Leihbibliothek deutſcher, engliſcher und franzöſiſcher Literatur on Schloßgaſſe Lit. A. Nr. 256. Aeih- und Ieſebedingungen. 1. Offensein der Bibliothek. Die Bibliothek ſteht zur Em⸗ ſ pfangnahme und Rückgabe der Bücher jeden Tag von Morgens 7 Uhr bis Abends 8 Uhr offen. 12. Lesepreis. Bei Rückgabe eines geliehenen Buches wird von l. jedem Tag 5 Pf. bezahlt. Die Zeit eines Tages iſt zu 24 Stun⸗ F den angenommen. ₰ 3.(aution. Unbekannte Perſonen mü ) ₰ —.— — 3 nmüſſen, bei Entgec ennahme eines Buches, eine dem Werthe deſſelben entſprchenges Sutun hinterlegen, welche bei deſſen Zurückgabe von mir zurückerſtattet U wird. 8 6 17 4. Abonnement. Daſſelbe muß voraus bezahlt we 3 eträgt: 4 für wöchentlich 2 Bücher: auf 1 Monat: 3 rden und 4 Bücher: 6 Bücher: 1 Nr 35 Pf 2 N. n 1 Mk.— Pf. „. 11— 5. Auswärtige Abonnenten der Bücher ge 1 Hin⸗ und Zurückſendung auf ihre eigenen Koſten und Gefahr ſelbſt zu ſorgen. „ſ 6. Scha enersatz. Für beſchmutzte, zerriſſene, verlorene und 3 defecte Bücher(namentlich bei ſolchen mit Kupfern ꝛc.) muß der * Ladenpreis erſetzt werden.— Iſt das zerriſſene, beſchmutzte, ver⸗ ſ 2 lorene oder defecte Buch ein Theil eines größeren Werkes, ſo iſt der Leſer zum Erſatz des Ganzen verp flichtet.. „ 77. Ausleihezeit. Dieſelbe iſt auf 14 Tage feſtgeſetzt und Wird 1 f aufmerkſam gemacht, daß das Weiterverleihen ſtattfinden darf, indem Diejenigen, welche die⸗ eliehen, auch dafür zu ſtehen haben. Eduard Oktmann in Gießzn, 1 — ——,—————— . 2 S, aue— 9 CARLSRUHE im Bureau der deufschen Claſsiker. 7d7 d. Inhalt des zweyten Bandes. Im Jahr 1773. X Weutone..*.. Seite 1 Weiſſagung.... ⸗ 5 1 77 5 Die Lehrſtunde.... ⸗ 2 Fuͤrſtenlob....„ 9 1 7 7 7. Der Denkſtein. 4. 4 ¼ 1 1 7 7 8. Beruhigung.. 4.. 13 Die Krieger.... 4 25 Wink... 8. 16 Mein Waͤldchen.... 18 Die Anklaͤger...„ 19 Verſchiedene Zwecke.... 22 1729. Die Trennung.... 2 24 Die Verkennung... ⸗ 25 1 280. 4 Ihr Tod.*... 5 27 1781. Unterricht.. 6 14 4 28 Mehr Unterricht. 5.. 30 Ueberſchaͤtzung der Auslaͤnder.. 32 1 Der jetzige Krieg. 4. 2 33 An Freund und Feind.. 4 36 An den Kaiſer... 2 5 44 Der rechte Entſchluß..„ 43 * 2 45 5 Die Maßbeſtimmung.. VI Mein Wiſſen... Der Kranz.. Der Traum. Beyde..— Die Sprache... Der Nachruhm.. Die Rache.,. Aeſthetiker.. An Johann Heinrich Voß.. Delphi... Die Verwandelten.. Der Graͤnzſtein. 3 . *. Morgengeſang am Schoͤpfungsfeſte. 1 2 8 3. Die Vortrefflichkeit... n Giacomo Zigno... Die deutſche Sprache. 5 Das Gehoͤr. 8 Der Frohſinn. je Grazien. Die deutſche Bibel. * 1786. Der Gottesleugner. 1788. Die Etats Generaux. 1789. * Pſalm.. Der Ungleiche. Hemis und Telon. Ludewig der Sechzehnte. Das Gegenwaͤrtige. Kennet euch ſelbſt. * * u d a u u u u 100 101 103 10½ Inhalt. Der Fuͤrſt und ſein Kebsweib. Selmar und Selma... Das Buͤndniß.... . 1 7 9 o. Sie und nicht Wir.... An Cramer, den Franken... 1792. Der Freyheitskrieg.. 4. Friedrich, Kronprinz von Daͤnemark. Die Jakobiner.. 4. 1 79 3. Die Erſcheinung... An la Rochefoucauld's Schatten.. Das Wort der Deutſchen... Mein Irrthum.... Der Eroberungskrieg... Die beiden Graͤber.. 3. Die Verwandlung... 4 Die Denkzeiten.... Der Belohnte.... Das Neue...... 1 79 4. Hermann aus Walhalla.. Die Truͤmmern.... Der Schooßhund.—.. Erinnerungen..... Das Denkmal.... Die Mutter und die Tochter.. Die Wiederkehr. 3„ 42795. Das Verſprechen... Das Grab.... Nantes.... 4 Der Geſchmack,... VII Seite 106 8/ 10⁷ 111 113 115 117 120 122 .123 126 12²9 131 133 135 136 140 144 145 149 153 156 158 150 161 163 166 167 169 171¹ — ——— ——m VIII Der Sieger... 1 Zwey Nordamerikaner. 8 Der Kapwein und der Johannesberger. Mein Thal.... Die Beſtattung. 3 Die Erinnerung.. Die Rathgeberin. Die Vergeltung.. 1 7 9 .** 2 △̈*ᷣ 2. 7 Die Muſik. Die Sonne und die Erde.. Klage eines Gedichts.. Die Lerche und die Nachtigall. Der Genuͤgſame... Der Nachahmer und der Erfinder. Das verlaͤngerte Leben.. Aus der Vorzeit.. An die nachkommenden Freunde. Neuer Genuß.. Mein Gram... Die Saͤngerin und der Zuhörer. Das Feſt.... Der Wein und das Waſſer.. 1797. Die zweyte Hoͤhe..„ Die Juͤngſte.. 8. 6. 2 * . 2 * An meinen Bruder Victor Ludewig. Einladung.... Das Wiederſehn... Winterfreuden... Sie.. 3.. Teutone. —ᷓêʒ— 9 5— 3(—) 5„—(—)— 5„„— 7= o o„—„—„„— — 5 v p—„—„— 9 5 5b—„„—„—. A. der Hoͤhe, wo der Quell der Barden . in das Thal Sein fliegendes Getoͤne, mit Silber bewoͤlkt, Stuͤrzet, da erblickt' ich, Goͤttin, dich Noch Einmal, du kamſt zu dem Sterblichen herab! Und mit Hoheit in der Miene ſtand ſie, und ich ſah Die Geiſter um ſie her, die, den Liedern ent⸗ lockt, Taͤuſchen, ihr Gebild. Die Wurdi's Dolch Unſchuldige traf, die begleiteten ſie fern, Klopſt. Oden II, B. A 2 Klopſtocks Oden. Wie in Daͤmmrung; und die Skulda's maͤchtigerer Stab Errettete, die ſchwebten umher in Triumph, Schimmernd, um die Goͤttin, hatten ſtolz Mit Laube der Eiche die Schlaͤfe ſich bekraͤnzt. Den Gedanken, die Empfindung treffend und mit Kraft, Mit Wendungen der Kuͤhnheit zu ſagen! das iſt, Sprache des Thuiskon, Goͤttin, dir, Wie unſeren Helden Eroberung, ein Spiel. O Begeiſtrung! ſie erhebt ſich, feurigeres Blicks Ergießet ſich ihr Auge, die Seel' in der Glut! Stroͤme! denn du ſchoneſt deß umſonſt, Der, leer des Gefuͤhls, den Gedanken nicht erreicht! Wie ſie herſchweht an des Quells. Fall! maͤchtiges Getoͤn, Wie Rauſchen im Beginne des Walds iſt ihr Schwung! Drauſſen um die Felſen brauſt der Sturm; Gern hoͤret der Wandrer das Rauſchen in dem Wald. Wie ſie ſchwebet an der Quelle! ſanfteres Getoͤn Wie Wehen in dem tieferen Wald' iſt ihr Schwung. Klopſtocks Oden. 3 Drauſſen um die Felſen brauſt der Sturm! Gern hoͤret im Walde der Wanderer das Wehn. Die der Fremdling nicht entweiht,(Teuto⸗ nien erſchlag Nur Siegen unerobert!) o freyere, dich Wagte der geſchreckten Feſſel nicht Zu feſſeln! Die Adler entflogen, und du bliebſt, Die du wareſt! An dem Rhodan klirret ſie . noch laut Die Kette des Eroberers! laut am Ibeer! Alſo, o Britanne, ſchallt ihr noch Der Angel und Sachſe mit herrſchendem Geklirr! So bezwang nicht an des Rheins Strom Romulus Geſchlecht! Entſcheidungen, Vergeltungen ſprachen wir aus, Rache, mit des Deutſchen Schwert, und Wort! Die Kette verſtummte mit Varus in dem Blut! Die dich damals mit erhielten, Sprache, da im Forſt Der Weſer die Erobererkette verſank, Schweigend in der Legionen Blut Verſank, ſie verhuͤllt die Vergeſſenheit mit Nacht! Ah die Geiſter der Bardiete, welche ſie zur Schlacht Ertoͤneten dem zuͤrnenden Vaterlandsheer, A 2 4 Klopſtocks Oven. Folgen mit der Todeswunde dir!. Ha Norne, dein Dolch! Wirſt auch dieſen, ſo ſie klagt Die vertilgten, du vertilgen? Bilder des Geſangs!. Ihr Geiſter! ich beſchwoͤr' euch, ihr Genien! lehrt Fuͤhret mich den ſteilen kuͤhnen Gang Des Haines, die Bahn der Unſterblichkeit hin⸗ auf! 3 So erſcholl's mir von der Telyn wieder in dem Hain. Mir daͤuchte, daß Teutona mit Laͤcheln auf mich Blickte: da durchſtroͤmt' es all mein Blut Mit Feuer, und Roͤthe, wie jugendlichem Tanz In dem Fruͤhlinge getanzt gluͤht, flammte mir herauf Die Wange! Ihr Begleiter! ihr Geiſter! ſo rief Eiliger ich aus, ihr ſaht den Blick Der Goͤttin, ſie laͤchelte! Genien, ihr ſaht's! O des Zaubers, den ſie ſcheidend zauberte! Sie rief, Und Geiſter der Geſaͤnge geſungen durch mich Kamen, ihr Gebild, und hatten ſtolz Mit heiligem Laube die Schlaͤfe ſich bekraͤnzt, * Klopſtocks Oden. 5 Mit dem juͤngſten aus dem Haine. Hebe denn, o Dolch Der Norne, dich, du fehlſt ſie! die Goͤttin hat ſie Schirmend, auf der Bahn des ſteilen Gangs, Des kuͤhnen, hinauf zur Unſterblichkeit gefuͤhrt! 4 Weiſſagung. An die Grafen Chriſtian und Friederich Leopold zu Scollberg. 9 p———,„—„, — 2„—,— 5(—)— v—, 5——„—, v 9 9,(—) p— v. A. der Eiche Sproͤßling gelehnt, von hellen Duͤften umhuͤllt, ſtand die Telyn, und ſchnell Erſcholl ſie von ſelbſt; doch ich ließ Unerweckt ſie mir erſchallen. Da entſtroͤmt' ihr raſcher Verdruß, da zuͤrnte Wirbelnd ihr Ton! Eilend ging ich, und nahm Die Drohende, daß ſie dereinſt Zum Vergelt nicht mir verſtummte. 6 Klopſtocks Oden. Aus des Roſſes Auge, des Hufs Erhebung, Ltampfeid des Hufs, Schnauben, Wiehern und Sprung Weiſſagten die Barden; auch mir Iſt der Blick hell in die Zukunft. Obs auf immer laſte? Dein Joch, o Deutſch⸗ land, Sinket dereinſt! Ein Jahrhundert nur noch; So iſt es geſchehen, ſo herrſcht Der Vernunft Recht vor dem Schwertrecht! Denn im Haine brauſet' es her gehobnes Halſes, und ſprang, Flug die Maͤhne, dahin Das heilige Roß, und ein Spott War der Sturm ihm, und der Strom ihm! Auf der Wieſe ſtand es, und ſtampft', und blickte Wiehernd umher; ſorglos weidet' es, ſah Voll Stolz nach dem Reiter nicht hin, Der im Blut lag an dem Graͤnzſteim. Nicht auf immer laſtet es! Frey, o Deutſch⸗ land, Wirſt du dereinſt! Ein Jahrhundert nur noch; So iſt es geſchehen, ſo herrſcht Der Vernunft Recht vor dem Schwertrecht! Klopſtocks Oden. 7 . Die Lehrſtunde. D. Lenz iſt, Aëdi, gekommen; Die Luft iſt hell, der Himmel blau, die Blume duftet, Mit lieblichem Wehen athmen die Weſte, Die Zeit des Geſangs iſt, Aëdi, gekommen! „Ich mag nicht ſingen, die Zeiſige haben Das Ohr mir taub gezwitſchert! Viel lieber mag ich am Aſte mich ſchwenken, Und unten in dem kryſtallenen Bache mich ſehn.“ Nicht ſingen? Denkeſt du, daß deine Mutter Nicht auch zuͤrnen koͤnne? Lernen mußt du, der Lenz iſt da! Viel ſind der Zaubereyen der Kunſt; Und wenig der Tage des Lenzes. Weg von dem ſchwankenden Aſte, Und hoͤre, was einſt vom Zauber der Kunſt mir ſang Die Koͤnigin der Nachtigallen, Orphea. Hoͤr', ich beb' es zu ſingen, Aber hoͤr', und ſing es mir nach. Alſo ſang Orphea! — 8 Klopſtocks Oden. Floͤten mußt du, bald mit immer ſtaͤrkerem Laute, Bald mit leiſerem, bis ſich verlieren die Toͤne; Schmettern dann, daß es die Wipfel des Wal⸗ des durchrauſcht! 4 Floͤten, floͤten, bis ſich bey den Roſenknoſpen Verlieren die Toͤne. „Ach ich ſing' es nicht nach, wie kann ich! Zuͤrne nicht, Mutter, ich ſing' es nicht nach. Aber ſang ſie nichts mehr. Die Koͤnigin der Nachtigallen? Nichts von dem, was die Wange bleich macht, Gluͤhen die Wang', und rinnen, und ſtroͤmen die Thraͤne macht?“ Noch mehr! noch mehr! Ach daß du dieſes mich fragteſt, Wie freut mich das, Aedi! Sie ſang, ſie ſang auch Herzensgeſang! Nun will ich das juͤngſte Baͤumchen dir ſuchen, Den Sproß dir biegen helfen, Daß du dich naͤher ſehen koͤnneſt im Silberbach. Auch dieſes ließ erſchallen Die Liederkoͤnigin, Orphea: Der Juͤngling ſtand, und flocht den Kranz, Und ließ ihn weinend ſinken! Klopſtoeks Oden. 9 Das Naͤdchen ſtand, vermocht' es uͤber ſich Mit trocknem Blick den Juͤngling anzuſehen. Da ſang die Nachtigall ihr hoͤheres, Ihr ſeelenerſchuͤtterndes Lied. Da flog das Maͤdchen zu dem Juͤngling hin! Der Juͤngling zu dem Maͤdchen hin! Da weinten ſie der Liebe Wonne! Fuͤrſtenlob. — Dur dir, mein Geiſt, daß du ſeit deiner Reife beginn, Beſchloſſeſt, bey dem Beſchluß verharrteſt: Nie durch hoͤſiſches Lob zu entweihn Die heilige Dichtkunſt, Durch das Lob luͤſtender Schwelger, oder keeingewebter Fliegen, Eroberer, Tyrannen ohne Schwert, Nicht gruͤbelnder, handelnder Gottesleugner, Halbmenſchen, die ſich, in vollem dummen Ernſt, fuͤr hoͤhere Weſen halten als uns. Nicht alte Dichter⸗ ſitte, Nicht Schimmer, der Licht log, Freunde nicht, die geblendet bewunderten, Vermochten deinen Entſchluß zu erſchuͤttern. 10 Klopſtocks Oden. Denn du, ein biegſamer Fruͤhlingsſproß Bey kleineren Dingen, Biſt, wenn es groͤßere gilt, Eiche, die dem Orkane ſteht. Und deckte gebildeter Marmor euch das Grab; Schandſaͤul' iſt der Marmor: wenn euer Geſang Kakerlakken, oder Oranutane Zu Goͤttern verſchuf. Ruhe nicht ſanft, Gebein der Vergoͤtterer! Sie ſinds, Sie habens gemacht, daß nun die Geſchichte nur Denkmal iſt; die Dichtkunſt Nicht Denkmal iſt! Gemacht, daß ich mit zitternder Hand Die Saite von Daniens Friederich ruͤhrte; Sie werde von Badens Friederich ruͤhren, Mit zitternder Hand. Denn o wo iſt der ſorgſame Wahrheitsforſcher, Der geht, und die Zeugen verhoͤrt? Geh hin, nooch leben die Zeugen, Und halte Verhoͤr, und zeih, wenn du kannſt, Auch mich der Entweihung! Klopſtocks Oden. 11 Der Denkſtein. 9— d— v,— v v— v— v— v,— b d— v v— v— v— v— v — v v— v—„— v. „J. du biſt Schatten gegen den Son⸗ nenſtrahl, Und Schirm, o Freundſchaft, wider den Re⸗ genguß!“ Wir fuͤhlten's, da wir Stortebekers Spaͤhenden Huͤgel der Freude weihten. Dortſtehn die Eichen; neben den Eichen ruht Der Namenſprecher. Wer von dem frommen Stein Nur Moos klaubt, nur die Art drauf anſieht, Ob ſie zu faͤllen die Schirmer tauge, An deren Sproͤßling zweymal die Weiherin Mit Stolze ſtand, und:„Koͤhre kein ander Land“ Uns ſang;(beym zweyten Zauber, wieſen Flaͤmmchen den kuͤnftigen Platz des Denkſteins,) 12 Klopſtocks Oden. 1 Dem ſey Windemens Stimme ein Pfauge⸗ ſchrey, Der aͤltern Teſſe Laͤcheln ein Fratzenblick! Doch warum dieſe ſanfte Schonung? Rauſche, Geſang, mir in andern Toͤnen! Mit Hohngelache ſeh' ihn der Gaͤnſehirt! Der Buchſtabierer, welcher die Wichter blaͤut, Mit Hohngelach! doch kaltverachtend, Wer vor der Aehre die Senſe wetzet. Vom Ritterband' umflattert, und hell vom Stern Muͤß' er mit einem Kammergekäͤtze(ſie, Ja ſie ſey mißvereht!) ſich gatten, Und vor des Weibes Kothurne unſtaͤt, 7 Sein Leben ſchnauben! Wenn er, von jun⸗ gem Rumm Durchdampft, einſt umfaͤllt, muͤſſe den Schat⸗ ten ihm Stortbekers Schatten, in des rothen Phlegethons Wogengeziſch, kielholen! Klopſtocks Oden. 13 Beruhigung. Laut erſcholl's ſeit grauer Zeit, gebot Folgerung, In den Kluͤften allen, und allen den Labyrinthen Der Weisheit, die Urzuſtand gruͤbelt: Nichts iſt ohne Urſach. Nichts? Iſt es denn nicht Gott? Da ſchreyen ſie, ungefuͤhrt von dem Faden Des Labirinths: Gott hat ſeine Urſach in ſich ſelbſt! Mir widert zu nennen, was ſie ſchreyn. Er,(wie ſtammeln wir Ihn) der Unaus⸗ ſprechliche, Er, das Weſen der Weſen iſt ohn' Urſach. Aber ſchau auf, ſchau nieder, umher: da hal⸗ ten, durch Ihn, Urſachen, Wirkungen unabſehnlichen Reihn⸗ tanz. Der Geſchaffenen, denen Seele ward, Verborgenſte Kraft, des Willens Freyheit, Iſt das hoͤchſte von allem, was Gott ſchuf, Iſt es, die unſchuldig vor Ihm, oder ſchuldig macht: —— Klopſtocks Oden. Vor Ihm! Wir endlichen Geiſter Halten uͤber uns ſelbſt Blindes Gericht. Verſchieden iſt die Denkungskraft der Un⸗ ſterblichen; Auf Stufen ſtehen ſie, hoͤheren, tieferen: So der Unſterblichen Freyheitskraft; ſie haben auch hier Genie, Oder ſie ſtehen auf dieſer Stufe nicht. Urſach wird die Freyheit von Handlungen, Die der Allwiſſende ſelbſt nicht vorher mit Ge⸗ wißheit ſieht: Aber Er, der Immerwirkende, leitet ſie Zu der Schoͤpfung letztem Zweck, der Selig⸗ keit Aller! Anbetung Ihm, der nicht ruhend anſchaut, Der, auch durch ewiges Wirken, ſelig iſt! Anbetung, daß aus dem tiefen Urquell, wie Er es leitet, Der ſittlichen Handlungen Ozean heruͤberſtroͤmt. Grenzloſer Ozean, wie brauſeſt, Donnerſt du in allen Welten! Wie wandelt auf dir, Der dir himmelſteigende Wogen gebeut, Und ebne Stille. 2 Klopſtocks Oden. 15 Anbetung dem Vater der Unſterblichen, Auch fuͤr meine Freyheit! Aber ſelber ſie, was waͤre ſie mir; Koͤnnt' i nicht auch Gott denken, ſo gar Gott lieben. Die Krieger. Jo ſang's in der Oede des Hains, und mir allein, Das Bragalied, wenn ihm etwa nicht Stollberg 3 ſchattenumhuͤllt Von dem Moosſtein horchte. So klang, da ich An die Eiche ſie lehnte, die Telyn nach: Des Kriegers Groͤße? Ja, wenn er fuͤr Freyheit kaͤmpft, Oder wider ein Ungeheuer, Das mordet, mit der Kett' umklirrt; ſo iſt der Held Edler Mann, verdienet Unſterblichkeit! Aber wenn er nichts mehr, Denn Eroberer iſt, Ruhm ihn drommetet; gerechter ihn Schand⸗ ſaͤulen Verewigten: Groͤße waͤr' auch das? 16 Klopſtocks Oden. Und wenn es nun gar mit ihm Kleinelt und zwergelt, ſo bald Hochſchreitend einhergetreten kommen Die Attila, und die Tamerlane? Ginmnk. — D. Grieche ſang in lyriſchem Ton Buͤr⸗ gergeſetz. Verwandter ſind die Geſetze der Kunſt dem lyri⸗ ſchen Ton; So duͤrfen wir ja auch wohl ein ernſteres Wort In die Tafel graben. Wir duͤrfen nicht; aber wir thun's. „ Der Dichter, dem es noch nicht da ſich ent⸗ ſchleyerte, Daß die Freude der edlen oͤfter ſchweigt, Als ſelbſt ihr maͤchtigſter Schmerz, Der wanket ſchon an der Schwelle des Heilig⸗ thums. Aber der unanſtoßendes Schrittes In den Tempel trat der Kunſt, dieſem muß, Fuͤr jede Kenntniß, die dort zeiget, oder warnt, Dennoch den Blick ſchaͤrſen der Genius, Bevor — —— Kloſtocks Oden. 17 Bevor er lernt, was die edlen dann, Wenn in Stimme ſich nun ihr Verſtummen wandelt, Dann ſagen, und welche Worte der Wahl ſie wuͤrdigen, Wenn ſie nun ihr Verſtummen wandelt! — Bevor er geweiht, und, an der Hand Der Entdeckung, ſo tiefer Erfinder wird, Daß zu ſeiner Saite Klang mit der vollen Harmonie das Herz der Hoͤrenden klingt! Wenn je die Stirn der Kunſt mit Ernſte gebot, Ss war es bier ſſß goee: Wie Raphael bil⸗ dete, Gluck G mie dem Tone vereinte den Ton, ſo vollende der Dichter, — — E Mehr noch, treffender noch, wenn es Freude gilt! Freude, Freude, du Himmelskind! Dankſagend kuͤßt er den Zauberſtab, Von dem, als du damit ihn beruͤhrteſt, Ein heiliger Funken ihm in die Seele ſprang. Klopſt. Oden. II. B. 18 Klopſtocks Oden. Mein Waͤldchen. — An den Grafen und die Gräfin Holck. ——ʒ—3——— — v p— p— p— b—„ — 2— b p— 2— b—„ — 5— p— v p—„—„ — 2 52— v. Ere Beſchattung kuͤblt ſchon lang, des lieben Waͤldchens Eichen, ich habe nicht die Wurzel Dieſer hohen Wipfel geſenkt, ir wuchſet Fruͤher als ich⸗ ſeyd Finglinge gleichwohl noch, erhebet hoͤher Einſt d ie Haͤupter, und ſtreckt, wenn ſich der Tag neigt, Laͤngre Schatten. Gruͤnet denn, uͤberlebt; ich Neid' euch nicht, Eichen. Will mit Geſpielen euch, mit Thraͤnenwei⸗ den, Rings umpflanzen, daß einſt, wenn nun die Sonne Klopſtocks Oden. 19 Sinkt, in eurer Kuͤhle, durchhaucht von Abend. Luͤften, ihr Laub ſich Leiſe bewege, dann der Liebling ſage Zu dem Maͤdchen:„Sie weint ja nicht, ſte ſaͤuſelt, Lallt Muſik; wie fabelte von der ſchoͤnen Weide der Vorfahr!“ Wenn von dem Sturm nicht mehr die Eich' hier rauſchet, Keine Lispel mehr wehn von dieſer Weide: Dann ſind Lieder noch, die von Hergen kamen, Gingen zu Herzen.—. Die Anklaͤger. Uaer alles Zornentflammende raget es hoch empor, Welches ich ſah, und nach deß Anblick Ich kaum entronnen bin Zu werden ein Menſchenfeind. Verderber iſt er der Menſchenhaß⸗ Dem, welcher durch ihn vergramt; Und dem, den er trift, Fuͤrchterlich, fuͤrchterlich! B 2 20 Klopſtocks Oden. Er iſt es, der immer Greuel Meiner ganzen Seele war: Und dennoch bin ich kaum Dem Ungeheuer entflohn. Denn ihr wuͤthet einher, klaget an, Vor euch ſelbſt, Deß Vorſehung, Faͤllt Endurtheil uͤber Den, Welcher die Orione, Des Leun Herz, die hohe Wagſchaal, Den Adler, die Urne, den Lichtaltar, Die Roſ' in dem Kranz', auch unſre Roſe Gemacht hat, bevoͤlkert hat! Denn ihr andern kriechet einher, verthei⸗ — diget, Vor jener Gericht, Deß Vorſehung, Den, der gemacht hat Die Sterne des leuchtenden Pfades, bevoͤlkert hat! Vertheidigt? ha, ihr entſchuldigt! Mit ſchwachen Gruͤnden, oder mit thoͤrichten, Mit Dingen, die ihr in der Wirklichkeiten Reih Hineinluͤgt, entſchuldigt ihr. Auch vor euch mag ich Seinen Namen nicht nennen! Des tiefen Unterſuchers Geiſt, der Ihn Klopſtocks Oden. 21 Niemals anders, als, mit feyerlichem Ernſt In ſich verlenkt, Als, nach frommen Schweigen, Als mit entbloͤßtem Haupt', ausſprach, Der große Todte moͤchte mir erſcheinen, Und der Nennung mich zeihn. Einer Meynung gluͤhendes Bild Schwebt mir,(o waͤre ſie Wahn!) vor der 4 Stirn; Und nur wenige Zweifel Widerſprechen ihr laut. Sollten Seelen, Die(wendet euch, hoͤrt mich nicht!) Gott Anklagen, richten, entſchuldigen, Dieſe Seelen unſterblich ſeyn? 22 Klopſtocks Oden Verſehiedne Zwecke. „—»— p,—„ v— v v „— p— p,—„ v—„„ v— 2— v— v—„ „— v—„ p— v— v. Ne ſchoͤpfte tief das Frohe der lachichte, Der flatterhafte, gaͤhnende Zeitvertreib; Und o dieß Leere, Kummervolle, Gegen Vergnuͤgen, das uns die Seele Erfuͤllt, und hinreißt, waͤre der maͤchtigſten Von allen Kuͤnſten Ziel? Wir erroͤthen nicht, Nur dieß von einer Kunſt zu fordern? Und daß es ſelber bey deiner gnuͤge, Entgluͤht kein Zorn dir, Dichter? So duld' es denn! Doch buͤß' auch deine Demuth, durch zirkelnden Entwurf,(Verzeichnung iſt er!) glatte Liederchen, oder durch Henriaden; Durch Leidenſchaft, in Bildergewand ge⸗ mummt; Und jedes Knoͤspchen, Bluͤmchen der Zierlich⸗ keit; Klopſtocks Oden. 23 Durch Schoͤnheit, wie der Halbkunſt Tiefſinn Lehret, geleitet von ihren Muſtern: Durch alles, was uns Neueren Untergang Verſpricht, und haͤlt, vom Herzen nicht kommt, ans Herz Nicht geht! Nachahmung, der das Urbild Spottet, durch lallende Goͤtterſprache! Gleich einer lichten Wolke mit goldnem Saum, Erſchwebt die Dichtkunſt jene gewoͤlbte Hoͤh Der Heitre, wo, wen ſie emporhub, Reines Gefuͤhl der Entzuͤckung athmet. Auch wenn ſie Nacht wird, flieht der Genuß doch nicht Vor ihren Donnern; feuriger lezt er ſich! Drauf ſchwebt ſie, ſchoͤner Blaͤue nahe Nachbarin, uͤber dem Regenbogen. Geſondert ſind die Freud', und der Zeit⸗ vertreib; Wie oft auch dieſer jene gebehrdete, Sind unvereinbar, als ob Felſen Thuͤrmten, ob Kluft, ſie zu trennen, ſaͤnke. Der Gute, welcher mich mit Vergnuͤgen . labt, Iſt Nutzenſtifter,(Herzen beduͤrfen auch!) Und bleibt's, und ſtiftet fort, wenn Schwaͤtzer, Die es ihm laͤugneten, lang ſchon ſtumm ſind. 24 Klopſtocks Oden. Aus ſeiner hellen Schaale, ſo ſcheint's, ergießt Sich nur, was heitert, aber er giebt mir mehr: Auch Seelenſtaͤrkung floͤßt der ſuͤße, Geiſtesgeſundheit der friſche Trunk ein. Ihr Andern, ſeyd zu ſicher. An luftigem Gefaͤd', an Spinnweb' haͤnget der Zeitvertreib. Es geht, und geht, will auch die Halle Reinigen, kommt mit der Eul, und feget. Die Trennung. Do wurdeſt ja ſo ernſt, da ſie die Leiche Voruͤbertrugen; Fuͤrchteſt du den Tod?„Ihn nicht!“ Was fuͤrchteſt du denn?„Das Sterben!“ Ich ſelbſt dieſes nicht.„Du fuͤrchteſt alſo nichts?“ Weh mir, ich fuͤrcht', ich fuͤrchte.„Beym Him⸗ mel! was?“ Den Abſchied von den Freunden! Und meinen nicht nur, ihren Abſchied auch! Das war's, daß ich noch ernſter als du; Und tiefer in der Seel' es wurde, Da ſie die Leiche Voruͤbertrugen. Klopſtocks Oden. 25 Die Verkennung. „— v— v,— v d— v d „— v— v,— v v— v„ „— v— v— v—„ — v v— v v—„— v. Da, der des Herrſchers Weg zur Un⸗ ſterblichkeit Mit ſcharfem Blick ſah; aber der Weg' auch viel Nicht ſah, die fuͤhren durch die große, Oft von Getaͤuſchten verwuͤnſchte Irre: Nicht ſahſt, daß Deutſchlands Dichtkunſt ſich ſchnell erhob, Aus feſter Wurzel daurender Stamm, und weit Der Aeſte Schatten warf! doch jetzo Auch es entbehrteſt, zum Wuchs den Hainbaum Mit Thau zu friſchen: Friedrich, dein Ad⸗ lerblick Wo war er, da ſich regte des Geiſtes Kraft, Muth, Flamme, alles, dem Belohner Koͤnige ſeyn, es nicht ſchaffen koͤnnen? Klopſtocks Oden. Seyd ſtolz, auch ihr ſaht, Dichter, wo durch die Irr' Ein ſteiler Pfad ging. Ohne die Friſchung, wuchs Im Hain' es fort, und neue Sproſſe Saͤuſelten, rauſchten von Fruͤhlingsluͤften. Doch konnt' auch Hoͤrer deutſches Geſan⸗ ges ſeyn, Deß Ohre Zauber war der tuͤdeske Reim, Durch den er jetzt des Thrones Launen Scheuchte, und jetzo der Schlacht Geſpenſter? Dein Lied nicht ſchuͤtzt dich vor der Vergeſ⸗ ſenheit; Dein Schirm ſind Thaten! Aber des Meiſters. Werk, Nur das bleibt da, wie's iſt: in Nebel Huͤllt die Geſchichte die That des Meiſters. Mehr truͤbt der Nebel, wenn, was du tha⸗ teſt, du Selbſt redeſt; mehr noch, wenn du ihm Schim⸗ mer giebſt: Auch ſchaffſt du dieſen nicht, durch kleiner Bloͤßen Enthuͤllung, zu Licht der Wahrheit. Klopſtocks Oden. 27 Ihr. Tod. ₰ Sauf ſanft, du Groͤßte deines Stammes, Weil du die menſchlichſte warſt! Die wareſt du, und das graͤbt die ernſte Ge⸗ ſchichte, 8 Die Todtenrichterin, in ihre Felſen. Oft wollt' ich dich ſingen. Die Laute ſtand, Klang von ſelbſt mit innigen Toͤnen von dir; Ich ließ ſie klingen. Denn wie du Alles, was nicht edel war, haßteſt, So haß' ich, bis auf ihren Verlorenſten Schein, Auf das leichteſte Woͤlkchen Des Naͤucheraltars, die Schmeicheley. Jetzt kann ich dich ſingen. Die Schlan⸗ genzunge ſelbſt Darf nun von jenem Scheine nicht ziſchen. Denn du biſt todt! Aber ich habe geliebt, und vor Wehmuth Sinket mir die Hand die Saiten herab. Doch Ein Laut der Liederſprache, Ein Flammenwort. Dein Sohn mag forſchen ſtrebend, 28 Klopſtocks Oden. Ringend, duͤrſtend, weinend vor Ehrbegier: Ob er dich erreichen koͤnne? Friederich mag ſein graues Haupt Hinſenken in die Zukunft: Ob von ihm Erreichung melden werde Die Felſenſchrift der Todtenrichterin? Schlaf ſanft, Thereſta. Du ſchlafen? Nein! denn du thuſt jetzo Thaten, Die noch menſchlicher ſind„ Belohnet durch ſie, in hoͤheren Welten! — Unterricht. 