8 305 Leihbiblivthet ß deutſcher, engliſcher und franzöſiſcher Literatür ſen, von Cduard Oftmann in Gie cloßgaſſe Lit. A. Nr. 256. cLeih- und Seſebedingungen. 1. Oflensein der Bihliothek. Die Bibliothek ſteht zur Em⸗ ngnahme und Rückgabe ver Bücher jeden Tag von Morgens 7 Uhr bis Abends 8 Uhr offen. Lesepreis. Bei Rückgabe eines geliehenen Buches wird von jedem Tag 5 Pf bezahlt. Die Zeit eines Tages iſt zu 24 Stun⸗ den angenommen. 2 3. Cuution. Unbekannte Perſonen müſſen, bei Entgegennahme eines Buches, eine dem Werthe deſſelben entſprechende Summe interlegen, welche bei deſſen Zurückgabe von mir zurückerſtattet wird. 4. Abonnement. Daſſelbe muß voraus bezahlt werden und eträgt: für wöchentlich 2 Bücher: 4 Bücher: 6 Bücher: auf 1 Monat: TW— Pf. 1 Mt. 50 Pf. 2 W— Pf. Auswärtige Ahonnenten haben für Hin⸗ und Zurückſendung der Bücher auf ihre eigenen Koſten und Gefahr ſelbſt zu ſorgen. 6. Schadenersatz. 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Adelbert leiſtete auch ſogleich Folge und ließ ſich auf einem nebenſichenden Seſſel nieder. Brunhilde, Bertha und Sigismund ge⸗ ſellten ſich ebenfalls zuſammen, indeß der Graf von Sensbach, Herrmann von Stroͤhner und der Freiherr von Hacht nach dem anſtoßenden Trinkzimmer gingen. Mit einem artigen Laͤcheln, unter dem er ſinen heimlichen Groll zu verbergen ſuchte. trat de 6 zu Cunigunde und Adelbert, die „ dem Finger drohend, n Euch vor dieſem * boͤſen Menſchen in Acht, daß er Euch nicht erfuͤhre; ich werde viel Muͤhe haben, ihn von ſeinem Irrglauben zu bekchten.“. „Was! W ſib Swa ein Ket⸗ ckhriſtenthum in Gefahr bringe.“ muß ich mich ſehr huten, daß ich nicht Ihr ſeid ein arger Schmeichler, Herr Abt!“ erwiederte Adelbert,„daß Ihr glaubet, ich haͤtte die Gewalt dieſes Herz, deſſen ewi⸗ ger Sclave ich ſein werde, zu verfuͤhren;“— und Cunigunden feurig die Hand kuͤſſend ſetzte er hinzu,—„warnet mich lieber, daß ich nicht zu lange in dieſe Sonne ſehe, ich koͤnnte zu leicht erblinden.“— Der Abt wendete ſich ab und ging nach dem Gemache, welches man Bruno zum Schlaf⸗ zimmer angewieſen hatte. Dort fand er ihn, mit großen Schritten und geballten Fäuſten, ganz wuͤthend auf und abgehend. „Gut daß Ihr kommt, Oheim,“ hze et mit den Zaͤhnen knirſchend,„Ihr ſollt mir rathen,— helfen!— Ihr wißt, Oheim, welche lange Zeit, und welche unſaͤgliche Muͤhe es mich gekoſtet hat, ſo weit mit Cunigut ommen,— und nin, mit einem „ reißt Adelbert mein ſorgfaltig aufgefuͤhrtes Gebaͤude nieder.— Die Peſt uber t Nicht eher———“ „Nur keine unvorſichtigkeit; zuerſt ales wohl uͤberlegt,“ warnte der Oheim;„Du mußt nicht gleich das Aeußerſte fuͤrchten, denn wenn auch Treutlingens Geſtalt und Ausſehn wirklich ihre Sinnlichkeit gereizt hat, und er klug genug iſt, ſein Gluͤck zu benutzen,— was ſchadets, ob das Goldſtuͤck in einer Hand mehr oder weniger geweſen iſt, wenn es nur ſeinen Werth behaͤlt.“ „Erlaubt, Oheim, Ihr koͤnnt daruͤber nicht ſo richtig urtheilen, und ſo hell in die Zu⸗ kunft ſehen, als ich es tann,“ entgegnete Bruno;„ich gonne vorerſt nicht Treutlingen den Triumph, ſpielend und muͤhlos erlangt zu haben, wonach ich ſo lange gerungen und ge⸗ trachtet habe, dann, glaubt Ihr denn nicht daß er klug genug waͤ die Sache fuͤr mehr as eine bloße Ni uſt anzuſehen?— 3 Jann er nicht ſeine Verbindlichkeiten tet dem Heere in kurzem loſen, oder erſt gar nicht da hin zuruͤcktehren!— Fluch und Verderben uͤber ihn!— Oheim! Oheim! mir ahndet, daß unſerm Gluͤcke,— denn iſt es nicht ſo gut das Eurige wie das Meinige,— ein neues Opfer wird fallen muͤſſen, und dieſes Opfer iſt Treutlingen!— Ich habe einen Diener geſendet, daß er mir Bentr m he ſchicke. Er koͤnnte ſchon laͤngſt hier ſei doch vermuthe ich, daß er ſeinen Unmuth uͤber den ungluͤcklichen Kampf mit den Strauchdieben 1 in einigen Bechern Weins ertraͤnkt hat.“ „Was ſoll Bentram?“ ſcht 4 3 „ch will ihm den eunuf meiner Racht ren,“ antwortete Bruno,„und bi Plan, ſo ſbll er ihn ausfuͤhren.“ Idee Dein Kopf in der erſten 5 4 d 3 Hitze ausgebruͤtet hat?“ „Nichts von tollen Ideen, Ohein,“ ent gegnete Bruno,„ mein Gedanke iſt gut, leicht ausfuͤhrbar, und, was die Hauptſache iſt, wir gehen dabei ſicher.“ „Haͤtte ich doch nicht geglaubt, daß Du in Deiner Wuth und bei Deinem Ungeſtuͤm, ſo viel Ueberteguig hätteſt,“ watf ber Abt dazwiſchen. „Horet!“ begann Bruno,„Eurem Scharf⸗ blick wird nicht entgangen ſein, wie Bertha gegen Adelbert geſinnt iſt, wie er dieſes wohl bemerkt hat, und ſein Betragen gegen Euni⸗ gunde auch nebenbei noch eine gewiſſe Wie⸗ dervergeltung gegen Bertha iſt. Nun ſchreibe ich in Verthas Namen ein Brieflein an Adel⸗ bert, in welchem er gebeten wird. ſich morgen fruh in der Ravenſteiner Steinhohle rinzufin⸗ den, wo ſie ihn noch ain n ehne „ 9 Zofe, meine Vertraute, uͤbergiebt ihm hest ſpät das Papier, und ich muͤßte mich ſehr ir⸗ ren, wenn nicht Adelbert ſich daſelbſt einfaͤnde, ſei es auch nur um einen Triumph uͤber Ber⸗ tha zu feiern.— Daß er von dort nicht mehr wiederkehrt, dafür ſorge ich; wir verlaß⸗ ſen das Schloß nicht, und fuͤr die gluͤckliche Ausfuͤhrung buͤrgt Bentram's Whahahe Klugheit und Vorſicht.“—— 3„Auf welche Art ſoll denn Bentram ſü ſeine Himmelfahrt 60 fragte der S uͤberiegend. „Beim Eingang der Suithoht iſt ein. Felsſtück, hinter welchem ſich ein paar Maͤn⸗ * ner leicht verbergen können,“ erkläͤrte Vruno dem Oheim,„mein Ruͤſtmeiſter nimmt nun r Viſorg ch ver⸗ † . nicht gur meinte Abt Cyrillus b ut aber tiſe u 10 „wo moͤglich muß Adelbert von hinten nieder⸗ geriſſen, und mit einem Strang erwuͤrgt wer⸗ den,— ſeinen Leichnam werfen ſie dann in den jetzt hoch angeſchwollenen Bach, welcher ihn bald hinwegnehmen wird. Geht dieſes Ruͤcken nicht der Spitze eines Schwerdtes widerſtehen.“ „Oder es werden ein paar n Loch Blei im⸗ nden,“ meinte der Abt. *„Nun alſo,“ fragte Bruno,„was ſagt Ihr zum Ganzen?“ „Ich ſehe ein, daß Du Recht haſt,“ ent⸗ 6 gegnete Abt Cyrillus,„und gebe meine ganze Pinng zu Deinem Entwurf,— uͤberdieß iſt ſeine Seele ſchon halb verloren, und wir chuen ein Gott wohlgefaͤlliges Werk, dieſen, wenig,“ ſagte Bruno mit den Achſeln zuckend, aber nicht,— nun ſo wird wenigſtens ſein mer noch einen Platz zwiſchen ſeinen Rippen auch der Kirche gefaͤhrlichen Menſchen hi⸗ wegzuſ— erbarmt ſi 33 S ——— irgend etwas zu erfragen ſei. Gott ſeiner Seele, ehe daß ſ. e o geht.“ ₰ Der nach Bentram geſandte Diener trat hier ein, und meldete: daß derſelbe nirgends zu finden;— auch koͤnne er keine Auskunft uͤber ihn erlangen, indem faſt alle mit denen er gezecht, ganz von Sinnen wären, und erſt den Rauſch ausſchlafen muͤßten, ehe von ihnen Verdruͤßlich winkte Bruno dem Knechte ſich zu entfernen, und fuhr dann, gegen den Abt gewendet, in aͤrgerlicher Laune, fort zu reden: „Verdammter Hund! ich wuͤnſchte der 5 Wein brennte ihm die Gurgel durch.— Wer weiß in welchem Winkel er liegt und ſchnarcht, indeß ich, ſein Herr, ſo nothwendig ſeiner be⸗ darf! Wart, Du Hallunke! komm nur auf Gommern, da ſollſt Du mir einen Becher Wermuth trinken, daß Dir die Augen aus den Höhlen ſpringen. Was fangen wir nun an! den Plan verſchieben?— Geht nicht!“ 12. 2,„denn was iſt weiter zu thun, wenn Dein Ruͤſtmeiſter nirgends zu finden iſt, und Du mit ihm nichts verabreden kannſt.“ „Hoͤlle und TDeufel!“ ſchaͤumte Bruno, „die Wuth raubt mir faſt die Sinne.— Der morgende Mittag darf und wird den Tod⸗ ſollte ich ſelbſt ihn durchbohren.“ „Das heißt doch von hinten,“ ſpottete der Abt. „Reizt mich nicht durch Hohn!“ wuͤthete Bruno,„Ihr wißt nicht was noch alles auf dem Spiele ſteht. Beim Teufel! aus der Welt wird doch der Schurke Bentram nicht ſein, und es genuͤgt, wenn ich ihn morgen mit dem Fruͤhſten von dem Plane unterrichte.— Wohlan, ich ſchreibe jetzt das Brieflein, und ſuche dann Beatrir auf, ihr es einzuhaͤndigen. — Es iſt ſchon ſpaͤt, vor Mitternacht werden „Und wird doch gehen muͤſſen,“ ſagte der feind nicht mehr am Leben finden— und di nicht auseinander gehen,— wenn — —— noch einmal am Anblick des Schlacht 17 Adelbert nach ſeinem Zimmer will, trir ihm das Papier zuſtecken.“ „Nun gut, Du ungedulbiger,“ ſigte Abt,„doch verſaͤume ja nicht, noch einmal in den Saal zuruͤcktehren.“ „Nicht wahr!“ knirſchte Bruno, 4½ bas zärtliche Taͤndeln der un mit m zuſehen.“ 5 „Mit nichten,“ antwortete der Abt ka „ſondern blos um jedes Aufſehn zu vermeide „Gut,“ ſagte Bruno,„ich wil ergotzen.— Schade daß ich um die Freude gebracht werde, ſeine Todeszuckungen zu ſchen.“ 2 „Daß Deine Freude nur nicht noch ver⸗ dorben wird,“ mahnte der Abt⸗ ſei vorſich⸗ tig, ſehr vorſichtig, und komme bald nach.“ Hiermit entfernte er ſich. Bruno, der die ſeltene Kunſi des Schreibens, in der Sin kloͤſterlichen Erziehung, erlernt haue, ch einige Feilen ſt⸗kte dann * 14 fernte ſich aus dem Gemache, und einige Zeit ſpaͤter ſehen wir ihn in den gemeinſchaft⸗ lichen Saal treten. ſre Geſellſchaft zu meiden, um im einſamen Gemache zu ſitzen und Grillen zu fangen, wo⸗ bei Ihr Euch gewiß mehr gelangweilt habt, Trinken.“ „Ich hatte nicht geglaubt von Euch ver⸗ — mißt zu werden, ſchone Freifrau,/ ſagte Bruno ſih tief gegen Cunigunden verneigend. „Run, und wenn Ihr auch von mir— die einen willkommenen Erſatz in der Unterhal⸗ tung des lieben Treutlingen hatte,— nicht vermißt worden ſeid,“ ſprach die Freiin von Stennach ſtolz,„ſo ird doch gewiß Herr Sigismund ſehr nach Euch verlangt haben, denn ihm war die Sorge für zwhi Damen uͤbertragen. 6 „Böſer Mann,“ ſagte Cunigunde, als ſie Bruno gewahrte,„iſt es erlaubt, ſo lange un⸗ als wir beim Plaudern, und jene Herren beim jungen Herten, den Nachttrunk zu leeren.“ fuͤr ſich, indem er den Becher an die Lippen genden Tag wurden noch ausgeſprochen, dann 15 werden nicht fruchtlos ſein,“ ſagte Bruno nur muͤhſam ſeinen Unmuth verbergend,„vorzug⸗ lich da ich es mit ſo ſchonen weichen Herzen zu thun habe.“— Cunigunde war eben im Begriff, etwas Scharfes zu erwiedern, da traten die alten Ritter mit gefuͤllten Bechern aus dem anſto⸗ ßenden Gemache. „Nun wir kommen,“ hub der Freiherr an,„um mit den Fraͤuleins und Euch, Ihr „Auf das Wohl Eures Verlobten,“ rufte der Graf von Sensbach, ſich gegen Bertha 2 verneigend,„und ſeine baldige Ankunft. „In der Hoͤlle,“ murmelte Treutlingen ſetzte und in einem Zuge hinunterſturzte.— Einige Wuͤnſche fuͤr die Zukunft und den mor⸗ 6 entfernten ſich die Frauen nach ihren Zim⸗ nern, die Ritter folgten bald ihrem Beiſpiel. Adelbert von Treutlingen, dem vorangehen⸗ den, leuchtenden Diener folgend, wollte eben einen langen Bogengang betreten, an deſſen Ende eine ſteinerne Treppe nach dem, ihm angewieſenen Wohnzimmer fͤhrte, als er leiſe von der Seite gezupft ward;— verwundert ſah er ſich um, gewahrte aber nur undeutlich eine weibliche Geſtalt, welche aus dem Schat⸗ ten eines vorſtehenden Pfeilers hervortretend, ihm ein Papier einhändigte und ſchnell wieder verſchwand.— Der Diener, welcher einige Schritte vorwaͤrts war, hatte nichts von dem WVorgefallenen bemerkt. Adelbert begierig den des, ihm ſo heimlich zugeſteckten Brief⸗ 5. wiſen, trat i an eine, in — i h dem Diener unterdeß voran⸗ uis in„ — 17 ju gehen. Des Leſens ziemlich kundig hatte er auch* bald den Inhalt entziffert,— und indem er es mit einer laͤchelnden Miene wieder zuſam⸗ menlegte, war er im Begriff den Gang vol⸗ lends hinunter zu gehen, als durch eine Sei⸗ tenthuͤre Bertha mit einer Zofe trat, um ſich nach ihrem Schlafgemach zu⸗ begeben;— Ber⸗ tha ſchien ſehr verlegen zu ſein, indem ſie ſeit Adelberts Ruckkunft jetzt das erſtemal wiedet⸗ mit ihm allein war. Adelbert jedoch, ſchritt nahe an ſie heran, und fluͤſterte ihr zu: Ihr befehlet, ſolls geſchehen.“ Bertha, die ſich den Sinn dieſer Worte nicht entraͤthſeln konnte, winkte der Zofe, welche ſich ſogleich einige Schritte entfernte, ſo daß ſie von dem halblauten Geſpraͤch nichts nehmen konnte. „Was meint Ihr, 6 uſthe&u 8 der Adelbert,“ ſagte Bertha jett furchtſam und zaghaft. „Nun, ich meine den Ihaſt bes Zrie leins, welches Ihr, ebles Fraͤulein, mir eben zuſtellen ließ t,“ erklaͤrte Adelbert;„doch ſagt, edles Fräulein, warum beſtimmt Ihr mir ei⸗ nen ſo entfernten Ou zu einer Zuſmme⸗ kunft?“ „Was fir eine Zuſmmetunt!“ ſt Bertha erſtaunt. „Nun, die Ihr nach dieſem Briefe ver⸗ langt,“ erwiederte Adelbert halb ungeduldig, ihr denſelben zeigend, es iſt ja S Hand⸗ ſchrift, ich kenne ſie ſehr wohl,— warum ſieht Ihr Euch ſo fremd an, Fruin, wir ſind ja allein, und ohne Zeugen 3 „Zei der heiligen Jungfrau! dieß Rm mir aͤußerſt wunderbar vor,“ ſprach Bertha, „es iſt meine Handſchrift, und doch ſchrieb ich ſe Vort nicht. Herr Ritter, darf ich . 5 8 ———— ———— * — 19 fragen, wer Euch dieß Brieflein n oder wie es in Eure Haͤnde kam?“ t „So viel ich in der T Dunkelheit ntinnen konnte, hielt ich die Ueberbringerin fuͤr Eure Zofe, die ſchlaue, leichtfertige Beatrix,“ berich⸗ tete Treutlingen. „Nun, das iſt mir hochſt ſouherbar unerklaͤrlich,“ ſagte Bertha,„doch verſichere ich Euch, daß ich mit dem Inhalt dieſer Zei⸗ len ganz unbekannt war.“ „Nun denn, ſo hat man mit mir Kurz⸗ weil treiben wollen,“ ſagte Adelbert ernſt. „Ich werde genau zu erforſchen ſuchen, wer es gewagt hat, einen Scherz dieſer Art mit mir zu treiben, und es hart ahnden.“„ „Seid verſichert, daß auch ich alles thun werde, um zu erfahren auf weſſen Anſüften dies geſchehen,“ betheuerte Bertha;„morgen fruͤh ſollen meine Zofen ſi ſireng befragt werden, und ich bin uͤberzeugt, mah wird mich nicht zu hintergehen wagen S niuhe ich 20 daß dieſer Vorfall nicht Eure Ruhe ſio⸗ moͤge.“ Damit neigte ſie ſich gegen Adelbert, war bald in einer der vielen, auf den Gang fuhrenden, Thuͤren verſchwunden. Adelbert ſuchte nun auch ſein ʒimmer, und in Gedanken und Vermuthungen i er ſpaͤt. Kaum war der Morgen angebrochen, als ein ſtarkes Pochen an der Thuͤre zum Schlaf⸗ zzimmer des Abtes, denſelben von dem Lager, auf dem er faſt die ganze Nacht ſchlaflos und unruhig zugebracht hatte, zog,— um die vovn innen wohlverwahrte Thuͤre zu entriegeln. Je⸗ doch that er es nicht, ohne die Vorſicht zu S gebrauchen, und zu fragen wer ſo fruͤh, und — b ungelegener Zeit Einlaß begehre. 21 „Ich bin es Ohm,“ antwortete die Stimm ſeines Neffen. „Was willſt Du ſo fruͤh,“ fragte der 3 aͤngſtlich die Thuͤre wieder zumachend, und, Bruno weiter ins Zimmer fuͤhrend, fuhr er zu fragen fort:„Es iſt doch nichts vorgefal⸗ len? haſt Du mit Bentram geſprochen? iſt er ſchon fort? hat Beatrir das Brieflein ab⸗ gegeben?“ „Ihr beſtuͤrmt mich mit Fragen, auf die ich Euch nicht anders als unbeſtimmt antwor⸗ ten kann,“ verſetzte Bruno von Gommern. „Daß ich nicht viel geſchlafen, werdet Ihr leicht einſehen.— Als es zu tagen anfing, rufte ich aus dem Fenſter einigen in die Stalle gehenden Knechten, meine Diener zu wecken, und mir zu ſenden. Bald kamen ſie, doch alle Fragen nach Bentram, und alles Suchen 3 ſeiner, war vergebens. Keiner wußte anzuge⸗ ben, wo er hingekommen. Ihr koͤnnt Euch meine Verlegenheit denken. Was war anzu⸗ 22 fangen? v Billet mußte er nach Beatrirens mir wohlbekannten Puͤnktlichkeit erhalten ha⸗ ben, die gunſtige Gelegenheit durfte nicht ver⸗ ſaͤumt werden. Ich jagte die Diener zum Teufel und behielt blos drei, der mir am treu⸗ ſten und ergebenſten zuruͤck, Walter, Guͤntzel und Halbert; Ihr kennt ſie, Leute, wie ſie fuͤr meine Abſicht am beſten taugen.— Ich er⸗ öffnete ihnen die Hauptſache, verſprach natur⸗ lich eine gute Belohnung, und empfing wie⸗ derholt die Verſicherung, daß ſie ihr Geſchaͤft ganz zu meiner Zufriedenheit verrichten wuͤr⸗ den. Unter dem Vorwand, nach meiner Burg zu reiten, und Befehle zu uͤberbringen, ſind ſie jetzt ſchon auf dem Wege nach der Hoͤhle. Wenn ich nur begreifen koͤnnte, wo der Sa⸗ tan meinen Ruͤſtmeiſter hingefuͤhrt— Sein gaͤnzliches k u wirk⸗ lich nicht wenig.“ „Wie mich uͤberhaupt der ganze heiloſe Handel,“ ſetzte der Abt hinzu; wenn nur ale gut abläuft.“ 4 „Wie könte es anblts, e3 muß ſuh hen,“ verſcherte Bruno von GSommett „Wie?“ entgegnete der Ibt von St Wa bert,„wenn nun Lteütingen mit Beche geſprochen, ehe er ber Stiht 86 gangen?“ i. „Das iß zuf keinen Fai grſchehen,“ ſtete Brund den beſorgten Oheim;„geſtern hielt er das Brieflein erſt auf dem Vege nach ſeinem Schlafgemach;— heute um bie 9te Stunde des Morgens aber habe ich den guten Treutlingen in die Arine eines gar u ſen Liebchens beſchieden.* Ein leiſes Klopfen an die chure brach das Geſpräch. Bruno öffnete, und er⸗ blickte zinei Diener, welcher ihm eine Bitte des Fraͤulein Bertha: ſich doch baldigſt nach ihrem Gemach zu bemuͤhen; überbrachte. Der Diener war ſchon im Scht Brunos geweſen. hatte dort aber vi kbtnpen fahren, wie ſein Her 3 24 dem hochwurdigen Abt von St. Adalbert b⸗ geben habe. 3 „Sogleich S 6h zu Befehl ſtehen,“ er⸗ wiederte Bruno uͤberraſcht dem Diener, ſich bald wieder entfernte. „Was ſoll das bedeuten!“ ſagte Bruno beſorgt, die Arme uͤbereinander ſchlagend⸗ „So fruͤh am Morgen auf ihr 3ns kommen?“— „Ich fürchte, ich S warnte 4 Abt. „Ach! nichts!“ verſetzte Bruno fuſ unwil⸗ lig;„wir wollen's gleich erfahren; vielleicht will ſie mein uUrtheil uber irgend ein neues Putztück. 3 . „Gäbe Gott, es waͤre nur nvie, jam⸗ merte der Abt. „Was kann es denn ſonſt ſagte Bruno; nich eile um bald zurůͤck zu kommen, un i zu heben.“ 25 „Thue das recht bald, Neffel“ bat der Oheim,„und vor allem andern: Vorſicht!“ „Seid ohne Kummer, ich bin bald wieder bei Euch,“ verſetzte der ſich Entfernende.— 3 Berthas eintrat, fand er ſie ſchon faſt ganz angekleidet auf einer Ottomane ſitzend. Sobald ſie jedoch ſeiner anſichtig wurde, ſtand ſie auf und ſchritt, ſich bei ſeinem freund⸗ lichen Gruß leicht verneigend, auf ihn zu, in⸗ dem ſie, ihm ſtarr ins Geſicht ſehend, ernſt mit den Worten begann:„Sagt) Bruno! Warum ſchriebt Ihr, meine Handſchrift treu nachahmend, in meinem Namen an Treutlin⸗ gen ein Brieflein, ſo ſchaͤndlichen als mich be⸗ leidigehden Inhalts?