S—— e—— Leihbiblivthet᷑ Leihbibliothek! d2 her, engliſcher und franzöſiſcher Literatur von 6 „Gdnard Ottmann in Gießen, Schloßgaſſe Lit. A. Nr. 256. Seißh und Seſebedingungen. 1. Oflensein der Bibliothek. Die Bibliothek ſteht zur Em⸗ pfangnahme und Rückgabe der Bücher jeden Tag von Morgens 7 Uhr bis Abends 8 Uhr offen. 2. Lesepreis. Bei Rückgabe eines geliehenen Buches wird von jedem Tag 5 Pf bezahlt. Die Zeit eines Tages iſt zu 24 Stun⸗ den angenommen.. 3. Caution. Unbekannte Perſonen müſſen, bei Entgegennahme eines Buches, eine dem Werthe deſſelben entſprechende Summe hinterlegen, welche bei deſſen Zurückgabe von mir zurückerſtattet wird. 4. Abonnement. Daſſelbe muß voraus bezahlt werden und beträgt: für wöchentlich 2 Bücher: 4 Bücher: 6 Bücher: —.————— auf 1 Monat: T Wr.— Pf 1 Mt. 50 Pf. 2 Mr.— Pf. 5. Auswärtige Abonnenten haben für Hin⸗ und Zurückſendung der Bücher auf ihre eigenen Koſten und Gefahr ſelbſt zu ſorgen. 6. Schadenersatz. Für beſchmutzte, zerriſſene, verlorene und vefecte Bücher(namentlich bei ſolchen mit Kupfern ꝛc.) muß der Ladenpreis erſetzt werden.— Iſt das zerriſſene, eſch korene oder defecte Buch ein Theil eines größeren Werkes, ſo iſt der Leſer zum Erſatz des Ganzen verpflichtet. 7. Ausleiheneit. Dieſelbe iſt auf 14 Tage feſtgeſetzt und wird beſonders darauf aufmerkſam gemacht, daß das Weiterverleihen der Bücher nicht ſtattfinden darf, indem Diejenigen, welche die⸗ ſelben von mir geliehen, auch dafür zu ſtehen haben. Romantiſche Erzählung aus Schleſiens Vorzeit von Cart Wilheln Peſchel. ——— —— . In mattes Schweigen Sre rings die Suren, Es lſcht die Nacht der Eonit milden Stn Der Werdrithe uettt Purpurſpuren en ſhe, unitennn Grau un die des dirſchen Azenau . „ Da ſchwebt mein Geiſ zu jener Zeit hinüber, Wo durch der Viter rohe, wilde Schaar Das ſchöne Land verwuſteter und truͤber, Als in dem Schweigen dieſes Abends Wo wi der Fäͤuſte wilde Kräfte walten Und nur des Krieges blut'ges Bild Der keck des Fleißes Garben rings verzehrt, Wo Ranb und Mord den tapfern Männ bewährt. 1 uch Du, o Alzenau! yaſt in den Tagen Der alten füͤrchterlichen Fehdezeit Das ſe ver ßinſtern Macht getragen, dr bnt ſich der Rittergeiſt geweiht. S0 ſaheſt Du auf Deinen ſchen Puͤgeln v* Riuters Burg im Abendrothe ſpiegeln, 6 wie ein Höͤllengeiſt, mit Mord und Tod W ſeiner ſtuchbelad'nen Zinne droht. Der ſchwarze zeitb, wie der un* Dem ſichern n ſein Netz zu ſun Der z dieſe Gegend reißt. E Ein Raubthier! wurgt ſchomungslos ben Armen. v wohnt in ſeinem kein S 5 Und Thaten, die die Pihe auceſreut, Die nennt der Fürchterliche: ayferkeit. ⸗ — zieht er durch des Berzogthumes Gauen, Zerteißt des Friedens und der Ruhe Band, Befleckt mit Blut die ſegensreichen Auen Und macht zr faſt S n VI Seht ihr dort purpurfarb'ne Wolken gluͤh'n? Das iſt des bends ſanfte Rithe nicht! Vie Salanander, durch die Lüfte iehen Sie ſhwer und drohend, mit erborgtem Licht: 66 iſt der Widerſchein der Feuerſtätte, Wo Chriſtoph ſeiner Bosheit Saamen ſöte, Er ſtreute frech mit der verwegnen Hand, Zu jedem Laſter faͤhig, Mord und Brand. Richt war der Schreckliche im Staub geboren, Ficht durch ſein Schickſal in der Wiege ſchon Zum Moͤrder, durch Erziehung, auserkohren! Nein, eines tapfern Ritters einz'ger Sohn War ihm ein neidenswerthes Lvos geworden, Doch in dem Herzen lag der Keim zum Worden! Es wachſt das Laſter und die boſe Luſt Rur in der eignen unbewachten Bruſt. * X und ſchlingt das Laſter ſeine Blumenketten Erſt einm al um des Sichern Lebensbahn, 28 iſt der ſchon Verlor ne nicht zu retten, † Es jagt ihn ſchnell den ungluͤckspfad hinan. So ward auch Chriſtoph auf des Laſters Wogen Von That zu That mit Rieſenkraft gezogenz So laß uns, lieber Leſer, weiter gehn. Willſt Du den Tiefgefallnen handeln ſehn, iens Der Chriſtoph. — — — — *— 8 5 warze . — * — ₰ — 8 „ — — —— S — 8) — — — — S 3— S — E ſch Hoc flakkerten die Lichter in Schloſſe zu Alzenau, und der laute Jubel waͤlzte ſich, Unheil werkuͤndend, durch die Ebene, daß die * Bewohner rings herum ſcheu hinuͤber horchten nach dem ausgelaſſenen Lärmen auf der Burg, und mit Angſt und Furcht ſich in ihre Hütten verſchloſſen. Eben ſchlug es 11 Uhr und die Knappen ſten von neuem die Humpen„um iſt es doch traun, als ob der boͤſe Geiſt plöt⸗. lich uͤber Euch geriethe, wie weiland uͤber den Saul, daß Ihr auf einmal ſo unwirſch gewor⸗ den ſeyd?“ „Iſt mir auch ſchier ſeltſam zu Muthe, meine Freunde,“ entgegnete Chriſtoph,„ich hab' der Geſellen doch zehne in das Weichbild Goldberg geſchickt und ſchon ruͤckt es ſtark auf Mitternacht, ohne daß mir einer zuruͤckgekehrt wäre. Hab' kein Vertrauen zu der Stadt, iſt mir immer, als ob das Blut, das ich dort aus⸗ gefaͤet habe, einmal zu meinem Verderben auf⸗ prießen ſollte.“ Grillen, Chriſtoph,“ Süberhort, puen einmal der ubermuͤthigen Stadt einen rothen Hahn außſetzen, das, denke ich, ſoll traun! die ſtolzen etwas zuſammen⸗ ſchüchtern.“ n dem ugenblice t tönte t und Pferdegewieher auf dem Burghofe, Chri⸗ ſtoph fuhr erſchrocken in die Höhe, und ſagte mit furchtboret Stimme:„wer hat mir das i nicht Seoſe Mit feſtem 6 Schritte aber ging er zu dem genſet, auf und fragte hinab:„wer iſt da?“ Sohne der Nacht!“ tonte es von unten herai „Willkommen! raſch zu mir, und beingt Euch, was Ihr gefangen habt.“ Er verſchl. 6 das Fenſter und rief dem Knappen Sparre zu: 6 „fuͤlle friſche Humpen, es ſind die Geſellen und werden ſich ſchier durſtig gearbeitet haben.“ Nach kurzer Friſt öffnete ſich die Thür und herein traten die wilden Geſellen, an ihrer Spitze der kecke Geißmann, der ſich auf die zackige blut⸗ beſpritzte Keule lehnte, die ſchwarzen Locken aus dem narbigen braunen, widerlichen Ge⸗ ſichte ſtrich und ſagte:, war wiedereinmal eine 3 magere Fahrt, Hauptmann! haben den gan⸗ zen Haynwald durchſucht, aber das Geſindel t+¼-ßte Wind bekommen haben, denn es wa Alles wie ausgeſtorben; endlich aber, als n ſchon vieder heimwärts ectei un 6 ſchleuderte ihn in die Mitte des Saates. 6 war ein erbarmungswürdiger Anblick, wie ſich auf dem verſtoͤrten Geſicht der Fammergeſtalt 3 die Schrecken der nahen Todesgefahr malten, aber aus der ehernen Bruſt dieſer Tieger war ſchon längſt jedes Mitleid entflohen. Seht ihn recht an,“ fuhr Geißmann fort,„er iſt aus dem Goldberg, und hat uns vorm Jahre beim Magiſtrat der Stadt verrathen, als wir in der Seifenmuhle arbeiteten. Der Wicht hat ſich auch tapfer vertheidiget und uns den tapfern Ortfolt ſchier gefaͤhrlich verwundet. Haben ₰ auch nichts Sonderlichos bei ihm gefunden, als eipige Ballen Leinwand, kaum der Arbeitwerth.“ „Ha!“ brüllte Chriſoph,„des ſohſt du mir nicht umſonſt gethan haben, bringt mir Feder, Dinte und Peyie daß der Fant . Namen ſchreibe.“ Ich kann nicht ſoriben, entgegnete der Pandelsmann, aber habt Erbarmen mit mir, habe eine Braut und will Euch zehnſach e zehten, was Ihr heute von mir habt, wenn 3 Wen mir das Leben ſchenkt.“ frug der Hauptmann. Sie iſt die Krone von Goldberg, und Pater wird es Euch reichlich lohnen, Ihr mich frei laßt. Erbarmt Euch meiier! wenn noch ein Tropfen menſchlichen Bluts in 6 Euern Adern rollt, ſo erbarmt Euch meinert“ „Wer iſt Deine Braut?“ Die Lochter des Rathsherrn on an „Kunth?“ lachte der Hauptmann,„das zuift ſich herrlich! Friſch auf, meine Freunde! es iſt eine ſinſtre Nacht, in zwei Stunden könnt Ihr in Goldberg ſeyn. Bei allen Teufeln ſchwöre ich es, das Mädchen iſtmein Kebsweib, ehe die Sonne wieder untergeht. Faht mir die Dirne und ich will Euch bolohnen wie ein Srr zog, den Burſchen aber füh rt 1 ihn am Burgthore auf, daß er dem Wägd den Morgengruß ſirge kann⸗ wenn ſe zieht.. Raſch ward der Befehl des ſrenge nanns erfüllt und der arme Kaufm ehe eine Stunde verging, ſein Leben ausge⸗ haucht.„Der reißt nicht mehr nach dem Lö⸗ wenberge,“ ſagte lachend Geißmann, als wieder in die Stube trat, aber es war Euch ein wunderlich Ding, Hauptmann! hab' doch ſchon manchem den Garaus geſpielt und iſt mir ¹ eben nicht warm ums Herz geworden, aber wie ſich Euch der Handelsmann geberdete, wvie dieſer fuͤr ſeine Haut gebeten hat, das war doch ſo arg, wie mir's ſonſt noch nie zu Ohren ge⸗ kommen; und als er nun ſah, daß ihm kein 5 Filehen und Lamentiren half, ſo meinte er, für uns wuͤrde in Goldberg der Strick g⸗ dreht“ „Hab' ſelbſt kein gut Zutrauen zu die Stadt,“ antwortete Chriſtoph,„aber auf die Weiſſagungen, die die Todesangſt herausjagt, ſetze ich eben kein groß Vertrauen; laß Dich da⸗ her nich abhalten, nach dem Goldberge zu rei⸗ en öder willſt Du vieleicht, daß ich mit den Rittern Dich begleite?“ Wärs auch wohl der Nihe werh deß ich euh erſt in den Harniſchtrieb! ich he a⸗ Ruhe goͤnnte.“ einen Humpen hinunterſturzte, die zackige Keule ftiſch Geſellen, auf die Weiberhatz!“ auf den Lochter, ſo wahr Ihr ein edler Riter Ihr habt ja morgen eine gefahrvolle Fa rt zu beſtehen, ſammt, den Rittern, und da ware e wohl Thorheit, wenn ich Euch t heue Kaum hatte Geißmann ℳ er auf die Schultern ſchwang und mit den Wor⸗ ten: folgt mir, wackere Geſellen,“ zur Thuͤr hinaus ſchritt. Laͤngſt ſchon ſtanden die Roſſe auf dem Burghofe geſattelt und wieherten und ſtampften ungeduldig die Erde, als Geißmann mit den Geſellen herabkam und ſich ſcherzend: 6 Nappen des Hauptmanns ſchwang und zum Thor hinaus ſprengte. Wie das wüthe de Heer pfeifend bei nächtlicher Stile durch die Lüfte ſauſ't und das Holla⸗ und Hurrah⸗ Ge⸗ ſchrei grauſig bei nDhren des einſamen Wan⸗ 6 derers vorüberzieht, ſo raſten die Geſelle wie die Währwölfe der Mitternacht ee die Funken uunſe prüh⸗ Aufenthalt. — i upfrr Spitzwald, ein heimlicher Feind des kek⸗. ken Geißmann, indem er ſich lächelnd den ſchwarzen Knebelbart ſtrich,„vermuthlich wird die Senatorstochter aus dem Bette holen, denn wir ſind ja ihrer zwanzig und können's wohl P nern aufnehmen.“ 6 kalte Eiſen im Nacken und möchteſt gern! bef Zeiten Feii Haut in Sicherheit bnm 10 ten und die Staubwolken ſich gen Himmel wir⸗ belten. Eben ſchlug es zwei Uhr von dem ho⸗ hen Kirchthurm zum Goldberge, als die Reiter in der Gegend des alten Schachtes unter dem Nikolaiberge anlangten; denn eine Sage, daß Bergmännlein hier ihr Weſen trieben, hatte 3 den Ort wuͤſte und menſchenleer gemacht und daher wählten ihn Chriſtophs Geſellen immer 5 6 „Da waͤren wir ſagte hůmiſch der nunmehro Geißmann die Thore ſprengen und, allenfalls mit einer Stadt 5000 Einnoh⸗ Tuͤckiſcher uſe, awiet giftig z zſe fuͤhlſt Du etwa ſchon i im Geiſte das 1T reicht.“ Hat aber doch ter, der S ſagte ein Andrer, wir haben's nicht uberlegt, dieſe Nacht kommen wir nicht in die Stadt. 4 Das iſt Alles ſchon wohl überdacht, meine Freunde!“ ſagte Geißmann ſanfter, ſeht Ihr dort von dem Rennwege hernieder die ſtolzen Häuſer in das Thal ſchauen? das iſt George Kunths Vorwerk. Dort wollen wir eins an⸗ zuͤnden! Kunth iſt Feuerherr/ und wahrend daß die Flammen luſtig himmelan ſchlagen und mit ihren feurigen Zungen an den ſchwarzen tief herunter haͤngenden Wolken lecken, und George Kunth in der Angſt ſeines Herzens die Szpritzen ordnet und die Bürgerſchaft zu Hauf treibt, holen wir ungeſtört das einſme Mä aus dem unbewachten Hauſe 4 „Ein köſtlicher Gedanke!“ niefiß die Ge⸗ ſellen,„wohlan, raſch pinüber! Das wird ein Fubel, der den Hauptmann baß ergötzen in Die Geſellen ſprengten durch das Katzbach⸗ thal und immer behutſamer ritten ſie, ſich verſchiebenen Wegen zerſtreuend, Bund Schwefelfaͤden aus, mit denen er ſich gener That, raſch auf ihre und jagten nach dem alten Schachte zuruͤck. — öden Straßen der Stadt, daß die ſorgloſen Be⸗ Porn heulte vom Thurme in das Angſigeſchrei der Buͤrger ſeine widrigen Tone. Knartend der, und die Spritzenwagen donnerten auf dem S tuuhen Maſterwege den Busben unst 12 Rennwege zu. Nahe am Vorwerk fanben ſie ſich wieder zuſammen. Geißmann theilte viele wohlbedächtig ſchon verſehen hatte. Jetzt wur⸗ den zwei Hölzer raſch an einander gerieben; nach Kurzem ſchlug die Flamme empor. Jeder zundete ſich ſein Bund an und nun ſchlichen ſie ſich nahe an die Scheuern und andre äußre Ge⸗ baͤude, ſteckten die Buͤndlein in die niedern Strohdaͤcher, warfen ſich, nach gluͤcklich gelun⸗ Wie ein rollender Sturmwind waͤlzte ſich der Schreckensruf: Feuer! Feuer!“ durch die wohner aus dem ſichern Schlafe aufgeſchrect nach dem Marktplatze zuſtrömten. Das Feuer⸗ ſlogen die Fluͤgel des Sälzerthores auseinah⸗ 6 13 nterdeſſen hatte die Flamme die Wobnungen n Kunths Vorwerk ergriffen und ſchlug dee feurigen Arme knatternd um die Wirthſchafts⸗ Gebäude, daß ſie, von der ſchrecklichen Umar⸗ mung zerknickt, praſſelnd zuſammenſtürzten. Die hochrothe Wolke aber lagerte ſich wie die 3 Feuerſäule eines Vulkans, uber das Vorwerk. „Seht ihr Geſellen!“ ſagte hohnlachend der furchtbare Geißmann, wie es da wirbeit und in die Lüfte hinaufbrauſt, und wie ſie da hinausrennen und jagen um die letzten Biſſen der zerfreſſenen Habe dem gierigen, gefräßigen Feuerwolfe noch zu entreißen; ich glaube ſchier, deß Kunth nicht der Letzte ſeyn wird, da ihm die Flamme ſo nah an den Nägeln leckt. das zarte Toͤchterlein wird wohl traun! öden Kämmerlein ſeufzen und ihre 1 9 zum Himmel hinaufſchicken; ich dächte 3 wir braͤchten ihr Troſt! wird ſich baß fr wenn ihr am Burgthore zu Alzenau die gefaͤrbten verzerrten Zuge des Bräutigam die der Tod ſeinen Willkommen mit etwas ſia *. 14 Ein lautes Jubelgeſchrei vegeitet die Rede des Anfuͤhrers. Die Geſellen warfen ſich kolaiberge hinauf nach der Stadt zu. Die ner hatten ſich zur Rettung des Vorwerks nach dem Rennwege begeben. Schon glänzte ihnen am Markte das, von dem Wiederſcheine der Flamme hochroth gefaͤrbte Haus des Rathöherrn Kunth entgegen. „Wir haben uns nicht betrogen,“ ſagte Geißmann, indem er auf die hell erleuchteten Fenſter der Vorderſeite zeigte: s Täubchen iſt nicht mit entflohn. Friſch hinan! ehe eine 3 Viertelſtunde vergeht, muß 6 Wageſtuͤck ge⸗ ungen ſeyn.“ ſchlug heftig an dieſelbe, waͤhrend ſich die uͤbri⸗ Fetzt öffnete ſich das Fenſter und ein. liebliches Engels⸗ Köpfchen bewegte ſich heraus und frug mit ſanfter Stimme:„ſeyd ihr's Va⸗ iſt die Flamme Soh zu⸗ auf ihre Roſſe und ritten behutſam an dem N Straßen waren öde und ſtill, denn die Bewoh⸗ J Die Thuͤre war geichſoſhn Geißmann gen Geſellen. zurückzogen, um nicht bemerkt zu 15 Ja, meine Tochter! fne ſnen bie Thuͤre, ſagte Geißmann leiſe und mit verſel⸗ ter Stimme, die Kaͤlte der Nacht ah mich wie ein gihirſroſt ergrißfer „Glaub's gern, mein Vater! denn Eure Stimme iſt fremd und unſicher; ich komme gleich!“. Das Fenſter ſchloß ſich, das Licht bewegte ſich aus der Stube nach dem Hausflur hinab. 6 Heran ihr Geſellen,“ rief der Anfuͤhrer leiſe, haltet Euch bereit, wenn die Thuͤre ſich öffnet, ſo will ich ihr eine väterliche Umarmung geben, daß wohl wie daran denken ſoll.“ In Augenblice ward ie xbür⸗ 5 aufgeſchloſſen, und mit den Worten:„ mein F WVater! welche namenloſe Angſt hatte m er⸗ 3 SRb trat-Bentha Kunth heraus. at ſie das!“ rief Geißmann mit e fürchterlichen Höllengelaͤchter, 66 3og 8 1 ſtarken Armen heraus. „Erbarmer im Himmel!“ cui ſie auf⸗ indem ſie, uſnmnſtntt Furcht und Angſt, an dem Raͤuber herabglitt Der Schreckliche aber faßte ſie mit Rieſenſtärke, hob ſie auf ſein Roß, ſchwang ſich hinter ſie, und iagte, begleitet von den Geſellen, nach 6 dem Stadtthore zu. Ba erhob ſich außerhalb der Stadt ein dumpfes Stimmengewirr, das ſich nah und uund immer naͤher wälzte, und ehe die Raͤuber das Thor erreichen konnten, war ihnen der Weg durch eine große Menſchenmaſſe, die von dem Feuer zuruͤckkehrte, geſperrt. „Das wird einen wackern Strauß geben,“ ſagte Geißmann, wo ſoll ich die Dirne laſſen?“ „Steige ab, erwiederte einer der Geſellen, ich werde den Gaul mit dem Maͤdchen hinter uns fuͤhren und ſie ſtreng bewachen.“ Unterdeß waren die Bürger den Geſellen näher gerückt; Geißmann ſprang vom Roß, hob drohend die za⸗ ckige Keule und rief: drauf, Geſellen! hier gilt e Leben um Leben! Wir wollen uns nicht wie Weuterpuben gfangen nehmen laſſen, ſnden 1 per Dumpf verhollte das letzte nuul a ob der Mund, der es geſprochen hatte, plöt lich geſchloſſen wuͤrde, Und nur das widrig nende Freudengeſchrei der eindringenben Räu⸗ ber wälzte ſich ſchreckenverkundend dir e oͤden, ſtillen Straßen. 2 Die Goldberger, durch oftmalige neper⸗ faͤlle an dergleichen Scenen gewoͤhnt, gewahr⸗ ten kaum die Räuber, als ſie wuͤthend auf ſie zuſtuͤrzten. Jedoch der Kampf war ziemlich ungleich: auf der Seite der Buͤrger die Ueber⸗ zahl der Kaͤmpfer, doch unbewaffnet, denn wie konnten ſich Leute, die zum Frutrtöſchen auszogen, mit Waffen beſchweren; die Räu⸗ ber hingegen waren mit Armbruͤſten, Schwer⸗ tern und Keulen verſehen, und giübt in dem 3 gräßlichen Handwerk des nſe ſie die große Ueberlegenheit des Feindes nicht. Raſend drang Geißmann vor und ſchlug mit ſeiner gewichtigen Keule auf die erſte ten ki ein, daß die ſpiten 18 ſürzten. Nichts deſto weniger wich Lr Folgenden, da ſie den unbedeutenden Haufen der Feinde ſahen, ſondern ſchlugen mit ihren Feuerhacken und Löſcheimern tapfer in die Ge⸗ ſelen ein. Wahrend dem war die letzte auflo⸗ dernde Gluth des brennenden Vorwerks ver⸗ glommen, und die roͤthlichen Wolken, welche uͤber die Stad zogen, und einen ſchwachen Wiberſchein des Lichts noch auf die Straßen geworfen hatten, zogen ihr boriges ſchwarzes Gewand wieder an und eine undurchdringliche Finſterniß lagerte ſich auf und um die Kämpfen⸗ den⸗ Nun ward der Strauß ernſthafter und ſürchterlicher. Die Bürger wütheten unter ſich ſelbſt und jeder ſchlug und hieb auf ſeinen Vor⸗ * dermann, der die Bruſt ihm zugekehrt hatte, ohne zu wiſſen, ob er Freundes⸗ oder Feindes⸗ ſchädel zertrümmere. Das Winſeln und To⸗ desröcheln der Sterbenden durchſchnitt die Luft, die in vielfachen Echo' s das Jauchzen, Toben Schreien und Krachen des Kampfes zuruͤckgab. Endlich hatten bie Räuber ihre Gegner bis zum zurückgedrängt, und jetzt wagten ſie einen 19 Gewaltſchritt, um den Streit mit einem Mal zu beenden.„Reitet nun die Beſtien nieder bruͤllte Geißmann. Da hoben die Räuber ihre Keulen in die Höhe, ſpornten die Roſſe und in⸗ dem ſie auf beiden Seiten niederſchlugen, was. ſich an ſie dräͤngte, ritten ſie mitten unter den dichten Haufen der Feinde, daß das Jammer⸗ geſchrei der Niederſtürzenden unb Zerſchmet⸗ terten durch die Nacht hallte. Das Wageſtück. gelang und nach einigen Minuten waren ſie vor dem Thore. Immer ſchwaͤcher wurde hier der Wiberſtand, den die kleine Anzahl der Buͤrger vor dem Thore leiſtete, und bald waren auch dieſe geworfen und der Weg ins Freie gebahnt. Nun raſ'ten ſie wie die wilde Jagd den Nikvlai⸗ berg hinunter, unbekannt um das, waß um und neben ihnen ſtürzte, bis ſie das Kaßbach⸗ 3 thal und mit ihm ihre Si ge hatten. Aber noch glaubten ſ⸗ ſich hier nicht u geneckt, und befuͤrchteten die Goldberge in im Nacken zu habenz 20 Berglehne hinan, bis ſie die Ebene gewannen. Hier erſt wagten ſie ihr Häuflein zu muſtern, um die Zahl der Vermißten zu kennen. Der Haufe war zur Haͤlfte geſchmolzen und was leicht zu vermuthen war, ihr Anfuͤhrer fehlte und Keiner erinnerte ſich, ihn vor dem Thore geſehen zu haben. Sie machten ſich die heftig⸗ ſten Vorwuͤrfe, daß ſie ihn, der zu Fuß ſtritt, treulos verlaſſen hatten, und auch die Dirne ward vermißt, und der Geſelle, dem ſie zur Obhut anvertraut war. In die Stadt noch einmal und die Fehlendem aufzuſuchen, war nicht rath⸗ ſam, denn wohl ſtand zu vermuthen, daß die Goldberger alle Thore beſetzt haben wuͤrden und vielleicht ſchon in Maſſe auf dem Wege waͤren, um die Räuber aufzuſuchen. Es blieb ihnen alſo nichts brig, als ſchnell nach Alzenau zu eilen und dem Hauptmann den Vorfall zu be⸗ richten und das Weitere demſelben zuuͤberlaſſen. Sie machten ſich alſo ſchnell auf den Weg und eben quollen die erſten röthlichen Wolken an dem öſtlichen Himmel herauf, als 6. die Burg ————— — ges Auſſenbleiben öffnet er ale BVier 21 erreicht hatten. Das Geräuſch in dein Schloſſe war verklungen und eine Todtenſtile herrſchte in dem Burghofe, denn der Hauptmann und ſeine Gefaͤhrten hatten ſich, berauſcht von dem nächtlichen Gelag, zur Ruhe begeben; nur die 3 Ruͤden raſ'ten losgelaſſen auf dem Hofe um⸗ 1 her, damit kein Verdächtiger ſich der Burg nahen koͤnnte. Der Burgwartel lugte von der Zinne des Thorthurms herab ins Thal und als er auf ſeine Frage die troͤſtliche Antwort erhielt: die Soͤhne der Nacht, ſo eilte er freudig herab. 