanier war vorſichtig. Er ſchwang ſeinen Säbel uͤber Lauren„und rief: „Der erſte Verſuch ſie mir zu M M 2 —— S————— 180 — entreißen, bringt ihr den Tod!“. Gordon erſtarrte.„Halt, ſagte 3. er, wenn dir dein Leben lieb iſt. Ich bin Gordon, der Korſarenkapitaine. Dein Leben zum pfande fuͤr Lauren. Ihr Tod iſt auch der letzte Augenblick deines Lebens.“ Don Alvaro verweilte ſich beſin⸗ m linken Arme nend. Laura lag in ſeine ohnmächtig, er ſelbſt blickte mit Ver⸗ achtung auf ſeinen Gegner, und die Schwarzen, welche bereits von Gor⸗ dons Leuten entwaffnet waren. — 31— Eine gräßliche Pauſe entſtand. Mit bange klopfenden Herzen ſahen al⸗ le diefer furchtbaren Scene zu. Endlich fing Gordon wieder an: „Don Alvaro, dein Freund Don An⸗ tonio iſt todt. Du biſt deines ihm gegebenen Verſprechens los. Fuͤr die Ewigkeit haſt du nicht geſchworen. Gieb mir Lanren, und ich will dich furſtlich belohnen.— Don Alvaro runzelte finſter die Stirne.„Ich gebe ſie nicht!— rief er, und ſein Arm ſchwang den Säbel drohender uͤber ihren Haupt. Gordon zitterte unentſchloſſen ihm entgegen. Er wollte Lauras Leben nicht anf's Spiel ſetzen. War dieſe verloh⸗ ren, ſo gingen alle ſeine Wuͤnſche Hoffnungen, Pläne und Anſtrengungen mit ihr verlohren. Lopetz hatte bis jetzt als ein můſ⸗ ſiger Zuſchauer der Scene zugeſehen. Er überlegte hin und her, wie er Lau⸗ ren retten konnte. Endlich beſchloß er es, um jeden Preis zu wagen. Vor⸗ ſichtig und ungeſrhen von Don Alvaro, legte er ſich auf die Erde, und ſchliech auf dem Bauche bis zu Don Alvaro hin. Alle Blicke der Umſtehenden be⸗ gleiteten ihn. Die Schwarzen Don Alvaros waren bereits entfernt wor⸗ den, und nur einige von Gordons Leu⸗ ten ſtanden im weiten Zirkel um Don h⸗ Alvaro her. Jetzt war Lopetz bis an Don Alvaro hingeſchliechen. Raſch und n mit allen ſeinen Kräften unterſchlug er nun mit ſeinem Kopfe deſſen Fuͤſſe, und 3 dieſer ſtürzte ruͤcklings über Lopetz zu Boden. Laura entfiel ſeinen Armen, . aber Gordon fing ſie auf, und legte ſie auf den Raſen. er Die Seeräuber waren indeß über den gefallenen Spanier hergefallen, ehe er ſich aufrichten konnte. Sie rie— ßen ihn den Saͤbel aus der Hand, 5 und banden ihn Hände und Füſſe. Ein on lautes Viktoria erſcholl von Gordons or⸗ Truppen, und ihr lauter Jubel ertön⸗ te in den Luͤften. 184 Das Geſchrey weckte Lauren aus chrer Ohnmacht. Sie oͤffnete die Au⸗ gen, und ſchrie vor Freuden laut auf, als ſie ſich in Gordons Armen erblick⸗ te. Die Liebenden umarmten ſich mit der höchſten Innigkeit. Dieſer ſuſſe Augenblick verharrſchte den Kummer von Jahren, und gab Vergeſſenheit der Trauer, welche die Freude des entzuckendeſten Moments verſcheuchte. „Mein biſt du! rief Gordon,(das Liebchen an ſeine Bruſt druͤckend) und keine Macht der Erde ſoll mir dich ent“ reißen.