9— v— u,— v„ v— v— v,— v 5—„„ — v———„ — 9„— à— v. * IHduna Hensler gruͤßet, mein Stollberg, dich, Und ſagt dir leichthinſpielendes Ganges, hoch Den Kopf, die Maͤhn' im Fluge: Daß ſie, Bey der entſcheuchenden Kerze Schimmer, In dieſem ſtets noch ſtarrenden Winter,(Ach Zum erſtenmale wagt' ich, die muͤrriſchen Klopſtocks Oden. 29 Oſtwinde meidend, nicht, der Eisbahn Toͤnende Fluͤgel mir anzulegen!) Durch mich zum Aufſitz ſtehen gelernet; durch mich Gelernt kurzen Zephyrgalopp, verlernt, Doch nicht zu ſehr! den allzu frohen, Launigen Schwung in die Laͤng' und Breite! Hat ſie, von mir auch ſo durch den Fluß zu fliehn Gelehrt, daß ſpritzend Waſſer den Blick mir traf, Von ſelbſt nicht in dem See einſt halbe Kreiſe gemacht, mit des Rehes Anſprung? Sie ſagt dir ferner, wiehert es Obenein: Mit goldner Buckel ſey, dir zu Ehren! ihr Der Zaum geſchmuͤckt. Was Buckel? ſie ſey Schoͤner, als deine Olympione! Das wirſt du neiden, wenn ich im Lenze dir, Und Bernſtorff, nach dem langen Geharr im Buſch,. So bald des Gleiſes Woͤlkchen herwallt, Schnell aus dem Schatten entgegen fliege. 3⁰ Klopſtocks Oden. Mehr Unterricht. v—„=„,„„—* v, „—„— 5,— v„„, „ o=„„—, — v v— v v— v— v. Se, die den Wunſch gab, ſchoͤner ſie, als der Gaul Von Alſens Eiland, lernte noch mehr. Sie ſprang Sonſt raſches Leichtſinns uͤber Graben, Trockne, wie's kam, und vom Moor getraͤnkte. Viel Leichtſinn hat ſie, aber hat auch Ver⸗ ſtand Und Auge, ſetzet nun mit Bedachtſamkeit Den Huf vorfuͤhlend hin, mißt alles, Fehlet die Breite um keinen Halm nicht. Mir, dem das Haar ſchon grau, und Er⸗ innerer Der Lebensflucht wird, haben ſich Juͤnglinge Nicht nachgewagt, wenn ich die ſchoͤnern Gegenden uͤber dem Kluͤftchen anwies. Doch warn den kuͤhnen, kuͤhner, daß er aus Luſt Klopſtocks Oden. 3¹ Sich nicht des Weidners Graben zum Ueberſatz Aufſuche, weil Iduna dann ſich Etwa vermaͤß', und das Ziel verfehlte. Selbſt da, wo zwiſchen Tiefen der ſchmaͤlere Fußſteig ſich ſchlaͤngelt, wandelt ſie, ungefolgt In ſichrem Gleichgewicht gehalten, Durch den gelinderen Zug der Trenſe. Du waͤhnſt, du wiſſeſt alles nun; irreſt dich! Vor nichts entſetzte mehr ſie ſich, ſchnob ſie ſo, Als wenn des frommen Moͤnchs Erfindung, Noch ſo entfernt, wo heruͤber ſchallte. Fluch ſeiner Unſchuld ſelber! Die Koͤnige, Vom Moͤnch bewaffnet, haben das Moͤrderbley Wie Saat geſaͤt, und tauſendfaͤltig Wuchs aus der ſchrecklichen Saat Verderben! Doch weg den Blick! Iduna, gefuͤhrt von mir, Beſtraft, geſtreichelt, heftiger angeredt, Dann leiſer, ſanfter, ſteht dem Schuſſe Zwar nicht mit Ruh, doch den Dampf be⸗ ſchnaubt ſie. Ich kann den Blick nicht wenden! Die Koͤnige, Weh ihnen, Weh! zerſchmetterten; brachten dir Zum Opfer, Tod! von heiſſem Blute Schaͤumende Schalen, ſie ſelbſt auch Menſchen. „ 3²⁸ Klopſtocks Oden. Ueberſchaͤtzung der Auslaͤnder. Wertennt denn euer Vaterland, Undeutſche Deutſche! ſteht und gaft, Mit bloͤder Bewundrung großem Auge, Das Ausland an! Wettſtreitet, wer am lautſten ſtaunt! Verdorret iſt des Siegers Kranz! Wir rufens euch zu; doch ihr betaͤubt euch, Und ſtreitet fort. Wir ſpotten eures Kampfes nicht; Das iſt des Mitleids Sprache nicht. Ungluͤckliche ſind uns heilig! Traut uns, Wir ſpotten nicht. Dem Fremden, den ihr vorzieht, kams Nie ein, den Fremden vorzuziehn: Er haßt die Empfindung dieſer Kriechſucht! Verachtet euch, Weil ihr ihn vorzieht! Faßt ihr nun, Daß wir auf euch voll Mitleid ſehn? Ergruͤndet ihr nun, daß ihr ungluͤcklich, Uns heilig ſeyd? ———— Klopſtocks Oden. 33 Der jetzige Krieg. O areeg des ſchoͤneren Lorbeers werth, Der unter dem ſchwellenden Segel, des Wim⸗ pels Fluge, Jetzo zeſüpt wird, du Krieg der edleren Hel⸗ den! Dich ſinge der Dithyrambe, der keine Kriege ſang. Ein hoher Genius der Menſchlichkeit Begeiſtert dich! Du biſt die Morgenroͤthe Eines nahenden großen Tags! Europa's Bildung erhebt ſich Mit Adlerſchwunge, durch weiſe Zoͤgerung Des Blutverguſſes, durch weiſere Meidung, Durch goͤttliche Schonung, In Stunden, da den Bruder toͤdtend, Der hahene Menſch zum Ungeheuer werden muß. Denn die Flotten ſchweben umher auf dem Ozean, Und ſuchen ſch, und finden ſich nicht. Klopſt. Oden. II. B. C 34 Klopſtocks Oden. Und wenn ſie verweht, oder verſtroͤmt, ſich endlich erblicken: So kaͤmpfen ſie laͤnger als je Den leichtzertrennenden Kampf Um des Windes Beyſtand. Und muß es zuletzt denn doch auch be⸗ ginnen Das Treffen; ſo ſchlagen ſie fern. Fuͤrchterlich bruͤllet Ihr Donner; aber er rollt Seine Tod' in das Meer. Kein Schiff wird erobert, und keins, zu belaſtet Von der hineinrauſchenden Woge, verſenkt, Keins flammt in die Hoͤh, und treibet, Scheiter, umher uͤber ſinkenden Leichen. Der Flotten, und der Schiffe Gebieter Schlagen ſo, ohne gegebenes Wort, Was brauchen ſie der Worte die tiefer den⸗ kenden Maͤnner? Sie handeln! verſtehen ſich durch ihr Handeln! Erdekoͤnigin, Europa! dich hebt, bis hinauf Zu dem hohen Ziel, deiner Bildung Adler⸗ ſchwung: Klopſtoecks Oden. 35 Wenn unter deinen edleren Kriegern Dieſe heilige Schonung Sitte wird! O dann iſt, was jetzo beginnt, der Mor⸗ genroͤthen ſchoͤnſte; Denn ſie verkuͤndiget Einen ſeligen, nie noch von Menſchen erlebten Tag, Der Jahrhunderte ſtrahlt, Auf uns, die noch nicht wußten, der Krieg Sey das ziſchendſte, tiefſte Brandmahl der Menſchheit! Mit welcher Hoheit Blick wird auf uns herab⸗ ſehn, Wen die Heitre labt des goldenen Sages! Wareſt du, Saite, wirklicher Zukunft Weiſſagerin? Sahe der Geiſt, welcher dich umſchwebt, Goͤttermenſchen? oder hat er vernichtungsſcheue Gottesleugner geſehn? 2 36 Klopſtocks Oden. An Freund und Feind. Weter hinab wallet mein Fuß, und der Stab wird Mir nicht allein von dem Staube, den der Weg ſtaͤubt, Wird dem Wanderer auch von Aſche Naͤherer Todter bewoͤlkt. Schoͤn wird mein Blick dort es gewahr. 3 O der Ausſicht Druͤben! da ſtrahlt's von dem Fruͤhling, der uns ewig Bluͤht, und duftet, und weht. O Pfad, wo Staub nicht, und Aſche bewoͤlkt. Aber ſondern muß ich mich, trennen mich, nnuß von den Freunden Scheiden! Du biſt ein tiefer bitterer Kelch! Ach traͤnk' ich dich nicht bey Tropfen! Leert' ich mit Einem Zuge dich aus, Ungeſtuͤm aus! wie, wer Durſ lechzt, Schnell ſich erkuͤhlt, ſich erlabet an dem 3 Labſal! Klopſtocks Oden. 37 Weg vom Kelche, Geſang! Tiefſinnig Hatt' ich geforſcht, Zweifelnd verſenkt, ernſter durchdacht:(O es galt da Tauſchung lnicht mit, und kein Wahn mit) Was ihn mache, Der, zu leben! entſtand, zu ſterben! Gluͤcklich den? Ich war es, und bins! Viel Blumen bluͤhn in dieſem heiligen Kranz. Unſterblichkeit Iſt der Blumen Eine. Der Weiſe durchſchaut Ihrer Wirkung Kreis. Sie ſcheint der Koͤnige Loos; Allein die werden in der Geſchichte zu Mumien! Geburtsrecht zu der Unſterblichkeit Iſt Unrecht bey der Nachwelt. So bald einſt die Geſchichte, Was ihr obliegt, thut: ſo begraͤbt ſie durch Schweigen, und ſtellt Die Kenige dann ſelbſt nicht mehr als Mu⸗ mien auf. Sie ſind nach dem Tode, was wir ſind. Bleibt ihr Name; ſo rettet ihn nur Ver⸗ dienſt, Nicht die Krone: denn ſie Sank mit dem Haupte der ſterbenden. 38 Klopſtocks Oden. Voll Durſtes war die heiſſe Seele des Juͤnglings Nach der Unſterblichkeit! Ich wacht', und ich traͤumte Von der kuͤhnen Fahrt auf der Zukunft Ozean! Dank dir noch Einmal, mein fruͤher Ge⸗ leiter, daß du mir, Wie furchtbar es dort ſey, mein Genius, 1 zeigteſt. Wie wies dein goldener Stab! Hochmaſtige, vollbeſegelte Dichterwerke, Und dennoch geſunkene ſchreckten mich! Weit hinab an dem brauſenden Geſtade Lag's von der Scheiter umher. Sie hatten ſich hinaus auf die Woge gewagt, in den Sturm gewagt; Und waren untergegangen! Bis zu der Schwermuth wurd' ich ernſt, vertiefte mich In den Zweck, in des Helden Wuͤrd', in den Grundton, Den Verhalt, den Gang, ſtrebte, gefuͤhrt von 4 1 der Seelenkunde, Zu ergruͤnden: Was des Gedichts Schoͤnheit ſey? Klopſtocks Oden. 39 Folg, und ſchwebt' umher unter des Va⸗ terlands Denkmalen, Suchte den Helden, fand ihn nicht; bis ich zuletzt Muͤd' hinſank; dann wie aus Schlummer ge⸗ weckt, auf Einmal Rings um mich her wie mit Donnerflammen es ſtrahlen ſah! Welch Anſchaun war es! Denn Ihn, den als Chriſt, ich liebte, Sah ich mit Einem ſchnellen begeiſterten Blick, Als Dichter, und empfand: Es liebe mit In⸗ nigkeit Auch der Dichter den Goͤttlichen! Erſtaunt uͤber Seine ſo ſpaͤte Wahl, dacht“ ich nur Ihn! Vergaß ſelbſt der geduͤrſteten Unſterblichkeit, Oder ſahe mit Ruh das betruͤmmerte Geſtade, Die Wog', und den Sturm! Strenges Geſetz grub ich mir ein in Erzt: Erſt muͤſſe das Herz Herrſcher der Bilder ſeyn; beginnen duͤrf' ich erſt, Waͤre das dritte Zehend des Lebens entflohn: Aber ich hielt es nicht aus, uͤbertrat, und begann! 8 40 Klopſtocks Oden. Die Erhebung der Sprache, Ihr gewaͤhlterer Schall, Bewegterer, edlerer Gang, Darſtellung, die innerſte Kraft der Dicht⸗ kunſt; Und ſie, und ſie, die Neligion, Heilig ſie, und erhaben, Furchtbar, und lieblich, und groß, und hehr, Von Gott geſandt, Haben mein Maal errichtet. Nun ſtehet es da, Und ſpottet der Zeit, und ſpottet Ewig gewaͤhnter Maale, Welche ſchon jetzt dem Auge, das ſieht, Truͤm⸗ mern ſind. Klopſtocks Oden. 41 An den Kaiſer. Cui tresg animas... Virg. „— 9— 2,— 95 5b— 1 5 v— v— v,— v v— v— d— v— d— 1 — v d— d d— d— v. Da Prieſter rufſt du wieder zur Juͤn⸗ gerſchaft Des großen Stifters; macheſt zum Unterthan Den jochbeladnen Landmann; machſt den Juden zum Menſchen. Wer hat geendet, Wie du beginneſt? Wenn von des Acker⸗ bau's Schweiß nicht fuͤr ihn auch triefet des Bauren Stirn, Pfluͤgt er nicht Eigenthum dem Saͤugling, Seufzet er mit, wenn von Erndtelaſten Der Wagen ſeufzt: ſo buͤrdet Tirannenrecht Dem unterdruͤckten Landeserhaltung auf, Dienſt, den die blutge Fauſt des ſtaͤrkern Grub in die Tafel, Und die zerſchlaͤgſt du! 4² Klopſtocks Oden. Wen faßt des Mitleids Schauer nicht, wenn er ſieht, Wie unſer Poͤbel Kanaans Volk entmenſcht! Und thut der's nicht, weil unſre Fuͤrſten Sie in zu eiſerne Feſſel ſchmieden? Du loͤſeſt ihnen, Retter! die roſtige, Engangelegte Feſſel vom wunden Arm; Sie fuͤhlen's, glauben's kaum. So lange Hat's um die elenden hergeklirret! Wir weinten Unmuth, daß uns der Roͤmer . Rom Zwar nicht beherrſchte, aber doch peinigte: Und blutig iſt die andre Thraͤne, Daß uns der Roͤmlinge Rom beherrſchet! Daß Deutſchlands Kaiſer Biegel des Zel⸗ ters hielt! Daß Deutſchlands Kaiſer nackt um des Buhlen Schloß Herging, erfror; wenn nicht Matildis.. Aber du kommſt kaum, und ſiehſt; ſo ſiegſt du! Nun mag der kronentragende Obermoͤnch, Mit allen ſeinen purperbemaͤntelten. Moͤnchlein, das Kanonsrecht, wie weit es Walte, beſchielen. Du haſt geſehen! —— Klopſtocks Oden. 43 * Der rechte Entſchluß. — b— p—,—„—„ — v—„—,„„—„ —„= o —„—„—., We nicht fuͤrchtet, nicht hofft, nur der iſt gluͤcklich! Alſo denkt er: Der Weiſ' erwartet ruhig, Was ihm ſenden die Vorſicht Werde, Freud' oder Schmerz. Du, dem's hier ſich noch woͤlkt, du waͤhnſt die Zukunft Auszuſpaͤhen. Du Thor, wirſt du denn nie⸗ mals Vom ganz anderen Ausgang, Dir zum Heile, gewarnt? Lernſt du niemals, daß du, ach durch die . Hoffnung Auch, dich quaͤleſt? Denn ſie, wenn ſie nun ſcheidet, Reicht, im groͤßeren Kelche Herbes Trunkes viel mehr. 44 Klopſtocks Oden. Und verſcheucheſt du nicht, was jetzo da 2 iſt, Durch des kuͤnftigen Traum? und lebſt ein Leben, Welches, leer des Genuſſes, Heut nicht, Morgen nicht hat? Sey, Erwartung, gegruͤßt, des Weiſen Staͤrke, Und Zufriedenheit du mit dem, was Gott ſchickt! Leitet ferner; ihr fuͤhrtet Schoͤnen, einſamen Pfad Hin am Meere, wo, nach verſchwundner Heitre, Stuͤrme brauſen, verweht der Nothſchrey jam⸗ mert, Bis die Laſten der Lotſe Zaͤhlt, die Leichen nicht mit! Wo, nach leiſerem Spiel der ſanften Welle, Wogen branden, daß dumpf das Felsgeſtad kracht, Und der ſchwellende Todte Stroͤmt zum weiſſen Gebein! Klopſtocks Oden. 45 Die Maßbeſtimmung. — —„„—,„— v—,„ p—„ — p p—, v v— p(—) v„—„ —„— p—, p(—)—„ — p—„„—. 1 & Freude! da ſteht's, ein Geniuswerk; und mir iſt doch Etwas nicht da, ich entbehre! Der Entzuͤckung Strahlen, die es auf mich herſtroͤmet, Treffen, wie iſt das? nicht ganz; Huͤllen ſich dort, und huͤllen ſich da, wie in Daͤmmrung, Strahlen nicht ganz in das Herz hin; denn ich wuͤnſche! Und doch lockt ihm das Haar die Schoͤnheit, Hellt ihm mit Laͤcheln den Blick; Fuͤllt ihm die Stirn die Hoheit mit Ernſt, . mit dem heitren In dem Geſicht des Entſchloſſnen, wenn er That thut⸗ Oder thun will. O du der Irre Faden, wo liegſt du? Was fehlt? 1 —— — —— ä4ä4ää11. — — 46 Klopſtocks Oden. Stimmet vielleicht der Theile Verein nicht harmoniſch?. Dich, Harmonie, der gehorchend, ſich zu Mauren Felſen waͤlzen! der Baum, zu ſchatten, Wandelt ins Sonnengefild! Zaubert ſo gar der Meiſter nicht ſtets. Hat das Urtheil Etwa den Theil, und das Theilchen nicht mit ſcharfem Blick gemeſſen? bemerkt' es Ausart In das zu Groß, und zu Klein, Die nicht? Genau das Maß nicht gedacht; n) und der Umriß Ruͤndet ſich nicht mit der Biegung, der es gluͤk⸗ — ket. Ohne Meſſung gelang ſelbſt Venus Guͤrtel den Grazien nicht. Faden, o da, da windeſt du dich, von Athene's Finger gedreht zu der Leitung aus der Irre. Maßbeſtimmung! auch du lehrſt Felſen Wallen, und Haine, den Strom Saͤumen! Vermiß' im Lied' ich dich oft; ſo entſchluͤpf' ich, Frey nun, dem Kreis, den ſein Zauber um . mich herzog: Und der winkt mir vielleicht vergebens Dann mit dem maͤchtigen Stab. —— Klopſtocks Oden. 47 Mein Wiſſen. — b v—,»(—)— v v—,„—„ — b b—, v b—»,(—) v—„ —*(J-) ⸗,(—) ⸗ —„ 5»— * Wena iſt nur des Wahren, das mir zu ergruͤnden Glückte; doch iſt mir es theuer, wie ein Kleinod, Durch vieljaͤhrigen Schweiß errungen, Oder erkaͤmpfet mit Blut! Iſt mir ein Trunk im Kuͤhlen geſchoͤpft aus der Quelle; Einer, der alt von der Kelter, im Kryſtall blinkt! Fruͤhlingsſaͤuſeln am Baum, der anbluͤht; Wehen des fallenden Stroms; Liebliche Ruh, ſtaͤubt endlich der Fuß in des Weges Kruͤmme nicht mehr: wie durchgluͤhte von dem lichten Himmel ſinkend der Strahl! wie fern lag Lange die thuͤrmende Stadt! 48 Klopſtocks Oden. Labt, wie ein Buch, worin es im Geiſt der verkannten Griechen ſich regt, von ſich ſelber, die Ge⸗ ſtalten Nicht nachahmend, die auch urſpruͤnglich, Laͤchelnd auf Aehnlichung ſehn; Heitert mich auf, wie lebender Tanz, den der Juͤngling Schleunig begann, und ſein Maͤdchen, da die Floͤte Wo im Schatten erſcholl, der Spieler Gern zu den liebenden kam: Freudegeſpraͤch, das iſt es mir auch, wenn 1 in Freud' und Leide das Herz nun dahinſtroͤmt! O geoͤffnet Wird es dann, wie vor Gott, dann rinnen Beyderley Thraͤnen herab! Klopſtocks Oden. 49 Der Kranmn z. — b(v v)— p—,—„ p— v„ — b( b)—,. Danf euch, Griechen, daß ihr, was der Ver⸗ ſtand vereint, Wie dem Freunde den Freund, Wie dem Juͤngling die Braut Liebe, gewalt⸗ ſam trennt; Wenn mit ſiegendem Reitz Eure Sprache, wie Thau, euch von der Lippe traͤuft! Denn wer traͤte mit euch In die ſtaͤubende Bahn, wo es am Ziele gruͤnt Saͤumt' euch das nicht im Lauf. „Blumen ſinds, was umher wir in der Flur zerſtreun!“ Beſſer floͤchtet ihr ſie Gleich in Kraͤnze; ſo letzt' all des Geruches Duft Jeden athmenden Zug. Denn wer mag in der Flur immer umher ſich drehn, Suchen, ob irgendwo noch Klopſt. Oden. II. B. D 5⁰0 Klopſtocks Oden. Lieg' ein Bluͤmchen, es dann leſen, und ſorg⸗ ſam reihn? Lieber nimmt man den Kranz. „Aber der Rithmos gebot's!“ Phoͤbus Geſang iſt der Dichtern, wenn er gehorcht; Iſt Sirenengeſang, wenn er gebeut: und doch Trankt ihr mit durſtigem Ohr. Durft' er herrſchen ſelbſt da, wo es das Leben galt, Welches der Dichter erſchafft? „Ach er lockte ſo ſanft!“ Und den perſockten ſank Viel des Lebens dahin! Der Traum. „, p— v—„,—„ p—„„ 2— 2— v— 2— d * 3 — p„—„ p—„—„. Im frohen, goldnen Traum von Unſterb⸗ lichkeit, Von aͤltern Maalen, als ſie aus Erzte gießt Der Kuͤnſtler, lagen, wie durch Zauber⸗ Kelche berauſchet, die Dichter Deutſchlands. Klopſtoeks Oden. 5¹ Wie maͤchtig rufſt du, redend inſtemden Laut Selbſt hier mit Deutſchen, ſie aus dem Won⸗ netraum! Unſterblichkeit? die nicht; du laͤugneſt Selber das Daſeyn von ihren Werken. Bis hin zur Temſe, bis zu dem Rhodan hin Erſchallt's, und Schaaren trinken, im dichten Drang, Mit Horcherohr, zu neuer Einſicht, All die Belehrung, wovon du triefeſt. Durch ſeines hohen Spruches Entſcheidun⸗ gen 4 Geweckt, entzaubert, leugnen die Dichter nicht Deß Maales Ewigkeit, das er ſich Zu dem verdienteſten Ruhm geſetzt hat, Als Endurtheiler! Bleibender wird es ſtehn, Denn Memphis Graͤber, Stuͤrmen zerſtoͤrbar nicht! Wird mit der Zeiten Flucht nicht ſchwinden, Noch der Vergaͤnglichkeit Strom'! erhalten, (Toͤn' andres Tones, Saite!) zur Schau 1 geſtellt. Durch Werke, deren Daſeyn er laͤugnete. Denn Taͤuſchung war's nicht! denn die weiße Pforte durchſchwebte der Dichter Traum nicht! D 2 Klopſtocks Oden. Bey d. — v( b)——,— b— v„ — v(v)—„—. 3 Saand der Genius je, ohne die Kunſt, und ſie, Ohn' ihn, jemals am Ziel? Nennet Kunſt nicht, was mis, wie er auch gruͤbelte, Schuf der Aesthetiker, mis, Wie tiefſinnig der Mann auch ſich geberdete, Und es dem Lehrlinge ſchien. Solch ein blinzendes Ding, traͤumt ihr, erkohr er ſich Jener Sohn des Olymps, Das zur Geliebten?(Kein Traum traͤumet wie eurer!) das Waͤre des Genius Kunſt? Ohne die er nur halb lebet, die er durch ſich Kennt, von der Forſchungen Luſt Hingeriſſen, zu ſpaͤhn, was zu dem Herzen ſtimmt; Und von der falſchen Geſtalt Nicht getaͤuſchet, die ſie faͤlſchten, die unbe⸗ lehrt Muſter ſahn, und Natur. Klopſtocks Oden. 53 Kaum begann er zu bluͤhn, fuͤhlte ſich ſelber kaum, Als ihm Roͤthe fuͤr ſie Schon entgluͤhte. Er ſieht bald ſie am Roſen⸗ . buſch Stehn im ſaͤuſelnden Weſt, Ach und weinen vor Scham, daß ſie, die Ein⸗ falt ſelbſt, Doch verheimlichen ſoll. Trunken lieben ſie ſich! Neben den gluͤcklichen Sproſſet der kuͤnftige Kranz. — Die Sprache. An Karl Friedrich Eramer. 5 v— p—„ p—, v(—)—», — p„—,—»(—)— 2— 9»— v— p„— d— v,(—) p—„, Das Gedankens Zwilling, das Wort ſcheint Hall nur, Der in die Luft hinfließt: heiliges Band Des Sterblichen iſt es, erhebt Die Vernunft ihm, und das Herz ihm! 54 Klopſtocks Oden. Und er weiß es; denn er erfand, durch Zeichen Feſt, wie den Fels, hinzuzaubern den Hall! Da ruht er; doch kaum, daß der Blick Sich ihm ſenket, ſo erwacht er. Es erreicht die Farbe dich nicht, des Mar⸗ mors Feilbare Laſt, Goͤttin Sprache, dich nicht; Nur weniges bilden ſie uns: Und es zeigt ſich uns auf Einmal. Dem Erfinder, welcher durch dich des Hoͤ⸗ 1 rers Seele bewegt, that die Schoͤpfung ſich auf! Wie Duͤften entſchwebt, was er ſagt, Mit dem Reize der Erwartung, Mit der Menſchenſtimme Gewalt, mit ih⸗ rem Hoͤheren Reiz, hoͤchſten, wenn ſie Geſang Hinſtroͤmet, und inniger ſo In die Seele ſich ergießet. Doch, Erfinder, taͤuſche dich nicht! Fur dich nur Iſt es gedacht, was zum Laute nicht wird, Fuͤr dich nur; wie tief auch, wie hell, Wie begeiſternd du es dachteſt. Die Geſpielen ſind ihr zu lieb der Sprache; Trenne ſie nicht! Enge Feſſel, geringt 4 Klopſtocks Oden. 55 An lemniſcher Eſſe, vereint Ihr den Wohlklang, und den Verstanz. Harmonie zu ſondern, die ſo einſtimmet, Meidet, wer weiß, welcher Zweck ſie verband: Die Trennungen zwingen zu viel Des Gedachten zu verſtummen. Von dem Ausland, Deutſche, das Tanz des Liedes Klagend entbehrt, lernet ganz, was es iſt, Dem viele von euch, wie Athen Ihm auch horchte, noch ſo taub ſind. Und es ſchwebt doch kuͤhn, und gewiß Teu⸗ tona. Wendungen hin, die Hellaͤnis ſo gar Nicht alle, mit ſtolzem Gefuͤhl Des Gelingens, ſich erkoͤhre. Den Geſpielen laſſet, und ihr der Goͤttin Blumen uns ſtreun: Himmelſchluͤſſeln dem Klang, Dem Tanz Hiazinten, und ihr Von den Roſen, die bemoost ſind. Sie entgluͤhen lieblicher, als der Schweſtern Bluͤhendſter Buſch, duften ſuͤßern Geruch; Auch ſchmuͤckt ſie ihr mooſig Gewand, Und durchraͤuchert ihr Geduͤfte. 56 Klopſtocks Oden. Der Nachruhm. Ganzend iſt, Krieger und Koͤnige, was ihr thatet, vielleicht auch Edel, o Wunder! ſo gar. Was es denn ſey; es ſteiget gewiß zu dem En⸗ kel hinunter: Aber in welcher Geſtalt? Etwa in der, die es hatte, da ihr es thatet? In jeder Andern, in dieſer nur nicht! Von der Geſchichte verfehlt, bald hoch zu der Wolke gehoben, Bald geſenkt in den Staub; Mit der Fabel Verwandlung beynah gebildet, zum Drachen Kadmus, der Drache zum Gott. Und nun ſetzen die Richter ſich hin, und richten den Schatten, Weiſer Entſcheidungen voll, Alles, nachdem bey dem glimmernden Docht 1 der Erzaͤhlende dunkel, Oder dunkler es ſah. Arme Krieger und Koͤnige, das iſt alſo der ³ Nachruhm, Der euch ſchlafen nicht ließ? Klopſtocks Oden. 57 Euch verbot, an der Wiſſenſchaft erfriſchenden Quelle Auch nur am Abend zu ruhn? Unerquickte, ſo halten die Radamantchen der Nachwelt Ueber euch ihr Gericht? Gluͤcklicher fiel ſein Loos dem Dichter. Was er uns nachließ, Bleibet ſtets, was es war. Ueber ihn waltet ſie nicht, die Geſchichte; da ſpielt die Verwandlung Nicht, wie mit Thaten ſie ſpielt. Richter ſehn die Fehle des Werks, die Schoͤn⸗ heit: allein mehr, Andere nicht, denn es hat. Nichtelnde koͤnnens mit Tadel beſtaͤuben, und Lobe; doch dieß auch Koͤnnen die waͤhnenden nur. Andere kommen dann auch, und ſtaͤuben ab: und es ſtehet Wieder da, wie es ſprang Aus des Gebaͤrenden Stirn, geruͤſtet mit der Aegide, Oder mit Kraͤnzen geſchmuͤckt. Gluͤcklicher ſiel dem Dichter ſein Loos. Er wohnt an der Quelle, Trinkt ſie mit feurigem Durſt, Schoͤpfet dem Schnitter daraus, und bringt die labende Schaale Ihm in das Sonnengefild: 58 Klopſtocks Oden. Oder leitet ihm zu in der Ulme Schatten die Kuͤhlung, Und vom Weſte beweht. Die Rache. — v— o—, d——„ —„—=, p—„—„ 8 — b— p— — b„—„„—. L ng. erwarteten wir, du wuͤrdeſt Deutſch⸗ lands Muſe ſchuͤtzen, auch ſo mit Ruhm dich kroͤnen; Durch den ſchoͤneren Lorbeer Decken des anderen Blut! Gleimen ſandte ſie dir, und ſandte Ram⸗ lern, Dich zu fragen. Und du? Daß ſie ihr Auge Niederſenkte, die Wang' ihr. Flammte von roͤtherer Scham! So antworteteſt du. Sich nicht zu raͤchen, War er ſchonend genug der Deutſche, deiner Hier auch werther, als du ihn, Fremdling im Haimiſchen, kennſt. Klopſtocks Oden. 59 Doch du ſelber haſt ihn an dir geraͤchet! Heiß ſchon war der Beginn; allein die letzte Rache gluͤhet, wie keine Sonſt, von zerſtoͤrender Glut. Wie der Geiſt dich auch hebt; er fliegt ver⸗ gebens Wenn das Wort ihm nicht folgt. Der Unge⸗ weihte In der Sprache Geheimniß Toͤdtet das lebendſte Bild. Du erniederteſt dich Auslaͤndertoͤne Machzuſtammeln, dafuͤr den Hohn zu hoͤren; Selbſt nach Aruets Saͤubrung,* Bleibe dein Lied noch tuͤdesk. Und die letzte? Dein Blatt von Deutſch⸗ lands Sprache! Die, die Rache iſt ſelbſt dem Widerrufe Nicht vertilgbar; beſchleyern, Thuſt du ihn, kann er es nur. Widerrufe von dir? Deß ſind wir ſicher! Sicher, daß du auf dich aus voller Schaale Rache ſtroͤmeſt, dem weiſern Enkel noch ſuͤßer als uns. Denn er moͤchte vielleicht Erobrergroͤße Anders aͤchten, als wir; Verdienſt des Pflanzers Heller ſehen, es ſondern Von des Begießers Verdienſt. 60 Klopſtocks Oden. Aesthetiker. — 2 5—,—„„=„„—„ — 2—.