— Leugnet nicht, icch weiß genau alles, und wüßte ich es auch we 3 niger it ſo wuͤrde Eure Peeh „ Als Bruno von S in das Gemach 26 und Euer Schreck bei dieſer plotzlichen An⸗ rede meinen Argwohn hinlaͤnglich irſtien und die Wahrheit verrathen.“ 5hi wißt ſchon?“ ſtammelte v doch ſich augenblicklich faſſend, ſetzte er mit lächelnder Miene hinzu:„Nun gut! ſo habt Ihr es kaum eine Stunde eher erfahren, als ich ſelbſt es Euch eroͤffnet haͤtte.— Beſte Vertha, hört mich ruhig an.“ „Nun, ich bin begierig, wie Ihr Euch aus dieſer Schlinge zu ziehen gedenkt,“ ſagte Ber⸗ tha, ſich ſetzend,„ obgleich ich nicht einſehen kann, warum“. Ihr ſollt ſogleich alles Hiſſen,“ unter⸗ krach ſie Brund, indem er neben ihr Platz nahm.„Da ich hoffe durch ein freimuͤthiges Geſtändniß Eure Verzeihung zu ezlungen, ſe werde ich, ohne meine That beſchonigen zu wollen, Euch die Gruͤnde angeben, welche mich zu dieſer Handlung vermocht. Ihr wißt, velche e uneliche Muͤhe es 3 gekoſit hat — die Gunſt der uͤppigen Cunigunde zu ttlangen; und wie auf einer Verbindung mit ihr, alle meine Hoffnungen beruhen; der geſtrige Tag, Cunigundens Benehmen gegen Adelbert, hat mir große Beſorgniſſe verurſacht.— Ich mußte entweder ſuchen, ſie gegenſeitig von ein⸗ ander zu entfernen und das entſtehende Ver⸗ haͤltniß im Keime zu erſticken ſtreben, oder alle meine Hoffnungen und Plaͤne aufgeben, welches nur zugleich mit meinem Leben ge⸗ ſchehen kann und wird. Ihr wißt, daß ich nicht unerfahren bin in der Kenntniß weiblicher Her⸗ zen, und nur aus den Blicken der Weiber ziem⸗ lich gen u ſchon ihre Neigungen deuten kann. — Fure Blicke, die Ihr heimlich auf Adel⸗ bert warfet, ſagten mir deutlich, daß Ihr dem chewaligen Keben Jungen, der in den paar Jahren ſeiner Abweſenheit zu einem ſo ſchoͤ⸗ nen, ſtattlichen, kraͤftigen Mann geworden iſ⸗ nichts als ſtt ſeid. 3 3 Wahrhei Lfchen 28 zu einem Spaziergange nach der Hoͤhle ver⸗ mocht,— und ein einſames Zuſammentreffen mit Adelbert, ließ mich von der Allgewalt Eurer Reize, und Eurer heimlichen Neigung zu ihm, erwarten, daß die Zuſammenkunft nicht allzu kurz geweſen waͤre. Meine eifrige Sorge war nun, die argwohniſche Cunigunde darauf aufmerkſam zu machen, und gelang es mir, ſie nur zwei Tage beide im Mißverſtaͤndniß zu erhalten, ſo war mein Plan gelungen, denn Cunigunde kehrte dann auf ihre Beſitzungen zuruͤck, und die drohende Gefahr waͤre gluͤck⸗ lich abgewendet worden. Ich habe Euch nun die ſtrengſte Wahrheit geſtanden, und ich denke, daß Ihr mir nicht zuͤrnen werdet, wenn Ihr erwaͤget, daß mein Alles, mein ganzes Lebens⸗ gluͤck auf dem Spiele ſtand.“ 6 „Nehmt Ihr die Sache aber auch nicht zu ernſthaft?“ fragte Bertha, ziemlich beſaͤnf⸗ tigt, und glaubend: daß Bruno ganz 5 29 . „Gewiß nicht,“ erwiederte Bruno.„Nur die Ruͤckkehr, das Wiedererwachen von Abel⸗ berts Glut zu Euch, konnte ihn gegen die ver⸗ fuhreriſchen Reize Cunigundens blind machen; und theuerſte Bertha, wuͤrdet Ihr nichts ge⸗ than haben, mein Gluͤck zu befoͤrdern, da ich ja alles fuͤr das Eurige that?“— „Waͤret Ihr nur zeitiger aufrichtig zu mir geweſen,“ entgegnete Bertha,„ es ſtaͤnde alles jetzt beſſer.“— Nun erzaͤhlte Bertha, wie ſie geſtern Abel. bert getroffen, das Geſpräch was gefuͤhrt wor⸗ den, und wie ſie verſprochen: Beatrix ſireng zu befragen, welche ihr auch bald alles hatte. Es ward jetzt gemeinſchaftlich uberlegt, wie man ſich bei dem Vorgefallenen am beſten zu benehmen habe, in welchen Berathungen ſie ein Edelknecht ſtoͤrte, der Bertha 1 5 Vater entbot. 30 Im Nleche Forſhauſe war zu der Zei ein reges ebenz den zweiten Abend, wel⸗ chen Treutlingen auf Ravenſtein zubrachte, wa⸗ ren die lteſten und vornehmſten Mitglieder der Grauenſtiger Jaͤger im orſchauſe ver⸗ ſammelt. Victorin war ebenfalls heimgekehrt, und hatte ein ſehr ſchoͤnes Weib mitgebracht, die . ihrem Aeußern nach, von vornehmen Stande ſein mußte, und welche er— wie er vorgab — in Worms, wo er auf Kundſchaft geweſen, kennen gelernt, und endlich uͤberredet hatte, ihm hierher zu folgen. In einer der beſten Koͤhlerhuͤtten hatte er eine Wohnung fr ſie beſorgt, und einige der Jaͤger, welche ſie ge⸗ ſehen, ruͤhmten ſie als ein wahres Wunder von Schoͤnheit.— Victorin jedoch hatte auf alle Fragen, mit denen er wegen ihr beſtuͤrmt wurde, ſtets kurz, halb unwillig, geantworket, —— 34 und war allen Geſpraͤchen ber ſie, in 6 ausgewichen. Heute waren Caureau und Schnaͤdelbach, welche in Obernburg, in Auftraͤgen des wil⸗ den Jaͤgers geweſen, heimgekehrt, und zwar mit den beſten, erfreulichſten Nachrichten.— An einigen zuſammengeſchobenen Tiſchen, die reichlich mit Weinkruͤgen und zinnernen oder hoͤlzernen Bechern beſetzt waren, ſaßen des wilden Jaägers Gefaͤhrten; oben an die Raub⸗ und Mord⸗ Veteranen, Pandulf und Derling, deren Geſichtern auch der unausloͤſch⸗ bare Stempel des Laſters und des Verbrechens aufgedruͤckt war. Einen ſonderbaren Gegenſatz zu dieſen Beiden, bildete das feiſte, dicke, ro⸗ the Geſicht des hochwuͤrdigen Waldgeſellen und Erzſchelm, des Pater Ambroſius, der, die Au⸗ gen halb zu, mit beiden Armen auf dem Ti⸗ ſche lag.— Trotz den wilden, verzerrten Zuͤgen, und den ungeheuern Bärten, in deten Länge und 32 Stärke einer mit dem andern zu wetteifern ſchien, fonnte man in dem Charakter der Ge⸗ ſichter, doch faſt die verſchiedenen Nationen errkennen, denen die rauhen Geſellen zugehoͤrten, von denen freilich der Meiſten Heimath, die zunächſt gelegenen Laͤnder: Schwaben, Fran⸗ ken, Lothringen, Heſſen u. ſ. w. waren. Victorin, beſſer und ſorgfältiger als alle uebrigen gekleidet, ging, an dem Geſpraͤche cheilnehmend in der Stube auf und ab, und nur wenn jenes ſeine beſondere Aufmerkſamkeit in Anſpruch nahm, oder er laͤnger und nach⸗ ſprach, verweilte er an dem Sie Naturlich fuͤhrte Pandulf⸗ und nachſt 6 Dorling und Victorin faſt beſtaͤndig das Wort, indem die Uebrigen dann bloß ihre unbedingte Zuſtimmung gaben, oder einige Zweifel erho⸗ — ben. i feſtem Trotze, aber doch nicht ohne digen Zuruckkunft der vih See u Ober⸗Italien entgegen.— 1 „Wir werden dann Gewalt mit Gewalt vertreiben,“ ſagte Victorin mit Nachdruck; „laßt nur ihre Knechte gegen uns kommen, wir wollen ſie heim ſchicken, daß ihnen die Luſt vergehen ſoll, bald wieder zu kommen.“ „Wenn wirs ihnen nicht fuͤr immer ver⸗ treiben,“ ſetzte lachend Schertel, ein rauher, wilder Burſche, hinzu.— „Jetzt aber wollen wir ernſtlich berathſchla⸗ 9en, wie wir den Ueberfall des Kloſter Lottern⸗ ſee ausfuhren,“ begann Pandulf.„Wir muß ſen die ehrwuͤrdigen Patres ſchon etwas leich⸗ ter machen. Wein haben wir zwar gegen⸗ waͤrtig im Ueberfluß, jedoch fehlts uns an blanken Goldgulden, und die werden wir jett bald in Menge nothig haben. Kloſier So ternſee iſt bei den letzten Unruhen ſo gut weg e und glaubt ſich o ſicher guten Vaͤter werden ſich verdammt wundern, uͤber den unwillkommenen Beſuch.“ „Morbleu! da wird's luſtig hergehen,“ ju⸗ belte Taureau;„wir wollen ſiatt ihrer die naͤchtlichen Hora's ſi ingen, und zum Heimweg mag uns dann das brennenbe nbetieſ leuchten. „Durch Rieberbtennung des Kloſets aue werden wir uns wieder viele neue einde auf den Hals hetzen“ ſagte Victorin beſorgt,„und wenn dann der ganze Gau gegen uns aufſteht, was dann?“ „Wenn Bertolf, zu uns ſüßn dann nehmen wirs ſchon mit ihnen auf,“ er⸗ wiederte Schertel. „Und kaum hat's Beſchaͤftigung gegen die Langeweile,“ ſetzte Cannfelder hinzu. „Auf die Länge gehts aber doch nicht,“ behauptete Victorin;„was koͤnnen wir viel gewinnen? und was verlieren?“ „Höchſtens das armſelige Leben,“ ſagte jet Dorling, faßt höhniſch; nun ich hatte gedacht, daß wo's Beulen und bloße Schwerd⸗ ter giebt, Victorin nicht gern fehlen wuͤrde; — doch jetzt glaube ich faſt „Was glaubt Ihr,“ fragte Vickorin haſtig und aufgeregt,„doch nicht etwa, daß ich mich vor dem Blinken eines Schwerdtes, oder der runden Heffnung einer Buͤchſe furchte! Ich denke das Gegentheil habe ich bei mehr als einer Gelegenheit bewieſen/ und wenn Ihr alle der Meinung ſeid, gut!— bindet mit Kuſſer und Reich an, ich werde meines Blutes am wenigſten ſchonen. Aber mein Rath war ja ſonſt einer genauern Pruͤfung werth, warum ſollten wir jetzt, bloß wegen dem Handzucken was einige von uns haben, gleich drein ſchla⸗ gen, wenn wir es ſpaͤter mit Er⸗ folge thun koͤnnen?“ „Das wollen wir ja auch nicht,“ ſagte Pandulf beruhigend,„denkt Ihr, baß auch die zu raſche That liebe, bei allen Leufeln nein!— Wir müſſen jetzt noch etwas an uns halten; ſind aber die aus Schwaben und vom Oberrhein da, dann geht's gen Ravenſtein und Gommern;— ſie koͤnnen den Anfang ma⸗ chen;— St. Adalbert, Ernersheim, St. Georg, Empfingen moͤgen dann folgen, und iſt dies geſchehen,— dann fort von hier; unſere Hei⸗ math iſt die Welt, und Gluͤck und Beute fi⸗ den wir anderwaͤrts eben ſo als hier“ „Was treibt Euch an Pandulf,“ rief bei dieſen Worten der Schanzenmuͤller erſchrocken, „dieſe Gegend verlaſſen?— Hier; wo wir jeden Baum und Strauch, jede Schlucht und uͤberhaupt jeden Schritt Landes kennen?“— „Nun ja, wir werden uns wo anders auch zurecht finden,“ meinte der wilde Jaͤger. „Ei, ſo geht alle zum Teufel! ich bleibe hier,“ ſagte der Schanzenmuͤller ganz erhitzt. „Soll man wieder Jahre dran wenden, um — wie eine Maus jedes Loch zu ſuchen, in wel⸗ chem man ſich zur Zeit der Noth verbirgt?!— Dafuͤr danke ich.— Aus dieſer ſchonen Ge⸗ gend fort!— Nein,* iſt zum Tollwerden; 8 die ſichern, geraͤumigen Kammern— den ho⸗ hen Teich— den Worner Fels— bie Lütt⸗ heimer Schluchten— alle die praͤchtigen Her⸗ ter, und unſer heimiſches Rudlach verlaſſen? Beim Teufel, nein! das thue ich nicht!— ich will mir bald Burſchen anwerben, und ihnen ſolche Anweiſung geben, daß man in Kurzem Hunderte gegen uns ſchicken kann, uns zu fangen.“ „Du Narr,“ unterbrach ihn xantuß„wir werden Dir und Deinen Burſchen wenig da laſſen, und iſt's auch allenfalls fuͤr Euch ge⸗ nug, ſo genuͤgt es doch uns allen nicht. ₰ Iſt St. Adalbert und St. Georg, Ernersheim und Ravenſtein leer, wo werden wir noch viel finden!— Meinſt Du, daß wir genug ha. 5 ben, wenn wir einmal den Keppenheimern oder Erbachern ihre magern Kuͤhe Weide treiben,— das ſich ja gun, — 38 daß man die Büchſe auf die Schulter nn und einem Hunde pfiff.“ „Wo denkt Ihr denn alles ſchon bereit zu finden, daß Ihr bloß zugreifen duͤrft?“ Faßzs der Muͤller. „Nach dem Suͤden wollen wir,“ antwor⸗ tete Pandulf;„dort giebts reiche Kloſter, feu⸗ rigen Wein und fette Heerden.“ „Ha! hal ha!“ lachte der Muͤller.„Nicht wahr, nach Ober⸗Italien! dorthin ſteht ja der Wunſch von Euch allen;— da werdet Ihr wohl mit den Knochen zufrieden ſein muͤſſen, denn 8 Fleiſch haben gewiß die Kriegsleute verzehrt.— In Ober⸗ Italien!—* iſt zum hen; in Ober⸗Italien, wo Franzoſen, Ita⸗ liener und Deutſche aus allen Gauen ſtritten! Dort findet Ihr auch nicht ſo viel, as Ihr auf dem Ruͤcken forttragt.“ 7„Das wiſſen wir ohne daß Du 3 uns ſot erwiederte Pandulf aͤrgerlich;„muͤſſen uir gerade nch pebh oder Mailands Gegen⸗ 39 4 den? konnen wir nicht nach der nn oder Savoyer Alp, nach Graͤtz 3 Jura?“* „Das laſſe ich anufals gelten,/ entgeg nete der Schanzenmuͤller;„doch glaube ich ſchwerlich, daß dort ſo ſehr viel zu finden ſein wird, und an zahlreichen und maͤchtigen Feinden wirds Euch beſtimmt nicht lange fehlen.“ „Was machen wir uns daraus,“ erwie⸗ derte Pandulf;„iſt nichts mehr zu finden, und haben wir dann die großen Herren gauz aufgebracht, nun gut! ſo ziehen wir weite- Die Welt iſt noch groß; ſichere Aufenthalts⸗ drter giebts in allen Himmelsſtrichen, und Schlupfwinkeln leidet kein Gebirge Mangel.“ „Recht ſo Pandulf,“ ſtimmten Mehrere bei. „Gluͤck oder ungluͤck trifft uns hier wie dort,“ ſagte Taureau,„und ſoll einer von uns gehangen werden, ſo baumelts ſich unter 40 Palme Heben ſo gut, wie unter einem Eich⸗ baum.“— „Aber,“ ſprach jetzt der ublacher Foͤrſter, „da ſind wir ganz vom Beſprechen unſers nächſten Streißzuges gen Lotternſee abgekom⸗ men. Holla! Pandulf, Victorin, trefft ernſt liche Anſtalten;— Herrn Treutlingen wird vielleicht das Schlaraffenleben und Scherwen⸗ zeln um die hofiſchen Weiber beſſer, als das Leben im Wald und Gebuͤrg gefallen, und un⸗ , ſere braven Burſchen mſſen mit ihmn miſſt iegen. „Nun jetzt können wir ſie wohl th en,“ ſprach Pandulf;„Victorin mag den Zug fuͤhren, und wackre Burſchen haben wir auch hier genug, um zehn Klöſter zu überfallen und auszuraͤumen.“ „Die wenigen Kloſiertnechte, ⸗ verſetzte Schertel,„die hauen wir mit dem Knuͤttel zuſammen.“ 3 „„Ho! ho! Dir's gar zu 41 rief Schnaͤdelbach,„Lotternſee iſt nicht ſo leicht zu nehmen; ich muß das wiſſen, denn meine Mutter war Leibeigne des Kloſters, und ich bin dort aufgewachſen.“ „Da kannſt Du Dir wohl bald Dein va⸗ terlich Erbtheil mit fyrtnchmen,“ ſ Pan⸗ dulf lachend. „Ei, ja,“ erwiederte Schnbelbach; ich ſags Euch noch einmal, allzu gut werden wir nicht hinein kommen; die Mauern ſind dick und die Thuͤren klein, und auf eine ziem liche Anzahl tuͤchtiger, muthiger Knechte hat der Abt immer gehalten,— der Leibeignen nicht zu gedenken, die dem bedraͤngten Kloſter beim Nothzeichen zu Huͤlfe kommen.“ „Run, die Leibeignen werden ſich wohl nicht zu ſehr beeilen,“ ſagte Victorin;„uͤber⸗ dies muß alles mit der großten Geſchwindig⸗ keit und Stille geſchehen, und ehe die ehrwür⸗ digen Väͤter Zeit haben, die Sturmglocke zu laͤuten, muͤſſen wir ſchon den Strick in den Haͤnden haben.“ „Und ſie ihn um den Hals,“ ſetzte Scher⸗ tel hinzu,„denn wenn ſie zu viel Laͤrm ma⸗ Mort de ma vie!“ rief Taureau, n ſchnuͤren wir ihnen mit den Roſenkraͤnzen die dicken Halſe zu.“ „Recht ſo Taureau,“ bruͤllten nchtet der Räuber wild lachend. Und was glaubt Ihr, daß der Strch mit dem Kloſter einbringen wird?“ fragte Dorling. „Einige tauſend Bee ſind gewiß jetzt vorraͤthig,“ ſagte Schnädelbach;„die pPichter haben unlaͤngſt ihr Geld eingeliefert, und das, was der alte Narr, der Topenheimb, verlaſſen hat, liegt auch noch, wie ich be⸗ ſtimmt gehoͤrt habe, baar im Kloſter.“ „Der koſtbaren Kirchengeraͤthe nicht zu ge⸗ denken,“ ſetzte Taureau hinzu. 43 „Da will ich mir ein ſchönes Meßgewand 6 ausſuchen,/ ſagte Ambroſius ſchmunzelnd, ſchoͤn von Seide, und ſchwer mit Gold.“ 6 „Du ſollſt diesmal zur Strafe, daß durch Deine Schuld Meinhardt und Heinze erſchla⸗ gen wurden, nicht mit,“ ſprach Pandulf ernſt, vund uͤberhaupt auch keinen Theil an der Beute haben.“ „Das waͤre der Teufel!“ entgegnete der Moͤnch, die Augen aufreißend.„Ei, ſeht ein⸗ mal, nicht mitgehen,— keinen Theil an der Beute haben! Beim Gott aller Spitzbuben und Eremiten, das waͤre verdammt.— Schlau erfahre ich, daß ſie den Dransport Wein uns ſo recht in die Arme fuͤhren, werfe mit ein Paaren die Begleitung nieder, und fuhre den Wein fort!— Das war alles ſehr gut; aber was kann ich dafur, daß uns die Schufte, die ich nach allen Winden, den Ruͤcken gegen uns, zerſtreut glaube, noch einmal uͤberfal len, als wir uns ganz ſicher duͤnken! Und iſt der Wein nicht dennoch gut, und ein Faß davon ſchon ausgetrunken?— Ich glaube er iſt uns allen nicht weniger ſchnell hinunter ge⸗ glitten, obgleich Meinhardt und Heinze daran erſtickt ſind.“ „Seht nur,“ rief Lannfelder luchend, und indem er auf Ambroſius zeigte,„wie ihm der Schweiß ausbricht, uͤber der langen Rede und der Furcht, einmal mit trockenem Munde ab⸗ zugehen. Na, laß gut ſein, wir wollen in Lotternſee Deine Geſundheit im aͤlteſten Kloſier⸗ wein trinken, wie ſie ihn nur bei der Abt's⸗ Wahl haben.“ Mir wird aber darum die Gurgel nicht feuchter werden,“ ſagte Ambroſius;„doch das moͤchte ſein;— Wein giebts genug, wenn er auch nicht vom Abt's⸗Faſſe zu Lotternſee iſt; aber mein Beutetheil und das Gewand! Hoͤrt Pandulf, laßt Euch zureden; Dorling, ins Teufels Namen helft mir doch; ich verſpreche Euch allen, die Ihr vor mir gehangen wer⸗ * 45 det, in ſelbigem Gewand eine Seelenmeſſe zu leſen, Euch Victorin und Dorling zwei, und Euch Pandulf drei; ja drei, ſo wahr 4 ein frommer Mann bin!“ „Auf die Betheurung hin,“ ſagte panbuf halb lachend,„will ich Dir's wohl glauben, und Du magſt nicht allein das Gewand neh⸗ men, ſondern kannſt auch ſogar vom Abts⸗ Faſſe koſten./ „Vom Antheil 6 ſoll er nichts zueni verſetzte Schnaͤdelbach unwillig.„Pandulf, Ihr habt's einmal geſagt— bekommt er nichts, ſo haben wir jeder mehr.“ n8 „Du geiziger Satan,“ entgegnete ihm der Moͤnch hitzig.„Die Natur war ſchon geizig⸗ als Du geworden, duͤrrer Hund, der ſein Sud nicht tief genug vergraben kann.“ „Wer ſagt das!“ fuhr Sntelbach n wuͤ⸗ thend auf,„ich vergrabe Geld?— Das ſpricht der Teufel aus Dir, Dickbauch. Haſt Dus mit Deinem Vollmonds⸗Geſichte geſehen? 46 he? Wo habe ich Geld verſieckt, ſos wenn Du es weißt, Fettwanſt!“ Du Knochenmann, ich weiß es ſehr gut,“ erwiederte der Monch eben ſo.„Ledergeſicht! ich will Dir Dein Fell gerben, daß Duls als Pergament zu Urkunden verkaufen kannſt.“ „und ich will Dir Dein Fett ausbren⸗ nen,“ ſchrie Schnaͤdelbach,„ſo daß wir uns ein Jahr die Riemen Sau—— koön⸗ — t aue eufel!⸗ ü gandu bie imn⸗ mer wuͤthender werdenden Streiter, indem er gewaltig mit der Fauſt auf den Tiſch ſchlug. „Ihr werdet Euch doch nicht uͤber ein paar Pfund Fleiſch mehr oder weniger zanken, wenn wir uͤber wichtige Sachen berathſchlagen wol⸗ len.— Der Streit iſt beendigt; Ambroſius ſoll ſeinen Theil eben ſo wie jeder Andere be⸗ kommen, dafuͤr aber kann auch Schnadelbach ſein Geld ſo tief er will, eingraben, und ſeis auch bis in die Mitte der Erde.