“ „Dein, liſpelte Laura, und ſchmieg⸗ te ſich an den Gelicbten, der ſie in „ 5 den Kranz ſeiner Arme feſt umſchlun gen hielt. Sein! bruͤllten laut Gordons Truppen, und reihten ſich um die glück⸗ lichen Liebenden herum. Gordon dank⸗ le der Theilnahme ſeiner Leute. Er hieß Don Alvaro und ſeine Schwarzen loß binden, und gebot ihnen rühig nach Hauſe zu ziehen. Don Alvaro ſchäumte vor Wuth, ſich überliſtet und uͤberwunden zu ſehen. Er entfernte ſich mit ſeinen Leuten unter den graͤtz⸗ lichſten Verwuͤnſchungen, und mißhan⸗ delte jeden, der ihn zu nahe kam. Mit dem ſeligſten, reinſten, lieb⸗ lichſten Gefühlen im Herzen, zogen Lau⸗ 186 ra, Gordon und ſeine Leute der Meers⸗ kuͤſte zu. Ihr Weg gliech einem Tri⸗ umpfzug, es wurden die froͤhlichſten Lieder geſungen, und gejauchzt, daß die nahen Berge widerhallten. Wo der Zug durchging, ſtaunten ihn die Einwohner des Landes an. Sie konn⸗ ten ſich ſeinen Zweck nicht enträthſeln, und muthmaßten bald dieſes, bald jenes. Endlich kamen ſie an der Küſte an. Gordon und ſeine Leute ſchifften ſich 1 in ihre Böte ein, und ſeegelten nach der nahen Inſel, wo Ihrer ihre Schif⸗ fe purrten. Man ſtieg am Bord. Gordon ge⸗ bot alles zum abfeegeln in Bereitſchaft bald dem er ſie feſter an ſein Herz drückte, 19 87 zu ſetzen, und als ſein Befehl vollzo⸗ gen war, lichtete man die Anker, und ſeegelte nach der Inſel Likante. Der Abend ihrer Aßfahrt war wolkenlos, kühl und erfriſchend. Gor⸗ don und Laura ſaßen in der Kajüte, ſie ſahen zum Fenſter hinaus, hielten ſich innig umarmt, betrachteten mit freundlichen Blicken bald ſich, bald den Stern der Liebe, und ergoͤtzten ſich an den Strahlen des Mondes, die auf den Wellen der See zu tanzen ſchie⸗ nen. D! wie unausſprechlich lieb ich dich meine Laura, ſagte Gordon, in⸗ —.——— ————— 188 bey Gott! fuhr er fort, dein Tod hät⸗ te auch meinem Leben ein Ende ge⸗ macht. Ich würde dich in den Gefil⸗ den der Seeligen aufgeſucht haben, um nur bald wieder mit dir vereint zu ſeyn. „Guter William, verſetzte die freudentrunkene Laura, glaube mir, auch meine Liebe zu dir iſt einzig und ewig. Rur ſie hat mich in den Stuͤr⸗ men des Schickſals aufrecht erhalten,. nur ſie gab mir Muth auszudauern, wenn ſchon mein Herz in Begriff zu brechen war.“ Dl erzaͤhle liebe Laura, wie iſt es dir ergangen, ſeit dem man dich mir entrieß 2— n J 2— ſeßl⸗ ben, teunt mir, ind Stüt⸗ lten, ern, — 185— „Ja William, ich will jetzt mei⸗ ne Schickſale dir erzaͤhlen. Der Abend iſt ſo ſchoͤn, und der Gedanke, das Ziel meiner Wünſche erreicht zu haben, giebt mir Kraft, der Vergangenheit zu gedenken, die ſo grauenvoll vor meinen Blicken liegt.“ Liebchen, brich immer hin die Dor⸗ nen des Geſchehenen. Der Gegenwart Roſen, werden dich der Vergangenheit Leiden vergeſſen machen. „Nun wohlan, ſo höre.“ ———— 1 — 190— „Es war am Vorabende unſerer Verbindung, oder vielmehr am Vor⸗ abend unſéter Abreiſe„da begab ich Garten hinab. Ich hatte die Bruſt voll der ſeligſten Gefuhle, und die waͤrm⸗ ſten Empfindungen meines Herzens be⸗ gluͤckten mein ganzes Daſeyn. In den lieblichſten Wuͤnſchen verlohren, durch⸗ ging ich an der Seite meiner Mutter wir bei einer der Hinterthüren anka⸗ men, welche auf eine abgelegene Gaſſe fuͤhrten, aber immer verſchloſſen gehal⸗ ten wurden, oͤffnete ſich plotzlich eine dieſer Thüren; Vermummten Maͤnner ſtürzten