Die Familie Gogo. Paul de Rock. Deutſch bearbeitet von Pr. Heinrich Elsner. Sechster Theil. Stuttgart: Scheible, Rieger„ Kattler. 1833. —— Erſtes Kapitel. Die Brautwerbung. Am Tage nach dieſem merkwürdigen Abend hat⸗ ten ſich Madame St. Godibert und ihr Mann noch nicht von ihrer Wuth darüber, daß man ſie zu der öffentlichen Vorſtellung ihrer Nichte gezwungen hatte, erholt. Was Frau Mondigo anbelangt, ſo hatte ſie beim Weggehen ihrer Schwägerin erklärt, ſie werde keinen Fuß mehr in das Haus ſetzen, ſo lange die Perſon da ſei. Im erſten Augenblick haite Angelika ausgerufen: „Man muß dieſes junge Mädchen zu ihrem Vater heimſchicken und ihr unſer Haus auf immer verbieten.“ „Ja,“ ſagte St. Godibert, ja, ſchicken wir ſie fort.“ M Aber gleich darauf kratzt ſich der Banquier hinter dem Ohr, ſieht ſeine Frau an und redet weiter: „Was hilft uns aber jetzt das Fortſchicken? Geſehen hat man ſie doch ſchon und wenn man ſie nicht mehr ſieht, ſo werden Alle, die für ſie ſchwärmen, uns täglich fragen, was aus ihr geworden ſei! Dieſer Vetter Brouillard, der ſo boshaft iſt wie ein roth⸗ 6 haariger Eſel, wird nicht ermangeln, überall auszu⸗ ſtreuen, wir haben unſere Nichte ſchnöde davongejagt⸗ wir haben uns geweigert, für ſie zu ſorgen.. man wird uns in die Mitte nehmen und ſteinigen.“ „Das iſt wahr,“ ſagte Angelika,„und ich ſehe ein, daß wir ſie behalten müſſen; aber bei der erſten Ge⸗ legenheit, ſie unterzubringen, wollen wir uns jeden⸗ falls ihrer entledigen.“ „Das iſt ganz meine Anſicht.“ „Und den kleinen Leichtſinn fragt man gar nicht darum.“ „Das wäre ſehr überflüſſig!“ „Ich ſage: Leichtſinn, weil, trotz ihrer niederge⸗ ſchlagenen Augen und ihrer heiligen Miene, Fifine von ihr behauptet, ſie ſei nicht beſſer als eine An⸗ dere ſie mache Maſſematten kenne junge Pa⸗ riſer Herren!“ „Wahrlich! wenn ich davon einen Beweis hätte, v, dann jagte ich ſie öffentlich aus meinem Hauſe!“ „Bis jetzt ſind es nur Vermuthungen, aber Fifine iſt gewandt, und wenn Etwas dahinter ſteckt, ſo wird ſie es herausbringen.“ Die Gegenwart e hübſchen Frauenzimmers iſt immer das beſte Mittel, viele Männer in ein Haus zu ziehen. Roſa⸗Maria's Vorſtellung in der Abendgeſellſchaft ihres Oheims hat Aufſehen gemacht. Jedermann ſpricht von dem kleinen Landmädchen: die Männer, um daſſelbe zu rühmen, die Frauen⸗ zimmer, um es zu kritiſiren; wer Roſa nicht geſehen hat, wünſcht ſie kennen zu lernen; wer ſie in dem 7 Abendeirkel bemerkt hat, möchte ſie wieder ſehen. Madame St. Godibert erhält zahlloſe Beſuche und man redet ihr ohne Unterlaß von ihrer Nichte, weß⸗ halb ſie unvergängliches Kopfweh und ſchauerliche Launen hat. Doch unter allen emſigen Beſuchern iſt der em⸗ ſigſte Herr Roquet. Selten vergeht ein Tag, ohne daß er bei Madame St. Godibert erſcheint, und da man jetzt die Thüre des Seitenſtübchens, worin Roſa⸗ Maria arbeitet, nicht mehr beſchließt, ſo verfehlt Herr Roquet nicht, auch ihr ſeine Huldigungen dar⸗ zubringen; am Abend ſtellt er ſich wieder ein und verſucht ſie noch ein Mal zu ſehen: iſt dann die kleine Nichte nicht da, ſo wird er traurig, thut kaum den Mund auf und fiößt Seufzer aus, daß Madame St. Godibert ihn gar zu gerne maulſchelliren möchte. Roſa⸗Maria iſt ſehr wenig von den Compli⸗ menten, ſüßen Blicken und Galanterien erbaut, wo⸗ mit Herr Roquet ſie beinahe erdrückt. Sie denkt an den jungen Maler und ſehnt ſich, um deſto freier an ihn denken zu können, nach der Zeit zurück, wo man ſie allein ließ, wo man Niemand ihr zu nahen geſtattete. Jetzt aber ſucht Madame St. Godibert, in der Vorausſetzung, daß ihre Nichte nicht lange bei ihr bleiben werde, ihre Gegenwart möglichſt zu benützen und gönnt ihr keinen Augenblick Ruhe. Wenn es daher zufällig keine Nadelarbeit gibt, ſo beauftragt man das junge Mädchen, in allen Gemä⸗ chern des Hauſes zu ordnen und zu rangiren, was nöthig iſt; man macht beinahe eine Haushälterin aus 8 ihr; endlich ſchickt man ſie in Julians Abweſenheit mit Fifine zur Unterſuchung und Zurechtlegung der Garderobe des jungen Mannes und Mamſell Fifine ſorgt dafür, Roſa⸗Maria Alles thun zu laſſen; aber ſie möchte raſend werden, daß dieſe ſich niemals be⸗ klagt, ſondern ohne Widerrede thut, was man ſie heißt. Franz iſt wüthend über dieſe Mißbrauchung Roſa⸗ Maria's und macht ſich gar nichts daraus, oft zu ſagen:„Nun, Gott ſei Dank! Ihre Nichte muß ſchön herhalten: Sie machen eine Nätherin, eine Wäſche⸗ rin, einen Groom, eine Ausbürſterin... nur Geduld, Sie werden bald eine Stiefelwichſerin und eine Ge⸗ ſchirrſpühlerin aus ihr machen! Sie muß ſich hier ſehr glücklich fühlen.“ Roſa⸗Maria's einziger Wunſch wäre, ein Mal wieder einen kleinen Spaziergang mit Vater Save⸗ nay zu machen; aber, mangle ihm nun die Zeit oder befürchte er, ſie zu ſtören, ſie hatte ihn ſeit meh⸗ reren Tagen nicht geſehen. Mehr als ein Mal hat ſie des Morgens die Thüre geöffnet und iſt bis zur Treppe gegangen; ſie ftirbt vor Begierde, in das Bureau hinabzugehen und ihrem alten Freunde einen guten Dag zu wünſchen; aber kaum iſt ſie aus ihrem Zimmer herausgetreten, als Mamſell Fifine ihre Thüre gleichfalls aufmacht, als ob ſie ſie hüten wollte. Dann wagt Roſa⸗Maria nicht, hinabzuſteigen und geht traurig wieder in ihr Gemach zurück. Endlich klopft es eines Morgeus in ſehr früher Stunde an Roſa⸗Maria's Thüre; ſie hat die Stimme 9 des Greiſen, der eines ſeiner Lieblingslieder ſummt, erkannt und öffnet ſehr ſchnell. „Ach, wie lange iſt es, daß Sie nicht gekommen ſind!“ ruft Roſa⸗Maria aus, als ſie ihren alten Freund wieder ſieht. „Wahr, mein liebes Kind, aber nicht mein Feh⸗ ler! Herr St. Godibert hat ſeine andern Commis ausgezankt, daß ſie ſich ſo ſpät auf dem Bureau ein⸗ finden: da wagte ich keinen Spaziergang mehr. Heute bin ich noch früher da, weil ich Sie durchaus ſehen wollte, denn ich habe Ihnen Vieles zu ſagen.“ „Mir, lieber Freund?“ „Ja, wahrhaftig auch bin ich Jemand begeg⸗ net. Jemand, den Sie kennen.Sie wiſſen wohl: jenen jungen Mann von neulich.“ Roſa⸗Maria erröthet und erblaßt faſt auf ein Mal, ihr Buſen ſchwillt und hebt ſich in eiligen Schlägen; ſie iſt ſo bewegt, daß ſie kaum zu ſtam⸗ meln vermag:„Wie, mein guter Freund, Sie haben Herrn Leopold geſehen?“ „Ohne Zweifel.“ „Und er hat mit Ihnen geſprochen?“ „Sicherlich.““— „Aber wie ging das zu?.. Er hat Sie alſo wieder erkannt?.. Durch welchen Zufall?.. O⸗ erzählen Sie mir das Alles, ich bitte Sie darum!“ „Aber, mein Gott, ich hätte es Ihnen ja ſchon er⸗ zählt, wenn Sie mich zum Wort kommenlaſſen wollten.“ „Ich ſchweige, mein Freund, ich ſchweige, aber dann reden Sie!“ 10 „Wohlan! Es ſcheint, daß an ſelbigem Morgen dieſer junge Mann, nachdem er Ihnen in den elyſäi⸗ ſchen Feldern begegnet, ſich nicht ganz entfernt hatte, wie Sie damals glaubten.. die Verliebten machen es oft ſo: ſie ſcheinen zu gehen, aber ſie gehen nicht ganz! Kurz, der junge Maler war uns wahrſchein⸗ lich von ferne gefolgt und ſah uns Beide in dieſes Haus eintreten. Seit dieſer Zeit kam Herr Leopold, ohne Zweifel, weil er Sie wieder zu ſehen wünſchte, häufig in die Straße und pflanzte ſich vor dem Hauſe auf. er brachte da ganze Stunden zu; ich, der ich ihn mehr als ein Mal wahrgenommen hatte, glaubte ſogar zu bemerken, daß er mich anblickte; aber ich ſagte Nichts, ich wartete, ich ahnte, wo er hinaus wollte. hi, hi! man iſt auch jung geweſen! „Doch ſehen wir jedem Schritt entſprießen Mehr Blumen, als man pflücken kann, Sein Leben wonnevoll genießen, Sagt, Freunde, heißt das altern dann?“ „Ach, beſter Freund, bitte, bitte!“ „Um Vergebung, ich fahre ſchon fort: Geſtern endlich, da ich zum Eſſen gehen wollte, hat mich Herr Leopold ſehr höflich angeredet:„Mein Herr, ich müßte mich ſehr täuſchen, wenn ich nicht die Ehre gehabt hätte, Ihnen zu begegnen, als Sie einer jun⸗ gen Perſon den Arm gaben, welche ich kenne, näm⸗ lich Fräulein Roſa⸗Maria aus dem Dorfe Avon.“ Ich antwortete ihm, daß er ſich nicht irre; da fängt der arme junge Menſch auf einmal zu zittern an und bittet mich, ihn anzuhören; ich erſuche ihn, ſich ——————,— 11 zu beruhigen, mit der Verſicherung, daß ich ihn recht gerne anhören werde. vielleicht hatte ich Unrecht, ihm das zu ſagen, mein Kind?“ „O nein, nein: Sie haben wohl daran gethan, mein lieber Freund!... Und dann?“ „Hat er mir erzählt, wie ein Unfall ihn verhin⸗ dert habe, nach Fontainebleau um die mit Ihnen verabredete Zeit zurückzukehren.“ „Es iſt alſo nicht ſein Fehler! Ach, ich wußte es gewiß.“ „Als er dann endlich in das Dorf Avon ſich be⸗ gab, erfuhr er von Ihrer Magd, daß Sie nach Paris abgereist ſeien, um daſelbſt zu bleiben. Dann ent⸗ fernte er ſich ganz kummervoll, ohne Ihren Vater zu ſprechen.“ „Der arme Junge!.. Und dann?“ „Hoffte er, Sie in Paris wieder zu finden, aber auch er ſuchte die Gogo's, ohne zu ahnen, daß es keine mehr gebe. Endlich und das iſt das Aergſte! kamen junge Männer in ſein Atelier, er⸗ laubten ſich Ihr verborgenes Porträt zu entſchleiern und einer derſelben ſagte, er kenne ſie es ſcheint, daß dieß der gleiche junge Mann war, der Ihnen am erſten Abend ihrer Ankunft nachgefolgt war... und dieſer Elende erlaubte ſich, Sie zu verläumden, Dinge über Sie auszuſagen, wodurch Sie für recht⸗ ſchaffene Menſchen ein Gegenſtand der Verachtung hätten werden müſſen.“ „Ach, mein Gott, mein Gott!“ „Aber beruhigen Sie ſich doch, mein Kind; es 12 wurde mir nicht ſchwer, zu beweiſen, daß man Sie niederträchtig verläumdet habe!.. Der arme Junge! wenn Sie ſeine Freude, ſeinen Wonnetaumel geſehen hätten: er tanzte auf der Straße, er warf ſich an meinen Hals, er dankte mir tauſend Mal, daß ich Sie beſchützt habe, dann rannte er weg wie ein Narr, indem er mir zurief, er werde jetzt denje⸗ nigen, der ſchlecht von Ihnen geſprochen, umbrin⸗ gen.“ „Mein Gott!... wenn ihm ein Unglück zuſtieße „ Sie hätten ihn zurückhalten ſollen.“ „Ich mochte ihm rufen, wie ich wollte, er hörte mich nicht. Ich war über die Folgen dieſer Sache ſehr unruhig, als ich dieſen Morgen Herrn Leopold wiederſah.“ „Er iſt nicht verwundet?“ „Er hat dieſen ſchlechten Tropf, der ſich Richard nennt, wie es ſcheint, und ausgezogen iſt, ohne ſeine Adreſſe zu hinterlaſſen, nicht wieder finden können.“ „O, deſto beſſer!“ „Dann hat mich dieſer iunge Maler gebeien, an⸗ gefleht, mich mit einem Billet an Sie beladen zu wollen, worin er Sie um Verzeihung bittet, daß er nur einen Augenblick an Ihre Schuld glauben konnte ich hätte freilich dieſen Brief nicht annehmen ſol⸗ len, ich bin ein wenig alt für einen Liebesboten, aber er war ſo dringend das Billet ganz offen, und meiner Treu„ „Sie haben es genommen? O, danke, danke, be⸗ ſter Freund! Der arme junge Mann Sie hätten 13 ihm ſo wehe gethan, wenn Sie es ablehnten. O, geben Sie, geben Sie, ich werde ganz laut leſen, denn Sie ſind unſer Vertrauter: wir haben kein Ge⸗ heimniß vor Ihnen.“ Roſa⸗Maria nimmt mit bebender Hand den ihr von Vater Savenay dargebotenen Brief und liest mit bewegter Stimme: „Mein Fräulein! Der achtungswürdige Mann, der Ihnen dieß Billet einhändigt, wird Ihnen ſchil⸗ dern, wie ſehr es mich reut, daß ich neulich ſtumm an Ihnen vorübergegangen bin.. wüßten Sie, wie viel ich gelitten, ich, der jeden Augenblick nur an Sie gedacht habe! Ach, verzeihen Sie und erlauben Sie mir, Ihnen zu ſagen, daß ich nie Jemand lieben werde als Sie; dann wird Leben und Glück mir wieder blühen.“ Roſa⸗Maria hüpft dem Greis an den Hals und ruft aus:„Er wird nie Jemand lieben als mich. ach, lieber Freund, wie glücklich bin ich! Sagen Sie ihm, daß ich ihm verzeihe, daß auch ich ein Ver... nein, ich weiß mich nicht auszudrücken... muß ich ihm auch ſchreiben?“ „Nein, nein, das wäre nicht ſchicklich, dieſe münd⸗ liche Antwort wird ihm genügen; zudem habe ich ihm erklärt, daß ich mich mit keinem andern Brief befaſſen würde.. einmal iſt genug, aber ſeien Sie ruhig, er wird erfahren, was Sie ihm zu wiſſen thun wollen.. er wird glücklich ſein, ſehr glücklich, und dann wollen wir ſehen, was ſich ſchicklicher Weiſe Paul de Kock. LXRKIX. 2 14 thun läßt für.. ei, du lieber Gott! da vergeſſe ich ja mein Bureau!.. Die Zeit vergeht. adieu, mein Kind, adieu.“ „Aber nicht wahr, lieber Freund, Sie kommen bald wieder?“ „Sobald ich kann.“ „Und Sie bringen mir Nachricht von ihm?“ „Ja, ja!“ „Und Sie ſagen ihm⸗ daß wir an einem der nächſten Morgen ſpazieren gehen werden?“ „Ja, ja!