3 Raſſelnd ſprangen die Riegel und Schlöſſer von den Thorflugeln, die ſich knarrend auseinan⸗ der bewegten, und die Geſellen, bebeckt mit Staub und Schweiß, ritten hinein. „Schlaͤft der Hauptmann?“ frug Focht⸗ ler, der unter Weges an Geißmanns Statt das Kommando uͤbernommen hatte. „Schlafen?“ grinſ'te der Wärte wann ſchläft unſer Herr, wenn er ſeine Le auf Arbeit ausgeſendet hat? Er iſt in ſet Schlafzimmer, aber unmuthig über Euer i — „ „ 22 das Fenſter und frägt: ſind ſie noch nicht auf dem Ruͤckwege? Geht nur zu ihm hinauf, ab ich will traun den Wihkommen nicht theile wenn Ihr den tapfern Geißmann verloren und dennoch das Dirnlein nicht mit Sus gebracht babt. „Bleibt im Hoſe„ befahl Fochtler, ich ihm ſelbſt Bericht erſtatten“ Muthig ſchritt Fochtler aufs Schloß und als er an des Hauptmanns Ruhezelle kam, trat ihm Chri⸗ ſtoph ſchon finſter und ernſt entgegen.„Ich habe Eure Unterredung mit dem Burgwärtel gehoͤrt. Wehe Euch, wenn Ihr durch Unbe⸗ dacht an dem Unfalle ſchuld ſeyd! wahrlich, ich wil Euch an einen Galgen benken, F Eure klappernde, ſchlotternde Gebeine—“ Vollendet nicht, mein edler Hauptmann,“ entgegnete Fochtler, wir hatten es klug ge⸗ macht, aber der Teufel legte uns ein Horn in den Weg, uͤber das wir S8a ſulpern 1 6 mußten Nun erʒůhite der Geſelle den Vorgang vis z Ende. Als er der Feuersbrunſt erwähnte, ———— — — Andern habt Euch tapfer gehalten, laßt den . nen bereuen ſoll.“ S eine Stund lachte der Hauptmann ſchadenfroh und ſagte „Das ſieht Dir ähnlich, tapferer Geißme komme nur noch einmal lebendig zu mir und 3 ich will Dir ſelbſt den Ritterſchlag geben! Ihr Kellner Wein holen und thut Euch guͤtlich. Jedem von Euch ſollen 100 Mark für die Muh⸗ ſeligkeiten der heutigen Nacht ausgezahlt wer⸗ den, aber an mir iſt es, meinen Geißmann zu. retten. Unbedacht waͤre es, mit meinem klei⸗ 4 nen Heere nach Goldberg zu ziehenz erſt muß ich wiſſen, wo mein treuer Geißmann gefangen ſitzt und ihn durch Liſt retten, dann aber will ich mit Heeres macht uͤber die Stadt ziehen und ſie züchtigen, daß ſie ſchier ein Jahrhundert den S Ritter Chriſtoph nicht vergeſſen ſoll. Gehe jetzt mein Fochtler, und ſage dem Sparre, da er mir ein Bauernwammes bringes unerkann will ich nah Goldberg niſ mir Kun Fochtler ging und ſciut 6 den S var der Hauptmann völlig unkenntlich durch den Burghof. Ein grobleinener Kittel umwallte die ſtarken Glieder, das truppige, wild umher flatternde Haar deckte ein ſchmutziges, zerriſſe⸗ nes Barett, uͤber dem linken Auge lag ein ſchwarzes Pflaſter und das Antlitz war durch Schmutz und Staub entſtellt; in der Hand ruhte ein Knotenſtock und auf dem Ruͤcken ein Sack mit gedoͤrrtem Obſte. Ehrerbietig offnete der Waͤrtel das Thor, dem er im Scheiden noch ſagte⸗„Komme ich bis zur nächſten Mitternacht nicht zurück, ſo ſoll das ganze Heer aufbrechen und mir zu Hulfe kommen, denn dann bin ich erkannt und gefangen. 4 wir werden Such ſü nden und retten.“ „Und ich will Eure Treue wie nie ein Fuͤrſt ſie belohnt hat,“ erwiederte Chri⸗ ſoph, indem er traulich die Hand des Geſellen 3 Wohl, mein edler Her, up 3 der ihn bis zum Thor begteitet hatte:„bauet uuf unſere Lreue, und wenn ſie Euch in den neunfachen Kreis der Hoͤlle begraben hätten, 1 thum ſehten ſollte.“ Mit dieſen Worten ſtieg der S den Burgweg hinunter. Lange ſahen ihm ſeine Getreuen nach, bis er im naͤchſten Gebuͤſche ren Augen entſchwand. Ungehindert und ungeneckt kam chriſapb— Nachmittags vor Goldbergs Mauern, denn Niemand ahndete in ihm dengefürchteten Raub⸗ ritter, und daher konnte er auch gefahrlos in 6. die Stadt gehen. In Goldberg war es heute vc Uebpaſt. Auf allen Straßen ſanden 3 Gruppen von Menſchen, und eine noch größere Anzahl der Bewohner ch ſich Markt u. ben bewirkte, ſo ütete zu jedoch 6 ſt unb laſſen muͤſſen, denn grade hier wird das S draͤnge zu groß.“ „Sagt mir doch erwiederte Chriſtoph, „warum draͤngt ſich das Volk ſo zu Hauf? Iſt vielleicht ein Gaukler hier, der irgend eins ſeiner Se den Schauluſtigen zeigen ice Schimpfſpiel! mußt weit her ſeyn, Bauer, weil Du nichts o. Sith, in der vorigen Nacht iſt die Räuber⸗ Rotte des ſchwarzen Chriſtoph eingedrungen b S Io„ wird jetzt eben, urtetu 3 hier auf dem Ringe mit der eiſernen Keule todtge⸗ ſchlagen werden. Schon iſt er oben auf dem zutraulich auf die Schulter und ſagte:„hoͤre Bauer! heute wirſt Du wohl dieſen Platz ver⸗ wil?“— „Ja wohl,“ lachte der Bürger, ein herr⸗ 3 S Rathhauſe, wo die Herren den Stab über un wollte der erſchrockene Buͤrger antworten, als trat. Vor ihm gingen zwei Frohnvögte in brechen.“ Gluͤhend vor Zorn und Wuth raſ'te&hri⸗ ſtoph dem Erzähler entgegen:„hat der derzoß 6 Friedrich das Urtel unterſchrieben?“ Eben ſich ein Volkshaufen jubelnd die Rathhaus⸗ Treppe herunterdrängte.„Rettung oder Ra⸗ che!“ murmelte Chriſtoph, indem er mit der krampfhaft zuckenden Fauſt nach dem Dolche griff, den er unter dem Kittel verborgen trug. Mit jeder Minute wuchs die Menſchenmaſſe und wogte nah und immer näher nach dem Ratbhauſe zu. Platz da furs Gericht!“ be⸗ fahl jetzt der Stabtuogt mit durchdringender Stimme, indem er, in ſeinen Mantel gehullt, aus de Thuͤre des Rathhauſes auf die Treppe 3 blutrothen Waͤmſern, die Gerichtsſchwerdter in der erhabenen Hand haltend. Dem vogt folgten der Conſul und die Rathsherren in ſchwarzen Mänteln, das Geſicht zur Erde ge⸗ Rzt Hin ihnen ſync bleich unt itrnt 28 Geißmann, angethan mit dem weißen Armen⸗ mit ſchwarzen Schleifen zugebunden war. Auf dem Haupte trug er eine weiße, etwas ſpitze Muͤtze, die ein breites ſchwarzes Band umgab. Ihn fuͤhrten zwei Henkersknechte in ihren ro⸗ then Hemden, deren Aermel über die Hälfte aufgeſtreift waren. Hinter dem Deliquenten ging der Henkersknecht, der ihn vom Leben zum Tode bringen ſollte, denn auf ſeiner Schul⸗ ter lag die gewichtige eiſerne Keule. Den Zug beſchloſſen die jungſten Buͤrger Golbbergs, ent⸗ blößte Schwerdter in den Haͤnden tragend. So ging der Zug die Treppe der Mitt⸗ des Oberringes zu. Geißmanns Muth ſchien gebt en. Auf das bleiche Antlitz hatte die Todes urcht ihre entſtellenden Zuͤge tief eingegraben. Bei der etten Stufe der Treppe trat der Geiſtliche zu dem armen Suͤnder, um ihn zum Tode vorzu⸗ bereiten. Er ſprach viel von der unendlichen Gnade des Erbarmers, die dem reuigen Sun⸗ P ſunderhemde, das auf der Bruſt und den Armen der ſeine Fehler verzeihe; von dem S ½ 29 ner w. Doch die fanften Lröſungen der Religion fanden keinen Eingang in das ſtockte Herz des verhärteten Suͤnders, deſſn Kraft nicht durch das Andenken an begangene Frevelthaten, ſondern nur durch den Gedanken an die gräßlichen Qualen, die ſeiner harpten, und die ihm den Tod langſam herbei führen ſollten, gelaͤhmt worden war. Jetzt trat er— dem Todesgerüſte, das auf der Mitte des Ober⸗ Ringes erbauet war, näher. Els er die bret⸗ terne Buͤhne gewahrte und die eiſernen Haken, und die erhoͤhten Holzabſätze, welche ſpitzig zu⸗ liefen, damit der auf ihnen hohlliegende Kör⸗ per durch die Wucht der Keule ſchneller zer⸗ ſchmettert werden könnte, da ſchauderte erzurück 5 und ſtuͤrzte mit einem Schrei zuſammen.— Endlich ſtieg Geißmann die Stufenzum Ge⸗ ruͤſte hinauf. Laͤngſt ſchon hatte Chriſtoph mit 25 Sech auf ter zu naͤhern; i graubte als bei⸗ von 3 30 uf die Blutbühne frei wäre. Schnel, wie der Blitz ſtuͤrzte der Hauptmann durch die zu⸗ rückweichende Menſchenmaſſe, den gezückten Dolch in der erhobenen Hand haltend, auf den ſterben!“ und mit den Worten ſtieß er ihm den Dolch ins Herz.—„Dank!“ ſtoͤhnte Geiß⸗ mann, fuhr mit der krampfhaft zuckenden, abſterbenden Hand nach der Wunde, und ver⸗ ſchied. Kaum war die That geſchehen, ſo aber zuruck unter daſſelbe und verſchwand. Greift den Verruchteſten der Böſewich⸗ ter!“ rief der Burgermeiſter mit fürchterlicher Stimme:, Er hat der Gerechtigkeit ihr Opfer eſiohlen. Ein Mann im Bauerkittel war es“ Nun ward die Verwirrung algemein. 33 können. Chriſoph i unterdeſſen Deliquenten zu, rief:„Konnt' ich Dich nicht retten, ſo ſollſt Du doch eines ehrlichen Todes drängte ſich das Volk zuſammen, Chriſtoph Die That war zu ſchnel geſchehen, als daß der Thäter gleich hätte erkannt und ergriffen wer⸗ „ * 31 feſthielten und laut aufriefen: Hier, hier i ſtrzten und floh in das Haus. Die Scene patte die Aufmerkſamkeit des Volks ſchnell er⸗ regt, und mit einer unbeſchreiblichen Wuth draͤngte es ſich ins Haus. Das Haus gehorte einem Bäcker, und noch gluͤhten die Brände in dem Ofen. Chti⸗ ſtoph ergriff haſtig den einen, ohne den jäh ihn durchblitzenden Schmerz zu achten, ſchnell ent⸗ wie ein Raſender die Treppe hinauf, hinter erhaſcht haben wuͤrde, wenn ſie ſich nicht ſelbſt durch ibre übertriebene Anzahl hinderlich gew ſen waͤre. Mit unglaublicher Schnelligkeit, von der ihm drohenden Todesgefahr beflügert, riß Chriſtoph die Stubenthüre auf, ſchleuderte 1 den Brand mit Fe auf ſeint Prrege der Moͤrder!“ Der Hauptmann aber beſaß Rieſenſtärke, ſchleuderte die ihn Feſthaltenden 5 mntt gewaltiger Kraft von ſich, daß ſie zur Erde 6 ſſchloſſen, das Haus in Brand zu ſtecken und ſich in den Flammen zu begraben. So eilte er ½ ihm drein die jauchzende Menge, die ihn ſchon 6 32 nuten. Das Gluck i den verwegenen ſo daß er ohne irgend eine Verletzung ſogleich ſeine Flucht fortſetzen konnte. Mit der großten Eile jagte er durch den Hof, den am Ende eine hinan, gewann ohne einen Unfall die andere tiche Schauſpiel der Hinrichtung hatte die Be⸗ wohner nach dem Markte gezogen; dennoch aber wagte es Chriſtoph nicht nach dem NRieder⸗ die HOeffnung hinunter in den Hof. Dies x⸗ les war das Werk einiger wohlbenutzten Mi⸗ 6 Räuber und er ſturzte auf einen Haufen Stroh, Bretterwand begrenzte. Er kletterte ſchnell Seite, und befand ſich auf der Ziegelgaſſe. Die Straße war menſchenleer, denn das ſchreck⸗ ore hin zu flüchten, indem er wohl vermu⸗ then konnte, daß ſeine Verfolger dieſen Weg, um ibn ſicherer zu fangen, wählen wuͤrden; und er nahm daher ſeine Flucht nach dem Woifsthore zu.— Unterdeſſen hatte ſich die Menſchenmaſſe in die Bäckerſtube gedrängt, die i Flucht des Raͤubers zu verhindern. Das 5 e zeigte ihnen⸗ was vorgeſulen — ter den Anweſenden ſich anſchickte, auf demſel⸗ 1 wandte ſich zu den andern und ſagte: 2 6 Spur nicht zu verlieren.“ Der Haufen that ehe die Verfolger auf der Wolfsgaſſe anlang⸗ ten, hatte Chriſtoph ſchon das Wolfsthor er⸗ nen Weg durch die Obſtgarten nach dem Wolfs⸗ 33 war. Eben ſchwang ſich Chriſtoph über die Bretterwand, als einer der Verwegenſten un⸗ ben Wege den Raubritter einzuholen. Er was Ihr konnt auf die Wolfs⸗ und Ziegelgaſſe, ich ſehe den Moͤrder, er kann uns nicht Snie nen! Ein Theil von Euch jage nach dem Ne⸗ derthore zu, denn auf jeden Fall wendet er ſich dorthin; ich aber will hier hinaus, um ſeine gehorſam, was der Sprecher wuͤnſchte, aber doch waren ihre Bemühungen fruchtlos; denn reicht. Niemand hielt ihn auf, denn die W⸗ nigen, welche ihm begegneten, waren in ihren Geſchäften, hatten ihre Werkſtaͤtten nicht ver⸗ 6 laſſen und wußten alſo von dem Vorgefalenen nichts. Chriſtoph athmete freier, als er das Wolfsthor hinter ſich ſatie und nahm nun ſei⸗ berge zu. um ſich nicht zu Wi gug t 34 gen jeden Verdacht. Als er durch den letzten, dem Wolfsberge am naͤchſten liegenden, Gar⸗ ten ging, trat ihm ein Gartenknecht entgegen Weg durch dieſen, wie durch die vorherliegende Gaͤrten.„Wem gehoͤrt der Garten?“ fragte „Chriſtoph.„Dei Kunth!“ war die Antwort. Räuber:„Wiſſe denn, daß ich Chriſtoph, der Burgherr von Alzenau bin.“ Der Garten⸗ knecht entfärbte ſich, der Spaten entſiel ſeinen er:„Bauer, du luͤgſt!“ nunmehr ganz unbefangen und langſam und ward auch von keinem Vorubergehenden ange⸗ halten, denn ſeine Verkleidung ſchuͤtzte ihn ge und ſtellte ihn zur Rede, denn es führte kein „Ei, das trifft ſi ch ja herrlich!⸗ lachte der aͤnden, die Kniee knickten ihm unwillkühriich zuſammen, und mit bebender Stimme ſagte „Fürchte Dich nicht, Haſe!“ donnerte ihm Chriſtoph entgegen:„Aber machſt Du WMiene von der Stelle zu gehn, oder mich zu verrathen, ſo will ich Dir auf immer ben Rück⸗ und zum Teufel 6 35 ehe Du ein Vater Unſer gebetet haſt. Höre jetzt meinen Befehl und komme ihm vuntuih S nach, wenn Dir Dein Leben lieb iſt In di⸗ ſem Augenblicke eilſt Du nach der Stadt, dort 3 wirſt Du Alles in Aufruhr finden um mich zu ſuchen, daſelbſt laſſe Dich zum Burgermeiſter 2 fuͤhren und dem ſage: der Mörder des armen Suͤnders ſey Chriſtoph von Alzenau geweſen und dieſer befinde ſich jetzt auf dem Wege nach dem Wolfsberge: wenn ſie ihn zu fahen wuͤnſch⸗ ten; aber ſie ſolten ſich wohl huͤten noch einen ſeiner Leute zum Tode zu verdammen, denn, beim Teufel! noch eine ſolche That, und die Stadt ſollte an allen Ecken hell auflodern, daß eluſtigen Flammen bis an dit Hörner des b —— Hölle vertanne d chrin i den Garten ins Freie. £ 36 Der Gartenknecht faltete die zitternden inde, ſah dem Forteilenden mit ſtieren Blik⸗ en nach, ſeufzte, und kehrte dann haſtig um, 3 dem Befehle des Furchtbaren punktliche Folge † zu leiſten. Indem er ſich dem Wolfsthore naͤ⸗ herte, kam eine Menge Volks zu demſelben, mit Spießen und Schwerdtern bewaffnet, her⸗ ausgeſtuͤrmt. An der Spitze des Haufens war der tapfere Räthsherr Anton Angilmann, der ſich ſchon in einem Gefechte mit den Raͤubern im Haynwalde ruͤhmlichſt ausgezeichnet hatte. Sobald Angilmann des Gartenknechts, den er wohl kannte, anſichtig wutde, frug er ihn: „Iſt Dir nicht ein Kerl mit widrigem braunem Antlitz in Bauernttacht begegnet, man ſagte: daß er hier heraus entwichen ſey?“„O ja, Herr!“ erwiederte dieſer,„doch ehe Ihr für⸗ der geht, hört mich erſt an. Dieſer Menſch iſt der böſe ſchwarze Chriſtoph von Alzenau, er hat es mir ſelbſt geſagt, und mir eine ſchreck⸗ liche Botſchaft an die Stadt aufgetragen.“ Nun erzählte er Wort fuͤr Wort, wie ihm der Vierarpmann begegnet und er ihm — ——— . S e habe. Kaum hatte er ausgeſprochen, ſo brach die Menge in tobendes Jubelgeſchrei 3 wahrlich! er hätte uns nicht ſo keck gehohnt, wäre. Wir würden ihn nicht fahen, ſondern unſere Stadt verderben, und unſere Weiber daß ich kein Feighart bin und mi 37§ aus, und wie aus Einem Munde tonte der Ruf: Hinauf zum Wolfsberge! der Räuber iſt un⸗ ſer! Angilmann aber hob ſein Schwerdt in die½½ Höhe und rief mit lauter Stimme:„Horet mich, meine Freunde und Mitbuͤrger! Nur ein Wort, ehe eine unbeſonnene That unſere Stadt ins Verderben ſtͤrzt! Chriſtoph iſt ein eben ſo fuͤrchterlicher als maͤchtiger Raͤuber. Seinem Befehle gehorchen Hunderte, und S wenn er nicht wußte, daß ein Theil ſeiner Bande auf dem Berge zu ſeinem Schütze verſammelt und Kinder in ſeine Haͤnde liefern. Laßt uns eine gelegenere Zeit abwarten, wo wir den Raͤuber auf ſeiner Burg uberfallen können, S wenn er ſich mit ſeinem Geſindel am ſicherſten waͤhnt. Wollt Ihr meinem guten Kathe Ge⸗ hör geben, ſo laßt uns umkehren. wißt, —— blöde in den Kampf zu ziehen, aber hier wür⸗ den wir ſelbſt die Schrecken der grauſamſten Rache über unſere bluͤhende Stadt rufen. Iſt der Raͤuber und Morder auch diesmal dem Schwerdt der Gerechtigkeit entronnen, ſo iſt gewiß der Strick dennoch ſchon gedreht, der ſei⸗ nem verruchten Leben ein Ende machen ſoll.“ Wie, wenn die Fluth ſich an den Däm⸗ men hinaufthuͤrmt und immer hoher und hoͤher ſchwillt, und endlich hinuͤber brauſt und raſt und donnert, ſo ſtieg jetzt, als Angilmann ge⸗ endet hatte, das Gemurmel des Volks immer lauter und lauter, bis es in das tobende Ge⸗ ſchrei ausbrach: Es falle der Raͤuber und Moͤr⸗. der!“ Die Waffen klirrten an einander, die Schwerdter blitzten aus den Scheiden, und mit dem lauten Ruf:„Auf! auf! zum Wolfsberg hin! Der Raͤuber ſey unſer!“ draͤngte man ſich durch die enge Gaſſe der Vorſtadt nach dem Berge zu. Da trat Angilmann noch einmal vor die tobende Menge und rief: Eure Wuth iſt gerecht! und wollt Ihr den Strauß wagen, ſo bin ich bei Euch und werde Euch nicht verlaſ⸗ ſen! aber auf Euch falle die Schuld,— und ſturzte eilig durch die Menge nach dem 39 Unheil über die Stadt kommt!“ „Herr!“ ſagte einer der vithnnſe „Wir ſind ihrer mehr als hundert, und ſein Hüuſtein iſt ſonder Zweifel ſchwach. je wir ihn und die Vornehmſten ſeiner Bande, ſo muß das Unheil ein Ende nehmen, das ſchon Jahrelang ſeine verderblichen Fäden wie ein giftiges Netz um unſere Stadt gezogen pat.“— Auf einmal heulte der Feuerwolf ſeine fürchterlichen Töne von dem Thurme herab, und eine ſchwarze Wolke qualmte in dichten, immer höher ſich wölbenden Wellen über die Niederſtadt heruber. , meine Ahndung!“ ſagte angimann 7 Thore zu. Die Kampfesluſt der Bürger aber war, wie mit einem Blitzesſtrahle vernichtet. Schweigend und ſtil ſahen ſie mit hleichen Ge⸗ 6 ſichten nach der int die ſich m auf, und ſie flohen in der regelloſeſten Verwit⸗ rung nach dem Unglucksorte zu. Chriſtoph hatte während dem die Gegend des Wolfsberges erreicht. Dieſer Weg der S Flucht ward zum Theil auch von ihm der frei⸗ eern, weitern Ausſicht wegen, gewaͤhlt. Er wünſchte nämlich die Gegend zu überſchauen; denn, ſeinem gegebenen Befehle nach, mußte. ietzt ſchon ein Theil ſeiner Geſellen ſich auf dem Wege nach Goldberg zu befinden. Kaum auf 1 dem Gipfel des Berges angelangt, entdeckte 5 ſein Falkenauge auch ſchon was er wuͤnſchte, uund zu gleicher Zeit die brennende Niedervor⸗ ſtadt. Dieſer Anblick war ihm uͤberraſchend, da er den Zweck nicht einſehen konnte, und ſchier unwillig rief er aus:„Mordbrenner! gemeines Geſindel! Meinen da eine Helden⸗ that zu volffuͤhren, wenn ſie ihre rothen Hähne auf die Häuſer ſetzen. Binnen einigen Tagen zwei mal. Das bringt mich in Unglimpf iieße mir's noch gefallen, wenn es hei Nacht wäre, daß es etwas zu pluͤndern gäbe aber ſtand. . auf die aufwirbelnde Flamme ſtierte, und faſt den unveränderlichen, faſt ſteinernen Zuͤgen des nung zu Grabe getragen wurde:„Gefaͤllt's Euch, edler Ritter! wenn ſo ein aufſprühen⸗ den Alten los, ergriff ihn mit der nervigen Fauſt 41 . Chriſtoph ſah dem Alten ſchier eſchrycen in das leichenfahle Antlitz, das kalt und e wäre ihm ein Grauen angekommen; denn aus unbewegten Geſichts, ſprach kein menſchlich ſchlagendes, lebendes Herz. Jetzt ſtreckte der ſonderbare Greis die dürre knoͤcherne Hand nach der Gegend der brennenden Vorſtabt Gold⸗ bergs aus und ſagte, indem er hohl auflachte 6 wie ein Verzweifelter, dem eben die letzte Hoff⸗ des luſtiges Brillantfeuer Euch den dunklen, ſchwarzen Gang bis zur Hoͤlle beleuchtet, da⸗ mit Ihr nicht fehl gehen könn't?*“ Reizbar zum Zorne, wie Chiſtoph war, fuhr er entruſtet ob der verwegenen Rede, auf „„ 42 und donnerte ihm in wildfluthenden Worten entgegen:„Alter! kennſt Du den, mit dem Du redeſt? Ungeſtraft läßt ſich Chriſtoph nicht hoöhnen! Noch ein Wort, und ich erſpare Dir den Weg Dein verdorrtes Gebein noch einmal muůhſam vom Berge hinabſchleppen zu dürfen.⸗ „Chriſtoph!