hervor, ſie ergriffen mich und mich ſpät mit meiner Mutter in den die weiten Gänge des Gartens. Als m ſan hol Un me jan kuh ner Mutter, daß nur die unausſprech⸗ 3 —— 19—— meine Mutter, und trugen uns gewalt⸗ ſam davon. c P — 7 und er⸗ holte mich nur, um die Groͤße meines Ungluͤcks zu begreifen. Ich ſah mich in einem Wagen, mir zur Seite ſaß meine Mukter, und gegenüber Don An⸗. tonio. Sein Anblick enträthſelte mir, S* den Zweck unſerer Entführung. Der Gedanke, von meinem William getrennt zu ſehn. preßte mir die bitterſten Thrä⸗ nen aus. Ich ſchluchzte laut, und be⸗ jammerte mein trauriges Geſchick. „Don Antonio ſuchte mich zu be⸗ ruhigen. Er erklärte mir und mei⸗ 192 4 lichſie Liebe ihn vermocht habe, mich zu entfuͤhren, er beſchwor die Reinheit ſei⸗ ner Abſſchten; aber was konnte ihn in meinen Augen rechtfertigen? „Ich hoͤrte ſeinen ſchmeichelnden Reden zu, aber ſie rührten mein Herz nicht. Meine Mutter weinten über die Trennung von N bſter William, und Don Anktonio gelang es nicht; uns zu beruhigen. Wir dran⸗ gen in unſere Räuber, uns zu ſagen, welches Schickſal er uns bereiten wolle, und hoͤrten(beſonders ich) mit Schau⸗ dern, daß er geſonnen ſey, meine Lie⸗ be, oder wenigſtens meige Hand zu er⸗ trotzen. Ich ſagte zu, daß — ihn zr ſieben, nie ihnſmeine Hand „* —— eit ſei⸗ ihn in elnden nher einten wſ ang e dran⸗ ſigen, wolle, su u et⸗ duß hund ————— * „ ——— 193 reichen würde, aber der Boͤſewicht lach⸗ te meiner Verſicherung, und meinte, mein Trotz wuͤrde ſich ſchon mit der Zeit legen. Ihn rührten meine Kla⸗ gen nicht, und er ſpottete meiner Empfind⸗ ſamkeit, wie er meine reine, keuſche Liebe zu W — Wit fuhren die ganze Racht durch. Am frühen Morgen hielten wir bei einer Waldhuͤtte, wo wir einige Erfriſchungen einnehmen wollten. Mei⸗ ne Mutter war ſo ſchwach, daß es un⸗ möglich war, mit ihr weiter zu fahren. Sie wurde von Minute zu Minute ſchwächer. Eine, hnmacht befiel ſie um die ander S Auge brach; ſie verſchied in nannte. ——— ð 194 „Ihr Tod war Don Antoniv ganz gleichgultig. Der Boͤſewicht freute ſich im Gegentheil einer unwillkommenen Huͤtterinn loß zu ſeyn. Ich rang die Hände bei der Leiche meiner vielgelieb⸗ ten Mutter, ich jammerte ohne Ende, aber mein Klagen und mein Jammern erweichte meinen Entführer mit Der Huͤttenbewohner war ein Bube von Antonios Gelichter, dem mein Räuber die Beerdigung meiner Mutter auftrug⸗ mich mit Gewalt in den Wagen ſchlep⸗ te, und ſo wider Willen zwang die uiberreſte einer vielgeliebten Mutter ſo, ſchnell zu vrrlaſſen⸗ „Wir fuhren auf lauter abgelege⸗ nen Straſſen, nirgends ſchimmerte mir N —— I5— ein Strahl von Hoffnung, gerettet zu werden, und der Schmerz uͤber jede 6 meiner fehlgeſchlagenen Erwartungen wiegte mich in die troſtloſeſte Betäu⸗ bung. Der Tod meiner Mutter lag mir mit aller Schwere auf dem Her⸗ nde, zen. Ich war nun allein in der Gewalt es Böſewichts, den ich verabſcheute,. Der denn er war Urſache an der Mutter von Erbleichen. So feſt wie der Geyer die uber unſchuldige Taube, hielt Don Antonios irug⸗ Bosheit mich umſtrickt. gden„Wir kamen in der Racht in Se⸗ ter ſo villa an. Don Antonio fuͤhrte mich in— ein gewölbtes Zimmer, deſſen Fenſter mit ſtarken Gitter, und die Thuͤren mit. em 835 742 1 . — 196 eiſen und 6 Schloſſern waren.