“ Der Vater Savenay hört nicht weiter; er eilt die Stiege hinab, ohne zu bemerken, daß Mamſell Fifine den Kopf halb zu ihrer Thüre herausſtreckt und den Vorgang belauſcht. Roſa⸗Maria iſt allein in ihrer Stube zurückge⸗ vlieben; aber von dieſem Augenblick an verſchönert ſich Alles in ihren Augen. Wer immer erfährt, daß er von dem geliebten Gegenſtand geliebt wird, und daß das Gefühl, welches ſein Leben ausmacht, ein Echo gefunden hat, für den iſt es aus mit Langeweile, Kummer und Widerwär⸗ tigkeit. Sein inneres Glück verbreitet ſich über ſeine äußere Umgebung; der düſterſte Aufenthalt ſcheint ihm heiter und bequem; die unangenehmſten Leute kommen ihm liebenswürdig vor; er ſieht Alles in roſenfarbigem Licht. Das iſt eine der tauſend Meta⸗ morphoſen, welche die Liebe ſchafft! Das junge Mädchen iſt daher leichter, lebhafter, heiterer zu ihrer Tante hinabgegangen: ſie grüßt 15 dieſelbe mit einem anmuthigen Lächeln; ſie ſetzt ſich mit einem Eifer ohne Gleichen an ihr Geſchäft und arbeitet noch beſſer als gewöhnlich. Nun erſcheint an demſelben Tage um vier Uhr Herr Roquet, ganz ſchwarz und mit äußerſter Sorg⸗ falt gekleidet, mit einer neuen Brille verſehen, bei dem Banguier, und ſagt der Mamſell Fifine, daß er Herrn und Frau St. Godibert zugleich ſprechen möchte. „Das trifft ſich gut,“ antwortet die Kammerjung⸗ ſer,„der Herr iſt eben von ſeinem Bureau hinauf⸗ gegangen und mit Madame im Salon.“ „Dann melden Sie mich,“ ſagte Roquet mit ei⸗ ner Wichtigkeit, worüber Mamſell Fifine lachen muß. Das Paar St. Godibert heißt die Kammerjung⸗ fer den Herrn Roquet einführen und dieſer ſtellt ſich den Beiden mit einem Ernſt, einer wichtigen Miene vor, wodurch ſein Beſuch einen ſehr importanten An⸗ ſtrich gewinnt. „Guten Tag, mein lieber Herr Roquet,“ ſagt der Banquier;„Sie wünſchen mich und meine Ge⸗ mahlin zu ſprechen.. wir ſind immer erfreut, Sie zu ſehen aber hätten Sie vielleicht heute uns etwas Beſonderes mitzutheilen?“ Herr Roquet, der ſich auf ſeine Rede vorbereitet hat, ſchluckt ſeinen Speichel hinab und beginnt: „Mein Herr und Madame! Ich werde mit der Frei⸗ heit eines freien Mannes auf meinen Zweck hin⸗ ſteuern hm! hm! Ich bin Junggeſelle, anders ausgedrückt: Cölebatär; ich habe ſiebentauſend Fran⸗ 16 ken Rente, rund und ſicher, und ein ſchönes Mobiliar ich habe unendlich viel Linnenzeug... bis daher hatte ich nie an's Heirathen gedacht, obgleich es mir gewiß, wenn ich gewollt hätte, das können Sie den⸗ ken, nicht an Gelegenheiten gefehlt hätte.. weil ein Mann, der ſiebentauſend Franken Rente Einkommen hat und nicht unangenehm von Perſon iſt... ich ſage das nicht zum Eigenlobe, aber.. kurz, man kennt ſich und es iſt nicht verboten. ich bin gewiß, daß Sie meiner Anſicht ſind.. „Ich verſtehe,“ antwortet Herr St. Godibert, der noch nicht ahnt, wo Herr Roquet hinaus will. Angelika dagegen antwortet ungeduldig:„So kommen Sie doch zum Zwech Herr Roquet.“ „Ich komme, ſchöne Dame... folglich bin ich eine ſehr annehmbare Partie nach Vermögen und Leibesbeſchaffenheit und Alter... ich gebe zu, daß ich nicht mehr in der erſten Jugend ſtehe, aber im⸗ merhin in einem gefälligen Alter.. wohlan: ich komme heute, das Alles Ihrer hübſchen Nichte zu Füßen zu legen und bei Ihnen um die Hand Fräulein Roſa⸗Maria anzuhalten.“ Die beiden Ehegatten ſcheinen vom Schlage ge⸗ rührt; ſie ſchauen Roquet, ſie ſchauen ſich ſelber an; am Ende ſagt Herr St. Godibert:„Um die Hand der Kleinen. wie, Herr Roquet, Sie reden im Ernſte? Es iſt kein Scherz? Sie wollen Roſa⸗Maria heirathen?“ „Ich wünſche es ſehr ernſthaft, ich wünſche es ſogar leidenſchaftlich.“ ———— 17 „Aber haben Sie auch wohl überlegt, Herr Ro⸗ quet,“ ſagte Angelika,„haben Sie auch die Folgen Ihres Geſuchs reiflich erwogen?“ „Die Folgen? das wird wohl die Heirath ſein, wenn Sie einwilligen; ich verberge Ihnen nicht, daß ich in Fräulein Roſa⸗Maria verliebt bin zum Toll⸗ werden! Ich war ſchon ziemlich oft verliebt während meiner galanten Laufbahn, hi, hi! aber niemals ſo ich wage ſogar zu behaupten, daß dieſe und jene Liebe einander gar nicht gleich iſt!“ Herr St. Godibert fragt ſeine Frau mit den Au⸗ gen um Rath und antwortet zögernd:„Mein theu⸗ rer Herr Roquet, gewiß, Ihr Anerbieten iſt nicht ge⸗ ring zu achten, aber vielleicht haben Sie gedacht, dieſes junge Mädchen, welches zufällig.. unſere Nichte iſt, das heißt. mit einem Wort, ich muß Sie in Kenntniß ſetzen, daß es kein Vermögen hat und was mich als Oheim betrifft, ſo kann ich durchaus Richts für daſſelbe thun, dieweil wir einen Sohn habenz nicht wahr, Angelika?“ „Ja freilich, wir haben einen Sohn, und zudem ſind wir noch zu jung, um uns für Andere zu berauben.“ „Ich begehre Nichts!“ ruft Roquet, ſich empor⸗ richtend und ſeine Brille zurecht ſetzend, aus;„ich will nur den Beſitz der reizenden Roſa⸗Maria: mit ſiebentauſend Franken Einkommen, wenn man kein Kind mehr iſt, glaube ich, kann man ſchon vorwärts kommen.“ „Gewiß, man kann ſogar ſehr gut vorwärts kommen,“ antwortet St. Godibert mit aufdämmern⸗ 18 dem Angeſicht,„aber, mein guter Roquet, es iſt. es muß noch bemerkt werden, daß Roſa⸗Maria's Vater . mein zufälliger, entfernter Bruder... nicht todt iſt.“ „Ich weiß: er iſt Landwirth im Dorfe Avon bei Fontainebleau.“ „Wie wiſſen Sie das?“ fragt das erröthende Paar. „Ganz einfach: Fräulein Roſa hat es mir ſelbſt geſagt, als ich ihr im Walde von Fontainebleau be⸗ gegnete. O, ich hatte kein einziges ihrer Worte ver⸗ loren. mein Herz ſchlug ſchon für ſie.“ „Nun denn, wenn Sie das wiſſen, ſo brauchen wir es Ihnen nicht mitzutheilen. Nur bemerken Sie noch, daß ihr Vater ſich... Gogo nennt, ein Name, den er durchaus beibehalten wollte, während ich und mein Bruder Mondigo andere tragen, und Sie be⸗ greifen: wir wollen nicht mehr ſo genannt ſein... es wäre ſogar nicht mehr möglich.“ Herr Roquet ergreift die Hand des Banguiers, drückt ſie ihm mit Macht und ruft aus:„Mein theu⸗ rer Herr St. Godibert, ich werde ſelbſt ſehr geſchmei⸗ chelt ſein, daß die Oheime meiner Frau ſo ausge⸗ zeichnete Namen tragen; laſſen Sie mich nur Ihre hübſche Nichte heirathen und ich werde mir ſtets ein Vergnügen und eine Fflicht daraus machen, mich in allen Stücken nach Ihrem Muſter zu richten.“ „Dann ſehe ich kein Hinderniß,“ antwortet St. Godibert, die Hand des Herrn Roquet ſchüttelnd. „Das will beſagen,“ fällt Angelika ein,„daß 19 Sie fortan die Sache als abgemacht betrachten können!“ „Ach, mein Freund, ach, meine theure Frau von St. Godibert, wie vergnügt bin ich!“ Und in ſeiner Freude hüpft Herr Roquet ſeinem künftigen Oheim an den Hals, eilt dann auf Ma⸗ dame zu, welche er in ſeiner Verwirrung auf die Naſe küßt, was ihn jedoch nicht verhindert, ſofort in dem Zimmer umherzutanzen und zu wiederholen: „Ach Gott, wie zufrieden bin ich!“ „Mir ſcheint indeß, daß Fräulein Roſa⸗Maria es auch ſein darf,“ ſagt Angelika, indem ſie ihre Naſe abwiſcht, auf welcher Roquet die Spuren ſeiner Freude hinterlaſſen hat.„Eine ſo ſchöne Parthie, wie Sie ſind, zu finden.. wahrhaftig, das kleine Mäd⸗ chen hat einen glücklichen Stern! Konnte ſie das hoffen?“ „Meiner Treu', ich finde nun,“ ſagte St. Godi⸗ bert,„daß ihr Vater gut gethan hat, ſie nach Paris zu ſchicken.“ „Ach, ihr Vater.. ſeine Einwilligung wird mir doch auch vonnöthen ſein; ſoll ich mich zu ihm be⸗ geben?“ „Das iſt unnöthig: ich hole ſie ſchriftlich von ihm ein!... Alle Wetter! er wird ſich wohl vor ei⸗ nem Korbe hüten, wenn ich ihm ſage, welche Par⸗ thie Sie ſind; der arme Mann wird entzückt, wird bezaubert ſein!“ „O, Sie erdrücken mich mit Angenehmem! Was Fräulein Roſa⸗Maria anbelangt: glauben Sie, daß dieſe mir gleichfalls günſtig ſein wird?“ 20 „Das wollte ich ſehen, daß ſie ſich weigerte,“ ſchreit Angelika.„Sie müßte ja völlig den Kopf verloren haben ein Gemahl wie Sie, hübſches Vermögen. ausgezeichneter Mann„ſtolzes Aeu⸗ ßeres!“ „Ach, Frau von St. Godibert!“ „Ich wiederhole, ſie wird ganz entzückt ſein; übrigens muß ſie eine Vorahnung von ihrem Glück gehabt haben, denn heute war ſie ſo aufgeräumt, ſo heiter.. aha, Verführer, Sie müſſen ihr Etwas zugeflüſtert haben!“ „Nein, durchaus nichts mit dem Munde, auf Ehrenwort, aber mit den Augen. o, mit den Au⸗ gen habe ich ihr viel geſagt.“ „Kurz und gut, Herr Roquet, von jetzt an haben Sie ein Recht, ihr den Hof zu machen.“ „Werde nicht ermangeln, ſchöne Daine.“ „Speiſen Sie mit uns, um dieſen Tag zu feiern! Wir haben gerade Siß Candrillon, Herrn Derneſty und den Major.. „Ich kann ich bin verſagt; aber heute Abend werde ich mich bald frei zu machen ſuchen. Bis dahin ſagen Sie Ihrer Fräulein Richte Nichts: es wird mir wohlthun, ihr zuerſt meine Abſichten zu erklären; ich möchte mich an Ihrer Verwirrung wei⸗ den, ich liebe das ſehr bei den Frauenzimmern.“ „Wie's beliebt, theurer Freund, alſo heute Abend!“ „Heute Abend, meine zukünftigen Verwandten! Herr und Frau von St. Godibert, ich empfehle mich hochachtungsvoll.“ 2 Roquet entfernt ſich voll Entzücken. „Er iſt recht artig,“ ſagte Angelika, durch das „von“ des künftigen Neffen gewonnen,„und man muß geſtehen, daß die Kleine mehr Glück hat als Ver.. dienſt.“ „Je nun,“ ſagt St. Godibert,„ſobald es Herrn Roquet recht iſt, kann es mir zwei Mal recht ſein: meine Nichte iſt dann vorzüglich untergebracht, es koſtet mich Nichts und doch wird man immer ſagen, daß ſie es uns verdanke. Da fällt mir ein, wir haben heute Geſellſchaft.. Roſa⸗Maria wird heute mit uns ſpeiſen.“ „O, da ſie Madame Roquet werden ſoll, ſo ſehe ich nichts Unpaſſendes mehr darin.“ Roſa⸗Maria iſt ſehr überrafcht, wie ſie ſieht, daß ihre Tante nach der Zurückkehr ſie mit einem beinahe liebenswürdigen Lächeln anſieht und weit ſanfter an⸗ ſpricht als gewöhnlich. Eine Weile darauf, als ſie ihr Etwas zeigen wollte, nannte die ſtolze Angelika ſie ſtatt„Mademviſelle ſogar ,meine Nichte“, was ihr noch nie begegnet war. Dankbar nimmt das arme Mädchen dieſe Zeichen von Güte an, aber ihr Erſtaunen wächst noch, als Madame St. Godibert ihr ſagt:„Wir haben heute zwar einige Perſonen bei Tiſch, aber Sie ſpeiſen mit uns. Ziehen Sie ſich ein wenig an und kommen Sie dann gleich herab.“ Roſa⸗Maria gehorcht ihrer Tante und beſinnt ſich, woher ſolche Veränderung in dem Betragen gegen ſie ſtammen könne; da ſie aber ein gutes, gefühl⸗ 22 volles Herz hat, ſo ſetzt ſie voraus, ihre Verwandten haben die Vorurtheile gegen ſie aufgegeben und gibt innerlich ihrem Vetter Friedrich Recht in ſeiner Be⸗ hauptung, daß man ſie am Ende lieben werde. Noch friſcher, hübſcher, mehr durch natürlichen Reiz als durch ihre einfache Toilette ſchön, kommt Roſa an die Tafel herab. Die Freude, welche ihr vieſen Morgen zu Theil ward, hat einen neuen Strahl über ihr Geſicht verbreitet, denn Nichts verſchönert ſo wie das Glück. Als St. Godibert ſeine Nichte ſieht, kneipt er ſie in's Kinn und ſagt:„Nu, nu, allerdings, wir ſind wundernett und ich begreife wohl, daß. ja, ja, ich begreife.“ Roſa⸗Maria begreift nicht, was ihr Oheim ſagen will, aber ſie bedankt ſich mit einem reizenden Lächeln für die Zeichen der Freundlichkeit, deren er ſie würdigte. Herr Candrillon und der Major Krauteberg treffen pünktlich zur Stunde der Mahlzeit ein. Julian er⸗ ſcheint auch bald und iſt ganz erſtaunt, als er ſeine liebliche Coufine bemerkt. Er gratulirt ihr zu dieſer Veränderung und Roſa⸗Maria antwortet:„O, jetzt ſind Ihre Eltern ſehr gut gegen mich und ich bin ſehr zufrieden, denn ich glaube, daß ſie mich ein wenig lieben.“ „Ah, ah, wir ſollen mit der hübſchen kleinen Nichte zu Mittag eſſen!“ ruft Herr Candrillon aus, indem er Roſa⸗Maria in den Arm kneiptz„deſto beſſer, ich liebe die hübſchen Frauenzimmer! Mord⸗ element! wenn ich Zeit hätte, ſo wollte ich mir ein 23 ganzes Harem einthun; aber ich habe keine Zeit dazu!“ Der Major Krauteberg nact vor Roſa⸗Maria eine tiefe Verbeugung und öffnet den Mund, als wolle er ihr etwas Schönes ſagen; bemerkend jedoch, daß ihn Angelika anſieht, geht er mit offenem Munde zu ihr hin und richtet an ſie das Compliment, 6 er ihrer Nichte zugedacht hatte. Man wartete nur noch auf Derneſty. Da er ſeit einiger Zeit bei St. Godiberts ſeltener wurde, ſo hatte Madame, welche wegen ſeines hochadeligen Weſens viel auf ihn hielt, ihren Mann zu einer Ein⸗ ladung an ihn veranlaßt, und da er dieſe nicht aus⸗ geſchlagen hatte, ſo zählte man auf ſein Erſcheinen. Endlich langt der junge Mann an und entſchul⸗ digt ſich über ſein langes Ausbleiben mit zahlreichen Geſchäften. Er ſagt der Hausherrin einige Compli⸗ mente und läßt ſeine Blicke wohlgefällig auf der hübſchen Nichte ruhen. „Man ſieht Sie nicht mehr, Herr Derneſty,“ ſagt Angelika,„Sie vernachläßigen uns grauſam: das iſt ſehr übel.