e— Leihbibliothek deutſcher, engliſcher und franzöſiſcher Literatur 1. Eduard Ottmann in Gießen, Schloßgaſſe Lit. A. Nr. 25606. Aeih- und Leſebedingungen. 1. Offensein der Bibliothekk. Die Bibliothek ſteht zur Em⸗ pfangnahme und Rückgabe der Bücher jeden Tag von Morgens 7 Uhr bis Abends 8 Uhr offen. 2. Lesepreis. Bei Rückgabe eines geliehenen Buches wird von jedem Tag 5 Pf. bezahlt. Die Zeit eines Tages iſt zu 24 Stun⸗ den angenommen. 75 3. Caution. Unbekannte Perſonen müſſen, bei Entgegennahme eines Buches, eine dem Werthe deſſelben entſprechende Summe hinterlegen, welche bei deſſen Zurückgabe von mir zurückerſtattet wird. 3 4. Abonnement. Daſſelbe muß voraus bezahlt werden und ſſl beträgt:. 1 1 1 für wöchentlich 2 Bücher: 4 Bücher: 6 Bücher: A auf 1 Monat: 1 Mk. Pf. 1 Mr. 30 Pf. 2 Mk. Pf. „ 3 2.„=„ 3„=„—„ 5. Auswärtige Abonnenten haben für Hin⸗ und Zurückſendung der Bücher auf ihre eigenen Koſten und Gefahr ſelbſt zu ſorgen. 6. Schadenersatz. Für beſchmutzte, zerriſſene, verloͤrene und defecte Bücher(namentlich bei ſolchen mit Kupfern ꝛc.) muß der Ladenpreis erſetzt werden.— Iſt das zerriſſene, beſchmutzte, ver⸗ lorene oder defecte Buch ein Theil eines größeren Werkes, ſo iſt der Leſer zum Erſatz des Ganzen verpflichtet. 7. Ausleihezeit. Dieſelbe iſt auf 14 Tage feſtgeſetzt und wird beſonders darauf aufmerkſam gemacht, daß das Weiterverleihen der Bücher nicht ſtattfinden darf, indem Diejenigen, welche die⸗ ſelben von mir geliehen, auch dafür zu ſtehen haben. 3 Be her Nere Cervantes Portratt. Luſtſpiel in drei Aufzuͤgen. Nach dem Franzoͤſiſchen. ) 8 „ Frei uͤberſetzt 8 von Friedrich Ludwig Schmidt. Leipzig 1804. bey Wilhelm Rein und Comp. Dieſes Luſtſpiel wird mit Gluck auf die deut⸗ ſche Buͤhne verpflanzt ſeyn, ſobald es in einer leichten und gefaͤlligen Manier vorge⸗ ſtellt wird. Der Vortrag des Luſtſpiels darf nie ſchleppen, es darf nirgends ein Ru⸗ hepunkt gelaſſen werden.— Je mehr die Form der Comoͤdie den Dichter zwingt, die Charaktere nur mit wenigen, aber ſcharfen Umriſſen zu bezeichnen, um ſo weniger darf dem darſtellenden Kuͤnſtler Einer dieſer Um⸗ riſſe entſchluͤpfen: ſie aufzuſuchen, zu bele⸗ ben, und nach Maaßgabe der Situation bald mehr bald weniger zu coloriren, das iſt das Weſen des wahren komiſchen Talents. In dem Luſtſpiel ferner iſt es eine unerlaͤß⸗ liche Bedingung; daß jede, auch die kleinſte Rolle mit Laune und Willen gegeben wird. A 2 4 Das Ganze gleicht einem wohlgeordneten Uhrwerk, ein kleines Staͤubchen kann den ganzen Mechanismus hemmen. Wie ſehr ſind die franzoſiſchen Schauſpieler hiervon uͤberzeugt; daher und mit Recht das Urtheil. nur der Franzoſe weiß die Comöodie zu behan⸗ deln.— Auch verlangt das Luſtſpiel ganz beſonders die deutlichſte Prononciation. Des rapiden Dialogs halber ſchuͤrzen oft einzelne Worte den Knoten der Intriguey werden dieſe verſchluckt, ſo wird der Zuſchauer irre an der Handlung, zulezt unwillig.— So man⸗ ches brave Stuͤck ging ſchon zu Grabe, weil die Expoſition(gewoͤhnlich der erſte Akt) auf aͤhnliche Weiſe vernachlaͤſſigt wurde. Perſonen: Morillos, Mahler. Eliſe, ſeine Tochter. Don Gasparo, Gerichtsperſon. Leon, ſein Sohn. Don Fernando, Leon's Rival. Don Anſelmo, Morillos Freund⸗ Jacinthe, Eliſens Zofe. Fabio, Fernandos Diener. Pedrillo, Leon's Diener. Beatrix, eine alte Haushaͤlterin Pasqual, Bedienter„ be Morillos. Gerichtsdiener. Bediente. Die Scene: Madrit. Erſter Aufzug. Eine einſame Straße; zur rechten ein unanſehn⸗ liches Haus; im Hintergrunde das Kloſter. Erſter Auftritt. Fabio. Fernando⸗ Fabio leiſe und geheimnißvoll von der linken Seite kommend. 9 Fernando falst ihn. Nun? wirſt Du mir endlich ſagen, wohin Du mich fuͤhrſt, und was Du gemacht haſt, ſeit den drei Tagen, da ich Dich nicht ſah? Fabio. Sie ſollen alles erfahren, mein Herr, folgen Sie mir nur. Fernando. Narr! ich bin es mü⸗ de— 8 Fabio. Pſt! betrachtet das Haus. Ja, ja, wir ſind ganz recht. Sehen Sie da, die neue Wohnung des Mahlers Morillos. Fernando. Was? In dieſem entle⸗ genen Theile der Stadt wohnt er? Fabio. Dadurch ſpart der Geizhals einige Marevedis an Miethzins, und die Naͤ⸗ he des einſamen Kloſters iſt dem immer hruͤ⸗ tenden Genie nicht gleichguͤltig, womit die NRatur unſern Midas— Phidias wollte ich ſagen, ausgeſtattet hat. JFernando. Dort alſo athmet die grauſame Eliſe, die ich weder erweichen konnte—. Fabio. Noch entfuͤhren. Fernando. Aber ich hoffe, daß ich diesmal gluͤcklicher— Fabio. Schmeicheln Sie ſich nicht zu ſehr; unſere Hinderniße ſind eher vergrößert als vermindert. Als man vor ſechs Mona⸗ ten Ihre Antraͤge verwarf, obwohl die An⸗ 9 geſehenſten aus Ihrer Familie fuür Sie war⸗ ben— war Eliſens Herz noch frei; ſie hatte wider Sie nichts einzuwenden, als— daß gewiſſe Laͤſterzungen Ihnen eine uͤble Reno⸗ mee— Fernando. Wie war das? Fabio. Ich ſage, mein Herr, ſie hatte an Ihnen nichts auszuſetzen als Ihre Flatterhaftigkeit, eine gewiſſe Lelchtfertigkeit des Charakters und Betragens, welches frei⸗ lich einem Herrn, wie Sie, ganz unver⸗ gleichlich ſteht, woran aber ein junges un⸗ erfahrnes Maͤdchen doch immer Anſtoß ſindet. Zuckt die Achſun. Gegenwaͤrtig moͤchte ſie uns ſchon triftigere Gruͤnde entgegenſetzen. Fernando. Wie das? „Fabio. Das junge Maͤdchen hat ſeit jener Zeit ſchon mehr Erfahrungen gemacht. Sie wiſſen, um ſie vor Ihren Nachſtellun⸗ gen zu ſiehern, ſchickte man ſie nach Sala⸗ 19 manca. Dort hat ſich ein Nebenbuhler ge⸗ funden. Fernando. Ein Nebenbuhler? Fabio. Wie ich Ihnen ſage. Leon, heißt der Furchtbare. Es iſt der Sohn eines gewiſſen Don Gasparo de Roſellos, eines harten und ſtrengen Vaters, der ſeinen Sohn nach Salamanca geſchickt hatte, um dort zu ſtudiren. Der junge Herr ſieht Eliſen auf der Promenade, ein Blick von ihr entzuͤndet ihn, er verfolgt ſie, wie ihr Schatten, und klagt ihr ſein Leiden in einer empfindſamen Serenade. Die kleine Reiſe, welche Sie damals unternahmen, noͤthigte den Morillos zu der Vorſicht, ſeine Tochter zuruͤckzurufen und Leon, der es weit angenehmer fand, ſeine Liebeshaͤndel fortzuſetzen als ſeine Stu⸗ dien, ſagte dieſen heldenmuͤthig Adjeu, und begab ſich nach Madrid, wo er ſich ſeit ſechs Tagen incognito aufhaͤlt; denn ſein Vater 1II moͤcht' es ſchwerlich vergeben, daß der Herr Sohn die ſe Univerſitaͤt bezogen hat. Fernando. Arber wo Teufel haſt Du das alles ſo umſtaͤndlich erfahren? Fabio. Der Himmel iſt der Dummen Vormund; und Sie wiſſen, daß ich mir ſei⸗ ne Gunſt zu Nutze mache. Fernando. Ja, ich weiß, daß Du ein ausgemachter Schelm biſt. Fabio werbeugt ſſch. Hören Sie weiter. Mit Leon's Bedienten war ich vor zwei Jah⸗ ren bei einer Herrſchaft; Pedrillo heißt der Burſche, und iſt zum bejammern dumm; das Geheimniß ſeines Herrn quaͤlte ihn, er fand fuͤr noͤthig, es in den Buſen eines rechtſchaff⸗ nen Menſchen auszuſchuͤtten, gluͤcklicherweiſe traf er mich; und da er nicht weiß, daß ich in Ihren Dienſten ſtehe, ſo drang er mir ſo zu ſagen die Abentheuer ſeines Herrn auf und nht fragte mich ſogar um Rath. Fernando. Dich? 12 Fabio. Das hat ſeinen guten Grund; er kennt meine Verſchlagenheit in ſolchen Faͤl⸗ len. Als einſt bei einer gewiſſen Avantuͤre, die heilige Hermandad mich verhaften wollte, war ich ſo geſchickt, dem Officier ſeinen Zau⸗ berſtab zu entwenden. Er holt ein kleines Staͤbchen unterm Kleide hervor. Sie wiſſen, daß dieſe Herren daran kenntlich ſind. Und als ich mich deſſen auf der Stelle bediente und den Officier ſelbſt arretirte— glaubte Monſieur Pedrill, ich ſey ein Hexenmeiſter, und ver⸗ ehrt mich ſeit jener Zeit wie einen Wunder⸗ mann. Fernando. So weißt Du alſo ge⸗ nau, in wie weit Leon zu fuͤrchten iſt? Jabio. Alles weiß ich. Bis jetzt iſt der Rebenbuhler nicht ſehr gefaͤhrlich. Noch hat man ſich nur durch einige verliebte Blicke und einer Arie auf der Guitarre expek⸗ torirt. Sie kennen ja Eliſens außerordent⸗ liche Behutſamkeit; aber zum Ungluͤck hat — — 13 ſie von Salamanca ein verſchmitztes Maͤd⸗ chen mitgebracht, und dieſe Donna Jacinthe ſcheint ſich mit den Arien auf der Guisaite nicht begnuͤgen zu wollen. 12. Fernando. Wer iſt denn dieſe Ja⸗ einthe? 1 Fabio. Ein boshafter Daͤmon der Eliſe, voller Liſt und Verſtellung, mit einem Wort: eine Zofe! der leckerhafteſte Biſſen, der jemals mein empfindſames Herz in Ver⸗ ſuchung geführt hat. Aber die Tuckmauſe⸗ rin liebt Pedrillo und ſucht daher eifrigſt die Liebe ſeines Herrn zu unterſtuͤtzen. Fernando. Teufel! Geſchwind nimm Deine Tabletten. Fabio nimmt ſie, kniet nieber und iſt zum Schreiben bereit. Fernando. Schreib. Ehe zwei Ta⸗ ge vergehen, muͤßen Leon und Jacinthe aus dem Felde geſchlagen ſeyn. 14 Fabio ſich erhebend. Bah! die hab' ich ſchon vor drei Tagen unſchaͤdlich gemacht. Fernando. Iſts möglich? 1 Fabio. Glauben Sie denn, daß ſich der genialiſche Fabio von einem zwanzigjaͤh⸗ rigen Brauſewind und einer verſchmitzten Zofe ein Bein ſtellen ließe? Fernando. So ſprich doch Rarr. Fabio ſchielt nach dem Hauſe. Ziehen wir uns zuvor ein wenig zuruͤck. Fernando. In dem Hauſe haben wir nichts zu befuͤrchten; es kennt mich dort Niemand als Eliſe und eine alte Duenna, welche obendrein todt ſeyn ſoll. Fabio ſehr geheimnißvol. Wiſſen Sie denn, mein Herr, daß eine alte ehrenveſte Wittwe, welche mich ganz beſonders ehrt und ſchaͤtzt— 8 Fernando. Dich? Fabio. Ja, ja. Ach ich bin ein ganz reſpektabler Patron, wenn's gilt. Dieſe 13 Wittwe nun, welche ſeit einiger Zeit in Dienſt bei Morillos Schweſter iſt, und ihr Zu⸗ trauen beſitzt, berichtete mir vor drei Tagen, daß Eliſe ihre Tante inſtaͤndigſt gebeten hat, heimlich einige Nachricht uͤber den jungen Leon einzuziehen. Da nun die liebe Tante ohne meine ehrenveſte Wittwe nichts thut, und die Wittwe ſo guͤtig iſt, ohne mein Wiſſen nichts zu thun, ſo begreifen Sie wohl leicht, was fuͤr Nachrichten Eliſen hinsee bracht— Fernando demerkt Don Anſams. Still, es kommt jemand. Zweiter Auftritt. Don Anſelmo. Vorige. Anſelmo koumt aus dem Kloſter von der linken Seite und geht gerade auf Morillos Hausthuͤr zu. Fernando ieht ſich mit Fahio nach der linken Seite zuruͤck. 16 Fernando. Man geht zu Morillos. Was iſt das fur eine Erſcheinung? Fabio ihn betrachtend. Wenn ich mich nicht irre, ſo iſt es eine Art von Procurator des Kloſters. Fernando. Kennſt Du ihn? . 1 Anſelmo klopft an die Thir. Fabio. Vom Hoͤrenſagen. Es iſt ein Original, der ſich einbildet, eine wichtige Perſon zu ſeyn, er ſpricht nicht anders, als in hochtrabenden Bildern und unverſtändli⸗ chen Phraſen. Anſelmo kleopft wieder. Beatrix von innen. Mer iſt da? Fernando. Das iſt die alte Beatrix. Wir wollen uns zuruͤckziehen, und ſoviel als möoglich alle Eingaͤnge des Hauſes bewachen. Sie eilen in den Hintergrund zur rechten Seite ab. 17 Dritter Auftritt. Beatrix. Don Anſelmo. Beatrix öffet die Thure. Ah, Don Anſelmo! willkommen. Wie gehts, wie ſtehts? Was iſt zu Ihren Dienſten? Anſelmo. Nichts erheblich bedeuten⸗ des. Ich ſtelle mir vor, daß Sie ſchon mehr als einmal die Betrachtung gemacht haben wird, wie flüchtig und nichtig das menſchliche Leben iſt. Beatrix. Daß weiß der Himmel! wenn ich bedenke— Anſelmo wichtig. Pſt!— Und daß man alſo keine Handlung auf den andern Morgen verſchieben muß, die man am Abend vorher eben ſo gut haͤtte ausfuͤhren können? Beatrix etwas ungeduldig. Richtig. Anſelmo. Um ſo mehr, da die menſch⸗ liche Betriebſamkeit in allen Zweigen des B Handelns und des Wiſſens jetzt ſo thaͤtig ge⸗ ſelten die Thaͤtigkeit durch einen zu großen Aufwand von Kraͤften mortificirt— Beatrix zerſtreut. Scharmant. Anſelmo. Was iſt ſcharmant? b Beatrix. Ei nun— das Vergnuü⸗ gen Ihrer Unterhaltung; denn da es ziem⸗ lich lange waͤhrt, ehe Sie das ſagen, was Sie ſagen wollen, ſo hat man um ſo laͤnger das Glück— Anſelmo. Sie irrt ſich, meine Gute; b 1 Alles, was ich Ihr ſagte, war unumgang⸗ lich nothwendig, ehe ich die Frage thun konnte: ob Ihr Herr zu Hauſe iſt? Beatrix. Ja, mein werther Herr gleich— wil ſort. Anſelmo unterbricht ſie. Iſt er allein? Beatrix. Nein; Don Gasparo iſt eben bei ihm, ein neuer Freund unſers Hau⸗ worden iſt, daß die Betriebſamkeit nicht Nachbar. Erlauben Sie, daß ich ihn ſo⸗ 19 ſes. Don Gasparo, Sie werden ihn ken⸗ nen, den man kuͤrzlich zum Richter ernannt hat.. Anſelmo. Eh— Beatriyx nit verdoppelter Geſchwaͤtzigkeit. Daͤ⸗ von hab ich Sie benachrichtigen wollen. Es wird dieſen Abend ein großes Soupee bei Don Gasparo gegeben, zur Feier ſeiner Wahl; und ich vermuthe, daß er als freund⸗ licher Nachbar gekommen iſt, um meinen Herrn und unſere Mamſell dazu einzuladen. Anſelmo angeduldig. Ei, was küm⸗ mert mich das alles. Glaubt Sie, daß Ihr Herr bald ausgehen wird? Beatrix. Das weiß ich nicht; er hat geſagt, daß er nicht eher ausgehen will, bis Mamſell wieder zu Hauſe iſt. Anſelmo. Was? Morillos erlaube jetzt ſeiner Tochter auszugehen? Beatrix. Im Gegentheil; ſeit Don Fernando's Nachſtellungen iſt er in dieſem B 2 20 1 Punkte ſtrenger als je. Aber weil Ihr Klo⸗ ſter nur einige Schritte von unſerm Hauſe iſt, und da Jacinthe ſo ſehr wuͤnſchte, das Leichenbegaͤngniß zu ſehen, welches man dort heute feiert, ſo erlaubte ihnen der Herr die kleine Erholung. Anſelmo. Dennoch ſollte er nicht— Beatrix. Da wir eben von dieſem Leichenbegaͤngniß reden, mein lieber Don An⸗ ſelmo, Sie kommen grade recht, um mir zu erklaͤren— at. Anſelmo. Ei zum Henker, was be⸗ kuͤmmert Sie das Leichenbegaͤngniß. Hoͤre Sie, was ich Ihr zu ſagen habe. Beatrix ihn unterbrechend. Ich hoͤre— Man erzaͤhlt ſich, daß der Graf Lemos die ganze Feierlichkeit auf ſeine Koſten veran⸗ ſtaltet habe.. Anſelmo. Ja, alles wahr. Beatrix. und daß er den Seligen ganz beſonders protegirt haͤtte? 21 Anſelmo. Ja doch, wie ſo die groſ⸗ ſen Herrn zu protegiren pffegen— Sage Sie Ihrem Herrn— Beatrix. War denn der Seelige lein vornehmer Mann? Anſelmo. Eh! ein ſchlichter Edel⸗ mann. Wie er heißt, will Sie wiſſen. Halb ſchreied. Michael de Cervantes Saa⸗ vedra.