deutſcher, engliſcher und franzöſiſcher Literatur von Eduard Oktmann in Gießen, 1 Schloßgaſſe Lite A. Nr. 256. Leih- und Leſcbedingungen. 1. Offensein der Bibliothek. Die Bibliothek ſteht zur Em⸗ pfangnahme und Rückgabe der Bücher jeden Tag von Morgens 7 Uhr bis Abends 8 Uhr offen. 3 3 2. Lesepreis. Bei Rückgabe eines geliehenen Buches wird von ſſo jedem Tag 5 Pf. bezahlt. Die Zeit eines Tages iſt zu 24 Stun⸗ den angenommen. 3. Caution. Unbekannte Perſonen müſſen, bei Entgegennahme eines Buches, eine dem Werthe deſſelben entſprechende Summe hinterlegen, welche bei deſſen Zurückgabe von mir zurückerſtattet 3 wird.. 1 8 3 4. Abonnement.2 Daſſelbe zmuß voraus bezahlt werden und eträgt:— für nglchentlich 2 Bücher: 4 Bücher: 6 Bücher: —————— auf 1 Monat: 1 Mk. 50 Pf. 2 Mk.— Pf. 4 3„— 5. Auswärtige Abonnenten haben für Hin⸗ und Zurückſendung der Bücher auf ihre eigenen Koſten und Gefahr ſelbſt zu ſorgen. 6. Schadenersatz. Für beſchmutzte, zerriſſene, verlorene und defecte Bücher(namentlich bei ſolchen mit Kupfern ꝛc.) muß der Ladenpreis erſetzt werden.— Iſt das zerriſſene, beſchmutzte, ver⸗ lorene oder defecte Buch ein Theil êines größeren Werkes, ſo iſt der Leſer zum Erſatz des Ganzen verpflichtet. 3 7. Ausleihezeit. Dieſelbe iſt auf 14 Tage feſtgeſetzt und wird fr darauf aufmerkſam gemacht, daß das Weiterverleihen nicht ſtattfinden darf, indem Diejenigen, welche die⸗ geliehen, auch dafür zu ſtehen haben. —y—õ— oder die ſchrecklichen Geheimniſſe 0— Erſtes Buch. Te semper anteit saeva Necessitas, Clavos trabales et cuneos manu Gestans aëna; nec severus Uncus abest, liquidumque plumbum. Te Spes et albo rara Fides colit 5 Velata pannoe nec comitem abnegat, Utcunque mutata potentes Veste domos inimica linquis. HoR. e 1 n 9f— ur er ſich nieder auf der hohen Felſenſpitze, und zeichnete bewußtlos mit ſeinem Dolche E „Hauptmann, ſchaueſt doch ſo finſter in die Felſenſchlucht, als wollteſt du deſſen Tiefe mit einem Salto mortale ergruͤnden!“ edete, ſei⸗ nem tiefen Baß zu einem ſanfteren Tenor er⸗ zwingend, der eben kommende BarMSl, den Finſteren an. „3u verargen ſtaͤnde es mir aiht, Bar⸗ nelli, wenn die Luſt hinabzuſpringen, mir anwandelte.— Der geſtrige Kampf, bei dem ich wieder ſo manchen braven Kerl veilor, wird nur ein Vorbote des Kommenden ſehn. — Wie lange wird es noch dauern, und Dan 3 Italien eilt mit hoher Luſt dahin, wo Dder fucchtbare Corallo gemartert wird Von dieſem Gedanken tief erſchuͤttert, wanf ettete in den harten Stein. Berwundert ſah der Raͤuber eine Weile dem Spiele zu, alsdann konnte er ſich aber nicht mehr halten, dem d fief Sinuenden einen Vorwurf zu machen. „Haͤtte ich doch nie geglaubt, daß Coral⸗ lo zu einem Feigling herabſinken koͤnnte.“— „Feigling?“ fuhr dieſer auf; warf ſich aber unmuthig wieder zuruͤck, als er dem niitleidi⸗ gen Blicke ſeines Freundes begegnete.— „Ja, Hauptmann einer auserleſenen Schaar plotzlich ſo zaghaft ſeyn.— Doch unmoͤglich können die einige Mann welche wir geſtern verloren haben, dich in ie uͤble Laune verſe⸗ tzen. Wir ſind unſerer noch genug, um jeden deiner Plane rechtſchaffen auszufuͤhren.“ „Rechtſchaffen!“ wiederholte der trüͤbe llo bitter lachend.„Klingt mir doch das Wort in deinem Munde, wie der ſchaden⸗ frohe Ausruf eines Teufels, wenn er ſeinen Fang gluͤcklich davon fuͤhrt.“ tapferer Maͤnner, Feigheit beſchleit dein fruͤ⸗ her ſo muthiges Herz, ſonſt wuͤrdeſt du nicht „ Hauptmann!“ ſtand finſter drohend der 5 Sanft zog ihn Cora llo wieder neben ſich auf den harten Felſen nieder. „Lege nicht jedes meiner mißlaunigen Wor⸗ te auf die Wagſchaale des Cenſors,“ bat zu ei⸗ ner ſanfteren Stimmung uͤbergehend, der Haupt⸗ mann.„Verzeihe es meiner truͤben Laune, wenn ich dich beleidigt haben ſollte.“ „Hm, mit dem Teufel mich in Vergleich zu ſtellen,“ brummte dieſer in dem allertief⸗ ſten Baſſe—„ſo boͤſe bin ich doch nicht.“ „Gewiß, das biſt du nicht. Doch daß wir den Teufeln aͤhnlicher ſind, als den Men⸗ ſchen, wirſt du nicht leugnen konnen?— „Daß ſagt Dir dein bitterſter Unmuth 15 fuhr Barnelli auf's neue auf.„Daß wir den reichen Dickwaͤnſten den lleberfluß abneh⸗ men; oder wie neulich ein reiches Staͤdtchen in Contribution ſetzen; oder hin und wieder die Pfaffen ſchwitzen laſſen,— das kann un⸗ moͤglich Unrecht ſeyn. So zieht doch der aune Pilger vor uns ruhig ſeine Straße, mn wer uns nicht reizt, deſſen Leben iſt ge thuſt, berechnet werden ſollte, ſo verwette ich meinen Kopf darauf, Du ſtehſt hoͤher als der Papſt, den die Welt anſehuldigernriſ beilig nennt.“ Corallo ein lautes auflachen, mit der Be⸗ merkung, doch nicht unterdruͤcken, daß er auch bald hoͤher bängen koͤnnte als der Papſt zu Rom. 4341 „Belache mich nicht, Hanpiwann⸗ es iſt mein vöͤlliger Ernſt.— Doch, Teufel, da haſt du ja ein vollſtaͤndiges Wappen in den Felſen gegraben, und ſo recht kuͤnſtlich deinen Namen darunter geſet Felſen beſteigt, wird ſich uͤber deinen hohen Adel wundern!“ wandte, um den Hauptmann von dem vorigen Text abzuleiten, Barmelli das Geſpraͤch. „Dieſes Wappen ſahe ich dhenrm in der erHütte wo ich erzogen ward, an Kleinigkeiten; und es war immer fuͤr mich ſo anſprechend, ſo an⸗ maiß ich nicht.“ 86 Obwohl nicht dazu geſtimmt, ſo konnte Wer nach uns den ziehend, daß ich es allenthalben nachzumahlen ſuchte;— doch wie ich jebt dernui komms 8 chen zu erinnern.— Moͤge mein Auge aus . Wraulig ergriff det Raͤuber die Hand des Mißmuthigen.„Hauptmann, es iſt ein Fin gerzeig, daß du mir eendlich die Bitte gewäh⸗ ren, und mir deine fruͤhere Jugend und Juͤng⸗ lingsgeſchichte erzaͤhlen ſollſt. Oefterer haſt du es mir ſchon verſprochen, doch noch nie Wort halten koͤnnen; entweder ſtoͤrte uns der Zufall, oder andere Dinge traten ein, welche dich daran hinderten.“ Einen Blick in die weite Ferne werfend, ſtuͤtzte der Angeſprochene ſeinen Kopf in die hohle Hand.„Du haſt die rechter Zeit gewaͤhlt, brach Cdralldedas minuten⸗ lange Schweigen, mich an meinem Verſpre⸗ der dunkeln Vergangenheit zuruͤckſtarren in die. truͤbe Gegenwart, hin, zu der verzweiflungsvol⸗ len Zukunft. Finſter iſt meine Stimmung, finſter, ganz finſter, Alles um mich her, und 1 auch in dem, was ich Dir zu ehihlen Gäta finde ich keine lichte Staͤtte.“—* 4 aadinnan⸗, unterbrach ihn S „Aus meiner ganz fruͤhen Kindheit,“ fing Corallo an,„iſt mir nur ein Traum ge⸗ blieben, den ich vergebens feſtzuhalten mich be⸗ muͤhe, nach und nach ſcheint er mir zu ent⸗ ſchwinden.— Wielleicht war es nicht einmal ein Traum, ſondern nur ein Phantaſiegemaͤlde des kranken Knaben. Ich war zu ſehr Kind, um Wirklichkeit von einem Trugbilde zu un⸗ terſcheiden.—— Als ich meines Verſtan⸗ des bei gewoͤhnlichen Bauersleuten maͤch⸗ tig ward, erinnerte ich mich, auf einem alten Schloſſe geweſen zu ſeyn, wo es recht pracht⸗ voll war. Ein junger ſchoͤner Mann den ich Papa nennen mußte, trug mich immer auf ſeinen Armen, und ſtillte damit meine Thrä⸗ naen, daß er, wenn ich zu weinen anfing, mit mir in den nahen Wald ſpazieren ging.— So nahm er mich einſtmals als ich wieder weinte auf ſeinen Arm, und ging mit mir den gewoͤhnlichen Spaziergang nach dem Wal⸗ de; ich ſchlief ein— wie ich erwachte— be⸗ fand ich mich auf einem Bette in einer Bauern⸗ hoͤhle. Zwei alte Leute ſtanden vor mir. Ich weinte und ſchrie und rief nach dem Papa. ſerm jetzigen Raͤuberleben auch nur Traum.“ hatten einen Menſchen, ein Deutſcher von Ge⸗ burt, ins Haus genommen, der mir in Wiſ⸗ dung des Koͤrpers gehoͤrten, Unterricht erthei⸗ len mußte. Oft nahm auch Laurette, ne Spielgefaͤhrtin, Theil an dieſem Unterricht 9 Mit Schlaͤgen ward ich beruhigt, und mir ein: geſprochen, daß ich ihr Kind ſey. Um dieſes wahrſcheinlicher zu machen, hieß es, ich waͤre recht krank geweſen, und haͤtte das, was ich fuͤr Wirklichkeit hielt, nur getraͤumt. Ich er⸗ hielt ſchoͤne Sachen, und glaubte endlich ſelbtt daß ich recht krank muͤßte geweſen ſeyn, wo⸗ durch in der Huͤtte mir alles ſo fremd gewor⸗ den. Als ich nun auch bald eine Spielgefaͤhr⸗ tin, in der Tochter armer Leute, erhielt, wel⸗ che einige Jahre juͤnger als ich, als Pflegetoch⸗ ter von meinen Eltern angenommen wurde— da trat das Bild immer mehr und mehr in mich zuruͤck. Barnelli es war nur Traum „Nun, Hauptmann, wenn das nur Truum war,“ meinte Barnelli—„ſo iſt's mit un: „Die Eltern, welche ſehr beguͤtert waren, ſenſchaften und andern Dingen, die zur Bil⸗ Palm), mein Lehlz ward auth mein Freund, — o hatte eriſich Upon mir entfernt. Ihm erzaͤhlte ich zuweilen en Kindertraum, und er bewies mir deutlich, daß war. Schnell verfloſſen mir die Kinderjahre, ich trat ins Juͤnglingsalter, und alles geſtal⸗ tete ſich anders in und um mich herum. War es nun die Gewohnheit des ſteten Zuſammen⸗ ſeyns, oder war es die erwachende Sinnlich⸗ keit— genug, ich fing an, Lauretten, mit andeten Augen zu betrachten. Auch ſie ſchien es zu fühlen, daß ſie ſich einem Alter naͤhere, in dem man gewiſſe Wuͤnſche vergebens zu unterdruͤcken ſucht. Unſere kindlichen Spiele, verwandelten ſich nach und nach in ernſthaftere Geſpraͤche und es dauerte nicht lange, ſo ſchwu⸗ ren wir uns, ewige Liebe und Treue. Wohl hatte Palm unſere keimende, und hernach zu hellen Flammen ausgebrochene Liebe bemerkt, doch hielt er es nicht fuͤr noͤthig, dieſer ein Hinderniß in den Weg zu legen, weil er uns den Eltern einverſtanden glaubte. Doch bald ſchien er das Gegentheil zu bemerken, Ses auch nur Traum denn ploͤtzlich gab er mir bedeutende Winke, — oher Geiſtlicher der in fruͤherer Zeit uns zwnr 11 — mit, Lauretten den vertraulichen Umgang aufzuheben, ich verſtand ihn nicht ehen, als bis ich gewaltſam aufgeſchreckt wurde, Nalm mußte uns, Erbſchaftsangelegenheiten wegen, auf einige Zeit verlaſſen, o haͤtte er tes doch nicht gethanſo waͤre ich noch—— doch ich will nicht klagen, es mußte ſo kommen. Palm hatte uns ſchon laͤngſt verlaſſen, als mein Va⸗ ter mich einſt zu ſich rief⸗„,Hoͤr', junger Bu⸗. e hob er ſeine barſche Rede an,„es ſcheint, als wenn Du mit der Laurette ernſthaft zu liebäͤugeln anfaͤngſt; ich hoffe, es wird vorbei ſeyn; wenn ich Dir ſage, daß aus Dir und Lauretten nie etwas werden kann.“ Ich wollte Gruͤnde wiſſen, und als mir die vorent⸗ alten wurden, bat und flehete ich„doch nicht ſo ſtarrſinnig auf mein Ungluͤck zu beſtehen, und bewirkte endlich, daß mein Vater ſchwur: daß Laurette heute noch das Haus verlaſ⸗ ſen muͤßte. Verzweiflungsvoll warf ich mich in die Arme der Mutter, und batt ſie moͤchte bei dem Vater nur bewirken, daß Laurette bei uns bliebe. Zu meiner Huͤlfe erſchien ein⸗ ſelten, ſeitdem Palm aber fort war, täͤglich beſuchte. Bald erfuhr er den Vorgang der Sache. Sogleich eilte er zu dem Vater, der im Garten arbeitete— er kam mit der begluk⸗ kenden Nachricht zuruͤck, daß Laurette blei⸗ ben ſollte. In dem erſten Rauſch ſtuͤrzte ich vor ihm nieder, und bedeckte ſeine Haͤnde mit Kuͤſſen. Doch nun erfuhr ich auch, daß ich die Zuruͤckkunft Palm's nicht erwarten, ſondern binnen kurzer Friſt, nach Piacenza, zur Univerſitaͤt geſchickt werden ſollte. O, waͤre ich doch gleich, gleich in der naͤmlichen Stun⸗ de abgereiſt.— Es mußte ſo kommen!— Meine Abreiſe verzoͤgerte ſich.— Doch taͤg⸗ lich wurde mir das Betragen Laurettens raͤthſelhafter. Oft zog ſie ſich mit maͤdchen⸗ hafter Scheu von mir zuruͤck; oft gab ſie zi: traulich anſchmiegend, ſich mir dahin, und auf mich kam's dann nur an, ſie ganz mein zu nennen;— doch ihre Unſchuld war mir hei⸗ ig. Fand ich ſie mit verweinten Augen und zerrungenen Haͤnden, ſo gab ich's dem Zwange⸗ der Eltern Schuld. Doch auffallend war es 5 mir, daß 6 jedes Mal na. der Entfemmung ————— Dabei hoͤrte ich das zaͤrtliche Gekoͤs der Lip⸗ 13— des hohen Geiſtlichen, der uns mit ſeiner emi⸗ nenſiſchen Gegenwart taͤglich beehrte, trauri⸗ ger, oft untroͤſtlich erſchien. Ich forſchte und bat um mehr Vertrauen, und nach einiger Ver⸗ legenheit geſtand ſie mir ſtotternd, daß Emi⸗ nenz ſie gewaltſam zwingen wolle, von mir abzulaſſen; und dieſes griff ſie ſo ſehr an. Mit dem feſten Vorſatze, den guten Mann zu bitten, meine Laurette mit ſeinen Reden nicht mehr zu quaͤlen, kehrte ich einſt von ei⸗ ner kleinen Reiſe ins vaͤterliche Haus zuruͤck. Als nichts ſeltenes vernahm ich von dem Haus⸗ geſinde, das die Eltern abweſend, dagegen Laurette mit Eminenz im Garten ſich be⸗ faͤnde. Ich eile dahin, trete, von einer boͤ⸗ ſen Ahnung befallen, hinter eine dichtverwach⸗ ſene Laube, und hoͤre verdäͤchtiges Gefluͤſter. — Barnelli, ich war verrathen! Verrathen von denen, die ich ſo liebte.—„O, wie liebe ich Euch!“ fluͤſterte die ſchaͤndliche Heuchlerin. „Ach, ihn konnte ich auch nie recht gut ſein; der Schein iſt mir ſchwer genng geworden! pen. Dieſes brachte mich an den Rand de Verzweiflung. Gewaltſam duachbrach ich die Laube, erſchrocken fuhren die Ueberraſchten aus der Umarmung auseinander; ausgelaſſen in der Wuth, ziehe ich mein, noch von der Reiſe her, geladenes Terzerol,— ich ziele— und gut getroffen ſtuͤrzte Laurette nieder. Mit dem einen Mord noch nicht zufrieden, war auch der Balch von dem Blute der Eminenz bald geroͤthet. Roͤchelnd ſtuͤrzte dieſer neben Lau⸗ rette nieder. Kaum war die letzte That ge⸗ ſchehen, ſo kehrte meine Beſinnung wieder. Grauſend uͤberſah ich die ſchauderhafte Scene; Ich hob den, meinen Haͤnden entſunkenen Dolch wieder auf, um ihm gegen mich ſelbſt zu wendem Doch indem entwindet ihn mir ine ſtarke Fauſt. Ich ſehe mich um, und ein Knervöſer Moͤnch hielt mich umfaßt.„Du! biſt Afür den Galgen reif genug, und ſollſt ſo nicht ſterben! rief er mir zu, und ſchrie nach Huͤlfe. So verhaͤßt mir auch in dem Augenblick das Le⸗ ben war, ſo wollte ich doch auf die angedrohete Arxt nicht ſterben. Ich rang mit dem Moͤnche, und bald war ich von ſeinen umſchlingenden men befreit. Ich eilte ins Haus, beſtirg 15 das noch nicht bgeſattelte Pferd, und jagte 3 3 ohne eine beſtimmte Richtung zu nehmen, da von. Ermattet ſtuͤrzte das Pferd zuſammen, — doch noch war ich nicht ſicher. In jedem, der von ohngefaͤhr meinen Blicken begegnete, ahnete ich einen Verraͤther. Der doppelte Mord dachte ich, koͤnnte mir jeder von der Stirne leſen.—— In Abruzzo's wilden Felſen⸗ ſchluͤchten fuͤhlte ich mich erſt ſicher. Hier warf ich mich auf einen Felſen weinend nieder. Ich uͤberdachte mein Schickſal, und mir ſtan: den die Haare zu Berge.— Mehrere Tage hatte ich ſchon ohne Nahrungsmittel zugebracht, und noch wußte ich es nicht, womit meln Hun. ger geſtillt werden ſollte. Von Hunger, Angſt und den furchtealhen Anſtrengungen ermattet, ſchlief ich endlich ein. Wilde Traͤume ließen mir den Stachel des Gewiſſens doppelt fuͤhlen. Bald fuhr ich er⸗ ſchrocken in die Hoͤhe, waͤhnend, die Gemorde⸗ ten ſtaͤnden vor mir und forderten Rache; bald ſchlug ich wild um mich her, um von den Sbirren mich zu befreien, die mit mir Rabenſtein entgegeneilten; feſt hielten ſi 16 umfaßt;— ich erwachte, und finde mich nun in der Wirklichkeit von furchtbaren Geſtalten umgeben. Bald erkannte ich ſie fuͤr daß, was ſie waren; ihr Geſicht log nicht. Die mord⸗ ſuͤchtigen Blicke, die ſie umherſpruͤhten, ver⸗ rieth ihr Handwerk.„Kamerad,“ redete der Anſehnlichſte von ihnen, der Hauptmann mich an,„Du haſt ſchwer getraͤumt!“ „Mein Leben iſt mir noch ſchwerer,“ war die Antwort.„O, wenn ſich noch menſchliches Gefühl in Euch regt,“ bat ich ſie,„ſo gebt mir einen ſchnellen Tod.“ Lachend meinten die Raͤuber.,„dazu waͤre ich noch zu jung.“ Dabei wurde ich dringend von ihnen aufgffordert, an ihrem Mahle Theil zu nehmen. Mit der Befriedigung des Magens, kehrte auch die Luſt zum Leben in mich zuruͤck. Die mmit gutem Weine gefuͤllten Flaſchen, gingen rund— ich ward aufgeregter.— Bald wuß⸗ ten die Raͤuber, wer und was ich war. Sie ſpotteten meiner Angſt, und nahmen mich P gezwungen, halb freiwillig mit nach — ole Kaum dort angekommen, nüßen 1 *— 1.. 8 8 85 mir ein Räubet, Ii eben von einer Reiſe zu⸗ 4 jent ſeh 9, e. ruͤckgekommen war; er ſchien mich genau zu 3 muſtern; ich wurde derlegen.„Sey nur ruhig,” ſuchte er mich endlich zu troͤſten,„hier bei uns biſt du ſicher!" Wie? ſtotterte ich aͤngſtlich hervor. Lachend zeigte er mir ein gedrucktes Blatt, welches, wie er ſagte, in allen Zeitun gen und Gaſthoͤfen zu finden waͤre.„Ja, ja, ein ſolches Blaͤttchen jagte auch mich hier her ſetzte er laͤchelnd hinzu. 15 Barnelli, denke dir meine Lage, wie ich in dem Blatte als zwiefacher Moͤrder mich ge⸗ nau beſchrieben finde. Hundert Zechinen war die Belohnung desjenigen, der mich todt bder 8 lebendig an die Behoͤrde, wo die Mordthaten— geſchehen waren, auslieferte⸗— Beſinnungs. los ſtuͤrzte ich nieder; wie ich wieder zu m ſelbſt kam, gelobte mir der Hauptmann Si cherheit, wenn ich ihm den Eid der Treue ſchwoͤren wuͤrde„ im anderen Falle, koͤnnte et für nichts einſtehen— weil hundert Se. chinen eine zu lockende Speiſe waͤre.— Di Lebensluſt war bei mir aufs neue erwacht.— Ich ſchwur!—. 18 4 „Teufel, horchte B. arn hli ec auf, Haupt⸗ mann, hoͤrſt dus niht das Sannelß ienal dit „Hauptmann,“ kam ein Raͤuber herbeige⸗ ſtuͤrzt,„die Poſten vom Waldgebirge melden, daß der Feind wieder im Anzuge ſey.“ „ So gilt es Sieg oder Tod!“ ſprang Co⸗ rallo auf, und begab ſich mit den Beiden zu den uͤbrigen Cameraden, die ſich ſchon voͤl⸗ iig bewaffnet vor der Höhle verſammelt hatten. „Cameraden 7 wandte Soralid ſich im 1 feierlichen Ton an die Raͤuber,„die feigen Miieethlinge, welche wir geſtern in ſchimpfliche Flucht iagten, kehren heute, wahrſcheinlich mit bedeutender Verſtaͤrkung, zuruͤck. Da wir uns hier auf den Felſen nun wohl noch einige Zeit, aber doch nicht auf immer halten koͤnnen, ſo laßt uns herabſtuͤrmen zwiſchen die Feigen, und wenn es uns moͤglich iſt, uns durchzu⸗ ſchlagen ſuchen, geht es nicht, daß ihre Glie⸗ der vielleicht zu feſt geſchloſſen bleiben,— ſo ſterben wir doch wenigſtens als freie Mannerle 19 „Als freie Maͤnner!“ ſchallte es aus dem Munde Aller. Muſternd flogen die Blicke Corallo⸗s uͤber die Schaar; doch tief zogen die Braunen ſeiner Augen ſich zuſammen, als er noch ein Mal, dann wieder ſeine Blicke umherſchwei⸗ fen ließ. „Murano, Ca ffand und mehrere noch fehlen ¹ brach er los. „ Die vier tapfern, welche von denen, die den Sieg entſchieden, uͤbrig geblieben, ſind 1b von dem geſtrigen Kampfe noch nicht zuruͤck⸗ gekeyrt;“ trat ein Rauber hervor. muthig ſchüͤttelte Corallo den Kopf⸗ 4. Indem fielen drei Schuͤſſe, von den Bet: gen wurden ſie beantwortet. ¹„Das ſind Cameraden! rief einer der Raͤu⸗ ber, und eilte auf den Wink des Hauptmanns fort. Er kam auch zuruͤck. „Hauptmann,“ trat Murand ihm eht ietig entgegen, werzeihe, daß ich mit meinen 4 Cameraden ohne deine Erlaubniß recognosciten 2*— — bald mit den Vermißten ging. Ich komme mit wichtigen Nachrichten zuruͤck.“ „Du weißt,“ antwortete Corallo ernſt, „welche Strafe darauf ruhet, wenn jemand von euch eine Handlung ohne meine Erlaubniß 5 unternimmt, wobei Blut vergoſſen werden koͤnnte?“ anl an „Der Todt!“ antwportete edrillo trotzig, und ſtampfte dabei die Kolbe ſeiner Buͤchſe in die Erde.„Wir haben deine Befehle uͤbertre⸗ ten, nun morde uns.“ „Dich trotzköpfigen Aufruͤhrerkenne ichſchon! Fuhrt ihn in die Höhle! befahl Coxallo. 3 Mehrere der Rauber traten hervor, um für Pedrillo zu bitten; doch ein bedeutender Wink Corallo's ſcheuchte ſte zuruck. Der Raͤuber ward abgefuͤhrt. „Muran o, was bewog Dich von uns ab⸗ zugehen fing der Hauptmann ſeine Unter⸗ ſuchung an. „Deiner Ordre gemaͤß,“ vertheidigte Mura⸗ no ſich mit ernſtem Anſtande,„mußte ich ge⸗ ſtern mit meinen zehn Cameraden im Hinter⸗ halte verſteckt, des Signals harren, welches 21 Du mir zu geben verſprochen hatteſt; wenn ich nach Deinem Gutbefinden hervorbrechen ſollte. In dem Buſchwerke vor jedem menſch⸗ lichen Auge zwar ſelbſt verborgen, bemerkte ich aber doch, daß einige feindliche Soldaten ſich feige hieher zuruͤckgezogen hatten, um— wie ſie ſich ſelbſt ausdruͤckten— vor den Schlaͤ⸗ gen der Raͤuber geſichert zu ſeyn.“ „Bruder,“ ſagte der eine,„wenn die ver⸗ ſprochene Verſtaͤrkung nicht bald koͤmmt, ſo finden ſie nichts mehr zu thun. Denn die Räuber ſind ſchon wie ein Knaul zuſammen⸗ gewickelt.“ Hier hatte ich meine große Noth, die Cameraden zu beſchwichtigen, welche durch⸗ aus hervorbrechen wollten.„„Wir 44 fing der andere Soldat wieder an,„„wollen nicht eher aus unſerem Verſtecke hervorkommen, bis die Räͤuber voͤllig beſiegt ſind.“„Hm,“ ſetz⸗ ten ſie ihr Geſpraͤch fort,„wenn die Raͤuber gewußt häͤtten, daß der Weg nach Pistoja unbeſetzt war, ſo haͤtten wir ſie gewiß nicht getroffen.“„Ich wollte,“ ſagte der erſte,„ſie haͤtten es gewußt; dann waren wir doch der * hier zu ſitzen, uͤberhoben geweſen.”" „„Ha, hoͤre!““ rief ploͤtzlich der andere, „„die unſern rufen Sieg! gewiß iſt der⸗ Raͤu⸗ bercheff gefallen““““ Jetzt war unter meinen Leuten kein Halten mehr. Mit dem Ausrufe: es lebe Corallol ſprangen ſie aus dem Ver⸗ ſteck hervor. Die feigen Soͤldlinge wollten er⸗ ſchrocken fliehen, doch zwei gutgezielte fortge⸗ ſchickte Kugeln, ſtreckte ſie nieder⸗ 8 „Wir kamen in den Augenblick auf den Kampfplatz an, wo ſie Dich, Hauptmann, ſchon gefangen zu haben glaubten.““ „Den Erfolg kennſt Du.“ Die paͤbſtlichen Soldaten ſtutzten asfangs⸗ fachten hernach aber deſto tapferer, weil ſie ihr voreilig gerufenes Victoria nicht zu Schan⸗ den wollten werden laſſen. Zogen ſich aber dennoch zuruͤck, weil der Succurs ausblieb. Von den zehn Cameraden, die Du mir zu⸗ getheilt hatteſt, ſind mir nur Caſſano, Pe⸗ drillo und Ternelli uͤbrig geblieben.“ „Fuͤnfe der Braven,“ unterbrach ihn Bar⸗ nelli,„haben wir auf dem Platze todt ge funden, 2 von ihnen ſind aber nur leicht — 23 „Wir verabredeten unter uns,“ fuhr Mu⸗ rano fort,„den zuruͤckgezogenen Feind von Ferne zu beobachten, um zu ſehen, ob ſie wirklich Berſtaͤklung zu erwarten hattem dder nicht.“— „Die erhorchte Nachricht beſtaͤtigte ſcch 7u „Die Geſchlagenen, welche verfolgt zu wer⸗ den befuͤrchten mußten, zogen ſich immer wei⸗ ter zuruͤck. Ploͤtzlich machten ſie Halt. Wir ſchleichen heran, und ſehen nun von einer na⸗ hen Felſenſpitze aus, auf eine große Ebene, daß das kleine, ſich zuruͤckgezogene Haͤufchen, ſich in einen großen Haufen verwandelt hatte. Nicht weit davon hatte ſich Cavallerie gela⸗ gert. Dieſes war der Weg nach Fireſt⸗ zoula. Doch unſer Erſtaunen nahm zu, als wir auch bei Montopeſaz. den Weg nach Valgaterra, ſogar nach Pelago hin, Sol⸗ daten fanden. Wir waren allem Anſchein nach umſtellt. Schon Willens Zuruͤckzukehren, um mit Dir zugleich zu ſterben, erſchien, wie von unſichtbaren Geiſtern getragen, ein Weib vor — icher Geſtalte die von einem Helen 24 rief ſie mir zu:„nſags Deinent Sauptmann, daß nur der Weg nach Pistoja ihm offen ſtaͤnde!““, damit verſchwand ſie. Nun erin⸗ nerten wir uns aufb neue der erhorchten Ge⸗ 6 ſpraͤche der Soldgtea die E diiſe zu beſtaͤtigen ſchienen.“. 