2 —-—-———— 1 Leihbibliothek deutſcher, engliſcher ttnd franzöſiſcher Literatur Eduard Oftmann in Gießen, Schloßgaſſe Lit. A. Nr. 256. Leih- und Ceſebedingungen. Offensein der Bibliothek. Die Bibliothek ſteht zur Em⸗ rfan nehane und Rückgabe der Bücher jeden Tag von Morgens 7 Uhr bis Abends 8. Uhr offen. 2. Lesepreis. Bei Rücgabe eines geliehenen Buches wird von jedem Tag 5 Pf. bezahlt. Die Zeit eines Tages iſt zu 24 Stun⸗ den angenommen. 3.(Cantion. Unbekannte Perſonen müſſen, bei Entgegennahme eines Buches, eine dem Werthe deſſelben entſprchende Summe hinterlegen, welche bei deſſen Zurückgabe von mir zurückerſtattet wird. 4. Abonnement. Daſſelbe muß voraus bezahlt werden und beträgt:—. für wöchentlich 2 Bücher: 4 Bücher: 6 Bücher: ————2— auf 1 Monat: P Der— Pf. 1 Mk. 50 Pf. 3 det— Pf. 3— 5. Auswärtige Abonnenten haben für Hin⸗ und Zur ückſendung der Bücher auf ihre eigenen Koſten und Gefahr ſelbſt zu ſorgen. 6. Ecfetleneds de Für beſchmutzte, zerriſſene, verlorene und defecte Bücher(namentlich bei ſolchen mir Kupfern ꝛc.) muß der Ladenpreis erſetzt werden.— Iſt das zerriſſene, beſchmutzte, ver⸗ lorene oder defecte Buch ein Theil eines größeren Werkes, ſo iſt der Atſer zum Erſatz des Ganzen verpflichtet. krsluikezerh. Dieſelbe iſt auf 14 Tage feſtgeſetzt und wird befonden darauf aufmerkſam gemacht, daß das Weiterv erleihen der Bücher nicht ſtattfinden darf, indem Diejenigen, welche die⸗ ſelben von mir geliehen, auch dafür zu ſtehen haben. „ 5 3 4 — Der Diener zweier Herren. Luſtſpiel in zwei Aufzuͤgen nach G oldon. von Baee Schroͤder. Auf's Neue durchgeſehen von Neue Ausgabe. „———————V——— Leipzig, Weygandſche Buchhandlung. 1 326. 2 Der Beſuch im Paradieſe, ſtatt einer Vorrede. Ab ich die Durchſicht dieſes kleinen, ausge⸗ zeichneten Luſtſpieles beendigt hatte, glaubt' ich es fuͤr gut halten zu muͤſſen, den Bearbeiter deſſel⸗ ben, Schroͤder, von der neuen Ausgabe zu be⸗ nachrichtigen. Hm! dacht' ich, warum lange ſchreiben? Man weiß nicht, ob der Brief ihm zu Augen kommt, und im guͤnſtigen Falle ſteht dennoch keine Watwort zu erwarten, da die Tod⸗ ten, gleich den Tuͤrken, die Artigkeit einer Ge⸗ ſandtſchaft mit keiner Gegengefandtſchaft erwie⸗ dern, mit der ein Ruͤckſchreiben erfolgen koͤnnte. Selber iſt der Mann! Ich ſetzte mich daher eines Abends friſch und munter auf einige Mondſtrah⸗ 4 len und ritt in das Paradies, wo ich eben zur Zeit ankam, als Schroͤder zufaͤlliger Weiſe mit Goldoni eine Promenade um die Thore machte. Das triſſt ſich außerordentlich gluͤcklich! rief ich aus und begann meine Begruͤßungen, bemerkte jedsch bald, daß Goldoni kein Deutſch verſtand. Schroͤder. Was bringen Sie, lieber Panſe? Ich. Nichts, als die Nachricht, daß Ihr Diener ſich vergriſſen hat. Schroͤder. Ich verſtehen nicht. 4 8 J ch. Sie erinnern ſich, daß Sie im Jahr 1794 mit Ihrem Diener zweier Herrn(im vier⸗ ten Theile der„Sammlung von Schauſpielen fuͤr's Hamburg'ſche Theater“) bei Herrn Boͤd⸗ ner in Schwerin und Wismar herauskamen. Schroͤder. Ich weiß. 5 3 Ich.„ Nun, Sie ſind nicht wieder zu Herrn Boͤd⸗ ner zuruͤckgekommen, Sie haben keinen Krebs⸗ gang gemacht, mit kurzem Wort, man hat ſie rein verkauft. Schroͤder. Und was weiter? Ich. Was weiter? Iſt das fuͤr einen Buchhaͤndler nicht genug? Ich bitte Sie, fragen Sie nicht ſo kurz. Sie verdutzen, Sie verbluͤffen mich. Was weiter? Man will Sie noch einmal verkaufen. Schroͤder. In der Ordnung. Ich. Mag ſeyn, aber hoͤren Sie weiter. Eines Tages klopf' ich in Leipzig freundlich a Thuͤr:„Iſt die Weygand'ſche Buchhandlu* zu Hauſe?“ Ja! Ich trete ein und da liegen Sie eben quer uͤber dem Tiſche.„Sie kommen à propos, unſer Freund, lautete die Anrede der⸗ . 6 *½ ſelben, wir werden den Schroͤderſchen Diener drucken, und waren eben im Begriff, Sie brief⸗ lich zu bitten, ihn einzuleiten.“ Das will ſa⸗ gen, eine Vorrede dazu zu ſchreiben, als Heraus⸗ 5 geber ſich zu nennen— Schroͤder. r Alſo Sie werden mich einfuͤhren— Ich. Nicht doch! Schroͤder.. Sie glauben, Ihr Vidi ſey nothwendig, wo ich. 5 einen Paß ſchreibe, der in allen Welttheilen gilt? 2 Nicht doch! Erlauben Sie, nicht ſo brum⸗* mig! Die Sache iſt einfacher, als ſie ſcheint. Der Paß, wie Sie das Luſtſpiel bildlich bezeich⸗ nen, iſt heute zwei und dreißig Jahre alt. 2* Schroͤder. Meine Ausgabe wenigſtens. 3G. In dieſen ewig langen zwei und dreißig Jah⸗ 7 ren ſind manche Woͤrter(verſtehen Sie mich recht, nicht Worte) ein wenig grau geworden. Schroͤder. Und dieſe grau gewordenen Woͤrter werden Sie anpinſeln. Ich. Schroͤder. Warum Sie, da das ein Setzer eben ſo gut vermag? So iſt's! Ich. Hm! wie nun der Lauf der Welt iſt. Auf⸗ richtig, um Schlimmeres zu verhuͤten. Es koͤnnte Ihnen begegnen, was Schillern in einer Cot⸗ taiſchen Ausgabe geſchehen iſt; man hat ihn nach den Regeln einer neumodiſchen Grammatik zu aͤndern gewagt. Schroͤder ſoll Schroͤder bleiben. Schroͤder. Alſo der Diener iſt der Diener von 17942 Ich. Koͤnnen Sie glauben, n wendete ich mich zu 8 dem Italiener, koͤnnen Sie glauben, Signor Goldoni, daß, wenn ich auch Neigung und Veranlaſſung gehabt haͤtte, Sie zu bearbeiten, ich mir mehr theatraliſchen Verſtand haͤtte zu⸗ 15 trauen koͤnnen, als Herr Schroͤder beſitzt? Schroͤder. Er verſteht Sie nicht, ich werd' ihm Ihre 3 Meinung deutlich machen. Ich. Kurz, dem Diener iſt Nichts paſſirt, als ein wenig Pinſelei. Mit dieſen Worten empfahl ich mich und riitt wieder zuruͤck. Weißenfels, im December 1825. Panſe. Vorbericht. Eine Poſſe muß nicht zu lange dauern, hat mich die Erfahrung gelehrt; daher hab' ich Goldoni's Original verkuͤrzt. Wahrſcheinlich wird dieſe Kleinigkeit bei raſchem Spiel auf andern Theatern nicht weniger unterhalten, als auf dem hieſigen. Schroͤder. Der Diener zweier Herren. Luſtſpiel in zwei Aufzuͤgen. Nach Goldoni. Perſonen. Pandolfo, ein Kaufmann⸗ Roſaura, ſeine Tochter. Doktor Lombardi. Silvio, ſein Sohn. Beatrice, unter dem Namen Federico Rasponi. Florindo. Tebaldo,Wirth. Blandina, Roſaurens Maͤdchen. Truffaldino. Zwei Aufwaͤrter im Gaſthofe. Zwei Traͤger. Erſter Aufz ug. Zimmer in Pandolfo's Hauſe. Erſter Auftritt. Pandolfo. Doktor Lombardi. Tebaldo. Doktor. Hier haben Sie meine Hand— es bleibt dabei.(ſie ſchlagen ein) Pandolfo. Es bleibt dabei.— Heute Verlobung und morgen Hochzeit. Unſer junges Volk iſt ſo in einander verliebt, daß es uns gern die weitlaͤuf⸗ tigen Zubereitungen und Ceremonien ſchenken wird. — Sie ſollen Zeuge ſeyn, alter Krugvater! 44 Tebaldo. Viel Ehre! Pandolfo. Man kann wohl ſagen, hier hat der Himmel † ſeine Hand im Spiele gehabt. Ohne den ploͤtzli⸗ † chen Tod des jungen Rasponi waͤren wir wohl 4 nie Schwaͤger geworden. 1 4 Doktor. Accidit in Puncto— Tebaldo. 1 Was? der junge Rasponi iſt todt?„ Pandolfo. Todt!— Er iſt ermordet worden— in einer Geſellſchaft wilder junger Leute— der Liebhaber 3 ſeiner Schweſter, den er nicht leiden konnte, war 1 auch dabei— Ich weiß die eigentliche Geſchichte nicht; aber todt iſt er. KEebaldo. 4 Der arme brave junge Menſch! Pandolfo. Haben Sie ihn gekannt? 15 Tebaldo. 8 Wie das Mutterfaͤßchen in meinem Keller⸗ Ich habe vier Jahre in Turin gewirthſchaftet, wo er mein taͤglicher Gaſt war. Auch ſeine Schwe⸗ ſter habe ich gekannt, ein braves Maͤdchen! nur zu maͤnnlich erzogen. Sie trieb alle Übungen ihres Bruders.— Wer haͤtte das denken ſollen! Pandolfo. Sie wird ſich wohl troͤſten; des Bruders Tod— macht ſie zu einem ſehr reichen unabhaͤngigen Maͤdchen. Aber, daß wir nicht vergeſſen, warum ich Sie herbitten ließ— Wir wollen das Hoch⸗ zeitmahl bei Ihnen einnehmen. Treffen Sie An⸗ ſtalten! Nicht praͤchtig, aber gut. Tebaldo. Laſſen Sie mich machen! Der erſte Gang ſoll ſo kraftſtrotzig ſeyn, als der Braͤutigam, und der zweite ſo delikat, als die Braut. Der dritte wird— 16 Zweiter Auftritt. Vorige. Blandina. Blandina. Draußen iſt der Bediente eines Fremden. Pandolfo. Was will er? Blandina. Er will es Ihnen durchaus ſelbſt ſagen. Es ie ein netter, ſpaßhafter Menſch. Pandolfo. Naun, ſo laß den netten, ſpaßhaften Menſchen hereinkommen. Blandina(geht ab) Pandolfo. Wahrſcheinlich ein Reiſender, der an mich adreſſirt iſt. Tebaldo. Bitte, mein Haus zu rekommandiren! (geht ab) 17 Dritter Auftritt. Vorige. Truffaldino. Blandina. Truffaldino. übrigens hab' ich die Ehre mit aller Hochach⸗ tung zu ſeyn, Ew. Hochedelgeboren dienſtwilliger Diener und Freund! Doktor. Der Menſch beginnt ſeine Rede mit dem Schluſſe eines Briefes. 3 Pandolfo. Was will er? Truffaldino. Kann ich vorher die Ehre haben, Sie um Etwas zu fragen? Pandolfo. O ja. 1 Truffaldino. Wer iſt das artige, wohl erzogene, gut ge⸗ naͤhrte, rothbaͤckige, freundliche Mamſellchen? Der Diener ꝛc. 2 18 Pandolfo. Was geht Ihn das an? Es iſt meiner Toch⸗ ter Maͤdchen. Truffaldino. Ich wuͤnſche Ew. Hochedelgeboren viel Freude an ihr!(zu Blandina) und ſchaͤtze mich gluͤcklich, Sie kennen zu lernen. Pandolfo.— Iſt der Menſch ein Narr!— Komm' Er zur Sache, Freund! Was will Er? Wer iſt Er? Wer ſchickt Ihn? Truffaldino. Gemach, mein Herr! gemach! Drei Fragen auf einmal, das iſt zu viel fuͤr einen armen Teufel, wie ich bin. Pandolfo.(zum Doktor) Was iſt das fuͤr ein Menſch?-— gewiß kei⸗ ner von den kluͤgſten. Doktor. Auch wohl nicht von den ehrlichſten. Truffaldino.(zu Blandina) Sind Sie eine Braut? 42 Blandina. Ach nein. Pandolfo. Will Er bald ſagen, wer Er iſt; oder will Er ſeiner Wege gehn? Truffaldino. Wenn Sie nichts Anders wiſſen wollen, als wer ich bin, ſo bin ich mit zwei Worten fertig. Ich bin der Diener meines Herrn.(zu Blandina) Wir wollen wieder auf unſre Sache kommen. .„Pand.(wendet ihn zu ſich) Wer zum Henker iſt denn Sein Herr? Truffaldino. Ein Fremder, der Sie beſuchen will.(zu Bland.) Ich bin auch kein Braͤutigam. . Parn d.(wendet ihn zu ſich) 4 Will Er bald antworten? Wer iſt Sein Herr? Wie nennt er ſich? Was will er von mir? Truffaldino. Nur ſachte, Ihro Hochedelgeboren, es iſt der Herr Federico Rasponi aus Turin. Er laͤßt Sie gruͤßen. Er iſt mit der Poſt gekommen. Er 2* 20 iſt unten. Er will Ihnen ſeine Aufwartung machen. Er erwartet mich mit der Antwort.