— Beatrix. Richtig. Alles das erzaͤhlt man ſich; aber iſt es denn wahr, daß er zu gleicher Zeit Arzt und Poet, Soldat und Sklave geweſen iſt? und daß er ſo viele Un⸗ gluͤcksfaͤlle ausgeſtanden hat? Anſelmo. Ja, ja, ja. Verdienſte genug hat er dazu gehabt. Er hat die ſchoͤn⸗ ſten Buͤcher geſchrieben, er hat ſein Jahr⸗ hundert verbeſſert, er hat den Ruhm der ſpaniſchen Nation erhoͤhet, und iſt im Elend geſtorben. Sexviteur. er geht. 22 Beatrix üöm nach. He! Ich glaubte, Sie wollten meinen Herrn ſprechen? Anſelmo. Aber Sie will mich ja gar nicht verſtehn; ſchon ſeit einer Stunde bitt ich Sie, Ihrem Herrn zu ſagen, daß ich ihn ins geheim zu ſprechen wuͤnſche, und daß ich deshalb heute Abend wieder bei ihm vorſprechen werde. Hört Sie wohl, was ich Ihr ſage? Heute Abend. Beatrix. Gut, gut. Anſelmo indem er geht. Ueher das verma⸗ ledeite Plappermaul. Vierter Auftritt. Beatrix waͤhrend ihres Selbſtgeſpraͤchs kommt ſie auf die andere Seite der Straße. Ein guter Mann, aber ein unertraͤgli⸗ cher Schwaͤtzer. Indeß— er iſt ein Freund 23 meines Herrn und ihm viel werth. Er ver⸗ ſteht die Kunſt, ihm ein ſchlechtes Gemaͤhlde beſſer zu verkaufen, als ein Jude ein Gutes; und wahrſcheinlich— * ———— Fuͤnfter Auftritt. Eliſe. Jacinthe. Beatrix. Bald nachher Leon und Pedrillo. Jacinthe eilt voraus, beiſeite. Leon folgt uns, wie wird das ablaufen? Eliſe. Was haſt Du denn? Jacinthe. Ich? Nichts; ich— Beatrix. Ah, da ſind Sie ja wieder, Mademoiſelles. Jacinthe beiſeite. Und hier, Beatrix! Die Verlegenheit iſt noch nicht groß genug. Leon und Pedrillo erſcheinen und gehen mehreremale hin und her. Beatrix. Nun Jacinthe, erzaͤhle Sie 24 mir doch. Wie wars denn mit der Leichen⸗ feier? Hat es Ihr gefallen? Jacinthe aackt die Achſeln. Ey nun— Eliſe. Du haſt immer zu tadeln, Ja⸗ cinthe. Ich habe nie eine prachtvollere Lei⸗ chenfeier geſehen. Jacinthe. Ach, beſtes Mamſellchen, es giebt weit angenehmere Gegenſtaͤnde zu ſehen. Sie ſchielt nach Leon und Pedrillo. Was kuͤm⸗ mern mich die Todten; ich liebe die Leben⸗ digen! Beatrix. Da hört man gleich, daß ein junges Maͤdchen ſpricht. Die Lebendi⸗ gen! Wahre Jammerbilder oft— ſe macht gegen Pedrillo eine Verbeugung, welcher eben Jacinthe ſei⸗ nen Buͤckling machte, Jacinthe. Was giebts da Muͤtter⸗ chen? Beatrix. Das iſt ein ſehr artiger Menſch! grüßte er mich nicht ſo freund⸗ lich. 25 Jacinthe. Ei wer wird auf derglei⸗ chen Jammerbilder achten! Beatrix. Spoette Sie nur. Eliſe. Genug, Jacinthe. Komm zu Hauſe. Jacinthe. Schon? Eliſe. Mein Vater wird mich er⸗ warten. 1 Beatrix. So iſts, Mademoiſell. Auch Don Gasparo de Roſellos iſt oben und erwartet Sie. Leon beifeite. Was hör ich? mein Vater?— Jacinthe beiſeite. O die verwuͤnſchte Alte!— Haͤtt' ich doch bald vergeſſen.— Sagten Sie nicht vorhin, Mademoiſell, daß Sie von Ihrer Tante einen Brief erwarte⸗ ten? Sie wollten ihn ja heute holen laſſen. Eliſe. Es iſt wahr. Jacinthe. Da iſt ja die gute Beatrix, die ſich daraus ein Vergnuͤgen macht. 26 Beatrix launist. Wenn es Mamſell beftehlt? Jacinthe ör ſcmeichems. Sie bittet nur darum. Aber liebe Beatrix, verfehle ſie nur nicht die rechte Wohnung der Donna Clara, es iſt das neue Haus am Ende der Straße von Murcia, dem Gaſthofe gegen⸗ uber. Beatrix. Dem Gaſthofe gegenuͤber. Ich werde mich ſchon ſinden. Sie geht. Eliſe. und nun, Jacinthe, zoͤgere nicht laͤnger. Sie will ins Haus. Jacinthe. Lieber Himmel, wie aͤngſt⸗ lich Sie ſich nach Ihrem Kaͤfig ſehnen; ich finde die Luft heute ſo ſanft, ſo rein— Leon und Pedrill erſcheinen wieder. Beatrix macht ihnen im Voruͤbergehen eine Verbengung, ſie danken und ſtellen ſich als gingen ſie weiter. Wie doch die junge Welt jetzt ſo artig iſt. Ab. 27 Sechster Auftritt. Eliſe, Jacinthe. Leon und Pedrill horchend. Jacinthe. An Unterhaltung wirds uns auch nicht fehlen. Wir haben ohnehin ſeit ſo langer Zeit nicht von Salamanca ge⸗ ſprochen. manca, wir ſind ja jetzt in Madrid. Jacinthe. Wir ſind freilich in Ma⸗ drid, Aber— wenn ich fragen darf— haben Sie wohl in dem Kreuzgange einen gewiſſen gruͤnen Mantel bemerkt? Eliſe. Was? war es Leon? Jacinthe. Er ſelbſt. Wie erſchrack ich, als ich ihn erkannte. Eliſe, Aber, Jacinthe, kannſt Du das Betragen dieſes jungen Menſchen hegrei⸗ fen? Iſt es nicht mindeſtens eine große 4 Eliſe. Was intereſſert uns Sala⸗ 28 Unbeſonnenheit: die Univerſitaͤt zu verlaſſen, mir nach Madrid zu folgen, mir tauſend Proben einer wahrhaften Liebe zu verrathen; und dennoch bei jeder Gelegenheit ſo ver⸗ ſchloßen, ſo ſchüchtern— Jacinthe. Erlauben Sie, Made⸗ moiſelle, alles hat ſeine Zeit. Er muß erſt das Terrain kennen, bevor er es wagt— Eliſe. Sage, was Du willſt. Der wahren Liebe ziemt Offenheit! Selbſt ſein Bedienter hat Dir noch nicht ein einziges Wort von der Familie ſeines Herrn geſagt, von ſeinen Abſichten, von ſeinen Hoffnun⸗ gen. Wir wiſſen vielleicht ſeinen wahren Namen nicht einmal. Jacinthe etwas gegen Leon gewandt. Es iſt wahr, dieſer Punkt iſt ein wenig zweldeu⸗ tig.— Uebrigens merk ich nun wohl, daß der junge Mann Ihrem Herzchen nicht ſo gefaͤhrlich iſt, als ich dachte. Eliſe ſeufzend. Ach Jaeinthe! 29 Jacinthe heuchleriſc. Sagten Sie mir etwas? 4 38⁄ Eliſe. Wenn ich verſichert waͤre, daß Du mich nie an ihn verrietheſt, ſo wuͤrde ich offenherziger mit Dir reden. Jacinthe. Soll ich ſchwoͤren, Ma⸗ demoiſelle? Aus meinem Munde wird er nie etwas davon erfahren. Eliſe. Nun wohl, meine Gute, ſo geſteh ich Dir denn freimuͤthig, daß, aller Einwendungen meiner Vernunft ohngeachtet, ohngeachtet ſein zweideutiges Betragen mir zu dem groͤßten Argwohn ein Necht giebt, mein Herz ſein Bild auf ewig aufbewahrt. So ſehr der erſte Anblick des unedlen Fer⸗ nando mich zuruͤckſchreckte, ſo ſehr fuͤhlt ich bei Leons erſtem Blick— Es hoͤrt uns doch Niemand?— Jacinthe. Niemand, als der uns hoͤxren darf. Nur weiter. Eliſe. So ſehr fuͤhlt ich bei Leens 3⁰ erſtem Blick mein Herz unwiderſtehlich ange⸗ zogen. Ich fühle es, daß ich nur durch ihn, oder nie gluͤcklich werden kann; und nur einen Wunſch hegt jetzt mein Herz; daß nemlich die Nachrichten, die ich von meiner Tante uͤber ihn erwarte, die ſchönſte Hoff⸗ nung meines Lebens nicht zerſtöhren mögen. Leon mit deidenſchaft. Ich muß zu ihren Fuͤßen und wagte ich alles. Wiu herdsr. Morillos im Hauſe. Beatrix! Leon und Pedrill erſchrecken und fluchten ſchnell zur linken Seite ab. Eliſe ſiht ſichum. Jacinthe— mein Gott! was war das? Jatdinthe. Hm! was wars? Ein paar Feigherzige, die davon laufen. 31 Siebenter Auftritt, Don Gasparo. Morillos. Eliſe⸗ Jacinthe. Morillos aus dem Haußs kommend, mit 8 nem kleinen Gemaͤhlde unterm Arm. Beatrix! Zu ben Mädchen. Was? Euch treff ich hier? Was habt Ihr auf der Straße zu thun? Jacinthe. Wir kommen ſo eben erſt zuruck.— 4 Morillos. Seiſt auch Zeit. Hinein. Ich will nicht haben, daß man auf der Straße lange Geſpraͤche führt.— Verzei⸗ hen Sie, Freund.— Aber wo iſt denn Beatrir? 2 Eliſe verbeugt ſich gegen Don Gasparo und geht ins Haus. Jacinthe. Mamſell, hat ſie zur Tante geſchickt, um ſich nach ihrem Befinden zu erkundigen; die liebe Tante ſind ein wenig unpaß. 32 Morillos. So ſage Sie Pasqual, daß er ein wachſames Auge auf die Haus. thuͤr hat. Jacinthe. Ich will ihn egiic da⸗ hinter ſtellen. Geht. Morillos. Jacinthe! Jacinthe. Befehlen— Morillos. Wenn der Großinquiſitor nach einem Gemaͤhlde ſchickt, ſo kann man es verabfolgen laſſen. . Jacinthe. Wohl. Geht. 3 Morillos. Jacinthe— höre, Ja⸗ cinthe. Leiſe. Ich habe zu dem Gemaͤhlde einen alten Rahmen beſorgt, er koſtet zwei Piaſter; wenn der Großinquiſitor ſchickt, kaſſire die Kleinigkeit mit ein. Man muß heut zu Tage nichts verlieren, es ſind ſchwe⸗ re Zeiten. Jacinthe. Druͤckende. Sie haben recht. Geht ins Haus. 4— 33 8 Achter Auftritt. Morillos. Don Gasparo. Morillos. Ich bitte nochmals um Verzeihung, die Verwegenheit eines gewiſ⸗ ſen Herrn, wovon ich Ihnen erzaͤhlt habe, zwingt mich eine Menge Vorſichtsmaßregeln zu treffen.— Doch wieder auf Ihre Ange⸗ legenheit zu kommen, ich bitte Sie, werther Freund, uͤberlegen Sie noch einmal, was Sie von mir fordern. Gasparo. Niein, ich bin unerbitt⸗ lich. Die erſten Vergehungen muß ein klu ger Vater auf das ſchaͤrfſte ahnden. Morillos. Zugegeben. Aber die⸗ ſes Verbrechen Ihres Sohnes— Gasparo. Was? Wie? Scheint es Ihnen noch nicht groß genug? die Univer⸗ ſttaͤt zu verlaſſen, um der erſten beſten Larve C zu folgen, die ihm auf der Promenad be⸗ gegnet? Morillos. Ja, ja, ich geſtehe— Gasparo. Einer wildfremden Weibs⸗ ſigur, die Niemand kennt, weder ihre Her⸗ kunft noch Erziehung. Morillos. Freilich giebts dergleichen Figuren viele. Gasparo. Die vielleicht— Gott weiß wem angehört? Morillos. Alles wahr. Gasparo. Vielleicht einem alten Narrn?. Morillos. Leicht möglich. Gasparo. Oder gar einem Schurken? Morillos. Will gar nicht wider⸗ ſprechen. Gasparo. Alſo denn, mit einem Wort, wenn Ihnen etwas daran liegt, un⸗ ſere nachbarliche Freundſchaft feſter zu kuü⸗ pfen, ſo beſteh ich darauf, daß Sie mich 35 mit Ihrem Einfluß unterſtuͤtzen. Sie haben Zucritt bei dem Herzog von Lerma, unſerm erſten Miniſter.— Morillos. Ich will jetzt eben ſeiner Gemahlin dieſes Gemaͤlde uͤberreichen. Gasparo. Nun wohl. Sr. Excel⸗ lenz wird Ihnen die Ordre nicht verweigern, die ich mir erbitte, um meinen Taugenichts von Sohn feſtnehmen zu koͤnnen. Ich weiß zwar nicht genau, welchen Weg er genom⸗ men hat; aber hab ich nur einmal den Ver⸗ haftsbefehl, ſo wird mir meine neue Gerichts⸗ ſtelle ſchon Mittel an die Hand geben, ihn aufzufinden. Er nennt ſich Leon de Roſellos. Morillos. Wenn ich nur von dem allen nichts vergeſe— Gasparo. Vergeſſen Sie nur auch nicht, daß Sie heute Abend mein Gaſt ſind, und daß ich Sie abholen werde? Morillos. Ohne Sorgen! das werd ich nicht vergeſſen. Auf Wiederſehn. C 2 36 Gasparo. Gute Verrichtung. Zu ver⸗ ſchiedenen Seiten ab. Morillos zur Linken. Während die⸗ ſer Scene hat Jacinthe oft die Thuͤr geoͤffnet und ſie, ſo oft Morillos dahin blickte, wieder zugemacht. Neunter Auftritt. Jacinthe. Leon. Pedrill. Jacinthe ſeeckt den Kopf durch die Thür und winkt Loon. Sie ſind fort. Leon luft herzu, entzudkt. Ach! Jacin⸗ the, ich bin der Gluͤcklichſte unter der Sonne. Sie liebt mich! von ihren eigenen Lippen vernahm ich das Geſtaͤndniß. Trunken macht mich mein Gluͤck. Ich muß ſie ſehen, ſie anbeten, will zu ihren Fuͤßen ſterben. Jacinthe. Hu! Welch ein Paroxis⸗ mus. Warum ſtarben Sie denn nicht vor⸗ hin zu ihren Fuͤßen, wenn ich fragen darf? Leon. Vorhin?— Gewiſſe Urſachen— Pedrill. Gewiſſe Angelegenheiten, die wir noch zu berichtigen hatten— 37 Jacinthe awoͤhniſch. Ei, ei! meine Herren, faſt glaub' ich, meine Mamſell hat Recht. Sie haben Geheimniſſe— Leon shaft. Alles ſoll ihr deutlich werden, eben deshalb brenne ich vor Be⸗ gierde, ſie zu ſehen, jeden Argwohn zu ver⸗ ſcheuchen, uͤber jeden Zweifel ſie zu beru⸗ higen. Drum ohne Verzug, füͤhre mich zu ihr. Jacinthe. Sind Sie bei Sinnen, mocht ich fragen? Wie wollen Sie denn ins Haus kommen? Leon. Alberne Frage. Durch jene Thuͤr. Jacinthe. Wie! durch dieſe Thuͤr? Deren Schwelle ich mit meiner Ehre bewa⸗ che? Und drinnen der ruͤſtige Huͤter Pas⸗ qual? Und mein Herr, der in jeder Minute wieder nach Hauſe kommen kann? gpedrillo. Sie hat Recht; ohne ihre Ehre in Anſchlag zu bringen— Pasqual und Morillos ſind zwei maͤchtige Hinder⸗ niſſe. Jacinthe gaebt ihm eine Ohrfeige. Unver⸗ ſchaͤmter.. Leon. So werd' ich nie ſo gluͤcklich ſeyn, die Theure zu ſprechen? Jacinthe. Ach nein! das ſag ich nicht: nur erwarten Sie nicht, daß ich dazu etwas beitragen ſoll. Meine Grund⸗ ſaͤtze— Leon. Hole der Geyer Deine Grund⸗ ſätze! Kannſt Du mich denn nicht wenig⸗ ſtens, ohne ſie zu verletzen, unterrichten, welches die guͤnſtigſte Stunde dazu iſt? Jacinthe. Ich bin aufrichtig, mein Herr, und ſomit ſag' ich Ihnen: es eignet ſich nur eine einzige Stunde vom ganzen Tage dazu, und das iſt der Augenblick, wo mein Herr eine kleine Promenade im Prado macht; das pflegt er nemlich alle Abend um ſieben Uhr zu thun. —— ———— 39 Leon entzuckt. Um ſieben Uhr? Jacinthe. O mein Herr, hoffen Sie etwa nicht daraus Vortheil zu ziehen. Leon. Oh, das iſt auch meine Abſicht nicht— Nun und alsdann? Jacinthe. Alsdann pflegt Mamſell mit mir ein Stuͤndchen in der Werkſtatt zu⸗ zubringen; wir klimpern ein wenig die Gui⸗ tarre, oder ſetzen uns auf dem Balkon, genießen die reitzende Ausſicht auf den Fluß— 3 Leon. Ein Balkon? Jacinthe. Ja, mein Herr. Leon. Herrlich! Vortrefflich! Jacinthe. Warum vortreff—? Ach, ich errathe! Sie ſchmeicheln ſich verge⸗ bens; der Valkon iſt ſehr hoch und unmög⸗ lich zu erſteigen. Es iſt freylich wahr, daß unter dem Balkon eine Thuͤr befindlich Leon. Wozu Du den Schluͤſſel haſt. 40 Jacinthe. Nein, zu meinem guten Gluͤck! Pedrillo. Ein ſchöner Schluß. Jacinthe. Ja, wahrlich, ich bin meiner Ehr wegen herzlich froh, daß dieſer Schluͤſſel in Beatricens Verwahrung iſt. Leon. Beatrix? die Alte, welche vor⸗ hin hier war? Ja cinthe. Dieſelbe. Sie traͤgt die Schluͤſſel des ganzen Hauſes in einem Bunde; und wahrlich! den Schluͤſſel zu jener Thuͤr wer⸗ den Sie ihr durch keine Liſt entwenden, ob⸗ gleich er im ganzen Bunde der Klein ſte iſt. Leon außer ſich. Göttliches Maͤdchen! Jacinthe will gehen. Schmeicheln Sie ſoviel als Ihnen beliebt, mein Herr, ich ſage Ihnen doch nichts verrathe Ihnen nichts, in gar nichts miſche ich mich. Ein jeder muß wiſſen, wie weit er gehen darf. Meine Grundſätze verbieten mir durch⸗ aus, Ihnen auch nur auf die allerfernſte 41 Weiſe behuͤlflich zu ſeyn, und ich höre nichts als meine Grundſätze. Ihre Dienerin, mein Herr, ich bedaure Sie herzlich, aber ich bin unbeſtechlich. Ab. Pedrillo ihr nachrufenr. Du— Du— Tiegerin! —— Zehenter Auftritt. Leon. Pedrillo. Leon ſchnel. Allons, Pehrill, dieſer Schlüſſel muß herbeigeſchafft werden, und wie das anzufangen, ſey Deine Sorge. Pedrillo. Die Meinige? Leon. Ja. Handle, erſinde, unter⸗ nimm— thu was Du willſt— in einer Stunde muß der Schluſſel in meinen Hän⸗ den ſeyn. Pedrillo. Ach Gott— mein Herr, das iſt ja eine unmoͤgliche Sache. Leon. Poſſen! 