“ 47 Alle lachten laut; Ambroſius mit ihnen, nur Schnaͤdelbach nicht, der grimmige Blicke auf Alle warf, welche aber die Lachluſt und Spottereien der Uebrigen nicht minderten. Victorin hatte waͤhrend der Zeit nachden⸗ kend, und nicht an dem Zanke theilnehmend, an einem Fenſter gelehnt, und in den dunklen Forſt hinaus geſchaut, der jetzt immer ſchwaͤr⸗ zer und ſchwaͤrzer wurde, denn es war ſpuͤt am Abend. Pandulfs letzte Rede hatte ihn aus den tiefen Gedanken aufgeſchreckt, und er trat jetzt wieder an den Liſch, wo er bald zu reden begann: i „Da meiner Leitung der Ueberfall des Kl⸗ ſiers anvertraut iſt, ſo frage ich Euch Pan⸗ dulf, wie viel meint Ihr, daß ich Leute mit⸗ nehmen ſoll?“ 34 „Nun, ſo wenig als möglich, doch ſo viel als noͤthig,“ antwortete Pandulf. „Nun denn, ſo moͤgen etwa Zwanzig mit⸗ zichen,“ verſetzte Vietorin;„Taureau, Scher tel, Tannfelder, Ambroſius, Schnadelbach, ber iſt ziemlich weit und beſchwerlich.“ Späteſtens⸗ in wei Tagen vmntuf 6 ckte jetzt die Geſellen an die in den Hof füh⸗ renden Fenſter.— Eine kleine Geſtalt ſprang indeß ſogleich uͤber den Hof ans Thor, ſchob mit Muͤhe einen eiſernen Riegel hinweg, wor⸗ auf daſſelbe von außen aufgeſtoßen wurde. Zwei Reiter, mit noch einigen Handpferden, ritten ein, und ſchwangen ſich bald von den wieder zu, und ſchob den Riegel vor, der an⸗ n den Hof gerufen, als klirrende ſchwere T die holzernen Stufen herauf toͤnten, und Muͤller und noch etwa Vierzehn bis Funfzehn. WDoch, wenn ſollen wir aufbrechen, der Weg Ein paar ſtarke x und ein Holla⸗ guf tte auf dem Flur, und Roſſen. Einer derſelben ſchlug die Thuͤre 3 dere hingegen ſchritt in das Wohnhaus, und kaum hatten die Hingußſhenden ein:„Will⸗ Mann, in— Kleidung eines— vun zerreiters ins Zimmer trat. 3„Willkommen Horrak! willkommen von Ravenſtein!“ ruften ihm die Jaͤger entgegen. „Wo iſt Treutlingen? wo ſind die Lebri⸗ gen?“ fragte Pandulf ſogleich. „Geduld, ihr ſollt alles mit der gtößten Genauigkeit erfahren,“ erwiederte Horrak, erſt jedoch laßt mich die vermaledeite Ruͤſtung und die langen Stiefeln ablegen, und helft nur ein Paar von euch dem baͤrtigen Wulf, die Pferde abpacken und in die Ställe zichen. Sobald verließen einige der Raͤuber die. Stube, und nach einer Weile trat der Zweite der Angekommenen, von den Gefaͤhrten ge⸗ woͤhnlich der baͤrtige Wulf genannt, in derſel⸗ ben Kleidung wie Horrak, ins Zimmer; und ſiellte, indem er den ihm zugerufenen Gruß er⸗ wiederte, mit einem berben Fluche den ſchweren blitzenden und hochluſchiten Helm auf ben 2 i daß Faſchen und SM langen. „Donner und Wetter,“ ſagte er⸗„ſoll mir das Haar nicht mehr wachſen, wo ich mir noch einmal ſolch eiſernen Topf auf den Schi del ſtuͤlpe; hat er mir doch ſchier die Hůn⸗ ſchale eingedruͤckt;— da lobe ich mir meinen Filz der iſt bequem und leicht.“ „Ich glaube Dirs wohl,“ ſagte der Schan⸗ zenmuͤller,„der Helm mag auf den hohlen Kopf ſchwer genug gedruͤckt haben.“ „Dein Vater iſt ein Narr geweſen,“ ant⸗ wortete Wulf trocken,„und hat Dir nichts als ſeinen ſchlechten Witz hinterlaſſen.“— Horrak hatte indeß Panzer und Schwerdt abgelegt, warf ſich auf eine Bank, ſtuͤrzte ei⸗ nige Becher Weins hinunter, und erklaͤrte, daß er nun bereit, und im Stande waͤre, alle Fra⸗ gen genuͤgend zu beantworten, ſo wie ſine Lekieage auszurichten. „Das muß wahr ſein,“ begann er, wir hatten ußt bec„Neſie gut leben. Sortat wies kommt, daß Ihr wiederiehtt. „Das werde ich gleich erzͤhlen Horrak.„Den zweiten Tag, als venſtein waren,— doch halt! ich eine Hauptſache vergeſſen— kannſt Seelenmeſſen leſen, und ʒwar fuͤr ben Ruͤſimeiſter von Gommern!“ „Was alle Teufel,“ fragte Ambroſius freudig,„wie habt ihr den erwiſcht?“ „Mit der beſten Gelegenheit, er lief uns ordentlich in die Haͤnde,“ berichtete Horrak; Ihr kennt die nordliche Ravenſteiner Fels⸗ wand,— dott hinunter haben ihn Golfinger und Bourgine geſtuͤ tuͤrzt, und wenn da nur ei⸗ ner ſeiner Knochen ganz geblieben, will ich an einer etſticken.—— zu mei 5 ner Erzaͤhlung.— Den zweiten Abend den Ich mußte lachen, als ich mirs ſo bchachte— es war auch nicht ein Einziger, dem wir nicht der geizige Albrecht von Mannſperg⸗ Gemmingen, hatte mit ein paar Knechten in verblichenen Wamſern, noch einmal auf dem Ruͤcken ſeines alten Stehengſes, den er ſchon vor 10 Jah⸗ ren beim Tournire in Speier ritt, ſeine halb⸗ verfallene Burg verlaſſen. Auch Fromm⸗Lud⸗ wig von Flörsheim⸗Auerbach, den wir vor kaum zwei Monaten beraubten, war in Be⸗ gleitung des heiligen Abtes von St. Georg, den rauhen Weg uͤber den Reitenberger Kamm ihr auf eines ihrer Schloͤſſer,— Schoͤnfels heißt— gezogen, jedoch nur auf wenige Tage, dann wird er zu uns in den Wald i⸗ ruͤckkehren.“ wwi auf Ravenſiein, waren viele Gäſte 33 alles gar eble Herren aus der Umgegend.— 3 ſchon einen boͤſen Dienſt geleiſtet haben, ſelbſ heruͤber gekommen.— Treutlingen hat ſich da an ein ſehr reiches Weib gehaͤngt, und iſt mit 3 en Reiches,“ ſagte Pandulf. kenne ſie ſehr genau, und hab' ihr ei wichtigen Dienſt geleiſtet.“ Doch keinen Liebesdienſt?1 ihn der Muͤller lachend. „Dazu ſucht ſie ſich die Leute huͤbſcher 6 und juͤnger aus,“ entgegnete Paudulf.„Beim Teufel! dies iſt ein gluͤcklicher Zufall.— Ich muß Treutlingen nach und ihn ſprechen. Wo ſind ſeine Gefaͤhrten? er hat ſie doch nicht etwa mit in jenes Schloß Schoͤnfels genom⸗ men? alle Wetter! das ſoll er nicht thun, die Burſchen koͤnnten mir verderben, und ſo ver⸗ werden, daß ſie bun vo S Luſt * 354 „eſo 6i beruhigte ihn indem Alle lachten,„es ſind hloß 2 ſ Janſen und Curt mit.“ ℳ 5 vund Andern?“ fragte putuf In Vil ach, wo die große Landſtraße vorbei ¹5 fuhrt, trafen wir auf einen tuͤchtigen Zug Wa⸗ gen;— da man uns eben nicht recht traut, hatten die verfluchten Ballenreiter ein ſiark„ Geleit gedungen. Wir waren unſer zwar neun, jedoch der Schufte zu viele, als daß wir haͤt⸗ ten einen guten Ausgang hoffen können. Wir nahmen uns daher ſehr in Acht, und blieben unbemertt. Bourgine indeß hatte erkundet, daß bei Dilſperg, wo ſie ſich dann ziemlich ſicher duͤnkten, der Zug getrennt wurde, und der eine Theil mit wenigem Geleit ſeinen Weg nach Schriesheim verfolge, der großere Theil hingegen nach Heidelberg beſtimmt ſei. Gol⸗ finger, Claͤrville und Bourgine hatten große 55 kuſt, wir andern nicht minder, und ſo wurde denn beſchloſſen, daß wir den Wagen folgen, und ſie dann auf dem Wege nach Schries⸗ heim nehmen wollten. Kunde davon mußtet Ihr doch bekommen; wir looſeten wer heim⸗ kehren ſollte, und Wulf und mich t Loos. Ungern genug ſahen wir ſie gengeleiſen folgen, ohne mitziche und machten uns auf den Weg zu bringen.— Nun wißt Ihr alles, und die Kehle iſt mir von dem vielen Erzaͤhlen gan trocken geworden.“ „Es iſt nur gut, daß wir die gierigen Burſchen gerade entbehren konnen,“ ſagte Dor⸗ ling,„und ſo mogen ſie denn ihren Geluͤſt nach Kaufmannsgut ſtillen.“ „Hoͤrt Dorling und Victorin,“ ſri nun Pandulf,„ihr moͤgt jetzt mit mir in mein Ge⸗ mach gehen, wo wir noch viel mit einander zu beſprechen haben, denn morgen, ſobald es zu grauen anfaͤngt, habe ich ſchon meinen Giu unter mir, nunb bin auf dem Wege nach Schönfels; Tolly und Gorbin mogen mich beglei⸗ ten.— Ich dachte Ihr Andern ſuchtet auch Euer+ Lager, und ruhet die paar Stunden noch recht aus, denn dann ſolls nicht ſo bald wieder dazu kom⸗ men.— Spb lebt denn ſo gut als Ihr koͤnnt, uͤber⸗ morgen fruͤh ziehen die nach St. Georg ab. Ihr Andern aber verhaltet Euch ruhig— in drei Lagen bin ich wieder hier, und dann ſollt Ihr mehr hoͤren.“. Er ſtand auf und verließ das Gemach. Dorling und Victorin folgten, indeß auch die Uebrigen ſich in verſchiedene Senichit zem ſrenten.„ —,— ——— laͤngs des großen S Schoͤnfelſer Parks fortlief, legt war, erſtreckte ſich an der Hinterſeite deß⸗ ſelben bis an einen hohen Fels, auf welchem und zum ſichern zufiuchtsort bei Frtst ziemlich rauh zu werden anfing, Am Abend des folgenden Tages, als die Sonne ſchon laͤngſt untergegangen, ſaßen auf einer Bank unter einigen Baͤumen,— am au⸗ ßerſten Ende des Schloßplatzes von Schonfels, mehrere Maͤnner, aus deren glaͤnzender Klei⸗ dung man ſogleich Diener eines reichen Herrn vermuthen konnte. Einige Schritte von ihten Sitzen fuhrte eine Straße vorbei, welche dann bis ſie ſich in den nahen Bergen verlor. S Der Park, welcher um das Schloß ange⸗ eine feſte Burg erbaut war, die gleichſam zum Schutz der herrlichen, frei gelegenen Beſi itzung, diente. 5 Die Abendkuͤhle und Herbſluft, . * Blau gekleideter, ziemlich dicker Mann,— in dch die im lebhaften Geſpräch Begriffenen, noch nicht bewegen koͤnnen, den Platz im Freien, mit einer Halle der nahen und weit⸗ laͤuftigen Gebaͤude zu vertauſchen.— „Bei den heiligen drei Konigen,“ ſagte ein, in roth mit Gold, den Stennachſchen Far⸗ ben, gekleideter, ſchon uͤber die Jugendjahre hinausgeruͤckter Mann, es ſollte mir recht ſein, bliebe euer Herr hier auf Schoͤnfels.— Traun, ſo ein ſchoͤnes Paar muͤßte es viele Meilen im Umkreiſe nicht geben.“ „Nun, mir ſollte es gewiß auch nicht u⸗ lieb ſein, geſchaͤhe es ſo wie Ihr ſagt, Vetter in hellblauem, mit Silber durchwirktem Wamms. „Baſiel wuͤrde gern hier bleiben, lieber wie an jedem andern Orte,— wo es nicht ſo ſchoͤne Dirnen giebt.“ „Ach! und wie herrlich richtet Euer Koch ſeine Braten zu,“ fuͤgte ein anderer, guch in Brechtold,“ meinte ein junger, huͤbſcher Menſch, 58„ welchem wir ſogleich den freunblichen Viel eſſer Janſen erkennen— hinzu;„mit welcher Ruhe und Bequemlichkeit man alles verzehren kann;— ich ſage immer: nur ein halbes Eß ſen iſt, was man ſo in der großten Geſchwin⸗ digkeit auf der Lauer, das Gewehr im Arm, die Augen uͤberall herum, hineinwerfen ſoll.“ „Ei! das Eſſen waͤre Nebenſache,“ meinte Baſtel,„aber“ „Was aber, Du Narr!“ unterbrach ihn Janſen halb boſe,„Eſſen waͤre Nebenſache? — was waͤre denn die Hauptſache, doch nicht der Dirnen ſchwarze Augen oder rothe Backen? he! Nebenſache! von was lebt man denn, vom Eſſen dder vom Frauengeſicht? Ich denke, wenn einer gehungert hat, iſt er nicht ſatt ge⸗ worden, und haͤtte er hundert Dirnen gehert. — He! Brechtold, Friedrich, Conrad,— was ſagt Ihr dazu?“ E 3 „Ihr habt Recht, ganz Recht!“ ſtimmten Alle lachend bei. 60 „Bei meinem Bauch!“ ſagte Janſen,„ich werde in meinem Leben nicht vergeſſen, von welcher praͤchtigen Hammelkeule ich heute ge⸗ ſchnitten.“— E „Die Ueberreſte davon erwarten Euch ni 2 leicht ſchon in der Halle,“ ſagte ein Anderer, „und ich daͤchte Ihr ließet Euren Magen mit den Fuͤßen ein Abkommen treffen, daß ſie ihn recht bald dahin bringen, wo“.. .„O! alles hat ſeine urſachen,“ . Janſen;„auch daß ich noch hier weile, ge⸗ ſchieht nicht ohne Grund; die Luft zehrt un⸗ geheuer, und ich füͤhle, wie mein Hunger mit jeder Mihute waͤchſt; glaubt mir, bleibe ich noch eine Stunde im Freien, dann bin ich im Stande, ein ganzes Kalb zu verſchlingen.“ Indem er dieſes ſagte, nahte ſich einer der Schonfelſer Diener, ein plumper Burſche der mit int Sorgfalt als die Uebrigen gekleidet war. „Ihr wißt nicht⸗ redete er die S — zenden an,„daß es balb Nacht iſt; Euer Ohr zuruͤck in den Hof. Baſtel jedoch blieb un⸗ bemerkt zurück, und als jene eben in eine in klingt natürlichi genug. ſcheint taub fuͤr die Schläge des Hammers gegen die Glocke geweſen zu ſein.“ „Du haſt Recht, Burſche,“ ſagte einer der Schoͤnfelſer aufſtehend;„bei dem Schwatzen iſt uns ſchnell genug die Zeit vergangen.“ Indeß ſtanden Alle auf und begaben ſich Thuͤr getreten waren, ſagte er: „Geht nur, ich werde wohl auch noch zu⸗ recht kommen, nachdem ich mit Schoͤn Röschen geſprochen.“ 6 Kaum hatte er dieſes geſagt, als ein lei⸗ ſes ſonderbares Pfeifen ſeine Aufmerkſamkeit nach einigen Straͤuchern hinzog, die jenſeits des Weges ſtanden, und aus denen der Lon hervorzukommen ſchien. „Verdammt,“ ſagte er bei ſuß 62 nur ſehen, ob dieſer Walbvogel 5 wieder zu antworten verſteht.“ Damit brachte er eine Hand an den Mund, und ließ einige aͤhnliche Toͤne hören. So⸗ gleich wurde auf dieſelbe Weiſe geantwortet. Baſtel naͤherte ſich nun dem Gebuͤſch, aus wel⸗ chem jetzt eine Stimme fragte: Ob alles ſicher, und er allein ſei? „Kommt nur heraus Herr Pandulf,“ er⸗ wieberte Baſtel;„die Dunkelheit iſt ſchon groß, und man ſieht uns hier an den Straͤu⸗ chern kaum; uͤberdies ſind die Diener im Schloſſe jetzt beſchäftigt, und im Dorfe längſt Alles zur Ruhe.“ „Iſt Treutlingen im Schloß?“ fragte jetzt Pandulf, ein wenig aus den Büſchen tretend. „Rein,“ antwortete Baſtel,„der iſt heute fruͤh mit Hubert und Curt nach Holten gerit⸗ ten, wo er verſchiedene Anſtalten wegen ſeiner Guͤter teffen will; mich und Janſen hat er hier gelaſſen, denn bald will er wieder da ——————————— den Weg nach Grauenſtein machen.“ „Hore Baſtel,“ ſagte jetzt Pandulf lang⸗ ſam,„Du biſt ein kluger Junge, und auf dieſe meine Frage kannſt gewiß Du mir die beſte Antwort geben, denn ich hoffe, Du haſt die Augen und Ohren immer offen gehabt. Wie ſteht eigentlich Treutlingen mit der Freiin? erzaͤhle alles was Du weißt, und was hier⸗ auf Bezug hat.“ „Ihr habt ganz Recht, wenn Ihr meint, daß ich Euch hierin die beſte Auskunft geben kann,“ verſetzte Baſtel;„es iſt wahr, die An⸗ dern haben ſich alle zuſammen darum nicht ſo viel gekuͤmmert, als ich allein. Seht, um Euch Alles zu erzählen, muß ich von dem Feſte auf Burg Ravenſtein anfangen, bei wel⸗ chem eben Treutlingen der Gippen⸗Schoͤnfelſer Freifrau ſeine erſten Huldigungen darbrachte. Beide gaben ſich auch keine ſonderliche Muͤhe, den Eindruck zu verbergen, den ſie gegenſeitig ſein, und dann wollen wir uns ſogleich auf 6 3 64 kam es denn, daß bald des beginnenden Lie⸗ besverſtaͤndniß kein Hehl ward.“ „Und Bruno von Gommern?“ fragte Pan⸗ dulf geſpannt,„was ſagte der hierzu?“ nen den Unwillen, die heimliche Wuth, ziem⸗ lich deutlich merken,“ antwortete Baſtel,„half Abend hatte er ſich halb und halb mit der gegen ihn war. Herr Adelbert indeß, hat die ſchoͤne Cunigunde auch den zweiten Tag keinen YAugenblick verlaſſen, ſo freundlich auch das Fraͤulein von Ravenſtein zu ihm war.“ „Alſo war ſie ſehr freundlich zu ihm? die ehrenwerthe Braut des ſeligen Grafen von Ernersheim,“ fragte Pandulf weiter. „Das will ich meinen,“ entgegnete Baſtel; ſie hat ihm Blicke zugeworfen,— vorzuͤglich beim Tanz;— bei den Bergen meines Vater⸗ „ auf einander gemacht hatten,— und daher „An dem konnte man in allen ſeinen Mie⸗ freilich auch weiter nichts. Bald den erſten Freiin erzurnt, indem ſie verdammt ſchnoͤde lanbs! 65 lunds! ſi ie haͤtte, ſo ſchon wie ſie 1 ausſah; einen Fels in Feuer bringen konnen, nur Adel bert blieb kalt, und richtete ſeine ganze Auf⸗ merkſamkeit bloß auf die faſt noch ſchoͤnere Freün. Den nächſten Morgen bot Herr Adel⸗ bert der reichen Stennach ſein Geleit an, wel ches ſie auch zu Ritter Brunos großtem Aer⸗ ger mit der augenſcheinlichſten Freube annahm.. — Bei allen Heiligen! es wat ein herrlicher, prachtiger Zug! Die auf Rabenſtein haben uns auch von den Söllern nachgeſehen, bis der Letzte von uns im Walb verſchwunden. 0 „Still! da nahtt Jemand⸗ unterbrach ihn hier Pandulf, ſich ſchnell, und ohne großes Geraͤuſch in die Straͤucher zuruckziehend; daß er bald von den wieder 3 den Zweigen bedeckt wurbe.— Wirklich kamen auch jetzt zwei twefnet langſam den Weg vom Dorfe her gegangen, ſich halblaut mit einander uniithaltent Ba⸗ ſtel erkannte ſie bald als ein paar von den I. 66 gewöhnlichen Schonfelſer Schloßwachen. Da 3 ſie zu dicht an ihm vorbeigehen mußten, und bereits ſchon zu nahe waren, als daß er, ohne ihre Aufmerkſamkeit zu erregen, entſchluͤpfen konnte, ſo ging er langſam auf ſie zu. Kaum horten ſie die nahenden Schritte, als ſie ſo— gleich die Hellebarden ſenkten, und ein gebie⸗ tendes„Steh'l“ ausriefen. Na,“ ſagte Baſiel lachend,„das„Steh'““ haͤttet Ihr Euch erſparen koͤnnen; Ihr ſeht, daß ich keine zwei Schritte mehr von Euren verdammten Spießen ſtehe, und in dieſe ſpitz⸗ gen Eiſen hineinzulaufen, habe ich wahrlich keine Luſt, haͤtte auch der Hauch des barſchen „Steh“ nicht Eure Schnautzbbärte bewegt.“ „Ach,*s iſt der Luſtige von den Treutli⸗ gern,“ ſagte einer der Hellebardiere, die Waffe* in die vorige Lage zuruͤckbringend,„dem wuͤrde ein Stuͤck Eiſen noch zu zeitlich in eib hineinkommen. 46 3 Was Lufel treibſt Du denn aber 5 3 67 r Nachtzeit?“ fragte der Andere, ebenfals die Hellebarde auf die Schulter legend, da iſt gewiß ein Weiberrock nicht weit, vielleicht gar in dieſen Straͤuchern;— bei meiner ar⸗ men Seele, ich horte jetzt was raſcheln,— warl,— wollen doch ſehen, ob blank Eiſen durch Leinwand bringt. Heda, Dirnleint wenn ich ans Fleiſch komme, ſo ſchreie nur.“ Damit ſenkte er die Waffe nieder, und wollte, laut lachend, ſie langſam vorwaͤrts ins Gebüſch ſirecken, als Baſtel ihn zuruck⸗ draͤngend ſagte: bore Kamrad, ich ſage Dir, dieſes Ste⸗ chen lieben die Dirnen in allen Laͤndern nicht. Beht nur, geht;— und wenn Ihr nicht bald g9eht, ſo wahr ich ein Chriſt bin, ich werde dann verſuchen, ob man ber dreißig Jahre ſein muß, um Euren Dirnen zu gefallen.“ „Na laß ihn,“ ſagte Einer den Andern beim Arm ergreifend,„wenn er uns nicht fang des Dorfes. Wir reiten Adelbert nach 8 68 ins Gehege kommt, ſo wollen wirs auch nicht thun— Gut Glůͤck!“ „Und gut Nachtlager im Freien,“ nft ihmn der Erſe, ſ h noch umdrehend zu. Bald waren ſie durch das Hoſchor ge⸗ ſchriten, und in einem der Gebaͤnde ver⸗ ſchwunden. Pandulf trat vorſichtig aus den hervor. , Bte Dummkoͤpfe,“ ſagte er,„haͤtten ſie gewußt, was fuͤr ein fein Liebchen hier im Gruͤnen Deiner hartt, ſie haͤtten ihre Hellebar⸗ den beſtimmt nicht zuruͤckgezogen.— Abelbert iſt alſo doch Kſit den 8e656 „Den geraden Weg,“ ſchnn 2uſel 3 „Gut, gut,“ ſagte Panbulf Halles ant hat mir Horrak ſchon berichtet.— Tolly war⸗ tet mit den Pferden beim Kreuzweg an An⸗ denn ich muß ihn ſo bald als möglich ſ . 3* chen. Sei nur recht vorſichtig, und ſehe dir S yAlles ſehr genau an, vorzuͤglich die Veſie.