— Sind Sie nun zufrieden? Wollen Sie noch mehr wiſſen? (zu Bland.) Wir wollen wieder auf unſre Sache kommen. Pand.(wendet ihn) Iſt Er von Sinnen? Menſch! Was ſchwatzt Er? Truffaldino. Und wenn Sie wiſſen wollen, wer ich bin — mein Name iſt Truffaldino Battochio aus Bergamo.(zu Bland.) Wir wollen vom Heira⸗ then ſprechen. Pand.(wendet ihn) Wer Er iſt, weiß ich— Er iſt ein Narr. — Aber noch einmal— wer iſt Sein Herr? Ich fuͤrchte, unrecht verſtanden zu haben. Truff.(für ſich) Der arme Mann hoͤrt nicht gut.(ſchreiend) Mein Patron iſt der Herr Rasponi aus Turin. Pandolfo. Er iſt toll oder üſsſen;; Hen Raspom iſt todt. 21 Truffaldino. Er iſt todt? Pandolfo. Ja, todt. Doktor. Todt, todt. Truff.(fär ſich) Was, mein Herr ſoll todt ſeyn, und ich hab' ihn doch unten lebendig verlaſſen!(laut) Mit Er⸗ laubniß— Pandolfo. Will Er ſonſt Nichts? Truffaldino. Wenn er todt iſt, ſo iſt Nichts mehr noͤthig. (bei Seite) Ich muß ſehen, ob es wahr iſt. (geht ab) Pandolfo. Wofuͤr ſoll man den Menſchen halten? Fuͤr einen Spitzbuben oder Narren? Doktor. Fuͤr einen Spitzbuben. vergeb' ich Ihnen in acht Tagen nicht. 22 Tebaldo. Fuͤr Etwas von Beiden. Blandina. Und ich ſage, es iſt ein netter Spaßvogel. Aber ich muß doch dem jungen Brautpaare die Neuigkeit melden.. (laͤuft ab) Pandolfo. Wenn's wahr waͤre, daß er lebte! Vierter Auftritt. Vorige. Truffaldino. Truffaldino. Ich wundre mich uͤber Sie, meine Herren! So geht man nicht mit armen Leuten um! So muß man nicht Fremde zum Beſtenſhaben! Das Pandolfo. Nun, Erznarr, was hat man Ihm denn ge⸗ than? Truffaldino. Mir zu ſagen, daß der Herr Rasponi todt ſey! Pandolfo. Und wie ſo? Truffaldino. Und wie ſo? Er iſt unten, geſund, luſtig und munter. Er will Sie beſuchen, wenn Sies erlauben wollen. Pandolfo. Der Herr Federico? Truffaldino. Der Herr Federico. Pandolfo. Rasponi? Truffaldino. Rasponi. Pandolfo. Von Turin? Truffaldino. Von Turin. 24 Pandolfo. Ins Tollhaus mit Ihm! Marſch! Truffaldino. Potz Henker! Soll ich mich fuͤr einen Nar⸗ ren ausſchelten laſſen? Er iſt da, und iſt leben⸗ dig, und iſt kein Geiſt, das kann der Fauſtſtoß bezeugen, den er mir eben gab. Doktor. So laßt ihn doch heraufkommen, dieſen vom Tod Auferſtandnen. Truffaldino. Daß er todt geweſen und wieder auferſtanden iſt, das kann ſeyn. Aber jetzt lebt er, Sie ſol⸗ len ihn mit Ihren Augen ſehn. Ich will ihm gleich ſagen, daß er kommen ſoll. Und hernach werden Sie ſich ſchaͤmen, daß Sie ſo mit einem ehrlichen Manne aus Bergamo umgegangen ſind. (geht ab) 1 Doktor. Dahinter ſteckt ein Betrug! Pandolfo. Mir wird warm bei der Sache.— Ich 25 — habe nichts Gerichtliches uͤber den Todesfall; bloße Nachrichten von meinen Correſpondenten. Fuͤnfter Auftritt. Vorige. Beatrice in Mannskleidern. Beatrice. Mein Herr Pandolfo! Ihre verbindlichen Briefe und dieſe Aufnahme ſind ſchwer zu ver⸗ einigen. Ich laſſe um Erlaubniß bitten, Ihnen aufzuwarten, und— Pandolfo. Ich bitte um Verzeihung— ſehr um Ver⸗ zeihung!— Aber, wer ſind Sie, mein Herr? Beatrice. Federico Rasponi von Turin, Ihnen zu dienen, (Alle erſtaunen) Tebaldo.(fuͤr ſich) Was ſeh' ich? Es iſt Beatrice, Rasponi's Schweſter. 3 gln 26 Pandolfo. Sie bemerken unſer Erſtaunen!— Man haͤlt Sie fuͤr todt und begraben, und— Beatrice. Ich weiß, daß man das glaubt. Aber dem Himmel ſey Dank, ich ward nur verwundet; und kaum geneſen eilte ich hierher, mein Ver⸗ ſprechen zu erfuͤllen. Pandolfo. Ich weiß nicht, was ich ſagen ſoll!— Sie haben ein ehrliches Geſicht— und ich habe ſi⸗ chere Briefe, daß Herr Rasponi todt iſt— da⸗ her— wenn nicht klare Beweiſe— Beatrice. Nicht mehr als billig. Hier ſind vier Briefe von Ihren Correſpondenten; einer davon iſt von dem Vorſteher unſrer Bank— Sie ken⸗ nen die Hand; uͤberzeugen Sie ſich. Pandolfo.(ieſt heimlich mit dem Doktor) Tebaldo. Signor Rasponi! Erlauben Sie, Ihnen zu Ihrer Wiedergeneſung Gluͤck zu wuͤnſchen! 27 Beatrice. Was ſeh' ich! Sind Sie nicht— Tebaldo. Tebaldo, und Ihr ergebenſter Diener! Beatrice.(eiſe) Um des Himmels willen! verrathen Sie mich nicht; dieſe Boͤrſe hat Zwillingsbruͤder. Aſie ſteckt ihm einen Beutel zu) Tebaldo.(eeiſe) Alſo Drillinge? gehorſamer Diener!(laut) Ich freue mich herzlich, daß das Geruͤcht falſch iſt, und daß ich Sie ſo wiederſehe. Ich bin hier Wirth vom goldnen Pfau; wollen Sie bei mir abtreten, ſo ſteh' ich fuͤr die beſte Bedienung. Beatrice. Wo kann ich beſſer, als bei Ihnen aufgeho⸗ ben ſeyn. Mein Koffer iſt noch auf dem Poſt⸗ hauſe. Pandolfo. Lieber Herr und Freund! es iſt gewiß, daß Herr Rasponi mir dieſe Briefe uͤbergeben ſollte; 28 und da Sie mir dieſelben uͤbergeben, ſollten Sie eigentlich Herr Rasponi ſeyn. Dortor. Nego consequentiam, das folgt nicht! Beatrice. Wenn Sie noch Zweifel haben, ſo iſt hier Herr Tebaldo, auf deſſen Zeugniß ich mich berufe. Tebaldo. Ich hafte mit Haus und Hof, daß dieſer Herr ſich Rasponi nennt, und es iſt.(fuͤr ſich) Eine einzige Luͤge fuͤr einen Beutel Dukaten! gut bezahlt. Pandolfo. Ha, nun ſind alle meine Zweifel verſchwun⸗ den, und ich heiße Sie vom Herzen willkommen im Lande der Lebendigen und in meinem Hauſe! Was ſagen Sie dazu, Herr Schwager in Hofſnung? Doktor. Ich ſage, es iſt ein Ungluͤck, daß die Todten aus den Graͤbern ſteigen, um unſre Verwandt⸗ ſchaft zu hindern. 2n 29 Sechſter Auftritt. Vorige. Silvio. Roſaura. Roſaura. Was ſchwatzt uns die naͤrriſche Blandine fuͤr Poſſen vor, lieber Vater? Pandolfo. Keine Poſſen, mein Kind! Doktor. Accidit in Puncto— Beatrice. Dieß iſt alſo meine Beſtimmte? Fraͤulein! moͤchte doch die Einwilligung unſrer Familien mich auch in Ihren Augen meines Gluͤckes wuͤr⸗ dig machen. Roſaura. Ja, Signor— Nein, Signor— Ich— Beatrice. Wieder ein beſondrer Empfang!— Pandolfo. Sie iſt ein Bischen zimperlich— daß wird 30 ſich wohl geben, ſobald ſie genauer mit Ihnen bekannt wird. Beatrice. Ich hoſſe es. Dieſer Herr iſt vermuthlich ein Verwandter—— Pandolfo.(verlegen) Ja, er iſt mein Vetter. Silvio. Nein, nein, kein Vetter, ſondern der Braͤu⸗ tigam dieſer Dame. Doktor.(keiſe) So recht! Behaupte Deine Anſpruͤche, aber uͤbereil' Dich nicht. Beatrice. Braͤutigam? Und was bin ich? Pandolfo. Auf die Nachricht von Ihrem Tode verſprach ich meine Tochter dem Herrn Silvio; aber da Sie nicht todt ſind, ſo haben Fie das erſte Recht auf ſie, und ich halte Ihnen Wort. 31 Silvio. Herr Rasponi wird kein Frauenzimmer hei⸗ rathen, das ihr Herz einem Andern ſchenkte. Beatrice. Ich bin nicht eigenſinnig, ich werde ſie den⸗ noch heirathen. Doktor.(fuͤr ſich) Das iſt ein Mann nach der Mode, o weh! Silvio. Hierauf habe ich Ihnen zu ſagen: Wer Ro⸗ ſauren beſitzen will, muß mich vorher mit dem Degen befriedigen.— Sie werden nicht immer wieder lebendig werden. (geht ab) Doktor. uUnd wir, Herr Schwager in Hoſſnung, wer⸗ den uns auch ſprechen. Roſaura muß meinen Sohn heirathen. Die Geſetze ſagen: prior in tempore, potior in jure. (geht ab) Beatrice. Und was ſagen Sie, ſchoͤne Roſaura? 32 Roſaura. Ich ſage, daß Sie zu meiner Quaal wieder lebendig geworden ſind. (geht ab) Pandolfo. Was, Maͤdchen!—(will ihr nach) Beatrice. Bleiben Sie, Herr Pandolfo! Laſſen Sie mich die Sache meiner Liebe ganz allein fuͤhren. Ich bin Buͤrge, daß ſie in einigen Stunden ganz anders von mir denken wird.— Wollen Sie wohl die Guͤte haben, mir auf meinen Credit⸗ brief zwei hundert Dukaten auszuzahlen? Die Reiſe hat mich rein ausgeſchaͤlt. Pandolfo. Vom Herzen gern. Sobald mein Kaſſirer nach Hauſe kommt, werd' ich die Ehre haben, es zu uͤberſenden. Sie wohnen bei unſerm Freunde Tebaldo? Beatrice. Allerdings. 33 Siebenter Auftritt. Vorige. Blandina. Blandina.(eiſe) Kommen Sie geſchwinde, lieber Herr! das Frrͤulein iſt außer ſich; ſie ſpricht von Gift, Waſ⸗ ſer, Feuer— Pandolfo. Luft und Erde!(laut) Um Verzeihung, daß ich Sie verlaſſe! Einige dringende— Beatrice. Keine Komplimente zwiſchen Vater und Sohn. Pandolfo. Lieber Tebalde! Verſorgen, bedienen Sie den Herrn Rasponi! (mit Blandina ab) Der Diener ꝛc. 3 34 Achter Auftritt. Beatriee. Tebalde. Tebaldo. Nun ſagen Sie mir, Fraͤulein— Beatrice. Still! Um des Himmels willen vorſichtig! Sie ſollen Alles wiſſen. Mein armer Bruder, mein geliebter Florindo, nebſt zwanzig andern jungen Leuten von ihrer Bekanntſchaft, erluſtig⸗ ten ſich auf dem Lande. Es entſtand Streit unter ihnen, ſie zogen die Degen und mein Bru⸗ der blieb todt auf dem Platze; Niemand weiß, durch wen. Aus Furcht vor der gerichtlichen ſtrengen Unterſuchung entflohen die Mehreſten; ſo auch mein armer Florindo, ohne mich vorher zu ſehen; und ich folge ihm mit der Garderobe, den Creditbriefen und dem Namen meines Bru⸗ ders, ihn zu unterſtuͤtzen, und— 5 Tebaldo. Zu heirathen. Hm! Sie ſind noch immer das raſche unternehmende Maͤdchen. 35 Beatrice. Pandolfo hat von mir, oder vielmehr von meinem Bruder uͤber 10,000 Dukaten in Haͤn⸗ den. Er könnte ſie mir, unter dem Vorwande, daß ich keinen Vormund habe, verweigern, und ich außer Stand geſetzt werden, meinem Flo⸗ rindo zu dienen. Tebaldo. Verlaſſen Sie ſich auf meine Verſchwiegen⸗ heit und Unterſtuͤtzung. Beatrice. Ich baue darauf. Tebaldo. Eben ſo wenig werd' ich Ihr Geheimniß verrathen, als ich meinen Gaͤſten mein Geheim⸗ niß entdecken werde, wie ich meinen Champagner und Burgunder mache. Beatrice. Sollte Florindo ſchon hier ſeyn? Tebaldo. Bei mir nicht. Wir wollen in einigen der 3* 36 beſten Wirthshaͤuſer nachfragen.— Wo iſt Ihr Bedienter? 1 1 Beatrice. Er erwartet mich auf dem Platze. Tebaldo. Wie ſind Sie zu dem närriſchen Teufel ge⸗ kommen? Beatrice. Auf der Reiſe. Er iſt ein ſonderbares Ge⸗ miſch von Einfalt und Klugheit; aber ich habe Urſache, ihn fuͤr treu zu halten. Kommen Sie! Tebaldo. Lie Sie befehlen! (ſie gehn ab) Neunter Auftritt. (Straße, rechter Hand ein Gaſthof.) Truffaldino. Nun bin ich auch des Wartens müde!