„Hier ſagte er,— lange verſchloſſen bleiben, bis N mir . Handchen.— „Nie ſoll das geſchehen, ich will hier lieber ſterben, als die Gattinn ei⸗ nes Menſchen werden, den ich verab⸗ ſcheue. und ſchleppeß ſe mich mit Ge⸗ walt zum heiligen Altar, ſo rufe ich dort laut: Rein, ich will des Mannes Gattinn nicht ſeyn, der meine Mutter getoͤdtet, und mich meinen Geliebten entriſſen hat.“ So ſagte ich vom Gei⸗ ſte der verzweifelndeſten Entſchloſſenheit beſeelt. Don Antonio hoͤrte mich kalt an, und verließ mich mit der Verſiche⸗ rung, es wuͤrden ſich ſchon Nitteln ß mt will nei⸗ etab⸗ Ge⸗ ich nne utter bten Gei⸗ nheit falt ſche⸗ tteln 197 finden, die mich auf andere Geſinnun⸗ gen dringen würden. „ „Von dieſer Zeit an, war ich al⸗ le Tage Don Antonios Zudringlichkei⸗ ten ausgeſetzt. Er verſuchte es bald auf dieſe, bald auf jene Art, mei⸗ nen Entfchluß wankend zu machen, aber ich gab nicht nach, und achtete nicht Don Antonios Verſprechungen, noch ſeiner Drohungen. „Plötzlich hatte ich vor Don Anto⸗ nio Ruhe. Er zeigte ſich bei mir in acht Tagen nicht, und nur einer ſeiner treueſten Diener brachte mir allr Mor⸗ gens, Mittags und Abends ein karges Mahl. Wie ich ſpäter erfuhr, war er — — in St. Lucar geweſen, und hatte ein Schiff nach Amerika gemithet, da ihn der König, in Peru als Vicegouverneur aͤngeſtellt hatte. „In einer finſtern Nacht mit ich mit Don Antonio einen Wagen be⸗ ſicigen, und wir fuhren nach dem Ha⸗ fen. Man brachte uns alfogleich am Bord, und da ſich ein guͤnſtiger Wind erhob, ſeegelten wir nach Amerika. „Wie mir bei dieſer Reiſe zu Muthe war, kann man ſich leicht vorſtellen. 1 Ein großes Meer trennte mich nun en es blieb ir nicht die geringſte Hoffnung uͤbrig, je mit/MMn)liebſter Willium vereinigt uthe llen. nun ich nig, nigt zu werden. Ach Gott! dachte ich, in welchen Winkel der Erde wird mich der Böſewicht führen, was wird mein Schickſal ſeyn, wie wird es mir er⸗ gehen 7— „Unſere Reiſe nach Amerika war glücklich, und nur mit wenigen Gefah⸗ ren verknüpft, Wir kamen endlich in Vera Cruce an, und ſtiegen daſelbſt ans Land. Don Antonio brachte mich in einen Gaſthof. Als wir in das Gaſtzimmer traten, das voll Menſchen war, darchflog mich plötzlich der Ge⸗ danke einer möglichen Rettung. ch rief laut:„Echarmt euch meim ret⸗ tet mich aus den Klauen eines Unge⸗ . . — 209 heuers, der mich meinem Vaterlande, und meinen Geliebten entführt hat.“ „Don Antonio ſprang auf mich zu, und wollte mich aus den Zimmer führen aber einige der Gäſte hielten ihn davon ab.„Ich bin Don Antonio, der neue Vicegoherneur von Peru, dieß Frauenzimmer iſt teite Gattinn. Ich entrieß die Buhlerinſ“ n heim⸗ lichen Geliebten, menge ſich daher Nie⸗ mand in meine haͤuslichen Angelegen⸗ heiten, laſſe ſich Niemand von einem falſchen Ritleid hinreißen. Ihre Wor⸗ te ſind Verläumdungen, Rache leitet den Sinn ihrer Reden.