Leihbibliothek deutſcher, engliſcher und franzöſiſcher Literat Cdnard Ottmann in Gießen, Schloßgaſſe Lit. A. Nr. 256. eih und eſebedingungen. 1. Offensein der Bibliothek. Die Bibliothek ſteht zur pfangnahme und Rückgabe der Bücher jeden Tag von 7 Uhr bis Abends 8 Uhr offen. 2. Lesepreis. Bei Rückgabe eines geliehenen Buches wirt jedem Tag 5 Pf bezahlt. Die Zeit eines Tages iſt zu 24(f den angenommen. 3. Caution. Unbekannte Perſonen müſſen, bei Entgegenne eines Buches, eine dem Werthe deſſelben entſprechende Si hinterlegen, welche bei deſſen Zurückgabe von mir zurückerſ wird. 4. Abonnement. Daſſelbe muß voraus bezahlt werden beträgt: 4 für wöchentlich 2 Bücher: 4 Bücher: 6 Büch auf 1 Monat: 1 Mk.— Pf. 1 Mt. 50 Pf. 2 Mk. † „ 1„„„ 5. Auswärtige Abonnenten haben für Hin⸗ und Zurückſe der Bücher auf ihre eigenen Koſten und Gefahr ſelbſt zu ſp 6. Schadenersatz. Für beſchmutzte, zerriſſene, verlorenz defecte Bücher(namentlich bei ſolchen mit Kupfern ꝛc.) m F Ladenpreis erſett werden. Iſt vas zerriſſene, beſchmutzte lorene oder defecte Buch ein Theil eines größeren Werkes, der Leſer zum Erſatz des Ganzen verpflichtet. i 7. Ausleiheneit. Dieſelbe iſt auf 14 Tage feſtgeſetzt und beſonders darauf aufmerkſam gemacht, daß das Weiterverl der Bücher nicht ſtattfinden darf, indem Diejenigen, welck ſelben von mir geliehen, auch dafür zu ſtehen haben. e ſe 3 Miniatur⸗Bibliothek der Deutſchen Claſſiker. Fuͤnfte Lieferung. Koͤrners Gedichte. iniaturAibliothet 1 der ² Deutſchen Claſſiker. (Dritte A flage.) Koͤrners Gedichte. Gotha und Nen York: Im Verlag des Bibliographiſchen Inſtituts. 8 8 —— Anthologie von TheodorKöruer ſaͤmmtlichen Werken. Gedichte. Miniatur⸗Ausgabe. — Peben des Dichters. Carl Theodor Koͤrner. Geboren 23. Spt. 1791. Geſtorben 29. Aug. 1913. Eine der groͤßten unter den neuern Erſcheinun⸗ gen in unſerer ſchonen Literatur war die lei⸗ er! nur zu ſchnell voruͤbergeſchwundene Cart Theodor Körner's. Dieſer edle Juͤngling wurde am 23. Sept. 1791 in Dresden gebo⸗ ren. Sein Vater war damals Churſaͤchſiſcher Appellationsrath*); feine Mutteriſt eine Toch⸗ ter des in Leipzig verſtorbenen Kupferſtechers Stock. Schon fruͤhzeitig offenbarte der anfangs ſchwaͤchliche Knabe ein weiches Herz, hohe Em⸗ pfaͤnglichkeit für alles Edle und Gute, ſeitne Wil⸗ Sisfenhkeit Phantaſſewannenrenſchafts⸗ Sinn. Seine Aufmerkſamkei feſtzuhalten, war *) Koͤrner's Vater wurde ſpäterhin Obertribu⸗ nalrath in Berlin, und hat ſich theils durch Perausgabe der Schillerſchen Werke und der ſeines Sohnes, und theils als Schriftſteller im Fee der Aeſthetik und Staatswiſſenſchaft be⸗ annt und verdient gemacht. Kaiſer Alexander hrie ihn mit dem Ruſſiſchen Wladimir⸗ rden.— nicht leicht; aber war dieß gelungen, ſo faßte er ſchnell. Er erwarb ſich ſchone Kenntniſſe in der Geſchichte, Naturkunde und Mathema⸗ tit. Zur Erlernung von Sprachen hatte er weniger Anlage und noch weniger Neigung. Auffällend war ſein entſchiedener Widerwille gegen das Franzoſiſche. Vielfältige gymnaſtiſche Uebungen machten aus dem ſchwächlichen Knaben allmaͤhlich einen kräftigen, gewandten, robuſten Jungling⸗ Kör⸗ ner galt fük einen raſchen Tänzer, dreiſten Rei⸗ ter, tuͤchtigen Schwimmer und befonders für einen geſchickten Fechter. Feinere Drechsler⸗ arbeiten gelangen ihm gut, und er zeichnete mit Erfolg nicht nur Gegenſtaͤnde der Mathe⸗ matik, ſondern aich Landſchaften. Aber in höherm Grade fand ſich bei ihm Sinn und TCalent fuͤr Muſik. Auf der Bioline verſprach er etwas zu leiſten, als ihn die Gui⸗ tarre mehr anzog, der er in der Folge getreu blieb. Seine Cither am Arm dachte er ſich gern zuruͤck in die Zeiten der Troubadours. eboch ſein herrſchender Frieb war ſehr fruͤh fuͤr die Dichtkunſt. Fuͤr dieſen fand er an⸗ fänglich bei ſeinem trefftichen Vater, der bloße Neigung für echten Beruf zu rechnen fuͤrchtete, keine Aufmunterung. Doch der jugendliche Muth achtete wenig darauf, wagte ſich viel⸗ mehr bald an ſchwierige Aufgaben. Schiller und Göthe, Beide vertraute Freun⸗ de des Vaters und die Lieblinasdichter im al⸗ terlichen Hauſe, wurden fuͤr unſern Körner die eines ſolchen Schuͤlers wuͤrdigen Bildner. Schillers Balladen, wahrſcheinlich die erſten Gedichte, die er zu leſen bekam, erfuͤllten den hochherzigen, fuͤr alles Herrliche empfaͤnglichen Knaben mit Vegeiſterung. Indeſſen waate er ſich nicht ſogleich an dix ernſte Dichtung. Seine erſten Verſuche waren aͤußern Anläſſen entnom⸗ mene Producte ſcherzhafter Gattung. Die Reime ſrömten ihm zu. S3 t Im älterlichen Hauſe blieb er bis in ſein ſiebzehntes Jahr. Er beſuchte die Kreuzſchule in ſeiner Vaterſtadt, und genoß zugleich den Unterricht ſeines wuͤrdigen Vaters und guter Privatlehrer, unter denen beſonders der nach⸗ malige große Hiſtoriker Dippold mit Aus⸗ zeichnung g nannt zu werden verdient. Seine echte rekigiöſe Bildung verdankt Körner dem jetzigen Pfarrer Roller in Lauſa. Die neuern Verhaͤltniſſe des aͤlterlichen Hauſes waren ganz dazugeſchickt, der Character⸗Bildung des Jüng⸗ lings die edelſte Richtung zu geben und jeden Keim des Talenks zur ſchönſten Blüthe zu ent⸗ fallen. In einer Familie, die durch⸗Liebe und gegenſeitiges Vertrauen ſich zu einem freundli⸗ chen Ganzen vereinſgte, wurden auch die Rechte des Knaben und Jünglings geachtet, und, ohne zu herrſchen, genoßerſtrühzeitig innerhalb ſeiner Spbäre einerunſchaͤdlichen Freiheit. Fur Poeſie und Muſik war bier WMes empfänglich; ein aus⸗ geſuchter Kreis wiſſenſchaftlicher Maͤnner kam oftbeim Vater zu bildender Abendunterhaltun zuſammen, woran auch der Sohn des Hauſe Antheil nehmendurfte; denn erwar nickt vorlaut und heſchwerlich, ſondern theilnehmend, unge⸗ kunſtelt und beſcheiden. Um den weiblicen Theit der Familie ſammelte ſich taͤglich ein kleiner Kreis von Frauen und Maͤdchen, die ſich durch edle Character- und Geiſtesbildung gleich aus⸗ zeichneten, und auch ſie ſahen unſern Körner gern, und ergotzten ſich an ſeiner Unbefangen⸗ heit und Munterkeit. Bei ſolchen Verhalt⸗ niſſen gewöhnte er ſich, in der beſſern Geſell⸗ ſchaft keinen druͤckenden Zwang zu fuͤhlen, und lernte den Werth des feinern Umgangs ken⸗ nen und ſchatzen. Mit beſonnener, zaͤrtlicher Sorgfalt ſuchte Körner's Vatorden einzigen Sohn beider Wahl des kuͤnftigen Standes deſſelben zu leiten.„Ge⸗ naue Abwägung— ſo berichtet er uns ſelbſt in ſeiner trefflich geſchriebenen Biographie ſeines Sohnes)— der Vortheile und Nachtheile eines jeden enichtz er⸗ warten; was ſie beſtimmt, ſind oft unzureichende Gruͤnde, und gleichwohl iſt es bedenklich, ih⸗ rem Entſchluß zu widerſtreben, da man be⸗ ſonders beilebendigen und kraftvollen Naturen zu wüͤnſchen hat, daß Geſchäͤft und Neigung treffe. Und ein Geſchaͤft, das ihm unftig ein hinlaͤngliches Auskommen ſichern könnté, hatte auch Theodor Körner zu wählen⸗ da er auf den Beſitz eines bedeutenden Vermd⸗ gens nicht rechnen durfte.— Der Bergbau, für den Körner beſtimmt wurde, hätte viel An⸗ ziehendes für ihn durch ſeine poetiſche Seite, und durch die vielfältige Geiſtesnahrung, die ſeine Huͤlfswiſſenſchaften darbieten. Nachdem er ſich durch gewoͤhnliches Studium derſelben in WDresden votbereitet hatte, bezog er im Jahr 1808 die damals unter Werners Leitung ſte⸗ hende Vergacademie Freiberg. Hier trieb er den Bergbau in practiſcher und theoretiſcher Hin⸗ ſicht, vorzüglich in der erſtern Zeit, mit wah⸗ rem Enthuſiasmus. Hier war es, wo ſein Ge⸗ müth durch den heilſamen Einfluß edler Freunde immermehran ernſter Haltung und maͤnnkicher Feſtigkeit gewann, wo feine Poeſie erregt wurde 11 durch dieerhabenen Empfindungen, die im ſchau⸗ erlichen Schooß der Erde ihn durchdrangen, wo er in den herrlichſten Liedern den hohen Sinn fuͤr Vaterland und Freiheit und hehre Reli⸗ ioſität beurkundete. Die Religion war für ihn eine finſtere Storerin unſchulbiger Freudenz ſie war ihm die traute Freundin ſeiner Seele, der Stab, an dem ſie ſich erhob. Seine ganze Erziehung war darauf gerichtet, ihn nur durch die edelſten Triebfedernzu beſtimmen, und ſelbſt das Heiligſte lernte er nür verehren, nie fuͤrch⸗ ten. Daher die Unbefangenheit und Wärme, mit der er das Herzliche im Chriſtenthume auf⸗ faßte, ſich zu eigen machte, wieder gab. Dieß die Quelle des ſchoͤnen(durch nachherige Hinder⸗ niſſe unausgefuͤhrt gebliebenen) Plans zu einem religiöſen Taſchenbuche füͤr Chriſten, über das er in einem Briefe äußerte:„Soll uns denn die Religion, füͤr die unſere Vaͤter kaͤmpften und ſtarben, nicht eben ſo begeiſtern, und ſollten dieſe Tone nicht manche Seele anſprechen, die noch in ihrer Reinheit lebt? Koͤrner endigte ſeine academiſche Laufbahn in Freiberg im Sommer 1910, und bezog zur Fortſetzung ſeiner Studien u Michaelis deſſelben Jahres die Univerſität eipzig. Hier erſchien noch in demſelben Jähre die erſte Sammlung ſeiner Gedichte unter dem Titel: Knospen; ſie fanden entſchiedenen Beifall. Mit Fleiß und Treue trieb er ſeine Studien, beſonders Philoſophie und Geſchichte, eit aber bald in Gefahr, gefeſſelt durch as muntere Studentenleben, den hohern Zielpunct ſeines Lebens aus dem Auge zu verlieren. Sein tiefes und lebendiges Gefuͤhl für Ehre riß ihn zu mancher geſetzwidrigen Vertheidigung derſelben, zu mancher jugend⸗ 12 lichen Verirrung hin, und— nach kurzem Auf⸗* enthalt verließ er Leipzig und ging nach B.er in. Aber auch hier blieb er nicht lange, weil eins heftige Krankheit und nachfolgends Krank⸗ lichkeit ihn zum Gebrauche des Carlsbabes rieth. Dorthin begleiteten iön ſeins Aeltern. Wiederhergeſßtellt, begab er ſich im Auguſt 18i7 nach Wien; und von nun an begänn eine neue und ſtrahlende Epoche ſeines poetiſchen Lebens. Die glanzende Käjſerſtadt mit ihren i⸗ b teraͤriſchen Huͤlfsmitteln,äſthetiſchen Inſtituten und geſellſchaftlichen Cirkeln wirkte ſegrend auf den jungen Dichter. Der preußiſche Miniſter und Geſandte Wilhelm b. Hu mbold und der verdienſtliche Gelehrte Friedrich Schle⸗ gel, Goönnor und Freunde Leines Vaters, nah⸗ men den vielverſprechenden Jungling freundlich in ihre Haͤuſer auf; und die bekannte Dichterin Caroling P ichler geſtattete ihm gern den utritt in ihre äußerſ bildenden Geſollſchaften. Eu reizendes Mädchen feſſelte und begeiſterte zugleich ſein aanzes Weſen durch ihre Liebe, und die ſchönſten Traͤume von der Zukunft geſtalte⸗ ten ſich in ſeiner glucklichen Seole. Mit gewal⸗ tiger Kraſt⸗und kaum glaublicher Productivi⸗ tät bewogte er ſich in der Sphäre der Poeſie⸗ Mehrere dramatiſche Stücke, die Braut und der grüne Domino, der Nachtwachter, JToni, die Suhne erſchienen raſch auf einan⸗* der, und wurden auf dem Wiener Fheater mit 8 rauſchendem Veifall aufgeführt. Ihnen folgte ſeine muſterhafte Darſtellua des u gariſchen Leonidas, Zriny, ſoin erſchütterndes Drama Hedwig, ſein großes Trauerſpiel R oſamun⸗ de— Briny's wurdiges Seitenſtuͤck. Sein Ruhm war gegruͤndet; durch ihn hauptfaͤch⸗ b 13 lich, auch durch Kotzebue's Einfluß, erhielt er die ehrende Anſtellung als Theaterdichter in der kaiſerlichen Reſidenz⸗ und ſo ſicherte ihm die allgemeine Huldiguüg, die ſeinem Genius zu Theil wurde, zugleich ein feſtes Einkommen und eine ſorgenfreie Epiſtenz. Körner galt da⸗ mals fuͤr einen Guͤnſling des Gluͤcks, und gleichwohl— gewiß das ſprechendſte Zeugniß für die Liebenswürdigkeit ſeines Characters— hatte er nie uͤber Neid und Gabalen in ſeiner theatraliſchen Carriere zu klagen. Weit ent⸗ fernt, zu erſchloffen unter ſo günſtigen Ver⸗ haͤltniſſen, erhielt vielmehr ſeine ruͤſtiße Natur dadurch nur neuen Schwung. Aue Kräfte wur⸗ den aufgeboten, das Ziel immer hoͤher geſteckt, und nie verſchloß der Beſcheidene ſein Ohr ei⸗ ner belehrenden, warnenden, auffordernden Stimme, wenn ſie durch Geiſt, Kenntniſſe und Erfahrung, oder weibliche Anmuth ſich ſeine Achtung erworben hatte. 5— Aber ſchon lange hatte ber patriotiſche Kör⸗ ner im Stillen getrauert über den entehrenden Druck, unter weichem damals das Deutſche Va⸗ terland ſeufzte; und feſt ſtand ſein ſrommer Entſchlus, fuͤr Deutſchlands Erlöſung— wenn ſich Gelegenheit darbieten würde— ſtatt der Seter das Schwert zu ergreifen, und in die Reihen der Känpfendenzutreten. Die Schlacht von Aspern war damals ſein Troſt, Erzherzog Carl ſein Held. In Moskau's Flammen ſah duch Theodor mit ſo Vielen ſeines Volkes die Morgenroͤthe einer beſſern Zeit. Napoleon floh die Podoliſchen Steppen, Preußen ſtand auf, Preüßens Stimme rief zum Streite für das Heiligſte der Erde, fuͤr Freiheit und Vaterland, hallte wieder bis ins ferne Thal der Donau. 14 reudigen Muthes voll folgte Körner ſolchem Rufe.„Deutſchland ſtehet auf,— ſo ſchrieb er ſeinem Vater— der preußiſche Adler erweckt in allen treuen Herzen durch ſeine khnen Fluͤgel⸗ ſchläge die große Hoffnung einer deutſchen Frei⸗ heit. Meine Kunſt ſeufzt nach ihrem Vaterland, laß mich ihr würdiger Jünger ſeyn. Jetzt, da ich weiß, welche Seligkeit in dieſem Leben reifen kann; jetzt, da alle Sterne meines Gluͤcks in ſchoͤner Milde auf mich nieberleuchten: jetzt iſt es, bei Gott, ein wuͤrdiges Gefuͤhl, das mich treibt, jetzt iſt es die maͤchtige Ureherzengeng daß kein Opfor zu groß ſey für da hoͤchſte menſchliche Gut, für feines Volkes Freiheit. Eine große Zeit will große Herzen, und fühl' ich die Kraft in mir, eine Klippe ſeyn zu kön⸗ nen in dieſer Voͤlkerbranbung; ich muß hinaus und dem Wogenſturm die muthige Bruſt entge⸗ gendrücken. Soll ich in feiger Vegeiſterung mei⸗ üen ſiegenden Brüdern meinen Jubel nachleiern? Ich weiß, Du wirſt manche Unruhe erleiden müſ⸗ ſen, die Mutter wird weinen, Gott troͤſte ſiet cs Euch nicht erſparen. Daß ich mein eben wage, das gilt nicht viel; daß aber dieſes Leben mit allen Bluͤthenkraͤnzen der Liebe⸗ der Freundſchaft und der Freude geſchmückt jſt, und daß ich es doch wage daß ich die fuße Empfindung hinwerfe, die mir in der Ueber⸗ zeugung lebte,„Euch keine Unruhe, keine Angſt u bereiten““,— das iſt ein Opfer, dem nur ein ſeicir Preis entgegengeſteilt we'den darf.“— Am 19. Maͤrz 1813 trat er in Vreslau unter die Preiſchent des Majors von Lu ow, welche ſich damals bildete, und wurde mit ſei⸗ nen Waffenbruͤdern nach einigen Tagen in der Kirche zu Rochau bem heiligen Kampfe geweiht. 2 — Bald nachher zum Oberjäger erwählt, begleitete er ſeinen Major, vönPetersdorf, auf eie ner Geſchaͤftsreiſe, die ihn mehrere Tage früher, als ſeine Kampfgenoſſen, nach Dresden führte. Noch ein Mal druͤckte er Vater und Mutter, deren Segen er empfing, und alle ſeine Theuern an ſein flammendes Herz. Er ſchied,— um ſie auf Erden nicht wieder zu ſehen!— Die Luͤtzow ſchen Jager zogen dann nach Leipzig, wo unſer Koͤrner Lieutenant wurde, von da uber Deſſau und Zerbſt bis in die Ge⸗ 8eion Lenzen, Hier ſchloß ſich die Freiſchaar em Corps des Grafen von Walmoden an, ging mit vieſem über die Elbe, um die bei Danne⸗ berg ſtehendenFranzoſen anzugreifen, und wohn⸗ te. dem Gofecht an der Gorde(12. Mai) bei. Koͤrner zeichnete fich aus. Die Franzoſen wur⸗ den geſchkagen; Walmoden hielt es jedoch nicht für rathſam, ſeine Vortheile weiterzu verfolgen⸗ und ging mit allen ſeinen Truppen am3 uͤber die lbe zuruck. In Folge der Lutzener Schlacht an demſelben Tage ſah ſich das Lütoſberi⸗ volk unter Pekersdorfs Fuͤhrung in eine laͤſtige Jhatenloſigkeit verſetzt, und ſchwaͤrmte voll Un⸗ muth an der Elbe auf und ab. Tief empfand der kampfbegierige Korner das Druͤckende dieſer Lage; und kaum hatte er erfahren, daß Lützow mit ſeiner Reiterei, 4 Schwadronen Jaͤger und 5 Koſacken, einen Streifzug nach Thür ingen beabſichtigte, als er ſich dringend zum Dienſte bei der Cavallerie anbot, Lutzow, der ihn ſchaͤtzte, ewaͤhrte ihm die Bitte und ernannte ihn zu einem Adiutanten. Im Rücken des erbitterren Feindes zogen die ſchwarzen Reiter uͤher Eis⸗ leben, Burtſtädt und Schleitz nach Plauen; nicht ohne große Gefahr, denn dieſe Gegenden wim⸗ 16 melten von zerſtreuten Abtheilungen des Fran⸗ oͤſiſchen Heers, aber nicht ohne den gewunſchten Erfolg. Ueberall wurden C trriere aufgefan⸗ gen, Kriegs⸗ und Mundvpor ithe erbeutet oder erſiört, einzelne Abtheilungen des Franzoſen⸗ eers aufgehoben und deſſen wichtigſte Com⸗ municationen unterbrochen. Napoleon, auf⸗ hieruͤber, ſchwur der verwegenn chaar den Untergang. Das Mittel dazu war— ſcheußlicher Verrath. Lützow hatte in Plauen Jom Abſchluß des Waffenſtillſtandes ſichere Nachricht erhalten⸗ Sogleich ſtellte er alle feindſelige Bewegungen ein, und, natürlich keinen Widerſtaud erwärtend, wählte er den geradeſten Weg um Räckmarſch, zur Vereinigung mit. ſeinem Corps. Er erhielt auch von dem feindlichen Beſehlshaber die be⸗ rühigendſten Zuſicherungen und gelangte unge⸗ hindert bis Kitzen, einem Dorfe inder Naͤhe von Leipzig. Hierfah er ſich aber plötzlich von einem Heerhaufen Franzoſen umſtellt und verraͤthe⸗ riſch bedroht. Theod. Körner wurde von Lützow der Haupkcolonne der Feinde als Parlamentär entgegengeſchickt, um Aufklärung üher ein ſol⸗ ches Beginnen zu verlanaen. Als ſolcher, unvor⸗ bereitet auf einengewaltſamen Angriff, den Sä⸗ bel in der Scheide, ritt er auf den commandi⸗ renden Officior zu und redete ihh an ſtatt der Antwort hieb ihn dieſer Bube uͤber den Kopf, und nur die Schnelligkeit ſeines Pferdes rettete den Verwundeten in das nahe Gehoͤlze. In demſelben Augenblick drangen die zofach ſtaͤrkern anzoſen von allen Seiten auf die ſchwarze chaar ein, ehe dieſe noch den Saͤbel gezogen hatte, und nur mit heldenmuͤthiger Anſtrengüng gelang es Luͤtzow, mit einem Theile ſeiner Leute 17 ſich durchzuſchlagen unb das rechte Elbufer u erreichen. Der Reſt des Corps fiel als ein pfer dieſer ſchändlicken Verrätherei, oder wur⸗ de gefangen. Einige der Franzoͤſiſchen Reiterei hatten Körner nach dem Gehölze verfolgt; ſchon waren ſie ihm nahe; Entrinnen ſchien unmög⸗ 4 lichz da rettete ihn eine foltene Geiſtesgegen⸗ wart. Er rief aus voller Leibesbraft in den Wald hinein das Commando;„Die vierte Escadron foll vorruͤcken!“ Die Feinde ſtutzten, kehrten um, und, als ſaͤhen ſie ſchon eine Schwadron der gefuͤrchteten Schwarzen herangalloppiren, ſchwenkten ſie und ergriffen eiligſt die Flucht. Indeſſen war es dunkel geworden, und der vom Blutverluſt Ermattete ſuchte ſich im Dickicht ſo gut als moͤglich zu verbergen. Hier lag unſer Koͤrner, und erwartete den Tod. Seine letzten Kräfte ſchwanden, er ſank in ohnmächtigen Schlummer. Aber ſeine kräf⸗ tige Natur ſiegte, und als er am Morgen er⸗ wachte, ſab er Vauern vor ſich ſtehen, die ihm Veiſtand anboten. Er dankte bieſe wunderbare Huͤlfe einigen Cameraden, die auf ihrer Flucht durch den Wald Lanbleute getroffen und dieſen gefagt hatten, einer ihrer Officiere lage verwun⸗ det im Gehoͤize, ſie moͤchten ihn aufſuchen, er wuͤrde ſie gewiß reichlich belohnen. Von dieſen wurde unſer Körner in Sicherheit gebracht und gepflegt, gelangte dann unter Freundeshuͤlfe nach Leipzig und von da nach Carlsbad⸗ wo er vierzehn Tage lang den beſten aͤrztlichen Beiſtand und die treueſte Sorgfalt fuͤr ſeine vollige Geneſung fand. Nachdem er hieraufnoch einige Zeit in Berlin zugebracht hatte, kehrte er mit alter Kraft und Kampfluſt zuruck zu ſeinen Reitern, welche am rechten Ufer Koͤrners Ged. 2 18 der Elbe oberhalb Hamburg des Wie⸗ derausbruchs der Feindſeligkeiten harrten. Sie empfingen den Tobtgeglaubten mit dem freu⸗ digſten Jubel, Endlich erſchien der 12. Auguſt, der Waffenſtillſtand war zu Ende. Die räche⸗ Si Schaar erhielt den ien Vor⸗ poſtendienſt, und war von nun an täglich im Kampf⸗ beſtand ſie, und mit ihr unſer Koͤrner, mehrere Gefechte gegen die Fränzoſen, welche damals unter Dapoüſts Führung des Landes Geißel waren. ätt⸗ den 28. Au⸗ guſt zur Ausführung eines kuͤhnen, Sz im Rücken der Feinde beſtimmt. Am Abend er⸗ reichte die Freiſchaar einen Ort, wo für ein it ment Franzoſen Quartier und Verkoſtigung be⸗ ſtellt war. ie Schwarzen ſetzten ſich an die für die Feinde gedeckten S⸗ und trabten geſaͤt⸗ tigt und geſtärkt weiter bis in die Naͤhe von Roſenberg. Hier, in einem wurde Halt gemacht und Kundſchafter ausgeſchickt, um ein, ein paar Stunden weiter befindliches Beher der Franzoſen zu recognosciren, deſſen Ueberrumpelung man bezweckte. Waäͤhrend mar auf die Ruͤckkehr der Kundſchafter harrte, ge⸗ wahrten ein Paar im Dorngsbuſch einer naher Anhoͤhe lauernde Koſacken um7 Uhr Morgent einen feindlichen Transport von Munition unt Lebensmitteln, begleitet von zwei Compagniet Fußſoldaten. Syareic beſchloß man, ihn auf zuheben. 100 Koſacken ſollten den Feind por vorn angreifen, Luͤtzow ſelbſt wollte mit eine halben Schwadron der Schwarzen dem Feind in die Flanke ſe⸗ die andere Haͤlfte mußt als Reſerve geſchloſſen halten. Körner war, al Adjutant, dem Mgjor zur Seite. Eine Stund zuvor entſtand, während der Raſt im Gehoͤlze 19 der Schwanengefang unſers Dichters, bas Schwertlied. Am dammernden Morgen des 29. Auguſts hatte er es in ſein Tagebuch geſchrie⸗ ben, und las es einem Freunde vor, als das Zei⸗ chen 6 Angriff gegebenwurde. Auf der Straßr von Gadebuſch nach Schwerin, nicht weſt von einem Gehoͤlze, kam es zum Gefecht. Dir feindlichen Truppen, obſchon zahlreicher, als man geglaubthhatte, flohen in's Gebuͤſch. Koͤr⸗ ner warunter den kuͤhnſten Verfolgernz aber die Tirailleurs ſandten ihnen aus dem Dickicht einen Regen von Flintenkugeln entgegen. Eine der⸗ ſelben durchbohrte den Hals von Fhrzats Pferd, dänn ihm ſelbſt den Unkerleib und traf die Leber und das Ruͤckgrat. Dem Jodtlichgetroffnen ent⸗ ſchwand augenblicklich Sprgche und Empfin⸗ bing. Einige Augenblicke ſpäter, und der herv⸗ liche ſnglng war verſchieden. Er hatte den ſchönſten Tod gefunden, den Tod, den er oft mit Begeiſterung in ſeinen unſterblichen Liebern ge⸗ rieſen,— den Tod im heiligen Kampfe fuͤr das zaterland.— Mit Eichenlaub geſchmückt wurde die theure Leiche bei dem Dorfe Wöbbelin unter einer alten Eiche feierlich und ehrenpoll beſtattet von ſeinen Kampfgenoſſen, die den Na⸗ men des Verewigten in deren Rinde gruben. Jett iſt die Grabſtäkte des heiligen Saͤngers und elden mit einer Mauer eingefaßt, und hoch ber ſie erhebt ſich ein in Eiſen gegoſſenes Denk⸗ mal. Koͤrners einzige Schweſter, welche im Maͤrz 1815 dem geliebten Prüder aus Gramuber ſeinen Verluſt nachfolgte, ruht an ſeiner Seite. ————— und kraͤftiger Geiſt hatte unſern Körner beſeelt, tief religibs war ſeine Empfin⸗ 2* 20- dung, feſt und unerſchütterlich ſein Glaube. Die innigſte Kindesliebe zu ſeinen würdigen Aeltern durchdrang ihn bis an dieblutige Graͤnze ſeines jugendlichen Lebens, dem Freunde warerFreund mit ganzer Seele. Aber das Höchſte auf Erden war ihm die Idee des Vaterlands und ſeiner Rettung,— darin erkannte er den heiligſten Leitſtern ſeines Strebens, dafürentſagteer gern allen Genuͤſſen und Vortheilen des Lebens, da⸗ fuͤr zog er das Deutſche Schwert, dafuͤr ſtarb er als Held im Kampfe.— Zwei Gattungen der Poeſie ſind es, in denen dieſer gefeierte Dichterheld hauptſaͤchlich ſich her⸗ vorthat: die dramatiſche und die lyriſche. Als Schauſpieldichter zeichnete er ſich waͤhrend ſeines Aufenthalts in Wien aus, und ſeine Dramen tragen alle das Gepräge der Originalikät, der Reinheit in Gedanken und Gefuͤhlen, des ho⸗ ben— oft mehr lyriſchen, als dramatiſchen— Talents. Lieblich und anziehend iſt de rune Domino, die Braut und der acht⸗ waͤchter, der Vetter aus Bremen, der Wachtmeiſter und die Gouvernante⸗ Fdel und erhaben iſt ſein heroiſches Drama. Soni, die Sühne, Zriny und dazu das wuͤrdige Seitenſtuͤck Roſamunde, Hedwi 4 und Joſeph Heidrich beurkunden die of bewundrungswuͤrdige Geſchicklichkeit ihres Ver⸗ faſſers, ſelbſt die ſchwierigſten Aufgabenzu loöſen. Auch einige Opern, das Fiſchermädchen, den vierjährigen Poſten, die BVerg⸗ knappen, einen Theil der Nuͤckkehr des ulyffes detzteres für Bethovens Compoſition beſtimmt) ſchrieb Körner, ebe er dem Rufe des reiheitskrieges folgte— Seine theatraliſchen rbeiten findet man in den bramatiſchen 2¹ Beiträgen, 2 Bde. Wien, 1814, unb in ſei⸗ nem poetiſchen Rhß Leipzig, 1814. deſſen erſter Theil Zriny und Roſamunde ent⸗ hält. Durch die Herausgabe dieſes Nachlaſſes (in 2 Bänden), ſo wie durch eine Sammlung von 5* ſeiner kriegeriſchen Gedichte unter dem Fitet: Leier und Schwert, 6te Aufl. Ber⸗ lin, 1824) hat Koͤrners Vater dem Fruͤhverbli⸗ chenen zwei Denkmaͤler geſetzt, welche ſeinem Namen noch dann Bewunbrung und Unſterblich⸗ keit verbuͤrgen werden, wenn däs eiſerne Monu⸗ ment ſeines Grabes ſchon längſt verſunken iſt. Leier und Schwert be eiſterten Tauſend und aber Fauſend der Deutſchen Männer und Juͤnglinge in jenen wohl nimmer wiederkehren⸗ den ſchoͤnen Tagen des Erwachens Deutſcher Volksgefuͤhle zur aufopfernden Theilnahme am heiligen Kampfe, unter deſſen Stuͤrmen und Wogen die erhabenſten,kräftigſten, geiſtvollſten, tiefſinnigſten Lieder unſers Barden und Helden groͤßtentheils entſtanden ſind. „Sie alle, ſagt Tiedge,„tragen in einem vorzuͤglichen Grade ein Gepräge von Originali⸗ tät, alle athmen ein zartes, tiefes Gefuͤhlz“ ihre Veredtſamkeit, ſetzen wir hinzu, iſt maͤchtig, wie die Wogen des angeſchwollenen Bergſtromes⸗ und reißt den Leſer unwiderſtehlich zu des Dich⸗ ters Begeiſterung mit fort. Indem, was Tiedge unter einer zu laut tönenden be⸗ griffen wiſſen will, haben wir nichts dem Dichter⸗ verdienſte Körners Abbruch Thuendes gefunden. Gluͤcklicher fagt jener Kritiker:„Gluͤhende Va⸗ terlandsliebe, hoher Sinn für Freiheit, brennen⸗ der Haß gegen Unterdruͤckung und Tyrannei, hef⸗ tiger Unwille und tiefe Verachtung gegen feige und ſckaviſche Hingebung; dann aber auch die 22 sarteſten Gefühle fuͤr ſeine Lieben, ein trium⸗ Phirender Glaube an Gott und eine helle Zuper⸗ ſicht fuͤr die Sache des Rechts, ſind die Ele⸗ mente, aus denen Korners Poeſien hervorgin⸗ gen, die das Schickſal des Verfaſſers und durch die Entwickelung der merkwuͤrdigen Begebenheiten, denen ſie ihre Entſtehung dan⸗ ken, eine gewiſſe poetiſche Peredtſamkeit erhal⸗ ten, welche des Leſers Gefuͤhl tief ergreift. Bei allerHeldenfreudigkeit, die den dichtenden Geiſt des Verfaſſers hebt, und bei aller Siegeshoff⸗ nung, die in den ſeelenvollen Tönen des herr⸗ lichen Saͤngers athmet, herrſcht dennoch uͤberall in ſeinen Geſaͤngen eine dunkle Todes ahnung, die leider nur zu bald in Erfuͤllung gegangen iſt. Mit doppelter Gewalt dringen jetzt die Worte der Zueignung von Leier und Schwert; „Sollt' ich einſt im Siegerheimzug feh⸗ len u, ſ, w.“ an des Leſers Herz, und wir haben nun auf ihn anzuwenden, was er dem entflohenen Pel⸗ dengeiſt Ludwig Ferdinands nachſang; Kunſt und Leben hat den Kranz gewunden, Puf die Locken drückte ihn der Tod, Deinen Grabſtein kann die Zeit zermalmen, Doch die Lorbern werden dort zu Palmen,“ Meysr⸗ 6 — — — ₰ — 5 — — S — — S —— ———— Das Wunderbluͤmchen. — Ein Blümchen bluͤht an ſtillen Quellen, Und athmet ſuͤßen Lebensduft; s badet ſich in klaren Wellen, Und munter mit des Fruͤhlings Schwellen Regt ſich die Knospe in die Luft. Schon gruͤnt die Flur mit ſüßem Prangen, Und Freude faͤrbt die zarten Wangen. Es ſtrahlt der Lenz auf tauſend Zweigen, Froh hat ſich die Natur verjungt. Die Jugend ſchlingt den muntern Reigen, orch, wie dort durch des Haines Schweigen as ſüße Lied der Vögel klingt; Doch ſchoͤner, als der Klang im Liede, Färbt ſich am Quell die zarte Bläthe. Und Sommer wirds im jungen Leben, Und kuͤrzer weilt die kuͤhle Nacht, Und feuriger wird jedes Streben; Es keimt die Kraft in zarten Reben, Es ſtrahlt das Feld mit goldner Pracht; Die Knospe wilk die Huͤlle ſpalten, Zur Blume herrlich ſich entfalten. Und höher ſteigt ber Lauf der Sonnen, Es gluͤht im dichtbelaubten Thal, Des Nebels Dünſte ſind zerronnen, Bertrocknet ſtirbt der klare Bronnen, Der Quell verſiegt im Sonnenſtrahl; Doch friſcher noch in Jugendfuͤlle. Entfaltet ſich des Bluͤmchens Huͤlle. Des Spaͤtjahrs Kuͤhle koͤmmt gezogen, Reif glänzt der Traube Gold brtot Die Sonne ſinkt am Himmelsbogen, 1 Es quillt, im Innern auferzogen, Nus Bluͤthentod die Frucht hervorz 4 Doch ewig ſchön im zarten Kleide Mahlt ſich des Bluͤmchens ſüße Freube. Da zieht die Schwalbe durch die Felber, Die Biene zehrt vom Fruͤhlings⸗Raub⸗ s pfeift die Windsbraut durch die Wälder, ie Purpurrebe faͤrbt die Kelter, Und taſchelnd fällt das duͤrre Laub; Doch frei vom ernſten Weltgeſetze, Enthuͤllt das Bluͤmchen ſeine Schaͤtze. Da ſtürzt ſich mit der eh'rnen Kette S3 vom Gebirg der Winter los, Er macht die Welt zur Grabes⸗Stätte, Und mit des Eiſes Silberglätte Umfeſſelt er der Erde Schöoß, Und mordet auf den kahlen Fluren Des zarten Lebens letzte Spuren. Doch, wie vom Götterblut empfangen, Regt ſich des Bluͤmchens ſuͤße Pracht. Es ſtrahlt empor mit Gluthverlangen, Unb ſchmückt die Welt mit Fruͤhlings⸗Pra ſind htet die gevelpee ot6 Aufglühend in des Himmels Freie: Das Blümchen ew'ger Liebestreue. ℳ Die Liehe. 1. Das Kind erwacht an zarten Mutterhruͤſten; Die Liebe, die im treuen Arm es hält, Sie fuͤhrt es lächelnd in die neue Welt, Eh' ſich zum ſchweren Kampf S Stunden üſten⸗ Noch fuͤhlt es nur ein froöhliches Geluſten, Und, was ſich freundlich ihm entgegenſtellt⸗ Dem Reich der Liebe wird es beigeſellt; ief muß ſie in dem zarten Herzen niſten. Der Knabe ſchwarmt mit heißerem Gefühle Durch Berg' und Thaͤler Feihi ih ſein Ge⸗ müthe. „Der neue Morgen i ihm neue Luſt, Und jeder Schmetterling iſt ſein Geſpiele, Und ſeine Schweſter jede Fruͤlingsbluͤthe; Der Liebe ſtille Kraft keimt in der Bruſt. Kaum iſt er jetzt dem Knabenſinn entronnen, So will er ſchon die ſtolze Bahn erſteigen⸗ MWit kuͤhner Fauſt das hoͤchſte Zjel erreichen, Es ſchweift der Blick nachunentdeckten Sonnenz Doch Liebe tritt mit allen ihren Wonnen Sn ſeine Vahn, die wilden Stürme ſchweigen; er ſtolze Sinn muß ſich der Anmuth beugen⸗ In Sehnſucht iſt die kuͤhne Kraft zerronnen. Zur hellen Flamme wird der ſtille Funken; Nur Eins kann ihn verderben und begluͤcken, Und Eins nur lichtet ſeiner Seele Nacht. Sein Streben iſt in ihren Blick verſunken, Und in des Herzens ſeligſtem Entzuͤcken Entfaltet ſich der Liebe heil'ge Pracht. 3. Doch ſchwer zum Kampfe rüſtet ſich die Zeit⸗ Und feindlich kommt die Stunde angezogen. trogen, und daß der Wille nicht der That gebeut. Und wie des Meeres Vrandung tobt der Streit,— hmſonſt bekaͤmpft er die emporten Wogen.— Da kommt ihm Liebe hülfreich zugeflogen, Reicht ihm die Götterhand:— er iſt befreit! Von ihr, in heil'ger Weihe eingeſegnet, Steht er, der Einziggluͤckliche der Welt, Und ien muß die Nacht im Innerntagen— Von Allem, was ihm freundlich hier beh Von Allem, was der Gott ibm eß Hat Liebe ihm die ſchoͤnſte Frucht getragen. 