“ „Aber keineswegs meine Schuld, ſchöne Dame: ſeit einiger Zeit bin ich ſo ſehr von Geſchäften nie⸗ dergedrückt, daß ich keine Minute mehr für mein Ver⸗ gnügen übrig habe.“ „In was macht denn dieſer Herr?“ fragte Can⸗ drillon ſeinen Freund St. Godibert leiſe. „Er ſpekulirt, glaube ich, mit Renten. er ſpielt an der Börſe. aber er ſpielt ſehr gut.“ 3 24 Der Capitaliſt macht eine leichte Kopfbewegung, welche Zweifel ausdrückt, und erwiedert:„Ich habe ihn nur ein Mal an der Börſe geſehen. und was man mir von ihm ſagte hm! doch man kann ſich irren.“ „Was hat man Ihnen geſagt?“ „Ich mag nicht Dinge wiederholen, welche Je⸗ mand ſchaden können, beſonders wenn ich meiner Sache nicht gewiß bin. Iſt Ihnen dieſer ſchöne Herr Geld ſchuldig?“ „Nein.“ „Dann nehmen Sie an, ich habe Nichts geſagt.“ Die Meldung, daß aufgetragen ſei, unterbricht dieſes Geſpräch. Der Major Krauteberg als ſtets getreuer Ritter der Frau St. Godibert beeilt ſich ihr die Hand anzu⸗ bieten und ſie in den Speiſeſaal zu führen. Julian und Derneſty gehen auf Roſa⸗Maria zu, aber Can⸗ drillon iſt ihnen zuvorgekommen; er nimmt den Arm des jungen Mädchens unter den ſeinigen und ruft aus:„Ei, ei, meine Herren, ich war flinker als Sie! Ich war aber ſchon darauf gefaßt, daß Sie mir die⸗ ſen koſtbaren Schatz rauben würden.“ Damit geht der dicke Herr, Roſa⸗Maria am Arm, in den Speiſeſaal. Die beiden jungen Männer ſehen ſich einen Augenblick erſtaunt an: Julian hat die Farbe gewechſelt, Derneſty jedoch faßt ſich ſchnell wieder und ſtößt den Sohn des Hauſes an, in⸗ dem er ihm zuflüſtert:„Sie find ein getauftes Hühnchen.“ 25 Dann eilt er in den Speiſeſaal, indem er ausruft:„Ich erkläre, daß ich einen Jägerappetit habe.“ Roſa⸗Maria benimmt ſich anfangs ſchüchtern, da ſie an der Tafel unbekannte Perſonen findet, aber Herr Candrillon iſt ſehr liebenswürdig gegen ſie und ſeine Heiterkeit, ſeine Gewandtheit beleben das Mahl. Derneſty will auch liebenswürdig ſein, aber ſein Witz iſt Spott und kein Frohſinn. Julian ſieht ſeine Baſc häufig an und begreift die Veränderung im Betragen ſeiner Eltern gegen das junge Mädchen nicht. Der Major Krauteberg verhält ſich beinahe ſtumm, ißt aber für Vier, indem er, was man ſagt, bloß durch eine Geberde villigt, welche ſeine Kinn⸗ lade nicht in ihrem Dienſte ſtört. Madame St. Godibert, indem ſie mit Derneſty kokettirt, befragt ihn nach Herrn Richard, den ſie ſchon lange nicht mehr ſieht. „Ich weiß nicht, Madame, was aus ihm wird,“ antwortet Derneſty.„Er iſt, glaube ich, ausgezogen, aber ich begegne ihm nirgends.“ Bei dem Namen Richard horcht Roſa⸗Maria auf, denn derſelbe erinnert ſie an die Schändlichkeit, die man gegen ſie begangen; da man jedoch nicht weiter von ihm redet, ſo däucht ihr, das müſſe ein Anderer ſein, denn in guter Geſellſchaft würde man einen ſolchen Menſchen nicht dulden. Das naive Kind wußte freilich nicht, wie leicht es Spitzbuben wird⸗ ſich unter ehrliche Leute einzuſchleichen. Man ſteht vom Tiſch auf. Herr Candrillon, eit⸗ 26 zückt von der Haltung und Anſtändigkeit Roſa⸗Ma⸗ ria's, klopft Herrn St. Godibert auf den Bauch, in⸗ dem er ſagt:„Sapperlott! mein lieber Freund, Sie haben da ein hübſches Nichtchen; man muß ſie artig verheirathen.“ „Ich habe bereits daran gedacht,“ antwortet hände⸗ reibend der Banquier. „Ei, noch Etwas,“ fährt der dicke Capitaliſt fort, „mein alter Freund, mein Papa Savenay, Sie haben ihn, denke ich, auf Ihrem Bureau te bracht?“ „Ja wohl, ich habe ihn angeſtellt.“ „Das freut mich. Hätte ich eher daran gedacht, ſo wäre es mir lieb geweſen, dieſem wackern Mann ein freundſchaftliches Wort zu ſagen.“ Herr St. Godibert, der heute beſonders gut ge⸗ launt und gefällig iſt, erwiedert:„Wenn es Ihnen angenehm iſt, ſo können Sie ihn noch ſprechen; es war heute ein preſſantes Geſchäft abzumachen und meine Commis mußten wiederkommen. Ich werde gleich nachfragen laſſen, ob der alte Savenay noch da iſt und dann ſoll er eine Weile heraufkommen.“ „Bei Gott, das würde mich freuen.“ Während dieſes Geſprächs waren die beiden jungen Leute zu Roſa⸗Maria getreten und überhäuften ſie mit Artigkeiten, worüber ſie nicht das geringſte Vergnügen empfand. Es wurde ihr dabei ſogar beinahe ängſt⸗ lich zu Muth; ſie ſah ſich im Salon um, ob ihr nicht Jemand zu Hülfe kommen möchte. Aber Madame St. Godihert hörte dem Major zu, der den Schnitt 27 ihres Kleides lobte, und bekümmerte ſich keineswegs um ihre Nichte. Inzwiſchen, da St. Godibert für einen Augenblick hinausgegangen war, näherte ſich Candrillon den jungen Männern mit der Aufforderung:„Auf, meine Herren, zu einer Parthie Ecarté, ich kenne ſonſt kein Spielz ich habe fünfzehn Napoleons zu verlieren: wer iſt mein Mann?“ „Ich ſpiele mit Ihnen,“ ſagt Derneſty. „Und ich,“ ſagt Julian,„wette für Dich.“ Die drei Männer gehen an einen Spieltiſch. Can⸗ drillon und Derneſty beginnen die Parthie und Julian, der auf ſeinen Freund hält, ſetzt ſich an ſeine Seite. Schon hat Candrillon drei Napoleons verloren, als St. Godibert mit Vater Savenay in den Salon zurückkehrt. Die beiden jungen Männer fahren zu⸗ ſammen; der dicke Capitaliſt ruft aus:„Ei, da iſt ja mein alter Freund; kommen Sie doch, alter Papa geht's immer gut mit der Geſundheit?.. Er hat ein prächtiges Ausſehen.“ Der eintretende Greis empfiehlt ſich der ganzen Geſellſchaft. Erſtaunen und Freude malen ſich auf ſeinem Angeſicht, als er Roſa⸗Maria gewahr wird, die ihm hold zulächelt. „Ah⸗ ah, alter Kamerad,“ fährt Candrillon fort, „es ſcheint, wir kennen das hübſche Nichtchen unſeres Freundes?“ „Ja, ich habe die Ehre, Herr Candrillon. es iſt ein herrliches Geſchöpf und ich bin doppelt glück⸗ lich, da ich ſie hier ſehe.“ 28 „Blitz! ſie iſt hier in guten Händen: ihr Oheim wird ſie verheirathen, ausſtatten. „Das iſt meine Abſicht,“ antwortet der Banquier mit gewichtiger Miene. „Ach, mein Herr, ich danke Ihnen für Alles, was Sie an dieſem lieben Kinde thun werden,“ fährt der Greis fort,„ſie verdient es, und das freut mich.“ „Und woher kennen Sie die Nichte von St. Go⸗ dibert, mein Alter?“ Vater Savenay erinnert ſich, daß er ſie nicht als das junge Mädchen bezeichnen darf, welches ihre Oheime Gogo ſuchte. Er zögert einen Augenblick und ſagt endlich, indem er ſich geheimnißvoller Weiſe dem Spieltiſche nähert:„Wenn Sie wüßten, in wel⸗ cher Lage ſich die Kleine um meinetwillen befand. meine Schuld war es nicht.. aber es konnte ihr ſehr zum Unglück ausſchlagen.“ „Schaut, ſchaut, Vater Savenay, erzählen Sie uns doch das.“ Der Greis neigt ſich über den Tiſch und ſagt halblaut:„Sie hat es nie Jemand anvertraut. ihr Vater fürchtete, wenn ihre Mitwiſſenſchaft verlautete, ſo könnte ſie in Gefahren gerathen. Aber hier, unter uns, darf ich Ihnen das wohl erzählen.“ Die beiden jungen Männer ſind ſehr betroffen und veben unwillkürlich, ohne zu wiſſen, was der Greis ſagen will. Herr Candrillon fällt ein:„Vollen⸗ den Sie doch, Vater Savenay; wenn es ein Geheim⸗ niß iſt, ſo werden wir es wohl zu bewahren wiſſen.“ „Nun denn; Als ich in dem Wald von Fontaine⸗ 29 bleau angegriffen und beraubt wurde, war Fräulein Roſa⸗Maria zufällig zugegen: ſie ging des Weges, gerieth in Furcht und verbarg ſich glücklich. Aber ſie hat meine beiden Räuber geſehen...“ „Sie hat ſie geſehen!“ ruft Derneſty, von einer innern Gewalt getrieben, aus. Statt zu antworten, hält Vater Savenay inne; dieſe Stimme, die er gehört hat, ſcheint einen ſelt⸗ ſamen Eindruck auf ihn zu machen. Doch dieſe Sen⸗ ſation geht ſchnell vorüber und er fährt ſort:„Ja, ſie hat ſie geſehen, aber doch ſo gut als nicht geſehen: ihr Geſicht ſcheint ſchwarz angeſtrichen geweſen zu ſein und Stülpmützen verbargen ihre Augen. Uebri⸗ gens vertraute ſie mir, daß ſie die Beiden für keine gewöhnlichen Räuber halte, ſondern für verlarvte junge Herren: ſie waren ſehr elegant geſtiefelt und behandſchuht.“ „Wie ſchade, daß ſie ihr Geſicht nicht ſah,“ ruft St. Godibert,„ſie hätte vielleicht eines Tages Ihre Räuber wieder erkannt.“ Condrillon ſagt Nichts: er betrachtet den jungen Julian, deſſen Angeſichl ſchrecklich entſtellt iſt. „Reden Sie nicht davon, meine Herren,“ fällt Vater Savenay ein;„Fräulein Roſa⸗Maria würde mich auszanken, wenn ſie erführe, daß ich dieſes Abenteuer erzählt habe.. doch da kommen Leute. guten Abend, Herr Candrillon; meine Herren, ich habe die Ehre, Sie zu grüßen; Fräulein Roſa⸗Maria ſpricht mit ihrer Tante, ich will ſie nicht ſtören.“ Paul de Kock. LXRIX. 3 30 Damit geht der alte Savenay aus dem Salon. Schon kommen mehrere Perſonen an und Herr St. Go⸗ dibert empfängt ſie als Hausherr. „Nun, wiel ſpielen wir nicht mehr?“ nimmt Derneſty das Wort, als der Greis ſich entfernt hat. „Aber es ſcheint, Ihr Aſſocié verläßt Sie,“ ſagt Candrillon, auf den wegeilenden Julian deutend⸗ „Ah ja, er geht; ich glaube, er hatte ein Stell⸗ dichein auf dieſen Abend ausgemacht; doch ich kann das Spiel wohl allein zu Ende bringen“ Herr Candrillon ſpielt und redet Nichts mehrz er ſcheint mit der Beendigung der Parthie zu eilen. Bald hat er ſein Geld verloren; jetzt ſteht er auf und ſetzt ſich in eine Ecke des Salons. Derneſty macht einige Gänge in dem Zimmer, nähert ſich aber Roſa⸗Marxig nicht mehr. Nach einiger Zeit ſchickt er ſich zum Weggehen an, als Friedrich anlangt. Dieſer hält ihn auf, indem er ſagt;„Wo rennen wir denn hin?“ „Ich verſchwinde, lieber Freund: ich habe heute Abend ein Stelldichein, bei dem ich nicht fehlen darfz aber ich will mich ungeſehen verabſchieden.“ „O, ſchon gut, ganz nach Belieben aber iſt es wahr, daß mein Bäschen hier iſt?“ „Ja, ja, ſehen Sie, dort ſitzt ſie..“ und Derneſty entfernt ſich, während Friecdrich an Roſa⸗Maria's Seite Platz nimmt. Dieſe theilt ihm die glückliche Veränderung in dem Betragen ihrer Verwandten mit und ſchildert ihm die Freundſchaft und das Wohl⸗ wollen, womit ſie jetzt behandelt wird. 31 „Ich ſagte Ihnen ja, daß ſie Sie am Ende lieben würden,“ ruft Friedrich aus.„Iſt es denn anders möglich? Sie ſind ſo artig, ſo liebenswürdig, ſo— ſehen Sie, mein Bäschen, ich liebe Sie wie ein Narr!“ „Und ich Sie wie eine Schweſter,“ ſagt Roſa⸗ Maria, Friedrich die Hand reichend, welcher antwor⸗ tet:„In Gottes Namen! Ich ſehe, daß wir aus der ſchweſterlichen Liebe nicht herauskommen; ich hätte freilich etwas Beſſeres gewünſcht. Wenn ich mich nun aber einmal mit Ihrer Freundſchaft begnügen ſoll, ſo muß es mir auch ſo recht ſein alle Wetter! da ruft mir meine Tante ſchon wieder. Wenn ich doch Nichts als Ihr Bruder bin, ſo ſollte man mich doch in's Teufels Namen mit Ihnen ſchwatzen laſſen.“ Angelika wollte ihren Neffen von Noſa⸗Maria entfernen, weil eben Herr Roquet, geputzt, pärfümirt, aufs Eleganteſte aufgeſtutzt, angelangt iſt. Nach ein Paar Worten an Madame St. Godibert und ihren Gatten ſetzt er ſich ſofort neben Roſa⸗Maria. Zuerſt ſetzt er ſeine Brille auf der Raſe zurecht, dann ſpricht er zu dem jungen Mädchen:„Mein Fräulein, ich habe Ihnen eine ſehr intereſſante Neuigkeit mitzu⸗ theilen.“ 1½ „Mir, mein Herr?“ „Ja, mein Fräulein, ich ſchmeichle mir, daß Sie die Freude über dieſelbe mit mir theilen werden!“ „Wenn es Etwas iſt, das Ihnen Vergnügen macht, mein Herr, ſo nehme auch ich Antheil daran.“ „Ach, wie gut Sie ſind o, wie unausſtehlich! 32 ich habe eine neue Brille; ſie hält nicht, gliſcht immer reizende Roſa⸗Maria, was ich Ihnen zu ſagen im Begriffe bin, haben Sie vielleicht bereits geahnt, Sie haben in meinen Augen geleſen. geh' zum Kuckuk! da liegſt du guf dem Boden...“ Das junge Mädchen hebt die Brille auf, bietet ſie Herrn Roquet und ſagt:„Ich habe gar Nichts geleſen, mein Herr, und ahne U6 „Ach, ich glaubte. ich habe nämlich ſeit jenem Tage, wo ich Ihnen im Walde von Fontainebleau begegnet bin, Sie keinen Augenblick vergeſſen; Sie hatten auf mich einen Eindruck gemacht. und wäre mein Beinkleid nicht zerriſſen geweſen.. gewiß, dann wären wir weiter gekommen, aber wenn man im Gehen gehindert iſt, ſo kann man einem hübſchen Frauenzimmer ſchwerlich nachlaufen. 4 „Mein Herr, in welcher Beziehung ſteht das Alles zu der Neuigkeit, die Sie mir ſagen wollten?“ „Verzeihung! ich machte einen Umweg; ja, ſchöne Roſa⸗Maria, meine Liebe bildete einen Ellnbogen, um ſich nicht glzu ſchnurſtracks und barſch zu erklären.“ „Ihre Liebe, mein Herr?