„ — Leihbibliothetk deutſcher, engliſcher und franzöſiſcher Literatur Cduard Ottmann in Gießen, Schloßgaſſe Lit. A. Nr. 256. * — S S S Seih- und Ceſebedingungen. 1. Oflensein der Bibliothek. Die Bibliothek ſteht zur Em pfangnahme und Rückgabe der Bücher jeden Tag von Morgens 7 Uhr bis Abends 8 Uhr offen. ſ 2. Lesepreiß. Bei Rückgabe eines geliehenen Buches wird von jedem Tag 5 Pf. bezahlt. Die Zeit eines Tages iſt zu 2 Stun den angenommen.— 3. Caution. Unbekannte Perſonen müſſen, bei Entgegennahme eines Buches, eine dem Werthe deſſelben entſprchende Summe hinterlegen, welche bei deſſen Zurückgabe von mir zurückerſtattet f wird. p. 4. Abonnement. Daſſelbe muß voraus bezahlt werden und(l beträgt:* 3 2 für wöchentlich 2 Bücher: 4 Bücher: 6 Bücher: f auf 1 Monat: 1 Mk.— Pf. 1 Mk. 50 Pf. 2 Mi pPf 3 ²— 5. Auswärtige Abonnenten haben für Hin⸗ und Zurückſendung der Bücher auf ihre eigenen Koſten und Gefahr ſekbſt zu ſorgen. 6. Schadenersatz. 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An allen Seiten erblickte er koſthare Wohnhäuſer, glänzende Magazine, voll mit koſtbaren Kleinig⸗ keiten, die eben in der Mode waren; mit ausgeſuchtem Geſchmack gekleidete junge Leute, die prächtige ſpaniſche Pferde ritten; reizende Kreolinen, die mit Spitzen bedeckt waren und von zahl⸗ reichen Sklaven auf prachtvollen Palankins getragen wurden; kurz überall ſah er den Ueberfluß und den Luxus einer vorge⸗ ſchrittenen Civiliſation. — Welch' ein Unterſchied, ſagte er zu Montbars gewen⸗ det, zwiſchen dieſem Leogane und der Inſel Tortue! Als wäre man gar nicht mehr in demſelben Lande! — Dieſer Unterſchied iſt leicht erklärt. Man verſchwendet in Leogane das Geld, das man durch die Einſchiffung auf der Inſel Tortue gewonnen hat. Dieſe Stadt iſt der Unterhaltungs⸗ ort des Boucaniers; übrigens unterhält ſie auch mit Europa einen ſehr lebhaften und beträchtlichen Verkehr. Aber wir find da vor dem Hauſe des Gouverneurs, oder wie man hier ſagt, vor dem Gouvernement angekommen; willſt Du mich erwarten? Ich werde in fünf Minuten zurück ſein. Kaum hatte ſich Montbars entfernt, als Morvan durch 1* ſah er auch Kreolinen an den Fenſtern erſcheinen, die Spazier⸗ gänger ſtehen bleiben und die Neger tanzen, indem ſie ſich fröh⸗ lich die Hände rieben. Morvan fragte einen vorübergehenden jungen Mann, was die plötzliche Aufregung zu bedeuten habe, welche durch die noch ferne Muſik allenthalben hervorgebracht wurde. — Das iſt der ſchöne Laurent, der geſtern hier gelandet iſt und heute einen Rundgang durch die Stadt macht. — Wen nennen Sie den ſchönen Laurent, wenn ich fragen darf? — Wie! Sie kennen den ſchönen Laurent nicht? erwie⸗ derte der junge Mann mit Staunen. — Ich höre ſeinen Namen jetzt zum erſten Mal. Uebri⸗ gens darf meine Unwiſſenheit Sie nicht in Erſtaunen ſetzen, denn ich bin ſpeben in St. Domingo angekommen. — Aber Sie müſſen doch irgendwo geweſen ſein, bevor Sie in unſere Gegend gekommen ſind? — Vermuthlich; ich war in Paris. — Nun, ſpricht man in Paris nicht vom ſchönen Laurent? — Nicht, daß ich wüßte, ſagte Morvan lächelnd. — Das iſt unglaublich, erwiederte der junge Mann. Ich habe mich zwar von der Inſel St. Domingo noch niemals ent⸗ fernt, aber es ſchien mir immer, daß Laurent's Ruf über das Meer dringen und ſich in der ganzen Welt verbreiten müſſe. Dieſe mit dem Tone der Ueberzeugung geſprochenen Worte erregten Morvan's Neugierde auf's Höchſte, und er wollte eben in ſeinen Fragen fortfahren, als der Andere rief: — Sehen Sie, da biegt er eben um die Ecke dieſer Gaſſe! Ich verlaſſe Sie, um ihn in der Nähe zu ſehen. Der junge Kreole entfernte ſich ſogleich eilig und ließ Morvan mit unbefriedigter Neugierde zurück. nahende Muſik aus ſeinen Gedanken aufgeſtört wurde; ſogleich — Ah! das iſt gut, rief Alain, der hinter ſeinem Herrn ſtand, die Muſiker kommen zu uns her!— Welch' ein Unglück, daß ſie nicht, anſtatt die Geige zu kratzen, das Biniou ſpielen, ich hätte getanzt! Morvan wurde nun Zeuge eines ſeltſamen und wunder⸗ lichen Schanſpiels: er ſah einen hoch und ſchlank gewachſenen und prachtvoll gekleideten noch jungen Mann, der von vier Violinſpielern und zwei Flötiſten begleitet, unter einem ſeidenen, mit Gold geſtickten Baldachin einherging, welcher von vier Skla⸗ ven in glänzender Livree getragen wurde. Die Menge wich vor dieſer Prozeſſion ehrfurchtsvoll einige Schritte zurück. — Zieht euch zurück, Canaillen, ihr verhindert mich frei zu athmen, ſagte der unter dem Baldachin gehende Mann zu einer Gruppe von Negern, die ihn mit aufgeriſſenen Augen wie ein Wunder anſtarrten. Da, ihr Schwarzen, da habt ihr auf Arak, ſetzte er hinzu und warf ihnen eine Handvoll Goldſtücke hin. — Der ſchöne Herr Laurent ſoll leben! riefen die Neger mit einem durch dieſes großartige Almoſen vollkommen gerecht— fertigten Enthuſiasmus. In dieſem Augenblick wurde ein Fenſter geöffnet und ein Strauß von tropiſchen Blumen fiel zu den Füßen des großen jungen Mannes nieder. — Dieſe Blumen ſind prächtig, aber ſie haben keinen Duft, ſagte Laurent mit ſpöttiſcher Miene und ſtieß den Strauß mit dem Fuße fort; thut nichts, jede gute Abſicht verdient Be⸗ lohnung. Die ſeltſame Perſon nahm ſogleich einen aus wunderba⸗ rẽn Smaragden verfertigten Halsſchmuck vom Halſe und ſchleu⸗ derte ihn nach dem Balcon, von welchem die Blumen gekom⸗ men waren. Die halbgeöffneten Jalouſien wurden ſogleich wieder ge⸗ ſchloſſen und man vernahm von dort ein lautes Schluchzen. — Es ſcheint, fuhr Laurent, indem er verachtungsvoll die Achſeln zuckte, mit lauter Stimme fort, daß man lieber Diamanten gehabt hätte! Zum Teufel! man hätte ſich doch ver⸗ ſtändlich äußern ſollen. Ich verſtehe mich nicht auf die Blumen⸗ ſprache. Die Menge lachte und Laurent ſchritt weiter. Da eine Seite der Gaſſe eben von der Sonne zu ſtark beſchienen war, ſo gingen die Baldachinträger längs jener Häu⸗ ſer, die im Schatten ſtanden. Morvan ſtellte ſich dicht am Gou⸗ vernement auf, um ihnen Platz zu machen. — He, Freund! ſagte Laurent, plötzlich vor ihm ſtehen bleibend, wiſſen Sie denn nicht, wer ich bin, daß Sie ſo auf dem Seitenpflaſter ſtehen, während ich vorübergehe? — Sprechen Sie mit mir, mein Herr? fragte der bre⸗ tagniſche Edelmann, der ſich nicht vorſtellen konnte, daß man mit ihm mit ſolcher Frechheit zu ſprechen wage. — Parbleu, mit wem anders! Keine dummen und un⸗ nützen Reden! Ich haſſe das Schwätzen! Trollen Sie ſich aus meinem Wege! Die Geduld gehörte nicht zu Morvan's Eigenſchaften; übrigens erſchien ihm die Impertinenz des ſchönen Laurent ſo unvernünftig, daß er darüber gar nicht in Zorn gerieth; er glaubte es mit einem Verrückten zu thun zu haben und betrachtete ihn mit aufmerkſamer Neugierde. Der ſchöne Laurent mochte ungefähr 32 oder 35 Jahre alt ſein; ſeine außerordentlich feinen Züge drückten große Kühn⸗ heit und Entſchloſſenheit aus; der Blick ſeiner grünlich grauen Augen war ſpöttiſch und unangenehm zu ertragen; ſeine Naſe hatte etwas von einem Adlerſchnabel; ſeine dunkelbraunen zu⸗ rückgeworfenen Haare unſchloßen eine breite mächtige Stirne; endlich ließ ſein kleiner, nach ſpaniſcher Mode nachläſſig zurück⸗ gekämmter Schnurbart dünne und durch den fortwährenden Aus⸗ druck der Verachtung eingekniffene Lippen ſehen. Obſchon hoch⸗ gewachſen, war der ſchöne Laurent doch ſo ſchlank, und hatte ſo kleine Hände und Füße, daß ein Frauenzimmer ihn darum be⸗ neidet hätte; indeß merkte man doch an der Geſchmeidigkeit ſei⸗ ner Bewegungen und an ſeinem feſten Schritt, daß er eine un⸗ gewöhnliche Muskelkraft und wunderbare Gelenkigkeit beſaß. Seine breiten Schultern, ſein mächtig entwickelter Oberleib, und ſeine etwas langen und durch ihre Dicke mit der Zartheit der Hände wenig im Verhältniß ſtehenden Arme beſtätigten dieſe Meinung. Einige Augenblicke genügten Morvan um dieſe Be⸗ merkungen zu machen. — Nun, Freund, fuhr der ſchöne Laurent, der jetzt das Du anwandte, ſogleich wieder fort, muß ich Dich auf die an⸗ dere Seite der Gaſſe werfen um Dich zu Verſtand zu bringen? Die Prüfung ſeines Gegners, welche Morvan ſpeben be⸗ endigt hatte, änderte ſeinen frühern Entſchluß zur Nachgiebig⸗ keit; er begriff, daß die ſeltene Impertinenz ſeines Gegners nicht von einem geſtörten Geiſt, ſondern von unendlichem Stolz herrühre; deshalb kochte ſein Blut vor Zorn. — Mein Herr, rief er, die Hand an den Griff ſeines Degens legend, ich kenne die Gebräuche und Sitten der Inſel St. Domingo nicht; ich weiß nicht, wie die Bewohner derſelben die Gaftfreundſchaft verſtehen; aber ich weiß, daß jeder Schimpf Blut verlangt, und daß Sie mich beſchimpft haben. Morvan zog nun vom Leder, und ſagte, die Spitze ſeines Degens ſenkend: — Ich warte, mein Herr. Eilen wir, ich bitte! Der ſchöne Laurent ſchien es nicht gewohnt zu ſein, daß man ihm die Spitze biete, denn Morvan's Haltung erbitterte ihn. — Mich mit Dir bei der Hitze ſchlagen! rief er. Das würde mich mehr ermüden, als Du werth biſt! Ziehe Dich zurück, ſage ich Dir, oder Du biſt des Todes! Bei dieſem letzten durch eine neue Drohung erſchwekten Schimpf konnte ſich der junge Mann nicht mehr zurückhalten. — Elender! rief er einen Schritt vorwärts gehend, Du haſt geſündigt und ſollſt beſtraft werden! Wuth blitzte aus Laurent's Augen und thieriſche Wildheit verzerrte ſein Geſicht. Er ergriff eine der in ſeinem Gürtel ſtecken⸗ den Piſtolen, lud ſie ſchnell, und richtete den Lauf gegen Mor— van. Der arme Edelmann fühlte, daß es um ihn geſchehen ſei; er kreuzte die Arme und blickte ſeinem Gegner ins Geſicht. — Feigling und Mörder, ſagte er, ſei verflucht! Kaum hatte Morvan dieſe Worte geſprochen, als ein dumpfer Streich, wie wenn man auf ein leeres und feſtes Gefäß mit einem Stock ſchlägt, erſcholl, und Laurent zu Boden ſtürzte. — Ah! glaubteſt Du, daß man nach dem Ritter von Morvan ſo mit Piſtolen ſchießt, wenn er von ſeinem Diener be⸗ gleitet iſt? ſagte Alain, auf ſeinen Penbas geſtützt, zu dem in Ohnmacht liegenden Laurent. Teufelskerl! warte ein wenig — ich werde dir jetzt Deine Rippen bearbeiten. Laurent's Sturz brachte auf die Umſtehenden ein außer⸗ ordentliches Staunen hervor. — Halt ein, Alain! rief Morvan, indem er den bereits erhobenen Arm ſeines Dieners feſthielt, ſiehſt Du nicht, daß dieſer Mann außer Stande iſt, ſich zu vertheidigen? — Und hätten Sie vor einer Weile die Kugel ſeiner Piſtole mit Ihrem Degen pariren können?— Dieſer ſchlechte Kerl iſt ein Schuft, der kein Mitleiden verdient. Laſſen Sie mich ihn ein wenig dreſchen, nur ein wenig, ich will ihm ein Dutzend Streiche mit meinem Penbas auf die Schläfe geben. — Gehorchſt Du mir etwa darum nicht, weil Du mir eben das Leben gerettet haſt? ſagte Morvan mit vorwurfsvollem Tone, und ergriff dabei die Hände ſeines Dieners. — Ah! Herr Ritter, reden Sie nicht ſo zu mir, Sie ver⸗ nit wirren mich, antwortete Alain erröthend. Da es Ihnen gefällig iſt, daß ich dieſen Schurken nicht eines Beſſeren belehre, ſo wird man ihn in Ruhe laſſen, aber es bleibt immer Schade, wenn man ihn nicht ein wenig maſſakrirt. Als die Zeugen dieſer Szene ſahen, daß Alain ſeinen ſchrecklichen Knüttel wieder unter den Arm nahm, wollten ſie ſeinem Opfer eben zu Hilfe eilen, als ein junges Frauenzimmer aus dem Hauſe kam, von deſſen Balkon der Blumenſtrauß herab⸗ geworfen wurde, zu dem ſchönen Laurent hinſtürzte, vor ihm niederkniete, ſeinen Kopf in die Arme nahm, und mit ihrer Schärpe das Blut abwiſchte, das aus ſeiner Wunde floß. Die⸗ ſes junge, ſehr ſchöne, kaum ſechzehn Jahre alte Frauenzimmer war völlig verzweifelt und ſchien ſich um das Geflüſter der herum⸗ ſtehenden Menge gar nicht zu kümmern, große Thränen rollten über ihre Wangen. — Beruhigen Sie ſich, meine Dame, ſagte Morvan ehr⸗ erbietig zu ihr; dieſe Ohnmacht, die unvermeidliche Folge einer heftigen Erſchütterung, iſt durchaus nicht gefahrdrohend. Sehen Sie! Laurent öffnet eben die Augen— ſein Geſicht erhält wie⸗ der Lebensfarbe. In der That kam Laurent, während Morvan ſo ſprach, wie⸗ der zu ſich; ſein erſter Blick fiel auf den bretagniſchen Edelmann. — Mein Herr, ſagte er, einen Menſchen wie einen Ochſen niederſchlagen laſſen, heißt nicht ihm Rede ſtehen. Ich hoffe, daß Sie mir für den Schimpf Rechenſchaft geben werden. — Mein Herr, antwortete Morvan, auf einen Menſchen, der nur mit einem Degen bewaffnet iſt, gleich ſchießen, iſt keine loyale Handlung. Sie haben das Wort:„Feigling und Mör⸗ der“ nicht einmal, ſondern doppelt verdient. — Das iſt wahr, antwortete der ſchöne Laurent; ich kam eben von einem prächtigen Frühſtück, und habe mich deshalb ein wenig zu übereilt benommen. Gehen Sie mir auf dem Trottoir — 1 da aus dem Wege, ſo laſſe ich mich in Rückſicht auf mein be⸗ gangenes Unrecht herab, meine Beſchwerde gegen Sie zu vergeſſen. — Dieſe Ausſicht hat gar nichts Erſchreckendes für mich, erwiederte Morvan; im Gegentheil, ich wünſche ſehr einen Zwei⸗ kampf mit Ihnen. Da ich aber zweifle, daß Sie heute ohne Nachtheil nicht im Stande ſein werden zu fechten, ſo werden wir unſer Duell auf morgen verſchieben. — Laurent, ich beſchwöre Sie das Duell nicht anzuneh⸗ men, ſagte die junge Dame, welche dem Verwundeten zu Hilfe geeilt war, und Sie, mein Herr, ſagte ſie zu Morvan gewen⸗ det, wie wagen Sie es dem Willen Laurent's zu widerſtehen? Müſſen ſich die Menſchen vor ſeinem Befehle nicht beugen, und im Spalier aufſtellen, wenn er vorübergeht? — Schweigen Sie, Marianne! rief der ſchöne Laurent mit Härte. Sie thäten beſſer daran im Hauſe Ihres Vaters zu bleiben, als ſich in Dinge zu miſchen, die Sie nichts angehen Ein junges Mädchen, das ſich ſelbſt achtet, ſetzt ſich nicht ſo den öffentlichen Blicken aus! Ich bin weder Ihr Bruder, noch Ihr Gatte, noch Ihr Geliebter! — O, das iſt ſchauderhaft, ſagte das arme junge Mäd⸗ chen, und ging, das ſchamrothe Geſicht ſich mit beiden Händen bedeckend, verwirrt und tief beſchämt fort. — Was Sie betrifft, mein Herr, fuhr der ſchöne Lau⸗ rent zu Morvan gewendet fort, wer ſteht mir gut dafür, daß ich Sie morgen wiederfinde, wenn ich Sie jetzt fortlaſſe? — Ich! rief mit zitternder und klangvoller Stimme Mont⸗ bars, welcher dieſer Szene ſeit einer kurzen Weile unbeweglich und ſchweigſam beigewohnt hatte. Die Dazwiſchenkunft des berühmten Boucaniers machte den ſchönen Laurent ſchaudern. — Du kennſt dieſen Menſchen und antworteſt für ihn! — Ich kenne ihn, und weiß daß er im Stande iſt Deine ———— — ſei gl ent ein Bi de — Frechheit zu züchtigen, ich ſtehe für ihn wie für mich ſelbſt. Sieh, Laurent, fuhr der Boueanier nach einer kleinen Pauſe fort, ich gäbe zehn Jahre meines Lebens dafür, wenn ich an ſeiner Stelle ſein und mich mit Dir meſſen könnte. — Das iſt möglich, antwortete Laurent kalt, aber un⸗ glücklicher Weiſe ſetzt ſich unſere Aſſociation Deinem Wunſch entgegen. Uebrigens kann ja vielleicht noch ein Moment kommen— — Genug! ſchweige! rief Montbars. Aber nur noch ein Wort: gib Tag, Stunde und Ort des Rendezvous an. — Uebermorgen, um ſechs Uhr Morgens, am Fuß des Berges Piton, am Eingang des Bois⸗Roger. — Gut, wir werden dort ſein. Auf Wiederſehen, Lau⸗ rent! Gebe Gott, den Du ſo oft beleidigt haſt, daß Du für Deine zahlloſen Frevel endlich die gerechte Züchtigung erhalteſt! — Ich weiß, antwortete Laurent gähnend, daß Dir mein Tod Vergnügen machen würde; aber ich fürchte, daß Dein from⸗ mer Wunſch noch lange nicht in Erfüllung gehen werde.— Ich habe ſchon dreißig Duelle gehabt, und dreißigmal habe ich eine Leiche zurückgelaſſen. Laurent wollte nun fortgehen, als er ſich beſinnend ſagte: — Wer hat mir denn einen ſo wüthenden Streich auf den Kopf gegeben? — Ich, antwortete Alain beſcheiden. Dam! ich habe vielleicht ein wenig zu ſtark zugeſchlagen, aber Sie find ſelbſt Schuld daran!— Sie hätten nicht den Verſuch machen ſollen meinen Herrn zu ermorden. Sie haben ſich wie ein Heide be⸗ nommen, und wie einen Heiden habe ich Sie behandelt!— — Du haſt mich verhindert eine häßliche That zu begehen, ich danke Dir, da nimm den Lohn dafür, entgegnete Laurent, und warf dem Bretagner zwanzig Dublonen hin. Alain ſtürzte ſich auf die Goldſtücke, und murmelte, während er ſie aufhob: — Es ſcheint, daß man in dieſem drolligen Lande viel Werth darauf legt, wenn Einer, wie Montbars mir kürzlich ge⸗ ſagt hat, tüchtig dreſchen kann. Er hätte mir ſein Gold in et— was anſtändigerer Weiſe geben können, dieſer Laurent; aber das thut nichts, Gold bleibt immer Gold. Montbars nahm dann ſeinen Neffen am Arm, und führte ihn fort von der Menge, welche dieſer Scene, an der ſo be⸗ rühmte Leute wie Montbars und Laurent theilgenommen hatten, mit ängſtlichem Schweigen beiwohnte. — Mein braver Louis, ſagte der Boucanier mit be— wegter Stimme, Du biſt da in einen traurigen Handel gera— then.— Ich würde mein ganzes Vermögen darum geben, wenn Dein böſer Stern Dir nicht Laurent in den Weg geführt hätte! — Sie haben Unrecht, Montbars, ſich vor dieſem Duell ſo ſehr zu fürchten. Mein Wort als Edelmann, ich bin feſt überzeugt, daß ich es ſiegreich beſtehen werde. Aber wer iſt denn dieſer Laurent? — Der ſchöne Laurent, wie man ihn nennt, iſt ein Mann, der nächſt mir in der ganzen Flibuſterie den größten und verdienteſten Ruhm hat. Seine Kühnheit, ſein ſicherer Blick, ſeine Kraft, ſeine Kenntniſſe in allen Dingen ſind außer⸗ ordentlich. Die Natur hat ihn mit den koſtbarſten Eigenſchaften ausgeſtattet; leider iſt er durch ſeinen grenzenloſen Hochmuth, durch ſeine unverſöhnliche Grauſamkeit, und durch unerhörte Hartnäckigkeit ein Ungeheuer.— Er glaubt an nichts. Lau⸗ rent ſtrebt ſeit langer Zeit nach meiner ſouveränen Autorität, und arbeitet im Geheimen daran, meine Macht zu untergraben. Er möge ſich in Acht nehmen, ich bin wachſam! Ich darf mir übrigens nicht verhehlen, daß er eine große Popularität genießt. — Seine Großmuth, ſeine Verſchwendung ſind grenzenlos; ſeine Börſe gehört allen Unglücklichen!— Ein ſonderbarer Menſch!— Zuweilen bin ich ſogar verſucht zu glauben, daß 3 — mu i füt m au wo wo eſ lo ein ver die ge er auch etwas Gutes an ſich habe.— Auf ſeiner Vergangenheit muß ein ungeheurer Schmerz laſten.— Die Frauen behandelt er mit der größten Verachtung, und ſie ſind bis zum Wahnſinn verliebt in ihn. Das junge Mädchen, welches Du eben mit ſolcher Haſt ihm zu Hilfe eilen ſahſt, und die er ſo brutal von ſich wies, gehört einer der reichſten und edelſten Familien Eu⸗ ropa's an, die in Leogane anſäſſig iſt. Dieſer Laurent iſt ſelbſt für mich ein Geheimniß. — Jedenfalls, ſagte Morvan, deutet ſein Name nicht auf einen ſehr erlauchten Urſprung. — Du täuſcheſt Dich, mein lieber Louis. Heiße ich nicht Montbars? Auf der Inſel St. Domingo gibt es keinen einzigen Flibuſtier, ausgenommen Grammont, der ſeinen wirklichen Na⸗ men beibehalten hat. Unter den Dienern allein gibt es jüngere Söhne, welche dem höchſten Adel Frankreichs und Englands angehören! Der Oheim und der Neffe brachten den Reſt des Tages mit einander zu. Den andern Tag begaben ſie ſich zeitlich früh auf den Weg nach dem Berg Piton, da Montbars den Ort, wo der Zweikampf ſtattfinden ſollte, im Voraus kennen lernen wollte. Alain folgte tiefbetrübt und unruhig ſeinem Herrn mit geſenktem Kopf und kummervoller Miene; für die zwanzig Dub⸗ lonen, welche er vom ſchönen Laurent erhalten, hatte er ſich eine lange Boucanierflinte, und Pulver und Blei gekauft. II. Obſchon Montbars und Morvan mit trefflichen Pferden verſehen waren, ſo brauchten ſie doch beinahe drei Stunden, um die zwei Meilen zurückzulegen, welche die Entfernung des Ber⸗ ges Piton von der Stadt Leogane ausmachte. — 1 Jede Minute vom Anblick einer neuen Landſchaft gefeſſelt, blieb der junge Mann ſtets entzückt vor den ihm ſo neuen Schön⸗ heiten der tropiſchen Natur ſtehen. Der ſtets veränderte glänzende Horizont, der ſich bei jeder Wendung des Weges ſeinem entzückten Blicke darbot, verſetzte ihn in Verwunderung und rührte ſein Herz. Er dachte an das namenloſe Glück, welches eine liebende Seele empfinden müßte, wenn ſie getrennt von der Welt und fern von den traurigen Leiden⸗ ſchaften der Menſchheit, einzig und allein mit einem geliebten Weibe, in dieſen erhabenen Einſiedeleien wohnen dürfte. Da ſchwebte ihm Nativa's Bild vor Augen und er konnte ſich nicht enthalten zu ſeufzen. — Mein lieber Louis, ſagte Montbars, welcher die Ur⸗ ſache dieſer Traurigkeit mißkannte, ich glaubte, da mir Dein Muth bekannt war, Dich nicht ſchonen zu dürfen und Dir geſte⸗ hen zu müſſen, wie gefährlich dieſer Laurent ſei. Ich fürchte nun, daß meine Mittheilung auf Dich eine ganz andere Wirkung ge⸗ macht habe, als ich eigentlich beabſichtigte; anſtatt Deinen Eifer zu entflammen, habe ich Dich vielleicht verwirrt und beunruhigt. — O, Du haſt es nicht nöthig Dich zu rechtfertigen. Ich weiß, daß Du im Augenblick des Kampfes nicht ein Haar breit zurück⸗ weichen und die Ehre Deines Namens in würdiger Weiſe auf⸗ recht erhalten wirſt.—— Gewiß das iſt viel, aber es iſt nicht genug.— Was ich will iſt, daß Du Laurent gegenüber einen unverſöhnlichen Zorn fühleſt, Blutdurſt empfindeſt und alle Deine Fähigkeiten zu jenem Zerſtörungsinſtinkt vereinigeſt, der ſelbſt dem beſten Menſchen innewohnt, wenn er mächtig aufgeregt iſt, und der ihn zu einem Tiger an Wuth macht.— Louis, Du weißt, daß ich unfähig bin Dich zu täuſchen, Du vertrauſt mei⸗ nen Worten, nicht wahr?— — Wie denjenigen meines Vaters, wenn er noch lebte. — Nun, mein Freund, ſo ſchwöre ich Dir's bei dem Na auf no ſi na dri vo Fr M Namen Morvan, daß Laurent Deinen Haß verdient, daß er Dich außer der groben Manier, mit welcher er Dich behandelte, auch noch perſönlich beleidigt hat, daß Du Dich an ihm zu rächen haſt. — Ich verſtehe Sie nicht, Montbars. Ich beſchwöre Sie ſich deutlicher zu erklären. — Liebſt Du Nativa noch immer? fragte der Boucanier nach einer kurzen Weile des Zauderns. — Ob ich ſie liebe! Mehr als je! — Dann, Louis, mußt Du Laurent tödten, denn er drückt ſich über Monterey's Tochter mit der größten Verachtung aus. Ich habe es ſchon hundertmal mit anhören müſſen, wie er von Monterey's Tochter ſprechend, ſich mit einer Gemeinheit und Frechheit ausdrückte, wie es ein wohlerzogener Menſch ſelbſt nicht in Bezug auf eine Buhldirne wagen würde. Louis, fuhr Montbars fort, ich hätte Dir dieſe Mittheilung nicht gern gemacht. Es widerſtrebte mir, Deine Leidenſchaft für ein Weib anzuru⸗ fen, das dieſer verfluchten ſpaniſchen Race angehört, die ich mit aller Kraft meiner Seele haſſe! Das Heil Deines Lebens hat meinen Zorn zum Schweigen gebracht. Möge die Erinnerung an Nativa Deinen Muth erhöhen und Dich zum Sieger über Laurent machen, und ich werde noch im Stande ſein, ſie zu ſegnen; denn Du ſiehſt es, Louis, ich liebe Dich, als wäre ich Dein Vater! Des Boucaniers Worte klangen ſo aufrichtig, daß Mor⸗ van ſich gerührt fühlte. Doch ſeine Rührung war nicht von lan⸗ ger Dauer; Montbars' Mittheilungen hatten allen Zorn des jungen Mannes rege gemacht. — Ah, Laurent wagt es Nativa zu beſchimpfen! rief er mit funkelnden Augen und kreiſchender Stimme. Gut, Montbars, und ſollte ich mich in ſeinen Degen ſtürzen und ſelbſt umkommen müſſen, Laurent wird ſterben! Kurz bevor ſie am Berge Piton ankamen, mußten unſere Abenteurer durch den Wald Roger gehen, eine der reizenden 4 Daſen der Inſel St. Domingo. Faſt ganz aus wilden Orangen⸗ bäumen beſtehend, bot dieſer Wald eine ſo üppige Vegetation dar, daß ſelbſt das fruchtbarſte Land Europa's davon keine Idee zu geben vermöchte. Nichts iſt ſo reizend wie dieſe einſame Gegend, die auf ihren Fußwegen mit ſo dichtem und feillem Graſe bedeckt iſt, daß man auf Sammt zu gehen glaubt; überall wurden die Sinne durch die lebhafte Farbe des rothen Cactus und durch die Düfte der andern Blumen entzückt; zahlloſe Lia⸗ nen waren in maleriſcher Unordnung verwickelt und ſchwankten im Hauche balſamiſcher Düfte, und auf den Lianen hüpften Vögel, deren Federn wie Smaragde, Topaſe und Rubinen glänzten; es war ein Schauſpiel, um das härteſte Herz zärtlich und melan⸗ choliſch, die unempfindlichſte Seele verliebt zu machen. — Noch einige Schritte und wir ſind am Ort, mein lieber Louis, ſagte Montbars. In der Nähe befindet ſich eine Wohnung, deren Eigenthümer, der für ſeinen Beruf begeiſtertſte Boucanier, ſich beeilen wird, uns gaſtfreundlich aufzunehmen. Wir werden ihm unſere Pferde anvertrauen und uns zu Fuß nach dem Berg Piton begeben. Der ſchwierige Weg, welcher zu dem von Laurent beſtimmten Orte führt, erlaubt es uns nicht unſere Pferde bei⸗ zubehalten. Zehn Minuten ſpäter erreichten ſie die Wohnung des von Montbars erwähnten Boucaniers. Der Anblick dieſes am Ein⸗ gang einer großen Waldlichtung gelegenen und halb hinter gro⸗ ßen hundertjährigen, mit dichtem Laub verſehenen Bäumen ver⸗ borgenen Hauſes verſetzte Morvan in Staunen; er ſah da die Verwirklichung einer Phantaſie, zu der er von den Schönheiten des Weges angeregt worden war. Nur Nativa fehlte dieſem Bilde. In Form einer Sennhütte erbaut, nur daß eine ſpaniſche Terraſſe die Stelle des europäiſchen Daches erſetzte, zeigte die Wohnung des Boucaniers in ihrem Bau den beſten Geſchmack. Vor dem Eingang befand ſich ein mit außerordentlicher Sorgfalt gepflegter Ga Mo und nich —— Garten. Die Rauchhütte des Jägers war, wie Morvan von Montbars erfuhr, eine Viertelmeile von dem Wohnhaus entfernt, und ließ die von der Räucherung entſtehenden ätzenden Gerüche nicht bis zu dieſem reizenden Aufenthaltsorte dringen. — WVer iſt denn der Beſitzer dieſer Wohnung? fragte der junge Mann ſeinen Oheim. — Ein ſeltſames Original, einer von unſeren Lands⸗ leuten. Graubart, das iſt der Name unter welchem man ihn kennt, iſt der geradſinnigſte und gutherzigſte Menſch, den man ſich vorſtellen kann. Während der dreißig Jahre, ſeit welchen er dieſes Leben führt, hat er ſich von den Intereſſen der Welt ſo ſehr entfernt und der Natur ſo ſehr genähert, daß er die Dinge wirklich ſo ſieht, wie ſie ſind, und nicht wie unſere Leiden— ſchaften ſie uns zeigen. Bis auf einen wunderlichen Eigenſinn, mit dem Du ſpäter überraſcht werden ſollſt, iſt er für mich die Weisheit ſelbſt; wir lieben uns ſehr! Graubart gilt mit Recht für einen der beſten Schützen der Boucanerie; er kennt die Feuer⸗ waffen aufs Genaueſte, und niemand als er kann Dich mit we⸗ nigen Worten lehren, wie man auf hundert Schritte ein Eich⸗ hörnchen herabſchießt, das am äußerſten Ende eines Aſtes ſpielt. Sein unfehlbarer Blick gleicht beinahe dem meinigen. Wir wer⸗ den den Tag damit hinbringen, Dich zu dem morgigen Kampfe vorzubereiten. — Wie! mich zu dem morgigen Kampfe vorzubereiten, wiederholte Morvan; werde ich denn meinen Streit nicht mit dem Degen ausfechten? — Nein, liebes Kind. Wenn es ſich nur um ein Duell mit dem Degen handelte, ſo wäre ich nicht ſo unruhig. In St. Do⸗ mingo haben die Duelle mit dem Feuergewehr und demblanken De⸗ gen zugleich ſtatt!— Verſtehſt Du mit einer Muskete umzugehen? — Ich war der beſte Schütze von Penmark, man ſprach von meiner Geſchicklichkeit zehn Meilen in der Runde. . 2. 1 zu verurſachen. — Wir werden dieſes Geſpräch ſogleich wieder aufneh⸗ men, ſagte er, Graubart's Diener werden uns ſogleich wittern. Kaum hatte Montbars dieſe Worte beendigt, als zehn große Hunde, deren ſich die Boucaniers gegen die wilden Stiere bedienten, von einem in der Nähe des Wohnhauſes befindlichen Hundeſtall herſprangen. — Holla! ſachte! meine Freunde, rief Montbars; wir haben uns ſchon lange nicht geſehen, aber ich bin einer eurer alten Bekannten. Die Hunde, welche Anfangs wüthend ſchienen, begannen ſogleich, als hätten ſie dieſe Worte verſtanden, an dem berühm⸗ ten Chef der Flibuſtier hinanzuſpringen und ihn mit ihren Lieb⸗ koſungen zu überhäufen. — Gute Thiere! ſieh, wie ſie mich erkennen, ſagte Mont⸗ bars zu ſeinem Neffen. Wie viele Freunde habe ich, die mich nach ſo langer Abweſenheit ſo gut empfangen würden!— Keinen! Doch ſieh, da kömmt Graubart. Der Boucanier Graubart mochte ungefähr fünfzig Jahre alt ſein; er war klein und unterſetzt und trug die gewöhnliche Kleidung der Leute ſeines Berufs, nur bemerkte man an ihm eine Nettigkeit, die ſeinen Genoſſen fremd war. 2 — Ah, biſt Du es, Montbars! ſagte er langſam und mit unzerſtörbarer Kaltblütigkeit; wir haben uns ſchon lange nicht geſehen. Die beiden alten Freunde drückten ſich die Hände. — Haſt Du manchmal meiner gedacht, Graubart? fragte ihn Montbars. — Alle Tage; ich bin ſehr glücklich Dich wiederzuſehen, antwortete der Boucanier mit demſelben Phlegma. — Da iſt ein junger Mann, fuhr Montbars auf ſeinen Dieſe Antwort ſchien Montbars ein lebhaftes Vergnügen wil Ab und den e6 igen fneh⸗ tietn. zehn tiere ichen wir eurer nnen ihm⸗ Lieb⸗ tont⸗ nach inen! ahre liche ihm 9 und lange ragte ehen, einen —— Neffen deutend fort, der Deiner bedarf. Er iſt der Sohn meines Bruders, und ich liebe ihn wie mein eigenes Kind. Du mußt mir helfen ihn lehren, ſich einer Boucanierflinte zu bedienen. Er wird ſich morgen mit Laurent ſchlagen. — Dann fällt er, antwortete Graubart ruhig; doch ich will ihm nichts deſtoweniger meine Erfahrung zu Gebote ſtellen. Aber Ihr müßt Erfriſchung nöthig haben, ſteigt von den Pferden und kommt in meine Hütte, Ihr werdet da einige Flaſchen Bor⸗ deaux finden. Das Innere von der Wohnung des Boucanier's entſprach dem äußern derſelben vollkommen; es zeigte von wunderbarer Ordnung und Nettigkeit. — Ach mein Gott! rief Alain mit bewegter Stimme, iſt es möglich! Welches Glück! Der Bretagner warf, ohne in eine weitere Erklärung ein⸗ zugehen, ſeinen Hut auf den Boden, kniete nieder, machte das Zeichen des Kreuzes und betete vor einem Bildniß der heiligen Anna von Auray, das an der Wand hing. Dieſe Handlung ſchien Graubart ein gewiſſes Vergnügen zu machen. Ueber ſeine Züge, die beim Wiederſehen ſeines alten Freundes Montbars ruhig geblieben waren, glitt ein flüchtiges Lächeln der Zufriedenheit. — Du kennſt alſo die heilige Anna von Auray? fragte er Alain, nachdem dieſer ſein Gebet beendigt hatte. — Ob ich ſie kenne! rief der Penmarker entrüſtet, das iſt doch eine recht dumme Frage!— Sehe ich denn aus wie ein Türke oder wie ein Heide? Ob ich ſie kenne, meine gute heilige Anna von Auray? Wir ſind innig verbunden miteinander, ſie gewährt mir alles, was ich nur will.— Sehen Sie, Herr Ritter, fuhr der Bretagner fort, jetzt fürchte ich nichts mehr für Sie! Dieſes Bild, welches ich hier finde, iſt eine Mahnung des guten Gottes. Ich will gehängt werden, wenn Sie nicht den Mann mit den Geigen und Flöten morgen wie einen wüthenden Hund erſchlagen.— Ah, wenn ich Wachskerzen hätte! — Ich habe deren, ſagte Graubart. — Sie haben Wachskerzen, Sie— Sie Stierjäger! rief Alain entzückt. Nun ſchlagen Sie ein, Sie müſſen ein bra⸗ ver Mann ſein. Der Boueanier drückte dem Diener die Hand, dannöffnete er einen großen Koffer und nahm daraus mehrere Flaſchen, die er auf den Tiſch ſtellte. — Der Wein iſt eine gute Sache, ſagte Alain, aber Zider iſt doch noch beſſer. Graubart ſtand auf und ging aus dem Gemach, in wel⸗ chem ſich ſeine Gäſte befanden. Eine Minute ſpäter kehrte er wieder und ſtellte vor dem Bretagner ein Gefäß von ſeltſamer Geſtalt nieder. Aber Alain erkannte das in ſeiner Heimat für Apfelmoſt gebräuchliche Gefäß ſogleich und rief entzückt: — Nicht möglich!— aber ja, das iſt Ziderwein— und was für einer! Morvan's treuer Diener leerte nun das vor ihm hinge⸗ ſtellte Gefäß auf einen Zug und dann fing er an zu weinen. — Dieſer Burſche gefällt mir, ſagte Graubart ruhig zu Montbars. Gehört er Dir? Gib mir ihn! Ich verſpreche Dir ihn nicht mehr zu ſchlagen, als zu ſeiner Abrichtung nothwendig iſt. — Alain iſt der Diener meines Neffen; ich zweifle, daß ihn ſein Herr Dir überlaſſen möchte. — Ich gebe Ihnen für ihn zehn Pfund Pulver und die zwei beſten Hunde von meiner Meute, ſagte der Boueanier zu Morvan; das iſt ein guter Handel für Sie. — Alain wird mich niemals verlaſſen, ſollte es aber ge⸗ ſchehen, ſo wird es ſein freier Wille ſein, antwortete der junge Mann, der über dieſen ſeltſamen Antrag lächeln mußte. enden jäger! br⸗ fnete „die aber wel⸗ te er amer t für inge⸗ n. Dir ¹9 iſt. daß nd die ier zu er ge⸗ junge — — Nun denn! Da Du nicht mein Diener werden kannſt, ſo wirſt Du mein Freund bleiben, nicht wahr, Alain? — Ihr Freund auf Leben und Tod! Sobald ſich die Reiſenden erholt hatten, nahm Graubart ſeine Flinte, pfiff ſeinem Hund, und machte ſich, von Montbars, Morvan und Alain begleitet, auf den Weg nach dem Berge Piton. Dieſer kegelförmige Berg mußte früher ein Vulkan ge⸗ weſen ſein, man ſah noch die Stelle des Kraters, und ſchreck⸗ liche Riſſe an den Seiten desſelben. Kaum eine Viertelmeile von Graubart's Wohnung entfernt, war der Berg Piton vom Walde Roger wenig mehr als hundert Schritte entfernt; da er— richtete der Boucanier ſeine Schießhalle. Seine Vorbereitungen waren nicht von langer Dauer, und ſehr einfach; er hieb einen jungen, zwei Zoll dicken und mannshohen Strauch um, ſteckte ihn in die Erde, und zählte eine Entfernung von zweihundert Schritten ab. Dann übergab er Morvan ſeine Boucanierflinte, und erklärte ihm klar und kurz die von der gewöhnlichen Art abweichende Weiſe, in welcher man dieſe Waffe anlegen und mit ihr zielen mußte. Sobald er ſeine Erklärungen gemacht hatte, commandirte er Feuer; der Schuß ging los, der Strauch blieb unberührt. — Für einen Anfang iſt das meiner Treu nicht ſchlecht, ſagte er mit einem Ausdruck von Zufriedenheit, der mit ſeiner gewöhnlichen Kälte im Widerſpruche ſtand. Ihre Kugel iſt zwei Zoll links vor dem Strauch vorbeigeflogen. — Woher wiſſen Sie das? fragte ihn Morvan erſtaunt. Können Sie denn dem Flug einer Kugel mit den Augen folgen? — Nein; aber an der Bewegung und Richtung Ihrer Waffe kann ich den Schuß leicht beurtheilen, und irre mich da— bei nicht um die Breite eines Haares. — Graubart ſpricht die Wahrheit, fügte Montbars hinzu. —— Dieſe wunderbare Geſchicklichkeit machte den jungen Mann bedenklich. — Jetzt begreife ich die Furcht, dachte er, welche Mont⸗ bars über den Ausgang meines Duelles mit Laurent an den Tag legt! Thut nichts, wie geſchickt auch der Mann ſein mag, ſo wird er mich doch nicht tödten; mein Herz ſagt es mir, daß ich Nativa noch ſehen ſoll. Beim vierten Schuß traf Morvan den Strauch; nach zwei⸗ ſtündiger Uebung traf er das Ziel dreimal unter vier Schüſſen. — Wenn man mir das erzählt hätte, ſagte Graubart ganz erfreut, ſo hätte ich es niemals geglaubt, daß ein Menſch in ſo kurzer Zeit ein ſolches Reſultat erzielen könne! Alles geht gut! — Jetzt iſt es mir nicht mehr wahrſcheinlich, daß Laurent einen Vortheil über Sie haben werde. Jetzt muß ich Ihnen noch zeigen, wie man abfeuert, ohne ſich ſo zu ſagen Zeit zum Zie⸗ len zu nehmen. Nach weitern vier Stunden, welche zur Heranbildung Morvan's zum Schützen verwendet wurden, erklärte der Bou⸗ canier, daß ſeinem Schüler nichts mehr zu lernen übrig ſei. Eine halbe Stunde ſpäter ſaßen Montbars, ſein Neffe und Alain vor einer wohlbeſetzten Tafel, als aus dem dichten Walde eine friſche helle Stimme erſcholl, die aus der Entfernung noch bezaubernder klang. Morvan bebte vor Entzücken, und Alain ſprang auf den Schemel, der ihm als Stuhl diente. Dieſe Stimme ſang ein bretagniſches Weihnachtslied. Wer ſein Vaterland niemals verlaſſen hat, kann ſich auch nicht annäherungsweiſe eine Idee von der Rührung machen, welche jede Erinnerung an die Heimat hervorbringt. In dieſem Gefühl liegt etwas von der Melancholie, welche ein Liebender beim Anblick eines Gegenſtandes empfindet, der ſeiner in der Blüthe ihrer Jugend verſtorbenen Geliebten angehört hat; es iſt ein tiefer, aber wonnevoller Schmerz. Ein ſolches Gefühl ha ſi N0 hatte Morvan, als er vom Walde her das bretagniſche Lied ſingen hörte. Graubart, welcher gewöhnlich, wenigſtens dem Anſcheine nach, ſo ruhig und gleichgiltig war, lächelte. — Das iſt Jeanne, die nun zurückkömmt, ſagte er freudig. Faſt in demſelben Augenblick zeigte ſich auf der Schwelle der offen gebliebenen Thüre eine eben ſo ſeltſame als reizende Erſcheinung. Es war ein junges Mädchen von ungefähr ſieb⸗ zehn Jahren; ſie trug einen kurzen Rock von hellblauer Farbe, einen breiten Strohhut, feine bis zum Fußknöchel geſchnürte Stiefelchen; in der linken Hand hielt ſie einen großen Blumen⸗ ſtrauß, in der rechten einen reich damaszirten Karabiner von ſpa⸗ niſcher Arbeit. An einem hellrothen Gürtel aus chineſiſchem Krepon hatte ſie eine Pulverbüchſe. Man kann ſich nichts köſtlicher Originelles und Zartes denken als ihr Geſicht; ihre großen ſchwarzen Augen ſtanden mit dem üppigen blonden, goldig ſchimmernden Haare in glück— lichem Gegenſatz; ihr mit ſeltener Vollendung gezeichneter Mund hatte den Ausdruck eines lebhaften Geiſtes, der übrigens aus ihrem ganzen Weſen ſprach. Ihr von der Sonne leicht gebräunter Teint hatte in ſeinem warmen gleichmäßigen Ton etwas Blendendes. Schlank und geſchmeidig wie ein Rohr hatte der Wuchs dieſes reizenden, lieblichen Geſchöpfes etwas Züch⸗ tiges und Kühnes zugleich, das an die Jagdgöttin Diana er⸗ innerte. Bei Morvans Anblick blieb das junge Mädchen, das ſich eben dem Vater nähern wollte, mit der Bewegung eines er⸗ ſchreckten Rehes ſtehen; doch bald überwand ſie ihr Erſtaunen und ihren Schreck, ſchüttelte den Kopf mit eigenſinniger Geberde, und eilte den alten Boucanier zu umarmen. — Guten Abend, Vater, ſagte ſie mit einer hellen herz⸗ erfreuenden Stimme; Du erwarteteſt wohl nicht mich ſobald wieder zu ſehen, nicht wahr? — — Wirklich nicht, meine hübſche Jeanne! Was iſt Dir denn zugeſtoßen? Warum begleitet Dich Lederhaube nicht? — Er hat in der Nähe von hier die Spur eines Wild⸗ ſchweines gefunden. Wir dürfen ihn vor einer Stunde nicht zurückerwarten. Das junge Mädchen warf dann den Hut weg, ließ ihr blondes Haar herabflattern, und eilte zu Mortbars. — Du biſt nun zurück, mein Freund, ſagte ſie zu ihm; wie freue ich mich Dich unter uns zu ſehen. Denk einmal, ich und Lederhaube, wir haben heute Morgen einen Trupp ſpani⸗ ſcher Boucaniers getroffen, die uns bis gegen Mittag verfolgten! Ich hoffe, daß Du viele Spanier tödten werdeſt! Wenn Du willſt, daß ich Dich immer lieb haben ſoll, ſo wirſt Du keinen zum Gefangenen machen. Das ſind böſe hinterliſtige Leute, die kein Mitleid verdienen! Sage mir, Montbars, haſt Du mir kein Geſchenk mitgebracht? Nun iſt es ſchon ein ganzes Jahr, ſeitdem Du mir nichts geſchenkt haſt. Die Tochter des Boucaniers hielt einen Augenblick inne, dann fuhr fie, ohne Montbars Zeit zur Antwort zu laſſen, fort: — Sage mir, Montbars, wer iſt der junge Mann, der da bei Dir ſitzt und mich ſo feſt anblickt?— Er gefällt mir ſehr dieſer junge Mann; er ſieht ſo gutmüthig aus. Zieht er gegen die Spanier? Und wer iſt der da? fuhr ſie auf Alain deutend fort, der ſogleich erröthete; heilige Jungfrau, wie häßlich iſt der! — Dieſe Beiden, die erſt angekommen ſind, antwortete Montbars lächelnd, ſind Bretagner wie Dein Vater und Deine Mutter, Beide verdienen es, daß Du ſie liebeſt, denn ſie ſind rechtſchaffen und tapfer. Der welcher Dir beſſer gefällt, iſt mein Neffe, und heißt Ritter Louis; der andere iſt ſein Diener. — Weil Du ſo gut und ſchön biſt, Ritter Louis, ſagte Jeanne, die ſich ſogleich zu ihm niederſetzte, werden wir Freunde ſein; willſt Du? Yort zum noch det v vont ſprich gehor ſchi loſen fihrt canie wol denm vie beß Einf noch ſigen Seh nizer Vei fabe keizer gut b jeden viele würd was ſt Dir cht Vild⸗ nicht eß ihr ihm; Ue ich ſpani⸗ Du. in D keinen e, die u mir Johr, inne, fort: 1 der ir ſehr gegen utend ſtder! vortete Deine ſi find i mein r. ſgte eunde . — Mein Fräulein, das iſt zu viel Ehre für mich, ſagte Morvan, der über allen Ausdruck erſtaunt und verlegen war. — Du ſollſt mich nicht Fräulein nennen, und ſollſt Du zu mir ſagen; willſt Du etwa nicht mein Freund ſein? — Louis, redete Morvan dazwiſchen, Du kennſt Jeanne noch nicht. Dieſes Kind, das man hier Waldblume nennt, iſt der vollendetſte Ausdruck der unverkünſtelten Natur; ſie kennt von den Heucheleien der Civiliſation gar nichts; was ſie denkt, ſpricht ſie aus; was ihr Herz empfindet, drückt ſie aus. Sie gehorcht der Sympathie, welche Du ihr einflößeſt, und denkt ſich in Dir einen Kameraden, nichts weiter. Dank der grenzen⸗ loſen Freiheit, die ſie genießt, dem thätigen Leben, das ſie führt, und der wahrhaften Verehrung, welche alle alten Bou⸗ canier und meine Flibuſtier für ſie empfinden, hat Jeanne, ob⸗ wol mitten unter verderbten ſchwelgeriſchen Menſchen lebend, dennoch eine vollkommene Unſchuld und Reinheit erhalten. Sieh, wie erſtaunt ſie mich anblickt, ſie verſteht mich nicht einmal. In⸗ deß fehlt es ihr durchaus nicht an Verſtand; ſie beſitzt in ihrer Einfalt einen außerordentlich feinen Geiſt; nur ihr Herz hat noch nicht geſprochen. Das iſt Alles, was ich Dir von ihr zu ſagen habe. — Montbars, Du ſchwätzeſt immer von langweiligen Sachen, ſagte Jeanne, und begleitete dieſe Worte mit einem reizenden Mäulchen. Laß mich mit Deinem Neffen nach meiner Weiſe unterhalten, und kümmere Du Dich nicht um uns. Ich habe ihm vieles zu ſagen. Montbars verſichert mich, fuhr das reizende Geſchöpf zu dem jungen Manne gewendet fort, daß Du gut biſt; ich habe auch ein vortreffliches Herz, aber nicht für jeden auf der Inſel, der meine Freundſchaft ſucht. Es gibt viele Leute, die glücklich wären, wenn ich ſo mit ihnen reden würde, wie ich mit Dir rede, ſie würden mir alles anbieten, was ſie beſitzen. Aber ſiehſt Du, ich nehme nur von Denjenigen „MI. 3. Geſchenke an, die mir gefallen. Haſt Du von Deiner letzten Kreuzung nichts mitgebracht? — Ich bin erſt vor zwei Tagen auf St. Domingo ange⸗ kommen, ſagte Morvan, der wider ſeinen Willen ſich durch das Intereſſe, welches ihm Graubart's Tochter bewies, geſchmeichelt fühlte, und von ihrer anmuthsvollen Sittſamkeit gefeſſelt war; ich verſpreche Dir, Dich, ſobald ich von meiner erſten Seefahrt zurückkehre, von meiner Beute auswählen zu laſſen, was Du wirſt wollen. — Du haſt mit den Spaniern noch nicht gekämpft! rief Jeanne erſtaunt. Du biſt aber doch tapfer, nicht wahr? Oſich bin deſſen gewiß, daß Du tapfer biſt, fügte ſie hinzu, nachdem ſie ihn zum hundertſten Mal angeblickt hatte; nun, Ritter Louis, ich will Dich bei Deiner erſten Expedition begleiten. — Ich glaubte, Jeanne, daß die Geſetze der Flibuſtier die Anweſenheit der Frauenzimmer auf ihren Schiffen nicht erlauben! — Ja, das iſt wahr, Frauenzimmer! Aber ich, das iſt ganz etwas Anderes!— Ich bin eine Boucanierin! Du ſtaunſt; glaubſt Du, daß ich Dich täuſche? Biſt Du denn noch nicht mein Freund, daß Du meine Aufrichtigkeit bezweifelſt?— Ich lüge nie, weißt Du!— Frage Montbars. — Jeanne hat ein Recht ſo zu ſprechen, ſagte Montbars. Ihre Zulaſſung am Bord unſerer Schiffe iſt die einzige Aus⸗ nahme, die exiſtirt. Es iſt Graubart's Tochter nicht nur erlaubt ſich unter uns zu mengen, ſondern die Flibuſtier ſind noch über⸗ zeugt, daß ihre Anweſenheit am Bord eines kreuzenden Schiffes demſelben Glück bringe, und bis jetzt hat der Zufall dieſen Glauben noch immer beſtätigt. Es gelingt nur nicht Jedem ſich ihre Begleitung zu erwirken. Man gibt ihr immer gewiſſenhaft einen Theil der Beute. — Das iſt gewiß, daß ich Glück bringe! rief Jeanne, welche ſich über Montbars' Erklärung zu ärgern ſchien. Das — nitei betr gebe tief des! nicht daß deut eine wie zu3 übet Ich nich mein tac nich der zuge Aur vor letzten ange⸗ ch das eichelt war; rief Hich achdem Louis, ler die auben! das iſt ſaunfz nicht e Aus⸗ erlaubt h über⸗ Schifts dieſen den ſih ſenha ft zeanne⸗ Das verſteht ſich aber auch, da ich immer das Bildniß der heiligen Anna von Auray, welches mir meine Mutter hinterlaſſen hat, miteinſchiffe, und Morgens und Abends vor demſelben mein Ge⸗ bet verrichte. Warum ſollte man mir nicht einen Theil der Beute geben? Ich verdiene ihn ja ehrlich. — Sie beten zu meiner guten heiligen Anna von Auray! rief Alain, der die Augen niederſchlug, um nicht den Blicken des Mädchens zu begegnen. Sehen Sie, Sie können ſich gar nicht vorſtellen, wie ſehr mich das freut.