“ ſagte jetzt der Alte weich: Iſt Dir nicht mehr die Stimme des Warners bekannt, der dem wilden Knaben oft ſchon die Flippen und Untiefen des Lebens zeigte! Soll ſich mein herrlicher, grader Baum des Gift⸗ auswuchſes ſchaͤmen, der den ganzen Stamm i hat?“ Da erfaßte die Eiſeskaͤlte S glůck⸗ nicher Jahre und abgebluͤhter Gewiſſensruhe mit furchterlichem Ernſt den Räuber; das Bild 3 ſeiner Knabenzeit ſtand mit ſeiner Morgenſonne vor dem Gefalenen. Er erkannte den Alten, und ſtürzte ihm, zerriſſen von Reueund Schaam in die Arme, indem er ſchmerzlich rief:„Va⸗ ter! Vater! Ihr lebet noch?“ „Ja, ungerathenes Kind!“ zürnte der Greis: Ich vin der bejammernswürdige Ja⸗ „ ſich alenthalben hin verbreitet. 43 kob und Eli, deſſen graue Haare mit Herzeleid in die Grube fahren muͤſſen! Als Du an des Kaiſers Hof blhteſt, wie eine aufquehende Roſe; und Deinen Blaͤtterſchmuck unet S8 warfſt, da haͤtte ich nicht geglaubt, daß es mir noch einſt ein Troſt ſeyn wuͤrde, wenn ich bei einem Rabenſteine vorbei ritte und meinen Sohn noch nicht drauf faͤnde!“ „Vater! ich war Euer nicht unwerth! 3 In mancher Schlacht habe ich meinem Geſchlechte Ehre gemacht! Der Jit ſelbſt hing mir das Ehrenſchwerdt bei—“ „Gedenke nicht an dieſe glückliche geit! Rühme Dich nich des altadlichen Geſchlechts, aus dem Du entſproſſen biſt, und das ſeine Zweige bis an den Thron der Piaſten hinan⸗ wirft! Du biſt ein Abtrünniger, ein Raͤuber und Moͤrder“ „Vater! mäßiget Eure Zunge! Shr ken⸗ net meinen Jähzorn! Waͤret Ihr an dem Puf des Kaiſers geblieben!—“ „Deine Thaten haben, wie eine peſiuft. an kent 44 Vater ſey! Drum kam ich hierher, meinen Na⸗ 1 nien von Dir zuruͤck zu fordern. Ich will nicht mehr Dein Vater ſeyn. Deine Verwandten und Freunde ſuche Dir am Hochgerichte! Die muͤſſen unter dem Henkersbeile, das drohend uͤber ihnen ſchwebt, aufgewachſen ſeyn! Ein Zufall fuͤhrte mich heute auf den Berg, denn man ſagte mir: daß ich von hier aus die Burg des Boͤſewichts Chriſtoph ſehen koͤnnte; ein überzeugen, daß mein verworfener Srhn in „Vater! Ich kenne den Mord!““ Drohſt Du dem Vater? elende Kreatur! Freilich, ich mußte es wiſſen, daß der Skor⸗ pion ohne Rückſicht ſein Gift ausſäet, und der Baſilisk mit ſeinen Gift ſtrahlenden Augen tod⸗ tet, was ihm vorkömmt.“ Mit dieſen Worten, die der unglückliche Greis mit ſteigender Hef⸗ tigkeit gegen den entarteten Sohn ausſtieß, das Geſchlecht, aus dem Du entſproſſen biſt, und ahndet ſchon an Kaiſers Hofe, daß ich Dein —— Zufall mußte durch Dein Selbägeſpräch mich meiner Nähe wäͤre!“ trat er ihm naͤher. Chriſtoph aber, getroffen p — von den ſpitzen Pfeilen der Wahrheit, ſüeß ihn erſtarrte Todtengeſicht. Der Dämon der Reue 48 unſanft zuruͤck, und ſagte:„Pfui! Nähert Euch doch dem Bafilisken nicht.“ Derſchwache Alte ſiolperte uͤber eine hervorragende Baſalt⸗ 6 ſpitze, mit denen der Wolfsberg bedeckt iſt, ſchwankte, und ſturzte, verlaſſen von der ohne⸗ hin ſchwach durch den morſchen, můrben Koͤr⸗ per rinnenden Kraft, ruͤckwaͤrts zu Boden. ₰ Der Fall war höchſt unglůͤcklich, denn das ſchwache Haupt ſchmetterte auf einen Baſalt nieder, daß Gehirn und Blut umher ſpritzten 8. und die ſpaͤrlichen grauen Locken ſich roth faͤrb⸗ ten. Die feſten Zuͤge des Geſichts verzerrten ſich, der Todesengel fuhr mit der kalten Hand uber die erblaßten Wangen; der heftige Schmerz der ſchnellen Auflöſung zuckte noch einmal durch die zuſammenfallenden Lippen, und der Greis hatte vollendet. 6hriſfoph ſtarrte mit inn Häͤnden auf das zerſplitterte Haupt, ſah das rieſelnde Blut zu ſeinen Fuͤßen und das kalte, und Schuld ſiand ihm zrhe iſ und mit einer graͤßlichen Miene, in welcher die ganze Hölle ſeiner zerriſſenen Seele lag, mur⸗ melte er in Verzweiflung:„Vatermorder!“ Er beugte ſich nieder, faßte die abgeſtorbene Hand, und ſchaudernd ſtieß er ſie wieder zu⸗ rück.„Todt? wirklich todt?— Ha! ha! ha! ſo ſind denn auch bie letzten lockern Fäden zer⸗ riſſen, die ich allenfalls noch an die Gnade des Himmels knuͤpfen konnte!— Vatermörder! Hu! Warum ergreift mich dies Wort, wie der böſe Geiſt des Brutus?— War ich nicht längſt Moͤrder?— Klebt nicht an dieſen Händen viel unſchuldig Blut? und dennoch keine Reue!— Und warum heute?— Ha! ha! Thor! das iſt dein Blut!— Vatermoͤrder!— Itt 5 doch, als wenn in dieſem Worte alle Sualen tägen, die meines Vaters Burgpfaff der Hoͤlle an⸗ ſchwätzte!— Räuber und Mörder!— Iſt es nir doch früher nie eingefallen, daß ich das ſey, und heute!— Ich treibe wahrlich ein un⸗ ſeliges Handwerk, und hier liegt mein Mei⸗ ſerſtuck!— Weiß doch ſo ziemlich die Bibel auswendig, die mir der Burgpfaff einbläute, aber einen Vatern der find' ich nicht!— Su Hu— Fort! fort! zu meinen Geſellen! in as Getuͤmmel der Schlacht! zum Todesrs⸗ cheln der Sterbenden! Räuber und— Vater⸗ moͤrder!“ Die Verzweiftung peitſchte ihn mit inren Skorpionengeißeln von dem Berge hinab, ſo daß er kaum des treuen Rüderhorſts gewahrte, der auf dem beſten Renner des Raubrittsts ſchnell heranſprengte. Als der treue Waffengefährte dem Surg⸗ herrn näher kam und das bleiche Antlitz deſſel⸗ ben und die tief bohrenden dunklen Augen be⸗ merkte, ſprang er haſtig vom Gaul, reichte dem ſeltſam verſimmten Freunde die Hand und der tiefgefurchten Stirn hat ſgend ein br Geiſt ſich gelagert.“ 48 lag und ſprach bewegt:„Dort liegt ein n ermordet!“— Pfui doch, Chriſtpb„ tröſtete Rüder⸗ horſt:„biſt Du ein Weib geworden? Mit Ju⸗ vel vernahmen wir Deine Meiſterthat in Gold⸗ berg, eben als wir zu Deiner Rettung herbei eilten und um den Buͤrgern eine kleine Beſchäf⸗ tigung zu geben, die Niedervorſtadt anbranß⸗ ten. Von einem Bürger, der mir in den Wurf kommt, erpreſſe ich das Geſtöndniß, wo Du ſeyſt, eile hierher, um Dir im Namen Deiner Ritterſchaft und Deiner Geſellen zu danken, unterdeß haſt Du einem das Todtenbette er⸗ und daruͤber haͤrmſt Du Dich?“ „Es iſt mein Vater!“ grollte Chriſtoph. „Der Teufel fordert eine Tobſünde! mir ℳ ſie noch“„ Dein Vater?“⸗ tief von erüten iber wältigt der Ritter, Dein Vater lebt? Als wir Dich zu unſerm Hauptmann wählten, er⸗ zählteſt Du uns doch: Du ſeyſt verwaiſt.“ „Ich habe mich ſelbſt uͤberredet, vater⸗ und mutterlos zu ſeyn, auch kennſt Du nicht nem Herzen naͤher als die vuntesbti⸗ . der, und ich will Dich zum Vertrauten meiner 5 Lebensgeſchichte machen; vielleicht treibt die Erzählung das graͤßliche Bild des Pnreiet⸗ des aus meiner Phantaſie, das noch immer⸗ fort vor mir ſtehet, in ſeiner blutigen, wilden 5 Geſtalt, wie die Geſpenſter am Hochgericht, wenn die Mitternachtsſtunde ertoͤnt.“ „Weiß aber auch gar nicht wie Du mir vorkommſt mit Deiner häͤßlichen Muthloſig⸗ keit. Mord iſt Mord! Hat das zuckende, fal⸗ lende Schwerdt, grade den Vater getroffen, nun, ſo laß ein paar Seelenmeſſen leſen, weil er ſo grade ohne Buß' und Beichte geſtorben it. Dann aber ſey te Hg und S die W ten ruhen.“ „Haſt Recht, Fireehiſ anb muthigter Ehriſtoph:„Du weißt auch wohl, 5 daß ich eben nicht ſo ſtreng es nehme; aber Du mußt wiſſen, als der Vater zui d todt bare Ritter in ganz angeſehen⸗ Hände rann, denn er mir gethan.“ „So i mir. Sinan. Dein Roß. Am Flensberge harret ein Knappe mit meinem Pferde. Da wollen wir ſelbander reiten und uns unterhalten bis nach Alzenau; denn die Gegend iſt rein und ſicher. Die Geſellen ha⸗ ben furchterlich gehauſt und Alles in ſolche Ehr⸗ furcht geſetzt, daß unter acht Tagen weder Buͤrger noch Bauer ſein wohl Sß verlaſſen wird.“ Von dem Flensberge herab, uͤberſchaueten die Freunde noch einmal die Gegend, und als ſie nirgends eine drohende Gefahr erblicten, warfen ſie ſich auf ihre Roſſe und ritten gemäch⸗ lich auf wohldekannten Seitenwegen nach Al⸗ zenau zu. Chriſtoph nahm jetzt das Wort und begann ſeine Erzäͤhlung. „Ich bin ein geborner Suuſer, aus dem beruhmten Geſchlechte der Freiherren von* und meine Freunde und Vettern ſind als acht⸗ 51 und haben ſchon in mankhtm Snnttchen den Preiß davon getragen. Mein Vater war Ehrenritter an dem Hofe des roͤmiſchen Kai⸗ ſers, und verließ ſeine Guͤter in Schleſien, um ſich ganz des Kaiſers Dienſte zu weihen. Der Kaiſer gewann ihn von Tag zu Tage lieber und machte ihm zuletzt das Anerbieten: Zeit Lebens an dem Hofe zu bleiben. Das Schranzenle⸗ ben hat auch ſeine angenehme Seiten und mein Vater verkaufte all' ſeine Guͤter in Schleſien, um in dem prachtvollen Wien ſeine Tage zu be⸗ ſchließen. Zu dieſer Zeit ward ich geboren.“ „Meine Jugendjahre verfloſſen mirſorgen⸗ los, und ich wuͤrde vielleicht nie nach Schle⸗ ſien gekommen ſeyn, wenn mir mein Lehrer, 8 meines Vaters ehemaliger Burgpfaff, nicht ſo viel von dieſem reizenden Lande vorgeſchwatzt haͤtte. Ich war kaum ſechs Jahre alt, als meine vortreffliche Mutter ſtarb,— und von dieſer Periode an ſchreibt ſich der Gang meines ganzen, nachmaligen Schickſals!“ „Ein Knabe von ſechs Jahren gebraucht noch ſehr der ſanften mhttetlichen Pige, und — verwildert, wenn ihm dieſe fehlt, an Geiſt und Gemuͤth. Dies konnte auch nicht anders bei mir werden. Mein Vater verehelichte ſich nicht zum zum zweiten Male und gab mich ganz WPater Anton war ein Biedermann, konnte vor⸗ er nicht geboren zu ſeyn, denn er war auffah⸗ mußte, war wohl ein Hauptfehler meines Er⸗ ziehers; denn der Lehrer muß vor der Phan⸗ Gott, und das urbild ſyn, an das ſh all⸗ in die Haͤnde ſeines geweſenen Burgpfaffen. trefflich ſchreiben, und war auſſer dem Latein, mit vielen weltlichen Wiſſenſchaften gut be⸗ kannt, z. E. mit der Heraldik, der Numisma⸗ tik und der Hiſtorie; allein zum Erzieher ſchien rend und heftig, und dennoch dabei in ſeinen Zoͤgling verliebt. Neun und neunzig tolle, wilde Streiche durfte ich begehen, und hatte kaum einen Verweis von ihm zu gewärtigen, doch bei dem hunderten blaͤute er mich vielleicht 4 recht derb ab. Ich fuͤhlte es, daß mir Unrecht geſchah, und ſah die Schwäche des Paters vald ein. Daß ich zu dieſer Einſicht gelangen ½ taſie ſeines Schülers rein da ſtehen wie ein 53 ſeine Wuͤnſche und Hoffnungen vertrauend hän⸗ gen; auch fühlen es Kinder ſehr wohl, wenn ihnen Unrecht geſchieht und vergeſſen geſetzloſe Strafen ſo leicht nicht. Meinen Vater ſah ich ſelten, denn er liebte den Hof und glaubte füͤr dden Sohn genug zu thun, wenner dem Pater das Lehrgeld bezahlte. Als ich zwoͤlf Jahre alt war, ward ich zugleich dem alten Kurt, dem treueſten Knappen meines Vaters, zum Unter⸗ richte uͤbergeben. Nichts war dem alten Mann erwuͤnſchter als dies, denn er hatte ſich längſt darauf gefreut mich zum volkommenen Ritter zu bilden, das heißt: mich ein Roß regieren, eine Lanze und ein Schwerdt fuͤhren, und un⸗ berufen und kuͤhn entgegen gehen 1 zu lehren.“ „Dieſer Unterricht meinem tehen Sne beſſer 6 dis Sruhrnbrüten⸗ u zn naͤchgebende Kurt oft die Stärke meiner sn füͤhlte. Die Bibel kannte ich faſt auswendig, denn ſie war ja das einzige Buch, das ich in. die ind Anton atte von ihr ei 6. ſelbſt geſchriebenes, zierliches Eremplar, tet ggedruckte Bücher gab es noch wenige und Anton nannte die Buchdruckerkunſt, die ihm eine ſehr einträgliche Erwerbsquelle, das Abſchreiben der Buͤcher, geſchmälert hatte, eine hoͤhiſche Er⸗ findung. Aber die 6 Lehren in der Bibel 4. waren meinem Gemuͤthe unbeachtet voruberge⸗ 1. gangen, mich ergoͤtzten nur die Heldenthaten, die wir im alten Teſtamenke finden, und meine Muſter waren: Simſon, Gideon, Somgar, 3 Fvſua und andere Männer, die ſich durch Krieg und Körperkraft einen Namen gemacht hatten. 1 WMein Vater ſah mit Wohlgefallen meine Gei⸗ ſtes⸗und Körperentwickelung und war nicht ge⸗ neigt, ihr eine andere Richtung zu geben. Einſtmals, als er mit Vergnügen meinen rit⸗ terlichen Uebungen zugeſehen hatte, ſagte er die merkwürdigen Worte:„Chriſtoph! wenn 3 Du wirſt erwachſen ſeyn, ſo ziehe nach Schle⸗ ſien und züchtige den räuberiſchen Ritter Wer⸗ 8 net von Schwarzenthal, der mir einmal die Burg und das Gebiet Alzenau abgenommen hat. Das waren die furchterlichen Worte, 55 dert haben in den Strübel von Thaten, die der Pobel Verbrechen nennt! Antons hinreiſſende Schilderung des gluͤcklichen Landes, und der Gedanke: ein geſtohlenes Eigenthum wieder zu erkämpfen, befeſtigten ſchon damals den Entſchluß in mir, ſobald ich den Ritterſchlag erhalten hätte nach Schleſien zu reiſen. So war ich nun vierzehn Jahre alt geworden und der Vater beſchloß mich dem Kaiſer vorzuſtellen. Dies geſchah. Du aber wuͤrdeſt mir wenig Dank wiſſen, wenn ich die langweilige, mir damals ſchon widrige Scene dieſer Vorſtellung Dir wiederholen wollte. Der Kaiſer war gnä⸗ dig und herablaſſend, und würdigte mich ſogar eines Auftrages, der mir das angenehmſte der ganzen Unterhaltung war. Du ſcheinſt mir Ruͤderhorſt, die uͤber mein ganzes kunftiges Leben das Loos warfen und mich hineingeſchleu⸗ und gtuus zu ſuah ſchon ſeit Jahrhunderten ein Raubneſt, voll Burg habe ich beſchloſſen zu zerſtoören und ſchleifen zu laſſen. Mein wackerer Graf Bruno von Wuͤrding iſt der Anfuͤhrer der Ritter und ſſindz melde Dich bei Bruno und ſage ihm: daß ich es wuͤnſche, Dich unter ſeinem Panier z ſehen. Als er ausgeredet hatte, winkte S er gnädig mit der Hand nach der Thuͤr und ich war entlaſſen.“ „Mein Vater war entzuͤckt äber die hohe Gunſt und fuͤhrte mich ſelbſt zum Grafen Fyfsbt 4 4 unter dem Getoöſe der Waffen und dem Don⸗ der Krieg, der ihn erzog, war ſein Sinn, und nem unwegſamen Gebürge die Hornburg, 1 ſchändlichem Mord⸗ und Diebsgeſindel. Dieſe Knappen, die zu dieſem Geſchäft auserleſen Bruno, dem er mich auf das Sieente „Bruno war ein rauher, harter Mann, ner der Schlachten aufgewachſen. Roh, wie er kannte keine andere Seligkeit als die eines harterrungenen Sieges. Schreiben, und jede den Augen maß er mich vom Kopfe bis zum „Chriſtoph wird ein Mann werden, darauf mein Wort!“— Ich freute mich auf mein er⸗ ſtes Abentheuer, und Graf Bruno, mit ſeiner kalten eiſernen Stirn und ſeinem unzerſtoͤrba⸗ 3 ten, und ſo weit der Kreis reichte, den ſich die Strahlen des kaiſerlichen Schutzes gebildet, K zuerkennen. Nit ſeinen rollenden durchbohren⸗ Fuße, und nachdem er durch einige plumpe 8 Scherzreden mir von ſeinem Geiſte ein ſchwa⸗ ches Bild entwarf, ſagte er zu meinem Vater ren Ernſt, ward der Gott meiner Welt, und nntt einem Wohlbehagen, das noch heute in ſeiner Farbenfriſche vor meine Phantaſie tritt, trat ich den Zug an. Der Weg fuͤhrte uns an⸗ fangs durch lachende Doͤrfer und Städte, die unter der Sonne der Maieſtät ruhig arbeite⸗ ſo weit hoͤrte man keine andere Klagen als die unſers laͤſtigen Durchzuges. Aber, jet nahe 1 8er des Bihmerlandes, 85 die e an rauher und die Bewohner roher zu werden. Das Gebirgsvolt will keine andere Hertſchaft als die der Elemente anerkennen, und hin und wieder drohten uns die Raubſchloſſer und Bur⸗ — gen von den felſenfeſten Rieſenhöhen der Berge 6 eeentgegen. Bruno zog ſtill und ruhig voräber, denn die Hornburg erforderte ſeine Kraͤfte, und eer wollte ſie nicht im unnuͤtzen Kampfe in klei⸗ nen Abentheuern verſplittern. Dennoch lief es nicht immer ohne Blut ab, und mancher yochfahrende Ritter wurde, ehe wir die Horn⸗ vurg erreichten, in den Sand geſtreckt; allein dieſe Kleinigkeiten ſind zu unwichtig, als daß ich ſie Dir erſt erzählen ſolte. Endlich, nach. einer langen, mühevollen Fahrt, erreichten wir die Gegend der Hornburg, welche finſter, ſtil und ernſt war, wie die Burg ſelbſt, die mit ihren grauen, verwitterten Thurmen, drohend in die wilden Thäler hinabſchauete. „Waffengefaͤhrten!“ ſagte Bruno: Wir muͤſ⸗ 63 hinan, denn die Raͤuber der intus ſind üüſtig und ſtark; wenn ſie unſere Ankunft er⸗ ſpäͤhen, ſo iſt jede Liſt vergeblich und wir wür⸗ ——— den dann umſonſt unſere Kopfe an den Zaken felſen zerſtören; jetzt aber ahnden die Räuber ziehen, irgend ein Vorwand wird mir Eingang erfüllen. Endlich gab er, da er 39 4 nichts, und es wird uns leichter ſie zu überf[ len und dem Kaiſer unſer Wort zu löſen.* 3. Edler Graf! ſagte ich, indem ich mich ihm ver⸗ trauend näherte: laßt mich allein auf die Burg verſchaffen; ich bin, ehe der Morgen graut, wieder bei Euch, und von der ſchwaͤchſten Seite des Feindes, ihren Vermuthungen und Ru⸗ ſtungen bringe ich Euch die ſicherſte Kunde.“ „„Du kuͤhner Junge!“ ſagte Bruno, in⸗ dem er mich mit wohlgefälligen Blicken be⸗ trachtete: Das geht nicht an, ſie könnten Dir da oben leicht die Kehle zuſchnüren und Du biſt mir wohl noch zu etwas Beſſerem be⸗ ſtimmt.“— Der Graf liebte mich ſo zaͤrtlich, als es ihm ſeine rauhe Gemüthsart erlaubte, und ließ ſich ſchwer bewegen, meine ZBi 60 wamms äber den bianken Harniſch, in den 3 breiten Gurt ſteckte ich mehrere Dolche, den ſtolzen Helm riß ich herab und ſtatt deſſen ſtuͤlpte ich eine verbogene Sturmhaube auf die herunterwallenden Locken, und wandte mich dann zum Grafen. Herr Graf, ſagte ich: darf ich bitten, Euch wohl verſteckt zu halten, daß Niemand Eure Nähe ahnde. Komme ich nicht bis zum Abend zuruͤck, ſo iſt mein Leben in Gefahr und dann thut, was Euch das Beſte duͤnkt. Als Reitersknecht ſoll mich der Burg⸗ herr anwerben und eine Lüge mich aus der Burg zu ſtehlen, habe ich ſchon in Bereit⸗ 5 „Traun!“ unterbrach pier Rüderhorſt den ientd: Sähe ich nicht den tiefen Ernſt Eu⸗ rer Rede, ſo würde ich ſchier glauben, Ihr erzähltet mir ein Mährlein, denn Bruno hätte wohl eher dem geringſten Knechte, als den ihm anvertraueten Sohn des Freundes das Wag⸗ ſüch erlauben ſollen. 5 Prune liebte das Tollkuͤhne und Verwe⸗ gene und dachte nur an das Gelingen der That, „ das mir großen Ruhm pchigi mußte, tr ließ er mich ziehen. Keck ſchritt ich vorwärts und gelangte bald zum Fuße der Pornbug. Nicht achtend und nicht ahnend eine Gefahr, ſtieg ich muthig auf dem ſchmalen Wege, 6 zum Thore fuͤhrte, hinauf. Der Thorwärtel -ßte mich ſchon lange erblickt haben, denn 35 er ſtieß dreimal in das Horn. Nicht lange darauf öffnete ſich ein Seitenpförtchen und ein alter ergrauter Mann trat mit feierlichen, ab⸗ gemeſſenen Schritten heraus. Hinter ihm ſchloß ſich das Pförtchen. Ruhig auf ſein Schlachtſchwerdt gelehnt, dus er in den Hän⸗ den trug, erwartete er meine Ankunft 2 ich ihm nahe genug war, rief er mir entgegen unglucklicher! Haben Dich Deine Fuße ſo leicht den ſteilen Todesweg hinauf gektchen Behandelt Ihr Diejenigen ſo, edler Her! die mit Lebensgefahr ſich zu Euch nen um Euch ihre Dienſte anzubieten?“ 6„Wolt Ihr in die Dienſte des Hern von der Sſ n ſeyd uns 62 tes an die Pforte, die Riegel ſprangen auf. „Voran!“ gebot der Greis und ich ging, wohl kann ich es ohne Errothen ſagen, mit wanken⸗ dem Schritte, hinein, denn ich war ja nun in der Gewalt der Raäuber und meine Beſchuͤtzer fern. Kaum auf dem geraͤumigen Burghofe angelangt, ward ich von einem zierlich geklei⸗ deten Manne in hellglaͤnzender Rittertracht empfangen. Nichts haͤtte mir den Raͤuber in dem Burgherrn, denn das war er, verrathen, wenn es nicht das dunkel rollende Auge that, das ſeine verderbenden Blicke, wie der Fläm⸗ menheerd eines Vulkans ſeine Feuerſaͤulen, umher ſpruͤhte. Auch mich traf der Blitzes⸗ ſtrahl der Blicke, und hatte vermuthlich ſeine Spuren auf dem hoͤher werdenden Rothe mei⸗ nes Geſichts zurückgelaſſen, denn mit don⸗ nernder Stimme ftug mich der Herr der Horn⸗ burg:„Du biſt ein Kundſchafter! Wer ſandte* Dich?“ So viel Faſſung behielt ich aber den⸗ noch, daß ich ihm mein auswendig gelerntes ährchen noch ſo ziemlich unbefangen mit⸗ theilte, nämlich; ich ſey den Zuͤchtigungen ei⸗ — N +† 4 Langſam wandte er ſich zu dem Alten und ſagte: 63 ner Wanderer gelebt, und hätte, als ich p den Thaten des Herrn von der Hornburg ge⸗ hoͤrt, mich in ſeine Dienſte zu be⸗ geben.“ „„Wer tien mir dafuͤr, daß Du die Wahrheit ſprichſt ventgegnete der Burgherr.