„usgp ee e anpa i u e ob anu uag eel —ld t ue uele uidu dapg i e ee 115 15145 845115 S u9 gva 1pvnob a iae La2 Tulog galc qun 1925b9l bp T pI Ind 1 5olo 192onoſsuf. 2 01Pil daa u5 u 923 pla4H) uin 43193 429 3 91) 9 11395 uo 494b 83u ⸗ 1d uſo pns 5 9215 4540 5u910] „153 nuicplog„u5 11,a8 Sp e— usae 180142 Sacduagv a?g Anun(t uaolan nut ue plal og e) 12 P 940242 G gun uaagjane 15 u0 laan"28 nucplod. anL z2resouopudos 9 uoba n o 19 oD dn ee ee 31 1 nv aocpng aa Uunnauglnnane gun. anl uaoe errarian Srare m⸗ — 4— h iee Sad. Sed, pne m. Beee 2 ce. Daer 66‿ Me ſIt a o 5 oee 5 S Rüchot Vierter Band. Vierte Aufl age. CARLSRUHE, im Bureau der deutschen Claſsiker. 4823. Sechzehnter Geſang. Klopſt. Meſſias IV. B. A Ate Aufl. Inhalt des ſechzehnten Geſangs. Der Meſſias hat die Auferſtandnen und Engel auf Tabor verſammelt. Er offenbart ſich ihnen, als den Richter, und als den Beherrſcher der Welt. Er haͤlt uͤber die Seelen derer, die vor kurzem geſtorben ſind, das erſte Gericht. Bald werden ganze Schaaren und bald einzelne Todte gerichtet. Indem dieß Gericht ge⸗ halten wird, kommt der Schutzengel eines Sterns, der verwandelt werden ſoll, und bittet, daß er die Ver⸗ wandlung beſchleunigen duͤrfe. Nachdem das Gericht wieder einige Zeit gedauert hat, wird ein Juͤngling von dem Geſchlechte der unſchuldigen Menſchen, der aber geſuͤndigt hatte, vor den Meſſias gebracht. Das Gericht waͤhrt fort. Der Meſſias ſteigt zur Hoͤlle hin⸗ unter, und beſtraft die gefallnen Geiſter. — f Sechzehnter Geſang. XVI. G. V. 1— 9. D. mißkennet den ewigen Sohn, den Herrli⸗ chen Gottes, Der es nicht weiß, daß durch Ihn, und fuͤr Ihn, der Vater die Schoͤpfung Schuf, und daß er der Schaarenheere, die zaͤhlbar nur Ihm ſind, Jener, die macht der Verſtand, und die Wahl gluͤckſeligkeitsfaͤhig, Herrſcher iſt; ſo lange, bis einſt, aus den Laby⸗ rinthen Aller Welten, die Wege des Ewigen alle, 3s Ein Großen Ziel, zu der Seligkeit Aller, heruͤberke men. Haͤtte der Herrliche Gottes nicht an dem Kreuze gerufen, Nicht in dem Tode der Allverſoͤhner: Es iſt voll⸗ endet! A 2 Der Meſſias. XVI. G. V. 10— 23. O ſo koͤnnte das Heer ohne Zahl der Erſchaffenen, ganz dann Selig, dereinſt durch die Himmel: Es iſt vollen⸗ det! nicht rufen. Aber als er zu ſchaffen beſchloß, beſchloß er zu ſter⸗ ben. Jeſus Chriſtus, der goͤttliche Sohn des ewi⸗ gen Vaters, Und der Menſch ſtieg wieder hinauf zu der Hoͤhe des Berges, Welcher, bis er ſich zur Rechte des Vaters erhuͤbe, ſein Thron war, Sieh, ein Thron auf der Erd'; und doch des Be⸗ herrſchers der Welten; Unter ihm bebt', und leuchtete Tabor. Die Auf⸗ erweckten Standen um ihn, und ferner, als ſie, die Cheru⸗ bim Gottes. Dieſer hehre Kreis war offen gegen des Himmels Allerheiligſtes. Chriſtus ſtand in der Mitte, und lehnte Sich an einen bemoosten Fels, der neben ihm ruhte. Nicht der Leidende mehr! Vor ihm erloſchen der Vaͤter Und der Cherubim Schimmer, in werdende Daͤm⸗ merung; Eloa's Sechzehnter Geſang.⸗ 5 XVI. G. V 24.— 37. Lichtausgießende Morgenroͤthen, in Sommermond⸗ 5 nacht. Aber ſo oft ſein Auge voll Gottheit blickte, ſo faßte Alle ſuͤßes Gefuͤhl der Endlichkeit! ſtanden ſie alle Gern auf ihren Stufen, auf die in der Reihe der Weſen Er ſie geſtellt! ſo fuͤhlten, durch ihn, ſie alle ſich ſelig! Siehe, der Cherub verſtand den Wink im ge⸗ wendeten Antlitz Chriſtus, und ſchwebete dahin. Bald kam er mit Seelenſchaaren Wieder, ihr Fuͤhrer, der Todten, die ſeit des goͤtt⸗ lichen Sohnes Auferſtehung waren geſtorben, und die zu beſtat⸗ ten, Graͤber hier Weinende gruben, dort dem Staube die Uenen Mit der Cypreſſ' umwanden. Die Blume bluͤhet, mit welcher Einiger Griͤber Geliebte nun bald beſtreuen; und dennoch Sprach nicht los das Gericht den Todten im blumi⸗ gen Grabe. Chriſtus Geſendeter fuͤhrte die Seelen nach Tabor, Sie kamen, Der Meſſias. XVI. G. V. 38— 51. Wie der Gewitterregen, in Sonnenſtrahlen hier heller, Truͤber dort, wo es mehr ſich woͤlkt, von dem Himmel herabfaͤllt; Oder wie, wenn in einer erhabneren feurigen Seele Leidenſchaft kaͤmpft, und Vernunft, ſie Gedanken zu Schaaren umſtroͤmen, Wahre Gedanken, und falſche, doch die mit Ge⸗ berden der Wahrheit Taͤuſcher, darein von der Leidenſchaft Zauberſtabe verwandelt. Nahe waren dem erſten Gericht die Seelen gekom⸗ men. Und ſie ſchwebten vor Chriſtus, und riefen ſchnelles Erſtaunen Freudig aus, und bang, als ſie den Gott in der Mitte! Und die Goͤtter um ihn erblickten. Der Herrſcher der Welten Sprach: Wer ſeyd ihr, Seelen? Und dumpfes ver⸗ miſchtes Geſchrei rief, Wer ſie waͤren; beſcheidenes Urtheil uͤber ſich ſel⸗ ber, Stolzes mehr! allein in dem Antlitz des ſtrahlen⸗ vollſten Unter den Goͤttern ſahen ſie bald, daß Ihm ſie vergebens Sechzehnter Geſang. 7 XVI. G. V. 52— 65. Sich verbuͤrgen. Jetzt ſondern der Goͤtter einige Seelen Aus dem Haufen, und bringen ſie naͤher dem ober⸗ ſten Gotte. Chriſtus hielt Gericht; und ſchnelle Worte gebo⸗ ten, Schnellere Winke den Engeln. Die Engel zeugten enthuͤllten Flammenſchrift: bald rollten ſie wieder die Buͤcher zuſammen. Streuten nur wenig umher des furchtbaren Glan⸗ zes. Die Seelen Redeten, ſchwebten verſtummt. Kurz war des Rich⸗ tenden Urtheil! Traf gleich Blitzen! umſtrahlte mit Wonne, wie Glanz des Tages Den, der blind war, oder ſein Wink gebot auch den Engeln Nur den Weg, den hinauf die Seelen, oder hin⸗ unter Wandeln ſollten. Es fuͤhren der Wege viel in den Abgrund, Viel zu dem Himmel; einige waͤhren Aeonen, und Stunden Einige. Dort entdecken es ihnen der Welten Be⸗ wohner, Laſſen es hier die Seelen ſelbſt erforſchen: Wa— rum ſie Der Meſſias. XVI. G. V. 66— 79. Sich hinauf zu dem Throne des Ewigen ſchwingen, warum ſie Ach hinab in den Abgrund ſinken. Der naͤheren Seelen Viele riefen, und ſtuͤrzeten ſich in den Staub des Gebirges, Riefen: Jupiter, Gott des Donners! erbarme dich unſer! Brama! Tien! Allvater! wir fehlten, ſuͤndigten, irrten! Zeus Kronion! Goͤtterbeherrſcher, erbarme dich unſer! Aber den wartenden Cherubim gab der Erloͤſer Be⸗ fehle: Der vom Euphrates ſteigt, von des Libanons aͤußerſtem Sterne Bis zu der ſiebenten Ceder hinauf des Haines. Ge⸗ ſuͤndigt Hat er viel; allein ſtark war die Reizung, und heftig Seine Seele. Wenn er des Phiala Strahlen ſich naͤhert, Soll der Bewohner des Sterns des Verſoͤhners Na⸗ men ihm nennen. Dieſes vom Ganges Seele war truͤb', und weich; zu Gewißheit Kam er nicht. Er ſteiget hinauf bei dem Hermon. Den Richter Sechzehnter Geſang. 9 XVI. G. V. 30— 92. Nennt ihr ihm nie, und fruͤher als jenem den Suͤn⸗ deverſoͤhner, Bei dem Schimmer Engeddi's. Was neigſt du ſo . tief in den Staub dich? Bis zur Unmenſchlichkeit ſtolz war dieſer. Fuͤhrt ihn zur Hoͤlle, Eh ich des Oelbergs Gipfel betrete. Jupiter, hoͤre! Zuͤrne nicht ſo! Er ſank in ſchnellen Betaͤubungen 3 nieder. Haͤtteſt du deinen Freund nicht verrathen; ſo fuͤhrte der Engel Dich nicht hinab. Zween Winke noch lehrten den fuͤhrenden Cherub. Gebt dem redlichen Manne die Palme fruͤher, ſo bald er Neben der Quelle Bethlehems ſchwebt. Du glaub⸗ teſt, Allvater Lohne. Groͤßer iſt Gott, als du ihn, Redlicher, dachteſt. Stand er zu Schlachten nicht auf? und legt' er zu Traͤumen von Schlachten Sich nicht nieder? Schnell war der Blick des Ge⸗ bieters, und ſchnell war, Der den Blutigen fuͤhrte. Dem ſtillen Verlaͤumder, daß dieſem Der Meſſias. XVI. G. V. 93— 106. Jeder ſchlangenzuͤngichte Laͤſtrer der Hoͤll' entgegen Ziſche! ſtuͤrzet ihn, Engel, hinab in die unterſte Hoͤlle! Eilend kam ein Cherub herab aus der Ruh⸗ ſtatt Gottes; Und wie die wehenden Locken ihm flogen, die Wang' ihm entgluͤhte, Sank er vor Jeſus Chriſtus, dem Weltbeherrſcher, zur Erde. Mittler, der Stern, des Huͤter ich bin, er⸗ hebt zu dem Ziele Seiner Wandlung ſich bald. Des hohen Sternes Bewohner Haben ſchon Vorempfindung von ihrem Schwunge zum Urlicht: Aber ſie halten den Durſt, aus ſeinen Stroͤmen zu ſchoͤpfen, Kaum noch aus. Zwar iſt ihr Gefuͤhl der Seligen Gottes; Dennoch iſt es Begnadung, wenn du ſie fruͤher hinauffuͤhrſt! Darf ich Gethſemane ruͤhren, und ſeine Palmen; ſo zittern Wankender meine Pole, ſo ſinken die Pfeiler der Tiefen Eh', und mit ihnen hinab die Paradieſe des Sternes. Sechzehnter Geſang. 11 XVI. G. V. 107— 120. Ruͤhre Gethſemane, Cherub, und ſeine Pal⸗ men. Der Engel Eilte dahin, das Geſtirn, daß es fruͤher ende, zu ruͤhren. Kermath kam ſein Engel entgegen, laͤchelt ihm Liebe, Sagte: Du warſt fuͤr die Menſchen, mit denen du lebteſt, zu edel, Guter Kermath. Das wars, daß ſie dich verkann⸗ ten, und haßten. Trockne ſie nun die Zaͤhren, die du mit innigem Schmerze, Wegen dieſer Verkennung, in deiner Einſamkeit weinteſt. Komm, den Lohn zu empfahn, den dieſe Guͤte des Herzens, Dieſe Geduld dir erwarb. Blick auf!(er wies nach dem Sterne) Dort wirſt du auf der erſten Stufe der Seligkeit ſtehen! Aber du ſteigſt, die Ewigkeit durch, von Stufe zu Stufe, Stets von Helle zu Licht, von Freude zu Wonne! Sie ſchwebten Mit einander empor zu der erſten Stufe des From⸗ men. Einer von Indiens Koͤnigen war geſtorben. Die Seele Der Meſſias. XVI. G. V. 121— 134. Wallte, noch ganz nicht wach von dem letzten Schlummer des Todes, Saͤumte, daͤucht's ihr, in langen nicht abſehlichen Gaͤngen. Jetzo erwacht von dem Schlummer der todte, von ſeiner Groͤße Wahne noch nicht, von ihrem Taumel noch immer ergriffen. K. Aber wo ſind die Seelen der Sklaven, deren Gebeine Aus der Aſche duftender Stauden die Lebenden la⸗ ſen, Weineten, daß man ihr Gebein nicht laͤſe? wo ſind ſie, Daß ſie den todten Satrapen, ihr Herrſcher kom⸗ me! verkuͤnden? Einſam wallt' er hervor aus daͤmmernder Gaͤnge Gewoͤlben In die Freie des Himmels, und ſah dann gegen ſich uͤber Einen Unſterblichen ſtehn, deß Recht' ihm vinkte zu weilen. Auf den verwunderten ſah der himmliſche Juͤngling, mit Laͤcheln, Doch mit beginnendem nur, herunter. Folge von ferne, Sprach zu dem Herrſcher der Engel, dem Schim⸗ mer, welchen du ſehn wirſt Sechzehnter Geſang. 13 XVI. G. V. 135— 148. Hinter mir ſich verbreiten. Er mußte folgen; und bald ſtand Er in der Seelen dichteſtem Drang', und wurde gerichtet! Ach hier find' ich gewiß, hier find' ich Ret⸗ tung! Denn Goͤtter Seh' ich hier; und ihr ſeyd gerecht, ihr ewigen Goͤtter! Menſchen ſind das nicht! ſind Haſſer, Verfolger der Unſchuld, Blinde! verkennen, wer redlicher iſt, wer beſſer, als ſie iſt! Rief ein abgeſchiedener Geiſt, und wurde belohnet. Gelimar lag auf dem Sterbelager, ein feu⸗ riger Juͤngling, Recht in der vollen Morgenroͤthe des Lebens. Sein Freund ſtand Neben ihm, reicht' ihm Kuͤhle des Quells in bren⸗ nendem Durſte. Gelimar ſprach: Auf ewig! was waͤhneſt du an⸗ ders: auf ewig Iſt es, daß wir uns trennen! So ſind die Looſe gefallen Jenes Baums, und der Blume dort, des ſterben⸗ den Juͤnglings Hier, den du liebeſt, und deins, und aller, die Sterblichkeit athmen! 14 Der Meſſias. XVI. G. V. 149— 162. Alles iſt aus, voruͤber, wenn wir hinwelken, ver⸗ dorren, Sterben! alles vergangen, als waͤr' es niemals ge⸗ weſen! Juͤngling! was ſoll der weinende Blick voll Tre⸗ ſtes? Du willſt mich Doch nicht etwa troͤſten? Was ſoll mir Troͤſtung? ich ſterbe! Troͤſte dich, daß du leben moͤgeſt! Ich fuͤrchtet' es lange, Aber ich dacht' es nicht oft, in der Freude der bluͤ⸗ 1 henden Jahre; Ach nun iſt es gekommen, und ich muß wallen hinunter Etwa ins Grab? ich walle nirgends hin! Denn ich bin dann Aufgeloͤſet, ein Nichts! Du wirſt dem verweſen⸗ den Leichnam Doch wohl den Namen des Freundes, der dich liebte, nicht geben? Ehmals ſchonet' ich deiner Thraͤnen; itzt kenn' ich kein Schonen, Selber deiner Thraͤnen nicht mehr! Mit eiſernem Arme Faſſet der Tod! und eiſern wird des Sterbenden Seele! Ha er iſt voll des Entſetzens der ſchwarze Gewitter⸗ gedanke, — Sechzehnter Geſang. 15 XVI. G. V. 163— 176. Daß ich ſterben muß! hinſtuͤrzen muß, und verwe⸗ ſen! Hoͤre, vernimm, bewahys des ſcheidenden Wort, du Geliebter, Wie ein Krieger, den Schild: Ach, daß ich ſterbe, vergehe! Klag' ich die Goͤtter nicht an. Wir Armen ſind zu geringe Zu der Unſterblichkeit! Eile nun hin, und ſchoͤpfe der Quelle Ganzen Strudel mir aus, damit ich noch einmal mich labe, Oder, wird es mir Tod, gleich ſterbe! Der Freund gebietet, Und ſie bringen ihm dar die volle Schale des To⸗ des. 4 leicher ward er, und ſchwindelt' und zittert', und— ſtarb. Die getrennte Seele ſchlummerte fliehenden Schlaf von der letzten Erſchuͤtterung. Ach ſie ſchwung ſich empor! Schon ſtroͤmte des lauten Erſtaunens Donnerruf! ſchon floß der freudigen ſuͤßen Ver⸗ wundrung Silberſtimme. Ihr Goͤtter, unſterbliche Goͤtter! iſts moͤglich? Goͤtter der Sonn' und des Mondes, iſts moͤglich? ich lebe? der todt war, Der Meſſias. XVI. G. V. 177— 190. Lebet? Ihr Goͤtter der Erd' und des Himmels, und aller der Sterne! Ach ich bin! kein letzter Traum des ſterbenden Leibes Iſt es! ich bin! und dieſer kein Leib, ſo wie Blu— mmen verwelket. Heilige, heilige Goͤtter! der Sonne Goͤtter, des Mondes, Und der Sterne, die dort mir immer herrlicher ſtrahlen, Gute! wo ſeyd ihr? wo ſuch' ich euch auf? wo ſtuͤrz' ich mich nieder? Weine Dank? daß ich bin! und nun auf immer, ihr großen Ewigen Goͤtter! Wo klaget mein Freund? Zu weit von der Erde Schweb' ich! Wo jammert des leidenden Herz, er .werde vergehen, Wie, den er liebte, verging? Vergehen, du treuer, du guter? Warum ſtarb er nicht auch? Vergehen meynſt du, du treuer? O die erhabenen heiligen Goͤtter, die Schoͤpfer des Todes, Und des Lebens, die ewigen Goͤtter meynen es an⸗ ders! Darf ich hinunterſteigen, den Hain beſuchen, in dem er Mir — Sechzehnter Geſang. 17 XVI. G. V. 191— 204. Mir mein Grab aufgraͤbt? mit einer Labung zum Tod' ihn Letzen? und ihn mit mir herauf zur Unſterblichkeit fuͤhren? Jetzo erblicket' er Weſen, die gleich ihm wa⸗ ren;z ſie ſchwebten Nieder nach Tabor; auch andere ſah er, welch' ihm nicht glichen; Und die dauchten ihm Goͤtter zu ſeyn! er eilet zu dieſen, Sinkt anbetend nieder, und rufet! Ich bin! ach ich dank' euch, Preiſ' euch, lieb' euch, bet' euch an, ihr ewigen Goͤtter, Daß ich bin! E. Wir ſind Erſchaffne. G. Geſtor⸗ ben, wie ich? lebt Nach dem Tode, wie ich? E. Gott iſt nur Einer. Er ſchuf uns, Aber unſterblich. Folg' uns jetzt. Bald giebt dir Erkenntniß, Der die Sonnen, die Cherubim ſchuf, und die See⸗ len der Menſchen. Und er kam zum Verſoͤhnenden, ruft' ihm die er⸗ ſten Jubel, 3 Folgte dem Fuͤhrer den Pfad hinauf, den Gott fuͤr ihn auskohr. Sonnen gingen auf, und Sonnen unter, und immer Klopſt. Meſſias IV. B. B kte Aufl. 18 Der Meſſias. XVI. G. V. 205— 217. Waͤhrte Chriſtus Gericht. Wie wechſelnde Regen⸗ ſchauer, Kamen die Seelen, itzt dicht aus der Wolke ſtuͤr⸗ zend, itzt traͤufelnd; Trockneten weg in duͤrren Gefilden, oder entfloſſen, Silberquellen blumigen Huͤgeln. Der Himmliſchen Wehmuth, Oder Wonne begleitete ſtets die Seelen, nachdem ſie Aufſtieg, oder ſank die ſchickſalentſcheidende Wag⸗ ſchal. Fließe mir jetzt ein rieſelnder Bach in den Strom des Geſanges, Den vollendend, ich der Erlebungen ſeligſte fuͤhlte. Hundert Monde ſind voruͤbergewandelt, ſeit⸗ dem ich Sang von des Mittlers erſtem Gericht. Mich um⸗ leuchtet' auch damals Hoffnung zu meinem Erloͤſer: Vollenden wuͤrd' ich! Dooch zog einſt Truͤbes ſich um den himmliſchen Strahl. Da wars der Gedanken, Er mir allein: Mich in Allem zu unterwerfen! Sie 4 kamen, Sechzehnter Geſang. 19 XVI. G. V. 218— 231. Schonten mein nicht, und redeten laut von dem Tod', und vom Leben; Etliche ſchwiegen, und redeten ſo noch lauter vom Tode! Doch ich verbot den Schauer mir, ſtraͤubte mich 1 gegen ſie, litt's nicht, Lebte, vollendete! Preis auch heute dem Herrn, dem Erhalter, Inniger, heißer Dank! Sie ſtärket uns, zoͤgert des Todes Gang, die maͤchtige Freude. Zuletzt vermag ſie's nicht laͤnger, Und wir wallen zur Heimath. O tiefer Genuß, wenn auch ich nun, Einer der kaͤlteſten Forſcher des menſchlichen Den⸗ kens und Schickſals, Druͤben ſteh', und ſchaue: Wie ſie heruͤber, mit jedem Winke der Zeit, in Schaaren zu uns, der Geſtor⸗ benen Seelen Kommen, Zweifler, und Leugner, und Chriſten! der Freund, dem vor Kurzem Um den Freund die heilige Thraͤne noch rann, die Geliebte, Lange ſchon Wittwe, vor Wehmuth lang verſtummt, in der nahen Fliegenden Wolke der kommenden Todten! und al⸗ ler Schickſal B 2 20 Der Meſſias. XVI. G. V. 232— 245. Aufgeklaͤret, umſtrahlt, nichts unentraͤthſelt gelaſſen! Jeder Staub gewogen! verweht Gebirge der Taͤu⸗ ſchung! Wer, dem jemals die Wolluſt ward des Gruͤbelns und Wiſſens, Daͤrſtet nicht hier, auch druͤben zu ſeyn? Nur menſchliches Schickſal So zu lernen, und, ſtets in neuer Irre, des Aus⸗ gangs Faden zu finden, ſchon das iſt Fuͤlle der Seligkeit! Eil i6t, Bach' und riesl' in den Strom, des neuen Bun⸗ des Geſang, hin. Eines Koͤniges Burg war eingeſunken. Die Todten Kamen. Luͤſtlinge waren ſie, oder Tyrannen geweſen. Einer nur hatt' ein Herz. Der Schwarm umringt' ihn, verbarg ihn; Und er ließ ſie's; nicht lang', und er ſtand vor den Engeln allein da. Wie ein redlicher Mann, den Verleumder umwoͤl⸗ ken, verachtet Sich zu vertheidigen, ſchweigt; denn bald verzieht das Gewoͤlk ſich. Ach noch rauchet ſein Blut, noch rollt er das Auge, noch ſtarrt es Sechzehnter Geſang. 21 XVI. G. V. 246— 259. Ganz nicht hin, noch zuckt ſein Gebein. Nun ſtreckt er dem Grabe Voͤllig ſich aus, und entſchlaͤft. Er hatt', in der Wuth der Verzweiflung, Gegen ſein Herz gerichtet den wankenden Dolch, zu der Erd' ihn Niedergeſchmettert, ihn wieder gefaßt, mit furchtba⸗ rer Lache Blinken geſehn den Verderber; hatt' Ahndung ge⸗ habt von Blute, Schwarzem eigenen Blute, mit Kaͤlte den Dolch auf den Herzſchlag Angeſetzet, ihn langſam zuruͤckgezogen, mit ho⸗ hem Arme gezielt, und geſtoßen, daß dumpf die eherne Bruſt ihm War erſchollen, unter des fallenden Laſt erſchol⸗ len War die Erde! Sein Geiſt ſtand jetzt vor dem Richter, beſann ſich Kaum noch, was jene Wolken, von vollem Monde gehellet, Waͤren, was waͤre jenes Geſtirn, ſo die Wolken ihm hellte. Ach, und dieſe Goͤtter! Das weckt' ihn. Die himmliſchen alle Schauerten, zweifelten. Aber der Richter laͤchelt⸗ ihm Gnade! 22 Der Meſſias. XVI. G. V. 260— 273. Allmacht war ſein Laͤcheln, ſchuf um zu Wonne das Elend! Endlich hatt' Eliſama ſein graues Haupt in die Grube Niedergelegt, ein duͤrftiger Greis, der wankend am Stabe Vor der Thuͤr des Reichen ſein Brod erflehte, ſein Waſſer Schoͤpft' aus den Quellen. Er war empfindlichen Herzens geweſen, Aber geduldig. Ein Held, wie wenige, hatt' er des Lebens Groͤßte Truͤbſal nicht nur ertragen, hatte den Schoͤpfer Aller Dinge, den Geber der Freud' und des Schmer⸗ zes, geprieſen. 4 Koͤnige konnt' er ehren; und wurde ſo gar von den letzten Unter dem Volke verachtet. Er lag ſchon lang' auf dem Lager Todt, und noch kam keiner, der ihn begruͤbe; da leckt' ihm Einmal ſein Hund noch die kalte Hand, und ſtarb. Eliſama Stand vor dem Richter. Ihm bracht' ein freude⸗ ſtrahlender Cherub Eine Krone vom Richter. Im weiten Kreiſe der Engel Sechzehnter Geſang. 23 XVI. G. V. 274— 287. Und der Erſtandnen walleten leiſere Lispel, der Freude Stimmen umher, da der Cherub die Krone dem Duldenden brachte. Manches Geſetz, weil es leicht ihm wurd', und in ſeiner Seele Eine Neigung nicht war, die ſich dawider empoͤrte, Hatte Zadech erfuͤllt, und ſtolz war dieſer ge⸗ taͤuſchte Auf den kuͤmmerlichen Beſitz, den er hatte, gewor⸗ den, Auf den Broſam gruͤnliches Brod, den hoͤlzernen Becher, Aus der ſtehenden Lache gefuͤllt, die ſinkende Huͤtte, Und den kupfernen Scherf. Wer ſolche Arme ver⸗ achtet, Weh dem! aber auch Weh dem Mann des Elends, der ſtolz iſt Auf ein wenig leichtere That! und ſelber dem Rei⸗ chen An weit ſchwererer, wenn er dabei mit ſtolzer Er⸗ wartung Sich einſchlaͤfert, und Kronen des Lohns an dem Ziele der Laufbahn Ohne Demuth ſich traͤumt. Den duͤrftigen Zadech verſenkten 24 Der Meſſias. XVI. G. V. 288— 301. Seine Genoſſen ins Grab; die Seele ſtand vor dem Richter. Steig hinunter mit ihm. Der Cherub begann ihn zu fuͤhren, Aber er ſtraͤubte ſich, wandte ſich, wollt' entfliehen, vermochte Nicht zu entfliehn, rief, redete, ſchwieg. Mich? welcher ſo vielen, Allen Geſetzen gehorchte! der ich Belohnung er⸗ warte! Mich? Wer biſt du, o du mit den blutigen Strahlen, der dieſen Schrecklichen Pfad mich fuͤhrt? Verſtandeſt du den Befehl auch, Welcher dir ward? Ha wuͤthe nicht ſo! Ich fuͤhle die Wendung Deines Schwunges, fuͤhle das Drohn der toͤdtenden Augen! Ungerechter! du zwingſt mich. O moͤchte Nacht dich verſchlingen! Flammen dich uͤberſtroͤmen, und deine Strahlen vertilgen! Ha, wer biſt du? weiche von mir! riefs, trieb nach dem Cherub Dunkles Gewoͤlk! Schnell leuchtender Nebel, ſchnel⸗ ler noch Duft, ſchwand Vor des Cherubs Glanz das Gewoͤlk. Der fuͤhren⸗ de ſchwebet Sechzehnter Geſang. 25 XVI. G. V. 302— 315. Vorwaͤrts. Die Seele fuͤhlet die Kraft des Unſterb⸗ lichen; ſtraͤubt ſich Gleichwohl, empoͤret ſich noch. Es gelang ihr, in eine der Kluͤfte Drei Berghoͤhen hinab ſich zu ſtuͤrzen. Nun ſchonte der Cherub Laͤnger nicht mehr. Sein Ruf war Donner gewor⸗ 8 den. Die Seele Kam aus dem Abgrund bebend herauf, und flog mit dem Fuͤhrer. Heere ſchlugen. Die Fuͤhrer der Heere, Er⸗ oberer beide, Sanken. Umher im verſtummten Gefilde lagen die Leichen, Lagen die Wundenvollen geſtreckt: und wie Wolken⸗ bruͤche, Stroͤmten die Geiſter der Todten herzu, mit ihnen der Fuͤhrer Geiſter. Der Richter der Welt erhub die Rechte; da ſtuͤrzten, Schmetterten Donner herab auf die beiden geoßen Verbrecher! Lange hallt' es den Hochverraͤthern der Menſchlich⸗ keit nach, dumpf, Weit hallt's nach, voll Entſetzens nach in die Kluͤfte Gehenna's! Und nun ruft' es empor von dem Abgrund ſchick⸗ ſalverwuͤnſchend! 26 Der Meſſias. XVI. G. V. 316— 329. Schwirrt' es, als Geißlung! Der eben erſt gemor⸗ 1 dete Kriegsknecht Geißelte, ſchrie: Auch hier wird Schlacht geſchlach⸗ tet! und ſchwung dann Höher, ergrimmter den Arm. Der Eroberer Ket⸗ tengeklirr ſcholl Langſam, zuckend; und grauſer noch Hohngelaͤchter der Hoͤlle! Melodien, der ſuͤßeſten Wonne Geſpielinnen, ſtiegen Mit dem Liſpel empor der Engelharfen. Denn erdlos Kamen vom Ganges, vom Rhein, dem Niagara, und Nilus, An den Cedern einher auf Tabor, Seelen der Kinder. Wie geſondert von vielen und großen Heerden, an Einem Langen Huͤgel hinab, genaͤhrt vom Fruͤhlinge, Laͤm⸗ mer Weiden, ſo kamen einher an des Tabor Haine die Seelen. Aber der Richter richtete nicht. Sie wurden der Wege Viele gefuͤhrt, von Sterne gefuͤhrt zu Sterne, be⸗ vor ſie, Himmliſche Juͤnglinge nun, erhabnere Pfade be⸗ traten. Sechzehnter Geſang. 27 XVI. G. V. 330— 343. Manches ſahn ſie zuvor auf ihren Wegen, und lernten Manches, umtanzt von froͤhlichen Stunden. Mich deucht, es ertoͤnte Einſt von dieſem mir auch die vielbeſaitete Harfe: Irgendwo in Gefilde der Ruh wird eines Saͤuglings Seele gefuͤhrt. Auf einem der Blumenfelder begeg— net Ihr die Seele des einzigen Freundes, den Eliſa⸗ ma Uebrig behielt, und der dem entſchlafnen Greiſe die Hand noch Leckt', und ſtarb. Die Seele des treuen Hundes geſellet Lih zu der Seele des Saͤuglinges, folgt ihr, und will ſich nicht trennen. Dieſer verſtoͤßt ſie nicht; bald aber wird ſie ſich dennoch Trennen muͤſſen, wenn er nun hinauf in hoͤhere Sterne Steigt: doch geſellt ſie ſich gern zu neuankommen⸗ den Seelen. Freuderufend erhob ſich die Seele Geltors und ſchwebte Mit dem fuͤhrenden Engel. Als ſie der wallenden Monde 28 Der Meſſias. XVI. G. V. 34— 357 Rauſchen nicht mehr vernahmen, nicht mehr der beſchweiften Kometen Fliegendes Donnergetoͤſ', und die ſtille Heitre des Himmels, Naͤher den nicht begleiteten Sonnen, erſchwebten: Geſtalten Stiegen da auf um Geltor, nicht des ſinnenden Geiſtes Bildern, nicht Traumerſcheinungen gleich; er ſah, und er hoͤrte, Was er Gutes im Leben, das nun gelebt war, und Frommes Hatte gethan! er lebt' es wieder, doch ohne den Anblick Seiner Fehle, und voll von dem Himmelsgefuͤhle, daß Gott es Ihm belohne. Mit hochgefalteten Haͤnden des Prei⸗ ſes, Sieht er um ſich die Duͤrftigen, welch' er labte, die Waiſen, Die er zu taugenden Maͤnnern erzog, die Braͤute, die Freunde, Schaaren der Freien, fuͤr die in der Schlacht, ſie zu retten, ſein Blut floß; Und er wallt' in der Heerſchaar fort, mit freudigem Rufen, Und noch froherem Dank des uͤßen Laͤchelns geſeg⸗ net. Sechzehnter Geſang. 29 XVI. G. B 358— 371. Sonnen gingen auf, und Sonnen unter, und immer Waͤhrte Chriſtus Gericht. Wie wechſelnde Regen⸗ ſchauer, Kamen die Seelen, itzt dicht aus der Wolke ſtuͤr⸗ zend, itzt traͤufelnd; Trockneten weg in duͤrren Gefilden, oder entfloſſen, Silberquellen, blumigen Huͤgeln. Der Himmliſchen Wehmuth, Oder Wonne begleitete ſtets die Seelen, nachdem ſie Aufſtieg, oder ſank die ſchickſalentſcheidende Wag⸗ ſchaal. Hagid und Syrmion zuckten ihr Schwert auf einander, und beide Taumelten hin in ihr Blut, und hauchten mit Zor⸗ ne den Geiſt aus. Ihnen klirrten aus ſichtbarer Nacht diamantene Ketten Fuͤrchterlich, dumpf, fernher, ſie mußten nahen, entgegen. Einem Geiſte der Hoͤlle gebots ein Cherub; der fiel ſie Wuthvoll an, und kettete ſie an einander. Des Abgrunds Kluft, in welche ſie ſtuͤrzten, erſcholl von der ru⸗ fenden Falle. 3²2 Der Meſſias. XVI. G. V. 400— 413. Sterbliche dort: allein wo iſt, der den Sterblichen Leben Gab? E. Du ſiehſt es glaͤnzen. Du kennſt uns. T. Ach ich erblicke In der Cherubim Mitte den Hocherhabnen des Himmels! E. Ja du ſieheſt den Richter der Welt! T. Und wehe mir, meinen! Fuͤhrſt du zu ihm mich? E. Eile! Sie kamen hinab zu der Erde, Schwebten nach Tabor hin. Mit Seelenſchaaren erreichte Toa den Berg des Gerichts, der zweiten Verklaͤ⸗ rung des Mittlers. Alſo kommt, wenn ein Sturmwind brauſt, mit gewelkten und friſchen Bluͤthen, auch eine der ſchon gebildeten Fruͤchte ge⸗ flogen. Als er unter den Seelen ſich ſah, und mit ihnen heruͤber Kam zu dem ſchreckenden Berge, da waͤr' er gerne geflohen; Aber ihn hielt verborgne Gewalt! Er ſtand vor dem Richter! Cherubim traten herzu. So ſchweigt der benachtete Himmel, Ehe der Donnerſturm ſich erhebt; ſo war die Ver⸗ ſammlung: Kurzer, Sechzehnter Geſang. 33 XVI. G. V. 414— 427. Kurzer, geſchleuderter Schlag ſchlaͤgt hoch herunter; ſo klagten Ihn die Cherubim an. Die Klaͤger hatten geſpro⸗ chen: Und die Strahlen Eloa's, der Chriſtus ſchaute, ver⸗ loſchen Schnell in Schimmer; es bebten die Auferſtandnen, die Engel, Toa, die Seelen bebten. Auf Einmal ergoß ſich die Blaͤſſe, Kam die Geberde des Todes, und, mit des ernſten Erſtaunens Lautem Ruf, ſank Toa, und ſtarb! Der Arm der Allmacht Wandelte bald die Verweſung in Staub, gab bald den getrennten Staub den verwehenden Winden; und ach der Seele des Todten Wurde kein Leib aus der Heitre geſchaffen. Sie war allein, war Ganz von allen Weſen verlaſſen! war nicht in der Schoͤpfung! ¹ Nicht auf der Erde der Sterblichen, nicht auf ih— rer! Sie ſahe Keines Unſterblichen Antlitz! vernahm in der bitte⸗ ren Wehmuth, Keines Himmliſchen Stimme! Sie dachte, wie ehmals; auch konnte Klopſt. Meſſias IV. B. G 4te Aufl. 3⁰ Der MNeſſias. XVI G. V. 372— 385. Toa, ein Juͤngling auf jener Erd' in der Ruhſtatt Gottes, Wo die Suͤnde nicht iſt, und der Tod nicht, ſchau⸗ te dem Cherub, Der ihn traurend verließ, mit Erſtaunen nach. Doch es wurde Bald ſein Erſtaunen zu Schrecken. Er hatte wider den Schoͤpfer, Und den Mittler Klage geklagt, mit der Klage be⸗ gonnen, Mit der Empoͤrung geendet: Daß denen Leiden des Todes Bliebe, die doch aus dem Grabe zur ſeligen Ewig⸗ keit kaͤmen! Und er ſchaute beſtuͤrzt umher, und erblickt' in dem Thale Choͤre Feirender, welche, mit junger Bluͤthe ge⸗ kraͤnzet, In den maͤchtigen Stroͤmen der himmliſchen Har⸗ monieen Fortgeriſſen, von lieblichen Reihn der Wonne be⸗ fluͤgelt, Gottes Pfad in dem Labyrinth der Beſeligung ſan⸗ gen. Und er wallet hinab von ſeinen Thraͤnen zu re⸗ den! Aber er ſtand bald ſtill. Ihm winkt' ein anderer Engel; Sechzehnter Geſang. 31 XVI. G. V. 386— 399. Und er mußte folgen. Verwundernd fuͤhlt er ſich ſchweben. Ach nicht lang', und er ſah in weiter Fern ſein Geburtsland Hinter ſich leuchten; er ſah's, wie andere Sterne der Schoͤpfung; Sah es, ach wie erſtaunt' er! bei einer Sonne ver⸗ ſchwinden! T. Engel des Herrn, wo fuͤhrſt du mich hin? Der Engel des Herrn ſchwieg. T. Engel des Herrn, was hab' ich beweint? Der Engel des Herrn ſchwieg. Und des Unſterblichen Feuer verloſch auf der bluͤ⸗ henden Wange. T. Engel Gottes, ach hilf mir! E. Ich kann nicht helfen. Sie flogen, Wie auf Fluͤgeln des Sturms; und lange verſtumm⸗ ten beide. T. Wer gebot dir, mich wegzufuͤhren? E. Der Richter. Sie ſahen Jetzo die Erde, zwar ferne, doch ſchon noch lockere Graͤber. T. Ach das ſind die Huͤgel der Todten! E. Das ſind der Ausſaat Staͤten. T. Und jener viel hoͤhere dort mit den blutigen Kreuzen Bei den Huͤtten? E. Iſt Golgatha! T. Golga⸗ tha? Seraph ich ſehe 34 Der Meſſias. XVI. G. V. 428— 442. Sie ſich bewegen, doch blieb, auch bewegt, ſie ſtets in der Oede! Wehe! vor ihr war jeder Schauplatz neuer Erkenntniß Weggeſunken; ſie hatte nur Voriges, und ſich ſelbſt! war Freundelos, ohn Einen Laut Antwort auf die bange Frage: Wann ſein Gericht der Richter endigen werde? Nur, daß ihr aus den alten zuweilen Gedanken entſtanden, Welche, doch dieſes wußte ſie nicht, die ihren nicht waren. Zu der Schaar der Todten ward der ſtolzeſten einer Unter den Menſchen gefuͤhrt. Der aufgeſchwollne Verbrecher Hatte ſeinem Volk die heiligen Rechte der Freiheit, Sie mit Schlangenentwuͤrfen, und Klaun des Loͤ⸗ wen entriſſen. Da verraucht war das Blut der Unterjochung, und ganz nun Ueber die Feſſelbeladnen ihr Haupt die Herrſchſucht aufhub, Schwelgt' er, und ziſchete Spott den verſtummten; . kaum waren ſie Menſchen: Er ein Gott! Bald kroch der Wurm zu der Leiche des Gottes. Sechzehnter Geſang. 35 XVI. G. V. 443— 457. Als, dem Richter ſchon nah, ihr Fuͤhrer, ein himm⸗ liſcher Juͤngling: Folge! noch Einmal der Seele gebot, und ſie von des Todes Schrecken nun ganz ſich ermannete, hielt ſie im Schweben. Der Seraph Sah's, und ein wenig Feuer, wie uns der Sirius 3 funkelt, Schimmerte ihm von der Wange. Noch ſaͤumte der Todte. Da wandte Sich der Juͤngling, und mit der leiſen Bewegung der Urkraft, Wie in dem Himmel ſie Gott anſchuf, beruͤhrte des Engels Wehen, indem er ſich wandte, den Todten. Da folgt' er, als riſſen Stuͤrme dahin, als wirbelten ihn Orkane, wie Meerſchaum. Und er war, zu beginnen ein Hohngelaͤchter, in Arbeit; Aber es wurde Geheul. So ſtuͤrzte der fuͤhrende Seraph Ihn vor des Richtenden Fuß in den Staub. Der Goͤttliche ſagte: Seele, wer biſt du? Da hub der Todte ſich: Biſt — du der Goͤtter Einer des Himmels; ſo wiſſe, daß ich von den Erdegoͤttern Einer bin! und daß dem Gotte kein Gott gehorchet! C 2 36 Der Meſſias. XVI. G. V. 458— 471. Chriſtus ſah umher in der Schaar, die um ihn herumſtand; Samed wars, den der Wink des Verſoͤhners erkohr. So gebot er: Richt' ihn, Samed. Da ging in Sameds Ange⸗ 16652 ſicht Freude, Wie ein Morgen des Fruͤhlinges, auf. Schon wußte des Knaben Seele, wie kuͤhn der bitten duͤrfe, den, uͤber die 8 Todten Auszuſprechen Entſcheidung, der Gottverſoͤhner er⸗ waͤhlte. Und er ſank, und betet', und ward erhoͤret. Da wandt' er Sich zu dem Todten, und ſprach: Des Abgrunds niedrigſten Sklaven Sollſt du dienen, Empoͤrer! wer tief an die unter⸗ ſten Stufen Deines Thrones ſich ſtuͤrzte, von dort wegſchlich, und mit Wuth trat Auf den Nacken der Unterjochten, der leidenden Guten, Dieſem! Sein zweifelnder Wink ſchon ſoll den Fuß dir befluͤgeln! Dich anklagen der Saͤumniß die wahnſinntrunkene Fodrung! Und der gerichtete fuͤhlt auf Einmal ſich ſchwerer, und ſank, ſo Sechzehnter Geſang⸗ 37⁷ XVI. G. V. 472— 485. Ueberlaſtet, hinab, wo der Selaven Wink auf ihn harrte. Zoar hatte, vereint in langer daurender Freundſchaft Bunde, mit Seba gelebt. Und jetzt ward ihnen was ſelten Freunden ward. Sie ſtarben zugleich! mit ſichrer Erwartung Jener Herrlichkeit, Seba; indem er ſich ſelber die Krone, Als dem Wuͤrdigen, gab: mit Reu und Befuͤrch⸗ tung und Demuth, Zoar. Anders ſinket, und ſteigt des Richtenden Wagſchal, Als des Menſchen. Da ſie zum Gericht ein Un— ſterblicher fuͤhrte, Sprachen ſie unter einander: S. O Loos des himmliſchen Lebens! Ach wie iſt uns ſo lieblich das Loos des himmli⸗ ſchen Lebens, Zoar, gefallen! 3. Auch hier vereint uns beide die Freundſchaft, Ewig iſt nun, o Seba, ihr Bund! Der Unſterb⸗ liche hoͤrt' es, Schwieg. Sie ſtanden vor Tabors Gericht. Dem Unſterblichen fagten's Winke des Richters. Er fuͤhrte. Nicht lang', und es kam aus den Fernen 38 Der Meſſias. XVI. G. V. 486— 50o. Einer Oed' ein Engel des Todes. Er wandelte langſam, Aber gerad' auf ſie zu. Des ſchrecklichen Unbekannten Richtung und Gang ſchien, wuͤnſchte man ihm zu entfliehn, unentfliehbar. Noch war zwiſchen den dreien, und zwiſchen dem Todesengel Weite, wie Meere. Doch Zoar, als er die Eile des Seraphs Sah, des Geleiters, der ſie aus jener ernſten Ver⸗ ſammlung Hatte gefuͤhrt, weg ſie gefuͤhret von dem Antlitz des Einen, Welcher vor allen ihm ſchien ein Hocherhabener, Zoar, Als er des Todesengels Heruͤberſchauen erblickte, Ueberſtroͤmt' es, wie Schrecken. Er ſaͤumte. Der Todesengel Stand vor ihnen, und hielt die hohe Flamme gen Himmel: Du biſt angenommen! und du verworfen! Er wandte Sich mit dem Donnerworte zu Seba. Als dieſer zu hoͤren Wieder vermocht', erſcholl das zweite Wort des Verderbers: Scheidet! S. O Himmel, und Erd', und alles, was heilig iſt, Menſchen, Sechzehnter Geſang. 39 XVI. G. V. 501— 515.„ Engel, und all' ihr Weſen der ewigen Dauer! ver⸗ worfen? Scheiden? Verworfen! haſt du, haſt, Donnerer, ſcheidet! gerufen; Macht der Maͤchte, wer biſt du? Z. Ach Seba, Seba! Geliebter! Auserkohrner! vor allen mir auserkohren, ſo lange Theuer mir, ſo lange mein Freund! S. Mein Zoar!.. Auf ewig, Donnerer eines Gerichts, das meinem Forſchen zu hoch iſt? T. Ob auf ewig? frageſt du mich.(Indeß war des Fuͤhrers Glanz in Daͤmmrung erloſchen.) O frage mich nicht! den Seraph, Der euch fuͤhrte, den frag', er kommt von dem Richter des Himmels Und der Erde! S. War der, der ſo vor den Che⸗ rubim allen Strahlte, der Richter der Welt? und hat er dieſe Verwerfung, Dieſe Scheidung geboten? Unſterblicher, welcher uns fuͤhrte, Meinen Zoar, und mich, du Engel Gottes: Auf ewig? In noch truͤbere Daͤmmrung gehuͤllt, antwortet der Fuͤhrer: Er hat alles geboten. Gehorch, und ſcheide! S. Geboten 40 Der Neſſias. XVI. G. V. 516— 529. Er, der auf mich nicht niederſchaute? Der Anderer Schickſal Zwar entſchied, doch auf mich mit einem Blicke nicht ſchaute? Zoar ſprach: Er blickte auf dich; es daͤuchte mir, ernſtvoll 2 Blickt' er auf dic. S. Du zeugeſt wider mich, du Geliebter? Weh mir! in dieſer Stunde des Grauns? und an dieſem Abgrund? Z. Ach ich zeuge nicht wider dich! Du weißt ja, ich konnte Nie die Wahrheit verheelen. Umarme deinen ge⸗ treuen! 3 Seba, ich zeuge nicht wider dich! Der Engel des Todes Hatte ſich weggewendet, und niedergeſenkt zu der Erde Seine Flamme, gemildert ihr Drohn. Denn Zoar umarmte Seba; denn Zoar weint', und Seba blutige Thraͤ⸗ nen. Aber der Sonderung Stunde war da, die ſchreckli⸗ che, bittre, Stumme Stunde war da; der Verderber mußte die Flamme Wieder erheben, wieder mit ihrem Schrecken ſie waffnen. Sechzehnter Geſang. 41 XVI. G. V. 530— 544. Ach er flammt', und er ſchaut' herunter, und ruft', und Entſetzen War die eiſerne Stimme des rufenden. Scheidet! Sie ſchieden. Cerda, ein kenntnißbegieriger Juͤngling, lag auf dem letzten Lager, und war mit dem doppelten Segen, des vollen Bewußtſeyns, Und der Todesgewißheit geſegnet. Heiß vor Erwartung Deſſen, das kommen werde! genoß er ſo maͤchtiger Freuden, Daß er mit Druͤcken, und Kuͤſſen, und heftigem Schuͤtteln der Haͤnde Seden empfing, der ihm nahte, den Freund, und den Feind. Da er todt war, Durfte ſein Engel, bevor er ihn brachte zum rich⸗ tenden Mittler, Ihn in die Tiefe, die Hoͤh', in die Freie der Him⸗ mel ihn fuͤhren. O des Todes! der Gottesgabe! Nun ſchwebet' er, kreist' er, Schauert' er in den Weiten des Unermeßlichen, ſahe Gottes Geſtirn', und hoͤrt', in der Naͤh', in der Ferne, ſie wandeln; Selber die Gottesgeſtirn' in der Straße des Lichts, und auf ihnen Ihre Bewohner, die Namen nicht nennen, Zahlen nicht zaͤhlen! 4³ Der Neſſias. XVI. G. V. 545— 559. Schaarenheer' umringten ihn jetzo, welche der Schoͤpfung Feſt begingen. Nun hielt er es laͤnger nicht aus, ſank nieder, Auf ein roͤthlich Gewoͤlk am Waſſerfalle. Wie ſchlummernd Lag er, erblaßte zu Schimmer; ihm daͤucht's, er ſtuͤrbe noch Einmal! Schaaren wurden herzugefuͤhrt; in dem dich⸗ ten Gewimmel Rief's: O des rollenden Donners Gott, der weit den Olympus Aus der ſchwarzen Wolk' erſchuͤttert, wir brachten dir Farren, Sie mit Blumen der Thale geſchmuͤckt! wir brach⸗ ten dir Widder, Sie mit Laube! Was thaten wir Sterblichen? Zuͤrne nicht, Vater Aller Goͤtter! ihr Goͤtter um ihn, ach zuͤrnet auch ihr nicht! Du mit der furchtbaren Urne; du haſt ſie verſenkt, ſie verborgen Irgendwo dort in der Nacht, laß, Minos, nicht fallen, nicht fallen Deine wuͤthenden Looſe! verbirg auf ewig die Urne! Brama! wir haben uns ja.. Laß, Minos, die Looſe nicht fallen! Brama, gefeſſelt, verwundet, gedorrt an der Son⸗ ne! verſchmachtet Sechzehnter Geſang. 