8 „Wie ſahe das Weib aus 20 fa Eoral lo haſtig. „Ich weiß Dir nur das wefßflatlende Ge⸗ wand zu beſchreiben, und ihr Geſicht, wel⸗ 8 ches von dem Monde hell beſtrahlt, weiß wie Schnee mir ſchien; und ihr Haar, das in re⸗ gelloſe Locken wild um den Nacken hing, und ihren Anſtand, der einem Geiſte anzugehbren ſehien. Kurz, ich weiß Dir nichts weiter von ihr zu ſagen, als daß ſie dem Leben nicht 6 mehr anzugehoren ſchien.⁴ 3 Barxnelli ſah den Hauhnuun hedeu⸗ tend an.. 1 „Weiter, weiter befahl Corallo heftig· „Haſt Du den Weg nach Pistoja, ins Tod⸗ caniſche, unterſucht.“ „Miit der groͤßten Anſtrengung/“ fuhr 1 Td rano fort,„ward es uns nur moͤglich, in der 25 Schnelligkeit die Gebirge quer zu durchwan⸗ dern. Doch nun kann ich Dir die Nachricht geben: daß der Weg ins Toscaniſche uns of⸗ fen ſteht. Unſere letzte kuͤhne That ſcheint den ganzen Kirchenſtaat gegen uns aufgefordert zu haben.“ „Wie ſtark haͤltſt Du den Feind?“ frug ſin⸗ nend der Hauptmann. „Die ich geſehen habe,“ meinte Murano, „ſchätze ich an Stellen zu tauſend Mann. Die Cavallerie, welche uns nun wohl uihi viel ſchaden kann, ungerechnet.“ „Wie viel ſind wir unſerer?“ ₰ „Mit den vier verwundeten und den gefane genen Pedrillo, zaͤhlen wir 41 Köpfe. Doch die Weiber ungerechnet,“ anl wortetena Bar⸗ nelli. 3 Corallo verſank in ein nachdenkendes Sinnen, doch ploͤtzlich fuhr er auf. kuͤhnheit von mir, Euch zum Kampfe uͤberre⸗ „Cameraden!“ hub er an,„es waͤre Toll⸗ den zu wollen, da uns ein anderer e unaus 26 Wahl uͤberlaſſen, ob ihr bleiben und kaͤmpfen, oder fortziehen und eine andere Wohnung ſu⸗ chen wollt.“ 5 „Dein Wille, iſt unſer Wille!/ trat ein be⸗ 4 narbter Räuber hervor, der ſich fuͤr die Uebri⸗ gen zum Redner aufwarf.„Fuͤhrſt Du uns zum Kampf, ſo folgen wir Dir gern; haͤltſt Du es aber fuͤr gerathener, daß wir uns zu⸗ rüͤckziehen ſollen, ſo folgen wir Dir auch darin.“ „ Iſt das euer Aller Meinung?“ Einſtimmig riefen ſie:„es lebe der Haupt⸗ mann! Sein Wille, iſt unſer Wille!“ „So hoͤrt denn meinen Willen,“ fing der Hauptmann an.„Wir ziehen von dieſem Ge⸗ birge hinweg, durch das Toscaniſche Großher⸗ zogthum, dem Kirchenſtaate, wd es fuͤr uns zien n dine und nach Apulien hin, nſhe wißt, in der Richtung Dragona⸗ s liegt die große Felſenhoͤhle.—"„) „Wir kennen ſie ſchon!“ riefen mehrere Stimnuen,„wir haben ſie fruͤher bewohnt. „Dahin ziehet! uI beorderte ſie nun Corallo! „Verkleidet Euch in alle moͤgliche Geſtalten, und die Balleyöhle in Apulien ſey usſe 27 — kuͤnftiger Sammelplatz. Du, Murano, vertrittſt waͤhrend meiner Abweſenheit meine Stelle; Caſſano ſey Dir der Naͤchſte. Dir Ternelli vertraue ich die Kranken an; ſchaſſe dieſe nach Florenz. Die Weiber moͤgen mit nach Apulien ziehen. Enthaltet Euch, ſo lange ihr unterweges ſeyd, allem Unfugs. Solltet ihr auch vor mir in der Hoͤhle an⸗ kommen, ſo enthaltet Euch doch jeder großen That. Die Geſetze kennt ihr; eine jede Ueber⸗ tretung wird mit dem Tode beſtraft. Bar⸗ nelli und Torquano, ihr bleibt bei mir.“ „MUnd Pedrillo?“ wagte Caſſano end⸗ lich zu erinnern,„ſollen wir ihn zurcklaffen, oder—“ „Schon mehrere Male habe ich ihn bei aufruͤhreriſchen Reden ertappt,“ ſagte Corallo verdrießlich—„doch es ſey ihm auch dieſes Mal verziehen. Kuͤndigt ihm ſeine Freiheit mit dem Bedeuten an! daß er küuftig beſſa Behorſammen lernen ſollte.“— 28 „Vergebens ſuchte der Anfuͤhrer der Caval⸗ lerie, den Major de la Rova zu bewegen, gegen den Bergruͤcken, wo man die Raͤuber vermuthete, vorzuruͤcken. Dieſer, der noch von geſtern her ſeine Leute kannte, ſchob den An⸗ griff bis zu dem anderen Morgen auf, damit ddie Leute, welche mit den Raͤubern ſchon ge⸗ kaͤmpft biltane ſich erſt gehoͤrig euhohlen moͤchten. 1 Der Tag brach an. 1¹ 1 Nicht frei von Herzpochen, ordneten die Anfuͤhrer ihre Schaaren; unter den Letzten waren Manche, die ſich weit von den Appe⸗ ren wuͤnſchten; denn mit Schaudern hatten meraden erzaͤhlen laſſen: wie die Raͤuber ſo Nur ihre Mengezahl konnte ſie troͤſten, und waͤrtsſchreiten bewegen. ninen hinweg, nach— ihren Standquartie⸗ die Neuangekommenen es ſich von ihren Ca⸗ ſicher ſchießen, und ſo fuͤrchterlich kaͤmpften. die eingepruͤgelte Subordination ſie zum Vor⸗ So viel wie moͤglich ſchritt die Infanterie 5 geſchloſſen vor; die Cavallerie folgte in gemeſ⸗ ſenen Schritt. Die voran geſchickte Spitze⸗ —— auuh vrzalt/ und darin bäſcloſſen: 1 29 von dem muthigen Lieutnant Franci ange⸗ fuͤhrt, naͤherte ſich dem Aufenthalte der Raͤu⸗ ber immer mehr. Den geſtrigen Kampfplatz hatten ſie ſchon laͤngſt uͤberſchritten, und noch hatten ſich keine Raͤuber ſehen laſſen. Vorſichtig naͤherte ſich Franci dem Berg⸗ ruͤcken, wo er die Raͤuber gewiß zu finden glaubte. Doch verwunderungsvoll fand er auch hier keinen Feind. Schon glaubte er, daß die Raͤuber, trotz ihren Maaßregeln und Umſtellungen, entwiſcht waͤren, als er oben auf der Felſenſpitze einen Raͤuber gewahrte, der mit dem Ruͤcken ihm zugekehrt, Poſten zu ſtehen ſchien. Dieſes bewies ihm, daß die Raͤuber ſich ganz in ihre Hoͤhle zuruͤckgezogen hatten, und vielleicht nur den Felſen zu ver⸗ theidigen ſuchten. Der Felſen hatte nur einen Aufgang und er hielt es fuͤr zu gewagt, die Beſtuͤrmung der Hoͤhle allein zu unternehmen. Es wurde rapportirt, und bald war der verlangte Succurs angelangt. Es wurde Krie⸗ den ſteitee Pfad erglimmen ſollte, ein ande⸗ rer Theil, den Felſen, ſo zum Schein nur⸗ auf der anderne Beite ſißrmen ſollte. Doch dieſer Schein⸗Sturm wurde„, da ſie keinen Wider⸗ ſtand ſanden, zu einem wirklichen Sturm, und recht muthig drangen die tapfern geiſtli⸗ chen Soldaten vorwaͤrts. Ein paniſcher Schrecken uͤberfiel ſie aber, als ſie oben, auf der Plane des Felſens angekommen, von je⸗ ner Seite her, eine regulaire geordnete und gut bewaffnete Schaar auf ſich zukommen ſa⸗ hen. Schon wollten ſie, von einer ploͤtzlichen Angſt und Furcht getrieben, eine retrograde Bewegung machen, als ſie— ihre eigenen Ca⸗ meraden erkannten. Jubelnd vereinigten ſich die Paͤbſtlichen. e e Wuͤthend uͤber den geſpielten Betrug der Räuber, befahl Franci den Naͤuberpoſten, der ihnen zum Trotz ſeinen Ort noch nicht veraͤndert hatte, und wie es von Ferne ſchien, ſie haͤmiſch belachte, lebendig einzufangen. Auch de la Rova war waͤhrend deſſen an⸗ gekommen, und verwunderte ſich nicht wenig, ohne Blutvergießen Herr des Platzes gewor⸗ — 31 den zu ſeyn; doch wie ſtieg ſein Beannen, als die Leute nun auch mit dem ausSeſtellten Raͤuber angeſchleppt kamen, o man in ihm nichts weiter, als— eine gut gekleidete Pu e fand.— 5 Fluchend vernahm der Anfuͤhrer der Caval⸗ lerie die Nachricht, und machte aus Verdruß dem de la Rova den Vorwurf der Saum⸗ ſeligkeitt.. Aufs neue wurde Kriegesrath gehalten, und— nichts beſchloſſen. 11 Entwiſchen koͤnnen ſie nicht, verſicherte der Major, denn allenthalben ſind ſie umſtellt. Wenn wir zuruͤckkehren, koͤnnen ſie viellei cht ſchon gefangen eingeliefert ſeyn.. Jetzt nahm man die Durchſuchung der of⸗ fenſtehenden Hoͤhle vor, in dem Wahne, noch große Schaͤtze zu finden. Aber leider hatte man ſich geirrt. Verdorbene Buͤchſen, naſſes Pulver, zerbrochene Hirſchfänger, ſpitzenlaeee Dolche, zerriſſene Kleider ꝛc. wurden genug ge⸗ funden, aber von Koſtbarkeiten— nicht das geringſte. Nun wurden aber auch die S daten wuͤthend, die Himmelhoch ſchiuten 32 wenn ſie jetzt der Raͤuber anſichtig wuͤrden, ſo ſollte auch nicht ein Gebein von ihnen uͤbrig bleiben. Hoͤrten aber doch gern das Signal des Aufbruches, weil man nicht wiſſen konnteꝛc.— * CEs war in den heiteren Morgenſtunden des erſten Märztages, als eine glaͤnzende Reiſe⸗Equipage mit vier herrlichen Rappen be⸗ ſpannt, die von einem grimmig ausſehenden krausbaͤrtigen Kutſcher mit gewaltiger Kraft geleitet wurden, in die Thore Roms einfuhr. Hinten auf ſaß ein Leibjaͤger, der an Bäͤr⸗ beißigkeit, dem Kutſcher nichts nachzugeben ſchien. Mit militairiſcher Freimuͤthigkeit na⸗ hete ſich der wachthabende Offizier dem Wa⸗ gen und war eben in Begriff ſich nach Na⸗ men und Stand des Reiſenden zu erkundi⸗ gen— als— „Der Herr Baron, mein gnaͤdigſter Herr, wuͤnſchen incognito zu bleiben!“ rief der Leibjaͤger, in einem tiefen Baß dem Offizier von ſeinem Sitze herunter barſch entgegen. Der Offizier war befriedigt, er neigte ſich, und— der Kutſcher gab ſeinen Roſſen den Zuͤgel, und raſſelnd fuhren ſie dahin in die kleine Welt. Sie wandten um die Ecke, und wollten in eine kleine Straße einbiegen, als ſie von einer der wallenden frommen Pro⸗ ceſſionen, die in Rom nicht ſelten ſind, auf⸗ gehalten wurden.„Brrr!“ rief der Pferdebaͤn⸗ diger, und wie eingewurzelt ſtanden die wil⸗ den Roſſe. Jetzt oͤffnete ſich der Kutſchenſchlag, und heraus ſtieg ein Juͤngling, eine wahre Herden⸗ geſtalt, der nach ſeinem Anzuge zu urtheilen, aus einem andern Lande zu kommen ſchien. Er ließ ſich von ſeinem Jäger eine Kopfbe⸗ deckung reichen— doch als er nun daſtand, mit ſeinem hlauſammtenen Barett mit der hohen wallenden weißen Feder, auf dem ſchwarz⸗ krauſſigten Kopfe; was ihm nun ſo ſchoͤn ſtand, zu dem gruͤnen eng angeſchloſſenen Reitcollet, und der weißen wildledernen Hoſe, die ihm wie angewachſen ſaßen und der ganze Anzug wieder von ſchoͤnen kurzen Reitſtiefeln mit gol⸗ denen Franzen und Sporen gehohrn wurd⸗ 34 da wandte ſich manches Maͤdchenauge hinweg von dem ſchoͤnen Marienbilde, welches in der naͤchſten Prozeſſion ja wieder zu ſehen war, um nach dem weit ſchoͤnern Fremden zu ſe⸗ hen, der, kindlich freundlich, ſeinem ſo fuͤrch⸗ terlich ſcheinenden Jaͤger, Befehle zu ertheilen ſchien.. 4 Der Wagen fuhr fort, und Corallo, warum ſollen wir ihn verlaͤugnen, ſah nun mit ſeinen blitzenden Augen frei um ſich her, als wenn er Alles auffoderte, ſeine Kuͤhnheit, hier „ſo aufzutreten, zu bewundern. Manchem Maͤdchen pochte es ſtaͤrker an einer gewiſſen Stelle der linken Seite, wenn ſein Feuerblick wie von ungefaͤhr ſie traf. Schnell ſuchte ſie dann ihr hocherroͤthetes niedliches Geſichtchen zu verbergen; dieſes hatte ſie aber gar nicht nöthig, denn im Hui, ruhete ſein Blick wie⸗ der auf einem andern Gegenſtande. Er folgte der Prozeſſion von Ferne, und ſchauets dabei ſtets zu den buntgeſchmuͤckten Fenſtern empor, wo noch immer hinter a daͤchtigen Matronen ſuͤße Midchengfſihter läuſchten. 8 — 3 —' ten entzuͤckt, an ein verſchloſſenes Ladengewoͤl⸗ ſtreiften an ihm voruͤber. Seine G 35 2 Plötzlich zog ein Fenſter ſeine ganze gae an. 4— 2162 Ueber einen reichen Purpurteppich beugte ſich an der Seite einer wuͤrdigen Frau ein Maͤdchen— o ein Maͤdchen— die dunkel⸗ braunen Locken entzogen ihm in den Augen⸗ blick einen Theit ihres Geſichts, welches der vorbeiziehenden Reihe folgte; aber er ſah doch noch das reine Provil, ſah den ſtolzen blen⸗ denden Hals, den vollen jugendlichen Buſen,. den herabhangenden runden Arm, deſſen zarte Weiſſe mit nichts zu vergleichen ſtand, ſah ſo vieles, ſo viel— daß er uͤber die Schoͤnhei⸗ be, dem Hauſe gerade gegenuͤber, feſt gebannt ſtand. 224.2=2 I sr er. Jetzt wandte ſie das wunderſchoͤne Koͤpfchen nach der andern Seite der Straße, und— ha, welche Gefuͤhle durchbehten den in der Geſtalt ganz Verlohrnen.„O, es iſt Laurette!h, ruft er ſich zu.„Nein die iſt es ni Ve habe ich erſchoſſen!— die war auch nicht ſchoͤn, ſo blendend ſchoͤn!“ Der Alten B 3 verwirrten ſich; er ſah hinweg, und wie er wieder aufblickte, waren beide verſchwunden. Langſam ging er dem Hotel zu, wo er Barnelli zu halten befohlen hatte. Ueberall folgte ihm das reizende bekannte Bild, und obwohl von dem Tode Laurettens faſt uͤberzeugt, ſo mahlte ſich ſeine Phantaſie, in der geſehenen, doch ganz ihr Bild. Mit gekruͤmmten Ruͤcken, die Muͤtze in der Hand, kam mit vielen tiefen Buͤcklingen, der Wirth eines bedeutenden Gaſthauſes Rom's, ihm mit der devoten Bitte kriechend entgegen, „uͤber ihn ſein ganzes Haus, ſammt Geſinde, nach Belieben gnaͤdigſt zu befehlen. Die oberen Zimmer,“ ſchloß er ſeine Sichempfehlung, waren fuͤr Sr. Gnaden ſchon voͤllig eingerichtet.* Oben angekommen, hatte Barnelli für Wein und uͤbrige Erquickungen geſorgt, und zu eigener Erholung auch ſchon mehrere Fla⸗ ſchen geleert... „Hauptmann/“ brach Barnelli das ver⸗ drießliche Schweigen, als ſie von der devoten Gegenwarth des Wirthes befreit waren,„dir 3 3 — — ſcheint der koͤſtliche Wein nicht recht munden zu wollen?“ tezn. Corallo. Ich habe ein Maͤdchen ge. 3 ſehen, hoͤre, ein Maͤdchen— genug, ſie gleicht in der Geſtalt ganz meiner Lauretteä. Barnelli.(lachend) Sie iſt's wohl ge⸗ wefen. 1 Corallo. Warum nicht gar.— Barnelli. Was haſt du fuͤr Beweiſe? Corallo. O, ich habe damals nur zu gut getroffen.— Ohne dem, wurde ich nicht auch als zwie facher Moͤrder vogel⸗ frei erklaͤrt. Nein, ſ ie, die Falſche, war es nicht. Dieſe iſt weit ſchoͤner, und gewiß auch beſſer. Sehen mußt du ſie, nur ſehen, um von ihr ganz entzuͤckt zu werden.— „ Bah,“ unterbrach Barnelli ihm in ſeiner Epiſode,„wenn du von ihr ſo entzuͤckt biſt, ſo nimm ſie mit in die Gebirge nach Calabrien.“ Drohend warf ihm Corallo einen Blick zu, als wollte er ſagen: bin ich denn ein ſekb ches Ungeheuer?“ 38 Indem trat der Wirth, ſeinem Ruͤcken zu einem halben Zirkel geformt, wieder herein, und frug ganz gehorſamſt an,„ob der Herr Baron an table d'höte, oder allein zu ſpeiſen befoͤhlen.“ Um ſich zu zerſtreuen waͤhlte Corallo wider die Klugheitsregeln, das erſtere. Er fand eine glaͤnzende Tiſchgeſellſchaft, und ward, da die Magen hin und wieder befrie⸗ digt waren, ohne es zu wollen, das Tiſchge⸗ ſpraͤch. „Doch, ſie koͤnnen 1 ch darauf verlaſſen, meine Herrn,“ fing ein beſternter und mit Kreutzen behaͤngter wohlgenährter Mann an, „ſie koͤnnen ſich darauf verlaſſen, mein Neſfe hat ihn ſicher lebendig gefangen 8 „ So haͤtten wir denn bald das entzuͤcken⸗ de Schauſpiel, den furchtbaren Corallo haͤn⸗ gen zu ſehen!“ meinte ein junger Patrizier, der ſeiner Farbe und ausgedoͤrrten Geſtalt nach, ſchwindſuͤchtig zu ſein ſchien. 3 „ Hm,“ außerte ſich ein anderer,„ich zwei⸗ fele noch daran. Oft ſchon hieß es: ſie haͤt⸗ ten ihn, und wenn es zur Unterſuchung kam, ſo war es hoͤchſtens nur einer ſeiner —y—— äindet, laͤßt es ſich herrlich fechten,“ ward 1 Whu großmmuͤthig uͤberhoͤrt, er deinili 39 „Der ſich denn meiſtentheils auch ſchon 3 wieder zu befreien wußte,“ lachte ein Schiffs⸗ hauptmann.„Ja, wenn ſolche Vögelchen ſich auf dem Meere ſehen ließen, da wollte ich ſie ſchon zu Paaren treiben.“ „Feindlich zuſammentreffen, moͤchte 69 wohl ein Mal mit ihm!“ hob ein anderer junger Offizier der ſein Portepee noch nicht lange zu tragen ſchien, weil er ſo oft und ſtets mit innigen Wohlgefallen dahin blickte, wo der hohe militairiſche Schmuck rachkul glaͤnzte, wieder an. 3 „Es iſt aber ein ganzer Mann,“ lichelte der beſternte und bekreutzte Her t. der den De⸗ gen, wie mein Neffe mir ſchreibt, recht gut zu fuͤhren weiß.“ „Ich bin als Burſche ſchon der beſte Schli⸗ ger und Stoͤßer geweſen, antwortete der Faͤhn⸗ drich ſtolz.“ 8 Das ein haͤmiſcher Nachbar dem andeg zufluͤſterte„mit Degen ohne Schaͤrfen und Rappiere wo man Knoͤpfe ſtatt ſcharfe Spitzen 40 um Aller Aufmerkſamkeit auf ſich zu ziehen, und zu beweiſen, daß in ihm ein wahres Kriegs⸗ genie verborgen liege, der aufmerkſamen Ge⸗ ſellſchaft einen Plan, worin er klar und deut⸗ lich zeigte, wie Corallo mit ſeiner Bande leicht zu fangen ſey Dem Plane, fehlte nun freilich weiter nichts, als Ausfuͤhrbarkeit; denn die Gebirge mußten erſt zu Ebenen, die Baͤu⸗ me zu Wartthuͤrmen, und die kleinen Suͤmpfe in fahrbare Seen umgewandelt werden, ſollte des Herrn Faͤhndrichs Plan durchgehen; doch es war genug, um den beſternten Herrn, der uͤberhaupt kein Freund des Redners zu ſeyn ſchien, zu einem ironiſchen Laͤcheln zu bewegen. „Mein Neffe ſcheint ihr Genie nicht zu ha⸗ ben, Herr Faͤhndrich, denn er wird die Bande auf eine andere Weiſe gefangen haben, wie der Eilbote, den er mir zugeſchickt hat. aub⸗ einander ſetzte.“ Corallo befand ſich in einer eigenen Situadion. Der Beſternte ſprach ſo ſicher und ſo beſtimmt uͤber die Gefangennehmung der Bande, daß ihm nicht ganz wohl wurde. „Gerne waͤre ex, haͤtte es ohne Aufſehen zu e ———ÿ ——— Flecken am Fuße der Appeninne heißt er doch gleich? nun es iſt gleich viel 41 regen, geſchehen koͤnnen, aufgeſtanden und ſich entfernt; doch es ging nicht. Deshalb waͤhl⸗ te er das Kluͤgſte— ſchien ein bise in die Champagner Flaſche zu ſehen, und ſchwieg. 3 Gewaltſam unterdruͤckte er den Wunſch etwas naͤheres zu erfahren; ein anderer kam ihm zuvor, der den Beſternten erſuchte: von dem Kampfe zwiſchen ſeinem tapfern Neffen und den Raͤubern etwas Naͤheres zu erzaͤhlen, weil die ſich doch gewiß nicht ſo leicht erge⸗ ben haͤtten. h 11 8 33 „Gewiß nicht!“ nahm der, durch ſeinen Tapferen RNeffen geſchmeichelte, ſich bruͤ⸗ ſtend, das Wort.„ie wehrten ſich wie Teu⸗ fel. Aber an de la Rova fanden ſie den 1 unrechten Mann.“ „Es wird den Herrn,“ fing der Beſternte ſeine Erzaͤhlung an,„die unerhoͤrte Frechheit bekannt ſeyn, mit welcher Corallo, den man mit Recht den Furchtbaren nennt, den kleinen n,— 142 brandſchatzte, und nachdem er ein bedeutendes Geld von den beſtuͤrzten Buͤrgern ſich erpreßt, wieder in die Gebirge zuruͤckzog. Obwohl er hin und wieder verfolgt, auch kleine Streifzuͤge gegen ihn unternommen wurden, ſo war die⸗ ſes doch zu wenig, um ihn an ſeinen Raͤube⸗ reien zu hindern.“ „Der von den Räubern in Contribution geſetzte Ort, gehorte zu dem Bononiſ chen Gebiete. Hier ſchwur man den Raͤubern Un⸗ 3 tengang und Rache. Mein Neffe, der tapfere de la Rova, brach ſogleich mit ſeinem Ba⸗ tallione auf, und drang in die Gebirge. Lucca, Modena und Toscana wurden aufgefor⸗ dert, ſo ſchnell als moͤglich gegen die Appenin⸗ nen marſchieren zu laſſen, damit von dem Raubgeſindel keiner entwiſche. Auch Bolog⸗ na trieb noch ſo viele Truppen als moͤglich auf, um ſie meinem Neffen dem de la Ro⸗ va ſogleich nachzuſchicken. Dieſer dringt nun 3 mit der gewöhnlichen Hitze, ohne den Suceurs ab⸗ zuwarten immer weiter vor, und findet die Raͤuber endlich, auf einen fuͤr ſie herrlich ge⸗ waͤhlten Platz. Der Muth meines Reſten Weiiol des Kampfes. Ihr wißt es 5b d ſcin 43 —— ließ es nicht zu, ſich lange zu beſinnen/ ob er den Kampf mit den Raͤubern ſogleich einge⸗ hen, oder ob er erſt den Suecurs nanh ſollte.“ „Es waren wohl ihre funfaig Buſchklep⸗ per? frug der Faͤhndrich ironiſch.„Ein kuͤhnes Unternehmen, mit einem ganzen Ba⸗ tallion dieſe anzugreifen.“. „Nein, tapferer Herr Fahndrich erwie⸗ derte der Beſternte mit hochrothen Geſichte, „mit funfzig Buſchkleppern wie ſie meinen, nimmt es de la Rova allein auf; ſo waren aber der Raͤuber an Vierhundert, und lauter Manner, bei denen nur Sieg oder Tod! galt,“ wandte er ſich an Corallo, der, ihm gerade gegenuͤber, ein Laͤcheln nicht unterdruͤ⸗ cken konnte. „Das habe ich auf meiner Reif aa ſe⸗ gen hoͤren,“ erwiederte Corallo, um ſein Laͤcheln wieder gut zu machen,„die Corallo'⸗ ſche Bande ſoll uͤber fuͤnf bis ſechs Hundert Mann ſtark ſein, die ſich die Hoͤlle zu ſtuͤr. men nicht fuͤrchten. Doch goͤnnt uns den 44 zu erzaͤhlen, außerdem, daß die Sache ſelbſt, uns ſehr wichtig ſein muß.“ „Kaum daß de la Rova die Raͤuber ſah: ſo griff er ſie, trotz ihrer vortheilhaften Stellung, auch ſogleich an. Sehr blutig mußte der Kampf ſein, wie mir der Bote, welcher ſelbſt, gegenwaͤrtig war verſicherte; denn die Raͤuber wehrten ſich furchtbar. Doch trotz des Muthes, den ſie allenthalben zeigten, wur⸗ den ſie doch ſo ſehr in die Enge getrieben, daß ſie ſchon vergebens den Weg ruͤckwaͤrts ſuch⸗ ten, als pltzlich ein Hinterhalt der Raͤuber, über hundert Mann ſtark, hervorbrach. Die⸗ ſe bewirkten denn ſoviel, daß de la Rova nicht hindern konnte, daß ſie mit großem Ver⸗ luſte in ihre Höhlen ſich zuruͤckzogen.“ „Waͤhrend der Nacht kam der erwartete Succurs mit denen er ſich nun vereinigte.“ „Schade das die Huͤlfe nicht gleich da war,“ bemerkte der Seeoffizier,„ſo waͤre das Raubge⸗ ſindel doch endlich ein Mal vertilgt, und den fuͤrchterlichen Kerl Hütte man dann anh er⸗ wiſcht 7 45 —— „Ei nun, man wird ihn jetzt wohl haben. Doch das der Succurs ſo ſpaͤt ſich erſt mit 4 meinen Neffen vereinigen lonnte⸗ war ein Weib die Urſache.“ „Ein Weib? fuugen einſti mmig nehaue der Geſellſchaft. „Ein Weib,“ antwortete der Geftagte, hbot ſich dem Succurs zur Fuͤhrerin an, um ſie des naͤchſten Weges zu de la Rova zu fuͤhren. Dieſe, die ſich von dem Weibe bethören ließen, wurden irre gefuͤhrt, und als ſie es bemerkten, war ſie verſchwunden. Waͤhrend der Nacht hatte der Succurs es einem Zufalle zu dan⸗ ken, daß ſie ſich mit dem de la Rova ver⸗ binden konnten. Doch nun wurden die Raͤu⸗ ber rund umſtellt, und wie mir mein Neffe durch den Boten verſichern leß 5 kann ſie kein Gott retten.“ 8 „Wenn ich ſie auf dem Waſſis hätte ſo ſollten ſie bald gekapert ſeyn,“ großprahlte der Seeoffizier, und nahm den letten Reſt der Flaſche zu ſich. Kuer Wort in Ehren; aber ſo ganz dht moöͤchte es Guch denn doch wohl nict d w 8 einen Corallo, und ſey es auch ein unge⸗ treues Element, zu beſiegen!“ aͤußerte ein, ſeiner Kleidung nach ganz unſcheinender Mann, der es ſich aber zum Geſchaͤft gemacht zu ha⸗ ben ſchien, den Baron Ignaz, wie ſich Co⸗ rallo nannte, zu beobachten. So viel wie moͤglich ſuchte Corallo zu vermeiden, den ſcharfen Blicken, des wortlo⸗ fen unſcheinenden Menſchen, der zu der glaͤn⸗ zenden Geſellſchaft gar nicht zu gehoͤren ſchien, zu begegnen. Denn es kam ihn vor, als wenn der, mit ſeiner haarloſen, mit vielen Falten tief eingedruͤckten platten Stirne, und den dun⸗ keln brennenden Augen und mit ſcharfen Zuͤgen, gezeichnetem Geſichte, die von einer langen fubtil gebogenen Habichtsnaſe beſchattet wur⸗ den, und dem ſtets ein Laͤcheln, zu Gebote ſtand, zu den gewoͤhnlichen Menſchen gar nicht zu rechnen war, es ſchien ihm, als wenn der die tiefſten Hergkammern durchſchauen koͤnnte. Er freuete ſich die Geſellſchaft auseinan⸗ der gehen zu ſehen, und nahm ſich vor, nicht wieder an table d'hôte zu ſpeiſen. — 47 Die Einladung einer Schoͤnen vermuthend, nahm Corallo, das in ſeiner Abweſenheit an Barnelli fuͤr ihn abgegebene vorſichtig verſiegelte Billet, und verwunderte ſich, waͤh⸗ rend des Eroͤffnens nicht wenig, uͤber die ſchnel⸗ le Bekanntſchaft die er gemacht hatte. Doch ſeine Verwundrung ging in Entſetzen uͤber, als er folgendes, von einer Frauenshand, zier⸗ lich geſchrieben fand:.— „Baron Ignaz! In Rom kennt Dich Nie⸗ „mand. Doch ſey nicht kuͤhn, und ver⸗ „meide Bekanntſchaften.“ — Deine Freundin."/ 3 „Verdammt! Verfolgt das Weib mich denn allenthalben!“ rief Corallo, die Warnung in tauſend Stuͤcken zerreiſſnd. 1r Nun,“ beruhigte ihn Barnelli, der es mit geleſen hatte, da ſtand doch nichts darin, was Dich beunruhigen koͤnnte.“ „Ha, iſt das nichts, wenn man von einem Weibe verfolgt wird? Wenn man weder in Bergen noch in Staͤdten vor ihr Ruhe findet 2 1 „dm,“ ſchuͤttelee Barnelli den Kopf⸗, was mag ſie von Dir wollen?