„———= Leih deutſcher, engliſcher und franzöſiſcher Literatur von Eduard Oltmann in Gießen, Schloßgaſſe Lit. A. Nr. 256. Leih- und Seſebedingungen. 1. Offensein der Bibliothek. Die Bibliothek ſteht zur Em⸗ pfangnahme und Rückgabe der Bücher jeden Tag von Morgens 7 Uhr bis Abends 8 Uhr offen. 2. Lesepreis. Bei Rückgabe eines geliehenen Buches wird von jedem Tag 5 Pf. bezahlt. Die Zeit eines Tages iſt zu 24 Stun⸗ den angenommen.. 3. Caution. Unbekannte Perſonen müſſen, bei Entgegennahme eines Buches, eine dem Werthe deſſelben entſprechende Summe hinterlegen, welche bei deſſen Zurückgabe von mir zurückerſtattet wird. b 4. Abonnement. Daſſelbe muß voraus bezahlt werden und eträgt: 3 für wöchentlich 2 Bücher: 4 Bücher: 6 Bücher: auf 1 Monat: 1 Mk.— Pf. 1 Mr. 50 Pf. 2 Mk.— Pf. „ 3. Auswärtige Abonnenten haben für Hin⸗ und Zurückſendung der Bücher auf ihre eigenen Koſten und Gefahr ſelbſt zu ſorgen. 6. Schadenersatz. 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Die Zeit der Hand⸗ lung umfaßt ſechs Tage, und die Begebenheiten eines jeden Tages erfuͤllen einen Geſang.) —* 8 d O Harf' aus Norden! die du lang' gehangen Am Zauberbaum, der Fillanus Quell beſchattet, Wo mit dem Luͤftchen deine Toͤn' erklangen, Bis neidiſch Epheu dir es nicht geſtattet, Mit gruͤnen Schlingen jede Sait, ermattet— Soll Schlummer ewig dein Ertoͤnen wehren, Wo ſaͤuſelnd Laub mit Quellgeraͤuſch ſich gattet? Soll nichts der ſuͤßern Klaͤnge Schweigen ſtoͤren, Die Kriegern Laͤcheln, Jungfrau'n Thraͤnen lehren? Nicht ſo in Caledoniens alten Tagen Verhallte deine Stimm' in Feſtes Drange, Wenn Ruhmes Lieder, oder Liebesklagen, Die Furcht erhob, gebot dem ſtolzen Hange, Laut hoͤrte man da zwiſchen jedem Sange Hoch und erhaben deiner Noten Droͤhnen. Es lauſchte Dam' und Ritter dieſem Klange; Denn immer war der Inhalt von den Toͤnen Der Nitter kuͤhne That, das Lob der Schoͤnen! 1 8 Erwach' aufs neue! ob auch ſchwach die Haͤnde, Die's wagen, zu beruͤhren deine Saiten. Erwach' aufs neue! ob ſich auch nur ſpende Ein leiſer Nachhall deiner fruͤhern Zeiten, Ob ſterbend auch die Klaͤnge ſchnell entgleiten, Und aul⸗ unwuͤrdig deiner edlern Lieder, Wenn ihr Getoͤn nur eine Bruſt erfreuten, Sank nicht umſonſt dein geiſtig Saͤuſeln nieder⸗ So ſchweig nicht laͤnger, Zaub'rin, toͤne wieder! Es hat der Hirſch den Abendtrank getrunken, Wo Mondenlicht ſich wiegt auf Monas Quellen, um Mitternacht war er zur Ruh geſunken In Einſamkeit umlaubter Bergesſtellen; Doch als erſchienen roth der Sonne Funken, Toͤnt auf dem Felſenweg der Hunde Bellen; und fernher hoͤrt man, durch die gruͤnen Hallen, Des Roſſes Huf, der Jaͤger Horn erſchallen. „ Sucht er nun Un⸗Vars ungebahnte Haide.(1 Gleichwie der Feldherr bei des Waͤchters Rede: „Zu Waffen, auf! der Feind erſtuͤrmt die Waͤlle!“ So hebt ſich der geweihte Fuͤrſt der Oede Mit Eil' empor von weicher Lagerſtelle. Doch eh' er noch die Flucht beginnen thaͤte, Streift er ſich ab die Tropfen Thau ſo helle, Hebt ſtolz und hoch, gleichwie behelmt zu Kriegen, Sein zackig Haupt, es in der Luft zu wiegen. Schaut Augenblicks hinab die ſteilen Haͤnge, Zieht einen Augenblick in ſich die Lüfte, 4* Lauſcht einen Augenblick der wilden Klaͤnge, Die mit der Jagd ſich naͤhern durch die Kluͤfte; Dann, als er ſieht den erſten im Gedraͤnge, Springt er vom Buſch emor mit ſchlanker Huſte⸗ und vorwaͤrts eilend, in die Fern' und Weite, 3 7 —— Es folgt der Spur der Koppel lautes Stoͤhnen, Daß Fels und Wald und Hoͤhle wiederhallen, Mit einemmal von mannichfachen Toͤnen Die aufgeweckten Berge rings erſchallen. Auf hundert Pferden raſſelnd Hoͤrner droͤhnen, In die geraͤuſchvoll hundert Stimmen fallen. Vor he! und ho! und wilden Rufes Kuͤnden, Kann rings das Echo keine Ruhe finden. Das Reh entfliehet weit vor dem Getuͤmmel, Die Gemſe zieht ſich tief in Wald zuruͤcke, Der Falke wirft, hoch unter blauem Himmel, Auf das Gedraͤnge die erſtaunten Blicke, Bis ſeinem Aug' entzogen das Gewimmel, Nun ſchwach und ſchwaͤcher der Tumult erſticke; und weit und fern ſich Einſamkeit und Schweigen Herab auf Berg' und Thaͤler wieder neigen. 4 8 — Nicht mehr ſo laut wird von des Waldkriegs Jagen Jetzt un⸗Vars blaͤtterreiche Hoͤh' durchdrungen, und jene Hoͤhle, der, nach alten Sagen, Ein Rieſe ſich zum Herrn einſt aufgezwungen; Denn hoch ſtand ſchon der Sonne Flammenwagen, Eh' dieſe ſteile Anhoͤh ſie errungen. und viele muͤſſen Ruh' dem Roſſe goͤnnen, Der Koppel Haͤlfte bleibt zuruͤck im Rennen. Es weilt der edle Hirſch auf Berges Ruͤcken Ein wenig nun, an deſſen Mittagsſeite, Wo tief darunter mannichfach verſtricken Die Laͤnder ſich in ausgedehnter Weite. Er uͤberſchaut, mit aͤngſtlich bangen Blicken, Wieſ' und Gebirg' und Sumpf und Moor und Haide, Als waͤge er, in welchen fernen Gruͤnden, Vor der Verfolgung Zufluchtsort zu finden. Doch naͤher war er nun den niedern Buͤſchen, Die wehn und weinen an des See's Geſtade, Sich mit den blauen Fichtenbaͤumen miſchen, Auf des Gebirges ſteilem Klippenpfade. und mit der Hoffnung kehrt ihm Muth vom friſchen, Sein leichter Fuß erneut die Cavalcade. Sich weſtwaͤrts haltend, flieht er ſonder Zagen, 2 Und laͤßt zuruͤck, die keuchend nach ihm jagen. Lang wuͤrd' es ſeyn, die Roſſe all zu nennen, Die Kraft beraubt, die Anzahl zu beſtimmen, Wer auf der Haid' ermattete im Rennen, Wer ſich geſcheut, den Teithſtrom zu durchſchwimmen, Denn zweimal ſah man heut die Fluthen trennen Den tapfern Hirſch und das Geſtad' erklimmen. Nur wenig Jaͤger folgten ihm vom weiten, Zuletzt ſah man nur noch den Erſteen reiten. Allein, jedoch mit unbezwungnem Eifer, Metall und Peitſche dieſer Reiter brauchet; Denn nun erſchoͤpft und uͤberdeckt mit Geifer, Indeſſen er mit lautem Stoͤhnen hauchet, Zeigt ſich dem Blick der hartbedraͤngte Laͤufer, In dunkler Erde ſtaubig Kleid getauchet. Zwei Hunde, von Sankt Huberts ſchwarzen Racen,(*) Verfolgen ihn, ohn von der Spur zu laſſen. Sie hatten Muth und Schuelle, ſonder Gleichen, und alles, nur kein Gluͤck im wilden Spiele; Denn kaum in eines Speeres Laͤuge zeigen Sie ſich entfernt von ihrem ſchnellen Ziele. Doch naͤher konnten ſie es nicht erreichen, Noch daß es weiter ſich von ihnen fuͤhle: So uͤber Stock und Stein am feuchten Strande, Das Hundepaar, den Hirſch verfolgend, rannte. Der Jaͤger ſieht die ſteilen Felſenwaͤnde, Die weſtwaͤrts einzig nur den See umſtricken, Und meinet, daß des Wildes Lauf hier ende, Wo dieſe Waͤlle ihm den Weg entruͤcken. Schon denkt er ſich den Preis in ſeine Haͤnde, Ermeſſend das Geweihe mit den Blicken. Zum Todesſtoß, zu lautem Siegeskuͤnden Laͤßt er bereit ſo Wehr' als Stimme finden. Doch als er donnernd kam, ihn zu erreichen, Den Arm bereit, daß er die Waffe zuͤcke, Da kehrt der Hirſch, dem Stahle auszuweichen, Behend ſich von der Felſenwand zuruͤcke. Dann ſtuͤrzend ſich zu dunkler Hoͤhle Zweigen, Entſchwand er bald vor des Verfolgers Blicke. und waͤhrend durch den Raum die Hunde heulen, Fuͤhrt zu der Wildniß tiefſten Grund ſein Eilen. Den Hunden ſich nun dicht der Jaͤger nahte, Anregend ſie aufs neu, der Jagd zum Leiter; Doch ſtrauchelnd auf der Kluft uneb'nem Pfade, Erliegt das tapfre Roß und kann nicht weiter. Es zu erheben nimmt umſonſt zu Rathe Sporn und Gebiß der ungeduld'ge Reiter. Des guten Zelters Tagwerk iſt geſchehen, Er ſtreckt die Glieder, nie mehr aufzuſtehen. Der Jaͤger zeigt durch laut erhob'ne Klagen, Wie werth ſein ſterbend Jagdroß ihm erſcheine: Wer haͤtte mir es da wohl ſollen ſagen, Als ich zuerſt dich lenkte an der Seine, Daß Hochlands Adler jemals ſollten nagen An meines Roſſes ſtattlichem Gebeine. Weh ſei dem Tag! Weh ſei dem Jagdgetuͤmmel! Wo es dein Leben koſteſt, tapfrer Schimmel! Dann durch die Kluft ließ er ſein Horn erklingen, Den Hunden dienend jetzt als Ruͤckkehrzeichen. Sie nahen nicht mit froh belebten Spruͤngen, Die bei der Jagd zu Fuͤhrern ſonſt gereichen. An ihres Herren Seite dicht ſie dringen, Mit niederm Kopf, erlahmt einher ſie ſchleichen; Doch toͤnen durch der hohlen Kluͤfte Gaͤnge Noch ſchwellend fort des Hornes laute Klaͤnge. Die Eule ſchreckt empor aus ihren Traͤumen, Der Adler kraͤchzt, als ob er Antwort meinet. Die Toͤne weilen rings in dieſen Raͤumen, Bis Echo ein erwiedernd Luͤftchen ſcheinet. Und weiter eilt der Jaͤger ohne ſaͤumen, Daß er ſich wieder mit den Freunden einet; Doch weilt er oft, ſo ſeltſam ſind die Wege, So wunderſam iſt ringsher das Gehege. Des matten Tages Purpurwellen ziehen Hoch uͤber ſtarre, Kluft entſtieg'ne Thronen, Wie lebend Feuer helle Lichter ſpruͤhen, Um das Geſtein, der Berge Felſen⸗Kronen; Doch konnte keiner dieſer Strahlen gluͤhen Im dunkeln Raum der untern Regionen, Wo ſich der Pfad, in Schatten halb verſtecket, Um manche Felſen⸗Piramide ſtrecket. Die ſtein'ge Hoͤh', zerriſſen und geſpalten, Sieht man empor als Thurm und Zinne ſteigen. Bald ſcheinet ſie, in ſeltſamen Geſtalten, Als Minaret und Kuppel ſich zu zeigen. Auch fehlt es nicht, daß ſchoͤne Fahnen wallten; Denn vom Geſtein ſieht man herab ſich neigen Manch zart Geweb' in gruͤner Stroͤme Bogen, Im Abendhauch des Sommerluͤftchens wogen. 15 uUnd frei und wild der Berge Kinder zeigen Hier reich vertheilt ſich, Baum und Blum' und Pflanze. Und wo zuhoͤchſt die weißen Gipfel ſteigen, Wo helle Flaggen wehn im regern Tanze, Dort kann allein des Wandrers Blick erreichen Des Himmels Blau, in Sommers reinem Glanze. So ſeltſam wild umher ſich alles zeiget, Daß mehr es einem Zaubertraume gleichet. Und weiter hinwaͤrts, unter den Geſtraͤuchen, Erſcheint ein Baͤchlein, tief und ſtill im Gruͤnen, Kaum breit genug, die Ufer ſich erreichen, Zum Schwimmen wilder Enten Brut zu dienen. Verloren jetzt, umirrend in den Zweigen, Doch breiter, wenn es wiederum erſchienen, Kann Hoͤh' und Stein mit den bebuſchten Brauen Sich in dem dunkelblauen Spiegel ſchauen. 16 und bei des Jaͤgers irrem Weitergehen Des Baches Stroͤme immer breiter floſſen. Die rauhen Hoͤhen nun nicht laͤnger ſtehen, Entſtiegen des Gehoͤlzes wirren Sproſſen. Gleich Schloͤſſern glaubt man ſchwimmend ſie zu ſehen, Vom Wogenguͤrtel ihrer Waͤll' umfloſſen; Bis ſo in jeder, weiter fortgeruͤcket, Die Inſel eines Landſee's man erblicket. und nun, um aus der Felſenſchlucht zu kommen,(3) Dem Wandrer ſich kein andrer Ausweg zeiget, Als eine Leiter dem Gezweig entnommen, Auf der mit leichtem Fuß er aufwaͤrts ſteiget. Und wie er ſo die ſteile Hoͤh' erklommen, Als eben ſich die Sonn' in Weſten neiget, Sieht er Kathrinen⸗See zu ſeinen Fuͤßen, Ein goldnes Blatt, im Purpurſchimmer fließen. 17 Der Fremde ſchauet mit erſtaunten Blicken Auf die Gefilde, die ihn rings umfangen. „O welch ein Schauplatz!“ ruft er mit Entzuͤcken, „Fuͤr Prieſterſtolz, fuͤr koͤnigliches Prangen! Ein fuͤrſtlich Schloß auf dieſes Berges Ruͤcken, Vom ſtillen Thal dort Liebchens Laub' umfangen, Und weiterhin, auf jener gruͤnen Haide, Des grauen Kloſters ſtattliches Gebaͤude.“ „Wie froͤhlich muͤßte hier das Jagdhorn ſchallen, Wenn zoͤgernd kaum am See der Morgen graute; Wie ſuͤß des treuen Hirten Floͤte hallen, Im ſtillen Wald, wenn Abend niederthaute; Wie ernſt der Mette Ruf vom Kloſter wallen, Wenn Nachks der Mond in Silberfluth ſich ſchaute. Und Horn und Floͤt' und Glocke riefen alle Den irren Wandrer zu des Gaſtfreunds Halle.“ 2 18 „Dann waͤr' es, hier umher zu irren, Segen! Doch jetzt— verwuͤnſcht ſei jenes Wildes Schnelle! Muß ſich die Eiche mir als Dach bewegen, Der Wald beut Koſt und Moos zur Lagerſtelle. Doch ſei es ſo— was iſt daran gelegen? Bei Krieg und Jagd giebt es dergleichen Faͤlle— und eine Nacht im gruͤnen Wald zu liegen, Gereichet nur zum morgenden Vergnuͤgen.“ „Doch koͤnnen Lent' in dieſen Oeden wallen, Die lieber man vermißte, als begehrte, In Hochlands Raͤuber Haͤnde hier zu fallen, Waͤr' ſchlimmer als Verluſt von Wild und Pferde. Ich bin allein— laß ich mein Horn erſchallen, Vielleicht es Ruf fuͤr einen Jaͤger werde. Und wenn ich auch den ſchlimmſten Fall erleide, Prob' ich zuerſt das Schwert an meiner Seite.“ 19 Doch kaum, daß wiederum ſein Horn erklinget, Als auf den Ton von naher Inſel Rande, Sich hin zur Bucht, womit die Hoͤh' umringet, Ein kleiner Kahn mit einer Jungfrau wandte; Und als er eben an das Ufer dringet, Begab der Jaͤger ſich von ſeinem Stande, Verborgen unter Farrnkraut blieb er ſtehen, Um dieſes Maͤdchen von dem See zu ſehen⸗ Die Jungfrau weilt, und ihr Erſcheinen zeiget, Als lauſch ſie noch den Toͤnen, die jetzt ſchwiegen. Mit Aug' und Ohr aufmerkſam hingeneiget, Indeſſen ſich die Locken ruͤckwaͤrts ſchmiegen, Das ſchoͤne Haupt empor gehoben gleichet Sie einem Monument der Kunſt der Griechen. So lauſchend ſtehend ſchien ſie am Geſtade Des Felſenſtrandes ſchuͤtzende Najade. N 2 20 — Voll Ungeduld, daß ſo die Klaͤnge weilen, Ertoͤnt jetzt ihre Stimme in den Winden. „Mein Vater!“ ruft ſie, und die Felſen eilen, Den ſanften Laut zu mehren in den Gruͤnden; Doch da ihr niemand Antwort will ertheilen, Spricht ſie:„Malcolm, war dein des Hornes Kuͤnden?”“ Der Name leiſer ihrem Mund entgleitet, So daß ihn Echo weiter nicht verbreitet. „Ein Fremder bin ich,“ drauf der Jaͤger ſaget, Sich naͤhernd von der Haſelſtaud' am Rande. Mit ſchnellem Ruder ſtoͤßt die Maid verzaget, Ihr leichtes Schiffchen eilig ab vom Lande; Doch als ſie etwas Raum gewonnen, waget, Sie nach dem Fremden hinzuſehn am Strande— und keine Form, kein Aug' an ihm zu ſchauen, Wovor gewohnt zu fliehen ſind die Frauen. 21 Leicht ſeines Angeſichtes kuͤhne Zuͤge Der mittlern Jahre ernſtre Spuren tragen; Doch nicht, daß es die Offenheit beſiege, Der Jugend Waͤrm' und Ungeſtuͤm erlagen. Man ſah darauf, wie gern er ſich vergnuͤge, Zur That den Willen und den Geiſt zu wagen; Den Feuerblick bald aufgeregt zu Flammen Der ſchnellen Liebe, oder zu verdammen. Der Glieder maͤnnlich ſchoͤner Bau, geſchicket Zu rauhem Spiel und kuͤhner Kampfgefaͤhrde, Und iſt er gleich mit Friedenskleid geſchmuͤcket, Und ohne Waffen, außer ſeinem Schwerte; Doch hohen Sinn und Stolz des Kriegers druͤcket So deutlich aus die ſtattliche Geberde, Als wenn er eines Freiherrn Helmbuſch truͤge, In voller Ruͤſtung an das ufer ſtiege. Leicht ſpricht er von den kleinen Uebeln allen, Die er im Laufe dieſes Tags erfahren. Wie ihn die Abendzeit hier uͤberfallen, und wie ihm Gluͤck und Jagd nicht günſtig waren. Und ſeine Worte leicht und froͤhlich wallen, Niicht Wendungen der feinſten Rede ſparen; Doch ſcheint der Ton und dieſe milde Sitte Mehr zum Befehl gewoͤhnet, als zur Bitte. Nachdem die Jungfrau lang' ihn angeſehen, Spricht ſie:„Dem Wandrer, irr' auf Berges Kette, Stets Hochlands Hallen wirthlich offen ſtehen; Noch glaubt, daß man euch nicht erwartet haͤtte, Im fruͤhen Thau ward ſchon auf jenen Hoͤhen Ein Kiſſen euch gepfluͤckt zum Ruhebette; Das Berghuhn ſtarb, der Fiſch hing in den Netzen, Nur um die Abendkoſt euch vorzuſetzen.”“ —— 23 — „Du irrſt,“ erwiedert er,„denn nicht erkohren Bin ich zum Gruße dem gehofften Gaſte. Ein Wandrer, Freunde, Weg und Pferd verloren, Durch Zufall ich in dieſer Gegend raſte. Nie, ſchoͤne Jungfrau, nie, ſeit ich geboren, Die Luft von deinen Bergen mich umfaßte, Bis heut an dieſes See's romant'ſchem Strande Ich eine Zaub'rin fand im Zauberlande.“” „Wohl glaub' ich,“ gab die Jungfrau ihm zuruͤcke, Indem ihr leichtes Schiff dem Ufer nahte, „Wohl glaub' ich, daß zuvor mit keinem Blicke Ihr noch geſehn Kathrinen⸗See's Geſtade; Doch Allan⸗Baͤn, ein Seher der Geſchicke, Gab geſtern uns Bericht von euerm Pfade. Ihm that im Geiſt ſich euer Schimmel zeigen Todt in der Felsſchlucht unter Birkenzweigen.“ * 24 — „Es ſchildert Mien' und Form uns ſeine Kunde, Das gruͤne Kleid, das goldne Horn ihr fuͤhret, und jene beiden grimm und ſchwarzen Hunde, Die Heldenfeder, die den Hauptſchmuck zieret. Er bat, daß alles fertig ſei zur Stunde, Wie es fuͤr einen edeln Gaſt gebuͤhret; Doch achtet ich gering nur dieſer Dinge, und glaubte meines Vaters Horn erklinge.“” Mit Laͤcheln ſpricht der Fremde:„Da ſich findet, Daß du mich willſt in deiner Heimath ſehen, Als irren Ritter, der vorher verkuͤndet, Vielleicht um große Thaten zu beſtehen, So ſei ein Blick in dieſem Aug' entzuͤndet Genng, um leicht an jedes Werk zu gehen. Zum Anfang laſſe mich den Faͤhrmann machen, Die Fluth durchleitend deinen Zaubernachen.“ 25 Die Jungfrau ſieht mit ſtiller Schadenfrende, f Wie er der ungewohnten That ſich fuͤget, Denn ſelten, wenn es je geſchah bis heute, Das Nuder in den edeln Haͤnden lieget. Doch voller Kraft er keine Muͤhe ſcheute, 1 Und übern See das leichte Fahrzeug flieget. Das Haupt erhoben nach die Hunde ſchwimmen, und bald der Inſel nahen Rand erklimmen. Er ſchaut umher an dem bebuſchten Strande, Wo weder Weg noch Menſchenſpur zu finden, Bis ſich zu einem Pfad die Jungfrau wandte, Des Kruͤmmungen durch Buſch und Fels ſich winden. 4 Er fuͤhrt zu einer kleinen Eb'ne Rande, Wo Birk' und Weide ſich zum Kranz verbinden. Hier ließ ein Oberhaupt, in boͤſen Zeiten, Sich einen rauhen Zufluchtsort bereiten. 8f Es war ein viel umfaſſendes Gebaͤude, Doch ſonderbar nach Form und Plan zu ſchauen. Der Eich' und Eſche Stamm die Wand verleihte, Die leichtre Fichte ward zum Dach gehauen, Und Schilf und Moos und Binz', an jeder Seite, Vor Wind und Regen ſchirmend es umbauen. ½ Nach Weſten, unter wilder Blumen Ranken, Der Eingangshalle rauhe Pfeiler wanken. Die Schwell' iſt uͤberſchritten— und ein Klingen Von zorn'gem Stahl ſogleich ſein Ohr erreichet. Zum kuͤhnen Blick des Muthes Flammen dringen; Da das, was ihm Gefahren ſollte bringen, Ein bloßes Schwert, ſich an dem Boden zeiget, Das ſorglos auf ein Hirſchgeweih geſchwungen, Aus ſeiner Scheide fallend, ſo geklungen. G 8 Doch bald erroͤthend er ihn abwaͤrts neiget, 4 27 Denn rund umher, die Waͤnde auszuſchmuͤcken, Von Kampf und Jagd, die Siegeszeichen hangen. Hier zeigt ſich Schild und Jagdgeſchoß den Blicken, Dort Streitaxt, Schwert und Pfeil und Bogen prangen. Des grimmen Wolfs und Baͤren Haͤute nicken, Von rauher Stirn des Elendthiers umfangen. Und See und Land und Feinde ſpenden alle Zum wilden Schmuck der Baum umringten Halle. Verwundernd auf und ab der Fremde blicket, uUnd beugt ſich dann, das Kampfſchwert zu erheben. In voller Laͤng' es auszuſtrecken glüͤcket Nur einem Arm, dem ſeltne Kraft gegeben. und als er ſo das Eiſen waͤgt und zuͤcket, Spricht er:„Ich kannte Einen nur im Leben, Dem es mit ſtarkem Arme mag gelingen, EinSchwert, wie dies, im Schlachtgewuͤhl zu ſchwingen.” 28 Die Jungfrau ſeufzt, undſpricht dann heitrer Miene: „Du ſiehſt des Schutzherrn Waff! in dieſem Schwerte. So leicht in ſeinen Haͤnden es erſchiene, Als wenn ein Haſelruthchen ich begehrte. Des Vaters hoher Wuchs gar wohl verdiene, Daß alten Helden er geſellet werde; Allein die Wohnung des entfernten Rieſen Iſt Frauen jetzt und Greiſen angewieſen.“ Des Hauſes Herrin laͤßt nun auch ſich ſchauen, Von reifen Jahren, wuͤrdigen Geberden, An Gang und Haltung gleich den edeln Frauen, Die Königs Hof zum Schmuck gefunden werden. Ihr ſchenkte Ellen kindliches Vertrauen, Mehr als Verwandtſchaftspflichten nur begehrten.— Sie gruͤßt den Gaſt, das Mahl wird aufgetragen, Doch ohne Stand und Namen zu erfragen.(-x 29 und als er ſo genoſſen Trank und Speiſe, Der Fremde endlich ſeinen Namen nannte. Wie er Fitz James, Snowdouns Ritter heiße, Erb' und Gebieter einem duͤrren Lande, Das ſeine Ahnen, in der Jahre Kreiſe, Sich oft erkaͤmpft mit hart bedraͤngtem Stande. Vom Jagdgefolg getrennt, verlor er heute Sein gutes Roß, den Weg und Jaͤgerbeute. Der Ritter ſucht umſonſt auf allen Wegen, Nam' und Geſchlecht der Jungfrau zu erfahren. Wohl ſcheint die aͤltre Dame darzulegen, Daß Stadt und Hof ihr unbekannt nicht waren; Und wenn auch Ellens Blicke nur dagegen Den Reiz des Kindes der Natur bewahren; So zeigt doch Sprach' und Form, Geſicht und Weſen, Daß ihr Geſchlecht aus edlem Stamm erleſen. . 50 So oft deshalb er einen Wink ertheilet, Lauſcht Dame Margareth mit ernſtem Schweigen; Indeſſen Ellen, heitern Sinns, nicht weilet, Mit leichtem Scherz der Frage auszuweichen: „Wir Zauberfrauen, Thurm und Stadt enteilet, An irren Rittern unſre Kuͤnſte zeigen, und zu der unſichtbaren Harfen Klaͤnge Ertoͤnen alſo unſre Zauberſaͤnge.