“ „Iſt anſtändig und rechtlich, mein Fräulein. mit einem Wort: ich ſtrebe nach dem Titel Ihres Gatten. Dieſen Morgen habe ich meine Abſichten Ihrem Herrn Oheim und Ihrer Frau Tante erklärt, welche vieſelben gebilligt und mich ermächtigt haben, ſie Ihnen mitzutheilen⸗ beifügend, daß Sie ſogleich Ihrem Herrn Vater ſchreiben ſollten und ich unſere Heirath als eine abgemachte Sache betrachten könne.“ —— —— 33 Roſa⸗Maria iſt nicht im Stande zu antwortenz ſie traut ihren Ohren nicht, ſie glaubt zu träumen und iſt ſo ſehr von dem Gehörten angegriffen, daß ihr das Wort im Munde ſiockt. Herr Roquet, der ihre Verwirrung bemerkt, legt ſie zu ſeinen Gunſten aus und ſagk, ihre Hand faſſend:„Wie ſehr rührt mich Ihre Bewegung, v, liebenswürdiges Mädchen, wie ſehr erhöht ſie mein Glück! Welche ſüße Vereinigung werden wir bilden! wie fügt ſich Alles ſo ſchön zuſammen! wie werde ich. rutſch, ſchon wieder auf dem Boden. dieſes Exemplar behalte ich nicht.“ Aber während Herr Roquet ſeine Brille aufhebt, antwortet Roſa⸗Maria, die ſich von ihrem erſten Staunen ein wenig gefaßt hat, mit ſehr artigem, aber entſchloſſenen Tone:„Mein Herr, Ihr freund⸗ liches Anerbieten kann mich nur ehren, die Güte, womit Sie auf ein armes Mädchen Ihre Blicke wen⸗ den, nur rühren, aber ich danke Ihnen ich kann nicht einwilligen ich denke an keine Heirath.“ „Sie können nicht einwilligen?“ ruft Roquet aus; „aber, ſchöne Roſa, Sie ſind zu beſcheiden. da es eine abgemachte, mit Ihren Verwandten feſtgeſetzte Sache iſt, ſo werde ich Ihr Gatte ſein, um ſo mehr... ah,jetzt hält ſie, glaube ich. um ſo mehr, als mein Ver⸗ mögen zureicht und ich Sie ohne Mitgift nehme ich habe meine Häckchen hinter den Ohren. ich nehme Sie!“ „Mein Herr, ich wiederhole Ihnen, daß ich mich bedanke, mich ſehr geehrt fühle, aber nicht Ihre Frau ſein werde.“ 34 Herr Roquet beginnt zu bemerken, daß das junge Mädchen nicht ſo entzückt iſt, als er anfänglich ge⸗ glaubt hatte. Nach weiteren vergeblichen Verſuchen, Roſa's Widerſtand zu beſiegen, ſieht der Brautwerber auf, geht zu Angelika und ſagt ganz beſtürzt zu ihr: „Ihre Nichte ſchlägt mich aus... ſie will mich nicht heirathen!“ „Sie ſchlägt Sie aus? Ha, das iſt ein wenig ſtark!“ grollt Madame St. Godibert, indem ſie dem jungen Mädchen einen zürnenden Blick zuwirft. „Auch ich finde es ſehr außerordentlich; aber es iſt ſo.“ „Nein doch: es iſt unmöglich! Uebrigens haben wir erklärt, daß dieſe Heirath uns zuſage, und ich wiederhole, daß ſie ſtattfinden muß. Braucht man denn dieſe jungen Mädchen um Rath zu fragen?“ „Was gibt es denn?“ fragt St. Govibert, zu ſeiner Frau tretend. „Nichts, als daß der Backfiſch Roſa⸗Maria Herrn Roquct zu erklären wagie, ſie bedanke ſich und wolle ihn nicht.“ Herr St. Godibert ſchneuzt ſich entrüſtet und ſchreit: „So, das hat ſie geſagt, während ſie vor Freude an die Decke ſpringen und vor Jubel toll werden ſollte? Doch laſſen Sie ſich darüber keine grauen Haare wachſen, mein lieber Roquet. Sie wiſſen, wir ſind die Herren: gleich morgen ſchreibe ich an ihren Vater. ich verſpreche Ihnen ſeine Einwilligung.. dieſe Hei⸗ rath wird ſich machen, ſie iſt unwiderruflich beſtimmt und was die Kleine betrifft, ſo ſchwatzt ſie heute 35 Abend ſoz aber ich wette, nach einigem Nachdenken wird ſie ganz gehorſam ſein und ſogar einſehen, daß es ſich um ihr Glück handelt.“ „Sie gießen mir Balſam, mein lieber Herr von St. Godibert; ich verlaſſe mich gänzlich auf Sie.“ „Seien Sie ruhig, Sie werden unſere Nichte hei⸗ rathen.“ Der Reſt des Abends verſtreicht, ohne daß Roquet es wieder wagt, Roſa⸗Maria mit ſeiner Liebe zu behelligen; er begnügt ſich, in ihrer Nähe zu ſitzen und ſie ohne Unterbrechung anzuſehen oder ſeine Brille zurecht zu machen. Tiefe Traurigkeit, völlige Beftürzung hat das junge Mädchen ergriffen, ſeitdem ſie erfahren, was man mit ihr vor hat. Gern möchte ſie es Friedrich erzählen, aber ihre Tante bewacht und verhindert ſie daran. Endlich bricht Alles auf. Friedrich ſcheint betroffen über den traurigen Blick, den ihm ſeine Baſe zu⸗ wirft; er möchte ſie gerne um die Urſache fragen, aber man beobachtet ſie auf's Strengſte. Er muß, ohne Etwas zu erfahren, weggehen. Was Roquet betrifft, ſo gibt ihm, wie er Roſa⸗ Maria gute Nacht ſagen will, Angelika den Rath: „Küſſen Sie ihr die Hand, mein lieber Roquet, Sie haben das Recht dazu: man darf die Hand ſeiner Zukünftigen küſſen.“ „Wie, Madame?“ ſtammelt Roſa beftürzt. „Wohlan, Herr Roquet, küſſen Sie doch, küſſen Sie geſchwind!“ 36 Roquet entſchließt ſich dazu, indem er alle Vor⸗ ſichtsmaßregeln ergreift, daß ſeine Brille nicht herab⸗ falle, und entfernt ſich mit triumphirender Miene. Nachdem die ganze Geſellſchaft weggegangen iſt⸗ ſagt Herr St. Godibert mit nicht mehr liebenswür⸗ digem Geſicht zu ſeiner Nichte:„Mademviſelle, Herr Roquet hat uns um Ihre Hand gebeten; ich werde die Einwilligung Ihres Vaters einholen, der gewiß damit zufrieden iſt. Betrachten Sie alſo von heute an dieſen Herrn als Ihren künftigen Gatten.“ „Aber, mein Oheim, ich liebe Herrn Roquet ganz und gar nicht.“ „Schweigen Sie,“ ſagt Angelika;„Sie ſind eine kleine Thörin, aber Sie werden Herrn Roquet hei⸗ rathen.“ Damit geht das Paar in ſeine Gemächer zurück, ohne Roſa⸗Maria weiter anhören zu wollen. Während dieſe in ihre Stube hinaufgeht, weint und ſeufzt ſie:„O, mein Gott! Herrn Roquet hei⸗ rathen, das wäre entſetzlich.. aber glücklicher Weiſe wird mich mein alter Freund beſchützen und mir aus der Noth helfen. Er wird es ihm, er wird es Allen, die ich liebe, ſagen, und man wird mir zu Hülfe kommen. O, ich will nicht Madame Roguet werden.“ 37 Zweites Kapitel. Der Finger Gottes. War es für Roſa⸗Maria, nachdem ſie Leopolds Billet empfangen, worin er ſie ſeiner fortwährenden Liebe verſicherte, nicht höchſt grauſam, einen Ro⸗ quet heirathen zu ſollen? Wegen dieſes ſo ſchnellen Uebergangs von der Freude zum Schmerz fonnte ſie die ganze Nacht kein Auge ſchließen. Sie ſteht ſehr frühe auf, um mit ihrem alten Freunde ſprechen zu könnenz ſie öffnet die Thüre halb, ſie horcht, ſie ſpe⸗ kulirt oben an der Treppe, aber der Vater Savenay erſcheint nicht. Dagegen öffnet Mamſell Fifine ihre Thüre faſt zu gleicher Zeit mit dem jungen Mädchen, deſſen Handlungen ſie alle zu erſpioniren ſcheint, und Roſa⸗Maria muß, ohne ihren alten Freund geſehen zu haben, in ihr Zimmer znrückkehren. Der Tag verfließt ſehr traurig für die arme Kleine, welche nur Tante und Oheim ſieht und von ihnen jeden Augenblick das Geſchwätz hören muß: „Wie glücklich ſind Sie! Ein mittelloſes Mädchen findet eine Parthie wie Herrn Roquet; das iſt außer⸗ ordentlich, man kann es kaum glauben!“ Schüchtern und traurig ſtottert Roſa:„Aber die⸗ ſer Herr gefällt mir nicht.. ich gehe lieber zu meinem Vater zurück.“ Madame St. Godibert macht ſchreckliche Augen und geht auf das junge Mädchen los, als wollte ſie es ſchlagen, indem ſie ſchreit:„Schweigen Sie, Gans! Sie werden Herrn Roquet heirathen. Wir dulden es nicht, daß unſere Nichte die Gelegenheit, reich zu werden, verſtreichen läßt, um ſpäter uns zur Laſt zu fallen. man kennt das.“ „Zudem, Mademviſelle,“ fügt Herr St. Godibert bei,„wird Ihr Vater über dieſe Heirath entzückt ſein: ich ſchreibe ihm auf der Stelle und gewiß wird er Ihnen Gehorſam gegen uns empfehlen.“ „Mein Vater liebt mich zu ſehr, als daß er mich zu einer Heirath wider meinen Willen zwänge.“ „Das wollen wir ſehen. Hieronymus müßte nur blödſinnig geworden ſein, wenn er Ihnen nicht be⸗ föhle, Herrn Roquet die Hand zu geben.“ Roſa⸗Maria wagt keinen Widerſpruch mehr; ſie weint vloß, was ihre Verwandten wenig zu rühren ſcheint. Am andern Morgen ſteht das junge Mädchen ſchon in der Dämmerung auf: ſie iſt entſchloſſen, dieß Mal hinab zu gehen, um Vater Savenay ihren Kummer zu erzählen; denn ſie hofft, er werde die Sache Leopold mittheilen können und dieſer ein Mittel finden, ſie dem drohenden Unglück zu ent⸗ reißen. Aber gegen ſieben Uhr klopft es zwei Mal an ihre Thüre und ſie erkennt zugleich die Stimme des Greiſen, der ſie fragt, ob ſie aufgeſtanden iſt; ſie öffnet raſch, ſtößt einen Freudenruf aus und wirft ſich in die Arme ihres Beſchützers. 39 „Was haben Sie denn, mein Kind? Sie ſcheinen ſehr gerührt, ſehr bewegt?“ fragt der Vater Save⸗ nay, in Roſa⸗Maria's Zimmer tretend. Dieſe beeilt ſich ihre Thüre wieder zu verſchließen und kehrt zurück, um die Hände des alten Mannes zu drücken, indem ſie ausruft:„Ach, ich bin ſehr unglücklich, und alle meine Hoffnung beruht auf Ihnen, lieber Freund!“ „Unglücklich? Du lieber Gott! ich glaubte ja gerade im Gegentheil, Ihre Verwandten ließen Ihnen endlich Gerechtigkeit wiederfahren und behandelten Sie jetzt mit Güte?“ „Ach, dieſe Güte, an die ich auch einen Augen⸗ blick glaubte! O, wenn Sie die Urſache davon kenn⸗ ten, meih Freund! Sie müſſen mich vertheidigen, Sie müſſen mich beſchützen!“ „So erklären Sie ſich doch, mein Kind.“ „Je nun; mein Oheim und meine Tante wollen mich verheirathen... mich Herrn Roquet heirathen laſſen. einen ſehr häßlichen Herrn, der wenigſtens mein Vater ſein könnte; ſie behaupten: er ſei reich, aber ich will Nichts von ihm, vo nein, ich will ihn nicht heirathen, denn ich verabſcheue ihn.“ „Sollte nicht der Grund auch darin liegen, daß Sie einen Andern lieben, mein Kind?“ „Ach, mein lieber Freund, ich weiß nicht, ob das der Fall iſt, aber das iſt gewiß, daß ich ſehr unglück⸗ lich wäre, wenn man mich zwänge, Herrn Roquet zu heirathen. O, ich bitte Sie, verlaſſen Sie mich nicht ſie ſagen, ſie wollen meinem Vater ſchrei⸗ 40 ben; aber ſie werden nicht ſchreiben, daß ich weine, daß ich jammere, daß mich dieſe Heirath zur Ver⸗ zweiflung brächte.“ Und Roſa⸗Maria wirft ſich ſchluchzend an den Hals des Greiſen; dieſer ſucht ſie zu beruhigen und zu tröſten.„So thun Sie doch nicht ſo untröſtlich! Ohne den Willen Ihres Vaters kann man Sie nicht vermählen.“ „Aber ſie werden ihm ſchreiben, daß es eine treff⸗ liche Parthie für mich ſei, daß ich reich, glücklich werde. Mein Gott, wenn er einwilligte!“ „Beruhigen Sie ſich; im Nothfall werden andere Perſonen Ihren Vater beſuchen und ihm berichten, wie es ſich verhält.“ „Ach ja, lieber Freund!“ „Ich gehe auf das Bureau hinab, denn ich will mich nicht verſpäten. Beruhigen Sie ſich, mein Kind, und rechnen Sie auf mich.“ „O, ich rechne ſehr auf Sie und wenn Sie zufällig Herrn Leopold begegnen ſollten, ſo ſagen Sie ihm Alles; nicht wahr?“ „Ja, ja, ich werde ihm begegnen, daran iſt nicht zu zweifeln, denn ich ſehe ihn alle Morgen, ehe ich in's Haus hineingehe: er wartet immer auf der Straße. So eben hat er mir guten Morgen geſagt und ſich nach Ihnen erkundigt.“ „Wie, alle Tage wartet er? O, wie artig von ihm!“ Und Roſa⸗Maria erröthet vor Freude; ſchon hat ſie allen ihren Kummer vergeſſen, da ſie erfährt, daß der junge Maler ohne Unterlaß ihrer gedenkt. Bald aber ſchlägt ſie die Augen nieder und fährt fort: 41 „O, lieber Freund, Herr Leopold unterhält ſich gewiß recht gerne mit Ihnen.“ „Ja, das will ich glauben,“ antwortet der Greis lächelnd;„o, ich weiß wohl, daß er ſich nur wegen meiner Unterhaltung alle Tage hier einſtellt. Jetzt aber, da Sie ruhiger ſind, gehe ich in mein Bu⸗ reau hinab. Auf, Muth gefaßt und die Thränen getrocknet!“ Vater Savenay entfernt ſich. Roſa⸗Maria glaubt Mamſell Fifine's Thüre ſachte aufgehen und Jemand vorſichtig dem Greiſe nachgehen zu hören; aber ſie bekümmert ſich wenig um dieſen Umſtand, denn ſie iſt ſo ſelig in dem Bewußtſein, daß Leopold ſie nicht vergißt und mag an nichts Anderes denken. Roſa⸗Maria geht um die gewohnte Stunde in die Gemächer ihrer Tante hinab; ſie findet die ſtark⸗ leibige Angelika in Geſellſchaft ihres Mannes. Das Geſpräch ſcheint ſehr belebt und Mamſell Fifine, welche bei ihnen geweſen, kommt eben heraus und murmelt mit triumphirender Miene:„Ha, dieſe Heuchlerin! ich wußte wohl, daß ſie nicht beſſer iſt als Andere.“ „Vorgetreten, Mademviſelle!“ ſagt Madame St. Godibert, grimmige Blicke auf Roſa⸗Maria werfend. „Ei, ei! wir wiſſen jetzt, warum Sie die Hand die⸗ ſes liebenswürdigen Herrn Roquet ausſchlagen! Das iſt ein ſauberes Betragen, Mademviſelle. in Ihrem Alter Liebesintriguen zu haben... pfui! Sie ſollten darüber erröthen.“ Die arme Kleine erröthet in der That, aber aus Schmerz, ſolche Vorwürfe hören zu müſſen; ſie will antworten, aber ihr Oheim ruft aus:„Schweigen Sie, das Läugnen hilft Nichts: wir wiſſen Alles... Fifine iſt zu gewandt, als daß ihr Etwas entgehen könnte.