— Doch ei⸗ 48 — gentlich kannſt Du ſie, als Deinen ecjutaan betrachten.“ „Ich danke fuͤr einen rſol ſchen Schuggeſt fuhr Corallo auf.„Ich will mich ſelbſt ſchuͤtzen, und will am wenigſten einem Weibe verbunden ſeyn. Doch das naͤchſte Mal, wenn ſie mir wieder erſcheinen ſollte, ſo werde ich ſie feſthalten die Erſcheinung,“ und— ſchnell brach Corallo ab, hing einen leichten Man⸗ tel um, und ging ſunn um die Baͤder des Ti⸗ tus zu beſuchen. Aber unnerch leiteten ihn ſeine Schritte der Gegend zu, wo er bei ſeiner Ankunft ei⸗ ne ſo anziehende Entdeckung gemacht. Dort angekommen, ſchien das Haus ausgeſtorben 4 u ſeyn. Vergebens waren ſeine Augen da⸗ hin gerichtet, wo er fruͤh die Fenſter offen ſte⸗ hend fand. Um aber von der ſchoͤnen Unbe⸗ kannten mehr zuerfahren, ging er in das La⸗ dengewoͤlbe des Seidenhäͤndlers, dem Hauſe gerade gegenuͤher. Nachdem er, durch den Kauf ainiger Kleinigkeiten die er gut⸗ bezahlte, den Kaufmann in eine geſpraͤchige Laune geſetzt hatte, erfuhr er denn von dieſem: daß ſeine Unbekannte mit der aͤltlichen Frau, welche man auf der ganzen Nachbarſchaft fuͤr ihre Mutter hielt, erſt ſeit vier Wochen das ſchoͤne Haus allein bewohnte. Was ſie kauften, 5 wuͤrde ſogleich baar bezahlt, daher haͤtte man ſich um ihren Nahmen und Stand, noch nicht bekuͤmmert. Von der einzigen Dienſtbothin die ſie haben, ſoll die Alte, gnaͤdige Frau, und die junge Dame, gnaͤdiges Fraͤulein, ge⸗ nannt werden. Wie man gahört haben will, ſo reden ſie deutſch untereinander, und ſind von Ihnen, Herr Baron, Landsmaͤnninnen, ſchloß der Inquiſit ſeine Skizzirung, und fing, in einen andern Ton kallend, ſeine Waare aufs neue zu loben an. in CEr bezeichnete dem Kaufmann ſeine Woh⸗ nung, und wurde, als er fortging, von ihm weit hin auf die Straße begleitet, was ihm deshalb ſehr laͤſtig war, weil er dadurch gehin⸗ dert ward, nach dem fragmentlichen Fenſter noch ein Mal hinzublicken. Doch konnte er es nicht unterlaſſen, als er an's Ende der Sttaße w ar, ſich noch ein Mal umzuſchen,. 1ns e 9, wülches Sntzicen durchſtrohmte 2 64 4 4 . Schau in die Welt, kam er in — 809 eihn! ſeine Unbekannte ſchien ihm nachzuſehen. Er wollte wieder umkehren, labes 4 eſie ie wär veeſch uunden. Ohne Abentheuer, verbrathte er den üͤbri⸗ gen Theil des Tages, an den einſamſten Stel. len Rom's, wo er ungeſtöhrt ſemtem Gedan⸗ 89 bene neauchöcngen konnte. 63 d Pragrbens hat ihn Barnellig am maigdem Morgen,„die Weiſung der geſtrigen Warnung viſtt ganz außer Acht zu laſſen, und ſo oͤffent. lich aufzutreten; weil„wie leicht zu vermuthen Faͤnde„ bald die Nachricht anlangen wuͤrde, daß er noch nicht eingefangen ſey⸗ und als⸗ dann koͤnnte die Verfolgung gegen ihn nur deſto heftiger werden.“ n It Rteins Gerade der geſtrigen Watnüng z zum Trotz ſchwur dieſer,„kenne ich keine Eingezogenheit. Das Weib ſoll ſehen, daß Kpea bsz nur feinen Willen kennt. lelc. aun Keth 3 In der Kleidung eines jungen Deutſchen —— der Maria de Angeli Kirche; er ging i leiſes Schluchzen glaubt, ſie haͤtte ihre Arme n ihn ausgeſtreckt. 5 ¼ —. ein. O, welche Gefuͤhle hoben ſeine Bruſt! — Seit ſeiner Flucht aus dem Aeltern Hauſg, war es heute zum erſten Mal, daß er bebend auf die Stufen des Altars niederſank, und zum Gebet ſeine Haͤnde faltend empor hob. Doch ſchlaff fielen ſie am Koͤrper wieder nieder. Er konnte nicht beten. Seine Phantaſie mahlte ihm die Kirche zu einem Aufenthalte der Gei⸗ ſter; der Moͤnch, welcher eben von der Kan⸗ zel trat, hatte das Strafurtheil uͤber ihn aus⸗ geſprochen; die Anweſenden laſen fuͤr ſeine abgeſchiedene Seele, Meſſen. Ein grauenvol⸗ ler Schauer durchbebte ihn, er hielt ſich fuͤr den Verdammten unter Heiligen; angſtvoll wollte er ſchon„Erbarmen!“ rufen, als ein ihn aus ſeinen Phantaſien weckte. Er ſahe auf,— die Unbekannte knie⸗ te mit ihrer Mutter dicht neben ihm. Von erſterer kam das leiſe Weinen. Sie hatte den Schleier zuruckgeſchlagen, und— was thut nicht die Einbildung— er icht gegen das vor ſich häͤngende Marienbild, ſondern gegen 4 denen. 3 32 „Gs iſt Laurettens Geiſt! Sie iſt aus höhern Regionen herab geſtiegen, um dir zu verzeihen!“ ruft er ſich zu. Doch ehe er ſich aus ſeiner neuen Verwirrung erhohlte, waren ſeine Nachbarinnen aufgeſtanden und zwiſchen dem Gewuͤhle der Hinausgehenden verſchwunden. Dieſes brachte ihn wieder zu ſich ſelbſt. Er ſprang auf, vergaß alles um ſich her, und dachte nur an die ſo ſchnell verichwound Manches Muͤtterchen dachte noch mehtere Tage an den Ungeſtuͤmen, der wie ein Polter⸗ geiſt, an ihr vorbeiflog, und weil ſie ihm nicht ſogleich ausweichen konnte, ihr mit ſeinen Ellenbogen, ein paar Rippen eingedruͤckt hat⸗ te; auch hoͤrte der ungalante Deutſche hier und 3 da, ein ſchmerzhaftes Ach und Weh, dem kuß⸗ 3 werthen Maͤulchen einer Schoͤnen entfahren, deren erhabenes Auge auf der niedlichen Juß zehe⸗ unter ſeinem Fuße ſich nicht wohlbefand. Doch trotz allen Ach und Wehe's der Schoͤ: nen und ſchmerzhaften Ausrufungen der Alten, heatte er die Straße bald erreicht— die Ge ſuchten waren fort. 1. 53 8 Er eilte der Gegend zu wo ſie wohnten, und; ſahe bald zwei weibliche Geſtalten raſch vorwaͤrts ſchreiten. Er hatte ſie eben erreicht, als Eine derſelben ſagte:„Nein, nein, Laural wenn Du Dich nicht beſſer in Deiner Gewalt haſt, ſo muͤſſen wir heute noch Rom verlaſſen.“ „O, Mutter, er iſt ihm ja ſo ähnich, und 4 ich liebte ihn ſo ſehr.— „Schweig, wir kehren nach Deutſchland zuruͤck!“ hub jene wieder an— indem ſah ſie ſich um, und Corallo erkannte die Matrone,. welche er neben der ſchoͤnen Unbekannten am Fenſter geſehen hatte. In demſelben Augen⸗ blick ſah auch die Andere ſich aͤngſtlich um— ſie war es. Ihre Wangen ergluͤhten und ver⸗ wirrt, beinah auſſer ſich verdoppelten ſie ihre Schritte, und— hatten bald ihre Woßnung zeihe um ſich aufzudringen, ging er in die 1 der Billa Maktei⸗ um einſannden Gefähls 54 In der groͤßten Geſchwindigkeit durchſtrich er die ſchoͤnſten Parthieen, und bog eben aus der herrlichen, gewuͤrzreich ambroſiſchen Duͤften ausbreitenden Oliven Allee, um den entzuͤck⸗ enden Geſang der Voͤgel in dem angrenzenden kunſtreich angelegten Waͤldchen nachzugehen, als ein in Liebesform zugelegter Brief, ſeine Aufmerkſamkeit auf ſich zog. Er hob ihn auf, und folgende Worte: „Biſt Du nicht ſo viel Herr uͤber Dich, wum eingezogner zu leben, ſo flieh!“⸗ 85„Deine Freundin.“ von der bekannten Hand geſchrieben, ſetzten ihn in's hoͤchſte Erſtaunen. Denn daß die Worte ihm galten, war keinem zWeihe unter⸗ worfen. Nein, da jetzt ein Weib in 1 Rom Dich kennt ſo biſt du auch nicht ſicher!“ ruft er mit ſich, und der ganzen Natur grollend, und. warf ſich an die Erde. „Was das Weib wohl von dir will⸗ ver⸗ tiefte er ſich in ein Selbſtgeſpraͤch,„daß ſie auf Schritt und Tritt dich verfolgt? Ha, bin ich denn der Ruthe noch nicht entlaſſen? Oder 55 bin ich nicht ſtark genug, mnich ſelbſt zu ſchützen 8 Ha, Coralld, wie biſt Du geſunken, ein ſchwaͤg Weib ſpielt mit deinem Leben.“ 4 Plötzlich eiſchollen in ſeiner Naͤhe die ſanf⸗ ten Toͤne einer Laute. Er horchte. Das phan⸗ taſtereiche Praeludiren, ging bald in ein rau⸗ ſchendes Adagio uͤber,— o, wie ſtimmte das. Wilde, mit ſeiner Stimmung uͤberein; das Gemiſch der Toͤne kam aus ihm ſelbſt, ſo ſchien es ihm; die Kmußs, Sah nur leznen Ton zuruͤck. 4— 3 A 3 Er ſtand auf, um die anfisſucen veh durch Zufall, wie es ſchien, ihn ſo ſchoͤn zu beruhigen verſtand. Doch mit ſeinem Auf⸗ ſtehen, war die Lautenſchlaͤgerin verſchwunden Veigebens horchte er den ſuͤßen Töoͤnen; ſie waren ihm verſchollen! Er durchdrang H0ß und Buſchwerk— die Lauteuſchlägerin tvar nicht zu findnn ue a 8 185 begreife dich nicht, 2 Hernerkte eints Morgens Barnelli gegen den Hauptmaun, Vi verdrießlich wie hier, habe ich Dich nach nie geſehen.— Jeder Deiner Wuͤnſche,“ fuhr er fort, als Corallo zu antworten, nicht Luſt zu haben ſchien,„jeder Deiner Wuͤnſche, werden im Entſtehen ſchon erfuͤllt.*+ 0.. „Du irrſt Barnelli.— 4nih n in „Ich irre nicht!“ antwortete dieſer etwas heftiger.„Du klagteſt anfangs uͤber Lange⸗ weile, und wie von einer Zaubethand geleitet, erſchienen Dir Einladungen zu den ggrößte n anſehnlichſten Geſellſchaften dutzend Weiſe. Und wer wird in Rom ſich wohl ruͤhmen koͤnnen, bei den Weibern ſo piel Gluͤch ge⸗ macht zu haben, wie Du?“ Daß ich dieſes Alles nicht benugen, die Grrſcaften ausſchlagen und die Billet donx nicht annehmen darf, rechneſt Du fuͤr nichts, nicht wahr Barnelli? denn da haſt Du nicht erwogen, daß in Gefellſchaft mich einer aals Raͤuber leicht erkennen koͤnnte; und daß das Weibergeſchlecht mir verhaßt iſt. Ha, Barnelli, von den Vornehmſten werde ich erſucht, ihre Zirkel zu vermehren, und doch hinn 5 nicht erlangen, daß eine mir erlanbt— . 57 verdrießlich brach C bval lon ar ab uns wollte gehen. Ei Du Weiberhaſſer!“ hielt Barmettt 8 ihn lachend zurüͤck. Die großen Zirkels willſt Du aus Vorſicht nicht beſuchen,— haſt Recht! Die Klugheit gebietet es. Die zaͤrtlichen Bil: letts, willſt Du nicht benutzen; weil, Du das ganze Geſchlecht haſſeſt— und doch kann eine Dich mißlaunig machen, weil, ſie Dir nicht erlaubt, ihr die Cour zu machen. Cora lo, Du biſt mir unerklaͤrlich!“. „Dieſe eine koͤnnte mich auch mit ihren 8 ganzen Geſchlechte wieder ausſoͤhnen.“ „Ueberhaupt, Corallo, ich weiß nicht, was Du hier ſuchſt. Laß uns hin, wo die Bruͤder hauſen, ſchon laͤngſt werden ſie Dich erwartet. haben. 131 „Haſt Recht, habei in Rom nichts z zu 1 ſuchen.“—— Sinnend ging er einige M2l im Zimmer auf und ab; endlich blieb er tief⸗ denkend vor, Barnelli ſtehen, und ergriff deſſen Hand. in,Barnelli,“ hub er an, einſt ſaß ich, von einer Streiferei ermuͤde 1 über muin Schickſal bruͤtend, unter einem dick⸗ belaubten Baume, da erſchien mir das Weib, Du kennſt ſie, zum erſten Mal. Erſtaunk ſpringe ich auf, um ſie zu fragen; doch ſie winkte, daß ich mich nur wieder niederlaſſen ſollte. Betruͤbt ſchien ſie mich zu betrachten. Ich hielt ſie⸗ fuͤr ein ſprachloſes Weſen; ploͤtz⸗ 3 lich erhebt ſie ihren Zeigefinger, und ſpricht im dumpfen Geiſterton:„Corallo, verlaſſe dieſe Bahn, und eile nach Rom. Dort fin⸗ teſt Du die unbekannte Spur, Deiner dunkeln Urſprungsquelle.“ Haſtig will ich um das Mahere ſie befragen, doch ſie verſchwand, und iſt mir noch nicht wieder erſchienen, obwohl 1 ich ihre Einwirkung oͤfterer bemerkte. Ein innerer Zug fuͤhrt mich nun nach Rom und ſiatt Aufklaͤrung zu erhalten, fuͤhrt ſie von der ich nichts wiſſen will, und dennoch allent: halben mich un ihweht, unch in ein Poch tie 8 feres Dunkel/)— „Was man fucht, wird am erſten uicht ge⸗ funden!“ aͤußerte Barnelli ſich.„Laß gut ſeyn, gieb Dich uͤber das finden Deiner dun⸗ keln Urſprungquelle, wie das Weib ſich zußer⸗ 4 te, nur zufrieden. Wenn etwas daran woͤre, ſo ſind wir ſchon ſeit ſechs Tagen in Rom, und die haͤtte alsdann Zeit genug gehabt, um ſich Dir zu entdecken, wenn etwas zu entdecken waͤre.— haupimm die Bruͤder — harren unſerer!"„% ie. en da dün „Sſt Tora uano ſchon wieder uedctè, 8 „Hm ‚er mag das Haus nicht finden koͤn⸗ nen, antwortete der Befragte. Aber wie ich 5 Dir gleich ſagte: es iſt vergebens.“.8 — frug Corallo aufs Neue. 4 „Nein!— Ich merkte wohl, al 9 die Alte frug, ob es dem Baron JIgnaz er⸗ laubt ſey, der deutſchen Landesmaͤnnin ſeine Aufwartung machen zu duͤrfen, und die Alte . es rund abſchlug, das ſchoͤne Toͤchterchen ſich . dagegen ein paar Thraͤnen trocknete.“ 8„‚Die henngintn Ha, dafuͤr ſoll die Alte buͤßen"/, „Wie ich Dir ſagte, Hauptmann! Du haͤt. teſt gleich ſelbſt gehen ſollen. Wenn Du erſt ein Mal bei ihr warſt, ſo häͤtte ſie S Dir die Thüre nicht zeigen konnen.“ 1„Sprach denn Laura nicht ſelbſt mit Dir, 3 erei. 1 „Hauptmann,“ hob dieſe utöueßlich an, „ich lief die Straße, wie ein Jagdhund, auf und ab, und wie ich mich bei einem Seiden⸗ haͤndler nun genau erkundige„ſo iſt die Deut⸗ ſche mit ihrer ſchoͤnen Tochter geſtern Albend ſchon abgereiſt../. „Du luͤgſt!²1 fuht Corallo heftig auf. 3„Ich ſehe nicht ein, was mich dazu be⸗ wegen ſollte, lachte Tou rquano. da. ſo ſchlage Himmel und Erde darein. 1 Im Nu war er bei dem bewußten Ses 8 anjimte. 7 e Hf ae 1177 „Herr Baron,“ redete mit tiefen Buͤcklingen der Seidenhaͤndler den eilig eintretenden Co⸗ rallo an,„ſo eben erhalte ich eine Sendung, der ſchoͤnſten Muſters ſeidener Kleider, die an⸗ zunehmen, ſelbſt die Sproͤdeſte und Harther⸗ zigſte von ihrem aͤrgſten Feinde, ſicher nicht weigern wuͤrde. O, und nun von Eurer gnaͤ⸗ 3 digen Hand, Ew. Gnaden, ha, ich wette, ei In den augesu trat Torauano — ſiegen. Erſtlich, das ſchoͤnſte Muſter; zweitens, den hoͤchſten Glanz; drittens,"h „Schon gut, ſchon gut,“ unterbrach Co⸗ rallo ihn in ſeinem Feuereifer, des hohen Lobes. Ich komme, um fuͤr eine te Schöne ſo etwas einzukaufen./ Nachdem er ein ſolches da zgehee ene Kleid, nun ſehr gelobt, und recht theuer be⸗ zahlt hatte, und der Kaufmann es ſchmunzelnd einem Diener gab, um es recht ſchoͤn einzule⸗ gen, frug Corallo in einem ſo gleichguͤltig als möglichen Tone:„wo denn die Deut⸗ ſchen, von gegenuͤber waͤren? Die Fenſter waren ja ſo dicht zugezogen.“ inetz „Wo ſie ſind,“ verſicherte der Kaufmann, „wuͤßte wohl kein Menſch, daß ſie aber geſtern Abend ſehr ſpaͤt weggefahren ſit ind, viſſen alle Nachbarn. 13 „Hat man keine Vermuthung⸗ 266 „O ja,“ antwortete der Geſpraͤchige lachelnd, „man vermuthet, daß ſie zu einem hoßen Geiſt⸗ lichen gefahren ſind, wefl deſſen Cquipage es war, in welcher ſie abgehohlt wurden.“r ne Fuͤrſtin koͤnnen der Herr Baron damit be⸗ 8 62 „Was fuͤr tein Geiſtlicher? frug Corallo ſchnell, und wandte ſich mit dem Geſichte zu der Thuͤre hinaus, um ſeine aufſteigende Ver⸗ legenheit nicht ſehen zu laſſen. „Ei daß weiß ja die ganze Nachbarſchaft. Woͤchentlich, kam auf einen beſtimmten Tag ein Geiſtlicher in einem ſehr ſchoͤnen Wagen, woraus man ſchließen konnte, daß es etwas ſehr hohes ſein mußte, angefahren. Der blieb denn eine Nacht da, und fuhr den andern Tag wieder fort. Die Nachbarſchaft will ja bemerkt haben, daß die ſchoͤne ſproͤde Deutſche gegen den, alle Sproͤdigkeit ſoll abgelegt haben.“ ECorallo gab ein Maſenölurn vor, und entfernte ſich ſchnell. 1 Ein Lazaroni gab ihn ein verſi lagltes Billt, ungeleſen ſteckte er es ein. Wild durchſtrich er einige Straßen, bis ihn der Zufall, nach einem der groͤßten Kaffehaͤuſer fuͤhrte. Das ſchnelle Gehen, und der ploͤtzliche Eintritt in die zahlreiche gemiſchte Geſellſchaft, hatten die Heftigkeit ſeiner ſchmerzhaften Stimmung ge: mildert. Das geſellige Trdiben der Aneſen⸗ den zerſtreueen ih 63 Bald 369 ihn ſeine Neigung nach dem Hin⸗ tergrunde, wo man bei einem Tiſche Schach ſpielte. Als Freund und Kenner dieſes Spieles machte es ihm Vergnuͤgen, hier zwei Meiſter im heftigſten Kampf zu finden. Beide Spie⸗ ler waren ſehr vertieft, und Belde ſpielten vortrefflich; beſonders aber verrieth derjenige, welcher im Nachtheil war, bei dem ſchnelleſten Blick einen Scharfſinn und eine Feinheit, vor der er Eiſtaunte.— Als er den uner⸗ warteken und einem profanen Schachſpielet, ganz unerklaͤtbaren Zug that, wodurch er ſei⸗ nen Gegner in die Schlinge ſtieß, die dieſet ihm legen wollte, erhob er ſein geſenktes Au⸗ ge, und blickte den aufmerkſamen Corallo fluͤchtig an. Es war derſelbe, welcher ihn da⸗ mals an table d'hôte ſo aufmerkſam betrach⸗ tete. Corallo ſchauderte, daß Geſicht mit der ſubtit gebogenen Habichtsnaſe, Sefil thm nicht.— 3 3 Das Epiet war zu Gs. 2a Sia anäemu ſich ſchnell.. Auch Corallo wollte vha, 85 8 64 Beſiegte, bat, mit ihm eine Paxthie Schach zu ziehen. Es wird, ſchon threnvoll ſein, von Ihnen beſiegt zu werden, verſetzte Corallo ſich nieder⸗ laſſend. Waͤhrend des Aufſtellens der Siehn, hat⸗ te Corallo denn Gelegenheit, das ſchoͤne hleiche Frauengeſicht mit den zarten Zuͤgen, wozu der etwas roͤthlich ſpielende Spitz und und Knebelbart ſo herrlich ſtand, genauer zu beobachten. Dabei ſahen die großen veilchen⸗ blauen Augen ſo hell, daß man ihnen, wenn ſie einem Inquiſi itor angehoͤrten, gewiß nicht 3 widerſtehen konnte, das zu geſtehen, was er gerne wiſſen wollte, ſo ſanft waren ſie, und doch ſo anſpruchslos. Die ernſten Zuͤge um den ſchongeformten Mund zeigten ſatt⸗ ſam. daß der Offizier, was er nach allen außern Kennzeichen zu ſein ſchien,, in ſeinem Leben auch mehr Leiden, als Freuden genoſſen hatte. Ein Laͤcheln, oder gar ein Lachen, ſchienen dem Munde ganz unbekannt zu ſeyn. Ueberhaupt ſchien das ganze Geſicht, mit der offnen hohen runden Stirne, und der ſchoͤnen griechiſchen Naſe, dem Beobach ter, an⸗ fangs, wie ein aufgeſchlagenes Buch darzulie⸗ gen, je laͤnger er es aber betrachtete, mit deſto mehreren Hyroglyphen wurde es angefuͤllt „Wuͤnſchen Sie, daß die Farbe in der rech⸗ ten oder linken Hand, den Anzug hat?“ wur⸗ de Corallo aus ſeinen Betrachtungen der bekannten und doch wieder ſo unbekannten Phi⸗ ſionomie des Offiziers, aufgeſtört, und jetzt be⸗ merkte er erſt, daß bei den langſamen Auf⸗ — ſtellungen der Schachfiguren, auch er von ſei. nem Gegner beobachtet wurde. Er errieth ſeine Farbe. „Der kleine Vortheil des Anzuges, wird meine Niederlage nicht hindern koͤnnen,“ aͤußerte Corallo, und zog ſeinen Koͤnigsbauer zwei Schritt vor. „Sie haben vorhin geſehen, daß ich leicht zu uͤber winden bin,“ antwortete dieſer hoͤflich, und that denſelben Zug. „Das iſt noch kein Beweis, daß ſie nicht eben ſo gut ſpielen als der Sieger.— llebri⸗ gens ſchien jener, ein großer Meiſter zu ſein, 4 henneeitesr aufs Neue, und zog den Gambitbguer 1 66 zwei Schritt.„Seine Zuͤge lagen tief und ver⸗ ſteckt.“„Wie ſein Thun und Treiben im Leben,“ antwortete der Offizier etwas ſcharf, waͤhrend er den Gambitbauer ſchlug. Bald fing das Spiel an intereſſant zu werden; Corallo war ein guter Spieler, und hatte ſeinen Meiſter gefunden. Er ver⸗ ſtrickte ſich in ſeinem gegebenen Gambit, wel⸗ ches er recht gut zu ſpielen verſtand, immer mehr. Sein Angriff war ſtark und heftig, die Vertheidigung des Gegners, beſonnen und küͤhn. Jetzt kam die Kriſis des Spiels. Doch Corallo ſtand ſo verwickelt, daß er verge⸗ bens ſeine ganze Kunſt aufbot, um glotreich den Kampf zu beendigen. Er mochte rechnen wie er wollte, ſo war der Verluſt auf ſeiner Seite. „Das Schachſpiel iſt wohl das treueſte Bild 3 des menſchlichen Lebens,“ hub der Offizier an, nachdem er bemerkte, daß ſeyn Gegner ver⸗ gebens einen guten Zug ſuchte, um ſich mit Ehren aus der Verlegenheit zu ziehen.„Das wahre treue Bild des gemeinen Wirkens!— Sie hatten die Wahl, ſagte er, ſeine Worte etwas ſtaͤrker betonend, einen Pfad zu waͤhlen⸗ blatte in der Hand„ hinter ihn. 67 den Sie wollten,— Ihnen ſtanden Alle offen,—“ „Ich hatte keine Wahl,“ fuhr Coral lo heftig auf.— „Werzeihen Sie!“ unterbrach ihn der Offizier ſanfter, als gewoͤhnlich.„Ihnen trieb eine in⸗ nere Stimme, beſſer wollen wir es Schickſal nennen, alſo Zwang: auf den Pfad des Gam⸗ bits, auf das heftige, thurmhohe Wellen ſchla⸗ gende Meer im Schachſpiel. Wird man denn auch hin und wieder an das Ufer geſchleudert — daß man ſein Spiel wieder in Ordnung bringen koͤnnte, um es in ſchoͤner Ruhe zu gewinnen,— ſo traut man ſich doch nicht, feſten Fuß zu faſſen, weil man nicht gleich die gruͤnen Fluren, und herrlichen Auen hinter dem kahlen Felſenufer ſieht, wo man traͤge nur hinanſteigen, und ſich ſonnen kann,— wo man den Gewinn des Spieles, nicht gleich erblickt.“ „Sie ſind verloren!“ ſchlug ploͤtzlich dem Corallo jemand auf die Schulter. Corallo ſieht ſich um, und der, deſſen Stelle er eingenommen hatte, ſtand mit einer hoͤhniſch laͤchelnden Miene, und einem Tages⸗ 5* 68 „Er iſt nicht verloren! Die Aufopferung der Koͤnigin rettet ihn!“ ſprang der Offizier Furienaͤhnlich auf. „Ihn kann nichts retten!“ erwiederte je⸗ ner kalt.„Hier,“ das Tagesblatt zeigend,„iſt das Schachbrett; die Felder beſagen:„der furchtbare Corallo iſt zwar entkommen, doch hat man ſeine Spur nach Rom gefun⸗ den.“ Auf die eintretenden Sbirren zeigend; „und da ſind die Schachfiguren, um den Raͤu⸗ berhauptmann, Schachmatt! zu ſetzen.“ „Den Zug haſt Du nicht berechnet!“ wuͤth⸗ tete der Offizier, und ehe es jemand hintern konnte, ſtuͤrzte der Verraͤther roͤchelnd nie „Das war ein Verraͤther! Mich hat er aber, als den gefuͤrchteten Co rallo Euch uͤberge⸗ ben wollen Arretirt mich!“ damit warf, dem Corallo einen bedeutenden Wink gebend, der Offizier ſeinen rothgefaͤrbten Degen von ſich, und ging den Sbirren entgegen⸗ Unſchluͤſſig ſtanden dieſe, erſtaunt die Gäſt, bis die letzteren endlich einſtimmig riefen: „Arrettirt ihn! Es iſt Corallo, d Raͤuberchef!“ . † 3 Zweites Buch. Sic et Europe niveum doloso Credidit tauro latus, et scatentem 8 Belnis pontum mediasque frautes 3 Palluit audax. Nuper in pratis stutiosa florum, et 8 Debitae Nymphis opifex coronae, Nocte sublustri nihil astra praeter .. Vidit et untas. Hor. —— Anfangs uͤberraſcht uͤber den ſchaͤndlichen Verrath des Alten mit der Habichtsnaſe, her⸗ nach erſtaunt, uͤber die Aufopferung eines ihm ganz unbekannten Mannes fuͤr ſein Wohl, hatte Corallo ſeine, ihm ſonſt zu jeder Zeit zu Gebote ſtehende, Geiſtesgegenwart, ganz verloren. Er kam erſt zur Beſinnung, als, von der Menge mit auf die Straße ge⸗ draͤngt, er von einer ſtarken Fauſt gewaltſam ergriffen ward, welche ſich aber vergebens be⸗ muͤhete, ihn von der Stelle zu bringen. „Ha, laß mich los!“ ſuchte Corallo, den ihm Haltenden, ſich zu entwinden.„Ich muß ihn befr——“ „Baron Ignaz /“ unterbrach ihn jener,„den 8 urſurpirten Corallo kannſt Du nicht retten, Du wuͤrdeſt Dich nur vergebens mit in's Ver⸗ derben ſtuͤrzen. Glaub mir, der rettet ſich ſelbſt.. 1 „Barnelli! 72 „Hauptmann, geſchwind vor das Thor, es wartet unſerer der Wagen,“ ſüßens Bar⸗ nelli ihm zu. Schon zog der eiffertig fuuchende Bedien⸗ te, mit dem auſſer ſich ſcheinenden Herrn, die Blicke der Neugkerigen auf ſich, als letzte⸗ rer endlich von dem erſteren ſich fortziehen ließ. Bald kamen ſie dahin, wo Torquano mit dem Wagen ihrer wartete. Corallo ſetzte ſich ein, Barnelli folgte— und im ichnellſten Lauf der Pferde, fuhren ſie dahin. Nom hatten ſie ſchon weit hinter ſich, als Corallo ſich endlich daruͤber beruhigte, daß er ſeinen Befreier ſo feige hatte verlaſſen koͤn⸗ nen. Er erkundigte ſich nun bei Barnelli „wie er denn ſeine Gefahr haͤtte ahnen koͤnnen? „Noch nicht lange hatteſt Du das Quar⸗ tier verlaſſen,“ erzaͤhlte Barnelli,„als ein Moͤnch unangemeldet zu mir und Torqna⸗ no ins Zimmer trat, der ſich eilig erkundigte: ob Baron Ignaz noch zu finden ſey? Auf meine verneinende Antwort, entfaͤrbte er ſich, und brach in den unwillkuͤrlichen Auöruf⸗ nun iſt er verloren!“ aus. Che ich zu Worte * — — ein Zufall, oder vielmehr das dunkele Geruͤcht: daß man den Corallo in einem großen ain, und— gruͤbelte. 