2 Pedrillo. Ich habe mit dieſer Bea⸗ trix noch nicht ein Wort geſprochen— Wie ſoll ich ihr beikommen?— ich kenne weder ihre Gewohnheiten— Leon. Sie iſt alt. Pedrillo. Noch ihren Chatakter— Leon. Sie iſt haͤßlich. Pedrillo. Noch ihre ſchwache Seite— Leon teippelt füͤr ungeduld. Iſt es nicht ein Weib? Pedrillo. Mein lieber Herr— ſtatt daß wir uns den Kopf uͤber dergleichen Sa⸗ chen zerbrechen— wuͤrde es nicht weit beſſer ſeyn, wenn wir ganz demuͤthig dem Herrn Papa unſere Aufwartung machten, unſere dummen Streiche reuig geſtaͤnden, und ſeine Vergebung— Leon. Was, Schurke! damit er mich auf der Stelle nach Salamanea zuruͤck ſehick⸗ te, und ich Eliſe vielleicht nimmer wieder⸗ ſaͤhe?— 43 Pedrillo. Erlauben Sie, da ſich zufaͤllig zwiſchen ihm und Don Morillos ein Freundſchaftsbuͤndniß angeſponnen— Leon. Eitle Ruͤckſichten. Ich werde Eliſen alles bekennen und mich mit ihr uͤber meine kuͤnftige Handlungsweiſe vereinigen. Haſt Du denn nicht ſoviel Verſtand⸗ Pedrillo. Nein, lieber Herr, ich bin ein ehrlicher dummer Teufel, wie Sie wiſſen. Ferner gehts mit unſerm Gelde auf die Neige, und— der Donner— bald häͤtt' ich geflucht— wie kann man Verſtand haben, wenn man kein Geld hat. Leon ihn drohend. Ich eile jetzt zu Don Tellos, der mir hundert Dukaten verſprochen hat; bald bin ich wieder hier. Haſt Du bei meiner Zuruͤckkunft nicht ein ſicheres Mit⸗ tel gefunden, um Dich dieſes Schluͤſſels zu bemaͤchtigen, ſo— Burſche, ſo pruͤgle ich Dich todt und jage Dich fort. Ab. 44 Eilfter Auftritt. 3 Pedrillo wirft erboßt ſeinen Huth auf die Erde. So ſind die Herrſchaften, und das hat man davon, wenn man ſich mit ihnen fa⸗ miliaͤr macht. Todtpruͤgeln und fortjagen! Als ob man an einem nicht genug haͤtte. Ich mag nur nicht fluchen, ſonſt ſagt ich, hole der Teufel die Liebe und die Verliebten! Zwölfter Auftritt. Pedrillo. Fabio. Fabio. Ah, Freund Pedrill!— Wie gehts, Bruͤderchen? Du ſiehſt verdruͤßlich aus. Wo fehlts? Pedrillo. Ueberall. Bei meiner Treu, Kammerad, ich bin es muͤde, laͤnger zu dienen. 45 Fabio. Warum das? P edrillo.“ Die heutigen Liebhaber ſind keinen Schuß Pulver werth. Fabio. Pah! ſo ſprach meine Mut⸗ ter ſchon vor dreißig Jahren.— Thuͤrmt ſich etwa ein Hinderniß Eurer Liebe entgegen? Fein. Hm! Courage, mon ami! was ſich thuͤrmt, wird beſtuͤrmt. Pedrillo. Ah, hat ſich was von Hinderniſſen, nichts von Thuͤrmen und Stur⸗ men; alles geht nur ſo gut, daß ich des Teufels werden moͤchte. Wir haben Eliſen 3 geſehen, wir haben aus ihrem Munde gehoͤrt, daß ſie wie naͤrriſch in meinen Herrn vergafft iſt; es iſt ſogar die Rede von einem Rendez — vous auf dieſen Abend. Fabio. Fuͤr dieſen Abend? Pedrillo. Ja, um ſieben Uhr, in der Werkſtatt, auf dem Balkon, nach der Waſſerſeite. 46 Fabio. Ei nun, Pedrillo, das ſind ja herrliche Aspecten. 2 Pedrillo. Lieber Gott, ja, Jacin⸗ the hat das alles auf die beſte Art von der Welt eingerichtet; nur eine Kleinigkeit hat 1 ſie vergeſſen.. 4 Fabio. Was denn? Pebrillo. Den Schluͤſſel zu einer kleinen Thuͤr, durch welche wir paſſiren muͤſſen. Fabio beiſeite. Teufel, den wuͤrden wir auch gebrauchen koͤnnen. Pedrillo. Ungluͤcklicherweiſe iſt dieſer Schluͤſſel in der Verwahrung einer alten Hexe, die hier gleich vorbeikommen wird. Da beſiehlt mir nun mein Herr— dem als —n— ein junger Fant keine Sache unmöglich ſcheint— ich ſoll die Alte auf oͤffentlicher Straße uͤberrumpeln, ihr den Schluͤſſel ab⸗ nehmen, und zu ihm bringen!— Iſt er nicht verrückt, Kammerad! Was ſagſt Du dazu? 47 Fabio kalt. Er hat recht. Pedrillo. Was? Er hat recht? Fabio. Ja, ja, ſag ich Dir; daß iſt ein Kinderſpiel! t Tat Pedrillo. Ihr habt Euch wohl bei⸗ derſeits verabredet, mich toll zu machen? Fabio. Wenn Du nicht ſchon toll biſt. Naͤrriſch wenigſtens mußt Du ſeyn, da Dir vor einem ſo leichten Unternehmen bangt. Pedrillo. Leichten Unterneh— das ſchwatzt wie eine Elſter. Noͤcht ich doch wohl ſehen, wie Du Dich dabei nehmen wuͤrdeſt? Fabio. Verſtumme Du Feigherziger mit dem Fliegengehirn. Du willſt als Be⸗ dienter Dein Gluͤck machen und zagſt vor ſolchem Kinderſpiele? 3 Pedrillo. Da hoͤre man die Elſter. Kinderſpiel! Eine alte Pförtnerin zu gewin⸗ nen, ohne Geld, ohne— Fabio eiſri. Und wie dann, wenn 48 Du einem Geitzhals von Vater ein Löſegeld abpreſſen ſollteſt, einem Verſchwender zum Vermoͤgen helfen muͤßteſt? Jemand zum Erben einer ungeheuren Summe einſetzen ſoll⸗ teſt, ohne ſelbſt einen Heller zu beſitzen?— He! Was wuͤrdeſt Du dann ſagen? Pedrillo. Ich wuͤrde ſagen, daß die Heiligen laͤngſt todt ſind, und heut zu Tage keine Wunder mehr geſchehen. Fabio ſoolz. Nun, ſo neige Dich zur Erde, Du profane Seele, und vernimm mit Ehrfurcht den Unterricht, den ich mich herablaſſe, Dir zu geben. Pedrillo. Nur zu, ich hoͤre mit bei⸗ den Ohren. Fabio. Wo iſt die Alte jetzt, an der Du Dein Kunſtſtuck machen ſollſt? Pedrillo. Zu der Tante iſt ſie ge⸗ gangen, zu Donna Clara, um fuͤr Eliſen einen Brief zu holen.. 49 Fabio bdeiſeite. Den ich dictirt habe. — und der Schluͤſſel? Pedrillo. Der Kleinſte im Bunde, den ſie am Guͤrtel traͤgt. Fabio. Glaubſt Du, daß ſie bald zuruͤckkommen wird? Pedrillo het ſeitwaͤrts geblickt. Blitz— ich glaube— ja wahrhaftig— da kommt ſie ſchon. Fabio. Entferne Dich. Dort in der Nachbarſchaft findeſt Du einige Freunde von mir; fuͤhre ſie hierher, und harret ſchwei⸗ gend, was ich geruhen werde, Euch zu be⸗ fehlen. Ihr ſeyd entlaſſen. Pedrillo mit einer einfäͤltigen Unterthänigkeit, geht zur rechten Seite ab. Fabio allein. Jetzt gilts. Was thu ich? Ob ich beiden zugleich eine Naſe drehe? — Nein, damit waͤre mir wenig geholfen, Eins koͤnnte das andre verderben. Wenn ich dem Einfaltspinſel zu arg mitſpiele, ſo D 50 waͤre er wohl gar im Stande, alles zu ver⸗ rathen— drum lieber meine erſte Idee ver⸗ folgt. Laß ſehen, obſich nicht einige Schluͤſ⸗ ſel bei mir— gluͤcklicherweiſe ja.— Und hier die Alte. Geſchwind meinen Leuten den nöthigen Wink. eilt zur rechten Seite ab. Dreizehnter Auftritt. Beatrix. Bald darauf Fabio⸗ Beatrix. Aha! die Demoiſelles ſind ſchon wieder zu Hauſe.— Ich weiß nicht, ob der Brief Mamſell Elischen viel Angeneh⸗ mes melden wird; die alte Wittwe, die mir ihn gab, machte eine ſo ſchadenfrohe Miene — cblickt Fabio. He! wer iſt der Menſch? Wie es ſcheint, kommt er gerade auf mich zu. Fabio ſehr geheimnißvol. Gute Frau, iſt Ihr Name nicht Beatrix? Beatriy.— Ja mein Herr! — — «& 51 Fabio. Dient Sie nicht bei dem Mah⸗ ler Morillos? Beatrix. Ja, mein Herr! Fabio. Und iſt Sie es nicht, die in dieſem Augenblicke von Donna Clara, ſeiner Schweſter kommt? Beatrix. So iſts, mein Herr. Fabio. Ein Wort im Vertrauen. Sie wird jetzt gleich von einem Schurken angeredet werden, der darauf ausgeht, Ihr Ihre Schluͤſſel zu entwenden. Beatrix. Allgerechter— Fabio. Dieſer Schurke iſt der Be⸗ diente eines gewiſſen Don Fernando— Beatrix. Gott ſteh mir bei! Jenes verrufenen Menſchen, der vor ſechs Mona⸗ ten verſuchte— Fabio. Derſelbe. Aber fuͤrchte Sie nichts; ich beſchuͤtze Sie, und werde die An⸗ ſchlaͤge dieſes Buben vereiteln. Beatrix. Sie! D 2 52 Fabio ziit das Stoͤckcen. Kennt Sie dieſes Zeichen. Beatrix beſtarzt. Ah! ein Diener der heiligen Herrmandad. Mei Herr— Sie verneigt ſich tief. 4 Fabio. Keine Complimente. Ich bin gar nieht hochmuͤthig. Höre Sie wei⸗ ter. Da wir es mit einem ſehr gewandten Schelm zu thun haben, ſo hab ich meine Capitains⸗Uniform gegen dieſe Liverey ver⸗ tauſcht; ſo verkleidet wird mirs um ſo leich⸗ ter, ihn zu fangen. Meine Begleiter hab ich hier in der Nachbarſchaft poſtirt, und mit dieſer und Ihrer Huͤlfe— Beatrix. Erlauben Sie, ich daͤchte, ich koͤnnte nichts beſſers thun„als mich ins Haus zu fluͤchten— Fabio immer in einem geheimnißvollen Tone. Das Geſetz verbietet es Ihr. Die oöͤffentliche Sicherheit ſowohl als das Intereſſe Ihres Herrn erfordert hier Ihre Gegenwart. 53 Beatrix. Aber, gnaͤdiger Herr— Fabio. Ja, Ihre eigene Ehre befiehlt es Ihr. Dieſer ſchurkiſche Fabio— Fabio heißt der Boͤſewicht. Beatrix. Ah, Fabio heißt er? Fabio. Dieſer Schurke hat ſich be⸗ rühmt, daß er mit Ihr im heimlichen Ver⸗ ſtaͤndniß ſtehe, und daſt er mit Ihr machen kann, was er will. Beatrix. Was er will? Fabio. Und daß er, vermittelſt eini⸗ ger Schmeicheleien die Klugheit einer alten Jungfer, wie Sie, einzuſchlaͤfern weiß. Beatrix wie vorhin. Einer alten Jungfer, wie ich? Fabio. Ja, meine Puppe. Und daß er Ihr eine Naſe drehen koͤnne, bei jeder Ge⸗ legenheit. Beatrix auſer ſich. Gift und Galle! das beruͤhmt er ſich? Nun wohl! er ſoll nur kommen— 34 Fabio. Ei, ei, ei, keine Unbeſon⸗ nenheit. Sie iſt eine vernunftige Perſon und wird ſich leiten laſſen.— Ich weiß zwar nicht, welcher Liſt er ſich bedienen wird, aber wofern wir ihn nur auf friſcher That er⸗ tappen konnten— Beatrix eieis. Das waͤre mein Caſus. Fabio. Will nemlich ſagen, daß wir ihn ſeiner Buͤberey uͤberfuͤhrten— Beatrix. Ich verſtehe vollkommen. Fabio. Tauſend! da ſchleicht er ſchon heran— Was mach' ich?— Die Zeit iſt zu kurz, um mich zuruͤck zu ziehn.— Ge⸗ ſthwind verbergt mich hinter Euch. er kauert ſich an ihrer Seite nieder; ſie breitet ihre Schuͤrze uͤber ihn, um ihn beſſer zu verſtecken. 33 Vierzehnter Auftritt. Vorige. Pedrillo. Beatrix Pedrillo'n betrachtend. Was? der iſt's?— Mein Gott, der hat mich ja noch dieſen Morgen ſo hoͤflich gegruͤßt. Fabio ſehr leiſe. Ich glaub' es gern, ſchon ſeit drei Tagen verfolgt er. Sie auf je⸗ dem Schritte. Pedrillo geht gerade auf ſie zu. Ah, da iſt ſie ja, liebe Frau. Man hat mir ſo eben geſagt, daß Sie in jener Straße einen Schluͤſ⸗ ſel aufgehoben hat, den ich verloren habe, und daß Sie ihn an Ihrem Bund mit beve⸗ ſtigt haͤtte.. Fabio reſe. Laͤugne Sie es. Beatrix. Mein guter Freund, da hat man Ihn ſehr unrecht berichtet, ich hebe niemals etwas auf, das mir nicht gehoͤrt. Fabio leiſe. Bravo! 56 Pedrillo. Aber, mein Gott, wie geht denn das zu? Man hat Sie mir doch ſo genau beſchrieben— Wem ſoll ich nun glauben—? Sey Sie wenigſtens ſo ge⸗ fäͤllig und laſſe Sie mich Ihre Schluſſel einmal unterſuchen. Fabio reiſe. Bindet ſie los. Beatrix bindet ſie ab, behaͤlt ſie aber in der Land. Gern, mein Freund. Da— üuͤber⸗ zeuge Er ſich.. Pedrillo ziigt auf den kleinſten Schluͤſſel. Ha! der da! der Kleinſte! Das iſt er, das iſt der Schluͤſſel, den ich ſuche. Er zupft daran. Beatrix iiſe zu Fabio. Er will ihn ab⸗ reißen. Fabio reiſe. Gebt nach. Beatrix ußt bos. Pedrillo ſtolpert mit dem Bunde zuräͤck. Blix, ich war meiner Sache wohl ge⸗ wiß. Fabio erſcheins ihm plötzlich. Und ich der —— —— 57 Meinigen. Verahrt ihn mit dem Staͤbchen. Ihr ſeyd mein Gefangener. Pedrillo erſchrickt, laͤßt die Schläſſel fallen, flieht und hebt die Hände hoch. Barmherzigkeit, ich habe ja keine Schluͤſſel. Fabio hebt ſie auf. Du haſt ſie weg⸗ geworfen, Schurke! Hilft nichts! man hat ſie in Deinen Haͤnden geſehen. Beatrix mit frendigem Geklaffe. Ja ja, Er iſt auf der That ertappt; Jedermann hat es geſehen und ich auch.. Fabio. Melchior! Raphael! ihm nach ihr Leute. Er geht. Beatrix. Hel he! meine Schluͤſſel. Fabio. Den Augenblick, den Augen⸗ blick. Ab. 58 Funfzehenter Auftritt. Beatrix, dann Pasqual im Hauſe. Beatrix. Pasqual! geſchwind her⸗ aus— Ach ein gluͤcklicher Tag! mein Herr iſt von ſeinem größten Feinde befreit und die gluͤckliche Beatrix hat dazu beigetragen.— Aber der gute Herr Officier kommt nicht mit den Schluſſeln zuruͤck. Und Pasqual ant⸗ wortet auch nicht. He, Pasqual! Pas⸗ qual!. Pasqual im Hauſe. Ich kann nicht kommen. Da, ſeht nur das Ungluͤck. Ja⸗ einthe will in Ohnmacht fallen. Beatrix. Einfaͤltiger! ſag ihr, ſie ſoll warten, und komm und ſieh, was es hier giebt. 