— Bei meinem Herrn bekommt man Wenig zu eſſen, 37 und nach dem Wenigen muß man auch noch lange ſeufzen. Es iſt Mittag in der Stadt; aber in meinem Magen iſt es ſchon vor zwei Stunden Mittag geweſen. Andre Reiſende, ſo⸗ bald ſie in eine Stadt kommen, gehen nach dem Gaſthofe, aber mein Herr laͤßt Koffer und Alles auf dem Poſthauſe; macht Viſiten und kuͤmmert ſich gar nicht um den armen Bedienten. Man ſagt zwar, man ſoll den Herren gern und willig dienen— man ſollte aber auch den Herren ſa⸗ gen, daß ſie ein wenig mehr Menſchenliebe fuͤr ihre Bedienten haͤtten. Hier iſt ein Gaſthof!— Potz!— Was fuͤr ein herrlicher Geruch faͤhrt in meine Naſe! Ich moͤchte wohl hinein gehn und ſehn, ob es fuͤr meine Zaͤhne Nichts zu thun gaͤbe.— Aber— o du armer Truſſaldi⸗ no! mein Beutel iſt ſo leer als mein Magen! — Eh' ich auch laͤnger ein Bedienter ſeyn will, ſo— aber was ſoll ich thun? ich armer Teufel habe Nichts gelernt⸗ 38 Zehnter Auftritt. Florindo. Ein Traͤger mit einem Kof⸗ fer. Truffaldino. Traͤger. Herr, ich kann nicht weiter. Der Koſſer iſt mir zu ſchwer. Florindo. Hier 8 ein Gaſthof! Traͤger. Hif ilfe! oder ich laſſe den Koſſer fallen. Florindo. Nur noch die Paar Schritte! Truffaldino. Da kann ich Etwas verdienen. Qaut) Soll ich halſl, mein Herr⸗ Florindo. Ja, mein Freund! Truffaldino. Aufzuwarten!(er nimmt den Kofſer auf die Schul⸗ ter umnd ſtoͤßt den Traͤger nieder)— 39 Florindo. Das gefaͤllt mir! Truffaldino. Er iſt gar nicht ſchwer!(er geht mit dem Koffer in den Gaſthof) Florindo. Da ſeht, wie man es machen muß. Traͤger. Es iſt nicht meine Schuld, daß ich ſo ſchwach bin! ich bin der Sohn eines angeſehenen Mannes. Florindo. Wer war Euer Vater? Traͤger. Mein Vater? er zog den Schaafen das Fell uͤber die Ohren. Florindo. Ihr ſeyd ein Narr!(er will in den Gaſthof gehen) ——— — Eilfter Auftritt. Florindo. Truffaldino. * Truffaldino. Der Koffer laͤßt ſich empfehlen; e er ſteht ſchon auf Ihrem Zimmer. Florindo. ſt dieſer Gaſthof gut? Truffaldino. Fuͤrſtlich! Gute Betten, ſchoͤne Zimmer, eine ſchoͤne Kuͤche, aus welcher ein Geruch zum Ohn⸗ maͤchtigwerden kommt. Florindo. Und Er, mein Freund, was treibt Er? Truffaldino. Ich bin ein Bedienter, aufzuwarten. Florindo. Hier aus Venedig? Truffaldino. Nein, aus Bergamo, aufzuwarten. Florindo. 85 Hat Er einen Herrn? 41 Truffaldino. Jetzt— nein, ich hab' keinen;— denn— Florindo. Alſo iſt Er ohne Herrn? Truffaldino. Sie ſehn ja, daß ich ohne Herrn bin.(für ſich) Mein Herr iſt nicht bei mir, ich luͤge nicht. Florindo. 3 Will Er mir dienen? Truffaldino. O ja, aufzuwarten.(für ſich) Wenn ich mich verbeſſern kann, ſo ſattle ich gleich um.(laut) Wie Viel wollen Sie mir denn geben? Florindo. Wie Viel gab Ihm ſein voriger Herr? Truffaldino. Monatlich einen Dukaten, und Eſſen und Trinken, aufzuwaften. Florindo. So Viel ſoll Er auch von mir haben. 42 Truffaldino. Sie ſollten mir aber mehr geben, weil ich mich verbeſſern will, aufzuwarten. Florindo. Wie Viel denn? Truffaldino. Taͤglich einen Groſchen zu Tabak. . Florindo. Das ſoll Er haben. Truffaldino. Gut, ſo bleib' ich bei Ihnen. Florindo.. Ich ſollte aber billig einige Nachricht von Seiner vorigen Auffuͤhrung haben. Truffaldino. Gehn Sie nur nach Bergamo, da wird Ih⸗ nen Jedermann ſagen, wer ich bin. Florindo. Kennt Ihn Niemand in Venedig? Truffaldino. Nein, ich bin erſt dieſen Morgen angekommen. Florindo. Er ſcheint mir ein ehrlicher Kerl zu ſeyn; ich werde ſehen, ob Er es auch wirklich iſt. Truffaldino. Ja, ſtellen Sie mich nur auf die Probe, ſo werden Sie es ſehen. Florindo. Da hat Er einen Dukaten; geh' Er auf die Poſt und frag' Er, ob Briefe da ſind an Flo⸗ rindo Aretuſi— Florindo Aretuſi— und komm Er ſchnell wieder. Truffaldino. Aufzuwarten! Beſtellen Sie indeſſen das Mit⸗ tagseſſen. Florindo. Aufzuwarten!—(für ſich) Ein drolliger Kerl! ich will's mit ihm verſuchen.(geht in den Gaſthof) 44 Zwoͤlfter Auftritt. Truffaldino. Taͤglich einen Groſchen mehr— das ſind mo⸗ natlich dreißig Groſchen. Und es iſt nicht einmal wahr, daß mein andrer Herr mir einen Dukaten giebt; er giebt mir nur drei Thaler.— Und der Herr Rasponi laͤßt ſich gar nicht wieder ſe * hen. Er iſt ein Narr! ein junger Menſch, der noch keinen Bart und keinen Verſtand hat. Errmag laufen! Ich will fuͤr dieſen andern Herrn nach der Poſt gehn.(er begegnet Beatricen) Dreizehnter Auftritt.. Beatrice. Tebaldo. Truffaldino. — Beatrice. 4 So? auf dieſe Art erwarteſt Du mich Truffaldino. 3 Ich bin ja da. Ich warte noch auf Sie. Beatrice.. Und warum hier, und nicht auf dem Platze? 45 Truffaldino. Ich ging ein wenig ſpazieren, um den Hun⸗ ger zu vertreiben. Beatrice. Geh nach dem Poſthauſe und hole meinen Koſſer. Tebaldo. Hier iſt mein Haus; Er kann nicht fehlen. Truffaldino.(fuͤr ſich) Potz!— in den Gaſthof?— Dort iſt ja mein andrer Herr. Beatrice. Zugleich frage, ob auch Briefe an mich da ſind— an Federico Rasponi, und an Beatrice. Rasponi, meine Schweſter— ſie ward unter⸗ wegs krank. Verſtehſt Du mich? Truffaldino. Aufzuwarten!(fuͤr ſich) Da bin ich in einer ſchönen Patſche. Tebaldo.(eeiſe) Wie koͤnnen Sie aber unter Ihrem wahren und erborgten Namen Briefe erwarten? 46 Beatrice.(eeiſe) Ich ließ einen treuen Bedienten in Turin, mir von Allem Nachricht zu geben; ich kann nicht wiſſen, unter welchem Namen er es thun wird.(aut) Wir wollen hinein gehn. Fort, nach dem Poſthauſe, und komm bald wieder.(ſie geht in den Gaſthof) Truffaldino.(haͤtt Tebaldo auf) Sie ſind alſo der Herr Wirth? Ich rekom⸗ mandire mich. Tebaldo. Mach' Er Seine Sachen gut, und es ſoll Ihm auch gut gehn.— 1(geht nach) Vierzehnter Auftritt. Truffaldino. O das iſt luſtig! Wie viele giebt es nicht, die einen Herrn ſuchen, und ich habe gar zwei. Aber was Teufel ſoll ich machen?— Ich kann ja nicht Beide bedienen.— Nicht?— warum 47 nicht?— Wenn ich Beiden aufwarte, ſo werd' ich auch doppelt bezahlt, und bekomme doppelt zu eſſen.— Und wenn's herauskommt— was verlier' ich? Nichts. Wenn mich Einer fortjagt, ſo bleibe ich bei dem Andern. So wahr ich ein ehrlicher Kerl bin, ich will's verſuchen. Und ſollte es auch nur einen Tag dauern, ſo will ich's verſuchen. Luſtig, nun will ich fuͤr beide Herren nach der Poſt gehn.(er will gehn) Funfzehnter Auftritt. Sil y i o. Truffaldin o⸗ Silvio. Wo iſt Sein Herr? Truffaldino. Mein Herr?— im Gaſthofe, aufzuwarten. Silvio. Sag' Er, daß ich ihn ſprechen will; und wenn er ein Mann von Ehre iſt, ſo wird er mich nicht warten laſſen. 48 Truffaldino. Ja— aber, mein— Silvio. Fort, geſchwind— Truffaldino. Aufzuwarten. Aber— Silvio. Keine Widerrede, oder— Truffaldino. Wer ſoll denn kommen? Silvio. Fort, oder Du bekommſt Schlaͤge. Truffaldino.(fuͤr ſich) Ich weiß von Nichts. Ich ſchicke den erſten den beſten von meinen Herren, der mir zuerſt in den Wurf kommt. (ins Wirthshaus ab) 49 Sechszehnter Auftritt. Silvio.— Nein, man ſoll mir nicht nachſagen, daß ein Nebenbuhler ungeſtraft Anſpruͤche auf meine Ge⸗ liebte macht. Rasponi iſt dem Tode einmal ent⸗ gangen; er wird nicht immer das Gluͤck haben. — Entweder— Wer iſt das? Siebzehnter Auftritt. Silvio. Florindo. Truffaldino. Truffaldino. Da iſt der Herr, der Alles zerreißen will. Florindo. Was will er von mir? Truffaldino. Ich weiß es nicht; ich geh' nach den Brie⸗ fen.(fuͤr ſich im Abgehn) Haͤndel ſind nicht meine Sache. Der Diener ꝛc⸗ 4 50 Achtzehnter Auftritt. Sily i o. Florindeo. Silvio. Rasponi kommt nicht. Florindo. Sie wollen mich ſprechen, mein Herr? Silvio. Ich? ich habe gar nicht die Ehre, Sie zu kennen. Florindo. Und doch ſagt mir der Bediente, daß Sie es mit drohendem Tone verlangt haͤtten. Silvio. Er hat mich unrecht verſtanden; ich wollte mit ſeinem Herrn ſprechen. Florindo. Nun? ich bin ſein Herr. Silvio. Sie, der Herr von jenem Bedienten? Florindo. Ja. 51 Silvio. So hat man mich falſch berichtet, und ich bitte um Verzeihung. 4 18 Florindo. Es iſt ſehr verzeihlich, zu irren. Silvio. Sie ſind hier fremd, Signor? Florindo. Ja; ich bin aus Turin. Silvio. Aus Turin?— So kennen Sie wohl einen gewiſſen Federico Rasponi? Florindo. Ich hab' ihn gekannt; nun iſt er todt. 1 Silvio. So glaubte Jedermann; aber dieſen Morgen kam er zu meinem Ungluͤcke, und um mir meine Braut zu rauben, lebendig und geſund in Vene⸗ dig an. Florindo. Federico Rasponi? ich verſichre, daß er todt iſt. 4*¾ 52 Silvio. Federico Rasponi! ich verſichre, daß er lebt. Florindo.(fär ſich) Er lebt! Verwuͤnſcht ſey dann meine Flucht; ſie bringt mich in den Verdacht der That. Silvio. Er ſoll hier wohnen. Florindo. Mir hat man geſagt, daß ich der einzige Fremde ſey. . Silvio. Er hat vielleicht fuͤr gut gefunden, ſeinen Vorſatz zu aͤndern. Wenn Sie ihn ſehen, ſo rathen Sie ihm, von der Heirath abzuſtehn; oder Einer von uns muß ſterben. Mein Name iſt Silvio Lombardi. Verzeihen Sie, daß ich Ihnen beſchwerlich war. Florindo.. Ihre Bekanntſchaft iſt mir ſehr angenehm. Silvio. Darf ich Ihren Namen wiſſen? 53 1 Florindo. Orazio Ardenti. Silvio. Ergebner Diener! (geht ab) Neunzehnter Auftritt. Florindo. „Sollte man glauben, daß ihn ein Stich durch die Bruſt nicht getoͤdtet habe! Dem Himmel ſey Dank, daß es ſo iſt. Ich muß zuruͤck nach Tu⸗ rin, mich zu rechtfertigen, und meine geliebte Beatrice zu troͤſten. Zwanzigſter Auftritt. Florindo. Truffaldino mit einem Fraͤger, der einen Koſfer traͤgt. Truffaldino. Wetter! da iſt mein andrer Herr! Zu⸗ ruͤck Kamerad! und erwarte mich an jener Ecke. (er zieht ihn zuruͤck) kehren. 54 Florindo.(der in Gedanken ſtand) Ja, ich will ohne Verzug nach Turin zuruͤck⸗ Truffaldino. Ich bin wieder da, aufzuwarten. Florindo. Truffaldino! Willſt Du mit nach Turin? Truffaldino. Wann? Florindo. Dieſen Augenblick. Truffaldino. Ohne zu Mittag zu eſſen? Florindo. Nein, erſt wollen wir eſſen; dann reiſen. Truffaldino. legen. Florindo. Kommſt Du von der Poſt? Truffaldino. Aufzuwarten. Flo Haſt Du Briefe? Truffaldino. Ja, ich habe Briefe. Florindo. Gieb ſie her. Truffaldino. Aufzuwarten.(er zieht drei Briefe aus der Ta⸗ ſche, fuͤr ſich) Blitz! da ſtecken ſie alle bei einan⸗ der; nun weiß ich nicht, welche dieſem, oder dem andern Herrn gehoren; ich kann nicht leſen. Flor.