“ nde, nich mer lten nio, inn. im⸗ Nie⸗ en⸗ nent or⸗ itet 201 „Er ſagte dieß mit drohender Mie⸗ ne. Die Fremden wiechen von mir zu⸗ rüͤck, und mein Peiniger füͤhrte mich aus den Gaſthof zu einem ſeiner nichts⸗ würdigen Freunde.„Fräulein ſagte er unterwegs zu mir, laſſen ſ ſnicht einandermal beigehen, den Verſuch zu wiederholen, und NW einer Gewalt entziehen zu wollen, oder bei Gott, es ſoll zu ſtehen kommen.“ „Ich weinte über meinen fehlgeſchlagenen Verſuch. O der abſcheu⸗ liche Boͤſewicht! ſo fein wußte er ſein Spiel zu karten, daß mir nichts als der Tod uͤbrig ſchien, ſeiner Gewalt zu entgehen. 12 0 „Wir reiſten nach einigen Erho⸗ lungstagen nun zu Lande nach Peru. Don Antonio brachte mich auf das Schloß, worinnen ſie mich gefunden ha⸗ ben, zu einem ſeiner Freunde, und ſagte mir unter den fürchterlichſten Dro⸗ hungen, daß ich lebenslang daſelbſt eingeſpeert bleihen wuͤrde, wenn ich mich nichdſchlöſſe, ihn meine Hand zu geben. Ich hör ſeine Drohungen kalh an;—r i ieber William, war et das Leben verhaßt, und alle Martern und Qüalen waren mir nicht ſo ſchrecklich, als der Gedanke, Anto⸗ 3 nios Gattinn zu ſeyn. „Geſchäfte zwangen meinen Peini⸗ ger, ſich nach Lima, der Hauptſtadt von Peru zu begeben. Ich blieb da⸗ her allein bei Don Alvaro, den Herrn des Schloſſes. Er behandelte mich ſtrenge, aber dennoch in Rückſicht mei— ner Gefuͤhle, ſchonend genug. Von Zeit zu Zeit beſuchte mich Don Anto nio. Er verſuchte alle mögliche Mittel, meinen Sinn zu ändern aber ſeine Mühe war vergebensl XW lie⸗ ber William verließ mich keine Minute, ₰ und die Treue, Die ich 3 geſchwo⸗ 6 ren halte, war nx⸗ hoͤchſtes a mir Kraft und Muth zum Ausdauern gab. „So verfloſſen anderthalb Jahre. Man hielt mich während der Zeit wie eine Gefangene, und nur ſelten ward 204 es mir vergönnt, in Don Alvaros Ge⸗ ſellſchaft die benachbarte Gegend zu be⸗ ſuchen. Ich ſehnte mich auch nicht all⸗ zuſtark nach dieſen Spaziergaͤngen, denn ich war es gewiß, uͤberall auf die trau⸗ rigſten Scenen der Barbarey und Grau⸗ ſamkeit zu treffen, mit welcher man die armen Sklaven auf das unmenſchlich⸗ ſie behandelte. 1„Eñdlich kuͤndigte mir Don Anto⸗ nio an, daß er wieder nach Europa zuruͤckkehren wuͤrde, und bot mir mei⸗ ne Freyheit an, wenn ich entſchloſſen ſey, ihn meine Hand zu geben. 5 „Ich ſagte ihn„kurz, daß ich weit * ſerben„als ſeine Gattinn werden Ge⸗ zn be⸗ ht all⸗ denn etrau⸗ Gral⸗ an die ſchlich⸗ Anto⸗ utope mei⸗ hloſen hweil verden — — 205 ——— wolle, und er verließ mich wüthend über ſeine fehlgeſchlagene Hoffnung, und aller vergebens angewandten Muͤhe. „Seit ſeiner Abreiſe war mein Loos wieder etwas ertraͤglicher. Ich lebte in ſüſſen Wünſchen, und eine frohe Ahndung flüſierte mir zu, daß ich meinen William wieder ſehen würde. In dieſer ſchoͤnen Erwartung lebte ich ruhiger, als zuvor, und verlohr mich in den laͤchelndeſten Bildern einer er⸗ bluͤhenden Phantaſie. DWilliam welche Freude, wel⸗ ches Entzücken 7 mich, als mir Lopetz die froheſte Bothſchaft von VA⸗ —* ——————— brachte. Ich wußte mich kanm zu