— Ich gebe es zu, daß ich häßlich bin, aber glauben Sie mir, die Schönheit be— deutet nicht viel! Wie häßlich ich auch immer ſei— ſo oft Sie einen braven Burſchen brauchen, der tapfer drein ſchlägt und wie ein Hund gehorcht, werden Sie mich und meinen Penbas zu Ihrem Befehle finden; ich verſpreche Ihnen, daß Sie ſich über uns nicht zu beklagen haben werden. — Biſt Du Deinem Herrn anhänglich? — Ob ich ihm anhänglich bin? rief Alain mit Nachdruck. Ich möchte ſehen, daß ein Mann es wagen würde dieſe Frage an mich zu ſtellen, ich würde ihm alle Knochen im Leibe zerſchlagen. — Dann liebe ich Dich; wie heißt Du? — Alain, mit Reſpekt zu melden und zu diei mein Fräulein. — Da ich Dich jetzt mit größerer Aufmerkſamkeit be⸗ trachte, gefällt mir Deine Häßlichkeit. Alain, warum ſagſt Du nicht Du zu mir? — Ich ſoll ein Frauenzimmer dutzen, Fräulein! rief der Bretagner halb entrüſtet halb verwirrt, das iſt mir noch nie zugekommen, und mit Hilfe meiner guten heiligen Anna von Auray wird es mir, wie ich hoffe, auch niemals zukommen! — Ich ſehe, daß Du doch auch in den Städten erzogen worden biſt. — Fräulein, ich bin niemals von Penmark weggekommen. 3. — Nach beendetem Mahle ſchickten ſich die Gäſte an die Ta⸗ fel zu verlaſſen, als in der Ferne Hundegebell erſcholl. — Ah, jetzt kommt Lederhaube zurück, ſagte Jeanne mit gleichgiltiger Miene. Einige Minuten ſpäter trat das mit dem Spitznamen Lederhaube bezeichnete Individuum in den Saal. Lederhaube, der Matroſe oder Geſellſchafter Graubarts, war ein großer ſtar⸗ ker Burſche von dreißig Jahren und rieſigem Wuchs; ſein ſehr dicker Bulldogkopf war anſtatt mit der ovalen Kopfbedeckung der Boucanier mit einer platten ledernen Haube bedeckt, da⸗ her ſein Spitzname. Als er Montbars erblickte, enthüllte er eine ſchreckliche Reihe von Zähnen, das war ſeine Manier zu lächeln; aber wie ſein Blick auf Morvan fiel, zeigte ſich in ſei⸗ nem rohen Geſicht ein ſtarker Ausdruck von Unzufriedenheit. — Wer iſt dieſer Menſch, Graubart? fragte er ſeinen Matroſen mit einer Stimme von bedeutender Tiefe. — Das iſt mein Freund, ſagte Jeanne; der Ritter Louis! Wir lieben uns ſchon ſehr. — In dem Falle rathe ich dem Ritter Louis, ſich ſo ſchnell als möglich davon zu machen, wenn er nicht eine Kugel in den Kopf haben will! rief Lederhaube, indem er mit dem Kol⸗ ben ſeiner Flinte auf den Boden ſchlug. Als der Edelmann dieſe Worte hörte, ſprang er von ſei⸗ nem Sitze auf; aber Jeanne errieth ſeinen Gedanken und ſtürzte ſich zwiſchen ihn und Lederhaube. — Ritter Louis, ſagte ſie mit vollkommener Ruhe, er⸗ zürne Dich nicht; Lederhaube iſt roh, aber durchaus nicht böſe. Du wirſt gleich ſehen, wie ich ihn behandeln werde. Lederhaube, fuhr das junge Mädchen zu dem Rieſen gewendet fort, bitte meinen neuen Freund für Deine Grobheit um Vergebung— ich will es! — Ich, um Vergebung bitten! entgegnete Graubarts Matroſe, wie ein Bär brummend. kühr cani Ann Bode ſo w ſpret ſein eine mit Ihr jun der etz was aber hau 38 nich gefi eanne amen aube, ſtar⸗ ſehr Kung „da⸗ lte er et zu nſei⸗ . einen Ritter ſch ſo Kugel Kol⸗ nſti⸗ türzte e, e⸗ haube neinen les! barts — Ja, Du, und das ſogleich. Statt aller Antwort erhob Lederhaube mit einer unwill⸗ kührlichen Bewegung ſeine lange Flinte; die Augen des Bou⸗ caniers ſchleuderten Blitze. — Lederhaube, ich ſchwöre Ihnen bei meiner heiligen Anna von Auray, rief Jeanne, mit ihrem kleinen Fuß auf den Boden ſtampfend, wenn Sie mir nicht im Augenblick gehorchen, ſo werde ich vierzehn Tage hindurch kein Wort mehr mit Ihnen ſprechen, und einen Monat lang Sie zu Ihnen ſagen. Bei dieſer kindiſchen Drohung erblaßte der Rieſe, und ſein Zorn ſchwand wie durch einen Zauber. Endlich ſchien er einen Entſchluß zu faſſen, ſtürzte auf Morvan los, und ſprach mit einer donnerähnlichen Stimme: — Vergeben Sie mir! — Ich kann Ihre Entſchuldigung nicht annehmen, denn Ihre böſe Laune hat mich nicht beleidigt, antwortete ihm der junge Mann, und reichte ihm die Hand. — Waldblume will, daß Sie mir verzeihen, erwiderte der Rieſe zurücktretend; ſagen Sie, daß Sie mir verzeihen. — Da Sie es durchaus haben wollen, ſo ſei es; ich verzeihe Ihnen. Dieſe Scene ſchien Graubart gar nicht zu überraſchen, was Morvan betrifft, ſo wußte er nicht, was er denken ſollte; aber Jeanne oder Waldblume ließ ihn nicht lange im Zweifel. — Sie ſehen, mein Freund, ſagte ſie zu ihm, daß Leder⸗ haube ſehr ſanft iſt! Man behauptet, er ſei verliebt in mich! Ich finde ihn weit häßlicher als Ihren Diener. Aber das macht nichts, er ſchlägt ſich gut und hat ein gutes Herz, und deshalb gefällt er mir. — Danke, Jeanne, ſagte Lederhaube ſtrahlend vor Freude. Montbars machte dem Geſpräch bald ein Ende, indem er zu ſeinem Neffen ſagte: — Mein lieber Louis, Dein Duell mit Laurent wird mor⸗ gen mit Tagesanbruch ſtattfinden; Du mußt ausruhen, ziehen wir uns zurück. — Du ſollſt Dich morgen mit dem ſchönen Laurent ſchla⸗ gen? fragte Jeanne erſchrocken den jungen Mann. — Ja, meine Freundin. — Ich will nicht, daß dies geſchehe, erwiederte Jeanne mit Nachdruck, Laurent würde Dich tödten. Jeanne ſenkte, lebhaft bewegt, den Kopf und ſchwieg einen Augenblick. — Ritter Louis, fuhr ſie, den feuchten Blick auf den jungen Mann heftend, bald darauf fort, achte nicht auf meine Worte; ich bin ein junges Mädchen, das nicht weiß, was es ſagt. Deine Ehre erfordert es, daß Du Dich ſchlageſt. Diesmal war es das erſte Mal in ihrem Leben, daß Jeanne, indem ſie von ſich ſelbſt ſprach, ſich auf ihr Geſchlecht berief. — III. Nichts iſt ſo poetiſch und berauſchend zugleich wie ein amerikaniſcher Wald beim Aufgang der Sonne. Kaum zeigen ſich die erſten Strahlen des Tages, als das impoſante Schweigen der Nacht einer ergreifenden Hymne weicht: Vogelzwitſchern, Summen der Inſekten, das Raſchelnder Schlangen und Eidechſen, die Sprünge der Tiger, der raſche Lauf der Rehe und Damm⸗ hirſche, die durch die Feuchtigkeit der Nacht herabhängenden Zweige der Bäume, die ſich, von der Sonne beſchienen, ſtrecken und winden gleich Reptilien,— dieſe ſeltſamen, verworrenen, verſchiedenen Töne, ein klagendes und wonnevolles Rauſchen, deſſen Urſache man nicht kennt und das von einem unſichtbaren Kape einem Sift ſend, hen, riſche Laube feenh die Dos am und iun Lbe Ren eine leic erwe eine hem Aug ſol mir glüc geht gede gede nich hof dnor⸗ ziehen ſchh⸗ eanne hwieg uf den meine vas es eanne, ief. vie ein en ſich wigen tſcher⸗ dechſen⸗ Dam⸗ ngenden ſreden renen⸗ auſchen⸗ hibaren — Kapellmeiſter in Ordnung gehalten wird, vereinigen ſich zu einem vollſtändigen Enſemble und bilden ein göttliches Orcheſter. Gigantiſche Bäume, deren unterſte Aeſte, durſtig nach Säften, ſich zum Boden geneigt und dort wieder Wurzel faſ⸗ ſend, eben ſo vielen neuen Stämmen das Leben gegeben ha⸗ ben, bieten dem Blick eine wunderbare Verſchiedenheit von male⸗ riſchen und fantaſtiſchen Formen. Die breiten Blätter des dichten Laubes ſind mit zahlreichen Thautropfen bedeckt und bilden ein feenhaftes und blendendes Gewölbe, das an Glanz und Pracht die üppigſten Beſchreibungen der orientaliſchen Poeten übertrifft. Das war das Schauſpiel, welches Morvan bei ſeinem Erwachen am andern Morgen erblickte. Er war um vier Uhr aufgeſtanden und erwartete nachdenkend und geſammelt die Stunde des Zwei⸗ kampfes; er dachte an ſein ſonſt ſo ruhiges und gleichmäßiges Leben, und die zahlreichen Ereigniſſe, die ſein Daſein ſeit eini⸗ gen Monaten bezeichneten, an ſeine Liebe für Nativa. Montbars lag völlig angekleidet auf einem Strohlager in einem tiefen und ruhigen Schlaf. Morvan wurde von einem leichten Schlag an die Thüre ſeiner Kammer aus ſeinen Gedanken erweckt, faſt in demſelben Augenblick trat Jeanne ein; ſie hatte einen Korb voll Blumen und Früchte in der Hand. — Mein Freund, ſagte ſie zu Morvan mit faſt ſchüchter⸗ nem Tone, ich habe die ganze Nacht an Dich gedacht und keinen Augenblick der Ruhe genießen können. Warum ſind die Menſchen ſo böſe uud wollen ſich immer Schlimmes anthun? Es ſcheint mir doch, daß es ſo leicht wäre, daß ſich alle liebten und glücklich wären. Ich weiß wahrhaftig nicht, was mit mir vor⸗ geht; ſeit ich auf der Welt bin, habe ich noch nicht ſo viel nach⸗ gedacht, wie ſeit geſtern.— Und Du, haſt Du auch an mich gedacht?— Haſt Du den Tag mit Ungeduld erwartet, um mich wiederzuſehen?— Fürchteſt Du Dich vor Laurent?— Hoffſt Du dieſes Duell als Sieger zu beſtehen? — Während das köſtliche Kind ſo Frage auf Frage an Mor⸗ van richtete, betrachtete ſie dieſer mit Rührung. Er fühlte ſich er⸗ griffen von der Sympathie, welche Graubarts Tochter in ſo nai⸗ ver Weiſe für ihn an den Tag legte. — Ja, Jeanne, antwortete er ihr, indem er ſie bei der Hand ergriff, ich habe an Dich gedacht, wie an eine geliebte Schweſter, die Erinnerung an Dich hat mich nicht verlaſſen. Ich thue vielleicht Unrecht, wenn ich mich ſo einem Gefühle überlaſſe, das Du mir einflößeſt, und wenn ich glaube, eine Stunde habe genügt, daß ſich Deine Seele der meinigen ergab und eine ſo plötzlich entſtandene Neigung wie die Deinige könne von Dauer ſein. Sieh, es iſt mir ſo ſüß zu denken, daß ich eine wahrhafte Freundin habe, daß ich anſtatt nachzudenken, mich blindlings dem Vergnügen hingebe!— Aber vielleicht verſtehſt Du mich nicht, fügte der junge Mann lächelnd hinzu. — O, ſprich noch, ſprich immer mit mir, rief Graubart's Tochter erfreut. Welch' ein Vergnügen macht es mir, Deine Stimme zu hören!— Zuweilen meine ich, daß ich Dich ſchon ſeit Jahren kenne und daß wir zuſammen erzogen worden ſeien. Aber ich bin doch ſehr unwiſſend; manche von den Worten, die Du da geſprochen haſt, ſind mir völlig neu. Doch ſeltſam! mein Freund, ich verſichere Dich, daß ich nicht ein einziges davon verliere, und daß ich ſie zum Verwundern verſtehe. Jeanne ſchwieg hierauf einige Augenblicke und dachte nach, dann warf ſie mit einer reizenden, natürlich koketten Bewegung die dichten Locken ihres blonden Haares, welche ihre Stirne be⸗ deckten, zurück, und ſagte freudig: — Ich entdeckte jetzt, wie es kommt, daß ich Dich ſchon lange zu kennen glaube, während ich Dir geſtern zum erſten Male begegnet bin. — Theile mir dieſe Entdeckung mit. — Nein, Du würdeſt Dich über mich luſtig machen— einer Deir ( Dich ſhen begr einer dieſe wort ein dß zuſ ſei Zuf wele kom ſche ihn zitt Rec die bin Rrg nNor⸗ ſich er⸗ ſo wi⸗ hei der eliebte . Ich elaſſe, ehabe eine ſo Dauer hrhafte idlings u mich ubart's Deine ſchon nſeien. en, die mein davon te nach, weguns irne he⸗ ſchon n erſten 3 — Bin ich denn nicht der Bruder Deiner Wahl? — Du haſt recht. Nun denn, Ritter Louis, ſo oft ich einen unruhigen Schlaf habe und träume, vernimmt mein Ohr Deine Stimme.— Iſt das nicht ſonderbar und außerordentlich? — Jetzt erkläre ich mir's, warum ich Dich geſtern, ſowie ich Dich ſprechen hörte, gleich bat, mein Freund zu ſein. Ich war ſchon gewöhnt an Dich! Bei dieſem ſo naiven Geſtändniß, deſſen Bedeutung zu begreifen das wilde Kind weit entfernt war, konnte ſich Morvan einer leichten Verwirrung nicht erwehren. Uebrigens dauerte dieſe flüchtige Bewegung nicht lange. Er wollte ihr eben ant⸗ worten, als Montbars dem Geſpräch der beiden jungen Leute ein Ende machte, indem er zu ſeinem Neffen ſagte: — Ritter, es muß ſchon halb fünf Uhr ſein; es iſt Zeit, daß wir aufbrechen. Sei es, daß der Flibuſtierchef fürchtete, Morvan's Muth zu ſchwächen, wenn er ihm ſeine Befürchtungen verrieth, oder ſei es, daß er an derlei Gewaltſcenen und an das Spiel des Zufalls bei Zweikämpfen gewohnt war: der Ausgang des Kampfes welcher ſtattfinden ſollte, ließ ihn, wenigſtens ſcheinbar, voll— kommen ruhig. Morvan verglich wider ſeinen Willen den faſt gebieteri⸗ ſchen Ton ſeines Oheims mit dem Intereſſe, welches Jeanne für ihn an den Tag legte; letztere blieb dabei natürlich im Vortheil. — Mein Freund! rief das arme Kind ganz bewegt und zitternd, ich kann mir von dem, was heute in mir vorgeht, keine Rechenſchaft geben. Vielleicht iſt es die Müdigkeit, die mir geſtern die Verfolgung des ſpaniſchen Trupps verurſacht hat, aber ich bin gebrochen und es ſcheint mir, als werde ich nicht genug Kraft haben, um Dich zu begleiten—— — Wie Jeanne? um mich zu begleiten? — Glaubſt Du denn, ich habe den Muth, auf die Nach⸗ — richt von Deinem Sieg oder Deinem Tod hier zu warten? Nein, Ritter Louis, ich will Deinem Kampf mit Laurent beiwohnen. — Du wirſt ihn tödten, nicht wahr? Schwöre mir, daß Du ihn tödten wirſt.— Wenn Du beſiegt würdeſt, ſo gäbe es von nun an kein Glück für mich! Ich würde Dich fortwährend blaß und blutend vor mir ſehen.— das wäre ſchaurig! Und wer weiß, fügte Jeanne hinzu, nachdem ſie überlegt hatte, ob ich dieſes Duell nicht verhindern werde? Der ſchöne Laurent, der gegen alle Welt ſo kühn und ſo ſpöttiſch iſt, behauptet, daß er mich liebe. Aber ich muß Dir geſtehen, daß ich gegen ihn immer eine tiefe Abneigung empfunden habe. Da es ſich jedoch um Dein Heil handelt— — Meine gute Jeanne, unterbrach Morvan das Mädchen mit dem Tone des ſanften Vorwurfs, iſt es denn in St. Domingo gebräuchlich, daß die Frauen dazwiſchen treten, wenn die Män⸗ ner eine Ehrenſache miteinander auszumachen haben? In der Bretagne, dem Vaterlande Deiner Eltern, iſt es nicht ſo; die Frauen beweinen die Todten, preiſen die Sieger und verachten die Feigen! Wenn Du Dich dieſem Duell widerſetzen würdeſt, ſo wären Deine Bemühungen vergebens und Du würdeſt mir damit nur peinlich ſein. — Ja, Ritter Louis, Du haſt recht! Du mußt Dich ſchlagen.— Ich weiß wabrhaftig nicht, was ich heute habe.— Ich rede irre. — Deinem Wunſch, dieſem Duell beizuwohnen, mußt Du ebenfalls entſagen, Jeanne. Deine Gegenwart würde mich hemmen und mich meinem Gegner gegenüber in Nachtheil bringen. — Gut, Ritter Louis, ich werde gehorchen. Jetzt kamen Montbars und Graubart, beide mit langen Flinten bewaffnet. — Louis, ſagte der Flibuſtierchef, es iſt fünf Uhr, wir müſſen gehen. nache ternd Du: Hinte Nege ſchön Stu nen ſutior jener deut Auf ſiche ausz ſucht hüllt hen; Geg voll nur ſche „t hi gen Nein, ohnen. Du ihn n nun ß und weiß, dieſes gegen er nich immer nDiin dchen mingo Min⸗ In der ſo; die erachten ürdeß, eſt mir —„ — Ich bin bereit; gehen wir. Der junge Mann entfernte ſich ſchon, als Jeanne ihm nacheilte und ihn aufhielt. — Vergiß nicht, mein Freund, ſagte ſie zu ihm mit zit⸗ ternder Stimme, daß es für mich kein Glück mehr gibt, wenn Du unterliegſt! Mißtraue dem ſchönen Laurent, er iſt voll Hinterliſt, ſei ohne Mitleid gegen ihn. Die drei Männer wandten ſich dem Ausgang zu, als ein Negerſklave ſchweißtriefend vor ſie hintrat. — Montbars, ſagte er, hier iſt ein Paket, welches der ſchöne Herr Laurent Ihnen ſchickt. Ich warte ſchon ſeit einer Stunde auf Sie am Berge Piton. Da ich Sie aber nicht kom⸗ men ſah, ſo dachte ich, daß ich Sie hier treffen werde. Die Neger, welche damals an die Wunder der Civili⸗ ſation noch weniger gewohnt waren als heutzutage, glaubten zu jener Zeit, daß ein beſchriebenes Stück Papier ganz ohne Be⸗ deutung ſei; auch gehorchten ſie niemals, wenn man ihnen den Auftrag gab einen Brief irgendwo hinzubringen, denn ſie bildeten ſich ein, daß man ſich mit ihnen einen Scherz mache. Um dem auszuweichen nahm man zu einem ganz einfachen Mittel die Zu⸗ flucht; man legte den Brief zwiſchen zwei ſchwere Steine, hüllte dieſelben wie ein Paket ein, und übergab ſie dem Skla⸗ ven; der Neger war nach dem Gewicht des ihm anvertrauten Gegenſtandes überzeugt, er habe eine wichtige Sendung, und vollführte dieſe auf's genaueſte. Der ſchöne Laurent hatte ſich dieſem Gebrauche gefügt; nur lag der Brief, welchen er Montbars überſchickte, nicht zwi⸗ ſchen zwei Steinen, ſondern zwiſchen zwei großen Silberbarren. „Montbars, ſchrieb er, der Schlag, den ich geſtern auf den Kopf erhielt, verhindert mich, mich auf den Weg zu begeben. Mor⸗ gen jedoch werde ich, möge mein Zuſtand welcher immer ſein, um fünf Uhr in der Früh am Berg Piton ſein. Bitte Wald⸗ — 6— blume die beiden Barren anzunehmen, welche mit dem Briefe ankommen. Morgen gewiß.“ Beim Anhören dieſes Briefes, welchen Montbars laut vorlas, ſtieß Jeanne einen Freudenſchrei aus, und ſagte leb⸗ haft zu Morvan: — Mein Freund, ich betrachte dieſen Aufſchub als eine glückliche Vorbedeutung; dieſes iſt das erſte Mal, daß Laurent zu einem Duell nicht pünktlich eintrifft! Das Silber, welches er mir da ſchickt, will ich nicht. Sein Anblick macht mir Schrecken. Der Aufſchub, welchen ſein Gegner begehrte oder viel⸗ mehr ihm vorſchrieb, verdroß Morvan; wie tapfer er auch war, ſo war ihm doch ein neues Warten von vierundzwanzig Stun⸗ den peinlich, er hätte dieſes Duell gern ſo bald als möglich hinter ſich gehabt. — Mein Freund, ſagte Jeanne zu ihm, willſt Du, daß wir den Tag mitſammen im Walde verbringen? Der junge Mann nahm dieſen Vorſchlag, von welchem er Zerſtreuung hoffte, mit Freuden an; gereizt von dem origi⸗ nellen und außergewöhnlichen Charakter von Graubart's Toch⸗ ter, fand ſein Herz wie ſein Geiſt ein Vergnügen daran mit ihr lange allein zu ſein; er fühlte ſich durch ein für ihn neues und reizvolles Gefühl unwiderſtehlich zu Waldblume hingezogen. — Ich verlange mir nichts Beſſeres, Jeanne, ſagte er, als mit Dir bis zum Abend allein zu bleiben, aber ich fürchte, daß ſich Dein Vater unſerem Ausflug widerſetzen werde. — Mein Vater? Warum denn, Ritter Louis? — Weil, ſagte Morvan zaudernd, dieſer Spaziergang nicht ſchicklich wäre. — Was verſtehſt Du darunter? Ich verſtehe dieſes Wort nicht. — Würde Graubart, der mich erſt ſeit geſtern kennt, Dich meiner Ehre anvertrauen, und mit mir allein laſſen? Gebert werde weiß n lichen nich ſ ſolge n zu Gra Hand mich a in Pe Rinte nicht nehmt rn wi hurzw gleitet haube ſhfte in ſugelt Begen n Briefe rs laut gte leh⸗ als eine Laurent lches er hrecken. er viel⸗ uch war, gStun⸗ nöglic u, daß wilchen n origi⸗ 3 Lot⸗ nit ihr ues und gen. ugte et, fürchte⸗ zergun e dieſes nt, Dich — 3— — Ich verſtehe Dich nicht, wiederholte Jeanne mit einer Geberde der Ungeduld. Willſt Du vielleicht ſagen, mein Vater werde ſich fürchten, daß Du mir etwas zu Leid thuſt?— Er weiß wohl, daß ein Verwandter von Montbars einer ſo abſcheu⸗ lichen Handlung nicht fähig iſt! Warum ſollteſt Du böſe gegen mich ſein, da ich Dich liebe? Komm, nimm eine Flinte, und folge mir—— Als Jeanne ſah, daß Morvan noch überlegte, eilte ſie zu Graubart, und ſagte zu ihm, indem ſie ihm ſchmeichelnd die Hand auf die Schulter legte: — Vater, leihe dem Ritter Louis Deine Flinte, er wird mich auf die Jagd begleiten. — Geht Ihr beide ganz allein? fragte der Boucanier. — Gewiß, Vater! Weißt Du nicht, daß ich die Stege im Wald ſo gut kenne wie Du ſelbſt? — Ja wohl, Jeanne; aber unſer Gaſt iſt mit den Ränken der Spanier noch nicht bekannt. Ich fürchte, daß er Dir nicht helfen könne, wenn Du ihnen in die Hände fällſt. Warum nehmt Ihr denn nicht Lederhaube mit? — Weil Dein Matroſe uns durch ſeine Anweſenheit ſtö⸗ ren würde. Er iſt eiferſüchtig auf alle Diejenigen, welche ich liebe. — Ah, wenn Dir Lederhaube hinderlich iſt, ſo iſt das ganz was Anderes. Und warumiſt mein Matroſe denn eiferſüchtig? — Er iſt verliebt in mich, Vater! rief Jeanne, und be⸗ gleitete dieſe Worte mit luſtigem Lachen. Nicht wahr, Leder⸗ haube, Du biſt verliebt in mich? — Gewiß, Waldblume, antwortete Graubarts Geſell⸗ ſchafter ernſt. Jeanne nahm dann die Flinte ihres Vaters, löſte ihre Pulverflaſche und den ledernen Beutel ab, welcher ihre Kugeln enthielt, und übergab Morvan dieſe verſchiedenen Gegenſtände. — Da Du meinen Matroſen daheim laſſeſt, ſo nimm we⸗ nigſtens einen Theil der Meute mit Dir. Der bretagniſche Edelmann konnte von ſeinem Erſtaunen gar nicht zurückkommen; dieſe Nachgiebigkeit oder vielmehr dieſe Gleichgiltigkeit, welche Graubart den Geſetzen der Schicklichkeit gegenüber an den Tag legte, ſtürzte alle ſeine europäiſchen Be⸗ griffe um. Bevor Waldblume fort ging, rief ſie Morvan in die Wohnung und wartete ihm mit einem Stück geräucherten Wild⸗ ſchweinfleiſches und mit einigen Früchten auf. Nach dem ſchnell beendigten Frühſtück begaben ſich die beiden jungen Leute auf den Weg. Während der erſten zehn Minuten ging Waldblume an Morvan's Seite und beobachtete ein ſtrenges Stillſchweigen. — Heilige Jungfrau! rief ſie plötzlich, wie glücklich fühle ich mich jetzt! Wenn Du Dich nicht morgen mit Laurent ſchlagen müßteſt, ſo wäre dieſer Tag der ſchönſte meines Lebens! — Was macht Dich ſo glücklich, meine Schweſter? — Daß Du mit mir biſt, Ritter Louis, antwortete ſie naiv, und begleitete dieſe Worte mit einem ſüßen und züchtigen Lächeln. Bei dieſer Aeußerung, die aus ihrem Herzen kam, fühlte ſich Morvan verwirrt; bevor er das Geſpräch wieder anknüpfte, mußte er ſich erſt bemeiſtern, um dem jungen Mädchen nicht ſeine Bewegung zu verrathen. — Jeanne, ſagte er zu ihr, wohnſt Du ſchon lange in dieſem Walde? Haſt Du niemals in einer Stadt gewohnt? — Nie, Ritter Louis! Nur wenige Monate hielt ich mich mit meinem Vater in Port⸗Paix und Leogane auf. Der Auf⸗ enthalt in dieſen Städten iſt mir unerträglich; die Luft, die man dort einathmet, iſt erſtickend, die Blumen haben keinen Duft, und die Menſchen reden ſo, daß man darüber zürnen muß, obwohl man ſie nicht verſteht. Ich bin nur in meinen Wäldern zufrieden. Ich bin hier geboren, und hier hoffe ich zu ſterben. — Haſt Du Deine Mutter nicht mehr, Jeanne? — fahren More ſulsge wie w trift, Vald denen mit hen, nehr iſ da ls h Jena nere ufd in3 ein n ſhwa imn we⸗ rſtanen hr dieſe cklichteit hen Be⸗ in die WVild⸗ ſchnell eute uf Udblume hweigen glůckic Laurent Lebens! r ſi naiv, Lächeln⸗ n, fühlte knüpfte, en nicht lange in hutt ich nich Der Auf⸗ uft die nkeinen nen nuß, Vildern ſerben⸗ „ 1 — Meine Mutter habe ich niemals gekannt. Ich war kaum zwei Jahre alt, als man ſie zu Grabe trug. — Und biſt Du bei Deinen Seefahrten glücklich geweſen? — Gewiß, denn ich bringe Glück. — Ich meine es nicht ſo; ich frage Dich ob Du die Ge⸗ fahren und den Anblick des Meeres liebſt, ob Du Dich, fügte Morvan mit einem gewiſſen Zögern hinzu, über Deine Schick⸗ ſalsgenoſſen lobend auszuſprechen haſt? — Das Meer gefällt mir zuweilen, aber nicht immer ſo wie meine Wälder. Was die Boucanier und die Flibuſtier be⸗ trifft, ſo behandeln ſie mich ſo, als ob ich ihre Tochter wäre. Nur— — Svprich aus, Jeanne! ſagte Morvan, als er ſah, daß Waldblume mitten in ihrem Satz inne hielt. — Nur, fuhr das Mädchen fort, gibt es Augenblicke, in denen ſie mir wie das Meer Furcht machen. — Was ſind das für Augenblicke, Jeanne? — Wenn ſie berauſcht ſind. Dann betrachten ſie mich mit funkelnden Augen, die mich erſchrecken. Man möchte glau— ben, ſie ſehen in mir eine Feindin. Ich werde mich niemals mehr einſchiffen, ausgenommen um Dich zu begleiten.— Was iſt das für ein Geräuſch?— fügte Jeanne hinzu; mir ſchien's, als hörte ich einen Zweig knacken—— Horch— Ja, es iſt Jemand in unſerer Nähe— Aber die Hundebleiben dennoch ruhig. Waldblume blieb ſtehen und blickte unruhig in das In⸗ nere des Waldes. Bald ſah Morvan wie ſie mit dem kleinen Fuß auf den Boden ſchlug, und es verſuchte ihre ſpiegelglatte Stirn in Zornfalten zu legen. — Das iſt Lederhaube, der uns nachgegangen iſt. Warte ein wenig, ich komme ſogleich zurück. Leicht wie eine Hindin ſtürzte Waldblume fort und ver⸗ ſchwand hinter einem dichten Gebüſch. — Habe ich Dir nicht verboten uns zu folgen? ſagte ſie, — 5— auf Graubart's Matroſen zugehend. Antworte, warum biſt Du mir nachgegangen? Der Goliath, der ſich beim Verbrechen des Spionirens ertappt ſah, ſchien in großer Verlegenheit zu ſein. Mit geſenk⸗ tem Kopf und niedergeſchlagenen Augen blieb er vor dem Mäd⸗ chen ſchweigſam und unbeweglich ſtehen, wie ein Steinblock. — Hörſt Du mich denn nicht? fuhr Jeanne fort, bebend vor Ungeduld.— Wenn Du mir nicht ſogleich antworteſt, ſo werde ich Dich verachten. — Ich bin Dir nachgegangen, Waldblume, ſagte der Rieſe zitternd, weil ich eiferſüchtig bin— — Warum biſt Du eiferſüchtig? — Du willſt Dir den Ritter Louis zum Liebhaber nehmen! — Ja, er iſt mein Liebhaber! rief Jeanne; ich habe Dir daraus kein Hehl gemacht! Habe ich nicht das Recht, die zu meinen Liebhabern zu wählen, die mir gefallen? Biſt Du nicht auch mein Liebhaber, Du Häßlicher? Worüber beklagſt Du Dich? — Ich bin Dein Liebhaber, ich? ſagte Graubart's Ge⸗ ſellſchafter mit einer Verblüffung, welche bewies, in wie ande⸗ rem Sinne er den Namen auffaßte, den Jeanne in ihrer Unſchuld ihm beilegte. — Du biſt wirklich ein Narr! erwiederte Jeanne. Wie willſt Du denn mehr lieben als wir uns einander lieben? Wir dutzen uns, wir jagen miteinander und ich bin glücklich, wenn ich Dich zufrieden ſehe; was willſt Du mehr? — Es iſt wahr, Waldblume, daß Du manchmal gut biſt. Aber was dieſen Ritter Louis betrifft, fügte der Rieſe hinzu, wenn er den Händen des ſchönen Laurent entkommt, ſo ſoll er mir dennoch nicht entgehen. — Du willſt Dich mit dem Ritter Louis ſchlagen? jugen, Hetze in Vl nich b hetrof leben. Midi tng erwa haub huube blume aufde wilh und ſur üher ntfe 6 iſt Du nitens geſenk⸗ Nid⸗ ock. ebend ſt, ſo ſe der hmen! habe t, die ſt Du ellagſ s Ge⸗ ande⸗ ſchuld Vie Vir wenn t biſ. hinil⸗ ſoll er 3 4 Leute voll berauſchenden Glückes. — Keineswegs; ich will ihm eine Kugel in den Leib jagen, dieſes Mittel iſt ſicherer, als ein Duell. — Wenn Du das thuſt, ſo werde ich Dich von ganzem Herzen haſſen, Elender! — Weißt Du, was dann geſchehen wird? rief Lederhaube in Wuth ausbrechend. Ich werde Dich töbten, Jeanne! Das Mädchen zuckte mitleidsvoll die Achſeln. — Blöder Menſch, ſagte ſie ruhig, was willſt Du ohne mich beginnen? Du biſt es gewohnt, mich zu ſehen. — Das iſt wahr, Waldblume, antwortete Lederhaube betroffen; es wäre mir gar nicht mehr möglich ohne Dich zu leben. Mein Gott! was ſoll ich thun? — Mir gehorchen, mein Freund! Komm mit mir! Graubarts Matroſe, gewohnt den Wünſchen des jungen Mädchens ſeinen Willen zu unterordnen, begehrte keine Erklä⸗ rung und folgte ihr. Jeanne ging dahin zurück, wo Morvan ſie erwartete. — Ritter Louis, ſagte ſie zu ihm, ich bringe Dir Leder⸗ haube, der Dich ſelbſt verſichern will, daß er Dich liebt. Leder⸗ haube, wiederhole dem Ritter, daß Du ihn liebſt! Der Rieſe zauderte; da er jedoch den Blick der Wald⸗ blume ſich verdüſtern ſah, faßte er kühn ſeinen Entſchluß, ging auf den jungen Mann los und ſprach mit jener polternden Stimme, welche der Leſer bereits an ihm kennt: — Ich liebe Sie, Ritter Louis! — Sehr wohl, Lederhaube. Drück' mir einmal die Hand und dann verlaß uns! ſagte Jeanne. Graubart's Geſellſchafter gehorchte zwar, aber mit ſehr ſaurer Miene.— Morvan ſah es mit Vergnügen, ohne ſich über dieſes Gefühl Rechenſchaft geben, daß Lederhaube ſich entfernte. Die Stunden, die nun folgten, waren für die beiden —— Jeanne liebte die lachenden Einſiedeleien der Wälder, und Fnſel Morvan, der ſich nun zum erſten Male mitten im Glanz und den Kruß Schönheiten der tropiſchen Natur befand, war bis zum Entzücken Enffn verwundert. Wenn Jeanne von den niedern Sträuchern halb bedeckt ihm d ihm in der Ferne wie eine nebelhafte und poetiſche Viſion erſchien, die A dachte er an Nativa. Wenn das Mädchen wieder zurückkam, ſo be⸗ ſein 6 3 dauerte er nicht, daß die Täuſchung geſchwunden ſei; denn er fühlte künner für die Boucanierjungfrau, obſchon er ſie kaum kannte, die Neigung eines Bruders für ſeine Schweſter. Morvan fühlte, ohne ſich davon grie 1 Rechenſchaft zu geben, jenen unwiderſtehlichen Einfluß, welchen ſinn jedes junge, reizende und züchtige Weib auf alle, die ihr nahe Lid 4 kommen, ausübt; es gab Augenblicke, in denen er von einem Soſ geheimnißvollen Zauber gebannt, Waldblume und Nativa zu ing einem Bilde verſchmolz. Kurz vor Mittag wurde es im Walde drückend heiß; das war die Zeit der Mittagsruhe. 5 — Willſt Du, daß wir ausruhen ſollen, Ritter Louis? e 1 ſagte Jeanne zu ihm. Da Morvan dieſen Vorſchlag annahm, ſetzte ſich das 1 Mädchen auf den Raſen nieder, ſtützte ihren reizenden Kopf af iſ einen mit weichem Moos bedeckten alten Baumſtamm und ver⸗ ſank ſogleich in einen ruhigen Schlaf. Die zu ihren Füßen lie⸗ würde genden Hunde ſchienen über ihre Sicherheit zu wachen. Morvan Ingſ bewunderte ſtehend und mit gekreuzten Armen dieſes reizende Bild. Außer Nativa war er in ſeinem ganzen Leben nicht einer thut 1. Schönheit begegnet, welche mit der von Graubart's Tochter ver⸗ haue glichen werden konnte; nur rührte ihn dieſe Schönheit, während zure diejenige der Spanierin ihn mehr blendete. ſhitz — Ach, ſagte er ſeufzend, Nativa zum Weibe und Jeanne ¹ zur Schweſter zu haben! wäre das nicht der Himmel auf Erden? uug Der von Jeanne zur Mittagsruhe auserwählte Ort war 6 von der Wohnung ihres Vaters drei Meilen entfernt, und zwar F 1 an der Grenze der Savanne, welche den ſpaniſchen Theil der der und und den ntzicen bbedect rſchien, „ſo be⸗ rfühlte eigung hdavon welchen hr nahe neinen tiva zu Valde Loris? ſch das opf auf nd ver⸗ en lie⸗ Mowan eizende ht einer ter vet⸗ wihrnd Jeanne Grden? Ort war nd zwar eil der —— Inſel von dem franzöſiſchen trennte. Obſchon Morvan in den Kreuz⸗ und Quergängen der Jagd mehr als das doppelte dieſer Entfernung zurückgelegt hatte und ſehr müde war, ſo war es ihm dennoch unmöglich, dem Beiſpiele Jeanne's zu folgen und die Augen zu ſchließen. Trotz der Müdigkeit ſeines Körpers war ſein Geiſt doch ſo ſehr aufgeregt, daß er jetzt nicht hätte ſchlafen können. Er ſaß am Fuße eines Baumes, die Ellenbogen auf die Knie und den Kopf auf die Hände geſtützt, und überließ ſich ſo ſeinen Träumereien. Der ſtarke Waldduft, der in den tropiſchen Wäldern beinahe die Wirkung des Weines hat, berauſchte ihn. So ſaß er in ſüßer Selbſtvergeſſenheit da, als nicht fern von ihm ein gewaltiges wüthendes Geſchrei erſcholl und ihn zu ſich ſelbſt brachte. Er ergriff ſeine Flinte und war mit einem Sprung bei Jeanne. Dieſe war ebenfalls erwacht und bereits aufgeſtanden. — Haſt Du gehört, meine Freundin? — Ja; es ſind die Spanier, die wahrſcheinlich einen einſam ſtreifenden Boucanier überfallen haben. — Gott iſt mein Zeuge, Jeanne, wenn ich allein wäre, ſo würde ich keinen Augenblick anſtehen.— Aber mit Dir habe ich Angſt. Man ſagt, daß die Spanier nur in großer Anzahl ſtreifen. — Das iſt wahr! Es muß ein ganzer Trupp ſein. Was thut das, Louis! Es wäre ſchrecklich, einen der Unſerigen nieder⸗ hauen zu laſſen, ohne daß wir es nur verſuchen ihm das Leben zu retten. Möge mich meine gute heilige Anna von Auray be⸗ ſchützen! Vorwärts! Jeanne rief, bleich aber mit von Begeiſterung glühenden Augen, ihre Hunde herbei, und ſtürzte in der Richtung fort, von melcher das Geſchrei kam; Morvan folgte ihr. Kaum hatten die beiden jungen Leute hundert Schritte gemacht, als ein Schuß fiel. — Muth! rief Jeanne, als ob Derjenige, an den ſie ihr Wort richtete, ſie hätte hören können, Muth! mein Freund! Man eilt Dir zu Hilfe! Nach kaum fünf Minuten erreichten Morvan und Jeanne den Saum des Waldes. Da bot ſich ihnen ein ſeltſames Schau⸗ ſpiel dar, das ſie Anfangs nicht begriffen. Ein ganzer Trupp ſpaniſcher Lanciers umringte einen Bouecanier, der nur mit einer Piſtole bewaffnet, mit erhobenem Kopf und ſtolzer und ſicherer Miene, ihrer zu lachen und ſie herauszufordern ſchien. Die Spanier umſchloßen ihn mit einem Kreis von Lanzen, aber gingen nicht vorwärts. — Heilige Jungfrau! Das iſt der ſchöne Laurent! rief Jeanne freudig, ſie werden ihn tödten! Ritter Louis, Du haſt nichts mehr zu fürchten, in fünf Minuten wird Dein Feind nicht mehr ſein. Graubart's Tochter nußte ſich für Morvan's Schickſal ſehr intereſſiren, da ſie ſo ſprach, während ſie ſich einen Augen⸗ blick früher mit einem ihrem Geſchlecht nicht eigenthümlichen Muth entſchloſſen hatte, einen Unbekannten zu retten. — Jeanne, ſagte Morvan zu ihr, wenn ich dieſen Men⸗ ſchen in ſeiner Noth verließe, ſo würde ich in meinen eigenen Augen für immer entehrt bleiben! Ich verhehle mir nicht, daß der Verſuch ihn zu retten tollkühn, unſinnig iſt? Gott beſchütze mich! Die Pflicht geht vor Allem! Der junge Mann legte die Flinte an, und feuerte ab; ein Lancier fiel, tödtlich getroffen. Morvan verließ nun den Wald und wollte kühn auf die Spanier losrennen, die erſchüt⸗ tert von dem Fall ihres Kameraden, ihre Schlachtordnung zu verlieren begannen. Morvan begriff nun den Widerſtand des ſchönen Laurent. Der Flibuſtier hatte die zehn oder fünfzehn Pfund Pulver, welche ſeine Kürbisflaſche enthielt, ſo wie auch ſeinen Kriegsvorrath in ſeinen großen Hut geſchüttet. Dieſen hut der 9 Pulv den ſ die S uch Kühn keinet Dieſe die G von neuen Loge loten Gey ein S Pfer traue wandt „Zu lichen Spa ein i ſo na kehrt ube nſie ihr Freund! Jeanne Schau⸗ Trupp ur nit et und ſchien. en, aber nt! rif Du haſt Feind Schicſal Wgen⸗ inlihen n Men⸗ tigenen ht, daß eſchtt erte cb; nun den ſchit⸗ mng zl und des inſhn vie uch Dieſe 5— Hut hielt er mit der linken Hand vor ſich hin, während er mit der Piſtole in ſeiner Rechten bereit war, dieſe improviſirte Pulvermiene anzuzünden, ſobald ſeine Gegner es wagen wür⸗ den ſich ihm zu nähern. Es war unzweifelhaft, daß Laurent unterlegen wäre, wenn die Spanier ihn ohne Zaudern angegriffen hätten; aber es war auch nicht weniger wahrſcheinlich, daß mehrere von ihnen ihre Kühnheit mit dem Leben hätten bezahlen müſſen. Nun war aber keiner verſucht ſich für den Sieg der Uebrigen aufzuopfern. Dieſes begreifliche und natürliche Gefühl des Egoismus machte die Stärke des ſchönen Laurent aus. Kaum hatten die Lanciers den Ritter bemerkt, als zehn von ihnen die Blokirung des Flibuſtiers aufgaben, um dem neuen Gegner entgegenzueilen. Der Moment war feierlich, die Lage kritiſch; der junge Mann fühlte inſtinktmäßig, daß er ver⸗ loren wäre, wenn er ſich nur einen Augenblick aufhielte, um ſein Gewehr wieder zu laden. Er fuhr darum fort, vorwärts zu eilen. Schon bedrohten die ſpaniſchen Lanzen ſeine Bruſt, als ein Schuß, der aus dem Walde kam, einen ſeiner Angreifer vom Pferde warf; die Anderen blieben ſtehen. Dieſe unerwartete Hilfe gab Morvan all ſein Selbſtver⸗ trauen wieder, und brachte ihn auf eine glückliche Idee: er wandte ſich gegen den Wald zurück und rief aus Leibeskräften: „Zu mir her, meine Freunde eilet, die Schurken entwiſchen euch!“ Sogleich erſchienen zehn wüthende Hunde, die gewöhn⸗ liche Avantgarde der Boucanier. Die Gegenwart dieſer ſchreck⸗ lichen Thiere beſtätigte die Worte Morvan's dermaßen, daß die Spanier ſie nicht in Zweifel ziehen konnten. Sie bildeten ſich ein in einen Hinterhalt der Ladrones(Räuber) gefallen zu ſein, ſo nannten ſie nämlich die Jäger der Wildſchweine und Stiere, kehrten mit ſeltener Haſt um, und flohen wie ein Schwarm von Raben beim Anblick des Jägers. —— ———— — 6— — Dank, meine gute und ſchöne Jeanne, flüſterte Mor⸗ van mit dem Ausdruck enthuſiaſtiſcher Dankbarkeit! Ohne Dich wäre ich verloren geweſen! Du haſt mich von einem ſchauder⸗ haften Tode errettet. Was den ſchönen Laurent betrifft, ſo muß man ihm die Gerechtigkeit widerfahren laſſen, daß die Flucht der Spanier weder ein Lächeln der Befriedigung noch ein Zeichen der Freude auf ſein Geſicht lockte; er blieb kaltblütig. Er ſchüttete nur das Pulver aus dem Hut in die Kürbisflaſche zurück, und wendete ſich dann zu Morvan: — Mein Freund! rief er ihm zu, ich danke Dir. Wenn Du Laurent's jemals bedarfſt— Doch, was ſeh' ich? rief er, indem er in der Perſon ſeines Retters erſt jetzt Denjenigen er⸗ kannte, mit welchem er ſich am andern Morgen ſchlagen ſollte. Wahrhaftig, Sie ſind ein Pechvogel. Warum haben Sie mich aus der ſchlimmen Lage gezogen, in der ich mich befand, und die Ihnen ſo glücklich zu ſtatten kam?— Das iſt eine unnennbare Ungeſchicklichkeit. Sie wußten aber ohne Zweifel nicht, daß es ſich um mein Leben handelte?— Thut nichts, ich muß Ihnen das Zeugniß geben, daß Sie ſich tapfer benommen haben. — In der That, mein Herr, erwiderte Morvan, der ſeinen Feind nicht in Verlegenheit bringen wollte, ich habe Sie nicht erkannt! Faſt in demſelben Augenblick kam Jeanne herbei; der Anblick des Mädchens ſchien dem ſchönen Laurent eine wahr⸗ hafte Freude zu Lerurſachen, er lächelte ihr mit einem Ausdruck der Sanftmuth und Güte zu, der ſeinen trockenen und hochmüthi⸗ gen Manieren ganz fern lag. — Ach, Ritter Louis, wie froh bin ich, daß Du aus dieſem ſo ungleichen Kampf als Sieger hervorgegangen biſt, ſagte ſie zu Morvan und ſchien den Flibuſtier gar nicht zu be⸗ nerke liebe ohne als et hart's nicht Du he ſtier, ſoitz Vilt len, erwie hoch ſ Span zu Re Ihr! 39 h Genu kalt, nipſt Shn Mor⸗ e Dich aulder⸗ hm die panier Freude ur das endete Venn rief et, en er⸗ ſollte. enich nd die nnbare daß es Ihnen n, der — e Sie ei; der wahr⸗ sdric nithi⸗ u aus niſ⸗ zu be⸗ merken. Ich wußte es wohl, daß Du tapfer biſt. Sieh, jetzt liebe ich Dich noch mehr, wenn es möglich iſt. — Jeanne, ich muß vielmehr Deinen Muth bewundern; ohne Deine Hilfe würde ich nicht mehr am Leben ſein! Der ſchöne Laurent, der ſonſt ſo unempfindlich war, konnte, als er die liebevolle Vertraulichkeit bemerkte, die zwiſchen Grau⸗ bart's Tochter und dem Ritter exiſtirte, ein Gefühl des Aergers nicht unterdrücken. — Wie, Jeanne, ſagte er mit faſt aufgeregter Stimme, Du haſt kein Wort, um mich willkommen zu heißen? — Du weißt ja, daß ich Dich nicht liebe, Laurent. — Du haſt Unrecht, theures Kind, erwiederte der Flibu⸗ ſtier, ohne ihr ihre Antwort in Uebel zu nehmen, ich bin Dir ſo ergeben— — Du! Du biſt ein böſer Menſch!— Du machſt aller Welt Furcht!— Wenn der Ritter Louis mir hätte folgen wol⸗ len, ſo würde man Dich jetzt nicht mehr zu fürchten haben. — Wie! wenn der Ritter Louis Dir hätte folgen wollen? erwiederte Laurent. Wußte er denn, wem er zu Hilfe eilte? — Freilich wußte er es, er hatte Dich erkannt, bevor er noch ſchoß. Hat er nicht Unrecht gehabt, daß er Dich von den Spaniern nicht zuſammenhauen ließ? 6 Laurent ſchwieg einen Augenblick, dann wandte er ſich zu Morvan: — Mein Herr, die Ehre befiehlt mir anzuerkennen, daß Ihr Benehmen unter dieſen Umſtänden bewundernswerth war. Ich hoffe jedoch, daß Sie es nicht benützen wekden, um mir die Genugthuung zu verſagen, die Sie mir ſchuldig ſind. — Ihr Zweifel in dieſer Hinſicht, antwortete Morvan kalt, iſt faſt eine neue Beleidigung. Da Sie ein Geſpräch an⸗ knüpfen, welches Sie lieber hätten vermeiden ſollen, ſo erlauben Sie mir Ihnen eine Bemerkung zu machen: indem Sie unter — 6 dem Vorwand von Krankheit und Schwäche einen Kampf auf morgen verſchoben, welcher heute hätte ſtattfinden ſollen, bewie⸗ ſen Sie eine Nachläſſigkeit und Lauheit, die nicht zu Gunſten Ihres Charakters zeugen. — Ritter, entgegnete Laurent mit eben ſo großer Höflich⸗ keit als Ruhe, ich achte Sie zu ſehr, als daß ich es nicht ver⸗ ſuchen ſollte, mich in Ihren Augen zu rechtfertigen. Als ich geſtern Montbars ſchrieb, war ich ſehr leidend. Da die heutige Nacht beſſer war, ſo beeilte ich mich gleich heute Morgens nach dem Wald Roger zu eilen; unglücklicher Weiſe ſchlummerte ich ein, und mein Pferd trug mich anſtatt nach dem Ort meiner Beſtimmung nach der Savanne. So kommt es, daß Sie mich hier getroffen haben. Wollen Sie, daß wir unſern Streit gleich hier ausfechten? Ich ſtehe Ihnen zu Befehl. Nur glaube ich, wäre es unbillig und grauſam, wenn wir Jeanne unſerm Kampfe beiwohnen ließen; erſtens, weil dieſer Anblick ſie betrüben, zweitens, weil unſer Duell ſie eines Vertheidigers berauben würde, deſſen ſie benöthigen kann, da die Spanier in der Um⸗ gegend ſchweifen.. — Ihre Erklärungen genügen mir, ſagte Morvan; ich finde ſie gerecht und nehme ſie an. — Wollen Sie alſo, daß wir unſere Feindſeligkeit bis morgen ruhen laſſen und uns bis dahin wie zwei Männer von Welt behandeln? — Gern, mein Herr. Jede neue Anſpielung vor Wald⸗ blume wäre mir unangenehm. Reden wir von gleichgiltigen Dingen. Sagen Sie mir, ich bitte, wie kommt es, daß Sie dem Trupp der Spanier die Spitze bieten konnten? — Siewiſſen über dieſen Gegenſtand gerade ſo viel wie ich. — Ich habe zwar Ihre prächtige Erfindung, den Hut zu einer Miene zu machen, bewundert; aber ſtaunen mußte ich, daß die Lanciers, wenn ſie es ſchon nicht gewagt haben, ſich Ihnen zun Duri niem jugen wenn des K bewa ſchen halt uns Und Tny blun nalt wöhn Sollt Beſth Vor ſoge dene Glal heit As in, pf auf bewie⸗ unſten t ver⸗ ls ich eutige s nach rie ich meiner e nich gleich e ich, amyfe tüben, rauben r Un⸗ n; ich it bis er von Wald⸗ iltigen Sie wie ich. hut zu daß Sn — zu nähern, nicht wenigſtens nach Ihnen geſchoſſen haben!— Darüber wünſchte ich Aufklärung. — Die iſt leicht zu geben; die ſpaniſchen Lanciers haben niemals Feuerwaffen. — Das iſt ſonderbar! — Keineswegs! die Furcht, die wir unſern Feinden ein⸗ jagen, iſt ſo groß, daß ſie erſt dazu gezwungen werden müſſen, wenn ſie es wagen ſollen uns anzugreifen. In den erſten Zeiten des Krieges hatten die ſpaniſchen Soldaten, die mit Musketen bewaffnet waren, die Gewohnheit nach allen Bäumen und Bü⸗ ſchen zu ſchießen, unter dem Vorwand, daß wir da im Hinter⸗ halt verborgen ſein könnten. Auf dieſe Weiſe benachrichtigten ſie uns ſelbſt von ihrer Anweſenheit und vermieden den Kampf. Um dieſem Zuſtand ein Ende zu machen, hat das Gouvernement Trupps errichtet, die nur mit Lanzen bewaffnet ſind. Während der ſchöne Laurent ſprach, betrachtete ihn Wald⸗ blume miteinem Erſtaunen, das ſie gar nicht zu verhehlen ſuchte. — Weißt Du, Laurent, ſagte ſie, daß ich Dich noch nie⸗ mals ſo ruhig und ſo lange mit Jemanden ſprechen ſah? Ge⸗ wöhnlich ſprichſt Du nur häßliche und unangenehme Worte. Sollteſt Du vielleichſt nicht mehr ſo böſe ſein? — Meine ſchöne Waldblume, antwortete Laurent, dieſe Beſchuldigung iſt ungerecht, denn niemals habe ich Dir nur ein Wort geſagt, das Dir hätte unangenehm ſein können. — Mir, das iſt möglich; aber Andern. — Wenn ich gegen Dich immer gut geweſen bin, Jeanne, ſo geſchah es deßhalb, weil Du das einzige Weib biſt unter allen, denen ich je begegnet bin, deren Seele noch unverdorben iſt. Glaube mir, liebes Kind, die Menſchen ſind wegen ihrer Falſch⸗ heit mehr zu fürchten, als die Schlangen wegen ihres Giftes! Als ich noch jung war liebte ich alle Menſchen, ich bildete mir ein, daß Jeder nur mein Glück beabſichtige; aber ich habe dieſes III. 5. Vertrauen theuer bezahlt; ich bin ſo grauſam betrogen worden, daß ich in der ganzen Menſchheit nichts als Ungeheuer ſah. Mit dem Ritter Louis ſpreche ich ſo freundlich, weil er mir beſſer ſcheint, als die andern Menſchen. Verſtehſt Du mich? — Ja, ich verſtehe, daß der Ritter Louis geliebt zu wer⸗ den verdient, rief Waldblume mit Enthuſiasmus. Was Du jetzt geſagt haſt, ſöhnt mich mit Dir ein wenig aus.