39 Sechzehnter Auftritt. Fabio. Beatrix. Fabio. Das iſt abgemacht, gute Frau, der Bube iſt gefangen, und hier ſind Eure Schluͤſſel, die Ihr den Gerichten uͤber⸗ liefern werdet, ſobald man Euch dazu auf⸗ fordert. Beatrix entzackt. Gott ſey gedankt, daß ſolche lobliche Gerechtigkeit in unſerm Lande waltet. Zählt. Drei, ſechſe, zwölfe, vierzehn— Ja, es iſt meine Zahl. Fabio. Darf nicht Einer fehlen. Ge⸗ genwaͤrtig vergeſſet nur nicht— Er legt die Finger auf den Mund. Beatrix. Den Augenblick, den Au⸗ genblick werd' ich meinen Herrn die frohe Nachricht melden— Fabio. Nieht eine Sylbe. Das Ge⸗ ſetz gebietet Euch ſo lange zu ſchweigen, bis 60 man Euch vor Gerichte uͤber dieſen Vorgang abgehört hat. Die Fernando's haben zu maͤchtigen Einfluß— Beatrix. Wohl wahr; aber den wichtigen Dienſt, den Sie mir— 3 Fabio. Er bringt ſie nach und nach bis an die eonr. Pſt! Pſt! Beatrix. Meine Erkenntlichkeit— Fabio. Leiſer. Beatrix. Ihre Großmuth— Fabio. Noch leiſer. Beatrix. Aber, mein Herr Offi⸗ cier— Fabio. Ganz, ganz ſtillſchweigend geht zu Hauſe, und erinnert Euch ſtets, daß das Geſetz uͤber Euch wacht. Beatrix nut ſtummen Verbeugungen geht ins Haus. 8 —— —— Siebenzehnter Auftritt. Pedrillo. Fabio. Pedrillo ſchleicht herzu. Ehre dem Eh⸗ re gebührt, Kammerad, Du biſt ein größe⸗ rer Gaudieb als ich. Fabio greavitatiſch. Da iſt der Schluͤſ⸗ ſel quaͤſtionis.— Nun unterſteh Dich noch einmal zu zweifeln, daß dem Genie und zehn ſchnellen Fingern etwas unmoͤglich iſt. Achtzehnter Auftritt. Vorige. Leon. Leon eii. Nun, Pedrillo, haſt Du meinen Auftrag ausgerichtet? 3 Pedrillo ahmt Fabio's Gravität nach. Da iſt der Schluͤſſel Commiſſionis. Nun unter⸗ ſtehen Sie ſich noch einmal zu zweifeln, daß dem Genie und— wie haſt Du geſagt? 62 Leon. Wer iſt der Menſch? Pedrillo. Das, mein Herr, iſt ein Freund, wie es heut zu Tage wenige giebt; ſeiner Geſchicklichkeit haben wir es zu danken, wenn unſere Unternehmung gluͤckt. Leon. Wirklich? Ah Ihr Burſche, zu keiner gelegneren Zeit konntet Ihr mir die⸗ nen. Wiſſe, mein Nebenbuhler iſt wieder zu Madrid. Don Tellos, der ihn kennt, zeigte mir ihn ſo eben, als er aus einem Hauſe kam. Eine Aufforderung mehr, mein Gluͤck zu beſchleunigen. Fabio. Wenn ich Ew. Gnaden ferner mit den geringen Talenten, die mir die Na⸗ tur verliehen— Leon. Wird mir willkommen ſeyn. Unterdeſſen hier, ein Pfand meiner Erkennt⸗ lichkeit. Theilt das unter Euch. Er wirft ihm eine Boͤrſe zu. Fabio fͤngt ſie in der euft. Unterthaͤni⸗ gen Dank. —,—,— 63 Pedrillo. Iſt ſie geſpickt? Fabio. Tuͤchtig. Aber theilen wer⸗ den wir ſie nicht. er fährt damit in die Laſche. Der gnaͤdige Herr hat mir den Schluͤſſel be⸗ zahlt, den ich ihm verſchafft, und Du biſt durch den Unterricht bezahlt, den ich Dir ertheilt habe. Pedrillo. Ja ſo. Fabio. Schaafskopf. Leon. Allons, Pedrill, folge mir, Und ihr, braver Mann, rechnet auf meine Freundſchaft. Mit Pedrillo ab. Fabio verbengt ſih. O mein Herr, ich meinerſeits werde nichts verabſäumen— da ſie ſchon entfernter ſid, um Ihnen Ihre Zuſage zu verleiden. 3 Auftritt. Fabio. Don Fernando. Neunzehnter Fernando. He! wem gelten dieſe Complimente? Fabio ſehr lebhaft. Oh gut, daß wir uns treffen, mein Herr. Wichtige Neuig⸗ keiten!— Unſer Rival und Mamſell Eliſe — ſie haben ſich geſehen, geſprochen, ja man hoft ſogar— Fernando. Was? Fabio. Das verſchmitzte Kammer⸗ kaͤtzchen hat ein Rendez— vous veranſtal⸗ tet; es fehlte nur an einem Schluͤſſel. Man nahm ſeine Zuflucht zu meinem Genie, und betrog ſich nicht: ich habe ihn gluͤcklich er⸗ beutet und in ihre Haͤnde geliefert. Fernando. Was, Elender! Fabio. Ja, ja, in ihre Haͤnde; aber ich habe einen Abdruck davon behalten, ver⸗ —-— 65 mittelſt deſſen wir in zwei Stunden denſel⸗ ben Schluͤſſel beſitzen. Fernando. Bravo! Jetzt möͤgen Jacinthe und Leon immerhin ihren Scharf⸗ ſinn aufbieten; dem Streiche, den ihnen dieſer Schluͤſſel ſpielen wird, werden ſie nicht ausweichen. Fabio. Was meinen Sie? Fernando. Halte Dich bereit auf dieſen Abend um ſieben Uhr. Fabio. Gnaͤdiger Herr, das iſt ja dieſelbe Stunde, in der Leon dort— Fernando. Immerhin. Ich bin verſichert, daß er ſich dem Vater nicht zei⸗ gen wird; und eben bei dem Vater, der mich gluͤcklicherweiſe nur dem Namen nach kennt, muͤſſen wir ſie beide zu ſtuͤrzen ſuchen. E 66 Komm nur, komm, das Projekt iſt Deines Kopfes wuͤrdig. er geht. Fabio. Ah, wenn das iſt, ſo ac⸗ ceptir ich es, und ſchmuͤcke mich mit Ihren Lorbeeren. Er folzt. —— —— 67 Zweyter Aufzug. Die Werkſtatt des Mahlers in Form eines Acht⸗ eckes. Im Hintergrunde eine Thuͤr; zur rechten Seite ein Fenſter das auf einen Balkon fuͤhrt; auf derſelben Seite, nur mehr nach vorne, eine kleine Thuͤr, welche auf eine heimliche Treppe zu fuͤhren ſcheint. Auf der andern Seite, dem Balcon Fen⸗ ſer gegenuͤber, der Eingang zu mehreren Gemaͤ⸗ chern; mehr nach vorne, eine Kabinetsthuͤr; auf derſelben Seite eine Staffelei, darauf ein Ge⸗ maͤhlde, darneben ein Gueridon; zwiſchen den beiden Thuͤren ein Armſtuhl, ein Tabouret: Ein Schenktiſch, darauf eine Palette, Pinſel, Ge⸗ maͤhlde und ein großes Portefeuille. Zur rechten Seite eine zweite Staffelei und Armſtuͤhle. Piquen und Harniſche u. ſ. w. Erſter Aufrrirr. Jacinthe am Fenſter, eine Guitarre in der Hand. Es iſt laͤngſt ſieben Uhr und ich höre noch immer nichts. Wenn meine Mamſell E 2 68 wuͤßte, was ich gethan habe—! Ei nun, ſchmollen wuͤrde ſie nicht; entſchuldigt die Liebe nicht alles? Ich will noch einmal mein Lieblingsariettchen ertoͤnen laſſen. Sie ſpielt und ſingt. Komm bald! bald! bald!— Siehſt Harfner ſchoͤn Die Sonne du nicht untergehn? Wenn der Geliebte zoͤgernd weilt Hat oft ſchon ihn Gefahr ereilt— Denn leicht wie Roſenbluͤthe ſchwindet* Der Augenblick Gelegenheit!. Geſchwind gepfluͤckt, wo man heide ſie ſindet Eh ſie verſtreicht die goldne Zeit Die— Tage zum Bluͤhen der Roſen Doch nur Momente zum Koſen Der Liebe und Liebenden leicht, Drum bald! bald! ꝛc. Ich ſehe noch immer Niemand. Zweiter Auftritt. Eliſe. Jacinthe. Eliſe mit einem Briefe. Wo ſteckſt Du dann? Schon lange ſuch' ich Dich. —— 69 Jacinthe. Ich ſang meine Lieblings⸗ Melodie. Eliſe traurig. Gluͤckliches Maͤdchen, wie beneid ich Dich. Jacinthe behaͤlt die Guitarre unterm Arm. Himmel, was ſeh ich? die Aeuglein voll Thraͤnen. Was iſt vorgefallen? Eliſe geebt ihr den Brief. Da. Urtheile, ob ich keine Urſache zu dieſen Thraͤnen habe. Es iſt der Brief von meiner Tante. Jacinthe. Von Ihrer Tante? lieſt. „Sey auf Deiner Huth, liebe Eliſe. Der „junge Leon, von dem Du Dich geliebt „glaubſt, iſt ein Betruͤger, der Dich un⸗ „gluͤcklich machen wird, ſo wie er bereits „mehrere rechtſchaffne Familien ins Ungluͤck „geſtuͤrzt hat. Der Schaͤndliche iſt ſchon „zu Salamanca verheirathet und hat das ar⸗ „me Weib verlaſſen, daher ſein ſchuͤchternes „geheimnißvolles Betragen, das Du Dir nnicht erklaͤren kannſt. Sieh, mein Kind, 70 „wie nahe Du dem Abgrund warſt. Auch „Pedrillo, ſein Bedienter, den man fuͤr ei⸗ „nen Einfaͤltigen haͤlt, iſt der abgefeimteſte „Böſewicht in ganz Spanien, und bei allen „Gerichtshöſen bekannt. Zur Vermaͤhlung „ſeines Herrn verfertigte er ein Hochzeitsge⸗ „dicht in lateiniſchen Verſen.,— Mein Gott! was hoͤre ich? Eliſe. Nicht wahr, Jacinthe, wer haͤtte das gedacht? Jacinthe eifrig. Manmſell, das iſt eine ſchaͤndliche Verlaͤumdung. Eliſe. Was? Glaubſt Du denn, daß meine Tante— Jacinthe. Beileibe; aber ich weiß ja aus Erfahrung— und ach ſchwör' es Ih⸗ nen, Pedrill iſt der einfaͤltigſte Menſch auf der weiten Erde. Eliſe. Ach, was kuͤmmert mich Pe⸗ drill. Von Leon, dem Verraͤther, iſt die Rede. —— 71 Jacinthe. Gerechter Himmel! wem ſoll man nun noch trauen? Eliſe. Eine ſo edle Auſſenſeite und ſo ein ſchlechtes Herz. Jacinthe. Eine ſo töͤlpiſche Auſſen⸗ ſeite und lateiniſche Verſe!— Ach— nun⸗ mehr Mamſell, werden Sie es mir wohl nie vergeben— Eliſe. Was? Jacinthe. Verſprechen Sie mir zu⸗ vor, daß Sie es mir nicht nachtragen wollen. Eliſe. Was denn? Jacinthe. Ach, wer konnte auch das vorausſehen? Eliſe. Was werd ich hoͤren!— So ſprich doch, Maͤdchen. Jacinthe. Vorhin in der Fröhlich⸗ keit meines Herzens, in einem muthwilligen Augenblick, beging ich die Unbeſonnenheit, den Boͤſewichtern zu entdecken, daß unſere alte Beatrix den Schluͤſſel zu einer gewiſſen Thuͤr in Verwahrung hat, die unter dem Balcon— Eliſe. Himmel! Jacinthe. Ich weiß zwar nicht, ob ſie ſo gluͤcklich geweſen ſind, ihn zu erhalten; ich weiß nur, daß ich mich ohnmaͤchtig ſtell⸗ te, um Pasqual zu beſchaͤftigen, der durch ſeine Dazwiſchenkunft ihre Abſicht vereitelt haͤtte. Eliſe. Unvorſichtige!— Aber wel⸗ chen Gebrauch könnten Sie von dieſem Schluſ⸗ ſel machen? Jacinthe. Welchen Gebrauch? Ei, Mademoiſelle, Sie, die man ſo kühn und unternehmend ſchildert. Werden Sie nicht ſchon laͤngſt bemerkt haben, daß wir den Abend, wo der Vater auszugehen pflegt, hier die angenehme Abendluft auf dem Balcon genießen, und uns am holden Saitenſpiel ergoͤtzen? Eliſe. Nun gut. 73 Jacinthe. Nun gut. Wenn Sie die Geſchicklichkeit gehabt haben, ſich den Schluüſſel zu verſchaffen, ſo werden die Ver⸗ wegenen auch mit Vorſicht die kleine Treppe zu erſteigen wiſſen, dann ganz leiſe hinter der Thuͤr lauſchen. Die Töoͤne der Guitarre werden ihnen Muth einflößen, ſe ſhrt aber die Saiten, dann wird ſich ganz leiſe die Thuͤr öffnen. Sie oͤffnet ſich. Schuͤchtern werden ſie den Kopf durch die Thuͤr ſtecken und ſehen, ob wir allein ſind; Pedrill und Leon gucken durch die Thuͤr. Dann leiſe, leiſe ſich naͤhern, ſie thun es, und in dem Augenblick, wo wir ſie am wenigſten erwartet hatten, liegen ſie wohl ſchon zu unſern Fuͤßen. Sie liegen da. 74 Dritter Auftritt. Leon. Pedrillo. Eliſe. Jacinthe. Eliſe 3 Jacinthe Himmel! Leon. Theuerſte Eliſe, Verzeihung dem Verwegenen. Nie wuͤrd er dieſen Schritt gewagt haben, wenn er nicht durch den gün⸗ ſtigen Zufall heute fruͤh aus Ihrem eigenen Munde die Beſtaͤtigung ſeines Gluͤcks ver⸗ nommen— Eliſe. Nicht weiter, mein Herr, be⸗ ſchönigen Sie nicht Ihre Schaͤndlichkeit mit meinem Leichtſinn. Gehen Sie, kehren Sie nach Salamanca zuruͤck, zu dem ungluͤckli⸗ chen Weibe, das Sie dort verlaſſen haben. Jacinthe. Geh, Boͤſewicht, mache fuͤr andere lateiniſche Verſe. Pedrillo. Was iſt das? 75 Leon. Meine Gemahlin zu Salamanca? Eliſe. Ja, Grauſamer, und ſinnen Sie nur nicht auf Ausfluͤchte, ſie ſind ver⸗ gebens. Leſen Sie. Giedt ihm den Brief. Pedrillo ſteht auf. So ſag' mir nur, was willſt Du mit Deinen lateiniſchen Verſen? Leon hat geleſer. Himmel! welcher Niedertraͤchtige hat dieſe ſchaͤndliche Verlaͤum⸗ dung erſinnen koͤnnen? Vernehmen Sie denn, theure Eliſe, wer ich bin, und urthei⸗ len Sie, ob ich— Morillos oon auſſen. Jacinthe! Jacinthe. Ach mein Gott!— ha⸗ ben Sie gehört? Die Stimme Ihres Va⸗ ters— kommt er durch die große oder kleine Thuͤr? Morillos uuft abermals. Jaeinthe! Jacinthe. Von dort her, hoͤr' ich. — Um des Himmelswillen, Mamſell, was machen wir jetzt? 58 Eliſe in der groͤßten Verlegenheit. Ach, was weiß ich— Jacinthe zn pedrill. Antworte. Kann ich mich darauf verlaſſen, daß Du ein dum⸗ mer Teufel biſt?* Pedrillo. Lieber Gott, es hat mir noch ein Jeder aufs Geſicht geglaubt. Jacinthe. Uns bleibt nichts übrig, wir muͤſſen ſie verſtecken. Pedrillo. Vo iſt die Speiſekammer? Jaeinthe ſtaßt ihn durch die zweite Thuͤr zur linken. Nur da hinein, geſchwind, ſteige die Stufen hinab.— Und Sie, mein Herr, dort in jenes Kabinet; Sie finden Geſellſchaft darin, das ganze Zimmer iſt mit alten Ge⸗ maͤhlden angefuͤllt. Er ſchlapft durch die erſte Thür links, ſie zieht den Schluͤſſel aus. Eliſe. Und wenn mein Vater hinein⸗ blickt— Jac inthe. Ich verwahre den Schluͤſſel. — 77 Vierter Auftritt. Morillos. Eliſe. Jacinthe. Morillos kommt durch die Mittelthäör. Wo ſteckt ihr denn, Maͤdchen? Ah! hier beiſam⸗ men. Was iſt vorgefallen? Pasqual er⸗ zaͤhlte mir von einer Ohnmacht. Jacinthe. Leider wahr, mein Herr; Sie ſehen, ich kann noch nicht wieder Athem ſchoͤpfen. Morillos. Die Folge meiner gut⸗ muͤthtgen Narrheit; warum gab ich doch zu, daß Ihr euch heute fruͤh der ſtrengen Luſt ausſetztet. Nun liegt mir das Maͤdchen viel⸗ leicht drei Monate krank darnieder. Jacinthe. Beruhigen Sie ſich, dieſe Krankheit ſoll Ihnen keinen Heller koſten. Morillos. Deſto beſſer. Was ich Dir ſagen wollte, halte Dich bereit, mor⸗ gen mit Anbruch des Tages nach Sanct Il⸗ defonſe zu reiſen. Eliſe, Ich, mein Vater? Morillos. Ja, mein Toͤchterchen. Don Fernando, der Verwegene iſt wieder in Madrid. Der Herzog von Lerma ſelbſt hat mir's ſo eben verſichert, und die Herzogin will mir deshalb die Gnade erzeigen, Dich drei Monate mit ſich auf ihr Landguth zu nehmen. „Jacinthe. Ach!— Himmel— ich glaube, meine Ohnmacht kommt wieder. Morillos. Ich ſags ja, drei Mo⸗ nate wird ſie liegen. Eliſe. Aber, lieber Vater, wuͤrd' ich mich nicht weit ſicherer unter Ihrer Auf⸗ ſicht befinden, als bei Fremden? Morillos. Nein, Mamſell Weis⸗ heit, nein; die Vaͤter ſehen in der Regel nur die Haͤlfte von dem, was ſie ſehen ſollen; und ferner bin ich es uͤberdruͤßig, immer⸗ waͤhrend der Huͤter von Dir zu ſeyn, auch leihet meine Kunſt dabei.— Ich bin expres 79 deshalb nach Hauſe gekommen, um Euch davon zu benachrichtigen. Ihr habt mich doch verſtanden! Nun laßt mich allein. Jacinthe. Wie, mein Herr, wol⸗ len Sie denn nicht Ihre gewoͤhnliche Proma⸗ nade machen? Morillos. Nein, ich will arbeiten. Jacinthe bdeiſeite. Himmel! Morillos. Ich habe einen geniali⸗ ſchen Gedanken erhaſcht, den ich auf meinen Maͤrtirer anwenden will. Mein heiliger Petrus ſoll mir ein reines Kunſtprodukt wer⸗ den. Ich glaube, er iſt dort im Kabinet. Zeigt auf Leons Thuͤr. Jacinthe. Verwuͤnſchter Zufall! Sie haͤlt ihn zurick. Wo denken Sie hin, mein Herr? Arbeiten? ſo kurz vor dem Abendeſ⸗ ſen? Noch geſtern ſagte der Doktor— Morillos. Willſt Du mich wohl gewaͤhren laſſen? Jaeinthe. Nein, mein Herr, immer 80 arbeiten, zu allen Stunden des Tages arbei⸗ ten— Sie zerſtöͤren Ihre Geſundheit, und ſelbſt Ihre Ehre leidet— Morillos. Was? meine Ehre— Jaeinthe. Ja, ja, das beſtaͤndige Bruͤten und Sinnen uͤber graſſe Gegenſtaͤnde, giebt der Verlaͤumdung Nahrung. Man ſucht bei ſolchen Menſchen ein böſes Herz. — Ei was, lieber Herr, laſſen Sie die Maͤrtirer da drinnen in Ruhe, und beweiſen Sie ihren Neidern, daß Sie auch ein guter Menſch ſind. Eliſe zeigt auf die Staffeley zur Linken. Zum Exempel, lieber Vater, dieſer ſterbende Ado⸗ nis— Morillos. Bah! der Patron iſt viel zu lieblich. Jacinthe. Wirklich, das find ich auch. Der Schmerz der Venus iſt viel zu wenig ausgedruͤckt. Morillos. Der Teufel, ich glaube, 81 das Maͤdchen hat Recht.