„ p— 2,(—) v p—„ — 5— 2—,„—„ — d— v— * Barder ihr nicht Satzungen auf dem ge⸗ weihten Dichter? erhebt zu Geſetz ſie? und dem Kuͤnſt⸗ ler 3 Ward doch ſelbſt kein Geſetz gegeben, Wie's dem Gerechten nicht ward. Lernt: Die Natur ſchrieb in das Herz ſein 1 Geſetz ihm! Thoren, er kennt's, und ſich ſelbſt ſtreng, iſt . er Thaͤter; Kommt zum Gipfel, wo ihr im Antritt, Gehet ihr einmal, ſchon ſinkt. Regelt ihr gar lyriſchen Flug: o ſo trefft ihr 's Aug' in den Stern dem Geſange der Alzaͤe, Trefft, je ſchoͤner es blickt, je ſtaͤrker Ihr's mit der paſſenden Fauſt. —— — Klopſtoeks Oden. 6 4 Iſt auch ein Lied, wuͤrdig Apolls, der 3 Achaͤer Truͤmmern entflohn, der Quiriten, ein Melema, Oder Eidos, nur eins der Choͤre Sophokles, dem ihr nicht trefft? An Johann Heinrich Voß. ½ „—— p,— v„—„„ „— p— p,—„„—„ 2 „—„— pb—„—„ — pb— 5„—„—. . J een gute Geiſter hatten Maͤonides Und Maro's Sprachen, Wohlkang und Sil⸗ benmaß. Die Dichter wallten, in der Obhut Sichrer, den Weg bis zu uns herunter. Die ſpaͤtern Sprachen haben des Klangs noch wohl; Doch auch des Silbenmaßes? Statt deſſen iſt In ſie ein boͤſer Geiſt, mit plumpen Woͤrtergepolter, der Reim, gefahren. Red' iſt der Wohlklang, Rede das Silben⸗ maß; — 62 Klopſtocks Oden. Allein des Reimes ſchmetternder Trommelſchlag Was der? was ſagt uns ſein Gewirbel, Lermend und lermend mit Gleichgetoͤne? Dank unſern Dichtern! Da ſich des Krit⸗ lers Ohr, Fern von des Urtheils Stolze, verhoͤrete; Verließen ſie mich nicht, und ſangen Ohne den Lerm, und im Ton des Griechen. So weit wie Maro kam und Maͤonides Mit Liedestanze, kaͤmen mit ihrem Reim Die Neuern? unter ſeinem Schutze Sichrer im Gange, da ganz hinunter? Dank euch noch Einmal, Dichter! Die Sprache war Durch unſern Jambus halb in die Acht erklaͤrt,ł Im Bann der Leidenſchaften Ausdruck, Welcher dahin mit dem Rithmus ſtroͤmet. Wenn mir der Ruf nicht fabelt; verſchmaͤ⸗ 1 het ſelbſt Der Toͤne Land dieß Neue: und dennoch iſt Die Sprache dort die muttergleichſte Unter den Toͤchtern der Romanide. Weil denn in dieſer Hoͤhe die Traub' euh Me2 haͤngt; So hab' ich Freundes Mitleid mit euch, daß ſie So gar es nicht vermag, die ſchoͤnſte Unter den Toͤchtern der Romanide. —,.— Klopſtocks Oden. 63 Die Sprachen alle ſtutzen, Begeiſtrung, oft, Gebeutſt du, toͤnen ſoll es, wovon du gluͤhſt! Soll dir von allen deinen Flammen Keine bewoͤlkender Dampf verhuͤllen! Beklagt den Dichter, wenn es der ſeinen jetzt Gar an der Nothdurft Schaͤrſe gebricht, ihr 1 jetzt, Mo ſich dem Geiſt das Wort nicht nachſchwingt, Nicht die Bewegung die Schweſterhand beut: Wenn er in ihr Anlage zum Silbenmaß Ausforſcht, und gleichwohl ſchuͤchtern dieß „ 3 Gold nicht graͤbt; Fuͤhlt, wie des Liedes Ernſt der Reime Spiele belachen, und doch ſie mitſpielt. Des Guten mangelt viel ihm; des Schlim⸗ men hat Er viel. Und jetzo kommt die Begeiſtrung, Gebeut! Schnell blutet ſie vom Dolch des Stammlers! ihr Auge verliſcht, ſie ſinket! 64 Klopſtocks Oden. Del phi. ——,»(—)—»—,„—„ — u v—, v„— v,(—) d d—„ — v— o v—, v(—)— — d v v v—, Soene des Mays begeiſterte ſie, in des Griechen Tage zuruͤck ſich zu dichten; und ihr Spiel war Manches jener Olympiaden, Welches verſchwand, und noch iſt! Manches, was Freud' in Tempe einſt war, was in Elis Palmen erwarb durch den Wettlauf, und durch 1 Lieder: Hergang auch aus Homers Geſaͤngen Zauberten ſie bis zu ſich. Jetzo umgab ſie heiliges Graun in dem Tempel Delphi. Da ſaß auf dem Dreyfus, von des Lorbeers Opferdufte bewoͤlkt, die ſchoͤne Prieſterin, ſtraͤubendes Haars, Feurig —,— — Klopſtocks Oden. 65 Feurig den Blick; und Antwort erſcholl dem Befrager. Aber nun hob ſie mit Eil ſich von dem Drey⸗ fusß. Kommt, ihr ſehet ihn leer, und jetzo Fraget die Prieſterin euch! „Gehen wir nicht viehwegig zuruͤck? und wie lange Dauret es noch, daß, verwildert in der Irre, Wir uns laͤcheln? daß wir den Krebsgang Traͤumen zu Geniusflug? Werden wir nicht noch kennen die weiſe Vollendung Griechiſcher Kunſt? und den Ausſchmuck in der neuern? Nie gewahren, wie hoch der Wage Vollere Schale ſich hebt? Sondern noch einſt vom Schoͤnen die Art, des Bewunderns Muͤde, was all vor Bezauberung in der Art ſey⸗ Schoͤnheit giebt das Geſetz! zu Ausart, Wenn ſie nicht huldigt, wird Art. Wenn er verkennt den Lorbeer, der mehr dem Dictator War, wie Triumph; wird zur Ahndung ihm 3 nicht Scham gluͤhn? Klopſt. Oden, II. B. E 66 Klopſtocks Oden. Denn wen nannt' ich! ſo groß war Ceſar, Daß er nur Brutus nicht glich! Sehn wir nicht einſt, wo gleichen ſich darf, wer nur nachahmt, Gar die Geſtalt von dem Urbild noch ver⸗ wahrloſt, Der dem Griechen, da ſey die vollſte Buͤhne der Laͤcherlichkeit? Sehen noch einſt, wo gleichen ſich darf, wer nur lernet, Gar den Erguß des Erfinders noch mit Schlamm truͤbt, 's Kind dem Manne, da rag's von hohen Ohren, nicht leerer, hervor?. Wird ſich der Schwatz nie enden, der Phi⸗ loſophie heißt? Werden dafuͤr die Ergruͤndung, wo nicht Ab⸗ grund Iſt, Stillſchweigen an ihm das Haupt nie Heben, und herrſchende ſeyn? Klimmen wir nie hinauf zu der Hoͤh, wo nur wenig Wahres, hier Sproß, da Beſchatter, dem Orkan ſteht, Und wohin du dem dichtverwachsnen Wald' ohne Blut nicht entrinnſt? Klopſtocks Oden. 67 Wenn ſein Geſetz, ſein Leben hinab vor dem Richtſtuhl Herrſcher, er ſelbſt durch ein neues noch verur⸗ theilt; Ehrt' ihn da nicht zu ſpaͤt die reinſte Ehre der Obergewalt? Sank er nur hier? Noch wirket es fort; wird wie Waldbrand Lang' es noch gluͤhn, das Verkennen, das Ver⸗ ſpotten Seiner Deutſchen, und ach des Glaubens? Zauderer gruben den Brand Laͤſſiges Arms ab, lehnten ſich oft auf den Spaden, Drangen nicht tief: und ſo kam's denn, und hinuͤber Leckt' es uͤber den Kindergraben, Lodert' in andres Gebuͤſch. Sieht er ſo ſcharf, wie uns Neuern es gleißt, die erſtaunten, Einen, wie ihn, auf dem Throne zu erblicken? Zeigt, wenn feſter Entſchluß das Herz ihm Staͤhlet, der Stolz ihn entflammt, Tiefe dieß auch des Denkens? dieß etwa den Geiſt auch Deß, der nicht erbt die Beherrſchung, die ſchon . da iſt; E 2 68 Klopſtocks Oden. Nein, Beherrſchung entwirft, ein Ceſar, Wandelt in That den Entwurf? Oder gar deß, der denkender forſcht, und nicht mißtrennt Gutes, und Geiſt? nicht um Land ſpielt mit des Buͤrgers Leben, da ſich nicht thoͤrt, nicht waͤhnt, Ruhm Waſche vom Wuͤrfel das Blut? Ehre wuͤſch' ab das ſchreckliche Blut? Sie verewigt's! Und iſt es dann, wenn das Heer halb ins Ge⸗ fild ſtroͤmt, Nur unſchuldig? nicht auch, wenn Baͤche Rinnen, das Faͤhndel nicht droht? Rannen nicht viel der Baͤche, da ſie, die Erobrung Raſte? nicht mehr, da Erfolg war, was Erfolg ſeyn Mußte, Krieg, der beinah ſtets trächtig, Schlacht dann, und Seuche dann warf? Lorbeer des Fuͤhrers dorret nicht weg, wenn eein Krieg auch Vor dem Gericht der Aurele, ſich zur Schmach, ſteht: Doch die ſtrahlendſte Feldherrngroͤße Schaffet den Scheuſal nicht um! Klopſtocks Oden. 69 Schoͤn iſt, und gut der Spruch des Gerichts der Aurele, Weiſe: Kein Krieg kann gerecht ſeyn, ſo den tiefen Grund legt ewiges Kriegs. Betuͤncht ihn, Gleißt ihn; er wird nicht gerecht! Graͤnzet es weit, das blutige Recht; nicht die Nothwehr Hab' es allein! die Veredlung des Jahrhun⸗ . derts Sey euch Schwaͤrmenden nichts, Throngottheit Alles; er wird nicht gerecht! Friede beaſcht jetzt ſchlummernde Glut: doch Erobrung Wird nicht verziehn! und ſo bald ſich mit der Zeiten Wechſel wirbelt ein Sturm; verfliegt die Aſche, wird Flamme die Glut! Sah er vielleicht allein nicht vorher, was vor Aller Aug in der Fern unverhuͤllt lag, der Eroberung Jammererndte? nicht hundertfaͤltig Sproſſen Gebein aus Gebein? Himmel! er ſah's, und that doch, er that, was Entſetzen Herrſchenden iſt, die des Volkes, und die eigne 70 Klopſtocks Oden. Majeſtaͤt nicht entweihn, er that es, Streute die ſchreckliche Saat Tempe umrauſcht f wieder; doch geht die erhabne Prieſterin nur in der Reih mit, will des Tanzes Nicht, iſt truͤbe, wiewohl den Floͤten Echo gelehriger horcht; Frohes Geluͤft die Staude beweht, und ſein Leben Hauchet, was ſproßt, und ſein Leben, was der Blumen Kelche fuͤllet; zuletzt entlaſten Dieſe Gedanken ihr Herz: Feyert die Helden! Marmor und Erzt ſey der Helden Ewiges Maal! nicht der Marmor, und das Erzt nicht, Mehr belohne, die Freude weine Denen, die Friedrich verzeihn! Ach aus dem Grabe kehr' ich zuruͤck, und mit rnſchni Schreib' 4 ans Maal der Erhabnen. Die Entzuͤckung Irrt mi, ſie haben kein Maal! ihr Lohn ſind Thraͤnen! ich weine ſie mit! Klopftocks Oden. 71 Aber erſcheint auch einer, dem nicht die Verzeihung Selige Pflicht iſt, vernimm du der Aurele Zweyten Spruch: Wer erneut, dem ſtuche Selber der Siegende nach! —— Die Verwandelten. — d v— v— db— v—„ — v— v v—, v— v—„ — v—„— v v—„—„ — v v— v. Ring des Saturns, entlegner, unge⸗ 1 zaͤhlter Satelliten Gedraͤng, die um den großen Stern ſich drehn, erleuchtet, und leuchtend, droben Wandeln im Himmel! Inſelchen, ihr der ſchoͤnſten, die im weiten Meere ſchwimmen umher der Schoͤpfung Gottes, Schoͤner, mehr fuͤr Gluͤckliche, denn vor Alters Die in der Fabel! 27² Klopſtocks Oden. Eurer Bewohner Loos ward froh're Wonne, Als wir kennen: zwar rinnt in ihren Kelch auch Bittres, wie in unſern; doch leicht zerfloͤßbar Rinnt's, und bey Tropfen. Leiſeres Ohrs, das Auge lichter, ſehn ſie Strom und Hain in den nahen Sternen, hoͤren Einen laut ſich ſchwingen, die Wiederhalle Toͤnen im andern. Lieblicher ſingt Saturn Geſang der Sphaͤren Mit den Monden um ihn, als manche Sonne In den hohen Straßen des Lichts mit ihren Welten ihn ſinget. Saͤumend, und ſaͤumend ſchwebt, auf 1 Himmelreiſen Um den goldenen Ring der Engel Gottes: Selbſt die kenntnißdurſtende Seele zgert Dort in den Lauben. Warteſt du, Meta, dort auf mich? dort wart' ich Unſres Lieblings mit dir. Doch ach der Schei⸗ dung Herber Kelch! Einſt rann's nicht bey Tropfen! wird bey Tropfen nicht rinnen! —ʒÿ—y· Q—HnanAp2— Klopſtoeks Oden. 73 Wenn ein Bewohner dort vom Nachbar⸗ ſterne Lang die Fruͤhlinge ſah heruͤberſchimmern; Fließt den Freunden erſt, nach den frohen Zaͤhren, Eine der Wehmuth. Jener, der unverbluͤht vielleicht dem hellſten Mond' itzt weilte, vielleicht zum Liede tanzte, Wird dann ſchnell verwandelt, betritt in Sonnen Woͤlbende Tempel. —— Der Graͤnzſtein. — vv—, v(—)— u—, v— 2 — v d—, v v— v,(—)—„ — v—- v v—, v(—)—» — d d— d d—. Wan Das iſt das große Geſetz, in des Tempels Tafel gehaun, daß es kund ſey, und von Golde In den pariſchen Stein geſenket, Wie auf die Lilie wallt Goldener Staub. Noch faſſeſt du nicht des Geſetzes 74 Klopſtocks Oden. Ganzen Verſtand. Denn es ſteht zwar in der Halle Nicht geſchrieben, allein es fordert's Alſo der heilige Sinn, Alſo, durchdenk's, arbeitend, durchdenk's, . wenn du ausruhſt: Gut ſey, und ſtark, und es daure, was du wirkeſt! „Daure?“ Daure! da liegt's! weit wallſt du Irre; verlierſt du dich da, Wende! Da ſchied's durch Graͤnze ſich ab; und der Graͤnzſtein Hub ſich empor in die Wolken, unerſteiglich Dem, der aͤmſig allein fuͤr's Leben, Heiſſen Geſchaͤften ſich weiht. Einfluß der That, wenn jetzt ſte geſchieht! und nur wenig Wirkung bleibt nach, nur ein Schatten, ſo . verſchwindet. „Wenig?“ zuͤrnſt du. So waͤhrt's was laͤn⸗ ger, Bis ſie geſunken verglimmt. Die du bewogſt, thun Eignes hinzu, und zuletzt wird Klopſtocks Oden. 25 Deſſen ſo viel, daß der Tropfen in dem Meere Nun zerfließet, vergeht.„Verginge 2 In 43 Atome ſich loͤst. Nicht, daß dein Thun, verkenne mich nicht, mir nicht heilig Waͤre, vollfuͤhrt's, weß auch andre ſich er⸗ freuen: Nicht veraͤchtlich, wofern es dir nur Frommet, verkenne mich nicht! Koͤnige ſind weitwirkend, auch bleibt's, wie ein Abend⸗ Schatten; und doch muß auch dieſer ſich ver⸗ lieren! Ach die Handlung ſi ſinkt hin, und klimmt nicht Ueber der Sonderung Stein. Geiſt des Geſangs, was rufeſt du mir, und gebieteſt Anderen Ton? O du kenneſt noch nicht ganz dich! Bey Amphion! auch dieſe Saite Stimmte der Grieche fuͤr's Herz. Koͤnige ſind weitwirkend, auch bleibt's, 8⁸½ wie ein Abend⸗ Schatten; und doch muß auch dieſer ſich verlie⸗ ren! 76 Klopſtocks Oden. —— Ach die Handlung ſinkt hin, und klimmt nicht Ueber der Sonderung Stein. — Aber wenn, wem die Sterblichkeit ruft, noch, was wirket, Hinter ſich laͤßt, noch ein Denken in des Gei⸗ ſtes Werken, welches von Kraft, von Gutem Voll, wo es waltet, uns haͤlt: *— Jenſeit iſt das der Hoͤhe, die graͤnzt. Was es wirkte, Wirket es ſtets, wie im Anfang, ſo von neuem: Jahre fliehn; und es ſtroͤmt ſein Einfluß, Wie der Beginn ſich ergoß. Da iſt das Werk! und toͤnet nicht bloß, 3 wie vollbrachte Handlungen, nach. Wenn von dieſen bis zum fernſten Hall ſich jede verlor, zum letzten Lispel ſich; redet es laut! Nutzet, doch nicht, wie einſt das Geſchaͤft, nur an Einer Staͤte, zugleich an ſo vielen, als getrennte Sich's, nach Muͤhe, nach Luſt, zu ihrer Muſe Geſaͤhrten erſehn. Klopſtoecks Oden. 72 Ruͤhrt es, und wird die Nuͤhrung zu That; ſo durchwallt die Aehnlichen Pfad mit der andern, die dem eig⸗ nen Quell entfloß. Und gelingt nicht dieſe Ruͤhrung dem bleibenden oft? Wirke! Das iſt das große Geſetz, in der Halle Marmor gehaun, daß es kund ſey; und die Dauer Liest der weiſere mit, als ſtuͤnd' es Goldenes Guſſes mit da. Frey iſt der Flug der Ode, ſie kieſet, wo⸗ nach ſie Lüſtet, und ſinged. Was verbeut ihr, daß ſie leiſe Schwobe, wenn ſie der Schwung, der hoch jetzt Steiget, itzt hoͤher, nicht freut. Klopſtocks Oden. Morgengeſang a m Schoͤpfungsfeſte⸗ „Zwey Stimmen.“ Noo kommt ſie nicht die Sonne, Got⸗ tees geſendete, Noch weilt ſie die Lebensgeberin: Von Dufte ſchauert es ringsumher Auf der wartenden Erde. Heiliger! Hocherhabner! Erſter! Du haſt auch unſeren Sirius gemacht! Wie wird er ſtrahlen, wie ſtrahlen Der hellere Sirius der Erde! Schon wehen ſie, ſaͤuſeln ſie, kuͤhlen.. Die melodiſchen Luͤfte der Fruͤhe! Schon wallt ſie einher die Morgenroͤthe, ver⸗ ruͤndiget Die Auferſtehung der todten Sonne. Herr! Herr! Gott! barmherzig, und gnaͤ⸗ dig! Klopſtocks Oden. 79 Wir deine Kinder, wir mehr als Sonnen Muͤſſen dereinſt auch untergehen, Und werden auch aufgehn! „ A l 1 e. Herr! Herr! Gott! barmherzig, und gnaͤ⸗ dig! Wir deine Kinder, wir mehr als Sonnen Muͤſſen dereinſt auch untergehen, Und werden auch aufgehn! „Zwey Stimmen.“ Halleluja, ſeht ihr die ſtrahlende, goͤttliche kommen? Wie ſie da an dem Himmel emporſteigt! Halleluja, wie ſie da, auch ein Gotteskind, Auferſteht! O der Sonne Gottes! Und ſolche Son⸗ nen, 1 Wie dieſe, die jetzo gegen uns ſtrahlt, Hieß er, gleich dem Schaum auf den Wogen, . tauſendmal tauſend Werden in der Welten Ozeane. Und du ſollteſt nicht auferwecken? der auf dem ganzen Schauplatz der unuͤberdenkbaren Schoͤpfung, 80 Klopſtocks Oden. Immer, und alles wandelt, Und herrlicher macht durch die Wandlung! „ A K l e. Halleluja, ſeht ihr die ſtrahlende, goͤttliche kommen? Wie ſie da an dem Himmel emporſteigt! Halleluja, wie ſie da, auch ein Gottestinb. Auferſteht! Die Vortrefflichkeit. — p(»„)— b—,— 2 2— v — p(v„)— v—. Nan von ihr denn ſo gar gellt der zerblou⸗ derte Mund des entſcheidenden Manns! Keiner ſchweigt ihn: und doch ſieht er den Schatten nicht Von der Unſterblichen, hat Selbſt nicht Traͤume von ihm, dieſe verirrte⸗ ſten Aller Gedanken, die ſind.- Sü5 Klopſtocks Oden. 1 8 Floͤh der betaͤubende doch endlich zum Seſſel, . wo Geiſt gelehrt wird, auf ihn Lehrlinge harren, dann ſtumm ſeiner Beredt⸗ ſamkeit Horchen, und durſtiges Ohrs. O wie gluͤheten wir, ſie, die ſich jetzt ent⸗ woͤlkt, Jene Zinne zu ſehn! Denn dort iſt es, dort, wo ſich der Tempel . woͤlbt, Sich die Goͤttin uns zeigt. Eilt, er keuchet uns nach, auf! den gewund⸗ nen Pfad, Welcher ſteiler empor Mit dem Felſen ſich hebt, daß des beaͤugen⸗ den Blicke wir endlich entfliehn! Sehet, der lebende Quell, ſo zur Betrachtung ſtaͤrkt; Dran der Schweigenden Blatt.. Schipeigen freuet, entflammt, reitzet der Schwie⸗ rigkeit Kuͤhn entgegen zu gehn. Unten dorrte dieß Laub, ſaͤnke; hier oben gruͤnts, Feſtigt den ſtolzen Entſchluß! Unten iſt Sage nur noch, fabelt es um: man nimmt Dort kein Blatt vor den Mund. Klopſt. Oden. II. B. F 8² Klopſtocks Oden. Auf! ſchon toͤnet ihr Schritt, naht die Vor⸗ trefflichkeit In der Halle! Muſik Iſt der kommenden Gang, jede der Wendun⸗ gen, Welche ſie ſchwebt, Harmonie! Jene Blum' in dem Kranz bracht' ihr Maͤoni⸗ des; Und ſie nahm ſie von ihm: Jene Leibniz;(gewelkt lag es um ſie herum) Und ſie nahm ſie von ihm. Freude! nun wendet ſie ſich gegen uns, ſteht, und goͤnnt Sich der liebenden Blick, Sich der Betrachtung! Auch ruhn ihre heger ſterten Ideale vom Tanz. „uUnſer Auge war licht, ſah zu der Goͤttin auf! Wenig Weile, da war Sie verſchwunden: Uns blieb, als ſie ver⸗ ſchwunden war, Unvergeßlich ihr Bild, Hoͤherer Schoͤne Gefuͤhl, Durſt ihr zu aͤhnlichen, Und ach Schwermuth zuruͤck!“ Klopſtocks Oden. 83 An Giacomo Signo. — v v— v— v—„—„ — àb— v v—, v— v—„ — v— d— d o——„ — d— v. Wage Bemerkung war's? des Dichter⸗ ohres? Oder war es zugleich des Unterſuchers, Die der Deutſchen Heldengeſaͤngen ſanfte Rithmosbewegung Oft zur Gefaͤhrtin gab? In ihrer Sprache Waltet ſtaͤrkerer Klang: ſie dachten Schoͤnheit Da ſie, ihn zu mildern, ihm mitgehoͤrtes Sanftes vereinten. Alſo erfriſcht, bey hoher Fruͤhlingsſonne, Dichter Ulmen Gewoͤlbe, oder jene Luft des erſten Mays, die vom Waſſerfalle Lieblich einherweht. Starkes ertoͤnt nicht herrſchend in des Griechen Sprache, Sanftes ertoͤnt; drum fuͤhrt er ſeltner Zu des Schattens Kuͤhlungen, in der hohen Quelle Geſaͤuſel. F 2 84 Klopſtocks Oden. Seltner noch, als der Grieche fuͤhrt der neue Roͤmer, wenn er, wie ſeiner ſtolzen Vaͤter Ueberwinder, je ſich erkuͤhnt d ſchndehen Taͤnze des Liedes. — Die deutſche Sprache. — v v—— „— v— 2— 2„—,——,—„— 5 b,— B„—,— v v—, Ferner Geſtade, die Woge ſchnell, Dem Blicke gehellt bis zum Kieſel iſt, Das Gebuͤſch blinket er durch, oder wallt In die Luft, hohes Gewoͤlk duftend, der Strom; Wirbelchen drehn mit ihm fort. So ſtroͤmt Die Sprache, die, Hermann, dein Urſohn ſpricht. (O auch du glicheſt dem Strom, Mann des Volks, Da dir Roms ſteigender Damm lockert', und brach!) Tieferen Qellen entſtroͤmet ſie. Erſt wenige Zeit, da der eine Quell Klopſtocks Oden. 8⁵ Noch in Sand floß, ſich verlor. Saͤumend jetzt, Und mit Eil hallte der jetzt aus dem Gekluͤft; Aber er rann in den Kies. Nun kam Der Gluͤcklichen Einer, und leitet' ihn In den Strom. Schatten umher pflanzt man ſchon An der Kluft; weilen da ſchon Wanderer gern, Stehen, und ſinnen:„Verſiegt vielleicht Ein aͤhnlicher Quell in dem Sand' auch uns? Und gebricht Leitung ihm nur?“ Doch ver⸗ weht Wird ihr Wunſch; Doppelgekling bleibt ihr Ge⸗ ſang. Sage verbreitet, es ſchweb' umher, Wie Griechengeſtalten, bey Nacht am Quell; Und behorcht werde ſein Fall, werd' es, wenn Der Erguß toͤnet Verein, Gegenklang rauſcht. Der iſt eheimere Kunſt, der trift's Zur Weiſe, Orpheus der Zelt' es traf. Dem Verein kommt nur der Wald: aber toͤnt Der Genoß auch in das Lied; wandelt der Hain. 86 Klopſtocks Oden. Da s G e ho r. An Hegewiſch den Blinden. v 9—, d v—, v—, v—, p v— v— 2 („——,„——,——,——) „——, 5»—. E. tagt nicht! Kein Laut ſchallt! Wer ent⸗ ſchloͤß ſich ſchnell hier? wen erſchreckte nicht Das Graunvolle der Wahl? Doch ſie ſey dein Schickſal; du erkoͤhrſt doch Blindheit? Des Gehoͤrs Verluſt Vereinſamt, und du lebſt Mit den Menſchen nicht mehr. Wenn du alſo kein Gott biſt: ſo lſt du recht, Willſt blind ſeyn, und aminhe Den nur Sterblichen nicht.„Sehr ernſt iſt der Gedanke von dieſer Wahl, Verſenkt tief mich in Schmerz, In zu truͤbes Gefuͤhl! Doch was Wahl? Es umringt ſchon den ahndenden, Schon wehdroht mir die Nacht!“ Klopſtocks Oden. 87 Das Licht ſchwand: doch entbehrſt du das freund⸗ liche Wort des Geliebten nicht; Nicht Stromfall noch den Schlag Der gefluͤchteten Wolke, die donnernd ſich waͤlzt, daß die Huͤtte bebt, (Ein Graun Zagenden nur) Und lautwirbelnd Sturmwind' an Felſenkluͤften herbrauſen! nicht Waldgeraͤuſch Von Mayluft, die dich labt; Noch das frohe Geſing am verhohlnen Neſtbau; 3 nicht den ſuͤßen Reiz Der Tonkunſt; und gewann Die Dichtkunſt dein Herz auch, nicht den Rei⸗ hen, in welchem ſie ſchwebt, nachdem Der Inhalt ihr gebeut: Entbehrſt nicht die Bezaubrung, wenn beyde, darreichend die Schweſterhand, Durch Eintracht ſich erhoͤhn, Und gelehriges Ohres, entzuͤckt, die Drommet' und das Horn vernimmt Der Nachhall im Gebirg. Wer taub dann ihn gewahrt in der Freude, den Blinden, der truͤbt den Blick Vor Mitleid mit ſich ſelbſt. Und du moͤchteſt das Wundergebaͤude, worin die geregte Luft Zum Laut wird, den du liebeſt, 88 Klopſtoeks Oden. Wie geſunken dir denken, zerſtoͤret, daß nun ſich ihr Wallen dir Umſonſt naht, und wie ſtumm Dir zerfließt; ah zerſtoͤrt Gehoͤrgang, die er⸗ klingende Grotte, drin Den Ambos, und von ihr Zu dem Munde den Weg, und an ihrem Ge⸗ woͤlbe die Faͤſerchen, Sie Aufhalt des Getoͤns, Daß es ſanft ſich verliere; die feineren Saiten, ſie ſind geſtimmt Dem Anwehn, das ſie ruͤhrt; (Wie Windemen nicht allen geſtimmt) den Vor⸗ ſaal, wo es netzend rinnt, Emporwallt, wie der Quell; Die gebogenen Roͤhren, der Schnecke Gewinde, die Scheidewand, Das ganze abheimpt Klopſtocks Oden. 89 * Der Fro hſinn. — v v=„—»—„—„ — p— 2„—, 9— 2— n —„—„—„„—„—„ — v—„. Woler Gefuͤhl des Juͤnglings, weil' ich Tage Auf dem Roß', und dem Stahl', ich ſeh de Lenzes Gruͤne Baͤume froh dann, und froh des Win⸗ . ters Duͤrre bebluͤtet. Und der geflohnen Sonnen, die ich ſahe, Sind ſo wenig doch nicht, und auf dem Schei⸗ tek Bluͤhet mir es winterlich ſchon, auch iſt es Hier und da oͤde. Wenn ich dieß friſche Leben regſam athme; Hoͤr' ich dich denn auch wohl, mit Geiſtes Ohre, Dich dein Troͤpfchen leiſes Geraͤuſches traͤu⸗ feln, Weinende Weide. 90 Klopſtocks Oden. Nicht die Zipreſſe, denn nur traurig iſt ſie; ⁵ Du biſt traurig und ſchoͤn, du ihre Schweſter, O es pflanze dich an das Grab der Freund mir, Weide der Thraͤnen! Juͤnglinge ſchlummern hin, und Greiſe bleiben Wach. Es ſchleichet der Tod nun hier, nun dort hin, Hebt die Sichel, eilt, daß er ſchneide, wartet Oft nicht der Aehre. Weiß auch der Menſch, wenn ihm des To⸗ des Ruf ſchallt? Seine Antwort darauf? Wer dann mich kla⸗ gen Hoͤrt, verzeih dem Thoren ſein Ach; denn gluͤcklich War ich durch Frohſinn! Klopſtocks Oden. 91 Die Grazien. —»— v v—„ v — v—" d—,— v— —„— p„—,— p» — b v— p v. Da, Paſithea, opferte Vor den Schweſtern Homer, zuͤndete Blumen, Blumen erkohr Orpheus, wie er, Opferte, Noſſa, dir. Beyde kohren mit ſcharfem Zlick. Wer blind waͤhlet, dem ſchlaͤgt Opferdampf In die Augen, und ihr, wallet er weg Goͤttinnen, ſeyd entflohn. Blinde Waͤhler verſcheuchen ſchnell; Schwaͤtzern ſeyd ihr nicht da: dennoch lallt, Liſpelt zierlich ihr Mund: Grazien, o hoͤrt, Hoͤrt uns, wir liebeln euch! Auch der furchtbaren Grazie Flammt es von dem Altar. Goͤttin, dich Nennt kein Name, geheim knoſpet es dir, Tochter Eurynoma's. 9² Klopſtocks Oden. Wackre, ſchwer zu verblendende Finden Opfer. Die Glut quillt vom Rauch Rein, und blaͤulich, und hell, ſprudelt empor Woͤlkenden Wohlgeruch.- Und die Goͤttinnen fliehen nicht, Laͤcheln ihnen. Es folgt, kehren ſie, Guter Voͤgel Geleit, floͤtend ein Chor Von Philomelen nach.„ Nicht der Dichter allein beſucht Dieſen Tempel; auch die nimmt er auf, Welche ſich die Muſik weihet, auch ſie Bringen der Blumen dar. Da Windeme, die Saͤumerin, Spaͤt vom Opfer einſt kam, hatte ſie Einen ihres Geleits kirre gemacht, Kam mit der Nachtigall. Klopſtocks Oden. 93 Die Deutſche Bibel. —„— p— n— b— 2 —„—„ b—, 2——„ —„— 5— v S—— n — nv— 2—. Haͤger Luther, bitte fuͤr die Armen, Denen Geiſtes Beruf nicht ſcholl, und die doch Nachdolmetſchen, daß ſie zur Selbſterkenntniß Endlich geneſen! Weder die Sitte, noch der Sprache Weiſe Kennen ſie, und es iſt der reinen Keuſchheit Ihnen Maͤrchen! was ſich erhebt, was Kraft hat, Edleres, Thorheit! Dunkel auf immer ihnen jener Gipfel, Den du muthig erſtiegſt, und dort des Vater⸗ Landes Sprache bildeteſt, zu der Engel Sprach', und der Menſchen. Zeiten entflohn: allein die umgeſchaffne Blieb; und dieſe Geſtalt wird nie ſich wan⸗ deln! Laͤcheln wird, wie wir, ſie dereinſt der Enkel, Ernſt ſie, wie wir, ſehn. 94 Klopſtocks Oden. Heiliger Luther, bitte fuͤr die Armen, Daß ihr ſtammelnd Gered' ihr Ohr vernehme, Und ſie daſtehn, Thraͤnen der Reu im Blick, die Hand auf dem Munde! Der Gottesleugner. — 8 Do frageſt ſie auch die ernſte Frage, 8 die ſchreckliche: Auf welcher Stufe der Geiſter Steht, wer den Gottesleugner Nicht fuͤr raſend haͤlt? „Die ſchreckliche?