“ „Ja,“ fährt Madame St. Godibert fort,„vorher ſchon hatte man uns geſagt, daß Sie einem Maler als Modell dienten; Fifine hat Herrn Derneſiy leiſe ſagen hören: Sie ſeien ſchöner als Ihr Porträt, das er bei dem Maler geſehen habe, aber wir wollten das nicht glauben; ſo viel Verkehrtheit in einem ſie⸗ benzehnjährigen Einband konnten wir nicht voraus⸗ ſetzen.“ „Ach, Madame.. „Schweigen Sie! Jetzt wiſſen wir, daß ein jun⸗ ger Mann ohne Unterlaß vor dem Hauſe herum⸗ ſtreicht, um Sie zu Geſicht zu bekommen... und der alte Savenay, ein ſchon ſchneeweißer Greis, biete die Hand zu ſolchen Intriguen!... Es iſt unbegreif⸗ „Mich hat das weniger in Erſtaunen? geſetzt,“ fällt Herr St. Godibert ein,„da ich ihn mehrmals auf dem Bureau ſingen hörte:„Zon, zon! Baß und Flöte! Zon, zon, Violon!“ Was kann man von einem Manne erwarten, der in einem ſolchen Alter noch „Zon, zon! ſingt? Aber, Gott ſei Dank! er wird nicht mehr in meinem Hauſe ſingen.“ „Wie, mein Herr, Sie hätten dieſen ehrenwerthen Mann entlaſſen?“ ſagte Roſa⸗Maria zu ihrem Oheim, indem ſie flehend die Hände faltete. 43 „Ja, Mademviſelle, dieſen ehrenwerthen Mann, der Morgens in Ihr Zimmer hinaufſtieg, um Ihnen Liebesbriefe von Ihrem Schatz zu bringen.. ſo Etwas gehörte vor den Aſſiſenhof. Ich habe ihn fortgejagt, Mademviſelle, er wird mein Haus nicht wieder be⸗ treten und Ihnen zur Rebellion gegen Ihre Ver⸗ wandten nicht mehr den Kopf halten.“ „Ach, mein Herr, das iſt ja ſchrecklich! der Vater Savenay, der ſo gut gegen mich war. es fiel ihm nicht ein, etwas Unrechtes zu thun, da er mich zu tröſten kam.“ „Sie zu tröſten, weil man Ihnen eine vorzüg⸗ liche Heirath anträgt... Mademoiſelle, Sie machen mir übelz übrigens ſoll Ihr Vater Alles erfahren, er wird unſer Betragen billigen.“ „Ich bitte flehentlich, laſſen Sie mich zu ihm zu⸗ rückkehren.“ „Still geſchwiegen! Wir wollen zwar, aus Achtung gegen uns ſelbſt, Ihre Fehltritte vor dieſem empfind⸗ ſamen Herrn Roquet verbergen, aber merken Sie wohl: fortan betrachten Sie ihn als Ihren zukünfti⸗ gen Gatten. Indeß werden wir bis nach vollzogener Heirath Sie auf eine Art bewachen, daß Sie keine Streiche mehr machen können.“ Roſa⸗Maria will antworten; man hört ſie nicht mehr an und bedeutet ihr, in das Stübchen zu ge⸗ hen, wo ſie arbeitet und wo man ſie allein läßt. Das arme Kind weint: bitter bereut ſie, ihren alten Freund nm ſeine Stelle gebracht zu habenz; ſie fleht den. Himmel um Beiſtund an und würde ſich der Ver⸗ 2 44 zweiflung ganz übergeben, wenn ihr nicht der Ge⸗ danke, daß Leopold ſich ihrer annehmen werde, Hoff⸗ nung und Müth einflößte. Zur Stunde des Mittageſſens beruft man die junge Nichte und ſie hat das Vergnügen, neben Ro⸗ quet zu ſitzen, der mit einem Auge beſtändig auf ihr und mit dem andern auf ſeinem Teller herumirrt und Roſa⸗Maria eine Menge Complimente zuwen⸗ det, worauf ſie Nichts antwortet. Aber Herr Roquet ſcheint das für Beſcheidenheit zu nehmen und iſt dem⸗ nach ſichtbar befriedigt. Der Abend verſtreicht, während deſſen Roſa ſtets Herrn Roquet anhören muß, obgleich ſie ihm nur vurch ſchwere Seufzer antwortet. Der Brillenfant aber flüſtert nichts deſto weniger der Madame St. Godibert zu:„Ich glaube, das Gefühl ſtellt ſich ein ſie läßt ſchon Seufzerlein neben mir fahren; nicht wahr, das iſt ein gutes Zeichen? „Seien Sie ruhig,“ antwortet Angelika,„ſie wird noch viel andere fahren laſſen, wenn Sie einmal Ihr Mann ſind.“ Mit größter Ungeduld erwartete Roſa⸗Maria den Augenblick, wo ſie in ihr Zimmer hinaufgehen durfte. Dieſer kommt endlich; aber kaum iſt ſie hineingegan⸗ gen, als ſie ihr Zimmer von Außen doppelt verſchlie⸗ ßen hört. Was ſoll das bedeuten?“ ruft Roſa. „Das bedeutet,“ erwiedert Mamſell Fifine von Außen,„daß Ihre Frau Tante es befohlen hat, um Ihnen die Luſt zu Morgenſpaziergängen zu benehmen.“ 45 „Gefangen!“ ſeufzt Roſa, auf einen Stuhl ſin⸗ kend,„gefangen, und ſo wollen ſie mein Glück ma⸗ chen!.. O, mein guter Vater, das wirſt Du nicht billigen und nie wirſt Du mit ſolchen Mitteln Deine Tochter verheirathen wollen.“ Nach Verlauf einer Stunde hört Roſa⸗Maria ihren Namen leiſe durch die Thüre rufen; ſie erkennt Franzens Stimme und fragt:„Was wollen Sie von mir, Franz?“ „Frölein, ich weiß, daß man Sie hier eingeſchloſ⸗ ſen hat; ich finde das ſchändlich und wenn Sie wollen, ſo nehme ich eine Axt und zerſchlage das Schloß, damit Sie frei werden.“ „Danke, Franz, danke; aber thun Sie es nicht. An dem Eingeſchloſſenſein liegt mir Nichts ich dachte nicht an's Hinausgehen; aber meinetwillen ſollen Sie ſich nicht ſchlecht mit Ihrer Herrſchaft ſtellen: man würde auch Sie fortſchicken.“ „O, darum ſcheere ich mich keinen Pfifferling, Frölein, und wenn Sie wollten...“ „Nein, Franz, ich wiederhole, daß es mir einer⸗ lei iſt.“ „Nun, Frölein, wie Sie wollen, aber ich ſtehe immer zu Ihren Dienſten.“ Franz entfernt ſich und Roſa ſucht in dem Schlafe Vergeſſenheit ihres Kummers. Mehrere Tage ſind auf die nämliche Weiſe ver⸗ ſtrichen. Roſa⸗Maria, welche von ihrer Tante zu übertriebener Arbeit angeſpannt wird, muß oft Lein⸗ Paul de Kock. LXRIX. 4 46 wand in das Zimmer ihres Vetters Julian tragen; aber Mamſelle Fifine iſt ihr immer auf der Ferſe: jede Flucht aus dem Hauſe wäre ihr unmöglich. Julian ſpeist nicht mehr bei ſeinen Eltern, ſeit⸗ dem er die Gegenwart ſeiner Baſe zu fürchten ſcheint. Friedrich wird von dem Thürſteher ſeit jenem Abend, wo Herr Roquet ſeine Erklärung machte, unter irgend einem Vorwand abgewieſen und auch der Troſt des einzigen Verwandten, auf den ſie Ver⸗ trauen hat, iſt dem jungen Mädchen abgeſchnitten. Eines Tages jedoch glaubt Roſa⸗Maria, als ſie zu ihrer Tante hinabkam, in dem Hauſe lebhafte Vorkehrungen zu bemerken, welche auf eine große Geſellſchaft ſchließen ließen. In der That ſagte ihre Tante bald und zwar in einem minder ſchnippiſchen Tone als gewöhnlich zu ihr:„Sie werden heute große Toilette machen, Mademoiſelle, Sie werden Ihre ſchönſten Kleider anlegen: wir haben viele Gäſte. es iſt ein feierlicher Tag.“ „Wollen Sie mir nicht erlauben, Madame, auf meinem Zimmer zu bleiben?“ „Nein, Mademviſelle, Sie müſſen hier ſein, es iſt unumgänglich nöthig, und ich hoffe, daß heute Ihr Betragen unſerer vielen Güte für Sie würdig ſein wird.“ Roſa⸗Maria möchte gerne wiſſen, zu welcher Feierlichkeit ihre Gegenwart unumgänglich nöthig ſei, aber ihre Tante iſt ſchon nicht mehr da; Mamſell Fifine zu befragen, widerſtrebt ihrem Selbſtgefühl. Sie entſchließt ſich zu gehorchen, geht traurig hinauf, „ 2 47 ſich anzukleiden, und kommt zitternd wieder in den Salon herab, denn eine geheime Ahnung ſagt ihr, daß abermals ihre Verheirathung mit Herrn Roquet in Frage ſtehe. Sobald es fünf Uhr ſchlägt, erſcheint Herr Roquet im höchſten Staat, ganz ſchwarz, mit grüner Brille, die ihn ſehr zu geniren ſcheint. Zuerſt verneigt er ſich hochachtungsvoll vor ſeiner zukünftigen Tante, dann geht er auf Roſa⸗Maria zu und erlaubt ſich ihre Hand zu faſſen und zu küſſen, bevor das junge Mädchen ſie zurückziehen konnte. Bald langen die Ehepaare Doguin und Marmo⸗ din, der Major Krauteberg, Herr und Fräulein Suuff⸗ lat, ſodann der Vetter Brouillard an, der einen neuen Rock, aber alte, allzu kurze Hoſen trägt und Jedermann neugierig anſieht, als wolle er fragen, was bei dem feierlichſt angekündigten Diner vor ſich gehen ſoll. Bald tritt auch Herr Candrillon ein: der Einzige, der nicht in Schwarz gekleidet iſt, was die Nerven Angelika's reizt, welche zu ihrem Manne ſagt:„Wa⸗ rum denn eine Einladung an dieſen Candrillon, der Ihretwegen nicht einmal Toilette macht?“ „Liebe Freundin,“ antwortet St. Godibert,„ich habe Ihnen bereits erklärt, daß man das Recht hat, ſchmutzig zu ſein, wenn man Millionär iſt. Zudem habe ich eben ein ſchönes Geſchäft mit Herrn Can⸗ drillon gemacht, der ein Kauffartheiſchiff auf die Inſel Bourbon zu ſchicken im Begriffe iſt; mir lag viel an ſeiner Anweſenheit bei dieſem Diner.“ 48 „Aber wenn er erfährt, daß Sie ſeinen alten Schützling fortgeſchickt haben, glauben Sie denn, das werde ihn freuen?“ „Ich ſage ihm, daß Vater Savenay die Fehltritte unſerer Nichte unterftützte und er wird mein Betra⸗ gen billigen.“ Inzwiſchen hat Herr Candrillon Roſa⸗Maria ſanft auf die Wange geklopft; ſie lächelt ihm traurig zu und möchte ihm gerne die Entlaſſung ſeines alten Freundes mittheilen, aber ſie wagt es nicht; zudem hält ſich ihre Tante ſtets an ihrer Seite, damit ſie ja mit Niemand ſprechen könne. Auch dem eben eingetretenen Friedrich, deſſen Augen ſie um den Grund ihrer traurigen Miene be⸗ fragen, kann Roſa⸗Maria Nichts anvertrauen: ihre Tante ſteht neben ihr. Herr Brouillard ſpaziert im Saale auf und ab, geht von Einem zum Andern und fragt halblaut: „Was bereitet ſich denn hier vor? Man hat ein ge⸗ heimnißvolles Ausſehen... ein ernſtes Geſicht... will etwa St. Godibert ſeine Bilanz vorlegen?... Wenn nur wenigſtens ſein Eſſen gut iſt... o ja, wenn ein⸗ mal ein Roturier einen Zug thut⸗.. ei, ei! wir wollen ſehen, ob Franz heute die Maderagläſer voll macht.“ „Wir erwarten nur noch meinen Bruder⸗ den Schriftſteller, und ſeine Frau,“ ſagte St. Godibert, „Herrn Derneſty, der mit ihnen kommen muß, und meinen Sohn Julian. Aber da ſie ſich ſo verſpäten⸗ ſehe ich nicht ein, warum ich nicht der Geſellſchaft —— 49 auf der Stelle ankündigen ſollte, was ich ankündigen will.. nicht wahr, Angelika?“ „Allerdings, Sie können das, lieber Mann,“ ant⸗ wortet die dicke Dame. Herr Brouillard riegelt Ohren, Augen und Naſe auf, um beſſer zu hören; Herr Suufflat ſteigt auf einen Fußſchemel; Jedermann horcht; aber im Mo⸗ ment, wo St. Godibert reden will, geht die Thüre auf und ſein Bruder Mondigo tritt ein. Der Schriftſteller ſcheint nicht wie gewöhnlich in ſeinem Aiſe zu ſein; ſein Geſicht iſt entſtellt, ſeine Haare verwirrt durcheinanderſtrebend, was ſeinem Kopf das Ausſehen der Meduſa gibt. Da er jedoch die zahlreich bei ſeinem Bruder verſammelte Geſellſchaft bemerkt, ſo ſucht er ſich zu faſſen, ſogar zu lächeln, aber er beeilt ſich, in einer Ecke Platz zu nehmen. „Mein Gott! was hat denn Herr Mondigo heute?“ flüſtert Fränzchen Friedrich zu. „Ich weiß es nicht,“ antwortet der große junge Mann,„aber in ſeinem Geſicht verkünden ſich aller⸗ lei Sachen.“ „Iſt's möglich, ſo ſchlecht gekämmt in eine Geſell⸗ ſchaft zu kommen?“ murrt Angelika, während ihr Mann ſeinem Bruder ſchon von ferne zuruft:„Nun? und Deine Frau und Derneſty?.. ſind ſie denn zu⸗ rückgeblieben?“ Der Schriftſteller macht eine ſeltſame Muskelver⸗ zuckung, indem er antwortet:„Meine Frau wird nicht kommen.. ſie iſt unwohl.. auf lange Zeit... 50 was Herrn Derneſiy betrifft, ſo brauche ich ſeine Be⸗ gleitung nicht.“ Auf dieſe Antwort erfolgt ein allgemeines Lächeln und Schütteln des Kopfes. Fränzchen und Friedrich wechſeln noch einen Blick. St. Godibert aber, der ſich in dieſem Augenblick ſehr wenig um die Ange⸗ legenheiten ſeines Bruders bekümmert, tritt mitten in den Salon und ſpricht:„Meine Damen und Her⸗ ren, ich habe die Ehre, Sie von der demnächſt er⸗ ſolgenden Heirath zwiſchen meiner Richte Roſa⸗Maria und Herrn Roquet in Kenntniß zu ſetzen und es iſt ihr Verlobungsmahl, das wir heute feiern wollen.“ Ein Murmeln der Ueberraſchung läuft durch die Geſellſchaft, aber während Herr Roquet grüßt und die Glückwünſche einiger Perſonen annimmt, iſt Roſa⸗ Maria, welche plötzlich äußerſt blaß geworden, im Begriff, in Ohnmacht zu fallen, als Fränzchen auf ſie zueeilt, ſie mit ihren Armen unterſtützt und aus⸗ ruft:„Aber dieſem armen Kinde iſt es unwohl... ſehen Sie doch, ſie verändert die Farbe; offenbar möchte ſie gerne reden und hat die Kraft nicht dazu.“ „Das hat Nichts zu bedeuten: es geſchieht vor Freude,“ ſagt Madame St. Godibert,„es iſt nicht gefährlich.“ „Nein, nein, meine Tante!“ entgegnet Friedrich⸗ ſeiner Baſe ein Riechfläſchchen vorhaltend,„nein, nicht vor Freude droht meine Baſe in Ohnmacht zu fallen: Kummer und Schmerz tödten ſie, denn dieſe angekündigte Verbindung würde ihr Unglück machen. Sie verabſcheut Herrn Roquet, ich weiß es, und nach — 51 meiner Anſicht haben Sie nicht das Recht, ihr eine Heirath aufzunöthigen.“ „Was ſoll das heißen, mein Herr Neffe? Ich finde es ſehr dreiſt, daß Sie ſich in Etwas miſchen, was Sie Nichts angeht!“ ſagte Herr St. Godibert zornſchnaubend. „Roſa⸗Maria iſt meine Couſine, Herr Oheim⸗ und ich habe ein Recht, ſie zu beſchützen.“ „Was iſt das? was gibt es hier?“ ſagte Herr Brouillard vortretend.„Ich bin ja auch ein Vetter der Kleinen und kann Anſpruch darauf machen, daß man mich um Rath fragt!