“ „Vielleicht die Neuigkeit, erwiederte ich: daß der Kaiſer ein Heer der Burg eut ſchicken wird, und daß dies Heer ſchon in zwei Tagen ankommt, daß ich ſeine Kundſchafter i in dem nahen Walde geſehen und belauſcht habe. — Dies traf und wirkte. Der bleiche Schreck zog über ſein Angeſicht, wie die ſchwarze Ge⸗ witterwolke Aber die Felſenſtirnen der Berge. 8. —————— ——————— „Vater Guntram! Wie viel ſind Geſellen im Schloß?2““ „Es werden ihrer nicht funfzehn ſeyn! Ihr wißt ja, Herr! daß ſie alle auszogen in die Wälder der Eule und des Zobtenberges. Eine mannhafte Fauſt könnte in der Noth viet nutzen; aber te6 Burſchen hier traue ich nicht, 6 und ich daͤchte: es wäre am gerathenſten ih. über die Felſenmauer hinabtanzen zu laſſen, unſtreitig gehoͤrt er zu dem Geſindel, das uns uͤberfallen will, und vielleicht, wenn ſie das Gehirn des treuen Kundſchafters können in die Pickelhauben ſchutten, wird ihnen der Kitzel vergehen; uberdies, Herr! habt Ihr nichts zu befürchten, die Burg iſt feſt, als ob ſie der Sa⸗ tan gebaut haͤtte, und mancher Halswirbel 3 möchte noch knacken, ehe der Erſte das feile 3 Geſicht uͤber die Mauer ſtreckte.““ 4 „Wie mir bei dieſer Rede zu Muthe war, kannſt Du leicht denken. Das Unbeſonnene meiner That fiel mir wie eine Gebuͤrgslaſt auf mein vervehmtes Haupt und ich dachte mit Schaudern an die Gewalt der ich mich Preis gegeben, und mit Unwillen an meinen Feld⸗ herrn, der den Streich nicht durch ſeine Ver⸗ weigerung abgewandt hatte. WMeine Angſt wuchs, als der Burgherr ſagte: Haſt Recht, Graukopf! und eine Fauſt mehr oder weniger . iſt ſo ziemlich eins, aber eine Veträtherszunge 82 kann die gonze feſte Burg uͤber den Hauſen werfen. Laß den Burſchen ein Leiter ſpannen, vielleicht geſteht er etwas, was wir ahnden! Mag wohl ſelber von des Kai⸗ Laſters laͤngſt dies Herz umzogen hat, ſieht ſie 6 noch in ihrer Farbenfriſche vor meinem Geiſte. ſers Heere ſeyn!““ „Vater! liebſter Vater!“ toͤnte jetzt ein Silberſtimmchen neben ihm:„vergeltet ſeine Treue nicht mit Grauſamkeit. Er hat Schutz bei Euch geſucht und das Recht der Gaſtfreund⸗ ſchaft ſey Euch heilig! Erinnert Euch, daß die Hummelsburg auch durch das Verletzen der Gaſtfreundſchaft fiel.“ reudig erſchrocken ſah ich mich nach der Engelsſtimme um, die wie eine Frühlingsblume ihren ſuͤßen Duft in die Peſtausdünſtungen meines Schickſals ſenkte. 5 Hoͤher ſchlug mein Herz, als ich die Holde ge⸗ wahrte, denn ſie war ſchön wie die heilige Cä⸗ cilie und noch heute, nachdem die Eisrinde des Der Vater ſah ihr mit trunkenen Blicken i 66 Dir zu gefallen, es ſey!— WMiene fliegſt Du über die Burgmauer hinab.““ „Wie ein Engel, der in dem Augenblicke der dringendſten Gefahr uns dem Abgrunde, der uns zu verſchlingen droht, entreißt, erſchien nnir das holde Mädchen, das mich jetzt von ei⸗ em gewaltſamen Tode errettete. Die Liebe iſt eine Frucht, die ſchnel aufſprießt, wenn ſis ein gutes Erdreich findet, denn nie wird ſie herr⸗ uche Blumen und Blüthen tragen, wenn ihr Acker ſchon lange vorher bereitet ward; mei⸗ ſtentheils aber verbluͤhen auch ſolche ſchnelle wächſe eben ſo raſch, als ſie entſtanden.— mich zu ihr hingezogen, und ſo feſt wie ich in „Der Burgberr fandtet michzu den Geſellen, i auf der Mauer beſchäftiget waren die Burg Geh' Burſche! und laß Dir von den Geſellen Deine Arbeit anwei⸗ ſen, aber wiſſe! mit der erſten verrätheriſchen Die Wahrheit dieſes Satzes empfand ich klar, als die bolde Geſtalt fur mich bat. Ich fuͤhlte meinem Herzen dem Raubgeſindel Verderben ſchwor, eben ſo feſt ſchwor ich ihr ewige Liebe.“ in den ei Zuſtand ſecen⸗ 67 Leider uͤberzeugte ich mich hier, daß nur ein Wunder die Einnahme der Burg herbeiführen könne, denn von allen Seiten ſtiegen ſchroffe, unzugaͤngliche Felſen himmelan, und keine menſchliche Gewalt war im Stande auf irgend einer andern Seite, als der des Thores, ſich der Burg zu naͤhern, und hier war ebenfalls die Burg ſo verwahrt, daß das Haͤuflein des Gra⸗ fen vernichtet geweſen waͤre, ehe es das Thor erreicht haͤtte.“ „Denke Dir meine mißliche Lage, denn kam ich vor Abend nicht zuruͤck, ſo ſtuͤrmte Bruno die Burg, und auf jeden Fall ward ich verra⸗ then, denn der Graf hätte gewiß vorher eine Aufforderung hinſichtlich meiner Befreiung ge ſandt. Die Gefahr trat mir immer naͤher, als eine Stunde nach der andern verrann, und ich immer noch keinen Ausweg ſah. Endlich wagte ich das Letzte, nämlich: mich meiner ſchönen Fürbitterin in die Arme zu werfen, und Tod oder Leben von ihrem Ausſpruche zu gewärti⸗ gen. Die Gelegenheit fand ſich, denn ſie. brachte mir die Vesper, und ich benutzte die we⸗ ———— 68 meine ganze Lage zu entdecken. Sie hörte mich 3 ſo ziemlich gleichgültig an, dann fuhrte ſie mich in den Gelag⸗Gaden, und— denke Dir, Rü⸗ 6 derhorſt, mein Entſetzen— hier erzahlte die herrn Wort fur Wort was ich ihr anvertraut hatte, und ſprach, ſich entſchuldigend zu mir: Der ehrliche Knappe, der hier Schutz ſuchte, Schurke den Strick!““ ene Raubritter ſich von ſeinem Schrecken er⸗ yolt hatte, wühlte ihm, dem Unbewaffneten, ſchon mein Schwerdt in der Bruſt. Die Delila that einen Schrei und wollte entfliehen, ehe ſie wohl getroffen von meinem Dolch, zuckend im gepeitſcht von Angſt und Verzweiflung, aus dem Blutgemach, feſt entſchloſſen den alten Guntram aufzuſuchen und ihm die Pfortenſchluͤ⸗ nigen Minuten, die ich mit ihr alein war, ihr verrätheriſche Schlange dem zechenden Burg⸗ verdiente mein Mitleid, der „Ehe ſie ausgeſprochen und der halb te aber noch die Thure erreichte, lag ſie ſchon, Todeskampfe zu meinen Fuͤßen. Nun jagte ich, b Das Gluͤck teginſigt meine 69 xut. In der vottaue begegnete mir der t und donnerte mir entgegen:, Verräthet! horte ein Geſchrei! was iſt ier vorgefalen „Dies!“ ſagte ich und ſtieß ihn nieder. Di kraftloſe abſterbende Hand ſchleuderte mir des Schlachtſchwerdt entgegen. Ein Seitenſprung und das Schwerdt fiel, ohne mich zu verwun⸗ den, neben mir nieder.“ „Beſtie!“ knirſchte jetzt der xne hauchte in der letzten krampfhaften Bewegung der entfärbten Lippe den Geiſt aus. Die zu⸗ ſammengeklammerte Linke hielt noch ſo feſt die Thorſchluͤßel, daß ich ſie nur mit Muͤhe her⸗ auswinden konnte. Muthiger ſchritt ich jett durch den Burghof, denn die Knechte waren auf der Mauer beſchäftiget, und kam ohne ein blutiges Abentheuer durch die Pforte. Es war die hochſte Zeit, denn am Fuße des Berges ſah ich ſchon durch das letzte Gebuͤſch die Helmfe⸗ dern And die blanken Ruͤſtungen des Haufleins. Als die Burg im Rücken ii und Ser —— Phantaſie traten die drei Ermordeten mit ih⸗ ren aufklaffenden Wunden, beſonders wollte mich das Bild der ſchönen Burghertntochter nicht verlaſſen und noch heute iſt es mir, als ob ich die That in meinem Schuldbuch mit Slam⸗ menſchrift finden wuͤrde.“ 3 Man hort es, Hauptmann,“ tachte Ruͤ⸗ derhorſt,„daß Du lange bei einem Pfaffen in die Schule gegangen biſt. Wirſt wohl man⸗ ches Dirnlein in Zukunſt angetroffen haben, daß Du nicht noͤthig haſt, Dich ob der Verrä⸗ therin, die nach Recht gefallen iſt, zu bärmen. Erzähle nur weiter, bin doch kurios, wie mit der Burg geworben.“. „Die Einnahme war wohl Kinder⸗ ſpiel, denn wenn das Haupt fehlt, ſo ſind die Glieder verloren. Der Tpurmwärtel blies ſich S heifer, als er mich den Berg hinabeilen ſah, auch ziſchten ein Paar Pfeile bei mir vorbei, aber wohlbehalten kam ich dennoch bei dem Heere an. Der Graf umarmte mich, als er 3 meine That erfuhr und im Sturmſchritt ging es nun den Berg hinan. Die Knechte verthei⸗ zehn Mann beſtand, wurde niedergehauen und S die Burg an allen Enden angezuͤndet. Vorhet ſucht. Vir janden ſo viel Gold und Geldes⸗ Burg zu werden und keinen, ſelbſt den Koiſer wir ihm brachten, wohl zufrieden ſeyn konnte. ten, und nun waren nnir Meiſer der Burg⸗ S dem Uebrigen laß mich ſchweigen. Das ganze Burggeſinde, das wie Du weißt nur aus ſieb⸗ aber wurden die Gencher und Keller unter⸗ werth, daß der Kaiſer mit der Ausbeute die Von dieſem fuͤrchterlichen Tage an war mein. Herz umgewendet. Ich hatte viele Morde 6 meiner Seele und das blutige Handwerk es Krieges ſchien mir zu gefallen. Alein mein Ehrgeitz ertrug es nicht, untergebener zu ſeyn und ſchon auf der Hornburg war der Gedanke lebhaft in mir geworden: ſelbſt Beſitzer einer nicht, als Oberherrn anerkennen zu dürfen. „DerFrieden in meiner Bruſtwarzertiſſen, und weder die Lobſprüche des Grafen ſpätern ehrenvollen Auszeichnungen d W ſers, das Empfangen des Ritterſchlages und ahnliche Dinge mehr, konnten ihn wieder her⸗ ſtellen. Lange Zeit lebte ich noch an dem Hofe des Kaiſers und mehrere meiner Thaten, die man als Wunder der Tapferkeit anſtaunte, wa⸗ ren nichts anders, wenn ich ſie Dir in ihrer wahren Geſtalt vorführen ſoll, als Mordluſt und Grauſamkeit. Endlich gefiel mir das Le⸗ ben nicht mehr, das mir der Zwang auflegte, den Befehlen des Vaters und anderer Perſo⸗ nen, die auf meine fruͤhere Bildung Einfluß gehabt hatten, zu gehorchen: ich wollte, wie ſchon gefagt, unabhänhig ſeyn, nur befehlen und nicht gehorchen, und immer ſtand der Herr der Hornburg als das Ideal des freieſten Man⸗ nes vor meiner Seele, den ſelbſt der Kaiſer wohlzerſtören, aber dem er nicht befehlenkonnte. ueberdrüßig des Gängelbandes, durch das mein Vater mich leitete, entfloh ich mit funfzehn meiner vertrauteſten Freunde, in deren Adern daſſelbe feurige Blut rolte und die gleiche Zwecke mit mir hatten und in der Wahl der b. Wittel eben ſo wenig verlegen waren, als ich. 7 — Eins aber hatten wir bei unſrer Flucht nicht be⸗ dacht: daß ſich's mit leeren Magen unmuthig auf Abentheuer ausgehen laͤßt, und wir ſahen uns bald genoͤthigt, uns auf irgend eine Weiſe unterhalt zu verſchaffen. Schon an der ſchle⸗ ſiſchen Grenze bot ſich auf einmal eine treffende Gelegenheit dar. Ein Kaufmann, reich ge⸗ kleidet, mit ein Paar ſchwer belaſteten Wagen, begegnete uns im Walde. Unſer Plan war ge⸗ macht. Wir griffen ihn an, mordeten ihn und ſeine Knechte und beluden uns mit ſeinen Koſt⸗ barkeiten, ſo viel die Kraft unſerer Roſſe ge⸗ ſtattete, davon mitzunehmen. So war der erſte Straßenraub vollbracht und die Hoͤlle hatte ihren unzertrennlichen Kreis um unſer Buͤnd⸗ niß gezogen, aus dem wir nicht mehr heraus⸗ treten konnten. Den Hauptſtreich bei dem An⸗ griffe hatte ich vohffuͤhrt und unaufgefordert er⸗ kannten mir meine Freunde den groͤßten Theil der Beute zu; ja! ſie erklärten mich freiwillig zu ihrem Anführer und ſchwuren mir Treue bis in den Tod. Die Wuͤrfel meines Schickſals waren gefalen, ich konnte n mehr zuüc⸗ kehren. Aber als gemeine Diebe und Mörder wollten wir nicht durch das Land ziehen und uns der Gefahr ausſetzen, unſer Leben an dem erſten Hochgerichte auszuhauchen. Es fehlte uns ein ſicherer Wohnplatz, der uns ſchutzte und wor Angriffen bewahrte. Da fiel mir die Burg Alzenau ein, auf weſche mein Vater Rechte hatte. Das Letztere ſtete mir die Ein⸗ und Wegnahme der Burg ſogar als eine verdienßliche andlung vor, und ich machte meine Freunde pogleich mit meinem reifenden Plane bekannt. Die einzige Schwierigkeit war, daß wir, ein unbedeutendes, zum Theil ſchlecht bewaffnetes Haͤuflein ein ſolches Wageſtuͤck nicht unterneh⸗ 5. men konnten, ohne unſre Koͤpfe ſelbſt dem Hen⸗ er in die Haͤnde zu liefern. Liſt konnte uns al⸗ lein zum Ziele fuͤhren; wir mußten, wenn un⸗ ſer Vorhaben gelingen ſollte, in die Burg als Freunde aufgenommen werden und ſo uns der⸗ ſelben bemeiſtern. Mit dreiſter Stirn kamen wir vor Alzenau und ich ließ den Burgherrn er⸗ ſuchen, mir auf einige Minuten Gehör zu göͤn⸗ nen. Er kam auf die Mauer und fragte nach Botſchaft an den Herzog zu Liegnitz, wour ueberfall denken konnte. Daher ſagte er gut⸗ raſſelte nieder und wir ritten ein.“ Ruͤderhorſt frug endlich:„Nun, iſt der Geiſt 3 auf Dein Geſicht tritt eine alte viihit Sßt Sits unſerm Begehr. Wir kommen, ſagte ich, aus des Kaiſers Lande und haben eine gewichtige Ihr uns wohl Herberge geben auf eine Vacht, da es anfängt ſpät zu werden und wir befürch⸗ ten vor Einbruch der Finſterniß nicht die Stadt zu erreichen. Der Burgherr, ein ehrwuͤrdiger Mann, aus deſſen Geſichte keine Falſchheit und keine Bosheit ſprach, hatte keine Urſache Zweifel in unſre Worte zu ſetzen, da Friede im Lande war, in der ganzen Gegend ſich keine. Räubergeſelſchaft aufhielt und er an keinen muthig; Seyd mir wilkommen! Was mei⸗ nen Lehnsherrn, den gnaͤdigen Herzog betrifft, iſt mir theuer und werth.“ Die S Lange Zeit ſchwieg jetzt der Erzähler und ſah mit duͤſterm ernſten Blick vor ſich nieder Sauls über Dich gerathen? Du ſchweigſt! d „Ich ſchäͤme mich! Es iſt mir nicht mög⸗ lich an die erſte Nacht auf Alzenau ohne Schau⸗ dern zu denken. Decke immer den Mantel Dei⸗ ner Freundſchaft uber die That, die ich nicht gern wiedererzähle, ihre grellen blutrothen Farben ſchimmern dennoch durch. Nur mit wenigen Worten: Der Morgen empfing mich als Herrn der Burg Alzenau und zog zugleich den Schleier von dem gräßlichen Nachtwerke. Der heilige Schlaf war von uns zu hölliſchen ⸗ Bubenſtuͤcken benutzt und die Rechte der Gaſt⸗ freundſchaft mit Fuͤßen getreten worden!—— Laß uns davon abbrechen. Die Burg war mein, was kümmert es den neuen Beſitzer, daß 1 der wehrloſe Burgherr und die unbewaffneten nechte als Opfer ihrer ge⸗ fallen waren.“ ₰ Alzenau war erreicht. Die letzten Strahlen der untergehenden Sonne brachen ſich noch in dden altgothiſchen Fenſtern und uͤberzogen dieſe nit ihren leuchtenden flitternden Farben, bis S auch ſie immer mehr und mehr in ein Feuerroth S erſchmolzen und zuletzt verſchwanden. Stil⸗ er ward rings die Gegend. Das geſchäftsvole Leben des Tages verloſch und mit den friedli⸗ chen ſtillen Sternen zog die Nacht herauf und ſchlug ihren ſchwarzen Schatten ſchuͤtzend und S ſchirmend über das ermüdete Land. „Siehſt Du wohl, Rüderhorſt,“ ſagte der Burgherr bewegt,„daß wir ein häßliches ver⸗ kehrtes Handwerk treiben, die ganze Erde ruht uund fordert ein Gleiches von ihren Kindernz 5 wir aber ziehen durch die oͤden Straßen und zerſtoren die Ruhe der Nacht. Pfui!“ Der Freund wollte ihm eben etwas erwiedern, als . ſich knarrend und ſchwer die Thorfluͤgel auftha⸗ ten und ſie hineinritten. Sparre kam ihnen entgegen und indem er treuherzig dem Herrn die Hand druͤckte, ſagte er: Herr! Euer harrt i nach den Nuͤhſeligkeiten etwas Liebes! Die Goldberger ſetzten uns hart zu in der Schre⸗ ckensnacht, aber die Maid mußte mit ſot. 5 Kut: Bertha Kunth 5 4. 7 28 Eindruͤcke, welche dann und wann auf dem Wege ſich um die verjaͤhrte Rinde des Herzens ohlthätig gelagert hatten.„Ha!“ rief er S mit gluͤhenden Blicken,„Das war Dein Mei⸗ terſtreich, Sparre! fuͤhre die Dirne zu mir herauf!“ Legt nur erſt den Kittel ab! ich will Euch die ſtattliche Ruͤſtung bringen, die ihr von dem gilts! Das Mägdlein virgißt Vater und Brãu⸗ ttigam! o ich kenne die Weiber!“ 6„Der Rath iſt nicht üͤbel!“ lachte cpri⸗ ſtoph und ging mit dem treuen Diener in ſein ⁰ Wohnzimmer, Durch welche Abentheuer,“ Dirne bis hierher gewunden habe und wie ich ſie mehr tragen mußte, als daß ſie— „Das ein anderes Mal, treuer Burſche,“ fiel ihm raſch der Herr ins Wort,„Du haſt Da ſchlugen die Flammen der wilden ent⸗ arteten Leidenſchaft hellodernd in dem Buſen Chriſtophs empor und verzehrten die guten Grafen der Altenburg erbeutet habt. Was ate unterweges Sparre,„ich mich mit der 36 mir den köſtlichen Becher gereicht, ſo will ich ihn aich nirenpi zur Nagelprobe! Haben mir doch meine tapfern Kaͤmpen heute ſchon aine Hochzeitfackel in Goldberg angezündet, die wohl bis nach Alzenau reichen konnte.“ Ich bin daheim geblieben als Wächter des Schatzes! Wie aber die ſchwarzen Wolken über Goldberg heraufwirbelten und ſich nieder⸗ ſenkten auf die Stadt, da war mir's, als ob es mich gewaltſam hinaustreiben wollte mit dem Feuerbrande in der Handz wenn ich aber wieder in das herrliche, bleiche Antlitz des Mägbleins ſah, da rief der gute Geiſt mir: Bewahre dem Burgherrn treulich die Blume.“ „Dank! tauſend Dank!“ rief der gluͤck⸗ liche Chriſtoph und ermahnte nochmals de Knecht zur Eile. Sparre ging, und bald hörte man auf dem Wendelſteige, der nach dem Wohn⸗ zimmer des Herrn führte, ein Aechzen und Win⸗ ſeln, unterbrochen von Sparres rauher, dro⸗ hender Stimme. Endlich ward die Thür auf⸗ geriſſen. Bertha ſchwankte, mehr als geführt von dem rohen Kubirß e 6. zende Maͤdchen in Ohnmacht niederſinken ſah; aber der gute Geiſt, der ſchon einige Male ſeine mer, weinend, von ihm geflohen. Der Va⸗ Bild der Phantaſie des Verlornen entweichen 3 das Mädchen ohne Huͤlfe, bald in das Leben 80 Da iſt Euer Gemahl, mein stuteint“ 4 viaße Sparre mit zufriedenem Lächeln. Bertha erhob die Leichengeſtalt und den abſterbenden gebrochenen Blick auf den Räu⸗ berhauptmann, und als er begehrend die Arme nach ihr ausſtreckte, ſank ſie, uͤberwaͤltigt von Schaam und Angſt, ohnmächtig zuſammen. Chriſtoph war betroffen, als er das rei⸗. 6 Rettung vergebens verſucht hatte, war für im⸗ termord war vergeſſen, und da das gräßlichſte konnte, ſo ſchienen alle Wege zur Ruͤckkehr zum Guten abgeſchnitten zu ſeyn.„Laß mich al⸗ lein,“ ſagte er gebietend zum Knechte:„ſolche Ohnmachten ſind nicht tödtlich, und ich hoffe i zu bringen.“ Sparre gehorchte. Chri⸗ ſtoph ſtellte ſich mit ineinander geſchlagenen Armen vor die Niedergeſunkene, und betrach⸗ tete nit luͤſternem 9 die 6 waͤre der Mann, der allenfalls ſich in den Tod 81 Zuͤge des bleichen Antlitzes. Endlich nahm er einen mit Wein gefuͤllten Becher vom Schenk⸗ tiſche, ſpritzte der Todſcheinenden einige Tro⸗ pfen ins Geſicht, lachte laut auf und ſagte: „Da hätte ich ja die Taube im ſichern Gewahr⸗ S ſam, ſie ſoll mein bleiben, und wenn ſie mir die Hand uͤber die Leiche des Vaters reichen mußte. Ha! Wos gaͤhrt fuͤr ein Gedanke in meiner Seele herauf? Den hat die Hoͤlle ge⸗ boren, aber er iſt koſtlich!— Klirren nicht uͤber den Hof die Sporen meines Ruͤderhorſt? Das ſchicken ließe, wenn es auf das Gelingen einer Großthat abgeſehen waͤre.“ Schnell riß er das Fenſter auf und rief hinunter:„Rüber⸗ horſt!“ Der Freund kam näher, und annt ſchweigend die Befehle. S „Nimm Hir die ie Beſten des Heufu und bringe: mir den Rathsherrn Kunth von Gold⸗ berg hierher. Es iſt allenfalls wohl ein Leichtes den Alten mit Liſt zu fahen, und was er mir nutzen kann, darf ich dem Freunde nicht ſage ſten, ſchwachen Bewegungen um die geſchloſ⸗ Ruhe. Du noch hier?“ ſagte ſie in Verzweif⸗ lung: und mich ſtieß der Tod wieder aus nen wohlthätigen Armen?“ 3 der Liebe zu fuͤhren!“ erwiederte Chriſtoph, ſchwachen Kraͤfte vermochten, in die Höhe, ſieß den S vor die St und 82„ s ſol geſchehen, Hauptmann!“ ant⸗ † wortete der Beauftragte:„Und ich hoffe noch vor dem lichten Morgen zuruͤck zu kehren. Die Nacht wird mir wohl gefälligſt einmal ihren Mantel zu dem Wageftuͤck leihen. Gehab Dich wohl!“ Zuftieden wit ſeinem Einfalle ſchloß der Räuber das Fenſter und kehrte zu Bertha zu⸗ rück, auf deren rötheren Lippen das wiederkom⸗ mende Leben ſich zeigte. Bald zuckten die er⸗ ſenen Augen, die Augenlieder zogen ſich lang⸗ ſam in die Hoöhe, und die erſten Blicke des holden Geſchöpfs trafen auf den Räuber ihrer „Uum Dich, holdes Mädchen! in die Arme ging auf ſie zu, um ſie vom Boben aufzuheben. Bertha aber hob ſich ſo ſchnell als es ihre noch ſagte: Geh⸗ Du ungeheuer! inter 6 diger und— „Ho ho! Närrchen!“ ſagte der S mann mit tüͤckiſchem Lächeln, ſchnell oufſpru⸗ delnd in ſeinem gewoͤhnlichen Jähzorn:„Du haſt Dich verrechnet, wenn Du mit der ſchwa⸗ chen Fauſt den eiſernen Mann zuruͤck draͤngen willſt! Sehr zur Unzeit haſt Du mich erinnert, daß uͤber meine Haͤnde Blut gefloſſen ſey?“ „Toͤdte mich, Menſch! Und mein letztes Röcheln ſoll ein Dank gegen Dich ſeyn! denn, das ſchwoͤre ich Dir, eher ſollſt Du mich nicht 4 ungeſtraft anruhren, als dann, wenn Du mir den Dolch in mein verwaiſtes, vne Herz ſtößeſt.