“ Ja die ſchreckliche! Denn haͤlſt du ihn, der ein Stolzer iſt! ein Empoͤrer iſt! Weiter nichts iſt! fuͤr einen Denker den; So iſt die Stufe, worauf du ſteheſt, zu tief! So kannſt du werden, was er iſt, Ein Raſender! Ein Feiger,(Raſende ſinds) ſo Vernichtung Glaubet, leben mag, ſich nicht vernichtet! ——ę;—;—C—LB—Qnyo—— Klopſtocks Oden. 95 Aber ich ſucht', und ich fand Entſchuldigung Fuͤr den Feigen, der iſt, und dem doch Gott nicht iſt. Entſcheid', ob ich die rechte fand. Er denket ſich, Ohne Gott! hat ſich dadurch nur nicht ganz . vernichtet! Schleichet, bebt, zweifelt umher; Des Geſpenſtes Gedankelſein Wort leugt Tiefſinn) Iſt dem Traume gleich, Welcher vom Traume traͤumt. Die Etats-Generaux. v——„,— v—„„ 2— v— 5,— p p— p „— p—„— p—„ — v— p p— p— v. Der kuͤhne Reichstag Galliens daͤmmert ſchon, Die Morgenſchauer dringen den wartenden Durch Mark und Bein: o komm, du neue, Labende, ſelbſt nicht getraͤumte Sonne! Geſegnet ſey mir du, das mein Haupt bedeckt, 96 Klopſtocks Oden. Mein graues Haar, die Kraft, die nach ſech⸗ — zigen Fortdauert; denn ſie war's, ſo weit hin Brachte ſie mich, daß ich Dieß erlebte! Verzeiht, o Franken,(Name der Bruͤder iſt Der edle Name) daß ich den Deutſchen einſt Zurufte, das zu fliehn, warum ich Ihnen itzt flehe, euch nachzuahmen. Die groͤßte Handlung dieſes Juhrhunderts ey, So dacht' ich ſonſt, wie Herkules Friederich Die Keule fuͤhrte, von Europa's Herrſchern bekaͤmpft, und den Herrſcherinnen! So denk' ich jetzt nicht. Gallien kroͤnet ſich Mit einem Buͤrgerkranze, wie keiner war! Der glaͤnzet heller, und verdient es! Schoͤner, als Lorbeer, die Blut entſchimmert. Pſalm. Klopſtoels Oden. 97 P f a l m. — U. Erden wandeln Monde, Erden um Sonnen, Aller Sonnen Heere wandeln Um eine große Sonne: „Vater unſer, der du biſt im Himmel!“ Auf allen dieſen Welten, leuchtenden, und erleuchteten, Wahnen Geiſter an Kraͤften ungleich, und an Leibern; Aber alle denken Gott, und freuen ſich Gottes. „Geheiliget werde dein Name.“ Er, der Hocherhabene, Der allein ganz ſich denken, Seiner ganz ſich freuen kann, Machte den tiefen Entwurf G Zur Seligkeit aller ſeiner Weltbewohner. „Zu uns komme dein Reich.“ Wohl ihnen, daß nicht ſie, daß er Ihr Jetziges, und ihr Zukuͤnftiges ordnete, Wohl ihnen, wohl! Und wohl auch uns! „Dein Wille geſcheh; Wie im Himmel, alſo auch auf Erden.“ Klopſt. Oden II. B. G 98 Klopſtocks Oden. Er hebt mit dem Halme die Aehr' empor; Reifet den goldnen Apfel, die Purpurtraube; Weidet am Huͤgel das Lamm, das Reh im Walde: Aber ſein Donner rollet auch her, Und die Schloße zerſchmettert es Am Halme, am Zweig', an dem Huͤgel, und im Wald! „Unſer taͤgliches Brot gieb uns heute.“ Ob wohl hoch uͤber des Donners Bahn Suͤnder, auch, und Sterbliche ſind? Dort auch der Freund zum Feinde wird? Der Freund im Tode ſich trennen muß? „Vergieb uns unſere Schuld,** Wie wir vergeben unſeren Schuldigern.“ Geſonderte Pfade gehen zum hohen Ziel, Zu der Gluͤckſeligkeit! Einige kruͤmmen ſich durch Einoͤden, Doch ſelbſt an dieſen ſproßt es von Freuden auf, Und labet den Durſtenden. „Fuͤhr' uns nicht in Verſuchung, Sondern erloͤs' uns vom Uebel.“ Anbetung dir, der die große Sonne Mit Sonnen, und Erden, und Monden umgab; Der Geiſter erſchuf; Ihre Seligkeit ordnete; Die Aehre hebt; Der dem Tode ruft; Klopſtocks Oden. 99 Zum Ziele durch Einoͤden fuͤhrt, und den Wan⸗ derer labt, Anbetung dir! „Denn dein iſt das Reich, und die Macht, Und die Herrlichkeit. Amen.“ Der ungleiche. Ge natte, guter Mann, der, wenn dort Herrſcher ſind, Jetzo herrſcht in der Straße des Lichts, Daß einen Lorbeer auch ich Pflanz' in den Hain an dein Grab. Sie gehn, und entweihen Deinen heiligen Staub; Denn Dich, zu dem ſich keiner erhob, Feinden die Ehreverſchwender durch Verglei⸗ chungen an. Wie der Ruf in dem Felſen verhallt, So vergehe ſein Lied, der dich erreichende ſchuf: Nein, es bleib', und es hoͤre nicht auf Des entweihenden Schmach zu ſeyn. G 2 100 Klopſtocks Oden. Guter, edler, nicht ſcheinender, Wirklich großer Mann, wahrhafteſter! Dich vergleichen ſie, und gluͤhn nicht vor Scham, Vergleichen dich, Markus Aurelius! Hemis un d Telon. — Ma⸗ 2 Tpol, daß mein Lied, bat Hemis opfernd dem Gotte, Gleich dem Bilve Pigmalions ſey: Daß es die Kunſt verberge, doch nicht dem be⸗ ſchauenden Richter: Dieſer ſuche ſie, finde ſie ſchnell. O dann rolle der ſtolze Rapſod' es zuſammen, und ſage Achſelzuckend, es ſey nicht fuͤr ihn. (Artemis, triff den Rapſoden, den gleich Ver⸗ gaͤnglichkeit ahndet; Weigert ſich ſeinem Ton ein Gedicht.) Mache, Phoͤbus Apoll, daß mein Lied, bat . Telon am Altar, Gleich dem Maͤdchen Pigmalions ſey, Da verwandelt der Marmor nun war, die Wang' ihm entgluͤhte, Da die Ader ihm ſchlug, und das Herz! Klopſtocks Oden. 101 Daß der Hoͤrer, wie er beſeelt, des Spaͤhens vergeſſe 2— Nach der Kunſt, und ſo den Genuß Ganz genieße! Doch brennt ihn des ſuchens Durſt; ſo entdeck' er Selten gefundene, tiefere Kunſt. Stille herrſchte, nach Hemis Gebet, um die 3 ſchattenden Lorbeer; Aber nach Telons, rauſchte der Hain. Ludewig, der Sechzehnte. — —„»—„ v—,— v—„ —„— v—,—„—„ —„— 9„—„ —„= n—„. Niht Trophaͤen, des Bluts Schleyer, verfuͤhren ihn Zu Eroberung, er ſchwazt niemals von Mark Aurel, Fuͤllt den Mund nicht der Sage, Glaͤnzt dem ſchimmernden Hofe nicht: Aber Ludewig ruft Maͤnner des Volks, daß ſie 102 Klopſtocks Oden. Ihm die Laſten des Volks leichten, und weiſen —* Bund Zwiſchen Vater, und Kindern Feſt ihm ſetzen, Verhalt, geſtimmt Wie in Goͤttermuſik;(Gluͤckliche Zeit, und ic Gluͤcklich, der ſie noch ſah!) ruft ſie, damit der Saat Sie ihm ſtreuen, aus der ſich Hoch die goldene Aehr' einſt hebt. Ach ich ſehe ſie ſchon, hoͤre die wogenden Felder rauſchen; ſie kommt, Wonne! die Erndte kommt; Schnitter tragen, der Koͤnig Traͤgt den lieblichen blauen Kranz! So wie Ceſar vordem weint' an des Dra⸗ chhenſohns Bilde: Juͤngling nicht mehr hab' er noch nichts gethan! Alſo weint an des edlern Denkmal einſt der Eroberer. Klopſtocks Oden. 103 Das Gegenwaͤrtige. —„„—,„—„„—, 9 2— — b—,„ v,— 2 —„——,— à —„„— 2—, Ehmals verlor mein fliegender Blick in des Lebens Kuͤnftiges ſich, und ich ſchuf dann, was mir Wunſch war, Faſt zu Wirklichkeit: ſeine Freuden Hatte das ſchoͤne Phantom! Denn das Geſetz der Maͤßigung wurd' ihm gegeben, Wurde gethan mit der Strenge, die zu Hoffnung Leitet: aber der Wunſch iſt dann ſelbſt Thor, wenn er Hoffnung verdient. Freue dich deß, das da iſt! ſo ſagt' ch mir oͤfter, Als dem Getaͤuſch ich es zuließ mir zu gleißen: Sagt' es, thats! und erlebt' auch, was ſich Ueber Gewuͤnſchtes erhob. Jetzo verweilt der feſtere Blick in des Le⸗ bens 1⁰⁴ Klopitocts Oden. Vorigem ſich; und ich fuͤhle, was dahinfloh, Faſt, als hielt' ich's noch: ſuͤßre Freuden Giebt es mir, war nicht Phantom! Freue dich deß, das da iſt! ſo ſag' ich mir dennoch Jetzt auch. Obwohl ſich der Scheitel mit des Alters Bluͤthenhaare mir deckt; ich wandle Froh um das naͤhere Grab. Aber ich werd' auch Leiden gewahr im Ver⸗ gangenen, Wehmuth! es igeht mit den Leichen der Ge⸗ liebten Mir vorbey: wie vermoͤcht' ich dann mich Deſſen, da das iſt, zu freun! 7 — Kennet euch ſelbſt. Frankreig ſchuf ſich frey. Des Jahrhunderts edelſte That hub Da ſich zu dem Olympus empor! Biſt du ſo eng begraͤnzt, daß du ſie verkenneſt, umſchwebet Dieſe Daͤmmerung dir noch den Blick, — Klopſtocks Oden. 105 Dieſe Nacht: ſo durchwandre die Weltannalen, und ſinde Etwas darin, das ihr ferne nur gleicht, Wenn du kannſt. O Schickſal! das ſind ſie alſo, 3 das ſind ſie Unſere Bruͤder die Franken; und wir? Ach ich frag' umſonſt; ihr verſtummet, Deut⸗ ſche! Was zeiget Euer Schweigen? bejahrter Geduld Muͤden Kummer!? oder verkuͤndet es nahe Ver⸗ wandlung? Wie die ſchwuͤle Stille den Sturm, Der vor ſich her ſie wirbelt, die Donnerwolken, bis Glut ſie Werden, und werden zerſchmetterndes Eis! Nach dem Wetter, athmen ſie kaum die Luͤfte, die Baͤche Rieſeln, vom Laube traͤufelt es ſanft, Friſche labet, Geruͤch' umduften, die blaͤuliche Heitre Laͤchelt, das Himmelsgemaͤhlde mit ihr; Alles iſt reg', und iſt Leben, und freut ſich! die Nachtigall floͤtet Hochzeit! liebender ſinget die Braut! Knaben umtanzen den Mann, den kein Deſpot mehr verachtet! Maͤdchen das ruhige, ſaͤugende Weib. 10⁰6 Klopſtocks Oden. Der Fuͤrſt und ſein Kebsweib. K. Wrum wirſt du ſo ernſt? F. Was fragſt du mich? geuß den Kriſtall mir Voll des blinkenden goldenen Weins! K. Aber du nimmſt ihn ja nicht. F. Was quaͤlſt du mich! Wecke der Laute eeiſeſten Ton, und ſinge dein Lied. K. Ach ich ſang, und du hoͤrteſt mich nicht. F. Du haͤtteſt geſungen? Eile jetzt, dort Roſen zu ſtreun. K. Noſen ſollt' ich ſtreun, daß du ſie nicht ſaͤheſt? Was gehn dich Jetzo Lieder, was Roſen dich an! Hoͤr', es wiehert unten dein Roß, aus der Burg dich zu tanzen Zu der Schaar, die Schlachten uns ſpielt, Zu der Juͤnglinge Reihn mit blankem Gewehr, das dem Blitz gleicht, Wenn ſie, mit raſcher Eile, ſich drehn. Warum wirſt du noch ernſter, da ich die Krie⸗ ger dir nenne? Truͤber als erſt? ſinkſt tiefer in Gram? Warum blickſt du ſo wild? Was ſieheſt du? ſiehſt du Erſcheinung? Nahet dir eine Todtengeſtalt? Klopſtocks Oden. 107 F. Keine Todtengeſtalt; der abgeſchiedenen Geiſter Keiner, aber dennoch ein Geiſt,— Ha der ſchreckliche Geiſt der Freyheit, durch den ſich die Voͤlker Jetzt erfrechen zu ſehn, was ſie ſind! Welcher Zauber beſchwoͤrt, und bannt ihn hin⸗ ab in des ſtummen Kerkers Nacht, aus welchem er kam? weh mir! wo iſt, der ſich, an den hunderfar⸗ migen Rieſen, duntertäugide Rieſen, ſich wagt? Selmar und Selma. Mene Selma, wenn aber der Tod uns Lie⸗ bende trennet? Wenn dein Geſchick dich zuerſt zu den Un⸗ ſterblichen ruft? Ach, ſo werd' ich um dich mein ganzes Leben durchweinen, Jeden nachtlichen Tag, jede noch truͤbere Nacht! Jede Stunde, die ſonſt in deiner Umarmung vorbeyfloß, 3ed Minute, die uns, innig genoſſen, entfloh! 4⁰8 Klopſtocks Oden. Ach, ſo vergehen mir dann die uͤbrigen Jahre voll Schwermuth, Wie der vergangenen keins ohne Lieb' uns entfloh. Ach mein Selmar, wenn kuͤnftig der Tod uns * Liebende trennet, Wenn dein Geſchick dich zuerſt zu den Un⸗ . ſterblichen ruft; Dann, dann wein' ich um dich mein ganzes uͤbriges Leben, Jeden ſchleichenden Tag, jede ſchreckliche Nacht, Jede Stunde, die ſonſt, mit deinem Laͤcheln erheitert, Unter dem ſuͤßen Geſpraͤch zaͤrtlicher Thraͤ⸗ nen entfloh! Ach ſo vergehen mir dann die uͤbrigen Tage voll Schwermuth, Wie, der Liebe leer, keiner vordem uns entfloh. Meine Selma, du wollteſt nach mir nur Tage noch leben? Und ich bräͤchte nach dir Jahre voll Trau⸗ rigkeit zu? Selma, Selma, nur wenig bewoͤlkte truͤbe Minuten, Bring ich, ſeh' ich dich todt, neben dir ſeelenlos zu! Nehme noch Einmal die Hand der Schlummern⸗ den, kuͤſſe dein Auge Klopſtocks Oden. 1⁰9 Einmal noch, in die Nacht ſink' ich, und ſterbe bey dir. Selmar, ich ſterbe nach dir! den Schmerz ſoll Selmar nicht fuͤhlen, Daß er ſterbend mich ſieht. Selmar, ich ſterbe nach dir! Bringe dann auch nur wenig bewoͤlkte truͤbe Minuten, Seh' ich, Selmar, dich todt, neben dir ſeelenlos zu! Blicke noch Einmal dich an, und ſeufze noch 8 Einmal: Mein Selmar! Sink an die ruhende Bruſt, zittr' und ſterbe bey dir! Selma, du ſtuͤrbeſt nach mir? den Schmerz ſoll Selma nicht fuͤhlen, Daß ſie ſterbend mich ſieht. Selma, du ſtirbſt nicht nach mir! Selmar, ich ſterbe nach dir! Das iſt es, was ich vom Schickſal Lang mit Thraͤnen erbat. Selmar, ich ſterbe nach dir! Ach wie liebeſt du mich! Sieh dieſe weinenden Augen! Fuͤhle dieß bebende Herz! Selma, wie lie⸗ beſt du mich! Meine Selma, du ſtuͤrbeſt nach mir? du fuͤhl⸗ teſt die Schmerzen, Daß du ſterbend mich ſaͤhſt? Selma, wie liebeſt du mich! 110 Klopſtocks Oden. Ach wenn eine Sprache doch waͤre, dir alles zu ſagen, Was mein liebendes Herz, meine Selma, 1 dir fuͤhlt! Wuͤrde dieß Aug' und ſein Blick, und ſeine Zaͤhren voll Liebe, Und dieß Ach des Gefuͤhls, das mir gebro⸗ chen entfloh, Doch zu einer Sprache der Goͤtter, dir alles zu ſagen, Was mein liebendes Herz, meine Selma dir fuͤhlt. Ach, wenn doch kein Grab nicht waͤre, das Lie⸗ bende deckte, Die einander ſo treu, ſo voll Zaͤrtlichkeit ſind! Aber weil ihr denn ſeyd, ihr immer offenen Graͤber; Nehmet zum wenigſten doch, nehmet auf Einmal uns auf! Hoͤreſt du mich, der zur Liebe mich ſchuf? Ach wenn du mich hoͤreſt; Laß mit eben dem Hauch Selma ſterben, und mich! Selmar, ich ſterbe mit dir! Ich bete mit dir von dem Himmel Dieſe Wohlthat herab. Selmar, iſt ſterbe mit dir! — Klopſtoecks Oden. 112 Das Buͤndniß. — d( u)—„„—,—„— - v( p)— d„—,„(—)—„ v— v, v v—„ —( v)—„„—. „S.nuar, dein Wort: Du erſcheinſt, ſtirbſt du vor mir, Deiner Selma! O geuß den Balſam In die Wunde der Verlaßnen, Selmar, dein heiliges Wort!“ Selma, dein Wort: Du erſcheinſt, ſtirbſt du vor mir, Deinem Selmar! O geuß den Balſam In die Wunde des Verlaßnen, Selma, dein heiliges Wort! Aber kann es, wer ſchied, kann er ſein Bild Schaffen dem wartenden Blick des Freundes, Der verſtummend ihm zuruͤckblieb An der trennenden Gruft? Zeigen kann ich vielleicht, daß ich dir nah, Daß ich dein Selmar noch bin! durch Zeichen, Die gewiß dir, wie Erſcheinung, Und nicht ſchrecklich dir ſind. „Wenn einſt, Selmar, im Lenz unter dem Baum 11² Klopſtocks Oden. Junge Bluͤthe dich labt; dann gieß' ich, Wie den Regen, der nicht traͤufelt, Zeigend, auf dich ſie herab.“ Weilſt du der Nachtigall einſt, Selma, im S Lenz; Send' ich zu dir ſie herab; ſie fliegt dir Auf die Schulter, und ſie ſingt da Neue als jemals, und ſtirbt. „Nein, nicht Zerſtoͤrung! vom Baum loͤs' ich die Frucht Mit der Bluͤthe nicht ab; den Liebling, Der noch wach iſt, mir zu floͤten, Selmar, den toͤdteſt du nicht! Wenn kaum rege das Laub, leiſe der Bach Einſt dir rauſchen; du hoͤrſt dann lautre Melodien, die du kenneſt, Töne, wie Selma's Geſang. Wenn nach Wettern mein Blick zu des Olymps Hohem Bogen ſich hebt; dann ſeh' ich, An dem Rande des Gemaͤhldes, Flaͤmmchen erwachen, und wehn. 38 Selma, mein Wort: Du erblickſt, ſterb' ich vor dir, Wehende Flaͤmmchen!„Mein Wort: Du hoͤreſt, Mit den Blaͤttern, und dem Bache, Toͤne, wie Selma's Geſang! Sie, 3 Klopſtocks Oden. 113 Sie, und nicht Wir. An la Rochefoucauld. Ha ich hundert Stimmen; ich feyerte Gal⸗ liens Freyheit Nicht mit erreichendem Ton, ſaͤnge die goͤtt⸗ liche ſchwach. Was vollbringet ſie nicht! So gar das graͤß⸗ lichſte aller Ungeheuer, der Krieg, wird an die Kette gelegt! Cerberus hat drey Rachen; der Krieg hat tau⸗ ſend: und dennoch Heulen ſie alle durch dich, Goͤttin, am Feſſelgeklirr. Ach mein Vaterland! Viel ſind der Schmer⸗ zen; doch lindert Sie die heilende Zeit, und ſie bluten nicht mehr. Aber es iſt Ein Schmerz, den ſie nie mir lindert! und kehrte Mir das Leben zuruͤck; dennoch blutet' er fort! Ach du wareſt es nicht, mein Vaterland, das der Freyheit Gipfel erſtieg, Beyſpiel ſtrahlte den Voͤl⸗ kern umher: Klopſt. Oden. II. B. H 114 Klopſtocks Oden. Frankreich war's! du labteſt dich nicht an der frohſten der Ehren, Bracheſt den heiligen Zweig dieſer Unſterb⸗ lichkeit nicht! O ich weiß es, du fuͤhleſt, was dir nicht wurde; die Palme, Aber die du nicht traͤgſt, gruͤnet ſo ſchoͤn, wie ſie iſt, Deinem kennenden Blick. Denn ihr gleicht, ihr gleichet die Palme, Welche du dir brachſt, als du die Religion Reinigteſt, ſie, die entweiht Despoten hatten, von neuem Weihteſt, Despoten voll Sucht Seelen zu feſſeln! voll Blut, Welches ſi ſie ſtroͤmen ließen, ſo bald der Be⸗ herrſchte nicht glaubte, Was ihr taumelnder Wahn ihm zu glau⸗ ben gebot. Wenn durch dich, mein Vaterland, der beſchor⸗ naen Despoten Joch nicht zerbrach; ſo zerbrach das der ge⸗ kroͤnten itzt nicht. Koͤnnt' ein Troſt mich troͤſten; er waͤre, daß du vorangingſt Auf der erhabenen Bahn! aber er troͤſtet mich nicht. Denn du wareſt es nicht, das auch von dem Staube des Buͤrgers Freyheit erhob, Beyſpiel ſtrahlte den Voͤl⸗ kern umher; V Klopſtocks Oden. 115 Denen nicht nur, die Europa gebar. An Ame⸗ 3 rika's Stroͤmen Flammt ſchon eigenes Licht, leuchtet den Voͤl⸗ kern umher. Hier auch winket mir Troſt, er war: In Ame⸗ rika leuchten Deutſche zugleich umher! aber er feüſtete nicht. An Cramer, den Franken. Wanderbar war's, war neu, es aiſchaß, was nie noch geſchehn iſt! Ein Rieſe ſank danieder, und ſtarb;— Aber er blieb nicht todt: denn es kam ein Geiſt, und belebte Den Todten wieder. Der richtet ſich auf, Steht⸗ und ſchauet umher mit Feuerblicken. Die Seele, Nun Schatten, umirret ihn, bebet vor ihm. Volt iſt der Name des Rieſen; des Schattens — Namen iſt Koͤnig; Des Geiſtes Nazionalaſſamblee. Aber du biſt ja ſo wild! ſo ſprach der Geiſt zu dem Rieſen, Dir ſiedet zu heiß in der Ader das Blut! H 2 1¹6 Klopſtocks Oden. Stroͤmt die Galle zu loh! Du mußt mir gehorchen. So will es Die Weisheit, welche nur gluͤcklich uns macht; Will es die Harmonie, ſo zwiſchen dem Geiſt' und dem Leib' iſt, Und ohne die du zum zweytenmal ſtirbſt! Ach, und wer wird dann das zweytemal in das Leben Dich rufen? von neuem Retter dir ſeyn? „Geiſt, gebeut! ich gehorche. Doch laß zuvor mmiich ein wenig Der Iugend mich freuen, die du mir gabſt. Wankt' ich nicht ſiech umher? lag ſchmachtend und bleich auf dem Strohe, Und ſtarb? Du haſt den Jammer geſehn! Laß denn ein wenig mich taumeln beym Wol⸗ luſtmahle der Freyheit, Mich kraͤnzen mein Haar, und ſchwoͤren beym Schwert! Doch der verſtummende Schatten, der einſt mir Seele war, ſchwebet So traurig vor mir, und troͤſtet ſich nicht! Ginge wohl lieber hinab zu Elyſiens Schatten, und ſchoͤpfte Aus Lethe's Strome den labenden Trunk. Sage, was ſoll ich thun, daß ich des Wuͤn⸗ ſchenden Kummer Beſaͤnftige? mindre des Zagenden Angſt?“ Klopſtocks Oden. 117 Schweben muß er vor dir! ſo wills die Klugheit. Auch hat er Noch ſonſt wo ein großes, ernſtes Geſchaͤft: Wandelt um Mitternacht in der Koͤnige Schloͤſ⸗ ſern; dann wehklagt's Als floͤſſe die blutige Thraͤne des Volks! Klingt's mit der Krone, als fiele ſie ab! mit dem Zepter, als braͤch' er! (Die horchenden, blaſſen Hoͤflinge graut!) Kommt ſtets naͤher! ſchließt den großen golde⸗ 3 nen Saal auf, Und ruͤttelt am Thron', ein warnend Ge⸗ ſpenſt! Der Freyheitskrieg. Wei⸗ Menſchlichkeit hat den Verein zu Staa⸗ ten erſchaffen, Hat zum Leben das Leben gemacht! Wilde leben nicht; ſie ſind jetzt Pflanzen, dann athmen Sie als Thier' ohne Seelengenuß. Hoch ſtieg in Europa empor des Vereins Aus⸗ bildung, Naht dem letzten der Ziele ſtets mehr; 118 Klopſtocks Oden. Iſt nicht des Zeichners Entwurf, iſt beynahe Kuͤnſtlervollendung, Raphaels, oder Angelo's Werk, Ranhaels, oder Angelo's Werk, wenn der Zau⸗ ber der Farb' auch Hier und da Verzeichnung beſchoͤnt. Aber ſo bald die Beherrſcher der Nazionen ſtatt ihrer Handeln; dann gebeut kein Geſetz, Das dem Buͤrger gebeut, dann werden die Herr⸗ ſchenden Wilde, Loͤwen, oder entzuͤndendes Kraut. Und jetzt wollt ihr ſogar des Volkes Blut, das der Ziele Letztem vor allen Voͤlkern ſich naht, Das, die belorbeerte Furie, Krieg der Erob⸗ rung, verbannend, Aller Grſete ſchoͤnſtes ſich gab; Wollt das gepeinigte Volk, das Selbſterretter, der Freyheit Gipfel erſtieg, von der fruchtbaren Hoͤh, Feuer und Schwert in der Hand, herunter ſtuͤrzen, es zwingen Wilden von neuem dienſtbar zu ſeyn; Wollt, daß der Richter der Welt, und, bebt, auch eurer dem Menſchen Rechte nicht gab, erweiſen durch Mord! Moͤchtet ihr, ehe das Schwert von der Wunde triefet, der Klugheit Ernſte⸗ warnende Winke verſtehn! V — Klopſtocks Oden. 1¹9 Moͤchtet ihr ſehn! Es entgluͤht ſchon in euren Landen die Aſche, Wird von erwachenden Funken ſchon roth. Fragt die Hoͤflinge nicht, noch die mit Verdien⸗ ſte gebornen, Deren Blut in den Schlachten euch fließt; Fragt, der blinken die Pflugsſchaar laͤßt, die Gemeinen des Heeres, Deren Blut auch Waſſer nicht iſt: Und durch redliche Antwort erfahret ihr, oder durch lautes Schweigen, was in der Aſche ſie ſehn. Doch ihr verachtet ſie. Spielt denn des neuge⸗ ſtalteten Krieges Nie verſuchtes, ſchreckliches Spiel, Allzuſchreckliches! Denn in den Kriegen werden vergoͤtzten Herrſchern Menſchenopfer gebracht. Sterbliche wiſſen nicht, was Gott thun wird: doch gewahren Sie, wenn große Dinge geſchehn, Jetzt ſein langſames Wandeln, jetzt donnern⸗ den Gang der Entſcheidung, Der mit furchtbarer Eil' es vollbringt. Wer zu taͤuſchen vermag, und mich liebt, der taͤuſcht den Erlebung Wuͤnſchenden, weiſſagt donnernden Gang. 120 Klopſtocks Oden. Friedericeh, Kronprinz von Daͤnnemark. Ma ota⸗ Kunſt der Neuern, Erhalterin, thaͤtigſte Freundin Derer, die Geiſt uns zeigen, und Geiſt Faͤhig ſind zu genießen, o du, die in wenigen Stunden Worte vertanſendfaͤltiget, dir, Ja dir ſelbſt verzeihen es ſich zween deutſche Gebieter Feſſeln anzulegen, ſo bald Du das geltende Wort des wahrheitredenden, offnen Mannes tauſendſtimmig umher Willſt erſchallen laſſen. In ihrer Weisheit er⸗ kohren Sie nicht eben die gluͤcklichſte Zeit. Denn es iſt doch kein Spiel, daß„Im vierten Jahre der Freyheit“ Frankreich an die Maale jetzt ſchreibt. Daniens Vater denkt ſo nicht. Von der Both⸗ ſchaft des Kaiſers Unverleitet, laͤßt er es ſtehn Klopſtocks Oden. 121 Sein Geſetz auf der goldenen Tafel: Die edele Kunſt hoͤrt Hier nie koͤniglich Feſſelgeklirr, Ob ſie gleich an dem Maͤler es hoͤrt, an der Newa es hoͤret, Selbſt an der Themſe, nur leiſeres Klangs. Alſo herrſchet Friedrich, der Enkel meines ge⸗ liebten Koͤnigs, deß Aſche heilig mir iſt. Wohl ihm, er ſaͤet' auch Saat zu des Lands⸗ manns Freyung; die gruͤnt nun Hebet der fruͤheren Aehren empor. Aber bald wird das ganze Gefild von geboge⸗ nen Halmen Rauſchen, und Wonne dem Erntenden ſeyn. Heller noch ſtrahlet das Ziel, an dem die ſchoͤn⸗ ſten der Palmen Wehen, die je die Unſterblichkeit gab. England wollt' es erreichen, den Menſchenhan⸗ del vernichten! Aber es zoͤgerte, nahte ſich nur. Danien hat es zuerſt erreicht, hat empfangen der Palmen Fruͤheſte aus der Unſterblichkeit Hand! Gallien, Land, das Wunder thut, und du ſchlummerſt? Erwach', und Thu dieß Wunder Danien nach! Klopſtocks Oden. Die Jakobiner. p—„—„,= 2 7=„, „— p— p,—„ p—„ 2, p—„—»—„—„, — b v— v n—„. De Korporazionen(Verzeiht das Wort, Das ſchlecht iſt, wie die Sache) vernichtete Das freye Frankreich; durchgehauen, Zuckten im Sande die kleinen Schlangen. Und doch erhob ſich neben den liegenden Die Korporazion, der Jakoberklub! Ihr Kopf durchrast Paris, und ihre Schlaͤngelung windet ſich durch ganz Frank⸗ 8*reich. Ha, taͤubet euch denn Taubheit? vernehmt ihr nicht, Wie ſie aus ihrem ſcheußlichen Innerſten G Muſik beginnt, die ſelten zweymal Hoͤrte der Wanderer? wie ſie klappert? Treibt ihr die Rieſenſchlang' in die Hoͤhle nicht Kloſtocks Oden. 123 Zuruͤck und waͤlzt nicht Felſen dem Schlunde vor; So wird ihr Geiferbiß die Freyheit, Welch' ihr erſchuft, in den Staub euch ſtuͤrzen. Oie Erſeheinung. 2 Weaaoer Schatten wandelt dort her? Wie fuͤrchterlich leiſe Tritt er! hat noch die Dolch' in der Bruſt! Ah Tribuna, kenneſt du ihn? Es befaͤllt mich, je mehr er Mir ſich naht, je baͤngeres Graun!“ Und dich ſchreckt ein Geſpenſt, dich Herrſcherin unter den Staͤdten, Dich, die Roma des galliſchen Reichs? „Antwort! wer iſt der Schatten? Er kommt ſtets naͤher, noch naͤher! Zaͤhl die Dolche! mir dunkelt der Blick.“ Ha, was geht der Schemen mich an? was, ob Dolch' ihn entleibten? Wenn man todt iſt, wandert man weg, Schattet. Nun weißt du alles. Mich kuͤm⸗ 1— mern andere Dinge, Herrſchen, und herrſchen das iſt mein Genuß! 124 Klopſtocks Oden Davon wach' ich, un traͤum' ich! Die Stell⸗ 8 vertreter des Volkes Kommen, gehorſamen, knieen vor mir. Wer der kruͤmmſte mir kniet, ich belohn' ihn, erhoͤh' zu der Wuͤrd' ihn Stellvertreter des Poͤbels zu ſeyn. Aber wer iſt der Schatten? Schon lang' ent⸗ floh ich, wofern er Sich nicht wandt', und ins dunklere trat.“ Frag' es Klubiofuria, weil du einmal nicht raſteſt, Bis du des Spukes Namen vernimmſt. „Warte! Ich unterſuche. Verdienet die Goͤt⸗ tin Herrſchaft, Oder die Goͤttin Rache verdient Sie den ſchoͤnſten Altar?“„Du hundertkoͤ⸗ pfiges hundert⸗ Armiges Ungeheuer, und doch Nur einäugiges, mir, der Roma des galliſchen Reiches, Mir gebeutſt du zu warten? Wer iſt, Rede, wer iſt der Schatten, der wieder nahet, und jetzo Gar mit der Hand auf die Wunden mir zeigt?“ „Warte! Noch unterſuch' ich. Ich hab' es er⸗ gruͤndet! Die Goͤttin Rache verdient den ſchoͤnſten Altar! — Klopſtocks Oden. 125 Dieſer Schatten, der uns von neuem nahet, und jetzo Gar mit der Hand auf die Wunden uns zeigt, Iſt das todte Geſetz. Wir waren's, die's mor⸗ deten! Ich war's, Welche die meiſten Wunden ihm grub; Theilt ihr unter euch, du, und Tribuna, die uͤbrigen, ich bin's, Die's nicht bereut! Ich naͤhme den Dolch Wieder; kehrte der Todte zuruͤck. Bey Marat! ich bahnte Mir noch Einmal den blutigen Weg Zu dem Altare der Herrſchaft, und ach zu der Rach' Altare!“ Und die Hundertkoͤpfige ſchwieg. Aber vom Rhodan her erhub ein Sauſen ſich, wurde Sturm, von der Ruͤckkehr ſprach's in dem Sturm! Und die Dolch' entſielen dem Schatten; Gal⸗ liens Roma Stutzte, das Ungeheuer entfloh. 