43 XVI. G. V. 560— 573. Sind wir, Brama, vor dir! Ha Gott der Haine, du zuͤrneſt, Wodan, doch nicht? Alvater, doch nicht? Dir floß ja, dir floß ja, Krieger! der Juͤnglinge Blut in der Schlacht. Ge⸗ feſſelt, verwundet, Brama, gedorrt! Wir ſind der Feigen Tod nicht geſtorben! Sind in der Schlacht.. Verbirg, o Minos, die Urne, zerſchmettre Sie; laß wehen hinab in das Chaos die wuͤthenden Looſe! Sind in der Schlacht an tiefen, an brennenden Wunden geſtorben! Sind.Mit kraͤnzenden Blumen geſchmuͤckt, und die Widder mit Laube! Hebe die Rechte nicht, ſammle nicht, Zeus, die er⸗ ſchuͤtternden Wolken! Zeus Kronion, erbarme dich unſer! laß ſchlummern die Donner! Sind fuͤr Freie, fuͤr Freund und Braut in Blute geſtorben! Ruften die Seelenſchaaren, und wurden mit Gnade gerichtet. Jeſus wandte ſich, ſprach: Komm, Engel der Erde. Eloa Folgte. Schon that vor ihnen der Schoͤpfung Weite ſich auf; laut 44 Der Meſſias. XVI. G. V. 574— 583. Scholl's in dem Unermeßlichen. Lichtglanz ſtroͤm⸗ ten die Sterne Aus den Meeren, und von den Gebirgen. Die Pole der Himmel Schauerten ſanft. Nur leiſe beruͤhrete ſie in dem ſchnellen Gang der Allmaͤchtige. Da den Verſoͤhner kommen er hoͤrte, Sahe, da ſchwebt' in der Wonn' hinaus in die Oede, da eilte Abdiel wieder zur Pforte der Hoͤlle, ruft' es dem andern Huͤter, eroͤffnete wankenden Ungeſtuͤms, daß die Riegel Klangen hinab, und die Angeln ins ewige Grab. Die Verworfnen, Sahn, wie in Flammen, den Seraph, und hoͤrten es ſtets noch, als rollte, Schmettert' ein Donnerwagen auf tauſend Naͤdern herunter. Jeſus trat in das offene Thor der Hoͤlle. Die Huͤter Waren nieder vor ihm auf ihre Stufen geſunken; Und ſie erhoben ſich, ſahn anbetend dem Richter der Welt nach, Sahen, wie er herunterſtieg in die Tiefe der Tiefen, Und wie die Satane weit umher zu Felſen erſtarrten! Sechzehnter Geſang. 45⁵ XVI. G. V. 589— 602. Stuͤrmenden Fluges, ihm ſtroͤmet zuruͤck ſein Schim⸗ mer, des Schwertes Flamme zuruͤck, ereilt den Meſſias der Todes⸗ engel Erſter. Ihn hatte zur Hoͤlle geſandt der Vater. Er ſollte 4 Jenes Gericht, das er ſehen wuͤrde, den Himmeln erzaͤhlen. Jeſus ging nach dem Throne des Abgrunds zu, der erhoͤhter Auf den ſteigenden Tempel des Haſſers Gottes und Satans Schreckliche Schatten warf. In des kommenden Mittlers Geberde War, in dem Antlitz des Ueberwinders, mit goͤtt⸗ licher Ruhe Ueberſtrahlt,(Urkraͤfte begannen durch ſie!) war Allmacht. Unter des Wandelnden Fuß ward Eden; hinter ihm wurde Eden wieder zur Hoͤlle. Der Furchtbare ſtand auf des todten Meeres Geſtade, ſchwieg. Fliehen wollten die Sa⸗ tane, fliehn war Ihnen verſagt! ha ſterben! kein Tod erbarmte ſich ihrer! Neben dem Mittler ſtand, mit weitumſchauendem Auge, 46 Der Meſſias. XVI. G. V. 603— 616. Heißer Erwartung voll, Eloa. Gedanken der Engel Denken nicht ſchneller; ſo ſtuͤrzt' auf Einmal der Thron des Abgrunds Truͤmmer hin! Dampf, Flammen entſtiegen der liegenden Truͤmmer, Schoſſen, wallten empor, und weit umher in Ge⸗ henna Krachten tauſendmal tauſend der Wiederhalle! Der Tempel Stuͤrzet', und keine Truͤmmer war des geweſenen Zeugin. Du Eloa, wurdeſt gewahr in dem Antlitz des Mittlers Ein Hinſchaun, daß du nieder bei ihm mit dem vollen Gefuͤhl ſankſt Deiner Endlichkeit. Dumpf bruͤllt' auf der Satane Rufen, Dumpf ſcholl's her mit der Woge des Meers zu dem hohen Geſtade: Ha! was bin ich geworden? was du gewor⸗ den? und dennoch Leb' ich! Wehe mir, lebe! Lebſt du auch? Ha was ſaͤumet Denn ſein Donner noch? Wird laͤnger nicht ſaͤu⸗ men! nicht ſaͤumen! Niedergeſchleudert, daß mit die Hoͤlle vergeht, daß die Laſten Sechzehnter Geſang. 3 7 XVI. G. V. 617— 630. Ihrer Gebirge, wird bald.. S. Ha rufet es, bruͤllt es mir zu: Wer, O wer ſeyd ihr geworden? Ich lieg', hier lieg ich, Satan Zittert' es, ſtammelt' es, lieg' an dieſer Verwuͤ⸗ ſtung, und ſtarre Weit hinunter geſtreckt? Wo der Tempel der gol⸗ denen Tafel Hatte geſtanden, auf dieſer geebneten Oede Gefilden Lag Adramelech, und rief, daß der andern Stim⸗ mengetoͤſe Niederſank: Hier lieg' ich, du Weh des Wehes! Gericht du, Dem ſelbſt ſie verſtummen die Donner Gottes! hier ſtarr' ich, Taſt' ich die Hoͤll', ein Todtengeripn! Da der En⸗ gel der Erde Ihre furchtbare Taͤuſchung vernahm, mit der ſie ſich taͤuſchten, Bebt' er zuruͤck. Die verworfenen Seelen mit ih⸗ nen die Seele Philo's, Iſchariots Seele mit ihnen waren, wie Wolken Aus den Fernen, heruͤber zum todten Meere gezogen. Jetzo ſahn ſie den Richter nicht mehr: ſahn uͤber dem offnen 48 Der Meſſias⸗ XVI. G. V. 631— 645. Schreckengefild weit ausgebreitet Todtengerippe, Engelgebein! und von ihnen umringt in ſeiner Ge⸗ ſtalt ſtehn Abbadona; allein auch er erblickte Gerippe! Taͤuſchung hatte ſich uͤber die ganze Hoͤlle verbreitet; Nur der eignen Verwandlung entſetzliche hatte der Seelen, Und des Engels geſchont. Der feurige leuchtende Klumpen Stand in der Mittagsglut hoch uͤber dem Meere des Todes, Erſt entſtellter, als ſonſt, von ſchwarzen Beulen ddes Urſtoffs Aufgeſchwollen; allein die oͤffneten ſich, und er⸗ goſſen Lichteren Brand, aus jedem der furchtbaren Rachen ein Glutmeer. Weißer ward das Schreckengefild bis hin, wo kein Auge Mehr von einander vermochte die Grabgeſtalten zu ſondern. Aber auch da, wo die Seelen ſie unterſchieden er⸗ kannten Sie doch keinen, als nur an ſeiner Stimme Ge⸗ bruͤlle. Denn, wie ſonſt die Stimmen herauf mit dem Ocean brausten, Wie Sechzehnter Geſang⸗ 49 XVI. G. V. 66— 659. Wie von dem Felſen herab ſie ſchmetterten, ſchol⸗ len ſie jetzt auch,. Jetzt nur dumpfer vor Qual, vor Wuth, vor Ent⸗ ſetzen gebrochner! Satan richtete ſich zuerſt ganz auf, und al⸗ lein ſtand, Hoch ſtand Satan unter den Todten, ſchlug, daß es furchtbar Wiederhallt' aus den Truͤmmern des Throns, mit der Hand an den Schaͤdel, Rufte, der Klippe, die lang' aus den Wolken ſchwindelnd heruͤber Hing, das Entſetzen des fliehenden Wanderers, und dem Damm gleich, Der in dem wiedertoͤnenden Walde den Strom noch zuruͤckzwang, Welche zugleich jetzt ſtuͤrzen: ſo brach ſein wuͤthen⸗ der Schmerz aus: Ja, ich weiß, was es iſt, daß dieſe Geſtalt euch belaſtet! Daß ihr Ihn, an dem Kreuz, bei den Schaͤdeln, toͤdtetet, wuͤrgtet, Mordetet! Ihn in das Grab eingrubt! das iſts, ihr verruchten! Das, ihr Geripp! ihr Graͤul, wovon die Verwez ſung, des Nagens Muͤd', aufſtand! ha ihr Ungeheuer, welche der Donner Klopſt. Meſſias IV. B. D ite Aufl. 50 Der Neſſias. XVI. G. V. 660— 673. Gottes zerſtreu'’! und des Abgrunds Beben wieder vereine! Wieder zuſammenwerfe der Sturm, und das Meer in Empoͤrung Gegen den fliegenden Sturm, wenn es ſeine Stroͤ⸗ me dahergeußt! Ruft' es, und ſchwankt', und lag, und ſtroͤmte ſich Flammen ins Antlitz. Belielel klagete ſo in der Jammeroͤde: Habt ihr die Blumen geſehn, die vor ihm, ach Eden des Himmels, Dich erblickt' ich! vor ihm aufſproßten, hinter ihm ſchleunig Welkten, dorrten, vergingen? Wir dorren ewig, vergehn nicht! Ach vergehn nicht! Er riefs, und wuͤnſchte, daß unter ihm neue Tiefen ſich oͤffneten, ihn in ihren Graͤbern zu bergen. Endlich raffte ſich auch Adramelech auf, ein Entſetzen Aller Stolzen. Denn ſchnell entſank ihm die Kraft, und er ſtuͤrzte Nieder, daß laut das Gebein ihm hallt', und dun⸗ kel die Aſche, Dickgewoͤlkt von dem fallenden ſtieg! Lang lag er Geripp da, Sechzehnter Geſang. 41 XVI. G. V. 674— 687. Als von der Taͤuſchung geneſen die Hoͤlle war. Moloch ſtrebte Aufzuſtehen. Er ſaß, geſtuͤtzt auf die dorrende Rechte, Sprach zu Magog: Mir ſchwanken von Wirbelwind die Gebeine! Und mir heult der Orkan in dem Schaͤdel! aber ich will es! Aufſtehn will ich! Es lieg Adramelech! Er thut's, ſteht, faſſet Magog, und reißet ihn auf! Nun ſtanden ſie, gingen ſie, Magog 3 Rief: Den ſchrecklichen Leib, wenn es anders ein Leib iſt, wir wollen Ihn uns, einer dem andern, zerſtoͤren! Zermalm das Gebein mir! Ich zermalme dir deins! Das Uebrige, wenn wir nun ſinken, Werden die Donnerſtuͤrme zerſtreun! Sie faßten einander, Wollten zermalmen! allein wie in Felſen Orions gebrochen War ihr Gebein! ſie ſtuͤrzten von thuͤrmenden Ber⸗ gen ſich nieder! Aber, als waͤr's in den Kluͤften der ſieben Sterne gehaͤrtet, War der hingeſtuͤrzten Gebein! Sie mußten im Abgrund 3 D 2 52 Der Meſſias. XVI. G. V. 688— 699. Liegen bleiben, wie ſie von der Hoͤh ſich hatten ge⸗ ſtuͤrzet, Liegen geſtreckt, unbeweglich, und ſtumm! Un⸗ nennbares Grauſen, Gleich aus wolkenbeladnem Gebirg' herſchaͤumenden Waſſern, Ueberſtroͤmete, ſo wie er lag in dem weißen Gefilde, Gog, und drang ihm hinab in des Geiſtes geſun⸗ kenſten Abgrund. Sieh, er kruͤmmte ſich, wand vergebens ſich, nun noch zu leugnen⸗ Daß Gott ſey! er bruͤllet' es, heulet' es; rang nach Vernichtung, Winſelke, raßte nach ihr, griff aus mit der Ster⸗ benden bangem Furchtbaren Greifen nach ihr, und war! So fuͤhlte, wer der ſey, Der auf Golgatha ſtarb, die unterſte Hoͤlle. So warnte Neues Gericht ſie mit ſchrecklicher Warnung: Nicht aufzuhaͤufen Auf Empoͤrung Empoͤrung dem letzten Gericht des Verſoͤhners. Der— Meſlias. Siebzehnter Geſang. Inhalt des ſiebzehnten Geſangs. Der Meſſias erſcheint Thomas. Er ſteigt mit Gabriel hinunter zu den Geiſtern derer, die in der Suͤndfluth umgekommen waren, und entſcheidet ihr Schickſal. Viele Auferſtandne erſcheinen, bei dem Grabe des Er⸗ loͤſers, vielen Frommen auf Einmal. Lazarus ladet Freunde, und Pilger, die zum Feſte gekommen waren, zu einem Mahl in ſeinen Garten ein. untex den Pil⸗ gern ſind Auferſtandne. Einige davon erſcheinen. Er⸗ ſcheinungen ſehn: Zwei, die nicht genennt werden; und Sebida, ein Zweifler. Lazarus redet von den Lei⸗ den des Verſoͤhners, und geht hierauf zu dem Grabe Maria's, deren Seele dort iſt. Erſcheinungen ſehen ferner: Eneus; Bethoron, der reiche Juͤngling, der Chriſtus nicht nachfolgen wollte; und Berſebon, der dankbare Ausſaͤtzige. Siebzehnter Geſang. XVII. G. V. 1— 10. Duuns hatte ſich lang von ſeinen Bruͤdern ge⸗ ſondert, Jetzo kehrt' er zuruͤck, und kam zu der Huͤtt' an dem Tempel. Aber er ſaͤumet', und ging nicht hinein, und wan⸗ delt’, am Eingang Unter den Palmen. Er ging jetzt, lehnte ſich jetzt 1 an der Palmen Eine. Bald hoͤrt' er ſie ſingen. Da kam er, und blieb an der Pforte Stehn. Sie ſangen ein Lied der Auferſtehung, der neuen Lieder eins, wie am Throne die Seelen der Maͤr⸗ tyrer ſingen. Jeſus Chriſtus erſtand! Er wird die Seinen erwecken! Seine Kindlein werden im Schooß der Erde nicht ewig Liegen, entſtellt von der Hand der Verweſung: Die Stimme des Segens 56 Der Meſſias. XVII. G. V. 11— 25. Wird ertoͤnen, vor ihr verſtummen des Fluches letzter Laut! Erzengel werden ſich freun, und leuchtender ſtrahlen Von den ſuͤßen Entzuͤckungen uͤber die Todten, die leben! uasch daß jetzo nicht mehr das Grab iſt, nicht mehr die Verweſung Herrſcht, noch in Gruͤften zerſtoͤrt der hohen Seele Genoß liegt! Wehet, Winde, vom Morgen, und bringt den Staub der Zerſtoͤrung: Bringt der Zerſtoͤrung Staub, ihr wehenden Win⸗ de, vom Abend! Brauſe, Sturm der Mitternacht, und bringe die Truͤmmern! Jeſus Chriſtus erſtand! Er wird die Seinen erwecken! Seine Kindlein werden im Schooß der Erde nicht ewig Liegen, entſtellt von der Hand der Verweſung. Wie Traͤumenden wird es Dann uns ſeyn, wenn wir wiederkehren ins Leben . der Engel. Wehet, Winde, vom Morgen, daß wir in das Le⸗ ben der Engel Wiederkehren! O ſaͤusle die Todten Gottes her⸗ uͤber, Mittagswind, zu dem neugeſchaffenen Paradieſe. Siebzehnter Geſang. 57 XVII. G. V. 26— 39. Sieh, an der Pforte des ewigen Edens ſchrecket des Cherubs Schweigen nie, droht nie die hohe Flamme des Schwertes! Denn wir halten das Mahl mit dem Sohn, in der Lebensbaͤume Kuͤhle, das Mahl, in dem Saͤuſeln um uns der Gegenwart Gottes! Denn erſtanden iſt er, der bis zu dem Tode die Seinen Liebte, bis zu dem Tod' am Kreuz! So hatte ſie Thomas. Preiſen gehoͤrt, und war auf die Schwelle geſun⸗ ken. Er deckte Mit der Huͤlle ſein Antlitz! Ihm floß die Thraͤne, wie Blut dem Fließt, der am Leben verzweifelnd im Kampfgefilde geſtreckt liegt, Und, ihr Gefaͤhrt, den Siegsruf hoͤrt der Strei⸗ ter fuͤr Freiheit. Noch vermocht' er nicht aufzuſtehn In das muͤde Gebein drang Stroͤmender Duft ihm der Mitternacht. Er fuͤhlt' ihn nicht, weinte, Weinete laut, mit der Wehmuth Schauer auf Wehmuthsſchauer, Daß ihm die ganze Seele zerfloß. Er riß ſich mit Eil' auf Der Meſſias. XVII. G. V. 40— 53. Ging zu den Bruͤdern hinein. Nun ſahen ſie end⸗ lich wieder Thomas, ihren Bruder, und kamen mit ihrer Wonne Lebenswort ihm entgegen. Er hoͤrt's, und lange verſtummt' er. Aber es kehrete bald in die Seel' ihm wieder des Leidens Furchtbare Kaͤlte, ſenket' auf ihn den laſtenden, ſtarken Eiſernen Arm; und er rufte: Seh' ich ihm in den Haͤnden Nicht die Mahle der Naͤgel, und leg' ich in dieſe Mahle Meine Finger ihm nicht, und nicht in des Leben⸗ den Seite Meine Hand; ſo glaub' ich es nicht! Der hoͤren⸗ den Wange Gluͤhete, wurde bleich. Schon rauſchten der Che⸗ rubim Fluͤgel Unter der Huͤtte Palmen, ſchon traͤufelt' ihr Auge von Wonne! Schon erbarmete ſich des Gottverſoͤhners Erbar⸗ mung! Und der Göttliche ſtand vor ſeinen Juͤngern. So ſchoͤpfen Chriſten, welche des Todes Graun erlagen, ent⸗ ſchlafen Siebzehnter Geſang. 59 XVII. G. V. 54— 67. Nun, aus den Stroͤmen des Lichts; ſo ſtuͤrzete vor den Erſtandnen Thomas ſich nieder. Der Goͤttliche ſprach zu den Zeugen mit ſeiner Herzlichkeit: Friede ſey mit euch! Dann ſagt' er zu Thomas: Lege mir deine Finger hierher; ſieh meine Haͤnde. Lege mir in die Seite die Hand, und ſey unglaͤu⸗ big Nicht, ſey glaͤubig. Der bebende Zeuge des Auf⸗ erſtandnen Rufte: Mein Herr! und mein Gott! Da ſprach der ewige Mittler: Siehe, du ſahſt, und glaubeteſt. Der iſt ſelig, der nicht ſieht, Aber dennoch glaubt! Und jetzt war ſeiner Gemei⸗ nen Herr und Gott vor dem Auge der erſten Zeugen verſchwunden. Thomas betet' ihm nach, ſtand auf, und ging zu den Juͤngern, Und zu den anderen Bruͤdern umher, und bat um Erlaſſung Seiner Schuld. Die liebenden hatten lang' ihm vergeben. Und der ſelige ſprach von dem Maͤrtyrertode! dem Kleinod' 60 Der Meſſiasr XVII. G. B. 63— 31. An der Laufbahn Ziel! Sie ſprachen mit ihm von des Blutes Zeugniß! der Krone der Ueberwinder am Ziele der Laufbahn! Aber itzt ward ihr Himmelsgeſpraͤch, wie von ſel⸗ ber, zum Liede. Seyd in der Zukunft Ferne gegruͤßt, Gemei⸗ nen des Mittlers! Seyd, o Bruͤder, geſegnet mit ſeines Todes, mit ſeiner Auferſtehung Segen, o die ihr im Leben der Pruͤ⸗ fung Ihn nicht ſeht, erſt jenſeit der Graͤber den Goͤtt⸗ lichen ſehet; Aber dennoch glaubt! Gluͤckſelige, wandelt des Himmels Wandel, und legt hier Eine Gemeine zum Tod' euch nieder, Und zu dem Schaun; legt Eine dort euch nieder zum Tode, Und zu dem Schaun, Es werden einſt euer einige wandeln, Ach in ſchrecklichen Zeiten, den Wandel zum Tod' und dem Schauen! Kaͤmpft, er kraͤftiget euch, kaͤmpft daurenden Kampf! Uns, Bruͤder, Hoͤhnten, und toͤdteten ſie! euch hoͤhnen ſie nur, und dennoch Siebzehnter Geſang⸗ 61 XVII. G. V. 82— 95. Kuͤrzt der eure Zeiten, wie er die unſrigen kuͤrzte, Der, fuͤr uns, und fuͤr euch von dem Anbeginne geopfert, Bis an das Ende der Welt bei denen wird ſeyn, die er liebet! Seraphim waren, ſeit Chriſtus Geburt, hin⸗ ab zu den Geiſtern In dem Gefaͤngniß geſtiegen, den Seelen derer, die damals, Da der Waſſer Gericht der Erde nahte, nicht glaub⸗ ten; Waren gekommen, und hatten den Geiſtern viel von des Mittlers Heile verkuͤndet; es hatte geweiſſagt Gabriel: Hoͤret, Geiſter, Bewohner vor dem der juͤngeren Erde des Menſchen Sohn wird ſelber zu euch, eh' er zu dem Himmel zuruͤckkehrt, Nieder in euer Gefaͤngniß, in ſeiner Herrlichkeit, ſteigen. Wenn, in der weiten Fern des Himmels, Gethſe⸗ mane bebet, Und ihm die Palmen wanken, alsdann wird der Goͤttliche kommen! Unter den Geiſterſchaaren der untergehenden Erde 6²2 Der Meſſias. XVII. G. V. 96— 109. Hatte, ſeit Chriſtus Geburt, der Unſterblichen Both⸗ ſchaft Gedanken 3 Tauſendfacher Geſtalt hervorgebracht, und ver⸗ nichtet, 1 Wandlung auf Wandlung, bis ſie zuletzt Gewiß⸗ heit erblickten! Etliche nur, denn unzaͤhlige wallten umher in der Irre, Aber ohne des Heiles Verluſt, wenn das Herz nicht verfuͤhrte. Neuer Anblick des Kuͤnftigen; Licht voll Daͤmm⸗ rung; geglaubtes Licht, und dennoch Nacht; Verlangen, heiß, wie getrennte Seelen allein es zu haben vermoͤgen; Wuͤnſche, gen Himmel Jetzt auf Fluͤgeln erhoben, itzt niedergeſtuͤrzt von dem Himmel; Hoffnung, ach Hoffnung! Zweifel, nicht nur, ob dereinſt Genuß ſie Endigen werde? Zweifel auch an der rechten Er⸗ kenntniß Deß, was die Engel von dem verkuͤndeten, welcher ein Menſch ſey, Und ein Verſoͤhner Gottes; Empoͤrung von neuem ſich ſtraubend Wider das Schickſal, oder die Vorſicht; Wehmuth, daß ſelber Siebzehnter Geſang. 63 XVII. G. V. 110— 124. Dieſe Rettung ſie nicht erretten wuͤrde! vergraͤmte, Bittere Wehmuth; Stolz, vor den Wiedergerufnen, der Erſten Pfad zu betreten, vor ihnen, die hellſte Palme zu tragen! Wuth, kein Erbe zu haben im Reich der Freien, kein Erbe Dort, wo die Nacht nicht mehr und die Ungewiß⸗ heit umwoͤlke! Dieß, dieß alles umgab, durchdrang die lange be— ſtraften, Lange gepruͤften Geiſter der untergehenden Erde. Und ſie hatten empor aus ihrer Tiefe zu Schaa⸗ ren Spaͤher geſandt, die hinuͤberſchaun nach Gethſema⸗ ne ſollten, Und den Palmen umher, und kommen dann, und verkuͤnden: Siehe, Gethſemane bebt! und es wanken des Ster⸗ nes Gefaͤhrten! Einige Todte ruften von Kluͤften zu Kluͤften: Die Zeit naht! Und: Die Zeit naht! ſchollen die Wiederhalle des Abgrunds. Haufen ſonderten ſich, und ſchoͤpften voll aus dem truͤben Feuerſtrome die Schalen, und hielten ſie hoch, und ſuchten 64 Der Meſſias. XVII. G. V. 125— 138. Pfade ſich, fehlten, und fanden den Ausgang; kehreten wieder, Ruften, noch bebe der Stern nicht! Die anderen Haufen entdeckten Nun den Ausgang auch, und kamen nicht wieder. Da ſtroͤmt' es, Hoch die Flamme, den Haufen in Schaaren nach. So empoͤrt ſich, Heben ſich Stuͤrme, das Meer; erſt rauſchen Wel⸗ len, wie Huͤgel, Aber nicht lang', und es brauſen Wogen, wie Berg', ans Geſtade. Etliche kehrten zuruͤck. Denn immer wallten die Sterne Ihres Weges noch fort. Doch weit hinab an dem Strome Standen, die Flamme zu ſchoͤpfen bereit, unzaͤhl⸗ bare Todte, Daß ſie eilten, und ſchauten, wenn nun der Ver⸗ heißne des Engels Kaͤme, wenn nun die Erſcheinung des lebenden Todten erſchiene! Jeſus ſprach zu Gabriel: Eile voran. Und der Seraph Schwebte nicht lang, ſo trat er, wie ſie noch nie— mals ihn ſahen, Ganz mit Herrlichkeit uͤberkleidet, mit Strahlen des Urlichts, In Siebzehnter Geſang. 65 XVII. G. V. 139— 152. In des Gefaͤngniſſes Thor. Da wurde Gethſemane ſtaͤrker, Nun noch ſtaͤrker erſchuͤttert, ſo ſehr, daß die war⸗ tenden Haufen Endlich ſahn, wie der Stern mit wankendem Pol' aus der Bahn wich. Schaaren eilten hinab, zu verkuͤndigen, ſahn den Seraph Kaum, der vor ihnen in der Herrlichkeit ſtand. Der Verſoͤhner Kam, und Tag ging auf vor dem Goͤttiichen, leuch⸗ tet' hinunter In des Gefaͤngniſſes tiefes Gekluͤft, auf die Fel⸗ ſenhaͤnge Voller truͤber Quellen, hinab in die fernſten Ge⸗ 1 woͤlbe Unter den Felſenhaͤngen, wo etliche Todte mit dumpfen, Jetzo ſchnellem Geklirr diamantne Ketten bewegten. Erſt erſchuͤtterte Staunen, alsdann entflammtes Verlangen, Endlich enthuͤllt ihr Schickſal zu ſehn! die Ver⸗ ſammlung der Todten; Nur enthuͤllt! ſo duͤrſteten einige, was vor ein 1 neues Schickſal auch hinter der Nacht, die jetzt ſie um⸗ gaͤbe, ſich haͤtte Klopſt. Meſſias IV. B. E ute Aufl. 66 Der Meſſias. XVII. G. V. 153— 166. Aus den Tiefen erhoben des unerforſchlichen Rich⸗ ters. Gabriel blies die Poſaune: Wir haben von ſeiner Geburt an Euch den Verſoͤhner verkuͤndet. Er forſchet Alles, er weiß es, Wie ihr, ſeitdem bis jetzo, von Gott, und von Ihm gedacht habt! Nicht, wie ihr nun, da ihr Ihn in ſeiner Herr⸗ lichkeit ſehet; Aber wie ihr, zu der Zeit der Verkuͤndigung, dach⸗ tet und wuͤnſchtet, Wird euch der Allgerechte, und Allbarmherzige rich⸗ ten. Feierlich kamen die Engel, die einſt des Verſoͤhnen⸗ den Bothen An die Geiſter waren, herab, und ſie ſtanden vor Chriſtus. Heller vom Tage, der war vor dem Goͤttlichen auf⸗ gegangen, Standen die Cherubim da, das Entſetzen vieler, und vieler Wonnanblick. In furchtbarer Schoͤne begannen die Engel Aufzuſteigen, zu ſchweben, ſo weit die Gefilde der Tiefe Sich ausbreiteten unter den Todten, und nieder⸗ zuſchauen. Siebzehnter Geſang. 67 XVII. G. V. 167— 180. Nahe war die Entſcheidung herzugekommen; und Grauen Vor dem erſchuͤtternden Donnerſchlage befiel die Verſammlung. Stiller ward die Stille; bald aber erſcholls in den weiten Trauergefilden hier aus Einem Gedraͤng', und aus Einem Dort von Rufen, von ſchnellem, gebrochenen, fle⸗ henden Rufen Um Erloͤſung! Der Allbarmherzige, Allgerechte Hoͤrte, mit dieſem Rufen, was ſonſt kein Unſterb⸗ licher hoͤrte, Selbſt der Seelen leiſes Gebet, die mit Demuth von Ferne Standen. Da ſihcehien hinab der Bothſchaft En⸗ gel, und gingen Unter den Schaaren umher, und ſonderten! Stun⸗ de der Wonne, Und der Thraͤnen, der Wonne war mehr! wo toͤ⸗ net die Harfe, Welche von dir zu ſingen vermag? O ruͤhrt' ich ſie; ſaͤnge Sie von den Thraͤnen auch: und, waͤr' ich gelehrt durch den Engel, Der ſie mir haͤtte gebracht, auch von dem kuͤnfti⸗ gen Heile E 2 68 Der Meſſias. XVII. G. V. 181— 194. Derer, die weinten, viel mehr, als weinten, belaz ſtet von Elend, Wider die Vorſicht murrten, und ach erblos in dem Lichtreich, Wie ſie waͤhneten, ewig nun, und von der Ver⸗ zweiflung Strom ergriffen, und Strudel gedreht und Sturm, ſich empoͤrten! Jetzo war die Sondrung vollbracht. Die Schaaren der Freien Steigen verklaͤrt' aus der Tief' empor, und folgen den Engeln, Die ſie fuͤhren. Die fuͤhrenden ſind, zu der wei— ten Wallfahrt Durch die Welten umher, mit hellen Guͤrteln, als haͤtte Sie die Morgenroͤthe gewebt, beguͤrtet, und tra⸗ gen Goldene Staͤbe, mit denen ſie oft, wie ſehr auch der Reiſe Durch die Welten die Pilger ſich freuen, gen Him⸗ mel weiſen.. Als die letzte Schaar der Freien die Tiefe verließ, kam Schnelle Daͤmmerung, ging noch ſchneller unter der erſte Ihrer Tage. Gehuͤllt in daurendes Dunkel, wie vormals, * Siebzehnter Geſang. 69 XVII. G. V. 195— 20)7. Blieb, drei Erdewendungen lang, die Verſammlung der Geiſter Sprachlos ſtehn; an der vierten erhoben ſich etliche, gingen Hin zu dem Feuerſtrom, und ſchoͤpften mit wan⸗ kender Schale Wenig Schimmers, umher in den Kluͤften ihrer Genoſſen Staͤte zu ſuchen. Sie fanden der Staͤten viele ver⸗ laſſen, Wendeten aus der Oede ſich weg; und klagten des Jammers Voll den Genoſſen, der Bruder dem Bruder, dem Freunde der Freund nach. Auf der Erde ſchon ſind Freuden, in denen des Grabes Erbe die kuͤnftige Wonne vorausempfindet; ach fruͤhe Bluͤthen, welken ſie ſchnell: doch bluͤhete alſo des Lebens Baum in Eden. Nephthoa befiel, nach einem der frohſten Seiner Gebete, ſuͤßer Schlummer. So traͤuft auf des Lenzes Erſtlingsblume der Thau. Bald hoͤrt' in Traum er die Stimme: 70 Der Meſſias. XVII. G. V. 208— 221. Schlummerſt du noch, und geheſt nicht hin, zu er⸗ zaͤhlen den Frommen, Daß dir ein Bothe Chriſtus erſchien? in Strahlen⸗ gewande Einer, den Gott dir ſandte, der Heimath einer des Himmels? Und er eilt nach Golgatha's Grabe. Die Seinen, ſo denkt er, Weilen gewiß dort oft. Sie wallen von Salem zum Grabe, Sehen's, und ſich, und wandeln zuruͤck, bald wie⸗ derzukehren. Auf dem Wege des Grabes, und in dem Garten, wo Chriſtus Todesſtaͤte war, da, neben dem Felſen verſam⸗ melt, Find' ich ſeine Treuen. Der junge, noch ſterbli⸗ che, frohe Himmelsbothe verließ mit dem werdenden Tage die Thore Salems, und ſchon betrat er den Weg, ſo nach Golgatha fuͤhrte. Ihm begegneten Juͤnger des Mittlers, die von dem Grabe Kamen. N. Verließet ihr Juͤnger im Garten der Auferſtehung? Kehret denn wieder zu uns, und bringt der ſeligen Zeugen Siebzehnter Geſang. 71 XVII. G. V. 222— 235. Mehr in der Palme Beſchattung. Ich habe der himmliſchen Bothſchaft Viel fuͤr euch, und fuͤr ſie. An des Gartens na⸗ hem Gehege Spieleten Knaben. Er ſonderte neun der freudigen Knaben; Fuͤnfe hatte mit ihm einſt unter dem Volke geſeg⸗ net Jeſus, unſer Erbarmer, der Saͤuglinge Gott und der Kinder. Und Nephthoa erkohr die andern. Ihn leitete Chri⸗ ſtus Weisheit. So leitet Engel, indem ſie ſich Erben des Himmels, Sie zu ſchuͤtzen, erwaͤhlen, die Weisheit Chriſtus. Die Knaben Kamen zum offenen Grabe, beſchauten die furchba⸗ re Tiefe, Und die Felſenlaſt, die weggewaͤlzt vor ihr da⸗ lag. Freudig ſchauerten ſie, doch auch mit Schrecken, in⸗ dem ſie Ueber ſich der alternden Baͤume Wipfel erblick⸗ ten. Und ſie irrten umher in dem Schatten des dichte⸗ ren Laubes, Und des helleren, welches der weiße Lenz mit dem Brautſchmuck 72 Der Meſſias. XVII. G. V. 236— 249. Seiner Bluͤthen durchwebte. Sie fanden gegen des Grabes Eingang uͤber im Glanz des lieblichen Morgens, auf weichem Jungen Graſe, beſtroͤmt von dem Duft der Bluͤ⸗ thengeruͤche, Heilige Gottes, und ſie in ſanfte heitere Ruhe Ausgegoſſen, und ſie mit der Freudenthraͤn' in dem Blicke, Eine ſelige Schaar, der Auferſtehung des Mitt⸗ lers Einſt Verküͤndiger, Feirer jetzt. Sie ſahe Neph⸗ thoa Ehrfurchtsvoll; doch er war auch der goͤttlichen Bo⸗ — then Einer, und an ſie. Viel Heilige kannten den Kna⸗ ben, Kannten ſeine Geſpielen. Er ſaͤumt zu reden; doch alle Sehen's an ihm, daß Stimmen des Heils auf den Lippen ihm ſchweben. Aber er ſaͤumte nicht lang; denn ſchon begann zu dem Grabe Jeder begegnende Haufen mit neuen Haufen zu kommen. Da erſcholl, von Benoni's Erſcheinung! die Stim⸗ me Nephthoa's, Siebzehnter Geſang. 73 XVII. G. V. 250— 263. Wie er ihm lockte ſein goldenes Haar, wie Benoni von Chriſtus Sprach, der auferweckte vom auferſtandnen Vollen⸗ der! und die neuen Freuden ergriffen die hoͤrenden, brachten Sie noch naͤher dem Himmel. In dieſer ſuͤßen Be⸗ geiſtrung, Dieſer Vorempfindung der ewigen Wonn' an dem Throne, Stroͤmte das Herz der Heiligen aus, und ſie ſan⸗ gen dem Sieger, Der zertrat! Ihm blutete nun nicht mehr von der Schlange Wuth die Ferſe. So wie der Geſang in Stroͤmen dahinfloß, Tanzten die Knaben den heiligen Reihn zu dem Siegesgeſange. Siehe, der Himmelsbogen erhob, nach furchtbaren Wettern, Sich in der Wolke! Der Bund iſt ewig, der Auf⸗ erſtehung Bund iſt ewig! So wie der Geſang in Stroͤmen dahinfloß, Tanzten die Knaben den heiligen Reihn zu dem Siegesgeſange. Und die Muͤtter bekraͤnzten mit Fruͤhlingslaube die Knaben. 74 Der Meſſias. XVII. G. V. 264.— 277. Siehe, die Thraͤnen alle, ſie wurden alle getrock⸗ net, Da das geopferte Lamm verſoöhnet hatte, nicht Tod mehr War der Tod! So wie der Geſang ſich in Stroͤ⸗ men dahingoß, Wandten die Knaben im heiligen Reihn nach Gol⸗ gatha's Höoh ſich. Und die Muͤtter brachten den Knaben Sproſſe der Palme. Ach der Lebende ſprach mit ſeiner Stimme: Ma— ria! Und ſie lag zu den Fuͤßen des Gottverſoͤhners, und rufte, Rufte: Rabbuni! So wie der Geſang ſich in Stroͤmen dahingoß, Tanzten die Knaben den heiligen Reihn zu dem Siegesgeſange. Rief: Mein Herr! und mein Gott! Er hatte die Mahle geſehen Seiner Wunden! hatte die Hand in des Auſerſtand⸗ nen Seite gelegt! So wie der Geſang in Stroͤmen da⸗ hinfloß, Tanzten die Knaben den heiligen Reihn zu dem Siegesgeſange. Ach auch wir erwachen dereinſt von dem Tod', es erwachen Siebzehnter Geſang. 7⁵ XVII. G. V. 278— 291. Alle, bis hin zu dem Ende der Erde, die liegen und ſchlafen, Todte Gottes! So wie der Geſang in Stroͤmen dahinfloß Tanzten die Knaben den heiligen Reihn um eines der Graͤber, Warfen die Kraͤnze darauf, und tanzten zum Sie⸗ gesgeſange. Schleunig laſſen ſie ſinken die Palmen. Denn, auf des Felſen Hoͤhe, des Grabes, das leer nun war, erſchienen Erſtandne; Und der Siegesgeſang verſtummet. Drei der Er⸗ wachten Standen in ihrer Herrlichkeit da; und es ſchwebte, wie Wolken, Bei den Erſcheinenden. Jetzo trat aus dem Sil⸗ bergewoͤlke Asnath langſam hervor, und ward zu Glanze. De⸗ bora Hub ihr Antlitz, und hub die gefalteten Haͤnde gen Himmel, Aus der Wolke, bis endlich auch ſie, ganz Schim⸗ mer, daſtand. Aber Jedidoth ſchwebte daher, als kaͤm' er aus je⸗ ner Fern, wo nieder des Himmels Gewoͤlbe ſich ſenkt; doch auf Einmal Der Meſſias. XVII. G. B. 292— 305. Stand er neben Debora. Und Iſak begleiteten En⸗ gel, Und bewunderten ihn, den ſchoͤnſten der Auferſtand⸗ nen. Rahel weht die goldene Locke, da ſie aus dem weißen Dufte Benjamin fuͤhrt, mit einer Liebe, daß alle Muͤtter die Mutter erkannten. Da kam in der Sterblichen Seele Sanftere Freude, da fingen ſie an dem bangen Er⸗ ſtaunen Sich zu entreißen. Nicht lang', und es traf ſie neues Erſtaunen. Denn nun ſtand Jeſaias, und Abraham da, und Hiob, Strahlengeſtalten. Die Sterblichen bebten. Nun kamen des Mittlers Taͤufer, und Seth, und Abel; kam mit Gabriel Adam, Blitze Gottes! Die Sterblichen ſanken. Der Fels wankt' ihnen, Und das Gefild' umher. Doch die Seele der Sterb⸗ lichen wurde Wieder entlaſtet. Denn Eva kam mit milderer Schoͤne, Trat einher, und fuͤhrte, wie ſie der erfriſchenden Mondnacht Siebzehnter Geſang⸗ 77 XVII. G. V. 306— 319. Schimmer umgab, und des Himmels Blaͤue, den Juͤngling Benoni. Da erhuben die Zeugen ſich wieder, und ſahen des Himmels Erben mit Seelenerquickung, mit unausſprechlicher Wonne, Fuͤhlten es ganz, wie ſelig ſie waren! Schnellen Entſchluſſes, Naͤherte ſich Nephthoo dem Fels. Er hatte die Palme Wieder genommen; er hielt ſie gegen Benoni, und ſagte: Ach dich kenn' ich, allein die hohen Strahlengeſtal⸗ ten, Deine Gefaͤhrten, kenn' ich nicht. Geſendete Got⸗ tes! Siehe, der euch, mit dieſem Glanz, der Herrlich⸗ keit Lichte, Segnete, ſegnet' auch mich. Zwar bin ich noch Erd', und es muß noch Dieſer Leib mir verweſen; allein ich bete wie ihr den, Der verſoͤhnet hat, an! Auch waret ihr vormals, wie ich bin, Sterblich, und truget die Laſt des gefuͤrchteten To⸗ des, bis nieder Euch des kommenden ſtuͤrzte. Vergoͤnnt, vollendete Fromme, 78 Der Meſſias. XVII. G. V. 320— 333. Mir, den Chriſtus ſegnete, daß ich dem furchtba⸗ ren Felſen Naͤher trete, noch naͤher ſchau der Himmliſchen Antlitz! Eva wendete ſich zu Adam: Der freudigen Ahn⸗ dung, 3 Adam! nicht lange, ſo bricht die Blume der Tod! und ſie ſtand ſchon Bei dem Knaben, und fuͤhret' ihn hin zu Benoni. Doch jetzo, Da er mitten im Kreiſe der Himmliſchen war, und ihr Laͤcheln Seinem erhobenen Blicke begegnete, zitterten Schauer Durch des kuͤhnen Knaben Gebein. Ihm huͤllte Debora Sich in Daͤmmrung, und ſprach mit ihm: Du hoͤrteſt die Zeugen Chriſtus ſingen; ſing uns ihr Lied. Da begann er mit leiſer Stimme der Zeugen Lied, und der Seligen Harfen beſeelten's: Siehe, der Himmelsbogen erhob, nach furchtbaren Wettern, Sich in der Wolke. Der Bund iſt ewig, der Auf⸗ erſtehung Bund iſt ewig! So wie ſein Geſang, beſeelt von den Harfen, Siebzehnter Geſang. 79 XVII. G. V. 334— 347. Hinfloß, ſchwang er den Palmenzweig, und wies auf des Herrn Grab. Siehe, die Thraͤnen alle, ſie wurden alle getrock⸗ net, Da das geopferte Lamm verſoͤhnet hatte, nicht Tod mehr War der Tod! Was ſaͤumet ihr, ſprach in ſanf— terem Lichte Asnath, dem Knaben der Pſalme den Kranz von dem Grabe zu bringen? Magdale Mirjam kam, und bekraͤnzte den Knaben der Pſalme. Ach der Lebende ſprach mit ſeiner Stimme: Ma⸗ ria! Und ſie lag zu den Fuͤßen des Gottverſoͤhners, und rufte, Rufte: Rabbuni! So wie ſein Geſang, beſeelt von den Harfen, Toͤnete, traͤufelten ihm von dem hellen Auge die Thraͤnen. Rief: Mein Herr! und mein Gott! Er hatte die Mahle geſehen Seiner Wunden! hatte die Hand in des Auferſtand⸗ nen Seite gelegt! Da ſo ſein Geſang, von den Har⸗ fen beſeelet, Stroͤmete, hielt ſich nicht mehr die wonnevolle Ver⸗ ſammlung 80 Der Meſſias. XVII. G. V. 348— 360. Bei dem Felfen; ſie ſtiegen hinauf zu den Seligen Gottes! Und ſie traten hinein in den ſtrahlenden Kreis, und begannen: Ach auch wir erwachen dereinſt von dem Tod'! es erwachen Alle, bis hin zu dem Ende der Erde, die liegen und ſchlafen, Todte Gottes! So wie ihr Geſang den Flug des Triumphs flog, Hoben die Harfen den Schwung, wie am Thron, zu dem Wonnegeſange. Jetzo ward Ein Chor die Verſammlung der ſterbli⸗ chen Chriſten Und der vollendeten. Alle ſangen dem Sohn, mit der Stimme Lauten Jauchzens, die Himmliſchen; leiſen Stam⸗ melns, die Menſchen: Preiß, und Ehre dem Ueberwinder! dem Loͤ⸗ wen aus Juda! Und dem Lamm auf Sion! der hohen Aehre von Jeſſe! Aber am Golgatha lag ſie geſenkt; hub ſchnell an des Blutes Huͤgel wieder ſich auf, die erſte der Erndte! Den Voͤlkern Allen Siebzehnter Geſang; 81 XVII. G. V. 361— 374. Allen ſchattet ſie einſt, und das Labſal des goͤttli⸗ chen Schattens 4 Wird in Ewigkeit laben! Da ruften die Schnit⸗ ter nicht, ſanken Aus der Cherubim Hand die Poſaunen, da Jeſus Chriſtus, Preiß, und Ehre dem Ueberwinder! da Jeſus Chri⸗ ſtus Auferſtand! Die Stimme der Seligen Gottes ver⸗ lor ſich In der Entzuͤckung; ihr Glanz erloſch. Die Tod⸗ ten verſchwanden. Lazarus Huͤtte lag, und Martha's in ſchatti⸗ gen Gaͤrten Die ein luftiger Bach durchfloß, und mit einem der Gaͤnge Leiſe zum Grabe Mirjams kam. Aus eben dem Grabe Hatte den Bruder herauf der Todtenerwecker gerufen; Aber die himmliſche Schweſter ſchlief den eiſernen Schlaf fort, Jetzo ohne Klage der Nachgelaßnen; denn Jeſus War erſtanden! zu ihm die himmliſche gluͤckliche Mirjam Hingegangen. Aufs Grab der hingegangenen ſtreute Klopſt. Meſſias IV. B. F te Aufl. 8²2 Der Meſſias. XVII. G. V. 375— 388. Martha, mit jeder kommenden Sonne, des naͤh⸗ 4 renden Baches Hellſte Blumen, wie ſie, von der Zaͤhre der ſuͤßen Hoffnung, Troffen, der Hoffnung des Wiederſehens, wenn ſie bei der Schweſter Bald nun laͤg', und ſchliefe den eiſernen Schlaf in der Erde, Blind den Blumen, und taub dem ſanften Falle des Baches; Aber die Seele bei Mirjams Seele. Sie kam von dem Grabmahl Eben zuruͤck, als Lazarus ihr begegnet, und ſagte: Martha, ich ſendet, und lud der Bruͤder ein, der Verſoͤhnten, Auch der Pilger vom ſiebenarmigen Strom', und den Inſeln Griechenlandes, zum Mahl in dem Schatten und Weſte, zum Liede Unſerer lieben Saͤnger im Buſch, und der Harfe Geſange. Mattha eilet’, und war geſchaͤftig das Mahl zu bereiten. Lazarus ging, und ſtreuete Blumen, und thaut' in der Lauben Kies aus dem kuͤhlenden Quell, und bog die Zwei⸗ ge, des Schattens Siebzehnter Geſang. 83 XVII. G. V. 389— 402. Mehr zu geben, und mehr dem Sonnenſtrahle. zu wehren. uUnd ob er wohl, bei dem frohen Geſchaͤft die Lau⸗ ben zu ſchmuͤcken Und zu kuͤhlen, am Grabe der himmliſchen Schwe⸗ ſter vorbei kam, Troff ihm die Thraͤne doch nicht der Todeserinnrung. Ich ſehe Bald ſie wieder! und brach der Blumen ſelbſt auf dem Grabe. An dem Bache hatten ſich ſchon, mit der Harf und der Gidith, Seiner Jugend Geſpielen um eine Palme gelagert, Mit der Aſoor, der Cymbale, dem Horn, und je⸗ ner Poſaune, Die den Donner nicht hallt, und von hellem Tone nur zittert, Sie empfanden voraus der Lieder Freude, die, kaͤme Nun der Abendſtern, und der ſilberne Mond mit dem Sterne, Von der Palme ſich ſollten umher in die Lauben ergießen. Jetzo war nach und nach der Geladnen Verſamm⸗ lung gekommen; Und ſie ſaßen umher in den luftigen Lauben, und fuͤhlten F 2 84 Der Meſſias. XVII. G. V. 403— 416. Freude, die nun nicht mehr voll Ungeſtuͤmes die 3 Seele Ueberwaͤltigte, die, gleich leiſen Baͤchen, das Innre Ihres Lebens durchwallte. Was hatten ſie nicht von des Mittlers Zeugen gehoͤrt, was ſelber geſehn; was durften zu hoͤren Sie nicht noch, und zu ſehn erwarten, die Soͤhne des Bundes, Ach des neuen, welcher auf ſie mit Herrlichkeit ſtrahlte, Der, geſtiftet durch Tod, durch Auferſtehung ge⸗ ſtiftet, Ihnen zum froͤhligen Tage das Leben, und heite⸗ ren Abend Machte,(wenige nur ſahn, truͤbe den Blick, in die Zukunft,) Und zum ſuͤßen Schlummer den Tod! Kein Zwei⸗ fel bewoͤlkte Ihre Seelen, nicht jene Belaſtung der Ungewiß⸗ heit, Die in der Truͤbſal Stunde, ſo gar auf Fromme — ſich ſtuͤrzet, Druͤckte ſie nieder; ſie waren beinah ſchon uͤber dem Grabe, Neideswerth, wenn dem Bruder ein Chriſt es koͤnnte beneiden, Siebzehnter Geſang⸗ 8⁵ XVII. G. V. 417— 429. Daß von dem Allbarmherzigen ihm der Begnadi⸗ gung mehr ward. Silberfarben wallte der Mond, der Stern, ſein Gefaͤhrt, ſtand, Funkelt' am weißlichen Himmel. Die frohe Ver⸗ ſammlung zerſtreute Sich aus den Lauben umher, und genoß des kuͤh⸗ lenden Abends. Von Geſpraͤch zu Geſpraͤch kam Dimnot, ein Pilger aus Samos, Endlich dahin, daß er ſagte zu dem, mit dem er der neuen Freundſchaft erſtes Gefuͤhl, die Luſt der Edleren, theilte: Ach du meynſt noch, der Tod vernichte! Muß denn das Saatkorn Nicht aufſchwellen, bevor zum lebenden Keim' es ſich hebet? Muß die Wolke zu Nacht nicht werden, eh ſie in den ſchnellen, Zuͤckenden Blitz, in den Rufer Gottes, den Don⸗ ner, ſich wandelt? Soll die hohe Seele denn ſtets in dem ſterblichen Leibe Wohnen, des Daſeyns erſte Bahn auf immer be⸗ treten? 