(der in Gedanken auf und abging) Nun, wird's bald? Truffaldino. Aufzuwarten!(für ſich) O weh! o weh!(laut) Lieber Herr! dieſe drei Briefe gehoͤren nicht alle an Sie. Ich traf unterwegs einen alten Be⸗ kannten an. Ich ſagte ihm, daß ich nach der Poſt ginge! Er bat mich, zu fragen, ob auch Briefe an ſeinen Herrn da waͤren. Ich glaube, rindo. . 56 es iſt einer darunter, aber da ich nicht leſen kann, ſo weiß ich nicht, welcher es iſt. Florindo. So gieb nur her; ich kann leſen. Truffaldino. Da ſind ſie! ich moͤchte gern meinem Freund bald dienen. Florindo. Was ſeh' ich? An Beatrice Rasponi aus Turin! Truffaldino. Haben Sie den Brief fuͤr meinen Kamera⸗ den gefunden? Florindo. Wer iſt der Kamerad? Truffaldino. Ein Bedienter— er nennt ſich Pasqual. Florindo. Bei wem dient er? Truffaldino. Das weiß ich nicht. ⸗ 57 Florindo. Da Du Briefe fuͤr ſeinen Herrn mitbringen ſollteſt, muß er Dir doch den Namen geſagt haben. 4 Truffaldine. Freilich.(für ſich) O weh! Florindo. Wie heißt er alſo? 3 Truffaldino. Ich kann mich nicht mehr darauf beſinnen. Florindo. Was, Du— Truffaldino. Er hatte mir ſolchen auf ein Stuͤck Papier ge⸗ ſchrieben. 5 Florindo. Wo iſt das Papier? Truffaldino. Ich hab's verloren.(für ſich) Ich werde mich doch noch herauswickeln. Florindo. Wo wohnt dieſer Pasqual? 58 Truffaldino. Ich weiß es nicht. Florindo. Wie kannſt Du ihm denn den Brief zuſtellen? Truffaldino. Wir wollen einander auf dem großen Markt treffen. Flor.(fär ſich) Was ſoll ich davon denken? Truff.(fär ſich) Ich bin durch.(laut) Wollen Sie mir den Brief nicht geben? Florindo. Nein, erſt will ich ihn leſen. Truffaldino. Blitz! thun Sie das nicht. Es ſteht grim⸗ mige Strafe darauf, wenn man fremde Briefe oͤſſnet. Florindo. Bei dieſem hat es Nichts auf ſich.(er erbricht n Truffaldino. Na, da iſt er offen. 59 [o—— Flor.(tieſt fur ſich) „Fraͤulein! Ihre ſchnelle Abreiſe hat alle Ihre Freunde beſtuͤrzt gemacht. Endlich hat man erfahren, daß Sie die Stadt in Manns⸗ kleidern verlaſſen haben, und vermuthlich Ih⸗ rem geliebten Florindo nachgeeilt ſind— deſſen Unſchuld durch den Eigenthuͤmer des mit Blut befleckten Degens ſchon halb erwieſen iſt. Mit dem naͤchſten Poſttage hofſt Ihnen noch wich⸗ tigere Dinge melden zu können Ihr treuer Diener Manuel.“ Truff.(fur ſich) Er denkt wenig daran, was mir ſeine Neu⸗ gier fuͤr eine Pruͤgelſuppe zuziehen kann. Flor.(fuͤr ſich) Beatrice in Mannskleidern entflohn, um mir zu folgen!— Lauth Geh, ſuch dieſen Pasqual unverzuͤglich auf, und bring ihn zu mir; ich will euch Beide gut belohnen. 60 Truffaldino. Nun, geben Sie mir nur Pasquals Brief. — Was ſoll ich ihm aber ſagen, daß er oſſen iſt? Das kann eine Imputation auf meine Ehre manhen⸗ und da bin ich ſehr kitzlich. Florindo. Deine Ehre, Narr!— Sag' ihm, daß ein Verſehen daran Schuld ſey, und daß ihn Niemand geleſen habe. Lauf und bring mir dieſen Pas- qual.(fuͤr ſich) Beatrice und Federico in Vene⸗ dig! Wenn ſie der Bruder ſindet, ſo iſt ſie ver⸗ loren.(er geht ab) Ein und zwanzigſter Auftritt. Truffaldino, hernach der Traͤger. Bring mir den Pasqual!— Ha, ha, ha! Da hab' ich mir recht gut durchgeholfen. Fréound Truſſaldino! du biſt ein ganzer Kopf! Wenn ich nur leſen und ſchreiben konnte, ſo wuͤrd' ich ein Autor, und machte Hiſtorienbuͤcher. Aber Potz Blitz! ich darf den Brief nicht offen uͤbergeben; 61 der Herr ohne Bart iſt verzweifelt hitzig.— Mir faͤllt Etwas ein. Ich habe geſehen, daß die Leute Briefe mit gekautem Brodte ſiegeln. So will ich es auch machen.(er zieht ein Stück Brodt aus der Taſche) Es verdrießt mich, das Brodt dazu zu gebrauchen— aber was ſoll man machen 2 (er kauet ein Stuͤck⸗ ſchluckt es aber hinunter, wie er es aus dem Munde nehmen will) Ho, ho! ich hab's hinun⸗ ter geſchluckt; ich muß ein ander Stuͤck kauen. (wie vorhin) Es iſt wider meine Natur. Ich will es noch einmal verſuchen.(endlich gelingt es ihm mit Muͤhe, und er ſiegelt) Endlich hab' ich es getrof⸗ fen.— Mir deucht, daß es recht gut gemacht iſt.— Man kann nicht ſehen, daß er offen war. — Nun will— Wetter! da hab' ich den Kof⸗ fer vergeſſen.— He! Kamerad! Hierher mit dem Kofſer! Traͤger.(kommt mit dem Koffer) Nun, das hat lange gedauert. Wo ſoll ich ihn hinbringen? Truffaldino. In dieſen Gaſthof. 62 Traͤger. Und wer bezahlt? Zwei und zwanzigſter Auftritt. Vorige. Beatrice aus dem Gaſthofe. Beatrice. Iſt dieß mein Koſſer? Truffaldino. Aufzuwarten! Beatrice. Tragt ihn nach meinem Zimmer, Traͤger. Welches iſt Ihr Zimmer? Beatrice. Nr. 4 Traͤger. Wir haben acht Groſchen accordirt. Beatrice. Ich will Euch ſchon bezahlen. Geht nur voran. Traͤger.(geht ins Wirthshaus) 63 Beatrice. Nun, ſind Briefe an mich da? Truffaldino. Aufzuwarten! Ja, mein Herr! Beatrice. Nun, heraus damit! Truffaldino. Einer an Ihre Schweſter. Beatrice. Nur her! Truffaldino Aufzuwarten!(er giebt ihn) Beatrice. Der Brief iſt offen geweſen. Truffaldino. Offen? das kann nicht ſeyn. Beatrice. Ja, ſag' ich; und er iſt nun mit Brodt ge⸗ ſiegelt. Truffaldino. J, was Sie ſagen! 64 Beatrice. Wer hat den Brief geoͤfſnet? Bekenne, oder— Truffaldino. Aufzuwarten!— Ich— ich will Ihnen die Wahrheit geſtehn!— Fehlen iſt menſchlich! Es war auf der Poſt auch ein Brief an mich; ich kann nicht gut leſen, und erbrach aus Verſehen Ihren Brief ſtatt meinen. Beatrice. Wenn es ſo waͤre— Truffaldino. Es iſt wirklich ſo, auf Ehre! Beatrice. Haſt Du den Brief geleſen? Truffaldino. Nein, wirklich nicht.— Das ſind Puchſta⸗. ben, die ich nicht kenne. Beatrice. Hat ihn ſonſt Jemand geſehn? Truffaldino. Il bewahre! ¹ 65 Beatrice. Nimm Dich in Acht! Truffaldino. O!— ſo wahr ich ein ehrlicher Mann bin; ſo wahr ich hoſſe in meinem Bette zuͤ ſterben— Ich wollte, Ihro Gnaden haͤtten ein Buch bei ſich, um darauf zu ſchwoͤren. Ich gab mir einen rechten Pauker vor den Kopf, als ich meinen Irrthum gewahr ward. Ich glaube, Sie koͤnnen den Fleck ſehen. . Beatrice. Schon gut.(ſie lieſt den Brief leiſe) Truff.(fur ſich) Das ging auch gluͤcklich vorbei! Bravo, Truf⸗ faldino!(ſchlaͤgt ſich vor die Stirne) Ja, hier ſitzt's! Beatrice. Was iſt Dir? Truffaldino. Eine kleine Fliege ſetzte ſich mir auf die Stirne. Boatrice.(fuͤr ſich) Manuel iſt ein treuer Kerl.(laut) Bezahl' den Traͤger, und pack' den Koffer aus!(giebt ihm Der Diener ꝛc. 5 66 den Schluͤſſet) Wenn ich wiederkomme, will ich mich umkleiden. Truffaldino. Nicht eſſen? Beatrice. Auch eſſen.(geht ab) Drei und zwanzigſter Auftritt. Truffaldino, hernach Pandolfo. Es geht Alles vortrefflich! Ich glaube, ich koͤnnte noch den dritten Herrn bedienen. Ich bin ein recht geſchickter Kerl! ich ſchaͤtze mich nun hundert Thaler mehr werth, als ſonſt. 3 Pandolfo. Iſt ſein Herr zu Hauſe? Truffaldino. Nein. Pandolfo. Wird er zu Hauſe ſpeiſen? Truffaldino. Ja. 67 Pandolfo. Geb' Er ihm den Beutel mit zwei hundert Stuͤck Dukaten. In einer halben Stunde komm' ich wieder. Jetzt hab' ich Geſchaͤfte. Adieu! (geht ab) Vier und zwanzigſter Auftritt. Truffaldino, hernach Florindo. Das Geſicht kam mir bekannt vor.— Ha! — gluͤckliche Reiſe!— Er hat mir ja nicht ge⸗ ſagt, welchem von meinen Herren ich das Geld geben ſoll. Florindo. Nun, haſt Du den Pasqual gefunden? Truffaldino. Nein; aber ich habe Jemanden gefunden, der mir einen Beutel mit zwei hundert Dukaten ge⸗ geben hat. Florindo. Zwei hundert Dukaten? Weswegen? Wozu? 5* 68 Truffaldino. Sagen Sie mir einmal aufrichtig— aber recht aufrichtig!— Erwarten Sie wohl Geld von Jemandem? Florindo. Ja, ich war darum bei einem Kaufmann. Truffaldino. Nun, alſo werden die Dukaten wohl Ihnen gehoͤren.— Florindo. Was ſagte derjenige, der ſie Dir gab? Truffaldino. Ich ſollte ſie meinem Herrn geben. Florindo. Nun, Dummkopf, ſo gehoͤren ſie ja mir. Bin ich nicht Dein Herr?(er ſteckt das Geld ein) Truff.(fär ſich) Er weiß Nichts von meinem andern Herrn. Florindo. Sagte er Dir ſeinen Namen nicht? 69 Truffaldino. Nein. Mir kam ſein Geſicht bekannt vor, aber ich kann mich nicht erinnern. Florindo. Es wird der Kaufmann Arbelli geweſen ſeyn, an den ich rekommandirt bin. Truffaldino. Ja, der wird es wohl geweſen ſeyn. Florindo. Erinnere Dich an Pasqual. Truffaldino. Aufzuwarten! nach Tiſche will ich ihn auf⸗ ſuchen. Florindo. Wir wollen alſo ſehen, daß wir Etwas zu eſſen bekommen; aber dann ſuch' ihn gleich auf, und bring' ihn zu mir.(geht ab ins Haus) Truffaldino. Aufſuchen? Wo denn? Wo ſoll ich ihn denn 70 ſinden? Ich will lieber Etwas aufſuchen, was zu finden iſt, eine gute Mahlzeit.— Es war doch — ich muß es ſelbſt ſagen— mehr Gluͤck als Verſtand, daß ich die Dukaten dem rechten Herrn gegeben habe. Ende des erſten Aufzuges. . Zweiter Aufzug. (Zimmer im Wirthshauſe mit einer Mittel⸗ und zwei Seitenthuͤren.) 1 Erſter Auftritt. Truffaldino. Jch bin doch ein recht ungluͤcklicher Menſch! von zwei Herren kommt nicht Einer zum Eſſen. Ich hab' oft gehoͤrt, daß die feinen Leute kein Gewiſſen haben; davon bin ich nicht uͤberzeugt; — aber daß ſie keine Magen haben, das weiß ich gewiß. Es ſieht aus, als wenn ſie an Al⸗ les in der Welt denken, nur nicht an's Eſſen: und ich denk' nur an's Eſſen, und ſonſt an Nichts. Wenn ſie nun Beide zugleich kommen und eſſen 2 wollen, ſo iſt mein ganzer Kram verrathen; denn ich kann unmöͤglich Beiden zugleich aufwarten. Still! Da kommt Einer! Vielleicht geht's noch gut. Zweiter Auftritt. Florindo. Truffaldino. Florindo. 4 Nun, haſt Du den Pasqual angetroſſen? Truffaldino. Ich hab' Ihnen ja geſagt, daß ich ihn auf⸗ ſuchen wollte, wenn wir wuͤrden gegeſſen haben. Florindo. 3 Wie? 5. Truffaldino.— Vor Tiſche iſt er nicht zu finden. 3 klerinde⸗ gen ſeun 73 Truffaldino. Ich glaube ſelbſt, Herr, aber da bedenken„ Sie, wie ich von allen Seiten gezwickt werde. Florindo.(ſär ſch) Giebt's denn kein Mittel, zu erfahren, ob Beatrice hier ſey. Truffaldino. Sie haͤtten ein wenig eher ſollen zum Eſſen kommen. Florindo.(ſur ſich) Sollte ſie ſich vielleicht in einem Gaſthofe vor der Stadt aufhalten? 