126 Klopſtocks Oden. An la Rochefoucauld's Schatten. En verjuͤngte mein Alter, durchrann, wie der traͤnkende Bach rinnt Durch die Wieſe, mein Herz, machte den heiteren froh, War mir Wonne, zauberte mich in Segens⸗ gefilde, Wo die Pflugſchaar nur blinkte, kein fur⸗ chendes Schwert; Wo der Wolke Donner nur ſcholl, dem labendes Traͤufeln Folgte, des Eiſens nicht ſcholl, welchem toͤdtliches folgt. Aber das Eine verjuͤngt mich nicht mehr, ich empfinde das Alter, Au mein Frohes, ach meine Wonn' iſt dahin! Denn die Freyheit iſt in den Himmel wiederge⸗ kehret! Oder ſaͤumet vielleicht in dem Gewoͤlke ſie noch? ——-— Klopſtocks Oden. 127 Sehet ihr ſie noch? Mir iſt die Goͤttin ver⸗ ſchwunden! Aber verſchwunden iſt mir ihre Verfolge⸗ rin nicht! Ha die Alekto(Ungeſetz iſt ihr ſchrecklicher Name) Wird nun heimiſch bey euch, ziſcht mit den Schlangen umher! Schüttälr die Todesfackel! Sie nimmt oft Men⸗ ſchengeſtalt an, Sitzt im Senat; doch gelingt ihre Ver⸗ 3 wandlung ihr nicht; Denn ſie taͤuſchet nicht; weiß es, bleibt! Doch Andrer Verwandlung Gluͤckte ihr einſt: todtdroh'nd ſchuf ſie zu Stein den Senat! Haſt du mich, theurer Schatten, gehoͤrt; ſo re⸗ de. Denn jetzo Siehſt du die Zukunft. Ach ſchweiget der⸗ einſt das Geziſch Um der Alekto Haupt? muß je ſie die Todes⸗ fackel Von ſich werfen, entfliehn? Wird er ent⸗ ſteint der Senat? Kehrt die Goͤttin zuruͤck, die gen Himmel wie⸗ der emporſtieg? Oder verſoͤhnen ſie die, welche ſie laͤſter⸗ ten, nie? 128 Klopſtocks Oden. Edler Todter, ich ſehe dich nicht: doch ahnd' ich dich nahe; Denn in der Daͤmmerung dort ſeh' ich ein blutig Gewand. Ach nun ſchwebeſt du, ſchwebſt! haſt meine Wehmuth vernommen, Haſt die Frage des Grams, die ich dir weinte, gehoͤrt. Aber du ſchweigſt. So ſtarbeſt du denn ver⸗ gebens, du Guter, Fuͤr dein Vaterland! waltet auf immer die Wuth Jener Empoͤrer! tritt ihr Fuß auf immer die große Nazion, mit des Hohns bitterer Lach', in den Staub! Duldet auf immer, daß ſie gehoͤhnt da liege die große Nazion in dem Staub', unter der Wü⸗ thenden Fuß! Kehret ſie nie zuruͤck, die gen Himmel wieder emporſtieg, Und verſoͤhnen ſie die, welche ſie laͤſter⸗ ten, nie! Das Klopſtocks Oden. 129 Das Wort der Deutſchen. — aue mir Marmor, Kuͤnſtler, Und grab' in den Marmor mit Goldſchrift! Hoͤre genau, und verfehle der Laute keinen; Denn edel iſt die That! Und ſie geht nie durch die Vergeſſenheit unter: Sieger ſind meine Deutſchen; Und doch iſt ihnen der Lorbeer Abſcheu, Blut und Tod iſt Greuel den ſiegenden Deutſchen! Denn ſo ſcholl vor der Franken Heer Die Drommete des Feldherrn: Freyheit ſchuft ihr euch; Habt zum Uingehener die Goͤttin umgeſchaffen! Reiniget euch, Und fleht der entweihten, Daß ſie euch ſie verzeih die Verwandſang⸗ Daß ſie euch hold ſey, Wieder werde zu dem, was ſie war Vor der grauſen Verwandlung. (Gram war dieſe, war Den verſtummenden Guten Entſetzen!) Klopſt. Oden, II. B. J 130 Klopſtocks Oden. Traget von der entweihten Altar Den blutigen Staub weg, Weg das ſtarre Gebein, Das an edle Todt' euch erinnert! Reiniget euch! Wir kommen zwar mit Wehr und mit Waffen: Aber wir kommen auch Mit dem Friedezweig' in der Rechten; Kommen, mit euch vereint, den Staat t 30 bildenz Wie ihr ihn einſt euch bildetet, Feſt den Grund zu dem Baue zu legen! Ohne tieferen Grund ſchwankt bald die glaͤn⸗ zende Zinne. Nehmet als Freund' uns auf; wir ſind die aͤlteren Franken. Enkel, ein Wort ein Wort, ein Mann, ein Mann! Die rentneke ründigte ſo den jüngdeten Franken Der aͤlteren Bund an. Dumpfes Gemurmel wandelt' umher In dem Lager der Feinde; Aber von ihrer Drommet' erſchol nict Der freudige Machhal. 8 4 Klopft 0 cks Odd en. 1431 Mein Frrt hu m. 3 —(o æ)= ee 2e 1 , z 9 r(e 3 ——)—/—. Lange hatt' ich auf ſie, forſchend geſchaut, Auf die redenden nicht; die Thaͤter! war, Bey den Maalen der Geſchichte Wandelnd, den Frauken gefolgt. Die an Voͤlkern du raͤchſt, Königen nichſt Prieſtern, die Menſchheit, wie wan s. Ge⸗ 1 ſchichte, voll⸗ Von Gemäͤhlden, die der Gute, Bleich vor Entſetzen erblickt. Dennoch glaubt' ich, und ach Wonne. war mir, Morgenröthlicher Glanz der goldne Traum! War ein Zauber, wie gehoffter Liebe, dem trunkenen Geiſt! Freyheit, Mutter des Heils, daͤuht es 8 mich, du Würdeſt Scoͤpfermn ſeyn, die Gluͤcklichen, J 2 ⁴ 13²³ Klopſtocks Oden. Die ſo ganz du dir erkohreſt, Umzuſchaffen geſandt! Biſt du nicht Schoͤpferin mehr? oder ſind ſie Nicht umſchaffbar, die du entfeſſelteſt? Iſt ihr Herz Fels, und ihr Auge Nacht, zu ſehn, wer du biſt? Deine Seel' iſt Geſetz! Aber ihr Blick Wird des Falken, ihr Herz wird Feuerſtrom; Ha er funkelt, und es gluͤhet; Wenn das Ungeſetz winkt. Dieſes kennen ſie, dich kennen ſie nicht! Das das lieben ſie! Doch dein Name toͤnt. Wenn die Guten das verruchte Schwe zuift⸗ ſchaht es von dir! Frepheit, Mutter des pens, nannten ſie S dich Nicht ſelbſt da noch, als nun croberungstrie Mit dem Bruche des gegebnen Edlen Wortes, begann? Ach des goldenen Traums Wonn' iſt dahin, Mich umſchwebet nicht mehr ſein Morgenglanz, Und ein Kummer, wie verſchmaͤhter Liebe, kuͤmmert mein Herz. Muͤde labet auch wohl Schatten am Weg' In der Oede, der weit umher ſich krümmt; Klopſtocks Oden. 133 So hat juͤngſt mich die erhabne Maͤnnin, Kordaͤ gelabt. Richter ſchaͤndeten ſich, ſprachen es los, *s Ungeheuer: ſie ſprach nicht los, und that, Was mit Glut einſt auf der Wange, Thraͤnen, der Enkel erzäaͤhlt. Der Erobrungskrieg. Wen ſich der Liebende freut, wenn nun die — Geliebte, der hohen Tedeees, entfkohn, wieder das Ufer be⸗ tritt; 5 ſhen hatt er hinunter geſchaut an dem Marmor des Strandes, Immer, neuen Gram, Scheiter und Leichen geſehn; Endeis ſi niret ſie ihm aus einem Nachen, der antreibt, An das ſchlagende Herz, ſiehet den leben⸗ den! lebt! Oder wie die Mutter, die harrend und ſtumm an dem Thor lag Einer durchpeſteten Stadt, welche den ein⸗ 1 zigen Sohn 436:%Alopſtoeks Oden. Mit zahlloſen Sterbenden ihr, und Begrabenen einſchloß, Und in der noch ſtets klagte das Todten⸗ gelaͤut, Wie ſie 1ich fteuet, wenn nun der rufende J Juͤng⸗ ling herausſtuͤrzt, Und die Botſchaft ſelbſt, daß er entronnen ſey, bringt. Wie der truͤbe, bange, der tieferſchuͤtterte Zweifler, (Laſtende Jahre lang troff ihm die Wunde ſchon fort) Bey noch Einmal ergriffner, itzt feſtgehaltener Wagſchal, Sehend das Uebergewicht, ſich der Unſterb⸗ 1 4 lichkeit freut! Alſo freut' 6 mich, daß ein großes, maͤchtiges Volk ſich Nie Eroberungskrieg wieder zu kriegen ent⸗ ſchloß;. Und daß. dieſer Donner, durch ſein Verſtummen, den Donnern Anderer Voͤlker, dereinſt auch zu verſtum⸗ 88 mmaen, gebot. Jetzo lag an der Kette das Ungeheuer, der Greuel Greuel! itt war der Menſch uͤber ſich ſelber keerhoͤht! Aber, weh uns! ſie ſelbſt, die das Unthier zaͤhmten, vernichten Klopſtocks Oden. 135 Ihr hochheilig Geſetz, ſchlagen Eroberer⸗ ſchlacht. Haſt du Verwuͤnſchung, allein wie du nie ver⸗ nahmſt, ſo verwuͤnſche! Dieſem Geſetz glich keins! aber es ſey auch kein Fluch Gleich dem ſchrecklichen, der die Hochverraͤther der Menſchheit, Welche das hehre Geſetz uͤbertraten, ver⸗ flucht!. Sprechet den Fluch mit aus, ihr blutigen Thraͤ⸗ nen, die jetzo Weint, wer vorausſieht; einſt, wen das Geſehene trifft. Mir lebt nun die Geliebte nicht mehr: der ein⸗ zige Sohn nicht! Und der Zweifler glaubt mir die Unſterb⸗ lichkeit nicht! —— Die beyden Graͤber. . Weſen iſt dieſes Grab? „Wanderer, Roſchefoko's.“ Weſſen iſt dieſes noch lockere? „Kordaͤ's Grab.“ 135 Klopſtocks Oden. Ich geh, und ich ſammle Blumen, Sie auf eure Graͤber zu ſtreun; Denn ihr ſtarbt fuͤr das Vaterland! „Sammle nicht.“ u Ich geh, und ich pflanze die Thraͤnenweide, Daß ſie um eure Graͤber wehe; Denn ihr ſtarbt fuͤr das Vaterland! „Pflanze nicht. 3 Aber ſo bald du weinen kannſt; (Wir ſehn es in deinem Blick, Guter Wanderer, Daß du noch nicht weinen kannſt 1) Kehre dann zu unſeren Grobern zuruͤck, Und weine, Aber blutige Thraͤnen! 4 Denn wir karhen umſonſt ſird das R Bakerld. 1* Die Verwandlung. — G die Erde ſie? ſtieg von Orionen ſie nieder? Sie von der ſchoͤnen Seele beſeelt, Sie, des Geſetzes Mutter, das weiſer iſt, zu der Wohlfahrt Klopſtocks Oden. 1437 Stimmender, menſchlicher iſt! Ungeweißte hoͤren mich auch; drum ſprech' ich — der Goͤttin Namen nicht aus. Ungeweihter iſt keiner, als wer von dem Morde den Wahn waͤhnt, Ihr zu opfern, zuck' er das Schwert. Opferer iſt er am Fuß Tiſiphona's; auf dieſer Altare Raucht das vergoſſene Blut. Gluͤcklich war, gluͤckſelig das Volk, von erhe⸗ . bender Freuden Neuem Gefuͤhl Trunken, war benedeit, war ſelig, zu dem des Geſetzes Mutter von den Unſterblichen kam. Aber ſie hatte ihn kaum geboren, ſelber ge⸗ huldigt Ihrem lieblichen, froͤhlichen Sohn; Da entfloh die Wonne, verſanken der Gluͤck⸗ . lichen Inſeln In die Tiefe des Meers! Da entſtand. Gern nennt' ichs(den Elend⸗ ſtiftern am liebſten!) Doch der Sprache fehlet das Wort Fuͤr dies Scheußliche. Ha! es beſchloß zu ver⸗ wandeln die Goͤttin: Und die Verwandlung gelang. Zwillingshoͤhlen dampfen auf einem Ereberer⸗ ſchlachtſeld, 138 Klopſtocks Oden. Werden bewohnt, Die von der Raubſucht, die von der wilderen Wilden, der Herrſchſucht. Dreymal heulten ſie, ſprengten ſie Blut, Schlulgen Drkyinal auf ein Hohngelach: und das Namen⸗ eoſe war itzt von den Schweſtern geweiht, Hatte Beſchwoͤrung gelernt; die ſchrien ſonſt Zaubergeſaͤnge, Schreperin war die Beredſamkeit jetzt; Und Es verwandelte: 4 Tagſcheu ward der leiden⸗ den Auge, Taub des Bärgets Worte das Ohr; Aber dem Luge nicht, dem hoͤrte ſie leiſe, ver⸗ 1n nahm ihn, Murmelt' er auch nur von fern. Dolche wurden(Geſang, der Wahrheit treu, du vwoergehſt nicht, Klagſt vor dem richtenden Enkel noch an!) Dolche wurden ihr die Roſenſinger, und nun 1 auch Rther. Der Mund Konnten nur Tod ausſprechen. Die Haare wan⸗ den ſich, ziſchten, Und zu Brande ward das Gehirn! und ein ſchreckliches Luͤſten durchbebt' ihr das Heerz, zu ermorden Wie Medea, den Sohn! (Barthelemi erhob das Haupt, und, ich neide die Wandlung! Klopſtocks Oden. 139 Rufte ſie, aus der Vergangenheit Nacht.) Aber Eins mißlang: Der Beſchwornen wurden die Fuͤße Nicht zu Thon; und ſo ſank ſie nicht hin; Steht noch! Stuͤrzte ſie nieder; ſo war es ge⸗ 3 ſchehn, und vergebens Duͤrſtete Wiederverwandlung der Wunſch, Wisderoer wandtungſin ſie, die ſie war vor der 4 Sprengung des Blutes, Und der Lache des Hohns, Wonneh in ſie, in die Mutter des tiefgedachten en Geſetzes, Welches menſchlicher iſt. Kommt, zerandae mich, ihr, die ihr Zukunft wiſſet, erquickt mich: Werd’ ich ſehn in der erſten Geſtalt, Sehn, wie vom Himmel ſie kam, des Geſetzes 3 Mutter? das weiſer 3, wohtthäteger⸗ menſchlicher iſt!. Durch das endlich der Traum eintraf, der ſo lange getraͤumt ward Von der goldenen Zeit! Ach ihr Verſtumſnt mir! ſtrebet umſonſt, durch 3 die Huͤlle der Wolken, Die ſeets nachtender waͤlzt der Orkan, Durch der Lehohenene Stroͤm Erguß, des hoͤh eren S Weltmeers Wogenberge zu ſbe* 140 Klopſtocks Oden. Die De n k ze iten. allia Stlavin; Gallia frey; ſie erniedrigt ur Wilden Dann ſi ch, ſchaffend ſogar Marat, den 3 Scheuſal zum Gott: Bleibt, bleibt Wilde! Denn dich, der Willkuͤhr Haſſerin, Freyheit, Dich, ie Geſetzherrſchaft, kennt die Un⸗ gluͤckliche nur, Wenn ſie redet: ihr liegt's, daß ſie dem Ge⸗ ſetze gehorche, Ueber den Kreis hinaus deß, was zu thun ſie vermag. Oder glüchen oielleicht des Senats Beſchluͤſe der weißen Pforte Traͤumen nicht ſtets? wurden je ſie vollfuͤhrt? (Ich verehre den Thaͤter! und gern Mitbuͤrger des Guten, Der die Verehrung gebeut, halt' ich das ſchoͤne Gebot.) Daß Sie ſelbſt hier der Taͤuſchung erliegt, und geredt fuͤr gethan haͤlt! Dieß iſt der bittre Quell, welchem ihr Elend entſtroͤmt. Klopſtocks Oden. 144 Ach und vieleicht iſt er einer der unverſiegenden Quellen, Ewigen, wie die Natur, tiefer grabend, 8— ſie ſchuf. Hanblung, und Wort ſind getrennt, als trenn⸗ ten ſie Berge; und die ſind Dem merſteiglich⸗ deß Geiſt reif bis zum Ernnſte nicht iſt. Republikanerin wagt Sie zu ſeyn; und ohne 35 Gehorſam Wagt ſi ie es: waget zu ſeyn Kuͤnſtlerin ohne Genie. Doch ſie gehart ja! duldet es, wenn der Ver⸗ treter des Volkes, Weil er für frey ſich haͤlt, blutet! muͤßte nnun auch Dulden des Waͤhlenden Mord, und deß, der den Waͤhlenden auskohr. Aber zurüͤck; l denn hier wogt ein unendliches Meer; und ach jede der Woprn rauſcht Entſetzen, dem Schauer Stehet dus Haar empor, bebet der Laut, 3 und verſtummt. Aber ſein Geiſt iſt noch tiefer verwundet, als es dieß bange, Dleice Schweigen des Grams auszudruͤcken vermag. Kennete Sie ſich ſelbſt⸗ und des Lernens Weis⸗ heit: mit ſcharfem 142² Klopſtocks Oden. Hinblick ſchaute ſie dann über das weſtliche Meer. Aber kennt ſie ſichz je? und ſtellt nicht umſonſt die Geſchichte, Wo ſie am lauteſten warnt, ihrer Betrach⸗ tung ſich dar? Eher ſteigt der geloͤſete Fels empor zu dem Gipfel, Dem er entſtürzte ehe ſie ſich zum Ge⸗ horſam erhebt. Durch den Hunger, die Peſt, die mehr Begra⸗ benden Kriege, Zwar erſchuͤttert, allein heiſſerer Rache 81 entflammt, 3 Bleibet ſie Wilde! kommt noch, eh dieß Jahr⸗ hundert ins Zeitmeer Untergeht, und verhuͤllt, traurend ein un neues entſteigt Jenem Ozean, kommt mit Fahn' und mit Wim⸗ pel zu Lande Schnelle Raͤuberin heut, ſchnellere morgen zur See. Leben dereinſt auch Sterbliche, die ſie vermoͤ⸗ gen, die Wilde Umzuſchaffen? 2 Von euch, die ihr ſie jetzo beherrſcht, 8 (Nein, ihr herrſchet nicht, von der Heerde ge⸗ triebene Hirten Seyd ihr, nichts meht 1) von euch hat es noch keiner gewollt. Klopſtocks Oden. 143 Wolltet ihs herrſchen⸗ zu wehren der allgemeinen Zerruͤttung, Eurem Werke; wie ſchnell ſchlachtete dann euch das Schwert! Aber wenn ſelbſt ſi ich Weiſ' erhuͤben, und Edle, die's wagten Umzuſchaffen; wie ſchnell ſaͤnken auch ſie in ihr Blut! Eins nur iſt moͤgliche Rettung: das Staaten⸗ 4 buͤndniß! doch iſt auch, Bütet die Wildheit fort, moͤglich die einzige — nicht, (Bailly, dieß Blatt der Sibille weht hin, wo du ruheſt, und rauſchet, Weint mit der Weide, die dort dir ein Ent⸗ ſchloſſener pflanzt, Iſt ſie des Blatts Weiſſag' Irrthum; ſo ſende mmir Ahndung, Laß den getäͤuſchten Blick froheres Kuͤnſ⸗ tiges ſehn.) Das iſt alſo die Frucht des himmelſteigenden Baumes? Das der Schatten, in dem endlich der Wanderer ruht? Wenn ein Greis, der immer verzieh, fuͤr An⸗ dere roth wird; Werden dieſe dafuͤr deſto bleicher vor 18 Schmach. Ha des Greuels! Harpyen gebar Anadyo⸗ mene 144 Klopſtocks Oden. Keine Pallas gebar, Furien Jupiters Haupt! Menſchenfeind ſoll ich alſo im Bluͤthenhaare noch werden, Der hier ſtets obſtand, ſiegend kaͤmpfete? Nein! Menſchenelend ſoll mich zum Menſchenfeinde nicht machen; ahrägen⸗ im Blicke, nicht Zorn, ſcheid' ich, Brüder„von n euch. 1 Der Belohnte. — v 2— u,— à d—, 2— v— v,— Bb— v., 9u— v—— v— 2 — u— 2 o—„—. Saaumtoſe kaͤmpfen, immer entſtirnter bey Der neuen Unſcham, gegen die Edlen fort. Verachtung iſt die Eine Waffe, Welche die niedrigen in den Staub ſtuͤrzt. Doch V Klopſtocks Oden. 145 Doch wenn du aller Streite Verwuͤnſcher auus biſt, Die hohe Todeslanze nicht nehmen magſt: So flieh! Der Flucht ſproß ſonſt kein Lorbeer; Aber nach dieſer, wirſt du gekroͤnet! Verachten duͤrfen Menſchen die Menſchen nicht: Die bittre, kalte, ſtumme Verachtung macht Zum Bruderfeinde. Flieh! du wirſt dann Edler noch, froher noch, als du wareſt. ¹ Da s Neue. Neues geſcheh nichts unter der Sonne? und die Verfolger Jener Frepheit, wie ſie noch die Geſchichte nicht kennt, Feyren gleichwohl ein Siegesfeſt, daß die him⸗ melgeborne An der Kette, die ſie ſinnlos ihr ringten, verſtummt, Singen, den Ton volksbuͤhniſch, am Feſt der Sanscuͤlottiden, Hottentottade:„U⸗amp Marat, wir be⸗ ten dich an, Klopſt. Oden, II. B. K 146 Klopſtocks Oden. Der du in dir die Goͤtter des ſiebenarmigen Stromes, Dieſe der lehrenden Welt unſrer gelehrigen zeigſt, Dich, dem Mirabau ſank, und der ſie alle noch wegſtrahlt Aus dem Tempel, Nu⸗ap Marat! Marat Hir⸗op! Pandaͤmonion war der Tempel, eh' Marat, du einzogſt; Aber du kamſt! und er ward Pantheon, Marat Gha⸗ip! Lebe die Klubbergmunizipalguͤllotinoligokra⸗ Tierepublik! und Gha⸗ip ſchuͤtz' uns vor Hunger und Peſt!“ Auch Berwünſchungen ſprechen ſie aus; die Verwuͤnſchenden bruͤllen: La Fayette! und ihr, Roland! la Roche⸗ . foucauld! Bailly! du von Etampes! Geſegnet ſey uns, . o Jourdan! Sey dein Ronſin, und ſey.. Aber mir ſinket der Laut, Weigert ſich fortzunennen. Wie viel, und wel⸗ che Verbrechen Graͤbt, fuͤr der Nachwelt Spruch, einſt die Geſchicht' in ihr Erzt! Doch die jetzige Welt iſt Nachwelt, ſetzet ſich, richtet Gleiches Gericht; wenn die That nakt vor das Auge ſich ſtellt. Klopſtocks Oden. 147 Nakt ſteht: Herrſchende Buben ſie brauchen, wer von der Herrſchſucht Gluͤhet, wie ſie: gebraucht, wandert er auf das Schafot. Jene kennen das Volk: Es will Despoten! und Schauſpiel! Fliegt zu der Buͤhne, ſo bald einer den anderen wuͤrgt. Marat entrann dem Schafot; nun ſollt' er, ſelbſt nach dem Tode, Ihnen noch froͤhnen: und ſo machten ſie ihn zu'nem Gott. Nakt ſteht da die Rache an Toulons Buͤrger⸗ Dem Tode Schon zum Opfer gekraͤnzt, duldet' er feindlichen Schutz. Buͤrgerpflich war nicht, daß er ſchlachten ſich ließ, und erlaubt nicht Selbſtmord: aber erlaubt Leben im retten⸗ den Arm.„1 Nakt ſteht da, was geſchah: Als Stellvertre⸗ ter zu Kerker Gehen ſollten! Als roth ſtroͤmte der Rho⸗ 1 dan! Als ſie, (Scheußlich nakt ſteht dieſes da, mit ziſchenden Schlangen⸗ Haaren, blauem Geſi cht, ſengenden Augen) als ſie, Welche Bifrehung hieß, und Eroberung war, nach des ſchoͤnſten K 2 148 Klopſtoeks Oden. Wortes Bruche, ihr Haupt, Allen Ent⸗ ſetzen! ihr Haupt Aus der Hoͤll' erhub, und die Voͤlker zwang, den geliebten Namen Freyheit, den auszuſprechen mit Gram. Aber wer kann ſie zaͤhlen die Thaten der eher⸗ nen Unſcham? Und wer moͤcht' es? Ihr ſeht lieber vom Schrecklichen weg. Einſame Baͤume verbergen ſie nicht die un⸗ endliche Waldung Etliche gute das Heer ſchwarzer Handlun⸗ gen nicht. Ganze lange Jahrhunderts ſind voruͤbergegan⸗ gen, Eh das gehende dieß, ach dieß Neue gebar; Eh, nach ſolcher Bruͤderlichkeit, ſo traulichen 4 Feſten, Wo die Freud' und der Tanz Maͤdchen uundd Liebender war, Sich herwaͤlzete unter der Sonne die graͤßliche, blinde, Blutige Mißgeburt, ſchaffend den Schauer zum Stein, Und den Stein zum Erbarmer! O weint nicht zu bittere Thraͤnen; Denn die Freyheit traͤgt Ketten nur, iſt nicht entflohn. Klopſtocks Oden. 149 Wißt ihr, auf welche Rettung ſie wieder ſin⸗ net? und wißt ihr, Ob es mit dieſer ihr nicht mehr wie der 3 erſten gelingt? Ach, ſie kennen mich nicht, ſo dachte ſie; doch wie vermoͤgen Ferne Menſchen zu ſehn, wer die Unſterb⸗ lichen ſind. Darum ſend ich ihnen, ſtatt meiner, daß ſie mich kennen! Eine Sterbliche.„Geh, Arria Kordaͤ!“ Sie ging. Hermann aus Walhalla. So denn Krieg, weil Krieg ſeyn muß! doch er ſchuͤtze nur, roͤthe Nicht in des Franken Heimat das Schwert; Lehrerin iſt der Sache Beſchaffenheit Sehen⸗ den; Andern Iſt es Erfahrung allein. Stuͤrzen uͤber die Steine, und wieder ſtuͤrzen, und wieder! Dieſes lehrt die Anderen erſt, Daß es da, wo umher ſie wanderten, ebener . Weg nicht, 150 Klopſtocks Oden. Daß es ſteinigter war. Weil ſie denn alſo ganz noch erfahren nicht iſt die Erfahrung, Ganz ihr bitterer Kelch Bis zu dem Hefen hinab noch nicht getrunken; ſo ſollen Tauſende noch Bluten? 2 und weinen der Tauſende mehr? Es ſollen die Muͤtter Sich die Soͤhne zur Stuͤtze, die Braut Ihren Gewaͤhlten umſonſt herrufen vom ſchwei⸗ genden Schlachtfeld Zum hochzeitlichen Tanz? Lenken den Pflug der wankende Greis? Er ſinkt, und die Gaͤule Weiden die Saaten ihm ab. Krieg denn, Krieg! doch gewarnt, wie er wur⸗ de, meid' er die Thaͤler Galliens, wolle zu Kroͤnungen nicht, Tuht zu entſagen dem, was dort Gluͤckſelig⸗ keit ſcheinet, (Ach einſt war ſie nicht Schein!) Zwingen ein Volk, das lange ſchon kalt bey der Sterbenden Anblick Lang ſchon entgluͤht War zu der Rache: er ſey des eigenen Heerdes Beſchuͤtzer, Sammle nicht welkende Lorbeer ſich da, Neue! Alles iſt jetzo neu! drum muß auch die Kriegskunſt, Klopſtocks Oden. 151 Als Vertheidigerin, Neu ſeyn! War ſie nicht ſtets Erſinderin? und wenn die Weisheit Sie auffordert, waͤr ſie es nicht? Jetzo waͤr' ihr das Feuer des Adlerblickes er⸗ loſchen? Schlief' ihr der ſinnende Geiſt? O ihr gelingt's, ſie erfindet, den menſchenſcho⸗ nenden, kalten, Deutſcheren Plan! Streiter! der erſte Schritt, der uͤber die Graͤn⸗ ze den Feind fuͤhrt; Fuͤhrt ihn in's Grab! Taͤuſchet er, fliegt er mit Heerchen heruͤber, ſo ſteigt in dem Ruͤcken, Auch nicht ſaͤumend, ein Wetter ihm auf. Gegen den Anflug iſt, durch Pfahl und Gra⸗ ben, das Strohdach, Und die Buͤrgerhuͤtte geſchuͤtzt. Wag' er ſich denn, und eil' heruͤber; das ſtuͤr⸗ mende Wetter Staͤubet ihn ſchnell vom Geſchuͤtzten ins . Feld, Und dann kehrt kein Bothe zuruͤck! Doch ich . ſchweige von dieſer Tiefen Schande des Kampfs. Kriegen, und raſen iſt Eins; und es gluͤcken der heilenden Kriegskunſt Nie der vernuͤnftigen Stunden genug. 152 Klopſtocks Oden. Hermann hab' ich ſchweben geſehn; er laͤchelte, ſagte: Sie erfinden den deutſcheren Plan! Selten nicht will man den Knoten der Fehde zerhaun; und zerhaut nicht! Enkel! ſicherer loͤſet ihr auf. Enkel, Krieg! ich beſchwoͤr' euch bey Siegmars Schwert', und bey meinem, Aber cheruskiſcher Krieg! Dennoch iſt Friede die ſchoͤnſte der Loͤſungen. Laſſet von Hlyn euch Fuͤhren, von Freya zum Wagen im Hain! Noſſa guͤrte ſich, fuͤhre voran die blutigen Wodan, Thorr, und Tyr in den Hain!“ Und der Juͤngling verſchwand; mich aber truͤbte . von neuem Meine Schwermuth: Daß Krieg Seyn muß, ob ihm gleich, dem thieriſchen Scheuſal, das ehmals Freye Frankreich Untergang ſchwur. 4 Klopſtocks Oden. 153 Die Truͤmmern. T raum von dem Tag' iſt ein nur verkuͤndeter Plan; Ausfuͤhrung Iſt der erwachte, goldene Tag. Schon begann fuͤr die Franken die Morgenroͤ⸗ the zu daͤmmern. Wehete Schauer die Fruͤhe; da ward Selber der Grund des menſchlichſten Plans zerſtoͤret! Von der Nacht Rede, wer kann. Steht mir, Bemerkende, bey, entdeckt: Ob jemals was gleich war Dem, das Schmach den Franken jetzt iſt, Seyn wird, und ſo, wie laut es auch preiſe die eherne Unſcham, Treiben auf immer im Strome der Zeit. Wenn die volle Gewißheit zeugt, und von Groͤße der Unthat; Ewigen dieſe Geſchicht', und Geſang. Sucht in der Welt der Fabel, Bemerkende, ſucht in der wahren: Aber entdeckt! Ward vortreffliches je ſo ganz entheiligt? Er⸗ habenes, Sank es jemals ſo tief? 154 Klopſtocks Oden. Schrumpfte ſo ſehr die Schoͤnheit ein, von der Eiterung todtbleich, Schwindend, ein ſchleichend Geſpenſt? Wurde Weiſes ſo ganz zu Thoͤrichtem? Wurde die Menſchheit Jemals alſo entmenſcht? „Dräche ward der Gott, den um Heilung Hesperien anrief! Jupiter Stier!“ Jupiter war denn ein Gott; doch was war der Despot des Olympus? Ihm verderbte der Stier nicht zu viel. „Sieh, dort weilet er, ſchafft der erſindende Kuͤnſtler. Er will nicht Werden Parraſios, Angelo nicht: Will Er Selber ſeyn! Das Meiſterwerk iſt vollendet! Aber den gluͤhenden faßt Schnell was, wie Zaubergewalt; er bildet um, die Geſtalten Werden wilde Phantome des Wahns! 5 Schweiget von dem, was die Kunſt gebar; die Vergleichung entaͤhnlicht Durch ihr Heiteres: Gallien hat Viel zu traurig verwandelt, gemacht aus den Rechten des Menſchen Rechte des Kamul!(Der Gott Duͤrſtete Menſchenopfer!) Zu dieſem Barbari⸗ ſchen ſtimmet Nicht der Anmuth leiſeſter Laut, Klo pſtocks Oden. 155 Nicht der Grazien; ſie hat lang ſchon der Ka⸗ muͤlottide Angeſpien, und gepeitſcht! „Nun ſo ſchaue denn um, und ſtarr' auf die Truͤmmern. Dort lag einſt Eine wimmelnde toͤnende Stadt, Voll von Buͤrgergluͤck. Die Peſt kam. Die mit der Schaufel Raubten bald, und begruben nicht mehr. Da die raubten, nicht mehr begruben; flog der Belagrer Gluͤhend Geſchoß, Zuͤndete Haus und Thurm, und mit den ge⸗ ſunkenen Thuͤrmen Schwieg das Todtengelaͤut. Da das Todtengelaͤut verſtummt war; ſtuͤrm⸗ ten ſie, wuͤrgten, Schnellere Seuche, Mutter und Kind! Bruder bey Bruder, den Sohn, den Braͤuti⸗ gam, neben dem Vater; Aber langſam die Braut!“ Weh die Alüisüiche Stadt iſt geweſen, die froͤh⸗ liche! Wendet Eure Thraͤnen, und ſchaut nicht zuruͤck. „Ach wir ſchauen immer noch hin, es gebricht uns an Staͤrke, Wegzuwenden den Blick. Niedergeſtuͤrzt, vernichtet die Obergewalt des Geſetzes, Durch das herrſchende Schwert! 