86 Der NMeſſias. XVII. G. V. 430— 443. Dieß nur ſagt' er, und handelte ſchnell. Mit Strahlen umgeben, Stand er vor ſeinem Freund' auf Einmal da, und erweckt' ihn, Maͤchtig erſchuͤtternd, vom aͤngſtlichen Traum der geglaubten Vernichtung. Von Geſpraͤch zu Geſpraͤch kam Kerdith, ein Pilger vom Nilus, Endlich dahin, daß er ſagte zu dem, mit dem er der neuen Freundſchaft erſtes Gefuͤhl, die Luſt der Edleren, theilte: Gluͤcklicher! der es nicht weiß, wie ſehr er es iſt, dich ergreift noch Stets der Gedanken, es ſey auf dieſer Erde des Elends Mehr, wie der Freude! Bald wird ſich der Schmerz des truͤben Gedankens Lindern, viel mehr als lindern, wird dich auf im⸗ mer verlaſſen. Gluͤcklicher, der es nicht weiß, wie ſehr er es iſt, und wie ſehr ſich Das ihm nahet, was ihn ſchon in dem Leben am Grabe Ueber das Grab wird erhoͤhn, des Todes furchtba⸗ ren Abruf Ihm in Himmelsgeſang, das Bild der nahen Ver⸗ weſung Siebzehnter Geſang. 87 XVII. G. V. 444— 457. Ihm wird wandeln in trunknes Gefuͤhl, in Ahn⸗ dung verklaͤrter Zukunft voll, es entkeime dereinſt dem geſunknen Gebeine Auferſtehung! mir iſt, mein Bruder, durch den, der uns alle Schuf, uns alle verſoͤhgte, ſchon Auferſtehung ge⸗ worden! Ach er riefs, mit dem Tone der innigſten Wonne, dem Freunde, Stammelt's ihm zu, und ſtrahlte die Morgenroͤthe des Urlichts Auf den erſtaunenden, ſaͤumt', und ſaͤumte ſein leuchtendes Antlitz Wegzuwenden; blieb vor ihm lang' in der Schoͤn⸗ heit der Engel Stehen, that dem bebenden, that dem verſtummen⸗ den froher Eilender Fragen viel, wich ſeitwaͤrts, wie Daͤmm⸗ rung, da dieſer Hinzuſinken begann in die Blumen um ihn; doch enthuͤllt' er Wieder ſein Licht, und kam zu dem hingeſunkenen wieder Endlich ſahe den nicht verſchwundnen, vom Schre⸗ cken der Freude Uebernachtet, ſein Freund nicht mehr. Sie fanden mit bleicher 8³ Der Meſſias. XVII. G. V. 458— 471. Wang'ihn liegen, und huben ihn auf, und reich⸗ . ten ihm Labſal. Finſter und ſcharf war Sebida's Blick. Er ſaß auf dem Moosſtein, Und ihm gluͤhte von Denken die Stirn: Ich, der Gewißheit Lang' entſagt hat in Dingen des kuͤnftigen Schick⸗ ſals, dem Zweifel, Wie er das Herz auch belaſtet, ſich lange ſchon un⸗ terworfen, Ich ſoll glauben, der Pilger etliche, die ich vor Kurzem Hier noch ſahe, Sterbliche ſah, die ſeyn Er⸗ ſtandne? Die erſcheinen? und ſoll nicht glauben, der ſehen⸗ den Seele Werd', indem ſie Gedanken von Auferſtehung ent⸗ flammen, Durch Vorſtellung getaͤuſcht, der Wirklichkeit man- gelt? Erſcheint denn, Todte, dem forſchenden Unterſucher, der Weſen vom Bilde Sondert, erſcheinet, Todte, die leben! Denn Wirk⸗ lichkeit kenn' ich, Leben auch! Ich ſchau' um mich her, und ich flehe vergebens! Japhet, ein Pilger aus Tenedos, kam heran zu dem Zweifler, Siebzehnter Geſang,. 89 XVII. G. V. 472— 485. Stand, von der Helle des unbewoͤlkten Mondes umgeben, Nahe vor ihm, und ſprach mit ihm, von der dop⸗ pelten Taͤuſchung Bald der gewaͤhnten Gewißheit, und bald des er⸗ gruͤbelten Zweifels, Alles, nachdem der Geiſt zu der Ueberzeugung ſich neige, Oder wider ſie ſich ſtraͤube. Der Weiſere koͤhre Dinge ſich aus, und Beſchaffenheiten der Dinge, die ſichtbar Vor ihm laͤgen, und die er zu uͤberſehen ver⸗ moͤchte: Boͤten aber ſich ihm, aus weiteren Kreiſen der Kenntniß, Andere dar; ſo erforſchet' er ſie, wie die aus den engern, Saͤhe, wie ſonſt, verdrehte, bei Ueberſchauung des Hoͤhern, Nicht den Blick, und taͤuſchte ſich nicht durch er⸗ gruͤbelte Zweifel. Ernſtvoll ſagt' es der Pilger, und kalt; und auf Einmal verſchwand er. Iſt verſchwunden, verſchwunden! und nicht er⸗ ſchienen! Allein er Iſt ja erſchienen, nur nicht in ſeiner Herrlichkeit. Sehen 90 Der Meſſias. XVII. G. V. 486— 499. Soll ich, wie ſonſt. Ich ſehe wie ſonſt. Er iſt mir verſchwunden; Iſt mir alſo erſchienen. Wer ſendet' ihn? Kam — er von ſelber? Oder ſendet' ihn Gott? Iſt er auch von ſelber gekommen; O ſo iſt er immer doch einer, dem es bekannt war, Daß ich Belehrung bedurfte, und der mich maͤchtig belehrt hat. Waͤr' er nun gar ein Bothe von Gott! So ent⸗ rann ich dem Meer denn Dieſer Zweifel, worin ich verſank! Entronnen, entronnen Bin ich! ich bin durch einen Sturm ans Geſtade gerettet, Steh', und ſchaue freudig hinab, und hoͤre die Woge Tod herrauſchen, und fuͤrchte nicht mehr die wuͤ⸗ thende Woge! Aber ihm ward der Gnade noch mehr. Der ver⸗ ſchwundene Todte Kam in ſeiner Herrlichkeit wieder. Er ſah in dem Schatten Einer Palme den ſtrahlenden Sebida kommen, dar⸗ auf ihn Naͤher ſchweben, zuletzt in dem Glanze gemilderten Lichtes Siebzehnter Geſang. 91 XVII. G. V. 500— 512. Gegen ihn uͤber, als wollt' er daſelbſt der Ruhe genießen, Nieder auf einen Fels ſich ſetzen. Frei, wie der Heitre Luͤfte, geloͤſt von den Banden allen der Zweifel, von allen Ihren Buͤrden entlaſtet, befragte jetzt die Erſchei⸗ nung Sebida, hoͤrte von ihr die ſuͤße Stimme der Ant⸗ wort Ueber vieles von dieſem, und jenem Leben, und beider Nahem Verhalt, und wie Gott es Alles mit Herr⸗ lichkeit ende! Endlich rief er: Wer aber biſt du, Erſcheinung vom Himmel? Ja, Erſcheinung vom hohen Himmel, doch auch aus dem Grabe! Ich bin Joſeph. Dir lebt dein alter Vater noch. Eile, 4 Und erzaͤhl' es ihm, daß der redliche Greis auf des Sohnes Wangen fuͤhle die Freudenthraͤne des Sohns, und ihn ſegne! Unterdeß ſtand der Verſoͤhner auf Tabors Hoͤ⸗ hen, und legte 92 Der Meſſias. XVII. G. V. 513— 525. Richtend That, Abſicht auf die Wagſchal, wog! auch ſah er, Welche Seligkeit denen ward, die bei Lazarus weil⸗ ten. 4 Lazarus redte mit Ernſt, und unwiderſtehli⸗ cher Anmuth, Von den Lehren des Mittlers, wie er jetzt tiefere Weisheit, Nahrung ſie, und Leben des Menſchen, enthuͤllet mit Einfalt, Jetzo von fern nur haͤtte gezeigt des Sterblichen Auge. Sind hinuͤber, ſo ſagt er, die kenntnißbegierigen Wandrer Ueber das Grab gegangen; ſo wird die Ferne zu Naͤhe, Und ſie lernen zugleich, warum dieß nicht fruͤher geſchahe. 3 Viele Fragende ſtanden um Lazarus her, und Ant⸗ wort Hatt' er ſchon vielen gegeben. Itzt ſagt er einem der Pilger, 4 Der ein Unſterblicher war, kein Pilger mehr auf der Erde: Unſers Mittlers Erniedrigung?:: Iſt fuͤr den ſchaͤrfſten der Blicke Siebzehnter Geſang⸗ 93 XVII. G. V. 526— 539. Abgrund, wo am unmerklichſten ſich die groͤßten der Thaten Zeigen. Denn dort, wo ſie ſind, ſinkt am tiefſten die Tiefe. Laſſet uns menſchlich reden von goͤttlichen Dingen; denn anders Koͤnnen wir nicht. Ein Menſch, der edler iſt, han⸗ delt; verkennet Wird er, iſt voller Gefuͤhl, empfindet es, daß er verkannt wird, Leidet! Was iſt er? Ein irrender ſterblicher Menſch der ein wenig Beſſer iſt, als die andern; und dennoch weinet er, haͤlt er Bittere Thraͤnen zuruͤck, die gerecht ihm ſcheinen. Und Chriſtus Unſer Mittler? Wir ſtehn an der Tiefe! Ver⸗ . gleicht; vergleichet Aber auch nicht: ſonſt muß ich ſchweigen. Der Mittler iſt Gottes Sohn! iſt Gott! Hier ſchwindet zu nichts das Bild vor dem Urbild. Und er handelt, Auch hier wird es Schatten. Ver⸗ kennet? In Allem Ganz verkannt! Und die Thraͤnen, die der Erhabne zuruͤckhielt? Waͤren gerechtere jemals geweinet worden? Doch alles, 9½ Der Meſſias. XVII. G. V. 540— 553. Was der Menſch, durch ſich ſelbſt, ſich erklaͤrt, iſt fern von dem Leiden, Das der Heilige litt! iſt fern vom Gefuͤhle, mit welchem Er es litt! Verkannt nur in Allem ganz? Voll ſtaͤrkren Tiefren Gefuͤhls, wie ein Menſch empfunden, em⸗ pfunden ein Engel, Wurd' er gehoͤhnt mit der Hoͤlle Hohn! wurd' un⸗ 1 ter lautem Schlangengeziſch in Purpur gehuͤllt! ein Rohr ihm gegeben In die Rechte zum Zepter! aus Dornen dann um . die Schlaͤfe Eine Kron' ihm gewunden! Er ward gefuͤhrt zu der Schaͤdel Hoͤhe, geheftet ans Kreuz! Nach Labſal ruft' er, mit Galle Wurd' er gelabt! an dem Kreuz mit langſamen Tode getoͤdtet! 7 Lazarus endete ſo, und ging aus der Laube. Zuletzt war Er allein zu der frommen Maria gekommen. Und er ſetzete ſich auf die Ruheſtaͤte der todten, Senkt' in frohen Gedanken, und wehmutsvollen ſein Haupt: Da, Siebzehnter Geſang. 95 XVII G. V. 554— 567. Ach da reift ſie der Auferſtehung! Vom todten Meſſias Hoͤrteſt du nur, da du ſtarbeſt, und nicht vom er⸗ ſtandnen; allein du Weißt es alles, und biſt, mich taͤuſchten ja Engel, waͤr's anders, Biſt bei ihm! Noch ſegn' ich dir nach, du ſchlum⸗ mernde Gottes! Doch die Unſterbliche war bei ihrem Grabe. M. Was haͤtt' ich Ihm zu erzaͤhlen; koͤnnt' ich mich, wie die Erſtand⸗ nen des Mittlers Sich den Zeugen entdecken, ihm auch entdecken! Allein er„ Wird ia vielleicht, wie es ſchon ſein Semida ward, wie es Cidli Wurde, verklaͤrt! L. O Abend, den Gott mich erleben in dieſem Zweiten Leben laͤßt, gluͤckſeliger Abend, wie ma⸗ chen Dich mir feſtlich die Pilger des Herrn! Wie wuͤr⸗ de Maria, Lebte ſie, deiner ſich freun! wie forſchen, wer wirk⸗ lich ein Pilger? Wer ein Unſterblicher ſey, ſchon einer der Heimath des Himmels? M. Koͤnnt' ich dir nur erſcheinen; ich wollte, du theurer, ſie alle 96 Der Meſſias. XVII. G. V. 568— 580. Dir entdecken, wer in dem Staube noch wallet, und wer nur Erdebewohner euch ſcheint. Die Unſterblichen, La⸗ zarus, haben Eine Hoheit, die ſie nicht ſtets zu verbergen ver⸗ moͤgen; Schaun bisweilen, wie Engel, auf euch! Wer Acht hat, und ſehn kann, Sieht es. Ich rede ja da, als waͤr's mit dem Bach', und dem Grabe. Lazarus hoͤret mich nicht; mich hoͤren der Bach, und das Grab nicht. Doch will ich mich, mein Bruder, der ſuͤßen Taͤu⸗ „ ſchung, als koͤnnt' ich Mit dir reden, noch uͤberlaſſen! Der Greis mit dem ſchoͤnen Bluͤthenhaar, und dem roͤthlichen Wanderſtab' an der Palme Iſt Huſai. Der Juͤngling, der dort an der Kruͤm⸗ me des Baches Ernſt das Auge gen Himmel erhebt, iſt Jethro, der Schaͤfer Midians. Siehe, ſie iſt in einen Schleier, dem Duft gleich, Eingehuͤllt, und mit Golde geguͤrtet, die ſanfte Megiddo, Jephtha's Siebzehnter Geſang. 97 XVII. G. V. 581— 593. Jephtha's Tochter. Es war der itzt ſchweigenden Blick zu des Mittlers Auferweckten noch immer gewandt. Noch immer 3 voll neuer Suͤßer Verwundrung uͤber die Welt, in welcher ſie jetzt war, Spaͤhte ſie alles darin, bis zu kaum ſichtbarer Aen⸗ derung, Mit des waͤrmſten Gefuͤhls Theilnahme. Jetzo be⸗ merkt ſie, Wie mit leiſerer Senkung die vielbeſaitete Harfe Korah an einen Oelbaum lehnt; jetzt, wie ſein Jedithun Ihm an die Harfe den Blumenkranz voll felſgerꝛn Dufts haͤngt: Nun, wie weiter hinauf an der Ulme Rahel den Epheu Windet; und nun, wie zu Rahel ſich Jemina naͤ⸗ hert, als wollte Sie ihr helfen, und doch auf Erſcheinungen ſinnt. Da bei Bethlem Einſt der Hirt Zalmona das Lied der Unſterblichen hoͤrte, Da ſie ſangen von dem, der geboren war an der Krippe! Klopſt. Meſſias IV. B. G ute Aufl. 98 Der Meſſias. XVII. G. V. 594— 607. Starb er vor Freude. Der war erſtanden. Ihn ſahe Maria Neben Bethlehems aͤlterem Hirten, dem Sohn Iſai's. Beide trugen Staͤbe der Weide, waren vom Felde Beide gekommen, und forſchten der Auferweckung der Frommen, Ihren Erſcheinungen nach, und ließen ſichs alles erzaͤhlen. Itzo wandte zu Lazarus ſich Maria von neuem: Sieh, er machet ſich auf, und will dem Juͤngling erſcheinen, Der ſo innig trauert' um dich; an dem glaͤnzenden 4 Auge Seh' ich es, Eliphas will dem gluͤcklichen Juͤngling erſcheinen! Ach wie nah, o wende nach ihm die Blicke! wie nahe Kommt er zu uns; er ſetzet ans Grab ſich neben dir nieder! 3 Aber nun ſieht ihn das Auge nicht mehr. Wie ſchnell war die Wandlung, Als er der Menſchen Geſtalt ablegte! Er will ſich gen Tabor Wieder erheben. Verweil', o Heman, bei uns und erſcheine Siebzehnter Geſang. 99 XVII. G. V 608— 620. Meinem Lazarus hier! O laß ſein frohes Erſtau⸗ nen Ueber die Himmelsgeſtalt, laß ſeine Thraͤne mich ſehen H. Ihm erſcheint der Verſoͤhner! und, wenn der Verſohner zu Gott geht, Wird dein Bruder verklaͤrt! M. Ihr Unſterblichen Gottes! verklaͤrt wird Lazarus? wallet mit uns hinauf zu den ewigen Huͤtten? Ach zu dem Erbe des Lichts? den tauſendmaltau⸗ ſend, der Schoͤpfung Erſtgebornen? zu allen den Schaaren der Mitan⸗ beter? Aber du geheſt von mir, mein Bruder. s wandte. Sich von dem Grabe Maria's, und kehrte zuruͤck zu den Lauben. Cneus ſaß allein auf kuͤhlendem Mooſe; ſo dacht' er: O ihr Gluͤcklichen, die das alles ſahen, erſcheinen Auferſtandene ſahn, ſelbſt Worte der Ueberzeu⸗ gung Von der kuͤnftigen Welt durch die Bothen Gottes vernahmen! 4 G 2 100 Der Meſſias. XVII. G. V. 621— 633. Aber gluͤcklich auch ich, dem ſie dieß alles erzaͤhl⸗ ten! Thorheit waͤr' es noch jetzt zu zweifeln, taͤuſchende, blinde Thorheit! Allein was ſoll ich thun? Dem Erobe⸗ rer ferner Dienen? dem Gott des Olympus, dem Donnerer opfern? bei Adlern Schwoͤren, das Blut unſchuldiger Unterjochter, ge⸗ rechter Menſchen Blut zu vergießen? und iſt es vergoſſen, . des Feldherrn Sto Triumph begleiten? und mit den Siegern in Rom dann Schwelgen? Das? da mir ganz andre Gedanken des Menſchen Schickſal in dieſer und jener Welt ganz anders er⸗ klaͤren! O gehabt euch allzumal wohl, ihr Triumph', und Erobrer! Und ihr Goͤtter! Ich weihe mich dem, deß Wahr⸗ heit mich lehret, Hohe, himmliſche Wahrheit, die Menſchenſchickſal dem Menſchen Aufſchleußt, Kuͤnftiges uns, und Entwicklung im Kuͤnftigen zeiget. Siebzehnter Geſang. 101 XVII. G. V. 634— 646 Gott der Goͤtter, ſey du mit mir, und leite mich ferner. Wunderbar wurd' er erhoͤrt. Er ſah die Er⸗ ſcheinung Elihu's Vor ſich ſtehn, und hoͤrte von Gottes Heile ſie re⸗ den. Undrſtaunen befiel den frommen Cneus, daß ſei⸗ ner, Selbſt mit dieſer ſo großen Erbarmung, Gott ſich erbarmte. Lange, ſie war verſchwunden, ſchon wieder hinuͤber⸗ gegangen In der Geilter Welt, die Erſcheinung, do 12 er noch lange Nach der Staͤte, wo ſie vor ihm ſtand, und hoͤrte noch immer, Was die Erſcheinung ſprach, noch immer Worte des Lebens. Innig geruͤhrt, geruͤhret in ſeiner ganzen Seele War Bethoron. Er hatte gehoͤrt, ihn liebte der Mittler Dennoch, obwohl er vordem ſich weigerte, Juͤnger zu werden; Juͤnger deſſen, der nun war auferſtanden, Erſtandne V b 102 Der Meſſias. XVII. G. V. 647— 660. Sendete ſeinen Geliebten, die ſie mit den Freuden des Himmels Ueberſchuͤtteten! Ich noch jetzo geliebt? Das koͤnnt' ich, Das, das waͤhnen? So blutet ſein Herz. In einſamer Laube Sah ihn Lazarus ſonder Troſt, und konnt' ihn nicht troͤſten. Aber Bethoron verließ die Laube, und ging in des Gartens Gaͤngen, mit Pilgern umher, in des Waͤldchens Gaͤngen, mit dieſen Unbekannten, die Sterbliche ſeyn, Unſterbliche konnten 2h um erſchienen, erſcheinen wollen, den uͤbri⸗ gen allen, Aber ihm nicht! Er ſprach mit einigen, wandte ſich wieder Weinend weg, und hoͤrte nur an, was mit andern ſie ſprachen. Jetzo ging er mit Gerſon aus Paros; der war Elihu, Hiobs Freund. Bethoron erzaͤhlt, ſo wollt' es Elihu, Von den Thaten des Herrn, da er noch in dem Leben die Lehren Gottes lehrte; beſtaͤtigte noch durch Wunder die Lehren Siehzehnter Geſang. 103 XVII. G. V. 661— 674. Gottes. Und einmal rief Elihu: O Selige, die er Sich zu Zeugen erkohr! Bethoron durchdrang es die Seele, Und er glaubt' an Gerſon zu ſehn, er waͤre kein Pilger. 3 Gerſon wendete ſich zu ſeinen Gefaͤhrten. Die Blicke! Dachte Bethoron bei ſich, und dieſe Stimme, zu⸗ weilen Voller Laute, wie ſonſt ich keine Laute noch kenne! Dieſe Worte der Kraft! der Wahrheit! Aber was ſinn' ich Ueber ihn nach, und quaͤle mein Herz? O ſey nur, du Fremdling, Sey ein Sterblicher! ſey ach kein unſterblicher! Gerſon, Kehre wieder! Er kehrt nicht wieder. Er will mir verlaßnen Nicht erſcheinen! Bethoron war unvermerkt an dem Bache, Welcher das Grab Maria's umfloß, hinuntergegan⸗ gen. Und dem einſamen kam ein anderer Fremdling ent⸗ gegen, Nahm ihm die Hand, und wurde ſein Freund. Da ergoß ſich Bethorons 104 Der Meſſias⸗ XVII. G. V. 675— 688. Traurende Seele! da ſprach er von Chriſtus Be⸗ ruf', und von ſeiner Weigerung, ſprach von allem, was ihm ſein Inn⸗ res durchdraͤnge! Ob der Mittler ihn wohl noch liebte? das nicht! ihm vergaͤbe? Und, wenn er ihm vergaͤbe.. Wer biſt du, Pil⸗ ger? Wofern du Einer der Himmliſchen biſt, ach einer der Seligen Gottes, Die des Verſoͤhners Zeugen erſcheinen; ſo(laß dich erflehen) Wende nicht weg dieß Auge voll Liebe! ſo habe du 3 Mitleid Miekmie armen! ich flehe dich nicht um himmli⸗ ſchen Lohn an; Aber um Mitleid fleh' ich dich an, ſo erbarme dich meiner, Bothe Gottes, erhabener Juͤngling! mein Freund, d du ſagteſt Mir ja ſelber, du waͤreſt mein Freund! kaum wag' ich, es endlich Auszuſprechen, warum ich dir fleh, ſo erſcheine mir, Bothe Deſſen, der auferſtand! und der mich armen zum Juͤnger Auserkohr, und dem ich nicht folgte! Jedidoth vermochte Siebzehnter Geſang⸗ 105 XVII. G. V. 689— 701. Laͤnger ſich nicht zu halten, er ſiel um den Hals ihm, und weinte Lange mit ihm, bis endlich Bethoron mitten in Strahlen Niederſank, und Himmel und Erd' um den gluͤck⸗ lichen ſchwanden. Semida kehrte mit Cidli zuruͤck von dem Heſperus. Engel Leiteten ſie zu dem Grabe der ſchlummernden Freun⸗ din, zu Mirjams Bluͤthenumduftetem Grab', und den Lauben des himmliſchen Bruders. Bald verſammelten ſich um die wiedergekommenen Wandrer 1 Auferſtandene. Singet uns, rief der gluͤcklichen einer, Neuen Geſang von der Wonne des Liebenden, und der Geliebten. Ton, wie der Laute, klang nun, und Ton, wie der Floͤte. Die Pilger Hoͤreten Hall aus der Fern', und wußten nicht, 4 was ſie vernahmen. Saͤuſeln im Laube war es doch nicht, nicht rieſelnde Quelle; Schien es gleichwohl bisweilen zu ſeyn. Sie zwei⸗ felten, riethen, 106 Der MRMeſſias. XVII. G. V. 702— 714. Zweifelten wieder, und winkten ſich zu, und gebo⸗ ten ſich Stille; Kaum erhob ſich noch mit leiſem Wallen ihr Athem. S. Cidli, wie froh biſt du! Ich ahndet' es wohl, daß die Zukunft Freuden ſtroͤmte, wie wir, verwandelt, zuerſt ſie empfanden. Schoͤn iſt die Welt! iſt ſchoͤner mir, wenn du es, Eidli, wie ich fuͤhlſt! C. Schoͤn iſt der Abendſtern, iſt ſchoͤner mir, wenn du's wie ich fuͤhlſt, Semida, ſchoͤner ſind mir alsdann die ſteigenden Tage, und die ſinkenden, ſchoͤner die unbegleiteten Sonnen. S. Sterne ſind(ich beginne ſchon es zu hoͤ⸗ ren) im Einklang; Reiner iſt die Muſik der Unſterblichen, als wir ſie kannten, Iſt erſchuͤtternder, iſt Erſchafferin der Entzuͤckung: Cidli und Semida hat Harmonie zu Wonne ver⸗ einet. C. Auch dem Heſperiden ward die Begeiſt⸗ rung der Liebe; Siebzehnter Geſang. 107 XVII. G. B. 715— 727. Aber wie Semida kann er nicht, und wie Cidli nicht lieben. S. Heſperid', es erwachen dir viel der ſeligen Tage; Aber du haſt dich noch nicht von der erſten Bil⸗ dung erhoben. Deine Seele vernimmt, durch ſieben Sinne; der unſern Thut die Schoͤpfung weiter ſich auf, durch mehr der Gehuͤlfen. Und ward deinen Sinnen die Kraft, die unſre be⸗ ſeelet? Kannſt du ſo ferne wie wir, die Blume ſehen? ſo ferne Rauſchen hoͤren den Bach, der die Wurzel traͤnket des Laubes? C. Als mit der Sterblichen Aug' ich die Blumen noch ſahe, da weint' ich Leidende noch, ich weinete mich, und die Blume, die welkte: Aber als Semida nun, zum Fruͤhlingsmorgen er⸗ 11 ſchaffen, Mich umarmte.. Sie ſchwieg. Denn an einer entblaͤtterten Palme Sahe ſie ihre Mutter, die uͤberlaſtet von Kum⸗ mer, 108 Der Meſſias. XVII. G. V. 728— 740. Niedergeſunken war. Die Tochter hielt ſich nicht, ſtrahlte Schnellerſcheinend zu ihr hinunter in ihrer gan⸗ zen Herrlichkeit! Eben ſo ſchleunig ſtarb vor Freude die Mutter⸗ Sehr gluͤckſelig wuͤrden auch mich, antwortete Semno, 3 Saͤh' ich ſie, Todtenerſcheinungen machen: allein, daß der Mittler Auferſtand, davon mich zu uͤberzeugen, bedarf ich Ihrer nicht. Ich weiß es. Ich kenne, ſprach der Erſtandne. Aber der jetzt ein Pilger nur war, die feſte Ge⸗ . wißheit Deines Geiſtes, die Stille, mit der du Dinge, bei deren Anblick uns, wie im Sturme das Meer, die Seele ſich hebet, unterſuchſt. Der Unſterbliche ſchwieg. So entſchloß . er zuletzt ſich: Nein, ich enthuͤlle mich nicht. Ihn moͤchte, wie ſtark auch ſein Geiſt iſt, Dennoch mit ihrem Himmel zu ſehr die Erſcheinung erſchuͤttern; Siebzehnter Geſang. 109 XVII. G. V. 741— 753. Und er verloͤre vielleicht, durch weniger ſeliger Stun⸗ 1 den Wonnetrunknen Genuß, die Ruhe des laͤngeren Le⸗ bens. Unterdeß ſtand der Verſoͤhner auf Tabors Hoͤ⸗ hen, und legte Richtend That, Abſicht auf die Wagſchal, wog! auch ſah er, Welche Seligkeit denen ward, die bei Lazarus weil⸗ ten. Berſebon, einer der Zehn, die der Mittler heilte vom Ausſatz, Aber der dankbar allein zuruͤckkam, hoͤrete, naͤher Jener umlagerten Palme, der Gidith Stimme, der Harfe, Und der vereinten Aſoor. Mit trunkenem Ohre, mit ſuͤßer Ueberwallung der Freude, vernahm er der innigen Toͤne Gang und Verhalt; und ſchnelle gefluͤgelte Bilder umſchwebten Ihm die Seele: bald aber erblicket' er, ſehenden Auges, Bei der Palme, doch ſie, wie in helle Nebel ge⸗ huͤllet, 110 Der Meſſias. XVII. G. V. 754— 767. Leuchtende Menſchengeſtalten, und immer, da er ſie ſahe, Wurde dgs Harfengetoͤn ihm lieblicher, himmliſcher, immer. Schrecken der Freude faßt' ihn, als eine der edlen Geſtalten Ihm ſich naͤhert', und ihm die Hand ergriff, und ihn fuͤhrte In das helle Gewoͤlk. Da er in dem Gewoͤlk' iſt, eroͤffnet Ihm ſich weitres Gefild', und Licht, wie er nie⸗ mals noch ſahe, Schwebt auf dem frohen Gefild'. Ein Unſterblicher redete, ſagte: Brich uns von jenen Palmen. Er ging, und zit⸗ tert', und brachte Jedem einen wehenden Zweig. Der Unſterblichen Einer Gab ihm den ſeinigen. Da verließ das Schrecken der Freude Berſebon, und er redet: Ihr ſeyd von dem Him⸗ mel gekommen? u. Sind aus Graͤbern gekommen! Wir ſind er⸗ ſtandene Todte. B. Hat euch der aus dem Grabe geweckt, der mich von dem nahen Tode zuruͤckrief? U. Chriſtus hat uns, da er ſtarb, aus der Erde Siebzehnter Geſang. 111 XVII. G. V. 768— 780. Zu dem unſterblichen Leben gerufen! B. Weilt ihr noch lange Auf der Erde? U. Nicht laͤnger, als der, ſo vom Tod' uns erweckte! B. Geht ihr mit Chriſtus gen Himmel? U. Wir gehn mit Chriſtus gen Himmel. B. Wird der Verſoͤhner Gottes nun bald die Erde voerlaſſen? Bald ſich gen Himmel erheben? U. Wir wiſſen es nicht. B. O verzeiht mir, Himmliſche, daß ich noch immer mich unterwinde zu fragen! Sterb' ich bald? U. Wir wiſſen es nicht. B. Wie war, da vom Tode Ihr erwachtet, wie war es euch da? U. Wie es Adam die Stunde Seiner Schoͤpfung war. Einſt rufet auch dir die Poſaune! Mit den Worten verſchwand die Todtenerſcheinung, und ſprachlos Blieb er noch lange ſtehn, und ſah noch immer ſich weit um Nach den Todten; und ſah die Palme nicht wehn, wo die Harfe Scholl, und die Gidith, vernahm der goldenen Saite Geſang nicht. 112 Der Meſſias. XVII. G. V. 781— 785. Alſo feierten ſie in Lazarus Garten der Freund⸗ ſchaft Feſt. Unſterbliche feirten es ſo mit ihnen. Sie dachten Sich zu erheitern; und da ward ihnen Freude des Himmels! Wenn wir ſterben, empfahen wir ſo. Wir hoffen vom Elend Auszuruhen; und uns wird Wonne Gottes gegeben! Der AR — A S = — 8 = — — Inhalt des achtzehnten Geſangs. Ein Gebet Adams an den Meſſias, daß er ihm einige Folgen ſeiner Verſoͤhnung zeigen wolle, wird dadurch erhoͤrt, daß er in einem Geſicht etwas von dem Welt⸗ gerichte ſieht. Selbſt von dieſem wenigen kann der Dichter nur etwas ſagen. Adam erzaͤhlt den Auferſtand⸗ nen und Engeln, daß er Gericht halten ſah: Ueber die chriſtlichen Verfolger; die Veraͤchter der Religion; die Unterdruͤcker der Rechtſchaffnen; die Stifter des Goͤtzen⸗ dienſtes, und uͤber die boͤſen Koͤnige. Achtzehnter Geſang. XVIII. G. B. 1— 9. Auam ſank zu den Fuͤßen des Mittkers nieder, und fleht' ihm: Hab' ich Gnade vor dir gefunden; ſo laß, o Meſ⸗ ſias, Einige Blicke mich thun in die Folgen deiner Er⸗ loͤfung. Adam, im Weltgericht vollend' ich es Alles. Entferne Dich in jene Schatten der Cedern. Du ſollſt von der Tage Letztem dort der milderen Schimmer einige ſehen. Adam ging in die Cederſchatten, und Schlum⸗ mer, wie ehmals In dem ruhigen Schooße des Paradieſes, befiel ihn, Und er ſah ein Geſicht. Er kam, von Erſtaunen belaſtet, H 2 116 Der Meſſias. XVIII. G. V. 10— 23. Langſamen Schrittes, zuruͤck zu den Cherubim, und den Erſtandnen. Sie umſchwebten den Vater der Menſchen, ſanften Verlangens, Von dem milderen Schimmer des letzten Tages zu hoͤren. Adam ſetzte ſich nieder auf einer der Hoͤhn; und ſie ſetzten Sich an des Huͤgels Fuß vor Chriſtus begnadigtem nieder. Einſt am Tage des Herrn, als auf der kom⸗ menden Daͤmmrung Fluͤgel vor mir die einſamen freudigen Stunden vorbeiflohn, Und ich forſchete; kam die heilige Sionitin Gegen mich her. So war mir noch nie die Pro⸗ phetin erſchienen, So viel Ewigkeit hatte noch nie ihr Antlitz getra⸗ gen: Und ſie ſang mir Adams Geſicht. Sie ſelber ver⸗ ſtummte DOft, da ſie ſang. Die Wange gluͤht' ihr, es ſtieg zuſehends In die gluͤhende Wang' ihr ſchnelle Blaͤſſe. Die Lippe Rufte ſtammelnde Donner, und ernſt her ſchaute das Auge, Achtzehnter Geſang. 117 XVIII. G. V. 24— 39. Faſt entſank die Harfe der ſtarrenden Hand, und die Krone Bebt' um ihr fliegendes Haar. Dann erhob ſie ſich wieder, dann kam ihr Jedes Laͤcheln der ewigen Ruh' in ihr Antlitz her— unter. Dann, mit hundert Fluͤgeln gefluͤgelt, mit Schwin⸗ gen des Sturmes, Stiegen die erſtgebornen der Seele, die wahrſten Gedanken Auf zu Gott. So ſah mein Auge ſie, ſtarrt' in die Nacht hin. Mit der Linken beruͤhrt' ich die Erde, mein Grab; und die Rechte Hub ich gegen den Himmel empor. Der Erde Be⸗ wohner, Oder des Grabes, was ich vermag, das well ich euch ſingen. Tauſend Gedanken erflog mein Geiſt nicht; zu tau⸗ ſenden fehlt mir Stimm' und Geſang; und tauſendmal tauſend ver⸗ barg ſie dem Hoͤrer. Adam begann. So ſtroͤmten die Lippen des erſtgeſchaffnen: Schnell, der Cherub denket ſo ſchnell, ſo wurd' ich gefuͤhret Unter die Schaarenheere der auferſtandenen Todten. 118 Der Meſſias. XVIII. G. V. 38— 51. Grenzlos war das Gefild der Auferſtehung. Sie warens Alle meine Kinder! O ewiger Vater der We⸗ ſen! Welch ein Anſchaun war es! und welches das An⸗ ſchaun deſſen, Der auf dem Throne ſaß, die Kinder Adams zu richten! Vaͤter des Mittlers, und ihr, o Engel! wie maͤch⸗ tig empfand ich, Was die uUnſterblichkeit ſey! Das Alles erblickt' ich, und lebte! Siehe, der Tag wird kommen, dann werdet ihr alle das Heer ſehn, Welches ich ſah! und dann wird die Ewigkeit kom⸗ men, und keiner Unter euch allen wird dann das auszuſprechen ver⸗ moͤgen, Was er ſah. Ach er ſchaute dann auch auf dem Throne den Richter! Adam ſenkte zum Wonnegebet zu der Erde ſich nie⸗ der: Jeſus Ebriſtus, du haſt mich erhoͤrt, und ich habe geſehen Deines entſcheidenden Tages der Strahlen einige leuchten, Einige Donner deines Gerichts, Sohn Gottes, ver⸗ nommen! Achtzehnter Geſang. 119 XVIII. G. V. 52— 65. Und der Vater der Menſchen erhub ſich wieder, und ſagte: Lange, ſo daucht' es mir, dauerte ſchon die Zeit der Entſcheidung; Tauſende waren ſchon, als ich mich nahte, gerichtet. Sieh, es war nicht ein Tag der Sonne; die war erloſchen, d Oder verhuͤllet. Der Glanz des Thrones uͤberſtrahlte Schoͤn und ſchrecklich der Auferſtandenen weites Ge⸗ filde. Chriſten gebot, die, Chriſten verfolgend, we⸗ gen der Lehre Von dem getoͤdeten Menſchenfreunde, von herzlicher Liebe Zu den Bruͤdern, die Bruͤder erwuͤrgten,(mein Innerſtes zittert, Und mein ſtarrender Blick ſieht wieder am Opfer⸗ altare Abel in ſeinem Blut', erwuͤrgt von dem boͤſen den guten!) Dieſen gebot die Poſaune, vor Gott zu kommen. Der Cherub, Welcher ſie rief, ſtieg nieder vom Thron zu dem offnen Gerichtsplatz, Stand auf ſeinen Hoͤhn, und goß zwo ſtroͤmende Schalen 120 Der Meſſias. XVIII. G. V. 66— 79. Auf die Erde, voll Thraͤnen die ein' und die andre von Blut voll. Da das Blut in die Thraͤnen herabfloß, wandt' er ſein Antlitz Um zu dem Thron', und rufte: Du haſt ſie alle gezaͤhlet! Ruh der blutenden Unſchuld, die dieſe Thraͤnen ge⸗ weint hat! Schauer ergriff die Engel, und alle Seelen der Frommen Schauer, als auch der Richter ſich wandt', und mit Blicken der Liebe Auf die getoͤdteten ſah, mit Blicken, welche nicht Pſalme, Nicht der Jubel Gebet ganz auszuſprechen vermoͤgen. Aber die Schaar der getoͤdteten ſchwieg, noch immer voll Mitleids, Wie ſie ſtarben. Allein Mitleid nicht, nun kein Erbarmen War in dem Blick des Heiligen, der ſich erhob, der erwuͤrgten Aſche zu raͤchen, und, eh' dem Todesſchlafe ſich zu⸗ ſchloß, Ihr gen Himmel gerichtetes Auge, das brechend um Gnade Fuͤr die Moͤrder noch bat, dann ſtill entſählumnerge. Heil ſey, Aechtzehnter Geſang. XVIII. G. V. 30— 93. Rufte der Menſchenfreund, Anſchauen der Ewigkeit allen, Die an des goͤttlichen Opfers Alta, auch Opfer, ſich legten, Nun nach kurzer Jahrhunderte Raſt in das Leben erwacht ſind! Aber Entſetzen, und Qual, und aller unneknbare Jammer Jedem Laͤſterer Gottes, der uͤber den Opfern des Mordes Schwert erhub, und Tod auf die Zeugen des Ewi⸗ gen zuckte, Oder ihr ſinkend Gebein zu heiligem Staube ver⸗ brannte! Warum die hohe Fahne des Kreuzes, des liebenden Zeugin, Warum wehte ſie da, wo ihr die Bruͤder erwuͤrg⸗ tet? Und ihr wagtet, den feſtlichen Namen, vor wel⸗ chem die Hoͤhe, Und die Tiefe ſich buͤckt, deß Namen, der fuͤr die . Menſchen, Seine Bruͤder, Erbarmung vergoß, den da noch zu nennen, Wo mit lautem Rufe der Donner euch niederge⸗ ſchmettert, Oder, euch tief zu begraben, ſich haͤtte die Erde geoͤffnet: 122 Der Meſſias. XVIII. G. V. 94— 107. Waͤr' euch, auf dieſe Stunde der Angſt, nicht Ver⸗ geltung geſammelt! Schaut nun wieder zuruͤck, zuruͤck durch die Thaͤler des Todes, Hinter dem Ruͤcken ins Leben als ihr noch traͤum⸗ tet im Unſinn, Sichre mit Haͤnden voll Blut nach des Himmels Krone zu greifen! Sieh, ihr Antlitz, welches ihr ſaht mit dem Tode ſich faͤrben, Und das Beben der ſtarken Natur, durch der Chri⸗ ſten Gebeine Hingegoſſen; nicht durch den Geiſt, der mit herr⸗ ſchender Ruhe Von dem ſinkenden Staube ſich wand, und willig den Winden Seine Truͤmmer vertraute, doch einſt ſie wieder zu fodern! Dann in den Flammen ihr Lied, bis ihnen die Wuth der Flammen Gottes Preiſe verbot, das Alles, welchem ihr zu⸗ ſaht Mit unmenſchlicher Ruh, was iſt es jetzo gewor⸗ den? Dank, Anbetung, und Feier, und laute Wonne dem Herrſcher Aller Himmel Himmel, und ſeiner Maͤrtyrer Bru⸗ der, Achtzehnter Geſang. 123 XVIII. G. V. 108— 121. Daß der Tod nicht mehr iſt! ſtatt ſeiner drohenden Schauer, Suͤße maͤchtige Schauer die Auferſtehenden faßten, Da die Winde den Staub, die Verweſungen alle der Todten Brachten, und durch die Natur die neue Schoͤpfung einherging! Da das ſtammelnde Lied, nun Halleluja, heraufſtieg! Statt des Gebets um Erbarmung, ihr feſtliches Heilg ertoͤnte, Und in Jubelgeſange den Unausſprechlichen nannte! Alſo klagt der maͤchtige Klaͤger. Ein anderer folgt' ihm, Trat gefuͤrchtet hervor, und ſprach: Getoͤdtete ſtehn dort, Sind, wie ihre Moͤrder, verworfen! Ihr Leben, der Endzweck, Der ſie entflammte, die Hoͤhn der Religion zu er⸗ ſteigen, Hat ſie gerichtet: wie tief ſie auch den Gedanken des Stolzes Senkten ins Herz; und wie ſehr geſchmuͤckt mit dem Marmor dieß Grab war. Dieſes ſah der Seher von ſeinem Himmel; doch ihr nicht! 124 Der Neſſias. XVIII. G. V. 122— 135. Aber auch wenn ihr es ſaht; ſo durftet ihr den doch nicht toͤdten, Der unedel nur war, wenn ihr unmenſchlich ihn wuͤrgtet. Lernet von mir, was ihr thatet! Im Heiligthume 1 war keiner Außer dem, der ewig iſt, Richter. Wenn Chriſten die Hoheit Ihres Glaubens entweihten; wenn Suͤnder in der Gemeine, Ohne tiefes Gebet, zu ſehr dem Sohne ſich nah⸗ — ten, Und, voll Wahns in dem dunkeln Wort von Ant⸗ litz zu Antlitz Ihn ſchon anzuſchaun, ganz ihres Staubes ver⸗ gaßen; Dann zuruͤckgeblendet nur noch in Traͤumen ihn ſahen, Und ſich taͤuſchten, er ſey's! ein Bild, ſeit geſtern geboren In zu heißem Gehirn, ſey das Opfer der Schaͤdel⸗ ſtaͤte: So war er, der fuͤr uns zu dem Allerheiligſten ein⸗ ging, Seinem Heiligthume zu nah, die Suͤnder zu rich⸗ ten, Als daß Beſitzer des Augenblicks von dem Rande der Graͤber Achtzehnter Geſang. XVIII. G. V. 136— 149. Kommen durften, als Helfer, ihm ſeine Donner zu tragen! Das erkuͤhntet ihr euch! Anſtatt mit Zittern zu ringen, Selber ſelig zu werden, erhobſt du die eiſerne Stirne Unter den Wuͤrmen, kamſt, ſtahlſt ihre Qualen der Hoͤlle, Deine Bruͤder zu quaͤlen, und kalten finſteren Grimms voll, Hielteſt du Blutgericht. Wer kann nun nennen den Jammer, Wer den Zorn der Qualen, die eure Haͤupter itzt treffen 2 Mache dich auf, und rufe mit lautanklagender Stimme, Nenne du ſie, vergoſſenes Blut! Er ſitzt auf dem 3 Throne, Deine Stimme zu hoͤren, und jede Wunde zu raͤ⸗ chen, Welcher du entfloſſeſt, mit dir der Unſchuldigen Le⸗ ben! Als er geendiget hatte, da trat aus dem leuch⸗ tenden Kreiſe, Welcher nahe den Thron umgab, der Aelteſten Einer Tiefnachdenkend hervor. Ihr habt den menſchlichen Juͤnger 126 Der Meſſias. XVIII. G. V. 150— 163. Unter den Juͤngern geſehn. Sein Namen, eh' er zu Gott ging, Hieß Lebbaͤus; ſein Name, der neue wird Elim genennet, Nach dem Namen des Engels, der auf der Erd' ihn beſchuͤtzte. Alſo ſprach er: Ich wende mich weg von des Le⸗ bens Anblick, Das ihr lebtet. Es trieft von Blut. Viel Tode der Unſchuld Zeichnen ſeinen entſetzlichen Pfad. O Stunden der Schoͤpfung, Die ihr Seelen dieſes Gefuͤhls in das Leben her— vorrieft, Truͤbe, dunkle, zu ſchreckliche Stunden, wie ſoll ich euch nennen? Waret ihr Zeuginnen ſchon des Gerichts geweſen, als Eden Gottes Fluch vernahm, der erſte Tod dann, das erſte Laute Geſchrei der Natur den Fluch vollfuͤhrten? und kehrtet Ihr nur wieder zuruͤck von der fluchbelaſteten Er⸗ de, Ach Verkuͤndigerinnen des letzten Tages zu wer⸗ den?2 Ihr, die Seelen von Menſchlichkeit leer der Ewig⸗ keit brachtet, —,— Achtzehnter Geſang. 127 XVIII. G. V. 164— 177. Dieſe Seelen! Doch nicht die Schoͤpfung verſchuf ſich; ſie ſelber Schufen ſich alſo! Sagt's nicht am Thron, ver⸗ ſchweigt's in den Huͤtten, Wo die Gluͤcklichen wohnen, daß ſie ſo elend ſich ſchufen! Aber bewein' ich ſie noch? ſie nicht! die Hoheit des Menſchen, Die ſie zu weit, ach zu weit von dem Zwecke der A. Schoͤpfung entfernten, Dieſe bewein' ich! Kein Mitleid? und ach ihr ſaht doch den Jammer Ihrer Seele, vernahmt das tiefe Roͤcheln des To⸗ des! Selbſt ihr letztes Jammergeſchrei vermochte die zar⸗ te Zitternde Nerve bei euch nicht zu ruͤhren, die an⸗ dern, beim Anblick Einer bittenden Thraͤne, die ganze Seele be⸗ wegte? Zwar ich fodre von euch nicht, durch ſuͤßen heili⸗ gen Schauer, Bei der leidenden Unſchuld Anblick erſchuͤttert zu werden; Litte die Unſchuld noch, ſo waͤr der dieſen Gerech⸗ ten Eine Seligkeit mehr! doch fodr' ich Spuren der Menſchheit, 128 Der Meſſias⸗ XVIII. G. V. 178— 191. Schwache Daͤmmrung doch von einer unſterblichen Seele! Weh euch, kein Mitleid! Ihr konntet den Wurm auf der Erde nicht anſchaun, Ohne den Schoͤpfer voll Huld in des Wurmes Freude zu ſehen! Euer Auge konntet ihr nie zu dem Himmel erheben, Ohne den großen Erbarmer zu ſehn! Ihr habt es gen Himmel Niemals erhoben! nie habt ihr geweint! ihr habet euch niemals Eines Menſchen erbarmt! So hoͤrt denn die Ra⸗ che, die ſaͤumte, Aber itzt eilt: Der Richter der Welt erbarmet ſich auch nicht! Elim ſprach noch, als ſich auf dem Throne der Richtende wandte; Sieh, er wandt' auf Einmal ſein ſchreckentragen⸗ des Auge Gegen einen der Todesengel. Wie kann ich ſein Umſchaun, Wie ausſprechen den Zorn, der ihm von dem An⸗ geſicht ausging, Und die Stimme, mit der er rief! So gebot er dem Seraph: Steig herunter, und ruͤhre ſie an; geuß traͤu⸗ mende Schrecken Ueber Achtzehnter Geſang. 