— Ich verachte Dich nicht mehr ſo ſehr. — Du haſt mich alſo verachtet, Waldblume? fragte Lau⸗ rent, offenbar betrübt, ſo daß Morvan überraſcht war. — Ja, von ganzem Herzen! Der Reſt des Tages verfloß ohne einen bemerkenswerthen Vorfall. Der ſchöne Laurent zeigte Jeanne gegenüber eine liebe⸗ volle Sanftmuth, die ſich keinen Augenblick verleugnete, und gegen Morvan betrug er ſich ſo höflich, daß dieſer überzeugt war, der berühmte Flibuſtier müſſe in der beſten Geſellſchaftgelebt haben. Es war faſt Nacht, als ſie Graubart's Wohnung erreich⸗ ten. Als der Boucanier Laurent ankommen ſah, zeigte er gar kein Erſtaunen; die Erzählung von dem Begegniß mit den Spa⸗ niern und von den Gefahren, welche ſeine Tochter dabei lief, ließ ihn kalt; aber ſein Geſicht zeigte einen beſondern Ausdruck von Aengſtlichkeit, als Morvan's Gegner ihm ſagte: — Graubart, ich habe geſtern Nachrichten aus Europa erhalten. — Ah, rief Graubart; und mein Prozeß? — Iſt noch nicht beendigt. Dein Advokat, deſſen Brief ich Dir mitbringe, will neue Vorſchüſſe. — So viel er will! erwiederte Graubart feurig. Wenn er hunderttauſend Thaler braucht, ſo ſoll er ſich nicht geniren, und ſie nur begehren! Ich werde, wenn es ſein muß, eine ſpa⸗ niſche Stadt plündern, um mir dieſes Geld zu verſchaffen. Das Wort Prozeß klang aus dem Munde des halbwilden „ „ Boue ſrend ihn i worte ſo gl ter in ſih d den v henſ dern unſ Lebe Jahr dieſes von hat über duß nicht hars glic die Zau ten . orden, Nit heſſer wer⸗ njetz rachte La⸗ erthen liebe⸗ und war, aben. rreich⸗ er gar E i lief, zdruck Uropa Prief Venn niten, eſpa⸗ vilden Boueaniers, der ſo ſehr außerhalb der Civiliſation ſtand, ſo fremdartig, daß Morvan, ſobald er mit Montbars allein war, ihn über dieſe Sache um Aufklärung bat. — Das Menſchenherz iſt doch ein drolliges Ding, ant⸗ wortete ihm der Chef der Flibuſtier. Dieſer Graubart, den Du ſo gleichgiltig gegen Alles ſiehſt, dieſer Menſch, der ſeine Toch⸗ ter in unſäglicher Unwiſſenheit aufwachſen läßt, der ihr erlaubt ſich den Gefahren des Meeres auszuſetzen, der ſie ſo zu ſagen den viehiſchen Leidenſchaften der Banditen überläßt, vor wel⸗ chen ſie nur durch ein Wunder gerettet wurde; dieſer Menſch, der nicht einen Zoll breit von ſeinem Wege abweichen würde, um ſich ein Vermögen zu ſchaffen, würde ohne zu zaudern ſein Leben opfern, um einen Prozeß zu gewinnen, den er ſeit dreißig Jahren in Europa führt. Und weißt Du, was der Gegenſtand dieſes Prozeſſes iſt? Unglaublich! Er will beweiſen, daß er von den Herren von Kerjean abſtammt, und daß er das Recht hat das Wappen dieſes Hauſes zu führen! Morvan war von dem, was Montbars ihm ſagte, weniger überraſcht als befriedigt. Es machte ihn glücklich zu erfahren, daß Jeanne dem Adel angehörte. Warum? Er hätte dieſe Frage nicht beantworten können. Beim Anbruch des nächſten Tages begab er ſich, von Mont⸗ bars und Graubart begleitet, nach dem Berge Piton, wo er zu⸗ gleich mit ſeinem Gegner, dem ſchönen Laurent, ankam. . . In den erſten Zeiten der Eroberung St. Domingo's durch die Franzoſen fanden die Duelle zwiſchen den Flibuſtiern ohne Zeugen ſtatt. Die Gegner waren nur verpflichtet ihren Gefähr⸗ ten den Tag des Duelles zu beſtimmen. War dieſe Förmlichkeit 5* — einmal beobachtet, ſo gingen ſie mitſammen fort, mit ihren Flin⸗ ten bewaffnet, und ſchoßen wie es ihnen gut dünkte aus kurzer oder weiter Entfernung. Wenn der Eine von Beiden unterlag, und dieß fand unter zehn Fällen neunmal ſtatt, ſo wurde von den verſammelten Boucaniern ein Chirurg beauftragt die Leiche zu unterſuchen. Fand er, daß die Kugel durch den Rücken oder zuviel von der Seite gekommen ſei, ſo wurde der Schuß einer Perfidie zugeſchrieben; dann band man den Sieger an einen Baum und zerſchmetterte ihm den Kopf. Mehrere Boucanier, die auf ſolche Weiſe verurtheilt und hingerichtet wurden, be⸗ theuerten in ihren letzten Momenten ihre Unſchuld mit ſeltener Energie; deshalb befahlen die erſten von dem König beſtellten Gouverneure, daß von nun an kein Duell ohne Zeugen ſtatt⸗ finden dürfe. Uebrigens wurden die Zeugen, damit nicht zu weiteren Streitigkeiten Anlaß gegeben werde, nicht mit den Intereſſen der Kämpfenden betraut; ihre Aufgabe beſtand in nichts weiter, als dem Zweikampfpaſſiv beizuwohnen. Die Bedin⸗ gungen des Duells wurden von den Drellanten ſelbſt feſtgeſetzt. Nachdem Morvan durch Montbars in alle dieſe Einzeln⸗ heiten eingeweiht war, wollte er in Folge ſeines ritterlichen Charakters alle Beſtimmungen Laurent überlaſſen. — Herr, ſagte er zu ihm, Sie ſind in derlei Angelegen⸗ heiten bewanderter als ich. Entſcheiden Sie daher, in welcher Weiſe der Zweikampf ſtattfinden ſoll. Ich füge mich jeder Ihrer Anordnungen im voraus.„ Laurent war damals nicht mehr ſo frech und ſo hoch⸗ müthig, wie der Leſer ihn in Leogane kennen gelernt hat; ſein Ernſt bewies, wie ſehr er ſeinen Gegner hochſchätzte. Uebri⸗ gens war in der Haltung des Boueaniers keine Spur von Furcht oder der geringſten Bewegtheit; ein Beobachter hätte die Wahr⸗ nehmung gemacht, daß er mit der vollſtändigſten Gleichgiltigkeit zu dieſem Duell ging, und ein Arzt, der ſeine Herzſchläge ge⸗ zihlt, obwol entſpr Leben in die ihet zurück ihn tr Wald wie! ſeinen zweife diſen dünt ſöre damit beſon ſchft begeg dfm fürcht flle, werde ich n ſiche. Veb lede nire Flin⸗ kurzer kerlag, de von Leiche oder einer einen anier, be⸗ ltenet tellten ſtatt⸗ ht zu den nd in gedin⸗ eſett. weln⸗ lichen egen⸗ lcher Ihrer och⸗ ſein ebri⸗ urt Jahr⸗ igleit ege⸗ zählt, hätte nicht um einen einzigen mehr in der Minute gefunden. Was Moran betrifft, ſo war er innerlich nicht ſo ruhig, obwol ſeine Haltung der des ſchönen Laurent in würdiger Weiſe entſprach: er fühlte ſich durch berauſchende Hoffnungen an das Leben gefeſſelt. Seine ſo lange unterdrückte Jugend erwachte in dieſem entſcheidenden und feierlichen Augenblick in ihm mit ihrer ganzen reichen Zukunft. Er ſah das Glück, welches er zurückließ, und dachte keineswegs an den tödtlichen Schuß, der ihn treffen konnte, ſondern nur ob er Nativa wiederſehen werde. Wie ſeltſam iſt doch der menſchliche Geiſt! Das Bild der Waldblume, die er kaum noch kannte, ſtand doch gleicherweiſe wie das der reizenden Tochter des Grafen von Monterey vor ſeinen Augen.. — Mein Herr, ſagte Laurent zu ihm, es iſt mir un⸗ zweifelhaft, daß ich Sie tödten werde; ich beſchwöre Sie in dieſen Worten nicht die Prahlerei eines übertriebenen Eigen⸗ dünkels zu ſehen, noch eine Liſt um Ihre Kaltblütigkeit zu ſtören und Ihren Muth herabzuſtimmen! Ich ſage Ihnen das, damit ich das Recht habe hinzuzufügen, daß ich für Sie eine beſondere Hochachtung hege, daß Sie der einzige wirklich recht⸗ ſchaffene und rechtliche Mann ſind, dem ich ſeit zehn Jahren begegnet bin. — Mein Herr, antwortete ihm Morvan lächelnd, Ihre Offenheit erheiſcht es, daß auch ich offenherzig ſei: vor Kurzem fürchtete ich noch, daß dieſes Duell für mich unglücklich aus⸗ falle, jetzt aber bin ich überzeugt, daß nur Sie das Opfer ſein werden. Woher mir dieſe Ermuthigung gekommen ſei, vermag ich nicht Ihnen zu ſagen, ich beſtätige Ihnen nur eine That⸗ ſache. Erlauben Sie mir daher, indem ich Ihnen dafür meine Verbindlichkeit ausdrücke, daß ich mir Ihre zu voreilige Leichen⸗ rede verbitte, und an meinen guten Stern glaube. Wäre es mir auch möglich, dieſen Zweikampf zu vermeiden, ohne daß — 52— ich dadurch die Ehre im mindeſten verletze, ſo würde ich, bei meiner Ehre als Edelmann! dennoch darauf beſtehen. Geſtern wünſchte ich die Neutralität, die wir uns gegenſeitig gelobt ha⸗ ben, zu bewahren, und vermied es daher einen Gegenſtand zu berühren, der mir ſehr am Herzen und mir bereits auf der Zunge lag— — Erklären Sie ſich, mein Herr, unterbrach ihn Lau⸗ rent; eine Viertelſtunde mehr oder weniger iſt nichts im Ver⸗ gleiche zu der Ewigkeit, in welche der Eine oder Andere von uns bald eingehen wird. Uebrigens erlauben Sie mir vor Allem Ihnen meinen Glückwunſch darzubringen zu der Er⸗ muthigung, welche Sie eben erwähnt haben. Offen geſtanden, wenn Ihre Kugel mich todt niederſtreckt, ſo werden Sie der Menſchheit einen guten Dienſt geleiſtet, viel künftiges Uebel verhindert, und Mehrere von Ihresgleichen gerettet haben; denn mein Menſchenhaß hat mich zu einem wilden, unverſöhn⸗ lichen Weſen, zum blutdürſtigen Tiger gemacht. Sie ſehen, daß ich fern davon bin mich zu loben. Aber welches iſt denn der Gegenſtand, wenn ich fragen darf, den Sie geſtern ſo gern be⸗ rührt hätten? — Kennen Sie Nativa, mein Herr? ſagte Morvan ge⸗ meſſen nach einigem Zaudern. Ein ſeltſames Lächeln flog über die Lippen des ſchönen Laurent. R — Sie meinen die Tochter des Grafen von Monterey, nicht wahr? Ich kenne ſie! Und dann? „ — Und dann? erwiderte Morvan mit großer Wuth. Aber es ſcheint mir, mein Herr, daß dieſer Name allein ſo viel iſt, wie eine ganze Erklärung. Sie haben dieſes Mädchen un⸗ würdiger Weiſe beſchimpft, und ich liebe ſie!— Machen wir ein Ende! Mich drängt es, Ihrem Daſein mit meiner Muskete ein Ziel zu ſetzen. chem, nich muth ſom det Bene kann gen, nun than nicht Ihn von ſein hie das Erſt gun ſiet nl übe ſo Me ein due buſ Lau⸗ Ver⸗ von vor Er⸗ den, der lebel ben; öhn⸗ „duß nder be⸗⸗ ge⸗ önen tereh⸗ Buth. viel 1un⸗ rein eein 55— — Mein lieber Ritter, ſagte Laurent mit halb freundli⸗ chem, halb ſpöttiſchem Ausdruck, ich bin entzückt, daß Sie gegen mich einen Beweggrund zur Rache haben— das wird Sie er⸗ muthigen. Da ich indeß Ihre Kaltblütigkeit nicht ſtören möchte, ſo muß ich Ihnen erklären, daß, wenn Sie ſelbſt der Geliebte der Sennorita Sandoval wären, was leicht möglich iſt, mein Benehmen gegen ſie keinen Grund zu Ihrem großen Zorn geben kann; im Gegentheil. Ich beeile mich aber dennoch hinzuzufü⸗ gen, daß ſie Ihnen für meinen Tod ſehr dankbar wäre. Da wir nun lange genug geſprochen, wie die Helden des Homer es ge⸗ than haben, ſo gehen wir zum Kampfe. Haben Sie mich ſonſt nichts zu fragen? — Nichts, mein Herr. Ich wiederhole Ihnen, daß ich Ihre Anordnungen im voraus gutheiße. — Nun, ſo werden wir es durch das Los beſtimmen, wer von uns zuerſt ſchießen wird. Dann werden wir uns fünfzig Schritte von einander aufſtellen. Wenn der Erſte, der abfeuert, ſeinen Gegner verfehlt— man muß in einem Duell ſelbſt an die größten Unwahrſcheinlichkeiten denken— ſo hat der Andere das Recht, ſo weit vorzugehen, als es ihm gut dünkt und dem Erſtern das Gehirn zu zerſchmettern. Was die andern Bedin⸗ gungen betrifft, ſo halten wir uns an die Gebräuche der Bouca⸗ nier. Doch halt! ich muß Sie davon in Kenntniß ſetzen, daß nach dieſen Gebräuchen jeder abgefeuerte Schuß gilt. Wenn Sie über die Ladung Ihrer Muskete den geringſten Zweifel haben, ſo unterſuchen Sie dieſelbe nochmal; das iſt ſehr weſentlich— — Ich ſtehe für dieſes Gewehr mit meinem Kopf! ſagte Montbars, indem er ſeinem Neffen Graubart's lange Flinte einhändigte. Laurent probirte den Hahn ſeines Karabiners, betrachtete das Zündpulver und zählte dann fünfzig Schritte ab. Der Fli⸗ buſtier trug Piſtolen im Gürtel und bediente ſich derſelben, —— indem er ſie auf die Erde niederlegte um die beiden Endpunkte der abgemeſſenen Diſtanz zu bezeichnen. — Mein Herr, ſagte er, dieſe Dublone wird entſcheiden, wer von uns zuerſt ſchießen ſoll. Laurent warf dann das Goldſtück in die Luft. — Kopf! rief Morvan. Die Dublone fiel auf die Kopfſeite. — Sie beginnen, mein Herr, ſagte Morvan ruhig. Laurent verneigte ſich ohne zu antworten und ging auf den ihm beſtimmten Platz zurück. An der Eile, mit welcher er dieſes that, konnte man merken, daß es ihm darum zu thun war, die Todesangſt ſeines Gegners nicht zu verlängern. Morvan ſtand aufrecht, unbeweglich, auf ſein Gewehr ge⸗ ſtützt, und war ſehr blaß; dennoch ruhten ſeine Blicke auf dem Gegner mit einem drohenden und herausfordernden Ausdruck, der weit davon entfernt war, jenen zu verſöhnen! Der Menſch in ihm zahlte der menſchlichen Natur ſeinen Tribut, der Edel⸗ mann in ihm hielt die Ehre in würdiger Weiſe aufrecht! Was Montbars betrifft, ſo war es, obſchon er das Bei⸗ ſpiel ſeines Neffen nachahmte und unbeweglich ſtand, wie eine Statue, an ſeinem Stirnrunzeln, an dem düſtern Glanz ſeiner Augen leicht zu erkennen, daß ein heftiges Gewitter in ihm grollte und daß Laurent, wenn er jetzt Sieger würde, in ihm einen neuen und ſchrecklichen Gegner hätte.* Graubart ſtand mit gekreuzten Armen und forſchenden Blick da und beſchäftigte ſich mit dem Duell nur von dem Geſichts⸗ punkte der Fachkennerſchaft aus; er wollte ſehen, ob gut ge⸗ ſchoſſen würde, nichts weiter! Sein Prozeß wegen des Namens und Wappens von Kerjean, der ſchon dreißig Jahre dauerte, beſchäftigte ihn in ganz anderer Weiſe als das ſchreckliche Schau⸗ ſpiel, deſſen Zeuge er war. Sobald Laurent ſeinen Platz eingenommen hatte, erhob e ſein ſchret Spur v uch ſei ſcholl ei Luft es nun geboten Liichen erſte nach ſih ihn hutte, wedet Hilfe Geit in Er he jitt den he unwan Vuth Augen das G licheln befih ſchren nkte iden, auf ret ge⸗ dem uck, nſch del⸗ Bei⸗ eine iner llte nen nden hts⸗ t ge⸗ nens erte chob er ſeine Flinte und zielte nach dem unglücklichen Morvan mit erſchreckender Ruhe. In dem Geſichte des Flibuſtiers war keine Spur von Leidenſchaft, Mitleid oder Zorn. Er zielte ganz ruhig nach ſeinem Gegner. So vergingenfaſt zehn Secunden; endlich er⸗ ſcholl ein dumpfer Schuß und eine kleine Rauchſäule erhob ſich in die Luft. An Laurents Flinte war nur das Zündpulver verbrannt. — Ritter Louis, rief er ſpöttiſch und überraſcht, ich kann es nun nicht läugnen, daß Sie unter einem glücklichen Stern geboren ſind; Sie müſſen mich jetzt mit meiner obengehaltenen Leichenrede für ſehr lächerlich halten. Dieſes iſt übrigens das erſte Mal, daß meine Flinte ihre Pflicht nicht that. Ich zielte nach Ihrer Stirne; jetzt ſchießen Sie! — Louis, flüſterte Montbars ſeinem Neffen zu, indem er ſich ihm näherte, ſei ohne Erbarmen, räche Nativa. Der junge Mann war des Wunders, welches ihn gerettet hatte, ſo wenig gewärtig geweſen, daß er im erſten Augenblick weder erſtaunt noch erfreut war; die Willenskraft, welche er zu Hilfe gerufen hatte, um würdig zu fallen, wirkte noch auf ſeinen Geiſt und beherrſchte ihn;— Nativa's Name, den Montbars ihm zugeflüſtert hatte, bewirkte in ihm eine plötzliche Aenderung. Er bedachte, daß er ohne einen ſo unvorhergeſehenen Unſtand jetzt todt wäre; daß Laurent, dieſer Menſch, den er nicht kannte, den herauszufordern er niemals eine Idee gehabt, nach ihm mit unverſöhnlicher Kaltblütigkeit gezielt hatte. Da wuchs ſeine Wuth, das Blut ſtieg ihm zum Gehirn und er vergaß einen Augenblick ſeine natürliche Großmuth. Indem er nun ſeinerſeits das Gewehr aufzog, ging er ruhig auf ſeinen Gegner los, der lächelnd und unbefangen daſtand, als ob ihm nicht die geringſte Gefahr drohte. Laurents Muth, dieſe Gerechtigkeit muß man ihm wieder⸗ fahren laſſen, war erhaben. Kaum fünfzehn Schritte trennten ihn noch vom Ritter, als Jeanne aus dem Wald hervorſtürzend auf dem Schauplatz erſchien. — Ritter Louis, rief ſie, willſt Du Laurent tödten? Du ſiehſt, daß er ohne Waffen iſt!. Bei dieſen von Waldblume mit ihrer reizenden hellen Stimme ausgeſprochenen Worten kam es Morvan vor, als er⸗ wachte er aus einem ſchauderhaften Traum. — Ich war wahnſinnig! Was wollte ich thun?— Dank, meine gute Jeanne, rief er mit herzlichem Tone. Dann wandte er das gegen die Bruſt ſeines Gegners ges richtete Gewehr ab, und ſchoß in die Luft. Dieſe Scege ging außerordentlich ſchnell vor ſich. — Tauſend Donner! rief Laurent, deſſen bisher ruhiges Geſicht ſich plötzlich mit dem lebhafteſten Roth überzog, tauſend Donner, Ritter Louis, ich nehme dieſen Schimpf nicht an!— Laden Sie Ihre Muskete noch einmal und ſchießen Sie auf mich, — wo nicht, bei allen Furien der Hölle, jage ich mir ſelbſt eine Kugel durch den Kopf. Während Laurent ſo ſprach, hob er die Piſtole auf, welche er auf die Erde gelegt hatte, um die Entfernung zu be⸗ zeichnen, lud ſie ſchnell und hielt ſich die Mündung des Laufes an die Stirne. Laurent's Haltung ließ es keinen Augenblick bezweifeln, daß er ſeine Drohung ausführen würde. — Mein Herr, ſagte Morvan, unſer Duell war die Folge eines Schimpfes, welchen ich Ihnen angethan habe; ich habe e„Feigling und Mörder“ genannt. Nun, vor Montbars und Graubart, die gegenwärtig ſind, biete ich Ihnen demüthigſt meine Entſchuldigung an; ich nehme die Worte, mit welchen ich Sie belktdigt habe, zurück und bitte Sie dafür um Ver⸗ gebung!— Was können Sie mehr fordern? Auf dieſe mit ernſtem, faſt feierlichem Tone gegebene Ant⸗ wort warf Laurent ſeine Piſtole von ſich, ſtürzte auf Morvan hin, ſchloß ihn in die Arme, drückte ihn an ſeine Bruſt, und ſagte: neinet trn ſe den N den. wollen ſihle, ſhn dnit komm knipf eine undi ich m nen Eine Herz ächtli gunze Noßn anbie nicht net ſeine iber auf bin Blüe lnah hien. den 5 hellen ls er⸗ unk, e ing hige uſend mich, ſelbſt uf, u be⸗ aufes blik Folge hobe s und tigſ ilchen Vet⸗ Ant⸗ owan agte . . — — Ritter, ſeit zehn Jahren war kein edles Gefühl in meinem Herzen; die Thräne, die Sie in meinen Wimpern zit⸗ tern ſehen, verdanke ich Ihnen; ich erkenne jetzt, daß es unter den Menſchen noch ſolche gibt, die es werth ſind geliebt zu wer⸗ den. Bis jetzt habe ich keinen Freund, keinen Gefährten haben wollen; wollen Sie mein Matroſe ſein? Edelmüthige Naturen haben die Gabe die reinen Ge⸗ fühle, die ſie bei Andern erwecken, mitzufühlen. Morvan nahm ſich daher nicht einmal die Mühe den ſchönen Laurent anzuſehen, damit er ſich überzeuge, ob ſein Anerbieten aus dem Herzen komme, und ob er nicht einen böſen Hintergedanken daran knüpfe. Nur betrachtete der junge Mann, und zwar mit Grund, eine ſolche Verbindung als eine ſehr wichtige Angelegenheit, und überlegte daher erſt bevor er antwortete. — Mein lieber Louis, ſagte Montbars zu ihm, wenn ich auch mit Laurent nicht auf gutem Fuß ſtehe, ſo muß ich ſei⸗ nen guten Eigenſchaften doch Gerechtigkeit widerfahren laſſen. Einerſeits muß ich zwar geſtehen, daß er ein unempfindliches Herz, einen grenzenloſen Stolz, wilde Leidenſchaften und ver⸗ ächtliche Neigungen hat; andererſeits aber gibt es auf der ganzen Welt keinen Menſchen, der mehr Sklave ſeines Wortes, großmüthiger und unerſchrockener wäre als er. So wie er Dir anbietet ſein Matroſe zu werden, haſt Du von ſeinen Fehlern nichts mehr zu fürchten, und von ſeiner Tapferkeit wie von ſei⸗ ner Erfahrung alles Gute zu erwarten. Ich rathe Dir daher ſeinen Antrag anzunehmen. — Herr, rief Morvan zu Laurent gewendet, ſeien Sie überzeugt, daß die von Montbars auseinander geſetzten Gründe auf meinen Entſchluß nicht den geringſten Einfluß haben. Ich bin nach St. Domingo gekommen, damit ich da verſuche mein Glück zu machen, und ich hege den glühendſten Wunſch mir eine unabhängige Lage zu begründen; dennoch iſt auch das nicht der —— — 6 Grund, der mich veranlaßt Ihren Antrag anzunehmen; ich fühle mich zu Ihnen hingezogen, weil Sie, wie ich glaube, viel ge⸗ litten haben, und weil Sie noch leiden. Da iſt meine Hand! — Dank,„mein Matroſe,“ ſagte Laurent, indem er dem jungen Mann mit Freundſchaft die Hand drückte; zwiſchen uns kann es von nun an keinen Streit und kein Mißtrauen geben; nur unſere Vergangenheit bleibt unſer perſönliches Eigen⸗ thum; aber über dieſe bitte ich Dich keine Frage an mich zu ſtellen. Doch das Eine ſollſt Du davon wiſſen, denn Du haſt wahrſcheinlich noch alle europäiſchen Vorurtheile, daß meine Abſtammung an Adel der Deinigen wenigſtens gleichkommt, wie erlaucht dieſe immer ſein mag. Die beiden neuen Freunde und deren Zeugen wollten eben nach dem Wohnhauſe zurückkehren, als ſie Alain aus dem Walde kommen ſahen. Der Bretagner, der vor Freude ſtrahlte, trug die Boucanierflinte, die er ſich vor Kurzem für Laurent's zwanzig Doublonen gekauft hatte. — Woher kommſt Du? fragte ihn der Ritter. — Aus einem Gebuſch, wo ich mich verborgen gehalten habe, Herr! — Und warum haſt Du Dich verborgen? Dieſe Frage ſchien Alain in Verlegenheit zu bringen, der auf Laurent verſtohlen einen Seitenblick warf. — Ich will Antwort haben. — Um ſo ſchlimmer! rief Alain, der jetzt ſeinen Ent⸗ ſchluß zu faſſen ſchien; ich will Ihnen Alles geſtehen. Nun Herr, ich hielt mich verborgen, um Herrn Laurent zu tödten, wenn er geſiegt hätte. — Matroſe, ſagte Laurent, wenn ich noch einen Zweifel hätte, ſo würde mir dieſe Antwort Deines Dieners allein ſchon beweiſen, wie ſehr Du würdig biſt mein Matroſe zu ſein. Das iſt ein ſchönes Lob, von Denen geliebt zu werden, die von uns bhin bende füt nach ich S Vohr nicht Menſ ſchrec gläub glaub Erig habe ntd ich n zuwe Stlb tine gibt Perſt mal! wild meng aus ich, uten der Ent⸗ —— abhängen.— Was Dich betrifft, fuhr Laurent zu Alain ge⸗ wendet fort, da haſt Du andere zwanzig Dublonen zum Lohn für Deine Treue. — Ah! das iſt zu ſtark, rief Alain, indem er begierig nach dem Gelde griff, was hätten Sie mir erſt gegeben, wenn ich Sie getödtet hätte? Ein ganzes Vermögen, ohne Zweifel! Auf dem ganzem Wege durch den Wald bis zu Graubarts Wohnung ging Laurent an Morvan's Seite. — Matroſe, ſagte er zu ihm, ich muß Dich, damit Du nicht erſchreckeſt, im voraus davon in Kenntniß ſetzen, daß alle Menſchen, mit denen Du von mir ſprechen wirſt, Dir über mich ſchreckliche Geſchichten erzählen werden. Von dieſen durch Leicht⸗ gläubigkeit vergrößerten Geſchichten darfſt Du nur die Hälfte glauben; dieſe Hälfte iſt freilich auch noch ſtark an tragiſchen Ereigniſſen! Was willſt Du! ich muß Geräuſch und Aufregung haben, um mich zu betäuben und zu vergeſſen. Ohne den Don⸗ ner der Schlachten, ohne die unmöglichen Unternehmungen, die ich wage und ausführe, ohne die aufreibende Thätigkeit, die ich zuweilen entwickle, hätte ich meinem Leben ſchon längſt durch Selbſtmord ein Ende machen müſſen. Aber der Selbſtmord iſt eine Feigheit und mein Herz iſt tapfer geblieben! Nächſt Dir gibt es auf der ganzen Inſel St. Domingo nur eine einzige Perſon, deren Anblick mir angenehm iſt: Waldblume! Zwanzig⸗ mal habe ich mich ſchon dabei ertappt, daß ich das Bild dieſes wilden reizenden Kindes mit Träumen von meiner Zukunft ver⸗ mengte. Laurent machte eine Pauſe, dann brach er in ein Lachen aus und fuhr wie mit ſich ſelber ſprechend fort: — Wahrhaftig, es iſt der größte Spaß zu denken, daß ich, Laurent, der ich die Weiber durch die tiefſte Verachtung, die ſie mir einflößen, beherrſche, der ich mit der vollſtändigſten eichgiltigkeit die erlauchteſten und ſtolzeſten Damen ſchamlos um meine Liebe, ja nur um einen freundlichen Augenblick betteln ſah, daß ich, ſage ich, mich mit Waldblume beſchäftigte. Das menſchliche Herz iſt oft bis zur Unerklärlichkeit ſeltſam! Morvan ſah es mit Vergnügen, wie Laurents Herz aufthaute. Die fünf Männer fanden, da Jeanne vor ihnen in der Wohnung angelangt war, in derſelben ein reichliches Frühſtück angerichtet. Alain war für die Art, wie ſich die Boucanier nähr⸗ ten, voll Bewunderung. Bei der zehnten Flaſche Zider wagte er es, ſeinem Herrn vorzuſchlagen, daß er ein Räucherhaus errichte. Nach Beendigung des Mahles verlangte Laurent von Graubart ſein Pferd, und kündigte an, daß er ohne Säumniß nach Leogane zurückkehren wolle. — Matroſe, ſagte er, indem er von Morvan Abſchied nahm, ich habe von meiner letzten Expedition nur noch zwanzig Tauſend Thaler übrig, damit kann ich mich 14 Tage zerſtreuen. Sobald dieſes Geſchäft beendigt iſt, werde ich Dich davon in Kenntniß ſetzen, und wir werden uns einſchiffen. Es iſt unnütz noch hinzuzufügen, daß Du mir ein wahrhaftes Vergnügen ma⸗ chen würdeſt, wenn Du, im Falle Du deſſen bedürfeſt, meine Kaſſe als die Deinige anſäheſt. Auf baldiges Wiederſehen! Laurent's Abreiſe war Morvan angenehm; die Idee, daß er ſeine Spaziergänge mit Jeanne in den Wäldern fortſetzen würde, lachte ihn an: er geſtand ſich übrigens ohne Serupel ſeine brüderliche Neigung zu Graubart's Tochter. Kaum war Laurent abgereiſt, als Waldblume ihren Ritter Louis, wie ſie Morvan nannte, aufſuchte. — Freund, ſagte ſie zu ihm, willſt Du heute wieder mit mir auf die Jagd gehen? Lederhaube, fügte ſie hinzu, wird uns begleiten. Dieſe letzten Worte ſchienen Morvan zu verdrießen. Wald⸗ blume bemerkte es, und fuhr fort: — Ich nöchte lieber allein mit Dir gehen. Wir b verſteh zl dieſ von de deutli denn nit n und d ſhütte Das Laue Gefu ſin, ſe geſthe errött Falle Ausge ſinkte ihrer richt nich hand den ſut nen etteln Das haute. in der hſtück nöhr⸗ te er ichte. on mniß ſchied anzig euen. on in nnitz nma⸗ meine 1 „daß ſetzen rupel nwar vie ſi wird Pald⸗ verſtehen uns ſo gut. Doch man muß gerecht ſein; ich wäre bis zu dieſer Stunde ohne Lederhaube das unglücklichſte Geſchöpf von der Welt. — Ich verſtehe Dich nicht, Waldblume; erkläre Dich deutlicher. — Ihm, Ritter Louis, verdankſt Du das Leben, ja, ihm; denn Lederhaube war es, der einen Augenblick, in dem Laurent mit mir plauderte, die Ladung von deſſen Muskete verkehrte, und die Kugel auf's Zündloch legte und das Pulver darauf ſchüttete. Du biſt nicht durch einen Zufall gerettet worden. Das möge Dir erklären, warum ich mich zwiſchen Dich und Laurent ſtürzte, als Du abfeuern wollteſt. Du warſt nicht in Gefahr geweſen, und ich wollte Dich keinen Mord begehen laſ⸗ ſen, ſelbſt nicht einen unwillkührlichen. Sonſt hätte ich es gern geſehen, wenn Du Laurent getödtet hätteſt. Das Geſtändniß dieſer Liſt machte den jungen Mann erröthen. — Waldblume, ſagte er, Dein Benehmen in dieſem Falle war äußerſt leichtſinnig. Du haſt mich der Ehrloſigkeit ausgeſetzt— Bei dem ſtrengen Ton, mit welchem Morvan dieſes ſagte, ſenkte das arme Mädchen den Kopf, und ſchien von der Laſt ihrer Scham erdrückt; Thränen floßen ihr über die Wangen. — Meine gute Jeanne, ſagte Morvan, als er ihren auf⸗ richtigen Schmerz ſah, vergib mir die Heftigkeit, zu der ich mich einen Augenblick hinreißen ließ. — Ja, ich habe vielleicht Unrecht gehabt, indem ich ſo handelte. Aber ich thäte es noch einmal, wenn Du wieder in den Fall kämeſt. Konnte ich Dich denn tödten laſſen? Das reizende Kind ſchwieg einen Augenblick, dann ſprach ſie mit ſanfter, flehender Stimme, und faltete ihre ſchö⸗ nen Hände wie zum Gebet: — 66— — Ritter Louis, ich beſchwöre Dich, wenn Du je wieder unzufrieden ſein ſollteſt mit mir, mich nicht mehr mit einem ſo böſen Geſicht anzufahren, wie Du es eben gethan haſt. Es thut mir zu weh, Dich gegen mich in Zorn zu ſehen. Mein Herz ſchwillt, und ich glaube ſterben zu müſſen! Nicht wahr, Ritter Louis, Du wirſt nicht mehr böſe ſein?— Wenn Du wüfteſt, wie ſehr ich Dich liebe, ſo würdeſt Du das Leid bereuen, wel⸗ ches Du mir eben gethan haſt. — Ich bereue es, Jeanne, ſtammelte Morvan tief gerührt. N Einen ganzen Monat, ſeitdem Morvan Graubart's Haus⸗ genoſſe geworden war, hörte er von ſeinem Matroſen, dem ſchönen Laurent kein Wort ſprechen. Voll von Enthuſiasmus zählte der Ritter Anfangs mit fieberhafter Ungeduld die Tage und die Stunden, die ihn nach ſeiner Berechnung vom Beginn ſeiner Laufbahn noch trennten; aber allmälig beſänftigte ſich ſeine Aufregung, ſein Eifer ſchwand, und endlich machte es ihn gar traurig, wenn er dachte, daß er in See gehen ſollte. Waldblume— doch Morvan war weit davon entfernt es ſich einzugeſtehen— war auf dieſe Aenderung ſeiner Ent⸗ ſchlüſſe von großem Einfluß; bisher immer allein ſtehend, konnte er gegen die ſüße und züchtige Vertraulichkeit, die zwi⸗ ſchen ihm und der Tochter Graubart's entſtanden war, nicht unempfindlich bleiben. Es iſt auch nicht möglich, daß ein jun⸗ ger Mann, ausgenommen ſein Herz wäre ganz verderbt, nicht ein gewiſſes Gefühl der Dankbarkeit empfinde, wenn ein Weib ihm ohne Nebengedanken ihre ganze Seele ſchenkt. Anfangs nur von der ſo natürlichen Originalität ihres Charakters an⸗ gezogen, fand Morvan in Waldblume bald die reizendſten und köſtli deckn ſhöy wurd Eifer tinen nente man nicht vertr ich in auſwi ſi9 ewi die mit es D von leſen ten geda Es! haſt wär liche wieder lem ſo s thut Herz Rittet üßteſ, wel⸗ rührt. Hals⸗ hönen te der d die ſeiner ſeine n gar ffernt Ent⸗ hend ezui nicht jun⸗ nicht Peib fings und 65 köſtlichſten Eigenſchaften. Jeden Tag machte er eine Ent⸗ deckung, die ihn in der Neigung zu dieſem liebenswürdigen Ge⸗ ſchöpf beſtärkte. Waldblume, die von ihrem Vater gänzlich vernachläſſigt wurde, war vollkommen unwiſſend; Morvan unternahm es mit Eifer ſie zu erziehen. Die junge Boucanierin zeigte Anfangs einen Widerwillen gegen die Schwierigkeiten, welche die Ele⸗ mente des Wiſſens darbieten. — Was geht mich das an, ſagte ſie zu ihrem Lehrer, was man in den Büchern findet! Was könnte ich da lernen, was ich nicht ſchon weiß? Das Leben iſt etwas ganz einfaches: Gott vertrauen, die Guten lieben und die Böſen meiden. Was würde ich in Deinen Büchern ſehen, was den Anblick unſerer Wälder aufwiegt? Nichts. Folge mir, Ritter Louis, und laſſen wir die⸗ ſes Papier mit ſeinen ſchwarzen Zeichen, die mich unnützer Weiſe ermüden und die ich nicht verſtehe. Das Wetter iſt prachtvoll, die Vögel ſingen in den Wäldern, nimm eine Muskete und komm mit mir auf die Jagd. — Jeanne, antwortete ihr Morvan eines Tages, würde es Dich denn nicht freuen, wenn Du, während ich ferne bin, von mir Nachrichten bekämſt und die Worte der Freundſchaft leſen könnteſt, die ich Dir ſchriebe? Dieſe Frage machte auf das junge Mädchen einen lebhaf⸗ ten Eindruck. — Ach, mein Ritter Louis, rief ſie, an das habe ich nicht gedacht! Ja, Du haſt Recht, das Wiſſen iſt eine ſchöne Sache. Es bringt Einem den Abweſenden nahe, die man liebt! Warum haſt Du mich nicht gleich darauf aufmerkſam gemacht? Heute wäre ich ſchon gelehrt! Von dieſer Zeit an lernte Waldblume mit unvergleich⸗ lichem Eifer; in vierzehn Tagen las ſie ſchon ziemlich gut. Als die beiden jungen Leute eines Tages nach einer ihrer 6. — 56 langen Excurſionen, die ihnen nur ein einfacher Spaziergang niſtn ſchien, nach Hauſe kamen, fanden ſie da einen Unbekannten. fuhr Ohne ſich davon Rechenſchaft zu geben, hatten ſie Beide Vater eine unangenehme Empfindung davon; der Fremde war von dem komnt ſchönen Laurent geſchickt und brachte Morvan einen Brief folgen⸗ ſchein den Inhalts: noch d „Mein Matroſe! In Folge eines unglücklichen Glücks, an ſiit das mich verfolgte, mußte ich, ehe ich meine zwanzigtauſend Tha⸗ gu ler anbringen konnte, zweimalhunderttauſend Livres gewinnen Nein und ausgeben. Geſtern haben mir die Würfel endlich meinen duh letzten Diamanten und meine letzte Dublone genommen. Komm lſe gleich! Ich fühle mich ſtark aufgelegt gegen die Spanier zu zie⸗ hen und es drängt mich, mich einzuſchiffen. Ich erwarte Dich vori morgen.“ Dieſer Brief, der ihn drei Wochen vorher mit Freude er⸗ Sim füllt hätte, ſchien Morvan jetzt ein wahrhafter Unglücksbote zu ſü n ſein. Was Waldblume betrifft, ſo erblaßte ſie, und ſagte zu den Morvan mit bebender Stimme: bus — Mein Ritter Louis, warum willſt Du abreiſen? Was ſihle liegt Dir daran, Gold zu gewinnen? Was wirſt Du damit ma⸗ chen? Wozu wird es Dir dienen? Du haſt nicht den Geſchmack der andern Menſchen; Du liebſt weder das Spiel noch die Pracht, llibe noch die berauſchenden Getränke. Was geht Dir ab? Du haſt Lan ſchöne balſamiſche Wälder, eine Muskete, die auf zweihundert Jen Schritte einen wilden Stier niederſtreckt, eine Schweſter, die Dich liebt! Was willſt Du noch? Raum, Dich zu bewegen und hs Freiheit! Haſt Du das Alles nicht hier? Warum willſt Du Dich M( ſchrecklichen Gefahren ausſetzen, um Reichthümer zu gewinnen, ſhwi mit denen Du nichts anzufangen weißt? Bleibe bei mir, mein Mr Ritter Louis! Ich werde Dir niemals Verdruß machen, ich 8 werde Deinen geringſten Wünſchen zuvorkommen und Dir in Allem gehorchen.— Ich bitte Dich, ich beſchwöre Dich darum, bn 2 gang n. Beide dem gen⸗ icks, Tha⸗ nnen inen omm zie⸗ Dich eſr⸗ te zu te zu Vas ma⸗ nack acht, haſt ndett „die und Dih nen⸗ nein ich ir in run, reiſe nicht ab. Und was ſoll aus mir ohne Dich werden?— fuhr Jeanne nach einer kurzen Pauſe fort. Lederhaube und mein Vater find nicht böſe, gewiß nicht; aber ich weiß nicht wie das kommt, ſie kommen mir jetzt ganz anders vor als früher. Sie ſcheinen mir ganz verändert; ich fühle es, daß weder der Eine noch der Andere mich zu lieben verſteht. Mein Vater denkt nur an ſeinen Prozeß; Lederhaube will, ich weiß nicht was, aber ganz gewiß nicht mein Glück. Du allein biſt mir wahrhaft gut! Mein Ritter Louis, ich habe Dir nie was zu Leide gethan und Du biſt zu gut, um mich für immer unglücklich zu machen. Ver⸗ laſſe mich nicht! Morvan war tief gerührt und wußte nicht, was er ant⸗ worten ſollte; Graubart ergriff für ihn das Wort. — Mein Kind, ſagte er zu Jeanne, mit jener ruhigen Stimme und jener Langſamkeit, die ihm eigenthümlich waren, ſei nicht ſo betrübt. Deine Verzweiflung beweiſt mir, daß Du den Ritter Louis mit der Liebe des Weibes zum Manne liebſt, das iſt das Ganze! Da jetzt Dein Herz einmal begonnen hat zu fühlen, ſo wird dieſer erſten Liebe bald eine neue Neigung fol⸗ gen; Du wirſt für Deinen abweſenden Ritter wohl bald Erſatz finden. Wenn nun Montbars' Neffe bleiben will, ſo möge er bleiben. Mich gehen dieſe Sachen nichts an. Jeder möge ſein Vergnügen dort ſuchen, wo es ihm beliebt! Ich habe niemals Jemanden die Gaftfreundſchaft abgeſchlagen! Bei dieſer ſeltſamen Antwort Graubart's, der, bis auf das bizaare Vorurtheil für ſeinen Adel, ſich von allen Banden der Civiliſation losgeſagt hatte, ward Jeanne verwirrt und ſchwieg. Indeß war es Morvan klar, daß Jeanne die Bedeutung der von ihrem Vater geſprochen Worte nicht begriff; nur Schamgefühl ward dadurch geweckt. Beim Anbruch des andern Tages begab ſich der Ritter in Begleitung ſeines Dieners auf den Weg. Waldblume gab ihm mit einem Theil der Meute ihres Vaters das Geleite bis vor die Stadt Leogane. Während des langen Weges hatten die beiden jungen Leute kaum einige Worte gewechſelt. Jeanne ſchien in Gedanken vertieft; Morvan gab ſich Mühe, ſich zu überreden, daß ſeine Trennung von Graubarts's Tochter ihm gleichgiltig ſei; aber er vermochte es nicht, ſich über den Zuſtand ſeines Herzens zu täuſchen, er mußte ſich geſtehen, daß er für das rei⸗ zende Geſchöpf eine wahrhaft brüderliche, eine tiefe Neigung empfand. — Ritter Louis, ſagte Waldblume, bevor ſie ihn verließ, vergiß nicht, daß es mir unmöglich wäre, jemals glücklich zu leben, wenn Du getödtet würdeſt! Sei in der Schlacht nicht unklug, und wenn Du mich, wie ich glaube, wahrhaſt liebſt, ſo erinnere Dich, daß Du, wenn Du Dich vertheidigſt, mich mitvertheidigſt. Auf Wiederſehen! Jeanne reichte dem jungen Manne die Hand, dann heftete ſie ihren Blick auf ihn mit ſüßem Lächeln und entfernte ſich ohne ein Wort zu ſagen. Morvan hatte einen rührenden Abſchied er⸗ wartet; die Gemüthsſtärke, welche Jeanne eben gezeigt hatte, that ihm beinahe wehe. Lange blickte er dem reizenden Kinde zärtlich nach, in der Hoffnung, daß ſie ſich zurückwenden werde, aber er wurde in der Hoffnung getäuſcht. Vier Tage ſpäter landete Morvan, in Laurent's und Alain's Geſellſchaft, an der Inſel Tortuga, wo der berühmte Abenteurer ſeine Mannſchaft werben wollte. Am andern Tag nach ſeiner Ankunft in dieſem berüchtigten Aufent⸗ halt der Flibuſtier ging der ſchöne Laurent in Baſſe-Terre herum, als er von einem Mann in Matroſenkleidung angeſpro⸗ chen wurde. — Herr Laurent, ſagte ihm der Unbekannte, indem er ihn leicht grüßte, ich habe mich bei Ihnen eines wichtigen und geheimen Auftrages zu entledigen; wollen Sie mir ſagen, wohir könne ſchen nure in ei lonn biſ 2 ſpäte gela Dar nicht ten! 39 zerb Mee Sie un! leid ichn zu e heit or die eiden en in reden, giltig eines rei⸗ gung rließ, ich zu nicht iebſt, mich eftete ohne ed er⸗ atte, nder in „in „wo An fent⸗ Lerre ſpr⸗ mer und agen wohin ich Ihnen folgen ſoll, damit wir ohne Zeugen ſprechen können? Der ſchöne Laurent erſtaunte niemals über etwas; auch ſchenkte er dem Geheimniß, in welches ſich der Fremde hüllte, nur eine ſehr geringe Aufmerkſamkeit. — Gehen wir an das Ufer des Meeres, ſagte er ihm; in einer flachen Gegend ſieht man die Menſchen von Weitem kommen und hat die Neugierigen nicht zu fürchten.— Wer biſt Du? und was willſt Du von mir? fuhr Laurent ein wenig ſpäter fort. — Kapitän, antwortete der Matroſe, um zu Ihnen zu gelangen, mußte ich mein Leben zehnmal auf's Spiel ſetzen. Darf ich Sie bitten, mir das Wort zu geben, daß Sie mich nicht verrathen werden? — Seit wann wird Laurent für einen Verräther gehal⸗ ten! rief der Flibuſtier aufwallend, mit kreiſchender Stimme. Ich weiß nicht, was mich zurückhält Dich an meinem Knie zu zerbrechen und Deinen Körper den Haifiſchen zur Speiſe in's Meer zu werfen. — Kapitän, erwiederte der Matroſe erbleichend, ich bitte Sie demüthigſt um Vergebung, wenn ich Sie mit meinen Wor⸗ ten beleidigt habe. Ich bin ein armer Teufel, der Ihres Mit⸗ leids ſo unwürdig iſt, Sie werden mich ſo ſehr verachten, wenn ich mich Ihnen zu erkennen gegeben haben werde, daß ich wohl zu entſchuldigen bin, wenn ich meine Vorſichtsmaßregeln ergreife. — Zur Sache! erkläre Dich, ſagte Laurent. Deine Feig⸗ heit beweiſt mir übrigens, daß Du gewiß nicht die Abſicht hat⸗ teſt, mich zu beleidigen; ich verpflichte mich, Dich nicht zu verrathen. — Kapitän, ich heiße Leichtfuß! murmelte der Matroſe, den Kopf ſenkend. — Ah! Leichtfuß, der Verräther, der uns vor fünf Jah⸗ ren verlaſſen hat, um ſich den Spaniern anzuſchließen! Leicht⸗ — ——————— —— — 0— fuß, der Spion, welchen die Flibuſtier zum Tod verurtheilt haben und auf deſſen Kopf ein Preis geſetzt worden iſt! Was willſt Du von mir? — Kapitän, man hat mich von Granada hergeſchickt, um Ihnen einen Brief zu übergeben und Ihre Antwort zurückzu⸗ bringen. — Einen ſpaniſchen Brief an mich? — Kapitän, ereifern Sie ſich nicht! Dieſer Brief wird Ihnen von einem Frauenzimmer geſchickt. Laurent lächelte. — Ah! handelt es ſich um ein Weib! ſagte er, die Ach⸗ ſeln zuckend, und wie viel hat Dir dieſes Weib gegeben, damit Du Dich entſchließeſt, Dein Leben auf's Spiel zu ſetzen? — Eine Summe, die nur ein König oder ein Laurent zu geben im Stande wäre. — Wieder Eine, murmelte der Flibuſtier gähnend, die ſich einbildet, mich zu lieben. Laurent entſiegelte den Brief, den ihm der Spion gege⸗ ben hatte, las ihn ſchnell, zerriß ihn dann und warf die Stücke in den Wind. — Nun, Kapitän, fragte Leichtfuß, haben Sie keine Antwort zu geben? — Du wirſt Derjenigen, welche Dich geſchickt hat, ſagen, daß Laurent gewohnt iſt, die Namen ſeiner Maitreſſen zu ver⸗ geſſen, und daß die Unterſchrift in dieſem Briefe in ihm gar keine Erinnerung wachgerufen hat!— Jetzt, Leichtfuß, wirſt Du Dich von der Inſel Tortue ſo ſchnell als möglich entfernen. Ich habe Dir zwar verſprochen, Dich nicht zu verrathen, aber ich habe mich nicht verpflichtet, Dir nicht die Hirnſchale zu zer⸗ ſchmettern; wenn Du ober hier bleibſt, um mich auszuſpioniren, ſo haſt Du keine Stunde mehr zu leben. — Kapitän, rief Leichtfuß, ich ſchwöre Ihnen beim heil ſchen geben nierin Zaude tiſchen wohn den 2 Beſe den e „An nein digte She zufd Brir dank Lebe mit gefül ob it ſhin Sh heilt Pas „um zu⸗ wird anit t zu die ege tücke eine gen, ver⸗ . gar nirſ nen. gber zer⸗ iten⸗ heim — Heil meiner Seele, daß meine Sendung dießmal keinen politi⸗ ſchen Zweck hat!— Aber— — Aber was! hätteſt Du noch einen Brief zu über⸗ geben? Parbleu! Das wäre niedlich! Läugne nicht! Die Spa⸗ nierin hat Dir noch einen Brief gegeben— — Ja, Kapitän, antwortete der Spion nach einigem Zaudern. — Das iſt der vollendetſte Spaß, rief Laurent mit ſpöt⸗ tiſchem Lachen. Und für wen iſt dieſer zweite Brief? — Aber, Kapitän, ich weiß nicht, ob— — Nimm Dich in Acht, Leichtfuß, ich bin es nicht ge⸗ wohnt, einen Befehl oder eine Frage zu wiederholen; laß mich den Brief ſehen! Der Spion kannte Laurent genug, daß er hier nichts Beſſeres thun könne, als gehorchen; er übergab ihm daher auch den andern Brief. — Iſt es möglich! rief der Flibuſtier; was ſehe ich! „An den Ritter Louis von Morvan.“ Ah! Nativa, Nativa, meine Verachtung hat alſo ihre Früchte getragen; Dein belei⸗ digtes Herz führt Dich alſo zur Pflichtverletzung und zur Schande! Das iſt wahrhaftig ein ſchöner Triumph für mich, auf den ich ſtolz bin. Der ſchöne Laurent blieb, den an den Ritter adreſſirten Brief in den Händen haltend, mehrere Minuten in ernſte Ge⸗ danken verſunken; es war vielleicht das erſte Mal in ſeinem Leben, daß er zauderte, einen Entſchluß zu faſſen. — Armer junger Mann, dachte er, wie wird er, der bloß mit ſeiner Rechtlichkeit und ſeiner Liebe ausgerüſtet iſt, den gefährlichen Verlockungen Nativa's widerſtehen können? Als ob ich es ſchon vor mir ſähe! Wenn er einſt aus ſeiner Täu⸗ ſchung erwachen wird, ſo wird er gebrochen, vernichtet ſein von Schmerz, er wird Gott läſtern, an nichts mehr glauben, die Menſchen haſſen, und über Selbſtmord oder Rache brüten. Er wird ſein wie ich vor fünfzehn Jahren!— Ich ſollte dieſen Brief vielleicht vernichten! Pah, wozu? Nativa würde bald ein anderes Mitel finden, um ihr Opfer zu erreichen. Dieſe Nativa beſitzt einen erfinderiſchen, kühnen Geiſt. Zuweilen ge⸗ rathe ich über ſie in Zweifel; ich frage mich, ob ſie nicht ein Herz hat, das jener Liebe und Ergebenheit fähig iſt, von der ich in meiner Jugend träumte!— Doch nein, man müßte ein Thor ſein um an ſolche Unwahrſcheinlichkeiten zu glauben! Iſt ein Weib eines wahren, tiefen, aufrichtigen Gefühls fähig? Tauſendmal nein! Die Frauen haben eine lebhafte Einbil— dungskraft, nichts weiter; ein Herz haben ſie nicht! Der Zufall hat mich vielleicht in Nativa's Nähe gebracht, während ihre Einbildungskraft mit Chimären beſchäftigt war, und ſie wird in mir den Helden ihres Romans geſehen haben. Das iſt die einzige vernünftige Art, mir ihr Benehmen zu erklären. Laurent wendete ſich dann auf's Neue an den Spion und Verräther Leichtfuß. — In welcher Weiſe hoffſt Du Dich von der Inſel Tortue zu entfernen? — Ganz einfach, Kapitän. Ich habe einen leichten Kahn verborgen, und ein ſpaniſches Handelsſchiff erwartet mich auf der hohen See. — Gut! ich werde Dich bis zu Deinem Kahn begleiten und Du wirſt vor meinen Augen in See gehen. Was dieſen Brief betrifft, ſo werde ich ihn ſelbſt beſtellen. Wenn man Dich fragt, ſo wirſt Du ſagen, Du habeſt ihn ſelbſt Demjenigen über⸗ geben, an den er adreſſirt war. — Man wird mir nicht glauben, Kapitän. — Und warum nicht? — Weil ich mich verpflichtet habe, den Ritter von Mor⸗ van mit mir zu bringen. Native keine! Dut doval und d deß u und i meine ich 2 mß, dann wißt was Sch nem rich, Brie nir . Er dieſen bald Dieſe en ge⸗ ht ein nder te ein ihig? inbil⸗ Zufull ihre wird ſt die nund ortue Kahn h auf ſeiten dieſen Dich über⸗ Mor⸗ — Peſt! rief Laurent, mit ſpöttiſcher Miene lächelnd, Nativa fängt, wie ich ſehe, die Sache groß an, und verſteht keine halben Maßregeln!— Leichtfuß, ich will Dir ſagen, was Du thun wirſt, merke wohl auf. Du wirſt der Senorita San⸗ doval ſagen, daß er hingeriſſen war vor Freude über den Brief und daß er ſich mit Dir einſchiffen wollte, als Du erkannt wur⸗ deſt und die Flucht ergreifen mußteſt. — Ich werde Ihnen gehorchen, Capitän. — Nun Leichtfuß, ein letztes Wort! Wenn ich je erfahre, und ich werde die Wahrheit früher oder ſpäter wiſſen, daß Du meinen Befehl nur im Geringſten überſchritten haſt, ſo ſchwöre ich Dir, ſo wahr ich Laurent bin, daß ich Dich, wenn es ſein muß, ſelbſt mitten in den ſpaniſchen Beſitzungen abhole, und dann ſollſt Du unter ſchauderhaften Qualen umkommen. Du weißt, daß ich mein Wort immer halte und daß mir alles gelingt, was ich unternehme! — O fürchten Sie nichts, antwortete der Flüchtling mit Schrecken, ich werde Ihre Befehle pünktlich befolgen. Laurent kam eine Stunde, nachdem ſich Leichtfuß in ſei⸗ nem Beiſein eingeſchifft hatte, nach der Art von Herberge zu⸗ rück, in welcher der Ritter ihn erwartete. — Matroſe, ſagte er beim Eintreten zu ihm, hier iſt ein Brief für Dich. — Ein Brief für mich, wiederholte Morvan bewegt; ohne Zweifel von Waldblume, die mir ſchreiben ließ? Der Ritter entſiegelte das Schreiben mit Haſt. Kaum hatten ſeine Augen die erſten Zeilen durchflogen, als der junge Mann bald blaß, bald roth wurde. — Wer hat Dir dieſen Brief übergeben? fragte er Laurent. — Ein Unbekannter, der mich zitternd angeſprochen und ſich ſogleich mit einer Eile und langen Schritten entfernte, die mir ſeltſam erſchienen. III. 7. „ — — Ach, Matroſe, rief Morvan mit ausgelaſſener Freude, wenn Du wüßteſt, wie glücklich ich bin. — Um ſo beſſer! erwiederte Laurent ruhig, das Glück kommt ohnehin ſelten. Zwanzigmal ſtand Morvan auf dem Punkt, ſeinem Geſell⸗ ſchafter ein vollkommenes Geſtändniß ſeiner Liebe zu machen, und jedesmal hielt ihn die Furcht zurück, daß er Nativa compro⸗ mittire. Der Reſt des Tages verflog für den jungen Mann wie eine Secunde. — Matroſe, ſagte Laurent zu ihm, ſobald es Nacht war, willſt Du mich in die Schenke zum„lockern Anker“ begleiten? Ich muß heute unſere Mannſchaft vervollſtändigen, und an je— nem Ort verſammeln ſich alle Flibuſtier, welche Abenteuer ſuchen. — Freund, antwortete Morvan nach einigem Zaudern, ich muß Dir ein peinliches Geſtändniß machen.