“ „Schwaches Geſchoͤpf! wm Du das Woͤrtlein: Gewalt?“ 6 „Die unſchuld hat eine Ste, iede Gewalt ethaben iſt“ — an en ſchwachen Pferdehaare uͤber des gelieb⸗* ten Vaters Haupte hängt?“ Erbarme ſich Gott meiner! Mann! ich ahne etwas Gräßliches, was haſt Du gethan?“ „Die zärtliche Tochter iſt ja ſchnell von ih⸗ rem hochfahrenden Tone herab geſunken?“ Wenn Dich ein Weib geboren hat, das mnithe Gefühte 6 wenn Du einen Vater— „Schweig!“ donnerte der Räuber, denn ſein boͤſer Geiſt ſtand mit der blutrothen Höl⸗ lenſchrift: Vatermoͤrder, vor ihm, und die Erinnerung an die Scene auf dem Wolfsberge warf einige Tropfen ätzendes, brennendes Gift, in den Wolluſtbecher ſeiner aufgeregten Sinn⸗ lichkeit.„Wehe Dir! Du haſt den Geiſt Sa muels zur boͤſen Stunde herauf gezaubert und er kann Dir nur Verderben weiſſagen“ Die Zuͤge ſeines Geſichts verzerrten ſich zum Gräßlichen; der verzehrende, wilde Blic begegnele dem frommen Auge der Dulderinz er ſtampfte wüthend auf den Boden, ſo daß der Fähtemne Panzer raſſelte, und die S in 85 metallenen Scheiden von den Beinſchie⸗ nen klirrend zurückſprangen.„Du haſt mich erinnert,“ brüllte er:„daß ich vaterlos i beim Teufel! Du ſolſt es auch ſeyn, und wenn Du nicht mein Kebsweib biſt, ehe die Sonne wieder aufgeht, ſo ſoll mich noch dieſe Nacht die Hoͤlle in ihren qualmenden Fn begra⸗ ben!“ Die Schuldloſe zitterte und legte ihre krampfhaft zuckenden Hände gefaltet in einan⸗ der, ſah mit einem feſten Blick voll Glauben und Gottvertrauen aufwaͤrts und ſagte, indem ein Thränenſtrom ihren Augen entſturzte: Ich bin in des Herrn Hand, er wird ſeine Magd nicht untergehen laſſen in ihrem Elende!“ 5 Chriſtoph erhob ein ſataniſches Gelächter. In dieſein Augenblicke aber ward die Thuͤre aufgeriſſen. Der tapfere Spitzwald brauſte herein und rief mit ſeiner gewöhnlichen hämi⸗ ſchen Miene:„Hauptmann! Laßt uns Euis Liebeleien wegen nicht zum zweiten ſere Vut zu Warkte tragen! Die Lö den, wie mir meine Kundſchafter hinterbringen, in den Wäldern um den Groditzberg, auf die guͤnſtige Gelegenheit unſere Burg zu ſtürmen und mit ihren kalten Eiſen uns den Kitzel auf immer zu vertreiben. Ruͤderhorſt, mit dem Kern unſrer Mannſchaft und den edelſten Rit⸗ tern iſt nach Goldberg gezogen, um einen al⸗ ten Mann zu fahen, der fuͤr den verliebten Hauptmann ein gutes Wort bei dem ſproͤden Tochterchen einlegen ſoll, unterdeß—“ „Spare die Worte,“ unterbrach den hä⸗ ntſchen Hinterbringer der Schreckenspoſt, un⸗ 7 willig der Hauptmann:„Du ſollſt Deine Hum⸗ pen noch fürderhin ruhig leeren koͤnnen.“ Er woüte weiter reden, aber da drängten ſich die„ 6eſellen Mann an Mann häufig zur Thüre her⸗ ein und riefen wild durch einander: Haupt⸗ mann! ſchaffe Rath! Wir ſind noch dieſe Nacht des Teufels, denn oben ruͤcken die Löwenber⸗ ger, wohl an hundertmal ſtärker als wir, der Sui auf den Leib.“ 3 Eine leichte Röthe flog iper das Geſch * Burgherrnz er ie wertaſcht die 87 traurige Bothſchaft, einen Augenblick, i aber trat die vorige Entſchloſſenheit auf ſin furchtloſe Stirn zurück und er rief kalt:„Was zagt ihr Memmen! Denkt ihr, daß dieſes Bür⸗ gervolk, das hinter dem Weberſtuhle hervor⸗ 34 gekrochen iſt, uns Maͤnner vernichten wird? 4 Einer von uns ſchlägt ein ganzes Heer dieſer armen Wichte! Verrammelt das Thor, tragt„ Töpfe mit ſiedendem Bleie und glühendem Oele auf die Mauer! Haltet die Wurfmaſchi⸗ nen in Bereitſchaft und fullet ſie mit Steinen, legt die Armbrüſte mit den vergifteten Pfeilen in die Schießſcharten, hängt die Balken und Klötzer in die Ketten und werft Euch in Eure eiſernen Ruͤſtungen! Es ſoll eine uuſtige Nacht werden. Wir wollen den Hunden die Köple S zerſchmettern, daß ihr Gehirn das Waſſer des Walles weiß färben ſoll. Vorerſt ſchleppt mir das Mägdlein hier ins Burgverließ, denn ſie noͤchte erſchrecken vor Donner unſeter Wurfmaſchinen.“ 3 Während dem Befehle wurde durch einen duͤſtern rothen Schi meht und mehr erhellt, durch die kleinen runden Scheiben in Chriſtophs Gemach ſtahl und ſeine Purpurfarbe an die mit großen Blumen durchwirkten Wandtapeten warf.„Die Schurken machen Ernſt!“ grollte 66 Spitzwald duſter fuͤr ſich:„Sie zuͤnden dem Hauptmann die Brautfackel an.“ Chriſtoph blieb ſich gleich. Aus den ſtei⸗ nernen Zuͤgen des ſchwarzbraunen Geſichtes ſprach keine Furcht, und nur der Unwille über pi Keckheit der Feinde wälzte ſich langſam und ſchwer von der Stirne herab, und zog ſeine breiten Furchen uͤber die borſtigen Augenlieder. „Fort, an Eure Arbeit!“ rief er mit tiefem Ernſt:„Wir wollen den Buben das Sengen 5 und Brennen geſegnen. Auf, Geſellen! Viel⸗ leicht führt uns der Teufel einige der Mord⸗ brenner tebendig in die Haͤnde.“ Der Befehl wurde vollzogen; Sparre uͤbernahm es, die 6 ſchöne Unglückliche abzufuhren und der uͤbrige Troß ſturzte hinaus. Chriſtoph, in ſeinem Waffenſchmucke mit dem eiſernen Bruſtharniſch din ſich ſa 89 und dem ſchoͤngeflochtenen Panzerhemde, dem Helm mit den hohen Reiherfedern auf dem Haupteund dem breitgriffigenSchlachtſchwerdte in der Rechten, ihnen voran. Als ſie auf die Mauer kamen, ſahen ſie: wie die Feuerſaͤule ſich, Verderben ſpruͤhend, von Huͤtte zu Huͤtte wälzte, und den qualmenden Rauch gen Him⸗ mel wirbelte. Voran dem Brande aber ſtan⸗ den die Loͤwenberger mit ihren Armbruͤſten und blitzenden breiten Säbeln, an denen die rothe Flamme ihre Purpurgluthen abſpiegelte. Lang⸗ ſam ruͤckten ſie der Burg immer naͤher, ſo daß ſie beinahe am Fuße derſelben ſich befanden. Da befahl Chriſtoph eine der groͤßten Wurf⸗ maſchinen in Bewegung zu ſetzen. Hoch auf ziſchten die ſchweren Steine durch die Luft und fielen in einem weiten Halbkreiſe unter das Heer der Belagerer, daß ſie auf die Hel eund Pickelhauben und Panzer praſſelnd und zer⸗ quetſchend niederſtuͤrzten. Heulend machten ſich mehrere der Getroffenen aus dem Felde, und das Blut quoll unter den Helmen und zi ſchen den Armſchienen hervor. „Keine Gnade mehr den Raͤubern Wördirn!“ rief wuͤthend der Conſul von Lo⸗ wenberg, der ſelbſt mit in den Kampf gezogen war: Hinan, Freunde, zu dem Näuberneſt! Schleſien wird uns danken und ſegnen! Laßt ſie ihre Hoͤllenmaſchinen niederſpeien auf uns, wir ſind der ſtärkere Theil, und die Burg muß unſer werden!“ Nah und näher, trotz dem Steinregen, den Wurfſpießen und den Pfeilen, drangen die Tapfern vorwaͤrts; und die Schilder uͤber ihre Haͤupter haltend, waren ſie bis an den er⸗ ſten Wall gedrungen. Auf allen Seiten ſan⸗ ken die Buͤrger nieder, aber die Luͤcken waren augenblicklich wieder gefuͤllt, und ihre Pfeile ziſchten in einem dichten Hagel durch die Luft. Da traf ein Pfeil die rechte Schulter Spitz⸗ walds. Schmerz auf Schmerz durchzuckte ihn, 3 ſeine Geſichtszüge verzertten ſich zum Gräßli⸗ chen; die Augen traten feuerlos und ſichtbar ſchwellend durch die aufgeriſſenen Augenhöhlen, und die unangenehm pfeifenden Toͤne drängten,„ ſich langſam uͤber die blaue, ufgebt. 26 noch einmal riß die letzte genentrſt die Gebeine des Ungluͤcklichen zufammen; end⸗ lich wurden die Bewegungen ſchwach und ſchwaä⸗ cher, ein gellender, unangenehmer Schrei, und das Leben war gewichen.— „Holle und Teufel!“ bruͤllte Chriſtoph: „die Meuchelmörder ſchießen mit vergifteten u Spitzwald! Dein ſchmerzlicher Tod uͤrchterlich gerächt werden! Habt Ihr die Fon gefuͤlt, Geſellen?“ Auf die be⸗ iehenge Antwort befahl er das ſchreckliche g ſcütz herbei zu bringen. 95 nnite gewundenes Kunſtwerk, in Drachengeſtalt, her⸗ bei. Der aufgeblaſene kupferne Leib glühte von den Feuermaſſen, die er verbarg, und durch die langen ſpitzen Zähne und üͤber die rothe ſpitzig zulaufende Zunge ſchluͤpften blaue Flämmchen, die ſich, zertheilend, in die Luft verloren und den braungelben Qualm uber die Mauer hin⸗ u warfen. an dem ſtarken Manne und ſchüttelte klappernd„ 6 * 1 92. 7 „Laßt den Drachen auf die Mordbrenner ſpeien, und ſeine Feuerfluthen uͤber das tuͤcki⸗ ſche Volk ergießen!“ befahl mit donnernder Stimme der Hauptmann. Da ſtießen die Ge⸗ ſellen die langen eiſernen Stäbe dem metalnen Ungeheuer zwiſchen die Fledermausflügel und hoben mit Walzen und Räderwerk die krummge⸗ bogenen gluͤhenden Vorderfuͤße der Maſchine auf die Höhe der Mauer. Finſterthal, der den* Bauch des Unholdes gefuͤllt hatte, fuhr ſchnell in die Heffnung des dreimal gewundenen Schwei⸗ jes, und ſprang mit einem häßlichen Hohnge⸗ lächter zuruͤck. Da gohr und kochte und ſiedete es in dem Bauche des Drachen, wie in dem Schlunde des Aetna, ehe er die Lava uͤber den Krater wirft, und immer gluhender wurde die kupferne Maſſe. Eldlich ſchoß der Feuerſtrahl aus dem gezähnten Rachen in blauer, grüner und rother Fluth, und ſpie wie ein verheerendes 3 Feuermeer ſeine entzuͤndeten Maſſen auf die Be⸗ lagerer nieder. Praſſelnd und donnernd wie einſt der Aſchenregen auf Herkulanum und Pom⸗ pr, ſielen die entzündeten, pocuuſ 93 WMaſſen auf die Löwenberger herab und dräng⸗ ten ihr verzehrendes fuͤrchterliches Feuer durch ie Ritze der Helme und der Panzer, daß ſe 6. niedergedonnert von dem unſäͤglichſten nanen⸗ loſeſten Schmerz zuckend am Boden und ſichi im Staube windend, um Erbarmen und Rettung ſchrien. Aber immer ſchonungsloſer und ſchreck licher raſ'te das Feuer des Drachen unter den 6 ungluͤcklichen, bis die wenigen Unverletzten mit lautem Klaggeheul die Flucht ergriffen. „Seht Ihr Geſellen!“ lachte Chriſtoph mit ſeiner eiſernen fuͤrchterlichen Ruhe,„die wer⸗ den uns ſobald nicht wieder auf den Leib kom⸗ men. Bringt die Maſchine in Ruhe und kommt in den Gelag⸗Gaden! Heute ſoll der Wein in Stroͤmen fließen!““ Stolz wandte ſich der Hauptmann mit langſamen Schritten nach ſeinen Gemächern zuruͤck. 5 — S 6. 9 Truͤmmern Ster und vernichteter Menſchen⸗ leben, unter Schädeln und Gerippen, auf wel⸗ che ſich ein ſchwerer vergiftender Modergeruch in einem falben Nebel gelagert hatte. Von dem ſchwarz⸗gruͤnen Mooſe des Gewolbes trieften langſam braune Tropfen herab und auf dem Ffeuchten Boden krochen in haͤßlichen Kruͤmmun⸗ gen Molche und Unken und leckten mit den ſpi⸗ tzen Zungen an den ſpaͤrlich aufgeſchoſſenen Far⸗ renkräutern und den Giftſchwaͤmmen, deren wweiße und hell rothe Farbe ſich aus der Nacht der braunen Backſteine hervordraͤngte. Schau⸗ dernd ſtarrte ſie in die gräͤßliche Finſterniß des Gewolbes hinein, die nur ein matter Lichtſtrahl vonoben durch das einzige kleine Gefängnißgit⸗ ter deshalb zu durchbrechen ſchien, um ihr die Schreckniſſe, die ſie umgaben, zu enthuͤllen. Enblich loſ'te ſich der ungeheure Schmerz, der auf ihrem Herzen lag, in Thranen auf; es 5 5 ward ihr leichter, und unwillkuͤhrlich flogen ihre Blice zu dem Lichtſtrahle, der ſich durch das Sitter ſtahl, hinauf, gleichfam als ſollte er ihre Thränen und ihre Angſt zu dem Vater des Lichts „ die Löwenberger und ſie befteient Leiden, die Hoffnung, trat zu ihr und ließ ſi ſich ihr unwillkuͤhrlich in die Höhe, das iſt kein „ zu ten. Der heilende liebliche Engel in unſer auf einen Augenblick vergeſſen, wer ſie war. So mochten ihr vielleicht einige Stunden ver⸗ gangen ſeyn, als ſie Mannesfußtritte, außer⸗ halb des Burgverließes gewahrte, die der Thuͤre ſich zu nähern ſchienen. Ha!“ ſprach ſie, und das Haar ſrzupte Befreier, denn ſo ſchnell iſt die Burg nicht uber⸗ gegangen, das iſt— ich mag es nicht denken— — erbarme ſich Gott meiner Seele! und verhin⸗ dere es gnädig, daß mein guter Vater nie das traurige unruhmliche Ende ſeiner Tochter er⸗ S iß Suͤndenſchuld!— Darum nmir ſotreu! ach! ſo ſpät ſehe ich ein welche H Perle ich weggeworfen babe. Mein Vater wuͤnſchte die Verbindung mit dem reichen Lein⸗ wandhändler und— ich gehorchte! liegt darin etwas Strafbares? Edmund wird mir verzei⸗ en— SFn frommer Ergebung faltete ſie die Hande zum Gebet, ſetzte ſich auf einen bemoosten Stein und ſah gelaſſen nach der ſchweren eijei⸗ fängnißthuͤre, welcher jetzt die Tritte ganz nahe waren. Schluͤſſel raſſelten, die Riegel ſchoben ſich ſchreiend aus den verroſteten eiſernen Bu⸗ geln, die Angeln knarrten, der helle Schein ei⸗ ner Laterne fiel durch die geoͤffnete Thur und ein ſchlanker junger Mann trat herein. Auf den herabwallenden Locken ruhte eine eiſerne Sturmhaube, ein langer ſchwarzer Stutzbart 2 floß uber die zerknitterte Halskrauſe herab und aus dem dunkelbraunen Geſicht leuchteten ein Paar ſanfte blaue Augen, wie ein Paar freund⸗ iche Sii die hold und Wich durch 97 Fuͤrchtet Euch nicht, mein Eures Gefängniſes zu brechen,“ m deſerſiete. er hinzu, weil Liebe ſeine Kräfte ſtählte.“. Ergriffen von einem freudigen Schreck, der die Dulderin jaͤh, wie die wiederkehrende, ſchon verldren gegebene Lebenskraft, durchſtroͤmte, ſprang ſie eilig auf und ſagte:„Gott! welche Stimme!— Edmund!“— „Bin Euch doch nicht gleichgultig,“ſagte der Jungling, indem er die Wiedergefundene an ſein Herz druckte, ich glaubte nicht, daß Ber⸗ tha mich unter dem braunen Firniß der falſchen Geſichtsfarbe und dem ſchwarzen ſeen Barte erkennen wuͤrbe.“ 5 „Edmund!“ erwiederte ſie mit inzebi der Liebe,„Du haſt meine Gedanken in dem tiefſten Innern meines Herzens belauſcht, aber 6 bin der Aufopferung nicht wurdig— Laß das, geliebte Bertha,“ ſagte ei ejetzt muͤſſen wir ſchnell handeln; ich gebenke Dich noch heute im Triumphe aus den Trüm beſorgten Vaters zu fuͤhren. Da draußen ſchla⸗ gen ſich die Raͤuber und Moͤrder um ihr Leben, das ſchon längſt der Hoͤlle anheim gefallen iſt, aber ich hoffe, der Hert wird den Sieg in der Gerechten Hände geben, denn die Loͤwenberger ſind muthig und die weit übeiegit Zahl.“ „Aber Du?“ „Laß mich kurz ſeyn, denn die Minen, die uns noch übrig bleiben, ſind gezäͤhlt. Als in Goldberg nach dem Mordbrennen der Rau⸗ ber die Ruhe wieder hergeſtellt war, wurdeſt Du vermißt. Man ahndete Dein Schickſal, doch wie war es möglich, Dich den Klauen der Ungeheuer zu entreißen. Ich wagte Deine Er⸗ löſung. Ohne von Jemanden Rath zu erholen — damit mein Vorſatz nicht durch eine Unvor⸗ ſichtigkeit geſtoͤrt wurde— ſchlich ich mich heim⸗ 8 aus der Stadt, und machte mich ſounkennt⸗ lich, wie Du mich hier ſiehſt. Chriſtoph ver⸗ ſchmaͤht nie die Dienſte eines, der zu ſeiner Blut⸗ ſih 3 baute ich n mern der Burg in die Arme Deines harrenden — —— — Burg, die dem Thore gegenuͤber liegt un jetzt *— legt, doch muͤſſen wir hinab ſeyn, ehe das Ge⸗ Verlaß den dumpfen Kerker und folge mir.“ gelähmt; aber als ſie aus dem Kerker in den 92 —— cher Zufall mir die Schluͤſſel zum Burgverließ verſchafft hat, will ich Dir unter Weges erzih⸗ len. Jetzt eile. An der hintern Mauer/de unbewacht iſt, habe ich eine Strickleiter ange⸗ fecht zu Ende geht und wir bemerkt werden. Der Retter ging voran, Bertha folgte ihm mit zitternden ungewiſſen Schritten, denn die Furcht vor Entdeckung hatte ihre Glieder faſt finſtern Bogengang trat, ſo athmete ſie freier, denn ſie wußte ja, daß ſich jetzt mit jedem Schritte die Gefahr vermindere und ſie ihter Srſſin entgegen ging. „Ich bin hier bekannt,„ flüſterte ihr Be freier, folge mir rechts, das iſt ein Kreuzgan der unweit der Mauer in den Hinterhof geh Hier ſind wir ſicher.“ „Seyd ihr 2 bonnerte Stun * 100 erfaßte:„Faßt den Verräther, Geſelen!„ nehme das Maͤdchen!“ Kalt und ſtarr ſah die Ungluͤckliche, kei⸗ nes Lautes mächtig, zu Boden, nur ein Blick,, in dem ihre ganze Seele tan fiel auf den i densgefaͤhrten, den die rohen Geſellen banden— 3 und in das Burgverließ fuͤhrten. Edmund ſagte indem er fortgedrängt wurde: nicht mein Schick⸗ ſal, nur das Eure kuͤmmert mich; theure Ber⸗ tha! als ich zu Eurer Rettung auszog, da war ich auf den Tod gefaßt, er mochte mir in einer Geſtalt erſcheinen, in welcher er wollte, aber daß er Euch zugleich mit mir in ſeine eiſigen Arme nehmen wuͤrde, das ſchmerzt!“ „Darob ſey gutes Muths,“ lachte der Raͤuberhauptmann,„ſie ſoll nicht ſterben, ſon⸗ dern ein luſtiges Leben beginnen“ Darauf er ſich mit ſeiner ertödtenden u an das.“ Er zog mit ſich fort und ohne ſich zu Fräuben wankte die Dulderin neben im wottete der Geſelle, als wir ihn 101 . her, denn dieſer letzte haͤrteſte Schlag ihres furchterlichen Schickſals hatte ihre Kraft ge⸗ lahmt und den ſchwachen Reſt der aufgeglom⸗ menen Hoffnung auf ewig vernichtet. Der Schmerz ſchien heftig an den Fiebern ihres Le⸗ bens zu nagen; nah und näher trat ihr der Tod, dieſer friedliche freundliche Engel der Leidenden, und trug alle ihre Wuͤnſche und Bilder des Gluͤcks jenſeits des Grabes, das er ihr in heim⸗ licher Ferne zeigte. Durch dieſen Troſt der baldigen Erloͤſung ermuthigt, ſtieg ſie gelaſſen an der Hand des Raͤubers den Wendelſteig zur Burg hinauf und die Verwuͤnſchungen und Dro⸗ hungen des Uebermuͤthigen ließen kein andres Gefuͤhl, als das des tiefſten Haſſes gegen den Unwuͤrdigen in ihrer Seele zuruͤck. Kaum waren ſie ins Zimmer getreten, als einer der Geſellen eintrat und die Ankunft eines fremden Ritters mitgeſchloſſenem Viſier vor dem Burgthor meldete.„Hat Euch der Fremde ein Loſungswort gegeben?“ frug Chriſtoph „Sonderbar genug, Hauß blaue Feldbinde mit einem eingewirkten rothen Loͤwenkopfe dem Wärtel entgegenhielt, mit den kurzen Worten: meldet dies Eurem Herrn! „Laßt ihn eintreten,“ erwiederte Chri⸗ ſtoph ſichtbar verlegen, und geleitet ihn ſicher bis zu mir herauf! dann aber ſorgt dafuͤr, daß uns Niemand ſtoͤre.“ Der Knappe ging; Chri⸗ ſtoph aber führte Bertha in ein Seitengemach, das erſorgſam verriegelte und verſchloß den Scluſſel zu ſich ſteckte. Fetzt trat der fremde Ritter ein; ſein Vi⸗ ſier war noch geſchloſſen. Auf einen Wink ent⸗ fernte ſich der Knappe und der Ritter ließ ſich auf einen Seſſel nieder. Nachdem Chriſtoph den Thuͤrſchlüſſel abgezogen hatte, ſagte er muͤr⸗ riſch:„Laßt das Viſier berab, was wil der Herzog von mir!“ „Der Ritter ließ das Viſier fallen z er⸗ ſtaunt rief Chriſtoph:„Rothkirch! Ihr! mir willkommen!“ Daß ich die Senbung des Herzohs über⸗ n ſegt kalt, ne dem 1 Fahne ſchwur.“ „Laſſen wir die Vergangenheit,“ erwit⸗ derte Chriſtoph,„ich moͤchte mich nicht. gern erinnern, daß ihr ein Judas waret. Kurz und gut Euern Auftrag; der Herzog ſendet Euch; wenigſtens habt Ihr dies durch die Ftlii 8 und den Lowenkopf beglaubigt.“ Gütig, wie er immer iſt, läßt Euch der Herzog ſeinen Gruß entbieten und Euch noch⸗ mals dringend ermahnen, Eure Befehdungen und Räubereien einzuſtellen, denn es iſt ihm kund geworden, daß Ihr es wieder arg in dem Hahnwalde getrieben und Mord und Raub ge⸗ haͤuft habt. Der wichtigen Dienſte wegen⸗ die Ihr ihm einſt erwieſet, hat er bis jetzt geſchwie⸗ gen, aber bei Gott! länger nicht; das Beil des Henkers ſchwebt uͤber Eurem Nacken und wenn Ihr nicht nachlaßt mit Euren unbilden, ſo wird es, kalt und ſchnell auf Euch niederfal „ 3 „Ei! ei! uͤber den gütigen Herzog! Wich⸗ ₰ tige Dienſte habe ich ihm geleiſtet! ich habe ihm ja das Leben gerettet! Welche Gerechtigkeit! er ſchenkt dem das Leben, dem er das ſeinige zu danken hat! O! Kukuksbrut iſt dies Men⸗ S 4 ſchen⸗Geſchlecht!“ 3 Scimpftundtobtwieihr wolt, hriſtph!. was ihr gethan habt iſt vielleicht das Werk des Zufalls geweſen und der Herzog kann doch die 6 chlange, die alles um ihn her vtgiftetumwihn allein nicht ſtach, nicht ſchonen, wenn—“ Eure Reden beſſer, Rothkirch! Ih wißt von Alters her, daß ich dies nicht ertra⸗ gen kann, oderwahrlich! ich trete auch das Letzte, das Recht der Gaſtfreundſchaft, mit Füßen!“ was wäre denn einem Manne heilig, der Jeinen ganzen Lebenspfad mit dem Blute ermordeter Wehrloſen beſpritzt hat!