“ 3 Die Iungfrau ſang— und immer ſtatt den Choͤren 41 Ließ ungeſehn ſich. eine Harfe hoͤren. Krieger, ruh' im ſanften Schlummer, 1 Traͤume nicht von Schlachten mehn; 4⸗ Nicht was Tag erfuͤllt mit Rgummer, 4 Was der Naͤchte Ruhe ſioͤr'. ** Hier in unſrer Zauber⸗Halle Geiſter dir das Lager ſtreun, Bei der Elfen⸗Harfen Schalle Lullt man dich in Schlummer ein. Krieger, ruh' im ſanften Schlummer, Traͤume nicht von Schlachten mehr, Ruhe hier entfernt von Kummer, Nichts, was deinen Frieden ſtoͤr'⸗ Dich erreicht kein wildes Toͤnen, Waffenklang und Roſſes Schritt, Nicht Trompet' und Hoͤrner Stoͤhnen, Nicht der nghen Mannſchaft Tritt: Doch der Lerche helle Klaͤnge Schallen, wenn der Tag anbricht, Und der Voͤgel Waldgeſaͤnge Wecken dich mit Sonnen Licht. Hier vor Hoͤrner Ton geborgen. Sie ſchwieg— begann erroͤthend dann vom neuen Mit ihrem Lied den Fremden zu erfreuen. Jaͤger, ruh! vorbei iſt Jagen, Waͤhrend dich hier Zauber bindet, Traͤume nicht, mit fruͤhem Tagen, Hoͤrnerklang den Morgen kuͤndet. Wild vuht auf des Waldes Triſten, Deine Hunde um dich liegen; Traͤum' nicht, wie in jenen Kluuͤften Eil' und Tod dein Roß beſiegen. Jaͤger, ruh! vorbei iſt Jagen, Denk nicht an den naͤchſten Morgen; Denn du biſt bei fruͤhem Tagen Geſaͤubert war die Halle— wo ein Bette Dem Fremden man von Haidekraut bereitet. Oft ruhten hundert Gaͤſte an der Staͤtte, Die traͤumend noch ihr Jagdvergnuͤgen weidet. Allein umſonſt geraubt der Vergeskette, Jetzt ihren Duft die Blum' um ihn verbreitet, Und Ellens Zauber konnt' es nicht gelingen, Die Ruhe der bewegten Bruſt zu bringen, Denn mannichfache Leiden und Geſahren Umringen ihn in wildverworrnem Traume. Er kann ſein Roß vorm Falle nicht bewahren, Der Nachen ſinkt in Seee's erregtem Schaume. Als Fuͤhrer aufgeloͤſter Kriegesſchaaren Verliert er Ehr' und Fahn' auf Schlachtfelds Raume. Dann— Ol von meinem Lager, Himmelsmaͤchte! Verſcheucht dies aͤngſtlichſte Phantom der Naͤchte. 5 3 8 ——— Der Jugend Scenen ſich vor ihm erneuen, Mit reiner Wahrheit, kuͤhnlichem Vertrauen. Der Freunde, lang' entfremdet, ſich zu freuen, Kann wieder auf ihr Herz das ſeine bauen. Die Kalten, Todten und die Ungetreuen Sind Hand in Hand im truͤben Kreis zu ſchauen, So deutlich, daß er mit getaͤuſchten Sinnen Nicht weiß, iſt's Traum, iſt's wirkliches Beginnen. In einer Laube, daͤuchet ihm am Ende, Sei er mit Ellen, im Geſpraͤch von Liebe. Erroͤthend ſie ein ſtill Gehor ihm ſpende, Sein Hoffen ſteigt, es flammen ſeine Triebe; Er will erfaſſen eine ihrer Haͤnde, F und kaltes Eiſen ſeinem Druck verbliebe: Des Traumgebilds Geſchlecht iſt nun verſchwunden, Auf deſſen Haupt wird jetzt ein Helm gefunden. 8 Zu Rieſengroͤße nach und nach geſtrecket, Mit dunkler Wang' und finſtern Blickes Draͤuen, Im ernſten Angeſicht man doch entdecket, Daß Ellens Zuͤg' ihm Aehnlichkeit verleihen. Der Ritter wacht und athmet ſchwer, erſchrecket Ruft er ſich das Phantom zuruͤck vom neuen. Ein rothlich Licht ergießt mit bleichem Flimmer Des Herdes Flamm' in matt entgluͤhtem Schimmer. Halb ſichtbar, halb verhorgen die Trophaͤen, Die in der rauhen Halle aufgehangen, Des Fremden Blicke da vor allem ſpaͤhen Nach jenem Schwert, das ihn zuerſt befangen. Gedanken nach Gedankenreihn entſtehen, Die zahllos folgend nicht ans Ziel gelangen; Bis er, dem wirren Kreis ſich zu entziehen, Vom Lager ſpringt, ins Mondenlicht zu fliehen. 5* 36 Es fluͤſtert in der Trauerbirke Zweigen, Der wilden Blumen ſuͤße Duͤfte ſchwellen; Die Aſpe ſchlummert in der Naͤchte Schweigen, Das Silberlicht ſpielt auf den ſtillen Wellen; Und rauh die Herzen, die nicht Faſſung zeigen, Wenn dieſe Strahlen die Gefild' erhellen. Der kriegeriſche Gaſt empfand ihr Walten, Und an ſich ſelbſt muß er die Worte halten: » Warum ſo alles um mich her verbinden, Mit dem verbannten, trotzigen Geſchlechte? Kann ich kein Maͤdchen des Gebirges finden, Das Douglas Augen nicht in Sinn mir braͤchte? 1 Muß jedes Schwert des Hochlands mir verkuͤnden, Daß es gefuͤhret eines Donglas Rechte? Ja, muß auch ſelbſt in ſiehorhuſten Traͤumen 1 Mir Douglas Bild micht zu erſcheinen ſäumen?5 57 „Ich will nicht laͤnger traͤumen!— feſten Willen Darf ſelbſt die Macht des Schlummers nicht gebieten; Nach mitternaͤchtlichem Gebetserfuͤllen Sei traumlos mir von neuem Schlaf beſchieden!”“— Gott uͤbergab er Sorg' und Leid im ſtillen Und ſank erquickt in ungeſtoͤrten Frieden, Bis grell im Wald die Auerhaͤhne kraͤhen, Und Morgenlicht erwacht auf Berg und Hoͤhen. Anmerkungen. (1) un⸗ Vars ungebahnte Haide— Un⸗ Var, oder Uaighmor, iſt ein Berg, der ſeinen Na⸗ men, welcher die große Hoͤhle bedeutet, von einer Art Aufenthalt erhielt, der ſich in den Felſen an der Suͤdſeite befindet, und wo, der Sage nach, ein Rieſe gewohnt hat. In ſpaͤtern Zeiten war es der Zu⸗ fluchtsort von Raͤubern und Moͤrdern, die erſt in den ketzten vierzig oder funfzig Jahren vertilgt wor⸗ * den ſind.. 38 (2) St. Huberts ſchwarze Racen— Die Hunde, welche St. Huberts Hunde genannt werden, ſind gewoͤhnlich alle ſchwarz; demohungceachtet iſt ihre Nace heut zu Tage ſo gemiſcht, daß man ſie von allen Farben findet. (3) Felſenſchlucht zu kommen— Bis der gegenwaͤrtige Weg durch dieſe romantiſche Gegend gemacht ward, konnte man aus dem Defile, Troſachs genannt, nur durch eine Leiter herauskommen, die aus den Zweigen und Wurzeln der Baͤume beſtand. (4) Doch ohne Stand— Die Hochlaͤnder, die ihre Gaſtſreundlichkeit zu hoher Puͤnktlichkeit trieben, ſollen es fuͤr unhoͤflich gehalten haben, einen Fremden nach Namen oder Geſchlecht zu fragen, eh' er etwas genoſſen hatte. Feindſeligkeiten waren un⸗ ter ihnen ſo gewoͤhnlich, daß eine entgegengeſetzte Regel oft die Entdeckung von Verhaͤltniſſen herbei gefuͤhrt haben wuͤrde, die den Gaſt des Beiſtands. deſſen er bedurfte, beraubt haben moͤchte. ——j,j, ———’ * Am Morgen putzt der Hahn die glatten Schwingen, Der Morgen lehrt des Vogels ſchoͤnſte Lieder, Die Morgenluͤfte neues Leben bringen Mit neuem Tag der ganzen Schoͤpfung wieder, Und waͤhrend durch den See die Ruder dringen, Den Fremden leitend an das ufer nieder, Vom Morgen reg' des Harfners Lieder ſchallen, Und lieblich uͤbern See die Toͤne wallen. Dort jener Nudrer ſchneller nicht Vom Ruder wirft den Schaum, Nicht ſchneller jene Woge bricht,. Die Nachens Lauf erglaͤnzt im Licht, Sich in dem feuchten Raum, 1 3 Als aus dem menſchlichen Gemuͤth 1 Vergangner Guͤt' Erinnrung flieht; Drum, Fremdling, geh! dem Gluͤck bekannt, Und denk nicht an den ſtillen Strand. Hoch ſei dein Platz im Schlachtgewuͤhl, Hoch an des Koͤnigs Thron, Gut Falk' und Hund zu Waldes Spiel, Wo Schönheit kraͤnzt des Tapfern Ziel, Sei dein der erſte Lohn! ein Freund ſei wahr, dein Schwert ſei treu, Dein Liebchen immer mild und neu, BVerlier' in Lieb' und Freundſchaftsband 3 Erinnrung an den ſtillen Strand. 43 Doch wenn in jenem Suͤden auch Ein falb'ger Fremdling irrt, Der traurig und mit Seufzerhauch, Geſunkner Wang' und ſchwerem Aug' Nach Hochlands Heimath girrt; Dann Krieger ſei die Sorge dein, Zu mildern dieſes Wandrers Pein: Gedenke dann, daß unbekannt Du weilteſt an dem ſtillen Strand. Und ſollt' auf lebensſchwanker Fluth Sich Mißgeſchick dir nahn; Wenn du umſonſt gerecht und gut Erduldeſt Schmerz und Feindes Wuth Auf ungewiſſer Bahn; Dann ſeufz' nicht um veraͤndert Gluͤck, Um Hofes Gunſt und Freundes Blick, Und komm, wo deinem Werth verwandt, Man dich begruͤßt, zum ſtillen Strand! 44 und als die Toͤne auf der Fluth verwehen, Hat ſich das kleine Schiff genaht dem Lande; Doch eh' des Fremden Schritte weiter gehen,* Er noch die Blicke zoͤgernd ruͤckwaͤrts wandte, Wo es ihm unverhindert war, zu ſehen, Den greiſen Saͤnger an der Inſel Rande:; 4 Gelehnt ſaß er an abgeſtorb'ner Eiche, Die alt und grau ihm ſelber ſich vergleiche. Empor zum Himmel war ſein Blick erhoben, In dichteriſches Sinnen ganz verloren, Als fordr' er der Begeiſtrung Strahl von oben, Bei jenem Lichte, das den Tag geboren. Die Hand ſchien auf dem Saitenſpiel zu proben, Wenn wieder es zu neuer Flamm' erkohren. So ruht er ſtill, als ſei des Lebens Funken Im letzten Ton der Harf' ihm auch verſunken. 45 Auf einem Fels, von wildem Kraut umhangen, Saß Ellen laͤchelnd an des Saͤngers Seite.— Doch ſagt, warum gluͤhn hoͤher ihre Wangen? O Treue, Treue! keinen Zorn bereite!— Vielleicht ſieht ſie mit laͤchelndem Verlangen, Wie dort der Fremd' ihr zoͤgernd Gruͤße weihte; Und eh' ihr ſie verdammt, zeigt mir die Schoͤne, Die ſolche Beute ihrer Augen hoͤhne! So lang der Ritter noch verweilt am Strande, Schien Ellens Auge ihn nicht zu erreichen; Doch als er ſich zum Wald zu gehen wandte, Macht ſie verbindlich ihm ein Abſchiedszeichen. Und kein Entzuͤcken, wie er oft bekannte, Ließ ſich mit dieſem ſtummen Gruß vergleichen: Selbſt wenn ihm praͤchtig, in des Feſtes Stunden, Die ſchoͤnſten Fraun den Siegeskranz gewunden⸗ 46 — Mit einem Fuͤhrer, der den Weg ihm kuͤndet, Die beiden dunkeln Hunde ihm zur Seiten, Er langſam nun ſich durch die Felſen windet, Indeſſen Ellens Blicke ihn begleiten. Doch als ſein ſtattlich Bild ihr ganz entſchwindet, Muß ſie ſich ſelbſt den Vorwurf zubereiten, Ihr Auge, außer ihres Malcolms Zuͤgen, An einem andern Manne zu vergnuͤgen. „Erwache, Allan!“ ruft ſie ohne ſaͤumen Dem greiſen Harfner zu, der ſaß daneben.— „Erhebe dich aus deinen duͤſtern Traͤumen, Ich will dir Stoff zu Heldenliedern geben. Ein neues Feuer ſoll in dir entkeimen; Der Name Graͤm ſoll dich zum Ruhm beleben.“— Die Wang' ihr hoͤher bei dem Namen gluͤhte, Denn Malcolm Graͤm war ſeines StammesBluͤthe.(1) 47 Der Saͤnger ruͤhrt die Harf'— und dreimal ſchallen Die wohlbekannten, krieg'riſchen Geſaͤnge, Und dreimal ihre Helden Toͤn' enthallen In truͤber Schwermuth leiſe Trauerklaͤnge. — Er laͤßt herab die welken Haͤnde fallen, Daß aus der Bruſt ſich dieſe Rede draͤnge: „Umſonſt gebeutſt du mir, das Lied zu wecken, Obgleich gewohnt du biſt des Worts vollſtrecken.“ „Denn ach! es ward von hoͤhrer Maͤchte Haͤnden Die Stimmung meinem Saitenſpiel geboten. Ich ruͤhr der Freude Toͤne, doch ſie wenden Antwortend ſich in duͤſtre Schmerzens⸗Noten; Und des Beſiegers ſtolze Jubel enden Verſinkend in die Trauer um die Todten. Und wenn nur ihres Herrn Geſchick ſie deuten, So waͤr willkommen mir ihr Sterbelaͤuten.“ 48 „Doch, edle Jungfrau! ſo die Harf' erbebte, Als deine Mutter aufgehoͤrt zu leben. und ſo ihr Toͤnen, als ich mich beſtrebte Von Lieb' und Krieg die Lieder zu erheben, Entſetzen in des Feſtes Freude webte, Laut klagend, ob auch meinem Widerſtreben, Eh' dein Geſchlecht die Heimath mußte fliehen,(⸗) In der Verbannung irr umher zu ziehen.“ 1„Ol wenn noch groͤßer Mißgeſchick und Leiden Dem Hauſe meines edeln Herren drohten. Wenn man die Trauertoͤne muͤßte deuten, Fuͤr Ellen ſchoͤn, als des Geſchickes Boten; Dann, Harfe, wecke nie auf deinen Saiten Ein kuͤnſt'ger Barde Freud'⸗ und Sieges⸗Noten. Nach kurzem Schmerzenstone ſink' in Scherben, Dein Meiſter legt ſich nieder, um zu ſterben.“— 49 und ſchmeichelnd, ihn dem Kummer zu entziehen, Spricht ſie:„Nur Furcht, die eigen greiſen Jahren. Bekannt, wie du, mit allen Melodieen, Die nah und fern die Luſt der Hoͤrer waren, Was Wunder, wenn in der Begeiſtrung Gluͤhen, Auch ohne Ruf, ſich welche offenbaren, Vermiſchend in den raſch begonu'nen Klaͤngen Den Kriegsruf mit des Leichenzugs Geſaͤngen?“ „Und wenig Grund iſt jetzt, an Furcht zu mahnen. In Dunkelheit, doch ſicher hier wir leben. Mein Vater, groß, wie ſeine tapfern Ahnen, Hat Land und Staat und Herrſchaft aufgegeben; So unerſchuͤttert auf des Schickſals Bahnen, Wie jene Eiche, welche Stuͤrm⸗ umſchweben. Entriſſen ſei ihr Blaͤtterſchmuck den Zweigen, Den edeln Stamm kann ihre Macht nicht beugen.“ 4 50 — „Was mich betrifft”— ſie beugt ſich hier und pfluͤcket Der blauen Hyazinthe Bluͤth' im Gruͤnen— „Die jemals kaum ein beſſer Loos erblicket, Mir mag die kleine Blum' als Sinnbild dienen. uUnd Allan⸗baͤn ein Saͤnger iſt begluͤcket, Zu ſchworen, daß kein Kranz ſo ſchoͤn erſchienen.“— und froͤhlich ſich des wilden Kranzes Schlingen um ihres Hauptes dunkle Locken ringen. Ihr Laͤcheln, ihre Red' und milde Sitte Laͤßt bald des alten Harfners Trauer ſcheiden. Mit ſolchem Ausdruck ſchaut der Eremite, Wenn Engel nahn, zu mildern ſeine Leiden.— Er ſchaut, bis in Verdruß und Stolzes Mitte Die Wort' in einer Thrne ihm entgleiten: „Du kennſt noch nicht, zu was du auserkohren, Den Rang, die Ehren nicht, die du verloren.“ 5¹ „O ſaͤh' ich noch dich Lieblichſte und Beſte An Koͤnigs Hof in deiner Ahnen Glanze. Koͤnnt' ich den Liebling ſehen bei dem Feſte Am leichteſten entſchwebt im frohen Tanze, Das Ziel der Seufzer aller tapfern Gaͤſte, Den erſten Stern in holder Frauen Kranze, Wie jeder Saͤnger ſtimmend ſeine Saiten Fur dich der Lieder beſtes zu bereiten!“ „Dies ſind nur,“ rief die Jungfrau,„ſchoͤne Traͤumel“ — Ob leicht ihr Ton, erſeufzt ſie bei den Worten.— „Doch dieſes Felſens moosumwallte Saͤume Sind werther mir als Thrones goldne Borten, Und froͤhlicher zum Tanz ſind dieſe Raͤume, Als wenn der Hof geoͤffnet ſeine Pforten. Und meiner Augen kuͤhnen Sieg zu zeigen, Wer kann mit Rodrick ſich, Clan Alpins Stolz ver⸗ gleichen?“ 4*½ Es hemmt der alte Saͤnger ſein Erfreuen.— „Du waͤhlteſt ſchlecht den Gegenſtand zu Scherzen; Denn wer durch alle dieſe Wuͤſteneien Erwaͤhnt Sir Roderick mit frohem Herzen? Ich ſah am Hofe ſeines Dolches Draͤuen, Von dem ein Ritter fuͤhlte Todesſchmerzen;(3) Es ſahn's die Hoͤflinge in ihrer Mitten und wichen vor des kuͤhnen Moͤrders Schritten.“ „ Obwohl geaͤchtet, hat ſeit jenen Tagen Sein Bergland er geſchuͤtzt mit ſtarken Haͤnden; Denn, leider, ach! wer duͤrft' es ſonſt wohl wagen, Im Ungluͤck ſich fuͤr Douglas zu verwenden? Nun hat dein Reiz den Sieg davon getragen, und du ſollſt ſeines Schutzes Lohn ihm ſpenden. Doch uͤberlaſſe dich nicht frohem Waͤhnen, Es ruht die Hand auf eines Loͤwen Maͤhnen.“ 55 Die Jungfrau ſpricht— und ihres Vaters Seele Flammt ihr im Auge:—„Mir iſt unverborgen, Wie viele Schuld ich Rodricks Hauſe zaͤhle. Fuͤr mich, als ihrer Schweſter Kind, zu ſorgen, Sinnt Frau Margreth, wie ſie das Beſte waͤhle; Und tiefer, heiliger mit jedem Morgen 3 Fuͤhl' ich mich ihrem tapfern Sohn verbunden, Bei dem bedraͤngt mein Vater Schutz gefunden.“* „» Und koͤnnte ihn mein Blut und Leben lohnen, So wollt' ich beides ihm mit Freuden bieten, Doch nimmer meine Hand.— Viel lieber wohnen Will Ellen Douglas in der Zelle Frieden, Sich kalte Huͤlf' erflehn in fernen Zonen, Wo nie dem Ohr ein ſchottiſch Wort beſchieden; Will lieber ſehn, als Pilgrim ſich vertrieben, Wie dem vereint, den nimmer ſie kann lieben.“⸗ „In Zweifel iſt dein greiſes Haupt gebogen?— Was fuͤhrſt du an, das ich nicht geltend mache? Er iſt voll Muth— doch wild wie Meeres Wogen; Und edel— außer, wenn ihn Rache und Eiferſucht in ihren Kreis gezogen. Treu, wie ſein Schwert, iſt er des Freundes Sache; Doch, ol es wuͤrde ſelbſt dies kalte Eiſen Dem Feinde milder ſich als er beweiſen.“ „Noch Kind, konnt' ich kaum aufzuſchauen wagen, Wenn er die dunkeln Blicke zu mir wandte; Der Jungfrau dann ward leicht nicht zu ertragen Sein hoher Sinn, die Gluth, die in ihm brannte; Als Liebſten ihn zu denken, muͤßt' ich zagen, Wenn je ein Douglas dieſe Regung kannte.— Doch, daß ich nicht bei ſolchem Stoff mehr raſte, Was denkeſt du von unſerm fremden Gaſte?“ * 5⁵ „Du frageſt, was ich denke?— Weh der Stunde, Die ſolchen Wandrer fuͤhrt' in unſre Mitte. Von ſelbſt enthuͤllt gab Douglas Schwert uns Kunde, Daß hier verborgen eines Feindes Tritte. und war's ein Spaͤher, mit dem Hof im Bunde, Dann Douglas neues Ungemach erlitte. Wenn Spaͤher nicht und Feind, doch muß ich fragen: Was wird der eiferſuͤcht'ge Rodrick ſagen?“ »Nicht dieſen Blick, der meine Red' verdammet, Erinnre dich erregter Zwietracht Draͤuen, Die ſich beim letzten Waldesſpiel entflammet, Wo du mit Malcolm Graͤm begannſt den Neihen; Und ob auch Friede jetzt von Douglas ſtammet, In Rodrick glimmt der Groll, ſich zu erneuen.— Doch hoͤr' ich nicht vom See her fernes Hallen? Noch einmal! jal des Schlachthorns Toͤn'erſchallen 9* 56 Und an des ausgedehnten Waſſers Rande Sind vierfach dunkle Flecken jetzt zu ſehen, Die man als vier bemannte Boot' erkannte, Indem in ihrem Lauf ſie weiter gehen. Und hoch empor im hellen Sonnenbrande Der Fichte Zweig' als Rodricks Banner wehen. und nah' und naͤher von der Fluth getragen, Hervor im Glanz nun Speer und Streitart ragen. Gezaͤhmet durch die Fern' ein leiſes Toͤnen Zuerſt um Bucht und Vorgebirge gleitet, Dann bricht es ploͤtzlich aus in lautes Droͤhnen, Wie fuͤr den Stamm, den Aufruf unterſcheidet, In jene Klaͤnge, die Clan Alpins Soͤhnen Gebieten, daß man ſich zur Schlacht bereitet. und wechſelnd ſo, bald Kriegs⸗„bald Sieges⸗Noten, Verhallen ſie in Trauer um die Todten. 57 97 Das Schlachthorn ſchweigt, allein geſchaͤftig hallet Noch See und Berg entlang die Toͤne wieder; Indeß ein Chor von hundert Stimmen ſchallet, Erhebend ſich, zu preiſen den Gebieter. Nach abgemeßnem Schlag das Fahrzeug wallet, Zum Ruder blickt der Bootsmann ſingend nieder; Und immer naͤher, als ſie weiter ſchiffen, Ertoͤnt ihr Kriegslied in den Felſenriffen. Mit allen ihren hochvergnuͤgten Frauen War Dame Margareth genaht dem Strande. Ihr Haar iſt aufgeloͤft im Wind zu ſchauen, Und hoch empor die weiße Hand ſich wandte, Als Chor und Echo durch der Inſel Auen Mit wildem Ruf des Siegers Namen nannte; Indeß, nach Mutter Art, weil es ihn freute, Die Dame Ellen rief an ihre Seite. 58 Die Jungfrau nahet mit gehemmtem Schritte, Dem unwillkommnen Rufe zu gefallen— Doch lauſchend weilt ſie auf des Pfades Mitte, Als ſie von fern ein Jagdhorn hoͤrt' erſchallen— Sie ruft den Saͤnger, da gewohnter Sitte Vom Land her ihres Vaters Zeichen hallen; Dann, wie ein Lichtſtrahl, hell und leicht im Nachen, Eilt ſie mit ihm, den Faͤhrmann ſelbſt zu machen. 8 Gefuͤhle ſind den Sterblichen gegeben, Wo wen'ger Erd' als Himmel man eutdecket, und wenn es Thraͤnen giebt in dieſem Leben, Die nicht der Leidenſchaften Schaum gewecket, Die rein und lauter unſerm Blick entſtreben, Selbſt Engels Wangen nicht dadurch beflecket, So ſind es die, die Vaters Aug' ergoſſen, Auf eines frommen Kindes Haupt gefloſſen. Solch' heil'ge Tropfen Douglas Aug' entgleiten, Als er die holde Tochter an ſich druͤcket; Und Ellen in des Wiederſehens Freuden, Nur von des Vaters Heldennaͤh' entzuͤcket, Bemerket nicht, wie liebend und beſcheiden Von fern ein ſchoͤner Juͤngling nach ihr blicket; Nicht eher, bis ſich Douglas zu ihm wandte, Obgleich der Juͤngling Malcolm Graͤm ſich nannte. Von ſchoͤner Form und ſchlankem Gliederbane, Doch Kraft gedraͤngt, war Malcolm Graͤm geſtaltet, Wo man des Hochlands bunte Tracht erſchaue, Sie nimmer ſich um ſchoͤn're Glieder faltet. Der blonden Locken Fuͤll' umgiebt die Braue, Zur Jagd gewoͤhnt, ſein Abler⸗Ange waltet; Und kaum dem Reh, obwohl von Furcht beſchwinget, Vor ſeinem leichten Schritt die Eil' gelinget. — 60 Mit dieſer Form war ein Gemuͤth vereinet, Das feurig, mild und offen Sorgen meiden. Ein leichter Herz, bis Ellen ihm erſcheinet, Ward nie bezaͤhmt von Liebe oder Leiden. Doch wer als Freund genau ihn kennt, der meinet, Und Barden aus den kuhnen Zuͤgen deuten: Daß es ihm duͤrfte bald als Mann gelingen, Den Preis des Ruhms vor Rodrick zu erringen. Als nun zuruͤck der leichte Nachen eilet, Hat Ellen ihren Vater viel zu fragen: Warum ſo lang' er auf der Jagd verweilet? Und wie— das andre ihre Blicke ſagen. Darauf die Antwort Douglas ihr ertheilet: „Des edeln Krieges Nachbild iſt das Jagen, und dieſen edeln Zeitvertreib zu lieben, u 4 Iſt alles, was vom Douglas mir geblieben.“ „Ich fand den Juͤngling, als ich weiter ſtreifte, Nach Oſten fem in des Gebirges Schatten, Und ſicher irrt' ich nicht, denn ringsher ſchweifte Dort Jaͤgersmann und Reiter durch die Matten. Und ob Gefahr er Land und Leben haͤufte, Kam doch ſein Schutz, als Fuͤhrer, miyx zu ſtatten; und Rodrick ſoll an ihm, um Douglas willen, Trotz alten Grolls, die Gaſtfreundſchaft erfuͤllen.“ Entgegen kommt Herr Rodrick, als ſie nahten, Erroͤthend tief, da Malcolm Graͤm ſich zeiget; Doch nicht in Blicken, Worten oder Thaten, Er von der gaſtlich alten Sitte weichet. Und im Geſpraͤch und auf des Waldes Pfaden Der Morgen dieſes Sommertags verſtreichet, Bis hoch am Tag herbei ein Bote eilet, Der Roderick geheime Kund' ertheilet. 6² Des Ritters ernſte, ſinnige Geberde Sagt, daß er ſchlimme Zeitung jetzt erfahren; Doch dann verſammelt er ſie erſt am Herde, Als ſie ſchon von der Abendmahlzeit waren. Er ſchaut umher, er ſenkt den Blick zur Erde, Als ſuch' er Worte, wie zu offenbaren. Lang' ſpielt er mit des Dolches Wehrgehaͤnge, Hebt dann ſein ſtolzes Haupt, daß Ret' entdraͤnge: „Kurz ſei mein Wort— wie es zur Zeit ſich ſchicket, Auch kennt mein ſchlichtes Seyn nicht redend Schwellen. Verwandter, Vater!— wenn es Rodrick gluͤcket, Den Douglas ſo zu nennen, Mutter, Ellen! Und Graͤm, in welchem Hoffnung ſchon erblicket Den edeln Gegner, oder Kriegsgeſellen, Wenn er entflohn der minderjaͤhr'gen Bande, Als thaͤtig Haupt ſich zeigt in ſeinem Lande.“ 63 „Ihr alle hoͤrt!— Es prahlt mit Raͤcher⸗Thaten Der Koͤnig, daß die Graͤnzen ihm erlagen, Wo Haͤupter, die mit Falk und Hunden nahten, Zu theilen ihres Fuͤrſten froͤhlich Jagen, In blut'ger Fehde arges Netz gerathen. Und als ſie Sorge fuͤr das Gaſtmahl tragen, Und weit die treuen Pforten, offen ſprangen, Hoch uͤberm eignen Thorweg ſtraͤnbend hangen.“ „Laut ruft ihr Blut von blauer Stroͤme Seiten, Wo kriegeriſche Staͤmme ſonſt zu ſchauen, Jetzt oͤd' und weit der Schafe Herden weiden. Des ſchott'ſchen Throns Tyrann naht dieſen Auen, Mit gleichem Trug uns gleiches zu bereiten. Noch mehr: man ſah dich, Douglas, in den Gauen. Dies hab' ich durch genaue Kund' erfahren; Nun ſollt ihr, was ihr meint, mir offenbaren.“ Es ſuchen Troſt, von ſchneller Furcht befangen, Ein' in der andern Blick, die beiden Frauen, Dann wenden ſie die Augen voll Erbangen, Die auf den Vater, die den Sohn zu ſchauen. Bald roth, bald bleich erſcheinen Malcolms Wangen; Doch nur fuͤr Ellen fuͤhlt er Furcht und Grauen. Indeſſen ſorgenvoll, doch unverzaget, * Der edle Douglas ſeine Meinung ſaget: „Ob, tapfrer Rodrick, auch die Stuͤrme heulen, Sie moͤgen donnern und voruͤber fliehn, Auch werd' ich keine Stunde hier verweilen, Den Blitzſtrahl auf dein Haupt herab zu ziehn. Du, der dem Koͤnig Beiſtand kannſt ertheilen, Gewinneſt wohl durch Unterwerfung thn. Mir werd' mit Ellen in den Felſen⸗Gruͤnden Ein Obdach, bis die ſtrengen Wetter ſchwinden.” „Nie!