— Der (Me Iſias Dritter Band. VWerte Aufl age. Kͤk, f Sen, 24 Sa Kaäak. pna. Rrdue, 5 2— CARLSRUHE, im Bureau der deutschen Claſsiker. 4826. Der Meſfta Eilfter Geſang. Klopſt. Meſſias III. B. A Ate Aufi. Inhalt des eilften Geſangs. De Herrlichkeit des Meſſias ſchwebt von Golgatha ins Allerheiligſte des Tempels. Die Erde bebet unter ihr, und der Vorhang des Allerheiligſten zerreißt. Gabriel ſagt den Heiligen, daß ſich jeder zu ſeinem Grabe bege⸗ ben ſolle. Der Meſſias verlaͤßt den Tempel und weckt die Heiligen vom Tod auf. Die Auſerſtehenden ſind Adam, Eva, Abel, Seth, Enos, Mahlaleel, Jared, Kenan, Lamech, Methuſalah, Noa, Japhet, Sem, Abraham, Iſak, Sara, Rebecca, Jacob, Rahel, Lea, einige ihrer Soͤhne, Benjamin, Joſeph, Melchiſedeck, Aſarja, Miſael, Hananja, Habacuc, Jeſaias, Daniel, Jeremias, Amos, Hiob. Der bekehrte Schaͤcher ſtirbt. Noch ſtehen vom Tode auf: Moſes, David, Aſſa, Jo⸗ ſaphat, Uſia, Jotham, Joſia, Hiskia, Jonathan, Gi⸗ deon, Eliſa, Debora, Mirjam, Heſekiel, Asnath, Joſua, Jephta's Tochter, die Mutter und ihre ſieben Soͤhne, Heman, Chalkol, Darda, Ethan, Hanna, Be⸗ noni, Simeon, und Johannes der Taͤufer. Eilfter Geſang⸗ XI. G. V. 1— 9. W. ich nicht zu ſinkend den Flug der Reli⸗ gion flog, Wenn ich Empfindung ins Herz der Erloͤsten ſtroͤm⸗ te; ſo hat mich Gottes Leitung getragen auf Adlersfluͤgeln! es hat mich„ Offenbarung, von deinen Hoͤhn die Empfindung beſeligt! Wer an dem reinen kriſtallenen Strom, der unter des Lebens Baͤumen vom Throne fleußt, nicht weilte mit hei⸗ liger Ehrfurcht, Deß Beifall erreiche, verweht von dem Winde, mein Ohr nicht! Unverwehet, befleck' er mein Herz nicht! Unten — am Staube Muͤßte bleiben mein Lied, wenn jener lebende Strom nicht, . A 2 Der Meſſias. XI. G. V. 10— 23. 4 Durch die neue Jeruſalem, Gottes Stadt, ſich ergoͤſſe, Und zu ihm hinauf der Vorſicht Rechte nicht fuͤhrte. Leite mich ferner, du unſichtbare, du Fuͤhrerin, leite Meinen bebenden Gang! Des Sohnes Erniedrigung ſang ich; Bring mich hoͤher hinauf, auch ſeine Wonne zu ſingen! Aber darf ich mich auch des Vollenders Freuden zu ſingen 3 Unterwinden? die Hoͤhn, von Auferſtehungen kau⸗ ſchend, Und die Thale? des Siegers Triumph, da vom Tod' er aufſtand? Und die Erhebung des Sohns von dem Staub' hin⸗ auf zu dem Himmel Aller Himmel, empor zu dem Throne des ewigen Vaters? Die mich hoͤren, und mir, hilf, Himmelerhobner, die Schrecken Deiner Herrlichkeit uns armen Gluͤcklichen tragen! Ewig nun Erbarmer der Menſchen, ſchaut' auf des Todten Leichnam der Ausgeſoͤhnte. Der Sohn, der Herr⸗ liche Gottes, Eilfter Geſaug. 5 XI. G. V 24— 37. Er von Ewigkeit Gott, der Hochgelobte der Him⸗ mel, Chriſtus ſah zu dem Vater empor. Wer iſt der Erſchaffne, Der zu empfinden vermag, mit welcher Wonne der Gottheit, Welcher Liebe, ſie ſchauten? Da, wo herab von dem Throne, Wo von der heiligen Erde, ſich ihres goͤttlichen An⸗ ſchauns Seligkeit ſenkt', und erhub, auf dieſem ſtrahlenden Wege, Fing jetzt wieder die ſtehende Schoͤpfung den krei⸗ ſenden Lauf an, Hier zuerſt; dann floß von des Ewigen Throne die Nacht weg, Dann von der Sonne der deckende Stern. Nun bebten die Pole Aller Welten, den Flug, den Gott ſie lehrte, zu fliegen. Schon begannen ſie ihn, und donnerten weit durch die Himmel Jenes Flehen, mit dem ſie zu ſeiner Schoͤpfung Erhalter Rufen: Es wolle von ihnen der Allmacht Arme nicht abziehn Gott, und ſie laſſen auf ewig von ſeiner Herrlich⸗ keit zeugen! Der Meſſias. XI. G. V. 38— 52. Eilend, eilender drehten die Sonnen ſich, folgten die Erden, Bis ſie von neuem den Weg der erſten Kreiſe be⸗ traten. Jeſus Chriſtus, der Miterhalter der Schoͤpfungen, ſchwebte Ueber dem Kreuz, und ſah auf ſeinen Leichnam herunter, Wie der blutig, und bleich, und ſtumm zu der Erd' hinabhing! Jetzo wandte der Ueberwinder des Todes ſich. Schauernd D.gie die Erde vor ihm, als er ſich wandte. Nun ſchwebt' er Nach dem Tempel, und unter des eilenden Schwun⸗ ge zerſpalten, Senken, ſtuͤrzen, mit himmelſteigendem Staub' und Getoͤſe, Rings die Felſen ſich. Schnell erfuͤllet die heiligen Hallen Chriſtus Herrlichkeit, ſchnell das Allerheiligſte Gottes. Sieh, es zerriß, indem ſie ins Allerheiligſte ſchwebte, Von des Gewoͤlbes fernen Hoͤh, aus der er hinab⸗ hing, Bis zu dem liegenden Saum, der geheimnißverhuͤl⸗ lende Vorhang; und es verſchwand dein Schatten vor dir, voll⸗ brachte Verſoͤhnung! Eilfter Geſang. XIG. V. 53— 66. Hier ſprach Jeſus Chriſtus mit ſeinem Vater, mit Gott Gott, Von der ganzen Erloͤſung Vollendung, bis er zu 8 des Vaters Rechte ſich huͤbe! Denn nicht allein der getoͤdtete Gottmenſch, Auch der auferſtandne, und himmelerhobene Gott⸗ 1 menſch Iſt der Suͤnder Heil, und ihres Glaubens Ent⸗ zuͤckung. Nur wovon der Vater und Sohn, nicht wie ſie es ſprachen Kannſt du, Sionitin, erzaͤhlen. Denn, dieſes zu denken, Hat die Seele kein Bild; es zu ſagen, nicht Worte die Sprache. Siehe, wie Nacht ſich in ewiges Licht aufklaͤrt! wie des Sohns Heil Keinem jetzt Labyrinth mehr iſt! war ihres Ge⸗ ſpraͤches Inhalt. Denn das Volk, deß Soͤhnungsaltaͤr' auf⸗ hoͤrten Bilder des ewigen Opfers zu ſeyn! deß Tempel nun . Truͤmmer, Bald nun Staub iſt! Ihr thraͤnenvoll Schickſal, wie ſie geſaͤt ſind Unter die Vollker umher, und dieſes Schickſals Ent⸗ wicklung! Der Meſſias. XI. G. V. 6z7— Za. Ging vor dem ſchauenden Auge des Sohns und des Vaters voruͤber. Auch die Religion, verbreitet unter den Schaaren Zahlloſer Voͤlker, wie ſie mit viel Jahrhunderten fortſtroͤmt, Oft verdunkelt, entſtellt! von der Menſchen Laſtern und Unſinn Wie mit Naͤchten bedeckt, nie ganz vertilgt von der Erde! Jedes Geretteten Auferſtehung vom Tode der Seele! Jeder Kampf des Streitenden! jeder Sieg des Ge⸗ ſtaͤrkten! Seine Leiden! ſein fernes Gefuͤhl des Himmels! ſein Ende! Ging vor dem Ausgeſoͤhnten, und vor dem Verſoͤh⸗ ner voruͤber! Da ſo gegen einander der Vater und Sohn ſich verklaͤrten, Waͤlzte, ſo brauſen Meere, ſich durch die hoͤrenden Himmel Eine Stimme; ſie ſprach: Bei dem, der von Ewig⸗ keit Gott iſt, Menſch, und erwuͤrgt ward! auferſtehn, und zur Rechte des Vaters Sich wird ſetzen! auch euch, ihr Ungefallnen, wirds Wonne, Eikfter Geſang. 9 XI. G. V. 81— 9. Wird es in jauchzenden Ewigkeiten Entzuͤckung und Heil ſeyn, Daß die Suͤnde verſoͤhnt hat der ewige Hoheprieſter, Und mit euch die wiedergeheiligten Sterblichen Gott ſchaun! Eure Bruͤder, geſchaffen wie ihr zu der Ewigkeit, Gott ſchaun! Fallet nieder, und dankt! Auf ſeines Todes Al⸗ 3 tare Ruht noch ſein heiliger Leichnam, allein vollendet, vollendet Hat er das Opfer der Ewigkeit! Bald iſt die Er⸗ loͤfung Ganz vollbracht! Ihr werdet den Ueberwinder, die Klarheit Seiner Gottheit um ihn nun bald auf des Ewigen Thron ſehn! Gott, von Ewigkeit Gott, und bedeckt mit ſtrah⸗ lenden Wunden! Alo eror die Stimm' in den Himmeln, Eloa's Stimme. Auch erhub ſich uͤber der Erde mit freudigem Beben Eine Stimme; ſie ſprach: Der Gottverheißne der Treue, Jeſus Chriſtus, der Dulder, der Gnadenvolle, die Liebe, Der Neſſias. Xl. G. V. 95— 108. Nun, iſt er den Tod fuͤr die Abgefallnen geſtor⸗ ben, Seinen verſoͤhnenden Tod! Du Zweig an Adams Stamme, Klag', und verdorre nicht mehr! bluͤh auf zu dem ewigen Leben! Die geboren werden, nun jauchzen ſie, daß ſie es werden! Denn es iſt, in der Sterblichkeit ſchon, ihr Licht der Verſoͤhner, Ihre Leuchte das Lamm, das auf dem Huͤgel er⸗ wuͤrgt ward! Die ſie vor Gott anklagte, die todverlangende Suͤnde Iſt vertilget! Gericht, du gehſt vor den Reinen voruͤber, Die mit des Gottgeopferten Blut ſich glaubend be⸗ zeichnen. Hebet eure Haͤupter gen Himmel, und glaubt! Der Erbarmer Hat euch den Eingebornen geſandt! Ein beſſeres Leben Nimmt euch auf, habt ihr des Todes Schlummer geſchlummert. Prieſter ſeyd ihr, und Koͤnige, ſeyd in Blute ge⸗ waſchen, Hell in dem Blute des Lamms, das auf dem Huͤ⸗ gel erwuͤrgt ward. Eilftet Geſang. 11 XI. G. V. 109— 122. Alſo erſcholl auf der Erde des erſten Gefallenen Stimme. Jeſus war noch in dem Allerheiligſten. Kei⸗ nem der Engel Offenbaret' er ſich jetzt ſichtbar, keinem der Vaͤter. Seine Gegenwart kuͤndeten zwar, da hinuͤber zum Tempel Er von dem truͤben Golgatha ſchwebte, wehendes Rauſchen Ihnen an, und, Erde, du, die dem Göttlichen bebte: Aber ſie ſahen die Herrlichkeit nicht, vor welcher . die Wolken Rauſchten, die Erd' erſchrak. Sie beteten nur in der Fern' an; Jetzo gegen die Hoͤh des Moria. Denn immer er⸗ bebte Noch das Allerheiligſte! Bilder vom Tode des Mitt⸗ lers ⸗ Fuͤllten zwar noch die Seelen der Vaͤter; allein wie kein Engel Ihnen ſie nachzuempfinden vermag, ergreifet, durch⸗ ſtroͤmt ſie Wonne mit jenem itzt ſuͤßern Gedanken von deinem Tode, Gottverſoͤhner, vereint, die ſanfteſte Ruhe des Him⸗ mels; Der Meſſias. Xf. G. V. 123— 136. Nuh⸗, und Friede Gottes, und Liebe Chriſtus, die jeden Ihrer Gedanken erleuchtete, jedes Gefuͤhl entflammte! Denn ſſe empfanden, es ſey der Erſchaffung zur Ewigkeit letzter Seligſter Zweck die Liebe zu Jeſus Chriſtus dem Mittler Zwiſchen Gott, und den Menſchen! In dieſer ſanften Entzuͤckung Sahn die Seelen der Heiligen jede die andre ver⸗ loren. Nach und nach war ihnen ihr Glanz, ihr ſtrahlen⸗ des Leben Wiedergekommen. So ſahen ſie ſich. Die himm⸗ liſche Liebe, Welche ſi ſie gegen einander empfanden, hub ſie noch hoͤher Zu der Seligkeit, dich, o ihr Verſoͤhner, zu lieben, Eine Seele ſie alle, ſie all' Ein Tempel des Mitt⸗ lers! Gabriel eilte zu ihnen vom Todeshuͤgel her⸗ uͤber, Trat dann unter ſie hin. Noch konnt' er vor Won⸗ ne nicht reden. Alſo hatte der Lichtanblick der Ewigerloͤsten Eilfter Geſang. 43 XI. G. V. 137— 150. Ihm das Innre bewegt. Wie Harfen toͤnt' ihr die Stimme: Meine Bruͤder! Unſterbliche! kaum darf ich Bruͤder euch nennen! Chriſtus Vaͤter! ich fuͤhrt' euch herab von der Son⸗ ne zur Erde; Vaͤter! noch Ein Befehl iſt mir an dem Throne geworden, Alſo gebietet er: Geht zu euren Graͤbern, Erloͤste! Schnell verbreiteten ſich der Heiligen Schaa⸗ ren, und eilten Jeder zu ſeinem Grabe. Es war von jenem Altate, Bei dem Abel entſchlief, noch uͤbrig ein mooſiger Felſen. Adam ward, und der Seinen viel' an dieſem Al⸗ tare, Den faſt ganz der Waſſer Gericht wegwaͤlzte, be⸗ graben. Adam eilte mit wenigen Frommen, ſie dort zu ver⸗ ſammeln. Und ſie ſahen, da ſie ſich den Graͤbern nahten, die Engel, Ihre Beſchuͤtzer im Leben der Sterblichen, nah an der Graͤber 1 Truͤmmern ſchweben. Es ſchien, als ob die Engez der Schopfung 14 Der Meſſias. XI. G. V. 151— 164. Kleinere Wunder, die Welten des Staubs, und ihre Bewohner Unter den Truͤmmern betrachteten. Als die heiligen . Seelen Mehr ſich nahten, verließen die Grabgefilde die Engel. Triumphirend erhuben ſie ſich. Die Seelen der Todten Wußten es nicht, warum in Triumph ſich die En⸗ gel erhuͤben. Hennoch blieb und Elias am Todeshuͤgel. Sie blickten Wundernd den Heiligen nach, die zu ihrer Gebeine Ruhſtatt, In der Zeit der Vollendung, der Zeit der Herrlich⸗ keit, jetzo Auf des Ausgeſoͤhnten Befehl herunterſtiegen! Noa ließ ſich mit Japhet und Sem hinab zu dem Grabe, Das ihn an jenem Berge begrub, auf welchem die Arche, Gottes Retterin, uͤber der waldumſtuͤrzenden Meere Dumpfem Geraͤuſch ſtillſtand! und wo den danken⸗ den Altar Noa baut', und opfert', und dich, du Bogen des Bundes, Eilfter Geſang. 15 XI G. V. 165— 1/8. Den Gott ſelber mit Gnade betrachtete, betend er⸗ blickte. Abraham eilte mit den Geliebten zur Todes⸗ hoͤhle Gegen uͤber dem Hain, in dem er den gottlichen Dulder Schon wie einen Menſchen geſtaltet ſah, und nicht 2 wußte, Wer der Wanderer ſey, ſo mit ihm in dem Schat⸗ ten ſich labte. Moſes ereilte ſein einſames Grab an dem Ne⸗ bo, wo Gott ihn Unter Felſen begrub. Er ſtarb vor des Ewigen An⸗ ſchaun, Welcher ihm, eh' er entſchlief, von dem Nebo Ka⸗ naan zeigte. Vor dem Graun der Gegenwart Gottes zerriſſen die Felſen Unter dem Todten. Er ſank hinunter; noch bebende Felſen Stuͤrzten ihm nach. So lag er, von Gortes Rechte begraben. Nicht in dieſer Fern vom Golgatha kamen zu ihren Graͤbern die Juͤnger Moſes, die mit der Beredſam⸗ keit Donner, Und prophetiſchen Pſalmen vom kuͤnftigen Heile ge⸗ ruͤſtet, Der Meſſias⸗ XI. G. V. 179— 192. Abrahams Enkel dem eiſernen Arm der riſſen. Goͤtzen ent⸗ Graun umgab die Gefilde der heiligen Gi. ber, und ſchreckte ch Stexblichen Fuß zuruͤck, der ihnen ſich nahte. ggen ſie nur weilen wollten, ieder zu ihnen herab von der Wolke. n Geab mit ſeinen Gelieb ſich dem Erſtaunen: ich ſah es, in empfand, als fehl kam. t euch mit mir! Wir ſind gewuͤrdiget worden, Dieſe Zeit, da im Tode des Goͤttlichen Leichnam ſchlummert, n bis zu dem dert zu werden. Wie freudig iſt der Jedes no Aber, als ob bei den Hei Kamen die Seraphim w Adam hatte ſei ten betreten. Alſo entriß er Ihr fuͤhltet. Wie ich heiligen Schrecke Gottes Be⸗ Aber freu Mit dem Schlummernde Grab' ernie⸗ Selig, daß wir es werden! Gedanke, em Sohn’ erni ckt mich: Ich werde jenen richtstag, Mit des Vaters ewig edert zu werden! und noch Einer entzuͦ e⸗ Wenn Eilfter Geſang. 17 XI. G. V. 193— 206. Wenn er, zum Eden die Erde nun umzuſchaffen, herabkommt, Und ihr, meine Kinder, mit mir, wir werden vom Tode Hier erwachen! erwachen bis hin an das Ende der — Erde Alle, die liegen, und ſchlafen, zu Ewigkeiten er⸗ wachen! Alle meine zahlloſen Kinder der erſten Erſchaffung Leiber, verherrlichet ſie, und ſeelenaͤhnlich empfangen. Ach! zu welcher Seligkeit ſchuf uns Jehovah! Wie haſt du, Tod des Verſoͤhnenden, uns, und zu welchen Freu⸗ den erhoben! Henoch, und du, Elias, ihr zeigts, wie werth des Verlangens Eines Unſterblichen ſey die Auferſtehung vom Tode. Saͤume nicht, letzter der Tage, daß wir nicht laͤn⸗ ger verlangen, Saͤume, faͤume vielmehr, daß noch zahlloſer die Schaar ſey Derer, die einſt zu dem ewigen Leben aus Graͤbern hervorgehn! So ſprach Adam mit ſeliger Ruh', und feine Ge⸗ faͤhrten Klopſt. Meſſias III. B. B Ate Auff. 18 Der Meſſias. XI. G. V. 207— 220. Dachten mit ihm dem frohen Gedanken von der Erniedrung Mit dem Verſoͤhner, und von dem letzten Tage der Erde Wonnevoll nach. So ſtanden ſie jeder an ſeinem Grabe. Von dem Fuße des Bergs bis hinauf zu der Zinne des Tempels Bebete fuͤrchterlicher Moria. Schreckende Wolken Wälziten ſich aus dem Allerheiligſten, ſtroͤmten her⸗ uͤber Durch die Hallen des Heiligen, dann in des Tem⸗ pels Vorhof, Dann gen Himmel. Wohin die ſchreckenden Wol⸗ ken ſich wandten, Bebte die Erd', und ſpalteten Felſen, und huben ſich Stroͤme. Endlich ſtanden die Wolken, gebreitet uͤber die Graͤber, Leuchtender ſtill; und ein Sturmwind brauſt' herab auf die Graͤber,. Aber des ewigen Sohns Allmacht war nicht in dem Sturme! Und die Erde bebt' um die Graͤber: allein des Ver⸗ ſoͤhners Aullmacht war in der bebenden Erde nicht! Es ent⸗ ſtroͤmten Eilfter Geſang. 19 Xl. G. V. 221— 234. Flammen den Wolken: aber der Herr war nicht in den Flammen! Jetzo kam von dem Himmel ein ſanftes Saͤuſeln hernieder: Und des ewigen Sohnes Allmacht war in dem Saͤu⸗ ſeln. Ach! die Vaͤter befiel, gleich einem Schluͤm⸗ mer in Schatten, Suͤße Betaͤubung! Sie wußten es nicht, wie ih— nen geſchahe; Aber ihr dunkles Gefuͤhl war: Naͤhe Gottes, und daß es Um ſie ſaͤuſelte. Freudig, mit bruͤderlicher Entzuͤ⸗ ckung, Schauten die Engel umher im Gefilde der Aufer⸗ ſtehung! Jetzt daucht's Adam, als rief er: Ich werd', ich werde geſchaffen! Und er ſtrebte ſich aufzurichten. Noch kniet' er im 3 Staube. Harfen toͤnten ihm zu! ihm ſang der Seraph, und Cherub: Werde von neuem, und nun auf ewig geſchaffen! auf ewig! Siehe, du ſtarbſt an dem dunkelſten deiner Tage des Todes, Adam! O Heil dir erſten! erwach'! und lebe nun Leben! B 2 Der Meſſias. Xl. G. V. 235— 248. Seliges, Adam! wie du, nach deiner Schoͤpfung nicht lebteſt! Ach nun ſtirbſt du des Todes nicht mehr! Noch kniet' er im Staube, Sah noch dunkel. Es ward mit dem auferſtehen⸗ den Leibe Sein aͤtheriſcher Leib, der ſeit dem Tod' ihn um— huͤllte, Jetzo vereint. Der wurde des umgeſchaffnen Ver⸗ klaͤrung. Schnell erhub er ſich, ſtand, und ſtreckte gen Him⸗ mel die Arm' aus: Wonne mir! du haſt mich von neuem aus Staube gerufen! Ja, nun weiß ichs wahrhaftig! du haſt mich wie⸗ der, Verſoͤhner! Herrlicher mich, wie in Eden erſchaffen! O daß ich dich faͤnde, Gottverſoͤhner, daß ich den Allmaͤchtigen faͤnde! wie woollt' ich Niederfallen vor ihm! wie ihn anbeten! Du biſt uns Nahe, zwar nicht geſehen, doch biſt du uns nahe, Verſoͤhner! Ja dieß himmliſche Saͤuſeln iſt deiner Gegenwart Stimme! Und auch ſie erwachen um mich! Schaut nieder, ihr Engel! Eilfter Geſang. 21 XI. G. V. 249— 262. Um den Vater der Menſchen erwachen die heiligen Kinder! Eva begann ſich empor zu heben. Wer bin ich geworden? Bin ich in Eden? Wo bin ich? Ich lebe wieder im Leibe Meiner erſten Erſchaffung? O dort iſt Adam! . Wie glaͤnzt er! Und wie glaͤnz' ich! O du, deß Wunden einſt ſtrahlen, wo biſt du, Daß ich eil', und dir danke, du Wiederbringer der Unſchuld! Adam eilte zu ihr, ſie eilte zu Adam; doch konnten Sie nicht reden, da ſie ſich in ihrer Entzuͤckung . umarmten, Nur den Namen des Todtenerweckers konnten ſie ſtammeln. Abel, Abel! mein Sohn! rief Adam Abel entgegen, Denn der ſchwebte daher, wie ein Fruͤhlingsmorgen, in Purpur Und in Schimmer gekleidet! Mein Sohn, wie hat G uns der Mittler Mit Barmherzigkeiten, mit Huld, mit Gnade be⸗ ſeligt! Erde wurden wir, als wir entſchliefen; was ſind wir geworden! Der Neſſias. XI. G. V. 263— 276. Ueber alles, was wir verſtanden, und was wir ba⸗ ten, Hatt er uͤberſchwenglich gethan, der, o Vater, ver⸗ ſoͤhnt hat Unſere Suͤnd', und die Suͤnde der Welt! O Ruhe der Himmel! Alle ſie werden wie wir an der Tage letztem erwachen. Enos fand ſich bei Seth, bei dem Mahlalöel, Jared, Kenan, und Noa's Vater, bei dem Methuſala wieder. Unter Strahlen fanden ſie ſich, auf zitternden Graͤ⸗ bern, Mit des neuen Lebens Gefuͤhl, im himmliſchen Leibe, Der, ein beſſrer Gefaͤhrt der erloͤsten unſterblichen Seele, Faſt mit ihr denkt, und empfindet; in dem die ewige Gott ſchaut! Wie nach ihrer Geburt ſich die Morgenſterne des Daſeyns Freuten, und dich, o Schaffender, feiernd ſangen, ſo ſchwebten Adams Soͤhne daher, und riefen Jubel und Won⸗ ne, Neue Wonne ſich zu! Der Auferſtehung Gefilde Eilfter Geſang. 23 XI. G. V. 277— 290. Halleten von der Entzuͤckung der wiederkommenden Todten! Noa, der zweite Vater der Menſchen, fuͤhlt's daß er wurde, Und in ſanfterem Wehn der Abenddaͤmmrung er⸗ wachte. Roͤthlicher Duft entfloß des Unſterblichen Schulter, indem er Schnell ſich erhub. Er rief: Ihr Engel, ſagt mir, ihr Engel, Iſt mir ein Leib, wie Adam im Paradieſe, ge⸗ ſchaffen? Ach wo ſind wir? am Throne des Ewigen? oder am Grabe? Und wo betet ihr an? wo iſt er, o der mich um⸗ ſchuf? Daß ich niederfalle mit euch! mit euch anbete! Japhet! Sem!(er ſahe vor ſich die beiden erwa⸗ chen,) Ach wo iſt, ihr Soͤhne! der uns von dem Tode ge⸗ weckt hat? Daß wir eilen, und niederfallen, und ihn anbeten! Nein! nicht Noa's, der auch es iſt, der Auferſte⸗ hung Soͤhne, wo iſt, der mit Feuer ſie von dem Him⸗ mel entflammt hat? 24 Der Meſſias, 1 XI. G. V. 291— 304. Daß wir knien, und niederfallen, und Jubel ihm ſtammeln! Wie der Fromme, der Gott, Gott! ſeinen Schoͤpfer! in Allem Sucht, und findet, in fruͤhem erfriſchenden Walde die Sonne, Hinter duftenden Baͤumen in ihrer Schoͤne die Sonne Aufgehn ſieht, Entzuͤckung, und ſanfter Schauer befaͤllt ihn! Denn ſie iſt ſchoͤn! ein maͤchtiger Zeuge der Herr⸗ lichkeit Gottes! So ſah Abrahams Engel den Vater der glaubenden Nachwelt Selig, verklaͤrt, unſterblich aus ſeinem Grab' her⸗ vorgehn. Abraham tegte die Hand auf den Mund, und blickte gen Himmel; Endlich redt' er, noch in ſich gekehrt, noch vertieft in Erſtaunen: Umgeſchaffen bin ich? Wie wunderbar, du Ver⸗ ſoͤhner, Sind die Folgen deiner Verſohnung! wie gnadevoll ſind ſie! Ach dieß neue Leben, das du aus Staube mir ſchufeſt, Gott! Verſoͤhner! es iſt auch deinen Wunden ent⸗ quollen, Eilfter Geſang. 25 XI. G. V. 305— 318. Dieſen unverweslichen Leib, den edlern Genoſſen Meiner Seele, den haſt du mir, vor dem Tage der Tage, Vor der Erde Wandlung, gegeben! Wer bin ich, wer bin ich, Daß du mit dieſem Heile mich, Liebender, uͤber⸗ ſchuͤtteſt! Alſo rief er, und weint', entflammt von Dank und von Wonne. Iſak kam; und Abraham daucht's, als waͤre der Juͤngling Einer der Seraphim! Alſo war mit dem feſtlichen Schimmer, Und mit der laͤchelnden Morgenroͤthe der Himmels⸗ bewohner Iſak geſchmuͤckt. Und Abraham rief: O ſahſt du mich werden, Leuchtender Engel? Er iſt fuͤr Adams Soͤhne ge⸗ ſtorben! Er hat meinem verwesten Gebein dieß Leben gebo⸗ ten! Abraham! Vater! du glaubteſt zu Gott, ich wuͤrd' aus der Aſche, Haͤtte mich nun des pruͤfenden Altars Flamme ge⸗ opfert, Wieder erwachen. Ich bin erwacht! O beſter der Vaͤter, 26 Der Meſſias. Xl. G. V. 319— 332. Wunderbar iſt des Verſoͤhnenden Gnade! Sein hei⸗ liger Leichnam Ruht noch am Kreuz, und wir erſtehn zu dieſer Entzuͤckung! Wie in Schlummer ſank ich dahin, und himmliſche Luͤfte Wehten um mich, und ich fand in glaͤnzenden Wol⸗ ken mich wieder. Voller Entzuͤckungen kamen Sarai, und Be⸗ 4 thuels Tochter Zu den Geliebten. Auf ſie, und gen Himmel die Augen gerichtet, Standen der Vater, der Sohn, und fuͤhlten die Auferſtehung Lange ſtanden ſie ſprachlos; allein in der innerſten Seele Gluͤheten ewiger Dank, und werdende Jubelgeſaͤnge. Iſrael trat in Triumphe daher! und Thraͤnen vooll Seele, Dankende Thraͤnen entſtuͤrzten dem Auge des Auf⸗ erſtandnen: Halleluja dem Ueberwinder des Todes! dem Mittler Zwiſchen dem Richter, und mir! Du haſt geblutet! du haſt es Alles vollendet! du haſt aus des Todes Thal mich gerufen! Eilfter Geſang. 27 NI. G. V. 333— 346. Und die Seraphim hielten ſich nicht, und ſtroͤmten ihr Loblied Hin in den Wonnausruf des auferſtandnen Ge⸗ rechten: Preis, und Dank dem Todtenerwecker! dem goͤttli⸗ lichen Geber „Dieſes jauchzenden ewigen Lebens, das jetzt aus den Graͤbern Aufbluͤht! Freue deiner Bewohner, die kommen ſollen, Himmel, dich! Es wehen mit leiſem Liſpel entge⸗ gen Dieſe fruͤheren Halme, dem Rauſchen der großen Erndte, Sieh, es ſinget ihr Lied der Erndter Rufe: Ihr Todten, Kommt! dem Poſaunenhall: Gieb, Meer, ſie wie⸗ der, und Erde! Ach dem Jubelgeſchrei des letzten Tages entgegen! Iſrael wandte von ihnen ſein Auge mach Gol⸗ gatha's Grabe: Laut in den Himmeln allen, mit allen ewigen Choͤren Will ich danken, wenn du aus deinem Grabe dich . aufſchwingſt, Wenn der Geljebte den Liebenden auf der Herrlich⸗ keit Thron ſchaut, 28 Der Meſſias. XI. G. V. 347— 360. In dem Ganze, der dein von dem Anbeginne der Welt war! Seyd ihr, Engel, was ich bin? Ihr ſeyd es nicht! ſtarb nicht, wie ich ſtarb, Glaubend an ihn! ach der Auferſtehung maͤchtige Freuden Fuͤhltet ihr nicht! Er iſt, wie Menſchen ſterben, geſtorben;. Und wie Menſchen, wird er in das neue Leben her⸗ aufgehn! Selig, betet ihr an! Wir beten, ſelig mit euch, an; Aber wir lieben des Ewigen und der Sterblichen Sohn mehr! Ach wo ſind, die mit mir in dem erſten Leben ihn liebten? Zwar in der Fern nur, und dunkel ihn ſahn, den Erretter der Menſchen, Aber in ſeiner Goͤttlichkeit doch! Er wendet vom Himmel Nach der Erde ſein Aug', und erblickt, und um⸗ . armt die Geliebten; Joſeph, und Rahel noch nicht. Bei dem Grabe der Mutter Benoni's War ihr Engel. Sie ſtand, an dem Hange des offenen Felſen; Auf der Hoͤhe, der Engel. Mit Blicken der innig⸗ ſten Freundſchaft, Eilfter Geſang. 29 XI. G. V. 361— 374. Sah ſie zu ihm hinauf; mit Blicken der innigſten Freundſchaft, Sah er auf ſie herunter. R. Mein Grab iſt ein⸗ ſam, o Seraph! E. Rahel, das Grab, in welchem nun bald der Goͤttliche ruhn wird, Iſt auch einſam! R. Unſterblicher, ach, wie hat er gelitten, Deſſen Leichnam nun bald das Grab an Golgatha einſchließt! Ach was hat des Verſoͤhnenden Tod uns erworben! Ich werde Einſt erwachen! wo mir das Gebein in dem Stau— be verweste, Hier! Auch Auferſtehung hat mir der Verſoͤhner erworben! Als ſie noch redete, hub ſich um ihren Fuß von dem Grabe Sanftaufwallender Duft, ein Woͤlkchen, wie etwa die Roſe, Oder ein Fruͤhlingslaub einhuͤllt, das Silber her⸗ 3 3 abtraͤuft. Nahels Schimmer umzog den ſchwimmenden Duft mit Golde, Wie die Sonne den Saum der Abendwolke vergol⸗ det. Und ihr Auge begleitet des Duftes Wallen. Sie ſieht ihn, Der Meſſias. XI. G. V. 375— 383. Anders um ſich, und wieder anders gebildet, her⸗ umziehn, Steigen, ſinken, zuletzt ſtets mehr ſich nahen, und ſchimmern. Und ſie bewundert den Tiefſinn der immeraͤndern⸗ den Schoͤpfung, Unergruͤndlich in Großem, und unergruͤndlich in Kleinem, Ohne zu wiſſen, wie nah der ſchwebende Duft ihr verwandt ſey, Und wozu ihn nun bald des Allmaͤchtigen Stimme, Verſoͤhner, Deine Stimme nun bald erſchaffen werde! Sie neigt ſich Ueber ihn, und betrachtet ihn ſtets mit froherem 3 Blicke. Mit verbreiteten Armen, voll ſuͤßer namloſer Freu⸗ den, Stand ihr Engel, und ſah's. Nun ſcholl des All⸗ maͤchtigen Stimme! Rahel ſank. Ihr daucht' es, als ob ſie in Thraͤ⸗ nen zerfloͤſſe, Sanft in Freudenthraͤnen; hinab in ſchattende Thale Quöͤlle; ſich uͤber ein wehendes blumenvolles Ge⸗ ſtade Leicht erhuͤbe; dann neugeſchaffen unter den Blu⸗ men Eilfter Geſang. 31 KI. G. V. 389— 402. Dieſes Geſtades, und ſeines Dufts Geruͤchen ſich — 8 faͤnde. Jetzt erwachte ſie ganz! Sie fuͤhlte ſich, ſahe ſich, wußt' es, Daß ein neuer unſterblicher Leib ſie umgab. Mit Entzuͤckung, Sieht ſie gen Himmel, und danket dem, der vom Tode ſie aufrief. Nun verſtummt ſie nicht langer: Du mein Verſoͤh⸗ 1 ner, mein Bruder! Jeſus Chriſtus, mein Herr, und mein Gott! es erſchalle dein Name Immer von meiner Lippe zuerſt! dann eurer, Ge⸗ liebte, Iſrael, Joſeph, und Benjamin, Benjamin! Iſrael! Joſeph! Jeſus Chriſtus! mein Herr, und mein Gott! Wo find' ich ſie? Fuͤhre, Fuͤhre mich, Seraph, daß ich den Angebeteten ſehe, Iſrael, meine Kinder! In ihrem Innerſten dur⸗ ſtet Meine Seele nach ihnen! Vor ihrem Antlitz, mit ihnen Will ich mich meines Heils, der Auferſtehung mich freuen. Iſrael fand ſie, und Lea, und dieſer Soͤhne. Die waren Der Neſſias. XI. G. V. 403— 416. Aus den Geſilden Aegyptus herauf von dem Stro⸗ me gekommen; Benjamin auch, nur Joſeph noch nicht. Der himm⸗ liſche Joſeph Weilete noch um ſein Grab zu Sichem. Einer der Knaben, Die der Mittler einſt kuͤßt', und ſegnet', und unter das Volk ſie Stellte: Werdet wie ſie; ſonſt koͤnnt ihr das Leben nicht erben! Einer von dieſen war jetzt geſtorben. Sein leiten⸗ der Engel Fuͤhrt' ihn in Haͤmons Aue daher; und da ſie die 32 Seele An dem Todtengewoͤlb' erblickten, blieben ſie ſchwe⸗ ben. Samed fragte den Engel, indem er des Unbekann⸗ ten Herrlichkeit ſah: Wer iſt, o du mein himmliſcher Fuͤhrer, Dieſe ſtrahlende Geſtalt ſo voll von Hoheit und Einfalt? Und mit Laͤcheln, und milderem Glanz' antwortete Joſeph: Blume, die nun in dem Schatten der Lebensbaͤume wird wachſen, Und am Schall des kriſtallenen Stroms, der her⸗ unter vom Thron fleußt, Wer Eilfter Geſang. 33 XI. G. V. 417— 430. Wer ich bin? Ich war in dem Leben, dem du entflohn biſt, Erſt ein gluͤcklicher Knabe, dann durch Verfolgun⸗ gen elend, Sehr gluͤckſelig darauf! Denn ein Vater leidender Voͤlker Ward ich, und meines Vaters! Erkennſt du nun, fruͤhentflohner, Rahels und Iſraels Sohn? Und Samed ſprach zu dem Engel: O du unſterblicher! Iſraels Sohn und Rahels, von dem mir, Ach von Joſeph! mein Vater die wunderbare Ge⸗ ſchichte Oft vor Freude weinend erzaͤhlte. Milder, o Jo⸗ ſeph, Glaͤnze noch milder, ſo wag' ich mit dir, o Joſeph, zu reden. Dich zu ſehen, das allein verdiente die Leiden des Todes; Ihn erduldet' ich gern um deinetwillen noch Ein⸗ 4 mal, Ja noch Einmal den Kampf des vollen Lebens im Aufbluͤhn, Und der innigen Liebe zu dieſem bluͤhenden Leben, Mit dem Tode, mit dieſer Empfindung, als ob wir vergingen, Klopſt. Meſſias III. B. C ute Aufl. 34 Der Meſſias. XI. G. V. 431— 444. Dieſem Traume von ewiger Nacht, dem Schrecken der Schrecken! Kaum erſt bin ich entronnen! Mein Engel ſagte mirs, mußte Oft es mir ſagen: Ich lebte! So hatte der Schein der Vernichtung Meine Seele geſchreckt! J. Fruͤhgluͤckliche Seele, du mußteſt Auch von des Lebens Leid' ein wenig dulden. Wie lohnt dichs Jetzo, daß du ſo bald ein Genoß der Erben des 3 Heils wardſt, Derer auch, die hoͤher als ich auf der Seligkeit Stufe Stehn! S. O Iſraels Sohn, kaum halt' ich, Jo⸗ 1 ſeph, dein Glaͤnzen, Das du milderteſt, aus! J. Du wirſt ſchnell ler⸗ nen, o Samed, Wirſt bald Abraham ſehn. Von dem Leibe der Erd' entlaſtet, Lernen die Seligen ſchnell. S. Gern will ich ler⸗ nen. O lehre Du mich, Iſraels Sohn. Auch in dem irdiſchen Leben Sind bisweilen Stunden des Himmels. Wie war dir in jener Stunde des Himmels, da du dich nun nicht halten mehr konnteſt, Eilfter Geſang. 35 Xl. G. V. 445— 4583. Riefſt, laut weineteſt, daß die entfernten Aegypter es hoͤrten, Ich bin Joſeph! Lebet mein Vater noch? da der Bruͤder Aug', und des juͤngſten der Bruͤder, ach deines Benjamins Auge Jetzo reden dich ſah! Verkuͤndiget meinem Vater Meine Herrlichkeit in Aegyptus! du dann um den . Hals fielſt Benjamin deinem Bruder, und weineteſt! in der Umarmung Benjamin auch die Thraͤnen der fruͤhen Seligkeiten . wurden! Dann in jener Stunde, da du erfuhreſt: Vernom⸗ men Hab' es dein Vater! da habe das Herz des ſtau⸗ nenden Greiſes Gar viel anders gedacht, es nicht geglaubt! bis er endlich Deine Rede gehoͤrt, und geſehen Pharaons Wa⸗ gen: Da, da waͤrve ſein Geiſt lebendig geworden: Ich habe Nun genug, daß Joſeph mein Sohn noch lebt! Hin will ich Und ihn ſehn, eh' ich ſterbe! da er dich wirklich nun ſahe! C 2 36 Der Meſſias. XI. G. V. 459— 472. Du um den Hals ihm fieleſt, und lang', in ſeiner Umarmung Weineteſt! da zu dir ſelbſt dein Vater ſagte: Nun will ich Gerne ſterben, ich habe geſehn dein Angeſicht, Jo⸗ ſeph, Daß du noch lebeſt! wie war dir in dieſen Stun⸗ . den des Himmels? J. Komm, auch Iſraels Sohn, und auch mein Bruder, und juͤnger, Als mein Benjamin war, komm, und umarme mich! Samed Zittert' herzu, und umarmt' ihn. Sie weineten lange des Himmels Thraͤnen. J. Wie, Samed, mir war, das haſt du ſelber empfunden, Als du von jenen Thraͤnen auf Erden die frohe Geſchichte Mir zuruͤckriefſt, als du dadurch die Freuden des Himmels Mir vermehrteſt, ſo ſehr vermehrteſt, daß ich dem Geber Jener Seligkeit wieder mit neuem Danke, mit ſtaͤrkerm, Als auf der Erd' ich zu bringen vermocht', anbetete, S. Danken Will ich, Joſeph, von dir auch lernen, aber o ſage: Eilfter Geſang. 37 XI. G. V. 473— 486. Warum iſt es ein Grab, wo du weileſt? J. Un⸗ ſterblicher, weiß er Schon des Goͤttlichen Tod? Der Seraph wollte jetzt reden, Aber mit Eil rief Samed: Ich weiß, ich weiß des Verſoͤhners Tod! J. So weißt du denn auch, daß uns ein Befehl von ihm wurde, Uns, die das Kreuz umgaben, hinab zu den Graͤ⸗ bern zu wallen. Zeugen waren wir ſeiner Erduldungen, bis ihm ſein Haupt ſank, Und er ſtarb. S. Dieß wußt' ich noch nicht. Von dem Todten zu ſprechen, Bin ich noch nicht ſelig genug. So bald ich ſo hoch mich Heb', und nicht mehr verſtummen muß; iſt es Jo⸗ ſeph, mit dem ich Von dem Goͤttlichen rede. Jetzt, Benjamins Bru⸗ der, und meiner, Sage mir, weſſen Gebein deckt dieſes Grab? J. Das meine, Samed. S. Sollte denn jeder zu ſeinem Grabe ſich wenden? Oder haſt du dir deins nur gewaͤhlt? J. Des Un⸗ ſterblichen Bothſchaft War: Wir ſollten uns jeder zu ſeinem Grabe ſich wenden. 38 Der Meſſias. XI. G. V. 487— 500. S. Was iſt dieſes, mein Huͤter, und Joſeph, ihr Engel Gottes? Laͤchelnd ſchweigt der niemals Sterbliche, Joſeph erwiedert: Dieſes vielleicht: Wir ſollen uns mit dem todten Meſſias Bis zu dem Grab' erniedrigen; und, wovon er uns frei macht, Unter Gebeinen mit ſtillen Betrachtungen uͤberden⸗ ken. Denn, daß er ſtarb, und auferſteht, das freyt uns vom Tode, Das erweckt uns dereinſt an dem letzten Tage der Erde. S. Hier wird alſo Joſeph erwachen. O truͤgen die Meinen Meine Truͤmmer hierher; ſo erwacht' ich neben dir, Joſeph. Laß hinein in das Grab uns wallen, und ſehen, was uͤbrig Iſt von der Huͤlle, die ſonſt dich umgab, in dem Staube geblieben, Sehen, was auferſteht! Dieß kleideten Iſraels Soͤhne In balſamiſches Todtengewand bei Pharao's Strome. Drum iſt vielleicht dein Staub von der Erde Stau⸗ be geſondert, Eilfter Geſang. 39 KI. G. V. 501— 514. Und wir koͤnnen noch ſehn, was kuͤnftig der Ewig⸗ keit aufbluͤht. J. Komm denn, Samed. Er ſprachs, und fuͤhrt' ihn hinab in das Grabmahl. Und ſie fanden, wo in dem Gewoͤlbe die dunkelſte Nacht war, Joſephs Engel, dem der Erwartung Freuden und Unruh Aus dem Angeſicht ſtrahlten. J. Ich ſeh', o Se⸗ raph, du freuſt dich Deſſen, der bald nun erwacht. E. Ich freue mich ſeiner Erhoͤhung, Joſeph, die immer herrlicher wird, und uns die Erwartung Stets mit neuer Entzuͤckung belohnt. Wenn du ein Gefilde Voll von Fruͤhlinge liebteſt, und, wo du wandel⸗ teſt, immer Neue Blumen vor dir entſproͤſſen; doch die du am meiſten Unter den Blumen liebteſt, die Eine noch ſchlief' in dem Schooße Dieſes frohen Gefildes: du wuͤrdeſt, Joſeph, die Eine Mit unruhiger Freud' erwarten. J. Welche der Gnaden Meyneſt du, Seraph? E. O du unſterblicher, aber noch Todter, 4⁰ Der Meſſias. XI. G. V. 515— 528. Welche der Gnaden ich meyne? Sieh hin! Da wallte von ſelber Erde, wie Wolken, empor, und ſank an des Fel⸗ ſengewoͤlbes Seite nieder; allein wo der Engel des Heiligen ſchwebte, Blieb ein wenig wallender Staub. Mit Schnellig⸗ keit woͤlkt' er Auf ſich und nieder; und ſchimmernd wars im ge⸗ baͤrenden Staube. Schwebe naͤher, und ſieh, rief Joſephs Engel, wie herrlich Hier in der Erde beginnen die erſten Funken des Lebens. Und ein ſanftes Saͤuſeln entſtand in dem Todten⸗ gewoͤlbe. Samed wehten die goldenen Locken, und Iſraels Sohne Saͤuſelt' es nach, da er ſeiner Gebeine Truͤmmer ſſiicch nahte. Aber nun kam mit Eile die neue Schoͤpfung der Engel Blicke zuvor, und Sameds zuvor. Sie ſahn das Geſchehene, Doch das Geſchehende nicht, derwandelt den Staub, und erſtanden Rahels Sohn! Er rief: Des Bundes Engel, o der ſie d Eilfter Geſang. 41¹ NXlIl. G. B. 529— 542. Flammend die Nacht, und am Tag' in der hohen Wolke ſie fuͤhrte, Weg aus Aegyptus Grabe, durchs Meer der Schilfe, nach Kanan, Daß der Peiniger ſank! jetzt ſinkt der groͤßre, der Tod ſinkt! Aber Iſrael iſt in den Auen Ephrons, und Ra⸗ hel; Abraham, Abraham auch! Er riefs, und ſtrahlt aus dem Grabmahl. Und es begleiten, vor Freude verſtummt, die Engel und Samed Seinen wehenden Flug. Er entſchwebte dem heili⸗ gen Haine Mamre's in ſeiner Vaͤter, und ſeiner Bruͤder Ver⸗ ſammlung. O wer hoͤrte genug von dem Nachhall himmliſcher Harfen, Toͤnen zu laſſen, wie zu dem zweitenmale der Va⸗ ter Und der Sohn ſich empfingen, die Bruͤder den Bru⸗ . der erkannten! Was die Mutter empfand, da ſie ihren Erſtling 4 erblickte! Herrlich hatt' ihn erſchaffen die zweite Schoͤpfung. Sein Traum ging Bis in das ewige Leben. Vor ſeiner helleren Klar⸗ heit Der Meſſias. XI. G. V. 543— 556. Neigten ſich ſeine Bruͤder, itzt nicht nur neidlos, mit Freuden Neigten ſie ſich, und dankten dem Geber der hoͤhe⸗ ren Gnaden. Salems Prieſter und Koͤnig begrub bei der Quelle Phiala, Wo er den Heiligen fand, ein Wanderer. Nicht aus Mitleid, Nicht aus Menſchlichkeit nur, begrub ihn der ſtau⸗ nende Fremdling, Auch aus Ehrfurcht. Auf dem Angeſicht fand er ihn liegen Mit gefalteten Haͤnden. So lag, ein himmliſcher Anblick Fuͤr der Seraphim Auge, der Prieſter Gottes im Tode! Lange ſah ihn der Wanderer an, und werth zu begraben Dieſen todten, erhub er mit freudigſchauerndem Danke Seine Haͤnde gen Himmel; dann ſchlung er ſie um den Entſchlafnen, Faßt' ihn, und hob aus dem Staub' ihn empor, und begrub ihn betend. Dieſes Grab umſchwebte Melchiſedeck. Rauſchend ergoß ſich Von Phiala der werdende Jordan hinab an des Grabes Eilfter Geſang. 43 XI. G. V. 557— 570. Kuͤhlem Mooſe. Des Quells melodiſches ſanftes Getoͤne Ueberſtroͤmt des Heiligen Seele mit freudigem Tief⸗ ſinn. Und ihr deucht es, ſie hoͤr', Allaͤchtiger, deine Stimme Durch der Himmel Jeruſalem ſanft mit des Thro⸗ nes Kriſtallſtrom Rauſchen, und durch die Wipfel der Lebensbaͤume ſie wehen. Und Melchiſedeck ſank ſtets tiefer in dieſer Entzuͤ⸗ ckung Suͤße Ruh. Es vergingen um ihn die Erd' und der Himmel, Gott nur, und er vergingen nicht. Ungeſchaffen erhub er Aus dem Staube ſich, ſtand, ſank wieder hin auf das Antlitz, Und verſtummte; doch nannten ſein Auge voll be⸗ bender Thraͤnen Jeſus! und die gefalteten Haͤnde Jeſus, den Mittler! Auf der Ebne, wo ſie, durch deinen Boten, o Allmacht! Aus der gluͤhenden Tiefe gefuͤhrt, herauf in das Leben Kamen, allen ein Anblick des Schreckens und Grauns und Entſetzens, 44 Der Meſſias. XI. G. V. 571— 585. Die, wenn nun die Aſoor, der Geſang, die Floͤt', und der Pſalter, Wenn die Cymbale, dein Jauchzen, Drommet'! und Poſaune! dein Donner Raſten, die dann um das glaͤnzende Bild zu der Erde ſich ſtuͤrzten, Auf der Ebne hatten ihr Grab die Gerechten Aſarja, Miſael, und Hananja in Einen Felſen gehauen. Ferne nicht lag von dem Grabe der goͤttlichglaubens den Helden Eine große Truͤmmer, das Bild! Einſt hatt' es der Koͤnig, Welchen hinab zu den Thieren der Herr von Ba⸗ bilons Hoͤhn ſtieß, Unter die Wolken geſtellt, wie er in dem Traum 3 es erblickte. Koͤnigreiche, des Bildes Bedeutung, unterge⸗ gangne Koͤnigreiche noch liegen ſie, Eine große Truͤm⸗ mer! Miſael, und Hananja begruben Aſarja, und freuten Sich der Auferſtehung, als ſie den Geliebten be⸗ gruben. Dich, Hananja, begrub der einſame Miſael, troſt⸗ voll, Und erquicket von dem Gedanken des naͤheren To⸗ des. Eilfter Geſang. 45 XI. G. V. 586— 599. Jetzo ſuchte ſein Aug' in ihrem Grabe der todten Aſche; ſelbſt des Ünſterblichen Auge ſuchte verge⸗ bens. Gleichwohl ſchwung er ſich, voll von Gefuͤhl der freudigſten Hoffnung, Aeber die hohen Graͤber empor, und ſang in der Wonne Seiner Seele nach den Geliebten hinab, und gen Himmel, (Oft wird Rede nicht, wird Geſang der Unſterbli⸗ chen Stimme, Wenn in ihnen ſich heißere Glut der Empfindung ergießet.) Sang mit dem wehenden Rauſchen Euphrates. Nicht wie der Menſchen Unbeſeelteres Ohr es vernimmt, wie es Himmliſche hoͤren, Wenn ein fliegender Strom an ſeinen Ufern hin⸗ abhallt, Hoͤrten die beiden die Stimme des Stroms, und Miſaels Stimme: Dennoch werden wir einſt aus dieſen Graͤbern hervorgehn! Ja wie weit, o Verweſung, du auch in die Tiefen der Schoͤpfung Unſeren Staub zerſtreuteſt; in deinen donnern⸗ den Strudeln, 46 Der Meſſias. XI. G. V. 600— 614. Ocean, dort fließ' er! in deinen Strahlen, o Sonne, Schweb' er! ihn ſchuf einſt Gott! unſterbliche See⸗ len bewohnten Dieſen Staub ihn wird, ihn wird der Allmaͤchtige ſammeln! Ueber ihm ſtehen, und ihm das neue Leben gebieten! Erde nahm der Allmaͤchtige, ſprach zu der bebenden Erde: Werd' ein Leib des Menſchen! er wards! Den Staub der Verweſung Wird der Allmaͤchtige nehmen, ihm Leib zu werden gebieten! Halleluja! dann wird erwachen der Staub der Ver⸗ weſung! Rauſchen werden die Stroͤme! die Stuͤrme brauſen! das Weltmeer Bruͤllen! beben die Erde! der Himmel donnern, und Nacht ſeyn! Maͤchtiger, als das fliegende grauenvolle Getoͤſe, Wird die Poſaune rufen, die Todtenerweckerin ru⸗ fen! Auferſtehen werden alsdann, die liegen, und ſchla⸗ fen! Leiſer toͤneten ihm die letzten Laute. Vom Tode Stand er auf! vom Tode bei ihm die himmliſchen Freunde! Eilfter Geſang. 47 XI. G. V. 615— 628. Der, wie ſchnelle Parden, wie Adler im Flug zu dem Aaſe, Deine Roſſe, Chaldaͤa, erblickte; die eilenden Rei— ter Rafften Gefangne zuſammen, als Sand! ſie lach⸗ ten der Fuͤrſten, Und der Koͤnige ſpotteten ſie! ihr Fuͤhrer war trun⸗ ken Erſt von ſeinem Grimm, gleich unerſaͤttlich dem S Grabe, Dann von dem Taumelkelche des Raͤchers! der auch den Raͤcher In der ſchreckenden Herrlichkeit ſah, mit der er vom Paran Kam! Die Peſt ging vor dem Gefuͤrchteten her, wo er hintrat, Elend! Er maß das Land, wie weit die Zerſtoͤres rin wuͤthen, Wo ſie ſtillſtehn ſollte! Die Huͤgel mußten ſich neigen, Da der Herrliche ging! bang ward den Bergen! 3 der Strom fuhr Eilend dahin! da buͤckte die Tiefe ſich, und die Hoͤhe Hub die Haͤnd' auf! Sonn' und Mond, ihr ſtan⸗ det! da fuhren Seine Pfeile mit Glaͤnzen dahin, mit den Blicken des Blitzes — 48 Der Meſſias. XI. G. V. 629— 642. Seine Speere! der ſo den maͤchtigen Helfer in Juda, Siehe, den Wiedervergelter in ſeiner Herrlichkeit ſchaute, Deſſen Kraft war auch jetzo der Herr! Der Ret⸗ tende fuͤhrt' ihn Aus dem Grab' in die Hoͤh'’! Und Habakuk pries den Erwecker! Sanft ertoͤnte ſein Saitenſpiel an dem offenen Grabe: Nicht der Feigenbaum nur gruͤnt, der freudige Wein⸗ ſtock Nicht allein, und die Arbeit am Oelbaum weit in den Thalen! Auch die unſterbliche Saat ſteht hoch, der Ewigkeit Erndte! Schimmernd reifte ſie auf in dem frohen Garben⸗ gefilde! Voll iſt von deinen Preiſen der Himmel, Sela! die Erde Deine Ehren! Du dachteſt an uns, Barmherziger, als wir „Hutien bis zu dem Hefen den Kelch des Todes ge⸗ trunken! Ganz die Berunzjung geſehn! Drum freu' ich mich deiner, Erretter! Und bin froͤhlich in Gott, der mir in Ewigkeit Heil iſt. Wie, Eilfter Geſang. 49 XI. G. V. 643— 656. Wie, wenn in Wolken ringsumher ſich der Himmel gehuͤllt hat, Und ſtets ernſtar der forſchende Blick des Erwarten⸗ den aufſchaut, Wie auf Einmal ſich dann die Flamme des Herrn aus den Wolken Stuͤrzt, und im Donnerſturme den Preis des All⸗ maͤchtigen ausruft! Aiſ entriß Jeſajas der Nacht des Todes ſich, ſtrahlte Ueber dem Grabe! ſo rief er Dank dem Erſchaffer aus Staube! ₰ Unter den Truͤmmern und Graun der großen Babylon, die ſich Nebukadnezar erbaute zu ſeiner Herrlichkeit Ehren; Aber in der die Stimme des heiligen Waͤchters auch toͤnte: Weggenommen iſt dir dein Reich, und hinab zu den Thieren Biſt du verſtoßen! unter den veroͤdeten Truͤmmern Lag deß Aſche, dem Gott mit ſehr viel Zukunft ſtrahlte, Daniels. Und er ſuchte ſein Grab. Wo find' ich, o Seraph, In der großen Zerſtoͤrung mein Grab? Sie ſchweb⸗ ten voruͤber Klopſt. Meſſias I1I. B. D ute Aufl. Der Meſſias. XI. G. V. 657— 671. Neben naͤchtlicher Voͤgel Geſchrei, und dem Ziſchen der Drachen, Und geſunknen Pallaͤſten. So gar der Araber hatte Keine Huͤtten hier, ſein Sklav hier kein Gehege. Jetzo fand der Engel das Grab. Mit Waſſer und Schilfe War es bedeckt. Ein mooſiger Grabſtein ragte dar⸗ uͤber Unter wehenden Schilfen hervor. Und Daniels Seele Dacht' an das Schickſal vieler zuruͤck, die lange ſchon ſchliefen, Jenes zuruͤck, der hoch mit ſtolzem Wipfel gen Himmel Stand, ein großer Schatten der Muͤden, und dumpf 4 hinſtuͤrzte, Als es: Hauet ihn um! von dem Himmel erſcholl. Der lernte! Aber der andere nicht, ſein Sohn. Der ſtolzere wollt' es Niemals lernen, daß Gott der Koͤnigreiche Gewalt hat, uUnd, wie er will, die Koͤnige ſtuͤrzt. Drum ging ihm die Hand auch Gegen den goldenen Leuchter hervor, drum ſchrieb ſie den Tod auch: Koͤnig! die Jahre deiner Gewalt ſind gezaͤhlt und vollendet! Eilfter Geſang. 51 Xl. G. V. 672— 635. Siehe, gewogen hat dich auf ſeiner Wage der Rich⸗ ter! Und zu leicht dich gefunden! dein Reich iſt getheilt, iſt dem Meder, Und dem Perſer gegeben! Den ſtolzen, und die Genoſſen, Huͤgel, die mit dem Berge zur Zeit der Zerſtoͤrung verſanken! Ließ, wie erſcheinende Schatten, vor ſich des Heili⸗ 5 gen Seele Schnell vorbeigehn. Aber itzt war das Ende der — Tage Auch fuͤr Daniel da. Der Liebling Gottes erwachte, Schwebt', und ſtrahlet' herab auf Babylons liegen⸗ de Truͤmmern, Wie von dem einſamen Himmel der Stern der, Daͤmmrung herabſtrahlt. Thraͤnen ſaͤet' er einſt, und erndete Freuden, Hilkia's Zaͤrtlicher Sohn, als er mit des neuen Lebens Em⸗ pfindung Ueber dem Grabe ſtand, und ganz unſterblich ſich fuͤhlte. Jener Hirt zu Thekoa, der unter den Huͤtten der Einfalt Den doch kannte, der hoch an dem Himmel ge⸗ macht den Arctur hat, D 2 52 Der Neſſias. XI. G. V. 686— 699. Und den Orion! er ſah die Auen jammervoll lie⸗ gen; Und den Karmel oben verdorrt! und Kirioths Fe⸗ 4 ſten Von dem dampfenden Fluge der Flamme verzehrt! im Getuͤmmel Moab,(Lirioth ſank) im Geſchrei vergehn, und Poſaunhall! Sah der Truͤmmern und Tode noch mehr in Ju⸗ da's Gefilden, Bethels Altar, und der Herrſcher Pallaͤſte ſinken! der Theurung Wuͤthende Auul⸗ und eiſern, und ohne Regen den Himmel, Ach nur Wolken des Staubs! drei Staͤdte zu Einer 3 1 um Waſſer Ziehn, und ſich duͤrftig letzen! das Schwert die Juͤnglinge freſſen, Und die Tode der Peſt! Von dieſen Geſichten des Elends Hingeſtuͤrzt, ging Amos hinauf zu den Freuden der Todten, Gern von Lebenden weg, die ſchon die Erfuͤllung ereilte. Jetzo erwacht' er, zu ſehen das Heil des Suͤnde⸗ 5 verſoͤhners In der Unſterblichkeit Leibe, den Himmel eiſern dem Durſte Eilfter Geſang. 53 XI. G. V. 700— 713. Derer nicht mehr, die nach der Erkenntniß des Hei⸗ ligen lechzten. Hiob hatte ſein Grab mit kuͤhlen Schatten umpflanzet, Und er ſchwebt' in dem wehenden Hain. Jetzt ſchienen die Felſen Seines thuͤrmenden Grabes vor ihm ſich nieder zu ſenken, Jetzo ſanken ſie! Schnell entſtiegen den ruhenden Felſen Wolken wallenden Staubes, doch blitzte Glanz aus dem Staube, Anderem Staub', und anderer Glanz, wie er je⸗ 4 mals geſehen! Da er ſich freute der neuen Erſcheinung mit frohem Tiefſinn, Sank er entzuͤckt in den ſtrahlenden Staub! Ihn ſahe ſein Engel, Wie er unter der Hand des Allmaͤchtigen wurde! Der Seraph Hielt ſich nicht, rief gen Himmel, in ſeiner Wonne gen Himmel, Daß vor des rufenden Stimme der Hain und die Felſen erbebten! Hiob empfand es, er war, er war von neuem er⸗ ſchaffen! Hielt ſich nicht, rief gen Himmel, mit ſtuͤrzender Thraͤne gen Himmel, 34 Der Meſſias. XI. G. V. 714— 727. Daß vor des rufenden Stimme der Hain und die Felſen erbebten: Heilig iſt, heilig, heilig der, der ſeyn wird, und⸗ ſeyn wird! Truͤbe war noch der Himmel um Golgatha⸗ Naͤchtliche Wolken Ueberwoͤlbten die Thaͤler und Hoͤhn, des ſoͤhnenden Opfers Ganzen Schauplatz, ſo weit der Menſchen Auge den Huͤgel, Wo das Kreuz des Getoͤdteten ſtand, zu ſehen ver⸗ mochte. Starr, mit tiefgeſunkenem Haupt, die heilige Schlaͤfe „Mit der Krone der Schmach bedeckt, im Blute, das auch ſtarr Stillſtand, jetzo nicht mehr um Gnade zum Rich⸗ tenden rufte, In die Himmel der Himmel hinauf, um die Gna⸗ de des Vaters! Hing dein Leichnam, o haͤtt' ich Namen, dich wuͤr⸗ dig zu nennen! Hing dein Leichnam, nicht Thraͤnen, und nicht des bebenden Stimme 1 Nennet dich! hing an dem hohen Kreuz dein Leich⸗ nam herunter. Auch der leiſeſte Laut der Luͤfte verſtummt' um den Todten, Eilfter Geſang. 