73 kommen konnte, um den Moͤnch um das Naͤhere zu befragen, gebot er in einen faſt herriſchen Ton: ſogleich anzuſpannen, und außerhalb des Thores del Pepolo Deiner zu harren. Denn man truͤge ſich allenthalben mit dem Geruͤchte, fuhr er fort, daß der Ba⸗ ron Ignaz, der gefuͤrchtete Corallo ſech. Damit verſchwand er wie ein Geiſt. Toörgquag⸗ no muthmaßte eine Falle, aber ein zuruͤck⸗ gelaſſenes Tagesblatt, welches eben die Preſſe verlaſſen zu haben ſchien, weil die Farbe noch nicht trocken war, mit einem roth unterſtrich⸗ 4 nen Satz, belehrte uns eines Beſſern.“ „Mit dem Vorgeben bei dem Wirthe, Dich aus einer Geſellſchaft⸗ abzuhohlen, fuhren wir nnch der Weiſung des Moͤnchs außerhalb des Thores. Kaum war aber der Wagen an den Baſtinrten Ort, ſo eilte ich zuruͤck,— und, Eaffehauſe gefangen habe,— fihins Mich zu Dir.““— Corallo druͤckte ſich in die Ecke des; Wa⸗ „Barnelli!“ fuhr er ploͤtzlich auf,„wie fah der Moͤnch aus?“ „Wie ein kaſteieter Moͤnch,“ antwortete die⸗ ſer lachend.„Uebrigens war er noch jung, hatte blonde Haare, und war bleich von Far⸗ be wie der Tod. Seine großen Augen ſchie⸗ nen den zu durchboren ,mit dem er ſprac. Fuͤr Dich ſchien er recht beſorgt zu ſeyn.“ „Bleich, ſagſt Du, und mit blonden Haa⸗ en!— Trug er nicht einen etwas roͤthlichen Bart?“ „Gott bewahre! er hatte einen rechten Weiberkinn.“ „Ha, Barnelli, es war ein Weib! O, es macht mich wahnſinnig!— es iſt die⸗ ſelbe, mit der ich Schach gezogen!— Gie hat ſich fuͤr mich geopfert!“ „ Nimm min's nicht uͤbel, Hauptmann,“ ſagte jener kalt,„ich glaube es wirbelt an ei⸗ ner gewiſſen Stelle.— Das war ja, wie 4 ich ſelbſt mit eigenen Augen geſehen, ein Offe zier, der Dich rettete.—“ 4 3„Barnelli, ein Weib in Uniform ars Darauf verwette ich mein Leben. 4 von Dir?— Was beabſichtigt ſie damit, zu machen ſucht?— Ha, ihr Schuldner bin Varnelli an.„Sie verlangt ja noch nichts von Dir.“ 75 „Das bleibt mir doch noch ein Raͤthſe. ſchuͤttelte Barnelli unglaͤubig den Kopf.,) „O, Du Unglaͤubiger! Es iſt ja dieſelbe, die mir ſchon ſelbſt ein mal, und fuͤr mich ſchon ſo oft erſchien; es iſt die im weißen Gewande—— O, Du hätteſt ſie ſollen reden hoͤren! Ein jedes ihrer Worte war Weis heit; ſehen mußteſt Du ſie, wie der Verraͤther erſchien und mir ein Matt zurief,— und ſie da aufſprang, ihn Luͤgen ſtrafte, und—„die Aufopferung der Koͤnigin rettet ihn!“” ihm zuſchrie. Sie war die Koͤnigin! Und nan— — Barnelli, meine Sinne verwirren ſich. 4 — Tauſend Mal denke ich was will das Weib daß ſie mit Gewalt Dich zu ihren Schuldner ich nicht! werde es auch nie. Was ſie thut geſchieht von ihr aus freier Willkuͤhr, von mrr unaufgefordert; folglich bin ich von ihr freix« „Du marterſt Dich ohne Urſache!“ hob 76 „Sie darf auch nichts von mir verlangen!“ ſagte Corallo heftig. Ich will von ihr nichts wiſſen.“ „Hauptmann,“ rief Torquano, der Kulſcher, in den Wagen hinein,„ſollen wir in dieſes Döorfchen einkehren? Die Pferde halten es nicht mehr ab.“ 18 4„Meinetwegen,“ ſagte dieſer, den Kirchen⸗ ſtaat haben wir hinter uns. „Signor, entſchuldigte ſich mit der groͤßten Devoteſſe der Gaſtwirth des einzigen Gaſthau⸗ ſes im Dörfchen gegen Corallo, es thut mir ſehr leid, gewiß ſehr leid, Euch nicht ein Zimmerchen allein, anbiethen zu koͤnnen.“ „Er wird doch wohl nicht verlangen,“ ſagte Corallo barſch,„daß ich mit den Bauetn in einer Stube wohnen ſoll!“ „Ach Gott! ach Gott! was ſoll ich armer geſchlagener Mann denn machen? das eine Zunmerchen, was ich nur noch hatte, iſt ſo eben von einer Dame mit ihrer Tochter ein⸗ genommen, welche kurz vor Euch kamen. 6. — — 1— —— worunter auch ein kleines Piquett Landesſol⸗ daten ſich befand. Sein Eintritt ſchien den Anfuhrer des Piquets im Erzaͤhlen geſtoͤrt zu haben. Die⸗ ſer wurde nun von Mehreren aufgefordert, fortzufahren. „Ihr köoͤnnt denken,“ fuhr der nun— mit einer gewichtigen Miene— fort,„daß es der Regierung nicht gleichguͤltig ſein konnte, ob Raͤuber das Land unſicher machten, oder nicht. Es wurden Piauett's errichtet, und uͤber einen dieſer, wurde ich, wie ihr hier ſehet zum Anfuͤhrer geſtellt. Wir erhielten Auftrag, das Land nach Gefallen zu durchziehen.“ „Kuͤrzlich Abends lagerte ich mich mit meinen Leuten in einem Thale, nicht fern von Arpino, um hier von einen langen Tagemar⸗ ſche auszuraſten und dann den Huͤgel hinan⸗ zuſteigen, wo das Staͤdtchen, von dem Mon⸗ de ſo hell beleuchtet, uns gaſtfreundlich ein⸗ lud. Doch noch nicht lange hatten wir die Raſtung genoſſen, ats ein ploͤzlicher Huͤlferuf Verdrießlich ging Corallo ins Gaſtzim⸗ mer, wo er eine gemiſchte Geſellſchaft antraf, 78 uns aufſchreckte. Wir eilten der Gegend zu, wo das Geſchrei ſich immer mehr vermehrte, und ſahen nun einen Wagen von Raͤubern umgeben. Gern haͤtten wir ihnen gleich eine volle Ladung gegoͤnnt, doch das verbot uns die Menſchlichkeit, weil ſie bei unſerer Ankunft ſich mit zwei Damen und mehreren Herrn herumzogen, die von unſern Kugeln leicht hatten getroffen werden koͤnnen.“ Corallo wurde aufmerkſam. „Ich rief ihnen zu, ſich uns zu ergeben! aber ich meine nur.— Schnell ließen ſie von ihrer Beute, und ehe wir uns da verſa⸗ hen, pfiffen eine ganze Ladung Buͤchſenkugeln zwiſchen uns. Wuͤthend uͤber den Verluſt zwei meiner Leute, befahl ich, mit den Bajo⸗ nett Alles uͤber den Haufen zu rennen. Mit dem Ausrufe: es lebe Corallo, unſer Haupt⸗ mann! kamen ſie uns entgegen."“ —„Hu, nun haͤttet ihr ſehen ſollen, lieben Leute, die fuͤrchterliche Metzelet. Die Raͤu⸗ ber waren an Zahl uns gleich und ihdnn blieb, da an keinem Entrinnen zu denken war, keine Wahl, zwiſchen, entweder hier, oder an 79 den Galgen zu ſterben. Denn gefangen, dann gehangen! daß wußten ſie.“ „Beinahe verzweifelte ich ſchon an den Sieg, als einer der Rotte, den ich fuͤr den Anfuͤhrer hielt, meine ganze Aufmerkſamkeit auf ſich lenkte. Stellt Euch einen Menſchen vor, ihr lieben Leute, der ungelogen, drei Kopf hoͤher war als ich,— und ich bin doch ſchon der Groͤßeſte bei drei vollen Regimentern,— und nun hatte dieſer Kerl ein paar Schultern, von deren ungeheuerer Breite, ich Euch gar nichts ſagen mag, weil die halbe Wahrheit ſchon et⸗ was Uebertriebenes ſcheint. Dieſes Ungeheuer hatte ſchon drei meiner Cameraden, obwohl ſie die heſten Bajonettsfechter im Regimente waren, niedergeſchmettert als ich einen Kampf mit ihm einging. Hu, wie ein grimmiger Löͤwe ſtuͤrzte er auf mich ein, doch kluͤglich wich ich ſeinen erſten Anlauf aus, bald aber machte ich eine kuͤnſtliche Wendung, und ehe er ſich da verſah, ſtuͤrzte er, von mir gut getroffen, nieder." „Dieſes ſchien der Sache einen Ausſchlag au geben, denn wie der Muth meiner Solda⸗ 8 en ſtieg, ſo ſank er bei den Näuhesn die ſich nach einem kurzen wüͤthigen. Kampfe, auch bald ergaben.“ 1 „Waͤhrend die Gefangenen gebunden wur⸗ den ſahe ich mich nach den Wagen um, der war aber waͤhrend des Kampfes davon gefah⸗ ren. Noch rathſchlagten wir, wie der Rieſe, der wieder zu ſich ſelbſt zu kommen ſchien, zu transportieren ſey, als das getrapple von Pferden uns aufmerkſam machte.“ „Kurz, ihr lieben Leute, wir erfuhren bald, daß es Leute von Arpinowaren, welche uns von duher zu Huͤlfe geſchickt wurden, weil ſie unſere Noth von den Leuten erfahren hatten, die mit ihrer Equipage in Arpino gluͤcklich angekommen waren. Fuͤr die Verwundeten hatten ſie einen Wagen mitgebracht. Nun wurde der Rieſe mit den uͤbrigen Verwunde⸗ ten aufgeladen, und ruͤck ging's nach der Stadt, wo eine M ge Buͤrger mit Fackeln uns entgegen kamens „Die Seahn Kerls, fing einer aus der Geſellſchaft an, die haben im Lande ſöen 3 Unheil genug angerichtet.— „Wenn ihr den furchtbaren Corallo nur ſelbſt gefangen hättet! v, da haͤttet ihr eine große That gethan,“ fing ein Anderer an. n„Noch laͤugnet es der Rieſe. Daß er aber kein anderer als der Corallo ſelbſt iſt, darauf will ich meinen Kopf verwetten,“ ver⸗ ſicherte, mit einem ſelbſt zufriedenen Laͤcheln, der Held. „Was wird mit den Kerls denn nun angefangen?“ ließ ſich neugierig Jemand hoͤren. 3 „Eine dumme Frage!“ lachte der Anfuͤh⸗ rer der Truppe.„Was mit den Kerls an⸗ gefangen wird?— Sie werden gehaͤngt, ſo⸗ bald die Galgen fertig ſind! Bielleicht bau⸗ meln ſie in einigen Tagen ſchon.“ t Corallo bat den eintretenden Wirth, ihm ſein Schlafzimmer anzuweiſen, weil er von der Reiſe gar ſehr ermuͤdet ſey. „Mit vielen Entſchuldigungen daß er es nicht beſſer in ſeiner Gewalt habe,“ fuͤhrte er ihn nach einen kleinen Zimmerchen, deſſen ein iges kleine Fenſter bei Tage gewiß nur weni⸗ ges Licht von dem Hofe erhielt. 3 Barnelli ſowohl als Torg ua no wur⸗ den indeß beauftragt, daß ſie ſo viel als moͤglich zu erforſchen ſuchen ſollten, ob der Anfuͤhrer der Truppe, die Wahrheit erzaͤhlt, oder ob er zu der Beluſtigung der Geſellſchaft, ein wenig aufgeſchnitten haͤtte. Durchaus noch nicht muͤde, hatte Coral⸗ lo das Fenſterchen ſeines Zimmers, oder das Fenſter ſeines Zimmerchen geoͤffnet, um mit dem Himmel, und ſeinen tauſend funkelnden Lichtern zu hadern, weil ſie alle ſo freundlich herabſahen, da er doch ſo mißgeſtimmt war —— als zwei hell erleuchtete Fenſter ihm ſeitwaͤrts gegenuͤber, ſeine Aufmerkſamkeit auf ſich lenkten. Er erinnerte ſich der Ennſchuldegung des Wir⸗ thes bei ſeiner Ankunſt, daß zwei, kurz vor ihm angekommene Damen das letzte Zimmer in Beſchlag genommen haͤtten, und neugierig 3 was das wohl fuͤr welche ſein koͤnnten, ver⸗ um wandte er kein Auge von den Fenſtern, doch etwas zu ſehen. Jetzt ſtand eine autf; ſie nahete ſich dem Fenſter, und— „Hauptmann,“ trat Barnelli ins Zim⸗ mer, ſo eben kommen noch ein paar Leute des 9 Weges von Arpino, die erzaͤhlen: daß in einigen Tagen dort mehrere Raͤuber gehaͤngt werden ſollen, worunter auch der Hauptmann Corallo ſich befände, der es aber duxchaus noch nicht eingeſtehen will, daß er Corallo ſey.“ *1 Jetzt trat auch Torquand ins Gemach, der von dem einen der Soldaten richtig er fahren hatte: daß es mit dem muthmaßlichen Corallo, ihrer drei Raͤuber waͤren, die ihrem Endurtheile entgegen harrten, oder an denen vielmehr die ſpashafte Execution des Haͤngens, vollzogen werden ſollte. S „Ob es von den Unſrigen wohl welche ſein moͤgen?“ ftug Corallo. 8 „Der genauen Beſchreibung nach, ſo iſt der gewaltige breitſchultrige Rieſe, kein ande⸗ rer, als Caſſano,“ antwortete Torquanod. „Klein iſt der nicht, aͤber ſo groß wie der An⸗ führer ihn beſchrieb iſt bloße Prahlerei, ver⸗ ſccherte der Soldat.“: — 84 „Die Feiglinge, daß ſie ſich fangen ließen, ſchalt Corallo.“ „Ja, ſieh Mal, Hauptmann, ſie haben ſich tapfer genug gewehrt; denn die Soldaten, ver⸗ ſicherte mir der Eine im Vertrauen, haben ſchon davon laufen wollen, als von Arpino aus, bedeutende Huͤlfe erſchien; da mußten ſie ſich wohl ergeben. Ein Räͤuber und acht Soldaten ſind auf dem Platze geblieben.“ „Ha, warum uͤbertraten ſie meine Befehle! Sie ſollten ruhig ihrer Wege ziehen, hieß es in der Ordre. Schaͤndlich! lözndiſhi⸗ wuͤthe⸗ te Corallo. 1 „Ja, das koͤnnen wir nicht wiſſen, was den dazu bewog. Er iſt ſonſt immer brav gewe⸗ ſen,“ verſicherte Barnelli.— „ Desßhalb ſoll er auch nicht von der hoch⸗ peinigen Juſtiz, er ſoll von uns gerichtet wer⸗ den. Morgen geht's nach Arpino“—— „„uͤlfe! Huͤlfe!“ hoͤrte man loͤglich weib⸗ liche Stimmen rufen. Die Raͤuber horchten. Jetzt wurden die Fenſter der Damen aufgerſſen„ und deutliher horte m man den Huͤlferuf. Naͤuber bemerkte, welche mit einen iu 83 Schnell hatte Corallo, wie auch Bar⸗ nelli und Torquano ſich mit Terzerolen, Dolchen und Schwertern bewaffnet, und in 8 drei Saͤtzen befanden ſie ſich im Gaſtzimmer. Wenig Eindruck machte der laͤcherliche An⸗ blick, die tapfern Soldaten in den klaͤglichſten Umſtaͤnden von zwei Raͤubern bewacht, zu finden, auf Corallo. Er eilte fort, der Ge⸗ gend zu, wo er die Zimmer der Damen ver⸗ muthete. 1— Bald trat er in eine ſchwach erleuchtete Stube. Doch unbeſchreiblich iſt die Wuth welche ſich ſeiner bemaͤchtigte, als er hier eine alte Frau unter den Fuͤßen eines Raͤubers ſah, der den Dolch drohend auf ihre Bruſt gezuͤckt, wiſſen wollte, wo ſie ihre Barſchaft und uͤbri⸗* gen Koſtbarkeiten verborgen hieltte. Hund, dafuͤr buͤße! rief Corallo, und ehe der Raͤuber ſich beſinnen konnte, ſtuͤrzte er auch ſehon von einem Stoße durchbohrt, flu⸗ chend nieder. Doch noch aufgebrachter wurde er, als er durch die offenſtehende Thuͤr m e G Frauenzimmer ſich heunzogen, die jetzt bbn. maͤchtig niederfiel. „Wer hat Euch hergefuͤhrt?“ donnerte Corallo mit dem Schwerde in der einen, und dem Terzerole in der andern Hand, ſich in die Thuͤr ſtellend, den Raͤubern entgegen. „Wir uns ſelbſt!“ antwortete einer der Kuͤhnſten, und legte auf den Frager die Buͤch⸗ ſe an. „Hier haſt Du den Lohn!“ antwortete Corallo, und mit zerſchmettertem Haupte ſtuͤrzte der kuͤhne Raͤuber. S „Let die Waffen nieder!“ fat er im gebietriſchen Ton. „Tollkuͤhner, der Du es wagſt unſeen Pfad hemmen zu wollen, ſtirb! Damit drang der Raͤuber mit dem Dolche auf Corallo ein doch indem ſtuͤrmten mehrere Raͤuber, von Barnelli und Torquano begſeltt⸗ ins Gemach. „Gnade, Hauptmann! anken die Neu⸗ angekommnen, auſſer Barnelli und Tor⸗ quano, vor Corallo nieder.„Gnade! Wir ſind verfuͤhrt!„) — 87 „Ihr verdammten Schurken; wandte ſich, der Hauptmann gegen dieſe, wie konntet Ihr meine ſtrengen Befehle uͤbertreten?“ „Die Noth, und ped rillo verführten uns es zu thun..— „Ha, ſteht auf ihr Tollen, und fůhrt m mir den Pedrillo her.“ .„Ja, der,“ lachte Barnelli,„hat ſich aus dem Staube gemacht, wie er hoͤrte daß Du Dich hier befaͤndeſt.“ Uunſchluͤſſig ſtanden die erſten Raͤuber mit der⸗ Buͤchſe im Arme im Gemache, indem die andern um Gnade fleheten. 55 „Burſchen, ſäumt ihr noch die Waffen von Euch zu werfen!“ wandte er ſich gegen erſtere. „O, dieſe kennen Dich noch nicht, es ſind Neuangeworbene, ſtanden die andern, auf den Befehl Corallo's, von der Erde auf“ „Streckt das Gewehr! riefen dieſe es iſt Corallo, unſer Hauptmann, der Cuch gebot.“ „Wie das Wetter warfen die Raͤuber nun die Buͤchſen von ſich, und fleheten ebenfalls um Gnade, und ſeitwaͤrts entfuhr der jungen Geretteten, als Co ualngocut worden, ein Schreckenslaut. Corallo ſahe hin; doch de. Dane, cbee⸗ deckte mit beiden Haͤnden ihr Geſicht. „Kommt,“ wandte er ſich nun gegen die Naͤuber,„unſere Gegenwart taugt nicht füͤr das zartere Geſchlecht.“ Cor allo hatte einige der Räͤuber mit ſich auf ſein Zimmer genommen, und hier erfuhr er nun in gedraͤngter Kuͤrze, daß ſie alle da⸗ mals gluͤcklich entkommen waren, die meiſten von ihnen auch wohl die neue Hoͤhle ſchon erreicht haben moͤchten. Doch haͤtte Pedrillo e Luſt bezeigt, mit ſeinem ihm zugetheilten . Trupp, worunter auch ſie gehoͤrten,— und noch mancher kuͤhne Burſche angeworben wurde,— dieſe Gegend ſo ſchnell zu verlaſſen. Durch ihn wurde dieſe Gegend unſicher. Als Caſſano nun kuͤrzlich mit einigen Mann durch das bluͤhende Teerra di Lavora zie⸗— hen wollte, wurden ſie von einem Trupp Soldaten angegriffen, und trotz der tapferſten Gegenwehr, uͤberwaͤltigt, und nach Arpino gefuͤhrt, wo ihnen ein kurzer Prozeß den Hals wohl koſten wird.“ „Sie ſollen auf einen Straßenraub er⸗ tappt ſeyn,“ warf Corallo ein. „Glaube es nicht, Hauptmann! Zufaͤlliger⸗ weiſe kam ein leichter Wagen dazu, wie Caſ⸗ ſano mit den Soldaten kaͤmpfte, verſicherte der Räͤuber. Caſſano iſt unſchuldig, Ped⸗ rillo hat an allem Schuld; haͤtte dieſer das Land nicht aufruͤhriſch gemacht, ſo konnte Caſſa no ruhig ſeine Straße ziehen.“ Warum ſeyd ihr dem Pedrillo gefolgt? brauſte der Hauptmann auf.* „Hauptmann, unſere erſte Pflicht iſt, nach Deiner eigenen Ordere, Subordination. Ped⸗ rillo war uͤber uns geſetzt.— So fuͤhrte er uns auch dieſe Nacht hierher, weil wir er⸗ fahren hatten, daß der Wirth ein reicher Kerl ſey, und die Reiſende viel Geld und Koſtbar⸗ keiten bei ſich fuͤhre.“ „Die weitere Unterſuchung will ich E bis auf eine gelegenere Zeit erlaſſen. 90 was ſind es fuͤr Burſche, die ihr mit Euch fuͤhrt?“ frug Corallo. „Ehrliche, brave Burſchen,“ antwortete der Raͤuber, die ſich nicht fuͤrchten und ſcheuen wuͤrden, den Teufel ſammt ſeiner Großmutter ſelbſt, aus der Hoͤlle zu hohlen.“ „Gut! Sind die Soldaten ſchon wieder befreit?“ „Nein, noch nicht! Wenn du aber befielſt, ſo ſollen ſie ſogleich losgebunden werden.“ „Nein, ich will ſie ſelbſt von ihren Ban⸗ den befreien. Doch ihr entfernt Euch ſchnell und eilig, und in Arpino ſehen wir uns wieder.“ Indem die Raͤuber ſich entfernen wollten, rief er ihnen noch nach, den Pedril⸗ lo, wo ſie ihn fänden, aufzuknuͤpfen. Lachend trat Torquano ins Zimmer, und erzaͤhlte„daß die Soldaten weinten und wie Kinder lamentirten denen die Ruthe vor⸗ gehalten wuͤrde.““ Mit Gerauſch und Losfeuern einiger blind⸗ ladenen Terzerole, entfernten ſich die Raͤu⸗ mit Fluchen, Poltern und einander⸗ —— ſtarrte. Das Geſicht hatten die Naäͤuber voͤllig angeſchwaͤrzt. ſchlagen der Degen wurden ſie von Corallo, Barnelli und Torquano verfolgt. Nachdem ſie glaubten, daß die, bis auf die Straße Verfolgten, wohl in Sicherheit ſeyn koͤnnten, gingen ſie denn ins Haus zurüͤck. Corallo oͤffnete das Gaſtzimmer, und hier bot ſich ihm denn noch ein Mal der laͤ⸗ cherliche Anblick dar. In einem Winkel lagen ſaͤmmtliche Solda⸗ ten mit einigen Fremden ſo zuſammengekne⸗ belt, daß ſie ſich nicht ruͤhren konnten; dabei halb nackend ausgezogen, ſpielten ſie mit ih⸗ ren weinerlichen Geſichtern, eine jaͤmmerliche Figur. Doch uͤbertraf die koloſſaliſche Geſtalt des Anfuͤhrers an Lacherlichkeit, all' den uͤbri⸗ gen. Erſtlich wie ein Gekreuzigter, auf Bloͤ⸗ cken feſtgebunden, hatte man ihm auf den Kopf einen Roſenkranz geſchoren, und ſeinen krauſen wolligten Bart mit dicken Pech be⸗ ſtrichen, daß er in langen Spitzen ſte⸗ 9² Helfet! Rettet! Befreiet mich von meinen Banden, rief er ſtoͤhnend den eintretenden 8 orallo entgegen. O, Signor, habt Erbar⸗ men! „Ei, ei, ihr beſfegtet den furchtbaren„ rie⸗ ſenhaften Corallo, und ließet Euch von gewoͤhnlichen Buſchkleppern ſo ſchaͤndlich be⸗ handeln, dieſes ſollte mich an eurer Helden⸗ that beinah zweifelnd machen.“ „ Ach, befreiet mich nur erſt, Signor! Die Naͤuber haben uns im Schlafe uͤberraſcht.“ „Ach, befreit uns, 7 neſen nun 6, bitend die Andern. Corallo durchſchnitt die Banden des Er⸗ baͤrmlichen, indeß ſeine Begleiter die Uebrigen befreieten. Doch nun eilte er mit Barnelli, den Wirth afzuſuchen, den ſie nach einer kurzen Zeit auch in einer Mdieleſ ettenen deß Lage fanden. 4 23 Die Naͤuber hatten, um mit Gewalt ein Geſtaͤndniß ſeiner Schaͤtze von ihm zu erpreſſen, ihn an einem derben Haken, bei den Händen aufgehaͤngt, dabei ſchwere Gewichte an ſeinen 4 Fäßen befeſtigt, um durch das Zucken derſel⸗ ben, ihn zu martern. Die Wirthin hatten ſie quer uͤber den Tiſch gebunden, und die Geiſ⸗ ſelhiebe waren in den dicken aufgelaufenen Streifen im Ruͤcken noch ſichtbar genug. O, mit welcher hohen Dankbarkeit fielen die Geretteten vor Corallo nieder, und dank⸗ ten inſtändigſt fuͤr ihr Leben. Ihren ferneren Dankbezeugungen konnte er nur dodur ent⸗ gehen, daß er ſich ſchnell entfernte. Er ging mit Barnelli in die Gaſtſtube zuruͤck; befahl aber den Torquano, den Wagen in Stand zu ſetzen. Hier erndete er nun auſ5 neue te Lob und Ruhm. „Hoͤrt,“ ſagte Corallo zu dem Anfuͤh⸗ rer der Truppe,— der noch immer befliſeen war, ſeine Glieder mit Spiritus einzureiben, und das Pech aus dem Barte zu bringen,— neigentlich waͤre es doch nun Eure Schuldig⸗ keit, die Raͤuber zu verfolgen, und gefangen einzuliefern „Wenn ich nur erſt wuͤßte, velchen Wes ſie gezogen ſinde, dann will ich ſie ſchon wie⸗ der einhohlen,“ verſicherte der Angeredete. 94 „Nach Arpino hin, werden ſie gewiß ſich gezogen haben.“ „0, Signor, da iert Jhr. Des Weges ziehen ſi e ſicher nicht. Morgen wollen wir nachſehen, heute ſind wir zu angegriffen. O, die verdammten Raͤuber, ſie haͤtten nur nicht im Schlafe uns uͤberraſchen ſollen. 44 Itetzt kam der Wirth, von zwei Stoͤcken und ſeiner Frau geſtuͤtzt, ins Gaſtzimmer ge⸗ humpelt. „Signor, ich bitte Euch, nehmt von mir das, was die Raͤuber gewaltſam mir haben rauben wollen,“ bat der Wirth.„O, ich bin reich, ſehr reich, ihr duͤrft es von Benard der Euch das Leben ſchuldig iſt, nehmen,“ ver⸗ ſicherte er. Nur, nachdem Cor alto ſelſ reich genug zu ſeyn vorgab, ließ fener mit ſeinen dringen⸗ den Bitten ab. Barnelli, der fruͤher ſchon hmmausge gangen war, gab ſeinem Hauptmann einem bedeutenden Wink. Dieſer bemerkte es, und folgte ihm. 4 „Hauptmann,„„ die Donna gab mir bei ihrer Abfahrt ein Schreiben an Dich,“ hob die⸗ ſer an, wie ſie allein waren. „Welche Donna? „Die dieſe Nacht mit uns hier unter ei⸗ nem Dache logirte.“ „Die ſind ſchon davon gefahren?“ „Bei der Hinterpforte ſtiegen ſie ein, und — doch, lies erſt, es wird dir Aufklaͤrung geben.“ Neugierig entfaltete Corallo, das zier⸗ lich zuſammengelegte Schreiben, doch blieb ihm der Inhalt raͤthſelhaft. Kopfſchuͤttelnd, gab er es dem Barnelli zu leſen; „Baron Ignaz! Umſtaͤnde verhindern 68, meinen Dank perſoͤnlich abzuſtatten. Doch fehen wir uns einſt wieder, dann mehr.“ fand dieſer, von einer bebenden Hand ge⸗ ſchrieben. „Woher wußte die“ frug Osr daß ich mich in Rom Baron Ign da ich in dieſer Stadt ja nur allein, . 96 men fuͤhrte; und nun das Beſtimmte:„wir ſehen uns einſt wieder.“ „Das erſte will ich Dir erklaͤren: die Donna, die wir mit ihrer Tochter von den Raͤubern befreieten, iſt dieſelbe— deren Fenſter Du in Rom, ſo oft paſſitteſt. Es iſt die Deutſche.“ „ Ha, Verräther. warum verheimlichteſt Du dies mir ſo lange?“ G „Bei der Abfarth habe ich die alte Donna erſt erkannt.“ „Hauptmann,“ kam Torquano herbei, „der Wagen iſt zur Abfahrt fertig.“ „Wohin ſind ſie gefahren?“ wandte er ſich wieder gegen Barnelli. „Ich glaube des Weges nach Arpino.“ Es war ein kleines bluͤhendes Dorfchen, unweit Arpino, wo Corallo Halt zu machen befahl. Freundlich lud das zwar 88 kleine, aber doch ſehr niedliche, und wie es — — lchien, bequem eingerichtete⸗ und mit Mänen Reben umzogene Wapa zum Mei gamaß le ein. 1 Von der Manier anderer Wirthe gbwc. ch nd, kam der Gaſtwirth nicht kriechend, aber doch ganz hoͤflich an die Thuͤre, um den an⸗ kommenden Gaſt freundlich zu empfangen. „„Wenn Signor, damit zufrieden ſeyn wol⸗ len, was meine Kuͤche und Keller darzubiethen vermoͤgen, ſo ſind Sie mir willkommen,“ ent⸗ gegnete der Wirth, als Corallo ihn um ein gutes Mittagsbrodt in Anſpruch nahm. Hierauf fuͤhrte er ihn in ein Zimmer, wo ſchon mehrere Fremde ſich befanden, die in ihrem Geſpraͤche, durch die Ankunft des Frem⸗ den, ſich gar nicht ſtoͤren ließen. „Ich habe die ganze Unterſuchung gefuͤhrt ⸗ ſagte ein dicker Herr,„muß es alſo genau wiſſen.— Die Kerls wollen durchaus nicht eingeſtehen, daß ſie Räuber ſind; macht aber nichtsr Gehaͤngt werden ſie doch.“ „ Was hat das hochpeinlithe Gericht denn fuͤr Beweiſe,“ frug ein junger Mann, von an⸗ 9 genehmer Geſichtsbildung,„um die Leute, ohne das 4 inarſtinduſß ihrer Schuld, häͤngen laſ ſei 98 —— zu wollen. Häͤngen iſt doch keine Kleinigkeit! 