4. Geläutert iſt der Seele kuͤhnes Streben, Es kann die Zeit die innern Kaͤmpſe ſchlichten; Das Herz kann ſeine Sehnſucht nicht ver⸗ nichten, Die Liebe bannt ihn hoffend noch ans Leben, Da fuͤhlt der Mann, daß ihn ein Wahn be⸗ 29 Und gern vertraut er ihr mit leiſem Beben; Denn ſeines Grabes Dunkel wird ſie lichten, Und, offenbart in gottlichen Geſichten, Muß ihndes nahen MorgensLicht umſchweben. Dann ſteht ſie freundlich ihm zu ſeiner Rechten Und ſegnet ſeine That mit heil'gen Worten, Daßnichts den ſchönen Blickder Hoffnung trube⸗ Da ſchwingt derGeiſt ſich auf aus Erdennächten, Der Seraph öffnet ihm die Himmelspforten⸗ Und ruft ihm jauchzend zu: Gott iſt die Liebe. Das war ich. Jängſ träumte mir, ich ſah' auf lichten Hohen Ein Maͤdchen ſich im jungen Tag ergehen, „ So hold, ſo ſuͤß, daß es Dir voͤlkig glich, Und vor lag ein Jungling auf den Knieen, Er ſchien ſie ſanft an ſeine Bruſt zu zſehen, Und das warich! Doch bald verändert hatte ſich die Scene. In tiefen Fluthen ſah ich jetzt die Schöne, Wie ihr die letzte ſchwache Kraft entwich. Da kam ein Juͤngling huͤlfreich ihr geflogen, Er ſprang ihr nach, undtrug ſie aus den Wogen, Und das warich! So mahlte ſich der Traum in bunten Zuͤgen, Und uͤberall fah' ich die Liebe ſiegen, nd Alles, Alles dreh te ſich um Dich! u floaſt voran in ungebundner Freie, er Juͤngling z0g Dir nach mit ſtiller'Treue, Und das warich! lnd als ich endlich aus dem Traum etwachte, Der neue Tag die neue Sehnſucht brachte, „ Da blieb Dein liebes ſüßes Bild um mich⸗ Sch ſah' Dich von der Kuͤſſe Gluth erwarmen, S ſah' Dich ſelig in des Juͤnglings Armen⸗, Und das warich! Da tratſt Du endlich auf des Lebens Wegen Wit holder Anmuth freundlich mir entgeßen, Und tiefe, heiße Sehnſucht faßte mich. Sah ſt Du den Juͤngling ni ſ trunknen 5 Serſet ſein er ſeligen Entzücken! h nddas war DBaſ mich in ben Kreis des höhern Lehens, In Bir vermäͤhlt ſich alle Kraft des Strebens⸗ Und alle meine Wünſche rufen Dich. at Einer einſt Dein Herz davon getragen, rft ich nur dann mit lautem Muͤnde ſagen! a, das war ich! w Das warſt Du. Der Morgen kam auf roſigem Geſieber⸗ Und weckte mich aus ſtiller Ruh, Da weh'te ſanft Begeiſt rung zu mir nieber, Ein Ideal verklaͤrten meine Lieder, Und das warſt Du⸗ 31 Balb abet warf in heißer Mittagsſchwuͤle Die Sonne ihre Gluth mir zu; Da ſchwoll die Bruſt im hoͤheren Gefuͤhle. Mein ganzes Streben flog zu einem Siele, Und das warſt Du! Doch endlich weh'te den durchgluͤhten Fluren Der Abend ſuße Kühlung zu, nd nur ein Bild in duftigen Conturen Umſchwebte mich auf leiſen Geiſter⸗Spuren. Und das wärſt Dul Und aus dem Meere kam die Nacht geſtiegen, Und lockte mich zur ſuͤßen Ruh; 5 Da traͤumt ich,hold an ſchöner Bruſt zu liegen, In eines Maͤdchens Armen mich zu wiegen, Und das warſt DBu! Doch ach! das ſchöne Bilb warb mir entriſſen, Die Welt der Traume ſchloß ſi laß mich wachend jetzt das Gl ckgenießen, Dann ſuß ich laut, durchglüht von Deinen Kuͤſſene Fal das warſt Du! 5„ Sehnſucht der Liebe. Wi⸗ die Nacht mit heil'gem Beben Auf der ſtillen Erde liegt! ie ſie ſanft der Seele Streben, Leppige Kraft und volles Leben In den ſuͤßen Schlummer wiegt! Aber mit ewig neuen Schmerzen Regt ſich die Sehnfucht in meiner Bruſt. Schlummern auch alle Gefuͤhle im Herzen⸗ Schweigt in der Seele Qual und Luſt:— Sehnſucht der Liebe ſchlummert nie, Sehnſucht der Liebe wacht ſpat und fruͤh. Leiſ⸗, wie Aeolsharfen⸗Föne, Weht ein ſanfter Hauch mich an. old und freundlich glaͤnzt Selene nd in milder, geiſt'ger Schone Geht die Nacht die ſtille Bahn. Aher auf kähnen, ſtͤrmiſchen Wegen Fähr die Liebe den trunkenen Sinn. ie alle Kraͤfte gewaltig ſich regen! ch! und die Ruhe der Bruſt iſt dahin! Sehnſucht der Liebe ſchlummert nie, Sehnſucht der Liebe wacht ſpaͤt und früh. Jief, im ſüßen, heil'gen Schweigen, Ruht die Welt und athmet kaum, uünd die ſchoͤnſten Bilder ſteigen Aus des Lebens bunten Reigen⸗ ünd lebendig wird der Traum. Aber auch in des Traumes Geſtalten Winkt mir die Sehnſucht, die ſchmerzliche, zu. Und ohn' Erbarmen, mit tiefen Gewalten, Stört ſie das Herz aus der wonnigen Ruh⸗ Sehnſucht der Liebe ſchlummert nie, Sehnſucht der Liebe wacht ſpät und fruͤh. So entſchwebt der Kreis der Horen, Bis der Tag in Oſten graut, Ba erhebt ſich, neugeboren, Fus des Morgens Roſenthoren Gluͤhendhell die Himmelsrbaut. 33 Aber die Sehnſucht in meinem Herzen Iſt mit dem Morgen nur ſtaͤrker erwacht. Ewig verjungen ſich meine Schmerzen, Suälen den Tag und quälen die Nacht. Sehnſucht der Liebe ſchlummert nie, Sehnfucht der Liebe wacht ſpät und fruͤh. V Zur Nacht. — Gute Nacht! Allen Müden ſep⸗ gebracht. eigt der Tag ſich ſtill zum Ende, kuhen alle fleiß'gen Hände, Bis der Morgen neu erwacht. Gute Nacht! Geht zur Ruh, Schließt die müden Augen zu! Sriller wird es auf den Straßen, Und den Wächter hoͤrt man blaſen. Und die Nacht ruft Allen zu: Geht zur Ruh! Schlummert ſuͤß!. Fräumt euch euer Paradies. Wem die Liebe raubt den Sey ein ſchoner Traum beſchieden, Als ob Liebchen ihn begrüß'. Schlummert fuß! Roͤrners Ged. 3 Gute Nacht! Schlummert, bis der Tag erwacht, Schlummert, bis der neie Morgen Kommt mit ſeinen neuen Sorgen, Dhne Furcht, der Vater wacht“ Gute Nacht! Treuroͤschen. Es war ein Jäger, wohl keck und kuͤhn, Der wußte ein ſchones Roͤschen bluͤhn, DBas hielt er höher, als Gut und Gold; Es wurd' ihm im Herzen gar licht und hold,, Wenn er nur Treurdschen ſah⸗ Trala, Trala, Trala. und wenn der Abend die Flur bethaut, Da zog der Jäger zur ſuͤßen Braut; S hinauf mit Sing und Sang⸗ Mit Liederton und Hoͤrſerklang, Bis er Treuröschen ſah. Trala, Trgla, Trala. „Treurdschen, Treurdschen! Hörſt du das Lieb, Wo nur dein Name leht und bluͤht? Voruͤber iſt das bräutliche Jahr, Vald fuͤhr ich Treuroschen zum Traualtar, Da ſpricht Treuröschen: Ja!““ Trala, Trala, Trala. 5 35 Und wie er vom Pferbe geſprungen iſt, So ſitzt er bei Liebchen und ſchezt und kuͤßt, Und ſcherzte bis um Mitternach In ſtiller, heitrer Liebespracht, Treurdschens e ſo nah. Trala, Trala, Trala. Die Sternlein verbleichen, der Morgen graut, Der Jäger kehrt heim von der ſüßen raut, Und ſgt hinab durch Wald und Flur, Und folgt einem Hirſch auf fluͤchtiger Spur, So ſchön, wie er keinen noch ſah. Trala, Trala, Trala. Und der Hirſch vom hohen Felſenſtein Springt blind in das Klippenthal hinein, Und hinter ihm ſtuͤrzt ins tiefe Grab Das wüthende Pferd mit dem Reiter hinab Kein Auge ihn wieder ſah. Trala, Trala, Trala. Und wie der Abend den Thau geweint, So harret Treuroͤschen auf ihren Freund, Und harret und hofft auf Sing und Sang, Auf Liederton und Hornerklang; Den Buhlen nicht kommen ſah. Trala, Trala, Trala. Und als es kam um Mitternacht, Treurdschen noch kraurig im Bette wacht, Sie weinte ſich die Aeuglein roth: „Was laͤßt du mich harren in Angſt und Noth? Lieb Buhle, biſt du noch nicht da?“ Trala, Trala, Trala. 3 36 Und auf ein Mal hort ſie Sörnerktang, Und es flüſtert ihr leiſe, wie Geiſterklang: „Komm Liebchen, biſt mir angetraut, „Das Bett iſt bereitet⸗ komm, roſige Braut, „Der Buhle iſt laͤngſt ſchon da!“ Trala, Trala, Trala. Da faßt ſie ein Schauer, ſo eiſig und kalt, Und ſie fuͤhlt ſich umarmt von Geiſtergewalt⸗ Und heimlich durchweht es ihr bebendes Herz⸗ Wie Hochzeitluſt und Todesſchmetz, Und zitternd fluſtert ſie:„Ja!“ Trala, Trala, Trala. Da ſtockt das Blut in der klopfenden Bruſt, Da bricht das Herz in Todesluſt; Und der Jaͤger fuͤhrt heim die roſige Braut⸗ Dort oben iſt er ihr angetraut, Treurdschen's Hochzeit iſt da! Trala, Tralä, Trala. n 2 Worte der Liebe. — Worte der Llebe, jhr früſtert ſo füß, Wie Zephyrswehen im Paradies, Thr klingt mir im Herzen nah und fern; orte der Liebe, ich trau' euch ſo gern, Streng mag die Zeit, die feindliche, walten, Barf ich an euch nur den Glauben behakten. 37 Wohl giebt es im Leben kein ſuͤßeres Glück, Als der Liebe Geſtaͤndniß in Ltehchens Blickz Wohl giebt es im Loben nicht hoͤhere Luſt, Als Freuden der Liebe an liebender Bruſt. Dem hat nie das Leben freundlich begegnet, Den nicht die Weihe der Liebe geſegnet⸗ Doch der Liebe Glück, ſo himmliſch, ſo ſchön, Fann nie ohne Glauben an Tugend beſtehnz Der Frauen Gemuth iſt rein und zart, Sie haben den Glauben auch rein hewahrt. Drum traue der Liebe, ſie wird nicht luͤgen, Denn das Schöne muß immer, das Wahre muß ſiegen. Und flieht auch der Fruͤhling d5 Leben 3 vorbei, So bewahrt den Glauben doch ſtill und treu. Er lebt, wenn hier Alles geh und zerfällt, Wie ein Strahl des Lichts aus derbeſſern Welt⸗ Und tritt auch die Schöpfung aus ihren Schran⸗ ken, Der Glaube an Liebe ſoll nimmer wanken. Drum fluͤſtert ihr Worte der Liebe ſo fü Wie Zephyrswehen im Paradies, Drum klingt im Herzen noch nah und fern, Drum, Worte der Liebe, drum trau' ich euch aern Und wenn im Leben nichts Heili enn ge bliebe, Sch will nicht verzagen, ich glaube an Liebe. „ Harras, der kuͤh ne Springer. Anmerk. Eine alte Volksſage erzählt die kub⸗ ne That dieſes Ritters, und noch heute zeigt man bei Lichtewalde im Säaͤchſiſchen Erzge⸗ birge die Stelle, die man den Harrasſprung nennt. Am ufer ſteht jetzt zwiſchen zwei alten ehrwuͤrdigen Eichen, der ſteilen Felſenwand gegenuͤber, ein Denkmal mit der Inſchrift: „Ritter Harras, der kühne Springer.“ Nog harrte im heimlichen Dämmerlicht Die Welt dem Morgen entgegen, Poch erwachte die Erde vom Schlummer nicht, Da begann ſichs im Thale zu regen. Und es klingt herauf, wie Stimmengewirr⸗ Wie fluͤchtiger Hufſchlag und Waffengeklirr, Und tief aus dem Wald zum Gefechte Sprengt ein Fähnlein gewappneter Knechte. und vorbei mit wildem Ruf fliegt der Troß, Wie Brauſen des Sturm's und Gewitter, ünd voran guf feurig ſchnaubendem Roß Der Harras, der müthige Ritter. Sie jagen, als gält'es den Kampf um die Welt⸗ Kuf heimiichen Wegen durch Flur und Feld, Den Gegner noch heut' zu erreichen, ünd die feindliche Burg zu beſteigen. So ſtürmen ſie fort in des Waldes Nacht Durch den froͤhlich aufgluͤhenden Morgen; Doch mit ihm iſt auch das Verderben etwacht⸗ Es lauert nicht länger verborgen⸗ 39 Denn plötzlich bricht aus dem Hinterhalt Der Feind mit doppelt ſtaͤrk'rer Gewalt, Das Huͤfthorn ruft furchtbar zum Streite Und die Schwerter entfliegen der Scheide. Wie der Wald dumpfdonnernd wieder erklingt Von ihren gewaltigen Streichen! Die Schwerter klingen, der Helmbuſch winkt Und die ſchnaubenden Roſſe ſteigen. Aus tauſend Wunden ſtrömt ſchon das Blut, Sie achtens nicht in des Kampfes Gluth, Und Keiner will ſich ergeben, Denn Freiheit gilt's, oder Leben. Doch dem Haͤuflein des Ritters wankt end⸗ lich die Kraft, Der Uebermacht muß es erliegen. Das Schwert hat die Meiſten hinweggerafft, Die Feinde, die maͤchtigen, ſiegen. Unbezwingbar nur, eine Felſenburg, Kaͤmpft Harras noch und ſchlägt ſich durch, Und ſein Roß traͤgt den muthigen Streiter Durch die Schwerter der feindlichen Reiter. Und er jagt zuruͤck in des Waldes Nacht, Jagt irrend durch Flur und Gehege; Denn fluͤchtig hat er des Weges nicht Acht, Er verfehit die kundigen Stege: Da hoͤrt er die Feinde hinter ſich drein, Schnell lenkt er tief in den Forſt hinein, Und zwiſchen den Zweigen wird's helle, Und er ſprengt zu der üichteren Stelle. Da haͤlt er auf ſteiler Felſenwand, Hoͤrt unten die Wogen brauſen. Er ſteht an des Zſchopauthals chwindelnden an Wnd blickt hinunter mit Grauſen. Aber druͤben, auf waldigen Pergeshöh'n, Sieht er ſeine ſchimmernde Feſte ſtehn. Sie blickt ihm freundlich entgegen, ind ſein Perz pocht in lauteren Schlägen. Ihm iſt's, als ob's ihn hinuͤber rief'“ Doch es fehlen ihm Schwingen und Flügel⸗ Und der Abgrund, wohl funfzig Klaftern tief, Schreckt das Noß, es ſchäumt in den Zugel; Und mit Schauder denkt er's und blickt hinab, Und vor ſich und hinter ſich ſieht er ſein Grabz Er hoͤrt, wie von allen Seiten Ihbn die feindlichen Schagren umreiten. Noch finnt er, ob Tod aus Feindes Hand⸗, Ob er Tod in den Wogen erwahle; Dann ſprengt er vor an die Felſenwand, Und befiehlt dem Perrn ſeine Seele. Und näher ſchon hort er der Feinde Troß, Pber ſcheu vor dem Abgrund haumt ſich das Roßz Doch er ſpornts, daß die Ferſen bluten, Und er ſetzt hinab in die Fluthen. Und der kühne, graͤßliche Sprung gelingt⸗ Ihn beſchuͤtzen hoöh re Gewalten, Wenn auch das Roß zerſchmettert verſinkt, Der Ritter iſt wohl erhalten,. Und er theilt die Wogen mit kräftiger Hand⸗ Und die Seinen ſtehn an des Ufers Rand, Und begrüßen freudig den Schwimmer. Gott verlaͤßt den Muthigen nimmer. 41 Trinklied. Kommt Brüder, trinket froh mit mir, Seht, wie die Becher ſchäumen! Bei vollen Bechern wollen wir Ein Stündchen ſchön verträumen. Das Auge flammt, die Wange glüht, In kuͤhnern Tönen rauſcht däs Lied, Schon wirkt der Gotterwein!— Schenkt ein! Doch was auch tief im Herzen wacht, Das will ich jetzt begrüßen. Dem Liebchen ſey dies Glas gebracht, Der Einzigen, der Süßen! Das hoͤchſte Gluͤck fur Menſchenbruſt, Das iſt der Liehe Goͤtterluſt; Sie traͤgt Euch himmelan! Stoßt an! Ein Herz, in Kampf und Streit hewäͤhrt, Bei ſtrengem Schſckſals-Walten. Ein freies Herz iſt Goldes werth. Das müßt ihr feſt erhalten. Vergaͤnglich iſt des Lebens Glück, Drum pflückt in jedem Augenblick Euch einen friſchen Strauß! Trinkt aus! „Jetzt ſind die Gläſer alle leer, Fiut W ice 5 wogt im Herzen hoch und hehr Ja, wir ſind alle Bräder. Von einer Flamme angefacht,— Dem Deutſchen Volke ſeys gebracht, Auf es gluͤcklich ſey⸗ Und frei⸗ Wo dort die alten n ſtehn, Und licht im Abendroth ſchimmern, S ſich ein Schloß in waldigen Hoͤh' n. un liegts verſunken in Trummern; Nun pfeift der Sturm In Saal und Thurm Nochts wandeln durch Phren und Fenſter Geſpenſter! Dn hauſte ein Graf vor langer Zeit, Wohl Sieger in manchem Strauße, Gar wild und furchtbar in Kampf und Streit⸗ Und ſtreng und ernſt auch zu Hauſe; Doch ſein crtein war Wie Sonne ſo kla und ſo mild und voll Liep und Freude: Wallhaide. Sie webte ſtill im S Frels⸗ ₰ Und trat gar ſelten in 8 Leben Doch ein Ritter liebte ſie glühend und 8 Ihr ewig zu eigen gegeben. Vom nahen Schloß flinkem Roß udolph zur Suͤßen, zur Lieben ort druͤben. og 9 Fog N 4³ Und eh' die Sonne noch untergeht, Harrt er ſtill am einſamen Orte,. Und leiſer ſchleicht, als der Zephyr weht, Wallhaide durch Hof und Pforte In ſtiller Luſt An Buhlens Bruſt, Und er haͤlt ſie mit treuem Verlangen Umfangen. Sie traͤumen, ſie hätten im Himmel gelebt, Zwei kurze, ſchoͤne Minuken, 5 enner ſcheidet, wenn Dämm'rung niederwebt, Wenn die letzten Strahlen vergluthen. Roch Kuß auf Kuß Zum Abſchiedsgruß, 3 Dann eilt ſie, mit Thränen im Blicke, urucke. Und wie ſie den Sommer ſo ſcheiden ſah'n, Fing Sehnſucht an, ſie zu gualen, Und Sl trat Rudolph den Grafen an: „Herr, ich mag's nicht länger verbehlen, „Ich liebe Wallhaid, „Drum gebt mir die Maid, „Auf daß ſie treueigen mir bleibe, Weibe!“ Da zog der Graf ein finſter Geſicht „Was dir ſolch' kecke Minne? „Mein Mädel, Rudolph, bekommſt Du nicht, „Das ſchlag Dir nur friſch aus dem Sinne!? „Ein reicher Baron „Fuͤhrt niorgen ſ on „Die Braut, trotz Thränen und Jammer, „Zur Kammer!“ 4„ Das fuhr dem Rudolph durch Marf und Bein, Er warf ſich wild auf den Dänen⸗ Und jagte in Wald und Forſt hineinz Das Auge hatte nicht Thränen, Ein kalter Schmerz Zerriß ihm das Herz, Als müßt er in grauſamen Wehen Vergehen Da durchbebt's ihn auf ein Mal mit ſtiller * Gewalt⸗ Er fuͤhlt ſich wie neugeboren, Und Ahnungen werden zür lichten Geſtalt, Ats wär noch nicht Alles verloren. „Pin ich doch frei „Und Wallhaide treu. „Goti hilft, ſie aus Vaters Ketten „Zu retten!“ Und eh die Sonne noch untergebt, Harrt er ſtill am einſamen Orte, Und leiſer ſchleicht, gls der Sephyr weht, Wallhaide durch Hof und Pforte In ſtiller Luſt En Buhlens Bruſt, Und er hielt ſie mit treuem Verlangen Umfangen. Sprach Rudolph endlich:—„Um Mitternacht. „Wenn Alles laͤngſt ruht im Schloſſe, „Kein Verrätherauge die Liebe bewacht, „Dann komm' ich mit flüͤchtigem Roſſe. „Du ſchwingſt dich hinauf, „ünd freudig im Lauf „Jag' ich mit der herrlichen Beute „Ins Weite!“ Da ſank ſie gruͤhend an ſeine Bruſt, Und koſt' ihn mit zartlichem Worte, Doch ſchnell erwacht ſie aus ihrer Luſt: „Wie komm' ich, Freund, durch die Pforte? „Denn ſireng in der Nacht „Wird die Mauer bewact, „Wie mg ich der Knechte Reigen „Durchſchleichen? „Zwar ſo,— wenn mich nimmer die Hoffnung betrog— „„So kaͤnn ich durch Pforten und Thären, „s iſt freilich füͤr Madchen⸗Muth zu hoch— „Doch Lieb ſoll mich leiten und führen! „Wer ihr vertraut „Hat wohl gebaut, „Und wenn er im Kerker auch wäre! „Drum höre!“ „Als Wunderhold noch, unſers Hauſas Ahn', „Auf dieſer Vurg reſidirte, „Da wuchs ihm ein Tochterlein herrlich heran, „Des ganzen Zierde, „Pieß auch Wallhaid, „Hatt' früh re Zeit „Einen Buhlen in glücklichen Stunden „Gefunden.“ „Dem wollte ſie ewig treueigen ſeyn, „Im Leben und Leiden und Freuden, „Doch der harte, trotzige Vater ſprach:— Nein! „Da wollte ſie nicht von ihm ſchei. „Und kuͤhn bedacht „Um Mitternacht h „„Zur Liebe aus Vaters Ketten „„Sich retten.“ „Doch dem Grafen ſagt's ein Verräther an⸗ „Der zerſtoͤrte blutig ihr Hoffen. „Ihr Buhle fiel auf naͤchtlicher Bahn, „Von meuchelnden Schwertern getroffen. „Sie harrte noch ſein, „Trat der Vater herein, „Stieß den Dolch in's Herz der Armen⸗ „Ohn' Erbarmen!“ „Nun hat ihr Geiſt im Grabe nicht Ruh'⸗ s iſt alle Raſt ihm genommen; „Sie wandelt oft naͤchtlich der Pforte zu, „Ob wohl der Buhle moͤcht' kommen, „Und harret ſein „Bis Morgenſcheinz „Der Buhle ſoll einſt, wie ſie meinen, „Erſcheinen!“ „So lange wandert ſie ohne Raſt, „Im weißen, blutigen Kleide,* „Iſi Allen ein ſtiller befreundeter Gaſt, „That Keinem je was zu Leide; „Still geht ihre Bahn „Zur Pforte hinan, „Die Waͤchter laſſen ſie ſchleichen⸗ „Und weichen.“ „und wie ſie ihr Leben der Liebe geweiht, „Wird ſie todt auch zur Liebe ſich neigen, „Sie heut' Nacht mir ihr blutiges Kleid⸗ „Die Wächter ſollen mir weichen. „Die Geiſterbahn 8 „Haͤlt Keiner an. „Frei kenk' ich ſo durch ihre Mitte „Die Schritte.“ „Drum harr'an der Pforte! s zwoͤlfe lägt, „Kommt Wallhaide langſam gegangen, „Ein blutiger Schleier, vom Winde bewegt⸗ „Haͤlt die Geiſtergeſtalt umfangen. „In Deinem Arm „Da wird ſie erſt warm,* „Drum ſchnell auf den Gaul, und reite „In's Weite!““ „Oherrlich! ſiel Rudolphihr freudig in öWort, „Fahrt hin nun, Zweifel und Sörgen! „Und ſind wir erſt aus dem Schloſſe fort, „So iſt auch die Liebe geborgen. „Wenn der Morgen graut, „Gruß ich dich als Braut! „Ade, feins Liebchen, ich ſcheide „Zur Freude!““ Und lange noch gluht auf der Lippe der Kut, Da ſprengt er muthig bergunter, Und ſcheidend wirft ſie den letzten Gruß Dem Liebſten in 6 Thal hinunter. „Lieb⸗ Rudolph! biſt mein, nilih Zidein „„Nicht Himmel und Hoͤlle ſcheide „Uns Beide!““— Und wie die Nacht auf die Thäler ſinkt, Sitzt der Ritter geruſtet ſeretrſe bleiches Sternlein am Himmel blinkt, Tief dunkel liegt's auf der Erde. Er ſpornt das Roß Aufs Grafen Schloß, And koͤmmt, nach Liebchens Worte, Zur Pforte. ———————— 48 Und wie es vom Thurme zwoͤlfe ſchlägt, Kommt Wallhaid langſam gegangen, Ein blutiger Schleier, vom Winde bewegt, Pält die Geiſtergeſtalt umfangen. Da ſprengt er hervor Und hebt ſie empor, Und jagt mit der zitternden Beute In's Weite. Und reitet lange,— und Liebchen ſchweigt, Er wivat die Braut auf dem Kniee: „Fein's Liebchen, wie biſt Du ſo federleicht, „Machſt dem Reiter nicht Arbeit und 3 Muhe.“— „„Mein Gewand itt ſo fein „„Das mag's wohl ſeyn, „„Mein Gewand iſt wie Nebel ſo duftig „„„Und luftig!““ Und den Ritter umfaßt die zarte Geſtalt Da ſchauert ihm Froſt durch die Glieder; „Fein's Liebchen, wie biſt Du ſo eiſig, ſo kalt, „Erwaͤrmt Dich die Liebe nicht wieder?“ „„In Deinem Arm „„Da iſt's wohl warm⸗ „„Doch mein Bette war kalt, Gefaͤhrte, „„„Wie Erde!“ Und ſie reiten weiter durch Flur und Wald, 3 Bleich flimmert der Sterne Schimmer; „Und biſt auch von außen ſo froſtig und kalt, „Dein Herzchen gluht doch noch immer?“ „„Lieb Rudolph! biſt mein, „Lieb Rudolph! bin dein, „„Nicht Himmel und Holle ſcheide „„„Uns Beide!““ —,— 49 und ſie reiten raſtlos immer zu⸗ Und nächtlich ſchleichen die Stunden.— „Nun bin ich erloͤſt, nun komm' ich zur Ruh', „Nun hab' ich den Liebſten gefunden. „Biſt ewig mein, „Bin ewig dein, 5 „Nicht Himmel, nicht Hoͤlle ſcheide „Uns Beide!“ Der Morgen allmählich dämmert und graut⸗ Noch gehts durch Fluren und Felderz; Doch immer ſtiller wird die Braut⸗ Und immer kälter und käͤlter. Da kraͤht der Hahn, Schnell haͤlt ſie an, Und zieht den Liebſten vom Pferde Zur Erde. „Huſch! wie die kalte Morgenluft weht „Mit dem naͤchtlichen Sturm um die Wettes „Es graut der Tag, der Hahn hat gekräht⸗ „Lieb' Buhle, die Braut will zu Bette! „Komm h'rein, komm h'rein, „Biſt mein, bin dein, 3 „Nicht Himmel, nicht Holle ſcheide „Uns Beide!“ Und eiskalte Lippen drüͤckten den Kuß „ Auf ſeine zitternden Wangen, Und Leichenduft und Todtengruß umweht ihn und hält ihn umfangen⸗ Da ſinkt er zuruͤck, Es bricht der Blick.— Und die Braut hat den Liebſten gefunden Dort unten! w Korners Ged. 4 — 8 De naſt. Dieſe Sage vom Kynaſt, einer alten verfallenen Felſenburg an der nordoͤſtlichen Seite des Rie⸗ ſengebirgs, hat ſich in dem Munde des Volks erhalten. Fuͤrchterlich in der Tha⸗ iſt der Ab⸗ grund von der Schloßimauer herab in das enge Felſenthal, das den Namen der Hoͤlle führt und eine bedeutende Rolle in dieſer Ballade ſpielen wird. Der Kynaſt iſt vom Herzog Bolko von Schleſien im Jahre 1592 erbaut und dem Gra⸗ fen Schaffgotſch geſchenkt worden. Im Jahre 1676 brannteer ab und ſchmüch ſeitdem als eine der herrlichſten Ruinen die Gegend um Hirſchberg). Es zieht ein Hauf' Zur Burg hinauf,. Was moͤgen die wandeln und wallen? Die Bruͤcke fällt, das Thor geht auf, Es ſind Kunigundens Vaſallen. Sie kommen weit durch's ganze Land; Die Herrin ſoll ſich vermählen,. So iſcben Volk; ſie hat freie Hand, u wählenz. An Wuͤrdigen kann es nicht fehlen. Der Graf iſt todt, 4 Das Land in Noth, Der Arm fehlt, die Mannen zu lenken, Drum kommt zu der Gräfin das Aufgebot, Die jungfraͤuliche Hand zu perſchenken.— Viel edle Peitter werben um ſie Mit Zeichen des innigen Strebens, umſchwaͤrmen die Hohe ſpaͤk und früh— Vergebens! Jungfrau will ſie bleiben Zeitlebens. 51 Ein Trauerkleid wallt Um die hohe Geſtalt, So empfaͤngt ſie den Zug der Vaſallenz Und als fie's vernommen, entgegnet ſie bald: „Wohl mocht ich dem Volke gefallen, „Doch fordr' ich von meinem Freier ein Pfanb⸗ „Das darf mir Keiner verwehren⸗ „Erfuͤllt er's, ſo ſoll ihm Herz und Hand, „Gehoͤren.“ S Es riefen die Ritter:„Laß hören!“ „Mein Vater ſtand „Auf der Mauer Rand,“ So begann ſie,—„und blickte hinunter, n die Hoͤlle hinab, an der Felſenwand, Da ſtürzt' ihn der Schwindel hinunter; „Brum, wer mir mit Wuͤnſchen der Liebe naht, „Denn ich mag keine zweite Trauer,— „Der ſoll es beweiſen mit kecker That, „Kein Schauer „Ergreif' ihn am Abgrund der Maued.“ „So ſey denn bekannk, „Dem gehoͤrt die Hand, „Ber keck mit feſten Schritten „Vorbei an der ſteilen Felſenwand „Auf der Mauer um's Schloß Fere „Und wer es glücklich vollenden Fann, „Der ſoll mich zur Kammer führen, „Hoch ſoll mich liebend kein andrer Mann „Beruͤhren, 8 8 „Ich gelob' es mit heiligen Schwuren.“ 4* Die Herrin ſchwieg, Stolz auf den Sieg. Still zogen die Männer von dannen; Sonſt mancher Freier den Kynaſt erſtieg, War allen die Luſt vergangen. Was die Graͤfin gewuͤnſcht, das ſtand ihr frei. Es ſchreckten des Ritters Gefahren. Die Burg ward ſtill; nun konnte ſie treu Nach Jahren Des Vaters Gedaͤchtniß bewahren. Ein Juͤngling allein Fand balb ſich ein, Der wär ihr treueigen geblieben, 3 Solch wackrer Muth kann nicht mehr ſeyn Und ſolch redliches Herz im Lieben. Im ganzen Land war Graf Elbert geehrt, Er wagt es auf Leben und Sterben, Der junge Degen den Ritt begehrt, Zu werben um Liebe und Verderben. Die Gräͤfin erſchrickt, Wie ſie den erblickt, 6 Sie dacht','s wird Keiner es wagen, Und ihre Diener zu ihm ſchickt, Und läßt ihm den Ritt verſagen,. Doch der Ritter erklaͤrt ſich frei und frank!. Sie moͤcht' auf den Schwur ſich beſinnen, Er wolle ſterben, oder den Dank Gewinnen, Er ſcheide nicht eher von hinnen. In hochſter Noth Sie ihn zu ſich erbot, 3 Und beſchwort ihn, die Augen voll Zährent „Zur Verzweiflung braͤchte mich Euer Tod, „O laßt meine Bitte gewähren! 2 „Ich lieb' Euch nicht, ich bekenm es frei, „Doch dauert mich Eure Jugend. „Und Euer Muth iſt, bei Glauben und Treu! „Nicht Tugend, „Nein, tollkuͤhn und Gott verſuchend,“ „Es waͤre zu wiel, „RKein freches Spiel „Wollt ich mit dem Leben treiben, „Ich wollte frei ſeyn, das war mein Ziel, „Ich meinte, ſie laſſen's wohl bleiben. „Laß ab, wenn ich lieb Dir und theuer bin, „Du wirſt den Tod nur umarmen; „Es iſt uns Beiden doch kein Gewinn!— „Erbarmen „Mit Dir und mit mir,— mir Armen!“—— Sie lag vor ihm 4 Auf beiden Knien Und beſchwor ihn bei Himmel und Erdez; Doch Albert blieb immer feſt und kühn, Und den furchtbaren Ritt begehrte⸗ „Nicht Du biſt ſchuld an meinem Tod, In den ich mit Freuden gehe, „Ich ghorche der Liebe Zaubergebot, „Mir geſchehe „Nun ewig wohl, oder wehe!“— 54 Er ſchwingt ſich auf's Roß, Der Knappen Froß Kommt traurig ihm entgegen; Den Juͤngling beklagt das ganze Schloß, Der Geiſtliche giebt ihm den Segen. unjeſtüchmüct man die jammernde Braut, ie der uͤhne Graf will erwerben, Da ſchmetterten drei Mal Trompeten laut, Sie werben Zur Lzebe, oder zum Sterben. Und er ſprengt gewandt An der Felſenwänd, Und das Roß ſetzt auf die Mauer. Einen Kuß noch wirft er mit fluͤchtiger Hand, Ihn faßt nicht Schwindel, noch Schauer. Sein wackres Roß geht Schritt fuͤr Schritt, Es trägt den wackerſten Knaben, Da wankt ein Stein, das Roß wankt mit, Und es haben Die Felſen den Ritter begraben.—— Die Gräfin ſank, Aller Sinne frank, 3 Es ergriff ſie ein todtliches Fieber. Sie ſiechte wohl viele Wochen lang, Der Tod wär' ihr taufend Mal kieber. und als ſie endlich geneſen war, Da ſind auch drei Bruͤder erſchienen, Die wollten die Braut durch Todesgefahr Verdienen, 6 Oder ſterbend den Schwur verſuͤhnen. 55 „Laßt ab, laßt ab! „s iſt Euer Grab“ So beſchwor die Gräfin mit Zähren. „Schon ſtuͤrzte vor Euch ein Wackrer hinab; „Wollt Ihr meine Qual noch vermehren? „Und ſollt ich morden ein ganzes Geſchlecht? „Nein, theilt Euch in all' meine Guͤter, „Nur beſteht nicht auf dieſem graͤßklichen Recht; „Drei Bruder 3 „Sonſt kehren dem Vater nicht wieder.“ „Nein, kehrt zum Gluͤck, „Zum Vater zuruͤck!““— So bat ſie, und warf ſich zur Erde; Doch ſchoner war ſie mit Thränen im Blick, Und jeder der Ritter begehrte: „Wir ſind aus einem edlen Geſchlecht, „Und durfte der fuͤr dich ſterben, „So fordern wir billig ein gleiches Recht, „Wir werben „Um Liebe oder Verderben!“— Der Erſte ſchickt* Sich zum Ritte, und drückt Den Bruͤdern noch ſcheidend die Haͤndez Er ſchaut auf die Gräfin ſtill entzuͤckt, ann ſprengt er zur Mauer behende. Und noch iſt er nicht zur Haͤlfte heran, Und jammernd ſtehen die Brüder, Das Roß. es bebt vor der gräßlichen Bahn, Stürzt nieder, Und den Juͤngling ſieht Keiner wieder. Noch bebt das Herz Im ſtummen Schmerz: Da ſprengte der Zweite zur Mauer. Und graͤßlich blickt er himmelwaͤrts, Es faßt ihn, wie Todesſchauerz 5 Doch erreicht er die Mitte,— da blickt er hinab, Und die Sinne ſind ihm verſchwunden, Es baͤumt ſich das Roß, er ſtuͤrzt hinab, Tief unten, Da haben ſich Beide gefunden. Und ſchreckenbleich, Den Todten gleich, Steht Alles und ringt die Hände, Und die Graͤſin zum Dritten ſich wendet gleich: „O denkt Eurer Bruͤder Ende,. „O laßt Eurem Vater das letzte Gluͤck, „Delaßt ihm den letzen Erben; „Die Beiden kehren doch nimmer zuruͤck, „Kein Werben „Um Liebe war's,— nein, um Verberben!“— Doch der Ritter ſpricht: „Ich kenne die Pflicht,„ „Und ſcheide nicht von den Lieben. „Vermeldet dem Vater die Trauergeſchicht', „Und wir waͤren uns treu geblieben.“— So druckt er dem Pferde die Sporen ein, Die Graͤfin gruͤßt er noch heiter, Dann i erſich ſchnell in die Felfen hinein, Und Reiter Und Roß ſah kein Auge weiter⸗ Die Graͤfin ſank Sinnlos, todtkrank Noch am Abend auf's Siechbett nieder? Und was ihr ſtets in die Ohren klang, Das waren die Worte der Brüder⸗ Man zaͤhlte ſie zu den Lebendigen kaum, Wohl taͤ lich wards ſchlimmetund ſchlimmer, Es quälte ſie ein graͤßlicher Traum⸗ Und immer 5 Vernahm ſie's, wie Geiſtergewimmer: „Ade, ſuͤße Braut! „Der Morgen graut 5 „Ben Todeskuß auf die Wange. „Wir haben Dich oben lieb angeſchaut, „Wir harrten Deiner ſchon kange.“— So riefs' ihr im Traumes doch endlich fand Sich der Kraͤfte volleres Streben; Sie erwachte neu an des Grabes Rand⸗ Dem Leben,— Der Freude nicht wieder gegeben. Sie warf den Blick Tuf ihr Leben zuruͤck, Sab überall Qual und Schmerzen; Die Männer zerſtörten ihr ſtilles Gluͤck, Da wuchs ihr der Haß im Herzen. „In der Seele, da wohnten mir Frieden und Ruh, „Durch euch mußt' er welkend ſterben, „Nun konnt ihr zieh'n, nun laß ich es zu, „Könnt' werben, „Ihr ſeyd es werth, zu verderben!“— Drauf zogen Viel Zum gefaͤhrlichen Spiel, Kalt ließ ſie Alle gewähren; Doch Keiner von Allen kam an's Ziel Und Keiner thät wiederkehren. Die Graͤfin ſah kalt auf das große Grab, Auf die tollkuͤhnen Opfer nieder, Kalt blieb ſie auch, ſtuͤrzte der Ritter hinab, Die Brüder. Beweinte ſie noch, Keinen wieder. Groß war ſchon die Zahl, Die in gräßlicher Wahl Gebuhlt um Lieb und Verberben;— Da ſprengt ein Ritter herauf aus dem Thal, Und läßt um den Ritt ſich bewerben. Er blickt gar feſt in die nahe Gefahr, Blickt feſt in die Felſen hinunter, Schwarz gluͤht das Auge, und goldenes Haar Füezt unter Dem Helme in Locken herunter. Den Helben fuͤhrt Man, reich geziert, Zur Gräfin, den Ritt zu verlangen. Gar wunderbar fühlt ſie ſich plotzlich gerührt, Es ergreift ſie ein Sehnen und Bangen. Und bald verſteht ſie die heimliche Qual, Verſteht die tiefen Schmerzen; Denn die Liebe glüht ihr zum erſten Mal m erzen, ui dicltnich nicht derſcerzen. 59 und wie der Held Zu Fuͤßen ihr ält, Und ſie um den Ritt gebeten: Kaum laͤnger ſich die Graͤfin verſtellt, Die Thränen im ihe reden: „Laßt ab von der Bitke, Herr Rittersmann! „Trotzt nicht dem Tode verwegen! „Und wenn ich's auch nicht verſagen kann⸗ So mögen „Euch meine Bitten bewegen!“— Doch Jener ſpricht: „Veſtürmt mich nicht, „Und laßt mich immer gewaͤhren; „Ich hab's geſchworen, s, iſt meine Pflicht, „Sonſt darf ich nicht wiederkehren““— „ünd wenn ich nichts erbitten mag⸗“ Entgegnet die Graͤfin mit Beben, „So wärtet nur bis den morgenden Tag; „Dem Leben „Fdnnt ihr dieſe Friſt wohl geben!“ Im hohen Saal um reichen Mahl Fuͤhrt ſie den geliebten Ritter⸗ und immer hoͤher ſheigt ihre Qual; Da ergreift der Gaſt die Cither, Und ſingt pon der Liebe unendlicher Luſt⸗ Viel ſchoͤne, koſtliche Lieder, Und, was er geſungen, klingt ihr in der Bruſt Ewig wieder, S und Feuer durchſtröͤmt alle Glieder. Mit Thränen wacht Sie die ganze Nacht, Mit ſich und der Liebe im Streite.— „Und wenn es gelaͤnge, und hätt'er's vollbracht, „Ach, Herz! du brächſt in der Freude. „Die Lieb' iſt ja mild, wie das Sonnenlicht, „„Laͤßt nicht ihre Treuen verderben! „Und müßt' er herab, und koͤnnt' er mich nicht „Erwerben, „Ich könnte doch mit ihm ſterben.“ Der Morgen graut, Da ſchmuͤckt ſich die Braut, Den geliebten Mann zu empfangen, Und wie ſie den freudigen Helden erſchaut, Da gluͤhen ihr hoͤher die Wangenz Sie fliegt ihm entgegen mit wildem Schmerzz „Umſonſt, daß ich laͤnger mich ſtraͤube, „Ich geſteh' es frei, Dir gehoͤrt dieß Herz. „Ich bleibe „Im Leben und Tod Dir zum Weibe.“ Und glͤhenb umfaßt Haͤlt ſie den Gaſt, Der reißt ſich ihr ſchnell aus den Armen: „Noch geziemt mir nicht ſolch' köſtliche Laſt, „Ich darf die Braut nicht umarmen.“ „Horcht, Graͤfin, horcht, welch' feſtlicher Ton! „Der ladet zum Siegen,— zum Sterben, „Die Trompeten rufen das Opfer ſchon, „Sie werben „Der Liebe Tod und Verderben!“ 61 Der Geiſtliche bringt Ihm den Segen, da ſchwingt Sich der Ritter behende zu Pferde. Er winkt: Ade! Kunigunde ſinkt Beſinnungslos zur Erde, Doch ſetzt er kuhn auf die Mauer hinan⸗ Als wär' ſie wohl drei Mal breiter. Und es ſchreitet das Roß auf der graͤßlichen Bahn Keck weiter,. Trägt gluͤcklich zum Ziele den Reiter. Ein Freudenlaut„ Weckt die gluͤckliche Braut, Und ſie ſtuͤrzt dem Ritter entgegen: „So haſt Du Gott und der Liebe vertraut, „Dich beſchützte ihr heiliger Segen. „Dir iſt es gelungen, ich folge Dir gern „Zum Leben, zur Liebe, zur Freube, „Ber Kynaſt begrüßt Dich als ſeinen Herrn, „Uns Beide 3 „Kein Stuͤrmen des Lebens mehr ſcheide!“— Und der Ritter blickt ſtreng Auf das Freudengedräng'; „Nicht alſo will ich es enden! 3 „Weg mit den Schallmeien und Hochzeit⸗ epräng', „Das Blatt ſoll ſich fürchterlich wenden. „Nicht nach der Braut gelüſtete mir, „Und dem Feierklange der Lieder; „Wo ſind meine Freunde? Ich fordre von Dir „Sie wieder, „Graf Albert und die drei Bruͤder!““ X „Von Deiner Hand „In den Tod geſandt, „Das durchfuhr wie ein Blis meine Traͤume, „Hich lockte nicht deine blut'ge Hand; „Denn längſt blüht ein Weib mir daheime. „Verſchmaͤhter Liebe unendlichen Schmerz,— Das hatt' ich bei Gott mir verſprochen⸗ „Bu ſollſt ihn fuͤhlen.— Jetzt iſt dein Herz „Gebrochen,— „Sieg, Freunde! Ihr ſeyd gerochen!“— Er ſpornt das Roß, Es fliegt aus dem Schloß, und läßt ſie verzweifelnd zurücke.— Erſchrocken ſteht der Diener Troß, ohl perlt es in manchem Blicke; Und die Graͤſin erwacht, ſchwerem raum. Blickt graͤßlich nach allen Seiten, und wankt zur Mauer und haͤlt ſich kaum. Von weiten Die Diener die Graäfin begleiten. Da ſpricht ſie leiſ⸗ um bekannten Kreiſe: „Wohl hat ſich die Liebe gerochen, „Wohl erkannt' ich des Lebens hoͤchſten Prefs⸗ „Doch mein Herz ward treulos gebrochen. „Bie unten dort ſind mir angetraut, „Was ſoll ich die Hochzeit verſchieben? „Empfangt das Opfer, empfangt die Vraut, „Mein Lieben „Iſt über der Erde geblieben!“— 63 „Und ſie ſtürzt ſich hinab In's Felſengrab,. Da klingt es wie Geiſtergeflüſter⸗ „Bie Braut iſt gekommen, den Kranz herab, „Was, Liebchen, biſt Du ſo duͤſter? „Run iſt das Hoffen und Sehnen verkürzt, „Nun mog ſich die Jungfrau vermaͤhlen, „Du haſt Bich uns ſeldſt in die Arme geſtürzt⸗ „Kannſt wäͤhlen, „Der Braut ſoll's an Liebſten nicht fehlen!“ Vor Rauch's Buͤſte der Koͤnigin Louiſe. Duſgräfſt ſofanft!— Die ſtigen Züge hauchen Noch Deines Lebens ſchöne Träunie wiederz Der Schlummer nur ſenkt ſeine Flugel nieder, ünd heil ger Friede ſchließt die klaren Augen⸗ So ſchlummre fort, bis Beines Volkes Bruͤder, Wenn Flammenzeichen von den Bergen rauchen, Mit Gott verſoͤhnt die ve rauchen, Das Leben opfernd fuͤr die hoͤchſten Guͤter! Tief fuͤhrt der Perr durch Nacht und durch Verderben; So ſollen wir im Kampf das Heil erwerben, Baß unfre Enkel freie Maͤnner ſterben. ommt dann der Tag der Freiheit und derRache: Dann ruft Dein Volk; dann, Deutſche Frau, erwache⸗ Ein guter Engel fuͤr die gute Sache! w 64 Hoch lebe das Haus Oeſterreich! Aus der Geſchichte der Schlacht bei Aspern⸗ Es ſchweigt die Nacht, die Erde träumt, Und bleich der Mond die Wolken ſäͤumt.