“ rief der Ritter,„will ich dies geſtatten, So trau' ich Gott und meinem guten Schwerte! Mein Banner, das gleich mir die Ahnen hatten, Dort jene Fichte ſchwinde von der Erde, Wenn je im Ungemach aus ihrem Schatten Des Donglas edler Stamm vertrieben werde. Hoͤr' meine ſchlichte Rede: Gieb mir Ellen, und laß dein Wort ſich meiner That geſellen.“ »Herbei wird Freund und Bundsgenoſſe wallen, Wenn Douglas ſich mit Rodrick Dhu verbindet; Denn gleiches Leid und Mißtraun wohnt in Allen. Der laute Ton, der unſer Brautmahl kuͤndet, Erſchreck die Wachen in der Hauptſtadt Hallen. Und wenn die Hochzeitfackel ich entzuͤndet, Aus tauſend Doͤrfern helle Flammen lecken, Soll's Koͤnig Jakob aus dem Schlummer wecken.“ 5 4 66 „Nein, Ellen, laß nicht ſo dein Aug' mich meiden, Und du, o Mutter! hemme dieſe Zeichen— Ich mein' nicht alles, was die Worte deuten. Es iſt vonnoͤthen nicht der blut'ge Reigen, 3 Will zum Verein der edle Douglas leiten, und wenn durch Graͤnzenſchutz den Feind wir ſcheuchen, Bis der beſiegte Koͤnig nicht mehr weilet und fruchtlos durch die Kluͤfte heimwaͤrts eilet.“ Gleich einem, der umſtrickt von Schlummers Bande, Die ſchwanke Hoͤhe eines Thurms erſtiegen, und ruhig traͤumt den ſchweren Traum am Rande, Wo in der Tiefe ſich die Fluthen wiegen; Bis fruͤh der Tag auf ihn die Fackel wandte, Vor ſeinem Blick des Meeres Schrecken liegen; Und ſchwindelnd kann er kaum den Drang bezwingen, Das ſchlimmſt' erfuͤllend, in die Fluth zu ſpringen: —— So Ellen, welche Furcht und Angſt bewegen, Als ploͤtzlich Schrecken jaͤhnend ſie umringen, Gefahren ſich in wilden Stuͤrmen regen, Mit Sorge meiſt fuͤr Douglas ſie durchdringen, Vermag es kaum, den Vorſatz nicht zu hegen, Sich fuͤr ſein Wohl zum Opfer darzubringen. Solch arges Sinnen konnte Malcolm leſen In ihrem Zittern, bangem Blick und Weſen. Und ſchnell ſuchk er, daß er die Rede leite. Doch eh' die Worte noch der Furcht entſtreben, Hat Douglas ſchon bemerket, wie im Streite Auf Ellens Wangen ſchienen Tod und Leben. „Genug, genng!“ rief er,„was ich auch leide, Ich kann zur Braut dir nicht die Tochter geben; Dies iſt nicht Roͤthe, Liebender Verlangen, Noch dies Erbleichen jungfraͤnliches Bangen.“ 5 68 „Es kann nicht ſeyn— und du mußt ihr verzeihen, Auch keine That zu unſerm Beiſtand wagen... 5 Nie werd' ich meinen Speer dem Aufruhr leihen, Entgegen meinem Fuͤrſten ihn zu tragen. Trotz meiner That und kuͤhner Worte Draͤuen, Lieb' ich ihn noch, wie in der Jugend Tagen. O ſuch die Gnade, die du wohl wirſt finden, Ohn' dich mit meinem Schickſal zu verbinden.“ Der Ritter dreimal durch die Halle ſchreitet.— Sein wallend Kleid, das Drohn der duͤſtern Brauen, Wo tief gekraͤnkter Stolz und Zorn verbreitet, War bei der Fackeln truͤbem Licht zu ſchauen, Dem maͤcht'gen Daͤmon gleich, der Furcht bereitet, Auf Wallers Pfad mit dunkler Schwingen Grauen. Doch hoffnungsloſer Liebe deiner Wunden Eindringend Gift wird auf das tiefſt' empfunden! 69 Und Roderick, von ihrem Schmerz befangen, Faßt endlich eine von des Douglas Haͤnden, Und Augen, die ſonſt Thraͤnen nie bezwangen, Sich jetzt auf ihn voll bittrer Tropfen wenden. Der lang genaͤhrten Hoffnung Todesbangen Kann Raum genug die weite Bruſt kaum ſpenden. Indeſſen jeden Hauch— ſo ſchweigend alle— Man deutlich hoͤrte durch die weite Halle. Der Mutter Blick, des Sohnes tiefes Leiden Ward ſchwer der ſanften Ellen zu ertragen, Und ſie erhebt ſich, beides zu vermeiden, Wo Graͤm ihr kann den Beiſtand nicht verſagen. Da reißt ſich Rodrick von des Douglas Seiten.— Gleich Flammen, die den dunkeln Rauch durchbrachen, Sich lange naͤhrend im Verborgnen gluͤhten, Nun hoch empor in hellen Funken ſpruͤhten: So zeiget der Verzweiflung ſchmerzlich Walten Sich ſchnell in grimmer Eiferſucht Beſtreben. 9 Er packt den Graͤm, begierig ihn zu halten, Feſt bei der Bruſt und ruft mit Zornes Beben: „Zuruͤck, bartloſer Knabe! ſchon erkalten Bei dir die Lehren, die ich juͤngſt gegeben? Der Jungfrau, Douglas nur und dieſem Dache Verdankeſt du den Aufſchub meiner Rache!“ f und wie der junge Leu, bei ſeiner Beute, Ergrimmt mit Roderick der Juͤngling ringet: „Mein Name ſey vertilget, wenn ich leide, Daß etwas Schutz mir als mein Eiſen bringet!“ Und als ſie ſo vermengt in wildem Streite, Die raſche Hand nach Schwert und Dolche dringet, Und Mord war nah.— Doch zwiſchen die Gebieter Drang Douglas Rieſenkraft und trennt ſie wieder. 7¹ —— „Hemmt, Raſende! des tollen Streites Funken, Den erſten, welcher kaͤmpft, als Feind ich achte! Wie! iſt der Douglas denn ſo tief geſunken, Daß ſeiner Tochter Hand ſolch Mißthun brachte?“— Und langſam und beſchaͤmt, noch Zornes trunken, Ein jeder frei von ſich den andern machte, Schaut auf den Gegner, drohender Geberde, Mit feſtem Schritt und halb entbloͤßtem Schwerte. Doch ehe noch das Schwert empor geſchwungen, Faßt Margareth den Mantel an vom Sohne, Und Graͤm, wie durch verworrnen Traum gedrungen, Hoͤrt ſeiner Ellen Ruf mit bangem Tone. Zuruͤck ſtoͤßt Roderick das Schwert gezwungen, Und huͤllet ſeinen Zorn mit ſchnoͤdem Hohne: „Raſt ſicher hier bis Morgen,'s waͤre Schade, Wenn ſolchen Wangen kalte Nachtluft nahte.” *. — „»Du kannſt ſodann dem Jakob Stuart deuten, Daß ich den See und mich behaupten werde, Und nie mit meinen freigebornen Leuten Mich huld'gend nahe einem Mann der Erde⸗ Du kenneſt unſre Paͤſſ: und Macht zu ſtreiten, Wenn von Clan Alpin Kund' er mehr begehrte.“— Er rief hierauf den treuſten ſeiner Knechte, Daß ſicher er den Graͤm von hinnen braͤchte. Und kuͤhn und ruhig Antwort Graͤm ertheilet: „Dein Lieblingsaufenthalt verharr' in Frieden. Der Ork, zu deſſen Schmuck ein Engel weilet, Iſt heilig, ob er Raͤubern auch beſchieden. Die Sorge, daß mich nicht Gefahr ereilet, Verſpar' fuͤr die, die deine Feindſchaft mieden. Um Mitternacht iſt jede Bergesſtelle So ſicher mir, wie bei des Tages Helle.“ 75 „»Und wenn mit den verwegenſten Geſellen Selbſt Rodrick Dhu beſetzt die Felſenkette. Verehrter Douglas— liebenswuͤrd'ge Ellen— Nein, nicht vom Scheiden ſprech' ich an der Staͤtte, Die Erde hegt nicht ſo geheime Stellen, Daß ich euch hier zuletzt geſehen haͤtte.— Auch uns, Gebieter, wird die Zeit ſich ſchicken!“— Er ſprach es und entzog ſich ihren Blicken. Der greiſe Saͤnger folgte ihm zum Strande, Wozu ihm Douglas den Befehl verleihte, Und ſorglich hier dem Juͤngling er bekannte, Wie ſtreng Sir Roderick geſchworen heute, Daͤs Feuerkreuz zu ſenden rings im Lande, Durch Thal und Moor und uͤber Berg und Weide, Viel hatte Graͤm von denen zu beſorgen, Die kamen, um dem Aufruf zu gehorchen. 74 Fern uͤberm See war Sicherheit zu finden, Und Allan ſelbſt will ihn im Nachen leiten; Doch ſeinen Rath ertheilt er nur den Winden, Indeſſen Graͤm begann, ſich zu entkleiden. In dichte Falten Dolch und Schwert zu binden, Die reichlichen Gewaͤnder ſich verbreiten; Und achtlos er die Glieder alſo ſchmuͤcket, Wie ſich's zum feuchten Pfad am beſten ſchicket. Dann ſpricht er mit befluͤgeltem Accente: „Nun lebe wohl! du Muſter alter Treuen!“ — Und liebvoll druͤcket er des Saͤngers Haͤnde— „Ol köoͤnnt' ich ſichern Aufenthakt verleihen! Mein Fuͤrſt iſt Vormund meiner Land' und Rente, Mein Ohm gebietet der Vaſallen Reihen: Fuͤr meine Freund' und gegen die mich haſſen, Iſt nur mein Herz mir und mein Schwert gelaſſen ſ „Doch wenn in treuen Graͤms noch Herzen ſchlagen, Die den Gebieter ihres Namens lieben; Dann ſoll es Douglas lange nicht mehr tragen, Gleich dem verfolgten Hirſch umher getrieben. Nein!— eh's dem Raͤuber dort gelingt, zu wagen— Das andre ſei durch Worte nicht beſchrieben!— Sag' Rodrick, nichts ſoll mich ihm ſchuldig machen, Ich dank ihm nichts, nicht einmal einen Nachen!“— Und in die regen Fluthen taucht er nieder Und ſteuert kraͤftig ab von dem Geſtade. Des Saͤngers Augen folgten dem Gebieter Laͤngſt auf der Wellen Mond erhelltem Pfade. Der kuͤhne Schwimmer braucht die muntern Glieder, Bis er der Bucht im Silberſchimmer nahte. Sein lautes Rufen toͤnt vom ſichern Lande, Der Harfner hoͤrt's und geht erfreut vom Strande. —— Anmerkungen. (1) Der Name Graͤm— Die alte und maͤch⸗ tige Familie von Graham, nach ſchottiſcher Ausſpra⸗ che Graͤm, hatte bedeutende Beſitzungen in den Graf⸗ ſchaften Dunbarton und Stirling. Wenig Familien koͤnnen ſich hoͤherer hiſtoriſcher Wichtigkeit vuͤhmen. (2) Eh' dein Geſchlecht— Bezug auf den Fall der Douglaſſe des Hauſes Angus, waͤhrend der Regierung Jakobs des Fuͤnften. Der Graf Angus hatte ſich mit der koͤniglichen Wittwe vermaͤhlt, und be⸗ diente ſich des auf dieſe Weiſe erhaltenen Rechts ſo⸗ wohl, als ſeiner ausgebreiteten Gewalt, um den Koͤ⸗ nig in einer Art von Aufſicht, die nah' an Gefan⸗ genſchaft graͤnzte, zu erhalten. Endlich gelang es dem Koͤnig, zu entfliehen, und der Graf mit allen ſeinen Verwandten und Freunden ward vevbannt. (3) Von der ein Ritter— Dies war auf keine Weiſe ein ungewoͤhnliches Exeigniß am ſchotti⸗ ſchen Hof; ja, die Gegenwart des Monarchen ſelbſt hielt kaum die wilden und unverſoͤhnlichen Feind⸗ ſchaften zuruͤck, welche beſtaͤndig die Quelle des Blut⸗ vergießens unter den ſchottiſchen Edelleuten waren. Es eilt die Zeit mit ruheloſen Stunden Und das Geſchlecht, das auf dem Knie uns wiegte, Der Kindheit lehrte ſeltſamliche Kunden, Von dem, was ſich zu Land und Meer bekriegte, Wie iſt es aus der Weſen Reih' entſchwunden, Wie wen'ge noch, die Alter nicht beſiegte. Gleich des verſunknen Schiffes oͤder Truͤmmer, Bald von der Fluth entfuͤhrt dem Blick auf immer. — zä 80 —— Doch giebt es Lebende, die wohl noch wiſſen, Wie, wenn ein Bergherr ließ ſein Horn erklingen, Zu Feld und Wald, und Klipp' und Thal und Fluͤſſen Die wohlbekannten Toͤne mahnend dringen, uUnd kein verwandtes Banner ließ ſich miſſen, Wenn ſeines Stamms Getreue ihn umringen. Indeſſen Schlachtruf zur Verſammlung einet, Das Feuerkreuz, ein Meteor, erſcheinet.— Im Wiederſcheine fruͤher Morgenroͤthe Der Fluthen Blau ſich Purpurſchimmer leihte; Ein kuͤhles Luftchen kuͤſſet, lind und bloͤde, Den ſtillen See, bewegt der Baͤumne Seite, und der erfreute See, wie Maͤdchen ſproͤde, Erzittert nur, doch laͤchelt nicht aus Freude. In ungewiſſem Licht, gleich Hoffnungs⸗Traͤumen, Der Berge Schatten ſeine ufer ſaͤumen. 82 . Der Waſſerlilie Kelch dem Licht erbluͤhet, Das RNeh erwacht und glaͤnzt vom Morgenthaue, Von dem Gebirg der graue Nebel ſtiehet, Und ſchimmernd zeigt der Waldſtrom ſich im Gaue. Die Lerch' im Duft den Blicken ſich entziehet, Und ſinget unſichtbar herab der Aue. Es girrt ihr Lied, in gruͤner Zweige Laube,. Von Frieden, Lieb' und Ruh die Turteltaube. Doch kein Gedank' an Ruh' und Frieden ſandte Den Stuͤrmen Naſt, die Rodricks Bruſt bewegen. Mit ſchnellen Schritten wandelt er am Strande Und ſchaut, die Hand am Schwert, der Sonn⸗ entgegen. Bereitet ſchon an eines Felſens Rande Sich die Vaſallen um die Wette regen; Daß ſie vollziehn den Brauch, nach alter Weiſe, Bevor das Feuerkreuz beginnt die Reiſe. 6 82 Voll banger Furcht ſie oft erſchrocken ſtehen Bei ſeiner Augen ungeduld'gen Blicken. So iſt der Adler des Gebirg's zu ſehen, Wenn er empor ſteigt von des Berges Ruͤcken. In mittler Luft die dunkeln Schwingen wehen, Gewitterwolken gleich ſie drohend zuͤcken. Es ruht ihr breiter Schatten auf den Zweigen, Und rund umher des Haines Saͤnger ſchweigen. Ein Haufen von verwittertem Geſtraͤuche Ward nun zu hohem Stoß herbei getragen, Vermiſcht mit Splittern jener alten Eiche, In die unlaͤngſt der Wetterſtrahl geſchlagen. Hier Brian ſich der Eremite zeige, Mit bloßen Fuͤßen, Kutt' und haͤrnem Kragen. Vom wilden Bart, von den verworrnen Haaren, Die grauſen Zuͤge überſchattet waren. . ———— —— 83 Weil ſich Gefahren ſeinem Stamm bereiten, Kam dieſer Moͤnch, von wilder Form und Miene, Jetzt aus der Wildniß tiefſten Einſamkeiten, Daß als Vollzieher der Gebraͤuch' er diene. Und wen'ger aͤhnlich einem Gottgeweihten, Als dem Drniden aus dem Grab' er ſchiene, Der mit verhaͤrtetem Gemuͤth und Auge Zum Anblick ſelbſt von Menſchenopfern tauge. Und viel war auch, der Sage nach, zu finden In ſeinen Formeln noch von Heiden Sitte. Kein Landmann ließ ſich Gnade ihm verkuͤnden, Der Pilger ſcheute ſorgſam ſeine Huͤtte. und lenkte Zufall in den rauhen Gruͤnden In ſeine Naͤhe eines Jaͤgers Schritte, Macht' er vor ihm des heil'gen Kreuzes Zeichen, Und ließ das Grauen ſo der Andacht gleichen. 6* 84 — Von ſeinem Urſprung ſeltſamliche Kunde Ward unterm Volk im Land umher getragen: Wie ſeine Mutter, in der Geiſterſtunde, Allein gewacht, wo Tauſende erſchlagen, Und bleiche Schaͤdel ſtarrten in der Runde, Die ſelbſt den Muthigſten erfuͤllt mit Zagen. Sie nimmer eines Mannes Namen nannte, Gab ihm das Seyn und ſtarb, eh ſie bekannte. Und einſam unter ſeinen Mitgenoſſen Befand ſich Brian von der Kindheit Jahren. Ein Knabe truͤben Sinnes und verſchloſſen, Dem Freud' und Antheil gleich entfremdet waren. Im Mondenlicht ihm ganze Naͤcht' entfloſſen, um Wald und Strom ſein Leid zu offenbaren, Bis er begann, die Maͤhr fuͤr wahr zu halten, Meteor und Duft zum Vater zu geſtalten. ——— 85 Vergebens oͤffnen ſich die Einſamkeiten Des Kloſters huͤlfreich, ſeinen Schmerz zu ſtillen. Umſonſt ſich ihm die Schriften jener Zeiten Mit ihrer dunkeln Wiſſenſchaft enthullen. Selbſt neue Nahrung muß ihr Schatz bereiten, Ihn mit Magie und ſchwarzer Kunſt erfuͤllen; Und fern von Menſchen ſucht er, irrer Seele, Verzweiflungsvoll, der Wildniß grauſe Hoͤhle. Und manch Gebild die wuſte Oede zeiget, Entſprechend wohl des Geiſterkindes Traͤumen. Wo ſchwarz Geſtein ſich uͤbern Waldſtrom neiget, Sah er ſo lang' der Wellen kaͤmpfend Schaͤumen, Bis ſein verblendet Auge waͤhnt, es ſteiget Der Waſſergeiſt empor aus feuchten Raͤumen. Vor ihm der Nebel des Gebirgs entfaltet Zu Unhold ſich und Zauberin geſtaltet. 86 In mitternaͤcht'ger Stuͤrme rauhem Wehen Der Abgeſchiednen Geiſterſtimmen hallen. Vor ſeinem Blick der Krieger Reihen ſtehen, Die kuͤnft'gen Schlachten einſt zum Opfer fallen. So ihn in Kluͤften, Fels und Strom und Hoͤhen Die Spuren unſichtbarer Welt umwallen.— Nur eines bindet ihn an die Genoſſen: Die Mutter war Clan Alpins Stamm entſproſſen. Juͤngſt hoͤrt' er naͤchtlich in prophetſchem Traume Des Schutzgeiſts unheilvolle Klage droͤhnen,(1) Und Reiterſchaaren in dem wuͤſten Raume, Wo nimmer ird'ſcher Jaͤger Schritte toͤnen; Es wuthete der Blitz im Fichtenbaume— All Ungluͤck kuͤndigend Clan Alpins Soͤhnen. Er kam obſchwebend Uebel anzuzeigen, Bereit, zu Fluch und Segen ſich zu neigen. * 87 Und alles war vollbracht am Opferherde. 4 Es ſchloß der Kreis ſich um des Stamms Gebieter, Und einen Geißbock legte man zur Erde Vor dem nunmehr entflammten Holzſtoß nieder; Er ward durchbohrt von Rodricks ſicherm Schwerte, Und rothes Blut umſtroͤmet ſeine Glieder. Der Moͤnch begann, und leiſe Spruͤche hallten, Ein ſchlankes Kreuz mit Sorgfalt zu geſtalten. Er formt es aus des Eibenbaumes Zweigen, Wie man ſie auf Clan Alpins Graͤbern findet, Wie leiſen Fluͤſterns ſie herab ſich neigen, Wo die Gebieter ew'ger Schlummer bindet. Er haͤlt dann hoch empor des Kreuzes Zeichen, Mit wildem Blick und welker Hand er kuͤndet; 4 Gemiſcht' und ſeltſame Gefuͤhl' erwachen, Als ſeinen Fluch bekannt die Worte machen: * 7 88 Weh' ſey dem Clansmann, der dies Zeichen ſchaue Und nicht gedenkt, daß ſeine Zweige wallen, Wo Thraͤnen in des Himmels reinſtem Thaue Auf Alpins Helden⸗Graͤber niederfallen. Nie ſeinen Staub man gleichem Grund vertraue, Er ſey entfernt, er ſey verwuͤnſcht von Allen; Und jeder, der von ihm ein Zeichen ſehe, Ruf uͤber den Verraͤther: Wehe! Wehe! Und bei des Fluch erfuͤllten Moͤnches Schweigen Ergreift die Schaar das Wort mit wilden Blicken. Ihr ehrnes Schild ertoͤnt von rauhen Streichen, Und hoch empor das bloße Schwert ſie zuͤcken. In tiefem Murmeln erſt die Toͤn' entweichen, Dann toſend, wie die Well⸗ auf Meeres Ruͤcken. Es hallet laut ihr Ruf durch Thal und Hoͤhe: † Weh' uͤber den Verraͤther, Wehe! Wehe! 89 Der Moͤnch aufs neu die dunkeln Zauber hauchet, Als uͤberm See der wilde Ruf verklungen, Indeß das Kreuz er in die Flamme tauchet. Und das, was man von ſeinem Spruch errungen, — Obwohl den heil'gen Namen er gebrauchet— Glich weniger Gebet, als Laͤſterungen; Doch als er das entflammte Kreuz erhoben, Begann er laut der neuen Fluͤche Toben. Es ſchweigt der Moͤnch, da Stimm' undèlthem fliehen, Indeſſen er mit feſtgeſchloßnen Haͤnden Und Augen, die wie Feuerbraͤnde gluͤhen, Zu ſinnen ſcheint auf weitrer Fluͤche Spenden. Er taucht das Kreuz, um welches Funken ſpruͤhen, In ſchaͤumend Blut hierauf an allen Enden; Und als er es emyor von neuem ſchwinget, Gedaͤmpft und hohl die Rede ihm entdringet. 90 —x Herr Rodrick nahm nun, ohne fern'res Weilen, — Voll Ungeduld das Kreuz in ſeine Rechte, 1 und uͤbergab, mit dem Befehl, zu eilen, Es dem Maliſe, ſeinem treuen Knechte. Vom Sammelplatz ſoll er die Kund' ertheilen, Die Zeit ſogleich, die ſie zuſammen braͤchte.— Und wie ein Berghuhn, dem ein Falke drohte, Eilt uͤbern See des Bluts und Brandes Bote. Schnell, wie das unheilvolle Zeichen ſchwindet, Erſtehen auch in Waffen Dorf und Huͤtte. Von Berges Hoͤh', wo ſich die Felsſchlucht windet, Lenkt jeder tapfre Lehnsmann ſeine Schritte. Der Bote den Verſammlungsort verkuͤndet, Er zeigt das Kreuz mit ungehemmtem Tritte; Und vorwaͤrts eilend, gleich der Winde Tuͤcke, Laͤßt er Beſtuͤrzung und Verdruß zuruͤcke. 91 Der Fiſcher geht, mit trauriger Geberde, Vom feuchten Strand, zur Schlacht ſich zu bereiten. Der ſchwarze Schmid greift ſtracks zu Dolch und Schwerte, Die Senſe ruht auf halb gemaͤhten Haiden. Es irret ohne Huͤter nun die Herde, Der Jaͤger laͤßt den Hirſch auf ſichern Weiden: Denn wo das Kreuz ſich zeiget, ſonder Weilen, Clan Alpins Soͤhne zu den Waffen eilen. Und ohne Raſt des Boten Schritte gehen, Bis endlich ſich Duncraggans Huͤtten zeigen, Gleich moosumwallten Felſen, halb geſehen, Halb ſich verſteckend unter gruͤnen Zweigen. Hier kann in ſeinem Lauf er ſtille ſtehen, Hier deſſen Herrn das Kreuz zur Eile reichen. Und wie der Falke, gierig nach dem Fange, Fliegt er hinab den Weg am Felſen⸗Hange. * Was ſchwellt die Luft mit wehevollem Schalle? — Die Sterbeglocke, Frauen Klaggewimmer! Ein tapfrer Krieger kaͤmpft nicht mehr ſuͤr Alle, Ein wackrer Jaͤger kehrt zum Walde nimmer. In ſeiner Vaͤter tagberaubten Halle Li iegt Duncan auf der Bahr' in Kerzenſchimmer; und tieſer Trauer ſtehen Witw' und Soͤhne, uUnd Frau'n und Jungfrau'n hauchen Klagetoͤne.(2) Es naht ein Fremder— nicht mit leiſem Tritte, Als komune er zur Trauer um den Todten.— Nein! als befluͤgle Todesfurcht die Schritte, Als wenn Verfolgung und Gefahr ihm drohten. Schuell tritt er vor die Bahr' in ihre Mitte, Entſetzt und uͤberraſcht ſehn ſie den Boten. 1 Er haͤlt empor das blutgefaͤrbte Zeichen, Nennt den Verein und will's zur Eile reichen. 93 Und ſchnell herbei der junge Angus ſpringet, Stamm Duncans Erb' und faßt es mit den Haͤnden. In Eil' ſodann der Juͤngling ſich umſchlinget Mit ſeines Vaters Dolch und Schwert die Lenden. Doch, als zu ihm der Mutter Auge dringet, In ſtummer Angſt die Blick' auf ihn ſich wenden, Fliegt er in ihren offnen Arm zuruͤcke, Daß Abſchieds⸗Kuß auf ihren Mund er druͤcke. Ach!— ſtoͤhnet ſie— und dennoch mußt du eilen, Soll man des tapfern Duncans Sohn dich waͤhnen. Noch einen Blick laͤßt auf der Bahr' er weilen, Wiſcht ſich vom Auge die entthauten Thraͤnen, Holt tiefer Athem, Luft ſich zu ertheilen, Und ſchwenkt im Winde ſeines Hauptſchmucks Maͤhnen; Dann khut er eilig ihrem Blick' entweichen, Traͤgt ſchnell davon des Feuerkreuzes Zeichen. 4 94 Der Wittwe Auge keine Thraͤne ſpendet, So lang der Schritte Laute zu ihr dringen— und als ſie ſah, wie zu ihr hingewendet, Im Aug' des Boten Mitleidszaͤhren hingen, Spricht ſie zu ihm:„Es iſt ſein Lauf vollendet, Der deine Botſchaft ſollte weiter bringen. Gefallen iſt Duncraggans ſtolze Eiche, und aller Schutz ruht nur im jungen Zweige.“ »„Doch will ich auf den Gott der Waiſen trauen, Der uͤber ihn, wenn Pflicht erfuͤllt, wird walten! Und ihr, die oft erprobt der Schlachten Grauen, Wenn Duncans Wort' als des Gebieters ſchallten, aßt Todtenklage Kindern nnn und Frauen, Das Schwert zum Schutz der Waiſ' empor zu hal⸗ ten.“— Und Kriegesruf und lautes Waffenſchallen— Ertoͤnt nun rings durch die Begraͤbnißhallen. Man in der Hoͤh' erblickt Sankt Brauts Kapelle. 95⁵ Denn jeder greift behend zu Tartſch' und Schwerte, Die an der Halle Waͤnden aufgehangen. und heitrer wird der Trauernden Geberde, Aus dem geſunknen Auge Strahlen drangen, Als ob ihr Duncan ſich erheben werde, Da dieſe Kriegern theuern Toͤn' erklangen— Doch bald verſchwinden die entliehnen Maͤchte, Und Thraͤn' und Kummer fordern ihre Rechte. Und uͤber Thal und Hoͤh' der Aufruf eilet, Nicht Raſt noch Ruhe Angus Schritte finden. Die Thraͤne, die in ſeinem Auge weilet, Laͤßt er zu trocknen den Gebirgeswinden, Bis wo der junge Strom die ufer theilet, Und zwiſchen ihm und Wald bewachsnen Gründen, Des dunklen Bodens Zierd' in gruͤner Stelle, 8 96 Es ſchwoll die Fluth— fern war der Bruͤcke Bogen, Doch Angus keine Zeit am ufer ſpendet; Obgleich im ſchwindeln Tanz die dunkeln Wogen, Obgleich ſein Aug' von innerm Gram geblendet. Er ſchreitet kuͤhn, wo wild die Fluthen zogen; Die Rechte haͤlt das Kreuz, das er entſendet, Die Linke jaßt die Streitart, ſeinem Tritte Zur Stuͤtze dienend in des Stromes Mitte. Und dreimal ſtrauchelt er— wenn er geſallen, War ihm auf immer Lebewohl zu ſagen. In wildem Schaum empor die Fluthen wallen, und toſend ſich die regen Wellen jagen. Doch ſtets, wie an des Todes dunkeln Hallen, Halt feſter er das Kreuz, das er zu tragen, Bis er das gegenſeit'ge Land gewonnen, und zu Sankt Braut den Weg hinauf begonnen. 