6 Truffaldino. Schon vor einer Stunde wollten Sie eſſen, und dann gehen Sie zwanzig Mal wieder aus— es wird Alles verdorben ſeyn. 3 Florindo. Ich kann noch nicht eſſen.(für ſich) Ich will nach der Poſt gehn; vielleicht erfahre ich dort Etwas; und dann will alle Gaſthoͤfe außer der Stadt beſchicken. Truffaldino. Wiſſen Ew. Gnaden wohl, daß man in die⸗ ſem Lande eſſen muß? und wer nicht ißt, krank wird? Florindo. Komm ich bald wieder, ſo will ich eſſen; wo nicht, ſo wart' ich bis auf den Abend. Wenn Du Appetit haſt, ſo laß Dir zu eſſen geben. Truffaldino. O, wenn's ſo gemeint iſt, ſo brauchen Sie nur Ihre Bequemlichkeit im Ausgehen. Florindo. Das Geld iſt mir beſchwerlich; leg' es in meinen Koffer, nebſt dieſer Doſe und dem Etui. (er giebt ihm den Beutel mit Dukaten, Doſe, Etui und die Schluͤſſel) Truffaldino. Ich will es gleich thun, und Ihnen die Schluͤſſel wiederbringen. Florindo. Nein, Du kannſt ſie mir hernach geben.— 75 Vor allen Dingen bemuͤhe Dich, den Pasqual zu finden.(er geht ab) — Dritter Auftritt.. Truffaldino, hernach Beatrice. Truffaldino. Das war klug, daß er ſagte, ich ſollte mir zu eſſen geben laſſen. Nun bin ich mit ihm ei⸗ nerlei Meinung. Wenn er nicht eſſen will, ſo mag er es bleiben laſſen; meine Natur iſt nicht an's Faſten gewoͤhnt. Ich will dieſe Sachen weg⸗ legen, und dann gleich zu Tiſche—(er will in Florindos Zimmer rechter Hand gehn) Beatrice.(aus der Mitte) He“, Truſſaldino! Truffaldino. Potz Wetter!— Beatrice. Hat Dir der Herr Pandolfo einen Beutel mit zwei hundert Dukaten gegeben? Truffaldino. Ja, er hat mir einen gegeben. Beatrice. Warum bringſt Du mir ihn nicht? Truffaldino. Ja— gehoͤrt er auch Ihnen? Beatrice. Ob er mir gehoͤrt? Was ſagte er Dir, als er Dir das Geld gab? Truffaldino. Er ſagte, ich ſollte es meinem Herrn geben. Beatrice. Nun, Narr! Wer iſt denn Dein Herr? Truffaldino. Ja, Ihro Gnaden— es giebt manche Din⸗ ge, die man ſchwerlich beantworten kann, wenn man auch ein Gelehrter iſt, und ich— Beatrice. Schweig, Erznarr! und gieb mir den Beutel. Truffaldino. Aufzuwarten!!(giebt den Beutel) 77 Beatrice. Iſt das Geld richtig? Truffaldino. Ich hab' es nicht angeruͤhrt. Beatrice. A(fuͤr ſich) Ich will es doch hernach zaͤhlen. Truff.(für ſich) „Der Blitzbeutel haͤtte beinahe die ganze Karte verrathen. Beatrice. Sag' dem Wirth, daß dieſen Mittag ein guter Freund bei mir ſpeiſen wird. Truffaldino. Wie wollen Sie bedient ſeyn? Wie viel Ge⸗ richte befehlen Sie? Beatrice. Herr Pandolfo iſt kein Mann von Umſtaͤn⸗ den. Fuͤnf oder ſechs Gerichte, aber etwas Gutes. Truffaldino. Wollen Sie mir die Anordnung beslaſſen⸗ Beatrice. Meinetwegen; aber mache, daß Du Ehre ein⸗ 78 legſt. Ich hole den Freund ab; wenn ich wie⸗ derkomme, muß Alles in Ordnung ſeyn. Truffaldinee. Ich will meine Sache ſchon machen. Beatrice⸗ Da, leg' dieß Papier in den Koſſer. Nimm es ja in Acht! es iſt ein Wechſelbrief von fini tauſend Dukaten. Truffaldino. Aufzuwarten! S. Beatrice. Die Doſe trag' zu einem Goldſchmidt, ſie iſt etwas beſchaͤdigt.(giebt ihm eine Doſe) Truffaldino. Aufzuwarten!(er ſteckt ſie ein) Beatrice.(fuͤr ſich, im Abgehen) Ich wollte, daß ich mein Geheimniß Roſau⸗ ren haͤtte verbergen koͤnnen. 79 Auftritt. Truffaldino, hernach Tebaldo. Vierter Truffaldino. Nun muß ich ſuchen Ehre einzulegen!— Ich will dieß Papier verwahren, und dann— das kann hernach geſchehn. Ich habe keine Zeit zu verlieren.(er ruft zur Mittelthuͤre hinaus) He da! der Wirth ſoll herkommen.— Nun muß ich zeigen, daß ich Geſchmack habe! Eine gute Mahl⸗ zeit beſteht nicht ſowohl in der Zahl der Gerich⸗ te, als in der guten Ordnung— das hab ich wohl tauſendmal gehoͤrt. Teba 1d o. 3 Nun, mein Freund, was ſteht zu Dienſten? . Truffaldino. Mein Herr wird einen guten Freund zum Eſſen mitbringen. Sie ſind doch gehörig verſehen? Tebaldo. Das verſteht ſich! und wenn er zwanzig mitbringt, ſo kann in einer halben Stunde ang gerichtet werden. 80 Druffaldino. Das iſt gut. Was werden Sie ihm denn vorſetzen? Tebaldo. Wir wollen zwei Gaͤnge machen, jeden von vier Gerichten. 1 Truffaldino.(für ſich) Er hat geſagt fuͤnf oder ſechs Gerichte. Sechs oder acht iſt wenig Unterſchied.(Laut) Auch gut. Aber worin werden dieſe Gerichte beſtehen? Tebaldo. Im erſten Gange wollen wir eine Suppe ge⸗ ben, Rindfleiſch, Fiſche und ein Fricaſſee. Truffaldino. Drei Gerichte kenn' ich recht gut, aber das vierte nicht. Tebaldo. Es iſt ein ſehr gutes, franzoͤſiſches Gericht. Truffaldino. Schon! mit dem erſten Gange waͤren wir in Ordnung. 1 81 Tebaldo. Im zweiten wollen wir geben eine Fleiſch⸗ paſtete, Braten, Sallat und einen Pudding. Truffaldino. Das Letzte kenne ich wieder nicht. Was iſt das, ein Puddeling? Tebaldo. Pudding! Ein ſehr gutes engliſches Gericht. Truffaldino. Gut, damit bin ich zufrieden. Aber wie werden wir dieſe Sachen auf dem Tiſche ran⸗ icen? Tebaldoͤ. Das iſt des Aufwaͤrters Sac. Truffaldino. ſun enn Ei was Aufwaͤrter!— Alles kommt darauf an, die Schuͤſſeln gut zu rangiren. — Tebaldo. 1 116 Hier kann zum Exempel die Suppe ſtehn, hier das Fleiſch, hier die Fiſche, und hier das Fricaſſee.(er bezeichnet es mit dem Finger)".. Der Diener ꝛc. 6 1 Truffaldino. Nein, das gefäaͤllt mir nicht. In der Mitte ſoll alſo Nichts ſtehen? Tebaldo. Dann muͤſſen wir fuͤnf Gexichte machen. Truffaldino. Gut; machen Sie fuͤnf Gerichte. Tebaldo. In die Mitte koͤnnen wir eine Sauce zum Fleiſche ſetzen. Truffaldino. Nein, nein, nein; in der Mitte muß die Suppe ſtehn.. Tebaldo. So ſetzen wir auf die eine Seite das Fleiſch und auf die andre die Sauce. 11 Truffaldino. Nein, nein, nein; das iſt wieder— nicht gut. Ihr Herren Wirthe wißt wohl in der Kuͤche Beſcheid; aber eine Tafel zu rangiren— So macht man's in Bergamo! Schauen Sie!— Poſito, dieß iſt der Tiſch!(er kniet und bezeichnet . 84 den Boden. Er reißt jedesmal ein Stuͤck von dem Wechſel⸗ brief und bezeichnet die Schuͤſſel) Geben Sie Acht, wie man dieſe fuͤnf Schuͤſſeln rangiren muß.— Hier in der Mitte die Suppe!— Auf dieſer Seite das Fleiſch; hier die Sauce; hier die Fiſche und hier das Gericht, das ich nicht kenne. — Nun, was ſagen Sie dazu? Tebaldo. Die Sauce ſteht zu weit vom Fleiſche. Truffaldino. Wir wollen ſie bald naͤher bringen. Fuͤnfter Auftritt. Vorige. Beatrice. Pandolfo. Beatrice. Was machſt Du da auf den Knien? Truffaldino. Ich zeige ihm nur, wie man eine Tafel ran⸗ giren muß.(er ſteht auf), 6* 84 Beatrice. Was iſt das fuͤr ein Papier? Truff.(fur ſich) Potz Wetter! es iſt der Weßhſelbrief, den er mir gab. Beatr.(nimmt ein Stuͤck) 4 Das iſt mein Wechſelbrief. Truff.(Lafft die Stuͤcke zuſammen) Wir wollen ihn wieder zuſammen kleben. Beatrice. Schlingel! So beſorgſt Du meine Sachen? Dinge von ſo großer Wichtigkeit! Du haͤtteſt hundert Stockſchlaͤge verdient. Was ſagen Sie dazu, Herr Pandolfo? Pandolfo. Man muß uͤber die Dummheit lachen! Es waͤre ſchlimm, wenn es ein fremder Wechſel waͤre. Ich ſchreib' Ihnen einen andern, und ſo iſt die Sache wieder gut. Beatrice. Du Schaafskopf! 85 Truffaldino. Das ganze Ungluͤck iſt entſtanden, weil Herr Tebaldo keine Tafel zu rangiren verſteht. Tebaldo. Er findet Schwierigkeiten—. Truffaldino. Ich bin ein Menſch, der gelernt hat— Beatrice. Geh' Deiner Wege! Truffaldino. Was die Einrichtung einer Tafel betrifſt— Beatrire. Fort, ſag' ich! Truff.(im Abgehen) Geb' ich dem groͤßten Hofmarſchall Nichts nach. Tebaldo. Ich kann den Menſchen nicht begreifen! zu⸗ weilen ſo klug, und zuweilen ſo ſtockdumm! Beatrice. Ich Hlaube, daß er ſich nur dumm ſelt. Sorgen Sie, lieber Tebaldo, daß wir bald bedient werden. Tebaldo. Er hat zehn Schuͤſſeln beſtelt— Pandolfo.— Warum nicht gar! Drei oder viere— um des Himmels willen nicht mehr. Wenn Sie Krammetsvoͤgel haben, ſo geſchieht mir ein Gefallen. Tebaldo. Sie ſollen den Augenblick bedient werden. (er geht ab) Sechſter Auftritt. Pandolfo. Beatrice. Pandolfo. Je mehr ich Sie anſehe, je mehr erſtaune ich, daß Sie meine Tochter nach dem deſperaten Auftritte, den ich mit ihr hatte, ſo ſchnell auf andre Gedanken bringen konnten! 1 87 Beatrice. So Etwas muß man nicht dem Verdienſte, ſondern dem Gluͤcke zuſchreiben. Pandolfo. Sie iſt voͤllig gefaßt und bereit, Sie zu hei⸗ rathen. Beatrice. Sie vermuthet bei dieſer Bereitwilligkeit Nichts zu wagen. Siebenter Auftritt. Vorige.(Ein Aufwaͤrter kommt aus der Mit⸗ te, und traͤgt in Beatricens Zimmer, linker Hand, Alles, was zur Servirung fuͤr zwei Perſonen gehoͤrt, in einem Korbe; der zweite Aufwaͤrvter ſetzt einen kleinen Tiſch mit Teller und Meſſer zwiſchen Mittel⸗ und Sei⸗ tenthuͤre, und traͤgt zwei Bouteillen und Glaͤſer hinein; er kommt mit dem andern zuruͤck.) Pandolfo. Und daß Sie zugleich den Eiſenfreſſer Sil⸗ vio beſaͤnftigen konnten! * 88* Beatrice. Ein Wort, ein Druck meiner Hand, gab ihm zu erkennen, mit wem er zu thun bekaͤme. Pandolfo., Ich wollte, daß Sie ſeinen Vater, den Dok⸗ tor, auch ein wenig in Furcht ſetzten!— Er verließ mich mit einer Drohung! und ſeitdem ſeh' ich ihn in jedem Winkel mit gezogenem lan⸗ gen Degen ſtehn. Beatrice. Er ſoll denken lernen, wie ſein Sohn, da⸗ fuͤr bin ich gut. Pandzifo. 5 Der Doktor war in ſeiner Jugend Soldat. Mein einziges Geſchaͤft war die Handlung. Er wird mich nicht als Kaufmann, durch Rechnen, Schreiben und Geldzaͤhlen angreifen, ſondern als Soldat, mit dem Degen in der Hand, und ſo iſt die Bilanz nicht fuͤr mich. Beatrice. Richtig. Aber uͤberlaſſen Sie ihn nur mir. 89 Pandolfo. Es iſt nicht, weil ich furchtſam bin, ſondern weil das ein fremdes Geſchaͤft fuͤr mich iſt. Beatrice. Ich verſtehe! Pandolfo. In meinen Jahren, da man ſich durch dicke Struͤmpfe und Flanell kaum erwaͤrmen kann, ſich durch ein kaltes Eiſen abkuͤhlen zu laſſen, iſt eine abgeſchmackte Art von Abkuͤhlung. Beatrice. Freilich. . Pandolfo. Dann muß man bedenken, wie ſchwer es iſt, ein alter Mann zu werden. Von dem jungen Volke wird alle Stunden Einer geboren, und alſo iſt der Schade nicht groß, wenn ſo ein un⸗ reifer Patron abmarſchirt; aber ein feſter, geſun⸗ der alter Mann, wie ich, iſt unſchaͤtzbar. Wer giebt in einer Baumpflanzung auf die zarten jungen Baͤumchen Acht? aber wenn ſo ein alter Stamm faͤllt— welche Zeit gehoͤrt dazu, die —— Stelle zug erſetzen! Meine Augen werden naß, wenn ich das recht uͤberdenke. 