— Was biſt du, Welt, ſo ſtill, ſo leer? Was lau'rſt du, wie ein falfches Meer?— Es ſauſ't ſo òde durch dein Reich, Und Schauder faßt die Seele gleich, Als wollteſt du mit leiſem Beben Des Morgens blut'gen Schleier heben!— Roch ſchlummerts tief in Lagers Raum⸗ Die Sterne ſteigen auf und nieder⸗ Die Todtenſtille regt ſich kaum!— S laß der Welt den ſchoͤnen Traum, Der nahe Tag verſcheucht ihn wieder!— In Oſten graut's, es ſinkt die Nacht; Sottlob, der Morgen iſt erwacht!— Gottlob, der neue Tag bricht an!— Seht euch noch Mal die Sonne an. Wohl Viele, die jetzt rüſtig ſtehn⸗ Sehn ſie nie wieder untergehn. In manchem Herzen pocht das Blut Rach raſchen Streites Uebermuth; Und eh' die naͤchſten Stunden tagen, Hat manches Herz wohl ausgeſchlagen. Die Sonne kommt, der Nebel reißt, Ein ſtumm Gebet den Vater preiſ't. Nun lebt und regt ſich alle Welt In blanken Waffen glänzt das Feld⸗ Der Jüͤngling ſchreiket kuͤhn hinaus, Er ſchaut hinauf ins Vaterhaus, und leiſe Ahnung fuͤllt ſein Herz und zieht ihn dämmernd himmelwärts. Da trägt der tiefbewegte Sinn Die Träume zu der Liebſten hin. Sie weinte, als er ſcheiden mußt'; Und Wehmuth haucht in ſeine Bruſt, Und er gedenkt der ſchoͤnen Zeiten.— Er fuͤhlt's, es war ein ewig Scheiden! Die Sonne ſteigt, der Lärmſchuß kracht⸗ Taut ſubelnd zieht das Heer zur Schlacht.— „Seht ihr den Stephan herüberwinken, „Unb dost die Fraͤnk ſchen Adler blinken „Auf, Vuͤder! Stürzt euch muthig drein⸗ „Die Adles muͤſſen unſer ſeyn!—„ „Tebt wohl, lebt wohl, ihr meine Lieben „Weint nicht, ich wollt' euch nicht betrüben! Es wogt der Kampf, es brüllt der Tod⸗ Die Wunden klaffen blutigroth!— „MWir nach! Mir nach! Dort iſt ber Ruhm⸗ „Ihr kämpft fuͤr euer Heiligthum!““— Und neben ihm und unter ihm Wuͤrgt raſch des Todes Ungeſtuͤm, Und Mann und Roß zuſammenbrachz Er aber jauchzt!„Mir nach! Mir nach!“ Da pfeift eine Kugel durch ſeine Bruſt⸗ Daß gleich das Auge brechen mußt'; Doch hat er mit der letten Kraft Den letzten Athem zuſammengerafft, Und ruft und ſtürzt zu Voden gleich? „Poch lebe das Haus Heſterreich!“— Der Adler ſinkt, die Fahne fliegt. Heil dir mein Volk, du haſt geſiegtt wA Körners Ged. 5 „ „ Mein Vaterland. Wo iſt des Saͤngers Vaterland?— Wo edler Geiſter Funken ſpruͤhten, Wo Kräͤnze fuͤr das Schoͤne bluͤhten, o tarke Herzen freudig gluͤhten⸗ uͤr alles Heilige entbrannt: Da war mein Vaterland! Wie heißt des Saͤngers Vaterrand?— Jetzt uͤber ſeiner Soͤhne Leichen, Fetzt weint es unter fremden Streichen; Sonſt hieß es nur das Land der Eichen⸗ Das freie Land, das Deutſche Land: So hieß mein Vaterland! Was weint des Säͤngers Vaterland?— Daß vor des Wuͤthrichs Ungewittern Die Fuͤrſten ſeiner Pölker zittern, Daß ihre heil'gen Worte ſplittern, Und daß ſein Ruf kein Hoͤren fand? Drum weint mein Vaterland! Wem ruft des Saͤngers Vaterland?— Es ruft nach den verſtummten Göttern, Mit der Verzweiflung Donnerwettern, Nach ſeiner Freiheit, ſeinen Rettern, Nach der Vergeltung Raͤcherhand: Dem ruft mein Vaterland! Was will des Saͤngers Vaterland 2 Die Knechte will es niederſchlagen, Den Bluthund aus den Graͤnzen jagen, Und frei die freien Soͤhne tragen, Oder frei ſie betten unter'm Sand: Das will mein Vaterland! 3 * 57 Was hofft des Saͤngers Vaterland? Es hofft auf die gerechte Sache, Hofft, daß ſein treues Volk erwache, Hofft auf des großen Gottes Rache, Und hat den Rächer nicht verkannt: Drauf hofft mein Vaterland! Dur ch! Ein Petſchaft mit einem Pfeil, ber auf eine Wolke zufliegt, und der Unterſchrift: Durch! gab Gelegenheit zu dieſem Gedichte. Wie port im Nebelkranze, Voll finſtrer Majeſtäͤt, Die ſchwarze Wolkenſchanze Am Firmamente ſteht Die Feuerkugeln ſpruͤhen Lus ihrem dunklen Schooß, Und Zackenflammen gluͤhen, Und Donner brechen los. Und vor dem Zorngerichte Kniet armer Sünder Zahl: „Herr Sebaoth, vernichte „Nur nicht mein ſtilles Thal „Das ganze Volk erſchlage „Rotte die Menſchheit au „Nur laß mir meine Tag „Und mein Kind unb mein Saüs!“ 5* O liegt nur im Gebeke, Fi in den Staub gebuͤckt!— aß euch der Gott zertrete, Ber in den Blitzen zuͤckt! Die Glocke in dem Sturme, Die zum Gebete ruft, Lockt erſt nach ihrem Thurme Die flammenſchwangre Luft.— Und eine andre Menge Steht, dem Verderben nah⸗ Mit blitzendem Gepraͤnge, In Waffenruͤſtung da. ie ſie noch ohne Grauen Ganz ruhig fuͤrder ziehn, Und nach den Blitzen ſchauen, Die immer naͤher gluͤhn! Was ſoll das ew'ge Zaudern?— Si hilft nur raſche That, ie kraftvoll, ohne Schaudern, Bas Schlangenhaupt zertrat! oll euch die Ruͤſtung ſchutzen?— onſt wehrt ſie wohl dem Streich; etzt ruft ſie nach den Blitzen⸗ uft Rache über euch!— Nein, friſch! Ein freudig Stegen Kömmt nur nach heißer Schlacht!— Seht ihr den Pfeil dort fliegen? Ber bricht der Wolken Nacht! SHurch muß er, durch!— Der Bogen Seoe die Sehne nicht; er Pfeil iſt durchgeflogen, Schwimmt nun im Sonnenlicht! Durch, Bruder, durch! Dieß werde Das Wort in Kampf und Schmerz! Gemeines will zur Erde, Edles will himmelwärts! Soll uns der Sumpf vermodernk— Was gilt da Weltenbrand? Drum laßt den Blitz nur lodern! Durch!— Dort iſt's Vaterland! Abſchied von Wien. Leh' wohl! Leb' wohl!— Mit dumpfen Her⸗ zensſchlägen Begruͤß' ich dich, und folge meiner Pflicht. Im Auge will ſich eine Thräne regenz Was ſtraͤub' ich mich? Die Thraͤne ſchmäht mich nicht.— wo ich wandle, ſey's auf Friedenswegen⸗ ey's, wo der Tod die blut'gen Kraͤnze bricht: Da werden deine theuren Huldgeſtalten In Lieb' und Sehnſucht meine Seele ſpalten! Verkennt mich nicht, ihr Genien meines Lebens, erkennt nicht meiner Seele ernſten Drang; Begreift die treue Richtung meines Strebens, So in dem Liede, wie im Schwerterklang! Es ſchwärmten meine Traͤumenicht vergebens; Was ich ſo oft gefeiert mit Geſang, ur Volk und Freiheit ein begeiſtert Sterben: Laßt mich nun ſelbſt um dieſe Krone werben! 70] Wohl leichter mögem ſich die Kränze flechten, Errungen mit des Liedes heitrem Muth; Ein rechtes Herz ſchlägt freudig nach den Rechten, Die ich gepflegt mit jugendlicher Gluth! Laßt mich der Kunſt ein Vaterland erfechten, Und gaͤlt'es auch das eigne waͤrmſte Blut!— Voch dieſen Kuß, und weſn's der letzte bliebe, Es giebt ja keinen Tod fuͤr unſre Liebe! W Friſch auf, mein Volk! Die Flammenzeichen — a * rauchen, Hell aus dem Nordenbricht der Freiheit Licht, Fiſert den Stahl in Feindes Herzen tauchen! Friſch auf, mein Volk!— Die S rauchen, Die Saat iſt reifz ihr Schnitter, zaudert nicht! Das hochſte Heil, das letzte, liegt im Schwertet Drück' dir den Speer ins treue Herz hinein⸗ Der Freiheit eine Gaſſe!— Waſch die Erde, WDein Beutſches Land, mit deinem Blute rein! Es iſt kein Krieg, von dem die Kronen wiſſen; Es iſt ein Kreuzzug,*s iſt ein heil'ger Krieg! Recht, Sitte, Tugend, Glauben und Gewiſſen Hat der Tyrann aus deiner Bruſt geriſſen; Errette ſie mit deiner Freiheit Sieg Das Winſeln deiner Greiſe ruft:„Erwache!““ Der Hütte Schutt verflucht die Rauberbrut, Die Schande deiner Töchter ſchreit um Rache, Der Meuchelmord der Soͤhne ſchreit nach Blut⸗ 74 Berbrich die Pflugſchaar, laß den Meißelfallen⸗ Die Leier ſtill, den Webſtuhl ruhig ſtehn! Verlaſſe deine Hoͤfe, deine Hallen!— Bor deſſen Antlitz deine Fahnen wallen, Er will ſein Volk in Waffenruͤſtung ſehn. Denn einen großen Altar ſollſt du bauen In ſeiner Vreideit ew'gem Morgenroth; Mit deinem Schwert ſollſt du die Steine hauen Der Tempel gruͤnde ſich auf Heldentod.— Wes weint ihr, Mädchen, warum klagt ihr, Weiber,. Fuͤr die der Herr die Schwerter nicht geſtählt. Wenn wir entzuͤckt die jugendlichen Leiber Hinwerfen in die Schaaren eurer Rauber? Daß euch des Kampfes kuͤhne Wolluſtfehlt?— Ihr konnt ja froh zu Gottes Altar treten! Fuͤr Wunden gab er zarte Sorgſamkeit, Gab euch in euern herzlichen Gebeten Den ſchdnen, reinen Sieg der Frömmigkeit. So betet, daß die alte Kraft erwache, „Daß wir daſtehn, das alte Volk des Siegs! Die Märtyrer der heil'gen Deutſchen Sache, ruft ſie an als Genien der Rache, Als gute Engel des gerechten Kriegs! Louiſe, ſchwebe ſegnend um den Gatten; Geiſt unſers Ferdinand, voran dem Zug! Und all' ihr Deutſchen freien Heldenſchakten, Mit uns, mit uns, und unſrer Fahnen Flug! Der Himmel hilft, die Hölle muß uns weichen! Drauf, wackres Volk Brauf! ruft die Frei⸗ heit, drauf! 6 72 Hoch ſchlägt dein Herz, hoch wachſen deine Eichen Was kuͤmmern dich die Huͤgel deiner Leichen? Hoch pflanze da die Freiheitsfahne auf!— Doch ſtehſt du dann, mein vom ucke, In deiner Vorzeit heil'gem Siegerglanz; Vergiß die treuen Todten nicht, und ſchmuͤcke Auch unſre Urne mit dem Eichenkranz! W Der Preußiſche Graͤnz⸗Adler. Sey mir gegruͤßt im Rauſchen deiner Flugel, DasHerz verheißt mir Sieg in deinem Zeichen Surch, edler Aar! Die Wolke muß dir weichen*) ½ Fleuch rächend auf vondeiner Todten Huͤgel— Das freie Roß geborcht dem Sclavenzuͤgel, Den Glanz der Raute ſahich welkverbleichen, Der Lowe kruͤmmt ſich unter fremden Strei⸗ chen; 8 Du nur erhebſt mit neuem Muth die Flügel! Bald werd' ich unter deinen Soͤhnen ſtehen, Vald werd' ich dich im Kampfe wiederſehen, DBuwirſt voran zum Sieg, zurFreiheit wehen! Was dann auch immer aus dem Saͤnger werde: Heil ihm, erkaͤmpft er mit ſeinem werte Nichts, als ein Grab in einer freien Erde! *) Man vergleiche das Gedicht: Durch! W 73 An die Konigin Loniſe. — Du Heilige, hör' Deiner Kinder Flehen, Es dringe maͤchtig auf zu Deinem Licht? Kannſt wieder freundlich auf uns niederſehen⸗ Verklaͤrter Engel! Langer weine nicht! Denn Preußens Ndler ſoll zum Kampfe wehen, Es draͤngt Dein Volk ſich jubeind zu der flich Und Jeder waͤhlt, und Keinen ſiehſt Du beben, Den freien⸗Tod fuͤr ein bezwungnes Leben! Wir lagen noch in feige Schmach gebettet⸗ Da rief nach Dir Bein beſſeres Geſchick. An die unwuͤrd'ge Zeit. warſt Du gekettet, Zur Rache mahnke Dein gebrochner Blick⸗ So haſt Du uns den Deutſchen MWuthgerettet. Jetzt ſieh aufuns, ſieh' auf Dein Volk zuruͤck, Wie alle Herzen treu und muthig brennen! Run woll uns auch die De inenwieder nennen! und wie einſt, alle Kraͤfte zu beleben Ein Heil genbild fuͤr den gerechten Krieg Dem Heeresbanner ſchuͤtzend zugegeben⸗ Als Hriflamme in die Lufte ſtieg: So ſoll Sein Bild auf unſernFahnen ſchweben, Und ſoll uns leuchten durch dieNacht zum Sieg! Louiſe ſey der Schutzgeiſt Deutſcher Sache, Louiſe ſey das Foſungswort zur Rache! Undwenn wir dann dem Meuter⸗Heer begegnen⸗ Wir ſtuͤrzen uns voll Zuverſicht hinein! Und moͤgen tauſend Flammenblitze regnen, Und mögen tauſend Tode uns umdraͤu'n: 74 Ein Blick auf Deine Fahne wird uns ſegnen; Wir ſtehen foſt, wir muͤſſen Sieger ſeyn!— Wer dann auch fällt fuͤr Tugend, Recht und Wahrheit, Duträgſt ihn ſanft zu Deiner ew gen Klarheit. * W Mel. Auf, auf, ihr Bruͤder, und ſeyd ſtark. Fri auf, ihr Jäger, frei unb flink, „Die Buͤchſe von der Wand! Der Muthige bekaͤmpft die Welt! Friſch auf den Feind, friſch in das Felb, Fuͤrs Deutſche Vaterland! Aus Weſten, Norden, Süd und Oſt Treibt uns der Rache Strahl: Vom Oderfluſſe, Weſer, Main, Vom Elbſtrom und vom Vater Rhein, Und aus dem Donauthal. Doch Bruͤder ſind wir alle ammt, Und das ſchwellt unſern Muth. Uns knüpft, der Sprache heilig Band, Uns knuͤpft ein Gott, ein Väterland, Ein treues Deutſches Blut, Nicht zum Erobern zogen wir Vom vaͤterlichen Herd; Die ſchändlichſte Tyrannenmacht Bekaͤmpfen wir in freud ger Schlacht, Das iſt des Blutes werth. Bhr aber, die uns treu geliebt, Der Herr ſey euer Schild! Bezahlen wir's mit unſerm Blut, „ Denn Freiheit iſt das hoͤchſte Gut, Ob's taͤuſend Leben gilt! Drum, muntre Joͤger, frei und flink, Wie' auch das Liebchen weint! Gott hilft uns im gerechten Krieg Friſch in den Kampf!— Tod oder Sieg! Friſch, Bruͤder, auf den Feind! k Lied der ſchwarzen Jäger. Melodie: Am Rhein, am Rhein. — Irs Fold, in's Feld! Die Rachegeiſter mahnen. Auf, Deutſches Volt, zum Krieg! InsFeld, in's Feld Hoch flattern unſreFahnen⸗ Sie fuͤhren uns zum Sieg. Klein iſt die Schaar; doch groß iſt das Vertrauen Auf den gerechten Gott! Wo ſeine Engel ihre Feſten bauen, Sind Hoͤllenkuͤnſte Spott. Gebt kein Pardon! Konnt ihr das Schwert S nicht heben? So wuͤrgt ſie ohne Scheu; Und hoch verkauft den letzten Tropfen Leben! Der Tod macht Alle frei. Nochträuren wir im ſchwarzen Räͤcherkleide Um den geſtorbnen Muthz Dochfragt man euch, was dieſes Rothbedeute: Das deutet Frankenblut. 3 76 Mit Gott!— Einſt geht hoch uͤber Feinbes Leichen Der Stern bes Friebens auf; Dann pflanzen wir ein weißes Siegeszeichen Am freien Rheinſtrom auf. Bundeslied vor der Schlacht. Am Morgen des Gefechts bei Danneberg. — Ahnungsgrauend„kodesmuthig, richt ber große Morgen an; Und die Sonne kalt und blutig Leuchtet unſrer blut'gen Bahn. In der naͤchſten Stunden Schöoße Liegt das Schickſal einer Welt, Und es zittern ſchon die Looſe, Und der eherne Wuͤrfel faͤltt. Brüder! Euch mahne die daͤmmerndo Stunbe, Mahne euch ernſt zu dem heiligſten Bunde, Treu, ſo zum Tod, als zum Leben, geſellt! Hinter uns, im Grau'n der Nachte, Liegt die Schande, liegt die Schmach, Liegt der Frevel fremder Knechke, Der die Deutſche Eiche brach. Unſre Sprache ward geſchändet,. Unſre Tempel ſtuͤrzten ein;§ Unſre Ehre iſt Verpfändet, Deutſche Bruͤder, löſet ſie ein!. Brüder, die Rache flammt! Reicht euch die Haͤnde, Daß ſich der Fluch der Himmliſchen wende! Loſt das verlorne Palladium ein! 77 Vor uns liegt ein gluͤcklich Hoffen, Liegt der Zukunft goldne Zeit⸗ Steht ein ganzer Himmel offen, Bluͤht der Freiheit Seligkeit. Deutſche Kunſt und Deutſche Lieber⸗ Frauenhuld und Liebesgläck, Alles Große kommt uns wieder⸗ Alles Schöne kehrt zuräck. Aber noch gilt es ein gräßlich Wagen, Leben und Blut in die Schanze zu ſchlagen Nur in dem Opfertod reift uns das Glück Nun, mit Gott! Wir wollen's wagen, Feſt vereint dem Schickſal ſtehn, Unſer er Altar tragen, Und dem Tod' entgegen gehn! Vaterland, dir wollin wir ſterben, Wie dein großes Wort gebeut, Unſre Lieben moͤgen's erben, Was wir mit dem Blut befreit! Wachſe, du Freiheit der Deutſchen Eichen, Wachſe empor uͤber unſere Leichen!— Vaterland, hoͤre den heiligen Eid!— Und nun wendet eure Blicke Noch ein Mal der Liebe nach; Scheidet von dem Bluͤthengluͤcke, Das der gift'ge Säden brach! Wird euch auch das Auge truͤber⸗— Keine Thraͤne bringt euch Spott! Werft den letzten Kuß hinüber, Dann befehlt ſie euerm Gott! Alle die Lippen, die fuͤr uns beten⸗ lle die Herzen, die wir zertreten, Troͤſte und ſchuͤtze ſie, ewiger Gott!— 78 Und nun friſch zur Schlacht gewendet, Aug' und ei zum hinauf; uies Ird'ſche iſt vollendet, Und das Himmliſche geht auf. Faßt euch an, ihr Deutſchen Brüder! Jede Nerve ſey ein Held! Treue Herzen ſehn ſich Lebewohl fuͤr dieſe Welt Hoͤrt ihr's? Schon jauchzt 3 uns donnernd ent egen!,§ Bruͤder! hinein in den blitzenden Regen! Wiederſehn in der beſſeren Welt W g waͤhrend der Schlacht. Vater⸗ ich rufe dich! Erle umwoͤlkt mich der Hamphoercheſchüt, ruͤhend umzucken mich raſſelnde Blitze. Lenker der Schlachten, ich rufe dich! Vater du, führe mich! Vater du, führe mich! ühr' mich zum Siege, fuͤhr' mich zus vtbe rr ich erkenne deine Gebote; Herr, wie du willſt, ſo fuͤhre mich! Gott ich erkenne dich! Gott, ich erkenne dich! So im herbſtlichen Rauſchen der BVlätter, Als im Schlachtendonnerwetter, urqu U der Gnade, erkenn' ich dich! Vater du, ſegne mich! ——— 79 Vater du, ſegne mich! ndeine Hand befehl ich mein Leben. u kannſt es nehmen, du haſt es gegeben; vum Leben, zum Sterben ſegne mich! Vater, ich preiſe dich! Vater, ich preiſe dich! iſt ja kein Kampf für, die Guͤter der Gedez Das Heiligſte ſchuͤtzen wir mit dem Schwerte: Drum, und ſiegend, preiſ⸗ ich W Gott,d ir ergeb' ich mich! Gott, dir ergeb' ich mich! Wenn mich die Donner des Lodes begrüßen, Wenn meine Adern geöffnet fließen: Dir, mein Gott, dir ergeb⸗ ich mich! Vater, ich rufe dich! W Reiterlied. Mel. Es giebt nichts Luſt'gers auf der Friſch auf, friſch auf mit Flug! Frei vor dir liegt die Welt Wie des Feindes kin und Trug Uns rings umgattert hält. Si edles Roß, und baͤume dich, ort winkt der Eichenkranz! Streich' aus, ſtreich' aus, und trage mich Zum juſt'gen Schwertertanz. Poch in den Luͤften, unbeſiegt⸗ Geht friſcher Reitersmuth. Was unter ihm im Staube liegt, Engt nicht das freie Blut. Weit hinter ihm liegt Sorg' und Noth⸗ Uund Weib und Kind und Herd, Vor ihm nur Freiheit oder Tod, Und neben ihm das Schwert. So 8t zum luſt'gen Hochzeitfeſt, er Brautkranz iſt der Preisz und wer das Liebchen wartén laͤßt, Den bannt der freie Kreis le Ehre iſt der Hochzeitgaſt, Das Vaterland die Brautz Wer ſich recht bruͤnſtiglich umfaßt, Den hat der Fod getraut. Gar ſuß mag ſolch ein Schlummer ſeyn In ſolcher Liebesnach In Fiebchens Armen ſchläfſt du ein⸗ Setreu von ihr bewacht. und wenn der Eiche gruͤnes Holz Die neuen Blätter ſchwellt, So weckt ſie dich mit freud'gem Stolz Zur ew'gen Freiheitswett. Deum, wie ſie fällt und wie ſie ſteigt, Des Schickſals raſche Bahn, Wohin das Gluͤck die Schlachten neigt: Wir ſchauen's ruhig an! Fuͤr Deutſche Freiheit wolhen wir ſtehn! Sey's nun in Grabes Schooß, Seys oben auf des Sieges Höh'ns Wir preiſen unſer Loos! 3¹ Und wenn uns Gott den Sieg gewaͤhrt, Was hilft euch euer Spolt Ja Bottes Arm fuͤhrt unſer Schwert⸗ „ Und unſer Schild iſt Gott— Schon ſtuͤrmt es maͤchtig rings umher, Drum, edler Hengſt, friſch auf! und wenn die Welt voll Teuſel waͤr'⸗ Bein Weg geht mitten drauf. W Abſchied vom Leben. Als ich ſchwer verwundet und huͤtflos in einem Holze lag und zu ſterben meinte. Die Wunde brennt;— die bleichen Lippen 2 beben.— Ich fuͤhl's an meines matterm chlage, ier ſteh' ich an ben Marken meinet Tage.— Gott, wie du willſt! Dir ich mich er⸗ geben.— Viel Bilder ſah ich um mich ſchweben; Das ſchone Traumbild zur Todten⸗ a ge.— Muth! Muth!— Was ich ſo treu im Her⸗ zen trage, Das muß ja doch dort ewig mit mirleben! Und was ich hier als Heiligthum erkannte, Wofuͤr ich raſch und jugendlich entbrannte, Db ich's nun Freiheit, ob ich's Liebe nannte: lslichten Seraph ſeh ich's vor mir ſtehen.— Und wie die Sinne langfam mir vergehen, Trägt mich ein Hauch zu morgenrothen Hohen⸗ „n Koͤrners Ged. 6 Luͤtzow's wilde Jagd. Was glänzt dort vom Walde im Sonnenſchein? drs näher und näher brauſen. Es zieht ſich herunter in duͤſtern Reih'n, Und gellende Hörner fallen daxein Und erfüllen die Seele mit Grauſen. Und wenn ihr die ſchwarzen Geſellen fragt, Das iſt Luͤtzow's wilde, verwegene Jagd. Was zieht dort raſch durch den finſtern Wald, Und ſtreift von Bergen zu Bergen? Es legt ſich in naͤchtlichen Hinterhalt: Das Hurrah jauchit, die Buͤchſe knallt⸗ Es fallen die Fraͤnkiſchen Schergen. Und wenn ihr die ſchwarzen Jaͤger fragt, DBas iſt Luͤtzow's wilde, verwegene Jagd. Wo die Reben bort gluhen, wo brauſ't der Rhein, Der Wuͤthrich geborgen ſich meinte, Do naht es ſchnell mit Gewitterſchein, iünd wrrft ſich mit rüſtgen Armen hinein⸗ Und ſpringt an's Ufer der Feinde. und wenn ihr die ſchwarzen Schwimmerfragt, Das iſt Lutzow's wilde, verwegene Jagd. Was brauſ't dort im Thale die laute Schlacht, Was ſchlagen die Schwerter zuſammen? Wildherzige Reiter ſchlagen die Schlacht, Und der Funke der Freiheit iſt glühend erwacht, Und lodert in blutigen Flammen. und wenn ihr die ſchwarzen Reiter fragt, Das iſt Lützow's wilde, verwegene Jagd. eece⸗ 2 3 Wer ſcheidet dort röchelnd vom Sonnenlicht, Unter winſelnde Feinde gebettet? gs zuckt der Tod auf dem Angeſicht; Doch die wackern Herzen erzitkern nicht⸗ Das Vaterland iſt ja gerettet! und wenn ihr die ſchwarzen Gefall'nen fragt, Das war Luͤtzow's wilde, verwegene Jagd⸗ Die wilde Jagd, und die Deutſche Jagd Auf Henkersblut und Tyrannen!— Drum, die ihr uns liebt nicht geweint und Selebt Das Land iſt ja frei, und der Morgen tagt, Wenn wir's auch nur ſterbend gewannen! Und von Enkeln zu Enkeln ſey's nach geſagt: Das war kutzow's wilde, verwegene Jagd. G 6 e Melodie: O sanctissima. Hor uns, Allmaͤchtiger! Poͤr' uns, Allguͤtiger, Himmliſcher Führer der Schlachten! Vater dich preiſen wir! Vater wir danken dir, Daß wir zur Freiheit erwachten! Wie auch die Hölle bräuſt, Gott, deine ſtarke Fauſt 3 Stuͤrzt das Gebaͤude der Luͤge! Führ' uns, Herr Sebaoth⸗ Fuͤhr' uns, dreiein ger Gott, Fuͤhr' uns zur Schlacht und zum Sieget Fuͤhr' uns!— Fall' unſer Loos Uuch tief in Grabes Schooß: Lob doch und Preis deiem Namen!— Reich, Kraft und Herrlichkeit Sind dein in Ewigkeit! Führ uns, Allmäͤchtiger!— Amen. W Unſere Zuverſicht. Mel. Wer nur den lieben Gott laͤßt walten. Wir rufen dich mit freud'gen Blicken, Und halten feſt an deinem Wort! Dlie PHolle ſoll uns nicht beruͤcken Durch Aberwitz und Meuchelmord; Und was auch rings in Truͤmmern geht, Wir wiſſen's, daß dein Wort beſteht.* Nicht leichten Kampfes ſiegt der Glaube, Solch Gut will werſch errungen ſeyn, Freiwillig tränkt uns keine Trdube, Die Kelter nur erpreßt den Wein; und will ein Engel himmelwaͤrts, Erſt bricht im Tod ein Menſchenherz. Drum mag auch noch im falſchen Leben Die Luͤge ihre Tempel hau'n, Und moͤgen goldne Schurken beben, ₰ Und ſich vox Kraft und Tugend grau'n, Und mit der Feigheit Schwindeldrehn Vor dem erwachten Volke ſtehn; Und mögen ſich noch Bruder trennen, „Und ſich in blut'gem Haß entzwei'n, Und Deutſche Fuͤrſten es verkennen, Daß ihre Kronen Schweſtern ſeyn, Und daß, wenn Deutſchland“ einig blieb', Es einer Welt Geſetze ſchrieb': Wir wollen nicht an dir verzagen, Und treu und feſten Muthes ſeyn. Du wirſt den Wuthrich doch erſchlagen, Und wirſt dein Deutſches Land befrein. Liegt auch der Tag noch Jahreweit, Wer weiß, als du, die rechte Zeit? Die rechte Zeit zur guten Sache, Zur Freiheit, zum Tyrannentod! Vor deinem Schwerte ſinkt der Drache, Und faͤrbt die Deutſchen Ströme roth Kit Sclaven-Blut, und freiem Blut!— Du treuer Gott, verwalt' es gut! Was uns bleibt. Wes uns blefpt, wenn Deutguns Siuten brechen, Wenn der Göͤtter Stimme truͤgt, Wenn der Menſchheit Wunden ſich nicht rächen, Wenn das heiligſte Vertrauen luͤgt; onn umſonſt die aufgeblißte Jugend um des Vaterlandes Kerker ſtuͤrmt, 86 Und des Volkes Spartergleiche Tugend Fruchtlos Leichen uͤber Leichen thuͤrmt?— Was uns bleibt, wenn wir trotz unſerm Rechte Knirſchend vor dem falſchen Glücke ſtehn⸗ Und des Wuͤthrichs feile Henkersknechte Mordend durch der Freiheit Tempel gehn?— Was uns bleibt, wenn unſer Blut vergebens Auf des Vaterlandes Grab verraucht⸗ Und der Freiheit Stern, der Sterndes Deut⸗ ſchen Lebens, An dem Deutſchen Himmel nied ertaucht?— Was uns bleibt? Ruhmt nicht des Wiſſens * Bronnen, „Nicht der Kuͤnſte friedensreichen Strand! Fuͤr die Knechte giebt es keine Sonnen, Und die Kunſt verlangt ein Vaterland! Aller Götter Stimmen ſind verklungen Vor dem Jammerton der Sclaverei; Und Homer, er haͤtte nie geſungen; Doch ſein Griechenland war frei!— Was uns bleibt?— Ein chriſtliches Ertragen⸗ Wo des Dulders feige Thraͤne thaut?— Soll ich ſelbſt den Altar mir zerſchlagen, Den ich mir im Herzen aufgebaut? Sol ich das für Gottes Finger halten, Wo der Menſchheit Engel Rache ſchrei'n?— Wo die Teufel teufliſch walten, Da kann nur ein Sieg der Höolle ſeyn!— Bleibt uns nichts?— Fliehn alle gute Engel Mit verwandtem Angeſicht? Brechen aller Hoffnung Vluthenſtengel⸗ Weil des Sieges Palme bricht? Kann der Arm kein rettend Kreuz umklammern In der hoͤchſten letzten Noth? Muͤſſen wir verzweiſeln und verjammern? Giebt es keine Freiheit, als den Tod?—— S 87 Doch! Wir ſehn's im unſrer Jugend, In des ganzen Volkes Heldengeiſt: Ja es giebt noch eine Deutſche Tugend, Die allmaͤchtig einſt die Ketten reißt, Wenn auch jett in den bezwungenen Hallen Tyrannei der Freiheit Tempel bricht!— Deutſches Volk, du konnteſt fallen, Aber ſinken kannſt du nicht! Und noch lebt der Hoffnung Himmelsfunken. „Muthig vorwaͤrts durch das falſche Gluͤck! 's warein S tern! Jetzt iſt er zwar verſunken, Doch der Morgen bringt ihn uns zuruͤck. war ein Stern!— Die Sterne 5 zers ir ebe war derFreiheit goldner ern! Laß die blut'gen Wolken treiben; er iſt in der Huth des Herrn! Mag die Hoͤlle drohn und ſchnauben; Der Tyrann reicht nicht hinauf, Kann dem Himmel keine Sterne rauben; Unſer Stern geht auf! Ob die Nacht die freud'ge Jugend todte: Fürden Willengiebkeskeinen Tod⸗ Und des Deutſchen Helden Blutes Röthe Jubelt von der Morgen⸗ roth! . Maͤnner und Buhen. Melodie: Bruder, mir iſt alles gleich. Das Volk ſteht auf, der Sturm bricht los; Wer rat noch die Haͤnde feig' in den Schooß?2 Pfui uͤber dich Buben, hinter dem Ofen, nter den Schranzen und unter den Zofen! 88 Biſt doch ein ehrlos erbärmlicher Wicht; Ein Deutſches Maͤdchen kuͤßt dich nicht, Ein Deutſches Lied erfreut dich nicht, Und Deutſcher Wein erquickt dich nicht.— Stoßt mit an, Mann ſuͤr Mann, Wer den Flamberg ſchwingen kann! Wenn wir die Schauer der Regennacht Unter Sturmespfeifen wachend vollbracht: Kannſt du freilich auf. uͤppigen Pſühlen Wollüſtig träumend die Glieder fühlen. Biſt doch ein ehrlos erbaͤrmlicher Wicht; Ein Deutſches Maͤdchen kußt dich nicht, Ein Dentſches Lied erfreut dich nicht, Und Deutſcher Wein erquickt dich nicht. Stoßt mit an, Mann fuͤr Mann, Wer den Flamberg ſchwingen kann! Wenn uns der Trompeten rauher Klang, Wie Donner Gottes zum Herzen drang? Magſt du im Theater die Naſe wetzen⸗ Und dich an Trillern und Laufern ergötzen. Biſt doch ein ehrlos erbaͤrmlicher Wichts Ein Deutſches Maͤdchen kuͤßt dich nicht, Ein Beutſches Lied erfreut dich nicht, Und Beutſcher Wein erquickt dich nicht. Stoßt mit an, Mann fuͤr Mann, Wer den Flamberg ſchwingen kann! Wenn die Gluth des Tages verſengend druͤckt, ſind uns kaum ein Tropfen Waſſer erquicktz Kannſt du Champagner ſpringen laſſen, Kannſt du bei brechenden Tafeln praſſen. 89 Biſt doch ein ehrlos erbärmlicher Wicht; Ein Dentſches Maͤdchen kuͤßt dich nicht, Ein Deutſches Lied erfreut dich nicht, Und Deutſcher Wein erquickt dich nicht. Stoßt mit an, Mann fuͤr Mann, Wer den Flamberg ſchwingen kann! Wenn wir vor m Drange der wuͤrgendenSchlacht Zum Abſchied an s ferne Treuliebchen gedacht: Magſt du zu deinen Matreſſen laufen, Und dir mit Gold die Luſt erkaufen. Viſt doch ein ehrlos erbaͤrmlicher Wicht; Ein Deutſches Mädchen kußt dich nicht, Ein Deutſches Lied erfreut dich nicht, Und Deutſcher Wein erquickt dich nicht. Stoßt mit an, Mann fur Mann, Wer den Flamberg ſchwingen kann! Wenn die Kugel pfeift, wenn die Lanze ſauſ't, Wenn der Tod uns in um⸗ rauſ't, Kannſt du am Spieltiſch dein Septleva brechen, Und mit der Spadille die Konige ſtechen. Biſt doch ein ehrlos erbaͤrmlicher Wicht; Ein Deutſches Maͤdchen küßt dich nicht, Ein Deutſches Lied erfreut dich nicht, Und Deutſcher Wein erquickt dich nicht. Stoßt mit an, Mann fuͤr Mann Wer den Flamberg ſchwingen kann! Und ſchlägt unſer Stuͤndlein in Schlachtenroth⸗ Willkommen dann, ſel'ger Soldatentod!— Du verkriechſt dich in ſeidene Decken, Winſelnd vor der Vernichtung Schrecken; 90 Stirbſt als ein ehrlos erbärmlicher Wicht. Ein Deutſches Maͤdchen beweint dich nicht, Ein Deutſches Lied beſingt dich nicht, Und Deutſche Becher klingen dir nicht.— Stoßt mit an, Mann für Mann, Wer den Flamberg ſchwingen kann! W d Trinklied vor der Schlacht. Mel. Feinde ringsum. Sglacht, du brichſt an! Grußt ſie in freudigem Kreiſe Laut nach Germaniſcher Weiſe, Bruͤder, heran! Noch perlt der Wein; Eh die Poſaunen erdröhnen⸗ Laßt uns das Leben verſoͤhnen, Bruͤder, ſchenkt ein! Gott Vater hoͤrt, Was an des Grabes Thoren Vaterlands Soöhne geſchworen: 6 Bruder, ihr ſchwoͤrt! Vaterlands Hort, Wollen wir's aus glühenden Ketten Todt oder ſiegend erretten!— Handſchlag und Wort! 91 * Hort ihr ſie nahn? Liebe und Freuden und Leiben, Tod, du kannſt uns nicht ſcheiden! Bruͤder, ſtoßt an! Schlacht ruft, hinaus! orch, die Trompeten werben! orwärts, auf Leben und Sterben d Bruͤder, trinkt aus! W Schwertlied. Wenig Stunden vor dem Tode des Verfaſſers gedichtet. Du Schwert an meiner Linken, Was foll dein heitres Blinken? Schauſt mich ſo freundlich an, Hab' meine Freude dran! Hurrah!*) „Mich traͤgt ein wackrer Reiter, „Drum blink' ich auch ſo heiter, 5„Bin freien Mannes Wehr, „Das freut dem Schwerte ſehr.“ Hurrah! *) Vei dem Hurrah wird mit den Schwer⸗ tern geklirrt. Ja, gutes Schwert, frei bin ich, Und liebe dich herzinnig Als waͤrſt du mir getraut, Als eine liebe Braut. Hurrah! „Dir hab' ich's ja ergeben, „Mein lichtes Eiſenlében. „Ach waͤren wir getraut! „Wann holſt du deine Braut?“ Hurrah! ur Brautnachts⸗Morgenröthe uft feſtlich die Trompete; Wenn die Kanonen ſchrei'n, Hol' ich das Liebchen ein. Hurrah! „O ſeliges Umfangen! „Ich harre mit Verlangen. „Du Bräut gam, hole mich, „Mein Kraͤnzchen bleibt fuͤr dich.“ Hurrah! Was klirrſt du in der Scheide, Du helle Eiſenfreude, So wild, ſo ſchlachtenfroh? Mein Schwert, was klirrſt du ſo? Hurrah! Wohl klirr' ich in der Scheide: „Ich ſehne mich zum Streite, „Recht wild und ſchlachtenfroh. „Drum, Reiter, klirr' ich ſo.“ Hurrah! Bleib' doch im engen Stuͤbchen, Was willſt du hier, mein Liebchen? Bleib' ſtill im Kaͤmmerlein, Bleib', bald hol' ich dich ein! Hurrah! „Laß mich nicht lange warten! „O ſchoͤner Liebesgarten, „Voll Roslein blutigroth, „Und aufgebluͤhtem Todi“ Hurrah! So komm' denn aus der Scheide, Du Reiters Augenweide, Heraus, mein Schwert, heraus! Fuͤhr dich in's Vaterhaus! Hurrah! „Ach, herrlich iſt's im Freien, „Im räſt'gen Hochzeitreihen, „Wie glänzt im Sonnenſtrahl „So braͤutlich hell der Stahl!“ Hurrah!— Wohlauf, ihr kecken Streiter, Wohlauf, ihr Deutſchen Reiter! ird euch das Herz nicht warm, Nehmt's Liebchen in den Arm! Hurrah! Erſt that es an der Linken Nur ganz verſtohlen blinken; Doch an die Rechte traut Gott ſichtbarlich die Braut. Hurrah! 94 Drum drückt hen liebeheißen Bräutlichen Mund von Eiſen An eure Lippen feſt. Fluch', wer die Braut verläßt! Hurrah! Nun laßt das Liebchen ſingen, Daß helle Funken ſpringen!. Der Hochzeitmorgen graut.— Hurrah, du Eiſenbraut! Hurrah! ⸗ — d Lebensgeſchichte des Dichters.. Gedichte. 1. Das Wunberblümchen. 2. Die Lieb 3. Das war 6 4. Das warſt du.. 5 8 der' giebe. Nacht. 3 8. Worte der Liebe... 9. Harras, der Srringei. 15. Trinklied.—. t. Wallhaide. 12. Der Kynaſt. Mein a813) 152 Durch!(8r3. 6„ 17. Tbſchied S Win. 68tz. 18. Aufruf.(1813). Preußiſche Gränzabier.(igtʒ.) n die Koͤnigin(81z.) ar angini 68rz.) 22. Lied der ſchwatzen Jäger. àsiz. 4 . . . . 13. S. ſich s Vuͤte der Königin ouiſe 2 56 lebe das“ Haus Seſterreich! an) 23 Bundeslied vor der Schlacht.(12. Mai 1913.) Gedet während der Soiuct. 6813.). Reiterlied. 18r3.) Abſchied vom Leben. Nachts vom 17.— 18. Juni 2813.) Luͤtzow's wilde Jagd.(813) Bebet.(1813. Unſere Zuvkrſicht. Was uns bleibt. Männer und Buben.. Trinklied vor der Schlacht. Schwertlied.(26. Auguſt 18 3.). Seite Miniatur⸗Bibliothek der Deutſchen Claſſiker. Erſte Lieferung. Bürgers Gedichte. Erſter Theil. Miniatur⸗Bibliothek der Deutſchen Claſſiker. Bürgers Gedichte. Erſter Theil. Dritte Auflage⸗ Gotha& Peu⸗ York. Im Verlag des Bibliographiſchen Inſtituts⸗ 1 8 28. Heilbronn, gedruckt bei Larl Schell. — Buͤrgers Gedichte. Erſtes Bändchen. Miniatur⸗Ausgabe. Veben des Dichters. Gottfried Auguſt Bürger. Geboren 1. Jan. 7ug. Geſtorben 3. Juni 9. Bürgers Leben iſt ein Gemälde der tiefſten tragiſchen Bedeutſamkeit. Einen bitterern Kelch des Daſeyus leerten der Sterblichen nur wenige. Des Dichters Geburtsort iſt Wolmers⸗ wende bei Halberſtadt, wo ſein Vater die Pre⸗ digerſtelle bekleidete.— Bei einem glücklichen Gedächtniſſe fehlte dem Knaben ernſter Trieb zum Lernan, In ſeinem zehnten Jahr konnte er kaum fertig leſen und ſchreiben, mensa de⸗ kliniren wußte er in ſeinem zwölften noch nicht. Der Stock fruchtete nichts bei dem trägen, träu⸗ meriſchen Jungen. Statt zu lernen, ſchlich er halbe Tage lang, oft bis ſpät in die Racht, in den einſamſten Gegenden des benachbarten Gehölzes umher, und überließ ſich dem Genuß ſchauerlicher Gefühle. Schon damals äußerte ſich die pvetiſche Richtung ſeiner Seele, und in dieſe frühe Zeit fallen ſeine erſten dichteriſchen Verſuche. 