“ „Ihr habt doch nicht etwa auch auf* . Schoͤnfels feindliche fragte S. verwundert. „Narr,“ antwortete Fein„warum nicht gar, wir werden doch nicht Treutlingens Liebchen berauben; ich habe da gunz andere Abſichten.“ „Schon recht,“ ſagte Zuſil,„Wenß noch drei Tage dableibe, will ich hier bekannt e ſein. wie in meiner Jagdtaſche. Brab ſo, Junge,“ ſprach S uſi⸗ lig,„aus Dir wird mit der Zeit ſchon was werden, wenn Du nicht etwa einmal von ei⸗ ner Pfingſſtange herab den Hals brichſt.“— Damit verſchwand er im Gebuͤſch, und Ba⸗ ſtel eilte in das Gehoͤfte. 70 10. Unweit Dilſperg, da wo der Weg nach Schriesheim ſich von der großen Heidelberger Straße trennte, lagen im Walde mehrere in Mantel gehullte Geſtalten ſchlafend um ein halb⸗ erloſchenes Feuer. Eine Strecke weiter ab, der Straße zu, bemerkte man eine dunkle Figur, die ſich langſam unter den Baͤumen hin und her bewegte, und eine Wache, zur Sicherheit der Schlafegden ausgeſtellt, zu ſein ſchien.— Allmaͤ es an eze grauen, das Feuer ar e„und wenige Kohlen glimmten noch, als einer der Schlaͤfer aufwachte, den verhuͤllten Kopf aus dem Mantel wickelte, und ſich, etwas mit dem Oberleibe empor richtend, umſchaute. Als er den Wachhabenden ruhig unter den Baͤumen hin und her ſchreiten ſah, murmelte er einige unverſtaͤndliche Worte und ſank wieder zuruͤck auf den Boden, wo er ſich bald wieder in der gorigen Stellung befand. ————— 1 ſchlaftrunken als der Erſte zu ſein ſchienen. „Hab' ich doch geſchlafen,“ ſagte der Eine ſich dehnend,„als haͤtte ich die beſte Decke unter mir gehabt, die je von einem Weber⸗ ſtuhl gekommen, und doch iſt der Boden ſo hart wie Stein.“ „Heda Chriſtoffel!“ tuſte Prter „Haſt Du noch nichts gemerkt? es muß ſchon nahe am Morgen ſein, und die Fuhrleute wol⸗ 6 ten zeitig aufbrechen.“ „Noch habe ich nichts gehbte, als bas Raſcheln des Windes in dem Laub,“ erwiederte der Angeredete näher ſchreitend; „doch denke ich kann es nicht mehr lange dauern, denn durch jene lichte Stelle kann man ſehen, wie die Sonne ſchon die 6 Berggipfel roͤthet.“ 5 Durch dieſes Geſpraͤch wurden die n aufgeweckt Da Gerauſch hierbei hatte jedoch einige von den andern Schlaͤfern aufgeweckt, die weniger — — — „Vald iſt es Lag,“ ſagtt Eine, pich Straße heran, wo Claͤrville auf Frſin iſ wir wollen doch ſchen“. Eben hatte er dieſes geſagt, als de e. nannte hegeſchtiten kam. zahlte er, vich ſah ſie von der Hohe herab kommen. Die Frachtwagen haben indeß noch ein Zehn Mann zu ſein, ſo viel ich in dem torgennebel, und der ziemlich weiten Enſe pung erkennen konnte.“ Vewünſchtl⸗ ſgie Golfinger; 5 we⸗ gen den paar Klingen werden wir unſte Beute nicht fahren laſen. Höre Gian, Du koͤnnteſt Dich wohl voal naͤher hinzuſchleichen, und uns dann gena. berichten, wie ſtark ſie ſind. Die Straße macht jetzt einen großen Bogen, und wenn Du den Fußſteig hier gehſt, hi dächte wir gingen einmal etwas näher an die „Nun, die Wagen ſi ſi nd unterwegs⸗ er⸗ Badner Geleit bei ſich; es ſchienen mit etwa Du zeitig genug wieder bei uns; bei dem Heiligenfelſen werden wir Dich erwarten.* „Das will ich auch ſogleich thun,“ ent⸗ gegnete Gian;„da, nehmet meine Büchſe daß ich leichter fortkomme; in weniger als einer Stunde bin ich wieder bei Euch, und werde dann alles aufs Genaueſte berichten. Damit gab er Buͤchſe und Mantel einem ſeiner Kameraden, und bald hatten Baͤume und Gebuͤſch ihn den Blicken der Uebrigen entzogen, die ihre Waffen ergriffen, das Feuer vollends zerſtoͤrten, und ſich dann auf den Weg begaben nach einer Felſengruppe, die un⸗ weit der Straße lag, und unter dem Namen der Heiligenfelſen in der Umgegend bekannt war. Bei dieſen machten ſie wiederum Halt, und lagerten ſich in den mit weichem Moos bewachſenen Felſenſpalten, wade auch voll⸗ kömmen den Blicken der Vor werziehenden ent⸗ zogen waren. Da ſie ſich jedoch unterwegs nicht ſehr beeilt hatten, und öberhaupt auch 74 wegen Schwere ihrer Waffen nicht ſo gar ſchnell fortzukommen im Stande waren, ſo ten Gians warten durften. „Die Heiligen mogen ſie verderben!“ ſagte len muſſen, daß wir nicht umſonſt unſer Pul⸗ zwei jungen Patrizier⸗Soͤhnen, die gar ſtolz auf ihren Roſſen ſitzen, und bis an die Zaͤhne bewaffnet ſind.“ e„ſeit langem ſchon ſah ich kein Blut von dieſem verfluchten hochmuͤthigen Volk fließen.“ „Ich ſehe die Farbe ihres Herzblutes eben ſo gern, als die des Goldes,“ ſagte Trimm⸗ ecker boshaft lachend. Ewige, blutige Rache hab ich der Patrizier⸗Brut geſchworen, und werde meinen Schwur zu erfuͤllen wiſſen. Sie * kam es, daß ſie nicht ſehr lange der Nachrich⸗ er zu den Gefaͤhrten.„Wir werden gut zie⸗ . ver verbrennen. Der Zug wird gefuͤhrt von „ Die nehme ich auf mich,“ ſagte Golfin⸗ haben mir meinen Vater gemordet, meine — —— ————— ——————— ⸗ 75 Mutter geraubt, und mich um Gluͤck und Wohlſtand gebracht.“— „Außer den beiden jungen Lurſchen,“ fuhr Gian fort,„ſind ſechs Mann Badner Geleit, ein bewaffneter Diener zu Pferd, noch Zwei zu Fuß, und fuͤnf Fuhrleute; doch hoͤrt, ſchon kann man das Geraͤuſch des herannahenden Zuges vernehmen.. „Alle Teufel!“ ſprach Golfinger,„dort kommen ſie ſchon heran; da muͤſſen wir uns eilig wieder auf den Weg machen. Bei der Hompacher Lehne wollen wir ſie angreifen; es iſt der günſtigſte Ort zum Ueberfall, und die Gegend auch ſehr wůſte und abgelegen.“ „Es iſt nur verfucht daß Burg vn ſo nahe iſt,“ meinte Claͤrville. „Der alte Hanns wird ſein warmes Neſt nicht verlaſſen,“ ſagte Golfinger,„es ſei denn, er wollte mit uns theilen. Man weiß ja, 6 daß ers auch nicht verſchmaͤhte, einem Kauß 76 mann in den Sack zu ſehen, war die Gelegenheit guͤnſtig.“ „Vom Hompacher haben wir nicht zu befuͤrchten,“ ſtimmte Chriſtoffel bei; vuͤberdies ſind keine zehn waffenfaͤhige Knechte 85 der Pg „Laßt uns ſu Gol. finger,„und uns an der Hompacher Lehne feſiſetzen; dann werden wir ja ſehen, ob rich⸗ 3 tiges Augenmaaß noch einer Kugel an den beſüimmten Ort verhilft.“ Mit der großten Stille verließen ſe jetzt die Felſen und eilten auf beſchwerlichen Ne⸗ benwegen vorwaͤrts, der bezeichneten Gegend zu.— Sie waren ſchon eine geraume Zeit immer bergan geſtiegen, und befanden ſich jetzt in dem trockenen Bette eines Waſſerſturzes; die Gewalt des Gebuͤrgswaſſers, welches ſich zu Zeiten mit der reißendſten Schnelligkeit von den Hoͤhen in die Thäler ſiuͤrzte, hatte in ſei⸗ nem Laufe das ganze Erdreich von den Fel⸗ 3 redete ſie an; dritte kommt gerade an den etwas überhaͤn⸗ 3 77 ſen geſpuͤlt. In dem auf dleſe Art gebildeten Wege ſchritten die Jaͤger vorwaͤrts, bis end lich der vorangehende Golfinger ſtehen blieb, und ſeine, etwas weiter zuruͤck, ihm folgenden Gefaͤhrten erwartete. Bald waren ſie alle beiſummen, 36 Go „Da waͤren wir ja a am iele; etwa tui Schritte vorwaͤrts, ſo treffen wir in den Vet ſie herazftennn Wi wol⸗ 125 nd zwei Wagen vorbei, und genden Fels, ſo feuern wir alle zugleich aus unſerm Hinterhalte hervor; ehe ſie gus ihrer Verwirrung kommen, wegen des unſichtbaren Feindes, konnen wir das Zweitemal losbren⸗ nen, und den Ueberreſt nach vierzehn wohlge⸗ zielten Schuͤſſen hauen wir nieder. Jetzt omnt bis ganz an den Weg.— Lrimmete, Bourgine und Chriſcoffel gen ſch in die 78 jenſeitigen Steine verbergen, wir Vier bleiben diesſeits.— Nun raſch Bruͤder, macht Eure Sache brav, und ſucht Eure Buͤchſen in eine gute Lage zu bringen.“ Indem waren ſie noch die kurze Strecke gegangen, und befanden ſich jetzt am Wege, zu deſſen beiden Seiten ſich unzählige, mit Geſtraͤuch bewachſene, großere und kleinere Felsſtuͤcke und Steine befanden. Trimmeker, Bourgine und Chriſtoffel wurden bald von d⸗ nen auf jener Seite verdeckt, indeß die uͤbri⸗ gen Vier die bequemſten Plaͤtze in den vesſe tigen ſich ausſuchten. „Das iſt ein praͤchtiger Ort,“ ſagte Gol finger, ſich auf einen Stein ſetzend, und die Buchſe vor ſich hin in eine enge Spalte le⸗ gend.„Hier wird's einen ſichern Schuß ge⸗ ben. Nicht wahr Gian?“ Per diavolo! es ſell hier herrlich unter dieſen Steinen knallen,“ erwiederte der Ange⸗ * 79 redete, der ein paar Schritte ſiwirs ſi 3 zum Schießen bereit machte. „Wir ſind doch ſtark zugeſchritten,“ ſagte Woranek, welcher eine kleine Strecke ruckwaͤrts gegangen war, bis an einen Ort, wo man den Weg ſich in großen Biegungen heraufwinden ſah.„Sie haben noch ein tuͤchtiges Stuck herauf, und ich will nicht in den Hinterfuͤßen ihrer Pferde ſtecken.“ „Noch weniger aber in der Haut ihrer Begleiter,“ entgegnete Claͤrville lachend,„denn die wird binnen Kurzem manch Loch be⸗ kommen. „Nach einem der beiden Gewürzhelden mag Trimmeker zielen,“ verſetzte Golfinger, „dem andern werde ich mit meinem Gewehr das zierliche Schnautbärichen verbrennen, und meine Kugel ſoll ihm alle Vorderzaͤhne ein⸗ 6 ſchlagen.“ „Ich werde auf den berittenen Diener z ten,“ ſagte Gian. 80 und ich und Woranek,“ erwiederte Elär⸗ ville,„wollen auf das Geleit feuern. Holla!“ rief er mit verſtaͤrkter Stimme,„Bourgine* und Chriſtoffet, Ihr moͤgt desgleichen thun.“ Werben ſchon,“ antwortete Bourgine, ſein Haupt über ein Felsſtuͤck erhebend, hinter wel⸗ chem er verborgen. 5 Ich wünſchte bei jedem Ueberfall ſolch guͤnſtigen Ort. Sie ſollen vier⸗ zehnmal knallen höre, ehe ſie auch nur einen 3ibſe von unſter Kleidung Die Wagen kamen naͤher.— Die groͤßte Stille herrſchte unter den gelſen.— Ein Stůck dem Zug voran, ritten die beiden jungen Kauf⸗ mannsſoͤhne, langſam und ſorglos, in trauli⸗ Geſpraͤch begriffen, neben einander her. Als Golfinger ſie erblickte, ſagte er mit den Zaͤhnen knirſchend leiſe zu dem, ſich dicht neben ihm befindenden Claͤrville:„Welcher Teufel trieb ſie an, ſo weit den Wagen vor⸗ aus zu reiten; feuern wir jetzt, ſo ſind wi 1 verrathen, warten wir auf die Wagen, 81 ſo ſind dieſe vermaledeiten Ellenreiter born weg; zuruͤckkehren werden ſie wahrlich nicht; ſondern lieber ſogleich die Flucht ergreifen.“ Indem waren die beiden Reiter ganz nahe gekommen; gerade bei der Stelle, wo die Jä⸗ ger alle verſteckt lagen, hielt der Eine ſein Pferd an, und ſich im Sattel umwendend⸗ ſagte er zum Andern: Sieh' Wickhardt, wir ſind ſchon eine ziemliche Strecke voraus, wol⸗ len wir nicht den Zug erwarten?“ Nein, laß uns lieber langſam voran rei⸗ 4 ten,“ erwiederte der Andere„wir koͤnnen ſo. ungeſtörter plaudern.— Ach! Wallenhofer, wenn ich des Feſtes bei unſter Abreiſe 6. Speier gedenke, die ſchoͤne“. Ein Schuß— ein gellender Schrei ſeines Freundes unterbrach den Redenden. Blutend ſank erſterer nach der e com Pferbe herab. „Der Voreilige!“ rief Golfnger„nun denn, Freund bleibe bei Freund!“ 1612*. 82 Da knallte auch ſeine Buͤchſe, und ohne Laut ſturzte der Zweite mit zerſchmettertem Kopf vom Roß.— Die Pferde, wild, kehr⸗ ten um; das eine, deſſen Reiter noch im Steig⸗ vuͤgel hing, ſchleifte denſelben noch ein Stuͤck den Wagen entgegen. Die Fuhrleute, durch die beiden Schuͤſſe erſchreckt, und nur noch ein kleines Stück entfernt von dem Verſtek⸗ tungsort der Jäger, hatten ſüll gehalten, die Spoldner griffen zu den Waffen; zu gleicher Zeit ſahen ſe auch die zuruͤckkommen. „Verratch! Morder!“ rief der Berittene. „Nacht Euch bereit, ſie ſollen jeden Ballen mit Blut erkaufen!“ „Heraus Gefährten! jehzt gilts!“ ſchrie Golfinger, mit gezuͤckter Waffe aus den Stei⸗ nen hervorſpringend.— Die Uebrigen thaten ein Gleiches. Bourgine, Claͤpville, Gian, Chri⸗ ſioffel und Woranek ſtellten ſich an dem ——— Wege auf, und gaben Feuer auf den Zug 83 dann griffen auch ſie zu den Seitengewehren und ſturzten ſich auf das Geleit der Wagen. — Dieſes war jedoch auch nicht muͤſſig ge⸗ blieben; durch den Reiter zur Gegenwehr auf⸗ gemuntert, der, von einem Streifſchuß blos leicht verwundet, bei Annaͤherung der Jaͤger ſeine lange Piſtole auf den ihn anfallenden Claͤrville abbrannte. Der Schuß hatte ſo wohl getroffen, daß Claͤrville bald zu Boden ſtüͤrzte, im Fall jedoch mit ſeinem Jagdmeſſer das Pferd ſo gewaltig in die Vorderfuße traf, daß es ſogleich zuſammen ſank, und den Rei⸗ ter herunter warf; er wollte ſich ſchnell wie⸗ der aufrichten, doch kam ihm Bourgine, der es noch zeitig genug geſchen hatte, zubor, und ſtach ihm durch den Hals.— Zu gleicher Zeit waren auch noch einige von der Beglei⸗ tung getoͤdtet und verwundet worden, und bie wenigen Uebrigen ergriffen die Flucht. Die Jäger verfolgten ſie nicht, weil ſie gewi wa⸗ ren, daß ehe Jene mit irgend einer Hulfe zu 3 ruͤcktehren könnten, der Raub laͤngſt in Si⸗ cherheit gebracht worden waͤre. Alle ſammelten ſich jetzt ſogleich um Clar⸗ ville, der laut ſtohnend an einem Baume da⸗ lag. Bourgine war bemuͤht, ſein ſtark rinnen⸗ des Blut durch einen Verband zu ſtillen. Aus Sorge fuͤr den ſchwer verwundeten Kamera⸗ den achtete Golfinger kaum einer Kopfwunde, aus der ihm das Blut uͤber Geſicht und Bruſt herunter rann, und welches er einigemal mit der flachen Hand abwiſchte. Auch Gian hatte einen Lanzenſtich in die Seite bekommen, je⸗ doch war er bei der Feſtigkeit und Dicke des Gurts nicht tief eingedrungen, und Blut leicht geſtillt. Claͤrville mit ſchwacher Stimme,„es wird mir verdammt enge darin. „Armer Kamerad,“ verſetzte vourgine ich kann Dir nicht verhehlen, daß Du nicht „Macht mir das Vanns uß. ſisc 6 mit uns Wald und Gebuͤrg durchziehn, —————————— Jagdlied fehlen wird.“ „Ja wohl,“ ſagte Claͤrville,„8 nj nicht anders ſein, Einer fruͤher, der Andere ſpaͤter, nachkommen muͤßt Ihr ja alle; doch hoͤrt mich noch ein paar Worte an, dann holt mir dort einen Sack her, legt mich mit dem Kopf darauf, und ſtimmt mein Lieblingslied an, damit ich recht auf Jaͤgerweiſe von Euch gehe.— Du, Bourgine, mein Landsmann und mein Raͤcher, magſt nun auch mein Erbe ſein. — Halte meine Büchſe gut im Stande— ſie hat viele Vorzuͤge vor manch anderm Ge⸗ wehr, und war mir immer das Li ſie auf Erden.— Grüße mir Pandulf, Dort ing und die Uebrigen.— Gebt mir die Hände— legt zurecht, und— an das Zioe lied.“ S hatten zwei von hnn dem ſer benden Kameraden ein Lager bereitet, Alle drückten ihm noch die Hand, dann ſtellten ſie und Deine Simme fuͤr immer beim uun ſich auf bie Büchſen geſitt um ihn, und ſan⸗ gen mit dumpfer Stimme ſein Lieblingslied. In der Mitte deſſelben warf ſich der Ster⸗ bende noch ein paarmal in die Hohe dann verſchied er.—— „Da war wieder ein braver Jaͤgersmann weniger,“ ſagte Golfinger, ſtarr nach dem Leich⸗ nam blickend. Armer Junge, Dein Sterbe⸗ lied toͤnte hier unter den Eichen ſo gut als auf dem Kirchhof zu Montrouge, und Dein Grab ſoll ſo gut gemacht werden als je eins, wenn es auch nicht mit des Todtengraͤbers Hacke geſchieht.— Das iſt ja eine unglůck⸗ liche Zeit. Unlaͤngſt als wir bei weißen Sturz den Wein nahmen, koſtete es zwei Leben, und jetzt wieder eins, das mehr werth war, als Hunderte von ſolchen Kraͤmerſeelen. Trimm⸗ eker hore ein ernſthaftes Wort: an dieſes bra⸗ ven Kameraden Tod koͤnnte man Dir eine nicht kleine Schuld beilegen.— Warum warſt Du ſo voreilig, ich wuͤnſchte es lebten lieber —— * noch tauſend ſolcher Pfundmaͤnner, wie hier vorbei ritten, als daß hier Claͤrville liegt. Haͤtteſt Du ſie reiten laſſen, ſo feuerten wir ſicher aus unſerm Verſteck auf die Wagen, und wahrlich, eine unſrer Kugeln haͤtte gewiß den Burſchen erreicht, ehe er die Piſtole unſern Freund abbrannte.“ „Wohl moͤglich,“ antwortete Trimmeker. „So wahr ich verdammt bin! koͤnnte ich es, ich wollte ſein Leben gern mit dem meinigen erkaufen; doch haͤtte es unſer Aller gegolten, ich haͤtte mich nicht zuruͤckhalten koͤnnen. Ha! ich habe meinem Todfeind eine Wunde geſchla⸗ gen, die ewig bluten ſoll, denn der, den ich vom Pferde warf, war der einzige Sohn des reichen Kaufmannes Wallenhofer aus Speier, ——— ——— * * hat. Ich haͤtte beſimmt nicht zuerſt nach den Hunden gefeuert, ſondern gewartet, was Ihr aͤltern Waidmänner fuͤr gut gehalten; dch als ich zufaͤllig von ſeinem Gefährten berſelbe, der mir Vater und Mutter gemotdet 3 „ barſte und Beſie waͤhlen wir aus, wie auch den mir in den Tod verhaßten Namen hoͤrte, da konnte ich die vinſse Wei verſaͤumen.“ „Beim Teufel!“ ihm Golfinger, „war' ſo,— ich haͤtte wohl auch nicht an⸗ ders gethan„und wir muͤſſen den Tod unſers guten Kameraden nur dem Mißgeſchick zu⸗ ſchreiben, daß nicht eine von fuͤnf Kugeln S Schurken vom Pferde warf.“ „Ich ſchoß nach ihm,“ ſagte Woranek, „„doch glitt ich gerade beim Abfeuern etwas, und ſo ging die Kugel ein wenig zu weit links, und verbrannte ihm blos das Wamms. Aber Golfinger Dir blutet ſtark Deine Wunde.“ „Da iſt ja ein Quell,“ erwiederte Golfin⸗ ger,„ich will ſie auswaſchen, und dann mogt 2hr Einer zuſehen, ob noch Salbe in der Jagdtaſche iſt. Ihr Andern bereitet tiefer im Walde ein Grab, wir wollen ihn hineinlegen und dann die Beute durchſuchen; das Vrauch⸗ 5 die ſchoͤnſten Pferde/ alles Uebrige wird ver⸗ nichtet und verbrannt, denn von dieſer Beute ſoll Riemand etwas haben, ſie iſt theuer ge⸗ nug erkauft worden, mit dem Blute eines der beſten Maͤnner, die je ein Wald in ſein Dun⸗ kel aufnahm. Hollal friſch an's Werk; Wora⸗ nek, Du magſt nach meiner Wunde ſehen, und mir unterdeß irgend einen Lappen darum legen.— Sobald alles verrichtet, brechen wir auf, und es geht laͤngs des kleinen Flußchens im Thale fort bis Wald⸗Michelbach, dort ge⸗ hen wir durch die Dubner Enge auf Linden⸗ fels zu, und dann an der noͤrdlichen Seite hin bis zu den Grauenſteiner Kammern.