— Ich kann mich mit Dir nicht mehr einſchiffen— — Du biſt wahnſinnig, oder Du ſcherzeſt! — Nein, Laurent, ich ſpreche ganz im Ernſt. O es iſt unnütz, daß Du Dich beklageſt. Ich kenne alle die Vorwürfe, welche Du mir mit Recht machen kannſt, und geſtehe, daß ich im Unrecht bin. Was willſt Du! es gibt im Leben feierliche Momente, die über das Glück oder Unglück eines ganzen Da⸗ ſeins entſcheiden. Ein ſolcher Moment iſt für mich gekommen; ich gehöre nicht mehr mir ſelbſt an—— — Gut, ſagte Laurent mitleidig, die Achſeln zuckend, ich begreife, es handelt ſich um eine Liebſchaft, um eine Laune. — Wenn Du ſo ſprichſt, Matroſe, rief der Ritter mit Feuer, ſo läſterſt Du. — Parbleu! Das verſteht ſich.— Iſt nicht die Königin unſeres Herzens ſtets das vollkommenſte Weib auf Erden? Ma⸗ ſen wir uns nicht immer an, daß wir allein fähig ſeien, ihren außerordentlichen Charakter, ihre übermenſchliche Tugend, ihre bezau Vahr igſt begeg Gege Rußn find du himn chen der waht durs trſt hinde in a hein lnſet zend, die be eude, lück ſell⸗ hen, pro⸗ wie war, ten je⸗ hen. ern, ann bezaubernde Anmuth, ihre unbeſtechliche Treue zu würdigen? Wahrhaftig, Ritter, ich hielt Dich für klüger, als Du Dich da zeigſt. Wie! weil Du einem jener verlornen Mädchen der Städte begegnet biſt, welche die Regierung uns ſchickt, um unſere öden Gegenden zu bevölkern, gibſt Du den Plan, Reichthum und Ruhm zu gewinnen, auf, brichſt Du das Wort, das Du ver⸗ pfändet haſt! — O Laurent, wie ſehr täuſcheſt Du Dich!— Wenn Du wüßteſt.... Diejenige, welche ich liebe, iſt das reinſte himmliſcheſte Geſchöpf, welches die Erde jemals getragen hat— — Das außerordentliche Weib, von dem ich eben geſpro⸗ chen habe, und das Jeder nur allein gefunden zu haben glaubt. — Die, welche ich liebe, Laurent, befindet ſich nicht auf der Inſel St. Domingo. — Eine in Frankreich zurückgelaſſene Braut alſo, die ſich wahrſcheinlich ſchon durch die Erfahrungen eines Vierzigers oder durch die lockende Schüchternheit eines unbärtigen Jünglings tröſten läßt. Da ſehe ich aber nicht ein, Matroſe, was Dich hindert, mich zur See zu begleiten, was Dich veranlaßt, Dein gegebenes Wort zu vergeſſen. — Höre Laurent, ſagte Morvan, indem er ſeinen Gefähr⸗ 1 ten auf's Neue unterbrach, willſt Du mir verſprechen, mein Ge⸗ heimniß zu bewahren? — Zwiſchen Matroſen wird darauf ſtrenge gehalten. — Diejenige, welcher mein Herz gehört, iſt eine Tochter unſerer Feinde, eine Spanierin. — Das beweiſt Deinen guten Geſchmack. Sie ſind rei⸗ zend, dieſe Spanierinnen. Und in welchem Theile der Welt wohnt die Königin deiner Gedanken? — In Granada, Matroſe. — Teufel! Weißt Du, daß Granada eine der am beſten befeſtigten Städte iſt? 7* — — Ich weiß es; was liegt mir daran? — Wenn Du es wagſt dahin zu kommen und man Dich als Franzoſen erkennt, was nicht ausbleiben kann, da Du nicht ſpaniſch ſprechen kannſt, ſo hängt man Dich auf öffentli⸗ chem Platz auf! — Ach, Laurent, iſt es möglich, daß Du, der Du doch ſo kühn biſt, ſolche Furcht hegſt? — Dam! verſtehe mich recht; wenn es ſich nur um mich handelte, ſo würde ich vielleicht ganz anders ſprechen; aber ich beſitze Hilfsquellen und geiſtige Eigenſchaften, die wenigen Menſchen eigen ſind. Da, wo Du ſchmählich gehängt würdeſt, ginge ich mit allen Ehren des Krieges frei aus. Kehren wir zur Sache zurück. Du willſt Dich mit mir nicht einſchiffen, weil Du Dich nach Granada begeben willſt. Iſt es ſo? — Ja, Laurent, ſo iſt es. — Eine letzte Frage noch! Wie willſt Du Dein Unter⸗ nehmen ausführen? Du wirſt Dich in St. Domingo vergebens nach einer Gelegenheit umſehen; in unſern Geſetzen iſt eine Todesſtrafe gegen alle Diejenigen ausgeſprochen, die anders als wie als Feinde an den ſpaniſchen Küſten landen. Auf den Mant welcher mir den Brief für Dich gegeben hat, kannſt Du nicht zählen, denn ich habe ihn in einem Boot in größter Eile davon⸗ fahren geſehen!—— — Ich verhehle mir nicht die beinahe unüberwindlichen Schwierigkeiten, antwortete Morvan, zwar mit Kummer, aber auch mit Feſtigkeit, die ſich der Ausführung meines Vorhabens entgegenſtellen. Ich zähle nur auf meine Liebe, um alle dieſe Hinderniſſe zu überſteigen, aber meine Liebe iſt ſo groß, daß ich gewiß bin, zum Ziele zu kommen. — Ich theile Deine Meinung nicht. Was Du wünſcheſt, glaubſt Du, treffe auch wirklich ein. Uebrigens wird die Zukunft — entſch indef ein — entſcheiden, wer von uns beiden Recht habe. Willſt Du mich Dich indeß in die Schenke zum„lockern Anker“ begleiten? Du— Ich ſtehe Dir zu Befehl, Laurent. nl⸗— Gut, die Zeit drängt, gehen wir. Die Schenke zum„lockern Anker“ genoß in allen Theilen doh der Antillen eines großen Rufes; indeß empfahl ſich dieſes Haus nicht durch Luxus, und die Genüſſe, die es ſeinen Gäſten bot, waren nur ſehr gering, denn hier bekam man nichts als nich 3 Branntwein, Wein und eingemachte Früchte. Was dieſer Schenke 8 zu ihrer wunderbaren Berühmtheit verhalf, war, daß ſie den i, Boucaniern als Börſe und als Spielhaus diente. Dahin kamen die Juden, durch die Ausſicht auf Gewinn angezogen, um den Boucaniern ihre Beute abzukaufen; da ſpielten die Abenteurer und verloren in einer Nacht Summen, welche ihnen die Unabhän⸗ gigkeit und den Wohlſtand ihrer Zukunft hätten ſichern können; da wurden die Expeditionen beſprochen; da warben die bei der ter⸗ Menge beliebten Capitäne ihre Matroſen. Die Schenke zum bens„lockern Anker,“ die aus ganzen Palmenſtämmen gezimmert und eine mit einer dünnen Lage Mörtel bedeckt war, beſtand aus einem als großen viereckigen Saale, der zweihundert Perſonen faſſen konnte. 5 Laurents Ankunft erregte großes Aufſehen, denn ſeinen icht ururiöſen und ariſtokratiſchen Gewohnheiten getreu, ſetzte er von⸗ ſeinen Fuß nur ſelten in dieſe Schenke; ſein Erſcheinen im „lockern Anker“ war ſtets das Zeichen einer neuen Unterneh⸗ ihen mung. In Folge einer Ausnahme, die nur mit ihm allein ge⸗ zher macht wurde, ward Laurent von den Flibuſtiern wie ein Mann bens empfangen, der hoch über ihnen ſtand. Sie duldeten von ihm iſe eine Arroganz, die ſie bei jedem Andern blutig gezüchtigt hätten. nß Laurent war von einer ſo unglaublichen Unerſchrockenheit, ſeine Erfolge überſchritten ſtets ſo ſehr die Grenzen der Möglichkeit, er zeigte ſich immer ſo maßlos freigebig und großmüthig, daß i die Flibuſtier für ihn eine faſt abergläubiſche Ehrfurcht hegten⸗ unft Ein einziger Kapitän, der berühmte und ſehr reiche Van Horn, hatte es eines Tages gewagt, ſein Benehmen zu tadeln; am andern Tag ward der ſchreckliche Van Horn, vor dem alle Welt zitterte, von Laurent im Duell getödtet. Kaum hatte Laurent die Schwelle des Saales überſchrit⸗ ten, als er von einer dichten Menge umringt wurde, die begie⸗ rig war, ihn von der Nähe zu betrachten. — Zurück, meine Freunde und macht keinen Lärm, ſprach er laut, ich habe was zu ſagen. Sogleich herrſchte das tiefſte Stillſchweigen, und Laurent ſprang auf einen Tiſch und ſprach: — Brüder der Küſte, ſagte er, ich komme, um denjenigen unter Euch, die ich für meine nächſte Expedition gewählt habe, die Freiheit zu geben. Keine Klagen, kein Bedauern! Hört mich an, ohne mich zu unterbrechen. Meine Freunde, ich will mich ein wenig zerſtreuen—— Meine Expedition wird daher nicht blos eine ſolche ſein, wie ich anfangs beſchloſſen hatte; da ich aber niemals Jemanden täuſchen will, ſo mußte ich Euch dieſe Erklärung geben, damit Diejenigen, die mich zu kehen wünſchen, wiſſen, was ſie zu erwarten haben. Als Laurent ſagte, daß„er ſich ein wenig zerſtreuen wolle“— eine in den Annalen der Flibuſtier berühmte Phraſe — ſo wußte man, er wolle einen jener unerhört kühnen Streiche ausführen, deren Geheimniß nur er allein beſaß. Die Uner⸗ ſchrockenſten drängten ſich nun, als Genoſſen zu der Expedition gewählt zu werden; Laurent that die Wahl weh. — Meine Freunde, fuhr er fort, indem er die Hand aus⸗ ſtreckte, um Schweigen zu gebieten, ich habe nur noch ein Paar Worte zu ſagen: Diejenigen, die mich jetzt begleiten werden, müſſen ſich auf wirkliche Schwierigkeiten gefaßt machen, denn ich langweile mich ſehr. Sie mögen vor Allem nicht vergeſſen, daß ich auf keine Frage zu antworten pflege, und daß ich die Neug zu be viele in's weni Rein der E Aus an. Dir, ben! Lur eroh nur Frei tulli Luun Die „loc jine il bir orn, an Pelt hrit⸗ gie⸗ rach rent igen abe, hört vill aher tte; Guch eiten uen raſe iche net⸗ ition aus⸗ ßaat den, denn ſſen⸗ die — Neugierigen und die Schwätzer haſſe! Wer wünſcht nun mich zu begleiten? Hundertundfünfzig Männer waren anweſend und eben ſo viele„Ja!“ wurden mit Enthuſiasmus ausgeſprochen. — Matroſe, ſagte er, vom Tiſch herabſpringend, Morvan in's Ohr, ich will gern glauben, daß Du Dich, wenn Du ein wenig überlegſt, entſchließen werdeſt mich zu begleiten. Bewahre mein Geheimniß! Der Zweck meiner Unternehmung iſt, mich der Stadt Granada zu bemächtigen. — Laurent, rief der Ritter mit einem unbeſchreiblichen Ausdruck der Dankbarkeit, ich nehme Deine edelmüthige Hilfe an. Bei dem Andenken meines verehrten Vaters ſchwöre ich Dir, daß ich Dir von heute an bis in den Tod ergeben blei⸗ ben werde. — Pah! es handelt ſich hier wohl um Dankbarkeit, ſagte Laurent lachend. Bilde Dir nur nicht ein, daß ich Granada erobern will, um Deiner Liebe zn Pilft zu kommen, es geſchieht nur um mich zu zerſtreuen. Eine Viertelſtunde darauf ſtellte Laurent die Liſten der Freiwilligen zuſammen, welche ſich, ohne es zu kennen, dem tollkühnen Unternehmen anſchloßen; es waren ihrer neunzig, da Laurent die Begleitung der ſechzig Andern ausgeſchloſſen hatte. Dieſe neunzig Männer waren die Blume der ganzen Flibuſterie. Eine Stunde nach ſeinem Erſcheinen in der Schenke zum „lockern Anker“ ſchiffte ſich Laurent mit zwanzig Ruderern in einem jener langen ſpaniſchen Fahrzeuge ein, die mit Ruder und Segel zugleich getrieben wurden und deren Schnelligkeit an's Wunder⸗ bare grenzte. Nachdem er ſich über die Richtung des Windes —— orientirt hatte, gab er Befehl zur Abfahrt, und die lange und ſchmale Barke flog über die Wogen dahin. Laurent ſäß rückwärts und handhabte das Steuerruder; der kühne Flibuſtier ſchien, wenn auch nicht ſehr ängſtlich, doch wenigſtens von einem Ge⸗ danken ſehr eingenommen zu ſein. — Ah! die Senorita Sandoval will mich wieder ſehen, dachte er; nun es geſchehe nach ihrem Willen! Warum hatte ich denn die Idee zur Expedition nach Granada nicht gleich, als ich ihren Brief las, warum iſt mir dieſer Gedanke erſt im lockern Anker gekommen!—— Wenn ich nur den Leichtfuß wieder erwiſche!— Die Gefangennehmung dieſes Spions iſt für mich von höchſter Wichtigkeit! Niemand als er kann mir die nöthigen Anweiſungen geben... Kräftig gerudert! meine Freunde, rief nun Laurent ſeinen Ruderern zu. Dreißig Piaſter Demjenigen, welcher das Schiff, das wir ſuchen, zuerſt erblickt. Laurent, deſſen Scharfſinn die Erfahrung des Seeman⸗ nes erſetzte, hatte, als er ſ zu verfolgen begann, die Richtung, die er genommen h bem mußte und die Entfernung, um die er ſchon voraus war, berechnet. — Das ſpaniſche Schiff, welches ihn erwartete, mur⸗ melte er, hat es gewiß nicht gewagt, ſich dem Lande näher, als bis auf ſechs Meilen zu nähern; und da Leichtfuß allein iſt und Wind und Fluth gegen ſich hat, ſo kann er mir unmöglich ent⸗ kommen. Während der erſten zwei Stunden, die nun folgten, ſprach n kein Wort, er war mit dem Durchforſchen des Horinzontes beſchäftigt. Die vom prächtigen Mondſcheine erhellte Nacht un⸗ terſtützte ihn vortrefflich. Plötzlich unterbrach er die Stille mit freudiger klangvoller Stimme. — Holla! meine Freunde, ſagte er, indem er ſich an die Ruderer wandte, ſeid Ihr denn eingeſchlafen oder gleichgiltig gegen die verſprochenen dreißig Piaſter, daß Ihr mir noch nicht das Pir aber die Se lar Sti ſih ihn Ue und wirts chien, Ge⸗ ehen, hatte als ern ieder mich higen rief igen, man⸗ die nung, mi⸗ „als und ent⸗ ſprich pontes t un⸗ le nit n die nicht —— das Schif ſignaliſirt habt, welches links ſteuert, als ob es im Wind an uts herankommen möchte?— Seine Segel ſtechen doch aber gegen has Blau des Himmels klar ab.— Kräftig gerudert! Obſchin ſie darauf aufmerkſam gemacht waren, ſo hatten die Flibuſtier dennoch alle Mühe, das Schiff zu erblicken, deſſen Segel, wie ihr Chef behauptete, gegen das Blau des Himmels klar abſtachen. Laurent beſaß in der That eine unglaubliche Stärke des Er hielt es nicht für der Mühe werth, ſich optiſcher Inſtumente zu bedienen, und ein Blick genügte ihm, um die weitiſten Räume zu durchforſchen; ein Horizont von zehn Meilen haten für ihn weder ein Geheimniß noch eine Ueberraſchung. Kaum war eine Stunde verfloſſen, als die von den Aben⸗ teurern beſetzte Barke ſich dem von ihrem Chef ſignalifirten Schiff näherte. Dieſes Schiff, von kaum hundert Tonnen und nur mit fünf Leuten bemmnt, wagte es nicht zu widerſtehen, übrigens ſchwangen ſich dit Flibuſtier, ſobald ſie herangekommen waren, an Bord dieſes Swiffes, ohne ſich über die Streitkräfte zu beunruhigen, die es etwa enthalten könnte. * Die erſte Perſon, welche Laurent auf's Verdeck ſpringend, gewahrte, war der Spion Leichtfuß. Der Elende war blaß wie der Tod und zitterte krampfhaft vor Schrecken. — Du kommſt mit uns und ſprichſt kein Wortweiter, ſagte Laurent; wenn Du mir treu dienß, ſo wird Dir nichts zu Leide geſchehen; wenn Du es verſuchſt nich zu täuſchen, ſo wirſt Du unter den grauſamſten Martern ſterden. Leichtfuß war nicht im Stande ein Wort hervorzubringen, und fand kaum die Kraft mit Hilfe der Taue in die Barke der Flibuſtier hinabzuſteigen. — Man hat Dich ſeit fünf Jahren aus dem Geſicht ver⸗ loren, ſagte Laurent, indem er ihm neben ſich am Steuer einen Platz anwies, Du wirſt daher gar nicht Gefahr loufen, von Deinen früheren Kameraden erkannt zu werden. Ich werde Dich Petit⸗Jean nennen, und als einen Deſerteur von enem Kriegs⸗ ſchiff vorſtellen. Beſtrebe Dich, keine Unklugheit zu begehen. Beim Anbruch des Tages erreichte die Burke die Inſel Tortue. Laurent verabſchiedete ſeine Ruderer, ohne ihnen eine Erklärung zu geben; er ſagte ihnen bloß: — Meine Freunde! alles geht gut!— Wir haben in dieſer Nacht das Gelingen unſeres Unternehnens geſichert. Die Flibuſtier, die von ihren Chefs gewöhnlich eine voll⸗ ſtändige und in's Einzelne gehende Erklämng forderten, waren mit dieſen Worten zufrieden; Laurent jatte ſie an Gehorſam gewöhnt. Sobald er in ſeiner Wohnung, die er in Baſſe⸗Terre hatte, angekommen war, begann der kerühmte Abenteurer das Verhör mit ſeinem Gefangenen. — Da uns jetzt nichts mehr zur Eile drängt, ſo theile mir genau die Inſtructionen mit, welche Nativa Dir bei Deiner Abreiſe von Granada gegeben hat. Ich begreife nicht, wie ſie nach dem Brief, den ſie an mich geſchrieben hat, Dich beauf⸗ tragen konnte, ihr den Ritter ven Morvan mitzubringen... Haſt Du nicht gelogen? .— Nein, Kpitän, die Senorita Sandoval hat mir aus⸗ drücklich befohlen, erſt Sie und dann erſt den Ritter von Mor⸗ van aufzuſuchen; dem Edelmanne ſollte ich den an ihn gerich— teten Brief nur in dem Fall überbringen, wenn Sie ſo antwor⸗ ten würden, wie Sie es gethan häben, nämlich mit Verachtung. Ich habe wich meines Auftrages treulich erledigt. — Parbleu! murmelte Laurent, jetzt errathe ich Alles; die Spanierin hat über meine Verachtung die Geduld verloren und ſucht einen Rächer! Wie ſeltſam, daß der Zufall ſie darauf bringt, ſich gerade an Morvan zu wenden. Bei meiner Treue, ich vertraue auf die Rechtlichkeit meines Matroſen; das ſei mir ein ſehen Zerf Sch ſehr die tiefe immn Juge von un Blu wie nich die hn ich, kol ſag eine Va nen Fot nue nic Eu be ſ von Dich egs⸗ nſel eine in ren ſam erre das mir net ſie uf⸗ ein Feſt, ihm Nativa's Verrath aufzudecken; dieſes Wieder⸗ ſehen wird reizend ſein! Vielleicht wird es mir einen Augenblick Zerſtreuung verſchaffen, denn ich mag mich noch ſo ſehr gegen die Schmerzen meiner Vergangenheit wehren, ich mag mich noch ſo ſehr überreden, daß mein Herz für jedes Gefühl, meine Seele für die Großmuth todt ſei, daß in mir nichts mehr lebe als eine tiefe Verachtung des menſchlichen Geſchlechtes: ich leide doch immer; zuweilen fühle ich, daß meine ſo unwürdig getäuſchte Jugend nicht allen Glauben verloren habe. Zuweilen, wenn ich von einer Schwelgerei oder aus der Schlacht komme, wenn ich, um mich zu betäuben, Gold mit vollen Händen verſchwendet und Blut in Strömen fließen gemacht habe, dann fühle ich etwas wie Gewiſſensbiſſe über das Leben, das ich führe. Ich frage mich, ob dieſem geräuſchvollen, allen Zufällen ausgeſetzten Leben die Ruhe nicht vorzuziehen wäre. Ja, aber iſt nicht die Ruhe ohne den innern Frieden— der Tod ohne das Vergeſſen? Und ich, der ich den Menſchen ſo überlegen bin, deſſen Stolz ſo koloſſal, deſſen Willen ſo voll von Macht iſt, ich, der ich ſo zu ſagen auf den Stufen eines Thrones geboren bin, ich kann mich einer Hoffnung, einer Aufregung nicht erwehren, wenn ich an Waldblume denke, deren Liebe der erſte beſte Unwürdige gewin⸗ nen wird, ohne den Werth des gewonnenen Schatzes zu ver⸗ ſtehen!— Laurent ernſtlich verliebt in ein Boucaniermädchen! Fort mit dieſem Gedanken! Er wäre zu lächerlich, zu verrückt. — Aber warum nicht? Bin ich nicht im Gegentheil mächtig ge⸗ nug, um Jeanne zu mir zu erheben? Und iſt dieſes Mädchen nicht eine erhabene Schöpfung der Natur? Wo fide ich in Europa ein Weib, das würdig iſt mit ihr verglichen zu werden? Der Abenteurer fuhr ſich dann wiederholt mit der Hand über die Stirne, dann bemerkte er, daß Leichtfuß, den er ver⸗ geſſen hatte, vor ihm ſtand, und er fuhr in ſeinem Verhöre fort: — Seit wann wohnſt Du in Granada? —— — Seit drei Jahren, Capitän. — In dieſem Falle kennſt Du die Umgebung der Stadt vollkommen. — Vollkommen, Capitän. — Wie hoch beläuft ſich ihre Bevölkerung? — Auf zwölftauſend Seelen, Capitän. — Und die Garniſon? — Beſteht aus ſechshundert Mann regelmäßiger Trup⸗ pen, ohne die Bürgermiliz zu zählen, die dreitauſend Mann ausmacht. Laurent heftete dann auf den Spion einen Blick, der ihn nöthigte die Augen niederzuſchlagen, und ſagte, indem er ſich völlig angekleidet auf's Bett warf: — Ich verbiete es Dir, und Dein Intereſſe befiehlt Dir zweifach den Gehorſam, aus dieſem Zimmer zu gehen, und Dich wem immer zu zeigen! Wenn Du, während ich ſchlafe, Luſt bekommſt, mich zu ermorden, ſo kannſt Du Dich bießer Piſtolen bedienen, ſie ſind geladen. Fünf Minuten darauf lag Laurent im tiefen Schlafe. Wenn ſich ein Trupp von Abenteurern zu einem Unter⸗ nehmen vereinigte, ſo hatte derjenige, welcher das Schiff aus⸗ rüſtete, ein Recht auf eine im voraus beſtimmte Entſchädigung, die von der während der Expedition zu machenden Beute zu ent⸗ nehmen war. Außerdem wurden die erbeuteten Kanonen ſein Eigenthum. Auf der Füſel Tortue hatten ſich Geſellſchaften von Spe⸗ eulanten gebildet, um die Unerſchrockenheit der Flibuſtier aus⸗ zubeuten. Die erbeuteten Schiffe kauften ſie wohlfeil, und wenn ein durch ſeine Kühnheit und ſein Glück bekannter Capitän durch die Zufälle des Spieles oder des Kriegs in Unglück gerathen war, ſo beeilten ſie ſich ihm ein Schiff zu liefern, damit er ſein Glück wieder verſuchen könne. er et Inte bars untet Tage gehen und! in de unge von an verb bon ſan int rick Glü denn WVrl ihn ahr wu idt rup⸗ ann ihn ſih iehlt und lafe, ieſer ter⸗ aus⸗ ung, ent⸗ ſein sin venn durch hen ſein Laurent's Ruf war ſo groß, daß die Juden ihm, wenn er etwas auf ſeine eigene Rechnung unternahm und nicht im Intereſſe der gefürchteten Geſellſchaft, deren Oberhaupt Mont⸗ bars und deren Mitglied Laurent war, ihm ihre beſten Segler unter den billigſten Bedingungen anboten. Kaum waren vier Tage verfloſſen, ſeitdem Laurent ſeine Abſicht wieder in See zu gehen angekuͤndigt hatte, als ſchon eine mit ſechzehn Kanonen und Allem was ſonſt erforderlich iſt, ausgerüſtete Fregatte ihn in der Rhede erwartete. Am Tage der Einſchiffung begleitete eine ungeheure Menge den berühmten Boueanier zum Hafen hin. Die von ihm gewählten Flibuſtier legten die ausgelaſſenſte Freude an den Tag; die zurückgebliebenen konnten ihren Aerget nicht verbergen. Laurent ertheilte mit ſtolzer Miene ſeinen Leuten von Zeit zu Zeit die unentbehrlichſten Befehle. — Nun, Matroſe, ſagte er zu Morvan, der ihm zur Seite ſtand, ſchiffen wir uns ein! Schon wollte der Ritter in den Kahn ſpringen, als ſich in der Menge ein Gemurmel erhob. Er blieb deßhalb noch zu⸗ rück und fragte, was es gebe. — Der ſchöne Laurent, antwortete man ihm, iſt das Glück ſelbſt.— Seine Reiſe wird ihm eine Million eintragen; denn ſeht, Waldblume kommt, um ſich mit ihm einzuſchiffen... Welch ein Glück! welch ein Glück! In der That ſah Morvan gleich Jeanne vor ſich. — Du hier, Waldblume? ſagte er überraſcht. — Glaubſt Du denn, mein Ritter Louis, antwortete ſie ihm mit unausſprechlicher Zärtlichkeit, daß ich Dich hätte allein abreiſen laſſen? Haſt Du mich nicht erwartet? — Nein, Jeanne, ich erwartete Dich nicht. — Wie! erwiederte ſie mit dem Tone des ſanften Vor⸗ wurfs. Du haſt es nicht errathen, als ich Dich ſo leicht, beinahe — 55— ohne Abſchied verließ, daß ich bald wiederkommen wollte?— Liebſt Du mich denn nicht? — Ja, Waldblume, ich liebe Dich! ich liebe Dich wie die Schweſter meiner Wahl.— Aber gerade deßhalb thut es mir wehe, daß Du Dich unſern Gefahren mitausſetzen willſt. — Schiffen wir uns ein, ſprach jetzt Laurent mit gebie⸗ teriſcher Stimme. Jeanne ſprang mit der Leichtigkeit einer Hindin in den Kahn; Morvan folgte ihr. — Iſt dieſe Erſcheinung eine Antwort auf die geheimen Wünſche meines Herzens, dachte Laurent, oder ein neuer Schmerz, den das Schickſal mir bereitet? Thut nichts, Nativa, Morvan und Waldblume beiſammen, das muß was Drolliges geben! VII. Die Woche, nachdem Laurents Expedition die Inſel Tortue verlaſſen hatte, war für Morvan mit wunderbarer Schnel⸗ ligkeit verflogen. Jeder Tag, jede Stunde verknüpfte ihn mehr mit Waldblume; denn jeden Augenblick entdeckte er an dem jungen Mädchen eine neue gute Eigenſchaft, einen neuen Reiz. Der Ritter genoß durch den Umſtand, daß er Laurent's Matroſe war, den großen Vortheil, daß er nicht mit der Mannſchaft leben mußte. Gewöhnlich exiſtirte während ſolcher Expeditionen am Bord der Schiffe kein Unterſchied; außer dem Commando und der Theilung der Beute war ſelbſt der letzte Mann dem Capitän gleich. Laurent's ſtolzer und despotiſcher Geiſt hatte ſich dieſem Gebrauche niemals unterwerfen wollen; er wollte als unum⸗ ſchränkter Herr behandelt ſein, und die von ihm auf ſeinem Schiff eingeführte Disziplin kam an Strenge derjenigen der königlichen Marine gleich. Er bewohnte die ſchönſteCabine und an ſeinem Tiſche durft dem merke zweie den ſcher daß d bedeu Zufa auf unte ſch das Melc glau ſchwo unter jeßt. bei len, blum nuch nen nerz, wan und itän ſem um⸗ hif hen e — 5— durften nur ſein Matroſe Morvan und Waldblume eſſen. Seit⸗ dem die Fregatte auf der hohen See war, hatte ſich kein be⸗ merkenswerther Vorfall ereignet, ausgenommen das Erſcheinen zweier ſpaniſcher Segel; Laurent verfolgte ſeinen Weg, ohne den Feind verfolgen zu wollen. Dieſe Gleichgiltigkeit gegen eine ſichere Beute mißfiel der Mannſchaft nicht; dieſe ſchloß daraus, daß die von ihrem Anführer im Sinne gehabte Unternehmung bedeutend ſein müſſe, weil er die Beute verachtete, welche der Zufall ihm entgegenwarf. Eines Abends ſaßen Laurent, Morvan und Waldblume auf dem Hintertheil des Schiffes und ſchienen den Sonnen— untergang mit Bewunderung zu betrachten. Indeß beſchäftigte ſich keine dieſer drei Perſonen mit dem erhabenen Schauſpiel, das ſie vor Augen hatten; ſie waren ganz in Gedanken vertieft. Laurent's Geſicht zeigte ungewohnte Entmuthigung, ſüße Melancholie. — Freund, ſagte er zu Morvan, ich bin verſucht zu glauben, daß ſich die Elemente zu Gunſten Deiner Liebe ver⸗ ſchworen haben. Nie habe ich, ſeitdem ich dieſes Meer befahre, unter dieſem Breitegrade einen ſo günſtigen Wind gehabt wie jetzt. Wenn das ſo fortdauert, ſo wirſt Du binnen zehn Tagen bei Deiner Geliebten ſein. Obſchon Laurent's Worte ihm hätten angenehm ſein ſol— len, ſo war der junge Mann darüber doch verwirrt. Was Wald⸗ blume betrifft, ſo erblaßte ſie und fuhr lebhaft mit der Hand nach dem Herzen. — Was ſagſt Du, Laurent? rief ſie angſtvoll. Dann hielt ſie inne, und fuhr wieder lächelnd fort: — Nicht wahr, Du ſprichſt ſo, um Dir mit mir einen Scherz, um mir Furcht zu machen? — Um Dir Furcht zu machen! erwiderte Laurent trau⸗ — rig. Was kann die Liebe des Ritters Dich angehen? Mußt Du nicht, weil Du ſeine Freundin biſt, ſein Glück wünſchen? — Wie! iſt es denn wahr, Louis, daß Du ein Weib liebſt? rief Waldblume ſchluchzend. Ich hielt Dich für ſo edel, für ſo gut. Nein, das iſt nicht möglich! Tief ergriffen ſchwieg Jeanne einen Angenblick ſtille. — Wirklich, mein Ritter Louis, fuhr ſie dann fort, ich begreife nicht, was vorgegangen iſt. Es kömmt mir vor, als hätte ich einen ſchrecklichen Schlag erhalten. Eine Wolke hat ſich auf meine Augen gelegt. Ich habe geglaubt in einen Ab⸗ grund zu verſinken. Sagte ich Dir nicht, daß ich Dich ver⸗ achte? Nicht? Nun, ſo habe ich es nur gedacht. Wie ſeltſam! Ich war einen Augenblick wahnfinnig. Warum? Es iſt mir unmöglich mir darüber Rechenſchaft zu geben. Wie wenig ſcharffinnig Morvan auch im Punkt der Liebe war, ſo begriff er doch augenblicklich die Urſache von Jeanne's Bewegung; dieſe Entdeckung verurſachte ihm eine unbeſchreib⸗ liche Empfindung. Verwirrt, bewegt, nicht wiſſend was er ant⸗ worten ſollte, verſuchte er es, dem Geſpräch eine andere Wen⸗ dung zu geben; aber Waldblume ließ ihm mit ihrer Lebhaftig⸗ keit nicht Zeit das Wort zu ergreifen. — Ah, jetzt beſinne ich mich! rief ſie. Hat nicht Lau⸗ rent geſagt, Du werdeſt Deine Geliebte bald wieder ſehen, wenn das ſchöne Wetter anhält? Haſt Du denn eine andere Freundin als mich? Iſt ſie jung, hübſch? Warum haſt Du mir niemals von ihr etwas geſagt? — Ich dachte, Jeanne, antwortete Morvan verlegen, daß dieſes Geſpräch für dich kein Intereſſe haben könne. Ein Weib, das Du nicht kennſt—— — Was thut das, mein Ritter Louis! Da dieſes Weib Dich liebt, ſo muß ich mich für ſie wol intereſfiren. Glaubſt Ha wi ful zu ner be ke ge ei Du eib edel, ich als hat Ab⸗ vet⸗ ſanl nir iebe ne's reil⸗ ant⸗ en⸗ tig⸗ Lau⸗ hen, ndere nit eges⸗ Ein eib aubſ — 60 Du, daß ich ihr gefallen werde? Ich will mein Möglichſtes thun, um ihr angenehm zu ſein. Iſt ſie wenigſtens gut? — Gut, wie Du, meine Schweſter. — Es iſt erſtaunlich, was für ſeltſame Ideen man zu⸗ weilen hat!— Ich bildete mir ein, ſie müſſe böſe ſein!— Mein erſter Gedanke war, ſie zu verachten. Ich frage Dich, ob das geſunder Menſchenverſtand iſt. Es iſt gewiß, ich bin heute nicht in meinem gewöhnlichen Zuſtand. Ich leide ſehr. Wahr⸗ ſcheinlich hat mich die Feuchtigkeit der Nacht angegriffen. Ich fühle einen Schauer, der mir das Blut zu Eis macht.— Ich möchte weinen! Jeanne ſenkte den Kopf, ſie ſchluchzte. — Muth, Waldblume! ſagte Laurent, indem er ihre Hand ergriff. Dieſe Unpäßlichkeit wird bald vorüber ſein, ſie wird morgen vor dem erſten Sonnenſtrahl verſchwinden. Jeden⸗ falls thäteſt Du wohl daran, in Deine Kabine zu gehen, um zu verſuchen, ob Du ein wenig Ruhe genießen könneſt. — Ich danke Dir für Deine Freundlichkeit, Laurent, ſagte das arme Kind. Ich bemerke, daß Du Dich ſehr zu Dei⸗ nem Vortheil geändert haſt. Du biſt jetzt gut gegen mich und beſſer gegen alle Menſchen.— Ich verachte Dich nicht mehr. Dieſe naiven Worte machten den ſchönen Laurent lächeln. Morvan glaubte auf deſſen Geſicht wahrhafte Freude zu bemer⸗ ken, ſeine Stirn verfinſterte ſich.— Nachdem ſich Jeanne zurück⸗ gezogen hatte, herrſchte zwiſchen den beiden jungen Männern ein langes, verlegenes Schweigen; Laurent brach es zuerſt. — Ritter, ſagte er mit einem ernſten, von ſeinem ge⸗ wöhnlichen ſpöttiſchen, ſehr verſchiedenen Tone, wenn ich nicht irre, ſo iſt zwiſchen uns eine Erklärung nothwendig geworden. Ich habe Dich, als ich Dich bat mein Matroſe zu werden, erſucht, mich niemals über meine Vergangenheit aus⸗ zufragen, und ich muß Dir die Gerechtigkeit widerfahren laſſen, ⸗ 8. —,— — 00 daß Du vollkommen diseret warſt. Heute will ich dieſen Gegen⸗ ſtand ſelbſt berühren; Du wirſt ſogleich begreifen, was mich dazu veranlaßt; ich werde nicht in nähere Einzelnheiten ein⸗ gehen, welche Dich nicht intereſſiren. In meiner wilden Jugend erlitt ich einen jener großen Schmerzen, welche, figürlich geſpro⸗ chen, einen Menſchen ſchon am Beginn ſeines Lebens tödten. Zu ſtolz, um mich niederdrücken zu laſſen, zu heftig, um mich zu unterwerfen, zu ungeduldig, um eine Zeit des Troſtes und der Vergeſſenheit abzuwarten, ſtürzte ich mich auf eine Bahn, die mir nicht beſtimmt war, und die ich ſeitdem mit Energie, mit Wuth verfolgt habe. Ich hegte eine tiefe Verachtung gegen die ganze Menſchheit, glaubte, daß ich mich an ihr zu rächen habe, und verlegte mich darauf, alle meine Launen zu befriedigen, alle Menſchen unter meinen Willen zu beugen. Bis jetzt iſt mir mein Beſtreben gelungen. Gold und Blut waren mir ſtets werthlos, wenn es auch nur galt, mir eine unbedeutende Zerſtreuung zu verſchaffen; ich war unbarmherzig! Heute fühle ich, ſei es Müdigkeit, ſeien es Gewiſſensbiſſe oder Langeweile, die Noth⸗ wendigkeit, ein anderes Daſein zu verſuchen, mit dem Herzen zu leben. Dieſes Geſtändniß aus meinem Munde überraſcht Dich, Matroſe. Glaube mir, ich erſtaune noch mehr darüber als Du. Ich frage mich, ob ich nicht träume. Ich kann an meine Aenderung noch nicht glauben!— Jetzt komme ich zu den Gegenſtand, welcher Dich am meiſten beſchäftigt, ich will von Waldblume ſprechen. Morvan erbebte. Laurent fuhr fort: — Dank meiner Kühnheit, meiner tollen Verſchwendung, meinem Rufe von Unempfindlichkeit und Frechheit habe ich noch kein Weib gefunden, das mir widerſtanden hätte! Ich habe deßhalb allen Glauben an die Tugend verloren. Vielleicht iſt dies der Grund, der mich bisher verhindert hat, zu lieben. Aber heute, Matroſe, habe ich das Weib gefunden, nach wel⸗ 7 hen ſes abe ter Re mi hit egen⸗ nich ein⸗ gend ſpro⸗ dten. mich und ahn, rgie, ndie habe, alle nein los, 9 i i es oth⸗ en aſcht übet nan h z pill ung, noch habe t iſt ben. wel⸗ chem ich mich ſehnte! Ich liebe Waldblume, ich glaube an die⸗ ſes Mädchen. — Du haſt ohne Zweifel recht, ſagte der Ritter trocken; aber inwiefern, ich bitte Dich, kann mich dieſe Aenderung Dei⸗ nes Herzens intereſſiren? — Deine ſchlechte Laune, Louis, beweiſt mir vielmehr, wie ſehr Dich dieſer Gegenſtand berührt! Für mich iſt es unbe⸗ ſtreitbar, daß Jeanne ſich zu Dir hingezogen fühlt; aber ich bin zugleich überzeugt, daß es mir mit der Zeit und mit Hilfe meiner Ausdauer gelingen wird, Dich in ihrer Neigung zu erſetzen, be⸗ ſonders da ſie Deine Liebe für Nativa kennt. Du ſiehſt, daß ich zu Dir mit vollkommener Offenheit ſpreche. Ich lege einen Werth auf Deine Achtung, ich will nicht, daß Du mich ſpäter anklagſt, Deine Freundſchaft mißbraucht zu haben; ſieh, darum benachrichtige ich Dich, daß von nun an alle meine Beſtrebungen dahin zielen werden, Jeanne zu verführen; die Gewalt aus⸗ genommen, werde ich keine Mittel verſchmähen, um ihr Gelieb— ter zu werden! — Ein junges unerfahrenes Mädchen, einen Engel an Reinheit, der ſich der Ehre eines Menſchen anvertraut hat, zu täuſchen, das wäre eines rechtſchaffenen Mannes unwürdig, Lau⸗ rent! Ich ſage Dir es im Voraus, daß ich mich Deinen ſchänd⸗ lichen und frevelhaften Abſichten mit allen meinen Kräften wider⸗ ſetzen werde. — Dieſe Worte hätten Dich vor einem Monat Dein Le⸗ ben gekoſtet, ſagte der Flibuſtier kalt; heute biſt Du als mein Matroſe von aller Strafe frei; halte Dich deßhalb nicht zurück mich zu beſchimpfen, ich werde Deine Beleidigungen mit Ruhe hinnehmen. Dieſe Antwort beſchämte Morvan. — Ich bitte Dich um Vergebung, Matroſe, ſagte er, allein ich konnte einen Schrei der Entrüſtung nicht zurückhalten. — 92 — Der Entrüſtung! Geh' doch!— Der Eiferſucht! unterbrach ihn Laurent. Ein letztes Wort noch: Willſt Du mir auf Deine Ehre ſchwören, daß Du Deiner Liebe zu Nativa ent⸗ ſagſt? dann ziehe ich mich zurück! — Nativa entſagen!— Sprichſt Du im Ernſt! Weißt Du nicht, daß die Tochter des Grafen von Monterey für mich die ganze Welt vorſtellt? daß ich Glück, Ruhm, Unabhängig⸗ keit, nicht aus Ehrgeiz, ſondern nur deßhalb wünſche, damit ich mich zu ihr erhebe!— Daß ich keine Anſtrengung, kein Opfer ſcheuen werde, um ihre Hand zu erhalten!— Wenn ich Deine Abſichten auf Waldblume tadle, ſo thue ich es nicht aus Eiferſucht. Ich vertheidige Jeanne, wie ich meine Schweſter vertheidigen würde.— Ich will ihr ihre Zukunft rein erhalten. — Eine ſchöne Zukunft das, wahrhaftig, ſagte Laurent, wenn ſie ſich nach dem Tode ihres Vaters in vollkommener Ver⸗ laſſenheit, ohne Leiter, ohne Freund, ohne Stütze befinden und der Rohheit des erſten beſten Lederhaube ausgeſetzt ſein wird! Mehr als eine große Dame hätte, wäre es in ihrer Macht ge⸗ weſen, für die Ehre, meine Maitreſſe zu werden, zehn Jahre ihres Lebens hingegeben. Glaube mir, Waldblume wird nicht ſo ſchlimm daran ſein, wie Du zu befürchten vorgibſt! — Beharrſt Du alſo auf Deinem Vorhaben? — Ich ſehe nicht ein, weßhalb ich es aufgeben ſollte. — Verſprichſt Du mir alſo, niemals Gewalt zu ge⸗ brauchen? — Ich verſpreche es Dir. Wenn Jeanne eines Tages meine Geliebte wird, ſo wird dieß ihr freier Entſchluß ſein, und ich werde ihr ſogar die Größe des Opfers nicht verhehlen, das ſie bringt. — Gut, Matroſe, dann fürchte ich nichts! — Du haſt Unrecht. Mir iſt noch niemals die Erfüllung * ines Mnf hatte hörte Sen leld ſcht dunk derm nair Rui ſhle ſin ſhi Wu ſoh erſt eg bon eſt willi luht 6 verz Lor Ree der gier iſ ſucht! u mir ent⸗ Peißt nich ngig⸗ amit kein mich t aus weſter lten. rent, Per⸗ und wird! ⸗ ahre nicht 1ge⸗ ges und llung eines Wunſches mißglückt und ich habe nie etwas ſo ſehr ge⸗ wünſcht, als Jeanne's Geliebter zu werden. Am andern Tage, nachdem dieſes Geſpräch ſtattgefunden hatte, blieb Jeanne bis zum Abend in ihrer Kabine. Mehrmals hörte Morvan, wenn er vor ihrer Thür vorüberging, erſtickte Seufzer. Die übrige Zeit der Reiſe blieb Waldblume fortwäh⸗ rend traurig und in Gedanken vertieft. Da ſie die Einſamkeit ſuchte, ſo ſaß ſie den größten Theil des Tages hindurch in dem dunkelſten Winkel des Verdecks. Eine außerordentliche Verän⸗ derung war mit ihr vorgegangen. Der kindiſch eigenwillige und naive Ausdruck, der ihrer Phyſiognomie einen ſo unerklärbaren Reiz verlieh, war der Miene des Nachdenkens und der Ver⸗ ſchloſſenheit gewichen; man errieth es, daß ihr ſonſt ſo unbe⸗ fangener und heiterer Geiſt mit einem wichtigen Gedanken be⸗ ſchäftigt war, den ſie zu verbergen ſuchte. Eine noch ſeltfamere Wahrnehmung war es, daß Waldblume Morvan's Gegenwart floh oder vielmehr fürchtete; ſobald der junge Mann vor ihr erſchien, ſo wurde ſie blaß. Gequält von der Kälte, welche ſie gegen ihn an den Tag legte, beſchloß der Ritter, eine Erklärung von ihr zu fordern; ſein Gewiſſen erlaubte es ihm jedoch nicht, dieſes Vorhaben auszuführen, denn er fühlte es, daß er, frei⸗ willig oder nicht, gegen Waldblume wirklich im Unrecht ſei. Uebrigens wußte er nicht, ob er ſich über den Bruch, zu welchem es zwiſchen ihm und ihr gekommen, glückwünſchen oder ob er verzweifeln ſollte. Am ſiebzehnten Tage nach ihrer Abreiſe von der Inſel Tortue langten die Abenteurer bei der Mündung des Lagon de Nicaragua an. Laurent ließ Anker werfen, und gegen Anbruch der Nacht verſammelte er die Mannſchaft um ſich. Die Neu⸗ gierde ſeiner Gefährten war bis zum höchſten Grade erregt und tiefes Stillſchweigen herrſchte, als er das Wort ergriff. — Meine Freunde, ſagte er, die Stunde iſt gekommen, in welcher ich Euch von meinem Vorhaben in Kenntniß ſetzen muß. Wenn die Größe desſelben Euch in Erſtaunen ſetzt, ſo vergeßt nicht, daß ich Euch, bevor Ihr Euch mir anſchloßet, ge⸗ ſagt habe, mein Unternehmen ſei ein außerordentliches. Die von unſern Exeurſionen fortwährend bedrohten ſpaniſchen Küſtenſtädte beſitzen fürchterliche Vertheidigungsmittel und erheiſchen, um mit Erfolg angegriffen zu werden, die Anwendung ungeheurer Kräfte. Die Handelsſchiffe unſerer Feinde wagen es, in Folge der Verluſte, die wir ihnen beigebracht haben, die Häfen nur in Begleitung ganzer Kriegsflotten zu verlaſſen. Seit dem die Fli⸗ buſterie exiſtirt, war uns der Gewinn noch niemals ſo erſchwert wie jetzt. Nun will ich aber die verlorne Zeit mit einem Streich einbringen. Ich will Euch an einem Tage für die Mühen eines ganzen Jahres Entſchädigung verſchaffen; ich will Euch in einer Stunde reich machen! Durch dieſe Worte ward die ganze Mannſchaft elektriſch berührt, und der begeiſterte Ruf: Es lebe Laurent! erſcholl ſo laut wie Kanonendonner. — Freunde, fuhr der Flibuſtier mit vibrirender Stimme fort, meine Abſicht iſt, mich der Stadt Granada zu bemächtigen! Obſchon der Moment, den Zweck ſeiner Unternehmung anzukündigen, wunderbar gut gewählt war, ſo erwarteten die Gefährten des ſchönen Laurent eine ſolche Kundmachung doch ſh wenig, daß ihr Enthuſiasmus einem großen Staunen wich; Todtenſtille herrſchte auf dem Verdeck. — Freunde, rief Laurent, wie ſehr ich auch Eure Tapfer⸗ keit kenne, ſo überſteigt ſie dennoch meine Hoffnungen. Da Ihr die Umſtände, welche unſerem Unternehmen den Erfolg ſichern, nicht kennt, ſo fürchtete ich, daß Ihr an der vermeintlichen Toll⸗ kühnheit desſelben einigen Anſtoß nehmen werdet. An Eurer feſten und unbeweglichen Haltung erkenne ich, daß ich Euch falſch beurtheilt und mich über Euch getäuſcht habe. Freunde! hinn det Dan Nit ſein, ieß heit, ihrer ehel und völli Freg Mat tuſ hole den Min ſeite lur huf ſ heig Aber ißt llein m ſehen tzt, ſo et, ge⸗ Mie von nſtüdte n, un heurer Folge nur in ie Fli⸗ ſchwert Streich eines einer triſch holl ſo timme tigen! mung en die och ſo wich; 1 iyfit⸗ Ihr ſchem⸗ nTol⸗ Euret Euch unde! binnen fuͤnf Tagen werdet Ihr Euch krümmen unter der Laſt der Beute, das Gold wird ſtromweiſe auf das Verdeck fließen. Dann werden wir nach Jamaica fahren, dem Land der hübſchen Mädchens und des guten Weines. Unſer Einzug wird ein Triumph ſein, unſer Aufenthalt eine fortwährende Berauſchung. Es leben die Flibuſtier von St. Domingo! es lebe der König vonFrankreich! Bei der von ihrem Anführer an den Tag gelegten Sicher⸗ heit, bei der verlockenden Schilderung der rohen Freuden, die ihrer warteten, bei dem Gedanken an die Reichthümer die ſie erbeuten würden, vergaßen die Boucanier all ihre Befürchtungen und ließen ſich von Laurent's ſo geſchickt geſpielter Begeiſterung völlig hinreißen. Von dieſem Augenblick an herrſchten auf der Fregatte ein Eifer und eine Ungeduld ohne Gleichen. Nicht ein Matroſe hätte ſeinen künftigen Antheil an der Beute um zwei⸗ tauſend Thaler hingegeben. Uebrigens müſſen wir es wieder⸗ holen, daß dieſe neunzig Männer die Blume aller Flibuſtier waren. Beim Anbruch des folgenden Tages fuhr die Fregatte in den Strom ein; es handelte ſich darum, unerkannt bis zur Mündung des Lagon zu kommen. Leichtfuß, der die Oertlich⸗ keiten vollkommen genau kannte, diente als Pilot; er hatte Laurent ſeinen Kopf verpfändet, daß er ihn zu einem guten Hafen führen wolle. Dennoch gab man, da Laurent, je nachdem die Umſtände es erheiſchten, ſeiner Kühnheit auch die Klugheit beigeſellte, der Fregatte das Ausſehen eines Handelsſchiffes. Dieſe Veränderung wurde wie durch einen Zauber bewirkt. Die Abenteurer beeilten ſich die Kanonen hereinzuziehen und die Schießlöcher zu verſchließen; die ſpaniſche Flagge wurde aufge⸗ hißt und flatterte trügeriſch in den Lüften, während nur eine kleine Anzahl von Matroſen auf dem Verdecke ſichtbar blieb. Am andern Tag, ungefähr gegen Mittag, langte die Fregatte am Ort ihrer Beſtimmung an. Laurent ließ das Schiff unter großen dicht belaubten Bäumen verbergen, welche am Ufer des Flußes ſtanden. Die Vegetation war an dieſem Theil des Lagonufers ſo ſtark, daß die Flibuſtier die Gefahr, vom Feinde entdeckt zu werden, gar nicht zu befürchten hatten. Die durch dieſes dichte Schattendach verhüllte Mannſchaft legte ſich auf dem Verdeck nieder und er⸗ wartete die Nacht. Sie ſollte ſich um zehn Uhr Abends auf den Weg machen, um gegen Mitternacht die Stadt Granada zu er⸗ reichen, wenn die Bewohner im tiefſten Schlaf lägen. Mehrmals des Tages hatte es den Anſchein, als wollte ſich Waldblume dem Ritter nähern; endlich, ein wenig vor dem Untergang der Sonne, raffte ſie all ihren Muth zuſammen und rief den jungen Mann herbei, als er eben vor ihr vorüberging. — Mein Ritter Louis, ſagte ſie mit einer vor Bewegung kaum verſtändlichen Stimme, willſt Du Dich zu mir niederſetzen? Ich habe was zu reden mit Dir. An der Haſt, mit welcher Morvan ihr gehorchte, an der Röthe ſeines Geſichtes war es leicht zu errathen, wie ſehr des Mädchens Aufforderung ihnwerwirrte und entzückte. — Was wünſcheſt Du, meine Schweſter? fragte er ſie, indem er neben ihr Platz nahm. — Es iſt ſeltſam, ſprach ſie finnend, welche Wirkung Deine Stimme auf mich macht. Sie thut mir weh und kn wünſchte ich ſie immer zu hören. Waldblume ſchwieg einen Augenblick, dann ſagte B indem ſie den Ritter dabei mit thränenfeuchten Augen anblickte: — Mein Ritter Louis, wenn wir auch mit den Spaniern immer fertig wurden, ſo find dieſe Leute doch tapfer und ver⸗ theidigen ſich gut. Wer weiß, ob Du nicht heute bei der Erhr⸗ mung der Stadt getödtet wirſt! — Ich wünſche es, meine ſüße Jeanne! ſagte Mnrrin leiſe mit dem Tone wirklicher Entmuthigung. — Was ſagſt Du da? rief Waldblume, die ſelbſtver⸗ — b . Die , daß n, gar tendach und er⸗ uf den zu er⸗ hrmals dhlume ng det jungen vegung ſetzenk an der hr des er ſe, irkung ennoch te p blidtei niern id vel⸗ Erfün⸗ ſorun bſter⸗ geſſen und leidenſchaftlich die Hand des Ritters ergriff. Mein Ritter Louis, ich beſchwöre Dich, rede nicht ſo—— das könnte Dir Unglück bringen.— Warum ſollteſt Du zu ſterben wünſchen? Du biſt jung, ſchön und gut! Man kann Dich nicht ſehen, ohne ſich zu Dir hingezogen zu fühlen.— Dein Leben wird ein glückliches ſein. — Du ſagſt, man könne mich nicht ſehen, ohne ſich zu mir hingezogen zu fühlen, wiederholte Morvan mit dem Tone bitterer Ironie; der Beweis hiervon iſt, daß Du ſeit acht Ta⸗ gen meine Gegenwartfliehſt, ohne daß Du Dir die Mühe nimmſt den Schrecken, den ich Dir einflöße, zu verbergen. — Eben um Dich für mein Benehmen um Vergebung zu bitten, habe ich Dich gerufen. Du ſollteſt mir Schrecken ein⸗ flößen! Ach, Du weißt wol, daß dieß nicht möglich iſt! — Wie anders ſoll ich mir Dein Benehmen erklären? — Ich weiß es nicht, mein Ritter!