129 XVIII. G. V. 192— 205. Ueber ſie aus, daß vor ihrem erſchuͤtterten Geiſte vorbeigeh' Ihrer nahenden Qual Anſchaun, und Vergeltung beginne! Alſo ſprach der Richter Entſetzen. Gleich dem Gedanken, Eilte der Todesengel; goß aus vor der Schaar der Verfolger Eine Mitternacht; naht' ihnen, ſein donnernder Ruf war: Folgt, und ſeht! ging eilend voran, ſah nach den Verfolgern Drohend ſich um; trat hin in die Nacht. Die furchtbare Tiefe That vor dem Seraph ſich auf. Mir wurden die Augen geoͤffnet, Daß ich ſah, was ſie ſahn. Sie wollten ihr An⸗ geſicht wenden; Aber ſie hielt des Sohns Allmacht, wie ſtarrende Felſen. Und ſie ſtanden, und ſchauten. Da lagen Tod⸗ tengebeine! Und ein Sturmwind braust' in dem langen Jam⸗ mergefilde! Der ergriff die Gebein', und ſie bebten! jedes Ge⸗ bein ſprach Seine Stimme; die Stimme war Fluch! Da hub ich mein Auge Klopſt. Meſſias IV. B. 3 ute Aufl. 130 Der Meſſias. XVIII. G. V. 206— 219. Von dem Gefild' empor, und betete zu dem Erbar⸗ mer Derer, die ſich erbarmten. Als ich noch betete ka⸗ men Aus der Schaar der getoͤdteten hundert in weißem Gewande, Hundert Juͤnglinge, jeder ein Fruͤhling in Eden geboren, Jeder ein Morgen der Auferſtehung. Ihr freudiger Flug klang Da ſie kamen, melodiſch einher. Wie ſuͤß war ihr Anblick, Da ſie kamen, die Bruͤder Abels! Sie legten die Kronen Nieder am Thron', und ſangen. Sie ſangen dem, der Gericht hielt: Wer iſt der, ſo vom Kidron herauf in bluti⸗ gem Schweiß kommt? Hoſianna! auf Salems Gebirg mit Wunden bedeckt wird, Schoͤn mit Wunden? Ich bin's, der fuͤr die Men⸗ ſchen erwuͤrgt iſt! Warum ſinkt dein Gebein, von dieſem Tode belaſtet? Warum trieft dir die Stirne von Blut, wie der Streitenden Stirne? Warum rufſt du ſo laut? Ich hab' allein geſtritten! Achtzehnter Geſang. 13½ XVIII. G. V. 220— 233. und es iſt keiner mit mir von den Soͤhnen der Er⸗ de geweſen! Amen! Amen! du biſt der Vollender, der Erſt' und der Letzte! Hoſianna! du hubſt mit Eile den Fuß aus dem Grabe; Stiegſt auf den Thron! Nun ſihzeſt du, Herrſcher, und richteſt die Todten, Die aus der Erde du riefſt. Ja die Todten haſt du gewecket, Streiter, der von dem Kidron herauf in bluligem Schweiß kam, Und auf Salems Gebirg mit ſchoͤnen Wunden be⸗ deckt ward! Wunden gabſt du auch uns, daß wir deine Maͤr⸗ tyrer wuͤrden! Denn auch wider uns ſtritt Gottes Haſſer. Da ſtarke Eiſerne Feſſeln in der Gefaͤngniſſe Tiefen uns hiel⸗ ten; Da der Tod mit der Flamme daher, der Tod mit der Schaͤrfe Ihrer Schwerter, der Tod aus der Droher wuͤthen⸗ dem Blick fuhr; (Fluchet den Moͤrdern! ſo ſprach, wer Menſchlich⸗ keit hatte, und ruh du, Ruhe, ſtilles Gebein!) da wir den Geiſt der Pro⸗ pheten, J 2 132 Der Meſſias. XVIII. G. V. 234— 247. Und den Muth zu ſterben empfingen; da, jauchzt dem Vollender! Da wir ſtarben: da war durchlaufen auch unſere Laufbahn! Kamen wir hin zu dem himmliſchen Ziel! da tru⸗ gen wir Kronen! Da war hinter uns, wie der Staub vor dem Win⸗ de, das Leben, Wie ein kurzes Geſpraͤch, des Lebens Muͤhe ver⸗ ſchwunden! Kurzes Leben! du Blick in die Schoͤpfung, doch alſo belohnet Von dem Tage der Tage! doch dieſer Kronen ge⸗ wuͤrdigt, Dieſer Ewigkeiten Genoß! Schall ewig, o Lob, ſchall Ewig fort! erhebe den Schwung, fleug' Fluͤge Be⸗ geiſtrung, Und verkuͤnde, verkuͤnd' es! Frohlocken werde die Stimme,„ Werde Jauchzen, und ſchwebe dahin in die Choͤre des Thrones! Lob, Anbetung, und Preis, und Ehre dir, du Be⸗ herrſcher Aller Himmel Himmel! und aller Leidenden Trͤ⸗ ſter! Da noch der Staub nicht war, noch nicht, den Staub zu beleben, Achtzehnter Geſang. 133 XVIII. G. V. 243,— 260. Dieſe Seele, da wareſt du ſchon, und dachteſt dich ſelber, Dachteſt den Gottverſoͤhner, den Wiederbringer der Unſchuld! Jetzo trat der erſte der Todesengel, als waͤr' er Heerſchaar, naͤher zum Thron den tauſendſten Schritt. Die Poſaune Klang, da er ſtand; und ſie ſchwieg, und der Se⸗ raph redte. So ſprach er: Daß die Spoͤtter des Todten, der lebt, aus den Tiefen heraufgehn! Auf den Gekreuzigten ſchaun, und, wer ſie gewe⸗ ſen ſind, lernen! Sie erſchienen; vermochten die menſchenfeind⸗ liche Seele Unter des Läͤchelns Truge nicht mehr zu decken. Ihr Herz war In ihr Antlitz hinauf mit jeder Bosheit gezeichnet. Und ſie ſtanden, geſehn von den Richtern. Es ſchauen die Richter Unter einander, die Reihn der goldenen Wolken hinunter, Forſchend ſich an: Wer aufſtehn ſoll, die Feinde zu richten? 134 Der Meſſias. XVIII. G. V. 261— 274. Tief in der Ueverwinder Schaar, mit ſchimmernder Wange, und mit morgenroͤthlicher Freude des Lebens ge⸗ kraͤnzet, Stand ein Juͤngling. Die Todesblaͤſſe der ſproſſen⸗ den Jahre, Und die Geduld, in der Bluͤthe ſich langſam ſter⸗ ben zu ſehen, War mit anderer Schoͤne belohnt, als jene, die vormals Den noch Sterblichen ſchmuͤckte, mit Schoͤne der Engel, ſo maͤchtig, Durch lautredende Zuͤge die ganze Seele zu bil⸗ den. 8 Und der Erſtling der Maͤrtyrer kam von des Rich⸗ tenden Throne Stephanus, dem in der Bluͤthe der Tod auch den laͤchelnden Blick ſchloß, Zu dem Juͤngling herab. Die Bothſchaft enthuͤllte die Demuth Seines ſinkenden Blicks; er zitterte ſanft, und er⸗ hub ſich Strahlenhell, und ſtand mit jedem Frieden der Un⸗ ſchuld, Und mit allen Reizen des ewigen Lebens umge⸗ ben. Saitengeton erklang von des Juͤnglings Lippe: Die Wehmuth Achtzehnter Geſang. 135 XVIII. G. V. 275— 288. Soll, wie vordem, mein Leben nicht mehr mit Trauren bewoͤlken! Ja, ich nenn' euch, und bebe nicht mehr! o Na⸗ men! mein Vater, Ach mein Vater, mein Bruͤder iſt auch in jenem Gedraͤnge! Vater biſt du nicht mehr! du Bruder nicht mehr! Was that euch? Rede, was that dir dein Sohn, zwar ſanft, doch unuͤberwindlich? Was der ſchweigende Mund dir, und jene verbluͤ⸗ hende Wange Deines Bruders, daß ihr, durch Schluͤſſe, wie Schlangen, gewunden, Grauſam ſtrebtet, des Sterbenden einzige Ruh mir zu rauben? Meiner Unſterblichkeit Heil, die letzte, nicht taͤu⸗ ſchende Hoffnung, Den am Kreuz? zwar blutet' er, aber er blutete Gnade! Jenes Erwachen des großen Morgens? der ringen⸗ den Seele Maͤchtigſten Troſt, da ſie ſinken die Erde ließ, das auch euch nun Weckte, doch nicht mit Jauchzen, mit keines Lebens Empfindung, Und zu dem Erſtling vom Tode mit keinem Jubel⸗ geſange! 136 Der Meſſias. XVIII. G. V. 289— 302. O ſie war euch zu maͤchtig, des Juͤnglings betende Seele, Sie empfand ſich zu ſehr, ſich von der Unſterblich⸗ — keit Haſſern Ihre Krone rauben zu laſſen. Mit freudiger Hoff⸗ . nung Gab zu Staube ſie Staub, und wußte, daß ſie nicht Staub ſey, Daß ſie mehr ſey, als Himmel und Erde. Schauet die Blicke, Und den Sieg der Unſterblichen an. Ihr ſahet ſie vormals Brechen im brechenden Aug', und mit dem Athem verroͤcheln; Schauet ſie nun, wenn euch ihr Triumph nicht ewiger Tod iſt! Alſo ſprach er, und ſichtbar erhob der Schim⸗ mer des Juͤnglings Sich zu der Schoͤnheit der erſten der Engel. Ihn nannten mit neuen Namen die Sieger, als er in ſeiner Herrlichkeit daſtand. Aber ein Weiſer, der aus der Natur labyrin⸗ thiſchen Tiefen Bis zu dem Throne des Sohns ſich erhub, auf ſteigenden Fluͤgeln Trugen ihn Orionen empor! noch maͤchtiger hub ihn Achtzehnter Geſang. 137 XVIII. G. V. 303— 316. Tiefe Kenntniß vom Thun des Menſchen, zuletzt das Gewiſſen, Das ſtets ringt, zu entkommen der Erde ſtammeln⸗ dem Urtheil, Gern zu dem Licht empor, zu der Wage des Rich⸗ ters der Welt ſteigt, Dieſer Weſſe kam. Wie ein Quell von dem Han⸗ ge ſich hingießt, Bald ein Strom wird, ſo redet' er, ſprach mit richtendem Blicke: Langſam, in tauſend Kruͤmmen, doch war ich ein redlicher Forſcher! Ging zu dem Sohne mein Weg. Gluͤckſeliger wa⸗ ret ihr, weitre, Hoͤhere Seelen, die ihr, da Licht ihr ſaht, zu dem Lichte Sprachet: Du biſt Licht! und zu des Geopferten Blute: Du biſt heiliges Blut! und als ſein Haupt in die Nacht hing: Du huß ewig! Zu lange weilt' ich im Schatten der Schoͤpfung, Gott zu ſuchen; doch war er mir Schatten voll heiligen Grauens! Wenn mir etwas, wie Wahrheit, begegnete, ſchaut ich ihm richtend, Und langforſchend ins Antlitz; und ſpaͤt erſt wagt⸗ ich zu ſagen: 138 Der Meſſias. XVIII. G. V. 317— 330. Das iſt Wahrheit! Und wenn ich in jener Irre des Wiſſens Spuren, wo Gott einſt wandelte, ſah; ſo betet' ich laut an: Das iſt heiliges Land! hier iſt die Pforte des Him⸗ mels! Lange naht' ich mich nur des Himmels Pforte; doch endlich That ſie ſich einſt, da ich betete, mir mit goͤttli⸗ chem Glanz auf, Und ich ſahe den Sohn in ſeiner Schoͤnheit! Da ging ich Meinen gewandelten Weg zuruͤck. Nun ſah ich der Schoͤpfung Schatten heller, im Bild' enthuͤlltere Zuͤge des Ur⸗ bilds; Fand ihn wieder am Kreuz, den ich in dem Him⸗ mel zuvorſah, Sah ihn gern ſo, und wußte, daß, der ſein Haupt jetzt neigte, Da er entſchlief, dem Grabe gebot ihm Todte zu ſenden! Habt ihr alſo geforſcht? ſeyd ihr dieſe Wege ge⸗ wandelt, Als ihr, die Tochter Gottes, die freie Wahrheit zu ſuchen, Stolz vorgabt? O nennt den Namen, ihr ſeyd es nicht wuͤrdig, 8 —] Achtzehnter Geſang. 139 XVIII. G. V. 331— 344. Ihren feſtlichen Namen nicht mehr, damit ſie nicht . eilend Wecke den himmliſchen Zorn, und mit Allmachts⸗ blick euch vertilge! Helden wuͤrgten das Menſchengeſchlecht; und Prie⸗ ſter der Chriſten Chriſten bei den Altaͤren: allein am Altar, auf dem Schlachtfeld Floß aus der Wunde nur Blut! Ihr habt un⸗ ſterbliche Seelen Durch geheimes Wuͤrgen vertilat! Da floß aus den Wunden Zwar der Tod nicht, welcher zum Leben die Men⸗ ſchen ins Grab warf; Aber ewiger Tod! Ihr habt die ſchaͤumenden Be⸗ cher Eurer Gifte, die Woluuſt kraͤnzt', und die Lache des Hohnes, Unter die Leute getragen, noch oͤfter in die Pal⸗ laͤſte, Daß von dem Zaubertrunke der goldne Tyrann hin⸗ taumelnd Tod, und Menſchlichkeit leichter vergaß, und uͤber den Graͤbern Jenes Gericht, das nun ſein tauſendaͤugiges Ant⸗ litz Gegen alle Thraͤnen gewandt, die hangenden Wol⸗ ken 140 Der Meſſias. XVIII. G. V. 345— 353. Alle gen Himmel emporgehoben, und Jeſus ent⸗ huͤllt hat! Stille war in den Himmeln; bald ader tra⸗ ten die Vaͤter Von dem erwaͤhlten Geſchlecht in glaͤnzende Kreiſe zuſammen, Auch viel Zeugen aus denen, die noch von dieſem Geſchlecht Vor dem Abend des Weltgerichts zu dem Sohne ſich wandten. Und wie Wolkenheere, die Flamm' in dem Schooße, . ſo wallten, Furchtbar zu ſchaun, die Zeugen hervor; und einer erhob ſich, Alle begleiteten ſeine Geberde mit Beifall, ſprachen All' Ein Todesurtheil mit ihm. Der Geſendete ſagte: Als er der Menſchen Leben noch lebte, da rief er zu Zeugen Seiner Gottheit Todte herauf! da beſchloſſen der Spoͤtter Erſtgeborne die Zeugen zu toͤdten! Nun ward, daß es zeugte,. Abrahams unausſterbliches Volk von neuem erkoh⸗ ren, An dem ſchrecklichen Tage des Grimms, da es ſel⸗ ber des Sohns Blut 1 Achtzehnter Gefang. 141 XVIII. G. V. 359— 373. Ueber ſich rief, und vor des Gerichts umnachteten Altar Als ern feyrliches Opfer, trat, dort ewig zu bluten. Alſo geheiliget, wurden wir unter die Voͤlker der Erde Schaarenweiſe verſandt, von des Richters Blute zu zeugen. Schaut, hier ſtehn wir! und dort ſtehn unſre ge⸗ richteten Bruͤder! 3 Alle wir lebten einmal. Kann mit allen Sonnen der Himmel Lauter reden von dem, der ihn ſchuf? und konnt es die Erde Mit des tauſendfarbigen Fruͤhlings unzaͤhlbaren Kin⸗ dern, Als dieß Volk ohne Zahl von dem Mittler Gottes geredt hat? Kamen Todte zu euch, ihr verwarft die kommenden Todten Da euch dieſe Zeugen nicht zeugten! So tief her⸗ unter Habt ihr des Menſchen Vernunft, die Gottes Bild iſt, entweihet! So viel trautet ihr euch; ſo wenig trautet ihr Gott zu! Daß die verworfenen Goͤtzenſklaven ihr Angeſicht wenden, Dieſer Chriſten Antlitz nicht ſchaun! das ernſte Ge⸗ wiſſen 142 Der Meſſias. XVIII. G. V. 374— 387. Aus dem Staube, wohin ſie es traten, zur Ewig⸗ keit aufſteh', Und nun anders zeuge von dem, von welchem wir zeugten! Jetzt, wie ſoll ich ihn nennen? ihr ſahet ihn, der die Gemeinen Erſt verfolgte, darauf ein goldener Pfeiler des Tem⸗ pels, Der ganz Alerheiligſtes iſt, zu dem Himmel hin⸗ aufſtieg! O wie ſoll ich ihn nennen? Es iſt ſein Name, der neue, Der ihn nennt, unausſprechlich! Auch du, du 1 ſtammeſt von mir ab, Heiliger Mann! Noch ſegn' ich den Staub, aus dem ich gemacht ward! Alſo ſprach er: Ach ewig, ia ewig, richtet mein Auge Nach den Leiden ſich hin, die ich jenen Schaaren zu zeigen, Laut von dem Himmel durch den, den auch ich ver⸗ folgte, geweckt ward. Engel, ihr Nam' iſt: Heil! und Hoſianna die Stimme Derer, die uͤberwanden! Ich ſchweig, und ich huͤlle die Feſte Unſerer Ewigkeit ein vor jenen Verworfnen; ihr Nam' iſt: V V —4—— Achtzehnter Geſang. 143 XVIII. G. V. 388— 401. Tod! Da jetzo mein Blut, auch Maͤrtyrer ſtroͤmte, da weint' ich Ueber die Feinde des Kreuzes nicht mehr; da wurd' ich ihr Richter! Sah ihr Ende! das iſt nun, es iſt ihr Ende ge⸗ kommen! Wie erniedert, wie klein, wie von Schattenweis⸗ heit umnachtet, Wie von Stolze gequaͤlt, wie elend waren die See⸗ len, Die in dem Antlitz des Sohns des Vaters Klarheit nicht ſahen! Hoch verachtet euch meine Seele! Kaum ſeyd ihr wuͤrdig Vor der Verſammlung des Menſchengeſchlechtes ge⸗ richtet zu werden! Wie erhaben, und ſchoͤn, und welcher Ausſicht an Ausſicht, Immer ins Ewige, welch' ein ſteigender Tempel, wo Gott war! Ueber die Sonnen hinauf zu dem Throne gebaut, doch ruht' er Auf der Natur: ſein Opfer war Blut fuͤr alle Ge⸗ fallnen; Laute Wonne ſein Lied; ſein Heil der unſterblichen Seele Ganz, wie ſie denkt und empfindet, die Fuͤlle des ganzen Verlangens! 144 Der Meſſias⸗ XVIII. G. V. 402— 415. Dieſes war die Religion, die ihr Thoren, verkanntet; Ach, nicht kennen wolltet, mit bitterem Spotte ver⸗ warfet! Fuͤhllos habt ihr gehoͤrt ſein letztes Rufen am Kreuze; Aber es ſind Aeonen vorbei, daß ſein Auge ſich aufſchloß, Und der verſtummende Mund Entſcheidung des Rich⸗ ters der Welt ſprach! Meldet's im Thore des Todes, ſagt's an in den Pforten der Hoͤlle: O wie ſind ſie gefallen die Hoͤhn, die himmelan drohten! Bald wird jeder gerichtete Droher dort in dem Ab⸗ grund Jammern, ſein Antlitz erheben, und zu dem andern ſich wenden: Weine mit mir um unſre Geburt, um die Stunde der Schoͤpfung, Die uns dieſer Ewigkeit ſchuf! So werden ſie ſa⸗ gen, Denn der Getoͤdtete ſitzt auf dem Throne, die Laͤſt⸗ . rer zu richten! Diefes ſagt' er. Itzt ſprach mit ſtiller Hoheit der Richter: Nach den Stunden, der Erde beſtimmt, iſt am Abend die Stunde, Welche Achtzehnter Geſang. 145 4 XVIII. G. V. 416— 430. Welche richtet, gekommen. Ihr hieltet Wahn ſie; ſie aber Iſt gekommen. So waͤhnte der Wurm, ſeit geſtern Bewohner Eines Staubs, daß ſich droben im Himmel der Donner nicht ruͤſte; Alſo kruͤmmtet ihr euch in eurer Enge. Die Stunde Iſt gekommen, und hat die Haſſer der ernſteren Tugend Alle gewogen, und ſie zu leicht auf der Wage gefunden. Du, der ſchlagendes Leben fuͤr Seele, ſie Erbin t des Grabs hielt, Suͤnder, ſie ſtarb nicht; und der dir am Kreuz zu blutig verſtummte, Er iſt ewig⸗ Das war er, eh du, dazu nicht ge⸗ ſchaffen, Dich erhubeſt, zu ſchmaͤhn den verſoͤhnenden Tod⸗ ten. Jehovah, Gnaͤdig, und geduldig, der ſich des Menſchen er⸗ barmte, 1 Noch, wenn er rang mit dem Tod', und wer er geweſen war, fuͤhlte, Tilg', o Vater, aus deinem Buch der Laͤſterer Na⸗ . men. Sie ſind meine Bruͤder nicht mehr. Sie haben den Mittler Deines Bundes, ſein Blut, die Todesangſt, die gebrochnen Klopſt. Meſſias IV. B. K te Aufl 146 Der Meſſias. XVIII. G. V. 431— 444. Starren Augen am Kreuz, die Auferſtehung, und Auffahrt, Jede Wonne des Sohns, und jede Thraͤn' enthei⸗ ligt. Ja um meiner Leiden, um meiner Menſchlichkeit willen, Meines verſtummenden Todes, der Auferſtehung 3 vom Tode, Meiner Erhebung zum Thron', um meiner Herr⸗ lichkeit willen, Gehet von meinem Antlitz, und ſeyd's, wozu ihr euch ſelbſt ſchuft! Alſo ſprach er ihr Todesurtheil; das drang in die Tiefe Ihrer Seelen, und waffnete gegen ſie mit der Flamme Ihr Gewiſſen. Sie wollten zu ihm aufſehen; ver⸗ mochtens Nicht, und ſanken dahin. Denn aus den Wunden des Sohns rann Blut nicht mehr; der donnernde Thron war Golga⸗ tha’'s Hoͤh nicht, Und die Stimme vom Thron nicht Ruf um Gna⸗ de! Doch Einer Riß ſich vom Staub' empor, und wagt's auf den Richter zu ſchauen, Warf die Arm' aus einander, und rufte, daß die Gefild' es . Achtzehnter Geſang. 147 XVIII. G. V. 445— 459. Ringsumher, und die Himmel vernahmen: Weil denn die Erbarmung Alſo begrenzt iſt; ſo ſey's nicht die Allmacht! Nimm, o du Raͤcher! Deinen Donner, und toͤdte mich ganz, wenn dein Donner auch Seelen Zu vernichten vermag, daß ich flamm', und Staub ſey, und ſterbe! Noch mit ſinkender Hand, noch Aſche der offenen Wunde Wuͤthend nehm', und gen Himmel ſie ſtreue! daß mir die Seele In verwehende Truͤmmern gebrochner Gedanken ver⸗ ſinke, Dann entflieh' in die unergruͤndbaren Raͤume des Undings. G Alſo ruft er gen Himmel. Wir huben gefaltete Haͤnde In die Wolken empor. Denn wir ſahn die Ge⸗ richtspoſaune Aus den Haͤnden ſinken der Todesengel; Eloa Schnell ſich verhuͤllen: wir ſahn, daß der Richter ſich wandte! Er ſtreckte Seinen Arm aus, warf, warf einen flammenden Donner, Daß die Hoͤhn und die Tiefen bis in die Gewoͤlbe der Hoͤlle Laut ertoͤnten! daß ſeinem Haupt der hohe Gerichts⸗ platz K 2 148 Der Meſſias. XVIII. G. V. 460— 473. Hundert Huͤgel entſtuͤrzte. Die Truͤmmer zitterte, dampfte, Krachte, wie im Gebirg' Erdbeben dumpfes Getoͤs waͤlzt, Noch, da ſie lag, von der Donnerflamme! Mit fliegendem Blicke Sucht' ich den Laͤſterer in der Zerruͤttung. Ich ſah ihn heraufgehn; Und er zuckt'. Ihm hatte der raͤchende Donner das Leben Zu geſchaͤrftrem Gefuͤhl entflammt, der Empfindung des Herzens Schwerter gegeben, und dem Gedanken tieferes Gruͤbeln, 1 Schnelleres, das wie in Kreiſen die Ungewißheit umhertrieb. Und wir hoͤrten herauf von dem Schreckengefilde die Stimme Seiner Verzweiflung erſchallen: Laß ab, du Bothe, du Naͤcher, Donner des Richters, laß ab! dich hoͤr' ich ewig! ach ewig Stuͤrzen die dampfenden Huͤgel auf mich! O waͤrt ihr zu Graͤbern, Laſtende Felſen, geworden, damit ich tiefer ihn hoͤrte, Seinen unſterblichen Rufer! Verflucht ſey der Mund, der ſich aufthat, Achtzehnter Geſang. 149 XVIII. G. V 474— 437. Seinem Gericht zu flehn, daß es noch entſetzlicher wuͤrde! Fluch dem Tod' und dem Leben, und allen, die jemals dem Schooße Einer Mutter, dem Schooße des Grabs in das Le⸗ ben entflohn ſind! Jetzo ward mein Geſicht zu dunkeln Geſtal⸗ ten, die fliehend Kamen, fliehend verſchwanden. Nun hoͤret' ich Donner, nun Harfen, Dann die Stimme der Rufer am Thron; doch der Stimme Gedanken Konnt' ich nicht faſſen: denn einzelne Halle nur hoͤrt' ich vernehmlich Und die andern verſanken im rauſchenden Strome der Donner. Klageſtimmen verſinken ſo, wenn bebend die Erde Staͤdt' einſtuͤrzt, und der Staub der geſtuͤrzten gen Himmel emporſteigt. Immer noch neue Geſtalten, nie ganz enthuͤllet, Entſtehung Stets noch, und Untergang! Mir entflog bald ſchnelleren Fluges, Bald entſchlich mir ſaͤumend die Zeit. Es dauchte mir Jahre, Was mir alſo verſchwand. Ein Auftritt ward min enthuͤllet. 150¹ Der Meſſias. XVIII. G. V. 488— 501. Kain ſah ich in Rieſengeſtalten, in Rieſengeſtalten Helden; die hatte Kain mit laſtendem Eiſen gefeſ⸗ ſelt: Und der Feſſeln dumpfes Geklirr verſtummte die Donner! Endlich waren vor mir die bewölkten Erſcheinungen alle Weggeſunken, und ſieh, ich ſahe wieder Geſichte. Weit umher verſtummten die Schaaren. Itzt kam Eloa, Freute ſich laut, da er ging, den großen Befehl zu vollfuͤhren. Koͤnnt' ein Engel vom Tod' erwachen, ſo wuͤrd' er 1 erwachen! 3 So in Entzuͤckung verloren, mit dieſem Gange d. der Wonne, Dieſer Geberde des hohen Triumphs! Er ging, aus den Schaaren Heiige 1 zu dem Throne des Gottverſoͤhners zu fuͤh⸗ ren. Als ich die kommenden ſah, da waren's die beſten der Menſchen, Ehren meines Geſchlechts! Ich ſtand vor ihrem Verdienſt auf, Da ſie kamen; und, trunken vor voller wallender Freude, Achtzehnter Geſang. 151 XVIII. G. V. 502— 515. Kief ich, von ihrer Herrlichkeit trunken: O dort will ich Palmen Streun, wo ihr wandelt, ja Palmen, daß ihr ſo ſtarbt, ſo lebtet, Werth des Lebens, und Todes! Ich rief's; ſie aber, bewundert Selbſt von den Seraphim, ſtanden in ihrer Hoheit am Throne. Nun erklang die Poſaune: Erſcheinet, Schande der Menſchheit! Ob ihr mooſige Huͤtten, ob Goldpallaͤſte bewohntet. All' ihr niedrigen Menſchen, erſcheint, die das ſtum⸗ me Verdienſt, ihr, Welche die beſten eures Geſchlechts unedel entehr⸗ ten! Auf den gebietenden Ruf erſchien Gewimmel. Sie ſtiegen, Schwer mit ſich ſelber belaſtet herauf, und wurden gerichtet. Heman richtete ſie. So ſprach der Heilige Gottes: Zwar es wurde verdunkelt in uns, das Bild der Gottheit;„ Und des Schaffenden Spur in der Erde Bewohnern unkennbar; Gleichwohl ſendete Gott noch jedem Jahrhunderte Menſchen 8 15² Der Meſſias. XVIII. G. V. 516— 530. Deren hoͤhere Seel' es empfand, wozu ſie gemacht ſey; Gute Menſchen, heilige Truͤmmern des Paradie⸗ ſes, Euch an euch ſelbſt zu erinnern, mit lauter maͤch⸗ tiger Stimme, An die Hoheit der Seele, den Tag der Schoͤpfung in Eden! An den Menſchen, der Gott nicht zu klein war, ihn ewig zu machen! Euch an Gottes Gericht, die uͤber Graͤber nicht dachten! Dieſe Geſendeten Gottes verwarft ihr; ſie aber, zu ſtandhaft, Sich von denen, die ſie verkannten, erſchuͤttern zu laſſen, Thaten ihr Wunder! Ihr Wunder war: Von dem erſten der Weſen, Groß zu denken, Beſcheidenheit, ſich mit dem Maße zu meſſen, Welches Sterbliche maß! Anbetung! keine Verdienſte Vor dem Gott der Goͤtter! nicht halbe Menſchlich⸗ keit, volle Handelnde Menſchlichkeit! Ruh, wenn er, wenn Gott ſie nur ſaͤhe! Stille geheimere Tugend! Enthaltung, da noch zu ſchweigen, Wenn ſie auch ſelbſt das Urtheil des Tugendhaften verkennte! 3 Aechtzehnter Geſang. 153 XVIII. G. V. 531— 545. Flammende Freuden, auch unter den ſanfteſten Ru⸗ hen des Lebens Auf das hoͤhre zu ſchaun, und bald dem Tode zu laͤcheln! Die verwarfet ihr! Statt vor Ihrem Werth' euch zu neigen, Und von ihnen zu lernen, warum die Freude der Erde Viel zu gering fuͤr Unſterbliche ſey! warum in der Stunde, Wenn die ganze Seele ſich fuͤhlte, die bebende Seele Tugend anderer Unſchuld, und tiefere Ruhe ver⸗ langte! Statt euch ihnen zu nahn; ſo wurdet ihr ihre Ver⸗ folger! Haßtet die beſten der Menſchen, bewarft ihr Thun mit dem Staube Eurer ſchleichenden dunkeln Verlaͤumdung, und laͤ⸗ ſtertet Engel! Heilig iſt der, der richtet! Bei ſeinem Namen: Er ſchaut' auch Auf die Frevler herab, die ſeine Geliebteren quaͤlten; Aber mit anderen Blicken, mit dieſen, die jetzo euch treffen, Und mit allmaͤchtigem Feuer in jene Tiefen euch heften, Daß ihr niedrig auf ewig dort ſeyd! Er ſchwieg und ein Juͤngling 154 Der Meſſias. XVIII. G. V. 546— 559. Von den Juͤnglingen, die vor dem Tage der Reife verbluͤhten, Selbſt der Tugend kuͤnftige Maͤrtyrer, waͤren die Menſchen Anderer Maͤrtyrer wuͤrdig geweſen; er ſprach: Da die Tugend Litt, und ins Einſame floh mit unbewunderten Thraͤnen Da errieth mein Gewiſſen das kommende Todesur⸗ 4 theil neber die Draͤnger! Ich wandte von ihren Thaten mein Antlitz, gug dem Flucher! entriß, von der Jugend Feuer ergriffen, Jedem Arme mich! ſtampft' auf den Boden, wo „ Laͤſterer wohnten, Legte mich nieder, und ſtarb, ihr Todesurtheil zu 3 wiſſen! Und nun weiß ich's! ſo lautet's: Der ſeyn wird, — laͤchelte ſegnend, Da die Unuͤberwindlichen litten! der ſtarb, und lebt, ſah Ihren Weg voll Palmen, und Elend! Er wird ſie belohnen! Schnell entſchied der Richter das Schickſal der Unterdruͤcker; Flammenwort der Entſcheidung erſcholl, und ſie flohn vom Gerichtsplatz! 4 Achtzehnter Geſang. 155⁵ XVIII. G. V. 560— 574. Noch entflohn ſie; da kam ein Cherub mit. eilendem Schritte Durch die Wolken. Die wehten vor ihm, da er ging mit dem Schrecken Seints Zornes, der Cherub. Von jedem maͤchtigen Fußtritt— Rauſchet' ein Sturm; nun ſtand er, und ſtreckte den drohenden Arm aus, Schwieg, hielt eine Schale voll Flammen herab⸗ durch die Himmel, Daß die Schatten des drohenden Arms die Erſtand⸗ 1 nen zu Schaaren Ueberſchatteten! wendete ſchnell die toͤnende Schal' um, Goß von dem Himmel die Flammen. Noch klang die Schale, noch ſtroͤmte Auf den Gerichtsplatz Glut herab; da ſchwur der Verderber Laut durch die Himmel: Bei ſeinem Namen, er heißet Jehovah! Raͤcher heißet er auch, und Liebe jenen Gerechten! Er erſchuf die Religion, und gab ſie den Menſchen! Er nur wußte, wer Gott ſey! Erſcheint, zu ſtolze Betruͤger, Götterſchöpfer, erſcheint, die den Hocherhabnen des Himmels, Die ihr den Liebenswuͤrdigen alſo den Menſchen entſtelltet, 156 Der Meſſias. XVIII. G. V. 575— 588. Oder Gehuͤlfen ihm gabt, daß ſie Goͤtter neben ihm wuͤrden! Sie erſchienen. Es richtete ſie der goͤttliche Stifter Jener Religion, die des Sohnes große Prophetin, Und noch Zeugin von ihm bis zum Abend des Welt⸗ gerichts war. Er, als ein ſterblicher Mann ſchon gewohnt an der Rechte des Donners, Dicht an dem Hall der Poſaune zu ſtehen, er ſprach: Ich ſehe Alle Gefilde der dampfenden Erd', ich ſeh ſie mit Bildern Wunderbarer Erfindung bedeckt! Die waren euch Goͤtter? Dieſe ſollten ein Bild ſeyn deß, den die Himmel nicht bilden? Kaum ſind dieſe ſein Schatten! Ihr fuͤhltet es, bleibt ſo geſchaffen, Wenn ihr von eurer Hoͤh' euch auch am tiefſten herabwarft, Daß der Wurm auf dem Felde der hohen Wolke nicht rufe! Noch das Thier in der Flut die Thraͤne des Leiden⸗ den trockne! Daß die ſteigende Sonne nicht Herzen menſchlicher mache, Achtzehnter Geſang. 157 XVIII. G. V. 589— 603. Und nicht heilig den duͤrſtenden Geiſt nach Ruh', und nach Unſchuld; Ob auch auf dem Altar Raͤuchwerk, und feſtliches Feuer. Ewig gluͤh', und ſtroͤme der Lobgeſang zum Altare. Ja, das fuͤhltet ihr, doch ihr waret zu voll von . euch ſelber, Vor dem Erhabenen euch zu neigen, vor welchem ihr Staub wart; Machtet euch elend genug, darin noch Groͤße zu finden, Stifter des neuen Wahnes zu ſeyn, und Fuͤhrer der Menſchen: Solltet ihr auch Unſterbliche lehren, das Thier zu vergoͤttern, Das kaum Tage kroch! So wißt denn: Er hat es vernommen Eurer Opfer Gepraͤng', und ihr Getoͤſe, der Hoͤrer Ueber den Himmeln, wenn euch das umtoͤnte Bild⸗ niß im Haine, Oder zu taub der Orion war, und die Roſſe nicht anhielt. Ihr, die zum tiefſten Elend hinab die Menſchen betrogen, Und ſie mit Goͤttern taͤuſchten, er hat ihr Elend vernommen, Hat die Luͤſte des ſchwelgenden Tempels, in welch⸗ ihr ſie ſtuͤrztet, 158 Der Meſſias. XVIII. G. V. 604— 617. Hat vernommen den Jammerlaut der Knaben im Arme Eurer gluͤhenden Goͤtzen, den jauchzenden Schall der Drommete, Der das geheime Geſchrei des Gefuͤhls vergebens betaͤubte! Siehe, dem Hoͤrenden wurd' es lauter, je mehr es die Muͤtter. Vai im brechenden Herzen erſtickten, unmenſchlich gezwungen, Ohne des deckenden Schleiers Gnad', in dem Blute zu ſtehen, Und der Knaben Tode zu laͤcheln! Nun fodert er wieder Ihr hinſtroͤmendes Blut! nun wird die Suͤnde ge rochen, Welch ihr mit euren Goͤttern erfandet, und jede verlorne Beſſere That. die ſie haͤtten gethan, wenn ihr ſie 3 zum Unſinn Nicht verfuͤhrt, und unter ſich ſelbſt erniedriget haͤttet! Als er redete, ward zuſehends ſein Angeſicht heller; Und es ſahn's die Erſtandnen in ſeiner Herrlichkeit ſtrahlen, Ohne Huͤlle. Nach ihm erhub ſich Henoch, und ſiehe, Achtzehnter Geſang. 259 XVIII. G. V. 618— 631. Eine Morgenroͤthe mit ihm. Der Goͤttliche ſagte: Da ich das kleine Leben noch lebte, da noch die Stunde Meiner neuen Herrlichkeit ſaͤumte; da ſaß ich oft einſam Unter der Ceder im Hain: dann rauſcheten wallen⸗ de Luͤfte In der Ceder ihr Leben, es fuͤhlten ſich alle Na⸗ turen Um mich herum; ich aber empfand die unſterbliche Seele! Damals, o da ſchon ergriff mich in Stunden, welch' ich noch ſegne, Oft mit ſo unausſprechlicher Neuheit, und Wonne der beſte Aller Gedanken, ach der Gedanke vom erſten der Weſen, Daß zu der tiefſten Bewundrung die Seele vor ſei⸗ nem Anſchaun Schauernd hinunterſank; ſo neu, ſo ganz nicht empfunden War ſein Gefugt mir! Ich rief, der zitternde Mund nicht, der ſtarrte! Itde Stimme war todt! kaum hauchte der Athem! das Leben Stutzt', hielt inne! die Zeit ſtand ſtill! doch laut aus der Tiefe, Der Meſſias. XVIII. G. V. 632— 645. Laut mit allen Empfindungen rief die betende Seele: O wer biſt du? wer biſt, du der Weſen Weſen, wer biſt du? Gott! unendlich! der erſte! da war es einſam! du ſchoͤnſter! Weſen ohn' Urſprung! ewig war es nicht einſam, du Liebe! 1 Ach(nun kam mir die Stimme zuruͤck, nun floſ⸗ . ſen die Thraͤnen) Ach mein Schoͤpfer! mein Gott! ich vergeh' in den maͤchtigen Freuden! Dicht, denn dicht um mich her ſtroͤmt deiner All⸗ gegenwart Fuͤlle! o ſey du mir, Tag, mit lautem Jubel ge⸗ nennet! der mich ſchuf, doch nicht durch des Todes Gefilde, voruͤber, zu Gott! Er ſen⸗ det mich heute, r Weiſen voll Wahns, die trotzend auf Gruͤbeln, Auf die kleine Seele zu ſtolz,(ihr ließet ſie Gott nicht, Sie zu erhoͤhn) unſterblich ſich glaubten, und hoch von ſich hielten: Wenn ſie das Weſen der Weſen, nach ihrer Weis⸗ heit enthuͤllten, Einſt, Ging ich zu ihm, Hoch bei dem Grabe Euch zu richten, ih Und — Achtzehnter Geſang. 161 XVIII. G. V. 646— 657. und in das furchtbare Dunkel hinauf, von Traͤu⸗ men gefluͤgelt, Drangen, und den, der ewig iſt, ganz, wie er Gott war, entdeckten, Seine Vollkommenheit theilten; mit Menſchenmaß ſie bemaßen; Gott von Ewigkeit wußten! Ihr haͤttet beſſer im Staube Seinen Engel, den Tod, euch das Dunkle zu hela len, erwartet; Beſſer mit frommer Bewundrung angebetet, der, hoͤher Als eu'r ſchwindelnder Geiſt, ſich ganz in dem Schatten verkannte, Den ihr von ſeinem Weſen erſchuft, und edlere Seelen Um das Thun der Tugend betrog, und die große Belohnung! Alſo ſprach der Mann, der goͤttlich lebte⸗ Noch ſtanden Unter der Schaar der gerufnen in banger warten⸗ der Stille Andere Goͤttererfinder. Die waren noch nicht gerichtet; (Noch ſtanden ½) Dieſe Stelle wurde 1753 gemacht; Aber aus der Urſache weggelaſſen, weil der Verfaſſer befürchtete ſte würde, ſelbſt bei den beſten unter ſeinen katholiſchen Le⸗ ſern, den moraliſchen Wirkungen hinderlich ſeyn, welche ſein Gedicht haben könnte. Er glaubt nicht, daß dieſes noch jetzo zu befürchten ſey. Klopſt. Meſſias IV. B. 8 te Aufle 16² Der Meſſias. XVIII. G. V. 658— 672. Und die waren Chriſten geweſen. Die Reihn der Richter Warteten auch, und ſchwiegen. Nicht fern von dem Thron, mit den Schaaren Aller der Erſtgebornen zum Erb' in dem Himmel umgeben, Stand die Mutter des Menſchenſohns. Ein weißes Gewand floß Ueber den goͤttlichen Fuß; das war mit Blute be⸗ ſprenget. Und ſie ſchaute mit ſtillem, und ſanftem Auge voll Demuth Vor ſich nieder. So ging ſie, und fuͤhrte die ſchweigenden Schaaren Nah an den Thron. Ich erſtaunte vor Freude. So ſchoͤn war ihr Anſchaun, So viel Wonne der Seligen war in ihrer Geberde. Da ſie ſo vor dem Richter ſtand, da erhub ſie ihr Auge, Schauet' ihn an mit tiefem Gebet, ſank hin, und legte Still zu ſeinen Fuͤßen die Krone nieder. So lag ſie Vor dem Sohn’, und es kam von jeder feyrenden Harfe Leiſer ein Laut, wie des Halleluja. Die Maͤrtyrer alle Warfen um ihre Geleiterin ſich auf das Antlitz, und legten Achtzehnter Geſang. 163 XVIII. G. V. 673— 686. Ihre Kronen vor dem, der ſtarb, und ewig iſt, nieder. Jetzo ſprach der Verſoͤhner: Erhebet euch, Kindlein, und liebt mich, Wie ich euch liebte, da Blut aus dieſen Wunden herabquoll, Und Maria mich ſah. So ſprach der Richter. Maria Weinte. Dann breitete ſie die offenen Arme zum Thron' aus, Schwebte ſchimmernd empor, und ſang, daß es rings die Erſtandnen Alle hoͤrten, und Freud' ohne Namen die Himmli⸗ ſchen faßte. Hoſianna! nur dir, nur dir ſey es ewig ge⸗ ſungen! Siehe, du trafeſt den Tod bis zu der Vertilgung! die Suͤnde War umſonſt Verklaͤgerin an dem donnernden Throne! Trockne nun, heilige Zaͤhre, die ſelbſt in der ewi⸗ gen Ruhe Oft mein Auge vergoß, wenn mich die Chriſten verkannten, Und, wie dem Sohne, mir dienten, verſtumme nun, Thraͤne des Mitleids! Denn die Erd' iſt zerruͤttet, und in den Truͤmmern der Erde 2 2 164 Der Meſſias. XVIII. G. V. 687— 701. Liegen ſie alle verſtaͤubt die beglaͤnzten Altaͤre, von denen Mir Anbetungen ſchollen, ſo viel Verlaͤugnungen Gottes, Nicht vernommen von mir: er aber hat ſie ver⸗ nommen, Der nun dieſen furchtbaren Tag, nun Seelen vom erſten Aller Geiſter, Erſchaffne vom Unerſchaffenen ſondert! Preiß dir, und alle Kronen, und alle Palmen, du Gottmenſch, Du Vollender! allein anbetungswuͤrdiger Herr⸗ ſcher! Da noch der Staub nicht war, noch nicht, den Staub zu beleben, Diefe Seele, da wareſt du ſchon, und dachteſt Vers ſoͤhnung, Zu verſoͤhnen, die deiner Begnadigung Naͤrtyrer wurden, Zu verſoͤhnen, die dich gebar; ſie mit zu erwaͤhlen, Daß ſie am hohen Kreuz dein letztes Rufen ver⸗ nahme, Heut die Stimme der Sieger, und deine goͤttliche Stimme, Daß wir erloͤst ſind, und in das Gericht der Ver⸗ werfung nicht kommen! Hoſianna Bethlehems Kinde! dem Dulder! dem Todten! Achtzehnter Geſang. 265 XVIII. G. V 702— 716. Der erniedriget, in der Krippe den erſten Schlaf ſchlief, Und den letzten am Kreuz! dem Wunderbaren! dem Hohen! Den kein Name, die Thraͤne nicht nennt, dem großen Erfinder Seiner Erloͤſung, des ewigen Lebens! der Sterbli⸗ — chen Sohne, Und Jehovah's! dem Allerheiligſten Hoſianna! Aber itzt ward mein Geſicht zu dunkeln Ge⸗ ſtalten, die fliehend Kamen, fliehend verſchwanden. Nun hoͤret' ich Donner, nun Harfen, Jetzo die Stimme der Rufer am Thron; doch der Stimme Gedanken Konnt' ich nicht faſſen: denn einzelne Halle nur hoͤrt' ich vernehmlich, Und die andern verſanken im rauſchenden Strome der Donner. Immer noch neue Geſtalten, nie ganz enthuͤllet, Entſtehung Stets noch, und Untergang! Mir entflog bald ſchnelleren Fluges, Bald entſchlich mir ſaͤumend die Zeit. Es dauchte mir Jahre, Was mir alſo verſchwand. Ein Auftritt ward mir enthuͤllet. Leidende ſah ich belohnt! Der großen, unſchuldi⸗ gen, edlen 166 Der Meſſias. XVIII. G. V. 717— 731. Leidende warens, die Laſt auf Laſt das Elend er⸗ trugen, Ganze Leben durch erduldeten, goͤttliche Maͤnner! Kronen aus Urlicht kroͤneten ſie; ſie geleiteten Engel. Endlich waren vor mir die bewoͤlkten Erſcheinungen alle Weggeſunken, und ſieh, ich ſahe wieder Geſichte. Ach auf Einmak erhub ſich vor mir des ewi⸗ gen Todes Fuͤrchterlichſte Geſtalt. So hat kein Gedanke den Umkreis Eines unſterblichen Geiſtes, und jede geheimere Tiefe Seiner Empfindung erſchuͤttert, als dieſes Grauen mein Herz traf! Denn die entehrteſten aller Gefallnen, der kriechen⸗ den Menſchheit Erſte Schande, die tiefſten des Staubs,(Gott ſchwur ihm in Zorne, Daß er Staub ſey!) die boͤſen Koͤnige kamen, das Urtheil Ihres Todes zu hoͤren. Sie ruften nicht Donner vom Throne In das Gericht, nicht der Hall der Poſaune! roͤ⸗ chelndes Jammern, 4 Wie von dem Schlachtfeld her, noch ſterbendes Seufzen der Suͤnder, Achtzehnter Geſang. 167 XVIII. G. V. 732— 745. Die, ins Elend hinunter geſtuͤrzt, ſie zu ſuͤndigen zwangen, Rief ſie mit tauſendmal tauſend Stimmen, vor Gott zu erſcheinen! Und ſie kamen. So woͤlkt ſich die Nacht. Ein Mann, der im Leben Elend durch ihrer Einen ward, und dennoch gerecht blieb, Stand von ſeinem Stuhl auf, ſchwur zu dem Rich⸗ ter: Ich lebte; In drei Soͤhne verbreitet, entfloß mir mein niedri⸗ ges Leben Dennoch heiter, bis jener unmenſchliche, laͤchelnde Mann kam, In ſein Gold ſich ſetzte, die leidenden Guten ver⸗ kannte, Daß ſie wurden wie er! Da ſtarb ich. Du haſt ſie gerichtet! Richter, verwirf ihn von deinem Antlitz. Er raubte mein Blut mir, Schuf es nach ſeinem Bild' und entriß es dem Ar⸗ 3 me der Unſchuld! Richt' ihn, richt' ihn, du Mann der erſten Un⸗ ſchuld. Es komme Ueber ihn aller Verworfenen Qual, die er elend gemacht hat! Aber aus ihrer Herrlichkeit ſtanden mit ſchre⸗ ckenden Wunden 168 Der Meſſias. XVIII. G. V. 746— 760. Sieben Maͤrtyrer auf: Wir heißen hundertmal hun⸗ . dert! Eurem wuͤthenden Auge wars Luſt, uns ſterben zu ſehen; Und wir ſuͤndigten nichts. Der ſichere Vogel im Walde Sang dem Scheoͤpfer ſein Lied; wir aber durftens nicht ſingen. In der Gebirge veroͤdete Kluft, zu den Graͤbern der Todten, Wo mit bethraͤnter Blume Gebein der Bruͤder be⸗ graben Lag, und reifte dem Tage der Tage, folgten die . Bothen Eurer Wuth uns, und ließen nicht ab mit der Chri⸗ ſten Blute Ihre Schwerter zu traͤnken; bis ringsumher der Erſchlagnen Stumme Lippe, des Todes entſetzliche Stille, noch Blicke Sanfter gebrochener Augen zuletzt die Unmenſchli⸗ chen ſchreckten, Daß ſie flohen, und ihnen die leiſen Luͤfte der Waͤlder Stuͤrme wurden, und Mitternacht der ſchwebende Schatten! Aber ihr zittertet da noch nicht auf dem blumigen Lager Eures Schwelgens, und dicht vom unmenſchlichen Schmeichler umraͤuchert. Achtzehnter Geſang. 