“ „Wohlan, mein Vetter,“ ſagte Angelika, indem ſie Brouillard anmuthig zulächelte,„finden Sie nicht auch, daß dieſe Verbindung äußerſt vortheilhaft für unſere Nichte iſt?“ Bevor ſich Herr Brouillard zu einer Antwort ent⸗ ſchloſſen, erhebt ſich die wieder zu einiger Kraft ge⸗ kommene Roſa⸗Maria und ſpricht mit angegriffener Stimme:„Ich hänge nur von meinem Vater ab; ihm allein kann und ſoll ich gehorchen!“ „Mademoiſelle, wir haben ſeine Einwilligung!“ antwortet St. Godibert. Roſa⸗Maria fühlt ſich abermals ſchwach und iſt im Begriff, in einen Lehnſtuhl zurückzuſinken, als eine ihr wohlbekannte Stimme laut erwiedert:„Das iſt nicht wahr, Sie haben keine Antwort von ihm und zum Beweis komme ich ſelber, um eine ſolche zu geben!“ Es iſt Hieronymus Gogo, der raſch in den Saal = 5² geireten war, wo ſeine unerwartete Gegenwart all⸗ gemeines Staunen erregt. Die Fremden betrachten den Landwirth mit Ueber⸗ raſchung, die St. Godiberts mit ſtarrem Entſetzen; Roſa eilt, ſich in Hieronymus Arme zu werfen, in⸗ dem ſie ausruft:„Ach, mein Vater, welches Glück! Ich wußte wohl, daß Sie mich nicht verlaſſen wür⸗ den!“ Hieronymus, welcher durch den Saal gelaufen iſt, ohne ſich im Mindeſten um die anweſenden Per⸗ ſonen zu tümmern, weil er nur an ſeine Tochter denkt, drückt Roſa in ſeine Arme, bedeckt ſie mit Küſſen und ruft aus:„Ich Dich verlaſſen! meine Tochter... mein Kind... mein Alles! Welcher An⸗ dere denn als ich ſoll ſich mit Deinem Glücke be⸗ ſchäftigen?... Ach, weine nicht, meine arme Kleine, weine nicht! Dein Vater wird Dich nicht mehr ver⸗ laſſen, gewiß nicht, denn er ſieht wohl, daß alle dieſe Leute Dich nicht lieben können wie er.“ „Ei, das iſt ja der liebe Vetter Hieronymus Gogo!“ ſagte Herr Brouillard, das letzte Wort ſtark betonend. „Ja, Vetter, wie Sie ſagen: es iſt Hieronymus Gogo, der Bruder des Herrn Godſched... Godbert . Godibert, Montrigo... Mo. nigeaud oder wie Teufels es heißt, kurz, von meinen Brüdern, welche hier ſind und es für paſſend gehalten haben, den Namen ihres Vaters aufzugeben; wer weiß, ob ſie nicht gute Gründe gehabt haben? Ich habe den Namen Gogo rein und makellos erhalten; S —— — 53 dieſe Herren hätten vielleicht nicht das Gleiche ge⸗ than.“ Der Schriftſteller antwortet Nichts; er ſcheint ſehr bemüht, ſich an der Stirne zu kratzen. Der Banquier aber entgegnet außer ſich vor Zorn: „Mein Herr Bruder, ich habe gethan, was ich wollte; auch das Glück Ihrer Tochter wollte ich feſt gründen. Sie hatten den guten Gedanken, dieſelbe mir zu ſchicken; ſind Sie jedoch dumm genug⸗ die von mir eingeleitete Heirath nicht zu billigen, ſo ſteht es Ihnen frei, Mademoiſelle wieder mitzunehmen.“ „Nein, wahrlich,“ ſagte Hieronymus,„ich billige eine Verbindung nicht, welche meiner Tochter miß⸗ fällt.“ „Wohlan denn, ſo nehmen Sie uns dieſe Ueber⸗ laſt ab,“ ſchreit Angelika;„ohnehin iſt ihr Platz nicht hier. wir könnten ferner eine junge Perſon nicht mehr in unſerm Hauſe behalten, welche Liebesintriguen ſpielt.“ „Liebesintriguen!“ ruft Hieronymus, deſſen Augen drohend glühen, während Roſa⸗Maria zu ihm hin⸗ ſtürzt, als wollte ſie ihn bitten, ſie nicht für ſtrafbar zu halten. Aber ihr Vater läßt ſie nicht zum Wort kommen; er küßt ſie von Neuem, indem er ſagt:„Stille, mein Kind! O, Du haſt nicht nöthig, Dich zu rechtferti⸗ gen: ich weiß⸗ daß Du Dir Richts vorzuwerfen haſt aber diejenigen, welche ſich erdreiſten, Dich an⸗ zuklagen... diejenigen, welche ſich nicht ſchämen⸗ vor allen dieſen Herren und Damen Deine Ehre, vas Koſtbarſte einer Jungfrau, anzutaften. ha! diejenigen ſollen mir wegen ihres Benehmens errö⸗ then!“ „Wirklich, Herr Hieronymus, Sie erlauben ſich dieſen Ton?“ ſchreit Madame St. Godibert;„nun denn, ſo wiederhole ich Ihnen, ich, daß Ihre Tochter Liebesintriguen hat... daß ein junger Mann⸗ welcher unaufhörlich vor unſerm Hauſe umherſchweifte, einen Brief einem alten Burſchen, welchen Herr St. Godi⸗ vert aus Gnade auf ſein Bureau nahm, an ſie ein⸗ händigte, und daß dieſer Vater Savenay gar ge⸗ fällig die Liebesbriefchen dem Jüngferchen herauftrug; auch hat man deßwegen den alten Commis fort⸗ gejagt.“ „Jortgejagt.. meinen wackern Vater Savenay!“ ſagt Herr Candrillon, auf die dicke Angelika zuge⸗ hend;„nicht doch, das iſt unmöglich, Madame, und wenn mein alter Freund die Liebe Ihrer Nichte in Schutz nahm, ſo hat er wahrſcheinlich nichts Böſes darin geſehen!“ „Gut geſprochen von Ihnen, mein Herr!“ ſagte Hieronymus, die Hand des Capitaliſten erfaſſend und ſie kräftig ſchüttelnd;„ich aber habe noch beſſer gethan: ich habe diejenigen, welche die Unſchuld meiner Tochter glänzend beweiſen können, mitge⸗ bracht.“ „Das iſt ſehr ergötzlich!“ murmelt Herr Brouillard⸗ die Hände reibend. Im nämlichen Augenblicke eilt der Landwirth zur Thüre des Salons, indem er ein wenig barſch alle 55 Perſonen, die vor ihm ſtehen, zurückſtößt; er öffnet dieſelbe, macht ein Zeichen und der gute Vater Sa⸗ venay erſcheint mit einem jungen Mann, deſſen Hal⸗ tung zugleich elegant und beſcheiden iſt und den Roſa⸗ Maria ſogleich erkannt hat... denn es iſt Leopold Bercourt. „Tretet ein. tretet ohne Furcht ein, meine Freunde!“ rief Hieronymus;„o⸗ ich dachte mir wohl⸗ daß eure Gegenwart hier nützlich wäre, denn es ſind Leute hier, welche von meiner Tochter Uebles ſagen möchten und ich bin nicht aufgelegt, dieß zu dulden. Mein Herr Bruder, ich ſtelle Ihnen Herrn Lcopold Bercourt vor, der, nachdem er die Einwilligung ſei⸗ nes Vaters erhalten, in mein Dorf gekommen iſt, um mich um die Hand meiner Tochter zu bitten und dem ich ſie zugeſichert habe, weil ſie ihn liebt und weil er ein braver und würdiger junger Mann iſt, welcher nicht über den Vater derjenigen, welche er heirathen will⸗ erröthet und der ſich nicht geſcheut hat, ihn in ſeinem Dorf aufzuſuchen, obgleich er nur ein Landwirth iſt. Er iſt es auch, der über Roſa⸗ Maria wachte, weil er wußte, daß man, ohne mich zu fragen, über ſie verfügen wollte. Und alle Wet⸗ ter! er hatte wohl das Recht, über unſer Kleinod zu wachen. Und dieſer gute Greis, den ich ſo glücklich bin zu kennen, der neulich meine Tochter in Schutz genommen hat, da ſie bei ihrer Ankunft in Paris ihre Oheime nicht finden konnte, weil, als man uns ihre Adreſſe gab, man uns nicht geſagt hat, daß ſie den Namen geändert haben, was eine kleine Bosheit iſt, für welche ich Wn Vetier Brouillard Rechenſchaft verlangen werde. Hier ſucht ſich 6. Fuchsnaſe unſichtbar zu machen, indem ſie ſich bückt und thut, als ob ſie ihr Nastuch hätte fallen laſſen. „Nun, hatte dieſer gute Vater Savenay hier Un⸗ recht, die rechtſchaffene Liebe dieſer Kinder zu ſchützen? Hatte er Unrecht, dieſe arme Kleine zu tröſten, welche hier ihre Zeit mit Weinen verbrachte? Hatte er end⸗ lich Unrecht, von Dem mich zu benachrichtigen, was ohne meine Erlauhniß angezettelt wurde.. mir zu ſagen, daß mein armes Kind unglücklich ſei?“ Herr St. Godibert iſt verlegen, er weiß nicht mehr, was er ſagen ſoll. Er war nicht darauf ge⸗ faßt, den Vater Savenay und dieſen jungen Mann, der Roſa⸗Maria liebt, ankommen zu ſehen; aber Angelika iſt außer ſich vor Zornz ſie zerreißt die Spitzen an ihren Aermeln und ſchreit:„Was ſoll alles Das bedeuten? Sich erlauben, uns zwei Män⸗ ner zuzuführen. dieß iſt unſchicklich!... Es war alſo ein verabredeter Streich. ein vorbereiteter Scandal!“ Dann verläßt das dicke Weib, als ſei ihr ein plötzlicher Gedanke durch den Kopf geſchoſſen, ſchnell den Salon, indem ſie murmelt:„O, wir wollen ſe⸗ hen, das wird man mir nicht widerlegen!“ Inzwiſchen hat Friedrich ſeinen Onkel geküßt und ſeiner Nichte Glück gewünſcht. Er drückt Leopolds Hand und dieſer blickt mit Liebe und Stolz die⸗ jenige an, deren Herz zu beſitzen ihn hoch erhebt. 57 Herr Candrillon hat ſich dem Vater Savenay genä⸗ hert; er faßt ſeine Hand, lobt ihn laut über Das, was er gethan/ macht ſich verbindlich, ihm eine Stelle anzuſchaffen und klopft Hieronymus auf den Bauch, indem er ausruft:„Sie ſind ein Vater nach meinem Sinn! Ich war nie ſo geſchickt, Kinder zu machen, aber, Donnerwetter! wenn ich welche gehabt hätte, ſo hätte man ſie nicht mißhandeln dürfen!“ Während dieſer ganzen Zeit ſcheint Mondigo Allem, was vorgeht, völlig fremd und verläßt die Ecke nicht, wo er ſich hingeſetzt hat. Herr Roquet thut Nichts als ſeine Brille abnehmen und aufſetzen und blickt Jedermann an, als ob er erfahren wollte, ob er nach alle Dem noch hoffe dürfe, die Braut zu bekommen. Der Vetter Brouillard, welcher allein den raſchen Weggang Angelika's bemerkt hat, iſt ſehr ungeduldig, ſie zurückkommen zu ſehen, weil er irgend eine neue Scene erwartet. Inzwiſchen hat Hieronymus bereits den Arm ſei⸗ ner Tochter ergriffen und geht mit ihr auf die Thüre zu, indem er ſagt:„Komm⸗ mein Kind, kommen Sie, mein Schwiegerſohn und Sie, alter Freund! Jetzt, da meine Roſa⸗Maria nicht mehr wegen Lie⸗ besintriguen angeklagt werden kann, wollen wir der Geſellſchaft Lebewohl ſagen und uns zurückziehen.“ Aber in dem Augenblick, wo dieſe vier Perſonen den Salon verlaſſen, kehrt Madame St. Godibert dahin zurück, hält ſie an und ſchreit:„Sachte, ſachte, Herr Hieronymus! Bevor Sie Ihre Tochter, auf 58 welche Sie ſo ſtolz ſind, wegführen, machen Sie ihr doch wenigſtens ein Compliment über ihr Zartgefühl. Ich war eben auf ihrem Zimmer oben, um mich zu verſichern, ob Mademviſelle nicht vielleicht zufällig Gegenſtände mit ſich nehmen wollte, welche nicht ihr gehören; meine Sorgfalt hat ſich gerechtfertigt... ſehen Sie hier meinen Fund unter den Effekten Ihrer Tochter!... Ei, ei! ich vermag doch kaum zu glauben, daß ſie ſich in dem Grade täuſchen konnte, um zu wähnen, dieſes da gehöre ihr.“ Dabei zieht Angelika aus ihrer Taſche und zeigt der ganzen Geſellſchaft das kleine Piſtol, welches Roſa⸗Maria in dem Wald von Fontainebleau gefun⸗ den hat. „Ein Piſtol!“ murmelt Alles mit Erſtaunen. „Blitz und Schlag! Madame, Ihre Vorausſetzung iſt infam!“ ruft Hieronymus, indem er niederſchmet⸗ ternde Blicke auf ſeine Schwägerin wirft;„ſich zu glauben erfrechen, daß dieſes Piſtol von meiner Toch⸗ ter geſtohlen worden ſei!... Sie beſaß dieſe Waffe, ehe ſie nach Paris kam; fragen Sie dieſen guten Greis, wo ſie dieſelbe gefunden hat, er wird es Ihnen ſagen, ja er: nämlich im Walde von Fontainebleau, wo ſie Zeuge des an ihm begangenen Raubes war. Dieß Piſtol ſiel aus der Taſche eines der beiden Elen⸗ den, welche ihn plünderten.“ „Ja, ja, das iſt die Wahrheit!“ verſichert der Vater Savenay. „Ich weiß nicht, ob Mademviſelle ein Piſtol in einem Walde gefunden hat,“ höhnt Frau St. Godi⸗ 59 bert,„das iſt eine meines Erachtens ſehr romantiſche Geſchichte; aber jedenfalls iſt es nicht daſſelbe Piſtol, denn ich erkläre, daß dieſes hier meinem Sohne ge⸗ hört.. dieſe Waffe iſt koſtbar genug, um leicht er⸗ kennbar zu ſein, und zudem ſah ich ſie vorgeſtern noch, als ich in Julians Bibliothek ein Buch holte. Seitdem 4 jedoch iſt Mademviſelle mit Leinwand auf dem Zim⸗ mer meines Sohnes geweſen und auf dieſem Wege ſpazierte das Piſtol zu ihren Effekten.“ Während Frau St. Godibert über ihre Rede ent⸗ zückt ſchien, ſehen Hieronymus und Roſa⸗Maria ein⸗ ander an und ſofort wenden ſich Beider Augen auf den Vater Savenay. Dieſe drei Perſonen ſind offen⸗ bar lebhaft bewegt und erſchrecken vor der gegen⸗ ſeitigen Mittheilung ihrer Gedanken. Herr Candril⸗ lon beobachtet ſie, als ahnte er, was in ihnen vor⸗ ging. Leopold tritt zu Frau St. Godibert und ſagt: „Madame, ſind Sie, bevor Sie Ihre Nichte einer Handlung, deren ſie unfähig iſt, anklagen, auch zu⸗ erſt vei Ihrem Herrn Sohn geweſen, um zu ſehen, ob er die Waffe, welche er beſaß, wirklich nicht mehr habe?“ 7„Nein!“ antwortet Angelika;„doch wozu ſuchen, was hier iſt? Wäre mein Sohn da, er würde daſ⸗ ſelbe behaupten.“ „Sie müſſen ſich irren, Tante!“ ruft Friedrich aus;„und da Sie ſelbſt meiner Coufine Gerechtig⸗ keit wiederfahren laſſen ſollen, ſo eile ich, Julians Zimmer zu unterſuchen.“ „Ich werde Ihnen vabei behülflich ſein,“ ſagte Herr Candrillon,„denn mir ſchwanet es, daß alles Das auf die Spur führen müſſe von...“ Herr Candrillon hält inne, als fürchte er, zu viel geſagt zu haben; aber ſchnell zieht er Friedrich am Arm mit ſich fort⸗ indem er ſagt:„Kommen Sie, junger Mann, das Alles muß ſich aufklären.