bli 6 u ten angenommen. 1 8.. 3.(Caution. Unbekannte Perſonen müſſen, bei Entgegennahme eines Buches, eine dem Werthe deſſelben entſprechende Summe hinterlegen, welche bei deſſen Zurückgabe von mir zurückerſtattet wirdrd. t6 4. Abonnement. Daſſelbe zmuß voraus kbezahlt werden und eträgt: fuüͤr wochentlich 3 2 Bücher: 4 Bücher: 6 Bücher: auf 1 Monat: 1 Mk.— Pf. 1 Mr. 50 Pf. 2 Mk.— Pf. 77„ 1 3„=.„ 5 5. Auswärtige Abonnenten haben für Hin⸗ und Zurückſendung der Bücher auf ihre eigenen Koſten und Gefahr ſelbſt zu ſorgen. 6. Schadenersatz. Für beſchmutzte, zerriſſene, verlorene und defecte Bücher(namentlich bei ſolchen mit Kupfern ꝛc.) muß der Ladenpreis erſetzt werden.— Iſt das zerriſſene, beſchmutzte, ver⸗ lorene oder defecte Buch ein Theil eines größeren Werkes, ſo iſt b der Leſer zum Erſatz des Ganzen verpflichtet. ff 8 7. Ausleihezeit. Dieſelbe iſt auf 14 Tage feſtgeſetzt und wird f beſonders darauf aufmerkſam gemacht, daß das Weiterverleihen der Bücher nicht ſtattfinden darf, indem Diejenigen, welche die⸗ ſelben von mir geliehen, auch dafür zu ſtehen haben. Teben und Tieben in Norwegen. Vier Novellen aus dem norwegiſchen Volksleben von Theodor Mügge. — Zweiter Band. Frankfurt am Main. Verlag von Meidinger Sohn& Comp. 1858. 1 3—— Druck von C. Adelmann in Frankfurt a. M. Inhalt. Riukan⸗Voß Seite 1. Si — igna, die Seterin — 1 = — — — Ver einigen Jahren fuhr an einem warmen Sommertage das norwegiſche Dampfſchiff„Prinz Karl“ aus dem Chriſtians Fiord und ſetzte bei der Stadt Frederikswärn zwei Reiſende ab, die in einem Boote der Küſte zufuhren, während der Dampfer ſogleich ſeinen Weg weiter verfolgte. Die Ausgeſchifften waren junge Männer, welche ſich zufäl⸗ lig am Bord des Prinzen Karl zuſammengefunden hatten. Der Eine war ein Normann, welcher von Chriſtiania kam und in der Nähe von Frederikswärn wohnte, der Andere ein Deutſcher, der eine Stunde früher am Eingange des Meerbuſens von Chriſtiania das Dampfſchiff gewechſelt hatte, das ihn von Kopen⸗ hagen hierher gebracht. Der Norweger war ein ächter Sohn ſeines Landes, mittel⸗ groß, gliederkräftig, mit lebhaften Augen, friſchen Farben und dunkelbraunem Haar. Ein gewiſſer Stolz leuchtete aus ſeinen Blicken; ſeine feſten Züge drückten geiſtige und körperliche Kraft 1 5 8 aus, ſein ungezwungenes Weſen und ſeine Art zu ſprechen zeig⸗ ten an, daß er ein Mann ohne Rückhalt und ohne viele For⸗ men ſei, oder es verſchmähe, dafür gelten zu wollen.— Sein deutſcher Gefährte war dagegen zuvorkommend und höflich wie Deutſche ſind, die eine zeitgemäße Erziehung erhalten haben, Ton und Farbe der guten Geſellſchaft kennen und immer wiſſen was ſich ſchickt. Es war ein junges Blut, aufrichtig und gemüthlich und von ganzem Herzen froh, hier zufällig einen Begleiter zu finden, der gut Deutſch verſtand und den er recht viel fragen und ihm recht viel vertrauen konnte. Nach einer ganzen Reihe verſchiedenartiger Erörterungen über Land und Leute, Seereiſe und kleine Begebniſſe, ſagte der Norman:„Sie wollen Norwegen kennen lernen und thun wohl daran, es nicht zu machen wie die meiſten Fremden, die bis Chriſtiania hinauffahren, ſtatt hier im ſchönſten Theile meines Vaterlandes zu landen.“ „Iſt dies der ſchönſte Theil Ihres Vaterlandes?“ fragte der Deutſche. „Sind Buchen- und Eichenwälder, milde Berge und Thäler mit prächtigen Matten, Fruchtbäumen und Fruchtfeldern nicht ſchön?“ erwiederte der junge Mann.„Sogar Weizen wächſt hier an manchen Orten.“ Der Deuſche lachte.„Man hat mir ſchon in Kopenhagen erzählt,“ ſagte er,„daß die Norweger ihre wenigen fruchtbaren Gegenden den Fremden ganz beſonders anpreiſen, während es dieſen ſchwerlich um das zu thun ſein kann, was ſie zu Hauſe weit beſſer haben. Wer hierher kommt, will ſicher keine Weizen⸗ H 8 ₰ ☛ „1— felder fielde merk wor halte mar werd Haf döpf wig 1— felder ſehen, ſondern die wunderbaren Fiorde, die nackten Hoch⸗ fjelder des Gebirgs, Rennthierheerden, Waſſerfälle und andere merkwürdige Naturſchönheiten.“ „Wenn Sie dergleichen beſonders ſchätzen,“ war die Ant⸗ wort, welche mit einem ſpöttiſchen Ausdrucke gegeben wurde,„ſo halten Sie ſich nicht in Laurwig auf. Gehen Sie nach Telle⸗ marken oder in's Bergenſtift, wo Sie Alles reichlich finden, werden, was Sie ſuchen: Felſen und Sümpfe, mehr als gut iſt, Haferbrot und geräucherte Hammelsknochen, Bärenjäger und lang⸗ zöpfige Setermädchen.“ „Ich werde doch wohl einige Zeit in der Nähe von Laur⸗ wig bleiben müſſen,“ erwieder der Deutſche, ohne auf den Spott zu achten,„da ich einen Verwandten beſuchen will, der hier wohnt.“ „Wie iſt ſein Name?“ fragte der Norweger. „Er heißt wie ich,“ antwortete der gefällige junge Mann, „Warfſtein. Kennen Sie ihn?“ „Kapitain Karſten⸗Warfſteen. Ja wohl,“ ſagte der Andere. „Sein Großvater und der meine waren Brüder,“ fuhr der junge Reiſende geſprächig fort.„Jener trat in däniſche Dienſte, kam ſo nach Norwegen, heirathete hier und blieb im Lande.“ „Und ſeit jener Zeit führt die Familie den Namen Karſten⸗ Warfſteen.“ „Stein oder Steen darauf kommt es nicht an,“ lachte der Nachbar.„Die Geſchichte iſt beinahe hundert Jahre her und Niemand wußte mehr viel von unſerm nordiſchen Familienzweige. — Vor etwa zwanzig Jahren aber beſuchte der Vetter von „ 18 Warfſtein aus Laurwig meinen Vater, als er mit ſeiner jungen Frau eine Reiſe nach Paris und Italien machte.“ „Lars Karſten⸗Warfſteen,“ ſagte der Norweger lächelnd, „oder Karſtens, wie er gewöhnlich hier kurzweg genannt wird, hat ſeinen Adel niedergelegt, als der Storting dieſen aufhob und es ſo gemacht, wie es damals die meiſten Familien thaten, die keine Uneinigkeit unter ihre Kinder bringen wollten.“ „Ich weiß es,“ fiel der junge Herr von Warſſtein ein. „Es war eine närriſche Entſcheidung Ihres Reichstages, erſt den Adel aufzuheben und dann zu ſagen, eure Kinder, die bis zu dieſem Geſetztage geboren ſind, mögen ſich auch fernerhin adelig nennen und ſchreiben, wenn ſie wollen, diejenigen aber, welche morgen und ſpäter zur Welt kommen, ſollen das nicht mehr dürfen. Dadurch hat man die Familien gezwungen, dem Adel ſogleich zu entſagen.“ „Und was Sie närriſch nennen, hat ſich als ſehr weiſe be⸗ währt,“ antwortete der Norweger. „Das bleibt die Frage!“ rief Heinrich von Warfſtein,„doch immerhin, mich drückt ſie nicht und auch mein Vetter kann ſich tröſten. Er hat keine Söhne, hat nur eine Tochter.— Kennen Sie die auch?“ „Ich habe ſie zuweilen geſehen.“ „Mary heißt ſie. Ein ſanfter Name. Iſt ſie ſchön?“ „Sie werden das am beſten ſelbſt beurtheilen können,“ ſagte ſein Gefährte, indem er aufſtand, denn das Boot, war jetzt dicht unter der Hafenbatterie.„Sehen Sie dort die mondförmigen, grünen und bewaldeten Berge? Dort liegt Laurwig, und gleich vor ſein wan giij Sie und vor dieſer prächtigen Stadt am Laaven hat Kapitain Karſtens ſein neues Haus gebaut.— Sie wiſſen doch, daß Ihr Ver⸗ wandter, ſeitdem er Adel und Degen niedergelegt hat, einer unſerer größten Holzhändler geworden iſt? „Eiſenwerke und Hütten beſitzt er, ſo viel ich weiß,“ erwie⸗ derte der Deutſche.„Von ſeinen ſonſtigen Eigenſchaften als Holzhändler habe ich nichts gehört.“ „Große Eiſenwerke ſind allerdings ſein Eigenthum,“ war die Antwort,„allein ſeine Wälder bringen mehr ein.— Laſſen Sie Ihre Koffer auf die Poſt tragen, fordern Sie dort Pferd und Karren und fahren Sie ſchnell nach Laurwig, um bei vol⸗ lem Tage die herrliche Gegend zu betrachten. Ihre großen Kaſten da müſſen ſpäter abgeholt werden. Sie können ſie nicht mit⸗ nehmen.“ „Ein Karren— und mein Gepäck ſoll hier bleiben?“ fragte der Reiſende unwillig. Der Normann nahm ſeinen Lederſack ſammt Regenrock und ſagte ſpottend:„Glauben Sie, daß man in Nor⸗ wegen mit vier Pferden lang und in einem Polſterwagen in Federn reiſen kann?— Dort wohnt der Poſthalter. Glück auf den Weg, Herr!“ Er ſprang aus dem Boote und ſchüttelte dem Nachfolgen⸗ den die Hand. „Darf ich um Ihren Namen bitten,“ rief dieſer ihm freund⸗ lich nach.„Vielleicht treffen wir uns ein ander Mal.“ Der junge Mann ſtand ſtill und beſann ſich einen Augen⸗ blick.„Nun, es iſt möglich, daß wir uns wiederſehen,“ ſagte er dann:„ich heiße Thorkel Hanſen.“ Mit einem raſchen Gruße entfernte er ſich. Nach einer Stunde fuhr der Deutſche von Frederikswärn ab und richtig ſaß er in einem Karriol mit zwei unermeßlich hohen Rädern, zwiſchen denen ein ganz ſchmaler Sitz für ihn übrig blieb. Seine Koffer hatte er zurücklaſſen müſſen, ſein Nacht⸗ ſack war auf dem Hinterbrett feſtgeſchnürt und oben darauf thronten, ohne alle Rückſicht ein zwölfjähriger Junge, der Schüßbauer oder Poſtillon. Ein muthiges Pferd lief in der langen Gabel, der Rei⸗ ſende mußte ſelbſt Leine und Peitſche führen und ſo ging es auf der ſchmalen, welligen Küſtenſtraße im vollen Laufe vorwärts.— Heinrich von Warfſtein überließ es bald dem anſtelligen Thiere, für ihr beiderſeitiges Wohlergehen zu ſorgen, den leichten Wagen auf ſteile Höhen zu ſchleppen und im ſauſenden Galopp in die Thäler hinabzufliegen. Der Felsboden der prächtigen Straße war glatt und eben wie ein Tiſch. Zur Rechten dehnte ſich das ſon⸗ nenblitzende Meer aus, zur Linken lagen waldige Berge, an denen ſich liebliche Gelände öffneten, über welche hinaus in bläulicher Ferne nackte narbige Kuppen aufſtiegen. Nach einigen Stunden gelangte der Reiſende an den Fjord oder Meeresarm, welcher dicht am Laaven tief in den Schooß der Gebirge dringt, und nun ſah er die fleißige Stadt mit ihren Schneidemühlen und rau⸗ chenden Eiſenhämmern vor ſich liegen.— An den erſten Häu⸗ ſern bog er auf Weiſung ſeines kleinen Poſtillons dann zur Linken ab und erreichte auf einer Nebenſtraße den breitfluthen⸗ den Strom, welcher aus weitgeöffneten Bergreihen hervorbrach. „Wo wohnt Kapitain Warfſteen?“ ſagte er. 1 —- Der Junge deutete vor ſich hin, wo in einiger Entfernung auf einem ſanft anſteigenden Hügel ein weißſchimmerndes Haus lag.—„Iſt es das? fragte der Reiſende. „Ja, Herr,“ ſagte der kleine Poſtillon.„Es iſt mächtig groß und ſchön, das ſchönſte Haus in Laurwig. Vor zwei Jah⸗ ren hat es Karſtens neu gebaut.“ Dieſe Lobpreiſung bewegte den Beſchauer zu einem Lächeln Er ſah auf der Stelle, daß dieſer Prachtbau aus Balken und Brettern zuſammengezimmert war, aber er wußte noch nicht, daß in Norwegen überhaupt wenige Häuſer durchweg von Stein ſind. Von Außen war dies ſtattliche Gebäude mit übereinander⸗ fallenden dünnen Latten benagelt, die einen weißgrauen Oel⸗ farbenanſtrich hatten. Eine Reihe hoher Fenſter mit hellen Schei⸗ ben zog ſich an der Front hin und kündigte im Verein mit dem Ziegeldach und der ganzen Ausſchmückung die Wohlhabenheit des Beſitzers an. Eiſenſtäbe und Drahtgitter umfaßten den Garten⸗ raum, Blumen blühten in wohlgepflegten Beeten, eine Laube von Rankengewächſen umſchattete den Eingang und ganze Reihen ſchöner Kirſch⸗ und Fruchtbäume liefen nach allen Seiten den Hügel hinauf. Als das Karriol hielt, ſah Heinrich von Warfſtein einen breitſchulterigen Mann im grauen Hausrock und Strohhut an der Thür erſcheinen, der dort ſtehen blieb und ihn betrachtete. Sein ſcharfes Geſicht mit leicht gekrümmter Naſe, röthlichem Backen⸗ bart und röthlichen Augenbraunen, die an den äußern Enden weit hinaufliefen, hatte einen ſehr ſtrengen und harten Ausdruck. Die Hände in den Taſchen, muſterte er den Ankömmling Anfangs ziem lich 10— gleichgültig, bei dem fremden Klange der Worte, welche er vernahm, wuchs jedoch ſeine Theilnahme ſehr raſch und nach wenigen Minu⸗ ten eilte er an das Gitter vor und empfing ſeinen Vetter aufs Freudigſte.—„Biſt willkommen, mein Junge, herzlich willkom⸗ men,“ rief er wiederholt,„habe Dich ſeit Wochen erwartet. Nun herein, hierherein mit Dir!“— Auf den Ruf des Herrn er⸗ ſchienen ein Paar Dienſtleute, die das geringe Gepäck ins Haus brachten und allerlei Befehle empfingen. Der reiche Handelsherr leitete ſeinen Gaſt dann ſelbſt die breiten Treppen hinauf, zu einigen ſtattlich ausgeſchmückten Räumen, welche dieſer bewohnen ſollte und nach einer Stunde ſaßen beide Verwandte bei dem Abendbrod und beim vollen Glaſe auf dem Perron an der Gar⸗ tenſeite des Hauſes, wo die Ausſicht entzückend war.— Die Stadt lag zu ihren Füßen, die Sonne tauchte in die ferne, uner⸗ meßliche Meerfluth, der rauſchende Strom kam aus ſeinen Fel⸗ ſenhalden und in dem breiten Becken wogte ſanft der prächtige Fjord zwiſchen Wäldern, kühnen Felſenſtirnen und einem Gewimmel kleiner und größerer Menſchenwohnungen, die maleriſch über Strand und Bergeshöhen geworfen waren. Das ganze reichdurch⸗ ſtickte und wechſelnde Gemälde war ſo ſchön, daß Heinrich für ſein Entzücken vergebens nach erſchöpfenden Worten ſuchte. Karſten⸗Warfſteen ſtützte, während er ſchweigend zuhörte, den Arm auf den Lehnſtuhl und ſeine grauen Augen glitten an dem Jüngling auf und nieder. Er dachte über Etwas nach, das ihn angenehm zu ſtimmen ſchien, warf dann und wann eine Be⸗ merkung hin, die erläutern oder beſtätigen ſollte, ließ ſich Man⸗ cherlei erzählen und ſagte zuletzt:„Du wirſt noch vielerlei Schönes — 41 in Norwegen ſehen, aber vielleicht wirſt Du doch endlich mit Mary übereinſtimmen, die Laurwig für das herrlichſte Gebilde Gottes hält, mit Ausnahme des Ortes, wo ſie jetzt wohnt. „Und wo iſt meine Couſine eigentlich?“ fragte der junge Mann. „Sie iſt verreiſet? Seit einigen Tagen iſt ſie nach meinem Hofe Guldholm gefahren,“ war die Antwort,„der am Tindſee liegt, wo wir jährlich ein paar Wochen verweilen. Ich, um nach meinen Holzlagern und Wäldern zu ſehen, Mary um in der friſchen Bergluft Tellemarkens ſich zu ſtärken. Du mußt jedoch nicht glauben,“ fuhr er lächelnd fort,„daß ſie ein blaſſes Püpp⸗ chen iſt, die auf's Land geht, um Farbe zu bekommen, welche ihr den Winter über auf Bällen und Feſten verloren gegangen iſt. Mary wird Dir gefallen, Heinrich. Sie hat Deine Briefe geleſen und erwartete Dich mit Freuden. Da Du zu lange ausbliebſt, wird ſie Dich in Guldholm empfangen. Ruh' aus, müde wirſt Du ſein; die Sonne iſt unter, alſo zehn Uhr vorüber. Noch ein Glas ſtoß an: Willkommen in Norge und doppelt willkommen in meinem Hauſe!“ Als Heinrich von Warfſtein allein war, überkamen ihn mancherlei Gedanken, die ſich gegen Ermüdung und Schlaf an— ſtemmten. Er war wohl empfangen, wohl aufgenommen worden und vor ihm lag eine Zukunft, die mit ihren Erwartungen in ſein erregbares Herz drang. Der reiche Vetter in Laurwig hatte nicht umſonſt nach ſo langen Jahren die Verbindung mit ſeinen deutſchen Verwandten wieder angeknüpft, nicht umſonſt gefordert, daß ſein junger Verwandter ihn beſuchen möge. Der deutſche 12— Zweig der Familie war in keinen ſo glänzenden Vermögensver⸗ hältniſſen, um dieſe Einladung nicht mit beſonderen Hoffnungen zu verbinden. Karſtens hatte nur die eine Tochter und Erbin und alles was man über ihn gehört, deutete an, daß er ein großes Vermögen beſaß, jede Aeußerung des wortkargen Man⸗ nes beſtätigte dies. Er ſprach von ſeinen Wäldern, ſeinen Hüt⸗ tenwerken, ſeinen Holzlagern, mit der ſichern Gleichgültigkeit des Reichthums, und die Ausſchmückung ſeines Landhauſes ſtand da⸗ mit im Einklang. Tapeten, Spiegel, Teppiche und Geräthe wa⸗ ren, wenn nicht koſtbar, doch zierlich und geſchmackvoll. Neugie⸗ rig beleuchtete Heinrich ein paar prächtige engliſche Kupferſtiche, die an den Wänden aufgehängt waren, dann öffnete er die Thür eines Nebenzimmers und blieb erſtaunt ſtehen. Er befand ſich in einem reich decorirten Saale. Seidene Polſter lehnten an den Wänden, ein Kronleuchter ſchmückte die Decke, und über einem ſchönen Flügel hing das Bild eines jungen Mädchens, bei deſſen Anblick ſein Blut heftiger zu ſtrömen begann. Es war in einem weißen Atlaskleide gemalt, und das Werk, wenn auch kein gro⸗ ßes Meiſterſtück in Farbe und Kunſtbehandlung doch eines von jenen Gemälden, in denen die talentvolle Auffaſſung den Mangel an techniſcher Vollendung ausgleicht. Der Beſchauer fühlte, daß dies Bild ähnlich ſein müſſe und mit klopfendem Herzen vertiefte er ſich im Anſchauen und Empfinden. Es war Mary, er zwei⸗ felte nicht daran. Seine Augen ſaugten ſich an dieſen blauen, ſtrahlenden Augen feſt, er lächelte zu dem ſüßen Lächeln, das um dieſen friſchen Mund ſchwebte, er nickte zu der ſtolzen, brei⸗ ten Stirn hinauf, an welcher das Haar in langen, welligen „— Bog lang ſche Lich maf ahgi 1 1 — 13— Bogen niederfloß. Eine unruhige Sehnſucht ergriff ihn, es dauerte lange, ehe er ſich von dieſem reizenden Staunen und Durchfor⸗ ſchen trennen konnte. Als er in ſein Zimmer zurückkehrte, löſchte er ſchnell das Licht aus, denn unter ſich auf dem Perron hörte er die gleich⸗ mäßigen Schritte ſeines Vetters, der noch immer dort auf⸗ und abging und Cigarren rauchte. Er wollte ihn nicht wiſſen laſſen, daß er noch wach ſei, aber leiſe ſtellte er ſich an das offene Fen⸗ ſter und blickte in die nordiſche Sommernacht hinaus, welche am Golf von Neapel nicht weicher und duftiger ſein konnte. Der Mond hing jetzt über dem Meere und hüllte alle Fernen mit Silberſchleiern ein, während näher heran ſein heller Schein ſpie⸗ gelblanke Flächen bildete, in denen große Schiffe regungslos ſtanden. Ein wunderbares Licht füllte die Luft, denn mit dieſem Mondesleuchten verband ſich ein roſiger Dämmerſchein, welcher den ganzen Himmelsrand umzog. Die Sonne ging nicht tief un— ter den Horizont und ſchickte von dort ihre Engel mit Safran⸗ flügeln aus, die leiſe an den Kuppeln hoher Berge hinſtreiften, daß ſie wunderbar leuchtend über dem träumeriſchen Halbdunkel der Thäler und Wälder, wie gigantiſche Wächter, ſtanden. Dazu ſchwammen Blumendüfte umher, die Düfte unzähliger Roſen, Reſeda und Violen, welche aus den Gärten aufſtiegen. Kein Ton, kein Laut ſtörte dieſe ſüße, friedensvolle Stille, nur ein fernes Murmeln, das von einem Waſſerfalle kam, der wie ein zackiger weißer Blitz aus den Bergen niederfuhr, drang von dort herüber. Nach einiger Zeit richtete ſich die Aufmerkſamkeit des jungen a4— Mannes von dieſem nächtlichen Elfenbilde auf den einzigen be⸗ lebten und unruhigen Gegenſtand darin, auf ſeinen Verwandten, der nichts von allem zu ſehen und zu empfinden ſchien. In ſei⸗ nem grauen Rocke, den breiten Strohhut in die Stirn gedrückt, ging er von einem Ende der langen Terraſſe zum andern, als beſchäftigte er ſich anhaltend mit beſonderen Gedanken. Unhör⸗ bar und lautlos ſchlüpfte er wie ein Schattenbild zwiſchen den Ranken der Veranda hin und nur zuweilen lehnte er ſich an einen ihrer Pfeiler, ſah in die Ferne hinaus, flüſterte ein paar Worte und wandte ſich dann, um ſeinen Weg wieder zu begin⸗ nen. Heinrich konnte einige Male in ſein Geſicht blicken und vielleicht hätte er ihn angeredet, aber es kam ihm vor, als wä⸗ ren ſeine Züge noch viel ſtrenger und ſeine Augen noch finſterer und ſtarrer. Vom erſten Begegnen an hatte er kein rechtes Herz zu Lars Karſtens faſſen können, obwohl er nicht zweifeln konnte, daß er ſein Wohlwollen erregt habe. Die abgeſchloſſene Kälte des reichen Vetters, wie ſein ganzes Ausſehen waren nicht ge⸗ eignet, ein junges, lebensluſtiges Gemüth warm zu machen. Von dieſem erſten Abend ließ ſich freilich nicht viel urtheilen und was wollte er mehr, wenn trotz aller Strenge und Kälte Lars ihm ſein einziges Kind zur Frau gab? Er dachte an die junge, lieb⸗ liche Couſine mit dem ſchimmernden, lichtbraunen Haar und er ſah noch immer ihr reizendes Lächeln, die großen, edlen Augen. Es kam ihm vor, als hörte er das ſchwere Seidenkleid im Ne⸗ benzimmer rauſchen, ſeine heißen Blicke richteten ſich auf die Thür. In dem Augenblicke ſagte ihr Vater unten laut und ver⸗ nehmlich:„Mary ſoll! Ich will nichts hören!“ Und mit dem weichbeſchuhten Fuße ſtampfte er auf die Bretter, daß es dröhnte. Dann hörte Heinrich die Glasthür klirren und Alles war ſtill. Er warf ſich in das breite Bett, dachte nach und ſchlief darüber ein. I. Am nächſten Morgen fand er den Kapitain und Handels⸗ herrn fertig angekleidet am Kaffeetiſch und wie es ſchien in vor⸗ trefflicher Laune. Karſtens war ein Mann in der Mitte der fünfziger Jahre, doch ſo rüſtig und kräftig, daß er für zehn Jahre jünger gelten konnte. Seine Stirn war hoch gewölbt, ganz wie die Stirn Mary's im Bilde. Ein Siegelring mit dem Fa⸗ milienwappen ſteckte an dem Zeigefinger ſeiner wohlgeformten Hand, ſein röthlich blondes Haar lag glatt gekämmt an beiden Seiten des Kopfes. So ſchlicht und einfach aber auch ſein feſt⸗ geknöpfter Rock ausſah, ſo war doch alles ſauber und zeigte von größerer Wahl und Sorgfalt, als man es gewöhnlich ſieht. Die ganze Erſcheinung Lars Karſtens war geeignet, den Eindruck hervorzubringen, daß er ein Mann von großer Thätigkeit und Tüchtigkeit in allem was er treibe, ſein müſſe, der aber auch manche Eigenſchaft beſitze, die ihn nicht beſonders angenehm mache. Seine kurzen Befehle an die Dienſtleute, deren Eile und und U war, hatte, überal geplau Bärtch vorgef Freder gefund — 17 und Unterthänigkeit, ſeine Ungeduld, wenn nicht ſofort erfüllt war, was er gebot und die ſtrengen Mienen, welche er dafür hatte, drückten deutlich aus, daß er den pünktlichſten Gehorſam überall fordere und Widerſpruch nicht ertragen könne. Nachdem er mit Heinrich über Familienſachen und Erlebtes geplaudert hatte, faßte er den jungen Mann lächelnd an das Bärtchen am Kinn.„Du haſt doch Deine Koffer heute früh vorgefunden?“ ſagte er.„Ich habe ſie in der Nacht noch aus Frederikswäre holen laſſen.“ „Den beſten Dank,“ war die Antwort.„Ich habe Alles gefunden.“ „Und Du beſitzeſt doch wohl auch ein Raſirmeſſer?“ „O, zwei oder drei, ein ganzes Reiſeneceſſaire.“ „So nimm eines davon und befreie Dein Geſicht von allen dieſen überflüſſigen Haaren,“ erwiederte der Kapitän mit ſo ent⸗ ſchiedenem Ernſt, daß ſein Vetter wohl merkte, ein Scherz käme zur unrechten Zeit.„Du wirſt bemerkt haben,“ fuhr er fort, „daß wir in Norwegen ganz denſelben Widerwillen gegen bär⸗ tige Geſichter hegen wie die Engländer. Ein Bart mag eine Zierde für den Ruſſen ſein, oder ein deutſcher Student, oder ein junger Fant mag ſich darin gefallen, für den verſtändigen Mann ſchickt er ſich nicht. Sogar unſere Soldaten ſorgen mehr für Haare auf den Zähnen als für dergleichen auf den Lippen, und nichts habe ich lieber geleſen als die vortreffliche Antwort eines deutſchen Generals, eines gewiſſen Scharnhorſt, der, als man ihm rieth, einen Bart zu tragen, zurückfragte, ob ſich die Feinde dann etwa mehr vor ihm fürchten würden?“ Er lachte laut auf, und als Mügge, Riukan⸗Voß. 2 ——— er ſah, daß Heinrich mitlachte, ließ er von dem ſtrengen Tone ab.„Was ich von Dir wünſche,“ ſagte er,„iſt zugleich für Dich bedacht und für Dein Wohl. Du willſt doch gefallen, auch den Mäͤdchen gefallen wollen?“ „Wenn auch nicht jedem, ſo doch den hübſchen,“ erwiederte Heinrich. „Und Deiner Couſine Mary 2“ „Ei, ihr am allermeiſten.“ „Nun, wenn das Deine Abſicht iſt,“ ſagte Karſtens, ſo nimm das ſchärfſte Meſſer, denn ſie würde Dich auslachen.“ „Das ſoll ſie auf keinen Fall,“ antwortete der junge Mann erröthend, der ſeinen Entſchluß gefaßt hatte, indem er aufſtand und die Treppe hinauflief. Nach fünf Minuten aber kam er zu⸗ rück und ſein Geſicht war ſo glatt und rein, daß ſein Verwand⸗ ter völlig befriedigt war. „Ich ſehe,“ ſagte dieſer wohlgefällig,„Du biſt ein verſtän⸗ diger Jüngling, der vernünftige Vorſtellungen zu ſchätzen weiß und ſeinen Dünkel überwinden kann. Das iſt mir lieb, Heinrich, es vermehrt meine Hoffnungen und Abſichten. Aber meine Zeit iſt um, ich muß auf mein Comptoir. Willſt Du mich begleiten und meine Geſchäfte kennen lernen? Nimm Deinen Hut und komm, da ſteht mein Kabriolet. Dagegen ließ ſich wiederum nichts einwenden und in wenigen Augenblicken ſaß Heinrich in dem Wagen neben Herrn Karſtens, der den muthigen nordiſchen Renner lenkte. Das Pferd war ein herrliches Thier, graugelb mit ſchwarzen Füßen und ſchwarzem Kamme. Seine rothen Bän⸗ der flogen um die feurigen Augen; der Beſitzer erzählte mit ——— wenigen von Se kürzlich Stadt, die guů nende g doch me Handel in eine verfinſt cheln t . des F „ wiedert Laurw ſeigen 4 fragen im S richt Arſſe drüche ſtens. d, ſ Tone Dich h den eederte 6, ſo M n. Mann ſſtand er zu⸗ wand⸗ erſtän⸗ weiß inrich, e Zeit gleiten tt und ederum rcch in diſchen augel n Bäl⸗ te mit — 19— wenigen gleichgiltig geſprochenen Worten, daß er dem Kronprinzen von Schweden ein Paar von dieſer ſeltenen und theueren Race kürzlich zum Geſchenk geſandt habe. Der Weg führte durch die Stadt, dann durch die äußeren Theile derſelben dem Hafen zu, bis an die großen Holzhöfe, welche Karſtens Eigenthum waren. Viele Begeg⸗ nende grüßten, Andere blieben ſtehen. Manche bückten ſich höflich, doch mehrmals bemerkte Heinrich auch, daß mürriſche und ernſthafte Geſichter auf einige Augenblicke ſich ſeinem Verwandten zukehrten. Der Handelsherr ſchien es nicht zu bemerken, als aber ein Mann, der in einem Karriol den Weg kreuzte, von fern ſeinen Hut abzog, verfinſterte ſich Lars Karſtens Geſicht und ein ſo höhniſches Lä⸗ cheln trat darin hervor, daß Heinrich, der faſt nur den Rücken des Fremden geſehen hatte, neugierig fragte, wer er ſei. „Einer unſerer jungen Weltweiſen und Weltbeglücker,“ er⸗ wiederte ſein Verwandter.„Es iſt der jetzige Storthingmann für Laurwig's Wahlkreis und recht Einer von denen, die Mücken ſeigen und Kameele verſchlucken, wenn es an's Reden geht.“ Der junge Vetter hielt es für das Beſte, nicht weiter zu fragen; freiwillig aber fügte Karſtens nach einer Weile hinzu: „Du wirſt es hier finden, mein guter Freund, wie überall in der Welt, vielleicht noch ein wenig ärger. Ich habe lange Jahre im Storthing gegeſſen, jetzt gehöre ich zu denen, die der Maſſe nicht mehr genügen. Ich bin, wie Du leicht denken kannſt, als Ariſtokrat verſchrieen, weil ich nicht jedem Bauer die Hand drücke und ſelbſt kein Bauer oder Krämer bin, ſondern Lars Kar⸗ ſtens⸗Warfſteen. Der da paßt beſſer für ſie. Er ſtammt von Bauern ab, ſein Vater läuft noch in der blauen Jacke und rothen Mütze 2* —— umher, eines der prächtigſten Exemplare unſerer groben, ungeſchlif⸗ fenen, dünkelvollen Regenten im Lande. Du wirſt das noch kennen lernen. Da liegt mein Holzplatz, der iſt mehr werth, als die ganze nichtsnutzige Geſellſchaft.“ Das Kabriolet fuhr in den weitläufigen Holzgarten und hielt vor dem Wohnhauſe. Mehrere Buchhalter ſaßen an den Schreibpulten, der Geſchäftsführer half beim Ausſteigen; zahlreiche Arbeiter und Aufſeher waren beſchäftigt, einige Briggs und Schooner zu beladen, die in einer hafenartigen Bucht ankerten. Der Handelsherr überließ es ſeinem Verwandten, zu thun was ihm beliebte, er ſelbſt verfügte ſich in ſein Bureau, wo er mehrere Stunden lang ſich in Bücher, Rechnungen und Briefe vertiefte und während dieſer Zeit bewunderte Heinrich die un— geheuren Holzvorräthe, welche überall aufgeſtappelt lagen. Theils waren es Balken und Bretter, welche die langgeſtreckten hohen Schuppen füllten, theils Rundholz der verſchiedenſten Stärke, das ganze Wälder einſt gebildet haben mußte. Die Schiffsla⸗ dungen, welche fortgingen, wurden durch Prame erſetzt, welche beladen ankamen und naſſe Stämme brachten, die den Laaven herunter geſchwommen waren und in der Nähe der Stadt auf⸗ gefiſcht wurden.— Wo dies Holzgebiet aufhörte, erblickte der junge Warſſtein Eiſenſtangen und Schienen, Producte der ver⸗ ſchiedenſten Art, die aus Karſtens Hammer⸗ und Walzwerken her⸗ vorgingen und hier nun ebenfalls Verladung und Verſchiffung erwarteten. Dieſe großen Vorräthe, ihr Werth und was ſich da⸗ mit verknüpfte, beſchäftigten lange Zeit Heinrichs Einbildung. Er ging von einer Stelle zur anderen, muſterte die verſchiedene Whätig der B Schatt Meer, lager und v wo er ſein n Kaufn belade nen k ner h gen hin f beſſer mache Und Gold thum Güt ſtud ſich nahr uf Er rom and — 21— Thätigkeit und ſetzte ſich endlich auf eine Art Altan am Rande der Bucht nieder, der mit überhangendem Buſchwerk umzogen Schatten bot und den herrlichſten Blick auf Hafen, Küſte und Merr, wie auf die Geſchäftigkeit der großen Warften und Holz⸗ lager gewährte.— Hier dachte er über ſeine eigene Lage nach und verſetzte ſich im Gedanken in die vielleicht nicht ferne Zeit, wo er ein thätiger Theilnehmer am Geſchäft ſeines Verwandten ſein mochte. Was war ſein Loos als Schwiegerſohn des reichen Kaufmanns? Rechnungen ſchreiben oder Aufſicht halten, Schiffe beladen helfen und ein eintöniges Leben an dieſem abgeſchiede⸗ nen kleinen Orte führen, der kaum ein paar tauſend Einwoh⸗ ner hatte.— Er ſchüttelte den Kopf und warf einen ſehnſüchti⸗ gen Blick über das blaue Waſſer, auf welchem weiße Segel da⸗ hin flogen wie große weiße Vögel, die gen Süden ziehen in ein beſſeres Land. Dann fiel lihm ein, daß er jung ſei, und Glück machen wolle in der Welt. Glück, nach dem die Menſchen jagen! Und was iſt das Glück der Menſchen? Gold und was das Gold giebt, Genüſſe, Bequemlichkeiten, die Vorzüge des Reich⸗ thums, Wohlleben und Ehren. Sein Vater beſaß der irdiſchen Güter nicht viele, doch er hatte viele Kinder. Heinrich hatte ſtudirt, dann bei einem Gerichtshofe gearbeitet, aber ſeine Aus⸗ ſichten auf ein einträgliches Amt waren nicht eben groß. Er nahm mit Freuden Urlaub, um der Einladung Lars Karſtens zu folgen, nur hatte er ſich vieles anders gedacht wie er es fand. Er glaubte zu einem großen Gutsherrn zu kommen, der ein romantiſches und poetiſches Daſein in dem wunderbaren Felſen⸗ lande führte und er kam zu einem anmaßenden, ſtarrköpfigen — 22— Holzhändler, der zwiſchen Sägeſpähnen und Kifferblöcken ſeine Tage verbrachte und im glücklichſten Falle ihn zum Gefährten ſeiner Speculationen und zum Theilnehmer ſeiner Freuden erheben würde. Alle dieſe trüben Gedanken verſchwanden jedoch, als Heinrich ſich an ſeine Couſine erinnerte.—„Iſt ſie nicht ſchön!“ rief er ſich leiſe zu,„und wenn ſie mich liebt, wenn ſie mein wird, kann ich mit ihr nicht glücklich ſein, ſei es, wo es ſei, auch als Gehülfe im ſtickigen Comptoir oder im Schweiße meines Ange⸗ ſichts, bei Brettern oder Balken?— O, Mary, ich kann Alles für Dich. Ich werde mich fügen und ſchicken, werde dieſem har⸗ ten Papa immer ein verſtändiger Jüngling ſein, der aufs Wort gehorcht. Alles will ich für Dich thun, ſüße Mary.“ In dem Augenblicke hörte er hinter ſich auf dem Platze denſelben Namen ausſprechen und als er durch eine kleine Lücke des Buſchwerkes blickte, ſah er ſeinen Vetter mit einem andern Herrn vorübergehen und dicht unter dem Altane ſtehen bleiben. Er zog ſich vorſichtig zurück und war Zeuge eines Theils ihres Geſpräches,“ „Mary hat mir nichts dergleichen angedeutet,“ ſagte Herr Warfſtein mit ſeiner tiefen abſtoßenden Stimme,„ſie weiß zu gut was ihre Pflicht iſt, und ſie kennt mich.“ „Es iſt ſehr hart, Herr Karſtens,“ antwortete der Andere „daß Sie auch das nicht geſtatten wollen. Was hat denn Inge⸗ borg gethan? Sie war doch ſonſt Ihr Liebling? Ich für meinen Theil—“ „Was Sie betrifft,“ fiel der ſtolze Handelsherr ein,„ſo denke ich in Verb Ulbrige ſind,“ ſeine rten heben nrich rief wird, als indere Inge⸗ teinen „n — 23 denke ich, wir haben keine Rechnung oder kein Geſchäft, die uns in Verbindung brächten.“ „Wir ſind Gegner geworden, ohne meine Schuld,“ antwor⸗ tete der Fremde.„Aber was uns in Meinungen auch trennen mag, ſollte billige Rückſichten bei Ihnen finden. Niemand kann Sie höher ſchätzen und zu jedem Dienſte bereiter ſein als ich.“ „Danke Herr, danke!“ rief Karſtens rauh und hohnvoll. „Werde es nicht vergeſſen, wenn ich Ihre Dienſte brauche. Im Uebrigen will ich Ihre koſtbare Zeit nicht weiter verderben.“ „Daß heißt, Sie wollen ſo unverſöhnlich bleiben wie Sie ſind,“ erwiederte ſein Begleiter. „Was iſt die Uhr?“ fragte der Kapitain. „Es wird nah an Mittag ſein.“ „So muß ich ſehen, wo mein junger Vetter ſteckt.— Ein Beſuch aus Deutſchland, ein ſehr ausgezeichneter junger Mann, beſcheiden, kenntnißvoll, verſtändig. Mary wird ſich freuen, wir fahren nächſtens nach Guldholm hinauf.“ „Ich hoffe nicht, daß Sie Mary—“ begann der andere Herr lebhafter, aber bei dieſem Worte wurde er unterbrochen. „Meine Tochter hat gar nichts mit Ihren Hoffnungen ge⸗ mein;“ ſagte der alte Herr heftig.„Fräulein Mary wird thun was ich für gut finde.— Ich wünſche Ihnen einen guten Tag, Herr, da kommt Ihr Pferd. Was wollen Sie noch ſagen? Iſt es ein Geſchäft?“ „Ja,“ war die Antwort.„Es betrifft Herredsgaard Wald. Sie wollen ihn kaufen, mein Vater auch. Wollen wir das Ge⸗ ſchäft zuſammen machen? „Nein!“ verſetzte Karſtens, indem er ſich kurz umdrehte und ſeinem Hauſe zuging.— Nach einigen Augenblicken ent⸗ fernte ſich auch der, welcher ſo gröblich abgewieſen war. Er ging ohne ein Wort zu ſagen quer über den Platz, bog um die Holz⸗ ſchuppen und gleich darauf hörte Heinrich die Räder eines Wagens auf dem Damm.— Er ſchlüpfte aus ſeinem Verdeck hervor, eilte an der Bucht hinauf und kam ſeinem Verwandten von der anderen Seite entgegen. „Nun, da biſt Du ja,“ begann Karſtens ihm zunickend und ſein ärgerlich finſteres Geſicht hellte ſich auf.„Ich habe alles Nöthige geordnet, morgen ſchon wollen wir reiſen. Ich denke es wird Dir lieb ſein, Mary ſo bald als möglich kennen zu lernen. Iſt's nicht ſo?— Zudem möchte ich ſelbſt raſch an Ort und Stelle einen Handel abſchließen, den meine Agenten eingeleitet haben.“ Das Kabriolet fuhr vor und brachte die beiden Vettern bald zu dem ſchönen Landhauſe zurück.—„Kleide Dich um,“ ſagte der Handelsherr in ſeiner lakoniſchen Weiſe, wir werden bei dem Amtmann eſſen. Amtmann, das merke Dir, Heinrich, iſt das, was bei Euch Regierungspräſident iſt. Du wirſt die bedeutendſten Perſonen dort kennen lernen, die meine Freunde ſind. Am Abend werde ich eine Abſchiedsfeier veranſtalten. Es iſt übel beſtellt bei uns mit Männern und Familien von alten Namen und alten Erinnerungen,“ ſagte er düſter lächelnd,„denn der Bauer iſt hier Herr geworden und hat das Meiſte verbauert. Um ſo mehr müſſen die zuſammenhalten, die noch zuſammenge⸗ hören.“ III. Am nächſten Morgen begann die Reiſe an den Tindſee. Herr Karſtens fuhr in einem leichten Karriol voraus, ſein Vet⸗ ter folgte ihm in eben ſolchem Gefährte nach. Das breite Thal des Laaven mit ſeinen bewaldeten Felswänden und rauſchenden Waſſerfällen, wurde bis nach Kongsberg hinauf verfolgt, jener berühmten Bergſtadt, wo die Silberbäume in tiefen Quarzſpal⸗ ten wachſen.