5⁵ XI. G. V. 728— 741. Erd' und Himmel verſtummten. Von Menſchen verlaſſen, einſam Lag der Huͤgel. So liegt ein Schlachtfeld von der Erſchlagnen Nun begnadigten, oder gerichteten Seelen ver⸗ laſſen. Unverwendet blickte der mitgekreuzigte Juͤngling Auf den Todten, obgleich in ſchwerem Schlummer ſein Auge Dunkel zu werden begann. Du biſt geſtorben! ge⸗ ſtorben! Du, den meine Seele, ſo ſehr ſie zu lieben ver⸗ mag, liebt!. Und nun bin ich allein in dieſem Tode der Mar⸗ ter! Ach gern will ich es leiden, will alles, alles er⸗ dulden, Denn du haſt viel mehr gelitten, viel mehr, wie ich leide, Aber verlaß du mich nicht, wie dein Gott dich ver⸗ ließ! Ich vertiefe Mich vergebens in den Gedanken, durchforſche ver⸗ gebens: Gott, dein Gatt verließ dich! Erſtaunungsvoller, als alles, Was mich jemals erſchreckt, iſt dieſer zu ernſte Ge⸗ danke! 56 3 Der Meſſias. XI. G. V. 742— 755. Koͤnnt' ich nur noch ſtammeln! ihr treuen Weni⸗ gen, wuͤrdet Mirs antworten, ob ihr ihn ſahet, aks er es zu Gott rief? Ob ihr ſahet ſein Haupt empor ihn richten? ſein Auge Nach dem Himmel ſtarren? des rufenden Angeſicht ſahet 2 Seine donnernde Stimme, mit der er rufte, ver⸗ nahmt ihr! Koͤnnt' ichs euch ſtammeln! Um mich vergingen Himmel und Erde! Und es entſtroͤmte mir heißeres Blut! ich glaubt', ich ſtuͤrbe! Ach! ſie ſehn mitleidig mich an! Ihr Sanften! ihr Frommen! Weinen kann mein Auge nicht mehr; es wuͤrd' euch beweinen! Dich vor allen, o Mutter! Verlaß ſie nicht, wie dein Vater Dich verließ! ach mich, verlaß mich ſo nicht, Er⸗ barmer! Alſo dacht' er und rang mit dem Tode. Gottes Erleuchtung Ueberſtrahlt' ihn jetzt heler. Den Zweck des goͤtt⸗ lichen Opfers, Daß des Geopferten Blut in das ewige Leben ge⸗ quollen, Eilfter Geſang. 5„ XI. G. V. 756— 769. Gott verſoͤhnet ſey! lehrt' ihn der Geiſt des Sohns, und des Vaters! Und er erſtaunte, wie nur zu erſtaunen vermag, wen Gott lehrt. Von Pilatus, ihn hatten die Hohenprieſter gebeten, Nicht bis die Uebelthaͤter den Tod der Kreuzigung ſtuͤrben, Nicht zu warten, ſie jetzt zu toͤdten, ſie jetzt zu begraben, Daß der Verfluchten Gebein des Paſſa Feſt nicht entweihte! Darum kommt von Pilatus ein Sklav, und er eilt, und er redet Mit dem Hauptmann. Dieſer gebeut. Schnell faſ⸗ ſet der naͤchſte Eine Keule voll Bluts von vieler Gekreuzigter To⸗ de, Nahet ſich eilend, und ſchon begleiten ihn ſeine Ge⸗ noſſen, Haͤlt fie mit dem nervichten Arm hoch uͤber dem Haupte: Stirb! und ſchmettert nieder; da brach das Gebein des Verbrechers, Da erſcholl von der Wurzel das Kreuz bis hinauf zu dem Wipfel. Und der begnadigte Juͤngling vernahm des erſchuͤt⸗ 4 terten Kreuzes 58 Der Meſſias. XI. G. V. 770— 783. Dumpfen Schall, den Verkuͤndiger ſeines nahenden Todes! Sanft klang ihm die prophetiſche Stimme des na⸗ henden Todes! Und ſchon wandte der Roͤmer ſich, ging mit ſtar⸗ rendem Graun Vor dem Kreuz in der Mitte vorbei. Denn Göt⸗ ter der Rache Schwebten, ſo daucht' es ihm, ſchwebten um die⸗ ſes Kreuz in der Mitte! Und er kam zu dem Juͤngling; der blickte mit Ruh' auf ihn nieder. Und der Kreuziger, ſchnell des Juͤnglings Qualen . zu enden, Stuͤrzte mit allen Kraͤften, die ihm der haͤrtende Krieg gab, Auf ſein muͤdes Gebein die blutige triefende Keule Aechzend nieder: da brachs, und ſchuͤtterte, blutete; krachend Hallte das Kreuz! Herauf von der Wurzel ſtaͤubte die Erde, Ringsumher erbebten der Hingerichteten Schaͤdel. Endlich ging er noch Einmal, allein mit ſaͤumen⸗ dem Fuße, Nach dem Kreuz in der Mitte, und ſtand, und ſah auf den Leichnam, Eilfter Geſang. 59 xl. G. V. 784— 797. Rufte dem Hauptmann zu, der unten am Huͤgel voll Tiefſinns Langſam ging, er rief: Bei den Goͤttern! er iſt geſtorben! Ihm antwortet der Hauptmann: Ich weiß, daß er todt iſt, doch nimm du Einen Speer, und durchſtoß ihm das Herz! So ſagt'’ er, und wandte Wieder ſich weg, und blickte mit truͤberem Ernſt auf die Erde. Schon erhub ſich der blinkende Speer, ſchon zucket' er ruͤckwaͤrts, Eilender vor, und drang in die Seite des goͤttli⸗ chen Leichnams! Waſſer entquoll, und Blut der Seite des goͤttlichen Leichnams. Jetzo ſahn die verloͤſchenden Augen des ſterbenden Juͤnglings, Aber nur fern, ſo daucht' es ihm, nur in truͤben⸗ der Daͤmmrung, Noch dieß Blut aus dem Leichnam des heiligen . Dulders rinnen. Und es brach ihm ſein Herz. Indem der Leib und die Seele, Nicht zu ſcheiden, dir nicht, o Tod! zu weichen, noch ringen; Ch des ſtarken Bands der Natur unerforſchte Ge⸗ webe 60 Der Meſſias. XI. G. V. 798— 811. Alle zerriſſen, empfindet des ſterbenden Seele ſo, denkt ſo, Oder iſt ſich bewußt; doch Worte menſchlicher Spra⸗ chen Streben umſonſt zu ſagen, wie Seelen der Ster⸗ benden handeln. Nun, nun.. Ach, auch meiner erbarme dich! Dei⸗ nes Blutes, Um des Todes willen, den du fuͤr alle!. Verließ dich, Gott! Gott! Gott verließ dich! Erbarme dich aller! meiner! Ja, um deiner Geburt, um deiner Duldungen willen In dem Gericht! um deines verſoͤhnenden Todes am Kreuze! Deiner Auferſtehung! und der Erhebung zum Va⸗ ter! Ach des Todes, des Lebens willen!. Du biſt es, du biſt es! Amen, Amen! du biſt der Vollender! und einge⸗ gangen, Hoherprieſter, ins Allerheiligſte! Deine Verſoͤh⸗ nung, Gottverſoͤhner, iſt ewig! Wie duͤrſtete Jeſus Chri⸗ ſtus! Suͤnde gemacht und Fluch, wie duͤrſtete Jeſus, mein Retter! Eilfter Geſang. 6¹ XI. G. V. 312— 825. Hoͤr' ich: Es iſt vollendet! allmaͤchtige Stimme, dich wieder? Todeshuͤgel, mein Grab, du warſt ſein Altar! O freu dich Deiner Verweſung, zermalmtes Gebein! Hier wirſt du verweſen! Als er ſo in der Tiefe des Herzens flehte, da nahte Abdiel ſich, und ſchwebt' um ihn mit leiſerem Fluge, 1 Blicket ihn an. Schnell ward des Unſterblichen Angeſicht heller; Alſo ſegnet' er ihn zu dem Tod' ein: Quelle des Lebens! Unausſprechlicherer Barmherzigkeit, hoͤherer Gna⸗ den Geber, als je der Menſch und der Engel verſtan⸗ den, und baten, O des Richters der Welt Verſoͤhner mit denen, die fielen! Sey die Stunde mit ihm, von der ſelbſt Engel er⸗ bebten, Wenn ſie durch dieſe gefuͤrchtete Nacht zu dem Ewi⸗ gen gingen, Wandl' in dem finſtern Thale mit ihm, und laß 1 ihn die Wonne Deines Lebens von fern, und ſeiner Vollendung erblicken! Der Meſſias. XI. G. V. 326— 339. Abdiel ſegnet' ihn ſo. Noch flehte des ſter⸗ benden Seele: Gott! du Liebe, die ewig liebt! Gerettete Seele, Stamml' es nicht! du ringeſt vergebens hier noch zu danken. Herr! Herr! Gort! barmherzig, und gnaͤdig, und treu, und geduldig! Gott! Verzeiher der Suͤnde, der Miſſethat, des Verbrechens! Herr! in deine Haͤnde.. Ach Schaaren des Para⸗ dieſes! Und in hellem Gewande!... Wie wehn die Pal⸗ men der Sieger! Herr! Herr! Gott! barmherzig, und gnaͤdig, und treu, und geduldig! Herr! in deine Haͤnde befehl' ich.. Jetzo nicht laͤn⸗ ger! Laͤnger nicht weilen, verſoͤhnte, gerechte, begnadigte Seele! Mittler! in deine Haͤnde befehl' ich.. Er ſtarb⸗ Da verließen Mit der Seele die feinſten noch abrigen Leben die Leiche, Nun die Huͤlle der Seele zu werden, dereinſt die Verklaͤrung Ihres verflogenen Staubes, wenn ihm das nahe Gericht ruft⸗ Eilfter Geſang. 63 XI. G. V. 340— 353. Alſo dachte die Seele: War dieß der Tod? O ſanfte, Schnelle Trennung, wie ſoll ich dich nennen? Tod . nicht! es heiße Tod dein Name nicht mehr! Und du, du ſelbſt der Verweſung Fuͤrchterlicher Gedanke! wie ſchnell biſt du Freude geworden! Schlummere denn, mein Gefaͤhrt in dem erſten Le⸗ ben! verweſe, Saat von Gott geſaͤt, dem Tage der Garben zu reifen! Ja, verweſe! Wie viel, und welche Leben empfind' ich! Dieſe koͤnnen nicht ſterben! die neuen Leben nicht ſterben! Abdiel hielt ſich nicht mehr. Er hatte des Juͤnglinges Seele, Wie mit himmliſchem Glanz ſie bekleidet wurde, geſehen. Und er kam ihr, ſtrahlend vor Wonne der innig⸗ ſten Liebe, Strahlend vor hoͤherer Wonn' entgegen, daß ſie er⸗ . loͤst ſey! Thraͤnen rannen vom Auge des Himmliſchen, als ihm der Suͤnder, Welcher Buße gethan, und Gott ſich geheiliget hatte, 64 Der Meſſias. XI. G. V. 354— 867. Auch entgegen eilte. So ſprach zu dem Engel die Seele: Knecht des Hoͤchſten! denn du biſt einer der Seligen Goktes, Deine Hoheit und Ruh, die aus deinem Angeſicht leuchten, Sagen es mir! als dich mein werdendes Auge von fern ſah, Deines ſchwebenden toͤnenden Ganges melodiſches Rauſchen Dort mir ſcholl, da erſchrack ich freudig! Du ſier heſt, ich bebe Noch vor dir; allein Entzuͤckung iſt, Seraph; mein Beben! Und in die Zukunft tief verloren, ſagte der Engel: Komm, du erſter Todter, den Chriſtus Opfer ver⸗ ſoͤhnet, Du, der ſpaͤt zu Gott, erſt in dem Gefäͤngniß, ſich wandte! Gnad' am Altare ſelber empfing! du, kuͤnftiger Suͤnder Weisheit verlaſſene Hoffnung! Und nach dem Tod' ihr Entſetzen! Komm, was dir der Verſoͤhner verhieß, wird jetzo erfuͤllet! Denn ich fuͤhre dich hin zu den Freuden des Para⸗ dieſes. Alſo Eilfter Geſang. 6⁵ XI. G. V. 868— 8381. Alſo ſprach er, und eilte. Die Seele folgte dem Seraph. Er, deß Angeſicht ſtrahlte, da er von des Ewi⸗ gen Anſchaun Nieder am Sinai kam, ſo ſtrahlete, daß er dem Volke Sich verhuͤllen mußte; der, weil er nur Einmal nicht glaubte, Und ihm nicht ſchnell in dem naͤchtlichen Augenblicke der Fels quoll, Kanaan auch von fern, von dem Nebo nur Kana⸗ an ſahe, Moſes ſchwebt' itzt allein an ſeinem einſamen Grabe, Und kein Engel um ihn. Er hatt' in dem Leben der Pruͤfung Feinen⸗ gehabt. So groß war der, der ohne zu ſterben, Gottes Herrlichkeit ſah. Er ſchwebte vertieft. Vor ihm flohſt du, Wie ein erſcheinender Schatten, ſein Erdeleben; voruͤber. Pharao, Pharao, lange ſind von deinem Gebein ſchon, Und von deiner Heere die Schilfgeſtade nicht weiß 3 mehr. O wie ſtuͤrzten die Mauren des Meers! Wie ranſcht⸗ der Sturmwind Klopſt. Meſſias IMI. B.( qte Aufl. 66 Der Meſſias. XI. G. V. 882— 895. Hergeſandt aus der wolkenerreichenden Flammen⸗ ſaͤule! und wie ſank Aegyptus zum Tod' hinab! wie be⸗ grub ſie Gott! Auch dort, und da, dieſſeit, und uͤber den Huͤgeln Füͤhrten uns ſeine Wolken, und ſeine Feuer. Da ſchlug Gott, Amalek, dich; ſo lange ſie mir die Arme gen Him⸗ mel Hielten: und Iſrael; ſanken ſie mir. Dort brannte der Buſch mir! Heilig, Staͤte, biſt du! Ach langſam wurdeſt du, * Quelle, Fels! Wie war, Abiram, dir, Dathan, und Ko⸗ rah, wie war euch, Als die Erd' euch verſchlang? Da bruͤllte die Hoͤlle Triumph auf! Ja, er iſt es! du biſt des Donnerhalls, der Po⸗ ſaunen Berg! biſt Sinai! Groß biſt du, o Wuͤſte, biſt aller, Welche vom blutigen Strom durch das Meer der Maͤchtige fuͤhrte, Großes Grab! Und Nebo iſt meins! Ach ſtrahlt nicht Garizims Hoͤh aus Kanaan her? und Golgatha's ewiger Al⸗ tar? Eilfter Geſang. 67 XI. G. V. 896— 909. Golgatha's blutiger, heilerfuͤllter, ewiger Altar! Sangen am Nebo die Engel herauf, durch die des Geſetzes. Bund der Ewige ſandte, ſie glaͤnzten, wie Orione Kamen, umſchwebten das Grab, und hielten die goldenen Harfen Hoch gen Himmel, und doͤnten, und ſangen: Se⸗ gen Ganizims Haben wir nicht, nicht Leben der Zeit; des Gol⸗ gatha Segen Haben wir! Moſes, Aarons Gott, was ſaͤumet dein Leichnam? Staub, du ruheſt, ſteh auf in das Leben, dir ruft der Verſoͤhner! Und in leiſem und ſanftem, in himmliſchem Harfengeliſpel Schlummert' er hin; und erwacht' in Poſaunenhall! Es erbebte Nebo von jeder Todtenweckerin, wenn ſie ins Grab ſcholl. Feierlich beugte ſein Knie, und ſank der herrliche nieder, Anzubeten, und lang' erhub ſein Wonnegebet ſich, Lange ſein Preis; kein Engel hielt ihm die Arme 3 gen Himmel. E 2 68 Der Meſſias. XI. G. V. 910— 924. Auch der Koͤnige Grab bewegte ſich. David erwachte, Ach gluͤckſeligkeitsjatt, und nach dem herrlichen Bilde, Siehe des Unverweſenden, deſſen der Auferſtehung Hoher Triumph auch harrte, des Erſtlings unter den Todten! Als in dem dunkeln Gewoͤlbe der Sohn Iſai's da⸗ herging, Und bei ihrem Gebein die Seele Salomo's ſahe, Blieb er bei ihr, wie er ſchimmerte, ſtehn. Der Sohn erſtaunte, Ueber den auferſtandnen, der unerwachte. Da eil⸗ . ten Engel zu ihnen ins Grab, und Auferſtandne. Sie riefen: O ſie erwachten vom Todte! Ja wir erwachten vom Tode! Unſer duͤrres Gebein, rief Abraham in der Entzü⸗ ckung, Hoͤrte die Stimme des Herrn, wir erwachten, ihn zu empfangen, Ganz unſterblich, wie er, wenn er nun ſelber her⸗ aufſtrahlt. Vater des uteüihen Todten, auch du biſt, David, erkohren, Um die Ceder Gottes, ein Fruͤhlingsbaͤumchen, zu9 gruͤnen, Eilfter Gefang⸗ 69 XI. G. V. 925— 939. Und zu liſpeln im Hauche des ſanften Saͤuſelns vom Himmel, Wenn ſie nun ihren Wipfel bis in die Wolken em⸗ - porhebt. Aber, Gabriel ſprachs, o Seele Salomo's, weine, Du begnadigte, nicht, dich wird dein Staub nicht bekleiden, Wenn die Ceder Gottes des Fruͤhlings Erſtlingen ſchattet. S. Weinen? den er mit ſo viel Gnade der Him⸗ mel bekroͤnt, ich, Der aus ſolchen Irren herauf zu der Rettung ge⸗ fuͤhrt ward! Ruhe bis zu dem Tage der groͤßeren Erndte des Lebens, Mein verweſend Gebein! und wenn dieß Todtenge⸗ woͤlbe Dich nicht mehr zu halten vermag; ſo wehe, zerſtreuet, In den Luͤften ein Duft, in der ſanften Kuͤhlung am Abend, Unter dem ſchimmernden Monde, ſo lang' er Sterb⸗ lichen leuchtet. G. Auch den kuͤnftigen Chriſten wirſt du, antwor⸗ tet der Engel, Nicht erſcheinen. Denn nur die Auferweckten er⸗ 4 ſcheinen. S. Aber ich ſeh die Erſcheinungen doch, und ich freue mit denen, 70 Der Meſſias. XI. G. V. 940— 953. Die erſcheinen, und welchen die hohen Erſcheinun⸗ gen ſtrahlen, Mich der Freuden des Himmels! G. Die warten, ſeliger, deiner! Endigte Gabriel; und ſie verließen der Koͤnige Graͤ⸗ ber, Mamre zu ſehn, und die Auferweckten im Schatten des Haines. Aber noch ſtand Hiskia nicht auf. Der Be⸗ zwinger des Sera Durch die Schrecken des Herrn, ob ſein Heer gleich zahllos heraufzog, Afſa erwacht'; auch der, dem Volke zu predigen, 4 zweimal Durch Judaͤa von Berſeba zog bis Ephraim, alle Seine Fuͤrſten mit ihm, und die Prieſter Gottes, und dem dann Heil, wie keiner empfing, Gott gab! Denn Jo⸗ S ſaphat fuͤhrte Gegen die Feinde ſein Heer mit Loben in heiligem Schmucke, Und mit Pſalmen, und Preiſen, und großem Ge⸗ ſchrei gen Himmel, Nicht zu ſchlagen! ſchon jetzt zu danken dem Ret⸗ ter, der bald nun Kommen wuͤrde, zu ſiegen, und bis zu der Wuͤſte mit Haufen Eilfter Geſang. 71 XI. G. V. 954— 968. Tedter Feinde(da war kein Entrinnen!) die Erde zu decken! Auch Uſia erwacht' in ſeinem einfamen Grabe; Und in der Koͤnige Graͤbern ſein Sohn, mit die⸗ ſem der ernſte Fromme e Tinatageeſn der eifernde Goͤtzenzer⸗ ſtoͤrer. Auch barmherzig war er. Die Saͤngerinnen und Saͤnger Weineten ihn, der Benjaminit, deß Thraͤn' auch auf Salems Truͤmmer fiel, am herzlichſten! ach, ſie weinten, den Necho's Bogen trafen! in ſanftem, in daurendem Liede voll Klage! Denn noch ſang es die Enkelin. Die fuͤnf' erſtanden All' auf Einmal, und ſchnell, fuͤnf himmelfallende Blitze! Aber nech ſtand Hiskia nicht auf. Ein En⸗ gel des Abgrunds, Nisroch, ein Goͤtze vordem, und Sanheribs Geiſt entſchwebten Langſam jetzo Libanons Hoͤhn. Den Eroberer mußte Nisroch h krauf von der Hölle zum Grabe der Koͤ⸗ 3 ge Juda's Fuͤhren. S. Wer zwingt uns hinauf? ſprach ſchnell zu dem Götzen der Wuͤrger. 22 Der Meſſias. XI. G. V. 969— 982. N. Sanherib, haͤtt' ich gehorcht, waͤr' es nicht ein Engel des Todes, Der den Befehl uns brachte, geweſen? Du hoͤr⸗ teſt ihn reden. War ſie die Donnerſtimme nicht eiſern, mit der er uns zurief 2 Schnell woie Blitze? Mehr Tod iſt der Tod, daß dieſe ſo furchtbar ein, ſo unwiderſtehlicher Macht! S. Du ſchwa⸗ cher, dem Opfer Bluteten! haben denn je dem furchtbaren Engel des Todes Opfer geblutet? N. Du ſchwaͤcherer, der dem Ge⸗ . horcher gehorchen, Fliehn muß, wenn er gebeut! fleuch, hochgeſchwoll⸗ ner Erobrer! Fleuch, und bete den Staub der todten Koͤnige Ju⸗ da's, Sanherib, an! Hohnſprecher des Maͤchtigen, der um die Naſe Ringe dir, in dein Maul Gebiſſe dir legt’, und des Weges, Den du verwuͤſtet hatteſt, zuruͤck dich fuͤhrte, du kenneſt „Alſo ſeinen Engel nicht mehr, dem ich heute ge⸗ horche? Kenneſt den furchtbaren nicht? der deine Heer' in den Schlummer Eilfter Gefang. 73 XI. G. B. 983— 996. Staͤrzt’, und weit umher das Gefild mit Leichna⸗ men deckte, Daß mit dem Wehn der kommenden Sonne gefluͤ⸗ 1 gelt Geſchrei ſchrie, Und der trunkene Blick der Adler Libanons 3 flammte! Den nicht, Goͤtterbezwinger zu Hamad, und Arpad? Wo ſind ſie Nun die Goͤtter zu Haran? und Rezeph? und zu Thalaſſar? Wo die Götter zu Sepharvaim? Sie ſind in der Hoͤlle, Dein zu ſpotten! Ich neide dein Gluͤck dir, daß du dem Hohne Dieſer bezwnghnn entronnen, und nur des todten Hiskia Staub zu kuͤſſen, heraufgeſendet biſt! Sanherib eilte. Und die beiden Geiſter des Abgrunds traten ins Grabmal, Wo Hiskias allein mit ſeinem Engel noch ſchwebte, Langſam herein. H. Warum entheiligen dieſe Ver⸗ worfnen, Engel Gottes, mein Grab? Wer ſind ſie? E. 3 Sanheribs Seele, Und ſein Goͤtze. Du wirſt, warum ſie kamen, erfahren. 74 Der Meſſias. Xl. G. V. 997— 1010. Sanherib! kenneſt du dieſe verklaͤrte Seele? S. Wie kenn' ich, Ich ungluͤcklicher alle die Soͤhne des gluͤcklichen Schickſals? E. Ungläͤckſeliger, weil du ein Boͤſer wareſt, er iſt es, Der in den Staub vor ihm ſich buͤckte, welchem du Hohn ſprachſt! Der auf Gott ſich verließ, da deine Schaaren, wie Stroͤme, Kamen! Du kennſt die Gerichte, die ſchon auf der Erde dich trafen! Dann die folgten! und nun folgt dieſes: Der dir ſo klein ſchien, Daß du ihn kaum verachteteſt, mehr dem Maͤchti⸗ gen Hohn ſprachſt, Auf deß Rettung allein der erhabnere Koͤnig ſich ſtuͤtzte, Sanherib! den ſollſt du in neuer Herrlichkeit ſehen. S. Hab' er ſeine Herrlichkeit doch, die alt' und die neue! Laß mich in meine Tiefe nur fliehn! Was geht mich Hiskias, Oder das ewige Licht, was niich, den Genoſſen der Nacht, an? Laß mich, Tirann des Himmels, entfliehn! E. Nah gehn die Gerichte Eilfter Geſang. 75 XI. G. V. 1011— 1024. Gottes dich an, du ſtolzer! Hier ruhet ſein Staub; und der deine Liegt von Ninive’s Truͤmmer belaſtet. Auch er wird erwachen, Aber dunkel, und jammervoll, anders, als den du nun ſehn wirſt! Sührecken und Wuth ergriffen den blutigen Voͤlker⸗ bezwinger, Als ſich auf Einmal das Grab des erhabnen Hiskia bewegte, Und er eben ſo ſchnell in der neuen Herrlich keit da⸗ ſtand. H. Fleuch nun, Laͤſterer! fleuch, Hohnſprecher des Todtenerweckers! Rufte, bewaffnet mit blitzendem Strahl, Hiskia, was ſaͤumſt du? Fleuch in deine Tiefen hinab! Du haſt mich ge⸗ ſehen! Aber Sanherib war in des Grabmals Felſen ge⸗ wurzelt, Konnte vor Wuth nicht entfliehn. Da rief His⸗ kias heruͤber: Siehe, noch anderer Spott, als der vor der Flucht in den Tempel Nisrochs, wo deiner Soͤhne gehobene Schwerter 3 dein harrten, Anderer Spott kohnt jetzo dich! Sions Tochter im Himmel, 76 Der Meſſias. XI. G. V. 1025— 1038. Si mit der goldenen Krone des Heils verachtet dich, todter! Und die hohe Jeruſalem droben ſchuͤttelt ihr Haupt dir, Niedergeſtuͤrzter Verderber, nach! Denn wen, 0 du ſtolzer! Haſt du geſchmaͤht? dein Aug' erhoben, und deine Stimme Wider wen? Und Sanherib floh, und der Goͤtze zur Hoͤlle. David eilte zu Kis Grabmal' in Zela Benoni's: Denn ſo nennet' ihn Rahel, als ihr den Tod der Geliebte, Sie das Leben ihm gab; zu ſeinem Jonathan eilt' er. J. Ach du biſt es doch felber? du biſt, mein Da⸗ vid, es ſelber? Siehe, ſo ſind nur Henoch, und nur Elia! Wer biſt du, Vater des großen Todten, geworden! D. Der Staub in dem Grabmal Meiner Kinder und meinem bewegte ſich, ſiehe, da bin ich Auferſtanden! J. Du Vater des Gottgeopferten, Heil dir Auch zu dieſer Herrlichkeit! D. Du mein Jona⸗ than, wirſt auch Eilfter Geſang. 77 XI. G. V. 1039— 1052. Aufſtehn. J. Ich? bin ich der Vaͤter des Goͤttli⸗ chen Einer? O. Adam erſtand, und Noah, und Abraham. J. Sind ſie nicht alle Vaͤter des Mittlers? D. Auch Moſes erſtand! J. Wer kann ſich mit Moſes, Ihm vergleichen, der Arons Gott war? D. Auch ich bin erſtanden. Haſt du geſuͤndigt wie iche J. Das nicht; doch war ich ſo edel, Und ſo fromm als, David, du warſt? und uͤber das alles Stammet denn nicht der Meſſias von dir? Wie wenig verdient' ich, Und wie dank' ich dafuͤr, daß ich gewuͤrdiget wurde, Mit von dem Himmel herab zu kommen, und Jeſus zu ſehen. David! ich habe genug! ich hab' ihn ſterben geſe⸗ hen! Und mein Auge wird auch zum Triumphe des Herr⸗ lichen aufſchaun! Auch dadurch bin ich ſelig, daß du, mein David, zu mir kommſt. Wehmuth haͤtte beinah mich an dieſem Grab' er⸗ 3 griffen; Denn hier bin ich allein, und keiner von meinen Vaͤtern 7³ Der Meſſias. XI. G. V. 1053— 1067. Iſt mit mir, und keiner von meinen Bruͤdern; die meiſten Sind zwar ſelig, allein ach ruhet nicht hier ſein Gebein auch, Sauls? D. Du klageſt doch nicht, d du mein Jo⸗ nathan? J. David, Lieber wollt' ich vergehn! Ich klagen? machte mich Gott nicht Auch zum Erben des Lichts? Auf meines Vaters Gebein ließ Ohne Klag', ich nur die Eine Thraͤne noch rinnen. Rein vor Gott ſind ſelbſt die hohen Engel nicht, ſelber Unſre Seligkeit kann ein Woͤlkchen Wehmuth um⸗ ſchatten. D. Jetzo, mein Jonathan, darf nicht Wehmuth truͤben, denn Chriſtus Iſt geſtorben! Als er noch litt, traf mehr, wie nur Wehmuth, Unſere Herzen! und ſieh, es erwachen die erſten der Zeugen Seines Todes und Lebens! Indem rief Jonathan Engel: Trockne die Eine Thraͤne, die dir ſo ſpaͤt noch ge⸗ ronnen, Trockn' auch ſie! Er hatt's, mit der Stimme der Halleluja, Kaum gerufen, als Jonathan ſchnell in Schlummer dahinſank, Eilfter Geſang⸗ 9 XI. G. V. 1068— 1081. Eben ſo ſchnell vor David, nun ganz ein Unſterb⸗ licher, daſtand! Wer am Throne dereinſt die hohen Jubelgeſaͤnge Davids und Jonathans hoͤrt, der wird auch hoͤren⸗ was damals 1 Sie ſich ſagten, und was ſie ſich nicht zu ſagen vermochten. Gideon, der die Krone nicht nahm, die Juda ihm brachte,. Schwebt' in dem Glanz der Unſterblichkeit auf. So werden nicht glaͤnzen, Wenn das Rufen des ernſten Gerichts an dem Throne des Sohns reuft, Die aus dem Blut der Bezwungenen empor die . 4 ſchreckliche Krone Huben, und auf ihr Haupt mit dem Recht der Tirannen ſie ſetzten, Oder, beſſre Beſitzer, in jener Schlacht ſie ent⸗ weihten, Die nicht Schuldloſe rettet, und gern ſich dem Rich⸗ ter verbuͤrge! Aber ihres Blutes Geſchrei hat er vernommen, Und wird ihm, wenn er kommt„ laut anzuklagen 3 gebieten! Jetzt erwachte ſein ſtaͤubend Gebein des Tod⸗ 3 tenerweckers, 30 Der Meſſias. XI. G. V. 1082— 1096. Eh' er ſelber verwest war, Eliſa verließ, ſo verkaſſen Frommer Seelen den Leib, ſein deckendes Grab, und er eilte Purpurſtrahlend hervor, er allein ein Morgen des Fruͤhlings. Einſt, da weiß zu werden begann das Gebein des Prophetthn Trugen ſie einen Todten hinaus„Sund legten ihn nieder ⸗ In ſein Grab, ein jugendlich Weib, die Wonne des Mannes, Welchem ſie einen Sohn der Schmerzen ſterbend ge⸗ boren. Lange hatten ſie ſich geliebt, und beſaßen ſich endlich; Doch ſie ſtarb! Er weint' ihr nicht nach. In ſtummer Betaͤubung Ging er voran in dem Todtengefolge. Der Klagen⸗ den Eine Trug, der Gebaͤrerin Tod, den Knaben, der, ſchöͤn, wie der Roſen Früͤhe Knospe, zu blühen begann. Jetzt legten die Traͤger Auf Eliſa Gebein die Mutter des laͤchelnden Knaben. Schleunig entſtand ein Rufen des Freudeſchreckens, 3 und bleicher Ward auf Einmal das Antlitz der weinenden, ſchnel⸗ ler ihr Athem! Denn Eilfter Geſang. 8²4 XI. G. V. 1097— 1109. Denn die Mutter erhub ſich, ſprang hin, und riß aus den Armen Nuner Fremden ihr Kind, und bracht' es bebend dem Vater. Und ſie, deren Wange, da ſie in das Leben zuruͤckkam, Gluͤhete, ward jetzt auch vor Entzuͤckung bleich. Ihr 4 Geliebter, Der rſfeehäen ſah, und in dem Arme des .2 Geiſtes Seines Kindes Geſtalt, betrachtete laͤchelnd die bei⸗ . den, Mehr gluͤckſelig, als je! Ich folg', ihr winket, ich folge! Aber da ſie nun wirklich es war, da die Zeugen es riefen, Und ſie ſelber es rief, wards um ſein Angeſicht dunkel! Und ſie reichte den Weibern das Kind, und fuͤhrt ihn zur Huͤtte, Wie, ſo freuet' er ſich, ihn Todesdaͤmmrung um⸗ ſchwebte. An Debora's Grabe bewegken auf Einmal die Palmen Ihre Woſa⸗ und ſchnell ſtand unter den rauſchen⸗ den Palmen Klopſt. Meſſias III. B. 8 ute Aufl. Der Meſſias. XI. G. B. 1110— 1123. Auferweckt die Prophetin, und pries den Erſchaffer des Lebens! Mirjam trat in Triumphe daher aus dem Staube der Erde. Freudeglaͤnzend erhub ſie ihr hohes Auge gen Him⸗ 4 mel, Suchte mit feurigem Blick' umher in den weiten Gefilden; Aber ſie ſand den unſterblichen nicht, der vom Tod' in das Leben Schnell ſie gebracht, dazu an der Allmacht Throne geruͤſtet. Engel der Auferſtehung, wo weileſt du, Erndter? Wo decken 3 Heilige Schatten dein ſtrahlendes Haupt? In wel⸗ chen Gebirgen Iſt der Ruf der Poſaune verhallt, mit dem du mich weckteſt? Ac, wo ruheſt du aus von deinem Werk, in Er⸗ ſtaunen Selbſt verloren, daß Gott zu dieſem Wunder dich ſandte? Volk, das Heſekiel ſah aus ſeiner Gefaͤngniſſe Graͤbern Kommen, wenn wirſt du, Volk des Gerichts, das 3 zweitemal aufſtehn? Deine Rettung nicht nur, der Sterbenden froͤhliche Hoffnung Eilfter Geſang. 33 XI. G. V. 1124— 1137. Auch zu lernen, erblickt er die Auferſtehung der . Todten, Sich, ein ernſtes Geſicht! Er ſtand weiſſagend, da auſcht' es, Und da regt' es ſich, und die Gebeine kamen zu⸗ ſfſammen, Jedes zu ſeinem Gebein. Er ſah, es wuchſen dar⸗ uͤber Adern und Fleiſch, und mit Haut bekleidete Gott ſie; allein noch War kein Odem in ihnen. Doch er weiſſagte von neuem, Da kam Odem in ſie, ſie wurden lebend, und ſtanden Aufgerichtet, ein zahllos Heer! Dieß himmliſche . Bild war Ihm von dem Chebar uͤbrig geblieben, und lichter . durch Strahlen Seiner Seligkeit, hatt' es ihn nicht in dem Him⸗ mel verlaſſen. Sor. da die Auferſtehung des göttlichen Todten ſich nahte, Und der großen Entwicklung bei ſeinem Staub' er ſich freute, Ging es von neuem ihm auf, ein Strahlenmorgen — des Fruͤhlings. Und ſein Engel begann: Ich hoͤr' in den Fernen ein Sauſeln, ᷑ F 2 34 Der Meſſias. Xl. G. V. 1138— 1151. Als der Gegenwart Gottes! Von allen Seiten der Erde Wehet es her! Wenn nun einer von ſeinen Han⸗ chen den Staub hier Unter uns ruͤhrte? Iobt ſchlummern ſie wieder die athmenden Luͤfte; Ach nun erwachen ſie wieder. Er ſprachs, und es weht' in des Engels Goldenen Locke. Heſekiel! rief der hellere Seraph; Aber ſchon hoͤrt er nicht mehr, ſchon rauſcht, und regte ſein Staub ſich, Schon kam Odem in ihm, ein Hauch zu dem ewi⸗ gen Leben! Und der Unſterbliche trat auf ſeine Fuͤße, zu freu⸗ dig, Auszuſprechen, was er empfand, doch erhub er ge⸗ 4 faltet Seine Haͤnde gen Himmel, und nun umarmt' er den Engel. Und ſie ſchwebten, gefuͤhrt von dem Saͤuſeln der Gegenwart Gottes, Nach den anderen Todten, ſie auch erwachen zu ſehen. Asnath ſchien in Schlummer zu ſinken. So . ſchwebt in der Aue Leicht ein werdender Duft, den der Mond in Sil⸗ . ber wandelt, Eilfter Geſang. 85⁵ XI. G. V. 1152— 1165. Wie ſie des Grabes Staub mit zweifelndem Schwe⸗ ben beruͤhrte. Ach, mein Huͤter, was iſt es, das ſo mich um⸗ daͤmmert? Was gleiten Mir vor Bilder vorbei, die ich ſonſt nicht kannte? Was fuͤhl' ich Neues in mir? Ich habe fuͤr dieſe neuen Gefuͤhle Keine Namen, allein ſie gleichen, doch ferne nur, denen, Die ich im erſten Leben empfand, da der Tod mich wegrief. Sterb' ich, Engel Gottes, noch Einmal? Mich deucht, die Stimme Bebt mir! und ach zum leiſen, geſunknen, unhoͤr⸗ baren Laute Wird ihr Silberton. Ich ſterbe wieder, du En⸗ gel Gottes! In ſanftem Geraͤuſch', als ob Edens Quellen mir rauſchten, Seraph, in lieblichem Wehen des ſchattenden Pa⸗ radieſes, Schlummr' ich hin. So entſanken Asnath die letz⸗ ten Laute. Aber, von lichten Gedanken umringt, als waͤrens . des Aufgangs Roͤthen, durchdrungen von inniger Freuden ſchnel⸗ lem Gefuͤhle, 86 Der Meſſias. XI. G. V. 1166— 1178. Schwebte ſie auf, war ganz der Unſterblichkeit Er⸗ bin geworden! In der Entzuͤckung, als weit um ihn her das Todes zefilde Rauſchte von Auferſtehung, da blies die hohe Poſaune Einer der Engel. Mit ihrem erſchuͤtternden Don⸗ nerhalle, Trat der Held, den Gott zur Bezwingung Kanaans ſandte, Aus den Schatten des Todes herauf. So leuchten aus Naͤchten Blitze, ſo ſah auf Dothans beſtrahlten Bergen Eliſa Flammende Wagen der Engel, die ihn mit Rettung umgaben. Wie ein Erſtling der Fruͤhlingsblumen in duf⸗ tigen Thaͤlern Aufbluͤht, alſo erwacht zu dem Leben der Leben, nicht wieder Wegzuwelken, die Tochter Jephtha's. Zu Silber⸗ getoͤne Ward es, wovon die Lippe der preiſenden bebte. Ihr Engel Toͤnt's mit der goldenen Harf' ihr nach, und er⸗ hub es auf Fluͤgeln Eilfter Geſang. 37 XI. G. V. 1179— 1192. Frohbegeiſterter Harmonien noch hoͤher gen Him⸗ mel. v.. . Nah an Jeruſalem hatte die Mutter der ſie⸗ ben Soͤhne Mit den Soͤhnen ein Frommer in einer Hoͤhle be⸗ graben. Muthig grub er die Heiligen ein, entſchloſſen, dem Wuͤthrich, 3 Der ſie erwuͤrgte, die That zu bekennen, und ſel⸗ ber zu ſterben! Oft war dieſe Hoͤhle die Ruhſtatt muͤder Wandrer; Oft beſchatteten ihre Gewoͤlbe des einſamen Beters Heiße Thraͤnen. Sie fuͤllte mit ernſtem Tiefſinn die Seele. Aller, welche vor ihr voruͤbergingen; denn alle Hatten gehoͤrt, welch heilig Gebein die Hoͤhle be⸗ gruͤbe! Jetzo knieten in ihr um ihre Mutter die Soͤhne, Maͤrtyrer neben der Maͤrtyrerin, voll dankender Wonne, Daß ſie, als ſeine Zeugen, der Mittler ſterben zu . laſſen Sie gewuͤrdiget, da ihn ſein erſtes Geſetz noch ver⸗ huͤllte; 88 Der Meſſias. XI. G. V. 1193— 1206. Da er in bildendem Schatten ſich nur dem Forfchen⸗ den zeigte, Und ihn Tabor noch nicht, noch Golgatha ihn nicht verklärten! Als von ihrem Grabe zu Gott ihr dankend Gebet ſtieg, Kamen uͤber den Bach, der an der Hoͤhle vorbeifloß, Semida, und ein Bethlehemit, der dich in der . Huͤtte, Wo du das erſtemal weinteſt, Erloͤſer, von Engeln gefuͤhrt, ſah. Und ſie ſetzen, lang von ihren Schmerzen ermuͤdet, Am Eingange des Grabs ſich gegen einander, und weinen. Semida!. Doch ich ſchweige von ihm. Wenn fpraͤch' ich es ganz aus, Was ich uͤber den Tod des Menſchenfreundes em⸗ pfinde! Aber o ſage mir, ſage, was dieſes vor ein Ge⸗ fuͤhl iſt, Welches, ſeitdem mich des heiligen Grabmals Schat⸗ ten umgeben, Mich mit ſanften noch nie empfundenen Schrecken . erſchuͤttert? Aber ich denke zuruͤck. So war es mir, als ſich die Engel, Eilfter Geſang⸗ 39 NXI. G. V. 1207— 1220. Die uns ſeine Geburt verkuͤndeten, ferne nur nahten, Gleich in der Daͤmmrung, und noch in der Himmel ru r. Glanze nicht ſtrahlten. S. Heilig iſt, Jethro, ihr Grab. Ich empfinde, 4 was du empfindeſt! Laß uns eilen. Denn Engel, Geliebter, oder Ent⸗ ſchlafne Weihen jetzo dieß Grab zum Heiligthume. Drum laß uns, Laß uns eilen. Der Schauer, der aus den Tiefen der Hoͤhle Uns erſchreckt’, iſt ein Wink, uns ſchnell zu ent⸗ fernen. Sie wollen Einſam, und mit dem, den ſie anbeten, allein ſeyn! Semida ſprach es. Aber eh' er ſich wendete, ging er Einige Schritte tiefer, und ruft' in die naͤchtliche Halle: Ihr, o Unſterbliche, betet mit uns den Tod⸗ ten des Herrn an! Goͤttlich hat er gelebt! und goͤttlich iſt er geſtorben, Jeſus Chriſtus! Vor ſeiner Geburt ſchon nannten . die Engel Seinen Namen. Ihr kennt den heiligſten aller Namen, 9⁰ Der Meſſias. XI. G. V. 1221— 1234. Jeſus Chriſtus, des Todten! Vom Tode wird er erwachen!— Ihr, ob eure Gegenwart gleich mit Schauer uns ſchreckte, Seyd Erſchaffne, wie wir! Ihr ſeyd unſterblich! unſterblich Sind üch wir. O laſſet mit ſuͤſſen menſchlichen .— Namen, Lefe Bruͤder euch nennen! ach ihr ſeyd Sfers 1 Bruͤder! 7 Dieſes Grab der Maͤrtyrer ſey, wenn wir einſt zu euch kommen, Unſer Zeuge, daß wir, ſchon auf der mheiigten Erde, Noch in der Huͤlle der Sterblichkeit, unſre Bruͤder euch nannten. Ench erinnre dieß Grab der Maͤrtyrer, daß, wenn wir kommen, 3 Ihr, die eeten im Himmel, als Eure Bruͤder, uns aufnehmt! Thirza und ihre Soͤhne vernahmen den Juͤngling; ſie ſahen Ihn und ſeinen Gefährten, indem mit melodiſcher Stimme 1 Semida redete, beide mit freudigſtaunenden Blik⸗ ken Unverwendet auf ſie, ſo daucht' es ihnen, hinab⸗ ſchaun. Eilfter Geſang. 9¹ XI. G. V. 1235— 1248. Als er endete, wandte zu ihren Soͤhnen ſich Thirza: Moͤchten ſie weilen, ich liebe ſie. Voll von Einfalt und Unſchuld Iſt ihr Herz; doch vielleicht, daß der Schauer, welcher ſie ſchreckte, Von dem Ewigen kam! Geht hin in Frieden! der Herr ſey Euer Gott! und leit' euch zu unſerem ewigen Leben! Ja bei unſerm Staube, der einſt der Unſterblichkeit . aufwacht,, Ja wir kommen, entſchlummert ihr, euch von dem Himmel entgegen. Jethro und Semida wendeten ſich, und ver⸗ ließen die Hoͤhle, Als der beiden Sterblichen Bild noch um Thirza's Seele Schwebte, verdrang's auf Einmal ein Anblick voller Erſtaunen! Ihre Sehne, wie ſie von dem Leben der Himmli⸗ ſchen ſtrahlten, Sanken um ſie in Schlummer; doch dauchte ſie, zween von ihnen Waͤren vielmehr in Entzückungen, als in Schlum⸗ 3 mer geſunken. Denn es leuchtete heller als ſonſt ihr Antlitz. Sie 2„ redten; 92 Der Meſſias. XI. G. V. 1249— 1263. Wonne war ihr Gefuͤhl, und Harfen waren die Stimmen. Voll von Seligkeit rief der dritte der Bruͤder, Be⸗ ninu: Stiegeſt du ſchon, o du ſchoͤnſter der Morgen, du ſeliger Morgen Seiner Auferſtehung, herauf? Ja, Morgen der Wonne, Siehe, du biſt gekommen! das Grab erbebt! es 3 erbeben, Golgatha, und das Kreuz! du biſt, o Morgen, . gekommen! Alſo rief er, und ſank, wie ſeine Bruͤder, in Schlummer. Voll von Seligkeit rief der Bruͤder juͤngſter, Jedi⸗ doth: O ihr Engel, wo bin ich? Hat Er zu dem Throne des Vaters Schon ſich erhoben? Ach himmliſch, Jeruſalem, ſchimmerſt du, himmliſch Glaͤnzeſt du, Thron des Siegers! allein wie ſtrah⸗ len, wie ſtrahlen Seine Wunden! Er rief es, und ſank dahin, wie 3 die Bruͤder. Thirza erſtaunte noch ſtets. Vor ihrem Angeſicht lagen Sieben Unſterbliche, welche, wie Menſchen, Schlum⸗ mer umwoͤlkte. Eilfter Geſang. 9³ XI. G. V. 1263— 1276. Suͤß zwar iſt der liegenden Anblick; das Antlitz der Mutter Haͤngt mit ſtillen Betrachtungen uͤber dem Antlitz der Soͤhne! Aber die ſchlummernden ſind Unſterbliche! Sollen, ſo dachte Ihre Mutter, ſo lange das Grab des Verſöhnen⸗ den Leichnam Heiligt, auch ſie die feſtlichen menſchentroͤſtenden Stunden, I Zwar im Tode nicht, aber doch ſchlummern? Sie dacht' es. Indem ſchloß Sich ihr Auge. Sie ſahe ſich nicht, ſie fuͤhlte ſich ſinken. Umgeſchaffen, erhub ſie ſich dann! Ihr Engel, wie ward ihr, Als ſie in ihrer neuen verklaͤrten Geſtalt ſich er⸗ blickte! Danken, danken will ich! ſie riefs mit zitternder Stimme, Ewig danken! Ach mehr, wie die froheſte Hoffnung entzuͤcket, Gabeſt du mir der Freuden! Auch ſie erwachen, du Geber Unausſprechlicher Wonne! du Geber des ewigen Lebens!— Und ſieſ kniete nieder, und ſah, mit verbreiteten Armen, „Der Meſſias. 94 XI. G. V. 1277— 1290. Und mit lautem Weinen, um ſich die Kinder er⸗ wachen! U, wie der Glut ſich die Flammen entſchwingen, daß aus wehendem Staube ſich Engel erhoben! b der Heitre den neugeſchaffnen ver⸗ klaͤrte! s Laͤcheln,(es laͤchelte nicht der Mutter!) s Auge gen Himmel ſich oͤffnen, und ſchimmern, Hoͤret' ihr erſtes Stammeln zu Gott! die ſeligſte Mutter! Sah ſie werden! ſo ſchne Sahe ſie, Und der Lei Sah ſie ihr erſte Sah ihr werdende Neben Einander begrub Ein Grab vier Freun⸗ de. Dem Huͤgel worunter die Leichname ruhten, Im Erdbeben entſtuͤrzt. Sie ſahen ihre Gebeine Ueber ihrer Verweſungen eingeſunkenen Aſche Liegen, und ſegneten dieſe zerſtreuten Truͤmmert des Lebens, der Auferſtehung; aber ſie hoff⸗ War das Felſengewoͤlbe, Mit dem Wunſche ten ſches Erfuͤllung noch nicht Der entſchlafnen „Jetzo des freudigen Wun Eilfter Geſang. 95 XI G. V. 1291— 1304. „Letzfer, der Ethan, und Chalkol zur Ruh, und Heman begleitet, Dann noch ein wenig auf Erden, ihr uͤbriger, hatte gewandelt, Darda ſprach zu ſeinen Geliebten: Wie waren wir immer So gluͤckſelig, ihr Freunde! Das Leben am Grabe vereint' uns, Dann das Grab⸗ die Ewigkeit auch! Zwar ſahen — wir Ethan Sterben, und weinten ihm nach; dein Gebein iſt weißer, o Ethan! Heman ſah ich, und Chalkol des Todes Weg zwar ziehen, Aber zu Ethan hinauf, und wir weinten ſanfter. . Darauf ſchlief Chalkol in meinen Armen auch ein, und ich blieb — uͤbrig! Moch zu dem Leben ſo reif nicht, als ihr. Wie war mir verlaßnen, Als ich, o Chalkol, das Grab dir ſchloß! Doch 3 machtiger ſtaͤrkte Gott den weinenden, gab mir Ermannung, gen 8 Himmel zu ſchauen! Bald hernach ſtarb Salomo auch, und wurde ver⸗ ſammelt Neben Davids Gebein. Kurz war mein uͤbriges 22* Leben; 96 Der Meſſias. XI. G. V. 1305— 1318. Wenige Naͤchte, da kam mit dem Todesſchlafe die letzte. Siehe, da liegt nun unſer Gebein, und harret des Rufes, Welcher ihm zu erſtehn gebeut. Wie entzuͤckt das Verlangen, Auferſtehung, nach dir! wie wirſt du ſelber entzuͤcken, Auferſtehung! Wie wirſt du, mit himmliſchen Har⸗ monieen Sang es Heman, d du Erwachen zum Leben, ent⸗ zuͤcken! Du Erwachen nicht mehr zu entfliehenden Tagen! Vergoͤnne, Geber der Seligkeit, mir, der Wuͤnſche froͤmmſten 1 zu wagen, Der zu Hoffnung beinah in meiner Seele gereift iſt, Dieſen, mit dir zu erwachen! Denn du verweſeſt nicht, Mittler! Jeſus Chriſtus, wie könnte dein Gott dich verwe⸗ ſen laſſen! Hier von meinem Leibe, des Erde lange ſchon hin⸗ 1 ſank, Fleh' ich zu dir hinauf, weit uͤber den Huͤgel des Kreuzes, In die Himmel der Himmel hinauf: Laß, großer Beginner Deiner Eilfter Geſang. 97 XI. G. V. 1319— 1332. Deiner Erndte, den Keim in dem Staube, den ſchlummernden Leichnam, Unter deinen Schatten, du Aehre der Aehren, er⸗ wachſen! Ach, ſie ſchattet noch nicht, rief Chalkol hef⸗ tig, und Heman Bluͤhet ſchon auf! Ihr gluͤcklichen, ſeht ihr den todten erwachen? Seht ihr ihn glaͤnzender werden? Er riefs, und verſtummt', und erwachte Mit dem erwachenden. Darda„ auch dir, und . Ethan, euch wurde Keine Zeit zum Erſtaunen gelaſſen. Der todten Gebeine Rauſchten, und regten ſich mit, und wurden mit Lichte bekleidet! So, wie ſie ſtrahleten, huben ſie ſich, vereinigte Schimmer, Hand in Hand in die Wolken empor, und fangen dem Mittler! Nah an Jeruſalem ſchlief die Prophetin Han⸗ na, vor vielen Ihrer Tage gluͤcklich. Sie ſah in dem Tempel den Knaben Bethlems, und wußte, wer der Sproͤßling aus Ju⸗ : da’s Stamm fey! Er entrann in Aegyptus; und ſie in das Grab. Sie erwachte Klopſt. Meſſias III. B. G late Aufl⸗ 98 Der Meſſias. XI. G. V. 1333— 1346. Jetzt zu der Herrlichkeit. Als ſie herauf aus dem kuͤhlen Gewoͤlbe Ihres Grabmals trat, und nun die Augen, ſo nie⸗ mals Wieder ſich ſchuneßen ſollten, eroͤffnete, ſah ſie des Todten Leichnam gegen ſich aͤber am Kreuz. Ja dennoch, du Todter, Biſt du mein Auferwecker! Du biſt es, du haſt mir den neuen, Ach den unſterblichen Leib vor dem Tage der Tage gegeben! Ach wie trieft er von heiligem Blute! Laut in des Himmels Fernen Hallen vernahm, und erhoͤrte der ewige Richter Dieſes Blutes Rufen um Gnade! Sie ſprachs, . und verſtummte Voller Wonne, vertieft in die Folgen dieſer Erhoͤ⸗ rung! Joel, Samma's erſter, nun einziger, hatte den Vater und den Todeshuͤgel verlaſſen, und war zu des Oelbergs Thale niedergeirrt, Gethſemane durch, zu dem Grabe Seines Bruders. Er ſucht' es mit ſchwerem Schritte. Der Stein war Eilfter Geſang. 99 XI. G. V. 1347— 1360. Schon mit ſtillem Mooſe bedeckt. Er ſank bei dem Steine Kraftlos nieder mit ſtarrem und blutendem Auge von Thraͤnen Ueber Jeſus! und uͤber Benoni! Du haſt in der Kinder Und der Saͤuglinge Munde dir Lob bereitet; in meinem Jammer! Ich hatt' um Benoni den Schmerz zu ſtillen begonnen, Aber darauf.. Ich mag den goͤttlichen Namen nicht nennen Mit dem Namen des Todes! Und ach nun ſtill“ ich mein Jammern Um Benoni nicht mehr. Er iſt mir noch Einmal geſtorben! Jener große Todte, kaum wag' ich es ihn zu be⸗ weinen, Iſt ein Bruder der Engel; ihn duͤrfen Engel nur weinen. Aber Benoni, Benoni, dich darf, dich will ich ewig Weinen! Er ſenkte ſein gluͤhendes Haupt auf den Stein mit truͤbem Bangen Auge, mit bleichen und ſanftgeoͤffneten 4 Lippen, Seines Bruders, und ſeines Engels Wehmuth und Wonne. G 2 100 Der Meſſias. XI. G. V. 1361— 1374. Denn ſein Engel, und du, vollendete Seele Beno⸗ ni's, Wart heruntergekommen zur heiligen Stille der Graͤber. Joel wußte das nicht. So kennt ein duldender Frommer Hier im Leiden die helfende Hand nicht, die ihm ſo nah iſt, Nicht entfernter, als jenes Luͤftchen, welches ſchon ſaͤuſelt, Ihn mit ſtiller Kuͤhlung ins Grab hinunterzuwe⸗ . hen. Denn ſchon hat ihn des Lebens Herr und des To⸗ des, zum Sterben Eingeſegnet. B. Ich lebe mehr, o Seraph, als er lebt; Aber wie weint er den todten, und denkt nicht hin⸗ auf an mein Leben! J. Hingegangen biſt du, und haſt allein mich ge⸗ laſſen, Mein Benoni! du Blume von ſchnellem Sturme gebrochen, Duftende Morgenblume, des Thales Saron die ſſchoͤnſte! B. Hingegangen, mein Joel, mein Bruder Joel, zu wachſen Hoch im Himmel ein Schatten empor an dem Strome des Lebens. Eilfter Geſang. 101 XI. G. V. 1375— 1388. J. Unſer Vater iſt alt! Dein Tod, dein Tod, o Benoni, Wird auch ihn mir nehmen, und ach hinab in die Grube Bringen mit Herzeleid ſein graues Haar! Ich der Waiſe, Und der Bruderloſe, wie werd' ich ſchmachten, und duͤrſten Nach des Todes Kelch, der anderen bitter, mir fuͤß iſt! B. Seraph, des Knaben Schmerz geht durch die Seele mir! Trockn' ihm Seine Thraͤnen, ach trockne die unaushaltbaren Thraͤnen! E.„Gutt, Gott nimmt ſie von ihm, iſt ſeine Stun⸗ de gekommen. Weißt du nicht, daß wir Engel zu fruͤh die Thraͤne nicht trocknen? J. Schlummere ſanft, du Inniggeliebter! Doch Lazarus kam ja Aus der Verweſung. Allein da lebte der Goͤttliche ſelbſt noch! Aber nun hat Er an dem Kreuze Vollendung ge⸗ rufen. B. Wird er lange noch leben, o du ſein Engel? E. Das weiß nur, Der, wenn er ſterben ſoll, mir gebeut, ihn gen Himmel zu fuͤhren. 102 Der Meſſias. XI. G V. 1389— 1403. J. Lehre mich den betruͤbten, den bruderloſen, o Vater Aller Vaͤter, die Weisheit, die durch die Wuͤſte des Lebens Und in das Land der Verheißungen leitet. Du ſiehſt ja, du Vater Aller Vaͤter und Kinder, die innige bittre Betruͤbniß Meines ſchmachtenden Herzens. Ich fuͤhle die wach⸗ ſenden Kraͤfte Meiner Jugend, und ſehe vor mir ein Leben ohn' Ende, Ohne Benoni, bald ohne Vater, und ach ohn' Ende! B. Seraph, der innige Schmerz, wird der ſein Le⸗ ben nicht kuͤrzen? Tage nur wird er noch leben; doch Jahre ſind ihm die Tage. J. Seele meines vollendeten Bruders, ach wenn du hier waͤrſt Um dein Grab, und deinen verlaſſenen Joel noch kennteſt! O ſo wuͤrdeſt du auch ein kurzes Leben mir wuͤn⸗ ſchen. B. Weniger nicht gehoͤret dazu, o Seraph, des Knaben Kuͤmmerniſſe zu ſehn, und ruhig ſie auszuhalten, Als der Beſitz des ewigen Lebens! Du warſt, 2 ſein Engel, Eilfter Geſang. 103 XI. G. V. 1404— 1417. Stets ein Unſterblicher, ließeſt in jenen Huͤtten des Elends Keinen Bruder zuruͤck! E. Doch empfind' ich dir nach, o Benoni, Was du empfindeſt! ſo oft wir von unſern Gelieb⸗ . ten uns trennen, Und um neue Befehle zum Thron des Ewigen ſtei⸗ gen, Laſſen wir Bruͤder zuruͤck. B. Was iſt es, mein himmliſcher Bruder, Daß mein Grab ſich bewegt? ach daß vom erſchuͤt⸗ terten Steine Joel aufſpringt? daß es um mich wie Daͤmmrun⸗ . gen herſchwimmt? Daß ich.. O Gott, wo bin ich? o Geber des ewigen Lebens; Du erhaͤltſt doch, o du vernichteſt mich nicht, du Geber? Alſo ſtammelt er ſanft, wie ſich Wiederhalle ver⸗ lieren, Und durch den neuen Leib der Auferſtehung ver⸗ herrlicht, Rief er: Du erhaͤltſt mich nicht nur, du unendli⸗ cher Geber, Du bekleideſt mich auch mit dieſem unſterblichen 3 Leibe! Preis dir, Herrlicher, Herrlicher, der der Gaben ſo viel hat! 1⁰4 Der Meſſias. XI. G. V. 1418— 1431. Nun, mein Bruder, wenn einſt auch dir der Leich⸗ nam verwest iſt, Weckt dein Schoͤpfer ihn auch, er, der der Gaben ſo viel hat! J. Wacht' ich? oder hatte der Schmerz ſein fuͤrch⸗ terlich Schlummern Ueber mich ausgebreitet? Empfind' ich in meiner Kindheit Schon was Samma empfand, wenn er in der ſtar⸗ ren Betaͤubung Niederſenkte ſein Haupt, dann auf einmal auf⸗ ſprang, und rufte: Kind, Benoni, mein Kind, am blutigen Felſen zerſchmettert! War ich alſo betaͤubt? ach oder bewegte der Stein ſich Wirklich? Ihr ruhet doch ſanft, ihr meines Bru⸗ ders Gebeine? Bebte die Erde noch nach? Da kommt mein Va⸗ ter, und ſucht mich. B. Siehe, mein Vater, o Seraph! Ach weine du redlicher Alter, Nicht bei meinem Grab! Ich bin ja ſo ſelig, und leer iſt Meines Staubes der Staube, den dieſer ruhende Stein deckt. S. Lange ſucht' ich dich, Joel, nun find' ich dich endlich. O laß uns Eilfter Geſang. 105 XI. G. V. 1432— 1445. Dieſem Graun der Graͤber entfliehn! Iſt das nicht Benoni's Komm, mein Joel! Iſt das nicht Benoni's? Laß uns entfliehen! Komm, mein uͤbriger. Gott, Gott ſegne dich, Joel. Sie gingen. B. Gott, Gott ſegne dich bald, ſprach, da ſie ſich wandten, Benoni, Mit dem ewigen Leben, du duldender redlicher Vater! Simeon, als er hatte geſehen den Heiland Gottes, Ihn, das Licht zu erleuchten die Voͤlker, den Herr⸗ 3 lichen Juda's, Und den innigſten Dank nun uͤber ihn ausgeweinet, Sͤumte nicht lang, ſein grauendes Haupt zu der Ruhe zu legen. Simeon machte ſich auf, ward ſterbend Licht; denn ſein Licht war Druͤben am Grabe noch heller, und du, o Herr⸗ lichkeit Gottes, Gingſt dort leuchtender uͤber ihm auf. Das Ver⸗ wesliche war ihm Schon zu Staube zuſammengeſunken. Der Geiſt des Propheten Schwebr⸗ an der deckenden Gruft, wo ſeines Leich⸗ names Saat lag, 106 Der Meſſias. XI. G. V. 1446— 1459. Schnell(er wußte das nicht) zum hohen Halme zu wachſen, Vor dem Tage der großen Erndte, mit wenigen Halmen Ueber die Saat der Todten empor, die ſeit Adam entſchliefen; Ueber das Menſchengeſchlecht, das hinab bis an das Gericht ſtirbt. und im roͤthlichen Wege, der durch das Rauſchen des Kidrons Von Jeruſalem ſich an des Oelbergs Fuße herum⸗ zog, Und mit ſeinen Kruͤmmungen dicht an Simeons Grab kam, Wandelten langſam ein Greis, mit ihm ein fuͤh⸗ 1 render Knabe, Simeons Bruder, und Enkel. Des Alten Aug' . umhuͤllte Blindheit, die fruͤhere Nacht des Todes, eh noch der Tod ſelbſt In das dunkle Thal uns fuͤhrt. Ihn troͤſtete kind⸗ lich Boa der Knabe, des gleitenden Stab. B. O trock⸗ ne dein Auge, Endlich wieder, du redlicher Vater, und weine nicht immer. G. Lang ſchon ſah mein Auge nicht mehr; ſo laß es denn das thun, Eilfter Geſang. 