— Wenn Du nicht bei mir biſt, ſo befällt mich eine unerklärbare Traurigkeit. Mein Geiſt zaubert mir, wie in den Trjumen, Dein Bild vor. Ich höre Dich, ich ſehe Dich, Du ſprichſt mit mir. In ſolchen Augenblicken liebe ich Dich ſo ſehr, daß ich gern mein Leben hingeben würde, um Dir einen Verdruß zu erſparen. Aber führt Dich der Zufall in meine Nähe, ſo zieht ſich mein Herz krampf⸗ haft zuſammen; die Thränen kommen mir in die Augen und ich leide fürchterlich. Ich mag mir's noch ſo oft vorſagen:„Ich muß glücklich ſein, denn mein Ritter Louis iſt da“— ich bin dennochtnicht glücklich; im Gegentheil! Du biſt nicht mehr der⸗ felbe, der mir im Geiſt erſchienen war! Auf Deiner Stirn ſehe ich Strenge, in Deinen Augen Bosheit, in Deinem Lächeln Spott! Ich bilde mir ein, Du lacheſt über meine Unwiſſenheit, ich ſcheine Dir dumm, lächerlich, Du verachteſt mich. Wenn ich es überlege, mein Ritter Louis, ſo haſt Du vielleicht nicht Un⸗ recht, und es wäre ungerecht, Dir dafür etwas anhaben zu wol⸗ III.⸗ 9. — 6 len, fuhr Waldblume mit immer wachſender Bewegtheit fort. Ich habe meine Wälder faſt nie verlaſſen. Ich gebe es zu, daß ich den Frauen der Städte, in welchen Du erzogen worden biſt, an Werth bei Weitem nicht gleich komme! Das arme Kind hielt auf's Neue inne; dann ſprach ſie mit ſüßer, flehender Stimme: — Ich beſchwöre Dich daher, mir die Kälte, die ich Dir gezeigt habe, zu vergeben.— Und ſoll ich Dir etwas geſtehen? Es ſollte mich gar nicht wundern, wenn ein böſer Geiſt mich behert hätte. Meine Krankheit— ich muß ganz gewiß krank ſein— hat mich zu ſchnell befallen, um natürlich zu ſein. Du erinnerſt Dich des Abends, an welchem wir, Laurent, Du und ich mitſammen plauderten.— Die Neger haben Recht, wenn ſie behaupten, es gebe böſe Geiſter.— Nur hätte ich geglaubt, daß mee gute heilige Anna von Auray mächtiger ſei! Ich bete unaufhörlich zu ihr und merke doch nicht, daß meine Krankheit abnehme!— Inm Gegentheil!— Doch die Hauptſache iſt, mein Ritter Louis, daß Du mir vergebeſt! Mich ſchaudert's, wenn ich denke, Du könnteſt ſterben und nähmeſt die Meinung mit, ich ſei gleichgiltig gegen Dich, nachdem ich Dir verſprochen habe Dich zu lieben.— Du vergibſt mir, nicht wahr? — Ob ich Dir vergebe, meine Schweſter, meine reizende Waldblume! rief Morvan tief bewegt. Ich bewundere Dich viel⸗ mehr, ich liebe Dich— — O, nicht wie die Spanierin in Granada! ihn Jeanne mit leuchtenden Augen und wogendem Buſen. — Ja, Jeanne, ſo wie die Spanierin in Granada. Dir meine ganze Freundſchaft, ihr meine Liebe— Dieſe Antwort machte auf Jeanne einen tiefen Eindruck. — Gibt es denn mehrere Arten von Liebe? ſprach ſie langſam und mit ſinnendem Ausdruck. Wie verachte ich jetzt meine Unwiſſenheit! Ich ſollte mich vielleicht glücklich fühlen, ſort. „daß nbiſt, — — Dit hent mich krank Du u und wenn aubt, bete heit mein wenn 9 nit, ochen zende viel⸗ thruch di drud. ſi jett ihlen⸗ weil Du mich Deine Schweſter nennſt. Indeß leide ich ſo ſehr, wie ich mir es niemals vorgeſtellt habe.— Mein Ritter Louis, ich beſchwöre Dich, laſſe mich allein.— Ich liebe Dich ſehr— aber ich habe jetzt einen jener Momente, in welchen mir Dein Anblick weh thut.— Verlaſſe mich. Morvan entfernte ſich ohne zu antworten; er begriff, daß es eine Entweihung wäre, dieſer heftigen, reinen, ſich verkennenden Leidenſchaft einen Troſt zu bieten. — O wie ſehr wünſche ich heute Nacht die ſchöne Sſi. nierin von Granada zu ſehen, flüſterte Waldblume, indem ſie Morvan unwillkürlich mit ihrem Blick nachfolgte. Um zehn Uhr Abends, als alles beiſammen und bereit war ſich auszuſchiffen, bat Laurent ſeinen Matroſen, ihn in ſeine Kabine zu begleiten. — Ritter, ſagte er zu ihm, ſobald ſiz allein Leren, ich darf mir es nicht verhehlen, daß ich, vom gewöhnlichen Stand⸗ punkt des geſunden Menſchenverſtandes aus grſehen, eine große Unklugheit begehe. Dennoch bin ich überzeugt, daß die Kühn⸗ heit oder vielmehr die Tollkühnheit unſeres Unternehmens es iſt, was ihm den Erfolg ſichert. Es iſt unmöglich, daß die Spanier einer dreißig Meilen vom Meer entlegenen Stadt be⸗ fürchten, von den Flibuſtiern angegriffen zu werden. Ich rechne ſtark auf den abergläubiſchen Schrecken, den unſere unerklär⸗ liche Gegenwart ihnen verurſachen wird. Da man indeß nichts vernachläſſigen darf, ſo will ich Dir meine Inſtruktionen wie⸗ derholen. Unſere Ausſchiffung wird mittels drei Barken geſche⸗ hen; jede Barke wird zwanzig Mann enthalten. Dreißig unſerer Flibuſtier werden an Bord bleiben, um die Fregatte zu bewachen. Unſer Vereinigungspunkt, wenn es uns nicht gelingen ſollte, die Stadt im erſten Augenblick des Staunens zu plündern, wird der große Kirchenplatz ſein. Durch den Plan von Granada, welchen der Spion Leichtfuß uns ganz genau aufgezeichnet hat, g. „ℳ — 100— kennen wir die Localitäten vollkommen. Unſere·drei Colonnen werden ein Dreieck bilden, das ſich je nach der Stellung des Feindes erweitern oder zuſammenziehen wird. Unſere Kähne werden jeder von zwei Männern auf jener Art von Canal, wel⸗ chen der Fluß bildet, bis zu der verlaſſenen Vorſtadt Santa⸗ Engracia gebracht werden, und uns als Zufluchtsort dienen, falls wir von den Spaniern zurückgedrängt würden. Wir müſſen alſo im Fall einer Niederlage unſere drei Colonnen nach Santa⸗ Engracia führen. Jeder Colonnenführer kennt den Weg, den er dahin zu nehmen hat.— Jetzt Matroſe, noch ein letztes Wort, das für mich von höchſter Wichtigkeit iſt. Ich habe von Deiner perſönlichen Tapferkeit, von Deiner Kaltblütigkeit in der Gefahr eine vortreffliche Meinung. Nach den Rathſchlägen, welche Du mir vorgelegt, nach den Bemerkungen, welche Du in unſerem Kriegsrath gemacht haſt, ſah ich auch, daß Du einen ſichern Blick, den Inſtinkt des Kriegs beſitzeſt. Was ich aber nicht weiß, und doch nothwendigerweiſe wiſſen muß, iſt, ob ich auf Deinen Gehorſam rechnen könne. Von dem Mangel an Einheit im Commando entſpringen die Niederlagen. Ritter Louis, ich fordere von Dir im Namen der Sicherheit unſerer Mannſchaft, daß Du Dich auf Deine Ehre verpflichteſt, meine Befehle un⸗ bedingt auszuführen, ſelbſt wenn Du deren Zweckmäßigkeit nicht ſogleich begreifen ſollteſt. Von Deinem Gehorſam hängt zum großen Theile unſer Erfolg ab. Des Gehorſams gewiß, werde ich zu befehlen wiſſen. Was antworteſt Du? — Ich antworte Dir, daß ich mich bei meiner Ehre als Edelmann verpflichte, Dir blindlings zu geh orchen. — Das iſt gut, lieber Louis; jetzt bin ich ruhig, Gra⸗ nada gehört uns! ha 6 h 1 b n t —— olonnen ung des Kähne al, wel⸗ Santa⸗ dienen, müſſen Santa⸗ g, den 3Wort, Deiner Glfaht ſche Du nſerem ſichern en nicht ich uf Einheit is, ich nſchift hle un⸗ igkeit hingt geiß, ihre al , Gra⸗ 10 VIII. Nachdem der ſchöne Laurent ſeinen Matroſen verlaſſen hatte, pochte er an der Thür der von Waldblume bewohnten Kabine. Das Mädchen war in ihrer Hängematte, und ſo ſehr in Gedanken vertieft, daß ſie ihn nicht hörte. Laurent wartete ein wenig, dann öffnete er die Thüre und trat ein. Das Herz des Flibuſtiers mußte nicht, wie er behauptete, jedem edlen Gefühle abgeſtorben ſein, denn als er Graubarts Tochter erblickte, blieb er unbeweglich und verwirrt ſtehen und wagte es nicht, die Schwelle zu überſchreiten. Es gibt übrigens nichts Anmuthige⸗ res, als die melancholiſche, reizend hingegoſſene Lage der Wald⸗ blume. Ihr linker, weich abgerundeter Arm diente dem ſchönen Kopf als Stütze, während der rechte auf den Bodeneherabhing. Jeanne war von der dicken Luft oder von ihren Empfindungen herabgeſtimmt, und da ſie in ihren Träumereien nicht geſtört zu werden erwartete, ſo hatte ſie ihre Reiſekleidung durch den leich⸗ ten, kurzen Mouſſelinrock erſetzt, welchen die Kreolinnen im Innern der Wohnung tragen. Aus ihrem prächtigen, un⸗ vergleichlichen Haar, das jetzt aufgelöſt auf ihre Schultern niederfloß, hatte ſie ſich einen reizenden, züchtig verhüllenden Mantel gemacht. So hingegoſſen in den aus Alvefaſern geweb⸗ ten Hamac, deſſen Gewebe die tadelloſen Formen ihres Körpers durchblicken ließ, bot Waldblume das reizendſte Bild dar, das ein Dichter je erträumt hat. Der ſchöne Laurent blieb mehrere Secunden vor dieſer lieblichen Erſcheinung ſtehen, die von dem ſanften Licht einer Wachskerze magiſch beleuchtet wurde. — Waldblume! flüſterte er endlich mit liebevoller Stimme. — Wer iſt da? rief das junge Mädchen, indem ſie mit einer haſtigen Bewegung naiver und züchtiger Koketterie ihr — 102— Seidenhaar ſich auf den Buſen legte. Ah! Du biſt es, Laurent! Was wrillſt Du von mir? Iſt es denn ſchon Zeit fortzugehen? — Nein, Jeanne, noch nicht. Vor einigen Stunden hörte ich, wie Du für den Fall eines möglichen Ereigniſſes dem Ritter Louis Lebewohl ſagteſt; aber auch ich kann in der Schlacht fal⸗ len und komme, um Dich vor der Schlacht noch zu ſehen. Dieſe Antwort ſchien Waldblume zu überraſchen. — Du liebſt mich alſo, Laurent? fragte ſie den Flibu⸗ ſtier ſinnend. — Ja, Jeanne, ich liebe Dich! — Wie eine Schweſter oder wie man ſonſt liebt? — Wie eine Geliebte! antwortete der ſchöne Laurent mit Leidenſchaft. — Wie eine Geliebte! erwiederte das Mädchen gemeſſen. Und was iſt denn der Unterſchied zwiſchen einer Geliebten und einer Schweſter? Bei dieſer Frage, deren ſanfter und reiner Ton höchſtens Neugierde andeutete, ſtockte der Flibuſtier. Dieſer in der Schlacht ſo ſchreckliche Mann, dieſer Laurent, der das blutige Gemetzel durch ſeinen Ungeſtüm beherrſchte, der die unbändigſten Bou⸗ canier mit der bloßen Macht ſeines Blickes beugte, der vor den, an Glück und Geburt am höchſten ſtehenden Frauen ſtolz, ver⸗ achtungsvoll und unerbittlich blieb, dieſer Mann, deſſen kühner Geiſt aller Dinge ſpottete, fühlte ſich bei der Frage des Mädchens tief verwirrt; ſeine Kühnheit ward vor ſo viel Unſchuld ſchüchtern. — Nun! fuhr Jeanne fort, Du antworteſt mir nicht, auch Du ſpotteſt meiner Unwiſſenheit? — Ich, Jeanne, ich habe Furcht, antwortete Laurent mit gepreßter Stimme, und als ob dieſes Geſtändniß ſeinen Stolz demüthigte. — Du haſt Furcht, der ſchöne Laurent! Und warum fürchteſt Du Dich? Un urent! ſhen hörte Ritter ht ful⸗ Flibu⸗ aurent eſſen. und chſtens chlacht neel Bou⸗ rden, vet⸗ ühner dchens chtem nicht, aurent ſeinen warum — 103— — Ich fürchte, Jeanne, daß ich mich einer böſen Hand⸗ lung ſchuldig mache, daß ich ein Verbrechen begehe, wenn ich mit roher Hand den Schleier der Unſchuld zerreiße, der noch Dein Leben bedeckt. — Ich verſtehe Dich nicht, Laurent. — In der That, erwiderte der Flibuſtier mit Heftigkeit, und als ob er eben jetzt einen Entſchluß faßte, das darf nicht länger dauern. Du fragſt mich, Jeanne, fuhr er nach einer län⸗ gern Pauſe fort, welcher Unterſchied zwiſchen der Liebe eines Bruders und der eines Geliebten beſtehe? — Ja, Laurent, ſagte Waldblume, mit unwillkürlicher Haſt. Indeß, wenn Dir meine Frage unbeſcheiden ſcheint und wenn Deine Antwort, um verſtanden zu werden, mehr Geiſt und Kenntniſſe erheiſcht, als ich beſitze, ſo iſt es unnütz, daß Du in weitere Erklärungen eingehſt, die mich nur über meine Unwiſſenheit erröthen machen würden. — Waldblume, um in dem Buch der Natur zu leſen, be⸗ darf man nur der Jugend und eines Herzens!— Die brüder⸗ liche Neigung iſt ein ſanftes und heiteres Gefühl, das dem Geiſt eine vollſtändige Unabhängigkeit und Freiheit läßt! Eine von ihrem Bruder entfernte Schweſter gewöhnt ſich an dieſe Tren⸗ nung ohne Mühe. Soll ſie ihn wiederſehen, ſo iſt ſie zufrieden; aber das ſtört nicht den Schlaf ihrer Nächte, noch ihre Träume am Tage; kaum, daß ſie ihn erwartet; wenn er kommen wird, ſo wird ſie ſich freuen. Das iſt Alles. Bei einem Bruder lang⸗ weilt ſich eine Schweſter zuweilen. Wenn er mit ihr ſpricht, ſo antworten ihm nur ihre Lippen; ihr Herz iſt anderswo. Bedarf ein Bruder des Vermögens ſeiner Schweſter, eine Schweſter des Armes und des Muthes ihres Bruders, ſo gibt die Erſte ihr Geld, der Andere ſein Blut hin, weil es ihre Pflicht iſt, ſo zu handeln. Weder die Eine noch der Andere bringen zu ihrem Opfer die Begeiſterung mit. — 104— — Genug, genug! ſchweige Laurent, Du thuſt mir weh! rief Jeanne, den Flibuſtier lebhaft unterbrechend! Wie! dieſe langweilige, kalte, erzwungene Neigung hat mein Ritter Louis für mich! Iſt es möglich, daß ſeine Gedanken anderswo ſich be⸗ finden, wenn er bei mir iſt! daß er an meiner Seite ſich lang⸗ weilt!— daß er mir nicht mit ſeinem Herzen, ſondern mit ſeinen Lippen antwortet! O nein, Laurent, ich glaube Dir nicht! Du haſt mit meiner Unwiſſenheit ſcherzen wollen!— Das iſt böſe! — Waldblume, ich ſchwöre Dir, daß ich die Wahrheit geſprochen habe, die Wahrheit, die mich die Erfahrung gelehrt hat! — Und die Liebe eines Geliebten für ſeine Geliebte, unterbrach ihn Jeanne auf's Neue, kennſt Du ſie? Haſt Du ſie erfahren? — Ja, Jeanne, denn dieſe Liebe fühle ich für Dich! — Du liebſt mich wie ein Liebender? Du?— Gut, fügte Jeanne nach einigem Zaudern hinzu, rede, ich höre Dich an. Der Flibuſtier näherte ſich Jeanne, ſetzte ſich auf einen niedrigen Stuhl neben dem Hamac, ergriff dann die Hand des Mädchens und ſagte: — Meine koſtbare Jeanne, die Liebe iſt ein Gefühl, das keinem andern gleicht. Sowie es ſich eines Menſchen bemächtigt, hört die Natur auf in ſeinen Augen zu exiſtiren, im ganzen Weltall ſieht er nur einen Gegenſtand, den geliebten Gegenſtand! Ein Lächeln der Geliebten macht ihm ſolche Freude, erhebt ihn zu ſolchem Stolz, daß er das Daſein des Unglücks auf die⸗ ſer Erde bezweifelt. Er hat nur Mitleid mit den Menſchen, weil ſie ſeine Geliebte nicht kennen.— Und wie ihn ein Lächeln ſo hinreißen konnte, ſo kann ihn ein unbedeutendes, falſch verſtan⸗ denes Wort, ein Blick der Geliebten, der ihm zerſtreut oder gleichgiltig ſchien, in die Klefſte Verzweiflung ſtürzen. Dann glaubt er nicht mehr an das Glück, dann ſcheint ihm das Daſein tra ſch gön na aus ſii fuu fin ße r weh! dieſe Louis ſich be⸗ lang⸗ n mit e Dir n— ehrheit t hatl liebte, Du ſi h! Gut, ich an. feinen Hand 1 das chtigt, zanen ſtund! echebt uf die⸗ weil eln ſo erfun⸗ toder Dann aſein traurig und troſtlos, wie eine kurze Raſt, die Gott ſeinem Ge⸗ ſchöpf zwiſchen dem Leben und zwiſchen ewiger Vernichtung ge⸗ gönnt hat. Man weint, man ſeufzt, man denkt an Selbſtmord. — Das iſt wahr, ſagte Jeanne ſinnend; fahre fort. — So wie ein Sonnenſtrahl uns das Gewitter vergeſſen macht, ſo genügt die geringſte Gunſt der Geliebten, um uns aus der Verzweiflung zu reißen, welche grenzenlos, unheilbar ſchien. Man klagt ſich dann ſelbſt für die Verzweiflung an, ver⸗ flucht die Ungerechtigkeit, deren man ſich ſchuldig gemacht und findet keine Buße zu groß um den Fehler zu ſühnen. — Das iſt wahr, daß man ſich oft zum Unrecht hinrei⸗ ßen läßt. — Endlich, fuhr Laurent fort, unterſcheidet ſich die Liebe von der Freundſchaft dadurch, daß man eine Wolluſt darin fin⸗ det, ſich für die Geliebte zu opfern. Was die Freuden der Liebe betrifft, Waldblume, ſo ſind dieſelben ſo groß, daß die menſch⸗ liche Sprache nicht im Stande iſt, ſie zu ſchildern. Wenn ein Mann ſieht, wie die Geliebte, während der Wille ihr räth, ſich entfernt zu halten, zu fliehen, dennoch bewegt und bebend an ſei⸗ ner Seite ſtehen bleibt, ſo genießt er eines Glücks, deſſen nur die Auserwählten im Himmel theilhaftig werden!— Laurent hatte ſich begeiſtert; was er in Ehrfurcht vor der heiligen Unſchuld dieſes Mädchens nicht auszuſprechen wagte, das ſtand in ſeinen Blicken zu leſen. Allmälig hatte er ſich Jeanne genähert, und umfaßte ſie mit ſeinem Arme. — Laß mich, Laurent! rief Waldblume, aus dem Hamac ſtürzend. Warum ſiehſt Du mich mit ſo wüthenden Blicken an? Was habe ich Dir zu Leide gethan? Du erſchreckſt mich!— Gehe fort! — Waldblume, ſagte der Füibuſtier mit dumpfer Stimme und indem er das Mädchen mit unwiderſtehlicher Gewalt an ſeine — 106— Bruſt zog, Waldblume, ich fühle für Dich jene Leidenſchaft, die ich Dir eben beſchrieben habe. Wenn Du mich lieben willſt, ſo werde ich, Laurent, Dein Sklave ſein. Ich werde meinen Stolz Deinem Willen unterwerfen, ich werde mein Leben vor Dir knieend hinbringen, um den geringſten Deiner Wünſche zu er⸗ forſchen; ich werde meinen Muth dazu anwenden, um jede Dei⸗ ner Launen zu befriedigen! Du wirſt über mich verfügen, ſowie es Dir gut dünken wird. Ich werde Dein Gut, Dein Eigen⸗ thum, ich wiederhole es, Dein Sklave ſein. Laurent ſah Jeanne mit verwirrten Blicken an, die ſich vergebeus bemühte, ſich ſeiner mächtigen Umarmung zu entwinden. — Mein Gott, wie liebe ich Dich! ſagte er, indem er einen anhaltenden Kuß auf Jeanne's Lippen preßte. Bei der Berührung ſeiner Lippen ſtieß Jeanne einen zer⸗ reißenden Schrei aus; dann entriß ſie ſich in ihrer Verzweiflung mit jener geheimnißvollen unerklärlichen Energie, welche die Natur bevorzugten Weſen in gefahrvollen Momenten verleiht, den Armen Laurent's, und rief außer ſich vor Schrecken: — Zu mir, mein Ritter Louis, komm mir zu Hilfe!„ Das Benehmen des jungen Mädchens brachte auf Laurent eine außerordentliche Wirkung hervor; das Feuer ſeines Blickes erloſch, ſein entflammtes Geſicht bedeckte ſich mit matter Bläſſe, ein trauriges ſchmerzhaftes Lächeln glitt über ſeine Lippen. — Es iſt unnütz, Waldblume, ſagte er kalt, daß Du meinen Matroſen herbeirufeſt. Du läufſt keine Gefahr, und die Gegenwart des Ritters könnte mich in dieſem Augenblick zu einem Verbrechen verleiten!— Ich bin ruhig, Waldblume; was ſollte ich Dir weiter anhaben, theures Kind? Du liebſt mich nicht, und verſtoßeſt mich. Ach, es ſcheint mir, daß es mir nicht beſchieden ſei, wie die andern Menſchen zu leben. Die Natur hat mir meine Leiden nach meinen Kräften zugemeſſen.— Ich bin geboren zum Leiden! Auf Wiederſehen, meine ſüße Jeanne. und geh Gel ſe nen jed haft, die villt, ſo en Stolz vor Dir e zu er⸗ de Dei⸗ ſowie Eigen⸗ die ſich winden. ndem er len zet⸗ eiflung che die verleiht, e! 4 Lautent Blickes Bläſſe, n. aß Du und bie lick zu blume; nich ir nicht Natur — 3 jeune⸗ — 107— Laurent entfernte ſich ſogleich aus der Kabine mit feſtem und ſicherm Schritt. — Was ich will, das muß früher oder ſpäter in Erfüllung gehen, murmelte er, auf's Verdeck kommend; Jeanne wird meine Geliebte ſein. Was die arme Waldblume betrifft, ſo drehte ſie, ſobald ſie ſich allein befand, den Schlüſſel um, und warf ſich, in Thrä⸗ nen aufgelöſt, in die Hängematte. — O mein Gott, was habe ich erfahren! rief ſie, indem ſie ſich bemühte, die Seufzer zu unterdrücken, die ihre Bruſt hoben. Jetzt errathe ich, was die Liebe ſei!— RNein, niemals werde ich es ertragen, daß der Ritter in mir nur ſeine Schweſter ſieht! Nachdem ſie lange geweint hatte, ſtand Jeanne auf, hüllte ſich in ihr Boucanierkleid, unterſuchte ihren Karabiner und ſprach mit Inbrunſt: — Meine gute heilige Anna von Auray, mache, daß mich in dieſer Nacht eine Kugel treffe!— Wie ſehr wünſche ich zu ſterben!— Ja, aber nicht, ehe ich dieſe ſchöne Spanierin ge⸗ ſehen habe, die das Herz meines Ritters Louis gefeſſelt hat. Jeanne trocknete dann ihre Thränen und ſtieg auf's Verdeck. In dem Augenblick, in welchem ſie oben ankam, ließ man eben die Boote in's Meer hinab; Morvan ſchiffte ſich aus und Jeanne folgte ihm. Die Flibuſtier erreichten, von den großen Bäumen, welche an den Ufern des Lagon ſtanden, verborgen, die Stadt Granada ohne die geringſte Gefahr entdeckt zu werden. Die Abenteurer, jeder mit einer jener Boucanierflinten, die in geübten Händen ſo fürchterlich waren, mit zwei Paar Piſtolen und einem breiten und ſtarken Säbel bewaffnet, trennten ſich in drei Colonnen, wie es vorher ausgemacht worden war; die Barken wurden nach Santa Engracia gebracht, wo ſich die Flibuſtier im Falle einer Niederlage verſammeln ſollten. — 108 — Freunde, ſprach Laurent zu ihnen, in zwei Stunden werdet Ihr die großen Säcke, mit denen Ihr verſehen ſeid, voll von Gold zurückbringen. Das Wichtigſte iſt, daß Ihr keinem Feinde Gelegenheit laſſet Lärm zu machen. Die gehorſamen Gefangenen knebelt und bindet; die zu widerſtehen verſuchen, metzelt unbarmherzig nieder. Vor Allem bedient Euch der Feuer⸗ waffen nur im äußerſten Nothfall, ausgenommen, es würde uns eine regelmäßige Schlacht geboten. Eure Säbel werden Euch für das Geſchäft des Augenblicks genügen. Ich gehe Euch den Eingang in die Stadt erleichtern, bis dahin haltet Euch in die⸗ ſen Gebüſchen verborgen. Vor einer Viertelſtunde werde ich zu⸗ rück ſein. Wenn mir durch Zufall ein Unglück paſſiren ſollte, ſo wird mein Matroſe, der Ritter Louis, mich erſetzen. Er hat meine Inſtruktionen erhalten, er würde Euch zum Siege führen. Laurent ging nun in Begleitung eines alten Boucaniers, des beſten Matroſen der Fregatte, auf das Stadtthor zu. Kaum hatten die beiden Abenteurer hundert Schritte gemacht, als eine Wache ihr„Wer da!“ hören ließ. — Gut Freund! antwortete Laurent mit einem eaſtilia⸗ niſchen Accent von tadelloſer Reinheit. — Wer ſeid Ihr? Wohin wollt Ihr? fuhr der Wache ſtehende Soldat fort. — Wir ſind Fiſcher und kommen vom Fiſchen. — Paſſirt, ſagte der Spanier ohne Argwohn. Laurent und ſein Gefährte gingen nun ruhig weiter; aber kaum waren ſie der Wache nahe gekommen, als der Kapitän mit einem Tigerſprung auf den Soldaten losſtürzte; ein ſchneller und flüchtiger Schein blitzte durch die Finſterniß und der un⸗ glückliche Soldat fiel, von einem Dolch mitten in's Herz getrof⸗ fen, todesſtarr und ohne Laut zu Boden. Der Fall ſeines Körpers brachte auf dem Sande kein Geräuſch hervor. Laurent verfolgte ſeinen Weg weiter. funt lein Mil der kein gdi jeni nes Lm ſetz es dre un ſte pl au hat vor Stunden ſeid, voll hr keinen horſumen erſuchen, er Feuer⸗ ürde uns en Euch Euch den h in die⸗ e ich zl⸗ ſollte ſo Er hat führen. caniets, Kaum als eine ufli⸗ Wache r aber tin nit ſhneler der un⸗ getn⸗ körpers rfolgte — 9109— Spanien, welches ſonſt die beſte und fürchterlichſte In⸗ fanterie von Europa beſaß, bringt vorzügliche Kämpfer, aber keine Soldaten hervor; die Trägheit und der Abſcheu vor Militärdisciplin werden die Leute dieſer Nation immer verhin⸗ dern, jene ängſtliche Regelmäßigkeit zu erlangen, ohne welche kein dauerhafter Erfolg möglich iſt. Laurent, der in ſeiner Jugend unter der ſpaniſchen Fahne gedient hatte, kannte den Charakter und die Gewohnheiten der⸗ jenigen, die er nun angreifen wollte, genau. Er war daher kei⸗ neswegs überraſcht, als er den aus zehn Mann beſtehenden Wachpoſten am Thor Granada's in tiefem Schlaf verſunken fand. Laurent kehrte nun zu ſeinen Leuten zurück; mit wenig Worten ſetzte er ſie von der Sachlage in Kenntniß, das heißt davon, daß es für ſie ein Leichtes ſei, in die Stadt hineinzukommen. Die drei Colonnen marſchirten eben ſo ſchnell als ſtille vorwärts. Die eingeſchlafenen Soldaten des Wachpoſtens wurden ergriffen und geknebelt, bevor ſie Zeit gewannen, einen Schrei auszu⸗ ſtoßen. Die Flibuſtier gingen in die Stadt. Auf dem Kirchen⸗ platz angekommen, trennten ſich die drei Truppen, damit jede auf einem andern Punkt der Stadt operire; der Spion Leichtfuß hatte ihnen im Voraus die reichſten Kirchen und die Häuſer der vorzüglichſten Handelsleute von Granada angegeben. Morvan war in außerordentlicher Verwirrung; wenn er einerſeits die größte Freude fühlte, daß er Nativa bald wieder⸗ ſehen ſolle, ſo zitterte er wieder andererſeits vor dem Gedanken, daß die Tochter des Grafen von Monterey ihn als Banditen und mit Verachtung behandeln werde. Er mochte ſich noch ſo oft wiederholen, daß dieſe Ueberrumpelung von Granada ein ein⸗ facher Kriegsfall ſei, daß die Spanier zwanzigmal nächtlicher Weiſe an die franzöſiſchen Küſten kamen, um die dortigen Anſiedelungen anzuzünden und zu zerſtören, daß die von Laurent commandirte Expedition durch den Zehenten ſanctionirt ſei, wel⸗ — 0 chen der Gouverneur im Namen des Königs Ludwig Xlv. von vi der Beute einhob; trotz dem Allem konnte ſich der Ritter die Rolle, in die er ſpielte, nicht beſchönigen. In ſeiner Verzweiflung hoffte er, Nativa werde in ſeinem Benehmen nur ein Opfer ſehen, das mei er der Liebe brachte; und in der That hatte er an der Expedition haſ nur deßhalb theilgenommen, um ſich Nativa nähern zu können. hen Die von Laurent angeführten achtzehn Flibuſtier— da hr zwei Männer ſeiner Truppe mit den Barken nach Santa Engra⸗ cia geſchickt wurden— blieben nicht lange unthätig. Einer von mt ihnen pochte an die Thüre der Kathedrale, unter dem Vorwand, M daß er für einen Sterbenden um den geiſtlichen Beiſtand eines tic Prieſters bat. Der an ſolche Bitten gewohnte Sakriſtan öffnete gef ohne Argwohn. Er wurde ſogleich zu Boden geworfen, gebun⸗ le den und geknebelt, und die Flibuſtier drangen in die Kirche. th Eine in ziemlicher Höhe hängende Lampe beleuchtete das weite Schiff der Kirche nur unvollkommen; wie ſchwach aber ihr Licht bu war, ſo genügte es den Flibuſtiern doch, um die ungeheuern Reichthümer, die ihnen da zu Gebote ſtanden, zu würdigen. Da bu gab es denn unter dieſen Leuten, die an Nichts glaubten als ei nur an das Gold, die nur einen Zweck hatten, nemlich zu plün⸗ dern, eine an den Wahnfinn grenzende Freude. Ein Jeder ſtürzte fin auf ſeine Beute los.„ I — Matroſe, ſagte der Ritter zu Laurent, ich ſehe, daß zu unſere Gefährten mehrere Stunden zu thun haben, und ich denke, daß meine Gegenwart an dieſem Ort nicht nothwendig ſei. Na⸗ je tiva's Wohnung— Dein Führer hat mir ſie im Vorbeigehen gezeigt— iſt in der Nähe. Ich eile hin. 5 — Halt! ſagte der Flibuſtier kalt, es iſt im Gegentheil ſp nothwendig, daß Du hier bleibeſt, denn ich werde mich entfernen. w — Aber bedenke doch, Laurent, daß wir jeden Augenblick entdeckt werden können. Es iſt ſogar unmöglich, daß dieß nicht der Fall ſei. Nun kannſt Du Dir denken, wie ich verzweifeln Ny. von die Rolle, ung hofte ehen, das rpedition ukönnen. r— da a Engra⸗ iner von orwand, nd eines n öffnete „gebun⸗ Kirche. as weite ihr Licht geheuer gen. Da ten als u plün⸗ rfürzte he, daß denke, eigehen entheil fernen enblit niht weiftln würde, wenn ich mich von Granada entfernen müßte, ohne Na⸗ tiva geſehen zu haben. — Ritter Louis, rief der Flibuſtier, ich liebe es nicht, meine Befehle zu wiederholen, ich haſſe die Bemerkungen. Du haſt Dich bei Deiner Ehre verpflichtet, mir blindlings zu gehor⸗ chen; ich ſage Dir: bleibe! Das muß Dir genügen. Auf Wie⸗ derſehen! Ohne ein Wort weiter hinzuzufügen, entfernte ſich Lau⸗ rent mit großen Schritten und ließ den unglücklichen jungen Mann in der außerordentlichſten Ungeduld und Aufregung zu⸗ rück. Eine Minute ſpäter klopfte Laurent, von zwei Männern gefolgt, am Thore eines der ſchönſten Häuſer auf dem Kirchen⸗ platze; da wohnte Nativa. Bald fragte ein Negerſklave— man erkannte ihn an der Ausſprache— von innen, was man wolle. — Oeffnet, im Namen des Königs von Spanien! ſagte Laurent. Sogleich ächzte das Thor in ſeinen Angeln und der Fli⸗ buſtier trat ein. Der Sklave bebte vor Schreck zurück, als er einen bis an die Zähne bewaffneten Unbekannten ſah. — Kein Wort, ſagte Laurent, nach ſeinen Piſtolen grei⸗ fend oder Du biſt des Todes! Ich bin ein Boucanier von der Inſel Tortuga, Granada iſt in unſerer Gewalt.— Führe mich zu Deiner Herrin, der Senorita Sandoval! Die Gegenwart eines Boucaniers brachte auf die Spanier jedesmal einen ungeheuern Schrecken hervor; die Neger, noch abergläubiſcher und unwiſſender als ihre Herren, ſahen in den Flibuſtiern übernatürliche, unverwundbare Weſen; weder Ver⸗ ſprechungen noch Drohungen konnten ſie bewegen, ihnen zu widerſtehen. Der Sklave des Grafen von Monterey führte Lau⸗ rent, an allen Gliedern zitternd, bis zu dem von Nativa be⸗ wohnten Gemach. — Während ich mit Deiner Herrin plaudern werde, wirſt — 112 Du vor der Thüre liegen, ſagte der Flibuſtier zu dem Sklaven. Wiſſe, daß ich durch Mauern ſehe, und daß ich Dich tödten würde, ſobald Du nur die geringſte Bewegung machteſt um zu fliehen.— Dem Sklaven klapperten die Zähne vor Schreck. übri⸗ gens erſetzte er die Stimme, die ihm verſagte, mit einer aus⸗ drucksvollen Miene: die gefalteten Hände, der geneigte Kopf bezeugen ſeinen Gehorſam. Nativa lag noch nicht im Bette, obwol es ſchon ein Uhr nach Mitternacht war. Sie ſaß in ei⸗ nem jener Schaukelſtühle, die in allen tropiſchen Wohnungen zu finden find; ſie war in Gedanken vertieft, und zwar ſo ſehr, daß ſie das Geräuſch, welches Laurent beim Eintreten machte, nicht vernahm. Der Flibuſtier ſtand lange da mit gekreuzten Armen und ſpöttiſcher Miene, und betrachtete die reizende Spanierin. — Sie iſt wirklich wunderſchön, dachte er, vielleicht noch ſchöner als Waldblume! Woher kommt es aber, daß ich weder bewegt, noch überraſcht bin? Warum bleibt mein Hetz gleich⸗ giltig? Warum fühle ich mich da nur geneigt zu verachten? Laurent ging zwei Schritte vorwärts, und ſagte laut: — Nativa, Sie haben nach mirgeſchickt, was wünſchen Sie? Bei dieſer ſo unerwarteten und für ſie ſo unerklärlichen Erſcheinung, ſtieß das Mädchen einen Schrei des Erſtaunens aus und wollte aufſtehen; aber ihre Bewegung war ſo groß, daß ſie einer Dhnmacht nahe in den Stuhl zurückſank. — Erholen Sie ſich, fuhr der Flibuſtier mit ſpöttiſcher Miene fort. Sie träumen nicht, Nativa; es iſt wirklich der Ladron oder Dieb Laurent, wie Ihre Landsleute mich nennen, der vor Ihnen ſteht. Lieben Sie mich noch immer? Soll ich Ihnen zu Ihrer Beſtändigkeit Glück wünſchen? oder vor Ver⸗ zweiflung über Ihre Vergeßlichkeit ſterben? Nativa war ſo verwirrt, daß ſie ſelbſt die Ironie des Flibuſtiers nicht bemerkte; die Worte des ſchönen Laurent ver⸗ „)— Stlaven. h tödten ſt un zu ühr⸗ ner aus⸗ ſte Kopf Bette, ß in ei⸗ hnungen ſo ſehr, machte, nen und n. ht noch h weder . gleich⸗ ten? laut: en Sier irlichen aunens o gwoß⸗ zttiſcher lich det nennen⸗ oll ich ot Ler⸗ it des nt ver⸗ . — 13— nahm ſie nur als verwirrten Schall; ſie hörte, aber verſtand nicht. Allmälig jedoch erhielt Nativa, die ein ſtarkes Herz beſaß, wenn nicht ihre Kaltblütigkeit, doch ihre Willenskraft wieder. Ihre großen blauen Augen erhoben ſich thränenfeucht zum Him⸗ mel, und die Hände inbrünſtig faltend, rief fie leidenſchaftlich: — Dank, Dank, mein Gott!— Du haſt mein Gebet erhört.— In dieſen Worten lag ſo viel Seele, ſo viel Inbrunſt, daß der unempfindliche und ſteptiſche Laurent Gewiſſensbiſſe fühlte; doch war dieſe Empfindung bei ihm nicht von langer Dauer. Bald glitt ein kaltes, verachtungsvolles Lächeln über ſeine dünnen Lippen; ein kaum ſichtbares Zuſammenziehen ſei⸗ ner Augenbrauen faltete ſeine Stirn; ſeine Haltung blieb unbeweglich. — Nun, Nativa, ſagte er, muß ich Ihnen meine Frage wiederholen? Sie haben mich rufen laſſen, hier bin ich; was wünſchen Sie? — Vor Allem ſagen Sie mir, Laurent, ſetzt Sie Ihre Anweſenheit an dieſem Ort keiner Gefahr aus? Wie konnten Sie zu mir gelangen? — Ich habe mich Granada's bemächtigt, Senorita! — Sie haben ſich Granada's bemächtigt! wiederholte fie erſtaunt. Was wollen Sie damit ſagen? 5 — Daß meine Flibuſtier in dieſem Augenblick beſchäftigt ſind, die Stadt gründlich zu plündern. — Ach Laurent, erwiderte Nativa mit dem Tone ſanften Vorwurfs, mußten Sie ſich denn gerade auf dieſe Art mir vorſtellen? — Was wollen Sie, Senorita!— Man thut, was man kann.— Meine Beſcheidenheit iſt bekannt, und alle Welt weiß, daß Prahlerei nicht zu meinen Gewohnheiten gehört. In⸗ deß muß ich ſelber geſtehen, daß, eine Stadt erobern, um 10. — dort bei einem Rendezvous zu erſcheinen, eine außergewöhnliche und ſehr galante Handlung iſt. — Du liebſt mich alſo, Laurent? rief Nativa mit je⸗ nem Ungeſtüm der Spanierinnen, der die Züchtigkeit nicht ausſchließt. — Ich? Nicht im Geringſten! antwortete der ſchöne Laurent kalt. Ich bin höflich, wohl erzogen, und habe mir es zum unumſtößlichen Geſetz gemacht, mich den Launen der Frauen niemals zu widerſetzen, ihnen immer zu gehorchen. Sie haben mich erſucht zu kommen, und ich bin da! Bei dieſen mit ſeltener Unverſchämtheit geſprochenen Worten zitterte Nativa vor Zorn; aber bald erhellte ein ver⸗ führeriſches, zärtliches Lächeln ihr reizendes Geſicht. — Wozu willſt Du mich noch prüfen, Laurent? ſagte ſie. Haſt Du meinen Stolz nicht ſchon genug mit Füßen getre⸗ ten? Weißt Du nicht, wie groß, wie rein, edel und aufrichtig meine Liebe iſt? Unterbrich mich nicht; laß mich mein Herz vor Dir ausſchütten! Ich habe ſo lange verſchloſſen gelebt, Laurent; ich will Dir keinen einzigen meiner Gedanken verhehlen! Du mußt alles wiſſen, Du mußt mich ſo kennen, wie ich bin! Nativa ſchwieg einen Augenblick, dann fuhr ſie mit immer wachſender Exaltation fort: — Mein geliebter Laurent, wenn Du meine ganze Liebe beſitzeſt, ſo iſt es nicht, weil Du ſchön und tapfer biſt!— Nein! — Das Gefühl, welches mich trotz meinem Widerſtreben ganz zu Dir hingezogen hat, iſt Mitleid! Ich habe begriffen, daß Du grauſam gelitten haſt, daß eine glühende Leidenſchaft Dei⸗ ner Jugendjahre Dein Herz vorzeitig alt gemacht hat. Meine Einbildungskraft hat mir Deine Vergangenheit vorgezaubert. Ich habe Dich, den Edelmüthigen und Vertrauensvollen, dem Verrathe preisgegeben geſehen. Ich habe geſehen, wie Du für Deinen Glauben und Deine Ergebenheit mit dem ſchwärzeſten huliche nit je⸗ t nicht ſchöne nir es Frauen haben ochenen in ver⸗ ſigt getre⸗ fchtig erz ot aurent; n Du 0 immer e Liebe Nein! en gun n, dß f Dei⸗ Meine zubert n, den du fir irzeſen — 115— Undank belohnt wurdeſt!— Da kam mir der Gedanke, daß ich beſtimmt ſei, Dir das Glück des Lebens wiederzugeben. Deine Großmuth gegen meinen Vater und mich, als wir Deine Ge⸗ fangenen waren, Deine zarte Aufmerkſamkeit für uns, die Achtung, welche Du den unter Deinem Commando ſtehenden Banditen einflößteſt, Dein erhabener Muth im Angeſicht der Gefahr, Deine Verachtung des Lebens, ſelbſt Dein ſtolzes Be⸗ nehmen, welches Deinen edlen Urſprung verräth, alles das verſchwor ſich wider meine Ruhe. Mein Mitleid iſt Liebe ge⸗ worden!—— Jetzt, Laurent, muß ich Dir ein peinliches Ge⸗ ſtändniß machen. Der Brief, den Du mir bei Deiner Abreiſe ſchickteſt, dieſer Brief, wovon jede Zeile eine Beleidigung, jedes Wort ein Schimpf war, dieſer Brief zerriß mir das Herz und empörte meinen Stolz!— Die feige und grauſame Art, in der Du mich verließeſt— vergib mir den Ausdruck, ich erzähle Dir, was ich damals fühlte, nicht was ich heute fühle— hat mich wahnſinnig vor Schmerz gemacht! Ich ſann auf nichts, als wie ich mich an Dir rächen könnte!— Du weißt, Laurent, wie ſtark wir Spanierinnen empfinden; wir lieben, wie wir haſſen, mit aller Kraft unſerer Seelen. Von dem einzigen Ge⸗ danken beherrſcht, Dich für Dein Unrecht grauſam büßen zu laſſen, ließ ich kein Mittel unverſucht, um zu meinem Ziele zu gelangen. Ich verbündete mich mit dem Haß, welchen der Graf von Monterey immer gegen die Flibuſtier der Inſel Tortue ge⸗ hegt hat; ich ſuchte überall Feinde gegen Euch. Ach, Laurent, verdamme mich nicht! War nicht der Eifer, den ich bei dieſem böſen Werke an den Tag legte, ein Beweis meiner Liebe?— Als ich endlich bei meiner Rückkehr von Europa unſer indiſches Meer wieder ſah, als ich die Düfte unſeres Klima's einathmete, da fühlte ich meinen Haß wie durch einen Zauber ſchwinden; das Andenken an die glücklichen Stunden, die ich mit Dir ver⸗ bracht habe, ergriff mich mit unwiderſtehlicher Gewalt. Eine plötzliche Offenbarung erhellte mein Inneres, und ich begriff, leider zu ſpät, den Beweggrund, der Dich veranlaßte, mich ſo unwürdig zu beſchimpfen! Ich beweinte meine Blindheit bitterlich! — Und was war das für ein Grund, Senorita? fragte Laurent noch immer kalt. — Zweifelnd an der Aufrichtigkeit meiner Leidenſchaft wollteſt Du mich auf die Probe ſtellen, Laurent! Durch Un⸗ glück mißtrauiſch geworden, ſagteſt Du zu Dir ſelbſt:„Dieſes junge Mädchen gehört einer großen Familie an; ſie beſitzt ein ungeheures Vermögen; ſie wird geſucht, angebetet; ſie würde glauben, wenn ſie mich an ihrem Reichthum theilnehmen ließe, daß ſie mir eine unſchätzbare Wohlthat leiſte, und ſich das Recht erkaufe mich als ihren Sklaven zu behandeln! Wenn ſie mich wirklich liebt, ſo ſoll ſie es beweiſen! Ich will ſie mir gegen⸗ über in eine Lage bringen, die mir, wenn ſie je Luſt hätte mir ihre Verbindung mit ihr vorzuwerfen, das Recht gibt ihr zu ſagen: Madame, ich habe nur Ihren Bitten nachgegeben!“ Das haſt Du Dir gedacht, Laurent, ich bin davon überzeugt! Dieſer Gedanke iſt Deines Stolzes würdig, ich billige ihn! Meine Lage gebietet mir Demuth: ich muß dahin ſtreben und werde es zu erreichen wiſſen, daß Du mir meinen Reichthum vergebeſt!—— Mein vielgeliebter Laurent, Deine Anweſenheit beweiſt mir, was Deine Abſichten ſeien. Es iſt mir nicht unbekannt, daß uns noch viele Hinderniſſe trennen, aber ich weiß auch daß Dein Wille ſtärker iſt als das Schickſal; was Du willſt das muß in Erfül⸗ lung gehen! Wenn es Dir morgen beliebt zu der ſpaniſchen Regierung zu ſagen:„Ich, Laurent, der unbefiegbare und fürch⸗ terliche Feind Eurer Macht, will in den Reihen Eurer Armee eine Stelle einnehmen“— ſo würde man Dir im S eine der hervorragendſten Würden anbieten. — Wie dem Ritter von Morvan, nicht wahr, Si unterbrach ſie der Flibuſtier mit ſpöttiſcher Miene. Es ſcheint — begrif, nich ſo iterlich! fragte enſchaft ch Un⸗ „Dieſes ſitzt ein ie würde n liefe, as Jecht ſie nich gegen⸗ mir ihre ſagen haſ Du Gedanke gelietet weichen —Mein . was ns noh in Vill nEril⸗ miſhen d finch⸗ rme gerblit ritst ausſprach. Sein Ton ließ ſeine Aufrichtigkeit nicht bezweifeln. — 117— entſchieden, Sie haben die zarte Sendung übernommen Feinde wider die Flibuſtier zu werben! Welch eine Beredſamkeit! Man glaubt ſich im Tribunal zu befinden! Bei dieſer ſo unerwarteten Antwort, bei dem Namen Morvan, den Laurent ihr ſo roh vorwarf, ſtieß Nativa einen Schrei aus, wie eine verwundete Löwin, und ſich in aller ihrer Hoheit aufrichtend ſagte ſie mit bebender Stimme: — Caballero, ein Weib ſo zu beſchimpfen iſt gemeine Feigheit! Und wenn dieſes Weib Sie liebt, ſo ſind Sie noch dazu niederträchtig und ein Mörder! Bei dieſem Schimpf zeigte ſich ein erſchreckender Ausdruck von Wildheit auf dem Geſicht des Flibuſtiers. Indeß erlangte er bald wieder ſeine Ruhe. — Senorita, ſagte er, es fehlt Ihnen weder an Energie noch an Einbildungskraft; unglücklicher Weiſe weicht Ihr Geiſt von dem Wege der Natur ab, ſonſt wären Sie vollkommen! Die Geſellſchaft hat Sie verdorben. Der Mann, der Ihnen ſei⸗ nen Namen geben wird, wird es bitter bereuen! Wenn Sie mich geliebt haben, ſo war es nur weil meine Gleichgültigkeit Ihren Stolz reizte, und nicht weil Sie mich über eine ſchmerz⸗ volle Vergangenheit tröſten wollten! Ein Weib der großen Welt, und nur für die große Welt lebend, konnten Sie kein Herz ha⸗ ben; die großen Damen geben einer Laune nach, gehorchen einer Phantaſie, aber ſie lieben niemals! Der Brief, den ich Ihnen geſchrieben habe, war der aufrichtige Ausdruck meiner Gedan⸗ ken; wenn ich die Gereiztheit Ihrer Nerven nicht dazu miß⸗ brauchte Sie zu meiner Maitreſſe zu machen, ſo brauchen Sie mir für mein Zartgefühl keinen Dank zu wiſſen; ich habe nur meiner Uberſättigung gehorcht! Die Weiber langweilen mich! Es wäre unmöglich die äußerſte Unverſchämtheit wieder⸗ zugeben, mit welcher der Flibuſtier dieſe harten und rohen Worte Blaß, unbeweglich, niedergeſchmettert, ſchien Nativa einer namenloſen Verwirrung, die an Wahnfinn grenzte, preisgegeben. Laurent lächelte. Plötzlich ließ das unglückliche Kind einen herzzerreißen⸗ den Schrei vernehmen, dann fiel ſie, wie vom Blitz getroffen, in den hinter ihr ſtehenden Stuhl zurück. — Ganz wie die Andere! murmelte Laurent; auch ſie ſchwur mir, daß ſie mich liebe, auch ſie befand ſich nicht wohl, als ich um das ſüße Geſtändniß noch einmal zu hören, mich an⸗ ſtellte als glaubte ich es nicht. Und ſpäter!— ſpäter!— Ja, alle dieſe von Heuchelei und Schmeichelei verderbten Frauen der großen Welt gleichen ſich. Sie ſind alle dieſelben.— Arme junge Männer, die ihr die glühenden Apoſtel des Vertrauens ſeid! Wenn ihr wie ich den eigentlichen Werth dieſer Liebes⸗ ſchwüre kenntet, ſo würde euer Herz erkalten, bevor ſich eine Falte auf eurer Stirne zeigt, bevor noch ein Silberfaden ſich durch euer ſchwarzes Haar ſchlingt. Laurent wollte ſich entfernen, als ſich das Geräuſch eili⸗ ger Schritte vernehmen ließ. — Ah! rief er mit der Hand nach den Piſtolen fahrend, es ſcheint ich habe mich an vernünftige Neger gewendet, die es nicht glauben, daß ich durch Mauern ſehen könne; es war Un⸗ recht, daß ich den Sklaven nicht erdolchte, das hätte mich bei meinem Wiederſehen mit Nativa nicht genirt.— Gut, jetzt drückt man an die Klinke—— wenn die Spanier nicht ihrer zwanzig ſind— Die Thüre öffnete ſich und Morvan trat ein. — Biſt Du es, Matroſe? herrſchte ihn Laurent ſtrenge an. Wer hat Dir erlaubt Deinen Poſten zu verlaſſen? Mit welchem Rechte befindeſt Du Dich hier? Anſtatt Laurent zu antworten durchlief Morvan das Ge⸗ mach mit ängſtlichen Blicken. juſch eil fahrend, t, die es wat Un⸗ zut, jett icht ihret — 1109— — Nativa! rief er, als er das junge Mädchen ohnmäch⸗ tig in ihrem Stuhle fand. Ohne weitere Erklärung, ohne Laurent zu fragen, ſtürzte er zu ihr hin, fiel auf die Knie und ergriff ihre kleine Hand. — Nativa, meine vielgeliebte Nativa! rief er, ich bin es, Morvan ruft Sie! Mein Gott! man möchte glauben, Sie ſeien todt!— O, wenn das wäre, ſo würde ich mich zu Ihren Füßen tödten!—— Allmälig erlangte das Mädchen ihr Bewußtſein wieder. — Sie, Morvan! rief ſie. Ach, mein Freund, der Him⸗ mel ſchickt mir Sie zur Hilfe. Schützen Sie mich! — Sie ſchützen! rief der junge Mann, und welche Ge⸗ fahr droht Ihnen, Nativa? Wer ſollte es wagen Sie zu be⸗ ſchimpfen? — Dieſer Ladron, dieſer Niederträchtige! antwortete die Spanierin, mit einer Geberde voll Schrecken und Verachtung auf den Flibuſtier Laurent hindeutend. — Ah! alſo um die Schwäche des Weibes, das ich liebe, nach Gefallen zu mißbrauchen, haſt Du mir verboten meinen Poſten zu verlaſſen! ſagte Morvan mit von Wuth erſtickter Stimme. Elender! Du haſt geſündigt, Du wirſt ſterben! Außer ſich, blind vor Wuth, und unfähig ſich von dem, was er that, Rechenſchaft abzulegen, zog Morvan eine ſeiner Piſtolen auf und ſtürzte auf Laurent zu. Der Flibuſtier blieb unbeweglich ſtehen. Starr heftete er ſeine Augen auf den jun⸗ gen Mann, während der Lauf der Piſtole ſchon ſeine Bruſt be⸗ rührte. — Ritter von Morvan, ſprach er kalt, ich gebe Dir jetzt mit Grund die Worte zurück, welche Du eines Tages an mich gerichtet haſt; jetzt iſt die Reihe an mir Dir zu ſagen:„Feig⸗ ling und Mörder, ſei verflucht!“ Die unglaubliche Ruhe des Flibuſtiers rettete ihm das — 20 Leben. Zur Beſinnung gekommen warf Morvan ſeine Waffe voll Schrecken von ſich; er fürchtete ſeinen eigenen Zorn. — Diesmal, Laurent, wird einer von uns fallen müſſen! rief er. — Ich ſollte mich mit Dir, mit meinem Matroſen ſchla⸗ gen? Nimmermehr! — Willſt Du alſo daß ich Dich ermorde? — Kind, Du biſt zu edel um mich zu ermorden! Sieh, Matroſe, ich kann Dir nicht ſagen, welche Freude mir Dein Be⸗ nehmen verurſacht. Kaum find vierzehn Tage verfloſſen, ſeit⸗ dem Du mir bei dem geheiligten Andenken Deines Vaters ewige Freundſchaft und Ergebenheit ſchwurſt, und ſchon gehſt Du mir wegen nichts, wegen eines Weibes ans Leben!