— Dann bog die Straße zur Linken ab in immer wildere und engere Thäler. Die Bergſichte ſtieg dicht und kühn an ſteilen Höhen auf, um mooſiges Geſtein klammerte ſich im Grunde die Erle mit tauſend zähen Fingern feſt. Kleine Bäche polterten durch blumenvolle Matten und bildeten zuweilen breite Lachen, über welche lange holperige Brücken von Birkenſtämmen geworfen waren. Wo das Land ſich den Blicken aufſchloß, lagen wenige einzelne Höfe, niedrige Balkenhäuſer, an Seerändern oder Bergabſätzen erbaut, über welchen die dunſtigen Maſſen ferner nackter Hochgebirge am Himmel erſchienen. Heinrich von Warfſtein hatte den ganzen Tag über die beſte Gelegenheit ſeine einſamen Betrachtungen zu machen, denn er ſaß allein in dem kleinen Wagen und ſein ſchweigſamer Vetter ſtörte ihn ſehr wenig. Sein Kopf war etwas wüſt zu Anfange, denn er hatte Mittags und Abends in Champagner, ſchwerem Portwein und Eis⸗ punſch ſo viele Willkommen und Geſundheiten trinken müſſen, daß er am Morgen noch halb betäubtdavon war. Aber er hatte ſich wacker ge⸗ halten und den günſtigſten Eindruck gemacht. Die Freunde ſeines Ver⸗ wandten hatten ihn mit der freimüthigen Höflichkeit aufgenom⸗ men, welcher der gebildete Norweger ſo gut den Anſtrich gewin⸗ nender Herzlichkeit zu geben verſteht.„Wenn das die hieſigen Ariſtokraten ſind,“ ſagte Heinrich lachend zu ſich ſelbſt, als er ſich der derben, einfachen Männer erinnerte,„ſo weiß ich nicht, welche Rolle ſie bei uns ſpielen würden, aber ſo viel iſt gewiß, es ſind wohlunterrichtete und reſpectable Herren, die ſich den Bauer nicht über den Kopf wachſen laſſen wollen, woran ſie ganz recht thun, denn wie übermüthig und roh muß dies Landvolk ſein. Die Damen in feinem Putz, mit Ketten und Armbändern geſchmückt, die Herren im Frack und Glacéhandſchuh hatten auf unſeren Freund einen überraſchend guten Eindruck gemacht. Reiche Geräthe, feine Speiſen und feine Weine waren in Fülle vor handen und eine ausgezeichnete Gaſtfreundſchaft wurde behaglich ausgeübt. Bis tief in die Nacht blieb dann der Kreis von Her⸗ ren beiſammen, den Karſtens in ſeinen Garten geladen hatte, und welchen er erſt entließ, als ein Band von Roſen ſich um die Felſenhäupter legte. Unter den fröhlichſten Wünſchen waren die Notablen von Laurwig endlich gegangen und Heinrich hörte noch lange ihr Undſee freudenv Blicken Abſichten Wäͤhrend Ihre gr. nieder.( und ſein gemeinſe den glä lch duf welche Wiſen tl m Volke ſcüiſſig welchen „ oben di melten Stund wären. *r — 27— lange ihre Scherze und ihr Gelächter über ſeine Reiſe an den Tindſee zu der ſchönen Couſine. Er hatte auf Mary's Heil und freudenvolle Zukunft ein Dutzend Male getrunken, und in den Blicken der luſtigen Herren hatte er geleſen, daß dieſe über die Abſichten ſeines Vetters ſo wenig zweifelhaft waren, wie er ſelbſt. Während des ganzen Tages ſchwebte Mary's Bild ihm vor. Ihre großen kühnen Augen blickten von allen Fjellen auf ihn nieder. Er ſah ſie am Saume der Wälder ſtehend ihm winken und ſeine lebhafte Phantaſie malte ſich den Empfang und dies gemeinſame Leben und Lieben in der romantiſchen Einſamkeit mit den glänzendſten Farben aus. Inzwiſchen hörte der Weg gänz⸗ lich auf, als die Wagen durch eine tiefe Schlucht gefahren waren, welche ein Waldſtrom mit ſeinem ſchäumenden Waſſer füllte. Ein Wieſengelände breitete ſich aus, ein nackter, ungeheuerer Felſen⸗ kegel mit einer Doppelſpitze wickelte ſich fern am Himmel aus Wolkenſchleiern los und zwiſchen Föhren und Birken am ab⸗ ſchüſſigen Rande eines kleinen See's lag ein einſamer Hof, vor welchem die Fuhrwerke anhielten. „Hier ſind wir in Tellemarken,“ ſagte Karſtens.„Dort oben liegt der Gauſta und mit einem langen halblaut gemur⸗ melten Fluche ſetzte er hinzu:„Ich wollte, daß es ein paar Stunden länger Tag bliebe, oder unſere Pferde beſſer geweſen wären.“ „Warum?“ fragte Heinrich. „Das ſollſt Du bald inne werden,“ war die Antwort. wGtic geuug, wenn wir hier nicht zu warten brauchen.“ 1 Ein inn kam herbei und aus dem ärgerlichen Geſicht — 238 ſeines Verwandten und dem halbverſtandenen Hin⸗ und Herreden wurde ſo viel gewiß, daß die Pferde erſt von der Bergweide ge⸗ holt werden mußten. „Aber warum fahren wir nicht mit unſern Thieren weiter?“ fragte der junge Mann. „Wohin?“ ſagte ſein Verwandter.„Du kennſt das Land nicht. Durch Tellemarken fährt kein Wagen, kein Weg, keine Spur iſt hier. Der Menſch auf ſeinen zwei Beinen, oder ſein vierfüßiger Freund, der ihm den Rücken leiht, ſind die einzigen Mittel, um weiter zu kommen.“ Er drang in den Beſitzer des Gaards, ſo ſchnell als mög⸗ lich Pferde herbei zu ſchaffen, und nach einigen Unterhandlungen machte ſich der Mann auf den Weg. Heinrich warf ſich in das hohe Gras unter eine ſchattige Birke und bald ſammelte ſich die Familie um ihn, betrachtete den fremden Mann, richtete Fragen an ihn, welche er nicht verſtand und erzählte ihm allerlei, was er zu enträthſeln ſuchte. Er kam ſich vor als ſei er unter eine Geſellſchaft von Halb⸗ wilden gerathen, die neugierig um ihn hockten und ihn anſtierten, was keineswegs angenehm war. Karſtens ging auf und ab, un⸗ geduldig und in ſteigend übler Laune.—„Wie gefällt Dir der Anfang?“fragte er.—„Tellemarken iſt ein wildes Hochland voll Wald und allerlei Vieh, aber von wenigen Menſchen bewohnt, die meiſt noch auf der rohſten Stufe ſtehen.— Wundere Dich nicht, daß jeder dieſer Tölpel Dich mit Du anredet, ſie machen es mit dem Könige nicht beſſer, das nennt man Natürlichkeit und Sitteneinfalt. Uebrigens ſtellen ſie ſich weit einfältiger wie ſie wirklich Rnug ih die Pfer ſprochen haben ſie Ich dent ſollen ſi de ſeine He „8 derte der den wi in Gul ( A „ war“, du Fuf d voll oohnt, Dich achen tund ie ſie wirklich ſind, denn wo es an's Rechnen geht, wiſſen ſie ſchlau genug ihre Vortheile wahrzunehmen. Sieh dorthin, da bringen ſie die Pferde ſchon. Wenn ich ihnen nicht den doppelten Preis ver⸗ ſprochen hätte, würden wir Stunden lang warten können. Jetzt haben ſie die Thiere flink bei der Hand und nun laß uns eilen. Ich denke die Paar Mark, um welche die Schufte mich prellen, ſollen ſich tauſendfach einbringen.“ Der reiche Kaufmann hielt dem Bauer einen Sermon über ſeine Habgier und warf ihm dann den Betrag hin. „Du ſollteſt lieber bis morgen hier bleiben, Herr,“ erwie⸗ derte der Mann, der ruhig ſein Geld einſtrich.„In zwei Stun⸗ den wird es dunkel und unter ſechs Stunden kannſt Du nicht in Guldholm ſein.“ „Ich kann nicht bleiben“, antwortete Karſtens kurz. „Das hat Eiſtens Sohn auch geſagt, der vor Dir hier war“, berichtete der Bauer,„und da er kein Pferd haben konnte, zu Fuße fortgegangen iſt.“ Karſtens horchte auf.„Wie lange iſt er fort?“ fragte er. „Drei Stunden vielleicht. Ein ſchmucker Burſch. Echt telle⸗ markiſches Blut, kommt ihm ſo leicht keiner gleich.“ Der Kaufmann bedachte ſich einige Augenblicke, dann ſprach er in ſeiner entſchiedenen Art:„Das Packpferd laſſe ich Dir, Niels. Schicke es morgen früh mit den Sachen hinauf nach Guldholm, ich will es beſonders bezahlen. Unſere Roſſe bringt dann Dein Sohn Dir zurück.— Haſte Dich, Mann, lege die Sättel auf, den Weg finde ich ſelbſt.“ Nach einigen Minuten war alles bereit und mit einem — 30— letzten Fahrwohl und dem üblichen Handſchütteln jagten die bei⸗ den Reiter über den Wieſengrund den Waldbergen zu, welche vor ihnen aufſtiegen. Ihre Pferde gehörten zu den muthigen, raſchen Bergponies, deren Ausdauer und Kraft weit über ihre kleine Geſtalt geht. Bald hatten ſie den Grund zurückgelegt, aus welchem Geſtein in mächtigen, übereinandergethürmten Lagern ſich erhob, auf deren dünner Erd⸗ und Moosdecke das große Wald⸗ gebiet beginnt, das faſt ununterbrochen, bis zum Weiderevier der Hochalpen des Hardanger Gebirgs fortläuft. Von einem Wege war keine Spur mehr. Die Pferde klet⸗ terten mit ihren zierlichen Hufen wie große gelbe Katzen zwiſchen Schuttbergen und Felſenblöcken empor, aber Heinrich merkte ſehr bald, daß man den vorſichtigen Geſchöpfen ſich ohne alle Sorge anvertrauen könnte. Sie prüften jeden Stein, der ihnen bedenklich vorkam, ſtemmten die Beine mit aller Kraft auf, wenn es an Felſengeſenken hinunter ging, drückten ſich zuſammen und ruſchten die glatten Stellen hinab oder umgingen Spalten und Löcher welche ihnen gefährlich ſchienen.— Wilde Waſſer rauſchten von, allen Seiten nieder und mußten durchwatet werden, umgeſtürzte und zerbrochene Bäume lagen übereinander wie Haufen von Todten, denen Niemand ein Grab gräbt; das tiefe Schweigen dieſer zerklüfteten Berge war ſo groß, daß Heinrich ſich einbilden konnte, hier höre Reich und Macht der Menſchen auf. Aber an einzelnen Stellen ſah er doch, daß ſein Vetter, trotz alles Weg⸗ mangels auf dem rechten Wege ſei. Ueber ein breiteres Waſſer war eine rohe Holzbrücke geworfen, in der Ferne erblickte er ge⸗ ſpaltenes Holz in Haufen zuſammengeſtellt und bruchſtückweis er⸗ zählte ih ſeinen H N Waldra Schwede hätten. brechen herunter den Vär händler dalen; hohen nicht, a Dingen 8 Nenerkt reden; arſten denn e der äld nach a ſie bot „würd ie bei⸗ welche thigen, r ihre t, aub n ſich Wald⸗ er der klet⸗ iſchen e ſehr Sorge nklich — 31— zählte ihm Karſtens, daß jeder Fuß breit Land und Holz hier ſeinen Herrn habe. „Norwegen,“ ſagte er,„würde den größten Theil ſeiner Waldregionen nicht benutzen können, es würde ihm gehen wie Schweden, wenn wir die tiefen Fjorde und die Gebirgsſeen nicht hätten. Dieſe liegen ſtufenweis übereinander und aus ihnen brechen die Flüſſe hervor.— Von dem Rande der großen Wüſte herunter, die den Kern des Landes bildet und zuletzt dem Eis, den Bären und den Rennthierheerden allein gehört, ſchwimmen die Holzblöcke bis an die Küſten und bis an die Lager der Holz⸗ händler hinab. So bringt der Laaven alles Holz aus Nummen⸗ dalen; der Tindſee und ſeine Nachfolger das Holz aus dem hohen Tellemarken. Meine Holzgärten in Skeen kennſt Du noch nicht, aber dort eben hat ſich ein Menſch feſtgeſetzt, der in allen Dingen mein Feind und Widerſacher iſt.“ Heinrich fragte nicht als er ſchwieg, denn er hatte ſchon gemerkt, daß es am beſten ſei den hochfahrenden Mann ſelbſt reden zu laſſen.„Es iſt ein Gut zu verkaufen,“ fuhr Karſtens fort,„ich habe lange im Stillen darum gehandelt, denn es beſitzt Holz der ſtärkſten Art. Geſtern erfahre ich, daß der alte Bauer Eiſtein, der Vater jenes Menſchen, die Hand da⸗ nach ausſtreckt.— Beide haben in Skeen ein Geſchäft begründet, ſie boten mir an zuſammen zu kaufen.“ „Wenn es nicht anders geht,“ erwiederte der junge Mann, „würde ich es annehmen.“ „Nein,“ ſprach Karſtens rauh,„ich will mit dieſem Ge⸗ ſellen nichts zu thun haben. Sein Vater iſt der dickköpfigſte, an⸗ -— 32.— maßendſte alte Bauer im Lande, der ſich mehr einbildet wie ein Prinz. Die ganze Familie gleicht ſich darin. Der Sohn war Jahre lang in meinem Hauſe; Undank, Verrath, Uebermuth ſind mein Lohn geweſen. Ich hatte Gutes mit ihm vor. Er war mein Geſchäftsführer, beſaß mein Vertrauen, bis ich merkte,— doch das gehört nicht hierher,“ unterbrach er ſich;„genug, er hielt ſich zur Bauernpartei, ſagte mir, er ſei ein freier Mann, der nicht mehr mit mir gehen könne und endlich kam es dahin, daß er bei den Wahlen gegen mich auftrat und ſelbſt gewählt wurde.“ „Wie lange iſt das her? fragte Heinrich. „Im vorigen Jahre kam es zum gänzlichen Bruche zwiſchen uns.— O, er macht Geſchäfte, iſt ein geſcheuter Burſch, ein tüchtiger Spekulant, aber Herredsgaard ſoll er nicht haben, und ſollte ich den dreifachen Preis bezahlen müſſen!“— Er trieb ſein Thier an, weil der Boden ebener wurde und Heinrich ſetzte ſich aus allem, was er gehört hatte, im Stillen eine Ge⸗ ſchichte zuſammen, die ihn beſchäftigte.— Der junge Kapitän hatte in Karſtens Hauſe gelebt, ſein volles Vertrauen beſeſſen, bis er merkte— was konnte er merken?— daß der Geſchäfts⸗ führer für Mary Blicke und Wünſche hatte. Bei dieſem Gedan⸗ ken ſchlug ſein Herz heftiger, aber nach kurzem Nachſinnen glättete ſich ſeine Stirn wieder. Er dachte an ſeine Couſine. Es war unmöglich, ſie konnte ſich nicht zu einem Krämer und Bauer herablaſſen, der ihren Vater ſo arg beleidigen und mit rohem halbwildem Volke Gemeinſchaft halten mochte. Er ärgerte ſich, daß er das Geſicht des Mannes nicht geſehen hatte, der ihm zwei Mal haſſen, al Herren g Karſtens hohen Ta war.„J „folge mi Du Dich verlaſſen, der Pfer ten ſie e ten die oben ann von eine ſich nach veiter g Nänzt Waſſer dei Gul wirſt Dir le nun ſä E brechend nack hin thatu N — 33— zwei Mal in den Weg gekommen war und er fing an ihn zu haſſen, alle dieſe plumpen rohen Bauern zu haſſen, die ſich wie Herren gebehrden wollten. Mitten in dieſen Träumereien drehte Karſtens ſich um und blickte mit einer Verwünſchung zu den hohen Tannen hinauf, aus deren Spitzen das Licht verſchwunden war.„In einer halben Stunde wird es dunkel ſein,“ ſagte er, „folge mir ſchnell, wir müſſen eine Stelle erreichen von der aus Du Dich leicht nach Guldholm finden kannſt, denn ich muß Dich verlaſſen, um ſogleich nach Herredsgaard zu reiten.“ Die Hufe der Pferde klappten geſchwinder auf dem Felſenboden, dann lenk⸗ ten ſie einen ſteilen Wall hinauf, der ausſah als hätten Gigan⸗ ten die Blöcke aufeinander gethürmt und als die Reiter endlich oben anlangten, lag vor ihnen eine tiefe düſtre Schlucht, die wie von einem Schwerte zerſpalten ſchien. Unermeßlicher Wald dehnte ſich nach allen Seiten aus, über der Tiefe aber erſchienen in weiter Ferne wiederum die nackten Hörner des Gauſta, roth be⸗ glänzt vom letzten Sonnenfeuer. „Hier geht Dein Weg hinab,“ ſagte Karſtens.„Folge dem Waſſer das unten rinnt, es bringt Dich an den Tindſee; dicht bei Guldholm ſtürzt der Bach hinein. In drei oder vier Stunden wirſt Du dort ſein, ohne Eile; der Mond wird kommen und Dir leuchten. Sage Mary, daß ich in Herredsgaard bin und nun ſäume nicht länger.“ Er reichte ihm die Hand und wandte ſein Pferd, das, hals⸗ brechend mit anzuſehen, mit ihm an der ſteilen Wand im Zick⸗ zack hinabſtieg, unten aufwieherte als freue es ſich ſeiner Helden⸗ that und dann durch die Lichtungen des Waldes ſich raſch ent⸗ Mügge, Rutlkan⸗Voß. 3 — 34— fernte.— Heinrich war nicht erfreut, daß ſein Vetter ihn ohne Umſtände in dieſer Wildniß ſeinem Schickſale überließ, da er jedoch nichts daran ändern konnte, blieb nichts beſſeres zu thun als den Rath des Scheidenden zu benutzen. In der Tiefe der Schlucht murmelte das Waſſer ihm entgegen und eine Stunde lang war es noch hell genug, um ohne Mühe es in allen ſeinen Windungen zu begleiten, dann aber trat tiefe Dämmerung und bald darauf völlige Dunkelheit ein. Steile Ufer und Klippen voll wuchernden Unterholzes machten das Pferd ſtörriſch und nach mancherlei Aerger, ängſtlichen Vorſtellungen und lautem, vergeb⸗ lichem Rufen mußte ſich der Reiter entſchließen unter einer mäch⸗ tigen Tanne den Aufgang des Mondes zu erwarten.— Endlich kam der Gebieter der Nacht und ließ ſein blaſſes duftiges Licht durch die ſchwarzen, ſtillen Bäume rieſeln, allein wer hätte durch dieſen dichten Wald ohne Weg und Steg reiten mögen? Wie in verzauberter Wildniß, ſuchte der junge Abenteurer den Bach wie⸗ der auf, den er nicht finden konnte, bis er nach vielen fruchtloſen Verſuchen ſich dem Willen ſeines Thieres ergab, das ſeinen Weg ſuchte wie es ihm gut dünkte. Nach langer Zeit, die voller Sor⸗ gen und Zweifel verging, ward der junge Glanz des Morgens ſichtbar und als die kühle Röthe den Wald färbte, verſchwanden alle ſchreckenden Gedanken in Klüfte zu ſtürzen oder von Bären und Wölfen verzehrt zu werden. Bald öffneten ſich blaue Fer⸗ nen, die geheimnißvoll aus langflatternden Nebeln traten, dann ſtieg das ganze Felſenland des Gauſta majeſtätiſch aus gelben Wolken und plötzlich ſah unſer verirrter Freund einen See zu ſeinen F Spalt 0 m freudig wunderſ hefteten und ſei breitver Platzes Weſen, tigen 6 6 das G mals ohne a er thun fe der tunde ſeinen und voll nach rgeb⸗ näch⸗ ndlich Licht durch die in wie tloſen Weg Sor⸗ rgens anden Bären Fer⸗ dann gelben gee zu 3935— ſeinen Füßen wogen, der ihm wie ein ſchmaler mit Waſſer angefüllter Spalt zwiſchen himmelhohen ſenkrecht glatten Wänden erſchien. „Iſt dies der vielgerühmte, vielerſehnte Tindſee?“ rief er freudig aus,„die Heimath der Rieſen, der Hexen, Trollen und wunderſamen Feien?“— Er ſah zweifelnd umher; ſeine Augen hefteten ſich auf eine Klippe, welche weit über dem Waſſer hing und ſein Athem ſtockte vor Erwartung und Erſtaunen. Eine breitveräſtete Tanne ſtand herrlich in der Mitte des kleinen Platzes und unter ihr ſaß ein Mädchen oder ein überirdiſches Weſen, das ſeine Hände gefaltet, und ſeine Augen zu dem feu⸗ rigen Sonnenglanz erhob, der jetzt an allen Tinden brannte. „Mary!“ ſchrie der junge Mann auf.— Sie wandte das Geſicht zu ihm um, er kannte es.— Wie ſchön, wie viel⸗ mals ſchöner war es, als es der Maler darſtellen konnte! 3* IV. Sie war aufgeſtanden, mit wenigen raſchen Schritten be⸗ fand er ſich an ihrer Seite und ergriff ihre Hand. Beide blick⸗ ten ſich lächelnd und prüfend an.— Ja, ſie war es, aber nicht in der vornehmen glänzenden Tracht von Seide, ſondern in dem dunklen Faltenrock der Telemarkerinnen, das Jäckchen am Halſe dicht geſchloſſen, zwei breite Haarflechten über den Rücken fallend. „Ich bin Dein Vetter Heinrich, Mary,“ ſagte er.„Die ganze Nacht bin ich im Walde herumgeirrt. Dein Vater hatte mich verlaſſen, um nach Herredsgaard zu reiten. Er kommt bald. Aber wie früh biſt Du auf, oder haſt Du uns erwartet?“ „Ich habe Dich nicht erwartet,“ erwiederte ſie.„Sprich zu mir in meiner Sprache, wenn Du kannſt. Ich verſtehe Dich wohl, doch ich vermag nur unvollkommen zu antworten.“ „Du treibſt Scherz mit mir,“ rief er verwundert aus. „Dein Vater hat mir geſagt, daß Du vortrefflich deutſch ſprichſt. Ich habe Deine Bücher geſehen, Deine Briefe geleſen, Mary.“ “ ſchwieg Verſtel e ja.“ fort in diner holm,“ 8 das he „Du irrſt, ich heiße nicht Mary,“ antwortete ſie als er ſchwieg. „Nicht Mary?— Wie heißt Du denn?“ „Ingeborg.“ Er ſchrak zurück und lächelte ungläubig.„Lege doch alle Verſtellung ab,“ bat er.„Ich habe Dein Bild geſehen, Du biſt es ja.“— Er blickte ſie wieder an und dann über die Klippe fort in einen Grund, wo unter alten Bäumen in der Mitte einer ſaftig glänzenden Matte ein Hof lag.—„Das iſt Guld⸗ holm,“ ſagte er. Sie ſchüttelte den Kopf.„Siehſt Du dort oben am See das helle große Haus vor dem der Elf in den See ſtürzt? Das iſt Guldholm. Du biſt in Falſterrud auf Eiſteins altem Hof. Mein Vater heißt Hans Eiſtein.“ Langſam ließ er die Hand des jungen Mädchens los, die Gewalt der Wahrheit kam über ihn. Aber eine Bäuerin ſollte das ſein? Ihr Vater der alte grobe Bauer, der verhaßte Feind ſeines Vetters und ihr Bruder,“— ihr ungeſchlachter Bruder. —„Du heißt Ingeborg— murmelte er leiſe,„aber ich ſah Dein Bild; wie kommt es in Karſtens Haus, in Marys Zimmer?“ „Ich will es Dir ſagen,“ erwiederte ſie.„Mary iſt meine Freundin, ich bin oft bei bei ihr geweſen. Mein Bruder, der die Kunſt verſteht, hat uns beide abgebildet; mich, ausgeputzt in Mary's beſtem Kleide, weil ſie es wollte, ſie, in meiner Landestracht.“ „Und wo iſt Marys Bild? Laß es mich ſehen,“ fiel er ein. „Du wirſt ſie ſelbſt ſehen,“ ſagte Ingeborg,„das iſt beſſer als ihr gemaltes Geſicht, das mein Bruder in Skeen verwahrt. Doch ruhe aus, fremder Mann, ehe Du gehſt: komm und nimm, womit wir Dich erfriſchen können. Falſterrud iſt zwar nur ein Bauernhof, in Guldholm wirſt Du es beſſer finden, doch ſieh, unſer Gärtchen hat Blumen genug. Ich will Dir auch Kaffee bereiten, Erdbeeren und Milch kannſt Du in Fülle haben und gut wird es ſein, wenn Du bei uns verweilſt, denn in Guld⸗ holm werden die Leute noch ſchlafen, Du würdeſt Mary ſtören. Wenn Du Dein Pferd dann bei uns laſſen willſt, fährt mein Vater Dich den See hinauf, der Weg zu Lande iſt mühſam, es liegen tiefe Schluchten dort, durch welche die Waſſer hinunter⸗ ſchießen.“ So ſprechend, hatte ſie ſeine Hand ergriffen und führte ihn den Steeg hinab zu dem eingezäumten Gaard. Schweigend folgte er ihr.— Auf ihren Ruf kam eine alte Frau, der das Pferd überliefert wurde. Behend ſtreifte ſie ihm den Zaum ab, band die Vorderfüße mit einem Riemen zuſammen und jagte es dann in das hohe Gras. „Du findeſt den Gaard ziemlich verlaſſen,“ ſagte Ingeborg freundlich.„Unſere Männer und Mädchen ſind bei den Heerden auf dem hohen Weidelande, aber Du betrachteſt, wie es alle thun, die uns beſuchen, aufmerkſam dies Haus. Es iſt alt, Fremd⸗ ling. Sieh wie ſchwarz die Balken ſind, die es tragen; ſieh auch den Eingang, das Schnitzwerk über der Thüre und den Pfoſten. — Ein gelehrter Profeſſor aus Chriſtiania iſt bei uns geweſen und hat die Runenzeichen an den Ecken auslegen wollen, als Zauberſprüche vor allerlei Gefahr, welche vor langen, langen Jahren d iſt viel S König E hat, ehe gründete Hei plauder derbar er „D wiederte 0b nicht m dies all wenn w ſt dies weit üd bret, N D merbwü Jevalc Saäͤnle — 39— Jahren die Nornen und Trollen ihren Lieblingen gaben. Darüber iſt viel Streit geweſen,“ fuhr ſie lachend auf,„auch darüber, ob König Eiſtein, der mein Ahnherr geweſen ſein ſoll, hier gewohnt hat, ehe er den Hardanger eroberte und am Sognefjord ſein Reich gründete.“ Heinrich von Warfſtein hörte wohlgefällig auf dies Ge⸗ plauder ſeiner Begleiterin, unter deren hellen Augen er ſich ſon⸗ derbar erregt und mit ſeinem Irrthume verſöhnt fühlte. „Dann wärſt Du ja vom hohen Geſchlecht Ingeborg,“ er⸗ wiederte er endlich lächelnd. „Ich bin eines freien Mannes Kind“, ſagte ſie,„iſt das nicht mehr als manche ſtolze Jungfrau ſagen kann? Wer hat dies alles ſo kunſtvoll geſchnitzt? Niemand weiß es.— Und wenn wir auch nicht von Königen ſtammen“, fuhr ſie fort,„ſo i*ſt dies doch ein edles Haus. Meine Väter haben darin gewohnt, weit über Menſchengedenken. Du wirſt keines finden, weit und breit, was ſich mit dieſem vergleichen könnte.“ Das mußte Heinrich zugeben, denn wirklich war es ein merkwürdiges Gebäude. Die Balken waren eiſenhart und von gewaltigem Umfange, das reich geſchnitzte Portal mit ſeinen Säulen, ein Beiſpiel uralter Kunſt von großer Seltenheit.— „Nicht allein dies Haus“, ſagte er,„iſt ſchön und herrlich, auch ſeine Bewohner ſind, wie ich glaube, eben ſo edel und von rechter Art.“ „Habe Dank, wenn Du Gutes von uns glaubſt“, erwiederte ſie. Gefällt es Dir, ſo verweile oder komme wieder. Da iſt mein Vater, er wird Dich gern ſehen.“— Die Thüre öffnete ſich und ein Mann trat heraus, der zu dieſem Hauſe paßte. Es ſchien der alte König Eiſtein ſelbſt zu ſein, der auferſtanden war, um Zeugniß abzugeben. Eben ſo alt, doch eben ſo markig und ſo feſt wie die ſchwarzen Säulen und Knäufe dieſes Baues, ſchien der gewaltige Greis zu ſein. Hoch von Wuchs mit mächtiger Bruſt und breiten Schultern, trug er ſeinen Kopf ungebeugt und ſeine hellen Augen glänzten freundlich, als er dem Fremden die Hand reichte. Langes weißes Haar fiel bis auf ſeine Schultern und machte ſein Geſicht ehrwürdig und ausdrucksvoll. Eine Fülle von Kraft, Verſtand und Güte drückte ſich in ſeinen Zügen aus und als er gehört hatte, wer Heinrich ſei und wie er hierher ge⸗ rathen, wiederholte er die Einladungen Ingeborgs, an ſeinem Heerde auszuruhen. Vater und Tochter führten ihren Gaſt in die Stuga, das heißt in das größte und beſte Zimmer des Hauſes, deſſen Fuß⸗ boden mit Tannennadeln friſch beſtreut war.— Ein ungeheurer Heerd nahm die eine Seite des Raumes ein, aber er war nur zu Staat und Zierde, nicht zum Kochen da. Viel blankes Zinn⸗ geſchirr ſtand und hing in langen Reihen, ſammt blauen eng⸗ liſchen Schüſſeln, Taſſen und ſauber verzierten Töpfen. Rund umher liefen buntgemalte Bretter, mit Sinnſprüchen verſehen, auf welchen ſaubere Geräthe der verſchiedenſten Art aufgeſtellt waren, dicht über dem Heerde aber hing eine Reihe Keſſel neben⸗ einander und erinnerte Heinrich, daß Karſtens ihm erzählt hatte, wie in Tellemarken die ſonderbare Sitte beſtehe, ſein Vermögen vor aller Welt Augen zur Schau zu ſtellen, während gebildete Leute ſonſt ſorgfältig verheimlichen, was ſie beſitzen. Für jedes Tauſend ein Keſ moͤgende davon. Gerithe, Nichten zu ſeine verſproch wit flae 9 Wenn aus Ko ſchmeck C terhalt Mann hatte d Storte Neweſe ſpeiſet beur ſchien „um d ſo ſchien htiger und die ltern Fülle aus e ge⸗ (nem das Fuß⸗ eurer nur zinn⸗ eng⸗ tund ehen, ſtellt eben⸗ atte, ögen ldete edes Tauſend erſparter Silberſpecies, hatte Karſtens geſagt, werde hier ein Keſſel aufgehängt, ſo mußte denn der alte Bauer ein ver⸗ mögender Mann ſein, denn Heinrich zählte wohl ein Dutzend davon. Pracht und Schmuck waren freilich nirgend zu ſehen. Alle Geräthe, Tiſche, Stühle und Schränke beſtanden aus ſchlichtem Fichtenholz, doch ſie glänzten in Sauberkeit.— Eiſtein ſetzte ſich zu ſeinem Gaſte und Ingeborg brachte Kaffee und was ſie ſonſt verſprochen hatte, Milch und Butter, Erdbeeren und einen Korb mit flachem hartem Brod gefüllt. „Nimm und iß“, ſagte ſie,„wir haben es heute nicht beſſer. Wenn Du morgen kommen willſt oder nächſtens, ſollſt Du Brod aus Kongsborg haben. Ich will Dir zeigen, wie dies am beſten ſchmeckt, wenn es in ſüßer Milch aufweicht.“ Er ließ es ſich gefallen und nach kurzer Zeit war die Un⸗ terhaltung unter Lachen und Scherz im beſten Gange. Der alte Mann war weit unterrichteter, als Heinrich denken konnte. Er hatte die Verfaſſung von Eidsvold machen helfen, hatte im erſten Storthing geſeſſen, war bei der Krönung Karl Johanns zugegen geweſen, hatte mit dem Fürſten mehrmals geſprochen und ge⸗ ſpeiſet und kannte die Zuſtände ſeines Vaterlandes genauer und beurtheilte ſie gerechter als viele andere. Er ſprach vom Handel, von den Finanzen, von den Eigenthümlichkeiten der Verwaltung, von den Fehlern und Mängeln des Volks mit ſo vieler Einſicht, daß Heinrich erſtaunte. Seine Sprache war einfach, ſeine Ge⸗ danken klar, alle ſeine Bemerkungen zeigten Ueberlegung und Wahrheit.„Wir ſind ein armes, ſtilles Volk“, ſagte er auf die lobenden Worte ſeines Gaſtes.„In unſern einſamen Bergen ſind — 472— wir auf uns ſelbſt angewieſen, und der lange Winter ſowohl,„Wo wie die Wildheit und Größe der Natur lehren uns Geduld, er als er Entbehrung, Vertrauen auf Gott und auf uns ſelbſt. Alles muß„Ko bei uns ſchwer errungen werden. Andere Völker haben es leichter, oft. Wen um in Kenntniſſen und Fähigkeiten zu wachſen, wir ſind abge⸗ denken.“ ſchnitten von dem großen Menſchenleben, um ſo mehr iſt es V„W nöthig, für uns ſelbſt durch Ordnung und Fleiß zu ſorgen.“ konmſt „Und dieſe ſchönen Eigenſchaften tragen gute Früchte“, er⸗ R wiederte der Gaſt lächelnd, indem er nach dem Dutzend Keſſel daben un aufblickte. Mein Vetter Karſtens rühmt Dich als ein Muſterbild Er der verſtändigen Bauern, die zu allen Geſchäften tüchtig ſind.“ Jruder. „Karſtens“, erwiederte Eiſtein, nachdem er einige Augen⸗ d d blicke geſchwiegen hatte,„wird es nicht gern hören, daß Du an tien meinem Tiſche geſeſſen haſt, und doch ſaß er oft auf derſelben Stelle. Sein Sinn iſt hochmüthig und ungerecht, er iſt ein harter 6 Mann, aber es ſtände uns übel an, wollten wir ihn vor Dir 5 n verklagen. Jeder dem Gott Vernunft gegeben, muß wiſſen, wie uneand er ſie anwendet und zuſehen, was er thut.— Da ſteigt die 6 Sonne über Möens Tinden. Wenn Du verweilen willſt, Henrik 3 f Warfſteen, ſo ſoll Dich Ingeborg zu dem Stein des heiligen DW Olaf begleiten, wo Du alle Tinden und Fjelder und den See gc 1 beſchauen kannſt.“ ti d Heinrich dankte, denn er hielt es für Zeit aufzubrechen und V ben während der alte Mann ſein Boot in Stand ſetzte, das den Gaſt ſel nach Guldholm bringen ſollte, führte Ingeborg dieſen wieder zu n der Klippe unter den Baum, wo er ſie zuerſt gefunden hatte. n — 48— „Wann werde ich Dich wiederſehen, liebes Mädchen?“ fragte er als er ihre Hand nahm. „Komm ſobald Du willſt“, erwiederte ſie.„Hier ſitze ich oft. Wenn ich nach Guldholm hinüberſehe, will ich an Dich denken.“ „Willſt Du“, ſagte er freundlich.„Thue es, Ingeborg, aber kommſt Du denn niemals zu Deiner Freundin Mary?“ „Nein“, war ihre Antwort.„Lars Karſtens will es nicht haben und da er ihr Vater iſt, muß ſie ihm gehorchen.“ Er wagte nicht weiter zu fragen, auch nicht nach ihrem Bruder.„Wenn ich wieder zu Dir komme“, begann er,„will ich Dir Grüße von Mary bringen.“ „Ich fürchte, Du wirſt nicht kommen“, ſagte ſie ihn an⸗ blickend. Er erröthete in plötzlicher Verlegenheit.„Ich weiß nicht was mich hindern ſollte“, war ſeine Antwort;„ſei gewiß, daß kein anderer Wille mich bezwingen wird.“ „So laß mich ſehen, wie Du Wort hältſt“, antwortete ſie. „Es führt ein Fußweg am Walde hin, ein Steg iſt über den Elf geworfen. Sage Mary, daß Ingeborg treu iſt und nun geh', mein Vater erwartet Dich. Bleib in Gottes Hut, ſein Friede mit Dir!“ Sie ſahen ſich beide an und lächelten beide; wie Sonnen⸗ glanz fiel es in Heinrichs Bruſt. Mühſam kletterte er dann das ſteile Ufer hinunter, wo der Kahn an den Felſen wogte.— Ein Sitz von duftigen Zweigen wartete auf ihn. Der alte Ferge ſtand in der Spitze und hielt die Schalten. — A44— „Bewahre Dich,“ rief Ingeborg über den Klippenrand ſchalkhaft neckend.„Unergründlich tief iſt der See. Wer hinein⸗ fällt, verbrennt, denn unten wohnen die Rieſen und ſchmieden die Ketten, an denen der Erdball hängt.“ „Ich glaube,“ ſagte er lachend, indem er ſich auf das grüne Bett warf,„ich fühle ſchon die heißen Ringe.“ Das Schiffchen flog durch den ſchwarzen See. Eiſtein ru⸗ derte mit ſchnellen Schlägen. Als Heinrich zurückſah, ſtand Inge⸗ borg hoch im Sonnenglanz und ließ ihr weißes Schürzchen durch die Luft ihm nachwehen. Nach einer halben Stunde waren ſie bei dem Elf, der mit einem prächtigen Sturz in den See fiel. „Das iſt herrlich!“ rief der Jüngling entzückt. „Du mußt Riukan-Voß ſehen, wenn Du Gottes Wunder preiſen willſt,“ antwortete Eiſtein. „Was iſt Riukan⸗Voß?“ fragte Heinrich. „Haſt Du nie von dem großen Waſſerfalle in Weſtfjorda⸗ len gehört?“ erwiederte der alte Mann.„Dort liegt er, wo die hohe Waldkette läuft, zur andern Seite des Gauſta. Will Keiner Dich führen, ſo will ich es thun. Du haſt mir gefallen, Henrik. Komm nach Falſterud, ſo oft Du kannſt, Du ſollſt willkommen ſein und nun tritt auf den Stein dort und ſchwinge Dich hinaus. Lebe wohl!“ nrand inein⸗ en die grüne ru⸗ Inge⸗ urch n ſie fill Inder orda⸗ die einer nrik. unen aus. Guldholm war ein ähnlich gebautes Haus wie das, welches Karſtens in Laurwig beſaß. Es ſtand auf der Höhe im Schutze einer waldigen Felſengruppe, die es vor den heftigen Winden aus Norden und Oſten ſchirmte. Seine hellen Fenſter wandte es dem See zu, der ſich mondförmig vor ihm krümmte und herrliche Ausſichten nach allen Seiten bot. Da lagen tiefe Buchten und Schluchten, da ſtiegen rieſenhafte Tinden oder Spitzen auf und aus den Waldrevieren irrten die Augen hinauf zu nackten Hör⸗ nern und glänzenden Schneefeldern. Guldholm ſah mitten in die⸗ ſer Umgebung aus, wie eines jener geheimnißvoll geſegneten Plätzchen, auf welchen Locke, der gütige Götterbote, einſt das goldene Horn ſeiner Gabe ausgeleert hatte. Geſchirmt von der Felswand ſtanden, dem Süden zugekehrt, blühende Obſtbäume, Blumen mannigfacher Art prangten in den Beeten, eine Art Glashaus ſogar hatte der reiche Beſitzer bauen laſſen. Und als der junge Ankömmling, dem Niemand entgegen ging, mit leich⸗ — 46— tem Schritte in die ſtillen Gemächer trat, erſtaunte er, ſie ſo ſchön ausgeſchmückt zu finden, als hätte Karſtens zeigen wollen, daß ſein Geld alles vermöge. Da waren theure Möbel aus Deutſchland, Uhren und Tapeten, Teppiche und zierlicher Schmuck. Wie war es einfach dagegen im Hauſe des alten Königs Eiſtein, wie herrlich bei dem reichen Holzhändler und dennoch fielen dem Nachſinnenden Ingeborgs Worte äne„Weit und breit findeſt Du keinen edleren Bau als dieſen.“ Plötzlich öffnete ſich eine Thüre und er erblickte ſeine Couſine. Er erkannte ſie ſogleich an der Aehnlichkeit mit ihrem Vater, aber Karſtens harte und ſtolze Geſichtszüge waren bei ihr weich und unbeſtimmt geformt. Es war eine ſchlanke, feine Geſtalt. Ihre ſanften Augen blickten ſcheu den Vetter an, der ſich ihr ſo unbefangen wie möglich vor⸗ ſtellte und das Fremde des erſten Begegnens zu überwinden ſuchte. Bei aller Mühe aber wollte dies doch nicht leicht gelin— gen. Mary ſchien verſchüchtert von einem Druck, der ſie belaſtete, und erſt nach und nach als er freundlich mit ihr ſprach und gutmüthig, wie er war, ihren Antheil zu erregen ſuchte, gab ſie ſich weniger einſilbig. Seit einer Woche wohnte ſie in Guldholm, wohin ihr Vater ſie voraus geſandt hatte, theils, wie ſie ſagte, um das Haus zu ordnen, theils um in der friſchen Berg⸗ und Seeluft, Ziegenmilch zu trinken, die der Arzt ihr verordnet hatte. „Sind Sie denn krank, theure Mary?“ fragte er, ihre Hand faſſend. „Nicht eben krank,“ erwiederte ſie tieferröthend und aus⸗ weichend,„allein vielleicht ſind meine Nerven nicht ſtark genug, um 4ʃ 1 D ſagte ſi das wi züterte tete er, mmein erfahre darübe Sie u nehm werden nüͤgt uagen Geſih enyf fuh gen e8 w übel Schr hene 1G le ſo ollen, aus muck. ſtein, dem ndeſt eine h an ſtolze ickten vor⸗ ßinden gelin⸗ aſtete und ab ſie holm, ſagte, und hatte. ihre aus⸗ enug, — 4— „Nun um?“ wiederholte er, als ſie ſchwieg. „Um alles was das Leben bringt leicht zu— tragen,“ ſagte ſie und während ſie lächelte, zuckte in ihren Augen etwas, das wie ein Schmerz ausſah, von dem ihr Lippe und Hand zitterten. „So laſſen Sie mich tragen helfen, liebe Mary,“ antwor⸗ tete er,„vielleicht gelingt es mir, Sie heiter und froh zu machen.“ „Vetter Heinrich,“ antwortete ſie ihn ernſthaft anblickend, „mein Vater hat mich auf Ihre Ankunft vorbereitet. Ich habe erfahren, daß Sie uns beſuchen würden und ich habe Zeit gehabt, darüber nachzudenken. Meines Vaters Wille iſt mir heilig. Seien Sie willkommen, ich will mich beſtreben Ihren Aufenthalt ange⸗ nehm zu machen, ſo viel ich es vermag. Ich hoffe jedoch, Sie werden nachſichtig ſein, wenn manches Ihren Wünſchen nicht ge⸗ nügt, aber wie dort oben das wilde Malsfjeld keine Palmen tragen kann, ſo kann Niemand geben, was er nicht beſitzt.“ Sie wandte ſich zum Fenſter und trat ſchnell zurück. Ihr Geſicht wechſelte die Farbe und mit äußerſter Gewalt über ihre Empfindungen fuhr ſie fort:„Mein Vater kommt. Er muß uns froh finden und ſehen, daß wir uns befreundet haben. Verſchwei⸗ gen Sie ihm für heute, daß Sie in Eiſteins Haus gerathen ſind, es würde ihn böſe machen. Irre ich nicht, ſo iſt er ohnehin übel gelaunt.“ Sie hatte nur zu recht geſehen. Karſtens trat mit haſtigen Schritten herein und nach den erſten Grüßen, einigen abgebro⸗ chenen Fragen und herriſchen Befehlen, brach ſein Aerger los. „Ich wollte,“ rief er auf⸗ und abgehend,„daß ich Dich begleitet -— 48— hätte, Heinrich, ſtatt den ſataniſchen Ritt durch Nacht und Sumpf zu machen.“ „Er iſt alſo fruchtlos geweſen?“ fragte dieſer. „Sie hatten geſtern ſchon den Handel geſchloſſen,“ antwor⸗ tete Karſtens.