1760 kam der Knabe in das Haus jeines Grobvaters, des Hofherrn Bauer in Aſchersle⸗ ben, um das dortige Lyceum zu beſuchen. Auch hier machte er in den Schulkenntniſſen nur langſame ortſchritte. Aber um ſo raſcher ent⸗ wickelte ſich ſein Mutterwitz und ſein Talent zur Poeſie. Beleidigungen und Reckereien ſei⸗ ner Mitſchüler rächte er gewohnlich durch bei⸗ ßende Fyigramme, wodurch er die Getroffenen oft auf das heftigſte gegen ſich erbitterte. Als er einſt durch ein ſolches über den unziemlich großen Hgarbeutel ue ſtolzen Primaners die⸗ ſen zum Gegenſtande des allgemeinen Gelächters gemacht hatke, vergalt ihm der Gereizte in Ge⸗ enwart ſeiner tſchüler auf eine ſo Lerhe Beiſe, daß es der Großvater für gerathen fand, ihn dem Haß ſ er Gegner zu entziehen. Er that ihn auf das Pädagogium nach Halle. Dieß geſchah 1762. Hier, wo er mit Gökingk d die Bande der Freundſchaft knüpfte, reifte unſer Bürger ſchnell zu einer edleren Ausbildung. Aus dem träu⸗ meriſchen, unwiſſenden Knaben entwickelte ſich der wiß 6begierige, lebensfrohe⸗ geniale Jungling, in dem ſich die unverkennbarſte Herzensgüte mit oft m ßperſtandener Schalkheit und müthwilli⸗ ger Leichtſinn mit der wärmiſten Empfänglichkeit für alles Große i Edle auf eine faſt Wider⸗ ſpruch ſcheinende Weiſe vereinigte. Auch in Halle fehlte nicht an Stoff zu Epigrammen, auch da verwickelten ihn dieſe in manche Zwiſtigkei⸗ ten und Händel. Das Haller Päpagogium wechſelte Bürger nach zwei Jahren mit der dortigen Univerſi⸗ 9 tät. Er ſollte, das war der Wille ſeines Groß⸗ vaters, von welchem er nach dem um dieſe Zeit erfolgten Tode ſeines Vaters ganz abhing, Theo⸗ logie ſtudiren; aber dieß ſagte ſeiner Reigung ſo wenig zu, daß er nie große Fortſchritte darin machte, und ſie nur pro forma trieb. Seine Lieblingsſtudien wurden die Muſter der Poeſie, der Römer wie der Neuern, zu deren Verſtänd⸗ niß er ſich mit Eifer auf Aeſthetik und die Er⸗ weiterung ſeiner Sprachkenntniſſe legte. Er fand im geheimen Nath Klotz einen Gönner und Freund, der ihn mit einigen andern genialen Köpfen in den kleinen Kreis ſeiner Vertrauten zog, ein Umgang bei dem,— wie ſehr auch ſeine Geiſtesbildung dadurch gefördert ward,— ſein ſittlicher Charakter nicht gewinnen konnte. Bürger's Lebenswandel wurde von Tag zu Tage lockerer, und ſein böſer Leumund drang endlich bis zu den Ohren ſeines Großvaters. Der Er⸗ zürnte rief ihn von Halle zuruck. Juzwiſchen fand der Enkel bald Gelegen⸗ heit, den Alten wieder zu berſöhnen, und ſelbſt deſſen Erlaubniß auszuwirken, die ihn anwi⸗ dernden theologiſchen Studien verlaſſen und ſich, in Göttingen, der Jurisprudenz widmen zu dür⸗ F Er bezog die Georgia Auguſta Oſtern 1766. Im erſten Halbſahr lebte Bü und ſtudirte mit Eifer und E dekten. Aber nur zu bald gerieth er von neuem auf den in Halle verlaſſenen Irrpfad, er wurde die Beute der Verführung, der Genoſſe wuͤſter Geſellen. Als dieß ſein Großvater erfuhr, ent⸗ zog er dem Undankbaren ſeine Unterſtutzung und uberließ ihn ſeinem Schickſal.— Bürger, tief in Schulden und geſchreckt von ſeinem Gewiſſen, rger ordentlich, folg ſeine Pan⸗ „ 10 war der Verzweiflung nahe. Doch ſein beſſerer Genius ſiegte,— er raffte ſich auf— riß ſich los aus den Armen des Laſters, und tauſchte gegen den Sinnenrauſch mitternächtlicher Orgien den Geiſtesgenuß, der den fleißigen Jüngling bei nächtlicher Arbeit belohnt. Mit Privatunterricht erwarb er ſich ſeinen Unterhalt und das ſtolze Gefühl der Unabhängigkeit; mit eiterner Behart⸗ lichkeit opferte er die meiſten der Ruhe gehören⸗ den Stunden ſeiner wiſſenſchaftliche n Ausbil⸗ dung.— Beſonders eifrig nahm er das Stu⸗ dium der alten und neuen Dichter auf, Um dieſe Zeit bildete ſich aus der Mitte der Göttinger Studirenden jene poetiſche Geſell⸗ ſchaft, mit der für die deutſche Literatur eine neue Epoche— ihr goldenes Zeitalter— an⸗ hebt.— Voß, Hölty, Miller, Spren⸗ gel, Boje, die beiden Stolberge, Leiſe⸗ witz, Era mer, denen ſich Bürger anſchloß, wareh die berühmteſten der Bündner. Zu be⸗ haupten, weiter auszubilden, zu befeſti gen⸗ was der große Klopſtock errungen hatte,— die Be⸗ freiung des deutſchen prachgenfus und Ge⸗ ſchmacks von den Feſſeln ſklaviſcher Nachah⸗ mungsſucht⸗ war der Hauptzweck dieſes Ver⸗ eins. Seli Lingen ſeine Glſeder an ein tiefes kritiſe hes Studium der beſten Mu⸗ ſter der Poeſie der Römer, der Grigtten, der Franzoſen⸗ Staliener, Spanier und Britten.— Fas Leſfing und Herder und Gerſten⸗ berg mit Feuer und Klarheit über Shak⸗ ſveare geſprochen hatten, half den geiſtreichen Zünglingen zum Verſtändniß dieſes größten al⸗ ler Dichter— er wurde ihr Liebling.— Ihre eigenen poetiſchen Arbeiten wurden gemein⸗ ſchaftlich der ſchärfſten, gründlichſten Kritik un⸗ — „— . F 11 kerworfen, und auf dieſem Wege für die Bil⸗ dung jedes Einzelnen in kurzer Zeit Unendliches gewirkt. Die Macht und der Einfluß des Bun⸗ des waren ſchon unbeſiegbar, als die alte Schule mit allen Waffen der Pedanterei, des gelehrten Phariſäismus und des Dünkels der Empiriker gegen ihn zum Kampfe auf Leben und Tod ſich waffnete.— Eine Harſtellung dieſes Kampfes gehort nicht hieher. Lorbeerbekränzt endeten ihn die Jünglinge als Sieger. Dieſem Vereine dankt auch unſer Bürger einen großen Theil ſeiner Bildung, feines Rüh⸗ mes als Dichter. Die ſtrengen, aber gründli⸗ chen Kritiken, die in demſelben auf ſede ſeiner poetiſchen Erzeugniſſe warteten, wurden ihm zum nimmerruhenden Sporn, ſeinen Verſuchen immer größere Rundung und Politur zu ge⸗ ben, welche die Feile ſeiner Freunde, vorzüglich ſeines trauten, unverdroſſenen Bo ſe, vollen⸗ dete. Einige ſeiner herrlichſten Dichtungen— z. B.„das Lied vom braven Mann“— ſtam⸗ men aus dieſer Zeit, und andere, z. B.„Herr Baechus iſt ein braver Mann“ ſind Zeugen der damaligen, bei drü kenden Nahrunzsſorgen den⸗ noch jovialen, zufriedenen Stimmung ſeines Gemüths, in der er ſich leicht den burlesken, launigen Ton aneignete, der ihn als Volks⸗ dichter charakteriſirt. Um dieſelbe Periode ent⸗ ſtand auch ſein„Lied an die Hoffnung“ und „die Nachtfeier der Venus.“ 27 erhielt Vürger auf die Fürſprache ſeines Boſe(zuletzt Königl. Din. Staatsrath zu Möldorfh von den Herren von Uslar die telle eines Juſtizbeamten zu Altengleichen im Fürſtenthum Calenberg, die, obſchon kummer⸗ 12 lich dotirt, dennoch geeignet ſchien, ihn aus der ſorgenvollen, ungewiſſen Lage zu reißen, in der er ſich, ohne alle ſichere Einnahme und tief ver⸗ ſchuldet, in Göttingen befand. Sein guter Großvater, als er hörte, ſein Enkel bewerbe ſich um ein Amt, ſohnte ſich mit ihm aus, bezahlte ſeine Schulden und erlegte die geforderte Cau⸗ tionsſumme. Aber dieſes Geld gerieth unglück⸗ licher Weiſe in die Hände eines Buben, der, unter der Maske der Freundſchaft⸗ Burgern Jahre lang zu täuſchen wußte, und ging groß⸗ dentheils verloren. Dieſe ungl luck den Grund zur Zerrüttung der Vermöge unſers Dichters, und führte ihn in eine Menge ſorgenvoller 2 Verwickelungen, aus welchen ihn nur der Tod befreite. 5 Der Aufenthalt auf dem Lande indeſ⸗ ſen ſichtbar zur Förderung ſein e ients bei. In ien ſchrieb 3 Lenore⸗ ein Meiſterwerk, deſſen Bekanntmachung ihm ie Vewunderung der Welt erwarb. Nie iſt ein Erzeugniß der deutſchen Muſe mit ſolcher algemeinen. Begeiſterung aufgenommen worden, als dieſes. 1u heirathete Bürger die älteſte Tochter des benachbarten Hannöver ſſen Penten L hart zu Niedeck, und mit dieſe ſ5 hebt die Schauertragbdie ſein Bürger hatte, bloß das Bedürfniß einer Hausfrau vor Augen, ohne Liebe ge⸗ wählt. Noch war er nur verlobt, da ſieht er zum erſtenmale die züngere, 14 Jaht aite, ſchöne Schweſter der Braut, Auguſte(die in ſeinen Gedichten als Molly gefeierte), und in den Herzen beider lodert die gluhendſte Liebe auf. Aber mit verwegenem Leichtſinn ſpottet Vurger —— 15 den Warnungen ſeines Schutzgeiſtes, und führt die Ungeliebte, von der angebeteten Schweſter geleitet, zum Altare.— Fortan walteten die Fu⸗ rien uber das Daſenn dieſer drei Weſen, und bereiteten Uhnen 10 lange Jahre hindurch Uun⸗ nennbare Dualen, unſäglichen Kummer. Die Leidenſchaft der Liebenden wuchs mit jedem Tage, und ging aus jedem zu ihrer Reberwäl⸗ tigung unternommenen Kampfe um ſo gewalti⸗ ger, unuberwindlicher hervor. Nur zu bald te die Angetraute das unſelige Ge⸗ nur zu bald hörte es vor der Weit winib⸗ zu ſeyn auf. Vom Schein begün⸗ ſtigt, trug die Verläumdung mi frecher 3 Zunge die toheſten, eckelhafteſten Geſchicht re Puhlifum, und brandmarkte d hältniß der beiden Unglucklichen mit den Schand⸗ malen der vollendetſten Sittenloſigkeit. Verge⸗ bens ertheidigten, ihn ſeine treueſien, vertrau⸗ teſten Freunde. Sie onnten die Liebe Beider nicht längnen— und dieß Zugeſtändniß war in den Angen der pöbelhaften Menge, die ſich ein ſolc Verhältniß nur unter den widerlichſten Formel zu denken vermag, Doch die Stimmen, die das Kreuzige! Kreu⸗ ſe ſchrieen über ihn und eine Molly— ſie ſind längſt Lerſchollen. 1 dem tiefſten Mit⸗ leid leſen wir die Bekenntniſſe des Unglücklichen in ſeinen Gedichten— mit Schauder n durchblik⸗ ken wir in ſeiner„Elegie“*) das tragiſche Ver⸗ —— * Denn wie ſoll, wie kann ich's zähmen, Dieſes hochempörte Herz? Wie den letzten Troſt ihm nehmen Auszuſcheien ſeinen Schmerz? 14 pättniß bis auf ſeine unterſten Tiefen, und— nicht zu verdammen, kaum ihn zu tadeln haben wir noch den Muth⸗— 1780 verfiel Bürger auf den unklugen Ge⸗ danken, als Mittel, ſeine Vermögensumſtände zu verbeſſern, Landwirth zu werden. Er pach⸗ lete ein Gut in Appenroda. Er, wie ſeine Frau, hatten nur wenige praktiſche ökonomiſche Kennt⸗ Schreien, aus muß ich ihn ſchreien! Herr, mein Gott, du wirſt es mir, Un, wirſt verzeihen! Pöchſte Glntö iſt ſeine Queüe, Und ſein Ausſtrom höchſte Gluth! Gott und Gottes Creaturen Ruf' ich laut zu Zeugen an: Ob's von irdiſchen Naturen Eine ſtumm verſchmerzen kann!— *** 1 Wie in Kerkernacht, belaſtet, Wie von Ketten, zentnerſchwer, Stöhnet ach! mein Geiſt, und taſtet Shne Rath und That umher. Rirgends iſt ein Spalt nur offen Für der Hoffnung Labeſchein; Und auch Wünſchen oder Hoffen Scheint Verbrechen gar zu ſeyn⸗ Ich erſtarxe, ich verſtumme, In Verzweiflung tief verſenkt, Wenn mein Herz die Leidenſumme Dieſer Liebe überdenkt⸗ 4 15 niſſe. Beide ahen ſich von ihren Vorſtellungen bald enttäuſcht, die Luſt an der neuen Beſchäfti⸗ gung verwandelte ſich in Eckel, und nach Ver⸗ lauf von ein paar Jahren fah ſich der arme Dichter gezwungen, die Pachtung wied geben. hatte fäſ die ganze indeß verſtorbenen wiegerdaters dabei ver⸗ loren, und ſeine Verm mögensumſtän de waren ker⸗ rütteter als jemals. Dieß war nicht das einzige Nichts, auch nichts m eiß ich zu ſagen, Im Bewußtſeyn di chuld, Richts zu murren, nichts zu blagen;— Dennoch mangelt mir Ged uld! — Herr, mein Gott, wie ſoll es werd den? mein Gott, erleuchte micht Iſt wohl irgendwo auf 4 en Rettung noch und Heil für mich? Heil auch dann, wenn ich erfahre, Daß ſie, ganz von mir befreit, Einem andern am Altare Sich mit Leib und Seele weiht? Biſt du nun verloren? Rettet Fene Macht dich mehr für mich? Molly, meine Molly, kettet 6 kein Segensſpruch gn d dich? 8 ſo ſprich, zu welchem 2 Ziele Schleudert mich ein ſol cher Sturm? WDient denn Gott ein Wenſch zum Spiele, Wie des Buben Hand der Wurm? (Elegie. Als Molly ſich losreißen wollte. Ver⸗ gleiche Bürger's Gedichto, 2 Bd) 16 unglück. Auf die Angeberei deſſelben tückiſchen heuchleriſchen Buben, der ihn früher um die bedeutende Sautionsſimme gebracht hatte, erhob man gegen ihn bei der Hannöverſchen Re⸗ gibrung die infamirende Beſchuldigung, er habe ſein Richteramt nachläſſig und untreu verwaltet. Bürger rechtfertigte ſich zwar; aber der in der öffentlichen Meinung ſo tief Getränkte legte freiwillig ſein Amt nieder. Dieß geſchah 175.. Doch um eben dieſe Zeit löſte ſich das Mar⸗ terband, das Burger vor zehn Jahren ſo fre⸗ velnd geknüpft hatte;— der Tod ſchied ihn von ſeiner Gattin. Zerkuirſcht ſtand er am Grabe derjenigen, die mit ſelner Großmuth und Ent⸗ ſagung ein Verhältniß geduldet hatte, das einer liebenden Gattin Gefuhl empören mußte. Und mit dieſem Ereigniß ſchien eine beſſere Zeit fur unſern Dichter zu tagen. Er zog nach Göttingen, um ſich dort ganz ſeinen Lioblings⸗ Wiſſenſchaften hinzugeben. Die Redaktion des ſchon früher begonnenen M uſenglmnnn und Privatvorleſungen uber Aeſthetik, deutſchen Styl u. ſ. w., gaben ihm ein kicppes, aber doch hinlängliches Auskommen, und als er dieß einigermaßen geſichert glaubte, heiligte des Prie⸗ ſters Weihe ſein und ſeiner geliebten Mollz Bündniß am Altgre. Bie glücklich er damals — das ſagt uns ſein„Hohes Lied an die ige.“ Aber armer Bürger! dein Glück wir Kaum hatte er mit der ſüßen An⸗ vermählten in Göttingen häuslich eingerichtet— da riß dieſelbe Hand, die die Scheidewand ent⸗ fernt hatte, welche die Liebenden 10 Jahre ge⸗ trennt hieit, ſie auch wieder auseinander.— Molly ſtarb kurz nach ihrer erſten Entbindung von einer Tochter. Ein härterer Schlag konnte keinen lichen treffen. Mit dem Verluſte feiner ſchien zugieich all ſein Muth, alle Kra eiſtes und Körpers zertrümmert. er ſich, nach monatelangem H rendem Schmerz, wieder ar ſeines ar ſuchte brüten in verzeh⸗ traffen; zwar fing er von neuem ſeine Vorleſungen an, gi g von neuem an eine literariſchen Arbeiten? warf ſich mit Anſtrengung auf die Kantiſche Philoſophie; 5 aber ſeine vom Gram zernagte phyſiſche Kr war ſeinem Willen nicht länger gewachſen. ſing an zu fränkeln und ſchleppte einen ſi Körper bis ins Grab.— „ 67 ertheilte ihm die philoſophiſche in Göttingen, bei Gelegenheit ihrer 50jäl Zubelfeier, die Doktorwuͤrde,— und zwei Jahre ſpäter die eines außerordentlichen Profeſſors, ſolche jedoch vor der Hand ohne Beſoldung. Dieſe Ausſicht auf eine beſſere, ſichere Verſorgn ward ihm die Veranlaſfung, den längſt geh ten Wunſch, ſeine, in der Entfernung, bei wandten, lebenden 3 Kinder ſelbſt zu erzichen, in Erfullung gehen zu laſſen; aber nur zu bald uhlte er auch ſeine Unfähigkeit und das Be⸗ dürfniß, den Waiſen eine mutterliche Pflegerin zu geben. Der Gedanke, ſich nach einem We⸗ ſen umzuſchauen, die er, als ſeine Gattin, den leinen gls liebende Mutter zuführen könne,— war in ihm ſchon zum Entſchluß gereift,— als ihm(erzählt ſein Biograph Reinhard) von Stuttgart ein Gedicht zugeſendet wurde, worin ein; dem Anſchein nach, edles Mädchen, von gebildetem Verſtande und gefühwollem Herzen. durch den Eindruck, den B ürger's Gedichte auf daſſelbe gemacht hatten, zu inniger Liebe gegen den Dichter hingeriſſen, ihm Herz und Vürgers Ged. I. Bd. 13 Hand anbot. Bürger betrachtete dieſen Antrag Anfangs freilich nur als das Spiel einer guf⸗ geregten Phantaſie, und ſcherzte und lachte dar⸗ uber. Allein, als verſchiedene Nachrichten ein⸗ liefen, welche von der naiven Dichterin ein ſehr reizendes Bild entwarfen, und die Kuhnheit ih⸗ res Entſchluſſes doch guch keine gemeine Wei⸗ berſcele zu verrathen ſchien, ſo glaubte er mit einigen ſeiner Freunde, die Sache verdiene doch wohl eine ernſtlichere Erwägung. Er gab ihr alſo eine poetiſche Antwort, und dieſe leitete Unterhandlungen ein, welche ſich damit endig⸗ ten, daß Burger 1700 ſein Schwaben⸗ mädchen als Gattin heim holte.— Aber die in dieſe, freilich ſonderbar genug geknüpfte, Verkindung geſetten Hoffnungen endeten in frühe bitterſte Täuſchung. Nach zwei Jahren eines peinlichen Zuſammenlebens mußte die Hand der Juſtiz den Bund der Unverträglichen wieder löſen. Von nun an leuchtete dem Armen kein freundlicher Strahl mehr auf dem dunkeln, rauhen Wege zur Gruft.— Erſchöpft an Leib und an Seele, verlaſſen von faſt allen ſeinen —.— Freunden, verlaſſen ſelbſt vom Vertrauen auf ſich ſelbſt, ſchloß ſich der ſieche Ungluckliche Mondenlang auf. ſein kleines Studirzimmer ein, und vergeudete die letzten Kräfte ſeines großen Geiſtes zu kärglich belahlten Ueberſetun⸗ Sen um ſein mudes Daſenn zu friſten! So weit war es gekommen mit dem Lieblings⸗ dichter der deutſchen Ration! Doch auch das war noch nicht die unterſte Hefe aus dem ihm beſchiedenen Wermuthskelche des Lebens. Die war ihm in einer Rerenſion vorbehalten, in welcher ihm der— bei dieſer 19 Veranlaſſung ſchwer irrende, edle Schilrer das letzte Gut zu entreißen ſuchte, das ihm auf Er⸗ den geblieben,— jeinen ſo mühſam und ſo ver⸗ dient errungenen Lorbeer. Sie erſchien 1291 in der Jen, Lit. Zeitung, und Vürgerls würdeloſe, heftige Gegenkritik gab der Welt den Beweis, wie kief iun dieſer Streich verleßt hatte, wie ſehr er durch ihn an ſeinem eigenen Ruhme irre ge⸗ worden war.— Von nun an ſchritt er immer ſichtbarer ſeiner Auflöſung entgegen. Seinc Fränklichteit wurde Abzehrung, und neben dem Lager des Leidenden grinzte der Wangel. Nur ein unerbetenes Geſchenk der Hannöverſchen Ne⸗ gierung vermochte den Hunger von ſeinem Sler⸗ bebette zu bannen. Bürger vollendete zu Göttingen am g. Juni 1794. — 5 Bürger's Charakter war, bei großer Lie⸗ beuswurdigkeit, nicht ohne Flecken. Jugendlichen eichtſinn, Unbeſonnenheit, und den Hang zu einem unordentlichen Lebenswandel, hatte er auch im Mannsalter noch nicht ganz abgeſtreift. Aber dieſe Fehler wurden durch eine Menge der herrlichſten Eigenſchaften ausgeglichen. Mit ei⸗ ner unverwüſtlichen Gutmuthigkeit verband er ein edles, für alles Gute und Große feurig er⸗ Llühendes, von Wohlwollen gegen ſeine Bruder überſtrömendes Herz.— Die traurigſten, bitter⸗ ſten Erfahrungen machten ihn nicht irre im Glauben an den Adel der Menſchheit; tauſend⸗ fach betrogen, verfah er ſich nur Gutes von ſei⸗ nen Umgebungen; und nichts hielt ſchwerer, als ihn, den Argloſen, von abſichtlicher Bosheit zu 2* überzeuzen. Er war beſcheiden, bei dem vollen Bewußtſeyn ſeines Werthes— anſpruchlos im geſeuigen Kreiſe, unter Fremden,— eher ſtill alß vorlaut. Des Weltmanns Geſchliffenheit und Beweglichkeit beſas der ungekünſtelte, Ver⸗ ſtetung verachtende Bürger nicht; dennoch war er immer ein angenehmer Geſellſchafter, und be⸗ leidigte nie durch ſeine Offenheit. Seinen Freun⸗ den war er theuer durch ſein theilnehmendes Herz, für ſie war er zu jedem Opfer bereit. Seinen Kindern war er ein zärtlicher Vater,— für ſeine Familie zu ſorgen ſein unabläſſiges Beſtreben, obſchon die Mittel, die er dazu er⸗ ſnn, oſft nicht die klügſten waren.— Ueber einen Charakter als liebender Gatte giebt ſein Verhältniß zu Molly— der Angetrauten— eugniß, für den Irrthum früher und für den Fehlgriff ſpäter hat er gräßlich gebüßt! unter Althof's Leitung ſetzten die Freunde dem Vollendeten 1700 ein einfaches Denkmgl. Es ſteht im Ullrichſchen Garten zu Göt⸗ tingen, Burger's Lieblingsſpaziergang in den Frühſtunden des Sommers.— Doch ein wür⸗ ſgeres Monument ſetzte er ſich in ſeinen Ge⸗ dichten. Sie, wenigſtens die größere Hälfte derſelben— unſere Auswahl— dauern ſo lange die Sprache dauert, in der er ſie ſchrieb. „Die beſte Kritik der Bürgerſchen Ge⸗ dichte,“ ſagt Horn ſehr treffend,„iſt, wie mich duntt, vom deutſchen Volke ſelbſt gemacht wor⸗ den. Es hat ſie guswendig gelernt. Ais Romanzen⸗Dichter, und in dieſer Be⸗ iehung iſt die Bemerkung wohl gemeint, iſt itre ſelbſt von Sthiller unübertroffen. Seine „Lenore“ allein hätte ihm die Unſterblichkeit ge⸗ 2⁴ ſichert. In den den gltengliſchen e) nachgebit⸗ deten übctreicht er nicht ſelten ſelbſt dieſe herr⸗ lichen Hriginale an Würde, Einfachheit und Zartheit; er ubertrifft ſie immer an Korrektheit und Rundung. In ſeinen eigenen vereinigt ſich die größte Kunſt der Darſtellung, mit dem volks⸗ gemäßen, volksverſtändlichen Ausdruck. Nie i Bilder matt, oder unſchicküch che, Fülle, Lebendigkeit und Klarheit, ihrer Kraft vergleichbgr. Cben 0 tref⸗ lich ind ſeine Lieder im Volkstone. Sie ſind keck und rei aus voller Bruſt geſungen. Ver⸗ werflich ſind nur wenige, in denen der Volks⸗ ton, zum Ausdruck roher anlichkeit, entwür⸗ digt iſt. Als Sonet i ragt er, ſo wenig er ihrer auch ſchrieb, über alle hinwes: Sie ſind ewige Muſter ihrer Gattung.— Die Pracht, Fulle und den goldenen Strom der Sprache, welche, wie Bürgern, den einzigen Schilier ausgenommen, keinem Dichter vor oder nach ihm eigen war, erkennen wir am beſten aus de beruhmten Verſen des Hohen Liedes, aus den liebeathmenden Gedichten an Molly.— Letz⸗ ere,— beſonders„Als M oln ch losreißen wollte,“ ſind furch tb aie Gemäl lde einer tragiſchen Leidenſchaft, welche die Seele des Unverdorbenen mit Schauder erfullen.„Hat der Leſer ſolche Kämpfe nie zu überſtehen gehabt,— voraus⸗ geſetzt, daß ihn nicht bloße Gemüthskäite ſchützte,— ſo erkenne er ſein Glück in Dem uth; ——— Die Sriginale fand er in Relichs ancient english Poetry.(35 Vol. Lond. 5), ein derk, das auf Bürger's Bitßung; n Roman⸗ zendichter großen Einfluß gehabt hat. 22 hon er ſie rein überſtanden, ſo danke er für die öhere Gnade mit noch tieferer Demuth⸗ aber zucke nicht phariſäiſch die Achſeln.“. Unter ſeinen Ueberſetzungen ſind die des Homer und des Shakspegreſchen Maebeth die gelungenſten. Meyer. Buͤrgers Gedichte. — Erſter Theil⸗ Die Nachtfeier der Venus. 1. Vorgeſang. Morgen liebe, was bis heute Nie der Liebe ſich gefreut! Was ſich ſtets der Liebe freute, Liebe morgen, wie bis heut⸗ Unter Wonnemelodieen Iſt der junge Lenz erwacht. Seht, wie froh den Phantaſicen Neuer Luſt ſein Auge lacht! Golden ube er Thal und Hügel, Blau und golden ſchwebet er; Wohlgefuhle wehn die Flügel MWilder Winde vor ihm her. Wolken hinter verleihen, Tränkend Wieſe, Hain und Flur, Labſal, Nahrung und Ged eihen Jedem Kinde der Natur. Morgen liebe, was bis heute Nie der Liebe ſich gefreut! Was ſich ſtets der Liebe freute, Liebe morgen, wie bis heut! 26 Lieb' und Gegenliebe paaret Dieſes Gottes Freundlichkeit. Ihre Nektarfülle ſparet Liebe für die Blüthenzeit. Was auf Erden, was in Lüften Lebensodem in ſich hegt, Wird von friſchen Würzedüften Zum Verlangen aufgeregt. Selbſt die Sehnſucht, die erkaltet, Die erſtorben war, entglüht, Wann die Knospe ſich entfaitet, Wann die Hyaeinthe blüht. Morgen liebe, was bis heute Nie der Liebe ſich gefreut! Was ſich ſtets der Liebe freute, Liebe morgen, wie bis heut! Heller, goldner, roſenröther Bricht uns dieſer Morgen an, Als das erſte Licht, da Aether Mutter Tellus lieb gewann, Da ſie von dem hehren Gatten Floren und den Lenz empfing, Und der erſte Mayenſchatten Um die ſchönſten Kinder hing. Morgen liebe, was bis heute Nie der Liebe ſich gefreut! Was ſich ſtets der Liebe Leute, Liebe morgen, wie bis heut! Hoch im Lichte jener Seene Wand aus Amphitritens Schoos Cypris Anadyomene Sanft die ſchonen Glieder los. —— Ahnend, welch ein Wunder werde, Welch ein Götterwerk aus Schaum, Träumten Himmel, Meer und Erde Tief der Wonne ſüßen Traum. Als ſie, hold in ſich gebogen, In der Perlenmuſchel ſtand, Wiegten ſie entzuckte Wogen An des Ufers Blumenrand. Morgen liebe, was bis heute Nie der Liebe ſich gefreut! Was ſich ſtets der Liebe freute, Liebe morgen, wie bis heut! 2. Weihgeſang. Auf, und ſtimmt zu Cypris Feier, Stimmt ihn an, den Weihgeſang! Töne drein, gewölbte Leuer! Hall' am Felſen, Wiederklang! Morgen zlehn ſie ihre Tauben Fenerlich in unſern Hain; Und die höchſte ſeiner Lauben Nimmt ſie als ihr Tempel ein. Morgen ſitzt ſie hier zu Throne; Morgen blinkt ihr Richterſtab. Wie zur Strafe, ſo zum Lohne Spricht ſie mildes Recht herab. Morgen liebe, was bis heute Nie der Liebe ſich gefreut! Was ſich ſtets der Liebe freute, Liebe morgen, wie bis heut! 27 Eilt, den Thron ihr zu erheben Eilt in froher Harmonie! Bl lumenſchmuck ſoll Florg weben, Flora, blumenreich durch ſie. Spend 6 Göttin, jede Blume, Die auf deinen Beeten lacht, S zu des Feſtes Ruhme Deine ganze Farbenpracht! Morgen liebe, was bis heute, Nie der Liebe ſich gefreut! Was ſich ſtets der Liebe freute, Liebe morgen, wie bis heut! Sammt den Charitinnen waltet Neben ihr zugleich ihr Sohn. Feſtlich, Hand in Hand gefaltet, Stehn wir um den Götterthron. Alle Nymphen ſind geladen. NPumphen, aus Gefild' und Hain, Hreaden und Raiaden PVerden um die Göttin ſeyn. Liebepoll von ihr berufen, Huldigt Alles ſeiner Pflicht. Knie an Knie erfüllt die Stufen Und das hohe Throngericht. Morgen liebe, was bis heute Rie der Liebe ſich gefreut! Was ſich ſtets der Liebe freute, Liebe morgen, wie bis heut! Ha, wie froh heran um Feſte Schon der Nymphen E Sarh ziehn! Amor grüß mit Huld d äſte; Doch die Gäſte mölden n Numphen, die ſein Köcher ſchreckte, Seht ihr nicht, was Amor i 8 Daß er Wehr und Waffen ſreckte, Daß er ſich in Frieden naht? Heut entwaffnen ihn Geſetze, Die er achtet, die er ſcheut, Daß er nicht ein Herz verletze Wenn es gleich ihm Blöße beut. Aber weislich, Nonphen, bruſtet Ihr euch nicht, und ſcheut ihn doch: Denn den Waffenloſen ruſtet Seine ganze Schönheit noch. Morgen liebe, was bis heute Nie der Liebe ſich gefreut! Was ſich ſtets der Liebe freute, Liebe morgen, wie bis heut! Nymphen, rein wie du an Sitte, Du, o keuſche Delia, Sendet dir mit Gruß und Bitte Venus Amathuſi Unſern Feierhain beflecke MWorgen weder Blut noch Mord! Deiner Jagd Getöſe ſchrecke Nicht des Hains Bewohner fort! Selber wäre ſie erſchienen, Selber hätte ſie gefleht, Doch ſie ſcheute deiner Mienen, Deines Ernſtes Maieſtät. Weiche bei Aurorens Scheine! Venus Amathuſig Wallt' allein in dieſem Haine Weich', o keuſche Delia! Morgen liebe, was bis heute Nie der Liebe ſich gefreut! Was ſich ſtets der Liebe freute, Liebe morgen, wie bis heut! Freundlich von Geſicht und Herzen, Lüde ſie auch dich mit ein, Freut' es dich, der Liebe Scherzen, Ernſte Jungfrau, dich zu weihn, Frent es dich, von Jubelchören, Drei geweihte Nächte lang Aphroditens Lob zu hören, Und beglückter Herzen Dank, Freut' es dich, in Wirbelreigen Pagr an Paar uns munter drehn, Und, umhüllt von Murtenzweigen, Liebetraulich ruhn zu ſehn.— Denn den Helden, der am Indus Vom bezähmten Pardel ſtritt, Ceres und den Gott vom Pindus Lud die Göttin freundlich mit. Morgen liebe, was bis heute NWie der Liebe ſich gefreut! Was ſich ſtets der Liebe ſreute, Liebe morgen, wie bis heut! 3 3* Lobgeſang. Ha! ſchon naht der Tag der Feyer, Auf, beginnt den Lobgeſang! Töne drein, geweihte Leyer! Hall' am Felſen, Wiederklang!— Aphroditens Hauch durchdringet, Bis zur leeren Aetherflur, Wo die letzte Sphäre klinget, Jeden Puls der Weltnatur. Ewig weht er fort zu nähren Zene wunderbare Kraft, Die durch Zeugen und Gebären Ewig neue Weſen Morgen liebe, was bis heute Nie der Liebe ſich gefreut! Was ſich ſtets der Liebe freute, Liebe morgen, wie bis heut! Wie die Braut an Hymens Feſte, Prangt durch ſie die Frühlingsflur⸗ Blüthe ziert des Baumes Aeſte, Wie Rubin und Perlenſchnur. Bellis„Primel, Mayenglocke, Purpurklee und Thymian, Krokus mit der goldnen Locke Schmucket Feld⸗ und Wieſenplan. Auf dem Garte nbeet entfaltet Sie der Tulpe Prachtgewand. Aber holder noch geſtaltet Dich, o Roſe,„Cubris Hand. Ihrer zarten Dornenwunde Dankteſt, du dein ſanftes Roth; Deinen Duft dem ſußen Munde, Klagend um Adonis Tod. Lorgen liebe, was bis heute Nie der Liebe ſich gefreut! Was ſich ſtets der Liebe freute, Liebe morgen, wie bis heu ut! Sie beglückt, was im Gefilde, Sie, was L Odem zieht im Hain; Wie' der Heerde, ſo dem. Wilde' Föt ſie ihr Entzücken ei Wohl gedeiht die Luſt der Gatten, Wohl durch ſie im Mutterſchooß: Shne Weh im Myrtenſchatten Windet ſich ihr Segen los. Denn es war die Flur der Hirten, Alte Sage macht es wahr, Wo ſie ſelber unter Myrten Ihren Amor uns gebgr. worgen liebe, was bis heute Nie der Liebe ſich gefreut! Was ſich ſtets der Liebe freute, Liebe morgen, wie bis heut! Sie erlöſt' Anchiſens Laren, Als die Glut ſein Haus umfing; Sie aus tguſend Meergefahren, Was der Flammenwuth entging, Sie erwarb dem biedern Sohne, Fern von Troja, Weib und Land. Rheens unentweihte Zone Löste ſie durch Wavors Hand. Heil durch Liebesbund und Frieden, Gegen Rächerzorn und Macht, Schenkte ſie den Romuliden ur gergubten Freudennacht. oma, deine Fapſerthäter⸗ Wunder für der Nachwelt Ohr, Deine weiſen, edlen Väter Gingen all' aus ihr hervor. Morgen liebe, was bis heute Nie der Liebe ſich gefreut! Wa5 ſich ſtets der Liebe frente, Liebe morgen, wie bis heui! Schall', o Maigeſang! Erſchalle Cythercens Hochgeſang! Thal und Hügel keter nalle, Wald und Flur ſind Feyerkiang. Horch! der Heerde Jubellaute Schallen dort vom Anger ihr; eiſer tönt im Heidekraute Reger Bienen Chorlied hier. Lärmend ruft das Hausgefieder Ihr vom Weiher Dank empor; Und die Boögel edler Lieder Opfern Wohllaut ihrem Ohr. Schmelzend flötet Philomele Tief im dunkeln Pappelhain. Liebe tönt aus ihrer Seele; Flnge kann ihr Lied nicht ſeyn. Enaſt iſt Tereus Wuth vergeſſen.. Längſt vergeſten ihr Verluſt. MWangefuhl und Liebe preſſen Sanfter ihre zarte Bruſt. Morgen liebe, was bis heute Nie der Liebe ſich gefreut! Was ſich ſtets der Liebe freute Liebe morgen, wie bis heut! Sänger, Chor an Chor, verbreiten Aphroditens Lob umher. Soll ich nicht ihr Lied begleiten? Stimmet mich kein Frühling mehr? Buͤrger's Ged. 1. Bd. 3 Ha! erwachte nicht im Lenze Meine Bruſt zu Lieb' und Sang, So entwelkten mir die Kränze, Die ins Haar mir Phöbus ſchlang. Phöbus, müde mich zu lehren, Nähme Stimm' und Laute mir, Säng' ich, May, nicht dir zu Ehren, Nicht zu Ehren, Liebe, dir. Auf denn, wann im grünen Hage Neu ihr Bett Aedon baut, Werd', o Lied, am erſten Tage Mit Aedons Gatten laut! Morgen liebe, was bis heute Nie der Liebe ſich gefreut! Was ſich ſtets der Liebe freute, Liebe morgen, wie bis heut! M Luſt am Liebchen. ——— Wie ſelig, wer ſein Lfebchen hat, Wie ſelig lebt der Mann! Er lebt, wie in der Kaiſerſtadt Kein Graf und Fürſt es kann. Er achtet ſeiner Seligkeit Kein Gut auf Erden gleich. Er dünkt, verarmt bis auf den Deut, Sich dennoch Kröſusreich. Die Welt mag laufen oder ſtehn; Und Alles mag rund um Kopf unten oder oben gehn! Was kümmert er ſich drum? Hui, ſingt er, hui! wer macht aus Wind, Wer ſich aus Regen was Nur wehn und wehen kann der Wind, 5 Und Regen macht nur naß. Durch ſeine Adern reiſet friſch Und ungehemmt ſein Blut. Geſunder iſt er als ein Fiſch In ſeiner klaren Fluth. Ihm ſchmeckt ſein Mahl; er ſchlummert ſüs Bei federleichtem Sinn, Und träumt ſich in ein puradie Mit ſeiner Evg hin. In Götterfreuden ſchwimmt der Mann, Die kein Gedanke mißt, Der ſingen oder ſagen kann Daß ihn ſein Liebchen kußt.— Doch ach! was ſing' ich in den Wind 6 Und habe ſelber keins Evchen, Evochen, nn geſchwind, S komm und werde meins! Bacch u s. Hoch, dreymal höher als Apoll, Soll Vater Bacchus leben! Zehn Berge, dicht von Lorbern voll, Gilt einer mir voll Reben. Um Phöbus ſteilen Helikon Herrſcht Noth in den Provinzen. Er und ein Prinz von Libanbn, Was ſind ſie? Bettel prinden! Gewiß gar kümmerlichen Sold Erwirbt ihm ſeine Leher, Wiewohl er prah it. ſie ſey von Gold, Und ganz entſetzlich theuer. Ihm borgt auf ſeinen Kindertand Kein Kluger e Heller. Hanz anders reizt ein Unterpfand Aus Vater Evans Keller. Zwar wiſſen wir, wie ſtolz Apoll MWit S ng und Klang ſich blähet, Doch heint' 8, daß ſich auch Suchns wohl Auf Sang und Klang verſtehet Wie mag im Freyen am Parnaß Sein Kammerton behagen? Da ſollte Baecchus« Jutther baß An's Ohr der Kenner ſchlagen⸗ Auf! Dieſen laßt zum Schutzpatron Des Helikons uns weihen. Weit beſſer wird durch ſeinen Lohn Die Dichterzunft gedeihen. Vertilgt den alten Lorberhain! Pflanzt Reben an die Stelle! Das Heidelberger Faß voll Wein Rollt auf die Roßhuf⸗Quelle. Alsdann wird unſer neuer Staat Der großen Welt gefallen!. Gern wird der Fürſt und der Prälat Zu unſerm Berge wallen. Man lebte ja nach altem Brauch Bisher dort allzu nüchtern, Drum blieben die neun Jungfern auch Von je und je ſo ſchuchtern. Ha zapften ſie ſich ihren Trank Aus Bacchus Nektartonnen, Sie jagten Blödigkeit und Zwang In's Kloſter zu den Nonnen. Fürwahr! Sie ließen nicht mit Müh' Zur kleinſten Gunſt ſich zwingen; Und ungerufen würden ſie ns in die Arme ſpringen. 57 Das Dörſchen. Jc rühme mir Mein Dorfchen hier! Denn ſchönre Auen, Als rings umher Die Blicke ſchauen, Blühn mehr. Welch ein Gefilde, Zum ſchönſten Bilde Für Dietrich's Hand! Hier Felſenwand Dort Aehrenfelder Und Wieſengrün, Dem blaue Wälder Die Grenze ziehn! u jener Höhe Die Schäf Und in der Nähe 5 MWein Sorgenſeei! So nenn' ich meine z Geliebte, kleine Einſiedetei, Worin ich lebe, Zur Luſt verſteckt, Die ein Gewebe Von Ulm' und Rebe Grün überdeckt. Dort kränzen Schlehen Die braune Kluft, Und Pappeln wehen In blauer Luft. Mit ſanftem Rieſeln Schleicht hier gemach Auf Silberkieſeln Ein heller Bach; Peßt unter Zweigen, Die über ihn Sich wölbend neigen, Bald ſchüchtern hin; Läßt bald im Spiegel Den grünen Hügel, Wo Lämmer gehn, Des ufers Büſchchen Und alle Fiſchchen Im Grunde ſehn, Da gleiten Schmerlen Und blaſen Perlen. Ihr ſchneller Lauf Beht bald hiennieder, Und bald herauf Zur Fläche wieder. Schön iſt die Flur; Allein Eliſe Macht ſie mir nur Zum Pargndieſe. Der erſte Blick Des Morgens wecket Auch unſer Glück. Nur leicht bedecket, Führt ſie mich hin, Wo Florens Beete 2 ie Königin Der Morgenröthe Mit Thränen netzt. 