90 Beatrice. 3 Kein Wunder! es iſt etwas Melancholiſches in der Idee. Pandolfo. Bedenken Sie, wenn alle die Sorgfalt ſollte verloren ſeyn, die ich fuͤr mich gehabt habe! Ich habe mich nie der Nachtluft ausgeſetzt; mich nie erhitzt; ich war regelmaͤßig in meinen Stunden; maͤßig in der Diaͤt und in der Liebe— und alle dieſe Aufopferungen ſollten durch einen ſo ver⸗ dammten Bratſpieß fruchtlos gemacht werden! Achter Auftritt. Vorige. Truffaldino mit der Suppe. Die Aufwaͤrter gehn durch die Mittelthuͤre zuruͤck. 4 Truffaldino. Wenn's gefaͤllig iſt— ich trage auf. 91 Beatrice. 5* Nur zu; wir kommen nach.— Nach Tiſche wollen wir unſre Rechnung in Ordnung bringen. Truffaldino. Um Verzeihung! es ſchickt ſich nicht, daß ich zuerſt gehe!(macht Komplimente) Pand.(zu Beatrice) Das iſt ein kurzweiliger Menſch! Wir muͤſ⸗ ſen ihm wohl zu Gefallen leben.(er geht in Bea⸗ tricens Zimmer) Beatrice. Ich wuͤnſchte von Dir weniger Poſſen und mehr Aufmerkſamkeit.(ſie geht in ihr Zimmer) G Truffaldino. Mein Herr giebt ſein Geld aus und bekommt Nichts nach Guſto!— Was das fuͤr ſchlechtes Geſchirr iſt!— Wer weiß, ob auch die Suppe etwas taugt.— Wir wollen ſie doch probiren. (er zieht einen Loͤffel aus der Taſche, und koſtet die Suppe) Ich trage immer mein Gewehr bei mir.— Die Suppe iſt ſo ſchlecht nicht; ſie koͤnnte wirklich ſchlechter ſeyn.(er geht in Beatricens Zimmer) Aufw.(mit einer Schuͤſſel Fleiſch) Nun, wo iſt Er? Wie lange bleibt denn der, das Fleiſch zu nehmen? Truff.(aus dem Zimmer) Da bin ich, Kamerad! Aufwaͤrter. Trag' Er das Fleiſch hinein; ich will ein an⸗ deres Gericht holen.(durch die Mitte ab) Truffaldino. Ob dieß wohl Hammelfleiſch oder Kalbfleiſch iſt?— Ich glaube Hammelfleiſch.— Wir wol⸗ len ſehn!(er koſtet) Nein, es iſt kein Hammel⸗ fleiſch; es iſt Kalbfleiſch, ſchoͤn und gut.(er will nach Beatricens Zimmer gehn und begegnet Florindo) Neunter Auftritt. Florindo. Truffaldino. 1 Florindo. Wo willſt Du hin? 93 Truff.(fuͤr ſich) Potz Wetter! 8 Florindo. Wo willſt Du mit dem Eſſen hin? Truffaldino. Ich wollte es auf den Tiſch ſtellen. 2 Florindo. Auf weſſen Tiſch! Truffaldino. Auf Ihren. Florindo.. Und Du traͤgſt eher auf, als ich zu Hauſe bin? 1 Truffaloino.. Ich ſah' Sie aus dem Fenſter kommen. Florindo. Und Du traͤgſt das Fleiſch eher auf, als die Suppe? Truffaldino. Wiſſen Sie denn nicht daß man hier die Suppe zuletzt, nach dem Sulat iße? 94 Florindo. Ich bin das anders gewohnt. Trag' das Fleiſch wieder nach der Kuͤche, und bring⸗ die Suppe. Truffaldins. Aufzuwarten! 9 3 Florindöo. Geſchwind! ich will hernach ſchlafen.(er geht in ſein Zimmer) Truffaldino. Aufzuwarten!(ſobald er weg iſt, raͤuft Truffaldino mit dem Fleiſche in Beatricens Zimmers) Aufw.(mit deut Fricaſſee) Der Menſch laͤßt doch immer auf ſich war⸗ ten. Truffaldino! Tru ff.(aus Beatricens Zimmer). Da bin ich!— Fix, Freund! Deck' den Tiſch in jenem Zimmer. Der andre Fremde iſt nach Hauſe gekommen. Bring' gleich die Suppe. Aufwaͤrter. Gut, gut.(geht durch die Mitte) 95 Truffaldino. Was iſt denn das fuͤr ein Gericht? Es wird wohl das Fracoſſee ſeyn.(er koſtet) Nicht uͤbel! nicht uͤbel!(indem er gehen will, kommt der Aufwaͤrter mit dem Deckkorbe und geht nach Florindo's Zimmer) Iſt Er noch da? Ich glaube, Er naſcht. (geht nach) Truffaldino. Hat ſich was zu naſchen!(traͤgt das Fricaſſee in Beatricens Zimmer, und kommt gleich wieder heraus) Das muß man ſagen, es geht hurtig genug in dieſem Gaſthofe. O wenn es mir doch gelingen wollte, beide Herren zu bedienen; es wuͤrde et⸗ was Ungeheures ſeyn! Aufw.(kommt aus Florindo's gimmer und geht nach der Mitte) 3 Truffaldino. Geſchwind, Freund! die Suppe— Aufwaͤrter. Sorg' Er nur fuͤr Seinen Herrn; den an⸗ dern will ich ſchon bedienen. Truffaldino. Nein, ich will Beide bedienen. 96 (Ein zweiter Aufwaͤrter giebt die Suppe fuͤr Florindo dem erſten, und geht wieder ab. Der erſte Aufwaͤrter will ſie nach Flo⸗ rindo's Zimmer tragen) Truffaldins. Nein, nein, gieb her! ich will die Suppe hinein tragen; bring' indeſſen ein ander Gericht fuͤr dieſen Herrn.(er geht mit der Suppe in Flo⸗ rindo's Zimmer) 5 1 Aufwaͤrter. Das iſt ein naͤrriſcher Kerl! er will allen Beiden aufwarten. Meinetwegen! mein Trink⸗ geld kann mir doch nicht entgehn. Truff.(kommt aus Florindo's Zimmer) Beatr.(ruft in ihrem Zimmer) Truffaldino! Aufwaͤrter. Höort Er! Sein Herr ruft! Truffaldino. Gleich!(er geht in Beatricens Zimmer) 3(Der zweite Aufwaͤrter giebt, dem erſten das Fleiſch fuͤr Florindo) 97 Aufwaͤrter. 4.* Gieb nur her, und bring' fuͤr die Beiden. (Der zweite Aufwaͤrter geht ab) Truff.(kommt aus Veatricens Zimmer) Flor.(ruft in ſeinem Zimmer) Truffaldino! Truffaldino. Gleich, mein Herr!(wil dem Aufwaͤrter das Fleiſch abnehmen) Aufwaͤrter. Das will ich hineinbringen. Truffaldino.— Hoͤrſt Du denn nicht, daß er mich ruft? (er traͤgt das Fleiſch in Florindo's Zimmer) Aufwaͤrter.— Das iſt luſtig, er will Alles allein thun. (Der zweite Aufwaͤrter bringt dem erſten eine Schuͤſſel mit Krammetsvoͤgeln, und geht ab) Aufwaͤrter. Ich muß wohl warten; trag' ich ſie hinein, ſo bekomm' ich Haͤndel mit dem Menſchen. Truff.(kommt aus Florindo's Zimmer) — Der Diener ꝛc. 7 98 Aufwaͤrter. Hier ſind Krammetsvögel fuͤr Seinen Herrn. Truffaldino. Krammetsvoͤgel?— Aufwaͤrter. Ja, Sein Herr hat ſie beſtellt.(geht ab) Truffaldino. Nun, das iſt wieder gut! Wem ſoll ich ſie bringen? Der Teufel weiß, welcher von meinen Herren ſie beſtellt hat. Bring' ich ſie dem, der ſie nicht beſtellt hat, ſo bin ich verrathen, und frag' ich in der Kuͤche, ſo kann ich mich auch verrathen. Ich will es ſo machen— Hu, was bin ich fuͤr ein kluger Kopf! ich will jedem die Haͤlfte geben, dann iſt Alles in Ordnung. (er nimmt einen Teller und legt vier von den Voͤgeln dar⸗ auf) Viere und viere— aber es iſt einer uͤbrig; wem ſoll ich den geben?— Ich will ihn ſelbſt eſſen, ſo wird keiner böſe.(er ißt den Vogel) Nun iſt Alles in Ordnung. Nun will ich erſt dieſem ſeine Portion bringen.(er ſetzt einen Teller auf den * 99 Tiſch, und traͤgt den andern nach Beatricens Zimmer; wenn er drinnen iſt, kommt der) Aufwaͤrter.(mit dem Pudding, und ruft:) Truſſaldino! Truffaldino. Da bin ich. Aufwaͤrter. Bring' Er dieſen Pudding— Truffaldino. Wart' einen Augenblick; ich komme gleich wieder—(er nimmt den andern Teller mit Voͤgeln) Aufwaäaͤrter. Das 8 unrecht; die Voͤgel gehoren heche⸗ Truffaldino. Ich weiß wohl; aber mein Herr ſchickt viere davon an dieſen Fremden.(er. geht in Florindos Zimmer mit dem Teller) Aufwaͤrter. Nun, wenn ſie ſich kennen, wenn es gute Freunde ſind, ſo haͤtten ſie auch zuſammen ſpei⸗⸗ ſen koͤnnen. I. 1. Truff.(kommt zuruͤc) Nun, was iſt das fuͤr ein Ding? Aufwaͤrter. Ein engliſcher Pudding. Truffaldino. Wer ſoll es haben? Aufwaͤrter. Sein Herr.(er geht ab) Truffaldino. Was Henker muß das ſeyn, ein Pudding? Der Geruch iſt praͤchtig! Es ſieht aus wie Muß. Hm! wenn es auch eine Art Muß iſt, ſo kann's nicht ſchlecht ſeyn.— Wir wollen ſehn!(er nimmt den Loͤffel und probirt) Potz Wetter! das iſt kein Muß, es iſt beſſer als Muß.(er ißt haſtig) Beatr.(ruft in ihrem Zimmer) Truffaldino! Truff.(mit vollem Munde) —Cch komme gleich! Flor.(ruft in ſeinem Zimmer) Truſſaldino! * 101 Truff. wie vorhin) Ich komme gleich.— O was fuͤr ein praͤch⸗ tiger Geſchmack! Noch einen Mund voll, dann geh' ich. Beatr.(kommt ous ihrem Zim⸗ mer, da ſie ihn eſſen ſieht, giebt ſie ihm einen Stoß) Wirſt Du kommen und aufwarten, Vielfraß? (ſie geht zuruͤck) Truff.(ſetzt die Schuͤſſel auf die Erde, deckt die Sexrviette darauf, und folgt) Flor.(kommt aus ſeinem Zimmer) Truſſaldino! Wo Teufel iſt der Kerl? Truffaldino. Da bin ich, mein Herr! — Florindo. Kommt noch Etwas zu eſſen? Truffaldino. Ich will fragen. Florindo.. Hurtig! ich will hernach ſchlafen.(er geht zuruͤck) Truff.(ruft zur Thuͤr hinaus) He, Kamerad! Bringſt Du noch Etwas?— Dieſen Puddeling will ich fuͤr mich behalten. (er verſteckt die Schuͤſſel). Aufw.(mit dem Braten und Sallat) Hier iſt Braten und Sallat. Truffaldino. Geſchwind, die Fruͤchte! Aufwaärter.... Nun, nun, nur nicht ſo hitzig!(geht ab) Truff.(traͤgt den Braten und Sallat in Florindo's Zimmer) 11 Den Braten will ich dieſem bringen. Aufw.(mit Fruͤchten) Hie zed die Fruͤchte.— Wo Teufel iſt er nn nun?“ Truff. kommt wieder) Was giebt's da? „Aufwaͤrter. Fruͤchte.— Will Er ſonſt noch Etwas? Truffaldino. 8 Warte. ler geht mit den Fruͤchten in Beatricens Zimmer) 103 Aufwaͤrter. Das iſt ein verwuͤnſchter Kerl! er iſt wie Queckſilber. Hier und dort, und uͤberall. Truffaldino. Alles iſt ſatt. Aufwaͤrter. Das iſt mir lieb. Truffaldino. Nur ich noch nicht.— Nun decke fuͤr mich. Au fwaͤrter. Ja, ja. Truffaldino. Bravo! Dieſen Puddeling hab' ich erbeutet, und beide Partheien ſind mit meiner Aufwartung zufrieden. Aber wenn ich ihrer Zwei bedient ha⸗ be, ſo⸗will ich auch nun fuͤr Viere eſſen. (er will gehn) 104 Zehnter Auftritt. Blandina. Truffaldino. Blandina. Mit Erlaubniß! Truffaldino. Blitz! Das iſt das huͤbſche Maͤdchen aus Pandolfo's Hauſe. Nur naͤher, Mamſellchen!— Wollen Sie mich ſprechen? Blandina. . Ja. Truffaldino. Ich will das nur wegſetzen, dann bin ich zu Befehl.(er geht durch die Mittelthuͤre ab) Blandina. Es iſt mir lieber, daß ich dieſen tteſſe⸗ als ſeinen Herrn. Truffaldino. Nun, da bin ich. Blandina. Mein Fraͤulein ſchickt Seinem Herrn dieß 105 8 Billet. Es darf aber Niemand Etwas davon wiſſen. Truffaldino. Soll geſchehn. Vorher hab' ich aber Etwas an Sie zu beſtellen.— Blandina. Von wem? Truffaldino. Von einem artigen jungen Menſchen, einem gewiſſen Truffaldino Battochio. Blandina. Ich kenn' ihn nicht. Truffaldino. Es iſt ein ſchoͤner Menſch; gut gewachſen, artig, witzig, ein Meiſter in der Höflichkeit. Blandina. Ich kenn' ihn nicht. Truffaldino. Und doch kennt er Sie; iſt in Sie vecliebt, und moͤchte gern wieder geliebt ſeyn. Was ſagt Sie dazu? 106 Blandina. Es kommt darauf an, ob er mir gefaͤllt. Truffaldino. Soll ich Sie mit ihm bekannt machen? Blandina. O ja. Truffaldino. Gleich ſoll er hier ſeyn.