„Die großen Waldungen gehören nun den unver⸗ ſchämten Bauern. Meinen Agenten haben ſie liſtig betrogen, ganz im Geheimen die Sache abgemacht. Die Wälder ſind zehn Mal mehr werth, zwanzig Mal mehr, wenn es gut angefangen wird und es ſind ſchlaue Spekulanten. Vater und Sohn Muſter⸗ bilder aller Tugenden, Männer aus dem Volk— Spitzbuben!“ So ging es eine Weile fort mit immer größerer Heftigkeit und dann und wann, wenn der Sturm am ſtärkſten war, richtete er ſeine Augen auf Mary, ſo düſter und drohend, als trage ſie die Schuld. „Der alte Eiſtein,“ begann endlich Heinrich, und er wollte hinzufügen:„ſcheint mir ein ehrwürdiger und redlicher Mann zu ſein,“ aber zu ſeinem Glücke unterbrach ihn Karſtens bei den erſten Worten. „Nenne den Namen nicht, ich will ihn nicht hören. Dieſe Menſchen ſind mir ſo fatal, daß ich entſchloſſen bin— ſchnell auszuführen, was ich längſt wollte.“ Er wandte ſich zu ſeinem Vetter um und ſah ihn ſo durch⸗ dringend an, daß der junge Mann erröthete, weil es ein Blick war, der bis in ſein tiefſtes Herz zu dringen ſchien. „Nun,“ ſagte er dann ruhiger, Du haſt Deine Couſine Mary geſehen, ich hoffe, Ihr findet Geſchmack an Eurer Geſell⸗ ſchaft. Hier in der Waldeinſamkeit könnt Ihr eine ganze Woche lang n rück ne lieren, . die H ihn an kann.“ richs Euch auf, p Wäite wig k die H habt Hein men. den nickl und! dem we ind und 49— lang nähere Bekanntſchaft machen, dann gehen wir zuſammen zu⸗ rück nach Laurwig.“ „Was meinſt Du?“ 8 „Ich hoffe, daß Mary mir ferlaubt, mich um ihre Freund⸗ ſchaft zu bewerben.“ „Sprich, Mary,“ ſagte Karſtens. „Ich hoffe, daß Sie, lieber Vetter, die Geduld nicht ver⸗ lieren,“ antwortete ſie leiſe.„Was mich betrifft—“ „Was Dich betrifft,“ fiel der Vater rauh ein,„ſo gieb ihm die Hand, nenne ihn Du und fort mit aller Zimperlichkeit. Sieh ihn an, es iſt ein wackerer Junge, der ein Mädchen wohl erobern kann.“ Er lachte und legte beide Hände auf Mary's und Hein⸗ richs Schultern.„Wiſſen müßt Ihr beide ſchon, was ich mit Euch will,“ fuhr er dann fort,„doch der Sicherheit wegen merkt auf, was ich jetzt ſage. Ihr ſollt ein Paar werden, macht das Weitere unter Euch ab, ſobald es angeht. Wenn wir nach Laur⸗ wig kommen, wird die Verlobung erklärt, in zwei Monaten folgt die Hochzeit. Mary bekommt der Winter in Norwegen nicht, Ihr habt dann alſo gerade noch Zeit nach Deutſchland zu gehen. Heinrichs Mutter und Schweſtern werden Dich herzlich aufneh⸗ men. Zum Frühjahr reiſet, geht in den Süden, träumt unter den Orangen und Citronen was Euch gefällt. Während deſſen wickle ich meine Geſchäfte ab, verkaufe, was ſich verkaufen läßt und komme endlich nach. Ich bin es müde mich kränken, von dem Bauernanhange verhöhnen zu laſſen, müde um anzuſehen, wie Macht und Gewalt der rohen Maſſe wachſen. Ich will nicht in dem Lande bleiben, wo kein Adel, keine Schranke, keine Klaſſe Mügge, Riukan⸗Voß⸗ 4 der Beſſeren mehr iſt, wo man Alles umgeſtürzt hat und immer noch umſtürzen wird, was etwa erhalten blieb. Ich werde mich in Deutſchland ankaufen. Dort wollen wir vereint leben. Das iſt mein Wille und jetzt umarmt Euch und liebt Euch, denn ich will Euch glücklich ſehen. Mary, komm her, mein Kind. Du ſollſt glücklich werden, Du biſt ja die einzige, die mir übrig ge⸗ blieben iſt.“ Mary legte ihren Kopf an ſeine Schulter, ſie ſagte kein Wort. Er drückte einen Kuß auf ihre Stirn, ſein gebietender Blick preßte ihr ein furchtſames Lächeln ab, das verzerrt und zitternd auf ihren Lippen blieb, als Karſtens ihr gebot mit dem Vetter jetzt einen Spaziergang zu machen und ihm zu zeigen, was Guldholm an Schönheiten beſitze. Dieſer Tag und noch zwei andere vergingen dem jungen Paare, das den Befehl erhalten hatte, ſich zu lieben und glücklich zu ſein, in quälender Unruhe. Der Wille des Vaters und alle Verhältniſſe bewirkten ihr fortgeſetztes Beiſammenſein. Die um⸗ liegenden Höhen wurden beſucht, die Waſſerfälle, die kleinen Thäler, die grünen, einſamen Schluchten. Sie ſaßen beiſammen im Garten, unter den Bäumen am See und auf den mooſigen Felsplatten an der Elf, aber nirgends kam es je zu einer ver⸗ traulichen Annäherung. Heinrich war befliſſen ſeiner Couſine alle die kleinen Dienſte zu leiſten und ihr alle jene Aufmerkſam⸗ keit zu widmen, welche ein junger Mann einer Dame gern er⸗ zeigt, aber er konnte unmöglich verkennen, mit welcher Gleichgül⸗ tigkeit ſie aufgenommen wurden. Wie ſollte er Liebe erwecken, wo er den Zwang fühlte? Und welche Rolle blieb ihm übrig, wenn er allein D in ihm, der Unt ſeiner F dennoch Walche denden) ſagte d Nechte! wie viel ſiel ihm Hoffnun dungen Innern ſhwäi tachtete önnte. A Er wan ööſich dolzlie dr zuri ich, ſſeger din gr kein nder und dem gen, gen klich alle um⸗ inen men igen ver⸗ ſine ſam⸗ wenn er die kalte engherzige nicht übernehmen wollte, welche ihm allein Mary's Beſitz ſicherte. Gewiſſen und Ehre empörten ſich in ihm, wenn er daran dachte, daß er gewaltſam dies zu leiden⸗ der Unterwerfung entſchloſſene Mädchen zu ſeiner Verlobten, zu ſeiner Frau machen ſollte. Sein Stolz bebte davor zurück und dennoch— wie konnte er entkommen? Was ſollte er erklären? Welche Auftritte ſtanden ihm bevor, wenn er zu einer entſchei⸗ denden Antwort gezwungen war? Sie liebt mich freilich nicht, ſagte die kluge Ueberlegung in ihm, und ich— mit welchem Rechte könnte ich dieſe gefühlloſe Gleichgültigkeit lieben? Aber wie vielen Tauſenden iſt es ſo gegangen. Das große Vermögen ſiel ihm ein, Karſtens Zuneigung und Wünſche, ſeiner Eltern Hoffnungen, ſeine eigene Zukunft. Er verdoppelte ſeine Anſtren⸗ gungen Mary zu gefallen und ſuchte die Stimme in ſeinem Innern zu betäuben. Vergebens, Mary blieb ſanft, leblos und ſchweigſam. Ein inneres Grauen kam ihm an, wenn er ſie be trachtete und auf irgend etwas ſann, was ihren Antheil erwecken könnte. Am Abend des dritten Tages hielt er es nicht mehr aus. Er war mit ihr allein im Garten, Karſtens hatte wohl nicht abſichtslos eine Fahrt über den See nach Oerenaes gemacht, um Holzlieferungen abzuſchließen. Erſt am nächſten Vormittage wollte er zurückkehren.„Und nun, liebe Mary,“ ſagte Heinrich freund⸗ lich, nachdem er alle Kunſt ſeiner Unterhaltung erſchöpft hatte, „ſage mir aufrichtig, ob ich in den Tagen, wo ich bei Dir war, Dein Wohlwollen erworben habe.“ „Das haſt Du,“ erwiederte ſie. 4* — — 1 1 1 1 52 „Und aus dem Wohlwollen einer edlen Seele wird Liebe werden,“ flüſterte er, ſich zu ihr neigend. Sie ſchwieg einen Augenblick, dann that ſie ihre dunkel⸗ blauen Augen groß zu ihm auf und fragte langſam:„Kannſt Du ſagen, daß Du mich liebſt?“ Der Ton klang wie Spott, er ſchrack davor zurück.„Liebe,“ ſagte er dann,„iſt keine Blume die ungepflegt aufblüht. Zeige mir den Weg zu Deinem Herzen, ich will ihn gehen.“ „Du täuſcheſt Dich,“ antwortete ſie.„Wer jenen Weg nicht ſelbſt findet, dem wird er nie ſich aufthun. Du haſt mir erzählt, daß Du Ingeborgs Bild für das meine gehalten haſt, Du biſt mit dieſem Irrthume gekommen.“ 9 „Ja, Ingeborg!“ murmelte er zwiſchen den Zähnen und ſeine Stirn faltend,„Aber was knüpfeſt Du daran?“ fragte er heftig.„Welche Schuld willſt Du mir vorwerfen?“ „Keine,“ ſagte ſie tonlos.„Du weißt was mein Vater will. Ich bin ſein Geſchöpf, er mag über mich befehlen.“ „Du willſt alſo nicht nein ſagen, Mary,“ ſprach er leb⸗ haft bewegt,„wenn ich Dich frage, ob Du mein ſein willſt? Mir Dein Herz und Deine Hand geben?“ „Meine Hand iſt hier,“ erwiederte ſie.„Mein Vater hat darüber beſtimmt, nimm ſie, wenn es Dir gefällt.“ Er ließ die Finger fallen, die er ergriffen hatte, ſie waren ſchwer und kalt wie Eis. Ein Gefühl der Verzweiflung und der Racheluſt drang durch ſeine Bruſt:„Gut,“ rief er grollend,„ich nehme, was Du mir bieteſt. Du haſt Recht, Palmen bringt kein öder Felſen hervor, aber einen Myrthenkranz kann er tragen.“ Ei er leiſe Laden ruhe be üͤber de Macht Hals hinab, ſih d ſagte Warun blitz i den d lebe nkel⸗ unſt be, eige ncch ählt, biſt — 53— Einige Stunden ſpäter als es dunkel geworden war, öffnete er leiſe ein Fenſter, ſtieg von dort in den Garten, drückte die Laden feſt an und entfernte ſich unbemerkt. Er wollte die Un⸗ ruhe bewältigen, die ihn verzehrte, wollte durch den Wald irren, über dem der große, gelbe Mond ſich erhob, aber eine unſichtbare Macht trieb ihn über die Felſen fort, bis er Eiſteins altes Haus aus dem dunklen Grunde ſchauen ſah. Vorſichtig blickte er hinab, kein Licht ſchimmerte, alles war ſtill. Langſam näherte er ſich der Klippe, wo die Tanne ſtand und mit einem Seufzer ſagte er vor ſich hin:„Ingeborg, warum heißt Du nicht Mary? Warum wohnſt Du nicht dort, und ich—, und ich!“ „Und Du,“ flüſterte eine Stimme, die wie ein Himmels⸗ blitz ihn berührte, wo wohnſt Du?“ „In Deinen Armen, Ingeborg!“ rief er leidenſchaftlich in den dunkeln Schattenkreis der Tanne eilend. VL Die Stunden, welche Heinrich dort verlebte, kamen ihm vor wie Traumbilder; als ſei Ingeborg eines jener Zauberkinder der alten Nacht, die irrende Menſchen in ihre weichen Arme ſingen und zu ihren tiefen Grotten auf ewig hinabführten, ehe das Sonnenlicht ihre Beute frei machen konnte. Sie ſaß mit ihm unter dem tiefhängenden Gezweig und oben funkelte ver Mond auf Felſenſpitzen, unten lagerte der ſchwarze Geiſterſee und wallte dann und wann in einer Woge auf, die klingend an das Geſtein ſchlug und weißen Schaum aufſpritzte. Ingeborg plauderte, lachte und ſcherzte mit ihm über tauſend Dinge. Alles was ſie ſagte, war ſo friſch und natürlich, ſo gut und ſo verſtändlich zugleich. O, eine einzige Minute bei ihr, war ein Schatz voll Segen und Wonne für den, der lange, qualvolle Tage vor dem ſtummen Götzenbilde gelegen hatte. Sie erzählte ihm ihr einfaches Leben, dann that ſie zahlloſe Fragen und ließ ihren Freund antworten. Sie ſang ihm Lieder auf der kleinen alte S Gyda in ſein den Al tiefſter will, liegt und e der Gauſt Leden ſeinen ausde hat licbe richt — 55— kleinen Zither, die ſie mit einem Stäbchen ſchlug und trug ihm alte Sagen vor vom König Harald, den die ſtolze Bauerntochter Gyda verſchmähte, von dem wilden Rieſen Swend, der Grunild in ſeiner Höhle gefangen hielt, und Volkslieder, Hirtenlieder von den Alpen. „Iſt es nicht ſchön bei mir?“ fragte ſie endlich.„Willſt Du wiederkommen?“ „Ich möchte immer bei Dir bleiben,“ erwiederte er aus tiefſter Bruſt. „Das kannſt Du nicht,“ antwortete ſie.„Wer hier wohnen will, muß hier geboren ſein. Sieh, dies alles was Du erblickſt, liegt viele Monate tief im Schnee begraben. Dann iſt es wild und einſam am Tindſee. Die Stürme heulen Tag und Nacht, der Fanarauk, der wehende, funkelnde Schneeſtaub, fliegt vom Gauſta herunter und von den hohen Fjeldern und deckt alles Leben zu. Wer gewöhnt iſt, geſellig zu ſein und betriebſam, wer ſeinen Geiſt geweckt und Bildung empfangen hat, kann hier nicht ausdauern. Selbſt mein Bruder kann es nicht mehr.“ „Dein Bruder“, ſagte Heinrich.„Er beſucht Dich oft?“ „Er kommt von Skeen herauf, wenn es nöthig iſt, aber er hat zu viel von den Herrlichkeiten der Welt geſehen, um nicht lieber in der Stadt zu wohnen, wo es an Verkehr und Genüſſen nicht fehlt. Er verachtet die dürren Felſen und iſt kein Freund von Fladbrödt und ſaurer Milch“, fügte ſie lachend hinzu. „Und würdeſt Du nicht auch lieber in der Stadt wohnen?“ fragte er.. 56— „Zur Winterzeit gern“, ſagte ſie.„Du weißt, daß ich oft und lange in Laurwig war, und wenn Mary Dich heirathet—“ „Sie wird mich nicht heirathen“, rief er heftig. „Nicht?“ antwortete Ingeborg.„Warum nicht?“ „Weil ſie mich nicht liebt“, erwiederte er,„und weil ich keines Mädchens Hand mag, das ihr Herz mir nicht geben kann.“ „Und Du— was willſt Du thun?“ fragte ſie ihn nach kurzem Schweigen. „Zurückkehren in meine Heimath“, murmelte er.„Vergeſſen, was mich hierher geführt.“ „Erwartet Dich zu Hauſe ein Herz, das für Dich ſchlägt?“ fuhr ſie fort. „Nein, Ingeborg, Niemand erwartet mich.“ „Und wenn Du gehſt, wirſt Du mich auch vergeſſen?“ „Niemals, niemals! Lebe wohl, morgen muß ich mit Kar⸗ ſtens ſprechen.“ „Höre ein Wort“, ſprach ſie aufſtehend.„Was ſagteſt Du, als Du kamſt? Sagteſt Du nicht: O wäreſt Du Mary, Inge⸗ borg?— Sagteſt Du das?“ „Ich ſagte es,— ja— ich ſage es noch!“ rief er ſie an ſich ziehend. „Ich bin Ingeborg und kann nicht Mary werden“, ant⸗ wortete ſie mit feſter Stimme:„Wenn aber Ingeborg Dir werth iſt, wie kannſt Du ſie verlaſſen, nie wiederkehren wollen?“ „Du willſt nicht, daß ich gehe?“ rief er ſeine Arme um ſie ſchlingend.„Sage mir was ich thun ſoll, um immer bei Dir zu ſein?“ La Mondſch reiches ſchönes an“, ſag „A Miͤchen „G Sprich 8, die dann ko N im nä den dauſes d Nauſch wann borg 1 Tochte geweſ ſich r im d das en dr b J erth ſie Dir — 57— „Laß uns alles wohl bedenken“, ſprach ſie, ihn in den Mondſchein hinausführend, der die Klippe hell überſtrahlte. Ihr reiches Haar floß über ihre Schultern, ihre Augen glänzten, ihr ſchönes ſtolzes Geſicht hob ſich lächelnd zu ihm auf.„Sieh mich an“, ſagte ſie.„Willſt Du bleiben und mich wiederſehen?“ „Wie könnte ich jetzt gehen— Dich verlaſſen— geliebtes Mädchen!“ rief er von Liebesmacht ergriffen. „Gute Nacht, mein Henrik!“ flüſterte ſie unter ſeinen Küſſen. „Sprich mit Mary, ſage ihr: Du biſt es nicht, Ingeborg iſt es, die ich liebe— Ingeborg, die mich liebt!— Das ſage laut, dann komm und laß uns weiter rathen.“ Mit einer raſchen Wendung war ſie aus ſeinen Armen und im nächſten Augenblicke ſah er ſie den ſteilen Gang hinab über den Wieſenplan des kleinen Thales eilen und im Schatten des Hauſes verſchwinden. Langſam kehrte er nach Guldholm zurück, wie von einem Rauſch ergriffen, durch deſſen betäubenden Schwindel dann und wann der ganze Ernſt nüchterner Vorſtellungen brach.— Inge⸗ borg war ſchön und gut— und klug, aber doch eines Bauern Tochter am Tindſee, ob ihr Ahnherr immerhin ein König Eiſtein geweſen ſein mochte. Es gibt in Norwegen manchen Bauer, der ſich rühmt von Königen und Jarlen abzuſtammen. Was hilft ihm das? Wer fragt darnach? Was aber würde Karſtens ſagen, was die Welt, was ſeine eigenen Eltern, wenn er ein Setermäd⸗ chen aus Tellemarken heimbringen wollte? Und wo ſollte er mit ihr leben? Wovon ſeine Exiſtenz begründen? Was war ſeine Zukunft?— War es nicht endlich mehr als zweifelhaft, ob dieſer — 58— alte Mann ihm ſein Kind geben würde— ihm, dem Fremdling, deſſen Stand und Name hier gar nichts galten, der nichts ge⸗ lernt hatte was frommen konnte und der nichts beſaß als ſich ſelbſt?— Durch alle dieſe Zweifel und Bangen lief Ingeborgs Bild mit ſiegender Gewalt. Ihr kühnes Auge voll Muth und Willenskraft drang überall tröſtend durch die aufgejagten Wol⸗ ken, die vom Gauſta herab ſich düſter über den See wälzten. Sie ſchwebte vor ihm her und lächelte ihm zu; er fühlte ihre Küſſe auf ſeinen Lippen brennen und Entſchlüſſe wecken, denen nichts ſchwer ſchien. Plötzlich ſtand er ſtill, als er eben die dichte Heckenwand am Garten von Guldholm erreicht hatte, denn vor ihm, im Schatten der Bäume erblickte er zwei Geſtalten, die ſich ihm näherten.— Er erkannte Mary ſogleich an der Sprache und wußte wer der Mann war, der ſie umfaßt hielt.— Das er⸗ blaſſende Mondlicht erlaubte ihm nicht das Geſicht zu erkennen, ſelbſt als er wenige Schritte nur entfernt ſtill ſtand, aber der tiefe, feſte Klang der Stimme, ließ kein Wort ungewiß. Er hörte Mary ſeinen Namen nennen, ſie war ganz ander's, wie er ſie kannte; geſprächig, lebhaft und beweglich.„Alles, was Du ſagſt“, rief ſie,„macht es beinahe gewiß, daß er zu Inge⸗ borg gelaufen iſt, um ihr ſein Leid zu klagen.— Ich ſah ihn aus dem Fenſter ſteigen und fühlte beinahe Gewiſſensbiſſe, denn ich hatte, den ganzen Tag über, ihn zur Verzweiflung gebracht, alle ſeine Artigkeit verachtet, ſeine Aufmerkſamkeit nicht bemerkt.“ „Du haſt Recht gethan, ihn fortzuſchaffen“, erwiederte ihr Be⸗ gleiter.„Ingeborgs Name übte alſo wirklich einen Zauber auf ihn?“ E „und da ja, Und ſteht ſie J' 6 M ſchloß,, und ich die ſoh Dogen 7 ihn dal Geld n — In 1 nicht h Wetter ein. 3 ih ihr nicht ſpring uge ihn denn acht, rkt. 4 Be⸗ ia7“ — 50— „Er murmelte ihn mehrmals vor ſich hin“, ſagte Mary, „und dann ſah er mich mit Blicken an, die deutlich ausdrückten: ja, Undankbare, Ingeborg iſt ein beſſeres Weſen, hoch erhaben ſteht ſie über Dir!“ Ihr leiſes Gelächter empörte den Lauſchenden.„Uebermüthi⸗ ges Mädchen“, antwortete der Mann, indem er ſie in ſeine Arme ſchloß,„ſpotte nicht zu viel. Hat er Sinn für Ehre und Recht und ich glaube es, ſo bringſt Du ihn mit Deinen Künſten in die ſchlimmſte Lage; iſt er habgierig und gemein, ſo kann der Bogen in Deiner Hand zerbrechen.“ „Fürchte nichts“, ſagte ſie,„was kann ich dafür? Ich muß ihn dahin bringen, daß er meinem Vater erklärt: um all Dein Geld mag ich dies Weib nicht!— Er iſt ſtolz, gereizt, ehrgeizig — Ingeborg wird das Uebrige thun.“ „Nein“, erwiederte der Fremde,„Du ſollſt meine Schweſter nicht hineinmiſchen. Ihr ſowohl wie meinem Vater hat Dein Vetter wohlgefallen.“ „Um ſo beſſer, mein Geliebter, um ſo beſſer!“ fiel Mary ein.„Wer weiß was geſchieht.— Soll ich mit ihm reden? Soll ich ihn in unſer Vertrauen ziehen? Soll ich ihm ſagen, daß ich nicht von Dir laſſen will und müßte ich in den tiefen See ſpringen?“ „Und wenn Du es thäteſt“, ſagte der Mann nach kurzem Schweigen—„ich kenne Deinen Vater zu gut, ſtatt ihn zu be⸗ ſänftigen, würde er noch unverſöhnlicher zürnen. Nein, Mary, nichts bleibt uns, als der letzte Verſuch.— Morgen—,“ er führte ſie unter die Bäume zurück und Heinrich hörte nichts mehr — 60— als einzelne halbverſtändliche Worte, deren Sinn ihm verbor⸗ gen blieb. Nach einiger Zeit kehrte das vertraute Paar zurück und es erfolgte ein zärtlicher Abſchied.„Wenn alles wankt, alles bricht“, rief Mary leidenſchaftlich, wenn das Leben uns verläßt, geliebter Freund, ſo bleibt mir der Tod.“ „Sprich das furchtbare Wort nicht aus, meine Mary“, ant⸗ worte er.„Denk an Morgen, ſei beherzt und fürchte nichts.“ „Ich denke an Dich, Thorkel“, rief ſie.„Alles ſoll ge⸗ ſchehen, nichts ſoll mich erſchrecken.“ Nach einigen Minuten ging Eiſteins Sohn dicht an dem Verſteckten vorüber, der ohne weitere Fährlichkeit in ſein Bett gelangte. A Derene über d bereitet duf de Abent derſchi wie ſe lag e loſen Jäch Nae Ir R Bett VII. Am nächſten Morgen kehrte Karſtens zurück. Er hatte in Oerenaes vortheilhafte Lieferungscontracte abgeſchloſſen und war über den Aerger hinaus, den der Verkauf von Herredsgaard ihm bereitete.— Geſprächig ſetzte er ſich an den Kaffeetiſch mitten auf dem Vorplatze nieder, erzählte und lachte über ſeine kleinen Abenteuer bei den Bauern in Weſtjord und beantwortete Marys verſchiedene Fragen mit großer Leutſeligkeit. Marys Lippen waren heute noch tiefer zuſammengedrückt wie ſonſt, ihr Geſicht ſah noch blaſſer aus und um ihre Augen lag ein ſchwarzer Ring, wahrſcheinlich die Folgen einer ſchlaf⸗ loſen Nacht. Karſtens betrachtete in ſeiner heutigen Herzensmilde dieſe Zeichen mit einem Kopfſchütteln.„Wie ſiehſt Du denn aus, Mädchen?“ rief er ihr zu.„Haſt ſchlecht geſchlafen. Wie? Seid Ihr geſtern ins Reine gekommen, Heinrich, oder was hat es gegeben?— haha! mach keine Streiche, Mary. Kannſt krank — 62— werden nach der Hochzeit; ſteht jungen Frauen gut, blaß um⸗ herzugehen, doch jetzt ſei munter, eine Braut muß lachen und auf Flügeln der Morgenröthe ſchweben.— Schicke ſonſt hinunter nach Kongsberg und laß, meiner Treu, den alten Bezirks⸗Doctor Spidman mit Pillen und Latwergen kommen.“ Ein ſchwaches Lächeln flog durch Mary's Züge.„Lieber.“ ſagte ſie,„wollen wir daran denken, die Krankheit mit einer Gebirgskur auszutreiben, von der Heinrich auch ſeinen Theil bekommt.“ „Haſt Recht!“ rief Karſtens.„Zwei Dinge ſind es, Heinrich, die Du ſehen mußt, ehe wir aus Guldholm gehen. Du mußt den Gauſta beſteigen und in den wilden Waſſerſturz des Riukan hinabſchauen.“ „Heute wäre der rechte Tag dazu,“ fuhr Mary fort, indem ſie die Augen zum Himmel aufhob und ihrem Vetter einladend zunickte.— Aber der Vetter hatte keine Luſt, ihr im Geringſten zu helfen.—„Sicher gehört das zu ihrer Verabredung,“ dachte er bei ſich,„und was ſie heimlich ausgeſonnen, dazu mag ich nicht als Werkzeug dienen.“ „Lieber,“ ſagte er laut,„möchte ich den Gauſta beſteigen.“ „Auch gut, es iſt derſelbe Weg,“ erwiederte der Kapitän. „Ich will das Boot beſtellen, in einer Stunde können wir auf dem Wege ſein.— Aber was iſt das— was gibt's?“ ſchrie er aufſpringend und ſeine Meerſchaumpfeife heftig auf den Tiſch werfend, ſchien er ins Haus laufen zu wollen, obwohl er nach einigen Schritten wieder umkehrte und mit männlicher Faſſung die beiden Mänuer erwartete, welche in den Hof getreten waren. Seine 6 ſitte er führt d eckannte Reiſegef dieſer ſi Bauer, Umſtäͤn das Ge waren, 7 Nerred wie me — 63— Seine Stirne aber blieb gefaltet, als er den Gruß nach Landes⸗ ſitte erwiederte.—„Hans Eiſtein und Thorkel Hanſen, was führt die beiden Herren zu uns?“ rief er aus, und Heinrich erkannte in demſelben Augenblicke in dem jüngeren Manne ſeinen Reiſegefährten auf dem Dampſſcchiffe. Es ſchien jedoch, als wollte dieſer ſich ſeiner nicht erinnern— eben ſo wenig that der alte Bauer, als hätte er ihn je früher geſehen. Beide ſetzten ſich ohne Umſtände an den Tiſch und begannen mit Karſtens ein Geſpräch, das Gegenſtände berührte, die für dieſen wichtig und erfreulich waren, obwohl er keine Miene dabei veränderte. „Sie wiſſen, Herr Karſtens,“ ſagte Thorkel,„daß wir Herredsgaard gekauft haben. Die ſchönſten Wälder, Stämme, wie man ſie ſelten mehr findet, laufen bis an den Riukan hin.“ „Wünſche Ihnen Glück, Herr Hanſen,“ erwiederte Karſtens gleichgültig, indem er ſeine Pfeife in Brand ſetzte. Der junge Eiſtein ließ ſich nicht ſtören. Er gab eine weit⸗ läufige, klare Schilderung aller Vorzüge und Vortheile und rech⸗ nete eine große Summe heraus, die in wenigen Jahren ſicher gewonnen werden könne, wenn die nothwendigen Mittel ange⸗ wendet würden. „Und was,“ fragte der Handelsherr, nachdem er ein paar kurze Einwendungen und Zweifel erhoben hatte, die ſogleich widerlegt wurden,„was habe ich damit zu ſchaffen?“ „Ich will es Dir ſagen, Lars Karſtens,“ fiel der alte Mann ein.„Du wollteſt Herredsgaard auch kaufen, ich bin Dir zuvorgekommen, aber ich will nicht, daß Du ſagen ſollſt, wir haben Dich überliſtet.“ 64— „Das habe ich nicht gethan,“ ſchrie Karſtens auffahrend. „Du haſt mehr gethan, als das,“ fuhr der alte Eiſtein fort, „doch ich biete Dir die Hand zum Frieden. Ich will Dir die Hälfte des Gutes geben, nimm es mit meinem Sohne gemein⸗ ſchaftlich. Es wird viel Geld bringen.“ „Du biſt ja ſehr großmüthig!“ lachte der Kapitän,„aber es iſt eine Bedingung dabei. Wie?“ „Es iſt keine Bedingung dabei,“ antwortete der Bauer. „Nicht?“ ſprach Karſtens ſich über den Tiſch lehnend,„nun ſo höre, Hans Eiſtein, was ich Dir ſage. Ich danke Dir für Deinen Vorſchlag, aber ich will ihn nicht annehmen.“ „Willſt nicht, Mann?“ fragte der Alte.„Sieh zu was Du thuſt. Weiſt beſſer wie Einer, daß in fünf Jahren dreißigtauſend Species zu gewinnen ſind.“ „Und wäre es dreimal ſo viel, ich will dennoch nicht,“ er⸗ wiederte der Kapitain. Die Worte wurden ohne Aufregung ge⸗ wechſelt, aber in Karſtens grauen Augen blitzte ein überlegener Hohn.„Kann Dir kurzweg ſagen, warum ich nicht will,“ fuhr er dann fort, nachdem er ein paar lange Züge gethan hatte. „Geld und Gut beſitze ich genug, mag es nicht vermehren. Sieh hier, das iſt mein Vetter, da ſteht meine Tochter, am nächſten Montag wird's ein geſegnetes Paar ſein.“ „Hab's gehört,“ ſagte Eiſtein, ernſthaft zu Heinrich auf⸗ blickend. „Was Du aber nicht gehört haſt, iſt das. Wenn meine Tochter in Deutſchland wohnt, will ich ihr nachfolgen, eben des⸗ wegen kann ich kein Gut mehr kaufen und wenn es das beſte wäre.“ 2 6 N“ den nie Unglä K achtlich 3 anfang laſſen. und vi wo N machte — 65— „Das werden Sie nicht thun,“ fiel Thorkel ein. Sie wer⸗ den nicht gehen, Norwegen nicht verlaſſen, es ſei denn zu Ihrem Unglück.“ Karſtens antwortete mit einem ſtolzen Blick und einem ver⸗ ächtlichen Lächeln.. „Herr Karſtens,“ ſprach der junge Mann,„Sie mögen es anfangen, wie Sie wollen, Land und Blut werden Sie nicht los⸗ laſſen. Sie ſind ein thätiger und erfahrener Mann, hochgeachtet und viel gekannt, wie könnten Sie in der Fremde ausdauern, wo Niemand von Ihnen weiß und Alles, was Ihr Leben aus⸗ machte, verloren iſt.“ „Das iſt meine Sache,“ ſagte der Kapitän. „Und Mary,“ rief Thorkel, ſeine Stimme ſchmerzlich er⸗ hebend. „Schweigen Sie!“ antwortete Karſtens heftig, indem er aufſtand. „Sehen Sie hin, Herr Karſtens, ſehen Sie ihr blaſſes Ge⸗ ſicht an,“ ſagte Thorkel.„Empfinden Sie nichts dabei?“ „Ich will es roth machen, wie jungen Klee,“ lachte der Kapitän gewaltſam. „Was ſoll das? Mary!“— „O Vater,“ flüſterte ſie die Hände falkend. „Rühr' mich nicht an!“ ſchrie er erbittert auf.„Fort, in's Haus! Heinrich begleite ſie. Was wollt Ihr noch? Iſt's genug? Ich denke ja!“ „Genug für Dich, Du rauher Mann!“ ſagte der Greis vor ſeinen Sohn tretend, und ſeine mächtige Geſtalt ſo ſtolz er⸗ Mügge, Ruikan⸗Voß. 5 666— hebend, daß Karſtens ſeine Augen fortwandte.„Dein Hochmuth kennt keine Grenzen und achtet kein Gebot. Dein Kind willſt Du zwingen und verderben, ſo wird es Dir ſelbſt geſchehen, doch wenn Du allein biſt in Deiner Noth, dann wird eine Hand Dich faſſen, die all Dein Gold und Dein Stolz nicht wieder ab⸗ thun kann.“ „Ich will's erwarten,“ antwortete Karſtens ruhiger, als der erzürnte Mann es denken ließ.„Jeder muß wiſſen, was er thut. Wird ein feiner Tag, Hans Eiſtein, habe vor nach Weſtjordalen zu reiſen.“ Der alte Mann ſah ihn an, als beſänne er ſich auf etwäs, dann ſtreckte er ſeine große Hand aus und ſprach mit tiefer Stimme:„Thu's und komm beſſer zurück als Du gehſt. Warſt ſonſt ein Freund, der gern an meinem Tiſche ſaß. Mag's Gott fügen, daß ich Dich dort froh wiederſehe. Lebe wohl!“ „Alter Thor!“ lachte Karſtens vor ſich hin, als die Män⸗ ner ſich entfernt hatten.„Nie will ich wieder in Deine Balken⸗ hütte treten. Ei ja, es iſt ein herrlicher Kauf, Herredsgaard. Wäre ein wackeres Geſchäft, viel Geld zu verdienen, und Thor⸗ kel iſt der Kopf dazu, um es zu benutzen. Wird ein reicher Mann werden,“ murmelte er vor ſich hin, indem er dem Hauſe zuging. „Keine zehn Jahre und er hat ſie alle unter ſich. Ich habe ihn aufwachſen ſehen, habe ihn erzogen, weiß was an ihm iſt— ſchade um ihn!— Holla!“ rief er ſeine Stimme erhebend: „Niels! Olaf! macht das Boot fertig. In einer Viertelſtunde wollen wir nach Oerenäes rudern, müſſen zuſehen, wie wir zu Pferden kommen.“ D D Vorrätt ſeinem ausſah, Anlauf beiführe barſcher vorher — 6— Das Boot war bald bereit, und während Mary für Speiſe und Vorräthe ſorgte, ging ihr Vater auf und ab und ſprach mit ſeinem jungen Verwandten, der beinahe eben ſo trübe und bleich ausſah, wie das Mädchen. Karſtens nahm ein paar Male einen Anlauf, als wollte er eine Frage thun oder eine Erörterung her⸗ beiführen, aber er brach immer wieder ab, bis er endlich in ſeiner barſchen, den Widerſpruch abſchneidenden Weiſe ſagte:„Du haſt vorher da allerlei gehört, was Dich verletzen konnte, Heinrich. Thorkel Eiſtein oder Thorkel Hanſen, wie er dem Gebrauch nach heißt, iſt kein gewöhnlicher Menſch, ſo wenig wie ſein Vater ein gewöhnlicher Bauer iſt. Sie haben eine alte Abſtammung und ſind geehrt im Lande, was Du daran erkennen kannſt, daß der Alte im Storthing geſeſſen hat und Thorkel noch darin ſitzt. Es i*ſt ein Verhältniß in meinem Hauſe zwiſchen ihm und Mary entſtanden, hinter meinem Rücken, doch ich habe es ausgeriſſen mit den Wurzeln. Es kommt leider oft ſo vor in der Welt, und Unheil entſteht, wenn man es duldet. Antworte nichts, Heinrich, Du haſt mein Wort. Ein Vater kann nicht geſchehen laſſen, daß ſein einziges Kind ſich dem geben will, den er nicht zum Sohne haben mag. Mädchen fallen bald in ſolche Narrheit, aber man muß ſie ihnen austreiben und blaſſe Geſichter oder naſſe Augen nicht achten. Thäte man das, ſo wäre das Schwäche und Un⸗ vernunft. Es wird nicht lange dauern, und ihre Wangen werden wieder roth; Du wirſt ſie gut halten und ſie wird es Dir einſt danken. Bedenke das Alles, überlege verſtändig und nun laß uns gehen. Mary wartet und da ſtehen die Ruderer.“ Der Weg über den See wurde in trüber Stimmung zurück⸗ 5* — 68— gelegt. Kein Geſpräch wollte in Gang kommen. In Oerenäes waren nach einer Stunde Pferde beſchafft, und während dieſer Zeit ſaß Heinrich am Ufer der Mondelf, die wildſchäumend dort in den See ſtürzt; während Mary Blumen ſuchte und Kränze wand, welche ſie zerpflückt in das tobende Waſſer ſchleuderte. Von Zeit zu Zeit ſandten ſich die jungen Leute Blicke zu, aber dieſe brachten ſie nicht näher, bis Mary endlich ihren Vetter her⸗ beiwinkte.„Du biſt mir böſe,“ ſagte ſie.„Setze Dich hierher und vertraue mir, woran Du eben gedacht haſt.“ „An unſere Verlobung, Mary,“ erwiederte er finſter lächelnd. „An unſere Reiſe und an das Glück unſerer Zukunft.“ „Ich hoffe wir werden beide damit zufrieden ſein,“ flüſterte ſie ſanft zu ihm aufblickend. „Zum Ende kommen, willſt Du ſagen,“ rief er aus.„Ich werde Alles für Dich thun, was Du erwarten kannſt.“ „Thue etwas ſogleich,“ erwiederte ſie.„Lies dies Blatt.“ Sie reichte ihm einen gefalteten Zettel. Er ſchlug ihn auf und wurde glühend roth.„Mein Vater,“ ſtand darin,„will mit Dir reden, Henrik. Mein Bruder grüßt Dich und Ingeborg ſagt Dir, gehe nicht auf den Gauſta, geh zum Riukan und thue, was Mary von Dir begehrt.“ Er ſah ganz beſtürzt ſeine Couſine an.„Wo iſt Ingeborg? Was ſoll ich thun, Mary?“ ſtammelte er. „Nichts,“ erwiederte ſie,„nur befolgen, was darin ſteht. Sie deutete auf das Papier. „Und auch jetzt willſt Du kein Vertrauen zu mir haben?“ „Vetter Henrik,“ antwortete ſie leiſe,„ich ſpiele ein hohes Spiel u lichts b nir gel⸗ wers He käihen. wenigſte ſo g, verſpric ſchehen — 69 Spiel um mein und Dein Glück. Du kannſt nichts fördern und di nichts beſſern, was Du auch thun möchteſt. Gott weiß es, ob es dor mir gelingen wird, aber es iſt der einzige Weg um meines Va⸗ ine tirs Herz vielleicht zu erweichen. Der Himmel wird mir ver⸗ der zeihen. Wenn aber Unglück mich treffen ſollte, ſo wirſt Du jägr wenigſtens verſchont bleiben. Ingeborg wird Dich lieben, ſie iſt her ſo gut, wie ſchön, und mein Vater— da kommt er!“ flüſterte rrber ſie.„Sei verſchwiegen, hindere mich nicht, gib mir Deine Hand, verſprich mir keinen Fuß für mich zu rühren, was auch ge⸗ Veud. ſchehen möge. Denke an Ingeborg!“ „Sonderbar,“ murmelte er.„Aber Du willſt es, ich gelobe es Dir.“ üſterte. Karſtens ſah ſie Hand in Hand ſtehen und er freute ſich 36 darüber.„So ſind die Weiber,“ rief er in ſich hinein.„Man h muß nur Ernſt brauchen, ſo fügen ſie ſich. Lange wird es nicht 4 dauern und aller Kummer iſt vergeſſen.“ 4 ui Die Pferde kamen und die drei Reiter zogen durch das lni blumenvolle, liebliche und immer wildere Thal hinauf, bis in die Vht Nähe der Brücke, welche über den Bergſtrom geworfen iſt. Hier - 6 ging der Weg nach dem Gauſta hinauf, der als ſcharfkantige bar Pyramide in die Wolken ſtieg. Glänzende Schneefelder hingen an 39 ſeinen Seiten und unter ihnen lagen grauſige Schuttſtücke, die borg“. bis an den Felſenſpalt der Maanelf reichten. Plötzlich hielt Mary ihr Thier an und deutete auf ein krauſes Gewölk, das wie ein ſiht langer, feiner Schleier an der höchſten Kuppe haftete. 91 Der Gauſta ſetzt ſeine Kappe auf,“ ſagte Karſtens,„da 5 gibt es Sturm, Regen oder Nebel.“ Er rief einen Mann herbei, hohes 70— der die Pferde begleitete und welcher bedenklich den Kopf ſchüt⸗ telte.„Umkehren iſt meine Sache nicht,“ ſprach er dann,„was ge⸗ ſchehen ſoll, muß geſchehen. Laßt uns weiter.“ „Aber wir könnten Riukan⸗Voß doch lieber beſuchen,“ fiel Heinrich ein. „Biſt Du ſo wetterwendiſch?“ meinte Karſtens, dem dieſe Wendung eben nicht unlieb ſchien. —◻△½ „Nimm Dich in Acht, oder Du wirſt einmal übel bei Deiner Frau fortkommen. Laß Mary entſcheiden, wir wollen galant ſein.“ „Ich will Alles, was Heinrich will,“ ſagte ſie. Ihr Vater lachte vergnügt.„Sie will Alles, was Du willſt, hörſt Du! Das heißt, gut überſetzt, Du ſollſt Alles wollen, was ſie will. Iſt es nicht ſo, Mary?“ „Es iſt ſo, Vater, antwortete ſie lächelnd. „Nun in Gottes Namen denn hinauf zum Riukan,“ fuhr Karſtens fort.„Ich hoffe, das Wetter, das in den Schluchten „△ lauert, wird bald über uns hinziehen und wenigſtens kann ich bei dieſer Gelegenheit den Wald von Herredsgaard betrachten.“ Raſch ging es nun durch das Thal hin, das immer mehr verengt, endlich zu einer ſchmalen Felſenſpalte ſich zuſammenzog. d Die efe 1 bald ganz verborgen, bald ihr blaues, ſchaumzerpeitſchtes Glet⸗ In ihrer Kluft donnerte die Maanelf aus dichtbewaldeter ſcherwaſſer zeigend, das ungeheuere Felſentrümmer umrauſchte. Gießbäche ſtürzten von den Bergwänden herab, dann und wann lag eine Hütte am Wege. Ein Mühlrad drehte ſich reißend ſchnell unter dem Giſcht eines Waſſerſturzes, und immer enger wurde ein Pf Mauer die ſch hüt⸗ wurde der einzige Pfad zwiſchen Abgrund und Felſen, daß nur ein Pferd darauf gehen konnte. Endlich aber ſchloſſen ſich die Rauern des Gebirges dicht zuſammen und bildeten eine Kluft, die ſchwarz und nackt bis in die Wolken ſtieg. Bei einer Bie⸗ gung ſah Heinrich eine Rauchſäule daraus emporquellen, wie der Dampf einer ungeheuern Eſſe, den der Sturm faßte und ineinanderwirbelte. „Da haſt Du Riukans erſten Gruß,“ ſagte Karſtens, auf dieſe Rauchſäule zeigend.„Nicht umſonſt wird dieſer wunderbare Waſſerfall der rauchende genannt.“ Die Pferde arbeiteten keuchend den ſteilen Pfad hinauf. Ein feiner Regen begann zu fallen und machte die Steine ſchlüpfrig; es war ein gefährliches Klimmen, ehe die Thiere an einer mäch⸗ tigen Felsmaſſe ſtill ſtanden, welche gezackt und zerriſſen den Schluß des Spaltes bildete. „Hier geht es in das Hirtenland, wo kein Haus mehr ſteht und kein Baum wächſt,“ ſagte Karſtens,„aber der Waſſerfall ruft uns durch ſeinen Donner. Führe Mary, Heinrich, und Du Mann ſorge für die Thiere. Der Henker hole den Regen! er macht Gras und Steine glatt wie Eis. Sieh genau auf jeden Schritt. Halt Dich, Mary,— da iſt die Felsplatte— um alle Schätze möchte ich nicht weiter!“ Sie waren einen Abhang hinabgeklettert, der dicht mit Erlen und Birken beſetzt war, die den Felſenkeſſel umwucherten, welcher jetzt plötzlich ſich vor ihnen aufthat. Ein Felsſtück ſprang wie ein Altan über einen Abgrund, den von allen Seiten unerſteig⸗ liche tauſend Fuß hohe Wände einſchließen und hoch von oben fiel eine glänzende, weiße Maſſe hinein, die wie geſchmolzenes Silber klingend und donnernd an die ſchwarzen Felſen ſchlug und davon abprallte, aufſpritzte, zu Staub zerſchmetterte und in Dampfwolken aufgelöſet wieder emporwirbelte. Es war die Maanelf, welche hoch oben aus einer Oeffnung der Felſen in den grauenvollen Schlund fünfhundert Fuß tief hinabſtürzt und den berühmten Riukan⸗Voß bildet. Karſtens hatte ſich platt nie⸗ dergelegt, um den mächtigen Anblick in Ruhe zu genießen. Mary lehnte ſich auf Heinrichs Arm. Er fühlte, wie ſie zitterte und ſah ihre Lippen ängſtlich zucken. „Was iſt Dir, Mary?