39 40 Und Perlen blitzen Von allen Spitzen Des Graſes läßt. Die Knoſpe ſpaltet Die volle Bruſt; Die Blume faltet Sich auf zur Luſt. Sie blüht, und bluhet Doch ſchöner nicht, Als das Geſicht Eliſens glühet. Wanns heißer wird Geht man ſeibander de Siu ich nicht eilen, Die Luſt zu theilen?— Der Tag iſt ſchwül, Geheim die Stelle, Und lar und kühl Die Badequelle. Ein leichtes Mahl Mehrt dann die Zahl Von unſern Freuden. In weichem Gras An Pappelweiden, Steht zwiſchen Beiden Das volle Glas. =—. Der Frunk erweitert Nun ald das Herz Und 2 Witz erheitert Den ſanften Scherz. Sie kommt, und winket Und ſchenkt mir ein, Doch lac hend trinket“ Sie ſelbſt den Wein; Flieht dann und dünket Sich gut verſteckt; Doch bald entdeck, Muß ſie mit Kuſſen Den Frevel bußen. Drauf miſchet ſie Die Melodie Der ſüßen Kehle In das Ahi Der Philomele, Die ſo voll Seele Nie ſang, wie ſie. So zirkeln immer Luſt und Genuß, Und Ueberdruß Befällt uns nimmer. 6 Seligkeit! Daß doch die Zeit Dich nie zerſtöre! Mir friſches Blut, Ihr treuen Muth ünd Reiz gewähre! Das Glück mag dann Mit vollen Händen An Jedermann, Der ſchleppen kann, Sich arm verſchwenden. Ich ſeh' es an, Entfernt vom Neide Und ſtimme dann Mein Liedchen an Zum Tanz der Freude: e Ich rühme mir Mein Dörſchen hier. Amors Pfeil. N Amors Pfeil hat Widerſpitzen. Wen er traf', der laß ihn ſitzen, 8 Und erduld' ein wenig Schmerz! Wer geprüften Rath verachtet, Und ihn auszureißen trachtet, Der zerfleiſchet ganz ſein Herz. Lieb' und Lob der Schönen. Ich will das Herz mein Leben lang An Lieb' und Lob der Schönen, Und meine Laute, meinen Sang An Lieb' und Lob gewöhnen. Denn lange, hat es ſchon Anakreon erprobet:* Nichts bringt dem Sänger ſüßern Lohn, Als wenn er liebt und lobet. Wer ſich auf Lieb' und Lob verſteht, Auf Lieb' und Lob der Mädchen, Der iſt und bleibt der Leibpoet An Putztiſch, Rahm und Rädchen. Wohlan, o Laute, ſtimme dich Zu Lob⸗ und Liebesſange! Kein Mädchenherz verſchließe ſich Vor deinem Zauberklange. Man wird für dieſen Wohlgenuß Gar lieblich Dank mir nicken; Auch werden Händedruck und Kuß Nicht ſelten mich erquicken. Es wird mir manche ſchöne Hand. Ein Pfand der Huld verleihen, Bald wird ſie mir ein Buſenband, Bald eine Locke weihen. Beim Spiel und Tanze werden mir Die Schönſten immer winken, Und, die ich fordre, werden ſchier Sich mehr als Andre duͤnken. Gelicbt, geehrt bis an mein Ziel, on einer Flur zur andern Werd' ich mit Sang und Lautenſpiel Herbeigerufen wandern. 44 Und, wann ich längſt zur Ruhe bin, Und unter Ulmen ſchlafe So weidet gern die Schäferin Noch um mein Grab die Schafe. Sie ſenkt, gelehnt auf ihren Stab, Ihr Auge, feucht von Schmerzen, Auf meines Hugels Moos herab, Und klagt aus vollem Herzen: So holde, ſüße Lieder O weckte dich mein lanter Ruf Aus deinem Grabe wieder! „Du, der ſo holde Lieder ſchuf, p Du würdeſt mich ngch deinem Brauch Gewiß ein wenig preißen. Dann hätt' ich bei den Schweſtern auch Ein Liedchen aufzuweiſen. Dein Schmeichelliedchen ſäng' ich dann, Sollt' auch die Mutter ſchelten. O lieber, ſüßer Leyermann, Wie wolit' ich's dir vergelten! Dann wird mein Geiſt, wie Sommerluft, Aus ſeiner Ulme Zweigen Zu ihr herunter guf die Gruft,* Sie anzuwehen, ſteigen; Wird durch des Wieſenbaches Rohr Und Blätter, die ſich kräuſeln, Ein Lied in ihr entzucktes Ohr Zu Lob und Liebe ſäuſeln. W e d Der Winter hat mit kalter Hand Die Pappel abgelaubt, Und hat das grune Maygewand Der armen Flur geraubt; Hat Blumchen, blau und roth und weiß, Begraben unter Schnee und Eis. Doch, liebe Blümchen, hoffet nicht Von mir ein Sterbelied. Ich weiß ein holdes Angeſicht, Wo Schönheit euch erzieht. Blau iſt des Augenſternes Rund, Die Stirne weiß und roth der Mund. Was kümmert Amſel mich im Thal, Was Nachtigall im Hain? Denn Molly trillert hundert Mal So hell und ſilberrein. Ihr Athmen iſt wie Frühlingsluft, Erfullt mit Hyaeinthenduft. Wann mich ihr Pupurmund begabt, Ach, welch ein Wohlgenuß: Die Erdbeer' und die Kirſche labt Vicht ſußer als ihr Kuß.— D May, was frag' ich viel nach dir? Der Frühling lebt und webt in ihr. 7 6 Lenore fuhr um's Morgenroth Empor aus ſchweren Träumen: „Biſt untreu, Wilhelm, odexr todt? Wie lange willſt du ſäumen?“— Er war mit König Friedrichs Macht Gezogen in die Prager Schlacht, Und hatte nicht geſchrieben, Ob er geſund geblieben. Der König und die Kaiſerin, Des langen Haders müde, Erweichten ihren harten Sinn, Und machten endlich Friede; Und jedes Heer, mit Sing und Sang, Mit Paukenſchlag und Kling und Klang, Geſchmückt mit grünen Reiſern, Zog heim zu ſeinen Häuſern. Uund überall, all überall, Auf Wegen und auf Stegen, Zog Alt und Jung dem Jubelſchall Der Kommenden entgegen. Gottlob! rief Kind und Gattin laut⸗ Willkommen! manche frohe Braut⸗ Ach! aber für Lenoren War Gruß und Kub verloren. Sie frug den Zug wohl auf und ab, Und frug nach allen Namen; Doch keiner war, der Kundſchaft gab, Von allen ſo da kamen. Als nun das Heer vorüber war, Zerraufte ſie ihr Rabenhaar, Und warf ſich hin zur Erde, Mit wüthiger Geberde. N „ Die Mutter lief wohl hin zr ihr:— Alch, daß ſich Gott erbarme!“— Du trautes Kind, was iſt mit dir?“ Und ſchloß ſie in die Arme. D Mutter, Mutter! hin iſt hin! Nun fahre Welt und Alles hin! Bei Gott iſt kein Erbgrmen. O weh, v weh mir Armen!“— „Hilf Gott, hilf! Sieh uns gnädig an, Kind, bet' ein Vaterunſer! Was Gott thut, das iſt wohlgethan. Gott, Gott erbarmt ſich unſer!“— „O Mutter, Mutter! Eitler Wahn: Gott hat an mir nicht wohl gethan! Was half, was half mein Beten? Run iſt's nicht mehr vonnöthen.“ ilf Gott, hilf! Wer den PVater kennt, Der weiß, er hilft den Kindern. Das hochgelobte Sgerament Wird deinen Jammer lindern,“ Mutter, Mutter! was mich brennt, Das lindert mir kein Sacrament! Vein Sgerament mag Leben Dem Fodten wieder geben“ 48 „Hör', Kind! wie, wenn der falſche Mann Im fernen Ungerlande, Sich ſeines Glaubens abgethan, Zum neuen Ehebande? Laß fahren, Kind, ſein Herz dahin! Er hat es nimmermehr Gewinn! Wann Seel' und Leib ſich trennen, Wird ihn ſein Meineid brennen.“— „O Mutter, Mutter! Hin iſt hin! Verlvren iſt verloren! Der Tod, der Tod iſt mein Gewinn! S wär' ich nie geboren! Liſch aus, mein Licht, auf ewig aus“ Stirb hin, ſtirb hin in Nacht und Graus! Bei Gott iſt kein Erbarmen. Oh weh, o weh mir Armen!“— „Hilf Gott! hilf! Geh nicht ins Gericht Mit deinem armen Kinde! Sie weiß nicht, was die Zunge ſpricht. Behalt' ihr nicht die Sünde! Ach, Kind, vergiß dein irdiſch Leid, ünd denk' an Gott und Seligkeit! So wird doch deiner Scelen Der Bräutigam nicht fehlen.“— „O Mutter! was iſt Seligkeit? O Mutter! was iſt Hölle? Bei ihm, bei ihm iſt Seligkeit, Und ohne Wilheim Hölle!— Liſch aus, mein Licht, auf ewig aus! Stirb hin, ſtirb hin in Nacht und Graus! SOhn ihn mag ich auf Erden, . Mag dort nicht ſelig werden.“ 1 — — So wüthete Verzweifelung Ihr in Gehirn und Adern. Sie fuhr mit Gottes Vorſehung Vermeſſen fort zu hadern; Zerſchlug d den Buſen, und zerrang Die Hand bis Sonnenuntergang, Bis auf am Himmelsbogen Die goldnen Sterne zogen. Und außen, horch! ging's trap trap trap⸗ Als wie von Roſſeshuſer Und klirrend ſieg ein Reiter ab, An des Geländers Stufen; Und horch! und horch! den Pfortenring Ganz loſe, leiſe, künglingling! Dann kamen d durch die Pforte Vernehmlich dieſe Worte: „Hollg, Hoa! Thu' auf, mein Kind, Schläfſt, Liebchen, oder wachſt du? Wie biſt noch gegen mich geſinnt? Und weineſt oder lachſt du?“ „Ach, Wilhelm, du?.. So ſpät bei Nacht? Geweinet hab' ich und gewacht; Ach, großes Leid erlitten! Wo kommſt du her geritten?“— „Wir ſatteln nur um Mitternacht. Weit ritt ich her von Böhmen. Ich habe ſpät mich aufgemacht, Und will dich mit mir nehmen.“— Aich, Wilhelm, erſt herein geſch wind! Den Hagedorn durchſauſt der Wind Herein, in⸗meinen Armen, Herzliebſter, zu erwarmen!“— Bürger's Ged. I. Bd. 4 50 „Laß ſanſen durch den Hagedorn, Laß ſauſen, Kind, laß ſauſen! Der Nappe ſcharrt; es kürrt der Sporn, Ich darf alhier nich hauſen. Komm, ſchurze, ſpring' und ſchwinge Dich Auf meinen Nappen hinter mich! Penß heut noch hundert Meilen MWit dir in's Brautbett eilen.“— Ach! wollteſt hundert Meilen noch Mich heut in's Brautbett tragen? locke noch, Und horch! es brummt die( Die eilf ſchon angeſchlagen.“ Wond ſcheint hell, 9 Sieh hin, ſieh her! Der . 6 Wir und die Todten reiten ſchnell. Seh bringe dich, zur Wette, Noch heut in's Hochzeitbette.“— „Sag' an, wo iſt dein Kämmerlein? Lo? wie dein Hochzeitbettchen?“ „Weit, weit von hier!.. Still, küht und Sechs Bretter und zwei Brettchen!“— „at's Raum fur mich?“— Komm, ſchurze, ſpring' und ſchwinge dich! Die Hochzeitgäſte hoffen; Die Kammer ſteht uns offen.“— Schön Seſitz ſprang und ſchwang 3 Sich auf das Roß behen 6— Wohl um den trauten Reiter ſchlang Sie ihre Lilienhände: Und hurre hurre, hop hop hop!! ing's fort im ſauſenden Galopp, Das Roß und Reiter ſchnoben 5 und Kies und Funken ſtoben kle und wich, 51 rechten und zur linken Hand, vor ihren Blicken, ogen Anger, Haid' i iebchen guch vor Fodten? nein!. Doch laß die Todien!“— Was klang dort für Ge ang und Klang? Was fiatterten die Raben? orch Glockenklang! horch Todtenſang: „Laßt uns den Lerb begraben!“ Und näher zog ein Leichenzug, Der Sarg und Todtenba trug. Das Lied war zu vergleichen Dem Unkenruf in Teichen. rabt den Leib, Sang und Klage ich heim mein junges Weib. „mit zum Brautgelage! Komm, Küſter, hier! Komm mit dem Chor, d gurgle mir das Brautlied vor! Komm, Pfaff', und ſprich den Segen, Eh' wir zu Bett uns legen!“— 6Stilt Klang und Sang Die Bahre ſchwand. Gehorſam ſeinem Rufen, Kam's hurre hurre! nachgerannt, art hiter's Rappen Hufen. und immer weiter, hop hop hoplt Bingls fort in fauſendem Galopp, Daß Roß und Reiter ſchnoben, Uud Kies und Funken ſtoben. 4* ——— 52 Wie flogen rechts, wie ſtogen links Gebirge, Bäum' und Hecken! Wie flogen links, und rechts. und links Die Dörfer, Städt' und Flecken! „Graut Liebchen auch?„Der Mond ſcheint hell! Hurrgh! die Todten roiten ſchnell! Graut Liebchen auch vor Todten?“ „Ach! Laß ſie ruhn, die Todten.“— Sieh da! ſieh da! Am ic Tanzt um des Rades Spindel, Halb ſichtbar bey Mondeslicht, Ein Seſindel.— Geſindel, hier! Komm hier! iuber⸗ komm und folge mir! Tanz' uns d den Hoch zeitreigen, Wann wir zu Bette ſteigen!“ Und das Geſindel, huſch huſch huſch Kam hinten ngchgepraſſeit⸗ Wie Wirbelwind am Haſelbuſch Durch dürre Blätter raſſelt. Und weiter, weiter, hop hop hop! Gings fort im ſauſenden Galopp, Daß Roß und Reiter ſchnoben! Und Kies und Funken ſtoben. Wie flog, was et Mond beſchien, Wie flog es in die Fe W zie flogen oben ub er vin Der Himmel und die Sterne— „Graut Liebchen auch?.. Der Wend ſchein hell Hurrah! die Todten rei ſchnell? Grant Liebchen auch vor Todten?“— „O weh! Laß ruhn die Todten“—— — 53 „Rapy Rapp' Mich dünkt der Hahn ſchon ruſt.⸗ Vald wird der Sand verrinnen.“. Rapp'! Rapp' Ich wittre MWorgenluft. app! mle dich von hinnen!— Ve t, iſt unſer Lauf! hut ſich auf. Die Todten reiten ſchnelle! Wir ſind, wir ſind zur Stelle.“—— Raſch auf ein eiſern Gitterthor Ging's mit verhüngtem Zügel. Mit ſchwanker Gert' ein Schlag davor 3 3 Zerſprengte Schloß und Riegel. Die Flugel flogen klirrend auf, Und über Gräber ging der Lauf. Es blinkten Leichenſteine Nund um im Mondenſcheine. Ha ſieh! Ha ſieh! im Augenblick, uhn, ein gräßlich Wunder! Des Reiters Koller, Stück für Stück, ie ab, wie mürber Zunder. um Schädel ohne Zöpf und Schopf, Zum nakten Schäder ward ſein Kopf; Sein Körper zum Gerippe, Mit Stundenglas und Hippe. Hoch bäumte ſich, wild ſchnob' der Rapp', Und ſprähte Feuerfunken; Und hui! war's unter ihr hinab Verſchwunden und verſunken. Geheul! Geheul aus hoher Luft, Gewinſel kam aus tiefer Gruft. enorens Herz mit Beben, Rang zwiſchen Tod und Leben. 54 Nun tanzten wohl bei Mondenglanz, Rund um herum im Kreiſe, Die Geiſter einen Kettentanz, Und heulten dieſe Weiſe: Geduld: Geduld Wenn's Herz auch bricht! Wit Gott im Himmel hadre nicht! Des Leibes biſt du ledig; Gott ſey der Seele gnädig!“ Das vergnügte Leben. Der Geiſt muß denken. Ohne denken gleicht Der Menſch dem Dechs⸗ und Eſelein im Stalle. Sein Herz muß lieben. Ohne Liebe ſchleicht Sein Leben matt und lahm, nach Adams Falle. Ein Kranz umkränz' ihn, ohne Drang und Zwang, Ein Franz von klugen, nur nicht ſtolze Leuten, Die ſich auf Witz verſtehn und Drolligkeiten; Denn ſonſt währt mancher Abend gar zu lang. Dabei iſt's eine himmliſch ſchöne Sache n Efnen rechten hraven Herzensfreund, Der, iſt man fröhlich, wacker mit uns lache, Und ehrlich weine, ſo'man ſelber weint. Der Abend muß ein Leckermahl beſcheren; Ein Mahl, erheitert durch Geſpräch und Wein. Da mag das Herz voll guter Dinge Nur muß der Kopf des Rauſches ſich ern * . —,— * 55 Was für ein Wunſch zu guter Nacht ſich ſchickt, Das brauch' ich nicht erſt lang und breit zu ſagen. Ein Weibchen muß man mit zu Bette tragen, Das jede Nacht, wie eine Braut, entzückt, Sagt, Freunde, ſchlendert g ein ſolches Leben Gar artig und gemächlich ſeinen Gang? Seit i eit mir die Lieb' Amalien gegeben, Beſitz' ich Alles, was ich eben ſang. Der Bauer. Wer biſt du, Fürſt, daß ohne Scheu Zerrollen mich dein Wagenrad, 3 Berſchlagen darf dein Roß? Wer biſt du, Fürſt, daß in mein Fleiſch Dein Freund, dein Jagdhund, ungeblänt Darf Klau' und Rachen hau'n? Wer biſt du, daß durch Saat und Forſt Das Hurrah deiner Jagd mich treibt, Entathmet, wie das Wild?— 0 ie Saat, ſo deine Jagd zertritt, Was Roß, und Hund, und Hu verſchlingſt, Das Brod, du Furſt, iſt mein. 56 Du Fürſt haſt nicht, bei Egg' und Pflug, Haſt nicht den Erntetag durchſchwitzt. Mein, mein iſt Fleiß und Brod!— Ha! Du wärſt Obrigkeit von Gott? Gott ſpendet Segen aus; du raubſt!. Du nicht von Gott, Tyrann! Zum Spatz, der ſich auf dem Sagle gefangen hatte. Bons dies, Herr Spatz! Ey, ſeht doch'mal, Willkommen hier gauf meinem Saal! Er iſt gefangen, ſieht er wohl? Und ſtellt' er ſich auch noch ſo toll, Und flög' er ewig kreuz und quer,. Nach gllen Fenſtern hin und her, Zerbräch' auch Schnabel ſich und Kopf, Er iſt gefangen, armer Tropf! Ich ſein Deſpot, und er mein Selav! Er ſey Prinz, Junker oder Graf, Bei ſeinem Spatzvolk!— Hör' er nun, Was All ich mit ihm könnte thun. Zerzupfen, rupfen, Hals umdreh'n Da wird nicht Hund und Hahn nach krähn,— Zerſchlagen ihn, mit einem Hieb, Und das mit Recht, Herr Galgendieb! Weiß er die Kirſchen, die verſchmitzt Er vor dem Maul mir wegſtipitzt? 82 £ Auch würd' es Fürſtenku rzweil ſeyn, Ließ' ich den Käter Lips herein. Wenn ich ja übergnädig wär' So holt' ich eine ſcharfe Scher', Und ſchnitt ihm ab die Flügelein, Sammt ſeinem kecken Schwänzelein. Dann mußt' er unter Bett' und Bank Im Staube flattern lebenslang.— De! Bürſchchen, wie iſt ihm zu Sinn?— — Doch, ſeh' er, daß ein Menſch ich, bin! Jah laſſ ihn wieder frank und frei. Doch, daß ſtets eingedenk ihm ſey, Die Freiheit ſey ein goldner Schatz, So hudeit man ihn erſt, Herr Spgtz Und ſcheucht ihn hin und her, huſch! huſch. Nun Fenſter guf! Hinaus zu Buſch! Hu, hu! Deſpotenhudelei! Gott wahre mich vor Selaverei. M 53 Neue weltliche hochbeutſche Reime, enthaltend die ebentheyerliche doch wahrhaftige Hiſt oriam von der wunderſchoͤnen durchlauchtigen Kaiſerlichen Prinzeſſin Europa, und einem uralten heidniſchen Goͤtzen Jupiter, item Zeus genannt, als welcher ſich nicht entblödet, unter der Larve eines unvernünftigen Stiers, an hochſigedachter Prinzeſſin ein Crimen RNaptus, 5 Jungfrauenraub auszuüben. Allſo geſetzet und an das Licht geſtellet durch M. Jocoſum Hilarium, Ppet. caeſ. laur. — Vor Alters war ein Gott, Von nicht geringem Ruhme, Im blinden Heidenthume; Nun aber iſt er todt. Er ſtarb poſt Chriſtum natum.. Ich weiß nicht mehr das Datum. deutſch:. Der war an Schelmerey, Das Weibſen zu betrügen, Von dem Papa der Lügen Das echte Konterfen; Und kurz, auf alle Fälle, Ein lockerer Geſelle. Ich hab' ein altes Buch, Das thut von ihm berichten Viel ſchnurrige Geſchichten. gnug Worin manch Stutz nue Für ſeinen Schnabel fände, Wenn er Latein verſtände. Mein unverdroßner Mund Soll, ohne viel zu wählen, Nur einen Kniff erzählen. Denn thät ich alle kund, So wäre zu beſorgen, Ich ſäng' bis übermorgen. Eu'r Batzen ſoll euch nicht, Geehrte Herrn, gereuen. Mein Liedel ſoll euch fteuen— Doch ihr dort, Schelmgezücht! Krvaten, hinterin Bänken! Laßt nach mit Lärm und Schwänken! Heda Hier nichts gegeckt, Ihr ungewaſchnen Buben! Narrirt in andern Stuben, Nur mich laßt ungeneckt! Sonſt hängt euch, ſchnaps am Munde Ein Schioß, wiest tanſend Pfunde. 60 Ha, das Donatgeſchmeiß Kaum hoͤrt und ſieht's was Neues, So hat es gleich Geſchreyes, So puppern Herz und Steiß. Geduld! Man wird's euch zahlen, Euch dünnen Schulpennalen! Traut nicht; Es rest ſich hie, In meinem Wolfstorniſter, Der G uck und ſein Küſter,— Ein Kobold,— heißt Genie. Dem ſchafft's gar guten Frieden, Wem Gott ſolch Ding beſchieden. Laßt ja den Griesgram gehn! Er weiß euch zu kuranzen; Läßt euch wie Affen tanzen, Und auf den Köpfen ſtehn; Wird euch mal begenieen, Daß euch die Steiße glühen.— Doch ihr, Kunſtjüngerlein! Mögt meine Melodeyen Nur nicht flugs nachlalleyen. So leicht lalt ſich's nicht nein. Beherzigt doch das Dictum: Egcatum non eſt pietum.—— Eu'r Vatzen ſoll euch nicht, Geehrte Herrn, gereuen. Mein Liedel ſoll euch freuen: Run ſchaut mir in's Geſicht! Merk auf mit Herz und Sinnen; Will endlich mal beginnen— 61 Zeus wälzt' im Bette ſich, Nachdem er lang gelegen, Wie Potentaten pflegen, Und fluchte mörderlich: „Schon trommelts zur Parade! Wo bleibt die Schokolade?“ Gleich bringt ſie ſein Lakey, Bringt Schlafrock, Toffeln, Hoſe, Schleppt Pfeife, Knaſterdoſe Nebſt Fidibus herbei. Denn Morgens ging kein Mädchen Gern in ſein Kabinetchen. Er ſchlürſt. acht Taſſen aus; Hing dann, zum Zeitvertreibe“ Sich mit dem halben Leibe Zu um Himmelsfenſter naus, Und ſchmauchte, friſch und munter, Sein Pfeiſchen Fnaſter runter. Und durch ſein Perſpeetiv PViſirt' er von dem Himmel Nach unſerm Weltgetummel. Sonſt mochten wohl ſo tief Die abgeſchwächten Augen Nicht mehr zu ſehen taugen. Da nahm er ſchmunzelnd wahr Auf ſchön beblümten Auen, Gar lieblich anzuſchauen, Vergnügter Mägdlein Schar, Die auf dem grünen Raſen Sich Gänſeblümchen laſen. Die Schönſte war geſchmückt Mit einem leichten Kl Von roſinfarbner Mit Fadengold d Die Andern aber ſchier In Demuth ihr zu dienen. Die niedliche Geſtalt, Die ſchlanken zarten Glieder Beſah er auf und nieder. Ihr Alter er gar bald Recht kunſtverſtändig ſchätzte, Und es auf Sechzehn ſetzte. Zum Blumenleſen war Ihr Röckchen aufgehoben, Das Perſpectiv von oben Sgh Alles auf ein Haar. Die Fußchen, Knie und Waden Behagten Seiner Gnaden. Sein Herzenshammer ſchlug. Bald wollt' er mehr gewinnen. Da hub er an zu ſinnen Auf grge. Liſt und Trug. Ihn dünkt', ſie zu erſchnappen, Sey's Noth, ſich zu verkappen. Er klügelt' und erfand, hlauem Spintiſiren, ier ſich zu maskiren: Doch iſt mir unbekannt, Wie dieſes zugegangen, Und wie er's angefangen. Ich mag um Schlaf und Ruh Durch Grübeln mich nicht bringen; Allein mit rechten Dingen Ging ſolches Spiel nicht zu. Es half ihm ſonder Zweifel, 3 Gott ſey bey uns 1 71 der Teufel. Kurzum, er kommt als Stier, Und graſet im Gefilde, 3 Als führt er nichts im Schilde, Erſt ziemlich weit von ihr, Und ſcheint den Frauenzimmern, Sich ſchlecht um ſie zu kummern. Allmählig hub er an, Sich näher an zu drehen. Doch noch blieb ſie nicht ſtehen. Der Krepp wuchs ihr bergan. Auch ward ihr in die Länge Die Schnurbruſt mächtig enge. Doch hört nur! Mein Monſieur Verſtand die fintenvolle Porher ſtudfrte Rolle, Wie ich mein Abe. Wär' er Acteur, ich wette, Daß man geklatſchet hätte. Er hatte Theorie Mit Praris wohl verbunden. zn ſeinen Nebenſtunden Verabſäumt er faſt nie, aſonis Buch zu treiben. und Noten beizuſchreiben. Drum that der arge Stier Sehr zahm und ſehr geduldig, Schien keiner Tücke ſchuldig, Und ſuchte mit Manier,. Durch Kopfhang ſich und Schweigen Empfindſam gar zu zeigen. Das Mägdlein durch den Schein Von Sittſamkeit betrogen, Ward endlich ihm gewogen. „Sollt' er wohl kukrig ſeyn?“ Sprach ſie zu ihrer Amme, „Er gleicht ja einem Lamme!“ Die alte Strunſel rief: „Ey! welche ſchöne Frager RNach aiter Deutſchen Sage Sind ſtille Waſſer tief. Prum, chere Enfant, drum bleibe Dem böſen Stier vom Leibe“ „Ich möchte,“ fiel ſie ein, „Ihm wohl ein Kränzel binden, Und um die Hörner winden. Er wird ſchon grtig ſeyn, Wenn ich hübſch traulich rabble, Und hinter'm Ohr ihm krabble.“ „Fort, Kind da kommt er, Ahl..“ Doch er ließ ſacht die Glieder In's weiche Gräschen nieder, Lag wiederkäuend da. Sein Auge, dumm und ehrlich Schien gänzlich nicht gefährlich. Da ward das Mägdlein kühn, Uund trieb mit ihm viel Poſſen, Das litt er unverdroſſen) und ach und ſtieg auf ihn.. Shi Hil ich will's doch wagen, Ob mich das Thier will tragen?“ Doch der verkappte Gaſt Empfand auf ſeinem Rucken Mit krabbelndem Entzücken Faum ſeine ſchone Laſt, So ſprang er auf und rennte, Als ob der Kopf ihm brennte⸗ Und lief im vollen Trab, Huerfelhein, ſchnurgerade, Zum nächſten Meergeſtade, Und that er hinab, Kein ilchen zu verlieren, Den Sprung mit allen Vieten⸗ Acht ſchrien die Zofen, ach: (Die au das tfer ſprangen, Und ihre Hände rangen,) Ach:! Achr Prinzeſſin, ach Was für ein Streich, Ihr Gnadent Nun han wir's auszubaden.“ Allein das arme Kind Dub, zappelnd mit den Beinen, Erbürmlich an zu weinen Ach helft mir helft geſchwind!“ och unſer Schalk vor Freude Lar taub zu ihrem Leide. Bürger's Ged. 7. Bd⸗ 5 Nichts half ihr Ach und Weh. Sie mußte fürbaß reiten. Da gafft' auf beiden Seiten Janhagel aus der See, ünd hub ganz ausgelaſſen, Hieruber an zu ſpäſſen⸗ Der Stier ſprach nicht ein Wort, Und trug ſie ſonder Gnade Hinüber an's Geſtade, Und kam in ſichern Port. Darob empfand der Heide Herzinnigliche Freude. Hier ſank ſie auf den Sand, Ganz matt durch langes Reiten Und Herzensbangigkeiten, Von Sinnen und Verſtand. Vielleicht hat's auch darneben Ein Wölſchen abgegeben. Mein Stier nahm, friſch und froh, Dieß Tempo wahr, und ſpielte, Als ſie nicht ſah und fühlte, Ein neues Qui pro quv. Denn er verſtand den Jocus Mit fiat Hveus pveus. Und trat als Kavalier, In hoch friſirten Haaren, Wie damals Mode waren, Mit dem Flakon zu ihr; Und hub, um Bruſt und Hüften, Die Schnürbruſt gn zu luften⸗ Kaum war ſie aufgeſchnürt, Kaum kitzelt' ihre Naſe Der Duft aus ſeinem Glaſe, So war ſie auch eurirt; Drauf er, wie ſich's gebührte, Commeea mit ihr charmirte: „Willkommen hier ins Grün! er Dio! das bejah' ich, Mein blaues Wunder ſah ich! Woher, mein Kind, wohin? So weit durch's Meer zu reiten! Und doch nicht abzugleiten?— Indeſſen freut mich's, hier In meinem ſchlechten Garten Gehorſamſt aufzuwarten. Ma Foi das ahnte mir. Heut hatt' ich ſo ein Träumchen... Auch juckte mir das Däumchen. Man zog Ihr wackres Thier, Worauf Sie her geritten, Nachdem Sie abgeſchritten, Gleich in den Stali von hier. a ſoll es nach Verlangen, Sein Futter ſchon empfangen. Sie werden, Herzchen, gelt? Wohl noch ein wenig frieren? Geruhn Sie zu ſpazieren In dieſes Luſtgezeit, Und thun in meiner Klauſe, Als wären Sie zu Hauſe, 6 — Hier pflegen Sie der Ruh' und trocknen ſich, mein Schneckchen, Ihr Hemde ſammt dem Röckchen, Die Strumpfchen und die Schuh'. Ich, mit Permiß, will Ihnen, Statt Kammermädchens dienen.“— Sie ſträubte jüngferlich Sich anfangs zwar ein wenig: Doch er bat unterthänig, Und da ergab ſie lich. Nun, hochgeehrte Gäſte, Merkt auf! nun kommt das Beſte. Hem... Ha Ich merke wohl An euern werthen Naſen, Daß ich mit hubſchen Phraſen Euer Ohr nun kitzeln ſoll. Ihr möchtet um den Batzen⸗ Vor Lachen gern zerplatzen. Doch, theure Gönner, ſeht, Was ich dabei riſkire! Benn's der Paſtor erführe, Der keinen Spaß verſteht, Dann wehe meiner Ehrer— Ich kenne die Paſtöre!— Drum weg mit Schäkereyn: Von ſuß candirten Zoten Wird vollends nichts geboten. Hilarius hält fein Auf Ehrbarkeit und Mores, Ihr Herren Auditores. — In Züchten, wie ſich's ziemt, Weil mich vor langem Breye In ſolchen Schoſen ſcheue, Meld' ich nur kurz verblümt: Hier that mit ſeiner Schöne Der Herr ſich trefflich bene.— Nun ſchwammen mit Geſchrei In langen grünen Haaren, Der Waſſernixen Scharen Hart an den Strand herbei: Zu ſehen das Spectakel, In dieſem Tabernackel. Manch Nirchen wurde roth; Manch Nirchen wurde lüſtern; Jen's neigte ſich zum Flüſtern; Dieß lachte ſich halb todt; Neptun, gelehnt an's Nuder, Rief: Proſit, lieber Bruder! Nun dank', o frommer Chriſt, Im Namen gller Weiber, Daß dieſer Heid' und Räuber Pereits geſtorben iſt.. Zwar. fehlts auch zum Verführen Nicht an getauften Stieren. Der Raubgraf. — Es liegt nicht weit von hier ein Land Da reiſt ich einſt hindurch; Am Weg auf hohem Felſen ſtand, Vor Alters, eine Burg. Die alten Rudera davon 2 Wies mir der Schwager Poſtillon. „Mein Herr, begann der Schwager Matz, Mit heimlichem Geſicht, Wiär, mir beſchert dort jener Schatz, Führ' ich den Herrn wohl nicht. Mein Seel! den König fragt' ich gleich. Wie theuer, Herr, ſein Königreich? Wohl Manchem wäſſerte der Mund, Doch Mancher ward geprellt. Denn, Herr, Gott ſey bei uns ein Hund Bewacht das ſchöne Geld. Ein ſchwarzer Hund, die Zähne bloß, Mit Feueraugen, tellersgroß! Nur immer alle ſieben Jahr' Läßt ſich ein Flämmchen ſehn. Dann mag ein Bock, kohiſchwarz von Haar, Die Hehung wohl beſtehn. Um zwölf Uhr in Walpurgis Nocht Wird der dem Unhold dargebracht. Doch merk' Eins nur des Böſen Liſt! Wo noch zum Ungelück Am Bock ein weißes Härchen iſt, Alsdann: Ade, Genick! Den Kniff hat Mancher nicht bedacht, Und ſich um Leib und Seel' gebracht. Für meinen Part, mit großen Herrn Und Meiſter Urian, Aet ich wohl keine Kirſchen gern, Man läuft verdammt oft an. 4 Sie werfen Einem, wie man ſpricht, Gern Stiel und Stein in's Angeſicht. Drum rath ich immer; Lieber Chriſt, Laß dich mit keinem ein“ zann der Contrget geſchloſſen iſt, richt man dir Hals und Bein. Trotz allen Klauſeln, glaube du, Macht jeder dir ein E fur U.— Goldmacherey und Lotterie, Nach reichen Weibern freyn, Und Schätze graben, ſegnet nie, Wird Mauchen noch gereun. Mein Spruchlein heißt: Auf Gott vertrau', Arbeite brav und leb' genau! Ein alter Graf, fuhr Schwager Matz Nach ſeiner Weiſe fort, Vergrub zu Olims Zeit den Schatz In ſeinem Keller dort. Der Graf, mein Herr, hieß Graf von Rips, Ein Kraut, wie Käſebier und Lips. Der ſtreifte durch das ganze Land Mit Wagen, Noß und Mann, Und wo er was zu kapern fand, Da macht' er friſch ſich dran. Wips hatt er's weg, wips! ging er durch. Und ſchleppt es heim guf ſeine Burg. Und wenn er erſt zu Loche ſaß, So ſchlug mein Graf von Rips,— Denn hier that ihm kein Leuſel was,— Gar höhniſch ſeinen Schnips. Sein aüverfluchtes Felſenneſt Aogr, wie der Könisſtein, ſo feſt. So übt' er nun gar lang und oft Viel Bubenſtuckchen aus, Und ſicl den Nachbarn unverhofft In Hof und Stall und Haus. Allein der Krug geht, wie man ſpricht, So lang zu Waſſer, bis er bricht., Das Ding verdroß den Magiſtrat Im nächſten Städtchen ſehr, Drum rieth er langſt auf klugen Rath Vedächtlich hin und her, Und rieth und rieth,— doch weiß man wohl!— Die Herren riethen ſich halb toü. Da nun begab ſich's, daß ein?mals, Ob vielem Teufelsſpaß, in Lumpenherchen auf den Hals Kett' und Banden ſaß. Schon wetzte Meiſter Urian Auf dieſen Braten ſeinen Zahn. — Und reibt ſich ſelber auf. 23 Dieß Hexchen ſprach; Hört: Laßt mich frei, Eo ſchaff' ich ihn herein.. Wohl! ſprach ein edler Rath, es ſey! Und gab ihr oben drein Ein eiſern Privilegium, Zu hexen frank und frei herum⸗ Ein närrſcher Handel! Unſereins That' nichts auf ſolchen Kauf. Doch Satans Reich iſt ſelten eins Fur dieß Mal ſpielt die Lügenbrut Ihr Stüctchen ehrlich und auch gut⸗ Sie kroch, als Kröt, auf's Räuberſchloß, Mit loſem leiſem Tritt, Verwandeite ſich in das Roß, Das Rips gewöhnlich ritt; Und als der Schloßhahn krähte früh⸗ Beſtieg der Graf geſatteit ſie⸗ Sie aber trug, trotz Gert' und Sporn, So ſehr er hieb und trat, Ihn, über Stock und Stein und Dorn Berades Wegs zur Stadt. ih⸗ als das Thor ward aufgethan, Sieh da! kam unſer Hexlein an⸗ Mit Kratzfuß und mit Reverenz Naht hohniſch alle Welt: Willkommen hier⸗ het Exzellenz! Suartier iſt ſchon beſtelt! Du haſt uns lange ſatt geknufft; Man wird dich wieder knuffen, Schuſt! — 73 Dem Schnapphan ward, wie ſich's gebü rt Bald der Prozeß gemgcht, irt⸗ Und drauf, als man ihn condemnirt, Ein Käſig gusgedacht. Da ward mein Rips hineingeſperrt, Und wie ein Murmelthier genärrt. Und, als ihn hungern thät, da ſchnitt Der Knips mit Höllenqual Vom eignen Leib ihm Glied für Glied, Und briet es ihm zum Mahl. Lils jeglich Glied verzehret war, Briet er ihm ſeinen Magen gar. So ſchmauſt' er ſich denn ſelber auf, is auf den letzten Stumpf, Und endigte den Lebenslauf, Den Nachbarn zum Triumph. Das Eiſenbaur, worin er lag, Wird aufbewahrt bis dieſen Tag. Mein Herr, fällt mir der Käfig ein, So denk' ich oft bei mir: Er dürfte noch zu brauchen ſeyn, Und weiß der Herr, wofür?—— Für Jenen, der die Mauth erfand, In unſerm deutſchen Vaterland. Als Matz kaum ausgeperorirt, Sieh da! kam querfeldan Ein Sansfaron daher trottirt, Und hielt den Wagen an, Und viſitirte, Pack für Pack, Nach ungeſtempeltem Taback. ——————————— — ⸗ —————————————————— Die Weiber von Weinsberg. — Wer ſagt mir an, wo Weinsberg liegt? Soll ſeyn ein wackres Städtchen, Soll haben, fromm und klug gewiegt, Viel Weiberchen und Mädchen. Kommt mir einmal das Freyen ein, So werd' ich eins aus Weinsberg freyn. Einsmals der Kaiſer Conrad war Dem guten Städtlein böſe, Und ruckt' heran mit Kriegesſchar Und Reiſigengetöſe, Umlagert' es mit Roß und Mann, Und ſchoß und rannte drauf und dran. und als das Städtlein widerſtand, Trotz allen ſeinen Nöthen, Da ließ er, hoch vom Grimm entbrannt, Den Herold'nein trompeten: Ih Schurken, komm' ich'nein, ſo wißt, Soll hängen, was die Wand bepißt. Drob, als er den Avis alſo Hinein trompeten laſſen, Gab!s lautes Zetermordio, u Hauſ' und auf den Gaſſen. Das Brod war theuer in der Stadt; Doch theurer noch war guter Rath. „O weh, mir grmen Corydon! O weh mir!“ Die Paſtores Schrien: Kyrie Eleyſon; Wir gehn, wir gehn kapores! Oh weh, mir armen Korydon) Es juckt mir an der Kehle ſchon.“ Doch wann's Matthä' am letzten iſt, Trotz Rathen, Thun und Beten,. So rettet oft noch Weiberliſt Aus Aengſten und aus Nöthen. Denn Pfaffentrug und Weiberliſt Gehn über Alles, wie ihr wißt. Ein junges Weibchen vobeſan, Seit geſtern erſt getrauet, Gibt einen klugen Einfall an, Der alles Volk erbauet; Den ihr, ſo fern ihr anders wolt, Belachen und beklatſchen ſolt. Zur Zeit der ſtillen Mitternacht, Die ſchönſte Ambaſſade Von Weibern ſich in's Lager macht,. Und bettelt dort um Gnade. Sie bettelt ſauft, ſie bettelt ſüß, Erhält doch aber nichts. gls dieß: „Die Weiber ſollen Abzug han Mrit ihren beſten Schätzen, Was ubrig bliebe, wollte man Zerhauen und zerfetzen.“ Nit der Capitulation Schleicht die Geſandtſchaft trüb dayon. * 77 Drauf, als der Morgen bricht hervor, Gebt Achtung Was geſchichet? Es offnet ſich das nächſte Thor, Und jedes Weibchen ziechet, Mit ihrem Männchen ſchwer im Sack, So wahr ich lebe! Huckepack.— „Manch Hofſchranz ſuchte zwar ſofort Das Kniffchen zu vereiteln; Doch Konrad ſprach:„Ein Kaiſerwort Soll man nicht drehn noch deuteln. Ha bravo rief er, bravo ſo! Meint' unſre Frau es auch nur ſor Er gab Pardon und ein Bankett Den Schonen zu Gefallen. Da ward gegeigt, da ward trompet't, Und durchgetanzt mit allen, Wie mit der Bürgermeiſterin, So mit der Beſenbinderin. Ey ſagt mir doch, wo Weinsberg liegt? Iſt gär ein wackres Städtchen. Hat, treu und fromm und klug gewiegt, Viel Weiberchen und Mädchen. Ich muß, kommt mir das Freyen ein, Furwahr, muß eins aus Weinsberg freyn? Seufzer eines Ungeliebten. Haſt du nicht Liebe zugemeſſen Dem Leben jeder Kreatur? Warum bin ich gllein vergeſſen, Auch meine Mutter du! Natur? Wo lebte wohl in Forſt und Hürde, Und wo in Luft und Meer ein Thier, Das nimmermehr geliebet würde?— Geliebt wird Alles außer mir! Wenn gleich im Hain, auf Flur und Matten Sich Baum und Staude, Moos und Kraut Durch Lieb⸗ und Gegenliebe gatten;— Vermählt ſich mir doch keine Braut. Mir wüchſt vom ſüßeſten der Triebe Nie Honigfrucht zur Luſt heran. Denn ach! mir mangelt Gegenliebe, Die Eine nur gewähren kann. — Der Ritter und ſein Liebchen. — Ein Ritter ritt einſt in den Krieg Und als er ſeinen Hengſt beſtieg, Umfing ihn ſein feins Liebchen: „Leb wohl, du Herzensbübchen! Leb' wohl! Viel Heil und Sieg' Komm fein bald wieder heim in's Land Daß uns umſchling' ein ſchönres Band Als Band von Gold und Seide: Ein Band aus Luſt und Freude, Gewirkt von Priſterhand!