256 Klopſtocks Oden. Schreyender Widerſpruch: Freyſtaat, und ein Staat, der auf Mord ſich Gruͤndet! Wer nennt Die Republikgeripp mit Einem Namen? Ent⸗ flieh nicht, Rede, nenne mit uns! Henkerſtaat! ſey der erſte Nam', und der an⸗ dere Sklaven⸗ Staat!“ Der nennet auch, ſo verſtummt. — Der Schooßhund. 1—*(2„)—»—,—„— —»(„)—„—,„(—)— ⸗ 9 p— v, p v—„ —(2„)—„„—. Maos Huͤndchen, und meins, werde — nicht blind! O wir gaben dir ja den Rudrer Von der Schuͤte, der mein lieber Klopſtock! nnaih nannte, zum Arzt. Blind, begleiteſt du mich, nehm' ich den Zaum, Klopſtocks Oden. 457 Niemals wieder, erſpaͤhſt zuwedelnd Von dem Gaule, wie von hohen Rieſenhunden du thuſt, Laune zu ſpielen nicht mehr. Robepierr'! Dem, dem wedle nicht zu, denn hier biſt Du verloren; denn mit Hoͤllen⸗ Hunden ſpielet man nich. Eile nicht, lerne noch dieß: Belle den — Mond Ja nicht an! Ihn umſchwebt noch Kordaͤ. Wenn du jemals da hinaufbellſt, Kleiner, ſo brenn' ich dich blind! Und dann laͤgeſt du da, zweifelteſt gar Ob dereinſt zu dem Freund' Ulyſſens, Und des Dulders Eliſama Treuem Hunde du kaͤmſt. 158 Klopſtocks Oden. Erinnerungen. —»(b n), o(a v) b 2 5 b—(—) 2— — b(»„)— 5. Na⸗ dem Fluſſe des Hufs; deinem Ge⸗ raͤuſch, Saal'; am kaſtaliſchen Arm; dann wieder An dir ſelber; an der Pleiſſe Sah ich, hoͤrt' ich, genoß, Froher Juͤngling, den Lenz; Juͤngling, 448 wie ich 1 War er! Hier an dem Strom des Rieſen, Iſt er Kind noch, wenn der Sommer Kommt, der Mann ihn verſcheucht. Wie empfand ich ſie einſt, ſproſſend ich i ſelbſt, Jene Maye! Doch o der Wunder! An dem Bergſtrom, wo zum Grab' er Ebbt, war im ſiebenten Zehnd Meines Lebens der Lenz Juͤngling; und ich Fuͤhlt' ihn ſo ganz, daß, wie jetzt ihm troͤffe An der Seine die bemooste Roſe von Blut', ich vergaß. —— Klopſtocks Oden. 159 Das Denkmal. An Thereſe Matilde Amalia. Woarrhei du, und du o Geſchichte, wenn ihr vereint ſeyd: Sehreſpet Flammen der Griffel, mit welchem ihr zeugt von erhoͤhten Buben; und die Stimme, mit der ihr das Zeugniß ausſprecht, Spricht, ihr raͤchenden! Donner aus. NRaͤchet ſie jetzt, die Menſchheit, an Frank⸗ reichs Oligokraten, Ernſte Vergelterinnen! Zu ſchonend ruͤgt der Verbrecher Tod; Europa will das warnende Schandmal, will die Ewige Piramide ſehn! Nie noch hat die Geſchichte ſo ganz ent⸗ huͤllet der Wahrheit Antlitz erblickt; es verſchmaͤhte den Schleyer der Handelnden Unſcham. Eilet denn, thut die Folg' uns kund der Ver⸗ einung! lindert, Loͤſchet der harrenden heißen Durſt. 160 Klopſtocks Oden. Juͤnglinge dulden's noch wohl, das Erwar⸗ ten; wir Greiſe verabſcheun's. Auf denn, raͤchet die Menſchheit, und bald Nicht ſuͤß nur, auch edel Iſt die Nache. um die wir flehen; o reicht aus voller, Kuͤhlender Schaale den Labetrunk. Sollten vielleicht dem Eroberer nur Schand⸗ male den lauten Namen ewigen? nicht dem Hochverraͤther der Menſchheit, Nicht dem Scheuſal, dem Heuchler auch, ſo der Freyheit opfernd, Kettenumraſſelte Freye wuͤrgt? Nein ſo waͤhlet ihr nicht, vergeſſet eh die Eroberer, Als daß ihr nicht der Freyheit getuͤnchte Ver⸗ goͤtterer hinſtellt, Wie ſie waren. Mich deucht, ich ſehe die Flam⸗ menſchrift ſchon! Hoͤre der redenden Donnerton! Wenn ich, erlebend, wirklich das ſeh', es wirklich mein Ohr hoͤrt; Feyr' ich ein Feſt, bekraͤnze mit Eichenlaube das Haupt mir, Lade Freund' ein, ſpuͤle den hellſten Kriſtall im reinſten Bache, fuͤll' ihn mit Wein, der Greis Wurde, 3 Klopſtorks Oden. 161 Wurde, wie ich. Im Kriſtall verſiegt's nicht ſelten. Das Waldhorn Hallet; wer ſingen kann, ſingt. Wir freuen uns innig! Ich werde Hundert Monde verjuͤngt! Wenn Rache, wie die voollbracht iſt; Darf ſich taumelnd die Freude freun. Die Mutter und die Tochter. „(Gananen wird die Goͤttin gebaͤhren!“ ſang ich verkuͤndend, Da ſie noch verwandelt nicht war, die heilige Freyheit, Noch Alekto nicht war! geworden zur Nacht der Tag nicht, Noch die Welt zum Chaos nicht. Falſches hab' ich verkuͤndet. Die Goͤttin hat nicht geboren; Aber Alekto!„Eya, Poleya ſchlaf, Eume⸗ nidchen, Schlaf, du kleine Megaͤra!(die Mutter ſang's) Der Rhodan Schweig', Alektochen, dir im See. Klopſt. Oden. II. B. L 163 Klopſtocks Oden. Tiſiphonchen, beginn an dem Laͤcheln die 3 Mutter zu kennen, um ſardoniſchen! Aber o ſchrey dich nicht blau nach den Kugeln, Suͤße Tochter; da ſind ſie, und marmorne nicht! da ſind auch Zuͤndbare Kuͤgelchen ohne Zahl! Wie du ſo ſchnell das Spiel mit den Ku⸗ geln, und Kuͤgelchen lerneſt, Naͤchtliche, ſchwarzbehautete! Wie dir die Schlang' in dem Haarbuſch, Schreckenblickende, ſteiget, ſo bald in den Todes⸗ ſchlummer Eya, Poleya aus Eiſen ſingt. Muͤtter ſind blind; ich bin's nicht. Du biſt eine wahre Megaͤra! Gleicheſt mir, wie dem andern ein Dracheney. An dem Rhein kam's Todt mir zur Welt; du lebeſt, lebſt! und des Schwachen ſpott' ich, Der dich, Gottergeburt, verkennt. Tochter, dir wurde Geiſt; du verſtehſt die Mutter, ſie warnt dich: Laß dich niemals blenden den Wahn der weſt⸗ lichen Thoͤrin! Ungetbanes Geſetz iſt(waͤhnet ſie) leerer Schall, iſt Bild des Kuͤnſtlers, das eilet, bleibt.“ Klopſtocks Oden. 163 Die Wiederkehr. — Gaur, mein Arzt, du gedenkſt doch des Fruͤh⸗ linges? oder vergaßeſt Du den lieblichen May, Unter den Mayen allen ſeit Juͤnglingsalter den 3 ſchoͤnſten? Nein, du vergaßeſt ihn nicht; Denn du wieherteſt mir. Der May iſt wieder⸗ gekommen, Ob er gleich September ſich nennt. Beyde gleichen ſich, wie ein Haberkorn in der vollen, Reifen Aehre dem anderen gleicht. Nieſe nur fort; ich verſteh dich: du nieſeſt mir froͤhlichen Beyfall, Durch die Aehre geruͤhrt. Alſo iſt jetzo Septembermay, wie du meinſt, und ich meine. Angenehm iſt es, wenn Zween Eben die Meinung vereint; da ſchallt der ent⸗ heiternde Strauß nicht, Da iſt Lebensgenuß. Laß uns genießen, du in dem Schatten, zu dem ich dich lenke, Friſches, kuͤhlendes Gras, 8 2 164 Klopſtocks Oden. Von der weißlichen Blume durchwebt, und der goldnen; auch hebt dort Dein erkohrnes Gewuͤrz, Heilende Wermuth ihr Haupt. Ich ſchau ge⸗ nießend den hellern, Blaͤueren Himmel, des Sees Ebnen Kriſtall, und umſchwebt von ziehenden Metten, vergeß ich Faſt der Blüͤthe, die nun Fruchtet, und mit vielfarbiger Laſt, den bieg⸗ ſamen Zweig kruͤmmt. Alſo trink' ich die reinere Luft, Und ein ſanftes frohes Gefuͤhl des Lebens be⸗ rauſcht mich! Aber du ſtoͤreſt mich ja! Schmauſe doch nicht ſo gierig; ſie legten dir Fenophons Zaum an, Deſſen Gebiß durch Ringe dich zaͤhmt: O du koͤnnteſt durch ihn dir ſo leicht die Zunge verwunden, Faͤrben die Halme mit Blut. Doch du gehorſameſt nicht. So ſteh denn geho⸗ . benes Halſes, Athme die Weſte, wie ich. Spitze nicht horchend das Ohr. Die Nachtigall iſt mit dem zweyten Lenze nicht wiedergekehrt: Kehret auch mit dem kuͤnftigen May nicht wie⸗ der; iſt Fabel Nicht, was man ſtaunend erzaͤhlt. Klopſtocks Oden. 165 Galliſche Wilde, ſagen ſie, ſind gekommen, und haben Ihre Neſter entdeckt; Haben die Kinderchen ihr mit Geyerklauen ent⸗ riſſen, Und ſie ſammt dem Geſieder verzehrt. Haſt du ſie nicht gehoͤret der Muͤtter Klage? Sie ſchwankten An den Zweigen; ihr Lied Jammerte Naͤchte lang: bald ſunk das Floͤten der Wehmuth Immer tiefer, und bald Schien's zu verſtummen, verſtummte. So hab' ich nie ſie vernommen; Aber es war auch Leichengeſang! Stammſt du vielleicht von den Roſſen Achills? Denn du ſenkſt ja die Maͤhne Erdwaͤrts, und in den Staub Stuͤrzen dir heiße Thraͤnen hinab; ſo hat dich der kleinen Saͤnger klaͤgliches Ende geruͤhrt. 166 Klopftocls Oden. Das Verſprechen. Kei Eroberungskrieg! So ſcholl das heilige Wort einſt, Das ihr uns gabt, verehret als nie verehret ein Volk ward; Und(ſo daͤucht' es uns) Stimmen Unſterblicher wiederholten: Kuͤnftig nicht mehr Eroberungskrieg. Und jetzt fuͤhret ihr ihn den allverderbenden, ſeyd gar Große Krieger, erſteigt mit ſchlagendem Herzen, mit heiſſem Durſte nach Ruhm, im Orkan der Leidenſchaft, des Kampfſpiels Schimmernde Hoͤh, die.. Abgrund iſt! Lernet den Schauplatz kennen, auf dem ihr groß ſeyd: Auf ihm bruͤllt Beyfall der Loͤw' euch zu; heult euch von Tri— umphe der Wolf vor; Schreyt mit der feinen neroniſchen Stimm' euch von nie vergeßnem Ewigen Namen der Geyer vor. Klopſtocks Oden. 167 Wenn ihr auch ganz das Gebaͤu des Staats umſtuͤrzetet; mußte Dennoch die nievernommene, die menſchliche, edle Verheiſſung unerſchüttert ſehn, in der Mitte der großen Truͤmmer, Stehn, wie der Fels im Ozean! Das Grab. — An Meta. Fobucher ſchwebten mir her Lebendigkeiten, Gevoͤgel, Oder Gewuͤrm, Welche das Auge nicht ſieht, ſo den hohen Sirius funkeln Sieht, und des Himmels weißlichen Pfad: Doch erſpaͤht's durch der Kunſt Kriſtalle dieß den Atomen Nahverwandte Gewuͤrm. Solche geheime. Leben umwimmelten jetzt mich; es waren lnnter dem lieblichen Heer Bienchen auch, und Taͤubchen, und Untrennbare, Johannes⸗ 168 Klopſtocks Oden. Wuͤrmchen, Schwaͤnchen, ein Chor Philomelen. An einer ſich hoͤhlenden, ſterben⸗ den Ulme Saß ich, und am rieſelnden Bach; Hoͤrete horchend dem Bache, der Nachtigall hor⸗ chender. Jetzo Schwebte naͤher die wimmelnde Schaar, Schwebte(das wußte ſie nicht) zu dem Grabe! Die Schluͤnde des Baumes Dufteten Peſt, der ſtuͤrzende Bach Wogte Tod; und wie nah war ihnen der we⸗ bende Heerzug, Welcher, immer gewendet, ſich nun, Schnell wie der Wink, herwirbelte, dann ſich fernte. Wie leicht ach Konnten ihm Grab Werden des Baches, oder des Baums Abgruͤn⸗ de! Mich hatten Traͤume der dunkeln Pforte geweckt; Doch ich vergaß der guten. Die Nachtigall ſchmettert', als ob ſie Warnte; allein ich verſtand Auch den Liebling nicht. Verſtand ich den ſin⸗ genden Seher; O ſo ſprang ich auf, und entfloh. Ach jetzt wurde nicht Bach, nicht Baum; ich wurd' einathmend, Jener frohen Voͤgelchen Grab! Aber nun ſang ſie auch, wie ſie nie geſungen, mein Liebling, Klopſtocks Oden. 260 Floͤtete Wehmuth, wie ſie, Selber als Mutter, nie nicht gefloͤtet, wenn noch die Feder Flog, und der Geyer vom Blute noch trof. Ungluͤckſeliger! zuͤrnte ſie mir, dir weint' an der Lippe Wehklag'; und du hoͤrteſt nicht hin! Weh dir! Sterbegeſang der Philomelchen erſcholl 4 dir; Und du athmeteſt, athmeteſt fort! Rantes. — U Avignons Blutgericht ragt das der Loaͤre Hoch empor; die Sprache vermag doch Dort zu ſtammeln: hier fehlt's ganz an den Worten ihr, ſind ihr Selbſt die lebendſten todt; ſie verſtummet! Wißbegierigen koͤnnte vielleicht wortloſe Geber⸗ dung Das, das Niegeſehene bilden: Aber wuͤrden ſie nicht entfliehn? nicht, wenn vor Entſetzen Sie einwurzelten, ſchnell ſich verhuͤllen? 170 Klopſtocks Oden. Habt ihr Thraͤnen, die ganz des Guten innerſtes ruͤhren, Thraͤnen des tiefſten Grams, blutige Thraͤ⸗ nen; ſo weint! Koͤnige, Schaaren aus Voͤlkern vollfuͤhreten viele, nicht kleine Greuel in Jahrhunderten. Frankreichs Freye, die Herrſcher, das Volk zu Schaaren vollfuͤhreten groͤßre, Mehr, eh Ein Mondhundert entflohn war. Jenes Gericht, der Waſſerehn Erſinder, es blickte Stets nach der Hoͤhe der Staatsumſchaf⸗ 3 fung; Ha der Loaͤre Todesgericht hat empor ſich ge⸗ 3 ſchwungen Bis in der Greuel geſunkenſten Abgrund! Habt ihr Thraͤnen, die ganz des Guten inner⸗ ſtes ruͤhren, Thraͤnen des tiefſten Grams, blutige Thraͤ⸗ nen; ſo weint! Wunderbar! neues Licht hat den Wiſſenſchaften geleuchtet, Durch die tollhauswuͤrdigen Richter! Denn, durch ſie, iſt geendet ein Streit der 3 Weiſen; wir wiſſen Jetzo, daß Seelen haben die Thiere. Habt ihr Thraͤnen, wie keine floß der enthei⸗ ligten Menſchheit,. Thraͤnen des tiefſten Grams, blutige Thraͤ⸗ nen; ſo weint! Klopſtocks Oden. 171 Der Geſchmack. Das Geſicht. Das auzzudräcken, was er empfindet, denkt, Wenn ſich mit ſeinem Reitz' ihm das Schoͤne . zeigt, Kohr unter uns der Geiſt; doch welchen? Ah ich erroͤthe, den Sinn der Schwelger! Ich ward verſchmaͤhet! Aber er war es ja Auch nicht der Geiſt der Alten, der auserkohr; Der Neuern war's! und dieſem mag wohl Staͤrkung des Heerdes zum Fluge noth thun. Mich, mich verſchmaͤhen? dem an dem Walde ruht Die Morgenroͤthe, dem in der Fruͤhe Thau, Umringt von allen Blumen, allen Farben, ſich Maͤdchen und Juͤngling freuen! Dem im Gemaͤhlde taͤuſchend die Zauberhand Des Kuͤnſtlers nachahmt, den ſie ergoͤtzt, wenn ihn Der Abendſtern, wenn ihn des Himmels Weißlicher, ſchimmernder Pfad nicht hinreißt. 172 Klopſtocks Oden. Das Gehoͤr. Mich, dem des Hains Saͤuſeln ertoͤnt, und der Quelle Stimmchen, der Sturm, und der Donner, und das Weltmeer, Dem die Nachtigall, dem der Liebe Froher, und weinender Laut, Dem Melodie, Harſengetoͤn, und die Floͤte, Sie die Poſaun', und die Laute, und des Menſchen Stimme, mich hat er auch, in ſeinem Schlummer, der Waͤhler, verkannt! Das Geſicht. Mit ſtillem Laͤcheln hoͤreſt du uns Gefuͤhl; Schweig ferner, der du Seher dich, Hoͤrer dich Darfſt nennen; dann uns wegen ſtolzes Wahnes mit Roͤthe die Wange faͤrben. Der Geruch. Toͤdte denn, Geſchmack, fuͤr der Eſſe Lanzen Auch die Saͤngerin, die entzuͤckte Lerche; Suͤßre Labung iſt der bemooſten Roſe Duͤfte zu athmen. Der Geſchmack. Mag die Schuͤſſel denn ſtehn; ſchmuͤckte ſie auch das Reh, Klopſtocks Oden. 17 8‿ In der Bluͤthe gefaͤllt, ſchmuͤckte der Weizner ſie Oder ſelber die Schmerle, Jener Liebling des Kieſelbachs. Doch des hellen Pokals helleres, ah den Saft, Welchen Berg mir, und Thal, Winzer, und Kelterer Geben, wie er mir roͤthlich, Oder wie er mir golden blinkt, Trink' ich, ſchluͤrf' ich mit Luſt, liebend, mit Maͤßigung, Zwar mit weiſer, doch nicht mit der plato⸗ niſchen: Evan bleibet mir ſanfter Juͤngling, hebt nicht den Rebenſtab. Durch mich ſpracheſt du einſt, Trinker Ana⸗ 8 kreon, Bildlich, da du von dem ſpracheſt, was ſchoͤn . dir war: Aber Maale verſanken; Und dein attiſches Wort verſcholl. 174 Klopſtocks Oden. Der Sieger. — dv v—,— v 9—, v v—» — v v—, v v— v,(—)„„—» ———,„—„ — o„— ⸗—. Kanne mein Haupt, Lorbeer des Siegs: Mit des Manns Kraft Hab' ich gekaͤmpft. Die Verkennung, die Ent⸗ edlung Deſſen, was ſie erhoͤht die Menſchen, Was ſie zu Menſchen macht! Zeigten ſich mir; ach und der Gram, und der Abſcheu Fielen mich an, mich mit Wuth an das Entſetzen! Wonn'! ich habe geſiegt, geworden Bin ich nicht Menſchenfeind. Heiß war der Kampf, daurend, es galt um des Lebens Ruh! Denn erlag der bekaͤmpfte; ſo verloſch mir Jede Freude! die Welt war ſtumme Oede mir! Tag war Nacht! Klopſtocks Oden. 175 Zwey Nordamerikaner. Niots von dem, was der Franke des Guten verhieß, und des Edlen, Nichts von Allem dieſen geſchah; Wie es auch mit entzuͤckendem Ton die Beredt⸗ ſamkeit ausſprach, Und die Begeiſtrung es hob. Aber alles geſchah, was je die ſtaͤrkſten der Worte Schreckliches nannten, oder was nie Selbſt der Sprachen redendſte nicht zu nennen vermoͤchte, Alles, alles dieſes geſchah! Und je ſchwaͤrzer es war, je grauſender, un⸗ geheurer, Deſto oͤfter geſchah's. 9 was waͤhleſt du dir, dich zu troͤſten? blutige Thraͤnen? Oder der Franken ewigen Haß? „Nein, die Thräne nicht, und nicht den Haß. Ich verachte Jeden, der raſen die Raſenden ließ.“ Aber flucheſt du nicht den Raſenden?„Wer 3 zum Steine 176 Klopſtocks Oden. Wurde, verſtummt.“ Haͤtt' ich euch nur icht geruͤhrt, ihr Saiten, die von der vertilgten Freyheit ſarger, und gleich Toͤnten dem ernſten klagenden Bach, der mit der Zipreſſe Neben Begrabenen rauſcht. Denn ihr ſtrebtet umſonſt den tiefgetroffnen zu heilen; Riſſet die Wunde nur auf. 4 Wer an dem Fruͤhlingsmorgen der nengebore⸗ nen Freyheit Meine Freuden empfand, 199 Der allein, und kein anderer fuͤhlt den innigen Schmerz auch, Welcher jetzo die Seele mir truͤbt. 6 5 O venga ich auf immer! Denn Linderung wird mir, ſo lang mich Kuͤhlet ein Trunk aus Leihe⸗ wijööeſt Der Klopſtocls Oden. 177 Der Kapwein, und der Johannisberger. — p(b p)—, —* o) S Aae⸗ Vater Johann, zuͤrne mir Deutſchen nicht, Daß ich die Tochter Konſtanzia Lieber(darf ich es auch, darf ich das trunkne Wort Wagen?) lieber ſie trink' als dich. Du verzeiheſt vielleicht; doch die Kanoniker, Deine Saͤuglinge, dieſe nicht! Ohne Schimmer,(du liebſt glaͤnzende Eitelkeit, Liebeſt Blendung des Auges nicht) Ruheſt du in dem Kriſtall. Deine Geruͤche 4 ſind Stiller Staͤrke Verkuͤndiger. Guter, alter Johann, froheres Leben dringt Mit dir Greiſen durch Mark und Bein! Bald iſt i ihnen nicht mehr Kruͤcke der Reben⸗ ſtab; Bald verſuchen ſie ſeinen Schwung. Nun du haſt es gehͤrt, wie, dich zu pieiſen. mir Klopſt. Oden. II. B. M 128 Klopſtocks Oden. Meine ſchluͤrfende Lippe trof! Haſt verziehen. Allein Wahrheit iſt wahr, und bleibt's! Deine Tochter Konſtanzia Blinkt einladend, wenn ſie Farbe des Goldes ſchmuͤckt; Doocc wenn die des erwachten Tags, Blinkt ſie lockender, gluͤht, gluͤht wie die Braut, die ſich Nun doch auch zu gewaltig ſchaͤmt. Deiner Konſtanzia Duft gleichet des Roſenoͤhls, Nein, gleicht dem der durchwuͤrzten Luft, Welche trinkt der Pilot, wenn ihm der Wimpel weht Nach den Inſeln der Seligen. Dicht mit Eichen bekraͤnzt, wandte ſich Tmolus einſt, Mit dem Gotte der Wald, daß hin Bis ins tiefere Thal rauſchten die Blaͤtter, bis u dem fliehenden Reh; ſo haſt, Alter Vater Johann, du dich nach mir ge⸗ wandt, Und zurauſchend Konſtanzia's. Preis vernommen. Sie hat braͤutliche Roͤthe! ſie Duftet, wie Inſeln der Seligen! Und die Suͤße, mit der ſie auf die Zunge rinnt, Rann aus dem Nektarpokale nicht. Aber wer ſitzet dir denn in dem beeichelten Kranze, zechend mit wildem Schrey, Daß dein Laub dir erbebt? Ha die Kanoniker V Klopſtocks Oden. 179 Sind es! Wehe mir! ſind's, und ich Bin verloren! Das Lob deiner Konſtanzia Hat zur Rache ſie gegen mich Angeflammet! Schon ſchließt tobend ihr Kreis mich ein! Schon zerſchmettern ſie, ſtuͤmmeln mich. Und wie vor Alters ſein Haupt Orpheus im Hebrus floß, Fließet mir in dem Rhein das Haupt! Aber die Stimm iſt auch mir todt nicht, Kon⸗ — ſtanzia Ruft ſie, die ſtarrende Zunge ruft Noch Konſtanzia, und, Vater Fohann, dein 1 Kranz Hallet wieder Konſtanzia! — Mein Thal. Aag ich ſtand auf einem der hoßen Felſenge⸗ ſtade, Schauete heißtheilnehmend hinab Auf die empoͤrten Wogen, des donnernden Ozeans Berge, Alle ſie Spiele des Sturms, In die Nacht hinab der Staatsumſchaffung! Die Segler M 2 180 Klopſtocks Oden. Schwebeten, ſchwankten, krachten einher. Kuͤhn geſtenent einher, und ohne Steuer; es wurd' oft Bleich von geſtrandeten Leichen der Fels. Selten nur wandt' ich mich um, und blickte nieder ins ſtille Thal, wo die Saite der Alten mir toͤnt, Und auch ich wohl den Klang der eigenen Saite 1 behorche, Wenn des Griechen mich weniger ſchreckt. Aber muͤde zu ſchauen den Sturm, und die 1 ſcheiternden Segler. Kehret' ich endlich zuruͤck A In mein Thal. Tief barg ich mich nun in den Hainen Achaäͤa's, Daß mein Ohr nicht vernahm Jenen Orkan: und veslor bis zu mir ein ſterben⸗ der Laut ſich; Ueberſang ich ihn leicht. 3 Oft ward dann Thuiskone von mir gerufen zum Wettſtreit Mit den geſtorbenen, und Doch unſterblichen, mit Romana, und ſelbſt mit Heellaͤnis! Wenn Thuiskon' ich beſchwor, bey der Kraft Ihrer Kuͤrze; dann erhub ſie ſich, folgte mir: 4 andre Winke noch machten ihr froher den Blick. Wirſt du ihr, Galliette, des Kampfes Kuͤhnheit, und wirſt du Klopſtoeks Oden. 181 : Sie, o Ingles, verzeihn?. Sie vielleicht; doch Eins iſt zu blutige Wunde, und das wird Nie vergeſſen, der Sieg. Laßt euch beſaͤnftigen durch ihr Geſtaͤndniß, daß ſie nur Keime Weniger Lorbeerblaͤtter errang. ——ÿ—ÿ—— Die Beſtattung. — E⸗ Roſe, gepfluͤckt vom liebenden Maͤdchen, das Thraͤnen Truͤbeten, lag, und welkte dahin, Auf den beſtaͤubten Blumen des Graſes. Das 1 bebende Maͤdchen Ließ ſi ie fallen, die doch Eine der moſigen war, und nur erſt Knoſpe. Ach jetzo Lag ſie, und ſtarb! Blumen verſammelten ſich um ſie, und Stau⸗ . den, und Baͤume, Daß ſie ſterben ſie ſaͤhn, 18² Klop ſtoeks Oden. Und der eigenen Sterblichkeit ſich erinnerten; dann ſie, Waͤren die Blaͤtter ihr alle gedorrt, Mit dem Laube beſtreuten der Bebereſche. Am Grabe 82 Sollte, mehr noch zu weinen, ihr dann Bleiben die Juͤngferliche. Die Traurenden nah⸗ ten der Staͤte Bald, wo die welkende lag. Gruͤbling eilte voran, und mit erzitterndem Blatte Folgte Weichling von fern. Göttergeruch begann: So lieget ſie denn, und ſo fruͤh ſchon! Haͤtte das liebliche Maͤdchen ihr doch Aus der Quelle geſchoͤpft, aus der es die Lerche ſich traͤnket, Und die Nachtigall, dann Ihren Stamm in die Kuͤyle geſenkt, und dort ſie gelabet: Ach ſo ſtuͤrbe ſie nicht! Schwebete nun noch nicht zu den Roſenſchatten hinunter In Eliſiens Thal. 1 Alſo Goͤttergeruch. Wenn der Weſt ſchwieg, wurd' ihm die Stimme Rede nur, wenn er wehte, Geſang. Roͤthe, die traͤgt Herzblaͤtter, Vernunft, und die Tochter des Maies, Und Goldlilie klagten ihm nach, Klopſtocks Oden. 183 Flamm', und Maͤdchen im Buſche, und Him⸗ melskerze, und Ringel⸗ Blume, die heilige, nach. Aber itzt kamen in Eil herbey die wild' und die ſchwarze Natterwurzel, herbey Eiſenherz, mit ihm Loͤwenfuß, und der Wolfs⸗ geſichter; Alſo ruften ſie aus: Thoͤrichte, daß ihr da ſo wehklagt um Eine der Roſen; Und zu tauſenden werden ſie doch Unter Galliens Wilden, von Menſchenblute be⸗ ſtroͤmet, In dem eliſiſchen Felde verſchwemmt! Aber die weinende Weide vernahm mit Entſetzen die dumpfen Toͤne, begann: Und du kamſt, Zipreſſe, nicht auch, du grau⸗ irme, kamſt nicht Laͤſſeſt allein Ueber ſie mich die Zaͤhre des Grams hintraͤufeln; und doch iſt Sie, kaum Knoſpe, gewelkt! Wird zu den Schemen nun bald der Pfir ſichblů⸗ then hinabgehn, Wird zu der Veilchen hinab, Und Elfranken gehn. Sie ſang 68, ſaͤuſelte, ſenkte 184 Klopſtocks Oden. a Tiefer den ſchwebenden Zweig. Aber die Tmurenden⸗ wendeten ſich. Da blieb an dem Grabe 3chweigen die diagrelae urück 4* 8 Die Erinnerung. An Ebert nach feinem Tode. Gen der Mitternacht ſchließt ms Fnicht ein, Ihr Verſtummen nicht; auch iſt, in dem Namen der heiligen Frepheit, juͤngſt kein Mord geſchehn; dennoch . iſt mir Ernſt die ganze Seelt. Liebliches Wehn umſaͤuſelt mich; me Wenig iſt nur des Laubes, das ſiel; noch bluͤhn der Blumen; Dem Herbſte gelingt Nachbildung des Som⸗ . mers; Aber meine ganze Seel' iſt ernſt! Kiopltoe 15 Odem„ 385 Ach mich geißt die Exinnerung fort, ich kann nicht widerſtehn l⸗ Muß iunczenn nach Grabſtaͤten, muß bluten zu 2I25 laſen Die leie Wund, ausſprechen der Eehmuth Wort: Todte Freunde, ſeyd gegruͤßt! — Die Rathgeberin. — Regel des Dichtenden, oder hoͤrſt Rath⸗ geberin lieber Du dich nennen? doch welcher der Name ſey, den du waͤhleſt; Biſt du ernſter, biſt tiefſinniger, als im Taumel⸗ Flug dich der Ungeweihte kennt, Biſt entſcheidender! Wie verſtummt' ich oft, und wie fuͤhlt' ich Bleich mich wexden, wenn empor ich ſah zu e der Hoöͤhe, Die mir zeigte dein goldener Stab! und mit welchem Hinſchaun Maß ich den einſamen; ſteilen Pfad! 136 Klopſtocks Oden. Noch erbeb' ich, denk' ich zuruͤck an die Tie⸗ fen, in deren Raͤhe t der ſchwindeinde Pfad ſich erhob. Dar⸗ ſtellung gelinget Droben allein, nur auf dem erſtiegenen fernen Gipfel, Fuͤhrt man in ihren Zauberkreis. Aber wer hat den Reiz, durch den die Fuͤh⸗ rungen gluͤcken, Immer erſpaͤhet? wer das Lebende niemals ge⸗ toͤdtet? O verzeiheſt du auch, Rathgeberin, daß dein . Wink dann Nach der Hoͤhe vergebens wies? Juͤnglinge, laſſet euch Beyſpiele warnen. (ES ſey euch Wacker das Auge, ſo bald an dem Zauberkreiſe ſich Leben, Großes, Leidenſchaft zeigt. Darſtellung Debſetes feſten, Hingehefteten Forſcherblick. Micht das Auge gabet ihr euch; allein wenn ihr oft blickt, Koͤnnet, den Schlummer ſcheuchend, daß heller es ſieht, ihr ihm geben. Leiterin iſt ſie euch nicht die Regel,(Verzeiht dem Greiſe, Daß er fortſpricht,) wird euch nie Klopſtocks Oden. 187 Ihren goldenen Stab erheben: wenn euch nicht Geiſt ward, Dem die Empfindung heiſſer gluͤht, wie ihn 4 Bilder entflammen, Und in dem, Beherrſcher der Flamm' und der Glut, das Urtheil Unbezaubert den Ausſpruch thut; Nie den goldenen Stab erheben, wenn ihr nicht alle Ihre Geberden kennt, nicht ihre Winke, die Stirn nicht, Die nun faltig, nun ſanft verbeut, nicht die helle Seele, Ganz nicht die ſtolze Griechin kennt. Weniges nur, allein Zielfuͤhrendes grub ſie in ihre Eherne Tafel. Einiges wird hier ſelten, dort . oͤfter,— Aber Anderes immer gethan. Wenn von dem ihr weichet; Habt ihr das erſte nur halb gethan. Auf die ſchoͤne Natur, auf die nur weiſet ſie. Huͤbſch iſt Dieſe nicht, iſt nicht wild; hat auch furchtbare . Grazie; kerkert Engumkreiſend nicht ein: doch mit Feinheit be⸗ graͤnzt die Meſſung, Ziehet nicht ſelten Apelles Strich. 