“ fragte er.„Dir iſt nicht wohl.“ „Schwarz vor den Augen, ſchwarz im Herzen, Heinrich,“ ſagte ſie ſeine Hand drückend. Doch ſieh her, meine Lippen la⸗ chen; ſie müſſen lachen.“ „Setze Dich nieder, Mädchen,“ ſchrie Karſtens,„Du ſiehſt ganz bleich aus.“ „Sieh, Heinrich, dort an der Wand hin, läuft der Mary⸗ ſteeg. Achthundert Fuß hoch hängt er über dem Abgrund, doppelt ſo hoch iſt der Fels über ihm. Kaum einen Fuß breit läuft er jäh hinab und hinauf und doch gibt es Wagehälſe, die darauf hin⸗ und herſpringen bei Tag und Nacht und unter der Tanne liegen, die dort aus der Felsſpitze wächſt.“ „Da muß es ſchoͤn ſein, Vater!“ rief Mary. „Ei ja,“ ſagte Karſtens.„In meiner Jugend bin ich ein⸗ mal dort geweſen. Es iſt eine Ehre, an dem Baume geweſen zu ſein, doch dazu gehören Gelenkigkeit, junge Glieder und ein ſicheres Auge. Der leiſeſte Schwindel bringt den Tod, und heute, 4 4 wo Gras laſſen.“ „Ich Henrich. „oder diell „Wäßßt D „Ich die Sage nichen Ma ſtolz und haben.“ g „Wo „Abe ſank, wenn dn Hochn durch die iſel ſtür den an der Nend aus zmolzenes en ſchlug e und in war die felſen in irzt und latt nie⸗ n. Mary thete und — 4 wo Gras und Steine naß ſind, würde der Kühnſte es bleiben laſſen.“ „Ich glaube, es ſitzt ein Mann an der Tanne,“ meinte Heinrich. „Es iſt Nebel, es iſt Täuſchung,“ antwortete Karſtens, „oder vielleicht iſt es Olaf's Geiſt, der ſeine Mary erwartet. „Weißt Du warum der Pfad Maryſteeg heißt?“ „Ich will es Dir erzählen,“ fiel Mary ein,„höre zu, was die Sage davon berichtet. Vor langen Zeiten liebte einſt eines reichen Mannes Sohn ein armes Hirtenmädchen, aber ſein Vater war ſtolz und grauſam, er wollte die arme Seterin nicht zur Tochter haben.“ Woran er ganz recht hat,“ fiel Karſtens ein. „Abends, wenn die Sonne hinter den hohen Gauſtagipfel ſank, wenn die gefleckten Heerden müde um die Steinhütten auf eilte das Setermädchen leichten Fußes / den Hochweiden lagerten, durch die Wildniß bis hierher, wo die Maanelf in den Felſen⸗ keſſel ſtürzt. Unter der Tanne ſaß ſie und wartete bis ein Schat⸗ ten an der Felswand hinflog, bis ein kühner Fuß feſt und klin⸗ gend aus der Tiefe ſtieg und von Klippe zu Klippe ſpringend Olaf endlich an ihrem Herzen lag. Das war ein ſchönes Plätz⸗ chen. Kein Späher entdeckte es, Niemand ahnte, daß ein menſch⸗ liches Weſen wagen konnte, dort in Nacht und Nebelwehen zu gehen, aber die Liebe wagt Alles!“ Karſtens ſtieß einen brummenden Ton aus und ſah zu ſeiner Tochter empor, deren Geſicht ſich höher röthete.—„Liebe wagt Alles!“ rief dieſe nochmals,„ſo wagte es Olaf jede Nacht, und ehe der Morgen kam, floh das Mädchen in die Berge, er ſtieg ins Thal hinab. Einſtmals aber war der Himmel ſchwarz und Blitze zuckten um den Gauſta. Donnerſchläge hallten aus tauſend Klüften wieder und weckten die wilden Berggeiſter auf die mit ihren ſchrecklichen Armen Felſenſtücke von den Gipfeln reißen und in Wolken niederfahren um mit Wirbeln und Lavinen alles Leben zu vernichten. Mary ſaß unter der Tanne, die ihr zerriſſenes Geäſt auf ihre betenden Lippen warf, Nebel umringte ſie. Die Geiſter fuhren darin vorüber in ihren langen, blaſſen, naſſen Gewändern; ihr höhnendes Geheul und Jauchzen drang mit Todesſchrecken in Marys Bruſt. Pötzlich ſprang ſie auf und horchte. Durch Sturm und Regen klang ſeine Stimme; er rief ihren Namen, ſie gab ihm Antwort und ſprang auf, ihm entgegen. Da ſchüttelte ein heftiger Windſtoß die alten Felſen. Bäume brachen, Blöcke ſtürzten nieder, Mary klammerte ſich verzweifelnd feſt und hörte nichts mehr. Als aber die Morgenſonne kam, lag dort unten, wo der Strom aus dem innern Felſenthore bricht, der zerſchmetterte Körper eines Jünglings und die blauen Gletſcher⸗ waſſer wuſchen ſein blutiges Haar. Auf dem Wege aber irrte die arme Mary umher, ſaß an der Tanne bis der Morgen graute, kam und horchte auf den Schritt deſſen, der niemals wiederkehrte. Manchen Tag ſaß ſie ſo ſtill wartend, bis endlich nach einer wilden Nacht man ihre Leiche fand, wo Olaf gelegen und ſeit dieſer Zeit heißt der Grat hier Maryſteeg.“ 3 „Wie Du gut erzählen und ausſchmücken kannſt,“ rief Karſtens lachend.„Es iſt ihr Recht geſchehen für ihre Narrheit, aber ich denke wir haben genug davon.“ thaten erfüllt war Vater welche dem heftet die ſe achten Gan halt wich Berge, er nel ſchwarz hallten aus geiſter auf en Gipfeln d Lavinen ne, die ihr lumringte blaſſen, drang mit e auf und rrief ihren entgegel. ne brachen, Gletſcher⸗ ber irrte Morgent niemal⸗ bi5 endlich „Halte Wort,“ flüſterte Mary, indem ſie ihres Vetters Hand drückte. In dieſem Augenblicke fuhr ein blendender Blitz durch den Kranz ſchwerer Wolken und ein Donnerſchlag folgte nach, wel⸗ Karſtens ſprang auf. Der unerſchütterliche Mann taumelte vorwärts, klam⸗ cher aus Klüften und Spalten brüllend wiederhallte. merte ſich an den nächſten Baum feſt, und ſtand dort ſeinen Arm ausſtreckend ohne einen Laut hervorzubringen. Seine Augen thaten ſich weit auf, ſein ganzes Geſicht verzerrte ſich, Entſetzen erfüllte ihn und endlich ſtieß er einen Schrei aus, der furchtbarer war als Donnertoben, denn er drückte die Verzweiflung eines Vaters aus. Mary war über den Wall von Trümmern geſtiegen, welcher als Bruſtwehr vor dem Abgrunde lag und ſtand nun auf dem ſchmalen Grat, welcher an den Felſen hinläuft. Ihre Augen hefteten ſich feſt auf den Waſſerfall, dicht an ihren Füßen gähnte die ſchwarze Tiefe und ohne auf den Angſtſchrei ihres Vaters zu achten, eilte ſie über die naſſen glatten Steine den gefährlichen Gang hinab.„Zurück!“ ſchrie Karſtens.„Zurück Mary!— halt ein! Rette ſie Heinrich! halt ein!— Sie will ſich morden! mich! mich!— höre mich! ich will Dir geben— Alles geben. Ihr nach! ihr nach!— O allbarmherziger Gott!“ Gerade an der ſchmalſten Stelle, wo der Weg faſt am Fel⸗ ſen verſchwindet, wo Geſtrüpp aus einer Spalte wuchert, das die Hand helfend faſſen muß, ſah er Mary ſtraucheln und fallen. Mit jenem wilden Schrei der Verzweiflung, der nichts mehr hofft, ſchlug er die Hände auf den harten Stein nieder. In dem⸗ ſelben Augenblicke aber war die Hülfe da. Von der Tanne her flog ein Mann im ſchnellſten Lauf an der Wand hin als ſei es ein ebener breiter Weg und an der ſcharfen Windung des Geſteins, wo es jäh hinnnter geht, hob er die Fallende auf und trug ſie in ſeinen Armen zurück. Während dieſer wenigen ſchrecklichen Minuten hatte Heinrich wie verzaubert geſtanden. Es fehlte ihm nicht an Muth um das Aeußerſte zu wagen, mit Grauſen ſah er Mary nach und doch hielt ihn ſein Wort zurück? Er erkannte die entſetzliche Gefahr und wußte doch zu viel, um ernſtlich daran zu glauben. Als er ſeine Couſine aber in Thorkels Armen ſah, riß er Karſtens empor. „Da iſt ſie,“ rief er.„Sie lebt, ſie iſt Dir erhalten!“ Mit einem langen Blicke ſtarrte der Kapitän die Nahenden an, dann wandte er ſich zu ſeinem Vetter.„Erhalten— ja— mir, aber nicht Dir, ſagte er, die Worte haſtig hervorſtoßend. „Lege ſie hier auf den Raſen nieder, Thorkel. Du biſt ein küh⸗ Mann. Wo kamſt Du her? Wie war das möglich? Aber ſie regt ſich nicht.“— Er legte ſeine zitternde Hand auf das Herz ſeiner Tochter und ſuchte ſeine Selbſtbeherrſchung wieder zu ge⸗ winnen, während er ſie betrachtete. „Sie iſt ohnmächtig“, erwiederte Thorkel,„ſie wird er⸗ wachen.“ Er ſprang auf, eilte zu einem kleinen Quell, welcher nahe dabei aus dem Felſen rann und brachte Waſſer.— Plötzlich ſchlug Mary die Augen auf, ſah Thorkel ſtehen, ſah ihren Vater über ſich hingebeugt und ein Lächeln erhellte ihr bleiches Geſicht mit den Thränen zugleich, die ihre Augen füllten. Dann richtete ſie ſich von n ſich l mein Deine ſterber fort!” Kopf harten Sonn ſteren die f bogen Miri glüht Schin ein u der, als ſei es Geſteins, d trug ſie t Heinrich h um das und doch zefahr und ls er ſeine 15 empol. Nahenden — ja orſtoßend. tein küh⸗ Aber ſie das Helz der zul ge⸗ ſie ſich auf, blickte in den fürchterlichen Schlund hinab und ſchien von neuem Entſetzen ergriffen zu werden.„Ich lebe“, rief ſie, „ich bin nicht todt, nicht hinabgeſtürzt, nicht zerſchmettert! O mein Vater, mein Vater, ſei gütig, ſei gerecht. Hier liege ich zu Deinen Füßen— nie mehr will ich Gott verſuchen! Laß mich ſterben, wenn es ſein ſoll, aber fort von dieſem Abgrund— fort, fort!“— Sie hielt ſich erſchöpft an Karſtens und lehnte ihren Kopf an ſeine Bruſt. Er deckte beide Hände über ſie— ſeine harten ſtolzen Augen ſchmolzen in Liebe und plötzlich zerriß die Sonne das ſchwere Gewölk, ihr rothes Licht drang in den fin⸗ ſteren Spalt und beleuchtete zauberiſch die Wälder und Felſen, die fallenden Waſſer und die Staubwolken des Riukan. Regen⸗ bogen voll glänzender Farbenpracht ſpannten ſich darin aus, Miriaden ſchöner goldener Funken flatterten auf und nieder. Es glühte und wogte um die ſchwarzen nackten Wände, ein roſiger Schimmer des Friedens und der Verſöhnung hüllte den Abgrund ein und ſtrahlte aus den Geſichtern der einſamen Menſchen wie⸗ der, die Herzen und Sinne vor der Stimme Gottes beugten, der in ſeinen Wundern zu ihnen ſprach. Endlich führte Karſtens ſeine Tochter zu den wartenden Pferden und der Rückweg wurde angetreten. Er ritt voraus und ſprach kein Wort. Thorkel ging neben Marys Thier, Heinrich folgte langſam nach. So kamen ſie zu dem wartenden Boote und fuhren über den See. Als die Ruderer bei Guldholm anlegen wollten, befahl ihnen Karſtens, weiter zu fahren, bis an die Klippen von Falſterud.— Hier ſtieg er aus und geleitete Mary in das kleine Thal, wo Eiſteins alter Hof liegt. Der Greis ſaß an der Schwelle unter dem Portal, Ingeborg neben ihm; freund⸗ lich lächelnd ſtanden beide auf als die Gäſte näher kamen. „Friede in Dein Haus, Hans Eiſtein“, ſagte Karſtens als er dem Bauer die Hand ſchüttelte. „Bringſt Du Frieden“, antwortete dieſer,„ſo ſetze Dich und ſei willkommen.“ Der ſtolze Mann ſtand einen Augenblick und man ſah ihm den Kampf an, den er zu beſtehen hatte, dann ließ er ſich nieder und Eiſtens Hand feſthaltend ſprach er:„Haſt heute ein Wort geſprochen, daß es mit uns ſein möchte wie ehemals— ſieh her, da bin ich. Komme aber nicht allein, bringe auch meine Tochter mit. Da ſtehen ſie beide, Thorkel und Mary. Gieb ihnen Deinen Segen, nimm mein Kind, Dein Sohn ſoll mein Sohn ſein.“ Mary warf ſich in ihres Vaters Arme und in der Selig⸗ keit der nächſten Minuten war Heinrich faſt ganz vergeſſen, aber Ingeborgs Blicke tröſteten ihn. Endlich wandte ſich ſein Vetter zu ihm um.—„Du ſiehſt ein, mein armer Junge“, ſagte er, „daß Mary Dir nicht gehören konnte. Wenn Thorkel nicht war, lag ſie jetzt zerſchmettert in dem Hexenkeſſel.—„Ich hoffe Du gibſt mir mein Wort zurück? Willſt Du?“ „Gern und willig“, erwiederte Heinrich.„Was Du thateſt war gerecht und gut. Niemand freuet ſich inniger darüber als ich.“ Karſtens Geſicht wurde hell und freundlich.„Habe Dank!“ rief er,„Du biſt immer verſtändig, aber wenn Du mein Schwie⸗ gerſohn nicht ſein kannſt, ſollſt Du Marys Bruder ſein und was in meiner Macht ſteht, um Dir Erſatz zu ſchaffen, will ich Dir gewähren. Morgen fahren wir nach Laurwig. Manche reiche ihm; freund⸗ amen. darſtens als ze Dich und nan ſah ihm rſich nieder ein Wort — ſieh her, ine Tochter mnen Deinen hn ſein.“ der Selig⸗ geſſen, aber 4, ſagte er, nicht war, hoffe Du du thattſt 24 1 e als ich Erbin iſt dort zu haben; ſuche Dir die beſte aus, ich will für Dich werben.“ „Für jetzt erlaube“, antwortete der junge Vetter mit einem eigenthümlichen Lächeln, indem er ſich neben Ingeborg ſtellte, „daß ich noch einige Zeit in Guldholm bleibe. Du wirſt in Laurwig viele Geſchäfte haben, meine Couſine Mary wird mir ebenfalls keine Zeit widmen können, wie ich glaube, ich ſelbſt habe dagegen den Gauſta und viele ſchöne Stellen noch nicht ge— ſehen, die Ingeborg mir zu zeigen verſprochen hat.“ Karſtens ſchien ein plötzliches Licht aufzugehen. Er blickte Heinrich ſtarr an, dann verfinſterten ſich ſeine Züge, mißtrauiſch flogen ſeine Augen von dem Einen zum Andern, aber bald drang das Erlebte und Geſchehene mächtig durch und gütig lachend nahm er Ingeborgs Hand, legte ſie in die ſeines Verwandten und ſagte dann:„So führe ihn denn und zeige ihm die ſchönſten Plätze; wenn er dann Alles geſehen hat, ſo kommt zu mir nach Laurwig und laßt uns weiter darüber ſprechen.“— Nach vier Wochen wurde in dem Abendblatte der guten Stadt Laurwig die Doppelverlobung angezeigt, drei Monate ſpäter folgte die Hochzeit beider Paare und jetzt treiben Thorkel Hanſen und Heinrich Warfſteen das große Holzgeſchäft in Skeen und Laurwig gemeinſchaftlich mit Lars Karſtens.— In jedem Hochſommer jedoch wohnen ſie am Tindſee und kein Jahr ver⸗ geht, wo ſie den Riukan nicht beſuchen. Aber Marys Fuß hat den fürchterlichen Weg zum Glück, den Maryſteeg, nie wieder betreten. Higna, die Heterin. Mügge, Signa, die Seterin. 6 rern Eine Anzahl Jahre ſind jetzt vorübergegangen, als an einem ſehr warmen Auguſttage ein kleines Boot, das von zwei Rude⸗ rern gerudert wurde, den Lyſterfjord an Norwegens Weſtküſte hinauffuhr, der einer der Nebenarme des großen Sognefjords iſt. In dem Hintertheile des Bootes ſaß oder lag vielmehr ein jun⸗ ger Mann auf einem Haufen duftiger, grüner Birkenreiſer aus⸗ geſtreckt, denn aus ſolchen macht man Sitze oder Lager für die Reiſenden, welche auf den norwegiſchen Fjorden fahren. Es war dies aber ohne Zweifel ein Poſtboot, denn am Lyſterfjord gibt es keine Fahrſtraße. Wilde, meiſt nackte und jäh aufſteigende Felswände erheben ſich drei⸗ bis viertauſend Fuß hoch zu beiden Seiten des Waſſerſpalts, der ſich zwiſchen ihnen eingewühlt hat, und nur an wenigen Stellen öffnen ſich kleine Thäler, deren lieb⸗ liches Grün und maleriſche Umbüſchung ſehnſüchtige Wünſche erregen können. Solche Wünſche empfand ſicher auch der junge Reiſende, welcher keineswegs mit ſeiner Lage zufrieden ſchien. Die 6* — 88— Sonne brannte glühend nieder und der funkelnde Meeresarm lag völlig unbeweglich in ſeinem Felſenbecken. Die weißlich grauen Steinmaſſen und gezackten Felſenklippen ſahen aus, als ſeien es verdürſtete Rieſen; ſo viel war gewiß, daß nirgend aus ihren Eingeweiden ein kühler Waſſerſtrahl ins Meer ſtürzte. An an⸗ deren Orten findet man dies ſehr häufig. Waſſerfälle kommen von den meiſten Fjeldern herunter, oder man ſieht ihre ſchäu⸗ menden Waſſerfäden wie ſilberne Blitze an den ſteilen Wänden niedergleiten; vergebens aber ſuchte der Reiſende nach einem ſolchen erwünſchten Zeichen. Auf dem lauen Salzwaſſer des Fjords tauchte da und dort ein Seehund auf, Schwärme von Seeſchwal⸗ ben vor ſich herjagend, welche kreiſchend in die Luft flatterten, um von den biſſigen Hunden nicht gepackt zu werden, die ihre Jagd häufig erfolgreich genug anſtellen; ihrerſeits aber folgten die Vögel dann einem grünlichen Schein im Waſſer nach und ſtürzten mit ſcharfem Geſchrei darauf nieder. „Was haben ſie dort?“ fragte der Reiſende den einen ſeiner Ruderer. „Heringe, Herr“, antwortete der Mann.„Wo es einen grünen Streif im Waſſer gibt, ſteht der Hering. Das wiſſen die Möven und Alken eben ſo gut, als die Fiſcher. Der Reiſende beobachte, wie die Vögel ihre Beute aus dem Waſſer zogen, und einige Augenblicke ſchien er mit der Luſt zu kämpfen, den unglücklichen Heringen beizuſtehen und das Amt der Nemeſis zu verwalten. Er griff nach einem Futteral, das neben ihm im Boote lag, in welchem ein Gewehr ſtecken mußte, allein noch ehe er die Schnalle daran geöffnet hatte, legte er es wieder gen! Salzy Welt. zeit,, ſind Herin naber weit „Gu eresarm lag glich grauen als ſeien es aus ihren te. An an⸗ lle kommen ihre ſchaͤu⸗ en Wänden nach einem des Fiords Seeſchwal⸗ t flatterten, in, die ihre nber folgten nach und äinen ſeiner » es einen 5 wiſſen die tte all5 dem er Luſt zu das Amt ttrni das cen mußte legte et 6 85 wieder fort und rief lächelnd und ärgerlich den räuberiſchen Vö⸗ geln nach:„Wie zum Henker! mögen ſie doch bei dieſer Hitze Salzwaſſer trinken und Heringe dazu eſſen.“ Die Norweger ſind die größten Heringseſſer in der ganzen Welt. Sild, d. h. Hering, iſt ihre Lieblingsſpeiſe zu jeder Jahres⸗ zeit.„Die Möven“, meinte der Ruderer daher, ſeine Lippen leckend, „ſind die allerklügſten Thiere in der Welt, denn ſie ziehen die Heringe allen andern Fiſchen vor.“ „Ich gönn's ihnen von Herzen“, erwiederte der junge Mann, „aber da ich nicht ſelbſt eine Möve bin, ſo ſagt mir doch, wie weit wir noch nach dem Hof von Eide haben?“ Der Mann blickte bedächtig umher und antwortete dann: „Gute zwei Meilen werden es noch ſein, Herr.“¹ „Und iſt bis dahin nirgend ein Trunk zu bekommen „Wir müßten hinüber nach Solvorn fahren, da hält der Schüßkaffer ein artiges Wirthshaus, und es wird Bier dort gebraut.“ „Ich wäre mit Waſſer zufrieden“, ſagte der Reiſende. „Wenn's das thut“, meinte der Bootsmann,„ſo können wir es näher haben. Vor uns liegt die Kirche von Urenäs, Du wirſt ſie ſehen, ſobald wir um die Spitze dort biegen. Ein paar Hüt⸗ ten ſtehen neben dem Gotteshaus. Milch wirſt Du dort nicht finden, denn die Thiere ſind jetzt alle noch auf den hohen Wei⸗ den, aber ein Bach kommt von dem Ffeld herunter, aus ihm kannſt Du trinken, ſo viel Du magſt.“ Mit dieſer tröſtlichen Ausſicht mußte der Reiſende ſich be— gnügen. Es war ihm ſchon recht, daß die Ruderer ihre Schalten 2 — 36— kräftiger anzogen. Er legte ſich in die Birkenzweige zurück, deckte den leichten Filzhut über ſein Geſicht, um ſich vor der Sonne zu ſchützen, und hob den Kopf erſt wieder auf, als die Männer ihm zuſchrieen, die Kirche von Urenäs läge vor ihm. So war es denn auch. Eine grüne, kleine Bucht leuchtete hinter den Felſen hervor, ein paar roth angeſtrichene Hütten ſtan⸗ den am Ufer und nicht weit davon an erhöhter Stelle erblickte er ein Bauwerk, nicht viel größer als jene, aber mit einem Vor⸗ bau oder Wetterdach. Das war die Kirche. Nach einigen Minuten ſteuerte das Boot über ein paar große Steine fort und ſtieß an eine vorſpringende Felſenplatte. Bei den Hütten ließ ſich Niemand ſehen, und in Norwegen wer⸗ den Reiſende ſehr ſelten von einem Hunde empfangen. Um ſo mehr war es zu verwundern, daß plötzlich ein graugelber, zottiger Hund zum Vorſchein kam, der ein wüthendes Gebell erhob, bis er von einem gellenden Pfiff zurückgerufen wurde. Damit zugleich trat aus der Thür der größten Hütte ein Mann, der nach dem Beſuch umſchaute, welcher ſeinem Hunde ſolch Aergerniß bereitet, und als er den Reiſenden erblickte, ſtehen blieb und dieſen auf⸗ merkſam betrachtete. 4 Es war ein Mann von ächt nordiſcher Race, die in dieſem verborgenen Fels⸗ und Meergewirr ſich oft noch mit aller Schärfe ausprägt. Von mittelhoher, knochiger Geſtalt, ſchlank an Leib und breit an Bruſt und Schultern, ſaß auf dieſen ein Kopf voll dichter, dunkler Haare, mit mächtiger Stirn und großen, ernſt⸗ blickenden Augen. Das Geſicht war nicht unſchön und noch jugendlich friſch, denn der Mann mochte kaum dreißig Jahre zurück, deckte der Sonne die Männer ht leuchtete Hütten ſtan⸗ lle erblickte nen Vor⸗ er ein paar gelſenplatte. rwegen wer⸗ een. Um ſo rit zugleich nach dem. . bereitet, ß gieſen auf⸗ „in dieſem k an Leib Fopf voll 1, ernſt⸗ und noch ißig uhr — 87— zählen, aber er war ſo feſt und kräftig gebaut, daß er älter ſcheinen konnte. Er erwiederte den Gruß des Reiſenden nicht eben unfreund⸗ lich, doch mit einem kalten Dank, der ganz ſeiner Haltung und ſeinen prüfenden Blicken entſprach. Der Reiſende merkte wohl, daß der Mann aus der Hütte kein Bauer ſei, denn er trug einen kurzen Rock und Stiefeln an den Beinen, ſtatt der Jacke und Nägelſchuhe, die der Landmann nicht von ſich trennt, auch be⸗ merkte er, daß neben der Hütte angebunden eines der kleinen gelblichen Gebirgspferde gezäumt und geſattelt ſtand, und er ver⸗ muthete, daß dies der Eigenthümer des Thieres und ein Frem⸗ der ſo gut ſei, wie er ſelbſt. „Es iſt gewaltig heiß heut“, ſagte er, ſich die Stirn wiſchend. „Kommen Sie von Lärdalsören?“ fragte der Andere. „Von Lärdalsören, ja“ „Um die alte Kirche hier zu ſehen?“ „Zunächſt, um einmal zu trinken.“ Der Mann ſchwieg einen Augenblick, dann ſagte er:„Es gibt ſchwerlich etwas andres in Thorkel Halfſon's Haus, als Waſſer, und das iſt ſchlecht, oder Kornbranntwein, doch der iſt noch ſchlechter. Warten Sie einige Minuten, Thorkel macht eben Kaffee, der freilich auch nicht beſonders ausfallen dürfte, aber er wirds thun, ſo gut er kann; damit müſſen Sie fürlieb nehmen.“ „Herzlich gern“, antwortete der junge Mann erfreut, und da der Fremde ſich auf eine Holzbank niederließ, welche an der Thür ſtand, ſetzte er ſich zu ihm und wies nach dem alten Bauwerk hinüber. — 88— „Das iſt alſo die Kirche von Urenäs“, begann er.„Ich habe ſie in Dahl's norwegiſchen Alterthümern abgebildet geſehen, wo ſie freilich ſtattlicher ausſah.“ „Aus der Ferne betrachtet, ſieht Manches anders aus, als in der Nähe“, erwiederte der Fremde.„Norwegen hat keine andern merkwürdigen Alterthümer, als ſeine ewigen Dome und Schlöſſer dort oben.“ Er ſtreckte ſeinen Arm aus und deutete über den Fjord fort, wo jenſeit eine mächtige Felſengaſſe zum Himmel auflief, an deren höchſten Kanten eine weiße, glänzende Wolke hing, aus welcher phantaſtiſche Hörner und Zacken wie mächtige Burgen und Schlſſer aufragten. „Was iſt das für eine ſeltſame Wolke?“ fragte der junge Reiſende. „Das ſind die Jötunfjellen“, antwortete ſein Nachbar,„und was ſie auf deren Scheiteln ſehen, iſt keine Wolke, ſondern Ju⸗ ſtedals Eisbräen ſind es, die größten Gletſchermaſſen, die es in Europa gibt.“ „Ja, das iſt ſchön!“ rief der Reiſende verwundert.„Die Kunſt hat Nichts für Norwegen gethan, die Natur Alles.“ „Achten Sie dieſe alte Capelle doch nicht allzu gering“, ſagte der Fremde,„überhaupt muß man an unſre Alterthümer einen beſonderen Maßſtab anlegen. Prachtbauten von Stein haben wir nicht, auch unſere Könige wohnten in Holzhäuſern. Aber ſehen Sie einmal dieſe alten Balken an, welche nun wohl ein Jahrtauſend allen Stürmen und allen Wettern getrotzt haben. Sie ſind wie Eiſen ſchwarz und feſt geworden, kein Meſſer kann hinein üͤberd Was ſie de dieſe man unſer genac „und lung freul „„Ich habe geſehen, wo 3 aus, als eine andern Schlöſſer den Fjord nel auflief, hing, aus ge Burgen der junge bar,„und ndern Ju⸗ 34 s die es gering“, lterthümer ftein haben ern. Aber wohl ein tgt haben. eſſer kamn — 89— hineinſchneiden, keine Axt kann ſie ſpalten. Hart wie Granit überdauerten ſie dieſen. Nichts iſt zermürbt, nichts bröckelt ab! Was haben unſere Vorväter damit gethan? Welche Kunſt haben ſie verſtanden, um dies Eiſenholz hervorzubringen? Womit ſind dieſe Blöcke beſtrichen worden? Es wäre eine ſchöne Sache, wenn man das Mittel wieder entdecken könnte.“ Sie waren Beide zu dem alten Bauwerk gegangen, und unſer Reiſender fand, daß es wirklich wie vom härteſten Stein gemacht ſei.„Wenn es ein Mittel dafür gegeben hat“, ſagte er, „und nicht etwa örtliche und beſondere Umſtände dieſe Umwand⸗ lung bewirkt haben, ſo würde die Wiederentdeckung weniger er⸗ freulich für die Kunſt, als vortheilhaft für kluge Holzhändler ſein.“ Der Fremde lachte auf.„Meiner Treu, Sie haben Recht“, erwiederte er,„Sie geben mir da eine gute Lehre, obwohl Sie wahrſcheinlich nicht wiſſen, daß ich ein Holzhändler bin. Ich wohne dort unten am Fjord“, fuhr er fort,„auf einer Landſtelle, die Skalden heißt, und vielleicht hat einer meiner Urväter dieſe Kirche bauen helfen und das Recept zu dem Verſteinerungsmittel ſelbſt beſeſſen.“ So ſprechend kehrten Beide zurück, und eben ſprang ein junger Bauer aus der Hütte und rief dem Herrn entgegen, daß der Kaffee fertig ſei. Als ſie hineintraten, dampfte die Kanne ſchon auf dem Tiſche, daneben ſtanden bunte Fayencetaſſen und eine Schale mit kleinen Zuckerſtückchen gefüllt, ſammt einem Teller voll dünner, harter Brotkuchen, Fladbrot genannt. Auch ein großes Stück Butter war da und ein mächtiger, mondförmiger, röthlicher Käſe, Milch aber ſchien gänzlich zu fehlen. — 90— 58 „Wir müſſen genügſam ſein,“ ſagte der Herr,„Thorkel Halfſon gibt uns, was er beſitzt; Milch jedoch findet man um dieſe Zeit kaum bei den wohlhabenden Leuten. Indeß,“ fuhr er einladend fort,„können Sie wenigſtens Alles, was da iſt, ohne Scheu genießen, denn es geht hier ſauber her, was bei manchen unſerer Bauern nicht eben der Fall iſt.“ Er warf ſeine Blicke über die Stube und ſchien zufrieden damit zu ſein. In der That glänzte der Raum ſo wohnlich und reinlich, wie man es ſelten findet. Die Dielen waren mit friſchen Birken⸗ blättern beſtreut, die Holzwände mit bläulicher Farbe beſtrichen. An den Seiten liefen Bänke umher, darüber in der Nähe der niederen Decke bildeten Bretter offene Schränke, auf denen allerlei Wirthſchaftsgeräth und Geſchirr in guter Ordnung ſeine Stelle fand. Ueber dem Herde in der Ecke ſtanden mehrere ſchöne Haus⸗ und Bibelſprüche geſchrieben, und auf dem hellen Feuer dort brodelte das Waſſer im Keſſel, in welchem Thorkel Halfſon jetzt Kaffee für ſich und für die Bootsleute kochte, welche draußen auf den Steinen ſaßen. Der Reiſende betrachtete mit Wohlgefallen den jungen Bauer. Seine rothe Mütze ſaß keck auf dem blonden Haar, und ſein friſches Geſicht mit blauen Augen, die ſo licht waren, wie ſeine Haut, der ſelbſt dieſe brennende Sonne nicht viel anhaben konnte, ſah überaus freundlich und lebendig aus. Der fremde Herr ſchien zu merken, was ſein Gaſt dachte. „Sie machen Vergleiche zwiſchen Thorkel und mir?“ fragte er. „Iſt es nicht ſo?“ ſ' dem er ſeines haben „Man aus e und j worde wie „„Woorkal at man um 3,“ fuhr er g iſt, ohne ei manchen n zufrieden nd reinlich, „Das thue ich, Herr Skalden,“ erwiederte der Andere, in⸗ dem er nach norwegiſcher Sitte den Fremden nach dem Namen ſeines Hofes nannte, den er von ihm gehört, und die Meiſten haben auch keinen andern Familiennamen, als den ihres Gutes. „Man ſollte nicht meinen,“ fügte er hinzu,„daß Sie und er aus einer Weltgegend ſtammen.“ Herr Skalden fuhr mit der Hand durch ſeine dunkeln Locken und ſagte darauf:„Dennoch ſind wir auf einem Hofe geboren worden. Halfſons Vater war meines Vaters Dienſtmann, und wenn wir Geſchlechtsregiſter und Stammbäume führten, würden wir wahrſcheinlich beweiſen können, daß ſeit Jahrhunderten unſere Voreltern derartig beiſammen lebten. Uebrigens wiſſen Sie doch,“ fuhr er fort,„daß in unſern Gebirgen noch immer die Spuren der zwei verſchiedenen Stammracen Norwegens gut unterſchieden werden können. Es gibt Menſchen hier mit ſchwarzen Haaren und Augen, zu denen ich gehöre, und man ſagt ihnen nach, daß ſie von den uralten Herren des Landes, den Aſen, abſtammen; die blonden und blauäugigen dagegen ſind die Nachkommen der Gothen, welche ſich des Landes ſpäter bemächtigten. Am Sogne⸗ fjord finden Sie noch manche Bautaſteine, die von den Kämpfen beider Völker Kunde geben, auch außer dem berühmten, auf wel⸗ chem geſchrieben ſteht, daß König Nor hier die geſammten Könige von Sogne und ihr Volk beſiegte und unterwarf.“ „Aber die gothiſchen Sieger ſind nicht immer Herren im Lande geblieben,“ meinte der Reiſende.„Ihre Nachkommen ſind, wie ich ſehe, auch wiederum Diener der Aſenkinder geworden. „Das iſt der Welt Lauf,“ lachte Herr Skalden.„Der Herr wird Knecht, wenn er es nicht verſteht, Herr zu bleiben, dagegen wird der kluge Knecht zum Herrn. Möglich, daß Thorkel Half⸗ ſons einſtige Vorfahren einmal in Skalden geboten und meine Vorfahren ihnen gehorchten. Mir einerlei, die Sache hat ſich ge⸗ ändert und ziemlich lange iſt es jedenfalls her. Mein Großvater trieb ſchon Holzhandel hier, mein Vater kaufte den Wald im Fortunthal, dazu die Weiden und Seterien, und Halfſons Vater war ſein Aufſeher. Ich ſelbſt mache es ebenſo. Ich habe hier umher Holzläger, kaufe und verkaufe, und Thorkel Halfſon iſt mein Verwalter, dem es gut geht und mit dem ich zufrieden bin.“ „Iſt er verheirathet?“ fragte der Reiſende. „Nein. Er lebt mit ſeiner Schweſter, die jetzt oben in den Bergen iſt.“ Der Reiſende hatte ſein Skizzenbuch inzwiſchen herausgezogen und zeichnete nicht ohne Geſchick die Geſtalt des jungen Bauers in ſeiner Beſchäftigung am Herde. Nachdem der Holzhändler einige Zeit ſchweigend zugeſchaut, fragte er:„Sind Sie ein Maler?“ „Ich möchte wenigſtens einer ſein,“ erwiederte der junge Mann freundlich. „Wo kommen Sie her?“ „Von Chriſtiania.“ „Wo alle feinen Leute zu Hauſe ſind,“ lachte Skalden, in⸗ dem er ſeine Augen auf ihm ruhen ließ. Der Blick war ſo höhnend, wie der Ton, in welchem er ſprach, aber der Reiſende wußte, daß viele Norweger auf Chriſtiania licht, verlaſ lächel vielle wire man das en, dagegen poorkel Half⸗ und meine hat ſich ge⸗ Großvater Wald im ſons Vater habe hier Halfſon iſt rieden bin.“ ben in den ausgezogen en Bauers zugeſchaul, der junge falden in⸗ er ſpuac 3 hriſtialin nicht gut zu ſprechen ſind, das, was ſie ſagen, der Väter Sitte verlaſſen hat, um den Fremden nachzuäffen. „Ich liebe Chriſtiania auch nicht allzu ſehr,“ ſagte er daher lächelnd,„obwohl ich dort geboren wurde.“ „Sie ſind alſo doch ein Normann?“ „Das will ich meinen. Meine Mutter ſtammt aus einer alten Landesfamilie.“ „Wie heißen Sie?“ „Mein Name iſt Eduard Falkland.“ „Dann ſtammt Ihre Mutter aus der Familie Mare.“ „Ja wohl,“ ſagte Eduard Falkland erfreut.„Sie kannten vielleicht meine Mutter?“ „Nein, aber ich kenne den Capitän Halbart Mare in Eide.“ „Das iſt ein Vetter meiner Mutter.“ „Und ich weiß, daß man in Eide einen jungen Herrn aus Chriſtiania erwartet.“ „Meine Mutter hat mich vor einiger Zeit dem Vetter in Eide angekündigt, und meine Muhme Emma hat darauf geant⸗ wortet, daß ich willkommen ſein würde.“ „Keinen Zweifel, Herr Falkland, Sie werden willkommen ſein,“ ſagte Skalden mit einem harten Lachen.„Ein Mann, wie Sie, iſt dort an ſeinem Platze.“ „Wie meinen Sie das, Herr Skalden?“ „Ich meine, ein junger Herr, der allerlei Künſte verſteht, wird ſeine Zeit dort gut anwenden können. Es gibt im Sogne mancherlei zu ſehen und zu malen. Vielleicht verſtehen Sie auch, das Clavier zu ſpielen?“ — 941— „Das kann wohl ſein.“ „Bravo! und dazu auch ſingen. Sie müſſen eine gute Stimme haben, man hört's am Ton.— Aber ich will Sie nicht länger aufhalten; Emma Mare darf nicht ungeduldig werden, und meine eigne Zeit iſt um.“ Damit warf er das Meſſer fort, trank ſeine Taſſe aus und ſtand auf. „Sie kommen, wie ich denke, häufig nach Eide?“ fragte Eduard. „Gewiß nicht ſelten,“ war die Antwort. „So werde ich Sie wiederſehen!“ „Darauf verlaſſen Sie ſich.“ „Das ſoll mich freuen, Herr Skalden.“ „Ich will's immerdar wünſchen.— Bring' mein Pferd, Halfſon; Glück auf ihren Weg, Herr Falkland. In's Boot, Ihr Leute, faulenzt nicht länger. Was haben Sie da für einen Kaſten?“ „Es iſt mein Malkaſten.“ „Und was haben Sie in dem Ueberzuge dort?“ „Mein Gewehr.“ „Alſo Maler und Jäger zugleich. Auf dem Rücken die Pinſel und auf der Schulter die Büchſe. In welcher Kunſt haben Sie es denn am weiteſten gebracht?“ „Ich denke, daß ich vielleicht Gelegenheit finde, Ihnen zu beweiſen, daß ich in beiden etwas leiſte.“ „Ich zweifle nicht daran. Ein Troubadour muß Alles ver⸗ ſtehen, und am Sognefjord läßt ſich Alles gebrauchen. Dort gibt es zuweilen auch größeres Wild, als Elſtern und Seeſchwalben. Farewell! Herr Falkland, auf Wiederſehen!“ näne gute ill Sie nicht dig werden, ſſe aus und agte Eduard. menn Pfedd, z Boot, Ihr en Kaſten?“ Rücken die eunſt haben . Ihnen zu Alles vel⸗ Dort git eſchwalben II Das Boot verließ die kleine Bucht. Eduard Falkland ſah nur noch, wie ſein neuer Bekannter ſich auf das kleine Bergpferd ſchwang, das mit dem Feuer und der Schrelligkeit dieſer kräf⸗ tigen Thiere ihn durch das grüne, ſchmale Thal trug, zwiſchen hohen Felswänden und Klippen fort, hinter denen er ſchnell ver⸗ ſchwand. Er fühlte ſich unmuthig geſtimmt gegen dieſen hoch⸗ fahrenden Mann, der offenbar ihn verſpottete, und doch fühlte er ſich angezogen durch die Kühnheit und Freimüthigkeit ſeines Weſens und durch die ſtolze, entſchiedene Haltung, welche ſich ſeinen Worten, wie ſeinen Handlungen aufdrückte. Es lag darin eine trotzige Ueberlegenheit, welche bei dem jungen, lebhaften Falk⸗ land den Wunſch hervorrief, ihn näher kennen zu lernen, um ihm zu beweiſen, daß er es mit keinem Schwächling zu thun habe, der ſich weder vor ihm, noch vor Anſtrengungen und Ge⸗ fahren fürchte. So beſchäftigte er ſich längere Zeit in ſeinen Gedanken mit = 96— ihm und wandte ſich dabei auch der Familie zu, deren Wohnſitz er ſich näherte. Je mehr dies geſchah, um ſo reger wurden ſeine Erinnerungen. Seinen Vetter Halbart Mare hatte er nie geſehen, wohl aber deſſen Tochter Emma, welche mehrere Jahre lang zu ihrer Erziehung in Chriſtiania gelebt hatte. Damals war ſie im ſechszehnten Jahre, und er ſelbſt ſechs Jahre älter, als er nach Deutſchland geſchickt wurde, von wo er vor einigen Monaten zurückkehrte. Seit jener Zeit waren drei Sommer vergangen; Emma mußte nun neunzehn ſein. Sie war ein Jahr, nachdem er fortgegangen, von ihrem Vater zurückgeholt worden in ſein Haus am Lyſterfjord, denn ihre Mutter war geſtorben, und ſie hatte ihm kein anderes Kind, als dies eine zurückgelaſſen. Hal⸗ bart Mare war einſt Officier geweſen, als das Land noch zu Dänemark gehörte. Im Jahre 1814 kämpfte er als eifriger Pa⸗ triot gegen die Schweden, als aber die Freiheit Norwegens ge⸗ ſichert war, wurde er ein Landmann auf dem väterlichen Erbe, ein ſogenannter Proprietär, das heißt ein höherer Bauer, auf einem der größeren Höfe in dieſem Lande, wo es keine großen Eüter' gibt, die das Odalsrecht niemals aufkommen ließ. Seinen alten Familienadel hatte er niedergelegt, als der Adel in Nor⸗ wegen aufgehoben wurde, und wie Eduard Falkland ſich erin— nerte, war ihm ſein Verwandter öfter als ein Mann der Volks⸗ oder Bauernpartei geſchildert worden, der als ſolcher auch gleich Anfangs in den Storthing gewählt wurde. Das war ſo ziemlich Alles, was er von ihm wußte, und er ſetzte ſich daraus ein Bild zuſammen, das ihm im Ganzen recht gut gefiel. Das Beſte that freilich ſeine Erinnerung an Emma, und während er durch de Fe um ſo her, w Emma offenes Zügen vergeſ Steine Boot und ij und ſ Wänd zur E Fiord velche nic in ih dies oft Ver hina und die hele Kal ren Wohnſit wurden ſeine rnie geſehen, ahre lang zu war ſie in als er nach en Monaten r vergangen; ahr, nachdem. rden in ſein tben, und ſie llaſſen. Hal⸗ and noch zu iifriger Pa⸗ orwegens ge⸗ rlichen Erbe, Bauer, auf b keine großen ſich. Seinen .