97 Es ſuchte bei des Morgens heitrer Helle Ein frohes Haͤuflein⸗heut den Ort der Weihe. Armandavs Erben gab an heil'ger Stelle Die lang' Erſehnte das Geluͤbd' der Treue. Und jetzt begann von gothiſcher Kapelle Zuruͤck des Brautzugs buntgemiſchte Reihe. Es waren regellos, doch froh, zu ſchauen, Bemuͤtzte Maͤnner und behaubte Frauen. Und Juͤnglinge, erfuͤllt mit Scherz und Schwaͤnken, Die bei den Jungfrau'n wenig Beifall fanden; Und Kinder, welche ohn' etwas zu denken, Ihr Rufen mit der lauten Luſt verbanden, Und Saͤnger, die des Liedes Zauber lenken, Und vor der Braut einher die Schritte wandten. Geſenkten Blicks, und Thraͤnen auf den Wangen, Glich ſie der Roſ' in fruͤhen Thaues Prangen. 7 98 Wer tritt entgegen an des Kirchhofs Pforte? Der Bote nahet mit des Schickſals Tuͤcke. Von Eil befluͤgelt toͤnen ſeine Worte, Und Kummer ſchwimmt in dem umwoͤlkten Blicke. Noch triefend das Gewand vom feuchten Orte, Tief holt er Athem, daß die Red' ihm gluͤcke, Nennt den Verein und rufet ohne Weile: Eil', Normann, mit dem Feuerkreuze, eile! — und muß ſo bald die Hand er wieder laſfen, Der ſeinen nur vereint nach heil'gem Brauche? Muß er das Kreuz des Bluts und Brandes faſſen, Noch eh' die Sonn' in Weſten nieder tauche?— Er muß, er muß! ihn trifft des Schickſals Haſſen. Clan Alpins Sache, der Verwuͤnſchung Hauche, Des Oberhaupts Vertraun heiſcht kein Beſinnen, Auf, zu dem raſchen Kreislauf, auf! von hinnen! 99 —x Nicht ſchneller uͤber die entflammten Haiden,(5) Zerſtoͤrend eilen mitternaͤcht'ge Gluthen, In Purpur huͤllend der Gebirge Seiten, Und roth umſaͤumend dunkler Seeen Fluthen, Nicht ſchneller, als die Kriegesruf' entgleiten, Die durch das Feuerkreuz zu'n Waffen luden; Bis nah und fern geruͤſtet alle kamen, Die Theil genommen an Clan Alpins Namen. Vom greiſen Alten, der mit ſchwachen Haͤnden Kaum es vermag, das Schwert ſich anzulegen, Zum Knaben hin, vor deſſen Pfeilentſenden Die Kraͤhen kaum noch Furcht und Schrecken hegen; Aus jeder Schlucht, von Thal und Hoͤhe wenden Sie ſich vereint dem Einungsort entgegen. Die Bande nur an ihrem Clan ſie kennen, Nur das Geſetz, das Rodricks Worte nennen. * 7* Er ging, an dieſem Morgen zu beſchauen Nings her die Graͤnzen der Gebirgeskette, Und Spaͤher ſandte er durch Hoͤh' und Auen, Ob ſich der Feind vielleicht genahet haͤtte; Doch alle kehrten ohne Unheils Granen, Kein Banner weht, kein Kriegsheer iſt zur Staͤtte, Von keinem Thurme flammt des Feuers Zeichen, Und alles ſcheint dem Frieden nur zu gleichen. Und warum dennoch ſeine Blick' umfaſſen So bang nach Weſten zu die Felſen⸗Stelle? Ein ſchoͤn, doch grauſam Unterpfand gelaſſen War dort, in feuchter, Nacht umgrauter Zelle; Denn hin zu dieſer Berge ſtarren Maſſen, Die ewig ſtehn als unverruͤckte Waͤlle, War Donglas, treu dem Wort, das er geſprochen, Am Morgen von der Inſel aufgebrochen. 101 Und wilder, ſeltſamlicher wohl ſich waͤhnet Ein Ort kaum, wo⸗Verbannte Schutz gefunden. An Berges Seit' empor die Felsſchlucht jaͤhnet, Wie auf des Kriegers Bruſt die offnen Wunden. Von fruͤhem Erdſtoß grauer Hoͤh' entlehnet, Woͤlbt ſich der Stein, wie Zufall ihn verbunden. Der Eich' und Birke Zweige hier ſich gatten, Verbreitend ſelbſt um Mittag tiefen Schatten. Es ſtoͤret kein Geraͤuſch die Einſamkeiten, Als nur das Murmeln der Gebirges⸗Quellen; Und wenn die Winde mit den Fluthen ſtreiten, Hoͤrt man vom See her hohle Töoͤne ſchwellen. Des Lands Bewohner dieſen Ort vermeiden, Denn nicht geheim ſind, wie man ſagt, die Stellen. Viel Barden⸗Lieder dieſe Grotte kannten, Die Sachſen ſie die Geiſterhoͤhle nannten. Als Abend nun, in langen Schattenreihen, Sich ſtark und glaͤnzend uͤbern See verbreitet, Herr Roderick mit wenigen Getreuen Zuruͤck die Paͤſſe auf der Hoͤhe ſchreitet. Und vor ihm die Begleiter ſich zerſtreuen, Daß man am Strand das Fahrzeug zubereitet; Denn uͤbern See hin ſeine Pfade gehen, Wo Alpins Streiter ſchon geruͤſtet ſtehen. Doch weilet er, voll ſinniger Geberde, Was nie er pflegte, hinter ſeinen Leuten. Ein Page nur, mit ſeines Herren Schwerte, Iſt nahe, den Gebieter zu begleiten. Die Andern zu des Strandes feuchter Erde, Ihn zu erwarten, durch das Dickicht ſchreiten; Und ſchoͤn und ſtattlich waren ſie zu ſchauen Im Abendglanz von hochgelegnen Auen. Denn auserleſen iſt die Schaar zu finden, 4 An hohem Wuchs und kraͤftigen Geſtalten, Wie, ehe man genahet, noch verkuͤnden Der ſtolze Schritt, das kriegeriſche Walten. Die Tartſche glaͤnzt, der Hauptbuſch weht in Winden, Als ſie am Nachen unter Felſen halten. Ein wild und ſtreitbar Haͤuflein hier ſie ſtehen, Wie wohl geziemet ſolches Strandes Hoͤhen. Doch immer zoͤgernd, in ſich ſelbſt verloren, Noch der Gebieter rauhen Fels umſteiget, Dort, wo zu dunkelm Aufenthalt erkoren, Der Bergpfad ſich zu Douglas Wohnung neiget. Nur dieſen Morgen erſt hat er geſchworen, und Will' und Blick den feſten Vorſatz zeiget: In wilden Krieg ſein Lieben zu verſenken, Und nie an Ellen Douglas mehr zu denken. 104 —— Allein, wer Stroͤme hemmen will mit Sande, Und Flammen will in haͤnfne Feſſeln zwingen, Hat leichter Thun, als uͤber Liebesbande, Durch feſten Vorſatz, ſich den Sieg erringen.— Der Abend findet ihn am Felſeurande, Gleich irrem Geiſt in ihre Naͤhe dringen; Denn ob er ſtolz verſagt ihr Sehn dem Auge, Strebt doch ſein Ohr nach ihrer Toͤne Hauche. Und er verwuͤnſcht der Abendluͤfte Wallen, Die murmelnd durch der Baͤume Laub ſich draͤngen. Doch horch! was miſcht ſich in ihr leiſes Hallen?— Es iſt der Ton von Allans Harfenklaͤngen. Erwecket hoch und leiſe ſie erſchallen,. Geſtimmt mit Fleiß zu heiligen Geſaͤngen. Welch ſanfter Laut in ihre Weiſ' erklinget? Ein Engel iſt es, oder Ellen ſinget. 105 Hymne an die heilige Jungfrau. Ave Maria! Jungfrau mild! Hoͤr' auf einer Jungfrau Bitte; Du erhoͤrſt aus Wuͤſtenein, Retteſt aus Verzweiflungs⸗Mitte. Sicher ruhn wir, wo du walteſt, Ob verbannt, verſchmaͤht wir ſind.— Jungfrau! hoͤr' der Jungfrau Bitte, Mutter! hoͤr' ein bittend Kind! Ave Maria! Ave Maria! unbeflecket! Das Geſtein, das hart ſich hebt, Scheint mit weichem Pflaum bedecket, Wenn dein Schutz uns nahe ſchwebt. Nebelhauch in ſuͤße Duͤfte Wandelt durch dein Laͤcheln lind; Darum hoͤr' der Jungfrau Bitte, Mutter, hoͤr' ein bittend Kind! Ave Maria! Und dreimal ſeufzt der Bergherr:„Nimmer wieder 106 — Ave Maria! Himmliſchreine! Arge Erd⸗ und Luft⸗Daͤmonen Weichen von gewohnter Staͤtte, Willſt du ſchuͤtzend bei uns wohnen. Wir in Kummers Loos ergeben Unter deiner Fuͤhrung ſind.— Fuͤr die Jungfrau hoͤr' die Bitte, Fuͤr den Vater hoͤr' ein Kind! Ave Maria! Das Lied verklingend auf den Saiten ſchweiget, Doch ſteht Elan Alpins Herr am Felſenhange, Bewegungslos ſich auf ſein Schwert gebeuget, Als lauſch' er noch dem lieblichen Geſange; Bis demuthsvoll der Page weſtwaͤrts zeiget, Wo ſich die Sonne naht dem Untergange.— * Hort Roderick nun dieſes Engels Lieder!“ 1½ * 107 Obittrer Liebesſchmerz!— Mit ſchnellern Tritten Eilt er hinab zum Nachen an dem Strande, Worin ſie eilig durch die Fluthen glitten, Zur Silberbucht am andern uUfersrande. Und oſtwaͤrts war die Hoͤhe dann erſchritten, Als Tageslicht die letzten Strahlen ſandte, Wo kriegeriſch im Thal zu ihren Fuͤßen Clan Alpins Soͤhne ſich geruͤſtet wiſſen. Bald weilend, bald mit thaͤtiger Geberde, Erblickt man ſie in mancherlei Geſtalten. Allein die meiſten ruhten auf der Erde,. Gehuͤllt in ihres Mantels weite Falten; So daß das Auge oft verleitet werde, 1 Sie fur die tiefe Haide ſelbſt zu halten. 3 Nur hier und da ein Schwert⸗, ein Lanzenſchimmern, Dem Gluͤhwurm gleichend, durch die Schatten flim⸗ mern. 108 Doch als ſie, nahend ſich in Abendgrauen, Nun des Gebieters Adlerbuſch erblicken, Schallt ihr Begruͤßungsruf durch Hoͤh' und Auen, Erſchuͤtternd des Gebirges ſteilen Nuͤcken. Und dreimal ſchallet er, und See und Gauen Die Kriegesklaͤnge dreimal ruͤckwaͤrts ſchicken.— In fernen Thales Grunde ſie verhallten, Und Schweigen herrſcht mit abendlichem Walten. 1⁰9 Anmerkungen. (1) Des Schutzgeiſts— Von den meiſten großen Familien der Hochlaͤnder ward geglaubt, daß ſie einen Schutzgeiſt, oder vielmehr Hausgeiſt beſaͤ⸗ ßen, der an ihrem Gluͤck Antheil nehme, und deſſen Klagen ein nahendes Uebel ankuͤndigten. . (2) Und Frau'n und Jungfrau'n— Die Todtenklage(Coronach) der Hochlaͤnder war, gleich⸗ wie die der Roͤmer und Irlaͤnder, ein wilder Aus⸗ druck trauernder Klage uͤber der Leiche des abgeſchie⸗ denen Freundes. Wenn die Worte verſtaͤndlich, druͤckten ſie das Lob des Verſtorbenen und den Ver⸗ luſt, den der Clan erlitten hatte, aus. (5) Nicht ſchneller— Die Haide der ſchot⸗ tiſchen Moorlaͤnder wird oft in Flammen geſetzt, da⸗ mit die jungen Kraͤuter beſſer zur Weide der Schaſe dienen. IV. Die Prophezeihung. Am ſchoͤnſten, Roſen, die der Knoſp' entdringen, Am hellſten, Hoffnungen, die Furcht enttagen. Am ſuͤßeſten, die Roſ' in Thaues Schwingen, Und Lieb' am lieblichſten, wenn Thraͤnen zagen. O wilde Roſe! laß zum Kranz dich ſchlingen, Der Lieb' und Hoffnung als Symbol zu tragen!— So lauteten des jungen Normanns Worte, Als Tageslicht erſchloß die goldne Pforte. 8 114 Die Worte, halb geſprochen, halb geſungen, Lehrt Liebeswaͤhnen ſchmeichelnd ſeinem Munde. Indeſſen er die Roſ' im Kranz verſchlungen, Lag Art und Bogen neben ihm am Grunde; Denn zwiſchen See und Waldes⸗Daͤmmerungen Stand er als treue Wacht in dieſer Stunde— Da hoͤrt er auf dem Felſen Tritte ſchweifen, Und eilt, ſogleich die Waffen zu ergreifen. „Halt! oder Tod!“— allein Maliſ' erſchiene, Zuruͤckgekehret, eh' man es vermeinte, Und Normann deutet ſich aus Gang und Miene, Er bringe ſichre Nachricht von dem Feinde. (Denn daß er ſeinem Stamm als Spaͤher diene, War er entfernt, indeß das Kreuz vereinte.) „Wo,⸗ fragt er,„iſt des Bergherrn Ruhebette?“— „Dort einſam an der Nebel grauen Staͤtte.“ 115 und Normann, ihn zum Bergherrn zu geleiten, Weckt einen Schlummrer auf, des Orts zu wahren. Dann ellig ſie die Hoͤhe aufwaͤrts ſchreiten.— „Was haſt du,“ fragt er,„von dem Feind erfahren?— „Verſchiedne Sagen ſich umher verbreiten; Gewiß iſt's, daß verſammelt ſtehn die Schaaren. Zwei Tage ſchon umfaſſen ſie die Mauern, Wo ſie auf den Befehl zum Aufbruch lauern.“. „Indeſſen uͤberlaͤßt, mit Koͤnigs⸗Prangen, Sich Schottlands Herrſcher froͤhlichen Gelagen. Bald werden Wolken, die jetzt drohend hangen, In Ungewittern auf uns niederſchlagen. Allein der Krieger fuͤhlt deshalb kein Bangen, Da er gewohnt, ſolch bitter Loos zu tragen.— Doch ſag', auf welche Art willſt du geborgen Die ſchmucke Braut in dieſer Zeit verſorgen?“ 8* 116 „So weißt du nicht, daß zu der Inſel Auen, Wie Roderick es ſorglich angerathen, Begaben Kinder ſich und Greis und Frauen, Und jeder, nicht geſchickt zu Kriegesthaten? Und weder Boot noch Fahrzeug iſt zu ſchauen Nun auf dem See noch rings an den Geſtaden; Sie ruhen alle an der Inſel Rande, Zur Sicherheit ſo theuerm Unterpfande.“ „Es zeigt im weiſen Schluſſe ſolch Verfahren Als ſeines Stammes Vater den Gebieter. Doch warum fern von ſeinen treuen Schaaren Ließ ſich Sir Roderick zum Schlummer nieder?“— „Weil Brian will die Zukunft offenbaren Nach jenem Brauch, der dann nur kehret wieder, Wenn ſich das Aergſte naht, durch den die Ahnen Erforſcht das Schickſal auf des Krieges Bahnen.“ 117 „Bei jenes Waſſerfalles feuchten Raͤumen(1) Iſt eines weißen Stieres Haut bereitet, Wo an den Felſen wild die Fluthen ſchaͤumen, Noch an dem jaͤhen Abhang ausgebreitet. Dort harrt der Zauberer prophet'ſchen Traͤumen, Von Felsgeſtoͤhn und Waſſerfall begleitet. Nicht weit davon, auf rauhen, Berges Rücken, Kann man des Haͤuptlings Ruheſtatt erblicken.“ „Doch ſiehe dort durch Buſch und Nebel ſchreiten Den Eremiten zu des Felſens Brauen, Er weilet hingewandt zu unſern Leuten, Um ſie im Schlummer ruhend zu beſchauen. Scheint er nicht wie ein Geiſt einher zu gleiten, Wo ein geſchlagnes Heer bedeckt die Auen?— Jetzt einet ſich mit ihm des Stamms Gebieter, und beide ſteigen von der Hoͤhe nieder.“ 118 Und als ſie ſich vom Berg herab begeben, Der Eremit voll Ernſt die Rede leitet: „O Roderick! es iſt ein furchtbar Streben Fuͤr einen, welchen ird'ſcher Staub bekleidet, Der ſchwach genug, zu fuͤrchten und zu beben, und dem der Schrecken Fieberfroſt bereitet— zs iſt hart für ſolchen, vor der Zukunft Walten, Den dicht geſchloßnen Vorhang zu entfalten.“ „Doch Zeuge ſey das Zittern meiner Glieder, Der truͤbe Blick, der Pulſe mattes Schlagen, Was ich mit Seelenangſt fuͤr den Gebieter Auf graunerfuͤllter Lagerſtatt ertragen. In welcher Form es kam zu mir hernieder, Kann nimmer eines Menſchen Zunge ſagen. Und jeder Sterbliche vom Leben ſcheidet, Eh', was er ſah, mit Worten er gedeutet.“ 3 119 „Nur zwiſchen Tod und Lebenden geboren, Laͤßt die Geſetze der Natur beſiegen.— Am Ende war die Antwort nicht verloren. Sie kam verhaͤngnißvoll in Flammen⸗Zuͤgen. Nicht Feuerſchrift, nicht Wort dazu erkohren, Fuͤhlt' ich ſie heiß in meiner Seele liegen: Wer raubtamerſten eines Feindes Leben, Des Antheil iſt im Streit der Sieg ge⸗ geben.“— 4 „Dank, Brian, Deinem Eifer, Deinen Sorgen! Die Weißagung iſt gut und uns gewogen. Clan Alpin iſt durch dieſen Spruch geborgen, Denn Blut trank ſtets zuerſt des Schwert und Bogen. Noch giebt's ein ſichrer Opfer.— Dieſen Morgen Kam in mein Land ein Spaͤher hergezogen, Selbſt bietend ſo ſich dem begluͤckten Streiche— Kein Abend werde ſeiner Ruͤckkehr Zeuge.”» 120 „Beſetzt iſt jeder Paß von meinen Leuten, Nach Oſten hin, nach Weſten und nach Suͤden. Roth Murdoch iſt erkauft, ihn zu begleiten, Daß auf mein Wort den rechten Pfad ſie mieden, Bis er auf tiefen Wegen, dunkeln Haiden, Sich denen naht, durch die ihm Tod beſchieden. — Doch ſieh mit Bothſchaft den Maliſe kommen.— Was haſt du neues von dem Feind vernommen?“ » Wohl uͤber manche Hellebard' und Lanze Die ſtolzen Banner zweier Fuͤhrer reichen. Ich ſahe Murrays Stern im Silberglanze, Und unbemerkt blieb nicht Mar's dunkles Zeichen.“ „Bei Alpins Seel' erwuͤnſcht zum Kriegestanze! Ich liebe Feinde, welche dieſen gleichen. Wann nahen ſie?»—„Des naͤchſten Tages Mitte Sieht hier zur Schlacht gelenkt des Feindes Schritte." —-— 121 „Dann ſoll er einen Stern zum Gegner finden.— Doch wo die Stelle?— Haſt du nichts erfahren Von Freundesſtaͤmmen, die ſich uns verbinden? Du ſchweigſt?— Nun wohll ſo werden AlpinsSchaaren Verſammelt in den rauhen Felſen⸗Gruͤnden, Allein des Sieges Kraͤnze ſich bewahren. Wir wollen fechten in des Seees Gauen, Daß Franu'n und Jungfrau'n unſre Thaten ſchauen.“ „Ein Kampf fuͤr Herd, fuͤr Vater, Kind, Ge⸗ liebte!— Doch wehen feucht um mich des Luͤftchens Schwingen? Iſt dieſe Thraͤne, die mein Ange truͤbte. Ein Bote Furcht und Zweifel mir zu bringen? Nein! ehe Furcht an mir die Herrſchaft ubte, Eh' wird den Fels der Sachſen Lanze zwingen!“— Der Kriegsruf toͤnt, die Schaar folgt ſeinen Winke e, Das Banner weht, die breiten Shute bh linken. 122 Doch wenden wir, wo Kriegestoͤn' erklangen, Noch einmal uns zur Geiſterkluft zuruͤcke. Der Douglas iſt am Morgen fortgegangen Und Ellen ſitzt auf grauem Felſenſtuͤcke. Es ſchaut der Saͤnger ihres Herzens Bangen und ſucht umſonſt, ob's, ſie zu troͤſten, gluͤcke.— „Dein Vater wird— er muß zuruͤcke kommen, Bereitet nur ein Obdach dir zum Frommen.“ „Nein, nicht ſo milde Hoffnung kann ich hegen! Die Thraͤne, die in ſeinem Auge weilte, Als er mir ernſt ertheilt den Abſchiedsſegen, Nicht meines Herzeus truͤbe Ahnung heilte. Ich fuͤhl' in meinem Innerſten ſich regen, Was ſeine Seele fuͤr Entſchluͤſſe theilte: Wie auf dem See, der ſelber leiſ' erſchuͤttert, * Im Widerſchein des Felſen Bildniß zittert.“ 123 „Er hoͤrt, daß man ſich zum Gefecht bereitet, Und ſieht in ſich die Urſach von dem Streite. Sir Rodrick, der's fuͤrwahr ſo redlich meinet, Und Graͤm ſind nun fuͤr uns gefaͤhrdet beide. Er will, wenn er bis Abend nicht erſcheinet, Daß ich den Schritt zu jenem Kloſter leite.. Ach! er hat ſich zu Schottlands Thron begeben, Erkauft der Freunde Wohl mit eignem Leben!“ „Nein, Theure, nein! er iſt gewiß geborgen, Und wenn auch ſeine Ruͤckkehr aufgeſchoben. Auch fuͤr den Graͤm entſchlage dich der Sorgen, Was ich verheißen, wird als wahr ſich proben. Ihn zeigte mir ein Traumgeſicht am Morgen In Feſſeln, die du ſelbſt um ihn gewoben. Mein geiſtig Schaun kann nie der Taͤuſchung gleichen, Es war der Furcht, es ſey der Freude Zeichen.“ 124 2ↄ/2ꝗ/ꝑ „Denk an den Fremdling auf der Inſel Auen, Die Trauerklaͤng' als Boten dieſer Leiden.— Allein der Aufenthalt erregt mir Grauen, Es herrſcht kein Gluͤck, wo Geiſterchoͤre gleiten. So ſeltne Kunde will ich dir vertrauen, Oft hieß mein Lied ſchon deinen Kummer ſcheiden.“— Der Saͤnger probt ſein einfach Kunſt⸗Beginnen, Doch war entfernt davon der Jungfrau Sinnen.— Ballade.*) Elſe Brand, Wohl luſtig iſt's im gruͤnen Wald, Wenn Fink und Amſel ſingen, Wenn Wild enteilt, der Jagdhund heult, Des Jaͤgers Hoͤrner klingen. *) Bereits aus dem groͤßern Gedicht, im Frauen⸗ taſchenbuch erſchienen. „O Elſe Brand, mein Vaterland Verlor ich dir zu Liebe. Und Hain und Wald, zum Aufenthalt, Geaͤchtet uns nur bliebe.“„ „O's war nur wegen deines Blicks, Der blauen Augen Funkeln, Daß ich erſchlug den Bruder dein, Als wir entflohn im Dunkeln.“ „Nun muß ich lehren dieſer Hand, Gewohnt das Schwert zu halten, Zu Schutz und Wehr und Lager uns Geſtraͤuch' und Pfahl zu ſpalten.“ „Statt langem Kleid, dein Haͤndchen zart, Das ſonſt geruͤhrt die Saiten, Muß gegen Froſt und Kaͤlt' uns nun Ein rauhes Fell bereilen.“— „O, Richard! wenn mein Bruder ſtarb, War's nur des Zufalls Schaſſen; Denn naͤchtlich ward der Streit gefuͤhrt, Und Schickſal lenkt die Waffen.“ „Ziert laͤuger nicht die Robe mich, Noch dich des Scharlachs Gluͤhen; So warm, fuͤrwahr, iſt niedres Grau, So ſchoͤn des Waldes Gruͤn.“ „Und, Richard! ward uns, hartes Loos, Geraubt dein Vaterland, Behielt ich meinen Richard doch, Er ſeine Elſe Brand.“— ¹s iſt luſtig, luſtig im gruͤnen Wald, So froͤhlich Elſe ſinget; Am Buchenſtamm, am Eichenbaum Lord Richards Axt erklinget. . 127 Da ſprach der Elſen Koͤnig grimm, Der in dem Berge hauſet— Sein Geiſter⸗Wort wie Sturmes Hauch Durch oͤd Gemaͤuer ſauſet: „Wer faͤllt dort Eich' und Buchenſtamm, Beſchattend unſre Kreiſe? Wer jaget unſrer Herrin Luſt, Das Wildpret, ſich zur Speiſe? Wer wagt's, in unheilvollem Gruͤn(2) Zu gehn nach Elfen Weiſe?⸗ „Eil', Urgan! zu dem Sterblichen, Man ließ als Chriſt dich tauſen, Vor Kreuz, Beſchwoͤrung und Gebet Wirſt du daher nicht laufen.“ „Bring ihm gebrochner Herzen Fluch, Den Fluch ruchloſer Naͤchte, Bis er ſich wuͤnſcht des Lebens End, Doch nichts den Tod ihm braͤchte.“— 128 's iſt luſtig, luſtig im gruͤnen Wald, Obgleich kein Vogel mehr ſinget; Das Feuer ſchuͤret Elſe an, Und Richard Reiſig bringet. Und ſchnell Urgan, der grimme Zwerg, Da vor Lord Richard ſtand. E — ſpricht: Ich achte nicht dein Kreuz, Gemacht mit blut'ger Hand. Doch drauf erwiedert Elſe Brand, Von keiner Furcht erfuͤllt— „Und wenn iſt Blut an ſeiner Hand, So iſt es nur vom Wild.“— „Du luͤgſt jetzt laut, mit kuͤhnem Muth! Es klebt an ſeiner Hand Ein Flecken dir verwandtes Blut, Das Blut von Ethert Brand.“* 129 Da ſchritt ſie furchtlos auf ihn zu, Und macht das heil'ge Zeichen— „Und wenn iſt Blut an Richards Hand, Der meinen iſt's nicht eigen.“ „ Und ich beſchwoͤre dich bei dem, Den die Daͤmonen fliehen, Daß du mir ſagſt, woher du biſt, Und was du willſt vollziehen?“— „'s iſt luſtig, luſtig im Elfenland, Wenn Zaubervdgel ſingen, Wenn Hof und Koͤnig reiten aus, Und Zaum und Zuͤgel klingen.““ „ Und ſroͤhlich ſcheint das Elfenland, Doch iſt's nur taͤuſchend Licht! Gleich Winters Strahl, der eitel ſich Auf Schnee und Eiſe bricht.“ 9 130 „ Und wechſelnd ſo, wie dieſer Straht, Sind wir auch an Geſtalt, Als Dam' und Herr erſcheinen wir, Als Zwerg und Affe bald.“ „'s war zwiſchen Nacht und Tageszeit, Allwo die Elfenmacht, Als ich erlag im ſuͤnd'gen Streit, Und ward, halb todt, halb lebend, weit Ins Elfenſchloß gebracht. 5 „Doch kreuzte dreimal eine Frau Nur kuͤhn die Stirne mein, Dann wuͤrd' ich wieder von Geſtalt Schoͤn wie du ſelber ſeyn!“ Sie macht ein Kreuz— und noch ein Kreuz— „So muthig ſtand ſie dort; Und grauſer ward das Ungethuͤm, Und dunkler ward der Ort. 131 Sie macht das dritte Kreuz— er hob Sich unter ihrer Hand; Der ſchoͤnſte Juͤngling ſchottſcher Art, Ihr Bruder, Ethert Brand. Wohl luſtig iſt's im gruͤnen Wald, Wenn Fink' und Amſel ſingen; Doch luſt'ger ſie in grauer Stadt, Wenn alle Glocken klingen!— Und als des Saͤngers Harfentoͤn' entſchallten, Erklimmt ein Fremder des Gebirges Seite. Der kriegeriſche Schritt, das edle Halten, Die ſchoͤne Form in gruͤnem Jaͤgerkleide, Der Adlerblick erregt Erinn'rungs Walten— 's iſt Snowdouns Ritter, wiederkehrend heute. Und Ellen glaubt ein Traumbild zu erblicken, Kann kaum den Laut des Schreckens unterdruͤcken. 1. 9— 2 1932 „O Fremdling! in ſo unheilvoller Stunde, Welch boͤs Geſchick fuͤhrt dich in dieſe Auen?