— Ich wieder⸗ hole Dir es, dieſer Ausbruch Deiner Wuth bezaubert mich; er erklärt und rechtfertigt in meinen Augen die beklagenswertheſte Erinnerung meiner Jugend. Du, der Du ſo rechtſchaffen, ſo loyal biſt, ſollteſt einen Mord begehen! Das beweiſt mir daß die Liebe ein wahrhaft wüthender Wahnſinn iſt, und daß diejenigen, welche von dieſer Krankheit befallen ſind, nicht verdammt, ſon⸗ dern gepflegt und geheilt werden müſſen. Laurent ſprach noch, als die Thüre abermals aufging und Waldblume eintrat. X. Bevor ſie die Schwelle überſchritt, blieb Jeanne einen Augenblick unbeweglich und unentſchloſſen ſtehen; aber bald nahm ſie ſich zuſammen, und mit glühendem Auge eilte ſie zu Nativa.* — Das iſt alſo die Spanierin, welche Du liebſt, mein Ritter Louis! ſagte ſie zu Morvan, der aus der Haltung ge⸗ ba b Vaff voll en miſſen! ſen ſchla⸗ n Sieh, Dein Be⸗ ſſen, ſeit ters ewige ſ Du nit c wieder⸗ nich; er swertheſte ſo lohal duß die iejenigen, nnt, ſon⸗ ging und ne einen ber bald ilt ſi bſt, nein ltung g 21 bracht, nicht wußte, was er antworten ſollte. Mein Gott, wie ſchön ſie iſt! fuhr Waldblume fort, indem ſie ihre Nebenbuhlerin mit großer Neugierde anblickte, nie hätte ich gedacht, daß der Anblick eines Weibes ſo blenden könnte.— Wie heißt Deine Geliebte, Ritter? — Sie heißt Nativa! antwortete Laurent. Ihr Vater, der Graf von Monterey, iſt einer der Mächtigſten und Glück⸗ lichſten dieſer Erde, er beſitzt zahlloſe Würden, ein unberechen⸗ bares Vermögen, ſein Schwiegerſohn wird von der ganzen Welt beneidet ſein. Nun ſieh, Jeanne, ich ſchwöre Dir, daß ich die Tochter und die Schätze des Grafen von Monterey für ein einziges Lächeln von Dir ohne Zaudern ausſchlagen würde! Kind, Du geräthſt in Entzücken über Nativa's Schönheit! Ha⸗ ben denn Deine Augen niemals auf der Oberfläche eines Spie⸗ gels geruht! Du weißt nicht, daß die Natur Dir zu Liebe alle Mittel erſchöpft hat, über die ſie verfügt, daß dieſe Schönheit Nativa's, welche Dich blendet, vor der Deinigen verblaßt und verſchwindet! — Sprichſt Du wahr, Laurent! rief Jeanne mit naiver Freude und wahrhafter Ueberraſchung. Treibſt Du keinen Scherz mit mir! Warum liebt alſo mein Rittter Louis dieſes Weib wie eine Geliebte und mich wie eine Schweſter? Nativa ward beim Erſcheinen der Waldblume ſo verwirrt, daß ſie das junge Mädchen nicht bemerkt hatte. Die Worte des Boucaniermädchens brachten ſie zu ſich ſelbſt, und gaben ihr, wenn nicht ihren Stolz, doch wenigſtens die Geiſtesgegen⸗ wart wieder. — Ritter, ſagte ſie zu Morvan, Ihre Gegenwart in Gra⸗ nada, in Begleitung Laurents, lehrt mich, welche neue Lebens⸗ bahn Sie eingeſchlagen haben. Mein Vater iſt jetzt glücklicher Weiſe in der Stadt, aber er hat ſein Gold hier gelaſſen. Ich will Sie nicht zurückhalten. Mich drängt es allein zu ſein; ei⸗ III. 44 — 122 ner meiner Sklaven wird Ihnen als Führer dienen, damit Sie das ganze Haus durchſuchen können. Nehmen Sie die Reich⸗ thümer, die es enthält. Meine Gegenwart möge Sie an der Ausführung Ihres Gewerbes nicht hindern. — Ach, Senorita, rief Morvan, welchem dieſe verach⸗ tungsvollen Worte Thränen erpreßten, wozu dieſer unverdiente Schimpf! Sie wiſſen wohl, daß mich nicht die Hoffnung ge⸗ meiner Beute nach Granada geführt hat. Mein einziger Zweck, als ich mich der kühnen Expedition der Boucanier anſchloß, war, Sie wieder zu ſehen, Sie um Ihre Liebe zu bitten. — Wie, Ritter, erwiderte Nativa ironiſch, Sie wagen es, das in Laurents Gegenwart zu geſtehen!— Sie vergeſſen alſo, daß mich dieſer Ladron mit Verachtung von ſich geſtoßen hat!.. daß ich, die Tochter des Grafen von Monterey, meinen Namen beſchimpft habe, daß ich unwürdig bin der Liebe eines Edelmannes!— daß zwiſchen mir und Ihnen die Schande als tiefe, unüberſteigbare Kluft liegt! — Senorita Sandoval, ſagte Laurent, ich kann nicht umhin die Verſchmitztheit Ihres Geiſtes zu bewundern. Sie ſpielen die Demüthige mit ſeltener Geſchicklichkeit; Sie wollen die Leidenſchaften des Ritters rege machen, und ihn verleiten, daß er mich ermorde. Dieſes Verfahren iſt ſehr geſchickt. — Ah, in der That, Senor Ladron, antwortete Nativa mit dem Stolz der Spanierin, Sie machen ſich zu wichtig, wenn Sie glauben, daß ich Ihren Tod wünſche!— Für mich exiſtiren Sie gar nicht mehr!— Ja, ich geſtehe es, von meinem Edel⸗ muth geblendet, und von meiner Unerfahrenheit ſchlecht berathen, hing ich mich früher an Sie wie an eine gute That!— Ich dachte Sie aus dem Schlamm zu ziehen, in welchen Sie verſunken waren! Ich kannte weder die Riedrigkeit, noch die Niederträch⸗ tigkeit der Leute Ihrer Art. Meine Jugend verlebte ich nur mit edlen Caballero's. Ich glaubte, die Tapferkeit gehe immer mit damit Sie die Reich⸗ ie an der eſe vetach⸗ nverdiente fnung ge⸗ er Zwec, loß, war, die wagen vergeſen geſoßen meinen tbe eines ande als ann nicht em. Sie ie wollen verleiten, 6 e Natiba ig, wenn ciſtiren en bdil herathel⸗ ch dachte rſunken dertrich⸗ nur mit mer nit der Ehre Hand in Hand!— Wenn ich in meinem Leben einen Fehler begangen habe, fuhr Nativa traurig fort, ſo hat nur der Ritter von Morvan ein Recht mir ihn vorzuwerfen! — Ich, Fräulein? rief der junge Mann. — Ja, Sie, Ritter! Ich habe Sie an eine Liebe glauben laſſen, die noch nicht in meinem Herzen war; ich habe Ihnen Hoffnungen gemacht, die ich noch nicht theilte. Ich war nicht aufrichtig. Ach, ich bin indeß mehr beklagenswerth als ſchuldig. Verleitet von Ihrem edlen Charakter, dankbar für den ungeheuren Dienſt den Sie meinem Vater leiſteten, indem Sie ihn von einem gewiſſen Tode erretteten, habe ich einen Augen⸗ blick mich ſelber mißbraucht. Ich habe die Bewunderung, die Sie mir einflößten, mit einem zärtlicheren Gefühle verwechſelt. Später, als ich mir über den Zuſtand meines Herzens Rechen⸗ ſchaft ablegte, ſcheute ich vor einem Geſtändniß zurück, das Sie, wenigſtens glaubte ich es ſo, ernſthaft betrüben mußte. Ich hielt es für nöthig, Ritter, Ihnen dieſe Erklärung zu geben, denn Ihre Achtung iſt von großem Werth für mich. Jetzt halte ich Sie nicht mehr zurück. Adieu, Ritter. Mit meiner Zukunft auf dieſer Erde habe ich abgeſchloſſen. Meine Gedanken ſind bei Gott. Seien Sie verſichert, in dem Kloſter, in welches ich mich zurückziehen will, werde ich für das Glück Ihrer Zukunft beten. — Was ſagen Sie, Nativa? rief Morvan tief bewegt. Sie, ſo jung und ſo ſchön, wollen ſich in ein Kloſter zurück⸗ ziehen! Nein, das iſt unmöglich. Sie werden dieſes Opfer, welches ⸗Ihnen die Verzweiflung eingiebt, nicht vollführen!* — Um Vergebung Ritter, ich werde es vollführen! Und was ſollte ich denn thun? Haben Sie denn von mir die verächt⸗ liche Meinung, daß ich im Stande wäre das Schickſal eines von Läurent verſtoßenen Weibes an einen ehrenwerthen Mann zu knüpfen! Ich weiß wohl, daß Laurent zu niedrig ſteht, als daß man über ihn eiferſüchtig ſein könnte; daß die Erinnerung — 424— an die Art, wie er mir meinen Edelmuth vergolten hat, in mei⸗ ner Seele kaum eine Spur zurücklaſſen wird. Ja, das iſt wahr; aber ich will nicht, daß der Mann, deſſen Namen ich tragen ſoll, mir einſt meine Vergangenheit vorzuwerfen habe. — Nativa, rief Morvan, jemehr ich über Ihr Beneh⸗ men Laurent gegenüber nachdenke, deſto mehr bewundere und liebe ich Sie! Vor dem Manne, der Sie ſo unwürdig beſchimpft und verkannt hat, ſage ich Ihnen:„Nativa, wollen Sie meine Gattin werden? Wollen Sie meinen Namen annehmen?“ Bei dieſen von Morvan mit Leidenſchaft ausgeſproche⸗ nen Worten erblaßte Waldblume und mußte, um nicht zu Bo⸗ den zu ſinken, ſich krampfhaft an die Rückenlehne des Armſtuhls feſthalten. Was Laurent betrifft, ſo warf er abwechſelnd einen ſpöttiſchen Blick bald auf die Spanierin, bald auf ſeinen Ma⸗ troſen, und ſchien an dieſer Stene ein wahrhaftes Vergnügen zu haben. Als Nativa vernahm, daß der Ritter ihr ſeinen Namen anbot, konnte ſie eine Bewegung der Freude nicht unterdrücken. — Ritter, ſagte ſie zu ihm, und ihre gerührte Stimme war von beſonderer Sanftheit, ich habe von Ihrem Edelmuth nicht weniger erwartet. Ich danke Ihnen für dieſen Beweis von Achtung!— Sie haben mich in meinen eigenen Augen wieder erhoben!— Ich werde Ihnen dankbar ſein bis zum letzten Tage meines Lebens! — Sagen Sie ja, Nativa rief Morvan trunken vor Freude. — Nein, Ritter! Doch klagen Sie nicht. Ich bin innig überzeugt, daß Sie Ihr Wort halten, auf meinen begangenen Fehler niemals eine Anſpielung machen würden. Ich fühle es, daß ich mit Ihnen glücklich ſein könnte— aber ach! — Nativa, Sie ſchweigen? Erklären Sie ſich doch! — Ritter, ich beſchwöre Sie, mir das zu vergeben, was ich jetzt ſagen werde; Sie vergeſſen, daß ich mir nicht ſelbſt ne Se du teh ich en dor T mi in mei⸗ iſt wahrz h tragen Beneh⸗ ere und ſchimpft ie meine ſproche⸗ t zu Bo⸗ rnſtuhls nd einen en Ma⸗ tgnügen Nomen tdricken. Stinme delmuth veis von wieder n letzten Frlde⸗ in innig ngenen ſihle es, doch! en, vus t ſib 5 angehöre, daß mein Vater allein das Recht hat, über mein Schickſal zu entſcheiden. — Nun, Nativa, warum ſollte Ihr Vater Ihre Verbin⸗ dung mit mir nicht zugeben? Ich bin von hoher Geburt, jung, tapfer; die Zukunft gehört mir. Von ihrer Liebe geſtärkt, fühle ich mich fähig Alles zu unternehmen. — Wie, Ritter, ſagte Nativa gemeſſen, könnten Sie einen Augenblick daran glauben, daß mein Vater ein Gewicht darauf legen würde, wenn ein Boucanier um die Hand ſeiner Tochter würbe? Dieſe Antwort ſchmetterte den Edelmann nieder, er er⸗ kannte wie ſehr Nativa Recht habe; er blieb verwirrt, gede⸗ müthigt, erdrückt von Scham ſtehen. Waldblume, die während des Geſpräches zwiſchen Morvan und Nativa ſchweigend und wie vernichtet dageſtanden war, erholte ſich, als ſie den jungen Mann verzweifeln ſah, von ihrer Erſchlaffung. — Mein Ritter Louis, ſagte ſie zu ihm hinſtürzend, ver⸗ zweifle nicht ſo ſehr! Warum liebſt Du mich nicht mehr als die⸗ ſes Weib! Ich bin doch tauſendmal beſſer als ſie! Folge mir! entſage dem Gedanken, ein großer Herr zu werden! Komm mit mir! Wir werden uns nicht mehr verlaſſen. Wir werden in un⸗ ſern ſchönen Wäldern mitſammen leben! Wir werden jeden Tag auf die Jagd gehen! Abends werde ich die Früchte pflücken, welche Du am meiſten liebſt, und dein Zimmer mit den ſelten⸗ ſten und friſcheſten Blumen ſchmücken. Ich werde Alles thun, was Du wirſt wollen. Ich werde lernen. Friſch auf, mein Ritter Louis, Muth! Du begreifſt, daß dieſe Nativa gar nichts für Dich fühlt; warum willſt Du ſie heirathen? Wenn ſie Dich liebte, würde ſie Dir dann vorwerfen, was Du biſt? Das iſt ſehr böſe, was ſie da geſagt hat. Ich finde ſie nicht mehr ſo hübſch. Komm, mein Ritter Louis, gehen wir fort. — Jeanne, ſagte Morvan, indem er Graubarts Tochter — 15— ſanft von ſich drängte, wenn Du wirklich die Neigung einer Schweſter für mich hätteſt, ſo würdeſt Du nicht ſo ſprechen. Ohne Nativa iſt das Glück für mich unmöglich!— Was Sie betrifft, Senorita, fügte Morvan hinzu, indem er ſich zu der Spanierin zurückwandte, ſo vergeben Sie der Unſchuld dieſes theuren Kindes. Ihre Freundſchaft für mich iſt aufrichtig. In den Wäldern und ganz außerhalb des geſelligen Lebens erzogen, kennt ſie in ihrer Unſchuld den Werth und die Bedeutung der Worte nicht. Ja, Nativa, Ihre Bemerkung iſt richtig; es wäre ungeheuerlich, wenn ein Boucanier es wagen würde, um Ihre Hand anzuhalten.— Laſſen Sie mich jedoch hoffen!— Schwö⸗ ren Sie mir, Nativa, daß Sie niemals einem andern angehören wollen, dann verdoppeln Sie alle meine Kräfte, meinen Muth! Ich bitte Sie, an meiner Forderung keinen Anſtoß zu nehmen; wenn ich nicht fühlte, wie ergeben ich Ihnen bin, ſo hätte ich es nie gewagt, eine ſolche Bitte an Sie zu richten. — Ritter, ſagte Nativa, Ihr Edelmuth rührt mich. Vor Gott, der uns hört, ſchwöre ich Ihnen, daß ich, ſo lange Sie leben, keinen andern Gatten annehmen werde als Sie. Dieſes Verſprechen, das erſte und klar ausgeſprochene, welches Morvan von der Spanierin vernahm, erfüllte ihn mit maßloſer Freude. — Und auch ich, Nativa, rief er, ich ſchwöre Ihnen bei meiner Ehre als Edelmann und bei meinem Antheil an der ewi⸗ gen Seligkeit, daß, ſo lange Sie leben, kein Weib, möge ich mich in was immer für einer Lage befinden, meinen Namen tra⸗ gen wird! Kaum hatte Morvan dieſen Eid ausgeſprochen, als Wald⸗ blume einen Schrei ausſtieß, die Augen ſchloß, die Hände vor⸗ ſtreckte, als ob ſie in der Luft einen Anhaltspunkt ſuchte, und leblos zu Boden ſtürzte. Morvan's erſte Bewegung war, dem Ame ng einer ſprechen. Was Sie ch zu der d dieſes ig. In erzogen, ung der es wäre un Ihre Schwö⸗ gehören Muth! ehmen; ätte ich ch. Vor rochene, ihn nit nen hei der ewi⸗ nöge ich nen to⸗ Vuld⸗ de vot⸗ e, und r, den — 12— armen Kinde zu Hilfe zu eilen, aber ein Blick von Nativa hielt ihn zurück; Laurent hob Waldblume auf. — Begleiten Sie mich, Ritter, ſagte Nativa, ſuchen wir meine Kammerfrauen auf, ſie werden für dieſes Mädchen Sorge tragen. Sobald die Spanierin die Schwelle ihres Gemaches über⸗ ſchritten hatte, wandte ſie ſich zu Morvan zurück und ſprach mit zornvoller Stimme: — Ritter, Laurent muß ſterben, nicht im Duell von der Hand eines Edelmannes getödtet, denn er iſt dieſer Ehre nicht würdig; er muß den ehrloſen Tod eines Räubers ſterben, der⸗ die Städte plündert, eines Mörders, der die Frauen nicht achtet! — Sie werden hier in Sicherheit bleiben, bis die Boucanier fort ſind.— Das Aergſte, was Ihnen zukommen kann, wenn man Sie als Franzoſe erkennt, wäre, daß man Sie auf Parole zum Kriegsgefangenen machen würde.— In dem Falle werde ich zu der Macht meines Vaters meine Zuflucht nehmen.— Was mich betrifft, ſo muß ich vor Allem Granada vor den Schrecken bewahren, die ihm drohen.— Kommen Sie— — Was wollen Sie thun, Nativa? rief Morvan mit Schrecken.— Sie wollen Hilfe herbeirufen!— Für Sie, das wiſſen Sie, würde ich nicht anſtehen, mein Leben zu opfern, aber es geht über meine Kräfte Ihnen meine Ehre zu opfern. Laurent, was immer ſein Unrecht gegen Sie ſein mag, iſt in dieſem Augenblick mein Waffengefährte, ich werde ihn nicht ver⸗ laſſen!— Bleiben Sie da! Morvan ſtellte ſich bei dieſen Worten entſchloſſen zwiſchen Nativa und die Thüre, welche nach der Straße hinausging; anſtatt dieſen Ausgang dennoch zu verſuchen, ſtürzte die Spa⸗ nierin in der entgegengeſetzten Richtung fort und verſchwand ſo⸗ gleich. Kaum waren einige Secunden verfloſſen, als die gedehnten Töne einer Glocke mitten im Schweigen der Nacht erſchollen. 7 — — Ritter, ſagte Nativa, als ſie zurückkam, um Ihre Skrupel zu ſchonen, habe ich gegen Ihren Willen gehandelt. Sie braschen ſich nun nicht den Vorwurf einer Mitſchuld zu machen. Ich habe die Alarmglocke anſchlagen laſſen. In weniger als einer Minute wird die ganze Bevölkerung von Granada auf den Füßen ſein. Die Glocke, welche Sie hören, zeigt die Erd⸗ beben und Feuersbrünſte an.— Kein einziger Boucanier wird lebend unſere Stadt verlaſſen. Was Sie betrifft, ſo folgen Sie mir. Ich werde Sie, bis dieſe Räuber ihre verdiente Züchtigung erhalten haben, an einen ſichern Ort bringen, wo Niemand Sie vermuthen wird. — Nativa! rief Morvan, blaß vor Entrüſtung, dieſe Glocke ertönt zu meinem Leichenbegängniß! Glauben Sie denn, ich wäre ſo feige und niederträchtig, um meine Gefährten in der Stunde der Gefahr zu verlaſſen? Dieſe Flibuſtier, welche Sie zu verachten vorgeben, ſind vor Allem Unterthanen des Königs von Frankreich, tapfere und kühne Krieger, welche die Ehre ihres Vaterlandes aufrecht erhalten.— Zurück, Senorita, laſſen Sie mich fort zu meinen Brüdern! — Du fürchteſt für das Leben des jungen Mädchens, welches Dich mir entfremden wollte, nicht wahr, Ritter? rief Nativa. Gut denn, gehe zu ihr! Vergiß aber nicht, daß ein feierlicher Eid Dein Schickſal an das meine knüpft!— Ach, mein Vater hat Recht in ſeinem Haß gegen die Franzoſen, ſie haben kein Herz! Dle Zeit drängte; ſchon hörte man Schüſſe aus der Ferne; ohne auf Nativa's Vorwürfe zu achten, ſtürzte Morvan in das Zimmer, wo er Jeanne ohnmächtig und ſeinen Matroſen gelaſ⸗ ſen hatte. Als Laurent den Matroſen zurückkommen ſah, zeigte er gar kein Erſtaunen; er wußte wohl, daß der junge Mann ihn in dieſem kritiſchen Moment nicht verlaſſen würde. Jeanne war noch immer bewußtlos. um Ihre gehandelt. itſchuld zu n weniger anada auf die Erd⸗ nier wird olgen Sie üchtigung Niemand ng, dieſe Sie denn, en in der elche Sie s Königs hre ihres n, laftn vidchens, er! rief daß ein — N, oſen ſi er Feme in dus in giliſ⸗ , zeigtt e Mann Feunne — 19— — Matroſe, ſagte er zu ihm, es iſt keine Zeit zu ver⸗ lieren. Schon zeigt ſich der Tag am Horizont, noch einige Se⸗ cunden und die Flucht wird unmöglich. Eile zu den beiden Män⸗ nern, welche ich am Eingang der Gaſſe als Schildwache aufge⸗ ſtellt habe; Euch Dreien wird es ohne Zweifel gelingen nach Santa Engracia zu entkommen und Euch einzuſchiffen! — Wie! Laurent, glaubſt Du, ich könnte Dich mitten unter wüthenden, blutgierigen Feinden verlaſſen, während ich eigentlich Schuld bin an dem Unglück? Nein, tauſendmal nein! wo Du bleibſt, da werde auch ich bleiben. Unſer Sickſchal muß ein gemeinſchaftliches ſein. — Was für eine thörichte Sache iſt doch ſchlecht verſtan⸗ dene Großmuth! ſagte Laurent, die Achſel zuckend. Wozu ſo mir Deine Ergebenheit dienen? Deine Gegenwart m im Gegentheil nur hinderlich ſein. — Aber wer hindert Dich, Matroſe, den Rath zu befol⸗ gen, den Du mir gibſt, warum verſuchſt Du es nicht, nach Santa Engraria zu entkommen? — Und Waldblume? erwiederte Laurent. — Wirſt Du ſie retten, wenn Du Dich für ſie opferſt? Geh, Matroſe, laß mich bei Jeanne zurück.— Weißt Du was? Wenn Du Dich mit unſern Freunden vereinigſt, ſo kannſt Du uns retten. 36 — Jeanne verlaſſen, nie! rief der Flibuſtier mit leiden⸗ ſchaftlicher Energie. Armes, theures Kind! habe ich es nicht ihr zu verdanken, daß ich mein Herz ſchlagen fühle? Laurent eilte dann zum Fenſter, öffnete es haſtig, und rief den beiden am Ende der Gaſſe aufgeſtellten Schildwachen zu ſich zu entfernen. 5 — Jetzt, Matroſe, ſagte er zu dem Ritter zurückkommend, gilt es, uns zu einem ſchönen Tode vorzubereiten. Wenn wir erliegen, ſo ſei es nur, weil wir vom Siegen müde geworden —— ſind. Wir dürfen nur auf einen Haufen von Feinden fallen, welche durch unſere Hände geopfert ſind. Während Du mit den Möbeln des Salons eine Verſchanzung bauen wirſt, die es uns möglich macht, durch das Fenſter auf die Spanier zu ſchießen, ohne daß wir uns ihren Kugeln zu ſehr ausſetzen, werde ich die Diener des Grafen von Monterey einſchließen, damit ſie uns nicht zu ſchaden vermögen.— Das Uebrige wollen wir dem Zufall überlaſſen. Ich habe mich ſchon in ganz ſo kritiſchen Lagen be⸗ funden, wie unſere jetzige iſt, und ich bin immer mit Ehren davon gekommen. Ich ſehe nicht ein, warum ich in dieſem Augen⸗ blick weniger Geiſt und weniger Glück haben ſollte.— Friſch auf, an's Werk! Während der Abweſenheit des Flibuſtiers, die nur von ſehr kurzer Dauer war, beeilte ſich der Ritter deſſen Befehle auszuführen; er häufte vor den drei breiten Fenſtern des Sa⸗ lons alle Möbel auf, die ihm in die Hände fielen, und trug Sorge, daß zwiſchen dieſen improviſirten Barrikaden eine Art von Schießlöchern blieb. Nach dieſen Vorbereitungen beſchäftigte ſich Morvan mit Waldblume; er benetzte die Stirne des jungen Mädchens mit kaltem Waſſer, und wendete alle Mittel an, die er für wirkſam hielt, Jeanne ihrer Ohnmacht zu entreißen; ver⸗ gebens! ſie blieb in lethargiſcher Unbeweglichkeit. —Ach, ſagte er, indem er das unglückliche Kind mit thränenfeuchten Blicken anſah, und ich bin ihr Henker! Wenn ſie mich nicht kennte, würde Waldblume noch harmlos und glück⸗ lich leben! Ach, wie grauſam bin ich gegen ſie geweſen! Ich verſtand ihren bewundernswerthen Charakter nicht, noch ihre wunderbare Schönheit. Es ſcheint mir, als wäre ich blind ge⸗ weſen und hätte jetzt erſt das Geſicht erhalten. Und dieſer fatale Eid, der mich bindet! Ach, Jeanne, ich muß mit aller Kraft an mich halten, damit ich Dir nicht zu Füßen falle und ſage: 5 liebe Dich!“ Vort: gleich Augen wundet lic böſe g 10 Deine tellſ zu ertr 8d, nichn N ſitzte ſe mu hngen weh! leid m Vorte gäbe den bippen det 6 Uudh — 18— Morvan ſprach, von ſeiner Bewegung hingeriſſen, das Wort:„Ich liebe Dich!“ mit leidenſchaftlichem Ausdruck. So⸗ gleich kehrte die Lebensfarbe auf Jeanne's Wangen zurück. — Ach, biſt Du es, mein Ritter Louis? ſagte ſie, die Augen öffnend. Was iſt denn vorgefallen? Bin ich nicht ver⸗ wundet worden? Wo bin ich denn? Das Maädchen blickte erſchrocken um ſich, dann ſtieß ſie plötzlich einen Angſtſchrei aus. — Ich beſinne mich!— Ah, Ritter Louis, Du biſt böſe geweſen!— Doch nein— ich klage Dich mit Unrecht an — vergib mir— ich weiß nicht, was ich ſage— es iſt nicht Deine Schuld, wenn ich Dir miffalle!— Du biſt im Gegen⸗ theil ſo gut geweſen, meine Gegenwart ſo lange ohne Unwillen zu ertragen, ohne mich fühlen zu laſſen, wie läſtig ſie Dir ſei! — O fürchte nichts, ich werde mich entfernen—— Du wirſt mich niemals wiederſehen.—— Adieu, mein Ritter Louis! — Adieu! Jeanne erhob ſich lebhaft, allein ihre Schwäche wider— ſetzte ſich ihrem Muth und ließ ſie ihren Willen nicht ausführen; ſie mußte ſich an die Wand halten, um bis zur Thüre zu ge⸗ langen. Morvan brach das Herz darüber. — Jeanne, rief er zu ihr hinſtürzend, thue mir nicht ſo weh!— Wenn Du wüßteſt, wie ich leide, ſo hätteſt Du Mit⸗ leid mit mir. Du ſagſt, ich liebe Dich nicht?— Schreckliche Worte!— Jeanne, meine Schweſter, meine Freundin, ich gäbe zehn Jahre meines Lebens darum, wenn ich nicht durch den Eid gebunden wäre! Sonſt, ſonſt— Morvan erhielt das Geſtändniß zurck, welches ſeinen Lippen entſchlüpfen wollte. Thränen erſtickten ſeine Stimme. War das arme Kind gerührt, oder kam ihr ein erfreuen⸗ der Gedanke in den Sinn, genug an dem, das Geſicht der Waldblume erhellte ſich durch den Ausdruck himmliſcher Freude. — 1321— — Mein Ritter Louis, flüſterte ſie, ich beſchwöre Dich, nicht ſo zu ſprechen.— Du machſt mich zu glücklich— mich, die ich glaubte, Du verachteſt mich, und daß mein Anblick Dich ſchaudern mache.— Du liebſt mich noch,— Du willſt mich noch immer als Deine Schweſter behalten!— Sei nicht böſe, wenn ich weine, ich weine ja vor Freude.— Ich wußte nicht, daß die Thränen ſo ſüß ſein können. Waldblume ſchwieg einen Augenblick; offenbar ging die Bewegung ihres Innern über ihre Kräfte. Endlich ermannte ſie ſich und ſprach ſchüchtern: — Glaubſt Du nicht, mein Ritter Louis, daß wir beſſer daran thäten, uns zu entfernen? Wenn wir länger hier bleiben, ſo ſetzen wir uns der Gefahr aus, in die Hände der Spanier zu fallen. — Fürchteſt Du Dich, meine ſüße Waldblume? — Wenn ich mit Dir bin, ſollte ich mich fürchten, mein Ritter Louis?— Nie!— Doch ich habe Furcht.— Entfernen wir uns, ich beſchwöre Dich! Dieſe unſchuldige Lüge war die erſte in ihrem Leben; ſie war eiferſüchtig. In dem Augenblick, als Jeanne die Thür öffnen wollte, krachten Musketenſchüſſe auf dem Kirchenplatz. — Es iſt zu ſpät, mein Ritter Louis, ſagte ſie völlig ohne Angſt, wir ſind verloren. Dankbar erhob ſie hierauf die Augen zum Himmel, und flüſterte, aber ſo leiſe, daß Morvan es nicht vernehmen konnte: — Heilige Jungfrau, nimm meine Bitte gnädig auf, und laß mich mit meinem Ritter Louis ſterben! Der junge Mann war beim Lärm der Schüſſe zum Fen⸗ ſter geeilt; er bemerkte ſpaniſche Solkuten, die verwirrt vom Schrecken in's Blaue ſchoßen, obwol kein Flibuſtier vor ihnen zu ſehen war. 2 — kehrte, habe e Orte wieder wie D nen Au Spani kotys ringer welche ſelben Laure der h wehre rief d ſilten nier Leiche gen un ein D ſe erl ſe es nitlet Dich nich, Dich nich böſe, nicht, g die te ſie beſet iben, anier mein etnen ſe ollte, ölig und nnte: uf, zw vom hnen — Matroſe, rief der ſchöne Laurent, der jetzt zurück⸗ kehrte, dieſes Haus ſteht nun ganz in unſerer Gewalt! Ich habe alle Diener des Grafen von Monterey an einem ſichern Orte eingeſchloſſen. Unglücklicherweiſe habe ich Nativa nicht wiederfinden können. Doch, was thut das! Ach, Waldblume, wie Du ſtolz und tapfer biſt! Bei meiner Ehre, wir könnten ei⸗ nen Ausgang verſuchen, da Du uns jetzt begleiten kannſt! Die Spanier find ſo erſchrocken, daß ſie uns für ein ganzes Armee⸗ korps halten werden. Gehen wir. Als der Flibuſtier ſo ſprach, zerſchmetterten zwei aus ge⸗ ringer Entfernung abgeſchoſſene Kugeln eine Marmorplatte, welche Morvan in einer der Barrikaden verwendet hatte. In dem⸗ ſelben Augenblick erſcholl auf dem Platz ein wüthendes Geſchrei. — Wir ſind entdeckt, nun müſſen wir bleiben, ſagte Laurent mit vollkommener Gleichgiltigkeit. Stellen wir uns Je⸗ der hinter einem Fenſter auf! Waldblume wird unſere Ge⸗ wehre laden. — Ich will an der Seite meines Ritters Louis kämpfen! rief das Boucaniermädchen mit Exaltation. Kaum waren einige Secunden verfloſſen, als drei mit ſeltener Geſchicklichkeit abgefeuerte Schüſſe eben ſo viele Spa⸗ nier zu Boden warfen.— Nach einer Minute lagen ſchon acht Leichen auf dem Pflaſter des Kirchenplatzes. — Ich wette, unſere Feinde werden bald Kanonen ge⸗ gen uns aufführen laſſen, ſagte Laurent.— Da ſteht mir gerade ein Offizier vor dem Korn;— er kiegt ſchon! Die Spanier erſchracken über die raſchen Verluſte, welche ſie erlitten, und da ſie nicht wußten, mit wie viel Flibuſtiern ſie es zu thun hätten, ſo flüchteten fie ſich nach allen Seiten. Morvan und Laukent erſchoßen noch zwei auf der Flucht. — Das ſind tapfere Krieger! ſagte Laurent die Achſeln mitleidig zuckend; ſie find im Stande und belagern uns, um — 134— uns durch Hunger zur Unterwerfung zu zwingen. Ich bemerke eine zahlreiche Compagnie Soldaten, die nach dem Platz kom⸗ men.— Feuer auf die Offiziere, Matroſe! Die Soldaten werden ohne Führer nur unvernünftige Maſchinen. Du haſt ei⸗ nen Kapitän getroffen—— ſehr gut! wir ſind quitt; Ich ver⸗ gelte Dir Deinen Kapitän mit einem Oberſt.— Jeanne, bücke Dich! Die Hidalgo's entſchließen ſich, uns zu antworten. In der That flog ein ganzer Kugelregen an die Stein⸗ mauern des Hauſes; jedoch nicht eine einzige Kugel gelangte in das Gemach, in welchem ſich die Belagerten befanden. Laurent fing an— was ihm ſehr ſelten paſſirte— aus vollem Halſe zu lachen, und ſagte zu dem jungen Manne: — Parbleu! es war doch ſehr thöricht, nächtlicher Weile in Granada zu landen. Ich hätte mich der Stadt am hellen Tage bemächtigen ſollen. Mit meinen neunzig Mann hätten wir die ganze Garniſon über die Klinge ſpringen laſſen können.— Kein Menſch mehr auf dem Platz— kein Schuß in der Ferne⸗ —— Friſch auf! Die in Santa⸗Engracia zurückgelaſſenen Barken müſſen ihre Schuldigkeit gethan, das hoißt, die Beute nach der Fregatte gebracht haben.— Es iſt wahrſcheinlich, daß unſere Leute uns jetzt befreien werden. Ich möchte mich gern ein wenig der blanken Waffe bedienen; unſere Lage wird monoton. — Aber ſie bleibt doch kritiſch, Matroſe. Es ſcheint mir unmöglich, daß wir uns werden halten können. Sobald die Spanier von ihrem erſten Erſtaunen zurückkommen, werden ſie die geringe Zahl der Gegner erfahren, die ihnen die Spitze bieten, und dann ſind wir verloren! — Ich ſehe nicht ſo ſchwarz, antwortete Laurent; ich finde, daß wir ſo viele Ausſichten auf Erfolg haben, als wir vernünftiger Weiſe wünſchen können. — Und was ſind das für Ausſichten, Matroſe? — Vor allem der Schreck, den unſer glücklicher Anfang den? unſer zihle Ich b ſtigen Porf verdan nicht. det, ungle überſt Lur ſiers tailln penz münt ſtellt bena dite und w auche Pltz hinter 35) ſoſch in ju heI Emſt enerke kom⸗ ldaten aſt ei⸗ h vet⸗ bücke ötein⸗ gte in urent uſe zu Weile ellen wit — 135— dem Feinde einjagen mußte; ferner die Wahrſcheinlichkeit, daß unſere Mannſchaft uns zu Hilfe komme; endlich— und darauf zähle ich am meiſten— mein ſicherer Blick und meine Einſicht. Ich bin innig überzeugt, daß es mir gelingt, den erſten gün⸗ ſtigen Zufall, der ſich uns darbietet, ſo auszubeuten, und ſo viel Vortheil daraus zu ziehen, daß wir unſer Heil uns ſelbſt zu verdanken haben werden. Wie tapfer auch Morvan war, ſo konnte er ſich doch nicht einer wahrhaften Bewunderung für den Mann entſchlagen, der, allein gegen eine ganze Stadt, dennoch hoffte aus dem ſo ungleichen Kampfe als Sieger hervorzugehen.— Uebrigens überſchreiten die von der Geſchichte aufgezeichneten Waffenthaten Laurents die Grenzen der Möglichkeit und verwirren den Verſtand. Diesmal entſprach der Zufall der Erwartung des Flibu⸗ ſtiers nicht. Kaum hatte er ſeine Worte beendigt, als zwei Ba⸗ taillons Bürgermiliz, und drei Compagnien regelmäßiger Trup⸗ pen zugleich aus den Gaſſen kamen, welche auf den Kirchenplatz mündeten. Anſtatt ſich dem Feuer der Boucanier auszuſetzen, ſtellten ſie ſich theils in den dem Hauſe des Grafen von Monterey benachbarten Häuſern auf, theils in dem Thurm, theils auf den Dächern der Kathedrale. Nun war der Kampf ein ganz anderer und weit gefährlicherer als er es bisher geweſen. Endlich wurde auch eine Achtpfünder⸗Kanone, von Menſchen gezogen, auf dem Platz aufgeführt; Artilleriſten mit brennender Lunte folgten hinterdrein. — Das iſt zu unterhaltend und zu drollig! rief Laurent. Ich hätte es nie geglaubt, noch gehofft, daß ſich mein Scherz ſo ſchnell verwirklichen werde! Artillerie um zwei Männer und ein junges Mädchen anzugreifen! Nur die Spanier können ſol⸗ che Ideen haben. Dieſes Volk iſt in Folge ſeines äußerlichen Ernſtes immer verkannt worden; es iſt ja voll Spaß! Morvan war es klar, daß ſein Waffen⸗ oder vielmehr — 236— Unglücksgefährte durch dieſe Fanfaronaden nicht ſeine Furcht bemänteln wollte; ſein Ausdruck trug den Stempel der Auf⸗ richtigkeit, der keinen Zweifel zuließ. Laurent fühlte gar keine Furcht, er war wirklich heiter. — Nun, Matroſe, fragte Morvan ihn ängſtlich, was hältſt Du von den neuen Vorkehrungen des Feindes? — Das Blatt ſcheint ſich gewendet zu haben, und wenn nicht ein Wunder geſchieht, ſehe ich wirklich nicht ein, wie wir aus dieſem Wespenneſte fortkommen. Die Häuſer, welche den reichen Kaufleuten oder den vor⸗ nehmen Herren in Amerika zur Wohnung dienten, hielten im 17. und 18. Jahrhundert die Mitte zwiſchen Palaſt und Feſtung. In Quaderſteinen aufgeführt, mit maſſiven Thoren und gezahn⸗ ter Zinnenwehre verſehen, konnten ſie eine Weile hindurch eine Belagerung mit Vortheil beſtehen und den Angriffen rebelliſcher Negerſklaven Widerſtand leiſten. Als die Granader zur Artillerie ihre Zuflucht nahmen, verdienten ſie daher keineswegs die ſpöt⸗ tiſchen Bemerkungen des ſchönen Laurent. Zwölf von ihnen, unter denen ſich ein Oberſt befand, waren bereits ſeit dem Be⸗ ginn des Kampfes verwundet worden; ſie mußten daher auf die Vermuthung kommen, daß ſie es mit zahlreichen Feinden zu thun hätten, und ſomit waren ihre großen Vorkehrungen gerechtfertigt. — Matroſe, ſagte Laurent, verſchanzt wie wir find, brau⸗ chen wir uns durch die Flinten nicht beunruhigen zu laſſen. Die Kanone allein ſoll uns beſchäftigen. Du begreifſt wohl, daß man auf uns Sturm laufen wird, ſobald das Hausthor zer⸗ ſchoſſen iſt. Aber wenn wir in dem Falle auch zwanzig Hidalgo's niedern der Uel kriften nihen un die haun! — Fe — Si die Br Du ein Geneht haben gang ſchnil wenn dod be wetden Rur zu denken ein dr uch a bütz, dun eir lntet Fuccht uf⸗ keint was wenn ie wir vor⸗ nin ſung. zuhr⸗ heine iſcher illetie ſtüt hnen Be⸗ uf die thun rtigt. hrau⸗ Die dif niedermetzeln, ſo wird uns das doch nichts nützen; wir werden der Uebermacht erliegen. — Alſo, was iſt da zu thun, Matroſe? — Wir müſſen Zeit gewinnen; wir müſſen jeden Artil⸗ leriſten niederſchmettern, der ſich der Kanone mit der Lunte nähern will. Sieh, eben nähert ſich einer mit dem Stückwiſcher, um die Kanone zu ſäubern.— Was für ein ſchöner Burzel⸗ baum!— meine Kugel muß ihn an der Stirn getroffen haben. — Feure Du auf den Andern, Matroſe.— Prächtig getroffen! — Sieh, wie er in eine Blutlache fällt!— Du haſt ihn in die Bruſt getroffen!— Wirklich, Ritter, ich glaubte nicht, daß Du ein ſo guter Schütze ſeieſt.— Unterhältſt Du Dich? — Nicht allzugut, antwortete Morvan, indem er ſein Gewehr wieder lud. — Wie doch die Naturen verſchieden ſind! Sieh, ich habe mich ſchon lange nicht ſo gut amüſirt. — Denkſt Du denn nicht an den unvermeidlichen Aus⸗ gang dieſes Kampfes? an den ſichern und wahrſcheinlich ſchmählichen Tod, dem wir entgegengehen? — Warum ſoll ich mich mit der Zukunft beſchäftigen, wenn die Gegenwart mir angenehm iſt? Was den ſchmählichen Tod betrifft, von welchem Du ſprichſt, ſo fürchte nichts. Wir werden uns auf der Breſche ſo tapfer ſchlagen, daß die Spanier, nur zu glücklich, wenn ſie uns tödten können, gar nicht daran denken werden, uns zu Gefangene zu machen.— Da kömmt ein dritter Artilleriſt. Der muß ein Herz haben, ich will ihn auch achtungsvoll behandeln.— Sieh, wie er fällt! Wie vom Blitz getroffen! Ich habe nach ſeiner Stirne gezielt. Der Fall der drei Artilleriſten machte auf deren Kamera⸗ den einen lebhaften Eindruck; es entſtand ein gewiſſes Zaudern unter ihnen. In dieſem Augenblick eröffneten die in den Nachbarhäu⸗ — ſern und im Thurm der Kathedrale poſtirten Soldaten auf die beiden Abenteurer ein ſo lebhaftes Feuer, daß Laurent und der Ritter, wie verſchanzt ſie auch waren, der erſtere den Hut, der andere das Wamms von mehreren Kugeln durchlöchert erhielten. — Verdammt! ſprach Laurent, es ſcheint, daß dieſe Leute zu zielen wagen. Muth, Matroſe! jeder unſerer Schüſſe muß treffen. Es war ein ſonderbares und ergreifendes Schauſpiel, zu ſehen, wie dieſe zwei Männer einer ganzen Stadt Widerſtand leiſteten.— Was Waldblume betrifft, ſo lud fie, in eine Ecke des Gemaches zurückgezogen, Laurent's und des Ritters Piſto⸗ len, während dieſe ſich ihrer Karabiner bedienten; auf dieſe Weiſe unterſtützt, konnten ſie ununterbrochen feuern. Zwanzig Minuten dauerte bereits das gegenſeitige Beſchießen mit bedeu⸗ tender Erbitterung. Laurent, der Anfangs in dem Kampfe nur einen angenehmen Zeitvertreib geſehen hatte, ward allmälig durch den Geruch des Pulvers und vom Anblick der von ihm ge⸗ tödleten Spanier berauſcht; ſeine Augen blitzten, er fühlte ſich jeden Augenblick verſucht, auf den Platz hinabzugehen und den blanken Degen anzuwenden. Der Ausdruck von Wildheit und verhaltener Wuth, der ſich auf ſeinem Geſicht malte, überſchritt die Grenzen der menſchlichen Leidenſchaft und hatte etwas Er⸗ habenes an ſich. Was Morval betrifft, ſo bewies ſeine ernſthafte, nach⸗ denkliche Miene, daß er nur kämpfte, um der Pflicht zu gehor⸗ chen, nicht weil er davon Rettung hoffte. Seit mehr als einer Viertelſtunde hatten die beiden Waffengefährten kein Wort mit⸗ einander geſprochen; Morvan brach zuerſt das Stillſchweigen. — Matroſe, ſagte er, ich kann meine Muskete nicht mehr zweimal laden; gib mir ſchnell Pulver und Kugeln! — Ich bin eben bei meiner letzten Ladung, antwortete Laurent. Holla! Waldblume, haſt Du noch Muniton? 51 6 nit gli konnte i und laf ſchmalen werigfe wirts, 6 am Amn vete!( Spanie wollen gungen wihten hen. 1 Vuffe weißen gent.( bohrt w neine 2 er den vor, de vtbirg nen da unſere lten 5 — 4139— auf die— Meine Pulverhorn iſt leer, Laurent! und der— Verdammt!— Doch nein,— deſto beſſer!— In t, der mir glüht es ſchon lange zum Handgemenge zu kommen, doch thielten. konnte ich Euch keiner Gefahr ausſetzen. Oeffnen wir das Thor, a dieſe und laſſen wir's auf den blanken Degen ankommen. Auf der Schüſſ ſchmalen Treppe können wir uns mit Vortheil vertheidigen und wenigſtens noch ein Dutzend Hidalgo's niedermetzeln.— Vor⸗ auſpiel, wärts, Matroſe! derſtand Schon ging Laurent nach der Thüre, als Morvan ihn ine Ect am Arm zurückhielt. s Piſt⸗— Halt! ſagte er lebhaft zu ihm, hörſt Du dieſe Trom⸗ uf diſe pete? Sieh, das Feuer hört auf.— Dank, mein Gott! Die zwunig Spanier verzweifeln daran, daß ſie uns beſiegen werden, und bede wollen ohne Zweifel Unterhandlungen beginnen und uns Bedin⸗ pfe mr gungen anbieten. milig— Die Spanier ſollten eine Capitulation bewilligen, ihn ge⸗ während ſie uns in ihrer Gewalt haben! Ich kann es nicht glau⸗ it ſit ben. Und doch haſt Du Recht, Matroſe. Sie bieten uns einen den Waffenſtillſtand an. Eben nähert ſich uns ein Sergent mit der eit und weißen Fahne; er iſt noch bleicher als ſeine Fahne, dieſer Ser⸗ erſchritt gent. Er fürchtet ſich wahrſcheinlich, daß er von Kugeln durch⸗ ns Er bohrt werden wird! Er iſt ein tapferer Mann; ich werde ihm meine Börſe hinunterwerfen. — Waos ſagt er, Matroſe! fragte Morvan lebhaft, als er den Sergent ſprechen hörte. .— Er ſchlägt uns einen viertelſtündigen Waffenſtillſtand vor, damit ſie ihre Todten fortſchaffen können. Dieſer Antrag . verbirgt offenbar eine Falle. Doch, was liegt daran! Wir kön⸗ nen dabei nur gewinnen. Einige Minuten Ruhe werden uns 4. unſere Kräfte wiedergeben, und uns erlauben in unſern nn letzten Augenblicken alle unſere Kraft, alle unſere Energie zu entwickeln. Wir ſagen zu, nicht wahr? 5 — 0 — Ich glaube es wohl, Matroſe; Du kennſt das Sprich⸗ wort:„Zeit gewonnen, Alles gewonnen.“ — Ein Aufſchub kann nur unſern Todeskampf verlängern. Laß mich antworten. Nachdem Laurent mit ſeinem ſtarken Arm die von Morvan vor dem mittleren Fenſter aufgehäuften Möbel entfernt hatte, ſprang er auf den Balcon hinaus. Beim Erſcheinen des Bouca⸗ niers, der mit ſtolzem und verachtungsvollem Blick, den Kopf hochmüthig zurückgeworfen, die in den Nachbarhäuſern poſtirten ſpaniſchen Soldaten mit Verachtung maß, erhob ſich unter den Feinden ein Gemurmel von Furcht und unwillkührlicher Bewun⸗ derung, dann herrſchte tiefes Stillſchweigen. — Sergent, ſagte Laurent mit einer Stimme, die klar und klangvoll bis zum äußerſten Ende des Kirchenplatzes drang, meine Gefährten und ich, wir haben mit dem Waffenſtillſtand, den Deine Chefs uns vorſchlagen, nichts zu thun. Dank, Eurer ausgezeichneten Ungeſchicklichkeit, iſt nicht einer von uns von einer Kugel nur geſtreift worden. Um aber die gegen uns aus⸗ geſtreuten Verleumdungen zu widerlegen, und um Euch zu zei⸗ gen, daß wir keine erbarmungsloſen Tiger ſind, bewilligen wir Euch die zeitweilige Einſtellung von Feindſeligkeiten, um die Ihr uns bittet. Ich verpflichte mich bei der Ehre meines Na⸗ mens— ich bin der Kapitän Laurent— den Kampf vor einer Viertelſtunde nicht wieder zu beginnen. Beeilet Euch Eure Ver⸗ wundeten und Todten fortzuſchaffen, denn ſobald dieſe Friſt ver⸗ ſtrichen iſt, werde ich mit meinen Gefährten erbarmungslos über Euch herfallen. Wenn Ihr den Waffenſtillſtand, den un⸗ ſere Großmuth Euch bewilligt, zu einer Verrätherei gegen uns benützen ſolltet, ſo iſt es unnütz hinzuzufügen, daß wir an Euch gewaltige Rache nehmen werden. Ich habe geſprochen. Als die Spanier vernahmen, daß die im Hauſe des Gra⸗ fen von Monterey verſchanzte vermeintliche Garniſon von Lau⸗ 1 * 3 3Sprich⸗ längetn. Moran it hatte, Bouet⸗ en Kof poſtirten nter den Benn⸗ die klar 6 drang, illſtund, ſ, Eurer uns von uns aus⸗ 5u igen wi un die nes Mr vot einet ure Ver⸗ Friſt vel⸗ ungölo den un gen un nir an chen des Gr von ko — 141— rent befehligt ſei, überfiel ſie ein großer Schrecken. Die beiden Männer, welche Amerika zittern machten, hießen Montbars und Laurent. — Meiner Treue, Matroſe, ſagte Laurent, vom Balkon hereinkommend, wenn ich in dieſem Augenblick nur über den vierten Theil unſerer Mannſchaft verfügen könnte, ſo würde ich die Stadt Granada in einer halben Stunde zu meinen Füßen ſehen. — Laurent, antwortete der Ritter mit Bewunderung, Du biſt wohl das außerordentlichſte Weſen, das ich mir jemals nur vorgeſtellt habe. Aber verlieren wir keine Zeit mit leeren Reden. — Halten wir Rath. Was thun? Waldblume, haſt Du keine Idee? Gott bedient ſich oft der unſcheinbarſten Werkzeuge, um die Mächtigen zu retten. — Ach nein, mein Ritter Louis, ich habe keine Idee, antwortete Jeanne, aber ich habe eine Bitte an Dich. Ich be⸗ ſchwöre Dich, höre mich an, ohne mich zu unterbrechen, und dann ſage nicht nein! — Sprich, meine geliebte Schweſter! — Mein Ritter Louis, ſagte Waldblume erröthend und mit einer Schüchternheit und Verlegenheit, die ihr nicht eigen waren, Du kennſt nicht die Bosheit der Spanier; Du haſt kei⸗ nen Begriff von der Barbarei, mit welcher ſie ihre Gefangenen behandeln, von dem Schimpf und den Qualen, die ſie dieſelben erdulden laſſen!— An Deiner Seite zu ſterben, hat nichts Erſchreckendes für mich, im Gegentheil!— Was mich jedoch über allen Ausdruck ſchaudern macht, das iſt die Ausſicht, lebend in die Hände unſerer Feinde zu fallen.— Ich habe ſeit vier⸗ zehn Tagen viel nachgedacht— viel.— Nicht wahr, mein Ritter Louis, ein Weib, ein junges Mädchen muß den Tod der Schande vorziehen? Schwöre mir daher, mein Ritter Louis, daß Du mich tödten wirſt, wenn alle Hoffnung verloren iſt. Morvan erblaßte und ſchwieg. — 142— — Du antworteſt mir nicht? fuhr Waldblume ängſtlich fort; Du ſchlägſt mir meine Bitte ab? O das wäre nicht gut! Ich habe nicht eigentlich Furcht— nein. Doch bei dem Gedan⸗ ken mich ſelbſt zu tödten, pocht mir das Herz und die Hand zit⸗ zert mir.— Denke nur, wenn mir im letzten Augenblicke der Muth mangelte! o das wäre ſchauderhaft! Sei gut gegen mich, mein Ritter Louis! Gewähre mir meine Bitte! — Meine anbetungswürdige Jeanne! rief Laurent, ohne Morvan Zeit zur Antwort zu geben, ſei ohne Furcht. Deine Idee iſt mir ſchon früher gekommen; ich war entſchloſſen, Dir den ſchmerzlichen und blutigen Dienſt zu leiſten, den Du von der Ergebenheit des Ritters erbitteſt.— Fürchte nichts, ich ſchwöre Dir's, Jeanne, bei meiner Liebe zu Dir, daß ich Dich nicht lebend in die Hände der Spanier fallen laſſen werde! Laurent faßte hierauf die Hand des Mädchens, führte ſie an ſeinen Mund und drückte einen glühenden Kuß darauf. — Du weinſt, Du, ſchöner Laurent? erwiederte Jeanne, tief erſtaunt. In der That war von Laurent's Auge eine Thräne auf ihre Hand gefallen. — Ja, Jeanne, ich weine, antwortete der Flibuſtier mit Stolz, ich weine vor Rührung, faſt vor Freude; indeß bedaure ich es nicht, jetzt ſterben zu müſſen. Zum erſten Mal ſeit fünf⸗ zehn Jahren achte ich mich und bin ſtolz auf mich! — Ach, warum liebt mich mein Ritter Louis nicht ſo? murmelte Waldblume und ließ ihren Kopf auf die Bruſt finken. Dank, Laurent, fuhr fie nach kurzem Stillſchweigen fort; jetzt bin ich ruhig. Ich wäre wohl lieber durch die Hand meines Ritters geſtorbeu— es ſcheint mir, daß ich nicht gelitten hätte, während Du mir Angſt machſt! Morvan war wie ſein Matroſe bewegt. Sein feuchter Blick hing mit unausſprechlich zärtlichem Ausdruck an Waldblume. Nien derb ihre derh an kälte ihnr den liche nom ken ihres wun ling weil ſche Wg hatt er in — X Iiht endli unſe fößt als f ſilch gut! dan⸗ it⸗ eder nich, ohne Nine Dir von „ich Dich — 143— Niemals war das junge Mädchen ſo reizend geweſen. Ihr wun⸗ derbares blondes, dichtes, ſeidenartiges Haar floß aufgelöſt auf ihre Schultern nieder; ihre großen ſchwarzen Augen, von wun⸗ derbarer Klarheit, beſeelt von dem Gedanken an den Tod und an die Trennung von Morvan, beſaßen einen Reiz, der das kälteſte abgelebteſte Herz gerührt hätte. Die von der Erwartung ihrer letzten feierlichen Stunde verurſachte Aufregung gab auch den Bewegungen der Waldblume Lebhaftigkeit und unnachahm⸗ liche Anmuth! Wie ſehr er auch von tiefernſten Gedanken einge⸗ nommen war, ſo konnte Morvan doch nicht umhin ihren ſchlan⸗ ken geſchmeidigen Wuchs und die bewundernswerthen Umriße ihres von der Natur mit aller Liebe geformten Körpers zu be⸗ wundern. Der ſchöne Laurent hatte, ſei es aus Furcht, beim längern Anblick der Waldblume ſeinen Muth zu verlieren, oder weil ihm die Idee gekemmen war, das Mädchen zu retten, ſich ſchnell nach dem Balkon begeben, von dem herab er einige Augenblicke vorher mit dem ſpaniſchen Parlamentär geſprochen hatte. Kaum hatte er einen Blick auf den Platz geworfen, als er in's Zimmer zurückſprang. — Waldblume! rief er, Du biſt zu ſchön um zu ſterben. — Ich will nicht, daß Du ſterbeſt. Das erſte Mal ſeit fünfzehn Jahren habe ich Gott angerufen und er hat mich in ſeiner un⸗ endlichen Barmherzigkeit erhört.