“ „Da muͤſſen wir ja uͤber die Gambacher Wand, und die ward wohl noch nicht von den Raͤdern eines Wagens beruͤhrt,“ ſagte Woranek, indem er Golfinger den Verband echt machte, und die uebrigen an das trau⸗ rige Geſchaͤft gingen, ihrem teuen 1St ein Grab iu bereiten. „ „Keineswegs können wir bis in die Kam⸗ mern ſelbſt mit Wagen und Pferden gelangen,“ erklaͤrte Golfinger,„ja ſelbſt bis in den Vor⸗ bau kommen blos unſre, des Felſenkletterns gewohnteſten Pferde. An der hohen Haide muͤſſen wir allerdings ausladen, und was nicht auf der Pferde, muß auf unſerm Ruͤcken an Ort und Stelle geſchafft werden. Du wunderſt Dich, Woranek; ja freilich, 8 iſt muͤhſam genug, und Du warſt nicht dabei, als wir die Waffen und Munition in jene Felſenkeller ſchafften. Beim grimmigen Loͤwen und der faulen Metze, den groͤßten Donner⸗ buchſen die ich ſah,— das war eine Arbeit! — Freilich iſts leichter, ein Fuder Heu oder Stroh in ein offnes Gehoͤfte zu fahren, und eine Tonne auf dem ſchraͤgen Brett in den Keller zu wälzen, als über ſchmale Felswaͤnde alles dieſes zu bringen, was uns jetzt in den Kammern zum Schutz, zur Sicherheit und Bequemlichteit dien. Doch ich ſehe, Du ſo⸗ 32„ 9¹ wohl als Jene ſind mit ihrem Geſchaͤft ſertig. — So wollen wir denn Elarvillen, dem wak⸗ kern Burſchen, den letzten Dienſt erweiſen.“ Der Leichnam ward nun des Wammſes entledigt, bis an eine nicht zu tiefe Gtube unter einigen dicht neben einander Kehenden Eichen getragen, und dann hineingelegt. 6 Erde, Moos und Blaͤtter deckten bald den Koͤrper.— Als es geſchehen, und jedes Kenn⸗ zeichen neu auſgeworfener Erde ſorgfaͤltig ver⸗ borgen war, wendete ſich Golfinger mit ver⸗ biſſener Wuth von der Stelle, wo eint ſeiner treuſten und ergebenſten Freunde lag, und ſagte, mit den Zaͤhnen knirſchend und die Haͤnde ballend: „Ja bei allen Teufeln! Kamrad, ich will 6 Dich raͤchen, ſo vollkommen als je eine geuͤbt wurde.— Holla! ſpannt jetzt alle Pferde aus, und neaſ die Ballen und Fäſſer von den Wagen. Auf zwei davon wollen wir das Nothwendigſte legen; die beſten Gaule davor, wirds im Thale raſch fortgehen, ſo daß ſie uns nicht mehr einholen ſollen, käme ihnen auch die Luſt an, e Einen nachzuſetzen.“ Indem legte er mit Hand an, n lu nen Kurzem waren die Wagen entladen und die Pferde ausgeſpannt. 85 „Nun, da wären wir ja in kurzer Zeit ſo weit gekommen,“ ſagte Gian, die letzten zwei Kiſien von einem Wagen werfend. Ein Klir⸗ ren und Klingen in denſelben gab hinlaͤnglich zu erkennen, daß die wahrſcheinlich darin be⸗ findlichen Glaswaaren durch den Fall in eine zu nahe und heſtige Beruͤhrung gekommen waren⸗ um alle ganz zu bleiben. „Ho, ho!“ ſagte Bourgine,„da ſieckt ja 8 tammt zerbrechliche Waare brin, ob' nicht ſollte feines Eßgeraͤthe ſein, ober vielleicht koſi⸗ barer Wein, wie ſie ihn in Flaſchen verſchik⸗ ten; Chriſtoffel Du haſt ja ein kleines Beil bei Dir, gieb her, mit drei Schlaͤgen wollen wir bald geoͤffuet haben, waß mit m mu verpackt ward.“ „Ein einziger Schlag zerbricht ja bieſe duͤnnen Bretter,“ erwiederte der Angeredete, ein Beil aus dem Lederguͤrtel ziehend. Kraͤf⸗ tig ſchlug er auf die obere Seite der einen Kiſte; die Holzbekleidung brach, und ein eben ſolches Getoſe, wie bei dem Sturze vom Wa⸗ gen, zeigte an: daß dieſes Heffnen dem In⸗ halte nicht weniger verderblich geweſen. „Donner und Wetter!“ ſagte Woranek, „lirrt es doch, als ob ein Fahnlein Reiter ihre Schwerdter in die Scheiden ſtießen. Nun, was iſt's denn eigentlich?“ Hiermit brach er mit ſtarker Hand die Kiſte vollends aus einander. Eine große An⸗ zahl kleiner Fläſchchen und Krauſen von Glas — von denen ein bedeutender Theil zerſchla⸗ gen— angefullt mit verſchiedenen Fluͤſſigkei⸗ ten, und in Heu verpackt, ward ſichtbar. „Es ſind von den Wäſſern und Saften, — womit ſich die Vornehmen und. Reichen Haut und Haare beſtreichen,“ ſprach Golfinger, ein Stůͤck Holz ergreifend;„laßt uns mit einem werthloſen Stuͤck Holz großen Reichthum ver⸗ tilgen, denn ſehr viel gilt manchmal ein we⸗ nig dieſer koſtbaren Sachen, deren Beſitz und Gebrauch uns Kindern des Waldes wahrlich wenig frommen wuͤrde.“ Das Letzte ſprach er, indem er ſchon mit wiederholten Schlaͤgen alles zertruͤmmerte, wel⸗ ches Schickſal auch der zweiten, eben damit angefuͤllten Kiſte wiederfuhr.— Unter der Zeit waren von den Uebrigen die meiſten Ballen, Fäſſer und Kiſten, freilich ohne die geringſie Sorgfalt und Schonung ihres Inhates, ge⸗ öffnet worden. „Eine Menge Ballen mit Luch.“ ſagte 3 auf mehrere derſelben zeigend. „Haben wir in ueberfluß,“ verſetzte Gol⸗ finger;„laßt ſi e bei einander liegen, wollen 3 brennen ſn* „Hier iſt Leinenzeug,“ berichtete eh „Das legt auf den zweiten Wagen,“ ſagte Golfinger,„auf den Erſien wollen wir hier bieſe Geſchmeide und Schmuckſachen, jene koſ⸗ baren Gold⸗ und Silberſtoffe, und die beiben kleinen Faͤſſer mit Wein thun.“— „Hier ſind Faͤſſer mit Eſſig, Hel, Syrup, ſprach Gian, den aus brechend.. 6. „Ein Faß Eſſig thut noch auf den zet ten Wagen,“ verſetzte Golfinger,„dann werft jeder hinauf, was er etwa ſonſt noch will. Vier der beſten Pferde vor jedem Wagen, ſol⸗ len ihn ſchon vom Platze bringen; die uͤbri⸗ gen Faͤſſer wendet um, alles werft zu⸗ ſammen, und zuͤndet es an.— Na, Bour⸗ gine haſt Du die Pferde i ſehe Du biſt darber her.“ ſchon geſchehen,“ antwortete t ie Pferde vor die beiden beladenen Wagen ſpannend, wobei ihm ein paar der Gefaͤhrten beiſtanden,— ſo daß es nicht lange dauerte, bis alles in Ordnung war.* „Hier ſind noch zwei Pferde, die wir gu werden brauchen koͤnnen, ich habe ſie zuſam⸗ mengekoppelt, die te aber taugen nicht mehr viel.“ n „Sie moͤgen auch von aller tänfügen An⸗ 4 wollen ihnen Ruhe bereiten.“ 5„ Ich dächte aber, wir ließen ſie laufen,“ Bourgine,„irgend ein armer Bauer faͤngt ſie vielleicht auf.“ „Ha! denkſt Du,“ ſagte Sn wild lachend,„daß man ſie ihm laſſen wuͤrde; gar bald mochte dieſe Kaufmannsbrut wieder in ihrem Beſitze ſein.— Nein, mit nichten! Clar⸗ ville ſoll fuͤr Niemanden anders, als fuͤr uns, Maͤhren nieder; doch halt! machts Euch be⸗ ſtrengung befreit werden,“ ſagte Golfinger, mit ſeinem Blute gekauft haben. Schießt die quemer, — — ſter, und bewegte knarrend eine roſtige We fahne auf dem hohen Giebel des hölzern Hauſes. Im Hofe heulten die Hunde, und im Stall, der nur durch eine kleine Kammer m Gaſtziminer getrennt war, ſtanipften un⸗ geduldig die Roſſe der vor einigen Stunden eingekehrten Maͤnner, von denen die zwei am Kamin leiſe mit einander redeten, indeß bie uebrigen wacker den Speiſen dem Bier⸗ krug zuſprachen. „Ja beim heiligen Kreuz!“ verſetzte Einer * von den beiden, den Seſſel naͤher an die Sunne ſchiebend,„waͤre nicht die Gfihr in mung zur heutigen unſichern menh geben 4. 100 die ſich vollkommen ſicher duͤnken, und gar keine Ahnung haben, daß ihrer die Rge wartet.“ „Hoͤr nur Bruno, wie es draußen ſtuͤrmt,“ verſetzte der Andere;„das Wetter paßt ſo recht zu unſerer beabſichtigten That. Koͤnnt ich nur das aͤngſtliche Gefuͤhl, die bange Ahnung ver⸗ hat, nachdem unſer erſter Plan, dem Verhaß⸗ ten ſchon ulauern, geſcheitert war. Daß nur Treutlin⸗ gen nicht unſer Vorhaben gemerkt hat, und uns in eine Falle lockt. Leicht kann er oder einer ſeiner Leute unſere Spaͤher, welche Schoͤn⸗ fels umſchlichen, gewahrt haben.“ „Aber Oheim,“ entgegnete der Andere at⸗ grrlich,„die alzu große Beſorgniß ſcheint Euch ganz verwirrt zu haben; ſagt, wie waͤre e denn moglich, daß unſer Todfeind den Plan geahnet. Guͤntzel und Halbert haben ſich dem Hinwege gen Holten auf⸗ heutigen Ueberfall nennen. Vier uͤber Zwei, bannen, welche mich ſeit zwei Tagen befallen * 101 ſorgfaͤltig verborgen gehalten, und ſind wiß von keinem Schönfelſer erblickt worden. Auf ihre Treue kann ich mich unbedingt verlaſſen.* Thaten der Nacht ketten die Genoſſen eng an einander, und gemeinſchaftlicher Vortheil iſt das feſteſe Band.— Noch eine halbe Stunde wollen wir hier raſten, und uns dann bei den zwei großen Buchen, wo das ſieinerne, halb im Sumpf verſunkene Kreuß ſieht, lagern. Nach Walter's Ausſage, welcher zugleich mit ihm von Holten ritt, und auf heimlichen Schleichwegen ihm zuvor kam, muß er binnen Den Leichnam ſenken wir in den Sumpf; di Beute bekommen unſere Helfer, und Alles gut.—— 5 5 Der Eintritt eines Bergknappen unterbrach ihr Geſpraͤch. Freundlich grußte der Ange⸗ kommene, und das naſſe Wamns, Kdppe und Soiſe abwerfend, trat er mit an den Ka⸗ min, ſich an der flackernden Flamme zu war⸗ men. Die beiden Maͤnner, in denen man wohl ſchon Bruno von Gommern nebſt ſei⸗ nem Oheim, dem Abt von St. Adalbert, er⸗ kannt haben wird, huͤllten ſich tiefer in ihre Maͤntel, und warfen mißtrauiſche Blicke auf los, ſich nur zu freuen ſchien, daß er jetzt vor dem ſchrecklichen Unwetter geſchutzt ſei, und ſich nur in ſo fern um die übrigen Gäſte be⸗ kümmerte, daß er dem Wirth zurief: ihm ein gleiches Naht wie jenen drei Kriegsleuten zu heut noch bis zur be muͤßte. eiligen Jacob Seinem Verlangen geſchah bald Genuͤge; waͤhrend er an einem entfernt ſtehenden Tiſch ſeine Mahlzeit verzehrte, leerten die Reiter — den Fremdling, welcher unbefangen und arg⸗ e rgen, und zwar recht bald, indem er „ noch einige Kruͤge, und als der Bergknappe — ſin. Wamms und Schurzfell ergriffen, und 6 103 f ſich wieder auf den Weg gemacht hatte; da 3 . ſchickten ſich auch die Reiter zum Aufbruch an. In einer kleinen Entfernung von der Schenke, deren erleuchtete Fenſter einen mat⸗ ten Schein gegen den Wald warfen, hielten 3 zwei Reiter, ganz in weite Maͤntel gehuͤllt, welche ſie gegen Sturm und Regen ſchuͤtzten. Einer von ihnen hatte noch ein 6 Pferd am Zuͤgel. „Gorbin wird ſi ch da in van men Stube, am Kaminfeuer, recht uic thun, waͤhrend wir hier im Wald frieren muͤſ ſen,“ murmnelte einer der Reiter au Fint Huͤlle herr „Nun, hůtt Du eine tite Kleidung, als Dein Jaͤgerwamms und Deinen breiten Filz bei Dir gefuͤhrt,“ entgegnele der Andere,* „ſo wäre es mir gleich geweſen, ob Gorbin oder Tolly da drinnen jenen Herren etwas ge⸗ 104 naruer ins Geſicht geſehen haͤtte. Doch ſtill, da naht Jemand. Es iſt Tolly.“ WMit eiligen Schritten kam der Bergknappe, deſſen wir erwaͤhnten, herzu. 6 Eure Vermuthung, Pandulf, hat Euch nicht getruͤgt,“ ſagte der Angekommene, indem er das Schurzfell abwarf, bie Kappe mit ei⸗ nem Filz vertauſchte, und einen Mantel, der über dem Sattel ſeines Pferdes gelegen, um⸗ nahm.„Wenn ich auch wenig von ihren Ge⸗ ſichtern geſehen habe, ſo war es doch genug fr mich, unß die ſaubern Vögel zu erkennen. s ſiid der Abt von St Adelbert und Bruno 3 Gommern, welche ohne allen Zweifel 5 bem großen Buchen.— So hörte ich, obgleich man ziemlich leiſe ſprach, doch ganz genau, denn der Kamin iſt nicht weit von der Thure, ben hatte ich ſie langſam geoffnet. brachen ſie alsbald ihr Geſpraͤch ab, Treulinger auflauern wolli/ und zwar am ſteinernen Kreuz im Sumpf bei den zwei Wald hinein. thaten ein Gleiches. 105 aber ich hatte genug gehoͤrt, verweilte etwas um keinen Argwohn zu erwecken, und eilte dann um Euch die wichtige Botſchaft zu brin⸗ gen. Sie machen ſich jetzt ebenfalls zum Auf⸗ bruch bereit, laßt uns alſo nicht zoͤgern, da⸗ mit wir ihnen zuvorkommen.“ Waͤhrend dieſer Rede hatte er ſich das Pferd geſchwungen, und eilig trabten ſie auf dem ihnen wohlbekannten Wege in den Kreuz— vor vielen Jahren zum einer grauenvollen Wordthat erricht ten die drei Wir re Soſe an. Laßt jett d die Pferd etwas weiter in den Wald fuͤhren; das rain hier beguͤnſtigt einen Angriff zu Fuß ſ und wir haben gewonnenes Spiel, ſobald wir 106 die Reiter gegen das dornige Gebuͤſch draͤn⸗ gen koͤnnen. Du Tolly magſt nun raſch noch eine Strecke vorwaͤrts gehen, damit Du Treut⸗ lingen und Hubert benachrichtigſt, daß ſie ſich ſollen bereit halten. Dann ſchleichſt Du Dich . in den Buͤſchen zu uns zuruͤck, und wenn ſ Treutlingen angegriffen wird, ſo fallen wir ih⸗ nen in den Ruͤcken, hauen die Knechte nieder, und ſuchen wo moglich den ſchurkiſchen Oheim und Reffen lebendig in unſere Haͤnde zu be⸗ e ihm der wilde Jaͤger ge⸗ Pandulf und Gorbin die Pferde Zügel, auf einem verwachſenen Fußſteig tiefer in den Wald fibrten und kaum waren ſie ein Stuͤck vom Wege en das Geraͤuſch, welches ſi, durch das Toſen des Sturmes und das Rauſchen des heftigen Regens in den Blättern, nicht niehr vernehmbar war— da trabte der Relt⸗ tertrupp heran. 107 Bruno und ſeine Knechte lenkten die Roſſe zu beiden Seiten des Weges, machten ihre Piſtolen ſchußfertig, und zogen die langen Schwerter, waͤhrend der furchtſame Abt, aͤngſt⸗ lich geſpannt auf den Ausgang, doch in der Hoffnung, daß theils die Ueberraſchung, theils die Uebermacht einen erwuͤnſchten Erfolg wahr⸗ ſcheinlich mache, eine kleine Strecke weiter zu⸗ ruͤck ſtill hielt. Er trug ein ſchlichtes Reiter⸗ wamms, und hatte in,den zitternd Händen die Waffen, mit welchen auch und von denen er im Rochfall chen wollte.— Bruno glaubte ſeine Huͤlfe leicht entbehren zu können, und ſchenkte ſeinem Beinnen weiter keine Aufmerkſamkeit, welche leinzig und alkein darauf gerichtet war ob ey nicht bald den Hufſchlag vom Roſſe ſeines Todfeindes vernehme. „Horch! war's nicht als raſſelte etwas im Laub uhier ſeitwaͤrts,“ ſagte der Abt, ein paar 6 näher an Bruno reitend. 108 glaube auch ein Geraͤuſch wie von— Roſſen zu gewahren.“ „Die Beſorgniß hat Euer Gehoͤr aluſchr geſchaͤrft, Oheim,“ entgegnete Bruno;„und Ihr taͤuſcht Euch ſicherlich, denn noch haben wir nichts vernommen, weder da ſeitwaͤrts im Laube, noch vorwaͤrts auf dem Wege,“ „Aber nun, jetzt hore ich's ſehr deutlich,“ ſagte der Abt nach einer kleinen Weile i „ m ebe Ihr recht gehdrt,⸗ prtete Brund.„Holla! Gefährten, macht Euch bereit; ſie muͤſſen gleich um 3 Suäu⸗ biegen.“ Langſam kamen jetzt inzn pubert und Curt daher geritten; nun waren ſie ge⸗ rade am ſteinern Kreuz/ da ſprengten die Rei⸗ ter vor, und ihre Piſtolen abfeuernd, fielen ſie * mit bloßen Schwertern die unvorbereitet ge⸗ ubten an. Doch da blitzte es ays den en, und auch die Angefallenen iten ter und den Fluͤchen der Fechtenden, vom 109 ſchon ihre Waffen bereit, und begegneten dem 6 Angriff durch augenblickliche Gegenwehr. „Verflucht!“ brullte Bruno, wuͤthend auf Adelbert eindringend, den er am wallenden Helmbuſch erkannte.„Und wenn es mein Le⸗ 3 ben koſtet, Du entgehſt meiner Rache nicht.“ Einen der Knechte von Gommern hatte ein wohlgetroffener Schuß vom Pferde gewor⸗ fen, und die beiden andern kaͤmpften tapfer gegen Treutlingens beide Gefaͤhrten, von denen zwar Curt verwundet wi durch doch nicht am gehindert wurde. Wenn der Au. Kampfes auch einen Augenblick wankte, ſo neigte ſich der Sieg doch ſogleich auf die Seite der Jaͤger, als Pandulf und Tolly den Reitern im Ruͤcken fielen, indeß Gorbin den Abt, welcher zu ſpaͤt ſein Roß zur Flucht ſpornen wollte, unter dem Klirren der Schwer⸗ Pferde riß und zu Voden warf. Bald war 11⁰ er gebunden, und als Gorbin ſich wendete, da lagen auch die beiden andern Knechte am Voden, und Treutlingen fuͤhrte gerade einen maͤchtigen Streich gegen Bruno, welcher zwi⸗ ſchen den Fugen des Panzers durch, tief in den Hals drang. Roͤchelnd ſtͤrzte der zum Tode Getroffene vom Roß, und wuͤhlte ver⸗ zweifelnd in der naſſen Erde.— Indem er noch zuckend ſich einigemal hin und her warf, und k Blut den lehmigten Boden faͤrbte, bandulf hohnend, das Schickſal 3 eundes, des Grafen Biehler, bekannt. — umſonſt ſuchte der Sterbende noch einige Fluͤche uͤber die bleichen Lippen zu bringen; ein Kolbenſchlag Huberts zerſchmetterte ihm ie Hirnſchale, und machte S3 Qualen ein ſchnelleres Ende. Treutlingen und der wilde Jiger traten nun an den Abt heran, welcher zaͤhneklappernd am Boden lag. „Ei, ei, Herr Abt, Ihr habt Euch bei 111 waͤhlt,“ ſagte ſpottend Adelbert von Treutlin⸗ gen.„Wie konntet Ihr auch Euer warmes queme Lage gekommen ſeid.“ „Nun, verzagt nicht hochwuͤrdiger S. verſetzte Pandulf;„Ihr ſteht gewiß unter dem ganz beſonderen Schutz der ſie werden Euch in dieſe ſen. Aber auch wenn die ve Getreuen nicht beiſtehen mochte, ſo ſoll Euch doch gar kein Leids geſchehen, wenn Ihr ſo thut, wie ichs Euch ſagen werde. An Eurem ſtein nichts, wohl aber viel an den Schaͤtzen Eures S und wenn Ihr fich Neſt bei ſolchem Unwetter verlaſſen, und einen Ritt mitmachen, bei dem Ihr in ſolche unbe⸗ taub ſein ſollten, und ſelbſt der Teufel ſinem Tod liegt dem wilden Jäger vom Grauen⸗ gar ſchlechtem Wetter auf den Weg gemacht, und Euch eine ſehr beſcheidene Kleidung ge — 112 auch ſogar Euer Privateigenthum vor den Grauenſieiner Jaͤgern geſchuͤtzt ſein. Doch das Alles werde ich Euch bei guter Zeit und Belegenheit in unſern Kammern mittheilen, ohin Ihr ſchon meinen Leuten folgen müßt. Sie werden Euch nicht Eurem heutigen Kleide, ſondern Eurem wuͤrdigen Stande gemaͤß be⸗ 2 handeln. He! bringet die Pferde herbei; hebt den hochwuͤrdigen Abt von St. Adalbert auf das Roß, oſn wir wollen Herrn reutlingen bis nach Schonfels geleiten, wo⸗ hin er noch einmal zuruͤckkehren wird, und ſtein ziehen, wo die wilden Geſellen ſehr nach habe ich noch Wichtiges uͤber jene Frei⸗ au und Euer Verhaͤltniß zu ihr, zu verhan⸗ wr voran reiten, damit F ungeſtorter waten köͤnnen.“ * nen, ſo ſoll nicht allein Euer Leben, ſondern dann auf dem naͤchſien Wege nach dem Grauen⸗ uns verlangen werden. Mit Euch Treutlin⸗ 5 deln es ſoll uns ſehr von Nutzen ſein; wir „unch 3 und in der Waldſchenke wo dieſe Schufte zech⸗ ten, hatte Gorbin ihren Plan erkundet. Doch 113 „Auch mußt Du, treuer Freunb,“ entgeg⸗ nete Treutlingen,„jetzt mir erklaͤren, wie es S kommt, daß Du von der Gefahr die mir ge⸗ 3. droht, Kunde bekommen 8. zu meiner bun bereit wareſt.“ „Das haͤngt genau mit dem ufannen⸗ erwiederte der wilde Jaͤger vom Grauenſtein, „was ich Euch von Cunigunde von Gippen⸗ Schoͤnfels mittheilen werde; denn die Nach⸗ richt, daß Ihr mit der Freifrau von Steinach auf Ravenſtein zuſammengetroffen, bewog mich Euch ſogleich aufzuſuchen; da ich uch jedoch nicht zu Schoͤnfels fand, und von Baſtel das Ziel Eures Rittes vernahm, ſo folgte ich Euch jetzt Gefahrten, ſenket die Leichname der Er⸗ ſchlagenen in den Sumpf und folgt uns dann. Damit ſchwang er ſich auf ſein Noß; Lr lingen that ein Gleiches, und langſam ritun ſie den Seihren voraus. U. 5 6 114 unter dem Portale des Schoͤnfelſer Schlof⸗ ſes ſtand die ſchoͤne Cunigunde, den, eben durch das Thor herein reitenden, Adelbert herz⸗ lich willkommen heißend. Er ſchwang ſich be⸗ hend vom Pferde, und auf ſie zueilend, druckte er mit feurigem Blick ihre zarte Hand an ſeine Lippen. Mit dem holdſeligſten Laͤcheln und den Worten:„Lieber Adelbert, Ihr habt lange auf Euch warten laſſen,“ neigte ſich die Freiin etwas gegen ihnt er ſchlang kuͤhn einen Arm um ihren Leib, zog ſie an ſich, daß ihr voller Buſen an dem ſeinigen ruhte und kußte ihr Wangen und Stirn. O wie namenlos gluck⸗ lich bin ich,“ ſprach er, das ſchone Weib noch in den Armen haltend.