“. „Hölle und Teufel! mir das? doch ich will geduldig ſeyn, wie ein Lamm! der Herzog ſchickt 3 Euch, das erhaͤlt Euch Euer Haupt ganz! aber wir treffen uns wohl noch einmal im Leben und dann viß it Euch beweiſen, nßehi ein 5 108 gutes Gedaͤchtniß habe. Jetzt geht zuruͤck m ſagt dem Herzog: ich beduͤrfe ſeiner Wann gen nicht! wollte er mich nicht mehr ſchuͤtzen, ſo wurde ich mich ſelber ſchuͤtzen! Vergeſſt auch nicht, ihm zu ſagen: daß ich ſeit dem Hayn⸗ wald⸗Ritte noch mehr gethan habe; ich habe den Goldbergern einen rothen Hahn aufgeſetzt und mir einen Schwiegervater dort geſucht. Wenn der Herzog zur Hochzeit kommen will, ſo ſoll ihm meine Burg offen ſeyn! Ha! hal ha!— Das Viſier hinauf, Jetzt geht!“ Eilig oͤffnete Chriſtoph die Thuͤr und rief ſtolz dem Knappen zu:„Fuͤhre den Ritter wie⸗ der zur Burg hinaus!“ „Chriſtoph!“ ſagte Rothkirch, indem er ſich Zu entfernte, ich hatte Euch noch viel zu ſagen, aber Ihr wollt es nicht hören. Ich gehemit dem Wunſche: daß Ihr nie die Stunde, die Ihr heute unbeachtet laßt, einmal igi begehren moͤchtet.“ 7 „Das iſt meine Sorge, befreit mich von Eurem Anblick!“ Indem dies Chriſtoph ſprach, wandte er ſich nach dem Fenſter zu und ließ den 5 106. Ritter unbeachtet. Der Knappe ging mit ihm, und Chriſtophs Blicke verfolgten den Warner bis er durch das Burgthor war und dieſes feſt hinter ihm geſchloſſen wurde. Unmuthig wandte er ſich zuruͤck und warf ſich, hoͤchſt verſtimmt, in ſeinen Seſſel.„Iſt das Fürſten⸗ Wort?“ ſprach er, mit ſich ſelbſt grollend,„Ich Thor! der Herzog war in meiner Gewalt, als er un⸗ beſonnen auf der Jagd in der Luͤbner Heide ſich zu weit entfernt hatte und die wuͤthende Sau auf ihn eindrang! ich tödtete das Thier und noch klingen des Herzogs Worte: Chriſtoph! das vergeß' ich Euch nie! in meinen Ohren. Wie oft habe ich ihm nachmals geholfen in ſo mancher Fehde und jetzt!— jetzt nennt er mein Leben ſeine Gnade!— Pfui! Chriſtoph! Du haſt dem Worte des Mächtigeren vertraut, der Dich vernichten kann!— Vernichten?— Nim⸗ mermehr! Jetzt will ich meinen eignen Gang gehen und mich losſagen von jeder Untertha⸗ nen⸗Pflicht!— iſt er Herzog in Liegnitz, ſo bin ich Herzog auf Alzenau. Friedrich! Fried⸗ 4 ich meine Du baſ ſchie nicht gut gepan, 107 daß Du den mächtigen Chriſtoph beleidigſt.“ Er ſchlug die Arme in einander und ſein boͤſer Geiſt trat mit der Sündentafel vor ihn.„Oder“ ſtohnte er langſam fort,„ſtaͤnde ich ſchon in der Bluͤthe der Jahre an den Marken meines Le⸗ bens? Hätte meines Vaters Burgpfaff nicht gelogen, als er von einer unabänderlichen Ver⸗ 5 † geltung ſprach? kaͤme wie uͤber den Rheha⸗ beam, die eiſerne Ruthe und die S Skorpionen⸗ geißel uͤber mich, mit der ich Andere gezuͤch⸗ tigt habe? Warum muß mir jetzt grade der Geiſt meines Vaters mit ſeinem blutigen zer⸗ ſplitterten Schädel durch die Bilder der Ver⸗ gangenheit ſchreiten?“ Er ſank in ein tiefes Nachdenken aus dem ihn ein heftiges Klopfen an der Thüre nach geraumer Zeit weckte.„Habe ich in Gedanken die Thuͤre wieder verſchloſſen?“ ſagte er zu ſich ſelbſt, ſtand langſam auf und offnete. Herein trat mit einem muntern fröh⸗ lichen Geſichte Ruͤderhorſt. Der Hauptmann arf ſich ihm in die Arme, preßte den Zurück⸗ krampfhaft an das lautpochende Hetz und rief ihm froh entgegen:„Wilkommen! —— 108 herzlich willkommen! reund! nun iſt es aut denn Du biſt mir zurückgegeben.“ Schon wieder unwirſch, Hauptmann! ha⸗ ben Dir die Loͤwenberger den heitern Sinn ver⸗ ſalzen? hab' ſchon gehoͤrt, wie Du ihnen die Kolben verſengt haſt.“ ₰ „Nichts davon, lieber Ruͤderhorſt! der Herzog ſandte den Rothkirch!“ „Den Schurken! hätteſt Du ihm doch gleich das Wiederkommen erſpart. Und was wr.ll der Herzog?“ Orohen.+ „Drohen? uns drohen? ha! ha! hal iſt ₰ es doch ſchier nicht recht ausgemacht, wer Her⸗ zog in der Liegnitz ſey, ob Du oder Friedrich! 1 ſende ihm einen Fehdebrief, dem Uebermuͤthi⸗ gen! unſer Alzenau iſt ſo feſt, daß es man⸗ chen Kopf koſten moͤchte, eh' der erſte ſeiner Soͤldner an die aͤußerſte Ringmauer kaͤme. Laß daher die Grillen fahren und ſey Muths. Wo iſt Bertha?“ „Hier neben anz über iſt leicht.“ 109 „Nun! nun!'s Täubchen wird ſich ſchon geben, ich bringe den Vater. Haſt Du den Laͤrm nicht und das Lamentiren bei unſerm Einzuge 1 gehoͤrt?“ „Meine Gedanken waren wo anders! (ſchnell aufſpringend.) Jetzt aber bin ich wie⸗ der der Alte! das Maͤdchen muß mein werden, denn, lache mich aber nicht aus, ich liebe Ber⸗ 3 tha! 1— Gut, gut! Fur dem Alten brav zngie 5 Wenn ſie ſehen wird, daß es ihm ans Leben geht, und er ſein todtenbleiches Miſſethater⸗ geſicht vor ſie hinpflanzt, ſo gieb Achtung, Hauptmann! da wird ſie zahm werden wie ein Laͤmmchen.“ (ihm dankbar die Hand ſchůttelnd.)„Haſt ein Meiſterſtuͤck gemacht Ruͤderhorſt! wie fingſt Du den Rathsherrn?“ Kinderleicht. Faſt ſchaͤme ich mich daß ich ſo viel Mannen mitgenommen hatte. Als wir vor Goldberg ankamen, begaben wir uns 2 ſſogleich in unſern gewöhnlichen Schlupfwinkei, den Nicblaiſchacht, um eine bequeme Gelegen⸗ heit zum Fange zu erlauerm Den Ilmenfred, der, wie Du weißt, ſo ziemlich ein ehrliches Geſicht hat, ſandte ich auf Kundſchaft in die Stadt und es dauerte auch nicht lange, als er mit der angenehmen Nachricht: Kunth ſey auf ſeinem Vorwerk, das er zu bauen angefangen habe, zurück kam. Wir lauerten dem Burſchen . auf, wie er nach der Stadt zuruͤck ging und no⸗ thigten ihn den Ritt auf Deinem Pohlen zu verſuchen. Er hatte nbch einiges Geſindel, ber⸗ muthlich Arbeiter, bei ſich, die keck genug wa⸗ ren ſich zur Wehre ſetzen zu wollen; einige hie⸗ N ben wir nieder, die andern entflohen.“ „Wo iſt er?“ Im Burghofe. Ich ließ ihn ſriehen 34 und dann unter der Aufſicht einiger Knappen unten, damit ich Muße hatte, das Nöthige 4 mit Dir zu verabreden und er die Feſtungswerke etwas in Augenſchein zu nehmen, wenn ihn etwa ein Geluſt zu entfliehen anwandoln ſolte.“ Du ſchon unterwegs von der uſ 6 Hierſeyns ngtlöre⸗ 5 1II „Wir zaben ihm alle hart wo Wer eeriſt ein Starrkopf!“ 3 eh Poſſen!— Laß ihn burch die Ge ſellen Finſterthal und Sparre herauf fuͤhren.“ Der Wile des Räubers geſchah. Könth, durch die rohen Geſellen mehr vorwaͤrts ge⸗ rängt als gefuͤhrt, trat in das Zimmer. Er war ein Mann, nahe dem Greiſenalter, aber die Kraft eines ungeſchwaͤchten Koͤrpers und. 8 einer geſunden Seele, ſprach aus allen ſeinen Bewegungen und den Zuͤgen ſeines etwas blei⸗ chen Geſichts, nur um den Mund zogen ſich ei⸗ nige Falten, die den ungeheuren Schmerz⸗ der ſein Herz zerriß, andeuteten.— 1 „Du haſt,“ redete ihn Chriſtoph ziemlich 6. ſanft an,„Deine Gefangenſchaft nicht mir, ſondern Deiner Tochter zuzuſchreibenz ſonſt, 6 3 glaube mir, hätte ich dieſe harte Maaßregel gern vermieden. Ich liebe Deine Tochter und will ſie zu meiner Gattin erheben, allein ſie ſträubt ſich das Gluͤck anzunehmen, und es ſcheint mir doch, trann! eher von meiner Stite eine Mißheirath zu ſeyn, wenn ich, ein ge⸗ fürchteter Rittersmann, der unberuhmten Rathsherrntochter die Hand reiche. Nichts hielt mich ab, ſie tief zu erniedrigen; Du ver⸗ ſehſt mich doch, Alter! allein ich habe es nicht getn Nrn brauche Deine vaterliche Ge⸗ walt, damit ſie ihr Gluͤck erkenne und ſich nicht weigere!“ Haſt Du ausgeredet?“ erwiederte Kunth indem er die tiefliegenden Augen mit einem Blicke des Abſcheu's und der Verachtung auf den Räͤuber heftete, eher will ich mir Glied Glied abſengen laſſen mit glühenden Ei⸗ ſen, daß die Qual Tagelang dauere, als Dich, Du vollendetes Ungeheuer! in den Armen mei⸗ nes keuſchen frommen Kindes zu ſehen!— Ho, . hal haſt Du nichts vermocht, Boͤſewicht, über meine Bertha? Wiſſe; ſie iſt Kunths Tochter! Sie Tugend t eine Stärke, von der Du nichts ahndeſt.— Vater, Vater! um Gottes B Barmherzig⸗ wigent das iſt meines Vaters Stimmeſ“ tonten jetzt Bertha's Worte aus dem Seiten⸗ gemacht,1 und ſie verſuchte, wie man deutlih —7 nien.. mir den Rathsherrn nicht einen Striit vor⸗ 113 vernahm, die feſt verſchloſſene Thuͤr z „Hoͤrſt Du Kunth?“ ſagte Chri „das iſt Deine Tochter! Um ihretwillen— ßige Dich! Wecke nicht den Zorn des Löwen, ich ſage Dir, er moͤchte Dich zermalmen.“— Mit dieſen Worten ging er auf die Seitenthür zu und ſchloß auf. Heraus ſtuͤrzte, einer Wahn⸗ ſinnigen gleich, die arme Bertha, auf ihren Vater zu. Chriſtoph aber faßte ſie mit ſtarkem Arm, indem er hohnlachend rief:„Halt! ſo leichten Preiſes werden dergleichen Umarmun⸗ gen nicht geſtattet! Veit und Finſterthal, laßt 3 waͤrts thun!“ Bertha's Buſen hob 6 hoch empor. Verzweiflung und namenloſe Angſt ihre entſtellenden Spuren in die Zuͤge ihres todtenbleichen Antlitzes, und von ihren Lippen bebten die Worte: Ehnſopht ni i will gehorchen!— 114 theuren, mir unvergeßlichen Mutter würdig führen! Mein Schickſal kummere Dich nicht; ees iſt nicht das erſte Mal, daß ich dem Tode ſo nahe ſtehe, und ich habe nicht gezittert! Kann ich fuͤr Dich ſterben, Bertha, ſo vergelte ich Dir nur die Liebe, mit der Du mich als ein vortreffliches Kind beglückt haſt.“ „Bertha,“ ſagte Chriſtoph,„wiberſret nir länger nicht, und Euer Vater ziiht in Frieden heim.“ nur Eine Tugend zu verlieren!“ Gott erbarme ſich meiner!“ ſöhnte das ie in dem heftigſten Fieberfroſt zuſammen. ihn mit aller der Kraft zurück, die die Schwa⸗ che noch beſaß, indem ſie laut rief: Fu, ort! unmenſch Toͤdten kann Dich der Unhold, aber nicht ver⸗ „Sey ſtandhaft,“ rief Kunth, Du haſt zenätte Mädchen, und ihre Zähne klappten. wandte ſich Chriſtoph zu ihr;„Des Va⸗ ters Leben iſt in Deinen Händen,“ ſprach er, nd wollte ihre Hand erfaſfen; ſie aber ſieß 115 Da gluͤhte das Geſicht des Rätts om heraufquellenden Zorn, und immer ſinſrer wurden die ſich herunterſenkenden Augenbran⸗ nen; aus den Augen ſprühten vetzehrende Flam⸗ men, und die dicken braunen Falten auf der Stirn bewegten ſich unwillkührlich auf und nie⸗ der.„Unmenſch?“ donnerte es endlich von den krampfhaft ſich zuſammenziehenden Lippen, „Du haſt mit dieſem Worte den Teufel be⸗ ſchworen, und er wird Dich zermalmen! Du haſt mich gemahnt, daß ich meine Gute ver⸗ ſchwende und meine Macht nicht kenne. Nun, ſo ſey es denn! Dein letztes Wort! Willſt Du meine Hand annehmen, oder nicht?“ 3 „Bleibe ſtandhaft!“ bat Kunth, indem er die Agen feſt und furchtlos auf den Vernichter ſeiner Ruhe heftete, mein Haar iſt mit Ehren grau geworden, laß es mich mit Ehren in die Grube nehmen! Sieh nur, wie die geile thie⸗ riſche Luſt aus dem Brice Unles S 116 . Deine Tochter entſcheiden.“ Ich habe gewählt!“ ſagte Bertha, in⸗ ich— kann Dich nicht lieben! 1*— Brav, meine Tochter!“ ſagte Kunth. Du hatteſt das beſte Erdenloos verdient, aber Gott wollte es nicht! Jenſeits iſt Dein Fruh⸗ ling! Ich ſterbe gern; Hand in Hand mit Dir zum Tode, Hand in Hand mit Dir vor auch eine Seligkeit!“ „Ich habe Dich ausreden laſſen,“ nahm ett mit ſataniſchem Grinſen der Hauptmonn as Wort,„um Deine Wünſche kennen zu eernenn Damit Du ſiehſt, wie gůtig ich bin, nigkeit ſchlage ich Dir ab: Deine Tochter bleibt am Leben, jedoch verbluten ſoll ſie Dich tent. ſie ſoll jeden Pulsſchlag, den die Fieberhitze der daß das Gewölbe den Schall zuruͤckgab,„laß dem ſie den frommen Blick aufwärts richtete, Gott wird mich ſtärken in meiner Todesſtunde, Deine Tugend hat Dich zum Engel verklärt. den Richterſtuhl des Allgerechten!— O! es 5 o ſollen ſie Dir erfullt werden. Nur eine Klei⸗ 3 nen, und das letzte matte Rücheln aus de zer kleidet ihn.“ 117 und nieder fahren, hoͤren— Hoͤre auf,“ rief Bertha, ich wil— „Bringt,“ fuhr Chriſtoph fort, ohne auf 3 Bertha's Worte zu hoͤren,„die Folterbank her⸗ 6 ein und die Kohlenbecken, die Schrauben;— nehmt dem Rathsherrn die Feſſeln 5 und ent knirſchten, zerbroͤckelten Bruſt, auf die die i ſerne Keule niederſchmettert, und das Ziſchen der zuſammenſchrumpfenden Muskeln, wenn 3 die gluͤhenden Zangen auf der ie 3 Halt, halt!“ ſchrie Bertha in der To⸗ desangſt auf, ſank auf die Knie und hob die ge⸗ falteten Haͤnde empor: will Dein Weib ſeyn!“ Tochter!“ ſagte S ub riß wichend— an ihn binbenbit Fett S it das unſelige Wort zurück! Berthe h und e Kraft erſchöpft zu haben; ſie war nicht vermò⸗ gend zu antworten. „Meine Bertha,“ fuhr der Alte fort, gönne mir tie Seligkeit in meiner Todesſtunde, daß Du tugendhaft geblieben biſt! O! laß Dich nicht durch ſeine graͤßlichen Drohungen wan⸗ kend machen; Der Augenblick meiner Aufloͤ⸗ ker es ahndet. Bertha! Bertha! jage mich nicht in Verzweiflung. Nimm 7 unſelige Wort zuruͤck!“ Ich kann Euch nicht tödten ſehen! Goit S eet ſich meiner! ich kann nicht!“ Bertha ſprach es und ihr Haupt ſank kraftlos nieder, die bleiche Todtenfarbe uberzog ihr Geſicht, die 6, Augen ſchienen ſich zu ſchließen, und kaum hoͤr⸗ — bar lispelte ſie:„ich werde vollenden!“ 3 Wohl Dir mein Kind!“ rief, von tiefem Schnetz ergriffen, der ungluͤckliche Greis, und 1 ränen traten in ſeine Augen. Chriſtoph hob die ſinkende Bertha mit ber ſung wird ſchneller erſcheinen als unſer Hen⸗— kem Arm empor und donnerte:„ſo ſollſt Du mir nicht entſchlupfen! Wenn Du ſtirbſt! beim Teu⸗ . 3 — fel! ſo ſoll Dein Vater auf Deiner Leiche zu 119 Tode gemartert werden.“ Wie ein Blitzſtrahl fiel dieſe Drohung in ihr zerriſſenes Herz, ſie rafte ſich bebend auf, reichte dem Raͤuber die kalte Hand und ſagte mit der Ergebung eines Engels: ühre mich zum Altar, ich bin Dein Weib!“ Da knirſchte der Alte in wuͤthender gren⸗ zenloſer Verzweiflung, wuͤhlte mit der Rech⸗ ten in ſeinen eisgrauen Locken, riß ſie ſich vom Haupte und warf ſie zu den Füͤßen der Dulde⸗ rin:„Da nimm dies zum Brautſchatz'“ ſchrie er,„ungerathenes Kind! Verflucht ſey die Vaterſluch!“ ſchrie die Elende laut auf, und ſank ohnmächtig zuſammen. Traurig und ernſtſaß der Conſul zu Gold⸗ verg, Melchior Kretſchmer, vor der langen Ge⸗ richtstafel im Seſſionszimmer und um ihn. ſchweigend, die Rathsherren⸗ Anlon An 120 mann, Jakob Gürtler, Crispin Pfötzner, Fa⸗ bian Stobener und Bernhard Hentſcheld. In ihre ſchwarzen Maͤntel gehuͤllt, ſahen ſie ſtier, den Kopf in die Hand gelegt, zur Erde und nur dann und wann unterbrach ein ſchwerer Seufzer die beängſtigende Stille. Endlich er⸗ hob ſich der Burgermeiſter von ſeinem Sitze, ſchlug den Mantel ayseinander und ſprach: „Es iſt ein ſchweres Ungewitter uͤber unſere un⸗ gluͤckliche Stadt gekommen, denn wenn der fuͤrchterliche Chriſtoph, den Gott verdammen moͤge! es wagt, aus unſrer Stadt die Raths⸗ herren zu ſtehlen, ſo wird er noch weiter gehen,+ unſre ganze Stadt vernichten und wir werden über kurz oder lang unter ſeinem Schlachtmeſ⸗ ſer bluten muͤſſen. Hier iſt ſchleunige Huͤlfe 3 on Nothen. Unſer tapfrer biedrer Kunth muß entweder gerettet oder geräͤcht werden. Laßt uns alſo die ganze Buͤrgerſchaft aufbieten und hinaus ziehen zu der Hoͤhle des Tiegers, ent⸗ weder wir unterliegen alle und ſterben eines rühmlichen Todes oder Böſen icht kommt in unſte Gewalt.“ fuͤrſehen, daß der letzte Betrug nicht aͤrger ſey 12T „Sehr wohl mein Conſul,“ entgegnete Angilmann,„aber wir muͤſſen uns dennoch als der erſte. Unſer gnaͤdiger Herzog hält auf den Raͤuberhauptmann, weil er ihm zu Dien⸗ ſten geweſen iſt in der furchterlichen Schlacht den 19ten May 1509 mit den Breslauern und den Herzog, der ſchier gefangen geworden waͤre ſicher nach Liegnitz zuruͤckgefuͤhrt hat; auch ſoll er ihm einmal das Leben auf der Jagd erhal⸗ ten haben. Friedrich aber iſt mild und dank⸗ bar, wie wir alle wiſſen und wuͤrde es, traun! nicht gut aufnehmen, wenn wir ſeinen Lebens⸗* retter auf das Blutgeruſt förderten. Deum mag er auch wohl zu den Unbilden ſchweigen, die rings umher von dem Boͤſewicht veruͤbt werden.“ Soll aber,“ nahm jetzt Melchior Kretſch⸗ mer das Wort, das ganze Land untergehen ob des Einen willen? Friedrich iſt ein getech ter Fürſt und wird nicht ſcheel ſehen, beſonders 6 Abet doch,“ erwiederte Angilmann, ütt es wohlgethan ſeyn, wenn wir zum Herzog reiſten und, wenn er nicht ſelbſt Hand an's Schwerdt legen will, die Erlaubniß nach⸗ holten, den ſchwarzen Chriſtoph fangen zu duͤr⸗ fen. Er wird uns dies hoch und ſeinen Conſens nicht verweigern.“ Allgemein ward der Rath Angilmanns ge⸗ billigt, und man hoffte um ſo eher auf eine guͤnſtige Antwort, da der durch ſeine Schul⸗ denlaſt hart bedräͤngte Friedrich vor Kurzem erſt eine bedeutende Anleihe von der damals ſehr reichen Stadt erhalten hatte. Der Conſul und die Rathsherren ließen durch den Ausrufer ihr Vorhaben der Stadt kund thun und man Runmehr wurde alles zur Reiſe angeordnetz die Rathöherren nahmen eine Menge waffen⸗ durfte es ſo leicht niemand wagen, ohne Waf⸗ fen zu reiſen, wenn er ſich nicht der Gefahr: er⸗ mordet zu werden, ausſetzen wollte, weil auf war mit ihrem Entſchluſſe wohl zufrieden. fähiger Buͤrger mit, denn in dieſen Zeiten allen Straßen Wegelagerer und Raubritter 3 123 waren, die den ſichern Wanderer ſelten unge⸗ neckt ſeines Weges ziehen ließen. Die Feuer⸗ gewehre waren noch wenig im Gebrauch, und da ſie nur durch Lunten abgebrannt werden konnten, hochſt unbequem, daher entſchied perſoͤnliche Tapferkeit weit mehr den Sieg, der gewoͤhnlich grauſam und blutig erkaͤmpft wurde. Von den Gluͤck⸗ und Segenswuͤnſchen der ganzen Buͤrgerſchaft begleitet, ritten ſie zum Thore hinaus und kamen gegen Abend, ohne irgend einen Unfall erlitten zu haben, in Lieg⸗ nitz an. Kaum waren ſie in der Goldberger Her⸗ berge abgeſtiegen, als ſie durch Hornerſchall, Jubelgeſchrei und Jagdgeſang ans Fenſter ge⸗ lockt wurden. Der Wirth berichtete auf ihre 6 Fragen: der Herzog kehre eben von der Jagd heim, die er abſonderlich liebe, und ſetzte hinzu Wenn Ihr ihn zu ſprechen wünſcht, ſo iſt dies 2 die beſte Zeit, denn ich ſehe, die Jäger ſind gluͤcklich geweſen, und bringen einen Eber, einige Hirſche und anderes Hochwild.“ 6 Jett 3 ging der Jagdzug bei der nach † . — — 124 dem Schloſſe zu. Voran ritt der Herzog auf einem ſtattlichen Rappen, den gewichtigen Speer in der Hand haltend, freundlich bald rechts, bald links die gaffende Menge der Zu⸗ ſchauer gruͤßend, die ihn jauchzend empfing, denn Friedrich war, ob ſeiner milden Regie⸗ rung, von Jung und Alt geliebt. Hinter dem Herzoge ritten die beiden hochberuhmten und in ganz Schleſien nach Wuͤrden geſchaͤtzten Rä⸗ the, der Landeshauptmann Wolfgang von Bock und der Kanzler Caspar Jung, denn ſie leite⸗ ten nicht nur die Angelegenheiten des Fürſten mit der großten Unterthanenliebe, ſondern be⸗ ſorderten auch das Gluck des Landes mit einer ſolchen Weisheit, daß der Segen ihrer Anord⸗ nungen allenthalben ſichtbar wurde; daher rief vas Volk:„Heil, Heil unſerm gutigſten beſten Herzoge und ſeinen biedern Räthen!“ Hinter ihnen kam das übrige Jagdgeſolge und die Jä⸗ ger mit ihren Hifthoͤrnern, auf denen ſie ein damals beliebtes Jagdſtuck blieſen; den Be⸗ ſchluß machte das erlegte Wild, auf Wagen ge⸗ fahren und von Treibern begleitet. Als die S Goldberger Rathsherren ihre Kungſut⸗ auf das Beſte geſaͤubert und die Maͤntel umge⸗ ſchlagenhatten, begaben ſie ſich nachdem Schloße. Auf der Wallbruͤcke ſtand der Landeshauptmann und ſah mit Wohlgefallen dem Getuͤmmel des Volks zu, das ſich, den Herzog begrüßend. vor dem Schloßplatz eingefunden hatte. Die Rathsherren draͤngten ſich durch, und kaum ward Wolfgang ihrer anſichtig, als er einige Schritte ihnen entgegen trat, dem Conſul die Hand reichte, und mit Freundlichkeit ſagte: Grüß' Euch Gott, Melchior! iſt mir lieb, Euch in der Liegnitz zu treffen! Ihr ſeyd ja in Eurer Amtstracht, wollt Ihr den Fuͤrſten ſprechen?“ Ach, gnädiger Hauptmann!“ erwiederte 7 Kretſchmer, indem er vertrauungsvoll zu ihm 6 aufblickte, das Ungluͤck unſerer Stadt fuhrt mtich und meine Collegen zu Euch und unſt gerechten Fuͤrſten.“ Es iſt dem Herzog ſchier bekannt! Der ſchwarze Chriſtoph, dieſer fuͤrchterliche Räu⸗ ber, deſſen Seele ſchon langſt dem Teufel an 126 heim gefallen iſt, hat Euch beunruhigt und Eure Stadt angezuͤndet.“ „Gnaͤdiger Hauptmann!