188 Klopſtoecks Oden. Wollt ihr der Griechin folgen; ſo kieſet von dem, was ſie lehret, Stimmendes zu des Geſangs Erfindung, legt's auf die Wagſchal, Waͤgt es ihr zu. Was ihr nach falſchem Ge⸗ . wicht verbildet, Schimmert vielleicht; wird untergehn. Die Vergeltung. E uc kam auch Garrier an. Die Seelen der Tcodten Hielten im Fluge vor Graun. Einer der hohen Geiſter ſprach zu dem andern, (Sie wollten Bilden der Seele den ſchwebenden Leib.) Alſo ſprach er: Leite mir Peſtluft her;; mit ihr hundert Funken des Abgrunds. Sondere nun Einen Atom des Urlichts ab.„Ach Einen nur?“ Einen! Und der Todte ſchwebte; doch ſtets Zittert' er, mußte das! Nah war eines Felſen⸗ gewoͤlbes Oeffnung, in die ſich ein reißender Strom Stuͤrzete, dann in den langen unendlichen Woͤl⸗ bungen fortfloß, — Klopſtocks Oden. 189 Oft von ſteigenden Inſeln geſaͤumt. Ueber dem Strome bebt der Todte, Ploͤtzlich be⸗ faͤllt ihn Immer wiederkehrender Wahn: Juͤnglinge tanzten, und Maͤdchen nach Floͤten⸗ ſpiel' am Geſtade; Er entbrannte mit Wuth, in dem Strom Sie zu toͤdten. Bindet ſie, bruͤllet' er, Henker, zuſammen! Und dem Graͤßlichen kam Hoffnung, er wuͤrde morden! nach dem zwey⸗ ten Gebruͤlle, Wurd' er gewiß! Dieſer war der Augenblick, da ein Rieſengeyer Ueber ihm kreiſt', und ſich ſenkend den “ Tod 8 3 Ihm ankuͤndete. Er entfloh in die Wogen, und 2 lange Starb er in ihrem Donnergeraͤuſch. Aber itzt faßte der Geyer den wiederlebenden, ſtieg dann Fern in die Hoͤhe mit ihm, dieß von dort ihn fallen in eilende Strudel. 1 Nun ſtarb er Wieder den langſamen Tod, Hoͤrend das Floͤtenſpiel, den leiſe wandelnden — Nachhall, Und der freudigen Taͤnzer Geſang. Jedesmal wenn er ſtarb, dann ſtanden Getoͤdtete, Schatten 190o Klopſtocks Oden. Seiner Opfer, vor ihm. Standen auch Schatten derer, die unter ihm wuͤrgten. Sie zuckten Blinkende Dolche nach ihm, Oder fuͤllten ijm bis zu dem triefenden Rande geraume Becher mit Gift. Von dem Geyer noch Einmal gefaßt, entſtuͤrzt' er der Woͤlbung; Aber itzt kam er nicht um, Klomm zu einer empor der Inſeln, die rings aus der Ferne Wurde vom wimmelnden Volke geſehn. Hier will er güllotinen ein ganzes Heer, ſo mit 5 Hohn ihm Zuruft„ daß er ſich Quaal Traͤume! Phantom ſey alles, der Geyer, der Sturz in die Fluten, Und der Tanzenden Lied. Aber kein Kunſtgebaͤu mit ſGnellabmähender Sichel, Keine Guͤllotine war da. Grimmvoll entſchloh er ſich eine zu baun. Mit Muͤhſal haut' er Baͤum⸗ um, Finumnerte draus in dem Schweiß Seines Angeſtchts. Doch eine geroſtete Sichel Lag vor ihm; er faßte ſie, ſchliff Sie mit Aechzen. Nun ruft' er den Henkern hoffte des Mordens Klopſtoecks Oden. 191 Freuden, wurde gewiß! Dieſer war der Augenblick, da ein Rabe ge⸗ flogen Mit dumpftoͤnenden Fittigen kam, Schrie, und ihn guͤllotiente! Auch dieſesmal eilte der Tod nicht, Denn die Sichel war ſtumpf Unter des ſchleifenden Fauſt geblieben; und eh er geſtreckt lag, Hielt der Nabe ſchon Schmaus. Als R ihm auch dieſer Wahn verſchwunden war, und er wieder Lebte, betrat er von neuem den Weg Seiner Schrecken, und wandelt' ihn ganz! Er ruhet im Schlamme Immer aus, eh er wieder beginnt, Eines Winks Zeit aus, und hofft, ihm werde, . wie Marat, Lohn einſt Ehre des Pantheons ſeyn! 19² Klopſtocks Oden. Siaarbliche nur genoͤſſen der Freuden froheſte, reinſte, Sie allein die Muſik? Und nicht auch die Bewohner der Leyer, oder Apolös; 2 Anderer Welten umher? Wir entlocketen nur durch mannigfalte Be⸗ ruͤhrung, Durch gelinderen ſtaͤrkeren Hauch, Lebende Aöne den Formen, die jenen wir oildeten? hätten Stimmen allein zu Geſang? Andere ſchuͤfen nicht auch, die Zauberhalle zu 1 ordnen, Gang und Verhalt? Irrt doch nicht ſo! Wie wiſſet ihr denn, ob dort, wo es ſchimmert, Nicht auch freue Muſti? 1 Droben nicht toͤne lautere Form? nicht hellere Lippe Singend erſchuͤttre das Herz? Ob man vielleicht nicht ſelbſt zu des Haines Ge⸗ raͤuſch, und der Weſte Saͤuſeln, Klopſtocks Oden. 193 4 Saͤuſeln, ſtimme den rieſelnden Bach? Zum Einklange nicht bringe den Donnerſturm mit dem Weltmeer? Die mit dem tauſendſtimmigen Chor? Irrt doch nicht ſo! Es freut nicht allein in den Sternen; es freuet Auch in dem Himmel Muſik. Die Sonne und die Erde. S. Reee denn endlich, Erde, verbirg nicht .. laͤnger den Gram mir, Welcher dir die Seele durchdringt. Schweigeſt du doch, als waͤren geehnet die Berge dir, alle Waͤlder geſunken, die Winde verweht. E. Laß mich ſchweigen, des Kreiſes erhabene Herrſcherin; Gram wird Durch die Klage verneut. S. Deinen kann die Verneuung nicht bitterer machen, ſo ſehr blickt Er aus jedem Quell dir umher, Jedem Kriſtallſee, jedem der Silberbaͤche, aus aallen Deinen Augen umher! Klopſt Oden. II. B. N 194 Klopſtocks Oden. E. Wenden kann ich die Blicke; doch hoͤren muß ich! Wie kann ich Mir der Hoͤhen Gekluͤft, Wie die Felſengewoͤlbe mir ſchließen? 2 Selber die kleinen Grotten ſchließ' ich mir nicht, Welche den kaum antoͤnenden Laut mir brin⸗ gen, der muͤden Leiſeren Klagen ſo viel. S. Beb' und zerruͤtte! E. Kann ich es rings, und von Pole zu Pole? S. Aber was hoͤreſt du denn? E. Krieger! S. Die ſah ich lang; allein ich erſtaune, daß dieſe Raſerey dir das Herz Stets noch erſchuͤttert. Du hatteſt Jahrhun⸗ derte Zeit, zu bekaͤmpfen Deinen Schmerz durch Kaͤlte, dich hart, Wie den Marmor zu machen, der in dem Orion emporſteigt, Oder im Siebengeſtirn. E. Wie des Orions Marmor? und ich bin Mutter! S. Zu ſanfte Mutter biſt du! Laß uns die Bahn, Die gemeſſen uns ward, mit Froͤhlichkeit waſ⸗ len! des Lebens uns genießen, uns freun Unſerer Freuden, und jener, die dort mit den Welten ertoͤnen Aus den Ozeanen des Lichts! Klopſtocks Oden. 195 E. Kennteſt du dieſen Krieg; du trauerteſt ſelber! Vordem war Mehr denn alle Kriege der Krieg Mir Entſetzen, welchen ſie donnerten wegen der Frage: Wie ſie jenſeit des Grabs. Wuͤrden gluͤcklich ſeyn? Jetzt iſt mir gleiches Entſetzen Jede Wunde, die rinnt, Jeder Sterbende, der hinſinket, wegen der Frage Von Gluͤckſeligkeit dieſſeit des Grabs. (Als ſie: Entſetzen! ſprach, da fuͤhrte ſie wir⸗ belnden Sturmwind In Bergwaͤldern umher.) S. Laß uns gleichwohl, o Mutter, mit Froͤh⸗ lichkeit wallen. Dein Mitleid Heilet die Raſenden nicht. Auf denn! du ſieheſt ja ſchimmern den Hespe⸗ rus, hoͤreſt ihn wandeln, Und den lieblichen Mond. N 2 196 Klopſtocks Oden. Klage eines Gedichts. Envücch darf ſie mir einmal doch wohl die zuͤrnende Thraͤne Rinnen, endlich mein Schmerz ſagen, wie bitter er iſt. Buͤrdet mir Stolz nicht auf, wenn ich von Ent⸗ weihungen rede; Wer ſo lange wie ich duldet', und ſchwieg, iſt nicht ſtolz. Vor Dolmetſchungen ach bewahret mich, Goͤt⸗ tinnen, hab' ich Allen Muſen gefleht; aber ſie hoͤrten mich nicht. Auch dem dritten Ohr des lazedaͤmoniſchen Phoͤbus Fleht' ich umſonſt, und ach ſelber dem vierten umſonſt! Hatteſt, Apollo der Kriegerſtadt, du allein denn 3 nicht Pfeile, Daß du, mich rettend, damit traͤfſt die translaͤ⸗ tinge Fauſt? Gallier haben noch juͤngſt mich uͤberſetzt: doch ſie waͤhnens Nur; ſie haben mich dort uͤber den Lethe geſetzt, Klopſtocks Oden. 197 O wie grub mir der Wunden ſo viel ihr trie⸗ feander Dolch ein, Und wie roͤthete ſich mir die getroffene Bruſt! Und ſo klage denn ich, das niemals klagte? Wohlan denn, Ich ermanne mich jetzt, trage mein Schick⸗ ſal, wie ſonſt. Aber weil ihr mich verließt; ſo verſieg' euch, eine der ſchoͤnſten Morgenroͤthen lang, Muſen, der heilige . Duell Und nicht kuͤrzere Zeit ſey du, Lazedaͤmons Apollo, Wenn Melpomene ſingt, feinſter der Hoͤ⸗ renden taub! Die Lerche und die Nachtigall. L. Wand ich ſchmettern wie du? und ach vermag ich zu floͤten, Wie du flöteſt? hoͤre denn auf, Nachtigall, meinen Geſang zu preiſen. N. Ver⸗ nehm ich nicht ſuͤße 198 Klopftocks Oden. Toͤne, wenn zu der Wolke du ſteigſt? Wenn du durch deinen lebenden Schwung zu dem Liede dich anflammſt, Immer froͤhlicher, froͤllicher ſingſt? L. Ja ich jauchze ſo gern, wenn ich uͤber mir ddes Olympus Schoͤnheit, der Erde unter mir ſeh; Aber iſt dieſes Ge fang? Ich ergieße nur freu⸗ dige Laute; Schlage nicht! floͤte nicht! ſchmettere nicht! n. Dennoch neid' ich dich; aber mein Neid iſt edel und liebend, Wuͤnſchet ſich deines Geſangs. Sagen die Menſchen denn nicht, daß die Lerche 2 ſinge? Sie werden, Selber Saͤnger, doch wiſſen, wer ſingt. L. Sagen die Menſchen das? ich hoͤre nicht hin, wenn ſie reden, Rette mich! denn ſie donnern nach uns; Stellen auf langen Huͤgeln uns hin unſichtbare Netze, Wenn die Daͤmmerung graut, Treiben uns fort in der Stoppel mit ſchrecken⸗ rauſchenden Seilen Bis zu den Netzen, erwuͤrgen alsdann, Wer noch flattert, ſpießen uns dann fuͤr den Gaumen an Stahle Klopſtocks Oden. 199 Vor der doͤrrenden Glut. Ach iſt es ihnen denn nicht genug, auf ſich ſelber zu donnern? Sich zu ſpießen die Tage der Schlacht? Toͤne mir, Nachtigall, von den allzerſtoͤrenden Menſchen. Floͤte mir Sterbegeſang! N. Wer empfindet den Schmerz mit dir, den bitteren Gram nicht, Der dir die Seele zerreißt! Aber ich flog nicht zu dir, daß ich weinete. Schaue des Himmels Heitere Blaͤue, laß jetzt Uns nicht trauren. Wer meinen Geſang, und den deinen vereinte, Saͤnge ſchoͤner, als wir. Meines Geſanges Schoͤnheit liegt mir ſo heiß an dem Herzen, Daß ich uͤber ſie oft,. Iſt der Fruͤhling entflohn, vertieft nachſin inne; ja Einmal Sann ich im Fruͤhling', und ſchwieg. — Damals hab' ich ſo gar, um zu lernen, Todte beſchworen, Habe Schatten gefragt. L. Welche Schatten? N. Du weißt, daß die Nachtigallen den Wettſtreit 200 Klopſtocks Oden. treiten, bis ſie entſinken dem Aſt, Sterben! Ich fragte die edlen Beſiegten, fragte die Sieger; Ihre Antwort endete ooo; Wer den Geſang der Nachtigall, und Barda⸗ eaus vereinet,. Singet ſchoͤner als ſie. Der Genuͤgſame. — p p— p—„—„— v, —„— n p—, v„—»— v, —„— p——„—„ — F p— p. F orſchung des Wahren, geb⸗ ich dir mich ganz hin: Ernt' ich Kenntniß, die mir den Geiſt erhellet, Loͤſcht des Herzens Durſt; zwar nicht Garben eernt ich, Aber doch Halme. Laß mir den Stern, der dir auf deinem Scheitel Funkelt, Hesperus gleich erſcheinen, daß ich Froh im Suchen bleibe, und nicht zu wenig Finde der Halme.. Klopſtocks Oden. 201 Sende mir deinen Blutsfreund, den o theure, Du mit Innigkeit liebſt, daß er mir treuer, Wacher Leiter ſey, daß er ſtreng mir ſes, der Warnende Zweifel. Ihm iſt ein Wechſelbalg, der Tiefſinn luͤget, Jetzo untergeſchoben, der Gedanken Spinnwebt, der das Licht, das herab du ſtrablſt kunſt⸗ Woͤrtelnd umduͤnſtet. Weiſe! beſchuͤtze vor dem blauen Balge, Wer ſelbſt denket, und nicht großaͤugig an⸗ ſtaunt, Schuͤlert; wer die Kenntniß nicht nur, das Gut' auch Liebt, und das Schoͤne.“ Alſo erſcholl im deutſchen Eichenhaine, Mit Begeiſterung, eines Juͤnglings Stimme, Und mit Kaͤlte; leuchtender ward ihm da, ward Roͤther die Fruͤhe. 36 Klopſtocks Oden. 1 Die Nachahmer, und der Erfinder. N. G blickt nieder auf mich dein laͤcheln⸗ des Auge; und gleichwohl Wandl' ich die Bahn der unſterblichen Alten! E. Singſt du mir guten Geſang; ſo ſpoͤb' ich nicht nach, wo du ſchöpfeſt: Denn du ſchoͤpfeſt in hellen Kriſtall. N. Aber, ich weiß es! du freuſt mit Stolze dich, daß in dem Haine Du dir ſelber Quellen hervorrufſt. E. Ich, kein Haſſer des Schweigens, vertraute 4 dir das? Doch es ſey ſo. Jeder hat ſeine Freuden, des Quells Ich, und du des Kriſtalls. N. Du haſt, ich weiß es! noch Eine, Wenn ſie aus deinen Quellen ſich ſchoͤpfen! E. Ja, du warſt der Vertraute! N. Ich geh, nachahmend, den ſichern Pfad; was ich auskohr, hat ſchon ge⸗ fallen! Aber er, der es wagt nicht nachzuahmen.. Ich zittre Fuͤr den kuͤhnen! Sieht er die Zukunft? Klopſtocks Oden. 203 Weiß er, wohin der Hoͤrer ihn ſtellen werde? Geleite, Phoͤbus Apoll, den ſteigenden Wandrer! Viele ſind meiner Freuden: Da ſchwebt das ge⸗ zauberte Urbild! Nun, nun bild' ich es nach! Ich vergleiche. Hab' ichs erreicht; ſo laͤchl' ich mir zu: und hab' ich, ihr Muſen, Hab' ich es uͤbertroffen; ſo wein' ich! Zuͤrneſt du mir? denn du ſchweigeſt. E. Ich zuͤrne nicht. Viel des Genuſſes Stroͤmte dir zu: mir wurde ſein auch; Aber andrer. Der Grieche, der dir das gekoh⸗ rene Urbild Zauberte, war nicht ohne Genuß. N. Gleichſt du mir etwa nicht? Denn ahmeſt du nicht die Natur nach? E. Gleichen? Ein roͤtherer Morgen gebar Deinen Freund. Nur ſelten ward die Natur — von dem Griechen Nachgeahmet; er ſtellte ſie dar. 404 Klopſtocks Oden. Das verlaͤngerte Leben. — e(„ p)—„„—,—„—» 1=?(* 5)= 9?— o o. 4 J. du biſt es, di hruſe, ſuͤße Verneuerin, Ach Erinnrung der Zeit, die floh. Inniger freuſt du mich oft, als die Erbückung mich, Als mich Stimmen des Menſchen freun. Du erſchaffſt mir kein Bild von dem Perſchrwun⸗ denen, Scheinſt zu wandeln in Wirkliches. Laͤngeres Leben wird uns, Gute, wenn uns den Schmerz Wiederkehr des Genoßnen ſcheucht: Denn die Stunde, die uns traurig umwoͤlkt, gehoͤrt Zu den Stunden des Lebens nicht. Wie am Feſte, das ſie damals ihr feyerten, Da noch Freyheit die Freyheit war, In den Kraͤnzen umher auf den eliſiſchen Feldern Blumen an Blumen ſich Lachend reihten, ſo reihn ſich mit vereinter Hand Jene ſuͤßen Erwachenden, —— Klopſtocks Oden. 205 Die aus der Nacht des Vergangs mir die Erin⸗ nerung Vor der Seele voruͤberfuͤhrt. Kieſen ſoll ich daraus, ſingen mit trunknem Ton Eine der Sonnen, die einſt mir ſchien. Kann ich es? Wer ſich im Strom friſchet, be⸗ merket die Kuͤhlung einzelner Wellen nicht. Aus der Vorzeit. — v(v b)— d v—,— v v—„ — v(v)— v—„ v. J. dem Maye war ihr eben das zwoͤlfte Jahr Mit dem Morgen dahin geflohn. Dreyzehn Jahre, nur ſie fehlten den ſiebzigen, Die den Fruͤhling er wiederſah. Schoͤn war die Laube, der Baum neben der Laube ſchoͤn; Bluͤthe duftete gegen ſie. Konnt' er es ahnden? Er ſaß, gluͤhend vor Froͤhlichkeit, Bey dem Reh in der Laube Duft, 206 Klopſtoets Oden. Zittert', ahndete nichts. Hell war ihr ſchwarzes Aug', Als zuvor er es niemals ſah; Bald verſtummt' er nicht mehr, ſtammelte, redete, Koſete, blickte begeiſterter. „Dieſen Finger, nur ihn.. Schlank iſt dein Wuchs, und leicht Senket der Tritt ſich der gehenden. Ach den kleinen, nur ihn.. Roͤthlich die Wang', und doch Iſt die Lippe noch lieblicher! Dieſen ſchoͤnſten, nur ihn gieb mir!“ Sie gab 1 zuletzt Alle Finger dem flehenden, Zoͤgerte linger nicht mehr, wandte ſich, ſagt': Ich bin Ganz dein! leiſe dem gluͤcklichen. Ida's Stimme war Luft, Ida, du athmeteſt Leichte Toͤne, die zauberten. Kuͤſſe kannt' er noch nicht; aber er kuͤßt ihr doch Schnell die lebenden Blicke weg. Und nun bleiben ſie ſtehn, ſchweigen. Die Schweſter ruft In den kuͤhleren Schattengang. Klopſtorks Oden. 207 An die nachkommenden Freunde. — U Blumen, im Dufte des roͤthlichen Abends, in frohes Lebens Genuß, Das, mit gluͤcklicher Taͤuſchung, zu jugend⸗ lichem ſich dichtet, Ruh' ich, und denke den Tod. Wer ſchon oͤfter als ſiebzigmal die Lenze ver⸗ bluͤhn, ſich Immer einſamer ſah, Sollte der Vergeſſer des Todes ſeyn, des Ge⸗ leiters In die ſchoͤnere Welt? Wuͤnſchet' ich mir den Beginn zu erleben des neuen Jahrhunderts;; Waͤre der Wunſch nicht ein Thor? Denn oft ſaͤumet, zwiſchen dem Tod' und dem Leben, ein Schlummer⸗ Lcebenz iſt nicht Leben, nicht Tod! Und wie wuͤrde das mich bewoͤlken, der immer ſich jedem Schlummer entriß. Trennung von den Geliebten, d koͤnnt' ich deiner vergeſſen; So vergaͤß' ich des Todes mit dir. 208 Klopſtocks Oden. Doch nichts ſchreckliches hat der Geſtorbne. Nicht den verweſten Sehen wir, ſehn nicht Gebein; Stumme Geſtalt nur erblicken wir, bleiche. Iſt denn des Mayes Blume nicht auch, und die Lilie weißes Und entfloh nicht die Seele des blumenaͤhnlichen Todten In die Gefilde des Lichts, Zu den Bewohnarn des Abendſterns, der Win⸗ zerin, Maja's, 3 Oder Apollo's empor, Zu des Arktur, Zynoſura's, des Sirius, oder der Aehre, Aſteropens, Zeleno's empor? Oder vielleicht zu jenes Kometen! der flammend vor Eile, Einſt um die Sonne ſich ſchwang, Welche der ſchoͤneren, die der Erde ſtrahlet, ihn ſandddte Auf der unendlichen Bahn. Glaͤnzender flog der Komet, und beynah der ſendenden Sonne Unaufhaltbar, ſo ſchnell Schwang der liebende ſich. Er liebt die Erde. Wie freut er, Als er endlich naͤher ihr ſchwebt, Da ſich des Wiederſehns! Zu der Erde ſchallt ihm die Stimme Aus den jungen Hainen hinab, Aus Klopſtocks Oden. 2⁰9 Aus den Thalen der Huͤgel, der Berge nicht; und die Winde Heißt er mit leiſerem Fittige wehn: Alle Stuͤrme ſind ihm verſtummt, und am ehernen Ufer Schweigt das geebnete Meer. Neuer Genuß. —„— 0 5— 5 9, — v— d v—,— v—, — b— b 9—,— db—,“ — v v—„—. Ba lebendiger Einſamkeit, Schwebe naͤher! Sie iſt, die ſie war, Da ich einſt ſie genoß, da ich voll Glut Dichtete, ordnete, Seelen gab dem Erfundenen, Ihnen toͤnenden Leib. Toͤnte der Sie nur an; ſo erſchien leere Geſtalt, Wie in Elyſium Irrt der Schemen, an Lethe's Strom Schweigend flattert. Getöͤnt waren ſie Jene Seelen, der Leib ſank nicht, wie du Schatten Euridize's, Klopſt. Oden II. B. O 210 Klopſtocks Oden. Dort hinab, und ich klagete Nicht dem ſchwindenden nach. Denn gewaͤhlt Hatt' ich Leiber, die voll gleichender Kraft, Treffend geſtalteten; Hatte, ſuchend im alten Hain Thuiskona's, vom Stamm' hergefuͤhrt Neue Leiber, wenn mir wuͤrdig der Wahl Keiner im Walde ſchien. Nothdurft war mir dieß, war nicht Plan. Wenn es mir nicht gelang; zog ich vor Zu verſtummen, und warf ſchnell in die Glut 's Blatt, ſo nur ſtammelte. Bild lebendiger Einſamkeit, Flieh nicht, weile! Sie iſt, die ſie einſt War im erſten Genuß, da ich erfand Seelen, und Toͤne gab; Weile, weile! In ihr durchdrang Frohes innig gefuͤhlt den, der kuͤhn In der Dichtenden Hoͤhn ſchwebte, durchdrang Wonne den feyrenden! 8 O der Wonne!. Ich haͤtte ſie Da ſelbſt, als ſie mir ward, durch das Lied Nicht erreicht. Sie ergriff maͤchtiges Arms, Riß wie in Stroͤmen fort! Klopſtocks Oden. 214 Mein Gram. . Einer der hohen Geiſter iſt herunterge⸗ ſtiegen In die Verſammlung der Vaͤter, die Galliens Freyheit erſchufen, Und der Unſterbliche hat die gluͤcklichen, durch Eingebung, Ueber der Menſchheit Loos erhoͤht. Wonne! er gab den Verſammelten ein die erhabne Verheiſſung: „Nie fuͤhrt unſer Volk den Krieg der Erobrung!“ Ihr Antliz Wurde heller, ſchoͤner der Blick, und ihr neues Anſehn War beynah nicht der Sterblichen, Da ſie das heilige Wort ausſprachen; auch wmandelten ihnen, Da ſie redeten, ſich in ſanftere Laute die 4 Stimmen: Und ſie gruben es nicht in Felſen; denn ſelbſt der Fels ſinkt Truͤmmer dem loͤſenden Arm der Zeit. Aber ſie haben's geſchrieben mit Erzt' auf Blaͤtter; und dieſer 5 O 2 212 Klopſtocks Oden. Waren tauſendmal tauſend: ſo ſchrieben's auch andere Voͤlker. Wuͤthe die Flamme denn unter den Blaͤttern; ſie ſteigen niemals Alle zerfließend im Dampf empor. Wehe! nun kam ein hoͤherer Geiſt herab zu dem Freunde In die Verſammlung der Vaͤter, die Galliens Freyheit erſchufen. Und er ſtehet und ſchauet den Begeiſterer an, und zeiget Rings mit dem winkenden Stab' umher. Jener ſah es jetzt in der Halle ſich roͤthen; ees war nicht Roͤthe des kommenden Tags; ſah's weiß dann werden, es war nicht Farbe der Blüthen, oder der Lilien; denn nicht dieſe Liebliche Weiſſe hat Gebein. Und ſie entflohn der Erde mit ſchweigender 4 Trauer, und wandten Ernſter ihr Auge weg von den Landen und Mee⸗ ren, wo bald nun Werde der Kriegesdonner Verkuͤndiger ſeyn des ſchoͤnen, Heiligen, nicht gehaltnen Worts. Klopſtocks Oden. 213 2* Die Saͤngerin, und der Zu hoͤrer. Singen kann Bauzis noch, und hoͤren kann noch Philemon; Und wir beyden wallten doch ſchon Weiter als Ein Jahrhundert. Ich war ganz Ohr, und ich hoͤrte Alles; denn Herz war ich auch. Bauzis war auch Herz! Du ſaͤngeſt nicht, wie du ſingeſt; VWaͤrſt du nicht Herz. Wem ſie den Ton trug, fuͤhlt' es. Wie gluͤcket ihr: Ombre Compagne, Oder: Willkommen, o ſilberner Mond. Und wie zaubert ſie Toͤne, fuͤr die's dem Erfin⸗ der der Weiſen An der Bezeichnung gebricht. Farb' iſt nicht Menſchenſtimme. Wie Bauzis — dem Ohre, gefaͤllt dem Aug' Angelika nicht. 714 Klopſtocks Oden. Das Feſt. Ore, o Teutona's Genius, dem Deutſchen die Augen, Daß er ſehe den Graͤnzungskkeis, Den du machteſt fuͤr ihre beneidete Bildſamkeit, liebend In den gemeſſenen Raum ſie riefſt. Weiſe maßeſt du ihn; und mit Seele ſchaute dein Blick hin, Da du fuͤhrteſt den goldnen Stab. Hoͤrſt du mein Flehen; ſo feyr' ich dir ein Feſt an dem Tage, Welcher den Deutſchen Luthern gab; Laſſe des Auslands Sprachen vor dir in Taͤnzen voruͤber Muthiger fliegen, oder gehn, Wenn ihr Loben ſich ſenkt. Sie tanzen dann alle mit ihrer Haltung und Miene, mit ihrem Schwung, Ingles, und Heſperide, und Galliett', und Teutona's Schweſtern, mit ihr gleichaltes Stamms. Floͤten ertoͤnen! Ich ſeh den Genius ſchon in der Halle Klopſtoeks Oden. 215 Stehn, und der Taͤnzerinnen Flug Mit dem Blicke begleiten. Den Sinn des Blickes beſpaͤhet Manche gewendete Taͤnzerin. Denn ſie haben gehoͤrt von Teutona's ſtroͤmen⸗ den Fuͤlle, Und der lebenden tiefen Kraft, Die ſie beſeelet, gehoͤrt von dem Graͤnzungs⸗ kreis', und daß weit ſich Schwingen duͤrfe die Bildſamkeit! Aber ſie hoͤrten es halb nur; und vor dem be⸗ merkenden fuͤhren Sie mit Stolze den Reigen fort! Guter Genius, edler, ich weiß, wenn du laͤchelſt, und weiß es, Wenn auf der Stirne du Tadel woͤlkſt: Aber ich ſchweige. Die Zeit thut einſt des be⸗ merkenden Spruch kund; Und dann ſchwindet, was Blendung war. 2416 Klopſtocls Oden. Der Wein, und das Waſſer. àb— v,— b—„ d—— d,— v v— d — v— v— v— v — v b— u„— 2— 2. . 4 3 We du auch, Gleim noch, wie, o undurſtigſter Von allen Saͤngern, denen des Weines Lob Sein Geiſt, und ihrer eingab, wie wir, Ruhend auf Roſen, und Schmidt uns ſiruten d Im trainen Garten bluͤhten nur ſie; und bald Stand auf dem Marmor blinkend der alte Rhein! Dem Wirth' ein Wink; und alle Buͤſche Wurden gepfluͤckt, und der ganze Saal ward Zu Roͤthe, ward durchſtroͤmet von ſuͤßem Duft: Aus Roſen ragte halb nur die Flaſch' hervor, Und kaum der Becher. Wag' es, Gleim, nicht Mir zu erzaͤhlen, wie froh wir ſprachen! Klopſtoeks Oden. 217 Wie hell das Lied ſcholl! Weſte verwehn, und ſelbſt Die Silberauely iſt eh wohl verſiegt. Was ging Uns dieſes an⸗ Wenn ſie auch wollte, Konnte denn ſchweigen der Freuden frohſte? Drey waren unſer, und der kriſtallenen hebäude zwey nur, eins nicht die Haͤlfte leer: Und dennoch wallten wir, da hoch ſchon Strahlte die Sonne, den ſpaͤten Heimweg Mit jenem Soͤnnchen, welchem der Biene Kunſt Den Docht beſeelet, welches dem Buͤcherſaal Sonſt nur die Nacht entſcheucht, wenn Gruͤbler Endlich die durſtige Feder traͤnken. Bekraͤnzt das Haupt mir, Bluͤthen des Re⸗ benhains: Ich trug die Kerze! Aber ach ſchnell erloſch Die kleine Sonne! Welk', o Reben⸗ Bluthe. nur weg; denn ich blies das Licht ’ aus. Weißt du auch, Gleim, noch, wie in den Kuͤhlungen Des hohen Ahorns, und in der Grotte . Bach.. 218 Klopſtocks Oden. O gluͤckte mir's, daß ich des Waſſers Lob zu dem Lobe des Weines ſtimmte. Am Bache ſaßen wir in den Friſchungen Des Schattens. Wenig wurde der ſcheue Fuß Zuerſt geſenkt, bald ganz vertiefet, Nun auch das Knie, und gewandert ward dann Selbſt in des Felſen Woͤlbung! Gehoͤhlet war Die eingetauchte Hand, o wie ſchoͤpften wir! Aus unſrer tiefen, vollen Urne Rieſelt' es nicht in des Freundes Locken. Des Dorfes Maͤdchen brachten den Aehren⸗ 1 kranz, Durchſchimmert von der Blaͤue der lieblichen Kornblume.„Gebet, gebt! doch ſchmucker Waͤret ihr uns, wenn ihr Eimer braͤchtet!