[in Nok⸗ d ſich erin⸗ nr Bute wauh glech ſ ziemlich 3 darau⸗ in Da⸗ Brſte rold er durc = 97— die Felſengaſſe des Fiord fuhr, der ſich, je näher ſeinem Ende, um ſo mehr zuſammenzog, ſuchte er in der Ferne nach ihr um⸗ her, wenn er auf dem hohen Uferrande ein Haus liegen ſah. Emma war damals zwar noch halb ein Kind geweſen, doch ihr offenes, volles Geſicht mit den ſtark ausgeprägten, nordiſch feſten Zügen, dem braunen Haar und den klaren Augen hatte er nicht vergeſſen. Einige Male war es ihm, als ſähe er ſie auf den Steinen ſtehen und ihn erwarten, aber er täuſchte ſich. Das Boot fuhr weiter, die Geſtalt verwandelte ſich und verſchwand, und immer höher und unwirthlicher ſtiegen die Felsmaſſen auf und ſchienen ſich zu einem Halbkreis von ungeheueren, ſenkrechten Wänden zu verkitten, in denen alles Menſchenleben aufhörte. Indem er endlich ſeine Ungeduld äußern wollte, öffnete ſich zur Seite eines jener verſteckten kleinen Thäler, an welchen dieſe Fjorde ſo reich ſind. Er erblickte eine ſaftig grünende Tiefe, zu welcher das Gebirge ſich welliger niederzog, und auf einem der nächſten Vorſprünge lag ein Hof, bei deſſen Anblick eine Stimme in ihm ſagte:„hier muß Emma wohnen, dies iſt ihr Haus, dies ſind die großen, prächtigen Bäume, von denen ſie mir ſo oft erzählt hat. Das Haus lag in einem Gartengehege, das den ganzen Bergabſatz einnahm und ſich in Terraſſen nach dem Thalgrunde hinabſenkte. Es hatte einen Vorbau, der auf Holzſäulen ruhte und wie ein Altan ausſah. Aus einer Thür des oberen Geſchoſſes, die auf den Vorbau hinausführte, trat ſoeben eine Frau im hellen Kleide, und er ſtand mit ſolcher Heftigkeit auf, daß der Kahn in's Schwanken gerieth und er beinahe in's Waſſer ge⸗ Mügge, Signa, die Seterin. 7 — 98— ſtürzt wäre. Als er wieder aufſprang, war der Altan leer, aber er zweifelte nicht daran, daß er jetzt wirklich Emma geſehen hatte. „Eilt! eilt!“ rief er den Bootsleuten zu, die gemächlich ſich einer Anfahrt näherten, wo mehrere Kähne lagen. „Du kommſt zeitig genug,“ antwortete ihm der Eine, der nach dem Ufer ſah.„Wir werden eher dort ſein als Halbart Mare, mit deſſen Füßen es langſam geht.“ Eduard bemerkte in dem Gange, der vom Garten aus an den Fjord hinablief, einen Mann, welcher die Stufen langſam hinunterſtieg und ſich auf einen Begleiter ſtützte. Dieſer Beglei⸗ ter war das Mädchen im hellen Kleide, Emma. Er rief ihren Namen lebhaft und laut, als er mit einem Sprunge das Ufer erreichte und ſeinen Verwandten entgegen lief. In einer Minute ſtand er vor ihnen und plötzlich gerieth er in Verwirrung. Er hatte von Emma einſt Abſchied genom⸗ men, indem er ihre Lippen geküßt und ihr allerlei ſüße Wünſche und Schmeichelnamen zugeflüſtert. Mit derſelben Vertraulichkeit hatte er gemeint, jetzt das Wiederſehen feiern zu können, aber damit war es nichts. Das war die Emma nicht mehr, mit der er getändelt und geſpielt, das war ein kopfhoch größeres Mäd⸗ chen, das nicht wie ſonſt ihre Arme nach ihm ausſtreckte, und ihm muthwillig zulachte. Freundlich zwar ſchaute ſie ihn an und ihre braunen Augen füllten ſich mit Glanz, aber ihre Freude war in Grenzen gebannt und dieſe Grenzen wurden ſogleich von ihm empfunden. Er wandte ſeine Blicke von ihr ab auf ihren Vater und zog ſeine Hände zurück, indem er ſeinen Hut abnahm. Hal⸗ bart wurde mit Sog ſicht gemij Stir nieder denen an leer, aber uma geſehen mächlich ſich er Eine, der als Halbart tten aus an fen langſam diſer Beglei⸗ r rief ihren ge das Ufer glich gerieth bied genom⸗ füße Wünſche zertraulichkit können, aber nehr, mit der res Mad⸗ — 99— — bart Mare, der Capitän, wie er von ſeinen Nachbarn genannt wurde, ſtützte ſich auf ſeinen großen Eſchenſtock und muſterte ihn mit den ſcharfen Blicken und der Beobachtungsgabe eines ächten Sognemannes. Er war von hoher Geſtalt, magerm ſcharfen Ge⸗ ſicht und ſcharf hervortretender Naſe. Ein gelblicher, mit grau gemiſchter Backenbart lief ihm bis an die Mundwinkel, ſeine Stirne war hoch und faltig— das gelbgraue Haar fiel darauf nieder, und das lederharte, ſtarkknochige Geſicht war von verſchie⸗ denen Furchen wie von Rinnen durchzogen. „Das iſt er alſo. Eduard Falkland— iſt es nicht ſo?“ rief der Capitän ihm zu. „Eduard Falkland, Vetter, der Ihnen die Grüße ſeiner Mutter bringt,“ antwortete der junge Reiſende, in die Hand einſchlagend, welche Halbart Mare ihm entgegenſtreckte. „Biſt willkommen, Eduard, biſt Deiner Mutter Sohn!“ ſprach dieſer dabei.„Haſt ihr Geſicht und ihre klaren Augen. Biſt willkommen in Eide, Eduard Falkland,“ wiederholte er freundlicher.„Da iſt Deine Muhme Emma. Ihr ſeid alte Be⸗ kannte, Ihr Beide; reich ihm Hand und Mund, Mädchen, und dann— Ihr da, bringt, was im Boote iſt, herauf in's Haus, da wollen wir hören, was Du Neues mitbringſt, Vetter.“ Emma that nach ihres Vaters Willen. Sie reichte Eduard ihre Lippen zum Kuß und ſagte freundlich:„Wir haben Sie ſchon ſeit einigen Tagen erwartet, Vetter Eduard. Ich hoffe, Sie haben eine gute Reiſe gehabt, und Alles, was Sie uns erzählen können, iſt gut.“ Eduard hatte Zeit gehabt, ſeine Gedanken zu ordnen und 77* — 100— was ihn überraſchte, zu bewältigen. In Chriſtiania hatte die kleine Emma ihn Du genannt, und er niemals anders als ſo vertraut zu ihr geredet. Jetzt kam ihm die höfliche, entfremdende Form eben ſo unerwartet, wie das fremdere Benehmen der erwachſenen Freundin. Er hatte es ſich ganz anders gedacht, das brach nun plötzlich zuſammen. Er fühlte ſich verletzt davon, und doch war er verſtändig genug, ſich zu ſagen, daß es eigentlich nicht anders ſein könne; denn Emma war eine Jungfrau geworden und er ſelbſt während der Zeit der Trennung zum Manne gereift. Sie gingen langſam den Abhang hinauf. Der Capitän hatte mancher⸗ lei zu fragen, auch Emma hatte zu fragen, er mußte Antwort über Vieles geben. Als ſie oben ſtanden, lag das Haus hinter einem grünen Vorplatz, der mit Blumenſtücken durchzogen und wohlgepflegt war. Es wandte ſich ſüdlich dem Fiord zu und blickte dabei in ein liebliches Thal hinab. Schöner ließ ſich kaum etwas denken, als dieſe prächtige Lage und Ausſicht auf den blaufluthenden Meeresarm, auf die hohen Jötunfjellen, auf Glet⸗ ſchermaſſen und auf die hohe, waldumbuſchte Bergwand, welche den Hintergrund füllte. Mit frohen Blicken betrachtete Eduard dies Rundgemälde und als er darüber ſeine Freude bezeugte, lachte Halbart Mare wohlgefällig. Er ſtützte beide Hände auf die Krücke ſeines Eſchenſtocks und ſprach mit Selbſtbewußtſein: „Ihr glatten Leute in Chriſtiania meint zuweilen, es gäbe nichts beſſeres in dem alten Norwegen, als was Ihr habt, und die weiſen, hochgelahrten Väter des Vaterlandes ſehen auf uns, wie auf Barbaren. Es iſt aber nichts damit, Vetter Eduard. Unſere Fjorde und Berge hier im Weſten das iſt und bleibt der Kern und 1 als ſ Man⸗ ander Gärt ja, w Dir unſer Bei rathe atte die kleine ſo vertraut ndende Form erwachſenen s brach nun nd doch war nicht anders rden und er gerift. Sie atte mancher⸗ cßte Antwort Haus hinter rchzogen und ford zu und eß ſich kaum icht auf den en, aj Glef wand, welche ztete Eduard ude bezeugte, Hände auf ſbewußtſein: z gäbe nicht⸗ uit, und die auf uns, wie uard. Unſere ibt der Kenn und unſere Wildniſſe ſollen Dir, wie ich hoffe, beſſer gefallen, als was Du dort geſehen haſt.“ „Sie gefallen mir ſchon jetzt ſo gut,“ erwiederte der junge Mann, daß ich entzückt davon bin.“ „Alles Neue gefällt und entzückt,“ ſagte Emma. „Bis es alt und alltäglich wird,“ fiel ihr Vater ein.„Eine andere Sache iſt es, ſein Leben hier zuzubringen.“ „In ſolchem ſtattlichen Hauſe, umringt von Wald und Gärten!“ meinte Eduard, läßt ſich's wohl aushalten. Das ſind ja, wie ich ſehe, lauter Frxuchtbäume.“ „Daran fehlt es uns nicht, ſprach der Capitän. Emma ſoll Dir Kirſchen pflücken, wie ſie nicht in Chriſtiania wachſen und unſere Birnen und Aepfel werden in den Bergen gut bezahlt. Bei alledem iſt es ſolchem jungen Springinsfeld doch nicht zu rathen, den Verſuch zu machen, hier ſein Leben einzurichten. „Warum nicht, Vetter, erwiederte Eduard lebhaft. Wer die Natur liebt, kann auch mit und in ihr leben, wo es ſein mag.“ „Wenn ſie immer ſo grün und heiter ausſähe, o ja!“ lachte der Gaardherr, aber bleib drei Monate bei uns, dann will ich Dich wieder fragen. Wenn die Stürme über Fortunffeld raſen, die Schneewirbel von den Horungerne herunterkommen und aus den Nebeln hervor die Wellen des Fiord ihre eiſigen Kämme zeigen, wirſt Du anders ſprechen. Das iſt nichts, Vetter Eduard, nichts für Dich; iſt es nicht ſo? Du biſt ja wohl ein Künſtler? Eh! Deine Mutter ſchrieb davon, ein Maler? Was?“ „Ich habe wenigſtens eine deutſche Maler⸗Akademie beſucht, Vetter.“ — 102— „Und willſt hier Naturſtudien machen? Findeſt reichen Stoff dazu überall. Glück in Deine Hand, mein Sohn. Male darauf los und fülle Deinen Kaſten da, bis Du es ſatt haſt in Hal⸗ bart Mare's altem Haus und am Sogne. Jetzt aber komm und ruhe aus. Emma wird uns auftiſchen, was uns gut thut. Du mußt das Willkommen im Hauſe mit uns trinken, wie es Sitte am Sogne iſt.“ Damit geleitete er den Gaſt in ein Zimmer unter den Säulenbau, auf welchem der Altan lag und nöthigte ihn, es ſich ſo bequem als möglich zu machen. Es war ein großer, ſtattlicher Raum, zwar mit einfachen Mobilien verſehen, unter denen man aber doch Einiges vielleicht nicht hier vermuthete. Vor allen ſtand dort an der Wand ein großes, ſchönes Clavier und zwiſchen den Fenſtern hing ein Spiegel, der bis an die Decke reichte. An der andern Wandſeite ſtand ein weich gepolſtertes Sopha und am Tiſche ein mächtiger Lehnſtuhl mit braunem Leder überzogen und ſehr bequem zum Ausſtrecken des Körpers eingerichtet. Das Zimmer war mit einer franzöſiſchen Tapete tapezirt, die Decke mit einem Deckenſtück. Obwohl das ganze Gebäude von Holz war, wie alle Häuſer im Lande, merkte man doch nichts davon, die drei Fenſter waren hoch und hell, mit Vorhängen von blu⸗ migem Mouſſelin behängt. Der Hausherr bemerkte wohl, daß ſeinem jungen Verwand⸗ ten dieſe Einrichtung ſehr wohl gefiel und daß er mit Vergnügen ſich in den weichen Stuhl ſetzte.„Oho, ſagte er lächelnd, die Bären laufen nicht am Sogne umher und ſpeiſen mit uns von einem Teller, wie man bei Euch zuweilen unſer Land abmalt, aber Wo Verw Stül als Ange wenn wort Sadh brin imm dad ſizt 1 D das reichen Stoff Male darauf haſt in Hal⸗ komm und t thut. Du vie es Sitte unter den ihn, ſich er, ſtattlicher denen man ar allen ſtand wiſchen den ſchte. An der ba und am verzogen und richtet Das t, die Decke de von Holz ncchts davoſt, zen gerwand⸗ it Vergnügen lächelnd die nit un⸗ von zand abmalt en von blu⸗ — 103— aber was Du hier ſiehſt, Vetter Eduard, hat ſeinen guten Grund. Wo ein Mädchen im Hauſe iſt, gibt es auch allerlei Putz und Verweichlichung. Im Eidehof fand man ſonſt nichts, als hölzerne Stühle vom beſten Birkenholz und Tiſche von demſelben Stoff, als Emma aber aus Chriſtiania zurückkam, brachte ſie modiſche Angewohnheiten mit und Weibern muß man den Willen thun, wenn ſie nicht ſterben ſollen. Das iſt ein gutes, altes Sprüch⸗ wort. Ich habe daher ihr zu Gefallen aus Bergen allerlei feine Sachen kommen laſſen, die man dorthin von Deutſchland herüber bringt, und einer unſrer Freunde, der oft dahin reiſt, ſchleppt immer mehr unnützen Tand in mein Haus.“ „Ich ſehe nicht ein,“ antwortete Eduard,„daß ein Mann dadurch ſchlechter wird, wenn er lieber auf einem weichen Polſter ſitzt, denn auf hartem Holz oder Rohr.“ „Oho!“ lachte Halbart Mare, mit ſeinem Stock aufſtoßend, „Du gehörſt zu denen, die den ſaftigen Braten lieber eſſen, als das Wild jagen.“ „Jedes zu ſeiner Zeit,“ ſcherzte der junge Vetter, inzwiſchen denke ich, daß, wer das Wild jagt, auch den Braten nicht ver⸗ ſchmäht, oder wer arbeitet, überhaupt auch genießen ſoll, was ihm ſchmeckt.“ „Das denkt Ihr junges Volk,“ antwortete der Capitän, in⸗ dem er eine lange Pfeife ergriff und Feuer ſchlug, um ſie in Brand zu ſetzen,„aber zu Eurer Väter Zeit war es anders. Da herrſchten einfache Sitten, ſo nach oben, wie nach unten, und die älteſten, edelſten Familien im Lande lebten kaum beſſer, als die Bauern.“ — 104— „Das waren rohe Zeiten,“ ſagte Eduard,„jetzt will Jeder genießen, was er bezahlen kann.“ Halbart Mare zog die dicken, rothen Augenbraunen zuſam⸗ men:„Beſſere Zeiten, als es jetzt ſind,“ antwortete er,„wo jeder Hans Narr ſich breit macht, und die Naſe ſo hoch in die Luft hält, daß er über jeden Stein ſtolpert.“ Eduard ſchwieg, er ſah wohl, daß ſeine Antwort den Gaard⸗ herrn noch mehr reizen würde, aber dieſer fuhr in derſelben Weiſe fort:„Ich habe niemals viel von der neumodiſchen Weis⸗ heit gehalten, habe mich davor bewahrt und nach dem Eidehof am Lyſterfjord geflüchtet, wo man nichts von gelben Handſchuhen und lackirten Stiefeln weiß, habe hier nun länger als zwanzig Jahre geſeſſen, und was Du umher ſiehſt, iſt mein Werk. Der Hof lag wüſt auf einem wüſten Hügel, ein Dutzend ſchlechte Aepfelbäume war Alles, was ich fand. Alle dieſe Terraſſen, alle dieſe Gärten habe ich geſchaffen, Korn und Kartoffeln auf Stel⸗ len angebaut, wo ſonſt nur Haidediſteln wucherten, und ſo den Hof herauf gebracht, daß er jetzt ſechs mal mehr trägt, als da⸗ mals. Nur, fuhr er ruhiger fort, Reichthum iſt dabei nicht zu ſchaffen, denn ſolche Verbeſſerungen machen auch große Koſten, aber auf meinem freien Erbe bin ich ein freier Mann, nichts weiter; will auch nichts weiter ſein.“ „In unſerer Zeit,“ ſagte Eduard,„muß, wer viel Geld erwerben will, Handel treiben.“ „Handel, bah!“ verſetzte Halbart Mare rauh und eine ge⸗ waltige Wolke Tabaksdampf vor ſich her blaſend.„Bei ihren Heringen bekommen die Krämer Heringsſeelen. Es gibt genug davon u nehmſ junge liche dieſer fort, auf d fiel d st will Jeder aunen zuſam⸗ ttete er,„wo hhoch in die t den Gaard⸗ in derſelben diſchen Weis⸗ dem Eidehof Handſchuhen 1l5 zwanzig Werk. Der and ſchlechte erraſſen, alle n auf Stll⸗ und ſo den ägt, als dei nict zu coße Koſten, Nann, richts „ viel Geld und eine ge⸗ Bei ihrel gibt gmug 3 da⸗ davon in dem alten Norwegen, die nichts weiter im Leibe haben — und ſich dabei die Erſten im Lande dünken.“ „Ackerbau und Handel ſind doch immer die erſten und vor⸗ nehmſten Beſchäftigungen der Menſchen geweſen,“ erwiederte der junge Mann,„und werden es auch alle Zeit bleiben. Alle menſch⸗ liche Bildung beruht darauf und alle Staaten haben ſich auf dieſer Grundlage aufgerichtet. Im Grunde,“ fuhr er lächelnd fort,„iſt jeder Menſch ein Handelsmann, der irgend eine Waare auf den Markt bringt und andere dafür eintauſcht.“ „Am Sogne gibt es nicht viel auf den Markt zu bringen,“ fiel der Capitän ein. „Ei,“ ſagte Eduard,„geben Ackerbau und Viehzucht nicht viel, ſo wächſt doch Holz hier in Menge und die Holzhändler machen ſicherlich gute Geſchäfte.“ Er dachte dabei an den Holzhändler, den er kennen gelernt, und hatte eine Frage nach ihm auf der Zunge, aber er ſchwieg, als ſein Verwandter nachdrücklich antwortete:„Gute Geſchäfte machen ſie, doch unſere Wälder gehen dabei zu Grunde. Die Bauern verkaufen ihr Holz, denn die blanken Speciesthaler wer⸗ den immer mehr bekannt, und die Händler fragen nichts nach der Waldverwüſtung, die immer weiter um ſich greift. Ich ſage nichts gegen den Handel, zumal mit Holz, verkaufe es auch, wenn ich es habe, und ſind manche Leute dabei betheiligt, die aus guten, alten Familien ſtammen. Mag jeder ſeinen Neigungen folgen, doch mein Wald ſoll nicht niedergeſchlagen werden, denke, es ſoll nimmer geſchehen.“ „Hat der Hof von Eide viel Wald?“ fragte Eduard. — 106— Der Capitän zeigte gegen die Bergwand hin und ſagte: „das iſt Alles mein, und manche hohe Gebote ſind mir ſchon dafür gemacht worden, aber ich will nichts davon hören. Der Gaard bleibt wie er iſt, was zum Leben gehört, habe ich und komme gut aus in meiner Hütte bei meinen einfachen Gerichten. Du mußt nicht denken, Vetter Falkland, lachte er auf, daß wir Dich hier köſtlich bewirthen werden. Ein Fiſch aus dem Fjord, ein Stück Hammel- oder Ziegenfleiſch, eine Milch- oder Mehl⸗ ſuppe, ſaures Brot und ein Gericht Bohnen oder Erbſen, das iſt Alles, was Du aus Emma's Küche zu erwarten haſt. Da kommt ſie ſchon und wird Dir beweiſen, was Wahrheit iſt.“ Emma kam mit einer alten Magd, welche Tiſchgeräth trug, und bald war unter dem Vorbau des Hauſes im Freien die gaſtliche Tafel bereit, zu welcher er eingeladen wurde; allein er fand dieſe ſo übel nicht, wie ſein Vetter ſie geſchildert hatte. Ein Seyfiſch aus dem Fford ſchmeckte vortrefflich, ein ge⸗ waltiges ſaftiges Fleiſchſtück dampfte in ſeiner Brühe und von friſchen Eiern hatte Emma's kunſtfertige Hand einen Auflauf verfertigt, ganz ſo, wie ihn ſeine Mutter zu machen verſtand und wie er ihn ganz beſonders liebte. Das war ſomit ein luculliſches Mall, wie er es lange nicht gehabt, denn die Wirthshäuſer auf ſeiner langen Reiſe waren, wie überhaupt meiſt in Norwegen, derartig, daß man ſich ſelbſt mit einigen eßbaren Dingen ver⸗ ſehen haben muß, wenn man mehr verlangt, als die gröbſten und gewöhnlichſten Nahrungsmittel. Der Capitän erhöhte jedoch die Reize dieſes Empfanges, indem er ſeinen rothen Wein nicht ſchonte, den er aus Bergen erhielt, wo die Kaufleute alle ihre ſein( willko ſo gu ſehen. Vette nippt von! Wor Toch Als n und ſagte: d mir ſchon hören. Der habe ich und hen Gerichten. auf daß wir dem Fiord, oder Mehl⸗ ten haſt. brbeit iſt“ Ggeräth trug, m Freien die 1 Noypegel, Dingen ver⸗ die groͤſte rhöhte doch „ Wei uicht S ir eule — 107— fernen und nahen Kunden in den Fjorden mit europäiſchen Luxusartikeln aller Art verſorgen. Mit Kleidern und mit Ge⸗ räthen, mit franzöſiſchen Weinen und Seidenroben, engliſchen Stoffen und deutſchen Möbeln, und wenn noch etwas fehlt, ſind die Landkrämer da, welche tauſenderlei verſchiedene Dinge in ihren Kramläden aufgeſtapelt haben. Der Capitän aber nahm ſein Glas in die Hand und ſprach zu ſeinem Gaſte:„Sei alſo willkommen im Eidegaard, Vetter Falkland, und möge es Dir ſo gut bei uns gefallen, wie wir Dich gern an dieſem Tiſche ſehen.“ „Und mögen Sie darüber eine Zeit lang vergeſſen koͤnnen, Vetter Eduard“, ſetzte Emma hinzu, indem ſie von ihrem Glaſe nippte,„daß der Lyſterfjord eine arme, wilde Einſamkeit iſt, die von der großen Welt, zu der Sie gehören, weit abliegt.“ Eduard Falkland dankte mit freundlichen und betheuernden Worten, und bis ſpät die Nacht kam, ſaß er mit Vater und Tochter auf der Veranda in mancherlei lebhaften Geſprächen. Als es aber kühl zu werden begonnen und die Röthe auf den hohen Eisſtirnen der Jötunffellen erblaßte, trank Halbart Mare mit ihm ein letztes Glas als Schlaftrunk, und dann erſchien die alte Magd und geleitete ihn in ein Nebenhäuschen, wie ſolche häufig auf den Höfen der größeren Gaardherrn zum Aufenthalt ihrer Gäſte beſtimmt ſind. Es war artig ausgeſtattet und er fand ein weiches Bett; allein noch lange Zeit konnte er nicht einſchlafen. Es mochte der Wein ſein, den er reichlich getrunken und welcher nun ſein Blut — 108— erhitzte. Er ſtützte den Arm auf die Kiſſen und dachte über das Erlebte nach, während in der Finſterniß die Geſtalten ſeiner Verwandten ihn anſchauten. Sie machten ihm beide zu ſchaffen, denn er konnte nicht mit ihnen fertig werden, obwohl er ſich be⸗ mühte, zur Verſtändigung zu gelangen. Der alte Mare war ohne Zweifel ein vielerfahrener Mann, ſtreng und hartnäckig in ſeinen Meinungen, von mancherlei Vorurtheilen befangen, wie ſie Leu⸗ ten eigen ſind, die ſich klug dünken und denen ſo leicht Niemand widerſpricht. Eduard hatte ſchon bemerken können, daß der Ca⸗ pitän am Lyſterfjord in hohem Anſehen ſtand, und daß er ſich darauf viel zu Gute that. Seine rauhe Offenheit und die Ein⸗ fachheit, welche er ſo oft im Munde führte, ſchien nicht ganz wahr zu ſein, es lag ſicherlich eine gute Portion Hochmuth da⸗ rin verſteckt. Er nannte ſich zwar ſelbſt einen Bauer, und hatte am Abendtiſch erklärt, daß er mit Freuden ſeinen Adel abgethan habe, allein er vergaß dabei nicht zu bemerken, daß er von den alten Jarlen und Grafen von Mare abſtamme: überhaupt aber, obgleich ſeinen Reden nach ein gewaltiger Demokrat im freien Norwegen, ſprach er doch ſehr gern von den alten Landesfamilien und ärgerte ſich darüber, daß dieſe durch das neumodiſche Weſen, durch Beamtenregiment und reichgewordene Krämer von ihrem Anſehen eingebüßt hätten. So viel war gewiß, daß Halbart Mare hier auf ſeinem Hofe am Lyſterfjord ſelbſt ein kleiner Regent war und zwar keiner von den mildregierenden. Was er anordnete, lautete kurz und beſtimmt, und daß ſeine Leute an pünktlichen Gehorſam gewöhnt waren, Großke Befehl Der ¹ Eduar nern d dieſer icht auch äner noch wie e Abend merkſe ichte über das eſtalten ſeiner de zu ſchaffen, ohl er ſich be⸗ Lare war ohne ackig in ſeinen wie ſie Lu⸗ üicht Niemand daß der Ca⸗ d daß er ſich und die Ein⸗ ien nicht ganz Hochmuth da⸗ er, und hatte del abgethan der von den verhaupt aber, nt im freien andesfamilien ddiſche Weſen, —r von ihren „ſeinem r auf ſeinen keiner und d zw ar * kurz gevößnt ſam — 109— waren, zeigte die Art, wie ſie ſich beeilten. Einem Verwalter oder Großknecht, der am Abend ſich einfand, Bericht erſtattete und Befehle in Empfang nahm, gab er dieſe in oberherrlicher Art. Der Mann hörte ehrfürchtig zu und ließ ſich geduldig ſchelten. Eduard hatte ſo Vieles von den patriarchaliſchen Sitten im In⸗ nern des Bauernlandes und von dem ſtolzen Gleichheitsgefühl dieſer armen Hirten und Fiſcher gehört, was er hier durchaus nicht erkennen konnte; aber ſein demokratiſcher Vetter ſchien ihm auch nicht dazu geeignet, mit ſeinen Knechten und Mägden aus einer Schüſſel zu eſſen und aus einem Kruge zu trinken. Was Emma anbelangte, ſo verwirrten ſich ſeine Gedanken noch mehr über ſie. War der Empfang ſchon nicht ſo geweſen, wie er es wünſchte, ſo war ihr Benehmen während dieſes erſten Abends nicht viel verſöhnlicher. Sie ließ es zwar nicht an Auf⸗ merkſamkeit für ihn fehlen, zeigte ſich freundlich und theilnehmend und ſprach gern mit ihm von der Vergangenheit, wie von ihm ſelbſt und was ihn anziehen konnte, aber er vermißte etwas da⸗ ran, was er gewiß erwartet hatte. Er vermißte alle und jede Herzlichkeit und bemerkte dagegen fortgeſetzt jenen Grenzſtrich der Annäherung, den Emma Mare ſich gezogen hatte. Ueberhaupt war ſie nicht mehr, die ſie geweſen. Sonſt ein fröhliches, über⸗ müthiges Kind, jetzt eine Jungfrau mit dem Anſtrich beſonderer Verſtändigkeit, einer Nüchternheit des Denkens und Empfindens, bei dem die poetiſche Empfänglichkeit des jungen Künſtlers frö⸗ ſtelte. Er fühlte dieſen Froſt noch in ſeinem Bette mit der Gluth in ſeinen Adern kämpfen, und einmal, als er die Augen zuge⸗ — 110— macht hatte, kam es ihm vor, als hoͤrte er Skalden's Hohnlachen und deſſen rauhe Stimme:„Sie werden ihre Zeit bei Emma Mare gut anwenden. Sie ſind der Mann dazu!“ Er machte ſeine Augen auf, aber er ſah nichts, fiel in die Kiſſen zurück und ſchlief ein. n's Hohnlachen eit bei Emma ¹“ Er machte Kiſſen zurück III. Am andern Tage beſah er den Gaard des Capitäns, ſo weit das Gut in der Nähe ſich ausdehnte. Sein Verwandter war heute beſſer auf den Füßen und führte ihn durch ſeine Gärten, Anlagen und Feldſtücke umher, was nicht ohne einige Beſchwerden möglich war. Denn hier dehnte ſich keine Ebene mit reichem Ackerland aus, ſondern dies lag auf verſchiedenen Bergabſätzen auf den kleinen Plateaus, die ſich da und dort bildeten, oder in einigen kleinen thalartigen Senkungen an der Seite der Bergwand, welche ſich gleichſam dazu öffnete. Sorg⸗ fältig war hier alles loſe Geſtein fortgeſchafft und, wie der Capitän verſicherte, viele fruchtbare Erde auf Pferden und Menſchenrücken in Säcken hinaufgeſchafft worden, um dieſe kleinen Feldſtückchen bilden zu können, aus deren Mitte zuweilen ungeheure Blöcke aufragten. Aber die Arbeit hatte in dieſem rauhen Lande dennoch gelohnt; bei der ſüdlichen Lage wirkte die Sonne hier fruchtbringender, als man meinte, und mehrere hundert — 1412— Fuß aufwärts gab es noch manche hübſche Ackerſtücke, wo Roggen und Gerſte in ſchönen Aehren ſtand und die Kartoffeln blühten. Hier ſah der Gaſt auch erſt, daß Eide ein großes Gut war, denn weit lief ſein Waldgebiet am Fjord hin und nach Fortunenthal hinab, dabei erzählte Halbart Mare von ſeinen Alpenweiden und ſeinen Sennhütten oder Seterien, wo jetzt ſeine Heerde ſammt dem größten Theil ſeines Hausgeſindes ſich befand, um Butter und Käſe zu bereiten. Schmale, ſteile Pfade führten von Abſatz zu Abſatz durch Gebüſch und Waldbäume zu den Feldſtücken hinauf und da und dort ſtanden hoch oben die kleinen Hütten der zum Gaard gehörenden Dienſtleute, welche hier mit Weib und Kind wohnten. Mit Theilnahme hörte Eduard die Schilderungen ſeines Verwandten von dem einſamen, wilden Leben dieſer Familien, welche zur Winterzeit oft viele Wochen lang tief verſchneit und abgeſchnitten von aller wenſchlichen Gemeinſchaft blieben, zehrend von ihren Vorräthen und darbend mit ihrem Vieh, bis der Frühling Alle wieder zu neuem Leben aufweckte. Aber dieſe Dienſtleute, ſo ſagte auch der Capitän wie Herr Skalden, gehören oft ſeit unerinnerlichen Zeiten zu dieſen Hütten. Sie erben von Geſchlecht zu Geſchlecht und obwohl Hörigkeit niemals die Norweger an die Scholle feſſelte, wechſelten doch dieſe Arbeiterfamilien ſehr ſelten den Platz und ihre Herren. Eduard zählte wohl ein Dutzend ſolcher Gaardhäuſer und der Capitän ſprach ſehr ſtolz von den Rechten dieſer freien Leute, von denen die meiſten in behaglichen Zuſtänden ſein ſollten. „Sie ſchaffen für mich,“ ſagte er,„und ich gebe ihnen Haus und Ackerſtück, Futter für ihre Kühe, Holz für ihren Herd, dazu lckerſtücke, wo die Kartoffeln n großes Gut bin und nach e von ſeinen wo jetzt ſene zſich befand, Pfade führten ume zu den ben die kleinen elche hier mit te Eduard die amen, wilden viele Wochen wenſchlichen und darbend neuem Leben gapitän wie ten zu dieſen und obwohl. ſte, wechſelten ihre Herren. dhäuſer und freien Leute, ſin ſollten ibnen Haus Herd, dazll — 113— gewiſſen Lohn für ihre Arbeit. Im Uebrigen ſind ſie ſo unab⸗ hängig wie ich es bin, ſelbſtſtändige Männer, die in ihren Jacken und Mützen den Kopf hoch halten und nicht wie bei Euch in den Städten ſich vor dem reichen Krämer in Stock und Hut bücken müſſen. Das iſt der Unterſchied, Vetter Falkland. Hier im Weſten ſind wir alle Bauern, alle freie Männer, die ihr Recht kennen. Hier gibt es auch keine verſchiedene Benennung der Perſon, Jeder redet den Andern mit Du an, mag er ſein, wer er will. Und wenn des Königs Statthalter käme oder der König ſelbſt, er würde nicht anders behandelt werden.“ „Daraus beweiſt ſich nicht viel“, meinte Eduard.„In Rußland ſagt der Bauer auch zu ſeinem gnädigen Herren und zum großen Czaaren ſelbſt Du und nennt ihn Väterchen, aber Prügel und Fußtritte bekommt er doch und mit der Gleich⸗ berechtigung ſieht’'s übel aus.“ Der Capitän blieb auf dem abſchüſſigen Pfade ſtehen und ſah ſich grämlich um, ehe er aber antworten konnte, klangen raſche Schritte über ihnen auf dem harten Fels und gleich darauf kam zwiſchen den Büſchen ein Mädchen zum Vorſchein. Es war eine junge Bäurin, die einen Korb auf dem Kopfe trug, der ziemlich ſchwer ſein mußte, trotz deſſen war ihr Gang elaſtiſch und die große ſchlanke Dirne ein Bild von Kraft und Geſund⸗ heit. Zwei breite goldſcheinige Zöpfe hingen ihr tief auf den Rücken nieder und in ihrem erhitzten Geſicht funkelte ein glänzend Augenpaar. Glück in Dein Haus, Capitän“, ſagte ſſie.„Mach' ein wenig 7—„ſagte! L Platz, daß ich vorüber kann.“ Mügge, Signa, die Seterin. 8 — 1414— „Wo kommſt Du her, Signa?“ fragte Halbart Mare. „Von Fortun's Seterie“, war ihre Antwort.„Bring' dem Herrn Grimmur friſche Butter und will nach meinem Bruder — ſehen“. „Nach keinem Andern, Du raſche Dirne?“ „Habe meine Augen für mich“, erwiederte ſie, indem ſie ſchelmiſch und fragend den Fremden anſah.„Haſt Du Beſuch bekommen, Capitän?“ „Es iſt mein Vetter. Gefällt er Dir?“ „Ein ſchmucker Burſch“, ſagte ſie.„Ob er mir gefällt, iſt einerlei, doch was ſagt Jungfrau Emma zu ihm?“ „Darüber kannſt Du ſie ſelbſt fragen.“ „Das will ich thun, Capitän. Aber weißt Du, was ich denke?“ „Was denkſt Du denn?“ „Daß wir bald Hochzeitskuchen eſſen werden im Gaard von Eide!“ lachte ſie an ihm vorbeilaufend.„Farewell Capitän!“ „Denk Du an Deine eigene Hochzeit, Du Affe!“ rief Halbart Mare hinter ihr her. „Ja, Herr!“ ſchrie ſie zurück,„Tag und Nacht denk' ich daran, und werd's Dir bald beweiſen.“ Es war erſichtlich, daß der Capitän ſich über das naſe⸗ weiſe Mädchen ärgerte, obwohl ſie eigentlich, wie Eduard meinte, 1 nach ſeinen Grundſätzen freier Gleichberechtigung verfuhr. Aber er wagte nicht, ihm dies zu ſagen und ſein Verwandter ſchien keine Luſt zu haben, über die Dirne Worte zu verlieren. Nach⸗ dem ſeine böſen Falten verſchwanden, begann er lieber von ſeines Ntters Snndie nen hie Schünd Ktunj über u tiſcher in gau ſchwar ungem hüren. und w Eduar ¹ venn ſeinen dägu den S Aoßs nußt düd und Ea bart Mare. 1 t. Bring' den meinem Bruder ſie, indem ſie aſt Du Beſuch nir gffllt it 90 Du, was ich im Gaard vont .12,1 1 Capitin! u Aff!“ m — 4115— Vetters Vorhaben zu ſprechen, Bilder zu machen oder doch die Studien dazu und verhieß ihm die reichſten Erfolge.„Wir woh⸗ nen hier ſo recht an der beſten Stelle“, ſagte er,„wo es das Schönſte und Erhabenſte zu ſehen gibt. Dort drüben auf dem Jötunfjeld könnteſt du den ganzen Sommer umher wandern und über uns auf den Fortunfjellen ſieht es vielleicht noch roman⸗ tiſcher aus, wie Ihr es nennt. Da liegen die höchſten Bergſtöcke in ganz Norwegen, die Horungerne mit ihren Eisfeldern und ſchwarzen Felſenthälern. Hundert Meilen weit geht's dort durch ungemeſſene Wüſten, die den wilden Rennthierheerden allein ge⸗ hören. Alle Maler der Welt könnten da malen ihr Leben lang, und würden nimmer fertig werden. „Wahrſcheinlich kommen ſelten genug Maler hierher“, fragte Eduard. „Selten ein Fremder überhaupt“, antwortete der Kapitän, wenn es nicht etwa dann und wann ein Engländer iſt, der, mit ſeinem Reiſebuch unter dem Arm, ſich den großen Waſſerfall Feigumvoß anſehen will und dann über die Forunffellen fort an den Ottevand hinunter nach Guldbrandsdalen zieht, um auf die große Straße nach Trondhjem zu gelangen.“ „Es geht alſo doch ein Weg über die Gebirge?“ „Ein Weg,“ lachte Halbart Mare.„Nu, mußt ihn anſehn, mußt hinaufſteigen, iſt der Mühe werth. Ihr Leute aus dem Süden ſeid gewöhnt auf bequemen Straßen im Carriol zu fahren und meint daher, es müßte überall fo in Norwegen geſchehen.“ „Ich bin darauf vorbereitet etwas zu wagen“, erwiederte Eduard,„und eine Rennthierjagd wäre meine Luſt.“ 8* — 116— „Schade, daß Du nicht ein Mandel Jahre früher gekom⸗ men biſt,“ ſagte der Capitän,„ſo hätt' ich Dir zeigen wollen, was Steigen und Jagen in den Tinden am Lyſter heißt. Aber ich weiß Einen,“ fuhr er fort,„der wirds für mich thun. Bei ihm kommſt Du an den rechten Mann und Gott'’s Tod! da ſteht er ſchon vor uns. Sieh dort, mein Junge, der da geht mit Emma und wie ein Eichhörnchen nach den Kirſchen ſpringt, das iſt der beſte Jäger weit und breit am Lyſter, und ſchwer⸗ lich Einer im Lande, der die hohen Wüſten ſo gut kennt, wie er. Der Hof von Eide lag hundert Fuß unter ihnen, und Eduard ſah, wie im Garten an der Reihe der ſchönen Kirſch⸗ bäume, Emma mit einem Herrn umherſpazierte, der ihr wahr⸗ ſcheinlich Hülfe leiſtete, um ein Körbchen mit den ſüßen Früchten zu füllen, wobei es luſtig hergehen mochte. Er dachte gleich, daß dies Herr Skalden ſei, und ſeine ſcharfen Augen überzeugten ihn bald, daß er ſich nicht täuſchte.„Den Herrn kenne ich ſchon“, ſagte er, und während er mit dem Capitän weiter ging, erzählte er ihm, was ſich geſtern ereignet hatte. „Haſt an Grimmur Skalden eine gute Bekanntſchaft gemacht“, erwiederte Mare;„es hat ſich wohl gefügt und wird Dir von Nutzen ſein. Es iſt Einer von den Beſten am Lyſter,“ fuhr er fort,„kein heraufgekommener Krämer oder eines Sorenſkrivers Sohn, der das Volk ausplünderte, ſondern ſtammt aus guter alter Familie, und hat ſeinen richtigen Sogneverſtand. Den Leuten vom Sogne hat man von alten Zeiten her nachgeſagt,“ lachte er,„daß ſie ein Loth mehr Gehirn im Kopfe haben, als alle übrigen Norweger; das heißt, betrügen wird ſie ſo leicht Keiner. Grimm omm ſoch kl als der dinen e G harten u geh Gruß los un e früher gekom⸗ r zägen wollen, ſter heßt Aber mich thun. Bei Fotrs Tod! da ge, der da ght girſchen ſpringt, ter, und ſchwer⸗ ut kennt, wie er. uter ihnen, und ſchönen ſirſch⸗ e, der ihr wahr⸗ m ſüßen Früchten achte gleich, daß überzeugten ihn ich ſchon, hlte une enne er ging, eizn 1 tiſchaft gemacht„ d wird Dir voll yſtr fuht er zoruſtriver tt aus gutet nd. Denl Leuten riagt“ luht 10 um 9l 2 alle haben, als leicht Keiner. — — 1416= Grimmur Skalden aber hat noch ein Quentchen mehr davon bekommen als alle Andern. War ſein Vater ſchon klug, iſt er noch klüger. Ein reichlich Vermögen hat er geerbt vorletzten Jahrs als der Alte heimging, und er weiß es zu mehren. Siehſt da einen echten Sognemann, iſt eine Freude ihn anzuſchauen.“ Ein unverkennbar lebhaftes Wohlwollen malte ſich in dem harten Geſicht des Capitäns und er ſtrengte ſich an, um ſchneller zu gehen. Schon von Weitem rief er dann einen weit ſchallenden Gruß hinab und Skalden blickte hinauf, ließ Emma's Hand los und kam ihm entgegen. „Willkommen Grimmur“, ſagte der Capitän,„wir haben Dich ſeit drei Tagen nicht geſehen.“ „Viele Geſchäfte“, erwiederte jener.„Ich bin bis nach Vag hinuntergeweſen, Capitän, und geſtern Abend erſt zurückgekehrt. Während deſſen iſt ein Gaſt in Dein Haus gekommen.“ „Mein Vetter Falkland, der Deine Bekanntſchaft ſchon ge⸗ macht hat.“ Mit freundlichen Mienen reichte Skalden Eduard ſeine Hand und ſchüttelte dieſe herzhaft.„Sagte ich Ihnen nicht, wir würden uns bald wiederſehen“, ſprach er dabei.„Dies iſt eine Stelle, an der ich ſo leicht nicht vorübergehe, wenn ich ihr nahe bin.“ „Das ſollſt Du niemals thun“, fiel Halbart Mare ein, „und heut ſollſt Du bei uns bleiben.“ „So lange ich bleiben kann“, erwiederte Skalden.„Jomfru Emma hat mich an Deinen Tiſch geladen, das darf ich nicht ablehnen, dann aber muß ich fort.“ Nu“, ſagte der Hausherr,„Du weißt, wir ſehen Dich — 1418— gern, wenn es aber Emma nicht gelungen iſt, Dich Peſtgnhalten dann will ich meine Beredtſamkeit ſparen.“ „Ich glaube nicht, daß große Beredtſamkeit nöthig iſt, mich hier zu feſſeln, wenn es irgend angeht“, lachte Skalden, und in⸗ dem er ſeine feurigen, dunkeln Augen auf Emma heftete, welche eben hereinkam, ſetzte er hinzu:„Aber ich hoffe, daß Zeiten kom⸗ men, wo ich lange und oft bei Dir ſein kann; für jetzt beneide ich dieſen glücklichen Vetter, der Deines Hauſes Freuden mit Dir theilt.