35 fuͤgte er laͤchelnd hinzu. d. *„Junger Mann!“ ſagte mit hochrothem daß ich Euch und eure Familie kenne, wuͤrde ich glauben—— doch genug. Wiſſet, wenn wir jemand zum Haͤngen verurtheilen, 19 hat er das Haͤngen auch verdient.“ „Wenn ich fragen darf,“ erkundigte Co⸗ Lalto ſi ch hoͤflich bei einem Nachbar,„ſo moͤchte ich wohl wiſſen, wer gehaͤngt werden 1a 2 pane bei uns haͤngen zu ſehen.„H „Mit Erlaubniß! Sie ſind aus“— 1 „Arpino, der ſchoͤnen Hüͤgelſtadt,ℳ ant⸗ Puna hoͤflich der Angeredete. gierig der Dicke in das Geſpraͤch. 1A „Ich bin der Marcheſe Gibellin Rom,“ ſagte Corallo ſtolz. feurigem Geſichte der Dicke, euer Gluͤck P. 6 „Wir haben bald das Gluͤck den furcht⸗ baren Corallo⸗ nebſt noch zwei ſeiner Kum⸗ Mit Erlaubniß,„ Signor, Sie ſcheinen mir ſehr bekannt zu ſeyn,“ miſchte ſich neu⸗ .99 „So ſeyd mir willkommen, Signor,“ neigte ſich tief der Dicke.„Der Cardinal Palmari euer naher Verwandter, hat mir ſchon ein Mal die hohe Gnade erzeigt, bei mir auf eine ne Nache* abzuſteigen. 1 Corallo neigte ſich. 6 „Ich bin der Praͤſident de Diga 14— „Ha, ich erinnere mich,“ verſie cherte Co⸗ rallo,„daß mein hoher Verwandter Ghßrer einſt erwaͤhnte.“ „Haben die hohe Shnn das gethan?“ rief frendig der Dicke.„O, ihr habt ſo viele 4 Aehnlichkeit mit dem Herrn Cardinal, Signor, daß ich euch gar nicht verkennen konnte.“ „Das haben ſchon Mehrere beßauptst,. 55 zußerte Corallo laͤchelnd. 8 „Es wuͤrde fuͤr mich eine hohe Chre ſenn. wenn der Signor Marcheſe Gibellino bei b mir ihr Abſteigeauartier zu waͤhlen geruhen 4— würden. Vorausgeſetzt, daß es den Reiſeplan 15 Signors nicht verruͤcken wird, in Ar⸗ Pino einzukehren.“ „Es war freilich anfangs nicht mein Plan, dech teitzt dieſe angenehme romantiſche Gegen . 7* 8 100 mich viel zu ſehr, um ſie ſo ſchnell wieder ver⸗ laſſen zu können; daher werde ich in Arpino, als Mittelpunkt aller Schoͤnheiten, mich eini⸗ ge Zeit verweilen.“ „Und ich werde hoffen koͤnnen,“ rief der Dicke.— „Daß ich Gure Guͤte nicht mibrauchen, und bei Euch wohnen, Euere Erlaubniß aber deſto oͤfterer benutzen, und Euch beſüchen werde.“ Groͤßtentheils beſtand die Geſellſchaft aus Standesperſonen von Arpino, welche oͤfte⸗ rer die Spazierfahrt nach dem nahen freundlichen Doͤrfchen machten, wo ſie ſtets bei einer gut beſetzten Tafel, eine prompte und reelle Bedits nung fanden. Zufaͤlligerweiſe hatte C Sratio nun die Bekanntſchaff eines der ſtolzeſten, dabei aber der wichtigſten Maͤnner Arpino's, des Praͤſi⸗ denten de Dival, gemacht, welcher nicht wenig ſtolz darauf war, mit dem eesg Marcheſe Gibellino in einem Wagen zus ruͤckzufahren. O, wie ärgerte er ſich, daß ets nicht heller Tag mehr war, damit die hohen — 4 Torquano beauftragt hatte, zu ſuchen von 1⁰¹ Adlichen der Stadt, die dhn⸗ trotz ſeines hohen Standes, des kleinen Adels wegen nicht ſo recht achten wollten, es geſehen haͤtten, wie h der nahe Verwandte des maͤchtigen Cardinals, ihn ſo achtungsvoll begegnete. Dringend wur⸗ de Corallo, nachdem der Praͤſident ſelbſt, 8 ihn ins groͤßte Gaſthaus Arpino's gebractcht hatte, von ihm noch ein Mal, auf den mor⸗ genden Mittag eingeladen. „Der Praͤſident iſt wohl ein ſehr enger Mann?“ fing Corallo denſelben Abend, mit dem Wirthe noch ein Geſpraͤch an. Der Wirth zuckte die Achſeln. „Ihr du3ͤrft mit mir frei von ihm r reden, 4 verſicherte Corallo„denn zwiſchen uns herrſcht nur eine oberflaͤchliche Bekanntſchaft. 44 r. Gnaden, der Praͤſident, iſt ſehr ſtreng“ ſtotterte endlich der Wirth, doch weiter war nichts aus ihm hervor zu bringen. Nachdem Corallo den Barnelli und den Gefangenen und ihren Gefängniſſen ſo niſſen in Augenſchein zu Rehmnen 7 loſt ein wenig aus. 88 ab, lüftee den falſchen Bart etwas- hiermit druͤckte er ihm zehn Scudi in die 102 viel als moͤglich zu erforſchen, ging er, um das Staͤdtchen mit ihren polizeilichen Verhaͤlt⸗ Eben kam er von den Ralöhauß, wo er die Bruſtbilder des Ma rius und des Cice in Augenſchein genomuehn hatte, als ein Bettler um Almoſen ihn anſprach. Corallo reichte ihm eine kleine Münzſorte. 39 „Signor Corallo koͤnnte wohl mehr ge⸗ ben,“ ſagte etwas ſcharf der Bettler. Drohend ſah dieſer auf; doch da zufälliger⸗ weiſe kein Menſch in der Naͤhe war, ſo legte jener in aller Schnelligkeit eine falſche Maäſe „Bernard, frage als iüdiſcher Kaufmann im großen Hotel nach Marcheſe Gibellino,“ Hand, und entfernte ſich ſchnell. Eben machte E vrallo ſich fertig um de 1. Praͤſidenten den verſprochenen Beſuch abzu⸗ ſtatten, als der Marquer einen juͤdiſchen Kauf⸗ mann meldete, der ſich dur hans nicht vbrück. —— verkauſcht, mit einigen italieniſchen Umſchlage⸗ — gehoͤrt?“ tet?“ frug Corallo weiter. 4⁰³ weiſen laſſen wollte, weil Signor lhf mit feinen Waaren beſtellt haͤtte. „Er ſoll hereinkommen!“ befahl Corallo. Gleich darauf trat auch Bernard, ſei⸗ 1 nen fruͤher kurzen Bart mit einem langen, und die falſche Naſe, mit der natuͤrlichen tuͤchern uͤber dem Arme, herein. „Biſt Du allein?“ frug Cdrallo ihn in das hinterſte Zimmer fuͤhrend⸗ „In Arpino ſind wir unſerer Sechſe, unter allerlei Geſtalten; drei ſind vor dem Napojathor, die unſeres Signals harren, um ſogleich zu erſcheinen wenn wir ihrer. 6 duͤrfen,“ berichtete Bernard. „Habt ihr von den Gefangenen uhe „Nichts! wir ſind dieſen Misen ſehe fri hier erſt angekommen.“ „Sind die Neuangeworbnen gut ucesd. „Genau. Sie kennen Dich, und die e nale.4 1 „Habt ihr den Pedrillo nicht Refunden 1⁰4 „Nein, der iſt wesſchwunden. ſt 5 „Wenn ihr etwas noͤthig habt, ſo laßt Euch von Barnelli nur Geld gehen. Ver⸗ abtede mit ihm Zeichen, daß Ihr jede Zeit, zu finden ſeyd; wenn man Eurer vielleicht noͤ⸗ thig haben ſollte,“ befahl Corallöo..⸗ „Hauptmann, nimm Dich mit der Ret⸗ tung der Cameraden wohl in Acht! die Poli. zei ſoll hier ſehr ſtrenge ſeyn,“ warnte Bern ard. „Davon biſt Du ein lebendiger Deweis laͤchelte Corallo. 4 „Laß Dich dadurch nicht irre fähren⸗ 4 Hauptmann! mein Hierſein beweiſt Dir nichts; denn die kluͤgſten Polizeien müſſen ſich Naſen drehen laſſen/ 9 i. Aaͤchelnd befahl Corallo, daß er ſich jett entfernen, den Abend aber, als Bedien⸗ ter des Praͤſidenten de Div al, wiedertom men ſollte. Mit unerhoͤrter Dreiſtigkeit fuhr G 0 eatio mit ſeinem auf's neue erborgten Namen, in der glaͤnzenden Equipage durch die lebhaften Straßen Arpino's, da dieſes Staͤdtchen dooch nur ohngefahr zwei und funfzig italie 7 ti, der einſtmals die Gewogenheit hatte, 4 105 1e, sder dreizehn deutſche Meilen von Rom entfernt lag, wo er ſo ſchnell bekannt gewor⸗ den, zuletzt die Flucht hatte ergreifen muͤſſen; wie leicht konnte ihn jemand von dorther, als den Nicht Gibellino, der wirklich exiſtirte und jetzt auf Reiſen war, erkennen. Dieſe Gedanken durchfuhren auch den Kopf Corallo's, doch, entweder gedeihen deine Plane ſchnell zur Reife, oder es gluͤckt dir nicht, dachte er, und fuhr bei dem Praͤſiden⸗ ten zum Mittagsmahle vor.— Geſchaͤftig ſprangen zwei Bedienten in Staats⸗Livrees an den Schlag des Wagens, und hoben ihn heraus. Corallo ſahe ſie ſchaͤrfer an, und— Doch gebuͤckt ſtand nun ſchon der dicke runde Praͤſident bereit, um ihn in den Salon zu fuͤhren, wo er der Wirthin, einer bluͤhen⸗ den zwanzigjaͤhrigen Italienerin, und der üͤbri⸗ gen Geſellſchaft, welche meiſtentheils aus al⸗ ten Maͤnnern beſtand, als Signor Marcheſe Gibellino, der ſehr nahe Anverwandte der maͤchtigen Eminenz, des Cardinal's Palma⸗ 106 ihm auf cinẽ Nacht huit don⸗ aedefſe wurde. 1 Freundlich, naber von einer leichten Roͤthe uͤbergoſſen, und einen mißtrauiſchen Blick, auf ihren, beinah dreimal ſo alten, Gatten werfend/ bewillkommete ihn die Praͤfidentin; ehrerbie⸗ thig empfahlen ſich ihm die Gaͤſte, wovon kei⸗ ner den wirklichen Gibellino zu kennen ſchien. Seine anfäͤngliche Verlegenheit, welche die ſchoͤne Wirthin nur allein zu bemerken und auf ſich zu beziehen ſchien, verſchwand. Er zeigte ſich ganz als Juͤngling, der im gro⸗ ßen Weltton erzogen und gebildet war. Er unterhielt die Geſellſchaft von ſeinen Reiſen, und— o daß es der kalte Fremd⸗ ling nicht bemerkte, wie die ſchöne Frau mit ihren dunkeln brennenden Augen ihn anflammte, wenn er von den Gefahren erzählte, in denen er geſchwebt, woraus er aber durch gluͤckliche Ungefaͤhre wieder gerettet ward. Auch Coral⸗ lo kam oͤfterer in Beruͤhrung, da er einige Mal von ſeiner Bande, dann wieder von ihm ſelbſt auf oͤffentlicher Landſtraße einſtmals an⸗ riffen, und beraubt, vder wohl gar gemot⸗ — —— 2 Sochnothpeinlichen Eriminal⸗Gerichts wat⸗ 109 gehabt zu haben, den Anverwandten des maͤchtigen Cardinals Palmari mit Raͤubern confrontieren zu wollen. Achſelzuckend wollte der Alte, der den Corallo mehrere Mal von der Seite angeſchielt hatte, ſich ſchon wegwen⸗ den, als Corallo, bei ſeiner Dame ſich ent⸗ ſchuldigend, ihnen naͤher trat. „Sie entſchuldigen,“ hob er an,„ich habe meiner mehrere Mal in ihrem Geſpraͤche er⸗ waͤhnen hoͤren,— wenn ich vielleicht in einer Sache dienen konnte!——. „O, bitte, bitte! Ach Signor Marchefe d verzeihen Sie, wenn vielleicht ein. Ausdruck, ein Gedanke Sie beleidigen konnte.“ Dabei perlten die Schweißtropfen ſich Fauſtdick auf der Stirne des armen dicken runden, mit ei⸗ ner kahlen Platte gezierten, Praͤſidenten. 8 Auf die dringenden Bitten Corall 025, erfuhr er denn endlich, daß die Sache ſich um nichts weniger handele,— natuͤrlich nachdem der Praͤſident in der Angſt des Geſtandniſſes ſich noch tauſend Mal entſchuldigt, und das 8 Ganze, auf den Alten, der ein Mitglied d 110 ſchoben hatte,— als daß, da die Raͤuber bis⸗ jetzt ihr Handwerk noch nicht haben eingeſte⸗ hen, und der muthmaßliche Räuberchef, ſich noch nicht. hat zu erkennen geben wollen, er, als Signor Marcheſe, da er doch ſchon mehre⸗ re Mal mit ihnen in Beruͤhrung gekommen waͤre, und die Boͤſewichter gewiß erkennen wuͤrde, ſie zum Geſtaͤndniſſe zwingen ſollte. Da Corallo ſich nun erkundigte, ob uͤber die Inauiſiten noch nichts beſtimmtes ver⸗ fuͤgt ſey? ſo benachrichtigte ihn der Praͤſident: 2 daß ſie ohne gehaͤngt zu werden, nicht davon kaͤmen, dies ſey beſtimmt, doch muͤßte das bereits gefällte Urtheil dem Koͤnige zur Unter⸗ ſchrift erſt vorgelegt werden, und das waͤre noch nicht geſchehen. Es koͤnnte alſo gar nicht ſchaden, wenn das eigene Geſtändniß der Raͤuber, noch mit beigefuͤgt werden koͤnnte. Bereitwillig bot Corallo ſeine mitwüt⸗ kende Huͤlfe dem Praͤſidenten an, und verſi⸗ i⸗ cherte, daß es ihm ein rechtes Vergnuͤgen ſey, die menſchliche Geſellſchaft von ungejegien tejraen zn. koͤnnen. 1¹¹ „Recht vergnuͤgt wurde noch ein Stuͤnd⸗ chen verplaudert, hernach verfuͤgten die Gaͤſte ſich nach Hauſe, und Corallo nahm das Anerbieten des Praͤſidenten, mit ihm ein we⸗ nig ſpatzieren zu fahren, gern an. Kaum ſaßen ſie im Wagen, als Corallo den Praͤ⸗ ſidenten, der um keinen Preis ſeine ſchoͤne Gemahlin mitgenommen haͤtte, auffoderte, mit ihm nach dem Gefaͤngniſſe zu fahren, um die Raͤuber, ehe eine Confrondation ſtatt faͤnde, erſt, ohne daß er von ihnen bemerkt werden koͤnnte, zu ſehen. Er fuͤrchtete die erſte Aufwallung der Raͤuber. Der Praͤſident fuhr mit ihm dahin, und er ſah ſeinen braven rieſenhaften Caſſano, in zentnerſchweren Ketten; auch die anderen beiden waren brave Burſchen, die er kannte. Sie ſollen geret— tet werden, war ſein feſter Entſchluß, obwohl das Wie, ihm noch ſehr dunkel vor den Au⸗ gen ſchwebte. Mit dem tactfeſten Gefongen, und Solus⸗ waͤrter, war nichts anzufangen, das ſahe er auf den erſten Blick; alſo war entweder ni Liſt oder Gewalt anwendbar. Eins mu 112 Then und ſollte er ſich ſelbſt opfern muͤſſen! z ſchwur er ſich zu, denn ſein Caſſano in gritn war fuͤr übn ein uneenaglihe Ge⸗ danke. 4 Nach einer kurzen Spazierfahre enpfaßt er ſich dem Praͤſident ganz gehorſemſt, und ſtieg vor ſeinem Quartier aus. Eben bewies er dem Barnelli die Un⸗ moͤglichkeit der gewaltfamen Befreiung, da dem Gefangenwaͤrter die Huͤlfe zu nahe waͤre, als ein Bedienter des Praͤſt denten gemeldet wurde; der gemeldete trat herein, und es r der ganz veräͤnderte Kaufmann von d ſe Morgen. „Bernard, 4 uicf Sotatls ihm ent⸗ gegen,„ich ſahe bei dem Präſſidenten de Divaf zwei bekannte Geſichter⸗„⸗„/. 5 „Du haſt Dich nicht geirrt, Haupemam, antwortete jener lachend, es ſind zwei Neuez; die Du in dem Wirthöhauſe kennen gelernt haſt. Sie wurden von dem Praͤſi ident mit der Bedingung in Dienſt genommen„ daß ſie binnen einigen Tagen Atteſtate, von ihrer vdri⸗ 3 gen Herrſchaft beibringen ſollen, die ſie detio⸗ ren zu haben, vorgaben. Es ſind zwei pfiffige Burſchen, mit denen ich die Hölle ſtuͤrmen koͤnnte. Sie haben Dich erkannt, und krauan ſich ſchon des Ausgangs.“ „Was treiben die andern?“ „Swei durchbetteln als neunzigjaͤhrige Grei⸗ ſe die Stadt, und einer ſaͤuft als Laſttraͤger in allen Weinſchenken ſich anſcheinend toll und voll. Die drei Kameraden vor dem Thore, harren in der Kapelle als betende Malfahras Deiner Befehle.“ „Habt ihr Geld noͤthig?“ „Nein!“ war die kurze Antwort. „Komm Morgen wieder, und halte bei mir um den Kammerdienerdienſt an,“ befahl Corallo.„Du Derſtehſ mich 2% „Wohl!“ „Wenn etwas vorfallen wute, ſo cleb mir nur ſogleich Nachricht davon; und wenn ich eurer beduͤrftzg bin,“ frug Sotalts A00 finde ich Dich?“ „Auf dem großen Markte, als einen eiin: armigen alten Invaliden, mit Ungeziefer A 3 haftet; damit einen jeden die Luſt ver 14 mich gaſtfreundlich, einzuladen;“ er entfernte Marquer's wie vor ſich hin: vroßen Herrn iſt nicht gut dienen.“ „Ein gewandter Burſche, der Bernard,“ aͤußerte Corallo, als jener fort war, ge⸗ gen Barnelli. „Gewiß iſt er das!“ Unangemeldet trat ein junges huͤbſches 1 lich bat, ihr Anliegen dreiſt vorzubringen. „Ach, Signor!“ dabei ſah ſie etwas ſcheu nen Wink, worauf er ſich auch ſogleich ent. fernte. „Nun, ſchoͤnes Kind, prich frein onf Du an mich ein Anliegen?“. „Ich nicht,“ antwortete ſie dreiſter,„aber hier habe ich ein Schreiben, darauf wuͤnſche 8 gern Antwort zu haben.“ Begierig öffnete er den, in die Jorm eines rta zugelegten Brief, und vmndes i ſich und brummte halblaut in der Naͤhe des Maͤdchen ins Zimmer, die verlegen wieder zu⸗ ruͤcktreten wollte, als Corallo, ſie freund⸗ ſich nach Barnelli um. Dieſer erhielt ei⸗ 8 dabei druͤckte er dem lieben Kinde ein Goldſtück 115 „Marcheſe Gibellino, wird von einer ungluͤcklichen Dame dieſen Abend 12 Uhr zu einer freundſchaftlichen Unterredung 8 inſtaͤndigſt eingeladen.“ g. „Wer iſt denn die L., liebes Kind 2 ftug Corallo ſie unter's Kinn faſſend, und— doch er begegnete zwei freundlich lächelnden Augen, die ihn ſchelmiſch anhlickten. „Wenn, Signor,“ fing ſie dann an,„dieſen Abend mit dem Schlage Z woͤlf, bei der Statuͤe nur ſeyn wollten, ſo will ich Sie ſchon hinfuͤhren, wo Sie die unglüͤſkliche Sig⸗ no⸗ora L., kennen lernen.“ „Ja mein Kind, gern moͤchte ich da ſehn, aber ich weiß die Statüe nicht zu ſinden dein in bin fremd./ „Ey, die iſt ju keicht zu finden. Sie ſteht in der Mitte der Magdalenen Straßel Magdalenen Straße,— das fuhr ihn wie ein Blitz durch den Kopf;; Magdalemen 8 Straßze, da wohnte ja der Präͤſident.— 8 „uUm Zwoͤlf Uhr bin ich bei der Stat imn die Shans⸗ die ſich denn auch, mit ſeiner 1116 Antwort und ſeinem Haͤndedruck, ſehr zu⸗ frieden bezeigte, und ſich entfernte. Schon ſeit uchigan Minuten ging Co⸗ 8 rallo tief in ſeinen Mantel gehuͤllt, bei der Statuͤe, auf und nieder, und—„koͤnnte das . nicht auch Laura heißen?“ frug er ſich. Varnelli ſahe ſie mit der Mutter der 6 S ges nach Arpino fahren; ſie ſind hier a an⸗ gekommen; Laura hat heute mich bemerkt, und ſie ladet mich 5 Wiſſen ihrer Mutter ein. Die Präͤſidentin— 66„Signor, wurde eer in ſeinen leiſen Selbſt⸗ 55 geirich unterbrochen, ihr habt Euch puͤnktlich eingeſtellt. Hört, jetzt ſchlägt's Zwoͤlf. rin von vorhin an der Sprache, deren Füh⸗ rung er ſich ſogleich anvertrauete. Es war zu dunkel um das Haus zu er⸗ kennen, wo auf leiſes Klopfen ſich eine kleine „Pforte oͤffnete. Corallo ergriff das w * Sammethaͤndchen ſeiner Fuͤhrerin; w nun leiſe eine Treppe hinan, durch Bald erkannte er die niedliche Brieftraͤge⸗ ging er darauf los; oͤffnete ſie, und— die goffen lagee vor der Präſdentin, auf den g en. 112 dunkle Gänge, in ein ſchwach erleuchtetes Zimmer ſchob, aus welchem die lieblichſten, Duͤfte ihm entgegenwallten. s Er ſah ſich allein. Bald bemerkte er eine leicht angelehnte Thuͤr; in dem Fache dieſer Art Ueberraſchungen, gar nicht unbekannt, Haͤnde flach auf den reizenden Buſen gedruͤckt, das hocherroͤthete wunderſchoͤne Lockenkoͤpfchen, mit Augen die nicht aufzublicken wagten, tief geneigt, kam, in dem mit einer wohl⸗ luͤſtigen Daͤmmerung dunkel erhellten Zimmer, ihm eine Geſtalt, wie ſie keine Feder, ſon nur der Pinſel eines Raphaels darzuſte vermag; die uͤppigen Reitze von einem leich Florgewand umfloſſen, einige Schritt bebond entgegen. Unbeweglich blieb Corallo an der Tuir b ſtehen; das Erſtaunen hielt ihn gefeſſelt; dem Kenner weiblicher Schoͤnheit war eine ſolche Geſtalt noch nicht vorgekommen. Ihm ſank der Mantel von dem Schultern, ſie ſahe auf— „Signora!“ rief Corallo, und hing — 118 „Signor!“ ſeufzte dieſe, und hob ihn zuͤrt⸗ lich auf.—„Werdet Ihr einer ungluͤcklichen Frau, den Schritt verzeihen?“ frug ſie bittend, mit einem ſanften Haͤndedruck. 55 „Verzeihen!“ rief Corallo haſtig,„ver⸗ zeihen, daß Ihr mich, zu dem Gluͤcklichſten der Sterblichen macht! O, Signora!“ dabei ſahe er ſie ſo ſanft bittend mit ſeinen klaren Augen an, daß ſie bebend in ſeine ausgebreite⸗ ten Arme ſank. Sie war eine heißliebende Italienerin, er, ein geſunder kraͤftiger Mann, der wohl das Geſchlecht/ aber nicht ihre Freuden haſſen wollte. , Signor,“ hob die Holde,— nachdem der erſte Rauſch voruͤber war, und ſie nun ſchon etwas ruhiger, in einander verſchlungen, auf der ſchwellenden Ottomane ſaßen,— wie⸗ der an,„ich bin ſehr ungluͤcklich! Im Kloſter ſtill erzogen, eroͤffnete ſich mir ein neues Le⸗ ben, als ich von meinen Vater abgehohlt„in die Welt geführt wurde. Das rege bunte Ge⸗ b tuͤmmel entzuͤckte mich, und ich Thoͤrin pries— mich gluͤcklich, nicht mehr im Kloſter zu ſeyn. 82 Gott, 6 war ja Alles neu vor meine — —————— Stuͤcken; uͤbrigens will ich Dir nur ſagen, Dein Gemahl. Erſtaunen feſſelte mir die gleichguͤltig genug war, ſo waͤre de Dival gewählt haͤtte. Mein Vater, der das, was in mir vorging, bemerken mochte, ließ mir um das Noviziat anzutreten.) 119 Außen.— Doch nicht lange dauerte der 2 Wahn!— Einſt uͤberraſchte mich der Vater, als ich die Serenade eines jungen Mannes las, gleichguͤltig uͤberreichte ich ſie den Eintre⸗ denten. Das iſt ein Windbeutel, ſagte auf⸗ gebracht der Vater, und zerriß daß Papier in fuhr er fort, daß ich fuͤr Dich ſchon gewaͤhlt und mein Wort gegeben habe. Mein Wort? frug ich erſtaunt, wofuͤr? Der wuͤrdige Praͤſi⸗ dent de Dival hat um Dich angehalten, eutgegnete er kalt, in einigen Wochen iſt er Zunge, denn, obwohl die Maͤnnerwelt mir doch der letzte geweſen, den ich zum Gemaht. deſſen Bedeutung ich noch gar nicht kannte, 3 die Wahl: entweder binnen einigen Wochen 3 den Praͤſidenten zum Gemahl zu ehmen, oder heute noch ins Kloſter zurückzukehre, „Der Barbar!“ rief Corallo. 120 „Mein ehrſuͤchtiger Vater war hart; er ließ mir keine Wahl! Denn ins Kloſter zu⸗ ruͤckzukehren, die eben gekoſteten Freuden wie⸗ der ſogleich uufgeben,— nein, das war nicht moͤglich! Ich waͤhlte, o jetzt ſehe ich's ein, das groͤßte Uebel, den Praͤſidenten.— Binnen drei Wochen war ich ſeine angetrauete— Ge⸗ fangene. Nur zu bald bemerkte ich, daß er nicht aus Liebe mich gewählt, wie koͤnnte auch die in ſeiner kalten ſchwarzen Bruſt entſlam⸗ men, ſondern weil—“ 1 =—„ihr die Schoͤnſte eures ganzen Ge⸗ ſchlechts ſeyd,“ rief Corallo, und umfaßte ſi ſie „Die Ehrſucht verband mich mit des Al⸗ ters Thorheit,“ ſagte ſie mit leiſer Stimme. „Ich wollte von dem Kloſter mich befreien, unnd wurde in die Gefangenſchaft geſtoßen. CEinen jeden jungen Manne iſt der Pallaſt Divals unzuganglich; nur verdrießlichen Criminal Geſichtern, und Hypochondriſten ſteht er offen.— Doch ich bin nicht mehr un⸗ gluͤcklich,“ ſagte ſie ſanft, und umſchlang ihn feſter,—„denn er fuͤhrte Euch zu mir.“ nnd mich zu Euch. Du Holde!’"¹˙ —õjÿõ——— gentraͤume pflegen einzutreffen, wenn ſie nicht 121 Inbruͤnſtiger wurden die Umarmungen, be⸗ deutender die Blicke, hoͤher hob ſich die Bruſt, leiſer aber feuriger und anhaltender wechſelten — C— die Kuͤſſe, und—— Mf, „Habe ich getraͤumt,“ frug am andern Morgen der etwas ſpaͤt erwachende Corallo, ſeinem Barnelli, der laͤchelnd, mit der Chocolade in der Hand, vor ſeinem Bette ſtand. „Das iſt wohl moͤglich!“ antwortete dieſer in ſeinen Baßton, lachend.„Und die Mor⸗ laͤngſt ſchon eingetroffen ſind,“ ſetzte er, die Chocolade ihm hinhaltend, hinzu. „Wann bin ich nach Hauſe gekommen?“ frug er aufſtehend. „Gerade als der Tag anbrechen wollte,“ antwortete Barnelli,„und wir ſchon be⸗ ſorgt nach Dir forſchen wollten, kamſt Du an; legteſt Dich, ſo wie Du warſt, und noch jetzt biſt, ſchlafen;— und daß Du den genoſſenen Rauſch fortgetraͤumt haſt, glaube ich gen Deinen Mantel haſt Du zuruͤckgelaſſen 122 „Iſt Bernard noch nicht hier geweſen?“ „Der wartet Deiner ſchon Stundenlang.“ Corallo zog ſich um und ließ Wein bringen. Bernard berichtete, daß zwar nichts Neues vorgefallen wäre, doch erregten die bei⸗ den bettelhaften Greiſe, Verdacht. Corallo der nun ſchon glaubte etwas wagen zu duͤrfen, nahm nicht allein den Ber⸗ nard ſondern auch die beiden Greiſe, die ſich ſchnell in kraͤftige Burſchen umgewandelt hat⸗ ten in Dienſt. Freilich wunderte ſich der Herr Wirth nicht wenig, daß der Signor Marcheſe auf Reiſen, ſeine Bedienung ſo vermehrte, und die Koſten dadurch ſehr vergroͤßerte; denn die Bedienten, lebten wie große Herrn. Doch was kuͤmmerte ihn das, wenn es in ſeiner Macht ſtand, ſo haͤtte er den vornehmen Gaſt, der gewiß ſehr reich ſeyn mußte, noch einige Be⸗ dienten unterſchoben; denn die Rechnung, welche nach den Willen des Marcheſe jeden Abend berichtigt werden ſollte, wurde ja da⸗ durch um ſo viel groͤßer. Kurz, der neigte rt hatte, noch weit tiefer vor ihm, als ſich, ſeitdem der Marcheſe ſein Perſonal ver⸗ — — vorhin und beauftragte zugleich ſeine Mar re, jeden, der ſich zu der Stelle eines Bedien⸗ 3 ten qualifizire, dem Signor Mhanheſe zuzu⸗ ſchicken. Cs war ſchon etwas ſpaͤt, als 65 ralo zu dem Praͤfidenten fuhr, den er mit dem alten Criminaliſten allein fand. De Dival entſchuldigte ſeine Gemahlin, daß eine Unbaͤß⸗ lichkeit ſie hindere an der Geſellſchaft Theil zu nehmen. Gleichguͤltig ſcheinend wurde ſie von ihm bedauert, und bald lenkte er das Geſpraͤch auf die Unterſuchung der Räuber. Wir koͤnnen unmoͤglich verlangen, ſagte der Praͤſident, daß der Signor Marſcheſe ſo ganz gemein auf der Gerichtsſtube mit den Raͤu⸗ bern confrontirt werden ſoll. 1 „Dazu wuͤrde ich mich auch uich enr ſchließen koͤnnen.