“ fuhr Melchior fort, er hat noch mehr gethan. Der Rath⸗ mann Kunth und ſeine liebenswuͤrdige Tochter ſind in ſeiner Gewalt. Wir kommen daher fle⸗ hentlich bittend zum Herzoge, daß er uns ein Fahnlein leihen und wir mit dieſem die Burg des Boͤſewichts überfallen duͤrfen. Ihr, gnä⸗ diger Hauptmann, dem das Land ſo viel ver⸗ — dankt, werdet unſere Bitte gewiß Sia⸗ und was Ihr ſagt, das gilt beim Herzog.“ Arme Leute! Gern will ich mein NVög⸗ tichſtes thun, um Euch zu helfen, und es wuͤnſcht es wohl Niemand ſehnlicher als ich, daß dieſe Peſt des Landes vertilgt werden möchte. Aber ich fürchte ſehr, daß meine Für⸗ ſprache vergebens ſeyn moͤchte. Chriſtoph bät dem Fuͤrſten weſentliche Dienſte erzeigt und Friedrich ihm geſchworen, es nicht zu vergeſſen. Schon oft hatder Herzog den voreiligen Schwur bereut, aber die einmal ausgeſprochenen Worte konnen nicht zuruͤck genommen werben, und —— Ihr wißt ſelbſt, daß Friebrich nie ſein Wort bricht, und daß er es ſelbſt dem Teufel halten ſtuͤrzen.“ ut übrig, entgegnete Angilmann, denn wuͤrde, wenn er es ihm gegeben haͤtte.“ D weh!“ ſagte Angilmann, das klingt fur uns ſehr traurig! So muß alſo ein vor⸗ eiliges Fuͤrſtenwort uns alle ins Verderben Geht zu ihm und verſucht Euer Heil! Vielleicht daß dennoch, durch Eure Noth ge⸗ rührt, ſeine Weisheit einen Ausweg weiß. Ich will Euch ſelbſt melden und den Herzog vor⸗ bereiten.“ Der biedere Landeshauptmann ging. Wir werden traun,“ begann der Conſul, ₰ einen vergeblichen Weg gemacht haben, denn was Friedrich zuſagt, das hält er, wie der Landeshauptmann nicht nur meinte, ſondern wie auch unſere Stadt ſchon vielfältig erſah⸗ ren hat.“ So bleibt uns immer noch die Selbſt⸗ wir haben das Unſrige gethan und keine Nüc zu gewärtigen.“ 3 Aber dann iſt es doch immet ein 6 gefaͤhrliches Wageſtuͤck,“ ſagte Kretſchmer.— Noch lange unterhielten ſich die Rathsherren über dieſen Gegenſtand und beklagten ihr Schick⸗ ſal und das der Stadt Goldberg, die, in dem bluͤhendſten Zuſtande, täglich Gefahr lief, durch die Hand eines muthwilligen ſchrecklichen Räu⸗ bers zu einer der beklagenswertheſten Städte herabzuſinken. Endlich kam der mit Furcht uund Hoffnung erwartete Landeshauptmann zu⸗ ruͤck. Sein geſenktes Haupt und der traurige — Blick verkündeten den Harrenden nichts Er⸗ freuliches. Meine Beſorniß war gegruͤndet,“ redete er die Rathsherren an, Friedrich kann nicht handeln, wie er will, denn ſein gegebe⸗ nes Wort bindet ſeine Kraft. Meine Bitten und Vorſtellungen konnten nichts über ihn ver⸗ moͤgen, als aufrichtige Klagen uͤber das harte Loos, das er ſich ſelbſt durch ſeinen Eid berei⸗ tet hat; allein er wünſcht Euch 6 zu ſpre⸗ chen. Die ziet ſe bankten ihm tuic und gingen in die Burg. S6 an der S —1 ——————— můr i ſie der gutige Herzog 5 thaͤnigen Geſuch vernommen,“ enkgegnete er ten muß. Wenn Gott nicht dieſe Peſt des Lan⸗ dem Verbrecher muß der Fuͤrſt ſein Wort hal⸗ Worten:„Zgedenkt aber auch, gnädigſter Her⸗ zog daß Ihr uns früher als ihm das tes Verſprechen kann das frühere 129 khigte ſie in das Audienzzimmer. Sie brachten ihre Wuͤnſche und Bitten vor. Ich habe ſchon durch meinen getreuen Wolfgang Euren untet⸗ mild und freundlich,„und fuͤhle es tief und ſchmerzlich: daß ich Euch Eure Bitte nicht ge⸗ waͤhren kann, die ich fur billig und gerecht hal⸗ des vertilgt, ich kann und darf es nicht. Auch ten, ſonſt fliehen Treu und Glauben, die Grund⸗ feſten jeder Tugend, aus dem Lande. Ich büße hart für meine Uebereilung und möchte mit dem Koͤnige David ausrufen: aber was haben dieſe gethan?“ Der Burgermtiſter erzählte darauf au⸗ die Unbilden, die die Stadt ſeit langer Zeit von dem Räuber erduldet hatte und ſchloß mit den uns zu ſchützen gegen alle Gofahr. 130 ven. Ferner kanntet Ihr den Böſewicht nicht, als Ihr ihm Euren Schut zuſichertet. Ihr ſeyd der oberſte Richter des Landes und dürft das Schwerdt nicht umſonſt fuͤhren. Das Ver⸗ brechen kann und ſoll nie unter Eurem Scepter gedeihen. Geduldig hoͤrte der Herzog die Rede Kretſchmers an, jedoch ohne ſie zu erwiedern. Langſam ſchritt er mit geſchraͤnkten Armen in dem Zimmer auf und nieder und ſchien einen ſchweren Kampf zu kämpfen. Endlich rief er, im höchſten Ausdruck des Schmerzes; Er hat mir das Leben gerettet“ 13 Da trat Angilmann vor, verbeugte ſich tief und ſagte:„wenn Ihr uns nicht helfen könnt, ſo müſſen wir uns ſelbſt helfen, und den Räuber in ſeiner Burg überfallen.“ gach vieſen Worten erheiterte ſich der Blick dez Herzogs ungemein, erſchiennurdieſe Leuſſ⸗ rung etwartet zu haben, denn mit einem Tone, in welchem ſich die Gefühle, die ſein Herz be⸗ ——— Hoͤchſt gnädig entließ er die Rathöherrn. 1 ßen konnte, daß der Tollkuͤhne ſich nach Alze⸗ nau gewagt habe. Der Sohn war ſchon vor ſorgniß faſt zur Gewißheit. Mit dem anhre⸗ waffenfähigen Buͤrger Goldbergs aufzufordern, die Wilensmeinung des Magiſtrats be 181 ein Recht dazu, ich kann es Euch nicht wehren.“ Voll von Entwuͤrfen, wie der ſchwarze Chriſtoph am leichteſten zu fangen waͤre, kam die Geſandſchaft am ſpäten Abend in Goldberg an. Allein ihren Muth beugte die Erzahlung des verungluͤckten Angriffs der Loͤwenberger auf das Raͤuberneſt ſehr nieder, beſonders war An⸗ gilmann der Verzweiflung nahe, als er ſeinen Sohn vermißte und aus vielen Umſtänden ſchlie⸗ einigen Tagen unter einem nichtigen Vorwande abgereiſ't und am vergangnen Abend beſtimmt zuruͤck erwartet worden. Als er auch dieſen Abend noch nicht heimkehrte, ſo wuchs die Be⸗ chenden Morgen hielt man eine Rathsverſamm⸗ lung und der gemeinſame Entſchluß war; alle den Kampf mit dem furchtbaren Verherer des Landes zu wagen. Der Rathsherold nachte . 132 und beſchied diejenigen, die Muth und Ktſt genug beſößen, gen Alzenau zu ziehen, auf den Marktplatz. Nach einigen Stunden war der Markt mit Kampfluſtigen angefuͤllt und aus der bedeutenden Menge der Verſammelten ſprach die allgemeine Erbitterung gegen den Erbfeind der buͤrgerlichen Ruhe. Luſtig klirr⸗ ten die Schwerdter an einander, und die Stra⸗ ßen auf und ab wogte der Ruf: nach Alzenau! nach Alzenau!“ Von den jüngſten Buͤrgern Goldbergs hatte ſich nicht einer ausgeſchloſſen und auch ſelbſt bejahrtere Männer reiheten ſich an die begierigen jugendlichen Kämpen⸗ Der Conſul hielt eine kurze kräftige Rede an die Verſammlung, zog ſein Schwerdt aus der Scheide, und ſtellte ſich als Anführer an die Spitze des Haufens. Seinem Beiſpiele folg⸗ ten die ubrigen Rathsherrn und in kurzer Zeit war der Zug geordnet. Greiſe und Kinder, Muͤtter und Jungfrauen drängten ſich an das kleine Heer und wuͤnſchten unter Thränen den Fortziehenden den Segen des Himmels und den glorreichſten Sieg. Der Sieg iſt unſer,“ rief 133 der Burgermeiſter, denn wir ziehen in 2 gerechten Strauß! Es gilt unſere Väter, Muͤt⸗ ter, Weiber und Kinder! unſern Heerd und unſre Ruhe! Drum mit Gott, vorwärts! Der Herr wird mit uns ſeyn!“ „Der Herr wird mit uns ſeyn!“ ſhalt⸗ caufenvfich wiederholt, ihm nach. Unter dem Schmettern der Trompeten, dem Wirbeln der Pauken und dem Läuten der Glo⸗ cken bewegte ſich der lange Zug zum Thor hin⸗ aus. 6 Weithin in die Ebene von Alzenau leuchte⸗ ten die langen gothiſchen erhellten Fenſter der Burg des ſchwarzen Chriſtophs, welche Verder⸗ ven drohend mit ihren Thürmen und Baſteien in der ſternloſen Nacht ihr Rieſengebaͤude zum Himmel emporhob. Rings umher war Alles ſtil und todt, nur der einſame Wanderer w vie ſcheuen Blicke mit kertstteter Bru dem Gtthe hinauf, p 134 Lichte zu kommen. In der Burg aber ſelbſt war Jubel und Freude, und die mit den koͤſt⸗ lichſten Weinen gefüllten Humpen klirrten lu⸗ ſtig an einander, denn es war des Burgherrn Hochzeitstag⸗ Oben an der geſchmuͤckten Tafel ſaß Chri⸗ ſtoph in der frohlichſten Laune und ſah mit kek⸗ kem Uebermuths auf die leidende Bertha ne⸗ ben ihm, die bleich und ſtill ſchon einer andern veſſern Welt anzugehoren ſchien. Ihr mattes, mit Thränen gefülltes Auge ſah ſtier und kalt vor ſich nieder und auf ihren bebenden Lippen. zuckte in kurzen krampfhaften Bewegungen der Schmerz, der ihr Inneres zerriß.„Sey gutes Muths, Bertha,“ ſagte der rohe Räu⸗ ber, indem er lachend ihre zitternde Rechte er⸗ griff,„ich habe Dir doch allen Willen gethan, und Du biſt ſchier glücklicher, als Du es je verdient yätteſt. Auf der Burg Alzenau yerrſcht Freude und Luſt, und wen ich würdige, in das Haus der Freude zu treten, der muß ur mir und meinen Gelüſten leben“ Nicht wahr, Ruͤderhorſt?“ Laßt es nur gut ſeyn und vergebt nir lispelte Bertha, und ihre Thraͤnen rannen häufiger, es wird vorübergehen, ich werde mich an Euch gewöhnen. Bei Gott aber ftage 3 ich Euch, der einſt uns Beideſrichten wird, habt Ihr die Bedingungunſerer Vermählung erfullt?“ „Dein Vater iſt, wie Du es wünſchteſt, unter ſicherm Geleite nach Goldberg zurückge⸗ bracht und ihm nicht ein Haar gekruͤmmt wor⸗ Meine künftige Gebieterin,“ erwieberte der Befragte, ſey deshalb ohne Sorgen, ich ſelbſt habe ihn bis an die Mauern von Gold⸗ verg geführt. Als ich von ihm Abſchied nahm, ſagte er: Gruße meine Bertha und melde ihr, daß ich das Opfer ihrer kindlichen Liebe ſchätze und bewundere. Sie ſoll ſich in den Willen der hoͤhern Gewalt ſo ergeben, als ich 6 drein ergeben habe.“ lügſ Dut ſigte we tiſ Den Herz guter Dinge ſeyn!“ iſt, bei dem Haupte Deines Vaters ſchwöre mir, daß mein Vater in Goldberg ſey!“ „Ha!“ fuhr der Räuber auf,„wer hieß Dich, mir dieſen Gifttropfen in den Becher der Freude zu traufeln? Aber es iſt gut, es iſt ſo gut,“ fuhr er fort, und ſeine grinſende Teufels⸗ larve verzog ſich zum Gräͤßlichen,„wir ſind beide Waiſen, Du, Brautchen! und ich; das ſol eine luſtige Brautnacht werden! Aeber un⸗ ſerm Bette werden die Väter ſich mit ihren zer⸗ ſchmetterten Schädeln umarmen!— Ah Fuderhorſt! Wein her!— Ha! ha! pg Mann!“ ſchrie Bertha, von einer fürch⸗ terlichen Ahndung ergriffen, Du haſt mir den Vater erſchlagen!“ „Meinſt Du Tzupchen? yi! hi! Dein Vater lebt, aber meiner iſt erſchlagen!“ Beſaͤnftige Dich,“ troͤſtete Rüberhorſ, und vergaͤlle Dir nicht die heutige Freudei Fonnteſt Du es hindern, daß der ſchwache Alte ſrauchelte und fiel? Ermanne Dich und den Tod und keine Martern, abet ich n Chriſtoph verſank in tiekes Nachdenen. „Haſt Recht,“ rief er endlich fröhlich,„ich habe es nicht gethan! Doch wehe Dir, Berthal wenn Du in Deinem Leben noch einmal dieſe Saite beruͤhrſt. Sie moͤchte wohl dann ſprin⸗ gen, auf Dich zuruͤckſchnellen, und Dir die Bruſt zerſchlagen.“ Bertba hoͤrte die Warnung nich ſchien heftig bewegt zu beten. dabei das Herz in Geſicht verrieth die Bewegung in ihrem In⸗ 3 nern; endlich ward ſie ruhiger, und gefaßter, als ſie es je geweſen war, ſagte ſie:„Chriſtoph! Euer Wort! lebt mein Vater?“ „Er lebt!“ antwortete der Raͤuber. „Nun wohlan!“ ſagte ſie, cherheit meines Vaters wolte ich, dert handeln zu können; jetzt gehe ich ruhi⸗ ger den Weg, den vermuthlich der treue Ed⸗ mund mir ſchon vbrangegangen iſ. Hiermit vernichte ich mein durch Drohungen ur de abgefoltertes Verſprechen. Ich t, denn ſie Hoͤrbar klopfte nut die Si⸗ um ungehin⸗ ihrer Bruſt, und ihr ſo wahr mir Gott zur ewigen Seligkeit helfe, nimmermehr Euer Weib.“ „Hi! hi! Schlange!“ ſchäumte ber Burg⸗ perr,„triumphire nicht zu früh! Dein Vater 3 und Edmund leben Beide, aber in meinem Burgverließ. Die Brautnacht ſollte Deines Paters Todesnacht ſeyn, und Du ſolteſt es nie erfahren; allein Du biſt dieſer Schonung nicht werth. Jetzt wirſt Du ſehen, wie ſie vom Le⸗ ven ſcheiden, und auf ibren Leichen wirſt Du —mein Weib⸗ Geht hinab und holt mir die Verbrecher Se.„ t we pabe ich gitbant⸗ ſchie Händeringend die Verzweifelte und griff haſtig nnch einem Meſſer um es ſich in die Bruſt zu Chriſtoph aber entwand ihr daſſelbe, in⸗ dem er hämiſch ſagte:„halt, Raͤrrchen! das ſicht!“ 2 Unterdeſſen waren zw Räuber von der Tafel aufgeſtanden und nach dem Burgverließ gegangen. Schon hörte man das Krtten eklirte von den Gefangenen und jetzt traten ie biei⸗ 139 chen entſtellten Wenſchengeſatten des vn und Edmund in den Speiſeſaal. Kunth, ſtark und männlich, ſchritt auf den hämiſch lachenden Chriſtoph zu, und ſagte, in⸗ dem ſeine wehmuͤthigen Blicke auf die armeLei⸗ dende fielen:„Haſt Du mich nochmals noͤthig, um die Gequaͤlte zu martern?“ „Vater! ich glaubte Euch gerettet,“ ſis⸗ pelte Vertha,„und nahm mein Wort zuruͤck.“ Haſt Du das?“ rief heiter der Greis, nun denn, ſo biſt Du eine Heldin, wie ſie nur S ie Geſchichte verſchollener Jahrhunderte auf⸗ weiſet, und wenn dieſes gräͤßliche Raͤuberneſt laͤngſt wird in Staub zerfallen und andere Ge⸗ ſchlechter und andre Sitten auf dieſen Gauen eeben, wird Dein Name nicht untergegangen und Deine That nicht vergeſſen ſeyn.“ „Meine Geduld iſt ermuͤdet, donnerte der Raͤuber,„fuͤhlen ſollſt Du, was es eiße Zorn des Löwen zu wecken!“ 2 Immerhin,“ erwiederte F 5 u un nichts mehr thun, als uns todten! wiee das ſ mit r und dieſen— “ 140 Mache nur bald Anſtalt, rufe Deine Henkers⸗ Fnechte; ſieh, Du haſt ein Abendgelag veran⸗ ſtaltet, und koͤſtlicher muß doch, traun! der Wein noch munden, wenn er mit dem Todes⸗ eocheln dreier Unſchuldigen gewürzt iſt.“ Schwelie des Lebens wird mir das Gluͤck zu „Vater,“ ſagte Bertha,„Ihr habt Recht. Neine Schande haͤtte Euch dennoch das Leben nicht gerettet, das habe ich aus des Verruchten eignem Munde, nun denn, ſo wollen wir ver⸗ eint und in Ergebung ſterben.“ „Und, Tochter,“ fuhr der Alte fort, nimm noch einen Troſt mit auf den Todesweg. Ich habe eine koſtliche Stunde im Burgverließ ge⸗ habt; Edmund, der verkannte edle Jüngling,* hat mir verziehen, und ich 8 ihn Sohn genannt.“ 8 „Bertha, Berthal“ ſgt Eunund mit Iienlicher Liebe, nicht achtend die drohenden verzehrenden Blicke des Burgherrn,„an der Phrit, noch dem ich Jahre lang vergebens ge⸗ Frebt habe! Hand in Hand ſind wir n Fur Dich zu S wär Im 6 los das durch eine 14r Seligkeit geweſen! Es ſolte nicht ſeyn!— Wir gehen dem Lande des Friedens entgegen, wo kein Chriſtoph mehr treue Herzen auseinan⸗ derreißen kann.“ „Hi! hi! hi!“ grinzte der ſchwarze Chri⸗ ſtoph,„habt Euch doch ſchier verrechnet, ihr Todesluſtigen Helden! Seht, ſo ganz un⸗ ſchuldig ſoll denn wohl das liebegirrende Bert⸗ chen nicht den blutigen Pfad betreten. Muß Euch doch vorher ein Schauſpiel geben, das Euch baß ergoͤtzen wird. Mein Weib will ſie nicht werden, und ich nicht ihr Gemahl. Aber meinen Waffengefaͤhrten und Geſellen ſey ſie uͤbergeben!(ſich an die Bande wendend) Auf, Geſellen! bindet das Mädchen und mit ihr nach Eurem Gutduͤnken!“ Da knirſchte der Alte in bie ihn bindende 3 Kette, daß das Blut aus den entfärbten Lippen floß; Edmund wuͤthete, wie ein Wahnfinniger, die Räuber aber jauchztent und ſtürzten wie Fu⸗ er Holle auf das Schlachtopfer ihrer ro⸗ 142 macht ihrem erſten entehrenden xnghiß⸗ ent⸗ † ronnen war. In dieſem Augenblicke zſnete ſich haſtig die Thuͤr. Der Thorwärtel ſturzte faſt athem⸗“ los herein und ſchrie, nahe der Verzweiflung, dem Räuberhauptmann entgegen:„Herr! be⸗ waffnet Euch, wir ſind verrathen! Eine ver⸗ fluchte Strickleiter hat an der hintern Mauer gelegen. Rettet, rettet uns! Schon ſteigt ein Höllengeſindel, das ich nicht kenne, geraͤuſch⸗ ios und ſtill uͤber die Mauer, und fäugt an den Burgplatz zu fülen!“ a! das iſt meine Strictiter!⸗ tit entzuckt Eduard. Bileich, wie ein Verbrecher auf dem Ster⸗ bebette, wenn die Suͤnden ſeines Lebens noch einmal mit ihren verzerrten, hohnlachenden Teufelslarven vor ſeine erloͤſchende Phantaſie ttreten, ſtand Chriſtoph da und ſtierte den Un⸗ glücksboten mit durchbohrenden Augen an, denn dieſer Schlag traf zu unvorhergeſehen ſein vervehmtes Haupt.„Menſch, Du tu ü ſagte er nach einer tutn vuuſe 5 143 Beim Teufel“ erwiederte dieſer: ich wuͤnſchte, es waͤre eine Luͤge, aber hoͤrt Ihr nicht ſchon das dumpfe Stimmengewirte, das ſich nach dem Burghofe zuwälzt?“ „Nun, wohlan!“ ſagte der Burgherr, in⸗ dem er haſtig ſein Schwerdt umguͤrtete:„ſol⸗ len wir fallen, ſo koſte jeder unſerer Blutstro⸗ pfen einige Menſchenleben!— Auf! meine Freunde! Laßt uns den Schurken begegnen nach Ritterpflicht! Iſt der Drache gefuͤllt?“ Fal' ſprach Rüderborſt: iſt mir lieb, daß Lir der alte Muth zurückkehrt! Ich denke, wir wollen den Meutern die Kolben verſengen, wie den Löwenbergern! Muthig zu den Waf⸗ fen! Wer eine Fauſt ruͤhren kann, der folge mir!“—„Und,“ fuhr der Hauptmann fort: „geht ſogleich an die Arbeit, zündet den Dra⸗ chen an, daß er ſeine verſengende ſpräbende Flammen unter die heilloſe Brut, die mich wie Schurken uberfällt, ſpeie! Haut nieder, was vor Euch kommt! Habt kein Erbarmen! Heute ſoll die Burg Alzenau But ſaufen, wie ſie 6 noch nie hat. Ich will zu einei 144 Tieger werden, weil man mich ſo uberfallen hat; die Gegend um Alzenau ſoll eine Einöde ſeyn! Sengen und morden will ich, wie ich es noch nie gethan habe, und wen ich von dieſen Meuchlern und hinterliſtigen Buben lebendig in meine Haͤnde bekomme, dem will ich ſelbſt vas Herz aus den Rippen ſtämpfen⸗ Hinun⸗ ter, in des Teufels Namen! ihnen entgegen!“ „Aber was ſoll aus Dieſen werden?“ frug Rüderhorſt, indeme er 4f die brei Gefan⸗ genen zeigte. ſage ich!— Das wäre ein leichter Tod! Sie haben mir das Feſt angezettelt, ſie ſollen auch den erſten Vortanz haben, und ſo, daß die Hölle laut aufjauchzen ſoll! Schließt ſie in dieſe Seitenkammer und verriegelt von auſſen! i Reihe an ſ ſie kommen.“ Des Burgherrn Befehl wurde augenblic⸗ u6 voufüprt⸗ und nun turicen die S 3 „Haut ſie nieder! Doch nein!— Halt! 5 Wenn ich das Geſindel gezuͤchtiget 2 ſu 143 Schon hoͤrte man das Toſen und Waſſen⸗ geklirr der tapfern Goldberger immer näher 3 1 und näher, und beſonders die Stimme des urief: oͤrt Ihr das Raſen innerhalb der gilt es Leben um Leben!“* Eben ſtuͤrzten die Raͤuber wuthentbrannt die breite, ſteinerne Treppe hinab und auf den Burghof, als Angilmann mit den Goldber⸗ gern dem Hauptgebaͤude zuſchritt.„Steh, frecher Räuber!“ rief Letzterer dem Raubritter nntt feſter Stimme entgegen: das Ende Dei⸗ ner Gräuel iſt gekommen.“ „Geſellen, es gilt unſer tieuerſtes Gut!. brüllte Chriſtoph, und hieb mit ſeinem gewich⸗ tigen Schwerdte auf die Herandringenden ein. Aber die Goldberger waren ebenfals gut be⸗ waffnet, und nun entſtand ein Gefecht, das an Gräßlichkeit und Wuth nicht ſeines Glei⸗ chen aufzuweiſen hatte. Röchelnd, winſeind ober ſterbend, ſank bald auf der einen bald auf der andern Seite einer zu Voder verwegenen Angilmann, der ſeinen Gefährten Gebaͤude, das Raubthier iſt aufgejagt, jett. * ineinander geworrener, mit blutigen Banden 146 achtet von den Nachfolgenden oder vohne den, die ſchonungslos ihnen die verwundeten Glieder zertraten. In Stromen floß das Blut von beiden Seiten, und ſprudeite dampfend aus den zerſchnittenen Adern uͤber die zerſchell⸗ 4 ten und zerquetſchten Gebeine, der von den Keulenſchlägen der Räuber niedergeſchmetter⸗ ten Goldberger. Es war an keine Schonung und kein Erbarmen zu denken, nur die Wuth und Verzweiflung raſte auf dem entſetzlichen Burgplatze, und nur der Tod ſchritt haſtig in ſeiner blutigen Schreckensgeſtalt durch die Rei⸗ hen der Streiter. Fluͤche, Gottesläſterungen und Verwuͤnſchungen durchheulten das dumpf⸗. klirrende Getoͤſe der Helme und Harniſche und das ziſchende Sauſen der niederſchlagenden, 3 zuckenden Schwerdter. Nach kurzer Zeit ſchien der ganze Haufe der Kampfenden ein einziger, 6 zuſammengekoppelter Knäul zu ſeyn, der ſich nur S an S einen oder dem an⸗ 3 das iſt ſchaͤndlich von Dir, daß Du uns, Deine Getreuen, bis auf das Mark verſengen laſſen wie Hallunken untergehn, und uns die Wäm⸗ ſer von den Leibern brennen und die Pickelhau⸗ ſagte bitter:„Beſtie! Dir habe ich nie getraut!— Zuͤndet den Siihe an!