“— „Ho ho! Käm' ich auch wieder hier, Du Närrchen du, was hülf' es dir? Magſt meinen Trieb zwar weiden; Allein dein Band aus Freuden Behagt mit nichten mir.“— „O weh! ſo weid' ich deinen Trieb, und wilſſt doch, falſcher Herzensdieb, In's Ehband dich nicht fügen! Warum mich denn betrügen, Treuloſer Unſchuldsdieb?“— „Ho ho! du Närrchen, welch ein Wahn! Was ich that, haſt du mitgethan. Kein Schloß hab' ich erbrochen; Wann ich kam anzupochen, So war ſchon aufgethan.— „O weh! ſo trugſt du das im Sinn? Was ſchmeichelteſt du mir um's Kinn? Was mußteſt du die Krone, So zu Betrug und Hohne, Mir aus den Locken ziehn?“— „Ho ho! Jünsſt flog in jenem Hain Ein kirres Täubchen zu mir ein. Hätt' ich es nicht gefangen, So müßten mir entgangen Verſtand und Sinnen ſeyn.“ 79 80 Drauf ritt der Ritter hop ſa ſa; Und ſir ich ſein Bärtchen trallala! Sein Liebchen ſah ihn reiten, Und hörte noch von weiten Sein Lachen ha ha ha!— Traut, Mädchen, leichten Rittern nicht! Manch Ritter iſt ein Böſewicht. Sie löffeln wohl und wandern Von Einer zu der Andern, Und freyen Keine nicht. Srantel. Mein Trautel hält mich für und für In feſten Li esbanden; Bin um ſie ſtets und neben ihr; Sie läßt mich nicht abhanden. Ich darf nicht. weiter, ais das Band Woran ſie mich gebunden. Sie gängelt mich an ihrer Hand Durch alle Tagesſtunden. Mein Trautel hält mich für und für In ihrer ſtillen Klauſe; Darf nie zum Tanz, als nur mit ihr, Nie ohne ſie zum Schmauſez Und ich bin gar ein guter Mann, Der ſie nur ſieht und höret, Und aus den Augen leſen kann, Was ſie befiehlt und wehret⸗ Wer, Trautel, iſt wohl mehr für dich Und wer für mich geboren? O Trautel, ohne dich und mich, Sind ich und du verloren.— Wann einſt des Todes Senſe klirrt, Eins von uns wegzumähen, Ach, lieber Gott, wie wehe wird Dann mir und dir geſchehen! Spinnerlied. Hurre, hurre, hurre! Schnurre, Rädchen, ſchnurre! Trille, Rädchen, lang und fein, Trille fein ein Fädelein, Mir zum Buſenſchleyer. Hurre, hurre, hurre! Schnurre, Rädchen, ſchnurre, Peber, webe zart und fein, Webe fein das Schleyerlein, Wir zur Kirmeßfeyer. Hurre, hurre, hurre! Schnurre, Rädchen, ſchnurre! Außen blank und innen rein Muß des Mädchens Buſen ſeyn, Wohl deckt ihn der Schleyer., Burgers Ged. I. Bd. 6 32 Hurre, hurre, hurre, Schnurre, Rädchen, ſchnurre! Vußen blank und innen rein, Fleißig fromm und ſittſam ſeyn, Locket wackre Freyer. Robert. Ein Gegenſtück zu der Romanze Phidile von Claudius. Ich war wohl recht ein Springinsfeld In meinen Jünglingstagen; Und that nichts lieber in der Welt Als reiten, fiſchen, jagen⸗ Einſt zogen meine Streifereyn, Weiß nicht, auf welche Weiſe? Boch war es recht, als ſollt' es ſeyn,— Meich ab von meinem Gleiſe. Do ſah ich übern grünen Zaun, Im lichten Frühlingsgarten, Ein Mädchen, voſicht anzuſchaun, Der Schweſterblumen warten. Ein Mädchen, ſo von Angeſicht, Von Stirn und Augenſtrahlen Von Wuchs und Weſen, läßt ſich nicht Beſchreiben und nicht malen. Ich freundlich hin, ſie freundlich her, Wir mußten beyd' uns grußen, Wir fragten nicht, wohin? woher? Noch minder, wie wir hießen? Sie ſchmückte grün und roth den Hut, Brach Fruchte mir vom Stängelz lind war ſo lieblich, war ſo gur⸗ So himmliſch, wie ein Engel! Doch wußt' ich nicht, was tief aus mir So ſeufzte, ſo erbebte, Und unter Druck und Küſſen, ihr Was vorzuweinen ſtrebte. Ich konnte weder her noch hin, Nicht weg, noch zu ihr kommen! Auch lag's nicht gnders mir im Sinn, Als wär' mir was genommen. „Mich dünkt, ich hatt' ihr tauſendviel, Weiß Gott all was? zu ſagen; Doch konnt' ich, welch ein Zauberſpiel!„ Nicht eine Sylbe wagen. Sie fragt' in heller Unſchuld: Was? Was ich wohl von ihr wollte? Ilch Liebe! rief ich, als mir's naß Von beyden Wangen rolte. 6* Sie aber ſchlug den dunkeln Blick Zum ſchönen Buſen nieder, Und ich, verſchuchtert, floh zurück, Und fand ſie noch nicht wieder!— Wie konnte wohl dieß Eine Wort Dieß Wörtchen ſie betrüben?— O blöder Junge! wärſt du dort, Wärſt du doch dort geblieben!, Ständchen. 1 Mit Lied und Leer weck' ich dich; Gib Acht auf Lied und Lever!. Der wache Leyermann bin ich, Schön Liebchen, dein Getreuer! Schleuß auf den hellen Sonnenſchein Der himmelblauen Aeugelein! Durch Nacht und Dunkel komm' ich her, Zur Stunde der Geſpenſter. Es flimmert längſt kein Limpchen mehr, Durch ſtiller Hütten Fenſter. Schon lange rühte, ſüß und feſt, Was Lieb' und Sehnſucht ruhen läßt. 35 Auf ſeiner Gattin Buſen wiegt Sein müdes Haupt der Gatte: Wohl an die liebſte Henne ſchmiegt Der Hahn ſich auf der Latte; Der Sperling unterm Dache ſitzt Bei ſeiner trauten Sie gnitzt. Wann, o wann iſt auch mir erlaubt Daß ich an dich mich ſchmiege? Daß ich in ſuße Ruh. mein Haupt Auf deinem Buſen wiege? O Prieſterhand, wann fuhreſt du Mich meinem ſüßen Bräutchen zu? Wie woll' ich dann herzinniglich, So lieb, ſo lieb dich haben Wie woltt' ich, v wie wollt' ich mich In deinen Armen laben! Geduld! die Zeit ſchleicht auch herbei Ach, Liebchen, bleib mir nur getreu! Nun, liebe Seele, gute Nacht! Dich wolle Gott bewahren! Was Gott bewahrt, iſt wohl bewacht Vor Schrecken und Gefahren. Ade! Schleuß wieder zu den Schein! Der himmelblauen Aeugelein! Nothgedrungene Epiſtel des berühmten Schneiders Jo 5 e an ſeinen großgünſtigen Mäcen. Wie kümmerlich, Trotz ſeiner Göttlichkeit, Sich oft Genie hier unterm Monde nähre, Beweiſen uns die Keppler, die Homere, Und hundert große Geiſter jeder Zeit Und jeder Erdenzone weit und breit: Doch wahrlich nicht zu ſonderlicher Ehre Der undankbaren Menſchlichkeit, Die ihnen ſpäte Dankaltäre Und Spfer nach dem Tod erſt weiht. Auch mir verlieh, durch en und adel, Minerva Kunſt und nicht gemeinen Adel. Allein der Lohn für meine Trefflichkeit Iſt Hungersnoth, ein Haderlumpenkleid, Iſt obenein der ſchwachen Seelen Tadel, Und dann einmal, nach Ablauf dürrer Zeit, Des Namens Ruhm und Ewigkeit. Allein was hilfts, wenn nach dem Tode Mich Leichenpredigt oder Ode Den größten aller Schneider nennt, Und ein vergoldet Marmor⸗Monument, An welchem Schere, Zwirn und Nadel hangen⸗ Und Fingerhut und Bucheleiſen prangen, Der ſpaͤten Nachwelt dieß bekennt? Wenn lebend mich mein Zeitgenoſſe Zu Stalle, gleich dem edien Roſſe, Auf Stroh zu ſchlafen, von ſich ſtößt, Und nackend gehn und hungern läßt?, Der Stümper, der zu meinen Füßen kreucht Beſchmltzet zwar mit ſeines Neides Geifer, Weil nicht ſein Blick an meine Höhe reicht, Sft meinen Ruhm, und ſchreit: Ich ſey ein 8 Säufer; Sey ſtets bedacht, mein Gütchen zu verthun, Und laſſ' indeß die edie Nadel ruhn. O ſchnöder Veid! Denn überlegt man's reifer, Geſetzt den Fall, die Läſterung ſey wahr, So iſt daben doch ausgemacht und klar, Und es beſtätigt dieß die Menge der Erempel, Daß ſolch ein Zug von je und je im Stempel Erhabener Genieen war. Sie binden ſich nicht ſelaviſch an die Regel Der Lebensart, und fahren auf gut Glück⸗ So wie der Wind der Laun' in ihre Segel Fuſt ſtoßen mag, bald vorwärts, bald zurück, Und laſſen das gemeine Volk laviren. Sie haben vor den ſeltnen Wunderthieren Ein Stärkerrecht, daß man ſe ſorgſam hegt⸗ Dankbar bekleidet und verpflegt, Zu hoch und frey, ſich ſelber zu geniren. Und wenn der Ueberfluß verkehrter Welt Oft Affen, Murmelthier und Raben, Und Kakadu und Papagay erhält: So ſollten ſie den Leckerbiſſen haben, Der von des Reichen Tiſche fällt. Allein wie karg iſt die verkehrte Welt Für ein Genie mit ihren Gaben! 33 Willſt du davon ein redend Beiſpiel ſehn, So ſchau auf mich, großgunſtiger Mäcen, So guckh' einmal, nebſt deinem theuern Weibe, Auf meinen Rock, durch deines Fenſters Scheibe, Und ſieh die Luft in hundert Hadern wehn, Und meinen Leib dem Wianter offen ſtehn! Sprich ſelbſt einmal, iſt's nicht die größte 4. Sc Daß mich, der ich ſo oft mit ſeidenem Gewande Vekleidete des Landes Grazien, Die Welt nun läßt in Haderlumpen gehn? Kann dieß dich nicht zu mildem Mitleid reizen, Mit einer Kleinigkeit mir hulfreich beizuſtehn? Nein, Menſchenfreund, du kannſt nicht geizen! Ich kann getroſt auf deine Güte baun. Mich ſtärkt von deinen Liebesthaten So manches Beiſpiel im Vertraun. Du kannſt, du wirſt am beſten mich berathen. So borge denn mir, für ein beßres Kleid, Zu Schutz und Trutz in dieſer rauhen Zeit Nur einen lumpigen Dukaten! Mit Dank bin ich ihn jederzeit Durch künſtliche, durch dauerhafte Nahten Abzuverdienen gern bereit. M Schön Suschen. Schön Suschen kannt' ich lange Zeit: Schön Suschen war wohl fein; Voll Tugend war's und Sittſamkeit: Das ſah ich klärlich ein. 4 59 Ich kam und ging, ich ging und kam, Wie Ebb' und Fluth zur See. Ganz wohl mir that es, wann ich kam, Doch, wann ich ging, nicht weh. Und es geſchah, daß nach der Zeit, Gar Andres ich bernahm; Da that's mir, wann ich ſchied, ſo leid, So wohl mir, wann ich kam; Da hatt' ich keinen Zeitvertreib, Und kein Geſchäft, als ſie; Da fühlt ich ganz an Seei' und Leib, Und fühlte nichts als ſie. Da war ich dumm, und ſtumm und taub; Vernahm nichts, außer ihr; Sah nirgends blühen Blum und Laub; Nur Suschen bluhte mir. Nicht Sonne, Mond und Sterneſchein, Mir glänzte nur mein Kind; Ich ſah, wie in die Sonn', hinein; Und ſah mein Auge vlind. Und wieder kam gar andre Zeit, Gar anders ward es mir; Doch alle Tugend, Sittſamkeit, Und Schönheit blieb an ihr, Ich kam und ging, und ging und kam, Wie Ebb' und Fluth zur See. Ganz wohl mir that es, wann icht kam, Doch, wann ich ging, nicht weh. „Ihr Weiſen, hoch und tief gelahrt, Die ihr's erſinnt, und wißt, Wie, wo und wann ſich Aues paart? Warum ſich's liebt und kußt? 90 Ihr hohen Weiſen, ſagt mir's an! Ergrübelt, was mir da, Ergrübelt mir, wo, wie und wann, Wrum mir ſo geſchah?— Ich ſelber ſann oft Nacht und Tag und wieder Tag und Nacht, So wunderſamen Dingen nach; Doch hab' ich nichts erdacht.— 5 Brum, Lieb' iſt wohl, wie Wind und Meer: Sein Sguſen ihr wohl hört, Allein, ihr wiſſet nicht, woher? Wißt nicht, wohin er fährt? Das Lied vom braven Mann. — Hoch klingt das Lied vom braven Mann, Wie Orgelton und Glockenklang. Wer dohen Muths ſich rühmen kann, Den lohnt nicht Gold, den lohnt Geſang. Gottlob! daß ich ſingen und preiſen kank, Zu ſingen und preiſen den braven Mann. Der Thauwind kam vom Mittagsmeer, und ſchnob durch Welſchland, trüb und feuch Die Wolken flogen vor ihm her, Wie wann der Wolf die Heerde ſcheucht. Er fegte die Felder; zerbräch den Forſt; Auf Seen und Strömen das Grundeis borſt Am Hochgebirge ſchmolz der Schnee; Der Sturz von tauſend Waſſern ſcholl; Das Wieſenthal begrub ein See; Des Landes Heerſtrom wuchs und ſchwoll; Hoch rollten die Wogen, entlang ihr Gleis, Und rollten gewaltige Felſen Eis. Auf Pfeilern und auf Bogen ſchwer, Aus Quaderſtein von unten auf, Lag eine Brücke druber her; Und mitten ſtand ein Häuschen drauf. Hier wohnte der Zöllner, mit Weib und Kind.— „O Zöllner! v Zöllner! Entfleuch geſchwind!“ Es dröhnt' und dröhnte dumpf heran, Laut heulten Sturm und Wog' um's Haus. Der Zöllner ſprang zum Dach hinan, Und blickt' in den Tumult hinaus.— „Barmherziger Himmel! Erbarme dich! Verloren Verloren! Wer rettet mich?“— Die Schollen rollten, Schuß auf Schuß, Von beiden Ufern, hier und dort, Von beiden Ufern riß der Fluß Die Pfeiler ſammt den Bogen fort. 8 Der bebende Zöllner, mit Weib und Kind, Er heulte noch lauter, als Strom und Wind. Die Schollen rellten, Stoß auf Stoß, An beiden Enden, hier und dort, Zerborſten und zertrümmert, ſchoß Eein Pfeiler nach dem andern fort. Bald nahte der Mitte der Umſturz ſich.— „Barmherziger Himmel! Erbarme dich— 92 Hoch auf dem fernen Ufer ſtand Ein Schwarm von Gaffern, groß und klein; Und ſeder ſchrie und rang die Hand, Doch mochte Niemand Retter ſeyn. Der vebende Zoüner, mit Weib und Kind Durchhenlte näch Rettung den Strom und Wind⸗ Wann klingſt du, Lied vom braven Mann, Wie Orgelton und Glockenklang? Wohlan! So nenn' ihn, nenn' ihn dann! Wann nennſt du ihn, mein ſchönſter Sang? Bald nahet der Mitte der Umſturz ſich. S braver Mann! braver Mann! zeige dich! Raſch galoppirt' ein Graf hervor, Auf hohem Roß ein edler Graf. Was hieit des Grafen Hand empor? Ein Beutel war es, voll und ſtraff.— „Zweihundert Piſtolen ſind zugeſagt Bem, welcher die Rettung der Armen wagt.“ Wer iſt der Brave? Wſ's der Graf? Sag' an, mein braver Sang, ſag. an!— Der Graf, beim höchſten Gott war brav! Doch weiß ich einen bravern Mann.— S braver Mann! braver Mann! Zeige dich! Schon naht das Verderben ſich fürchterlich.— Und immer höher ſchwoll die Fluth; Und immer lauter ſchnob der Wind; Und immer tiefer ſank der Muth.— Retter! Retter! Komm geſchwind!— Stets Pfeiler bei Pfeiler zerborſt und brach. Laut krachten und ſturzten die Bogen nach. —— 93 „Halloh! Halloh! Friſch auf gewagt!“ Poch hielt der Graf den Preis empor. Ein Jeder hört's, doch Jeder zagt, Aus Tauſenden tritt Keiner vor. Vergebens durchheulte, mit Weib und Kind, Der Zöllner nach Reitung den Strom und Wind— Sieh, ſchlecht und recht ein Bauersmann Am Wanderſtabe ſchritt daher, Mit grobem Kittel angethan, An Wuchs und Antlitz hoch und hehr. Er hörte den Grafen; vernahm ſein Wort; Und ſchaute das nahe Verderben dort. Und kühn, in Gottes Namen, ſprang Er in den nächſten Fiſcherkahnz Trotz Wirbel, Sturm, und Wogendrang, Kam der Erretter glücklich an: Doch wehe! der Nachen war allzu klein, Um Retter von Allen zugleich zu ſeyn. Und drei Mal zwang er ſeinen Kahn, Trotz Wirbel, Sturm und Wogendrang; Und drei Mal kam er glücklich an, Bis ihm die Rettung ganz gelang. Kaum kamen die Letzten an ſichern Port So rollte das letzte Getrummer fort.— Wer iſt, wer iſt der brave Mann? Sag' gn, ſag' an, mein braver Sang! Der Bauer wagt' ein Leben dran; Doch that ers wohl um Goldesklang? Denn ſpendet nimmer der Graf ſein Sut, So wagte der Bauer vielleicht kein Blut. 94 „Hier, rief der Graf, mein wackrer Freund! Hler iſt dein Preis! Komm her! Nimm hin!“— Sag' an, war das nicht brav gemeint?— Bei Gott! der Graf trug hohen Sinn.— Doch höher und himmliſcher, wahrlich! ſchlug, Das Herz, das der Bauer im Kittel trug. „Mein Leben iſt für Gold nicht feil. Arm bin ich zwar, doch eſſ' ich ſatt. Dem Zollner werd' eur Gold zu Theil, Der Hab' und Gut verloren hat!“ So rief er, mit herzlichem Biederton, Und wandte den Rücken und ging davon.— Hoch klingſt du, Lied vom braven Mann, Wie Orgelton und Glockenklang! Ver ſolchen Muths ſich rühmen kann, Den lohnt kein Gold, den lohnt Geſang. Gottlob! daß ich ſingen und preiſen kann, Unſterblich zu preiſen den braven Mann. Inhalt des erſten Theils. Seite Lebensgeſchichte des Dichters. 27 Gedichte. 1. Die Nachtfeyer der Venus.(Gedichtet im Frühjahre 1769.) 2. Luſt am Liebchen.(Im Junius 1769.) 34 3. Bacchus.(Im Oetober 1770.) 36 a. Das Dörſchen.(Im May 1771.) 353 5. Amors Pfeil.(1772) 42 ö. Lieb' und Lob der Schönen.(Sonſt: der Liebesdichter.(Im Frühiahre 1772) 42 7. Winterlied.(72.) 45 3. Lenore.(Im Winter 1775.) 46 9. Das vergnugte Leben. 775.) 54 10. Der Bauer. An ſeinen durchlauchtigen Tyrannen.(Im Sommer 1775,) 55 1. Zum Spatz, der ſich auf dem Saale ge⸗ fangen hatte.(Im Auguſt 1775) 56 a. Neue weltliche hochdeutſche Reime, u. ſ. w. (Vermuthlich 1773.) 13. Der Raubgraf.(1773) 1 70 a. Die Weiber von Weinsberg.(770): 25 21. 22. 25. B ahre 1774.) Der Ritter und ſein irben.(Im Ja⸗ nuar 1775.). 7. Trautel.(Im Aprit 17250). Spinnerlied Robert. Eir (Im Junlus 1775.) Gegenjun zu der Romanz ze Phidile von di(Im Zuius 1775.) Ständchen⸗ Im 3 ulius 1725. Nothgedrungene Spiſtel des berühmten Schneiders Johannes Schere an ſeinen Frobgünſtigen V(Im Oetober 17 La Suschen.(Im Februar 1275.) Das Lied vom braben ann. m Ju⸗ nius 1776) „ Seit Seußzer eines Ungeliebten.(Im Früh⸗ 7 60 61 8 3¹ Miniatur⸗Bibliothek Deutſchen Claſſiker. Zweite Lieferung. ———— Bürgers Gedichte. Zweiter Theil. Miniatur⸗Pibliothek der Deutſchen Claſſiker. Bürgers Gedichte. Zweiter Theil. Gotha s Peu⸗Pork. Im Verlag des Vibliographiſchen Inſtituts. 1 827. Frankfurt a. M., gedruckt bei J. F. Wenner. —.. Buͤrgers Gedichte. Zweites Bändchen. Miniatur⸗Ausgabe. Gotha. Der Hund aus der Pfennigſchenke. — E⸗ ging, was Ernſtes zu beſtellen, Ein Wandrer ſeinen ſtillen Gang Als auf ihn los ein Hund, mit Vellen und Raſſeln vieler Halsbandſchellen, Aus einer Pfennigſchenke ſprang. Er, ohne Stock und Stein zu heben, Noch fonſt ſich mit ihm abzugeben, Hub ruhig weiter Fuß und Stab, uͤnd Kliffklaff ließ vom Lärmen ab. Wegs kam auch mit Rohr und Degen, wohlgemuth, keck und verwegen, errchen Krauskopf her ſpazirt. Kliffklaff ſetzt an, und hoch tuſchirt Hält von dem Hunde ſich das Herrchen. Und Herrchen Krauskopf iſt ein Närrchen; Fängt mit dem Klaffer Händel an, Greift fir nach Steinen in die Runde, und ſchleudert, was es ſchleudern kann, und flucht und prügelt nach dem Hunde. Der Köther knirrſcht in jeden Stein, Zerrt bald an meines Herrchens Rocke, Vald an dem Degen, bald am Stocke, Beißt endlich gar ihm in das Bein, Und bellt ſo wüthig, daß mit Haufen Die Nachbarn alle, groß und klein, Zu Fenſtern und zu Thüren laufen. Die Buben klatſchen und juchheyn, Und hetzen gar noch oben drein. Nun fing ſich's HPerrchen an zu ſchämen, Umſonſt ſo ſehr ſich abzumühn. Es mußte ſachtchen ſich bequemen, Um dem Halloh ſich zu entziehn, Wohl fürbaß ſeinen Weg zu nehmen, Und einzuſtecken Hohn und Schmach. Denn alle Straßenbuben gafften, Und alle Klaffevnſorten klafften Noch weit zum Dorf hinaus ihm nach. Dieß Fabelchen führt Gold im Munde: Weicht aus dem Recenſentenhunde! —— Liebeszauber. Miner. ſchau' mir in's Geſicht! Schelmenauge, blinzle nicht! Mädel, merte was ich ſage! Gib Veſcheid auf meine Frage! Polla, hoch mir in's Geſicht! Schelmenauge, blinzle nicht! „ Biſt nicht häßlich, das iſt wahr! Auglein haſt du, blau und klar; Stirn und Näschen, Mund und Wangen Dürfen wohl ihr Lob verlangen. Reitzend, Liebchen, das iſt wahr, Reitzend biſt du vffenbar. Aber reitzend yer und hin! Viſt ja doch nicht Kaiſerin, Nicht die Kaiſerin der Schönen. Wer wird dich vor allen krönen? Reitzend her und reitzend hin! Viel noch fehlt zur Kaiſerin! Hundert Schönen ſicherlich, Hundert, hundert fänden ſich, Die vor Eifer würden lodern, Dich vor's Wettgericht zu fodern. Hundert Schönen fänden ſich; Hundert ſiegten über dich. Dennoch hegſt du Kaiſcrrecht über deinen treuen Knecht: Kaiſerrecht in ſeinem Herzen, Vald zu Wonne, bald zu Schmerzen. Tod und Leben, Kaiſerrecht Rimmt von dir der treue Knecht! Hundert iſt wohl große Zahl; Aber, Liebchen, laß einmahl, Laß es Hunderttauſend wagen, Dich von Thron. und Reich zu jagen! Hunderttauſend! Welche Zahl! Sie verlören allzumahl. Schelmenauge, Schelmenmund, Sieh mich an und thu' mir's kund! He, warum biſt du die Meine? Du allein und anders Keine? Sieh mich an und thu' mir's kund, Schelmenauge, Schelmenmund! Sinnig forſch' ich auf und ab: Was ſo ganz dir hin mich gab?— Ha! durch Nichts mich ſo zu zwingen, Geht nicht zu mit rechten Dingen, Zaubermädel, auf und ab, Sprich, wy iſt dein Zauberſtab? ——— 4 Männerkeuſchheit. Wen Wolluſt nie den Nacken bog, Und der Geſundheit Mart entſog, Dem ſteht ein ſtolzes Wort wohl an, Das Heldenwort: Ich bin ein Mann“ Denn er gedeiht und ſproßt empor, Wie auf der Wieſ' ein ſchlankes Rohr; Und lebt und webt, der Gottheit voll, An Kraft und Schönheit ein Apoll. Die Götterkraft, die ihn durchfleußt, Vefügelt ſeinen Feuergeiſt, Und treibt, aus kalter Dämmerung, Gen Himmel ſeinen Adlerſchwung. * — —— Und Klarheit ſtrömet um Dann wandelt ſein erhellt Durch alle Schöpfung Yort taucht er ſich in's Sonnenmeer, ihn her. er Sinn Gottes hin. und er durchſpäht, und wägt, und mißt, Was ſchön, was groß und herrlich iſt, Und ſtellt es dar in Red' Voll Harmonie, wie O ſchaut, wie er Ein Gott, daher auf Erd Er geht und ſteht in Her Und fleht um nichts; Sein Ange funkelt di Wie ein kryſtallner Scha Sein Antlitz ſtrahlt, wie Auf Naſ' und Stirn her und Sang, Himmelsklang. voll Majeſtät, en geht! rlichkeit, denn er gebeut. inkelhell, ttenquell.“ Morgenroth; rſcht Machtgeboth. Das Machtgeboth, das drauf regiert, Wird hui! durch ſeinen Denn der ſchnellt aus⸗ Arm vollführt. wie Federſtahl; Sein Schwerthieb iſt ein Wetterſtrahl. Das Roß fühlt ſeine Der nimmer wanket, Er zwängt das Roß, Er zwängt das Ryß, Er geht und ſteht in und ſicht um nichts; denn er Und dennoch ſchaut, O ſchaut, wie ihm ſ w b ich s Schenkels Macht, nimmer kracht. vom Zwang entwöhnt, und horch! es ſtöhnt. Herrlichkeit, gebeut! er ſich zeigt, alles neigt! 12 Die edelſten der Jungfraun blühn, Sie blühn und duften nur für ihn. O Glückliche, die er erkieſt! O Selige, die ſein genießt! Die Fülle ſeines Lebens glänzt, Wie Wein, von Roſen rund umkränzt. Sein glücklich Weib, an ſeiner Bruſt, Berauſcht ſich draus zu Lieb' und Luſt. Frohlockend blickt ſie rund umher: „Wo ſind der Männer mehr, wie Er?“ Fleuch, Zärtling, Nur Er nimmt Bett und Buſen ein. Sie ſteht und fodert auf umher: „Wo iſt, wo iſt ein Mann, wie Er?“ Sie, ihm allein getreu und hold, Erkauft kein Fürſt um Ehr' und Gold. Wie, wann der Lenz die Erd' umfäht, Und ſie mit Blumen ſchwanger geht: So ſegnet Gott durch ihn ſein Weib, 3 Und Blumen trägt ihr edler Leib. Die alle blühn, wie Sie und Er, Sie blühn geſund und ſchön umher, Und wachſen auf, ein Zedernwald, Voll Vaterkraft und Wohlgeſtalt.— So glänzt der Lohn, den der genießt, So das Geſchlecht, das dem entſprießt, Dem Wvlluſt nie den Nacken bog, und der Geſundheit Mark entſog. ———4 fleuch! Sie ſpottet dein. Die Entführung, oder Ritter Carl von Eichenhorſt und Fräulein Gertrude von Hochburg. Knnpp ſattle mir mein Dänenroß, Daß ich mir Ruh' erreite! Ees wird mir hier zu eng' im Schloß; Ich will und muß in's Weite!“— . So rief der Ritter Cart in Haſt, Voll Angſt und Ahndung, ſonder Raſt. Es ſchien ihn faſt zu plagen, Als hätt' er Wen erſchlagen. 4 Er ſprengte, daß es Funken ſtob, 5 Hinunter von dem Hyfe; Und als er kaum den Blick erhob, Sieh da! Gertrudens Zofe! guſammen ſchrack der Rittersmann; Ees packt' ihn, wie mit Krallen, an, Uund ſchüttelt' ihn, wie Fieber, Hinüber und herüber. „Gott grüß' euch, edler junger Herr! Gott geb' euch Heil und Frieden! Mein armes Fraulein hat mich her Zum Letztenmahl beſchieden. Verloren iſt euch Trudchens Hand! Dem Junker Plump von Pommerland Hat ſte, vor Aller Ohren, Ihr Vater zugeſchworen. 14 „„Mord!— flucht er laut, bey Schwert und Spieß, Wo Carl dir noch gelüſtet, So ſollſt du tief ins Vurgverließ, Wo Molch und Unke niſtet. Nicht raſten will ich Tag und Nacht, Vis daß ich nieder ihn gemacht, Das Herz ihm ausgeriſſen, und das dir nachgeſchmiſſen.““ Jetzt in der Kammer zagt die Braut, Und zuckt vor Herzenswehen, und ächzet tief, und weinet laut, und wünſchet zu vergehen. Ach! Gott der Herr muß ihrer Pein, Bald muß und wird er gnädig ſeyn. Hört ihr zur Trauer läuten, So wißt ihr's auszudeuten.— 5„Geh, meld' ihm, daß ich b ſterben muß!— Rief ſie mit tauſend Zähren. Geh, bring' ihm, ach! den letzten Gruß, Den er von mir wird hören! Geh, unter Gottes Schutz, und bring Von mir ihm dieſen goldnen Ring Und dieſes Wehrgehenke, Wobey er mein gedenke!““— Zu Ohren brauſt' ihm, wie ein Meer, Die Schreckenspoſt der Dirne. Die Berge wankten um ihn her. Es flirrt, ihm der Stirne. Doch jach, wie Windeswirbel fährt, Und rührig Laub und Staub empört, Ward ſeiner Lebensgeiſter Verzweiflungsmuth nun Meiſter. „Gottslohn! Gottslohn! du treue Magd, Kann ich's dir nicht bezahlen. Gottslohn! daß du mir's angeſagt, Zu hundert tauſend Mahlen. Viß wohlgemuth und thmmle dich! gs tummle dich zurüc und ſprich: s auch aus tanſend Ketten, So wollt' ich ſie erretten! Biß wohlgemuth und tummle dich! Flugs tummle dich von hinnen! Ha! Nieſen, gegen Hieb und Stich, W ollt⸗ ich ſie abgewinnen. Mitternachts, bey Sternenſchein, Wu 0 ich vor ihrem Fenſter ſeyn, Mir geh' es, wie es gehel Wohl, oder ewig wehe! Riſch auf und fort!“— Wie Sporen trieb Des Ritters Wort die Dirne; Tief holt' er wieder Luft und rieb Sich's klar vor Aug' und Stirne. Dann ſchwenkt' er hin und her ſein Noß, Daß ihm der Schweiß vom Vuge floß, Vis er ſich Nath erſonnen, und den Entſchluß gewonnen. Drauf ließ er heim ſein Silberhorn Von Dach und Zinnen ſchallen. Heran geſprengt, durch Korn und Dorn, Kam ſtracks ein Heer Vaſallen. Draus zog er Mann bey Mann hervor, und raunt' ihm heimlich Ding in's Ohr:— „ Wohlan f Wohlan! Seyd fertig, und meines Porns gewärtig!“— 16 Als nun die Nacht Gebirg' und Thal Vermummt in Rabenſchatten, Und Hochburgs Lampen überall Schon ausgeftimmert hatten, Und Alles tief entſchlafen war; Doch nur das Fräulein immerdar, Voll Fieberangſt, noch wachte, und ſeinen Ritter dachte: Da horch! Ein ſüßer Liebeston Kam leiſ' empor geflugen. „Ho, Trudchen, ho! Da bin ich ſchon! Riſch auf! Dich angezogen! Ich, ich, dein Ritter, rufe dir; Geſchwind, geſchwind herab zu mir! Schon wartet dein die Leiter. Mein Klepper bringt dich weiter.“—. „Ach nein! du Herzens⸗Carl, ach nein! Still, daß ich nichts mehr höre! Entränn' ich, ach; mit dir allein, Dann wehe meiner Ehre! Nur noch ein letzter Liebeskuß Sey, Liebſter, dein und mein Genuß, Eh'ich im Todtenkleide Auf ewig von dir ſcheide.“— „Ha Kind! Auf meine Rittertreu Kannſt du die Erde bauen. Du kannſt, beym Himmel! froh undfrey 3 Mir Ehr' und Leib vertrauen. Riſch geht's nach meiner Mutter fort. Das Sacrament vereint uns dort. Komm, komm! Du biſt geborgen. Laß Gott und mich nur forgen!“— 17 „Mein Vater!... Ach! ein Reichsbarvn!.. So ſtolz von Ehrenſtamme! Laß ab! Laß ab! Wie beb' ich ſchon Vor ſeines Zornes Flamme! Nicht raſten wird er Tag und Nacht, Vis daß er nieder dich gemacht, Dein Herz dir ausgeriſſen, Und das mir vorgeſchmiſſen.“— „Ha, Kind! Sey nur erſt ſattelfeſt, So iſt mir nicht mehr bange.— Dann ſteht uns offen Oſt und Weſt.— O zaudre nicht zu lange! Horch, Liebchen, horch!— Was rührte ſich?— Um Gotteswillen! tummle dich! Komm, komm! Die Nacht hat Ohren; Sonſt ſind wir ganz verloren.“— Das Fräulein zagte,— ſtand,— und ſtand,— Es grauſt' ihr durch die Glieder.— Da griff er nach der Schwanenhand, Und zog ſie flink hernieder. Ach! was ein Herzen, Mund und Vruſt, Mit Nang und Drang, voll Angſt und Luſt, Velauſchten jetzt die Sterne Aus hoher Himmelsferne!— Er nahm ſein Lieb mit einem Schwung, Und ſchwangs auf den Polacken. Hui! ſaß er ſelber auf und ſchlung Sein Heerhorn um den Nacken. Der Ritter hinten, Trudchen vorn. Den Dänen trieb des Ritters Sporn; Die Peitſche den Polacken; und Pochburg blieb im Nacken.— Bürgers Ged. II. Vd. 2 18 Ach! leiſe hört die Mitternacht! Kein Wörtchen ging verloren. Im nächſten Bett war aufgewacht Ein Paar Verrätherohren. „ Des Frauleins Sittenmeiſterin, Voll Gier nach ſchnödem Goldgewinn, Sprang hurtig auf, die Thaten Dem Atten zu verrathen. „Halloh! Halloh! Herr Reichsbarvn!— Hervor aus Bett und Kammer!— Eur Fräulein Trudchen iſt entflohn, Entflohn zu Schand' und Inmmer! Schyn reitet Carl von Eichenhorſt, Und jagt mit ihr durch Feld und Forſt. Geſchwind! Ihr dürft nicht weilen, Wollt' ihr ſie noch ereilen.“ Hui! auf der Freyherr, hui! heraus, Bewehrte ſich zum Streite, Und donnerte durch Hof und Haus, und weckte ſeine Leute.— „Heraus, mein Sohn von Pommerland! Sitz' auf! Nimm Lanz'und Schwert zur Hand! Die Braut iſt dir geſtohlen; Fort, fort! ſie einzuhvlen!“— Raſch ritt das Paar im Zwielicht ſchon, Da horch!— ein dumpfes Rufen,— und horch!— erſcholl ein Donnerton, Von Hochburgs Pferdehufenz und wild kam Plump, den Zaum verhängt, Weit weit voran, daher geſprengt, und ließ, zu Trudchens Grauſen, Vorbey die Lanze ſauſen.— 19 „Halt an! halt an! du Ehrendieb! Mit deiner loſen Veute. Herbey vor meinen Klingenhieb! Dann raube wieder Bräute! Halt an, verlaufne Buhlerin, Daß neben deinen Schurken hin Dich meine Rache ſtrecke, und Schimpf und Schand' euch decke!“— „Das läugſt du, Plump von Pommerland, Vey Gott und Ritterehre! Herab! Herab! daß Schwert und Hand, Dich andre Sitte lehre.— Halt', Trudchen, hatt' den Dänen an!— Herunter, Junker Grobian, Herunter von der Mähre, Daß ich dich Sitte lehre!“— Ach! Trudchen, wie voll Angſt und Noth! Sah hoch die Säbel ſchwingen. Pell funkelten im Morgenroth Die Damaſcener Klingen. Von Kling und Klang, von Ach und Krach, Ward rund umher das Echo wach. Von ihrer Ferſen Stampfen Vegann der Grund zu dampfen. Wie Wetter ſchlug des Liebſten Schwert Den Ungeſchliffnen nieder. Gertrudens Held blieb unverſehrt, Und Plump erſtand nicht wieder.— Nun weh, v weh! Erbarm' es Gott! Kam fürchterlich, Galopp und Trott, Als Cart kaum ausgeſtritten, Der Nachtrab angeritten.— 5* 20 Trarah! Trarah! durch Flur und Wald Ließ Carl ſein Horn nun ſchallen. Sieh da! Hervor vom Hinterhalt, Hop hop! ſein Heer Vaſallen.— „Nun halt, Baron, und hör' ein Wort! Schau' auf! Erblickſt du Jene dort? Die ſind zum Schlagen fertig, Und meines Winks gewärtig. Halt an! Halt an! und hör' ein Wort, Damit dich nichts gereue! Dein Kind gab längſt mir Treu' und Wort, Und ich ihm Wort und Treue. Willſt du zerreiſſen Herz und Herz? Soll dich ihr Blut, ſoll dich ihr Schmerz Vor Gott und Welt verklagen? Wohlan! ſo laß uns ſchlagen! Noch halt! Bey Gott beſchwör' ich dich! Vevor's dein Herz gereuet. In Ehr' und Züchten hab' ich mich Dem Fräulein ſtets geweihet. Gib... Vater!.. gib mir Trudchens Hand!— Der Himmel gab mir Gold und Land. Mein Ritterruhm und Adel, Gottlob! trotzt jedem Tadel.“ Ach! Trudchen, wie voll Angſt und Noth! Verblüht' in Todesbläſſe. Vor Zorn der Freyherr, heiß und roth, Glich einer Feuereſſe.— Und Trudchen warf ſich auf den Grund! Sie rang die ſchönen Hände wund, und ſuchte baß, mit Thränen, Den Eifrer zu verſöhnen. . 2 „O Vater, habt Barmherzigkeit Mit eurem armen Kinde! Verzeih' euch, wie ihr uns verzeiht, Der Himmel auch die Sünde! Glaubt, beſter Vater, dieſe Flucht, Ich hätte nimmer ſie verſucht, Wenn vor des Junkers Bette Mich nicht geekelt hätte.— Wie oft habt ihr, auf Knie und Hand, Gewiegt mich und getragen! Wie oft: du Herzenskind! genannt! Du Troſt in alten Tagen! O Vater, Vater! Denkt zurück! Ermordet nicht mein ganzes Glück! Ihr tödtet ſonſt daneben Auch eures Kindes Leben.“— Der Freyherr warf ſein Haupt herum, Und wies den krauſen Nacken. Der Freyherr rieb, wie taub und ſtumm, Die dunkelrauhen Vacken. Vor Wehmuth brach ihm Lerz und Blick; Doch ſchlang er ſtolz den Strom zurück, um nicht durch Vaterthränen Den Ritterſinn zu höhnen.— Bald ſanken Zorn und Ungeſtüm. Das Puterherz wuchs über. Von hellen Zähren ſtrömten ihm Die ſtolzen Augen über.— Er hob ſein Kind vom Voden auf, Er ließ der Herzensfluth den Lauf, Und wollte ſchier vergehen, Vor wunderſüßen Wehen.— 22 „Nun wohl! Verzeih mir Gott die Schuld, So wie ich dir verzeihe! Empfange meine Vaterhuld, Empfange ſie auf's neue! In Gottes Namen ſey es drum!— Hier wandt' er ſich zum Ritter um,— Da! nimm ſie meinetwegen, und meinen ganzen Segen! Komm nimm ſie hin, und ſey mein Sohn, Wie ich dein Vater werde! Vergeben und vergeſſen ſchon Iſt jegliche Beſchwerde. Dein Vater, einſt mein Ehrenfeind, Der's nimmer hold mit mir gemeint, That Vieles mir zu Hohne. Ihn haßt ich noch im Sohne. Mach's wieder gut! Mach's gut, mein Sohn, An mir und meinem Kinde! Auf daß ich meiner Güte Lohn In deiner Güte finde. So ſegne dann, der auf uns ſieht, Euch ſegne Gott, von Glied zu Glied! Auf! Wechſelt Ring' und Hände!“ Und hiermit Lied am Ende!— —— 23 Elegie. Als Molly ſich losreißen wollte. ich noch ein Wörtchen lallen?— Darf vor deinem Angeſicht Eine Thräne mir entfallen?— Ach, ſie dürfte freylich nicht! Ihren Ausbruch abzuwehren, Brächte mehr für dich Gewinnſt, um den Kampf nicht zu erſchweren, Den du gegen mich beginnſt. und, o Gott! darf ich ihn tadeln? Sollte nicht mein ſchönſtes Lied Mehr den edeln Kampf noch adeln, Ob er gleich in's Grab mich zieht?— Ja, das find' ich recht und billig! Noch iſt mein Gewiſſen wach, und mein beßres Selbſt iſt willig; Aber ſeine Kraft iſt ſchwach. Denn wie ſoll, wie kann ich's zähmen, Dieſes hoch empörte Herz? Wie den letzten Troſt ihm nehmen, Auszuſchreyen ſeinen Schmerz? Schreyen, aus muß ich ihn ſchreyen! Herr, mein Gott, du wirſt es mir, Du auch, Molly, wirſt verzeihen! Denn zu ſchrecklich tobt er hier. Ha, er tobet mit der Hölle, Mit der ganzen Hölle Wuth! Höchſte Gluth iſt ſeine Quelle, Und ſein Ausſtrom höchſte Gtuth! Gott und Gottes Creaturen Ruf' ich laut zu Zeugen an: Ob's von irdiſchen Naturen Eine ſtumm verſchmerzen kann!— Roſicht, wie die Morgenſtunde, Freundlich, wie ein Paradies, Wort und Kuß ihrem Munde,— O kein Nektar iſt ſo ſüß! War ein Mädchen mir gewogen... Wie? Gewogen nur?