“— „Ein boͤs Geſchick iſt es in deinem Munde, Was mir vergoͤnnt, von neuem dich zu ſchauen? Mein vor'ger Fuͤhrer, der mit mir im Bunde, Traf dieſen Morgen fruͤh mich in den Gauen, Und fuͤhrte uͤber Baͤche und Geſtade Zu dir der Wiederkehr begluͤckte Pfade. „Begluͤckte!— Sagt er nichts von Krieges⸗ ſchaaren? Von naher Schlacht? von rings beſetzten Wegen?“— „Nein, nicht ein Wort! auch konnt' ich nichts gewahren, Was mich vermocht, deshalb Verdacht zu hegen.“— „Eib, Allan! ſeine Abſicht zu erfahren, Such' ihm des Fremden Wohl ans Herz zu legen. 3 Ach! keiner ließ von Rodricks Schaar ſich dingen, Dich ohn' ſein Wiſſen dieſen Weg zu bringen!“— 133 „So iſt dir, Holde! theuer doch mein Leben, Da's werth erſcheinet, daß man Sorge trage. Doch iſt es nur fuͤr mich ein leeres Streben, Haͤlt. Lieb' und Chre gegen Tod die Wage.— So laß mir Vortheil nun den Zufall geben, Damit ich kuͤhn dir meinen Vorſatz ſage: Ich kam, zu fuͤhren dich aus rauhen Gruͤnden, Wo nie ſo ſchoͤne Blume war zu finden.» „An dieſer ſanſten Hand will ich dich leiten, Von Scenen, wo Gefahr und Streit entgluͤhte. Es warten meine Roſſ' auf fernern Haiden, Bald nahen wir uns ſichrer Stadt Gebiete. Ich will ein lieblich Obdach dir bereiten, und pflegen dich wie eine zarte Bluͤthe.“— „Ol ſtill, Herr Ritter!'s waͤr nach Frauenweſen, Zu ſagen, ich kann nicht im Sinn dir leſen!“ „Zu willig hab' ich vormals ſchon vernommen, Mit eitelm Thun, die Worte mir zum Preiſe, Dies reizte dich, zuruͤcke nun zu kommen, War Lockung dir zu ungluͤckſel'ger Reiſe. Was kann nun wieder gut zu machen frommen, Das Ungemach der thoͤrig eiteln Weiſe?— Ich will, obgleich vor Schaam die Wangen brennen, Zu meiner Buͤßung alles frei bekennen!“— „Doch erſt— mein Vater iſt der Acht verfallen, Und Schande waͤr's, mit mir ſich zu verbinden.— Noch willſt du ſprechen?— Hoͤre denn— vor Allen, Laͤßt ſich im Gau ein edler Juͤngling finden— Wenn er noch iſt— den Schreckniſſe umwallen, Weil ihn als meinen Freund die Thaten kuͤnden.— Du weißt nun meiner Bruſt geheimes Sinnen, Vergieb, ſey edel, und eutflieh von hinnen!““ 155 Der Ritter war ein Meiſter jenes Strebens, Der Frauen eitle Herzen zu beſiegen; Doch wußt' und fuͤhlt' er, hier ſey es vergebens. Kein Blick ſtraft ihre ernſten Worte Luͤgen. Sie ſtand im Zutraun jungfraͤulichen Lebens, Und tiefer Kummer ruht auf ihren Zuͤgen; Als ſey der Liebſte ſchon des Todes Habe, und ſie weil' trauernd uͤber ſeinem Grabe. Es ſchwand die Hoffnung aus des Ritters Seele, Doch mit der Hoffnung nicht der Antheil ſcheidet. Er bat, daß ſie zu ihrem Schutz ihn waͤhle, So wie der Bruder eine Schweſter leitet.— „Ach! unbekannt iſt dir, was Rodrick hehle, Am beſten iſt's, wenn eins das andre meidet. Geh, eil' und ſuch von Allan zu ergruͤnden, Ob Sicherheit bei jenem Mann zu finden.“ 136 Die Hand der Ritter vor die Stirne leget, ⸗ Verhuͤllend ſo den Seelenkampf im Blicke. Zum Scheiden er zwei Schritte ſich beweget— Dann als ob ſchnell ihn ein Gedank' durchzuͤcke, Ein jaͤher Einfall ploͤtzlich ihn erreget— Er ſteht, er wendet ſich und kommt zurücke:— „Hoͤrt dennoch, Fraͤulein, eh' ich aufgebrochen, Ein Wort von mir, das ſcheidend ich geſprochen.“ „Es ward im Schlachtgewuͤhl des Koͤnigs Leben Erhalten einſt von meinem guten Schwerte. Zum Dank hat er mir dieſen Ring gegeben, Mit dem Gebot, ſobald ich was begehrte, Zu bringen ihn zuruͤck mit kuͤhnem Streben, Damit zum Lohn mir das verlangte werde— Was kann von einem Fuͤrſten ich verlangen, Da Chr' und Land nicht meine Wuͤnſch' umfangen?“ — 3 137 / -„Dir, Ellen, dir will ich den Ring ertheilen, Es kennet Wacht und Pfoͤrtner dieſes Zeichen. Mit ihm kannſt du ſofort zum Koͤnig eilen, Dies Siegel wird jed' Hinderniß verſcheuchen. Was es auch ſey, begehr dir's, ohne Weilen, Als Loͤſung mir gegeb'nen Pfands zu reichen.“— Ihr Finger iſt mit goldnem Rejf umwunden— Er ſchweigt— kuͤßt ihre Hand— und iſt verſchwunden. Der greiſe Saͤnger ganz erſchrocken weichet, So ſchnell der Ritter ihm voruͤber eilet, Dann ungeſaͤumt die Hoͤh' er abwaͤrts ſteiget, Mit ſeinem Fuͤhrer, der nicht ferne weilet. Bald iſt des Stromes Uferrand erreichet, Der von dem See aus ihren Weg getheilet. Die Kluͤfte tragen rings des Schweigens Siegel, Es ſchlummert Mittag auf Gebirg und Huͤgel. 138 Urploͤtzlich ſchreit der Fuͤhrer greller Weiſe:— „War Murdoch dies ein abgeredet Zeichen?“ Er ſtammelte:—„Ich wollte auf der Reiſe Dort jene Raben von dem Mahl verſcheuchen.“— Der Ritter ſchaut— Er kennt der Raben Speiſe, Sein tapfrer Zelter fiel in den Geſtraͤuchen. „O beſſer ihm— vielleicht auch mir geſchehen, Wenn nimmer dieſe Kluͤfte wir geſehen!“— „Du gehſt voran, doch ſchweigend ſollſt du gehen, Noch ſolch ein Laut und du verlierſt das Leben!“ Ein jeder ſtill, ein jeder vorgeſehen, Verſtimmt, und unmuthsvoll ſie weiter ſtreben. Die Pfade jetzt um einen Rand ſich drehen, Wo ſtarr empor die Felſen ſich erheben; Als ſiebe an des Abhangs ſteilen Ruͤcken Sie ein verwittert Frauenbild erblicken. * 159 Die aͤrmlichen Gewaͤnder wild geſchmuͤcket, —* Gebraͤunt von Sturm und Sonnenſtrahl ſie ſtehet. Ihr Auge raſtlos in die Runde blicket, Scheint nichts zu ſehn, und dennoch alles ſpaͤhet. Vom Haupt Geflechte wilder Blumen nicket, In ihrer Hand ſie Adler⸗Federn wehet, Die ſie zu ſammeln jaͤhe Höh erklommen, Zu welcher kaum der Gemſen Schritte kommen. Als Hochlands Tracht zuerſt ins Aug' ihr dringet, Schreit laut ſie auf, bis rings die Felſen hallen, So lacht ſie, als der Gang ſie naͤher bringet, Denn ihres Landes Kleidung ſieht ſie wallen. In wildem Schmerz ſie dann die Haͤnde ringet, uUnd dann ſie weint, dann ihre Lieder ſchallen. Und ihr Geſang, obgleich erfuͤllt mit Leide, Toͤnt lieblich wild fern ͤber Berg und Haide. 140 80 — 2 . Das Auge ſoll ſchlummern und beten der Mund, Mein Hirn iſt verworren, die Sage— Ich kann nicht ſchlummern auf Hochlands Grund, Nicht beten in Hochlands Sprache. Doch waͤr' ich jetzt, wo Allan rauſcht, Wo meines Landes Stroͤmen man lauſcht, So ſuͤß wollt' ich ruhen und beten ſein, Daß Gott moͤg' enden mein winterlich Seyn. „'s war alſo, daß ich ſollt' flechten das Haar, Sie hießen zur Kirche mich gehen; Sie ſagten, mein Hochzeit⸗Morgen es war, Und treu Liebchen wollt dorten mich ſehen. Doch Weh' betreffe den grauſen Berrah, Der Morgenroth wandelt in blutige That! Und Weh' betreffe des Traumbilds Schein, Ich einzig erwachte zu Thraͤnen und Pein! 141 „Wer iſt die Maid? was deuten ihre Lieder? Ihr grauer Mantel ſchwebt an oͤder Stelle, Gleich wie des Reigers flatterndes Gefieder, Im Daͤmmerſchein um geiſterhafte Quelle.“— „'s iſt Blanc' aus Devan, welche der Gebieter Mit heimgebracht, beraubt der Geiſtes⸗Helle. Sie ward von Roderick als Braut gefangen, Wie ſie zur Kirch' im Trauungszug gegangen.“ „Der ſchmucke Braͤut'gam wollte widerſtreben, Und unterlag des Bergherrn Schwertes Streichen. Ich ſeh verwundert ſie hier frei gegeben; Doch oft verſucht der Haft ſie zu entweichen.“— und Murdoch droht, den Bogen zu erheben.— „Nur einen Schlas bedarf es ihr zu reichen, Und gleich dem Baͤr, von Jaͤgers Hand ergriffen, Stuͤrz' ich dich nieder von den Felſenriffen.“ Die Jungfrau draͤngt ſich an des Ritters Seite. „Dank, Ritter, dank dir!“ ihre Worte hallen. „Sieh, meine grauen Schwingen ich bereite, Den Liebſten ſuchend durch die Luft zu wallen. Kein Federchen ich dieſen Wilden leihte, Daß wen'ger hart er moͤg' zur Erde fallen. Nein! tief im Abgrund, unter morſchen Steinen, Naͤhr' ſich der rauhe Wolf mit den Gebeinen!“ „O ſtille, ſtille, arme Dirne! ſchweige!“ 1 „Ach, du ſcheinſt guͤtig— hoͤre, was ich ſage. Ob truͤb' und trocken ſich mein Auge zeige, Es doch noch Luſt am gruͤnen Kleide trage; Wiewohl mein Ohr ſich keinen Toͤnen neige, Macht doch ihm Freude meines Landes Sprache: Denn grun erſchien' der Liebſt' im Jagdgepraͤnge, Und ſang ſo froh des Niederlands Geſaͤnge!“— 143 „Dies war es nicht, was ich gemeint zu ſagen— Doch du verſteheſt wohl und du biſt weiſe.“— Darauf beginnet ſie des Liedes Klagen, In abgebrochnen Toͤnen, ſchnell und leiſe. Wohl auf den Clansmann richtet ſie mit Zagen Das bange Aug', und rings umher im Kreiſe, Dann auf dem Ritter ihre Blicke weilen, Dann wild ſie uͤber Hoͤh' und Kluͤfte eilen. Das Netz iſt geſtellt, es ſtehet der Pfahl, Froͤhlich das Lied ſich bereite;. Sie ſpannen den Bogen, ſie wetzen den Stahl, Jaͤger leben in Freude! Es war ein Hirſch mit ſiarkem Geweih, Tragend wohl trotzig die Enden; Er kam durch die Kluͤfte ſo ſtattlich herbei, Kuͤhn laß Liedlein ſich wenden. 4 144 Er traf ein verwundetes Taͤubchen da an, Das blutete ſich zu todte; Es warnte ihn vor den Schlingen der Bahn, Es war ihm ein treulicher Bote! Er hat ein Auge und konnte ſchaun, Immer ſinge ſo leiſe; Er hat einen Fuß zu ſputen ſich traun— Jaͤger wachen mit Fleiße! Der Ritter war von Leidenſchaft beweget, Als Ellens Wink der Warnung nicht gelinget; Doch Murdochs Ruf Verdacht in ihm erreget, Und Blancas Lied die Ueberzeugung bringet. Nicht wie ein Hirſch, dem man den Fallſtrick leget, Nein, gleich dem Loͤwen, den die Jagd umringet, Laͤßt ploͤzlich er des Schwertes Flammen zuͤcken— „Stirb! oder nenne des Verrathes Tuͤcken!“ 145 Der Clansmann alſobald die Flucht ergreifet, Doch in dem Laufe ſpannt er ſeinen Bogen.— Der Pfeil, der leicht des Ritters Hauptbuſch ſtreifet, Iſt in der Jungfrau bange Bruſt geflogen.— Eil' Alpins Sohn! ſo ſchnell dein Fußtritt ſchweifet, Ward noͤth'ger nie zur Flucht er fortgezogen, Der grimme Naͤcher folget deinen Schritten, Mit gluͤh'nden Herzen und des Windes Tritten. Das Schickſal richtet bei dem jaͤhen Streite, Es lieget Tod und Leben auf der Wage!— Vor dir im Hinterhalt ſind deine Leute, Zu ihnen dich des Laufes Eile trage.. Es ſoll nicht ſeyn! Der Sachſ' iſt dir zur Seite! Die Freunde zu erreichen nur verzage! — Der Streich ſolgt unaufhaltſam ſeinem Schwerte, Wie Blitzesſtrahl die Fichte ſchlaͤgt zur Erde. 10 146 Mit Haͤnd' und Fuͤßen muß der Ritter ſtreben, Eh' er das Schwert kann wieder frei erfaſſen. Er beugt ſich hin zu des Gefallnen Beben, Und ſieht mit grimmem Laͤcheln ihn erblaſſen; Dann wen'ger ſchnell er ſich zuruͤck begeben,. Wo blutend er die arme Maid gelaſſen. Hier unter einem Birkenbaum ſie ſitzet, Das matte Haupt auf ihren Arm geſtuͤtzet. Sie hat den Pfeil aus ihrer Bruſt gezogen, Und blickt ihn an mit laͤchelnder Geberde. Ihr Kranz, wo Haid und Adlerfedern wogen, Liegt neben ihr, mit Blut gefaͤrbt, zur Erde. Der Ritter ſucht, auf ſie herab gebogen, Ob noch gehemmt des Bluts Entſtroͤmen werde. „umſonſt!“ ruft ſie,„es giebt die Todesſtunde Mehr Klarheit meinem Geiſt als Jahr' im Bunde.“ 147 —— „Des Wahnſinns irrbewegte Bilder ſchwinden, Ich ſterb' in Schmach, beleidigt und verloren. Und etwas laͤßt in deinem Blick mich finden, Du ſeyſt gewiß zum Raͤcher mir geboren. Um deinen Helm laß ſich ein Zeichen winden, Das ich fuͤr dich zu fuͤhren auserkohren.— 2 Siehſt du die blonde Locke?— O getragen 8 Hab' ich ſie ſtets durch Wahnſinn, Angſt und Zagen.“ „Einſt war ſie wie die deine klar und helle, Doch Thraͤn' und Blut verdunkelten ihr Scheinen. Von welches ſchuldlos, edeln Hauptes Stelle Genommen ſie— laß mich nicht deutend meinen, Es waͤr' fuͤr mich des neuen Wahnſinns Quelle, Und moͤg⸗ Vernunft ihr ſcheidend Licht mir einen. Doch ſoll ſie wehend ſich vom Helm dir neigen, Vis Sonn’ und Stuͤrme ihre Flecken bleichen.“ 10* 148 „Und bei der Ritterſchaft ich dich beſchwoͤre, Wenn deine Augen einen Mann erſchauen, Der prahlt, daß er Clan Alpins Haͤuptling wäre, Mit blut'ger Hand und dunkel, duͤſtern Brauen; Dann gegen ihn voll Muth die Waffe kehre, Und raͤch' der armen Blanca Schmach und Grauen. Sie harren deiner auf dem Paß der Haide, Vermeid den Pfad— OGott! leb wohl!— ich ſchei⸗ de— Der Ritter fuͤhlt im innerſten Gemuͤthe, und Mitleids⸗Thraͤnen ſeinem Aug' entgleiten. Voll Trauer— waͤhrend Zorn in ihm entgluͤhte— Sieht er nun die Gemordete verſcheiden. „So wie fuͤr dies ich Rodrick Rache biete, Moͤg Gott in Noͤthen Huͤlfe mir bereiten!“ Ein' ihrer Locken, mit des Braͤut'gams Haaren, In Blut getaucht, laͤßt nun ſein Haupt gewahren. —C—C—C—Q—Q—Q—QOQ——CQ—C—C—QCQCQ—Q—CQ—QO.Q. ͦ—-—— und meinet, nie erſteh' er lebend wieder. 149 „ Bei ihm, deß Wort iſt Wahrheit, ich gelobe, Nicht eine andre Farbe will ich tragen, Bis ich an Rodrick ſtrenge Rache probe, Dies Zeichen faͤrbt deß Blut, den ich erſchlagen.— Doch hoͤrz ich nicht, wie fernes Rufen tobe? Sie haben jetzt begonnen rings das Jagen; Allein ſie ſollen bald genug erkennen, Daß furchtbar der gejagte Hirſch zu nennen.”* 1 Von den bekannten, doch beſetzten Wegen Muß er ſich nun zu Klipp' und Dickicht wenden, Muß oft zuruͤck auf ungebahnten Stegen, Wo Strom und Abgrund ſeine Schritte enden. und endlich fuͤhlt er ſich beinah erlegen, Erſchoͤpft entfliehen Muth und Hoffnungs⸗Spenden. An dicht verwachſ'ner Stelle ſinkt er nieder, 150 — „Von allem muß, was raſch ich unternommen, Die tolle That zur letzten mir gereichen! Doch wer in ſolch ein Weſpenneſt zu kommen Vermeinte wohl, da keiner Feindſchaft Zeichen? Ein weiter Wandern kann mir nun nicht frommen, Man ſpaͤht mir nach, man ruft in den Geſtraͤuchen, Bis Abend naht will ich mich hier verſtecken, Im Dunkeln dann den grauſen Weg vollſtrecken.“ Des Abends Schatten ſinken langſam nieder, Mit tieferm Braun die Waͤlder ſich umkleiden. Die Eule regt erwachend ihr Gefieder, Man hoͤrt den Fuchs auf den entfernten Haiden. Noch Licht genug ſtrahlt von der Sonne wieder, Auf rechten Pfad des Wandrers Fuß zu leiten; Doch nicht genng, um unter dichten Zweigen Den wachen Feinden ſeine Form zu zeigen. —— 151 Mit vorgeſeh'nem Schritt, im Daͤmmerſcheine, Erklimmt er nun die Pfade in den Gruͤnden. Gefahr umringt, befuͤrchtend und alleine, Erſtarrt von des Gebirges rauhen Winden. Auf unbekanntem Weg, durch Hoͤh' und Steine, Sucht er verworren ſich heraus zu finden; Bis, als er ſich um einen Felſen wandte, Ein Feuer dicht vor ſeinen Blicken brannte. Und von des Mantels Falten rings umfangen, Liegt ein Gebirgsmann nah dabei am Grunde. Er ſpringt empor, der Waffen Toͤn' erklangen: „Steh Sachſ' und nenne Nam undZweck zurStunde!“ „Ich bin ein Fremder“—„Was iſt dein Verlangen?“ 6„Ruh' und Erquickung, Waͤrm' und Wegeskunde. Man ſtellt mir nach, die Pfade ſind verloren, Von rauhem Wind die Glieder faſt erfroren.“ .—————ÿ—ÿ—ÿ—ÿÿ—rſſ⁄ „ Biſt du ein Freund von Rodrick Dhu?— „ Mit nichten!“— 4 „Du wagſt es nicht, dich ſeinen Feind zu heißen.— „Ich wag's und will es allen frei berichten, Die Huͤlfe ſeiner Moͤrderhand erweiſen!“ „Ein kuͤhnes Wort!— Doch muß auf Huld verzichten Der Spaͤher nicht in des Verrathes Gleißen?— Allein gewiß, man hat es nur gelogen, Du ſeyſt geheim auf Kundſchaft hergezogen.“ „Erſt Ruh' und dann will ich's den kuͤhnſten Beiden Von Rodricks Schaar, ihm ſelbſt als Falſchheit lehren!“— „Wenn ich im Schimmer recht kann unterſcheiden, So ſchmuͤcken dich des Ritterſtandes Ehren.“— „Dann moͤgen klar dir dieſe Zeichen deuten, Daß ich bereit, des Stolzen Druck zu wehren.“— 4 „Genng, genug! ruh' aus an dieſer Staͤtte, und theil' des Kriegers Koſt, des Kriegers Bette.“ 2 4——— 1535 Er reicht ihm von des Hochlands harter Speiſe, Und trocknes Holz er in die Flamme leget. Dem Sachſen zeigend ſich auf eine Weiſe, Wie gegen den willkommnen Gaſt man pfleget. Dann ſpricht er ferner in der Rede Gleiße: „Fuͤr Rodrick, Stamm und Freundſchaft mich beweget, Und jedes Wort, zur Ehr' ihm nicht geſprochen, —4 Verlangt, daß zuͤrnend es von mir gerochen.” „ Allein noch mehr— geknuͤpfet an dein Leben Wird ernſter Prophezeihung Spruch gefunden. — Ich brauchte Ton nur meinem Horn zu geben, So waͤreſt du durch viele uͤberwunden. Zum Zweikampf koͤnnt' ich dich zu zwingen ſtreben, Den du erſchoͤpft doch einzugehn verbunden; Doch laſſen weder Stamm noch Freundſchafts⸗Pflichten, Auf das Geſetz der Ehre mich verzichten.“ „'s waͤr Schimpf, den Muͤden auzugehn im Streite, Und heilig muß des Fremdlings Name klingen. Nach Ruh' und Nahrung, Feuer und Geleite Darf nimmer er vergebens bei uns ringen. So raſte hier bis Nacht von hinnen ſcheide, Ich ſelbſt will dann auf rechten Weg dich bringen, Zum letzten Paſſe von Clan Alpins Leuten, Von dort muß dir dein Schwert den Schutz bereiten.“ und hiermit ordnet er des Lagers Haide, Woruͤber er den weiten Mantel breitet. Und Vogelſang, und Wind und Well' im Streite, Vom See her rauhes Wiegenlied bereitet. Die tapfern Feinde Iuhen Seit' an Seite, Gleich Bruͤdern, die gepruͤfte Treu begleitet, Und ſchlummern, bis des fruͤhen Tages Strahlen Gebirg und Strom mit Purpurſchimmer malen. 155 Anmerkungen. (1) Bei jenes Waſſerfalles— Die Hoch⸗ laͤnder hatten, gleich allen rohen Voͤlkern, verſchie⸗ dene aberglaͤubiſche Gebraͤuche, um die Zukunft zu erforſchen. Unter die beruͤhmteſten gehoͤrten die hier angefuͤhrten. (a2) Wer wagt's, in unheilvollem Gruͤn — Da die Daoine Shi, oder Maͤnner des Friedens der Hochlaͤnder, gruͤne Gewaͤnder trugen, ſo hielt man ſie fuͤr beleidigt, wenn es ein Sterblicher wag⸗ te, in ihrer Lieblingsſarbe zu erſcheinen. Wirklich haͤlt man, aus vielleicht urſpruͤnglich aberglaͤubiſchen Gruͤnden, dieſe Farbe gewiſſen Staͤmmen und Graf⸗ ſchaften in Schottland fuͤr nachtheilig. — V V Zweikampf. Der Heu wie des jungen Tages erſter Schimmer, Wenn ihn des irren Wandrers Blicke ſchauen, Der Fluthen Schaum umglaͤnzt mit Silberflimmer, Und laͤchelt auf der Naͤchte dunkeln Brauen; Hell wie der Strahl, vor allen lieblich immer, Dem Zagen Muth ertheilend, Reiz dem Grauen: So ſtrahlen durch des Krieges truͤbe Ferne Der Mild' und Heldentreue lichte Sterne. 160 1 Es glaͤnzte dieſer Schimmer, mild und helle, Durch der Gezweige leiſ' erregtes Beben, Als nun empor von niedrer Lagerſtele, In rothem Schein, die Krieger ſich erheben. Sie ſchauen aufwaͤrts zu des Lichtes Quelle, Im Fruͤhgebet vereint die Seelen ſtreben; Dann fachen ſie von neuem an die Flammen, Genießend ſchnell ihr einfach Mahl zuſammen. Als dies vörüber, ſich der Gael umkleidet) Mit des Gewandes Zierd' in bunten Falten. Und treu dem Wort er nun den Fremden leitet Durch grüͤne Zweig' und grauer Felſen Spalten; Ein rauher Pfad iſt's, wo ihr Fußtritt ſchreitet, Laͤngs um des Abgrunds ſteile Hoͤh' ſie wallten, Wo reich die Ausſicht uͤber Strom und Gründen, Bis fern in Luͤften Stirlings Thuͤrme ſchwinden. * 161 Dann ſenket ſich der Pfad in dichten Straͤuchen, Wo einer Lanze weit der Blick nicht ſchauet; Oft muß die Hand dem Fuße Beiſtand reichen, So ſteil hat Fels auf Felſen ſich gebauet; Oft irrt er ſo verworren in den Zweigen, Daß jedem Tritt ein feuchter Strom entthauet, In diamantnen Tropfen, rein und helle, Vergleichbar nur der Schoͤnheit Thraͤnenquelle. Am Ende kamen ſie, wo ernſt und jaͤhe Sich das Gebirg hinab zur Tiefe ſenket. Die Hoͤhen hier man Seit' gn Seit' erſpaͤhe, Der Strom allda die Silberfluthen lenket. Der hohle Steg weilt in der Felſen Naͤhe, Die drohend man dem Einſturz nahe denket. Es hielt der Paß ſich gegen ganze Heere, Wenn er beſetzt mit hundert Tapfern waͤre. 11 162 und oſt ward von des Waldſtroms Ueberſchwemmen Weg und Geſtein zerriſſen und geſpalten. Der Fuͤhrer muß die raſchen Schritte hemmen, Denn muͤhvoll wird der Fuß zuruͤck gehalten. Er wandelt langſam durch des Paſſes Klemmen, und fragt den Ritter, welch ein ſeltſam Walten Hierher ihn fuͤhrte, wo nur wen'ge reiſen, Ohn' einen Paß von Rodrick Dhu zu weiſen? „Mein Paß, o Gael! erprobet in Gefahren, Haͤngt⸗“ ſpricht der Sachſ',„im Schwert an meiner Seite. Allein, fuͤrwahr, es frei zu offenbaren, Ich glaubte nicht, daß er mir noth ſey heute, Da nichts vor dreien Tagen zu gewahren, Wo ich verirrt mich von der Jagd Geleite; Hier alles ſchien ſo ruhig und ſo ſtille, Wie auf dem Huͤgel ſchlummert Nebelhuͤlle.“ 165 — „Da konnte deines Haͤuptlings Ferne frommen, Auch hielt man nicht fuͤr nah der Ruͤckkehr Stunde, So hatt' ich von dem Fuͤhrersmann vernommen, Ob's wohl vielleicht nur luͤgenhafte Kunde.“— „Doch was trieb dich, zum zweitenmal zu kommen?“ „Ein Krieger du, und frageſt nach dem Grunde? Bewegt ſich unſ'res freien Thuns Ergoͤtzen Nach aͤrmlichen, mechaniſchen⸗ Geſetzen?“ „ Genug, ich ſuchte muͤßig zu verſcheuchen Der Stunden traͤgen Flug in Friedenszeiten. Ein leichter Vorfall will dann Antrieb reichen, Die freien Schritte fern und weit zu leiten. Die Flucht des Falken, eines Hunds Entweichen, Ein ſuͤßer Blick, den Hochlands Dirnen weihten, und wenn ein Pfad, in der Gefahren Scheine, Sind die Gefahren ſelbſt ſchon Reiz alleine.“— * 11* 164 „Wie dem auch ſey! ich will nicht weiter fragen; Doch ehe du geſucht die Stelle wieder, Kannſt du mir nichts von Kriegesruͤſtung ſagen,⸗ Die Mar erhoben gegen den Gebieter?“ „ Nein— nur zu Koͤnig Jakobs Luſtgelagen, Als Schutz vereint, ſah ich der Reihen Glieder; Doch werden ihre Fahnen ſich entfalten, Wenn von der Muſtrung hier ſie Kund' erhalten.“” „Und moͤgen frei ſie in den Luͤften ſchweben, Wir ſorgen, ſie vor Motten zu bewahren. So ſrei ſoll auch die Fichte ſich erheben, Das tapfre Banner von Clan Alpins Schaaren. Doch da du friedlich dich hierher begeben, Beim Zeitvertreib verirrt dich in Gefahren, Wie kommt es dennoch, Fremdling, ſo verwegen Als Rodricks Feind dich au den Tag zu legen?