“ Grimmur Skalden nahm dabei dem Fräulein das Körb⸗ chen mit den Kirſchen ab und bot ihr ſeinen Arm, der Capitän folgte mit ſeinem Verwandten, und nach einiger Zeit hielten ſie ihr gemeinſchaftliches Mahl, bei dem es fröhlich herging. Emma ſaß zwiſchen den beiden jungen Männern, welche ihr in ver⸗ ſchiedener Weiſe huldigten. Skalden richtete viele ſcherzende Fra⸗ gen an ſie, über ihre Kochkunſt, ihre wirthſchaftliche Erfahrenheit, über vergangenes Leben in der Hauptſtadt und wie ſie noch jetzt daran heimlich hänge, was ſich beweiſen laſſe durch ihre Neigung Bücher zu leſen und auf dem Clavier zu ſpielen. Ihr Vater ſtimmte ein und erzählte, wie Emma im erſten Jahre, wo ſie wieder am Lyſterfjord gelebt, ganz ſchwermüthig oft geweſen ſei und Tage lang in ſich gekehrt geſeſſen habe. Das gab zu neuen Scherzen Veranlaſſung, gegen welche das Fräulein ſich in ruhiger Weiſe zu verheidigen ſuchte; und ſie that dies, indem ſie ihren Vetter in das Geſpräch zog, der ſchweigſam und beobachtend zuhörte. „Aber wie iſt es nun?“ fragte Grimmur.„Regt der Herr Vetter aus Chriſtiania nicht alle alten Erinnerungen auf und möchten Sie nicht, daß das luſtige Stadtleben wieder begönne?“ —— 15 enwieder far, 7a Ihr kr dommt D ibere Trdule dich feſtzuhalten, nöthig iſt, mich Skalden, und in⸗ a heftete, welche daß Zeiten kom⸗ für jetzt beneide Freuden mit Dir ulein das Körb⸗ mn, der Capitin Zait hielten ſie herging. Emma ſche ihr in ver⸗ ſcherzende Fru⸗ he Erjahrenheit rie ſie noch jett rch ihre Neigung den. Ihr Vabe Jahre, wo ſie ift geveſen ſi z gab zu nelen n ſich in ruhiger indem ſie ihren bachtend zuhörte Negt der Hert uf d T ungen auf un ieder begoune: — 119— „Mein Vetter regt nichts auf, was ich nicht haben möchte“, erwiederte ſie. Skalden lachte.„Gut, ich will's glauben“, fuhr er fort,„aber ich ſagte es ihm ſchon, er ſei hier an ſeinem Platze. Ihr könnt zuſammen Muſik machen.“ „Das wollen wir auch“, antwortete ſie. „Und wir beide, Capitän, können dazu tanzen.“ „Puh“, ſagte Halbart Mare in ſeiner trockenen Weiſe,„es kommt darauf an, Grimmur, wie uns die Melodie gefällt.“ „Sonſt machen wir uns unſre eigene dazu“, rief Skalden übermüthig und ſeine dunkeln Augen betrachteten Falkland.„Aber Fräulein Emma hat ja auch wohl einmal gezeichnet? Ich habe Zeichenbücher hier geſehen.“ „Bah!“ rief ihr Vater,„die Mädchen lernen in der Stadt viel Zeug, das zu nichts nützt und zu Haus in den Winkel ge⸗ ſchmiſſen wird, um nicht wieder hervorgeholt zu werden.“ „Ich erinnere mich, liebe Emma, daß Sie recht artig zeich⸗ neten“, begann Eduard,„haben Sie es niemals wieder verſucht?“ „Hier gibt es Anderes zu thun“, verſetzte an ihrer Stelle Grimmur.„Eine Hausfrau am Sogne hat keine Zeit, mit der Zeichenmappe durch die Berge zu wandern, wie die zarten Fräu⸗ lein von Chriſtiansfjord.“ „Wir müſſen es aber doch verſuchen“, fuhr Eduard fort. „Man braucht kein zartes Fräulein zu ſein, Herr Skalden, man braucht nur einigen Sinn für andere Freuden zu haben, als die gewöhnlichen häuslichen, einige Luſt, ſich auch mit andern Din⸗ gen zu beſchäftigen, als mit ſogenannten nützlichen, und einigen — 120— Geſchmack, der über den der Zungennerven hinausgeht, ſo ſpottet man über ſolche Zeitanwendung nicht.“ „Sehr richtig, Herr Falkland“, lachte Grimmur.„Man muß kein roher Wilder ſein, der für nichts Sinn hat, als für das Materielle, wie man es nennt. Bildung fehlt uns noch am Ly⸗ ſterfjord, iſt es nicht ſo? Wenn wir in den Fortunffellen erſt alle Muſik machen, ſtatt des Sturmes, der es jetzt allein thut, wird's ein wahres Arkadien werden. Sie ſehen, Herr Falkland, ich habe auch meine Studien gemacht. Mein Vater hat mich nicht umſonſt auf die gelehrte Schule nach Bergen geſchickt, aber ich geſtehe Ihnen, ich bin mit einem harten Kopfe zurückgekommen. Der Henker hole alle Zeichenmappen! Doch, bei Gott! verkennen Sie mich nicht, weil ich ſo ſündlich fluche. Ich trinke auf Ihr Wohl, Herr Falkland, und daß Ihnen Alles gerathen möchte, was Sie beginnen. Wenn Fräulein Emma Luſt hat, romantiſch zu ſein, ſo laſſen Sie ſich helfen, und wenn Sie meines Beiſtandes be⸗ dürfen, ſo ſtehe ich gern zu Dienſten. Ich weiß bei aller meiner Unwiſſenheit doch manche ſchöne Stelle, wo ich zuweilen ſelbſt ſchon gedacht habe: Schade, daß Du kein Maler biſt! Und ſol⸗ cher gibt es ſelbſt ſchon hier in der Nähe. Nach dem Optunbach müſſen Sie den romantiſchen Vetter zunächſt führen, Fräulein Emma. Er kann dort ein Stückchen rohe Natur von Lyſterfjord kennen lernen.“ Eduard ließ ſich erzählen, daß es in der Nähe ein kleines Felſenthal gäbe, wo ein ſchöner Waſſerfall von hoher Wand nie⸗ derſtürze und war ſehr zufrieden mit dem Vorſchlag des Capi⸗ täns, am Nachmittage dorthin zu wandeln. Das Geſpräch wurde ddure Falklo den g nicht der C ihm rin brann war mit; Sgeht, ſo ſpottet dur.„Man muß nt, als für das 3 noch am Ly⸗ nffellen erſt alle in thut, wird's kland, ich habe hricht unſonſt ber ich geſtehe gekommen Der verkennen Sie nuf Ihr Wohl, üchte, was Sit ntiſch zu ſein, Beſtandes be⸗ a aller meiner zuweilen ſelbſt biſt! Und ſol⸗ en Optunbach ren, Fräulen von eyſterford he ein lleines er Wand mie⸗ g des Cip gpräch wudt — 124— dadurch auf andere Dinge gebracht, aber im Stillen ärgerte ſich Falkland über manche Aeußerungen, die er von Grimmur Skal⸗ den gehört hatte. Er wußte nicht wie es kam, doch er konnte nicht lange mit dieſem Manne ſprechen, ohne in einen Zuſtand der Gereiztheit zu gerathen. Er fühlte ſich beſpöttelt und es kam ihm vor, als ob es abſichtlich geſchehe. Bisher hatte er nicht die geringſte Veranlaſſung dazu gegeben, aber ein geheimes Feuer brannte in ihm, Gleiches mit Gleichem zu vergelten. Dann aber war Grimmur auch wieder wie umgewandelt und er hörte ihm mit Vergnügen zu; nichts Feindliches und Falſches ließ ſich an ihm entdecken. Er erzählte von ſeinen Jagdzügen, von Abenteuern, die er bei wochenlangen Streifereien durch die unwirthlichſten Wüſten des Gebirgs erlebt, das er bis zu den Hardangerfjellen durchſtrichen hatte und Halbart Mare vervollſtändigte die an⸗ ziehenden Schilderungen, denn auch der tapfere Capitän war ein rüſtiger Rennthier⸗ und Bärenjäger geweſen, ſo lange ſeine Beine ihm dies erlaubten. Eduard Falkland hörte ſo Vieles von den Gefahren und Wundern dieſer Felſenwüſten, daß er ein brennen⸗ des Verlangen empfand, bald einmal die ſeltſamen Gipfel und Thäler der Fortunfjellen kennen zu lernen, und forderte Skalden lebhaft auf, ſein Führer und Begleiter dabei zu ſein. „Ich will's thun, ſobald es ſich ſchickt“, antwortete Grim⸗ mur,„allein“, fügte er mit einem ſpottenden Blick hinzu,„es iſt die Frage, ob es Ihnen gut bekommt.“ „Wenn Sie meinen, daß die Beſchwerden mir zu groß ſein könnten“, erwiederte Eduard,„ſo beruhigen Sie ſich darüber. Ich habe, als ich in Deutſchland war, die Schweiz und Tyrol —— — 122— beſucht und manchen höheren Gebirgsſtock erſtiegen, als dieſer Fortunfjellen ſind.“ „Wirklich“, lachte Skalden,„nun dann werden wir ja ſehen, was Sie leiſten können. Aber ich will Ihnen Eins ſagen, Herr Falkland. Hier gibt es nicht, wie in der Schweiz. gute Wirthshäuſer, wo man des Abends einkehrt, um ſich an eine wohlbeſtellte Tafel zu ſetzen und in weichen Betten auszuſchlafen. Hier gibt es nichts für den Jäger, als was er in ſeinen Jagd⸗ ſack ſteckt. Der nackte Fels liefert ihm ein rauhes Lager, vielleicht während mehr als einer langen Regennacht, oder in Schneewir⸗ beln und dichten Nebeln. Wenn Sie davor den Muth nicht ver⸗ lieren, ſo wollen wir nächſtens einmal den Fortunenſteeg zuſam⸗ men hinaufſteigen; bei den Seterhütten will ich dann wieder an⸗ fragen, ob wir weiter gehen wollen.“ Eduard verſicherte, er würde nicht nein antworten, aber der Capitän ſprach bedenklich:„Gib Dein Wort nicht darauf, mein Junge. Du haſt das Land da oben noch nicht geſehen, es möchte Dir ein Grauſeln ankommen. Nimm's alſo an, was Grimmur Skalden bietet. Steig mit ihm hinauf zu den Seterien, da wer⸗ den die Setermädchen für Dich weiter ſorgen. Hör' an, Grimmur!“ rief er ſich unterbrechend,„es war vorher eine hier, die von Deinen Weiden herunterkam. Haſt ſie geſehen? Hat ſie im Gaard angeſprochen?“ „Wer war es?“ „Deine erſte Magd, das Erbſtück in Deinem Hauſe, Signa, mit einem großen Korbe.“ „Die weiß ihren Weg zu finden“, ſagte Grimmur. Sinn ( er un Spra dls Adern Seter ſender und Juſſe Abt doch täite dil dung reit ſöm en, als ditſe erden wir ja n Eins ſagen, Schweiz. gute ſich an eine auszuſchlafen. ſeinen Jagd⸗ ager, vielleicht in Schneewir⸗ auth nicht ver⸗ enſteeg zuſem⸗ aun wieder an⸗ rten, aber det darauf, mein hen, es möchte as Grimmur rien, da wer⸗ Grimmur! dirr, die vol 1 hier, d ſie im Gaard Hauſe, Signa, nmur. — 123— „Iſt ein ſchmuckes Mädchen geworden, doch von trotzigem Sinn und ſchlechter Zucht. Grimmur ſchien etwas darauf antworten zu wollen, was er unterdrückte und lachend ſein Glas leerte.„Es iſt ein wilder Sproßling“, ſagte er dann,„aber das Hausregiment verſteht ſie aus dem Grunde und iſt ächt ſogniſch Weiberblut in ihren Adern, das ſich nirgend wohler fühlt als auf den Bergen in den Seterien. Das müſſen Sie ſehen, Herr Falkland. Es iſt ein ſonderlich Sommerleben auf den Weiden, aber wie in Nordland und den Finnmarken kein Fiſcher ſich verdingt, als unter der Zuſicherung, auf den Fiſchfang nach den Lofoden mitzuziehen, ſo gibt es hier kein Mädchen, das nicht ihre Sommerluſt auf den Hochweiden haben möͤchte.“ Er gab eine humoriſtiſche Beſchreibung von den Herrlich⸗ keiten dieſes Lebens, von welchem freilich, näher betrachtet, nicht viel andres übrig blieb, als angeſtrengte Hirtenarbeit in War⸗ tung des Viehes, beim Melken und bei der Butter⸗ und Käſebe⸗ reitung, wie auch beim Heuſammeln, dazu ein Aufenthalt in ſchmutzigen, elenden Hütten, dem aber doch auch ein poetiſches Element beiwohnte, wenn man dies hervorhob. Die Mägde waren da oben allein die ganze Woche über, am Sonnabend aber gab es wenige, die nicht Beſuch erhielten. Denn die jungen Burſche, ihre Anbeter, laufen oder reiten aus den Thälern Sonnabends alle hinauf und feiern den Sonntag mit ihren Schätzchen, wäh⸗ rend die Pfarrer leere Kirchen haben. Grimmur Skalden's Andeutungen waren bezeichnend genug, und in guter Geſellſchaft hätte man lieber ganz davon geſchwiegen. — 124— Aber hier war ein Mann, der wenig nach keuſchen Ohren fragte und vieles ganz natürlich und antaſtlos fand, was verfeinerte Sitten unanſtändig nennen. Eduard blickte nach Emma hin, die vollkommen unempfind⸗ lich ernſthaft ausſah, während ihr Vater durch mancherlei Zu⸗ ſätze das Gelächter vermehrte, endlich aber doch meinte, es ſei eine böſe Sache mit den Sonntagsbeſuchen in den Seterien, gute Sitten würden damit nicht unter dem Volk befördert. „Es iſt aber ſo geweſen ſeit uralten Zeiten“, lachte Skalden, „und Mancher, der es nicht gedacht, hat ſich ſein Weib von den Weiden heruntergeholt. Denn Sie müſſen wiſſen, Herr Falkland, darauf hält man in allen Kirchenſpielen, daß kein Kind ohne ſeinen Vater bleibt. Geheirathet muß ohne Gnade werden, das wiſſen die Setermädchen alle gut genug.“ „Bſch!“ ſagte Halbart Mare,„bring' uns nicht in Verruf, Grimmur. Was bei Knecht' und Mägden vorfällt, geſchieht nicht in guten Familien. Ein Mann, der weiß, wozu er gehört, wird nichts mit ſolchem Volke gemein haben.“ „Und damit iſt's genug!“ erwiederte Grimmur aufſtehend, „denn ich muß fort und möchte gern noch ein Stück an den Optunbach mitgehen, ehe ich meinen eigenen Weg wandre.“ Nach einer halben Stunde waren Emma und ihr Vetter bereit, der Capitän aber blieb zu Haus, weil es zu langſam mit ihm vorwärts wollte. Er ſteckte ſeine lange Pfeife an, ſetzte ſich in den bequemen Lederſtuhl, ſchlürfte ſeinen Kaffee behaglich ein und ſah den drei jungen Leuten nach, die an der felſigen Wand aufſtiegen, wo er durch das Gebüſch noch lange Emma's ſo l Hoch dauer fried ſeine der Ohren fragte das verfeinerte ten unempfind⸗ nancherlei Zu⸗ meinte, es ſei Seterien, gute dert. lachte Skalden, Weib von den Herr Falkland, in Kind ohne : werden, das tt in Verruf gechiht nict 1 gehört wird ur aufſtehend, Stück an den wandre. und ihr Mtta u langſam ri wan, ſetzte ſ ffe behaglich n der fäſige lange Emma ,— helles Kleid und die rothen Bänder an ihrem Strohhut erkennen, auch Grimmur's langhallenden Hirtenruf hören konnte, der ver⸗ ſchiedene Echo's aufweckte. Er verſenkte ſich in Betrachtungen und dieſe waren ſicher vergnüglicher Art, denn die Falten und Furchen in ſeinem Geſicht verzogen ſich zu einem angenehmen Grinſen und ſeine Pfeife ſtieß ungeheure blaue Nebelwolken aus, während er dazu auf dem Tiſche einen alten Regimentsmarſch trommelte. Endlich ſagte er ſo laut, als wollte er es ausſchreien:„Der Grasaffe hat Recht, Hochzeit wird ſein im Eidehof, denn lange kann es nicht mehr dauern, ſo wird Grimmur ſein Wort anbringen. Ich bin's zu⸗ frieden, doch Emma ſoll's auch ſein und ich denke, es geht Alles ſeinen richtigen Weg und iſt Nichts, was als Stein darin läge, der erſt fortgeſchafft werden müßte.“ Die Wanderer verſchwanden inzwiſchen, denn ſie bogen um einen vorſpringenden Grat, als ſie eine ziemlich beträchtliche Höhe erreicht hatten und vor ihnen öffnete ſich nun ein breiterer Gebirgsabſatz, welchen ſenkrecht fallende Klippen in einem ziem⸗ lich großen Halbkreis umlagerten, bis ſie weit zurückweichend zuletzt einen Spalt oder eine Schlucht bildeten, aus der ein dumpfes Brauſen hervordrang. Der ſchmale Pfad lief jäh hinab auf dem Bergabſatz, welcher die Ebene bildete und Grimmur, welcher bisher allerlei luſtiges Geſpräch geführt und ſeine Neckereien mit Falkland getrieben hatte, drehte ſich jetzt um, damit er Emma ſeinen Beiſtand an⸗ bieten könnte, allein ſie ſchlug dieſen aus. „Wie?“ lachte er,„Sie verſchmähen meine Hand 24 — 126— „Ich glaube ſie nicht nöthig zu haben, um auf meinen Füßen feſtzuſtehen“, war ihre Antwort. „O, wir wollen ſehen, ob Sie nicht in's Straucheln kommen und endlich doch in meine Arme fallen,“ fuhr er fort. „Mit meinem Willen nicht“, verſetzte ſie. „Alſo gegen Ihren Willen, wenn's nicht anders ſein kann.“ Im Augenblick ſtrauchelte ſie wirklich, doch ehe Grimmur ſie greifen und halten konnte, hatte dies Eduard Falkland gethan, der dicht an ihrer Seite war. „Dank' Ihnen, Vetter Eduard“, ſagte Emma mit einem freundlichen Blicke.„Ihre Hülfe kam zur rechten Zeit.“ „Ich ſagte es ja“, lachte Grimmur,„Sie ſind an Ihrem Platze hier, Herr Falkland. Nun aber ſind wir außer Gefahr und dies iſt eine der lieblichſten Stellen, ſo recht dazu gemacht, um idylliſchen Träumen nachzuhängen. Iſt es nicht ſo?“ Der Grund war allerdings von großer Lieblichkeit und eigenthümlichem Reiz. Mit einem dichten Grasteppich bedeckt und mit zahlreichen Blumen durchſtickt, rauſchte ein klarer Bach darin, der ſich unter Weiden und Erlenbüſchen verſteckte. Er kam aus einem kleinen See in der Mitte des Grundes und ſprang am Rande der Ebene in zahlloſen kleineren und größeren Sprün⸗ gen von Felsſtufe zu Felsſtufe durch mooſiges Walddunkel, bis er den Lyſterfjord erreichte. Der kleine See mit ſeinen Blumen⸗ ufern war von wunderbarer Bläue, das reinſte Gletſcherwaſſer, und von ſolcher Klarheit, daß jeder Stein und jede Muſchel auf ſeinem Grunde ſich erkennen ließen. Oberhalb des See's aber kam der Bach aus der Schlucht herunter und dort ſprühte weiße Felſer teefen empo das „Da haben fmeinen Füßen rucheln kommen fort. ers ſein kann.“ ehe Grimmur alkland gethan, ma mit einem Zeit. ind an Iyren außer Gefaht dazu gemacht, t ſo?“ eblichkeit uud 8 rißeren Sh galddunktl Blumen⸗ pfad weiter an den Fiord hinabführen ſollte.—„Ich bin in — 127— weißer Schaum umher. Das Waſſer rollte zwiſchen ſchwarzen Felſen und düſtern Tannen wie ein Strom von Silber in einen tiefen brauſenden Keſſel, aus dem es kochend und zerpeitſcht wieder emporſprang und wie von Angſt und Sehnſucht getrieben in das ſonnige Thal eilte. Dort blieben die Wanderer ſtehen und betrachteten den Fall. „Das iſt prachtvoll!“ rief Eduard.„Ich muß ein Bild davon haben.“ „Es ſieht artig genug aus“, erwiederte Grimmur,„das Ganze jedoch macht doch nur den Eindruck, wie ein geſchniegelter Burſch, der nach neueſter Mode ausgeputzt aus der Hauptſtadt kommt und in jeder Miene ſteht ihm geſchrieben: Seht mich doch an, was für ein prächtiger, anserleſener Kerl ich bin!“ Seine dunklen Augen ſtreiften dabei hohnvoll über Eduard Falk⸗ land hin, während ſein Geſicht unbefangen lachte.„Wenn wir zuſammen hinaufſteigen, Herr Falkland, in die Horungerne Hörner, ſo will ich Ihnen zeigen, was ein Waſſerfall iſt. Es frägt ſich aber, ob Sie ihn nach Ihrem Geſchmack finden.“ „Unſer Geſchmack ſcheint allerdings etwas verſchieden zu ſein, Herr Skalden.“ „Ich glaub's nicht“, lachte er,„doch um ſo beſſer für uns beide. Meinetwegen folgen Sie Ihrem Geſchmack, ich will be— halten, was mein iſt. Glück mit Ihnen, Fräulein Emma, bis wir uns wiederſehen, was nicht lange währen ſoll.“ Nach einigen anderen ſcherzenden Abſchiedsworten entfernte er ſich, indem er quer über den Grund ſchritt, wo ein Hirten⸗ — 1428— der That froh, daß er uns verläßt“, ſagte Eduard halb für ſich, „denn ſeine übergroße Freimüthigkeit wird mir unbehaglich.“ Emma antwortete nicht darauf.„Wenn Sie den Fall zeichnen wollen“, ſagte ſie,„ſo wird es gut ſein, wenn wir näher an den Eingang der Schlucht gehen. Dort iſt eine Steinbank, auf welche wir uns ſetzen können und den ganzen Anblick vor uns haben.“ „Wo iſt die Bank?“ fragte er. Sie deutete auf ein dichtes Gebüſch, das zur Seite lag und beide gingen darauf zu: plötzlich aber blieb Emma ſtehen und als er fragen wollte, was ſie erſchreckte, erkannte er die Urſache ſchon. Auf einigen großen zu einer Bank zuſammengelegten Steinen ſaß daſſelbe Setermädchen, das er heute ſchon geſehen, Signa, Grimmur's Magd, und mehrere Minuten vergingen, ehe ſie aus der nachdenkenden Haltung, in welcher ſie ſich befand, gleichſam zu erwachen ſchien und ſich umblickte. Der Korb, welcher jetzt leer war, ſtand neben ihr, und ihre Hände in den Schooß ge⸗ legt und gefaltet, blickte ſie in die niedergleitenden Wogen des Waſſerfalls. Eduard konnte ſie ungeſtört betrachten und fand ihr Geſicht von ſo ſeltener Friſche und ſchöner Färbung, dabei das leicht ringelnde Haar von ſo goldigem Glanze, daß er an ein Modell für eine Madonna dachte, zugleich aber erinnerte er ſich des prächtigen goldlockigen Burſchen an der Urenäskirche und er zweifelte nicht, daß dies die Schweſter ſei, von welcher Skalden geſprochen hatte. Ihre Gedanken mußten nicht froher Art ſein, denn ihre Mienen waren trübe und in ihrer Unbeweglichkeit ſchien es, als wenn ein Gegenſtand ihren ganzen Kopf füllte. d halb für ſich, mbehaglich.“ en Fall zeichnen wir näher an Steinbank, auf nblick vor uns Seite lag und ma ſtehen und er die Urſache gelegten Steinen geſehen, Sigud, e, che ſie aus fand, gleichſam b, welcher jetzt den Schooß ge⸗ den Wogen des en und fald ihr ung, dabei da⸗ ta er all ein b 21 e er ſich rinnert skirche und er 1d? er G kalden elcher we„ her Art ſein, unterejlchi en Kopf füllte. — 129— Nach einigen Augenblicken aber machte ſie eine Bewegung und gewahrte, daß ſie nicht allein ſei. Sogleich ſtand ſie auf und der Ernſt wich aus ihren Zügen.„Grüß Dich, Jungfrau Emma, ſagte ſie; iſt ein ſchöner Tag heut, um den Optunfall zu ſehen. Biſt geſund, wie ich denke.“ „Dank Dir, liebe Signa, auch Dir geht es wohl?“ fragte Emma, „Ich darf nicht krank werden“, erwiederte die Bäurin,„dazu habe ich nimmer Zeit. Das iſt Dein Vetter aus Chriſtiania?“ „Ja, Signa.“ „Ich habe von meinem Bruder von ihm gehört. Du wirſt Dich freuen, daß er bei Dir iſt. Iſt es nicht ſo 22 „Gewiß, Signa.“ „Und haſt ihn lange nicht geſehen?“ „Es ſind drei Jahre.“ „Dann mußt Du dafür ſorgen, daß er immer bei Dir bleibt, wenn Du ihn lieb haſt“, lachte die Seterin. Eine hellere Röthe trat in Emma's Geſicht.„Wir können nicht immer, was wir möchten“, erwiederte ſie, ſo unbefangen als möglich lachend.„Aber wohin willſt Du?“ Signa nickte ihr zu.„Dein Vetter paßt zu Dir beſſer als jeder Andere, den ich kenne. Was ſagt Grimmur Skalden, haſt Du ihn geſehen?“ „Warum fragſt Du danach?“ „Sage es Dir ſelbſt, Jungfrau Emma. Möchteſt Du, daß Grimmur hier auf der Bank ſäße und Dich erwartete? Nein, das möchteſt Du nicht“, fuhr ſie lachend fort, ohne eine Ant⸗ Müg ge, Signa, die Seterin. 9 — 130— wort abzuwarten,„und Du thuſt Recht daran. Grimmur Skalden iſt ein ſtolzer Mann, manche Hand ſtreckt ſich nach ihm aus, aber Deine Hand iſt zu weich für ihn, Jungfrau Emma. Lebt wohl, Ihr Beide. Das iſt ein wacker Plätzchen für zwei, die am liebſten allein ſind. Ich muß dort in die Schlucht hinauf und laſſe Euch hier.“ Ihren Korb aufnehmend entfernte ſie ſich, und eine Zeit lang ſahen die Zurückbleibenden ihr nach, wie ſie über ſchlüpfriges Geſtein dicht an der Felswand hin unter dem Sprühregen des Waſſerfalles immer höher ſtieg und zuletzt verſchwand. Emma Mare hatte ſich auf die Bank geſetzt, ſie war verlegen und ver⸗ wirrt; Eduard nahm an ihrer Seite Platz. Er fing an zu zeich⸗ nen und ſah einige Minuten über nicht von ſeiner Arbeit auf, als er aber einen Blick auf Emma wagte, glaubte er zu bemerken, daß ſie bleich und niedergeſchlagen ausſah. Er ließ den Stift fallen und ſagte leiſe:„Sie haben Kummer, liebe Emma. Darf ich danach fragen.“ Sie ſchüttelte den Kopf. „Haben Sie kein Vertrauen zu mir? Sonſt war es anders.“ „O ſonſt!“ flüſterte ſe. „Mit welchen frohen Erinnerungen bin ich zu Ihnen ge⸗ kommen“, fuhr er fort; aber ach! was ich glaubte, hat ſich nicht erfüllt. Ich konnte meine liebe Freundin nicht ſo wiederfinden, wie ich ſie verlaſſen; aber wenn mein Aufenthalt bei Ihnen vielleicht Urſache zu Ihrem Mißfallen wird, dann liebe Emma—“ „Sie dürfen uns nicht verlaſſen!“ fiel ſie erſchreckend ein. „Gewiß nicht, wenn Sie es nicht wollen; aber ſoll ich dmn n var? ruftru Nde 8 m meine ſie au nidder dls e nunge nich ſübſt immur Skalden nach ihm aus, u Emma. Lbt er zwei, di an cht hinauf und und eine Jeit ber ſchlüpfriges Sprühregen des chwand. Emma nlegen und ver⸗ ng an zu züich⸗ ner Arbeit auf, er zu bemerken, ließ den Stift Emna. zu Ihnan ge icht — 131— denn nicht auch der alte vertraute Freund ſein, der ich früher war? Wiſſen Sie, Emma, was meine Mutter mir ſagte und auftrug, als ich ſie verließ? Ich hoffe, ſagte ſie, ihr werdet Beide am Lyſterfjord das alte Leben wieder anfangen und wenn es möglich iſt, Eduard, ſo bringe Emma mit dir zurück, in meine Arme. Sage ihr, wie lieb ich ſie habe, wie mütterlich ich ſie aufnehmen würde. Sage ihr Alles, was Dein Herz dir ein⸗ gibt, und bringe ihr meine Küſſe, meinen Segen.“ Während er dies mit innigem Ausdruck ſprach, hatte er ſeinen Arm um ſie gelegt und ihre Hand, welche in der ſeinen ruhte, mehr als einmal an ſeine Lippen gepreßt. Den Kopf niedergeſenkt, widerſtrebte Emma ihm nicht und folgte dem Drucke, als er ſie dichter an ſich zog.„Mit ſolchen Wünſchen und Hoff⸗ nungen bin ich gekommen“, fuhr er leiſe fort,„aber Du haſt mich fremd empfangen. Was ich auch ahnen mag, Emma, was ſelbſt dies Hirtenmädchen andeutete, nichts ſoll mich abhalten, nach ſolchem Preis zu ringen. Denn ſieh, theure Emma, ich habe Dich niemals vergeſſen. Dein Angedenken hat mich in die Fremde begleitet und als ich zurückkehrte, dachte ich an Nichts mit ſolcher Sehnſucht, als daran, Dich wiederzuſehen.“ Sie wandte ihm ihr Geſicht zu und was er in ihren Augen entdeckte, war ſo bewältigend, daß er ſie küßte und wieder küßte und ſo bald nicht aufgehört hätte, wäre Emma Mare nicht plötz⸗ lich mit Heftigkeit aufgeſprungen, indem ſie ihn zurückſtieß und ſich frei machte. Ihre Wangen glühten jetzt und ihre Blicke ſuch⸗ ten umher, als glaubte ſie ſich überraſcht. Der Waſſerfall tobte in der Ferne, doch Vichis war zu — 132— ſehen, auch hatte Eduard Nichts gehört.„Wir ſind ganz allein, liebe Emma“, betheuerte er. „Wir müſſen nach Haus, fort nach Haus“, erwiederte ſie heftig athmend und noch immer ſcheu umherblickend. „Was gab es denn? Was erſchreckte Dich ſo?“ fragte er. „Eine Stimme,“ ſagte ſie.„Ein Gelächter.“ „Weſſen Stimme? Grimmur Skalden?“ „Schweigen Sie, Vetter Eduard, o! ſchweigen Sie über Alles,“ fiel ſie ängſtlich bittend ein.„Es darf nicht geſchehen, ich darf Sie nicht hören: beſſer wäre es ſonſt, wir trennten uns für immer. Verſprechen Sie mir, dies Geſpräch nicht wieder zu erneuern, um meiner Ruhe, um Ihres Friedens Willen! So lange ich lebe, werde ich Ihre treue Freundin ſein, mehr iſt mir nicht vergönnt, mehr kann ich Ihnen nicht gewähren.“ „Wollen Sie alle meine Hoffnungen zerſtören, Emma?“ fragte Falkland erſtaunt und betrübt. „Alle, alle, wenn ſie mich betreffen!“ rief ſie mit Heftig⸗ keit, ſich abwendend.„Sie werden meine Bitte erfüllen.“ „Ich kann Alles thun, was Sie wünſchen, ſeien Sie deſſen ſicher,“ ſagte er im ſtolzen Tone. Sie gab ihm keine Antwort darauf. Raſch vor ihm her⸗ gehend ſtand ſie erſt in der Nähe des Gaards ſtill und mit verſöhnlichem, traurigen Lächeln ſagte ſie leiſe:„Zürnen müſſen Sie mir nicht, Vetter Eduard; ich habe Noth genug zu tragen.“ ind ganz allein, ' erwiederte ſie end. ſo?“ fragte er. 1 eige Sie über nicht geſchehen, vir trennten uns nicht wieder zu ns Willen! So in, mehr iſt mir hren.“ tören, Emma? ſie mit Heftig⸗ rfüllen“ ſeien Sie deſſen vor ihmt her⸗ füll und mü ſſen f Zürnen mül nnug 3l tragenr IV. Die nächſten Tage waren ſtürmiſch und regneriſch, wie ſie ſehr häufig an dieſen Fjorden ſind, wo das Wetter oft im Umſehen wechſelt. Schwere Schauer kamen von den Bergen und der Fjord war ſo dicht umnebelt, daß man ihn mehr hören als ſehen konnte. Während dieſer Zeit ließ ſich das Haus nicht viel verlaſſen; der Capitän tröſtete aber ſeinen Veiwandten damit, daß nach ſolchen ſchlimmen Tagen gewöhnlich gutes und beſtändiges Wetter folgte und dies ihm Entſchädigung gewähren würde. Das erzwungene häusliche Leben gefiel dem Capitän aber ganz be⸗ haglich, denn nicht allein, daß er an ſeinem Gaſte einen Geſell⸗ ſchaſter hatte, der ihm viel zu erzählen wußte, eben ſo gern hörte er zu, wenn Eduard und Emma abwechſelnd ihm aus den neuen Büchern vorlaſen, die Falkland mitgebracht hatte, und wenn ſich beide an das Inſtrument ſetzten, um zu ſpielen und zu ſingen, war er nicht weniger erfreut darüber. In dem großen Lederſtuhl beſchaulich ausgeſtreckt, vergaß er ſeine ömerzenden Füße — 134— über manchen wackeren Geſang und ſein hartes Geſicht ſchmolz dann zuweilen in eine weichere Maſſe, wenn er die Nationallieder mitbrummte, die Eduard ihm vortrug und deren Klänge ſeine abgeſtumpften Nerven erfriſchten.„Es wird uns ganz weh ſein, wenn Du wieder fort biſt,“ rief er mehrmals aus,„und ich wollte, Du könnteſt es auf längere Zeit verſuchen, bei uns aus⸗ zuhalten, obwohl bei harter Winterkälte—“ damit brach er ab und ſetzte dann hinzu:„Nu, man könnte wirklich zuweilen wün⸗ ſchen, Chriſtiania läge uns näher.“ „Verſuchen Sie es einmal, zur Winterzeit in Chriſtiania zu leben,“ ſagte Eduard. „Bah!“ brummte Halbart Mare den Kopf ſchüttelnd,„das geſchiehet nimmermehr. Hier leb' ich und hier ſterb ich, habe nichts mehr mit der Außenwelt zu ſchaffen. Nach einer Weile und nachdem er ein halbes Dutzend ungeheure Rauchwolken aus⸗ geſtoßen fuhr er dann fort: An Einſamkeit iſt Jeder von uns ge⸗ wöhnt, ſie drückt uns darum nicht. Wer ſein Haus voll Kinder hat, behält an dieſen vielleicht Geſellſchaft. Wo aber Eines nur iſt, das über lang oder kurz den Vater verläßt, da bleibt nichts übrig für dieſen als ſeinen Brei allein zu eſſen. Sing ein neues Lied, Mädchen, ein luſtiges Frühlingslied; wollen nicht weiter an ſolche Dinge denken, die nicht zu ändern ſind. Iſt Zeit genug, wenn Sie vor uns ſtehen.“ Der harte Mann ſtampfte mit ſeinem Stock auf, als wollte er die trüben Gedanken fortjagen und bald waren dieſe auch ver⸗ geſſen. Er war ein zärtlicher Vater ſo viel er es ſein konnte, war liebreich zu ſeinem Kinde, das ihn ſtolz machte, und ſah es gern ene liche ſic Geſicht ſchmolz de Nationallieder en Klänge ſeine ganz weh ſein, aus,„und ich n, bei uns alls⸗ nit brach er ab H zuweilen wün⸗ in C hriſtiania ſchüttelnd,„das ſterb ich, habe ach einer Weile auchwolken auls⸗ der von uns ge⸗ voll Kinder hat, Eines nur iſt da bleibt nichts u zing ein neuls len nicht weiter gſt Zeit genug, aulf, „ dieſe auch vel⸗ es ſein konnte, te, und ſah 65 f als wollte — 135— gern, daß Eduard ſich mit Emma beſchäftigte. Daß in beiden eine andere Neigung als die verwandtſchaftliche nnd freundſchaft⸗ liche ſein könnte, ſchien ihm nicht einzufallen. Wenn der Himmel ſich aufhellte, ſchickte er ſie hinaus um ſpazieren zu gehen, oder um Kirſchen und andere Früchte im Garten zu pflücken, oder er ermunterte ſie, eines der kleinen Seitenthäler zu beſuchen, oder ein Stück auf den Fjord zu rudern, wenn Abends der Wind ruhiger geworden war. Eduard befand ſich dabei in keiner angenehmen Lage. Nach jenem Auftritte am Optunbache hatte ſeine Muhme ihre ruhige Freundlichkeit wieder angenommen und es blieb ihm nichts übrig, als dieſem Beiſpiele zu folgen. Er verſuchte es, während ein bittres Gefühl ſein Herz füllte, aber nach und nach bildete er ſich ein, daß es ihm gar nicht ſchwer werde, weil es ihm gleich⸗ gültig ſei, und mit derſelben gefliſſentlichen Selbſttäuſchung über⸗ trieb er beinahe ſeine Höflichkeit und ſcheinbare Kälte mit der geheimen Genugthuung, ſich än Emma dadurch zu rächen, die nicht meinen ſollte, daß ihr Befehl ihn unglücklich machte. Erſt wenn er allein und unbeachtet war, fiel dieſe Verſtellung ab und mehr als einmal ſaß er bis ſpät in die Nacht in dem kleinen Gaſtzimmer und ſtarrte nach dem Gaardhauſe hinüber, wo im Obergeſchoß noch ein Licht brannte. Dort wohnte Emma. Warum brannte ihr Licht noch ſo ſpät? Was hatte ſie auch zu wachen? Grimmur Skalden war während dieſer Tage nicht gekommen, aber er hatte einen Brief geſandt, einen luſtigen Brief, in welchem er ſich entſchuldigte und von ſeiner Sehnſucht und ſeinen Seuf⸗ zern mit ſolchem Uebermuthe und ſolchen Anmerkungen ſprach, — — — 136— daß Eduard darin wiederum allerlei Spott auf ſich erkannte. Der Brief war an Emma gerichtet, der Capitän hatte ihn jedoch laut geleſen und herzlich darüber gelacht, bis ihn Emma nahm, in die Taſche ſteckte und hinausging. Was Halbart Mare darauf zu ſeinem Verwandten äußerte, machte dieſem keine geringe Pein. Er ſprach voller Lob über Grimmur und obwohl er nicht gerade heraus ſagte, was er erwartete, ſo war es doch klar genug zu merken. Der Hof von Skalden lag jenſeit des Fjord und war ein großes Gut durch Alles, was dazu gehörte. Der junge Gaard⸗ herr hatte in dieſem Jahre gebaut und aus Bergen viele neue Geräthe mitgebracht, neue Tapeten für ſeine Gemächer, Teppiche und Polſter, was er ſonſt nimmer gethan. „Er hält ſein Geld feſt,“ ſagte Halbart Mare,„gibt wenig auf koſtſpieligen Tand, iſt ſo recht noch von der alten feſten Art, die immer ſeltener wird, aber keiner ſteht ſo feſt auf ſeinen Beinen und hält den Kopf ſo frei in die Luft. Es iſt edel Blut in ihm und es gibt keinen Hof in Sogne, wo ihn die Mädchen nicht gerne kommen ſähen. Denn nicht allein, daß mehr Silber in ſeiner Taſche klappert als bei den Meiſten, kann ſich auch Keiner mit ihm in dem meſſen, was Weibern zumeiſt gefällt. Iſt der ſchmuckſte Burſch im Lande und der klügſte dazu. Iſt es nicht ſo? Emma muß ihm antworten, denke, es wird ihr nicht ſauer werden. Meinſt Du nicht, Vetter, er gefällt Dir auch? Müſſen zuſammen nächſtens einen frohen Tag haben. Meinſt Du nicht?“ Eduard ſuchte ſich zu helfen, wie es ging, aber ſein Gemüth wurde dadurch noch mehr beſchwert. Saß Emma Mare jetzt bei irem forder hinau Mutt bald Later und nerk von Wor traut Brie bis c erkannte. Der ihn jedoch laut mma nahm, in t Mare darauf ne geringe Pei. er nicht gerade klar genug zu Fiord und war der junge Gaard⸗ exgen viele nelle nächer, Teppiche re,„gibt wenig der alten feſten feſt auf ſeinen z iſt edel Blut in die Mäͤdchen ß mehr Silber kann ſich auch umeiſt grüll. ügſte dazu. Ift „, ilt fe. ls wird ih ke, 4 — 137— ihrem Lichte, um den lockenden Brief zu ſchreiben, den ihr Vater forderte? Sann Sie darüber nach, während er nach ihrem Fenſter hinaufſtarrte?