107 XI. G. V. 1460— 1473. Was es allein noch vermag. Ich werde den ſaͤu⸗ menden Tod doch Endlich erweinen, und mich, aus dieſer Nacht des Lebens, In die beſſere Nacht hinneigen. Doch ſage mir, Boa: Sind wir noch ferne von dem Gebein des heiligen Alten 2 B. Nein, nicht ferne, mein Vater. G. Iſt ſchon mit Mooſe der Grabſtein, Wie mit ihrem Epheu die oͤde Truͤmmer, bewach⸗ ſen? Zau ſchon der geſunkene Stein von des frommen Entſchlafnen Langen Ruh? Ha bluͤhender Knabe, mein ſtarren⸗ des Herz fliegt Freudig empor, wenn ich die alternden Graͤber, wie ruͤhrend, Und ehrwuͤrdig ſie ſind, mir denke. Mein Simeon legte Sich in ſein Grab ſo lange nun ſchon! Zwar lang' iſt mein Grab auch In den Felſen gehaun; doch ſtets noch fehlt ihm . der todte! Alſo ſagt' er, und ſtand, und lehnt' in der bitte⸗ ren Wehmuth Sich auf Boa. Mein Sohn, fuͤr den die Sonne nicht ausloſch, 108 Der Meſſias. XI. G. V. 1474— 1487. Deſſen Auge der Sommernacht ſanftſchimmerndes Licht ſieht, Iſt der Himmel heiter? Mir wehete liebliche Kuͤh⸗ lung, Und erfriſchte den muͤden. B. Die Luft iſt heiter, mein Vater, Und verſchoͤnt in dem weiten Gefilde den ſproſſen⸗ den Fruͤhling. G. Waͤr' er auch in Wolken gehuͤllt, und dunkel von Wettern, Boa, mein Sohn; ſoll doch der Tag, an welchem ich ſterbe, Mir ein Tag des Fruͤhlinges ſeyn! S. Er duͤrſtet zu ſterben, Sagte Simeons Seele zu dem Geleiter, dem En⸗ gel, Weil er den truͤben Gedanken von Jeſus Tode nicht aushaͤlt. E. Simeon, ach den weiß er noch nicht. Sie ha⸗ ben dem Greiſe, Daß er lebe, verborgen die ſchreckenvolle Geſchichte. S. Siehe, ſo ſtirbt er, o Seraph, ſo bald er ſie hoͤrt. Doch ich ſagte Ja auch ihm, es wuͤrde dieß Schwert durch die Seele der Mutter Gehen! Indem ſie ſo redeten, ſetzte ſich Simeons Bruder Eilfter Geſang⸗ 109 XI. G. V. 1488— 1502. Mit dem Knaben ans Grab. Die aſchebedeckten Gebeine Simeons ſonderte jetzt von der Erde Staub der Cherub Zu der Unſterblichkeit ab. Sie rauſchten, und reg⸗ ten ſich, ſichtbar Nur fuͤr Engel, fuͤr die nur hoͤrbar, die fern in den Himmeln Preiſe der Sterne vernehmen. Indem ſein Schim⸗ mer, des neuen Werdenden Leibes Verklaͤrung, auf dieſen wallend herabſank, Daucht es der hohen Seele, daß ihr die Gedanken ſich ferne, Wie auf Fluͤgeln entzuͤckender Harmonieen getragen, Immer ferner verloͤren. Doch kehreten eilend ſie wieder, Da der unſterbliche Leib der neuen Schoͤpfung vol⸗ lendet, Und des todten Seele mit jeder innigen Freude Seiner Auferſtehung erfuͤllt war. Ein Pilger des Feſtes Lief in dem Wege daher, und eilte nach Bethlehems Huͤtten. B. Warum eileſt du ſo, du Pilger? P. Sollt⸗ ich nicht eilen, und den Meinen erzaͤhlen des Todes bange Ge⸗ ſchichte? 110 Der Meſſias. XI. G. V. 1503— 1516. G. Welches Todes? ſo rief des auferſtandenen Bru⸗ der. 4 P. Biſt du der einige, der nicht wiſſe, daß unſere Herrſcher Jeſus, den goͤttlichen Mann, an dem Kreuze toͤd⸗ teten? Sprachlos Sank der Alte zuruͤck. Nach langem Muͤhen, brach⸗ ten Endlich der Pilger und Boa den leidenden aͤber den Kidron, Weg von den Graͤbern. Er flehte zuruͤckgeleitet zu werden; Aber umſonſt, ſie leiteten ihn zu Jeruſalems Tho⸗ ren. S. Wollen wir neben ihm wallen, und ſeinem Gei⸗ . ſte begegnen, Wenn er, o Seraph, die Huͤtte verlaͤßt, die jetzt ihn belaſtet? Denn der Morgen wird ſie geſunken finden. E. 3 Er ſtirbt nicht, Simeon, denn ſein Engel iſt um ihn nicht zuge⸗ gen, Und er wird noch ſo gar in jenem Leben der Freu⸗ Henne den Viel empfahn. Denn du, mein Simeon, wirſt ihm erſcheinen, Und von der Auferſtehung des Herrn mit dem lei⸗ denden reden! Eilfter Geſang. 111 XI. G. V. 1547— 1530. Lieg' und ruh, ſo dachte bei ſeinem Leichnam Johannes, Bis an jenen gefuͤrchteten Tag, den großen Ent⸗ mosſcheider; Weſſen Suͤnde du trugſt, Lamm Gottes! Wir ſol⸗ len hier weilen; Laͤnger wohl nicht, als Nacht den Leib des Getoͤd⸗ ten einhuͤllt, Als du ſchlummerſt, o Lamm, deß Altar von dem Blute noch rauchet. Du verſammelſt uns dann, wenn du ein Sieger hervorgehſt, Wieder um dich, daß wir auch deine Herrlichkeit 3 ſehen! Dann verlaſſ' ich dich, Staub, dem einſt Poſau⸗ nen ertoͤnen! Jetzo ſaͤum' ich gerne bei dir. Was werdet ihr ſelbſt ſeyn, Freuden der Auferſtehung, da eure Hoffnung ſo froh macht! Was vor ein Traum umſchwebt, vor ein hocherhe⸗ bender Wunſch mich, Bald zu erwachen? auf deinen Tag nicht, Richter zu warten?. Sieh ein Wunſch, den Hoffnung die Himmel hoͤher hinauftraͤgt! Wunderbar ſind die Gnaden des Herrn, unzaͤhlbar, und neue 112 Der Meſſias. XI. G. V 1531— 1545. Duͤrfen wir ſtets erwarten. So dacht' er, und ſah Benoni, Einen Schimmer, daher in der Abenddaͤmmrung bikommen. J. Welcher Engel entſchwebt dem hangenden Fel⸗ ſen, o Seraph? Sagte zu ſeinem Huͤter Johannes. Jeder Entzuͤ⸗ ckung Fruͤhlingsſchoͤnheit umgiebt den himmliſchen Juͤng⸗ ling. Ich kenn' ihn! Hoͤre ſein Schweben! Er gleicht Benoni. Er iſt Benoni's Schuͤtzender Engel. Wer iſt, o Seraph, wer iſt er? Ich kenn' ihn Nun nicht mehr. Er iſt kein Engel nicht, keine der Seelen In dem Gewande des Lichts; doch gleicht er Be⸗ noni. Erſtanden? Ach von dem Tode waͤreſt du, himmliſcher Juͤng⸗ ling, erſtanden? Komm, beſtügle den Schwung, den Harfenklang, den du ſchwebeſt, Wer du auch biſt. Vielleicht ein Benoni vor Kur⸗ zem geſtorben 3 Druͤben am Ocean, erſtanden, hert aͤbergeſendet, Irgend ein neues Wunder des großen Erbarmers zu lehren, Oder ſelber zu ſeyn. Jetzt hatte dem Harfenklange Fluͤgel Eilfter Geſang. 113 XI. G. V. 1546— 1559. Fluͤgel Benoni gegeben, und war leichtſchwebend — gekommen. B. Groͤßter von denen, die Weiber gebaren, von Ewigkeit ſegne Dich der Vater der Weſen zu Ewigkeit! Himmli⸗ ſche Bothſchaft Bring' ich: Siehe, der heilige Staub, die Todten erwachen! Taͤufer des Herrn, das ganze Gefild bewegt ſich, und rauſchet, Rauſchet von Auferſtehung! Die Todten Gottes erwachen! J. Juͤngling, wen ſaheſt du? ſahſt du? B. Ich ſah 3 den Vater der Menſchen! Henoch, und Elias erſtaunten! und Abraham glaͤnzte, Wie die Heere des Himmels! Auch kam in Pur⸗ purgewoͤlke Iſak. Ich ſah, es danket' ihr Aug' erhoben zum Himmel, Moſes und Hiob! Ich ſah die Sieben, die Maͤr⸗ tyrer kommen, Und verlor mich in der Entzuͤckung. Von Ewigkeit ſegne Dich zu Ewigkeit Gott! Auch dich, Johannes, erblickt' ich, Aher noch nicht erſtanden. Bereite dich, groͤßter von Adam, Klopſt. Meſſias III. B. H lte Aufl. 114 Der Meſſias. Eilfter Geſang. XI G. V. 1560— 1569. Deiner Auferſtehung! Johannes ſahe verwundernd, Daß ſich regte ſein Leichnam, ſich aufrichtete, lebte, Aber noch nicht verklaͤrt, noch nur aus Erde ge⸗ ſchaffen. Schleunig verlor die erhabene Seele die letzten Ge⸗ danken Ueber das Wunder, das letzte Gefuͤhl der frohen Erwartung; Denn ſie vereinigte ſich! Nun war das Wunder vollendet, Und der Heilige pries in verklaͤrtem Leibe den 4 Mittler. Dieſer Erſtandenen Namen erſchollen mir laut, bei der Palmen Wipfel verwehten die andern; allein in den Stun⸗ den der Weihe Kommt die Sionitin, und nennt mir die himmli⸗ ſchen Namen. + c. d M Zwoͤlfter Geſang. H 2 Inhalt des zwoͤlften Geſangs. Joſeph erhaͤlt von Pilatus die Erlaubniß, den Leich⸗ nam Jeſu zu begraben. Er, und Nikodemus ſalben, und begraben ihn. Choͤre der Auferſtandnen und Engel ſingen dabei. Die Juͤnger, viele von den Siebzigen, Maria und einige der frommen Weiber verſammeln ſich in Johannes Hauſe. Joſeph und Nikodemus kommen auch zu ihnen. Dieſer bringt die Krone, die er bei dem Begraͤbniſſe von Jeſu genommen hatte. Maria, Lazarus Schweſter, ſtirbt. Er, Lebbaͤus, Nathanael und Martha ſind bei ihrem Tode zugegen. Lazarus koͤmmt in die Verſammlung der Frommen zuruͤck, und bemuͤht ſich, ſie zu troͤſten. Salem, Johannes Engel, ſtaͤrket ihn durch einen Traum. 3woͤlfter Geſang. XII. G. V. 1— 10. Trüb⸗ iſt, und bang in ihren verborgenſten Tie⸗ fen die Seele, Wenn ſie fuͤrchtet, daß Gott ſie aus ihrem himm⸗ liſchen Erbe Stoßen werde. Verirrt in dem Labyrinthe der Vor⸗ ſicht, Wenden ſich weg von weiterem Forſchen alle Ge⸗ danken; Jede von ihren Empfindungen treffen die Fluͤche von Sina, Und von dem Ebal, mehr des hohen Golgatha Schrecken. Ach nun wird ſie das weiße Gewand der Sieger nicht kleiden! Ihr in dem Himmel die Palme der Ueberwinder nicht werden! Und die Krone nicht ſtrahlen! Sie liegt hinſchmach⸗ tend im Staube; Und ſie wuͤrde vergehn, wenn ſie Ein Gedanke nicht hielte, 118 Der Meſſias. XII. G. V. 11— 24. Er ihr Retter nicht wär“, ihr Engel geſandt von dem Himmel, Dieſer große: Sich Gott in Allem zu unterwerfen! So voll Jammers, und ſo von jeder Hoffnung verlaſſen War der kleine Haufe der wenigen unter den Menſchen, Die den Verſoͤhner kannten des Ewigen, da ihn ihr Auge Starr, und todt auf Golgatha ſah, und um ihn nun alles Oed und verſtummt; und ſo wars' der von Ari⸗ mathaͤa, Er der Eine, daß ſie nicht ganz dem Jammer er⸗ lagen. Dich zu begraben, du Todter des Herrn, entſchloß ſich Joſeph, Muthiger jetzt, und Raͤcher an ſeiner vorigen Klein⸗ muth. Laut ruft' er auf Golgatha, daß es der Haupt⸗ mann der Roͤmer, Und, wie ſehr auch Angſt ſie betäubte, die Zeugen es hoͤrten: Ich begrabe den Todken des Herrn! Dort gegen uns uͤber Lieget ſein Grab, und meins. Nein! ich will nur bei des Felſen Zwoͤlfter Geſang. 119 XII. G. V. 25— 39. Eingang ruhen. Auf, Nikodemus und alle Myrr⸗ hen, Alles, was du von der Aloe brachſt, das nimm, und erwarte Mich bei dem Kreuz. Ich geh', und ich komme vom Fuͤrſten der Roͤmer Schnell zuruͤck; auch bring' ich die Leinwand zu dem Begraͤbniß. Und er eilte. So eilt der Entſchluß, das Leben zu aͤndern, Wenn er wahr iſt, und jeder Entſchluß der Suͤnde vergebens Gegen ihn den blinkenden Dolchſtoß wuͤthend em⸗ porhebt, Oder umſonſt Einſchlaͤfrungen ihm, und Seligkeit zuſingt, Alſo eilt er zur That! Der Arimathaͤer erreichte Bald des Heiden Pallaſt, und fand ihn umgeben von Unruh; Sahe Portia bleich, und truͤb' ihr Auge von Jammer. P. Was begehrſt du von mir? J. Des Todten Leichnam, Pilatus, Den du nicht kannteſt, und den du, von meinem Volke verleitet, Heut auf Golgatha kreuzigen ließeſt. Ich will ihn begraben. P. Aber was geht der Todte dich an? J. Sehr viel, o Pilatus, 120 Der Meſſias. XII. G. V. 40— 53. Und nur weniger, als den Richter droben, der Goͤtter Gott! P. Am Cocytus, und nicht in dem Him⸗ mel, richten die Goͤtter! Er nicht, den du voll Stolz den Gott der Goͤtter itzt nannteſt, Iſraelit! Rhadamantus, und Minos, und Aekus richten! J. Ob die Goͤtter der Roͤmer, und ob am Cocy⸗ tus ſie richten, Laß uns dann, o Pilatus, entſcheiden, wenn un⸗ ſere Leichen Urne fuͤllen, und Grab. Itt fleh' ich, o unſer Be⸗ herrſcher, Auch der Möoͤrder Beherrſcher, die den Propheten erwuͤrgten, Innig dich an: Gieb mir, gieb wenigen Frommen den Leichnam Dieſes goͤttlichen Manns! P. So waͤr' er ſo ſchnell 3 denn geſtorben? Sag', iſt er wirklich todt? Jett hielt es Portia's Wehmuth Laͤnger nicht aus. Gieb dieſem redlichen Manne den Todten, Oder begrabe mich ſelbſt! Sie ſprach's, und es . ſtuͤrzt' ihr die Thraͤne. Sende zum Hauptmann am Kreuz, Pilatus ſagt' es zu Joſeph, Zwölfter Geſang. 122¹ XII. G. V. 54— 697. Und wenn er kommt, ſo fuͤhr' ihn zu mir. Er ſandte. Der Hauptmann Kam. Sie traten herein. P. Iſt, den ſie vor Barrabas waͤhlten, Jetzt ſchon todt? H. Todt war er. Ihm wollte keiner die Beine Brechen, bis einer zuletzt die Lanze tief ihm ins 1 Herz ſtieß. Und Pilatus erwiederte: Gieb dem Manne den Leichnam, Daß er ihn, wo er will, begrabe. Wo haſt du beſchloſſen Ihn zu begraben? J. In meinem Grab' an Gol⸗ gatha's Huͤgel. Alſo ſagt' er, und ging, und kam zu dem Huͤgel des Todes. Chriſtus Mutter erblickte zuerſt den treuen, und ſah es, Daß er das Sterbegewand zu ihres Sohnes Be⸗ graͤbniß Trug, und weinte vor inniger Wehmuth; doch ohne Sprache Blieb ſie noch ſtets, ſtumm immer noch, mit dem Schwert in der Seele. Und ſo bebte zum erſtenmal die Lippe Johannes: Mutter des Herrn, uns armen Leidenden iſt es doch Lindrung, 122 Der Meſſias. XII. G. V. 68— 82. Daß ihn Joſeph begraͤbt. Allein, indem er es ſagte, Wandt' er gleichwohl vom Grabe den Blick. Die Mutter des Todten, Und des Juͤngers antwortete nicht. Der fromme Joſeph Eilte zum Kreuz, und ihm kam Nikodemus ent⸗ gegen. Wer von den Zeugen ſich ihnen naht, dem rufen ſie beide 4 Freudig zu! Wir duͤrfen den Todten Gottes be⸗ graben! Aber die leidenden traten zuruͤck, und blieben von fern ſtehn: Doch die Zeugen im Himmel nicht auch, die Er⸗ ſtandnen und Engel. Dieſe ſchwebeten naͤher hinzu; und ſchon, doch un⸗ hoͤrbar Menſchlichen Ohren, begann der Harfe Klage; der Stimme Klage noch nicht. Haͤtt' einer der Sterblichen die⸗ ſes vernommen, Einer von denen, die bang in bitterem Schmerze verſanken; Nicht auf der Erd', er waͤr' in dem Himmel vor Freude geweſen! Oder der Engelharfe Wehmuth haͤtt' ihn getoͤdtet! Jetzt trat Joſeph herzu, und Nikodemus, und legten Zwoͤlfter Geſang. 123 XII. G. V. 83— 96. Der das Sterbegewand, und der die Geruͤche dor Myrrhe In den Staub. Dann nahmen ſie von dem Kreu⸗ ze den Leichnam, und ſie ließen ihn ſanft auf Golgatha's Huͤgel her⸗ unter Sinken! Nun ruht' er am Kreuz. Sie eileten, gaben der Staude Leben dem Leichengewand', und wollten, der einſt mit Poſaunen Auferſtehung gebeut, ſo ſchuͤtzen vor der Verweſung. Aber Eva ſchwebt' auf ihn zu, und neigt' ihr Antlitz Ueber das Antlitz des todten Meſſias. Ihr golde⸗ — nes Haar floß Sanft auf ſeine Wunden, und Eine Thraͤne des Himmels Auf die ruhende Bruſt. Wie ſchoͤn ſind deine Wun⸗ den! Liſpelt' ſie leiſ' ihm zu, noch ungeborner Erloͤster Ganzer Aeonen Seligkeit ſtroͤmt aus jeder herun⸗ ter! Suähn mein Mittler, wie decket dir Blaͤ ſe des To⸗ des das Antlitz Dein geſchloſſener ſchweigender Mund, deim ſtum⸗ mes Auge 324 Der Meſſias. „XII. G. B. 97— 110. Reden dennoch ewiges Leben! Ein bluͤhender Seraph, Stuͤrb' er, alſo laͤg' er im Tode. Noch laͤchelſt du Liebe! Und in deinem Geſicht redt jede Geberde noch Gnade! Alſo ſprach zu dem liegenden Todten die gluͤck⸗ liche Mutter; Aber die andere ſtand verhuͤllt, und konnte zum Leichnam. Nicht hinblicken. Joſeph, und Nikodemus um⸗ wanden Schon den Todten. Allein als unter der bebenden Haͤnden Nun das Sterbegewand zu Blute wurde, da hiel⸗ tens Laͤnger nicht aus die vollendeten Frommen, die Vaͤ⸗ ter des Mittlers; Und es begann ihr Todtengeſang, die Klage des Himmels. Eins der Ehoͤre begann, und die Thraͤnen der Se⸗ ligen floſſen. Wer iſt der, ſo vom Golgatha koͤmmt in roͤthli⸗ chem Kleide? Wer, mit Blutgewande geſchmuͤckt, herunter vom Altar? Wie, deß goͤttliche Macht verborgen, und ewiges Heil iſt? Zwoͤlfter Geſang. 1256 XII G. V. 111— 124. Ihm antwortet' ein anderes Chor, und die Thraͤ⸗ nen floſſen, Und der Poſaunen des Weltgerichts toͤnt' Ein' in dem Chore. Ich bins, der Gerechtigkeit lehrt, ein Meiſter zu helfen! Dem erwiedert das Chor, das zuerſt in Thraͤnen dahinfloß: Warum iſt dein Gewand ſo roͤthlich gefaͤrbt? und wie eines, Der die Kelter getreten, dein Kleid? Trat Ich die Kelter Nicht allein? und war mit mir der Endlichen Ei⸗ — ner? Die ſich empoͤrten, ich hab' in meinem Zorn ſie ge⸗ keltert, Sie zertreten in meinem Grimm! und all ihr Ver⸗ moͤgen Iſt auf meine Kleider geſpritzt. In der rettenden Arbeit Habe ich mir die Gewande mit Blute gefaͤrbt! Denn der Rache Tag iſt, es iſt gekommen das Jahr der großen Erloͤſung! Als ich begann zu erloͤſen, da ſah ich umher, und kein Helfer War um mich! Da ſchreckte mich Gott! und kei⸗ ner erhielt mich, 4 126 Der Meſſias. XII. G. V. 125— 138. Keiner im Himmel nicht, keiner auf Erden! Da mußte mein Arm mir Helfen! und gegen die ſtolzen Empoͤrer mein Zorn mich erhalten! Siehe, der Schlange zertrat ich den Kopf! Sie ſtach in die Ferſe! Au' Empoͤrer hab' ich in meinem Zorne zertreten, Hab' in meinem Grimm ſie trunken gemacht zu dem Tode! Alſo hab' ich all ihr Vermoͤgen zu Boden ge⸗ ſtoßen! Dieſes ſangen die Choͤre, und miſchten Triumph 1 in die Wehmuth. Joſeph nahm von des Todten Haupt die blu⸗ tige Krone, Reichte ſie dem Gefaͤhrten, und huͤllte das goͤttli⸗ . che Haupt ein.— Aber nicht wie Maria, und nicht wie die Juͤnger, verſtummten Jene ſeligen Zeugen, die uͤber Golgatha ſchwebten. Denn von neuem begannen der Sterbegeſang, und die Thraͤnen. Haͤtten dir jetzt die Harfen getoͤnet, die du, auch ſterblich Noch, auf Patmos vernahmſt, wie ſelig waͤrſt du geweſen, Zwoͤlfter Geſang. 127 XII. G. V. 139— 152. Juͤnger des Todten, und Sohn der jammervollſten der Muͤtter! Alſo ſang ein Chor der Erſtandnen, und blickt' auf den Leichnam: Sieh, es rauſchte der Bach Kidrona, der Bach an dem Tempel, Engel, der Bach Kidrona! Tritt auf den Stol⸗ zen, o Seele, Auf die liegende Schlange! Die wenigen einſamen Palmen Rauſcheten durch Gethſemane. Da begann er zu ſterben! Einem anderen Chor entſtroͤmeten Halle des Don⸗ 4 ners: Hoͤret' er nicht tief unten die Fluten rauſchen des Abgrunds, Wuthausruf der Gerichteten drohn, und begann zu 2 ſterben? Bebte nicht Tabor hinauf in die Wolke? Da kam Eloa Aus dem Dunkel einher, der Nacht des richtenden Vaters, Schwebt' und ſang ihm Triumphe! Da begann er zu ſterben! Als ſie ſchwiegen, erſcholl die ſanfte Stimme der 3 2 Klage: Und geſtorben iſt er! er iſt geſtorben, ihr En⸗ gel! 128 Der Meſſias.⸗ XII. G. V. 153— 167. Alſo ſangen ſie. Joſeph und Nikodemus er⸗ huben Von der Erde den heiligen Leichnam, und trugen langſam, Ihn von Golgatha's Hoͤh, der Laſt von Gott ge⸗ wuͤrdigt. Und aus einem der Choͤre deleiet ein Hall ſie hinunter Ach er hielt es nicht Raub Gott gleichen! und den⸗ noch, du ſchoͤnſter Unter den Menſchen und Engeln, erniederteſt du bis zum Tode Dich, zu dem Tod' am Kreuz! und Knechte ſuͤn⸗ diger Goͤtzen Warfen! um ſeine Gewande das Loos! Ach Eſſig und Galle Gaben ſie ihm in ſeinem entflammten Durſte zu trinken, Und vom bitteren Kelche des Hohns der Seele des . Dulders! Drauf erhub ein flammendes Chor die Stimme gen Himmel: Ach Jeruſalem.. Wehe dir, Jeruſalem! Wehe Deinen Soͤhnen, Jeruſalem! Jene zu ſchreckliche Stimme, Ach dein Rufen ums Blut des Verſoͤhners, wie hat es der Feldherrn Rufen, du Stadt des Todes, erhoͤrt! Wie haben die Adler Sich Zwoͤlfter Geſang. 129 XII. G. V. 168— 182. Sich verſammelt ums Aas! Da entſanken die Har⸗ * fen den Vatern; Aber es rief die Poſaune fort das Rufen der Feld⸗ herrn. Auch den Haͤnden des Manns, der Aarons Gott . war, entſanken Seine Saiten; allein da Eloa's Donnerpoſaune Weh ausrief, da entſchwebt' er der Heiligen wei⸗ nenden Choͤren, Trat dann dicht bei den Engel, heran zu dem blu⸗ tigen Leichnam. Alſo ſang er, und alſo erſcholl die Poſaune des Se⸗ raphs: Lange wird Er mit euch, die dieſen Abel erwuͤrgten, Siehe der Eine, der ewig iſt, rechten: Ihr Kain, ich kenn' euch! Weiß, wo ihr ſeyd! Schrie gegen euch nicht zu mir in den Himmel Eures Bruders Blut? Nicht um Rache ruft' es mir, rufte Bis in die innerſte Nacht des Weltgerichts, um Gnade! Aber ihr wolltet nicht Gnade! So wird des Ver⸗ geltenden Stimme, Von dem hohen Golgatha bis in die unterſte Hoͤlle, Viel der Aeonen ertoͤnen! Nun waͤhlt, ihr Moͤr⸗ 4 der des Mittlers, Klopſt. Meſſias III. B. J te Aufl. 27 130 Der Mefſias. XII. G. V. 183— 195. Eure Wahl denn, und ſterbt! Doch jetzo entſank 3 die Poſaune Selber Eloa; auch ſchwieg der Geſang des ernſten Propheten. Aber ſie ſahn dem Leichname nach. Ihn tru⸗ gen die Frommen Nieder zum Grabe, das gegen dem hohen Golgatha uͤber Einſam unter alternden Baͤumen in Felſen gehaun lag. Und ſie entwaͤlzten den deckenden Stein der Oeff⸗ nung des Grabmals. Joſephs Aug' erkohr in ſeiner Tiefe die Staͤte Fuͤr den Entſchlafnen, und ſo zerfloß des trauren⸗ den Seele: Endlich hat des Lebens, ach endlich des Todes Dulder, Wo er ſein Haupt hinlege! Sie nahmen den hei⸗ ligen Leichnam, Senkten ihn ſanft hinab in die Tiefe des Grabes, und wandten Oft von dem liegenden Todten weg ihr weinendes Auge, Bis ſie zuletzt den Felſen mit muͤdem Arm' auf⸗ 1 huben, Zwoͤlfter Geſang. 131¹ XII. G. V. 196— 209. Seine dumpfe Laſt in des Grabmals Oeffnung ſinken Ließen, und Nacht ausbreiteten uͤber den Leichnam 1 des Mittlers. Als die Nacht den Todten umgab, da ertoͤn⸗ ten die Choͤre Seiner himmliſchen Leichengefaͤhrten. Sie ſahn in des Grabes Nacht die Morgenroͤthe der Auferſtehung ſchon daͤm⸗ mern. Selbſt du wurdeſt geſaͤt; doch entſproſſeſt du der Verweſung Nicht! Kaum ſchatten dir, Sohn, die Todesſchat⸗ ten, ſo regt ſich Schon das neue Leben um dich! ſo rauſcht's im Gefilde Golgatha ſchon von der Auferſtehung! am blutigen Altar Laut von der Auferſtehung des groͤßten unter den . Todten! Toͤnt, Poſannen der Engel des Throns, der Ernd⸗ ter am Tage Seines Lohnes, der Himmelrufer, wenn nun an des Sion Strome die neuen Namen der Sieger melodiſch heraufwehn, Toͤnet der nahenden Auferſtehung des Sohnes ent⸗ gegen! 63. J 2 132 Der Meſſias. XII. G. V. 210— 223. Liſpelt, Harfen, der ſchoͤnſten der Morgenroͤthen, dem Schimmer Seines Erwachens, des Siegenden ſtrahlendem Schweben entgegen! Ach uns ſchlummert er nicht in der Nacht des Ent⸗ ſetzens! er ſchlummert Uns in der Palme Schatten, der Ueberwinder des Todes! Klaget, klaget ihm nach, ihr ſeine Geliebten, die ſterblich Noch im Staube wandeln; ihr weint bald andere Thraͤnen, Thraͤnen, wie wir ſie nicht weinen koͤnnen, die euer Elend Nicht empfanden, wie ihr, nicht weinten aus blu⸗ tendem Herzen! Stille verbreitete ſich um das Grab. Die Engel verließens, Und die Menſchen. Es ſchwieg der Harfen Stimm und der Thraͤnen, Mittler Gottes, um dich, der endlich am blutigen Altar Ruhe fand, entriſſen dem Leiden des Opfertodes. Und Johannes wandte ſein Antlitz, und ſprach zu Maria: Meine Mutter, nun deckt ihn die Nacht. Ach laß uns den Huͤgel Zwoͤlfter Geſang⸗ 133 XII. G. V. 224— 236. Nun verlaſſen. Ich will dich zu meiner Huͤtte ge⸗ leiten. Ganz aus ihrer Seele, die Seele der Mutter des Mittlers War erhaben! mit truͤbem und thraͤnenblutendem 1 Auge Sprach ſie, und endete ſo ihr langes Todtenver⸗ ſtummen: Deine Mutter? Entzuͤckung der Himmel kann es mir einſt ſeyn, Ach daß Er der Gebende war! die letzte der Freuden Auch nicht, o ſein Juͤnger, daß du der gegebene Sohn warſt: Aber Jammer, und Tod, und Grab, und alles Entſetzen 3r es, daß Er mein Sohn nicht mehr iſt! Da verſtummte ſie wieder, Und verhuͤllte ſich. Bleich, wie die jammervollſte der Muͤtter, Fuͤhrte der Sohn an dem Todeshuͤgel ſie langſam hinunter. Abgeſondert von andern, von dichten Palmen umgeben, Und in dem Schatten des Tempels, nicht fern von Jeruſalems Mauer, 134 Der Meſſias. XII. G. V. 237— 250. Lag ein einſames Haus, das Johannes, des goͤtt⸗ lichen Lehrers Lieblingsjuͤnger, bewohnte. Da bracht' er vom Kreuz Maria Traurend hinab. Er ſelbſt ſank faſt vor innigem Gram hin. Wen er. indem ſie herab von dem Huͤgel wankten, erblickte Von den Zwoͤlfen, den Siebzigen, und den heili⸗ gen Weibern, Bat er zu ſeiner Mutter zu kommen, und waͤr' es ihm moͤglich, Ihr die tiefe Wunde zu heilen, die Wund' in der Seele; Zwar nicht ganz, das koͤnnte kein Menſch, das koͤnnte der Herr nur! Gabriel kann es, nicht wir, wenn ihn noch Ein⸗ mal vom Himmel Gott, daß ſie ihn von neuem erhebe, der leidenden ſendet, Daß von neuem ihr Geiſt ſich freue Gottes, des Retters! Bald verſammelten ſich in dieſem Hauſe die Juͤn⸗ ger, Und der Siebzige viel, und viele der heiligen Wei⸗ ber. An der Mauer hinab, gedeckt von dem vorderſten Hauſe, Zwoͤlfter Geſang. 135 XII. G. V. 251— 263. Zog ſich ein andres. In dieſem war der Saal der Verſammlung. Ueber dem Saal erhub ſich der Söller, entſtieg der Mauer Hoͤhen, und oͤffnete fuͤr das Aug' ein reiches Gefilde. Singe, mein Lied, die Thraͤnen der Lieben⸗ den um den Geliebten, Ach der traurenden Freundſchaft Klage. Wie Is⸗ 1 raels Wehmuth Auf den blutigen Rock des Sohnes Rahel, auf Joſephs, Joſephs floß, ſo fließe mein Lied voll Empfindung und Einfalt. Langſam, weinend, mit ſchwerem Athem, er⸗ reichte Maria Endlich die Huͤtt' an dem Tempel, und trat in den — 1. Saal der Verſammlung, Wo ſie den Heiligen, den ſie geboren, und der nun todt war, Oft vordem geſehen, und oft die Thraͤne der Freude Weggewendet, und eingehuͤllt ſich hatt' in den 4 Schleier. Als ſie, wo er geſeſſen, und wo er himmtiſch ge⸗ ſprochen, 136 Der Meſſias. XII. G. V. 264— 277. und ſie geſegnet hatte, die leere Stelle, auf im⸗ mer. Leer nun, erblickte; da weinte ſie laut, ſank neben ihr nieder, Knieet', und neigte die Stirn darauf. So fand ſie Maria Magdale liegen, und noch die Mutter der Zebe⸗ daͤiden. Auch Nathanael kam, und fand ſie noch alſo, bis endlich Sie es Magdale, und der Mutter Johannes er⸗ laubte, 3 Sie in die Hoͤhe zu heben. Nun ſaß ſie verhuͤllt, wie am Kreuze; und mit ihr verſtummten die anderen. Simon Pe⸗ trus Trat herein, und als er ſah die Mutter bei Je⸗ ſus, Weinet' er laut, und rief: Er iſt begraben! Ich . hoff' es, Ja, ich hoff' es zu Gott, wir alle werden um ihn bald Auch begraben liegen! Mir ſoll es Joſeph verhei⸗ ßen, Soll es mit einem heiligen Eide gen Himmel mir ſchwoͤren, Daß er neben ihn mich, dicht an den Felſen des Todten, Zwoͤlfter Geſang. 137 XII. G. V. 278— 291. Legen will! Und mich in den Felſen! rufte Ma⸗ 4 ria.. Hand in Hand, kam Simon der Kananit, und — Matthaͤus, Kam Philippus, und kam der Alphaͤide Jako⸗ bus; Aber Lebbaͤus allein. Er wollte reden, doch ſetzt er Sich in die dunkelſte Ferne des Saals, und ver⸗ huͤllte ſein Antlitz. Auch Jakobus, der Zebedaͤide, der Sohn des Don⸗ ners Trat herein, und erhub die Haͤnd' und die Augen . zum Himmel! Todt! er iſt todt! und nichts iſt alle menſchliche Größe, Auch die wirkliche ſelbſt, ſie, die zu glaͤnzen ver⸗ 1 achtet, Und nur handelt, iſt nichts! Denn uͤber ihn ha⸗ ben Verruchte, Haben Tirannen geſiegt! So ſprach der Zebe⸗ daͤide, Ging dann wieder hinaus, und kuͤhlte ſich unter den Palmen. Bartholomaͤus, mit ihm der Bruder Simons, An⸗ 3. dreas. Kam, und Kleophas, und Matthias, und Semida kamen. Der Neſſias. XII. G. V. 292— 305. Alle troſtlos, und jammervoller, als jeder des an⸗ dern Schmerzen ſah. Die Lippe verſtummt', und des 3 Weinens Stimme Scholl nur dumpf im daͤmmernden Saal. Ihn hatte Maria Magdalena mit einer entſchlummernden Todten⸗ lampe Sparſam erhellt. So lag in verloͤſchendem Schim⸗ mer des Altars Abel mit ſtummer Lippe; und ſeines Blutes 4 Stimme Jammerte nur. Jetzt kamen noch heilige Wabe⸗ und trugen Sterbetuͤcher, und trugen noch Salben fuͤr den Ent⸗ ſchlafnen. Auch Unſterbliche ſchwebten herein, die Engel der Juͤnger, Und der nderen Weinenden Engel. Allſehendes Auge, Deins, deß Tod ſie beweinten, auch du, mitlleidi⸗ ges Auge, Blickteſt in dieſe Verſammlung! Der Engel Mag⸗ dale’s hebt ihr Ihre Seele ſo weit aus ihrer Traurigkeit Ab⸗ grund, Daß ſie zu klagen vermag. So klagte die Hoͤrerin Jeſus: Zwoͤlfter Geſang. 139 XII. G. V. 306— 319. Wie viel anders, wie ſehr viel anders iſt es mit uns nun, Da er.. Mutter, ſtirb du nicht auch, damit wir nicht vollends Gar vergehn! Nun empfind' ich es erſt, nun lern' ich es weinen, Was der Bethlehemit einſt uͤber Jeruſalem weinte, Ueber die einſame Witwe, die Fuͤrſtin unter den Heiden, Und der Laͤnder Koͤnigin war! Wir waren ge⸗ ringe, Lebten duͤrftig im Staub', und dennoch waren wir gluͤcklich! Denn er war ein goͤttlicher Mann, der todt iſt! Allein jetzt, Ach was ſind wir geworden! geſtuͤrzt in welches Elend! Und was werden wir ſeyn! und welche Naͤchte voll Jammers Werden wir weinen! O moͤchten der Jammernaͤchte nicht viel ſeyn! Und die letzte des ewigen Schlafs bald kommen, ddes Schlummers In dem beſſeren Lager, als unſer Lager voll Thraͤ⸗ nen! Unſere Feinde ſchweben empor, und ſpotten der armen, 140 Der Meſſias. XII. G. V. 320— 333. Die den gottlichen Mann verehrten in ihrer Einfalt. Auch ſein ſpotteten ſie, und gaben ihm, als er in Durſte Rufte, nicht Galle nur, ſie gaben die unterſten Hefen Ihres Hohnes ihm auch in ſeinen Qualen! O Richter! Geuß auch ihnen, Vergelter! der Rache Taumel⸗ kelch voll! Laß ſie bis zu den Hefen hinab ihn trinken, und ſterben!* Und ſie ſchwieg. Zu ihr ſprach Jeſus Mut⸗ ter, und weinte, Daß ſie vor innigem Schmerz die gebrochnen Wor⸗ te kaum ausſprach: Ueberlaß du es ganz dem Richter, o Magdale! Rief denn 1 Nicht in ſeinem Blute mein Sohn herab von dem Kreuze: Vater! ſie wiſſen es nicht, was ſie thun. Erbar⸗ me dich ihrer! Und Bewundrung ergriff, und unausſprechliche Weh⸗ muth Aller Herzen, ein Kampf der erhabenſten Freud', und der truͤbſten Bitterſten Schmerzen; allein die Schmerzen ſiegten, und bald ward Zwoͤlfter Geſang. 141 XII. G. V. 334— 347. Aller Seele von neuem zu Nacht! Jetzt ſagte Leb⸗ baͤus: Ja, erbarme dich ihrer, a Richter, und Vater! . doch unſer, Unſer erbarme dich auch! und laß uns ſterben! Was koͤnnen Wir auf der Erde noch thun? Was ſind wir oh⸗ ne den Todten? Ach ſein Vater, er ſagt' es uns einſt, in deinem Hauſe Sind der Wohnungen viel! O laß nur an deines Hauſes Schwellen uns liegen, und nicht in des Elends Huͤt⸗ ten uns bleiben! Keiner komm', und wag's, und wolle mich troͤ⸗ ſten. Ich kenne Keinen Troſt, als allein den Tod! Den lieb' ich, und der kann Nur mich troͤſten, der oft des Todes Namen mit ausſpricht. Sieh, er iſt mir ein lieblicher Schall zu der Blu⸗ menzeit! iſt Tempelgeſang mir! Mich gruͤße kein Gruß von dem Leben! und unſer Liebſtes Geſpraͤch ſey derer Hinuͤberwallen, die nun . 3 ſchon Guͤckliche ſind, ſey Grab, und Todtengeſang, und Erde 142 Der Meſſias. XII. G. V. 343— 361. Niedergeſchuͤttet auf Erde! Wie leichte Wanderer, laßt uns Fertig ſtehn, den Stab in der Hand! Ich liebe 8 nicht mich nur: Ach ich liebe, wie mich, und ſegn' euch mit eben 8 dem Segen, Wie der iſt, um welchen ich, ihr Geliebten, euch flehte: Sterbt! Und Kephas rief: Ja ſterben! ſterben! Im Grab' iſts Nun gut ſeyn! Die Huͤtten laß uns, o Erbar⸗ mer, einander Baun! Kaum hatt' ers geſagt, ſo trat der lei⸗ dende Thomas Auch herein. Sein wankender Fuß verweilt' an der Schwelle. Welcher Anblick drang in die Seele des zoͤgernden: Menſchen, Fromm, wie wenige waren, und ſeine Freunde, verlaſſen Von dem Helfer im Himmel, und von dem Hel⸗ fer auf Erden, Jeſus, und mitten in dieſem Gram verlaſſen! Ein Grabmal Wurd' ihm der daͤmmernde Saal: ſie Todtenbil⸗ der, die weinend Rings um ihn her verſtummten. Wenn ihr es noch ſeyd, die des Einzugs Zwoͤlfter Geſang. 143 XII. G. V. 362— 375. Lautes Hoſanna vernahmen, was ſaͤumet ihr wirk⸗ lich zu ſterben?. Warum bleibt ihr ſo lang' in dieſem Kampfe des Todes? Ich, ich fuͤhle den nahenden Tod, und ich glaubte bei euch hier Schon, die gluͤcklicher waͤren, zu finden, einige, ¹ die wir. Auch begraben koͤnnten! Er iſt begraben, der lebend Auf dem Meere ging, und Lazarus auferweckte! Und(dort weineſt du ja) dich, Semida! Didymus hatt' es Kaum geſprochen, als er auf einen der Teppiche . hinſank. Jetzo trat mit traurendem Ernſt' in die ſtum⸗ me Verſammlung Joſeph von Arimatha. Ihr Bruͤder Chriſtus, und meine, Nikodemus, mein Freund, kam auch, und erwar⸗ tet zitternd, Ob ihm hereinzutreten vergoͤnnt ſey? Er traͤgt.. Ach Joſeph, Beſter Mann, was traͤgt er? was traͤgt er, Jo⸗ ſeph? J. Ich ſeh' es, Ja, ihr leidet zu viel! und ach was wuͤrdet ihr leiden! 144½ Der Meſſias. NXII. G. V. 376— 339. Nein! er muß ſich wenden, und fliehn! Was traͤgt er? was iſt es? Joſeph, was traͤgt er? J. ihr danket mirs noch. Ich geh', und ich bitt' ihn, Daß er ſich wend' und entflieh'! Er bringt die blutige Krone! Jammernd rufte die Mutter, die blutige Krone! Der Mutter Lautes Rufen durchdrang der felſenſtarren Verſamm⸗ 4 lung Mark und Gebein! Sie hatt' es kaum gen Him⸗ mel gerufen, Als, die Kron' in der Hand, des Todten Zeug' hereintrat. 1 und ſie entriß ſich der Haltenden Arm, nahm blei⸗ cher den Schleier Von dem Geſicht, und deckte damit die toͤdtende Krone! Rang die Haͤnd', und wankt', und ſtuͤrzte zur . Erde. Sie hielten, Wie ſie konnten, die Mutter, und ſanken mit ihr! Verſtumme! Denn du vermagſt nicht, o du der wehmuthtoͤnen⸗ nenden Harfe Leiſeſter Laut, das erſte Stammeln der Mutter zu weinen, Da ſie nun wieder emporgerichtet ſtand, und die 4 Arme Nach Zwoͤlfter Geſang⸗ 445 XII. G. V. 390— 403. Nach der Huͤlfe des Herrn ausbreitete! Nieder vom Himmel Blicket' auf ſie der liebende Sohn, und bereitet ihr Wonne; Aber die war ihr verborgen, und bleich, wie Ster⸗ bende, fuhr ſie Alſo fort zu klagen: Noch Einmal ſie ſehn? Warum ach Brachtet ihr ſie? Ich ſah ſie von ſeinem Blute ſtarrend Lang' um ſein Haupt! Allein der im Himmel wohnet, hat furchtbar Seinen Bogen auf mich geſpannt, und toͤdtlich Geſchoß drauf, eh mir armen! gelegt! Ich bin ſein Ziel! zum Verderben Richtet er zu den flammenden Pfeil. Iſt unter den Himmeln Irgendwo noch, gebar noch eine der Muͤtter, die ſterben Einen Sohn ſah, welcher dem heiligen Todten am Kreuz glich? Alſo jammerte ſie. Doch Lazarus Schweſter, Maria Lag zu ſterben. Es kuͤndeten ihr ſchon kaͤltere Schweiße, Und in Arbeit ihr Herz, zu leben ſich muͤhend, den Tod an. Klopſt. Meſſias III. B. K ate Aufl. 146 Der Meſſias. XII. G. V. 404— 417. Ueber ſie ſenkte ſich ſchon der ſchwere Schlummer, der Fuͤhrer Jenes ewigen Schlafs in dem Schooß der ſtummen Verweſung. Jetzo erhub ſie noch aus den Tiefen, in die ſie der Schlummer Niederſenkte, das Haupt, und ſuchte mit truͤberem Blicke Martha's Auge voll muͤdes Schmerzes. Das war zu der Thraͤne Ueber dem langen Weinen vertrocknet. Die ſter⸗ bende ſagte: Schweſter, ich ſchwieg: nun kann ich nicht mehr. Noch verlaſſen mich Alle, Lazarus, und Nathanael ſelbſt! und ſieh, ich ſterbe! Ach! ich lebte mit ihnen; und ohne ſie ſoll ich ſter⸗ ben? Mth. Klage die treuen nicht an. Sie hat der goͤtt⸗ liche Lehrer Irgend in eine der Wuͤſten gefuͤhrt, damit ſie es ſehen, Wie er die Hungrigen ſpeist, und labt die Seele der Muͤden! M. Klagt' ich ſie an? Das wollt' ich nicht, Mar⸗ tha. Ach! die ich liebe, Klagt' ich ſie je in meinem Leben denn an? Ihr Geliebten, Zwoͤlfter Geſang. 147 XII. G. V. 418— 431. Hab' ichs gethan, ſo verzeiht mirs, und alle meine Gebrechen, Welche bekannt, und verborgen mir ſind! 2ch, was ſich mir jetzt zeigt, Huͤllet alles die Seele mir ein in Schwermuth! Mth. Entreiße Dieſer gruͤbelnden Aengſtlichkeit dich, mit der du dich quaͤleſt! Koͤmmt die Nacht denn zuruͤck, die dein ſonſt hei⸗ teres Leben Unterweilen mit Trauren umzog, zuruͤck in dem Tode? M. Nenne die Fuͤhrung Gottes nicht Nacht! Ich beſchwoͤre bei dem dich, Der uns richtet, der mich zu unſeren Vaͤtern itzt ſammelt, Nenne ſeine Fuͤhrung nicht Nacht! Und hab' ich gelitten; Hab' ich der Freuden nicht viel auch gehabt? nicht Freunde, wie du biſt? Nicht die Wonne der Engel erlebt, die Entzuͤckung der Himmel Auf dem Wege zum Grabe, nicht Jeſus Chriſtus geſehen? Seine Wunder geſehn? und ſeine Weisheit gehoͤret? 4 4 mich danken fuͤr all mein Elend! alle die Ruhe, K 2 148 Der Meſſias. XII. G. V. 432— 445. Welche mir ward! fuͤr jeden Labetrunk, der in Durſte, Jeden Schatten, der mich in der Hitze des Kum⸗ mers erfriſchte! Und vor allem, daß ich den Freund der Menſchen geſehen, Jeſus, den Auferwecker der Todten! Martha, verlaß mich, Geh, bereite das Grab! Wo Lazarus ſchlief, will ich ſchlafen! Mth. Schlafen, wo Lazarus ſchlief, und auferſte⸗ hen, Maria, Durch den Ruf des Todtenerweckers! M. Du gluͤck⸗ liche Martha! Welche ſuͤße Traͤume der Hoffnung! Bereite das Grab mir! Geh, ich will allein ſeyn mit Gott! Zu des Hei⸗ ligen Fuͤßen Saß ich, da lehrt' er mich: Eins iſt noth! Nun iſt es das Eine, Daß ich allein ſey mit Gott! Den beſten Theil will ich jetzo Auch erwaͤhlen! Mth. Ich ſoll dich in deinem To⸗ de verlaſſen? Ich verlaſſe dich nicht, Maria! Sey ruhig, ich helfe Dir nur leiblich. Du biſt mit Gott allein, Ma⸗ ria! Zwoͤlfter Geſang. 149 XII. G. V. 446— 459. Amen! mit dir ſey Abrahams Gott, und Iſaks 3 und Jakobs! M. Bleib denn! Es ſey mit mir, der alle Him, mel erfuͤllet, Der allmaͤchtig gebeut: Kommt wieder, Kinder von Adam! Jeſu, Jeſu, und Abrahams Gott, und Iſaks, und Jakobs! Alſo ſprach ſie, und flehte darauf in den Tiefen der Seele Zu dem Suͤndevergeber: Erhoͤr', o erhoͤr', und gehe Nicht ins Gericht mit mir armen! Wer aller Le⸗ benden koͤnnte, Wollteſt du richten, vor dir beſtehn! Erſchaffe mir Ruhe, Gott, im ſterbenden Herzen, und mache der muͤ⸗ den Seele Deines Heiles gewiß! Du Herr des Todes, ver⸗ wirf mich Nicht von deinem Antlitz! und troͤſte mich wieder, o Vater! Troͤſte mich wieder! und dir erhalte dein freudiger Geiſt mich! Du, der Hiob erhoͤrte, da er, von Jammer um⸗ 3 geben, Strebt', arbeitet', und rang zu glauben, und den⸗ noch nicht glaubte, 150 Der Meſſias. XII. G. V. 460— 473 Daß du ihn, Vater, erhoͤrteſt, vernimm mein Fle⸗ hen, und hilf mir! Alſo betete ſie. Dann redte ſie wieder zu Mar⸗ tha. Meyneſt du, Martha, daß Jeſus fuͤr mich jetzt bete? Du weißt es, Daß er weinte, da wir zu dem Grabe Lazarus ka⸗ men. Sollt' er meiner nicht auch ſich erbarmen? O ſa⸗ , du theure, Koͤnnen wir wohl, ohn' Ihn, zu dem, der ihn ſendete, kommen? Gnade durch Ihn zu empfahn, die Hoffnung labte mich, wenn mich Jener Gedank' ergriff mit ſeinem Entſetzen: Ver⸗ flucht ſey, Wer nicht, was ich gebot, das alles erfuͤllt! Gott redet! Mth. Waͤre Nathangel nur, und Lazarus hier, die wuͤrden Dir es ſagen. Ich weiß nur das Eine gewiß, du verlaßne: Jeſus betet fuͤr dich! M. Ich waͤr verlaſſen, Ge⸗ liebte? und der allgegenwaͤrtige Herr des Lebens und To⸗ des Iſt um mich! und es hetet fuͤr mich der Helfer in Juda! Zwoͤlfter Geſang. 151 XII. G. V. 474— 487. Alſo ſprach ſie, und ſank in tiefere Schlummer. Ihr Herz hing, Aber zitternd, an Gott! Sie ſchlummern zu ſe⸗ hen, erhub ſich Martha, und ſtand bei dem Lager, und athmete kaum, nicht zu wecken, Die ſie herzlicher liebt, als ſich ſelber! die nun zu den Vaͤtern Hinging, fern von ihr weg, die Wege des finſtern Thales, und ſie allein ließ! Da die Wehmuth das Herz ihr durchſtroͤmte, Stuͤrzet' ihr eine Thraͤne die Wang' herab; doch des Weinens Stimme hielt ſie, und bald auch wieder den ſchnel⸗ leren Athem. Alſo ſtand ſie verſtummt, im daͤmmernden Saale. Denn dichte Dunkle Huͤllen bedeckten der Nacht Gefaͤhrtin, die Flamme, Welche nun oft ſchon erſt mit dem Morgen erloſch. So findet Jener gluͤckliche Wanderer, dem die Erinnrung des Todes Freud' iſt, wenn er in der ſchweigenden durſtenden 4 Wuͤſte die Kuͤhlung Eines Felſen ereilt, er findet ein Grab in dem Felſen, 15² Der Meſſias. XII. G. V. 438— 501. Ueber dem Grabe das Bild des liegenden Todten. Ein andrer* Starrender Marmor, der Freund, ſteht neben der Leiche. Die Hoͤhle Nimmt nur wenig truͤberen Tag in ihre Gewoͤlb' auf. Voll von deſſen Trauren, der ſtarb, und deſſen, der nachblieb, Sieht ſie der Wanderer an. So fand dein Engel, Maria, Martha bei dir, als er zu deinem Lager heran⸗ trat. Neben den Fuͤßen der ſterbenden, mit verloͤſchender Schoͤne, Stand der himmliſche Juͤngling. Den Engeln iſt Schoͤne gegeben, Die auf der Geiſter Stufen, der Menſchen Seelen die naͤchſten, Stehen; und denen Herrlichkeit, denen erhabnere 3 Stufen Throne ſind. Doch gegen die Herrlichkeit deß, der zur Rechte Seines Vaters ſtieg, iſt ihre Herrlichkeit Schat⸗ 3 ten. O du, der in Triumph empor, in Triumph, in Triumphe Stieg in die Himmel der Himmel empor, und herr⸗ ſchet, wo Gott herrſcht, Zwölfter Geſang. 1253 XII. G. V 502— 515. Mein Fuͤrbitter, laß mich, laß zahlloſe Schaaren Erlöster, Meine Bruͤder, den Tod der Gerechten ſterben! ſo moͤgen Leiden uns noch, die letzten der Pruͤfungen, oder des Himmels Vorempfindungen uns umgeben, laß, o Verſöhner, Laß, Geopferter, nur den Tod der Gerechten uns ſterben! Chebar ſtand zu den Fuͤßen der Bethanaitin, und fuͤhlte Sciner Schoͤnheit gluͤhendes Licht in Daͤmmrung erlöſchen.— Seinem Antlitz entfloh der roͤthliche Morgen, die Strahlen Seinen Augen. Ihm ſanken herab, wie Schatten, die Fluͤgel, Ohne zu toͤnen, und ohne zu duften des ewigen Fruͤhlings Suͤße Geruͤche, nicht mehr mit des Himmels Blaͤue beſtroͤmet, Triefend nicht mehr von goldenen Tropfen. Er nahm von dem Haupte Seinen vordem weitglaͤnzenden Kranz, und hielt ihn vor Wehmuth Kaum in der ſinkenden Hand. Er wußt' es, er durft' ihr nicht helfen, 154 Der Meſſias. XII. G. V. 516— 529. Eher nicht, bis bei ihr, wenn ihr Herz in dem Tode nun braͤche, Lazarus beten, und weinen der Juͤnger Elims, und Martha, Und Nathanael weinen wuͤrden. Lazarus war noch Mit den Juͤngern in Salem. Er trat zu der Mut⸗ ter des Todten: Siehe, ſchon naht ſich die Mitternacht, Maria, und als ich Aus Bethania ging, ſchien meine Schweſter dem Tode Nahe zu ſeyn. Ach wenn ſie nur nicht ſchon Tod iſt! Ich gehe, Daß ich ſie todt ſeh', oder noch lebend. Hat ihr nur keiner Golgatha's bange Geſchichte geſagt; ſo kann ſie noch leben. Wuͤßte ſie ſie, und lebte ſie noch; was wuͤrd' ihr der Anblick Eines der Juͤnger des Goͤttlichen ſeyn, welch Lab⸗ ſal im Tode! Und Lebbaͤus erhub ſich: Ich gehe mit dir! Da uumarmt' ihn Schnell Nathangel: Komm, du Geliebteſter unter den Lieben! O wie dankt dir mein Herz! Itt ſtanden ſie fer⸗ tig zu gehen Zwoͤlfter Geſang. 155 XKll. G. V. 530— 544. Von der Mutter des Todten. O ſeine Mutter, ich mag nicht, Sagte Lazarus, jetzt den Namen nennen, den Engel Nannten; denn ach! ſo oft wir ihn nennen, blutet dein Auge. Er, der deine Thraͤnen geſehn, gezaͤhlet, der Va⸗ 1 ter Deſſen, den ſie begruben, der, daß er ſtuͤrbe, ge⸗ wollt hat, Sey mit dir! mit dir ſey Gott! Du höͤrteſt ihn beten: Vater, in deine Haͤnde befehl' ich meine Seele! Deine Seele ſey auch in Gottes Haͤnde befohlen; Aber lebe! Nun ging er mit Eile von ihr, und die beiden Folgten mit eben der Schnelligkeit nach. Mit ſchweigendem Ernſte, An der zitternden Hand der Ungewißheit gelei⸗ tet, Gingen ſie neben einander, und kamen ins Haus, des Grabes Vorhof, wo die ſterbende war. Sie ſtanden mit Martha Schon um ihr Lager, als nun Maria ihr Haupt aus dem Schlummer Endlich erhub. Sie rief: O Dank dir, Geber des Lehens, 156 Der Meſſias. XII. G. V. 545— 558. Und des Todes, ſie ſind gekommen, mit ihnen Leb⸗ baͤus. Lazarus ſprach: Wie hat dir bisher, Maria, des Lebens Und des Todes Geber geholfen? M. Mit Gnade! Denn alles, Was er thut, iſt Erbarmen; wie qualvoll uns es auch ſcheine! Ach was hat mein Herz nicht gelitten! und ſiehe, nun ſterb' ich! Wo iſt Jeſus, mein Bruder? Er weiß es gewiß, wit ich leide! Hat er fuͤr mich gebetet? L. Ich kenne dein Lei⸗ den, Maria, Wenn es Nacht um dich wird; doch ſage, was lei⸗ deſt du jetzo? M. Nicht von jenem Bilde der fuͤrchterlichen Ver⸗ weſung Leid' ich, noch von dem truͤben Gedanken, euch zu verlaſſen; Ach ich leide, daß mir der Zweifel die blutende Seele Immer tiefer verwundet: Ob der auf Horeb mein 4 Gott ſee Ach mein Bruder, wie war dir, als du den Don⸗ mer: Verflucht iſt, Wer nicht alles erfuͤllt! im ſterbenden Herzen ver⸗ nahmeſt? Zwoͤlfter Geſang. 157 XII G. V. 559— 572. Aber betete Jeſus fuͤr mich? Wenn fuͤr mich der Gerechte Betete, ſiehe, ſo geh' ich gern hinab in das dunkle Naͤchtliche Thal, zu dem ewigen Schlafe mich nie⸗ derzulegen. Huͤter! iſt ſie nun bald, die Nacht der Erde vor⸗ uͤber? Iſt ſie nun bald, o Huͤter, voruͤber? Sie ſchwei⸗ gen, Martha; Auch Nathangel ſchweigt! Er hat fuͤr mich nicht gebetet! Nun ſo gehe denn ganz durch meine Seele, hier bin ich, Schwert des Herrn! Dein Wille geſcheh! Dein Will' iſt der beſte! Hoch empor hub Lazarus jetzt die gefalteten Haͤnde: Wie ſich ihres Kindes ein Weib erbarmt, ſo er⸗ barmſt du Unſer dich, El Schaddai! und ob ſich ihres Kin⸗ des Auch das Weib nicht erbarmt; ſo wirſt doch du dich erbarmen! Du biſt Gott! du haſt uns in deine Haͤnde ge⸗ . zeichnet! Lazarus weint's. Da richtete ſie ihr geſunkenes Haupt auf: 156 Der Meſſias. XII. G. V. 573— 586. Sage, mein himmliſcher Bruder, was geht von beiden nun mich an, Jener Fluch von dem Sinai? oder die Liebe der Mutter? Waͤr' es die Liebe; Heil dann mir! dann Jubel⸗ geſaͤnge, Heißer herzlicher Dank dem Geber ewiger Gna⸗ den,. Welcher ſich nicht wie die Menſchen erbarmt, dem Erbarmer, der Gott iſt! Aber wie kann ich es wiſſen, daß er mit der Liebe der Mutter Mein ſich erbarmt? Ach rede doch: Hat das Ge⸗ bet des Gerechten Meinen Richter erweicht? und ſieht er, mit jener Erſchuͤttrung Seines Innerſten, der, der heftigen Wehmuth der 1 Mutter, Jenem Auge voll unausſprechlicher Unruh' und Huͤlfe, Nieder auf mich? Ich lieg', und ich weine voll Jammer, und ringe Meine Haͤnde gen Himmel; nach Rettung ruf' ich, und kenne, Wer mir helfen wird, nicht, nicht die mich gebar! Du Erbarmer! Flehte Nathanael, biſt du ihr Mutter; ſo laß dein Antliz 3 Zwoͤlfter Gefang. 459 XII. G. V. 587— 601. Unausſprechlicher Unruh voll und Huͤlfe ſie ſehen! Herr, verbirg dich nicht laͤnger! Erdulde ſie gern, die Leiden, Lazarus ſprachs, die ſo nah an die großen Vollen⸗ dungen graͤnzen. Wuͤßteſt du, welcher Geduld Beiſpiel wir haben, ach welcher Gottesergebung, und wem in die Himmel der Him⸗ mel wir nachſehn! Auferſtanden bin ich, und wuͤnſchte mit dir zu ent⸗ ſchlummern, Meine Schweſter! Wenn mir rufte die Stimme des Todes; O ſie wuͤrde melodiſcher mir, wie des Tempels Ge⸗ ſang ſeyn An dem dankenden Tage des großen Halleluja! M. Freud' ergreift mein Herz, und Entſetzen! Was iſt es, mein Bruder, Das du ſagſt? L. Hat es Gott nicht gethan? ich will es ihr ſagen, Meine Geliebten! Laßt uns die Wege des Herrn nicht verſchweigen, Auch wenn ſie fuͤrchterlich ſind! Maria, der beſte der Menſchen, Unſer goͤttlicher Freund, der große Helfer im . Elend, Jeſus Chriſtus, der Suͤndevergeber, der Todtener⸗ wecker 160 Der Meſſias. XII. G. V. 602— 615. Iſt mit Muth und Geduld der Engel am Kreuze geſtorben! M. Iſt am Kreuze, ſo ſtammelte ſie erbebend, in⸗ dem es Nacht um ſie ward, am Kreuze geſtorben?(ihr Haupt ſank nieder;) Er, ihr Engel, geſtorben?(ihr brach das Aug') an dem Kreuze? Wirklich geſtorben? Du, der dieß gewollt hat, ich preiſe Deinen herrlichen Namen fuͤr all mein Leiden! und folge Deinem Getoͤdteten nach! Ihr erſtarrte die Zung', und die Blaͤſſe Und die Ruhe des Todes deckt' ihr auf Einmal das Antlitz. Lazarus legte die Hand in ihrer erkaltenden Stirne Todesſchweiß. So ſchlummre denn bald, und in Frieden hinuͤber Zu den Todten Gottes, vollendete deines Erbar⸗ — mers! Werde dem Tage des Lichts geboren, dem ewigen Leben! Sieh, es haͤnget mein Herz an deinem Herzen, doch laſſ' ich. Deine Huͤtte dich gern abbrechen, und dich nach 4 Kanan Hinziehn. Zwoͤlfter Geſang. 