169 XVIII. G. V. 761— 774. Schaut nun empor, und ſeht: Die alle habt ihr getoͤdtet!, Schaut auch gegen ihn auf, den Erſtgebornen vom Tode, Wenn ihr vermoͤgt der Gottheit allmaͤchtiges Schre⸗ cken zu ſchauen. Jeſus heißet ſein Namen! Ihr hoͤrtet vormals den Namen Auf der Erde; da toͤnt' es noch nicht mit der Stimme der Donner, Wenn ihr hoͤrtet den Namen, den alle Himmel itzt nennen! Alſo ſprachen die Zeugen voll ſchoͤner Wun⸗ den. Nach ihnen Hob ein gerechter Koͤnig ſein ſeliglaͤchelndes Aug auf, Blickt' auf die Frommen umher: Wie kann ich mit Namen ſie nennen, Dieſe Ruhe, die jetzo mein Herz mit Seligkeit fuͤl⸗ let? 3 Wie ausſprechen den feſtlichen Lohn, nur, daß ich ein Menſch blieb? Nie, von dem Glanze der Groͤße geblendet, vergaß, daß ich Staub war? Auch dem Tode beſtimmt, wie jene, welch' ich be⸗ herrſchte? Seyd mir geſegnet, ihr ſanften, und ſuͤßen, ihr ſeligen Stunden, Der Neſſias. XVIII. G. V. 775— 789. Da mein Herz bei der Angſt Anblick, die Verlaſ⸗ ſene fuͤhlten, Gerne menſchlich zerfloß, und dann dem Ende des Kummers Eilend rufte. Schon war es Belohnung, ihr dan⸗ kendes Auge, Voll von dem heiligen Schauer der Menſchlichkeit, vor mir zu ſehen, War ſchon Kronen genug, das anzublicken! doch giebt mir Siehe, der Herrſchende, welcher unendlich belohnt, wie er ſelbſt iſt, Seiner Freuden noch mehr, aund Ewigkeit zu den Freuden! Nun erhub der Verworfenen Einer ſein An⸗ tlitz vom Staube, Wo er gerichtet ſtand, und ſtreckte die zeugende Rechte Nach den Koͤnigen aus; ſo ſprach der Verworfne: Mein Leben Iſt mit Schande bedeckt! ich bin ein gerichteter 1 Suͤnder! Kenne der Seele Hoheit nicht, die jene Gerechten Ueber den Staub der Erd' erhob; und dennoch em⸗ pfind' ich's, Daß ihr der Menſchheit Erniedrung, vor allen Er⸗ . degebornen, Ihr die unheiligſten ſeyd, ſo lang die Suͤnde ge⸗ herrſcht hat, Achtzehnter Geſang. 171 XVIII. G. V. 790— 803. Und ſein Gericht das Gewiſſen nur noch in Stil⸗ lem gehalten, Aber das nun an dem Tage der Rache nicht mehr betaͤubt wird! Alſo ſagt' er. Es hatte ſich lang mit toͤdten⸗ dem Schrecken Seraph Eloa geruͤſtet. Die Rache gluͤht' in dem Aug' ihm! Sein gefuͤrchtetes Buch hing durch die Himmel her⸗ unter, Und er rollt's aus einander; da rauſchet' es Rau⸗ ſchen des Sturmes! Alſo ſprach er: Es iſt mit keinem Maße gemeſſen, Euer Elend! die Zahl zaͤhlt's nicht, ihm fehlen die Namen! Weh' euch, daß ihr geſchaffen ſeyd! Weh' und Verderben ohn' Ende Euren Seelen! Ihr habt der Menſchheit heiligſte Wuͤrde Tief herunter entweiht. Sie haͤtten Engel mit Jauchzen, Und mit weinendem Dank von der Koͤnige Koͤnig' empfangen! O ihr ſtandet erhaben! um eure Throne verſammelt, Stand das Menſchengeſchlecht! Weit war der Schauplatz, der Lohn groß, 172 Der Neſſias. XVIII. G. V. 804— 818. Menſchlich und edel zu ſeyn! Die Himmel ſahn euch. Es wandten Alle Himmel ihr Angeſicht weg, wenn ſie ſahn, was ihr thatet! Wenn ſie ſahen den mordenden Krieg, des Men⸗ ſchengeſchlechtes Brandmahl alle Jahrhunderte durch! der unterſten Hoͤlle Lauteſtes ſchrecklichſtes Hohngelaͤchter! den ewigen Schlummer Eurer Augen, daß neben euch druͤckte der kriechende . Liebling! Keine Tugend belohnt, und keine Thraͤne getrocknet! Geh nun, du fuͤllteſt dein Ohr mit der ſuͤßen Un⸗ . ſterblichkeit Schalle! Geh, du haſt ſie erlangt; doch die nicht, welche du traͤumteſt! Ewig iſt euer Name; vom unterſten Poͤbel der Seelen Mit den wildeſten Fluͤchen der Hoͤlle genannt zu werden! Eure Thaten ſind in des Abgrunds eherne Berge, Dort, in langen unendlichen Reihn, mit Feuer ge⸗ graben, Alle zu kennen, an der eignen unſterblichen Schande! Da, da iſt kein Tempel des Ruhms, da ſproſſet kein Lorbeer, Achtzehnter Geſang⸗ 173 XVIII. G. V. 319— 3833. Eures Hauptes Krone zu werden, da toͤnt kein Triumphlied, Euch, mit Ehrevergeudung, mit hohen Preiſes Er⸗ guſſe, Jedem Zauber des Stolzes, durch Siegesbogen zu ſingen: Aber Jammergeſchrei, und ſchreckliche Stimmen des Blutes, Das ihr vergoßt, und Wuthausruf, und Verwuͤn⸗ ſchung zu neuer Groͤßerer Qual erſchallen vom Ueberhange der Berg' euch, Euch aus der ewigen Nacht herdrohenden grauſen Gewoͤlben! Daß die Wolk' am Throne mit ihrem Donner ſich waffne! Und mit eiſernem Gang die Todesengel herabgehn! Daß die Gerichteten alle die ſtarrenden Augen erheben, Nach dem Thron ſchaun! Denn die Entſcheidung faſſet die Wage; Bald, bald ſchwebt in die Himmel hinauf die ſtei⸗ gende Schale! Alſo ruft' er. Allgegenwaͤrtige ſchauernde Stille Hatte ſich uͤber die Erd', und uͤber den Himmel gebreitet. Heilig, und hehr, und ſchrecklich war des Richtenden Herſchaun! —— 174 Der NMeſſis. Achtzehnter Geſang. XVIII. G. V. 334— 845. Allmacht ſtrahlt' er, und Zorn! Er blickt' auf die Koͤnige nieder, Wandte ſein Angeſicht, ſchwieg. Als er ſein Ange⸗ 1 3 ſicht wandte, Schauert' es unter der Koͤnige Fuß in den Felſen⸗ gebirgen; Kam ein Sturm von dem Thron', und in den Naͤchten des Sturmes, Alle Todesengel herab. Die Koͤnige flohen! Kein Erdbeben erbarmte ſich ihrer, ſie, vor dem Anſchaun, Und dem kommenden Schweben der Todesengel, zu 3 decken. Ein Gedank'; und wir ſahn die umleuchtete Staͤte verlaſſen Ihres Gerichts: noch Einer; ſo hoͤrten wir donnern die Hoͤlle,— Welche ſich oͤffnete! ſchloß! Schon kamen, am aͤußer⸗ ſten Himmel um den Gerichtsplatz her, die Todesengel. Sie 4 hielten 1 Schwarze Wetter empor, und ſangen Jubelgeſaͤnge! Der Meſſias. „ Neunzehnter Geſang. Inhalt des neunzehnten Geſangs. Aram ſchweigt von Einem Anblicke des Gerichts. Die geiſtlichſtolzen Halbchriſten. Abbadona's Schickſal wird entſchieden. Die Seligen erheben ſich gen Himmel⸗ Die Aeuſſerſten der Heerſchaar ſind die, welche in der Suͤndfluth umgekommen waren. Die Erde wird verwan⸗ delt. Das Geſicht hoͤrt auf. Jeſus erſcheint einigen Juͤngern am See Tiberias; mehr als Fuͤnfhunderten auf Tabor; Jacobus allein am Tabor; und den Zwoͤl⸗ fen und Siebzigen in einem Palmenwaͤldchen. Johan⸗ nes hat eine Offenbarung von der Ausgieſſung des hei⸗ ligen Geiſtes. Die Zeir der Himmelfahrt iſt getom⸗ men. Lebbaͤus Wehmuth uͤber den nahen Abſchied von Jeſus. Thomas fuͤhrt die Juͤnger nach Gethſemane. Jeſus kommt zu ihnen, und geht mit ihnen auf den Oelberg. Auf demſelben ſind die Triumphbegleiter, Seelen, Auferſtandne und Engel unſichtbar gegenwaͤrtig. Indem Jeſus die Juͤnger anredet, verklaͤrt er Lazarus⸗ Dieſer wird von ſeinem Engel auf den Oelberg gefuͤhret. Jeſus ſegnet die Juͤnger und faͤhrt gen Himmel. Eloa, der als Schutzengel der Erde zuruͤckgeblieben war, und Salem reden mit den Juͤngern. Dieſe kehren nach Je⸗ ruſalem um, und erwarten die Ausgieſſung des heiligen Geiſtes. 4 Neunzehnter Geſang. XIX. G. V. 1— 9. Enen Anblick des ernſten Gerichts verhullte der Menſchen Vater durch Schweigen. Er ſah, in der Mitte des großen, gedraͤngten, Unabſehlichen Heers der auferſtandenen Todten, Eva auf einem Huͤgel ſtehn, und mit fliegenden Haaren, Ausgebreiteten Armen, mit gluͤhender Wange, mit vollen Innigen Toͤnen der Mutterſtimme, wie nie noch ein Menſch ſie, Oder ein Engel vernahm, um Gnade! ſie laͤchelte weinend, Flehn fuͤr die Kinder, um Gnad'! empor zu dem Richter, um Gnade! Aber auf Einmal verſchwand ihm der Schaueran⸗ 3 blick; er hoͤrte Klopſt. Meſſias IV. B. M ute Aufl. Der Meſſias. XIX. G. V. 10— 22. Einigemale nur noch ſanft Lispeln der himmliſchen Harfen Mitleid daucht' es ihm erſt, dann daucht' es ihm Freude. Doch jetzo Hatt' auch dieß ſich verloren. Er ſah von neuem Geſichte. Als erwach' er aus tiefen Gedanken, beginnet — er wieder: Nunmehr ſah ich die Schnitter der Erndte die Schaaren hinauf gehn, Und hinab. Sie gingen mit ſcharfer Forſchung Ge⸗ berden Langſam voruͤber, und ſchauten voll Ernſt in die Schaaren, und riefen: Komm! Dann fuͤhreten ſie die gerufnen, wie truͤbe Gedanken, Stumm ſie alle, wie Bilder am Grab', als Graͤ⸗ ber noch waren, Auf den Gerichtsplatz hin. Da ward ein Seraph geſendet: Der trat langſam hervor, und brachte den hohen Befehl mit: Fallt auf das Angeſicht nieder, und hoͤrt das⸗ Urtheil, das vormals In dem Leben der Stunden, allein fuͤr ſich nur, der Fromme Neunzehnter Geſang. 179 XIX. G. V. 23— 35. Ueber euch ſprach; und ſich zitternd warnte, ſelbſt ſelig zu werden!„ Ach ich ſah ſie erblaſſen, und niederfallen zur Erde! und ſie lagen, und hielten zertruͤmmerte Felſen. Der Seraph Trat ſtillſchweigend zuruͤck. In dem Glanze der reineren Tugend, Mit der Hoheit der Religion, die er druͤben am Grabe Schon in ihrer Goͤttlichkeit ſah, erhob ſich der beſte, Und der liebenswuͤrdigſte Juͤnger, der fromme Jo⸗ hannes. Und die Aelteſten ſtanden um ihn. Er erhob ſich, die Stolzen, Welche zur Erde niedergeſunken auf dem Gerichts⸗ platz Lagen, die zu enthuͤllen! ihr Thun dem Tags zu zeigen! Gleich dem Wetter des Maͤchtigen, traf er nicht jede der Tiefen, Jede Hoͤh nicht: beruͤhrete nur hier Gipfel, dort Abgrund; Ließ dann ſchweigen die ſchreckende Wolke. So ſprach er: Ihr ſchuft nch M 2 180 Der Meſſias. XIX. G. V. 36— 49. Eigene Tugend, und ſtelltet den Abgott uͤber den Thron hin, Wo des Richters Geſetz, und neben dem ernſten Geſetz ſtand Euer Gewiſſen. Der Heilige, der das zarte Gefuͤhl ſelbſt Nach des Ewigen Richtſchnur maß; und doch um Erbarmung Weinend flehete, war ſich nicht rein, und wußte, wer Gott ſey: Aber ihr waret euch rein! kaum, daß ihr die große YVerſoͤhnung Auch annahmet. Und dennoch habt ihr die edle Begierde, Welche zur Ehr' euch rief, zu dem Stolz herunter erniedert! Habt mit Strenge zu richten gewagt, wer beſſer als ihr war, Wer einfaͤltiger, weiſer, und tiefer drang in die Irre Schwerer Pflichten, in ſich geſchaͤrfter Gefuͤhl des Guten Weckte, dieß Feuer naͤhrte, mit Wahn, und mit Strenge zu richten! Euch unheilig erkuͤhnt, die ſchweigende Tugend dem Schalle Ihres Namens, dem Schimmer von ihr in der Koͤnige Huͤtten, Neunzehnter Geſang⸗ 181 XIX. G. V. 50— 63. Oder auf anderer Hoͤh der Schattengroͤße des Men⸗ ſchen, Gleich zu halten! Ihr bautet euch ſelbſt Gluͤckſe⸗ ligkeiten, Tempel eurer Erfindung, auf ſchmeichelnder Ruhe gegruͤndet, Aber nicht auf der heiligen Pflicht. Den Namen der Vorſicht Nanntet ihr zwar; doch trautet ihr mehr dem We⸗ ge des Menſchen, Enrem Wege! den hoͤheren Geiſt, den euch die Na⸗ tur gab, Habt ihr weit von dem Zwecke verleitet; zu dem ihr gemacht wart! Habt der herzlichen, edlen, der frommen Menſch⸗ 1 lichkeit ſanfte Liedestoͤne ſo oft mit rauhem Klange vermi⸗ ſchet! So ſchien zwar nicht die That, des Gedankens Miß⸗ bild; ſo war Aber das Herz in Verborgnem. Dort war es euch Nacht, der Friede Kam nicht in euer Herz, dem Feinde ganz zu ver⸗ zeihen,. Ihn in Stillem zu ſegnen! O durft' auf die Kro⸗ ne denn hoffen, Wer nicht rein war vor Gott? ſo gar vor dem eig⸗ nen Gefuͤhl nicht 18²2 Der Meſſias. XIX. G V. 64— 77. Rein in der Stunde der Angſt; traf's maͤchtiger ihn, daß er Menſch ſey? Wer ſich ſelber nicht mehr entrann; und doch um Erbarmung Zu dem erhabnen Verſoͤhner nicht rief? und doch zu dem Stolze Wiederkehrte, zur eigenen Groͤße? ſich ſelbſt ver⸗ ſoͤhnte? Arme Ruhige! Suͤnder von Suͤndern! der letzte der Tage, Konnte nur er euch, an euch mit ſeinem Schrecken, 1 erinnern? Und euch konnte doch jede der Stunden des fliehen⸗ den Lebens Maͤchtig lehren, daß uͤber dem Grab ein Anderer richte, Als ihr ſelbſt! Erhebt euch, und ſeht die Ruhi⸗ gern alle! 3 Schaut nun, welches Ziel ihr verfehltet! Ein an⸗ derer Weg ging Nach dem Ziel. Demuth, mehr Menſchlichkeit, heißre Gebete Haben bis hin zu der Krone den Schritt der Sie⸗ ger geleitet! Ihr habt niemals, wie ſie, in Stunden wacherer Naͤchte, Weinend gerungen in tiefem Gebet! Ihr euch niemals habet Neunzehnter Geſang. 183 XIX. G. V. 73— 91. Ganz des Elends erbarmt! Ihr habt die hoͤchſte der Freuden Unter den Freuden der Menſchen und Engel nie⸗ mals empfunden, Jene Freude, den Seher des Himmels allein zum Zeugen Unſerer Thaten zu haben, nur Ihn! uns froͤmmer zu achten, Seliger, wenn den Menſchen die That, ſo wir tha⸗ ten, verhuͤllt war! Niemals habt ihr genug des Hocherhabnen, des erſten, Gottes Groͤße gekannt! Das iſt es, daß ihr von Ruhe Laͤchelnd traͤumtet; allein bis zu jenem Frieden nicht kamet, Der in der Thraͤne des Buͤßenden rann, die um Gnade nur flehte, Nur um Gnade, durch Thraͤnen und Blut des Ver⸗ ſoͤhners erworben! Alſo ſprach er. Die Wag' erklang. Die leichtere Schale Stieg nicht voͤllig empor. Der Gerichteten Schick⸗ ſal ward Daͤmmrung; Nacht nicht. Vielleicht, daß dereinſt auch fruͤher der Tag fuͤr ſie aufgeht. Graunvoll ſtand das Heer zu des Richters Linken. Vom Throne Der Meſſias. 184 XIX. G. V. 92— 105.. Schwebten die Todesengel herab, daß Verworfne ſie fuͤhrten, In die Wohnung der ewigen Nacht. Sie trugen die Schrecken Deß auf dem Thron' im richtenden Blick. Zu tau⸗ ſenden waͤlzten, Da ſie ſchwebeten, Donnerwolken des hohen Ge⸗ richtsſtuhls Ihrem eilenden Fluge ſich nach. In einſamer Stille, Und mit ſterbendem Blicke ſtarr in die Tiefe ge⸗ ſenkt, ſtand Abbadona. Ihm kam der Engel einer des Todes Immer naͤher, und naͤher. Er ſah den Cherub, erkannt' ihn, Und erhub ſich zu ſterben. Er ſchaute mit truͤbes rem Auge Auf den Richter, und rief aus allen Tiefen der Seele. Gegen ihn wandte das ganze Geſchlecht der Men⸗ ſchen ſein Antlitz, Und der Richter vom Thron. So ſprach anbetend der Seraph: Weil nun alles geſchehn iſt, und auf den 3 letzten der Tage Dieſe Nacht der Ewigkeit folgt: ſo laß nur noch Einmal, Neunzehnter Geſang. 285 XIX. G. V. 106— 119. Du, der ſitzt auf dem Throne, mit dieſen Thraͤnen dich anſchaun, Die, ſeit der Erde Geburt, mein brechendes Auge 3 geweint hat. Schaue vom Thron, wo du ruhſt, du haſt ja ſel⸗ ber gelitten Schau' in das Elend herunter, wo wir Gerichteten ſtehen, Auf den verlaſſenſten aller Erſchaffnen! Ich bitte nicht Gnade; Aber laß um den Tod, Gottmenſch Erbarmer, dich bitten. Siehe, dieſen Felſen umfaſſ' ich! hier will ich mich halten, Wenn die Todesengel von Gott die Gerichteten fuͤh⸗ ren. Tauſend Donner ſind um dich her, nimm einen der tauſend, Waffn' ihn mit Allmacht, toͤdte mich, Sohn, um deiner Liebe, Deiner Erbarmungen willen, mit denen du heute begnadigſt! Ach ich ward ja von dir auch mit den Gerechten erſchaffen; Laß mich ſterben! Vertilg' aus deiner Schoͤpfung den Anblick Meines Jammers, und Abbadona ſey ewig ver⸗ geſſen! 186 Der Meſſias. XIX. G. V. 120— 133. Meine Sühäpfung ſey aus, und leer die Staͤte des baͤngſten, Und des verlaffenſten aller Erſchaffnen! Dein Don⸗ ner ſaͤumet, Und du hoͤreſt mich nicht. Ach muß ich leben, ſe laß mich, Von den Verworfron geſondert, auf dieſem dunklen Gerichtsplatz Einſam bleiben, daß mirs in meinen Qualen ein Troſt ſey, Tiefnachdenkend mich umzuſchaun: Dort ſaß auf dem Throne Mit hellglaͤnzenden Wunden der Sohn! Da hu⸗ ben die Frommen Sich auf ſchimmernden Wolken empor! hier wurd' ich gerichtet! Abbadona ſank an den Felſen. In eilendem Fluge Standen die Todesengel, und wandten ihr Antlitz zum Richter. Feierlich ſchwieg das Menſchengeſchlecht. Die Don⸗ ner verſtummten, Die unaufhoͤrlich vorher von dem Throne des Rich⸗ tenden ſchallten, Abbadona erwacht', und fuͤhlte die Ewigkeit wieder; Gegen ihn kam durch die wartenden Himmel die Stimme des Richters: Neunzehnter Geſang. 187 XIX. G. V. 134— 147 Abbadona, ich ſchuf dich! ich kenne meine Geſchoͤpfe, Sehe den Wurm, eh' er kriecht, den Seraph, eh' 4 er empfindet; Kenn' in allen Tiefen des Herzens alle Gedanken: Aber du haſt mich verlaſſen!“ und jene Gerichteten . zeugen Wider dich auch! du verfuͤhrteſt ſie mit! Sie ſind unſterblich! Abbadona erhub ſich, und rang die Haͤnde gen Himmel, Alſo ſaget' er: Wenn du mich kennſt, und wenn du den baͤngſten Aller Engel gewuͤrdiget haſt ſein Elend zu ſehen; Wenn dein goͤttliches Auge die Ewigkeiten durch⸗ ſchaut hat, Die ich leide: ſo wuͤrdige mich, daß dein Donner 3 mich faſſe, Und dein Arm ſich meiner erbarme, vor dir mich zu toͤdten! Mittler! ich ſinke betaͤubt in des Abgrunds furcht⸗ barſte Tiefe; und mein bebender Geiſt entflieht der Ewigkeit Schauplatz, Stuͤrzt ſich hinab, und ruft dem Tode, ſo oft ich es denke, 188 Der Meſſias. XIX. G. V. 148— 161. Daß du mich ſchufſt! und ich es nicht werth war, geſchaffen zu werden! Schau, wo du richteſt, herab, und ſieh, du Erbar⸗ mer, mein Elend! Laß nur Einmal noch den erhabnen Gedanken mich denken, Daß du mich ſchufſt! daß auch ich von dem beſten der Weſen gemacht ward! Und dann tilg' auf ewig mich weg von der Schoͤ⸗ pfungen Schauplatz! Sey mir, Gedanke, gegruͤßt, vor dem nahen Ab⸗ ſchied von allen, Die Gott ſchuf, und dem Unerſchaffnen der letzte Gedanke! Da der vollendete Himmel in ſeinen Kreiſen herauf⸗ kam, Und der erſte Jubelgeſang die Unendlichkeit fuͤllte; Da mit Einer großen Empfindung, die von dem Schoͤpfer All' auf Einmal ergriff, die werdenden Engel ſich fuͤhlten; Da der Einſame ſich vor Tauſendmal tauſend ent⸗ huͤllte, Wie er von Ewigkeit war, und zuerſt der hoͤchſte Gedanke Nicht allein mehr von Gott gedacht ward: da ſchuf mich mein Richter! Neunzehnter Geſang⸗ 189 XIX. G. V. 162— 175. Damals kannt' ich kein Elend, kein Schmerz ent⸗ weihte die Hoheit Meines Geiſtes. Vor allen, die ich ſie zu lieben mir auskohr, War mir der liebenswuͤrdigſte Gott! Mit ſchatten⸗ dem Fluͤgel Deckte mich ewiges Heil! In jeder Ausſicht ſah ich Seligkeiten um mich! Mir jauchzt' ich in meiner Entzuͤckung, Daß ich geſchaffen war, zu. Ich war, geliebet zu werden Von dem beſten der Weſen! Ich maß mein dau⸗ rendes Leben Nach der Ewigkeit ab, und zaͤhlte die ſeligen Tage Nach der Zahl der Erbarmungen Gottes! Nun muß ich vergehen! Laͤnger nicht ſeyn! nie wieder mit tiefer Bewunde⸗ rung Gott ſchaun! Und an dem Throne des Sohns kein Halleluja meht ſingen! Werde denn, ewiger Geiſt, werd' aufgeloͤſet! Vol⸗ lendet Iſt der Zweck, zu dem du geſchaffen wurdeſt! Hier ſteh' ich, Bete zum letztenmale dich an, o, der auf des Schickſals 190 Der Meſſias. XIX. G. V. 176— 189. Naͤchtlichſte furchtbarſte Hoͤh mich ſtellte, dort mich zum Zeugen Erſt der Huld; der Rache, der unerbittlichen, dann mich Auserkohr, daß Aeonen es ſaͤhn, und ihr Antlit verhuͤllten! Alſo ſaget er, ſinkt vor dem Richter aufs An⸗ geſicht nieder, Und erwartet den Tod. Und tiefe feirliche Stille Breitet noch uͤber den Himmel ſich aus, und uͤber die Erde. Damals erhob ich mein Auge, und ſah die Him⸗ mel herunter, Und ich ſah auf den goldenen Stuͤhlen die Heiligen beben, Vor Erwarten der Dinge, die kommen ſollten! Ich ſah auch, Vor dem eer der Verworfnen, um Abbadona, er⸗ wartend, Gluͤhender Stirn, es lagen um ſie die nachilicfn Wolken Unbeweglich, ſo ſah ich die Todesengel! Sie wandten Starr von Abbadona den Blick zu dem Throne des Richters. Hier verſtummte der Vater der Menſchen. Die Heiligen ſahn ihn, Neunzehnter Geſang. 191 XIX. G. V. 190— 202. Als ob er unter ihnen noch Einmal vom Tod' er⸗ wachte, Da er wieder begann: Zuletzt, wie die Stimme des Vaters Zu dem Sohn, wie der Jubel Nachhall, ſcholl von dem Throne Dieſe Stimme: Komm, Abbadona, zu deinem j Erbarmer! Adam verſtummte von neuem. Da ihm die A Sprache zuruͤckkam, Da er mit feuriggefluͤgelten Worten zu reden ver⸗ mochte, Sagt' er: Schnel’, wie Gedanken der himmels⸗ ſteigenden Andacht, Wie auf Fluͤgeln des Sturms, in dem der Ewige wandelt, Schwung ſich Abbadona empor, und eilte zum Throne! Als er daher in dem Himmel ging, da erwachte die 1 Schoͤnheit Seiner heiligen Jugend im betenden Auge, das Gott ſah; Und die Ruh des Unſterblichen kam in des Seraphs Geberde! So hat keiner von uns an der Auferſtehungen Tage 192 Der Meſſias⸗ XIX. G. V. 203— 216. Ueber dem Staube geſtanden, wie Abbadona dahey⸗ ging. Abdiel konnte nicht mehr aushalten des kommenden Anblick, Schwung ſich durch die Gerechten hervor; mit ver⸗ breiteten Armen Jauchzet' er laut durch den Himmel. Die Wange gluͤht' ihm; die Krone Klang um ſein Haupt; er zittert' auf Abbadona herunter, Und umarmt' ihn! Der liebende riß ſich aus der . Umarmung, Sank dann zu den Fuͤßen des Richters aufs Ange⸗ ſicht nieder. Nun erhob ſich umher in dem Himmel des lauten Weinens Stimme; die Stimme der ſanfteren Wonne. Der leiſeren Harfen Jubel entglitt den Stuͤhlen der vier und zwanzig Gerechten, Kam zu dem Stuhle des Sohns, und ſang von dem Todten, der lebte! Wie kann ich reden die Worte, die Abbadona ge⸗ ſagt hat, Da er am Thron' aufſtand, und zu dem auf dem Thron ſich wandte? Alſo ſagt' er, und laͤchelte Wonne des ewigen Lebens: 9 mit Neunzehnter Geſang. 193 XIX. G. V. 217— 230. O mit welchen feſtlichen Namen, mit welchen Gebeten, Soll ich zuerſt dich nennen, der mein ſich alſo er⸗ barmt hat? Kinder des Lichts, die ich liebte, zu euch bin ich 3 wiedergekommen! Erſtgeborne der Schoͤpfung, und ihr durch die Wun⸗ den des Sohnes Erben des ewigen Lebens, wohin bin ich wiederge⸗ kommen 2 Sagt mir, o ſagt mir, wer rufte mir? weß war die Stimme vom Throne, Die bei dem Namen mich nennte? Du biſt die Quelle des Lebens! Fuͤlle der Herrlichkeit! ewiger Quell des ewigen Le⸗ bens! Heil iſt dein Name! Du biſt der Eingeborne des Vaters! Licht vom Licht! biſt der Allverſoͤhner! das Lamm, das erwuͤrgt ward! Richter heißeſt du auch! Ich will die Liebe dich nennen! Gott hat a am Abend des Weltgerichts noch Einmal erſchaffen; Denn ich war Einer der Ewigtodten. Den letzten der Tage Schuf er mich um, und rief mich, aus meines Todes Umſchattung, Klopſt. Meſſias IV. B⸗ N ate Aufl⸗ 194 Der Meſſias. XIX. G. V. 231— 244. Wieder zum ewigen Heil, das unausſprechlich wie Gott iſt! Halleluja! ein feirendes Halleluja, o Erſter! Sey dir von mir auf ewig geſungen! Du ſprachſt zu dem Elend: Sey nicht mehr! zu den Thraͤnen: Ich hab' euch alle gezaͤhlet! Freudenthraͤnen, und Dank, und Anbetung ſey dem auf dem Throne! Jetzo ward mein Geſicht zu dunkeln Geſtal⸗ ten, die fliehend Kamen, ſchwebten, und fliehend am fernen Him⸗ mel verſchwanden. Endlich waren vor mir die dunkeln Erſcheinungen alle Weggeſunken; Geſicht war wieder, was ich erblickte. Aber Jahre, ſo daucht' es von neuem mich, waren vergangen Zwiſchen dem letzten Anblick, und dieſem, der nun vor mir aufging. Schoͤner leuchtet' herunter, und ſchrecklich nicht mehr des Thrones Glanz, und uͤberſtrahlte der Auferſtehung Gefilde! Weit, wie niemals mein Auge ſah, in unendlicher Ferne, Neunzehnter Geſang. 195 XIX. G. V. 245— 258. Sah ich die Schaarenheere der Ueberwinder gen Him⸗ mel Wallen; die aͤußerſten nur erkannt' ich. Es waren der erſten Erde Kinder, die einſt zum Meere wurde, da Gottes Wagſchal' auch erklang, und gewogen ward, wer von Adam Sterblichkeit erbt', und die Seelen der Todten hin⸗ unterſanken In ein furchtbar Gefaͤngniß. Die waren jetzt von der Feſſel Alle befreit, und wallten hinauf mit den Siegern gen Himmel. Segnend ſchaut' ich den ſeligen nach. Auf Einmal erhub ſich Hinter mir Donnerton; und ich ſah verwandelt die Erde. Werden! ihr Engel des Allerheiligſten! und ihr Ge⸗ bornen! Sahe weit um mich her die fluchbeladene zum Eden Werden! Alſo erſtand ich aus Staube; ſo ward die Erde Eden aus Truͤmmer. Die Schoͤpfung erſcholl um⸗ her, und die Sterne Leuchteten heller. Noch hoͤrt' ich der Schoͤpfung Donner, noch ſtrahlt' es N 2 196 Der Meſſias. XIX. G. V. 259— 272. Mir von dem Himmel, als ich zu euch nach mei⸗ nem Geſicht kam. Jeſus war von dem Tabor herabgekommen, und ſtand jetzt An dem Geſtade des Sees Tiberias, neben ihm En⸗ gel,. Nur geſehen von ihm. Sie brachten Bothſchaft aus Welten; Hoͤreten ſchnelle Befehle, die Weltenſchickſal ent⸗ ſchieden. Andere traten herzu, und andere wandten ſich, eil⸗ ten, Mit Befehlen belaſtet, daruͤber ſie ſtaunten, dar⸗ uͤber Einſt auch wir, wenn geſunken uns iſt die Huͤlle des erſten Lebens, der Geiſt des ſchlummernden Todten die Heitre durchwallet, Staunen werden. Hierauf war die Morgendaͤmm⸗ rung geſtiegen; Und den Strahl des werdenden Tages milderte lich⸗ ter Nebel, ein Schleier aus Glanz, und weißem Dufte gewebet. Ruh war auf die Gefild' umher, fanftathmenze Stille Ausgegoſſen. Ein Nachen entglitt da langſamſichtbar Neunzehnter Geſang. 197 XIX. G. V. 273— 236. Voll von Freunden dem lieblichen Duft des werden⸗ . den Tages. Nackt bei dem uͤberhangenden Netz ſtand vorn in dem Nachen Kephas. Es ſaßen umher, mit ſilberhaarigem Haupte Bartholomaͤus, Lebbaͤus gelehnt auf ein Ruder, mit vollem Freudeglaͤnzenden Blicke der Zwilling, mit laͤcheln⸗ der Heitre Selbſt Nathangel, ſaßen die Zebedaͤiden, Jako⸗ blus Mit den Gedanken im Himmel; Johannes beim Herrn auf der Erde. Da ſie naͤher heran zu dem Ufer kommen, er⸗ blicken Sie den Mittler, allein ſie erkennen ihn nicht; doch verehren Sie den ernſten Fremdling, der dort des Morgens, in ſanfte Ruhe verſenkt, und ſeiner Gedanken ſich freut. J. Von den Pilgern Allen, welche die Goͤtzen des Griechen, oder der ſieben Muͤndungen Strom, und ſeine Gebilder ließen, des Paſſa Feier mit uns zu begehn, und des Tempels Pfal⸗ me zu hoͤren, 198 Der Meſſias. XIX. G. V. 287— 300. Sah ich keinen ſo voll von Hoheit der Seele! Ja⸗ kobus. Sagt' es; und Didymus ſprach: O waͤr, den wir ſehen, der Pilger Einer der Auferſtehung, und jetzt mit dem Morgen gekommen, Strahlender uns zu erſcheinen, als leuchten Tage der Erde Koͤnnen, Sonnen es koͤnnen! mit ſcharfem Blicke, Lebbaͤus, Siehſt du ihn an, mit unabwendbarem Auge des Forſchers. c. Ach die Geberde des Sterblichen, der ein Himm⸗ liſcher iſt, die, Die betracht' ich, o Thomas, erwarte den Flug, den die Wandlung Nehmen wird, ſo eilend vielleicht, daß mein Aug' ihn nicht ſiehet. Aber der Fremdling redet mit ihnen: Habet ihr Speiſe Meine Kinder? Sie hatten die Nacht vergebens gefiſchet, Hatten der Speiſe nicht. Da ſagte der Unbekannte: Werfet das Netz zu der Rechte des Schiffs; ſo wer⸗ det ihr finden. Und ſie warfen es aus, und konntens nicht b ziehn, vor der Fiſche Neunzehnter Geſang. 199 XIX. G. V. 301— 314. Menge. Mit mehr Erwartungen, richtete jetzo Leb⸗ baͤus, Richtete Thomas den forſchenden Blick auf den, Un⸗ bekannten. Aber der Zug, ſo das Netz da, wo der Fremdling es ſagte, Und ſo ſchnell belaſtete, zeigt Johannes den Mitt⸗ ler! Freudig ruft' er: Es iſt der Herr! Da Kephas vernommen, Daß es der Herr ſey, eilet' er, guͤrtete ſich mit 8 dem Hemde, Warf ſich ins Meer! ſchwamm ſchnell heran zum Geſtade, voll Unruh, Chriſtus naͤher zu ſehn. Er ſah ihn, erkannt' ihn! Die andern Eilten im Nachen, zogen das Netz mit den Fiſchen heruͤber, Traten ans Land, und erkannten, vor Wonne ver⸗ ſtummt, den Verſoͤhner! Brodt, und Kohlen, und Fiſch' auf den Kohlen lagen vor ihnen An dem Ufer. Der Goͤttliche ſprach: Bringt auch von den Fiſchen, Die ihr finget. Und ſchnell ſprang Kephas wieder . ins Waſſer; Zog das ſchwere Netz voll großer Fiſche, das den⸗ noch 200 Der Meſſias. XIX. G. V. 315— 328. Nicht zerriß, auf das Land: und Leben wimmelt' im Netze! J. Kommt, und haltet das Mahl. Sie hielten's. Vertraulich, mit Liebe Saß er am Ufer unter den wonnevollen, und reichte Ihnen Speiſe. Jetzt war das zweite der frohen Mahle, Nach dem traurigen Mahl vor ſeinem Tode geendet. Und ſie wandelten hin am Geſtade. Der Goͤttliche ſagte: Simon Johanna, liebſt du mich mehr, als dieſe mich lieben? Schnell tritt Petrus naͤher zu ihm, antwortet: Du weißt, Herr, Daß ich dich liebe! Mit inniger Huld ſprach Je⸗ ſus: So weide Meine Laͤmmer! und ſchwieg nicht lang', und fragte noch Einmal: Simon Johanna, liebeſt du mich? In dem inner⸗ ſten Herzen Fuͤhlet es Kephas; noch trauert er nicht, antwor⸗ tet: Du weißt, Herr, Daß ich dich liebe! Mit inniger Huld ſpricht Je⸗ ſus: So weide Meine Schafe! und ſteht, und fragt den geruͤhrten noch Einmal: Neunzehnter Gefang. 201 XIX. G. V. 329— 342. Simon Johanna, liebeſt du mich? Da kam in des Juͤngers Seele Traurigkeit, daß ihn der Herr zum dritten⸗ mal fragte. Und mit der Stimme der Wehmuth erwiederte Pe⸗ trus: Du weißt, Herr, Alle Dinge, du weißt, daß ich dich liebe! So weide Meine Schafe! ſprach der Verſoͤhner. Du wareſt ein Juͤngling, Kephas, und guͤrteteſt dich, und wandelteſt hin, wo du wollteſt. Wenn das Alter dir kommt, dann wirſt du die Haͤnd' ausſtrecken, Andere werden dich guͤrten, dich andere fuͤhren, dich fuͤhren, Wo du nicht hin willſt. Folge mir nach! Der Juͤnger verſtand es, Welche Fuͤhrung dieß ſey, und mit welchem Tod er, ein Zeuge Deß, der erſtand, Gott preiſen wuͤrde. Jetzt wen⸗ dete Kephas Sich, und ſahe den Juͤnger auch folgen, den Je⸗ ſus liebte, Der an der Bruſt ihm lag bei dem traurigen Mahle der Scheidung. Kephas ſprach: Was aber ſoll der? Der Erloͤſer erwiedert: 202 Der Meſſias. XIX. G. V. 343— 356. Wenn ich will, daß er bleibe, bis ich komme, was geht dieß Dich an? Folge mir nach! Nun ſahe der Juͤn⸗ ger Auge den Auferſtandnen nicht mehr. So erhebet das Meer ſich; Und ſo ſenkt es die Woge nieder, und wird zur Ebne, Wie vom erſchienenen unter einander die einſamen ſprachen. Ja, ich folg' ihm nach, rief Simon, ich ſterbe, wie er ſtarb! Guͤrtet, und fuͤhrt, ich ſterbe, wie er! Du aber, Johannes, Stirbſt nicht, wie er! Du biſt unſterblich. J. Du biſt unſterblich! Rief Jakobus, und hub zu dem Himmel ſein Au⸗ 3 ge, vor Wonne Trunken. Ih. Ich unſterblich? das ſagt' er ja nicht. L. Bis er komme, Bleiben! was ſagt' er denn anders? Du biſt, o Juͤnger der Liebe, Biſt unſterblich! Erkohren hat Er fuͤr deine Treue Dieſen Lohn, die Krone! Du biſt unſterblich, Jo⸗ hannes! Freudig ſagt es Lebbaͤus, fuhr fort: Das wurde noch keinem! Neunzehnter Geſang. 203 XIX. G. V. 357— 370. Heil dir, ſeliger Gottes, zu deiner großen Belohnung! Eins nur iſt mir Zweifel. Wir ſterben, und gehn zu dem Mittler; uUnd du bleibeſt zuruͤck? Doch er iſt ja bei den Seinen Bis zu der Tage letztem! bei ihnen im Himmel, bei ihnen Auf der Erde. Du ſtirbſt nicht, Johannes! Sie wandten ſich, gingen, Boll ber kuͤnftigen Welt, zuruͤck zu des Lebens Ge⸗ ſchaͤften, Ruderten hin und wieder, und theileten aus, in der Freude Ihres Herzens, das volle Netz, wo etwa ein Nachen Lag, der auch bis zur Fruͤhe, wie ihrer, vergebens umherglitt. Sonnen gingen auf, und gingen unter, und immer Waͤhrte das erſte Gericht des Verſoͤhners. Schnelle Worte, Schnellere Winke geboten den Engeln. Die zeug⸗ ten, enthuͤllten Flammenſchrift; bald rollten ſie wieder die Buͤcher zuſammen, Streuten nur wenig umher des furchtbaren Glan⸗ zes. Die Seelen 2⁰½ Der Meſſias. XIX. G. V. 371— 384. Redeten, ſchwebten verſtummt. Kurz war des Rich⸗ tenden Urtheil Traf, gleich Blitzen! umglaͤnzte, wie Strahlen des Tags, mit Wonne! Lange hatte ſich ſchon, und weit der Ruf von des Mittlers Auferſtehung verbreitet; und daß die Juͤnger ihn ſaͤhen! Und daß himmliſche Zeugen aus jenen Huͤtten des — Friedens Zu den Sterblichen kaͤmen! und er, von welchem die Todten Zeugten, ſey wieder hinab nach Galilaͤg gegangen, Daß er von neuem ſich offenbare. Geſendete Freunde Eilten umher, und verkuͤndeten freudig: Auf dem Gebirge Tabor ſammeln ſie ſich, die der neuen Offenbarung Herrlichkeit harren. Sie ſtehen in der Ceder Schat⸗ ten, und laben Nicht an der Quelle ſich, brechen kein Brod! So riefen die Bothen, Und verließen mit Eil des einen Huͤtte, zu kom⸗ men Nach der Huͤtte des andren. Der Goͤttliche wird ſich noch Einmal Neunzehnter Geſang⸗ 205 XIX. G. V. 385— 398. Offenbaren. Er hat auch dieſe Gnade verheißen, Auch ward dieß dankweinenden Frommen von vielen der Todten, Die erſtanden, verkuͤndet. O eilt nach Tabor, wenn's anders Theuer euch iſt, ſchon hier euch, wie Engel Got⸗ tes, zu freuen. Lazarus ſtand auf Tabor im Cederſchatten, und ſagte: Vielen will er Seligkeit geben; er wuͤrde ſo lange Sonſt nicht ſaͤumen. Wir ſind nur erſt zweihun⸗ dert verſammelt; Und mehr ſollen es ſeyn, die er mit dem erſten Genuſſe Seines Erbes erquicken, auf die er von ferne den Schimmer Jenes Glanzes am Thron, die Morgenſtrahlen der Tage Seiner Ewigkeit ausſtreun will! So harret denn„ Bruͤder, Dieſes reicheren Maßes der himmelvollen Erbar— mung; Harret ſein, wie ſie droben am Thron des Göttli⸗ lichen harren. Preiſet ſeinen Namen, und ſinget ihm, Pfalme des Tempels 206— Der Meſſias. XIX. G. V. 399— 411. Nun manicht mehr, ſingt Pſalme der Erben dem goͤttlichen Sohne! Wen das Feuer des Himmels entflammt, der ſinge 2 dem Sohne, Daß uns preiſend finde, wer kommt, ſein Antlitz zu ſehen, Daß den Erſcheinenden Jubel der neuen Lieder em⸗ pfangen. Und die Mutter des Todten, der lebte, be⸗ gann: Ich lernte, Wenn nicht Eva zu ſehr der ſterblichen nahte, des Thrones Jubeltoͤne; doch auch mit des Menſchen Stimme, dem Laute Seiner Bruͤder auf Erden, will ich dem Erhabe⸗ nen ſingen. Komm, und ſinge mit mir, die in Magdale's Thale zum Leben Gott ſchuf. Mg. Ich, mit der Mutter des Hocher⸗ habnen, ihm Lieder Singen, die ungeweihte von Gottes Flamme? dem Sohne Preiß ich ſtammeln? Wohlan, ich folg' in der Ferne der Mutter! Denn ich lieb' ihn! Du haſt der Engel Gottes Triumphlied Neunzehnter Geſang. 2⁰7 XIX. G. V. 412— 425. Ueber der Krippe, du haſt, mit Eva's Harfe des Thrones⸗ Jubeltoͤne gehoͤrt, und biſt des Goͤttlichen Mut⸗ ter; Aber ich lieb' ihn auch! beginn, o Mutter des Todten. Mirjam ergriff den Pſalter, und hub ihr Auge gen Himmel; Schon entſtroͤmte Begeiſtrung der ſanfterſchuͤtterten Saite. M. Da die Engel des Throns um die Huͤtte Beth⸗ lehems ſangen, Weinet' er! aber es ward der preiſenden Halle⸗ luja Feirlicher, als ſie rinnen die Thraͤne des Goͤttlichen ſahen! Ma. Ich, die Suͤnderin, ſank zu ſeinen Fuͤßen mit ſtiller Reu', und er erbarmte ſich mein, dem in Bethlem der Thraͤnen Mitleid floß, der mit Gnade den Preiß der Himm⸗ liſchen hoͤrte. M. In Gethſemane floſſen dem Gottverſoͤhner nicht — Thraͤnen; Schweiß und Blut floß! Laut hat auch dieſes um Gnade gerufen! Mg. Als er Jeruſalem ſah, da weinet' er uͤber ihr Elend! 2⁰⁸ Der Meſſias. . XIX. G. V. 426— 439. Sammeln wollt' er die Armen, wie eine Henne die Kuͤchlein Unter ihre Fluͤgel! allein ſie wollten nicht kommen! Wollten des Liebenden nicht, und ruften in Gab⸗ batha's Hallen: Ueber uns komme ſein Blut, und uͤber unſere Kin⸗ 1 der! Ach es floß, und auch fuͤr ſie, auf dem hohen Al⸗ tare Golgatha! Wandte nicht da von ihm das Gericht ſein geſchrecktes Antlitz weg, und floh? Scholl da die Hoͤlle nicht 3 dumpf auf, Voll des Entſetzens vor ihm? Ward da ſein Eid nicht erfuͤllet, Den er dem Ewigen ſchwur: Ich will die Men⸗ ſchen erloͤſen! Hat den Vollender nicht Gott mit Preis und Ehre gekroͤnet, 4 Seit er am Kreuze ſein Haupt in die Nacht des Todes geneigt hat? Ach zu ſeiner Herrlichkeit ſchaut mit Wonne mein Blick auf; Aber dennoch wend' ich ihn oft zu dem blutigen . Altar. Wieder hin, und beweine den, deß Haupt in die Nacht ſich Neigte, Neunzehnter Geſang. 209 XIX. G. V. 440— 453. Neigte, gekroͤnt mit der Krone der Schmach auf 1 der Schaͤdelſtaͤte! M. Komm wir harren dein, uns laſten der fuͤßen 8 Erwartung Freud' und Unruh, komm, du, den nicht mehr auf dem Huͤgel Kroͤnet die Krone der Schmach! nicht mehr der Fel⸗ ſen des Grabmahls Huͤllet in dunklere Nacht, als uͤber Golgatha ſchwebtes Mg. Komm, du Toderweckter, du Maͤchtiger, komm, der das Leben Wiederbrachte, geſegnet mit allen Segen des Va⸗ ters! Komm, wir ſchauen nach dir hinab in die Thale, gen Himmel, Auf die Gebirg' umher, mit innigem Blicke der frommen Suͤßen Erwartung, o komm zu deiner erſten Ge⸗ meine! Siehe, ſo wartet, die Freud' in dem Blick, und geſchmuͤckt mit der Unſchuld Schmucke, die Braut des Braͤutigams, wie der Gemeinen erſte Deiner wartet, der auferſtand, zu erwecken die Todten!