“ 147 men zu ſchnellen. Immer hitziger ur Kampf, und immer lauter das Brülle. Toben der Kaͤmpfenden und das Angſtgeſchrei der Niederſinkenden. Schon zweimal war das tapfere Haͤuflein der Goldberger zuruͤckgedrängt worden, als es, ſich immer wieder ermannend, mit neuem Muth dem Feinde die Vortheile ab⸗ gewann. Da ſchrie Chriſtoph aus der Menge heraus:„Geht, und zundet den Drachen an! Wollen die Meuterbuben mich vernichten, ſo ſoll auch von ihnen Keiner das Freie auſſerhalb 3 der Burg wieder ſehen.“ „Hauptmann!“ rief Einer der Bande, — willſt. Fechtend wollen wir ſterben, abe nicht ben auf den Schaͤdeln ſchmelzen tſſen Chriſtoph knirſchte mit den gihnen, 1481 Wie, wenn eine Windsbraut uplitlic über den ruhigen ſtillen Spiegel eines Sees da⸗ hinſtuͤrmt, und die Wellen immer höher und hoͤher treibt, daß ſie ſtäͤrker und brauſender übereinander ſturzen und ihre Waſſerberge am die zackigen Felſenufer anwerfen, wo ſie immer lauter donnernd auseinanderpraſſeln, ſo erhob ſich jetzt ein Unwillenausdruͤckendes Gemurmel unter den Raͤubern, das von Sekunde zu Se⸗ tunde ſtieg. Sparre ſchrie, laut:„Fochtler hat Recht, wir des Hauptmanns Hunde untertiſſt hatten die Goldberger bedeu⸗ tende Vortheile gewonnen, und die Räuber faſt bis an das Hauptgebäude zurückgedrängt. Jetzt benutzte Angilmann das Mißvergnügen der Geſellen und rief: wer die Waffen weg⸗ wirft und ſich ergiebt, di ſoll frei ausgehen, wie die Luft!“— Hui! da fielen in einem Nu mehr als zwanzig Schwerdter und Keulen zu Vten; nur die Ritter und Waffenbrüder des Butgherin hoͤrten nicht auf den Zuruf und hie⸗ ben nur noch verzweifelter i in die 1 149 den ein. Allein der Kampf wurde weit unglei⸗ cher, denn die Ueberzahl der Fechtenden a jetzt beiWeitem auf der Seite der Goldberger; jedoch ſtieg auch nun die Erbitterung bis zum Gipfel der Raſerei. Immer verſchlungener ward nun wieder die Maſſe der Kämpfer, und wogte unaufhaltſam hin und herz aber plöt⸗ lich gewannen die Goldberger ſo ſehr die Ober⸗ hand, daß ſie den groͤßten Theil der Ritter und Waffenbruͤder des ſchwarzen Chriſtophs zu Bo⸗ 56 den ſchlugen. Es war ein fuͤrchterlicher An⸗ blick! die Ritter ſturzten zuſammen, wie wenn eine Feuerſaͤule, an welche ſich der Sturm lehnt, praſſelnd in die duͤrren Speicher eines Meierho⸗ fes faͤllt, und die Sparren, Daͤcher und Bal⸗ ken knatternd in einander ſtürzen.— Aus dem Gewuͤhl des entſetzlichen Schau⸗ ſpiels draͤngte ſich Chriſtoph und Ruͤderhorſt fechtend heraus; dem erſten trat Angilmann entgegen. Hoch auf hob der Raubritter ſein Schwerdt, um es auf Angilmanns Haupt nie⸗ derfallen zu laſſen: dieſer aber hielt ihm ge⸗ wandt den Schild entgegen, und in inbiſſen N 130 „. verſetzte er ihm auch einen ſo gewichtigen Hieb auf die rechte Schulter, daß die Armſchienen Chriſtophs aus ihren Fugen ſprangen, und das — Schwerdt des tapfern Rathsherrn in der tief⸗ klaffenden Wunde des entblößten Oberarmes ruhte. Krampfhaft zog ſich der Arm, von den. heftigſten Schmerz zerriſſen, zuſammen, die fuͤr den Augenblick gelaͤhmten Finger ſtarrten in convulſiviſchen Bewegungen auseinander, das Schwerdt entfiel dem Raͤuber, und er war waffenlos.„Verflucht!“ bruͤllte er in der na⸗ rtceſeſn„alſo uc lebendig in euren en! ₰ „Bindet das ei* ſegte Angil⸗ mann, und ſchleppt es in den Saal hinauf“ Zu gleicher Zeit uͤberwand der Burgermei⸗ ſter den gefürchteten Ruͤderhorſt und W2z ihn den Golbbergern. Die Freude der Goldberger war grenzen⸗ 5 los, denn ſie hatten durch ihre Tapferkeit die Sicherheit des Landes, die durch den Raubrit⸗ ter ſo lange gefährdet worden war, wiederher⸗ geſtellt, und ſie wußten ſehr wohl⸗ welchen * wen und kin 131 Dank ſie ſich bei der Nit⸗ und Nachwelt 5 worben hatten. Angilmann, der den ueber⸗ 3 fall und das Gefechthgeleitet hatte, trat jett vor, nahm den Helm vom Haupte und ſagte Freunde und Waffengefährten! laßt uns, ehe wir das Weitere unternehmen, dem Herrn uͤber Leben und Tod, der gnädig ſich unſerer er⸗ barmte, und den Sieg in unſere Hände gab, vereint unſern Dank darbringen. Entbloͤßt Eure Haͤupter und betet.“ Der Befehl des Anfuͤhrers wurde willig vollzogen. Es war ein ruͤhrender, herzerhebender Anblick, als die Buͤrger geraͤuſchlos und feierlich ihren Dank in 8 prunkloſen Worten darbrachten.§ „Nun,“ nahm Angilmann nach Beendi⸗ gung dieſer Scene das Wort, ſey es unſere erſte Pflicht, fuͤr die Verwundeten zu ſorgen, und wo Rettung noch moͤglich iſt, das Zweck⸗ maͤßigſte thun.“ Er blickte hierauf nach dem Schlachtplatze und ſprach mit großer Ruͤhrung indem er eine Thräne im Auge zerdrückte; es 2 iſt ein theurer Sieg! er hat eine Menge Witt⸗ loſe Väter gemacht; doch dem bringe die Verwundeten in die untern Gemä⸗ die Sunde in ihrer verworfenſten Geſtalt ſo Unvermeiblichen konnten wir nicht entgehen! um die Siegestropbäen winden ſich immer die Trauerflore der Verwaiſeten, und auf dem mit Blut getraͤnkten Acker kann ja meiſtens nur der Baum des Friedens Wurzel ſchlagen; wuͤnſchte ich doch faſt mein vermißter Sohn läge unter euch, ihr gefallenen Helden, als daß mich die Vermuthung quaͤlen muß; er ſey eine Beute der Raͤuber geworben.— Der groͤßere Theil von Euch, meine lieben Waffengefährten! cher der Burg, während ich mit den uebrigen die obern Zimmer und das Burgverließ unter⸗ ſuchen werdé, und ich ſchaudre vor den Gräueln, deren Entdeckungen ich entgegengehe, denn wo * lange ihren Thron aufgeſchlagen hatte, wird ſie auch ihren Handlungen die empbrendſten Denkmaͤler geſtiftet haben. Den Raubritter und ſeinen Bundesgenoſſen fuͤhret vor uns hin⸗ auf, damit ſie uns den Weg zeigen.— Ant⸗ worte Chriſtoph! wo iſt Kunth und ſeine Toch⸗ ter Die Zůge Beftagten ent ich 153 —— zu einem gräßlichen Zerrbilde, ſeine ohnmaͤch⸗ witter uͤber die fieberhaft arbeitenden Muskeln des Geſichts hernieder und blitzte aus den rol⸗ lenden Augen; die Bruſt bewegte ſich ſchnell auf und nieder, und nach einer langen Pauſe antwortete er:„Eher will ich mir ſelbſt die Zunge zerfleiſchen und die blutenden Stücke Dir ins Geſicht ſprudeln, ehe ich eine Deiner Fra⸗ gen beantworte.“ Du haſt uns gelehrt, Chriſtoph, Geſtänd⸗ niſſe zu erpreſſen; wir duͤrfen nur die Chronit Deiner Thaten nachſchlagen, um die etwa ver⸗ geſſenen Mittel wieder ins Gedaͤchtniß zuruͤck⸗ zurufen, alſo laſſe Deine Zornſprühenden Aeuſ⸗ 6 ſerungen. Kommt, geliebter Waffenbruder und College!“ mit dieſen Worten wandte ſich Angilmann an Melchior Kretſchmer,„Ihr wer⸗ det verzeihen, daß ich jetzt in Euer Amt griff, aber der Kampf hat Euch ermuͤdet, Ihr bedürft nach einer ſolchen, Euren Jahren nicht mehr angemeſſenen Anſtrengung, der Ruhe. tige Wuth zog, wie ein Unglück drohendes Ge⸗ 6. 134 Ich danke Euch, ſagte Kretſchmer, indem er dem Sprecher die Hand druͤckte, handelt fet⸗ ner in meinem Namen, denn wahrlich! meine ₰ Kräfte ſind erſchöpft!“ Jetzt ging Angilmann, begleitet von meh⸗ rern Buͤrgern, welche die beiden Gefangenen fuͤhrten, in die Burg und ſtieg die Haupttreppe hinauf, wo ihm die Saalthür des Gelag⸗Ga⸗ dens zuerſt bemerkbar wurde. Er trat hinein und fand hier noch die Ueberreſte des verſchwen⸗ deriſchen Nahles und die niedergebrannten, zum Theil noch glimmenden Lichter. Durch den Schein einiger Fackeln, die man angezun⸗ det hatte, erhellte ſich ihm das ganze Zimmer; 3 Ei!“ rief er, ſo haben wir den Feind alſo 3 mitten in der Schwelgerei überraſcht!“ In dieſem Augenblick vernahmen ſie ein Gewimmer in einem Seitengemach! Das war Kunths Stimme!“ rief Angilmann ent⸗ zückt von der frohen Entdeckung, und eilte auf das Gemach zu. Er fand es feſt verſchloſſen, und ohne dem Hauptmann die Schluͤſſel abzu⸗ i die dieſer ihm doch verweigert haben S 3 6 155 i⸗, ſieß er, vol Begierde den ungluͤcklichen Gefangenen zu retten, mit der ganzen Kraft ſeines ſtarken Körpers einigemal an die Thur, ſo daß dieſe krachend aus ihren Angeln ſprang. Er ging haſtig hinein, und— in bie Arme ſtuͤrzte ihm Edmund, ſein vermißter Sohn. „Edmund, Edmund!“ rief der uberraſchte Angilmann, war es doch als ob es mir ahn⸗ dete, da ich mit Freudigkeit und Gottvertrauen die gefahrvolle Leiter zuerſt hinaufſtieg; unſer wuͤrdiger Burgermeiſter wäre ſchier muthlos geworden, denn unſre That iſt ein Wageſtuck, das ſpätere Jahrhunderte noch nach Verdienſt wuͤrdigen werden.“ Vater, verzeiht mir, die Liebe war 6 ker als die Pflicht. Ich glaubte, mein Sohn, du pit eine Neigung, die dir zu nichts frommen kann, und die das Feuer deiner Jugendkraft zerſtört, längſt zu unterdruͤcken geſucht.— 2 8 wo iſt und— 3 In dem xuzennta⸗ trat der Nathsher nit der ihm eignen Feſtigkeit, die ihm auch 156. das Ungluck nicht hatte rauben tihe an der Hand ſeiner geretteten Bertha dem biedern Freunde naͤher. Bertha, mit ihrem blaſſen Antlitz, auf welchem zwar ſichtlich die Ruhe des Gemuͤths zuruͤckgekehrt war, die aber dennoch nicht gaͤnzlich die Spuren der ausgeſtandenen Todesangſt hatte verwiſchen koͤnnen, glich einer durch den ſengenden Sonnenſtrahl niedergebeug⸗ ten Lilie, welche eben, erquickt durch die erſten ₰ Tropfen eines Segen verkündenden Regens, ſich wieder zu etheben beginnt, aber den matt bedeckten Kelch noch nicht wieder ganz geoͤffnet yat. Kunth aber ſtand da, feſt und ernſt, gleich einer ungebeugten Eiche, der ein Sturm zubor die Krone zerzauſte, aber zu brechen nicht ver⸗ mochte; die Unbeugſamkeit ſeines Gemuͤths und ſeiner Charakterſtaͤrke hatten ſchon laͤngſt ihre ſteinernen unwan de baren Züge in das alternde Antlitz gezeichnet; nur aus den Augen blitte die Freude uͤber die gelungene Rettung. E ging auf Angilmann zu, ſchuͤttelte ihm treu⸗ herzig die Hand und ſagte, indem er faſt un⸗ 1 willkuͤhrlich eine hervorguellende Thräne zer⸗ * unten mit den Raͤubern Euch ſchlugt, habe ich uns heute beſeelte, geworden wäre.“ 137 Dank Dir, Angilmann! und eu drückte:: aen, Shr wackern Goldberger; Ihr habt 6. mich, doch was ſage ich: mich, das ganze Land habt Ihr unausſprechlich gluͤcklich gemacht.— Eure Waffen hat Gbtt gefuͤhrt. Als Ihr da auf meinem Antlitz gelegen, und feſt vertrauend auf die Allmacht und Gerechtigkeit des Herrn uͤber Leben und Tod, war es mir, als ob ein Engel troͤſtend zu mir ſt⸗ Du biſt er⸗ hoͤrt.“ „Da habt Ihr Recht, Kunth! ſagte der Zirgermneißtr der erſchopft von der unge⸗ wohnten Anſtrengung, an dem Geſpräche bis jetzt keinen Antheil genommen hatte, und ſeht, Euch hatte der Herr zum Werkzeug er⸗ waͤhlt, das Land von ſeiner Peſt zu befreienz denn wurdet Ihr nicht auf eine ſo unerhoͤrte Weiſe von der Straße geraubt, ſo würden noch Jahre vergangen ſeyn, ehe uns der Muth, der Ich und meine Kinder,“ erwiederte Kunth, werden es ſuchen der Stadt wieder quitt zu machen, und mein letzter Blutstropfen ſey⸗ wenn es die Noth erfordert, der tapfern Gold⸗ berger Buͤrgerſchaft geweiht.“ Wir kennen Euch,“ ſagte Angilmann, Sr wiſſen daß Ihr nie Euer Wort gebrochen habt. Dem Himmel ſey Dank, daß uns das Werk gelungen iſt. Es war nichts Leichtes, und während hier in dieſem Zimmern die ver? ruchte Bande ſich der Völlerei ͤberließ, ſchli⸗ chen wir mit ſchier zagendem Herzen up die 3 unüberwindlich Thurmhoch gebauten Mauern, und ſahen, wie ſie ringsum mit Kriegsmaſchi⸗ nen beſetzt waren, ſo daß ein Sturm, den wir anfangs wagen wollten, uns allen ohne Unter⸗ ſchied, und zwar nutzlos, das Leben gekoſtet yaben wuͤrde. Siehe da entdeckte ich zu unſe⸗ rer nicht geringen Freude eine Strickleiter, die, von dem Winde bewegt, auf der ſteilſten Seite, wegen ihrer natuͤrlichen Unuͤberwindlichkeit un⸗ bewahrt, herabflatterte. Das war uns ein ſichtlicher Wink; eine hoͤhere Macht begün⸗ ſtigte unſer Vorhaben und der Muth wuchs in der n Noch i es uns „ 159 die geiter dorthin gekommen, und ſo die Burg den n Ueberfaut Preis gegeben worden ſey.“ „Vater!“ ſagte jetzt Edmund mit ſtehender Stin indem er die Hand bittend dem Va⸗ ter entgegenſtreckte:„wohl wußte ich, daß die verlobte Bertha nicht die Meinige werden konnte, aber Ihr wißt, wie nahe ſie auch als Braut meinem Herzen ſtand, daher drängte mich ein nicht zu beſiegendes Gefuͤhl: ſie wenigſtens zu retten, wenn ich ſie auch nicht beſitzen ſollte. Ich wußte mich in die Gunſt des Raͤubers zu ſtehlen, kam auf die Burg und befeſtigte die heimlich verfertigte Strick⸗ 5 leiter in der Nacht an der Mauer.“ Während daß die Loͤwenberger den ſchwarzen Chriſtvph beſchäftigten, fand ich Gelegenheit das Burg⸗ verließ, wo Bertha der Schande oder einem grauſenvollen Tode entgegenſah, zu öffnen. Wir wurden verrathen und beide in den Kerker zuruͤckgefuͤhrt, allein das Maas der Sänden dieſer Räuber war voll; die Sichern entdeckten zu dem Pi beſtimmt, das den Gräuel⸗ die Strickleiter nicht, und ſo ward ich von Sott thaten, die in den unheilbringende Gem chern dieſer Burg ſo lange Zeit veruͤbt wurden, mit ein Ende machen ſollte.“ „Wenn Du es zufrieden biſt, angil⸗ titun⸗ erwiederte Kunth nach einer kurzen Pauſe,. ſo ſoll Dein Sohn mein Eidam ſeyn! daß Chriſtoph Bertha's verlobten Braͤutigam hängen ließ, iſt Dir wohl bekannt.“ „Siehe, Kunth“ antwortete Angilmann, indem er dem Rathsherrn ſanft die Hand druͤckte,„Du gedachteſt es boͤſe mit mir zu machen, aber der Herr gedachte es gut zu § machen. Keine Vorwuͤrfe, daß Du meiner Armuth wegen das getreue Herz meines Ed⸗ mund's verſchmähteſt und Deine Bertha zu einer Verbindung zwingen wollteſt, die ihre Gemuͤthsruhe untergraben hätte. Die Ver⸗ gangenheit ſey vergeſſen und die wenigen Tage, die uns Gott noch auf dieſer Erde ſchenkt, wol⸗ len wir in der brüderlichſten Eintracht verleben; und wenn wir einſt ſcheiden, ſo lege das Glück Kinder den Roſenkranz ihrer unwan⸗ 4 Liebe, und mit ihm 3 letzte t ügenbr Minute des Erdenlebens, auf das a5. ſierbende Herz.“ Geruͤhrt umarmte Kunth den xiedeitn und ſagte, indem er eine Freudenthrane im Auge zerdruͤckte:„Du haſt feurige Kohlen auf mein Haupt geſammelt!— S Deine Tochter, meine Bertha!“ Angilmann legte die Hände der Ver⸗ lobten in einander und ſprach mit zum Himmel gerichtetem Blicke:„Vater der Gnade! ſegne dieſen Bund, der unter tauſend Schmerzen gereift iſt und wie nach einer ſturmvollen Ge⸗ witternacht die Helle der heraufquellenden Morgenroͤthe die duͤſtern Schatten verſcheucht, die ſich rings auf die Fluren gelagert hatten, und Blumen und Aehren ihre niedergebeugten Häupter wieder zum Lichte empor heben, ſo mögen auch die erquickenden Strahlen der Liebe die duͤſtern Nebel auf immer zerſtreuen, welche ein truͤbes Verhaͤngniß auf ihre Sce gelegt hatte.„ Jetzt wandte er ſich feierlich und iſ an das Brautpaar: Dieſer S meine iehen Kinder! ſey mit ehernem Griffel in Euer Le⸗ ben gegraben. Er hat Euch die große Lehre gegeben: daß das Laſter, wenn es auch auf dem feſt ummauerten unwandel⸗ bar ſcheinenden Gipfel des Gluͤcks zu ſtehen ſcheint, dennoch in die Tie⸗ fe des Abgrunds geſtuͤrzt wird. Es iſt ein gerechter Gott! und ſeine Drohungen und Verheißungen find ewig und unſterb⸗ rich, wie er ſelbſt. Die Tugend al⸗ lein gründet das Gluͤck des Men⸗ ſchengef chlechts und der Friede wohnt nur in unſrer Bruſt. Knieet nieder und gelobt den Pfad des Guten nie zu gfe und nie zu umgehen!“ Gehorchend ſanken die Verlobten auf ihre KFniee und Edmund hob ſeine Rechte empor und ſagte mit feierlichem Ernſt: Wir geloben 3 ſo wahr uns Gott der wen S* 6 h F 5 Amen! 6 ſprach Kunth, und S nn din ſeanend auf das liebende Paot. 6 Ghriſtoph, der Augenzeuge dieſer Scene war, hatte bis jetzt in ſtummer Wuth mit ver⸗ zweiflungsvoller Reſignation dageſtanden, aber nun rief er dumpf:„So waren denn doch meine Traͤume von Lebensgenuß und irdiſcher Gluck⸗ ſeligkeit eine bloße Lüge! Könnte ein großer Suͤnder noch umkehren, wahrlich! ich wuͤrde es jetzt! Aber weg, weg mit dem freundlichen Büde;— in der Wagſchale des Richters lie⸗ gen die blutigen Locken des ermordeten Vaters. Er verſank wieder in ſein ſtummes Hinbruͤten, 5 warf dann einen flammenden Blick auf die Gluͤcklichen und murmelte zwiſchen den aufein⸗ ander gepreßten Zaͤhnen:„Es iſtein Gott!“ Angilmann ſah den Reuigen mit einem Blicke des Mitleidens an, und ſagte ſanft zu ihm: Sey auch Dir Gott gnaͤdig in Deiner Todesſtunde!“ Darauf richtete er ſich an ſeine Begleiter:„Nehmet den Hauptmann und die Bande, fuͤhret ſie nach Liegnitz, der Herzo ſpreche ihr urtheil*)3 die Ruberburg sber 4 6 Der ſchwarze Chriſtoph ward Snt 1512 in kiegnis⸗ 164 5 ſo daß die Zeit endlich jede Spur von ihr auf⸗ loͤſe, und nach Jahrhunderten Niemand wiſſe, wo ſie geſtanden habe, denn wir wollen den Nachkommen kein Denkmal der Rohheit unſers entarteten Zeitalters hinterlaſſen.“ Kein Aufruf konnte wohl mit groͤßerem Jubel aufgenommen werden, als dieſer; doch vorher zerſtreuten ſich die Goldberger nach den erſchiedenen Gemaͤchern des Raubneſtes, um noch einmal die ſtrengſte Unterſuchung anzuſtel⸗ len. Sie kamen nach einer Weile zuruͤck: „Liebe Herren!“ ſagte einer von ihnen,„wir baben eine Menge von Gold; und Silbergerä⸗ then, Koſtbarkeiten und Geldkiſten gefunden, wo befehlt ihr, daß ſie hingebracht werden ſolen?“ — Ruͤderhorſt, in einem weißen Hemde gehängt. Als ex die Leiter beſtieg, ſagte er:„ich habe zu viel getraut; hätte ich daran gedacht, was David im 146ſten Pſalm ſagt: nolite confi- ders in principibus etc.,(verlaſſet euch nicht auf Fuͤrſten), ſo ſtänden meine Sachen beſſer, ich hätte mich wohl eines andern verſehen.“(The⸗ ſi Jahrbuͤcher der Stadt Liegnitz.) zundet an! ſie werde von Grund aus vernichtet, Bringt ſie alle vor das Burgthor, unt ſiel⸗ befahl der Conſul, ſie ſolen redlich unter die Städte vertheilt werden, die die Skorpionengeißel Chriſtophs gelühtt ha⸗ ben.“ Den Befehlen Kretſchmers zeteh. entfernten ſich die Goldberger und trugen die Schaͤtze auf einen freien von der Burg entfern⸗ ten Platz unterhalb des Burgberges; dann wurden ihnen die gefeſſelten Räuber nachge⸗ fuͤhrt. Jetzt verließen auch Kunth, Angil⸗ mann, Bertha und Edmund, nebſt den übri⸗ g2en Rathsherren das Gemach, und als ſie im Freien waren, gab Angilmann das Zeichen zum Anfange der Zerſtörung. Mit einem Jubelgeſchrei ſturzten die Gold⸗ berger den Berg hinan, legten eine Menge brennbarer Materialien an die Gebäude, und an mehr als dreißig Enden ward die Höhle des furchtbaren Raͤubers in Brand geſtect. Schnell . ergriff die Glut Alles, was durch die Gewalt des Feuers i werden u Hoch auf daß die ſtolzen Thuͤrme praſſelnd zuſammen⸗ prachen und krachend nieberſturzten. unauf⸗ haltſam wälzte ſich der Brand, den eignen ver⸗ heerenden Weg ſich bahnend, durch die Gemä⸗ cher, und ſtreckte die langen feurigen Zungen zu den Fenſterhoͤhlen heraus. Die wilde Glut † wogte, wie ein kreiſender Meeresſtrudel, rings durch die ganze Burg, und ſpie ihre feurigen Stroͤme uͤber die ſteinernen Mauern herabk, daß ſie an der Wurzel der Bäume, die dieſe umgaben, ſchon verzehrend leckte; donnernd ſtuͤrzten die Fluͤgel des feſten Burgthores zu⸗ ſammen, und die glühenden und zerſchmelzen⸗ den Pfoſten warfen ihren hochrothen Wider⸗ ₰ ſchein an die Wipfel der Tannen. Es waren kaum einige Stunden vergangen, ſo zuckten nur noch ſchwache Främmchen, in der Luft ber⸗ 3 löſchend, uͤber die Mauern empor, und die ver⸗ ödeten Mauerwerke ſtanden nackt und blos, traurige Ueberteſte der mebergtſunkenen und vernichteten Größel 6tmund ſchickte noch ict die wehmuͤ⸗ thigen Blicke nach den verödeten Truͤmmern, umarmte die heißerrungene Geliebte und ſagte: Bertha! laß uns den Frieden jn unſerer Bruſt bewahren, daß keine wildlodernde Leidenſchaft oder entartete Neigung ſeine Brände in das ſichere Herz werfen. Sieh dort unſern Peini⸗ ger Chriſtoph! oͤde und todt wie ſeine Burg, iſt ſein Herz, und auf ſeinem bleichen Antlitz ſteht der Schmerz ſeines zerriſſenen Erdenglucks in flammenden ſchrecklichen Zugen gezeichnet.“ . ſ 12 15 16 6 8 9 10 11 13 14