161 XII. G. V. 616— 628, Hinziehn. Sey du ihr Stab in dem dunkeln Thale der Wuͤſte, Huͤter Iſrael, bringe ſie ſelbſt in das Land der Er⸗ quickung, Wo die Thraͤnen du all' abtrockneſt, wo keine Klage, Keines Jammers Geſchrei den Dank der Jubel ent⸗ weihet. Erdenſonne, verliſch ihr, und letzter Schlummer des Todes, Komm, und thu dich ihr ſanft, o Ruhſtatt ihres Gebeins, auf! Nimm ſie, Verweſung, daß auch ihr Leib zu dem 3 Leben erwachſe. Saat, dich ſaͤet der Herr dem großen Tage der Erndte Wenn die Schnitter rufen, und wenn die Poſau⸗ — nen erſchallen! Wenn die Erd' und das Meer mit lauteren Wehen gebaͤren, Als einſt Eden gebar! wenn ringsumher die Him⸗ mel Aller Himmel vom Preiß' ertoͤnen des Einen, der richtet. Und ſie wandte mit Himmelsgefuͤhl von Ruh' und 5 Errettung Klopſt. Meſſias III. B. 2 lite Aufl. 162 Der Meſſias. XII. G. V. 629— 642. Sich nach Lazarus um, und ſah den freudigen Bru⸗ . der Freudiger an, indem er den Segen zum ewigen Leben Ihr mit Worten in Strome, mit ſuͤßen Entzuͤ⸗ ckungen zurief. Chebar ſah den ſiegenden Tod in der ſterben⸗ den wuͤthen, Und erbebte vor Wonne ſo laut, daß lispelndes Saͤuſeln, Wie aus tiefer Fern, von ſeinen Fluͤgeln ihm wehte. Sie vernahmens umher, und wußten nicht, was ſie vernahmen. Aber der Seraph ergriff das ſeelenvolle Gewebe Seiner Saiten, und noch in den ſuͤßen Qualen der 5 Freude, Irrt' er mit wankender Hand die ſtrahlenden Sai⸗ ten herunter. Und die ſterbende hoͤret Laut, als toͤn' er vom Him⸗ mel;. Und ſie richtet ſich feierlich auf, und hoͤrt in die Hoͤhe. Lazarus hielt ſie, mit ihm Nathanael. Aber der Seraph Bebte nicht mehr, und entlockte der ſanfterſchuͤttern⸗ den Harfe Zwoͤlfter Geſang. 163 NXII. G. V. 643— 655, Unausſprechliche Toͤne. Von Gottes hoͤherem Frie⸗ den Sang ein Laut dem anderen Laute, der leiſer es nachſang. Amen er iſt viel hoͤher! Und in der Hoͤrerin Seele Wachten Empfindungen auf, wie ſie noch niemals empfunden, Neue große Gedanken, wie aus dem Staube, zum Leben. Alſo war es einſt dir, du der Auferſtehenden Se⸗ her, Da es ſich regt' um dich her, und es rauſcht', und die Todten erwachten. Und des Unſterblichen Harfe, die Himmelsruferin toͤnte Immer noch fort, und goß in die faſt enterdete, Seele— Eine Ruh, die keiner empfaͤht, wer ins Leben zu⸗ ruͤckkehrt; Wenn auch, wie es ihm deucht, ſchon uͤber ihm ſchallen die dumpfen, Losgeſchaufelten, niedergeſchmetterten Erdeklum⸗ pen, Und der Todtengeſang! Die Himmelsruferin toͤnte L 2 464 Der Meſſias. XII. G. V. 656— 668. Immer noch fort, jetzt lauter, und nun noch lau⸗ ter, als rauſchten Stuͤrme mit ihr, wenn ſie toͤnt', als ſaͤnken dahin vor ihr Berge. Denn der Unſterbliche, hoch erhoͤht von ſeiner Be⸗ geiſtrung, Stroͤmet', und ſang in der Harfe gefluͤgelten Unge⸗ ſtuͤm: Heilig, Heilig iſt er, iſt heilig, der uͤber der Schaͤdel⸗ ſtaͤte Blutete, bis die Suͤnde der Todeserben verſoͤhnt war! Faſt ſchon Leichnam, vermochte die ſterbende nicht die Entzuͤckung, Die in ihr brechendes Herz die Stimme des Himm⸗ liſchen ſtroͤmte, Auszuhalten. Sie ſtarb. Nicht lange, ſo ſank ihr Bruder Neben ihr nieder, und nahm die kalte Hand der entſchlafnen Zwiſchen die feſtgefalteten Haͤnde, trocknete mu⸗ thig Seine Thraͤnen, und betete: Preiß dem Geber des Lebens Durch den errettenden Tod, Anbetung dem goͤttli⸗ chen Geber! Zwoͤlfter Geſang. 165 XII. G. V. 669— 682. Siehe, du biſt in den Huͤtten des Friedens, doch deine Seele Bleibt nicht immer allein! Auch dieß Verwesliche wird ſich Einſt in Unverweslichkeit wandeln, die Blume, ſo hinſank,. Schnell in dem Sturme gebrochen, wie herrlich wird ſie erwachſen, Jenen feſtlichen Fruͤhlingsmorgen des letzten der Tage! Tragt ſie hinaus, den heiligen Staub, zu dem Staube der Erde; Tragt ſie noch nicht hinaus, daß wir mit frommen 4 Erſtaunen Noch betrachten, die fiel dem Donner des Todes, und aufſtehn Wird dem lauteren Hall' der Auferſtehungspo⸗ ſaune. Sieh, er wartet, und laͤßt Jahrhunderte reifen, und reifen Wird er noch laſſen andre Jahrhunderte! Alles iſt Wunder In des Ewigen tiefem Entwurf, ſtets neues Er⸗ ſtaunen! Wenn ich ſeine Wege betrachg, ſo ſind ſie mir alle Dunkel; allein es daͤmmert darin, und ich weine vor Freude, 166 Der Meſſias. XII G. V. 683— 695. Wenn mich des Morgens Verkündigerin, die Daͤm⸗ merung leitet! Ihr iſt es Morgen geworden! Sey mir noch Ein⸗ mal geſegnet, Wenn du mich hoͤreſt, und wenn, wer unten noch weilt an dem Grabe, Dich zu ſegnen vermag, du Hoͤrerin deſſen, der . uns nun, Nicht den Engeln verſtummt. Dich ſegn' er, der goͤttliche Todte! Sieh, es hatte ſie ſchon der goͤttliche Todte geſegnet. Als jetzt werdend der himmliſche Leib um die Seele Maria's Noch arbeitete, ganz noch nicht zu Lichte gereift war, Als er unter der maͤchtigen Hand der bildenden Schoͤpfung Zittert, und ſchwebt', und ſank, und ſich ſchwung, ganz himmliſch zu werden, Dachte, da dieſer Wonne Strom ſie umringte, die Seele An den Leichnam, den ſie zuruͤckgelaſſen, und daß * fe Sey von ſeinen Laſten getrennt, von dem Staube der Erde. Zwoͤlfter Geſang. 167 XII. G. V. 696— 709. Dieß war ihr erſtes Gefuͤhl; ihr zweites, als ſie vollendet Sich empor in die Wolken hub, ein tiefes Be⸗ wußtſeyn Ihrer Seligkeit. Tod! du Schlummer, du Segen der Segen! Du! Iſt es moͤglich, ihr Engel, ihr Himmelser⸗ ben, es moͤglich, Ich bin ſelig? Sie riefs mit feſtgefalteten Haͤn⸗ den, Und verſtummt', und ſchwebte nicht mehr; dann ſchwung ſie ſich wieder, Daß ſie ſchimmert', und rief: Ihr erſtgebornen der Wonne, Soͤhne des ewigen Lichts, ihr Heiligen Gottes, iſts moͤglich, Selig bin ich? O du deß alles, was ich vordem litt, Suͤße Vergeſſung, komm, geuß deiner Ruhen Ge⸗ fuͤhle, Deine Seligkeit uͤber mich aus! komm nicht! Denn Entzuͤckung Iſts, zu vergleichen die Leiden des erſten geflohenen Lebens Mit dem ewigen Troſte, mit dieſer Fuͤlle der 4 Ruhe! Die Gluͤckſeligkeit fehlt euch, ihr Ungefallnen, zu meſſen, 168 Der Meſſias. XII. G. V. 710— 723. Gegen des ewigen Lebens Wonne, das Elend der Suͤnde! Euer iſt zwar des Mitleids Antheil; aber ihr wein⸗ tet Jene Thraͤnen nicht, die von unſern Wangen uns trocknet Jeſus, der Gott der Liebe! Prophetiſch Gefuͤhl, das mich oftmals In dem tiefſten Kummer ergriff: Ich wuͤrde noch danken! „Schnell mich ergriff, und Rettung mir zeigt' in dem Himmel der Himmel, Danken fuͤrs Elend, fuͤr all mein Leiden wuͤrd' ich noch danken! Siehe, nun wirſt du erfuͤllt! Aus meinen Tagen ward Abend, Wieder Abend, und wieder, und dann der letzte des letzten, Dann des Sterbens Nacht! Wie eilend ging ſie voruͤber! Und ach nun der Morgen des Lebens, zu dem ich 3 erwacht bin! Traum, der mit Weinen begann, und ſchloß mit dem Weinen des Todes! Traum des Lebens, nun biſt du getraͤumt, und ich bin erwachet! Werde noch Einmal erwachen, wenn Unverweslich⸗ keit anzieht Zwoͤlfter Geſang. 169 XII. G. V. 724— 737. Mein verweſender Leib, und werther des goͤttlichen — Hauches, Dieſer Seele, die ewig iſt, ſtrahlt, wie der Leib des Erweckers, Der auch ſtarb, begraben wird werden, und aufer⸗ ſtehen! Und die vollendete ſchwebt empor, ein Schimmer der Fruͤhe, Leichter, wie Luͤfte, geſchwinder als Winde, ſchnell wie Gedanken; Hoͤrte die Schoͤpfung wandeln, von lauterem Jubel begleitet; Schauete ſie viel weiter eroͤffnet, aber unendlich. Welche Leben waren in ihr erſchaffen; wie ſtieg ſie! Eine Stufe nicht, tauſend erhub ich mich zu der Weſen Weſen! bin ich verklaͤrt an dem Tage der Tage, (dieß weiſſagt Mir mein Gefuͤhl) dann werd' ich noch uͤber tau⸗ ſend mich ſchwingen! Werd' ich, in der Huͤlle mir dann viel ſchoͤnerer Welten, Werd' ich, ohne der Welten Huͤlle, den Ewigen ſchauen! Lazarus, reich an erhabenen Todesgedanken, ereilte 170 Der Meſſias. XII. G. V. 738— 750. Bald die Huͤtte wieder, in der die Heiligen wein⸗ ten. Als er ihr ſich nahet', umarmet' ihn einer der Siebzig, Und erzaͤhlt' ihm mit Flammenworten, wie wun⸗ derbar Gott ſey. G Siehe, mein Ohr vernahms nicht, es hats mein Auge geſehen! 5 Lazarus kam ein ſanftes Geraͤuſch des Wei⸗ nens entgegen Durch den daͤmmernden Saal. Ihm rannen nur Thraͤnen des Mitleids. Gott der Goͤtter!(er hub die Hand, und das Auge — gen Himmel) Lohn' es ihm ferner, wie du es ihm zu lohnen be⸗ ginneſt, Daß er, weil du es wollteſt, hinab bis zum Tode des Kreuzes Iſt gegangen! Was deckt des Todten Krone der Schleier? Laßt mich, ich will ſie ſehn in ihrem Blute! Der Engel Kronen leuchten, ich kenn' ihr fernes Schimmern; des Todten Blutige Kron' iſt mir viel mehr! Denn belohnt es ihm Gott nicht Zwoͤlfter Geſang. 171 XII. G. V. 751— 764. Wunderbarer, als wir, als du es wagteſt zu hof⸗ fen, Seine Mutter? Erhebe dein Antlitz aus dieſes Jammers Abgrund, Mutter des goͤttlichen Manns, und hoͤre. Die Erde Bebte, da er entſchlief, dich hat ihr Beben er⸗ ſchuͤttert! Nacht, du haſt ihr Schrecken geſehn! umhuͤllte die Erde! Aber noch weißt du nicht ganz, wie der in dem Himmel von ihm zeugt. Sieh in des Tempels Vorhof ſtieg das Opfer gen Himmel; Furchtbar wehte die Flamm' in der Nacht, die Mo⸗ ria bedeckte. Bei den Altaͤren ſtanden die Opferer, ſchaurten vom Schrecken Dieſer Nacht, und blickten hinein durch des Heili⸗ gen Thore Nach dem Allerheiligſten. Prieſter knieten im Tem⸗ pel.,— Dankten dem Raͤcher, daß nun an dem Kreuz der Gerichtete blute! Wagtens, bei dieſem Dank, ihr gluͤhendes Auge zu 3 wenden Nach dem Allerheiligſten! Da, da raͤchte der Raͤ⸗ cher! 172 Der Meſſias. XII. G. V. 765— 778. Denn, von dem hohen Gewoͤlbe, bis hin zu dem liegenden Saume, Reißet des Allerheiligſten Vorhang! Schrecken des Todes Stuͤrzen die betenden tiefer, und ſpaͤt erſt koͤnnen ſie fliehen. Denn mit gewaltigem Arme faßt ſie Entſetzen; Entſetzen Folgt den verſtummenden nach, da ſie endlich dem Tod' entrinnen! O des Troſtes vom Himmel, daß der des Todten gedenket, Der, da am Kreuze er ſtarb, in Nacht die Erde verhuͤllte, Beben hieß die Felſen, und Sterblicher Augen die Staͤte Aufthat ſeiner Herrlichkeit. Die hoͤrenden ſchwie⸗ gen Voll Erſtaunens, allein nur wenig lindernde Troͤ⸗ — ſtung Drang den Duldern ins Herz. Sie waren zu tief verwundet! Alſo ſieht, wer ſchwindelnd herab an der hangenden Klippe Wandelt, im bluͤhenden Thal die Schoͤne des heite⸗ ren Tags nicht. Durch den helleren Wald verbreitet ſein Schimmer umſonſt ſich, Zwoͤlfter Geſang⸗ 173 XII. G. V. 779— 791. Wallet umſonſt mit dem Strome dahin. Des fuͤrch⸗ tenden Wandrers Aug' iſt rings um ihn her des Fruͤhlings Wonne verſchwunden. Lazarus ſah, daß ihr Leiden ſich nicht entwoͤlkte, da ſagt' er: Troͤſtet euchs nicht, daß Gott von dem Todten zeu⸗ get durch Wunder; O ſo ſey es euch Troſt, es ſey euch Labſal in Durſte, Schatten gegen den brennenden Strahl, daß ſie zu dem Todten Hinging, die ihr liebtet, und die der Goͤttliche lehrte, Daß Maria nicht mehr mit euch weinet. Ihm nahte mit Eile Magdale ſich, und ſah ihn mit thraͤnentrockenem Aug' an, Gluͤcklicher jetzt, als folgte ſie ſchon der entſchlafenen Freundin: Ach du redeteſt Worte der Engel mit uns! Ja in Durſte,. Lazarus! gegen den brennenden Strahl! So wehet es Kuͤhlung An der Quelle! Sie iſt hinauf zu Chriſtus ge⸗ gangen 174 Der Meſſias. XII. G. V. 792— 804. Deine himmliſche Schweſter? O haſt du der Wor⸗ te der Engel Keine mehr? Weiſſagungen nicht von unſerem Tode? Siehe, du wandelteſt ja einſt unter den Todten; vernahmſt du Da nicht von deinen Freunden, ob ſie gewuͤrdiget werden Bald zu ihnen zu kommen? O red', und verbirg es nicht laͤnger, Wenn du es weißt, ob uns verlaßnen dieß Wonne⸗ loos fiel? Chriſtus Mutter! er ſchweigt! So laß denn, Rich⸗ 8 ter im Himmel, Weil wir leben muͤſſen, o furchtbarer Richter im 1 Himmel! uns es erleben, daß, die den Unſchuldsvollen er⸗ wuͤrgten⸗ Immer tiefer ſtuͤrzen, und niemals, niemals ent⸗ fliehen! Daß ſie Entſetzen ergreife mit eiſernem Arm, ſie Entſetzen Dann umringe, wenn nun mit dem Taumelkelche der Rache Gott kommt, und, bis zum Hefen hinab, ſie ihn trinken, und ſterben! Zwoͤlfter Geſang. 175 XII. G. V. 305— 817. Jetzo hatte ſich ſchon die Mitternacht auf die Erde Niedergeſenkt. Den jammerbelaſteten Freunden des Mittlers Sank ſie mit Todesſchatten, und Graun der Graͤ⸗ ber herunter, Ach einſt ihnen ſchoͤner, als Fruͤhlingstage, wenn 3 Chriſtus Sie durchwacht' in Gebet; und ſchrecklicher jetzo, wie jemals, Weil die Himmelsſtimme des goͤttlichen Beters ver⸗ ſtummt war. Immer leiſer verlor ſich der Klage Laut, und der Thraͤne Linderung floß nicht mehr. Die furchtbare Kaͤlte des Leidens Lag auf ihrer Seele, wie unbewegliche Felſen. Selbſt die Seraphim ſtanden um ſie in truͤberem Glanze, Mitleidsvoll, und ſahns, wie Chriſtus begnadete litten. Salem, Johannes Engel, und Selith, der 3 Engel Maria's, Redeten alſo unter einander: Sth. Wir wiſſen, 8* o Salem, 176 Der Meſſias. XII. G. V. 818— 830. Daf es herrlich endigen wird, und dennoch, mein Bruder, Leiden wir faſt, wie ſie! S. Wie ſie? Sehr vie⸗ les empfinden Wir den Armen nicht nach. Wir koͤnnen, wie ſie, nicht leiden! Sie ſind Menſchen, und wiſſen es nicht, mein himmliſcher Bruder, Daß es herrlich endigen wird! Statt dieſes Aus⸗ gangs Aus dem Labyrinth, der ihnen taͤuſchender Traum waͤr, Wenn du auch, von den Strahlm des Himmels glaͤnzend, ihn zeigteſt, Sehen ſie immer des Jammers mehr, in der La⸗ byrinthe Dunkleren Pfaden. Sth. Ich ſchwindl' an den Tie⸗ fen, in die ſie hinabſehn! S. Und ich blicke mit Ruh' in die Tiefen des goͤtt⸗ chen Rathes! Ach das Mitleid ſchmelzt dich zu ſehr. Ich geſtehe, du litteſt, Selith, wie ſie. Denn nur, von der Menſchen eiden durchdrungen, Konnteſt du denken, wie Menſchen denken! nur, truͤbe von ihrem Leiden, Zwoͤlfter Geſang. 177 XII. G. V. 831— 843. Leiden, vergeſſen, es ſey der Zweck des goͤttlichen Rathes, Sie durch Elend zu beſſern, und ſeliger einſt ſie zu machen, Als ſie zu ſeyn vermoͤchten, wenn ihre Seele des Elends Kelch nie haͤtte getrunken, und wenn„ zu der Zeit der Erquickung, Da aus den Stroͤmen des Lebens umſonſt die Gluͤck⸗ lichen trinken, Sie zuruͤck an den bitteren Kelch dort unten nicht daͤchten! St Himmliſcher Freund, der Schmerz, ſo der Mutter Seele zerreißet, Hät zu ſehr mich umwoͤlkt. Verzeih es, Salem, es war ja Ghriſtus Mutter, und an dem Kreuze ſah ich ſie leiden! Breitete doch wohlthaͤtiger Schlummer ſich uͤber ihr Haupt aus; O ſo wollt' ich die Seel' ihr mit heiteren Traͤumen umſchweben. Und wenn des wiederkehrenden Grams Anfall ſie erſchreckte, Dieſen Jammer der ſchnellerwachenden durch die Er⸗ innrung Klopſt. Meſſias III. B. M ute Aufl. 178 Der NMeſſias. XII. G. V. 844— 856. Ihrer Traͤume beſaͤnftigen. Doch die Ruhe vom Elend. Kommt auf ſie nicht! Ach der Erquickung, dem . himmliſchen Labſal Gottes wird, ſie denket dem Tod', entgegen ſie wachen! Als ſie ſo mit einander ſich unterredeten, goß ſich Kurzer Schlaf auf den Thraͤnenblick Johannes, und Salem Schwebte mit Eil' herzu; und ſchomentflammte des Juͤngers Lautes Herz ein Traum mit neuem n Lebensgefuͤhle⸗ Libanon wars, auf Libanon, unter rauſchen⸗ den Cedern, Ging er, als s llog, er Fluͤge daher. Der Morgen, mit Purpur, (Keinen ſah er erwachen wie den) und mit Golde bekleidet, Schimmerte durch die Wipfel des thauenden Hains, und die Baͤche Toͤnten ins Thal, wie Tempelgeſang. Bald toͤn⸗ ten ihm lauter, Viel entzuͤckender noch beſeelte Harfen, und Stimmen Zwoͤlfter Geſang⸗ 179 XII. G. V. 857— 869. Mit den Harfen, die ſangen: O Sohn der himm⸗ liſchen Mutter! Trockn', o der himmliſchen Mutter Sohn, die Thraͤne der Wehmuth. Aber ihm deucht' es, als ob er dennoch die Thraͤne nicht trockne. Dieſes Gefuͤhl vermochte noch nicht des maͤchtigen Seraphs Traum zu tilgen; ſo floß, auch im Schlafe, der 1 bittere Quell fort. Da bewoͤlkte den Schimmer der roͤthliche leuchtende . Morgen, und in unabhoͤrbarer Fern' erſtarb der Harfe Ton, erſtarb der Ton der himmliſchen Stimmen. Doch fuͤhrt' ihn Eine ſchneller noch, wie zuerſt er eilt', in dem Hain fort. Denn der unſterbliche ſtrebt'’, und ließ nicht ab. Der gefuͤhrte Sahe, da haueten Maͤnner mit gluͤhender Wuth in dem Blicke Eine der Cedern um, daß dumpf von dem ſchre⸗ ckenden Umſturz Libanon ſcholl! Sie hauten die Ceder zum Kreuz. 3 Das erhub ſich, M 2 280 Der Meſſias. XII. G. V. 3870— 874. Schattete furchtbar! allein es entfproßten auf Ein⸗ mal dem Kreuze Palmen! Da war der Juͤnger nicht mehr in Li⸗ banons Haine. Ach, er war in Eden, und ſah von dem Himmel ihm glaͤnzen Mehr, als Purpur und Gold, und vernahm er⸗ habnere Choͤre; Und es ſchlug ihm das Herz von der Wonne vol⸗ lem Gefuͤhle. 2 — — S — — — ☛‿ .- ·₰ 2Q Inhalt des dreizehnten Geſangs. Gurie verſammelt die Engel, und die Auferſtand⸗ nen um das Grab. Sie erwarten, unter Anbetungen, die Auferſtehung des Meſſias. Die Zweifel eines roͤmi⸗ ſchen Hauptmanns, Cneus, der die Wache beim Gra⸗ be hat. Die Seele Mariens, der Schweſter Lazarus, kommt in die Verſammlung der Heiligen. Der Todes⸗ engel Obaddon ruft Satan, und Adramelech aus dem todten Meere hervor, und gebietet ihnen, entweder jetzt zur Holle zu fliehen, oder zum Grabe zu kommen. Satan entſchließt ſich zu dieſem, und Adramelech zu jenem. Adramelech darf ſeinen geaͤnderten Entſchluß nicht ausfuͤhren. Der Todesengel uͤberlaͤßt es Abbado⸗ na, ob er zum Grabe kommen will, oder nicht. Die Herrlichkeit des Meſſias naht ſich vom Himmel. Adam betet ihn an, nach ihm Eva. Der Meſſias ſteht vom Tode auf. Engel und Auferſtandne rufen ihm ihre Freude zu. Thirza's Soͤhne, die ſieben Maͤrtyrer, ſingen ihm ein Triumphlied. Einige der Heiligen ſchweben zu ihm aus den Wolken herab. Zuletzt rufen ihm Abraham, und Adam zu. Die Seele eines Hei⸗ den wird vor ihn gebracht. Er richtet den Todten, und verſchwindet. Gabriel gebietet Satan, zur Hoͤlle zu fliehn. Einige Roͤmer von der Wache, auch Cneus kommen in die Verſammlung der Prieſter. Philo bringt ſich um. Obaddon begegnet ſeiner Seele in Gehenna, und fuͤhrt ſie zur Hoͤlle. Dreizehnter Geſang. 9 XIII. G. V. 1— 9. J.us Vaͤter genoſſen die Freuden der Auferſtehung In der Graͤber Gefilde, wo ſie vor Kurzem noch 4 ſchliefen. Aber Engel umwallten die Erde, zu ſehn die Men⸗ ſchen, Die der Verſoͤhner dem Schoͤpfer von neuem gehei⸗ liget hatte, Ach, der Zeugen Freude verdrang oft Wehmuth, und eilend Toͤnten ſie oft mit dem Purpurfluͤgel, daß ihnen der Erde Luͤfte, wie Staub, den vom Fuß der Bothe ſchuͤt⸗ telt, entwehten. Gabriel war noch am Grab', und auf einer — der Sonnen von denen, Die den Himmel umgeben, Eloa. Dort wartet' Eloa, 18 4 Der Meſſias. XIII. G. V. 10— 23. Daß heruntexſtiege die Herrlichkeit Jeſus. Des Grabes Engel ſchwebt' in die Schoͤpfung empor, der Auf⸗ erſtehung Himmliſches Zeichen zu ſehn. Auf einen der Orione Hatt' er lang ſein Auge geheftet. Da geußt der Orion Farben aus und Strahlen, wie, jetzt geſchaffen, er ausgoß. Dieſer Anblick macht auf Einmal den wartenden Seraph. Glaͤnzender. Schon erhob er ſich; Sturm war ſein Schweben, und Blitze Seine Schwuͤnge! Der Seraph eilt zu den Graͤ⸗ . bern, und rufet, Gleich dem Wetter, vor dem der niedergeſchmetterte Wald dampft: Kommt zu dem Grabe! Da eilten die En⸗ gel herzu, und die Vater. Siehe, der lange Triumph umringte das Grab des groͤßten Unter den Todten. Gabriel ſaß in der Mitte des Kreiſes Auf dem Grab', als ſaͤß' er auf einer goldenen Wolke, Die vollendete Seelen ins Leben der Ewigkeit truͤge. Dreizehnter Geſang. 185 XIII. G. V. 24— 37. Aber der Todesengel, der Jeſus im Namen Jeho⸗ vah's Seinen nahenden Tod verkuͤndiget hatte, ſchwebt' itzt Langſam hin zum Grab', und ſank in Gabriels Arme: Nacht, noch iſt es rings um mich Nacht! noch bebt mir die Erde! Dunkler, als alle Finſterniß, iſt mir der Huͤgel des Todes! Niemals haben noch meiner Unſterblichkeit Kraͤfte Gerichten, Die Jehovah mir gab, erlegen! dem letzten erlag ich! Und erlieg' ihm! Staͤrke mich wieder, du Strahl der Allmacht, Der, aus dieſem Grabe nun bald zu leuchten, der Rechte Gottes enteilt. Der unſterbliche ſprachs, und lehn⸗ te mit Staunen Sich an den Felſen, in dem des Geopferten Leich⸗ nam ruhte. Aber die Vaͤter und Seraphim fragten einan⸗ der, und ſprachen: Wird die Sonne mit ihm erwachen? der ſichtbare ’ Fruͤhling Dann ein Schatten der Herrlichkeit ſeyn, womit er hervorgeht? 186 Der Meſſias. XIII. G. V. 38— 51. Oder wird, noch gewandt von der Sonne Schim⸗ mer, die Erde Sehlummern, indem der Todte, der ewig lebet, hervorgeht? Wird, vor dem Herrlichen, Staub ſein Grab, und ein Spiel der Luft ſeyn Jener hangende Fels, von dem Angeſichte der Erde Weggewehet, indem ſein Haupt der Sieger empor⸗ hebt? Werden wir ſeiner Herrlichkeit Glanz zu ertragen vermoͤgen? Ach kaum faſſet mein Herz den Gedanken des ſuͤſ⸗ ſen Verlangens, Abraham riefs, den himmelvollen, den Wonnege⸗ danken: Ich, ich felber werde das ſehn! kein Fremder, ich ſelber, Daß der Geopferte Gottes, ein Ueberwinder des . Todes, Jenes Todes, den Er geſtorben, ins Leben herauf⸗ ſteigt! Halleluja! das werd' ich ſehn! Er riefs, und der Mond ging Wieder hervor. Nicht lang, ſo deckten ihn truͤbende Wolken. Hundert ermuͤdete Wanderer, Maͤnner, und Muͤt⸗ ter, und Kinder Dreizehnter Geſang. 197 XIII. G. V. 52— 65. Kamen. Sie gingen gefuͤhrt von dem Monde ſchnel⸗ ler, und nun ſchon Wieder langſam, und waren jetzt in der Heiligen Kreiſe.. Schleuniges Schrecken ergriff ſie. Sie wußten nicht, waes ſie erſchreckte; Aber ſie flohn. Ein rufendes Kind verirrte ſich. Eilend Trat ein Engel herzu, und brachte den bebenden Knaben Seiner Mutter. Sie wollte dem lieben treuen Ge⸗ faͤhrten Danken; allein er war in die Nacht hinuͤbergegan⸗ gen. Nahe bei David hatte der Engel geſtanden. Er kam jetzt Zu dem Geliebten zuruͤck, und David ſprach zu dem Engel: Alſo fuͤhrt, der bald nun erſtehn, und die Voͤlker der Erde Sich verſammeln wird, durch das erſte Leben die Menſchen! Ach wie freuet ſich meine Seele des Herrn! und wie werd' ich Seiner mich freun, wenn er aus dem Felſen des Schlummers erwacht iſt! Ihr, vollendete Frommen, doch deren Leiber noch Staub ſind, 188 Der Meſſias. XIII. G. V. 66— 79. Und ihr Frommen, die nie der Verweſung Schre⸗ cken durchbebte, Ihr vermoͤgt nicht der Auferſtehung unnennbare Freuden Ganz uns nachzuempfinden! Wie wird ſie Jeſus empfinden, Er, des Ewigen Sohn, der ſeiner Sterblichkeit Lei⸗ den, Und des Todes Furchtbarkeit mehr, wie die Men⸗ ſchen gefuͤhlt hat! Asſaph!(er eilt' in des gluͤcklichen Arm) des Kreu⸗ zes, des Todes Goͤttlicher Dulder, er wird nun bald, mein Bru⸗ . der, erwachen! Sagt es, und blickt mit inniger Wonne nach ſei⸗ nes Erloͤſers Grabe. So blickt ein noch ſterblicher Frommer ſehn⸗ lich gen Himmel, Wuͤrdiget ihn der Eine, der richtet, deß zu erin⸗ nern, Jenes ewigſtroͤmenden Urquells ewiger Wonne, Daß er, gehorſam bis zu dem Tode, die Seinen . geliebt hat, Bis zu dem Tod' am Kreuz! Und Asſaph ſah den Propheten, Ward von Seligkeit trunken, wie er. Die Schim⸗ mer im Antlitz Dreizehnter Geſang. 189 XIII. G. V. 80— 93. Davids wurden, ſo freut' er ſich! Glanz, die Be⸗ wegung, der Athem Harmonieen! Er ſchwebt', und erklang! Nun beſeelt' er die Harfe. Wort' erſchöllen noch nicht; doch ergoß die goldene Harfe Jubel! Allein nun ergriff ihn der himmliſchen Pſalme Begeiſtrung Ganz! Ein Strom ertoͤnte der Saite Geſang und der Stimme: Alſo ſieht der Seher der Offenbabung auf Sion Einſt in dem Himmel ein Lamm mit ſchimmernden Wunden bedeckt ſtehn, Und mit dem ſchoͤnen Blute des Heils. Dann ſtehn um den Huͤgel Zahlloſe feirende Schaaren, ſie alle Verſoͤhnte! die haben Hell an ihrer Stirn des Vaters Namen geſchrieben. Und wie das Meer, wie des Donners Stimme, toͤ⸗ nen die Harfen In der beſeelenden Hand der feirenden Schaaren um Sion! Denn dem Sohne, ſie ſingen dem Sohn! Denn 1 ewiges Leben Stroͤmt von den ſchimmernden Wunden des Lamms in die Seelen herunter. 4 190 Der Meſſias. XIII. G. V. 94— 107. Alſo ſtarb er! So ſahen wir ihn! O Leichnam, du ſchlummerſt, Leichnam des Unerſchaffnen! Noch wart ihr nicht Engel, da goß er Auch dieß Licht,(wir ſahens wie Daͤmmrung vor⸗ dem!) auf der Schoͤpfung Urgeſtalt, die Strahlen, als er der langen Aeonen Reihen dachte: Sterbliche ſollten entſchlummern! Er ſelber! Dann erwachen! Erzaͤhlt's in den Himmeln allen, ihr Zeugen Seines Todes, verkuͤndet's in jeder Huͤtte des Frie⸗ dens! Keiner wuͤrdige ſie, von allen Seligen keiner! Sagts der Hoͤlle nicht an! doch, wenn ihr ſie wuͤr⸗ diget, donnert Schreckende Halleluja hinab, daß ſie weiter hin⸗ uͤber, Weiter vom Himmel ins Unermeßliche fliehe! Der Gottmenſch Wird erwachen! nun bald hoch uͤber dem Staube des Grabes Stehen! und Herrlichkeit ſeyn! und Herrlichkeit! .. Halleluja! Kommt, kommt eilend zu uns, ihr ſeine Zeugen auf Erden! Dreizehnter Geſang. 191 XIII. G. V. 108— 121. Schon ſind Huͤtten der Ruh fuͤr euch geoͤffnet! die Palme Winket euch ſchon! bald habet ihr euer Zeugniß ge⸗ zeuget, Bald geblutet, wie Er! Du Blut der Maͤrtyrer, rufe Nicht der Rache, der Rache, wie Abels, rufe der Krone! Stephanus! und Jakobus! ihr erſten! die Morgen⸗ roͤthe Seines verkuͤndeten Heils kaum bricht ſie hervor, und ihr ſiegt ſchon! Stephanus! und Jakobus! verlaſſet denn Kanaan! Joſeph Kann ſich laͤnger nicht halten! nun laͤnger nicht! Halleluja! David ſangs, und erlag der Entzuͤckung. Das Halleluja Konnt' er kaum vollenden. Die liſpelnde Harf ent⸗ ſank ihm.. Aber in ſeines Lichtes Gewand', es weht' ihm die Palme In der Rechten, ihm wehte ſein goldenes Haar, ſang Joſeph Gegen den Bruder, der einſt in ſeinen Umarmun⸗ gen weinte: d der Entzuͤckungen Ungeſtum, der das Herz mir 1 erſchuͤttert, 192 Der Meſſias. XIII. G. V. 122—. 135. Denk' ich an jene Stunde zuruͤck, in der mir der Vater Jedes Schickſals, ihr Bruͤder, mich euch zu ent⸗ decken erlaubte. Suͤßeſte meiner Stunden im erſten Leben, du wirſt mir, Alſo wiedergedacht, der Stunden des ewigen Lebens Eine! Wie war mir, als ich, vollendete Bruͤder, euch zurief: Ich bin Joſeph! Lebt mein Vater noch? Du, der im Grabe Schlummert, du Bruder erloͤster unzaͤhlbarer Bruͤ⸗ der, du Erſtling Unter den Erben des Lichts, o laß die Huͤlle des Blutes Und des Staubes fallen von deinem Antlitz, und zeige Dich in deiner Herrlichkeit wieder! Zwar niemals verkannten Wir in deiger Niedrigkeit dich; doch duͤrſten wir, duͤrſten, Dich mit Wunden, die ſtrahlen, zu ſehn, den Sie⸗ ger des Todes, Jenes nicht nur, der liegt, und verwest, des ewi⸗ gen Todes— Sieger! Auch derer, die einſt, o du der ewigen Gnade Ewiger 3 Dreizehnter Geſang. 193 XIII. G. V. 136— 149. Ewiger Quell, nach dir, weil ſie dich verkennen, nicht duͤrſten, Derer erbarme dich auch, und gieb ihm Fluͤgel zu eilen, Jenem Tage der letzten Enthuͤllung der Herrlichkeit Gottes! Wardit du nicht allenthalben verſucht, daß du Mit⸗ leid haͤtteſt, Ueberwinder, verſucht, wie der Sterblichen keiner verſucht ward? Der geſchaffen das Aug' hat, ſieht! geſchaffen das Ohr, hoͤrt! Der dich, Herz, erſchuf! ach ſollte ſich der nicht erbarmen 2 Biſt du nicht eingegangen, mit deiner Verſoͤhnung Blute, Hoherprieſter, ins Allerheiligſte? Iſt ſie nicht ewig, Deine Verſoͤhnung, die du, der Gerechteſte, ſelbſt erfandeſt 2 Selbſt vollbrachteſt⸗ Wenn ſie nun kommt, die Stunde der Wonne, Auch den Himmeln verborgen, verborgner der Erde, die Stunde, Die zu dem Retter Abrahams Kinder und Iſaks und Jakobs, Ach zum Gekreuzigten bringet; wenn nun der Voͤl⸗ ker Fuͤll' iſt Klopſt. Meſſias III. B, N lte Aufl. 194 Der Meſſias. XIII. G. V. 150— 163. Eingegangen, nun Iſrael auch eingehet, und Je⸗ ſus Sich nicht halten mehr kann, und laut zu weinen beginnet: Ich bin Jeſus! ihm dann die Geliebteren weinend am Halſe Hangen; er Feierkleider der Unſchuld allen aus⸗ theilt, Jedem ein helles Gewand mit Blute beſprengt, und Kronen Ach den Geliebteren, daß, vor ihrer Belohnungen Groͤße, Freudig die Thronen erſchrecken! wenn er dieß Alles vollendet: O wie werden von Sterne zu Stern die himmli⸗ ſchen Bothen Eilen, verkuͤndigen, was vor ein Licht aus der Tiefe der Weisheit, Was vor ein Strahl aus der Nacht des goͤttlichen Rathes hervorbrach! Und wie werden die Aelteſten dann ihr Antlitz am Throne Neigen, und niederwerfen die Kronen, und feiren, und danken, Danken dem Einen, der ewig iſt, und der Vater der Tage! Siehe, du haſt es vollendet! und wirſt noch mehr es vollenden! Dreizehnter Geſang. 195 XIII. G. V. 164— 177. Vater! Erſter! du Einer, der ewig iſt! O dem Namen— Deiner Herrlichkeit Preis, von Aeonen, Preis i in Aeonen! Mit dem Strom des feirenden Liedes, liſpelt' und hallte Harf' und Poſaune. Wie er in ſeinen Geſtaden einherfloß, (Gleich dem ffeſbenden Wiederhalle ſang ihm mein Lied nach) Sanfter itzt floß, und fliegender jetzt, ſo ſchwebte der Harfe. Lispel auf ihm, und der Hall der Poſaune, mit Harmonieen, Welche der Seligen Ohr nur hoͤrt. Die Geſaͤnge der Himmel Sind nicht Kinder der langſamen oft entſeelten Be⸗ geiſtrung, Sind der Urbegeiſtrung entzuͤckte Soͤhne, der Wonne Erſtgeborne! Wir kennen ſie nicht. Bisweilen nur hoͤrt ſie Einer, der ſtirbt, und mit ihnen das ewige Leben beginnet. Nur der Prophet des verſtummenden Lamms, Je⸗ ſaja vernahm ſie, Von dem geffneten Grabe noch fern, da die En⸗ gel ihr Antlitz N 2 196 Der Meſſias. XIII. G. V. 178— 191. Deckten, und gegen einander flogen, und ſangen; Heilig, Heilig iſt, heilig der Herr der Geſchaffnen! und alle Lande Sind der Herrlichkeit voll des Ewigen, daß erbebten Vor der Rufenden Stimme die Ueberſchwellen des 3 Tempels. Voll von dem ſuͤßen Erwarten der Auferſte⸗ hung des Mittlers, Fuhren die Heiligen fort ſich zu ſagen, was ſie em⸗ pfanden, Jetzt mit Stimmen, mit Saiten alsdann, und dem feirlichen Halle, Oft mit beiden. Denn noch war nicht das Schwei⸗ ggen der Freude, Nicht das Verſtummen der Wonne gekommen. Der 3. goͤttliche Todte Schlummerte noch. Heſekiel ſtieg auf ein Grab an dem Oelberg Aus den Wolken herunter, und ſang: Verdorrte⸗ Gebeine Sah ich um mich, und ward des großen Befehles . gewuͤrdigt, Ihnen zu rufen: Verdorrte Gebeine, hoͤret des Herrn Wort! Als ich rief den Befehl, da rauſchte das weite Ge⸗ filde! Dreizehnter Geſang⸗ 197 XIII. G. V. 192— 205. Siehe, da regt' es ſich, als ich den großen Befehl um mich ausrief, Und die Gebeine kamen zuſammen, jedes Gebein kam Zu dem ſeinen, und Leben kam mit den fliegenden Winden In die Todten. Nun ſtanden ſie all' auf dem wei⸗ ten Gefilde, Sie, ein unzaͤhlbares Heer! Das wurde zu ſehn ich gewuͤrdigt! Noch entzuͤckt mich das Bild von dieſer Rettung Geſichte! Aber wie war mir, als ich auch ſelbſt in das Le⸗ ben heraufkam, Ich verdorrtes Gebein! O Dank, Dank meinem . Erwecker, Danen Leichnam noch ſchlummert, und der doch Todte geweckt hat! Er verwest nicht, wie wir. Das war der Wille des Vaters, Sterben ſollt' er, am Kreuze ſterben! aber verwe⸗ ſen Sollte ſein Heiliger nicht! O Erndte viel groͤßer, als jene, Die ich ſah, viel groͤßer, als die, zu welcher wir kommen, Wenn die Schnitter rufen, und wenn die Poſau⸗ nen erſchallen! 198 Der Meſſias. XIII. G. V. 206— 220. Zwar nur Eine Aehre; doch iſt die Erndte viel . groͤßer, Als der unzaͤhlbaren Aehren unuͤberſehliche Fluten, Als das ganze Gefilde der Auferſtehung voll Gar⸗ ben! Wuͤchſe die Eine nicht auf; ſo wuͤrden die Schnit⸗ ter nicht rufen, Nicht die Poſaunen erſchallen! O Heil, du Eine, dir! Aller Himmel Himmel werden ſich unter deinem Schat⸗ ten Einſt verſammeln! und ſiehe, der furchtbare Tod, der letzte Aller Feinde, wird des Schattens allmaͤchtiges Lab⸗ . ſal Nicht zu ertragen vermoͤgen! vergehn! Dann wirſt du die Herrſchaft Uebergeben dem Vater, daß Gott ſey Alles in Allen! Halleluja dem Vater, daß Er ſey Alles in Allen! uUnd die Schnitter am Tage der Erndte ſahn dem Propheten Freudig ins Antlitz. Auch wandte vom Grabe des goͤttlichen Todten Schnell, wie ein Wink, nicht laͤnger, dahin, wo Heſekiel feirte, Gabriel ſich. Indeß erſcholls, gleich Stimmen der Meere: Dreizehnter Geſang. 199 XIII. G. V. 221— 234. Hallelujſa, daß Gott, daß Gott ſey Alles in Allen! Amos Sohn verließ die Verſammlung der Hei⸗ ligen, ſchwebte Nieder auf Golgatha, ſtand an dem Kreuze des goͤttlichen Todten. Auch du ließeſt der Frommen Verſammlung, und ſchwebteſt herunter, Daniel, Gottes Geliebter, und ſtandſt an dem Kreuze des Todten, und ſie ergriffen die Pſalter, und ſangen gegen ein⸗ ander: J. Hier, hier trug Er unſere Krankheit, unſere . Schmerzen Lud er hier auf ſich. Die Menſchen waͤhnten, er wuͤrde, Weil er geſuͤndiget haͤtte, von Gott geſchlagen! ge⸗ . martert! D. Ach, um unſertwillen iſt Er verwundet! ge⸗ ſchlagen Wegen unſerer Suͤnden! Auf ihn ward Strafe geworfen, Daß wir Frieden haͤtten! Uns heilen des Dulden⸗ den Wunden! J. Seinen Mund eroͤffnet' er nicht, da die Wuͤ⸗ ther ihn quaͤlten! Da er gefuͤhret ward, gleich einem Lamme, zur Schlachtbank! 200 Der Meſſias. XIII. G. V. 235— 248. D. Aus der Angſt, und aus dem Gericht iſt Jeſus genommen! Bald wird er in das Leben erwachen! Wer iſt auf . der Erde, Wer in den Himmeln, der die Laͤnge der Ewigkei⸗ ten Auszuſprechen vermag, die alsdann lebt Jeſus der Todte? J. Denn geſtorben iſt er, indem er die Suͤnden der Erde Alle trug, er iſt, gleich einem Verbrecher, ge⸗ ſtorben! D. Ach vollendet iſt nun, vollendet ſein goͤttliches Opfer Fuͤr die Suͤnden! Ihm werden nun, gleich dem Thaue der Fruͤhe, Seine Kinder geboren! und Ewigkeit iſt ſein Le⸗ ben! J. Ewigkeit! denn wie hat, in unausſprechlicher Arbeit, Seine Seele gerungen! Dafuͤr iſt Wonne dein Erbe! D. Gottes Knecht, der Gerechte, durch ſeine himm⸗ liſche Weisheit Wird er viel zu Gerechten, und Erben der Herr⸗ lichkeit machen! Denn die Suͤnde, die Suͤnde der Welt hat Er ge⸗ tragen! Dreizehnter Geſang. 201 XIII. G. V. 249— 262. J. Siehe, wer kam von dem Kidron herauf aus des erſten Gerichts Nacht? Wer in der Staͤrke goͤttlicher Kraft, die Suͤnde zu tragen? Wer mit Jammer belaſtet, mit tiefem Leiden der Seele? D. Chriſtus wars, der Gerechtigkeit lehrte, zu hel⸗ fen ein Starker! J. Weſſen Wunden trofen auf dieſen Huͤgel des Todes? Himmel der Himmel! o weſſen Blut rann hin auf den ernſten Suͤhnaltar? D. Sein Blut, ſein Blut, vor boer⸗ chem ſich Aller Knie einſt beuget! vor dem einſt Aller Zunge be⸗ kennet, Daß er Herrſcher ſey, zu der Ehre Gottes des Va⸗ 3 ters! J. Nun, nun iſt gewehrt der Uebertretung! die Suͤnde Zugeſiegelt! verſoͤhnt die Miſſethat! iſt gewor⸗ den Ewiges Heil, Gerechtigkeit! zugeſiegelt der Se⸗ her 4 Offenbarung! nun iſt, Preis ſey dem erhabnen 1 Vollender! Preis ihm, er iſt geſalbet! auf dieſem Huͤgel des Todes 202 Der Meſſias. XIII. G. V. 263— 276. Iſt geſalbet der Allerheiligſte! Halleluja! Hingeriſſen vom Bilde des gottgeopferten Mittlers, Wiederholten, den Luͤften gleich, die in Baͤumen des Lebens Saͤuſeln, die Heiligen: Ja, auf dieſem Huͤgel des Todes Iſt geſalbet der Allerheiligſte! Halleluja! Aber die Wache des Grabs ging ab. Die kommende Wache Fuͤhrte der Hauptmann, der Jeſus auf Golgatha ſterben, den Huͤgel Unter ihm hatte beben geſehn, und ſtuͤrzen die Fel⸗ ſen. Am verſiegelten Stein, dem Bewahrer des Leichna⸗ mes blieben Wundernd die Roͤmer ſtehn, und unter ihnen ihr Hauptmann. Cneus, ſo hieß ſein Name, vertiefte ſich bald in die Zweifel Seiner Gedanken. Die Stille der Nacht, und des wandelnden Mondes Sanfte Schimmer luden ihn ein, ſich weiter und weiter Ins Labyrinth zu verlieren, aus dem kein Leiter ihn fuͤhrte. Dreizehnter Geſang. 203 XIII. G. V. 277— 290. Und er lehnete ſich an den Felſen. Ein Goͤtterſohn denn? Aber welches Gottes? Des Gottes der Iſraeliten? Dieſes? O warum zweifl' ich an unſers Jupiters Groͤße; Dent' ich an den, den Jehovah dieß leichtbezwun⸗ gene Volk nennt, Den es nicht zu kennen verdient? Wie niedrig und ſklaviſch Iſt es! wie klein durch ſich ſelber, wie groß durch Jehovah, der Goͤtter Gott! So nennt er ſich ſelbſt, und nennt nicht allein ſich, er zeiget So ſich durch Thaten! Denn waͤr die Geſchichte der Wunder Jehovah's Zweifelhaft; ſo waͤr die Erzaͤhlung von Jupiters Thaten Mehr als zweifelhaft! Doch ein Sohn des erhab⸗ nen Jehovah; Und doch ſterblich? Und, wenn nur ein Menſch, wie koͤnnt' er ſo groß ſeyn? Alſo dacht' er, indem ihn ein Bothe, den Por⸗ tia ſandte, Seeinem Gruͤbeln entriß. Mich ſendet Portia, Cneus, Dich zu fragen: Ob Ruh' an dem Grabe geweſen? und ob ſich 20½ Der Meſſias. XIII. G. V. 291— 304. Keiner dem Todten nahe? Sie war erſt ſelber ent⸗ ſchloſſen Herzueilen, allein ſie entſchloß ſich anders. Hier herrſchet, Sage Portia dieß, der Graͤber Stille, und kei⸗ ner Naht ſich dem Todten. Er eilete. Wart', und ſag' ihr auch dieſes, Sag iürs Er komme wieder ins Leben; er komme nicht wieder: Beides verwirre mich! Geh! Sie quaͤlet, wie mich, die Entwicklung Dieſer verborgnen Geſchichte des unterliegenden From⸗ men. Denn dieß war er gewiß! Ein frommer Sterbli⸗ cher war er; War er kein Sohn des Gottes der Goͤtter! Got⸗ tes der Goͤtter? Alſo verleugn' ich Jupiter? denk' ihn unter Jeho⸗ vah, Den ich nicht kenne? den ich viel mehr als Jupiter kenne! Denn viel mehr iſt Wahrheit in dem, das Jehovah gethan hat, Als in dem, ſo der Donnerer that! Nur mehr? Iſt nicht alles Wahrheit? O haͤtten des liegenden Iſraels Ueber⸗ winder Dreizehnter Geſang. 205 XIII. G. V. 305— 318. Jupiter angebetet; ſo waͤre das Bild des Got⸗ . tes, Wie das Bild des Dagon, in ſtumme Truͤmmern, zerfallen, Ja, aus der Hand des ſchwachen, in ſtumme Truͤm⸗ mern, die Donner! Ha! was hab' ich gedacht? was dringet mich, Zeus zu verleugnen? Ihn dem Unbekannten, dem ſchrecklichen Unbekann⸗ ten Aufzuopfern? und weß iſt die Stimm' in der inner⸗ ſten Seele, Der ich zu widerſtehn nicht vermag? Wenn du, Jupiter, mehr biſt, Als der Goͤtter Gott; ſo donnr' in den Abgrund mich nieder: Ach, wo bin ich? O Wuth der furchtbaren Unge⸗ 3 wißheit! Nein, nicht Ungewißheit! So häͤtt' ich Jehovah beleidigt! Bei dem Strome Cocytus, bei dem nur, Jupiter, du ſchwoͤrſt, Fleh' ich! Donnre mich nieder! O du, nach deſ⸗ ſen Erkenntniß Ich mit dieſer entflammten Begier verlange, Je⸗ 3 hovah, Offenbare dich mir! Bin ichs werth? Kanns ein Sterblicher werth ſeyn? 206 Der Meſſias. XIII. G. V. 319— 333. Offenbare dich mir! Er dacht' es gen Himmel, und ſenkte Dann ſein Haupt auf die Bruſt. Ach, warum ſah' ich den Frommen Seine Wunder nicht thun? und warum ſaͤumt' ich zu hoͤren, Was er von Gott, und von ſich, und den Men⸗ ſchen ſagte? So kennt' ich Nun die Menſchen, und ihn, und Gott! Die am meiſten ihn hoͤrten, Waren Maͤnner voll Einfalt. Ach beſſer, als waͤ⸗ ren ſie Weiſe, Die ſo ſelten ſich nicht verirren, und Gruͤbler ge— weſen! Aber wo ſuch' ich ſie? Er iſt todt, und wird mich 3 nicht lehren! Und ſie find' ich nicht! Doch in jenem beſſeren . Leben, Wo er jetzo iſt, wird er mich lehren! Im beſſe⸗ ren Leben? Iſt denn ein kuͤnftiges? wirds, wenn es iſt, denn beſſer fuͤr mich ſeyn? Da, der ſo unſchuldig war, ſo ohne Maß litt; Ach, was wird der Schuldige leiden! Du Unbe⸗ 1 kannter! O du Unbekannter! ja meine Seele verirrt ſich In dem Forſchen nach dir! O koͤnnt' ich deiner Propheten 3 Dreizehnter Geſang. 207 XIII. G. V. 334— 347. Offenbarung und Lehren verſtehn, aufdecken die Huͤlle, Welche ſie meinem Auge verbirgt! So gar noch am Kreuze Haͤtt' ich ihn fragen koͤnnen! Nun iſt er ver⸗ . ſtummt! Auf ewig? Der nur weiß es, der ihn geſendet hat! Koͤnnen die Todten Auferſtehn? Der heilige Todte dort hat den Sei⸗ nen Wiederkehr in das Leben verheißen! Das ſagen ja ſelber Seine Verfolger, und darum bewachen wir ſeinen Leichnam. Kommt er nun nicht zuruͤck; ſo verwirren mich ſei⸗ 1 ne Geſchichte, Die mich, weiter erforſcht, von Gott mehr haͤtte gelehret, Seine Wunder, ſein Leiden noch mehr! Zu wel⸗ chem Kummer Iſt mein Leben gemacht? und warum ſchonten die Schlachten Meiner immer, der fallende Pfeil, und der zucken⸗ de Wurfſpieß! Warum hoͤrt' ich nicht lange den letzten ſchmettern⸗ den Bogen Toͤnen? Ha Brutus, als du zuletzt an der Tu⸗ gend Belohnung 208 Der Meſſias. XIII. G. B. 38— 361. Bweiſelteſt nahmſt du dein Schwert! Und ich ſeh⸗ groͤßere Tugend Unbelohnter, und ſaͤume? Was haͤlt mich? Nicht Furcht vor dem Tode! Denn ihn hab' ich zu oft im blutigen Felde geſe⸗ hen! Bin bei ſinkenden Adlern ihm entgegen gegangen! Nein, ihn fuͤrcht' ich nicht! Aber was iſt es denn, das mich aufhaͤlt? Warum entſetz' ich mich, wenn ich mich nun dem ernſten Entſchluſſe Voͤllig nahe? Beleidigt' ich etwa den Unbekann⸗ ten?. und iſt Warnung vielleicht die geheime Gewalt, die mich feſſelt? Wenn mein Tod ihn beleidigt! ſo muͤſſe meinem Entſchluſſe Immer etwas fehlen zur Reife! Wie aber ergruͤnd' ich: Ob ich dadurch ihn beleidige? Kann die bebende Frage: Ob ich ihn beleidige? Furcht des Todes in mir ſeyn? Furcht ſo tief verborgen? Ha waͤr's, wie wollt' ich des Lebens Weiche Liebe ſtrafen, und dir zum Opfer ſie brin⸗ gen, Tod! Dreizehnter Geſang⸗ 209 XIII G. V. 362— 375. Tod! So verlor ſich Eneus auf ſeinem finſteren Wege Nach der Gottheit, indem noch nicht die Rechte des Helfers Seine Führerin ward, ihn, zu der Hoͤhe der Weis⸗ heit, Auf den ſchmalen Weg, durch die enge Pforte, zu leiten. Hinter ihr war der ſchmale Weg, die Pforte zur Hoͤh war Hinter ijr ſchon! die ſchoͤne Seele bracht' itzt ihr Engel Chebar in die erhabne Verſammlung der Aufer⸗ ſtandnen. Sie empfing Benoni, ein Silberlaut, da er hin—⸗ glitt Von der leichten Wolke. B. Du haſt ihn nicht ſterben geſehn; Dort, dort ſtarb er! allein du ſiehſt ihn erwachen, Maria! Ihm antwortet Maria: Ich hab ihn nicht ſterben geſehen; Ach dort ſtarb er! allein ich ſeh' ihn, Benoni, er⸗ wachen! B. Ueberwunden haſt du, durch das Blut des Lam⸗ mes, Maria! Nimm den Pſalter, und ſey auch eine Saͤngerin Gottes! Klopſt. Meſſias III. B. O Ate Aufl. 210 Der Meſſias. XIII. G. V. 376— 389. M. Darf ich wagen mich unter der Sieger Choͤre zu miſchen, Welche ſchon Jahrhunderte Palmen tragen, und Kronen? B. Sing du dem Herrn! Ich lehre dich, was ich lernte. Verweſen Soll der Heilige nicht! O Erndte viel groͤßer, als jene, Die Heſekiel ſah, als ſie, zu welcher wir kom⸗ men, Wenn die Schnitter rufen, und wenn die Poſau⸗ nen erſchallen! Zwar nur Eine Aehre; doch iſt die Erndte viel groͤßer, Als der unzaͤhlbaren Aehren unuͤberſehliche Flu⸗ ten, Als voll Garben, voll Garben der Auferſtehung Gefilde! Wuͤchſe die Eine nicht auf; ſo wuͤrden die Schnit⸗ ter nicht rufen, Nicht die Poſaunen erſchallen! O Heil, du Eine, dir! Aller Himmel Himmel werden ſich unter deinem Schat⸗ ten Einſt verſammeln! und ſiehe, der furchtbare Tod, der letzte Aller Feinde, wird des Schattens allmaͤchtiges Lab⸗ ſal: — Dreizehnter Geſang. 211 XIII. G. V. 390— 403. Nicht zu ertragen vermoͤgen! vergehn! Dann wirſt du die Herrſchaft Uebergeben dem Vater, daß Gott ſey Alles in Allen! Halleluja dem Vater, daß Er ſey Alles in Allen! Und die Hoͤrerin hoͤrt' entzuͤckt nach der Stim⸗ — me Benoni's. M. Ach Benoni, wie ſelig bin ich! Mit welcher Erbarmung Hat der gnaͤdige Geber des Lebens und Todes die Stunde. Meines Todes gewaͤhlt. Den Verſoͤhner erwachen 3 zu ſehen, Und in dieſer Verſammlung! Ihr Heiligen Got⸗ tes, ihr Bruͤder Chriſtus, und meine Bruͤder, ihr nun auf ewig Geliebte, Nehmt mich unter euch auf! Mich hat der Erbar⸗ mer geſendet, Euer Erbarmer, und meiner! O du, der Himmel Gemeine, Du, des Braͤutigams Braut, welch großer Lohn iſt dein Erbe! Wie genießen wir alle vorher nicht empfundene Ruhe, Freude nicht einmal von fern, und dunkel vermu⸗ thet, wie trinken O 2 212 Der Meſſias. XIII. G. V. 404— 417. Wir die Stroͤme des Lebens umſonſt! Was gabſt du vor Gaben, Seligkeiten zu fuͤhlen, den Seelen, die du zu dem Erbe Deiner Herrlichkeit riefſt, du unerſchoͤpflicher Ge⸗ ber! Welche Seligkeiten zu dieſen Gaben! Ihr Dau⸗ ren Machteſt du ewig, allmaͤchtiger Geber! Mit dir, den wir lieben, Ewig zu ſeyn, mit dir! Wer haͤlt den Wonnege⸗ danken, Die Entzuͤckungen aus? wer dieſer Ewigkeit Aus⸗ ſicht? Ich verliere mich, Gott! O Geber! Erfinder! Vollender Alles dieſes! Ich war nicht, und nicht der Him⸗ mel der Himmel; Da entwarfſt du es, Gott! Wir wurden, leben und ſteigen All' auf unzaͤhlbaren Stufen, auf einer anderen jeder; Immer auf neuen Stufen der Seligkeit, von der Aeone Zu der Aeon', empor, und hoͤren nicht auf zu ſteigen! Denn ein unendlicher Geber biſt du, ein unendli⸗ cher! Bebend Dreizehnter Geſang⸗ 213 XIII. G. V. 418— 431. Schwieg ſie, und, ſchon zu ſtehn auf ihrer jetzigen Stufe, Wonnevoll. Sie entzuͤckte den Kreis der Erben des Lebens, Und ſie ſangen ihr zu, und Donner wurde das Zittern Ihrer Harfen: Unendlich iſt Er! unendlich der Geber! Iſt unendlich! Und wir ſind endlich! Gefuͤhl der Entzuͤckung, Von dem großen Geber, der Weſen Vater, der Liebe Gnad' um Gnade zu nehmen! du Durſt, der ewig geſtillt wird!, Ach, eh werden in Nacht die neuen Erden, in Daͤmmrung Ehe der neue Himmel verloͤſchen, eh deiner Erbar⸗ mung Unverſiegender ewiger Strom die Durſtenden leer laͤßt! Sieh, an dem Fuße des Throns entſpringet ſein Quell, ein Weltmeer! Rauſchet, und faͤllt, in Gefilden der Nacht, in Gefilden des Tages, Faͤllt, von Erde zu Erd' herab, zu Sonne von 1 Sonne, Durch die Himmel alle! Der durch ſich Selige hoͤret 214 Der Meſſias. XIII. G. V. 432— 445. Seines Rauſchens Getoͤn! ihn hoͤren des Lebens Soͤhne In den Welten umher, und ſie kommen, und ſchoͤ⸗ pfen Entzuͤckung! Ach erloͤstes Geſchlecht, ihr des Todten Bruͤder, und unſre, Saͤumet nicht, kommt zu dem Strome des Heils. Das wankende Straucheln Eures Fußes leitet ein ſtarker! ein Helfer voll Huͤlfe! Welcher, obwohl ſein Herz ſchon brach, mit maͤch⸗ tigem Rufen Rief: Es iſt vollendet! Wie nach viel Schweißen 3 ein Muͤder In der Abenddaͤmmerung ſchlaͤft, ſo ſchlaͤft nur der Starke Jetzt im Grabe. Der Loͤw' aus Juda ſchlummert im Schatten. Weniger trunken, o Hoͤlle, vom Taumelkelche der Rache, Wuͤrdeſt du verſtummen, damit der ſchlafende Starke Aus dem Schlummer ſich nicht, und aus dem Schatten erhuͤbe. Aber er wird ſich erheben, und eh' er in ſeiner Er⸗ hoͤhung, 1 Bis zu der Rechte des Vaters, der hoͤchſten Herr⸗ lichkeit, fortſteigt, Dreizehnter Geſang. 215 XIII. G. V. 446— 458. Wird ein Schritt des Eilenden, Hoͤll', auf dich treten, des Loͤwen, Oder, vernimms, du uͤberwundne! des Lammes in Zorne! Deine Wuͤſte wird oͤder, und deine Tiefen verſinken Tiefer dann, vor dem ſchreckenden Schritt des Lam⸗ mes in Zorne! Mit den Worten verließ der Todesengel Obad⸗ don Jeſus Grab, und der Heiligen Kreis. So war ihm geboten: Wenn die Verſammlung der Frommen der Höoͤlle nahes Gericht droht, 1 Eile du dann zu Satan und Adramelech im Meere! Und er huͤllte ſich ein in Nacht, und ſtand am Geſtade, Rufte die ewigtodten herauf. Mit thuͤrmender Woge,. Kamen ſie, traten vor ihn. Der Todesengel ent⸗ huͤllte Sich aus der Nacht. An des furchtbaren Stirn nur ſaͤumte noch Dunkel Einer Donnerwolke, die ſich von ihm weg am Meer hin 2¹6 Der Meſſias. XIII. G. V. 459— 472. Langſam zog. Da rufte die niedergeſchmekterten Kraͤfte Satan in ſich zuſammen, und ſprach zu dem En⸗ gel des Todes: Gluͤcklicher, faſt allmaͤchtiger Sklav, was bringſt du vor Bothſchaft? O. Auf dein Schmaͤhn antwortet' ich dir Aeonen nicht; werd' ich Heut dir darauf antworten? Vernehmt Befehle! Der Todte, Welcher auferſteht, er gebeut: Entweder entflie⸗ het Gleich in den Abgrund! oder begleitet mich jetzt zu dem Huͤgel, Wo er gekreuziget ward! Er ſteht bei dem Huͤgel vom Tod' auf. Dieſen Flammenſchwung, den ich ſchwinge mein Schwert, und nicht laͤnger Sollt ihr ihn ſehn! Dann ſtuͤrzet ihr hin auf die Stirn! Ergrimmet, Suͤnder, nicht alſo! Daß er euch anzubeten ge⸗ biete, Waͤrdiget Er euch nicht! Euch ſtuͤrzt der Allmaͤch⸗ tige nieder! Und ihr betet nicht an. Das koͤnnt ihr nicht! Wenn ihr mir folget;. Bleibt ihr noch hier! und folget ihr nicht: ſo ent⸗ flieht ihr zur Hoͤlle! Dreizehnter Geſang. 