“ Indeß beharren Hieronymus, der alte Savenay und Roſa⸗Maria fortwährend in ihrem Stillſchweigen; aber ſie werfen auf Herrn und Frau St. Godibert Blicke, worin ſich eher Mitleiden als Zorn malen. Der Banquier weiß nicht recht, was er von dem durch ſeine Frau herbeigeführten Incidenzpunkt den⸗ ken ſoll; dieſe, immer noch entzückt über ihre Hand⸗ lung, weil ſie ihre Nichie vor der ganzen Geſellſchaft damit zu ernicdrigen hofft, geht von Einem zum Andern, in der Hoffnung, daß man ihr über ihren Scharfſinn Artigkeiten ſagen werde; aber ſtatt deſſen iſt offenvar Jedes verlegen und genirt, kurz, es herrſcht in dem Salon eine Art geheimnißvollen Schweigens⸗ das der Vorläufer eines großen Ereigniſſes zu ſein ſcheint. So verfließen einige ſterbenslange Minuten, wäh⸗ rend welchen Franz meldet, daß aufgetragen ſei. Vor der Rückkehr Friedrichs und Candrillons mochte aber Niemand den Salon verlaſſen. Endlich erſcheinen ſie wieder: der Erſtere mit blaſſem und veſtürzten Geſicht⸗ der Zweite hält mit einem ihm ungewöhnlichen Ausdruck von Strenge in ſeinen Zügen in einer ſeiner Hände ein Piftölchen⸗ 61 von dem er nur den Lauf ſehen läßt. So zeigt er ihn der Geſellſchaft mit den Worten:„Das Piſtol war an ſeinem Platz: hier iſt es; es iſt demjenigen, welches von dem Fräulein gefunden wurde, nicht gleich. Dieſes liebenswürdige Kind iſt demnach voll⸗ kommen gerechtfertigt.. zudem wird wohl Niemand hier glauben, daß es je hätte den Einfall haben können, ſich fremdes Gut zuzueignen.“ Frau St. Godivert, welche ſich nicht getäuſcht zu haben glaubt, will das von Candrillon gehaltene Piſtol unterſuchenz ſie tritt zu ihm und ſagt:„Aber vor Allem, mein Herr, muß ich ſelbſt ſehen... Herr Candrillon läßt ſie nicht ausſprechen; er faßt ſie am Arm, vrückt denſelben kräftig und raunt ihr in's Ohr:„Sie wollen alſo der ganzen Welt die Entehrung Ihres Sohnes offenbaren?“ Die dicke Frau iſt zerknirſcht; ſie wird blaß, grün und ſchlägt die Blicke zu Boden. Herr Candrillon fährt alsbald fort:„Herr St. Go⸗ dibert, Sie haben noch einige Familienangelegen⸗ heiten, einige Rechnungen mit Ihrem Herrn Bruder, ſeiner lieben Tochter und meinem alten Freunde ab⸗ zumachen, das aber würde die Geſellſchaft, welche ſich ohnehin zu Tiſch ſetzen will, nicht ergötzen: er⸗ ſuchen Sie Jemand, daß er Ihre Stelle an der Ta⸗ fel vertrete.“ „Ach ja, ja,“ ſtammelt der Banquier, welchen die plötzliche Riedergeſchlagenheit ſeiner Frau vor Entſetzen ſtarr gemacht hat.„Wohlan, mein Vetter Paul de Kock. LXXIS. 5 62 Brouillard, haben Sie die Güte, mich zu man wird uns entſchuldigen.“ Der Vetter Brouillard ſchwankt, denn er iſt ſehr neugierig. Als hungriger Feinſchmecker jedoch ent⸗ ſchließt er ſich zu thun, was St. Godibert verlangt, in der Hoffnung, dennoch bald zu entdecken, was man ihm verheimlichen will. Die Geſellſchaft begibt ſich in den Speiſeſaal unter Anführung des Herrn Brouillard, welcher aus⸗ ruft:„Kommen Sie doch, meine Damen und Herren, ich werde die Honneurs machen und zwar gut, das kann ich Sie verſichern; wenn nicht wacker gegeſſen wird, bin ich nicht Schuld.“ Die Familie Gogo iſt mit Vater Savenap, Leo⸗ pold und Herrn Candrillon im Salon zurückgeblie⸗ ben. Friedrich ſieht die St. Godiberts an und ſcheint zu erſchrecken vor dem, was geſagt werden ſoll; aber nachdem alle Gäſte hinaus gegangen und alle Thüren geſchloſſen ſind, tritt Candrillon auf den Banquier zu, zeigt ihm den bis jetzt verborgenen Griff des Piſtols, das er in der Hand hält, und ſagt: „Hier ſehen Sie die Waffe, welche auf Ihres Soh⸗ nes Zimmer war, und hier das Piſtol, welches Ihre Frau aus Roſa⸗Maria's Zimmer genommen hat.. es iſt daſſelbe, das Ihre Nichte in dem Walde nach der Flucht der Räuber aufgehoben hat, ſchauen Sie her.“ Der Banquier unterſucht beide Piſtolen und ſtot⸗ tert:„Sie ſind ſich ähnlich... ganz gleich was ſoll das bedeuten?“ ——— 63 „Das ſoll bedeüten, daß Ihr Sohn einer der Räuber iſt, welche meinen alten Freund Savenay angehalten und um ſechszigtauſend Franken beraubt haben!“ St. Godibert fällt auf einen Stuhl zurück und ſtammelt:„Nein, nein, es iſt nicht möglich!“ „O, es wäre zu gräßlich!“ ſtöhnt die dicke Frau. „Sie irren ſich, mein Herr.. wo ſind die Beweiſe die Beweiſe!“ „Es iſt wohl gedenkbar, daß wir uns täuſchen,“ ſagt der alte Savenay mit bebender Stimme;„nicht möglich, daß der Sohn des Herrn...“ „Stille geſchwiegen, Vater Savenay!“ fährt Herr Candrilloh mit einer Stentorſtimme fort.„Selbſt wenn Sie gewiß wüßten, daß wir einen der Ver⸗ precher gefunden haben, ſo wären Sie der Mann⸗ es zu läugnen, um Schande von einer Familie ab⸗ zuwenden; aber ich bedaure ſehr: zuerſt muß die Wahr⸗ heit ſich Platz machen und Ihr Geld wiedergefunden ſein, dann erſt kann man auf die Bekümmerniſſe an⸗ derer Leute Rückſicht nehmen. Ja, ich beſtehe auf meiner Behauptung, denn ſie gründet ſich nicht nur auf dieſe Waffe da.. eine Menge von Umſtänden iſt mir aufgefallen; ich habe Bemerkungen gemacht, welche mir jetzt als Lichtſtrahlen dienen. Ja, Vater Savenay, der junge Julian war einer Ihrer Räuber, und wollen Sie wiſſen, wer, ich wette darauf, der Andere iſt?“ „Ach, reden Sie, reden Sie, mein Herr!“ ſagte Friedrich. „Wohlan! Es iſt einer Ihrer theuren Freunde: Herr Derneſty.“ Beim Namen Derneſty fährt Mondigo, der bis jetzt in andere Gedanken verloren ſchien, von ſeinem Stuhle auf, ſtürzt mitten in den Salon und ruft aus:„Ha! ja, mein Herr! dieſer liederliche Bube iſt zu Allem fähig; er iſt ein Ehrloſer, ein Nieder⸗ trächtiger! Wiſſen Sie, was er an mir gethan hat? O, ich muß euch das ſagen, unter uns kann ich es geſtehen ſtellen Sie ſich vor, ich war heute ausgegangen, um einem Theaterdirektor fünf Akte vorzuleſen; vermeinend, lange aufgehalten zu wer⸗ den, hatte ich zu meiner Gattin. treuloſe Clemen⸗ tine!.. geſagt:„Derneſty ſoll Sie zum Eſſen bei meinem Bruder abholen; wartet nicht auf mich, ge⸗ het mit einander, ich werde allein hinkommen.“ Und ich war weggegangen mit meinem Drama, aber ein Zufall, ein ſehr unglücklicher Zufall für mich will, daß der Direktor mich heute nicht, wie es abgemacht war, anhören kann. Es war noch zu früh, hieher zu gehen; ich ſage bei mir:„Tragen wir unſer Drama nach Hauſe. Ich komme heim.. ich hatte meinen zweiten Schlüſſel bei mir„ der Por⸗ tier ruft mir zu: Ihre Hausjungfer iſt zu den Affen im Pflanzengarten gegangen, aber Madame befindet ſich oben. Sehr gut; ich gehe hinauf. Ich öffne, um Clementinen keine Mühe zu machenz ich dringe bis in ihr Zimmer... und finde meine Gattin und dieſen Halbmenſchen von Derneſty v Abſcheu und Grauſen!. die Engländer nennen es eine verbre⸗ — n— 65 cheriſche Unterhaltung... drollige Unterhaltung das! Ich wollte dieſen Herrn umbringen, aber ich war ſo ganz verblüfft, ich konnte meinen Augen nicht glauben; er entwiſchte und that wohl daran. Was Clementine anbetrifft, ſo behandelte ich ſie nach Ver⸗ dienſt und werde mich von ihr trennen. ha! ja, ich werde mich ſcheiden laſſen, obwohl das ſehr ſtö⸗ rend für mich iſt, der ich ſo ganz an das Haus ge⸗ wöhnt bin und mein Mittageſſen ſo gern bereit finde, wenn ich von einer Repetition zurückkomme!“ Mondigo's Erzählung hätte ganz gewiß Intereſſe erregt, wenn nicht eine weit wichtigere Sache die Gemüther in Anſpruch genommen hätte. Herr St. Godibert ſcheint nicht zu wiſſen, was er glauben ſoll; ſeine Frau unterſucht beide Piſtolen aufmerkſam und Hieronymus drückt ſeine Tochter in ſeine Arme, als wollte er dem Himmel danken, daß er ihm ein Kind ſchenkte, über welches er nicht er⸗ röthen dürfe. Roſa⸗Maria ſchaut mit holdem Blicke Leopold an und ſcheint ihm zu ſagen:„Sie ſehen, daß ich Ihrer würdig bin.“ Plötzlich geht die Salonthüre auf. Der junge Ju⸗ lian tritt ein und entſchuldigt ſich:„Verzeihung, ich habe mich ein wenig verſpätet man ſagte mir jedoch, ein Theil der Geſellſchaft ſitze bei Tiſch⸗ doch meine Eltern befinden ſich noch hier mit dem Vater meiner Couſine. Ich kam zu erfahren... aber, mein Gott, was geht denn hier vor?“ Der junge Mann hält inne, denn er hat die ſelt⸗ ſame Art und Weiſe bemerkt, womit er aufgenom⸗ men wird. Bei ſeinem Anblick haben Vater und Mutter mit einer Art Grauſen den Kopf abgewen⸗ det; Friedrich und Roſa⸗Maria ſchlagen traurig die Augen nieder; Hieronymus ſieht mitleidig dieſen Neffen an, den er zum erſten Mal erblickt, und der Vater Savenay hat eine ganz beſtürzte Miene. Als Julian den Greiſen anſichtig wird, geräth er in Verlegenhett und weiß nicht, was er denken ſoll. Er blickt mit ängſtlicher Miene um ſich und begeg⸗ net dem ſtrengen Auge des Herrn Candrillon, der ihn mit den Worten angeht:„Herr Julian⸗ ich muß mich einen Augenblick mit Ihnen unterhalten, mit Ihnen allein; Ihre Familie wird uns wohl unter vier Augen laſſen.“ „O, ja, ja!“ ſagt Friedrich, Candrillons Ab⸗ ſicht, Julian die Schande des Geſtändniſſes vor ſei⸗ nen Eltern zu erſparen, begreifend, und führt Herrn und Frau St. Godibert mit ſich weg. Während die andern Perſonen dem Pagre folgen, flüſtert Herr Candrillon dem Banquier, dem er ſich genähert, in's Ohr:„Behorchen Sie die Unterredung⸗ welche ich mit Ihrem Sohne haben werde, dann weiß ich ge⸗ wiß, daß Ihnen kein Zweifel mehr bleibt.“ Es wurde ſo eingerichtet, daß St. Godibert durch die Thürſpalte lauſchen konnte. Den Jüngling hat Erblaſſen und Zittern befal⸗ len. Er weiß noch nicht, was man von ihm will; aber ſein längſt ſchon reges Gewiſſen läßt ihn ſtets die Entdeckung ſeines Frevels befürchten und ſein . „ 67 Mitſchuldiger iſt nicht da, um ihm Muth einzu⸗ flößen. Herr Candrillon hat eines der Piſtolen in ſeine Taſche geſchoben; er zeigt es Julian und fragt:„Ge⸗ hört das Ihnen?“ Verblüfft ſtammelt Julian:„O ja es gehört mein. dieſes Piſtol war auf meinem Zimmer.. warum hat man es geholt?“ „Das ſollen Sie gleich erfahren; aber antworten Sie mir zuvor: hatten Sie nicht ein Paar?“ Julian wird noch verblüffter, er zögert und ſtot⸗ tert endlich:„Um Vergebung ich hatte ein Paar, aber eines ging mir verloren. ſchon ſeit gerau⸗ mer Zeit.“ Plötzlich zieht Herr Candrillon das andere Piſtol aus der Taſche, hält es Julian unter die Augen und ruft aus:„Hier, da iſt es, man hat es wiedergefun⸗ den!“ Julian wird bleifarbig, ſeine Miene ganz ent⸗ ſtellt; kaum vermag er die Worte hervorzubringen: „Ach ja das iſt das andere und wer denn.. hat es gefunden?“ „Jemand, der in dem Wald von Fontaine⸗ bleau und Zeuge Ihres Verbrechens war, als Sie meinen alten Freund Savenay anfielen und beraub⸗ ten.“ Im erſten Augenblick läßt Julian ſeinen Kopf auf die Rücklehne ſeines Stuhles ſinken, bald aber fällt er auf die Kniee, beugt ſeine Stirne zur Erde und ſtöhnt:„Wehe, wehe! ja, ich bin es!„ich bin ein 68 Elender, aber verderben Sie mich nicht in den Au⸗ gen meiner Eltern.“ Ein Schrei ertönt hinter der Thüre. Julian hat die Stimme ſeiner Mutter erkannt; er ſtößt die Stirne auf den Fußboden, indem er ausruft:„Sie horchten... ſie wiſſen Alles.. o, mein Herr, den Tod. geben Sie mir eine Waffe, daß ich mich umbringe, ich kann nicht mehr vor ihnen erſchei⸗ nen!“ Candrillon felbſt iſt tief bewegt von dem herzzer⸗ reißenden Schrei, den er gehört; indeß nimmt er ſich zuſammen, hebt Julian auf, läßt ihn ſitzen und fährt fort:„Sie ſind ſehr ſtrafbar, aber der Tod macht Nichts wieder gut, denn Sie gingen dahin in Schande! Beſſer alſo iſt eine aufrichtige Reue, ein Betragen, das Ihr vergangenes Leben wieder rein wäſcht; aber vor Allem: wie heißt Ihr Mitſchuldiger?“ „Derneſth.“ „Ich hatte es ſchon geahnt. Darum redete er nicht in Savenay's Gegenwart.“ „Ach, mein Herr, ich will mein Verbrechen nicht zu entſchuldigen ſuchen, das iſt unmöglich, aber den⸗ noch hätte ich ohne Derneſty niemals den Gedanken zu einer ſolchen Handlung gefaßt. Ich war von Schulden geplagt, da ich insgeheim Spiel und Be⸗ luſtigungen liebte.. ich hatte mich verführen laſſen! Da begegnete er eines Tags auf einer Landparthie, die ich mit ihm machte, dieſem Greiſen; er erhielt Kunde von deſſen ſechszigtauſend Franken und.„ ich hätte lieber ſterben als ſeinen Rathſchlägen Gehör 69 ſchenken ſollen, aber... Sie wiſſen Alles und ſeitdem habe ich keinen Tag Ruhe gehabt!“ „Sie können nicht mehr in Frankreich bleiben. Ich bin im Begriff⸗ ein Schiff nach der Inſel Bour⸗ bon zu ſchicken. Begeben Sie ſich nach Havre: mit dieſem Schiff reiſen Sie ab, ich werde dem Capitän ſchreiben. Dort bemühen Sie ſich unabläßig, daß Ihr Betragen muſterhaft ſei... daß man Ihnen nicht den kleinſten Vorwurf machen könne, und nach einem Dutzend Jahre dürfen Sie Ihr Vaterland wiederſehen. Es gibt kein Vergehen, das eine wahre Reue nicht ausmerzen könnte.“ „Ach, mein Herr!