“ „Ja,“ warf hier der alte Erminaliſt, der auf die Verlegenheit der Inauiſiten ſich ſchon freuete, ein,„wie ließe ſich das abaͤndern 4 „Ganz leicht!“ entgegnete Cor⸗ ko, und bewies es den beiden alten Herrn beiſtimmten; nur glaubten ſie, daß man es von ihm gar nicht verlangen koͤnne, daß er ſich ſo ſehr bemuͤhe. Doch auf ſeine Erwie⸗ derung, daß er es gerne thaͤte, und nur ge⸗ rade ſo handle, wie ein rechtlicher Mann han⸗ deln muͤßte, gab man ſich zufrieden. 8 Der Tag war ſo lockend ſchoͤn, daß Eo⸗ rallo den Praͤſidenten nebſt den Alten zu einer Spazierfahrt auffoderte. Der letzte ent⸗ ſchuldigte ſich, auf den Abend noch Vorberei⸗ tungen treffen zu muͤſſen, und entfernte ſich, indem erſterer die Einladung annahm. Chr⸗ erbietig neigte ſich der Offizier der Wache; als Corallo in ſeinen Wagen, mit dem Praͤſidenten, aus dem Thore, den Huͤgel, wo⸗ 44 Arpino lag, hinab, ins ſchoͤne Thal, ch dem naͤchſten Dorfe fuhr. Sich hier nicht lange aufhaltend, benach⸗ richtigte Corallo, nachdem der Praͤſident 5 ſchon wieder im Wagen ſaß, den Wirth, daß, 3 da er dieſe Nacht bei ſeiner Abreiſe, hier wieder durchkaͤme, ſeine Bedienten aber, mit den Reitpfeiden in voraus hier ſchon eintreſſen zuſammen.“ O* beauftragte er den Barnelli, in aller Schnel: ligkeit ſechs tuͤchtige Rennpferde einzukaufen, und die geſattelt, und zum Aufſitzen fertig im Namen des Marcheſen Gibellino ins Gaſt⸗ „haus unten im Thale, zu fuͤhren. „Du Bernard, ſorge fuͤr ſechs Gemei⸗ ne, eine Unteroffiziers und eine Offiziers Uni⸗ form der hieſigen Garniſon, und benachrichti⸗ ge die Cameraden, ſich beimn Dunkelwerden zhier einzuſtellen.“ „Du Torq uano, ſtellſt den Wrhi vor die Thuͤr, ſpannſt an, und erwarteſt mich; während deſſen ſteigen die nach und nach kommenden Cameraden in den feſt zugemach⸗ ten Wagen, und ſtecken ſich in die dort vor⸗ findenten Uniformen. Doch ſorge dafuͤr, Ber⸗ nard, daß die Waffen der Uniform ange⸗ meſſen, und gut ſind; damit wir ſie im Noth⸗ fall gebrauchen koͤnnen.“ „Mernard⸗ Luces und ene ie 126 „Nu ſoch eins fuͤr Dich Luccal Du gehſt nach dem Pallaſte des Praͤſidenten, und bringſt den beiden Cameraden dieſen Beutel; damit ſollen ſie die Mitcollegen in Trunken⸗ heit verſetzen, und bei denen dieſes nicht moͤg⸗ lich iſt, zu entfernen ſuchen; um, wenn der Praͤſident nach jemand verlangen ſollte, nur einer von ihnen faͤhig iſt, einen Auftrag aus⸗ zurichten. Sollten ſie nun einen ſchriftlichen Auftrag erhalten, ſo ſollen ſie beide damit hierher eilen und mich erwarten. Das Uebri⸗ ge wird ſich dann finden. Noch eins, wiſſet: an der puͤnktlichen Erfuͤllung Eurer Auftraͤge, haͤngt die gluͤckliche Ausfuͤhrung,“ damit ent⸗ fernte er ſich. Eben war er aus dem Hauſe getreten, als ihm von einem Kinde ein Brief gegeben wurde, ehe er ſich naͤher erkundigen konnte, war es ſchon wieder verſchwunden. Er oͤffnete ihn, und es war ein zaͤrtliches Schreiben von der Praͤſidentin, folgenden Inhalts: Sigar Die zärtlichſte Liebe ervattet 3 Euch dieſen Abend um die beſtimmte Stunde.— Mein Tyrann und Peini 127 ger, de Dival, verbot mir dieſen Mit: tag bei Tiſche zu erſcheinen; gewiß ſeyd Ihr da geweſen? O Gott, welche Haͤrte! — Signor! Ihr ſeyd meine erſte Liebe! 4 Ich beſchwoͤre Euch, bei Allem was hei⸗ lig iſt— betruͤgt mich nicht!— Gibel⸗ n lino, verzeihet dem liebenden Weibe den Gedanken der Unmoͤglichkeit; denn Ihr ſeyd treu und wahr, das ſagt mein Herz.— O, wenn es loͤge?— Nein, es luͤgt nicht, und Ihr luͤgt nicht,— der Gedanke der Moͤglichkeit, könnte mich ſchon raſend machen, vielweniger—— (Gibellino, um Zwoͤlf!— „O, du alter Sünder,“ dachte Corallo, „daß du ein ſolches Weib ungluͤcklich machen mußteſt, warte Praͤſident, ich will ſie raͤchen/. Er ſtreifte noch ein wenig umher, kam wie von ungefaͤhr an die Wache, erzaͤhlte dem woachthabenden Offizier, weil gerade das Ge⸗ ſpraͤch darauf fiel, daß er von den Cardinal Palmari ſeinen nahen Anverwandten ei Brief erhalten haͤtte, der ihn zwaͤnge, die Macht noch das ſchoͤne reizende Arpino zu 128 verlaſſen; doch wahrſcheinlich waͤre er in vier⸗ zehn Tagen wieder hier, um die Freuden des Stäͤdtchens erſt recht zu genieſſen. Um die Freundſchaft des Offiziers reicher, kam er end⸗ lich, nachdem die Nacht die Straßen Arpi⸗ no„s in's ſchwarze Dunkel gehuͤllt hatte, bei den Praͤſidenten an, wo ſowohl dieſer, als mehrere Herren nebſt einen Schreiber ſeiner ſchon harrten. Verlegen frug einer der Herrn, wie die Räuber herzuſchaffen waͤren. Dafuͤr ſagte der alte, uns ſchon bekannte, Eriminaliſt, ha⸗ 6 pe ich ſchon geſorgt. Der Herr Secretair braucht nur zum Commandanten zu gehen, 1 mit dem ich geſprochen habe; der wird eine Compagnie der beſten Soldaten mitſchicken, die ſchon beordert ſind; denen ſollen ſie gewiß nicht entwiſchen. Dem Gefangenwaͤrter iſt ſchon anbefohlen, die Inquiſiten wohl geſchloſ⸗ ſen, dem Offizier zu uͤbergeben. Dem Herrn Secretair ſchien bei dem Auftrage nicht recht wohl zu werden, denn trotz den vielen Solda⸗ ten, trauete er den vermeintlichen Corqllo nicht; er gab ein plotzliches Unwohlſein⸗— Schwindel— o weh, die Naſe fing in e 129 gar an zu bluten,— der arme Schelm hatte die unſchuldige Naſe, ein bischen zu feſt ge⸗ druͤckt,— kurz, er gab ſo viel vor, daß er un⸗ moͤglich den Auftrag der Herrn erfuͤllen konnte⸗ Da ſaßen die armen Herrn, in der groͤß⸗ ten Verlegenheit„. woraus Corallo ſie end⸗ lich damit rettete, daß er ſich ihnen anbot: „wenn ſie ihm ein Beglaubigungsſchreiben an den Commandanten und den Gefangenwaͤr⸗ ter mitgeben wollten ein Vergnuͤgen daraus mache, die Raͤuber herzufuͤhren.“ HKiergegen ſtritt aber der Praͤſident mit aaller Heftigkeit, denn das, rief er, iſt zuviel, zuviel! Doch Corallo bat, die Andern be⸗ mit großen Siegeln, dagegen ſollte das ande re, ein Bedienter zu der Commandantur t gen, davon ließ der Praͤſident ſich nicht abbrin⸗ gen. Er rief nach den Bedienten, und gleich darauf trat der ſchlaue Rolfo ein. Ihm wurde das Schreiben, worauf ein wohlange⸗ brachtes eito ſtand, nach der Commandantur zu tragen, uͤbergeben. Der Bediente ging ab, Sera lo entfernte ſich, und bald d hat wießen, und Corallo erhielt Ein Schreiben, ſein Gaſthaus erreicht„wo er ſeinen Wagen ſchon angeſpannt:„ und gut beladen, auch die Ex⸗Bedienten des Praͤſidenten den Rolfo mit ſeinen Cameraden ſeiner harrend fand⸗ Dieſen nahm er nun das von der Sitzung er⸗ haltene Schreiben ab, worin nichts weiter ſtand: als, ſogleich die beoxderte Compagnie Soldaten nach dem Gefaͤngniſſe der Raͤuber marſchieren zu laſſen, um dieſe gewiſſer Abſichten wegen nach dem Pallaſte des Praͤſidenten de Rival zu fuͤhren. Dieſen Ex⸗bedienten befahl er nun, in der getragenen Livree des Praͤſt denten, 1 ſeine beiden Neapolitaner zum Napoja⸗Thor hinaus zu reiten, und bei dem wachthaben⸗ den Offizier vorzugeben, daß ſie auf die Bit⸗ ten des Marcheſe Gibellino, von ihrem Herrn den Praͤſidenten, beauftragt waͤren, fuͤr den Marcheſe auf allen Poſt⸗Stationen, Ertra, im Voraus zu beſtellen. Der Marcheſe ſelbſt, wuͤrde ſogleich nachfolgan. Nun las Corallo auch ſein offnes Schrei⸗ ben, und fand zu ſeiner Freude nichts weiter darin, als: dem Herrn Offtuier mit ſet 4 8 und die Gewehre ſchnel und Vene Geraͤuſch gleitung, die gefangenen Raͤuber, gutgeſchloſſen zu uͤbergeben. Corallo legte es wieder zu, ſagte dem Wirth, den er bald wieder zu kom⸗ men verſprach, ſein Adieu und ſetzte ſich in den wohlgepropften Wagen, der raſch davon fuhr. Nahe vor dem Gefaͤngniße, wurde auf einen freien Platz Halt gemacht. Der Inhalt des Wagens ſtieg aus, die von den Bocke und dem Hinterwagen hinunter, und nachdem Corallo ſich in Offiziers Uniform geworfen, feolgte er ſeinen Leuten. Sie mußten ſich ſaͤmmtlich, der Uniform gemaͤß, bewaffnen, laden. Dies Alles ging natüxlich in unghtche Schnelligkeit.— Jetzt commandirte er, Ach⸗ tung! und nun ging's in militairiſcher Oud nung, den Raͤubern nicht unbekannt, auf das 1 Gefaͤngniß ihrer Kameraden los. Der Gefan⸗ genwaͤrter, oder Inſpector, wie ſie ſich hier zu Lande gern ſchelten laſſen— war von ihrer Antkunft unterrichtet, und hatte ſie ſcho amarket. Corallo fand alſo die drei 132 hoͤfe, von denen man erſt zu den Kerkern ge⸗ langte, geöffnet. In dem letzten Hofe fand er den Inſpector des Hauſes von mehreren Knechten, mit Laternen, umgeben. Corallo commandirte Halt! Richt euch! Ab's Gewehr! und uͤbergab ſein Schreiben. Der ſtrenge Herr Gefangenwaͤrter las es mit aufgeſetzter Brille, und ohne etwas Arges zu ahnen, bat er, nachdem er das Schreiben vorſichtig bei⸗ geſteckt hatte, den Herrn Offizier, die Solda⸗ ten nur mit ins Haus zu nehmen, weil den verdammten Raͤubern nicht zu trauen waͤre. Vorſichtig wurden die drei Raͤuber nun von deen in der Erde feſtgeſtampften Pfaͤhlen, wo⸗ ran ſie befeſtigt lagen, befreit. Die Knechte wollten auf den Befehl des Herrn, den Raͤu⸗ bern erſt noch einige Ketten anlegen, doch hier⸗ von hielt ſie Corallo zuruͤck, weil es wider die Ehre eines Offiziers ſey ſich mit ſeinen Leuten vor den paar Raͤubern zu fuͤrchten. Er nahm ſie mit ihren gewoͤhnlichen Ketten— in die Mitte, die Nͤuber knirſchten wuͤthend mit den Zaͤhnen, weil ſie: nicht anders gla 8 ——— ten, als daß ſich ihr Ende nahe, mußten aber doch, nachdem ſie ſchon mehrere Stoͤße, in Gegenwart des Inſpectors, von den Solda⸗ ten erhalten hatten, ſich ruhig fortfuͤhren laſſen. Sie waren ſchon auf der Straße, die Hoͤfe zugemacht die Knechte zuruͤckgekehrt, als Co⸗ rallo die mitgenommenen Laternen, aus⸗ zuloͤſchen befahl; und dem Caſſano zuraunte, „Bruder, Du biſt gerettet!“ Dieſer wollte vor Freuden aufſchreien, denn er erkannte ſeinen Hauptmann, doch, die Hand auf den Mund befahl dieſer— er ſchwieg. Sie erreichten den Wagen, und trotz der Menge mußten Raͤu⸗ ber und Soldaten, außer Bernard hinein, und hinauf. O, der ruhigen Schaafe gehen viele in einen Stall, liebe Leſer.— Die Pfer⸗ de wurden edeitieben ſie rollten fort; kamen 3 an'’s Thor; Marcheſe Gibellino! neigte Corallo ſich zum Wagen hinaus.—„Die— Bedienten ſind ſchon vor!“ rief, eine gluͤckliche 8 Reiſe wuͤnſchend, der Offizier.— Sie erreich 4 in das Dorf; Barnelli erwartete ſie mit d Pfeden: Sehi mußten ſih ber — 134 machen, und hin ging's, den nicht ſehr fernen Appeninnen zu.— Die arme Praͤſidentin, Corallo Re⸗ petir⸗Uhr gab Zwoͤlfe an. 2. Drittes Buch. 7 Prudeus futuri temporis exitum Caliginosa nocte premit Deus; e Ridetque, si mortalis ultra Fas trepitat. Quod adest, memento Componere aequus: cetera fluminis Ritu feruntur, nunc medio alves Cum pace delabentis Etruscum In mare, nunc lapides adesos, Stirpesque raptas, et pecus et domos Volventis una, non sina montium CGlamore vicinaeque silvae, Cum fera diluvies quietos Irritat amnes.—— Hor. ——— Mäͤrriſch warf Corallo ſich auf den Hoͤhen Bojand's, mit ſich und der danzen uͤbri⸗ gen Welt hadernd, nieder. In dem Tumulte der letzten mannigfachen Begebenheiten, waren die Einzelnheiten ihm entwiſcht. Doch jetzt, einer der groͤßten Ge⸗ fahren entgangen, das Kuͤhnſte ausgefuͤhrt, kurz bei der Sabbathsfeierung ſeiner Sinne, fiel ihm denn doch ſo manches Unerklaͤrliche wieder ein, daß er ganz mißgeſtimmt mit ſich ſelbſt haderte, daß er die geheimnißvollen Geſtal⸗ ten ſo ſchnell hatte voruͤbergleiten laſſen. Dabei war alles um ihn her mit einer ſo geiſterahnlichen Heimlichkeit umgeben. Mit den jetzigen Launen des Hauptmanns nbekannt, hatte Caſſano ihn ſchon N Minu⸗ kenlang ſtillſchweigend beobachtet.— 88„Hauptmann!“ fing dieſer, Hand zutraulich druͤckend, an, mann, Dir geht etwas durch den Kopf. Kann ich Dir helfen, ſiehe, mit Leib und Seele bin ich Dein. Du haſt mich gerettet, gieb mir Gelegenheit, auch etwas fuͤr Dich zu thun. Aber etwas Lebensgefaͤhrliches, Hauptmann.“ n „ Du kannſt mir nicht helfen, Caſſano. Siehe, ſo gings mir in Rom,“— und nun erzaͤhlte er in der weichen Stimmung, worin er ſich befand, alle die Begebenheiten die ihm aufgeſtoßen waren. 1 Mehrere Male ſchuͤttelte der aufmeilſame Zuhoͤrer waͤhrend der Erzaͤhlung den Kopf. Darin ſtimmte er jedoch mit dem Haupt⸗ mann uͤberein:„daß der Offizier kein anderer, als die warnende Frau ſey; dagegen koͤnnte die in Rom gefundene, und hernach noch ein Mal getroffene Laura, unmoͤglich die Jugendgeſpielin Laurette ſeyn. Die gefundene Aehnlichkeit ſey nur ein Spiel der Phantaſie. 1 „Darin magſt Du recht haben, mußt recht haben,“ wallte Corallo auf, und doch ſiſt ſie mir ein Räthſel. Auf wem war das in Rom erhorchte, Geſpraͤch gezielt? Warum ſchrak ſie zuſammen, als ſie im Winhs Barnelli mit Lebensmitteln zuruͤck.“ 139 2— mich Corallo nennen höͤrte? Warum traf ich ſie nicht in Arpino, da ſie doch dds Weges zogen? Und nun— da lies den Abe ſchiedsbrief der Alten.“— Caſſano las ihn.„Die Zeit wird alles entraͤthſeln,“ aͤußerte er, und ſtillſchweigend gab er den Brief zuruͤck. „Die Zeit wird alles Entitzfela Amuntt Corallo leiſe. „Was meinſt Du Hauptmann,“ ftug nach einer kleinen Pauſe Caſſano,„wenn 3 ich von hier nach Rom reiſte, um zu forſchen, und wenn es ſeyn kollite, moͤglich und noͤ⸗ thig waͤre als Helfender auftrete.“ 4 „Ha, Caſſano Du haſt mich errathen! Sorrſche, rathe, helfe, und in Neapel findeſt Br mich wieder.— „Erlaube Hauptmann, daß ch den Rol f 0 mitnehme. 23 „Nimm von den Cameraden wem und ſo viel Du willſt, auch ſorge, daß von den üͤbri⸗ gen Beduͤrfniſſen Dir nichts mangelt. „So eben,“ meldete ein Raͤuber, ſehr 149 Freudig wurde der Gemeldete von den Naäͤubern, freudig von dem Hauptmann em⸗ pfangen, dem er in aller Kuͤrze berichtete: „daß ein reicher Englaͤnder der zufaͤllig auf dem Wege nach Bogano ihm begegnet ſey, die ganze Cquipage nebſt einigen Reitpferden ihm abgekauft haͤtte; dieſes ſey aber auch reecht gut geweſen, denn in den Orte fllſt, haͤtte er es wohl ſchwerlich verkaufen koͤnnen, weil dieſes das armſeligſte Neſt in ganz Ita⸗ 4 lien ſey. Doch haͤtte er dort erfahren, daß die Bruͤder hier in der Naͤhe hauſen muͤßten, denn allenthalben ſpraͤche man pon den hurchte baren Corall lo.“ Nachdem Caſſano mit Rolfo⸗ und guten Wechſeln verſehen, ſich von ihnen ge⸗ trennt hatte, zog auch Corallo mit den Uebrigen in den Gebirgen fort, um in der MRichtung Dragonara s die verabredete Hoͤhle aufzuſuchen. Ermuüͤdet von der An⸗ ſtrengung des Weges machten ſie eines Tages 1. einem ſchonen lachenden Thale, Halt.„Hier moͤcht ich wohnen!“ rief Corallo begeiſtert und ſaunte disſes Phradiss unbewohnt zu ——— —— Quellen entſtanden. O, herrlicher Anblick! dort wieder ein Wald von Mandelbaͤumen; nicht weit davon ein duftender Olivenwald. Erde, der iſt kein Menſch, der dies nicht wurde ihm unheimlich bei den Menſchen, de er Bruͤder nannte; er mußte fort, in der Stimmung, konnte er in der Geſelſchaß— nicht bleiben. echenden zu, und eilte wie von Furien in den dunfeln Olivenwald. Er durchſ 141 Schoͤner hatte Corallo aber auch noch kein Thal geſehen. Rundum mit kahlen Fel⸗ ſen und ſteilen Klippen umgeben, ſchien es, als wollte die Natur das, was ſie an der Umgebung fehlen ließ, hier hundertfach ver⸗ ſchwenden. 8 Hier ſah man gruͤne Auen, mit aromathiſch duftenden Blumen prangend, durchſchnitten von klaren Baͤchen, die durch criſtallreine ſil⸗ berhell aus den Felſen ſpringende, murmelnde Nein, ſein Auge konnte die Schoͤnheiten die es ſah, nicht faſſen. Wunderſchoͤn iſt Gottes fuͤhlt! ſagte ihm eine tiefe Regung, und es „Es folge mir keiner!“ rief Er rallo den Pn. lief unſtaͤt in den Mandelnwald umher, und warf ſich endlich ermuͤdet am Rande eines bemooßten Felſens nieder. Er träumte ſich zuruͤck in ſeine Jugend⸗ jahre; er war Knabe wurde Juͤngling; ſtrebte von ſeinem Palm gefuͤhrt, ein wirkendes Mittglied der menſchlichen Kette zu werden— ſtatt deſſen wurde er Moͤrder! es dunkelte vor ſeinen Augen; hinausgeſtoßen ward er aus dem Kreiſe der Menſchen. Ha, er wirkte, 1 aber wirkte zum Verderben; ein Mitglied,. aber ein Verderbendes Mitglied ward er. In wilder Verzweiflung wollte er ſchon aufſprin⸗ gen, als der Blick von ungefaͤhr auf eine ne⸗ ben ihn liegende Floͤte fiel. Zur ſchmerzlichen Wehmuth herabgeſtimmt, verwunderte er ſich anfangs, wie dieſes ſein Lieblingsinſtrument, woorauf er Meiſter war, hierher in die ſchoͤne Wildniß kam, wo doch Nirgends die gering⸗ ſte Spur von Menſchen zu finden war. So 3 hat ein wohlthaͤtiger Geiſt ſich denn meing— erbarmt, der, um von ſchwarzer Verzweiflung mich zu retten, mir dieſes Inſtrument hier⸗ her gelegt. L ſetzt es an, und mit den Stu⸗ 148 cken die er von Palm einſt erlernt, phanta⸗ ſirte er ſich noch ein Mal in ſeine Jugendjahre traͤumeriſch zuruͤck. als er hinter ſich eine ſchluchzende Stimme hoͤrte; er ſahe ſich um, und an einen Felſen 1 gelehnt, geſtuͤtzt auf einem Dornenſtabe, ſtand ein Mann deſſen Haare nicht ſo ſehr vom hohen Alter, als von Kummer und Gram gebleicht zu ſeyn ſchienen. Sein wildgewach⸗ ſenes Haar und nachläſſiger fremder Anzug, Welt gehoͤrte. Befremdet uͤber die ſo aben⸗ theuerliche Geſtalt, ſtand Corallo auf, und 3 waltſam Geblendeten fand. ,O, blaſe, Fremdling!“ bat der Geblen⸗ dete.„Ach, es iſt ſchon eine geraume Zeit, daß ich die bekannten Toͤne von einem frem⸗ den Munde aus dem Holze habe locken hb⸗ ren. O, blaſe, Fremdling! mir ſind die T5 ſo crauicende Eben endigte er eines ſeiner Lieblingsſtuͤcke, zeigten ſattſam daß er nicht in die rege naͤherte ſich dem Regungsloſen. Doch erſtart ſprang er zuruͤck, als er in ihm einen ge 144 Corallo that's, und wunderte ſich nicht wenig uͤber die Bewegung des Alten. Mit⸗ leidig ergriff er, nachdem er ſein Spiel geendet hatte, deſſen Hand, die in der ſeinigen zu zittern anfing, und frug:„wo er denn wohne, und warum die ſeinigen ihn allein gelaſſen haͤtten?“ „ Ich bin ja immer allein!“ rief, mit ei⸗ nem ſchmerzlichen Empfindungslaut vermiſcht, in fremder Mundart der Alte. Nach mehreren Hin⸗ und Herfragen erfuhr Corallo endlich, daß der Alte ein deutſcher Graf war, welcher von ſeinem etwaß aͤltern Stief⸗ bruder erſt geblendet, und alsdann hierher ge⸗ bracht worden ſey, um die Guter, welche der Mutter wegen, ihm gehoͤrten, an ſ ich zu bringen. Alle ſechs Monate erſchiene ſein un⸗ natuͤrlicher Bruder, zuweilen auch ein Ande⸗ rer, aus deſſen Munde er aber noch nie einen Laut vernommen haͤtte, um ihn mit Nahrungs mitteln zu verſehen; beider Gegenwart ihm jedesmal ſchrecklich.— Seine Sy ammier ſey nach ſeinen Zeichen vierzig gfüllt, folglich müßte er ſchon lber zwa 145— Jahr ſich hier befinden. Waͤhrend det Zeit haͤtten die ſteilen Felſenwaͤnde, von der andern 1 ein Wald ihn zuruͤckgeſcheucht; weil er befuͤrch⸗ † ten mußte, ſich darinn zu verlieren, und wenn er alsdann ſich nicht wieder zuruͤck finden koͤnnte, ſo muͤßte er huͤlflos verhungern. Daher häͤtte er ſeit laͤngerer Zeit ſich nicht weiter als bis zu der Stelle gewagt, wo er die Floͤte, ſeine einzige Geſellſchaft und Unterhaltung wieder mitzunehmen vergeſſen hatte. So eben wäre er nun zuruͤckgekehrt, und— O, ſchloß er ſeine kurz gedraͤngte EGählung, Ihr muͤßt mehr als ein Menſch ſeyn, denn mit Toͤnen mich zu entzuͤcken, die in die Ro⸗ ſenjahre meiner Liebe mich eiumerſſchis ver⸗ ſetzen. Gerne haͤtte der aufmerkſame 6 orallo um Mehreres noch gefragt, doch der ermuͤde⸗ ee Alte faßte ihn traulich bei der Hand, und lat, nach ſeiner Wohnung ihn zu begleiten haͤtte er mehrere Male ſchon verſucht, dieee Gegend zu verlaſſen, doch von einer Seit ſonſt konntet Ihr Euch hierher nicht finden, um 4146 Corallo glaubte da der Alte ihn nach einer kahlen Felſengruppe fuͤhrte, daß ſein Fuͤhrer irre ginge, doch wurde er anderer Meinung, als er dieſen mit dem Stocke vorſichtig nach Steinen fuͤhlen ſah, die ihm Merkmale des ichtigen Weges zu ſeyn ſchienen. Bald blieb ſein Fuͤhrer bei einem Felſen ſtehen; ruͤckte einige darauf liegende breite Moosplatten von der Stelle, und eine ſchmale hoͤlzerne beinahe flach liegende Thuͤr ward ſichtbar. Leicht war ſie zu oͤffnen; der Blinde ging hinein und verſchwand; Corallo folgte, er ſtieg einige Stufen hinab, aber unbeſchreiblich war ſein Erſtaunen, als er nun ploͤtzlich in eine Ebene trat, die an Schoͤnheit und ſchwelgen, 4 deer Pracht, das eben verlaſſene Thal weit bertraf. Die Cbene, kleiner als das Thal, ſchien ein großer wohlunterhaltener Garten zu ſeyn, der von einem großen Bache bewäͤſſer wurde; nirgends ſahe man die wirkende ſchaf fende Hand des Menſchen, die hier aber auch nichts verſchoͤnern, ſondern nur verſchlecht 1 hier in ſeiner ganzen Pracht; er batte hier gebildet und geſchafſen. Es war ein Paradies! Ruhig weideten einige kleine Heerden Schaafe in der blumenreichen fetten Aue, und in den Menſchen keinen Feind ahnend, kamen ſie freudig herangeſprungen, als Corallöo mit ſeinem Begleiter ſich ihnen naͤherte; ſelbtt Voͤgel ſchienen ihre angeborne Schuͤchternheſt hier abgelegt zu haben, und wagten ſich ih⸗ nen ſo nahe, daß man ſie mit Haͤnden hitre greifen koͤnnen. „Ihr wohnt hier paradieſiſch! 4 rief C 3 rallo im Anſchauen verloren. „Sott gebe, daß ich's nie bewohnt bät⸗ 1 und meine Augen mir geblieben waͤren,— 8 ſollte ich auch betteln gehen,“ ſeufzte der Alte. e „Von den Schönheiten ſehe ich nichts, doch. das bittere meiner Lage, fuͤhle ich deſto ſtaät. 8 O, blind zu ſeyn, iſt ja die groͤßte Quall’⸗") Jeetzt erreichten ſie ein hohes wildes Ge⸗ buͤſch, an deſſen einer Seite eine Huͤtie re ſhr bnt ward. „Tretet herein, und ſed mein Gaſtye bat 1 der Alte, der nun die nur uaehs Shß . 148 1 öffnete; und, denn Corallo in ein ziemlich reeiinlich gehaltenes Zimmer fuͤhrte, deſſen Moͤ⸗ beln aus nichts weiter, als einem grob ge⸗ ſchnitzten Stuhl und Tiſch beſtand. Zugleich nahm er aus einer kleinen im Felſen gehaue⸗ nen Grotte, woran die Huͤtte gelehnt zu ſeyn ſchien, Lebensmittel in Menge heraus, und ſetzte es ihm vor. Wein, entſchuldigte er ſich, koͤnnte er nicht reichen, weil er ſelbſt, ſo oft er auch darum gebeten, noch keinen erhalten he te. Mein Getraͤnk um den Durſt zu loͤſche iſt reines Quellwaſſer,— und Milch, die mir meine Schaafe geben, zur Erquickung. Corallo erkundigte ſich, ob dieſes Thal⸗ weiter keinen Ausgang haͤtte, als den, welchen ſie gegangen waͤren? Der Alte verſicherte er ſelbſt ſchon oͤfterer danach geſucht, wre er jedes Mal auf undurchdringli Felſen geſtoßen, und des vergeblichen Sucht äberdruͤſſig, haͤtte er es ſeit mehreren Jah n ganz eingeſtellt. Corallo durchſtrich nun das ſhone und fand es mit einer engverbundenen Felſen⸗ kette ganz umgehen. Des Bergkletterns nicht ungewohnt, verſahe er ſich mit einer langen Stange, und ſtieg nun einen nicht gar zu ſteilen Felſen gerade hinan. Nachdem er 8 uͤber einige, ihn furchtbar angaͤhnende Abgruͤnde hatte ſpringen muͤſſen, erreichte er gluͤcklich deſ⸗ ſen Spitze, doch die Ausſicht blieb ihn der andern Berge wegen, ſehr beſchraͤnkt; beide Thaͤler lagen aher wie bunte Teppiche vor ihm aus⸗ gebreitet. Steil und unzugaͤnglich war der Felſen auf der andern Seite. Nicht ſehr fern ſahe er ſeine Leute; den Zweck derjenigen er⸗ thend, die ſich jetzt einzeln von den Uebrigen txennten, um wie es ſchien, das Thal zu durch⸗ ſuchen, darum verließ auch er die Spitze wieder, und begab ſich zu dem zuruͤckgelaſſenen Alten. Unngern wollte dieſer ſich von ihm trennen, bis Corallo ihm verſicherte, daß er zu ſeinen Leuten muͤßte, die jenſeits der Berge ſeinet⸗ wegen in Beſorgniß ſchwebten. „ Fremdling, der Ihr mir kein Fremdling mehr ſeyd, Ihr koͤnnt mein Retter⸗ Ihr koͤnnt mein Raͤcher werden!