(er geht durch die Mitte ab) Blandina. Ich glaubte, er waͤre es ſelbſt. Truff.(kommt, macht Komplimente, kuͤßt ihr die Hand, ſeufzt und geht wieder ab) Blandina. Die Komdoͤdie verſtehe ich nicht. Truff.(kommt) Nun, hat Sie ihn geſehn? Blandina. Wen? Truffaldino. Den artigen jungen Menſchen, der in Sie verliebt iſt. 407 Blandina. Alſo Er iſt es, der mir wohl will? 4 Truff.(ſeufzend) Ja. mneAlntt 992 Blan din. Warum hat Er es nicht gleich geſagt? Truffaldino. Ich lbin ein wenig ſchamhaft.— Was ſagt Sie nun dazu⸗ 94. Blandina. Ich ſage, daß— Truffaldino. O ſprech' Sie doch! 3 Blandina. Ich bin auch ein wenig ſchamhaft. Truffaldino. Nun, ſo wollen wir unſre ſchamhaften Per⸗ ſonen zuſammen verheirathen. 1 Blandina. — Er mißfaͤllt mir nicht, nur— 108 Truffaldino. Einer, der Sie heirathen will, wie muß der es anfangen? Blandina. Er wuͤrd' es meinem Herrn, oder meinem Fraͤulein ſagen muͤſſen. Truffaldino. Und was werden die zur Antwort geben? Blandina. Sie werden ſagen, wenn ich es zufrieden bin— Truffaldino. Und was wird Sie dann ſagen? Blandina. Ich werde ſagen, daß wenn ſie es zufrieden ſind— . Truffaldino. Und ich ſage, wie werden bald Alle zufrie⸗ den ſeyn. Geb' Sie mir den Brief; wenn ich Ihr Antwort bringe, wollen wir weiter reden. — Halt!— Weiß Sie nicht, was in dem Briefe ſteht? n 109 Blandina. Nein; aber ich moͤcht' es wohl wiſſen Truffaldino. Ich wollte nicht, daß der Inhalt meinen Herrn verdrießlich machte. Blandina. Hm! nach dem heutigen Auftritte zu urthei⸗ len, moͤchte wohl Nichts von Liebe drinnen ſtehn. Truffaldino. Ich mag keinen Verdruß machen. Ich uͤber⸗ geb' den Brief nicht, wenn ich den Inhalt nicht weiß. Blandina. Man koͤnnte ihn wohl aufbrechen, aber wie machen wir ihn wieder zu? 3 Truffaldino. Das de5 ich aus dem Grunde! darin bin⸗ ich Meiſte Blandina. Nun, ſo wollen wir ihn aufmachen. Truffaldino. Kann Sie leſen? 110 Bilandina. Ein klein wenig. Aber Er wird wohl gut leſen koͤnnen? Truffaldino. Auch ſo ein klein wenig.“ Blandina. So wollen wir denn ſehen. Truffaldino. Wir muͤſſen's fein machen.(er reißt ein Stuͤck vom Brieſe) Blandina. O weh, o weh! Was hat Er gemacht? Truffaldino. Das hat Nichts zu ſagen. Ich will's ſchon wieder in Ordnung bringen. Nun iſt er oſſen. Blandina. Leſ' Er nur. Truffaldino. Nein, leſe Sie ihn; die Buchſtaben Ihres Fraͤuleins muͤſſen Ihr beſſer bekannt ſeyn als mir. Bland.(ſieht den Brief an) Ich verſtehe Nichts davon. 111 Truffaldino. Ich auch nicht. Blandina. Warum haben wir ihn denn aufgebrochen? Truffaldino. Still, ſtill! Etwas davon verſteh' ich. Blandina. Einige Buchſtaben kenn' ich auch. Truffaldino. Iſt das nicht ein M? Blandina. J bewahre! das iſt ein R. Truffaldino. Zwiſchen dem M und R iſt wenig Unter⸗ ſchied. 2 4 Blandina. R, E, F, rei, N, E, ne— Nein, ich⸗ glaube doch, daß es ein M iſt. M, E, J, mei, N, E, ne.. Truffaldino. I nicht doch! Ihr Fraͤulein wird an meinen Herrn nicht ſchreiben: Meine— es muß heißen: Mein. 112 Blandina. .„— 5. 1 Es iſt aber noch ein Schnoͤrkel dran. Truffaldino. Eben deswegen heißt es: Mein. Eilfter Auftritt. Vorige. Pandolfo. Beatrice. Pandolfo.(zu Blandina) Was machſt Du hier? Was willſt Du? Bland.(furchtſam) Das Fraͤulein verlangt Sie zu ſprechen. Beatr.(zu Truffaldino) Was haſt Du da? 6. Truff.(furchtſam) Ein Blatt Papier. Beatricc.— Laß ſehen! 1 12 Truffaldino. 1 Aufzuwarten!(er weigert ſich) 113 — Beatrice. Her damit!(nimmt's ihm weg) Wie, Schurke! brichſt Du alle meine Briefe auf?* Truffaldino. Ich weiß gar nicht, wie es zugegangen iſt. Beatrice. Stellen Sie ſich vor! Es iſt ein Billot von Ihrer Tochter, worin ſie mir meldet, daß des Doktors Betragen ſeinen Sohn wieder rappel⸗ koͤpſiſch gemacht habe. Der Spitzbube bricht es auf! Pand.(zu Blandina) Und was haſt Du dabei gethan? Blandina. Ich weiß von Nichts. Beatrice. Wer hat das Billet erbrochen? Truffaldino. Ich nicht. Blandina. Ich auch nicht. Pandolfo. Wer hat es hergebracht. Der Diener ꝛc. 114 Blandina Truſſaldino ſollte es ſeinem Herrn geben. Truffaldino. Und Blandina gab es dem Truſſaldino. Bland.(fur ſich) Du Plaudermaul! Pandolfo. Was haͤlt mich, Du Unverſchaͤmte! daß ich— Blandina. Sie wollen mich ſchlagen? Ei, das leid' ich nicht. Pand.(geht auf ſie zu) Du antworteſt noch?— Bland.(im Ablaufen) Gut, daß Sie nicht laufen koͤnnen! Pand.(ihr nach) Wart, wart! Ich will Dir zeigen, daß ich noch laufen kann. 115 Zwoͤlfter Auftritt. Beatrice. Truffaldino. Truff.(fär ſich) Wenn ich mich nur davon machen könnte! Beatr.(fur ſich) Der ungeſtuͤme Silvio zweifelt trotz Roſau⸗ rens und meiner Berſichermg, daß ich ein Frauen⸗ zimmer bin. Truff.(ſchleicht fort) Er ſieht mich nicht. ) Beatriee. Wo willſt Du hin? Trafhaldimo. Ich bin ja da. 2 Beatrice. Warum haſt Du den Brief erbrochen? Truffaldino. Blandina hat es gethan; ich weiß von Nichts. Beatrice. Was Blandina! Du haſt es gethan. Spitz⸗ bube! zwei Briefe haſt haſt Du mir an einem 8* 116 Tage erbrochen. Da haſt Du Deinen Lohn da⸗ fuͤr.(ſie pruͤgelt ihn mit dem Stocke und geht ab) Truff.(ſchreit) . . Dreizehnter Auftritt. Truffald dino, hernach Florindo. Truffaldino. Das iſt nicht erlaubt! Wenn man mit ei⸗ nem Bedienten nicht zufrieden iſt, ſo kann man ihm ſeinen Abſchied geben—(hier tritt Florindo herein) aber pruͤgeln muß man ihn nicht. Florindo. Was ſagſt Du? Truff.(ach der Thuͤre) Das iſt nicht erlaubt, andrer Herren Be⸗ diente zu pruͤgeln. Das iſt ein Schimpf fuͤr mei⸗ nen Herrn, als wenn man ihn ſelbſt geprügelt haͤtte. Florindo. Wer hat Dich gepruͤgelt? 117 Truffaldino. Ich weiß es nicht; ich kenne ihn nicht. Florindo. Warum hat er Dich gepruͤgelt? Truffaldino. Warum?— Ich hatte ihm aus Verſehen auf den Schuh geſpuckt. Florindo. Und Du laͤßt Dich ſchlagen, ohne Dich zu wehren, und ſetzeſt Deinen Herrn einer Beſchim⸗ pfung, einer Verdrießlichkeit aus? Eſel! feige Memme! Wenn Du Gefallen daran findeſt, ge⸗ pruͤgelt zu werden, ſo will ich Dir dienen.(Er pruͤgelt ihn mit dem Stocke, den Beatrice liegen ließ und geht nach ſeinem Zimmer) Truff.(indem er ſich den Ruͤcken reibt) Nun kann ich mit Recht ſagen, daß ich zweien Herren diene; ich habe von beiden die Beſoldung in baarer Muͤnze empfangen. Flor.(kommt wieder) Den Schluͤſſel vom Kofſer, Dummkopf! 118 Truffaldino. Hier. Florindo. Haſt Du den Beutel und die Doſe hinein⸗ gelegt? Truffaldino. Die— die Doſe nicht. 8 Florindo. Gieb ſie her. Truff.(greift nach der Taſche und findet beide Doſen. Fuͤr ſich) Potz Wetter! da ſteckt auch die Doſe von meinem andern Herrn! welche iſt nun die rechte? Florindo. Nun, wird's bald? Truff.(ſur ſich) Gluͤck ſteh' mir bei!—(laut) Da! Florindo. Himmel! was iſt das?(er eroͤffnet die Doſe) Sie iſt's! Es iſt die Doſe mit meinem Portrait, die ich Beatricen gab. 119 Truff.(für fh) Es iſt die unrechte.—(raut) Hier iſt Ihre Doſe, aufzuwarten!(er giebt ihm die Doſe, Florindo ſetzt ſie auf den Tiſch) Florindo. Wie kommſt Du zu dieſer? Sprich! ſag' die Wahrheit, ſo lieb Dir Dein Leben iſt! Truffaldino. Ja, ja. Die Doſe gehoͤrt mir. Florindo. Dir? und woher haſt Du ſie bekommen? Truffaldino. Ich hab' ſie von meinem vorigen Herrn geerbt? Florindo. Geerbt? * Truffaloino. Ja, ich diente einem gewiſſen Herrn, der nun todt iſt. Er hinterließ mir verſchiedene Kleinig⸗ keiten, die ich verkauft habe, bis auf die Doſe. Flor.(fär ſich) Guͤtiger Himmel!(laut) Wie lange iſt dieſer Herr todt? 120 Truffaldino. Ungefaͤhr acht Tage. Florindo. Wie nannte er ſich? Truffaldino. Ich weiß es nicht; er hielt ſich incognito auf. Florindo.— Incognito!— Wie lange warſt Du bei ihm? Truffaldino. Kurze Zeit; zehn oder zwoͤlf Tage. Flor.(fur ſich) O ich Ungluͤcklicher! Sie war es; ich kann nicht laͤnger zweifeln.(aut) War Dein Herr jung? . Truffaldino. Sehr jung. . nnFlorindo. Er hatte keinen Bart? Truffaldino. Recht, keinen Bart.. Florindo. Woher kam er? 121 Truffaldino. Ich habe den Ort gewußt, aber wieder ver⸗ geſſen.. Florindo. Vielleicht aus Turin? Truffaldino. Recht, aus Turin. Flor. Afur ſich) Jede Sylbe iſt ein Dolchſtich! Caut) An wel⸗ cher Krankheit ſtarb er? Truffaldino. Es uͤberſiel ihn eine kleine Unpaͤßlichkeit— weg war er. Florindo. Wo hat man ihn begraben? Truffaldino. Er iſt gar nicht begraben worden— Florindo. Wie? Truffaldino. Hier nicht. Ein andrer Bedienter, ſein 122 Landsmann, legte den Koͤrper in eine Kiſte, und ſchaffte ſie nach ſeiner Vaterſtadt. Florindo. War dieſer Bediente etwa der, der Dir die⸗ ſen Morgen auftrug, Briefe von der Poſt mit⸗ zubringen? Truffaldino. Richtig. Pasqual! Flor.(fur ſich) Es iſt kein Zweifel mehr, ſie war es! Die Beſchwerlichkeiten der Reiſe, der Kummer haben ſie getoͤdtet.— Verdammtes Schickſal! Ich bin um Ungluͤck geboren.(geht in ſein Zimmer) Vierzehnter Auftritt. Truffaldino, hernach Beatrice. Truffaldino. Blitz! was bedeutet das? Er iſt ja ganz in Verzweiflung! Ich wollte doch nicht, daß ich ihm mit meinem Maͤhrchen den Kopf verruͤckt haͤtte! 123 Ich hab' es bloß gethan, um eine Pruͤgelſuppe zu vermeiden, und mich nicht ſelbſt zu verrathen. Potz!— da iſt der andre. Beatr.(mit einer Rechnung in der Hand) Pandolfo hat ſich geirrt; die letzte Sendung Spiegel und Wachs iſt zweimal in Rechnung ge⸗ bracht.— Biſt Du da, Taugenichts? warum ſo muͤſſig? Truffaldino. Ich wollte eben zum Eſſen gehn. Beatr. ſieht die Doſt) Was ſeh' ich? Truff.(fur ſich) Nun, was ſieht er denn? . Beatrice. Beim Himmel! Die Doſe mit meinem Por⸗ trait, die ich Florindo zum Gegengeſchenk machte. Er muß hier ſeyn.(aut) Wie kommt die Doſe hierher. 6 Truffaldino. Die Doſe gehoͤrt mir. 1424 Beatrice. Dir?— Narr! Truffaldino. Nein, nein, aufrichtig! ſie gehört mir. Ich diente hier in Venedig einem gewiſſen Herrn, der nun todt iſt, von dem hab' ich ſie geerbt. Beatrice. Biſt Du von Sinnen? Truffaldino. Ei nicht doch! Ich will kein Ehrenmann ſeyn, wenn's nicht wahr iſt. Beatr.