— Er gab an einen Diener Mantel und Schwerdt, und Cunigunde in eines der praͤchtigen Zimmer geleitend, und ſch nebeniht auf einer Ottomanne niederlaf ſend, ſagte er:„Gott ſei gelobt, daß alle die, — ½ ncu alle Tage zeigen neue 115 zum Lheil höchſ unangenehmen Geſchäſt at gemacht ſind, und ich noch einen 209 66 Euch““— „Einen Tag?“ fragte Cunigunde xſchet ken,„Ihr ſcherzet, Ritter! es ſollte Euch ſo wenig auf Schoͤnfels geſalſet) daß Ihr die Anweſenheit nach Stunden zaͤhlt, und deren Zahl nicht wolltet vier und zwanzig uͤberſieigen laſſen? Giſt Euch Eunigunde Wt und ſeid Ihr ihrer ſo bald ſatt? 0 n „Cunigunde, Weib das 3 nh ſagte Adelbert, ſie feſt an ſich preſſendz„Ihr tönnt dieſes ſagen!— Nur die naͤußerſte Nothwen⸗ digkeit treibt mich von Euch. Wird mir doch Euer Bildmie aus dem Gedächtniß ſchwinden der Ton Eurer melodiſchen Stimme inimer vor meinen Ohren ſein, und der Gedanke an Euch mich auch nicht einen Augenblick verlaß ſ und Ihr koͤnnt ſagen: ich ſei Euter ſatt! — Beim Gott der Liebe! Eure Schönheit 116 ſich, ja wahrlich, Euch hatte kein Joſeph wi⸗ derſtehen koͤnnen.“ „Was Ihr da ſchwatzt, theurer Adelbert,“ entgegnete Cunigunde ſich an ihn ſchmiegend, und ihre heiße Wange an die ſeinige legend. „Ob man es Euch glauben kann?— Ihr bleibt alſo, werdet kein Joſeph ſein!“— „Himmliſches Weib, wer koͤnnte Dir wi⸗ derſtehen!“ ſagte Adelbert, feurig ſie umſchlin⸗ 15„Du koͤnnteſt mich zu Allem vermoͤgen.“ „Alſp auch zum Bleiben,“ antwortete ſ e, hn zaͤrtlich anſehend. „Nein! ich kann nicht, ich kann nicht!“ vief Adelbert ſchmerzhaft, indem er die Arme ſinken ließ.„O Cunigunde, Du S nicht, mit ehernen Banden bin ich“— Ich feßle Dich mit den Blumenketten der Liebe,“ entgegnete ſie, ſeine Hand ergreifend und an ihren Buſen druͤckend.„Kehre nicht wieder zum Heere zuruͤck; es ſoll ein Leichtes ſein, Deine Verbindlichkeiten zu loſen; bleibe bei mir, in den Armen Deiner dic hei benden Cunigunde.— Adelbert! Du könnteſt mich verlaſſen,“ ſagte ſie mit den weichſten Toͤnen, ihn umhalſend,„Du wollteſt nicht lie⸗ ber alle jene Trugbilder von Ehre und Ruhm fur ein liebendes Herz geben, nicht vertauſchen das Schlachtfeld gegen unſer herrliches Schon⸗ fels, nicht lieber Herr hunderter von Untertha⸗ nen als Diener eines Feldoberſten ſein?! Du wollteſt lieber die Nacht im Zelt, gehuͤllt ins Baͤrenfell, zubringen, als umſchlungen von mei⸗ nen Armen, ruhend an der Deiner treuen 3 Cunigunde?“. „Herrliches Weſen,“ vet⸗ Aetbert, ſe an ſich druͤckend,„ſchone meiner, treibe mich nicht dazu, Dir ein Geheimniß zu entdecken, da ich gern will, daß es ein ſolches bleiben mochte.“ „Ein Geheimniß?“ fragte Cunigunde ge ſpannt, ſich etwas zuruͤcklehnend.„Ihr ſeid doch nicht beweibt?“ 118 „Nein, nicht iſt es dies,“ betheuerte Adel⸗ bert,„ich muß fort, ein ſchwerer Eid, er bin⸗ det mich, doch Dir will ich geſtehen, nicht zum Heer nach Ober⸗Jtalien kehre ich zuruck, der Weg iſt mir verſchloſſen!“ „Warum?“ fragte Cunigunde. en Du weißt, welchen innigen Antheil ich an Dir nehme. Haſt Du im Zweikampf einen Waf⸗ fengefaͤhrten erſchlagen? einen hohen Befehls⸗ haber beleidigt?“— „Nichts von dieſem,“ nwiete Adelbert; auf andre Art habe ich pflichtwidrig gehan⸗ delt, und bin dem Geſetz— ja wohl dem Tod verfallen. Ich bin einem vornehmen Ita⸗ liener, den ich ſelbſt gefangen nahm, zur Flucht behuͤlflich geweſen; es ward entdeckt, doch erhielt ich noch zeitig Kunde davon, und ent⸗ zog mich dem richterlichen Ausſpruch. Ich that unrecht— doch war es mir nicht mög⸗ ich, dem Bitten und Flehen, den herzzerrei⸗ ßenden Klagen der ins Lager gedrungenen Toͤch⸗ — — in meinem Zelt mir zu den Füͤßen lägen, und den Glanz Eurer Augen; die Welſche 11¹9 ter meines Gefangenen zu widerſtehen, als ſie um des Vaters Leben und Freiheit flehten.— Ich gab nach— half dem Italiener glücklich entkommen, und die Erinnerung an dieſe That wird immer meine Bruſt froh bewegen.“ „Und ſollte Adelbert wirklich keinen andern Lohn begehrt und erhalten haben, als das ſchoͤne Gefuͤhl, menſchlich gehandelt zu haben?“ ver⸗ ſetzte Cunigunde, ihm ſtarr und vnhuiſc in's Geſicht ſehend. „Wahrlich, ſchoͤnſte Freiin, Ihr vren mich,“ entgegnete Adelbert, die Hand betheuernd auf's Herz legend,„wenn Ihr glaubt, daß der Kauſpreis fuͤr die Freiheit des Vaters die Un⸗ ſchuld der Toͤchter war.“*. „Aber wer wird ſich bald ſo ha kräcken,“ erwiederte Sr nicht das von den Wungen un 120 feurig Blut, und das Gefuͤhl ſolcher Dankbar⸗ keit iſt ſtark genug, die unſichtbare Schranke niederzuwerfen/ welche beide Geſchlechter auf eine unerklaͤrliche Weiſe getrennt haͤlt.“ „Wohl muß ich aufrichtig geſtehen,“ ſagte Adelbert treuherzig,„daß mir damals— ich kannte ja Euch noch nicht— das Herz gewal⸗ tig klopfte, da die ſchoͤnen Italienerinnen im erſten Augenblick des Entzuͤckens mir um den Hals fielen, und Thraͤnen der Freude in ihren Augen glaͤnzten,— doch was ich bei Eurem erſten Anblick empfand— welch' ſuͤßes freu⸗ diges Gefuͤhl mir die Bruſt fuͤllte, da Ihr mir ſo hold genaht— wie gluͤcklich, wie ſe⸗ lig ich jetzt bin, da Du, mein Alles, mir ge⸗ ſtanden, daß auch ich Dir lieb— das— das empfindet man nur einmal, ſolche Gotterwonne vergiebt nur einmal die Natur.“— hiermit ſchloß er ſie von neuem um ſo 43. Es war ſchon ſpaͤt am Tage; der Sturm⸗ 5 wind ſauſte in den Gipfeln der hohen Tannen und bog die ſchlanken Staͤmme gegen einan⸗ der. Schneeflocken durchflogen einzeln die Luft, 1 und ſenkten ſich auf Vaum und Boden, lang⸗ ſam und bedaͤchtig alles nach und nach mit einem weißen Tuche uberziehend.— Die ſchwar⸗ zen Felsſpalten und ſchroffen Abgruͤnde in der wilden Gebirgsgegend, gaͤhnten furchtbar empor, als ſuchten ſie ein Opfer zum Verſchlingen, und tief aus den Felſen, die faſt unmoͤglich zu erklimmen ſchienen, tönte von der Hohe der Schall einer dumpfen Glocke in einzelnen abge⸗ riſſenen Schlaͤgen, ſo wie ſie der heulende Wind heruͤbertrug. In den Kammern des Grauen in der grauſigen Einöde vernommen wurde, wohl verſtaͤndlich den Genoſſen des furchtbaren Raͤuberbundes.— Seitwaͤrts, durch ein uͤber⸗ haͤngendes Felsſtuͤck etwas geſchirmt gegen das Toben der Elemente, brannte ruhig und duſter ein Feuer, und ſein Schein beleuchtete zwei Geſtalten, die mit dem Ruͤcken gegen die Fels⸗ wand gelehnt, die Buͤchſe im Arm, daſaßen, wenig achtend des Unwetters, gegen welches der Zufall ſie geſchuͤtzt hatte.— Da hoͤrte man in der Ferne das Knarren und Pfeifen von Rädern, die üͤber die eiſige Schneedecke dahin⸗ glitten, und die beiden Geſtalten am Feuer rich⸗ teten ſich auf, und hoben die ſchußfertigen Ge⸗ wehre. Das Geraͤuſch naͤherte ſich anmihi und in einem ſchmalen etwas ausgehoͤhlten Wald⸗ weg kamen zwei Maͤnner, feſt in die Maͤntel gehuͤllt, um eine Ecke geſchritten, und hinter ihnen ein beladener Wagen, und bald darauf ſteins gab man damit ein Zeichen, was weit noch einer, und einige Maͤnner ſchritten as Begleitung neben her. Es waren die von dem gelungenen Raub der Schriesheimer Kauf⸗ mannsguͤter zuruͤckkehrenden Jaͤger.— Bald erkannt von den zwei wachthabenden Gefaͤhr⸗ ten wurden ſie froh bewillkommt.—— „Alle Teufel! warum iſt auch die Holle mit ihrem Feuer ſo weit, daß wenigſtens der gefrorne Schnurrbart thauen konnte,“ ſagte der wilde Gian.„He ihr Burſchen, ich ſehe, ihr habt da einen Topf am Feuer, laßt ſeinen In⸗ halt verſuchen.. 5 Einer der beiden Rauber die hier auf Po⸗ ſten waren, brachte denſelben und reichte ihn Gian mit den Worten:„„ Hier Kamrad, der Wein iſt heiß und wird gar gut den Magen waͤrmen; haſt Du getrunken, ſo gieb nur wei⸗ ter, wir wollen ſogleich wieder friſch eingießen.“ Die Wagen wurden einen Augenblick an⸗ gehalten, und die bereiften Maͤnner truten ſammen. 124 „Sind viele der Gefaͤhrten in den Kam⸗ mern des Grauenſtein?“ fragte Golfinger. „Nein,“ antwortete eine der Wachen,„doch erwarten wir bald viel Beſuch, weil die Rud⸗ lacher herkommen werden, indem's dort nicht mehr ganz geheuer iſt; man trifft ernſtliche An⸗ ſtalten, uns nahe ins Geſicht zu ſehen. Die Herren kehren vom Zuge heim und wollen wahrſcheinlich zum Chriſtfeſt uns jedem einen Strick um den Hals geben.— Sie moͤgen ſich huten, bis Rudlach konnen ſie wohl kom⸗ men— ſie werden das Neſt leer finden, doch in die Kammern, ha! ha! ha!'s waͤr ein tol⸗ ler Faſtnachtsſtreich, wenn ſie verſuchen woll⸗ ten, uͤber eine dieſer breiten Spalten zu ſchreiten. „Ja bei den 11,000 Jungfraun!,“ ſagte Bourgine lachend,„die Nath ihrer Puffhoſen wuͤrde nicht halten.— Habt Ihr hier aus Grauenſtein Nachricht erhalten, wie der Klo⸗ ſierbeſuch ausgefallen iſt?“ — fertigen Buͤchſen zuruckgeſchlichen. 125 „Noch nicht,“ war die Antwort, erwarten wir den Victorin bald.“ „Jetzt laßt uns links nach der hohen Haide biegen,“/ ſagte nun Golfinger,„und dann wol⸗ 3 len wir ſehen, wie wir auf die beſte Art un⸗ ſern Raub in die Kammern bringen.“— 2 Man trieb die Pferde an, und der Zug* ſetzte ſich langſam in Bewegung; da fielen zwei 7 Schuͤſſe nicht weit im Walde und das Echo rollte lange an den Felſen wieder. Die beiden wachthabenden Raͤuber ſprangen auf und ergrif⸗ fen die Gewehre, welche ſie eben erſt an die Felſenwand gelehnt, da knallte es noch ein paar 3 Mal naͤher als vorhin. Die Jaͤger hatten ihre Wagen angehalten und kamen mit ſchuß⸗ — „Was Leufel ſoll dies bedeuten,“ ßrach Golfinger leiſe,„dieſe Schůſſe kamen aus kei⸗ nes Grauenſteiner Gewehr; laßt uns ur⸗ ſache nachſpaͤhen.“— „Beim St. Januarius!“ ſagte Gian, 126 ſich bis hierher gewagt, ſu wieder ruͤcktehren.“ 6 „Alſo vorwaͤrts uch der She der Schall kam,“ verſetzte Golfinger,„doch langſam und vorſichtig; nehmt Rden⸗ einen Baum zum Schutz“ 1 2 Die Raͤuber gingen vorwaͤrts, ſ ich ſorgfül tig hinter den dicken Baumſtaͤmmen verbergend; da fielen noch drei bis vier Schuſſe ganz nahe in einer Schlucht, die ſich hinauf gegen die Kammern vom Grauenſtein zog, und nicht weit von dem Felsſtůcke an dem die war. „Aha! hier unten iſt's,“ fluͤſterte S „ſchnell Kamraden verbergt Euch; iſts kein Ge⸗ weihter, ſo wollen wir ihn mit gegoſſenem Blei Pulverdampf empfangen.“ Die Raͤuber ſprangen hinter einige Sräu⸗ ve und Steine, die ganz mit hochliegendem Schnee bedeckt, ſie hinlaͤnglich verbargen.—. Zwei Maͤnner ſtuͤrzten den muͤhſam ſteilen Weg 127 aus der Schlucht herauf, und hinter ihnen hoͤrte man mehrere Maͤnnerſtimmen, die einander ſi riefen und zu groͤßerer Eile antrieben. „Holla! da zeigt ſich Einer; ſchieß Georg!“ rief man unten, und wieder ein ſtarker Knall, und einer der beiden Fluͤchtlinge ſturzte wohl⸗ getroffen nieder. 8 „Donner und Wetter,“ rief Golfinger wild, „es ſind zwei der Unſtigen auf die man dieſe Jagd macht; bei allen Teufeln! ſie haben den Cunz erſchoſſen; der Andere— Gott verdamm mich! das iſt Victorin der Steyrer.“ Indem er dieſes ſagte war Vietorin oben angelangt, und ſturzte zum Tode ermattet beim Gebüͤſch nieder, wo Golfinger mit einem Paar der Gefaͤhrten verborgen war. Man ſprang ſogleich hinzu und richtete ihn auf, und als er ſeine Gefaͤhrten erkannte, da ſagte er freudig: „Ein gluͤcklich Ohngefaͤhr treibt Euch herbei Kamraden, raͤcht den braven Cunz; es ſind Reichenberger, welche ſo verwegen uns bis hier⸗ 128 hber nachgeſetzt. Laßt ſie nicht wiederkehren und erzaͤhlen, wie es hier ausſieht.“ Beim St. Januarius!“ antwortete Gian, „das ſollen ſie nicht. Da kommen ja die Ka⸗ tzen ſchon heraufgeklettert. Ihr ſollt eure Ver⸗ wegenheit mit eurem Herzblut bezahlen.“ 5 Die Raͤuber hatten angelegt; die Oberkor⸗ per mehrerer Bewaffneten zeigten ſich; da knall⸗ 4 ten die Gewehre der Jäger, und in ſo geri⸗ ger Entfernung hatte wohl keiner der geuͤbten Schutzen umſorſt gefeuert. Nun ſprangen ſie mit gezäcktem Jagdmeſſer hervor, und der G⸗ gend ſo genau kundig, ſturzten ſie eilig und ſchnell die Schlucht hinunter, wo die mit der Gegend ganz unbekannten Verfolger leicht 3 eingcholt und niedergeſioßen werden konnten, ohne daß bei der Gegenwehr noch einer der. Raͤuber waͤre getodtet worden, obgleich n verwundet wurden. Doch Wunden waren den wilden Soͤhnen der Nacht nichts neues; auch hatten ſie fortwaͤhrend einige Heilmittel in. 129 ihren Jagdtaſchen, und Mehrere von ihnen verſtanden ſich ſehr gut auf's Verbinden. Da gab es wohl nicht einen unter der zahlreichen Verbruͤderung⸗ der nicht verſchiedene Schuß⸗ und Hiebwunden erhalten, und die Narben davon am Geſicht und M ir ſen koͤnnen. Man bereitete dem gelibeurn eun ein ſchnelles Grab, und die beiden Raͤnber bega⸗ ben ſich wieder auf ihren Poſten. Die Uebrigen, nachdem ſie die Schlucht durchſrichen, die Leichname ihrer Verfolger in einen der vielen Abgrunde geworfen hatten ſetzten den Weg nach der nahe gelegenen hohen Haide fort. 8 Victorin hatte ſich auf einen der Wogen ge⸗ ſitzt, und ſprach mit dem nebengehenden Gian, Gvolfinger und Bourgine. * Er etzaͤhlte, daß der Ueberfall des Kloſters Lotternſte ſehr gluͤcklich ausgefuͤhrt, und viele gemacht worden ſey; auf dem Ruͤck⸗ er, ſich mit noch einem e 130 ten nach dem Flecken Reichenberg auf Kund⸗ ſchaft zu begeben, indem Victorin durch heim⸗ liche Verbuͤndete erfahren, daß ein ſehr reicher Herr daſelbſt eben eine bedeutende Menge Gel⸗ des vorraͤthig habe, welches dem klugen Vieto⸗ rin ſehr beachtungswerth geſchienennn Indeß ſeine Gefaͤhrten mit der Beute nach den Kam⸗ mern vom Grauenſtein zogen, hatte er ſich mit Cunz äuſgemacht, und ſie waren unter Verkleidung von Handelsleuten nach Reichen⸗ berg gegangen; hier hatten ſie Eingang in des Reichen Haus zu finden gewußt, und ſich mit der Dertlichkeit bekannt gemacht, indem Victorin einen ſchnellen Glucksſtreich fur zweck⸗ maͤßiger hielt, als den ganzen Flecken mit ge⸗ waffneter Hand zu uͤberfallen, da theils die muthigen Bewohner daſolbſt, der Gewalt wie⸗ der Gewält entgegengeſetzt haͤtten, theils auch zwei befeſtigte Schloſſer: Hoch⸗Peuleneck und Ranken dabei gelegen waren, die von zwei tapfern Schloßhauptleuten befehligt wurden, 13¹ und mit einer 5 enn beſetzt waren.—* In einer Schenke unweit Ranken S man Victorin als einen Anfuhret der Grauen⸗ ſteiner Jaͤger erkannt, und da ſolches Victorin und Cunz noch zeitig genug gemerkt, ſo war es ihnen gelungen zu entfliehen. Die Rei⸗ chenberger und Rankener aber kannten die Wichtigkeit des einen der Entflohenen gar wohl, ſetzten ihnen auf dem Fuße nach, und waren ſo kuͤhn, ſie bis nahe dem Schlupfwin⸗ kel der Raͤuber zu verfolgen; ſie mußten ih⸗ ren Muth mit dem Tode buͤßen.— 14. In den Kammern vom Grauenſtein war jetzt der groͤßte Theil der Jaͤger verſammelt, und man hatte beſchloſſen, durch einige kuͤhne Unternehmungen den zuruͤckgekehrten Herren zu zeigen, wie wenig man ſie fuͤrchte. Doch auch dieſe Herren machten jetzt ernſtliche An⸗ ſtalten, die hochſt gefaͤhrliche Raͤnberbande aus⸗ zurotten, und im Vertrauen auf ihre Macht, wuchs auch ihr Muth.— e In einer geraͤumigen Felſenhalle waren die meiſten Jaͤger verſammelt. Pandulf und Victorin, Golfinger und der finſtre Dorling, der auf kurze Zeit das Forſthaus zu Rudlach verlaſſen hatte, um mit den Gefaͤhrten Ver⸗ ſchiedenes zu verabreden, fuͤhrten wie gewoͤhn⸗ lich vorzugsweiſe das Geſpraͤch. „Nimmermehr haͤtte man es gewagt,“ ſagte Vietorin,„mich und den armen Cunz. ſo zu hetzen, waͤr' nicht den Burſchen jetzt — 133 allzu ſehr der Kamm geſchwollen, glauben ein paar hundert Faͤuſie mehr ben. Aber Kameraden laßt uns alles aufbie⸗ ten unſere Namen von Neuem zu machen.“ „Ja das wollen wir, und zwar salb, 6 ſtimmte Pandulf bei,„Reichenberg hat's ver⸗ dient, und mag den Anfang machen; zu glei⸗ cher Zeit wollen wir dem frommen Ludwig von Flörsheim⸗Auerbach ſeine fette Heerde wegtreiben, und dem geizigen Mannsperger einen Beſuch abſtatten.“ „Dieſes alles in einer Nacht ausgefüͤhrt, wird uns wohl wieder etwas in Ruf brin⸗ gen,“ ſagte Bourgine lachend. „Herr Treutlingen indeß ſcheint nicht viel Luſt zu haben, Schloß Schoͤnfels weiche Pfuͤhle zu verlaſſen,“ verſetzte Dorling finſer. „Ich habe Euch oft geſagt,“ fiel Pandulf ein,„er ſoll uns viel, ſehr viel nuͤtzen, und gerade auf Schonfels iſt er mir jett lüben 134 als im Wald. Blos um einen muthigen Am mehr zu haben, haͤtte ich nicht ſo emſig dar⸗ nach geſtrebt, ihn als einen der Unſrigen zu betrachten. Er ſoll, wenn auch nur ſcheinbar, an der Spitze der Grauenſteiner ſtehen, wenn er auch nicht ſtets dabei iſt, ſo oft wir einen kleinen Gluͤcksſtreich verſuchen, und ein unbe⸗ deutendes Neſt pluͤndern. Diesmal jedoch ſoll auch er nicht unchaͤtig bleiben, damit ſein Arm nicht des gewohnten Geſchaͤfts vergißt; er wird einen Trupp anfuͤhren und Gom⸗ mern nehmen und verbrennen. Als ich mit ihm auf der Ruͤckkehr von Holten zuſammen⸗ getroffen, habe ich alles mit ihm verabredet. Bei der Ruine von Gleineck wird er die Mannſchaft erwarten, die Gian und Trimm⸗ ecker ihm von hier aus zufuͤhren ſollen. Victorin mag mit Golfinger und Bourgine den Zug nach Reichenberg thun. Dorling, Du gehſt wieder nach Rudlach zuruͤck, und kannſt ja von dort aus mit der Mannſchaft, 135 welche vom Lotternſeer Kloſierbeſuch getommen iſt, und ſich dort ausruht, Mannsperg uͤber⸗ fallen. Auch beordere einige von den Bur⸗ ſchen zu dem Streich gegen den Floͤrsheimer. Ich werde nach getroffener Abrede mit dem frommen Abt von St. Adelbert, der um Alles in der Welt wuͤnſchen mag, aus den Grauen⸗ ſteiner Kammern wieder lebendig hervorzukom⸗ men, denſelben mit einem Trupp begleiten, und durch ſeine erzwungene Huͤlfe mit Liſt und ohne Schwerdtſtreich das Floſter St. Adelbert nehmen. Da es ſchon ziemlich kalt iſt, ſo haltet nur recht viele Braͤnde in Be⸗ reitſchaft.