217 XIII. G. V. 473— 436. Ziſchender Spott, und bruͤllendes Hohngelaͤchter erwarten Euch in der Hoͤlle. Denn Schaaren der eurigen ſahns, wie ihr flohet, Als euch Flucht Eloa gebot! Waͤhlt jetzo, Em⸗ poͤrer! Satan blickte mit Grimm auf ihn her; doch blieb er entfernt ſtehn. Denn dem furchtbaren Schwert des Todesengels entſtroͤmten Flammen, wiewohl es ruhte. Der Haſſer Gottes und Satans Reißt vom Geſtad' ein Felſenſtuͤck, zermalmts an der Stirne, Stampft auf die fallende Truͤmmer, und will den Ewigen laͤſtern; Aber er ſchweigt! Waͤhlt, rufte der Todesengel, und huͤllte Seines Schwertes drohenden Strahl in Wolken, die dampften. Aber ſie zweifelten noch. Jetzt nahete ſich Abba⸗ dona, Blickt', indem er voruͤberging, Adramelech und Satan Ohn' ihr Wuͤthen zu fuͤrchten, und ohne raͤchenden Stolz an. Denn er war nicht ihr Richter. Doch trat er zum himmliſchen Seraph 218 Der Meſſias. XIII. G. V. 487— 500. Naͤher, als ſie vor ihm ſtanden, und ſprach: Ein Bothe der Rache Biſt du; aber du kenneſt auch, Engel Gottes, das Mitleid! Darf ich nicht auch, da die beiden Empoͤrer duͤrfen den Gottmenſch Sehn, wenn er auferſteht? Wie koͤnnt' ich wagen zu waͤhnen, Daß ich vermoͤg' ihn anzubeten? Willkommen, willkommen, Ungeſahene Hand, die mit ihnen auch mich in den Staub ſtuͤrzt, Hand des Allmaͤchtigen! Ach! daß ich ihn nur ſeh, wenn er aufſteht Aus dem Grabe, der Suͤndeverſoͤhner, der Ueber⸗ winder! Satan hoͤrt' ihn, und rief ihm entflammt mit ſtam⸗ 3 melndem Grimm zu: Sklav, nicht Gottes, der Hoͤll'! elendeſter unter den Sklaven! Doch ſchon unterbrach ihn der ſchreckende Todesen⸗ gel: Satan, verſtumme vor mir! Ich habe keine Be⸗ fehle, Abdiel Abbadona, fuͤr dich. Ich weiß nicht, wie lange Dir auf der Erde zu bleiben, und, ob den goͤttli⸗ chen Todten, 8 Dreizehnter Geſang. 2¹9 XIII. G. V. 501— 514. Wenn er erwacht, dir zu ſehn vergoͤnnt ſey. Ich kann dir nur ſagen, Daß der Huͤgel von Schaaren der auferſtandnen Gerechten, Und von Schaaren der Engel umgeben iſt. Dieſe 3 verworfnen Sehen ihn, wenn ſie dieß waͤhlen, damit des Er⸗ wachten Triumphe Sie zu ſtrafen beginnen, fuͤr jenen Entſchluß, den Gefallnen Ihren Erloͤſer zu nehmen! Du hatteſt an dem Entſchluſſe, Abbadona, kein Theil! doch ihn mit meiner Ent⸗ zuͤckung, Mit der Wonne zu ſehn der auferſtandnen Erloͤs⸗ ten, Abdiel, koͤnnteſt du dich mit dieſem Wunſche wohl taͤuſchen? Feurig, mit Ungeſtuͤm, ſprach Abdiel: Nicht mit Entzuͤckung, Ach mit Wonne nicht; allein nur ſehen, nur ſe⸗ hen! Ha! du niedrigſter! Rufet' ihm Adramelech entge⸗ gen, Ja, du warſt es! du nannteſt Eloa's Namen der Hoͤlle! Engel des Todes! ich geh zu der Hoͤlle! Wehe dem Stolzen, 220 Der Meſſias. XIII. G. V. 515— 528. Der mein ſpottet! den ſollen geſchleuderte Felſen begraben! Warum folgſt du mir nicht, verworfenſter unter den Engeln? Doch kein Engel nicht mehr, nur eine Seele! Du fuͤrchteſt, Und du taͤuſcheſt dich nicht, daß ich an die unter⸗ . ſten Stufen Meiner Throne mit diamantenen Ketten dich feßle, Und, indem ich, in große Gedanken vertieft, auf . den Hoͤhen Meiner Throne nun ſitze, auf deinem Nacken den Fuß mir Ausruhn laſſe! Doch werde zuvor bei den Schaͤ⸗ deln ein Opfer Deiner Kriechſucht! Schauernd, mit zuͤrnender Trau⸗ . eigkeit ſchuͤttelt Abbadona ſein Haupt: Nicht deine flammenden Worte Schrecken, wuͤthender, mich! der erſtandne Gerechte, der Cherub Schrecken mich, und Jehovah mein Feind! Er wandte ſein Antlitz. Adramelech verließ ſie. Ich folge dir, ſtammelte Satan Wuͤthend zum Todesengel. Die Stirne voll Don⸗ nernarben Dreizehnter Geſang⸗ 221 XIII. G. V. 529— 542. Wurd' ihm dunkler, indem er folgte. Sie ſchwe⸗ beten. Zweifelnd Stand noch Abdiel. Jetzo wandt' ungeſtuͤm Adra⸗ melech Wieder ſich um. Er waͤlzt' in dem raſenden Fel⸗ ſenherzen Eine Laͤſterung, ſchwarz, wie die Nacht der unter⸗ ſten Hoͤlle. Und entſchloſſen, herauszuſtroͤmen das Unge⸗ heuer In der Verſammlung der Heiligen, ſchrie er: Ich folge dir, Engel! Wende dich! rief mit des Donners Ruf der Ver⸗ derber, die Schoͤpfung Sollſt du nicht ſehn! dein Auge wird Blindheit 2 ſchlagen! dich fuͤhren, Beb' ihm nach! ein Geheul! Schon ſtarrte das Aug' ihm in Nacht hin, Und ſchon rauſcht es um ihn, und heulet' im fuͤh⸗ renden Sturme. Jammernd Geheul, er folgt, das muß er! itzt ſtrn: erſterbend, Jetzo erſchuͤtternd nah, war in dem gefluͤgelten Sturme. Schnelles, unwiderſtehliches, unnennbares Ene⸗ ſezen Faſſet' ihn, wenn das Geheul, wie Gerichtspoſau⸗ nen, ihm zurief: 222 Der Meſſias. XIII. G. V. 543— 556. Wehe dir! Wehe, Wehe dir! und dann es ihm dauchte, Gebirge Nahender Sterne wankten davon, und ſchmetterten krachend Nieder auf ihn, und waͤlzten ihn fort in dampfen⸗ den Truͤmmern! Jetzo hoͤrten die Vaͤter, und Seraphim fern in den Himmeln Aus den Sonnenwegen herab ein Wetter Jehovah's Kommen! Die Harmonien der wandelnden Welten verſtummten, Wenn der Donner ein neues Erſtaunen ihrer Be⸗ wohner, Redete! Denn ſchon war zu dem tiefen Tabor des Vaters Herrlichkeit niedergeſtiegen; ſie hatten ihn wandeln .. geſehen! Schon aus ſeinen Schranken ein Stern geeilt zu der Sonne; Still war ſchon geſtanden die ganze Schoͤpfung! Die Vaͤter Härtan das Wetter fliegen, und huben freudig ihr Haupt auf, Haren hinauf in die Himmel der Himmel. Es nahte ſich eilend, Schnell, wie Gedanken. Sie hoͤrten es nun in der Ruhſtatt Gottes Dreizehnter Geſang. 223 XIII. G. V. 557— 570. Schweben, und, als von Gebirg zu Gebirge, wie⸗ der von Sternen Hallen zu Sternen. Es nahte der Erde. Mit gluͤ⸗ hender Stirne, Schimmerndem Aug', entzuͤckt von jeder Wonne — des Himmels, Eine Flamme des Herrn, den Sonnen gleich, da ſie Gottes Schaffender Hand entzitterten, uͤber Erden zu herr⸗ ſchen, Strahlt' Eloa hinab in der Auferſtandnen Ver⸗ ſammlung, Rufte: die Stund' iſt gekommen, der Herrlichkeit Stund' iſt gekommen! Mit der Morgendaͤmmerung wird der Verſoͤhner der Suͤnde Seinen Leichnam erwecken! Ihr hoͤrt den Goͤttli⸗ chen wandeln! Und er ſchwebet' hinab zu dem Grabe. Das maͤchtige Wetter, In den Himmeln ein Zeuge des Ewiglebenden, mildert Jetzo ſeine Gewalt, daß die Erde vor ihm nicht entfliehe. Seine Donner hielt es zuruͤck; Sturmwinde nur rauſchten, Daß vor ihnen vom Libanon an ſich die Waͤlder Judaͤg's 22 43 Der Meſſias. XIII. G. V. 571— 584. Gegen das Grabmahl beugten! Die Erde ward nur erſchuͤttert, Daß von des Seir Gebirg der Phasga, der Arn, und der Hermon Bis zu den oberſten Wipfeln und Wolken des Li⸗ banon bebten! Daß von des Seir Gebirg' Aegyptus Waſſer, das Weltmeer, Und der Karmel, und wieder des Libanon Hoͤhen erſchracken, Und der wankend ſtroͤmende Jordan hinauf bis zur Quelle Und Amana! Allein noch bebte das Grab nicht. Der Fels lag Unbewegt, wie er hingewaͤlzt vor das offene Grab war. Gabriel ſah mit Entzuͤckung hinab auf den liegen⸗ den Felſen, Denn: Du waͤlzeſt ihn weg! war ihm von dem Todten verheißen. Aber die Himmliſchen, ſie, die lauter die Stroͤm'„ und das Weltmeer Rauſchen hoͤrten, die Waͤlder erſchallen, lauter die Berge Beben, als ſie ein menſchliches Ohr zu hoͤren ver⸗ mochte, Freudig ſanken aufs Antlitz die Cherubim, und die Erſtandnen. Vor Dreizehnter Geſang. 225 XIII. G. V. 585— 598. Vor der gegenwaͤrtigen Gottheit des Suͤndeverſoͤhners. Adam betete laut, wie im Jubelgeſang. So er⸗ . ſchallen Mit der wandelnden Welten Getoͤn die Poſaunen der Engel, Wenn ſie die großen Thaten des Allerheiligſten fei⸗ 3 ren, Wie des ſeligen Stimme, vereint mit den wehen⸗ 4 den Luͤften, Und mit den rauſchenden Palmen, den Wiederhallen der Berge, Und(ſie ſtuͤrzten, und flohn) mit den Stroͤmen, erſcholl. Unerſchaffner! Dann ein weinendes Kind, ein weiſer Knabe, die Wonne Gottes, und derer, die ſuͤndigten! dann ein himm⸗ liſcher Lehrer, Der, wie die Mutter des Sohns, ſich des Menſchen durch Wahrheit erbarmte! Dann ein Hoherprieſter, der ſelbſt ſich opfert' und einging In das Allerheiligſte, Fluch und Suͤnde fuͤr Suͤn⸗ der! Ach, ein Gekreuzigter! und ein Todter! wie koͤnnen — 1 wir wuͤrdig, Gott, du Liebe! dich preiſen fuͤr das, ſo du tha⸗ teſt, und thun wirſt! Klopſt. Meſſias III. B⸗ P 4te Aufl. 226 Der Meſſias. XIII. G. V. 599— 612. O du fuͤhlbar Naher, nun wirſt du es thun, und erwachen! Siehe, des Todes Schmach, die Schmach des Kreu⸗ zes, ſie lieget Dann dir unter dem Fuß! Allgegenwaͤrtiger Mitt⸗ ler! Aber uns offenbarter Allgegenwaͤrtiger, Heil uns, Daß wir, dich erwachen zu ſehn, gewuͤrdiget wer⸗ den; Ach, wir haben dich ſterben geſehn! Erwachen, erwachen Wird der große Todte nun bald, der Schlummern⸗ de Gottes! Wie du kameſt, als du aus der Nacht die Son⸗ nen hervorriefſt, Alſo kommſt du, mit tauſendmal tauſend Leben — umſtroͤmet, Und vor dir beſeelender Sturm her! Himmliſches Saͤuſeln Wird von dem Sturme nun bald ſich ſondern, und deinen Leichnam Wecken, du Ewiglebender! Seht ihr die aͤußerſten Schimmer Seiner Herrlichkeit, die neben Sternen herab⸗ ſtrahlt? Und die roͤthlichen Morgen vor ihm, die mildern die Strahlen Dreizehnter Geſang. 227 XIII. G. V. 613— 626 Seiner Gottheit? O daß vor ihm die Geſchaffenen alle Beugen ihr Knie! vor ihm, vor ihm der Begna⸗ digten Kronen Alle ſinken! Er kommt, das Gefaͤngniß gefangen zu fuͤhren! Gaben der Ewigkeit denen zu geben, die er ver⸗ ſoͤhnt hat. Saͤusle, befeelende Kraft, Hauch Gottes, und wecke den Leichnam, Deſſen Wunden zur Rechte des Vaters mehr, wie die Sonnen, Mehr, wie der erſtgeborne des Lichts, der Himmel der Gottheit Strahlen werden! Und du, verſtummende Wonne, o lege Deine Hand auf den Mund, und wart' anbetend der Stunde, Die er auferſteht! O ihr noch Soͤhne des Stau⸗ bes, Meine Kinder, vor allen, ihr wenigen, die er ge⸗ waͤhlt hat, Seiner Auferſtehung in allen Landen der Graͤber Zeugen zu ſeyn, ihr, deren Blick noch Thraͤnen der Wehmuth Truͤben, die ihr den unterliegenden Todten nur kennet; P 2 228 Der Meſſias. XIII. G. V. 627— 640. Seine Herrlichkeit nicht, noch die, mit der er bes lohnet! Mit dem ganzen, dem goͤttlichen, unausſprechlichen Segen Seiner Auferſtehung, mit dieſer Fuͤlle der Fuͤl⸗ le, Aller dieſer Ueberſchwenglichkeit, ſegn' ich, o Kin⸗ der, Euch zu dem ewigen Leben! Geſegnet ſey euer Leiden, Jeder Kampf der ſtreitenden, jeder Sieg der ge⸗ ſtaͤrkten! Euer Schweiß in der Arbeit des Heiligen, der euch die Kraft giebt! Jeder Tropfen der Angſt, der Thraͤnen, oder des Blutes, So wie, der ſie zaͤhlt, es beſchleußt! geſegnet ſey die Weisheit Eurer Rede! die Heiligkeit eures Wandels! im Himmel Sey er! geſegnet, die Wunder, womit des Vaters und des Sohnes Geiſt euch ruͤſtet! Ihr ſollt die kleineren Segen nicht haben, Welche vergehn; allein, in dem Namen Jeſus Chriſtus, Heißt aufſtehn, und wandeln die Sterbenden, und die Todten! Dreizehnter Geſang. 229 XIII. G. V. 641— 654. Seyd, wenn dereinſt ihr ſelbſt entſchlafet, o dann vor allen Unausſprechlich geſegnet! Euch werd', an dem En⸗ de der Laufbahn, Nach der Geburt in das ewige Leben, der Siegen⸗ den Krone, Und der Aelteſten Thron, die Geſchlechte der Men⸗ ſchen zu richten! Sie, die neben ihm ſtrahlender ward, indem ſie ihr Auge Nach der Herrlichkeit wendete, die in den Himmeln herabkam, Und den Segen vernahm, den der Auferſtehende ſegne, Eva ſtreckt die Hand auch gegen des Goͤttlichen Grab aus: Fleuß, fleuß, ewiger Quell, zerreiß den Felſen, 4 und ſtroͤme! Siehe, du ruhſt noch in Nacht, brich durch den Felſen und ſtroͤme Ewiger Quell des ewigen Lebens, und labe die See⸗ len Aller Durſtenden, aller, die gleich dem brennenden Rehe Schreien nach dir! O Strom, der in die beſſere Welt ſtroͤmt, Nimm in deiner Geſtade beſeelenden Hauch, in die Kuͤhle 230 Der Meſſias. XIII. G. V. 655— 668. Deiner Schatten den Waller nach Kanaan auf, daß ihm Labſal Werd', und Staͤrkung zur weiteren Pilgerſchaft, daß die Hoffnung Seiner eigenen Auferſtehung den wankenden letzte! Hoffnung, bimmſiſches Licht in des Sterbenden bre⸗ chendem Auge, Ja du Hoffnung, auch zu erwachen, mit Chriſtus zu leben! Geuß du deine Freuden auf die, die in Chriſtus entſchlafen, Gnadevoll aus, damit ſie nicht ſchrecke das Graun der Verweſung! Selige Stunde, welche nun bald, zu entzuͤcken, her⸗ vorbricht, Eine nicht zaͤhlbare Zahl unſterblicher Leben, ach aller, Welche, jenſeit der Graͤber, die Kinder Adams einſt leben, Liegen, o Stunde ſeines Erwachens, in dir ver⸗ borgen! Welche Leben! und welche Beſitzer nicht endlicher Leben! Meine Kinder ſeyd ihr! Zerreiß den Felſen, und ſtroͤme, Ewiger Quell der ewigen Leben! Zu großen Waſ⸗ ſern Dreizehnter Geſang. 231 XIII. G. V. 669— 682. Wirſt du werden, o Quell, zu Gottes Ocean, ſtroͤme! Alſo betete ſie. Der Engel am Grabe des Todten Stieg in die Wolken hinauf der Herrlichkeit Chri⸗ ſtus entgegen. Wie es den tauſendmal tauſend der Todten Gottes einſt ſeyn wird, Hat das große Weh von dem Falle bis an den Gerichtstag Ausgeklagt, und ſteigt nicht mit jedem Tropfen der Zeit mehr, Der in das Meer hintraͤuft der Vergaͤnglichkeit, ei⸗ nes Gebornen Weinen gen Himmel empor, noch eines Sterbenden Roͤcheln Unter die Preisgeſaͤnge der Unentweihten vom Tode, Wie es ihnen wird ſeyn, wenn mit des letzten der 3 Tage Morgendaͤmmerung nun das lange Wehe des Wei⸗ nens Und des Roͤchelns auf ewig verſtummt; ſie werden vor Wonne Freudig erſchrecken! aus ihrem erhobenen dankenden Auge Thraͤnen der Seligkeit ſtuͤrzen! und ihrer Jubel Triumphlied 232 Der Meſſias. XIII. G. V. 683— 697. Wird mit jener Poſaune, der Todtenerweckerin, ſtreiten, Streiten, und uͤberwinden! wie dann es wird der Berechten Tauſendmal tauſenden P ſo war es der kleine⸗ ren Schaar jetzt, Die an dem Grabe des Herrn, vor Hoffen, und vor Erwarten. Deſſen, das kommen ſollte, verſchmachtet war; da die Wolken Riſſen! da Gabriel dort, eine Flamme Gottes, herabfuhr! Da er von Bethlehem uͤber die Schaͤdelſtäͤte zum Grabe Flog! da von Ephrata's Huͤtte bis hin zu dem Kreuze, vom Kreuze Bis hinunter ins Grab die Erde bebte! da Satan, Wie ein Gebirge, dahin, des Leichnames Huͤter, wie Huͤgel, Stuͤrzten! da weg von dem Grabe den Fels der Unſterbliche waͤlzte, Da ſich, mit Freuden Gottes, Jehovah freute! da Jeſus Auferſtand! Auszuſprechen, was jetzo geſchah! mit dem Liede von fern nur Dieſer Hoͤhe zu nahn! davon, wie der leiſere Nach⸗ hall, Dreizehnter Geſang. 23³ XIII. G. V. 698— 711. Nur zu ſtammeln, von jener Wonne, Erſtandner, von deiner! Und von deren Freude, die jetzt dich ſahen! zu kuͤhn iſt Dieſer feurige Wunſch, und, indem ich vergebens gen Himmel Strebe mit ihm, vergebens! ein maͤchtiger Ueber⸗ zeuger, Daß ich am Grabe noch walle, noch nicht der Erndte, geſaͤt bin, Welche die große Folge der Auferſtehung des Herrn iſt. Stille war erſt am verlaſſenen Grabe. Nicht lange, ſo wurde Deiner Begnadeten Kreis vor Seligkeit heller, und jauchzte, Wie die Morgenſterne, die erſtgebornen der Schoͤpfung. Denn ſie ſahen den Sohn, nach ſeinen Todes⸗ kaͤmpfen, Auferſtanden! nicht mehr, wie am Kreuze, mit ſinkendem Haupte! Herrlich ſchwebteſt du uͤber dem Felſen des offenen Grabes, Goͤttlich, unausſprechlich umſtrahlt mit Siege, mit Siege, Hallelujſa, mit Siege, des ewigen Todes Tri⸗ umphe, Der Meſſias. XIII. G. V. 712— 725. Du, der maͤchtig iſt, du, deß Namen heilig iſt! dem ſich Kller Knie einſt beugen, im Himmel aller, auf Erden Aller, und unter der Erde! den Ephrata Bethlem geboren, Den Gethſemane, den die Schaͤdelſtaͤte getoͤd⸗ tet, Den uns misdergegeben das Grab hat! Neige dich, Tiefe, Vor dem Sieger, und hebe vor ihm, o Hoͤhe, die Händ' auf! Hebt, Erzengel, die Harfen vor ihm, ihr erſten der Thronen, In die Himmel der Himmel empor! und, Stim⸗ men des Menſchen, Meine ſchwache mit euch, ſeufzt ihr aus dem Staube die Freude, Daß er lebet, empor! An des ewiglebenden Throne Werdet ihr einſt, die jetzt die beklommne Freude 3 nur ſeufzen, Unausſprechliche Wonne dem großen Begnadiger ſingen, Ihm, der als Bruͤder euch, die Engel als Bruͤder nicht aufnahm! Ihm, dem Fleiſch' und Gebein von Adams Fleiſch' und Gebeine! Dreizehnter Geſang. 235⁵ XIII. G. V. 726— 739. Du, der maͤchtig iſt! riefen mit lauterem Jubel die Seelen, Als die Engel, o du, des Namen heilig iſt! dem ſich Unſere Kniee beugen, dem unſer geheimſtes Gefuͤhl 8 ſich In die Tiefe der Tiefen wirft, den Namen nicht nennen, Auch dein heiliger nicht, und hocherhabner vor allen, Du Beginner, und o du Vollender, getoͤdtet vom Anfang, Und fuͤr ewig! fuͤr ewig erwacht, und vom Anbe⸗ ginne! Doch dein Schlummer ſelber war kurz, nachdem du 3 nun wirklich In der neunten, der dunkelſten Todesſtunde,(ſie war ſonſt— Keine Stunde der Nacht) entſchlafen warſt, zu er⸗ wachen Schnell, wie du ſchufſt, da, gerufen von deiner Stimme, die Sonnen Rollten, um ſie die gehorchenden Erden, du goͤtt⸗ licher Erſter, Und du gnaͤdiger, gnaͤdiger Letzter, der alles ver⸗ neuet, Alles himmliſcher macht! Auch wir ſind Letzte. Wir leben, 236 Der NMeſſias. XIII. G. V. 740— 753. Sind unſterblich durch dich, und bleiben in jeder Aeone, Durch der Ewigkeit ganze Fuͤlle, ſo lange du Gott biſt, Gott, bei dir! Sie verſtummten. Denn ſeines . goͤttlichen Anblicks Waͤrdigte ſie der Auferſtandne. Von dieſer Ent⸗ zuͤckung Seligkeit niedergeſtuͤrzt, verſtummten ſie alle. So rauſchen Dann die Gefilde der Erndte nicht mehr, und ſen⸗ ken ſich erdwaͤrts, Hat ſein Wetter auf ſie ein ganzer Himmel ergoſſen. Wenige Halme nur heben ſich mit zitternder Aehre Dennoch auf. So ſchwungen ſich jetzt in der Hei⸗ ligen Kreiſe Neben der Mutter die ſieben Soͤhne, Maͤrtyrer 8 alle, Bebend empor, und verſtummten nicht mehr, und feirten, und ſangen: Mache dich auf, und jauchze, du wurdeſt, Erde, gewuͤrdigt, Jeſus Chriſtus Gebein in deine geoͤffneten Tiefen, Als in Mutterarme, zu faſſen. Nun iſt er erſtan⸗ den Dreizehnter Geſang. 237 XIII. G. V. 754— 767. Hoch von dem zitternden Staube, der erſtgeborne der Todten. Alle Himmel ſahen ihn kommen. Vom Fuße des Siegers Ging Erdbeben, vom Golgatha bis zu dem hohen Moria. Mit den Bergen erbebte das Kreuz, und die Zinne des Tempels. Mach' in deiner Schoͤne dich auf, o Erde! dein Licht kommt, Und die Herrlichkeit Chriſtus, du juͤngſtgeborne der Schöpfung, Gehet uͤber dir auf. Sie werden dich Koͤnigin nen⸗ nen, Und die geſegnete deß, der dich ſchuf. Du wareſt ſo ſchoͤn nicht, Nicht ſo bemerkt, ſo nicht durch alle Himmel be⸗ ſungen, Als nach deiner Geburt du am erſten Morgen her⸗ aufſtiegſt. Deiner Soͤhne ſind viel, ſehr viele Gerechte. Du wirſt ſie, Mutter unſterblicher Kinder, in alle Himmel ver⸗ ſenden, Daß ſie im Feierkleide der Unſchuld dem Sieger, mit neuen Feſtlichen Namen genannt, dem, der ſie errettete ſingen. Der Meſſias. XIII. G. V. 768— 781. Jauchzet, Huͤgel der Todten, vor allen Huͤgeln der Erde! Freuet euch, Graͤber, vor Gottes Gebirgen! Die 1 Schlummernden liegen Unter euch, daß ſie erwachen. Du hebſt dann, Er⸗ de, den letzten Aller Tage dich aus dem Staube des Weltgerichts auf Durch des Sohns Allmacht, den deine Tiefen be⸗ deckten, Deine nun offenen Tiefen, zur neuen Erde geſchaffen. Dann wird die Sonne nicht Herrſcherin mehr, noch der Mond dein Gefahrt ſeyn; Dir, die Gerechte bewohnen, wird Gottes Herrlich⸗ keit leuchten, und dein Licht ſeyn Er, deß Blut auf Golgatha traͤufte! 1 Alſo ſangen die fruͤheren Maͤrtyrer, welche ſchon Palmen Trugen, da Stephanus den, wie in dunkler Ferne, kaum kannte, Deſſen Triumph er mit ſeinem Blut, der Maͤrty⸗ — rer Erſtling Unter den Chriſten, zu zeugen erwaͤhlt war. Aber wie nahe Wareſt du gleichwohl, o Stephanus, deiner Palme! wie kurz war, Dreizehnter Geſang. 239 XIII. G. V. 782— 795. Ueberwinder, dein Lauf, von deinem Beruf zu dem Himmel, Bis in den Himmel. Ihn ſaheſt du offen, und Jeſus zur Rechte Gottes! Da rann vom ſchmetternden Steine dein Blut, da enrſchliefſt du. Aber Jedidoth, der juͤngſte der Maͤrtyrer, und Benoi, Und Maria entriſſen ſich jetzt dem Erſtaunen der 3 Freude, Faßten bei ihren Palmen einander, ſchwebten hin⸗ unter Aus den Wolken ans Grab, und knieten leiſ' an den Fels hin, Welcher ach nun nicht mehr das Grabmal deckte. 4 Sie blickten Nach dem Erſtandnen hinauf, mit einer Liebe, dem Herzen Und der Zunge des Menſchen zu hoch und unaus⸗ ſprechlich. Wenn ich in jenem erſten Leben noch lebte, Maria Sprachs zu den Mitgenoſſen des beſten Theiles, und wenn auch Meine Jahre noch bluͤhten die fruͤhere Bluͤthe; ſo waͤr mir Jeder Augenblick doch ſelbſt dieſer innigen Liebe, Der Meſſias. XIII. G. V. 796— 809. Dieſer Begnadigung Tod! Ach ſiehſt du, Benoni, Jedidoth, Siehſt du den Herrlichen? ſeine ſo ſanft gemilder⸗ ten Schimmer? Uns, den zarten Blumen im himmliſchen Saron, gemildert; Und fuͤr jene Ceder zwar auch gemildert, denn end⸗ lich Schuf er Eloa! doch iſt er gewiß ein Anderer dieſem Großen Erwaͤhlten! Ein Anderer, rief Eloa, indem er Frreudig kam, hinſank bei den gluͤcklichen, jedem ein Andrer! So volikommen iſt er. Euch, Hiob, Daniel, Moſes, Abraham, dir, du erſter der Todesengel, dir, Sa⸗ lem, Dir, Marta⸗ und mir, und euch, Benoni, Jedi⸗ doth, Jedem der Eine, den wir vor allen am innigſten lieben, Jedem, nach ſeinem Verlangen, ein unerſchoͤpflicher Geber! Jedem, der beſte, der beſte, der liebenswuͤrdigſte jedem! und lauch dieſer erhabne nie ganz durchſchaute Ge⸗ danke Trag' Dreizehnter Geſang. 241 XIII. G. V. 810— 323. Trag' auf ſeinem Flug' euch empor!) des ewigen Vaters Eingeborner, geliebter, die Ewigkeiten geliebter, Ewigliebender Sohn! Hier, hier verlieren ſich alle Unſre Gedanken, und ſchwindeln an ihrer Endlich⸗ keit Grenze! Hoher Engel Gottes, du fruͤhgeborner der Schoͤpfung, Meine verlieren ſich gern in dieſer Entzuͤckung; wie weit auch Ich von deiner Endlichkeit Schranken(mir ſind ſie nicht Schranken!) An den meinen ſchwindle. So ſprachen die Seel', und der Engel. Und ſtets kamen der Seligen mehr zu dem Felſen herunter. Nah umgaben ſie dich, du ihr Erloͤſer, und Bruder! Freuten ſich anderer Freuden, als dieſe Welt hat, und als ſie Der zu wuͤnſchen vermag, der hier in den Naͤchten noch wandelt. Abraham faltete hoch die Haͤnde gen Himmel, und rufte: Sohn Jehovah's! und,(ſingt mir es nach, ihr fet⸗ renden Harfen Klopſt. Meſſtas III. B. Q lte Aufl. 242 Der Meſſias. XIII. G. V. 3824— 837. Meiner Kinder um mich, mit Wonnelauten,) und meiner! Sohn! wie begann der Vater der Weſen dir zu be⸗ lohnen 4 Deine That! Du kameſt aus deinen Himmeln her⸗ unter, Stiegeſt von deinem Thron, und ſtarbſt! In den Welten allen Iſt ſeit ihrer Erſchaffung, und wird die Aeonen der Zukunft Keine That, wie deine, geſchehen! Wir ſehn des Verſoͤhners Gottesthat, wie vom Schimmer der Sonnenweg' umringt; ſie (Freut euch der Freuden des Seraphs, ihr Mitan⸗ beter, ach ſeiner Jubel!) ſie ſieht, wie umſtrahlt von dem Glanze . des Himmels, Eloa! Endlich erhub aus ſeiner Entzuͤckungen Meere ſich Adam, Aus den Stroͤmen des Lichts, in denen er ſank. Die Gedanken Waren ihm zu tauſenden ſchon durch die Seele ge⸗ flogen, Schnell, wie die Schwuͤnge des Blitzes, indem er dem Auge vorauseilt; Und er ſchwebt zu dem Todeshuͤgel herab von den Wolken, Dreizehnter Geſang. 243 XIII. G. V. 838— 851. Steht bei dem Kreuz, und ſtrecket den Arm nach Jeſus, des Todes Sieger, aus: Ich ſchwoͤre bei dir, der ewig lebet! Daß nun Tod nicht laͤnger der Tod iſt, und daß an dem Tage Deiner großen Vollendung ſie all' erwachen, die ſchlafen! Jeſus Chriſtus Erhoͤhung begann mit ſeinem Erwachen Von dem Tod' an dem Kreuze; ſie ſtieg auf Stu⸗ fen zum Throne, Dort hinauf zu des Vaters Rechte, wo Preis und Chre Dem es belohnen ſollte, der frei ſich erniedriget hatte, Ach von dort herab zu dem Staube der Schaͤdelſtaͤte. Selber Eloa erhuͤb' umſonſt mit der Harfe der — Feier Sich in dem Pſalme, der Pſalm entſtroͤmte verge⸗ . bens des Geiſtes Innerſtem, dieſen Preis, die Gottesehren zu ſingen. Lehre mich, Sionitin, nur einige Laute von jener Großen Erhoͤhung, die bei den Huͤtten ſterblicher Suͤnder, Q 2 244 Der Meſſias. XIII. G. V. 852— 865. Doch nun auch verſoͤhnter begann, und immer ſich 4 weiter, Auf ſtets hoͤheren Stufen, erhub, o lehre von fern mich Nachſchaun ihm, der hinauf zu dem Throne den Lichtweg wandelt. Liebend ſah der Verſoͤhner herab auf Adam, indem winkt Er dem Cherub; der bringet die Seele. Sie ſpricht zu dem Fuͤhrer: Wer, o du ſtrahlender Unbekannter, iſt jener er⸗ habne Furchtbare Mann auf dem Felſenhuͤgel? E. Blickeſt du, Seele, Denn nicht auch auf die Schaaren um ihn, die leuchtender ſchimmern? S. Ach ich kann nicht wenden von dem mein Auge, zu dem du Hin mich fuͤhreſt. Er iſt in dieſer Goͤtterverſamm⸗ lung, Auf, und bete mit an! der oberſte Gott! E. Und dein Richter! S. Weh mir! Jupiter! Jupiter! du, der herrſcht im Olympus! Groͤßter! herrlichſter! O mein Fuͤhrer! was blicket dein Auge Mir vor Entſetzen zu? Iſt es Minos furchtbare Gottheit? — Dreizehnter Geſang. 245 XIII. G. V. 866— 879. Oeffnet irgendwo hier der Erdkreis Thore des Ab⸗ grunds? Rauſcht hier nah der Cocytus? und donnern uͤber dem Strome Juutrors Eide? zu grauſamer Geiſt, noch immer verſtummſt du Meinen bebenden Fragen? Ach hat er den letzten geſchworen, Als ich ſtarb? und ſtuͤrzet mich der in des Phlege⸗ thon Strudel? Jetzo ſprach zu dem todten der Mittler: Ju⸗ piter, Minos Sind nicht; aber es ſchreiet laut von dem ſchmach⸗ tenden Lande, Herrſcher, zu mir das Volk! Er ſprachs, und er nannte des todten Kuͤnftige Staͤte dem Cherub. So ſtieg die Erhe⸗ bung des Sohnes Einen leiſen Tritt, wie große Thaten beginnen. Jeſus ſprach zu den Zeugen: Eh zu dem Va⸗ ter ich gehe, Weil' ich auf Tabor oft. Der iſt der Ort der Ver⸗ ſammlung. Und ſie ſahn ihn nicht mehr, und ſchwebten nach Tabor hinuͤber. Wie er war niedergeſtuͤrzt, ſo ſinnlos lag an des Grabmahls 246 Der Meſſias. XIII. G. V. 880— 893. Felſen Satan noch von des Auferſtehenden An⸗ blick. Gabriel hoͤrete gegen ſich her, wie im Wetter, er wandeln; Und nun ſah er ihn auch, indem er, mit ſchwerer Arbeit, Sich aufrichtete. Stuͤrze dich, ſagt' ihm der En⸗ gel des Siegers, Endlich in deine Tiefen hinab! Was ſaͤumſt du auf Erden? Wenn du lernen koͤnnteſt; ſo wuͤrdeſt du einmal lernen, Daß der Kampf des Endlichen mit dem Unendlichen Qual iſt Fuͤr den immer beſiegten, und immer wieder em⸗ poͤrten! Aber du lerneſt es nie. So fleuch denn hinunter, und kruͤmme Dich in neuen Entwuͤrfen herum zu der neuen Em⸗ poͤrung. Aber wiſſe.. Doch laß mich die lauteren Donner 3 der Rache Nicht ausſprechen, und fleuch. Er floh, doch zoͤ⸗ gert' er wieder In der Einoͤd', hielt ſich an einen thuͤrmenden Felſen, Blickte von da mit ſtarrendem Aug' hinaus in die Wuͤſte. Dreizehnter Geſang. 247 XIII. G. V. 894— 907. Schrecken Gottes! ereilet ihn! rufte, da er im Or⸗ kan ihm Nachkam, Gabriel. Satan entſank dem Felfen und rauſchte Durch die Schoͤpfung hinab zu der Hoͤlle. Doch eh' er hineintrat, Weilet' er der belaſtenden Tage viel an der Pforte. Schon zwo Mitternaͤchte war nun die Ver⸗ ſammlung der Prieſter In der Halle beiſammen des Hohenprieſters geweſen. Und ſie begannen, des Schlafes beraubt, den wer⸗ denden Morgen Wieder zu ſehn. Sie ſaßen verſtummt, und dach⸗ . ten den Ausgang. Jener beſiegelte Stein, der Roͤmer Wache, der Todte! Waren das bleibende Bild vor ihren zerruͤtteten Seelen. Ungewißheit! du warfſt ſie mit jeder gewaltigen Un⸗ ruh, Welche du haſt, mit deinen gethuͤrmten Wogen, . mit allen Deinen Stuͤrmen herum. Der dritte furchtbare Tag kam! An dem Grabe des Herrn begann die roͤmiſche Wache 24 Der Meſſias. XIII. G. V. 908— 921. Zu ſich ſelber zu kommen, und einer ſprach zu dem andern: Ach! wie geſchah dir? Ich hoͤrte die Erde beben, da ſtuͤrzt' ich Schnell in den Staub. Der Genoß antwortet' ihm: Alſo geſchah es. Und ein anderer ſprach, indem er auf den Gefaͤhr⸗ ten Bang ſich lehnte: Wie wars? Die Erde bebte mir, warf mich An den Felſen. Der andere ſprach: Ich glaubte zu ſterben, Da der Sturmwind wirbelt' und heult', und den Felſen zermalmte. Nein, er iſt nicht zermalmt; doch liegt er nicht mehr vor dem Grabe. Jetzo rufte, gefuͤhrt von einem der Wache, der Hauptmann: Lebt ihr, ſo nennet mir die Namen. Sie nannten die Namen. Cneus ging in das Grab, und ſah es leer, und den Felſen Weg von dem Grabe gewaͤlzt. Das that auch wun⸗ dernd die Wache. Geht aus einander! Er ſprachs; drauf nahm er einen, und ſagt' ihm: Geh du voran zum Pallaſt des Prieſters, und bringe mir Bothſchaft, Dreizehnter Geſang. 249 XIII. G. V. 922— 935. Ob bei ihm Verſammlungen ſind? Ich komm den Weg auch. Sage, wo geheſt du hin? befragten den Bothen den Bothen die andern. Nach der Prieſter Pallaſt. Er eilete weiter. Sie folgten. Wie, von keinem andern erweckt, ein ſchnel⸗ — ler Gedanke Denen, die in der Nacht des melancholiſchen Gruͤ⸗ belns, Weit verloren, umirren, die Seel' auf Einmal er⸗ ſchuͤttert; Unvermuthet kam, und mit athenloſem Entſetzen So in die ſtumme Verſammlung der Bothe. B. Am Grabe zu wachen, Sandtet ihr uns; doch umſonſt! Die Erde bebt', und der Fels ſprang Weg von dem Grabe, und leer iſt es nun! Er riefs, und verließ ſie. Und ſie taumelten auf von ihren Sitzen, und ſtanden Starr, Denkmale des Schreckens. Drei Roͤmer folgten dem erſten, Eilten den offenen Saal hinein, und riefen zuſam⸗ men: Seht ihr nun zu, weg ſtuͤrzte der Fels! was ihr thut! und die Erde 250 Der Meſſias. XIII. G. V. 936— 949. Hub ſich empor. Das Grab, ein Sturmwind wir⸗ belt' und heulte, Sahen wir leer! Erſt fielen wir hin, wie Todte, ja leer ſahn Wir das Grab hernach. Gleich ſchnellherſchmettern⸗ den Donnern War den Prieſtern ihr Zeugniß! Da traf ſie der letzt, und der ſtaͤrkſte. Denn ein fuͤrchterliches Gelaͤchter erhub, in des Schreckens Unſinn, Philo. So ſchweigt der Tod, ſo ſchwie⸗ — gen die Prieſter, Und auch Philo wieder. Doch Kaiphas hatte ſich endlich Wieder ermannt. Schnell ließ er die Aelteſten ru⸗ fen. Die kamen, Eilten gefluͤgelt herzu. Auch kamen noch andere . Huͤter. Und ſie traten herein. Wir ſehns, ihr habt es 4 vernommen! Dank, den Goͤttern Dank, wir leben! Warum 3 erkuͤhntet Ihr euch, Prieſter! den Sohn des Donnergottes zu toͤdten? Siehe, ſein Grab iſt leer. Kaum ſind wir lebend entronnen! Aber der Hoheprieſter erhub ſich, und ſprach zu der Wache: Dreizehnter Geſang. 251 XIII. G. V. 950— 963. Roͤmer, gehet hinab zu den Meinen, und waͤrmt euch am Feuer. War auch euer Hauptmann bei euch? Er war's, und er ſtuͤrzte Nieder mit uns, und ſahe, wie wir, das geoffnete Grabmal. Und er fuͤhrte ſie weg, und gebot den Seinen, mit Speiſe Dieſe Maͤnner zu laben, und mit der Staͤrkung der Traube. Endlich leiteten ihn die Seinen zuruͤck; und er ſetzte Wankend ſich nieder, und ſprach: Ihr muͤßt die Roͤmer erkaufen; Oder Juda empoͤrt ſich! Doch was iſt mir das Leben Nun, da ich faſt, o Saddok, an deiner Lehre ver⸗ . zweifle! Aber taͤuſchte die Angſt die erſchrockenen nicht? Erd⸗ beben Iſt geweſen. Allein ob ſie das Grab auch wohl leer ſahn? Als er noch redete, kam der roͤmiſche Hauptmann. Sie ſtanden Schnell vor ihm auf, und traten zuruͤck. H. Ihr kennt mich. Ich ſah ihn Auch an dem Kreuz, und glaubte ſchon damals, ein Sohn der Goöͤtter 252 Der Meſſias. XIII. G. V. 964— 978. Stuͤrbe! Ihr wiſſet nun auch, was am Grabe ge⸗ ſchah! Indem trat Philo's Engel, der fuͤnfte Verderber am Thron des Richters, Ephod Obaddon herein. Von dem hohen treffenden Auge Stroͤmet' er Rache, das Haar ſiel ihm in Locken der Nacht gleich Auf die Schulter; ſein Fuß ſtand, wie ein ruhen⸗ der Fels, da. Und er blickt' auf Philo herab; doch ließ er nicht rauſchen Seiner Schrecken Stimme, nicht ihre Todestoͤne. Schwarze, blutende Stunde, du Todesſtunde, befluͤgle Deiner Schritte letzten! Sey, Thal Benhinnon gegruͤßet,. Sey mir gegruͤßt, Benhinnon! Indem er dieß in ſich ſelber Sprach, enteilten ihm ſiebenfaͤltige Schrecken; die ſtuͤrzten All' auf Philo. Der ging, mit fuͤrchterlichlachen⸗ der Ruhe, Gexen Eneus, und fragte mit dumpfer langſamer Stimm' ihn: Offen das Grab? und ohne den Todten? C. Ohne den Todten! Ph. Roͤmer! bezeugſt du bei Jupiter dieß? C. Bei Jupiter zeugt' ichs Dreizehnter Geſang. 253 XIII. G. V. 979— 992. Nicht, bei Jehovah, den ich anbete, beſchwuͤr' ich es, wenn ich Michs zu beſchwoͤren entſchloͤſſ', und dir, elender, nicht muͤßte Eidlos gelten mein Wort! Da rufte mit Ungeſtuͤm 3 Philo: Ha! vernahmt ihrs? Er ſah es offen, und ohne den Todten! Und er ſchwur nicht: Du haſt mehr als geſchworen, o Roͤmer! Ruft es, und reißt dem Hauptmann ſein Schwert von den Huͤften, und ſtoͤßt ſichs Wuͤthend ins Eingeweide mit beiden Armen hin⸗ unter, Schleudert es weit von ſich weg, und taumelt nie⸗ der zu ſterben! Als er ſich waͤlzt' in rauchendem Blute, riß er die Wund' auf, Spritzete Blut gen Himmel: Ha Nazaraͤer! ſo ruft' er, Starb! Und Cneus ergriff ſein liegendes Schwert, und nahte Sich dem todten, und ließ es auf ihn, wie es bus. tete, fallen. Schrecken, euch, und ewige Nacht, und dir, o Verzweiflung, Weih' ich dieß Schwert! Da wandt' er ſich ſchnell, und verließ die Verſammlung. 25 ½ Der Meſſias. XIII. G. V. 993— 1003. Auch entfloh die entruͤſtete Seele des todten ihr, mußte Einem Wandelnden folgen, der ſie durch Finſterniß fuͤhrte. Aber nun war der Engel des Todes im Thal Ben⸗ hinnon; Und da wandt' er auf Einmal ſich um, da erblickt' ihn die Seele. Wer vermag das furchtbare Schaun des richtenden Engels, Wer zu beſchreiben den Donnerton, mit welchem er rufte 2 Ephod Obaddon, ſo heißt der ſiebenfaͤltigen Rache Namen, und mein Namen! Ich bin der Verder⸗ ber Einer! Bins, der die Erſtgeburt an dem Strome ſchlug. Von Gehenna, Blick' umher, du biſt in Gehenna! bring' ich dich weiter „IJIn die Tiefe der Tiefen hinab! Sie entſchwebten dem Thale. Vierzehnter Geſang. Inhalt des vierzehnten Geſangs. &x& Jeſus erſcheint Maria Magdalena, neun andern from⸗ men Weibern, und Petrus. Dieſe erzaͤhlen es der Ver⸗ ſammlung. Thomas Zweifel. Jeſus entdecket ſich Mat⸗ thias, und Kleophas in Emaus. Thomas geht in ein Grab am Oelberge, klagt, und betet dort. Ein Aufer⸗ ſtandner, den er nicht erkennt, redet mit ihm. Matthias und Kleophas kommen zuruͤck. Auch Lebbaͤus wird noch nicht uͤberzeugt. Jeſus erſcheint der Verſammlung. Vier⸗ Vierzehnter Geſang. XIV./ G. V. 1— 9. „ Ianner noch in ihr Leiden verſenkt, und ſchmach⸗ tend nach Troſte War in der Huͤtt' an dem Tempel die jammervolle Verſammlung; Wie an der glanzverbergenden Decke der naͤheren Zukunft Oft Schnellſterbende dicht ſchon wandeln, und den⸗ noch weinen! und die heiligen Weiber vermiſchten mit Oele der Wuͤrze Blume, zur Salbung des Herrn, und Thraͤnen rannen darunter. Wie die weiſen Begleiterinnen des Braͤutigams wachſam Waren, und aͤmſig zu naͤhren der Lampen Flamme, damit ſie Ihm entgegen kaͤmen, ſo bald er erſchiene; ſo wart ihr. Klopſt. Meſſias III. B. R lite Ausfl⸗ 258 Der Meſſias. XIV. G. V. 10— 23. Auch, Nachfolgerinnen des Mittlers, bereit bei der Daͤmmrung Erſtem Winke zu ſeyn, mit eilender Sorge be⸗ ſchaͤftigt. Doch ſie erwarteten nicht der Morgendaͤmmerung Ankunft: Nacht noch war es beinah, als ſie die Juͤnger ver⸗ ließen. Die aus Magdala's Huͤtten, und Kleophas Weib, Maria,. Und Johanna, mit ihr die Schweſter der leidenden Mutter, Salome, dann die zu zaͤrtliche Mutter der Zebe⸗ daͤiden Waren die Fuͤhrerinnen. Ihr lieben, ihr ſehet ihn noch Einmal, Sprach bei dem Abſchied die Mutter, ich aber ſeh' ihn nicht wieder. Gehet denn hin im Namen des Herrn. Sie ſchwie⸗ gen, und gingen. Und der Morgen athmete kalt. Sie eileten, ſpra⸗ chen: Aber wer waͤlzet den Stein von dem Grabe? Doch dieſer Kummer Hielt ſie nicht auf. Wir thun, ſprach Magdalena Maria, Was wir koͤnnen, und ſchuͤtzen, ſo lang das Sal⸗ ben vermoͤgen, Vierzehnter Geſang. 259 XIV. G. V. 24— 36. Ihn vor der grauenvollen Verweſung. So ſprach ſie und eilte. Gabriel ſaß auf dem weggewaͤlzeten Felſen, und ſagte 1 Zu Eloa, und Abdiel, die nicht fern von ihm ſchwebten: Ach kaum, daß ich vermag zu erſcheinen, ſo beb' ich vor Freuden! Seht ihr die Zeuginnen kommen? Ich will als Juͤngling erſcheinen; Sonſt ergriffe die armen Gluͤcklichen, ſchreckte zu maͤchtig Meiner Herrlichkeit Schrecken. Erſcheinet ihr ihnen als Maͤnner, Wenn ſie mehr der Unſterblichen Glanz zu ertragen vermoͤgen. Aber der Mittler ſchaut' aus ſeiner Verbor⸗ genheit Huͤllen Auf die Engel herab, und auf die kommenden Men⸗ ſchen; Freuete ſich der goͤttlichen Freuden, die Blut ihm erkaufte! Magdala's Bewohnerin kam, fah offen das Grabmal, Weggewaͤlzet den Fels, floh, riefs den andern ent⸗ gen, R 2 260 Der Neſſias. XIV. G. V. 37— 51. Eilte zuruͤck nach Jeruſalem. Aber die kommenden ließen Sich nicht ſchrecken, und gingen heran. Da erblick⸗ ten ſie ſchleunig Auf dem Felſen, der weggewaͤlzt an der Oeffnung des Grabs lag, Einen Juͤngling, der ſchimmerte. Seine Geſtalt war dem Blitze Gleich, dem Schnee das Gewand. Er ſprach mit 3 der Stimme der Wonne: Fuͤrchtet euch nicht! Ich weiß, daß ihr den Ge⸗ kreuzigten ſuchet, Jeſus! Er iſt nicht hier! Er iſt von den Todten erſtanden, Wie er verkuͤndiget hat. Kommt her, und ſehet die Staͤte, Wo der Goͤttliche ruhte. Da fuͤhret' er ſie in das Grabmal. Gehat eilend nun hin, und ſagt's den Juͤngern, und ſagt es Kephas: Auferſtanden ſey er von den Todten. Und ſiehe, Jeſus gehet hinab nach Galilaͤa. Da werdet Ihr ihn ſehn. Nun eilt, und verkuͤndets den Zwoͤl⸗ 8 fen. Sie blieben, Unentſchloſſen, und zitterten ſaͤumend. Im Strah⸗ lengewande Traten noch zween der Engel herein. Sie erſchra⸗ ken, und ſchlugen Vierzehnter Geſang. 261 XIV. G. V. 52— 65. Nieder zur Erd' ihr Angeſicht. Was ſuchet ihr, ſprachen Dieſe Maͤnner, unter den Todten, den Lebenden? Hier iſt Jeſus nicht. Erſtanden iſt er! Gedenkt, was er ſagte, Als er in Galilaͤg noch war. In die Haͤnde der Suͤnder— Muß der Sohn des Menſchen gegeben werden, ge⸗ kreuzigt Muß er werden, erwachen den dritten Tag von dem Tode! Jetzo eileten ſie mit Beben, und inniger Freude, Liefen, es nun den Juͤngern des Herrn zu verkuͤn⸗ digen. Petrus Und Johannes kamen indeß mit Magdale wieder. Als ſie Jeruſalem jetzt verließen, ſagte Johan⸗ nes Zu den Gefaͤhrten: Der Weg an jenen Straͤuchen hinunter Iſt ein ſchnellerer Weg. Er fuͤhrt', ihm folgten die andern. Wo einander am meiſten die beiden Wege ſich nah⸗ ten, Gondert' ein Huͤgel ſie nur. Von dieſem Huͤgel geſchieden, 26² Der Meſfſias. XIV. G. V 66— 79. Gingen ſich, ohn' einander zu ſehn, die heiligen Weiber, Und die Juͤnger voruͤber. So nahn oft Pilger nach Salem, Deren Seelen ſich gleich, und fuͤr einander gemacht ſind, Sich in dieſem Leben, und fehlen ſich dennoch. In Salem Sehn ſie ſich erſt, verwundernd, daß ſie ſich hier nicht gefunden. Kephas ſprach zur Gefaͤhrtin, indem ſie dem Fuͤhrer mit Muͤhe, Und von ferne nur folgte: Genommen waͤre der Leichnam? Von den Prieſtern? Allein die haben, ſagt man, den Grabſtein Ja verſiegelt! So haben ihn denn Elende genom⸗ men, Ahm das Todtengewand zu rauben. Er ſprachs, und Johannes War dem Grabe ſchon nah. Gelegt erblickt er die Leinen; Aber er ging, voll unentſchloſſenes Kummers und Ehrfurcht, Nicht hinein. Nun kam auch athemlos Petrus, und eilte, So wie er kam, in das Grab. Er ſahe das Tuch, ſo des Todten Vierzehnter Geſang. 263 . XIV. G. V. 30— 93. Haupt umwand, beſonders gelegt, und nicht bei den Leinen, Fand es zuſammengewickelt. Ihm folgte Johannes ins Grabmal, Sah es, und uͤberzeugte ſich ganz von Magdale's Bothſchaft. Aber davon, daß, nach der Propheten Geſicht, der 3 Meſſias Aufſtehn muͤſſe, wußten ſie nicht. Sie verließen das Grabmal, Und Maria. Wofern, ſprach Petrus im Gehn zu Johannes, Sich die Prieſter anders entſchloſſen, und der Be⸗ ſieglung Nicht gnug trauten, gewiß ihn zu haben; ſo nah⸗ men die Wuͤther Ihm das Todtengewand, um ſeine Wunden noch Einmal Heiß vom Durſte der Rache zu ſehen. Sie gingen verſtummt fort. Magdale ſtand vor dem Grab', und blickt', und wiſchte die Thraͤnen Schnell mit Heftigkeit weg, um zu ſehen, ſie blickt', und ſtarrte Aengſtlich hinunter ins Grab. Zwar waren Engel im Grabe, Und erſchienen ihr; doch kaum ſah ſie die Engel. Denn Jeſus 264 d Der Meſſias. XIV. G. V. 94— 107.. Sahe ſie nicht, nicht Jeſus! So ſucht, mit lech⸗ zender Zunge, Nur die Quelle das ſchreiende Reh; die Sonne, die aufgeht, Siehet es nicht, es fuͤhlt nicht die wehenden Schat⸗ ten des Waldes. Weib, was weineſt du? ſprachen zu ihr die Bothen . der Wonne. M. Ach, ſie haben genommen, den meine Seele 3 liebet, Und ich weiß nicht, wohin ſie ihn legten? So ſprach ſie, und wandte Sich von dem Grabe. Da ſiehet ſie Jeſus ſtehen, — und weiß nicht, Daß es Jeſus iſt. J. Was weineſt du, Weib? wen ſuchſt du? Aber dieß ſprach er noch nicht mit der Stimme des ewigen Lebens! Sie antwortet dem Gaͤrtner, ſie meynt, ſie ſehe den Gaͤrtner: Haſt du ihn weggenommen; wohin haſt du ihn ge⸗ tragen 2 Ach in welche Finſterniß? daß ich eil', und ihn ſuche! Nahe, wie ſie, der unausſprechlichſten Seligkeit, weint ſo Selbſt ein Geliebter des Herrn, wenn ſeiner Sterb⸗ lichkeit letztes, Vierzehnter Geſang. 265 XIV. G. V. 103— 121. Aber ſtaͤrkſtes Gefuͤhl die ganze Seel' ihm erſchuͤt⸗ tert. Ach er lieget, und ringt mit dem Tod', und duͤr⸗ ſtet nach Huͤlfe! Weint zu Chriſtus, und kennt, ſo ſchreckt ihn der Pruͤfungen letzte! Kennt den Liebenden nicht, ſieht nur den Richter der Welten! Aber zwo Thraͤnen nur noch; und welche Wonn' iſt die ſeine! Selber von dem, mit dem ſie von Jeſus redete, wendet, In der Traurigkeit ihrer Seele, Maria ihr An⸗ tlitz. Aber wie Harfen am Thron, wie Jubel der Ueber⸗ winder, Singen ſie, ganz in Liebe zerfloſſen, das Lamm, das erwuͤrgt ward, Nicht wie der Ueberwinder Harfen, und Jubel am Throne, Inniger, herzlicher, liebender ſcholl des Auferſtand⸗ nen,. Jeſus Stimme der weinenden, Jeſus Stimme: Maria! Und ſie hoͤrt', und erkannte die Stimme des Herrn, und indem ſie, Kaum ſich ihrer bewußt, in der Angſt der Freude dahinſank, 266 Der Meſſias. XIV. G. V. 122— 135. Bebend, und bleich in den Staub hinſank zu den Fuͤßen des Mittlers, Strebte ſie, was ſie empfand, dem Erſtandenen zu⸗ zurufen; Aber ſie ſtammelt', und athmete kaum, und blickte den Herrn an, Weint', und ſtammelte nur mit leiſem Staunen: Rabbuni! Und ſie hielt mit wankender Hand des Goͤttlichen Fuͤße. Liebend, und ganz Barmherzigkeit, ſah ſie der Herr an, und ſagte: Halt mich nicht alſo. Noch bleib' ich bei euch. Du ſiehſt mich noch wieder! Und noch hab' ich mich nicht zu meinem Vater er⸗ hoben! Geh zu unſeren Bruͤdern, und ſage zu ihnen: Die Stunde Meiner Herrlichkeit naht. Ich gehe zu meinem Vater, Und zu eurem Vater, zu meinem Gott, und zu eurem! Jeſus verſchwand, und ſie ging mit der Bothſchaft der Wonne belaſtet. Salome naht ſich mit ihren Begleiterinnen . dem Thore. Aber, der Maria verſchwand, begegnet dem andern Vierzehnter Geſang. 267 XIV. G. V. 136— 149.. In der duftenden Kuͤhle des werdenden roͤthlichen Tages, Mit der Sonne, die kam, und Gottes Herrlichkeit ſtrahlte. Und er war es gleich Selbſt! Sie erkannten ihn alle, der nun nicht Unter den Todten mehr war. Seyd mir gegruͤßet! ſo ſagte Jeſus Chriſtus. Sie ſanken vor ihm mit Beben zur Erde, Hielten ihm ſeine Fuͤße. Seyd nicht erſchrocken, und gehet, Und verkuͤndigt es meinen Bruͤdern. Nach Galilaͤa Sollen ſie gehn. Dort ſehen ſie mich. Er ver⸗ ſchwand mit den Worten. und die Zeuginnen huben einander mit ſprachl oſer Freud' auf, Giagen eilend nach Salem, der Wonne Bothſchaft zu bringen. Petrus war vor ihnen zuruͤck, und Johannes r gekommen, Hatten uͤber die ganze Verſammlung traurige Wolken Ausgebreitet. Da kamen die Zeuginnen deſſen, der lebte! Hoͤrt uns, ihr weint, o hoͤrt uns! Wir haben ihn lebend geſehen, 268 Der Meſſias. XIV. G. V. 150— 163. Und auch Engel zuvor! Erſt Einen Engel am Grabe; Und dann zween mit dieſem darin; die ſprachen, was ſagten Sie, o Salome? denn ich war zu erſchrocken, der Bothen Himmliſche Stimme recht zu verſtehn. Ihr wart zu erſchrocken, Trat jetzt Thomas hervor, zu verſtehn, was ihr hoͤrtet? vielleicht auch Recht zu ſehn, was ihr ſaht? Ach Juͤnger Jeſus, erſchreck du Uns mit deinen Zweifeln nicht mehr, wir ſind ja, vor Freuden, Ohne dich, noch erſchrocken genug. Der Lebende ſagt' uns: Fuͤrchtet euch nicht! und du, ſein Juͤnger, ſchrek⸗ keſt uns wieder. 2. Ach ich wollte das nicht, ihr Geliebten. Doch laßt mich euch fragen, Und ſeyd ruhig, indem ich genau die Wahrheit er⸗ forſche. Einen Engel ſaht ihr zuerſt? Wie war er geſtal⸗ tet?2 W. Sieh, ein Juͤngling! ſein Antlitz dem Blitze, dem Schnee das Gewand gleich! Der war Gabriel! rief die Mutter des Lebenden. War denn, Vierzehnter Geſang⸗ 269 3 XIV. G. V. 164— 177. Sprach drauf Thomas, die Sonne ſchon da? Du haſt nicht vernommen, Salome, daß, von der Wache gefolgt, ein roͤmi⸗ ſcher Hauptmann, Auf Pilatus Befehl, erfleht von den wuͤthenden Prieſtern, Geſtern des Todten Grab umringte. Die Ruͤſtung — der Roͤmer Glaͤnzte taͤuſchend, indem darauf der Schimmer des Tags faͤllt. Aber euch taͤuſchte ja ſchon der Schrecken genug, und ihr brauchtet Keines Glanzes in Fernen, um Engelgeſtalten zu ſehen. W. Aber es war erſt Daͤmmerung, Didymus, aber der Juͤngling War kein Roͤmer. Sein Antlitz, nicht ſeine Ruͤ⸗ ſtung, er hatte Keine Ruͤſtung, ſchimmerte! Was den Unſterbli⸗ chen deckte, War ein weißes Gewand. Th. Wohlan, was ſagt⸗ er zu euch denn, Dieſer Unſterbliche? W. Fuͤrchtet euch nicht! ſo 1 ſagt er, ich weiß es, Daß ihr Jeſus von Nazaret ſucht; der iſt von den Todten Auferſtanden, nicht hier! Kommt her, und ſehet die Staͤte, 270 Der Meſſias. XIV. G. V. 178— 191. Wo er lag. So ſprach er, und fuͤhrt' uns hinein in das Grabmal. Eilet nun, ſprach er darauf, und ſagt's den Juͤn⸗ gern, und ſagt es Kephas: Auferſtanden ſey er von den Todten! Da rufte Petrus innig geruͤhrt: Er nennte, vor aller Na⸗ men, Meinen Namen? ein Engel, des Suͤnders? Himm⸗ liſche Troͤſtung Haͤtteſt du, Bothe des Herrn, waͤrſt du wahrhaf⸗ tig erſchienen, Mir dem leidenden zugerufen! Allein daß er mich nur, Und Maria nicht nannt', und nicht Johannes, das ſelber Stuͤrzt mich in Zweifel. Didymus ſtand nachden⸗ kend, und fragte Endlich wieder: Das war's, das der Engel ſagte? W. Noch ſprach er: Jeſus geht vor euch hin nach Galilaͤa„ da wer⸗ 3 det Ihr ihn ſehn. Die uͤbrigen Engel, erwiederte Tho⸗ mas, Waren geſtaltet, wie der? W Sie waren noch himmliſcher, riefen Zwo von ihnen; allein wir ſahen Jeſus auch ſel⸗ ber! Vierzehnter Geſang. 