faſ⸗ ſen, und zaͤhlte jede Minute voll Un⸗ geduld, die mich in N ri führen ſollteC Sie ſchlug endlich die koſtbare Stunde der Erwartung, aber bald wä⸗ re ſie mir ſchrecklich geworden, wenn das Schickſal nicht über hätte. Run bin jch i alle Leiden des gangenheit, und nur der Gegenwart und Zukunft duf⸗ Roſen Tritten. rende ſproſſen unter meinen * Mit eiger innigen Umarmung en⸗ digke Laura ihre Geſchichte, und Gor⸗ fuſ⸗ Un⸗ ihren ſbare dwi⸗ wenn wacht rſ 8 klle don dankte dem Himmel, mir ihr ver⸗ eint, daß ihre Regung ihn ſo trefflich gelungen war. 4 Er ar jeßt entſchloſ⸗ ſen, nach Engelland zurückzukehren, und im ruhigen Beſitz ſeiner Laura, die Früchte ſeiner Anſtrengungen zu ge⸗ meßen.„Von⸗ nun an, ſagte er, bin ich mit der Fenſ mit jeder Na⸗ tion verſöhnt, und dre Feinde meines Landes ſollen nichts mehr von mir zu befurchten haben. Die Zeit meiner fuͤrchterlichen Bahn iſt aus, nur die Rothdurf ſollt je wieder mein Schwerdt der Scheide entreißen. Der Preis des Kampfes i errungen, und die Fruͤch⸗ te des Sieges winken mir lieblich und ſwon.“ — 208 Laura billigte ſeinen menſchen⸗ freundlichen Entſchluß, und freute ſich, bald das Vaterland ihres Geliebten zu betreten. Rach einer gchttaͤgigen Fahrt ge⸗ langte die Flottille Gordons bei der Inſel Likante an. Die Mannſchaft freute ſich, zu dem guten Voͤlkchen zu kommen, und auch Gordon wünſchte, die gute Iloe wieder zu ſehen. Er hat ſeiner Geliebten ſo viel ſchönes von dem Mädchen erzaͤhlt, daß auch dieſe begierig war, das liebe Maͤdchen ken⸗ nen zu lernen. — Die Vewohner der Inſel Likante wurden kaum Gordons Flottille anſich⸗ * „ — tig, als ſie ſchnell ihre Kanots beſtiegen, ſe⸗ und unter lautem Freudengeſchrey den Schiffen zurnderten. Iloe befand ſich uu in einem der erſien Kanots. Sie brei⸗ tete ihre Arme nach den Schiffen aus, und rief Gordons Rahmen mit dem F 3 durchdringendeſten Akzente der Liebe. Gordon ſtand auf dem Verdecke ſeines 3 Schiffes, und winkte ihr, zu ihn zu kommen. Sie ruderte mit ihrem Ka⸗ ble not herbey, und ſtieg auf das Verdeck, 3 wo ſie ſich in Gordons Arme warf. Thraänen der Freude rollten über ihre ½ Wangen, und glaͤnzten in ihren Augen. nkell⸗ Als ſie ſich aus Gordons Armen entwand, fiel ihr Blick auf Lauren, ikante die ſie lächlend betrachtete.„Iſt ſie nſch⸗ d* das? fragte Iloe, indem ſie bald Lau⸗ ren, bald Gordon znfüh.„Ja gute Iloe, verſetzte Gordon. Dieß iſt die frühere Geliebte meines Herzens. Gu⸗ tes Mädchen, ſie wird deine Freundinn ſeyn, und ich hoſſe, die Freundſchaft wird dir gewähren, was die Liebe dir verſagen muß. Iloe warf einen ſchmerzhaften Blick auf ihn, und ſank laut weinend in Lau⸗ ras Arme. Dieſe tröſtete die ſchone Wilde, und gab ſich alle mögliche Mühe, ſie zu beruhigen. Man ſetzte die Boote aus, und 6 2 landete endlich auf der Inſel. Hie Eikwohner waren am Ufer verfammelt, ——— —— — 211 K 2 Lat⸗ und empfingen ihre Gäſte mit der in— gute nigſten Herzlichkeit. Man bewirthete ſt die ſich gegenſeitig auf das beſte, und zer⸗ Gu⸗ ſtreute ſich in den verſchiedenen Theilen ndinn der Inſel, ein