— Am nächſten Morgen ſchrieb er ſelbſt an ſeine Mutter, ſo kühl als möglich, um ſie darauf vorzubereiten, ihn bald zurückkehren zu ſehen. Er erzählte von Emma, von ihrem Vater und von ſeinem freundlichen Empfange ſo viel als nöthig und in ſolchen Wendungen, daß die ſcharfblickende Mutter leicht merken konnte, warum er in einigen Wochen ſpäteſtens den Hof von Eide verlaſſen wollte. Darauf erwähnte er auch mit einigen Worten den jungen Grimmur Skalden und daß dieſer ein ver⸗ trauter und gern geſehener Freund des Hauſes ſei. Wenn dieſer Brief aber zur Poſt ſollte, mußte er ſo lange liegen bleiben, bis ſich eine Gelegenheit fand, oder wenn er dieſe nicht erwarten wollte, mußte er drei gute Stunden am Fjord hinab nach einem andern Hofe geſchafft werden, von wo aus er nach Solvorn hinüber auf die dortige Poſtſtation gelangen konnte. Eduard machte gern ſelbſt den kleinen Ausflug, darum ſchlug er es jetzt aus, einen Boten abzuſenden, auch ſchlug er ein Pferd aus, das man von den Weiden herunter holen wollte, wo nach nordiſcher Sitte der geſammte Viehſtand des Gutes ſeine Sommerluſt feierte, endlich ſchlug er auch ein Boot aus, um den Fjord hinabzu⸗ fahren. Es gab einen Pfad, der über die Felſen und Klippen am Meeresarm hinlief und obwohl beſchwerlich, doch auch anziehend genug für einen jungen Romantiker war, der nichts zu verſäumen hatte. Der Capitän billigte ſein Vorhaben und bedauerte, nicht mitziehen zu können, Emma blieb bei ihrem gleichgültigen Ver⸗ halten und als er am frühen Morgen ſich aufmachte, lag der — 4138— Gaard noch im tiefen Schlaf, keine Stimme, die ihm mit einem frohen: Glück auf Deinen Weg! das Geleite gab. Er hätte am liebſten gar nicht wieder zurückkehren mögen, ſo laſtete die Verſtimmung auf ſeinem Gemüth, aber der Morgen kam ſonnigklar, die Nebel verſchwanden, das Wetter beſſerte ſich und die Jugend hat meiſt immer Muth genug, um vom Augen⸗ blick zu leben. Bald regte ſich auch der Künſtler in ihm und was er ſah, beſchäftigte ſeine Seele. Da kamen die Waſſer rauſchend von den Bergen nieder, da gab es manchen prächtigen Anblick in geheimnißvolle finſtere Felſenſpalten oder in liebliche Gründe neben ungeheuren Felspyramiden oder ein Thal that ſich auf, wo man, wie Grimmur es nannte, Idyllen träumen konnte. Es war daher nicht zu verwundern, daß Eduard häufig raſtete und mehr als einmal ſein Skizzenbuch bereicherte. Es wurde Mittag ehe er den Hof erreichte, wo er ſeinen Brief befördern konnte und die Sonne ſtand über Juſtedals Eishörnern, als er den Rückweg antrat. Da er aber immer noch Zeit genug zu haben meinte, war er nicht eilig und um ſo weniger ſtrengte er ſeine Schritte an, je mehr er ſich dem Gaard von Eide näherte. Wer frägt dort viel nach mir, ſagte er ſich ſelbſt, wer hat Freude an meinem Kommen! Er warf ſich unter einem Baum auf einer Klippe am Fjord nieder, widerwilliger Trotz und Spott ſtritten in ihm. Er mochte gar nicht an Emma denken und doch konnte er die Gedanken nicht los werden. Einen Augenblick lang an jenem Waſſerfall hatte ſie ſich vergeſſen, als ſeine Schmeichel⸗ worte ihr die alten Gefühle aufweckten, aber es war eben nur ein Augenblick geweſen. Ein Laut in ihrer Nähe reichte hin, ihre Einb Ahrer ſo z herr liche ſchne eihm mit einem ab. uckkehren mögen, aber der Morgen ttter beſſerte ſch um vom Angen⸗ ler in ihm und 4 Waſſer rauſchend rächtiggn Anblic liebliche Gründe that ſich auf, träumen. konnte. häufig raſtete gerte. Es wurde Brief befördern rnern, als er d it genug T weniger ſtrengte von Eide näherte. gſelbſt, wer hat Baum Spott d doch 139 Einbildung zu vernichten. Sie glaubte Grimmur's Lachen zu hören und das war genug, um ſein Wort zu fordern, nie wieder ſo zu ihr zu ſprechen. Warum ſollte ſie auch den reichen Gaard⸗ herrn von richtigem Sogneblut nicht lieben. War er nicht ein begehr⸗ licher Biſſen, nach dem alle Mädchen zehn Meilen in der Runde ſchnappten und war's nicht ein Kitzel für jeden Hochmuth, von ihm gewählt zu ſein? Er lachte verächtlich auf, ſtützte ſich auf ſeinen Arm und riß die Grashalme aus den Fugen des Geſteins, um ſie zu zerſtücken und von ſich zu ſchleudern, als er aber aufſprang, war die Sonne hinter den Jötunfjellen und über den Fjord breiteten ſich dämmernde Abendnebel aus. Jetzt erſt wurden ſeine Schritte länger, allein in dieſen tiefen Felsſpalten, die das Meer ausgewühlt hat, kommt die Finſterniß ſchnell und ſo war es völlig dunkel geworden, als er endlich die Terraſſen und Gartenanlagen ſeines Vetters er⸗ reichte und die Stufen emporſtieg, welche ihn in den Haupt⸗ gang und zu dem Platze führen ſollten, auf welchen das Haus ſtand. Doch ſchon nach wenigen Schritten ſtand er ſtill, denn vor ſich erblickte er eine Geſtalt und bei der erſten Frage ant⸗ wortete ihm Emma's Stimme. „Sie ſind es, Emma?“ ſagte er, indem ihm das Herz ſchlug. „Gott ſei Dank! Vetter Eduard“, erwiederte ſie, daß Sie hier ſind, ich— wir— mein Vater, wir waren in Angſt um Sie, denn wie leicht konnten Sie in der Dunkelheit Unglück haben.“ „Ich finde“, antwortete er lebhaft ihre Hand drückend,„daß — 140— ich in der Dunkelheit glücklicher bin als beim Sonnenſchein. Haben Sie mich erwartet, Emma?“ „Ich wollte ſehen, ob Sie nicht in der Nähe wären“, ſagte Emma Mare ſtockend,„und dann— dann wollte ich Ihnen mittheilen daß“— in dem Augenblick fühlte Eduard, daß ihre Hand ſtärker zitterte und krampfhaft ſich zuſammenzog, indem ſie ihn feſthielt. Sie ſtanden an den letzten Stufen; über ihnen in dem Hauptwege unter den Bäumen wurde geſprochen und Schritte näherten ſich. Kein Zweifel, daß Grimmur Skalden der Spre⸗ cher war. „Und das iſt Alles wahr, was Du mir ſagſt?“ fragte der Capitän, der neben ihm ging, rauh und laut. „So wahr, daß meine Augen es bezeugen können, die ſich ſo leicht nicht betrügen laſſen.“ „Er küßte ſie, und ſie litt es?“ „Sie litt es, bis ich hinter dem Steine, wo ich lag, zu lachen anfing. Das hörte ſie und ſprang auf.“ ch will ein Wort mit ihr reden,“ ſagte Halbart Mare, J indem er mit ſeinem Stock auf einen Stein ſtieß, der am Wege lag, daß der Eiſenſtachel Funken ſchlug. „Das wirſt Du nicht thun, Capitän,“ erwiederte Grimmur. „Wie, zum Teufel! Iſt es möglich, daß ſie mit dem Milch⸗ geſicht ſolche Dinge treiben kann?“. „Bah! lachte Grimmur, ich habe es geahnet, lange bevor dieſer ſüße Vetter mit ſeinem Pinſelkaſten hier ankam. Als der Brief eintraf, der ſeinen Beſuch ankündigte, war ich zugegen, und ich ſe man in ih i ſſt Sonnenſchein. e wären“, ſagte ollte ich Ihnen dundd, daß ihre nzog, indem ſie ibnen in dem n und Schritte den der Spre⸗ gſt?“ fragte de knnen, die ſih wo ich lag, 2 Halbart Mare, 3, der am Wege utt Grimmmr — 141— ich ſah etwas in ihrem Geſicht, was wohl zu deuten iſt, wenn man die Mädchen kennt. Es war eine Freude und eine Unruhe in ihm, die aus dem Herzen kam. In allen Winkeln wurde es drinnen lebendig.“ „Weiß wohl, Du haſt darüber geſpottet,“ erwiederte Hal⸗ bart Mare,„und was ich meinte und dachte, weiß ſie auch. Verdammt ſei der Burſch und ſein Beſuch! Verdammt, daß ſie jemals nach Chriſtiania geſchickt wurde. Hat dort nichts gelernt, als Leichtſinn und Thorheit.“ „Schilt nicht über Dinge, die nicht zu ändern ſind,“ ſagte Grimmur.„Es lag wohl in den Abſichten der Mütter, aus ihren Kindern einmal ein Paar zu machen. Hat Falkland nicht Vermögen?“ „Hol' der Henker ſein Geld!“ rief Mare zornig, was ſoll ich mit einem Maler machen.“ „Wenn Du auch nicht weißt, was Du mit ihm machen ſollſt,“ ſpottete Grimmur,„Jungfrau Emma wird nicht darum verlegen ſein.“ „Sie ſoll nicht! Bei Gott's Donner! ich will's ihr aus⸗ neiben.“ „Stille! ſtille!“ ſagte Grimmur,„ſchrei es nicht aus. Wo iſt Emma geblieben?“ „Sie wird nach Küche und Haus ſehen, dahin gehört ſie, nicht an eines Malers Seite. Verdammt ſei alle Malerei! Fort ſoll er; morgen ſoll er fort!“ „Das wäre das Allrſeſlünnnte, was Du thun könnteſt, Caditin, ſagte Grimmur gelaſſen.„Du darfſt kein Aufſehen — ——— —— — 142— machen. Der Burſch muß bleiben, bis er von ſelbſt ſeinen Pak⸗ ken ſchnürt.“ „Vielleicht bricht er ſich heute Abend noch den Hals,“ mur⸗ melte Halbart Mare. „Verloren wäre nichts daran,“ lachte Grimmur, aber iſt es nicht heut, kann's ein ander Mal geſchehen. Du mußt Dich in Nichts miſchen, Capitän, mußt nichts ſehen, nichts merken. Dei⸗ ner Tochter Herz hängt an dieſem Manne, daran iſt nicht zu zweifeln, laß uns verſuchen, ob es nicht zu ändern iſt. Es ent⸗ ſtand ein Schweigen, dann ſagte Halbart Mare halb laut:„Und haſt Du ihr nichts zu ſagen, Grimmur Skalden, haſt Du mir nichts zu ſagen? Sprich, wenn es ſo iſt.“ „Nicht jetzt,“ erwiederte Grimmur, und im ſtolzen Tone fügte er hinzu:„Gezwungen ſoll kein Weib mir in mein Haus folgen. Ich könnte einen Gang um Leben und Tod ihretwegen thun, ich könnte ihn zu den Haien dort in den Fjord ſchleudern, oder mit meinem Meſſer zur Ruhe bringen, aber Zwang ſoll ihr nimmer geſchehen. Ueberlaß das mir, Capitän, ſprich Du kein Wort, laß keine üble Laune merken. Dieſe Sache iſt meine Sache, ich will ſie ſchlichten; dann, wenn es Zeit iſt, werde ich mein Wort ſprechen. Jetzt laß uns gehen, und wenn der Burſch nicht bald kommt, will ich einen Kienbrand nehmen, und ihn ſuchen. Er ſoll ſich wundern, wie beſorgt ich um ſein theueres Leben bin.“ Sie verließen den Platz, an welchem ſie bisher geſtanden, und ihre Geheimniſſe denen mitgetheilt hatten, welche zehn Fuß von ihnen entfernt waren. Eduard hielt ſeine Muhme an ſich lbſt ſeinen Pak⸗ en Hals,“ mur⸗ nur, aber iſt& mußt Dich in s merken. Da⸗ an iſt nicht zu in iſt. Es ent⸗ zalb laut:„Und — haſt Du mir n ſtolzen Tol in mein Haus Tod ihretwegen jord ſchleudern, ber Zwang oll tän, ſprich Du Jache itt meine it iſt, werde ich Burſch ehmen, und ihn lheueres wenn der m ſein sher geſtanden, zehn Fuß an ſich che elche Muhme — 143— gedrückt, bis er plö lötzli 3 zuflüſterte:— mit ſanftem und innigem Ausdruck i Du haſt an e ni Emma, was habe ich Alles du äür 8) 2 0 r. gedacht, Du haſt mich geliebt, ja, ich— geliebt, ja, ich weiß es 19 jetzt.— jetzt gewiß, Grimmur hat Rec — hat Recht. Du liebſt mich noch 3„Ich muß Dich verlaſſen,“ erwi ze dhe fnbend„E.„“ erwiederte ſie zitternd 1.„Sie werden mich ſuchen.“ nd u ic zenn ſie Dich fi— „ dr n ſie Dich finden, mag es an mei 3 Cdaedwe ſend i neinem Herzen ſein!“ , e—„mein Vater 3„Dein Waterederd ſic verdi 7 n Vater!“ hat za Guimnur e ſöhnen laſſen. Haſt Du nicht z⸗ Ven an es auf ſich genommen hat, mich ö g er zuſehen, ob es ihm gelingt se ba „Hüte Dich vor il üte eler ein G— hüte Dich! bat ſie ängſtlich 5. er ſan waßrend e Gan auf Tod und Leben mache— 3 9 ſein Blut glühte.„Dabei ka di ſade .„— ann er mich finden.“ ctt 1 3 rh rief ſie, und ihre Arme 84 Annd ſugie ſe aiterns Arme um ſeinen Hals vergehen müffe T Sis ees eesier er, e en. Kei iſt i dn 38 Aaülhe Kein Mann iſt im Lande, der ſi u0 Nüne undſſen kunn⸗ Lande, der ſich mit Grim⸗ Sorge ni r ge nicht,“ erwiederte ihrer⸗Zärtlichkeit 2 wiederte er, entzückt von dem Be ei „„ich denke mich vor ihn üten.“ Kana „unnn“ nif Palhart W hm zu hüten.“ un enr Auß b 1 art Mare von der Thür ſeines Hauſes Huſn J 8 inte auf Eduard's Lippen.„Sei klu—* e, und er lei 1— un Ben 3 er ſtand allein. Unhörbar leiſe dei heeh nweg und verſchwand darin 1e Nach einiger? einiger Zeit f Berun Vurd 3 kij ſlennit helles Licht auf, das den gan 3 4 5 †. 4— 4 ahlte. Grimmur Skalden kam mit einem 3 4 ngen, — 144— brennenden Kienſpahn, und jetzt hielt es Eduard für gerathen, die Stufen herauf und ihm entgegen zu gehen. „Holla!“ ſchrie Grimmur, als er ihn erblickte,„da iſt der verlorene Vetter, ſo hat denn alle Noth ein Ende. Dem Capitän iſt die Pfeife ausgegangen und Fräulein Emma ſalzt mit ihren Thränen den Eierkuchen. Herein, mein junger Herr, ſchnell herein. Was iſt das für Sitte? Der Eine glaubte, ein Bär hätte Euch verſchluckt, der Andere, ein Grundhai im Fjord ſei daran ſatt geworden, oder auf irgend einer Klippe befänden ſich Euere zer⸗ ſchmetterten Gebeine.“ „Keines von Allem, Herr Grimmur,“ lachte Eduard,„auch habe ich nicht die geringſte Luſt dazu, mich zerſchmettern oder verſchlucken zu laſſen.“ „So lange Ihr dergleichen unangenehme Dinge verhindern könnt, thut Ihr ſehr wohl daran, erwiederte Skalden; doch jetzt kommt zu Euren Verwandten, die in großen Sorgen ſind und mich fortſchickten, nach Euch zu ſuchen, wie Saul geſchickt wurde nach ſeines Vaters Eſelin.“ Halbart Mare erſchien eben an der Thür, und bei ſeinen Warnungen und beſorgten Vorwürfen dachte Eduard daran, wie aufrichtig dieſer gütige Vetter wenige Minuten vorher gewünſcht hatte, daß er ſich den Hals brechen möge; aber er war innerlich erwärmt genug, um für alle Zeichen freundſchaftlicher Fürſorge von Herzen zu danken. Auch Emma kam herbei und ſie wechſelten einige Grüße und Worte ſo unbefangen und mit ſolcher Selbſtbe⸗ herrſchung, daß die ſpähenden Blicke des Capitäns und Grimmur's nichts zu entdecken vermochten. Dann ging es an's Erzählen; ad für gerathen, ickte,„da iſt der de. Dem Capitäͤn ſalzt mit ihren err, ſchnell herein. Bär hätte Euch d ſei daran ſctt n ſich Euere zer⸗ te Eduard, ſauch zerſchmettern oder hindern kalden; doch jebt ſind und Dinge del Zorgen ul giſchick wurde r, und bi ſeinen t ie ruard daral 1 vorher gewünſch er war innerlich e 1 aftliche Fürſorge ſie wechſelten 1n le willber Stlſte und Grimmur 1s un. ⁵ A — 145 Eduard kramte alle ſeine kleinen Erlebniſſe aus, zeigte ſeine Skizzen, die ihn ſo lange aufgehalten und Grimmur lobte, er⸗ klärte und fragte, bis er endlich das Buch auf den Tiſch warf. „Was iſt das Alles gegen die Scenerie im Hochgebirge!“ rief er aus, Füße und Arme kreuzend.„Ich habe es Ihnen verſpro⸗ chen, Herr Falkland, mit Ihnen hinauf zu ſteigen, und bin gekommen, mein Wort zu halten. Ich muß nach meinen Wei⸗ den ſehen, wollen Sie mich begleiten?“ Eduard ſagte es gern zu. „So wollen wir uns morgen früh aufmachen, und wenn das Wetter gut bleibt, durchſtreifen wir die Fortunfjellen bis zu den Glittertinden. Mancherlei gibt es da zu ſchauen, auch kann es ſein, daß, wenn wir Glück haben, ein Bär uns in den Weg läuft, oder ein paar Tauſend wilde Rennthiere, deren Heerden jetzt aus dem Süden zurückkommen.“ Das waren frohe Ausſichten, welche viel zu ſprechen und zu ſcherzen gaben. Halbart Mare erzählte Jagdgeſchichten und manche waren darunter, die nicht beſonders verlockend klangen. Da gab es kühne Jäger, welche niemals wiederkehrten, andere, deren zer⸗ fleiſchte Ueberreſte man nach langem Suchen gefunden hatte, wieder andere, die in Schnee und Eisſpalten verſanken, oder in den unermeßlichen Einöden ſich verirrt hatten und dort um⸗ kamen. Aber von dem Allen haſt Du nichts zu fürchten,“ ſchloß der Capitän ſeine Mittheilungen,„denn wenn Grimmur Skalden bei Dir iſt, biſt Du ſo ſicher, wie ein Menſch auf Klippen und Gletſchern immer ſein kann. Ietzt ſetzt Euch an den Tiſch und trinkt ein Glas auf gutes Glück.“ Das geſchah nach des Capi⸗ Mügge, Signa, die Seterin. 10 — 146— täns Geboten und dem erſten Glaſe folgte eine Reihe anderer nach, bis es endlich ſpät geworden war, und Halbart Mare in ſeinem Stuhl einnickte. Emma hatte ſich längſt entfernt. Eduard hatte ſich überwunden, ſie den ganzen Tag über kaum anzu⸗ blicken. e Reihe anderer albart Mare in entfernt. Eduard ber kaum anzü⸗ V. Grimmur Skalden ſchlief mit ſeinem Nebenbuhler in dem Fremdenhauſe des Gaards und in demſelben Gaſtzimmer, was Eduard unbehaglich genug deuchte. Denn er fühlte ſeine freund⸗ liche Geſinnung gegen den Mann keineswegs vermehrt, von dem er wußte, was er von ihm zu erwarten hatte. Aber es gab kein anderes Obdach für fremde Gäſte im Hof von Eide und Grim⸗ mur warf ſich ohne Umſtände in eins der Betten, neben welchem ſein Jagdſack lag und ſein langes Gewehr an der Wand hing. Er war auch freundlich und geſprächig, hatte mancherlei noch zu erzählen von der Wanderung, die ſie beide morgen machen wür⸗ den, ſpottete dabei über des Capitäns ſchaurige Geſchichten und ſcherzte und lachte, bis er endlich einſchlief. Wie aber ſein Mund verſtummte, öffneten ſich um ſo unruhiger Eduard's Augen und Ohren. Er konnte nicht einſchlafen über der Unruhe in ſeinem Kopf, immer wieder mußte er an das Erlebte denken und was nun folgen werde, ſich vorſtellen. Die Hoffnungen— Liebe 1*† — 148— ſtritten ſich in ihm mit den Gefahren und Sorgen, welche dieſe begleiteten und ſie zeigten ſich ihm in den verſchiedenſten Ge⸗ ſtalten. Er konnte nirgend einen Schluß finden, nirgend waren ſeine Erwartungen größer als ſeine Zweifel, denn verbergen konnte er ſich nicht, daß die Erfüllung ſeiner Wünſche mächtige Hin⸗ derniſſe fand. Halbart Mare hatte ſich nicht denken können, daß Emma's Herz nicht an dem reichen, ſtolzen Grimmur hinge, die Blüthe und Krone der männlichen Jugend am Lyſterfjord, auf ſeine Nachgiebigkeit war ſomit wenig zu rechnen; dennoch kam es Eduard immer noch vor, als wäre eher mit ihm fertig zu wer⸗ den, als mit dieſem übermüthigen, verſchlagenen Mann, der ge⸗ lobt hatte, ihn aus dem Gaard zu vertreiben und die Sache in ſeiner Weiſe zu Ende zu bringen. Die Furcht überſchlich ihn, welche alles Ungewiſſe begleitet. Grimmur hatte geſprochen, als ſeine Abſicht, ihn in die wüſten Hochgebirge zu führen, um dort ihm Unglück zu bereiten? Er erinnerte ſich der Worte, welche er gehört, und ein ſo trotziger, auf ſeine Kraft und Stärke pochen⸗ der Mann, in dieſem Landestheil zumal, wo die Menſchen weit zertrennt und einſam wohnen und auf viele Meilen kein Richter und kein Recht zu finden ſind, konnte wohl Dinge im Sinne haben, die ſeinen blutigen Reden entſprachen und dabei gewiß ſein, ſie ungeſtraft begehen zu können. Dieſe Vorſtellungen erhitzten Eduard Falkland's Blut ſo ſehr, daß er eine Zeit lang Grim⸗ mur's tiefe und ruhige Athemzüge für Verſtellung hielt und auf⸗ merkſam lauſchte, ob er nicht etwa plötzlich aufſpringen und eine gefährliche Abſicht ausführen werde. Solche Einbildungen ver⸗ en, welche dieſe ſchiedenſten Ge⸗ nirgend waren verbergen konnte mächtige Hin⸗ ken können, daß nmur hinge, die Lyſterfjord, alf dennoch kam 65 nfertig zu wer⸗ Mann, der gk⸗ d die Sache in überſchlich ihn, geſprochen/ als tun„ War es führen, um dort Worte, welche er Stärke pochen⸗ Menſchen weit len kein Richter dinge im Sinne abe geviß ſn lunge elite Grim⸗ eit lang zielt und auf⸗ eringe 1 abildungen v — 149— warf er zwar bald genug, aber er beſchäftigte ſich mit ihnen doch ſo lange, bis er endlich darüber einſchlief und nicht eher wieder aufwachte, bis er ſich an der Schulter gepackt und geſchüttelt fühlte. Erſchrocken fuhr er auf und ſtierte Grimmur an, der halb angekleidet an ſeinem Lager ſtand und laut zu lachen begann. „Meiner Treu, Herr Falkland“, ſagte er,„Sie haben einen feſten Schlaf, man könnte Sie forttragen. Auf Deine Beine, Mann! wir müſſen Fortundahlen hinauf, ehe die Sonne kommt! oder haben Sie die Luſt verloren, weil das Bett nicht mit⸗ gehen will!“ Bei dieſer Spötterei fuhr Eduard raſch in ſeine Kleider. „Sie ſollen ſich ferner nicht über meine Läſſigkeit beſchweren“, ſagte er,„ich werde mein Beſtes thun, Ihr Lob zu verdienen.“ Und dies geſchah in Wahrheit, denn behend wie er war, ſtand Falkland in demſelben Augenblick fertig, wo Grimmur ſein ſogniſch Jagdmeſſer umſchnallte und die ſchwere Büchſe von der Wand nahm. „Sie ſind in der That ein flinker Burſch“, ſagte er,„ich denke, wir werden gute Kameraden ſein. Doch jetzt vorwärts, Herr Falkland, wir wollen weder Fräulein Emma's ſüße Mor⸗ genträume noch das gemüthliche Schnarchen des Capitäns ſtören. Schweigend gingen ſie unter dem Gaardhauſe hin, in wel⸗ chem noch die tiefſte Ruhe zu herrſchen ſchien. Aber als ſie den Steig betreten wollten, welcher an der Bergwand aufſchlängelte, hörte Eduard Schritte hinter ſich. Die alte Hausmagd lief mit einem Päckchen herbei, das einige Vorräthe zum Frühſtück ent⸗ — 150— hielt. Dabei hatte der Capitän eine Flaſche alten Madeira mit⸗ geſchickt, den Grimmur Skalden vergnüglich einſteckte. Als Eduard das Päckchen Speiſen in Empfang nahm, fühlte er, daß die alte Kari ihm zugleich ein Zettelchen in die Hände drückte, und ſein Herz ſagte ihm ſogleich, von wem es komme. Er verbarg es un⸗ bemerkt und Karie kehrte mit Dankaufträgen und Abſchiedsgrüßen zurück. Nachdem er ein Stückchen weiter gegangen war, wandte Eduard ſich um und ſah, wie hinter einem der oberen geöffneten Fenſter Emma ſtand, die, ihre Hände gefaltet, ihm nachblickte und ſie dann warnend oder bittend erhob und nach ihm aus⸗ ſtreckte. Er ſchwenkte ſeinen Hut durch die Luft und folgte dann Grimmur, der ein Lied pfiff, während hinter ſeinem Rücken dieſe ſtumme Abſchiedsſcene aufgeführt wurde. Die beiden rüſtigen Jünglinge hatten bald die erſte Höhe erreicht und wanderten nun durch das Waldgebiet des Hofes von Eide in den goldigen Morgen hinein, der ſich über die unge⸗ heuren Tinden und Gletſcher der Jötunffellen zu verbreiten be⸗ gann, welche jenſeit des Lyſterfford aus den Nebeln traten. Auch der dampfende Fjord ſchüttelte ſeine Nachtmäntel ab und ſeine Waſſer blitzten herauf. Je höher ſie ſtiegen, um ſo weiter dehnte ſich das Panorama aus, um ſo heller und durchſichtiger wurde die Luft und um ſo erquicklicher drang ihr friſcher Strom durch die Augen in's Herz, weckte den friſchen Lebensmuth auf und verblaßte die Sorgen. Es gehörte dies und tüchtige Ausdauer dazu, um Grimmur's elaſtiſchen Schritten zu folgen, der ſo ſicher daher ſchritt, als gehe er auf gehobeltem Fußboden. Sein kräf⸗ tiger Körper ſchien von der Beſchwerlichkeit des Steigens nichts a Madeira mit⸗ kte. Als Eduard er, daß die albe rückte, und ſin verbarg es mn⸗ Abſchiedegrüͤßen en war, wandte oberen göffneten ihm machblicke nach ihm aus⸗ und folgte damn nem Rüͤcken dieſe die erſte dihe des Hofes von über die unge⸗ a verbreiten be⸗ luch beln traten. ¹ l ab und ſeine ſo weiter de ute zu fühlen und ſo leicht und geſchmeidig zu ſein, als wäre er aus Springfedern gemacht. Eduard Falkland mußte ihn bewundern, da er ſelbſt doch nicht ohne ungemeine Kraft und Gelenkigkeit war. Stattlich ſah es aus, und ein ritterlicher, romantiſcher An⸗ ſtrich war darin, wie Grimmur vor ihm her ſchritt. Sein grauer kurzer Jagdrock war mit grünen Schnüren beſetzt, wie dies häufig im Hardanger und im Sogneland getragen wird, an ſeinem grauen, breitkrämpigen Hut ſteckte ein Büſchel weißer Blumen, die der Wind jagte, der mit ſeinen ſchwarzen glänzenden Haaren ſpielte. Um den Leib trug er einen breiten grün geſtickten Gurt, an welchem ſein Meſſer in der Lederſcheide hing, denn ſolch ein Meſſer und ſolcher Gurt gehören zu jedes Mannes Anzug und die Weiber ſind oft kunſtfertig genug, um das Leder mit allerlei Arabesken und Blättergewinden zu verzieren. Die ſchwere Büchſe auf ſeiner Schulter und der Jagdſack an ſeiner Seite vollendeten das Bild des nordiſchen Jägers, der in den Hochfjeldern noch einen langen Hirtenſtab hinzufügt, welcher beim Klimmen und Hinabgleiten an jähen Klippenwänden ihm gute Dienſte leiſtet. Als Grimmur Skalden jetzt den Grat der Bergwand er⸗ reicht hatte, ſtand er ſtill und erwartete ſeinen Gefährten.„Nun“, rief er ihm entgegen,„es geht gut genug mit Ihnen, Herr Falkland, und hier iſt ein Ort, wo wir den Schweiß trocknen können. Wie gefällt Ihnen der Platz?“ Eduard ſchaute entzückt hinunter. Da lag der Fjord in der Tiefe wie ein ſchmales Sil⸗ berband, von ungeheuren Felſenmaſſen eingerahmt, an denen große und kleine Hütten mit ihren Feldern und Auen feſtklebten, wie leuchtende grüne Flecke. Landeinwärts aber, dicht zu ſeinen Füßen, — 152— zog ein prächtiges Thal, das wie ein Smaragd in der ſonnebe⸗ glänzten Faſſung von Glimmer lag, bis hinauf zu hohen, wilden Fjellen, die in tiefer Ferne ihre Häupter mit Wolken umwickelten. Ein breiter Bach ſchoß mitten durch dieſe reizvolle Landſchaft und bildete eine ganze Reihe Waſſerfälle, bis er den Fjord er⸗ reichte. Das Thal mit ſeinen Auen, ſeinen Erntefeldern und Bäumen, ſeinen Höfen am Rande des Baches und an den Hö⸗ hen, ſah ſo zierlich aus, wie von eines Künſtlers Hand geſchnitzt, und die Sonnenblitze, welche darüber hinflogen und ein wunder⸗ bares Gemiſch von Licht und Schatten bereiteten, vollendeten das Ueberraſchende und Paradieſiſche des Anblicks. Eduard war lebhaft ergriffen davon, Grimmur aber ſagte lachend:„Ich konnt' es wohl denken, daß Sie dabei ſchwärmen würden. Das iſt das Fortunthal und der Bach die Fortunelf. Es muß wirklich ſchön ſein, denn ſelbſt unſre Hirten empfinden etwas dabei, wenn ſie hier oben ſtehen und wie in die Zauber⸗ laterne eines Magiers blicken. Aber ſchöpfen Sie jetzt langen Athem, Herr Falkland, und ſtehen Sie feſt auf Ihren Beinen, denn nun gibt's ein hartes Steigen, bei dem wir ſehen wollen, was Sie aushalten können. Was Sie bisher gethan, war doch nichts als Spielerei, die Jungfrau Emma auch zu Stande bringt. Damit ging er weiter und Eduard wurde bald gewahr, daß ſeine Ankündigungen nicht eitles Drohen oder Prahlen ſein ſollten. Eine unermeßliche ſchwarze Felſenwand ſchien alles Leben zu be⸗ enden, keine Spur eines Steiges ließ ſich daran erkennen, wer ſollte da hinauf! Er mochte nicht fragen, denn er fürchtete Grim⸗ mur's Spott; dieſer ſchritt gerade darauf los und bald ſah in der ſonnebe⸗ zu hohen, wilden lken umwickelten. volle Landſchaft den Fiord er⸗ erntefeldern und d an den Hi⸗ Hand geſchlitz, und ein wunder⸗ „vollendeten das mur aber ſagte dabei ſchwärmen die Fortunelf irten empfinden in die Zauber⸗ 2ie jebt langen Ihren gen wollen, Beinen, ir ſ ethan, war doch Stande bringt. hr, daß nblen ſein ſollten. 1be⸗ ald gewa 1,3 Leben z Ues ¹ 3 erkennen, we fürchtete Grim⸗ und bald ſij — 153— Eduard Falkland, daß allerdings eine Art Pfad daran in die Höhe führte, aber was war es für einer! Hirten und Jäger mochten ihn aus den Vorſprüngen und Kanten des Bergſtocks aufgefunden haben und die Hirten und Jäger dieſer Gebirge auch allein im Stande ſein, ihn zu benutzen. Irgend ein Wage⸗ hals hatte ihn zuerſt betreten und Andere ihm es dann nachge— macht. Kaum fußbreit hing er an einzelnen Stellen über dem Abgrund und das Auge irrte in eine ſchaurige Tiefe nieder, wo die Fortunkirche ihr Kreuz als Gotteszeichen mitleidig ausſtreckte. Wer irgend zum Schwindel geneigt war, konnte hier nicht gehen; bang fühlte Eduard ſein Herz klopfen, denn Grimmur ſchien ſeine Schritte zu verdoppeln. Er tanzte gleichſam vor ihm her, als ſei es ihm eine Luſt, und mit keinem Blicke ſah er ſich nach ſeinem Gefährten um, mit keinem Worte des Troſtes ſuchte er ihn zu ermuntern. Nach einer Reihe zackiger Wendungen des Pfades wurde dieſer endlich etwas breiter und bequemer, und vor den Wande⸗ rern dehnte ſich eine weite zerklüftete Fläche aus, von welcher da und dort ein paar Hütten hervorſchauten, deren niedere Dächer mit Erde überſchüttet waren. Hier endlich ſtand Grimmur ſtill und ſeine funkelnden Au⸗ gen betrachteten den keuchenden Kameraden, deſſen Bruſt ſich heftig hob und deſſen Knie zitterten, während er ſelbſt ſeinen Athem nicht im Geringſten verloren hatte. „Sagt' ich es Ihnen nicht, daß Sie zu thun haben wür⸗ den“, rief er aus.„Es geht hier anders her wie bei einer Pro⸗ menade auf dem Eggeberg bei Chriſtiania. Iſt es nicht ſo?“ — 154— „Es iſt ein fürchterlicher Weg“, erwiederte Eduard. „Bah! was nennen Sie fürchterlich, was glauben Sie für Wunder gethan zu haben? Die Setermädchen kommen von un⸗ ſern Weiden mit ihren ſchweren Körben auf den Köpfen alle hier auf dem Fortunenſteig herunter, obwohl es einen bequemern Weg für Pferde und Menſchen gibt, was ich nicht leugnen will.“ „Warum haben wir dieſen nicht gewählt?“ Herr Skalden. „Warum nicht? Weil wir in's Fortunthal dann hinabſtei⸗ gen und einen weiten Umweg machen mußten. Daran bin ich nicht gewöhnt, Herr Falkland, und da Sie die Tinden der For⸗ tunfjellen beſuchen wollen, mußt' ich ſehen, ob Sie auch nicht an Schwindel leiden.“ Ein Verdacht glitt durch Eduard's Kopf und rief einen Strom von Zorn in ihm hervor, der ſich in ſeine Augen drängte, als er dieſe auf Grimmur feſtheftete, allein der athletiſche Mann ſchien es nicht zu beachten. „Sie ſind hier in dem Vorhofe der Eis⸗ und Felsgipfel, welche die Horungerne heißen,“ ſagte er, auf das Amphitheater von hohen, narbigen Mauern deutend, die im weiten Halbkreis nackt und zerklüftet die Fläche einſchloſſen.„Dorthin gehen wir heut' noch nicht, ſondern, wenn es Ihnen gefällig iſt, begleiten Sie mich zunächſt zu meinen Weiden und Sennhütten, damit ich ſehe, wie es mit meiner Heerde ſteht. Im Uebrigen,“ fügte er hinzu, „dürfte Inhen das Hirtenleben auf unſeren Alpen auch ziemlich unbekannt ſein und Ihre Neugier rege machen; endlich aber fin⸗ den wir dort ein Obdach für die Nacht, Milch, und was die Milchwirthſchaft gibt, in Fülle: jedenfalls alſo iſt es behaglicher dort, den. Jun i trag ſack cer⸗ bloch war Fla ſeinl e Edunnd. glauben Sie für kommen von un⸗ Köpfen alle hier einen bequemern tt leugnen will“ „ Herr Skalden. dann hinabſti⸗ Daran bin ich Tinden der For⸗ Sie auch nicht an und rief einen e Augen drängte, athletiſche Manun und Flsgäjſt, das Anphitſete weiten Halbkreis .„ dort, als in der Wüſte, welche Sie morgen kennen lernen wer⸗ den. Und nun laſſen Sie uns hier ruhen und unterſuchen, was Jungfrau Emma uns nachgeſchickt hat,“ fuhr er auflachend fort, „Sie werden, wie ich denke, längſt ſehnſüchtig Verlangen danach tragen.“ Und ohne eine Antwort abzuwarten, warf er den Jagd⸗ ſack auf den einzigen, kleinen mit Gras und Halmen überwu⸗ cherten Fleck, welcher ſich im Schutze eines mächtigen Glimmer⸗ blocks gebildet hatte und ſtreckte ſich daneben aus. In einem Nu waren alle Anſtalten zu einem paradieſiſchen Mahle getroffen, die Flaſche mit dem alten Madeira des Capitäns geöffnet und die einladenden Fleiſch⸗ und Brotvorräthe von aller Hülle entkleidet. Grimmur zog das ſcharfe, an der Spitze doppelſchneidige Meſſer aus ſeiner Lederſcheide, zerlegte damit, was vorhanden war, und that ſeiner Eßluſt keinen Zwang an.„Eſſen Sie tapfer darauf los, Herr Falkland,“ ſagte er,„und ſpülen Sie die Reſte mit Ihres Vetters gutem Trank hinunter. Wir haben noch zwei tüchtige Stunden vor uns, ehe wir die Sennhütten finden, und wer weiß, ob Signa uns alsbald Etwas vorſetzen kann.“ Dieſe Ermunterung gab Eduard Gelegenheit, nach der hüb⸗ ſchen Sennerin zu fragen, wobei er unbedenklich erzählte, wo er mit ihr zuſammengetroffen ſei, aber er erfuhr von Grimmur nicht viel mehr, als er ſchon wußte. Es kam ihm vor, als wollte dieſer Nichts von ſeiner ſchönen Hausmeiſterin hören, und als wollte er auch nicht von ihr ſprechen. Nach einigen gleichgültigen, kurzen Antworten warf er ſich auf den Rücken, ſchlug die Hände über ſeinem Kopf zuſammen und ſah in den Himmel hinauf, ohne weiter auf Eduards Fragen zu achten, der ſomit ſchweigen mußte. — 156— Dafür ſtützte ſich Falkland auf ſeinen Arm und dachte ſein Theil. Es kam ihm Manches in den Sinn, was er ſich zuſam⸗ menſetzte und eine ganze Geſchichte daraus machte. Die junge Seterin mit den blauen Augen und der kühnen Furchtloſigkeit ihres Weſens war ſchwerlich immer ein ſo gleichgültiger Gegen⸗ ſtand für Grimmur Skalden geweſen, wie er jetzt ſich den An⸗ ſchein gab. Eduard hatte das Mädchen von Grimmur in einem Tone und mit einem Ausdrucke ſprechen hören, daß ſich Man⸗ ches daran knüpfen ließ.„Deine Hand iſt zu weich für Grim⸗ mur, glaub's mir, ich kenne ihn,“ hatte ſie zu Emma geſagt; das fiel ihm jetzt wieder ein, und es fiel ihm ein, daß ihre Blicke dabei eigenthümlich wild funkelten, Ihre Hände waren allerdings härter, und meinte ſie, daß dieſe dazu gehörten, um einen ſo un⸗ geſtümen und unbändigen Mann zu gewinnen? Wollte ſie Emma warnen oder ihr zu verſtehen geben mit jenem ſcharfen„ich kenne ihn,“ daß ſie ſelbſt beſſere Anſprüche zu machen habe? Er warf einen Seitenblick auf Grimmur, der noch immer in ſeiner Lage verharrte und wahrſcheinlich eingeſchlafen war, dann griff er leiſe in ſeine Taſche und holte den Zettel heraus, den die alte Kari ihm zugeſteckt hatte. Noch war es ihm unmöͤglich geweſen, ihn unbemerkt zu leſen. Von Emma's Hand war mit Bleiſtift darauf geſchrieben:„Sei auf Deiner Hut, geliebter Eduard! Grimmur führt Boöſes gegen Dich im Schilde, mir ſagt es mein Herz. Gott beſchütze Dich und helfe uns Beiden!“ Indem er dieſen Zettel betrachtete, hörte er ein leiſes Ge⸗ räuſch hinter ſich. Grimmur ſtand auf ſeinen Beinen, eilig drückte Eduard das Papier in ſeiner Hand zuſammen. und dachte ſein as er ſich zuſam⸗ achte. Die junge e Furchtloſigkeit chgültiger Gegen⸗ zjetztt ſich den An⸗ rmmur in einem daß ſich Man⸗ weich für Grim⸗ u Emma geſagt; in, daß ihre Blick waren allerdings um einen ſo un⸗ llte ſie Emma zarfen ſich kenne babe? Er warf Wo er in ſeiner Lage Igrifer leiſ lte Kar lich geweſen, ihn dam u die A Bleſtitt duruu grimmur duard! Grimm in Herz 157 „Wir wollen weiter gehen, wenn es Ihnen beliebt, Herr Falkland,“ ſagte Grimmur.„Das Weidegebiet und die Seterin⸗ nen darin werden Ihnen mehr Vergnügen machen, als dieſe Raſt auf hartem Stein.“ „Wahrſcheinlich doch,“ antwortete Eduard,„ſprechen Sie aus Erfahrung, Herr Skalden, da Sie mit ſo manchem hüb⸗ ſchen Sennermädchen bekannt ſind und die ſchönſte von Allen von früh auf Ihre Hausgenoſſin war.“ „Sind Sie ſchon wieder mit ihren Gedanken und Worten bei Signa,“ lachte Grimmur.„Ich hätte nicht geglaubt, daß Ihr Herz ſo empfänglich und begehrlich ſei. Doch nehmen Sie ſich in Acht, Herr, mit dieſen Mädchen iſt nicht zu ſpaßen. Manche unter ihnen ſind freilich ſo leichtfertig, wie man es wün⸗ ſchen kann, Andere dagegen bleiben unerbittlich und ſind ſo ſtreng und ſo tugendhaft wie Nonnen.“ „Man hat mir geſagt, daß dieſe Hirtenmädchen ſehr treu ſind,“ erwiederte Eduard. „Treu? Alle Mädchen ſind treu, wenn ſie lieben.“ „Aber dieſe ſollen mit äußerſter Hingebung lieben, und ich habe rührende Beiſpiele erzählen hören, wie ſie wohlhabende Freier abweiſen, wenn ein Armer von ihnen geliebt wird.“ „Solche Närrinnen mögen vorkommen,“ ſagte Grimmur, „aber die Klugen verſtehen überall ihren Vortheil, und Geld, Herr Falkland, Geld iſt am Lyſterfjord wie überall auf Erden, der Magnet der Alles anzieht.“ „Aber es gibt immer und überall doch Einige, die weder — 158— um Geld ihre Liebe verkaufen mögen, noch ſich von andern präch⸗ tigen Eigenſchaften blenden laſſen.“ „Die ſich an Phantaſten und Schwachköpfe hängen!“ rief Grimmur mit einem wilden Gelächter. „Richtig, Herr Skalden; auch das kommt eben ſo gut vor, wie manche andere Fälle, wo die ſich am klügſten und ſtoläiſten Dünkenden von dem Einfältigſten beſiegt werden.“ Grimmur wandte ſich um, ſein Geſicht war ſo dunkel, wie eine Wetterwolke, die ſich entladen will, aber nach einem Augen⸗ blick ſchüttelte er ſein ſchwarzes Haar und nahm den alten Aus⸗ druck von Spötterei an. Wenn der Einfältige ſo klug iſt, den Klugen zu beſiegen,“ ſagte er,„ſo mögen Beide die Titel wech⸗ ſeln, aber laſſen Sie uns jetzt nicht mit ſolchen Wortgefechten die Zeit verderben. Hier geht es in's Weidland hinein, alles Andere wird ſich ſpäter finden.“ Er ſchritt einer der Felsſpalten zu, welche die Thore in dieſer Felſenburg vorſtellten und durch welche ein wild ſchäu⸗ mender Bach in ſeinem tiefen Bett brauſte. Nach einiger Zeit wurden die düſtern Mauern zu beiden Seiten niedriger, denn der Pfad führte ziemlich ſteil bergan und endlich öffnete er ſich und vor ihnen lag nun ein weites, zerklüftetes Hochfeld des Gebirgs, mit Moos und mit Grasflächen überwachſen, die von zwerg⸗ artigen, dichten Birkengebüſchen unterbrochen wurden. Da und dort ſammelten ſich die Waſſer in kleinern und größern Becken und von den Höhen herab liefen viele kleine Gerinne plätſchernd und murmelnd durch das gebrochene Land. Es ſah viel leichter aus, hier vorwärts zu kommen, als es in der That der von anden präch⸗ f hängen!“ rief eben ſo gut vor, en und ſtolzeſten n4 ir ſe dunkel, wie ach anem Augen⸗ n den alten Aus⸗ ſo klug iſt, den e die Ditel wech⸗ zen Wortgefechten 3 3 und hinein, alles be die Thore in an wild ſchäͤu⸗ nch einiger Zäit ffnete er 7 fid ds Gebid werg⸗ , — 159— Fall war. Die Birkenbüſche von Mannshöhe, mit zahlloſen ſcharf⸗ ſpitzigen Aeſten und Zweigen in einander gedrängt, bildeten oft undurchdringliche Geflechte, welche umgangen werden mußten, und Grimmur verſicherte, daß dieſe Birkenregion, welche den letzten Baumwuchs auf den nordiſchen Alpen enthalte, die aller fatalſte und gefürchtetſte ſei. Haut und Haare gingen meiſt daran ver⸗ loren, und ſelbſt das Vieh ſcheue ſich vor dieſen mänandriſchen Gewinden. Allein es waren nicht allein dieſe Büſche, welche den Weg beſchwerten, der Boden ſelbſt, mit Sumpf durchzogen, wie faſt auf allen dieſen Hochebenen, enthielt zwiſchen den Gras⸗ büſcheln tiefe Löcher, in welche der ſtrauchelnde Fuß zuweilen in ſchwarzes Waſſer ſtürzte, oder von ſcharfem Geſtein abglitt. Bald war Eduard erhitzt und ermattet, denn jetzt war es Mittag ge⸗ worden, die Sonne brannte glühend herunter und immer noch ließen ſich weder Vieh noch Sennhütten ſehen. Es war ihm zu⸗ weilen, als müßte er ſtehen bleiben und ſich erholen; aber wo war Erholung zu finden? Grimmur Skalden ſah ſich einige Male nach ihm um und ſchien dann um ſo flüchtiger über das Sumpfland zu gleiten.