„ Wallt, Gemeinen der Enkel, mit frohem Tritt zu der erſten Klopſt. Meſſias IV. B. HO ute Aufl. Der Meſſias. XIX. G. V. 454— 467. Grabe, ſie wird, euch wird der Herr des Lebens 1 44 erwecken! Wallet herzu, die Blume der Erndt' in der Hand und die Lippe Seines Preiſes voll, zu eurer Vaͤter Gebeinen. Magdale unterbrach den Geſang durch Rufe der Freude: Ach ſein Haͤuflein, die erſte Gemeine mehret ſich immer! Seht ihr, o Zeugen, kommen die neuen Zeugen auf jedem Wege, der aus dem Thale nach Tabors heiliger 7 Hoͤh ſteigt? Ach wie auf allen Pfaden zur Wonne ſchneller des Pilgers Stab ſich bewegt, und dunkler der Staub der Fuͤße ſich woͤlket! Ach es eilen der Gluͤcklichen viele, viel der Erkohrnen Chriſtus herauf, ihn wieder von Gott verklaͤret zu ſehen! Aber Mirjam ließ den Geſang, und die Sai⸗ * ten ertoͤnen: Ja verklaͤr' ihn, auch mit dieſer Klarheit, o Vatet, Daß das Antlitz des Menſchenſohns die erſte Ge⸗ meine Neunzehnter Geſang. 211 XIX. G. V. 468— 481. Sehe mit Himmelswonne, ſie ſeines Lichtes Stroͤme Trinke, dadurch auf immer gelabt, und nach Tro⸗ —— ſte nicht duͤrſte, Dann nach Erquickung nicht lechze, wenn nun das Schwert der Tyrannen Ueber ſie kommt, und ſie, ihr letztes Zeugniß zu zeugen Von dem Sohne Gottes, heran zu dem blutigen Tode Gehen! Laß dann nicht ſaͤumende Qual die nahen am Ziele Ueberlaſten, und bald ihr Blut, o Erbarmender, reden! Mg. Bin auch ich erkohren, das große Zeugniß zu 4 zeugen, Ich gewuͤrdigt, zu gehn den blutigen Weg zu dem Grabe, Sohn des Vaters; ſo wende nicht ganz, wenn ich 3 langſam ſterbe, Dich von der ſinkenden. Mir genuͤgt ein Broſam des Troſtes! M. Dir genuͤget, nicht ihm, der dein ſo ſehr ſich erbarmt hat, Broſame nur zu geben. Wenn er zur Zeugin dich 1 rufet; Siehe, ſo iſt dir keine der Qualen alle ſo ſehr Qual, 9 2 212 Der Meſſias. XIX. G. V. 482— 495. Daß du nicht wieder hoͤreſt die Himmelsſtimme: Maria! und nicht wieder ſinkſt zu ſeinen Fuͤßen. Am Grabe Weilet er dann nicht mehr; er ſitzt auf der Herr⸗ lichkeit Throne, Herrſcht an des Vaters Rechte, zu deſſen Fuͤßen du dann ſinkſt! Mg. O du, der uns geliebt von dem Anbeginne der Welt hat, Meine Seele verlanget nach dir! Gieb Fuͤlle der Gnade Dann, und jetzt, o erſcheine, Verſoͤhner, und ſtaͤrke die Zeugen Zu dem blutigen Gange nach jenem Ziele, wo Palmen Wehn, und Kronen des Lohns den Ueberwindenden ſtrahlen. Alſo ſangen Maria und Magdale. Viele der Engel, Und der Erſtandenen waren herauf zu den Zeugen gekommen, Und mit ihnen auch andere Zeugen. Da lehnt' Eloa Sich auf die goldene Harfe, und hoͤrte des Goͤttli⸗ chen Mutter Singen. David ſchwebete naͤher, und hoͤrte der Mutter Neunzehnter Geſang. 213 XIX. G. V. 496— 509. Freudeweinendes Lied. Da die nahenden Frommen vernahmen, Daß mit dieſer Wonne ſie ſang, da eilten ſie ſchneller. Alſo ſprachen ſie unter einander: Ihr hoͤret, wie freudig Sie den Goͤttlichen preist. Vielleicht erblickt ihn ihr Auge Schon auf der Huͤgel einem des Tabor? Vielleicht erhebt er Dort bei einer der Cedern den Fuß, zu der Mut⸗ ter zu gehen? Aber ſie ſahen ihn nicht. Noch folgten andre, der Siebzig Viele, mit ihnen ſie alle, die einſt ihn verließen, und weinend Dieſe; der Lahmen und Blinden noch viel, und der Tauben, die Chriſtus Hatte geheilt, und Todte, die er in das Leben ge⸗ rufen: Beor, und Dilean auch, mit Joel Samma, El⸗ kanan, Cherubim auch, unſichtbar ſie, und die Maͤrtyrer⸗ krone, Berſebon, und Bethoron, und Engel mit Maͤrty⸗ rerkronen, Tabitha, Stephanus, Joſes, und Portia. Neben ihr ſpielte, 214 Der Meſſias. XIX. G. V. 510— 523. Streute Blumen ihr in den Weg der Knabe Neph⸗ thoa, Junge Blumen, und Sproſſe mit halbgebildetem Laube. 1 Vielmal ſah er ſie an, und laͤchelte vielmal ihr Un⸗ ſchuld. N. Portia, ſo iſt der Weg zu dem Himmel, und ich bin der Engel, Der dich fuͤhret! Es ſtuͤrzet' ihr oft die Zaͤhre der Freude Ueber die Wange. Sie war nicht Mutter; aber ein Knabe, Nah den ewigen Huͤtten, geleitete ſie zum Verſoͤh⸗ ner. P. Knabe, der Weg zu dem Himmel iſt ſchoͤn, und ich liebe dem Engel, Der mich fuͤhret. N. Ich liebe dich auch; doch lieb' ich noch mehr einſt Da dich, wo an dem Ende des Blumenweges uns andre Cedern ſchatten, und Palmen, der Fruͤhling ewig uns ſchimmert. Joſeph, und Nikodemus erreichten die beiden. Sie hoͤrten Erſt ihr Geſpraͤch, und gruͤßten ſie dann mit dem Gruße des Friedens, Chriſtus Gruße, ſo oft er den Seinen ſich offen⸗ barte. Neunzehnter Geſang. 215 XIX. G. V. 524— 537. Und b ſe traten zu Magdale hin, und der Mutter des Mittlers. Mirjam ſah die Haidin, und Freude befiel, und Verwundrung Sie, daß Chriſtus ſchon itzt in den Himmel Por⸗ 4 tia rufe. Und ſie ruͤhrte die Harfe der neuen Jeruſalem wieder: Sohn des Vaters, noch mehreſt du ſtets der Erben des Lebens, Deiner ſeligen Schaar! Viel haſt du heut dir ver⸗ ſammelt, Daß ſie dein Antlitz ſehn, den Gott von dem To⸗ de geweckt hat! Feſt wird ſie auf den heiligen Bergen gegruͤndet, gegruͤndet Hoch auf dem Gipfel, der uͤber die Sterne raget des neuen Bundes Salem! Ja eile nur vor, und verlier' in 3 die Zukunft Dich, mein Blick. Wonn' iſt es, zu ſehen den Auferſtandnen; 3 Aber Wonn' iſt es auch, hinab zu ſchauen die Rei⸗ hen Jener Zeiten, in welchen die kleine Quelle, das Haͤuflein, Heerſchaar ſtroͤmt! Du Herrlicher! wie beganneſt du: Einer 216 Der Meſſias. XIX. G. V. 538— 551. Schwachen Sterblichen, die um dich weint', er⸗ ſchienſt du zuerſt! dann Deinen hohen Apoſteln, auf welche Geißel und Bande Warten, und Thron' im Gericht, und mehr als Einmal, daß ſtark ſie Wuͤrden, eh ſie hinaus aus dem Lager gingen, zu tragen Deine Schmach mit dir! dann dieſer kleinen Ge⸗ meine! und wie fuhreſt du fort! Der Baum des Erkennt⸗ niſſes Gottes Wuchs, und breitet' uͤber die Voͤlkerheere der Erde Lebensſchattend ſich aus! Und wie vollendeſt du's jetzo Sohn des Vaters, geopfert vom Anbeginne, der Soͤhnung Lange zuvor geweiht, eh das Haͤuflein war, und die Heerſchaar. Engel Gottes, ach ſie zerreißt, die Huͤlle zer⸗ reißet Vor des Himmels Allerheiligſtem! Werfet die Kronen Nieder vor ihm, dem Thaͤter der Gottesthaten, die Palmen Nieder vor Jeſus Chriſtus, dem Allvollender, und ſinget, Neunzehnter Geſang. 217 XIX. G. V. 552— 565. Singet das Halleluja der tauſendmal tauſend Schaa⸗ ren! Aber ſie ließ, in Erſtaunen verloren, die Harfe ſinken. Lazarus, da er ſie jetzt mehr als fuͤnf hun⸗ dert gelagerr Sah vor der Mutter Chriſtus, und ſich; ur“ wußte, ſie waͤren Erben des Heils, und Erſtlinge Gottes, die naͤher am Thron' einſt Kronen truͤgen, und wallten, im Labyrinthe der Vorſicht, Wie den gebahnten Weg in der Morgenſonne der Wandrer; Freut' er ſich innig, und ward von ſeiner Wonne Gedanken, Wie auf Fluͤgeln, getragen. Er ſtieg den Huͤgel, 4 an dem er Ruhet', hinauf, und uͤberſah noch Einmal der Er⸗ ben Betende Schaar, und blickte mit ſtillem Danke gen Himmel; Aber nun trat er vorwaͤrts, erhub die Hand, und begann ſo: Chriſtus hat uns verſammelt, die Lahmen, Blinden, und Tauben, Und die Todten! verſammelt die Geiſtesarmen, die Gottes 218 Der Meſſias. XIX. G. V. 566— 579. Huͤlfe nur kennen, und eines Menſchen Huͤlfe nicht kennen! Ihr, zukuͤnftige Zeugen des Auferſtandenen, wißt es, Daß er euch auf den Berg der Verklaͤrung ſandte, damit ihr Seine Herrlichkeit ſaͤht, und einſt von der Herrlich⸗ keit zeugtet, Siehe, des Eingebornen des Vaters voll Wahrheit und Gnade, Chriſtus, welchem von Ewigkeit ſey zu Ewigkeit Ehre, Und Anbetung! Ich hebe mein Haupt mit der Freude des Himmels Ueber euch auf, und fleh von dem liebevollen Er⸗ barmer Jetzo keinen Segen fuͤr euch: euch hat der Verſöh⸗ ner Schon geſegnet! Chriſtus euch der Erſtandne ge⸗ ſegnet Mit der Verheißung, ſich euch auf Tabor zu offen⸗ baren! Euch dadurch geſegnet, ihr blickt, wie ich, in der Zukunft Fernen hinaus, mit Schmach um ſeines Namens willen Unter Verfolgern, mit Arbeit und Schweiß in der muͤhſamen Laufbahn, Neunzehnter Geſang. 219 XIX. G. V. 580— 593. Und mit Maͤrtyrerblute! Denn droben lohnet die Arbeit, Lohnet die Schmach, und das Blut des Lebens — Krone den Duldern. Sehr bin ich begnadiget worden, habe der Heile Gottes viel empfangen, und danke weinend dem Geber; Aber mein Blut fließt nicht von Jeſus hriſtus zu zeugen! Denn ich gehe fruͤher hinauf, zu umpflanzen der * Streiter Huͤtte mit Kuͤhlung. Geprieſen ſey, der voran mich fuͤhret Euch nachſendet, hinauf zu dem ewigen Lohn, durch die enge Pforte, den ſchmalen blutigen Weg! geprieſen des Mittlers Heiliger Namen! ach hochzelobt in Ewigkeit Che ſtus Herrlicher Namen! O duldet die Schmach, und den b bitteren Hohn gern Derer„die Chriſtus Herrlichkeit leugnen, nicht ken⸗ nen des Himmels Herrn, und der Erde! Denn ſie, die euer Zeug⸗ 3 niß zu Gott bringt, Aber deren Auge den Auferſtandnen nicht ſahe, 3 220 3 Der Meſſias. XIX. G. V. 594— 60)7. Werden auch die Schmach und den Hohn der Chri⸗ ſtusleugner Dulden, den Dolch, ſo vom Blute nicht rauchet, und dennoch toͤdtet! Werden glauben, und ſchaun! Gott gehet unter den Menſchen Seinen verborgenen Weg mit ſtillem Wandeln; doch endlich, Wenn er dem Ziele ſich naht, mit dem Donner⸗ gang der Entſcheidung! Alſo ſagt' er, und blicket' umher, und ſah in dem Schatten Eines Huͤgels Gefaͤße mit Speiſ' und Tranke, des Halmes Frucht und der Rebe ſtehn. Schon redete Lazarus wieder: Sondert Brod und Wein des Brudermahles, und ſetzet Vor den Zeugen es nieder, damit es geheiliget werde. Ihr, die ihr harret ſeiner Erſcheinung, laſſet ſein Mahl uns Halten, das heilige Mahl zu ſeines Todes Gedaͤchtniß. Und ſie hoͤrten es freudig ihn ſagen, und ſendeten 1 ſieben Juͤnglinge, Brod zu ſondern und Wein, und la⸗ gerten naͤher Neunzehnter Geſange⸗ 221 XIX. G. V. 608— 621. Sich an einander. Schon begannen viele zu knieen, Viele die Haͤnde, mit Thraͤnen im Blick, gen Him⸗ mel zu falten. Und die Juͤnglinge brachten das Brod, und den Wein, und ſie ſetzten Vor der Verſammlung es nieder. Als Lazarus aber hinzutrat, Stand, und mit denkendem Blick die feſtgefalteten Haͤnde Hoch gen Himmel erhob, und zu reden jetzo begin⸗ nen Wollte; da drangen ringsumher, mit Schauer der Wonne, Und mit ihren Thraͤnen, die Cherubim, und die Erſtandnen Zu der Gemeine Chriſtus herzu; und Lazarus ſagte Feierlichernſt, und als fleht' er zugleich dem Ge⸗ opferten Gottes: Jeſus Chriſtus, unſer Verſoͤhner, in ſeiner Leiden Schrecklichen Nacht, da er verrathen wurde zum Tode, Nahm er Brod, und danket', und brachs, und gab es den Juͤngern: Nehmet, und eſſet. Das iſt mein Leib, den ich fuͤr euch gebe: 222 Der Meſſias. XIX. G. V. 622— 635. Dieſes thut, ſo oft ihr es thut, zu meinem Ge⸗ — daͤchtniß. Jeſus Chriſtus, unſer Verſohner, in ſeiner Leiden Schrecklichen Nacht, da ſein Schweiß, und ſein Blut in Gethſemane traͤufte, Nahm er den Kelch, und danket', und gab ihn den Juͤngern, und ſagte: Trinket All' aus dem Kelche des neuen Bundes, ge⸗ ſtiftet Durch mein Blut, das ich fuͤr eure Suͤnde ver⸗ . gieße. Dieſes thut, ſo oft ihr ihn trinkt, zu meinem Ge⸗ daͤchtniß. Sie empfingen das Mahl des Verſoͤhners mit inniger Demuth, Und mit feſtem Entſchluß, treu bis an das Ende zu bleiben. und, indem ſie ſich naͤherten, oder wieder ſich wandten, Staͤrkten ſie ſich, und riefen ſich zu: Stets weiter im Wege, Welcher zu Gott uns leitet! Am Ziel der erhahe nen Laufbahn Iſt das Kleinod erſt!.. Schmach hat er ſelbet geduldet, Hat gelitten, wie keinem von uns zu leiden geſeht iſt!. Neunzehnter Geſang. 223 XIX. G. V. 636— 649. Hochgelobet im Himmel, und hochgelobet auf Er⸗ den Sey der Mittler Gottes! Er hat die Verſoͤhnung vollendet, Sieh, es iſt eingegangen ins Allerheiligſte Chri⸗ ſtus, Jeſus Chriſtus, der ewige Hoheprieſter!. Des Bundes Kelch erquicke dich noch, wenn das Herz dir dur⸗ ſtet, die Seele Lechzt in der Maͤrtyrerſtunde!. Wie dich der En⸗ gel, o Mutter, Gruͤßte, ſo gruͤße du mich, die geſegnete Gottes! Zu ſeinem Erbe bin ich, ich bin zu dem Sohn, dem Verſoͤh⸗ ner, gekommen! Was iſt alle Groͤße der Erde mir nun? Und es wartet Hoͤhere Wonne noch mein! Den goͤttlichen Unbe⸗ 3 kannten Soll ich ſehen, den Unerforſchten, den Wunderba— ren!. Ach zu dem Mahle des Heiles bin ich, und jetzo gekommen, Ich, der ſo elend war, ich ſelber! Wenn ich hin⸗ . uͤber Nach den Huͤtten der Ewigkeit geh; ſo iſt es ein zweites 22 ½ Der Meſſias. XIX. G. V. 650— 663. Leben der Seligkeit, das ich alsdann beginne! Die Rebe Letzet uns wieder mit ihm in des Vaters Reiche! Dann trinken Wir die Stroͤme des Lebens umſonſt!. Wann ſeh' ich, wann ſeh' ich Offen den Himmel, und Jeſus ſtehn zu der Rechte des Vaters? Ach wann wandl' ich den Weg des ſiebenten Juͤng⸗ lings? Auch jenen Kelch des Todes trink' ich zu ſeines Todes Gedaͤcht⸗ niß!. Hochgelobt in dem Himmel, und hochgelobt auf der Erde Sey der Verſoͤhner!. Je ſchwerer ſie uͤber euch kommen die Leiden Dieſer Welt, und je lauter gen Himmel ſie rufen; je mehr ſey Euer Leben verborgen mit Chriſtus in Gott! Nach der Liebe Mahle, ging der Verſoͤhner hinaus in Gethſemane. Blut trof Da vom geſenkten Antlitz des Dulders herab, mit des Dulders Todssſchweiß, nach dem himmliſchen Mahl!. Er⸗ barme dich meiner, Mittler Gottes, den ich verließ, erbarme dich meiner! Laß Neunzehnter Geſang⸗ 225 XIX. G. V. 664— 677. Laß getreu bis ans Ende mich ſeyn! Ich ſaͤe mik . Thraͤnen, Laß mich mit Freuden erndten, Verſoͤhner!. Mir 4 ward es geordnet, Zweimal zu ſterben. Ach pflegt der Schlummer der t lieblichen Dammrung, Nicht dem Schlafe der Nacht, nach kurzem Wa⸗ chen, zu folgen? Dann, dann letzt mich die Rebe mit ihm in dem Reiche des Vaters! Seines Todes Gedaͤchtniß! O die er mir ſandte, Benoni, Und ihr anderen Engel, wo ſeyd ihr, mit mir euch zu freuen? Hochgelobt in dem Himmel, und hochgelobt auf der Erde Sey, der verrathen wurde zum Tod' an dem Kreu⸗ ze! dem Blut ſchon In Gethſemane trof, eh auf dem Hlgel ſein Haupt ſank! Noͤcht' ich Stephanus Weg, und den Weg des ſie⸗ benten Juͤnglings Wallen zu Chriſtus hinauf, zu Benoni hinauf, und zu Samma, Und zu Simeon du, und Jeſus Chriſtus! Die Nacht nimmt Er dem Auge dann, und trocknet die Thraͤnen dir alle! Klopſt. Meſſias IV. B. P hte Auifl. 226 Der NMeſſias. XIX. G. V. 678— 691. Bald ſank mir die Nacht, dem lebenden, bald wird, Elkanan, Froͤmmerer Dulder, auch dir die Nacht, dem ſter⸗ benden ſinken! Aber Maria rief mit lauter Stimme gen Him⸗ mel: Hoherprieſter! des Ewigen Sohn, ich gebar, ich ge⸗ bar dich! 3 Deinen Tod will ich, bis du mir rufeſt, verkuͤn⸗ den! Hochgelobet im Himmel, und hochgelobet auf Er⸗ den Sey der Verſoͤhner Gottes! Da ſo ſie ſich ſtaͤrk⸗ ten, und jetzt ſchon, Wie an den Schwellen der ewigen Huͤtten, Worte des Lebens Sich zuriefen, ſahen ſie Jeſus an einer der Hoͤ⸗ hen Niederkommen, und gegen ſich her den Goͤttlichen wandeln. Ach ſchon ſtand er nah vor ihnen. Auf Einmal umſchwebte Aller Augen Entzuͤckung. Wie Fruͤhlingsſaͤuſeln im Walde Sanft herrauſcht, ſo ertoͤnte der redenden leiſer Zu⸗ ruf, Und der weinenden, als die Ueberzeugung vom Him⸗ mel Neunzehnter Geſang. 227 XIX. G. V. 692— 705. Ihnen ward, und verwandelt wurd' ihr Glauben, 8 in Schauen! Wie der Waller im Sonnenſtrahl, der duͤrſtet', und trank, noch Duͤrſtet, und trinkt; ſo ſahn ſie mit Himmelsbe⸗ gierde den Herrn an! Aber er hielt ſich nicht mehr, und begann, und ſagte zu ihnen: Kindlein, Heil ſey und Friede mit euch. In dem Hauſe des Vaters Sind der Wohnungen viel. Ich geh', und bereite darin euch Staͤten, und kehr' in dem Tode zu jedem wieder, und nehm' ihn Auf zu mir, daß er ſey, wo ich bin! Wenn ihr mich liebet; Haltet ihr, was ich gebot. Ich fleh zu dem Va⸗ ter, er ſendet Euch den Troͤſter, den Geiſt der Wahrheit, wel⸗ chen die Suͤnder Nicht zu empfahn vermoͤgen. Sie kennen ihn nicht; ihr aber Werdet ihn kennen, wenn er mit euch ſich vereint, und mit ihm ihr Euch vereiniget. Sieh, ich verlaſſ' euch nicht, wie im Tode Ihre Waiſen die Mutter verlaͤßt. Denn ich kehre wieder, P 2 228 Der Neſſias. XIX. G. V. 706— 719. Euer Fuͤhrer, der euch hinauf zur Erkenntniß des Himmels Bringt, und dem ewigen Leben! Denn hier ſchon werdet ihr lernen, Daß mit dem Vater vereint ich bin, und mit mir vereint ihr Seyd, und ich mit euch. Wer, was ich habe geboten, Weiß, und haͤlt, der liebet mich! und den wird der Vater Lieben! und ich werd' ihn lieben, und ihm mich offenbaren! Jetzo ſah auf Einmal Elkanan den Goͤttlichen ſtehen Unter den weinenden Zeugen, und rufend ſank er zur Erde; Richtete, wie von dem Tode, ſich auf! Noch ſagte der Mittler: Ja, wir werden ihn lieben, ich, und der Vater und kommen, Und bei ihm wohnen. Ich bin der Weinſtock, und der Vater Iſt Weingaͤrtner, ihr ſeyd die Reben. Jede der Reben, Welche nicht Frucht traͤgt, ſchneidet er ab; und jede, die Frucht traͤgt, Reiniget er, daß der Fruͤchte noch mehr die herrli⸗ che trage. Neunzehnter Geſang. 229 XIX. G. V. 720— 733. Ihr erkohrt mich nicht; ich aber hab' euch erkohren, Euch Gedeihen gegeben, daß Frucht ihr truͤget, und wuͤchſet In die Ewigkeit! Hoͤrt mein großes Gebot, und ein Labſal Sey es euch; denn die Welt wird, wie mich ſie ge— haßt hat, euch haſſen: Liebet euch unter einander! Ich laſſ' euch meinen Frieden, Meinen Frieden geb' ich euch. Ihm gleichet der Erde Friede nicht. Mit Ruh', und mit Unerſchrockenheit ſtaͤrk' er Eure Seelen. Ihr werdet euch freuen, wenn ihr mich liebet! Alſo hoͤrten ſie ihn die letzten Worte der Wei⸗ hung Zu dem nahenden Kampf, und zu dem ewigen Leben Sagen, und ſahn ihn nicht mehr. Als jetzt aus ihrer Entzuͤckung Freud', und Heiterkeit war, und Ruh der Seele geworden, Sahen ſie nicht ferne von da, wo der Mittler ſich wandte, Und verſchwand, den Knaben Nephthoa, als ſchlum⸗ mert' er, liegen. 230 Der Meſſias. XIX. G. V. 734— 747. Und ſie wollten ihn wecken, allein der gluͤckliche Knabe War geſtorben. Lazarus rief: Auf, gehet, und ſammelt Blumen, ich mach' ihm das Grab. Sie gingen, und ſammelten Blumen. Schon erhub ſich neben Nephthoa, nun bald ihn zu decken, Jener kleine Huͤgel, zu welchem wir All' einſt kom⸗ men Muͤſſen, zu Staube Staub. Sie nahmen den laͤ⸗ chelnden Knaben, Senkten ihn nieder ins Grab, und deckten ihn leiſe mit Erde, Und mit Blumen, die ſie aus voller Hand auf die Staͤte Seiner Ausſaat ſtreuten. Sie wendeten ſich, und verließen Tabor. Viele ſahen noch oft ſich um nach dem friſchen Blumenhuͤgel; doch truͤbete deren Auge nicht Weh⸗ muth, Denen Sterben Gewinn, und Leben war der Er⸗ ſtandne. Die von den Siebzigen waren auf Tabor ge⸗ weſen, verließen Jetzo den Berg der Verklaͤrung, und ſtiegen herab und kamen. Neunzehnter Geſang. 231 XIX. G. V. 748— 761. Seitwaͤrts von Stegen gefuͤhrt, in ein Palmenwaͤld⸗ chen des Thales. Und ſie fanden daſelbſt die heiligen Zwoͤlfe verſam⸗ melt; Fanden, wer nicht von ihnen war auf Tabor ger weſen. Und ſie verkuͤndeten alles das Heil, das ſo vielen . vom Herrn ward, Kurz, mit Flammenworten. Wie konnten ſie re⸗ den? ſie weinten! Tiefes Schweigen, und Vorgefuͤhl des Himmels, ach Wonne, Daͤmmerung ſie von dem Erbe des Lichts, war in der Verſammlung. Aber Jakobus entriß ſich der Mitgenoſſen Umar⸗ mung. Juͤnger des Herrn, wo eileſt du hin? Der Herr wird, der Herr wird Seinen Kindlein erſcheinen! Ich geh' ihm entge⸗ . gen! nach Tabor Geh' ich zu ihm. Wie wuͤrdeſt du trauren, wenn er erſchiene, Und du waͤreſt nicht hier! Er ſiehet Alles, und weiß es, Wie ich duͤrſt ihn zu ſehn, und warum ich entge⸗ gen ihm gehe. Laßt mich, ich werde nicht trauren. Er ging. Bald kam er in hoher 232 Der Meſſias. XIX. G. V. 762— 775. Felſen Schatten, und ſtand, und hob die Haͤnde gen Himmel: Herr, Herr, Gott! noch erhebe dich nicht zu dei⸗ nem Vater, Ach erhoͤre mein Flehn! Zwar hoffen wir alle, du werdeſt Uns noch erſcheinen: allein wie wiſſen wir's denn? Ach verlaß uns, Mittler Gottes, noch nicht! Ich habe vor dir, du Erbarmer, Gnade gefunden! Ich will mich hier in der Hoͤhle verbergen, Niederknien, und dein Heil erwarten. Geh du vor⸗ uͤber; Siehe, ſo will ich von fern, Herr, deiner Herrlich⸗ keit nachſehn. Jeſus Phriüns ergriff ihm die Hand, da er lag, und ihm flehte, Richtet' ihn auf, und ſegnet' ihn ein zu der himm⸗ liſchen Sendung. Und der ſelige folgte mit Freudausrufen und Be⸗ ben Chriſtus den Weg hinab in das Palmenwaͤldchen des Thales. Schon an dem fernen Fuße des Bergs erblickten die Juͤnger Chriſtus, und neben dem Herrn den gluͤcklichen Ze⸗ bedaiden; Neunzehnter Geſang. 233 XIX. G. V. 776— 739. Sahen heller ihn leuchten, als ſie, ſeitdem von dem Tod' er Auferſtand, ihn geſehn, mehr uͤber die Engel erhaben: Und ſie wollten entgegen ihm eilen; aber ein Enge! Winkete ihnen: Sie ſollten den Herrn bei den Pal⸗ men erwarten. 7 Denkſt du daran, dieß war ihr Geſpraͤch, wie wir ihn an dem Oelberg, Von den Moͤrdern umringt, die Hand in der Feſ⸗ ſel, erblickten? Wie mit dem weißen Gewand' ihn Herodes höhnte? Pilatus Ihm mit Dornen die Schlaͤfe bewand? wie er zuk⸗ ken die Geißel Auf die Schulter des ſtrahlenden ließ? Ach wird er gen Himmel Schon ſich erheben? und iſt dieß Wiederſehen das letzte? Scheidung von ihm, o du vor allen, die je von einander. Blutende Herzen trennten, die baͤngſte, bitterſte, truͤbſte, Stummſte, du jammervollſte! du biſt ſchon heut, gekommen? Scheidung von Jeſus Chriſtus! Mir huͤpfen die Berg', und die Huͤgel! 234 Der Meſſias. XIX. G. V. 790— 803. Mir frohlocket der Wald! mir ſchmuͤckt mit reine⸗ rem Golde Sich der Tag, mit lichterem Purpur, ſanfterer Blaue Mir der Himmel, ſo iſt von der Freude das Herz mir durchdrungen; Und du weineſt? Denkt ihr daran, wie das Kreuz er hinauftrug Nach der Schaͤdelſtaͤte? wie dann er am Kreuze.. . Wie Joſeph Ihn in das Sterbegewand einhuͤllte? So ſprachen . die Zeugen Unter einander, und ſanken hin auf die Kniee, da Chriſtus Naͤher kam, und breiteten aus die Arme nach Chri⸗ ſtus, Nach dem Verſoͤhner Gottes, der ganz nun ihnen genaht war. Und er gruͤßete ſie mit ſeinem himmliſchen Gruße: Friede ſey mit euch! und er ſtand vor ihnen, und ſagte: Wie ein verſtummendes Lamm zu dem Opferaltare gefuͤhrt wird, Ging er geduldig einher, und ſchwieg. Ich werd', ihr Geliebten, Bald nicht mehr mit euch des Wiederſehens genießen —— Neunzehnter Geſang. 235 XIX. G. V. 8⁰4— 817. Auf der Erde; mit euch von Honigſeime nicht eſſen; Noch, was ihr in der Fruͤhe des Tags am Geſtade bereitet; Nicht im Schatten mehr ruhn; allein in den Huͤt⸗ ten des Friedens, Wo viel Wohnungen ſind, dort werdet ihr euren Meſſias Wiederſehn, und, nebſt den verſammelten Vaͤtern des Bundes, Freuden der Freundſchaft empfahn, die Abſchied⸗ nehmen nicht trennet! Und er ſank vor den Zeugen in ſeiner Herr⸗ lichkeit nieder, Betete mit erhabener Stimme: Die Zeit war ge⸗ kommen, Deinen Eingebornen in ſeiner Schönheit zu zeigen! Siehe, du haſt ihn gezeigt, und biſt verherrlichet worden, Vater, durch ihn! Ihm haſt du gegeben die Sterb⸗ lichen alle, Daß er ſie auferwecke vom Tod', und ewiges Le⸗ ben Ihnen gebe. Das aber iſt ewiges Leben dich, Va⸗ ter,» Der du der Ewige biſt, und den du geſandt haſt, erkennen, 236 Der Meſſias. XIX. G. V. 818— 831. Jeſus, den Sohn, und den Herrſcher! Ich ſehe, Vater, im Geiſte Schon die Fuͤlle der ganzen Vollendung! Ich hab' auf der Erde Dich verherrlichet! habe vollfuͤhrt der Gottheit Rath⸗ ſchluß! Nun erwarten mich Kronen zu deiner Rechte! Du wirſt mir Wieder die Herrlichkeit geben, die mein war, eh wir erſchufen. Deinen gefuͤrchteten Namen hab' ich den Erwaͤhlten verkuͤndigt Aus den Suͤndern. Du gabeſt ſie mir. Sie ha⸗ ben die Weisheit, Die ich ſie lehrte, ſelbſt ich bin ihr Zeuge! mit Treue gehalten! Nun erkennen ſie auch, daß, was ich habe, von dir iſt. Denn ich habe ſie alles gelehrt, was du ſelber mich lehrteſt! Alſo haben ſie's aufgenommen! die goͤttliche Wahr⸗ . heit Tief in das Herz gefaßt, daß ich von dem Vater geſandt bin! Vater, ich bitte fuͤr ſie, fuͤr die Welt nicht! weil 3 ſie auch dein ſind; Weil wir in jedem Beſitz der Seligkeiten vereint ſind! Neunzehnter Geſang. 2397 XIX. G. V. 832— 845. Vater, ich bitte fuͤr ſie! Denn, auch durch ſie, bin ich herrlich! Ich verlaſſe die Erde nun bald, und kehre gen Himmel, Vater, zu dir zuruͤck: ſie aber bleiben auf Er⸗ den, 3 Sehn noch lange der Suͤnder Muͤh', und fuͤhlen ihr Elend! Laß ſie, heiliger Vater, der hohen Erkenntniß ge⸗ treu ſeyn, Die ſie haben werden von dem, der jetzo verſoͤhnt iſt. Laß ſie eins ſeyn, wie wir; ein Haus voll Bruͤ⸗ der! Ich ſorgte Selber fuͤr ſie, da ich noch gleich ihnen Menſch war. Ich wachte Ueber ihren unſterblichen Geiſt. Hier ſind ſie, mein Vater! Keinen, hab' ich verloren! Nur hat der Sohn des Verderbens Mich verlaſſen, und iſt den Propheten ein Zeuge geworden! Nunmehr komm' ich zu dir! Das ſag' ich, da ich bei ihnen Noch auf der Welt bin, daß ſie an meine Herr⸗ . lichkeit denken, Und ſich freuen, wie ich mich freue. Sie haben die Worte 238 Der Meſſias. XIX. G. V. 846— 859. Deines Lebens gehoͤrt. Der Suͤnder hat ſie ge⸗ haſſet, Wie er mich haßte! Nicht bitt' ich, daß du der Erde ſie nehmeſt! 1 Schuͤtze ſie nur vor ihrem Verfolger, dem Geiſt des Verderbens! Heilige ſie in deiner Wahrheit. Dein Wort iſt die Wahrheit! Vater, ich ließ mein Leben fuͤr ſie, damit ſie, ge⸗ reinigt Von der Suͤnde, vor dir erſcheinen! Doch bitt' ich, o Vater, Nicht fuͤr die Juͤnger allein. Der neuen Schoͤpfun⸗ gen Kinder Werden einſt, wie aus dem Morgen der Thau durch ihr Wort mir geboren! Auch fuͤr dieſe bitt' ich, mein Vater, daß alle ſie eins ſeyn, Wie wir eins ſind, und daß die ganze Erd' es er⸗ . kenne, Daß du mich, Vater, ſandteſt! Ich habe das ewi⸗ ge Leben, Meine Herrlichkeit denen gegeben, die du mir ge⸗ ſchenkt haſt, Daß ſie eins ſeyn, wie wir, zu Einem goͤttlichen 3 Endzweck Alle vollendet! und daß die Suͤnder der Erd' es vernehmen: —— —— Neunzehnter Geſang. 239 XIX. G. V. 360— 873. Jeſus ſey von dem Himmel geſandt! Gott liebe die Kinder Seiner Verſoͤhnung, wie er den Erſtling der Soͤhne geliebt hat. Vater, es ſollen meine Verſoͤhnten zu mir ſich ver⸗ ſammeln, Daß ſie ſeyn, wo ich bin, und meine Herrlichkeit ſehen, Jene, die du mir, Liebender, gabſt, eh die Him⸗ mel entſtanden! Dich verkennet die Welt, gerechter Vater; ich aber Kenne dich! Den Erwaͤhlten hab' ich enthuͤllt das Geheimniß. Meiner Sendung, und deiner Gottheit, und will's noch enthuͤllen, Daß die Liebe, mit der du mich liebteſt, ihr Herz ergreife, Und den unſterblichen Geiſt nur ſein Verſoͤhner er⸗ fuͤlle. Alſo betet der Mittler, in Strahlen nieder⸗ geſunken, Und er richtet ſich auf, und entweicht der Sterbli⸗ chen Auge. Wenn erhabener Tempelgeſang, von der Auf⸗ erſtehung, Oder vom ewigen Licht; Erfindung der Toͤne, dem Liede 240 Der Meſſias⸗ XIX G. V. 374.— 887. Gleich, und Stimme des Menſchen, und Hauch, und Saite zu Einem Großen Zwecke vereint, mit Schoͤnheit beginnt, jetzt ſteigend, Sinkend jetzt fortfaͤhrt mit Schoͤnheit, nun ſteigen⸗ der immer Inniger, ſanfter, erſchuͤtternder mit Urſchoͤnheit endet; Wie es dann den Hoͤrenden iſt, ſo war es(ich rede Menſchlich von himmliſchen Dingen) den Juͤngern, als ſie den Herrn ſahn, Als ſie ſtrahlen ihn ſahn, und beten den Goͤttli⸗ chen hoͤrten. Aber ſie machen endlich ſich auf, verlaſſen die Pal⸗ men Galilaͤas, und kehren zuruͤck mit Wonne gen Sa⸗ lem. Seraphim wallen mit ihnen hinauf, und vertieft in Gedanken Ueber den großen Beginn des Reiches Gottes,(ſie waren Jetzo nicht zu erſcheinen gekommen) vergeſſen die Engel, Daß die Juͤnger ſie ſehn: und kaum bemerken die Juͤnger, Daß es Unſterbliche ſind, die ſie begleiten; ſo ſehr iſt Ihre Zwanzigſter Geſang. W. ſchon uͤber den Wolken, erhub ſich der Gottverſoͤhner Mit den Schaaren um ihn, auf dem lichten Pfade zum Throne. Gabriel ſtrahlte ſchwebend voran; die ſigenden Locken Saͤuſelten ihm, und er ſang in die Liſpel der ger. denen Harfe: Fanget bebend an, athmet kaum Leiſen Laut, denn es iſt Chriſtus Lob, Was zu ſingen ihr wagt! die Ewigkeit Durchſtroͤmt's! toͤnt fort von Aeoon fort zu Aeoon! Drauf erhub ein Chor Erſtandner der zittern⸗ den Wonne Stimme. Die Harfen rauſchten mit ſanftem Ge⸗ toͤn, und wie fernher Klopſt. Meſſias IV. B. R ite Aufl. 258 Der Meſſias. Rufte der Donnerhall der Poſaune. So rauſcht am Gebirge Weit herunter von Luͤften der Hain und von Sil⸗ berbaͤchen, Wenn im Gekluͤft einher der waſſeraͤrmere Wald⸗ 3 ſtrom Langſam kommt. Das Chor der Erſtandnen ſchaute zum Mittler Weinend hinauf. So ſang es dem Ueberwinder des Todes: Ewig her, vom Beginn an, als die Welt Nicht war, Sohn! eh Tag, Nacht, und Geſtirn ward, Eh herſtrahlten in Sternglanz Cherubim, Gott Mittler! Sohn Gottes! wardſt du erwuͤrgt! Dulder! Sohn! des Altares Golgatha Geopfert, erwuͤrgt Lamm! der Gefallnen Verſoͤhnung, o Erbarmer! wardſt du da! Heißblutend, todt ſahſt du, Heiliger, dich Ewig her, vom Beginn an, als noch Strom, Und Meer nicht, nicht Thal war, und Gebirge, Noch Staub nicht zu des Lichtreichs Herrlichkeit Gott ſchuf! der Erdkreis ein Grab noch nicht war! Zwanzigſter Geſang. 259 Einer der Engel des Weltgerichts ließ jetzt die Poſaune Hin mit der Rechte ſinken, da ſaͤumend ein ande⸗ res Chor ſang: Blutend lag's! das Gebein brach der ihm nicht, Vor den hin das Lamm ſank an dem Paſſa. Mit Yſop, ſo vom Blut traͤuft, zeichnet ſchnell Juda den Eingang der Huͤtten umher. Weh euch! Weh! die des Lamms Blut dann nicht ſchuͤtzt, Wenn Nacht nun den Erdkreis in ihr Graun huͤllt! Die Nacht kam! Der Verderber ſchwebt' herab, Stillſchweigend, ernſt ſchwebt' er nieder zum Strom. Dumpfer Laut der Geſunknen klagt' umher, Und Ausruf der Wehmuth in Aegyptus! Denn todt lag bei dem Thron die Erſtgeburt! Todt ſah ſie, todt ſah ſie Mutter, und Mann Bis hinab ins Gefaͤngniß! Selbſt dem Thier Entſtuͤrzt ſchnell der Saͤugling. Nur in Ramſes Erſchallt Preis, und des Weinens ſanfter Dank! Ihr hattet, blutvolle Huͤtten, geſchuͤtzt! R 2 26b0 Der Meſſias. Toͤnender ſchon, mit hellerer Saite, lauterem Donner Ihrer Poſaunen, ſtroͤmt' ein Chor in dieſen Ge⸗ ſang aus, Cherubim warens, die flammten, und froh ihr Antlitz verklaͤrten. Der Entwurf des ewigen Reichs der Schoͤ⸗ pfung Ward, zu Geſtalt Urſtoff! Heer' ohne Zahl, Bewohner und Welten entflohn Vor Erſtaunen, daß ſie waren! Dem Erſchaffungsrufe des Sohns. Lautdon⸗ nernd Scholl er, gebot Kreislauf! Langſam, und ſchnel Umſchwebte den Strahl ſein Gefaͤhrt; Mit Entzuͤckung, der Bewohner! Des Erloͤſers ewiges Reich war! Tiefſinn, Herrlichkeit ſtrahlt' aus der Schoͤpfung Entwurf! Gluͤckſeligkeit Aller! Es fuͤhrt Da hinauf auch von dem Elend Ein bethraͤnter Pfad! O beſingt, Graber⸗ ben! Erben des Lichts! Bruͤder deſſen, der ſtarb! Den Pfad von den Leiden herauf Zum Gerichtsſtuhl! Denn ihr richtet! Zwanzigſter Geſang. 261 Labyrinth war, Erben! der Weg an dunkeln Felſen empor! Grabnacht huͤllt' ihn euch ein. Das Blut der Entſuͤndigung rann; Und Gericht haͤlt, wer erloͤst ward! Jeddo's Sproͤßling vordem, da er war von Sterblichen ſterblich, Aber jetzo ein Sohn der Auferſtehung, entſchwebte Seinem Chor, und nahte mit innigfreudiger De⸗ muth Sich dem Verkuͤndeten, hieß die Harf' ihm toͤnen, und feyrte Jenen feſtlichen Tag, da er Zema erblickt' in der Ferne. Trat nicht hinein Joſua dort, wo der Vor⸗ hang Niedergeſenkt das Geheimniß uns verhuͤllte? Dennoch war er nicht rein, und Satan Rief vor dem Engel es aus. Reines Gewand gab ihm der Herr, und ent⸗ lud ihn Suͤnde, von dir! Denn es ſollt' einſt ſein Er⸗ kohrner Kommen! Zemal ſo toͤnt's, es hoͤrten Zema! die Engel umher. Der Meſſias. Siehe, du kamſt, Mittler, du kamſt! und der Vorhang Senkt ſich nicht mehr! und enthuͤllt iſt das Ge⸗ heimniß! Denn ins Heilige ging er Einmal, Rein durch ſich ſelber, der Sohn! Ladet euch ein, ſeliges Volk, in der Rebe Schatten, euch ein, o Verſoͤhnte, zu dem kuͤhlen Feigenbaume! Des Spferbundes Pfalter beſeele das Feſt! Zema, du kamſt! toͤne das Lied zu dem Pſalter, Zema, du kamſt! ſo ergieße durch des Feſtes Lauben ſich der Geſang des Bundes; Zema, du ſtarbſt! du erſtandſt! O wie rauſchten die Harfen, wie wehten die Palmen, wie ſtrahlte Jener Seraphim Antlitz, die jetzo den Herrlichen prieſen! Da Vollendung Jeſus rief, weinten wir laut, Die des Heils Strom tranken, da nahm Gott den Staub Zu dem Licht auch, und zum Heit auf! Jeſus rief Zwanzigſter Geſang. 263 Ihm vom Kreuz himmliſches Heil, ewiges herab! Da der Gottmenſch: Werde, Welt! rufte, da ward, Wie der Thau traͤuft, zahllos ihr Heer, welch' er ſchuf, Daß ihr Heil ſtets ſich erhuͤbe! Allen rief Er vom Kreuz hoͤheres Heil, ewiges herab. O du Heerſchaar! weit erſcholl, ſegnend das Wort Der Vollendung! Harfengeſang toͤnt' es nach Mit dem Ausruf der Entzuͤckung! Zahllos wart Ihr, die Ihm beugten ihr Knie, ſeliger durch Ihn! Alſo hatten ſie kaum den Pſalm der Wonne vollendet, Als ein ſchimmerndes Chor Erſtandner, von ſanf⸗ ter Begeiſtrung. Ueberſtroͤmt, des Triumphes Palmen ſchwang, und mit Wehmuth, Jener himmliſchen, welche beſeligt, dem Sohne des Herrn ſang: Gott ſey, und dem Lamm ſey, das erwuͤrgt ward, Anbetung! Hoch hinauf zu dem Sion eilt's, zu des Himmels Glanz! 264 Der Meſſias. O wie trof Golgatha's Altar von dem Blut! Preis ſey des Herrn Sohn, der erwuͤrgt ward! Preis ſey dem Erretter der gefallnen Tod⸗ erben! Dank und Preis dem erhabnen Sohn! Du ent⸗ riefſt der Nacht Der Geſtirn' Heer! ihr entfloß Licht, wie ein Strom, Und ſchnell gewandt trat's in den Kreislauf! Gott ſey, und dem Lamm ſey, das erwuͤrgt ward, Anbetung! Jubelpreis dem erhabnen Sohn! Du entriefſt der Nacht Der Verwerfung, die der Tod traf! O ſie ſind Entflohn dem Abgrund des Verderbens! Aber ein anderes Chor Erſtandener ſah mit des Mitleids Frommen, innigem Blick zu der liegenden Erd' her⸗ unter. Ach! dort waren in Huͤtten auch ſie, und in Graͤ⸗ bern geweſen! Dort erſtanden! Sie ſangen dem Retter der ſterb⸗ lichen Menſchen: Gott ſey, und dem Sohn ſey, der zu Gott geht, Anbetung! Werft die Krone, werft, Engel, auch ihr Zwanzigſter Geſang. 265 In Triumphgange, die Palme, Daß der Herr ſie euch gab, nieder am Thron! Pilgrim! die erniedert in das Elend herwallen, Großer Truͤbſal voll, weinet ihr noch? Und ihr werft doch, wie die Engel, Euch am Throne dereinſt hin in Triumph! Alſo, und mit dem Dank, und mit dem Preis lohnt Jeſus Fuͤhrung, Dulder, euch! Dieſen Triumph Triumphiret, der das Elend, Bis ans Ende getreu, folgſam ertrug. Schweig denn, du o Thraͤne, die in Weh⸗ muth Troſt weinet, Mach ihr Herz nicht weich, troͤſte nicht mehr! Iſt am Ziel denn nicht Vollendung? Nicht im Thale des Tods Wonnegeſang? Als ſie es ſangen, erblickten ſie fern bei der glaͤnzenden Aehre Seelen, und Cherubim, welche die Seelen herauf zum Verſoͤhner Fuͤhrten. Die Cherubim flogen den Flug der Won⸗ ne; die Seelen Schwebten mit zitternder Freude daher. Es iſt vol⸗ — lendet! Hatte gerufen am Kreuz ihr Verſoͤhner. Froͤmmere Todte, 266 Der Meſſias. Die in Graͤbern und Flammen vor Kurzem die Sterblichkeit ließen, Seelen aus allen Voͤlkern, aus allen Winden der Erde Warens. Sie wurden ſeit der Vollendung, alſo gebot er, Bis zu der Zeit des Triumphs, in den Hainen der Aehre verſammelt. Und die bebende Schaar ſchwebt' immer hoͤher. Sie riefen, Weineten, riefen den Ruf der Erſtaunung uͤber die , Gottheit, Ach den Erſten! Ein Chor Erſtandner empfing mit Jubel Ihre begnadigten Bruͤder. So ſang es ihnen ent⸗ gegen: O ſie kommen herauf! Muͤhſam wandelten ſie In des Tods bangem Nachtpfad. Gluͤckliche, be⸗ freit, Entflohn ſind ſie weit weg vom Elend! und Ent⸗ zuͤckung Iſt ihr Weinen da herauf, Wehmuth himmliſcher Ruh. O das Wonnegefuͤhl! Erbe deß, ſo Gefaͤhrt In des Tods bangem Pfad war! deſſen, ſo Ge⸗ faͤhrt Zwanzigſter Geſang. 267 Auch hier iſt, wo Gott lohnt, am Ziel lohnt mit Vollendung! Du o ſeliges Gefuͤhl, wer ſpricht voͤllig dich aus? Wo ertoͤnte ſo ſanft? ach wo liſpelte ſie, Die es je ganz ausſprach, die Harfe? wo erklang Sie himmliſch? Kryſtallſtrom, wo hoͤrteſt du es herwehn? Und, o Palme bei dem Strom, Sions Hoͤrerin, wo? Aber die Seelen ergriff des neuen Lebens Ent⸗ zuͤckung,— Und ſie ſtroͤmten ins Heer des Siegers herein, und begannen: Ach, zu dem Triumph ſchweben wir empor, Engel! und ihr, Erben des Lichts! kommen zu des Sohns Himmelsgang! Du o Tod, du Flug zu dem Ge⸗ 3 nuß! Graͤber und ihr Graun, Wonne ſeyd ihr, Himmel und ſein Heil! Goͤttlicher! o dich nennet des Geſangs, Dich des Gefuͤhls Wonne nicht aus! Göttlicher! der Welt— Koͤnig! Koͤnig der Welt! nur ſchwach, und in der Fern Der Meſſias. Rufet der Triumph, hallet dir nach Jubel ſein Getoͤn! Siehe, von der Schaar derer, die dein Tod, Mittler, verſoͤhnt, derer, die du, Herrlicher! er⸗ hoͤhſt, Sind auch wir, und geſaͤt ins wartende Gefild, Wo, in dem Gericht, Herrlicher du, erndeſt, und verklaͤrſt. Himmliſche Juͤnglinge, Seraphim, die an dem Fuße der Cedern, Gabriels und Eloa's, wie Blumen bluͤhten, ver⸗ mochten Ihrer Freude Gefuͤhl bei dieſem feſtlichen Anblick Nun nicht mehr zu halten. Mit Eile rauſchten die Saiten: Wie die Freude, wie die Wonne, wie des Triumphs Inniges, jauchzendes, heiliges Lied Nachhallen? wie den Preis Der Vollendeten am Thron? Wenn ihr alle nun, ihr Schaaren, zu dem Genuß, Alle zur Herrlichkeit euch von des Grabs Nachtpfade zu dem Schaun Des Allſeligen erhebt! —.