“ „Packen Sie ein und reiſen Sie auf der Stelle av. Sie haben vielleicht kein Geld? Nehmen Sie dieſe Börſe. Ihr Vater wird meine Anordnungen genehmigen. Gehen Sie und denken Sie darauf, einſt das Widerſehen Ihrer Eltern zu verdienen.“ Julian drückt ſeine vebenden Lippen auf eine 3 von Candrillons Händen; er kann kaum reden und geht endlich mit dem Schwure hinweg⸗ daß er eines 3 Tages würdig ſein werde, in ſein Vaterland zurück⸗ zukehren. i Der Capitaliſt vleibt nicht lange allein; die ganze Familie kehrt zu ihm zurück. Herr und Frau St. Godibert werfen ſich weinend in ſeine Arme. „Billigen Sie, was ich gethan habe?“ fragt Can⸗ drillon. „Ach! Sie haben unſere Ehre gerettet,. aber der elende Derneſty?“ „O, den nehme ich auf mich,“ ſagt Friedrich, „ich werde meinen Oheim Mondigo rächen.“ Der Schriftſteller drückt ihm die Hand und ruft aus:„Sehr gut, Friedrich, ſehr gut. gib dieſem Verbrecher einen tüchtigen Degenſtoß und hernach werde ich ſehen, ob ich meiner Gattin, welche viel⸗ leicht wie Julian verführt wurde, verzeihen ſoll.“ „Was meinen alten Freund Savenay betrifft,“ fährt Herr Candrillon fort⸗ ſo. Der Banguier läßt ihn nicht ausreden, ſondern fällt ein:„So werde ich morgen gleich demſelben die 60,000 Franken, welche in ſeiner Brieftaſche wa⸗ ren, zurückſtellen, und 25,000 meiner Nichte als Mit⸗ gift anbieten.“ „O, ich danke Ihnen⸗ mein Herr,“ ſagte Leopold, eine Hand von Roſa⸗Maria faſſend⸗„aber das Fräu⸗ lein bedarf keiner Mitgift. Mein Vater weiß, daß ich eine Frau gefunden habe, deren Tugenden mein Glück machen werden, und das ſagte er, ſei mehr werth als Geld.“ Hieronymus drückt Leopolds Hand mit vollem Gefühl, aber mit demüthiger Miene fährt St. Go⸗ pibert fort:„Wenn mein Bruder Hieronymus meine Gabe zurückweist, ſo muß ich glauben, daß er mir immer noch zürnt, daß er mir die Namensverände⸗ rung nicht vergeben hat, und doch iſt er hinlänglich gerächt, denn⸗ wie er eben ſagte, der Name Gogo iſt makellos geblieben, während die von uns ange⸗ nommenen Der Banguier vollendet ſeinen Satz nicht: er 71 verbirgt ſein Geſicht in ſeiner Hand und Mondigo wendet ſich ab, abermals ſeine Stirne kratzend. Hie⸗ ronymus jedoch geht auf ſeine Brüder zu, drückt ſie in die Arme und ſpricht:„Alles iſt vergeſſen! Brü⸗ der ſollen einträchtig ſein. Niclas, ich nehme die Mitgift an, welche Du meiner Tochter zudenkſt, und dieſer brave Junge muß ſie wohl auch annehmen. Du, Euſtach, beſuch' uns zuweilen, das wird Dich von Deinem ehelichen Kummer zerſtreuen. Suchet glücklich in der Stadt zu ſein; ich kehre in mein Dorf zurück, ſobald der Bund dieſer beiden Kinder niet⸗ und nagelfeſt iſt.“ „Und wenn Sie erlauben, Vater Hieronymus,“ ſagte der alte Savenay,„ſo lebe ich bei Ihnen.. ich brauche nicht mehr Commis in Paris zu ſein⸗ aber ich brauche Freunde, in deren Nähe ich meine Laufbahn ſanft beſchließen kann.“ „Topp, Papa Savenay!“ antwortet Hierony⸗ mus,„wir werden miteinander von meiner Roſa⸗ Maria reden und Sommers wird das junge Pär⸗ chen wie auch mein Neffe Friedrich ſich bei uns unterhalten.“ „Und an mich denket Ihr gar nicht?“ ſagt Can⸗ drillon;„aber mehr als ein Mal ſollt Ihr mich in Avon ſehen, Herr Hieronymus. Einſtweilen lade ich mich als Zeuge zur Hochzeit dieſes hübſchen Kindes: auch ich will ihr mein Brautgeſchenk bringen aber jetzt adien, liebe Leute da ſind arme Eltern, welche der Einſamkeit bedürfen, wir müſſen ihren Schmerz achten.“ „Und da drüben iſt die ganze Geſellſchaft,“ mur⸗ melt Angelika, auf den Speiſeſaal deutend. „Seien Sie deßhalb unbeſorgt, Madame,“ ent⸗ gegnet Candrillon,„ich will der Geſellſchaft ſagen, daß Sie unwohl ſind, daß Ihr Mann Sie nicht ver⸗ laſſen kann; und wenn Sie Alle ſatt haben, ſo ſtehe ich Ihnen dafür, ſie werden ohne Weiteres abziehen.“ Hieronymus verabſchiedet ſich nebſt ſeiner Toch⸗ ter, Leopold und denz Vater Savenay; Friedrich iſt ſchon fort; Moͤndigo ſchwankt, ob er zum Eſſen nach Hauſe gehen ſoll; Julians Vater und Mutter ver⸗ ſchließen ihren Schmerz in ihr Privatzimmer; Herr Candrillon erfüllt ſeinen Auftrag bei der Geſellſchaft. Herr Brouillard ſcheint ſehr neugierig; er rich⸗ tet eine Menge Fragen an Candrillon. Dieſer ſetzt ſich zu Tiſch und antwortet einfach:„Mein Herr, Sie haben bereits gegeſſen, erlauben Sie mir, daß ich ein Gleiches thue.“ „Aber der gute Hieronymus?“ nimmt Vetter Brouillard wieder das Wort. „Alles iſt im Reinen: er hat ſich mit ſeinen Brü⸗ dern verſöhnt und ſeine Tochter mitgenommen.“ „Alſo heirathe ich unter keinen Umſtänden Fräu⸗ lein Roſa⸗Maria?“ ſtottert Herr Roquet. NRein, mein Herr. Schen Sie ſich anderswo um, dieſe Geſchichte iſt aus für Sie.“ 1 „Aber mein Vetter Mondigo?“ fragt Brouillard weiter. „Er iſt zu ſeiner krankgewordenen Frau heim⸗ gekehrt.“ 73 „Aber der Sohn des guten St. Godibert? Wo iſt er denn? Wäre der Julian auch krank? Sollte denn eine Seuche in der Familie eingeriſſen haben?“ „Julian,“ antwortet der Capitaliſt,„iſt dieſen Morgen nach Havre abgereist: er ſoll den Handel in den Colonieen ſtudiren.. dieß iſt ein Gedanke ſeines Vaters, den er Ihnen über Tiſche mittheilen wollte.“ Das Flüſtern und Vermuthen beginnt wieder. Aber nach eingenommenem Kaffee und Likör geht Jeder an ſein Geſchäft, ohne der St. Godiberts wei⸗ ter zu gedenken.„Jeder für ſich!e iſt ein altes Sprich⸗ wort. Des andern Tages frühe kommt Friedrich zu ſei⸗ nem Oheim, dem Banquier. In dem Schlafzimmer findet er die beiden Gatten veiſammen, denn der Kummer vereinigt. „Fortan,“ ſagt er mit befriedigter Miene,„wird der Verführer Ihres Sohnes Ihrer Familie keine Schande mehr bringen.“ „Wie!“ ruft Angelika aus,„Herr Derneſty?“ „Ich ſuchte ihn heute mit Tagesanbruch auf und forderte ihn unter dem Vorwande, daß mein Oheim Mondigo mich zu ſeinem Rächer beſtellt habe. Ich glaube, ihm ahnte, daß mich ein anderer Beweggrund beſeele, aber als fürchte er, ich möchte damit heraus⸗ rücken, nahm er augenblicklich den Zweikampf an. Die Vorſehung wachte über mich. Derneſiy erhielt eine Kugel in die Bruſt und fiel, um nicht wieder aufzuſtehen. Ich vernahm ſeine letzten Worte: er ſtammelte Julians Namen, blickte zum Himmel auf und ſchien weiter ſprechen zu wollen, aber die Kraft verließ ihn. Der Strafbarſte iſt todt; der Andere wird ſeinen Fehltritt mit Reue wieder gut machen eines Tages können Sie dieſes Unglück ganz ver⸗ geſſen.“ Friedrich entfernt ſich unter den lebhafteſten Dank⸗ ſagungen des Paares, um den Schriftſteller aufzu⸗ ſüchen und auch ihm den Ausgang ſeines Duells zu berichten. Mondigo wirft ſich Friedrich an den Hals und ruſt aus:„Ich eile, Clementinen zu verzeihen. Sie iſt bei einer ihrer Tanten; ich führe ſie im Triumph in mein Haus zurück.. ich kann das, denn in der Ausſicht auf eine Verſöhnung habe ich geſagt, ſie ſei bei einer Freundin auf dem Lande.“ Vierzehn Tage nach dieſen Ereigniſſen wurde in der Kirche von St. Vincenz de Paula eine Hochzeit gefeiert. Jedermann bewunderte die Schö nheit, die Anmuth, das jungfräuliche Ausſehen der jungen Neuvermählten und auch mit ihrem Bräutigam war man ſehr zuftieden. Brauche ich das junge Paar zu nennen? An Leopolds Seite ſtanden Vater und Schweſter, welche ſein Glück theilten. Reben Roſa gewahrte man das ſtrahlende Antlitz Hieronymus' und des um zwanzig Jahre verjüngten Vaters Savenay. Auch Friedrich war da und erfreute ſich aufrichtig des Glücks ſeiner Freunde. Der Vetter Brouillard zeigte dabei ſeine Fuchsnaſe, ſtellte Betrachtungen über die Abweſen⸗ 75 heit veider Tanten der Braut an und ließ einige Spottreden hören, woraus hervorging, daß Mondigo ihm ſein häusliches Begegniß anvertraut hatte. Herr Candrillon ſtand neben ſeinem alten Freund und betrachtete mit Wonne Roſa⸗Maria, welcher er ein Diamantenhalsband von großem Werthe vor dem Kirchgange umgelegt haite. Bei der Hochzeit erſchienen der Schriftſteller und der Banquier. St. Godibert jedoch entfernt ſich un⸗ mittelbar nach der Vermählung; Mondigo bleibt bei dem Feſtmahl. Er ſingt ſogar ein ſelbſtgemachtes Hochzeitsgedicht und Brouillard ſagt zwiſchen den Zähnen:„Mein Vetter Mondigo war nie ſo ver⸗ gnügt, als ſeit er weiß, daß ihn ſeine Frau gekrönt hat.“ Es war ausgemacht, daß man am andern Tage Hieronymus in ſein Dorf begleiten und eine Woche bei ihm verweilen werde. Der Capitaliſt ſelbſt führte in ſeiner großen Ka⸗ leſche das junge Paar, Leopolds Schweſter, Hiero⸗ nymus, Friedrich und den Vater Savenay. Man brach früh Morgens auf und war eben im Begriff, die Linie der Boulevards zu verlaſſen, als Friedrich Herrn Candrillon zurief, er möchte einen Augenblick halten, denn er ſehe ein bekanntes Ge⸗ ſicht. Es war der aus einer tanzenden Nachtgeſellſchaft heimkehrende Richard, welchen eben ein Mann nie⸗ dergeſchmettert hatte, ohne auf deſſen Ballſtaat zu achten, und ihn jetzt in der Goſſe im Kothe wälzte. 76 Daneben ſtehen zwei Individuen als friedliche Zu⸗ ſchauer dieſer Scene, welche ſie ſehr zu ergötzen ſcheint. „Es iſt dieſer elende Richard!“ ſchreit Friedrich. Bei dieſem Namen will Leopold, ſich der Ver⸗ läumdung ſeiner Braut erinnernd, ausſteigen, um den Schuldigen zu züchtigen, aber Roſa⸗Maria hält ihn und ihren Vater zurück, darauf hinweiſend, daß ja bertils ein Anderer ſich mit ihrer Rache befaßt habe. Dieſer Andere iſt Deſiderius Glureau, der Mann mit dem Faltenhut, welcher, Roſa⸗Maria und den Vater Savenay in der Kaleſche erkennend, mit einem Gruße zu ihnen tritt, und, während Richard Ferſen⸗ geld giht, ihnen ſagt:„Schönen guten Morgen, mein Frölein, mein Herr und die Geſellſchaft... da be⸗ ſichtige ich even meine Gaſſenkehrer und wollte mit Feroce und Ratmont weißen Wein trinken, als ich dieſen ſaubern Vogel, der um die Ecke der Straße witſchte, bemerkt habe!.. Schon lange hatte ich ihm eine tüchtige Durchwalkung zugedacht: erſtens, weil er mich hinderte, auf der Eiſenbahn zu ſchnu⸗ pfen, und zweitens, weil er das Frölein verläſtert hat! Ich machte mich an ihn und forderte ihn auf den Stock heraus, aber er iſt ein Kapaun und wollte durchbrennen, da habe ich ihm ſeinen Lohn baar aus⸗ gezahlt und, Gott ſtraf mich! er wird lange daran denken.“ „Danke, mein Tapferer,“ ſagte Leopold,„und doppelt, denn die Verläumdete iſt jetzt meine Frau. Nehmen Sie dieſe Börſe und thun Sie ſich zur Freude über mein Glück Etwas zum Beſten.“ „Ei, Frölein Roſa⸗Maria iſt jetzt Ihre Frau?“ fragt das Koſakengeſicht.„Wohlan, deſto beſſer.„ bravo, ein hübſches Paar! Indeß hatte ich nicht aus Eigennutz gehandelt aber aus Gehorſam nehme ich das Geſchenk an; wir wollen mit Bichat und den Freunden ein wenig hochzeitern. Empfehle mich, meine Damen, meine Herren und die Geſell⸗ ſchaft!“ Jetzt rollt die Kaleſche weiter nach dem Dorfe Avon hin mit ſeelenvergnügten Perſonen; am zufrie⸗ denſten und ſtolzeſten aber glänzt Hieronymus' Ge⸗ ſicht, obgleich er ſeinen Namen niemals verändert hat. Hatten ſeine Brüder auf Zufriedenheſt und Froh⸗ ſinn ein gleiches Recht? — Inhalt des erſten Theils. Erſtes Kapitel. Der Forſt von Fontaineblau.— Eine Geſellſchaft 5 Zweites Kapitel. Ein Unfall.— Eine Begegnung. 27 Drittes Kapitel. Der Sohn des Malers 38 Viertes Kapitel. Die Räuber 66 Fünftes Kapitel. Hieronymus St 76 Sechstes Kapitel, Der Vetter Brouillard. 90 Seite Inhalt des zwetten Theils. Erſtes Kapitel. Veränderte Lage 5 Zweites Kapitel. Eine Reiſe auf der Eiſenbahn 26 Drittes Kapitel. Roſa⸗Maria in Paris„60 Viertes Kapitel. Die beiden Adreſſen 82 Fünftes Kapitel. Die graue Patrouille 103 Sechstes Kapitel. Das Kaffeehaus zu den feuchten Füßen 11¹6 Inhalt des dritten Theils. Erſtes Kapitel. Die Familie Gogn 5 Zweites Kapitel. Eine Tafel zu decken 1¹ Drittes Kapitel. Die Geſellſchaft im Empfangſaal.— Vor dem Eſſen Viertes Kapitel. Ein Gaſtmahl.— Herr Franz.. 65 Fünftes Kapitel. Vater Savenah.— Die Soirée. 79 Sechstes Kapitel. Der Töpferladen 102 Siebentes Kapitel. Der Greis und die Jungfrau„ 118 Achtes Kapitel. Die Jungfrau bei dem Greiſen 123 Neuntes Kapitel. Man kennt ih 140 3.——————— Inhalt des vierten Theils. Erſtes Kapitel. Die Freibillete vom Verfaſſer. Zweites Kapitel. Das Portrait Drittes Kapitel. Ein unerwarteter Beſuch. Viertes Kapitel. Der Vetter und die Baſe Fünftes Kapitel. Die Vorſtellung „ „ Inhalt des fünften Theils. Erſtes Kapitel. Roſa⸗Maria im Hauſe ihres Oheims Zweites Kapitel. Spaziergang.—— Herzenserguß.. Drittes Kapitel. Ein Veilchen in einem Wen Iuhat des ſechsten Theils. Erſtes Kapitel. Die Brautwerbung„„ Zweites Kapitel. Der Finger Gottes. „ „0 8 Seite 36 75 10⁸ 114 — nnnnnſſſſ 8 9 10 11 12 13 14 15 16