“— 2 165 1 Nur geſtern, Krieger, noch in fruͤher Stunde, Wußt' ich von deinem Clausherrn nichts zu ſagen, Als daß mit meuteriſchem Stamm im Bunde Ein Mann er, das Verzweiſeltſte zu wagen, Durch den am Hof ein Ritter Todeswunde Vor des Regenten Blick davon getragen. Doch waͤr's genug, nur dies allein zu nennen, Um jedes treue Herz von ihm zu trennen.*— Der Clansmann zuͤrnt ob ſolcher ſtrengen Ruͤgen, Tief ſenken ſich der Augen dunkle Bogen. Ernſt ſpricht er dann, nachdem er erſt geſchwiegen: „Und höoͤrteſt du, warum ſein Schwert gezogen? Haſt du gehoͤrt, daß wegen Schlag und Luͤgen Am Feinde Rache Rodricks Stahl gepflogen? Ein Haͤuptling raͤchet ſolcher Schmach Begehen, Und ſey's im Hof des Himmels auch geſchehen.“— Nach Oſt und Weſt, wo vormals wir Gebieter. 166 „Doch war's Gewaltthat— dennoch laͤßt ſich ſagen, Daß da der Herrſchaft nicht ihr Recht gebuͤhrte, Als in Albanys Hand die Zuͤgel lagen, Und er der Macht gelieh'nes Zepter fuͤhrte, Den jungen Koͤnig Mauern noch umragen, Und ihm entfremdet Macht und Anſehns⸗Zierde.— Doch dann kann deines Haͤuptlings Raͤuber⸗Leben Nicht einem Mann, gleich dir, Befried'gung geben.“ Der Gael betrachtet ihn mit grimmen Blicken, Und ſpricht darauf veraͤchtlich laͤchelnd wieder: „Ich ſahe, Sachſe, wie du mit Entzuͤcken Von jenem Berg geſchaut zur Tiefe nieder, Die reiche Haiden, ſchoͤne Thaͤler ſchmuͤcken, Der Fremdling kam daher mit eiſern Haͤnden, Um dieſes Land den Vaͤtern zu entwenden.“ —— 167 „Wo ſind wir jetzt? Sieh, wild verworren ſchwellen Fels uͤber Felſen, Kluͤfte uͤber Kluͤften. und fragen wir nach Brot die rauhen Stellen, Nach ſetten Herden dieſe magern Triften, So kann der Berg wohl dieſe Antwort faͤllen: Wir haben dich in unſern Schoos verborgen, Dein gutes Schwert muß fuͤr das andre ſorgen.* „Hier eingeſchloſſen von des Nordens Pfaden, Glaubſt du, wir werden uns nicht raſch erweiſen, Um dem Verderber, wo es geht, zu ſchaden, um ſeinen Raub dem Naͤuber zu entreißen? Als Erb' im Thal und an des Stroms Geſtaden Wird ſich der Gael um ſeinen Theil befleißen. Iſt's der Vergeltung nicht gerechte Sache? Ein andres gegen Rodrick geltend mache.“— 168 „Und wollt' ich, ſollt' es ferner nichts mehr geben? V Wie achteſt du's, daß rings man nach mir ſpuͤret, Und Hinterhalt gelegt iſt meinem Leben?“— „Wie etwas, das dem raſchen Sinn gebuͤhret. Wenn du genennet frank und frei dein Streben, Dich habe Jagd, die Liebe hergeführet, So kounnteſt frei du kommen oder gehen, Doch auf geheimem Pfad ſchleicht heimlich Spaͤhen.“ „ Und ſelbſt, wenn wir dich auch als Spaͤher fiugen, Haͤttſt du nicht unverhoͤrt den Tod erlitten, Als nur zu einer Weißagung Vollbringen.“— „Wohl! ſey es ferner nicht von mir beſtritten! Noch will ich dich zu uͤbler Laune zwingen, Indem ich Gruͤnd' erwaͤg' zu Feindes Schritten. Genug, ich bin gebunden durch Verſprechen, An dieſem ſtolzen Manne mich zu raͤchen.“ 169 „Ich nahte zweimal friedlich Alpins Kluͤften, Doch wenn ſie mich zum drittenmale ſehen, Komm' ich, um gegen ihn das Schwert zu luͤften, und laß als Fuͤhrer meine Banner wehen; Denn kein verliebter Hirt, auf gruͤnen Triften, Kann ſehnender dem Lieb entgegen gehen, Als ich Begehren trage nach der Stunde, Wo er vor mir erſcheint mit ſeinem Bunde!“— „So werde dir erfuͤllt denn dein Verlangen!“ Spricht ſein Gefaͤhrt' und pfeift mit grellen Toͤnen. Und von dem Huͦgel gleiche Toͤn' erklangen, Die wild von Klipp' zu Klipp' als Zeichen droͤhnen; Sogleich empor aus Buſch und Haide drangen, Geſpaunte Bogen, Kapp' und Waffen ſtoͤhnen; Zur rechten Hand, zur linken, unten, oben, Sieht man auf einmal rings die Feind' erhoben. 170 Von grauen Schichten ihre Lanzen ſtreben, Der Hecke Buſch entſendet ihre Pfeile, Die Binze und der Weide Zweige geben Sich ſtarrend kund als Schwerter und als Beile, und jeder Haideſtrauch ertheilet Leben Bewehrten Kriegern, die erſtehn in Eile. Die Kluͤfte ſind, ſobald der Ton entguillet, Auf einmal mit fuͤnfhundert Mann erfuͤllet. Wie wenn der Fels, der jaͤhnend ſich geſpalten, Ein unterirdiſch Heer den Blicken zeigte, So alle ſtill und unbeweglich halten, Indeſſen Waff' und Schritt ſich vorwaͤrts neigte. Gleich jener Klipp' in drohenden Geſtalten, Die wankend auf den hohlen Paß ſich beugte,. Als koͤnne ſie nur eines Kinds Beruhren Sogleich hinab den ſteilen Abhang fuͤhren. und all' auf ihres Haͤuptlings Winke ſchauen, Indem ſie an des Berges Seite haͤngen, Der Bergherr blickt mit ſtolzem Selbſtvertrauen Verweilend laͤngs der Felſen lebend Draͤngen, Zum Ritter kehrt er dann die dunkeln Brauen und ſpricht: Was ſagſt du nun zu dieſen Engen? Dies ſind Clan Alpins kriegeriſche Glieder, und ich bin Rodrick Dhu, des Stamms Gebieter. Fitz James war brav— obwohl gleich ſtarrem Eiſe Das Blut in ſeinem Herzen wich zuruͤcke— Ermannend ſich, mit unerſchrockner Weiſe, Begegnet er des Haͤuptlings ſtolzem Blicke. Er ſtemmt den Ruͤcken an die Felſen⸗Gleiße, und ſetzt den Fuß, wie ſich's zum Kampfe ſchicke. „Komm Einer!“ ruft er,„Alle! dieſe Maſſe Laͤßt eh' den Stand, eh' ich den meinen laſſe!“ 172 Auf ihn ſich jetzt Sir Rodricks Augen wenden, Worinnen Achtung und Erſtaunen blinken, Und das, was Kriegern ernſte Luſt kann ſpenden, Wenn ihres Stahls den Feind ſie würdig duͤnken— Nach kurzer Pauſe winkt er mit den Haͤnden, und ringsher die Genoſſen nieder ſinken. Mit Schwert und Speer und Schild die Krieger ſchwanden In Heck' und Buſch und Haide, wo ſie ſtanden. Es ſchien, als ob die kriegeriſchen Glieder Jetzt Mutter Erd' aufs neu verſchlungen hätte. Das letzte Luͤftchen weht am Helmbuſch nieder. Das naͤchſte hauchet nur um oͤde Slaͤtte. Der letzte Sonnenſchimmer glaͤnzte wieder Von Speer und Hellebarde, Tartſch und Kette— Der naͤchſte ſchimmert, ohne Widerſcheine, Auf Hecken⸗Gruͤn und kalte graue Steine. 175 Der Ritter ſieht umher und kaum getrauet Er ſich die Wahrheit zu geſtehn dem Blicke. Ein ſolch Erſcheinen waͤre wohl erbauet Als arger Trug von eines Traumes Tuͤcke. Voll Ungewißheit er auf Rodrick ſchauet, Und auf den Blick giebt dieſer ihm zuruͤcke:. „Sey ohne Furcht— nein, ſo nicht darf ich ſagen— Doch— zweifle nicht, wie Rodrick ſich betragen.* „Du biſt mein Gaſt— ich gab mein Wort zum Pfande, Dich bis zum letzten Paſſe zu geleiten; Auch wollt' ich gegen dich im tapfern Stande Mir nie ein ander Schwert zum Schutz bereiten, und ruhten auf dem Streit auch alle Lande, die uns entriß der Sachſen Arm vor Zeiten.— Nur die Gefahren wollt' ich dir beweiſen, Auf dieſem Weg ohn' Rodricks Paß zu reiſen. 174 Der Ritter war, fürwahr, mit Muth erfuͤllet, Wie irgend einer, der die Sporn getragen; 2 Doch, daß in ihm ſich jede Furcht geſtillet, Als ſie jetzt gingen, wag' ich nicht zu ſagen. Der Pfad ſchien ſo in Einſamkeit gehuͤllet Und dennoch, ihn mit Lanzen zu umragen, Bedurfte es nur eines Fuͤhrers eichen, Dem ſeine Worte oft zur Schmach gereichen. Verſtohlen blickt ſein Auge auf und nieder, Des Grunds verſchwundne Guͤter zu entdecken. Oft waͤhnet er, daß aus Geſtraͤuch und Flieder Sich Schwert und Hellebard' entgegen recken; 3 Und freier athmet er nur dann erſt wieder, Als gruͤne Eb'nen ſich vor ihnen ſtrecken, Wo weder Schilf, noch Strauch und Haid' und Hecken, Um Lanze oder Hauptbuſch zu verſtecken. Der Bergherr geht voran in ernſtem Schweigen, Bis an des Stromes toͤnendes Geſtade,(²) Der, abgeſtammt von drei gewalt'gen Teichen, Beginnet hier zuerſt die feuchten Pfade. Durchs Thal entlang er den verfallnen Zeichen Zerſtoͤrend ſich in ſteter Regung nahte, Wo vormals hoch der Koͤnigin der Welten Roms Adlerfluͤgel in den Luͤften ſchwellten. Und hier hemmt ſeine Schritte der Gebieter, Und waͤhrend er zum Ritter ſpricht die Worte, Wirft Plaid und Tartſche er zur Erde nieder:(3) „Wir ſind nun, kuͤhner Sachſe, an dem Orte, Wohin ich dich verſprach zu bringen, wieder. Der rauhe Mann, der Haͤuptling wilder Horde, Hat ſicher dich gefuͤhrt durch Wach' und Schaaren, Bis uͤbern Paß, den Alpins Soͤhne wahren.” 176 „Nun unter uns der Streit entſchieden werde, Mann gegen Mann, und Eiſen gegen Eiſen. Geruͤſtet, gleich wie du, nur mit dem Schwerte, Siehſt du mich jeden Vortheil von mir weiſen. Dem Bergherrn werde nun, was er begehrte, und raͤchend ſoll mein Stahl dein Haupt umkreiſen; Denn ubern letzten Paß biſt du gekommen, Und nun kann dir zum Schutz dein Schwert nur frommen.“ „Nie,“ ſpricht der Sachſe drauf, nach kurzem 3 Schweigen, „Hab' ich gezoͤgert, rief man mich zum Schlagen, Ja, ich gelobte, dir den Tod zu reichen. Allein, dein offnes, redliches Betragen, V Daß dir mein Dank fuͤr Lebens⸗Rettung eigen, Laͤßt eines beſſern Lohnes werth mich zagen. Iſt unſer Streit verſoͤhnt durch Blut alleine? Giebt's keine Mittel?„—„Keine, Fremdling, keine!“ „Und hoͤr', um deinen Eifer zu entzuͤnden, Zum Loos der Sachſen iſt dein Schwert erkoren, Und wer ſich laͤßt vom andern uͤberwinden, Fuͤr deſſen Krieger iſt der Sieg verloren. Denn alſo lautet des Propheten Kuͤnden, Der zwiſchen Tod und Lebenden geboren: Wer raubt am erſten eines Feindes Leben, Deß Antheil iſt im Streit der Sieg gegeben.“— „Dann iſt bereits die dunkle That geſchehen, Such' unterm Farrenkraut in jenen Gruͤnden, Dort iſt Roth Murdoch ſtarr und ſteif zu ſehen— So laſſe dich vom Schickſal uͤberwinden.— Zu Koͤnig Jakob ſey bereit zu gehen, Und ſollteſt du vor ihm nicht Gnade finden, So ſetz' ich Ehre, Schwur und Wort zum Pfande, Du kehreſt ungekraͤnkt zu deinem Lande.“ 12 178 Ein dunkler Strahl, entflammt aus Rodricks Blicke.— „Iſt deine Anmaßung ſo hoch geſtiegen, Weil niedern Knecht bezwungen du im Gluͤcke, Daß du mit Rodrick ſprichſt von unterliegen? Er weichet Menſchen nicht, noch dem Geſchicke— Nun hab' ich noch des Clansmanns Mord zu ruͤgen. Du zanderſt noch? Haſt du nicht Muth zu wagen, und prahlſt nur, deiner Schoͤnen Haar zu tragen?“ „Dank, Rodrick, Dank! daß du dies Wort ge⸗ ſprochen, Es ſtaͤhlt die Bruſt, es giebt Gewicht dem Stahle. Ich ſchwur, daß eine That an dir gerochen, und dieſe Lock' in deinem Blut ſich male. Der Waffenſtillſtand ſey nunmehr gebrochen, und nur der Rache grimme Fackel ſtrahle— Doch denk nicht, ſtolzer Fuͤhrer, du alleine Kannſt zeigen dich in edler Sitte Scheine.“ 179 „Zwar nicht empor aus Buſch und Haide dringen, Auf meinen Ton, der Krieger ernſte Schaaren; Doch ließ ich nur dies kleine Horn erklingen, Dann koͤnnteſt tapfern Angriff du gewahren. Doch fuͤrchte— zweifle nicht, nach Sieg zu ringen, Soll Schwert nur gegen Schwert ſich offenbaren.“— Als Gegner dann, mit Fuß und Stand und Blicken, In ungewiſſem Kampf den Stahl ſie zuͤcken. Gar vielen Nachtheil muß es Rodrick bringen, Daß er zuvor die Tartſche warf zur Erde; Denn oftmals ihre rauhen Haͤute fingen Die Streiche auf, daß Tod entfernet werde. Gelehrt im Ausland, ſeine Wehr zu ſchwingen, Dient Jakobs Stahl zugleich zu Schild und Schwerte; Indeß mit wen'ger Kunſt, doch weit mehr Staͤrke, Der Gael nicht gleich ihm ſtand im blut'gen Werke. 12* 8 180 und dreimal waren ſie vereint im Streite, und dreimal traͤnket Blut des Sachſen Klinge. Es fuͤhlet Rodrick, wie aus Arm und Seite Nicht ſparſam ihm der rothe Strom entdringe. Und wild wie Meeresſchaum die Streich' er reihte, Die nur des tapfern Feindes Kunſt bezwinge; Bis der, Und auf die Kniee den ſtolzen Haͤuptling brachte. des Vortheils wahr, ihn wehrlos machte, „Nun, Rodrick Dhul! bekenn' dich fuͤr bezwungen, Sonſt ſoll, bei Gott! dein Blut mein Eiſen faͤrben.„— „Ich achte Drohung nicht und Gnad' errungen, Der Feig' ergiebt ſich, welcher ſcheut zu ſterben!“— Und gleich der Loͤwin, die beſchuͤtzt die Jungen, Springt er empor, ihn wuͤrgend zu verderben, Empfaͤngt, doch achtet nicht auf eine Wunde, Den Feind umſchließend mit der Arme Runde. 181 Jetzt, tapfrer Sachſe! brauche deine Glieder, Dich haͤlt kein zarter Maͤdchen⸗Arm umfangen. Es bebte dieſer Druck im Innern wider, Durch dreifach Eiſen und durch erzne Spangen. Sie ſtreben, ringen— und zur Erde nieder, Der Bergherr uͤberm Ritter, ſie gelangen. Sein ſtarker Druck des Gegners Athem hemmet, Indeß ſein Knie auf deſſen Bruſt geſtemmet. Er wirft das blutbefleckte Haar zuruͤcke, Und hebt die Hand empor zu Stirn und Brauen, Von Blut und Staube zu befrein die Blicke; Dann laͤßt im Schimmer hoch den Dolch er ſchauen. — Doch Wuth und Eil' erſetzen nicht mit Gluͤcke Des Lebens Quell, wenn Todes⸗Nebel grauen: Zu ſpaͤt erſcheinen nun des Vortheils Spenden, Um das Geſchick des grauſen Spiels zu wenden. 182 Denn waͤhrend ſo zum Streich der Dolch ge⸗ ſchwungen, Aug' und Gedanke keinen Dienſt mehr leihte. Er kam herab, doch in den Grund gedrungen, Fand irrend er nun blutlos eine Scheide, Und da den Bergherrn Ohnmacht halb bezwungen, Der Ritter ſich von ſeinem Druck befreite. Zwar von dem argen Schluſſe ohne Wunde, Doch athemlos, erhob er ſich vom Grunde. Zum Himmel leiſen Dank die Lippen hauchen, So unverhofft erloͤſt vom grimmen Streiten. Dann wenden zu dem Feinde ſich die Augen, Der, wie man glaubet, nahe dem Verſcheiden.— Er eilt, die Locken in ſein Blut zu tauchen: „O Blanca! theuer ward bezahlt dein Leiden! Doch mit dem Feind muß ſterben oder leben Der Ruhm, den Tapferkeit und Treue geben.“— 183 Drauf laͤßt er einen Ton des Horns erklingen, Und ſetzt ſich an dem Nand des Stromes nieder, Entbloͤßt das Haupt und löſ't des Nachens Schlingen, Von Blut befreiend Hand und Antlitz wieder. und fernher hoͤrt man Roſſestritte dringen, In ſchnellem Lauf der leichtbewegten Glieder, und naͤher nun erſcheinen auf der Haide Vier wohlberittne Herrn im grünen Kleide. Zwei tragen Speere, und die andern leiten Geſattelt einen Gaul am ſchlaffen Zaume. Geſtreckten Laufes ſie in Eile reiten, Bis zu dem Ritter an des Stromes Saume. Verwundernd ſchauen ſie nach allen Seiten —„Hemmt,“ ſpricht er,„Frag' und Wort in die⸗ ſem Raume.— Ihr, Luffines und Herbert, ſteigt vom Pferde, und pflegt des wunden Ritters auf der Erde.“ 84 „Den grauen Zelter, ſchoͤnrer Laſt erkoren, Wie wir gemeint, laßt ſeine Buͤrde tragen, und bringet ihn alsbald nach Stirlings Thoren; Ich will voran mit großrer Eile jagen. Schon ſteht die Sonne hoch— und unverloren Sey mir der Schuͤtzen Spiel in dieſen Tagen. Doch leicht wird Bayard durch die Eb'ne gleiten, De Vaurx und Herries ſollen mit mir reiten.“ Es braucht ſein Fuß zur Stuͤtze nicht den Buͤgel, Die Haͤnde nicht den Sattel faſſend druͤcken; Er wickelt um die Linke Maͤhn' und zuͤgel, und ſpringt vom Boden leicht auf Bayards Ruͤcken. Der Sporn ertheilt dem ſchnellen Roſſe Fluͤgel, und wie ein Pfeil enteilet es den Blicken. So ſprenget im Gallop der kuͤhne Reiter, Es folgen, wie ſie koͤnnen, die Begleiter.— 24 — 185 — Indeß ſich Douglas ab vom Kloſter wandte, Der Stadt jetzt nah', erfullt ihn tiefes Bangen. „Jalo rief er,„alles, wie es Furcht mir nannte! Schon iſt bereits der edle Graͤm gefangen, und eben ſo wird bald zu Rodricks Lande Der koͤnigliche Raͤcherſtahl gelangen. Ich nur allein hab' ihr Geſchick in Haͤnden— Gott gebe, daß es nicht zu ſpaͤt zu wenden!“ „Es hat die Aebtin mir ihr Wort gegeben, Daß nun mein Kind die Braut des Himmels werde. Den Thraͤnen Nachſicht, die dem Aug' entſtreben!— Nun iſt der Tod nur mein Geſchaͤft der Erde. Ihr Thuͤrm', in deren Kreis entfuͤhrt dem Leben Ein Douglas einſt, von ſeines Herrſchers Schwerte,(4) Zeigt Kerker, Block und namenlos Begraben, Denn Douglas naht, den urtheilsſpruch zu haben.)9— 186 „Doch, welches Jauchzen, welche Freudenklaͤnge Erſchuͤttern des Franziskus alt Gebaͤude? und ſiehe, auf den Straßen, welche Menge Vielfarb'ger Rottungen vermummter Leute! und Pfeif' und Trommel, Fahn und Siegsgeſchmeide, und luſt'ger Mohrentaͤnzer Schaugepraͤnge. Es ſagt mir alles dieſes bunte Walten, Daß heut die Buͤrger ihre Spiele halten.“(5) „Dann iſt der Koͤnig nah—er liebt ſolch Prangen, Wobei der gute Schuͤtze ſpannt den Bogen, Und kuͤhne Ringer ihren Feind bezwangen, So ſehr, als wo des Freiherrn Lanzen flogen. Ich folg' und will im Spiel den Preis erlangen, und Jakob ſeh', ob Alter mir entzogen Die Staͤrke hat, die in begluͤckten Tagen Als Knabe oft ſein Lob davon getragen.“— 2 . 187 Weit auf des Hofthors ſtarre Pforten ſprangen, Es knarrt und ſchwanket die geſenkte Bruͤcke, Auf ſtein'ger Straße Roſſes Huf' erklangen und laut es ſchallt vom Mauerwerk zuruͤcke, Als langſam abwaͤrts ziehend, voller Prangen, Sich Schottlands Fuͤrſt und Hofſtaat zeigt dem Blicke; Indeſſen laͤngs des Weges dichter Menge War alles Jubelruf und Freudenklaͤnge. und auf des weißen Zelters Sattelbogen Sich immer Jakob tief hernieder beugte. Die Kappe vor der Schoͤnſten er gezogen, Die laͤchelnd und erroͤthend ſich verneigte. Er gruͤßet ernſt die Aelteſten gewogen, Lobt die Gepraͤng' und Huld dem Volke zeigte; Und aller Stimmen ſich zum Ruf vereinen: Lang' lebe Jakob, Koͤnig der Gemeinen! — 188 und hinter ihm viel Pairs und Ritter reiten, und ſchoͤn geſchmuͤckte Jungfraun, edle Frauen. 4 46 — Doch mancher war im Zug zu unterſcheiden, Mit finſterm Blick und tief geſenkten Brauen. Denn vieler Großen Stolz muß Ruͤckhalt leiden, Verachtend auf der Buͤrger euſt ſie ſchauen; Fuͤr Schimpf ermeſſend ihren Theil an Scherzen, Die ſie verwuͤnſcht im Innerſten der Herzen. Nun laſſen ſich der Rotten frohe Reihen Mit farb'ger Pracht im Park des Schloſſes ſehen. Der Schaugepraͤnge bunte Zuͤg' erfreuen, Die Mohrentaͤnzer wirr im Kreis ſich drehen; Doch Robin Hood und alle ſeine Treuen(6) Vor allen andern an den Schranken ſtehen, und ihre Hoͤrner laut den Aufruf kuͤnden, Zum Bogenſchießen hier ſich einzufinden. 189 Den maͤcht'gen Bogen ſpannen Douglas Glieder, Sein erſter Pfeil trifft mitten in das Weiße, und als an ihm zum Schuß die Reihe wieder, Zerſplittert den der zweite rings im Kreiſe. und ihm ertheilt ſein fuͤrſtlicher Gebieter Den ſilbern Pfeil, der ausgeſetzt zum Preiſe— Allein umſonſt ſpaͤht er nach Antheils⸗Zeichen, Mit kaltem Gleichmuth that der Fuͤrſt ihn reichen.(7) Nun Platz im Kreiſe!— Auf des Kampfes Pfade Beginnet jetzt der Ninger mannhaft Streben; und zwei voll Stolz, ob Ningens hoͤherm Grade⸗ Begehren, ihnen ſtaͤrkern Feind zu geben— und nicht umſonſt ihr Wunſch; denn Douglas nahte. — Eklahmt bleibt Hugh von Lambert nun fuͤrs Leben; und wen'ger hat kaum John ſich zu beklagen— Bewußtlos heim ihn die Gefaͤhrten tragen. 190 Den goldnen Ring der Koͤnig ihm ertheilet, Als Preis fuͤr den, der hier den Sieg errungen; Doch kalt ſein blaues Auge auf ihm weilet, Wie Tropfen Thau, die Winterfroſt bezwungen. Das Wort, das Douglas zu entfliehen eilet, Hemmt ſein bewegt Gemuͤth, eh' es entdrungen; Entruͤſtet er nach jenem Orte ſchreitet Wo man mit ſchwerem Wurf um Vorzug ſtreitet. Nachdem ein jeder ſeine Kunſt beweiſet, Der Douglas ſich zur Erde niederbeuget, Wo einen Stein aus tiefem Bett' er reißet, Ihn weiter, als das fernſte Zeichen reichet, Den vierten Theil von einem Acker ſchmeißet. Und immer noch im Park des Koͤnigs zeiget Manch greiſer Alter, dem bewußt die Kunde, Den Douglas⸗Wurf den Fremden heut'ge Stunde. 191 ——. Das Thal erſchallt von lauten Beifalls Tone, Der Maͤdchenſelſen giebt zuruͤck die Klaͤnge. Der König, kalten Blicks, ertheilt zum Lohne Den Saͤckel, der erfuͤllt mit goldner Menge. Es laͤchelt Douglas da mit ſtolzem Hohne, und ſtreut den Goldlohn unter das Gedraͤnge, Wo man mit der Bewundrung regem Achten Den dunkeln Mann beginnt nun zu betrachten. Bis leis Gefluͤſter ſich umher verbreite— Daß ſolche Staͤrk' und ſolch ein kuͤhn Vertrauen Nur einen aus des Douglas Stamm begleite. Sein Silberhaar voll Ernſt die Alten ſchauen, Und jeder rufet ſeinen Sohn zur Seite, Von Thaten kuͤndend gegen Englands Auen, Eh' ſich der Douglas, mit gewalt'gen Haͤnden, Verbannt aus dem Geburtsland mußte wenden. 192 * Ddie Frauen ſeines Alters Schoͤne preiſen; Der Juͤngling ſchaut mit Staunen ihn und Achten. Doch nicht ein Blick aus jenen ſtolzen Kreiſen, Die um den Herrſcher ſeine Großen machten, Sucht ſein Gebild auf der Erinn'rung Gleiſen, und weilt auf ihm mit freundlichem Betrachten: Denn welchen nicht des Fuͤrſten Mund will nennen, Wie ſollten den die Hoͤflinge erkennen? Der Koͤnig ſieht erſchlafft der Spiele Freude, und laͤßt nun einen Hirſch in Freiheit ſetzen, Den, um die Feſtlichkeit zu kroͤnen heute, Zwei Lieblingshunde ſollten niederhetzen. Doch Lufra— der nie wich von Douglas Seite, Ob man ihm droh', ob man ihm wollte letzen, Deß Lauf im Norden fand nicht ſeines Gleichen— Bray Lufra ſah's und eilt, ihn zu erreichen. e 195 ——— Den Sieg im Rennen bald davon getragen, Ließ er auf halbem Weg des Koͤnigs Hunde; Und toͤdtlich ſeine ſcharfen Zaͤhne ſchlagen In Wildes Seite ſich mit tiefer Wunde. Des Koͤnigs ſtolzer Jaͤger ſieht das Jagen, Durch fremde Zwiſchenkunft gekuͤrzt zur Stunde; Er nahet ſich mit des Verdruſſes Zeichen Und ſtraft das edle Thier mit Peitſchenſtreichen. Erduldet hatte Douglas dieſen Morgen Des Koͤnigs kalten Blick, des Hofs Verſchmaͤhen, Und das, worin dem Stalzen Qual verborgen, Als Gegenſtand des Mitleids ſich zu ſehen; Doch Lufra war gehegt von ihm mit Sorgen, Nahm Theil am Mahl, wacht in des Lagers Naͤhen, Und Ellen oft, von Maͤdchenluſt durchdrungen, Hat ſeinen Hals mit Blumenſchmuck umſchlungen. 13 194 Der Zorn, der lang' in ſeiner Bruſt geſtritten, Bricht nun hervor in duſtrer Blicke Draͤuen. Die Menge theilet ſich vor ſeinen Schritten, Wie Wogen vor dem Schiffe ſich zerſtreuen. 