— In drei Tagen iſt Alles geſche⸗ hen, was wir jetzt eben verabredet. Damit man recht viel von uns erzaͤhlen kann, ſo wollen wir, ehe ſich die Herren von dem Schrecken erholt, mit aller Macht Ravenſtein, die Ernersheimer Schloͤſſer und Empfingen uͤberfallen, und dann zum lieben Weihnachts⸗ 136 Kmmern ausruhen. Rublach wird man uns wohl keinen Winter mehr bewohnen laſſen, denn liegts auch recht ſchön im Gebuͤrg, ſo lich, und nicht ſchon von der gutmuthigen Na⸗ tur ſo wie unſer Grauenſtein geſchuͤtzt.“— Jetzt hoͤrte das Geſpraͤch auf, allgemein Szu ſeyn, und die Raͤuber theilten ſich mehr in einzelne Gruppen. Die Becher wurden oſt „ Tunk von den verſchiedenen Unternehmungen. ger, abgeſondert von den Uebrigen leiſe und Menge von Jaͤgern ganz ausfuͤhrlich den Raub der Kaufmannsguter, und den Tod des braven Claͤrville erzaͤhlen, welcher von Allen als luſti⸗ ger und tapfrer Kamerad bedauert wurde. 5 Victorin ſaß ſtill in einer Ecke am LTiſch mit noch Einigen zuſammen, nahm aber kei⸗ kaen Autheil an deren Geſpraͤch, bis Bourgine geleert, und man erzaͤhlte ſich beim guten. 6 Pandulf ſprach mit Dorling und Golfin⸗ eifrig. Chriſioffel und Gian mußten einer iſts doch immer den Herren viel zu zugang⸗ „ dem Gebuͤrge, weißt Du nicht, daß Du mir „ ſeinen Muth mit dem Tode hat buͤßen muſſen, autworut Victorin,„die Ant 137 herzutrat/ und Victorin auf die Scun klopfend ſagte:„Nun, wackerer Mann aus auf dem Wege hierher verſprochen haſt, aus— fuͤhrlicher zu erzaͤhlen, wie's Euch zu Lotternſee* ging; denn wie Du todtmuͤde auf dem Wa⸗ 8 gen lagſt, da haſt Du immer mit wenig Wor⸗% ten viele Fragen beantwortet, und man konnte Dirs auch nicht verdenken, denn das lange— Laufen ſtrengt ſehr an, und man wird ſeine„ Beine nicht traͤge ſeyn laſſen, wenn mehrere 8 runde ſchwarze Heffnungen nach dem Ruͤcken S gerichtet ſind. Daß der arme Schanzenmuͤller. hab ich bereits gehoͤrt; nun ſein Wille iſt ihm geworden, er wollte durchaus nicht aus dieſer Gegend fort.— Wie viele ſind aber von den Kloſterknechten gin die ſich Euch entgegenſtellten?“ „Wir ſchlugen ſechs von ihne ieder, und ließen uns das Feld frei; o! wir haben eine prächtige Mahlzeit im Kloſter gehalten⸗ 138 wobei uns der Abt bedienen mußte.— Das kam dem feiſten Dickwanſt freilich ſehr ſchwer an, aber 8 half nichts. Unſer Hoͤllenpater hat ein Moͤnchslätein zu ihm geſprochen, daß wir gelacht bis wir— h konnten.“ „Hore Victorin,“ ſagte nun Bourgine, liſtig laͤchelnd,„da hat mir Schertel geſagt, Du habeſt Dir jetzt ein gar huͤbſches Weib⸗ lein mitgebracht, und ihr in einer der Rud⸗ lacher Hutten eine Behauſung angewieſen. Du weißt, als ich die ſchmucke Buͤrgerdirne in Speier gefangen hatte, das Mädchen Dir gefiel, und wir zuſammen theilten, da ver⸗ ſprachſt Du mir in aͤhnlichem Falle ein Glei⸗ ches. Ich hatte eine große Freude als mir Schertel von der Schoͤnheit Deines Liebchens erzaͤhlte, denn beim Teufel, ich habe jetzt lange 139 nicht am weichen Buſen eines und warme kippen gekuͤßt.“ „Ei, Du biſt ja ein ſo netter Kerl, wie nur je einer ein Kammerfenſter in der Pro⸗ venge erſtieg,“ entgegnete Victorin ſcherzend; „Dich haͤtte jedes Maͤgdlein auf Ravenſtein gern genug in ihrem ſtillen Gemache gehabtz auch giebts ja ſonſt noch Gelegenheit genug mit einer netten Dirne zu ſcherzen; aber mit dem Weibe,“— fuhr er jetzt ernſthaft fort, „deſſen Du eben erwaͤhnt, iſt es nichts, die kann nur ich allein, oder Niemand beſitzen; auch iſt ſie mir treu und wuͤrde ſich eher tod⸗ ten laſſen, als ſich einem Andern ergeben.— Wir ſind feſt an einander gekettet, ſo feſt als nur ein gemeinſchaftliches Verbrechen bin det; ſie ward Mitſchuldige eines Mordes, nur um mir anzugehoͤren.— Ja ſelbſt dann, als ſie erfuhr ich ſey nicht ein reicher Edler, ſon⸗ dern Mitglied einer furchtbaren, maͤchti en Raͤuberrotte, ſelbſt daun verließ ſie mich nich 6 140 ſondern folgte mir hier in dieſe Einode. Solche Glut fand ich noch nie bei einem weiblichen Weſen, denn“.. „Zum Teufel ſey ſtill,“ ſagte Bourgine, „willſt Du mich in Glut ſetzen, da Du mir eben ihre Glut beſchreibſt, und ich doch im⸗ mer fern bleiben ſoll?— Morbleu! Du biſt neidiſch oder ein Narr, und wenn ich ſage ein Narr, da mein' ich, daß Du einem Weibe viel zu viel in die Aeuglein geſchaut haſt, nun glaubeſt nicht mehr von ihr laſſen zu koͤnnen, und haben willſt, daß ſie nur allein in Dei⸗ nen Armen ruhen ſoll.— Ich wollte ſchwo⸗ ren, ſie wuͤrde ſich auch einen ſchwarzen Schnurrbart auf die Lippen legen laſſen— obgleich Dein Bart recht hellbraun iſt.“— „Bourgine, Du weißt nicht was Liebe iſt,“ Victorin.„Aber ich will Dir mit kurzen Worten ſagen, dieſes Weib iſt mir mehr, als Du glaubſt, und ich habe einen Schwur gethan; daß ich eher mein Leben laſ⸗ ſen will, als zugeben, daß— aber wnrum ſpreche ich auch erſt hiervon; Gewalt zu brau⸗ chen wird eſtimmt Niemand bei einem Weibe wagen, welches ich mein genannt, und ſonſt bin ich ſicher, was Du auch ſagen magſt, Freund aus der Provenge, der Du nicht ver⸗ geſſen kannſt, daß eure Schaͤferinnen jeden Hain und jeden kuͤhnen Mann lieben, weil ſie meinen: ein Laub verbirgt ſo gut wie das andere, und Mann ſey Mann. 4. „Alle Teufel, da haben die Schaͤferinnen ganz recht, ſagte Gian lachend,„und ich wuͤnſchte, man glaubte dieß in allen Gauen.“— Pandulf ſtand jetzt auf, und ſammelte alle Gefaͤhrten um ſich, die er nun anredete: „Kameraden, wir haben jetzt verabredet, wie alle die verſchiedenen Unternehmungen am beſten angeordnet waͤren, und ſind einig ge⸗ worden, daß es auf folgende Art geſchehen moͤge. Ich hoffe unſere Plaͤne werden ah Euern Hoiol haben. Wir ſind uͤberzeugt, daß Ihr irnmer das Vortheilhafteſte zu wahlen verſter tu ſagte jod nmnni tn ½ Nun denn, ſo hoͤrt,“ Frach Vduff „Die dritte Nacht von heute an ſoll zu un⸗ ſerm Vorhaben beſtimmt ſeyn. Gian und Trimmecker werden fuͤf und zwanzig Mann nach den Gleinecker Ruinen fuͤhren, wo Treut⸗ lingen ſie mit den vier Gefaͤhrten erwarten wird. Ihr geht dann durch den Worrner Bruch, zieht Euch laͤngs der Vönnheimer Schlucht, und uͤberfallt Burg Gommern von der Sudſeite, wo ſie am leichteſten zu ͤber⸗ rumpeln iſt. Ueberdies wird auf der Burg große Unordnung ſeyn, weil der Herr nicht da iſt, und auch ſeine tapferſten Knechte er⸗ ſchlagen im Sumpf beim Mord⸗Kreuz liegen. Victorin Du ziehſt, wie Du gewuͤnſcht, mit vierzig Mann gen Reichenberg, und zuͤndeſt das Neſt an. Golfinger und Bourgine, jeder mit funfzehn Mann, ſollen die Knechte von —— — 143 Hoch⸗Peuleneck und Ranken hindern, daß nicht dei bedraͤngten Reichenberg zu Huͤlfe ehen, und mit einem Theil der dor⸗ tigen Mannſchaft Mannsperg überfallen, in⸗ deß Chriſtoffel dafuͤr ſorgen wird, daß an al⸗ ien wichtigen Orten Poſten ausgeſtellt werden⸗ Lolly, Woraneck, Hulfrich; Nachersberg Wulf und die Uebrigen werden mich begleiten. Hor⸗ nack mit zwoͤlf Mann wird hier zuruͤckbleiben, und die Bewachung des Grauenſteins uͤber⸗ nehmen; auch Acht haben, daß die ten Poſten fein wachſam ſind.““ 64 „Dorling, Du brichſt wohl noch hun auf,“ ſagte Victorin. Ich werde Dich mit meinem Trupp begleiten, und von Rudlach aus den Zug gen Reichenberg thun; muͤßt ich ja doch beinahe vorbei, wenn ich aus ben Kammern dahin zoͤge.“ Bourgine ſiieß Gian heimlich an, und ſagte leiſe zu ihm: —— „ orling witd mit Chriſtoffl nach „Meriſt Du! 8 iß blos — 144 wegen jenem Weib', daß er nach Rublach will; wir haͤtten weit kuͤrzern Weg durch die Schlucht am Teufelsheerd, und beim breiten Gefaͤlle vorbei. Nun, wie er will, bei dieſer Gelegenheit kann man ja auch einmal das Wunder von Schonheit ſehen. Ich wette ————— iſt nicht ſo die Pin von „Du wirſt ß ie wohl nicht 6 ſhen 6 men,“ erwiederte ihn Gian;„er haͤlt ſeinen Schatz ſehr geheim, und wuͤrde gar wuͤthend ſeyn, wollteſt Du mit Gewalt oder Liſt Ein⸗ S in jene Huͤtte ſuchen.“ Pune; vin der Provenge verſteht man ſich auf ſo etwas gar wohl. Ich will kein Fran⸗ zoſe ſeyn, wenn ich Dir nicht nach drei Ta⸗ zehn Goldguͤlden gegen einen Roſenkranz, ſie „Dafür laß nur mich ſorgen,“ entgegnete gen das Weib von Kopf bis zu Fuße be⸗ ſchreiben kann, ſo genau, als ſey ich ſelbſt „Du muͤßteſt kein Franzoſe ſhn, wenn Du nicht etwas prahlteſt,“ erwiederte Sinn lachend.— Waͤhrend dem hatte cyriinft tu ſorgt, daß Alles zum ſchnellen Abzug bereit war. Auch die Jaͤger, welche Victprin fuͤh⸗ ren ſollte, waren binnen kurzem marſchfertig, denn Schnelligkeit war ein Haupterforderniß bei allen Unternehmungen der wilden Schaat vom Grauenſtein. Die Pferde deren Victorin bedurfte, ſtanden in Rudlach; bis dahin mußte der Weg im Gebürge zu Fuß gemacht werden. „ 15. Im Hohlwege, der von Diembach n Reichenberg fuͤhrte, trabte ein Zug Reiter zum Schutz gegen die kalte Nachtluſt in weite Mintel gehuͤllt— langſam vorwaͤrts. Jetzt waren ſie am Ausgange befilben, u.* — 146 ihnen lag der Flecken, ruhig vom ſchwachen Mondlicht beleuchtet, indeß ſich etwas nach hinten drohend zwei dunkle Maſſen emporho⸗ ben; es waren die beiden Veſten Ranken und Hoch⸗Peuleneck, die auf ein paar ziemlich ſteilen Anhoͤhen erbaut waren, an die ſich dann immer hoͤher und hoͤher die bewaldeten Berge reihten. Der Zug hielt, und drei Reiter ſonderten ſich von den Uebrigen ab, und lenkten die Roſſe nahe an einander. Es waren Viectorin, BGolfinger und Bourgine. „Da waͤren wir an Ort und Stele, ſagte Victorin zu ſeinen Gefaͤhrten,„hier muͤſ⸗ ſen wir uns trennen. Golfinger Du reiteſi mit Deinen Leuten rechts, und Bourgine links. Habt genau Acht auf die Thore der Veſten; wenn ſie geoffnet werden, und man dem be⸗ draͤngten Flecken zu Huͤlfe eilen will, ſo jagt die Burſchen nur wieder zuruͤck in ihr Loch, und ſchont weder Pulver noch Blei. Doch ganz unvermuthet aus Eurem Sr 5 fallen koͤnnt.“ Golfinger und Bourgine zogen von mit ihren Haufen zu beiden Seiten, am Saum des Waldes hin, bis ſie ihre Stellun⸗ gen eingenommen hatten. Unterdeß hatte Victorin ſeine Leute in drei Theile getheilt. Ein Trupp von zehn Mann ſollte den Flecken an der weſtlichen, der andere, eben ſo ſtark, an der entgegengeſetzten Seite uͤberfallen, er ſelbſt wollte mit den uͤbrigen Zwanzig durch das Hauptthor eindringen. Das Zeichen ſollte zwei ſchnell hinter einander folgende Schuͤſſe ſeyn. Brandſtoffe waren in Bereit⸗ ſchaft, und die Räuber gelangten ganz nahe an den Flecken, ohne von einem der Waͤchter bemerkt zu werden. Run befahl Victorin das Zeichen zu geben. Schnell hinter einander wurde zweimal gefenert, und mit furchtbarem Geſchrei ſprengten die Jaͤger vor. Die Thor⸗ wache wurde uͤberraſcht und niedergehauen, und indem Victorin mit mehreren Kameraden die eine Gaſſe entlang, nach dem Hauſe des reichen Kaufmanns ſprengte, zertheilten ſich die Andern, und ſchoſſen nach den Bewohnern, welche ſich gewaffnet aus den Thuͤren ſtuͤrzten; indem ſchlug ſchon die Flamme durch das Strohdach einiger Scheunen, und bald brannte 66s auch am andern Ende, indeß von beiden Seiten die Raͤuber unter lautem Halloh! ein⸗ drangen, Mehrere, die ſich zur Wehre ſtellten niederhieben, und nun in den Haͤuſern der reicheren Einwohner nach Beute ſuchten. Der Ton der Sturmglocke erſchallte erſt, nachdem ſchon mehrere groͤßere Gebaͤude von den Flam⸗ men ergriffen, und viele der muthigen Bewoh⸗ ner getoͤdtet worden waren. Die Sthiſſ und das raſch um ſich grei⸗ fende Feuet ſchreckte die Mannſchaft in den beiden Veſten aus ihrer Ruhe. Man waff⸗ nete ſich in der groͤßten Geſchwindig Zugbruͤcken wurden niedergelaſſen, und und ungeordnet wollte man dem Flecken Huͤlfe eilen, denn ohne Zweifel wars, daß die Grauenſteiner Jaͤger den Frevel veruͤbten. Aber kaum daß die von den Schloßhauptleu⸗ ten gefuͤhrten Knechte uͤber die Zugbruͤcke ge⸗ kommen, ſo empfingen ſie ſchon eine Anzahl Schuͤſſe und eine Menge Reiter— deren An⸗ zahl ſie bei der Nacht fuͤr weit groͤßer hi ten— warf ſich ihnen entgegen, und die Erſchrockenen zuruͤck. Schnell wurde Bruͤcken wieder aufgezogen, und alles zur genwehr bereit gemacht, wenn die R etwa verſuchen wollten, die Veſien zu' rennen. Dies war jedoch gar nicht die Abſicht kleinen Haufen, welche nür hindern woll daß man den Reichenbergern nicht zu H eilte. Die Flamme, von einem verderbli⸗ getrieber)⸗ hatte ſo uͤberhand genom⸗ daß an kein Loͤſchen mehr zu denken war.— Das Haus des reichen Kaufmanns war gepluͤndert worden, und Victorin hatte eine bedeutende Summe Geldes gefunden. Die Saumroſſe waren mit vielen Koſibarkei⸗ ten bepackt, und Victorin ſendete jetzt ein paar Jäger an Bourgine und Golfinger, welche am Mittelthor zu ihm ſtoßen ſollten. Es wurde durch Hoͤrner ein Zeichen ge⸗ n, daß ſich die theilweiſe zerſtreuten Raͤu⸗ ſammeln moͤchten. Bald war der Trupp uf einige, die einzeln von den bewaffne⸗ wohnern erſchlagen worden, beiſammen. t reicher Beute Klabenen Roſſe wur⸗ K die Mitte genommen, und raſch ging k eder dem Walde zu. Jubelnd zogen die ser auf einſamen Wege nach dem Rud⸗ der Forſthauſe; hinter ihnen brannte hell ngluͤckliche Reichenberg. wenig Tagen ſo ſiattlich nit z Thuͤrmen vom Berg ins Thal hernieper ſchaute, lan jetzt in Schutt und Aſche. Adel bert von Treutlingen hatte den Stammſitz falſchen Bruno, wie es verabredet worden in den Felſen des Grauenſtein, uͤberfallen, ohne große Muͤhe und vieles Blutvergießen genom⸗ men und verbrannt. Seinen Trupp hatte er nach Rudlach gefuͤhrt, wo ſich eine groͤßere Anzahl der Raͤuber ſammeln ſollten, um einige bedeutendere Unternehmungen auszufuͤhren. Auch Victorin mit ſeinen war ſch daſelbſt eingetroffen.— Der großte Theil der Räuber k 6 fend in den Gemaͤchern des Forſchauſes. Im großen Zimmer aber ging es ſehr laut zu An dem langen Tiſche bei vollen Weinkrugen ſaßen mehrere Raͤuber und wuͤrfelten. G. 152 finger putzte in einer Ecke der Stube ſeine Buͤchſe, und Gian war beſchaͤftigt, ſeine Jagd⸗ taſche wieder in Ordnung zu bringen. Vour⸗ gine ging, ſtill vor ſich hin lachend; im Zim⸗ mer auf und ab, und ſchien ſich gar nicht um das Treiben der Andern zu bekuͤmmern, ſondern nur ſeinen Gedanken nachzuhaͤngen, und uͤber irgend einem luſtigen Streich zu brů⸗ ten. Hubert lag ausgeſtreckt auf einer Bank, nahe dem Kamin, und war unter dem nicht geringen Laͤrm der Trinkenden, und dem Flu⸗ chen der Spielenden eingeſchlafen. Jetzt trat Baſiel ein. Als Bourgine ſeiner anſichtig wurde, ſchritt er ſogleich auf ihn zu, faßte mit der einen Hand die Seinige, und griff ihm mit der andern unter das Kinn, indem er ſagte:„Baſtel, praͤchtiger Junge, ich wollte Dich eben aufſuchen, Du kommſt mir wie gerufen. Höre, ich hab⸗ Dich immer als einen pfiffigen Kerl gekannt; Du mußt mir„ jeht helfenz ich habe etwas vor— es wird N 3 Du ſprichſt irre, oder biſt Baſtel nicht mehr. 153 ſo recht fuͤr Dich ſeyn, doch Du diesmal Deine ganze Schlauheit 3 ammen⸗ nehmen, es muß ein gar argwöhniſcher Herr angefuͤhrt werden. Aber das Weib iſt auch werth, daß man etwas fur ſit wagt. „Was? ein Weib mit im Spiele,“ ent⸗ gegnete Baſtel, indem er die Stirn zuſammen⸗ zog,„da laß mich in Ruhe, lieber Freundz ich will mit keinem Weib mehr etwas zu thun haben, ich kann keines mehr leiden, mag keines mehr ſehen, und will gar nicht mehr von Dirnen ſprechen noch hoͤren.“ 5 „Was! ſoll ich meinen Ohren trauen?“ antwortete Bourgine, und Baſtel bei den Schultern faſſend, und etwas ſchüttelnd, fuhr er lachend fort:„He! Baſtel komm zu Si Du willſt nichts mehr mit Dirnen zu thun haben!— Du! Ha, hu, ha! Junge biſt Du toll, ober vielmehr vernůnfig geworden?! 8 wire doch noch gar zu eiis 1 „Wohl bin ich nicht mehr der luſtige Burſch, der ich noch geſtern war,“ erwiederte Baſtel mit dem Kopfe ſchuttelnd.„Bourgine, wenn Du wuͤßteſt, wie Schoͤn⸗Roͤschen heut gegen mich war— iſt ganz gewiß, ſie iſt mir nicht mehr gut. Da iſt der lange Koͤh⸗ lerburſch zu ihr gekommen, und— na, wenn ich ihn heut bei Roschen treffe! meine Buchſe iſt ſchon bereit;— ſie muͤſſen beide ſterben, er und die Ungetreue! und ich auch.“ „Ei warum nicht gar, Du wirſt Dich ſchon noch eines beſſern beſinnen,“ ſagte Bour⸗ gine noch immer lachend,„und was ich Dir jetzt erzaͤhlen werde, ſoll Dich auf andere Ge⸗ danken bringen. Haſt Du ſchon das Weib geſehen, welche Victorin“. „O, ja! Bourgine,“ fiel aſul n ein, „die iſt ſchoͤn, ſehr ſchoͤn!— ach! nicht 3 bald hab ich ein Weib geſehen, die Schoͤnfelſer Freifrau ausgenommen, welches ſo lieblich anzuſchauen waͤre.“ „Nun, von der wollte ich eben mit Dir ſprechen,“ verſetzte Bourgine, ſich traulich an Baſiel lehnend, und leiſe weiter ſprechend. „Sieh einmal, Victorin iſt ein Narr, und ſchon aͤrgerlich, wenn Jemand nur von dem Weiblein ſpricht. Nun, es wird nicht lange waͤhren, ſo iſt er ihrer auch ſatt, und wird dann lachen, wenn ich ihn mit Allem bekannt mache, ſo wie er jetzt raſend ſeyn wird. Wir wollen das Weiblein auf zwei Tage entfͤhren. — Ich weiß einen verborgenen Ort, wo wir ſie hinbringen, und dann mit verbundenen Au⸗ gen wieder in ihre Kohlerhuͤtte zuruͤckfuͤhren. Den meiſten Spaß ſoll uns machen, den wuͤ⸗ thenden Victorin zu ſehen, wie er Berg und Thal durchſtreichen wird, um eine Spur zu finden; und dann, wenn wir ſeine Dirne wie⸗ der glucklich in ihre Koͤhlerhuͤtte gebracht ha⸗ ben, das Wiederſehen!— es wird ihm alles unerklarlich ſeyn. Eine kleine Strafe hat der junge Herr ſchon verdient, warum fertigte er mich ſo kurz ab, da ich ihn an die Dirne von Speier und ſein Verſprechen erinnerte.