— Nun, ich werde ſchon nachhelfen. Geht nur und laßt mich jetzt in Ruhe. Sett ſich vor die Staffelei. Eliſe. Ich gehorche, lieber Vater. Geht durch die Mitte. Jacinthe zu Morilos. Sie haben doch nicht vergeſſen, daß Sie dieſen Abend bey Don Gasparo eingeladen ſind?* Morillos. Alle Wetter, Maͤdchen, biſt Du denn hier ins Zimmer gebannt? Geh, oder ſage mir den Grund— E fuͤhrt ſie nach der Mitte. Jacinthe. Ah, das wuͤrde nicht ſchwer ſeyn. Sie iſt hinaus. Juͤnfter Auftrirt. Morillos. Er nimmt die Palette. Wenn das Maͤdchen ins Schwatzen kommt, findet ſie nie das Ende. Aber dumm iſt die F Hexe nicht; hat ſie doch ſogleich die Fehler meiner Venus bemerkt: zu wenig Schmerz ſpricht aus den Zuͤgen? Wir wollen ſie gleich betruͤbter machen. * Sechster Auftritt. Jacinthe. Morillos. Jacinthe. Mein Herr— Morillos. Schon wieder da? Jacinthe. Nun, man fragt nach Ihnen; da muß ich doch— Morillos. Schon gut. Laß ihn herein. Jacinthe. Hier herein? Ei, es waͤre wohl anſtaͤndiger, wenn Sie den Herrn in dem Saal empfingen, es ſcheint mir— Norillos. Warum im Saale? Das ſchoͤnſte Zimmer eines Mahlers iſt ſeine Werk⸗ ſtatt. Fuͤhre ihn hieher. 83 Jacinthe deiſeits. Arme Gefangene! — Wenn's belieht, mein Herr! Sie offnet die Thuͤr. Siebenter Auftritt. Don Anſelmo. Morillos. Jacinthe. Morillos ſzt die Palette auf dem Schent⸗ tiſch, da er Anſelmo erblickt. Ah, Sie ſinds, mein lieber Don Anſelmo? Anſelmo. Er ſelbſt. Mit einem miß⸗ rauiſchen Blick auf Jacinthe. Da ich ſchon oft be⸗ merkt, daß die weibliche Bedienung einen ganz beſondern Hang— Morillos. Ich verſtehe, Sie wun⸗ ſchen allein mit mir zu ſeyn? Za Zaeinthe. Man laſſe uns. Anſelmo. Lieber Freund, ich habe Ihnen eine Propoſition von der groͤßten Wichtigkeit zu machen. F 2 84 Morillo 8 bemerkt, daß Jacinthe nach Leons Kabinet geht. Aber mein Gott, Maͤdchen! in dem Kabinet giebts ja nichts fuͤr Dich. Jacinthe erdruͤßlic. Aber, mein Gott, ich weiß es ja wohl. Sie geht durch die Mitte.— 4 Achter Auftritt. Morillos. Anſelmo. Morillos. Ich ſehe ſchon, will iich Ruhe haben, muß ich Dich Eulenſpiegel aus dem Hauſe ſchaffen.— Nun, mein Freund, was giebt. es denn? Anſelmo ehennibrel Viel Geld zu verdienen, kann es geben, werther Morillos, und zwar auf die leichteſte Weiſe. Morillos. Viel Geld? das waͤre mein Caſug. Anſelmo. Die Gelegenheit dazu iſt 1 ſo ſicher als Ruhmbringend. 85 Morillos. Ein ſeltenes Gluͤck. Anſelmo. Um ſo ſeltener, da, wenn man die Alten mit den Neuern vergleicht— Morillos. Freund, wenn es Ihnen einerlei iſt, gleich zur Sache zu kommen, ſo bitt' ich, ſparen Sie die Weitlaftigkeiten fuͤr eine andere Gelegenheit. e Anſelmo. Weitlaͤuftigkeiten ſind mir uͤberdem verhaßt. Die Sache iſt die— Morillos. Ich höre. Neunter Auftritt. Vorige. Don Fernando. Fabio, ſie kommen durch die erſte Thuͤr zur Rechten und ver⸗ ſtecken ſich auf dem Balcon. Fernando zu Fabio. Folge mir. Anſelmo. Kennen Sie Michael de Cervantes Saavedra? Morillos. Habe nicht die Ehre. Anſelmo. Den Verfaſſer des be⸗ 86 ruͤhmten Romans: Don Quichotte, der Ga⸗ lathee, des Sigismund, der ſechs No⸗ vellen—. Morillos. Sie vergeſſen, Freund, Sie ſprechen mir da von einem Poeten und kommen vom Gelde ab. Anſelmo. Im Gegentheil. Verneh⸗ men Sie denn, daß dieſer berühmte Mann in verwichener Nacht Todes verblichen iſt. Morillos. Gluͤckliche Reiſe; was kuͤmmerts mich. Anſelmo. Viel. Morillos. Hat er mich zum Erben eingeſetzt? Anſelmo. Oho! nein! Aber Sie wiſſen doch, daß der Neid, der an dem Ruhm eines großen Mannes, ſo lange er lebt, zu nagen pflegt, ſich gewöhnlich auf ſeinem Grabe beruhigt. Morillos. Nicht immer. Anſelmo. Unſerm Cervantes iſt dieſe 87— Gerechtigkeit worden. Sie haben keine Idee, wie ſehr man ſeine Talente preiſet, ſeitdem er todt iſt. Morillos. Recht troͤſtlich fuͤr ihn im Grabe. Anſelmo. Sie werden ſehen, mein Freund, Sie werden den glorreichen Augen⸗ blick herannahen ſehen— Morillos. Ich wollte, Freund, wir ſaͤhen unſer Geld herannahen. Anſelmo. Da kommts.— Verneh⸗ men Sie denn ferner, daß dieſer arme Ten⸗ fel niemals, weder genugſam dazu aufge⸗ muntert worden iſt, noch Vermögen genug gehabt, um auf den Gedanken zu gerathen, ſein Konterfey anfertigen zu laſ⸗ ſen. Morillos wannt. Ah! Anſelmo. Sie ſehen leicht ein, wel⸗ chen Werth man jetzt in ſein Gemaͤhlde ſetzen wird. 88 1 Morillos öggeiſtet. Es wird Tag in meinem Schaͤdel. Weiter. Anſelmo. Ich kann Sie heimlich nach dem Orte fuͤhren, wo die Hulle des Verblichenen noch ausgeſtellt iſt. Morillos. Scharmant. Anſelmo. Und ein Kuͤnſtler von Jh⸗ rem Gradum, braucht zu dieſer Arbeit nicht mehr als ein Viertelſtundchen, daͤcht ich. Morillos. Zeit genug— Aber wenn das heilige Inquiſitions⸗Gericht er⸗ faͤhrt— Anſelmo. Was koͤnnen wir befuͤrch⸗ ten, wenn wir wohlbedachtſam unſere Vor⸗ ſichtsmaßregeln nehmen? Morillos. Wir ſind einig.— Um welche Zeit? Anſelmo. Je eher je lieber. Morillos. Dann erlauben Sie mir wohl den da drinnen zu ſagen, daß ich heute Abend nicht bei Don Gasparo ſpeiſe.— 89 Potz Tauſend! da komm ich auf eine andere Idee! Da meine Tochter morgen mit dem früͤheſten die Herzogin von Lerma auf ihre Landguͤter begleitet— Fernando beiſeite. Ha! Morillos. So waͤr ich ſehr geneigt, ſie auf der Stelle hinzubringen. Alsdann kann ich ruhiger aus dem Hauſe, und unge⸗ ſtörter unſern Plan ausfuhren. Fernando baßete. Aber ich nicht den Meinigen.. Anſelmo. Nach Ihrem Gefallen. Morillos. Verziehen Sie nur drei Minuten, Freund; ich will ſogleich meinen Leuten Ordre geben, ſich bereit zu halten. Er geht durch die Mitte⸗ 9⁰ Zehenter Auftritt. Don Anſelmo. Don Fernando. Fabio. Anſelmo. Hehe! ich war wohl ver⸗ ſichert, daß Morillos die Spekulation be⸗ nutzen wuͤrde. Fernando beeiſeite. Hehe! ſie ſoll mir auch nicht ungenutzt entſchluͤpfen.— er ſchlgt ihn auf die Schulter. Gott gruͤße Sie, Don Anſelmo. Anſelmo ſtutt und verneigt ſich gegen beide. Meine Herrn— mein Gott— darf ich fragen, wie Sie hier herein gekommen ſind? Fernando. Das kann Sie am we⸗ nigſten kuͤmmern. Die Hauptſache fuͤr Sie iſt, zu wiſſen, daß ich Ihre ganze Unterre⸗ dung mit Morillos, von Anfang bis zu En⸗ de gehort habe. Anſelmo betroffen. Himmel! — —.— —— 91 Fernando. Seyn Sie ruhig; wir ſind nicht die Leute, die der heiligen Inqui⸗ ſition dieſe kleine Entweihung verrathen wer⸗ den— Fabio. Mit anderen Worten, wir ſind ehrliche Leute, die nur auf ihren eigenen Vortheil bebacht ſind. Fernando. Antworten Sie mir of⸗ fenherzig. Wie viel hoffen Sie mit Ihrer Speculation zu gewinnen? Anſelmo. Aber, meine Herrn— Fabio. Nur keck heraus; Sie haben durchaus nichts zu befuͤrchten. Anſelmo dehrend. Wenn ich denn of⸗ fenherzig ſprechen ſoll— ich hatte gerechnet, daß etwa ein hundert Dukaͤtchen— Fernando. Gut. Giebt ihm eine Doͤrſe⸗ Da ſind weihundert. Fabio. Sie ſehen wohl, daß wir keine Diebe ſind.. 92 Anſelmo. Wenigſtens, meine Her⸗ ren, waͤre dieſe Gattung ſo neu— Fernando. Hören Sie weiter. Ich beſitze ein Portrait des Cervantes, das einſt für den Erzbiſchoff von Toledo verfertigt wurde; in einer Viertelſtunde ſoll es in Ih⸗ ren Haͤnden ſeyn, wenn Sie mir einen Ge⸗ gendienſt dafur zuſichern. Anſelmo. Ich? 1 Fernando. Sie, mein Herr. Sie intereſſiren ſich fuͤr das Gluͤck dieſes Hauſes; wiſſen Sie denn, ich liebe Eliſen und habe die redlichſten Abſichten.— Aus ganz be⸗ ſondern Gruͤnden verlange ich von Ihnen, daß Sie Morillos uͤberreden, wie Sie es nach reiferer Ueberlegung fuͤr zutraͤglicher und gefahrloſer hielten, wenn er den Cervantes in ſeiner Werkſtatt mahlte. Anſelmo. Aber, gnaͤdiger Herr— Fernando. Ich komme Ihren Be⸗ denklichkeiten entgegen. Auf Fabio zeigend. Die⸗ K& 93 ſen Burſchen laſſen wir als Cervantes her⸗ bringen; dabei ſoll Morillos nicht etwa um den wahren Cervantes betrogen werden; dafur buͤrgt Ihnen das verſprochene Gemaͤhl⸗ de. Das weitere ſollen Sie nachher erfah⸗ ren. Unterſtuͤtzen Sie bis dahin die Wuͤn⸗ ſche meines Herzens. Mein Geheimniß liegt jetzt in Ihren Haͤnden, wie das Ihrige in den Meinigen; die kleinſte Widerſetzlichkeit wuͤrde mich veranlaſſen, es zu mißbrauchen. Anſelmo beiſete. Das ſcheint mir alles ſehr verdaͤchtig! Mags, ich will mich ſo lan⸗ ge gefäͤllig zeigen, bis ich das Portrait habe. Fabio ſchlagt ihn auf die Schulter. Nun. Herr College? Anſelmo. Nun, wenn ich verſichert bin, daß meine Ehre— Fabio. Ich ſtehe dafüͤr, es iſt nicht ein einziger Dukaten drin, der nicht vollwich⸗ tig waͤre. 94 Eilfter Auftritt. Morillos. Die Vorigen. Morillos. Abhgemacht, mein Freund, alles beſorgt, ich— He! zu wem wollen dieſe Herren?.. Fernando. Mein werther Morillos, haben Sie die Guͤte, Ihre Geſchaͤfte mit die⸗ ſem Herrn erſt zu beendigen; ich werde nach⸗ her die Ehre haben, mich zu erklaͤren. Er winkt Fabio'n, Anſelmo'n zu bewachen. Morillos u Anſelmo. Was iſt denn das fuͤr ein Menſch? Anſelmo. Ich kenne ihn nicht. Morillos. Seit wann iſt er denn hier? Anſelmo. Seit dieſen Augenblick. Es ſcheint ein vornehmer Mann zu ſeyn, der vielleicht— Morillos kiſe. Zur Hauptſache, — 95 Freund. Ich komme, Ihnen zu ſagen, daß alle Anſtalten getroffen ſind. Anſelmo rkeiſe. Und ich, mein Freund, muß Ihnen ſagen, daß ich ſo eben noch ein⸗ mal uͤberlegte— Morillos. Was? Anſelmo. Unſer Vorhaben betref⸗ fend. Ich habe viel Feinde im Kloſter, Sie dahin zu fuͤhren, iſt vielleicht gefaͤhrlicher als ich anfangs glaubte. Morillos inndem er Fabio bemerkt, der ſich nauſchend näͤhert. Sprechen Sie doch leiſer. Anſelmo. Darum hab'’ ich gedacht, daß es vielleicht leichter ſeyn wuͤrde, irgend einen vertrauten Burſchen zu gewinnen, mit deſſen Huͤlfe wir den guten Cervantes zu Ih⸗ nen auf ein Stuͤndchen bringen koͤnnten. Morillos, Herzensfreund, das wuͤr⸗ de mir noch lieber ſeyn. Ich bleibe gern zu Hauſe; um ſo mehr, da ſich meine Tochter ſo ungern entſchloß, mir zu gehorchen; das Maͤdchen war bei der Nachricht ſo verdruͤß⸗ lich, daß ich nicht begreife— Wetter, was iſt denn das? der Menſch ſcheint zu horchen. Anſelmo beiſeite. Ich ſeh es wohl, aber ich muß mir's gefallen laſſen. Laut. Nun denn, lieber Freund, ſo bleibt es bei der Abrede. Und wir wollen uns ſo einrich⸗ ten, daß wir etwa um 11 Uhr— Geht. Morillos ölleitet ihn. Um 11 Uhr? Scharmant. Auf die Weiſe kann ich auch noch das Soupee bei Don Gasparo mitneh⸗ men; der Alte haͤlt ein leckeres Glas Wein, und Sie begreifen wohl, daß bei dergleichen Operationen ein Glaͤschen nicht uͤberfluͤßig iſt. Anſelmo. Wohl wahr. Leiſe mit Bezie⸗ hung. Nur ſeyn Sie auf Ihrer Hut— Fabio nihert ſuh; laut. Die Weine ſind in dieſem Jah⸗ re nicht gut gerathen Ab. Fernando leiſe zu Fabio. Verlaß den Patron nicht und erwarte mich bei ihm. 97 Fabio indem er ſich verbeugt. Mein Herr, ich habe die Ehre— Er iſt hinaus. Zwölfter Auftritt. Morillos. Don Fernando. Morillos. He! Wohin? Fernando. Es iſt mein Bedienter, ich gab ihm einen Auftrag, den ich vergeſ⸗ ſen hatte.— Mein werther Morillos, die urſache meines Beſuchs duͤrfte Sie leicht in einige Verwunderung ſetzen. Morillos. Wie das? Fernando. Es iſt freilich wahr, daß man in dem Alter, wo die Leidenſchaften uns noch beherrſchen, die Begriffe der Ehre und Delikateſſe ein wenig leicht nimmt. Mein Beſuch duͤrfte davon ein Beiſpiel ſeyn. Morillos. Oh weh, der Menſch will ſich vielleicht mahlen laſſen und's fehlt ihm am beſten. Er ſchieot den Daum. 98 Fernando. Inndeß ich hoffe, daß Sie ſo guͤtig ſind und mich geduldig anhö⸗ ren werden, ruhig und gelaſſen, ganz mit dem kalten Blute, wie es einem Manne von Ihrem Charakter geziemt. Morillos beiſeite. S'iſt wohl gar ein Spion. e Fernando. Verſprechen Sie mir das? Morillos. Sehr gern. Von was wird denn die Rede ſeyn? Jernando. Ich ſetze zum Voraus, daß Sie von einem gewiſſen Leon de Roſel⸗ los haben reden hören? Morillos lebhaft. Wie, der Sohn des Don Gasparo? Fernando. Derſelbe. Morillos. Der heimlich Salamanca verlaſſen hat, und den ſein Vater uberall auf⸗ ſuchen laͤßt, um ihn einzuſperren? Fern. Ganz derſelbe. Aber der Vater hat nicht noͤthig, ihn weit zu ſuchen— Er iſt hier. 99 Morillos. Hier, und wo? Fernando. Hier— hier ſteht er vor Ihnen. Morillos.— Sie? Fernando hingeworfen. Ich ſelbſt. Sie ſehn in mir dieſen Leichtſinnigen, dem die Liebe aufs Neue grauſam mitſpielt; denn da ich mich gewiſſermaßen der Gunſt aller Schoͤnen in Salamanca ruͤhmen darf, und uͤberhaupt ſchon ſeit langer Zeit der Aventuͤ⸗ ren uͤberdruͤßig bin, ſo haͤtt ich mein Herz gegen einen neuen Eindruck beſſer bewaffnen ſollen. Morillos beiſeite. Das iſt ein Narr. Fernando. Aber es ſcheint einmal meine Beſtimmung zu ſeyn, die reizende Eliſe anzubeten.. Morillos. Was? Eliſe, meine Tochter? Fernando. Kaltes Blut, mein Herr; Sie verſprachen es. G 2 100 Morillos ſehr lebhaft. Bin kalt— eiskalt. Reden Sie weiter. Fernando wverbeugt ſich. Ju, dieſer un⸗ bekannte Gegenſtand, von dem man zu arg⸗ woͤhnen wagte, daß er meiner Verehrung un⸗ wuͤrdig ſey, iſt Ihre Tochter. Morillos. Verwegener! Fernando. Kaltes Blut— Ihre ſtrenge Sittſamkeit, ihr untadelhaftes Be⸗ tragen würde meine Leidenſchaft in ihten Graͤnzen gehalten haben, aber zu meinem Ungluͤck war ſie von einem muthwilligen Kam⸗ mermaͤdchen umgeben— Morillos. Was? Jacinthe? Fernando. Ja, mein Herr, dieſes gute Maͤdchen bot alle Mittel auf, um mei⸗ ne glimmende Leidenſchaft noch mehr zu ent⸗ flammen; ſie iſt es, die— 1 Morillos trippelt fur Wuth, zwiſchen den Zaͤhnen. Ha, die Niedertraͤchtige! 