4 Der Jaͤger hat nur einen Schlag erlitten, So liegt im Blut er in des Volkes Reihen. Kein andrer koͤnnte ſolche Streiche ſpenden, Und truͤg' er ſtaͤhlern' Handſchuh auch an Haͤnden. In Koͤnigs Troß entſtand nunmehr Getoͤſe,. und Schwert und Staͤbe ſich zum Angriff wandten. 4„Zuruͤck!“ rief Douglas da mit ernſter Groͤße.— „Ja, Koͤnig Jakob! ſiehe den Verbannten, Ein Opfer, das den Streit verſoͤhnend loͤſe, Umſonſt geſucht von vielen Ausgeſandten.. V Ein willig Opfer dir jetzt Douglas nahte, Und bittet nur fuͤr ſeine Freund' um Gnade.”“ 195 Der Koͤnig war geneigt, daß er ihn ſchone Vor allen, die gehoͤrt zu dem Geſchlechte; Doch dieſe That gereichet ihm zum Hohne, Verletzt der Majeſtaͤt geweihte Rechte. Er rief den Garden, zu des Undanks Lohne, Daß man den Douglas in Verwahrung braͤchte; Gebot dann zuͤrnend Abbrechung der Spiele, Und Ruh' im Volk, denn rings entſtand Gewuͤhle. Voll Unmuth reitet abwaͤrts der Gebieter, Mit tief erregtem Sinn und bitterm Kraͤnken, Und wollte nicht mit den Begleitern wieder Durch Stirlings Straßen ſeinen Weg nun lenken. „Wer,“ ruft er,„legte gern nicht Herrſchaft nieder, Bei dieſer Menge wandelbarem Denken! Die gleich voll Luſt ſich jetzt zu Douglas wandte, Als ſie am Morgen Koͤnig Jakob nannte.“— 2 15* — 196 Doch was zu den Vertrauten ſo im Klagen Der Koͤnig ſprach, iſt alſobald geendet, Da ſich ein Reitersmann in vollem Jagen Der hoͤchſten Eile zu ihm hingewendet, Von welchem ſchon von fern die Zeichen ſagen, Daß ihn ſein Vetter, John von Mar, geſendet. Und durch den Boten laͤßt ihm der entbieten, Sich bei dem Spiel vor Ueberfall zu huͤten.„ Denn Rodrick Dhu, aus unbekanntem Grunde, Hab' kriegeriſch verſammelt ſeine Leute, Mit welchem Douglas, wie man ſag', im Bunde. Sie zu zerſtrenn, entfernte Mar ſich heute Aus Stirlings Naͤh' und bald erhaͤlt man Kunde, Daß ſie vereinet ſich im blut'gen Streite. Doch ließ der Graf den Konig ernſtlich bitten, Zu weichen nicht aus der Getreuen Mitten. 197 „Du mahnſt mich,“ ſpricht der Koͤnig drauf,„an Dinge, Die mir entſchwunden in dem wirren Tage. Doch nun ſo ſchnell, wie auf des Sturmes Schwinge, Zuruͤck den Weg, den du gekommen, jage, und John von Mar die Antwort uberbringe: Wir wollen nicht, daß mit dem Feind' er ſchlage; Es ward Sir Rodrick Dhu, im einzeln“ Streite, Durch einen Ritter zum Gefangnen heute.“ „ Und Douglas hat genaht ſich unſern Thoren, Selbſt bietend dem Geſetze Sach' und Leben. Die Nachricht, daß die Führer ſie verloren, Wird bald dem Stamm die Ruhe wieder geben.— Auch ſey er nicht zum Ziel der Rach' erkoren, Fur der Gebieter ungeziemend Streben.“— Der Bote eilt, doch wie er immer reitet, So fuͤrchtet er, die Schlacht ſey ſchon bereitet.— Anmerkungen. (1) Sich der Gael umkleidet— Die ſchot⸗ tiſchen Hochlaͤnder nannten ſich Gael, oder Gaul, und die Niederlaͤnder Saſſenach, oder Sachſen. (*) Bis an des Stromes— Der Strom, der ſich aus dem See Vennacher ergießt, des gering⸗ ſten und öͤſtlichſten der drei Seen, welche die Ge⸗ gend umher bilden, ſtießt durch ein flaches ausge⸗ breitetes Moorland, Bochaſtel genannt. Auf einer kleinen Erhoͤhung, ſo wie auf der Ebene ſelbſt, be⸗ finden ſich einige Verſchanzungen, die man fuͤr Roͤ⸗ miſche hielt. (3) Wirft Plaid und Tartſche— Plaid, der ſchottiſche Mantel. Eine runde Tartſche, oder Schild, von leichtem Holz, mit ſtarkem Leder uͤber⸗ zogen und mit Erz oder Eiſen beſchlagen, war ein nothwendiger Theil der Ruͤſtung eines Hochlaͤnders. Im Kampf mit regulaͤren Truppen fingen ſie den 199 — Angriff der Bayonette mit dieſen Schilden auf, war⸗ fen ſie zur Seite und brauchten das Schwert gegen die umgebenden Soldaten. (4) Ein Douglas einſt— Stivling ward oft mit edelm Blut befleckt. Das Schickſal Wilhelms, achten Grafen von Douglas, welchen Jaxkob der Zweite mit eigner Hand, und waͤhrend er ſich unter deſſen koniglichem Schutz befand, toͤdtete, iſt allen Leſern der ſchottiſchen Geſchichte bekannt. Murdack, Herzog von Albany, Duncan, Graf von Lennox, ſein Schwiegervater, und ſeine beiden Soͤhne, Wal⸗ ter und Alexander Stewart, wurden 1425 zu Stir⸗ ling hingerichtet. (5) Daß heut die Buͤrger— Alle Flecken in Schottland, bis zum geringſten, vorzuͤglich aber die anſehnlichen Staͤdte, hatten ihre Spiele, oder Feſtlichkeiten, wo man ſich im Bogenſchießen hervor that, und denen Preiſe ertheilte, die ſich im Rin⸗ gen, Werfen und andern gymnaſtiſchen Uebungen jener Zeit auszeichneten. Stirling, ein gewoͤhnlicher Aufenthalt, ſtand nicht leicht an Pracht bei ſolchen Gelegenheiten nach, beſonders da Jakob der Fuͤufte ein großer Freund davon war. Seine bereitwillige Theilnahme an dieſen Volksſeſten trug mit dazu bei, daß er den Namen, Koͤnig der Gemeinen, erhielt. 7 9 (6) Doch Robin Hood— Die Darſiellung dieſes beruͤhmten Geaͤchteten und ſeiner Bande war eine Lieblings⸗Beluſtigung bei ſolchen Feierlichkeiten. Dieſe Kurzweil, wobei ſelbſt Koͤnige es nicht ver⸗ ſchmaͤhten, Rollen zu uͤbernehmen, ward in Schott⸗ land durch eine Statute des ſechsten Parlaments der Koͤnigin Maria ſtreng unterſagt. (7) Mit kaltem Gleichmuth— Der Dou⸗ glas des Gedichts iſt eine vorgebliche Perſon, Angus vermeintlicher Oheim. Doch das Betragen des Koͤ⸗ nigs bei der unerwarteten Zuſammenkunſt mit dem Lord von Kilspindie, einem verbannten Douglas, unter aͤhnlichen Verhaͤltniſſen, iſt der wahren Ge⸗ ſchichte nachgebildet. VI. e. Mit Tages Anbruch Stirlings Thuͤrme droͤhnen, Von Krieger⸗Schritten und von Waffen⸗Klingen; Indeſſen wirbelnd Trommeln rings ertoͤnen, Und muͤden Wachen bald Erloͤſung bringen. Den Kerzen⸗Schein der Sonne Strahlen hoͤhnen, Die durch der Wacht umgattert Fenſter dringen, Wo ſie auf Gruppen rauher Maͤnner ſcheinen, Die alle hier zum Kriegsdienſt ſich vereinen. ——— Aus vielen Landen kamen ſie gezogen, Geuͤbt in Waffen, trotzend Feind und Wunden, Im Felde ausgelaſſen und verwogen, Im Beutemachen wild und ungebunden. Die Nacht war unter Trunk und Spiel entflogen, Da ſie der Zucht entruͤckt des Feſtes Stunden. und jetzt, mit rohem Lied ſich zu erfreuen, Beginnen ſie den wuͤſten Laͤrm vom neuen. Des Waͤchters Ruf, von außen her vernommen, In vollem Chor das wilde Jauchzen endet.— „Der alte Bertram, Bruͤder, iſt gekommen!“ Spricht ein Soldat, der ſich zum Eingang wendet. „Und was uns kann zu lautem Jubel frommen, Mit ihm iſt Dirn' und Spielmann uns geſendet.“— Bertram, ein Flandrer, grau im Krieg geworden, Schritt nun herein durch die gewoͤlbten Pforten. 205 Und mit im kam ein Harfner, und verhüllet Sieht eine Jungfrau man von Hochlands Gauen, Die von dem Ort mit wuͤſter Schaar erfuͤllet, Erſchreckt ſich abwaͤrts wendet voller Granen. „Was Neues, Bertram?“ man entgegen bruͤllet— „Von Mittag nur bis Abend war zu ſchauen Ein wild Gefecht mit ungezaͤhmten Schaaren, Rauh wie die Berge, die ihr Wohnort waren.“ „Verloren iſt viel Blut von jeder Seite, und keines kann davon recht Vortheil zeigen.“— „„Doch, woher die Gefangnen? Solche Beute Muß dir zum Lohne deiner Muͤh' gereichen. Das Alter naht, und ſchaͤrfer geht's im Streite, Nun iſt dir Harf' und Moͤdchen froͤhlich eigen. Noch einen Affen und dann zieh im Lande Als wackrer Fuͤhrer einer Gaukler⸗Bande.“— 206 „Nein, ſolch ein Gluͤck iſt mir nicht widerfahren. Nach dem Gefechte ſuchten dieſe beiden, Der Harfner und das Maͤdchen, unſre Schaaren, Und Mar gebot mir, Roſſe zu bereiten, — Nachdem ſie im Geſpraͤche mit ihm waren— und eilig ſie an dieſen Ort zu leiten. Enthaltet euch des Laͤrms und wilder Scherze, Und keiner thu', was ſie beſchimpf' und ſchmerze.“ 3 Doch John von Brent, ein kecker Schuͤtz und Britte, Fuͤhrt uͤber das, was Bertram ſpricht, Beſchwerde, Und meinet, ob auch Mar und er es ſtritte, Daß an der Beut' ihm Antheil doch gehoͤrte. Er naht der Jungfrau ſich mit kuͤhnem Schritte, Was Bertram ihm, in Zorn entbrannt, verwehrte; Auch Allan, ob auch nicht geſchickt zum Streite, 22 Entbloͤßt den Dolch zur Haͤlfte aus der Scheide. 207 Allein voll Muth ſteht Ellen zwiſchen ihnen, uUnd laͤßt auf einmal ihre Schleier fallen. So wie durch Thau die Fruͤhlings⸗Sonn“ erſchienen, Wenn um ſie her die Morgen⸗Nebel wallen. Die Krieger ſchauen mit beſtuͤrzten Mienen, Ein hoͤhres Weſen ſcheinet ſie vor allen. Und ſelber Brent, verlegen und gezaͤhmet, Steht halb bewundernd da, und halb beſchaͤmet. Und kuͤhnlich ſpricht ſie:„Hoͤret mich, Soldaten! Mein Vater ſchuͤtzte ſtets des Kriegers Rechte, Er war ſein Fuͤhrer, ihm im Feld berathen, Und blutete mit ihm in dem Gefechte. Nie hoͤre man, daß das, was Tapfre thaten, Der Tochter des Verbannten Nachtheil braͤchte.“— Da ſprach der Brent, voran den Andern immer Bei jeder That, ob guter, oder ſchlimmer: 208 ———ã— „Ich ſchaͤm' mich deß, was ich begonnen!— Bruͤder! Jetzt geh' ich, unſern Hauptmann zu beſcheiden. Hier leg' ich meine Hellebarde nieder, Und wer es waget, ſie zu uͤberſchreiten, Und handelt dieſer Jungfrau da zuwider, Der hat mit mir als ſeinem Feind zu ſtreiten. Vermeidet loſen Scherz und freche⸗Zuͤge, Ihr alle kennt den John von Brent zur Gnuͤge.“ Der Hauptmann kam, jung, kapfer, unbefangen, Indeſſen noch zum Ritter nicht geſchlagen. Den leichten Sinn zwar Wohlſtands⸗Regeln zwangen, Vermeſſen doch, was Mund und Angen ſagen. Des kuͤhnen Blickes forſchendes Verlangen Ward ſchwer der hohen Jungfrau zu ertragen; uUnd dennoch, wer den jungen Louis kannte, Ihn einen edelmuͤth'gen Juͤngling nannte. 209 Doch Ellens Reiz, Gewand und dieſe Orte Wohl Raum zu mancherlei Vermuthen leihten. Er fraget ſie, mit neckend loſem Worte, Ob wie ein irrend Fraͤulein alter Zeiten Mit Roß und Harfner grau ſie kam zur Pforte, Damit ein Kriegsheld ſie als Schutz begleiten?— „Heiſcht einen Rittersmann dein hoch Verlangen? Kann deinen Dienſt ein Knappe auch empfangen?“⸗ Ihr dunkles Auge flammt— dann ſpricht ſie leiſe— „O was hab' ich zu thun mit ſtolzem Streben— — Durch Kampf und Sorgen fuͤhrte meine Reiſe, Als Bittende fuͤr eines Vaters Leben. Ich fordre, daß man mich zum Koͤnig weiſe. Sieh dieſen Ring, den ich zu uͤbergeben. Dies koͤnigliche Pfand, zu Dankes Spenden, Ward einſt ertheilet eines Ritters Haͤnden.“ 14 210 Veraͤndert ſich des Juͤnglings Blicke richten, Voll Achtung auf das koͤnigliche Zeichen. „Dem Ring,“ ſpricht er,„gebuͤhren unſre Pflichten, Und laß es nicht zum Vorwurf mir gereichen, Daß thoͤrig ich, durch niedern Scheins Vernichten, Den Werth nicht anerkannte, der dir eigen. Wenn offen weit des Tages Pforten ſtehen, Erfahr' der Koͤnig, wer ihn wuͤnſcht zu ſehen.“” „Indeß gefall' es dir, bis er zu ſchauen, Im ziemenden Gemache zu verweilen, Es ſollen da dir zur Bedienung Frauen Sogleich herbei in deine Naͤhe eilen, Wo frei du deine Wuͤnſche kannſt vertrauen, Zu Zierde oder Dienſt Befehl ertheilen. Und mir erlaube, daß ich dich begleite, Und dich von hier zu beſſerm Orte leite.“ 211 Als Ellen ſo geſichert fortgegangen, Begehrt vom Brent der Harfner milde Gabe. Er bittet ihn, zu ſtillen ſein Verlangen, Daß ihn der Anblick ſeines Herren labe: „Ich bin ſein Saͤnger— und ihm anzuhangen Verbunden von der Wiege bis zum Grabe. Drum laß mit ihm des Kerkers Loos mich tragen, Es iſt mein Recht— du wirſt es nicht verſagen!“ Da nimmt der Brent herab vom roſtgen Orte Des ſchweren Schluͤſſelbunds vereinte Menge, und fuͤhrt, mit einer Fackel, ohne Worte, Den Harfner durch Gewoͤlb' und grauſe Gaͤnge. Sie bleiben ſtehn vor einer niedern Pforte, Verwahrt mit Kett' und Eiſen, feſt und enge. Es giebt die Fackel Brent in Allans Haͤnde, Damit zuruͤck er Schloß und Riegel wende. 14* 212 ˖— Sie treten ein— es war ein feſtes Zimmer, Das Sicherheit mit duͤſterm Schein vereinet, Doch war's kein Kerker; denn des Tages Schimmer Hier ungehemmt durch hohe Gatter ſcheinet, Und mit veraltet, rauher Zierde Flimmer Man Waͤnd' und Boden zu bedecken meinet; Nach angemeßner Weiſe, alter Zeiten, Die Haft gefangner Edeln zu bereiten. V V Hier, ſpricht de Brent, kannſt du ſo lange harren, Bis wieder ihm der Wundarzt Sorge ſpendet.— Entfernend ſich, aufs neu die Riegel knarren, Wo der Gefangne matt das Haupt gewendet; Sieht Allan, daß zu Rodrick er geſendet, Und als empor die truͤben Augen ſtarren, V Man irrig ſo fuͤr ſeinen Herrn genommen. 1 Den, da er von Clan Alpins Streit gekommen, 215 Gleich wie das ſtolze Schiff, das nimmer wieder Beraubt der tapfern Schaar, die es bemannte, Sich tauchet in des Meeres Fluthen nieder, Geſcheitert unter Truͤmmern liegt am Strande: So ruht auf ſeinem Lager der Gebieter, Gefeſſelt von der Wunden Fieber⸗Bande. Wie anders war das Schiff auf Meeres Ruͤcken, Wie anders er, wenn er zur Jagd geſchritten! Sobald den Saͤnger ſeine Blick' erſpaͤhen, Fragt er nach Ellen ihn und ſeinen Schaaren, Nach Douglas und der Mutter Wohlergehen:— „Mein Fall ließ ſie das tiefſte Leid erfahren! Denn ach! warum wuͤrd ich allein dich ſehen?— Doch ſprich! verſaͤume nichts zu offenbaren— Wer focht— wer floh— wer hat den Sieg errungen? Wer lebt in Schmach?— Wer iſt beherzt geſtorben?“ 214 „Beruh'ge dich!“ der Saͤnger ſpricht dagegen. „Das Fraͤulein lebt“—„Dem Himmel ſey ge⸗ danket!“— „Und fuͤr den Douglas kann man Hoffnung hegen; Auch Lady Margareth iſt nicht erkranket. Und deinem Clan iſt Zeugniß abzulegen, Daß treu und kuͤhn im Streit er nicht gewanket. Noch ſtehet deine Fichte ungebeuget, Obgleich manch guter Zweig zum Grund geneiget.“ Es richtet hoch empor ſich der Gebieter, und Fiebergluth erglaͤnzt in ſeinen Blicken: „Oft hoͤrt' ich, Saͤnger, deine Helden⸗Lieder Auf jener ſtillen Inſel mit Entzuͤcken, Jetzt ſtrahl' im Spiegel des Geſanges wieder Des Streits Beginnen mir und Weiterruͤcken; Und lauſchen will ich, bis der Geiſt entſchwebet, und frei als wie vom Schlachtfeld ſich erhebet.“— 215 Der Bard' erfuͤllet ſeinen Wunſch mit Beben, Und ruͤhret leis der Harfe goldne Saiten; Doch Kund' ihn und Erinnerung beleben, und maͤchtig bald des Liedes Toͤn' entgleiten: So weilt der Kahn, den Fluthen uͤbergeben, Als fuͤrchte er von dem Geſtad' zu ſcheiden; Doch wenn ergriffen von des Stromes Welle, Eilt er hinab als wie mit Sturmes Schnelle. Er ſinget von des kuͤhnen Streites Wenden, Wie ſeinen Clan die Feinde nicht bezwangen, Bis wo des Boten, Friede küͤndend, Senden Gemeldet, er und Douglas ſey gefangen— Doch hier entfaͤllt die Harfe Allans Haͤnden, Des Liedes Toͤne ploͤtzlich hier verklangen!— Oft hatte er verſtohlen hingeſchauet, Zu ſehn, wie Rodrick der Geſang erbauet. 216 Bei ernſtgeſtimmter Melodie Beginnen Die Haͤnde er empor zum Himmel breitet, Dann, wechſelnd, wie des Liedes Toͤne rinnen, Ein tiefer Antheil ſeinem Blick' entgleitet, Am Ende er, mit Tod umhuͤllten Sinnen, Nicht mehr des Harfners Klaͤnge unterſcheidet; Und waͤhrend dieſer voll Entſetzen bebet, Des Ritters Seele grimm nnd ſtill entſchwebet.— Indeß weilt Ellen, mit bewegtem Herzen, Noch ungeſtoͤrt in koͤniglichen Hallen, Wo Sonnenſtrahlen mit den Farben ſcherzen, Wenn durch der Fenſter bunten Schein ſie fallen; Allein vergebens, daß gleich hellen Kerzen, Vergoldet Dach und Zierrath ſie umwallen; Vergebens iſt ein reich Banquet bereitet, Kaum daß ihr Auge leicht daruͤber gleitet. 217 Doch, ſiehe; ploͤtzlich ſie das Haupt erheben, Und nahn dem Fenſter ſich mit leiſem Schritte! Was kann auf einmal ſie wie neu beleben? Was iſt's, das dieſer Stunde Gram beſtritte? Welch ferne Klaͤnge zu ihr nieder ſchweben, Gewinnend ſie in ihres Schmerzes Mitte?— Von jenem Thurm ein holder Ton erklinget, Der wie ein Zauberlied ihr Herz durchdringet. Lied des gefangnen Jaͤgers⸗ Mein Falk' iſt ermuͤdet von Kapp' und Aſt, Mein Jagdhund der Speiſe nicht achtet, Mein Zelter hat nicht im Stalle mehr Naſt, Der Jaͤger in Kerkersband ſchmachtet. 15 4 —J— 218 O koͤnnt' ich hinaus in den gruͤnen Wald, Wie ſonſt in gluͤcklichen Tagen, Mit Bogen und Hunden und feiner Geſtalt, Das braͤunliche Wildpret zu jagen. Nun kann ich nimmer mit Tages Schein In Ellens Blicken mich ſonnen, Nicht folgen dem fluͤchtigen Wild im Hain, Bis thauig der Abend begonnen. Dann ging es heimwaͤrts mit frohem Genuß, Ich legt' ihr die Beute zu Fuͤßen, Und ſie erwiedert den freundlichen Gruß Mir hold mit freundlichen Gruͤßen. Der Abend entſchwand auf Schwingen der Luſt, Zu ſuͤßem Geſpraͤche erkoren— Nun iſt dies Leben der ſehnenden Bruſt, Mir und der Liebe verloren!— 219 Kaum war der liebeskranke Ton verklungen, V Und Ellen ſtand gewendet noch zu lauſchen, Die Thraͤne war noch ihrem Aug' entdrungen, Als in der Naͤhe leichte Schritte rauſchen.— Und Snowdouns Ritter nahet ungezwungen, Um ihren Schmerz mit Freude zu vertauſchen. Es wendet eilig ſich die bange Schoͤne, Eh' ſich vielleicht erneuten jene Toͤne. „Willkommen Ritter!“ ruft ſie ihm entgegen, „Wie kann ich dir die tiefe Schuld verguͤten?“— „Nicht gegen mich haſt du den Dank zu hegen, Nicht ich kann dir des Vaters Leben bieten. In Koͤnigs Hand mußt du dein Schickſal legen, Wohin ich dich zu fuͤhren bin beſchieden. Komm, Ellen, komm!—'s iſt mehr als Zeit zu gehen, Er haͤlt jetzt Hof, wo du ihn koͤnnteſt ſehen.“ 1 5 4 220 Sie ſchmiegt mit banger Bruſt und ſtillem Waͤhnen, Als ſey's ein Bruder, ſich an ſeine Seite. Sanft trocknet er die ihr entquollnen Thraͤnen, und luſtert ſanft ihr Hoffnung zu und Frende, Und wankend muß an ſeinem Arm ſie lehnen, Daß er ſie durch die hohen Gaͤnge leite, Wo ſich am Ende, auf ſein leis Beruͤhren, Eroͤffnen weit zwei hohe Fluͤgelthuren. Geblendet ſtehet Ellen bei dem Schimmer, Der aus dem Innern ihr entgegen ſtrahlet; Wie wenn beim untergang der Sonne Flimmer Den Fruͤhlings⸗Abend tauſendfarbig malet. Von Feen und Zaubrern ſcheint erfuͤllt das Zimmer, Wo Gold und Silber in Gewaͤndern prahlet. Noch immer bleibt ſie bei dem Ritter ſtehen, Verſuchend kaum, zwei Schritte weit zu gehen. Dann rings umher ihr Auge forſchend ſpuͤrte, Als ſie gewagt, das Haupt empor zu heben. Ihn ſuchet ſie, dem dieſer Prunk gebuͤhrte, Ihn, den Gefuͤrchteten, deß Will' iſt Leben. Sie ſah wohl manchen, der waͤr' Thrones Zierde, Von denen, die ſie ſtattlich hier umgeben, Manch ſchimmerndes Gewand ſtrahlt ihr entgegen— Doch wendet ſie zum Ritter ſich verlegen. Denn alle mit entbloͤßtem Haupte ſtanden, Nur ihn Barret und Feder unterſcheidet, Nach ihm die Augen aller Fraun ſich wandten, Auf ihn iſt jedes Hoͤflings Blic geleitet. Immitten Pelzwerk, Seide und Brillanten Steht er allein in einfach Gruͤn gekleidet, Als Mittelpunkt im Kreis, deß gleichen wenig— Und Snowdouns Ritter iſt der Schotten Koͤnig!(1) 222 Wie von des Berges Bruſt ein Schneekranz ſcheidet, Wo er auf Felſen ruht, ſich abwaͤrts neiget; So Ellen jetzt von ihrer Stelle gleitet, Und ſich zu des Monarchen Fuͤßen beuget. Die Sprache hat fuͤr ſie kein Wort bereitet, Sie hebt die Haͤnde— Sie den Ring ihm zeiget— O keinen Augenblick konnt' er ertragen, Der edle Fuͤrſt, was dieſe Augen ſagen. Er hebt ſie ſanft empor— indeß im Kreiſe, Auf ſeinen Wink, des Laͤchelns Spuren weichen— Kuͤßt ihre Stirn mit zierlich, ernſter Weiſe, Und bittet, alles Schrecken zu verſcheuchen.— „Ja, jenem armen Ritter auf der Reiſe Iſt Schottlands Huldigung als Herrſcher eigen, Ihm nenne deine Leiden, dein Begehren, Er will als Loͤſung ſeines Rings gewaͤhren.“ 1 225 „Fuͤr Douglas bitte nicht, zur Abendſtunde, Ward geſtern viel von mir und ihm vernichtet. Er litt groß Unrecht von Verlaͤumders Munde, Und ich, da ſein Geſchlecht auf Pflicht verzichtet. Mit unſerm Rath und dem Geſetz im Bunde, Wir ruhig ihn gehoͤret und gerichtet. Und Bothwells Lord hinfort als Freund wir kennen, Ihn eine Stuͤtze unſers Thrones nennen.“ Und nun herbei der edle Douglas eilet, Um welchen ſich der Tochter Arme ſchlingen. Dem Koͤnig dieſe ſchoͤne Stund' ertheilet, Das ſuͤß'ſte, heiligſte, was Macht erringen, Wenn ſie mit Goͤtterſtimme Wunden heilet, und Freude kann getruͤbter Tugend bringen. Doch wollt' er nicht den allgemeinen Blicken Lang' zeigen dieſes Wiederſehns Entzuͤcken. 224 Er kritt hinzu, um Ellen ſelbſt zu ſagen, Was ihr vielleicht als Raͤthſel noch erſcheinet, Wie die Benennung, die er dort getragen,(a) Er ſich zum Schleier, obwohl falſch nicht einet, Wenn niedre, doch begluͤckten Lebens Lagen Er naͤher in Betracht zu nehmen meinet, Wobei er uͤber den Geſetzen wache,“ Als Ritter oft der unterdruͤckten Sache. Dann ſpricht zu ihr er leiſ' und abgewendett „ Es wiſſe niemand, welch ein eitel Schalten Mich hin zu dir und in Gefahr geſendet, Wo deiner Augen Zauber⸗Scheine wallten“— und wieder laut—„Noch ſeh' ich, nicht geendet, Den kleinen goldnen Talisman dich halten. Erfuͤllung meines Worts ruht auf dem Ringe; Was wuͤnſchet Ellen, das ihr Fuͤrſt vollbringe?“ 225 Die Jungfrau, ſich bewußt, es wohl empfindet, Er will nur ihres Herzens Schwachheit pruͤfen; Allein auch viel von jener Furcht entſchwindet, Die noch fuͤr Graͤm in ihres Herzens Tiefen. Mehr glaubt ſie gegen den, den Zorn entzundet, Deß Waffen kuͤhn zum Streit fuͤr Douglas reifen. Und ganz dem edeln Mitgefuͤhl ergeben, Fleht ſie um Gnade fuͤr Sir Rodriéks Leben. „Mit dieſer Bitte nicht an mich dich wende: Der Herr der Herren nur hemmt Todes⸗Schwinge. Ich kenn' ſein Herz, ich kenne ſeine Haͤnde, Theilt' ſeine Koſt und probte ſeine Klinge. Die ſchoͤnſte Grafſchaft ſetzte ich als Spende, Wuͤßt' ich, was Alpins Lord ins Leben bringe!— Haſt du nicht andre Gabe zu verlangen? Iſt keiner deiner Freunde mehr gefangen?“ 16 226 Errothend Ellen ſich vom Koͤnig wandte, Und uͤbergiebt den Ring des Vaters Muͤhen; Als wuͤnſche ſie, daß er die Bitte nannte, Um welche ihr die Wangen hoͤher gluüͤhen.