“ rief der Alte ihn um⸗ n„O, Ihr koͤnnt meinen jahrelangen 8 Traum zur Wahrheit werden laſſen ach h. euten wieder an, die ihm jubelnd empfingen. les habe ich Euch zu vertrauen. Doch bitte ich vertrauet keinem dritten das Geheimniß mei⸗ nes Daſeins; denn Niemand wuͤrde vor dem Mordſtahl meines maͤchtigen Feindes mich retten können, wenn er nur ahnete, daß ich von einem Dritten entdeckt ſey.“ Auch Corallo trennte ſich ungern von dem Alten. Mit unwiderſtehlichen Banden fuͤhl⸗ te er ſich von ihm angezogen, es regten ſich in ihm Gefuͤhle, die er ſich noch nie bewußt war; es war Chrfurcht mit inniger Liebe vermiſcht; es war ein Gefuͤhl, wie es der Sohn g den Vater nur empfindet.— Mit dem Vo ſatze einige Zeit hier zu verweilen, und dieſe bei dem Alten zuzubringen, kam er bei ſeinen Still und verſchloſſen verbrachte er die Nacht im Kreiſe der ſeinen; er bruͤtete uͤber einen Plan, der nur mit der Einwilligung des Al⸗ ten in Erfuͤllung gehen konnte, und wird der es erlauben koͤnnen, duͤrfen, ohne daß ſein Le⸗ ben dadurch in Gefahr geraͤth? und des Alten Leben iſt ihm ja ſo theuer geworden, theusee 3 als das ſeine. 4. 125 zu werfen. Ich wurde eiferſuͤchtig, ohne ſie geſehen zu haben. Verdrießlich warf ich dann oft mein Fenſter zu, und begab mich zur Zer⸗ ſtreuung in den ſchoͤnen Garten des Pallaſtes Pitti. Die reizenden Anlagen des ſchoͤnen Park's Boboli zerſtreueten mich, und eben ſtand ich bei einer wilden Acazie, die man mit vier andern edlen Zweigen noch begattet hatte, und nun, voller Bluͤthen in ſchwelgender Pracht daſtand, und den Kenner auzick als ich mir zur Seite ein Madchen ſah, deren Geſtalt eine außerordentliche Schoͤnheit ver⸗ muthen ließ. Trotz der Einfachheit des ſchͤn gewaͤhlten Anzuges, ſahe man doch in ihrem Sii. 6 bedeckte neidiſch das, was ſich nur vermuthen ließ. Auch ſie ſchien mit ihrer aͤltlichen Be⸗ G gleiterin, die ſeltene Acazie zu betrachten. Sie 5 aͤußerte in Toͤnen, wie man ſis nur von ei⸗ nem himmliſchen Seraph hoͤren konnte, ihre heit dieſes Baumes.“ Anſtande, ein Maͤdchen von hohem Stande; 1 aber ihr Geſicht floß ein dichter Schleier, und 3 Berwunderung uͤber die Kunſt und Schön mmeinen Traͤumereien weckte. Ich ſah auf,— 156 „Sie entfernte ſich, und ich war eitel genug zu glauben, ſie haͤtte nach mir noch ein Mal ſich umgeſehen. Gerne waͤre ich ihr gefolgt, doch ſchaͤmte ich mich, den zahl⸗ reichen Troß, der in einiger Entfernung ihr zu folgen ſchien, noch zu vermehren.“ „Schoͤner kann meine Nachbarin nicht ſein, dachte ich, und verließ in einer wunder⸗ lichen Stimmung den Park. Nach laͤngerent Umherſchweifen ſtand ich auf einer der Bruͤcken, durch die Florenz, von dem Arno in zwei Lhelle getheilt, mit einander verbunden wird, und betrachtete in Anſchauen verſunken, ga 2 mchts; als ein vermengtes Geſchrei mich aus und zwei brauſende Hengſte kamen mit einem leichten italieniſchen Wagen leitlos daherge⸗ ſprengt. Der Kutſcher machte eben einen ge⸗ zwungenen Sprung von ſeinem Sitze herun⸗ ter, und blieb liegen; die darin ſitzenden Da⸗ 8 men rangen nach Huͤlfe; die auf der Bruͤcke Anweſenden wichen ſchreiend aus; ich ſah die drohende Gefahr, ſprang, mein Leben außet Acht ſetzend, den wilden Pferden in die Züͤgel, riß ſie gewaltſam herum, und ſie ſtanden. Im Augenblick war ich von einer jubelnden Men⸗ ge umgeben, doch fuͤr den Triumph den ſie mir brachten, hatte ich keine Augen, keine Empfindung; denn die, die ich gerettet hatte, die jetzt ihr dankendes Auge zu mir nieder⸗ beugte, war,— die Reizende aus den Garten Boboli. Die andere aͤltliche Donna dankte nun in einer wohl geſetzten Rede fuͤr ſich und ihrer Tochter Rettung aus einer der groͤßten Gefahren. Waͤhrend der Alten Beſorgniß, wie ſie nun nach Hauſe kommen wuͤrden, war der Kutſcher auch wieder zu ſich ſelbſt gebracht, und kam mit der Verſicherung herangehinkt, daß er die Beſtien ſchon baͤndigen, und ſeine Signora's ohne Gefahr nach Hauſe bringen wollte.“ 3„SHierauf wollte es die Alte doch nicht wa⸗ en, und nachdem ſie mit ihrer Tochter einige Wworte gewechſelt hatte, faßte ſie den Entſchluß, auszuſteigen und den Weg nach Hauſe, zu Fuß zuruͤckzulegen.)“ „‚„Schuͤchtern bot ich mich ihnen als B gleiter an, und wurde nicht zutuͤckgewieſen. 1 1 41 158 „erzeiht, Signor,“ unterbrach ſich hier der Alte, wenn ich Euch mit einem Geſchwaͤtze langweile, welches Euch unmoͤglich intereſſiren kann. Es waren ja die ſuͤßeſten Stunden meines Lebens!“ Corallo gab durch einen Haͤndedruck ſeine Theilnahme zu erkennen. „ Ich will mich aber kurz faſſen,“ fuhr der Alte fort,„ſo kurz, wie mein Gluͤck war. Mit pochendem Herzen begleitete ich die Ge⸗ retteten, und ward bald mit Erſtaunen inne, daß es keine andern als meine, von ganz Florenz bewunderten, Nachbarinnen waren. Ich erhielt, als wir uns trennten, die Erlaub niß ſie beſuchen zu duͤrfen, ein Vorrecht, wel⸗ ches bis je etzt noch Keiner hatte erlangen koͤnnen. Daß ich dieſe Erlaubniß oͤfterer benutzte, läßt ſich denken. Aus dem Monate, den ich⸗ an⸗ fangs in Florenz noch bleiben wollte, wur⸗ den drer⸗ und bald ein halbes Jahr. Meine daß uns bald ein Sne Buͤndniß verbände O, die Liebe hatte uns ſchon laͤngſt eret ſtuͤrzten vor ihr nieder,„Betruͤger“ ſtoͤhnte ſie Inrol 9 159 Ich ſchrieb meinen Vater, und bat um ſeinen Seegen; mein Freund wurde der eilende Brief⸗ bote. Nichts Gewiſſeres erwartend, als die Einwilligung meines guten Vaters, freueten wir uns der Zuruͤckkunft des Boten. Einſt von einem kleinen Spazierritt zuruͤckkehrend, beſuchte ich meine Verlobte etwas ſpaͤter als gewoͤhnlich; die Mutter war von dem Be⸗ ſuche einer Freundin noch nicht zuruͤck, der kähle angenehme, auf dem heißen Tag ge⸗ folgte Abend, lockte uns in den Garten. Un⸗ ſere Unterhaltung war die gewoͤhnliche, wir freueten uns der nahen Verbindung. Eine dunkele Grotte nahm uns auf; wir ſaßen Arm in Arm geſchlungen! mein Blut durch den Ritt ſchon erhitzt; ward heftiger, ſie inni⸗ ger—— der Genius der Unſchuld wſch von uns.——— O, wie wurden wir aus un⸗ ſern Taumel aufgeſchreckt! wir ſahen auf, und die Mutter ſtand, die Haͤnde ringend, mit verzweflungsvollen Blicken vor uns. Wir endlich hervor.„Der bin ich nicht,“ rief ich, und umfaßte ihre Kniee.„So folgt mir, 160 ſagte ſie gefaßter,„nur ein Schritt kann Euch vor meiner Verachtung retten.“ Wir folgten, ſtiegen in den noch nicht ausgeſpann⸗ ten Wagen, und bei einer Kirche wurde Halt gemacht. Wir ſtiegen aus; ſie befahl in der Kirche ihrer zu warten, und bald kam ſie mit einem Prieſter zuruck. Die Kerzen wur⸗ den angeſteckt, und die Heelichſte ward meine Gattin." ⁴ 3 „Sollte Euer Vater,⸗ redete am andern Morgen, als ich von der Liebe meiner Ganein beſeeligt, mich der guten Mutter naͤherte, ſi ſie mich an,„ſollte Euer Vater ſeine Einwilligung Euch auch verweigern, ſo bin ich doch reich ge⸗ nug, meinen Kindern ſo viel zu geben, daß ſie Standesgemäß leben können.— Ich hoffe mich in Cuch n nicht geirrt zu haben, fuhr ſie weicher fort, ihr erhieltet von mir das groͤßte Kleinod meines Lebens.“— Mein Logis mußte ich auf den Rath meiner Mutter beibehalten, indem unſere Verbindung noch nicht bekanint werden ſollte. „So ſaß ich denn auch eines Abends in meinen Zimmer, und erwartete ſehnſuchtsvoll ſezte er mit Crocodills Thraͤnen langſam hin⸗ 1 merkte noch zwei Fremde die mit uns fuhren. ſolgten. 161 die Stunde, welche mich gewoͤhnlich zu mei⸗ nem geliebten Weibe fuͤhrte, als m Gewalt die Thuͤr aufgeriſſen wurde, und ein Menſch in meine Arme ſtuͤrzte, der ſich bald als mein Bruder zu erkennen gab. Er brachte mir die Nachricht, daß der Vater mit ihm gekommen ſey, um der Geliebten meines Herzens den Seegen ſelbſt zu bringen. Voller Freude woll⸗ te ich hinuntereilen, um den Vater zu empfan⸗ gen, doch nun bedeutete mir der Bruder,„daß dieſer von der Reiſe ſehr ermuͤdet in dem an⸗ dern Theile der Stadt geblieben ſey,— und,“ zu,„Bruder, ich will Dir nur geſtehen: er iſt rrank hier angekommen, und wuͤnſcht Dich ſo⸗ 3 gleich zu ſprechen.“ Ich rief nach dem Wa⸗ gen.„Der meine ſteht noch angeſpannt,“ ſag⸗ te der Eilige, und faßte mich bei der Hand. Ganz außer mir ſprang ich in den bereit ſtehenden Wagen, wir rollten fort. Ich be⸗ Sie wurden mir als Mediciner Helannt ge — macht, die uns des Vaters es nach vielen Tagen kamen wir hier 162 flogen, ſo waͤhrte mir die Zeit doch ſehr lange ehe wir das beſchriebene Wirthshaus erreichten Endlich wurde ich ungedultig, ich frug:„ob wir noch weit zum Vater haͤtten?“„Wir ſind am Ziel,“ rief mein Bruder, als wir uns auf einem großen Platz befanden. Kaum war das Wort von ihm geſprochen, als ſie alle drei im Wagen uͤber mich herfielen, und ehe ich nich beſinnen konnte, hatten ſie mir den Mund mit einem Knebel ſchon verſtopft, die Haͤnde und Fuͤße ſo feſtgebunden, daß ich mich auch n Dt ruͤhren konnte. Eine Schildwache rief uns an, und das Scheuſal von Bruder nannte mei⸗ nen Namen. Sie eilten mit mir in die Ge⸗ birge—— die Sonne hatte ich zum letzten Mal geſehen! Ich ward auf eine ſchmerzhaft fuͤrchterliche Art geblendet. Ich bat um den Tod, doch hartherzig wurde er mir verweig „lebe zu Deiner eigenen Qual!“ rief der l menſch mir zu. Bald ging;8 wieder for 6; 5 niht wurde meine Wohnun ang 163 Hoffnung, daß ich von hier aus koͤnnte geret⸗ tet, und zu meinen Weibe, die mich gewiß fuͤr untreu hielt zuruͤckgefuͤhrt werden, ließ es nicht geſchehen. Nach vielen Tagen erſchien der unmenſchliche Bruder mit einem Begleiter wieder. Nun ſollte ich ſchwoͤren, nie einen Namen der ihn oder mich verrathen koͤnnte zu nennen. Auf mein Weigern wurde ich niedergeworfen, und ſchon wollten die menſch⸗ lichen Teufel, mit gluͤhenden Zangen,; mir nach der Zunge faſſen um mich ſprachlos zu machen, als ich auf nochmaliges Befragen, wozu der Andere drang, mich in den Willen meines Feindes fuͤgte.—— Ihr ſeyd das erſte theilnehmende Weſen wieder, das ſich mt naͤhert. Dank den Toͤnen, die mich leiteten; 3 es waren dieſelben mit denen mein Freund/ unh ſo ſt ehähltee 5 g lhe nnd„„wer a ſo lieb geworden ſeyd?u 164 Haͤtte der Frager ſehen koͤnnen, ſo waͤre ihm die augenblickliche Verlegenheit des Be⸗ fragten gewiß nicht entgangen. Doch ſo er⸗ hielt Corallo Zeit ſich zu faſſen und ach einigen Augenblicken zu antworten:. „Guter Vater, glaubt mir, ich bin ein gäter Menſch. Mein Name iſt, Carlol“ ſo Wnu 3 ee bedeutete jetzt den e, doß 3— ein unalual ther und d Peiſälote ſeo, 1 165 . Manches hatte der Alte noch, eaöeen willigte zuletzt aber doch ein. 8 Bald befand ſich Co rallo wieder b iſei⸗. nen Leuten, die nicht begreifen konnten, arum ihr Hauptmann im Thale ſo gern allein um. „ herſchweifte. Er rief den Torauano und 31 und vertraute e ihnen das Ge⸗ 3 fere Burſche⸗ ſchloß er nun ſeine o Seßzinnd wich habe Lü daßer erwählt bei dem Alten 2 die deßatnuenaan in Himſicht ſein Berſeht, und fuͤh 8* biis dem Atten ein. Sthmeut als er r laus doch endlich 1s er ſich von ihm los, binnen hoͤch teen wieder bei ihm zu ſeyn. 166 S* Corallo kehrte zu ſeinen Leuten zuric und auch ſie ſchienen das Thal ungern ver⸗ laſſen zu wollen. Sie zogen in den Gfuirgen Sae.e. Bald waͤhlte Corallo aber einen andern Weg, als den uͤber die unuͤberſ eiglichen Klipen. 1 Da einer der Hoͤhle, welche ſo/ konnte, liegen wußte, ſo mußt dieſer die bei⸗ gen Räͤuber fuͤhren; dagegen wollte er mit 4 Berrelne die ſchoͤnſte Viutuſt Nalans, Mägs bauſen hachten: da S 55 Keae 1 nicht erwahnt wurde, ſo war ihm dieſes Beweis, daß ſie ſich bis jett ech n eehalln hatten. 3 tern ſeine Waaren anpries, ſeine ganze Auf⸗ 8 merkſamkeit auf ſich. Jetzt wandte ſi ich die⸗ ſer mit ſeinen Kleinigkeiten auch an ihn in Arpino zuruͤck gelaſſene Berna aud war 66, Gben wollte C Corallo 3 gewandte Tabulettkrämer ſich zu ihm kehrte, 8 und im Nu fuͤhlte er auch ſchon ein Papierchen zwiſchen ſeinen Fingern. Eorallo entfernte ſich, und fand, als er an ein einſames Plaͤtz ſtift beſchrieben, er las: 3 Susfente ſich mit u Nna 167 Bald zog aber ein junger Tabulettkraͤmer, dei⸗ den Leuten mit einem Schwulſte von Wor⸗ ra llo betrachtete ihn genauer, und richtig, i ihn anreden, als der chen ſich begab, das Papier llüchtig 4 Ble 8 annis; Du mit den andefen s ten ſie einige Buͤchſenſchüſſe des Weges nach Guidoua hin 168 feyn, als der Tabulettkrämer in ſchnellen Schritten ihnen folgte. 8 Er wurde in einem nahen Gebuͤſche er⸗ rtt, und bald hatte Bernard ſie erreicht. *½„Hauptmann!“ fing Bernard, nach⸗ dem die erſten freudenvollen Begruͤßu weuͤber waren, und ſie Leich von der weg⸗ nasdäſich uach s hättef muffen in Arpino on. als es kund ward, daß der furchtbare Corallo mit ſei⸗ nen Camernden eutriſcht uns. die Klenter nna dne waren. Wasgenen Michten, hals deingte, ſuchte und zum Leidweſen des vor 169 gewordenen Praͤſidenten, gluͤckte es mehr als zu gut. Bald war ſein Haus von einein wuͤthenden Volke umgeben, die feinen Fte Gibellino, welcher ja doch kein ander Corallo ſelbſt waͤre, von ihm folderten. Er mußte um vor M ißhandlungen geſichett zu ſeyn, ſich Wache ins Haus nehmen. Das war fuͤr ihn ein harter Sioß. Doch deitte Dir mein Erſtaunen, als am zweiten Tage das Geruͤcht erſcholl, man braͤchte Dich mit 45 2 noch zwei Raͤubern wieder zuruͤck. Anfangs wollte ich mejnen Ohren nicht ttauen bald glaubte ich eines beſſern üͤberze au werden, als ich von Ferne Deinen Wagen und pferde, von vielen Landleuten und So umgeben, in langſamen Schritten hinaufkommen ſah. Jubelnd licf Fh aunt Thoke Pinnns. felbſt 170 „Siehe, Hauptmann, ich habe noch nie gesittert, als vielleicht einmal vor Wuth, aber alles feſt zu, da machte Furcht mich zittern; — ich mußte Dich ſehen, und ſollte es mir das Leben koſten. Man fuhr wie im Triumpf aus welchen wir unſere Bruͤder erſt befreiet hatten; keiner ſollte it in die Hoͤfe,— ich drang mich durch; mit aller Vorſi icht affnete man nun den Wagen, und— Hauptmann Anblicks denke— drei Armeſuͤnder Geſtalten der mit zweien ſeiner Bedienten zu ſeyn zwei, hieß es, wären entkommtn. 6 Ferehen, und fand uun aß „Ich konnte es. mir auch gar nicht erkla. gebnen ſeyn.— J hn mich . da, als ich Deinen Wagen ſahe, und rundum durch die halbe Stadt nach den feſten Kerkern, ich muß noch laut auflachen, wenn ich des 3 wurden ſichthar mit Centne hweren Ketten; Du warſt. es nicht, und erne unſan Leuten welcher ihm die Eanipage abgeeauft hatte. ren, wie der Engländer zu den Wagen ſollte 171 in Arpino nicht mehr ſicher, weil man hin und wieder auf mich aufmerkſam zu werden ſchien. Ich reiſte ab, doch machte ich mir vorher den Spaß, dem Praͤſidenten de Riyal felgenden kleinen Brief zu ſchreiben: „Herr Praͤſident! Im Namen Corallo⸗ 3, meines Hauptmanns, ſage ich Ihnen meinen Dank fuͤr die guͤtige Aufwartung meiner Cameraden. Gerne haͤtte der Haupt⸗ mann Ihnen ſeinen Dank ſelbſt abge⸗ 3 ſtattet, doch befürchtete er, daß es Ihnen 3 unangenehm ſeyn koͤnnte, von ihm des Nachts noch beläſtigt zu werden. hielt er es für beſſet, mit ſeinen nat en, ddie Sie guͤtig ſt auf einige d. 5 beksſtigen laſſen, ohne Abſchied davon zu fahren. Es empfie hlt ſich Ihnen gehorſaiuſt Corallo's treuer Bur ſche.” 4 „Doch noch Eins, Hauptmann, habe cch vergeſſen Dir zu ſagen. Man murmelte in en groͤßten Geſellſchaften: die Präſidentin ſooll beinahe wahnſinnig geworden, als ſi die Befreiung der Raͤuber erfuhr, und h ihr ſagte, daß Gibell linde det futche 172 bare Corallo ſelbſt geweſen ſey. Man glaubt allgemein, ſie fuͤrchtete fuͤr ihren Mann, des⸗ halb waͤre ihr die Nachricht ſo betaͤubend ge⸗ weſen. Ich hatte Arpino bald hinter mir; und ohne Gefaͤhrde bin ich denn hier ange⸗ kommen. Ueberhaupt iſt es mir recht lieb, Dich hier getroffen zu haben, denn aufrichtig geſagt, ich weiß die Hoͤhle nicht zu finden, und die Leute zu fragen: wo die von Co⸗ rallo⸗s⁵ Leuten bewohnte Hoͤhle läge, waͤre dah nicht Heunthen geweſen. Sie hatten pulien ſchon läͤngſt er⸗ reicht, und lagerten nun, von dem Wege ab⸗ gewichen, unter den Schatten eines dichtbelaube ten Baumes. Der Mundvorrath ward her⸗ vorgeſucht, und Bernard'5 Tabulettkäͤſt⸗ hn diente ihnen zum Tiſch. Bald aber ſchien es, als wöllte ſßre 64 Faushaft ſich vermehren, denn nicht gar fern aus de 1Genan„ ſchlentn ſie von Mehreren 173 ihnen, die einem jeden Andern, als dem Co⸗ rallo und ſeinen Kameraden Furcht einzus floͤßen vermochten. „Schmeckt es!“ rief eine mittelmaͤßig große, aber ſtaͤmmige Geſtalt mit einem breiten Mu⸗ lattengeſichte und flachen Bügen den ſorglos Speiſenden zu. „Recht gut!“ antwortete Corallo, der bald bemerkte, daß es neu Angeworbene wa⸗ ren, die ihn nicht kannten.„Wir wollten Euch. 4 wohl einladen, doch unſer Mundvorr at iſt zu Ende!“ damit holte er in einem letzte aus der FJlaſche, und warf 8ie 6 lle weg.. „Darauf kommt es nicht an,“ ſagte ein 5 nderer, er auf ſeinen rothen dicken Bart ſich etwas einzubilden ſchien, im barſchen Ton. „Seht,“ rief er und warf ſeine ſichenden Lltbenden Auden ufs 45 K dſtohen Be rn. 174 Bernard verſtand das Ding unrecht, denn der Rothbart zog ſeine Hand, von den Schlage den er darauf erhielt braunroth auf⸗ gelaufen, ſo ſchnell und fluchend zuruͤck, das die Andern laut auflachten. „ECamerad, daß Kaͤſtchen gehoͤrt mein! 12 ſagte B Bernard kalt, und ſchob es naͤher zu ſih. Wuͤthend legte der Rothbart ſeine Buͤchſe auf ihn an; doch ein anderer Räuber, der durch ſeine edle Geſtalt und leidensvollen Zuͤg ſch n. laäͤngſt die Aufmerkſamkeit Corallr peogen hatte, riß ihm das im An ſchlage liegende M tordgewehr, ihn auf die Otd ste. des abueſenden Paupenmnns verweiſend b huſs an den Halskagen, leuderte ihn ſo feaidal nejhur Schri 175 Geſicht zu freundlichen Zuͤgen verzerrend, die Hand. Auch Barnelli und Bernard waren aufgeſprungen, und ſtanden neben ihm. „Was meint Ahde wandte ſich Corallo, die Hand des Raͤubers haltend, lachend an dieſe,„wenn wir ſolche wuͤrden, die ſelbſt den armen Pilger nicht in Ruhe laſſen!— Nein, wir werden keine Buſchklepper!“ 8 wotziger Burſche“ ich laſſe Dich nicht, Du mußt mit zu unſerm Muranol Von ſolchen Leuten wie Du biſt, iſt er Freu Du haſt nichts zu fuͤrchten.— Wer biſt 3 frug der M ulatte im freundlichſten Kehlentone.— „Ich bin Corallo der Euch nicht Wäͤre ſedes Wort ein Donnerſclag geibe⸗ fen ſo haͤtten die Raͤuber doch nicht ſchneller und betaͤubter niederſtuͤrzen koͤnnen, als ſest., da Corallo ſich ihnen zu elkennen gab. Nur der eine zelgt eine eud 176 Der wieder zu ſich gekommene Rothbart ſchien zweifeln zu wollen; doch bald wurde er eines Beſſern uͤberzeugt. Corallo befahl, ihn nach dem Aufent⸗ haltsorte der Cameraden zu fuͤhren. Einer der Raͤuber eilte voraus, und met⸗ 3 dete die Ankunft des Hauptmanns. Balz hoͤrte man einzelne Signale im Bergen wieder⸗ 4 hallen; ein„Werda!“ ſchallte hier und da aus den vanhäln Klüften; Eoralla antwor⸗ Kunſt ſchien ihn unegſteigbar e denaht zu h 3 ben, und doch hoͤrte man von vben hen 177 3 ogen ſich unabſehbare Abgruͤnde nach den kleinern Bergen; das Fortſchreiten liſe eine Unmoͤglichkeit. Doch Corallo war hier nicht fremd; kaun 4 war er mit ſeinen Begleitern hier angekommen, ſo gab er das Signal; ſogleich hoͤrte man 3 dumpfes, ſich in Bewegung ſetzendes Raͤder⸗ Warke und nach einigen Minuten ſtieg eine * au. der Tiefe herauf, die uͤber den tie⸗ fen Abar nd weg nach dem Felſen fuͤhrte. Bald befanden ſie ſich an einer Seite des Fel⸗ ſens, wo er ſeine Steilheit verloren zu ſchien; zu mehrerer Bequemlichkeit des Hi Kana waren Treppen eingehauen. Corallo wurde mit ſeinen Begleiteen unten am Felſen von ſeinem Murano, und den uͤbrigen der Anſehnlichſten ſeiner Heute freudig empfangen. In der Kuͤrze betichtete man ihm,„daß ſie bis zu 150 Mann ſchoen wiieder herangewachſen waͤren; folglich, wenn es 8 4 der Hauptmann befoͤhle, ſich etwas Tuͤchtiges 4 unternehmen ließe. 6 Corallo ließ ſich 1 die f ch vhngefäht ir kannten, zu wirken. 158 ges befand, fuͤhren, um durch eine angen eſ nere Kleidung mehr auf den Sinn der rohen, Menſchen, wovon die meiſten ihn noi nicht Doch nun trat der. jugendlich ſchoͤne, kräf⸗ tige Mann, mit den blitzenden Augen unter dem hohen Federhut, in einer Kleidung, welche den kraͤftigen Muskelbau ſeines Koͤrpers recht heraushoben, geziert, mit dicken goldnen Epau⸗ letts, und einen, von Cdelſteine fur keln⸗ den, Guͤrtel, worin zwei Dolche Und zwei Piſtolen mit diamantenen Griffen, ſteckten, in die Mitte der erwartungsvollen Raͤubet. 8 Ein jeder hatte ſich den Hauptmann ge⸗ G dacht; ein jeder ſich eine eigene Figur von iihm gebildet, doch ſo, wie er jetzt auf ſe Büͤchſe gelehnt, in einer zwar nachlaͤſſigen b doch ſchoͤnen Stellung, daſtand, hatte ſich ihn niemand gedacht noch vorgeſtellt. Erſtaunen feſſelte anfangs die Ueberraſchten, doch das dauerte nur Augenblicke, darauf erhob ſi ſch gi eiſes kreudi es Gemurmel, das bald in ein tuntiſches Geſchrei,„es nthe 6 aupimann ⸗ 1u ausbrach. Ein ernſter Wink gebot Muhe es Aſand eine Todtenſtille. Corallo redete ſie ernſt und freundlich an, und ermahnte ſie,„ihm ſowohl, als auch denen die von ihm uͤber ſie geſetzt waͤren, ſtets ſtrenge zu gehorſamen. Da die meiſten von Euch,“ ſchloß er ſeine kurze kraftvolle Rede, „die Pflichten und Geſetze die uns verbruͤdern noch nicht buchſtäblich kennen, ſo moͤgen ſie noch einmal in meiner Gegenwart verleſen — und beſchworen werden.“ s geſchah mit der groͤßten Fetericheet, und nachdem auch Corallo unter hundert Vivat's ſich den Raͤubern noch ein Mal zu⸗ geſchworen, und einem jeden, der waͤhrend ſei⸗ ner Abweſenheit ſich etwas hatte zu Schulden ko nen laſſen, Verzeihung zugeſagt hatte, begann ein bachanaliſcher Schmas, von demn er, am wenigſten Freund war. ber, der ſeine Aufmerkſamkeit ſchon damals 180 Corallo begab ſich, des Tumultes uͤber⸗ druͤſſig, nach einer andern Seite des Felſens, um hier an einem Abhange niedergeworfen, deſto ungeſtoͤrter ſeinen Gedanken nachzuhäͤngen. Doch nicht lange ſaß er hier, als der Raͤu⸗ wie er dem Rothbart die Buͤchſe weggeriſſen, auf ſich gezogen hatte, zu ihm trat; er wollte wieder zuruͤckgehen wie er ſeinen Hulpunann 2* ſo in Gedanken ganz vertieft traf. Corallo rief ihn.„Was bewog Dich⸗ 4 redete er ihn an,„in einen Stand zu treter worin weder Ruhe, Gluͤck noch Lorbeere erkaͤmpfen ſind?“ „Um an der Menſchheit mich z zu 3 antwortete Borgello der Raͤuber. 4 0 leichtſinniger Iünalns vechen 181 — Jungling, kehre, wenn es Dir noch moͤg⸗ lich iſt, in die Welt zuruͤck.