— Fürwahr, Ihre tauſend Schwüre logen, Wenn ich nicht ihr Abgott war. Und ſie ſollte lügen können? Lügen nur ein einzig Wort? Nein! In Flammen will ich brennen, Zeitlich hier und ewig dort, Der Verdammniß ganz zum Raube Will ich ſeyn, wofern ich nicht An das kleinſte Wörtchen glaube, Welches dieſer Engel ſpricht. Und ein Engel ſonder gleichen, Wenn die Erde Engel hat, Iſt ſie! Weichen muß ihr, weichen, Was hier Gott erſchaffen hat!— O ich weiß wohl, was ich ſage! Deutlich, wie mir See und Land Hoch um Mittag liegt zu Tage, So wird das von mir erkannt. Rümpften Tauſend auch die Naſen: „Deine Sinne täuſchen dich! Große Liebe macht dich raſen!“—. O ihr Tauſend ſeyd nicht Ich! Ich, ich weiß es, was ich ſage! Denn ich weiß es, was ſie iſt, Was ſie wiegt auf rechter Wage, Was nach rechtem Maß ſie mißt. Andre mögen Andre loben, Und zu Engeln ſie e Mir, von unten auf bis oben, Dünkt, wie Sie, nicht Eine ſchön. Wie von außen, ſo von innen, Dünkt auch nüchtern meinem Sinn Sie der höchſten Königinnen Aller Anmuth Königin. Vettelarm iſt, ſie zu ſchildern, Aller Sprachen überfluß. Zwiſchen tauſend ſchönen Vildern Wühlt umſonſt mein Genius. Spräch' ich auch mit Engelzungen Uund in Himmelsmelodie, Dennych, dennoch unbeſungen, Wie ſie werth iſt, bliebe ſie.— Eine ſolche iſt es! Eine, Die kein Name nennen kann! Die zu vollem Herzvereine Mich ſo innig lieb gewann, Daß ihr ſeligſter Gedanke, Den ſie dachte, wie den Stab Rund herum des Weinſtocks Ranke, Tag und Nacht nur mich umgab. Wann ſie mich nicht ſah und fand! Welch ein wonniges Betrachten, Wo ich ging und ſaß und ſtand! Welch ein Säuſeln, welch ein Wann ſie koſend mich umfing, Und mit füßem Liebeflehen Brünſtig mir am Halſe hing!— Alles, Alles das, wie ſelig, O wie ſelig fühlt' ich das! Fühlt' es ſo, daß ich glmählich Alles außer ihr vergaß; 3 Und nun ward, in ihr zu leben, Mir ſo innig zur Natur, Wie in Licht und Luft zu weben, Jeder Erden-Creatur. Stolz konnt'ich vor Zeiten wähnen, Hoch ſey ich mit Kraft erfüllt, Auch das Geiſtigſte mit Tönen Zu verwandeln in ein Bild. Doch lebendig darzuſtellen Das, was ſie und ich gefühlt, Fühl' ich jetzt mich, wie zum ſchnellen Reigen ſich der Lahme fühlt. Es iſt Geiſt, ſo raſch beflügelt, Wie der Spezereyen Geiſt, Der, hermetiſch auch verſiegelt, Sich aus ſeinem Kerker reißt. Welche Macht kann ihn bezähmen? Welche Macht durch Ton und Wort Feſſeln und gefangen nehmen?— Leicht, wie Ather, ſchlüpft er fort.— Welch ein Sehyen, welch ein Schmachten, 2 27 Nun,— o wär' ich nie geboren, Oder ſchwänd' in Nichts dahin!— Was ſie war, iſt mir verloren, Da, was ich ihr war, noch bin. Sie wähnt ſich's von Gott geheißen, Trotz Verblutung oder Schmerz, Von dem meinigen zu reißen Ihr ihm einverwachsnes Herz. Raſch, mit Ernſt und Kraft zu ringen, Hat ſie nun ſich aufgerafft, und den Heldenkampf vollbringen Will ihr Ernſt und ihre Kraft. rd ſie in dem Kampf erliegen? Wird ſie, oder wird ſie nicht? „Sterben, rief ſie, oder ſiegen Heißen Tugend mich und Pflicht.“ Ach, ich weiß dem keinen Tadel, Ob es gleich das Herz mir bricht, Was ſo rühmlich für den Adel Ihrer ſchönen Seele ſpricht! Denn, v Gott! in Chriſtenlanden, Auf der Erde weit und breit, Iſt ja kein Altar vorhanden, Welcher unſre Liebe weiht. Wie in Kerkernacht, belaſtet, Wie von Ketten, centnerſchwer, Stöhnet nun mein Geiſt und taſtet Ohne Rath und That umher. Nirgends iſt ein Spalt nur offen Für der Hoffnung Labeſchein; Und auch Wünſchen oder Hoffen Scheint Verbrechen gar zu ſeyn. Ich erſtarre, ich verſtumme, In V erzweiflung tief verſenkt, Wann mein Herz die Leidenſumme Dieſer Liebe überdenkt. Nichts„ach nichts weiß ich zu ſagen, Im Vewußtſeyn dieſer Schuld, Nichts zu murren, nichts zu klagen; Dennoch mangelt mir Geduld! Wie wird mir ſo herzlich bange, Wie ſo heiß und wieder kalt, Wann in dieſem Sturm und Drange Keuchend meine Seele wallt! Ach! das Ende macht mich zittern, Wie den Schiffer in der Nacht Der Tumult von Ungewittern Vor dem Abgrund zittern macht. Herr, mein Gott, wie ſoll es werden? Herr, mein Gott, erleuchte mich! Iſt wohl irgend wo auf Erden Rettung noch und Heil für mich? Heil auch dann, wann ich erfahre, Daß ſie ganz von mir befreyt, Einem Andern am Altare Sich mit Leib und Seele weiht? Werd' ich, o mein Gott und Rächer, Ohm in dieſen Höllenwehn Der Verzweiftung zum Verbrecher Mich zu wüthen, werd' ich's ſehn: Wie der Mann bey Kerzenſcheine Sie zum Brautgemache winkt, Und in meinem Freudenweine Sich zum frohſten Gotte trinkt?— 6 Freylich, freylich fühlt, was billig Und gerecht iſt, noch mein Sinn, Und das beßre Selbſt iſt willig: Doch des Herzens Kraft iſt hin! Weh mir! Alle Eingeweide Preßt der bängſten Ahndung Krampf! Hich armer Mann, wie meide Ich den fürchterlichſten Kampf?— Biſt du nun verloren? Retket Keine Macht dich mehr für mich? MWolly, meine Molly, kettet Mich kein Segensſpruch an dich? O ſo ſprich, zu welchem Ziele Schleudert mich ein ſolcher Sturm? Dient denn Gott ein Menſch zum Spiele, Wie des Vuben Hand der Wurm?— Nimmermehr! Dieß nur zu wähnen, Wäre Hochverrath an ihm. Rühre denn dich meiner Thränen, Meines Jammers ungeſtüm! O es keimt, wie lang' es währe,* Doch vielleicht uns noch Gewinnſt, Wenn ich dir den Kampf erſchwere, * Den du gegen mich beginnſt. War denn dieſe Flammenliebe Freyer Willkühr heimgeſtellt? Nein! Den Samen ſolcher Triebe Streut Natur in's Herzensfeld. Unaustilgbar keimen dieſe, Sproſſen dicht von ſelbſt empor, Wie im Thal und auf der Wieſe Kraut und Blume, Gras und Rohr. Sinnig ſitz' ich oft und frage, und erwäg' es herzlich treu Auf des beſten Wiſſens Wage: Ob„uns lieben“ Sünde ſey? Dann erkenn' ich zwar und finde Krankheit, ſchwer und unheilbar; Aber Sünde, Liebchen, Sünde Fand ich nie, daß Krankheit war. O ich möchte ſelbſt geneſen! Doch durch welche Arzeney? Oft gedacht und pft geleſen Hab' ich viel und mancherley; Arzte, Prieſter, Weiſ' und Thoren Hab' ich oft um Rath gefragt: Doch mein Forſchen war verloren; Keiner hat's mir angeſagt. O ſo laß es denn gewähren, Da Geneſung nicht gelingt! Laß uns lieber Krankheit nähren, Eh' uns gar das Grab verſchlingt!— Suche nicht den Strom zu hemmen, Der ſo lang ſein Vett nur füllt, Bis er zornig vor den Dämmen Zum Vertilgungsmeer entſchwillt. Freyer Strom ſey meine Liebe, Wo ich freyer Schiffer bin! Harmlos wallen ſeine Triebe Wog' an Woge dann dahin. Laß in ſeiner Kraft ihn brauſen! Wenn kein Damm ihn unterbricht, Miüſſe dir davor nicht grauſen! Denn verheeren wird er nicht. ————— ————————— 31 Auf des Stromes Höhe pranget Eine Inſel, anmuthsvoll, Wo der Schiffer hin verlanget, Aber ach! nicht landen ſoll. Auf der ſchönen Inſel thronet Seines Herzens Königin. Bey der ſüßen Holdin wohnet Dennoch immerdar ſein Sinn. Hänget gleich ſein Schiff an Vanden Strenger Pflichten, die er ehrt; Wird ihm gleich dort anzulanden, Molly, ſelbſt von dir verwehrt: O ſo laß ihn nur umfahren Seines Paradieſes Rand, Und es ſeine Obhuth wahren Gegen fremde Räuberhand. Selbſt, v Holdin,— kannſt es glauben, Was dir Mund und Herz verſpricht!— Selbſt das Paradies berauben Und verheeren wird er nicht. Keine Beere will er pflücken, Wie ſo lockend ſie auch glüht, Vicht ein Blümchen nur zerknicken, Das in dieſem Eden blüht. Pinſchaun ſoll ihn nur ergetzen, Wann ſein Schiff herum ſich dreht, Nur der ſüße Duſt ihn letzen, Den der Weſt vom ufer weht⸗ Aber ganz von hinnen ſcheiden, Fern von deinem Angeſicht Und der Heimath ſeiner Freuden, Heiß', v Königin, ihn nicht. —— Molly's Werth. Ao, könnt' ich Molly kaufen Für Gold und Edelſtein, Mir ſollten große Haufen Für ſie wie Kieſel ſeyn. Man rühmt wohl viel vom Golde, Was ich nicht läugnen kann: Doch ohne ſie, die Holde, Wie hätt' ich Luſt daran? Ja, wenn ich Allgebiether Von ganz Europa wär', Ich gäb' Europens Güter Für ſie mit Freuden her, Bedingte nur dieß Eine Für ſie und mich noch aus: Im kleinſten Fruchtbaumhaine Das kleinſte Gärtnerhaus. Mein liebes Leben enden Darf nur der Herr der Welt. Doch, dürft' ich es verſpenden, So wie mein Gut und Geld: So gäb' ich gern, ich ſchwöre, Für jeden Tag ein Jahr, Da ſie mein eigen wäre, Mein eigen ganz und gar. ——4 —— Des Pfarrers Tochter von Taubenhain. Im Garten des Pfarrers von Taubenhain Geh s irre bey Nacht in der Laube. Da fliſtert und ſtöhnt's ſo ängſtiglich; Da raſſelt, da flattert und ſträubet es ſich, Wie gegen den Falken die Taube. Es ſchleicht ein Flämmchen am ur Das flimmert und ſo traur Da iſt ein Plä itzchen, da wüchſt kein Das wird vom Thau und vom Regen Da wehen die Lüftchen ſo ſchaurig. nenteich, cht'naß rers Tochter von Taubenhain wie ein Täubchen. jung, war lieblich und fein, en der Freyer nach Taubenhain, Und wünſchten Roſetten zum Weibchen.— Von drüben herüber, von drüben herab, ort jenſeits des Baches, vom Büget Blint t ſtattlich ein Schloß auf das Dörſchen im Thal, Die Mauern wie Silber, die cher wie Stahl, Die Fenſter wie brennende S piegel. Da trieb es der Funker von Falkenſtein In Hüll' und in Füll' n Fre Dem Jüngferchen lacht' in die uien das Schtof oß, Shm lacht' in das Herzchen der Junker zu Roß, Ii funkelnden Fägergeſchmeide.— Bürgers Ged. II. Vd. 3 Er ſchrieb ihr ein Brieſchen auf Seidenpapier, umrändelt mit goldenen Kanten. Er ſchickt' ihr ſein Vildniß, ſo lachend und hold, Verſteckt in ein Herzchen von Perlen und Gold; Dabey war ein Ring mit Demanten.— „Laß du ſie nur reiten, und fahren und gehn, Laß du ſie ſich werben zu Schanden! Roſettchen, dir iſt wohl was Beſſers beſchert. Ich achte des ſtattlichſten Ritters dich werth, Beliehen mit Leuten und Landen. Ich hab' ein gut Wörtchen zu koſen mit dir; Das muß ich dir heimlich vertrauen. Drauf hätt'ich gern heimlich erwünſchten Veſcheid., Lieb Mädel, um Mitternacht bin ich nicht weit; Sey wacker, und laß dir nicht grauen! Heut Mitternacht horch' auf den Wachtel⸗ geang Im Weitzenfeld hinter dem Garten. Ein Nachtigallmännchen wird locken die Braut, MWit lieblichem tief aufflötenden Laut; Sey wacker und laß mich nicht warten!“— Er kam in Mantel und Kappe vermummt, Er kam um die Mitternachtsſtunde. Er ſchlich, umgürtet mit Waffen und Wehr, So leiſe, ſo loſe, wie Nebel, einher, Und ſtillte mit Vrocken die Hunde. — —— Er ſchlug der Wachtel hell gellenden Schlag, Im Weitzenfeld hinter dem Garten. Dann lockte das Nachtigallmännchen die Braut, Mit lieblichem tief aufflötenden Laut; und Röochen, ach!— ließ ihn nicht warten.— Er wußte ſein Wörtchen ſo traulich und ſüß In Ohr und Herz ihr zu girren— Ach, Liebender Glaube iſt willig und zahm— Er ſparte kein Locken, die ſchüchterne Scham Zu ſeinem Gelüſte zu kirren. Er ſchwur ſich bey Allem, was heilig und hehr, Auf Ewig zu ihrem Getreuen. lud als ſie ſich ſträubte, und als er ſie zog, Vermaß er ſich theuer, vermaß er ſich hoch: Pieb Mädel, es ſoll dich nicht reuen!“ Er zog ſie zur Laube, ſo düſter und ſtill, Von blühenden Vohnen umdüftet. Da pocht' ihr das Herzchen; da ſchwoll ihr die Bruſt; wurde vom glühenden Hauche der Luſt Die unſchuld zu Tode vergiftet.—— Bald, als auf duftendem Bohnenbeet Die röthlichen Blumen verblühten, Da wurde dem Mädel ſo übel und weh; 2 ableichten die roſichten Wangen zu Schnee; Die funkelnden Augen verglühten. Und als die Schote nun Mgemach Sich dehnt' in die Vreit' und Länge; Als Erdbeer' und Kirſche ſich röthet' und ſchwoll; Da wurde dem Mädel das Vrüſichen zu voll, Das ſeidene Röckchen zu enge. und als die Sichel zu Felde ging, Hub's an ſich zu regen und Und als der Herbſtwind über die Flur und über die Stoppel des Habers fuhr, Da rounte ſie's nicht mehr verſtecken. Der Vater, ein harter und zorniger Mann, Schalt laut die arme Roſette: „Paſt du dir erbuhlt für die Wiege das Kind, So hebe dich mir aus den Augen geſchwind, und ſchaff' auch den Mann dir in's Vette!“ Er ſchlang ihr fliegendes Haar um die Fauſt;“ Er hieb ſie mit knotigen Riemen. Er hieb, das ſchallte ſo ſchrecklich und laut! Er hieb ihr die ſammtene Lilienhaut Voll ſchwellender blutiger Striemen. Er ſtieß ſie hinaus in der finſterſten Nacht Pey eiſigem Regen und Winden. Sie klimmt' an dornigen Felſen empor, 1 Und tappte ſich fort bis an Falkenſteins Thor, Dem Liebſten ihr Leid zu verkünden.— „O weh mir, daß du mich zur Mutter gemacht, Vevor du mich machteſt zum Weibe! Sieh her! Sieh her! Mit Jammer und Hohn Trag' ich dafür nun den ſchmerzlichen Lohn, An meinem zerſchlagenen Leibe!“ — 37 Sie warf ſich ihm bitterlich ſchluchzend an's Herz; Sie bath, ſie beſchwur ihn mit Zähren: „O mach' es nun gut, was du übel gemacht! Viſt du es, der ſo mich in Schande gebracht, So bring' auch mich wieder zu Ehren!“— „Arm Närrchen, verſetzt' er, das thut mir ja leid! ir wollen's am Alten ſchon rächen. Erſt gib dich zufrieden und harre bey mir! Ich will dich ſchon hegen und pflegen allhier. Dann wollen wir's ferner beſprechen.“— „Ach hier iſt kein Säumen, Pflegen, noch Ruhn- Das bringt mich nicht wieder zu Chren. „Haſt du einſt treulich geſchworen der Braut, So laß auch an Gottes Altare nun laut Vor Prieſter und Zeugen es hören!“— „Ho, Närrchen, ſo hab' ich es nimmer ge⸗ meint! Wie kann ich zum Weibe dich nehmen? Ich bin ja entſproſſen aus adligem Blut. Nur Gleiches zu Gleichem geſellet ſich gut; Sonſt müßte mein Stamm ſich ja ſchämen. Lieb Närrchen, ich halte dir's, wie ich's ge⸗ meint: Mein Liebchen ſollſt immerdar bleiben. Und wenn dir mein wackerer Jäger gefällt, So laſſ' ich's mir koſten ein gutes Stück Geld. Dann können wir's ferner noch treiben. 38 „Daß Gott dich— du ſchändlicher, bübiſcher Mann!— Daß Gott dich zur Hölle verdamme!— Entehr' ich als Gattin dein adliges Blut, Warum denn, o Vöſewicht, war ich einſt gut Für deine unehrliche Flamme? So geh' dann und nimm dir ein adliges Weib! Das Blättchen ſoll ſchrecklich ſich wenden! Gott ſiehet und höret und richtet uns recht. So müſſe dereinſt dein niedrigſter Knecht Das adlige Bette dir ſchänden!— Dann fühle, Verräther, dann fühle, wie's thut, A Ehr' und an Glück zu verzweifeln! Dann ſtoß' an die Mauer die ſchändliche Stirn, und jag' eine Kugel dir fluchend durch's Hirn! Dann, Teufel, dann fahre zu Teufeln!“— Sie riß ſich zuſammen, ſie raffte ſich auf, Sie rannte verzweifelnd von hinnen, Mit blutigen Füßen, durch Diſtel und Dorn, Durch Moor und Geröhricht, Jammer und orn Zerrüttet an allen fünf Sinnen. „Wohin nun, wohin, o barmherziger Gott, Wohin nun auf Erden mich wenden?— Sie rannte, verzweifelnd an Ehr' und an Glück, und kam in den Garten der Heimath zurück, Ihr klägliches Leben zu enden. Sie taumelt', an Händen und Füßen verklomt, Sie kroch zur unſeligen Laube; und jach durchzuckte ſie Weh auf Weh, Auf ärmlichem Lager, beſtreuet mit Schnee, Von Reiſig und raſſelndem Laube. Es wand ihr ein Knäbchen ſich weinend vom Schvoß, Vey wildem unſäglichen Schmerze. und als das Knäbchen geboren war, Da riß ſie die ſilberne Nadel vom Haar, und ſtieß ſie dem Knaben in's Herze. Erſt, als ſie vollendet die blutige That, Mußt', ach! ihr Wahnſinn ſich enden. Kalt wehten Entſetzen und Grauſen ſie an.— „O Jeſu, mein Heiland, was hab' ich gethan?“ Sie wand ſich den Baſt von den Händen. Sie kratzte mit blutigen Nägeln ein Grab, Am ſchilfigen unkengeſtade. „Da ruh du, mein Armes, da ruh nun in Gott, Geborgen auf immer vor Elend und Spott!— Mich hacken die Raben vom Rade!“—— Das iſt das Flämmchen am Unkenteich; Das flimmert und flammert ſo traurig. Das iſt das Plätzchen, da wächſt kein Gras; Das wird vom Thau und vom Regen nicht naß; Da weben die Lüftchen ſo ſchaurig! Hoch hinter dem Garten vom Rabenſtein, Hoch über dem Steine vom Rade Blickt, hohl und düſter, ein Schädel herab, Das iſt ihr Schädel, der blicket auf's Grab, Drey Spannen lang an dem Geſtade. Allnächtlich herunter vom Rabenſtein, Allnächtlich herunter vom Rade Huſcht bleich und wolkicht ein Schattengeſicht, Will löſchen das Flämmchen, und kann es doch nicht, und wimmert am Uunkengeſtade. ———. Der kluge Held. T — ags vor der Schlacht glt ein junger In allerley bedenkliche e Nimmt Dieß und Das in ernſte überlegung und bringt heraus: Dein Vißchen Löhnungsgeld und Lumpenruhm, mein guter König, Reitzt wahrlich Unſereinen wenig, Daß er dafür im Mordgemetzel fällt!— Als er kaum fertig iſt mit Grübeln, Läuft er zum Chef:„Sie e nicht ver⸗ übeln, Daß ich, zu meinem bitterſten Verdruß, Gerade jetzt um Urlaub bitten muß. 1 3 Denn ach! mein Vater liegt an Codesenden nieder, So ſchreibt man mir; ich ſeh' ihn ſonſt nicht wieder; und ihn verlangt nach mir meinem letzten 6 O gönnen Sie mir ſeinen Abſchieltjuß— „Sehr wohl! verſetzt der Chef, und lächelt vor ſich nieder; Reiſ' hurtig ab, mein Sohn! Denn nach der Bibel muß Dein Vater nach Gebühr von dir geehret werden, Auf daß dir's wohl ergeh', und du lang lebſt auf Erden.“ Prometheus. neihe hatte kaum herab in Erden⸗ nacht Den HQuell des Lichts, der Wärm' und alles Lebens, Das Feuer, vom Olymp gebracht; Sieß da verbrannte ſich,— denn Warnen war vergebens,— Manch dummes Jüngelchen die Farſt aus un⸗ bedacht. Mein Gott! Was für Geſchrey erhuben Nicht da ſo manches dummen Buben Erzdummer Papa, Erzdumme Mama, Erzdumme Leibs- und Seelen⸗Amme! Welch Gänſegeſchnatter die Kleriſey, Welch Truthansgekoller die Polizey!— Iſt's weiſe, daß man dich verdamme, Gebenedeyte Gottesflamme, Allfreye Denk⸗ und Druckerey? „——— Die Kuh. Magdalis weint' uhür letztes Stück Brot. Sie konnt' es vor Kummer nicht eſſen. Ach, Witwen bekümmert oft größere Noth, Als glückliche Menſchen ermeſſen. „Wie tief ich auf immer geſchlagen nun bin! Was hab' ich, biſt du erſt verzehret?“— Denn, Jammer! ihr Eins und ihr Alles war hin, Die Kuh, die bisher ſie ernähret.— Heim kamen mit lieblichem Schellengetön Die Andern, geſättigt in Fülle. Vor Magdalis Pforte blieb keine mehr ſtehn, Und rief ihr mit ſanftem Gebrülle. Wie Kindlein, welche der nährenden Vruſt Der Mutter ſich ſollen entwöhnen, So klagte ſie Abend und Nacht den Verluſt, Und löſchte ihr Lämpchen mit Thränen. 43 Sie ſank auf ihr ärmliches Lager dahin, In hoffnungsloſem Verzagen, Verwirrt und zerrüttet an jeglichem Sinn, An jeglichem Gliede zerſchlagen. Doch ſtärkte kein Schlaf ſie von Abend bis früh. Schwer abgemüdet im Schwalle Von ängſtlichen Träumen, erſchütterten ſie Die Schläge der Glockenuhr alle. Früh that ihr des Hirtenhornes Getön Ihr Elend von neuem zu wiſſen. „O wehe! Nun hab ich nichts aufzuſtehn!“— So ſchluchzte ſie nieder in's Kiſſen. Sonſt weckte des Hornes Geſchmetter ihr Perz, Den Vater der Güte zu preiſen. Jetzt zürnet' und hadert' entgegen ihr Schmerz Dem Pfleger der Witwen und Waiſen. Und horch! Auf Ohr und auf Herz, wie ein Stein Fiel's ihr, mit dröhnendem Schalle. Ihr rieſelt' ein Schauer durch Mark und Ge⸗ bein: Es dünkt' ihr wie Brüllen im Stalle. „O Himmel! Verzeihe mir jegliche Schuld, Und ahnde nicht meine Verbrechen!“ Sie wähnt', es hübe ſich Geiſtertumult, Ihr ſträfliches Zagen zu e 44 Kaum aber hatte vom ſchrecklichen Ton Sich mählich der Nachhall verloren, So drang ihr noch lauter und dentlicher ſchon Das Brüllen vom Stalle zu Ohren. „Barmherziger Himmel, erbarme dich mein, Und halte den Böſen in Banden!“ Tief barg ſie das Haupt in die Kiſſen hinein, Daß Hören und Sehen ihr ſchwanden. Hier ſchlug ihr, indem ſie im eit zer⸗ 3 . qu Das bebende Herz, wie ein S 5 Und drittes noch lauteres Brüllen erſcholl, Als wär's vor dem Bett in der Kammer. Nun ſprang ſie mit wildem Entſetzen heraus; Stieß auf die Laden der Zelle; Schon ſtrahlte der Morgen; der Dämmerung Graus Wich ſeiner erfreulichen Helle. und als ſie mit heiligem Kreutz ſich verſehn: „Gott helfe mir gnädiglich, amen!“— Da wagte ſie's zitternd zum Stalle zu gehn, In Gottes allmächtigem Namen. D Wunder! Hier kehrte die herrlichſte Kuh, So glatt und ſo blank, wie ein Spiegel, Die Stirne mit ſilbernem Sternchen ihr zu.. Vor Staunen entſank ihr der Riegel. 45 ( Hier leuchtet' ein weiß wie der Schnee, Die ſtrotzenden Euter zu leeren. Sie trug ein zierlich beſchriebnes Blatt, um Stirn und Hörner gewunden: gZum Troſte der guten Frau Magdalis hat N. N. hierher mich gebunden.“ Gott hatt' es ihm gnädig verliehen, die Noth Des Armen ſo wohl zu ermeſſen. Gott hatt' ihm verliehen ein Stücklein Brot, Das konnt' er allein nicht eſſen.— Mir däucht, ich wäre von Gott erſehn, Was gut und was ſchön iſt, zu preiſen; Daher beſi ug' ich, was gut iſt und ſchön, In ſchlicht einfältigen Weiſen. „So, ſchwur mir ein Maurer, ſo iſt es ge⸗ ſchehn!“ Allein er ve mir den Namen. Gott laſſ' es dem Edeln doch wohl ergehn! Das beth' ich herzinniglich, amen! ——, Der Kaiſer und der Abt. 82 Ich will euch erzählen ein Mährchen gar ſchnurrig: Es war'mahl ein Kaiſer; der Kaiſer war kurrig; Auch war'mahl ein Abt, ein gar ſtattlicher Herr; Nur Schade! ſein Schäfer war klüger, als er.. Dem Kaiſer ward's in Hitz und in Kälte: Oft ſchlief er bepanzert im Kriegesgezelte; Oft hatt' er kaum Waſſer zu Schwarzbrot und Wurſt; Und öfter noch litt er gar Hunger und Durſt. Das Pfäfflein, das wußte ſich beſſer zu hegen, und weidlich am Tiſch und im Bette zu pflegen. Wie Vollmond glänzte ſein feiſtes Geſicht. Drey Männer umſpannten den Schmerbauch ihm nicht. Drob ſuchte der Kaiſer am Pfäfftein oft Hader. Einſt ritt er, mit reiſigem Kriegesgeſchwader, In brennender Hitze des Sommers, vorbey. Das Pfäfflein ſpazirte vor ſeiner Abtey. „Ha, dachte der Kaiſer, zur glücklichen Stunde!“ und grüßte das Pfäfflein mit höhniſchem Munde: 47 „Knecht Gottes, wie geht's dir? Mir däucht wohl ganz recht, Das Vethen und Faſten bekomme nicht ſchlecht. Doch däucht mir daneben, euch plage viel Weile. Ihr dankt mir's wohl, wenn ich euch Arbeit ertheile. Man rühmet, ihr wäret der pfiffigſte Mann, Ihr hörtet das Gräschen faſt wachſen, ſagt man. So geb' ich denn euern zwey tüchtigen Vacken Zur Kurzweil drey artige Rüſſe zu knacken. Drey Monden von nun an beſtimm' ich zur Zeit. Dann will ich auf dieſe drey Fragen Beſcheid. Zum erſten: Wann hoch ich, im fürſtlichen Rathe, Zu Throne mich zeige im Kaiſer-Ornate, Dann ſollt ihr mir ſagen, ein treuer Wardein, Wie viel ich wohl werth bis zum, Heller mag ſeyn? Zum zweyten ſollt ihr mir berechnen und ſagen: Wie bald ich zu Roſſe die Welt mag umjagen: Um keine Minute zu wenig und viel! Ich weiß, der Veſcheid darauf iſt euch nur Spiel. Zum dritten noch ſollſt du, v Preis der Prälaten, Auf's Härchen mir meine Gedanken errathen. Die will ich dann treulich bekennen; allein Es ſoll auch kein Titelchen Wahres dran ſeyn. 48 und könnt ihr mir dieſe drey Fragen nicht löſen, So ſeyd ihr die längſte Zeit Abt hier geweſen; So laß ich euch führen zu Eſel durch's Land⸗ Verkehrt, ſtatt des Zaumes, den Schwanz in der Hand.“— Drauf trabte der Kaiſer mit Lachen von — hinnen. Das Pfäfſtein zerriß und zerſpliß ſich mit Sinnen. Kein armer Verbrecher fühlt mehr Schwulität, Der vor hochnothpeinlichem Halsgericht ſteht. Er ſchickte nach eth, zwey, drey, vier Un'⸗⸗ verſetäten, Er fragte bey ein, zwey, drey, vier Facultäten, Er zahlte Gebühren und Sportuln vollauf u Doch löſte rein Doctor die Fragen ihm auf. Schnell wuchſen, bei herzlichem Zagen und Pochen, Die Stunden zu Tagen, die Tage zu Wochen, Die Wochen zu Monden; ſchon kam der Termin! Ihm ward's vor den Augen bald gelb und bald grün. Nun ſucht' er, ein bleicher hohlwangiger Werther, In Wäldern und Feldern die einſamſten Hrter Da traf ihn auf ſelten betretener Vahn, Hans Bendir, ſein Schäfer, am Felſenhang an 4⁰ „Herr Abt, ſprach Hans Vendir, was mögt ihr euch grämen? Ihr ſchwindet ja wahrlich dahin, wie ein Sche⸗ men. Maria und Joſeph! Wie hotzelt ihr ein! Mein Sirchen! Es muß euch was angethan ſeyn.“— „Ach, guter Hans Bendir, 6 ſichs wohl * ſchicken. Der Kaiſer will gern mir am Zeuge was flicken, Und hat mir drey Nüſſ' auf die Zähne gepackt, Die ſchwerlich Beelzebub ſelber wohl knackt. Zum erſten: Wann hoch er, im fürſtlichen Rathe, Zu Throne ſich zeiget im Kaiſer⸗Ornate, Dann ſoll ich ihm fagen, ein treuer Wardein, Wie viel er wohl werth bis zum Heller mag ſeyn. Zum zweyten ſoll ich ihm berechnen und ſagen: Wie bald er zu Roſſe die Welt mag umjagen? Um keine Minute zu wenig und viel! Er meint, der Veſcheid darauf wäre nur Spiel. Zum dritten, ich Urmſter von allen Prälaten, oll ich ihm gar ſeine Gedanken errathen; di will er mir treulich bekennen: allein Es ſoll auch kein Titelchen Wahres dran ſeyn. Bürders Ged, II. d, 4 und kann ich ihm dieſe brey Fragen nicht löſen „ So bin ich die längſte Zeit Abt hier geweſen; So läßt er mich führen zu Eſel durch's Land, Verkehrt, ſtatt des Zaumes den Schwanz in der Hand.“— „Nichts weiter? erwiedert Hans Bendir mit Lachen, Herr, gebt euch zufrieden, das will ich ſchon machen. Nur borgt mir eur Käppchen, eur Kreutzchen und Kleid; So will ich ſchon geben den rechten Veſcheid. Verſteh' ich gleich nichts von lateiniſchen Brocken, So weiß ich den Hund doch vom Ofen zu locken. Was ihr euch, Gelehrte, für Geld nicht erwerbt, Das hab' ich von meiner Frau Mutter geerbt.“ Da ſprang, wie ein Böcklein, der Abt vor Behagen. Mit Käppchen und Mantel und Kragen. Ward ſtattlich Hans Vendir zum Abte geſchmückt⸗ und hurtig zum Kaiſer nach Hofe geſchickt. Pier thronte der Kaiſer im fürſtlichen Rathe, Hoch prangt' er, mit Zepter und Kron', im Ornate: „Nun ſagt mir, Herr Abt, als ein treuer Wardein, Wie viel ich jetzt werch bis zum Heller mag ſeyn?“— 51 „Für dreißig Reichsgulden ward Chriſtus verſchachert; Drum geb' ich, ſo ſehr ihr auch pochet und prachert, Für euch keinen Deut mehr, als zwanzig und neun, Denn Einen müßt ihr doch wohl minder werth ſeyn.“ „Hum, ſagte der Kaiſer, der Grund läßt ſich hören, Und mag den durchlauchtigen Stolz wohl be⸗ kehren Nie hätt' ich, bei meiner pochfürſtlichen Ehr'! Geglaubet, daß ſo ſpottwohlfeil ich wär'.— Nun aber ſollſt du mir berechnen und ſagen: Wie bald ich zu Roſſe die Welt mag umjagen? Um keine Minute zu wenig und viel! Iſt dir der Beſcheid darauf auch nur ein Spiel?“ „Herr, wenn mit der Sonn' ihr früh ſattelt und reitet, Und ſtets ſie in einerley Tempo begleitet, So ſetz' ich mein Kreutz und mein Käppchen daran, In zwey Mahl zwölf Stunden iſt Alles ge⸗ than.“— „„Ha, lachte der Kaiſer, vortrefflicher Haber! Ihr füttert die Pferde mit und mit 3 Aber. 3 4 52 Der Mann, der das Wenn und das Aber erdacht, Hat ſicher aus Häckerling Gold ſchon gemacht. Nun aber zum dritten, nun nimm dich zu⸗ ſammen! Sonſt muß ich dich dennoch zum Eſel verdam⸗ men. Was denk' ich, das falſch iſt? Das bringe heraus! Nur bleib mir mit Wenn und mit Aber zu Haus!“— „Ihr denket, ich ſey der Herr Abt von St. Gallen.“— „Ganz recht! und das kann von der Wahrheit nicht fallen.“— „Sein Diener, Herr Kaiſer! Euch trüget eur Sinnz Denn wißt, daß ich Vendix, ſein Schäfer, nur bin „Was Henker! Du viſt nicht der Abt von St. Gallen?“ Rief hurtig, als wär' er vom Himmel gefallen, Der Kaiſer mit frohem Erſtaunen darein; „Wohlan denn, ſo ſollſt du von nun an es ſeyn! Ich will dich belehnen mit Ring und mit Stabe. Dein Vorfahr beſteige den Eſel und trabe! und lerne fortan erſt quid Juris verſtehn; Denn wenn man will erndten, ſo muß man auch ſä'n.“— 53 „Mit Gunſten, Herr Kaiſer! Das laßt nur hübſch bleiben! Ich kann ja nicht leſen noch Snen und ſchrei⸗ ben; Auch weiß ich kein ſterbendes Wörtchen Latein. Was Hänschen verſäumet, holt Hans nicht mehr ein.“— „Ach, guter Hans Bendix, das iſt ja recht Schade! Erbitte demnach dir ein' andere Gnade! Sehr hat mich ergotzet dein luſtiger Schwank; Drum ſoll dich auch wieder ergötzen mein Dank.“— „Herr Kaiſer, groß hab' ich ſo eben nichts nöthig: Doch ſeyd ihr im Ernſt mir zu Gnaden erböthig, So will ich mir bitten, zum ehrlichen Lohn, Für meinen hochwürdigen Herren Pardon.“— „Ha bravo! Du trägſt, wie ich merke, Geſelle, Das Herz, wie den Kopf, auf der richtigſten Stelle. Drum ſey der Pardon ihm in Gnaden gewährt. Und obenein dir ein Panis-Brief beſchert: Wir laſſen dem Abt von St. Gallen ent⸗ biethen: Hans Bendir ſoll ihm nicht die Schafe mehr hüten, Der Abt ſoll ſein pflegen, nach unſerm Geboth, umſonſt bis an ſeinen ſanftſeligen Tod.“ „——— Der wilde Jäger. D. Wild⸗ und Rheingraf ſtieß in's Horn: „Halloh, halluh zu Fuß und Roß!“ Sein Hengſt erhob ſich wiehernd vorn; Laut raſſelnd ſtürzt' ihm nach der Troß; Laut klifft' und klafft' es, frey vom Koppel, Durch Korn und Dorn, durch Heid' und Stoppel. Vom Strahl der Sonntagsfrühe war Des hohen Domes Kuppel blank. Zum Hochamt rufte dumpf und klar Der Grocken ernſter Feyerklang. Fern tönten lieblich die Geſänge Der andachtsvollen Ehriſtenmenge. Riſchraſch quer über'n Kreuzweg ging's, Mit Horidoh und Huſſaſa. Sieh da! Sieh da, kam rechts und links Ein Reiter hier, ein Reiter da! Des Rechten Roß war Silbersblinken, Ein Feuerfarbner trug den Linken. Wer waren Reiter links und rechts? Ich ahnd' es wohl, doch weiß ich's nicht, Lichthehr erſchien der Reiter rechts, Mit mildem Frühlingsangeſicht. Graß, dunkelgelb der linke Ritter Schoß Blitz' vom Aug', wie ungewitter. 55 „Willtommen hier, zu rechter Friſt, Wiilkommen zu der edein Jagd! Auf Erden und im Himmel iſt Kein Spiel, das lieblicher behagt.“— Er rieſ's, ſchlug laut ſich an die Hüfte, und ſchwang den Hut hoch in die Lüfte. „Schlecht ſtimmet deines Hornes Klang, Sprach der zur Rechten, ſanften Muths, Zu Feyerglock' und Chorgeſang. Kehr' um! Erjagſt dir heut nichts Guts. Laß dich den guten Engel warnen,. und nicht vom Vöſen dich umgarnen!“— „Jagt zu, jagt zu, mein edler Herr! Fiel raſch der linke Ritter drein. Was Glockenklang? Was Ghorgeplärr? Die Jagdluſt muß euch baß erfreun! Laßt mich, was fürſtlich iſt, euch lehren, und euch von Jenem nicht bethören!“— „Ha! Wohl geſprochen, linker Mann! Du biſt ein Held nach meinem Sinn. Wer nichz des Weidwerks pflegen kann, Der ſchek an's Paternoſter hin! Mag's, frommer Narr, dich baß verdrießen, So will ich meine Luſt doch büßen!“— und hurre hurre vorwärts ging's, Feld ein und aus, Berg ab und an. Stets ritten Reiter rechts und links Zu beyden Seiten neben an. Auf ſprang ein weißer Hirſch von ferne, Mit ſechzehnzackigem Gehörne. 2 56 und lauter ſtieß der Graf in's Horn; und raſcher flog's zu Fuß und Roß; und ſieh! bald hinten und bald vorn Stürzt' Einer todt dahin vom Tryß. „Laß ſtürzen! Laß zur Hölle ſtürzen! Das darf nicht Fürſtenluſt verwürzen.“ Das Wild duckt ſich in's Ahrenfeld, Und hofft da ſichern Aufenthalt. Sieh da! Ein armer Landmann ſtellt Sich dar in kläglicher Geſtalt. „Erbarmen, lieber Herr, Erbarmen! Perſchont den ſauern Schweiß des Armen!“ Der rechte Ritter ſprengt heran, Und warnt den Grafen ſanft und gut. Doch baß hetzt ihn der linke Mann Zu ſchadenfröhem Frevelmuth. Der Graf verſchmäht des Rechten Warnen, und läßt vom Linken ſich umgarnen. „Hinweg, du Hund, ſchnaubt fürchterlich Der Graf den armen Pflüger an. Sonſt hetz' ich ſelbſt, bey'm Teufel! dich.— Halloh, Geſellen, drauf und dran! Zum Zeichen daß ich wahr geſchworen, Knallt ihm die Peitſche um die Ohren!“ Geſagt, gethan! Der Wildgraf ſchwang Sich über'n Hagen raſch voran, Und hinterher, bey Knall und Klang, Der Troß mit Hund und Roß und Mann; und Hund und Mann und Roß zerſtampfte Die Halmen, daß der Acker dampfte. f 57 Vom nahen Lärm emporgeſcheucht, Feld ein und aus, Berg ab und an Geſprengt, verfolgt, doch unerreicht, Ereilt das Wild des Angers Plan; und miſcht ſich, da verſchont zu werden, Schlau mitten zwiſchen zahme Heerden. Doch hin und her, durch Flur und Wald, Und her und hin, durch Wald und Flur, Verfolgen und erwittern bald Die raſchen Hunde ſeine Spur. Der Hirt, voll Angſt für ſeine Heerde, Wirft vor dem Grafen ſich zur Erde. „Erbarmen, Herr, Erbarmen! Laßt Mein armes ſtilles Vieh in Ruh! Bedenket, lieber Herr, hier graſt So mancher armen Wittwe Kuh Ihr Eins und Alles ſpart der Armen! Erbarmen, lieber Herr, Erbarmen!“ Der rechte Ritter ſprengt heran, Und warnt den Grafen ſanft und gut. Doch baß hetzt ihn der linte Mant Zu ſchadenfrohem Frevelmuth. Der Graf verſchmäht des Rechten Warnen, und läßt vom Linken ſich umgarnen. „Verwegner Hund, der du mir wehrſt! Ha, daß du deiner beſten Kuh Selbſt um- und angewachſen wärſt, Und jede Vettel noch dazu! So ſollt' es baß mein Herz ergetzen, Euch ſtracks in's Himmelreich zu hetzen. — 58 Halloh, Geſellen, drauf und dran: Jo! Doho! Huſſaſaſa!“— und jeder Hund fiel wüthend an, Was er zunächſt vor ſich erſah. Bluttriefend ſank der Hirt zur Erde, Bluttriefend Stück für Stück die Heerde. Dem Mordgewühl entrafft ſich kaum* Das Wild mit immer ſchwächerm Lauf. Mit Blut beſprengt, bedeckt mit Schaum, . Nimmt jetzt des Waldes Nacht es auf. Tief birgt ſch's in des Waldes Mitte, 3 In eines Klausners Gotteshütte. Riſch ohne Raſt mit Peitſchenknall, 1 Mit Horidoh und Huſſaſa, Und Kliff und Klaff und Hörnerſchall, Verfolgt's der wilde Schwarm auch da. Entgegen tritt mit ſanfter Bitte Der fromme Klausner vor die Hütte. „Laß ab, laß ab von dieſer Spur! Entweihe Gottes Freyſtatt nicht! Zum Himmel ächzt die Kreatur ünd heiſcht von Gott dein Strafgericht. Zum Letztenmahle laß dich warnen, Sonſt wird Verderben dich umgarnen!