— „Nein! nun entfloh die Kraft von meinem Pfande und ſtrenges Recht ſoll ſeinen Lauf vollziehen. Komm vor, Malcolm!“»— ſo rief des Lands Ge⸗ . bieter, Und Graͤm kniet ihm alsbald zu Fuͤßen nieder. „Kein Bittender, der dich vertreten haͤtte, Du, der fuͤr unſre Huld, mit Undanks Ringen, Geſuchet den Verbannten Zufluchtsſtaͤtte, und Hut und Feſſel wir dem Graͤm bedingen!“— V Der Koͤnig nimmt vom Hals die goldne Kette, Damit des Juͤnglings Nacken zu umſchlingen— Und uͤbergiebt es laͤchelnd Ellens Hand.— Dann zieht er ſanft am ſchimmerreichen Band, 1 Fahr wohl, du nordſches Spiel! die Huͤgel dunkeln, Auf Purpurgipfel ſinkt der Nacht Gefieder, In Waldesſchatten Gluͤhwurms Lichter funkeln, Das Wild eilt, halsgeſehn, zum Dickicht nieder⸗ Nimm deinen Platz am Zauberbaume wieder, Dein wilder Toͤnen leihend wilden Luͤften. Der Abend Feier ein' die ſuͤßen Lieder, Dem fernen Echo auf den ſtillen Triften, Und Bienchens Summen unter Blumenduͤften. Und als ſich zoͤgernd meine Schritte wenden, Erweckt ein Luſtgeiſt deiner Saiten Klingen. Jetzt iſt's ein Seraph kuͤhn, mit Flammen⸗Haͤnden, Fetzt ſind es eines Elfens zarte Schwingen. Die Toͤn' erſterbend immer ferner dringen, Stets ſchwach und ſchwaͤcher durch die Felſengaͤnge. Des Berges Luͤſte kaum zuruͤck noch bringen Ein leiſes Hauchen ihrer Zauberſaͤnge— Jetzt iſt's verhallt— Lebt wohl ihr holden Klaͤnge! —— Anmerkungen. (1) Und Snowdouns Nitter— Jakob der Fuͤnfte war ein Fuͤrſt, deſſen gute und wohlwollen⸗ de Abſichten oft ſeine romantiſchen Grillen verzeih⸗ lich, wenn nicht achtungswerth machten. Um zu ſehen, ob die Gerechtigkeit regelmaͤßig verwaltet ward, und oft aus weniger loͤblichen Gruͤnden der Galanterie, pffegte er die Umgebungen ſeiner ver⸗ ſchiedenen Schloͤſſer in mannichfacher Verkleidung zu durchreiſen. (2) Wie die Benennung— Die Normaͤn⸗ ner nannten ihn James Fitz⸗James. Wilhelm von Worceſter, der in der Mitte des funfzehnten Jahr⸗ hunderts ſchrieb, nennt Stirlings Schloß, Snowdoun. Sir David Lindſay gibt ihm denſelben Namen. Der eigentliche Name, durch welchen ſich Jakob bei ſeinen geheimen Excurſionen unterſchied, war Gut⸗ man von Ballenguich, von einem ſteilen Wege dieſes Namens hergeleitet, der zu Stirlings Schloß hinauf fuͤhrte. Druckfehler. Erſter Geſang. Vers 4 Zeile 3 lies ſtatt um und. — 45— 1—— viel weit. 2 Zweiter Geſang. Vers 4 Zeile 2 ſtatt falb'ger lies falt'ger, Bezug auf die Tracht der Hochlaͤnder. — 5— 1 ſtatt lebensſchwanker lies Lebens ſchwanker. Vierter Geſang. Vers 8 Zeile 4 ſtatt Noch lies Nah'. Fuͤnfter Geſang. Vers 31 Zeile 2 ſtatt Guͤter lies Huͤter. — 34ͤ lies die fuͤnfte Zeile nach der ſechſten. Sechſter Geſang. Vers 20 Zeile 7 ſtatt Ruͤcken lies Mitten. 21— 7 ſtatt errungen lies erworben. — 30— 3 ſeatt feiner lies freier. — 46— 6 ſeatt reifen lies riefen. 7 Auswahl— vorzuͤglicher Werke und Schriften, welche im Verlage von F. A. Brockhaus in Leip⸗ zi gerſchienen und in allen Buchhandlungen Deu tſch⸗ lands, der Schweiz, Oeſterreichs, Ruß⸗ lands, Daͤnemarks und der Nied erlande zu den beygeſetzten Preiſen zu erhalten ſind. Alfieri(Bittorio), Denkwuͤrdigkeiten ſeines Lebens. Von ihm ſelbſt geſchrieben. Nach dem ſtalieniſchen Originale deutſch herausgegeben von Lud w. H a.i n. 8. 2 Thle. 1812. 5 Thlr.(5 Fl. 24 Nr.) 3 2 Andeutungen zur Kritik der Königl Preuß. Zoll⸗ und Ver⸗ brauchſteuer⸗Geſetzgebung vom 26 May 1818. gr. 8. 1819. 20 Gr.(1 Fl. 30 Tr.) 12 Arnoldi(J. von), giſtoriſche Denkwuͤrdigkeiten. gr. 8, 1817. 2 Thlr. 12 Gr.(4 Fl. 30 r.) 1 Bäder, die, und Heilbrunnen Deutſchlands und der Schweiz. Ein Taſchenbuch fuͤr Bade⸗ und Brun⸗ nenreiſende, von Dr. C. F. Moſch. 2 Thle. Mit 36 land⸗ ſchaftlichen Aufichten und einer Charte. 8. 1819. 4 Thlr. 12 Gr.(8 Fl. 6 Kr.). Baggeſen(Jens), Parthenais oder die Alpenreiſe. Ein idylliſches Epos in zwoͤlf Geſaͤngen. Neue Auflage. Mit 6 Kupfern. 12. 1819 2 Thlr. 16 Gr.(4 Fl. 48 Kr.) 3 —— Heideblumen. Mit dem Portr. des Verf. 8. 1808. 2 Thlr.(3 Fl. 36 Kr.) s Blumenleſe aus dem Stammbuche der deutſchen mimiſchen Kuͤnſtlerin, Frauen Henriette Hendel⸗Schutz, geb. Schuͤler. Mit einem Kupfer. 12. 1815. 1 Thlr. 8 Gr. (2 Fl. 24 Kr.)— Bouilly(§. R.), Rath an meine Tochter, in Beiſpielen aus der wirklichen Welt, frei bearbeitet von Ludwig Hain. Neue Aufl. 8. 1816. 2 Baͤndchen. 1 Thlr. 16 Gr.(3 Fl.) Byron(Lord), Manfred; Trauerſpiel. Deulſch von Adolph Wagner. Mit gegenuͤber gedrucktem Origi⸗ naltext. 8 1819. 1 Thlr. 12 Gr(2 Fl. 42 Kr.). Calderon dela Barca, Schauſpiele Ueberſetzt vom „Freiherrn Ernſt F. G. O. von der Malsburg. Ir. Theil, enthält: 1. Es iſt ſchlimmer als es war; 2. Es iſt beſſer als es war. 2r. Theil, enthaͤlt: 2. Faͤrſt, Freund, — Frau. 2. Wohl und Weh. 8. 1819. Jeder Theil 2 Thlr. 63 Fi. 36 Kr.) 4 2 h Ai Chateaubriand(F. A. de), Souvenirs d'Italie, d'Angle- terre et d'Amérique. Seconde édition. 12. 1817. 1 Thlr. 8 Gr.(2 Fl. 24 Kr.) 3 Conſtitutionen, die, der europaͤiſchen Staaten ſeit den letzten 25 Jahren. In drei Theilen. ꝛr Theil. gr. 8. 1817. 2 Thlr.(3 Fl. 36 Kr.) ar Cheil. gr. 8. 1817. 2 Thlr. 12 Gr.(4 Fl 30 Kr.) Conſtitution, die, Spaniens, durch die Cortes, und die Conſtitution Suͤd⸗Amerika's. Mit hiſtor. Einleitungen ꝛc. gr. 8. 1819. Converſations⸗Lexicon oder Real⸗ Encyelo⸗ pädie,(allgemeine deutſche), fuͤr die gebildeten Staͤnde. In zehn Baͤnden. Fuͤnfte Original⸗Ausgabe. 8. 1819. Praͤnum. Preis: auf weiß Druckpapier in ord. Z. 12 Thlr. 12 Gr.(22 Fl. 30 Kr.); auf Schreibpapier in ord. 8. 18 Thlr. 18 Gr.(33 Fl. 45 Kr.); auf fein weiß Druckp. in Med. Format 22 Thlr.(39 Fl. 36 Kr.); auf supra fein Berliner Pap. in Med Format 28 Thlr.(50 Fl. 24 Kr); auf engl. Velinpap. in Med. Format 45 Thlr.(81 Fl.) Core(W.), Geſchichte des Hauſes Oeſterreich ſeit der Gruͤndung dieſer Monarchie von Rudolph von Habsburg bis zum Tode Leopolds des Zweiten.(1215— 1792). Aus dem Engliſchen von Dippold und W agner. Mit berichtigenden Anmerkungen der Ueberſetzer. 4 Bde. gr. 8. 1817. Complet 10 Thlr.(18 Fl.)(jeder Bd. 2 Thlr. 12 Gr.. Curths(C.), die Bartholomaͤus⸗Nacht. Ein Fragment aus der Geſchichte der Vorzeit Frankreichs. 8. 1814. 1 Thlr. 16 Gr. 505 9 Alighieri, die göttliche Comoͤdie. ꝛr Theil: Die Hoͤlle. 2r Theil: Das Fegefeuer, Ueherſetzt von C. L. Kannegieſſer. 8. 1814. jeder Thl. 1 Thlr 16 Gr.(3 Fl.) Depping(G. B.), Sammlung der beſten alten ſpaniſchen hiſtoriſchen Ritter⸗ und Mauriſchen NRomanzen.(Im ſpaniſchen Original.) Mit einer(deutſchen) Einfeitung und mit(deutſchen) Anmerkungen. 12. 1917. 3 Thlr. 12 Gr. (4 Fl. 30 Kr.) Dichterproben, Briltiſche. No. r. Nach Thomas Moore und Lord Byron;(uͤberſetzt von Leg.] Rath Breuer). Mit gegenuͤbergedrucktem Originaltext. 12. 1819. Ennemoſer(D. Joſeph), der Magnetismus, nach der allſeitigen Beziehung ſeines Weſens, ſeiner Erſcheinungen, Anwendung und Entraͤthfelung, in einer geſchichtlichen Entwicklung von allen Zeiten und bei allen Voͤlkern wiſfenſchaftiich dargeſtellt. gr. 8. 1819. 3 Thlr.(5 Fl. Kr.) 1 Eas sur Phistoire de„'économie politique des peuples modernes jusqu'au commencement de l'annòée 1817.(par „M. de B0888.) Deux parties. 8. 1818. 2 Thlr. 12 Gr. (4 Fl. 30 Kr.) Falk(Johannes), auserleſene Werke.(Alt und neu) In 3 Theilen!(ur⸗Theil Liebesbuͤchlein; 2r Th. Oſterbuͤchlein; 5r Th. Narrenbüchlein). 8. 1819. 5 Thlr 15 Gr.(16 Fl. 12 Kr.) 3 Friedländer(D. Hermann), Anſichten von Italien „woͤhrend einer Reiſe in den Jahren 1815 und 1816. In zwei Theilsn. Erſter Theil. 8. 1818. 1 Thlr. 48 Cr. „(₰ Fl. 9 Kr.) Furch⸗ au(Friedrich), Hans Sachs. In zwei Abtheilun⸗ gen. Erſte Abtheilung: die Wanderſchaft. Zweite Abtheilung; der Eheſtand. gr. 8. 1819. Jede Abtheitung 32 Thlr. 8 Gr.(2 Fl. 24 Kr.) Gemmen, gedeutet von Arthur vom Nordſtern. Zweite Wſe in gr. 8. 1818. Mit ſechzehn Vignetten. *1 Thlr. 8 Gr.(2 Fl. 24 Kr.) Germar(Ernſt Friedrich), Reiſe in Dalmatien und das Gebiet von Raguſa. Mit illuminirten Kupfern und 12 Charten. gr. 8. 1817. 2 Thlr. 16 Gr.(4 Fl. 48 Kr.) Gornin 77. 1I. vond. die Heilquellen am Taunus. Ein didaktisches Gedicht in 4 Gesängen. Mit Erläuterungen, 7 Kupfern und einer Karte. 4. 1814. 5 Thlr.(9 Fl.) Daſſelbe, ohne die Kupfer, aber mit Rarts. 12. dre. 1 Thlr. 8 Gr.(2 Tl. 24 Kr.)— Geſchichte, merkwürdige, der Befreiung der Miſtreß Spencer Smith aus franzoͤſiſcher Gefangenſchaft zu Venedig, im Jahr 1806 durch den Marquis de Salvo. Aus dem„Engl. von Henrierte Schubart. 8. 1816. 120 Gr.(11Fl. 30 Kr.) Geſchichte Andreas Hofers, Sandwirths aus Paſſehr, Oberanführevs, der Tyroler im Kriege von 1309. gr. 88. 1817. 2 Thlr. 6 Gr.(4 Fl. 3 Kr.) kaà(Jak.), die Fomülle von Karlsberg, oder die Angend⸗ dehke; anſchaulich dargeſtellt in einer Familiengeſchichte⸗ („Ein Buch fuͤr den Geiſt und das Herz der Jugend beiderlei Gephlechts. 2 Bde. Neue Aufl. 8. 1316. 1 Thlr. 16 Gr. Graͤvell(D. M. C. F. W.), das Wiederſehn nach dem Tode. Daß es ſeyn muͤſſe u. wie es nur ſeyn konne. Als Anhan zu dem Werke: Der Menſch. gr. 8. 1819: 10 Gr.(45 Kr Greiner(D. G. Fr. Chr.), der Traum und das cen hafte Itreſeyn. Ein phyſtologiſch⸗piychologiſcher Verſuch⸗ gr. 8. 1817. 1 Thlr. 4 Gr.(2 Fl. 6 Kr.) Groͤtſch(J. Ge)⸗ der Zug der Normannen nach Jeruſalem. Romant, Heldengedicht in 12 Geſängen. 8. 1819. 2 Thlr. (3 Fl) 36 Kr.) Hamann(J. G.), Sibylliniſche Blaͤtter des, Mragus in Norden. Herausgegeben von D. F. Cramer. Mit dem Bildniß Hamanns. 8. 1819. 2 Thlr.(3 Fl. 30 Kr.) Haſſe Grof. F. Eh. A.), Geſtaltung Europa's ſeit dem Ende des Mittelalters bis auf die neueſte Zeit nach dem Wiener Congreß. Erſter Theil mit einer Karte.(die „Zeiten von 1492 his zum franzoͤſiſchen Revolutiongkriege). gr. 8. 1818. 2 Thlr. 5 Gr.(4 Fl. 3 Kr.) 3 Heer, das, von Inneröſterreich unter den Befehlen des Erzherzogs Johann im Kriege von 1809, in Italien ZLyrol und Ungarn. Von einem Generaloffizier des k. k. General⸗Quartier⸗Meiſter⸗Staabs. gr. 8. 1817. 2 Thlr. 12 Gr.(4 Fl. 30 Kr.) Hellwig(Amalie⸗ v., geb. v. Imhoff), die Sthweſtern von Corcyra. Dramatiſche Idylle in zwei Abtheilungen. Mit Kupf. und Mujſtk. 12, 1812. I Thir. 8 Gr.(2 Fl. 24 Kr.) —— die Tageszeiten. Kin Cyklus griechiſcher Zeit und Sitte. In vier Idyllen. 12. 1812. 1 Thlr. 8 G.(2 F. 24 K.) Herbart(J. F.), uͤber die gute Sache. Gegen Hrn. Prof. Steffens. 8. 1819. 10 Gr.(45 Kr.) Heym es, odex Leipziger kritiſches Jahrbuch der eiteratur, (Geleitet vom Prof. W. T. Krug). gr. 8. 1 3194 Ar. Jahrg. In 4 Stuͤcken. 8 Thlr.(14 Fl. 24 Kr.) Jakob(L. H. v.), Kcademiſche Freyheit u. academiſche Dis⸗ olin⸗ mit S. NRene Ruͤckſicht auf die preuß. Univerſitäͤten. „ 9. 8. 1810. 16 Gr.(1 Fl.⸗ 12 Kr.). John(Prof. J. F.), Handwoͤrterbuch der allgemeinen Chemie. 4 Bde. 8. 1817— 19. Mit Kupfern. 11 Thlr.(19 Fl. 48 Kr.) Ifhs, Hergungegehen von Oken. Erſter Jahrgang fuͤr 1812 mit Kupfern, 4. 6 Thlr.(10 Fl. 48 Kr.) Zweiter Jahr⸗ Zang fuͤr 1318. mit Kpfrn. 4. 8 Thlr.(14 Fl. 24 Kr.) 2 Dritter Jahrgang für 1819. mit Kpfin. 4. 8 Thlr.(14 Fl 24 Kr.) 11 Thlr.(10 Fl. 48 Kr.) 1* nne(Friedr. Au u), Vier Nachte, oder romantiſche Gemaͤlde der Phantaſte. 8. 1919. 1 Fanr. 4 Gr.(2 Fl 6 Kr.) Karamſin, Aglaja. Sammlung von romantiſchen und hiſtortſchen Erzaͤhlungen. Aus dem Ruſſiſchen uͤberf. von Ferdinandv. Biedenfeld. 8. 1819. 1 Thlr. 8 Gr. (2. Fl. 24 Kr.) Kling enar n OD. Aug.), Fauſt, eih Trauerfpiel in fuͤnf Akten. 8. 1815. 18 Gr.(i Fl. 21 Kr) —— Hamlet, ein Truuerſp. in Gr Adis. v. Shakeſpeare. Nach Gothes Andeutungen u. A. Schlegels neberſ. fuͤr die Buͤhne vearbeitet. 8. 1315. 5 6 Fl. 21 Kr.) Kreyſig(D. Fried. Lud., K. Sächſ. Leibarzt und Prof.) Syſtem der practiſchen Heilkunde. Erſter Band. Heit⸗Grundſaͤtze. Erſter Theil, Angewandte oder prackiſche Krankheitslehre. gr.§. 1818. 2 Thlr. (3 Fl. 36 Kr.) Dteſer Theil hat auch den Titel: ——— Handbuch der practiſchen Krankheits ehre. Erſter; Theil. S „ Kru g(Prof. W. T.), Entwurf zur Deu tſchen und Oar⸗ tellung der Engliſchen Geſetzgebung uͤber die Pegrrethett gr.§. 1818. 20 Gr.(T. Fl. 30 Kr.) —— Auch eine Denkſchrift uͤber den gegenwartig en, Zuſtand (von Deutſchland, oder Wuͤrdigung der Dens kſchrift des Hrn. v. Stourdza, in tidiſcher, moraliſcher, politiſcher und rellgioſer Sinſicht. 8. geh. 1819.6 Gr.(27 Kr.) —— tat actue! de!' Allemagne Ou examen et réponse au. mémoire de Mr. de Jrourdsa sur Petat de Lallemagne sous le rapport juridique, moral, Holitidue et röligictix. 8. geh. 8 Gr.(56 Kr.) kiſt Ueberſehung von Nr. 1.) —— das Pednehsſ Ketehes⸗ die pre ßiſche Staats⸗ zeitung und der Zeitgeiſt. 3. geh. 1819. 8 Gr.(36 Kr.) —— Kotzebite und die deutſchen Univeiſttaäͤten. 8. geh. 1819. 10 Gr.(45 Kr.) —— Ma nung ber Zeit an die proteſta tiſche Kirche, bei d. Wie⸗ derkehr ihres Iubelfeſtes.(Nebſt ein. Nachſchr. an d. catho⸗ iſche Kirche u. deren Sborhcunt⸗ gr. 8. 1817. 8 Gr.(36 Kr.) Loͤbem(O. H. Graf von) Roſengarten. Romantiſche Dichtungen. Zwei Theile. 8. 1817. 3 Thlr. 8 Gr.(6. 80 Lobgeſang, der, auf den peleigen Anno, in der alt⸗ deutſchen Grundſprache und mit einer Einleitung, Ueber⸗ ſetzung und Anmerkungen herausgegeben von D. G. NA. F. Goldmann, 8. 1816. 20 Gr.(1 Fl. 30 Kr) Maſſenbach(Obriſt von), Ruͤckerinnekungen an große Maͤnner. gr. 8. 1300. 1 Thlr. 12 Gr.(2 Fl. 42 Kr.) —— Memotren zur Geſchichte des preußiſchen Staats unter den Regierungen Friedrich Wilhelms des Zweiren und Friedkich Wilhelms des Oritten. In drei Bon. Mit Karten u. Planen. 1809, u. 10. 6 Thlr.(10 Fl⸗ 48 Hr.)— —— hiſtoriſche Denkwuͤrdigkeiten zur Geſchichte des preuſ⸗ liſchen Staats ſeit dem Jahre x 94, nebſt ſeinem Tagebuche uͤber den Feldzug 1806. 2 Thle. in gr. 8. mit vier Karten und Planen. 13009. Thlr. 12 Gr.(4 Fl. 30 Kr.) Mémoires secrets sur la vie privse, politique et littéraire de Lucien Budnaparto, prince de Caning, védigés sur sa correspondance et sur des pièces authentiques et inédites. 2 Tomes. gr. 8. 1818. 2 Thlr. 12 Gi.(4 Fl. 30 Kr.) Möoller(Nic.), ſpeculative Darſtellung des Chriſtenthums. „gr. 8. 1819. 1 Thlr.(1 Fl. 48 Kr.). — Ueber das abſolutePrincip d. Ethik. gr. g. 1819.10 G.(45 K.) Murhard(Dr. Carl), Theorie des Geldes und der Munze. gr. 8. 1817. 1 Thlr. 12 Gr.(2 Fl. 42 Kr.) 97 Nibelungen(das Lied der). Metriſch in die jetzige deut⸗ ſche Mundart uͤbertragen von J. Guſt. Buͤſching. gr. 8. 1815.1 Thlr. 3 Gr.(2 F. 24 K.) A. Schrp. 1 Thlr. 16 Gr.( F.) Nibelungen, die, von F. R. Hermann. In 3 Theilen. zr Theil: Der Nibelungen Hort. 2r Theil: Siegfried. Ir. Thl: Chriemhildens Rache. gr. 8. 1819. 1 Thlr. 18 Gr.(5Fl. 9Kr.) Sehtenſchlaͤger(Adam), Aladdin oder die Wunder⸗ lampe. Ein dramatiſches Gedicht in zwei Spielen. 8. 1803. 2 Thlr. 12 Gr,(4 Fl. 30 Kr.) Auf geglaͤttetem Schweitzer⸗ Velinp. 4 Thlr.(2 Fl. 12 Kr.). Petrarca(Fra ncesco), italieniſche Gedichte, uͤberſetzt und mit erlaͤuternden Anmerkungen begleitet von Prof. Carl Foͤrſter. er Theil. g. 1318. 2r(und letzter) Theil. 2810. jeder Thl.. Thlr. 12 Gr.(4 Fl. 30 Kr.) Puchelt(D. und Prof. Friedr. Aug. Benj.), Das Venenſyſtem in ſeinen krankhaften Verhaͤltniffen. gr. 8. 2818. 2 Thlr.(3 Fl. 36 Kr.) 4 QAuandt(G.) Streifereien im Gebhiete der Kunſt auf einer „Reiſe von Leipzig nach Italien im Jahr 1843.3 Thle. 3 18¹9. 3 Thlr.(5 Fl. 24 Kr.) 6 4 6 * Keichardt(Joh. Friedr.) vertraute Briefe, geſchriebem auf einer Reiſe nach Wien und den oͤſterreichiſchen Staaten⸗ zu Ende des Jahres 1808, und zu Anfang 1809. 2 Bände⸗ 8. 1810. 3 Thlr.(5 Fl. 24 Kr.) —— Briefe eines reiſenden Nordloͤnders. Geſchrieben in den Jahren 1807— 1809. Neue Aufl. 1816. 8. 1 Thlr. 12 Gr (2 Fl. 42 Kr.) Radolphi(Prof. K. Asm.). Entozoorum sive vermium intestinalium histonia naturalis. Cum 6 tab. aen.(Natur⸗ geſchichte d. Eingeweidewuͤrmer? gr. 8. 3 vol. 1308— 10. 7 Thlr. 12 Gr.(13 Fl. 30 Kr.) Saalfeld(Prof. F.) allgemeine Ge chichte der neueſten Zeit, ſeit dem Anfange der franz. Revolntion. In 4 Bdn. oder 3 Abtheilungen. Band 1. und 2. und 3 Bandes Abth. ſind erſch. u. koſten: 8 Thlr. 8 Gr.(15 F.) gr. 3. 1815— 19. —— Geſchichte Napoleon Buonaparres, Zweite gaͤnzlich umgearb. Aufl. 2 Bde. gr. 8. 1816— 17. 5 Thlr. 12 Gr. (9 Fl. 54 Kr.)* Schickſals⸗Strumpf, der. Tragoͤdie in vier Akten, von den Bruͤdern Fatalis.(von Caſtelli). kl. 8. 1818. 1 Thlr. (1 Fl. 48 Kr.) Schopenhauer(Johanna), Ausflucht an den Rhein und deſſen naͤchſte Umgebungen im Sommer des erſten fried⸗ lichen Jahres. kl. 8. 1818. 1 Thlr. 16 Gr.(3 Fl.) —— Reiſe durch England und Schortland. Zweite verbeſ⸗ ſerte und vermehrte Auflage. In zwei Bdn.. 3. 1818. 4 Thlr.(7 Fl. 12 Kr.) 4 3 —— Gabriele. Ein Roman. 2 Bde. 8. 1819. Schulze(Ernſt,, poetiſche Schriften. 1r. 2r. und 3r Band. 8. 1819. der 1 und 2 Band enthaͤlt: —— Cacilie, ein rom. Gedicht in 20 Geſaͤngen a Bde. 8. 1818. 4 Thlr.(7 Fl. 12 Kr.) Der 3 Band enthaͤlt: —— Poetiſches Tagebuch, und Pſyche, ein Maͤhrchen. 8. 1819. 2 Thlr.(3 F. 36 K.) Letzteres einzeln abgedruckt unter d. Titel: —— Pſyche, ein Maͤhrchen in Buͤchern. 8. 1819. —— Die bezauberte Roſe. Rom. Gedicht in 3 Geſaͤngen. Mit 6 Kupfern. ate Aufl. 12. 1819. 1 Thlr. 16 Gr.(3 Fl.) Scott(Walter), ſchottiſche Lieder und Balladen. Ueberfetzt v. Henriette Schubart. gr. 8. 1817. 1 Thlr.(1 Fl. 48 K.) —— Oie Jungfrau v. See. Uebrſ. v. Henr. Schubart. 8. 19. Shakſpeare's Schauſpiele, uͤberſetzt von Johann Heinrich Voß und deſſen Soͤhnen, Helnrich Voß und Abraham Voß. Mit Erlaͤuterungen. gr. 8. 4813. 6 Erſter Band 3 Thlr.(5. Fl. 24 Kr.)(Der Sturm; der Sommernachts⸗Traum; Romeo und Julta; alle drei von Johann Heinrich Voß; Viel Laͤrmen um Nichts von H. Voß.) —— Zweiter Band. gr. 8. 1818. 3 Thlr.(5 Fl. 24. Kr.) (Der Kaufmann von Venedig, ö. J. H. Voßz Maas für Maas, v. Abraham Voß; Was ihr wollt, v. J. H. Voß; Der Liebe Muͤh' umſonſt, von Heinrich Voß.) —— Dritter Band. gr. 8. 1819. 3 Thlr.(5 Fl. 24 Kr.) (Wie es euch gefäͤllt, v. H. Voß; Koͤnig Lear, v. J. H. Voß; Die gezaͤhmte Keiferin, v. A. Voß; Titus Andronicus, v. H. Voß.) —— Romeo und Julia, überſ. v. Joh. Heinr. Voß. Mit Erlaͤuterungen. gr. 8. 1818. 1 Thlr.(1 Fl. 48 Kr.) —— Der Kaufmann von Venedig, überſetzt von demſelben. Mit Erläuterungen. gr. 8., 1818. 20 Gr. 8(1 Fl. 30 Kr.)—— 5 —— Konig Lear, Uberſetzt v. demſelben. Mit Er⸗ läut. gr. 8. 1819.(Alle drei beſondere Abdrücke aus der volſtaͤndigen Ueberſetzung). Siekler(D. F.), die Herkulanenſiſchen Handſchrif⸗ tenin England; mein Ruf zu deren Entwickelung und die daraus gewonnenen Reſultate. Nebſt Abbilbung Herkul. Manuſeripte, in Steindruck. gr. 8. 1819. 1 Thlr.(1 Fl. 48 Kr.) Sinnbilder der Chriſten, erklaͤrt von Arthur vom Nordſtern. Mit 21 Holzſtichen(von Nezbit Bran⸗ ſron, Clennel und Hole in London). gr. 4. 9 Thlir (106 Fl. 12 Kr.) Sismondi(J. C. L. Simonde de), die Literatur des fuͤdlichen Euxopa. Deutſch bearbeitet von 2 Hain. In 2 Baͤnden. Erſter Band gr. 8. 1816. 3 Thlr.(5 Fl. 24 Kr.) Zweiter und letzter) Band. gr. 8. 1819. 3 Thlr.(5 Fl. 24 Kr.) Sparre⸗Wangenſtein,(C. J. von), uͤber Geſchwor⸗ nen ⸗Gerichte und das Verfahren in peinlichen Sachen. gr. 8. 16 Gr.(1 Fl. 12 Kr.) K.. Sprengel(Curtii), Iustitutiones medicae. tom. I— VI. (neue Aufl. v. tom. 111 VI). gr. 3. 189— 19. 13 Thlr. 4 Gr.(25 Fl. 42 Kr.)(Die Theile ſind auch unter beſondern Titeln einzeln zu erhalten.) —— Geſchichte der Botanik. Neue Bearbeitung und bis auf die jetzige Zeit fortgefuͤhrt. In 2 Theilen. Erſter Theil mit 8 illuminirten Kupf. gr. 8. 1817. 2 Thlr. 16 Gr. (4 Fl. 48 Kr.) Zweiter Theil. gr. 3. 1818. 2 Thlr.(3 Fl⸗ 36 Kr.) 21 1. (Von den fruͤhern Jahrg. ſind noch zu erhalten: Jahrg. 1810. a Thlr. 12 Gr.(2 Fl. 42 Kr.), 1815, 17 und 18. jeder 2 Thlr. 6 Fl. 36 Kr.).— Venturini(D. Carl), Rußlands Befreiungskriege von der Franzoſenherrſchaft unter Napoleon Buonaparte in den J. 1822— 15. 4 Thle. Mit 25 Kpfrn. u. 3 Charten. gr. 8. 12816— 19. 10 Thlr. 16 Gr.(19 Fl. 12 Kr.) Jeder Theil 2 Thlr. 20 Gr.(4 Fl. 48 Kr.) 9 Werner(Fr. Ludw. Zach.), Cunegunde die Heilige, roͤmiſch⸗ deutſche Kaiſerin. Ein romantiſches Schauſpiel in 5 Akten. 8. 1815. 1 Thlr. 4 Gr.(2 Fl. 6 Kr.) —— der vier u. zwanzigſte Februar. Eine Tragoͤdie in einem Act. ae Ausg. mit einem Ttlkpfr. 8.4819. 1 Thlr.(1 Fl. 48 Kr.) etzel(F. G.), Jeanne d⸗Arc. Trauerſpiel in 5 Aufzügen. Mit 2 Kpfr. 3. 1817. 1 Thlr.(1 Fl. 48 Kr.) 3 Wieland(Chriſtoph Martin), geſchildert v. J. G. Gruber. Zwei Thle. mit geſtoch. Titelblaͤttern, 3 Kupfern, u. einem Fac Simile. 8. 1816. 4 Thlr.(7 Fl. 12 Kr.) Winkel(G. F. D. aus dem), Handbuch für Jaͤger u. Jagd⸗ berechtigte. 3 Bde. Mit Kpfrn. u. Tabellen. Neue umgear⸗ beitete Aufl. gr. 8. 1819.. Witte(D. Karl d. aͤltere), Erziehungsgeſchichte ſ. Sohnes, D. Karl Witte d. juͤngern. 2 Thle. 8. 1819. 3 Thlr. (5 Fl. 24 Kr.) Wladimir, Fuͤrſt, u. deſſen Tafelrunde. Altruſſiſche Helden⸗ lieder. 12. 1810. 1 Thlr.(1 Fl. 48 Kr.) Wolfart(D. und Prof. K. Chr.), Jahrbuͤcher fuͤr den Lebens⸗Magnetismus, od. neues Asklaͤpieion. All⸗ gem. Zeitbl. für die geſammte Heikunde, nach den Grundſaͤtzen des Mesmerismus. ꝛten Bds. erſtes und weites und aten Bds. erſtes Heft. gr 8. 1818— 19. Jedes Heft: Thlr.(1 Fl. 48 Kr) Zeitgenoſjſen. Biographien und Characteriſtiken. 1r. 2r. 3r u. 4r Bd. jeder Bd. in 4 Abth.(I-XVI.) gr. 8. 1816-19. Jede Abtheil. 1 Thlr.(1 Fl. 48 Kr.) Schreibp. 1 Thlr. 12 Gr. (2 Fl. 42 Kr.) Velinp. 2 Thlr.(3 Fl. 36 K.) 1. 1 enfffffefne 7 9 10 11 12 13 14 15 16 17