“. 3 „Nie, nie!“ rief Borgello.„Haupt⸗ mann, wenn Duwuͤßteſt, wie mir mitgeſpielt wurde, ſo wuͤrdeſt Du mir dazu nicht rathen. „Borgello, wenn es ein Dritter wiſſen darf, ſo wuͤrde ich Dich wohl bitten, mir ein Naͤheres von Dir mitzutheilen.— Vielleicht kann Dir geholfen werden.“ 3„Mir wird geholfen,“ rief der Juͤngling mit einer ſchauderhaften Lache,„wenn die Hente ihre Pflicht an mir thun.“ „Kehre zuruͤck, Juͤngling! Noch iſt es zeit wieder Menſch zu werden,“ warnte Corallo ernſt.„Noch haftet kein Verbrechen auf deiner Seele.“„Nichts weiter als ein Baterm ordler antwortete der Raͤuber graß und kalt.„Ich gehöͤre nur zu Cuch!“ „In die Hoͤlle gehoͤrſt Du,„ und nicht zu unsle ſprang C orallo inlden uf 182 „Vatermoͤrder, und unſchundios 8* aweffelte Corallo. 4 llnſchulbig!“ rief Borgelt o. Er bat den Hauptmann, ſich neben ihm nieder zu kaſſen. und d ihn ruhig anzuhören. „Rechts vom Flamminiſchen Wege Roms, an einem der ſanften Huͤgel, die ein ruhiges Thal umſchließen, lehnte eine freundliche Huͤt worin ich zuerſt das Licht der Welt erblickte In froher Jugend verfloſſen die erſten Jahr — doch bald zeigte ſich mir eine ſorgen, volle gerne.ü/— „Oft iiberraſchte ch die gute Mutte, du ſie bei ihrer Handarbeit, die uns ernaͤhrte, weinend ſaß; frug ich dann nach der Urſach ihrer Thraͤnen, ſo war ein kutzes nichts, die Antwort. Nichts! und ſie trocknete dann ihre Thraͤnen, und ſah mich ſo wehmuͤthig a als Wülts ſ ie haden. mein Sohn, die Thra. 8 IJugend mit Haß gegen den zu fuͤllen, dem und vetſpreche der ſtetbenden Mutter: vdr 183 „Ich ſtand zwiſchen Juͤngling und Knabe, als ſie mich einſt zu ſi ch vor ihr Bette rief. „Ludolph⸗“ hob ſie an:„ich fuͤhle mein Ende nahen. Deinetwegen haͤtte ich gerne noch ei⸗ nige Jahre gelebt, doch es ſoll nicht ſeyn, deshalb will ich nicht murren.—„Ludolph, 3 fuhr ſie nach einer kleine Pauſe weinend fort, „oft haſt Du mich gefragt, wer Dein Vater ſey; ich konnte, ich wollte ihn Dit nicht nen⸗ nen, um Dein Herz nicht ſchon in fruͤher Du das Leben zu danken haſt. Auch jetzt biſt Du noch zu jung, um Deine leidenſchaft⸗ liche Hitze gegen den Vater zu unterdruͤcken; deine jugendliche Hitze wuͤrde Schritte wagen, welche Dir in det Folge nachtheilig ſeyn koͤnn⸗ ten.— Ludolph.. reiche mir Deine Hand, Deinem zwanzigſten Jahre, jenes Paquet, was dort fuͤr Dich auf dem Tiſche liegt, nicht zu erbrechen.„— Ich lag weinend vor ihr auf den Knieen, und häͤtts W in dieſet Stun⸗ de mehr ndch von mit verlangt, ſe es ihr verſprochen.„Aber, watnte 1 184 ernſten Ton,„zeige es keinem Menſchen, wer es auch ſey, denn die Welt iſt voller Trug.“— Ich weinte, und verſprach noch ein Mal, mei⸗ nem ihr gegebenen Worte treu zu bleiben. Sie wurde matter; kaum hoͤrbar bat ſie,„uͤber ihren Tod mich zufrieden zu geben, fuͤr mei⸗ ne Zukunft haͤtte ſie ſo weit geſorgt, daß ich jeden Augenblick eine fuͤr mich paſſende Stelle bei dem Marcheſe Marco del Pecco der ſich gegenwärtig in Rom aufhielt, fäͤnde. Sie gab mir ſeine Addreſſe, von ihm ſelbſt geſchrieben. Einige Stunden nachher ver⸗ ſchied ſie in meinen Armen, und ich ſtaan allein auf den großen Erdenrund.“ „Der ganze Nachlaß meiner Mutter, be: 3 ſtand aus dem Huͤttchen, welches wir bis jetzt bewohnt hatten; meine ganze Bekanntſchaft, aus einem alten Manne, der die verfertigten Putzſachen meiner Mutter nach Rom zum Verkauf beſorgte, uns dagegen mit Lebens⸗ mitteln von dorther, wieder zuruͤck, verſah. Die⸗ ſer beſtattete die Mutter zur Erde und fuͤhrte nh nach Rom.,„ 185 „Die erſten Tage waren verfloſſen, ich hat: te uͤber den Tod meiner Mutter mich in ſo fern zufrieden gegeben, daß ich doch nicht mehr ſo verzweiflungsvoll ihrer dachte; Thraͤnen waren verſiegt, und ich ging zu demn mir angewieſenen Marcheſe Marco del Pecco. Mein Empfang war fuͤr mich, an Freiheit gewoͤhnten Menſchen, kalt und peinir gend. Ich wurde von einem Menſchen, der von Anſehen den fuͤrchterlichſten Deiner Raͤuber ubertrifft, zu ihm ins Zimmer gefuͤhrt; mit einem kalten ſchneidenden Blick maß er mich von Kopf bis zu den Fuͤßen.„Wer biſt Du?“ frug er endlich barſch. Ich zeigte ihm die von der Mutter erhaltene Addreße. Etwas freund⸗ licher als vorhin, knipp er mich, nachdem er die Addreße geleſen in die Wangen.„Ahn, Du biſt aus der Weinbergswohnung vom Huͤgel. Deine Mutter hat um eine Stelle fuͤr Dich bei mir nachgeſucht Lebt ſie noch?“ fiug er ernſter. Hit iſt tod!“ ſagte ich gewaltſam unterdruͤckend 186 „Tod!“ wiederholte er.—„Hm, ſie ſcchrieb ſehr gut; ich haͤtte f e mußt Deinet⸗ wegen moͤgen kennen lernen,“ ſagte er et⸗ was haſtiger.„Fuͤr Dich ſoll geſorgt wer⸗ den. Doch, wer iſt Dein Vater? Deine Mut⸗ ter ließ mich hieruͤber im Dunkel.“ in MRachdem ich ihm verſicherte, daß die Mut⸗ ter hieruͤber gegen mich nie etwas erwaͤhnt, wurde er ſehr ungehalten, daß ſie mir nicht den geringſten Fingerzeig zuruͤckgelaſſen, da dieſes in der Folge doch zu meinem groͤßten Gluͤcke haͤtte behuͤlflich ſeyn koͤnnenͤ.,.... „Nur noch einige Tage verlebte ich in den Hauſe des Marcheſe, bei dem es ſehr ein⸗ fach herging, alsdann ließ er mir durch ſei⸗ nen Bedienten, der zugleich ſein Vertrauter zu ſehn ſchien, ſagen:„da er ſich den groͤßten Theil des Jahres auf Reiſen befäͤnde, ſo woll⸗ te er mich, da ich bei ihm nicht bleiben koͤnnte, nach Florenz ſchicken, um dort auf ſeine Koſten mich zu einem brauchbaren Menſchen ggriff nach Haus zu gehen, als Degengeklirre 48 doch bald nahm mein Leben einen ander Schwung.— Auf einem Spaziergange lernn ich ein Maͤdchen kennen,— ein Maͤdche Hauptmann, deren Schönheit und Guͤte ſt Dir nicht ſchildern mag, denn das ſchoͤnſte 3 Bild von ihr entworfen, wäre doch nur ein mißlungener Schattenriß ihrer nicht getroffe⸗— nen Reitze. Einige Tage nach der gemachten 3 Bekanntſchaft dieſes Maͤdchens, kam ich etwas ſpaͤt von einem Caffeehaus, und war im Be⸗ mich nach einen großen dunkeln Platz fuͤhrte, der in den Augenblick, als ich hinzutrat, von dem aufgehenden Monde erleuchtet ward. Hier ſah ich einen aͤltlichen Mann, gegen drei Verlarvte ſich vertheidigen, ſchnell ſtand ich ihm zur Seite, und hatte das Gluͤck, ei⸗ nen der Gegner ſogleich niederzuſtoßen; die anndern flohen, da von mehreren Seiten ſich Menſchen ſammelten. In den lebhafteſten Ausdruͤcken dankte der Gerttne den ch Pharaobank waͤren, denen er Neuling, heute 188 fen haͤtten, keine andern, als Theilnehmer der in ſeinem Gluͤcke ein enormes Geld abuenune men haͤtte./... 3 Mit den Verſprechen n morgen zu be⸗ üuchen⸗ trennte ich zi von dem Signor Na lmies 5 „Palmi,“ frug Coratko,„ein Ita⸗ liener? „Nach üteinem Dafürhalten, hielt ich ihn nachher bei naͤherer Bekanntſchaft fuͤr einen Auslaͤnder. Den andern Morgen war mein erſter Weg zu ihm; ich fand die Familie ver⸗ ſammelt, und die erſte, die meinen Blicken be⸗ gegnete, war die Schoͤne, deren Wohnung ich ſeit mehreren Tagen vergebens geſucht hatte; eine Ehrfurcht gebietende Frau ſaß neben ihr, es war die Mutter.— Beiden ward ich von dem Hausherrn, als Retter ſeines Lebens vor⸗ geſtellt,— o, der dankende Blick Ceciliens war genug, um mich in den Himmel zu traͤu⸗ men. Wonneberauſcht kam ich nach Hauſe, und das erſte was der Wirth mir gab, war 3 ein fu 65 aügegätenn Brief. Haſtig er⸗ 5 489 breche ich ihn und von dem ehen geträuntten Himmel, ward ich in die Hoͤlle geſchleudert. 5 als ich folgendes las: „Ludolph, da ich bemerke daß Du Dich in fremde Haͤndel miſcheſt; geſten ſogar einen Menſchen erſtochen haſt, ſſo 3 halte ich Dich fuͤr ſelbſtſtändig genug Deinen Unterhalt ohne n ferneres Da— zuthun, ſelbſt zu ſuchen. mir, von jetzt an keine mehr zu erwarten.“ dabei ein uopabeßu Raͤthſel. Woher wußte der Marcheſe heute ſchon, was geſtern Abend geſchah,— und wenn er es wußte, ſo konnte es ihm doch unmoͤglich unbekannt ſeyn, daß ich zur Rettung eines Unſchuldigen, Moͤrder ward. Kaum war ich mit dem Leſen fertig, ſo trat auch der Wirth ſchon herein, und 4 kuͤndigte mir Koſt und Wohnung an „Ich eilte fort, und unſchluͤſſie mmeiner jetzigen kritiſchen Lag 4 1z. eilte ich beſi unungelgb in der 190 Um ferner in einem Gaſthauſe zu logieren, war meine Caſſe zu ſchwach, ich ſuchte daher Buͤrgerhaͤuſer, doch aus mehreren zuruͤckgewie⸗ ſen, faßte ich ſo eben den Entſchluß, Flo⸗ renz ganz zu verlaſſen, und nach Rom zu⸗ 3 ruͤckzukehren, als Palmi mir begegnete. Er mochte die Unruhe und Verwirrung in welcher ich mich befand leicht bemerken, denn theilneh⸗ mend frug er, was mir fehle. Anfangs hielt eine Scheu und nicht zu erklaͤrende Scham mich zuruͤck, ihm meine Hdifloſigkeit zu ge⸗ ſtehen, och endlich erfuhr er es, und las auch von meinem Pflegevater erhaltenen Brief. Er ſchalt, daß ich nicht gleich zu ihm gekom⸗ men wäre. Er nahm mich mit,— und nun wurde beſchloſſen, daß ich bei ihm Koſt und Wohnung haben ſollte, und durch ſeine aus⸗ gebreitete Bekanntſchaften, wollte er mir ſo viele Zoͤglinge verſchaffen, daß ich den billigen Preis den er mir ſtellte, durch lintenict leicht verdienen koͤnnte.“ „Ich bezog meine neue Wohnung, und es begann für mich die neue Laufbahn. Ob⸗ uahl der R lnteriht ah 42 mehr als fruͦ⸗— 1 — —— 49¹1 her beſchaͤftigte, ſo blieben mir doch mehrere Stunden des Tages uͤbrig, die ich gern in dem Kreiſe der Familie verlebte. Hier lernte iich meine Cerilie denn genauer kennen, und die richtige Folge davon war, daß wir uns liebten, und unſere Liebe mit Einwilligung der Eltern uns bald geſtanden. Ich war ſo weit, daß ich die Univerſitaͤt beziehen wollte, als ich eines Abends von einem guten Freun⸗ de, bei dem ich den Nachmittag verlebt hatte nach Hauſe kam. Schreiend kam die Mutter Ceciliens mir entgegen.„Kurz nach meinen Fortgange,“ erzaͤhlte ſie ſchluchzend,„kam bei Palmi ein Wagen vorgefahren; eine Dame ſtieg aus, welche Cecilien haͤnderingend bat: doch ſogleich mitzufahren, weil eine gute Freundin, die ſie nannte, ploͤtzlich ſo ſehr er⸗ krankt ſey, daß man ihr Ende abwarte, und dieſe verlange nach ihr. Eilig ſtieg Cecilie ein, und fuhr mit.“ Die Eltern wurden des langen Auſſenbleibens ihrer Tochter wegen aͤngſtlich; Palmi ging zu der genannten Freundin, und fand dieſe munter und wohl; 5 Cecilie iſt gar nicht da geweſen, ſagte die 192 ſe. Er lief von einer Bekannten zur andern, Soch nirgends war die geliebte Tochter. Er kam nach Hauſe, theilte der Mutter ſeine Angſt mit, und eilte wieder fort. Jetzt trat ich ins Haus, hoͤrte kaum den Vorgang der Sache, als ich auch ſchon wieder hinwegeilte⸗ unm die Spur meiner verlorenen Ceci lie auf⸗ Zuſuchen. Vergebens blieb mein ſuchen, ich fand weder Palmi noch ſeine Tochter, und ſchon wollte ich nach Hauſe um mit erſteren vereint, den ich da gewiß zu finden. glaubte, die Nachforſchungen auf's neue wie der anzuheben, als ein Bekannter mir taumelnd entgegenkam, trotz der Dunkelheit mochte er mich erkannt haben; ich wollte ihm auswei⸗ chen, doch er ergriff mich bei den Haͤnden. „Ludolph,“ redete er mich an,„Deine Braut habe ich heute auch in einem Hauſe geſehen, wo ich ſie nicht vermuthete.“ Ich wollte ihn mit Fragen unterbrechen, doch er fuhr unge ſtöhrt fort:„dabei lief ſie ſo eilig die Treppe herauf, daß man es deutlich bemerkte, ſe 1 Wahie d aht Pithen ſon⸗ 195 er noch an Gegenwehr denken konnte, ihn zum Fenſter hinausſtuͤrzte. Jetzt fuͤllte ſich das Zimmer mit Menſchen, doch keiner ſchien Luſt zu fuͤhlen mich in meinem Thun zu hin⸗ tern;— ich durchſchnitt mit meinem Degen die Banden der Ungluͤcklichen, und nahm, da 5 ſie noch mit geſchloſſenen Augen da lag, dit Leidende auf die Schultern, und wollte mich entfernen. Indem draͤngte ſich ein bejahrtes Weib, welches die Wirthin des Hauſes ſeyn mußte, Furienaͤhnlich durch die Neugierigen. „Haltet ihn, haltet ihn!“ rief ſie den Umſte⸗ henden zu,„laßt ihn nicht aus dem Hauſe, ihr ſollt auch ſämmtlich eine freie Zeche haben!“ — Ihr verachtende Blicke zuwerfend wandten die Angeredeten ſich um, und entfernten ſich. Ich beſand mich mit meiner Beute ſchon auf der Hausflur, als das Weib mit mehreren Maͤdchen hinter mir hereilte, und mit Ge⸗ walt mich zuruͤckzuhalten ſuchte, doch kurz wand⸗ te ich mich um, und ein Degenſtoß ſtürzte ſie roͤchelnd nieder. Schreiend behn d die N Hehen davon.““ 196 ——— „Bald hatte ich das Haus Palmi's erreicht.“ 24 Haͤnderingend kam die Mutter; ſich die grauen Haare ausreißend, ſtarrte der Vater mir entgegen als ſie mich ſo ankommen ſahen. Ich gte die Gerettete nieder; die Mutter warf ſich über ſie. Sie iſt todt! ſprang ſie grauenvoll wieder auf. Sie iſt todt! rief Yalmi aͤngſtlich, ihre ſtarre kalte Hand ſchaudernd zuruͤckwer⸗ fend. Ich eilte fort, um einen Doctor zu ho⸗ len. Mehrere traf ich nicht zu Hauſe; eben im Begriff zu einem andern zu gehen, der etwas entfernter wohnte ⸗ wurde ich von einer Soldatenwache aufgehalten, die ſich bei mir er⸗ kundigte, wo Palmi wohne.„Ich will Euch ſchon fuͤhren,“ trat eine Polizei aus iynen her⸗ vor,„kommt nur.“ Ich frug,„was ſie da zu ſuchen haͤtten?“„Einen Moͤrder!“ ſagte die Polizei, und der Zug entfernte ſich.“⸗ „Einen Mörder! hallte es in mich wieder. Der Gedanke, Moͤrder zu ſeyn, war fuͤr mich zu ſchrecklich, um noch an andere Dinge zu denken; ich vergaß Ceci lien, den Zweck meines jetzigen Weges, kurz an allem was um 197 mir he vor ging; ſahe allenthalben nur die Wache die mich ſuchte, um den Moͤrder nach dem Kerker zu fuͤhren. Vom Angſtſchweiße triefend, erreichte ich ein Thor, es war geofſ⸗ net, ich eilte hindurch— die Strahlen der auf⸗ gehenden Sonne, fanden mich von Florenz ſchon weit entfernt.“ „An einem kleinen Huͤgel ſtuͤrzte ich er⸗ mattet nieder; unwillkuͤrlich warf ſich mir die Frage auf:„wohin?“ Zufaͤlligerweiſe fand ich bei mir das hinterlaſſene Paquet meiner Mut⸗ ter. Mehr um aus meiner ſinnloſen Betaͤu⸗ bung mich zu reiſſen, als eine Stuͤtze darinn zu finden, erbrach ich es, und unter mehreren Liebesbriefen, die von dem Verfuͤhrer geſchrie⸗ ben zu ſeyn ſchienen, um meine arme Mutter ins Netz zu locken, fand ich, daß Graf Trau⸗ ſtein, ein Deutſcher, mein Vater war. Doch der letzte Brief, der nach dem Datum kurz vor dem Tode der Mutter geſchrieben zu ſeyn ſchien, ſtuͤrzte mich in ſchwarze Verzweiflung. Graf Trauſtein meldete hierin der Mutter, daß, wenn ſie Wort gehalten, und mir den Namen des Vaters verſchörtegen hütte, ſo woll 198 te er fuͤr mich ſorgen. Alsdann bemerkte er noch: daß er nicht Graf Trauſtein heiße, dieſes ſei nur ein erlogener Name, ſondern Mar⸗cheſe Marco del Pecco waͤre!“ 8„Marcheſe Marco del Pecco war es, den ich aus dem Fenſter ſtuͤrzte und mordete — ich war Vatermoͤrder! Mir fiel die Piſtole in die Augen, welche ich den Abend beigeſteckt hatte; freudig zog ich es hervor, um meinem Leben, das fuͤr mich keinen Werth mehr hatte, ein Ende zu machen, als Ter nelli, der deſ⸗ ſelben Weges gezogen kam, und mich ſchon laͤngere Zeit beobachtet haben mochte, mir die Piſtole wegriß und in die Luft abſchoß.“ „Leicht wurde es ihm, mich Unerfahrnen zu beruhigen,— und ehe es noch Abend ward, war ich voͤllig Euer." Schon ſeit mehreren Tagen ward es dem Murano ſehr ſchwer, die Leute von Aus⸗ ſchweifungen zuruͤck zu halten; denn die Lan⸗ geweile, bei vielen auch die Raub und Mord⸗ ſucht, verleitete zu Dingen, die von dem Haupt⸗ e mann gewiß hart beſtraft worden waͤren; die⸗ lich wieder hatte zuſammen EEEEEEEE 199 ſem war es daher ſehr lieb, daß der laͤngſt. erwartete Corallo gerade jetzt noch eintraf wo die Unordnungen doch ſo ſehr noch miht eingeriſſen waren. 5 Den Morgen darauf ſchickten die Räuber den Murano zum Corallo, um ihn zu bitten, ihnen ſogleich doch recht viele Arbeit zu geben, weil ſie lange genug geraſtet haͤtten. Murano ſelbſt glaubte, daß dieſes ſehr no⸗ thig ſey, weil es lauter verwegene Burſchen waͤren, wovon die Meiſten noch keine Beute gemacht haͤtten; uͤberhaupt ſey auch die Gemein⸗ caſſe ſehr eingeſchmolzen, weil alles daß, was waͤhrend ſeiner Abweſenheit verbraucht worden⸗ baar bezahlt waͤre. Uebrigens, bemerkte Murano noch, ſey ihr Aufenthalt zwar feſt genug, um ſie vor der groͤßten Uebermacht ſichor zu ſtellen, doch ihren Zwecken gar nicht angemeſſen, weil außer einigen feſten Kloͤſtern, die Umgegend zu arm waͤre, um an Beute machen, de en. Corallo verſprach, nachden. 200 Gegend ſelbſt zu muſtern, und alsdann ſollte es an Arbeit gewiß nicht fehlen. Ein ſchmetterndes Vivat, war der Dank. Corallo warf ſich in die gewoͤhnliche 8 Jägerkleidung, hing die Buͤchſe um, lockte ſei⸗ nen treuen Caro und entfernte ſich. Der Tag war ſchwuͤl und heiß, Corallo ermuͤdet, als die weißen Mauern eines im Um⸗ fange nicht unbedeutenden Kloſters mit der gol⸗ nomine Domini uͤber der Pforte, ihn gaſt⸗ freundlich einlud.. Er zog die Glocke, an deſſen breiten Geif mit der eben geleſenen freundlichen Einladung ganz im Widerſpruch zu ſtehen ſchien, muͤr⸗ riſch hinter den eiſernen Staͤben eines kleinen Gitterfenſters hervor. 6 Corallo bat um Einlaß, weil er einer Erquickung ſehr beduͤrftig ſey. Feufter wieder zu, e huchdemn er i ete⸗„d denen prangenden Inſchrift Salre hospes in die Buchſtaben I. N. I. eingegraben waren. Bald ſahe ein graͤmliches Moͤnchsgeſicht, das Muͤrriſch warf der Pfoͤrtner die inneren 201 Abtes, den Landſtreichern der Eingang zum Kdoſter verwehrt bleibe.“ Wuͤthend auf eine ſo grobe Weiſe zuruͤck⸗ gewieſen zu werden, entfernte ſich Corallo, um in einem Haͤuschen, unfern des Kloſters, daß zu finden, was ihm von den Dienern des Herrn verweigert ward. Er trat in ein Gaſthaus, wo er, was hier am allerwenigſten zu vermuthen ſtand, die groͤßte Reinlichkeit mit der zwar aͤrmlichen, ber zweckmaͤßigen inneren Einrichtung verbun⸗ deen fand. Er rief nach Wein. Mit verwein⸗ ten Augen erſchien die Wirthin, die recht ſehr bedauerte, dem Herrn mit Wein nicht dienen zu koͤnnen. Er forderte einen andern Labetrunk, und etwas zum Inbiß. 6 Weinend verſicherte die Frau, daß t je nichts 8 gar nichts haͤtte, ſelbſt nicht einmal ſo viel⸗ um ihren eigenen Hunger zu ſtillen. Von den Voigten aus jenem Kloſter da, was dort herſchimmre, waͤren ſie heute voͤllig ausgepluͤndert. 1 Nun, ſo habt ihr la e eure Be fuͤr Arhalten. 83 9 202 „ Iſt was von Bezahlung die Rede,“ ſchluchzte ddie Frau,„die heiligen Maͤnner haben es geraubt, es uns gewaltſam genommen. O, Gott! o Gott! was fangen wir armen Leute an.“ Indem trat ein aͤltlicher Mann herein, der ohne auf den Gaſt Ruͤckſicht zu nehmen, den Huth in den einen, den Stock in den andern Winkel und ſich ſelbſt mit einer ſtillen Wuth auf einen Stuhl ſo heftig warf, daß dieſer zerbrochen zuſammenſtuͤrzte. 4 „Alles iſt zum Teufel, ſo mag dieſer elende Stuhl auch zum Teufel gehen!“ ſtand er mit einer graſſen Lache wieder auf. „Keine Hoffnung Mann!“ naͤherte ſich ihm zitternd und weinend die Frau. „ Keine!“ erwiederte dieſer kalt.—„Doch Du kennſt die alte Bedingung, wollen wcirr die erfuͤllen, ſo will der Abt, fuͤnfe gerade ſeyn S laſſen.“„Nie!“ ſagte die Frau ſchluchzend— lieber wollen wir vor den Thuͤren der Barm Phaihen anfen Brod hee 203 merte die Knie des Mannes.—„Haben wir Hoffnung?“ frug ſie aͤngſtlich, und ſah zu ihm hinauf. „Betteln zu gehen!“ antwortete er kurz. Corallo forſchte nach der Urſache ihres Ungluͤcks; anfangs zwar zuruͤckhaltend, befriedig⸗ te der Mann, nachdem die Tochter ſich weinend wieder entfernt hatte, doch endlich mit folgender Erzahlung ſeine Neugierde. Vor ungefaͤhr einem halben Jahre, fuͤhrte der Zufall den Abt jenes Kloſters zu uns, und ſeitdem kam er taͤglich. Wir hielten es fuͤr eine große Ehre, doch zuletzt ſahen wir das Ungluͤck kommen. Er verlangte von meiner Giovanna Dinge, vor der ein tu⸗ gendhaftes Maͤdchen bebend zuruͤckſchaudert. Er wurde in ſeinen Foderungen heftiger; meine Toch⸗ ter wußte ſich nicht zu helfen,— ſie rief mich zu Huͤlfe. Ich war dreiſt genug, den Abt in aller De⸗ muth zu bitten, von ſeinem Vorhaben abzuſtehen. Jetzt wurde er wuͤthend, und eiferte, daß ich dummer Laie glauben koͤnnte, er koͤnne Unrecht thun. Was er thaͤte, waͤre immer Recht, und ich daͤchte nicht vaͤterlich gegen meine Tochter, ſonſt wuͤrde ich ſie zu bereden ſuchen, in ſeine Joderun⸗ gen zu willigen. Nie rief ich, meine Tochter ſoll tugendhaft bleiben. Er fluchte, und verſicherte mir, daß Gott ſeinen Diener nicht ungeſtraft kraͤnken ließe. Fruchtlos blieben ſe DABerſuche. Gluͤcklich wurde auch Abte verſuchte Entfuͤhrung vo anna abgewandt. Einnige Wochen ware glaubten wir, der Abt haͤtte unſerer vergeſſen, als ein Moͤnch aus dem Kloſter einſt zu uns kam, und mit mir eine geheime Unterredung zu haben wuͤnſchte. ine fernern die, von dem n meiner Gio⸗ n verſtrichen, und ſchon Hier erkläͤrte Hochwuͤrdige Herr Abt rund vom Bart weg, daß es bei dem Alten bliebe. 4 „Gut,“ ſagte der Moͤnch, und zog eine Schrift hervor, dieſes iſt eine Abſchrift von dem Teſtamente, welches Euer Vater bei uns nie⸗ Signor, dentt Euch meine Lage, als der Mänch mir nun, laut des Teſtaments wovon 8—— 205 * 7 ich nichts wußte verſicherte: daß, der ſchon ſeit mehreren Jahren verſtorbene Vater ſein Hab und Gut, welches ich jetzt durch die Langmuth des⸗ Herrn Abtes noch beſaͤße, dem Kloſter St. Urbi⸗ no vermacht haͤtte, und da ich ſeit dem Tode des Vaters, das durch das Teſtament dem Kloſter zugefallene Haus, bewohne, ſo ſollte ich dafuͤr ei⸗ ne gewiſſe Pacht bezahlen, die fuͤr mich uner⸗ ſchwinglich war. Nun bemerkte der hohnlaͤchelnde Moͤnch noch: daß, wenn ich binnen einigen Tagen die von dem Abte jetzt erſt aufgelegte ruͤck⸗ ſtaͤndige Pacht nicht bezahlen wuͤrde, ſo ſollte ich bis auf das Letzte ausgepfaͤndet, und von Haus und Hof gejagt werden. Die erſte Dro⸗ hung ward wahr. Trotz meinen und meiner Frau Bitten, pluͤnderten die Kloſterknechte uns ſo rein aus, daß uns auch nicht ſo viel uͤbrig blieb, um den nagenden Hunger zu ſtillen. Morgen ſollen wir fort. So eben komm ich von dem hartherzigen Abt des Kloſters St. Urbino, und bat um des Heilandes Willen⸗ ihn um Barmherzigkeit!— Umſonſt,— ich ward von den Kloſterknechten aus der Pforte gepruͤgelt.—— 2009 „St. Urbino heißt alſo jenes Kloſter mit den weißen Mauern?“ frug Corallo. und ſtutzte den Kopf nachdenkend in beide ande. SGut, mit dem Abte werde ich reden.“ woeinend,„ſein Herz iſt haͤrter als Stein.“ „Dennoch will ich mit ihm reden,“ ver⸗ (icherte Corallo und ſtand auf.„Ich ver⸗ 85 ſpreche Euch Huͤlfe! Seyd ruhig und erwar⸗ tet mich.“ Er hing die abgelegte Buͤchſe wieder um, warf ſeine gefuͤllte Boͤrſe mit dem Bemerken auf den Tiſch, daß dieſes nur der Anfang der Huͤlfe ſey,— und entfernte ſich, ehe die er⸗ ſtaunten Eheleute ſich beſinnen noch danken konnten. Was iſt das?“ frug der Wirth aufſtarrend. „Eine Huͤlfe Gottes!“ ſagte die Frau. SSSn e des erſten Theils „Ja, Signor!“ antwortete der Wirth, „O, ſpart eure Muͤhe!“ bat die Wirthin die Haͤnde gegen den Himmel faltend, ſanft eiauddnggraunaaunaauunanmaunuanaan 9 11 12 13 14 16 17 18 19