271 XIV. G. V. 192— 205. Th. Mit den Engeln? Die Engel, ſo ſagten ſie, waren verſchwunden, Als wir am Thor ihn ſahen, wie er uns begegnend daherkam, So geſtaltet, wie ſonſt, und in ſeinen Gewanden. Doch hatt' er In der Geberde was Himmliſches. Bei der Er⸗ ſcheinung auf Tabor Sahn ſie ihn alſo vielleicht. Sey mir gegruͤßet! ſo ſagt’ er. Und wir ſanken vor ihm mit Beben nieder, und hielten Seine Fuͤße. Seyd nicht erſchrocken, und geht, und verkuͤndets Meinen Bruͤdern. Nach Gallilaͤa ſollen ſie ge⸗ hen. Dort erſchein' ich ihnen. Er ſprachs, und verſchwand mit den Worten. Ihn, ihn ſelber habt ihr geſehn? ihr alle? erwie⸗ . dert Thomas, und bleibt mit gruͤbelnder Stirn, und ernſterem Auge Stehn. Es war des Todten Geſtalt und Gewand; die Stimm' auch? Jetzo ſchwieg er; doch immer mehr in dem Strome der Zweifel Fortgeriſſen, begann er wieder: Itzt ſeyd ihr zu lebhaft 272 Der Meſſias. XIV. G. V. 206— 219. Durch das alles getaͤuſcht, was ihr erzaͤhlet. Ich werde, Wenn ihr es erſt zu tragen vermoͤgt, der Zweifel Urſach, Welche mir anders zu denken gebeut, euch offen entdecken, Nichts verſchweigen! Ihr glaubt, ihr Juͤnger Je⸗ ſus, die Maͤhrlein, Die ſie erzaͤhlen, doch nicht? Er ſprachs, und ſetzte ſich wieder. Aber der ſtuͤrzenden Freudenthraͤne der Zeuginnen folgte Nun des Mitleids ſanftzerrinnende Thraͤne. Sie ſchwiegen. Muͤde vor Angſt der Freude, voll Schweiß die Stirne, die Wange Bleich, mit bebenden Lippen, mit ſtarrer lechzender Zunge, Trat Maria Mangdale unter die weinenden, ſtrebte Ihre Haͤnde gen Himmel zu heben, ſie ſanken ihr 1 nieder; Und ſie faltet ſie feſt. Er iſt erſtanden! erſtanden! Alſo zuf ſie mit einer Stimme des freudigen Schreckens, Die nicht Harfen der Seraphim, nicht ihr Geſang ausdruͤckte. Dunkel Vierzehnter Geſang. 273 XIV. G. V. 220— 233. Dunkel wird es um ſie. Sie ſucht nach Stuͤtzen. Johannes Haͤlt ſie, ſie lehnt ſich an ihn. Als er zu reden vermochte, Sprach Lebbaͤus: So haſt auch du die Engel ge⸗ ſehen 2 Sanfter ſchlug ihr Herz. Sie ſprach mit himmli⸗ ſchem Laͤcheln: Ach nicht Engel nur, Ihn! Da erhoben alle die Augen Still gen Himmel; nur Didymus nicht. Er nahte ſich, ſagte Kalt, mit truͤbem Ernſte: Wer ſo ſich taͤuſcht, daß ſein Auge Engel erblickt, der kann auch waͤhnen, ihn felber⸗ zu ſehen. M. Didymus ach! was haben wir dir, was hat. dir, Geliebter, Jeſus Chriſtus gethan, antwortete Magdale ruhig. Dieß mein Auge ſah ihn! am Fuße des Aufer⸗ ſtandnen Weinete dieß mein Auge! Jakobus blickte mit Ehrfurcht, Und mit Staunen auf ſie: Hatt' er die Klarheit der Himmel? Wahren Strahlen ſein Kleid? M. Er war ein Menſch, doch erblickt' ich Klopſt, Meſſias III. B. ute Aufl. 274 Der Meſſias⸗ 6 XIV. G. V. 23 4— 247. Gnaden in ſeinem Antlitz, die ich noch niemals ge⸗ ſehen, Selbſt nicht an ihm. Jetzt naht auch Simon Pe⸗ trus. Unzaͤhlbar Waren die Zweifel, die ihn betaͤubten; ihr Unge⸗ ſtuͤm ließ ihn Endlich reden. Er fragt', und bebte die Antwort zu hoͤren. Haſt du auch ſeine Stimme gehoͤrt? M. Ja, Si⸗ mon Johanna! Seine Stimme, des Auferſtandnen, des Goͤttlichen Stimme! P. Ach! was ſagt' er zu dir? M. Ich empfind es, nein, ich vermag nicht Auszuſprechen, wie voll von Gnade die Stimme des Herrn war. Jener glich ſie, mit der in ſeinem Blut er zu Gott rief: Vater! ſie wiſſen es nicht, was ſie thun. Erbar⸗ me dich ihrer! Ach noch ſanfter, noch liebevoller ſprach er: Ma⸗ ria Ich erkannt' ihn. Mir war's, ich waͤr' in dem Himmel! Rabbuni! Stammelt' ich; hielt mit wankender Hand des Goͤttlichen Fuͤße. Liebend, und ganz Barmherzigkeit, ſah mich der Herr an, und ſagte: Vierzehnter Geſang, 2 75 XIV. G. V. 248— 260. Halt mich nicht alſo. Noch bleib' ich bei euch. Du ſiehſt mich noch wieder! Und noch hab' ich mich nicht zu meinem Vater er⸗ hoben! Geh zu unſeren Bruͤdern, und ſage zu ihnen: Die Stunde Meiner Herrlichkeit naht. Ich gehe zu meinem 4 Vater, Und zu eurem Vater, zu meinem Gott, und zu eurem! Chriſtus Mutter hatte bisher mit ſinkendem Haupte Niedergeſehn. Sie erhub ihr helleres Aug', und blickte Sanft auf Magdale, ſtand dann muͤhſam auf, und hielt ſich, Und ſie leiteten ſie. Sie ging zu Magdale, reicht' ihr Ihre Hand, und hielt die Hand der Geliebten, und ſah ſie Wieder mit innigem Blick an, und ſagte mit lei⸗ ſem Laute: Du haſt Chriſtus geſehn, und ſeine Stimme gehoͤret? Meinen Sohn? Doch darf ich, hier ſah ſie mit himmliſcher Demuth S 2 276 Der Meſſias.. XIV. G. V. 261— 274 Forſchend ſich um, o darf ich noch Sohn ihn nen⸗ nen? Geliebte, Euer Auge ſagt mirs, ich darf ihn ſo nennen! Du ſagteſt, Daß mein Sohn ein Menſch war! O Mandale, hatt' er auch Mahle Seiner Wunden? Sie wandte ſich weg, und wein⸗ te, doch hielt ſie Noch die Hand der Geliebten. O Mutter des groͤß⸗ teen der Soͤhne, Weine nicht. Er iſt von dem Tod' erſtanden. Ich weiß nicht, Ob ich Mahle der Wunden ſah. Von Freuden er⸗ ſchuͤttert, Sah ich beinah nur allein ſein Antlitz, und himm⸗ liſche Gnaden In des goͤttlichen Antlitz, und unausſprechliche Gna⸗ den! Siehe, ſo ſtand er umgeben vom Duft, und dem Schimmer der Daͤmmrung.“ Chriſtus Mutter weinte nicht mehr. Sie faßt die Geliebte Jeto bei beiden Haͤnden, und ſieht gen Himmel. Sie ließ ihr Nun die Haͤnde ſinken, und trat tiefdenkend zuruͤck, ſah 1 Mit Bewundrung ſie an, und ſagte: Begnadigte, Chriſtus Vierzehnter Geſang. 277 XIV. G. V. 275— 288. Haſt du erſtanden geſehn, und ſeine Stimme ge⸗ hoͤret? und die zuerſt mit ihr gingen, die fruͤheren Zeuginnen traten Freudig um Magdale her, und erzaͤhlten ihr, wel⸗ cher Erſcheinung Sie erſt Engel, und dann der Herr gewuͤrdiget haͤtte. Aber Didymus kam: Sahſt du auch Engel, Maria Magdale? M. Kaum erblickt' ich die Engel. Mein 1* Auge war finſter Von Betruͤbniß. Ich wandte mich ſchnell. Denn eines dem Gaͤrtner Aehnlichen wurd' ich gewahr. Ich erkannt' ihn ſo⸗ gleich nicht; erkannt' ihn Erſt, als er bei dem Namen, mit ſeiner Stimme, mich nannte Th. Alſo ſaheſt du kaum, die du doch Unſterbliche nenneſt? Ihn erkannteſt du auch nicht gleich, und hielteſt zuerſt ihn. Fuͤr den Gaͤrtner? Die andern erzaͤhlen, er ſey bekleidet Wie vordem geweſen. So war des Gaͤrtners Ge⸗ 5 wand denn, Wie das ſeine ſonſt war? Wie viel der Unſterbli⸗ chen warens, 278 Der Meſſias. XIV. G. V. 289— 302. Magdale, die du ſahſt? M. Zween ſah ich. Th. Die andern erblickten Einen erſt, dann noch zween. Er ſprach's, und wandte ſein Antlitz. Magdalena erhub ihr hohes Auge gen Himmel: Wenn er euch nur nicht irret, o du des Lebenden Mutter, Und ihr Juͤnger des Herrn! Laß meiner Seligkeit jetzt mich, Thomas. Ich will dir hernach antworten. Da 3 nahm ſie die Mutter Jeſus, und fuͤhrte ſie weg, mehr Wonnegeſpraͤche zu halten. Kephas, dem Zweifel ſein Herz zerriſſen, und dem es noch immer Scholl, und zu Thraͤnen ihn zwang: Den Juͤn⸗ gern ſagt es, und ſagt es Petrus! ihm wurde Salem zu eng; er ließ die Verſammlung, Eilet' hinaus. Bald waͤhlt' er, um ſich in trauri⸗ ges Gruͤbeln Ganz zu vertiefen, die fernſte der Wuͤſten, dann Galilaͤg, Dann das Grab. Er hatte den Weg zu der Wuͤſte genommen, Aber er kam auf den Weg zuruͤck, ſo zum Grab' ihn fuͤhrte. Vierzehnter Geſang. 279 XIV. G. V 303— 316. Und er ſtand, von der Stille der ſanft erwachenden Erde, Und der fruͤhen Erfriſchung des werdenden Schim⸗ 1 mers umgeben, An dem Hange des Todtenhuͤgels. Er blickt' in das offne Leere Grab hinunter; und dieſe Kummer empoͤr⸗ . ten Seine Seele: Zu ſchreckliche That! Sie haͤtten ihn . alſo Weggenommen, damit ſie ihn hier bei den Schaͤ⸗ deln begruͤben? Bei der Verfluchten Gebein? Du ſchwarze Rache, der tiefſten Unterſten Hoͤlle Rache, dir waͤr's gelungen? und Joſeph Haͤtte vergebens den Heiden erfleht? Wir haͤtten vergebens Unter die Thraͤnen unſeres Jammers einige Zaͤh⸗ ren Truͤber Freude gemiſcht? Denn ach wie kann ich es glauben: Auferſtanden ſey er! erſchienen ſo gar, das glau⸗ ben? Baͤngſter unter den Schmerzen, du haſt die bluten⸗ den Seelen Ueberſtroͤmt, ſie dahin in deinen Fluten geriſ⸗ ſen, 280 Der Meſſias. XIV. G. V. 317— 330. Und ſie haben, getaͤuſcht von der Angſt, ihn er⸗ ſtanden geſehen! Auferſtanden! erſchienen! und ich waͤr dieſer Wonne Nicht erlegen? noch nicht, ach unter dieſer Ent⸗ zuͤckung, Dieſem Gefuͤhl des ewigen Lebens noch nicht ver⸗ ſunken? Kreuz des Todten,(er hub ſein truͤbes Auge zum Kreuz auf) Kreuz des Todten! du zeugeſt zu laut, und Him⸗ mel und Erde Haben dein furchtbares Zeugniß gehoͤrt! Geſtor⸗ ben, geſtorben, Ja geſtorben iſt er! Da ging ein Schwert durch die Seele Seiner Mutter! ein toͤdtender Schwert durch ſeine Seele! Wiederſehen? Ach das werd' ich einſt wahrhaftig, ich werd' ihn Wiederſehen; allein an dem Throne des Ewigen! hier nicht. Warum zitterteſt du, geäͤngſtete Seele, vor die ſer Deiner einzigen Ruhe zuruͤck? Ja, zittre vor ihr nur, Meine Seele, zuruͤck! Zwar biſt du erhoͤrt, und der Richter Vierzehnter Geſang. 281 XIV. G. V. 331— 344. Hat die Reue, mit der du buͤßteſt, erbarmend ge⸗ ſehen; Aber du darfſt dich nicht freun! Noch ſtehet der furchtbare Zeuge Seines Todes, das Kreuz! Noch liegen die Berg', und die Felſen, Noch die Graͤber, wie ſie der Allmacht Rechte zer⸗ malmte! Nein, du darfſt dich nicht freun! So dacht', und ſtammelt', und rief er, Starrete wieder ins offene Grab. Nicht fern von dem Grabe Sah er Magdale, die auf den Knien lag, weinend gen Himmel. Und mit der Rechte ſich ſtuͤtzt in den Staub. Ma⸗ ria, Maria Magdale! rief der erſchuͤtterte Juͤnger. Endlich er⸗ kennt ſie Seine Stimm', und kommt. P. Gluͤckſelige! glaubſt du noch immer, Daß du ihn erſtanden geſehn? M. Mit der Lin⸗ ken, o Simon, Hielt ich, du ſahſt es, ein ſproſſendes Reis, bei welchem ſein Fuß ſtand! Meine Rechte ruht' in dem Staube, worin ſein Fuß ſtand! P. Heb', o Maria, dein Aug' auf, ſchau zu dem Kreuze, da ſtarb er! 282 Der Meſſias. XIV. G. V. 345— 358. M. und erſtanden iſt er, erſtanden, Simon, vom Tode! P. Beim lebendigen Gott beſchwoöͤr' ich dich: Hat ihn dein Auge, Dieß dein Auge, Maria„geſehn, das vor dir mich ſtehn ſieht? M. Ob ihn mein Auge ſah? O bei deß Wahr⸗ haftigkeit, Kephas, Welcher ewig iſt, hat die Herrlichkeit des Verſoͤh⸗ ners Dieß mein Auge geſehn! die Stimme des Sohnes Gottes Hat vernommen mein Ohr! und die Wonne der. Himmel empfand ich! Sprachlos blieb ſie ſtehn, auch Petrus. Er redete wieder. Wende dich weg; o zu gluͤckſelige, laß mich in Stillem Meine Traurigkeit weinen. O haͤtt' ein freudig Geſicht mich, Wie es dich tauſchte, getaͤuſcht, und meine Seele beſaͤnftigt! Ach, ich glaube dir nicht! M. So glaube denn auch nicht, du habeſt Ihn auf dem Meere wandeln geſehn! auf des Ta⸗ bor Gebirge Von des Vaters Herrlichkeit ihn umleuchtet geſe⸗ hen! Vierzehnter Geſang. 283 XIV. G. V. 359— 372. Sie verließen einander. Ach koͤnnt' ich ihr glauben! ſo dacht' er Bei ſich ſelber, indem ſie von ihm zu dem Grabe zuruͤckging. Zu gluͤckſelige! Ja, ſie glaubt es aus ganzer Seele. Wie voll Zuverſicht iſt ſie, und Wonne! wie breitet nu und Hoheit uͤber ſie aus die feſte Gewiß⸗ heit! Graß und Verweſung erſchuͤttern ſie nicht! Sie laͤchelt dem Sturme, Der in der naͤchtlichen Tiefe der Todesthale daher⸗ 1 rauſcht! Aber warum glaub' ich ihr nicht? Kann der nicht erwachen, Der auf dem Meere ging, und mich hielt auf der wuͤthenden Woge? Ja, du Todter Gottes, vergieb, vergieb es dem Trauren, Meiner Seele Jammer, wofern du lebſt! Ach du hieltſt mich, Als ich vor der kommenden Woge zweifelnd dahin⸗ ſank; Rett' auch jetzt mich! Ich bin, das weißt du, baͤnger als damals, Und du hilfſt mir nicht, Herr, und reicheſt mir nicht, der noch mehr ſinkt, 284 Der Meſſias. XIVv. G. V. 3,3— 386. Deine goͤttliche Rechte! Bei deiner erbarmenden Liebe, Bei dem Blick voll Gnade, voll Gnade, womit du mich anſahſt, Als nun meiner Verleugnung zu ſchwere Laſt auf mich ſtuͤrzte! Ach bei der Branterzotre fleh' ich dich an: O erbarm dich.5 Meiner Angſt! und erſchein' auch mir, wwufern ir erſcheineſt. Nein, ich bitte zu viel. Geht, ſagts den Juͤngern, 1 und Petrus! Sprach der Engel. War dieſes nicht ſchon unaus⸗ ſprechliche Gnade? Herr, ach ſollteſt du mir, der dich verleugnet', er⸗ ſcheinen, Mie? und biſt nicht Lebbaͤus, und nicht Jakobus erſchienen, Nicht Johnnne⸗ nicht ihr, der liebendſten unter den Muͤttern! Aber uu6 Mandal⸗ hat geſuͤndigt! Wenn hat ſie geſuͤndigt? 1 Eh ſie ihn kannze! Und hab' ich geliebt, wie Mag⸗ dale liebte? Alſo dacht' er, und ſieg mit ſchwerem Schrit⸗„ te den Huͤgel Langſam hinauf, und ſank auf ſeine Knie zu beten, Vierzehnter Geſang. 285 XIV. G V. 337— 400. Schauete nieder, und flehte zu Gott. Da er auf⸗ ſah, erblickt' er Chriſtus unter dem Kreuz! Wer faßt das Erſtau⸗ nen, die Wonne Seiner Seele, da er vor ſich den Lebenden ſtehn ſah! Und ihm reichte mit goͤttlicher Huld der Suͤndever⸗ ſoͤhner Seine Rechte. Doch Petrus vermag nicht aufzus 3 ſtehen, Strebt, und ſucht mit der anderen Hand den Arm des Erſtandnen, Feſt ſich daran zu halten; allein ſie ſank in den Staub ihm. Nun erhub er ſich wieder, umſchlang mit beiden Armen Jeſus Rechte, bebte daran, und druͤckte ſie in⸗ nig An ſein Herz, und ſenkte die Stirn auf den Arm des Erſtandnen. Erde, ſo daucht' es ihm, wollten um ihn, und Himmel vergehen! Endlich ſchaut' er hinauf in des Goͤttlichen Antlitz, begann nun Mit der ſtammelnden Stimme der erſten Freuden zu rufen: Herr, Herr, Gott! barmherzig und gnaͤdig! und blickt' und ſchaute 286 Der Meſſias. XIV. G. V. 401— 414. Auf den Lebenden. Herr, Herr, Gott! barmherzig und gnaͤdig! Ruft' er noch Einmal, und bebte nicht mehr, und empfand des Verſoͤhners Ueberſchwenglichtroͤſtenden, unausſprechlichen Anblick, Seine Huͤter Ithuriel, und Orion umſchwebten Golgatha; und Ithuriel hielt ſich nicht mehr: Ach Orion, Welche Stunde meiner Unſterblichkeit! Jubel der z Wonne Werden oft ſie uns wiederholen, ſie feirend beſin⸗ gen! Auferſtanden erſcheinet der Herr dem geretteten Suͤn⸗ der, Chriſtus Kepha! du fuͤhlſt, was ich empfinde, Ge⸗ liebter, Unſerem Juͤnger! O komm, und freu dich in mei⸗ ner Umarmung Deiner, und meiner Wonne! Geſuͤndiget haben iſt furchtbar, Voll von Entſetzen, Ithuriel; und, an dem Suͤn⸗ deverſoͤhner, Und, zu der Zeit der Verſoͤhnung, und, als ein begnadigter Juͤnger! Koͤnnen wir uns kaum denken, allein die erweinte Vergebung Vterzehnter Ge ang. 287 XIV. G. V. 415— 428. So erlangen! O Seraph, wie ſelig ſind die Ver⸗ — ſoͤhnten! Mit den Worten des Engels verließ der Er⸗ — ſtandne den Huͤgel, Petrus ſah, und betet' ihm nach mit gefalteten Haͤnden, Bis in dem Schatten des uͤberhangenden Grabes ſein Auge Schnell ihn verlor. Und Petrus erhub die verbrei⸗ teten Arme Freudig gen Himmel: O Dank, Dank dir, Sohn Gottes, Erſtandner, Inniger ewiger Dank, der meine Seele gelabt hat Mit mehr Troſtung, als ſie, in ihrem Durſte nach Ruhe, Sich zu denken, zu wuͤnſchen vermochte. So wollſt in dem Tod' einſt Du mich troͤſten! Wer bin ich? ach meine furcht⸗ bare Suͤnde Buͤßet' ich zwar, die Verleugnung deiner, aber wer bin ich, Daß du mit dieſen Gnaden dich mein, Sohn Got⸗ tes, erbarmt haſt? Jeſus Chriſtus Herrlichkeit hat mein Auge geſehen! Ihn in das Leben erwacht, ſo hat mein Aug' ihn geſehen! 288 Der RMeſſias. XIV. G. V. 429— 442. Fleuß auf ewig, mein Dank, aus meiner innerſten Seele, Heißer herzlicher Dank! Die Gnaden alle der Him⸗ mel, Ja die ganze Fuͤlle der Wonne, die ſelige Fuͤlle Aller deiner Erharmungen hoff' ich nun! Das Ge⸗ heimniß Deines Todes wirſt du mir, Sohn des Vaters, enthuͤllen. Nicht das Harr ohne Zahl, die Schaaren, die Maͤcht', und die Thronen, Nicht Erzengel koͤnnen von dem, deß Antlitz ſi ſchauen, Mehr empfahn, wie ich nun von ihm hoffe! Ich ſahe lebend, Der des Ewigen Sohn iſt, und der an dem Kreuze des Todes Starb, ihn lebend! Gedanke voll tiefer Ruhe, du Reichthum Aller Erbarmung, mir wird auch dein Geheimniß enthuͤllen, Der auf ewig nun lebt! Ich hab' ihn lebend ge⸗ ſehen, Jeſus Chriſtus! O ſagts an dem ewigen Throne, verkuͤndets, Allen Himmeln: Er lebt! ſingts laut in Jubelge⸗ ſaͤngen, 1. Soͤhne Vierzehnter Geſang. 289 XIV. G. V. 443— 456. Soͤhne des Lichts! Er ſchwieg, und ſchaute lange gen Himmel; Stand mit Schnelligkeit auf. Auch ihr follt ſchoͤ⸗ pfen, o Bruͤder, Aus der Quelle des Troſtes, auch eure blutenden 2 Wunden Sollen heilen. Er denket es, eilt. Schon hatt' er die Mauren Salems erreicht; ſchon naht' er ſich ſeiner Bruͤder Verſammlung, Die voll Erwartungen war, und Zweifel, und Freud', und Erſtaunen. Und er trat mit gefalteten Haͤnden in die Verſamm⸗ lung: Lob, und Preiß, und Ehre ſey, Anbetung, und Dank ſey Gottes Sohne, der uns mit einer Liebe geliebt hat, Die uns Jubelgeſang in dem Leben wird ſeyn, und im Tode! Ihm, der den wunderbaren Tod iſt geſtorben, er⸗ ſtanden Iſt, und erſchienen! Auch mir iſt der Herr er⸗ ſchienen! Am Kreuze Stand er! Da ſah ihn mein Auge, da ſah ich des Goͤttlichen Antlitz! Und ſie nahen ſich ihm, bewundern ihn, prei⸗ ſen ihn ſelig, Klopſt. Meſſias III. B. T ute Aufl⸗ 290 Der Neſſias. XIV. G. V. 457— 470. Und erſtaunen uͤber den Herrn, der vom Tode des . Kreuzes Auferſtand! und ein tiefanbetendes Schweigen feſ⸗ ſelt Aller Zungen. Endlich umgeben ſie naͤher den neuen Seligen Zeugen des Auferſtandnen, umarmen voll Wonn' ihn, Druͤcken ihn an ihr Herz, und weinen. Des leben⸗ 4 den Mutter Hielt bei der Rechten ihn, und Magdala bei der Linken. Siehe, nun haſt du ihn auch, o Simon Johanna, geſehen! Magdale ſprachs. Dann ſagte mit himmliſchem Laͤ⸗ cheln die Mutter: Gottes Sohn, und meinen! Lebbaͤus ſtammelte, wandte Sich zu Maria: Vor Trauren nicht mehr, vor Entzuͤckung, o Mutter Glaub' ich es kaum. Du blutender, ach du Wun⸗ denvoller, Biſt erſtanden! Er ſank an die Bruſt Johannes, der druͤckt' ihn Innig ans Herz, und ſagt' ihm leiſe: Er iſt er⸗ ſtanden! Ließ ihn, und ging zu Maria: O du des Goͤttli⸗ chen Mutter, Vierzehnter Geſang. 291¹ XIV. G. V. 471— 484. Freue dich wieder! Nun geht durch deine Seele kein Schwert mehr, Deine blutende Seele nicht mehr! Mit den Freu⸗ den der Himmel Freu' ich mich, Sohn. Ach auferſtanden iſt Jeſus Chriſtus! Auferſtanden! Auch mir wird Jeſus Chriſtus er⸗ ſcheinen. Das verhieß mir dein Blick, mit dem du vom Kreuze mich anſahſt. Bartholomaͤus ergriff die Hand des Juͤngers, des Zeugen, Sagte mit ſanfter Wehmuth: O Simon, mein grauendes Haupt wird Eher nicht in die Grube ſich neigen, als mein Auge Unſeren goͤttlichen Meiſter vom Tod' erſtanden ge⸗ ſehn hatt'. Kephas hielt ihm die Hand, und ſah ihn mit glau⸗ bendem Muth an: Ja, du theurer, er wird ſich unſer aller erbarmen. Wie am heiteren Himmel ſich eine Wolk' her⸗ aufzieht, Linſan, und truͤb', und ernſt, ſo nahte ſich Di⸗ dymus Kepha. rh. Selber Simon! Ja wenn es moͤglich waͤre, ſo glaubt' ich T 2 292 Der Meſſias. XIV. G. V. 485— 497. Dir, o Simon! Er wandte mit innigem Grame ſein Antlitz. 3 P. Wende dich, Thomas, und danke mit uns! Der Herr iſt erſtanden! Ja Anbetung, und Ehr', und Preiß, und Jubel, und Dank ſey Ihm, der wunderbar ſtarb, von dem Tode wun⸗ derbar aufſtand, Und erſcheinet! Er wird ſich unſer aller erbarmen! Mit den Worten entſinkt die Mutter Chriſtus des Zeugen Bebendem Arme. Sie liegt auf ihren Knieen, und 3 breitet Freudig die Arme gen Himmel, und ruft mit der Stimme der Wonne: Meine Seel' erhebet den Herrn! Mein In, 4 nerſtes freut ſich Gottes meines Erloͤſers! Du haſt die Thraͤnen der Mutter, Deiner traurenden Magd von deinem Kreuze geſehen! Haſt ſie all' erbarmend gezaͤhlt! Die Enkel der Enkel Werden mich ſelig preiſen! Wie wunderbar iſt er, wie groß iſt Vierzehnter Geſang. 293 XIV. G. V. 498— 511. Alle ſein Thun, der maͤchtiger, als der Tod iſt! Ach heilig Iſt ſein Namen, heilig! und ewig iſt er Erbarmer! Allmacht iſt ſein Arm! Er ſtuͤrzt blutduͤrſtende Stolze! Maͤchtige ſtoͤßt er vom Thron, und erhebt die nie— drige Demuth. Die nach Heile duͤrſten, erquickt er; die ſelbſt ſich genug ſind, Laͤßt er leer! Ach ewig iſt Er Barmherzigkeit! troͤ⸗ ſtet Die ihn lieben! Abraham hat er, und Abrahams Kindern Dieß geſchworen. Er haͤlt den theuren Eid der Er⸗ barmung! Ja Anbetung, und Ehr', und Preiß, und Jubel, und Dank ſey Jeſus Chriſtus, der lebt, der maͤchtiger, als der Tod iſt! Didymus war auf den Söller gegangen. Die anderen folgten, Durch die Schoͤne des Tags, und das lebende We⸗ hen der Luͤfte, Sich zu erquicken, und durch der gotterfuͤlleten Schoͤpfung Anblick deß ſich zu freun, der ſo ſie begnadiget hatte. 294. Der Meſſias. XIV. G. V. 512— 525. Und ſie kamen zu Thomas, und weckten ihn aus der Betaͤubung Seines Tiefſinns. Er bebte vor ihnen zuruͤck, da er aufſah, Und die ganze Verſammlung um ſich auf Einmal erblickte. Und er eilet hinunter zu ſteigen. O flieh, du Ge⸗ liebter, Flieh uns nicht, rief Petrus, der Herr wird auch dein ſich erbarmen! Auch ich zweifelte, Thomas, wie hat er mein ſich erbarmet! Doch wer wandelt dort in der Ferne? Truͤgt mich mein Blick nicht, Siehe, ſo iſt es Matthias, und Kleophas. Theure, Geliebte, Waͤrt ihr doch hier; ach unausſprechlich, wie unſere Seele Wuͤrd' dih: eure Seele ſich ftoun Die maͤchtigen Freuden, Ja ſie warten eure, die Freuden des ewigen Le⸗ bens. Aber wer kommt zu ihnen aus jenem Schatten her⸗ uͤber? Nein, ich kenn ihn nicht. Voll Hoheit ſcheint mir das Anſehn Dieſes Fremdlings. Kennſt du ihn, Thomas? Sie gruͤßen mit Ehrfurcht Vierzehnter Geſang. 295 XIV.G. V. 526— 539. Ihren Gefaͤhrten, er ſpricht ſchon mit ihnen. Th. Ich . kenn' ihn nicht, Simon. Aber niemals hab' ich ſo viele Hoheit, und Ein⸗ falt Nicht vereinet geſehn. Und Petrus erwiederte: Moͤcht' ihn Bald ſein Weg nach Jeruſalem fuͤhren. Sie kehr⸗ ten zugleich um. Denn ſie gehen doch nur, um ihre Seele zu lin⸗ dern. Sehet, der Weg, ſo ſich kruͤmmet, bringt ſie uns naͤher; doch werden Jene Palmen ſie bald vor unſerem Auge verber⸗ S gen. Sehet ihr ihren Begleiter, mit welchem Ernſt', und mit welcher Wuͤrd' und Hoheit, die ſanftere Menſchlichkeit mil⸗ dert, er anhoͤrt, Was ſie ihm traurig erzaͤhlen? Vielleicht die Ge⸗ ſchichte vom Tode Deſſen, den ſie am Kreuze, noch nicht erſtanden geſehen. Iſt er einer der Engel, die ihr bei dem Grabe ge⸗ ſehn habt? Wie ihr euch taͤuſcht! rief Thomas. Er iſt ein Menſch! doch ſein Anſehen Iſt erhabner, als anderer Menſchen. P. Du ken⸗ neſt der Freude 296 Der Meſſias. XIV. G. V. 540— 553. Suͤße Vermuthungen nicht, o Thomas. Ich hab' es empfunden, Was du fuͤhlſt! Was erwartet' ich minder, als Jeſus zu ſehen, Noch in jener Angſt, als ich zu dem Kreuze mein Auge Muͤd' erhub, und auf Einmal vor mir den Leben⸗ den ſtehn ſah! Sieh, o Thomas, mich taͤuſchte nicht Freude. Th. So taͤuſchte dein Schmerz dich! Rief der zweifelnde feurig. P. Der Herr wird dein ſich erbarmen! Sagte mit Ruh der begnadete Zeuge des Aufer⸗ ſtandnen. Th. Gott, ja Gott wird mein ſich erbarmen! Al⸗ lein der Meſſias, Ach der goͤttliche Mann hat gelitten, was alle Pro⸗ pheten Einſt auch litten, und iſt geſtorben! Er weint', . und verſtummte. P. Weine nicht, Juͤnger des Herrn! Er iſt wahr⸗ haftig erſtanden! Aber ihn troͤſtete Petrus umſonſt; er weint' und verſtummte. Kleophas hatt' indeß, und Matthias mit dem Gefaͤhrten Schon die Schatten der Palmen erreicht. Da die beiden aus Salems 8 Vierzehnter Geſang. 297 XIV. G. V. 554— 567. Mauren gingen, und noch bei ihnen nicht ihr Ge⸗ faͤhrt war, Sprachen ſie unter einander: K. Wie kann ich ir⸗ ren, Matthias, O du kennſt ja die Wuth, die heiße Nache der Prieſter, Wie ſie ergrimmten, als ſie es nun nicht zu weh⸗ ren vermochten, Daß ihn Joſeph begruͤbe. Sie haben Cneus ge⸗ wonnen, Haben den Todten geraubt! und wollen ihn doch auf dem Huͤgel Bei der Verfluchten Gebein begraben! Vielleicht, o du beſter! Heiligſter! deckt ſchon Golgatha deinen ſtarrenden Leichnam! M. Aber die Engel am Grab', o Kleophas? Hat ſie denn alle Truͤbes Trauren getaͤuſcht? und kann denn Trau⸗ rigkeit wirken, Daß wir Himmliſche ſehn? Warum nicht bange Geſtalten? Nacht? gerichtete Todte vielmehr? Iſchariots Seele? Kleephas bebte zuruͤck, darauf antwortet' er: Loͤſe Mir nur einen Zweifel, Geliebter: Warum er⸗ 4 ſcheinet 298 Der Meſſias. XIV. G. V. 563— 581. Unſer Meiſter nicht ſelbſt? Wie kenn' ich Engel? 3 Wie weiß ich, Kennt' ich ſie auch, ob ſie der Ewige ſendet? Ach theurer! Wuͤrd' er uns nicht erſcheinen; waͤr' er von den Todten erſtanden? Ihn, ihn kennen wir! M. Aber, o Kleophas, glaubte Maria Gabriel nicht? und kannte ſie denn die Engel? und koͤnnen Gottes hihes Geiſter was anderes ſagen, als Wahr⸗ heit? Und verdienen wir denn, daß er uns erſcheine? Wir waͤren, Wie die Zwoͤlfe, geflohn, da laut von den ſtuͤr⸗ menden Schaaren, Ihrem Grimm, und Drohn, und Geſchrei Geth⸗ ſemane ſchallte! Ferne nur, ferne nahten wir uns, da ſein Todes⸗ urtheil Schrecklich vom Richtſtuhl ſcholl, ach fern des Sterbenden Kreuze! Kleophas ſprach: Ich bewein' es mit dir! Doch koͤnnen wir jemals, Daß er uns erſcheine, verdienen? Iſt er erſtan⸗ den; Und erſcheinet er: ach ſo erſcheinet er allein aus Erbarmung, Vierzehnter Geſang. 299 XIV. G. V. 582— 595. Weil ihn unſeres Elends jammert, und weil er zaͤhlet 4 Unſere Thraͤnen, wie er auf unſerem Haupte die Haare Alle gezaͤhlt hat! M. O. Kleophas! und du zwei⸗ felſt? K. Du zweifelſt Alſo nicht, Matthias? M. Du weißt, daß ich im⸗ mer alles, Was ich dacht' und empfand, dir ganz, o Kleo⸗ phas, ſagte. Wenn ich mit ſtiller Betrachtung es uͤberdenke; ſo glaub' ich! Aber wenn mich die Angſt der Hoffnung, und Furcht, und Erwartung, Wenn die Freud' ihn wieder zu ſehn, das iſt Freu⸗ de des Himmels! Ungeſtuͤm mich ergreifen, und meine Seele durch⸗ beben, Wenn ſie der Stimme der Wahrheit mich betaͤu⸗ ben; ſo zweifl' ich! Kleophas blickt' ihn zaͤrtlicher an, und ſagte: Du 6 lieber! 3 Aber wenn wir wirklich ihn ſaͤhen, ſo wuͤrde des Himmels Freude, Freude der Erde nicht! des ewigen Le⸗ bens Wonne wuͤrde, kaum find' ich Worte! wenn wir ihn ſaͤhen, 300 Der Meſſias. XIV. G. V. 596— 609.— O das wuͤrd' uns noch mehr, noch maͤchtiger uͤber⸗ zeugen, Als der ſtillen Betrachtung Licht, das die Seele mit Wahrheit Ueberſtimmt! Matthias erwiederte: Moͤcht' er er⸗ ſcheinen! Unſre blutende Seele durch ſeine Gegenwart heilen! Kleophas ſprach: Wir wuͤnſchten zu viel, du Ge⸗ liebter! Der Freuden Unausſprechlichſte, hoͤchſte, wer kann ſie, wuͤnſcht er ſie, hoffen? Freude, wie die, iſt nicht fuͤr dieſes Leben, Ge— liebter! Und ſie waren durch eines heruͤberhangenden Huͤgels Schatten gegangen. Des Weges gewendete Kruͤm⸗ mungen zeigten Seitwaͤrts jetzo den ſchattenden Hang. Dort ſahen ſie langſam Einen Wanderer kommen. Erhabnes maͤnnliches Anſehns War der Fremdling, und ſchien in ernſtes Denken verloren. K. Laß uns langſamer gehn, Matthias. Viel⸗ leicht, daß der Fremdling Unſer Gefaͤhrt wird, und uns das traurende Herz mit Geſpraͤchen Vierzehnter Geſang, 301 XIV. G. V. 610— 623. Seiner Weisheit erquickt. Denn weiſe ſcheint er, und edel. M. Was, o Kleophas, hilft uns ſeine Weisheit, wofern er Nicht von Jeſus mit uns ſich unterredet? Indem 1 kommt Ihnen der Wanderer nah, und gruͤßt ſie mit Liebe. Mit Ehrfurcht Gruͤßen ſie ihn. W. Wo gehet ihr hin? K. Nach Emaus. W. Darf ich Euer Gefaͤhrt ſeyn? Ich gehe durch Emaus. K. Sey, o du theurer! Sey, wir bitten dich, unſer Gefaͤhrt. W. Was ſpracht ihr ſo feurig Unter einander? Ich ſahs, ganz hingen an dieſen Geſpraͤchen Eure Seelen, und waren voll Traurigkeit. Kleo⸗ phas ſagte: Ach was konnten wir ſprechen? Biſt du es allein, der nicht wiſſe, Was in Jeruſalem dieſe Zeit des Traurens ge⸗ ſchehn iſt? W. Was geſchah denn? K. O Fremdling! du ken⸗ neſt alſo, du kenneſt Jeſus von Nazaret nicht? den Propheten Gottes? der maͤchtig Vor dem Herrn und dem Volke, durch Wunder, und himmliſche Weisheit, 303 Der Meſſias. XIV. G. V. 624— 637. Der ein goͤttlicher Mann war! Allein ach unſere Herrſcher Haben, entflammt von dem Grimme, der Wuth der unterſten Hoͤlle, Ihn gegriffen, und ihn dem Heiden Pilatus zum Tode Uebergeben! Der hat ſein Todesurtheil geſpro⸗ chen! Hat, o duͤrft' ich die Art des furchtbaren Todes nicht nennen, Ihn gekreuziget! Fodere nicht, daß ich wieder die Wunden Meiner Seel' aufreiße, dir ſeinen Tod zu beſchrei⸗ ben, Wie er ſchwebt' an dem Kreuze! und wie der Huͤ⸗ gel ſein Blut trank! Wie er bleich und erſtarrt um Huͤlf', um Huͤlfe! zu Gott rief! Ach, wir hofften auf ihn, wir hielten ihn fuͤr den Meſſias! Ifrael, hofften wir, ſollt' er erloͤſen! Und uͤber — das alles Brach der dritte der Tage ſchon an, ſeit dieſes ge⸗ ſchehen iſt. Und Matthias begann: Auch haben die Weiber der Unſern uns erſchreckt. Heut gingen ſie in der Fruͤhe zum Grabe; Vierzehnter Geſang. 303 XIV. G V. 638— 650. Seinen Leichnam fanden ſie nicht. Sie kamen mit Zittern, Hatten Geſicht' der Engel geſehn, die ſagten, er lebe! Ach wir vermochten nicht uns zu freuen! Einige 3 gingen Auch zu dem Grab', und fanden es offen, und ohne den Todten! Jetzo kamen ſie unter umſchattende amen Der Wandrer Sah ſie mit der Erhabenheit an, die Groͤße der Seele Und nicht Stolz iſt, und ſprach mit der maͤchtigen Stimme der Wahrheit: Ihr Unweiſen! und langſamen harten Herzen zu glauben, Dem zu glauben, was euch die Propheten verkuͤn⸗ diget haben! Mußte nicht dieß der Meſſias leiden? und, nach der Vollendung Seiner Leiden, erſt dann zu ſeiner Herrlichkeit ein⸗ gehn? Mit Erſtaunen ſahn ſie ſich an; mit beben⸗ der Ehrfurcht Ihn! Gern haͤtten ſie ihn, doch nur Augenblicke, verlaſſen, 3⁰4 Der Neſſias. XIV. G. V. 651— 654. Und von ihm mit einander geſprochen. Ihr truͤbe⸗ res Auge Wurde Licht, und begegnete ſich mit feurigen Fragen O wer iſt er, wer iſt, der unſere Seele mit Ehr⸗ furcht Und mit Staunen erfuͤllt? Doch hatt' er nur an⸗ gefangen Ueber ſie durch die Gewalt der ſiegenden Wahrheit zu herrſchen. Wie ein Sturm, der beginnt, mit gehaltner Staͤrke 1 noch wehet, Noch den kuͤhleren Wald nicht ganz fuͤllt; Stille ruhet Noch in ſeinen Thalen, noch liegen blaͤſſere Schat⸗ ten, Ganz iſt die Sonne noch nicht von des Sturmes Wolken umnachtet! Alſo begann ihr erhabner Gefaͤhrt. Nicht lang', und er fuͤhrte Sie in die Tiefen der Offenbarung hinab. Den MNeſſias Zeiget' er ihnen, ein Redner Gottes, in jeder der Tiefen. Sie vermochten nicht mehr zu widerſtehen. So reißt ſich Durch den Wald der ſtaͤrkere Sturm. Die Baͤume des Waldes Zittern, Vierzehnter Geſang. 305 XIV. G. V. 665— 678. Zittern, rauſchen mit Ungeſtuͤm alle, beugen ſich alle, Vor dem heerſchenden Sturm, der Donnerwolken, und Fluten Vinmeßsſtrzerder Meere von Berge treibet zu Berge! und ſie ſtanden ermattet, und baten um Ruh', und wiſchten Sich den Schweiß von der gluͤhenden Stirn. Mann Gottes! wir kennen Zwar dich nicht; doch biſt du, o den wir mit Ehr⸗ furcht anſchaun, Wahrlich ein goͤttlicher Mann! bleib, ach und laß an der Kuͤhle * Dieſer Quell' uns ruhn! Sie ſetzten ſich neben einander, Gegen ſie uͤber der goͤttliche Fremdling. Er redet' itzt ſanfter, Redete von der Liebe des Sohns zu den Menſchen; der Liebe Seiner Menſchen zu ihm. Sie dachten des großen Hirten Tod, mit heiterer Seele, gelabt von inniger Ruhe. Wie, auf einen ſtrahlenden Tag, ſich die Abend⸗ daͤmmrung Luftiger uͤber die Muͤden geußt; ſo goß er Er⸗ quickung Klopſt. Meſſias III. B. u ate Aufl. 306 Der Meſſias. XIV. G. V. 679— 692. In ihr Herz. Und liebt ihr ihn auch? Dieß fragt' er ſie jetzo. Sollten wir ihn nicht lieben? Sie ſprachens mit eilender Stimme. W. Habt ihr ihn immer geliebt? Wir verließen ihn, als ſie zum Tod' ihn Fuͤhrten, hinauf zu dem Kreuz! das verſtummende Lamm zum Altare! Da verließen wir ihn! W. Doch jetzo, da ihr es wiſſet, Daß er um euretwillen geſtorben iſt, wolltet ihr jetzo Auch um ſeinetwillen, wenn er es foderte, ſterben? O du theurer! wir hoffen zu Gott, der Liebende wuͤrd' uns Staͤrken, daß wir es koͤnnten! Allein o zuͤrne mit Ehrfurcht Fragen wir, zuͤrne nicht! Iſt er auferſtanden? du weißt ja Alles von ihm, und duͤrfen wir uns, Mann Got⸗ tes, des Heils freun, Jeſus Chriſtus wieder zu ſehn? Der Wanderer ſagte: Joſephs Bruͤder erkannten ihn nicht! Doch der Wonn' und des Weinens Selige Stunde kam, und Joſeph vermochte nicht laͤnger Vierzehnter Geſang. 3⁰⁷ XIV. G. V. 693— 706. Sich zu halten, und weinete laut! Er ſagt' es, erhub ſich, Ging. Sie folgten ihm freudigerſchrocken, in Zwei⸗ fel verloren, Was ſie glauben, nicht glauben ſollten? Er wars ja doch Selbſt nicht! Aber ein Engel vielleicht? Sie ſtanden wieder. Ach duͤrfen Wir noch Einmal, o du, den wir nicht kennen, dich fragen? Zwar nicht kennen, doch den wir unausſprechlich verehren, Unausſprechlicher lieben! Wer biſt du? ſage, wer biſt du? Aber wir duͤrfen dich nicht umarmen! O ſag' es uns: biſt du Einer der Engel vielleicht, die am Grab' erſchienen? W. Umarmt mich! und ſie umarmten ihn lang', und weineten ihm an dem Halſe. Endlich nahten ſie Emaus. W. Ihr Geliebten, ich. gehe 4 Nun zu den Meinen. So ſprach ihr Begleiter. Ihr ſehet, mein Weg zieht Hier durch Emaus ſich. O bleib bei uns, du Ge⸗ 17 liebter! Sieh, es will Abend werden; der Tag hat ſchon ſich geneiget. U 2 308 Der Meſſias. XIV. G. V. 707— 720. Und ſie hielten ihn zitternd bei beiden Haͤnden, und baten. W. Laßt mich! die Meinen ſind fern; und ſie war⸗ ten meiner mit Schmerze. Sie, Mann Gottes, haben dich immer. Du ſiehſt ja, wie herzlich Wir dich lieben; o bleib! Und warum wollteſt du, theurer, In die Gefahren der Nacht dich begeben? Auch mußt du von Jeſus Noch mit uns reden! O bleib bei uns! W. Se will ich denn bleiben, Meine Bruͤder. Kleophas dankt, mit Freud' in den Blicken, Nicht mit Worten, und eilet voran, ein Mahl zu bereiten. Kleophas hat, ſo heißt mein Gefaͤhrt, der redliche Juͤngling, Seine Huͤtt' in Emaus, die an der Pforte der Schatten Dichter Baͤume bedeckt. Ein reiner labender Quell rinnt, Wo der Schatten am luftigſten kuͤhlt. Er eilte, das ſah ich, Etwas Speiſe fuͤr uns zu bereiten, und unſere Herzen Mit dem Wenigen, das er hat, zu erquicken. ſtiller Vierzehnter Geſang. 3⁰9 XIV. G. V. 721— 734. Heiterer Abend, nach dieſer Angſt, den Tagen des Traurens!. Und o Dank dir, goͤttlicher Mann, du wuͤrdigſt uns, kehreſt Ein bei uns, verachteſt die niedrige Huͤtte der Ein⸗ falt ¹ Und der Duͤrftigkeit nicht. Da Jeſus Chriſtus noch lebte, War er, wie du, ein Menſchenfreund, ſo zur De⸗ muth in Staube Nieder ſich ließ, und gern mit ſeiner Weisheit uns labte. Aber ich ſchweige von ihm. Denn uͤber alles erha⸗ ben, Was ich von ihm zu ſagen vermag, war Jeſus Chriſtus! Engel dieneten ihm. Doch ſeiner Niedrigkeit Ur⸗ ſach Scheint mir erſtaunlicher, als mir ſeine Niedrigkeit ſelbſt ſchien.. Aber alſo geſchah des Ewigen Wille. Den Väͤ⸗ tern Hat er ſchon die Tiefen des kuͤnftigen Wunders er⸗ oͤffnet. Moͤcht' ich mein Leben mit dir, Mann Gottes, le⸗ ben! und moͤchteſt Du mich lehren, wie ich es dem himmliſchen Suͤn⸗ deverſoͤhner, 310 Der Meſſias. XIV. G. V. 735— 748. Recht nach meiner Seele Verlangen, heiligen . koͤnnte! Denn ach daurenden Dank, den innigſten, liebe⸗ vollſten, Herrlichſten Dank verdienet von uns, der unſere Suͤnde Alſo verſoͤhnt, und bis zu dieſem Tode geliebt hat. Und ſchon nahten ſie Kleophas Huͤtte. Sie . ſahn, er entſchoͤpfte Waſſer zum Trinken der Muͤndung des Quells, dann ſetzt' er es eilend Bei ſich nieder, und wuſch balſamiſche duftende Kraͤuter. Seine Hand umfloſſen mitabgeriſſene Blumen; Einige glitten hinab mit des werdenden Baches Ge⸗ lispel. Aber er ſah Matthias, und ſah den goͤttlichen Fremdling Nahn, ſprang eiliger auf! Sey mir, Mann Got⸗ tes, willkommen! Alle dein Segen, mit dem der Herr dich ſegnete, gehe, Du Mann Gottes, mit dir in meine Huͤtte! Matthias Folgt', und trug das Gefaͤß, und darin die lebende Quelle, Vierzehnter Geſang. 311 XIV. G. V. 749— 762. Mit der traͤufelnden Kraͤuter Erfriſchung. Kleophas hatte Schon den unbelaſteten Tiſch mit dem ganzen Reich⸗ thum. Seiner Huͤtte beſetzt, mit Milch, und Honig, und Feigen, Und mit ſtaͤrkendem Brodt, und herzerfreuendem Weine; Hatte die Teppiche ſchon umhergebreitet. Sie legten Sich zu dem Mahle, der Fremdling allein, ſie ge— gen ihn uͤber. Und der Fremdling begann auf ſie ſein Auge zu richten Ernſt, und freudig. Mit Ruhe, mit Dank, mit feyrlichem Anſtand, Hielt er das Brodt; ſo pflegt' es Jeſus zu halten! er blickte Still gen Himmel; ſo pflegte gen Himmel Jeſus G zu blicken! Und ſie ſtarrten ſich an, und ihn. Er betete. Jeſus War die Stimme des betenden! und auf Einmal das Antlitz Jeſus Chriſtus des betenden Antlitz! Er betete alſo: Unſer Vater im Himmel ſey fuͤr die Gabe geprieſen, 312 Der Neſſias. XIV. G. V. 763— 776. Die er mild' uns gab, den duͤrftigen Leib zu erhalten. Vielen ſcheint ſie gering; doch hat mit eben der Allmacht, Welche die Himmel erſchuf, ſie unſer Vater bereitet. Ach! auch ſeine Worte ſogar! Da ſanken vor Freude Bleich, ſie nieder, mit anzubeten. Er redete wieder: Preiß ſey ihm! Er rufte der Sonn', uns zu leuchten, dem Monde, Von der Stirne der Muͤden den Schweiß zu trock⸗ nen. Er ſchuf uns Unſer taͤgliches Brodt, Anbetung unſerem Vater! Jeſus brach das Brodt, und gab es ihnen. Sie nahmens Bleicher vor Freuden, und blickten ihn an, nun wollten ſie reden; Konnten nicht reden! Er ſah ſie noch Einmal mit ſegnender Huld an, Und verließ ſie. Da ſprangen ſie auf, und folgten ihm, eilten, Suchten, und fanden ihn nicht. Sie kehrten mit Ruh zu der Huͤtte. M. Ja, wir ſehn ihn noch wieder! Ich bin im Himmel, Geliebter, Vierzehnter Geſang. 313 XIV. G. V. 777— 790. Nicht auf der Erd', in dem Himmel! Ach Kleo⸗ phas! Kleophas ſank ihm An das Herz, und ſchwieg. Darauf umarmt' er ihn feurig, Hielt ihn lang', und umarmt' ihn von neuem. K. Matthias, o brannte Unſer Herz nicht in uns, da er auf dem Wege von Gott ſprach? Da er die Offenbarung uns aufſchloß? Aber wir ſaͤumen? Schon ergriff er den Stab. Auch thats Matthias. Sie gingen. Unterdeß da die beiden von Emaus eilten, beſprachen Petrus, und Didymus ſich. P. Verbirg es denn ihnen, o Thomas! Ach, betruͤbe nicht ſo, die glauben wollen, und loͤſche Dieſen ſchwachen Funken in ihnen nicht aus! Zu dem Himmel Koͤnnt' er flammen; du loͤſcheſt ihn aus. Th. So ſoll ich denn, Simon, Unſeren Freunden nicht mehr, was ich denke, ſa⸗ gen? verſchweigen Meiner Traurigkeit Angſt? Was hilft es ihnen zu waͤhnen, Und von dem freudigen Wahne mit deſto groͤßerem Trauren 314 Der Meſſias. XIV. G V. 791— 804. Aufzuwachen, je froher der ſuͤßbetaubende Wahn war? P. Nenn' es nicht Wahn, mein Bruder! bei dem er ewig lebet! Ach bei Jeſus, der todt war, und ewig lebet! be⸗ ſchwoͤr' ich Dich, mein Bruder, nenne nicht Wahn, was die Rechte Jehovah's That! nicht dieſer erſtaunlichen Herrlichkeit Offen⸗ barung! Heilig iſt jene Staͤte, wo ich ihn ſahe. Da brannte Mir der Buſch! da ſah in dem Buſch ich die Herr⸗ 1 lichkeit Gortes! Da, da war die Pforte des offenen Himmels! Hier ſtehn wir! Schau die Zeugen um dich! hier ſtehn wir Alle, die Neune! Magdale dann! dann ich! Wir haben den Goͤtt⸗ lichen lebend, Lebend haben wir ihn, nicht todt mehr, alle geſe⸗ hen! Meine Seele bewegt ſich in mir vor Weh⸗ muth, indem ich Deine Traurigkeit ſeh, ſprach Magdalena Maria, Deiner gruͤbelnden Zweifel zu qualenvolle Gedanken. Vierzehnter Geſang. 315⁵ XIV. G. V 805— 818. Habe Mitleid mit ihm, mit deinem Juͤnger, Er⸗ ſtandner,. Mitleid! Er zweifelt aus Angſt dein Juͤnger, aus Jammer der Seele; Nicht aus boͤſem Herzen. Zerſtoß das zerſtoßene Rohr nicht. Loͤſche den glimmenden Tocht nicht aus. Erbarme, Rabbuni, Seiner dich, wie du meiner dich erbarmteſt! Ach Thomas, Meyneſt du, daß ein Engel im Himmel mit dieſer Stimme, Dieſer Wonneſtimme des ewigen Lebens, die Choͤre Himmliſcher Pſalmen ertoͤnen nicht ſo! zu reden vermoͤge, Wie der Todtenerwecker, der Auferſtandne beim 8 Namen Mich, die lechzte, wie du, ihn zu ſehn, bei dem . Namen mich nannte? Th. Eurer Entzuͤckungen Ungeſtuͤm ſtuͤrzt mich verlaßnen noch tiefer In die Tiefen der Angſt, die meine Seele ver⸗ ſchlingen! Blendete ſich die Heftigkeit nicht, mit welcher ihr redet? Thomas ſprach es mit innigem Gram, der Thraͤ⸗ nen zuruͤckhielt. 316 Der Meſſias. XIV. G. V. 819— 832. Simon rang die gefalteten Haͤnde, war ernſter, und ſagte: Deine blendet ſich nur, mit der du zweifelſt! Wir ſahen! Und wir wurden entzuͤckt! Wer iſt in dem Him⸗ mel, und flammet Nicht in Entzuͤckungen auf? Du ſiehſt nichts! ſchaf⸗ feſt dir Schatten, Bange Bilder von Graͤbern und Nacht, erſchrecken⸗ de Zweifel! Redeſt entflammter davon, als wir von dem Auf⸗ erſtandnen, Den wir ſahen, und hoͤrten, und deſſen Leib wir beruͤhrten!— Der mit aller ſeiner Erbarmung, die wir an ihm kannten,. Sich uns offenbarte, die du vordem an ihm kann⸗ — teſt. Geh zu den Saddueaͤern zuruͤck, und glaube mit ihnen, Daß kein Engel, noch Geiſt ſey, noch Auferſtehung vom Tode! Mit den Worten entſtuͤrzten dem Auge Didy⸗ mus Thraͤnen. Salome ſah es, und wollt' ihn troͤſten. Indem ſie zu reden Anfing, ſagte der Juͤnger: Verſtoß mich ſo nicht, Geliebter! Vierzehnter Geſang. 3¹7 XIV. G. V. 333— 846. Ach, ich liebe, wie du, den gekreuzigten goͤttlichen Todten, Simon Petrus. Itzt redete Salome. Lindert, ihr Lieben, Seinen Schmerz. Ihr ſehet, wie viel der geaͤng⸗ ſtete leidet. Thomas, mein Bruder, den du den goͤttlichen Tod⸗ ten nannteſt, Sollt' aus dieſer Irre nicht er dir die Seele zu fuͤhren, Nicht aus dieſem Jammer das Herz zu reißen ver⸗ moͤgen? Er, deß Todesmuth an dem Kreuze von eben der Hoheit Zeugte, von der die Unſterblichkeit zeugt, dieß Leben der Engel, Welchem er auferſtand! Ja, dieſes Leben der En⸗ gel! Sprachen ihre Begleiterinnen. Unſterblichkeit war es, Dieſe ſahn wir an ihm. Zwar, nicht wie Gabriel, ſtrahlt“ er, Nicht wie die Engel bei ſeiner Geburt um Bethle⸗ heems Huͤtte; Aber Andres, als da er mit uns in dem Leben am Grabe, Unſer Erbarmer lebte, war nun in des Goͤttlichen Antlitz! 318 Der Meſſias. XIV. G. V. 847— 860. Th. Euch nur erſchiene der Herr? nicht mir? von mir will ich ſchweigen! Nicht der weinenden Mutter? nicht ihrem Sohne Johannes? Dem nicht, den er am Kreuze der heiligen Mutter zum Sohne, Der nicht, die er zur Mutter in ſeinem Blute dem Sohn gab? Alſo ſprachen ſie unter einander. Die hoͤren⸗ den riſſen Maͤchtige Zweifel itzt fort, dann wieder ſiegender Glaube. ¹ Beide wechſelten oft, und durchflammten die Seele. Wenn Petrus, Wenn die freudigen Zeuginnen redten, wenn Mag⸗ . dale redte; Gingen ſie auf dem Meere! wenn Didymus redete, ſanken Sie vor der kommenden Woge. Der zweifelnde Juͤnger verließ ſie, Und Jeruſalem, ging zu den fernſten Graͤbern des Oelbergs, Sich im Einſamen dort in ſeiner Traurigkeit Qualen Tiefer zu ſtuͤrzen. Er wollte das nicht; er wollte die muͤde, Tiefverwundete Seele durch Ruh der Einſamkeit lindern. Vierzehnter Geſang. 319 XIV G. V. 361— 374. Einen Becher der Freuden hat in der Rechte„ der Linken Einen wuͤthenden Dolch die Einſamkeit; reicht dem Begluͤckten Ihren Becher, dem Leidenden reicht ſie den wuͤthen⸗ den Dolch hin! In das naͤchtlichſte, tiefſte der fernen Todtengewoͤlbe War jetzt Thomas gekommen; und ſeiner Traurig⸗ keit Laſten Wurden ſchwerer auf ihm, die Gedanken ſchwaͤrzer, des Herzens Qualen troſtbeduͤrftiger. Ihm arbeitet die Seele, Sich aus dieſen Tiefen, die ſtets mehr ſanken, zu heben; Und arbeitet umſonſt. Haͤtt' er nicht zu Gott ſich gewendet, Zu der einzigen Stuͤtze des Muͤden, er waͤr' erle⸗ gen! Zu dem einzigen Stabe, wenn wir in Finſterniß wandeln, Und, an das weichende Rohr nur unſerer Troͤſtung, uns lehnen. Thomas empfands. So wendet' er ſich zu dem, der allein hilft: Gott! Verborgner! zu dir, wie ſehr auch Dun⸗ kel die Tiefen 326 Der Meſſias. XIV. G. V. 375— 888. Deines Rathes bedeckt, zu dir nur kann, in dem Zagen Ihrer Traurigkeit, meine verwundete Seele ſich wenden! 1 Nacht ſind ſeine Pfade; der Weg, den ich wandl' iſt noch mehr Nacht, Als die Pfade des Todes! Unazrgzuforſchender Herr⸗ herab in das Elen 3 Schau auf mich, der ein Wurm in Mitternaͤchtin ſich windet. Haͤtt' ich dich nicht, und ſtarrte mein huͤlfeverlan⸗ gendes Auge, Einziger Fels, nach dir nicht empor, die gerunge⸗ nen, muͤden, Ausgebreiteten Haͤnde nach dir nicht empor; ſo waͤr' ich Lange der Angſt erlegen der wuͤthenden Zweifel, ich waͤre Schon vergangen! Wie ſie, die um ihn jetzt blu⸗ tet, ihn liebte, Meine Seele, wie ſie an ihm hing, das weißt du, Jehovah! Weißt, Er war mir Alles! Du hatteſt ihn, Vater, mit jeder Deiner Gnaden zu uns geſandt, mit jeder Erbar⸗ mung! Alles Vierzehnter Geſang. 331 XIV. G. V. 389— 902. Alles war er mir! Den haſt du kreuzigen laſſen, Sterben! Ach er iſt todt! mir mehr, wie den aͤbri⸗ gen allen Todt! O Mitternacht, die ihn deckt auf der Schaͤ⸗ 4 ddeelhoͤhe, Oder in einer noch dunkleren Gruft, die der Erd' . Erſſchuͤttrung Niiht zerru tete, mochteſt bei ihm auch mich du be⸗ — 4* decken! liegen bei ihm, und ſchlummern, muͤde . von Wunden Meiner Seele! So bin ich ohn' ihn denn? Ich leb', und ich ſterbe, Ach ohn' ihn? Du ſchreckliche Nacht, die mich ringsum einſchließt, Wehe mir! ohn' ihn! auf Gebirgen Gebirg', und Abgrund dicht an Abgrund, ſchreckliche Nacht! Mein dunk⸗ les Gefuͤhl, ach Warum quaͤleſt auch du mich: Er wuͤrde dereinſt mir noch mehr ſeyn, Als er mir war? warum durchgraͤbſt auch du mir die Seele? Biſt du unſterblich, o Seel' in mir? Ha fallt, ihr entflohnen Schwarzen Zweifel, mit eurem Grimm mich nicht an, und wuͤthet, Klopſt. Meſſias III. B. 6. X lte Aufl. 3²² Der Meſſias. XIV. G. V. 903— 916. Wuͤthet nicht wieder! O die du in mir unſterblich . biſt, Seele, Tief, zu tief, zu jammervoll iſt dein Elend, zer⸗ rißne, Wundenvolle, du biſt ohn' ihn! So haͤtteſt du 4 keinen Theil denn an ihm, elende, ſo lang' ich im Staube mich kruͤmme? Aber ielleicht iſt er auch todt mein Helfer. Wie kenn' ich Ueber dem Grabe die dunkleren Labyrinthe, die baͤngern. Schwermuthsvolleren Pfade, zu denen des Todes Thal fuͤhrt; Da ich die truͤben Wege hier in dem Staube nicht 1— kenne 2 Gott auf Ebal! auf Sinai Gott! im Donner! im Sturme! Vater wo iſt dein Sohn? Wo ſaͤumte dein Don⸗ ner, wo ſchliefen Deine Wetter, als nun das hohe Kreuz ſich empor⸗ hub? Zwar ſie zitterte laut die Erd' in ihrem Ent⸗ ſetzen, Warf die Felſen von ſich, daß die Himmel ſchollen, und aller Zagende Seele vom Schrecken vor dem, das ge⸗ ſchah, zermalmt ward, Vierzehnter Geſang. 