“ „Aber die Sache iſt doch etwas gewagt,“ meinte Baſtel,„und wenn Victorin jetzt er⸗ faͤhrt“. „Des nird er ja aber“ entgegnete VBourgine,„fangen wir die Sache recht ſchlau an. Ich werde Dich genau mit meinem Plan bekannt machen, und Du wirſt dann ſelbſt ſagen, daß es ſo recht gut angeht.“ Indem Beide an ein Fenſter traten und heimlich fortſchwatzten, ging die Thuͤre aufz Adelbert trat haſtig ein, und ſich im Zimmer umſehend, fiel ſein Blick bald auf den ſchla⸗ fenden Hubert. Er ging an ihn heran, und— weckte ihn mit den Worten:„Hubert! Hu⸗ bert! wach auf, ich habe Wichtiges mit— zu reden.“ „Was giebts?“ fragte Hubert, ſich ſchnel aufrichtend. „Kann ich mich doch kaum von meinem Staunen erholen,“ ſagte Adelbert ſo leiſe zu ihm, daß Niemand etwas von dem Geſprä vernehmen konnte.„Ich habe jetzt Jemanden geſehen, den ich in dieſem Leben nie wieder zu erblicken geglaubt.— Als wir auf dem Wege gen Holten allein mit einander ritten, habe ich Dir meine Jugendgeſchichte erzaͤhlt, und darin auch jener Adelheide von Weiden⸗ bach, des zweiten Weibes meines Vaters, Er⸗ waͤhnung gethan, welche mit einem Spanier ſchaͤndlicher Weiſe entfloh.— Denke, als ich jetzt von einem einſamen Spaziergange im Walde zuruͤckkehre, und bei den Koͤhlerhuͤtten vorbei komme, ſehe ich eben Victorin aus ei⸗ ner derſelben treten, neben ihm ein Weib, von dem er zaͤrtlich Abſchied nimmt. Sie wendet das Geſicht nach mir— es iſt Abelheid von Weidenbach, die Verrätherin, welche alles Un⸗ gluck üͤber unſere Familie gebracht.— Man hatte mich nicht bemerkt, ſchnell trat ich hiater einen Strauch der mich verdeckte. Si g zuruͤck in die Huͤtte, und Victorin ſchlug den Weg nach dem Forſthauſe ein. Ich eilte auf einem andern Pfad ihm zuvorzukommen, und erwarte, daß er ſogleich das Forſthaus betre⸗ ten wird.— Ich hab's mir hoch und theuer zugeſchworen, Adelheid von Weidenbach darf ihrer Strafe nicht entgehen, und Du Hubert ſollſt bafuͤr ſorgen, daß ſie beſiaͤndig heimlich bewacht wird, damit nichts mit ihr vorgehe, was mir unbekannt bliebe. Geh' bald und verſuche zu erkunden, alles was man in den Hütten von dem Weibe weiß.“ Indem Hubert das Zimmer verließ, ſchritt Victorin herein. Freundlich gruͤßte er die Ge⸗ faͤhrten, ſchob dann einen Seſſel an den Ka⸗ min, in welchem ein tuchtiges Feuer brannte, und ließ ſich nieder. Adelbert nahm neben ihm Platz. Ich habe Euch eben belauſcht, licber ₰ Victorin,“ ſagte er, ſich vertraulich zu ihm neigend, vals Ihr Abſchied von Eurein trau⸗ 159 ten Schaͤtzein nahmt. Furwahr kein uͤbles 2 Weib, und wenn nicht Eunigunde mein gan zes Herz beſaͤße, wer weiß/ ob nicht dann auch ich verſuchen wuͤrde, die Gunſt Eurer Schoͤnen zu erlangen.“ „Eure Liebe zu der ſchoͤnen Freiftau, ent⸗ gegnete Victorin,„ laͤßt mich ruhig bleiben, denn ſonſt muͤßte ich doch furchten, daß Eure Bewerbungen mich in den Hintergrund draͤn⸗ gen mochten, obgleich ich uͤberzeugt zu ſeyn. glaube, daß Adelheid mir mit guner Seele zu eigen iſt.“ „Wo lerntet Ihr denn dieſe Adelheid ten⸗ nen?“ fragte Adelbert unbefangen und arglos. „Obgleich ich ſonſt nicht gern t ſchwatze,“ erwiederte Victorin,„ſo will ich doch Euch Alles erzählen.— Da ich mich in Worms auf Kundſchaft befand, und als rei⸗ cher Junker aus Heſſen in einer der vornehm⸗ ſten Herbergen eingekehrt war, ſh ich ins — Lages in einem Fenſter des mir gegenuͤberſte⸗ henden Hauſes ein wunderliebliches Weib. Sie war das Weib eines Ritters aus dem der betrogene Gatte hatte ihren Weg erfahren, und war ihnen gefolgt; durch ſeinen Mord Weibes.“ Sen, bei der Nachricht von dem, zwar ͤngſt vermutheten Tode ſeines Vaters.— die Veraͤnderung, den Schmerz in ſeinen Zuͤ⸗ Auf meine Nachforſchungen nach der Unbe⸗ kannten, erfuhr ich, daß ſie von einem reichen Spanier aͤußerſt behandelt, und ſehr ſtreng bewacht werde. Leicht war es mir, in ein Einverſtaͤndniß mit ihr zu kommen. Rheingau, und mit dem Spanier entflohen; ſicherte ſich der Verfuͤhrer den Beſitz des herr⸗ Schwer konnte Adelbert den Schrecen Victorin hatte zu wenig Acht auf den, in ſei⸗ nen Seſſel zuruͤckgelehnten, Treutlingen, um gen zu bemerken, und fuhr in ſeiner Erzah⸗ fort:„Auch die Meinige ward ſie durch ℳ einen einen Mord. Bei einer heimlichen Zuſammen kunft uͤberraſchte uns der Spanierz ſchnell g⸗ nug ergriff ich mein Schwerdt, um mich ge⸗ gen den, wuͤthend auf mich Eindringenden, zu vertheidigen. Doch er war im Vortheil; ſchon begann ich zu weichen, da hatte ſich Adelheid ihrem Peiniger ſeitwaͤrts genaͤhert, und gewandt bohrte ſie meinen ſpitzen Dolch, welchen ich vorher auf ihren Putztiſch gelegt, ihm tief in die Seite. Er ſank, ein Stoß meines Schwerd⸗ tes toͤdtete ihn.— Sie folgte mir hierher.“ Das Hinzutreten einiger Kameraden war Adelbert ſehr erwuͤnſcht; er konnte ſich jetzt leicht und unbeachtet hinwegbegeben, um in einem anſtoßenden kleinen Gemache ungeſtort ſeinen Gedanken nachzuhaͤngen. Rache zu neh⸗ men an dem verbrecheriſchen Weibe, war ſein,. feſter Vorſatz; ſchwer ſollte ſie ihre Unthaten bußen. Vorher aber ſollte Victorin, der tief in ihr Netz verſtrickt zu ſein ſchien, von ihrem Wankelmuthe, von ihrer Falſchheit uͤberzeugt, 162 und ſo bewogen werden, ſie ganz dem Rache⸗ durſte Treutlingens zu üͤberlaſſen. In dieſem dumpfen Dahinbruͤten hatte Adel⸗ bert nicht bemerkt, wie es nach und nach fin⸗ ſterer und jetzt tiefe Nacht geworden war. Da ſtorte ihn ein ſchnelles Oeffnen der Thuͤre in ſeinen Rachegedanken. Hubert trat herein ans dem großen Gemache, in welchem noch ein Theil der Jaͤger beim truben Schein einiger Leuchten, und dem hellen Flackern des Kamin⸗ feuers, theils mit Wuͤrfelſpiel beſchaftigt. war, theils vertraulich plauderte von allerlei Bege⸗ benheiten aus ihrem wuͤſten, wilden Leben⸗ Da er die Thuͤr geoffnet ließ, ſo daß ein ſchwa⸗ cher Schein das Gemach etwas erhellte, ſo konnte er bald Treutlingen mit uͤbereinander⸗ geſchlagenen Armen in einem Lehnſeſſel, nahe dem Fenſter ſitzen ſehen. Haſtig redete er ihn an:„Kaum habt Ihr mich auf Kundſchaft geſendet, ſo kann ich Euch auch ſchon et⸗ was Wichtiges berichten. Eilet zu vechindern, * — Wn Unternehmen zu hindern.“— nen. Wir werden nnn rec daß Euch jenes Weib entfuͤhrt werde. ſah ich ein paar Geſtalten um das Haus chen, deren Abſicht zu ſein ſcheint, durch das hintere Fenſier der Koͤhlerhuͤtte zu ſteigen.“ „Um keinen Preis darf ſie meinen Haͤnden entriſſen werden,“ ſprach Treutlingen aufſprin⸗ gend.„Raſch, mache Victorin mit dem, was Du geſehen, bekannt, wir wollen eilen, jenes Vietorin griff, als er dieſe Nachricht bekam, mit Haſt nach ſeinen Waffen und eilte wuͤthend, in Treutlingens und Huberts Begleitung, durch die finſtere, ſtürmiſche Nacht der Huͤtte zu, wo ſich das Verdaͤchtige begeben. „Jetzt ſchwinge Dich hinauf,“ ſagte leiſe Bourgine zu ſeinem jungen Freunde, dem ge⸗ wandten Bäſtel,„und brich oben di⸗ Stbe weg, daß wir leichter hinein und ſccher ſein können, denn als wir uns aus der Stube ſchlichen, war Victorin ja im tiefen Ge⸗ ſpraͤch mit Adelbert begriffen, und da er auch noch mit Pandulf wegen der Beute abzurech⸗ nen hat, ſo kann er nicht eher als nach Mit⸗ ternacht ſich zu ſeinem Schaͤtzlein begeben, wo wir ſie dann ſchon in jener Hoͤhle und in un⸗ ſerer Gewalt haben.“ „Bourgine, Du kannſt mir ncht glauben, wie bangſam mir heute iſt“ entgegnete Baſiel, ſich zum Hinaufklettern anſchickend.„Wenn Du nicht durchaus wollteſt, wenigſtens in die⸗ ſer Nacht wir den Streich verſuchen ſollen.“ 6 „Aber ſei doch kein Narr,“ erwiederte Bour⸗ gine,„nicht bald kann es eine Racht geben, welche zu unſerem Vorhaben ſo geeignet waͤre. Dieſe Finſterniß— man ſieht kaum fuͤnf Schritte um ſich— kommt uns ſehr zu Stat⸗ ten. Verlaß Dich auf mich und ſteige getroſt hinauf, in einer Viertelſtunde iſt Alles vorbei.“ Eben hatte Baſtel oben das Fenſter gen und begann die holzernen Staͤbe we brechen, da waren Victorin, Treutlin u Hubert in der Naͤhe der Huͤtte angelangt.— Victorin war mit ſchußfertiger Buͤchſe den Bei⸗ den, von innerer ungeduld zu ſehr getriebem ein Stuͤck vorangeeilt. Er hoͤrte das Brechen der Stäbe ſah durch die Dunkelheit die Ge⸗ ſtalt im Fenſter, raſch erhob er das Gewehn legte an, und mit einem dumpfen Schrei ſtrzte der wohlgetroffene Baſtel zu des untenſiehenden Bourgine Fuͤßen. Zu ſpaͤt hatte dieſer den Nahenden bemerkt, und erſt wie deſſen Buͤchſe tnallte, da hatte auch er ſein Gewehr ergriffen⸗ und vhne einen Augenblick zu zoͤgern, ſchoß er es fluchend auf den Morder ſeines treuſten Ka⸗ meraden ab. Auch er hatte gut getroffen. Mit zerſchmetterter Bruſt waͤizte ſich der a Victorin in ſeinem Blute. Die Schuͤſſe hatten die Bewohner von ein paar nahe lie gene Koͤhlerhuͤtten au w 3 n eilte mit Kienbraͤnden hinzu beleuch⸗ e die Scene.— Das Mißgeſchick, welches en Jaͤgern einen ihrer kuͤhnſten und ſchlauſten Anfuhrer, und Bourgine ſeinen treuſten und liebſten Gefaͤhrten entriß, war nicht mehr zu aͤndern; man mußte ſich darein ergeben. Als „ Treutlingen, Hubert und Bourgine eben Anſtalt treffen wollten, mit Huͤlfe einiger Koͤhler die Koͤrper der Getodteten fortzuſchaffen, kamen Golfinger und Gian, die auf dem Wege nach einer der Huͤtten waren, herzu. Kaum hatte man ihnen das trautige Vor⸗ gefallene erzaͤhlt, als Golfinger ingrimmig aus⸗ rief:„Verwuͤnſcht ſeien alle Weiber! alles un⸗ gluͤck kommt nut von ihnen, das habe ich ſchon immer geſagt; die Peſt uͤbers ganze Geſchlecht! wo iſt das Weib, das Schuld am Tode die⸗ ſer braven Kameraden? ſie konnte noch der Haͤlfte unſerer Leute die Köpfe verrucken, wenn der Sache nicht auf einmal ein Ende gemacht wird. Nicht eine Stunde laͤnger ſoll ſie leben.“ 3 der Huͤtte.— uh ten Rin ihm zu folgen 126 Im Walde vor Floͤrsheim waren meh⸗ rere der Jäger vom Grauenſtein gelagert; ſie waren von Dorling abgeſchickt worden, um des geizigen Auerbach fette Heerde zu nehmen. Sie warteten jetzt nur, bis man beim Nach⸗ hauſetreiben an dem Saum des Waldes eine Strecke fortziehen wuͤrde, wo die Jaͤger dann die Hirten davonjagen, und die Beute auf einem unbeſuchten Waldwege an den ſichern Ort bringen wollten. Schnaͤdelbach, der ſich nebſt Ambroſius, Schertel, Tannfelder und Tau⸗ reau unter den Abgeſandten befand, war vor 168 er Zeit nach einem der Rebhöfe geſchlichen, uszukuhdſchaften, wie man am beſten und en das Beabſichtigte ins Werk ſetzen . Er kam jetzt zuruͤck und brachte die Nachricht, daß man heut das Vieh auf einem andern Wege uͤber eine Wieſe treiben wuͤrde, auf welcher jedoch ein kleines Elſengebuͤſch ſich ſehr gut zu einem Verſteckungsorte ſuͤr die Jaͤ⸗ ger eignete. Dahin begaben ſich die Gefaͤhr⸗ ten auf ſeinen Rath) legten die ſchweren Waß- fen ab und lagerten ſich in der Mitte des nen Gehölzes auf einem weichen Raſenplatz. Indem dies geſchehen, hatte ſich Schnaͤdelbach eine Strecke von den Kamraben entfernt, zog ein Pfeiſchen hervor und ſtieß damit ein paar gellende gön aus. Im Augenblick fielen rund herum eine Menge Schuͤſſe auf die uͤberraſch⸗ ten Raͤuber.— Der geizige Schnaͤdelbach hatte gegen eine bedeutende Belohnung die Kamera⸗ den verrathen, welche nun von den Floͤrshei⸗. mer Knechten, unter Anfuͤhrung ihres Herrn fehl, daß man ſie ſogleich an den nachſten Bau⸗ men aufknuͤpfe. Mit Schertel ward der An⸗ den furchtſamen, dicken Genoſſen der Räuber; uͤberfallen worden waren. Die, welche den Kugeln nur verwundet worden, u verzweifelt wehrten, ſtreckten die nun herbb brochenen Mannen mit Kolbenſchlaͤgen nieder. Schertel und Ambroſius waren nur leicht ver⸗ — worden, und wurden jetzt u—* worfen und gefangen. Ludwig von Flörsheim⸗„Auerbach gu Be⸗ fang gemacht; er ließ ſich ruhig die Schlinge um den Hals legen; nickte ſeinem Gefaͤhrten zum Abſchied noch einmal zu, und ſtarb ohne weiter einen Laut von ſich zu geben. Anders„ war es mit Pater Ambroſius. Der war ganz zerknirſcht, zitterte am ganzen Leibe, verdrehte mit einem wahren Jammergeſichte die Augen gen Himmel, und ſtotterte ein Gebetlein nach dem andern her. Die Knechte lachten uͤber tter Ludwig ward von einigem Mitleid 170 wegt, und befahl ſeinen Leuten, daß man es dem armen Teufel leicht machen ſolle. Schnaͤ⸗ delbach hatte ſich dem bebenden Hoͤllenpater genaͤhert und hoͤhnte ihn aus, indem er ihn an den Zank erinnerte, welchen ſie unlaͤngſt mit einander gehabt. Ambroſius blieb ruhig und demuͤthig, und ſagte:„Ohne Groll muß man aus der Welt ſcheiden. Dort legt man ſchon mein enges Halsband jurecht, mein Schut⸗ patron moge mir beiſtehen in dieſer letzten Noth! 6 Schnaͤdelbach verzeihe auch Du mir, wenn ich Dich beleidigt, und gieb mir zum Zeichen, daß Du verſoͤhnt biſt Deine Hand.“ „So kleinlaut jetzt, Du Großmaul,“ ſagte Schnaͤdelbach hoͤhniſch zu Ambroſius der ſich ihm mit vorgeſtreckter Hand und matt geſenk⸗ haſt nicht erlangt, was Du gewollt, denn—“ „Wohl erlange ich, was ich will!“ rief jetzt Ambroſius mit erhoͤhter Stimme ſich kraftvoll aufrichtend, mit machtigem Sprunge war er tem Haupte etwas naͤherte. Nicht wahr, Du — 171 an Schnaͤdelbachs Seite, ſchnell riß er den Dolch aus dem Guͤrtel und bohrt dem Verraͤther tief in die Bruſt. Zu gleicher Zeit hatte er auch ſeine Büchſe ergriffen, und indem er freudig rief:„Nun will ich auch e⸗ den, wie es einem Grauenſteiner geziemt,“ warf er ſich auf die ihn zunächſt umſtehenden/ er⸗ ſchrockenen Floͤrsheimer, und nachdem er einige von ihnen zu Boden geſtreckt, ſank er, von mehreren Schuͤſſen getroffen und mit zahlrei⸗ chen Hiebwunden bedeckt, neben ſeinen Geſsß ten ſubend nuſmmn Es ſchien als ob das Glück ſich ganz von der Schaar der wilden Vogel vom Grauenſtein gewandt haͤtte. Faſt jede ihrer Unternehmun⸗ gen mißlang; theils trug bieſer oder jener Zu fil die Schuld dabon cheils werd n 172 t der ernſthafteſte, hartnaͤckigſte Widerſtand leiſtet, weil alle die mehr oder weniger maͤch⸗ tigen Herrn der Umgegend ſich auf's heiligſte und feſieſte verbunden hatten, dem Unweſen jetzt mit gewaffneter Hand ein Ende zu machen. In kleinen Abtheilungen durften die Jaͤger ſich durchaus nicht mehr blicken laſſen, weil rings um die Kammern ſtarke Streitkraͤfte der Ver⸗ buͤndeten geſammelt waren. Der Ueberfall des Floſters von St. Adelbert und die Berennung und Niederbrennung der ſtattlichen Burg Ravenſtein, waren die letzten wohlgelungenen Thaten geweſen, welche die Jaͤger ausgefuͤhrt. Dem frommen Abt von St. Adelbert hatte jedoch ein Verſuch, Pandulf zu verrathen, das Leben gekoſtet. Unter dem Vorwande eines Geleits fuͤr den Abt, zogen die Räuber, Pan⸗ dulf und den Abt an der Spitze, durch die geoͤffneten Dhore des Kloſters; als der Abt nn im Hofe eine Anzahl ſeiner gewaffneten Fnechte beiſammen ſah, da wollte er verſuchen, den Streich von ſeinem Kloſier abjuwenden, und eben als er im Begriff war, ihnen zuzu⸗ rufen, was fur eine Bewandniß es mit ſeiner Begleitung habe, und daß man ſchnell ſich ihrer bemaͤchtigen ſolle, da hatte ſich Panduff ſogleich zum Aeußerſten entſchloſſen. Ein Hieb ſeines Jagdmeſſers warf den Abt, welcher gewagt, ſie zu verrathen, mit geſpaltenem Kopf zu Bo⸗ den; zu gleicher Zeit gab er ein Zeichen, wor⸗ auf die Jaͤger uͤber die uͤberraſchten und er⸗ ſtaunten Kloſterknechte herfielen, und nach kur⸗ zem leichtem Kampfe Herren des Kloſiers wa⸗ ren. Es wurde ganz geplundert und dann nie⸗ dergebrannt. Ebenſo war es mit Ravenſtein geſchehen. Der alte Freiherr hatte bei der Ver⸗ theidigung der Burg ſeiner Vaͤter, auf den Waͤl⸗ len durch einen wohlgetroffenen Schuß ſein Le⸗ ben verloren. Bertha war glucklich entkom⸗ men, und hatte Schutz am Hoflager des Erz⸗ biſchofs von T., eines Verwandten des Abts von St. Adelbert, gefunden. Noch nicht lan wor ſie daſilbſt as es auch ſchon ziemich of⸗ fenkundig geworden, in welchem Verhaͤltniß ſie zu dem üppigen Kirchenfurſten ſtand.— Dorlings Unternehmung gegen Mannsperg war gaͤnzlich mißgluckt; man hatte ſchon vor⸗ her Kunde von ſeinem Vorhaben bekommen, ſein Trupp ward uͤberfallen, der groͤßte Theil davon getödtet, die Uebrigen zerſtreut. Dor⸗ ling war mit Muͤhe dem ſichern Tode entgan⸗ gen, und hatte ſich allein gluͤcklich nach den Grauenſteiner Kammern geflͤchtet, wo er alle Kameraden verſammelt fand. Man berath⸗ ſchlagte ſchon ſeit ein Paar Tagen, wie man ſich einen freien Weg durch die zahlreichen Haufen der Mannen bahnen wollte, welche Grauenſtein umlagert hielten. Zuletzt ward einſtimmig beſchloſſen, einen allgemeinen Aus⸗ fall zu wagen, und die Verbuͤndeten auf der Seite, wo ſie die wenigſten Streitkraͤfte zuſam⸗ mengezogen hatten, zu uͤberfallen. Es geſchah. 3 Pandulf, Adelbert, Dorling, Hubert und Gol⸗ ihre herrlichen Beſizungen in dieſer Gegend ſ um in einem entfernten, mehr in Weſten gelegenen Lande, ihren Wohnſitz zu nehmen. Bald erhielt der Graf Verwandiin, di Nachricht, daß ſie ſich bermaͤhlt. Sie keinen aug dem Kreiſe von Anbetern gewg welche ſie bald in ihrer neuen Heimath u 6 hond ern ein junger, ſchöner Ritter, is dem Norden gekömmen katt hen Preis errungen. Wohl wollten Ritter, welche jene Gegend durchzbgen, beh ten, den Geinahl der ſchönen Freifrau in Obe Italien, und ſpaͤter im Rheingau geſehen zu ha ben, doch mußten ſie durch eine Aehnli getaͤuſcht worden ſein, da er erzaͤhlt, wie er ſeit der Empoͤrung gegen Chriſtian den Boſen, Stockholm mit einem einzigen Diener verlaſſen, und ſich anfaͤnglich in Schottland, und dann in der Normandie aufgehalten, nie aber die herrlichen Gegenden am Rhein, und das rei⸗ 180 zende Italien geſehen habe.— Bald war die Ausſage der Fremden vergeſſen.— Auf dem prächtigen Schloſſe der Neuvermählten aber ver⸗ draͤngte ein Feſt das andere; zahlreiche Gaͤſte varen ſiets geladen, und beſtaͤndig wurden hier e Genuͤſſe geboten, welche der Reichthum zu verſchaffen vermag.— Wenn puch mit eit der großen Feſie weniger würden, ſo das Schloß doch immer der liebſte Ver⸗ ungsort aler Ebirn der umgegenb „v Frohſinns und des ungezwut Gedruckt bei Brandes und Klewert in Berlin. ſ 17 18 19 9 11 12 13 14 6 42 1 2