„Hollah!“ ſchrie er zurück,„gehen die Kräfte Euch ſchon aus, junger Herr? Was ſoll das werden, wenn wir am Fanarrak oder Glittertind die Eisſpalten hinauf ſollen, um ein Rennthier zu beſchleichen? Vorwärts, Herr Falk⸗ land, bald wird der Boden beſſer; hinter den Birken dort ſehen wir die Sennhütten.“ Durſt und Hitze hinderten Eduard zu antworten, was ohnehin nichts helfen konnte. Er ſtrengte ſich an, ſo viel er ver⸗ mochte, um ſeinem harten Gefährten nachzufolgen, den er nicht — 160— vitten wollte, Nachſicht mit ihm zu haben. Zuweilen bemerkte er, daß Grimmur ſich bückte und Etwas abpflückte, und bald ward er inne, daß zahlreiche rothe Beeren an niedern Büſchen hier wuchſen, welche den Himbeeren ähnlich ſahen. Zugleich fiel ihm ein, daß dies Moorbeeren, oder wie ſie in Norwegen heißen, Moltebeeren ſein müßten, von deren erfriſchendem Geſchmack er ſo viel gehört hatte. Und in der That war es ſo. Die köſtlichen Beeren mit ihrer erfriſchenden Säure, das einzige Labſal ermat⸗ teter Wanderer in dieſen wilden Einöden, ſtärkten ihn außer⸗ ordentlich. Seine Schritte wurden ſchneller, der quälende Durſt hörte auf, ſtatt deſſen aber fühlte er den heftigſten Unwillen gegen Grimmur, der ihn zwar fortgeſetzt zu neuen Anſtrengungen angetrieben, aber von der labenden Moltebeere kein Wort geſagt hatte. Grimmur hielt auch nicht eher ein und erwartete ihn, bis Falkland faſt mit ihm zugleich den höchſten Theil des Weidege⸗ bietes erreichte, wo nun vor ihnen in einiger Entfernung am Rande eines Geſenkes, in welchem ein Bach brauſte, drei oder vier Sennhütten lagen. „Oho!“ rief er ihm entgegen,„wie gefällt Ihnen das, Herr Falkland? Sie danken Ihrem Gott, daß er Sie zu keinem Hofbeſitzer am Lyſterfjord machte; iſt es nicht ſo?“ „Ich könnte vielleicht noch Einer werden, Herr Skalden?“ „Meinen Sie?“ lachte Grimmur.„Dann würden ſie oft hier hinauf müſſen. Es iſt ein hartes Leben, Herr, unpaſſend zu weichen Händen und Füßen.“ „Auch die weichſten Hände können hart werden“, antwortete m bemerkte er, nd bald ward Büſchen hier leich fiel ihm rwegen heißen, Geſchmack er Die köſtlichen Labſal ermat⸗ en ihn außer⸗ uälende Durſt ſten Unwillen Anſtrengungen Wott gſcgt artete ihn, bis des Weidege⸗ ntfernung am wſte, drei oder t Ihnen das, Jie zu keinem „ würden ſie of err, npaſſond 7“ untworte te — 4161— Eduard.„Es kommt Alles darauf an, Herr Skalden, ob man entſchloſſen iſt, Beſchwerden und Schwielen nicht zu achten.“ „Und Sie ſind dazu entſchloſſen?“ „Das bin ich. Entſchloſſen, was ich will, auszuführen.“ Grimmur's düſtre Augen loderten auf, es war ein Blick, in welchem ſich Verachtung und Spott miſchten; aber Eduard ließ ſich dadurch nicht irre machen und mit einer Sicherheit, der es nicht an nachhaltigem Ausdruck fehlte, ſetzte er hinzu:„Sie werden ſehen, Herr Skalden, daß ich nicht ſo leicht abzufertigen bin, wie Sie es vielleicht erwartet haben.“ „Das iſt wahr,“ antwortete Grimmur.„Sie ſind von zäherem Stoff gemacht, als ich dachte. Aber ich vermuthe, er wird dennoch nicht lange mehr vorhalten.“ „Woher vermuthen Sie das?“ „Woher?— Sie ſollen es bald erfahren. Bei Gott! ich will ein offenes Wort mit Ihnen ſprechen. Doch da ſind wir bei den Hütten, und ſomit Friede, Herr. Hollah!“ fuhr er laut rufend fort,„ich dachte es wohl, wir werden leere Kammern finden. Sie ſind ſämmtlich bei den Thieren, aber wir werden darum doch bekommen, was hier zu haben iſt, Herr Falkland. Signa hat uns ſicher Alles zurückgelaſſen, was ſie beſitzt.“ Als ſie die Sennhütten erreichten, wiederholte Grimmur ſeinen Ruf, allein es antwortete Niemand. Es waren vier aus Steinen gebaute Hütten, welche beiſammen ſtanden, ſo daß ſie beinahe ein Viereck bildeten. Mit Dächern von Balken verſehen, auf welchen eine ſtarke Raſenſchicht und ſchwere Steine lagen, waren ſie von dauerhafter Art und ziemlich geräumig, wenigſtens Mügge, Signa, die Seterin. 11 — 162— von den größten, die man antrifft. Zahlreiche Spuren des Viehes, das während der Nächte um die Hütten lagert, bekundeten, daß Grimmur Skalden keine geringe Heerde beſitzen mußte, und er rühmte ſich auch deſſen, indem er ſeine Kühe, Ziegen und Schafe zuſammenrechnete. Die größte der Hütten war der Heuſtall, ausgefüllt mit einem reichen Vorrath, den Grimmur mit Wohlgefallen betrachtete. „Das zeugt von der tüchtigen, ſorgſamen Wirthſchaft,“ ſagte er;„denn hier muß während des Sommer auf's Sparſamſte und Eifrigſte geſorgt werden, daß Heu zuſammenkommt, damit die Thiere während des langen Winters nicht verhungern. Heu und trockene Blätter, ſogar Fiſchgräten und Fiſchköpfe iſt Futter für unſre Kühe, Herr Falkland; aber es macht keine geringe Mühe und Arbeit, dieſe Heuvorräthe in die Thäler hinabzu⸗ ſchaffen, denn nur auf Menſchen⸗ und Pferderücken kann es geſchehen, und dies iſt die Urſache, warum unſre Viehzucht nie⸗ mals bedeutend vorwärts kommen kann. Handel muß man treiben, der allein bringt Geld. Wer das nicht kann oder mag, wird wie unſer Freund, der Capitän, bei großem Landbeſitz doch Nichts übrig haben, ſondern im beſten Falle nur ſoviel einnehmen, wie er ausgibt.“ „Halbart Mare,“ erwiederte Eduard,„iſt, wie ich aus Ihrer Rede merke, nicht reich.“ „Gewiß nicht, verlaſſen Sie ſich darauf.“ „Aber er ſammelt für ſeine Erben.“ „Wodurch?“ fragte Grimmur. „Ei nun,“ lachte Eduard,„der ſchöne Wald vom Eide, den er nicht anrühren läßt, muß ein bedeutend Stück Geld werthe ſein. Sie verſtehen das am beſten zu würdigen, Herr Skalden.“ ren des Viehes, dekundeten, daß mußte, und er gen und Schafe ſtall ausgefüllt llen betrachtete. Wirthſchaft,“ s Sparſamſte kommt, damit tungern. Heu öpfe iſt Futter keine geringe äler hinabzu⸗ icen kann es Viehzucht nie⸗ man treiben, nag, wird wie Nichts übrig e er ausgibt. ich aus Ihrer „vom Eide, Geld werth 4 rr Skalden. — 163— Grimmur gab keine Antwort. Er ging in die nächſte Hütte, wo die Milchwirthſchaft betrieben wurde, und betrachtete die Vorräthe von Butter und Käſe, welche die Vorrathskammer enthielt. „Signa hat fleißig geſchafft, es wird ein gutes Jahr werden,“ ſagte er.„Jene dritte Hütte iſt für die Mägde und für krankes Vieh beſtimmt, das in wilden Nächten Obdach nöthig hat; treten Sie jetzt hier herein, Herr Falkland, dies iſt das Schloß und Herrenhaus mit der Küche und den Staatszimmern.“ Eduard folgte ihm und ſie gingen durch eine Vorhalle, welche den Herdſtein und die großen Milchkeſſel enthielt, von dort aber in ein kleineres Seitengemach, das ſehr freundlich und reinlich ausſah. Die Wände waren mit Brettern ausgeſchlagen und mit Tapeten beklebt, der Tiſch weiß geſcheuert, ſo auch die Holzſtühle. Zwiſchen den beiden kleinen Fenſtern hing ein Spiegel, ein niedriger Schrank ſtand darunter und auf den Brettern, welche die Wände umgaben, befanden ſich viele Gegenſtände, alle ordentlich und ſauber aufgeſtellt. Rein und ordentlich ſah auch das Bett aus, das in einem Anbau der Steinwand ſtand. „Hier gefällt es Ihnen, nicht wahr?“ fragte Grimmur. „Machen Sie es ſich bequem, Herr Falkland. Strecken Sie ſich auf dem Bett aus, wenn Sie müde ſind.“ „Ich bin nicht müde, Herr Skalden,“ antwortete Eduard; „aber ich freue mich, in dieſer Wildniß einen ſo artigen Ruheort zu finden.“ „Ja, das iſt ſelten,“ erwiederte er; gewöhnlich ſind die Sennhütten ſo ſchmutzig, wie die Seterinnen darin. Aber Signa 41* — 164— und ihr Bruder ſind überhaupt ein muſterhaftes Paar. Es iſt altes, gutes Blut in ihnen, Herr Falkland, wir haben ſchon davon geſprochen. Doch jetzt laſſen Sie uns ſehen, was wir zu Ihrer Erfriſchung auffinden können.“ Er ging hinaus, kehrte aber bald zurück und brachte eine große Satte mit Milch, ſammt Butter, Käſe und Flachbrot, endlich ein Stück geräuchertes Hammelfleiſch herein.„Das iſt meiner Treu Alles, was ich finden kann,“ lachte er;„aber wenn Signa kommt, ſoll ſie uns eine Seterſuppe kochen und Sahnen⸗ kuchen backen, das wird Ihnen beſſer gefallen. „Ich bin zufrieden mit dem, was da iſt,“ ſagte Eduard, und Beide griffen nun rüſtig zu und hielten ein Mahl, bei dem es ſo luſtig als möglich herging. Der Reſt des Madeira's aus der Flaſche des Capitäns that gute Dienſte und Grimmur ließ es nicht an Scherz und Fröhlichkeit fehlen, indem er nach ſeiner Weiſe Geſchichten erzählte, welche allerlei Spöttereien ent⸗ hielten, mit denen er ſeinen Gefährten aufzog, der ihm jedoch Nichts ſchuldig blieb. Es vergingen einige Stunden, ohne daß irgend eine Unter⸗ brechung die beiden Männer geſtört hätte. Draußen lag das einſame Weideland mit ſeinen öden Sümpfen und Birkengewinden, welche die fernen Heerden verbargen und drinnen ſtockte nach und nach die Unterhaltung, bis Grimmur Skalden plötzlich ſagte: „Das iſt unſer Leben hier, Herr Falkland. Verzweifelt eintönig, nicht wahr? Verzweifelt langweilig für einen Mann aus der großen Welt und eine Narrheit für Jeden, der nicht dazu ge⸗ boren wurde, aber dennoch meint, er könnte es ertragen.“ Paar. Es iſt r haben ſchon was wir zu d brachte eine ind Flachbrot, ein.„Das iſt „ aber wenn und Sahnen⸗ ſagte Eduard, in Mahl, bei des Madeira's und Grimmur dem er nach öttereien ent⸗ wihm jiͤoch d eine Unter⸗ Ißen lag ds rkengevinden, ockte nach und lötzlich ſagte: ifelt ntönig, ann aus d t dazu ge 4 agen. — 165— „Das mag Jeder mit ſich ſelbſt ausmachen, Herr Skalden,“ antwortete Eduard.„Ich zum Beiſpiel möchte den Verſuch wagen, ohne an meine Narrheit zu glauben.“ „In alten Zeiten,“ ſagte Grimmur mit einem häßlichen Lachen,„glaubte man an Hexerei, wovon noch ein hübſcher Reſt Aberglauben in unſerm Volk zurückgeblieben iſt. Die Trollen ſpielen noch ihre Rolle bei verliebten Mädchen und Burſchen und manche tragen Zauberzettel bei ſich zum Schutz gegen alle Gefahren um ihren Schätzchen treu zu bleiben. Haben Sie nicht auch einen ſolchen Talisman, Herr Falkland 2* „Allerdings, Herr Skalden, den habe ich,“ antwortete Eduard. „Sie bekamen ihn von der alten Kari und laſen ihn zur Stärkung, als wir an den Steinen ausruhten“, fuhr Grimmur fort. „Sie haben gut beobachtet, aber es wäre am beſten, wenn Sie ihn ſelbſt läſen zu Ihrer Belehrung und zu Ihrem Schutz. Da iſt er.“ Mit dieſen Worten reichte ihm Eduard den Zettel hin und hielt ihn dicht vor Grimmur's Augen, der langſam darnach faßte und dann mit lauter Stimme die Worte wiederholte:„Er führt Böſes gegen Dich im Schilde— ſei auf Deiner Hut,— ge⸗ liebter Eduard!“ Sein Kopf färbte ſich dunkelroth, er lachte laut und hohn⸗ voll auf.„Geliebter Eduard! ich gratulire, Herr Falkland. Wie das poetiſch klingt. Aber was ſoll ich Böſes im Schilde führen, fügte er mit rauher Stimme hinzu. Verdammt! wer das zu behaupten wagt.“ — 166— „Was iſt dabei zu wagen,“ erwiederte Falkland mit über⸗ legener Ruhe. Iſt es Gutes etwa, was Sie im Sinne haben?“ Ich glaube es nicht. Ich ſtand dicht bei Ihnen, Herr Skalden Hand in Hand mit Emma, als Sie Halbart Mare erzählten, was ſich am Optunbache zugetragen. Wir beide hörten, was Sie ſagten, daß es Ihre Sache ſei, die Sie in ihrer Weiſe ordnen wollten. Was Emma fürchtet, weiß ich nicht, ich aber bin Ihnen gefolgt ohne Furcht und Bangen. Da bin ich nun.“ Grimmur ſtand vor ihm mit flammenden Blicken. Was er hörte, machte einen ſtarken Eindruck. Er ſah ſich überraſcht, und wagte nicht, zu widerſprechen. Raſch drehte er ſich um und ging der Thüre zu. „Sie wollten ein offenes Wort mit mir ſprechen,“ rief ihm Eduard nach.„Das iſt für uns Alle, wie ich denke, das Beſte.“ Grimmur blieb in der Thüre ſtehen, blickte zurück und über⸗ legte eine Minute lang.„Gut,“ ſagte er dann,„Sie wünſchen es ſo, Herr Falkland, ich will mit Ihnen ſprechen Herr. Folgen Sie mir!“ „Wohin?“ fragte Falkland mißtrauiſch. „An einen Ort, wo uns Niemand ſtört.“ „Ich will Ihnen folgen,“ verſetzte Eduard ſtolz.„Mögen Sie im Sinne haben, was Sie wollen, ich denke beſſer von Ihnen.“ Mit widerwilliger Geberde ſchleuderte Grimmur ſein Jagd⸗ meſſer auf den Tiſch.„Ich will Ihnen einen Waſſerfall zeigen,“ ſagte er,„den ſchönſten, den ich kenne. Dorthin führe ich Sie und dort wollen wir unſre Sache ſchlichten in meiner Weiſe.“ — and mit über⸗ einne haben?“ Herr Skalden rare erzählten, rten, was Sie Weiſe ordnen ber bin Ihnen berraſcht, und um und ging zen rief ihm e, das Beſte.“ uck und über⸗ Sie wünſchen Herr. Folgen VI. Ohne eine Antwort abzuwarten, ſchritt er hinaus, Falkland folgte ihm nach und beide ſtiegen das Fjeld hinauf und verfolgten den Lauf des Baches, der von der Hochfläche herunter kam. Niemand ſprach. Grimmur ſchien nicht zu wiſſen, ob Eduard hinter ihm ſei. Beinahe eine Stunde verging, ehe der Rand der Weideregion erreicht war, welche zuletzt ſteil aufwärts führte; aber welch wunderbarer Anblick bot ſich den Blicken des Wan⸗ derers dar, als er die Höhe erreicht hatte. Vor ihm lag eine fürchterliche Wildniß voll zerklüfteter und zeriſſener Felsblöcke, Hörner und Spalten. Am fernen Horizont thürmten ſich gigan⸗ tiſche Gebirgsmaſſen auf, theils Pyramiden oder langgeſtreckte Bänke, von deren düſteren Rücken ungeheure Kegel in den wol⸗ kenloſen Himmel ſtarrten. Schneelager von unabſehbarer Aus⸗ dehnung und Eisſtröme von blauer und grüner Färbung liefen an ihren Seiten nieder und füllten alle Zwiſchenrãäume aus. So weit die Blicke reichten, war nichts als dieſe entſetzliche Wüſte — 168— zu ſchauen, nichts als die blendenden Eiskryſtalle, auf denen die Sonne ihre funkelnden Strahlen brach. Das waren, wie Eduard nicht zweifeln konnte, die ſeltſamen Felſengipfel der Horungerne mit ihren mächtigen Eisfeldern; das war das Hochgebirge, von dem er gehört hatte, die Hoch⸗ fläche von mehr als fünfzig Meilen Länge, gefüllt mit rieſigen Gebirgsſtöcken, unermeßlichen Gletſchern. Kein Ton des Lebens drang in ſein Ohr, nur zuweilen glaubte er einen dumpfen Donner zu hören, den Donner ferner Lawinen oder berſtender Eismaſſen, welche von dieſen unerſteiglichen ſchrecklichen Pfeilern der Schöpfung hinabſtürzten zu eben ſo ſchrecklichen Trümmern, welche zu ihren Füßen lagen. Eine Zeit lang vermochte Falkland ſeine Augen kaum ab⸗ zuziehen von dieſem erhabenen Gemälde, dann aber fiel ihm Grimmur ein und er ſah ihn nicht fern von ſich ſtehen und ihn erwarten. Als er ſich ihm näherte, ſchritt jener weiter, ſteilen Klippen zu, welche ſich aus dem Trümmermeere erhoben. Er wollte nicht mit ſich ſprechen laſſen und Eduard hatte Zeit, ſeine Lage zu bedenken, als er ihn zwiſchen dem Geſtein verſchwinden ſah. Warum führte ihn Grimmur in die Wüſte? Was hatte er hier zu erwarten? Worauf ſann er?— War es eine Ge⸗ waltthat, die er in Heimlichkeit begehen wollte? Aber er hatte ſein Meſſer mit dem Ausdruck von Abſcheu von ſich geworfen und Falkland glaubte um ſo weniger, daß er ein blutiges Ende zu fürchten habe, da immer noch ein Gefühl von Achtung und⸗ Bewunderung in ihm war, das den männlichen und kühnen Eigenſchaften ſeines Gegners zu Theil wurde. Mit dieſem Gefühl —— „—— f denen die e ſeltſanen Eisfeldern; die Hoch⸗ fnit rieſigen des Lebens dumpfen berſtender en Pfeilern Trümmern, kaum ab⸗ fiel ihm n und ihn ter, ſteilen thoben. Er „Zeit, ſeine winden ſch⸗ Was hatte ge worf fen „Ende — tiges und“ btung dd kühnmn hen Gfüt V V b — 169— verband ſich die Hoffnung, daß er zu einer Verſöhnung gelangen könne und es that ihm wohl, daran zu denken, daß es ihm ge⸗ lingen werde, durch Offenheit und Wahrheit wie durch Vertrauen und Muth Grimmur's feindliche Abſichten zu bewältigen. Mit dieſen Vorſätzen folgte er ihm raſcher nach, und als er auf den Klippen ſtand, war er entzückt von dem neuen über⸗ raſchenden Anblick, der ſich hier ihm darbot. Hinter dieſen ſteilen Felſen lag ein Thal ganz umringt von düſteren Gebirgsmaſſen, dennoch aber bedeckt von Blumen, die in den köſtlichſten Farben prangten. Weite Felder des purpurrothen Fingerhuts begegneten anderen Feldern der tiefblauen Eiſenhüte und alle ſenkten ſich zu einem Grunde hinab, der mit blühenden Gewächſen und Alpen⸗ blumen mannigfacher ähnlicher Art gefüllt war. Von der höͤchſten Felſenmaſſe aber fiel ein Waſſerſtrom nieder und bildete einen prachtvollen Cascadenfall; dann ſammelte er ſich in einem Becken, um an der düſtern Wand niederzuſchauen, wie eine un— geheure Schlange von flüſſigem Silber, und ſo gelangte er an die Stelle, wo er mit einem Sprunge in einen tiefen Spalt ſtürzte, in welchem er verſchwand. Ein Nebel von Myriaden von Thau⸗ perlen ſtieg aus dieſem Schlund auf und bildete eine leuchtende Wolke, welcher die Sonne die wunderbarſten, glänzendſten Far⸗ ben gab. Voller Staunen und Entzücken betrachtete Falkland dies edle Kunſtwerk der Natur, endlich ſah er auch, daß Grimmur bei den Blumenfeldern ſtand und ihm winkte.„Kommen Sie naͤher,“ ſagte Grimmur als er ihn erreicht hatte,„wir ſind hier zur Stelle; dies iſt der Platz, den ich Ihnen zeigen wollte. Der — 170— Bach kommt vom Fanarrakgletſcher herunter und vereint ſich mit anderen Zuflüſſen aus dem Skagastöltinden. Daher ſeine Waſſermaſſe, die nie abnimmt. Michts läßt ſich mit der Majeſtät dieſes Falls vergleichen.“ „Er iſt von entzückender Schönheit,“ ſagte Eduard. „Folgen Sie mir weiter,“ fuhr Grimmur fort;„ich will Sie auf den rechten Standpunkt bringen.“ Er ging über ausgewaſchene Felſenlager hinunter, die vom ewigen Waſſerſtaub genäßt wurden und ſie gelangten beide auf einen Vorſprung, der mit Gras und Blumen bedeckt und wohl an zwanzig Schritte, ſo lang wie breit war. Hier ſtanden ſie dem Falle gegenüber und vor ihnen gähnte der ſchwarze Abgrund auf, in welchen der kochende Strom hinabſtürzte, indem er zwiſchen den Felſenwänden mit wüthendem Gebrüll ſeinen Giſcht zurück und hinaufſchleuderte. Ueberall eingefaßt von glatten jähen Felsmaſſen, blieb nichts als die grüne Terraſſe, welche ſich wie ein Altan über den Abgrund hinausſtreckte. Mit kühnen feſten Schritten ging Grimmur über das ſchlüpfrige Gras, bis an den äußerſten Rand und mit einer Stimme, die das Brauſen und Donnern in dem Keſſel übertönte, rief er ſeinem Gefährten zu, heranzutreten, indem er die Hand nach ihm ausſtreckte. Einen Augenblick ſtand Falkland zaudernd und bedenkend; ein furchtbarer Gedanke überkam ihn, und Grimmur's Augen rollten, auf ſeinen Lippen lag der Ausdruck eines wilden, Tod verachtenden Hohns.„Hat Ihr Muth Sie verlaſſen,“ rief er aus,⸗ „wagen Sie es nicht, hier hinabzuſchauen? Einer ſolchen Mahnung bedurfte es, um die Anwandlung 1 vereint ſich Daher ſeine eer Majeſtät ard. ; ich will er, die vom beide auf und wohl ſtanden ſie ve Abgrund indem er einen Giſcht latten jähen he ſich wie hnen feſten bis an denl rauſen und fährten zu, e. bedenkend; 1'5 Augent vilden, Tod rief er aus,“ mwandlung —— — 174— zu unterdrücken, welche Falkland empfand. Im nächſten Augen⸗ blick ſtand er neben Grimmur und ſah in den Schlund hinab, in welchem die zum Schaum zerſchmetterten Waſſer unaufhörlich in einem Guß von kochendem Erz niederrauſchten, an den Wän⸗ den zerſchlugen, matter und matter heraufleuchteten und in Nacht und Schrecken verſchwanden. Wie von zahlloſen Blitzen wurde dieſer Abgrund durchkreuzt und die geblendeten Augen ſuchten vergebens, ſich der Schrecken dieſes Anblicks zu erwehren; ver⸗ gebens war es für Eduard Falkland, den Gedanken zu verbannen, daß ein einziges Gleiten ſeines Fußes, ein geringer Stoß, die Berührung eines Fingers hinreichend ſei, ihn hinabzuſtürzen. Und jetzt wandte ſich Grimmur Skalden um, beugte ſich zu ihm hin und hob ſeinen Arm in raſcher Bewegung auf, doch eben ſo ſchnell war Falkland zurückgeſprungen und ſtand mehre Schritte von ihm auf dem Grasboden. Mit finſteren ſtolzen Mienen folgte ihm Grimmur nach und indem er vor ihm ſtehen blieb und ihn drohend anblickte, ſagte er im Tone der Entrüſtung und Verachtung:„Warum fliehet Ihr vor mir, Herr? Denket Ihr ſo niedrig von Grimmur Skalden, daß er wie ein Mörder Euch dort hinabſchleudern würde? Wollte ich das, bei Gott! Ihr würdet mir nicht ent⸗ gangen ſein. Aber es iſt Lüge und Falſchheit, wenn Ihr es wagt, Schlechtes und Gemeines von mir zu denken.“ „Ich habe ein Recht dazu, für mich zu ſorgen wie ich kann“, antwortete Falkland mit ruhiger Kälte. Ein Kreis von Falten zog ſich auf Grimmur's Stirn zuſam⸗ men, ſeine Augen rollten umher, aber er ſuchte ſich zu beſänftigen. ——— —— — 172— „Hört an, was ich Euch zu ſagen habe, begann er. Es wäre Thorheit, wenn wir leugnen wollten, was wir beide wiſſen. Wir verlangen Beide nach Emma Mare. Doch nur Einer von uns kann ſie beſitzen.“ „Was bezweckt Ihr, um dieſer Eine zu ſein?“ fragte Falkland. „Schweigt!“ erwiederte Grimmur heftig„und hört mich zu Ende. Ich habe Euch hier hinauf und bis zu dieſer Stelle ge⸗ führt, damit wir es unter uns ausmachen, wer von uns zu Halbart Mare gehen und ihm ſagen ſoll: Da bin ich, als Freier für Deine Tochter.“ „Und wie ſollen wir das ausmachen, Herr Skalden?“ „Wie nordiſche Männer nach unſrer Väter Weiſe. Narrheit wäre es, wenn Ihr denken wolltet, ich hätte Euch den Fortunen⸗ ſteig hinaufgeführt, damit Ihr hinunterſtürzen und zerſchmettern möchtet. So viel kannte ich Euch, daß Ihr kein Schwächling und kein Haſe ſeid. Wer um Emma Mare wirbt und zu dem ſich ihr Herz neigt, der muß es verdienen. Ja wiſſen ſollt Ihr, Falkland, das auch ich Euch achte, weil Ihr ein Mann ſeid, der männlich Weſen an ſich trägt.“ „Habt Dank dafür, erwiederte Eduard, der eine frohe Re⸗ gung bei dieſem Bekenntniß fühlte, und erlaubt auch mir, Euch zu ſagen, daß ich dasſelbe Gefühl von dem Augenblick an hegte, wo ich Euch ſah.“ Er ſtreckte ſeine Hand aus, Grimmur nahm dieſe und hielt ſie feſt.„Wollt Ihr den Lyſterfjeld verlaſſen und Emma Mare — er. Es wäre wiſſen. Wir ner von uns in?“ fragte zört mich zu Stelle ge⸗ von uns zu als Freier alden?“ jſe Narrheit n Fortunen⸗ erſchmettern Schwächling und zu dem Iſollt Ihr, unn ſeid, del e frohe Re⸗ nir, Cuch ick an hegte, ſe und hielt mma Matt — 173— vergeſſen“, ſagte er,„ſo wollen wir Freunde ſein in Noth und Tod.“ „Nur wenn Emma will, daß ich gehen ſoll, wird es ge⸗ ſchehen“, verſetzte Falkland. „Ich dachte es wohl!“ rief Grimmur und mit ſeiner frü⸗ heren Heftigkeit ſchleuderte er Eduard's Hand zurück. Hört an, was man ſich von meinem Großvater Thorkel Skalden erzählt. Er liebte ein Mädchen, das ſo ſchön war wie Emma und hatte einen Nebenbuhler, wie ich ihn habe. Da ging er mit dieſem hie⸗ her an dieſe Stelle und ſie kamen überein, um die Braut zu kämpfen, bis der Eine überwunden am Boden liege und es dem Sieger gelänge, ſeinen Feind dort hinabzuſtürzen. Mein Groß⸗ vater kam von den Fortunffellen friſch und ſtolz herunter; kein Menſchenauge hat je den wiedergeſehen, der mit ihm hinaufge⸗ gangen war.“ „Und das, meint Ihr, ſollen wir eben ſo'machen?“ fragte Eduard entſetzt. „Entweder verlaßt den Hof von Eide, oder zeigt, daß Ihr ein Mann ſeid!“ ſchrie Grimmur, ſeine nervigen Arme vor ſich ausſtreckend. Falkland regte ſich nicht. Seine Blicke flogen über den fürch⸗ terlichen Schlund, dann auf ſeinen Gegner, deſſen Geſicht und Geſtalt ihn deutlich erkennen ließen, daß er zu Allem, was er geſagt, entſchloſſen ſei. Er hatte ſeinen Hut abgeworfen, das lange ſchwarze Haar flatterte um ſeinen Kopf; ſeine Fäuſte waren geballt, alle Muskeln zuſammengezogen, in ſeinen Augen ein in⸗ — 174— grimmiger Zorn, wie in den Feueraugen des Luchſes, der ſich auf ſeine Beute ſtürzen will. „Es iſt Thorheit! Es iſt Wahnſinn!“ rief Falkland empört. „Was ſagſt Du da?!“ ſchrie Grimmur.„Du willſt nicht?!“ „Ich ſage, daß ich kein Raſender ſein will“, fuhr Eduard fort,„und daß ich Beſſeres von Euch denke.“ „Weil fremdes, falſches Blut in Dir iſt“, unterbrach ihn Grimmur,„weil Du nicht wagſt, wie ein Mann zu thun.“ „Was Dein Großvater einſt gethan, war grauſam und roh“, antwortete Eduard,„und ſeit jener Zeit ſind wohl mehr als fünfzig Jahre verfloſſen. Solche ſchreckliche Kämpfe, wie damals geſchahen, erregen jetzt den Abſcheu aller beſſeren Menſchen; den⸗ noch aber mag Thorkel Skalden mehr Urſache dazu gehabt ha⸗ ben, wie Du ſie haſt.“ „Schwatze nicht wie eine Elſter!“ fiel Grimmur ein.„Mein Großvater fand einen Mann, der anders dachte wie Du.“ „Dein Großvater wurde geliebt von dem Mädchen, für das er kämpfte“, verſetzte Falkland,„Du aber wirſt nicht geliebt. Und jetzt ſage mir bei Deiner Ehre, bei Deinem Gewiſſen, Grim⸗ mur Skalden, hebe Deinen Arm auf und ſchwöre bei dem Gott, der über uns wacht, ob Du Emma Mare liebſt. Ob Du ſie liebſt mit Deiner Seele Kraft, daß Du nicht von ihr laſſen kannſt, als mit Deinem Leben. Schwöre, Grimmur! Einer hört uns, der Dich und mich richtet, bei ſeiner Allmacht ſchwöre! Dann will ich mit Dir kämpfen.“ Grimmur ſtand eine Minute lang, als ſei er einer jener Rieſen, Kinder der Nacht, die vom Sonnenſtrahl getroffen ſich hſes, der ſich kland empört. illſ nicht?!“ fuhr Eduard nterbrach ihn u thun.“ am und roh', bl mehr als wie damals Lenſchen; den au gehabt ha⸗ — 4175— in Stein verwandeln. Die Sonne trat eben hinter einer Felſen⸗ ſpitze hervor und überglänzte ſein düſteres Geſicht und die trotzende kühne Geſtalt. Plötzlich zuckte es um ſeine Lippen und langſam, als werde er ihm zu ſchwer, hob er den Arm empor und ließ ihn, wie vom Blitz getroffen, wieder ſinken; denn eine Stimme über ihm, die vom Himmel zu kommen ſchien, rief laut und klingend: Schwöre nicht, Grimmur! ſchwöre nicht! Auch Falkland wandte ſich erſchrocken um. Da ſtand auf dem Klippengipfel hinter ihnen Signa, die Seterin, auf ihren langen Hirtenſtab geſtützt. Mit wunderbarer Behendigkeit ſtieg ſie an der glatten Wand nieder, als ſchwebe ſie durch die Luft, und nach wenigen Augen⸗ blicken ſahen die beiden Männer ſie zwiſchen ſich, wie eine Er— ſcheinung. Ihr Geſicht lächelte noch muthiger und freundlicher, ihre Augen glänzten ſtolz und freudig, der gelbe Sonnenſchimmer auf ihren reichen blonden Flechten warf goldene Strahlen um ihren Kopf. „Was willſt Du ſchwören, Grimmur?“ fragte ſie, ihre großen Augen auf ihn heftend. „Wie kommſt Du hierher, Signa“, murmelte er.„Geh, verlaß uns!“ „Nein,“ ſagte ſie,„nein, Herr! Ich ſah Dich mit dieſem Fremden und folgte Euch nach. Ich ſtand auf dieſer Klippe und hörte, was er von Dir verlangte. Sieh mich an, Grimmur, und dann ſage ihm, wen Du liebſt. Lügen wirſt Du nicht, denn Du biſt ſtolz. Scham und Schande würden über Dich kommen und Du kannſt ſie nicht ertragen.“ — 176— „Was willſt Du, Signa?“ fragte Grimmur aufblickend. „Was ich will?“ antwortete ſie.„Ich will Dir ſagen, daß dieſer fremde Mann Recht hat, daß Emma Mare vor Dir flieht und daß ein Mann wie Du nicht vor der Thür ſtehen ſoll, die ihm verſchloſſen bleibt.“ „Meinſt Du ſo, weil Deine Thür mir nicht verſchloſſen blieb?“ rief Grimmur rauh. „So meine ich,“ ſagte ſie.„Meine Thür war Dir nicht verſchloſſen! mein Herz kam Dir entgegen. Ich gab es Dir und Du nahmſt es, willſt Du es jetzt von Dir werfen, Grimmur? Du kannſt es nicht, denn wiſſe, auch unter meinem Herzen liegt etwas, was Dir und mir gehört. Sage dieſem Fremden nun, Grimmur Skalden, wen Du liebſt; ſage ihm, was er Emma Mare er⸗ zählen ſoll.—“ Aber Grimmur ſagte nichts. Einige Minuten lang ſtand er, die Arme über ſeine Bruſt gekreuzt, die Augen auf den Ab⸗ grund gerichtet. In ſein bleiches Antlitz ſtieg das Blut, in ſeinem Kopf arbeiteten finſtere Gedanken; er rang mit böſen und guten Mächten, die ſich in ihm um ihre Beute ſtritten. Plötzlich aber wendete er ſich um, ging mit ſtarken Schritten an Falkland vorüber und ſtieg über die Felslager hinauf. „Laß uns gehen,“ murmelte er,„fort von dieſer Stelle.“ Signa lächelte ihne nach.„Komm, Grimmur,“ erwiederte ſie,„und komm auch Du, fremder Mann, Du wirſt Emma Mare gute Nachricht bringen.“ Von der Felswand, jenſeits des kleinen Thales, wo die Blu⸗ menfelder begannen, kam aber jetzt ein Anderer daher, in welchem „. aufblickend. dir ſagen, daß vor Dir flieht ſtehen ſoll, die ͤt verſchloſſen vat Dir nicht b G Dir und en, Grimmur? gen liegt etwas, nun, Grimmur nma Mmrt er 1 auf Blut, in ſeinen gſen und guten glözlih bur an Folklud -— 12— Falkland den jungen Bauer Halfſon, Signa's Bruder, erkannte. Auch Grimmur ſah ihn ſogleich und blieb ſtehen, bis er bei ihm war. Dann bot er ihm die Hand, ohne etwas dabei zu ſagen, doch Halfſon nahm dieſe nicht an. „Ich habe mir Dir etwas zu reden, was meine Schweſter Signa betrifft,“ ſagte er,„ehe Du mir nicht geantwortet haſt, kann ich Deine Hand nicht annehmen.“ „So gib Du mir Deine Hand, Signa,“ begann Grimmur, und indem er ſie nahm, ſagte er:„Hier ſind wir beide, Thorkel Halfſon, mein Freund und mein Bruder. Steh uns bei zu aller Zeit, mein Haus ſei Dein Haus. Heute in drei Wochen wird Signa mit mir zur Fortunenkirche gehen. Du ſollſt die Hochzeits⸗ krone vortragen, die Pfeifer und Fahnenſchwenker kannſt Du morgen beſtellen. Jetzt ſchlag ein, Thorkel. Was willſt Du noch von mir?“ „Nichts! nichts!“ ſchrie Thorkel freudig auf.„Du wirſt meiner Schweſter Ehre geben, wirſt ſie in Ehren halten. Dein Haus, Dein Herd werden dafür geſegnet ſein.“ „Und Du, fremder Mann!“ rief Signa Eduard Falkland zu, „eile hinab in den Hof von Eide und ſage Emma Mare, Signa die Seterin ſchicke ihr, was ihr Herz begehrt; was aber Signa's ſei, das werde ſie behalten, und es nimmer und nimmer von ſich laſſen.“ Und zum erſten Male verdunkelten ſich die hellen, blauen Augen des Hirtenmädchens und während ihre Lippen glückſelig lachten, ſchlang ſie beide Arme heftig um Grimmur's Hals, große Thränentropfen fielen auf ſeine Bruſt. Da löſte ſich der letzte Schatten von Grimmur's Seele. Liebe und Freude überſtrahlten ſein Geſicht.„Gute, treue Signa!“ 42* — — 178— rief er aus,„Du haſt Recht, Dir allein gehört mein Herz, kei⸗ ner anderen, und wenn es eines Königs Tochter wäre. Gehen Sie, Herr Falkland, ſeien Sie Signa's Bote an Emma Mare, und ſagen Sie dem Capitän, in drei Wochen würden die Hoch⸗ zeitslichter in der Fortunenskirche brennen, dort hoffte ich ihn und Sie und Emma zu finden.“ Der Abend dunkelte herein, als Eduard Falkland den Hof von Eide tief unter ſich am Lyſterfjord erblickte. Er war den Fortunenſteig hinabgekommen, ohne den geringſten Schwindel zu fühlen, obwohl ihm zuweilen war, als gehe er auf eines Seil⸗ tänzers Faden, der von einer Thurmſpitze herunterführt und die loſen Steine unter ſeinen Füßen rollten in die Tiefe, wo der goldene Knopf der Fortunenkirche die Sonnenblitze fing. Auf die Kirche hefteten ſich ſeine Hoffnungen, und als er das Ende des ſteilen Hirtenweges erreicht hatte, warf er ihr einen langen Scheideblick zu. Dann eilte er auf den Waldpfaden weiter und ſein Herz fing an zu ſchlagen, als er Halbart Mare in ſeinem Garten gehen ſah, die hohe gebeugte Geſtalt auf ſeinen Stock ge⸗ ſtützt, und ſeine linke Hand auf Emma's Schulter gelegt. Sie ging neben ihm und er ſprach zu ihr, vielleicht von Grimmur und von ſeinen Plänen. Aber da war nicht zu warten, nicht zu ſin⸗ nen. Falkland ſprang raſcher über Felsſtufen und Baumwurzeln, in wenigen Minuten war er unten, und wie er auf den Hofplatz trat, ſahen ſie ihn beide. Glühende Röthe bedeckte Emma's Geſicht, es war, als wollte ſie ihm entgegen laufen, aber der Capitän drückte ihre Schulter feſter zuſammen und runzelte ſeine Stirn. R rinn Herz, kei⸗ wäre. Gehen Emma Mar, den die Hoch⸗ hoffte ich ihn land den Hof Er war den Schwindel zu uf eines Seil⸗ führt und die Tiefe, wo der ſing. Auf die das Ende des einen langen en weiter und are in ſänem inen Stock ge⸗ r gllegt. Ste Grimmur und „richt zu ſin⸗ Baunwurzel, jdun Hefplab 3 33 war, als drückte ihre — 179— „Wo kommſt Du her?“ rief er ſeinem jungen Vetter ent⸗ gegen.„Wo iſt Grimmur Skalden?“ „Er iſt in ſeinen Sennhütten geblieben,“ erwiederte Eduard. „Und warum biſt Du nicht bei ihm?“ „Er wünſchte, daß ich zu Ihnen zurückkehrte, um zu be— richten, was ihm geſchah.“ „Was war es?“ fragte Halbart Mare raſch.„Iſt er krank? Verwundet?!“ „Geſund geworden und geheilt,“ lachte Eduard. „Antworte deutlich!“ rief der Capitän mit dem Stocke auf⸗ ſtampfend. „So hören Sie denn“, begann Eduard.„Grimmur Skalden ſchickt Ihnen ſeinen Gruß. Heut' über drei Wochen wird er Hochzeit halten in Fortunenkirchen, dazu ladet er uns Alle ein.“ „Hochzeit!“ murmelte Halbart Mare mit ſtarren Blicken. „Mit wem?“ „Mit Signa, der Seterin.“ Der Capitän ſtand vornüber gebeugt, ein grimmiges Hohn⸗ lachen in den lederharten Falten ſeines Mundes. Falkland nahm inzwiſchen Emma's Hände, zog dieſe an ſeine Lippen und flüſterte ihr zu:„Glück! Glück! meine Emma, nichts ſoll uns mehr trennen.“ „Ein Mann von ſolchem Blute und ein Setermädchen!“ murmelte der Capitän verächtlich. ‚„Verdammt mag er ſein! Aber was kümmert es uns, was habe ich damit zu ſchaffen? Gut, daß mein Haus rein von ihm iſt. Und was wäre es auch ge⸗ weſen, fuhr er wie mit ſich ſelbſt ſprechend fort. Emma hatte — 180— kein Herz für ihn und ob drei Stunden oder hundert von mir entfernt, es iſt zur Winterszeit ſo ziemlich einerlei. Wenn der Fjord voll Eisſchollen treibt, kann das Kind nicht zum v kommen. Hei Du!“ rief er, ſeinen Kopf aufſchnellend,„Du, Eduard Falkland, Du möchteſt mein Eidam werden?“ „Ja, theurer Vetter, von Herzen gern.“ „Und Du, Emma, Du willſt ihn haben? Sage ja, wenn's wahr iſt.“ „„Ja, lieber Vater, ich leugne nichts.“ „Und wollt Ihr beide wenigſtens in jedem Sommer bei dem alten Halbart Mare am Lyſterfjord wohnen, ſo lange ihn Gott leben läßt?“ „Vater, Vater!“ rief Emma, ihre Arme um ihn ſchlingend. Falkland rief:„Ich will!“ und hielt ſie beide feſt. „Nun denn,“ Kinder, ſagte Halbart Mare, indem er ge⸗ waltſam ſeine Rührung bezwang,„ſo ſeht zu, wie ihr es mit einander ausmacht, um glücklich zu werden bis an Euer Ende. Doch Grimmur Skalden ſoll uns nicht vergebens an die For⸗ tunenkirche geladen haben. Wir werden kommen, Emma, wir werden kommen, Eduard Falkland; unter der Goldkrone, wie es ſich gehört, und nach Deinem und meinem Rang, als das erſte Paar, das ſoll uns Niemand ſtreitig machen!“ So geſchah es denn auch drei Wochen darauf. Das Fortu⸗ nenthal wiederhallte von den Hörnern und Flöten der beiden Hochzeiten, und am Altare der kleinen Kirche ſtanden glückſelig neben einander Emma Mare von Eide, und Signa, die Seterin. dert von mir .Wenn der t zum Vater Du, Eduard ¹ „D e ja, wenn' Sommer bei ſo lange ihn in ſchlingend. ihr 85 mit Euer Ender an die For⸗ Emma, wir wie 65 krone, 1 1s das erſt Da⸗ Forb⸗ der beiden Colſouùur& Grey Control Chart 5 Green vellow Hed Magenta