“ Der Rechte ſprengt beſorgt heran, und warnt den Grafen ſanft und gut. Doch baß hetzt ihn der linte Manh Zu ſchadenfrohem Frevelmuth. Und wehe! Trotz des Rechten Warnen, Läßt er vom Linken ſich umgarnen! — 59 „Verderben hin, Verderben her! Das, ruft er, macht mir wenig Graus. und wenn's im dritten Himmel wär', So acht' ich's keine Fledermaus. Mag's Gvott und dich du Narr, verdrießen; So will ich meine Luſt doch büßen!“ Er ſchwingt die Peitſche, ſtößt in's Horn: „Halloh, Geſellen, drauf und dran!“ Hui, ſchwinden Mann und Hütte vorn, uͤnd hinten ſchwinden Roß und Mann; und Knall und Schall und Jagdgebrülle Verſchlingt auf Einmahl Todtenſtille. Erſchrocken blickt der Graf umher; Er ſtößt ins Horn, es tönet nicht; Er ruft, und hört ſich ſelbſt nicht mehr; Der Schwung der Peitſche ſauſet nicht; Er ſpornt ſein Roß in beyde Seiten, und kann nicht vor⸗ nicht rückwärts reiten. Drauf wird es düſter um ihn her, und immer düſtrer wie ein Grab. Dumpf rauſcht es, wieſ ein fernes Meer. Hoch über ſeinem Haußt herab Fuft furchtbar, mit Gewittergrimme, Dieß urthel eine Donnerſtimme: „Du Wüthrich, teufliſcher Natur, Frech gegen Gott und Menſch und Thier! Das Ach und Weh der Kreatur und deine Miſſethat an ihr Hat laut dich vor Gericht gefodert, Wo hoch der Rache Fackel lodert. Fleuch, Unhold, fleuch, und werde jetzt, Von nun an bis in Ewigkeit, Von Höll' und Teufel ſelbſt gehetzt! Zum Schreck der Fürſten jeder Zeit, Die, um verruchter Luſt zu frohnen, Nicht Schöpfer noch Geſchöpf verſchonen!“— Ein ſchwefelgelber Wetterſchein umzieht hierauf des Waldes Laub. Angſt rieſelt ihm durch Mark und Bein; Ihm wird ſo ſchwül, ſo dumpf und taub; Entgegen weht ihm kaltes Grauſen, Dem Nacken folgt Gewitterſauſen. Das Grauſen weht, das Wetter ſauſt, Und aus der Erd' empor, huhn! Fährt eine ſchwarze Rieſenfauſt; Sie ſpannt ſich auf, ſie krallt ſich zu; Hui! will ſie ihn bey'm Wirbel packen! Hui! ſteht ſein Angeſicht im Nacken. Es flimmt und flammt rund um ihn her, Mit grüner, blauer, rother Gluth; Es wallt um ihn ein Feuermeer; Darinnen wimmelt Pöllenbrut. Jach fahren tauſend Höllenhunde, Laut angehetzt, empor vom Schlunde. Er rafft ſich auf durch Wald und Feld, Und flieht, laut heulend Weh und Ach; Doch durch die ganze weite Welt Rauſcht bellend ihm die Hölle nach, Bey Tag tief durch der Erde Klüfte, um Mitternacht hoch durch die Lükte. 61 Im Nacken bleibt ſein Antlitz ſtehn, So raſch die Flucht ihn vorwärts reißt. Er muß die Ungeheuer ſehn, Laut angehetzt vom böſen Geiſt, Muß ſehn das Knirſchen und das Jappen Der Rachen, welche nach ihm ſchnappen.— Das iſt des wilden Heeres Jagd, Die bis zum jüngſten Tage währt, und oft dem Wiſtling noch bey Nacht Zu Schreck und Graus vorüber fährt. Das könnte, müßt' er ſonſt nicht ſchweigen, Wohl manches Jägers Mund bezeugen. 3 Das hohe Lied von der Cinzigen in Geiſt und Herzen empfangen 3 am Altare der Vermählung. apessi ornamenti, quant' bai votzlia, Potresti arditamente Uscir del bosco, e gir infra la gente. PRTRARcA. Hun von meiner Auserwählten, Höret an mein ſchönſtes Lied! . Ha, ein Lied des Neubeſeelten Von der ſüßen Anvermählten, Die ihm endlich Gott beſchied! Wall'“ o Lied, des Ruhmes Vahn! Wie aus hoffnungsloſen Vanden, Wie aus Nacht und Moderduft Einer tiefen Kerkergruft, Fühlt er froh ſich auferſtanden Zu des Frühlings Licht und Luft. Diademe, Purpur⸗Zonen, Demant⸗Ringe hab' ich nicht: Pätte gleich, ihr voll zu lohnen, Schmuck, erkauft für Millionen, Ein genügendes Gewicht. Was ich habe, will ich geben. Ihren Namen, den mein Lied Lange zu verrathen mied, Will ich in ein Licht erheben, Welches keine Nacht umzieht. Schweig, v Chor der Nachtigallen! Mir nur lauſche zedes Ohr! Murmelbach, hör' auf zu wallen! Winde, laßt die Flügel fallen, Raſſelt nicht durch Laub und Rohr! Halt in jedem Elemente, Halt in Garten, Hain und Flur Jeden Laut, der irgend nur Meine Feyer ſtören könnte, Palt den Odem an, Natur! Glorreich, wie des Fthers Bogen, Weich geſiedert, wie der Schwan, Auf des Wohllauts Silberwogen Majeſtätiſch fortgezogen, — ——— Denn hinab bis zu den Tagen, Die der letzte Hauch erlebt, Der von deutſcher Lippe ſchwebt, Sollſt du deren Adel tragen, Welche mich zu Gott erhebt. Jubelvoll auch offenbaren Sollſt du deſſen Göttermuth, Der entrückt nun den Gefahren, Wie ulyß nach zwanzig Jahren, In der Wünſche Heimath ruht. Sturm und Woge ſind entſchlafen, Die durch Zonen, kalt und feucht, Dürr' und glühend, ihn geſcheucht. Seines Wonnelandes Hafen Hat der Dulder nun erreicht. Seine Stärke war geſunken; Lechzend hing die Zung' am Gaum; Alles Ohl war ausgetrunken, Und des Lebens letzter Funken Glimmt' am dürren Dochte kaum. Da zerriß die Wolrenhülle, Wie durch Zauberwort und Schlag. Heiter lacht' ein blauer Tag Auf die ſchöne Segensfülle, 3 Welche duftend vor ihm lag. Wonne weht von Thal und Hügel, Weht von Flur und Wieſenplan, Weht vom glatten Waſſerſpiegel, Wonne weht mit weichem Flügel Des Piloten Wangen anz 63 Wonne, deren Vollgenuſſe Kein tyranniſches Verboth Hinterher mit Seelennoth, Oder Sturm und Regenguſſe Strafender Gewitter droht. Nah' in dieſem Luſtgefilde, Allen ſeinen Wünſchen nah, Waltet mit des Himmels Milde, Nach der Gottheit Ebenbilde, Adonid⸗Urania. Froh hat ſie ihn aufgenommen In der Labungsregion, Ihn, des Kummers müden Sohn, Froh mit lieblichem Willkommen In Aedons Flötenton. Ach, in ihren Feenarmen Nun zu ruhen, ohne Schuld; An dem Buſen zu erwarmen, An dem Buſen voll Erbarmen, Voller Liebe, Treu' und Huld: Das iſt ſüßer als der Kette, Süßer, als der Geyerpein An Prometheus rauhem Stein, Auf der Ruhe Flammenbette Durch ein Wort entrückt zu ſeyn. Iſt es wahr, was mir begegnet? Oder Traum, der mich bethört, Wie er oft den Armen ſegnet, Und ihm goldne Verge regnet, Die ein Hahnenruf zerſtört?* Darf ich's glauben, daß die Eine, Die ſich ſelbſt in mir vergißt, Den Vermählungskuß mir küßt? Daß die Herrliche die Meine Ganz vor Welt und Himmel iſt? Hohe Namen zu erkieſen, Ziemt dir wohl, v Lautenſpiel! Pie wird die zu hoch geprieſen, Die ſo herrlich ſich erwieſen, Herrlich ohne Maß und Ziel: Daß ſie, Trotz dem Hohngeſchreye, Trotz der Hoffnung Untergang, Gegen Sturm und Wogendrang Mir gehalten Lieb' und Treue, Mehr als hundert Monden lang. Und warum, warum gehalten? Patt' ich etwa Kröſus Thron, Kröſus Schätze zu verwalten? Prangt' ich unter Mannsgeſtalten Herrlich, wie Latonens Sohn? War ich Herzog großer Geiſter, Strahlend in dein Kranz von Licht, Den die Hand der Fama ſticht? War ich holder Künſte Meiſter?— Ach, das Alles war ich nicht! Zwar— ich hätt' in Jünglingstagen, Mit beglückter Liebe Kraft Lenkend meinen Kämpferwagen, Hundert mit Geſang geſchlagen, Tauſende mit Wiſſenſchaft. Bürgers Ged, II, Bd⸗ 5 66 Doch des Herzens Lovs, zu darben, und der Gram der mich verzehrt, Hatten Trieb und Kraft zerſtört. Meiner Palmen Keime ſtarben, Eines mildern Lenzes werth. Sie, mit aller Götter Gnaden Hoch an Seel' und Leib geſchmückt, Schön und werth, Alcibiaden Zur umarmung einzuladen, Hätt' ein Veßrer leicht beglückt. Sie vor ihren Schweſtern allen Hätte Hymens Huld umſchwebt, Und ein Leben ihr gewebt, Wie es in Kronions Hallen Hebe mit Alciden jebt. Dennoch, ohne je zu wanken, Wo auch Liebe ſinken läßt, Hielt ſie an dem armen Kranken, So mit Wünſchen und Gedanken, Wie mit ihren Armen feſt. Liebend, voller Kümmerniſſe, Daß der Eumeniden Schar, Die um ihn gelagert war, Nicht in Höllengluth ihn riſſe, Both ſie ſich zum Schirme dar.— 2e Macht in meiner Schuld, v Saiten,. Ihrer Tugend Adel kund! Wahrheit knüpfe, des geweihten Lautenſchlägers Hand zu leiten, Mit Gerechtigkeit den Vund! 67 Manche Tugend mag er miſſen: Aber du, Gerechtigkeit, Warſt ihm heilig jederzeit. Nein! Mit Willen und mit Wiſſen Hat er nimmer dich entweiht. Ruf' es laut aus voller Seele: Schuldlos war ihr Herz und Blut! Welches Ziel die Rüge wähle, O ſo trifft ſie meine Fehle, Fehle meiner Liebeswuth! Geißle mich des Hartſinns Tadel! Wölke ſich ob meiner Schuld Selbſt die Stirne milder Huld! Büß' ich nur für ihren Adel, O ſo büß' ich mit Geduld. Ach, ſie ſtrebte ſich zu ſchirmen, Strebte,— das iſt Gott bewußt! Doch was konnte ſie den Stürmen Meiner Lieb' entgegen thürmen? Was den Flammen meiner Bruſt? Nur in Plutons grauſen Landen Hätten mit der Bruſt von Erz, Taub für Luſt und taub für Schmerz, Unholdinnen widerſtanden: Nicht der Holdin weiches Herz. unglücksſohn, warum entflammte Deinen Buſen ſolche Gluth? Sprich, woher, woher ſie ſtammte? Welches Dämuns Macht verdammte, Frevler, dich zu dieſer Wuth?— s e 65 Eitle Frage! Nimm, Geſunder, Nimm mein Herz und meinen Sinn Ohne dieſes Fieber hin! Staune dann noch ob dem Wunder, Wie ich dieſer war und bin. Nimm mein Auge hin und ſchaue, Schau' in ihres Auges Licht! Ah, das klare, himmelblaue, Das ſo heilig ſein: Vertraue Meinem Himmelsſinne! ſpricht. Sieh die Blüthe dieſer Wange! Luſt verheißend winke dir Dieſer Lippe Frucht, wie mir! Und dein heißer Durſt verlange Nie gelabt zu ſeyn von ihr! Sieh, v Vlöder, auf und nieder, Sieh mit meinem Sinn den Bau Und den Einklang ihrer Glieder! Wende dann das Ange wieder! Sprich: Ich ſah nur eine Frau! Sieh das Leben und das Weben Dieſer Graziengeſtalt, Sieh es ruhig an und kalt! Fühle nicht das Wonnebeben Vor der Anmuth Allgewalt! Hat die Milde der Camönen Gütig dir ein Ohr verliehn, Aufgethan den Zaubertönen, Die in's Freudenmeet des Schönen Seelen aus dem Vuſen ziehn, 69 O ſo neig' es ihrer Stimme! Und es iſt um dich gethan; Deine Seele faßt ein Wahn, Daß ſie in der Fluth verglimme, Wie ein Funk' im Ocean. Nahe dich dem Taumelkreiſe, Wo ihr Liebesodem weht; Wo ihr warmes Leben leiſe, Nach Magnetenſtromes Weiſe, Dir an Leib und Seele geht; Wo die Letzten der Gedanken, Wo in Ein Gefühl hinein Sich verſchmelzen Dein und Mein,— Ha, aus dieſen Zauberſchranken Rette dich, und bleibe dein!— Doch— dein Auge blickt bedenklich; und ich ahnde, was es ſchilt. Irdiſch nennt es und vergänglich, Was mit Luſt ſo überſchwenglich Nur der Sinne Hunger ſtillt.— Wohl!— Verachtend mag es ſchelten, Was aus Erde ſich erhebt, und zur Erde wieder ſtrebt. Nur der Himmelsgeiſt ſoll gelten, Der den Erdenſtoff belebt. Ach, nur Ein, nur Einmahl ſtrahle Ihn, der mich nicht faſſen kann, Weſen aus dem Götterſaale, Nur von fern und Einmahl ſtrahle Dieſen kalten Tadler an!— 70 Lebensgeiſt, von Gott gehauchet, Odem, Wärme, Licht zu Rath, Kraft zu jeder Edelthat, Selig, was in dich ſich tauchet, Frommer Wünſche Labebad! Schmeichelfluth der Vorgefühle Hoher Götterluſt ſchon hier Wallet oft, bei Froſt und Schwüle, Wie mit Wärme, ſo mit Kühle, Lieblich um den Vuſen mir. Fühlet wohl ein Gottesſeher, Wann ſein Seelenang' entzückt In die beſſern Welten blickt, Fühlt er ſeinen Buſen höher, unausſprechlicher beglückt? O der Wahrheit, o der Güte, Rein wie Perlen, echt wie Goldt O der Sittenanmuth! Blühte Je im weiblichen Gemüthe Jeder Tugend Reitz ſo hold?— Hinter ſanfter Hügel Schirme, Wo die Purpurbeere reift, Und der Liebe Nektar träuft, Hat kein Fittich böſer Stürme Dieß Elyſium beſtreift. Da vergiftet nichts die Lüfte, Nichts den Sonnenſchein und Thau, Nichts die Blum' und ihre Düfte; Da ſind keine Mördergrüfte; Da beſchleicht kein Tod die Au; Da berückt dich keine Schlange, zwiſchen Moos und Klee verſteckt, Da umſchwirrt dich kein Inſekt, Keins, das deiner Bruſt und Wange Ruh' und Heiterkeit entneckt. Alle deine Wünſche brechen Ihre Früchte hier in Ruh: Rilch und Honig fließt in Bichen; Töne wie vom Himmel ſprechen Labſal dir und Segen zu.— Doch mein Lied fühlt ſich verlaſſen In ſo hoher Region, Lange weigern ſich ihm ſchon, Das unſägliche zu faſſen, Bild, Gedanke, Wort und Ton.— Er, dem ſie die Götter ſchufen Zur Genoſſin ſeiner Zeit, Iſt vor aller Welt berufen, Zu erobern alle Stufen Höchſter Erdenſeligkeit.. Ihm gedeihn des Glückes Saatenz Seinem Wunſch iſt jedes Heil, Ehre, Macht und Reichthum feil: Denn zu tauſend Wunderthaten Wird Vermögen ihm zu Theil. Durch den Balſam ihres Kuſſes Höhnt das Leben Sarg und Grab, Stark im Segen des Genuſſes, Gibts der Fluth des Zeitenfluſſes Keine ſeiner Blüthen ab. 72 Roſicht hebt es ſich und golden, Wie des Morgens lichtes Haupt, Seiner Jugend nie beraubt, Aus dem Vette dieſer Holden, Mit verjüngtem Schmuck umlaubt. Erd' und Himmel! Eine Solche Sollt' ich nicht mein eigen ſehn? üiber Nattern weg und Molche, Mitten hin durch Pfeil' und Dolche Konnt' ich ſtürmend nach ihr gehn. Mit der Stimme der Empörung Konnt' ich furchtbar: Sie iſt mein! Gegen alle Mächte ſchreyn; Tempel lieber der Zerſtörung, Eh' ich ihrer mißte, weihn.— Ihrer Liebe Nertar miſſen, Hieß in dürren Wüſteneyn Einſam mich verlaſſen wiſſen, Und den Tod erſchmachten müſſen, In des Durſtes heißer Pein.— Läßt die Strebekraft ſich dimpfen, Wenn wir dann, ſo weit wir ſehn, Nur noch Einen Quell erſpähn? Gilt was anders, als erkämpfen, Oder kämpfend untergehn? Berr des Schickſals, deine Hände Wandten meinen untergang! Nun hat alle Fehd' ein Ende. Dich, o neue Sonnenwende, Grüßet jubelnd mein Geſang! 73 Hymen, den ich benedeye, Der du mich der langen Laſt Endlich nun entladen haſt, Habe Dank für deine Weihe! Sey willkommen, Himmelsgaſt! Sey willkommen, Fackelſchwinger! Sey gegrüßt im Freuden⸗Ghor, Schuldverſöhner, Grambezwinger! Sey geſegnet, Wiederbringer Aller Huld, die ich verlor!— Ach, von Gott und Welt vergeben und vergeſſen werd' ich ſehn Alles, was nicht recht geſchehn, Wann im ſchönſten neuen Leben Gott und Welt mich wandeln ſehn. Schände nun nicht mehr die Blume Meiner Freuden, niedre Schmach! Schleiche, bis zum Heiligthume Frommer unſchuld, nicht dem Ruhme Meiner Auserwählten nach! Stirb nunmehr, verworfne Schlange? Längſt verheerteſt du genug! Ihres Retters Adlerflug Rauſcht heran im Waffenklange Deſſen, der den Python ſchlug. Schwing', o Lied, als Ehrenfahne Deinen Fittich um ihr Haupt! Und erſtatt' auf lichtem Plane, Was ihr mit dem Drachenzahne Pöbelläſterung geraubt. Spät, wann dieſ' im Staubgewimmel Längſt des unwerths Vuße zahlt, Strahl' in dieß Panier gemahlt, Adonide, wie am Himmel Dort die Halmenjungfrau ſtrahlt! Erdentöchter, unbeſungen, Roher Faunen Spiel und Scherz, Seht, mit ſolchen Huldigungen Lohnt die theuern Opferungen Des gerechten Sängers Herz! Offenbar und groß auf Erden, Hoch und hehr zu jeder Friſt, Wie die Sonn' am Himmel iſt, Heißt er's vor den Edeln werden, Was ihm ſeine Holdin iſt.— Lange hatt' ich mich geſehnet; Lange hat ein ſtummer Drang Meinen Buſen ausgedehnet. Endlich haſt du ſie gekrönet Meine Sehnſucht, v Geſang!— Ach! dieß bange ſüße Drütken Macht vielleicht ihr Segensſtand Nur der jungen Frau bekannt. Trägt ſie ſo nicht vom Entzücken Der Vermählungsnacht das Pfand? Ah, nun biſt du mir geboren, Schön, ein geiſtiger Adon! Tanzet nun, in Luſt verloren, Ihr, der Liebe goldne Horen, Tanzt um meinen ſchönſten Sohn! 75 Segnet ihn, ihr Pierinnen! Laß, o ſüße Melodie, Laß ihn, Schweſter Harmonie, Fedes Ohr und Herz gewinnen, Jede Götterphantaſie! Nimm, v Sohn, das Meiſterſiegel Der Vollendung an die Stirn! Ewig, meiner Seele Spiegel, Ewig ſtrahlen dir die Flügel, Wie uraniens Geſtirn! Schweb', v Liebling, nun hinnieder, Schweb' in deiner Herrlichkeit Stolz hinab den Strom der Zeit! Keiner wird von nun an wieder Deiner Töne Pomp geweiht. ———, Verlu ſt. Sonett. Wnnelohn getreuer Huldigungen, Den ich mehr als hundert Monden lang, Tag und Nacht, wie gegen Sturm und Drang Der Pilot dem Hafen, nachgerungen! Becher, allgenug für Götterzungen, Goldnes Kleinod, bis zum überſchwang Stündlich neu erfüllt mit Labetrank, S wie bald hat dich das Grab verſchlungen! Nektarkelch, du wareſt ſüß genug, Einen Strom des Lebens zu verſüßen, Sollt' er auch durch Weltenalter fließen. Wehe mir! Seitdem du ſchwandeſt, trug Bitterkeit mir jeder Tag im Munde, „ Honig trägt nur meine Todesſtunde. —— Auf die Morgenröthe. Sonett. —— Wenn die goldne Frühe, neu geborey, Am Olymp mein matter Blick erſchaut, Dann erblaſſ' ich, wein' und ſeufze laut: Dort im Glanze wohnt, die ich verloren! Grauer Tithon! du empfängſt Auroren Froh auf's neu', ſobald der Abend thaut; Aber ich umarm' erſt meine Braut An des Schattenlandes ſchwarzen Thoren. Tithon! Deines Alters Dämmerung Mildert mit dem Strahl der Roſenſtirne Deine Gattin, ewig ſchön und jung: Aber mir erloſchen die Geſtirne, Sank der Tag in öde Finſterniß, Als ſich Molly dieſer Welt entriß. — Liebe ohne Heimath. Sonett. p Men⸗ Liebe, lange wie die Taube Von dem Falken hin und her geſcheucht, Wähnte froh, ſie hab' ihr Reſt erreicht; In den Zweigen einer Götterlaube. Armes Täubchen! Hart getäuſchter Glaube! Herbes Schickſal! dem kein ändres gleicht! Ihre Heimath, kaum dem Blick gezeigt, Wurde ſchnell dem Wetterſtrahl zum Raube. Ach, nun irrt ſie wieder hin und her! Zwiſchen Erd' und Himmel ſchwebt die Arme, Sonder Ziel für ihres Flugs Veſchwer. Denn ein Herz, das ihrer ſich erbarme, Wo ſie noch einmahl, wie einſt erwarme, Schlägt für ſie auf Erden nirgends mehr. „——. Die Schatzgräber. E —in Winzer, der am Tode lag, Rief ſeine Kinder an und ſprach: „In unſerm Weinberg liegt ein Schatz. Grabt nur darnach!“—„An welchem Platz?“— Schrie Alles laut den Vater an. „Grabt nur!“ O weh! da ſtarb der Mann⸗ 78 Kaum war der Alte beygeſchafft, So grub man nach aus Leibeskrast. Mit Hacke, Karſt und Spaden ward Der Weinberg um und um geſcharrt. Da war kein Kloß, der ruhig blieb; Man warf die Erde gar durch's Sieb, Und zog die Harken kreuz und quer Nach jedem Steinchen hin und her. Allein da ward kein Schatz verſpürt, und Jeder hielt ſich angeführt. 1 Doch kaum erſchien das nächſte Jahr, So nahm man mit Erſtaunen wahr, Daß jede Rebe dreyfach trug. Da wurden erſt die Söhne klug, Und gruben nun Jahr ein Fahr aus Des Schatzes immer mehr hergus. —— ,, Auf das Adeln der Gelehrten. Me it einem Adelsbrief muß nie der echte Sohn Minervens und Apolls begnadigt heißen ſollen⸗ Denn edel ſind der Götter Söhne ſchon, Die muß kein Fürſt erſt adeln wollen! ——, Das Lied von Treue. W gern treu eigen ſein Liebchen hat, Den necken Stadt Und Hof mit gar mancherley Sorgen. Der Marſchall von Holm, den das Necken verdroß, Hielt klüglich deswegen auf ländlichem Schloß Seitweges ſein Liebchen verborgen. Der Marſchall achtet' es nicht Beſchwer, Oft hin und her Bey Nacht und bey Nebel zu jagen. Er ritt, wann die Hähne das Morgenlied krähn, um wieder am Dienſte des Hofes zu ſtehn, Zur Stunde der lungernden Magen. Der Marſchall jagte voll Liebesdrang Das Feld entlang, Vom Hauche der Schatten befeuchtet. „Hui, tummle dich Senner! Verſäume kein Nu! Und bring' mich zum Neſtchen der Wolluſt und Ruh, Eh' heller der Morgen uns leuchtet!“ Er ſah ſein Schlößchen bald nicht mehr fern, Und wie den Stern es Morgens das Fenſterglas flimmern. „Geduld noch, v Sonne, du weckendes Licht, Erwecke mein ſchlummerndes Liebchen noch nicht! Hör' auf, ihr in's Fenſier zu ſchimmern!“ Er kam zum ſchattenden Part am Schloß, und band ſein Roß An eine der duſtenden Linden. Er ſchlich zu dem heimlichen Pförtchen hinein Und wähnt' im dämmernden Kämmerlein Süß trämend ſein Liebchen zu finden. Doch als er leiſe vor's Vettchen kam, O weh! da nahm Der Schrecken ihm alle fünſ Sinnen. Die Kammer war öde, das Vette war kalt.— „D wehe! Wer ſtahl mir mit Räubergewalt So ſchändlich mein Kleinod von hinnen?“— Der Marſchall ſtürmte mit raſchem Lauf Treppab, treppauf, Und ſtürmte von Zimmer zu Zimmer. Er rufte; kein Seelchen erwiederte drauf!— Doch endlich ertönte tief unten herauf Vom Kellergewölb' ein Gewimmer. Das war des ehrlichen Schloßvogts Ton. Aus Schuld entflohn War alle ſein falſches Geſinde. „D Henne, wer hat dich herunter gezerrt? Wer hat ſo vermeſſen hier ein dich geſperrt? Wer? Sag mir geſchwinde, geſchwinde!“— „O Herr, die ſchändlichſte Frevelthat Iſt durch Verrath Dem Junker vom Steine gelungen. Er raubte das Fräulein bei ſicherer Ruh, Und eure zwey wackeren Hunde dazu Sind mit dem Perräther entſprungen.“ dröhnt dem Marſchall durch Mark und ein. m Donner des Fluc Er ſtürmet im Wirbel Und ſprenget hinaus auf die Heide. ihm bald, die Flüchtling' entſchwanden. Senner, nun ſtrecke dich zig Mahl halt nur noch aus, verden Schanden! Nach Nunſt ellender Heu s hinan, ſeine zwei Doggen ſchon an, Mit freudigem Heulen und Wimmern. . An dem du Verdammniß erfrevelt! Verſchlänge doch ſtracks dich ihr glühender und müßteſt du ewig da flackern, v Hund, Vom Zeh bis zum Wirbel beſchwefelt!“ Uund Kraft in dem Arme von Eiſen. Er drehte den Nacken, er wandte ſein Roß, Die Bruſt, die die trotzige Rede verdroß, Dem wilden Verfolger zu weiſen. „Verruchter Räuber, halt' an, halt' an, Und ſteh dem Mann, Schlund, Der Herr vom Steine war in der Bruſt Sich Muths bewußt, Der Herr vom Steine zog muthig blank, Und raſſelnd ſprang So Dieſer, wie Jener vom Pferde. Wie Wetter erhebt ſich der grimmigſte Kampf. Das Stampfen der Kämpfer zermalmet zu Dampf Den Sand und die Schollen der Erde. . Sie haun und hauen mit Tiegerwuth, Bis Schweiß und Blut. Die Panzer und Helme bethauen. Doch Keiner vermag, ſo gewaltig er ringt, So hoch er das Schwert und ſo ſauſend er's ſchwingt, Den Gegner zu Boden zu hauen. Doch als wohl Beyden es allgemach An Kraft gebrach, 83 Da keuchte der Junker vom Steine! „Herr Marſchall, gefiel es, ſo möchten wir hier Ein Weilchen erſt ruhen, und trautet ihr mir, So ſpräch ich ein Wort, wie ich's meine.“ Der Marſchall, ſenkend ſein blankes Schwert, Hält an und hört Die Rede des Junkers vom Steine: „Herr Marſchall, was haun wir däs Leder uns nund? Weit beſſer bekäm' uns ein friedlicher Bund, Der brächt' uns auf Einmahl in's Reine. Wir haun, als hackten wir Fleiſch zur Bank, und keinen Dank Hat doch wohl der blutige Sieger. Laßt wählen das Fräulein nach eigenem Sinn, und wen ſie erwählet, der nehme ſie hin! Vey'm Himmel, das iſt ja viel klüger!“ Das ſtand dem Marſchall nicht übel an. „Ich bin der Mann!— So dacht' er bei ſich,— den ſie wählet. Wann hab' ich nicht Liebes gethan und geſagt? Wann hat's ihr an Allem, was Frauen behagt, So lang' ich ihr diene, gefehlet? Ach, wähnt er zärtlich, ſie läßt mich nie! Zu tief hat ſie Den Pecher der Liebe gekoſtet!“— O Männer der Treue, jetzt warn' ich euch laut: Zu feſt nicht auf Biedermannswörtchen gebaut, Daß ältere Liebe nicht roſtet! 6* Das Weib zu Roſſe vernahm ſehr gern Den Vund von fern, und wählte vor Freuden nicht lange. Kaum hatten die Kämpfer ſich Zu ihr gewanbt, So gab ſie dem Junker vom Steine die Hand. O pfui! die verräthriſche Schlange!— O e zog ſie mit leichtem Sinn Dahin, dahin, Von teinem Gewiſſen beſchämet! Verſteinert blieb Holm an der Stelle zurück, Mit bebenden Lippen, mit ſtarrenoem Blick, Als hätt' ihn der Donner gelähmet. Allmählich taumelt' er matt und biaß Dahin in's Gras, Zu ſeinen geliebten zwey Hunden. Die alten Gefährten, von treuerem Sinn, e traulich ihm Lippen und Kinn und leckten das Blut von den Wunden. Das bracht in ſeinen umflorten Blick Den Tag zurück und Lebensgefühl in die Glieder. In Thränen verſchlich ſi ch allmählich ſein Schmerz. Er drückte die guten Getreuen an's Herz, Wie leibliche liebende Brüder. Geſtärkt am Herzen durch Hundetreu, Erſtand er neu Und wacker, von hinnen zu reiten. Kaum hatt' er den Fuß in den Bügel geſetz und vorwärts die Doggen zu Felde gehetzt, So hört' er ſich ruſen von weiten. 85⁵ und ſieh! auf ſeinem beſchäumten Roß, Schier athemlvs, Ereilt' ihn der Junker vom Steine. „Herr Marſchall, ein Weilchen nur haltet noch an! Wir haben der Sache kein Gnüg gethan; Ein umſtand iſt noch nicht in's Rei Die Dame, der ich mich eigen gab, Läßt nimmer ab, Nach euern zwey Hunden zu ſtreben. Sie legt mir auch dieſe zu fodern zur Pflicht. Drum muß ich, gewährt ihr in Güte ſie nicht Drob kämpfen auf Tod und auf Leben.“— Der Marſchall rühret nicht an ſein Schwert Steht kalt und hört Die Muthung des Junkers vom Steine. „Herr Junker, was haun wir das Leder uns Weit beſſer berommt uns ein friedlicher Bund, Der bringt uns auf Einmahl in's Reine. Wir haun, als hackten wir Fleiſch zur Bant und keinen Dank Hat doch wohl der blutige Sieger. Laßt wählen die Köther nach eigenem Sinn, Und wen ſie erwählen, der nehme ſie hin! Vey'm Himmel, das iſt ja viel klüger!“ Der Herr vom Steine verſchmerzt den Stich . Und wahnt in ſich: Es ſoll mir wohl dennoch gelingen Er locket, er ſchnalzet mi g' und mit Hand, und hoffet bey Schnalzen und Locken ſein Band Bequem um die Hälſe zu ſchlingen. 86 Er ſchnalzt und klopfet wohl ſanft auf's Knie, Lockt freundlich ſie Durch alle geſälligen Töne. Er weiſet vergebens ſein Zuckerbrod vvr. Sie weichen, und ſpringen am Marſchall empor, Und weiſen dem Junker die Zähne. ——— 4 Das Blümchen Wunderhold. E, blüht ein Blümchen irgend wo In einem ſtillen Thal. Das ſchmeichelt Aug' und Herz ſo froh, Wie Abendſonnenſtrahl. Das iſt viel köſtlicher, als Gold, Als Perl' und Diamant. Drum wird es„Blümchen Wunderhold“ Mit gutem Fnug genannt. Wohl ſänge ſich ein langes Lied Von meines Blümchens Kraft: Wie es am Leib und am Gemüth So hohe Wunder ſchafft. Was kein ge emes Elirir Dir ſonſt gewähren kann, Das leiſtet traun! mein Blümchen dir, Man ſäh' es ihm nicht an. Wer Wunderhold im Buſen hegt, Wird wie ein Engel ſchön. Das hab' ich, inniglich bewegt, An Mann und Weib geſehn. 87 An Mann und Weib, alt oder jung, Zieht's, wie ein Talisman, Der ſchönſten Seelen Huldigung Unwiderſtehlich an. Auf ſteifem Hals ein Strotzerhaupt, Das über alle Höhn Weit, weit hinaus zu ragen glaubt, Läßt doch gewiß nicht ſchön. Wenn irgend nun ein Rang, wenn Gold Zu ſteif den Hals dir gab, So ſchmeidigt ihn mein Wunderhold, und biegt dein Haupt herab. Es webet über dein Geſicht Der Anmuth Poſenflor; Und zieht des Auges grellem Licht S Wimper mil e und wandeit in Lhrhzi Des Stürmers Poltertritt. Der Laute gleicht des Menſchen Herz Zu S und Klang gebaut, Doch ſpielen ſie oft Luſt und Schmerz Zu ſtürmiſch und zu laut: Der Schmerz, wann Ehre, Macht und Gold Vor deinen Wünſchen fliehn, Und Luſt, wann ſie in deinen Sold Mit Siegeskränzen ziehn. O wie dann Wunderhold das Herz So mild und lieblich ſtimmt! Wie allgefällig Ernſt und Scherz In ſeinem Zauber ſchwimmt! 88 Wie man alsdann nichts thut und ſpricht, Drob Jemand zürnen kann! Das macht, man trotzt und ſtrotzet nicht, und drängt ſich nicht voran. O wie man dann ſo wohlgemuth, o friedlich lebt und webt! zie um das Lager, wo' man ruht, Der Schlaf ſp ſegnend ſchwebt! Denn Wunderhvld hält alles fern Was giftig beißt und ſticht; und ſtäch' ein Molch auch noch ſo gern, So kann und kann er nicht. Ich ſing', o Lieber, glaub' es mir, Nichts aus der Fabelwelt, Wenn gleich ein ſolches Wunder dir Faſt hart zu glauben fällt. Mein Liedchen iſtr Wiederſchein Der Himmelslieblichkeit, Die Wunderhold Groß und Klein In Thun und Weſen ſtreut. Ach! hätteſt du nur die gekannt, ie einſt mein Kleinod war,— Der Tod entriß ſie meiner Hand Hart hinter'm Traualtar,— Dann würdeſt du es ganz verſtehn, Was Wunderhold vermag, und in das Licht der Wahrheit ſehn, Wie in den hellen Tag. Wohl hundert Mahl verdankt' ich ihr Des Blümche egensflor. Sanft ſchob ſie's in den Buſen mir Zurück, wann ich's verlor. 0 Jetzt rafft ein. Geiſt der Ungeduld oft mir aus der Brnſt. Erſt wann ich büße meine Beren' ich den Verluſt. Schuld inderkraft ümchens und am Gemüth r, ueiner i einſt verf ſchafft, So nenn' Sonſt he Hummellied. ſind zubel den Um Blumen und ie ir her, ſie ſci Mit Sehnen und mit Stöhnen und können en L Des Honigs nicht entw 6 gleich iſt dem ₰ ſ ch le hüthet eu ihrer lo ie tippen hie, ſie ſt mit den Saug Vis ſie, ſo ſchnell ſich Im Hoynigkelche ſitzen ſpricht ein Ja, Hummeln gleich: 90 Die Mägdlein ſind den Blumen gleich, In ihren Frühlingstagen. Sie blühn geſunder, wenn ſie reich Des Honigs Fülle tragen. Zertummelt da, zerhummelt hie, Wird jede krank ſich fühlen. Drum, ſüße Blümlein, laßt euch nie Den Honigkelch zerwühlen! ——, Die Sode. Fir Tugend, Menſchenrecht und Menſchen⸗ freyheit ſterben, Iſt höchſt erhabner Muth, iſt Welterlöſer⸗Tod: Denn nur die Göttlichſten der Heldenmenſchen färben Dafür den Panzerrock mit ihrem Herzblut roth. Am höchſten ragt an ihm die große Todesweihe Für ſein verwandtes Volk, ſein Vaterland hinan. Drey hundert Sparter ziehn in dieſer Heldenreihe Durch's Thor der Ewigkeit den übrigen voran. So groß iſt auch der Tod für einen guten Fürſten, Mit Zepter, Wag' und Schwert in tugendhafter Hand. Wohl mag der Edlen Muth nach ſolchem Tode dürſten: Denn es iſt Tod zugleich für Volk und Vaterland. * 91¹ Der Tod für Freund und Kind, und für die ſüße Holde Iſt, wenn nicht immer groß, doch rührend ſtets und ſchön. Denn es iſt Todesgang, den, nicht ertauft mit Golde, Im Drange des Gefühls nur edle Menſchen gehn. Für blanke Majeſtät, und weiter nichts, ver⸗ bluten, Wer das für groß, für ſchön und rührend hält, der irrt. Denn das iſt Hundemuth, der eingepeitſcht mit Ruthen Und eingefüttert mit des Hofmahls Vrocken wird. Sich für Tyrannen gar hinab zur Hölle balgen, Das iſt ein Tod, der nur der Hölle wohl gefällt. Wo ſolch ein Held erliegt, da werde Rad und * Galgen Für Straßenräuber und für Mörder aufgeſtellt! ——— An das Herz. Sonett. ſchon in manchem Sturm und Drange Wandeln meine Füße durch die Weit. Vald den Lebensmüden beygeſellt, Ruh' ich aus von meinem Pilgergange. 92 Leiſe ſinkend faltet ſich die Wange; Jede meiner Blüthen welkt und fälkt. Perz, ich muß dich fragen: Was erhält Dich in Kraft und Fülle noch ſo lange? Trotz der Zeit Deſpoten⸗Allgewalt, Fährſt du fort, wie in des Lenzes Tagen, Liebend wie die Nachtigall zu ſchlagen. Aber ach! Aurora hört es kalt, Was ihr Tithons Lippen Holdes ſagen.— Herz, ich wollte, du auch würdeſt alt! ——— — 3 wünſcheſt du dir, und klagſt alltäglich und zürneſt, Daß dir Freyheit fehlt, über Deſpotengewalt?— Lern' entbehren, v Freund! Beut Trotz dem Schmerz und dem Tode! und kein Gott des Olymps fühlet ſich freyer, als du.— Aber nun fragt dein Blick: Wie lern' ich die e ſchwerſte der Künſte⸗ Wie den erhabenen Trotz gegen den Schmerz und den Tod?— Wirb bey der Mutter Ve nunft um Tugend, die göttliche Tochter. Wirb!— Und dein iſt die Kunſt, dein der erhabene Trotz. Feldjägerlied. —it Hörnerſchall und Luſtgeſang, ging' es froh zur Jagd: So ziehn wir Jäger wohigemuth, Wann's Noth dem Vaterlande thut, Hinaus in's d der Schlacht. Gewöhnt ſind wir von Ju d ud Waldbeſchwer. elimmen Verg und Fels empor, Und waten tief durch Sumpf und Moor, Durch Schilf und Dorn einher. gend auf Nicht Sturm und Regen achten wir, Nicht l, Reif und Schnee. oſt, bey Tag und Nacht, nd zu Marſch und Wacht, Als gölt' es Hirſch und Reh. Wir brauchen nicht zu unſerm Mahl Erſt Pfanne, Topf und Roſt. Im Hungersfall ein Viſſen Brot, Ein Labeſchluck in Durſtesnoch, Genügen uns zur Koſt. v wackre Jäger Helfer ſind, Da iſt es wohl beſtellt. Denn Kunſt erhöht uns Kraft und Muth; Wir zielen ſcharf, wir treſſen gut; ind was wir treſſen, fällt.. 53 94 und färbet gleich auch unſer Blut Das Feld des Krieges roth: So wandelt Furcht uns doch nicht an Denn nimmer ſcheut ein braver Mann Für's Vaterland den Tod. Erliegt doch rechts, erliegt doch links So mancher tapfre Held! Die Guten wandeln Hand in Hand Frohlockend in ein Lebensland, Wo Niemand weiter fällt. Doch trifft denn ſtets des Feindes Bley? Verletzt denn ſtets ſein Schwert?— Ha! HOfter führt das Waffengluck Uns aus dem Mordgefecht zurück, Geſund und unverſehrt. Dann feyern wir ein Heldenfeſt VBey Biſchof, Punſch und Wein. Zu Freudentänzen laden wir uUm's aufgepflanzte Siegspanier Die ſchönſten Schönen ein. und jeder Jäger preist den Tag, Als er in's Schlachtfeld zog. Bey Hörnerſchall und Becherklang Ertönet laut der Chorgeſang: „Wer brav iſt, lebe hoch!“ 4 Inhalt des zweyten und letzten Theiles. Gedichte. Seite Der Hund aus der Sn Februar 1776.) Liebeszauber. Gm Zanuar 17 78) WMännerkeuſchheit.(Im Januar 1778.) 40 Die Entführung, oder Ritter Carl von Eichenhorſt und Fräulein Gertrude von Hochburg.(Im Januar 1778.) 15 Elegie. Als Molly ſich losreiſſen wollte te.(Rach einer Angabe in dem Muſen⸗ Almanache für 4786, ſchon im Jahre 1776 geſchrieben, aber gewiß ſpäter, vielleicht erſt im Jahr 1755 vollendet.) 23 6. Molly's Werth.(Im July 1778.) 6 7. Des Pfarrers Tochter von Taubenhain. — 6 10 (Im Auguſt 1784.) 35 s. Der kluge Held.(Im t 40 9. Prometheus.(1784.). 40. Die Kuh.(1784.). 14. Der Kaiſer und Abt.(Vermuthlich nählu iRg ig. 1 12 1 10 1 8 14 15