101 Fernando. Aber, mein Herr, wo bleibt— Morillos. Das kalte Blut? Da! bin kalt— eiskalt. Fernando fährt fort. Ich muß Ihnen ſogar geſtehen, daß mein heimlicher Beſuch in dieſem Zimmer, nur durch die Vermitte⸗ lung dieſes Maͤdchens bewerkſtelligt wurde. Morillos. Wie? Fernando. Doch dem Himmel ſey Dank, mein Ehrgefuͤhl erwachte fruͤhzeitig wieder. Ich ſchaͤme mich, etwas durch Fremder Beguͤnſtigung zu ſuchen, was ich nur meinen eigenen Verdienſten zu verdanken wuͤnſche. Daher komme ich, dieſen Schluͤſ⸗ ſel in Ihre Haͤnde zuruͤck zu geben, den die Unbeſonnene mir anvertraut hat. Morillos. Den Schluͤſſel zu meiner kleinen Thuͤr? Jacinthe! Fernando. Ha! mein Herr, was wollen Sie thun? 102 Morillos. Tauſend Element, was ich thun will? Ein ehrvergeßnes Madchen, das die Frechheit hat, einen Liebhaber bei mir einzufuͤhren? Fernando. verſprochen— Morillos ſohreit. Wetter, Sie ſehen ja auch wohl, daß ich mich maͤßige. Jacinthe! Fernando. Erwaͤgen Sie doch, daß ich nicht gekommen bin, um mich mit dieſem Maͤdchen compromittiren zu laſſen. Iſt es nicht genug, wenn Sie das arme Geſchoöͤpf ganz in der Stille aus Ihrem Dienſte ent⸗ laſſen? Morillos, Nein, zum Teufel, zu⸗ vor will ich ſie erdroſſeln und alsdann— Jacinthe! Jacinthe! Fernando beiſeite. Jetzt Unverſchaͤmt⸗ heit, komm mir zu Huͤlfe! Morillos Aber, Sie haben mir kreiſched. Jacinthe! 103 Dreizehnter Auftritt. Jacinthe. Vorige. Jacinthe erſchrocken, läuft herzu. Nun, mein Himmel, da bin ich. Was geht denn vor? Morillos. Daher Elende! und ſtirb vor Scham. Jacinthe. Ich? und warum? Morillos. Wie, Niedertraͤchtige, er⸗ ſchrickſt Du nicht, dieſen Menſchen hier zu ſehen? Jacin th e bekrachtet ihn mißtrauiſch.— Nein. Und warum auch? der Herr ſieht ja nicht gefaͤhrlicher aus als andere Maͤnner. Morillos nithend. Raabenſeele. Glaubſt Du, daß ich ſpaße? Fernando ihn zuröͤckhaltend. Mein Herr— Jacinthe. Aber was zum Henker haben Sie denn? 104 Morillos. Was ich habe, Verraäͤ⸗ therin? Steht nicht Leon hier vor Deinen Augen? Jacinthe erſchrocken. Leon? Morillos. Ah, erkennſt Du ihn endlich?. Jacinthe. Der Herr da iſt Leou? Morillos. Ja, Treuloſe, der mich ſo eben Dein ſchones Betragen hat kennen gelehrt, der ſich Deiner ſchaͤndlichen Huͤlfe ſchaͤmt, und mir jetzt den Schluͤſſel zuruͤck gegeben hat, wozu ihm Deine Frechheit ver⸗ holfen. Jacinthe. Ich? ihm? Fernando. Ja mein Kind, ich habe alles bekannt. Jacinthe verſteinet. Mein Gott!— ich bitte— erlauben Sie, daß ich erſt wie⸗ der zur Beſinnung komme. Ich bin noch zu ſehr Neuling in dergleichen Intriguen, und hier herrſcht ſicher die allerboshafteſte. 105 Morillos immer wäͤthend. Was ſoll das heißen? 1 Jacinthe. Mein Herr, Sie ſind ein aufgebrachter Vater, das iſt mir deutlich; ich bin ein angeklagtes armes Maͤdchen. Was jenen Herrn betrifft— o wenn doch irgend ein guter oder böͤſer Daͤmon mir ſeine Erſcheinung verrathen wollte! Morillos. Der Herr iſt Leon, hoͤrſt Du ja. Jacinthe mit Accent. Der Herr iſt ein Betrüger. 8 Fernando briek. Was unterfaͤngt Sie ſich zu ſprechen? Jacinthe. Die Wahrheit, mein Herr. Sie ſind nicht Leon. Fernando. Was? Verblendete! bin ich nicht Eliſens Geliebter? und Du, Jacin⸗ the, liebſt Du nicht Pedrillo, meinen Be⸗ dienten? Haſt Du nicht dieſen Morgen Dei⸗ ner Gebieterin das theure Geſtaͤndniß entlockt, 106 das nig neues Gluͤcks verſicherte? Haſt Du min nicht darauf vertraut, daß die alte Beatrix dieſen Schluͤſſel in ihrem Bunde truͤge? und gabſt Du mir nicht auf eine zwei⸗ deutige Art unter den Fuß, die Alte zu uͤber⸗ liſten; und uns um dieſe Zeit hierher zu ver⸗ fuͤgen?. Jacinthe bedeckt ihre Augen. Ach mein Gott! 341 Morillos. Ha, biſt Du endlich überfuͤhrt? Fernando. Ja, ja, mein Kind, ich wiederhohle es, ich habe alles bekannt; je⸗ doch Dein Herr iſt viel zu nachſichtig, um— Morillos. Was nennen Sie Nach⸗ ſicht? Ich jage ſie auf der Stelle aus dem Hauſe.— Jacinthe. Nun, weil Sie mich denn aufs Aeuſſerſte treiben, und da ohnehin alles verrathen iſt, und da der Satan ſelbſt erpicht zu ſeyn ſcheint, mich ſchuldig zu finden, ſo —— — & 107 will ich meinerſeits auch das Vergnuͤgen ha⸗ ben, Sie zu entlarven.— Ja, men e Ge⸗ bieterin liebt Leon, und Niemand iſt ihrer Liebe wuͤrdiger als Leon; ſein Verſtand, ſein edles Betragen, ſeine Geſinnungen, ſeine Herkunft— wenn er ſie nur bekannt machen wollte— Alles macht ihn ihres Herzens wuͤrdig. Aber dieſer Leon, deſſen edle Lei⸗ denſchaft Eliſe heimlich beguͤnſtigte, kann nimmermehr zu der Schaͤndlichkeit herabſin⸗ ken, daß er ſich ſeines Vortheils laut gegen den Vater beruͤhmte. Eben deshalb mein Herr, ſind Sie ein Betruͤger; und um jeden Ihrer Einwuͤrfe zu entkraͤften, ſo erblaſſen Sie vor meinen Beweis. Sie offnet das Kabinet⸗ Leon, zeigen Sie ſich. 108 Vierzehnter Auftritt. Leon. Don Fernando. Morillos. Jacinthe. Zuletzt Pasqual. Fernando beiſeitt. Was ſeh ich? Morillos. Ah! Ah! Leon heiſeite: Fernando'n betrachtend. Ja, er iſt s. Jacinthe mit Accent. Sie ſehen hier einen Verwegenen, welcher unter Ihren Na⸗ men Alles, was die Liebe und die Ehre Theures beſitzt, ſo eben verrathen hat. Re⸗ den Sie, mein Herr, reden Sie, damit er erröthe, wenn er anders dieſer Empfindung faͤhig iſt. Leon kalt. Was ſoll ich ſagen; ver⸗ ſichert der Herr nicht, daß er Leon heißt? Morillos. Wenn Sie es nicht wol⸗ len übel nehmen? Jaä. Leon. Nun wohl, ich habe durchaus nichts dagegen, er ſagt die Wahrheit. —,— 109 Jacinthe noch betroffener als vorhin. Wie 4 Fernando beiſeite. Was will er damit ſagen? Leon zu Jacinthe. Warum ſo beſtuͤrzt? Sie ſehen hier den leibhaften Leon de Roſel⸗ los, Eliſens Geliebten, der, da er ſich der Gegenliebe des edlen Maͤdchens rühmen darf, ohne Zweifel fuͤr alle Opfer entſchaͤdigt iſt, die er ihr gebracht hat.. Jacinthe. Was! Auch Sie, auch Sie ſind gegen mich? Leon. Fuͤr alle Guͤter Her Welt wuͤrd' ich die Wahrheit nicht verhehlen. Jacinthe anffer ſch. O mein Kopf, mein Kopf! Morillos. Nun dann, Du Pflicht⸗ vergeſſene! biſt Du nun uͤberzeugt? zu keon. Sie aber— Es iſt nicht genug, daß ich dieſen Herrn fuͤr Leon erkenne, ich habe auch ein Recht zu wiſſen, wer Sie ſind? Leon. Ich ſuche es nicht zu verheim⸗ I110 lichen. Affktirt Beſchämung. Dieſer Tag ſcheint dazu beſtimmt zu ſeyn, die unedeln Ab⸗ ſichten eines Ehrvergeßnen zu entlarven, und ihn zur tiefſten Beſchaͤmung zuruͤckzufuͤhren. Und wenn Sie denn darauf beſtehen— Morillos. Wie? Ob ich darauf beſtehe?— Leon. Wohlan denn, mein Herr, ich bin Don Fernando. Morillos praut zurack. Don Fernando? Fernando deiſeite. Darauf war ich nicht gefaßt. Leon in einem venevollen Fon. Ja, mein Herr, ich bin Don Fernando, thöricht ein⸗ genommen fuͤr die reitzende Eliſe, die mich verachtete; deshalb ich ſeit ſechs Monaten ſchon die Abſicht hegte, ſie Ihnen zu rauben; ich bin der Don Fernando, der auf die Vorzuͤge ſeines Standes und ſeines Nahmens Verzicht that und lieber ſeine Zuflucht zu den ſchandlichſten Intriguen nahm, der ſich nicht 111 ſchaͤmte, alle Mittel aufzubieten, um ſeinen Nebenbuhler zu ſchaden; ich bin es endlich, der, weit entfernt, den Vorſatz aufzugeben, ein edles Maͤdchen zu beſchimpfen, nur des⸗ halb nach Madrid zuruckkam, um ſeinen ſchaͤndlichen Plan wieder zu verfolgen; der zu dem Ende eine Menge neuer Fallſtricke erſann, die mich nunmehr mein Gewiſſen noͤthigt, Ihnen zu bekennen. Fernando lleiſe zu Morillos. Wie, mein Herr, Sie hoͤren den Unwuͤrdigen ſo gelaſ⸗ ſen zu? 4 3 Morillos. Der Donner, nein!— Don Fernando, nach einem ſolchen Geſtaͤnd⸗ niß iſt jede Entſchuldigung unnuͤtz. Verlaſ⸗ ſen Sie mich und ſetzen Sie ſich nicht der Gefahr aus, daß ich— Leon. Aber, mein Herr— Morillos. Gehen Sie, ſag' ich Ihnen. Leon ſcolz. Von Herzen gern. 112 Fernando eben ſo. Und erlauben Sie, daß ich ihn begleite. Morillos Fernando zurückhaltend. Halt, mein Freund, halt! Sie bleiben hier, wenn Sie mir's nicht uͤbel nehmen; Sie gehen nicht eher von hier, bis ich Sie wieder in die Arme Ihres Vaters gefuͤhrt habe. Leon trnniſche Sehr brav, wahrlich die edelſte Handlung. Troͤſten Sie den alten ehrwuͤrdigen Greiß. Fernando beiſeit Himmel! und Don Anſelmo, der mich erwartet. Leon. Suchen Sie vorzüglich die klei⸗ ne Zuchtigung zu mildern, die er ſeinem Sohne zugedacht hat. Morillos. Herr! Wer verlangt Ih⸗ ren Rarh? Leo n. Wie viel gaͤb' ich drum, von dieſer ruͤhrenden Scene ein Augenzeuge zu ſeyn. Pasqual rritt ein. Don Gasparo will die Ehre haben. Geht. 113 Leon flachtet ſich auf die linke Seite zu Faeindhen. Mein Vater? Ich bin verloren! Jacinthe der bei dieſen Worten alles deutlich wied. Ah!— Nun begreif' ich! Funfzehenter Auftritt. Vorige. Don Gasparo, deer zwiſchen Fernando und Leon zu ſtehen kommt. Mori 11 os geht ihm entgegen und fuͤhrt ihn vor Fernando. Kommen Sie, mein werther Freund, kommen Sie. Erwuͤnſchte Nachrichten! Wer haͤtte das gedacht? Jacinthe u. Leon. Retten Sie ſich; neben der Treppe finden Sie eine halbgeöff⸗ nete Thuͤr; erwarten Sie mich da. Leon ſchluͤpft durch die zweite Thuͤr links. Morillos. Ihr Sohn iſt wiederge⸗ funden! und ich bin ſo gluͤcklich, ihn in Ihre Arme zu fuͤhren. Hier— Da! da! Gasparo ſicht vor Fernando. Was?— 5 ————e— 114 was ſagen Sie mir? das iſt nicht mein Sohn. Morillos verſteinert. Wie? Gasparo. Nein, wiederhol' ich; und ich wuͤrde eher glauben, daß der andere junge Menſch— Morillos. Das wollen wir gleich ſehen— wendet ſich zu Jacinthe.— He, wo iſt er denn? Fernando. Geſchwind zu Don An⸗ ſelmo. Schnell durch die Mitte ab. 1 Jacinthe naiv. He! wer denn? Morillos. Blitz, der junge Menſch, der eben da war— Jacinthe. Haben Sie ihm nicht die Thuͤr gewieſen? er hat gehorcht. Morillos weendet ſich nach der Seite, wo Jernando ſtand. In dießuFill, mein Herr, werden Sie uns erklaͤren— Jacinthe. Furchte die Erklaͤrung! Sie laͤuft Leon nach. 115 Morillos. Was der iſt auch durch⸗ gegangen? Kehrt zu Jacinthen zuruͤck. Tauſend Element, Maͤdchen, wie geht— Bah! Er ſteht ſtarr.. Gasparo indem er geht. Ja, ja, es ſchien, als ob der andere junge Menſch— Schnell hinaus durch die Mitte. 4 Morillos. Wo iſt ſie denn? Alle verſchwinden. Was ſtellt denn das vor? Wendet ſich wieder zu Don Gasparo. Mein Freund, Sie— Was! der auch? Mein— mein Gott, ſind denn die Leute alle naͤrriſch bei mir geworden? Oder ſpuͤckt Beelzebub in meinem Hauſe? Er ſtolpert zornig fort. He! Don Gasparo!— Leon!— Jacinthe! — Don Fernando! 116 Dritter Aufzug. Daſſelbe Zimmer. Nacht. — Erſter Auftritt. L eon. Jacinthe, ſie traͤgt zwei Lichter, wovon ſis Eins auf den Schenktiſch und das Andere auf den Gueridon ſetzt. J acin khe laut uflchend. Hahaha! ich bitte Sie, laſſen Sie mich noch einmal lachen — hahaha! uͤber die naͤrriſchen Streiche! Leon. So nennſt Du dieſen verteu⸗ felten Vorfall, durch den vielleicht alle meine Hoffnungen ſcheiterten. Jaecinthe. Poſſen. Leon. Sage mir nur— wie hat ſich die Scene noch zuletzt geendigt? 117 Jacinthe. Hehe! wie alle ſchwieri⸗ ge Scenen: man laͤuft davon, wenn man nicht weiter kann.. Leon. Haͤtteſt Du die Erklaͤrung nur eine Minute noch verzögert. Jacinthe. Eine Minute zu ſchwei⸗ gen? Was Sie nicht alles von einem Maͤd⸗ chen verlangen!— Doch hören Sie. Durch Don Fernandos Flucht bekam ich neuen Muth; ich erwartete meine beiden alten Her⸗ ren ganz gelaſſen unten an der Treppe, und — der Himmel mag mir's verzeihen!— mit einer Frechheit, groͤßer als die Ihres Neben⸗ buhlers, brachte ich dem Alten die Meinung bei, daß Sie beiderſeits Spione der heiligen Inquiſition waͤren, welche von ſeinem Vor⸗ haben unterrichtet ſey; daß Sie mich gezwun⸗ gen haͤtten, meine Rolle mit Ihnen ſo zu ſpielen, wie wir ſie geſpielt haben, um Ihre Geſandſchaft deſto beſſer zu verſchleiern.