323 XIV. G. V. 917— 93o0. Aber da war er todt! Kein Fels erreichte die Wuͤr⸗ ger, Keine Kluft verſchlang ihr Gebein! Allmaͤchtiger Vater! Gott durch des Engels Gericht, der die erſtgebor⸗ nen Aegyptus Schlug, doch die blutbeſprengten Huͤtten in Ram⸗ ſes vorbeiging! Gott in dem Strome, der ſtand, daß Iſrael wun⸗ derbar durchzog! Dann um Jericho Gott, daß deiner Heere Poſaunen Vor ſich die hohe thuͤrmende Stadt in das Palm⸗ thal ſtuͤrzten! Herr, Herr, Gott! barmherzig und gnaͤdig, daß Moſes Gebeine Nicht zu Staube wurden, als er, in die Hoͤhle verborgen, Mit Anbetung von fern, Gott, deiner Herrlichkeit nachſah! Gott mit deinem Sohne, daß er auf dem Meere daherging, Hoch auf der offenen Woge, mit ihm ſein glauben⸗ der Juͤnger! Blinden das Aug' aufthat, daß es ſah die Schoͤ⸗ pfung, und ihn ſah, Ach zu dem erſtenmal! Den todten Geliebten er⸗ weckt er, X 2 324 Der Meſſias. XIV. G. V. 931— 944. Ihn, der ſchon zu verweſen begann! Der weinen⸗ den Mutter 4 Gab er dich, mein Semida, wieder. Da weinte ſie Freude! Gott mit deinem Sohne, daß er, mit himmliſcher Nuhe, Dieſer Unterwerfung, die fuͤrchterlichſten der Lei⸗ den Aushielt, Schmach auf Schmach, ach Wunden auf Wunden, auf Tod Tod! Gott Weltrichter, wo iſt dein Sohn? Erbarmen⸗ . der, wirſt du? Oder wird er mich wecken von dieſer Traurigkeit Tode? 1b Dieſem Graun, den Finſterniſſen der quäaͤlenden Zweifel? Wo, wo wend' ich mich hin? Er liegt, und ver⸗ weſet! und, Gott, du, Ach du ſchweigeſt mir! Ich duͤrſte, kaum bin ich noch! Lechze nach Huͤlfe! Auferſtanden waͤr' er? An dieſem ſinkenden Hal⸗ me Soll ich mich halten, Verborgner, da alle deine Fluthen Ueber die Seele mir gehn? So ſtammelt' er noch, verſtummte, Faltete feſter die Haͤnd' und rang ſie. Ach moͤcht' ich ruhen Vierzehnter Geſang. 325 XIV. G. V. 945— 958. Hier in einem der Gräber! Er wuͤrde mich nun nicht erwecken. Und wie moͤcht' ich zuruͤck in ein Leben kommen, in welchem Er nicht iſt! Gluͤckſelige Todte die neben mir ſchlummern, Kanntet ihr Jeſus Chriſtus? Wenn ihr den Goͤtt⸗ lichen kanntet, Viel gluͤckſeliger noch! Wenn ihr ihn kanntet, und liebtet; Äch ſo ſeyd ihr bei ihm! Allein ihr verſtummet mir, alles Iſt mir verſtummt! Verdorrtes Gebein, das hier um mich Staub wird, Wenn du dereinſt die Stimme des Herrn vernimmſt, und erwacheſt, Geht der Tag der Herrlichkeit auf, an dem dich Jehovah Wuͤrdiget, dir zu rufen: Ich will dich mit Odem . des Lebens. Wieder beſeelen! ach dann erwach' ich mit dir! es erwachen Seine Gebeine, die zwar der Kreuziger Wuth nicht zermalmte; Aber die doch in dem Schooße der Nacht und der Erde verwesten! Dann.. O welche Reihen, vielleicht von Ewig⸗ keiten, 3²6 Der Meſſias. XIV. G. V. 959— 9/72. Eh' ich erwache! Doch bis zu dem Tod' iſt nicht lange! Des Lebens Zeit iſt fluͤchtig und kurz, iſt ein Traum, ein Flug, ein Gedanke! Aber nur, wenn's voruͤbergeeilet iſt; liegt auf der Schulter Seine Laſt uns noch, wie langſamtraͤg' iſt das Le⸗ ben! Und ein Leben, wie meins, gelebt ohn' ihn! O vernimmſt du Hier aus der Mitternacht, o du, der das Ohr ge⸗ macht hat, Eines lebenden Jammern, der nach dem Tode duͤr⸗ ſtet?2 Seyd, ihr uͤbrigen Freunde des Todten am Kreuz, mir geſegnet, Seyd mir zu eurer Ruh geſegnet! Ihr waͤhnt ihn . erſtanden, Und ihr freut euch nicht minder, obwohl ein Traum euch getaͤuſcht hat, Ach ein ſeliger Traum, wie die Seele Jakobs er⸗ quickte, Zwar ſo wahr nicht; allein der euch mit Wonne, wie ihn labt! Nein, ich will nicht weinen! O du, der das Au⸗ ge gemacht hat, Und den Jammer erblickt, der mir in dem Inner⸗ ſten wuͤthet, Vierzehnter Geſang. 3²27 XIV. G. V. 973— 986. Daß ich mich freute, wie ſie, war nicht dein goͤtt⸗ licher Wille. Ich verlaßner, wie wuͤrd' ich mich freun! Ach wenn ich ihn ſaͤhe; Sterben, nicht leben wuͤrd' ich! mit erſchuͤtternder Stimme der Wonne Ihm entgegen rufen, im Ruf verſtummen, und . ſterben! Aber ich werde ja doch bald ſterben! Durch meine Seele Gingſt du ja auch, o Schwert, das durch die Seele der Mutter Ging! Geheilt wird die Wunde der Mutter; mei⸗ ne blutet! Ach ſo erſcheine mir denn, wofern du erſcheineſt. Erſcheine! Welche Bitte! Zuruͤck von dieſem blendenden Wahne, Meine Seele! Was ſteigſt du empor, um tiefer zu ſinken? Ja, er kann es, er kann aus dem Schatten des 1 Todes heraufgehn; Wenn er will! Wie kann er es wollen? Ster⸗ ben, um Stunden Todt zu ſeyn? nur wenige Stunden? Er waͤr von dem Kreuze, Hätt⸗ er leben gewollt, triumphirend heruntergeſtie⸗ gen! 328 Der Meſſias. XIV. G. V. 987— 100o. Wuͤrdeſt du mir nicht erſcheinen, wenn du lebteſt? wer ſchmachtet So nach Ueberzeugung, als ich? du wuͤrdeſt! du lebſt nicht! Wenn ich dich ſehe, ſo glaub' ich! Ja wenn ich in deine Wunden Meine Rechte dir lege; doch hat ein Erſtandoner Wunden? Wenn ich mit bebendem Arm um deine Fuͤße mich winde? Und ſie halte: dann will ich glauben! Ich werde . nicht glauben! Denn ich werde mich, Herr, um deine Fuͤße nicht winden, Und ſie halten! Denn ach du biſt geſtorben, und lebſt nicht! Nur erſt einige Stunden, da war er mit uns noch am Kidron, Dann.. Wie ſchnell iſt die Zeit bis zum Kreuze . vorruͤbergegangen! Und, wie iſt mir? da ſtarb er! wie ſchnell! Ach iſt er geſtorben? Ja, er iſt geſtorben! er iſt begraben! und nun 3 ſchon Wieder in einer anderen Kluft des Todes begra⸗ — ben! Ach, verlaß mich nicht ganz, o Chriſtus Vater, und meiner! Vierzehnter Geſang. 3²29 XIV. G. V. 1001— 1014. Ich vergehe vor Angſt! Er ruft's mit gebrochenen Worten,. Schwankt', und hielt an ein Felsſtuͤck ſich, ſo von einem der Graͤber Stuͤrzt', als der Vorhang riß, und der Staub der bebenden Erde Ueber Jeruſalem zog, und ihrer Mauren Gebirge In Entſetzen verhuͤllte. Der traurende hielt an den Felſen Sich mit ermuͤdetem Arme noch, da der Finſterniß Stille Eine Stimme durchſcholl, die immer naͤher herankam. Weſſen iſt dieſe Klage, die aus den Graͤbern hervorſchallt? Fiel ein Moͤrder dich an? und kann ich dir helfen, o Fremdling? Rede! wo biſt du? Ich will dir deine Wunde ver⸗ 3 binden.— Didymus redete nicht. U. Wo biſt du? Ich hoͤrte die Stimme Deiner Angſt, und ich bin, daß ich dir helfe, ge⸗ kommen. Fremdling, ich bin kein Moͤrder. Ich hoͤrte fern in dem Thale, Daß du jammerteſt! Sieh, ich bin dein Retter, wofern dich 330 Der Meſſias. XIV. G. V. 1015— 1028. Menſchen zu retten vermoͤgen! Th. Ich freue mich, ſagte Thomas, Wer du auch ſeyſt, daß du, o Wandrer, ein red⸗ liches Herz haſt. Sey geſegnet, und geh, wohin dich dein naͤchtlicher Weg ruft. Zarte bluͤhende Kinder, und ihre liebende Mut⸗ 11 ter Warten deiner vielleicht. Du kannſt mir nicht hel⸗ .„ fen. Die Wunden, Ueber die du mich jammern gehoͤrt, ſind Wunden 1„ der Seele! u. Wunden der Seele, mein Bruder? antwortet ddie naͤhere Stimme, Strecke die Hand nach mir aus, daß ich dich finde, Geliebter! Dich umarme! Didymus thats. Sie umarmten einander. Th. Biſt du ein Iſraelit, o Wanderer? einer der Maͤnner, Die zu dem Feſt von den Inſeln herauf nach Je⸗ ruſalem kommen? Und wie heißet dein Name? U. Ich Bin der Söh⸗ ne von Jakob Einer. Ich komm' aus fernen, ſehr fernen Landen. Mein Nam iſt Joſeph; und deiner, mein Bruder? Th. Mein Name, Joſeph, iſt Thomas. Vierzehnter Geſang. 331 XIV. G. V. 1029— 1042. J. Aber was weilen wir hier in dem Schauer der Nacht und der Graͤber, Thomas? O komm, und laß uns aus dieſer dunk⸗ leren Nacht gehn. Dieſe Stille, die Dunkelheit wirft noch ſchwaͤrzere Schatten Auf die Bilder der Angſt, die deine Seele bewoͤl⸗ ken. Th. Dieſe Still, o Joſeph, und dieſe noch ſchwaͤr⸗ zeren Schatten, Dieſe Bilder der Angſt, die meine Seele bewoͤl⸗ ken, Dieſe lieb' ich; liebe noch mehr den Tod und die Graͤber!. Haͤtte die Erde mich nur in ihre Huͤtten des Frie⸗ dens Aufgenommen; ſo waͤr' ich nicht mehr der Soͤhne des Elends Letzter! laͤge nicht mehr in des Jammers Tiefen der tiefſte! J. Thomas, mein Bruder, o hebe aus dieſem Staube dein Haupt auf, Schau gen Himmel, und lerne mit Furcht und mit Zittern klagen! Freuen ſollen wir uns mit Furcht und Zittern, ſo ſollen Wir auch klagen! Wer iſt es, der das Elend uns ſandte? 332 Der Meſſias. XIV. G. V. 1043— 1057. Iſt es nicht der, der uns zu dem ewigen Leben ge⸗ macht hat? Sinn' ihm nach, wenn jetzt zu des Allerheiligſten Ohre Deiner Klagen Geſchrei mit ſeinem Ungeſtuͤm' auf⸗ 3 ſchrie, Dann ſich unter die Choͤre der Dankenden miſcht, und die Wonne Ihrer Freudenthraͤnen und Halleluja entweihte! Kann denn Gott nicht erretten? und will denn Gott nicht erretten? Lerne mit Furcht, ich ſag' es noch Einmal, lerne mit Zittern Trauren! Es iſt der ſtets Anbetungswuͤrdige, der uns Elend ſendet. Verehre, mein Bruder, den goͤttli⸗ chen Bothen! Th. Joſeph, du biſt ein Mann nach meinem Her⸗ zen. Indem du Von dem Ewigen ſprichſt, wird deine Seele zu Flamme! Werde mit Freude von Gott, und werde mit Schmerz geſegnet, Aber mit keinem Schmerz, wie meiner iſt! Ach du erlaͤgeſt Dann, wie ich erliege! J. So rede denn, nenne „ ddie Laſton, 4 Welche dich niederſtuͤrzen! Th. Ja welche mich nie⸗ derſtuͤrzen! Vierzehnter Geſang. 333 XIV. G. V. 1058— 1072. Kannteſt du ihn? Doch was ſag' ich zuerſt? was zuletzt? O du kannteſt Jeſus, den Goͤttlichen nicht! Wie lang verweilſt du in Juda? J. Wenige Tage nur erſt. Doch ſind ſtets Bothen aus Juda Nach der Freude Huͤtten gekommen, in welchen ich wohne, Und die haben mit uns von Jeſus, dem Sohn Je⸗ hovah's, Viel geredet. Zuletzt ſind wir heruntergekommen, Jeſus ſterben zu ſehen, und auferſtehn von dem Tode! Th. Auferſtehn von dem Tode? Wer biſt du? Jo⸗ ſeph? J. Auch hatt' ich, Didymus, einen vertrauteren Freund in Juda, von dem ich Lang getrennt war; er trennte ſich ſchon in dem Lande des Nilus. Dieſen gab mir der Goͤttliche wieder, indem er in Schrecken Und Erdbeben nicht mehr, noch in Finſterniſſen da herging; Juͤnger, indem er vom Kidron in ſanftem Saͤuſeln heraufkam, Gab er mir meinen vertrauteren Freund, den lange verlornen, Und nun ewigen Freund. Doch ich muß dich jetzo verlaſſen;. 334 Der Meſſias. XIVv. G. V. 1073— 1086. Aber ich komme zuruͤck, mein Bruder, und ſehe dich wieder. Th. Joſeph, bleib! Wo biſt du, Joſeph? wo biſt du? Ach haben Dieſen Namen auch Engel? den ſuͤßen Namen des Lieblings Seines Vaters und Gottes? Nur Einen Laut noch, o Joſeph, Deiner himmliſchen Stimme nur Einen! Aber du ſchweigſt mir! Darf ich dich nennen, wie du mich nannteſt? mein Bruder! du ſchweigſt mir! Wo, wo geheſt du hin? wo biſt du? Ach ohne 3 Mitleid Faͤhreſt du fort mich nicht zu hoͤren! Er iſt kein Engel! Koͤnnte ſo hart ein Engel ſeyn? das koͤnnen nur Menſchen! Aber er wohnt in Huͤtten der Freude! Bothen aus Juda, Die von dem Goͤttlichen ſprachen! Wer ſind die Bothen aus Juda? Sandte ſie Gott? Gewiß, der Herr kann Engel aus Juda Zu den Himmliſchen ſenden. Er kam herab. Von dem Himmel? Jeſus ſterben zu ſehn! So wußten Bothen aus Juda, Vierzehnter Geſang. 335 XIV. G. V. 1⁰87— 1102. Was geſchahe, vorher? Und auferſtehn von dem Tode! Aber dieſes geſchahe ja nicht! Wer kann ihn be⸗ greifen? Juͤnger nennet er mich! und dann iſt Jeſus vom Kidron, Im Erdbeben nicht mehr, iſt in ſanftem Saͤuſeln gekommen, Einen vertrauteren Freund ihm auf immer wieder zu geben! Aber wenn? eh' er ſtarb? Warum denn in ſanf⸗ . tem Saͤuſeln? Auch da ſaͤuſelt' es ſanft, und die Woge ſchwieg, da von neuem Unſer Leben Er uns gab, und jeder dem andern. Doch Erdbeben iſt nur nach ſeinem Tode geweſen. Alſo haͤtt' er erſt den lang verlornen, und jetzo Ewigen Fr Pennn nach ſeinem Tod' ihm wiedergegeben? Und ſo thaͤt' er, auch todt, der Gnade Wunder, und huͤlfe? btr warum denn todt? Auch Leben ward ja ver⸗ kuͤndet! Nein, ich begreif' ihn nicht! Sollt' erſtehn der Meſſias, wie wußtens Engel, eh' es geſchah? Auch Gottes geheimſtes Ge⸗ heimniß Wuͤßten die Engel? Es haͤtte vor ihnen der Un⸗ erforſchte 336 Der Meſſias. XIV. G. V. 1103— 1116. Nichts Verborgnes? Je mehr ich forſche, je tiefer verſink' ich! Aber wacht' ich auch wirklich? Ermattet' ich nicht an dem Felſen,. Wo ich mich hielt, und beinah nicht mehr mir meiner bewußt war? Ja, ich bin niedergeſunken, bin eingeſchlummert, und habe Dieſen Fremdling im Traume geſehn! Er war ja voll Mitleid; Warum waͤr' er auf Einmal geflohn? So entflie⸗ hen nur Traͤume; Aber kein redlicher Freund, Menſch oder Engel! MNun ſeh' ich's,. Nun erfahr ich es ſelbſt, was tiefe Traurigkeit wirket, Und wie die Juͤnger ſich taͤuſchen, wenn ſie Er⸗ ſcheinungen ſehen. Glüͤckliche! die ihr euch taͤuſcht, und eure troͤſten⸗ den Schatten Wandelt in wahre Geſtalt! Doch ich gehe den Weg, den mich Gott fuͤhrt! Sind nur meine Betaͤubung, und ihre Qualen vor⸗ 4 uͤber: O ſo geh' ich den Weg mit Ruhe, den Gott mich . leitet. Finſterniß ſey er, und Dunkel, und Nacht! Er fuͤhrt! ich gehe! Alſo Vierzehnter Geſang. 337 XIV. G. V. 1117— 1130. Alſo entſchloß ſich Thomas, und horchte nach dem 3 Geraͤuſche Kidrons, hinunter zu gehn, und zu ruhn in Geth⸗ ſemane's Huͤtten. Hinter ihm hatte, da er die Verſammlung der Juͤnger verlaſſen, Einer die Thuͤr geſchloſſen. Als dieſer wieder zu⸗ ruͤckkam, Sagt' er zu der Verſammlung: Ich habe die Thuͤr geſchloſſen, Daß wir entrinnen, wofern die Prieſter ſenden. Denn glaubt nicht, Daß ihr wuͤthender Durſt mit Jeſus Blute geſtillt ſey. Da ſprach Kephas: Ich will nicht, daß ihr die Thuͤren verſchließet. Moͤgen ſie ihre Schaaren doch ſenden. Der Herr iſt erſtanden! Aber ſie haben ja ſelbſt den nun Erſtandnen getoͤdtet! P. Nun ſo will ich ſterben, wofern es ſein goͤttli⸗ cher Will' iſt! Schließt die Huͤtte nicht! Kleinmuth, wie die, ent⸗ ehrt den Erſtandnen! Muͤſſen wir ſterben, Simon, ſo helfen geſchloſſene Thuͤren Uns ja nicht. Allein, daß zu kuͤhn in Gefahr wir uns wagen, Klopſt. Meſſias III. B. N Ate Aufl. 338 Der Meſſias. XIV. G. V. 1131— 1144. Iſt der Wille des Herrn nicht; und Rettung uͤber 1 die Mauer Iſt in unſrer Gewalt, wenn die Thuͤr die wuͤthen⸗ den aufhaͤlt! P. Iſt in unſrer Gewalt, wenn der Herr die wuͤ⸗ thenden aufhaͤlt! Sagte Petrus feuriger, ließ die Thuͤren ſie ſchließen. Aber nicht lang, ſo erſcholl das Haus von eiligem Klopfen. Und ſie erſchracken. Da ſcholls von neuem. Jako⸗ bus erhub ſich, Eilt' hinunter, und fragte. Matthias und Kleo⸗ has warens. Und er ließ ſie herein, die gluͤcklichen Freunde. Sie ſanken Faſt vor Muͤdigkeit, athmeten, ſtanden, gingen langſam, Trockneten ſich die Stirn. Wen flohet ihr? ſagte Jakobus. Und ſie laͤchelten ſanft, ermannten ſich, eileten, ſtiegen Mit Jakobus hinauf, und traten in die Verſamm⸗ 4 lung. Siehe, des Lebenden Mutter, und Magdalena Ma⸗ ria Kamen, mit ihnen der Glaubenden mehr den bei⸗ den entgegen, Vierzehnter Geſang. 339 XIV. G. V. 1145— 1158. Traten um ſie, und riefen mit freudeſtrahlendem Auge, Riefen: Der Herr erſtand wahrhaftig, iſt Simon erſchienen! Kleophas hub mit Erſtaunen die Hand gen Hidäänel und ſagte: * Heil uns! Er iſt erſtanden! iſt erſtanden! Auch wir ſind Seine Zeugen! auch uns iſt Jeſus Chriſtus erſchienen! Petrus nahte ſich ſchnell: O Chriſtus Vrüder, und meine! K. M. Simon, er hat uns alſo genennt! er nen⸗ net' uns Bruͤder! Petrus redete weiter: Auch dieſe, die euch umgeben, Haben ihn lebend geſehn, nur nicht Maria. Er wird dir, Hoff' es freudig zu ihm, du ſeine Mutter, erſchei⸗ nen! Magdale ſah ihn zuerſt, und allein; dann ſahn ihn die Neune, Wie ihr zweifelnd vernahmt, als ihr die Verſamm⸗ lung verließet: Dann erſchien er auch mir. Ach namlos iſt die Entzuͤckung, Welche das Herz uns erſchuͤtterte, da wir nun ſahn, daß er lebte! Y 2 340 Der Meſſias. XIV. G. V. 1159— 1172. Aber o ſehet um uns die traurenden. Unſere Bruͤ⸗ der Trauren, indem wir uns freun. Schon fingen ſie an uns zu glauben; Aber ach Thomas, wie elend iſt er, wie in Jam⸗ mer verſunken! b Thomas hat ſie verwirrt! Der beweinenswuͤrdige Juͤnger Iſt noch ohne Jeſus! er hat ſie verwirrt! O ſie freuten Schon mit unſeren Freuden ſich. Herr, erbarme dich ihrer! Und vor allen des gruͤbelnden tiefverwundeten Tho⸗ mas! Aber Johannes erhub ſich, und trat zu ihnen, und ſagte: Mich verwirrte Didymus nicht. Ich traure nur, Simon, Daß der Lebende mir nicht erſcheint! P. Er iſt ja, du theurer, Seiner Mutter ſogar, und der deinen noch nicht erſchienen! Sagts denn, erzaͤhlts den betruͤbten, o Chriſtus . Bruͤder, und meine, Daß ihr lebend, lebend ihn ſaht! K. Geliebte, wir gingen Traurend und angſtvoll(ach ihr ſeyds noch!) nach Emaus wollten Vierzehnter Geſang. 34 2 XIV. G V 1173— 1187. Durch des offenen Gefilds Anblick uns erfriſchen, den Kummer Unſerer Seele lindern; da kam ein Fremdling ge⸗ gangen, Den wir lieben mußten, ſo bald wir ihn ſahen, und hoͤrten! Der, o was ſag' ich zuerſt? was zuletzt? der uns der Propheten Tiefen eroͤffnete! der des Meſſias furchtbare Leiden, Seine Leiden, er war's, ach er war es ſelber! uns zeigte, Wie ſie der Vater vorhergeſehn, und verkuͤndiget hatte, Seines Todes ganzes Geheimniß! Noch kannten wir ihn nicht; Fremd war ſeine Geſtalt, und verhuͤllt' ihn uns. Jetzo erreichten Wir die Huͤtt' in Emaus. Alles, was er uns ſagte, Weiß ich, und kanns nicht erzaͤhlen. Wie kann ich ſprechen, wie er ſprach? Seine Rede war Sturm! war Flamme! Wir fleh⸗ ten. Er ließ ſich Endlich erweichen, und blieb. Ich hatt' aus der Quelle geſchoͤpfet, Hatte Speiſe gebracht. Nun.. Ach noch ſeh' ich das Brodt ihn Halten, noch hoͤr' ich ihn beten. Da er betete, war es 342 Der Meſſias. XIV. G. V. 1188— 1202. Jeſus Stimme, die betete, warens die feirlichen Worte Seines Segens ſo gar! da war's des Goͤttlichen Antlitz! In der Wonne ſanken wir nieder, mit anzubeten. Und er brach, und reicht' uns das Brodt, und blickte noch Einmal Liebend uns an, und verließ uns. Wir folgten ihm, ſuchten ihn, konnten Ihn nicht ſinden. Wir ſaͤumten nicht lang', und gingen, und eilten, Euch der Wonne Bothſchaft zu bringen. Lebbaͤus, von Thomas Wehr, n wie die andern erſchuͤttert, und noch in Zwei fel verloren, 1 Saß mit hangendem Haupt, und blickte ſtarr auf die Erde.. Er, deß Seele ſo viel, ſo ſtark zu empfinden ver⸗ mochte, Hatte die frohe Geſchichte mit gruͤbelnder Kaͤlte ver⸗ nommen. Endlich verſtummt' er nicht mehr, er ſprach: Ich glaub' euch, Geliebte, Ja, ich glaube, daß ihr mit einem Manne von Weisheit, Oder wohl gar mit der Engel einem nach Emaus ginget. Sahn die Weiber, und ſahet ihr Engel; ſo ſendete Gott ſie, Vierzehnter Geſang. 343 XIV. G. V. 1203— 1216. Unſre Traurigkeit uͤber den Tod des Meſſias zu lin⸗ dern, Unfre Traurigkeit, daß uns ſogar ſein Leichnam ge⸗ raubt iſt! Gott, der unſerer Qual ſich erbarmt hat, ſendet uns Engel, Daß ihr himmliſcher Anblick uns troͤſte, maͤchtig erinnre, Jeſus Seele ſey nun in dem Schooße der ewigen Ruhe! Alſo leugn' ich euch nicht, der mit euch redte, den habe Gott geſandt, daß er euch aufrichtete; ſey er ein Engel, Oder ein Weiſer geweſen. Ich leugn' es euch nicht, daß er tiefer Sehe denn wir in die Offenbarung, und die Pro⸗ pheten Uns verkuͤndiget haben: Es ſey der Wille des Va⸗ ters Und des Richters der Welt, daß ach den groͤßten der Menſchen, Siehe, den unſchuldvollſten der Tod auf Golgatha toͤdte! Seht, ihr theuren, das glaub' ich mit euch. Doch daß er es endlich Selbſt ward, da er vorher es nicht war, das kann ich nicht glauben! 344½ Der Meſſias. XIV. G. V. 1217— 1230. Sagt, wie konnt' es geſchehn, daß ihr ihn zuerſt nicht erkanntet? Eine fremde Geſtalt zu ſehen glaubtet? Die Freude Hat euch verfuͤhrt. Ihr ſaht, indem der Fremd⸗ ling das Brodt hielt, Etwas Aehnliches mit der Erhabenheit Jeſus, wo⸗ mit er Sonſt, eh wir aßen, das Brodt zu dem Himmel dankend emporhielt, Dieß nur ſahet ihr, glaubtet zu ſchnell, ihn ſelber zu ſehen. Und nun wurd' es euch leicht, auch Jeſus Stimme zu hoͤren, Als der Fremdling betete. Truͤbe verfinſternde Zweifel Ließ in den Seelen, die ſchon verwundet waren, Lebbaͤus Traurige Rede zuruͤck. Doch Kleophas ſah ihn mit Wehmuth, Und mit Innigkeit an. Matthias umarmt' ihn und ſagte: 3 Juͤnger des Auferſtandnen, als wir den Herrn noch nicht kannten, Und ihn fragten, ob Jeſus leb'? und, ob wir des Heils uns Freuen duͤrften, ihn wiederzuſehn? da ſprach der Erſtandne: Vierzehnter Geſang. 345 XIV. G. V. 1231— 1244. Joſephs Bruͤder erkannten ihn nicht. Doch der Wonn' und des Weinens Selige Stunde kam, und Joſeph vermochte nicht laͤnger Sich zu halten, und weinete laut! Mit himmli⸗ ſcher Ruhe Sprachs Matthias. L. O Jeſus, wofern du leb⸗ teſt, du koͤnnteſt Gegen mich dich nicht halten! Lebbaͤus riefs, und verhuͤllte Schnell ſein bleicheres Antlitz. Ihn ſahe Petrus, und wurde Doch nicht traurig. Er konnte nicht trauren! fragte die beiden: Als ihr den hangenden Felſen verließt,(wir ſahn euch vom Soͤller) Und zu den Palmen hin euch wendetet, kam der Erſtandne Da zu euch? Sie ſprachen: Er kam, der Goͤttli⸗ che kam ſchon Bei dem Felſen zu uns! Und Petrus rief in der Wonne: Meine Bruͤder, ihr habt den Erſtandnen alle geſe⸗ * hen! Hoͤrt ihr die Zeugen? ihr habt ſchon Jeſus Chriſtus geſehen! Thomas auch. Ach waͤr' er bei uns! Des Leben⸗ den Mutter 346 Der Meſſias. XIV. G. V., 1245— 1257. Rief mit gefalteten Haͤnden, und ſuͤßer Verwun⸗ drung: Ich habe Meinen Sohn lebendig geſehn! lebendig, nicht todt mehr! Wie ein einſamer Uebriger, der durch den Tod den letzten Seiner Freunde verlor, den aͤngſtlichen Traͤumen, in denen Er ihn lebend erblickt', und nicht zu erreichen ver⸗ mochte, Halberwachend das dunklere Bild des Treundes noch ſuchet, Klaget, nicht weiß, ob er ſchlafe, nicht, ob er wache; das Herz ſchlaͤgt Hoch ihm empor, und Flammen durchſtroͤmen ihm die Gebeine: Alſo waren noch viele der thraͤnenvollen Verſammlung. Aber der Seraphim, die zu ihnen eilten, der Vaͤter, Die mit den jauchzenden Engeln zu ihnen eileten, wurden Immer mehr! Und Simon Johanna blickt die Verſammlung Liebend an. Da ſieht er es ſchimmern! Er hielt vor Entzuͤckung Vierzehnter Geſang. 347 XIV. G. V. 1258— 1272. Eine beginnende Thraͤne zuruͤck, und betete ſchweigend: O du Verborgner, und doch ſtets Gnaͤdiger, ewig, und ewig Gnaͤdiger! nun, o mein Erbarmer, erbarmſt du 4 dich ihrer! Kephas dankt', und betete noch, da trat der Verſoͤhner In die Verſammlung. Wie Felſen. Ein Erſtau⸗ 4* nen, ſtanden, Starrten ſie all' um ihn. Der Auferſtandene ſagte: Friede ſey mit euch! Sie ſahn ihn, und ſahn 1 ihn nicht, ſtanden, Blickten ihn an. Von den Stroͤmen zu vieler Ge⸗ l danken ergriffen, Wie in Meeren des Lichts, in denen Unſterbliche faͤnken, Sanken ſie, konnten ſich nicht herausarbeiten, und waͤhnten Einen Engel zu ſehn! Mit der Liebe Stimme mit ſeiner, Sprach der Erſtandne: Vor mir ſeyd ihr erſchrok⸗ ken, ihr Lieben? Warum kommen euch dieſe Gedanken in eure Herzen? Sehet meine Haͤnde, und meine Fuͤße, Geliebte! Denn kein Engel hat Fleiſch und Gebein, wie ihr ſeht, daß ich habe. 3 8 Der Meſſias. 1 XIV. G. V. 1273— 1286. Und ſie bebten herzu. Maria ſank vor ihm nieder, Hielt die Füße des Auferſtandenen, ſahe die Wun⸗ den, Faſſet⸗ ihn bei der Rechten, und ſah die Wunde der Rechten, Dann der Linken. Und nun vermochte ſie auch in des Sohnes Antlitz hinaufzuſchaun. Wie das Angeſicht eines Engels, Wurd' ihr Angeſicht, als ſie hinaufſah. J. Meine Mutter, Hier auch wurd' ich durchſtochen. Er zeigt' ihr das Mahl der Wunde, Aus der Waſſer herab, und Blut floß, als ihn des Todes Mauht umgab. Ihr ward, wie das Angeſicht eines Engels, Wieder ihr Angeſicht. Schon umknieten die mei⸗ ſten ihn, ſahen Seine Wunden, und reicheten ihm die Haͤnde. Die nahmſt du, Sohn des Vaters, und hielteſt ſie, ließeſt ſie ſin⸗ ken, der andern Ausgeſtreckte zitternde Haͤnde zu nehmen, Erbar⸗ mer! und, ein Jubelgeſang dem Auferſtandnen, erhub ſich Vierzehnter Geſang. 349 . XIV. G. V. 1287— 1300, Mit gebrochenen Worten die Stimme des ſanften Weinens. Jetzt rann uͤber die Wange des Goͤttlichen eine Thraͤne. Lange hielt Johannes die Rechte des Liebenden, lange Sah er mit glaͤnzendem Aug' hinauf in ſein An⸗ tlitz, und wollt' ihn Fragen, und fragt' ihn nicht! wollt' ihm ſagen, wie innig, wie herzlich Er ihm dankte, wie tief er ihn anbetet', und thats nicht! Endlich begann er, doch ſchnell verſtummt' er noch mehr. Denn der Gottmenſch Redet' ihn an. Du ſtandeſt am Kreuz, und bliebſt bis zum Tode! Aber wo iſt Lebbaͤus? Lebbaͤus lag auf der Erde, 3 Hielt, und kuͤßte den Saum an des Mittlers Ge⸗ wande. Da ſtand er Eilend auf, da die Stimme des Herrn bei dem Namen ihn nannte, Nahte ſich, bleich, wie ein Todter, vor Freude, Der Göttliche ſagte: Hier iſt meine Rechte, Lebbaͤus; und reicht' ihm ddie Rechte. Und Lebbaͤus ſtreckte verſtummend die Hand nach dem Herrn aus! 35⁰ Der Meſſias. XIV. G. V. 1301— 1315. Aber ſie ſank ihm nieder. Da beugte Jeſus ſich vorwaͤrts Nach dem Juͤngling, ergriff die Hand des ſinken⸗ den, hielt ſie Lang mit Liebe. Die Seele des freudigerſchrocknen, ſein Mund nicht, Stammelte: Gnade biſt du, ganz Gnade! Der 4 Kanganite Simon, Jakobus der Alpheid' umarmten einan⸗ der, Freuten des Herrn ſich, blickten umher, ſahn ſich, und den Herrn an! Auch die andern begannen vom Herrn auf einander zu blicken, Sich zu freuen, daß er ſie alle begnadiget hatte! Und ein Jubelgeſang dem Erſtandnen, erhub ſich von neuem Mit gebrochenen Worten die Stimme des ſanften Weinens. Und ſie knieten die fruͤheren Zeugen, Petrus, Mat⸗ thias, 3 Kleophas, und die begnadigten Weiber, die Helden⸗ ſeelen, Sie, die bis zu dem Kreuz hinauf dem Leidenden folgten! Unter ihnen ſteht der Ueberwinder des Todes, Hebt die Augen mit aller ſeiner Hoheit, und brei⸗ tet Vierzehnter Geſang. 351 XIV. G. V. 1316— 1329. Seine Haͤnde gen Himmel. Noch ſtrahlete zwar die Verklaͤrung Nicht von ihm; doch war in ſeinem Antlitz voll Gnade Mehr als jemals Goͤttlichkeit. Sie vermochten nicht laͤnger Ihm in das Antlitz zu ſchaun. Jakobus neigte ſich tiefer Gegen die Erd' und wagt' es, und rief mit flehen⸗ der Stimme: Herr, Herr, Gott! noch erhebe dich nicht zu dei⸗ nem Vater! Ach, erhoͤre.. Der Goͤttliche ſprach: Ich bleibe noch bei euch, Kindlein. Er ſprachs, und nun ergriffen zu maͤch⸗ tige Freuden Ihre Seelen. Sie wußten es kaum, was ſie dach⸗ ten, und ſagten. Ach iſt es moͤglich, daß Jeſus es ſelber iſt? En— gel! iſts moͤglich? Rief der Eine, der Andere rief: O ſind wir im Himmel? Oder auf Erden? Iſt Jeſus es ſelbſt? Ach biſt du es ſelber, Der auf Golgatha blutete? biſt du es ſelbſt, du Erbarmer? Schen wir? oder verlieren wir uns in ſuͤßen Ge⸗ ſichten? 35² Der Meſſias. XIV. G. V. 1330— 1343. Jeſus wendete ſich, ging hin zu dem Tiſche, und legte Auf die verbreiteten Teppiche ſich, und ſagte zu ihnen: Habet ihr etwas Speiſe fuͤr mich? Sie er⸗ huben ſich eilend, Traten herzu, und waren beſchaͤftiget, Speiſe zu bringen. Aber Johannes drang ſich hervor vor den andern, und brachte Honigſeim, und geroͤſteten Fiſch, und ſetzte die Speiſe Vor den Herrn, dann trat er zuruͤck mit ſchweigen⸗ der Ehrfurcht. Voll von ſanfter Vertraulichkeit ſagte der Aufer⸗ ſtandne: Nahe dich mir, Geliebter, wie ſonſt! Ihr meine Geliebten, Nahet euch auch, und ruhet um mich auf den Tep⸗ pichen. Komm denn, Meine Mutter, und ruh bei deinem Sohne. Da kam ſie, Und da kamen die andern. Er aß. Und uͤber den Anblick Seiner vertraulichen Liebe, daß ſie, an Einem Tiſche, Mit dem Goͤttlichen ruhten, und er vor ihnen wie ſonſt aß, Legte Vierzehnter Geſang⸗ 353 XIV. G. V. 134 4— 1356. Legte ſich ihrer Entzuͤckungen Ungeſtuͤm. Stillere Freuden Kamen in ihr beſaͤnftigtes Herz, und voͤlliger Glaube! Da er ihre Herzen geſtillt ſah, ſprach der Erbarmer: Seht, den Zeugen glaubtet ihr nicht, die euch ſagten, ich lebte! Mich, mich haͤtt' ihr Auge vom Tod' erſtanden ge⸗ ſehen!. Ihnen, denen ihr ſonſt in allen trautet, und der ren 4 Redlichkeit ihr ja kanntet, o warum glaubtet ihr hier nur Ihnen nicht? Unbiegſam war eure Seele, Ge⸗ liebte. Weinet nicht, Kindlein! ich habe ja euer doch mich erbarmet. Aber lernt, wie das Herz des Sterblichen ohne mich ſey! Hatt' ich es euch nicht geſagt, oft wiederholet: Ge⸗ kreuzigt Wuͤrd' ich werden? vom Tode, der Tage dritten? erwachen? Hat dieß Moſes nicht auch geſagt? die Propheten, die Pſalme Klopſt. Meſſias III. B. 3„ Ate Aufl. 354 Der Meſſias. XIV. G. V. 1357— 1370. Nicht verkuͤndet? und hub ich euch nicht die Huͤlle der Schrift auf? Was ich ſagte, das ſagten auch dieſe Zeugen: Ge⸗ toͤdtet Muͤßt' ich werden! vom Tod' erſtehn! In Jeru⸗ ſalem ſollen Meine Zeugen beginnen, von hier zu den Voͤlkern der Erde Gehn, und ihnen die beiden erhabenſten Seligkei⸗ ten:. Wiederkehr zu dr der ſie ſchuf, und den ſie ver⸗ ließen; und Vergebung der Suͤnde, des ewigen Lebens An⸗ fang, Predigen. Bruͤder des Mittlers, ihr ſeyd die Zeu⸗ gen. Ihr ſollt mich Auf der Erde verkuͤndigen. Sieh, des Vaters Ver⸗ heißung Wil ich euch ſenden. Ihr ſollt, bin ich zu dem Vater gegangen, In Jeruſalem bleiben, bis ihr, mit Kraft aus der Hoͤhe Angethan, hinwandelt, und lehrt: Wer glaubt, und getauft wird, Der wird ſelig! verdammt, wer nicht glaubt! Der Glaubenden viele Sollen Wunder begleiten. In meinem Namen ver⸗ treiben Vierzehnter Geſang. 355 XIV. G. V. 1371— 1384. Sie den Satan aus den Beſeßnen; und reden in Sprachen, Die ſie nicht lernten. Auch Schlangen vertreiben ſie. Ohne zu ſterben, Trinken ſie toͤdtlichen Trank! Sie legen die Haͤnd' auf den Kranken, Und der Kranke keneiet Der Verſoͤhner erhub ſich mit Wonne,. Ging dnn vorwaͤrts in die Verſammlung. Sie drangen um ihn ſich Freudig herum, ganz nah ihn zu ſehn. Der Lie⸗ HumsG. bende ſagte: Nahet euch, meine Juͤnger! Die andern ent⸗ fernten ſich wieder, Richt nur neidlos; ſie freueten ſich, wie vollendete Fromme Sich in dem Himmel des Heils der Mehrbegnade⸗ ten freuen, Ueber die Gnnde, die gab der Verſoͤhner den erſt⸗ erkohrnen. Und der Goͤttliche ſtand, um ihn die hohen Apoſtel. Auch ſie ſollen bluten! Er ſah in dem Geiſte ſie bluten; Und von inniger Lieb' erſchuͤttert, ſprach er zu ih⸗ nen:— Friede ſey mit euch! So ſprach des Goͤttlichen Stimme. 3 2 356 Der Meſſias. XIV. G. V. 1335— 1398. Und wie einer, deß Seele der Freuden zu viel belas ſten, Athmet' er tiefer herauf, und hauchte ſie an, und ſagte: Jetzt ſchon empfaht den heiligen Geiſt! In reicherer Fuͤlle Werdet ihr bald ihn empfahn. Wem ihr die Suͤn⸗ den erlaſſet, Sind ſie erlaſſen, wem ihr ſie behaltet, ſind ſie be⸗ halten! Und ſie vernahmen den großen Befehl mit Erſtaunen, und Demuth. Jetzo daucht' es ihnen, als wollte der Herr ſie ver⸗ laſſen. Und ſie ſtanden um ihn, und wagten es nicht ihn zu bitten, Daß er bliebe; doch zitterten ſie, doch fleht ihm ihr Auge. Petrus, gefaßt von Gedanken, die ſeine Seel⸗ wie Flammen, Ueberſtroͤmten, warf zu den Fuͤßen Jeſus ſich nie⸗ der, Hielt ſie, kuͤßte ſie, rief: Ich kann auf der Erde nicht danken! Herr! in dem Himmel will ich dir danken! Ich weiß es, Erbarmer; Denn ſo ſprach der Geſendete: Sagts den Juͤnz gern, und Petrus! Vierzehnter Geſang. 35⁷ XIV. G. V. 1399— 1412. Denn du erſchieneſt mir! und du erſcheineſt mir! weiß es, Erbarmer, Goͤttlicher Suͤndeverſoͤhner, du haſt mir meine Ver⸗ leugnung, Mein Erretter, und aller Gefallenen Retter, ver⸗ geben: Aber laß ſie, du Liebe, mich dir noch Einmal bes kennen, Herr, bekennen vor deinem Antlitz, beweinen! der Gnade Stimme mich hoͤren, Vergebung aus deinem goͤtt⸗ lichen Munde, Deine Himmelsſtimme, daß du in das Leben mich aufnimmſt, Hoͤren, eh' ich von dir zu denen, die du verſöͤhnt 4 haſt, Geh', und in deinem Namen den Suͤndern Suͤn⸗ de vergebe! Und er ſahe mit vollem Vertraun, und inniger Demuth In des Liebenden Antlitz. Da ſprach der Geopferte Gottes: Siehe, das weißt du, ich habe fuͤr deine Seele gebetet,— Daß ihr Glaube nicht ganz ſie verließe. Mich hoͤrte mein Vater. Simon, ſteh auf! Es iſt dir deine Suͤnde verge⸗ ben! 358 Der Meſſias. XIV. G. V. 1413— 1419. Alſo ſprach der Geopferte mit ſo goͤttlicher . Stimme, Daß ſie ihr Mark und Gebein durchdrang, und die innerſte Seele! Aber ſie ſahen ihn nicht mehr. Da rief der begna⸗ 8 dete Petrus: Herr! wir folgen dir nach in Galilaͤg! Des Gra⸗ . bes Engel erſchien. Noch ſeht ihr den Herrn in Jeru⸗ ſalem wieder, Hoͤret von ihm, wenn ihr in Galilaͤa ihn ſehn ſollt. Und der Engel verſchwand mit langſamverloͤſchendem Schimmer. 4 Der Me ſſ i a 3. Funfzehnter Geſang. Inhalt des funfzehnten Geſangs. Erige der Auferſtandnen erſcheinen. Erſcheinungen ſehen: Nephthoa, einer der Knaben, die Jeſus unter das Volk ſtellte; Dilean; Tabitha, die Petrus auf⸗ erweckte; Eidli; Stephanus; Barnabas Joſes, der Levit aus Cypern; Portia; Beor, der Blindgebor⸗ ne, den Jeſus ſehend machte; Abraham, und Moſes wollen Saulo erſcheinen, Gabriel verbietet es ihnen; Samma, Joel, Elkanan, Simeons Bruder, und Boa zugleich; Maria, die Mutter Jeſu; Eidli, Jairus Tochter, und Semida, der Juͤngling von Nain. . 8 4 Funfzehnter Geſang. XV. G. V. 1— 9. K die meine Seele mir oft mit ſanfterer Wehmuth, Und mit ihrer großen Erwartungen Schauer erfuͤllte, Komm„ Betrachtung der kuͤnftigen Welt. Die 8 kuͤnftige Welt war Auf der Erde, da das geſchah, was jetzt mein Ge⸗ ſang iſt. Denn es erſchienen Todte der Chriſten erſten, zum Himmel Sie zu berufen, zu weihn die Bruͤder zum ewigen Leben.. Klein war nur die ſelige Schaar; doch aus dieſer Wurzel Wuchs, ein Ahrner verbreitet in allen Himmeln, ein Baum auf, Voll nie welkender Zweige: Die Hundert und vier⸗ zig tauſend, 362 Der Meſſias. XV. G. V. 10— 23. Alle Verſoͤhnte! das Heer ohne Zahl am kryſtalle⸗ nen Meere, Alle Verſoͤhnte! Die Schaar der Hundert und vier⸗ zig tauſend. Sangen, als ſie der Himmliſche ſah, der bis ans Gericht blieb Ueber das Schauthal, ſangen das neue Lied vor dem 3 Throne, Welches keiner zu lernen vermag. Sie waren Er⸗ 2 kaufte Von der Erde, nicht befleckt von der Liebe des Ei⸗ teln, Folger des Lamms, wohin es auch ging, die Erſt⸗ . linge Gottes, Und des Lamms, unſtraͤflich vor Gott in Worten und Thaten! Siehe, das Heer ohne Zahl, da der Zeuge des Herrn es erblickte, Rief, wie aus allen Geſchlechten es war, und Spra⸗ chen, und Voͤlkern An dem Throne verſammelt, in weißem Gewand', in den Haͤnden Palmen, es rief mit der Stimme des lauten Ju⸗ bels: Dem Herrſcher Auf dem Throne ſey Heil! Heil unſerem Gott, und dem Lamme! Und da fielen aufs Antlitz die Engel und Aelteſten nieder, Funfzehnter Geſang. 363 XV. G. V. 24— 37. und da rauſchte das Meer, da wehten der Stegen⸗ den Palmen. Denn gen Himmel hinauf, aus großer Truͤbſal gen Himmel Sind ſie gekommen, ſie haben gewaſchen ihre Ge— wande, Hell ſie gemacht in dem Blute des Lamms, die ſe⸗ ligen Dulder! Aber itzt war die kleinere Schaar, die Wurzel des Baumes, Noch nicht einmal berufen. Sie ſchliefen noch un⸗ ter den Huͤllen Ihres Geſetzes. Es ſollten zum erſtenmal ſie Er— ſtandne Weclen: Kephas dann in der Rede der Salbung von Chriſtus, Und zu deren Gemeine, die ſelig wurden, hinzu⸗ thun Sie dreitauſend auf Einmal! Noch ſchlummerten ſelbſt, die von ihnen Sollten Erſtlinge werden, verſtanden noch nichts von dem neuen Ewigen Liede der Wonne! Noch ſchliefen die an⸗ deren Sieger, Ohne Palmen, und helles Gewand durch Golgatha's Blutquell. Siehe, das Werk des Erſtandnen begann. Die ver⸗ klaͤrten Gerechten 364½. Der Meſſias. XV. G. V. 38— 51. Schwebeten Tabor hinab, zu erſcheinen den kuͤnfti⸗ gen Chriſten. Aber eh noch der Erſcheinungen Schaar nach Sas lem hinabſtieg, Sammelte ſie um ſich der Auferſtandnen, der Tod⸗ ten, Und der Sterblichen Vater, und ſprach: Nun ſind ſie gekommen, Freuet euch, Kinder, nun ſind des Heiles Stunden gekommen, Da wir gewuͤrdiget werden, die erſten Winke zu winken Nach dem ſchmalen Wege! den erſten Durſt zu ent⸗ zuͤnden Nach des Lebens Quell! Der Stifter der himmli⸗ ſchen Kindſchaft Hat es eurem Gefuͤhl, und Erforſchungen uͤberlaſ⸗ ſen, Auszuwaͤhlen, wie es euch duͤnkt. Ihr waͤhlet, die Kinder Werden, und Erben! ihr waͤhlt der Vorbereitungen Weiſe. Aber nicht nur, die ihr der hohen Erſcheinungen wuͤrdigt, Sind zu dem Heile berufen. Und wenn ihr berie⸗ fet, die Gott nicht Auch beruft: ſo wuͤrden die hohen Thronen euch warnen. Funfzehnter Gefang⸗ 365 XV. G. V. 52— 66. Eilt denn, genießt den Wonnegedanken, euch Bruͤ⸗ der zu waͤhlen Zu dem Erbe des Lichts! Ich ſeh, die werdet ihr waͤhlen, Welche in ihrer Finſterniß ſchon die Gnaden em⸗ pfingen, Daß ſie, wiewohl mit Straucheln, den himmliſchen Wandel begannen; Und ihr werdet ſie kennen, die dieſe Gnaden em⸗ pfingen. Tiefſinn war in des Knaben Seele geblieben, den Jeſus Unter die Hoͤrer geſtellt, und geſegnet hatte. Nephthoa, Nach der Quelle genannt an Ephrons Grenzengebirge, Liebete minder ſeitdem die Geſpielen, und Einſam⸗ keit war ihm Suͤßer, als alle Freuden der frohen Jahre geworden. Bluͤthe trug er, und Frucht, im beginnenden Lenze des Lebens Reif, wie Juͤnglinge, voll Verſtandes, und goͤttli⸗ cher Gnade. Sieben Jahr' entflohen ihm erſt, und er hatte das letzte Betend verlaͤngt, ein Jahr voll reicher Saaten, un⸗ kennbar Denen, die kleine Dinge, verwebt in das Eitle, nur dachten; 366 Der Meſſias. XV. G. V. 67— 81. Aber mit Segen von Gott zu der Ewigkeit Erndte geſegnet. Auch in dem achten ſaͤte Nephthoa der Erndte. Das hatt' er Mit dem ſtrahlenden Tage der Auferſtehung begonnen. Und er betete jetzt in der Abenddaͤmmrung, geſunken Auf ſein Knie in den Staub, in einem Winkel des Hauſes, Wo er froh der Verborgenheit war. So flehte der Knabe: Herr, du hoͤrſt mich gewiß, ob ich es gleich nicht erfahre, Daß du mich hoͤrſt. Stets komm' ich von neuem⸗ flehe von neuem, Daß du mich hoͤren moͤgeſt, o aller Kinder im Himmel Vater, und aller auf Erden! Vor deinem leuch⸗ tenden Throne Knien wir alle: wir Armen auf Erden, denen ihr Erbe Thraͤnen ſind, wir knien in dem Staube; die aus⸗ geweinet Haben, auf ſchimmernden Wolken; und jene, die niemals weinten, In den Strahlen der Sterne, die ungefallenen En⸗ 0. gfl.e ann Alle flehen von dir mehr Seligkeit; aber mit Ruhe 3 Funfzehnter Geſang. 367 XV. G. V. 32— 95. Flehen ſie jene dort oben. Denn ſie labt Fuͤlle der Freuden. Wir, wir flehen weinend dich an, um Erloͤſung vom Boͤſen, Ach Erloͤſung vom Elend! und Segen zum ewigen Leben. Unvollendet kann der nicht bleiben, den uͤber mich ausſprach Dein erhabner Prophet in jener ſeligſten Stunde Meines Lebens, als er in die große Verſammlung mich ſtellte. Wurd⸗ er vollendet, wenn er vergaͤngliche Dinge nur gaͤbe? Nur des Lebens Freuden, das ſchnell, wie die Blu⸗ ⁵ me, verbluͤhet! Maine du ſteigeſt hinauf in die Ewigkeit, himmli⸗ ſcher Segen Deſſen, den Gott nicht nur, die Kranken zu hei⸗ len, geſandt hat; Auch zu heilen die Suͤnder, hat ihn der Erbarmer geſendet.. Ach ich kenne noch nicht den Segen zum ewigen Leben, Weiß es noch nicht, wie mich, der einſt mich ſeg⸗ nete, leiten, Welchen Weg er zu gehn, mir gebieten wird. Aber ich will mich 368 Der Neſſias. XV. G. V. 96— 109. Doch auf Gott verlaſſen. Dein Wille geſcheh', und nicht meiner! Ach, noch iſt mir kein Tag in meiner Seele ge⸗ worden Jener großen Erkenntniß des Ewigen! Aber ich will mich. Dennoch verlaſſen auf dich! Herr, Herr, dein Wille geſchehe! Ließeſt du leuchten auf mich, Gott, deines Antlitzes Freuden; O ſon truͤg' ich leichter die Laſt des Irrens im Dun⸗ keln. Aber ich will mich dennoch auf dich, auf dich ver⸗ laſſen! Ach das kurze, das fliehende Leben, die Knoſpe, die aufbluͤht, Wegzuwelken! Wenn welkt, mit wenig Erde be⸗ worfen, Und verborgen zu werden, auch meins? Was treibt mich vor Unruh, Immer Erkenntniß, und Freude durch Gott zu ſu⸗ chen? Ich ſollte Still erwarten, bis ich mich niederſenkte, zu welken, Und verpflanzt ins Geſilde des Lichts, und der Ruhe zu werden. Hier iſt doch kein Erkenntniß, und keine Rettung ins Helle, Aus Funfzehnter Geſang. 369 XV. G. V. 110— 123. Aus der deckenden Nacht, die unſre Seelen umhuͤllet. Sind ſie nicht zahllos, die Dinge, die ich nicht kenne? Sie werden Noch unzaͤhlbarer ſeyn, wenn erſt mein Geiſt ſich erweitert, Und ins Hoͤhere ſchwingt, von reiferem Alter er⸗ hoben. Doch ſey ruhig mein Herz! Den Durſt nach ſeiner Erkenntniß Stillet gewiß, der dich hat mit dieſem Durſte ge⸗ ſchaffen. Wenn ich, vergoͤnnſt du es mir, der mich zu dem Ernſte geweckt hat, Und dem Blicke des Knaben nur ſanftes Laͤcheln ge⸗ 4 laſſen? Wenn ich zuruͤck zu meinen Geſpielen kehrte? mit ihnen Bluͤhte, wie Roſen? mit ihnen von leichten Din⸗ gen nur ſpraͤche? Nicht von der kuͤnftigen Welt, und jener großen Erkenntniß? Und ſo wartete, bis mit Weisheit von oben der Vater, Alles Lichts mich erleuchtete? Jeſus fand mich ja alſo, Da er mich in die Verſammlungen rief, und ſeg⸗ . nend mich aufnahm. Klopſt. Meſſias III. B. A g te Aufl⸗ 370 Der Meſſias. XV. G. V. 124— 137. Alſo betet Nephthoa. Sein Engel, der ne⸗ ben ihm ſchwebte, Hoͤret' ihn beten, und ſchrieb mit unausloͤſchlichen Zuͤgen Flammenſchrift in ſein Buch, ein Buch des Lebens, das alles, Was mit Gnade vernahm der große Hoͤrer des Him⸗ mels 3 In des Knaben Gebet. Indem die ſchimmernde 3 Schrift flog Mit der Hand des Unſterblichen, kam Benoni, und nahte Sich dem Beter, und ihm. E. Willſt du ihm er⸗ ſcheinen, Benoni? Rief mit Entzuͤckung der Engel, und reicht' ihm das wehende Buch hin. Und der Erſtandene las. Der immerunſterbliche haͤlt ſich In der Freude nicht mehr, und umarmt den himm⸗ liſchen Juͤngling. E. Ach Erhoͤrung, Erhoͤrung, von Gottes Throne geſendet, Rief der freudige Seraph, du biſt ſchon heute ge⸗ kommen! Und Benoni nahete mehr. Noch kniete Neph⸗ thoa, Und begann von neuem zu beten: Mit herzlicher Freude, Funfzehnter Geſang. 371 XV. G. V. 133— 151. Innigem ewigen Dank ſeyſt du, o Vater, geprieſen, Welcher der Gnaden ſo viele mir gab. Wie haſt du mit Huld mich Ueberſchuͤttet! Du wareſt es, haſt mir des großen Propheten Segen, du Vater der Ewigkeit, zugeſendet, du Va⸗ ter Aller Kinder im Himmel, und aller Kinder auf Erden! Wer beginnet, und wer vollendet genug dich zu preiſen, Herr der Herrlichkeit, dem ich dieß Auge voll Thraͤ⸗ nen erhebe? In der Singiinde Munde ſo gar haſt du dir be⸗ reitet, Hocherhabner, dein goͤttliches Lob. Auch ich will es ſtammeln; Denn du haſt dir auch Lob in der Kinder Munde bereitet. Erſt wollt' ihm Benoni, wie einer der Pilgerkna⸗ ben, Die zu dem Feſte wallten, erſcheinen. Doch als er des Preißes Freudenthraͤnen ſah, vermocht' er ſich ſo nicht zu halten, Und er erſchien Naphthoa in ſeiner Herrlichkeit. Strahlend 18 Aa 2 372 Der Meſſias. XV. G. V. 152— 165. Stand er vor ihm, gekleidet in Morgenwolken des Fruͤhlings. Aber Nephthoa erſchrack nicht. So war die Seele des Knaben An die Bilder gewoͤhnet, die von dem Himmel ihm kamen, Oft in Traͤumen, und oft in faſt pachenden Schlummer. Und er locket das Haar des himmliſchen Fünglings, und redet Mit ſchnellfliegenden Worten. Dich hat der Pros phet mir geſendet! Salems Juͤngling, wo ſchwebeſt du her? dich hat mir geſendet Jeſus! Du biſt ein Bothe des Heils, des Frie⸗ dens, der Wonne! Rede, ſing's in die ſchimmernde Harfe, worauf du dich lehneſt, Sage, wo ſchwebeſt du her? Erzaͤhl' erzaͤhle von Gott mir, Sohn des Lichts! erzaͤhle von meinen Todten mir, Erbe Ihrer Freuden; von meiner entſchlummerten Schwe⸗ ſter voll Unſchuld, Die mir bei Roſen entſchlief, in der Morgendaͤmm⸗ rung Duften, Eine Bluͤthe ſie ſelbſt, da ſie nun lange ſchon todt war. Funfzehnter Geſang. 373 XV. G. V. 166— 179. Beingſt du mir keinen himmliſchen Gruß von Dim⸗ na Kedemoth? Oder wie ſonſt in dem Himmel ihr neuer Name genannt wird; Und was ſagte ſie dir? Vielleicht: Der Herr ſey geprieſen, Daß ich todt bin, und daß auch mein Nephthoa wird ſterben? Nimm mich mit dir zu Demna Kedemoth. Ver⸗ eih, du Bewohner Jener Huͤtten, daß ich es wagte ſo lange zu re⸗ den. Ach, du ſchweigeſt mir, Bothe von Gott! Itt redte Benoni. Daß ich, Nephthoa, dich ſeh', und deiner Freuden Entzuͤckung, Hat mich ſchweigen gemacht. Der Herr hat dir mich geſendet. Jeſus war todt, das wußteſt du nicht! und iſt ſchon 4 erſtanden Aus dem Grabe. Bald wird er hinauf zu der Herr⸗ lichkeit gehen! Seine Geliebten werden alsdann in Jeruſalem zeu⸗ gen, Von dem Tod', und der Auferſtehung, und von der Erhebung Jeſus Chriſtus! Die hoͤre! Sie werden von Gott dir erzaͤhlen, 374 Der Neſſias. XV. G. V. 180— 193. Was, als einem Sterblichen, dir zu wiſſen ver⸗ 1 goͤnnt iſt. Deine Schweſter empfangt dich dereinſt in der Le⸗ bensbaͤume Duftendem Schatten! Doch jetzo muß ich Neph⸗ thoa verlaſſen. N. Ach noch nicht, du Himmliſcher! bleib noch, du Fremdling aus Salem! Wende noch nicht von dem Sterblichen weg dein ſchimmerndes Auge, Dieſe morgenroͤthliche Wange, dieß Laͤcheln der Wonne. Aber Benoni verſchwand. Nephthoa blieb in Ent⸗ zuͤckung Stehn, und mit ausgebreiteten Armen, das Bild zu umfaſſen Seines himmliſchen Freundes, das zwar von dem Schimmer entkleidet, Aber vor ihm, ſo dacht' er, noch ſtand. Auch dieſes verſchwand ihm, Und ihm ſanken die Arme nieder. Da faltet er be⸗ tend Seine Haͤnd', und blickte gen Himmel, und laͤchelte weinend,. Nicht ſo einſam, wie es ihm dauchte. Noch hatt' ihn ſein Engel Nicht verlaſſen, noch nicht der Unſichtbare Be⸗ noni. Funfzehnter Geſang. 375 ¹ XV. G. V. 194— 207. Und ſie hoͤrten den Knaben den Namen des gnaͤdi⸗ gen preißen, Ihn aus inniger Seele den Allbarmherzigen danken, Der die Erſcheinung ihm gab, und die Hoffnung der großen Erkenntniß. Dilean war der einzige Freund, den er hatte, 5 geſtorben, Und die Geliebte dazug Er kannte Gottes Propheten, War mit brennendem Durſte, gewiß zu werden, in Salem Lang geirrt, und hatte geforſcht: Ob Jeſus erwacht ſey? Oder noch todt? Die Nacht hing uͤber ſein Haupt, die Stroͤme Gingen ihm bis an die Seele. Beruhigung ſucht er, und fand ſie Auch nicht auf den Gefilden voll Fruͤhling. Er kehrte verſpaͤtet Zwiſchen den Graͤbern am Oelberg' um. Verirren⸗ des Dunkel War ſein Fuͤhrer. Er ging in den tiefen Kruͤm⸗ men, und ſuchte. Iſt das Kidrons Geraͤuſch? und jenes Wehen, der 4 Palmen In Gethſemane? Nein, das iſt ein Brauſen in Kluͤften. 376 Der Meſſias. XV. G. V. 208— 221. Sind das Menſchenſtimmen? Indem erblicket' er Schimmer, Der beinahe verloſch, geweht von dem Winde. Dem folgt' er. Und er kam an ein Todtengewoͤlb;, aus welchem ſie Leichen Trugen. Ein Reicher kaufte von einem Armen die Felskluft. Und ſie trugen ein ganzes Geſchlecht, des Duͤrfti⸗ gen Paͤter, Aus dem Gewoͤlbe. Dilean blieb an der Oeffnung des Grabmahls. Jene gingen mit aͤchzendem Schritt' heraus, mit — verdroßnem Langſam wieder hinein, daß bewundnes Gebein ſie braͤchten. D. Gluͤckliche ſinds, die ihr tragt! Gebt mir von den Todtenfackeln Eine, damit dort hinten ich ſie bei den Leichen euch halte. Und ſie gaben ihm eine, da ging er ins tiefere Grabhmahl. Und er hielt die Flamme, gelehnt an den Felſen, und dachte: Glaͤckliche, glüͤckliche Todte! Die ſeyd ihr auch, ihr Geliebten, Die mich verließen. Wenn nun auch eure Leichen⸗ gewande —ᷣ—ᷣ’ꝛꝛõ— — Funfzehnter Geſang. 