(die Haͤnde zuſammen ſchlagend) Waͤr' es moͤglich!— Truff. A(fur ſich) Mit der Luͤge bin ich bei dem andern gut durchdekonmen; vielleicht geht's hier auch. Beatrice. Nenſch, ſ ſprich die Wahrheit! und antworte genau auf jede Frage: woher kam Dein voriger Herr? Truffaldino. Von— Turin. 125 Beatrice. Er ſtarb hier? Truffaldino. Hier.— Beatrice. Wie lange iſt das her? Truffaldino. Zehn oder zwoͤlf Tage— Beatrice.— Wie iſt das möglich? ich traf Dich ja in Verona an. Truffaldino. Ich war eben von Venedig hingekommen, da mein Herr geſtorben war. . Beatr.(fuͤr ſich) Ich Ungluͤckliche!(aut) Nannte ſich nicht Dein Herr Florindo? Truffaldino. Ganz recht, Florindo. Beatrice. Von Aretuſi? 126 Truffaldino. Von Aretuſi. Beatrice. Und er iſt todt?— Truffaldino. Mauſetodt. Beatrice. An welcher Krankheit ſtarb er. (Jetzt tritt Florindo herein) Truffaldino. Er fiel in einen Canal— Plump! weg war er. Funfzehnter Auftritt. Florindo. Beatrice. Truffaldino. Beatr.(erblickt ihn) Florindo! Florindo. Beatrice!(ſie ſtuͤrzen einander in die Arme) Truff. Gieht ſich zuruͤck) Potz Wetter! was iſt das?(und hinaus, ſieht aber zuweilen zur Thuͤre hinein) 127 Beatrice, Sie leben noch? Florindo. Sie ſind nicht todt? 1 An Beatrice. Ich todt? von wem bekamen Sie die Nach⸗ richt? Florindo. Von meinem Bedienten. Und wer meldete Ihnen meinen Tod? Beatrice. Mein Bedienter. Florindo. Die Spitzbuben! Meiner hat mir hundert Maͤhrchen von Ihnen erzaͤhlt. Beatrice. So der meinige von Ihnen. Florindo. Wir muͤſſen ſcharf unterſuchen, wer ihnen Anleitung gegeben, uns ſo zu beluͤgen. Sie wohnen alſo auch in dieſem Hauſe? 128 Beatrice. Ja; der Wirth weiß mein Geheimniß. Ich bin dieſen Morgen angekommen. Florindo.,— Auch ich. Und wir haben uns nicht eher geſehn! 5 Beatrice. Das Gluͤck hat uns vorher ein wenig quaͤ⸗ len wollen. Florindo. 2n Vor allen Dingen— lebt Ihr Bruder? Beatrice. 1448 Ach nein, er iſt leider todt. Ich reiſte un⸗ ter ſeinem Namen hierher, um die Kapitalien zu bekommen, die der Kaufmann Pandolfo, deſſen Tochter er heirathen wollts, von ihm in Haͤnden hatte. Dieß iſt geſchehen, wir ſind vereinigt, und daß Sie nicht der Moͤrder meines Bruders ſind, ſchon halb erwieſen.— Florindo. 3 Dieß weiß ich durch einen Brief an Sie. 129 Beatrice. Wie kam dieſer Brief in Ihre Haͤnde? Florindo. Ein Bedienter— wahrſcheinlich der Ihrige — hatte meinem Bedienten aufgetragen, fuͤr ihn nach der Poſt zu gehen, und die Briefe abzu⸗ holen.— Wo die Buben nur ſtecken moͤgen? Beatrice. Suchen Sie den Zuſammenhang von ihnen herauszubringen. Ich eile indeſſen nach Pandol⸗ fo's Hauſe, um die Unruhen, die ich dort un⸗ ter meines Bruders Namen anrichtete, zu enden, und ihnen unſere nahe Verbindung anzukuͤndigen. 8 Florindo. Meine Theure!(kußt ihr die Hand) 2 Beatrice. Bald bin ich wieder hier!(ſie geht ab)(Man hoͤrt ſie draußen vor der Thuͤre ſagen) Ha! biſt Du da?— Flor.(klingelt. Nach einer Pauſe kommt der erſte Aufwaͤrter.) Der Diener ꝛc. 9 130 Sechszehnter Auftritt. Florindo. Aufwaäaͤrter⸗ Aufwaͤrter. Was befehlen Sie? 4 Florindo. Laß Er meinen, und den Bedienten des an⸗ dern Fremden hereinkommen. Aufwaͤrter. Ich— ich kenne nur einen Bedienten, und— Florindo. Kennt Er meinen Bedienten nicht? Aufwaͤrter. Nein, der eine, den ich kenne, gehoͤrt, glaub* ich, dem andern Herrn. Florindo. Er war ja noch vor ſechs Minuten hier. Aufwaͤrter. Ich will in der Kuͤche nachfragen. Der ei⸗ ne, den ich kenne, ſpricht jetzt mit dem andern Herrn. 131 Florindo. Sie ſfollen beide herkommen. Siebzehnter Auftritt. Florindo, hernach Truffaldino⸗ Florindo. Wunderbare Dinge ſind mir an dieſem Tage begegnet. Klagen, Verzweiflung und zuletzt Ver⸗ gnuͤgen und Freude. Vom Weinen zum Lachen iſt ein angenehmer Schritt, mit dem aller Kum⸗ mer vergeſſen wird.(er fetzt ſich, ſtätt den Kopf auf den Siſch und denkt nach) Truff.(tritt reiſe herein) Mit dem weiblichen Herrn bin ich gut fertig geworden. Ich hab' alle Schuld auf Pasqual geſchoben.(laut) Das iſt doch eine ſchlechte Auf⸗ fuͤhrung! Der Herr bedarf ſeiner, der Herr geht aus, und er laͤßt ſich nicht ſehen! Florindo. Von wem ſprichſt Du? 9* 132 Truffaldino. Von Pasqual. Ich hab ihn lieb, er iſt mein guter Freund, aber er iſt ein dummer Kerl. Ich bin doch ein Bedienter, der ſo viel werth iſt, als zwei andre. 1 Florindo. Das wird ſich zeigen. Erklaͤre mir nun, warum Du mir die ſaubre Geſchichte von dem Todesfalle vorgelogen haſt Truffaldino. Pasqual erzaͤhlte mir, daß ſein weiblicher Herr im groͤßten Incognito bleiben wollte. Er gab mir die Doſe, um ſie ausbeſſern zu laſſen. Aus Verſehen gab ich ſie Ihnen, und um Pas⸗ qual nicht Verdruß zuzuziehen, wenn ſein Ge⸗ heimniß bekannt wuͤrde, erzaͤhlte ich Ihnen die Geſchichte. Ich konnte ja nicht glauben, daß Sie ſo viel Antheil an meiner Etgahluns neh⸗ men wuͤrden. dun nn Zlorinds. Derjenige alſo, der Dir auftrug, Briefe von 133 der Poſt zu bringen, war der Bediente von Fraͤu⸗ lein Beatrice? Truffaldino. Ganz recht, Pasqual. 4 Florindo. Aber warum haſt Du mir ein Geheimniß aus der Sache gemacht, da ich Dir doch ſo ernſt⸗ lich befahl, die Wahrheit zu ſagen? Truffaldino. Aus Liebe zu Pasqual, Florindo. Pasqual und Du, Ihr ſeyd Beide ein Paar Schurken..— Truff.(fur ſich) Ich werd's wohl allein ſeyn. 4 Florindo. Und ich wuͤrde ſehr wohl thun, wenn ich den Pasqual und Dich derb abpruͤgelte. Truff.(fär ſich) Dann bekomm' ich ſie fuͤr Pasqual mit.(laut) Ich will lieber die Schlaͤge allein nehmen, nur verrathen Sie meinen armen Pasqual nicht ge⸗ 134 gen ſeine Herrſchaft; machen Sie meinen armen Freund nicht ungluͤcklich. Flor.(fuͤr ſich) Der Kerl hat doch ein gutes⸗Herz.(laut) Nun, es ſey Euch vergeben. Truffaldino. Danke recht ſchoͤn. Nun hab' ich Sie noch um Etwas zu bitten. Florindo. O ja, zur Belohnung Deiner guten Auſſuͤh⸗ rung. 1 Truffaldino. Sie wiſſen ja, das Pasqual an Allem Schuld iſt. Florindo. Nun, worin beſteht die Bitte? Truffaldino. Ich armer Teufel bin auch verliebt. Florindo. Du biſt verliebt? 135 Truffaldino. Ja, und meine Geliebte iſt das Maͤdchen in des Herrn Pandolfo Hauſe. Florindo. Was kann ich dabei thun? Truffaldino. Da ich Ihr Bedienter bin, ſo koͤnnten Sie mit dem Herrn Pandolfo ſprechen.. Florindo. Will Dich denn das Maͤdchen? Truffaldino. Mit Kußhand.. Florindo. Gut, ich will es thun. Aber wie willſt Du eine Frau ernaͤhren? Truffaldino. Ich werde mich dem Pasqual rekommandiren. Florindo. Und ich rekommandire Dir Menſchenverſtand. Truff.(fär ſich) Nun, wenn ich den jetzt nicht gezeigt habe, 136 ſo wird es nimmermehr geſchehen.(er tritt zuruͤck, und ſpricht hernach mit Blandinen) Achtzehnter Auftritt. Vorige. Pandolfo. Beatrice. Doktor. Sikvio. Roſaura. Blandina. . Pandolfo. Vom Herzen Gluͤck, mein neuer unbekannter Freund! Ihre Ankunft hat uns Alle von großer Unruhe befreit. Gluͤck und Segen zu Ihrer Un⸗ ſchuld und zu Ihrer Heirath. Florindo. Bei welcher ich Sie erſuche, Vaterſtelle zu vertreten. Beatr.(zum Doktor und Silvio) Werden Sie nun glauben, daß ich ein Frauen⸗ zimmer bin? Doktor. Und ein ſehr raſches. Silvio. Ein ſehr edles. 5 Roſaura. Meine Freundin und Wohlthaͤterin! Pandolfo. Gebt Euch die Haͤnde, ihr Brautleute! Der Himmel ſegne Euch. Doktor.. Dann wollen wir ſehen, ob unſers Tebaldo Burgunder noch von der ehemaligen Guͤte iſt. Bland.(ſpricht mit Roſauren leiſe) Pandolfo. Nun iſt Alles in Ordnung! Truffaldino. Mit Erlaubniß! das Beſte fehlt noch. 4 Pandolfo. Nun, was fehlt noch? Truff.(zu Florindo leiſe) Sie wollten ja den Herrn Pandolfo wegen Blandinen fuͤr mich bitten. Florindo. Gut. 138 Truffaldino. Ich armer Teufel moͤchte auch gern Etwas fuͤr mich haben. Florindo. Mein Herr Pandolfo! ob es gleich das erſte Mal iſt, daß ich die Ehre habe Sie zu ſehen, ſo wage ich doch eine Bitte. Pandolfo. Befehlen Sie! Florindo. Mein Bedienter wuͤnſcht Ihre Blandine zur Frau. Bland.(fuͤr ſichl!) Oho! noch ein Freier. Pandolfo. Wenn das Maͤdchen ihn will, und es ein guter Kerl iſt— ſehr gern. Roſaura. Herr Florindo! eben wollte ich die Heirath meines Maͤdchens mit dem Bedienten Ihrer Braut vorſchlagen— Sie kommen mir zuvor, und ich ſchweige. 139 Florindo. Nein, Fraͤulein! wenn es ſo iſt, ſo geb' ich dem Herrn Pandolfo ſein Wort zuruͤck, und laſſe Ihnen voͤllige Freiheit. Truffaldino. 2 Das machen Sie gut! ſie komplimentiren mit einander, und ich bekomme keine Frau. Bland.(fär ſich) Dem Anſehn nach bekomme ich von Zweien Keinen. Pandolfo. Friſch, Kinder, macht die Sache aus. Dem armen Maͤdchen wird die Zeit lang. Florindo. Ihr Vorſchlag muß gelten, Fraͤulein! . Roſaura. Nein, der Ihrige. Truffaldino. Erlauben Sie! ich will Sie aus einander ſet⸗ 140 zen. Herr Florindo! haben Sie nicht Blandi⸗ nen fuͤr Ihren Bedienten begehrt? 3 Florindo. Ja. Truffaldino. Und Sie, Fraͤulein! haben Sie ſie nicht dem Bedienten der Fraͤulein Beatrice beſtimmt? Roſaura. Ja. Truffaldino. So gieb mir die Hand, Blandinchen. Florindo. Dir? Beatrice. Dir?* Roſaura. Ihm? Flor. Gu Beatr.) Meine Liebe, wo iſt denn Ihr Bedienter? . 4 Beatrice. Da ſteht er ja— Truffaldino. — 141 Florindo. al. Truffaldino?— Das iſt ja der meinige. Beatrice. Der Ihrige? heißt Ihrer nicht Pasqual? Florindo. Pasqual?— ſo ſollte Ihrer heißen. Beatr.(zu Truffaldino) Wie haͤngt das zuſammen? Truff.(bittet pantomimiſch um Vergebung) Beatrice. Ach Du Schelm! Florindo. Du Boͤſewicht, haſt zweien Herren zu glei⸗ cher Zeit gedient! Truffaldino. Ja— nur Schade, daß es nicht laͤnger ge⸗ dauert hat! Doch hab' ich durch meinen Einfall nur einen einzigen Vortheil erhalten— wenn's 142. einer iſt— eine Frau. Ich habe fuͤr beide Herren vollauf zu thun gehabt, ich bin von bei⸗ den gepruͤgelt worden, und bin bei beiden Herren ſo hungrig geworden, wie ein Wolf. Aber alle dieſe Unfaͤlle verſuͤßt mir Ihr Beifall! Ende des zweiten und letzten Aufzuges. ———————— — WMEnmnmmmnnaamnnnmnm Waunnnn TMIIqraaaaqmmmmm 15 1 MMIIaaanmmnnan . 1 ü 8 9 10 11 12 13 414 6 7 48