— Da man nun meinem Herrn als bekannten 1 118 Kuͤnſtler oft dergleichen Viſiten macht, und da er uͤbrigens weiß, daß es nicht politiſch gehandelt iſt, den Mitteln nachzuſpuͤren, de⸗ ren ſich dieſe Herren zu bedienen pflegen, und da endlich Don Morillos einen Sparren zu⸗ viel hat, wie gewöhnlich die Kuͤnſtler ha⸗ ben— Leon. Was willſt Du damit ſagen? Jacinthe. Ja, mein Herr, die Mahler ſind den Dichtern und den Muſikern darin ahnlich, daß man ſie leichter betruͤ⸗ gen kann, als andere Leute. Immer be⸗ ſchaͤftigt mit uͤberſpannten Ideen ſchweift ihre Phantaſie in hoͤhere Regionen, und dar⸗ uͤber vernachlaͤßigen ſie den Verkehr der wirk⸗ lichen Welt. Sie ſtudieren nur die Natur in ihren Werken, und alles auſſer ihrer Kunſt iſt ihnen fremnd. Mein Maͤhrchen hat den leichteſten Eingang bei Don Morillos ge⸗ funden. Die geheimnißvolle Erſcheinung des Don Feruando. Ihre Flucht in das 119 Kabinet, der Schluͤſſel, den man der alten Beatrix abgejagt hat— Alles geht auf Rechnung der heiligen Inquiſition, die, dem Himmel ſey Dank! doch einmal zu etwas gut geweſen iſt. Leon. Ach, ich ſchöpfe wieder Athem. Jacinthe. Jetzt aber, mein Herr, werden Sie die Guͤte haben, uns zu ver⸗ laſſen. Leon. Wie!l ich ſollte gehen? Jacinthe. Allerdings. Sie wiſſen, Don Morillos und Eliſe ſpeiſen bei Ihrem Herrn Vater; lange werden ſie nicht mehr ausbleiben. Ich will mich nicht noch einer Verlegenheit ausſetzen. Leon. Ei, magſt Du wollen oder nicht, ich bleibe. Jacinthe. Sie konnten— Leon entſchloſen. Ja, ich gehe nicht von hier, bevor ich nicht Eliſen eine beſſere Meinung von mir beigebracht habe. Hat 1120 man mich nicht ihr als den verworfenſten Menſchen geſchildert? Jacinthe. Nun ja, dazu iſts ja Morgen noch immer Zeit. Leon. Reiſet Ihr nicht mit Anbruch des Tages nach Sanct Ildefonſe? Jacinthe. Wohl, ſo uͤbernehme ich die Rechtfertigung. Leon. Das iſt nicht einerlei, ich muß Eliſen ſehen. Und ferner— hab ich nicht die Antraͤge gehöͤrt, die Don Fernando dem Anſelmo gemacht hat? Jacinthe. Was fuͤr Antraͤge? Leon. Hat er ihm nicht 200 Duka⸗ ten gegeben und ihn dadurch verpflichtet, heu⸗ te Abend um 11 Uhr einen falſchen Cervan⸗ tes hier herbringen zu laſſen, wovon Dein Herr ein Portrait nehmen ſoll. Jacinthe. Iſt es möglich? Leon. Und glaubſt Du nicht, daß Fernando und ſein ſchurkiſcher Bedienter, 121 unter dieſer Idee ein neues Bubeuſtuͤck an⸗ ſpinnen, wovon ich den Faden entdecken, wogegen ich Eliſen ſchuͤtzen muß? Jacinthe. Wie? 200 Dukaten an Don Anſelmo, den vertrauten Freund mei⸗ nes Herrn? Leon. Eben darum hat man ſie ihm angeboten. Jacinthe. Aber das iſt ja der hr⸗ lichſte Mann von der Welt. Leon. Eben darum hat er ſie auge⸗ uommen. Jacinthe ſinnend. Ach— mein Gott — das iſt denn auch der Grund, warum mein Herr mir befohlen hat, Licht in die Werkſtatt zu bringen.— Viktoria, mein Herr, wir haben ſie im Retz! Leon. Wen? Jacinthe eirig. Wir haben ſie, ſag' ich Ihnen. Sie ſollen ſich bei Eliſen recht⸗ fertigen, und ich werde den Betruͤgern einen 122 ſo kuͤhnen Gegenſtreich ſpielen, als ſie ſich einbildeten, mir beizubringen. Es iſt be⸗ ſchloſſen. 1⸗9 1 Leon. Was? Jacinthe. Ihrer eigenen Idee wol⸗ len wir uns bemächtigen, und Pedrillo ſoll unſern Cervantes repraͤſentiren. 3 Leon. Pedrillo? der Schafskopf? Jacinthe. Ah, ſchon viele Schafs⸗ köpfe— um in der Metapher zu bleiben, ha⸗ ben geſcheute Maͤnner repraͤſentirt, und noch dazu Lebendige.— Sie werden der Mann ſeyn, der die Leiche hierher gebracht hat: ein Italiaͤner oder Franzoſe, gleichviel, wenn nur Ihre Stimme unkenntlich iſt. Und waͤh⸗ rend Pedrill meinen Herrn beſchaͤftigt, werd' ich Mamſell vermögen, mit Ihnen einige Au⸗ genblicke aus dem Fenſter zu converſiren. Leon. Herrlich! ganz vortrefflich! Aber, wenn jene Schurken auch ihrerſeits kommen— 28 11 123 Jacinthe. Das iſt nicht moͤglich. Ich bewache die Thuͤre, und der erſte, der ſich zeigt: Abmarſchirt! mein Herr will nur ſich z Lebendige mahlen. Leon. Bravo. Jacinthe. Warten Sie nnur zwei Minuten; ich hole ſogleich alles, was wir zur Masquerade beduͤrfen. Geht. Leon. Nur Jacinthe, huͤte Dich ja, dem Pedrill unſern Plan umſtaͤndlich zu ver⸗ trauen! Du kennſt den ſeigen Burſchen, er wuͤrde tauſend Einwendungen haben— Jacinthe. Ohne Sorgen. Läunft fort. Zweiter Auftritt. Leon. Ja, dieſe Liſt iſt vortrefflich. Goͤttli⸗ che Eliſe! wenn es wahr iſt, daß ſie mich liebt, wie viel muß ſie gelitten haben, da ſie mich fuͤr ſo ſtrafbar haͤlt. Doch der Augenblick 124 iſt nahe, wo ſie in meinem Herzen leſen, ſich von meiner Redlichkeit uͤberzeugen wird; dann— ja, es iſt beſchloſſen— dann werfe ich mich zu den Fuͤßen meines Baters, und ſollte er mich ſtrafen— Dritrer Auftritt. Ä Leon. Pedrillo. Jacinthe. Jacinthe, ſie bringt einen großen ſchwarzen Mantel und einen großen abgekremnpten Huth. Hier iſt, was Sie beduͤrfen. Leon bekleidet ſich damtt.— Du, Freund, ſetzeſt Dich dorthin. Sie wirſt ihn auf den Armſtuhl, welcher ganz nahe bei dem Gueri⸗ don ſteht und bedeckt ihn mit einem weißen Mantel. Pedrillo. Was ſtellt denn das vor? Jacinthe. Was kuüͤmmerts Dich? Haſt Du noch nicht genug geſchlafen und ge⸗ trunken in der Speiſekammer? He! Pedrillo. Hat ſich was zu trinken in der Speiſekammer eines Mahlers! Be⸗ ——— 125 trachten Sie mich einmal, lieber Hekr, mein Magen iſt ſo zuſammen geſchrunpſe daß ich ganz bleich bin. Leon. Deſto beſſer. Pedrillo. Wie? deſto beſſer? ich glaubte, deſto ſchlimmer? Leon. Hoͤre, lieber Pedrill, Du kannſt mir jetzt den groͤßten Beweis Deines Dienſt⸗ eifers geben. Pedrillo. Ja doch, mein Herr, ich bin zu allem bereit, was nur meine Kraͤfte— Leon. Es bedarf deren nicht— Pedrillo. Es bedarf deren nicht? Was Teufel haben Sie denn fuͤr ein Project? Leon. Hoͤre, man wird in einigen Au⸗ genblicken den verſtorbenen beruͤhmten Mann hierher bringen, den wir dieſen Morgen ge⸗ ſehen haben, Du weißt wohl— Pedrillo. Wo denn? Leon. Da— in dem großen Klo⸗ ſtex. 126 Pedrillo. Den— Poeten, wie ſie ihn nannten?. Leon. Eben den. Man hat die Ab⸗ ſicht, ihn von Morillos mahlen zu laſſen. Da ihn nun gluͤcklicherweiſe Morillos nicht kennt— verſtehſt Du mich— und da Dei⸗ ne Figur— Pedrillo ſeht ſchnel auf. Ah! ſprechen Sie doch von ſo etwas nicht. Jacinthe zwingt ihn wieder auf den Stuhl. Einfaltspinſel, ſo warte doch, bis man Dir alles geſagt hat. Pedrillo! Nein, ich weiß ſchon alles. Nehmen Sie mir's nicht uͤbel, mein Herr, ich bin nicht gern in Geſellſchaft von der⸗ gleichen Leuten. Jacinthe. Wer ſpricht denn von Ge⸗ ſellſchaft. Man weiß Mittel, um zu verhin⸗ dern, daß der todte Cervantes nicht hierher ge⸗ bracht wird; aber eben deswegen hat man jemanden nöͤthig, der ſeine Stelle erſetzt. 127 Pedrillo. Alle Teufel! und dazu will man mich gebrauchen?— Lieber Herr, es kann unmöglich Ihr Ernſt ſeyn, das Blut eines ehrlichen Dieners auf ſo eine heidniſche Art zu— Leon. Aber, Ungluͤcklicher, bedenke, daß ich mich nur auf dieſe Weiſe bei Eliſen rechtfertigen kann, und daß ſie morgen mit Anbruch des Tages von hier abreiſet. Pedrillo. Ja, lieber beſter Herr, ſo laſſen Sie ſie in Gottesnahmen reiſen— Leon. Unverſchaͤmter! Pedrillo in der peinlichſten Verlegenheit. Mem Gott, lieber. Herr, erzuͤrnen Sie ſich doch nicht ſo ſehr. Ich— ach Gott— ich— he! da kommt mir ein geſcheuter Ein⸗ fall! Ich will geſchwind meinen Freund Fabio aufſuchen, der iſt in ſolchen Faͤllen beherzt, er war drei Jahr bei einem Philo⸗ ſophen in Dienſt. Win aufſtehn. Leon ſtößt ihn wieder nieder. Fabiv? Elen⸗ der! weißt Du wohl, daß ich eben dieſem Fabio mein ganzes Ungluͤck zu verdanken habe? Oder vielmehr Dir ſelbſt, indem Du ſo dumm warſt, Dich dem Diener mei⸗ nes Nebenbuhlers anzuvertrauen 7 Pedrillo. Iſt's moͤglich? Leon. Und da Du einmal das Ungluͤck veranlaßt haſt, kannſt Du Niederträchtiger noch Anſtand nehmen, es wieder gut zu ma⸗ chen? Pedrillo heult. Aber, barmherziger Gott, muß ich denn meine Dummheit mit 7 dem Leben bezahlen? Leon wothend. Ja, Böſewicht, wenn Du mir nicht augenblicklich aus der Verle⸗ genheit hilfſt, worin Du mich gebracht haſt— Pedrillo ſreit. Jacinthe! ſo nimm Dich doch meiner an— ſo ſprich doch für mich— Jacinthe. Was ſoll ich fuͤr Dich ſprechen? Dein Herr droht Dich zur Leiche 129 zu machen. Tropf! da iſt es ja wohl beſ⸗ ſer, die Rolle eines Leichnams zu ſpielen, als— Still! Richtig, ich höre zanſt auf der Treppe. Leon. Wenn Du hier von der Srele weichſt— Pedrillo. Aber ſind Sie denn zum wenigſten gewiß verſichert, daß mir nichts Leides geſchehen wird?. Leon. Stelle Dich todt, oder ic ſchlage Dich todt. Pedrillo. Stellen todt— Ach Gott! Er legt ſich zurecht. Vierter Auftritt. Morillos. Eliſe. Leon. Jacinthe. Pedrillo. Morillos mit einer kleinen Meinlaune. Ich verſichre Dich, Elischen, es war ein deli⸗ cates Glas Rheinwein, theure Tropfen. ꝑQ ₰ 130 Jacinthe beiſeitt. Er hat ihn ſich wohl ſchmecken laſſen? Das kommt erwunſcht. Morillos. Was giebts hier? Jacinthe auf pedrill zeigend. Da, mein Herr, was Don Anſelmo geſchickt hat — ich bin nicht wenig erſchrocken— Morillos. Ah! Ah! der hat ſich geſpudet— u Eliſen. Nun, mein Kind, geſchwind auf Dein Zimmer. Hier giebt es Gegenſtaͤnde, die Deinen Augen zhs wohl thun koͤnnten. Leon tiitt zwiſchen ihm und Eliſen. Per- donnez mof, Monsieur, der Bruder An⸗ ſelmo at mir keſaget— Morillos. Scharmant, Leſe. Wir wollen ſogleich davon ſprechen. Leon keiſe zu Eliſen. Meine theure Eliſe. Eliſe erſchrickt, beiſeite. Welche Unvor⸗ ſichtigkeit. Morillos. Geh, geh mein Kind, Du haſt ohnehin nicht viel Zeit zum Schlafen. 131 Jacinthe geht an ihrer rechten Seits vorbel. Es iſt auch wahr, Mamſell; da iſt Ihr Licht. Morillos. Du weißt, die Herzogin will ſchon vor vier Uhr abreiſen. Jacinthe iſſe zu Euſen. Er wird Sie vor der Abreiſe noch ſprechen. Morillos. Drum, geh nur, geh, und verſchließe Deine Thuͤre wohl. Jacinthe leiſe. Oeffnen Sie das Fenſter, er wird auf dem Hofe ſeyn. Eliſe halbleiſe, indem ſie geht. Ihr ver⸗ urſacht mir alle ſolchen Schreck— Morillos. Schreck? Aber, mein Gott, warum blickeſt Du auch nach dieſer Seite. Dahin den Kopf. So! So! So! Er dreht ihren Kopf nach Leons Seite, der ihr zuwinkt; er fuͤhrt ſie in dieſer Stellung bis zur zweiten Thuͤr links. dA Funfter Aufkrikl. Morillos. Leon. Pedrillo. Jacinthe. Jacinthe u Leon. Wenns gefaͤllig iſt, ſo folgen Ste mir, waͤhrend mein Herr ſei⸗ ne Arbeit— Morillos häͤlt ihn zuruͤk. Was? Dir folgen? Und wohin: Jacinthe. Ei nun, ich will den Herrn ins Vorzimmer fuͤhren, oder— damit Sie bei Ihrer Arbeit ganz ungeſtort— Morillos. Ueberfluͤſſig, der Herr ſtoͤrt mich keinesweges, und wird ſich hier beſſer unterhalten als im Vorzimmer. Leon deiſeite. Himmel! Morillos. Und Dich haͤlt alſo nichts ab, meiner Tochter zu folgen. Leg Dich ſchlafen. Jacinthe. Nichts haͤlt mich ab? 133 Beiſeit. MußV ich nicht die Thuͤr bewachen? Laut. Muß ich, nicht noch Beatrix ſprechen, wegen— Morillos ungedunis. Beatrix ſchläft auch ſchon, und wenn Du nicht ebenfalls gehſt— Jacinthe. Aber, mein Herr— Morillos. Kein Wort mehr. Du gehſt, ich wills. Die Geſchichte, die Du mir vorhin erzählteſt, iſt mir ſo noch nicht recht klar, und da will ich vorſichtshalber Dich um dieſe Zeit lieber in Deiner Kammer wiſſen, als anders wo. Jacinthe leſe. Weg ſind alle Hoff⸗ nungen. Morillos zornig. Na, wirds bald? Jacinthe dverdräßlich. Ei du mein Gott, ja, ich gehe ſchon. geiſe zu Leon. Helfen Sie ſich ſo gut Sie können. Sie folgt Eliſen. 134 Sechster Auftritt. Morillos. Leon. Pedrillo. Leon beiſeite. Verwüͤnſcht! Wie komm ich von ihm les? 1 Morillos indem er ſein Portefeuille, Tabou⸗ ret und Bleiſtift holt. Setzen Sie ſich, mein Herr. Es ſoll nicht lange dauern, ſo ſind wir fertig.— Sind Sie verheirathet? Leon uriſch. Non Monsieur— beiſeite. In welches Wespenneſt bin ich hier gerathen? Er ſetzt ſich zur rechten Seite von Pedrill. Morillos. Dann Freund haben Sie keine Idee, welche Marter es iſt, ein Maͤd⸗ chen zu huͤten. Leon. Non Monsieur. Morillos ſetzt ſich vor Pedrillo, mehr nach der unken Seitt. Ja, wenn es die Liebhaber be⸗ daͤchten, daß man ihnen einſt, wenn ſie ſelbſt Vater ſind, Gleiches mit Gleichen ver⸗ 135 gelten kann; daß man ſie eben ſo zwiefeln und zwacken wird, ſo wuͤrden ſie uns armen Vaͤtern die Hoͤlle weniger heiß machen. Aber das junge Volk ſieht ſo weit nicht.— Nicht wahr? Leon. Non Monsieur non. Steht ungeduldig auf. Morillos. Bleiben Sie ſitzen, Freund, ſitzen, ſitzen; die Beweglichkeit Ihres Schat⸗ tens könnte mir die Zeichnung verderben. Das iſt hier keine gewoͤhnliche Lage. Er lorgnirt Pedrill. Leon beiſeite. Daß weiß ich nur zu gut. Wenn ich ihn doch dahin bringen könn⸗ te, daß er mich fortſchickte. Morillos. Bahl welch eine unedle ſcheußliche Figur und doch ſo ein erleuchtes Genie. Bizarre Natur! Wie Teufel hat man mit einer ſo haͤßlichen Geſtalt ſo ſchoͤne Werke ſchreiben können. Leon hat ſich, ohne bemerkt zu werden, hinter ihm geſchlichen und ſchlaͤgt ihm plötz⸗ lich auf die Schulter.— Er faͤhrt zuſammen. Ah! 136 Leon. Ick ſein es. Wollen Sie mir wohl ſagen à quelle heure Sie ſeyn werd fertik? Morillos. Ach, mein Herr, ich habe Sie ja gebeten, ſich ruhig zu verhalten. Lergerlich. Ich werde fertig ſeyn, wenn ich fertig ſeyn werde.. Leo n beſcheiden. Perdonnez. Morillos beiſeie. Der Teufelskerl hat mir meine ganze Imagination umgekehrt⸗ Da, der Bleiſtift iſt ſogar zerbrochen. Er holt einen andern und kehrt zurück.— Barm⸗ herziger Gott, welch ein Kopf iſt das? Ich will wetten, daß unter den hundert Dieben, die in dieſem Jahre gehaͤngt wurden, nicht eine ſo niedertrachtige Phiſiognomie war. Er lorgnirt.— Leon ſteckt den Kopf hinter der deiche lang hervor; er faͤhrt zuſmmen. Ach, du Gott! Leon ſehr beſcheden. Das ſeyn ick Mon- sieur. Morillos. Ums Himmelswillen, 137 Freund, wollen Sie mich denn fuͤr Schreck zu Tode aͤngſtigen? Leon. perdonnez moi, die Seit wird mir lang, ick nichts verſtehe nicks von der Mahlerey. Si j'avois ici quelques passe-tems- une petito promenade. Morillos. Promeniren gehen wollen Sie ein bischen? Haſtig. Da, mein Freund, haben Sie einen Schluͤſſel, gehen Sie die große Treppe hinab, oͤffnen Sie die Garten⸗ thuͤr und ſpazieren Sie ein wenig auf der Terraſſe. Wenn ich fertig bin, werd ich Sie rufen. Leon. Ak Monsieur, Sie ſeyn ein galant homme, Sie aben nick noͤthig, ſu übereilen, ick warten, wenn es muß, die ganzer Nackt. Er geht durch die erſte Thür rechts. 13⁸ Siebenter Auftritt. Morillos. Pedrillo. Morillos. Wollt' ich doch, daß ihn der Henker holte! ihn und den Schreck, den er mir gemacht hat. Aber um einen neuen Schrecken vorzubeugen, wollen wir uns ein⸗ ſchließen. Er thuts. Ah! jetzt ſchöpfe ich freien Athem! Nun eine gluͤhende Phantaſie auf einige Augenblicke und die Arbeit iſt vol⸗ lendet.