“ Schnell ſtanden vor uns nicht danaidiſche, Geraume Eimer. Freude! die Waſſerſchlacht Begann! Geſchehn ſind Thaten, derer Jetzo noch Meldung des Pfluͤgers Mund thut. Da galt es Staͤrke, Kunſt: Wer am wei⸗ teſten, Im hoͤchſten Bogen traͤfe des Auges Stern! Fehlguͤſſe lachten wir, der Hofhund Bellte ſie, kraͤhte der Henne Mann aus. Klopſtocks Oden. 219 Hoch auf dem Huͤgel ſtand bey der Kirche Tbhurm Der feiſte Kuͤſter, aͤugelte keck nach uns Durch's lange Rohr. Mit vollen Eimern Schritten wir hin; doch er war entronnen. Die zweyte Hoͤhe. Aacgeſchwungen hatteſt du einſt hoch uͤber der Menſchheit Groͤße dich, Gallien, hatteſt, dem Krieg' ent⸗ ſagend, der Erde Voͤlker alle beſiegt, des Alterthums, und die 4 ſpaͤtern, Durch das melodiſche, himmliſche Wort. Nie war das noch geweſen; und ward! Doch des hehren Geſetzes Tafeln haſt du zerſchlagen, zerſchmettert! decken⸗ der Staub macht Selbſt die Truͤmmern unkennbar! und du,(Jetzt mag ich nicht nennen Deinen Namen) du liegeſt nun da, Wie von der Hoͤh du dich ſtuͤrzeteſt, wie die Maale der Schmach dich 2 20 Klopſtocks Oden. Roͤtheten, der vor allen: Was jetzo du waͤrſt! was Europa's Voͤlker waͤren; haͤtteſt du Hochverrath nicht be⸗ gangen Gegen das heilverkuͤndende Wort! Wer den hoͤchſten Gipfel erſtieg,(O darf ſich auch wenden An die Nazion die Stimme des einzelnen? Freude War's mir, mein neues Vaterland, daß du Buͤrger mich nannteſt; Wonne, hoͤrſt du mich, wird es mir ſeyn!) Wer den hoͤchſten Gipfel erſtieg, iſt zu ſtolz auf dem zweyten Sich zu zeigen: und doch waͤr's Nachweltruhm, wenn zu dieſem Du dich rbibſt⸗ da der erſte dir nun unerſteig⸗ lich iſt. Edel Waͤr nicht der hier noch zweifelnde Stolz. Hab' ich Wahrheit geredet; ſo iſt's that⸗ fodernde Wahrheit, Und ſo ſehwingeſt du, Gallien, dich auf den zweyten der Gipfel: Haͤltſt von dem Bunde des Friedens an, von dem froheſten Tage Unſers Jahrhunderts, was einſt du ver⸗ ſprachſt. Klopſtocks Oden. 221 Komm, o Vergeſſung dann des Erduldeten, loͤſche die Bilder Jenes Jammers aus, den allgegenwaͤrtig das bleiche Scheuſal, das thieriſche, graus' ergoß, das wuͤrfelnde, kalte Scheuſal, der Menſchheit Schande, der Krieg, Ha die ſchaͤndlichere, ſeit ſeine Tilgung ver⸗ heiſſen Ward, und gehofft! Laß heller, Vergeſſung, der Weinenden Auge Werden, es laͤnger nicht bluten; laß um den todten Geliebten Laͤnger vor Wehmuth nicht jammern die Braut; * Laͤnger um den entriſſenen Freund den lie⸗ benden Freund nicht Klagen, ihn gehn, und Blumen ihn auf des ruhenden Grab ſtreun, Welches, von der Zipreſſe beſchattet, dem Wan⸗ 3 derer winket, Oder von weinenden Weiden gekuͤhlt. „Ha was troͤſteſt du, ſprichſt von der Ruhe deß, den ich liebte! Und von der Weide, die um ihn weinet. Er iſt mir verſchwunden! 222 Klopſtocks Oden. Iſt mir verſchwunden! mir bringet ihn nicht, die Zipreſſe, die mitklagt, Nicht die Thraͤne der Weide zuruͤck. Helden, Helden! wie groß ſeyd ihr! Wer giebt mir der ſchoͤnſten Sproſſe genug, daß ich geh, und Lorbeerwaͤlder euch pflanze! Aber auch, verzeiht! von den Wolfsgeſichtern darunter, Und von den Loͤwenzaͤhnen, verzeiht!“ Die Juͤngſte. ** — T ter der Zeichnung, wie es die Ma⸗ lerey und des Bildners Kunſt iſt, Aetzerin, die mit dem Stahle Ge⸗ ſtalten in Erzt graͤbt, Dann auf Blaͤtter ſie, dieſe beſeelend, Senket, und hundertfaͤltig ſie dann Zeiget dem Blick der Schauenden, willſt du auf immer vergeſſen Deiner Mutter? auf immer der Schweſtern Werke nur bilden? ⸗ Klopſtocks Oden. 223 Nie dich erinnern, daß nicht zur Sklavin Ihre juͤngſte die Mutter gebar? Aetzerin, bey dem Verdienſt, das den Wiſ⸗ ſenſchaften ſo lang ſchon Dich verbuͤndete! bey der Unſterblichkeit deiner Geſtalten! (Die des Mahlenden bleichen, verſchwinden; Selbſt die marmorne ſinket, Ruin.) Bey den Thraͤnen des Griechen, die er in Eliſium weinet, Daß du nicht Griechin biſt, und wir, die ent⸗ behrende Nachwelt, Nun die Entdeckungen nicht Theophraſtens, Nicht die Grazien Sokrates ſehn! Bey dem Allen beſchwoͤr' ich dich: Erwach', 3 und begreife, Wer du biſt! Erfinde dir ſelbſt Kunſtwuͤrdiges! fleh dann, Daß ſie die Feuerblicke des Adlers, Und des Falken meſſenden Blick, Die dir gebe! dieß fleh der Mutter. Wenn du von Ernſt gluͤhſt; Hoͤrt ſie dich. Ruhe dann auf deinem Lorbeer! Die Schweſtern Kommen, freuen ſich deiner, die eine Mahlt dann, die andere meiſſelt dir nach. 224 Klopſtocks Oden. Stolz ſind deine Schweſtern; allein auch gerecht; denn ſie wiſſen, Daß, wenn auf Einem Schauplatz ſie dem Auge ſich zeigen, Du ſie auf hunderten zeigſt; ah ſie wiſſens, Daß du ihnen Unſterblichkeit giebſt! An meinen Bruder Victor Ludewig. — Tief in dem Herzen fließt, da ſtroͤmet, die Quelle der Freude, Oder rieſelt auch nur; Aber auch ihr Rieſeln iſt ſuͤß, und beginnende Weſte Athmen mit ſeinem Getoͤn. Kleiner Anlaß; und ſie die Freud' iſt ſchnell i in Bewegung! Und die genuͤgſame labt der Genuß. Freude, du gleichſt dem Genie. Es bedarf ein⸗ ladender Reizung Wenig nur; und es nimmt Seinen Schwung, wem Ohr ward, hoöͤrt das kommende, hoͤret Seiner Fluͤgel toͤnenden Schlag. Ach Klopſtocks Oden. 225 Ach nichts rinnet im Herzen dem, der, um⸗ laͤchelt von jeder Locung ſich nicht zu freuen vermag. Koͤnnt' ich jetzt weinen; ſo weinet' ich ihn, daß nichts in der linken Bruſt dem Duͤrftigen ſchlaͤgt! Volle, lebende Quelle, kriſtallene, reine, wie ſchuͤtz' ich Wider des Berges Stroͤme dich? Wo Such' ich Sproße, in welchem Hain, daß ich Schatten dir pflanze Gegen des Unſterns trocknenden Strahl? Einladung. — Aa Dollmetſcherin, hatte vollendet den Kampf Thuiskona Mit Romana⸗ und dir, Hellaͤnis. Sie ſenkte das Auge Nieder; denn ſie errang nur Sproͤßlinge weni⸗ ger Lorbeer⸗ Zweige: doch war auch die Wange der frohen entgluͤht. Soll ich zu Ingles, ſagt ſie den Streite⸗ rinnen, den Herold Klopſt. Oden. II. B. P 22²6 Klopſtocks Oden. Senden? und fodr' ich ſie auf, in die Schranken zu kommen, in denen Ich mit uus 23 beſtand? H. Mit der Miſcherin ſollen wir kaͤmpfen? Singt ſie ein Lied uns; ſo bildet ſie, mahlend in Oehl, Uns ein Geſicht, dem der Mund Paſtell . iſt, und dem ſich das Auge Waſſerfarbig oͤffnet. Allein ſie hat Staͤrke, ſie hebt ſich Mit dem Erhabenen, wagt's mit dem kuͤhnen! Th. So ſend' ich den? H. Sende. Und dem Herolde ſchallt Thuiskona's Geheiß. Geh zu der Inſulanerin, meld' ihr, daß hier in dem Haine Du vernommen haſt des Kuͤrzeren viel, und vielleicht auch Einige Laute des Schoͤneren. Fodr' alsdann, zu dem gleichen Wettreit in die Schattan zu treten, ſie auf. Wenn ſie zu konunen ſchnell ſich entſchließt; ſo warne ſie, ſag' ihr, Künd es ir dreymal an, daß heiß der Kampf war! Verbirg ihr geine nicht der Gefahren, nicht jene, daß ſie, nach der Griechen Ritmosbewegungen, ihre Bewegungen mißt. Klopſtocks Oden. 227 Wird ſie kommen? ſo ſprach zu Thuiskona Hellaͤnis. Th. Kuͤhnheit iſt Ehre. H. Schwer iſt es dieſen Bogen zu ſpannen. O es ahndet dich auch, daß es ihr nicht gelingt, und ſie toͤnen,— Wie die Stimme der Schwalbe, die Senne nicht hoͤrt. 8 Das Wiederſehn. De Weltraum fernt mich weit von dir, So fernt mich nicht die Zeit. Wer uͤberlebt das ſiebzigſte Schon hat, iſt nah bey dir. Lang ſah ich, Meta, ſchon dein Grab, Und ſeine Linde wehn; Die Linde wehet einſt auch mir, Streut ihre Blum' auch mir, Nicht mir! Das iſt mein Schatten nur Worauf die Bluͤthe ſinkt; So wie es nur dein Schatten war, Worauf ſie oft ſchon ſank. P 2 228 Klopfiocks Oden. Dann kenn' ich auch die hoͤhre Welt, In der du lange warſt; Dann ſehn wir froh die Linde wehn, Die unſre Graͤber kuͤhlt. Dann Aber ach ich weiß ja nicht, Was du ſchon lange weißt; Nur daß es, hell von Ahndungen, Mir um die Seele ſchwebt! Mit wonnevollen Hoffnungen Die Abendroͤthe kommt: 3 Mit frohem, tiefen Vorgefuͤhl, Die Sonnen auferſtehn! Winterfreuden. Aip muß ich auf immer, Kriſtall der Stroͤme, dich meiden? Darf nie wieder am Fuß ſchwingen die Fluͤgel des Stahls? Waſſerkothurn, du wareſt der Heilenden einer; ich haͤtte, Unbeſeelet von dir, weniger Sonnen geſehn! Manche Roſe hat mich erquickt; ſie verwelkten! und du liegſt, Klopſtocks Oden. 229 Amh des Schimmers beraubt, liegeſt ver⸗ roſtet nun da! Welche Tage gabeſt du mir! wie begannen ſie, wenn ſich In der Fruͤhe Glanz faͤrbte noch bleiben⸗ der Reif; Welche Naͤchte, wenn nun der Mond mit der Heitre des Himmels, Um der Schoͤnheit Preis, ſiegend ſtritt, und beſiegt. Dann war leichter der Schwung, und die Stel⸗ lung unkuͤnſtlicher, froher Dann der rufenden Laut, blinkete heller der Wein, Und wie war der Schlaf, der endlich ermuͤde⸗ ten eiſern, Wie unerwecklich! Wer ſchlief jemals am Baume wie wir? Aber es kam mit gebotnem Gepolter der Knecht; und wir ſahen Wieder den farbigen Reif, wieder den Schimmer der Nacht. Der du ſo oft mit der labenden Glut der gefuͤhl⸗ ten Geſundheit Mich durchſtroͤmeteſt, Quell laͤngeres Le⸗ bens mir warſt, Wenn ich voruͤberglitt an hellbebluͤheten Ulmen; (Schnee war die Blume;) der Bahn war⸗ nende Stimme vernahm, 23⁰ Klopſtoeks Oden. Mit nachhorchendem Ohr; auch wohl hinſchwebt' an der Oſtſee, Zwiſchen der Sonne, die ſank, und dem Monde, der ſtieg; Oder wenn, den die Flocken zu tauſenden in ſi ich verhuͤllten, Und den ſchwindelte, Sturm auf das Ge⸗ ſtade mich warf: Ach einſ wurdeſt du mir, Kothurn, zum tra⸗ giſchen! fuͤhrteſt Mich auf juͤngeres Eis, welches dem eilen⸗ den brach. „Bleich ſtand da der Gefaͤhrt; mein Schutzgeiſt gab mir Entſchluß ein; Zener bebte nicht mehr: und die Erret⸗ tung gelang. Als ſte noch ſchwankend ſchien, da ruͤhrte mich innig des Himmels Lichtere Blaͤue, vielleicht bald nun die letzte fuͤr mich! Dank dir noch Einmal, Beindorf, daß du mich reetteteſt! Dir kam Lang ſchon die letzte; mir macht ſie die Erde noch ſchoͤn. Klopſtocks Oden. 231 Fra, wem gleichſt du? Umſonſt ſtreb' iich zu waͤhlen! Du biſt Allem, was ſchoͤner iſt, gleich, allem, das hoch Sich erhebet, allem, was ganz Ruͤhret das Herz! O ſie kennen dich nicht! Wiſſen ſie, daß du nicht kommſt, Wenn ſie dir rufen? daß du, freyeſte du, Sie, wenn zu zwingen ſie waͤhnen, verlachſt, Fliehend verlachſt? Freyeſte, aber du biſt Fuͤhlenden, Red⸗ lichen hold, Laͤchelſt ihnen! Du labſt dann, wie der Weſt; Bluͤheſt, wie Roſen, welche mit Moos Guͤrten ihr Blatt; Glühſt von der Lerche Glut, hebt ſie gen Himmel ſich; weinſt, Wie die gekraͤnzete Braut; wie, wenn den Sohn, 23 ² Klopſtocks Oden. Junge Mutter nunmehr, ſie umarmt, Druͤckt an ihr Herz! Aber du weineſt auch, wenn mit der Weh⸗ muth du dich Einſt, und der Troͤſtung. Beſucht oft ſie, ihr drey, Denen ihr liebe Geſpielinnen ſeyd, Grazien ſeyd. Anmerkungen. —— Teutone. „Deutona mit Laͤcheln.“ Dieß iſt nicht die lateiniſche Endigung. Wir endeten in der Mitte des vierten Jahrhunderts(wir haben nichts aͤlteres von unſerer Sprache uͤbrig) und noch lange nachher nicht wenig Worte mit a. Man braucht, um ſich hiervon zu uͤberzeugen, nur ein wenig im Ulphilas zu blaͤttern. Die Endigung us hatten wir noch in dem genannten Jahrhunderte; wir ſagten damals nicht: Winter, ſondern Wintrus. Vielleicht hatten wir ſie ſchon zu Hermanns Zeit. Tazitus nennt ein Schlachtfeld Idiſtaviſus. Dieß konnte die lateiniſche Endigung ſeyn; wir konnten aber auch damals unſer jetziges Wieſe Wiſus nennen, ſo wie wir ſpaͤter den Winter Wintrus nannten. 234 Anmerkungen. Die Weiſſa gung. Die Deutſchen haben allein das, daß die Pferde ihnen weiſſagen, und Goͤtterausſpruͤche kund thun. In gewiſſen Waͤldern und Hainen werden auf oͤffent⸗ liche Koſten weiſe Pferde unterhalten, die nie einen Sterblichen tragen, noch gemeine Laſten ziehn. Sie werden nur vor den heiligen Wagen geſpannt, dann begleiten ſie die Druiden und die Koͤnige oder die Erſten der Republik, und dieſe haben auf ihr Wiehern und Schnauben Acht. An keine Vorbedeutung glaubt man mehr; das thut nicht nur das Volk, ſondern auch der Regent und der Druide. Denn ſich halten ſie blos fuͤr Diener der Goͤtter; ſie aber fuͤr Mitwiſſer ihrer Rathſchluͤſſe. Tazitus. Der Denkſtein. „Stortebekers“ Eines im vorigen Jahr⸗ hunderte beruͤchtigten Seeraͤubers auf der Oſtſee. „weihten“ Dutrch einen Feldſtein mit dieſer Auf⸗ ſchrift:— Im Jahr 1778 den 9. des Herbſtmonates. Die Graͤfin Holk, die Cramerin, und die von Winthem; Graf Holk, Cramer Vater und Sohn, und Klopſtock waͤhlten die Eichen dieſer Inſel mit eben dem Vergnuͤgen, als haͤtten ſie ſie gepflanzt, und —— Anmerkungen. 235 widmeten ſie zum Denkmal ihrer freundſchaftlichen 2 Zuſammenkunft. Von der Eichengruppe gehoͤrt die naͤchſte an die⸗ ſem Steine den Weibern gemeinſchaftlich zu; die folgende Holken, und die aͤußerſte Klopſtock: von den abgeſonderten Eichen die groͤßere dem jungen Cramer, und die kleinere dem Vater. Freundſchaft iſt Schatten gegen den Sonnen⸗ ſtrahl, und Schirm wider den Regenguß. „Kohre“ Das Lied wird nach dem Anfang der Strophe benennt: Erkoͤhre mir kein ander Land. „kuͤnftigen Platz“ Dieſer war in einer ſchoͤnen Sommernacht erleuchtet.„Windemens“ Sie ſang das Koͤhre.„aͤltern Teſſe“ Wir nannten die Toch⸗ ter Teſſe, welches die Amme aus Comteſſe gemacht hatte. Mein Waͤldchen. „Waͤldehens“ Der Graf hatte mich auf ſeinem Gute Eckhof, zum Herrn eines Waͤldchens gemacht, das von ungefaͤhr aus ſechzig Eichen be⸗ ſtand. Einen kleinen Huͤgel, welcher darin lag, be⸗ hielt er ſich vor. In dem erſten war er mein Vaſall:; — 235 Anmerkungen. auf dem letzten war ich der ſeinige. Auf meinem Grund und Boden(hatte er ſich merken laſſen) ſollte einſt ein Denkmal von mir ſtehn. Die Anklaͤger. „der große Todte“ Robert Boyle⸗ Ihr Tod. Ich dachte damals, da ich dieſe Ode mit nicht wenig Neigung machte, an eine gewiſſe Theilung nicht. Ich erinnerte mich indeß doch noch fruͤh genug daran, um Herrn Goͤſchen ſchreiben zu koͤnnen, daß die Ode nicht mitgedruckt werden ſollte. Dieſes iſt in der Druckerey vergeſſen worden. „Thuſt jetzo Thaten“ Wenn ich mich jemals uͤber das Verlangen nach einer Anmerkung, und zwar einer nothwendigen verwundert habe, ſo war es hier. Denn ich wußte nicht, daß man jene Welt fuͤr das Land des ewigen Ausruhens hielt. Unterricht. „Hensler“ Ich verglich den Gaul manchmal mit ihm, und nannte jenen den beſſeren Arzt.„Dir zu Ehren!“ F. L. Stolberg hatte lang vergebens fuͤr mich ein Pferd geſucht. Nun gab er mir eins voon ſeinen beyden Pferden, die Iduna und Olympia hießen. Er hielt das letzte fuͤr das ſchoͤnſte. Ich geſtand dieſes nicht zu, und zog Iduna vor, die Anmerkungen. 235 aus dem Friedensburgiſchen Geſtuͤt und daͤniſcher, und arabiſcher Abkunft war. An Freund und Feind. „Durch Schweigen“ Wenn die einſt wahre, und viel kuͤrzere Geſchichte ſelbſt aus dem Wahren nur das Wiſſenswuͤrdige heraus nimmt; ſo bedarf ſie nicht immer, zur Bennennung der verſchiedenen Zeitperioden, des Namens der Koͤnige. Z. E. Lude⸗ wig, der Deſpot, die Revoluzion. 1 An den Kaiſer. „Cui tres animas“ Wenn ich glauben konnte, daß dieſe Ode jemals, dieſer oder einer an⸗ dern aͤhnlichen Ueberſchrift beduͤrfen wuͤrde, ſo ver⸗ brannte ich ſie; eh ſie jemand zu ſehen bekam. Der Kranz. „gewaltſam trennt“ Die Roͤmer trieben dieß oft noch viel weiter als die Griechen. So ſagt z. B. Ovidius: Obscurum.. ore. Einen dunkelen Worte durch Umſchweif niemals gehoͤrter Einigemale Geſang aus zauberndem murmelt ſie Munde. Und ſelbſt Horaz ſagt: Acquam memento... Deli. Geſeztes ſtrebe Schickung bey trauriger Zu bleiben Geiſtes, wie bey der gluͤcklichen, Anmerkungen. Von zuͤgelloſen unbezwungnes Freuden, o Juͤngling, der einſt auch hinwelkt. Me fabulosae Texere. Mich fabelhafte Berg' auf der Appuler, Der Naͤhrerin an Grenzen Apulia, Vom Spiele muͤden, eingeſchlafnen Laube mit friſcherem Juͤngling Tauben Bedeckten. „ob irgendwo noch Lieg' ein Bluͤm⸗ chen“ Dieſes Suchen, wie geuͤbt man darin auch ſey, haͤlt die Schnelligkeit des Denkens auf, und ſchwaͤchet dadurch den Eindruck des Geſagten. Nun iſt die Wirkung der Darſtellung nicht voͤllig dieſelbe, welche ſie ſeyn wuͤrde, wenn jenes Aufhalten nicht waͤre, und es erfolgt das, womit die Ode ſchließt. Die Sprache. „Nicht alle“ Daran wuͤrden die griechiſche Sprache ihre zu vielen ſich folgenden Laͤngen und Kuͤrzen hindern. Aeſthetiker. „ein Melema, Oder Eidos“ Der un⸗ gelehrte Leſer ſieht, ohne daß man es ihm in einer Anmerkung ſage, daß dieſe Benennungen griechiſcher Oden ſind. Er gewoͤnne dadurch nichts, wenn man ihn mit ihrer Verſchiedenheit bekannt machte. Dieß gilt auch von Anmerkungen uͤber aͤhnliche Stellen, Anmerkungen. 239 wodurch etwa der eine oder der andre die Zahl der Bogen vermehrt ſehn moͤchte. Delphi. „wie Triumph“ Cicero hat(ſagte Ceſar, der ſein Freund nicht war) einen erhabneren Lorbeer erlangt, als den der Triumphe. Denn es iſt mehr, die Graͤnzen des roͤmiſchen Geiſtes ſo ſehr, wie die Beherrſchung erweitert zu haben.„Nur unſchul⸗ dig“ Ich haͤtte koͤnnen was ausrichten, allein ich haͤtte mehr als die Haͤlfte meiner Armee aufgeopfert, ſagte einſt Friedrich der Zweyte, und unſchuldig Menſchenblut vergoſſen. Aber dann waͤr ich auch werth geweſen, daß man mich vor die Faͤhndelwache gelegt, und mir einen oͤffentlichen Produkt gegeben haͤtte. Der Graͤnzſtein. „Amphion“ Der Inhalt ſeiner Geſaͤnge waren Geſetze. Die Vortreffliehkeit. In dieſer Ode, und in einigen andern ſind die zweyten Verſe, die naͤmlich, welche auf die Hexame⸗ ter folgen, von verſchiedner Laͤnge. Ob ſie nun gleich immer aus einem Theile eines Hexameters beſtehn; ſo giebt jene Verſchiedenheit doch den Oden, in An⸗ ſehung des Silbenmaßes, etwas Dithyrambiſches. An Giacomo Zigno. Er hat die erſten zehn Geſaͤnge des Meſſias in 240 Anmerkungen. das Italiaͤniſche uͤberſetzt. Er ſtarb(vielleicht er⸗ mordet), da er fortfahren wollte. Er war ein wuͤr⸗ diger Mann. Wir lebten einige Zeit mit einander, und wir liebten uns. Die deutſche Sprache. „bis zum Kieſel“ Auch großen Fluͤſſen kann man da, wo ſie noch wenige andre aufgenom⸗ men haben, in trocknen Sommern, an nicht zu tiefen Stellen, bis auf den Grund ſehen.„Saͤumend jezt“ Das Silbenmaß hat theils Zeitausdruck, lang⸗ ſamen oder ſchnellen, theils Tonverhalt, der entwe⸗ der uͤbereinſtimmend, oder kontraſtirend iſt.(vv— —. v—— v) In dieſer Strophe iſt von dem Zeitausdrucke die Rede, in der vorletzten vom Ton⸗ verhalt. Die Etats Generaux. „kuͤhne“ Man hatte wider dieß Beywort etwas zu erinnern, vielleicht weil man es nicht verſtand. Ich mochte nicht darauf antworten. Die Franzoſen ſind meine Ausleger geworden. Sie haben noch viel mehr gethan, als ich ihnen zutraute; und ich traute ihnen damals, da mir die Abſichten ihres Reichstages kuͤhn vorkamen, doch gewiß nicht wenig zu. Ludewig der Sechzehnte. Er wurde von den Franzoſen einige Zeit„Re- staurateur de la liberté“ genannt. Sie — —— ——— 22 — Anmerkungen. 241 Sie und nicht wir. „Haͤtt' ich hundert Stimmen“ Die Elegien gehoͤren zu den liriſchen Gedichten. Ihr Ton war bey den Alten ſehr verſchieden. Tyrtaͤos Kriegs⸗ geſaͤnge haben das elegiſche Silbenmaß. An Cramer den Franken. „Verſtummende Schatten“ Es iſt in dieſer Ode gar nicht die Rede davon, ob Ludewig der Sechzehnte mehr Gewalt haben ſollte, oder nicht; ſondern allein von ſeinem jetzigen Zuſtande. Der Verfaſſer hielt dieſe Anmerkung fuͤr uͤberfluͤßig; aber ſeine Freunde, die viel uͤber ihn vermoͤgen, fanden es anders. 4 Der Freyheitskrieg. „Dem letzten der Ziele“ Die Regie⸗ rungen ſtreben, wie verſchieden ihre Formen auch ſind, mehr oder weniger darnach, ihre Einrichtungen in innere beſſere Verhaͤltniſſe zu bringen.„Beherr⸗ ſcher“ Die Ariſtokraten in den Republiken, beſon⸗ ders in den oligarchiſchen, werden nicht ausgenom⸗ men.„Die herrſchenden Wilden“ Dieß iſt, laut der ganzen Geſchichte, ſo oft der Fall geweſen, daß die Sprache der Dichtkunſt nicht erlaubt, die gern zugeſtandenen Ausnahmen zu erwaͤhnen. Die Erſcheinung. „Tribuna“ Die Tribuͤnen der Zuſchauer in der Nationalverſammlung. Klopſt. Oden. II. B. QA Anmerkungen. 3 Mein Irrthum. „that“ Ihre That war nicht Mord, ſondern Rothiuſhe im Namen des Vaterlandes. Der Eroberungstrie. „Nie Eroberungskrieg“ Dieſe, und noch einige andere Oden in dem rechten Geſichtspunkte an⸗ zuſchn, muß man annehmen, was ſehr erweislich iſt, und was ich in einem meiner„Denkmale“ ſo geſagt habe. Der Franke handelte göttlich durch die Ver⸗ heißung der Nichteroberung. Dennoch beſchloſſen ihm Freyheitshaſſer Krieg. Wenn er ſich nicht ruͤſtete, ſo ſank der goͤttlich handelnde unter gewoͤhnliche Menſchen herab: geruͤſtet, machte er jede bey ihm betretene Stelle zur Grabſtaͤtte. Gebot die Kriegs⸗ kunſt Verfolgung uͤber die Graͤnze; ſo wurde ver⸗ folgt: aber keinen Schritt weiter, als es die Nothwen⸗ digkeit maß. Der erſte Ueberſchritt war der erſte Schritt zum Eroberungskriege. Wenn der Verfol⸗ gende auf der Bahn dieſes Krieges mit Rieſenſchrit⸗ ten fortging; ſo war er des gegebenen erhabenen Wortes entweder nicht wuͤrdig, oder er ſprach es mit einem Leichtſinne aus, den kein Sterblicher und kein unſterblicher verzeihen kann. Die beyden Graͤber. „Wanderer“ Die Antwort kommt aus den Graͤbern, 4 Anmerkungen. 243 Die Denkzeiten. „gern Mitbuͤrger des Guten“ Man ſehr „Das nicht zuruͤck geſchickte Diplom“ in der Berliner Monatsſchrift. Das Neue. „Sanscuͤlottiden“ Danton brauchte dieß Wort zuerſt. Er ſchlug ein Feſt fuͤr dieſe Leute vor. Es iſt hier von keinem Kalenderfeſte die Rede. „U⸗ amp“ Tiegerkatze, im Hottentottiſchen.„Goͤt⸗ ter des ſiebenarmigen Stroms“ Die Katze gehoͤrte zu den aͤgyptiſchen Goͤttern.„Nu⸗ap“ Stachelſchwein im Hottentottiſchen.„Hir⸗ op“ Hyane.„Gha⸗ip“ Geyer. „Herm ann aus Walhalla. 32„Hlyn, Freya“ Jene die Gottin der Freundſchaft, dieſe der Liebe, und zugleich die erſte der Goͤttinnen.„Klagen im Hain“ Hertha's Friedenswagen.„Noſſa“ Die Grazie.„Wodan, Thorr, Tyr“ Wodan, der erſte der Goͤtter, war zugleich Kriegsgott, ſo auch Thorr, der Gott der Witterungen; Tyr war allein Kriegsgott. Wir muͤſſen hier die Griechen zu vergeſſen ſuchen. Sie hatten nur einen Kriegsgott, und drey Grazien. „Der Juͤngling“ Die Helden wurden in Wal⸗ halla wieder Juͤnglinge. Q 2 Anmerkungen. Die Truͤmmern. „Unſcham“ Dieſes Wort machte ich, weil wir keines haben, welches fuͤr das, was ich ſagen wollte, und mußte, ſtark genug war. Ich blaͤtterte hernach in Wachtern, und fand von ungefaͤhr, daß: Unſcham ſchon vor Karl dem Großen in der Sprache geweſen ſey.„Kamul“ Ein Gott der Gallier, dem man nur Menſchen opfern konnte. Der Schooßh und. „Robepierr'“ Hier der Namen eines Hundes. Erinnerungen. „Fluſſe des Hufs“ Die Bude fließt an Roßtrappe vorbey.„Kaſtaliſchem“ Ein Arm der Saale fließt durch die Pforte, wo ich anfing die Alten kennen zu lernen.„Des Rieſen“ Die Elbe entſpringt auf dem Rieſengebirge.„Zum Grab“ Dem in Ottenſen. 8 Das Denkmal. „An Thereſe Matilde Amalia! Die Erbprinzeſſin von Thurn und Taxis, gebohrne Her⸗ zogin von Meklenburg⸗Strelitz, ſchickte mir, ohne ſich zu nennen, ein ſehr ſchoͤnes Miniaturgemaͤlde aus Hermanns Schlacht. Die Wah. des Gegen⸗ Anmerkungen. 245 ſtandes uͤbertraf das Gemaͤhlde, und beyde der be⸗ gleitende Brief. Die Mutter und die Tochter. „Schweig im See“ Die Rohne fließt durch den Genferſee.„Naͤchtliche“ Dieſe Beynamen und die beyden folgenden werden in den orpheiſchen Hymnen den Furien gegeben⸗ Der Geſchmack. „Das Gehoͤr“ Das Silbenmaß, welches das Gehoͤr waͤhlt, iſt ein deutſches, die Silben⸗ maße der andern ſind griechiſche.„Weizner“ Das Rebhun. Die Jaͤger nennen's in einigen Ge⸗ genden ſo. 88ℳ5 Die Beſtattung. „Gruͤbling, Weichling“ Man ſieht, daß dieſe Namen, und einige folgende Blumenna⸗ men ſind. Beſtaͤubte Grasblume iſt auch ein ſolcher Name..— Neuer Genuß. „zog ich vor“ Wenn es mir nicht gelun⸗ gen waͤre; ſo haͤtte ich nicht geſchrieben.„Noth⸗ durft war mir dieß“ Das naͤmlich, was in — 246 Anmerkungen. den vorhergehenden Strophen, in Beziehung auf die Sprache, geſagt wurde. Einladung. „Miſcherin Paſtell.. Waſo⸗ ſerfarbig oͤffnet“ In dieſer Bemerkung uͤber die engliſche Sprache wird nicht in ſo fern von ihr geredet, als ſie, zur Nothdurft des gemeinen Lebens, bloß Dienerin, oft Sklavin iſt: ſondern es geſchieht in der Betrachtung, da ſie, ſobald es auf nichts geringeres, als auf die Darſtellung ankommt, beynah Mitherrſcherin iſt, und jener durch nichts Widerartiges, und oft zugleich Unedles nachthei⸗ lig werden darf. Wenn uns eine engliſche Stro⸗ phe geſungen wird, in der ein lateiniſches, und ein franzoͤſiſches Wort iſt, ſo bekommen wir eben das zu hoͤren, was wir zu ſehn bekaͤmen, wenn uns ein Mahler, der in Oehlfarben mahlt, einen Kopf mit einem paſtellnen Malne, dand waſſerfar⸗ bigen Augen zeigte. In Beziehung auf die beyden fremden Worte aus verſchiedenen Sprachen, koͤnnte man ſogar ſagen, daß der Mund in Gyps gear⸗ beitet und das Auge in Kupfer geſtochen ſey. Kein Englaͤnder kann uͤber dieſen Eindruck miturtheilen, der den auslaͤndiſchen Zuſatz zu ſeiner Sprache nicht als ſolchen kennt, und z. E. Delai und Quietus in Hamlets Sekbſtgeſpraͤche fuͤr einhei⸗ miſch haͤlt, Anmerkungen. 247 Winterfreuden. „Beindorf“ Er ſtarb als Prediger im Herzogthum Oldenburg. 2 —— innſinſnlinſim 6 17 18