— Zwanzigſter Geſang. 269 Nicht der Pſalter allein, und nicht allein die Poſaune Toͤneten in den Choͤren der feirenden: Saiten, die leiſe Quellen waren, erſchollen auch, und waren gehaltne, Saͤuſelnde Luft, und ſanfter Laut der Liebenden waren; Hauche hallten auch, die Sturm oft wurden, und wurden Donnernder Wiederhall, und Einklang wandelnder Welten. Jeſus Chriſtus beherrſchte ſein Volk von Abra⸗ hams Ruf an, Bis zu dem Tage, da er in der Huͤtte Bethlehems weinte. Und die Wunder des Goͤttlichen unter dem Volke der Gnade, Und des Gerichts beſangen die Choͤre des frohen Triumphheers. Feuriger ſchwung ſich ihr Pſalm. Mit der ſchnellen Wahl der Entzuͤckung, Eilten von Wunder zu Wunder ſie fort. Wie ein ſchimmerndes Chor flog, Unter dem Silbergetoͤn der Saiten, ſo ſangs zu dem andern Hellen Chore, das kaum der Begeiſtrung Jubel zuruͤckhielt. Todesengel erhuben die ernſte Stimme, ſie ſangen: 270 Der Meſſias. Meer! du ſtandſt, Gott gebots! Tagwolke, Nachtwolke ſchwebt' hinten nach dem Heer Des Geſehvolks. Gott erſchreckt' und traf Pharaons Roß und Mann von der Wolke! Schwiegen, allein noch erſcholl die Poſaune. Mirjam vernahm ſie. Vor dem Reihentanz trat ich einher Amrama's Tochter, und pries: Meer ward, Wuͤther, euch Grab! In maͤchtiger Woge verſank, In dem Schilfmeer, wie das Blei ſinkt, Der geharniſchte Reiter, das Roß, Kriegs⸗ wagen, Pharao ſelbſt! Gott ſah zuͤrnend herab Aus Wolken in Flammen, da flohn In des Meers Strom die Geſchreckten! —— ᷣ- — Engel eilten mit weggewendeten Blicken Abi⸗ rams, Eilten Kora's Verwerfung vorbei, und Dathans; ſie ſangen: ———— O der Angſt Stimme, ſie herrufend vom Ab⸗ grunde Dumpf toͤnte, aus Staubwolken zum Licht auf umſonſt klagte! Und nunmehr ſterbend noch graunvoller ſchwieg, furchtbarer, Zwanzigſter Geſang. 271 Verſtummt, ſchreckte, als hinſinkend die Wehklag' ausrief! Einen Blick nur ſenkten die preiſenden auf die Truͤmmern Jericho, Einmal rauſcht' es nur herab von den Harfen. Poſaunrufen der Heerlager, die ernſtanbetend Fortzogen, umſcholl wehdrohend der Palmſtadt Thuͤrme! Der Todstag kam dunkel! und des Herrn Heer zog! Und es ſank fuͤrchterlich aufdonnernd Jericho! Harfen erklangen jetzt, zu den Harfen Stim⸗ men der Engel: O wie fiel dir, Juda, dein Loos! Bethleh⸗ mens Braͤunlicher Sohn ſpielt' hin, leicht wie ein deß Da ſank ihm der Stab, und er traf Den Gathaͤer, der ihm Hohn ſprach! So erhoͤht', o Juda, dein Gott den Juͤng⸗ ling, Gab ihm ums Haupt Gold, und goldnen Ge⸗ ſang, —— 272 Der Meſſias. Verwerfer des Benjaminit, Daß ſein Blut trof am Gilboa⸗ Und es ſahe David den Sohn, den Mittler Ferne; da flog Pſalmflug, Jubel erſcholl Im hoͤheren Chore, das Lob Des Erſchaffers und Erbarmers! Andere Pſalter erklangen, und andere Stim⸗ men der Engel: Er betet, da ſtuͤrzt hoch herab, Ein Gebot vom Thron her Flammen herab! Das Opfer verſank ſchnell in der Glut! Und die Waſſer am Altar brannten in die Hoͤh! Sieben Cherubim ſchwebten aus ihrem Chor zu dem Seher, Dem Erhabenheit, dem viel fernes Kuͤnftiges Gott gab. Und du ſchweigſt? der Cherubim ſah vor Gott ſtehn Ernſt, unenthuͤllt, Fluͤgel huͤllten uns ein! Der Tempel erbebte vom Pſalm Der Erhobnen zu des Herrn Thron! Ich verſtummte, da ich euch ſah vor Gott ſtehn Ernſt, unenthuͤllt, Fluͤgel huͤllten euch ein! Der Tempel erbebte vom Pſalm Der Erhobnen zu des Herrn Thron! Zwanzigſter Geſang. 273 Und ihr riefet: Heilig iſt Er! ach heilig, Heilig iſt Er! Zahllos ſind, die den Herrn Anbeten! Es ſchallet ſein Ruhm An des Throns Höh', und im Staube! Jetzo ſchweigt er, vertieft in Gedanken vom Weltbeherrſcher. Aber nicht lang', und er winkt, daß ſie toͤnen zum Liede, Poſaunen. Die hohe Jungfrau Sion verachtet dich, Und ſpottet dein! die Tochter Jeruſalem Schuͤttelt ihr Haupt dir nach! Wen, wen hoͤhnteſt, und laͤſterteſt du? O wider wen kam, Stolzer, dein Laut em— por? Dein Aug' erhobſt du wider den Heiligen Iſraels! Haſt du nicht Gott Jehovah gehoͤhnt, und geſagt: Ich bin geſtiegen uͤber die Berg' herauf Mit meiner Wagen Menge! Des Libanon Seiten, des Libanon Cedern haut' ich und Tannen herab! Gekommen bin ich bis zu der aͤußerſten Herberge Karmels, bis in den hohen Wald! Grub ich, und trank ich nicht Eure Waſſer? und trocknet' ich nicht, Klopſt. Meſſias IV. B. S 4te Aufl. 274 Der Meſſias. Mit meinem Fußtritt, Iſraels Seen aus? Vernahmſt du niemals, daß ich, was jetzt geſchieht, Oftmals vordem auch that? Weit von ferne bereit' ich es zu, Dann heiß' ichs kommen! Staͤdte von Mau⸗ ren hoch Und Huͤgeln, fallen oͤde zu Truͤmmer hin! Scham, und des Todes Graun Senkt zur Erde der Streitenden Arm! Wie Gras des Feldes, werden ſie! dorren hin, 3 Wie Kraut auf Daͤchern! Heu vor der Reif', un welk! Weiß ich es, ſtolzer, nicht, Wo du zieheſt? und zieheſt, und wohnſt? Und kenn' ich wieder mich dieß dein Toben nicht? Weil wider mich du alſo denn tobſt, dein Stolz, Weil er zu mir herauf Stieg, und ich es im Himmel vernahm: So leg' ich einen Ring an die Naſe dir, Leg' ich Gebiſſe, tobender, dir ins Maul, Zwanzigſter Geſang. 275 Daß du denſelben Weg Wiederkehreſt, auf welchem du kamſt! Feurig ſang ers. Von neuem begannen die ſieben Begleiter: O entfleuch denn, Sanherib, eil zu Nis⸗ rochs Opfer! Noch ſcholl Sions Huͤgel herab Das Drohn des Prophetengeſangs, Da erhub ſchon die Vollendung Zum Gericht den donnernden Fuß! Der Tag ſtieg Roͤthlich herauf, ſtumm lag, leichnamevoll Das Feld der Aſſyrer! Entflohn War ihr Koͤnig mit Entſetzen! Aber der Seher der Herrlichkeit Gottes am Chebar entſchwung ſich Nebſt zwoͤlf Juͤnglingen, Engeln und Menſchen, des feirenden Heerzugs Lichten Choͤren. Ihr Flug ſchon erklang, da die Saiten noch ſchwiegen. Und ſie ſchwebten den goͤttlichen Sohn anbetend voruͤber. Furchtbarſchoͤn war ihr ſtrahlender Schwung und der Himmliſchen Anſchaun, Und die Flamm' in dem Blick. Sie begannen dem Herrſcher in Juda: S 2 276 Der Meſſias. Raͤcher! wie oft haſt du geraͤcht dein erkohr⸗ nes Leidendes Volk! wie zerſchmettert die Zerſtoͤrer! Haſt ſie bluten gemacht! Die Blutgier Lechzten, entrannen dir nie! 4 Glich nicht des Nils ſchreckendes Thier dem Aſſyrer? Libanons Pracht, wie ſie aufſteigt zu beſchatten, Hatte dieſer! Er ſtand von Laube Dick, und ſein Wipfel empor! Waſſer um ihn machten ihn groß! und an Strudeln Hub er den Wuchs! Um den Stamm her des er⸗ hobnen Rauſchten Stroͤme! den andern Baͤumen Sendet' er Baͤch' ins Gefild! Darum erhub hoͤher er ſich, wie die an⸗ dern Baͤum' im Gefild! und es ward ihm zu der Aeſte Vollem Sproß und der Zweige Waſſers, Sie zu verbreiten, genug! Niſteten nicht Voͤgel auf ihm, und das Staub⸗ thier, Zwanzigſter Geſang. 277 Lag's nicht um ihn, wie unzaͤhlbar? In des ho⸗ hen Quellentrunkenen Baums Beſchattung Wohneten Voͤlker umher! Ceder des Herrn, warſt du, wie er? und o Tanne, Du, wie ſein Aſt? und du Ahorn, wie ſein lan⸗ ger Schoͤner Zweig? Vor der Schaar der Baͤume Prangt' er im Haine des Herrn! Hatt' ihn nicht Gott alſo geſchmuͤckt, und mit dichten Aeſten erhoͤht, daß die Baͤum' ihn in dem Garten Gottes neideten? Weil ſein Wipfel Alſo gen Himmel erwuchs, Hub ſich ſein Herz ſchwellend empor, daß ſo hoch er Stuͤnde! Du gabſt ihn dem ſtaͤrkſten der Tyran⸗ nen, Raͤcher nun, in die Hand, daß ers ihm, Wie er verdiente, vergalt! Fremder Gewalt rottet' ihn aus, und zer⸗ ſtreut' ihn! Auf dem Gebirg', in den Thalen, an den Baͤ⸗ chen, Der Meſſias. Lagen niedergeſtuͤrzt, zerſchmettert, Aeſt' ihm, und Zweig' ihm umher! Schatten war er Voͤlkern nicht mehr, und zu Schaaren Zogen ſie fort! Auf dem Stamme des geſunknen Wohnten jetzo der Luft, auf ſeinen Aeſten die Heere der Flur! Niedergeſchreckt, hebet kein Baum an den Waſſern So ſich mit Stolz! und es ragt ſo bei den Stroͤ⸗ men Eines Wipfel nicht mehr aus dichten Zweigen der Kuͤhlung empor! Denn in das Grab muͤſſen auch ſie, zu der Todten Gruͤften, vor die ſich der Erdkreis in den Staub wirft! Als der Aſſur die Tief' hinabkam, Klagte ſie weit um ihn her! Huͤllte ſich ein Strudel und Strom! und die Waſſer Floſſen nicht fort! und verdunkelt, wie in Trauer, Stand ihr Libanon! auch des Thales Baͤume verdorrten um ihn! Zwanzigſter Geſang. 279 Als mit Getoͤs nieder er ſtuͤrzt, in die Hoͤlle Nieder mit Sturm, da entſetzten ſich die Voͤlker! Du edeniſcher Hain im Abgrund, Du o ſein Libanonwald Dort in der Nacht, troͤſtetet ihnhl! Ja die Herrſcher Alle, ſein Arm, die mit Schatten er bedeckte, Waren nieder mit ihm geſunken Zu der Getoͤdteten Schaar! Und ſie ſchwiegen. So ſaͤumt mit kurzem Weilen der Erde Furchtbares Beben, nun bald gen Himmel wieder zu ſenden Staub aus Truͤmmern, und Sterbender Jammer⸗ geſchrei! Sie begannen: Wie den Aſſur, ſtuͤrzeteſt du Aegyptus Koͤnig, o Sohn! Meerdrach, ſprang er im Strom; Es truͤbte die Waſſer ſein Fuß, Und der Schlamm woͤlkt' in der Flut ſich! Da er ausrief: Mein iſt der Strom! ich Mir ihn gemacht! warf Gott uͤber ihn aus Sein Netz, und es jagte ſein Heer In ſein Garn auf den Empoͤrer! Der Meſſias. Wie die Fiſch' ihm ſchwer und in Drang die . Schuppen Hingen herab, zog ihn Gort aus dem Strom, Und warf ins Gefild' ihn, und rief Zu dem Aaſe, was in Hoͤhn fleugt, Was im Staube kriechet, und raubt. Das Aas lag An dem Gebirg weit hinunter ins Thal, und fuͤllte das Thal! und es ſtieg Zum Geſtad' auf, wo er ſonſt ſchwamm, Des Verworfnen Blut! ja hinan die Berge Drang's, und des Stroms Baͤche wurden umher Von Blute getruͤbt! Denn hinab In die Gruft ward er geſtoßen! In der Tieſ' empfingen ihn die, ſo einſt auch, Helden wie er, wuͤrgten! Alle ſie ſind Hinuntergeſtuͤrzt vor vom Schwert! Und ſie ruhn jetzt bei Erſchlagnen! Wo ſie ruhn, liegt Aſſur, umher begraben Alle ſein Volk. Schwert, du warfſt ſie hinab! Tief iſt in den Kluͤften ihr Grab, Die den Erdkreis einſt erſchreckten! Wo ſie ruhn, liegt Elam, bei ihm begra⸗ ben Zwanzigſter Geſang. 281 Alle ſein Heer! Schwert, du warfſt ſie hinab, Hinab in die Graͤber voll Schmach, Die den Erdkreis einſt erſchreckten! Im Gefild liegt Meſech! Es liegt dort Thu⸗ bal, Er, und ſein Heer, ſchmachvoll, waffenberaubt, Nicht unter dem Haupte das Schwert! Das Gefild' iſt vom Gebein weiß Der Verworfnen, welche die Erd' einſt ſchreck⸗ ten! Pharao, auf dir ſtand des Siegenden Fuß! Nun ſchlummerſt du mitten im Heer Der Erſchlagnen, die das Schwert traf! Die Beherrſcher Edoms, der Krieger Fuͤhrer, Liegen umher tief in Naͤchten der Gruft! Sie taumelten hin vor dem Schwert, Zu der Heerſchaar der Erſchlagnen! Mit hinunter ſanken die Voͤlker Sidons. Roͤthere Scham deckt der Fuͤrſten Geſicht, Daß kuͤhn die ereilende Schlacht Sie hinabwarf in die Tiefe! Die Erſchlagnen all' um ſich her verſam⸗ melt * 282 Der NMeſſias. Sah in des Abgrunds Nacht Pharao! ihn Erblickte ſein Volk, und es war Ihm Erquickung dieß Entſetzen! Denn hinab haſt Pharao du zur Hoͤlle, Ihn, und ſein Herr, Gott Verderber, geſtuͤrzt! Geſchrecket, geſchrecket auch du, O der Welt Richter, den Erdkreis! Sichtbar nur der Unſterblichen Aug', in des 8 Himmels Abgrund, Lag auf der wandelnden Erde Jeruſalem. Todes⸗ engel Schauten hinunter, und wandten von ihr zu dem Thale Gehenna Ihre Blicke. So ſangen mit ernſtem Trauren des Todes Engel, indem, wie aus Fernen der Donner, ihrer Poſaunen Ausruf ſcholl, dumpf ſcholl, wie das Meer an Fel⸗ ſengeſtade. Geh unter! geh unter, Stadt Gottes! In Kriegsſchrein! in Rauchdampf! und Glut⸗ . ſtrom! Verſink', ach! die des Herrn Arm von ſich weg⸗ ſtieß! Sey Truͤmmer, Stadt Gottes! Zwanzigſter Geſang. 283 Todesworte ſprach Jeſus! Rom thut ſie! Zum Aaſ' eilt mit Gierblick der Adler! Den Feldherrn, die ihr Gott ruft zu verderben, Flammt's ernſt vom Rachauge! Pflugtreiber ſtreun ſchreckend Salzſaaten! Dir zog Gott die Meßſchnur, o Schauthal! Er, er bot zum Triumph auf! Die Drommet; hallt Siegswuth, wo Gott ausmaß! Blutfordernd riefſt, Juda, den Fluch du Vom Thron' her! dein Mund ſchrie: Des Sohns Blut! Die That ſchrie's noch mit mehr Grimm. Dich erhoͤrt Roms Heerfuͤhrer. Geh unter! Wie der freudige Fromme, der jetzt die Graͤ⸗ ber nicht denket, Oder denket er ſie, mit dem Troſte der Auferſte⸗ hung, Ihre Naͤchte durchſtrahlt, wie der, wenn der Mor⸗ gen im Fruͤhling Ihm erwacht, mit Wonn' in dem Aug' in die ſchoͤnen Gefilde Weit umherblickt, laut ſein Gebet dem Schoͤpfer des Fruͤhlings 234 Der Meſſias. Hinſtroͤmt; alſo ſchauten umher, und ertoͤnten vom Jubel Choͤre Seraphim, da in der Straße des Lichts des Triumphes Heerſchaar ſchwebt', und mit ſtrahlenden Meeren der hellere Himmel Sie umgab, und die Stern' in Gedraͤng zu tau⸗ ſenden wallten. Dieſer Jubel der Seraphim ſcholl umher in den Sternen! Ertoͤnet ſein Lob, Erden, toͤnt's, Sonnen! . Geſtirn'! Ihr Geſtirn' hier in der Straße des Lichts, hallt's feirend, Des Erloͤſenden Lob! ſiehe, des herrlichen, Unerreichten von dem Danklied der Natur! Lobſing', o Natur, dennoch dem, welcher dich ſchuf! Dein Geſang ſtroͤm' in den Himmeln einher! Hoch⸗ preiſend, Von erbebender Hoͤh, rufe des Strahls Gefäͤhrt In Kidrona, und dem Palmthal ihn herab! Ihr Waſſer der Mond, Erbarmer, rauſchet darein! Wie das ſanftliſpelnde Harfengetoͤn zum Chor⸗ pſalm Zwanzigſter Geſang. 295 Der Poſaunen empor Luͤfte der Palme wehn, So erhebt euch zu der Sternheere Geſang! Wie wandelt ihr her, welche Gott zahllos er⸗ ſchuf! O du Heerzug der Geſtirne! wie ſtrahlt, wie laut ruft Des Erloͤſenden Preis ihr zu der Hoͤh' hinauf, Zu der Glanzſchaar um den Thron Gottes empor! Du biſt es, o Sohn, dem der Welt Jubel ertoͤnt, Du ein Quell aller Beſeligung, Herr, Heilgeber! Unerſchöpflicher Quell deſſen, was gluͤcklich macht! Iſt ein Weg wo? iſt ein Flug auch zu dem Licht, Zum Heile, den er uns nicht fuͤhrt? Alle nicht fuͤhrt? Labyrinth alle des großen, des unnennbaren, Des belohnenden Heils! Selige fuͤhrt durch dich, Von Aeoon er zu Aeoon fort, Labyrinth! Jetzo ſchwieg der Geſang; doch toͤnete fort 8 der gehauchte Hall, und die Saite, So toͤnet der Hain, wenn weit in der Ferne 286 Der Meſſias. — Stroͤme durch Felſen ſtuͤrzen; und nah von den Baͤchen es rieſelt: Wenn es vom Winde rauſcht in den tauſendblaͤttri⸗ gen Ulmen; Und der tanzbeginnenden Braut der Quell Melodie ſcheint. Da ſtets weiter empor in der Straße des Lichts der Triumph ſtieg, Ward nicht ferne von ihnen ein Stern, der Son⸗ nenbegleiter Einer, verwandelt. Erſchuͤtterung ging von Wende zu Wende Durch die Mitte des Sterns. Er zerſpaltet' in Lande. Gebirge Krachten, flammten; und brauſender dampften Meere gen Himmel. Fuͤrchterlich wars ſelbſt Engeln zu ſehn, wie in Irr' Urkraͤfte Wankten, es bildeten; Saat aufſchwoll der neuen Erſchaffung! Aber aus eines Sirius naͤheren Strahlen er⸗ hoben Auferſtandne Gerechte der Wonne Stimme zum Mittler: Liebe des Sohns, himmliſches Heil! dem Ver⸗ ſtande Goͤttliches Licht! vom Altar Glut dem Gefuͤhle! Zwanzigſter Geſang. 287 Tag, der erwacht, in das Meer nicht unterzugehn, Der Erloͤsten ewiger Tag, Liebe des Sohns! N Fluͤgel hinauf, Fluͤgel zum Thron', o Tri⸗ umph, nahmſt, Du, und auch uns, den Gewaͤhlten des Erhobnen, Weheſt du vor mit der Palme, Chriſtus Tri⸗ umph, Zu dem Thron des Vaters empor, Chriſtus Tri⸗ umph! Engel, der dort ſtrahlend einher durch die Himmel Schwebet, wer iſts? dem das Sternheer in der Laufbahn Steht, dem es laut auf den Pfaden Gottes er⸗ toͤnt, Dem die Tiefe ſinket, wer iſts, Engel des Throns?— Er, der am Kreuz duͤrſtet', und ſtarb, der uns liebte Bis in den Tod, o der Schmach Tod, des Al⸗ tares Golgatha Tod! und verlaſſen rufte von Gott In der Nacht! der iſt es, ja der, Engel des Throns! 288 Der Meſſias. Stroͤmet ſie her, Stroͤme des Lichts, und o Luͤfte, Sauſelt ihr ſanft dem Triumphheer ſie heruͤber, Welche ſich dort noch unerhoͤrbar, tief in der Fern Uns enthuͤllen, kommen, des Sohns Antlitz zu ſehn.. Engel, der Tag ſeines Triumphs, die Erhe⸗ bung Chriſtus zum Thron, ſie erſcholl weit in die Wel⸗ ten Alle! Wer wohnt in des Lebens Huͤtten, wem Gott Es vergoͤnnt, der eilet, des Sohns Antlitz zu ſe⸗ hen! Herrſcher iſt er, Herrſcher der Sohn! Ach es fleht ihm Aller Gebet! in den Weltkreis, in die Tiefe, Fern in die Hoͤh, bis zur letzten, ſendet hin⸗ auf Die Erhoͤrung er, der allein Seligkeit hat! Freuden euch! Licht ſtroͤmet' euch her, und Geluͤfte Saͤuſelte ſanft dem Triumphheer euch heruͤber Weit Zwanzigfter Geſang⸗ 289 Weit aus der Fern, ihr Bewohner jenes Geſtirns, Das auf Erden uͤber des Blicks Grenze ſich hob. Herrſcher iſt er, Herrſcher der Sohn! Ach es fleht' ihm Euer Gebet! In die Tiefen, in die Hoͤhen, Sendet der Sohn, bis zur letzten; ſandte der Sohn Die Erhoͤrung er, der allein Seligkeit hat! Der Entzuͤckungen, ach! Seht, dort ſtrahlet der Sohn In dem Chor hoher Thronen! herrlich in dem Chor Des Grabvolks, die Blut ihm verſoͤhnt hat, die erwachten, Vor dem Tage des Gerichts, umgeſchaffen durch ihn! O du Erſter des Seyns! welchen himmliſchen Weg Hat geführt deinen Sohn des Todes Labyrinth! Vom Grabmal beginnt, ſteigt der Siegsgang! aus der Nacht her, Die den Sterbenden umgab, kommt des Ewigen Sohn! In der Schoͤpfungen Meer, wo der Woge Gebirg Zum Geſtad' hinwallt, wohnet, Herrlicher, dein Volk, Klopſt. Meſſias IV. B. T ute Aufl. 290 Der Meſſias. Dem Heil auch von dir wird, Meſſias! ob es Blut gleich, unentheiligt von der Schuld, nicht zur Soͤhnung bedarf. Aber es iſt unſere Schuld vor der Zeugen Auge vertilgt, und verſtummt iſt nun der Suͤnde Stimm' an dem Thron', in der Engel Hallen, dem Ohr Des Gerichts der Klaͤgerin Ruf ewig verſtummt! Fuͤrchterlich laut rief ſie hinauf, und es war doch Leiſe das Ohr des Gerichts; aber: Vollendet Iſt es! erſcholl vom Altare Pſalmmelodie, Und die Suͤnde hoͤrte des Sohns Donner, und ſchwieg. An des Ewigen Thron, Chriſten, preiſen auch wir! 1 Wo es euch, Erben, ſchattet, ſchattet es auch uns! Wo euch quillt des Heils Quell, das Labſal der Gerechten, Da verſammeln wir auch uns, quillt uns Leben auch zu! Bebtet ihr je, Soͤhne der Fern, der Ver⸗ werfung Schrecken? O trof, in der Wehmuth, im Ent⸗ ſetzen Zwanzigſter Geſang. 291 Vor dem Gericht, im Entfliehn vom Horeb, euch je Die entflammte Thraͤne den Blick blutig herab? An dem ſchwindelnden Hang, den Verderben umringt, An des Abgrunds Nacht, ſtaunten, ſchauerten wir nicht! Wo Wagſchal' ertoͤnt, nicht, wo Zornkelch ſich er⸗ gießet! Und Geretteter Gefuͤhl ward uns, gluͤckliche, nie! Welche Stimmen ergoſſen ſich aus den begei⸗ ſterten Choͤren! Waget' ich ſie zu vergleichen; ſo nennt' ich ſie Stimmen der Liebe, Nennte ſie Sterben der, die nun offen den Him⸗ mel ſchon ſehen, Oder Auferſtehender, die dem Grab' itzt enteilen. Chriſtus Triumph erreichte den Stern der un⸗ ſchuldigen Menſchen, Und der unſterblichen. Ueber den hohen Gefilden des Sternes Schwebt er einher. Die unſterblichen ſahn den ſtrahlenden Heerzug, Huhn den Verſoͤhner, und ach die Auferſtandnen vom Tode! Haufen ſchauten; allein bald wurden die Haufen zu Schaaren, T 2 292 Der Meſſias. Bald die Schaaren zu Heeren. Das Haupt gen Himmel erhoben, Standen ſie, unter ihnen der Erſtgeſchaffne. Voll⸗ ender! Rief er, und ſank auf ſein Knie, um ihn die Un⸗ ſterblichen alle. Hainen riefen Haine, und Bergen Berge: Voll⸗ ender! Unter ſie hin war Toa getreten. Der Richtende hatt' ihn Wieder hinauf in das Leben gefuͤhrt. Der frohſte der frohen War er, war ganz Dank, war ganz mit Empfin⸗ dungen ſeiner Neuen Unſterblichkeit uͤberſtroͤmt. In dieſer Ent⸗ zuͤckung Rief er laut mit den Heeren der heiligen Menſchen: Vollender! Jetzt da in ſeinem Triumphe der Sohn des Ewigen Pſalme Seiner Erhöhung vernahm, und mit Wonne der preiſenden Freude Ueberſchwenglich belohnt', entſtieg der Graͤber Ge⸗ filden Zweener Sterblichen Lied. Sie hatten Erſtandne 8 geſehen, Hatten gelernt. Es wurd' ihr Lied von dem Aus⸗ geſoͤhnten, N Zwanzigſter Geſang⸗ 293 Und dem Verſoͤhner gehoͤrt. Indem der Schatten des Baumes, Ihnen Huͤtte jetzt, und Kuͤhlung ſanfterer Luͤfte Weht', und der Bach mitſcholl, erhob ſie die Stimme der Andacht, Sie, die liebte den Herrn, und ihres ebens Ge⸗ faͤhrten. Schwinge dich empor, Seele, die der Sohn zu des Lichts Erbe ſich erſchuf! ſelige, die verſoͤhnt Jeſus hat! Sing' ins Chor der Vollendeten am Thron! Stammelten ſie nicht auch Laute, wie du, beben⸗ den Geſang? Als der Schatten des Baums, und Kuͤhlung ſanfterer Luͤfte Weht', und der Bach mitſcholl, erhob er die Stimme der Andacht, Sr, der liebte den Herrn, und ſeines Lebens Ge⸗ faͤhrtin. Selbſtſtaͤndiger! Hochheiliger! Allſeliger, tief wirft, Gott! Von dem Thron fern, wo erhoͤht du der Geſtirn' Heer ſchufſt, Sich ein Staub dankend hin, und erſtaunt uͤber ſein Heil, Daß ihn Gott hoͤrt in des Gebeinthals Nacht! 294 Der Meſſias. Durch feirende, lautpreiſende Pfalmchoͤre des Sternheers bebt Mein Gebet auf zu dem Thron deß, der im Licht⸗ reich herrſcht! Vom Beginn ſelig macht! Labyrinthweg' uns em⸗ por Zu dem Thron fuͤhrt, wo unerforſcht Er herrſcht Hoch heiliger! Allſeliger! Unendlicher! Herr, Herr, Gott! O erhoͤr du mein entzuͤckt Flehn von dem Grab⸗ thal her! Von der Nacht ſtammelts auf zu des Chors Halle⸗ luja; O erhoͤr's, Gott! und mein verſtummt Flehn auch! Gott! mache den toderbenden gluͤckſeliger! Gott! trockn' ihm Die Betruͤbniß von der Wang' ab! noch iſt Elends⸗ laſt In der Nacht hier ſein Theil, ſo begnad' ihn mit Geduld! Und o leit' ihn, daß er am Thron anſchau! Alſo ſang er, und ſchwieg; bald aber erhub ſich von neuem Seine Seele, brannte von neuem vor inniger An⸗ dacht. Siehe, des kuͤnftigen Chriſten Geſang entſchwebte der Erde Zwanzigſter Geſang. 295 Kaum, allein ihn vernahm der Hoͤrer der ewigen Choͤre. Alſo rauſchet ein Blatt, wenn die Wiederhalle der Felskluft Donner rufen, Donner der Waldſtrom nieder ins Thal ſtuͤrzt. Erwach, Harfengetoͤn, und erhebe dich Dem Pfalm nach zum Throne! Dein Flug ſey des Unendlichen Lob, Des Herrn Preiß dein Feſtlied! O ihm, dem mit Entzuͤckung Harmonie des Geſtirnheers emporſteigt, Und Erzengel entflammendes Lob In dem Anſchaun ertoͤnen, O liſpl' auch, mein Geſang, ſein Lob dem! Von dem Grab' auch vernehme Sein Lob Gott! Wie beginn' ichs? wie vollend' ichs? O Vorſchmack des Himmels, Des Herrn Preiß, wer ſingt dich, und erliegt nicht? Was ihn ſonſt hob, verſinkt jetzt, Sein beſeelteres Bild, wie der Schimmer Von dem Aufgang Gemaͤhld' ihm Voll Goldglanz, wird ihm Daͤmmrung! Wie ich kann, mit der Nacht Schein im Bilde, Mit Nachhall und Laut nur, Wenn der Chorpſalm zu dem Thron' auf ſ ſich donnernd 296 Der Meſſias. Erhebt, ſing' ich dem Herrn! Wer gleicht dir? wer, o Gott, iſt, wie du 3 biſt? 2 Des Seyns tiefen Entwurf entwarfſt du, Eh Gefuͤhl war, Gedanken, Und Zweck war in der Endlichen Heer! O der Ausſaat, die, Gott, du Geſaͤt haſt! und Aeoon auf Aeoon, Daß ſie reift', aufgehaͤufet. O Rathſchluß: Die Aeonen, Wenn ſie all' einſt vorbei ſind, wird Erndte Ohn' Aufhoͤren am Thron ſeyn! Die Erſchaffung zu des Sohns Heil haſt dann du Vollendet! O dann fuͤhrt das Gluͤck uns, Und das Elend ins Lichtreich! Was einſt uns, dem Begluͤckten und dem Dulder, Labyrinthweg und Nacht war, Das fuͤhrt uns zu dem ewigen Heil hin! Indeß welkt auf Erden Der unſterbliche Menſch weg, Und empfindet Herannahen des Todes Herannahn der Verweſung! Und verweint, in Wehklag' ergoſſen, Den Beginn des Daſeyns; uUnd weiß doch, daß es Gott einſt mit Wonne Vollbringt, er, der ihn auch zu dem Heil ſchuf! Ja! ſo, Gott, vollbringſt du's! Zwanzigſter Geſang. 597 Ach truͤb' iſt, und Nacht iſt der Gedanke Daß ins Loblied der Himmel Der Angſt Stimme ſich miſcht, Und mit Thraͤnen ſich die Wehmuth von Graͤ⸗ bern Euporhelt ins Getoͤn, wo Entzuͤckung Der Chorpſalm zum Thron ruft, Und ſanft Liſpeln den Harfen entlockt, Wenn im Dank weint die Wonne! Cherubim und Erſtandene toͤnten vom Unter⸗ gange Babylons. Alſo ſang der Erſtandenen Chor dem Vollender: Ernſt iſt er, des Gerichts dunkler Tag! Todesgang und des Sturms Flug eilt des Herrn Gerichtstag! Prophezeiung gegen ſie, Bewoͤlkt einſt, Prophezeiung, wie erfuͤllt Gott dich! Ach, ſie ſtuͤrzt! Es vernahm Erd' und Meer Babels Fall, der Erfuͤllung Donnerſchlag! Nun thut's Gott von dem Throne! Jetzo droht Am Meersſtrand die Verkuͤndung des Poſaunrufs nicht! Babel ſtuͤrzt! O begann Gottes Tag, Jener ſchon, der Entſcheidung großer Tag? 293 Der Meſſias. Wie liegt, Weh! ſie zerſtoͤrt da! Weh ihr! Weh! Welch Graun jetzt, die ſo ſtolz war, in dem Ab⸗ grund da! Cherubim und Erſtandene toͤnten vom Unter⸗ gange Babylons. Alſo ſang der Cherubim Chor dem Voll⸗ ender: Sie verſinkt, ſie verſinkt, Babel! Der Taͤu⸗ ſcherin Gefullt iſt mit Gifttrunk, ſchnelltoͤdtend ſchaͤumt Ihr Kelch auf! O es fuͤllt dir, Babel, dafuͤr, Des Gerichts Kelch vollmeſſend, der wiedervergilt! Du Geſtuͤrzte! wie lang ſchaͤumte dein Tau⸗ melkelch Dem Erdkreis Verfuͤhrung, Wahn, Wuth, und Tod! Erwacht iſt des Vergelters Rache! dich hat Von des Zorns Kelch Gott trunken zum Tode ge⸗ macht! Ach! die ſeligen Tage der erſten Auferſteh⸗ ung 3 Warens, die ihr, ſchon jetzt vollendete Maͤrtyrer, feirtet. Die Gott raͤcht, in Geſtirnglanz, Gluͤckſe⸗ lige! Zwanzigſter Geſang. 299 In des Heils Kleid', ausduldende Maͤrtyrer! Zu dem Erb' in dem Lichtreich kommt freudig ihr, Die Gott raͤcht, von dem Nachtthal her! Die Herrſchaft des Vollenders, Mitblutende! Die Gewalt deß, den Kreuziger toͤdteten, O empfangt die Belohnung, Heilerbende! Erſtaunt, bang, und vor Angſt ſtumm hoͤrts Der Erdkreis! Die verkannt einſt ſchnell blu⸗ teten, Wenn ſie Satan Naͤuchwerke nicht zuͤndeten, Sie beherrſchen die Welt jetzt! ſind Koͤnige! Vom Thron ſchmuͤckt mit Gewalt Gott euch! Unbemerkter, nicht eine der Koͤniginnen des Weltmeers, Ruhete zwiſchen Wogengebirgen die einſame Pat⸗ mos. 11s Aber es ſollte dereinſt, wie Poſaunen, an ihrem Geſtade Dem erſchallen, den ſich der Offenbarer zum Se⸗ her Auserkohr, und in ihrer Haine Schatten der Gott⸗ menſch Ihm erſcheinen, umringt von ſieben Leuchtern, ge⸗ kleidet In ein lichtes Gewand, mit Golde beguͤrtet, das Haupthaar 300 Der Meſſias. Veiß; wie Schnee, und Flamme fein Blick, wie die Sonne ſein Antlitz! Gluͤhend Erzt war ſein Fuß, von dem Munde ging ihm ein ſcharfes Schneidendes Schwert, und er hielt in der Rechte 3 ſieben Sterne; Eine Strahlengeſtalt, vor welcher, wie todt, der Seher Hinſank! Richter der Welt war der, vor welchem er hinſank. Aber damals richtet' er noch ſein großes Gericht nicht: Sprach nur uͤber ſieben Gemeinen ihr erſtes Ur⸗ theil; Mit dem Ernſte des Richterſpruchs ertoͤnte noch Gnade! Und es hatten, von dieſem Gericht, die erſten der Engel, Und die Vaͤter, ſie hatten, von dieſer Gnade, wie „fern her, Himmliſche Stimmen vernommen. Sie ſangen dem ſchonenden Richter, Daß ihm in den Gemeinen, wie Thau aus der Morgenroͤthe, Seine Kinder wuͤrden zum ewigen Leben geboren, Durch die neue Geburt! und daß er ißter,„ wie Muͤtter, Sich erbarmt', auch da, wo ſelbſt die Hethen der Muͤtter Zwanzigſter Geſang. 301 Fuͤhllos wuͤrden, auch da ſich Jeſus Chriſtus er⸗ barmte! Epheſus, ach Epheſus! komm zu der erſten Liebe zuruͤck! O wie tief ſankſt du, Gemeine! Kehre wieder! es ſtuͤrzt dein Leuchter Sonſt dir dahin, und verliſcht. Preis dir, du giebſt ewigen Lohn, wer ſich wieder, Mittler, erhebt! am Kryſtallſtrom, der vom Throne Fließet, ſchatten des Lebens Baͤume! Tragen dem Siegenden Frucht! Und ein hoͤheres Chor begann, von Wonne 1 begeiſtert, Durch die goldenen Harfen herab zu rauſchen; ſie ſangen: O der Ausſaat, welche du, ewiger Sohn! Dir in Smyrna ſaͤteſt! O ſie halten aus Im Gefaͤngniß, und geſchmaͤht! ſie duldens gern, Sind getreu bis an den Tod, Kronen zu em⸗ pfahn! Wehmutsſtimmen erſchallen. So ſangen Choͤ⸗ re der Menſchen: Pergamon, du hielteſt an Ihm in den Ta⸗ gen Jenes Triumphs, da Antipas in ſein Blut ſank! 302 Der Meſſias⸗ Zeugend ſank er! O ruft Antipas Namen, Unſterbliche ,laut! Aber du haſt, Pergamon, auch, die, wie — Balak, Argern. Es labt, wer geſiegt hat, das verborgne Manna dieſen allein! nur er hoͤrt Zeugen die Himmel von ſich! Wehmuthsſtimmen erſchollen. So ſangen Chön re der Engel: Siehe, du glaubſt, duldeſt, und liebſt, Thya⸗ tira! Aber du haſt, Thyatira, die Prophetin, Haſt die Taͤuſcherin auch! Dein Richter Forſchet hinab in das Herz! Welchen er rein ſahe, der Sohn, den er⸗ hebt er, Setzet ihn hoch, daß den Weltkreis er beherrſche! Giebt den eiſernen Stab der Macht, giebt Strahlen der Stern' ihm ums Haupt. Stille ward in der Schaar des Triumphes, und keins der Choͤre Sang und alle Harfen, und alle Poſaunen vere ſtummten, Bis zu dem Goͤttlichen wenige Stimmen ſich end⸗ lich erhuben. Zwanzigſter Geſang. 30⁰3 Ach Sardis! ach Sardis! Weltrichter, Erbarm dich! des Herrn Sohn, verſchone! Sie liegt todt, und ihr Wahn waͤhnt, daß ſie lebe! Gott Mittler, ſchon' ihrer! Ach hoͤre! wach, Sardis, wach, Todte! Vom Schlaf auf! Es ſchreckt ſchon von fern her, Mit Eil droht, mit Vollendung das Gericht dir! Hoͤr, hoͤr ſein Drohn, Todte! Weißes Gewand ſtrahlet um den, der geſiegt hat! Heil in dem Buch, das vom Heil einſt im Ge⸗ richt toͤnt, Steht ſein Namen! ihn nennt, vor Gott ſelbſt, Und vor den Engeln, der Herr! Aber ein hoͤheres Chor begann, von Wonne begeiſtert, Durch die goldenen Harfen herab zu rauſchen; ſie ſangen: Wie ſelig iſt ſie! Wenig Kraft gab ihr der Herr; Und es blieb dennoch im Bunde, bekannte den⸗ noch Philadelphia ſtets! Satans Verfuͤhrter ſoll Sich ihr bang nahn! in den Staub ſinken vor ihr! 3⁰% Der Meſſias. Wie ſelig iſt ſie! Wenig Kraft gab ihr der Herr; Und es blieb dennoch im Bunde, bekannte dennoch Philadelphia ſtets! Stunde des Jammers, triff Du den Erdkreis, und vor ihr eile vorbei! Wie herrlich iſt ſie! Treue Schaar, halt, was du haſt, Und o laß keinen die Krone des Heils dir nehmen! Der Vollendete ſteht glaͤnzend, ein Pfeiler, einſt In dem Tempel, wo der Sohn ewig belohnt! Wehmuthsvoll, mit jenem Gefuͤhl, das unter den Menſchen Thraͤne wird, kam mitten aus einem Chore die Stimme: O vernaͤhme den Ruf Laodicea noch! Er ruft ihr vom Tod' auf! wehklaget ſanft! Wie blind ach! und wie elend taͤuſchet ſie ſich! Du des Herrn ſonſt, auf, eile dem rufenden zu! Der Gezuͤchtigte geht auch zu dem Abend mahl Des Sohns ein! Wer feſt ſteht, aushaͤlt, und ſiegt, Belohnt wird, und gekroͤnt der! ſteiget empor Zu des Throns Hoͤh, Gottmenſch, wo im Lichte du wohnſt! Da Zwanzigſter Geſang. 305 Da des Triumphs Heerſchaar ſtets weiter hin⸗ auf zu des Himmels Strahlenkreiſe ſtieg, begannen Choͤre der Seher Und Erzengel zu ſingen dem Auferwecker und Rich⸗ ter. Alſo ſangen ſie gegen einander. Die Harfen der Seher Toͤnten feirlichen Ernſt, und floſſen von großen Gedanken Feuriger uͤber. Itt ſtroͤmte der Pſalm in der Saite Begeiſtrung: Wo erhoͤht Er in dem Lichtreich, im Glanz thront, dort Stieg er herab, und den Gerichtsruf donnerte ſein Heer! Und die Grabnacht gab, die ſie wegnahm, her, Da des Gerichts Ruf toͤnt', und das Gebirg' ein⸗ ſank! Und die Heerſchaar, die vom Tod' Er durch Blut losſprach, Hub ſich empor, und ihr Gewand goß Strahlen um ſie her! Ihr Triumphlied ſcholl, wie das Weltmeer braust! Und das Getoͤn ſtieg hoch mit dem Gerichtsruf auf! Klopſt. Meſſias IV. B⸗ u lte Aufl. 306 Der Meſſias. Sie erlagen dem Wonnegedanken. Die Sai⸗ ten nur toͤnten. Aber nicht lange, ſo ſcholl ihr Geſang von neuem zur Harfe: Ausſaat, die geſaͤt ruhte, bis ihr Gott rief, das Gefild Mit Goldglanz zu bedecken! Selige, die Staub zu Staub, In ſich einſchloß ſaͤumende Nacht, Bis floh der Aeoon Sterblicher dahin! Ausſaat, o wie reif ſchimmerſt du her! Laut ruft im Gefild Die Heerſchaar zu der Erndte! Selige, die, Glanz zu Glanz, Der Vollender ſammelt, wie nimmt Des neuen Aeoons Herrlichkeit euch auf! 2 Jetzo ſangen mit himmliſchem Laͤcheln die er⸗ ſten der Engel; Toͤnender ſtroͤmte der Pſalter Strom zu dem Won⸗ negeſange: Todt', erwacht! Todt', erwacht! Der Ge⸗ richtstag hallts! Der Aufruf der Erndter des Gefilds Ertoͤnt froh! Der Staub hoͤrts da, wo er ſanft Schlummert, hinſchallen! Schutzengel rufen ins Gericht! Zwanzigſter Geſang. 307 Eilet, ſchaut auf zum Thron, die mit Huld Gott rief! Erwacht! eilt! ſteht auf! ſtrahlt von dem Grab' Empor ihr, die Jeſus frei des Gerichts Macht! o Miterben, kommt, nehmt die Palmen in Triumph! Schwebt herauf, ſetzet euch, mit dem Sohn Richter, Im Goldſtrahl auf Throne bei den Herrn! Erhebt euch, die Blut deckt! weißes Gewand Deckt! o Weltrichter, kommt, nehmt die Kronen in Triumph! Ach! ſie gehn uͤberſtrahlt zu dem Thron furchtbar Herauf, ernſt zur Wagſchal des Gerichts! Geſtroͤmt Blut des Altars Golgatha deckt Hell die Palmtraͤger! Siegskronen glanzen um ihr Haupt! Lange Reihn kryſtallener hochaufſteigender Berge Sind in dem Stern Sarona. In ihnen ſehn die Bewohner Ferne Welten vergroͤßert, und leuchtender; weiter ertoͤnet Dort der Wiederhall, und melodiſchek, wenn ſich der Ausruf U 2 3⁰⁸ Der Meſſias. Inniger Freud' ergießt bei neuer Erſcheinungen An⸗ blick. Tauſende wimmeln dann am Fuß der unendlichen Berge, Tauſende haben dann die breite Schulter, die lichte Stirne der Berg' erſtiegen, und ſtehn tiefſinnig, und ſchauen. Jetzo ſchauten ſie nicht tiefſinnig; ihr Auge war Wonne! Denn es ging der Triumphheerzug bei Sarona vor⸗ uͤber. Heller ward der Kryſtall, wo der Gottmenſch ſchwebe, und zu Schoͤnheit Seine Herrlichkeit milderte. Dort ertoͤnte der Nach⸗ 3 hall Reiner, und neu, als bildet' er Laute des feiren⸗ den Heerzugs. Jetzt erhuben im Chor der Seher Debora und Mirjam Ihre Stimme. Den Saiten entſcholl bald himm⸗ liſche Wehmuth, Bald der Ton des Triumphs. Sie ſangen gegen die Engel. So, wenn im Walde der Donnerſturm Fuſchnase und die Baͤume Nicht gebogen mehr ſtehn, bebt leiſe von Luͤften der Sproͤßling. O du einſt uns Elend, wie entzuͤckſt du Zwanzigſter Geſang⸗ 309 Den Geiſt, Tod! Wer im Nachtthal des Entſetzens Nicht verweſete, ſtrebet umſonſt Zu erreichen des Erwachten Gefuͤhl! Ihr lieft nicht die Laufbahn des Erdulders, Des Pilgers da hinab nicht, wo der Tod war! Ihr Unſterblichen! ſahet das Grab Nicht eroͤffnet, und gefuͤllt mit Gebein! Ihr ſaht nicht, daß furchtbar die Entſchlaf⸗ nen Es hinnahm, die Geliebtern zur Verweſung! Der begrabenden Schaufel Getoͤs, Die mit Erde die Entflohnen bewarf, Erſcholl nie euch dumpf auf von den Gruͤf⸗ ten, Und rief nie euch Erinnrung, daß ihr einſt auch, Mit entſtuͤrzender Erde bedeckt, Bei der Truͤmmer des Verweſenden laͤgt! Aber wie unter Wolken herab von der Felſen ſich Stroͤme Stuͤrzen, ſo ſang, als riefs zum Gericht, das Chor der Propheten: Todt', erwacht! die Poſaun' hallt! Todt', erwacht! 310 Der Meſſias. Der Nacht Schooß, des Meers Grund, und der 2 Erdkreis Bebt dumpf auf! Das Gebein Hirr Hettſcherdn Herrufen! Erzengel rufen ihn laut! Goldpallaſt, und bemoost Dach ſtuͤrzen ein! Im Erdgrab', und Weltmeer wer entſchlummmert Schon lang lag, der erwacht! Wer lebet, hoͤrt Graunvolles Erdbeben! ſtirbt! und erwacht! Nacht noch wars. Das Entſetzen trat einher, Gebot Flucht. Gefild', Hain, des Gebirgs Haupt Verſank! warf ſich ins Meer hin! Harfe, ſchweig! Bang ruft, es ruft nun Gebaͤhrerinangſt! Donner ruft von des Throns Hoͤhn! Harfe, . ſchweig! Lautdroh'nd toͤnt Gerichtsruf der Poſaunen Darein! Fuͤrchterlich fliegt, rauſcht Donner⸗ ſturm! Wehklagend ruft drein Gebaͤhrerinangſt: Zween Erzengel ſchwebten voran, da ſang der Eine: Sie ſinds ach! die wehdroh'nd der Aufruf ſchreckt! Zwanzigſter Geſang. 