— Ich muß wirklich meine Dreiſtig⸗ keit bewundern, denn was mir vorhin Ja⸗ cinthe erzaͤhlte, ſcheint nicht ganz unmoͤglich zu ſeyn. Wahrlich, wenn ich bei jeder Ar⸗ beit die Spione der heiligen Inquiſition be⸗ fuͤrchten muͤßte, ſo wollt ich lieber den Pin⸗ ſel in Stuͤcken zerbrechen.— Doch was risquire ich denn? Wenn ja jemand kom⸗ men ſollte— Das Zimmer hat eine guͤnſtige Lage— Da iſt ein Fenſter— unten ein — 139 Fluß— So wie ich das kleinſte verdaͤchtige Geraͤuſch vernehme, ſo laß ich den ſeeligen Herrn geſchwind eine Fahrt ins Waſſer ma⸗ chen— Wetter, ich glaube, ich hore ſchon — Nein, es iſt nichts— Blitz, da faͤhrt mir eine Idee durch den Kopf!— ein großer Gedanke! Boeiſtet. Hu! er laͤchelt mich ordentlich an! Ich habe an meinem Maͤrtirer, den heiligen Petrus, nie zu mei⸗ ner Zufriedenheit den Lanzenſtich mahlen koͤn⸗ nen, den ihm ein Soldat zwei Stunden nach ſeinem Tode beibrachte. Das waͤre eine Gelegenheit, die Natur an der Quelle zu belauſchen.— Und warum ſollt' ich nicht? ich bin allein, und da es nicht weh thun kaun, wenn ich ihm einen kleinen Stich applicire— Es wird dreimal hart an der Thuͤr geſchlagen, er faͤllt zu⸗ ſammen. Ach, Barmherziger!— Iſt es das Inquiſitions⸗Gericht? Geſchwind das Fen⸗ ſter geoͤffnet. Er oͤffnet den Balcon und macht die Bewegung, als wollt er den vermeinten Leichnam hinunter werfen. 140 Pedrillo leiſe, in wahrer Seelenangſt. Gott ſey mir gnaͤdig! Man klopft aufs neue. M or illos mit zitternder Stimme. Ich bringe den ſeeligen Herrn nicht hinaus— weiß Gott— die Kraft fehlt mir.— We— wer iſt da? Fernando von außen mit veräͤnderter Stimme. Ich bins, komme von Don Anſelmo ge⸗ ſchickt. Morillos. Ah, das bringt mich wie⸗ der zu mir ſelbſt.— Aber, mein Gott, will man denn den Poeten ſchon begraben, daß man ihn abzuholen kommt?— Er ſchließt auf. Pedrillo keſe. Na, das fehlte mir auch noch. 141 Achter Auftritt. Fernando. Morillos. Pedrillo. Zuletzt vier Traͤger mit Fabio. Fernando verkleidet wie Leon, nur eine ane dere Farbe. Guten Abend, werther Morillos. Einen Gruß habe ich von Don Anſelmo zu uͤberbringen, nebſt dem Bewußten, was Sie erwarten. Morillos. Wie? was ich erwarte? Ich erwarte nichts mehr. Alles iſt ſchon hier. Fernando. Wie ſoll ich das verſtehn? Morillos zeigt ihm Pedrillo. Ei, ſo ſehen Sie doch nur ſelbſt. Fernando deiſeite. Himmel, haͤtte mich Anſelmo betrogen? Zu Morilos. Ich weiß mir zwar dies Mißverſtaͤndniß nicht zu erklaͤren, aber das weiß ich, daß ich wirk⸗ lich von Don Anſelmo geſchickt bin. Da, 142 dieſer Brief von ihm wird's beweiſen. er übergiebt ihm einen Brief. Morillos. Einen Brief von Anſel⸗ mo? Wir wollen doch ſehen. Fern ando zu ſeinen Leuten, waͤhrend Morillos den Brief oͤffet. Nur herein, ihr Leute, nur herein, es wird wohl nichts dabei zu erin⸗ nern ſeyn. . Vier Traͤger bringen Fabio in einem Arm⸗ ſtuhl und ſetzen ihm Pedrillo gegenuͤber, nahe der erſten Thure rechts⸗ Er iſt bis an den Hals in einem ſchwarzen Mantel gehuͤllt. Fernando. Söo iſt's gut. Jetzt geht nur wieder. leiſe. Geſchwind in den Garten, durch das Pfoͤrtlein, wie ihr wißt. Morillos deiſett. Kann ich meinen Augen trauen? Er ließt vor ſich.„Ich ſehe „mich gedrungen, Ihnen ohne alle Weit⸗ „läuftigkeiten zu melden, daß der Ueberbrin⸗ „ger dieſes Briefes in dem Wahn ſteht, Ih⸗ „nen ein anderes Schreiben zu uͤbergeben, „das er geleſen hat, und welches ich auf eine —— u ——— 1 143 „geſchickte Art mit dem Gegenwaͤrtigen zu „verwechſeln wußte.“ Hier nießt Fabio; Morillos, welcher glaubt, es ſey Fernando, gruͤßt ihn, Fernando dankt und ſchießt wuͤthende Blicke auf Fabio.„Die⸗ „ſer Menſch iſt ein verkleideter Liebhaber, der „mir 200 Dukaten gegebeu hat, wofuͤr ich „ihm verſprochen, mit ſeinen Diener die „Rolle zu ſpielen, die Sie ihn ſpielen ſehen. „Nehmen Sie dem zufolge Ihre Maaßregeln; „Ich werde bald ſelbſt bei Ihnen ſeyn. Da „Sie uͤbrigens den Namen Leon oft genannt „haben, ſo vermuthe ich, daß dieſer Leon „die Hauptriebfeder der ganzen Intrigue „iſt.— Weiſeite. In der That, da er⸗ kenne ich auch Eine der Figuren von dieſem Nachmittag. Pſt! nichts verrathen; ich eile zu Don Gasparo, da ihn die Sache ebenfalls intereſſirt, ſo darf ich mich ohne Furcht ſeiner Klugheit und Freundſchaft an⸗ vertrauen. Laut zu Fernando. Entſchuldigen Sie, mein Herr, ich bin nun ganz uͤber⸗ zeugt, daß Sie Don Anſelmo ſchickt, er empfiehlt mir, Sie ganz abſonderlich— Fernando. Mein Herr— Morillos. Gott weiß nur, wie die andere Leiche hierher gekommen iſt. Wahr⸗ ſcheinlich ein Mißverſtaͤndniß des Geſindes. Sie glauben nicht, mit welchen dummen Creaturen ich umgeben bin. Fernando. Vielleicht— Morillos. Nein, wahrlich, einfaͤl⸗ tige Streiche auszuführen, koſtet ſihnen nichts. Nu, ich werde mich von der Brut bald los machen.— Erlauben Sie mir ei⸗ nen Gang in mein Kabinet, ich hole nur ei⸗ nige Farben, die ich zu dieſer Arbeit nothig habe. 3 Fernan do. Mein Herr— Morillos. Verzeihen Sie einen Au⸗ genblick, ich komme gleich zuruͤck. er nuum 145 das Licht und geht. Fernando will ihm folgen, aber Mo⸗ rillos ſchlaͤgt ſchnell die Thuͤr vor ihm zu und verſchließt ſie— Es iſt Nacht. Neunter Auftritt. Fernando. Fabio. Pedrillo. Fernando. Wier er verſchließt die Thuͤre. Was bedeutet das?— Himmel, wenn er unterrichtet waͤre, wenn etwa der Schleicher Anſelmo— Fabio pft ihn, keiſe. Vergeſſen Sie die Kammerzofe nicht. Fernand.o keiſe. Schweig.— O es iſt kein Zweifel, ich bin verrathen. Ver⸗ dammt! wie nun hier heraus kommen, wie meinen Plan weiter durchſetzen? 146 Zehenter Auftritt. Vorige. Jacinthe. Ja cinth e, ſie kommt durch die zweite Thuͤr links und tappt bis nahe zu Fernando⸗ Leiſe. Leon„ Leon, ſind Sie da? Fernando eben ſo leiſe untt verſtellter Stimme. ᷣ Ja. Jacinthe. Mein Herr hat ſo eben das Haus verlaſſen, ich weiß nicht warum. Ich habe meine Mamſell vermocht, Sie ei⸗ nen Augenblick auf der Terraſſe in meiner Gegenwart zu ſprechen. Folgen Sie mir. Fernando iühr folgend. Gluͤckliches quid pro quo. Veide durch die Thuͤr zurück. 147 Eilfter Auftritt. Pedrillo. Fabio. Pedrillo yooccht emſig und ſpricht ſehr leiſe. He!— höͤrte ich nicht Jacinthens Stimme? Fabio en ſo leiſe. Er geht fort und mich laͤßt er allein., Pedrillo.— Nun iſt's wieder ſtill. Fabio. Doch was ſag ich allein— der Tode dort leiſtet mir ja Geſellſchaft. Pedrillo. Hat mir doch mein Herr gelobt, daß man den wirklichen Toden nicht hierher bringen wuͤrde und nun iſt er doch da. Fabio als ob er etwas hoͤre. He! Pedrillo ebenfals. Was?— Vor Angſt ſaußts und braußts mir vor den Oh⸗ ren. Fabio. ˙S iſt nichts. Die Dunkei⸗ heit hat mich erſchreckt. 2 K 2 148 Pedrillo etwas lauter. Dummkopf! Dein Herr iſt geſcheuter als Du, immer macht er ſich zur rechten Zeit aus dem Staube. Fabio erſchrickt und darum leiſer. Ah, der verwuͤnſchte Tode ſpricht mein urtheil. Pedrillo. Gluͤcklicherweiſe hab' ich den Schluͤſſel von dieſer Thuͤr verwahrt. Ich mache mich auf. Er ſteht auf, ſieht ſich furchtſam kberall um und tappt nach der Thuͤr. Fa bio hoͤchſt verwundert, da er ihn gehen ſieht. Mein Gott! Erx ſteht auf. „Pedrillo weicht ſchreckhaft zuruͤckx. Er er⸗ hebt ſich. Fabio. Er wandelt. Pedrillo. Er kommt auf mich zu. Fabio. Was bedeutet das? Er exgreift hn ſchnell beim Arm, ſchuͤttelt ihn und ruft. Wohin? Pedrillo ſinkt auf die Knie und laͤßt den Schluͤſ⸗ ſel falen. Ach! ich bin todt, todt, wie Sie hochwuͤrdiger Herr Cervantes. Erbar⸗ men! 149 Fabio. Was ift das?— He, das iſt ja der naͤrriſche Teufel Pedrill. Pedrillo. Blitz— das iſt ja der ſpitzbuͤbiſche Fabio. Morillos oon auſſen. Hierher, wer⸗ ther Alcald, hierher. Fabio. Himmel, der Alcalde! Wirft ſich wieder ſchnell auf den Stuhl. Pedrillo ebenfaus. Die Gerichte?— Gott— und mein Schluͤſſel. Morillos ſoleßt die Thuͤr auf. Nur herein, Sie ſollen ſich gleich uͤberzeugen. Zwölfter Auftritt. Vorige. Morillos. Gasparo. Ei⸗ nige Gerichtsdiener mis Jackeln. Morillos.— Hel wo iſt er ge⸗ blieben? Gasparo. Wer? 150 Morillos. Der verkappte Betruͤger, den ich hier in der Werkſtatt eingeſchloſſen hatte?— Ah, er hat ſich verſteckt; wird ihm nichts fruchten.— He, Ihr Herren, durchſucht alle Gemaͤcher.— Und Sie, werther Alcald, betrachten Sie hier dieſe beiden Perſonen. Einer unter ihnen iſt ein Schurke, der ſich fuͤr todt ausgiebt. Pedrillo ringt plotzlich auf. Das bin ich nicht. Fabio ebenfalls. Ich auch nicht. Morillos ſtarr fuͤr Schreck. Alle gute Geiſter!. Pedrillo baſtig. Herr Alcalde, ich bin ein ehrlicher Kerl. Fabio. Geſtrenger Herr, ich bin uͤberall bekannt— Pedrillo. Als ein Beutelſchneider, geſtrenger Herr— Fabio. Geruhen Sie zu vernehmen; man hat mich hierher gebracht— 151 Pedrillo. Mich, mich hat man hierher— Fabio. Dich? Pedrillo heult. Ja. Fabio Der Schurke luͤgt. zednutn Glauben Sie ihm nur dasmal nicht.. Gasparo. Nur gelaſſen, meine ſee⸗ ligen Herrn, nur gelaſſen. Wantets nur ab, einem Jeden wird Gerrchtigkeit wieder⸗ fahren. 1 Fabio. Ja, aber laſſen Sie ſich nur dienen. Dieſer Burſche ſteht im Solde eines jungen Gecken, der ſich hier einge⸗ ſchlichen hat, um mit der Tochter dieſes Heerrn Liebeshaͤndel anzuknuͤpfen. Pedrillo. Wiſſen Sie aber auch, meine Herren, wem dieſer Schurke dient: Don Fernando'n, deſſen Ausſchweifungen in ganz Madrid bekannt ſind, und der ſich 152 ſicher deshalb hier eingeſchlichen hat, um aufs Reue zu verſuchen— 4 Dreizehnter Auftritt. Vorige. Jacinthe. Jacinthe darch die Seitenthäͤr rechts. Zu Huͤlfe! zu Huͤlfe! Man hat Eliſe entfuhrt. Zu Huͤlfe! Moritlos. Gerechter Himmel! Jacinthe. Don Fernando iſt der Raͤuber. Um Gotteswillen eilen Sie alle in den Garten—. Morillos. Don Fernando, und im⸗ mer Don Fernando? Freund Alcalde, jetzt helfen Sie.— Gasparo. Befurchten Sie nichts. zu ſeinen Leuten. Folgt mir. Sie gehen. 153 Vierzehnter Auftritt. Vorige. Leon. Eliſe. Anſelmo. Beatrix, Ein Bedienter, der ein Portrait traͤgt. Beatrix ſturzt durch die Mittelthuͤr voraus. Da— da— ein Engel hat ſie gerettet— hier, dieſer brave junge Mann— Gasparo ſeinen Sohn erkennend. Him⸗ mel! das iſt mein Sohn! Leon u ſeinen Fuͤßen. Ja, mein Va⸗ ter, Sie ſehen den Strafbaren zu Ihren Fuͤßen; aber wuͤrdigen Sie auch ſeine Ent⸗ ſchuldigung hier zu ſehen. Auf Eliſen zeigend. Morillos heftig auf Don Gasparo. Was? Sie ſind Don Fernando's Vater? Leon. Nein, mein Herr, kommen Sie von einem Irrthume zuruͤck, den ich wider Willen veranlaßt habe. Fernando 154 iſt der Name eines Unwuͤrdigen, der vor⸗ hin meinen Namen gegen Sie gemißbraucht hatte. Hier iſt der Gartenſchluͤſſel zuruͤck, den Sie mir zu keiner glüͤcklichern Stunde anvertrauen konnten, weil er mir das Gluͤck verſchaffte, Ihre edle Tochter zu retten. Es bedurfte nur eines leichten Kampfs, um Don Fernando zu uͤberwaͤltigen. Der red⸗ liche Anſelmo, und einige Leute, die er mit⸗ gebracht hatte, halfen tapfer, zerſtreu⸗ ten ſeine Rotte, und verfolgen ſie noch jetzt. na 12 Morillos umarmt Anſelmo. Mein wuͤr⸗ diger Freund— G Leon beſcheiden. Wenn dieſes geringe Verdienſt, meine Strafwuͤrdigkeit in Ihren Augen, mein Vater, etwas mindert? und auch in den Ihrigen, Eliſe 8 Gaspaxro gavitätiſch. Hier, Don Mo⸗ rillos iſt der Verhaftsbefehl, den Sie dieſem Morgen vom Herzog von Lerma erhielten, 155 kraft deſſen haben Sie uͤber die Freiheit die⸗ ſes jungen Menſchen zu gebieten. Sie ſind hier ſchwerer beleidigt als ich, man hat ſich durch die unedelſten Mittel Zutritt bei Ih⸗ nen verſchafft; Sie haben mich als Richter hierher berufen— Ihnen uͤbergeb' ich den Leichtſinnigen; heſtimmen Sie uͤber ſein Schickſal. Morillos nimmt das Papier, ebenfalls muit Gravitat, er huſtee. Don Gasparo, wenn man die Sachen ſo buchſtäͤblich nehmen will, wie Sie, ſo ergiebt ſich eigentlich, daß meine Tochter am allermeiſten beleidigt worden iſt; drum Eliſe, entſcheide Du ſein Schickſal. Eliſe. Lieber Vater, dieſe auſſeror⸗ dentliche Guͤte wuͤrde noch Geſtern das Gluͤck meines Lebens gemacht haben, aber ſeitdem mich heute meine Tante in dieſem Briefe be⸗ nachrichtigt— 156 Fabio fäut auf die Knie. Pardon, ich war der Secrerair. Leon will aaf ihm zu. Ha, Elender! Jacinthe hält ihn zuruck. Nicht doch, mein Herr, Sie ſind gluͤcklich, wir ſind es alle; eine goldene Brücke dem aſählig ner Feinde! Morillos. Sie hat recht. 3u Fabis. Geh und melde Don Fernando'n und allen ſeines Gelichters, daß Buͤberei nicht immer uͤber Tugend ſiegt; die Unſchuld— zu Anſelmo. Apropos, um von Unſchuld zu re⸗ den; wie iſt's denn, Freund, werden Sie die 200 Dukaten behalten? Fabio ſchleicht ſich davon. Anſelmo. Lieber Freund, wenn ich bedenke, daß man durch Schaden klug wird, 157 und daß man dergleichen Narren nicht arg genug— Morillos. Ich verſtehe, Sie wer⸗ den ſie behalten. Aber ich darf doch auch noch auf mein Profttchen rechnen? Es bleibt doch bei der Abrede: ich mahle das Portrait des Cervantes? Anſelmo. Nein, Freund, das wer⸗ den Sie nicht, denn es nimmt den Bedienten das Bild ab, hier iſt er ſchon gemahlt. Morillos. Was? Anſelmo. Das iſt noch ein Geſchenk, das Don Fernando der Nachwelt machen wollte. Morillos riißt es an ſich. Oho! das koumt nicht wieder aus meinen Haͤnden, ich behalts, an das Publikun: und wenn die I 5 8 gegenwaͤrtige Generation unſer Portrait nicht zu ſtreng beurtheilt, ſo erlaubt ſie wohl dem Morillos, noch einige Copien davon zu ver⸗ fertigen. A 1 8 — ———