— Ich ſehe ein Mittel zu unſerer Rettung. Der ſo erfinderiſche, ſo klare Geiſt des ſchönen Laurent flößte den beiden Andern ein ſolches Vertrauen ein, daß ſie ſich, als ſie den Flibuſtier ſo ſprechen hörten, außer aller Gefahr ſahen. — Was iſt zu thun, Matroſe? fragte ihn der Ritter. — Komm zum Balkon und ſieh, was vorgeht. Was ſiehſt Du? — Ich ſehe einen prächtigen offenen Wagen von zwei — 144— reich geſchirrten Maulthieren gezogen. In dieſem Wagen befin⸗ det ſich ein Prieſter in Pontificalibus. — Und was macht die Menge? — Die Menge oder wenigſtens die Soldaten, die ſeit dem Einſtellen der Feindſeligkeiten auf die Straße herabgekom⸗ men, knieen andächtig nieder, und neigen demüthig ihr Haupt zur Erde. — Der Prieſter bringt einem Sterbenden das heilige Abendmahl. Die Spanier, ich laſſe ihnen dieſe Gerechtigkeit nur heute gern widerfahren, haben den Muth und das Verdienſt der Demuth vor Gott! Wenn zehn mit Kartätſchen geladene Kano⸗ nen auf dieſe knieenden Leute losgefeuert würden, ſo würde dennoch kein einziger von ihnen aufſtehen, ſo lange dieſer Wa⸗ gen ihnen nicht aus dem Geſicht wäre; ſo lange ſie das Glöck⸗ chen, das ihn begleitet, hören, würde keiner von ihnen die Flucht ergreifen! Der Menſch iſt nur ſtark durch ſeinen Glauben! — Aber, Laurent, wozu dieſe Erklärungen? die Viertel⸗ ſtunde unſeres Waffenſtillſtandes verfliegt mit erſchreckender Schnelligkeit, und wir haben keine Munition mehr.— — Und dennoch müſſen wir warten. Glaube mir, wenn der Augenblick zum Handeln gekommen ſein wird, und wäre er nicht ſchneller wie ein Blitz, ſo werde ich ihn zu ergreifen wiſ— ſen!— Ah, der Wagen bleibt ſtehen— der Prieſter ſteigt aus — die Soldaten präſentiren das Gewehr—— — Der Gottesdiener geht zu dem von Dir niedergeſtreck⸗ ten Oberſt! Er beugt ſich zu ihm nieder— er erhebt die Hände um ihn zu ſegnen und zu abſolviren. Jetzt reicht er ihm die hei— lige Hoſtie. — Ja, aber ſchon zu ſpät, der Oberſt iſt todt! — Das iſt wahr. Der Prieſter ſteigt in den Wagen. — Matroſe! jetzt iſt die Secunde, die für uns über Le⸗ ben und Tod entſcheidet! gehen wir hinab! — die lin weinen c F hingb, horhte das E öffnete Plötli gen Se Monte den i dem nuhn Platz. vor no ken lo ſierz Sie n über e und ſi on * 1 11 die ſeit bgekon⸗ Haut heilige keit nur enſt der eKanv⸗ würde ſer P⸗ nen die lauben! iertel⸗ eckendet wenn wäre er en wiſ⸗ igt aus Hinde die hei⸗ gel tun ke nehmen hätten. Laurent hängte ſich ſeine Muskete um, nahm einePiſtole in die linke Hand, dann ſagte er, vor Waldblume ein Knie beugend: — Meine geliebte Jeanne, vertraue meiner Liebe und meinem Muth!— und ſomit nahm er ſie auf ſeinen rechten Arm. — Friſch auf, Matroſe, gehe uns voran, eile die Treppe hinab, und ziehe die Ketten weg, welche das Thor verſchließen! Morvan, ſehr unruhig über das, was kommen ſollte, ge⸗ horchte, ohne zu antworten. Sobald der ſchöne Laurent mit Waldblume auf dem Arm das Ende des auf den Platz gehenden Corridors erreicht hatte, öffnete er langſam das Thor und ſprach leiſe: — Ritter, thue dasſelbe, was Du von mir ſehen wirſt. Einige Secunden verfloßen in tiefem Stillſchweigen. Plötzlich öffnete Laurent das Thor. Der Wagen mit dem heili⸗ gen Saerament befand ſich eben vor dem Hauſe des Grafen von Monterey. — Vorwärts, Matroſe! rief Laurent. Der Flibuſtier ſtürzte mit der Leichtigkeit eines Leopar⸗ den in einem Sprung zum Wagen hin, und ſetzte ſich in dem maſſiven Fuhrwerk an die Seite des Prieſters; Morvan nahm faſt in demſelben Augenblick auf dem Sitz gegenüber Platz. Dies Alles war ſo ſchnell vor ſich gegangen, daß— be⸗ vor noch einer der knieenden Soldaten dieſe Entweihung bemer⸗ fen konnte, geſchweige, ſie zu verhindern— der kühne Flibu⸗ ſtier Zeit fand, dem Prieſter laut zu ſagen: — Mein Vater, ich bin der Kapitän Laurent! Führen Sie mich nach Santa⸗Engracia, oder Sie ſind des Todes! Das Staunen oder vielmehr die Entrüſtung der Menge über eine ſolche Entweihung war ſo groß, daß ſie unbeweglich und ſchweigſam ſtehen blieb. Niemals war ein ſolcher Fall vor— gekommen; die Soldaten wußten nicht, wie ſie ſich zu be⸗ 13. 6 — Mein Vater, ich wiederhole es Ihnen, ich bin der Capitän Laurent, ſagte der Flibuſtier noch einmal kalt und zog ſeine Piſtole auf. k Der Prieſter zitterte an allen Gliedern. Nur der Selbſt⸗ erhaltungstrieb gab ihm noch die Kraft dem auf einem der Maul⸗ thiere ſitzenden Kutſcher zuzurufen: — Nach Santa⸗Engracia! Der Wagen lenkte langſam in dieſer neuen Richtung ein; die Menge ſchauderte, aber da ſie es nicht wagte dieſer Ent— weihung eine Gottesläſterung entgegenzuſetzen, ſo blieb ſie unbeweglich; alle Zuſchauer dieſes ſeltſamen Schauſpiels be— griffen, daß der ſchreckliche Capitän Laurent ſeine Drohung ausführen würde. Das war nun ein ſeltſames, unerhörtes, wunderbares Schauſpiel, zu ſehen, wie eine ganze ſpaniſche Stadt gezwungen war, vor zwei Flibuſtiern niederzuknieen, vor jenen ſchrecklichen Feinden, die vor Kurzem noch in ihrer Macht waren. Der ſchöne Laurent und der Ritter hatten ihre Häupter entblößt, und dach⸗ ten übrigens nicht daran, ihre Lage zu mißbrauchen; ihre Hal⸗ tung war ganz die der chriſtlichen Demuth; nichts in ihnen verrieth die Freude und den Stolz des Triumphes. Der Kutſcher gab, in Rückſicht der ſchwierigen Umſtände, dem Wagen eine ſchnellere Bewegung; eine Viertelſtunde ge⸗ nügte unſern Abenteurern, um nach Santa-Engracia zu kommen. — Matroſe! rief Morvan freudig, da ſehe ich eben un⸗ ſere Barken zurückkommen.— Man wird Deine Abweſenheit bemerkt haben.— Unſere Gefährten eilen Dir zu Hilfe—— wir ſind gerettet! Da es kein Granader gewagt hatte, dem Wagen zu fol⸗ gen, ſo konnten der Ritter und ſein Matroſe ohne Gefahr aus⸗ ſteigen. Uebrigens ſtießen in demſelben Augenblick die Barken an's Ufer. Prieſt er ung brache Euer eih den de duß de Golde nur ei Zeit ihnen ſicchte die B wird, ſch e ſihrn Fibn je me zu hal icht. ſeine ident bin der und zog ng ein; ſer Ent⸗ lieb ſie iels be⸗ rohung erha res vungen eölichen rſchöne d dach⸗ re Hil⸗ nihnen ſtnde, nde ge⸗ ommel⸗ hen un⸗ eſotheit zupl hr l⸗ Varfen 1— Beim Anblick ihres Chefs, der aus dem Wagen des Prieſters ſtieg, begriffen die Flibuſtier ſogleich die Liſt, die er angewendet hatte, um den Spaniern zu entkommen, und fie brachen in Jauchzen aus. — Gut, meine Freunde, erhitzt Euch, murmelte Laurent, Euer Ent huſiasmus ſoll nicht verloren ſein. Ich werde ihn ſo⸗ gleich benützen. Die Flibuſtier waren zu praktiſche Leute um nicht, nach⸗ dem der erſte Augenblick der Freude vorüber war, zu bemerken, daß der Ornat des Prieſters und der Wagen eine ziemliche Menge Goldes enthielten. Von dieſer Bemerkung zur Beſitznahme war nur ein Schritt. Fünf oder ſechs von ihnen ſtürzten zu gleicher Zeit auf die Beute los, welche der Zufall in ſo ſeltſamer Weiſe ihnen entgegengeführt hatte; aber Laurent warf ſich, ſeinen fürchterlichen Säbel in der Hand, zwiſchen dieſe Männer und die Beute, und rief mit gebieteriſcher Stimme: — Der Erſte, der dieſe geweihten Gegenſtände berühren wird, iſt des Todes! Die Flibuſtier blieben ſigenuzelt ſtehen. — Mein Vater, fuhr der ſchöue Laurent fort, indem er ſich ehrfurchtsvoll vor dem Prieſter verneigte, Sie ſind frei, fahren Sie weg. — Das iſt ſehr ſchön von Dir, ſagte Waldblume zu dem Flibuſtier, der roth wurde vor Vergnügen. Es iſt entſchieden, je mehr ich Dich ſehe, deſto mehr bereue ich es, Dich verachtet zu haben, und ich verſuche es, Dich zu lieben! — Und hoffſt Du es zu können, Jeanne? — Das ſcheint mir ſchwer.— Warum?— Ich weiß es nicht. So oft ich an Dich denken will, kommt mir das Bild meines Ritters Louis in den Sinn.— Iſt das nicht außer⸗ ordentlich? Laurent antwortete auf dieſe naive Frage nicht, aber eine 13½ Wolke glitt über ſeine Stirne, und mit drohendem Blick ſah er nach Morvan hin.— Am glücklichſten über die Befreiung des Ritters und ſeines Matroſen war ohne Zweifel Alain. Der brave Bretagner raufte ſich beinahe die Haare vor Freuden aus. — Wie gut ſind Sie doch, mein Herr, daß Sie mir meine Entfernung verzeihen! Ich weiß wol, daß es meine Pflicht war, Ihnen zu folgen; aber was wollen Sie? Ich bin in ein Haus gekommen, wo es ſo viel Gold gab, daß ich geblendet war. Ich bin dort länger als eine Stunde geblieben, ohne es zu merken; mir kam es nur wie eine Minute vor. — Wie, Alain, Du haſt an der Plünderung Theil ge⸗ nommen? — Ich habe dieſe armen, lieben Indianer gerächt, welche von den Spaniern vor fünfzig Jahren ſo grauſam behandelt worden ſind, und von denen mir Montbars ſo viel erzählt hat.— Unglückliche Indianer!— Haben wir gearbeitet, die Freunde und ich! Wir haben nicht eine Unze Goldes in jenem Hauſe zurückgelaſſen. Denn, ſehen Sie, Herr, die Indianer ſind doch eben ſo gut Geſchöpfe Gottes, wie wir!— und die Inſeln gehören doch ihnen. Ich möchte wetten, daß wir wenig⸗ ſtens zehn Tauſend Thaler in die Maſſe geliefert haben. Morvan wollte eben ſeinem Diener antworten, als Lau⸗ rent hinzukam. — Matroſe, ſagte dieſer, ſo eben habe ich noch Schlech⸗ tes gegen Dich gedacht! ich bin Dir Entſchädigung ſchuldig; das Flibuſtierleben paßt nicht für Dich; ich will in einem Tage Dein Glück machen, damit Du nach Europa zurückkehren könneſt. — Höre mich! — Ich danke Dir für Deine guten Abſichten, unterbrach ihn der Ritter, aber Du täuſcheſt Dich über das, was ich will. Es iſt wahr, daß es mir wenig Freude macht, Plünderungen beizuwohnen. Ich werde mich aber dem Kriegsgebrauch zu fügen viſſen daran, holte das i Indere ich vo uns iſ, ſ ſhidi unſere zu be anzu von! ſonde wie 2 on de plaud ſchul lenw nun; nnd Einſt ſowe eine gen, h ſih et ung des . Der en aus. ie nir Pficht in ein hlendet ohne es heil ge⸗ welche handelt zihlt et, die njenen ndianet und die wenig⸗ ls Lol⸗ Schlech⸗ tuiz; n Tage föneſt tebrh ich will. emnge zu fügel — 149— wiſſen. Was das Leben in Europa betrifft, ſo denke ich nicht daran, es wäre mir nicht mehr möglich! — Und wenn Waldblume meine Geliebte würde? — Wenn Waldblume Deine Geliebte würde? wieder⸗ holte der junge Mann erblaſſend, nun dann!— ober nein, das iſt nicht möglich— das wird nie ſein! — Das werden wir ſehen. Sprechen wir jetzt von etwas Anderem, ſagte Laurentkalt; ich will Dir einen Vorſchlag machen. — Laß hören, Matroſe! — Heute, fuhr Laurent fort, iſt es das erſte Mal, daß ich vor einem Feinde zurückgewichen bin, denn wir dürfen es uns nicht verhehlen: wie glorreich auch unſer Rückzug geweſen iſt, ſo ſind wir doch geflohen. Wir ſind uns daher eine Ent⸗ ſchädigung ſchuldig!— WMeine Abſicht iſt, den Enthuſiasmus unſerer Leute und die Verblüffung der Garniſon von Granada zu benützen und dieſe Stadt mit offener Gewalt am hellen Tage anzugreifen. Einwendungen laſſe ich nicht gelten! Ich ſetze Dich von meinem Vorhaben in Kenntniß, nicht damit Du es billigeſt, ſondern um Dir dabei Deine Rolle zu ertheilen!— Wir haben, wie Du weißt, heute Nacht unſere Pflicht verletzt, und anſtatt an der Spitze unſerer Leute zu bleiben, die Zeit bei Nativa ver⸗ plaudert; Du begreifſt daher, daß wir vor unſerem Gewiſſen ſchuldig ſind, wenn wir unſern Antheil an der Beute nicht ſteh⸗ len wollen, unſere Perſon einzuſetzen. Wenn ich falle— ich komme nun zu dem, was Dich betrifft— ſo übernimmſt Du das Com⸗ mando der Expedition, und wirſt dann ſo ſchnell als möglich die Einſchiffung bewerkſtelligen; denn, wenn ich todt bin, Matroſe, ſo werden die neunzig Männer, die unter meinem Commando eine Armee aufwiegen,eine Hand voll Abenteurer. Willigſt Du ein? — Mich am hellen Tage, im Angeſicht der Sonne ſchla⸗ gen, iſt mir das Angenehmſte. Ich werde mein Beſtes thun, und hoffe, Du werdeſt mit mir zufrieden ſein. — Das iſt eine Beſcheidenheit, die von einem großen Herzen zeugt; folge mir. Laurent kehrte nun zu den Flibuſtiern zurück, die mit Ungeduld auf das Signal zur Abfahrt warteten. — Brüder der Küſte, ſagte er zu ihnen, ich muß vor Euch mich der Schuld anklagen, daß ich von der Tapferkeit der Spanier eine zu große Meinung hatte. Ich habe Euch nächtlicher Weiſe wie Diebe an's Land ſteigen laſſen, anſtatt Euch ehrlich in die Schlacht zu führen. Ihr habt aber geſehen, daß wir, mein Matroſe nämlich und ich, eine halbe Stunde der ganzen Garniſon der Stadt die Spitze geboten haben. Wir müſſen unſern Fehler durch eine glänzende Waffenthat wieder gut machen.— Granada fließt über von Reichthümern. Wir wären für immer entehrt, wenn wir uns mit der magern, auf unſern Booten hergebrachten Beute zufrieden gäben.— Vor⸗ wärts meine Freunde! Kehren wir nach Granada zurück. Von der ganzen Rede ihres Chefs verſtanden die Flibu⸗ ſtier nur Eines, aber das genügte um ihren Enthuſiasmus bis zum höchſten Grade zu ſteigern: nämlich daß ſie ihre Beute vermehren ſollten. Einſtimmig riefen ſie:„Marſchiren wir!“ In weniger als fünf Minuten waren die Reihen gebildet, und die Colonne ſetzte ſich in Bewegung. Am äußerſten Ende der Vorſtadt Santa⸗Engracia begegneten ſie einem Truppen⸗ corps, das ungefähr aus zwei Hundert Spaniern beſtand. — Freunde, ſagte Laurent zu ſeinen Flibuſtiern, es kom⸗ men kaum zwei Mann auf jeden von Euch. Macht die Kleinig⸗ keit ſchnell fertig. Dieſes Scharmützel iſt ſo unbedeutend, daß ich nicht einmal daran Theil nehmen werde! Ich gebe Euch freie Hand! Sogleich wurde das Feuer eröffnet; zehn Minuten ſpäter blieben von den zweihundert Spaniern nicht mehr als fünfzehn unverwundete Soldaten übrig. Die andern waren todt oder ſchwer inzige ohne e retteter haben zl dank Ren zu zu pli nich, uns ko großen die mit uß vor pferkeit e Euch anſtatt Rſehen, nde der . Vir wieder Pir n, auf bis zun rnehren ebildet, n Ende ruypen⸗ d. es kon⸗ leinig⸗ d, dß be Euch nſpite ſinfzhn dt odel 151— ſchwer verwundet. Die Boucanier hatten nur den Verluſt eines einzigen Mannes zu beklagen. Man ſetzte den Weg weiter fort. Diesmal gelangten die Boueanier bis auf den Kirchenplatz ohne einem Widerſtande zu begegnen; die Bewohner der Stadt retteten ſich nach allen Seiten. Laurent lachte aus vollem Herzen. — Meine Freunde, ſagte er zu ſeinen Flibuſtiern, wir haben jetzt nichts anderes zu thun, als Gott für unſern Sieg zu danken und ein Je—Peum zu ſingen. Dreißig von Euch mö⸗ gen zur Vorſicht in Schlachtordnung hier bleiben. Die Häuſer zu plündern iſt ganz und gar nicht nöthig; ich nehme es auf mich, zu bewirken, daß das Gold und Silber von ſelbſt zu uns komme. XI. Eine Viertelſtunde, nachdem die Flibuſtier wieder nach Granada gekommen waren, erklangen alle Glocken der Kathe— drale, und die Bewohner der Stadt, obwohl ſie einem Schrecken, der an Wahnſinn grenzte, verfallen waren, beeilten ſich dennoch dieſem Rufe zu gehorchen. Bald war die Kirche von einer zahl— reichen, düſtern und troſtloſen Menge erfüllt. Das von Laurent angeordnete Te-Peum wurde vom Clerus geſungen, während die Anweſenden ſchwiegen. Nur einige ſpaniſche Kaufleute ſan⸗ gen mit, aus Furcht vor dem Zorn ihrer Sieger. Uebrigens mußte man ein Laurent ſein, um es zu wagen, die Granader in einer Kirche zu verſammeln, die erſt in der verfloſſenen Nacht von den Flibuſtiern geplündert worden war und noch friſche Spuren der Entweihung an ſich trug. Nach Beendigung des TePeums beſtieg ein Prediger die Kanzel und verkündigte den Bewohnern mit tiefer Bewegung, — 152— daß die Flibuſtier der Stadt eine Brandſchatzung von fünfmal— hunderttauſend Piaſtern auferlegten(ein wenig mehr als dritt⸗ halb Millionen des heutigen Geldes), und wenn dieſes Geld nicht erlegt würde, ſo würden ſie die Stadt anzünden und alle diejenigen niedermetzeln, die ihnen in die Hände fallen. Der Prediger beendigte ſeine Rede, indem er die Gläubigen anflehte, ſich dieſer Forderung der Flibuſtier zu fügen. Laurent bewilligte eine Friſt von zwei Stunden bis die fünfmalhunderttauſend Piaſter beiſammen ſein mußten. Man mag ſich noch ſo ſehr die wunderbare Kühnheit der Flibuſtier, ihren unbezwinglichen Muth, die unwiderſtehliche Macht, welche ſie durch die Furcht auf ihre Feinde ausübten, vor⸗ ſtellen: man begreift es doch nicht, wie eine Stadt von zwölftauſend Einwohnern ſich ſo einer Handvoll Abenteurer unterwerfen konnte. Man darf aber nicht vergeſſen, daß der ſchöne Laurent ſie com— mandirte, und der Name des berühmten und gefürchteten Kapi⸗ täns für ſich allein eine Armee aufwog. Während die Geſänge des ſpaniſchen Clerus ernſt, maje— ſtätiſch und klangvoll mitten im Schweigen der Menge ertönten, kniete Waldblume am Fuße eines Pfeilers und betete. Die arme Jeanne war voll Verzweiflung und Entmuthigung, ſeitdem ſie nicht mehr für ihr Leben zu fürchten hatte und ſich mit ihren Gedanken und der Erinnerung an alles bisher Vergangene allein befand. Der Eid, durch welchen Morvan in einem Moment der Aufregung ſein Geſchick unwiderruflich an Nativa geknüpft hatte, klang ihr noch in den Ohren und brach ihr das Herz. Jeanne hatte eine tiefe Achtung für jedes Verſprechen, ſie hatte die Reli⸗ gion des Eides. Dieſe unüberſteigliche Schranke zwiſchen ihr und ihrem Ritter Louis brachte ſie auf neue Gedanken; ſie hatte ein Gefühl gleich denjenigen, die im Reichthum geboren und im Ueber⸗ fluß erzogen, plötzlich ihrer Güter beraubt werden; bei der erſten Berührung der Noth begreifen ſie erſt, was das Glück ſei; und Vald unübe ſichts blune haften darſſt din! Vie auft dieſe ſei,) deſ. Gott ſchaſt wer verhi Val Stin ung nfnal⸗ dritt⸗ Geld d alle Der flehte, illigte uſend eit der ehliche 1, vol⸗ auſend ton⸗ Kayi⸗ maje⸗ tönten, ame en ſie ihren allein nt der hatte, jeunne eFeli⸗ hr und tte ein Ueber⸗ erſten 6nd Waldblume wußte jetzt, was Liebe ſei, ſeitdem ſie durch ein unüberſteigliches Hinderniß von Morvan getrennt war. Den Kopf in eine ſchwere Mantille gehüllt, die ihre Ge— ſichtszüge nicht erkennen ließ, kniete eine Spanierin neben Wald— blume und ſchien den geringſten Bewegungen derſelben mit leb⸗ haftem Intereſſe zu folgen. — Jeanne, ſagte die Unbekannte, ſich ihr nähernd, Du darfſt Dich nicht ſo dem Schmerz überlaſſen! Muth, meine Freun⸗ din! Der Ritter von Morvan iſt Deiner nicht würdig! Bei dem Namen Morvan erbebte Waldblume. — Wer biſt Du? ſagte ſie zu der verſchleierten Dame. Wie konnteſt Du errathen, was in meinem Herzen rorgeht? — Ich bin Deine Freundin. — Und Du kennſt meinen Ritter Louis? — Ja, Jeanne, ich kenne ihn. — Du liebſt ihn vielleicht auch? — Armes Mädchen! ſagte die Verſchleierte mit dem Tone aufrichtigen Mitleids, an der Lebhaftigkeit, mit welcher Du dieſe Frage an mich richteſt, ſehe ich, wie heftig die Leidenſchaft ſei, welche Dich beherrſcht und wie grauſame Qualen Du erdul⸗ deſt.— Wollen wir aus der Kirche fortgehen? Es iſt eine Gottesläſterung, wenn wir hier von den menſchlichen Leiden⸗ ſchaften ſprechen. — Ja, gehen wir hinaus, ſagte Jeanne; ich will wiſſen, wer Du biſt und woher Du meinen Ritter Louis kennſt. Die Unbekannte erhob ſich und glitt, ihr Geſicht ſorgfältig verhüllend, ſchweigſam und leicht zwiſchen der Menge hindurch. Waldblume folgte ihr. — Dieſes Weib muß jung ſein, dachte ſie, man merkt es an der Leichtigkeit ihrer Bewegungen und am Klang ihrer Stimme— welch ein anmuthiger Gang, weſche reizende Hal⸗ tung!— Bis zum heutigen Tage habe ich noch nicht die — 154— Bemerkung gemacht, daß die Frauen ſich an Gang und Haltung von einander unterſcheiden. Wie unwiſſend bin ich doch geweſen. — Jeden Augenblick kommen mir Gedanken, die ich noch nie⸗ mals gekannt habe. Welch ein Glück, wenn ich viel gelernt haben werde! Aber habe ich nicht im Gegentheil Unrecht, daß ich mich darauf freue?— Je mehr ſich die Dunkelheit zerſtreut, die mich bisher eingehüllt hatte, deſto mehr leide ich, deſto mehr bin ich zu beklagen. Warum hat mir denn mein Ritter von die— ſem Weibe niemals etwas geſagt? Mein Gott! wie habe ich Luſt ſie zu ſehen!— Ja, ja, ſie iſt gewiß ſchön! Während Waldblume ſo ihren Gedanken nachhing, eilte die Unbekannte mit raſchen Schritten vorwärts. Vor einem klei⸗ nen, beſcheiden ausſehenden Hauſe angelangt, blieb ſie ſtehen, zog aus ihrer Mantille einen Schlüſſel hervor, öffnete das Thor und bedeutete Jeanne vor ihr hineinzugehen; das Bouranier⸗ mädchen gehorchte. Die Verſchleierte ſchloß nun das Thor ſorg⸗ fältig und ging dann in ein ziemlich ſchlecht eingerichtetes Ge⸗ mach zu ebener Erde. — Setze Dich, Jeanne, und plaudern wir, ſagte ſie, dabei wies ſie ihr mit einer Kopfbewegung einen alten Arm⸗ ſtuhl an, der an der Wand ſtand. — Wie ſeltſam! man möchte glauben, daß dieſes Weib nicht dasſelbe ſei, wie in der Kathedrale.— Ihre Stimme iſt ſo verändert, daß ich ſie nicht mehr erkenne. Waldblume ſetzte ſich und ſagte zu der Unbekannten: — Wirſt Du Deine Mantille nicht abnehmen? Ich ſehe gern den Menſchen in's Auge, wenn ſie mit mir ſprechen. Die Unbekannte nahm den Schleier ab, und ſagte, in⸗ dem ſie ihn von ſich warf: — Es geſchehe nach Deinem Wunſche. Waldblume ſtieß einen Schrei des Erſtaunens, faſt des Schreckens aus; ſie befand ſich vor Nativa.— Ein ziemlich. lange die T möchte nich v ihſo uns l nicht! mein et ſich lange 0 lent mein Das mich ſihſ, hat, digun Und währe Schö nerkſ ihnli eni altung weſen. ch nie⸗ lernt „ doß ſtreut, mehr ndie⸗ be ich eilte nklei⸗ ſehen, Thor mier⸗ ſorg⸗ s Ge⸗ t ſie Arm⸗ Weib me iſt ſche langes Schweigen herrſchte zwiſchen den beiden Frauenzimmern, die Tochter des Grafen von Monterey brach es zuerſt. — Warum dieſe Verwirrung? fragte ſie Jeanne, man möchte glauben, daß meine Gegenwart Dir Furcht mache. — So iſt es auch; ich fürchte mich vor Dir. — Sonmit geſtehſt Du, daß Du Dir ein Unrecht wider mich vorzuwerfen haſt.— Weißt Du, daß Du wirklich ſchön biſt? — Ich hätte mir ein Unrecht vorzuwerfen? Warum ſollte ich ſo lügen? Das iſt nicht gut! Du weißt, wenn Eine von uns beiden der Andern Unrecht gethan hat— ſo bin ich es nicht! Kannte ich Dich noch vor zwei Stunden?— Hat mich mein Ritter Louis nicht verſtoßen, um Dir zu folgen?— Hat er ſich nicht durch einen feierlichen Eid verpflichtet, daß er, ſo lange Du lebſt, keinem andern Weibe ſeinen Namen geben wird. — Dennoch, fügte Waldblume hinzu, hat mir der ſchöne Lau⸗ rent geſagt, daß ich ſchöner ſei als Du. Und ich weiß, daß ich meinen Ritter Louis ſo liebe, wie Du ihn nicht lieben kannſt. Das Alles iſt nicht gerecht, geſtehe es nur! Aber ich beklage mich nicht; ich beſcheide mich, ich beuge mein Haupt!— Du ſiehſt, daß ich beſſer bin als Du; wenn Eine von uns das Recht hat, ſich zu beklagen, ſo bin ich es. Während Waldblume ſo die wider ſie erhobene Anſchul⸗ digung zurückwies, betrachtete Nativa ſie mit hochmüthigem Blick. An dem Ausdruck von Verdruß, faſt von Wuth, welcher ſich während dieſer Prüfung im Geſicht der Spanierin zeigte, ließ es ſich errathen, wie ſehr und mit welchem Widerwillen ſie die Schönheit ihrer Nebenbuhlerin anerkennen mußte. — Jeanne, ſagte Nativa verdrießlich, höre mich auf⸗ merkſam an; meine Worte ſind ernſt, nie wird ſich Dir eine ähnliche Gelegenheit zum Glück mehr darbieten! Die Spanierin ſammelte ſich einen Augenblick, dann fuhr ſie mit ſanftem, freundlichem Tone fort: 5 — Meine arme Jeanne, Du biſt von einer zu niedrigen Stellung, als daß Du es wagen könnteſt, Dich mit mir in ei⸗ nen Kampf einzulaſſen. Das Vernünftigſte, was Du thun kannſt, iſt, daß Du meine Güte und meine Wohlthaten durch unbedingte und grenzenloſe Unterwerfung anerkenneſt; Deine Unſchuld in⸗ tereſſirt mich; ich meine es gut mit Dir.— Was für eine Stellung haſt Du in der Welt? Die eines verlorenen Weibes, einer Unglücklichen, welche der erſte Beſte beſchimpfen darf, vorausgeſetzt, daß man in ſolcher Niedrigkeit noch beſchimpft werden kann! Du biſt ein armes Mädchen, das ſein tägliches Brot durch immer wiederkehrende Demüthigungen erkaufen muß. Das iſt Deine Stellung, ſie iſt ſchauderhaft! Nun ſieh, wenn Du, was ich auch nicht bezweifle, einwilligſt, Deinem herum— irrenden, elenden Leben zu entſagen und bei mir zu bleiben, ſo gebe ich Dir unter meinen Kammerfrauen eine der erſten Stellen! Du wirſt eine reiche Toilette, Wohlſtand, Gold haben!— Später, wenn Deine Aufführung meinen Erwartun⸗ gen entſpricht, wenn Du die zu Deiner neuen Stellung nöthi⸗ gen Kenntniſſe erlangt haben wirſt, mache ich Dich zu meiner erſten Kammerfrau.— Ich werde Dich ausſtatten und Dich mit einem Diener meines Vatersverheiraten. Sieh, welch eine ſchöne Hoffnung! Du willigſt ein, nicht wahr? Je länger Nativa ſprach, deſto mehr fühlte Jeanne, ob⸗ wol ſie nicht alles verſtand, wie ihr das Blut in's Geſicht ſtieg und Entrüſtung ihr Herz ergriff. Dieſe beleidigende, ihr ſo neue Sprache, enthüllte in ihr ein Gefühl, das ihr bisher unbekannt geblieben war, das des Stolzes. Indeß ließ ſie ihre Neben⸗ buhlerin ohne Unterbrechung ausſprechen. Sobald aber Nativa geendigt hatte, erhob ſie ſich lebhaft von ihrem Stuhl und ſprach mit feſter Haltung und ſtolzen Blickes: — Senorita, ich ſehe, daß Sie mich nicht kennen, und gar nicht wiſſen, wer ich ſei!— Sonſt hätten Sie es nie ge⸗ — wagt, behau daß d wein Sie huſtie tert, ben 9 Velt vonn heben mich weil hatte nige! Roße Ah, 6si nich prahl Ihre Venr zünde Nicht Sie wie( Mein etzäh und Vich Sie werd iedrigen t in ei⸗ kannſt, edingte uld in⸗ ür eine Beibes, ndarf, chinpft igliches en mß. „wenn herun⸗ ben, ſo erſten „Gold vartun⸗ nthi⸗ meiner ich nit ſchöne te, ob⸗ ſieg ſo nele ekannt Nehen⸗ Nativ hl und n, und nie ge⸗ wagt, ſich ſo auszudrücken, wie Sie es gethan haben!— Sie behaupten, daß meine Stellung in der Welt ſchauderhaft ſei, daß der erſte Beſte das Recht habe, mich zu beſchimpfen, daß mein Leben ein umherirrendes und elendes ſei!— So wiſſen Sie denn, Senorita, daß unter allen Boucaniern und Fli⸗ buſtiern der Inſel St. Domingo, vor welchen Ihr ſo ſehr zit— tert, Ihr feigen Spanier, kein Einziger iſt, der nicht ſein Le— ben opfern würde, um eine meiner Launen zu befriedigen! Alle Welt liebt mich und ehrt mich— man bettelt um ein Lächeln von mir!— Wiſſen Sie, daß ſich hundert Arme zugleich er⸗ heben würden, um den Schuldigen zu züchtigen, der es wagte, mich zu beleidigen!— Sie halten ſich für eine große Dame, weil Sie einige arme, verlaſſene Geſchöpfe in Ihrem Solde hatten, weil Sie Sklaven beſitzen. Eine ſchöne Macht, die Ih⸗ rige!— Vergleichen Sie ſie doch mit der meinigen!— Die große Dame bin ich! Das nichtswürdige Geſchöpf ſind Sie!— Ah, Sie erblaſſen vor Zorn, Nativa! Sie ſind entrüſtet!— Es iſt doch aber billig, daß ich mich vertheidige; Sie müſſen mich anhören. Sie wagen es vor mir, mit Ihrer Macht zu prahlen! Das iſt doch zu unſinnig! Worin beſteht ſie denn, Ihre Macht? In einigen Wohnungen und einigen Sklaven. Wenn meine braven Boucanier morgen Ihre Wohnungen an⸗ zünden und Ihre Sklaven fortführen, was bleibt Ihnen dann? Nichts!— Man hält es dann nicht einmal der Mühe werth, Sie anzublicken, Sie zu grüßen. Ich bin nicht ſo unwiſſend, wie Sie vermuthen; ich weiß, wie es in den Städten zugeht. Mein Ritter Louis hat mir, wenn wir mit einander plauderten, erzählt, wie es in der Welt hergeht. Er hat mir die Heuchelei und die Niederträchtigkeit der großen Herren geſchildert, die Wichtigkeit, die Ihr dem Golde beilegt!— Denn was wären Sie ohne das Gold Ihres Vaters? Nichts! nichts! Warum werden Sie geſucht, warum wird Ihnen geſchmeichelt, wie Lau⸗ — 158— rent heute vor Ihnen geſagt hat? Weil Monterey reich iſt!— Meines Vaters ganzes Vermögen beſteht in einem Karabiner, einer Meute von Hunden, und einem Wohnhaus aus Palm⸗ bäumen. Ich bin arm. Dennoch ſtrebt man danach, mir zu gefallen, ſich bei mir beliebt zu machen.— Ich bin alſo mehr als Sie!— Man liebt mich um meiner ſelbſt willen! Waldblume ſchwieg einige Augenblicke, und fuhr dann mit naivem Erſtaunen fort: — Senorita, ich hätte wirklich niemals geglaubt ſo ſpre⸗ chen zu können, wie ich es eben gethan habe; ich wußte nicht, daß ich ſo viel wiſſe! Es wäre Ihnen unmöglich ſich alle die Gedanken vorzuſtellen, welche ſich heute meinem Geiſte darbieten. Ich begreife jetzt ſehr viele Dinge, über welche ich bis heute gar nicht nachgedacht habe. Ich komme zum Ende.— Ihr Mit⸗ leid weiſe ich zurück; nach dieſem Sklavenleben, das mit meiner Verheiratung mit einem Deiner Ihres Vaters endigen ſollte, trage ich kein Verlangen; was ich brauche das ſind die Einſam⸗ keit der Wälder, der Duft der Blumen, der Geſang der Vögel, die Freiheit! Auf Wiederſehen, Senorita; Sie ſind ſchön, aber böſe. Glauben Sie mir, Gott iſt gerecht und gut— Sie wer⸗ den niemals glücklich ſein. Waldblume war mit ihrem anmuthig gerötheten Geſicht, mit ihren leuchtenden Augen, deren Feuer ihrer Phyſiognomie den Ausdruck der gewinnendſten Lebhaftigkeit gab, ſo göttlich ſchön, daß Nativa einen dumpfen Ausruf des Haßes und des Zornes in ihrer gepreßten Bruſt nicht zurückhalten konnte. — Nimm Dich in Acht, Jeanne, ſagte ſie, dieſelbe am Arm faſſend. Du kennſt die Spanierinnen nicht! Kind, bedenke es noch einmal! Du ſiehſt, daß ich Dich bitte. Ja, ich wollte Dich täuſchen, ich geſtehe es. Ich habe Dir nicht meinen Schutz angeboten, weil Du mir Intereſſe einflößeſt; ich werde offen mit Dir ſein. Was ich will, iſt, daß Du nicht nach St. Domingo zuric wie h Geſpr Sie! ihr hi ner fi ich w Cant eines Soz Wibe und 2 neten will befirt ich vo Span ich m grifſ Morvr herecht Din iß!— rabiner, Paln⸗ nir zu ſo mehr r dann ſo ſpte⸗ te nicht, alle die bieten. s heute r Mit⸗ winer 1 ſollt, Finſan⸗ Vögel⸗ n aber ie wel⸗ ht nit nie den gornes be an edenkt wollt Shut ſen mit wingo zurückkehreſt. Setze einen Preis auf Deinen Gehorſam, und wie hoch er auch immer ſein mag, ich will ihn annehmen! — Wie Sie ihn lieben! ſagte Jeanne gemeſſen. Ach Ihr Geſpräch hat mir ſehr weh gethan!— Zum letzten Mal, leben Sie wohl! Waldblume ging nach der Thüre, aber Nativa eilte vor ihr hin, und verſtellte ihr den Weg. — Du wagſt es zu widerſtehen? ſagte ſie; um ſo ſchlim— mer für Dich! Du zwingſt mich Gewalt zu brauchen. Gut— ich werde davor nicht zurückbeben. Holla! Juanito, Pepe, Canclo, kommt herbei! Auf Nativa's Ruf eilten vier Neger aus dem Hintergrund eines Corridors herbei, die mit langen Meſſern bewaffnet waren. So zu ſagen in Gefahren aufgewachſen hatte Waldblume vom Weibe nur die Zartheit, die Anmuth und die Schönheit; an Herz und Tapferkeit war ſie ein Mann; die Erſcheinung der bewaff⸗ neten Sklaven ſchüchterte ſie nicht ein. — Nativa, ſagte ſie, das Du wieder anwendend, ich will in Deinem Intereſſe gern glauben, daß Du nicht die Ab⸗ ſicht habeſt mich zu ermorden. — Wenn Du mir gehorchen willſt, ſo haſt Du nichts zu befürchten! Wenn Du Widerſtand zu leiſten verſucheſt, ſo werde ich vor keinem Mittel zurückbeben.— — Auch nicht vor einem Verbrechen, Nativa? — Auch vor einem Verbrechen nicht! wiederholte die Spanierin nach einigem Zaudern. — Oh, rief Waldblume mit wahrhafter Freude, wie glück⸗ lich machen mich Deine Grauſamkeit und Dein Verrath! Be— greifſt Du nicht, daß Du in dieſem Augenblick zwiſchen Dir und Morvan eine Kluft eröffneſt?— Mein Ritter Louis iſt zu gerecht, zu gut, zu loyal um Dich nicht zu verachten, wenn er Dein Benehmen gegen mich erfährt.— Wozu dient denn die 60 Erziehung, wenn Du, das reiche Kind der Städte, im Intereſſe Deines Glücks nicht beſſer zu handeln verſtehſt? — Was kümmert mich die Liebe des Ritters von Morvan! rief Nativa, durch die Ruhe ihrer Gegnerin erbittert; was ich will, iſt, daß Du St. Domingo nie wieder ſeheſt, daß Laurent von Dir nicht einmal ſprechen höre. — Was ſagſt Du? Ich höre auf, Dich zu verſtehen, erwi⸗ derte Jeanne mit außerordentlichem Erſtaunen; willſt Du mich alſo nicht darum zurückhalten, um mich von meinem Ritter Louis zu trennen? Wie! Der ſchöne Laurent iſt es, den Du liebſt? — Laurent! rief Nativa mit bebender Stimme und von Leidenſchaft hingeriſſen, ich haſſe ihn mit der ganzen Kraft mei⸗ ner Seele, nach dem ganzen Maß des Schimpfes, den er mir angethan!— Mein Geiſt iſt von einem einzigen Gedanken ein⸗ genommen, von dem, mich an ihm zu rächen!— Laurent hat, ſeinem rohen Inſtinkt folgend, meine Hingebung verkannt, und unwürdig der Ausſöhnung, welche ich ihm anbot, hat er ſeine Blicke auf Dich geworfen!— Darum trete ich gegen ihn als Feindin auf!— Und in Deiner Perſon thue ich Laurent weh!— — Arme Nativa! ſagte Waldblume mit dem Ton des aufrichtigſten Mitleids, der den Stolz Nativa's hart berührte, wie mußt Du leiden!— Schämſt Du Dich nicht, Nativa, vor Deinen Sklaven ſo zu ſprechen?— Fürchteſt Du nicht, daß dieſe Leute Deine Reden in Granada wiederholen, und daß ſich die ganze Stadt über Dich luſtig macht! Mein Ritter Louis hat mir geſagt, die wohlerzogenen Damen ſeien beim Verluſt der Achtung verpflichtet, in fortwährender Lüge zu leben.— Schicke dieſe Sklaven fort, wir können in ihrer Gegenwart nichts reden. Nativa erröthete, als ihr Waldblume in ihrer Einfalt dieſe Lehre gab; um aber nicht den Schein zu haben, als gäbe ſie nach, ſagte ſie: . Dich ſolge ich D ich ln zuden nöchte weine tück, den( emeic buhle lung wiede Dein mein zurick Mann ſo wi nen! Ritte duß nicht dui Alles es binde Geli utereſe Nowan! was ich Lautent , erwi⸗ u mich r Lois liebſt? und von uft wi⸗ er nir en ein⸗ nt hat, t, und er ſein ihn als veh!— on des erührte, va, vor t, duß d ſi uis hot uf der Schice s deſ. Einfült s gite — 161— — Verſprichſt Du mir, daß Du nicht verſuchen werdeſt, Dich zu retten? — Nein, Nativa; ſobald meine Freunde ſich einſchiffen, folge ich ihnen. Bis dahin brauchſt Du nicht zu fürchten, daß ich Dich verlaſſe. Dein Geſpräch hat großen Werth für mich; ich lerne dadurch Vieles, was ich bisher nicht gewußt habe, zudem iſt es mir ein Bedürfniß, Dich näher kennen zu lernen. Ich möchte auch wiſſen, welches Mittel Du angewendet habeſt um meinen Ritter Louis zu bezaubern. Nativa wandte ſich dann zu den bewaffneten Negern zu⸗ rück, die eher Theaterſtatiſten glichen, und befahl ihnen, ſich in den Corridor nur ſo weit zurückzuziehen, als ihre Stimme ſie erreichen könnte. Seitdem ſie in den Hinterhalt ihrer Neben⸗ buhlerin gefallen war, hatte Waldblume den Vortheil der Stel⸗ lung für ſich. Sobald ſie allein waren, wurde das Geſpräch wieder fortgeſetzt. — Nativa, ſagte das Boucaniermädchen, ich mag über Deine Worte noch ſo viel nachdenken, ihre Bedeutung geht über meinen Verſtand!— Glaubſt Du, da der ſchöne Laurent Dich zurückweiſt, Du werdeſt ihn zwingen können, Dich zu lieben? — Laurent kann man nicht zwingen. Zudem, wenn ich ein Mann wäre, und eine Frau wollte mir ihre Liebe aufdringen, ſo würde ich ſie fliehen!— Laſſen wir den ſchönen Laurent ei⸗ nen Augenblick bei Seite, und beſchäftigen wir uns mit meinem Ritter Louis!— Nativa, ich finde es böſe, ſehr böſe von Dir, daß Du ihn unglücklich machſt! Wenn ſich Dein Herz zu ihm nicht hingezogen fühlt, warum haſt Du ihn glauben laſſen, daß Du ihn liebeſt?— Er leidet, er iſt traurig, entmuthigt, und Alles durch Dich! Warum täuſcheſt Du ihn? Warum haſt Du es zugegeben, daß er ſich durch einen feierlichen Eid an Dich binde? Ich bin überzeugt, daß ich ohne Deine Lügen jetzt ſeine Geliebte wäre, fügte Waldblume hinzu, ohne die Bedeutung 14. — 6 dieſes Wortes eigentlich zu kennen. Welchen Vortheil haſt Du von unſerem Unglück? Keinen. Du mußt ſehr böſe ſein; ich verachte Dich auch von ganzem Herzen!— Uebrigens höre mich an; willſt Du, da Du ſo gelehrt biſt, mir ſagen, wie Du es angefangen haſt, um die Maitreſſe meines Ritters zu werden, ſo verzeihe ich Dir. Der Ton, in welchem Waldblume ſprach, ſtand mit den rohen Ausdrücken, die ſie anwandte, in ſolchem Gegenſatz, daß Nativa die Wahrheit ahnte, und die ſeltene Unſchuld ihrer Nebenbuhlerin erkannte. Auch fiel es ihr gar nicht ein, ſich über das Wort„Maitreſſe“ aufzuhalten, das aus dem Munde eines jeden andern Weibes der größte Schimpf geweſen wäre. Sie rüſtete ſich nur zu einer langen Antwort, um Waldblume auf⸗ zuhalten, und ſie ohne Anwendung von Gewalt an der Ein⸗ ſchiffung mit den Flibuſtiern zu verhindern. — Waldblume, ſagte ſie zu ihr, die Männer find Un⸗ geheuer ohne Herz, und kennen die reinen Freuden der Liebe nicht! Nur ein Gefühl lebt in ihnen, das eines maßloſen Stol⸗ zes, ungeheurer Eigenliebe! Sie ſuchen ihr Glück nicht in der Wirklichkeit, ſondern am Schein. Sie wollen nicht geliebt ſein, ſie wollen nur, daß Jedermann glaube, ſie ſeien es, und ihnen dafür ein Compliment mache. Wenn ein von einem Weibe zu⸗ rückgewieſener Mann zu allen Opfern fähig iſt, ſo geſchieht dies nicht weil jenes Weib zum Glück ſeines Daſeins nothwendig iſt; ſondern weil ſeine Eigenliebe auf dem Spiele ſteht, weil er es nicht ertragen kann, daß ſeine Verdienſte nicht gehörig gewür⸗ digt worden ſind. Ich habe mich gegen den Ritter von Morvan unempfindlich gezeigt, Du haſt Dich ihm an den Kopf gewor⸗ fen; es iſt alſo natürlich, daß er mich mit ſeinen Huldigungen verfolgt, Dich aber flieht. Mit einem Wort, und die Kenntniß desſelben koſtet mich das Glück meines Lebens: um geliebt zu werden, darf man nicht lieben! — unterb laube es nic ihn m lih! Kent verſteh Nein, treffe die L tuyfer nicht letzt! Weni bekün cheln. Liebe ſchon werde piſ kniete, vielli Eriſt viel 2 der ſ Du ſ Du e ſeine hunde haß Du ein; ich öre nich Du es rden, ſo mit den atz, daß ld ihrer ſich übet de eines re. Sie ne auf⸗ er Ein⸗ d Un⸗ er Liebe n Siol⸗ tin der bt ſein dihnen eibe zu⸗ eht dies dig iſ; il et es . gewir⸗ Mowan gewor⸗ igungen enntniß liebt zu — n — Schweige, Nativa, rief Waldblume, die Spanierin unterbrechend, Deine Worte machen mich ſchaudern! Nein, ich glaube Dir nicht! Die Männer können nicht ſo ſein, Gott würde es nicht dulden! Mein Ritter Louis ſollte mich fliehen, weil ich ihm meine Seele gegeben habe! Nein, nein, das iſt nicht mög⸗ lich! Nativa, meine Unwiſſenheit iſt mir lieber als alle Deine Kenntniſſe. — Kind, ſagte Nativa mit hochmüthigem Mitleid, Du verſtehſt Dich nicht auf's Leben.— Du haſt noch nicht gelitten. Nein, ich täuſche mich nicht.— Sieh, iſt Laurent nicht der treffendſte Beweis meiner Behauptungen? Wie könnte man ſonſt die Leidenſchaft erklären, die er, der ſo ſtolz, ſo großartig, ſo tapfer, ſo erhaben über allen Andern iſt, für Dich fühlt, wenn nicht dadurch, daß Deine Gleichgiltigkeit ſeine Eigenliebe ver⸗ letzt hat? Was biſt Du, armes Mädchen, gegen Laurent? Weniger als nichts. Dennoch beugt er ſich vor Deinem Willen, bekümmert er ſich um Deine Wünſche und bettelt um Dein Lä⸗ cheln.— Wenn Du morgen, beſiegt von ſeiner angeblichen Liebe, Deine Hand in der ſeinigen vergißeſt, ſo wirſt Du ihn ſchon anders ſehen! Der Dein Sklave war, würde Dein Tyrann werden; bisher demüthig und unterwürfig, würde er bald des⸗ potiſch und grauſam ſein; der noch geſtern zu Deinen Füßen kniete, würde Dich morgen verächtlich von ſich ſtoßen und Dich vielleicht gar nicht kennen wollen! — Aber, ſagte Jeanne ſinnend, wenn Du nicht an die Exiſtenz der Liebe glaubſt, woher kömmt es, daß Du Dir ſo viel Mühe gibſt, mich zurückzuhalten und ſo ſehr fürchteſt, daß der ſchöne Laurent mich wieder ſehe? Wenn alle Männer, wie Du ſagſt, unempfindlich und hochmüthig ſind, warum nimmſt Du es ſo ſehr auf, daß Laurent Dich verachtet? Wenn das ſeine und aller Männer Art iſt, ſo konnte er ja nicht anders handeln und iſt deßhalb nicht ſchuldig. Du ſchweigſt, Du ant⸗ — 164— worteſt mir nicht? fuhr Waldblume nach einer kurzen Pauſe fort. Ich wußte wohl, daß Du mich täuſchen wollteſt, daß Du logſt! Aber nein, Du leideſt; es wäre Unrecht, wenn ich Deine Qualen durch meine Vorwürfe vermehren würde. Du biſt im Grunde aufrichtig, ich verſtehe Dich. Was Du für den ſchönen Laurent fühlſt, das habe ich vor Kurzem noch für meinen Ritter Louis gefühlt.— Stelle Dir vor, ich habe mich zerquält, um ihn im Unrecht zu ſehen. Ich muß Dir nur ſagen, daß ich da⸗ mals eben erfahren hatte, daß er Dich liebe.— Doch je un⸗ gerechter ich gegen ihn war, deſto mehr fühlte ich, wie theuer er mir ſei— daß es mir ohne ihn unmöglich wäre zu leben.— Seine Gegenwart that mir weh und dennoch hätte ich ihn un⸗ aufhörlich ſehen mögen! So geht es Dir mit Laurent, Du liebſt ihn noch! — WVelch ein ſeltſames Ding iſt doch die Liebe! murmelte Nativaz; ſie gleicht alle Unterſchiede aus und kümmert ſich weder um die Geburt, noch um die Stellung ihrer Opfer! Iſt es nicht er⸗ ſtaunlich, daß dieſes niedrigſtehende, unwiſſende Kind mich über den Zuſtand meines Herzens aufklärt, daß ſie dieſelben Leiden erduldet hat, wie ich?— Ja, Waldblume, fuhr die Spanierin mit lauter Stimme fort, und glücklich, daß ſie ihre Leidenſchaft frei ausſprechen konnte, ja, trotz ſeiner Grauſamkeit gegen mich, trotz dem Schimpf, den er mir angethan hat, liebe ich Laurent. Es iſt ein ſchreckliches Ungluͤck, ich weiß es. Aber was ſoll ich thun? ich liebe ihn! Vergebens empören ſich mein Stolz und mein Verſtand; vergebens blicke ich erſchrocken in den tiefen Ab⸗ grund, der ſich zu meinen Füßen eröffnet hat; vergebens ſtelle ich mir vor, daß mein Vater mich verfluchen, die Welt mich ver⸗ ſtoßen und verachten wird! Was ſoll ich thun? ich liebe ihn ja!— Gehe, wenn ich Dir weh gethan, wenn ich Dir das Herz gebrochen habe, ſo hat das Schickſal Dich gerächt.— Wenn Du wüßteſt, wie ſehr ich leide, ſo würdeſt Du mich be⸗ klagen gnüg Ein e ununt ken d nich dß be neine nn V wärej Freud Mitn uhen Gegen nes Le witd! Auge nißen Dulei cben, ſpnch mir. 1 Vorth lnrec icht, uhler nend, n nPauſe daß Du h Deine biſt im ſchönen nRitter lt, um ich da⸗ je un⸗ e theuer ben.— ihn un⸗ u liebft urmelte edet um nicht er⸗ ich übet Leiden anierin enſchaft n nich, gurent. ſol ic olz und fen Ab⸗ s ſtele ich ⸗ cbe ihn ir du ich be — 065— klagen.— Die ruhigen Nächte, die heitern Tage, die Ver⸗ gnügungen meiner Jugend, alles iſt für mich verſchwunden.— Ein einziger Gedanke erfüllt mich und peinigt mich ohne Mitleid, ununterbrochen! Laurent liebt mich nicht! Schauderhafte Gedan⸗ ken durchkreuzen oft mein Gehirn; ich rufe Laurent, ich ſehne mich nach Rache, ich bin wahnſinnig! Und dennoch zu denken, daß Laurent, ſtatt mit meiner Liebe ſo unwürdig zu ſpielen, meine Hingebung und Zärtlichkeit hätte würdigen und von mei⸗ nem Vater meine Hand hätte erhalten können! Wie ganz anders wäre jetzt mein Leben! Wie gut wäre ich gegen die Welt! Welche Freude würde es mir machen den Unglücklichen Hilfe zu bringen! Mit welchem Vergnügen würde mein Blick auf allen Glücklichen ruhen! Denn ich bin nicht böſe von Natur, Waldblume, im Gegentheil!— Aber nein, mein Herz mußte am Beginn mei⸗ nes Lebens einem Ungeheuer begegnen! Ach, mein Gott, wie wird das Alles enden! Von der Bewegung übermannt, bedeckte ſich Nativa die Augen mit den Händen und brach in Schluchzen aus. — Meine gute Freundin, ſagte Waldblume, ſich ihr nähernd, ich bin nicht mehr böſe über Dich. Ich verſtehe, was Du leideſt; Du biſt auch ſehr unglücklich, das iſt wahr!— So⸗ eben, als Du noch mit dem Stolz der großen Dame mit mir ſprachſt, habe ich Dir vielleicht hart geantwortet. Vergib mir. Tröſte Dich. Laurent hat ſich ſeit Kurzem ſehr zu ſeinem Vortheil geändert; ich würde gar nicht ſtaunen, wenn er ſein Unrecht einſehen und Dich aufrichtig lieben würde.— Weine nicht, Nativa, umarme mich. Waldblume näherte ſich langſam unb bewegt ihrer Neben⸗ buhlerin, als die Spanierin zurückwich, und ihre Thränen trock— nend, mit Hochmuth ſprach: — Halt ein, Waldblume! Bildeſt Du Dir ein, meine augenblickliche Schwäche gebe Dir das Recht mich als Deines⸗ — 166— gleichen zu behandeln? Wie tief bin ich geſunken, mein Gott! daß ein verlornes Mädchen, die Genoſſin der Diebe von der Inſel Tortuga, ſich das Recht anmaßt mir ihr Mitleid anzubieten!