Jeder zu den gütigen eſt Wirthe, bei welchen er dos erſtemal e dir Lewohnt hatte. In einigen Tagen ließ Gordon Blick ſeine Leate zuſammen berufen, er er⸗ Lau klärte ihnen, daß er nunmehr geſonnen chöne ſey, friedlich nach Engelland zurüͤckzu⸗ Rühe, kehren ſiellte ihnen frey, ſich den Hrt — zu waͤhlen, wo ſie ausgeſetzt zu werden wünſchten, wenn ſie nicht mit und nach Engelland ſchiffen wollten; theilte Hie einem Jeden den Antheil der gemach⸗ melt, — 212 ten Beute aus, und erwartete dann ihren Entſchluß. Die meiſten von ihnen waren ent⸗ ſchloſſen, auf der Inſel bei den gut⸗ muͤthigen Inſulanern zu bleiben, nur Hundert von ihnen wuͤnſchten in ihre Vaterland zuruckzukehren. „Es iſt mir lieb, ſagte Gordon zu den Erſteren, daß ihr auf Likante bleiben wollt. Hier winkt euch ein ru⸗ higes Leben, das ferner keine Nahrungs⸗ ſorgen ad werden, und wenn ihr in eurem Vaterlaude nichts zu ſuchen habt, ſo gruͤndet eine Kolonie, deren einziger Zweck, Verborgenheit, Ruhe und Zufriedenheit ſeyn werden.— Ver⸗ dahn n ent⸗ gul⸗ nur ihte ordon ifante n tu⸗ ungs⸗ n ihr ſichn deren Nihe Ler⸗ ſchwiſtert euch mit den Tochtern des Landes, gebraucht eure Einſichten nur zu allen Guten, und ihr werdet gluck⸗ lich ſeyn.“ „Es war nie mein Wille, aus Habſucht ein Korſarenkapitaine zu wer⸗ den, nur die Liebe, und die Sorge fuͤr euern Unterhalt machten mich dazu. Daher laß ich euch zweye meiner Schif⸗ fe, und alles was ich entbehren kann, zuruͤck, um euch Nittel an die Hand zu geben, kuͤnftig euch alles Nothige, was noch eure Kolonie irfen wird, verſchaffen zu können. Welche Wonne wird es mir ſeyn, einſt zu erfahren, daß ſich mitten im großen Ozran ein Voͤlkchen auf einer Inſel befindet, das 214 in Ruhe und Zuf kriedenheit des 2 Lebens genießt.“ Gordons bisherige Untergebenen — dankten ihn mit geruͤhrten Herzen. d boch Vund konnten nicht genug Worte finden, ihre Dankbarkeit auszudrücken. er Frwelle Korſarenkapitaine mach⸗ te nun alle Anſtalten, die Inſel zu ver⸗ laſſen. Er ſehnte ſich in ſein Vater⸗ land zurück, und ſobald ein gunſtiger 6 WVind es zuließ, ſecgelte er ab. Die „. gute Ilve konnte es nicht ertragen, ihn zu verlaſſen. Sie folgt Gordon.„Vin ich dir nicht gleich eine Geliebte, ſo Sie n ſeine Großmuth Suucl⸗ ebens ene rzen. uuel⸗ borle Wen. nach⸗ ver⸗ ater⸗ ſiger Die ihn „Vin ſo ——— Freundinn ſeyn, ſo ſagte ſie, und Gor⸗ don war nicht ſo grauſam, ihr die— ſen Troſt zu entziehen. Die Einwohner von Likante gaben S Schiffe das Geleite bis in das hohe Meer, und trennten ſich mit ſchweren Herzen von ihn., A Günſtige Winde fᷣhtien Gordons. Schiff ohne allen Gefahren nach Ene gellands Küſte. Er kam mit allen ſei⸗ nen Lieben wohlbehalten in London an, ließ ſich nach gepflegter Ruhe und Er⸗ holung mit Lauren verbinden, und lebt noch gluͤcklich und zufrieden, ein Leben der reinſten, lieblichſten Genuͤße. — 216 — — Laut kann ich i it Koſegarten Triumpf! a Ferbſib Ninerung Folgt milder Fruͤhlingsſchimmer. Auf Trennung fylgt Vereinigung, Vereinigung auf ner. 6 „ Ende Srey SorrofSfari Sreen Vellow Red Magenta