311 Sie ſtehn auch von dem Tod auf! O verſchloͤß Nacht ſtets In dem Graunthal der Verweſung, Die des Throns Ausſpruch in den Abgrund ſtuͤrzt! Zween Erzengel ſchwebten voran, da ſang der Andre: Gerichtsdonner, ach zu furchtbar toͤneſt du In die Grabmahle! Laͤngrer, ewiger Schlaf Iſt ihr Flehn; aber ſie kommen aus der Nacht, uUnd wehklagen: O falle, Gebirg, deck' uns! Stille war itzt in den Choͤren der Siegsbe⸗ gleiter. Da flogen Leicht, wie Bluͤthen die Luft fortathmet, Benoni und Mirjam, Lazarus Schweſter, hervor. Wie des Sommers ſanftere Mondnacht, Und wie der roͤthliche Fruͤhlingsmorgen, ſchwebten ſie vorwaͤrts. Und ſie wuͤrdigten Satan, dem liegenden Ueber⸗ wundnen, Hoͤren zu laſſen, wie groß der Triumph der Todten des Herrn ſey. Donnr' es, o Geſang, in der Nacht Schrecken hinab, zu Gehenna's Empoͤrer hin: 31⁷ Der Neſſias. Die am Staub' einſt Elend und der Tod traf, Sie erwachen zu dem Schaun! Moͤrder, zu dem Schaun! vom Beginn Moͤrder! ſie alle, die jemals des Todes Angſt, Der Verweſung Graun traf, ſie entſchwingen Sich dem Grabe da hinauf, Wo, zu dem Gericht, du Genoß Jedes Entſetzens, in ſchreckender Herrlichkeit, Sich geſetzt hat Jeſus, der Vollender! Hoſianna! er entſchwung, 1 Sieger des Empoͤrenden, ſich Auch dem umſchattenden Thale, der Todesruh! Und verwarf dich, Satan! du Verklaͤger, Der ſie Tage vor dem Thron, Naͤchte vor dem Thron ſie mit Grimm Schuldigte! Suͤnden nicht nur, das Gebrech, du Feind! Und der Fehle Staub nahmſt, und umgabſt du Vor dem Raͤcher mit Gewoͤlk! Ziſchender Verklaͤger, dich ſtuͤrzt Jeſus, der Herrſcher, hinab in die tiefe Nacht, Wo die Qual iſt, Wehklag', und der Tod iſt! Kein Erwachen zu dem Schaun! Einer der Todesengel erhub die furchtbare Stimme, Zwanzigſter Geſang⸗ 313 Alſo ſang er, indem mit der Hand die Poſaun ihm hinſank: Wehklagen, und bang Seufzen vom Graun⸗ thale des Abgrunds her, Sturmheulen, und Strombruͤllen, und Felskrachen, das laut niederſtuͤrzt', Und Wuthſchreein, und Rachausrufen, erſcholl dumpf auf! Wie der Strahl eilt, ſchwebten wir ſchnell, und in Wehmuth fort. Gabriel weinet', und fuͤhlte ſie gern die himms liſche Thraͤne; Alſo floß mit der Thräne die Stimme des Schauers der Zukunft: Das Gewand weiß, bluthell, hub zum Thron Sie ſich empor, ſtand ernſt, anſchaunſelig da, Schimmerte die Braut! Sanften Ton, feſtliche Melodien, Freudigeres Gefuͤhl ſtroͤmtet ihr, Donnerer in dem Gericht! Und der Gottmenſch ſah rein neben ſich Sie an dem Thron voll Unſchuld ſtehn, ſah ſich ihm Heiligen die Braut! Neu erſcholl, ſeligeres Gefuͤhls Stroͤmet' ins Paradies euer Pſalm, Donnerer in dem Gericht! Hoch er ſoht von dieſer Begeiſterung des Schauers der Zukunft, 314 Der Meſſias. Schwebt' in leichterem Meere der Himmelsheitre die Heerſchaar, Schwebte mit ſchnellerer Eile dahin; und keine der Harfen Schwieg in den Choͤren, und aller Poſaunen er⸗ ſchuͤtternde Stimmen Redeten ihre Donner, und alle Himmliſchen ſangen: Da ihr Gang Flug, und ihr Ausruf Geſang ward der Entzuͤckung, Da vom Gefild' her ſich der Triumphzug zum Ge⸗ richtsthron Emporſchwang: nahm zu dem Erb' auf er, den am Kreuz Gott ſah, In das Lichtreich auf, die des Altars Blutruf vom Gericht losſprach! Aber das Chor Erzengel begann von neuem die Wonne Seiner Geſaͤnge gegen die Seher hinuͤber zu ſtroͤmen. O die auch im Erdgrab' und Weltmeer ver⸗ west einſchloß Der Gerichtsſpruch, den in Eden, da es kuͤhl ward, der Herr ausſprach! Erſtlinge, ſchwebt ſtrahlend empor, in Triumph⸗ flug', eilt, Richtet mit dem, welchem ſich die Hoͤh' und das Gebeinthal buͤckt! Zwanzigſter Geſang. 315 Die Hand kam hervor einſt, und Schrift ſtand: Dich wog Jova! Und es fand dich, der den Weltkreis, wie er will, herrſcht, zu leicht, Koͤnig! Daß des Gerichts Tag es vernaͤhme, wie leicht der ſey, Welcher an ihm ſuͤndigte! gebot es von des Throns Hoͤh Gott, Gebot ſo: Es zeug' einſt, was lebend des Staubs Sohn that, Des Gerichts Buch! Und mit Schrift, hell, wie der Blitzſtrahl durch Nacht herfleugt, Schrieb in das Buch, Naͤcher, dein Herr, was der Menſch that! grubs Thraͤnenvoll ein, ſchweigend, was nunmehr in dem Gericht laut toͤnt! Am Thron rollt die Heerſchaar, als goͤß ſie ein Meer weit aus, Des Gerichts Buͤcher voll Ernſt auf! Und die Glanzſchrift erſchreckt fern her! Eilet empor, Erſtlinge, ſchwebt den Triumphflug, kommt, Richtet mit dem, welchem ſich die Hoͤh' und das Gebeinthal buͤckt! Ihn ſah Gott herannahn! kein Tag war, wie der Tag iſt, So dem Rath deß, der geherrſcht hat vom Beginn an, die Huͤll' aufdeckt! 3¹6 Der Meſſias. Jauchzet, und ſchaut tiefer hinab, denn der Lichts tag kam! Wandelt umher froh in Labyrinthe, die hindurch Gott fuͤhrt! Noch waͤhrt er, noch waͤhrt er, der Grauntag! Ein Jahr floh ſchon! Und es ſaͤumt noch der Gerichtstag! Noch erſchreckt den des Ausſpruchs Ernſt, Welchen der Sohn Gottes verwirft! Es entfliehn qualvoll Koͤnige noch! rufen dem Gebirge: O Gebirg; deck' uns! Allein deckt Gebirg' euch? Noch ſaͤumt ſtets des Urtheils Tag! Noch entſetzt ſich, wer, o Lamm, dir, das erwuͤrgt ward, wer Hohn dir ſprach! Stuͤrzet, ihr Berg', uͤber uns her, denn die All⸗ macht zuͤrnt! Der an dem Kreuz blutete! gebeut von dem Ge⸗ richtsthron Tod! Noch ſtrahlt er, der Helltag! Noch theilt Gott des Lichts Erb' aus! Noch verklaͤrt ſich Labyrinthweg! Noch enthuͤllt Gott der Vorſicht Pfad! Stets noch empfaͤht weißes Gewand, von des Sohns Blut hell, Kronen empfaͤht, Palmen, wer dem Sohn bis in den Tod, treu war! —— Zwanzigſter Geſange 3¹⁷ Thraͤne des Himmels im Blicke der Erſtlinge Gottes, wie glaͤnzteſt Dem du, der einſt das Erbe des Lichts den feſtli⸗ chen Tag giebt Seiner Entſcheidung! Sie wagten es kaum, voll inniger Demuth, Nach dem Vergelter hinauf, der ihnen ſtrahlte, zu ſchauen, Saͤumend begann ihr Harfengetoͤn; als aber der Geber Immer belohnender ſtrahlte, da flog's, und ſchnell war es Jubel. O Aufgang aus der Hoͤh'! o des Herrn Sohn! du o Licht Von dem Licht, der erloͤst hat, doch dereinſt auch, auf den Thron Des Gerichts, mit der Wagſchal ſteigt, und es waͤgt, Was gethan hat, wem umſonſt floß Golgatha's — Blut! O Preis dir und Geſang, du des Herrn Sohn! du o Licht Von dem Licht! der erloͤst hat, die dereinſt ach! an dem Thron Des Gerichts, bei der Wagſchal ſtehn, und ſein Weh Mit verkuͤnden, wem umſonſt ſloß Golgatha's Blut! 3¹18 Der Meſſias. O Urquell! es ergeußt, o des Heils Quell, wie ein Strom, Wie ein Meer, ſo gebeutſt du, von dem Lichtthron ſich herab Der Erſchaffenen Gluͤck! Erzengel merkt auf, Wie das Heilmeer durch den Weltkreis weit ſich er⸗ geußt! Ihr, 16 ſahts von Beginn, da die Nacht uns noch umgab! Es der Tod noch verbarg! ach! da noch Gott wir, o der Staub! Aus der Nacht, von dem Grab' her, richteten! Gott Mit Erbarmung es vernahm! ſchwieg! Blitze nicht warf! Unterdeß da Jeſus den Weg durch die Heitre zum Throne Gottes ging, entſchied er von fern das Schickſal der Seelen, Welche das Leben der Sterblichkeit jetzt verließen. Sie mußten Sinken, oder ſteigen, nachdem in ihnen der Richtet Trieb' erſchuf, ſich empor zu der Wonne Gefilden zu heben, Oder hinab ſich zu ſenken, hinab, wo die ewige Nacht herrſcht. Zwanzigſter Geſang. 3¹9 Jetzt rief einer der hohen Triumphbegleiter: Es ſteigen, Sieh, aus allen Landen, aus allen Voͤlkern der Erde, Steigen Seelen herauf! Ein anderer rief in der — Wonne Seines Herzens den Auferſtandenen zu: Der Ent⸗ ſchlafnen Seelen machen ſich auf, und werden Licht! Denn ihr Licht ſtrahlt Ihnen entgegen, und vor ihnen geht des Verſoͤh⸗ ners Herrlichkeit auf! Der Unſterbliche ſchwieg. Noch war es den Seelen Unbekannt, wer der in der Mitte dieſes Triumphs ſey! Wer die Schaaren um ihn; bald aber erkannten ſie Menſchen Unter den Schaaren, und ſuͤßes Gefuͤhl, daß ſie Menſchen erblickten, Ueberſtroͤmete ſie. Doch da ſie von Antlitz zu Antlitz Ihre Bruͤder ſahn, erſtaunten ſie, zweifelten, ſanften Schauers voll. Denn die Auferſtandnen, nun Himmliſchen waren Furchtbar und ſchoͤn, voll Hoheit, wie keine Ho⸗ heit ſie kannten; Waren vielleicht auch Goͤtter! Allein der Goͤtter Einer 320 Der Meſſias. Sprach zu ihnen, und lieblich erſcholl des redenden Stimme: A. Menſchen waren wir einſt, wie ihr vor Kur⸗ zem noch waret; Aber er hat uns zu dieſer Vollendung erhoben, Welchen ihr wandeln hier bei den Sternen ſeht, mit des Urlichts Glanze bedeckt, und mit Wundenmahlen! Lernet! ihr koͤnnt hier Vieles lernen. Erwaͤhlet ihn euch zum Helfer; er⸗ waͤhlet Ihn auch nicht. So frei, wie jetzt, ſeyd ihr nie⸗ mals geweſen! Dreimal die Zeit, die ein Engel, bevor er von Einem Entſchluſſe Uebergeht zu dem andern, die dann der Unſterbliche zweifelt, Folgten die Seelen jetzo nur nach, und blieben auf einem Sterne zuruͤck, und warteten dort auf Lehrer, die Jeſus Ihnen wuͤrde, Gabriel riefs, von dem Thron zu⸗ ſenden. Weit in der Ferne ſah des Ewigen Thron die Triumphſchaar, Und Zwanzigſter Geſang⸗ 321 Und des Allerheiligſten Nacht an des Ewigen Throne. Schon verhuͤllten ihr Antlitz mit ihren Fluͤgeln der A Engel Viele. Das Antlitz deß, der geopfert auf Golga⸗ tha's Altar Blutete, ward lichtheller. Ein Chor Erſtandener bebte 3 Freudig; und erſt nach langem Verſtummen begann es von neuem Seine Pſalme, beganns hinauf nach Sion zu ſingen: Begleit' ihn zum Thron' auf, o Lichtheer! Mit der Harf' ihn, der Poſaun' Hall, und dem 3 Chorpſalm, Jeſus, Gottes Sohn! Menſchlich iſt er! Gnaͤdig! Das rufeſt du laut, blutiger Altar! Es preiſ' ihn der Toderb', und Seraph! Es erheb' ihn die Verſammlung der Gerechten, Jeſus! Hehr iſt er! heilig! Es gab, Siehe dem Herrlichen! Jehovah das Gericht! Es ſing' ihm der Heilerb', und Cherub! O ihr Choͤr' all' in dem Lichtheer, Hoſianna! Jeſus! Sohn, du biſt Koͤnig der Welt! Ewiger Koͤnig der Stadt Gotzes in der Hoͤh! Klopſt. Meſſias IV. B. X lte Aufl. 322 Der Meſſias. Wie wirſt du am Thron den empfangen, Der es ganz litt! der es ganz that! den Voll⸗ ender! Vater! Du den Sohn! Donner des Throns, Gebt der Unſterblichen Chor Fluͤgel und Triumph! Und ſie ſchwiegen. Es ſchwebt' an einer Sonne Gefilden Langſamer fort ein anderes Chor Erſtandne. Sie ſangen Ihm, der ſtets lichtheller des Vaters Rechte ſich nahte: O Vollender! wie wird er, der ewig iſt, dich Auf des Throns Hoͤhn empfangen! Ewiger! wie wirſt Dn hingehn! des Herrn Sohn den Herrn ſchaun! der erhabne,. Der unendliche Genoß deß, der ſeyn wird, und war! Du o Licht von dem Licht! Gottmenſch! groß durch den Tod An dem Kreuz! Hehr Suͤhnopfer! Herrlicherer dem, Der abfiel, und umkehrt! der, Staub, ſchlief, und darauf erſt, Ein Unſterblicher, wie ſie, Glanz der Engel em⸗ pfaͤht. Zwanzigſter Geſang. 323 Der erloͤſende Sohn, Allerheiligſtes! ging In die Nacht deines Grauns ein! Aber wie hat ihn Erhoͤht Gott! Ihr Knie ſinkt dem Aufgang aus der Hoͤhe, Dem Erniederten und Herrn, aller Endlichen Knie! Und wie ſchallet empor, hoch im Himmel empor, Und im Staub' ihres Zurufs Wonnemelodie! Erhoͤht wird des Herrn Sohn! der Gottmenſch! der Geſalbte! Dem Unendlichen zum Preis, Gott dem Vater zum Preis! Auch ſie ſchwiegen, und immer wurden der feirenden Choͤre Weniger. Sieben Erſtandne, die erſten unter den Menſchen, Schwungen ſich freudigzitternd hervor, und ſangen dem Sohne: Mißt nicht mit Maß Endlichkeit uns? Wir 4. erheben, Selig dadurch, die Vollendung des Erſtandnen, Ach, der Wonne Gefuͤhl ſoll ewig Toͤnen im Strom des Geſangs! Aber was iſt, gegen den Preis der Erſchaff⸗ nen, X 2 324 Der Neſſias. Vater, dein Blick! du Erhoͤher zu des Throns Glanz, Dein Anſchauen! Verſtummt, Strom, ſtuͤndſt du, Winkte nicht Eile dir Gott! 3 Danke dem Herrn! Preiſe, daß Er uns ver⸗ goͤnnt hat, Endlichen, ihm mit dem Stammeln des Triumph⸗ lieds, Ihm mit feirenden Pſalm zu ſingen, Mit der Erſtaunungen Ruf! Herrlich iſt er! ſelig iſt er! und des Donners Seiner Gewalt, wenn er handelt! und beſeligt! Nachhall unſer Geſang. Stroͤmt, Jubel, Jauchzet den Thaten des Herrn! Mittler! zu dem ſteigſt du hinauf! Es er⸗ hebt dich Der zu der Hoͤh', o Meſſias! zu der Hoͤhn Hoͤh, Seiner Rechte! Begleit' ihn, Siegslied, Bis zu dem Fuße des Throns! 1 Aber hundert Cherubim ſchwebten hervor, und enthuͤllten Wieder ihr Antlitz, und wieſen hoch mit der Pal⸗ me gen Himmel. — Zwanzigſter Geſang. 325 Begleit' ihn zum Thron' auf, Triumphheer! Mit der Harf' ihn, der Poſaun' Hall, und dem Chorpſalm, Jeſus, Gottes Sohn! Herrſcher iſt er! Herrſcher! Das rufet ihr laut, Donner um den Thron! Es ruf' ihm der Heilerb', und Cherub, O ihr Choͤr' all' in dem Lichtheer, Hoſianna! Jeſus! Gottes Sohn! Dulder! du ſteigſt, Todter! zur Rechte des Herrn, Ewiger! empor! Jetzo kam der Triumph dem Himmel ſo nah, daß Jehovah's Thron ſie im Glanz herſtrahlen der ganzen Herr⸗ lichkeit ſahen. Da den Triumph, den Triumph die naͤheſten En⸗ gel erblickten, Standen ſie alle zuerſt erſtaunt; bald aber erhub ſich Wonnausruf voll frohen Erſchreckens. Die Stunde, 18 da Chriſtus Wieder wuͤrde, der Ueberwinder den Himmel betreten, War der Himmliſchen keinem bekannt, war's ſelber der Thronen Erſten nicht. Sie hatten nur fern mit der Welten Getoͤne Jubel gehoͤrt. Von Gebirge rief zu Gebirge, der Cherub 326 Der Meſſias. Rief: Der Meſſias! dem Cherub, aus Hainen ruf⸗ ten in Haine Seelen, und Seraphim ſich: Der Meſſias! vom Strahl zu dem Strahle; Bis hinauf zu den Opferaltaͤren, hinauf zu der hohen Wolke des Allerheiligſten ſcholl: Der Meſſias! hin⸗ aufſcholl Zu dem Thron: Der Meſſias! daß weit um ſie her der Waͤlder, Daß der Stroͤme Geraͤuſch unhoͤrbar ward, des Kryſtallmeers Woge ſelbſt, vor der Stimme der rufenden! Aber da Jeſus, Da der große Vollender nunmehr, mit einem der letzten Sonnenſchimmer, den Himmel betrat, da entſan⸗ ken der Engel Kronen, da ſtreuten mit ſanfterer Freude die Himm⸗ liſchen alle Palmen auf den erhabenen Weg, der zum Throne des Herrn fuͤhrt. Auch die Triumphbegleiter, die Seraphim und die Erſtandnen Streueten Palmen, und gingen einher mit freudi⸗ . ger Demuth. Aber die Seelen, belaſtet vom neuen Himmelsge⸗ fuͤhle, Waͤren is einem der Haine des Wegs geblieben; haͤtt' ihnen Zwanzigſter Geſang. 8 3 27 Gabriel nicht mit der goldnen Poſaune zu folgen gerufen. Jefus nahte dem Thron. Da wurde ſtiller die Stille; Und da rufte den Seelen nicht mehr die Poſaune; die Vaͤter Standen: noch folgten die Engel, nicht lang, ſo . blieben auch ſie ſtehn, Sanken nieder, daß ſie anbeteten. Gabriel hatte, Keiner der Endlichen ſonſt, des Thrones unterſte Stufe Mit dem Meſſias betreten. Dort kniet' er, beinah — unſichtbar Durch den herunterſtroͤmenden Glanz, und ſchaute zu Gott auf. Siehe, der Hocherhabene war, der Unendliche war, er, Den noch alle kennen, dem Alle danken noch wer⸗ den, Aller Freudenthraͤnen noch weinen, Gott, und der Vater Unſeres Mittlers, der Allbarmherzige war in der vollen Gottesliebe verklaͤrt! Der Sohn des Vaters, des Bundes Stifter, er, der erwuͤrgt von dem Anbeginne der Welt iſt, 328 Der Meſſias. Den noch Alle kennen, dem Alle danken noch wer⸗ den,. Aller Freudenthraͤnen noch weinen, ſiehe, das Opfer Fuͤr die Suͤnde der Welt, der Getoͤdtete war, der . Erſtandne, Jeſus, der Mittler, der Allbarmherzige war in der vollen. Gottesliebe verklaͤrt! So ſah den Vater der Him⸗ mel Aller Himmel! So ſahe den Sohn des Vaters aller Himmel Himmel! Indem betrat die Hoͤhe des Thrones— Jeſus Chriſtus, und ſete ſich zu der Rechte des Vaters. — An den Erlöſer. AIch hofft' es zu dir! und ich habe geſungen, Verſoͤhner Gottes, des neuen Bundes Geſang! Durchlaufen bin ich die furchtbare Laufbahn; Und du haſt mir mein Straucheln verziehn! „Beginn den erſten Harfenlaut, Heißer, gefluͤgelter, ewiger Dank! Beginn, beginn, mir ſtroͤmet das Herz! Und ich weine vor Wonne! Ich fleh' um keinen Lohn; ich bin ſchon be⸗ lohnt, Durch Engelfreuden, wenn ich dich ſang! Der ganzen Seele Bewegung Bis hin in die Tiefen ihrer erſten Kraft 1 Erſchuͤttrung des Innerſten, daß Himmel Und Erde mir ſchwanden! 330 Der Meſſias. und folgen die Fluͤge nicht mehr des Sturms; durch ſanftes Gefuͤhl, Das wie des Lenztags Fruͤhe, Leben ſaäuſelte. Der kennt nicht meinen ganzen Dank. Dem es da noch daͤmmert, Daß, wenn in ihrer vollen Empfindung Die Seele ſich ergeußt, nur ſtammeln die Sprache kann. Belohnt bin ich, belohnt! Ich habe geſehn Die Thraͤne des Chriſten rinnen: Und darf hinaus in die Zukunft Nach der himmliſchen Thraͤne blicken! Durch Menſchenfreuden auch. Umſonſt ver⸗ buͤrg' ich vor dir Mein Herz der Ehrbegierde voll. Dem Juͤnglinge ſchlug es laut empor; dem Manne Hat es ſtets, gehaltner nur, geſchlagen. Iſt etwa ein Lob, iſt etwa eine Tugend, Dem trachtet nach! Die Flamm' erkohr ich zur Leiterin mir! Hoch weht die heilige Flamme voran, und weiſet Dem Ehrbegierigen beſſeren Pfad! Zwanzigſter Geſang. 331 Sie war es, ſie that's, daß die Menſchen⸗ freuden Mit ihrem Zauber mich nicht einſchlaͤferten; Sie weckte mich oft der Wiederkehr Zu den Engelfreuden! Sie weckten mich auch, mit lautem durchdrin⸗ genden Silberton, Mit trunkner Erinnrung an die Stunden der Weihe, Sie ſelber, ſie ſelber die Engelfreuden, Mit Harf' und Poſaune, mit Donnerruf! Ich bin an dem Ziel, an dem Ziel! und fuͤhle, wo ich bin, Es in der ganzen Seele beben! So wird es(ich rede Menſchlich von goͤttlichen Dingen) uns einſt, ihr Bruͤder deß, Der füard und erſtand! bei der Ankunft im Him⸗ mel ſeyn! Zu dieſem Ziel hinauf haſt du, Mein Herr! und mein Gott! Bei mehr als Einem Grabe mich, Mit maͤchtigem Arme, voruͤbergefuͤhrt! Geneſung gabſt du mir! gabſt Muth und Entſchluß In Gefahren des nahen Todes! 33² Der Meſſias. und ſah ich ſie etwa die ſchrecklichen unbekannten, Die weichen mußten, weil du der Schirmende warſt? Sie flohen davon! und ich habe geſungen, Verſoͤhner Gottes, des neuen Bundes Geſang! Durchlaufen bin ich die furchtbare Laufbahn! Ich hofft' es zu dir!. ) ——ÿ———— 333 Zum Nachſchlagen. M. findet, außer den Namen, auch noch die Worte: Auferſtandne. Engel. Gericht. Him⸗ melfahrt. Juͤnger. Menſchen. Schaͤcher. See⸗ len. Todesengel. Die roͤmiſche Ziffer bezeichnet den Geſang, die deutſche den Vers. A. „Abbadona. Sein Abfall II. 627. Widerſetzt ſich Satan II. 660. Trauert, daß Abdiel nicht mehr ſein Freund iſt II. 743. Seine Klage beim An⸗ blicke der Schoͤpfung II. 775. Sucht und erkennt den Meſſias endlich in Gethſemane V. 486. Findet ihn am Kreuze IX. 430. Wird von Abdiel erkannt und entflieht IX. 625. Wuͤnſcht den auferſtehenden Meſſias zu ſehen XIII. 483. „Abel. Bei Golgatha X. 669, 334 „Abraham. Sieht den ſterbenden Meſſias IX. 200. Betet ihn mit⸗Iſak an IX. 302. „Adam. Wuͤnſchet den Meſſias auf der Erde zu ſehen I. 476. Iſt auf der Sonne, und ſingt mit Eva dem erwachenden Meſſias II. 3. Betet den am Kreuz ſtehenden Meſſias an VIII. 184. mit Eva den ſterbenden X. 735— 989. Verkün⸗ digt die vollendete Verſoͤhnung XI. 92. Sammelt die Auferſtandnen zur Berufung kuͤnftiger Chriſten XV. 4o. „Adramelech. Sein Charakter II. 300. Wi⸗ derſpricht Abbadona II. 7043. Seine Wuth wider Satan und den Meſſias II. 833. Will des Meſſias ſpotten, indem dieſer von Gott gerichtet wird V. 4 28. Muß zur Holle fliehen XIII. 530. „Andreas. Sein Charakter III. 190. „Auferſtandne. Auferweckt werden: XI. Abel 258. Abraham 292. Adam 184. Amos 684. Aſarja 582. Aſſa 944 Asnath 1150. Benja⸗ min 404. Benoni 1343. Chalkol 1284. Daniel 649. Darda 1284. David 910. Debora 1108. Eva 250. Eliſa 1081. Enos 267. Ethan 1284. Gideon 1072. Habacuc 615. Hananja 575. Hanna 1329. Heman 1284. Heſekiel 1121. Hiob 700. Hiskias 964. Jakob 328. Japhet 286. Jared 267. Jeremias, Hilkia's Sohn 681. Iſaias 643. Johannes der Taͤufer 1517. Jona⸗ than 1030. Jotham, Uſia's Sohn 956. Joſa⸗ 353 phat 946. Joſeph 404. Joſia 957. Joſua 1167. Iſak 310. Kenan 268. Lamech, Noah's Vater 268. Lea 402. Mahlaléel 267. Megiddo, Jeph⸗ thas Tochter 1174. Melchiſedek 545. Methuſala 268. Mirjam 1111. Miſael 575. Moſes 869. Noah 278. Rahel 358. Rebecca, Bethuels Toch⸗ ter 323. Sarai 323. Sem 286. Seth 267. Simeon 1437. Thirza mit ihren Soͤhnen 1180. Uſia 955. „Auferſtandne. Bei dem Grabe des Meſſias XIII. 19— 878. „Auferſtandne. Erſcheinungen von Auferſtand⸗ nen ſehen: Beor„V. 863. Berſebon XVII. 746. Bethoron XVII. 643. Boa XV. 1087. Cidli, Gedors Geliebte XV. 419. Cidli, Jairus Tochter XV. 1375. Cidli's Mutter XVII. 726. Cneus XVII. 617. Dilean XV. 197. Joel XV. 1037. Joſes XV. 645. Maria, die Mutter Jeſu XV. 1240. Nephthoa XV. 57. Portia XV. 681. Samma XV. 1087. Sebida XVII. 459. Se⸗ mida XV. 1425. Stephanus XV. 476. Tabitha XV. 326. Thomas XIV. 1005. Verſchiedne am Grabe Jeſu XVII. 202. Zwei, die nicht genannt werden XVII. 421. 433. B. „Barrabas wird frei gegeben VII. 749. „Bartholomaͤus. Sein Charakter III. 288. „Belielel. Sein Charakter II. 370. „Benoni. Deſſen Ermordung II. 111. „Boa mit Elkanan an Simeons Grabe XI. 145o0.. C. „Cidli(Jairus Tochter) folgt der Mutter Je⸗ ſu IV. 674. Ihre Liebe zu Semida IV. 743. „Eneus. Hat die Wache bei Jeſu Grabe. Seine Zweifel XIII. 268. Kuͤndigt dem Syne⸗ drium die Auferſtehung des Meſſias an XIII. 898. D. „David. Bei Golgatha X. 690. E. .„Eliſama's Hund. Deſſen Seele geſellt ſich zu der Seele eines Saͤuglings XVI. 260. 333. „Eva. Ihre Wehmuth beim Anblicke des ſterbenden Meſſias VIII. 569. „Eloa. Deſſen Erſchaffung I. 299. Fuͤhrt Gabriel vor Gott I. 312. Antwortet auf Gottes Wink auf das Gebet des Meſſias I. 406. Zaͤhlt die Thraͤnen des Meſſias III. 44. Redet Gott an, der jetzt nach Tabor herunter ſteigen will, Gericht aͤber den Meſſias zu halten V. 2. Folgt ihm V. 136. Singt dem Meſſias, der gerichtet wird, von ſeiner kuͤnftigen Herrlichkeit V. 765. Redet mit Gabriel 337 Gabriel von den Leiden Jeſu am Oelberge VI 14. mit eben demſelben, da Jeſus von dem Synedrium zum Tode verurtheilt wird VI. 489. Beſingt den anbrechenden Todestag Jeſu VII. 1. Ruft durch die Himmel aus, daß Jeſus zum Tode gefuͤhrt werde VIII 12. Weiht Golgatha VIII. 22. Stuͤrzt Satan und Adramelech ins todte Meer VIII. 116. Macht es durch die Schoͤpfung bekannt, daß der Meſſias gekreuzigt wird VIII. 263. Steigt gen Himmel Gott zu ſehen, der noch immer fortfaͤhrt, den Meſſias zu richten VIII. 503. Kommt vom Throne des Richters zuruͤck IX. 1. Verkuͤndigt durch die Himmel die vollendete Verſoͤhnung XI. 76. die Auferſtehung XIII. 558. mit Salem die Himmelfahrt XIX. 1064. „Engel. Ihr Lied von der Schoͤpfung des Himmels I. 242. Singen mit auferſtandnen Vaͤ⸗ tern bei dem Begraͤbniſſe Jeſu XII 75. 103. 136. 156. 201. Erwarten mit dieſen, unter Anbetun⸗ gen, die Auferſtehung des Meſſias XIII. 19. 365. 547. G. „Gabriel. Auf dem Oelberge I. 55. Bringt das Gebet des Meſſias vor Gott I. 1843. Kommt zur Erde zuruͤck, und redet den Meſſias, den er ſchlafend findet, an I. 526. Gehet zu den Schutz⸗ engeln der Erde I. 563. Findet die Seelen der Klopſt. Meſſias IV. B. Y 4te Aufl. 338 Vaͤter auf der Sonne bei Uriel I. 715. Beim Abendmahle IV. 1173. Tritt zu dem leidenden Meſſias V. 567. Fuͤhrt die Seelen der Vaͤter zur Zeit der Kreuzigung nach dem Oelberge herunter VIII. 34. Bringt ihnen den Befehl, zu ihren Graͤbern zu gehen Xl. 135. Verſammelt die Engel und die Auferſtandnen um Jeſu Grab XIII. 38. Verkuͤn⸗ digt den heiligen Weibern die Auferſtehung XIV. 25. —„Gamaliel. Raͤth, die Sache Jeſu Gott zu uͤberlaſſen IV. 186. „Gericht.(Erſtes gleich nach dem Tode.) Vor dieſem Gericht erſcheinen: Ein Koͤnig XIII. 855. Einer vom Euphrates XVI. 73., vom Gan⸗ ges XVI. 78. Ein Verraͤther ſeines Freundes XVI. 35. Einer, der an Wodan glaubte XVI. 87. Ein Krieger XVI. 90. Ein Verlaͤumder XVI. 92. Kermath XVI. 109. Ein Koͤnig aus Indien XVI. 120. Ein Verfolgter XVI. 137. Gelimar XVI. 142. Ein Koͤnig mit ſeinem Hofe XVI. 239. Ein Selbſtmoͤrder XVI. 245. Eliſama XVI. 261. Zadech XVI. 276. Zwei Eroberer XVI. 307. See⸗ len der Kinder XVI 320. Geltor XVI. 342. Hagid und Syrmion XVI. 365. Toa XVI. 372. Einer, der ſein Volk unterjocht hatte XVI. 4³4 Zoar und Seba XVI. 473. Cerda XVI. 532. Schaaren aus verſchiednen Voͤlkern XVI. 549. Die⸗ ſes Gericht waͤhrt fort, ſelbſt zur Zeit der Himmel⸗ fahrt XX.(Band 4. Seite 318.) 339 1„Gericht.(Das allgemeine Weltgericht, ein Geſicht Adams.) Vor demſelben erſcheinen: Die chriſtlichen Verfolger XVIII. 58. Die Veraͤchter der Religion XVIII. 253. Die unterdruͤcker der Rechtſchaffnen XVIII. 493. Die Stifter des Goͤt⸗ zendienſtes XVIII. 560. Chriſtliche Stifter dieſes Dienſtes XVIII. 655. Die boͤſen Koͤnige XVIII. 722. Die geiſtlich ſtolzen Halbchriſten XIX. 14. Abbadona XIX. 91. „Gog. Der Gottesleugner II. 417. „Gott. Schwoͤrt dem Meſſias, daß er die Suͤnde vergeben wolle. I. 140. Verkuͤndigt ſeine Antwort auf das Gebet des Meſſias durch ein Don⸗ nerwetter I. 360. Die Antwort I. 396. Sein Be⸗ fehl an Gabriel wegen der Wundet bei dem Tode des Meſſias 1. 467. Gehet nach Tabor hinab, dort „Gericht uͤber den Meſſias zu halten V. 53. Die Suͤnden der Menſchen kommen vor ihn V. 291. Gebietet Eloa, den Meſſias ins Gericht zu rufen V. 327. Sendet Eloa, den Meſſias zu ſtaͤrken V. 723. Sieht vom Himmel auf den ſterbenden Meſ⸗ ſias herab X. 15. Auf die Herrlichkeit des todten XI. 22. Verklaͤrt ſich gegen den auferſtandnen, der ſich zu ſeiner Rechten ſetzt XX.(Band 4. Sei⸗ te 328.) H. „Himmelfahrt. Engel, Menſchen oder Engel aus einer der Welten, Auferſtandne und Seelen YU 2 340 von Verſtorbnen ſingen dem Meſſias einen Triumph⸗ geſang XX. Folgende werden genannt: Benoni(Band 4. S. 311.) Debora(S. 308.) Gabriel(S. 257. 313.) Heſekiel, der Seher der Herrlichkeit Gottes am Che⸗ bar(S. 275.) Jeſaias(S. 272) Maria, Laza⸗ rus Schweſter(S. 311.) Mirjam(S. 270. 308.) Zacharias, der Sohn Jeddo(S. 261.) „Henoch. Bei Golgatha X. 657. „Hiob. Bei Golgatha X. 723. J. „Jakobus, der Zebedaͤide. Sein Charakter III. 221. „Jakobus, der Alphaͤide. Sein Charakter III. 258. „Jeſus.(Ehe er nach Gethſemane geht.) Ver⸗ ſpricht Gott noch Einmal die Erloͤſung zu uͤberneh⸗ men I. 39. Die Leiden der Erloͤſung fangen an I. 157. Findet Samma bei Graͤbern II. 99. Befreit dieſen von Satan II. 192. Die Leiden der Erloͤ⸗ ſung nehmen in ſeiner Seele zu III. 19. Schickt Petrus und Johannes nach Jeruſalem, das Abend⸗ mahl zu bereiten IV. 628. Seine Gedanken, indem er bei ſeinem Grabe ſteht, und Golgatha vor ſich ſieht IV. 931. Haͤlt das Abſchiedsmahl IV. 1052. ſtiftet ſeines Todes Gedaͤchtniß IV. 1156. Redet ——— 341 von ſeiner nahen Verherrlichung, und betet vor den Juͤngern IV. 1233. „Jeſus(in Gethſemane.) Da er ſich Kidron näͤhert, zeigt er Gabriel den Ort an, wo dieſer die Engel verſammeln ſoll IV. 1332. Wird von Gott gerichtet V. 346. Heitert ſich durch den Anblick der ſchlummernden Juͤnger auf V. 446. Das Ge⸗ richt waͤhrt fort V. 707. wird aͤußerſt fuͤrchterlich und endet V. 8 09., Gefangennehmung am Oel⸗ berge VI. 61. „Jeſus(vor den Gerichten der Juden und Roͤ⸗ mer.) Vor Hannas VI. 161. Vor Kaiphas VI. 219— VII. 50. Vor Pilatus VII. 50— 139. 246. Vor Herodes VII. 498— 622. Wieder vor Pilatus VII. 659— 861. „Jeſus(auf Golgatha bis zum Tode.) Redet die an, die ihn beweinen VIII. 157. Steht bei dem aufgerichteten Kreuze VIII. 173. Wird ge⸗ kreuzigt VIII. 239. Verzeiht dem Volke VIII. 281. Seine Todesleiden VIII. 285. 408. 484. 553. 620. Begnadigt den guten Schaͤcher VIII. 322. Giebt ſeiner Mutter Johannes zum Sohne 1X. 407. Sei⸗ ne Todesleiden X. 26. Seine Gedanken beim An⸗ blicke ſeines Grabes X. 36. Beſtraft Satan und Adramelech, die im todten Meere liegen X. 85. Empfindet ſeine Liebe zu den Menſchen, da er die ihn umgebenden Schaaren ſieht X. 154. Segnet wandlung eines Sterns XVI. 95. Steigt zur Hoͤlle 342 Seelen, die ſich dem ſterblichen Leben nahen X. 221. Seine Todesleiden X. 532. 693 Stlaͤrkt den erſten der Todesengel X. 999. Die letzten Leiden X. 1041. Stirbt X. 1052. „Jeſus.(Sein Leichnam und ſeine von dem Leibe getrennte Herrlichkeit.) Die Herrlichkeit des Meſſias ſchaut Gott an und ihren Leichnam XI. 23. Geht in das Allerheiligſte des Tempels. Der Vor⸗ hang zerreißt vor ihr XI. 43. Ihr Geſpraͤch mit Gott Xl. 52. Sendet die Seelen der Vaͤter und Andrer zu ihren Graͤbern XI. 135. Erweckt ſie vom Tode XI. 184— 715. 869— 1560. Der Leichnam wird durchſtochen XI. 782. Wird vom Kreuze ge⸗ nommen und mit den Leichentuͤchern umwunden XII. 34. Die Krone wird ihm abgenommen XII. 132. Wird zum Grabe getragen und begraben XII. 185. Die nahende Herrlichkeit des Meſſias wird die Him⸗ mel herunter durch ein Wetter angekuͤndigt XIII. 547. Dieſes kommt gemildert zur Erde herab XIII. 566. Die Auferſtehung XIII. 672. „Jeſus(von der Auferſtehung bis zur Himmel⸗ fahrt.) Erſcheint Maria Magdalena XIV. 9o. neun frommen Weibern XIV. 134. Petrus XIV. 296. Kleophas und Mathias XIV. 552. den Juͤngern, bei denen Thomas nicht iſt XIV. 1119. Haͤlt Ge⸗ richt auf Tabor XVI. 1. Geſtattet die fruͤhere Ver⸗ 343 hinab und beſtraft die boͤſen Engel durch den Wahn⸗ ſinn, daß ſie ihre Leiber in Todtengerippe verwan⸗ delt glauben XVI. 572. Erſcheint den Juͤngern, bei denen Thomas iſt XVII. 1. Entſcheidet das Schickſal der Geiſter im Gefaͤngniß XVII. 85. Weltenſchickſal XIX. 260. Erſcheint einigen Juͤn⸗ gern am See Tiberias XIX. 268. mehr als fuͤnf⸗ hunderten auf Tabor XIX. 373. Macht Elkanan ſehend XIX. 712. Erſcheint Jakobus XIX. 746. den uͤbrigen Juͤngern und einigen der Siebzig XIX. 774 · den Juͤngern und andern Frommen, da ſie Thomas nach Gethſemane fuͤhrt. XIX. 978. Gehet mit dieſen auf den Gipfel des Oelbergs XIX. 1015. Segnet ſie. Der Anfang der Himmelfahrt XIX. 1052. Verwandelt waͤhrend der Himmelfahrt einen Planeten XX.(Band 4. Seite 286.) Setzet das Gericht uͤber vor Kurzem Verſtorbne fort(S. 318.) Erreicht den Himmel(S. 327.) Seet ſich zur Rechten Gottes(S. 328.) „Joel. Klagt um Benoni II. 218. Iſt in Benoni's Grabe bei deſſen Auferſtehung XI. 1343. „Johannes.(Der Juͤnger.) Bei Samma II. 86. Bei Jeſus in den Graͤbern III. 48. Sein Charakter III. 4860. Sieht bei dem Abendmahle die Verſammlung der Engel IV. 1169. Seine Kla⸗ gen uͤber die Gefangennehmung Jeſu VI. 184. Wird von Salem, ſeinem Engel, durch einen Traum auf⸗ 344 geheitert XII. 347. Sieht ein Geſicht von der Ausgießung des heiligen Geiſtes XIX. 889. „Johannes.(Der Taͤufer.) Bei Golgatha X. 448. Wird gehindert Ananias und Sapphira zu erſcheinen XV. 558. „Joſeph.(Von Arimathaͤa.) Kommt in das Synedrium IV. 18. Wird von Nicodemus ſeines Stillſchweigens wegen beſchuldigt IV. 575. Mit Nicodemus bei Golgatha IX. 130. Erhaͤlt von Pi⸗ latus die Erlaubniß, Jeſus zu begraben XII. 19. „Ithuriel. Judas Engel III. 388. Sucht Judas aufzuwecken III. 56. Seine Freude uͤber Nicodemus IV. 552. Redet mit Jeſu von Judas IV. 987. Wird Petrus zum Engel gegeben IV. 1045. Uebergiebt Judas dem Todesengel VII. 182. „Judas. Sein Charakter III. 370. Sieht ſeinen Vater im Traume III. 576. Die Wirkung dieſes Traumes III. 656. Kommt ins Synedrium und verraͤth den Meſſias IV. 587. Wird von Je⸗ ſu gewarnt IV. 1142. 1197. Seine Rachſucht, da er zu Kaiphas geht IV. 1206. Fuͤhrt die an, die Jeſus gefangen nehmen VI. 39. Bringt ſich um VII. 142. Wird von Obaddon zum Kreuze ge⸗ bracht, und zuletzt in die Hoͤlle geſtuͤrzt IX. 649. „Juͤnger. Suchen Jeſus III. 53. Ihre En⸗ gel III. 68. Ihre Charaktere III. 104— 524. * 345 Entſchlafen am Oelberge III. 525. Bei und auf Golgatha IX. 27. Ihre Traurigkeit uͤber Jeſu Tod XII. 222. S. K. „Kaiphas. Beruft die Prieſterverſammlung IV. 13. Erzaͤhlt ſeinen Traum IV. 64. Beſchließt den Tod des Meſſias IV. 94. Beſchuldigt ihn der Gotteslaͤſtrung VI. 470. L. „Lazarus. Sein Charakter IV. 652. Troͤſtet Lebbaͤus, der vom Golgatha geflohn war X. 544. Segnet ſeine ſterbende Schweſter zum Tod ein XII. 510. Kommt in die Verſammlung der Juͤnger und ſucht ſie aufzurichten XII. 736. Giebt einigen Bruͤdern und Pilgern ein Mahl. Seine Geſpraͤche dabei uͤber Chriſtus und Auferſtehung XVII. 366. Redet zu den Chriſten auf Tabor, die zum erſten⸗ male Chriſtus Abendmahl feiern XIX. 554. Wird verklaͤrt XIX. 1045. „Lebbaͤus. Sein Charakter III. 299. Klage uͤber Jeſu Abweſenheit III. 340. uͤber die nahr Trennung von ihm XIX. 961. M. „Magog. Sein Charakter II. 390 346 „Maria.(Die Mutter Jeſu.) Ihr Charak⸗ ter IV. 643. Sucht Jeſus in Jeruſalem IV. 724. Geht ihm entgegen IV. 890. Sieht ihn vor Pila⸗ tus VII. 264. Wendet ſich an Portia VII. 309. Ihre und vieler andern Frommen Traurigkeit uͤber Jeſu Tod XII. 222. Ihr Wechſelgeſang mit Mag⸗ dalena auf Tabor IIX. 403. „Maria.(Lazarus Schweſter.) Ihr Charak⸗ ter IV. 661. Stirbt XII. 401. Ihre Seele kommt in die Verſammlung der Auferſtandnen XIII. 366. „Mathaͤus. Sein Charakter III. 273. „Menſchen.(Unſchuldige und unſterbliche.) Was ihr Stammvater empfindet, da Gott vor ihnen voruͤber geht V. 155. Sehen von ihrem Sterne Chriſtus Triumph XX.(Band 4. Seite 291.) „Mirjam. Bei Golgatha. Ihr Wechſelge⸗ ſang mit Debora X. 480. „Moloch. Sein Charakter II. 352. „Moſes. Redet mit Abraham, da ſie den ſterbenden Meſſias ſehen IX. 200. Wird gehindert Saulus zu erſcheinen XV. 10⁰05. N. „Nephthoa. Bei Jeſu Grabe XVII. 202. Fuͤhrt Portia nach Tabor XIX. 5⁰9. Wird todt gefunden XIX. 730. 347 „Nicodemus. Dankt Gamaliel, daß er gera⸗ then hat, die Sache Jeſu Gott zu uͤberlaſſen V. 229. Antwortet Philo auf ſeine wuͤthende Rede IV. 377. Bringt die Dornenkrone Jeſu in die Ver⸗ ſammlung der Juͤnger XII. 370. O.. „Obaddon. Philo's Engel, im Soynedrium VI. 299. 433. Spricht den Fluch uͤber den Selbſt⸗ moͤrder Judas VII. 192. Gebietet Satan und Adra⸗ melech, entweder jetzo zur Hoͤlle zu entfliehen, oder zu dem Grabe des Meſſias zu kommen XIII. 450. Bringt Philo's Seele zur Hoͤlle XIII. 993. „Petrus. Sein Charakter III. 156. Wird von Jeſu gewarnt IV. 1255. Spricht mit Johan⸗ nes von ſeinem Traume V. 522. Verwundet einen aus Judas Schaar VI. 85. Sagt Johannes ſeine Verleugnung und beweint ſie VI. 542. Bei Gol⸗ gatha IX. 33. „Philippus. Sein Charakter III. 202. „Philo. Erklaͤrt ſich wider Kaiphas und Je⸗ ſus IV. 104. Seine Rede wider den Meſſias, Ga⸗ maliel und Nicodemus IV. 266. Klagt Jeſus vor dem Synedrium an VI. 257. Verdammt ihn zum Tode VI. 477. Spricht gegen ihn vor Pilatus VII. 348 104. Schickt Vertraute unter das Volk, es wider Jeſus einzunehmen VII. 624. Seine Rede wider ihn an das Volk VII. 701. Bringt ſich um XIII. 964. „Portia. Sieht Jeſus vor dem Synedrium VI. 238. Bewundert die Ruhe des Angeklagten VI. 334. Wendet ſich mit Wehmuth uͤber den unſchul⸗ digleidenden an Gott VI. 517. Sendet zu Pilatus VII. 379. 681. Erzaͤhlt Maria ihren Traum VII. 391. Verwendet ſich bei Pilatus fuͤr Joſeph von Arimathaͤa, der um den Leichnam bittet XII, 50. Auf Tabor XIX, 509. R. „Raphael. Engel Johannes II. 692 S. „Salomo. Siehet ſeinen auferweckten Vater; wird aber ſelbſt nicht auferweckt XI. 915. „Sameb. Seine Seele begegnet der Seele Jo⸗ ſephs XI. 405. Richtet einen Tirannen XVI. 459. „Samma. Satan muß von ihm weichen II. 192. Bei Benoni's Grabe XI, 1431. „Sanherib. Kommt ins Grabmahl der Koͤ⸗ nige Juda XI, 965. 349 „Sarona. Chriſtus Triumphzug geht bei die⸗ ſem Sterne vorbei XX.(Band 4. S. 308.) „Satan. Muß Samma verlaſſen II. 192. Kommt zur Hoͤlle und beſchließt den Tod des Meſ⸗ ſias II. 274.595. Kehrt zur Erde zuruͤck II. 331. Laͤßt ſich auf den ſchlafenden Judas nieder III. 535. Sucht Kaiphas auf III. 679. Weiht Philo zu ſei⸗ ner Rede wider Jeſus IV. 284. Wird ins todte Meer geſtuͤrzt VIII. 116. Er und Adramelech koͤn⸗ nen es ſich nicht verbergen, was ſie da leiden X. 96. Muß zur Hoͤlle fliehen XIII. 379. „Schaͤcher.(Der boͤſe.) Laͤſtert Jeſus VIII. 302. Stirbt XI. 763. „Schaͤcher.(Der gute.) Bekehrt ſich VIII. 310. Klagt den Tod des Meſſias XI. 731. Es wird ihm das Gebein gebrochen XI. 775. Seine Gedanken im Sterben XI. 792. Wird von Abdiel geſegnet XI. 815. Stirbt XI. 826. „Seelen.(Noch Ungeborner.) Am Kreuze X. 158. Etwas von dem, wie ſie auf der Erde lebten X. 225— 417. „Seelen.(Verſtorbener.) Deren Engel I. 660. Verſtorbner Kinder I. 670. Zweier Kinder, die Je⸗ ſus geſegnet hatte, glauben ihn zu erkennen, da Ga⸗ briel von ihm redet I. 692. Der Weiſen vom Mor⸗ genlande ſehen Gott, da er nach dem Tabor herab⸗ ſteigt V. 72. Werden von einem Engel zum Kreuze 350 gebracht IX. 327. Derer, die in der Suͤndfluth um⸗ kamen. Ihr Gefaͤngniß und die Befreiung einiger XVII. 85. Befreiung der uͤbrigen XIX. 242. „Selia. Wird von den Seelen der Vaͤter aaus der Sonne geſendet, den Meſſias leiden zu ſehn 11I. 72. 1 „Semida. Seine Liebe zu Cidli, Jairus Toch⸗ ter IV. 770. An Thirza's und ihrer Soͤhne Grabe Xl. 1196. Wird mit Cidli verklaͤrt XV. 1527. Kommt mit ihr vom Heſperus zuruͤck XVII. 692. „Semno. Bedarf keiner Erſcheinung, ſich von der Auferſtehung des Meſſias zu uͤberzeugen XVII. 731. „Seth. Bei Golgatha X. 679. „Simeon. Bei Golgatha X 438. „Simon. Sein Charakter III 244. „Socrates. In Portia's Traume VII. 398. T. „Thirza. Sie und ihre Soͤhne ſingen dem Meſſias nach ſeiner Auferſtehung XIII. 744. „Todesengel. Schweben um das Kreuz VIII. 528. Der erſte Todesengel kuͤndigt dem Meſſias vom Sinai ſeinen nahen Tod an X. 995. „Thomas. Sein Charakter III. 263. Zwei⸗ fel an Jeſu Auferſtehung XIV. 153. 482. 783 Betet in einem Grabe XIV. 856. „Toa. Wird begnadigt XX.(Band 4. S. 292.) mn 351 u. „Uriel. Bringt den Stern Adamida, worauf die Seelen vor der Geburt ſind, vor die Sonne VIII. 369. Fuͤhrt die Seelen zur Erde herab VIII. 428. Kuͤndigt den Vaͤtern die nahe Ankunft des erſten Todesengels an X. 616. „Urim. Sieht mit Eloa das Allerheiligſte des Himmels eroͤffnet I. 371. 8 — ſſſſſiſninſtnhthhin 16 17 18