— „ Dieſe nicht nur unbegründete, ſondern auch ungerechte, be⸗ leidigende Art, mit welcher Nativa die edelmüthigen Troſt⸗ worte des Boucaniermädchens aufnahm, machte letztere weder verwirrt noch zornig. Sie ſchüttelte blos den Kopf mit ſanftem Mitleid, und ging langſam zur Thüre. Aber wieder ſtellte ſich die Spanierin vor ſie hin, und vertrat ihr den Weg. — Senorita, ſagte Waldblume zu ihr, Du haſt es eben geſehen, wie wenig mich die Gegenwart Deiner Sklaven erſchreckt hat; warum verſuchſt Du es noch einmal mich zu ſchrecken?— Wenn Laurent Dir zurief: Nativa, komm zu mir, ich liebe Dich! und wenn ein Trupp Bewaffneter Dich von Deinem Ge⸗ liebten trennte, würdeſt Du es nicht verſuchen zu ihm zu ge⸗ langen, und ſollte es Dich ſelbſt Dein Leben koſten? Sieh, ich bin überzeugt, daß mein Ritter Louis mir endlich Gerechtigkeit widerfahren laſſen, und erkennen wird, um wie viel mehr werth ich ſei als Du; er wird mir ſein Herz geben. Du begreifſt daher, daß mich, den Tod ausgenommen, nichts aufhalten kann!— Vergiß endlich nicht, daß ich bewaffnet bin. Der Karabiner in meiner Hand iſt kein unnützes Spielzeug! Anſtatt ihr zu antworten, öffnete Nativa die Thüre, und rief: — Sklaven, wenn die Ketzerin, die Flibuſterin es wagt auf die Straße zu kommen, ſo tödtet ſie mit Euren Meſſern. Für Euren Gehorſam werde ich Euch die Freiheit ſchenken, außerdem gebe ich jedem von Euch zwei Unzen Goldes und ein Fäßchen Branntwein. Ein freudiges Brummen, ähnlich dem des hungrigen Bä⸗ ün, x des Co Gefung nir zu die Ir Dih ei zum Nachde zur Ei zurück hen, a und T nit bi Folge var, endigt. Feerg unſere die Eh vie u Pris, ns ei Hroht. ittert 1 ausgen nGott! von der Mitleid chte, be⸗ Tuoſ⸗ e weder ſanftem in, und es eben rſchreckt en?— h liebe en Ge⸗ nzu ge⸗ zieh ic chtigkit l nehr egreiff ſfhalten n. Der Thüre/ 66 wagt Meſſern. ſhenken, und ein gen Bi⸗ — 167— ren, wenn er ſich auf ſeine Beute ſtürzt, ertönte in der Tiefe des Corridors. — Du haſt es vernommen, ſagte die Spanierin zu ihrer Gefangenen gewendet. Verſuche es jetzt, wenn Du es wagſt, mir zu trotzen; Sklaven würden für Gold, Branntwein und die Freiheit, ihre kleinen Kinder, ihren alten Vater ermorden. — Nativa, antwortete die arme Jeanne ſanft, ich hätte Dich einer ſo häßlichen That niemals für fähig gehalten. Der Zorn gibt Dir ſie ein; ich hoffe, Du werdeſt nach einigem Nachdenken Deine Kaltblütigkeit wieder erlangen! Das Signal zur Einſchiffung iſt noch nicht gegeben, ich kann warten! Waldblume zog ſich dann in einen Winkel des Zimmers zurück, und blieb, auf ihren Karabiner geſtützt, unbeweglich ſte⸗ hen, auf jedes Ereigniß gefaßt. Die Haltung des Mädchens verrieth mehr Reſignation und Traurigkeit als Schrecken; ſie beklagte Nativa und dachte mit bitterem Schmerz über die ihr ſo neuen beklagenswerthen Folgen der menſchlichen Leidenſchaften nach. Während Waldblume ſo an Freiheit und Leben bedroht war, wurde das Te-Peum in der Kirche ohne Hinderniß be⸗ endigt. Kein Verſuch der Spanier ſich zu erheben, hatte die Feier geſtört. — Matroſe, ſagte der ſchöne Laurent leiſe zum Ritter, unſere Rache an dem Feinde ſcheint mir nicht vollſtändig genug; die Ehre dieſes Te-Peums gebührt der Mannſchaft eben ſo gut wie uns; unſere Stellung als Chefs erheiſcht es um jeden Preis, daß wir uns auf beſondere Weiſe auszeichnen, daß wir uns einer Gefahr ausſetzen, von welcher unſere Leute nicht be⸗ droht wären. Haſt Du keine Idee? — Meiner Treue! nein, Matroſe; die erſchrockene Stadt zittert vor uns. Was für eine Gefahr willſt Du heraufbeſchwören? ausgenommen, indem Du die Spanier durch irgend einen ge⸗ häſſigen, abſcheulichen Akt erbitterſt, deſſen ich Dich übrigens nicht für fähig halte. — Parbleu! Matroſe, Deine Worte haben mich auf das gebracht, was ich ſuche. Ich habe meinen Plan! Ich brauche Dich wohl nicht zu fragen, ob Du an meinem Wageſtück theil⸗ nehmeſt, nicht wahr? — Ich bin dabei, wenn es ehrenwerth iſt. — O was das betrifft, antwortete der ſchöne Laurent lächelnd, und ohne des Ritters Zweifel übel aufzunehmen, ſo haſt Du nichts zu fürchten. Ich bin ſeit einiger Zeit in gutem Zug ein tugendhafter Menſch zu werden. Die Ausführung mei⸗ nes Planes kann nur uns allein ſchaden, unſere Feinde verlieren dabei weder einen Tropfen Blut noch einen Thaler. — Was iſt das für eine Idee, Laurent? — Die logiſcheſte und einfachſte von Allen, ſie entſpringt eben aus unſerer Lage. Heute Nacht ſind wir wie wilde Thiere gehetzt worden, und heute Morgens waren wir gar genöthigt die Flucht zu ergreifen. Jetzt, da wir Sieger ſind, müſſen wir uns entſchädigen, und ich glaube wohl, daß uns die Ehren eines Triumphes gebühren. — Ich verſtehe nicht, wo Du hinaus willſt. Erkläre Dich deutlicher. — Itt nicht nöthig. Ich erkläre, daß ich mit meinem Plane zufrieden bin. Das muß Dir genügen. Ich komme im Augenblick zurück. Der ſchöne Laurent ſprach, nachdem er den Ritter ver⸗ laſſen hatte, mit einem der reichſten Spanier von Granada, welchen die Flibuſtier bis zum Eingehen der fünfmalhundert⸗ tauſend Piaſter als Geiſel behielten. Der Ritter, der allen Bewegungen ſeines Genoſſen folgte, bemerkte, daß der Spa⸗ nier ſehr erſtaunte, nachdem Laurent ihm einige Worte geſagt — hatte den( die Erſta ſeind ihnen uns Due aus ſehſ find; zurü ſeher wit Zuſe Uuf ſt nigi er ne Je, 1 iſt u nicht zurä uns! find. übrigens auf das h bruche ick theil⸗ Laurent en, ſo in guten ung nei⸗ verlieren ſpringt Thiere gnithigt iſſin wir Ehren ire Dich meinen onme im ter ver⸗ ranade, hundert⸗ et alin er Epo⸗ e gſugt hatte; dann ſah er die Reihen der Flibuſtier ſich öffnen, und den Gefangenen frei ausgehen. Eine Viertelſtunde darauf ertönten in einer nahen Gaſſe die Fanfaren einer Militärmuſik, und verurſachten allgemeines Erſtaunen; im erſten Augenblick dachten die Flibuſtier an eine feindliche Ueberraſchung, und rüſteten ſich zur Gegenwehr. — Stört Euch nicht, meine Kinder, ſagte Laurent zu ihnen, das ſind unſere guten Freunde, die Granader, welche uns die Ehre unſeres Beſuches mit einer Artigkeit entgelten. Laurent ſprach noch, als acht Spanier einen prächtigen Traghimmel herbeibrachten, der mit Gold durchwirktem Sammt ausgeſchlagen und mit einem breiten Sitze verſehen war. — Matroſe, ſagte der ſchöne Laurent zum Ritter, Du ſiehſt, wie populär, wie geſchätzt und geliebt wir in Granada ſind; es wäre grauſam, die Freundlichkeit dieſer braven Leute zurückzuweiſen, und ihnen das Vergnügen, uns in der Nähe zu ſehen, zu verſagen. Setze Dich an meine Seite, und machen wir eine Tour um die Stadt; das wird uns an unſer erſtes Zuſammentreffen in Leogane erinnern. Vor Allem bin ich ein Muſiknarr! Gehen wir. Obſchon die Gefahr dieſes Wagnißes außerordentlich war, ſo ſchien doch dem Ritter die Idee ſeines Matroſen ſo drollig, ſo originell, daß er ſich des Lachens nicht enthalten konnte, als er neben ihm Platz nahm. Die Fanfaren erſchollen lauter als je, und der Zug ſetzte ſich in Bewegung. — Du biſt verrückt, Matroſe, ſprach Morvan leiſe; es iſt unmöglich, daß dieſes Schauſpiel den Stolz der Spanier nicht erbittere, und daß wir von dieſem Triumpfzug lebend zurückkehren. — Ich verſichere Dich, die Granader ſind vernarrt in uns!— Sieh nur, wie glücklich ſie über unſere Freundlichkeit ſind.— Und dann habe ich meine Vorſichtsmaßregeln getroffen, MI. 15. — um ihnen zu verſtehen zu geben, daß unſer Unzug nichts De⸗ müthigendes für ſie habe.— Inm Gegentheil! Du wirſt gleich ſehen, wie weit die Demuth im Siege gehen kann. Der Zug blieb ſtehen, und ein Offizier der Bürgergarde, der voran ſchritt, rief mit lauter Stimme, während alles ſchwieg: — Freunde, das iſt der Kapitän Laurent, welcher um uns angenehm zu ſein, geruht, ſeine gute Stadt Granada zu beſuchen—— Grüßet—— Laurent nahm aus einem, zu ſeinen Füßen befindlichen Säckchen eine Handvoll Goldmünzen und warf ſie unter die Menge; die Leperos(eine Art Lazzaroni) ſtürzten mit Gier dar⸗ über her und riefen:„Es lebe der Kapitän Laurent!“ — Jetzt iſt an uns die Reihe zu grüßen, ſagte der Fli⸗ buſtier zu Morvan; die Freude, welche unſere Gegenwart dieſen braven Leuten verurſacht, rührt mich bis zu Thränen! Wie ſüß iſt es, ſich ſo geliebt zu ſehen!... Die Kühnheit des Flibuſtiers verrieth ſo viel Vertrauen in ſeine Kraft, und übertraf ſo ſehr das Maß des Alltäglichen, daß kein Menſch in Granada daran dachte die Gelegenheit zur Rache wahrzunehmen. Ueberall, wo der Zug vorbeikam, ver⸗ neigte ſich die Menge mit einem Gefühl, das die Mitte hielt zwiſchen Furcht und Achtung. Was die Leperos betrifft, ſo ju⸗ belten ſie ihm aus dem Innerſten ihres Herzens zu; war denn der Triumph der Flibuſtier nicht eine Schmach für die Reichen und Mächtigen, das iſt für ihre Herren! Das genügte ihnen. Der ſeltſame Zug wandte ſich auf's Neue dem Platze zu, als Morvan den Arm ſeines Matroſen mit außerordentlicher Kraft feſt hielt, und ihn lebhaft fragte: — Haſt Du nichts gehört? — Die Segnungen meines Volkes? Gewiß, Matroſe! — Scherze nicht, Laurent! Mir ſchien es, als hörte ich Waldblume um Hilfe rufen! In d inde ern wie! Rahe nir! Mor zwei Mon hts De⸗ ſt gleich ergarde, ſchwieg: cher un nada zu ndlichen ſter die ier dar⸗ er Fli⸗ dieſen ie ſüß rtrauen glichen, heit zur n ver⸗ te hielt ſo ju⸗ denn Reichen hnen. he zl, ntlicher wſe! re ich — Waldblume! wiederholte Laurent, welche Idee!— In der That, das wäre nicht unmöglich! Der Flibuſtier erhob ſich ſodann von ſeinem Sitze, und indem er den Arm zum Zeichen eines Befehles ausſtreckte, rief er mit gebieteriſcher Stimme:„Schweiget!“ Alles ſchwieg, wie von einem Zauber getroffen. Faſt in demſelben Augenblick ertönte im Innern eines nahen Hauſes ein Schuß, und darauf hörte man rufen:„Zu mir mein Ritter Louis, zu Hilfe!“ — Verflucht! man ermordet meine Schweſter! brüllte Morvan. Der junge Mann ſprang von ſeinem Sitze, und eilte ver⸗ zweifelt zu dem Thore des Hauſes, woher Jeannes Ruf ertönte. Morvans Ungeſtüm war ſo heftig, daß das Thor wich. — Jeanne, hier bin ich, ſagte er, fürchte Nichts. — Wehe den Mördern! fügte der ſchöne Laurent hinzu, der ſeinem Matroſen gefolgt war. — O ich war überzeugt, daß Gott mich nicht verlaſſen werde! ſagte Jeanne, die bleich, mit hochwogendem Buſen, und dem noch rauchenden Karabiner in der Hand zum Vor⸗ ſchein kam. — Jeanne! meine Schweſter! wo ſind die Elenden, die Dir nach dem Leben trachteten? fragte Morvan mit vor Wuth bebender Stimme. — Ich habe das Unglück gehabt einen von ihnen zu tödten! antwortete Jeanne. Gehen wir, mein Ritter, mich drängt es von hier fortzukommen. Komm, ich beſchwöre Dich! — Nein, Jeanne; ich will die Schuldigen beſtrafen. Gerechtigkeit muß geübt werden, und ſollte die Züchtigung mir das Leben koſten! — Wozu willſt Du Dich mit dieſen Leuten abgeben, mein Ritter Louis? erwiederte Jeanne lebhaft; im Grunde 15* ſind ſie doch in ihrem Rechte, bin ich nicht eine Franzöſin, eine Boucanierin?— Komm, mein Ritter, eilen wir fort! Jeanne's Bitten nicht achtend, drang der junge Mann vorwärts; im Hintergrunde des Corridors fand er einen von einer Kugel in der Bruſt tödtlich getroffenen Negerſklaven am Boden liegen. — Elender! murmelte der Ritter, der ihm mit einem Säbelhieb den Schädel ſpaltete, keine Barmherzigkeit, Alle müſſen beſtraft werden! Morvan wollte eben über eine Treppe hinaufgehen, die er vor ſich fand, als er die Stimme des ſchönen Laurent ver⸗ nahm, der ihn rief: — Komm doch, Matroſe, ich habe ſchon den wahren Schuldigen. Diesmal mußte Morvan beinahe Gewalt anwenden, um zu ſeinem Matroſen zu gelangen, ſo ſehr ſtrengte ſich Waldblume an, um ihm den Weg zu vertreten. Wie erſtaunte der junge Mann, als er in dem Zimmer, in welchem Jeanne gefangen geweſen, Nativa gewahrte. Laurent ſtand mit gekreuzten Armen vor der Spanierin und betrachtete ſie mit einem ironiſchen Aus⸗ druck, von dem nichts einen Begriff geben kann. — Nativa, Sie hier!— durch welchen Zufall? ſtam⸗ melte Morvan, von einer ſchauderhaften Vermuthung gequält. — Es iſt nicht Zufall, der den Henker und ſein Schlacht⸗ opfer zuſammenführt, antwortete Laurent kalt. Obwohl dieſe Worte Morvan's Verdacht beſtätigten, ſo verſuchte es der Unglückliche doch noch zu zweifeln. — Nein, es iſt unmöglich!— Ich bin wahnſinnig!— Ich habe den Schwindel— murmelte er, indem er ſich mehr⸗ mals mit der Hand convulſiviſch über die Stirne fuhr. Reden Sie, Nativa!— Was iſt Ihnen begegnet?— Ich bitte Sie, erklären Sie ſich! Antn gehö dank kein inj regu ſam wie blu Mie tent aus lüg Un ani et] ſein wel neh in, eine e Nann nen von wen an t einem t, Alle en, die ent ver⸗ wahren n um ldblume junge efungen Armen en Aus⸗ ſn geguilt. hlcht⸗ en, ſo nig!— nehr Reden mehrere Augenblicke nicht im Stande war, zwei Gedanken an⸗ — 173— Die Tochter des Grafen von Monterey gab nicht nur keine Antwort, ſondern ſie ſchien auch den jungen Mann gar nicht gehört zu haben. Die Augen auf Laurent geheftet, war ſie ſo ſehr in Ge⸗ danken vertieft, daß ſie von dem, was um ſie her vorging, gar kein Bewußtſein hatte; ſie gehörte dem Leben nur durch einen einzigen Gedanken an. — Nativa! rief der junge Mann, der von heftiger Auf⸗ regung hingeriſſen, den Arm des Mädchens ergriff und gewalt⸗ ſam ſchüttelte, antworten Sie mir, ich will es. Sagen Sie mir, wie es kommt, daß ich Sie hier in Geſellſchaft der Wald⸗ blume finde? — Waldblume! antwortete Nativa langſam und mit der Miene verwirrten Geiſtes, das iſt ein nichtswürdiges Mädchen. — Ich habe meinen Sklaven befohlen, ſie zu tödten, weil Lau⸗ rent ſie liebt— und weil ich den ſchönen Laurent liebe. Auf dieſe Antwort ſtieß Morvan einen ſchrecklichen Schrei aus, er wankte wie ein Betrunkener und fiel dann zu Boden. — Mein Ritter Louis, glaube der Spanierin nicht, fie lügt. Sie liebt nur Dich! rief Waldblume, die dem jungen Mann zu Hilfe eilte, neben ihm niederkniete und ſeinen Kopf an ihren Schooß lehnte. XII. Morvan's Ohnmacht dauerte beinahe eine Minute; als er wieder zum Bewußtſein gelangte, war die erſte Perſon, der ſein Blick begegnete, Waldblume. Die Seelenerſchütterung, welche der junge Mann erlitten hatte, war ſo heftig, daß er — 14 einanderzureihen. Jeanne's Thränen bewieſen ihm, daß ihm ein ſchauderhaftes Unglück begegnet ſein müſſe; aber welches Unglück? er wußte es nicht. Erſt als er Nativa in der dunkel⸗ ſten Ecke des Zimmers ſitzen ſah, kam er wieder zum Bewußt⸗ ſein deſſen, was vorgegangen war. Nun ſtrengte er alle ſeine Kraft an, um ſeine Schwäche und ſeinen Schmerz zu überwin⸗ den, er erhob ſich mit Mühe, und Waldblume, die ihn zurückhal⸗ ten wollte, ſanft zurückdrängend, ging er zu der Spanierin hin. — Nativa, ſprach er mit gepreßter Stimme, fürchten Sie von mir weder Vorwürfe noch Bitten! Gott iſt mein Zeuge, daß ich gegen Sie weder Haß noch Zorn fühlen würde, wenn Sie Jeanne nicht nach dem Leben getrachtet hätten! Ihr Beneh⸗ men gegen mich war grauſam geweſen, aber Sie waren von einer heftigen Leidenſchaft, von verkannter Liebe beherrſcht, und die verkannte Liebe macht, ich weiß es, die beſten Herzen hart und grauſam. In dem Allen bin ich allein der Schuldige; es war Unrecht von mir, meine Hoffnungen mit der Wirklichkeit zu verwechſeln, an Ihre Neigung zu glauben, da mich doch nichts derſelben verſicherte.— In dieſem Augenblick ſcheint es mir, als wäre mir eine Binde von den Augen gefallen; ich ſehe die Vergangenheit nicht mehr durch das Prisma meiner Wünſche, ſondern mit dem kühlen Verſtande eines Greiſes: Sie haben mich niemals geliebt! Nativa, fuhr Morvan nach einer kurzen Pauſe mit ſtärkerer Stimme fort, bevor ich von Ihnen auf immer ſcheide, hören Sie noch ein letztes Wort.— Ich habe mich verpflichtet, ſo lange Sie am Leben ſind, meinen Namen keinem andern Weibe zu geben; ein Edelmann hält ſein Wort, und Ihr Verrath kann mich meines Eides nicht entbinden. Ich werde mein Verſprechen halten!— Adieu, Nativa!— Sie haben mich voll Begeiſterung, Jugendkraft, Glauben und Hoffnung auf eine ſchöne Zukunft gefunden; jetzt bin ich düſter, troſtlos, gealtert, unfähig eines edlen Gefühles und ſehne mich nur nach det7 nach Loge wild nark ſehe ſchr es n nüf fen, zuri Als ich, wie füh haft Ihn ich, Sie duß zub dem gren Nan drut Ma es daß ihn welches dunkel⸗ Bewußt⸗ lle ſeine herwin⸗ ückhal⸗ in hin. ten Sie Zeuge, „wenn Beneh⸗ en von t, und nhart gez es heit zu es mir, he die nſche, haben kurzen immer e nich feinen und wede haben fnung oflos⸗ r nach — — 175— der Ruhe des Grabes. Adieu! Ich will Ihnen keine Vorwürfe machen. Ich ſage Ihnen das Alles nur, damit Ihnen nicht eines Tages die Laune komme, mich zu ſich zu rufen; Sie würden den wilden enthuſiaſtiſchen jungen Mann von der Küſte von Pen⸗ mark nicht mehr erkennen, Sie würden einen Greis erſcheinen ſehen. Zum letzten Mal, Adieu! Die Worte des Ritters zeugten von einem ſo tiefen Schmerz, daß Nativa ſich wahrhaft gerührt fühlte. — Ritter, antwortete ſie ihm, Ihr Edelmuth iſt die ſchrecklichſte Rache, die Sie an mir nehmen konnten. Ich werde es nicht verſuchen, mich in Ihren Augen zu rechtfertigen. Indeß müſſen Sie, da Sie mich ſo aufrichtig geliebt haben, begrei⸗ fen, bis zu welchem Grade eine grauſam verkannte, verächtlich zurückgewieſene Liebe den Charakter eines Weibes verändere. Als heute das Schickſal Sie mir in den Weg führte, glaubte ich, krank im Herzen und erdrückt von unverdienter Demüthigung wie ich war, nicht mehr an die Aufrichtigkeit irgend eines Ge⸗ fühles. In meinen Augen waren alle Menſchen niedrige, bos⸗ hafte Egoiſten geworden. Dieſer Zuſtand meines Geiſtes möge Ihnen mein Benehmen erklären. Ich achte Sie ſo hoch, daß ich, wie losgelöſt ich auch von allen menſchlichen Dingen ſei, Sie dennoch um Ihr Mitleid bitte. Ich habe ſo viel gelitten, daß es Ihnen erlaubt iſt, in die Schwachheit zu verfallen, mich zu beklagen und mich zu entſchuldigen. Adieu Ritter.— In dem Kloſter, in welchem ich warten will, bis Gott in ſeiner grenzenloſen Güte mich ins ewige Leben ruft, will ich Ihren Namen in mein Gebet einſchließen.— Adieu! Die aufrichtige Demuth Nativa's, der ſo wahrhafte Aus⸗ druck ihres Schmerzes verurſachten dem unglücklichen jungen Mann eine unbeſchreibliche Bewegung. Indeß begriff er, daß es für ihn gefährlich wäre, dieſes Geſpräch fortzuſetzen, und begnügte ſich damit bloß, ſich vor der Spanierin ſchweigend zu verneigen. — Mein Ritter Louis, ſagte Waldblume, die ſich mit reizender, anmuthiger Traulichkeit an ſeine Schulter lehnte, Muth! Du haſt Dich gegen dieſes arme Weib gut und edelmü⸗ thig erwieſen. Gott wird Dir es lohnen! Vor Kurzem noch, wenn Du mich Schweſter nannteſt, that es mir, ich weiß nicht warum, wehe; heute iſt es mir ſüß dieſen Namen zu hören. — Erinnere Dich, welche koſtbaren Stunden wir im Schatten der balſamiſchen Wälder zugebracht haben, wie reißend ſchnell die Stunden für uns verflogen ſind!— Wie Dich der Anbruch der Nacht immer überraſchte!— Ihre Schatten verhüllten uns ſchon und unſere Augen ſuchten noch die Sonne mitten im Himmelsraume.— Dieſes Leben werden wir wieder beginnen! Wir werden uns nicht mehr verlaſſen! Wenn Du Dich unglück⸗ lich fühlen wirſt, ſo werde ich meine Thränen mit den Deinen fließen laſſen. Das muß ſo gut ſein, ich errathe es, eine Per⸗ ſon zu haben, die mit Einem weint!— WMein Ritter Louis, gehen wir. Indem Waldblume ihren naiven Troſt ſprach, war ſie ſo ſchön, ſo rührend, daß Nativa ſich nicht enthalten konnte, ſie zu bewundern. — Jeanne, ſagte ſie zu ihr mit gebrochener Stimme, noch niemals hat es ein ſo anbetungswürdiges Geſchöpf gege⸗ ben, wie Du biſt!— Deine Anmuth überwindet meinen Stolz, ich demüthige mich vor Deiner Unſchuld, vergib mir!— Auf dieſe, von der ſtolzen Spanierin mit Seele geſpro⸗ chenen Worte, ward Waldblume verwirrt. — Nativa, ſagte ſie, Du biſt ſchon ſehr unglücklich und ich möchte Deine Leiden nicht vermehren; aber warum ſollte ich Dich täuſchen? Ich bin an die Lüge nicht gewöhnt— Du würdeſt mir es gleich anſehen, daß meine Lippen mit meinem aus Fli be igend zu ſich nit lehnte, edelni⸗ m noch, h weiß hören. Schotten ſchnell Anbruch ten uns tten in innen! nglüd⸗ Deinen ne Per⸗ t Louis, n ſi ſo ite, fie Stimme, pf gege⸗ nStolz geſyr⸗ lich und ſolle ich — Du neinen Herzen in Widerſpruch ſtehen.— Ich begreife ſehr gut, warum Du Deinen Sklaven befohlen haſt, mich zu tödten, warum Du ſo häßliche Worte an mich gerichtet haſt—— Du hatteſt den Verſtand verloren!— Auch hege ich für alles dieſes kei⸗ nen Groll gegen Dich. Was ich Dir aber, trotz meiner Gut⸗ herzigkeit, nimmer verzeihen kann, das iſt die Qual, die Du meinem Ritter Louis verurſacht haſt! Sieh, wie er verändert iſt, wie erdrückt, wie unglücklich er ſcheint! Wenn man's über⸗ legt, ſo iſt das nicht Deine Schuld; an die Heuchelei in den Städten gewohnt, konnteſt Du nicht anders handeln. Als mein Ritter mich zuerſt auf meine Unwiſſenheit aufmerkſam machte, da ſchämte ich mich; heute fürchte ich mich vor dem Wiſſen! Ja, je mehr ich nachdenke, deſto weniger finde ich Dich ſchuldig. Ich kann Dir nichts mehr anhaben, Nativa, ich beklage Dich! Die Antwort des Boucaniermädchens machte auf die Tochter des Grafen von Monterey ſichtlich Eindruck; ſie hatte ernſt und geſammelt dageſtanden, plötzlich aber ſchien ſie einen Entſchluß zu faſſen, und wandte ſich mit ſtolz erhobenem Kopf an den ſchönen Laurent, der, ſeitdem er geſehen, wie Wald⸗ blume dem Ritter ihren Troſt ſpendete, in tiefes Sinnen ver⸗ ſunken war: — Laurent, ſagte ſie zu ihm mit klarer und feſter Stim⸗ me, Gott hat mir ein hingebungsvolles Herz und Edelmuth ge⸗ geben; Deine Verruchtheit hat dieſe Gefühle in mir erſtickt, und ſie durch Egoismus und Haß erſetzt. Mein Untergang iſt Dein Werk. Laurent, ich verfluche Dich! Die Energie der Ueberzeugung, welche Nativa in dieſen aus der Tiefe ihrer Seele kommenden Schrei legte, machte den Flibuſtier erbeben. Dennoch überwand er dieſe vorübergehende Bewegung bald, und ſagte: — Ich danke Ihnen, Senorita, für dieſen reizenden Abſchied. Er macht unſerer zärtlichen Liebſchaft wenigſtens ein 5 Ende. Uebrigens muß ich Ihnen geſtehen, daß ich, der ich ſo ungläubig und ſo unempfindlich bin, in Betreff des Fluches immer einen gewiſſen Zweifel gehegt habe. Ich weiß nicht, ob ich an die Wirkſamkeit eines Fluches glauben ſoll oder nicht. Um eine ſichere Anſicht in der Sache zu erlangen, habe ich mir ſchon längſt gewünſcht, ſelbſt verflucht zu werden. Sie haben meinen Wunſch erfüllt; ich brauche nur noch die Zukunft abzu⸗ warten. Allzuliebevolle und feurige Nativa, ich bin Ihr unter⸗ thäniger und dankbarer Diener! Der ſchöne Laurent wandte ſich dann zur Thüre, und mit freudeſtrahlendem Geſichte und ſtolzer Miene rief er ſeine Träger. — Sttzen wir unſern Siegeszug fort, ſagte er zu Mor⸗ van. Die Granader ſind begierig uns zu ſehen, und erwarten uns mit Ungeduld. — Dank, Laurent, antwortete ihm der Ritter trocken, Waldblume ſeinen Arm anbietend, ich bin jetzt nicht zum Scherz aufgelegt. Ich werde Dir zu Fuße nachfolgen. — Sei es ſo, antwortete der Flibuſtier ironiſch es iſt billig, daß Du mir den Ruhm laſſeſt, da Du die Liebe haſt. Laurent nahm ſeinen Sitz unter dem Traghimmel wieder ein, und laut ertönten die Fanfaren wieder. 3 — Ach, murmelte der Flibuſtier, indem er verſtohlen einen neidiſchen Blick auf Morvan und Waldblume warf, ſo bin ich in meiner Macht iſolirt.— Bei der Hölle! ich glaube, ich that Unrecht, von meinem Wege abzuweichen! Meine jetzige Natur taugt nicht mehr dazu, zärtlich zu ſein, ſie unterwirft ſich nicht mehr dem Regiment der Empfindſamkeit.— Wozu auch ein todtes Herz wieder zum Leben erwecken? Das heißt ja das Unmögliche verſuchen.— Ich hatte entſchieden Unrecht, Mor⸗ van zu meinem Matroſen zu nehmen— mich den Reizen der Waldblume hinzugeben!— Befriedigter Stolz, Macht, Reich⸗ thum, Orgien und Schlachten, das ſind die Elemente, die mei⸗ ſen gung echal ihrer ln lun n in det ich ſo Fluches nicht, ob det nicht. e ich nir ie haben ft abzu⸗ t unter⸗ „und nit eTriger. zu Nor⸗ erwarten troden, n Scherz h, es iſt e haſt. el wieder erſtohlen warf, ſo glube⸗ ne jttig⸗ wiſt ſch oz auch ſtjudus W⸗ ſeizen dr t, ſich⸗ „die ner nem Temperament zukommen; ſie allein können mich die Ver⸗ gangenheit vergeſſen machen.— Und doch iſt Waldblume ſo erhaben an Geradſinn und Unſchuld, ſo bewundernswerth in ihrer Schönheit! „Pah! Alles Chimäre! Ich habe mich in Bezug auf ſie getäuſcht, ich hielt ſie für keuſch, wahr und rein, ſie war aber nur noch nicht erwacht, ſie lag im Schlummer ihrer Unwiſſen⸗ heit. Jetzt, da ſie liebt, werden alle ihre böſen Inſtinkte er⸗ wachen. Bevor ein Monat vorübergehen wird, iſt ſie ein Weib wie alle Weiber. Sie iſt ſo hübſch! Gut, ſo mache ich ſie zu meiner Maitreſſe. Das wird mir eine Woche lang Zerſtreuung bieten,— immerhin ein Gewinn.— Was Morvan betrifft, ſo kümmere ich mich nicht um ihn. Sobald wir aufgehört ha⸗ ben, Matroſen zu ſein, werde ich in ihm nur ein Hinderniß ſe— hen, und die Hinderniſſe zerbreche ich erbarmungslos. Als der ſchöne Laurent den Kirchenplatz erreichte, wo er ſeine Flibuſtier zurückgelaſſen hatte, fand er die der Stadt Gra⸗ nada auferlegte Brandſchatzung bereit auf's Schiff gebracht zu werden. Die Spanier, die von der Anweſenheit ihrer ſchreckli⸗ chen Gäſte ſo ſchnell als möglich befreit ſein wollten, waren ſo⸗ gar ſo gefällig auch Maulthiere herbeizuſchaffen, mittelſt welcher die Beute nach den Schiffen gebracht werden ſollte. Dank die⸗ ſem leichten Transportmittel, befanden ſich die Flibuſtier ſchon nach einer Stunde auf dem Verdeck und gingen unter Segel. Am andern Morgen war das Schiff glücklich aus dem Fluße gelangt und auf der hohen See. Trunken vor Freude über den glücklichen Ausgang ihrer Unternehmung, über die ungeheuren Reichthümer, die ſie nun beſaßen, und im Gedanken an die Schwelgereien, die ſie am Lande erwarteten, begehrten die Flibuſtier von Laurent, daß er ſie, ſeinem Verſprechen gemäß, nach Jamaika führe. Laurent, ein Sklave ſeines Wortes, beeilte ſich ihrem Wunſche nachzu⸗ ——— 180 geben. Uebrigens war in dem kühnen Kapitän ſeit ſeiner Ab⸗ reiſe von Granada eine große Veränderung vorgegangen. Er hielt fortwährend Tafel, und lud die älteſten Boucanier und Flibuſtier ein, ſeine Freuden mit ihm zu theilen. Die feinſten und ausgeſuchteſten Weine floßen in Strömen. Die Muſikan⸗ ten, deren Laurent immer am Bord hatte, hörten nicht auf zu ſpielen, die Würfel hörten nicht auf zu rollen. Da verſuchten Manche das Glück, um ihren Antheil an der Beute zu verdoppeln. Morvan, der, ſo oft es der Dienſt ihm erlaubte, immer nur mit Waldblume und Alain war, verſtand ſich auf Laurent's Benehmen nicht. Obwol er den ſchönen Laurent innerlich ta⸗ delte, daß er ſich gemeinen Genüſſen ſo hingab, ſo konnte er doch nicht umhin, die Würde zu bewundern, mit welcher jener unter ſeinen Genoſſen ſeinen Platz behauptete. Laurent, der auf einem Stuhl ſaß, während ſeine Flibuſtier ſich nur der Schemel bedienen durften, erlaubte es Niemanden, vor ihm das Haupt bedeckt zu halten. Das Glas in der Hand, wußte er ſeine Würde als Kapitän zu behaupten, und ſeine Autorität nicht zu compromittiren; ein Zucken ſeiner Augenbrauen genügte, um einen Berauſchten zu ernüchtern. Am dritten Tage nach der Abfahrt von Granada, lag Morvan in ſeinen Mantel gehüllt auf dem Verdeck, wo er eben — es war Morgendämmerung— eingeſchlummert war, als ihn der Ruf einer Wache:„Schiffe!“ erweckte. Er bemerkte Lau⸗ rent an ſeiner Seite. — Was für Schiffe werden ſignalifirt, Matroſe? fragte er ihn. — Es ſind zwei Schiffe, ſagte der Matroſe, indem er dieſe Worte mit einem ſeltſamen Lächeln begleitete. Ich kenne ſie. — Du ſagſt mir das in ſonderbarer Weiſe. — Dam! ich bin für die Freude nicht unempfindlich. Eine gute Nachricht macht mir Vergnügen.* Aber uge win Vu Du ger ſic nen Ka va ren die n hie nit we ge einet Ab⸗ gen. Er anier und e feinſten Mußikan⸗ ht auf zu erſuchten tdoypeln. te, immet Luurent's nerlich ta⸗ fonnte er cher jener t, der auf Schenel us Haupt er ſeine, it nicht i igte um lada, lag o et eben r, als ihn erkte Lu⸗ ſe fingte „inden er in ſi. nfihlich. — 18 — Sind das denn Handelsſchiffe? Eine neue Beute etwa? — Keineswegs; im Gegentheil, es ſind Kriegsſchiffe. Aber wozu Deine Neugierde im voraus reizen, Deine Ungeduld rege machen? Du ſehnſt Dich nach Ruhm, Matroſe, nicht wahr? Du villſt ſchöne Thaten vollbringen, in großen Schlachten mit⸗ kämpfen? — Nein, antwortete Morvan mit dumpfer Stimme, ich wünſche nichts als Vergeſſenheit und Ruhe. — Alſo das Nichts? den Tod? Gut, Ritter, Dein Wunſch könnte leicht in Erfüllung gehen. Jene Segel, welche Du am Horizont bemerkſt, führen die zwei ſtärkſten Schiffe ge⸗ gen uns, welche unſere Feinde beſitzen; auf dem einen befindet ſich der Admiral, auf dem andern der Viceadmiral der Gallio⸗ nen des Königs von Spanien; jedes dieſer Schiffe hat ſechzig Kanonen und fünfzehnhundert Mann an Bord. — Und Du glaubſt ihnen zu widerſtehen? fragte Mor⸗ van, ohne eine Bewegung zu verrathen. — Ob ich ihnen zu widerſtehen glaube? erwiderte Lau⸗ rent mit ſpöttiſchem Ton. Ah, glaubſt Du denn, ich ſei durch die Liebe ſo ſehr herabgekommen, daß ich vom alten Kapitän Laurent nichts behalten habe? Waldblume gefällt mir; aber die Schlacht ziehe ich ihr vor. Sei verſichert, Matroſe, daß ich mich lieber in die Luft ſprenge, als daß ich mich ergebe. Wir werden dieſes Geſpräch gleich wieder fortſetzen. Jetzt beſchäfti⸗ gen wir uns mit dem, was die Pflicht uns gebietet. Laurent nahm ſein Sprachrohr vor und befahl ſogleich die Vorbereitungen zur Schlacht. Dank der Erfahrung, der Unerſchrockenheit und der Kaltblütigkeit ſeiner auserwählten Mannſchaft, hatte Laurent am Bord ſeiner Fregatte eine Dis⸗ ciplin eingeführt, die jene auf den Schiffen des Königs bei weitem übertraf. Auch wurde die anbefohlene Vorbereitung zur Schlacht, obwol die Gegenwart des Feindes nur durch zwei kaum ſichtbare Punkte am Horizont angezeigt war, und noch keine unmittelbare Gefahr drohte, mit bemerkenswer⸗ them Eifer und Schnelligkeit ausgeführt. In wenigen Mi⸗ nuten waren die Schanzſäcke aufgehäuft, die Munitionskiſten geöffnet; die Schiffsfakeln beleuchteten mit ihrem matten Licht die Pulverkammern; die Nichtkämpfenden, nämlich die beiden . Köche, die Muſikanten, die Proviantmeiſter, vertheilten ſich im Oberloff um da die Verwundeten in Empfang zu nehmen. 1 Die Fenſter wurden verſchloſſen, die mit Stück⸗Patronen ge⸗ ſi 3 füllten Büchſen zu den Kanonen geſtellt, die Kufen mit Waſſer gefüllt, die Zündſtöcke rauchten; endlich breitete— ein dem todesmuthigen Seemann unangenehmer Anblick— der Chirurg ſeine Inſtrumente, die zu Amputationen beſtimmt ſind, aus. Nach dieſen Vorbereitungen ließ Laurent die Segel ſo richten, als ſollte man vor dem Feinde die Flucht ergreifen. Dieſer Um⸗ ſtand erregte unter den Flibuſtiern einiges Murren. — Freunde, ſagte Laurent zu ihnen mit einer Freund⸗ lichkeit und Sanftmuth, die er immer nur vor einer Schlacht anwendete, mäßiget Eure Ungeduld und vermeidet es beſonders Euch über meine Befehle eine Meinung zu bilden.— Ihr ſeid gewiß kühne Geſellen; aber glaubet mir, alle Eure Erfahrung zuſammen würde ſich bei weitem nicht zur Höhe meines Genie's erheben. Ein für allemal, vergeſſet nicht, daß ich mich niemals täuſche.— Ihr ſehnt Euch nach der Schlacht; beruhigt Euch, ich verſpreche Euch eine grofartige blutige Schlacht, wie ſie ſeit Menſchengedenken von den Flibuſtiern nicht geliefert worden iſt. Dieſe Anrede machte allen Einwendungen ein Ende. Die ſtolzen Worte hatten in Laurents Munde nicht den Schein der Prahlerei. Nach zweiſtündiger Flucht gewannen die Abenteurer die Ueberzeugung, daß das eine der ſpaniſchen Schiffe weit ſchneller ſegelte als ihre Fregatte. Das andere ſpaniſche Schiff Wa ni nei lich G ſic N we W r, und kenswer⸗ gen Mi⸗ onskiſten ten Licht e beiden lten ſich nehmen. onen ge⸗ it Woſſer ein den Chiturg d, aus. richten, eſer Un⸗ zrund⸗ Schlacht heſonders Ihr ſeid rfahrung Genies nienals igt buch⸗ wie ſie geliſut nde. die hein det benteurer ift weit he Sijf —— — 183— blieb mit jeder Minute um eine größere Entfernung zurück. Gegen zehn Uhr Morgens— die Flucht hatte ſeit dem Anbruch des Tages gedauert— konnten die Flibuſtier die groß⸗ artigen Verhältniſſe der ſpaniſchen Gallione in allen Details wahrnehmen; dieſer Anblick machte, wie unerſchrocken ſie auch waren, einen gewaltigen Eindruck auf ſie. Laurent ging gleich⸗ mäßigen und ruhigen Schrittes im Oberloff auf und nieder, und plauderte mit Morvan über gleichgiltige Dinge, die zu dem bevor⸗ ſtehenden Kampfe in keinem Bezug ſtanden; faſt hätte man ge⸗ meint, er habe die Nähe ſeines ſchrecklichen Feindes vergeſſen. Plötz⸗ lich erhob der Flibuſtier ſeine Stimme und rief einer Wache zu: — Was für ein Segel hat der Feind? — Am Obermaſt, am Fockmaſt und mit Raebändern. — Sehr wohl! Ritter Louis, laſſen Sie gegen die Spanier ſteuern. Morvan beeilte ſich das von Laurent angeordnete Ma⸗ növerzu commandiren; letzterer ging weiter auf und ab, und ſchien ſich um die Gallione nicht weiter zu bekümmern. Eine halbe Minute ſpäter waren die beiden Gegner nur drei Kanonenſchuß⸗ weiten von einander entfernt. — Welche Richtung nimmt der Hidalgo? fragte Laurent. — Erſteuert links, um mit dem Wind gegen unszu kommen. — Iſt er fern? — Nein, Matroſe, man ſieht ihn ganz, wenn er auf die Welle gehoben wird. Laurent blieb einige Serunden ſtehen, dann rief er mit weitſchallender Stimme: — Die ganze Mannſchaft herbei! Die Flibuſtier gehorchten dieſem Befehle mit einem Eifer, welcher bewies, wie ſehr ihr Intereſſe angeregt worden war, und wie ſehr ſie wünſchten die Meinung ihres Chefs über den gegenwärtigen Stand der Dinge zu kennen. — 184— Laurent durchlief die Reihen ſeiner Genoſſen mit einem raſchen Rundblick; ein Lächeln glitt über ſeine Lippen, die Haltung ſeiner Mannſchaft bewies ihm, daß er auf dieſelbe rechnen könne, und daß ſeine Flibuſtier ihm ihr Leben weihten. — Brüder der Küſte, ſprach er, Ihr ſeid zu erfahren um nicht die Gefahr zu kennen, welcher wir entgegen gehen, auch ſeid Ihr zu tapfer um Furcht zu haben. Wir müſſen jetzt alles ſorgfältig ſchonen und doch zugleich auf's Spiel ſetzen, wir müſſen uns vertheidigen und den Feind zu gleicher Zeit an⸗ greifen; Tapferkeit, Liſt, Tollkühnheit, ja die Verzweiflung ſelbſt müſſen wir uns zu Nutzen machen. Wenn wir in die Hände unſerer Feinde fallen, ſo haben wir alle Arten von Schimpf, die grauſamſten Folterqualen, und endlich einen ſchmachvollen Tod zu erwarten. Beſtreben wir uns daher ihrer Barbarei zu entgehen, und um ihr zu entgehen, kämpfen wir!— — Ja kämpfen wir, riefen die Fl ibuſtier mit Enthuſiasmus. Laurent gab ein Zeichen mit dem Kopf⸗ und alles ſchwieg. — Freunde, fuhr er fort, Euer Eifer überraſcht mich nicht, ich kenne Euch! Indeß bin ich Euch eine Erklärung ſchuldig. Wenn wir mehrere Stunden hindurch vor dem Feinde geflohen ſind, ſo wollte ich, da ich die verſchiedene Schnelligkeit der beiden Gallionen bemerkte, ſie trennen, und dem Admiral⸗ ſchiff den Wind abgewinnen. Das iſt mir gelungen. Da wir jetzt das Admiralſchiff im Winde haben, ſo ſind wir gegen den Viee⸗Admiral geſichert, der den Wind gegen ſich hat. Wir haben es daher nur mit einem Feinde zu thun.— Ich betrachte unſern Sieg als gewiß. Da ſich indeß das Glück durch einen Zufall, den ich nicht vorherſehe, uns ungünſtig zeigen könnte, ſo iſt es mein Wunſch und Wille, daß unſere Niederlage glorreich, und unſer Tod unſern Brüdern nützlich ſei!— Meerwolf, tritt her⸗ vor aus den Reihen. Ein von dertropiſchen Soſ ſo ſtark gebräunter Flibuſtier, de einen n, die ieſelbe eihten. fahren gehen, en jttzt ſetzen, eit an⸗ eifung Hinde chinpf, ollen arei zu asmus. witg. t nich klärung Feinde lligkeit dmiral⸗ Da vir gen del r haben eunſer gful ſoiſ es ih, und rit her ſuftin — 165— daß er einem Mulatten glich, trat mit ruhiger und entſchloſſener Haltung vor, und blieb an Laurents Seite ſtehen. Der unter dem Spitznamen Meerwolf bekannte Abenteurer war einer von jenen Männern mit granitenem Leib und ehernem Herzen, eine iener was Thatkraft betrifft ſtarken, jedoch in geiſtiger Beziehung unerklärlich ſchwachen Organiſationen, wie ſie in den Annalen des Flibuſtierthums oft genug vorkommen. Von einem unbe⸗ zähmbaren Zerſtörungsinſtinkt beherrſcht, fand Meerwolf ſein Element nur in der Schlacht; im Gemetzel ſtrahlte er von Feuer, aber wenn die Schlacht beendet, der Feind beſiegt war, ging eine plötzliche Veränderung mit ihm vor: er wurde trau⸗ rig, düſter, unruhig. Kaum die allergewöhnlichſten Bande knüpften ihn an das alltägliche Leben, er begriff ſchwer, war außerordentlich befangen, und mußte ſich gewaltig anſtrengen, wenn er zwei Ideen mit einander verbinden ſollte. Meerwolf war mit einem Wort eine bewundernswerthe Maſchine im Kampf, die aber der bewegenden Kraft bedurfte. Auch war kein Flibu⸗ ſtier ſeinem Chef ſo gehorſam, wie Meerwolf, wenn der Befehl ſeinem blutgierigen Inſtinkte angemeſſen war. Meerwolf ſtand unbeweglich an der rechten Seite ſeines Kapitäns und zeigte weder Neugierde noch Ungeduld; er war⸗ tete nur. — Mein Freund, ſagte Laurent, ich will Dir öffentlich einen glänzenden Beweis der Achtung geben, die Du mir einflößeſt. Meerwolf's Züge blieben unbeweglich; Laurent fuhr fort: — Während der Schlacht wirſt Du Dich mit einer bren⸗ nenden Lunte in der Pulverkammer aufhalten; bei dem gering⸗ ſten Zeichen, das Du von mir, oder im Falle meines Todes, von meinem Matroſen, dem Ritter Louis, erhalten wirſt, ſprengſt Du die Fregatte in die Luft. Haſt Du wohl verſtanden? — Vollkommen! antwortete Meerwolf freudig lächelnd. 16. — 165% — Ich kann auf Dich rechnen, ich weiß es! Gehe auf Deinen Poſten! Meerwolf nahm eine brennende Lunte und entfernte ſich ohne ein Wort zu ſagen. Ein Schauder durchlief die Menge, aber keiner der Flibuſtier dachtz daran, eine Einwendung zu machen. Alle billigten die von ihrei Kapitän getroffene Maßregel. — Jetzt, meine Freunde, fügte Laurent hinzu, ein letztes Wort. Unſere Fregatte hat zwei Millionen am Bord, nämlich den Zehnten, der dem König gebührt, meinen perſönlichen An⸗ theil und das Gold für die uns gemachten Vorſchüſſe nicht abge⸗ rechnet, das heißt fünfundachtzigtauſend ſiebenhundert und vier⸗ zehn Livres für den Mann. Da aber der Zehnte für den König, mein Antheil und die Zahlung für die Vorſchüſſe durch die Beute, die wir noch machen werden, mehr als gedeckt ſind, ſo kann ſich jeder von Euch als den Befitzer von nahe an hunderttauſend Livres anſehen. Sich bei ſolchen Ausſichten auf Glück ſchlagen laſſen, wäre nicht nur Feigheit, ſondern Wahnſinn. Behaltet Euer Gold. Es lebe der König! Es leben die Flibuſtier! — Es lebe der Kapitän Laurent! antworteten die Fli⸗ buſtier mit fanatiſcher Begeiſterung. Hierauf begab ſich jeder auf ſeinen Poſten. — Matroſe, ſagte Morvan, der allein bei Laurent zu⸗ rückgeblieben war, zwiſchen Dir und mir iſt jede Heuchelei un⸗ nütz; Du haſt es nicht nothwendig meinen Muth zu wecken. Reden wir offen; ſiehſt Du ein Mittel zur Rettung? Was mich betrifft, ſo verhehle ich Dir nicht, daß mir unſere Lage verzwei— felt ſcheint. — Es iſt unſtreitig, antwortete der Flibuſtier ruhig, daß unſere ſechzehn Kanonen und unſere neunundachtzig Mann gegen die großen Kräfte des Admiralſchiffes in zu großem Mißverhält⸗ niß ſtehen, als daß es uns erlaubt wäre zu hoffen. Da ich aber meine Mannſchaft kenne, ſo verzweifle ich noch nicht. Es gibt u keinen unter uns, der nicht im Stande wäre, eine Orange aus 3 einer Entfernung von zweihundert Schritt mit der Kugel zu ſch treffen. Solche Schützen erſetzen wohl die Kanonen. Offen ge⸗ e, ſtanden, ich kenne den Ausgang des Kampfes nicht. Dam, un⸗ zu ter uns geſagt, bleibt mir noch eine Hoffnung. el.— Welche denn, Matroſe? tes— Siehſt Du die kleine, ſchmutziggraue Wolke im Süden? ich Sie iſt kaum noch ſichtbar. — Ja, Matroſe; jetzt, da Du mich aufmerkſam machſt, ⸗ ſehe ich ſie. ie— Dieſe Wolke, Ritter, iſt für mich das ſichere Votzei⸗ ig chen eines ſchrecklichen Gewitters. Jetzt kommt es nur darauf tte, an, ob wir während der drei oder vier Stunden, bis das Ge⸗ ich witter ausbricht, im Stande ſein werden, dem Feinde Wider⸗ nd ſtand zu leiſten. Jetzt kein Wort mehr! Bleibe an meiner Seite gen und überlaß mich meinen Reflexionen. ltet Laurent, der, ſeit die beiden ſpaniſchen Schiffe in Sicht waren, ſich beeilt hatte, prachtvolle Kleider anzulegen, begab ſich li⸗ dann auf ſeinen Platz am Verdeck. Nur ein Maler könnte von dem Anblick eine Idee geben, welchen der Flibuſtier in ſeinen Feſtkleidern gewährte; es war unmöglich den Stolz und die ⸗ Anmuth beſſer zu vereinen. un⸗ Seine Mannſchaft betrachtete ihn mit ſtolzer Genugthuung; en. dieſen rohen, allen Luxus und ſelbſt den Wohlſtand verachten⸗ nich den Leuten gegenüber, konnte nur Laurent ſich eine ſo ausge⸗ ei⸗ 1 ſuchte Toilette, die er ſo ſehr liebte und die ihm ſo gut anſtand, erlauben, ohne ſeiner Popularität zu ſchaden; er vermehrte ſie daß vielmehr. Man wußte, daß unter dieſen Stickereien, dieſem gen Sammt, dieſen reichen Spitzen ein allen Angriffen der Furcht ilt⸗ vollkommen unzugängliches Herz ſchlage. bet In raſcher Fahrt begegneten ſich das ſpaniſche Admiral— ſchiff und die Fregatte der Flibuſtier einander; kaum waren ſie — 185— mehr als um Kanonenſchußweite entfernt, als Morvan Wald⸗ blume auf ihn zukommen ſah. — Du hier, meine Schweſter? ſagte er ihr im Tone des Vorwurfs. Haſt Du nicht Deinen Platz an dem für die Ver⸗ wundeten beſtimmten Orte? Ich beſchwöre Dich, Jeanne, ent⸗ ferne Dich ohne eine Minute, ja nur eine Secunde zu verlieren; das Feuer wird ſogleich beginnen! Mein Platz iſt neben Dir, mein Ritter Louis, antwortete ihm Waldblume mit einem Tone, der trotz ſeiner Sanftmuth unerſchütterliche Entſchloſſenheit verrieth. Ich ſollte Dich im Augenblick der Gefahr verlaſſen? Nie! — Aber Waldblume, Deine Anweſenheit auf dem Ver⸗ deck kann mir ja von gar keinem Nutzen ſein— im Gegentheil, ich werde dadurch nur zerſtreut ſein und die Kaltblütigkeit ver⸗ lieren, deren ich in Erfüllung meiner Pflichten ſo ſehr bedarf! — Ich beſchwöre Dich noch einmal, entferne Dich! — Mein Ritter Louis, ſagte Jeanne, ohne ſich vom Platz zu rühren, Du vergißeſt, daß man ſagt, ich bringe Glück. Wenn das wahr iſt, ſo werde ich Dich vor den Kugeln des Feindes bewahren.— Wenn man ſich aber bis heute über mich getäuſcht hat, je nun, ſo ſterben wir mitſammen.— Ich verſichere Dich, ich wäre glücklich, wenn ich mit Dir ſterben— — Matroſe, rief Leurent, in der Abſicht, das Geſpräch zwiſchen Waldblume und dem Ritter zu ſtören, ſieh nach, bevor das Feuer beginnt, ob die Maſtkörbe mit der von mir beſtimm⸗ ten Anzahl von Leuten verſehen ſeien— ob genug Proviſion und Granaten in Reſerve, ob unſere beſten Schützen ſo poſtirt ſeien, daß die ſpaniſchen Offiziere von ihnen ſicher getroffen werden.— Eile! Morvan entfernte ſich ſogleich, und mit jenem rauhen und gebieteriſchen Tone, den er bei Gelegenheit annahm, ſagte er zu Waldblume: Plet Venn eindes täuſcht Dich, eſyrich beor eſimm wriſion pfir etuftn hun und ſcgie er — Jeanne, gehe auf den Poſten der Bleſſirten zurück, ich will es—— Die Sprache des Flibuſtiers erlaubte keinen Widerſtand; Jeanne ſeufzte, und gehorchte. — Alles lege ſich platt auf die Erde bis zu einem neuen Befehl! rief Laurent. Ende des dritten Bandes. 8 . Srey Control Chart Sreen NVllow Red Magenta Grey 2 ₰ Srey 3 Srey 4 Slack