377 XV. G. V 222— 235. Einſt veralten, wie dieſer, ſo bin ich, wie ihr auch gluͤcklich! Aber jetzt.. Euch hab' ich verlaßner verloren, ihr lieben, Meine Seligkeit hier! und, meine Seligkeit kuͤnf⸗ tig, Gottes Propheten, verlor ich auch! Iſt eine nun kuͤnftig, Da er Tyrannen erlag? Sorgt Gott, ſie ewig zu „ machen, Ach fuͤr die, bei denen erliegt der Beſte dem Schlimmſten? 3 Bin ich ewig? oder verſtaͤub' ich? Erſtand er? verwest er? Dieſe ſind die bebenden Fragen, die keiner mir auf⸗ loͤst, Auch, ihr Stummen da, nicht! Ihr muͤßt es koͤn⸗ nen, wofern es Irgend ein Endlicher kann. Nicht dieſe Gebeine vermoͤchtens; Aber der Geiſt! Wo ſeyd ihr, ihr abgeſchiednen Genoſſen Dieſer Leichen? Iſt euch des Lichtes Wohnung der Freude Wohnung zugleich, wenn Einer auch nur von eu⸗ rem Geſchlechte Sich mit dieſen Zweifeln die Seele martert? Er dacht' es; 378 Der Meſſias. XV. G. V. 236— 249. Und nun war von Gebeinen das Grab, und von Todtengraͤbern Leer! Kaum merkt' er es. Endlich weckt' ihn die tiefe Stille. Siehe, nun bin ich allein! Ihr abgeſchiednen Genoſſen Eurer Leichen, wo ſeyd ihr? Eliſa Gebein erweckte Einen Todten. So war ja bei dem Gebeine die Seele! Denn der Staub erweckte doch nicht! Wenn auch Eing nur hier iſt: Komm, du Eine, damit ich lerne, was kuͤnftig mein Loos ſey! Komm, ich will mich vor dir nicht entſetzen, Seele des Todten. Auf, ich beſchwoͤre dich, Seele, bei deinem letzten Erſeufzen, Als mit dem Tode du rangſt! bei deiner Hoffnung, unſterblich, Oder bei deiner erſchuͤtternden Angſt, vernichtet zu werden, Als mit dem Tode du rangſt! So rief er, und ſah in das Grabmahl. Thirza war ſchon um ihn, der ſieben Maͤrty⸗ rer Mutter, Mit den Seelen des Freundes, und der Geliebten geweſen. Funfzehnter Geſang. 379 XV. G. V. 250— 263. Dieſe hatten ihn ſchon durch der Graͤber Thale be⸗ gleitet Bis zu dem Felſen, in welchem er war. Darf ich ihm erſcheinen? Sprach die treue Geliebte. Allein wuͤrd' er ſich nicht entſetzen, Wenn er mich ſaͤh'? Ich will ihm erſcheinen! er⸗ wiederte Thirza. Ohne Hoffnung, zu ſehn, wonach er verlangte, be⸗ * muͤhet' Dilean ſich zu ſchlummern, und alſo ſich zu entla⸗ ſten Von den truͤben Gedanken, die ihn, wie Wolken, umgaben. Aber er ſucht' umſonſt die kurze Ruhe vom Elend. Wehmuth fuͤllete wieder ſein Herz. Euch hab' ich verloren, Meine Freunde! dich auch, mein Freund in weib⸗ licher Bildung! Ach ihr ließt mich zuruͤck. Nun bin ich allein auf der Erde! Bin.. Wer tritt da herein? wo biſt du, der ſich mir nahet? Und er ging der dunkeln Geſtalt entgegen. Auf Einmal Ward zur Unſterblichen Thirza aus einer Sterbli⸗ chen. Schauernd 380 Der Neſſias. XV. G. V. 264— 277. Stand er. So ſchnell iſt der Wink, ſo ſchnell er⸗ mannt' er ſich wieder, Ging, und betrachtete ſchweigend die Strahlenge⸗ ſtalt, und mit Eile Redt' er ſie an. Wirſt du meinen Dank, Erſchei⸗ nung, verſtehen? Oder biſt du ein Dunſt der Nacht, den Flammen beſeelen? Oder ein Bild in meinem Gehien? Ihm laͤchelte Thirza Sanft mit der Himmelsgeberde, mit ſo viel Seel' 4 in dem Auge, Daß er den flammenden Dunſt vergaß, und das Bild im Gehirne. Laut, mit Schnelligkeit rief er: Erſcheinung, Er⸗ ſcheinung, wer biſt du? Und melodiſch erſcholls in dem wiederhallenden Fel⸗ ſen: Wer ich ſey, vernimmſt du hernach; jetzt lerne, Begluͤckter! Halt dich nicht vollkommner, als andere, weil du die Gnade Dieſer Erſcheinung empfahſt. Nicht unvollkomm⸗ 3 ner, als andre War der Blinde von ſeiner Geburt, dem Jeſus den Tag gab. Daß er ein Zeuge wuͤrde der Herrlichkeit Jeſus, bedeckt' ihn Funfzehnter Geſang. 3381 XV. G. V. 278— 291. Blindheit lange! Daß du, wie er, zu zeugen ver⸗ moͤchteſt,— Sandte mich Jeſus zu dir, der Auferſtandne vom Tode. Nicht, weil du mir riefſt; dich zum Zeugen zu machen, erſchein' ich! Waͤre dir ohne den Ruf erſchienen! Dein Zweifeln verdiente Zwar Vergebung, allein Belohnungen nicht! Und Belohnung Waͤr' ich dir, Dilean; waͤreſt du nicht zum Zeugen erkohren. Was geſchehen ſoll, geſchieht; ihr zweifelt! oder ihr leugnet! Zweifelte gleich das ganze Geſchlecht der ſterblichen Suͤnder An der kuͤnftigen Welt: ſie wuͤrden dennoch erfahren, Daß geſchieht, was geſchehn ſoll! erfahren, daß uͤber den Graͤbern Leben wohnt; wie ſtaunend ſie auch die Erfahrung erfuͤhren. Jetzo ſcholls in der Kluft der Graͤber umhen mit Poſaunen⸗ Stimmen, und Stimmen der Donner, nur daß der leichenblaſſe, Freudige, ſelige nicht erblickte, wem der Poſaunen 382 Der Neſſias. XV. G. V. 292— 305. Hall, und wem die Donner entſtroͤmeten; ſcholl's ihm heruͤber Thronharmonie, hehr, furchtbar, und Wonne, und 4 ſeelenverwandelnd: Was geſchehen ſoll, geſchieht; ihr zweifelt! oder ihr leugnet! Zweifelte gleich das ganze Geſchlecht der ſterblichen Suͤnder An der kuͤnftigen Welt: ſie wuͤrden dennoch erfahren, Daß geſchieht, was geſchehn ſoll! erfahren, daß uͤber den Graͤbern Leben wohnt; wie ſtaunend ſie auch die Erfahrung erfuͤhren. Dilean wankte. Sie hatten geendet. Er ſtam⸗ melte: Nein, ich Unterwinde mich nicht noch mehr zu fragen! Ich beuge Mich im Staube vor dem, der euch von dem Thron 1 mir geſandt hat! Und er knieete nieder, und wandte ſich weg von Thirza: Doch da war die verſtummte Kluft; und er ſchloß 3 ſein Auge. Herr der Herrlichkeit, du, der erſtand, vergib mir mein Zweifeln! Meine Thraͤnen dazu! Du wuͤrdeſt, Goͤttlicher, — wiſſen, Funfzehnter Geſang. XV. G. B. 305— 319. Was ich bete, vernaͤhmens auch die nicht, die du mir ſandteſt! Herr der Herrlichkeit, laß das große Ziel mich er⸗ reichen, Das du durch dieſe Sendung mir zeigſt; ſo wall ich in Frieden, Wenn ich ſterbe, zu dir hinauf, und den Meinen im Himmell Weint ſo, und richtet ſich auf. Noch ſchwebte vor ihm die Erſcheinung. Alſo floß mit lieblichem Wehn der Unſterblichen Stimme: 383 Siehe, du unterwandeſt dich nicht, daß du fragteſt, ich aber Will antworten. Ich bin der ſieben Maͤrtyrer Mutter, Thirza. Bei dieſem Felſen ſchwebt die gluͤckliche Seele Deiner Geliebten, an dem des Freundes, die lie⸗ bend dein warten. Aber vernimm der Seligkeit mehr. Der Meſſias erſcheinet, Eh' er zum Thron ſich erhebt, in Galilaͤg den Schaaren Von fuͤnfhundert Bruͤdern auf Einmal. Da wirſt du ihn ſehen! Mit dem Worte verſchwand die erhabne Thirza. Ihm daucht' es, 384 Der Meſſias. XV. G. V. 320— 333. Als ob er dreier Unſterblicher Laut in der Ferne ver⸗ naͤhme. Und er kam der Sonne, die jetzt aufging, aus der Hoͤhle Freudeweinend entgegen. Noch blieb er dankend am Eingang, Daß du ihm Fuͤlle der Herrlichkeit gabſt, und des Himmels Vorſchmack, Ewiger Quell des ewigen Lichts, da er durſtet' im Elend, Daß du ihm halfeſt, da Menſchen nicht mehr ihm zu helfen vermochten! Nit nachahmender Hand ein Gemaͤhlde von Seide zu ſticken, Saß an einem tyriſchen Purpurteppich erfindend Tabitha. Fruͤh wegbluͤhende Mutter Benoni's, dein Grabmahl War ihr ernſter Geſchaͤft, als ſonſt vielfarbige Fa⸗ den Unter weiblicher Hand. Sie denkt bei dem Spiele der Nadel. Auf dem Grabe ruht die bleiche Rahel. Benoni Knieet bei ihr, und ſtoͤßt mit weggewendetem Auge Einen Dolch ihr ins Herz. Itzt eben rannen am Dolche Blutige ———— —— Funfzehnter Geſang. 385 XV. G. V. 334— 697. Blutige Tropfen herab, da vom Purpur Tabitha 3 aufſprang, Eilete, und die Ermattete lief zu empfangen, die ankam. In dem Gewande des Leichengefolgs, mit blaͤſſerer Wange, Trat die Unbekannte zu ihr. Doch die Leiden der Freundſchaft Hatten nicht jede Schoͤnheit der jugendlichen Debora Auszuloͤſchen vermocht. Gleich einem truͤberen Mor⸗ gen War ſie, doch einem Morgen des Fruͤhlings. Ich komme, ſo ſagte Sie zu Tabitha, hier von dem ſchweren Gange zu ruhen; Denn ich vermochte nicht weiter zu gehn. Ach mei⸗ ne Geliebte Nuht nun beſſer, als ich, die Geliebteſte meiner Geliebten. Bleib du bei deinem Geſchaͤft; laß mich nur ruhen, und weinen. Und ſie ſaß, und lehnte ſich ſanft auf eine Harfe, Der ein weinender Laut entklang, indem ſich De⸗ bora 3 Auf ſie lehnte. Umſonſt ward Tabitha dieſer Be⸗ truͤbten Klopſt. Meſſias III. B. B b Ate Aufl. 386 Der Meſſias. XV. G. B. 348— 361. Troͤſterin. Laß mich allein, und jene Wunde da bluten; Meine blute fuͤr ſich! Und Tabitha ging zu dem Schmerze, Der ſie nun weniger ruͤhrte, zuruͤck, und verſuchte zu ſticken. Aber jetzo ergriff die Unbekannte die Harfe, Und wie ein fernherweinender Bach, wenn vor dem Gewitter Todesſtille den Wald beherrſcht, erklangs in den Saiten Um die ſinkende Hand der grabverlangenden Freundin. Tabitha hoͤrete nur, und vergaß der leidenden Thräͤ⸗ nen,. Als ihr Geſang, der Saiten Seele, mit ihnen er⸗ toͤnte. Gott der Goͤtter, belohne du nun die vollen⸗ dete Todte. Doch ſind Leiden der Zeit der Herrlichkeit wuͤrdig, zu der du, Gott Belohner, erhebſt? Sie ſtarb in der Bluͤthe des Lebens! Aber was iſt die Blume, die ſank, von dem Stur⸗ me gebrochen, Gegen die Ceder Gottes, die oben auf Golgatha ſtuͤrzte! Funfzehnter Geſang. 387 XV. G. V. 362— 376. Die von dem Himmel herab des Allmaͤchtigen Wet⸗ ter zermalmte, Daß die Felſen umher, und die Graͤber der Todten erbebten! 3 Wie von dem Bilde geſchreckt, verſtummte Debora. Nur einzle, Starke Schuͤttrungen rauſchten noch durch die Ner⸗ ven der Harfe Weit herunter, bis endlich die hohe Seele der Saiten, Bis der Geſang von neuem begann. Das Leichen⸗ gefolge Deß, der auf Golgatha ſtarb, war ein kleiner wei⸗ nender Haufen Sterblicher; waren, verloſchen an Schimmer, Him⸗ melsbewohner! Und der Todtengeſang der unſichtbaren Begleiter Scholl, wie der Sterbenden Weinen am ſiebenar⸗ migen Strome, Als von der niedrigſten Huͤtte der Wuͤrger hinauf zu dem Thron ſtieg! Ach, Ein Schlag des Verderbers! dann Ein Seuf⸗ zer! der Tod dann! Hoͤrerin ihres Geſangs war nicht die Erde; die Sterne Waren Hoͤrer: Orion, und du, des Richtenden Wage! Die vernahmen ſie nur. Da ward ein Felſen ge⸗ waͤlzt, ſchloß 4 B b 2 388 Der Meſſias. XV. G. V. 377— 390. Dumpferſchuͤtternd ſein Grab! da ſtieg mit des ſin⸗ kenden Felſen Dumpfem Schall zu dem Himmel Staub! da ruhte der Todte. Schneller eiltet ihr fort, ihr Sterne Gottes. Der Todte Schlief nicht lang. Mit Herrlichkeit, Halleluja, erwacht' er! Halleluja, mit Herrlichkeit! Ihr waret nur Schritte, Du Orion, und du, des Richtenden Wage, geſtiegen, Als er erſtand! O feierts in allen Himmeln, ihr Zeugen, Daß er erſtand! Die hier auf dem einſamen Gra⸗ be blutet, War auch Zeugin, und Zeuge, der ihr den Dolch in das Herz ſtoͤßt. Waͤhneſt du, Sterbliche, daß der Schlaf der Ver⸗ weſenden ewig, Daß auf immer daure der Schlummer im Schooß der Erde? Tabitha ſah zur Prophetin hinauf, und ver⸗ ſtummte zu fragen. IJrr' und wundernd hielt ſie ſich an den Rahmen des Teppichs! Aufſtehn wollte ſie, wollt' hingehn zur Prophetin; vermocht's nicht! Funfzehnter Geſang. 389 XV. G. V. 391— 404. Und Debora ſtuͤtzete ſich auf die Harfe. So ſprach ſie: Lerne! Denn viel mußt du von der Aufer⸗ ſtehung der Todten Lernen! Du brauchſt viel Troſt des Todes! denn Tabitha, zweimal Iſt dir zu ſterben geſetzt. Der Erſtgeborne der Todten War, und iſt dereinſt der Entſchlafnen allmaͤchtiger Wecker. Nur mit leiſer Klage, daß du zu der Erde zuruͤckkehrſt, Und mit ſuͤßem Erwarten der zweiten Schoͤpfung aus Staube Mußt du dich niederlegen, und ſterben. Den ſchreckt nicht des Grabes Offene Nacht, nicht Erd' auf den Leichnam mit dumpfem Getoͤſe Niedergeworfen, nicht Stille verlaſſener einſamer Graͤber, Noch der Verweſung Bild, wer, wenn dieß alles ſein wartet, Weiß, daß Gott ihn dereinſt in ſeinen Himmel 1 hinaufruft, An dem Tage der großen Geburt in das Leben der Engel. Alſo ſagte Debora, und nahm die Harfe von neuem: 390 Der Meſſias. XV. G. V. 405— 418. Und ſanftlispelnder Laut, und unſterbliche Stimmen 1 entfloſſen Ihrer fliegenden Hand, und ihrem laͤchelnden Antlitz. Was empfand ich, als nun das neue Leben mich aufhub Aus der blumigen Gruft! mein Staub Unſterblich⸗ keit wurde! Aus der Cherubim Choͤren zu mir die Verklaͤrung herabſtieg! Wie erbebt' ich!(Sie bebte von neuem, und ward zu Schimmer.) Welcher Seligkeit Schauer durchſtroͤmte mein inner⸗ ſtes Leben! Welcher Glanz war mein Glanz! In welcher Herr⸗ lichkeit Lichte Wohnte mein ewiger Geiſt! Ich wandte mein Antlitz, und ſuchte Deſſen Thron, der von neuem mich ſchuf. Er war mir nicht ſichtbar; Leiſes Wehen nur, Saͤuſeln der Gegenwart Gottes, umgab mich. Ihre Himmelsſtimme verlor ſtets ſanfter dem Ohre Sich, dem Auge der Schimmer. Da blleb voll Buͤſſe der Freude Tabitha ſtehen; und nun ſchwieg auch der Harfe Nachlaut. Funfzehnter Geſang. 391 XV. G. V. 419— 432. Gedor von ſanftem Herzen, und gleich em⸗ pfindlich der Freude Und der Traurigkeit, aber auch feſtes Entſchluſſes, dem Geber, Ruhe gaͤb' er ihm, oder Schmerz, ſich zu unter⸗ werfen; Gedor lebte verborgen, und gluͤcklich mit der Ge⸗ faͤhrtin Dieſes Lebens nicht nur, auch jenes ewigen Le⸗ bens. Wie ſie ſich liebten, wußten nur ſie, und wenige Freunde. 4 Weggewandt von dem Leben am Staube, beſpra⸗ . chen ſie oft ſich Von der kuͤnftigen Welt, und von der naͤheren Trennung, Oder von fernen, auf der Reiſe zur Heimath im Himmel. Liebend wuͤnſchten ſie ſich, doch wagten ſie das nicht zu hoffen, Was ſo wenigen ward, mit einander hinuͤber zu wallen. Herr! ihn hattſt du erſehn, zu des dunkelen Tha⸗ les Eingang Sie zu geleiten. Sie lag zu ſterben. Das glaubt' er zu ſehen; Aber er wußte, daß du aus großen Gefahren er⸗ retten, 392 Der Meſſias. XV. G. V. 433— 446. Toͤdten koͤnnteſt in kleinen. Itzt kam, der eilende Tod kam Naͤher, und wurde gewiß. Sie richtet von Gedor gen Himmel Ernſt ihr Auge, dann wieder auf ihn von dem Himmel herunter, Wieder gen Himmel von ihm. So erhub ſie zwei⸗ mal ihr Auge. Niemals ſah er Blicke, wie die, es wurden ihm Blicke, Gleich den ihrigen, nie beſchrieben, voll feirlichen Ernſtes, Und der innigſten Wehmuth, und maͤchtiger Ueber⸗ zeugung Jenes ewigen Lebens. Ich ſterbe! verlaſſe dich! gehe Zu der namloſen Ruh! wars, was ſie redeten! wars nicht! Staͤrker wars, unausſprechlich! Hier mußt' er der Menſchheit erliegen; Oder ihn mußte mit maͤchtigem Arm der Helfer erheben! Und der Erbarmende thats. Der ſchwache Sterbli⸗ che fuͤhlte Sich der Erde gewaltig entriſſen, und nahe dem Einngang Zu der Herrlichkeit, welche ſich ſeiner Cidli ſchon aufthat. Funfzehnter Geſfang. 393 XV. G. V. 447— 460. Und er trat zu ihr hin mit mehr als Ruhe, mit Freude! Legt' auf ihre Stirne die Hand, und begann ſie zu ſegnen: Wandl' hinuͤber im Namen des Herrn, der . Abrahams Gott war, Iſaks, und Jakobs, im Namen des angebeteten Helfers! Ja ſein Wille geſcheh', es geſcheh ſein gnaͤdiger Wille! Und ſie ſprach mit der Stimme der Zuverſicht, und der Freude: Ja, Er mach' es, wie Er es beſchloß! Gut wird Er es machen! Gedor hielt ihr die Hand: Wie ein Engel, haſt du . geduldet! Gott iſt mit dir geweſen! Mit dir wird Gott ſeyn! Geweſen Iſt mit dir der Allbarmherzige! Dank ſey, und Preis ſey Seinem herrlichen Namen! Er wird dir helfen! Ach waͤr' ich Elend genug, ihm nicht zu dienen; ſo dient' ich ihm heute. Sey mein Engel; laͤßt Gott es dir zu! Du wa⸗ 1 3 reſt der meine! Sagte Cidli. Sey nun, du Himmelserbin, mein Engel; 394„ Der Meſſias. XV. G. V. 461— 474. Laͤßt der Herr dir es zu. Und liebend erwiederte Cidli: Gedor, wer wollt' es nicht ſeyn? Voll Mitleid mit freudigem Tiefſinn, Schwebete Rahel um ſie, die Geliebte des Pilgers aus Kanan. Und die Mutter des Sohns der Schmerzen. Sie war dir, ECidli, Noch unſichtbar: allein da dein Haupt zu dem Tode dahinſank, Sah dein laͤchelndbrechender Blick die Unſterbliche ſtehen; Und du machteſt dich auf, zu deiner Geſpielin zu kommen. Doch mir ſinket die Hand, die Geſchichte der Wehmuth zu enden! Spaͤte Thraͤne, die heute noch floß, zerrinn mit den andern Tauſenden, welch' ich weinte. Du aber, Geſang von dem Mittler, Bleib, und ſtroͤme bie Kluͤfte vorbei, wo ſich viele verlieren, Sieger der Zeiten, Geſang, unſterblich durch deinen 1 Inhalt, Eile vorbei, und zeuch in deinem fliegenden Strome Dieſen Kranz, den ich dort an dem Grabmahl ven der Cypreſſe Funfzehnter Geſang. 395 XV. G. V. 475— 488. Thraͤnend wand, in die hellen Gefilde der kuͤnfti⸗ gen Zeit fort. Unter Moria's Schatten erhub ein ſchallendes Haus ſich Ueber die andern empor, einſt fuͤrchterlicher zu ſtuͤr⸗ zen, Jenen verkuͤndeten Tag der großen Adlerverſammlung! Auf den ſtilleren Soͤller war der reichen Bewohner Einziger Sohn geſtiegen. Er war in der Blume des Lebens, Aber ein Juͤngling voll Ernſt, die Freude ſeiner Geſpielen, Und der Mutter Entzuͤckung! Der Mond enthuͤllt vom Gewoͤlke, Ging jetzt uͤber der hohen Jeruſalem, und dem Mo⸗ ria Ruhig einher, und ſchimmerte ſanfte Gedanken her⸗ unter Denen, die noch im Schlafe, dem taͤglichen Tode, nicht lagen, 3 Dir vor allen, o Stephanus, Juͤngling voll Tief⸗ ſinn. Er wallte Leiſ' in den Labyrinthen umher, die des Sehers Ge⸗ ſchichte, Welchen Bethlem gebar, um ſeine Seele, je mehr ſie 396 Der Meſſias. XV. G. V. 489— 502. Forſchte, je groͤßer, und unausgaͤnglicher her⸗ zog. Lockicht lag ſein dunkleres Haar auf dem leichten Gewande, Das ihn umfloß, und auf der gedankenſtuͤtzenden Rechte Als er ſo nachſann, trat ein Juͤngling herauf: Sie haben Mir die Quelle geſchoͤpft, mich geſalbt,(Arabiens Stauden Duftet' er) haben mich ſchon durch leichte Speiſen erfriſchet. Keiner Erquickungen mehr, nur dieſes heiteren Abends, Dieſer Ruhe bedarf ich noch. St. Sey mir, o Pilger, geſegnet! Unſerer Huͤtte Friede ſey dein! P. Geliebterer Ael⸗ tern Einziger Sohn, ich bin von dem Meer heruͤber ge⸗ kommen, Habe vieles erlitten. St. Eh du mir, redlicher Fremdling, Was du litteſt, erzaͤhleſt, muß ich dich fragen: Vernahmſt du Schon von Jeruſalems großem Propheten die ernſte Geſchichte? Ihm antwortet Jedidoth mit ſchneller gefluͤgelter Stimme: — 2 Funfzehnter Geſang. 397 XV. G. V. 503— 516. Ach von dem heiligen Mann, der geſtorben iſt we⸗ gen der Wahrheit, Wegen der hoͤheren Wahrheit, die Er, nicht Mo⸗ ſes, uns lehrte? Der,(Es verbreitet eilender ſtets in Salem der Nuf ſich!) Der von den Todten erſtand, noch maͤchtiger ſie zu beweiſen? St. Fremdling, Staunen befaͤllt mich bei deiner Rede. Der Wahrheit Maͤrtyrer waͤr' er geſtorben? Das ſagſt du, und kommſt doch von fern her, Kommſt, ein Waller des Meers. Wurd' euch denn, was er uns lehrte, Auf den Inſeln erzaͤhlt? J. Wo, was er lehrt', uns erzaͤhlt ward, Sag' ich hernach; jetzt laß mich dich auch, o Ste⸗ phanus fragen: Wenn du nun wuͤßteſt, daß er, nicht nur ein Zeu⸗ ge der Wahrheit, Daß er, ein groͤßerer noch, ein Verſoͤhner der Men⸗ ſchen, geſtorben, Und von dem Tod' erweckt ſey; o wuͤrde dein bluͤ⸗ hendes Leben Dann zu theuer dir ſeyn, die große Wahrheit zu zeugen? Wuͤrdeſt du, bis an den Tod, wenn unſere grauen⸗ den Haͤupter 398 Der Meſſias. XV. G. V. 517— 530. Durch die leiſe Hand der Natur zu dem Grabe ſich neigen, Wuͤrdeſt du dieß dein Leben, ſo lang, o Stepha⸗ nus, lieben? Oder es fruͤher geben fuͤr den, der das ſeine zuerſt gab? St. Was ich thaͤte, weiß Gott! was ich aus in⸗ nigſter Seele, Und mit jedem entflammten Verlangen wuͤnſche, das weiß ich! J. Und was wuͤnſcheſt du denn, du edler Juͤng⸗ ling? St. O nenne Mich nicht edel, den ſchwachen und fuͤndigen Juͤng⸗ 4 ling, du Pilger, Der ſo erhabene Dinge mich fragt: Wie ich den Erretter Lieben wolle? wie ich entſchloſſen ſey zu begin⸗ nen Jenes ewige Leben? Ach der mein Herz mir er⸗ ſchuͤttert, Meine Seele beſeelt, du Wunſch voll ſuͤßer Ent⸗ zuͤckung, Wuͤrdeſt du mir gewaͤhrt; ſo ſtroͤmte von Jeſus zu zeugen, Dieß mein jugendlich Blut aus allen Quellen des Lebens! J. Nicht dich mehr zu entflammen, ach dich zu be⸗ lohnen, du lieber, Funfzehnter Geſang. 399 XV. G. V. 531— 544¼. Kuͤnftiger Maͤrtyrer, hoͤre des ſiebenten Juͤnglings Geſchichte. Ihn, ihn lockt' Epiphan, mit jedes Gluͤckes Ver⸗ heißung, Mit den Groͤßen der Welt, umſonſt! Er ſandte vergebens Seine Mutter, die Heldin, zu ihm. Die ſprach zu dem Sohne: Ach! du lieber, du juͤngſter, du einziger uͤbriger, den ich Unter meinem Herzen getragen, geſaäugt drei Jahre, Muͤtterlichmuͤhſam erzogen, mein Sohn, erbarme dich meiner! Und o ſchau zu dem Himmel empor, herab auf die Erde, Alles dieß hat der Herr, er hat den Menſchen ge⸗ ſchaffen! Darum erbarme dich meiner, und ſtirb! Entſchloſ⸗ ſen zum Tode, Rief er, als ſeine Mutter noch ſprach: Was har⸗ ret ihr, Wuͤther? Und, Epiphan, du entſetzlicher Mann! wirſt du dem Gerichte, Du dem Allmaͤchtigen denn entkommen? Das ewi⸗ ge Leben Haben meine Bruͤder nun ſchon, die nicht lang', und wenig 4⁰⁰ Der Meſſias. . XV. G. V. 545— 558. Litten! Er ſtarb. Dem Erzaͤhlenden waren ſein Angeſicht Schimmer, Strahlen die Augen geworden! Und Stephanus zittert', und weinte. J. Werth ſind deine Thraͤnen mir, Juͤngling! Ich zaͤhlte ſie alle! St. Eines Suͤnders Thraͤnen? ſo rief der Juͤngling, und bebte. J. Eines Suͤnders, allein den Jeſus Opfer entſuͤndigt, Uund in das Allerheiligſte fuͤhrt. Jetzt blickt' auf die beiden Jeſus, der Auferſtandne, vom hohen Tabor horunter, Sah den Sterblichen ſtehn in des Mondes Schim⸗ mer, im eignen Dich, Unſterblicher. Schnell, da zu ſinken Stepha⸗ nus anfing, Und der Erſcheinung erlag, rief noch Jedidoth her⸗ uͤber: Ich war's, himmliſcher Bruder, der ſich der Mut⸗ ter erbarmte. Dort,(ſchon ſchwebt' er empor) dort lernt' ich, was Jeſus euch lehrte. Und er ſtieg zu dem Himmel hinauf, und ver⸗ ſchwand in den Wolken. Barnabas Joſes, ein Levi von Cyprus fer⸗ nem Geſtade, Ging Funfzehnter Geſang. 401 XV. G. V. 559— 572. Ging zu dem Jordan hinab, den Acker, den er dort hatte, Anzuſehn, wie weit den Keim der Fruͤhling getrie⸗ — ben; Welcher Fruchtbarkeit Hoffnung die ſchwellenden Saaten ihm gaͤben. Und er wallet' allein. Nicht lang, ſo kamen Sa⸗ phira, Und Ananias zu ihm, und wurden ſeine Gefaͤhrten. Auch ſie rief die keimende Saat in des Jordans Gefilde. Und ſie kamen zum Cedernbache. Die ſchoͤne Sa⸗ phira Setzet ihren verſuchenden Stab mit wankenden Haͤn⸗ den Oft an die glatten Kieſel, eh ſie hinuͤber zu gehn wagt. Und ſchon ruhet ſie aus auf einem Stein' an dem . Bache. Neben ihr ſaß Ananias auf einem andern, und Joſes Stand vor ihnen. Sie ſaßen an ihren kuͤnftigen Graͤbern. Ach, ihr wußtet es nicht, daß bald nun auf dieſen Steinen Eurer Leichname Traͤger, erſchrockene Juͤnglinge, uhen, Klopſt. Meſſias III. B, Cc late Aufl. 4⁰² Der Meſſias. XV. G. V. 573— 586. Weggehn wuͤrden, ohn' euch zu der Auferſtehung zu ſegnen. Aber er wußt' es, der jetzt mit dem großen Taͤu⸗ . fer des Mittlers Schwebend neben euch trat, Eliſa. Er ſtand un⸗ geſehen Mit Johannes bei ihnen. O waͤr' in dem Wehen des Kidron Seine Stimme gekommen, und haͤtte die armen, auf Zukunft Deutend, gewarnt durch das Donnerwort des hohen Apoſtels: Menſchen wuͤrdet ihr nicht, Gott wuͤrdet ihr luͤgen! ſo waͤre Hier vielleicht ihr Grab nicht geweſen! Doch, Huͤlle vor Gottes Wegen, du haͤngeſt herab, und dich hebet einſt das Gericht nur. Ruhend brach Saphira von ihrem Grabe des Fruͤh⸗ lings Erſte Blumen, und gab ſie dem erndteſinnenden Manne. und ſie kamen hinab zu ihrer Saat. Ananias Sprach von der Fuͤlle der Aehren, und ihrer Frucht⸗ barkeit Werthe. Joſes freuete ſich der Erndter Freuden, wenn ih⸗ nen Funfzehnter Geſang. 4⁰³ XV. G. V. 587— 600. Endlich der Abend laͤchelt, und ſie in der Kuͤhlung ſich letzen; Wenn ſie, mit blauen Kraͤnzen, die unter dem wankenden Halme Wachſen, bekraͤnzt, in muthigem Reihn, beſchattet vom Oelbaum, Jauchzen, daß ſie die Laſt, und des Tages Hitze getragen! Und Johannes begann: Auf, laß uns ihnen er⸗ ſcheinen! Ihm antwortet Eliſa: Wem willſt du erſcheinen? der großen 3 Felder Beſitzer? oder des ſchmalen ſteinigen Ackers? J. Beiden. E. Und ich, antwortet' Eliſa, erſcheine nur Joſes, Dem im bergichten Acker die Saat der Kieſel er⸗ druͤcket. J. Wird Ananias ein Chriſt? das frag' ich dich, theurer Eliſa. E. Ja das wird erl J. Wohlan, laß uns dem Chriſten erſcheinen! Denkt er weniger gut; ſo bedarf er, geleitet zu werden, Mehr, als Joſes. E. Ich ſah: Er ward gewogen! und ſahe Seine Wagſchal fuͤrchterlich ſteigen. Wir wuͤrden 1 ihm haͤufen Ce 2 4⁰½ Der Meſſias. XV. G. V. 601— 614. Seine Gericht', und zu groͤßerem Zorne Gottes ihm werden, An dem Tage der ſchreibenden Hand, wenn wir — ihm erſchienen! J. Wuͤrden wir ihn nicht erretten? erwiederte leiſe Johannes. E. Komm denn, ſprach Eliſa, und laß uns dem Chriſten erſcheinen; Aber nicht, als Erſtandne des Herrn. Sie ſchweb⸗ ten nach Salem. Ananias, und Joſes, und ihre Begleiterin gingen Auch nach Salem zuruͤck. Da ſahen ſie nah an dem Tempel Einen Blinden, und Lahmen in ſtiller Traurigkeit ſitzen. Und die Armen redten ſie an, zwar voll von Weh⸗ muth, Aber nicht mit Ungeſtuͤm, mit Wuͤrd' in der Bitte. Sanft gab, Joſes, und ließ die Gabe die Linke nicht wiſſen; Mehr Ananias, und weniger doch. Das Mindere warf er Noch dazu mit Verdruß vor den Fuß der leidenden Armen Und ſie waren voruͤbergegangen. Du ſieheſt nun, ſagte Funfzehnter Geſang. 4⁰⁵ XV. G. V. 615— 628. Zu dem Lahmen der Blinde, daß er der Erſchei⸗ nung nicht werth iſt. Und der groͤßte derer, die Weiber gebaren, der groͤßte, Weil er der menſchlichſte war, als er Eliſa vernom⸗ men, Schwieg! Jetzt hatt' er vollendet des furchtbaren Schweigens Urtheil, Und er ſprach zu Eliſa: Du ſaheſt ihn waͤgen! was ſahſt du? E. Chriſten ſah ich verſammelt, und Kephas unter den Chriſten. Jeder der himmelnahen Verſammlung verkaufte ſein Erbe, Gab es zu Aller Gebrauch. Und ihrer einer war Joſes; Er verkaufte den Acker, den wir geſehen, und legte Zu der Apoſtel Fuͤßen das Silber. Auch kam Ana⸗ nias, Aber er brachte nicht alles. Da ſprach zu dem taͤu⸗ ſchenden Kephas: Warum erfuͤllete Satan dein Herz, Ananias, dem Geiſte Gottes zu luͤgen, und dir von des Ackers Silber zu nehmen? Dein war er, und du konnteſt ihn behalten; ge⸗ zahlt war 406 Der Meſſias. XV. G. V. 629— 642. Auch das Silber noch dein. Warum erkuͤhnte dein Herz ſich Dieſer That? Nicht Menſchen haſt du, Gott haſt du gelogen! Als Ananias von Petrus die Donnerworte vernommen, Stuͤrzet' er nieder, und ſtarb; und Schrecken be⸗ fiel, die es ſahen. Juͤnglinge nahmen ihn auf, und trugen ihn weg zum Begraͤbniß. Wenige Stunden, da kam das Weib Ananias, Saphira,. und ſie hatte von dem nicht gehoͤrt, ſo vor Kurzem geſchehn war. Petrus fragte ſie: Habt ihr das Feld ſo theuer ver⸗ kaufet? Ja ſo theuer! erwiederte ſie. Da ſprach zu ihr Ke⸗ phas: Warum verbandet ihr euch, den Geiſt des Herrn zu verſuchen? Siehe, ſchon ſind die Juͤnglinge, die Ananias be⸗ gruben, Vor der Thuͤr, und bereit, auch dich zu dem Grabe zu tragen. Sterbend ſank ſie vor Kephas nieder. Die Juͤng⸗ linge kamen, Fanden ſie todt, und trugen ſie weg, daß ſie ne⸗ ben dem Manne Funfzehnter Geſang. 4⁰7 XV. G. V 643— 656. Sie begruͤben. Entſetzen befiel die ganze Gemeine, Und wem ſonſt die Geſchichte der ernſten Gerechtig⸗ keit kund ward. Joſes hatte ſich jetzo von den Gefaͤhrten ge⸗ ſondert. und er eilte zuruͤck nach ſeinem Hauſe. Johannes Kam im Gehen zu ihm. Ih. Woher bringt, Jo⸗ ſes, dein Weg dich? J. Von den Saaten am Jordan. Ich habe dort Acker. Sie traten Mit den Worten ins Haus. Und an des kommen⸗ den Vaters Halſ' und Armen hingen die Kinder. J. Segne die Meinen! Sprach zu dem Fremdling der Vater, und bracht' ihm die freudigen Knaben. Dieſer wendete ſich zu den Knaben mit einer Ho⸗ heit, Die mit Bewundrung das Herz des ernſten Vaters erfuͤllte. Ih. Seyd auch Zeugen des Herrn, ihr Kinder Jo⸗ ſes! Dein Acker Wird von jetzt noch weniger Garben der Erndte dir geben! J. Wird mich der Herr denn verlaſſen? und dieſe Waiſen verlaſſen? 608 Der Meſſias. XV. G. V. 657— 670. Jh. Das iſt ferne von Gott, der mehr, wie das ſterbliche Leben Nur erhaͤlt. Er giebt, und nimmt von dem Irdi⸗ ſchen! nimmt nicht, Ewiger Theil, von dir. Der Taͤufer ſprachs, und ſein Anſehn Wurde ſtets erhabener. Joſes hatte noch Blicke Niemals, wie dieſe, geſehn, noch keine Stimme vernommen, Die mit dieſer Feierlichkeit von Gott ſprach. Schwei⸗ gend— Hoͤrt' er ihn reden. Und alſo begann von neuem Johannes: Der, du kannteſt ihn doch? zu deſſen Fuͤſſen Ma⸗ 3 ria, Lazarus Schweſter, den beſſeren Theil, die Ewig⸗ keit, waͤhlte! Der Jairus Tochter, im Tode ſchlief ſie! der Nains Todten Juͤngling, und dann der ewigkeitwaͤhlenden Schweſter Himmliſchen Bruder erweckte, der iſt nun ſelbſt von den Todten Auferſtanden! Sein Zeuge bin ich. Sein Zeuge ſollſt du nun Bald auch werden! Er ſprachs mit Hoheit, die zur Verklaͤrung Funfzehnter Geſang. 409 XV. G. V. 671— 684. Sich zu erheben begann. Schon bin ich Zeug' ihm geweſen, Als er hinab in den Strom, auf ihn vom Himmel der Geiſt ſtieg! Als von ihm in der Wolke ſcholl die Stimme des Vaters! Und er ſprach die Worte mit einem ſo himmliſchen Anſchaun, Daß ihm ein kurzer Uebergang zur Verklaͤrung nur fehlte. Eilend wendet' er ſich, und ging, und von dem gewandten Kamen Schimmer, die wurden blaͤſſer, entfernten ſich, ſchwammen Wie in Daͤmmrung dahin. Jetzt war die Erſchei⸗ nung verſchwunden. Vater, riefen die Knaben, es blitzte! Da ſank an den Stufen Daͤmmrung hinab! Wo aber iſt der, mit dem du hereinkamſt? Und der fuͤnfte nach dir, du Morgen der Auf⸗ erſtehung, Stieg, des ſchoͤnſten Tages Verkuͤndiger uͤber die Huͤgel Iuda's roͤthlich empor, und Portia wachte mit ihm auf, Mehr von Traͤumen, als Schlafe. Sie ging hin⸗ ab zu der Blumen 4¹⁰⁶ Der Meſſias. XV. G. V. 685— 698. Fruͤhen Geruͤchen; allein ſie dufteten ihr verge⸗ bens. Wieder ein Morgen erlebt, ein Tag der Er⸗ de! Doch truͤb' iſt's Immer mir in der Seele noch, immer noch Nacht, da erwachet, Geber des Lebens, kein Tag! noch immer traͤum' ich im Dunkeln, Lieg⸗, und ſchmachte, dich zu erkennen, und den zu erkennen, Den wir in ſeinem Grabe nicht finden. Ach wenn die letzte Meiner Sonnen nun kommt, wird es Nacht auch 1 dann noch in mir ſeyn? Tag erſt, wenn ſie hinab in die Oceane ſich ſenket? Oder gar noch truͤbere Nacht? Das Volk der Er⸗ waͤhlung Nennet den Weg zu dem Grabe, vor dem auch ſie ſich entſetzen, Einen Weg durch ein finſteres Thal. So tragen denn alle Ihre Laſten, die Gott erleuchtet, und die er ſich ſelbſt laͤßt? Aber laß mich nicht mir, und erleuchte mich! Schrecken des Todes Schrecken mich nicht, wenn du mit deinem Lichte mir leuchteſt. Funfzehnter Geſang. 4¹¹ XVv. G. V. 699— 712. Nun du Fels im Meer, in dem tiefen Meere der Zweifel, Du Gedanke: Der Wille geſcheh des erſten der Weſen! Sey auch jetzo, wie oft du ſchon warſt, mir geaͤng⸗ ſteten Zuflucht! Werde denn ſanft, zu verlangende Seele! Heitert mich, Duͤfte, unde üör Farben des Fruͤhlings, mich auf! Doch neben dem Grabe Deſſen, welcher vielleicht nicht unter den Todten mehr ſchlummert,f Laͤchelt der Fruͤhling ja auch. Was ſaͤum' ich, mich dort zu erfriſchen, Wo mir ein wenig Schimmer von fern der fragen⸗ den etwa„ Einer, der dort um ihn weinete, zeigt. So denkt ſie, und winket, Ihr von weitem zu folgen. Sie ging ſchon gegen das Grabmal Aus der thuͤrmenden Stadt. Sie ſahn zu dem Fel⸗ ſen heruͤber Rahel kommen, und Jemina, Hiobs des ausge⸗ pruͤften, Und des wiedergeſegneten Tochter. Die Seligen ſprachen Unter einander: J. Sie kommt, auf die wir war⸗ teten, Rahel, 412 Der Meſſias. XV. G. V. 713— 726. Die zu dem Himmel hinauf aus ihrer Nacht ar⸗ beitet! Laß ſie uns leiten. Dein fuͤhrender Engel, Portia, . ſah ſie Menſchen werden, wie wir, zwo Pilgerinnen des Feſtes. Griechinnen ſchienen ſie nun, und waren heruͤber gekommen 1 Von den Inſeln, der Toͤchter des Archipelagos Ei⸗ ner. Und ſie kamen einher, mit leichten Staͤben, und Purpur Flocht ihr ruhendes Haar. Sie gingen die Roͤme⸗ rin langſam, Und in Gedanken vertieft, voruͤber. Doch Portia wandte Sich nach ihnen herum, und ſprach: Verweilt, wenn ihr duͤrfet, Pilgerinnen. Ihr irrtet an dieſem Grabe mit Tief⸗ ſinn. Kanntet ihr, den es vor wenigen Tagen noch deckte? R. Wer biſt du, Die du uns frageſt? Du ſcheinſt mir der Iſraeli⸗ tinnen keine. Biſt du vom Kapitol, dem ſchrecklichſten Huͤgel der A ſieben, Eine der Herſcherinnen, ſo laß uns, und ſpotte nicht unſer, Funfzehnter Geſang. 4¹3 XV. G. V. 727— 740. Roͤmerin! P. Deſſen ſpotte der Hocherhabne des Himmels, Welcher ſich unterwindet zu ſpotten der redlichen Unſchuld! Kennet mich mehr! Zwar bin ich Pilatus Gattin, doch wuͤrd' ich Tief erniedrigt mich ſehn, wenn ich euer zu ſpot⸗ ten vermoͤchte. Seyd ihr nicht, anzubeten, vom fernen Meere ge⸗ kommen? Und ich ſollte, mit niedrigem Spott, die Froͤmmig⸗ keit lohnen? Redet mit mir, damit ihr mich kennet. Dieß Grab des Todten, Ueber eure Vermuthungen, iſt es mir theuer und heilig! Kam der Ruf auch zu euch: Er ſey erſtanden vom Tode, Den es deckte? J. Du denkſt von Jeſus, Jemina redte, Als wir keine von euch, die Goͤtter glauben, noch fanden! Und du verdieneſt von uns, daß wir mit der offen⸗ ſten Einfalt Zu dir reden, und ruhig erwarten, wie du es ur⸗ theilſt. Mehr noch kam, wie nur Ruf, zu uns, und mei⸗ ne Gefaͤhrtin 414 Der Meſſias. XV. G. V. 741— 754. Hier hat Eine der Frommen geſehn; der war er erſchienen⸗ P. Red', o gluͤckliche, welche die mehr noch gluͤck⸗ liche Fromme, Seine begnadete, ſah. Iſt ſie noch in dem Leben des Elends? Hat er ſie nicht hinuͤber ins beſſere Leben genom⸗ men? R. Mazdalena Maria, ſo heißt der begnadigten Name, Lebet noch hier. Sie ſucht' ihn im offenen Grabe vergebens, Irrt', und weint', und erblickte, wie es ihr dauchte, den Gaͤrtner; Denn die werdende Morgendaͤmmrung deckte die Baͤume. Aber, wie kann ich die freudigen Schrecken der frommen beſchreiben? Sieh, er wendete ſich, und nannte mit himmliſcher Stimme Sie bei ihrem Namen, mit ſeiner Stimme: Ma⸗ ria! Nieder ſank ſie zur Erde, Rabbuni! bebte ſie ihm 8 4 zu, Lag, und hielt mit Thraͤnen, und kuͤßte des Goͤtt⸗ lichen Fuͤße; Und er gab ihr Befehl. P. Hoͤr' auf, mir wer⸗ den der Freuden Funfzehnter Geſang. 415 XV. G. V. 755— 768. Sonſt auf einmal zu viel, und ich unterliege! J. Du ſieheſt, Rahel, ſie bebt', hoͤr' auf! P. Iſt der dein Na⸗ me, Geliebte? Rahel, ſo heißeſt du? Rahel, wie haſt du mein Elend gelindert! Ach erſchienen! genannt bei ihrem Namen Ma⸗ ria, Und mit himmliſcher Stimme, die auserwaͤhlte der Wonne! Wer empfindet ihr nach, wie ſelig er ſie gemacht hat! Bringt ſie mir her, damit ich zu ihr aus meinem Schmerze Mein ermuͤdetes Haupt' erheb', und ſie weinend be⸗ wundre, 3 Weinend! Denn von der Quelle der Ruh, die uͤber ſie ſtroͤmte, Wird kein Tropfen mich kuͤhlen! Zu Abrahams Volke gehoͤr' ich Heidniſche Roͤmerin nicht, viel minder zu jenen Ge⸗ liebten Unter den Toͤchtern Jeruſalems, denen der Sieger erſcheinet, Siehe, der große Sieger des Todes! Warum be⸗ lohnt ihn Kein Triumph? kein hoher Triumph, daß Jeruſa⸗ lem halle? 4¹6 n Der Meſſias. XV. G. V. 769— 782. Daß der Sion davon, und des Tempels Woͤlbun⸗ gen beben? Warum tragen ſie nicht vor ihm her die Bilder der Vaͤter? Ganz Judaͤa, auf goldenen Staͤben, Abrahams Bildniß, Daniels, Hiobs, und Moſes, und deins, der Juͤng⸗ linge kuͤhnſter, Der zu der Erde den Rieſen, von Iſraels Nacken . das Joch warf? Warum weint ihm nicht nach, wer lahm war, und gehet? wer taub war, Hoͤret? blind war, und ſieht? dem Wunderthaͤter, wer todt war, Und nun lebet? daß nie ein Triumph, wie dert ſeine, geſehn ſey! Keiner, der ſtolz die ſiegenden Huͤgel umzog, und den Lorber Niederlegt' in dem Kapitole, bei Jupiters Donner! Doch wo verlier' ich mich hin? Sein Reich, das hoͤrt' ich ja ſelber, Iſt nicht von dieſer Welt. Entſunken dem ſchwel⸗ lenden Wunſche Nach Triumphen, wie jene, die Blutvergießer be⸗ lohnten, Schwung ſie ſich auf in erhabnere Hoͤhn, und ſchwieg, voll Betrachtung Eines Funfzehnter Geſang. 4¹⁷ XVv. G. V. 783— 796. Eines Reichs der kuͤnftigen Welt. Da ſie Jemina ſahe, Wie ſie in dieſe Betrachtung verſank, mit des freu⸗ digen Ernſtes Heller Geberde; vergaß ſie beinah in ihrer Ent⸗ zuͤckung, Daß fie Sterbliche noch, bei einer Sterblichen 3* ſtuͤnde. Denn die Schoͤnheit der Abendroͤthe glaͤnzt' auf der Wang' ihr, Und ihr Laͤcheln im Blick. Allein da ſich Portia wandte, Und ſie zu ſehen begann, verließ der Schimmer ſie, wurde Schnell ſie zur Pilgerin wieder, und lehnte ſich ruhebeduͤrftig Auf den ſtuͤtzenden Stab. Doch ließ die Wonne, aus der ſie Hin in Muͤdigkeit ſank, in der hohen Portia Seele Ein Erſtaunen zuruͤck, daß ſie zu fragen ver⸗ ſtummte, Sanftes Erſtaunen, und Zittern, und ſchnelleres Athmen, und Tiefſinn; Und ſie ſchwieg noch immer. J. Wie freut' ich mich deiner Betrachtung Ueber das Reich der kuͤnftigen Welt, und daß dir Triumphe Klopſt. Meſſias III. B. D d qte Aufl, 418 Der Meſſias. XV. G. V. 797— 810. Dieſer Erde zu klein, fuͤr den Herrn der Herrlich⸗ keit, waren! Du, die traurig nicht mehr, nicht mehr ein Spiel der Verirrung Seyn, die ſich freuen ſollte, daß wir dir ſagen, der Todte Sey erſtanden! und dir vielleicht die Zeuginnen ſelber Sagen werden, ſie haͤtten den Herrn des Todes ge⸗ ſehen! Jemina ſprachs, und ſah ihr mit glaͤnzendem Laͤ⸗ cheln ins Antlitz. P. Mir? So athmete Portia ſanft, mit leiſerem Laute. J. Weichet, Zweifel, von ihr! Der Ewigkeiten Beherrſcher, Der von dem Anbeginne das Reich der Himmel beſeligt, Sey dein Gott! er, der dich geſchaffen hat, ſey dein Erbarmer! Denn du brachſt mir mein Herz, Jehovah ſey dein Erbarmer! Thraͤnen ſtuͤrzeten, daß ihr die Stimm' erſtarb, von ihr nieder, Als ihr auf die Stirne die Hand die Unſterbliche legte, Und ſie ſegnete. Portia ſprach, da die Stimm' ihr zuruͤckkam: Funfzehnter Geſang. 4¹9 XV. G. V. 811— 824. Leite mich, wer du auch biſt, der begnadeten Sterb⸗ lichen Eine, Oder Eine der Himmliſchen, die den Menſchen er⸗ ſcheinen, Leite, was ſoll ich thun? o fuͤhre du mich zu Gott 1 hin! R. Hoͤrteſt du, Portia, ſchon, daß Todte mit Je⸗ ſus erſtanden? Fragte mit ruhiger Stimme ſie Rahel, mit ſchnel⸗ ler die Heidin: Ach was ſageſt du mir? Erſtanden Todte mit Jeſus? R. Ja, der Ruf beginnt zu erſchallen, es haͤtten mit Jeſus Todte das Grab verlaſſen, und die erſchienen den Frommen, Die den Goͤttlichen liebten. O laſſet mich mei⸗ nem Erſtaunen Mich entreißen, und mich beſinnen! Zu viel der Entzuͤckung Schwindelt um mich! Erſtanden iſt er? erſtanden noch Todte? Er erſcheinet, und ſie? O Tag des Lebens, an dem ich Dieſe Wunder Gottes erfahre! R. Wir wollen dich leiten, Portia. Suche ſie nicht, die Chriſtus ſehen; du findeſt Dd 2 42²⁰ Der Meſſias. XV. G. V. 825— 838. Doch ſie nicht auf. Er wird, wen er dir ſenden will, ſenden, Daß ſie dir zeugen von ihm! In Galilaͤn erſcheint er, Außer der Zeugen erſten, noch andern; in Salem nur ihnen. Dieſe geheiligten Erſtlinge werden umher auf der Erde, Was er that, und lehrte, verkuͤndigen, werden ihr Zeugniß Freudig mit ihrem Blute beſtaͤtigen, dann der Treue Ewigen Lohn empfahn an dem Throne des großen Belohners! Eile nach GalilaͤJ. Wenn du ihn ſelber nicht ſie⸗ heſt, Wird er dir doch von denen, die er begnadete, ſen⸗ den! Und nun muͤſſen wir dich(ſie laͤchelten Liebe) ver⸗ laſſen. P. Ich beſchwoͤr' euch bei Gott, der auch mich be⸗ gnadete, bleibt noch, Ach verlaßt mich noch nicht, und ſagt, o ſaget: Wer ſeyd ihr? Zwar ein Gefuͤhl, wie keins mir noch ward, erfuͤllt mich mit Ahndung, Hebt mich empor, und umgiebt mich mit ſuͤßer Vermuthungen Schimmer, Funfzehnter Geſang. 42¹ XV. G. V. 339— 851. Daß ihr Unſterbliche ſeyd! allein ach ſagt es mir ſelber, Daß ihr es ſeyd, damit auch nicht ein Woͤlkchen mir bleibe, Welches den werdenden Tag in meiner Seele verdunkle. Gott belohn' euch dafuͤr, mit ſeines Himmels Ge⸗ wißheit! Und ſie blickten vor Freude ſich an, und blieben. Wir wollen Beten dich lehren! und knieten mit ihr an das Grab des Erſtandnen. Vater unſer im Himmel, dein Name werde geheiligt. Zu uns komme dein Reich! In dem Himmel ge⸗ ſchehe dein Wille, Und auf der Erde! Verleih uns unſere taͤgliche Nahrung. Wie dem Schuldiger wir vergeben, vergieb uns die Schulden! Fuͤhr' uns nicht in Verſuchungen, ſondern erloͤß' uns vom Boͤſen! Denn das Reich iſt dein, und die Macht, und die Herrlichkeit! Amen. Als ſie endeten, und: Dein iſt die Herrlich⸗ keit! riefen, 4 22 Der Meſſias. XV. G. V. 852— 865. Und zu dem Himmel erhuben die ausgebreiteten Arme, Huͤllten ſie ſchnell in Schimmer ſich, und entſchweb⸗ ten dem Grabmahl Leicht in den Schatten der Baͤume dahin. Sie ſa⸗ hen mit Laͤcheln Oft ſich noch um nach Portia, wonnevoll uͤber der Heidin Sprachloſen Freude. Sie blieb in dem Staube knieen, und ſtreckte, Unvermoͤgend ſich aufzurichten, nach ihnen die Arm' aus. Jemina war, und zuletzt auch Rahel verſchwunden. Vom Auge Portia's rann die Freude nun uͤber die roͤthere Wange, Und ſie erhob ſich, leicht wie ein Laub, das Ath⸗ men der Luft hebt. Vater, das Reich iſt dein, und die Macht, und die Herrlichkeit! Amen. Alſo eilte ſie betend hinab zu Jeruſalems Thoren. Eine der ſchwermuthsvolleren und zu empfind⸗ lichen Seelen, Die, des Guten, das ſie empfingen, ſchnelle Vergeſſer, Und Vergrößerer, oder auch gar Erſchaffer des 1 Elends, Funfzehnter Geſang. 423 XV. G. V. 866— 879. Dieß nur denken, in dieß mit gruͤbelndem Ernſt ſich vertiefen, Beor hatte ſich von den Menſchen geſondert, und lebte In der Einſamkeit. Wie der Frohgeſchaͤftige gerne Mit dem kommenden Tag' aufwacht', ſo ſcheucht' er den Schlummer Gern um Mitternacht. An der Huͤtte fernem Ein⸗ gang Naͤhrt' er ein wenig Schimmer, wie Todtenlampen in Graͤbern. Jetzo hatt' er gegeſſen ſein Brodt, ſein Waſſer ge⸗ trunken, Sich zu dem Gruͤbeln geſtaͤrkt! So ſinke dahin denn wieder, Wo du ſo oft ſchon wareſt, hinab, zerruͤttete Seele! Muß nicht Elend ſeyn? und muͤſſens nicht einige 5 tragen? Ja, es muß, weil es iſt! und muͤßtens die Him⸗ mel nicht tragen; Laͤg's nicht auf uns? Denn da muß es ſeyn; ſonſt waͤr's nicht geworden! Aber warum? So oft ich frag', antwortet mir keiner, Nicht im Himmel, und nicht auf der Erde; und ſo verſchwindet 424 Der Meſſias. XV. G. V. 380— 893. Mir der Troſt, daß es ſeyn muß! Allein bei dem wankenden Troſte Darf mein belaſtetes Herz doch ringen nach dieſer Antwort: Warum ſondert es einige Menſchen ſich aus, und faßt ſie Eiſern an, und hebet ſie hoch aus dem Strome, und trifft ſie Mit zermalmendem Arme? Mich mit zermalmen⸗ dem Arme? Ward ich nicht blind geboren? und lebt', ein Blin⸗ der, ſo lange? Zwar gab Er dem Auge den Tag, auch meiner Seele Einige Daͤmmrung von ſich; doch Nacht iſt dieſe geworden, Denn er iſt todt! entſetzliche Nacht! Was hilft mir des Auges Kurzer Tag, da in Dunklerem wallt, als ſelber des Todes Thal iſt, meine Seele? Des Auges Blindheit, e kehre Du nur wieder! Ich kann mich nicht mehr des Anblicks der Schoͤpfung, Nicht des Strahls mehr freuen, der Sarons Blu⸗ me beſeelet, Und die Ceder Gottes! Die Abenddaͤmmrung ver⸗ ſenkt mich Funfzehnter Geſang. 42²⁵ XV. G. V. 894— 907. Nicht in Empfindungen mehr, die ſanft, wie ſie ſelber iſt, waren. Ach der bin ich geworden, obwohl aus dem naͤcht⸗ lichen Grabe Meiner Blindheit erweckt? Ja der, der bin ich geworden! Denn umnachtet iſt mir die noch viel blindere Seele, Als mein Auge ſonſt war! Denn ach, ihr Engel! (Verdankt es Unſerm Geſchlechte, daß wir die Ungluͤckſeligen wur⸗ den!) Denn, ihr Engel! iſt Er nicht todt? Ein ermüͤ⸗ deter Greis trat Zu dem Klager herein. G. Gieb mir, o Beor, den Becher. Ich bin aͤlter, als du, und duldete groͤßere Lei⸗ den! B. Groͤßere Leiden, als ich? Nur aͤlter biſt du. Da nimm dir Meinen Becher. Ich kann zu der Quelle leichter mich buͤcken. G. Haſt du auch Speiſe fuͤr mich, den wankenden 9 Alten zu laben? B. Nimm den Broſam, und iß. G. Du biſt, deß . freu' ich mich, Beor, Gegen andre nicht hart; nur gegen dich ſelber ver⸗ haͤrteſt 4²⁶ Der Meſſias. XV. G. V. 908— 921. Du dein Herz, und willſſt dich nicht troͤſten! Dich ja nicht zu troͤſten, Forſcht dein Verſtand, und ſtrebet dein Herz. Ich kenne dich, Beor, War zugegen, als du die Schopfung das erſtemal ſaheſt. B. Wenn du mich kenneſt, ſo kennſt du den ſchwer⸗ muthsvollſten der Menſchen! Deſto ſchwermuthsvoller, je mehr die Kraft mir verſagt iſt, Das in mir zu beherrſchen, was mich zu der Trau⸗ rigkeit hinreißt. Aber waͤhne nur nicht, daß es mir an des Trau⸗ 4 rens Urſach Mangle. Den Heiterſten ſtuͤrzt' ein Elend, wie meins, zu der Erde! War ich nicht blind ſeit meiner Geburt, und lang', und des Lebens 4 Beſte Zeit? Bin ich nicht an Einſicht blinder, den großen Goͤttlichen Mann zu erkennen, der Wunder zu thun von Gott kam? Und wird etwa ſein Tod zu neuer Erkenntniß mir Licht ſeyn? Kenneſt du nun ein Elend, wie meins iſt? und . muͤſſen nicht fuͤrchten, Immer elend zu ſeyn, Elende von ihrer Geburt an? Funfzehnter Geſang. 427 XV. G. V 922— 935. Iſt nicht unablaſſender Gram des kuͤnftigen Bo⸗ the? Ach und ſtraft der Gerechte nicht mehr, als ande⸗ rer Suͤnden Meine Suͤnden? Ich fluche dem Tage meiner Ge⸗ burt nicht; Aber ich wuͤnſche beinah nicht zu ſeyn! Hier ende⸗ te Beor. G. That er dir nicht auf Einmal, als du es am wenigſten hoffteſt, Seines Allerheiligſten Vorhof, die herrliche Welt, auf? Ihre Fuͤlle der Segen, von ſeiner Sonne beſtrah⸗ let? Freuden hatteſt du da, wie der Immerſehenden keiner Jemals empfand! Und oͤffnet er dir in die kuͤnf⸗ tige Welt nicht Einen Blick, als er ſich den Sohn des Ewigen nannte? War dieß, Beor, auch Elend? auch Sindenſerafe Die Suͤnde Ruͤgt er an dir nicht mehr, wie an andern. Die Herrlichkeit Gottes Wollte ſtrahlend an dir, du elendbeſeligter, Je⸗ ſus Offenbaren. Du warſt, daß ihr Zeuge du wuͤrdeſt, erkohren 428 Der Meſſias. XV. G. V. 936— 949. Schon vor deiner Geburt. So dachte der Ewige deiner! Beor rief: Du verfuͤhrſt mich in neue Tiefen des Gruͤbelns! Laß mich! tief genug iſt es da, wo ich liege! mein Abgrund Tief genug! Ha waͤrſt du ein Engel Gottes, und ſpraͤcheſt, Wie du ſprichſt; doch fragt' ich dich: Wie, was Gott im Geheimſten Seiner Verborgenheit thut, du, obwohl ein Unſterb⸗ licher, wuͤßteſt? Denn erſinne mir etwas, das weiter aus dem Ge⸗ ſichtskreiſ' Aller Erforſchungen liege, das mehr den Herrſcher verberge, Als: Elende zu machen, um herrlich durch ſie zu werden! Und wie weißt, du Sterblicher, denn, des Ewigen Rath ſey So zu handeln? Wenn ein Engel mirs ſagte, ſo glaubt' ichs: Aber, er ſchau' hinab in die ganze Tiefe! das wuͤrde Selbſt ein Engel umſonſt mir ſagen. Der Greis antwortet: Iſt denn kein ewiger Lohn, du Zweifler? und ſind denn nicht Stufen Funfzehnter Geſang. 429 XV. G. V. 950— 963. Dieſes ewigen Lohns, die hinauf in die Himmel der Himmel Steigen? und kann, wenn er um ſeinetwillen be⸗ truͤbte, Den denn Gott nicht belohnen? der unerſchöpfliche Geber Aller Seligkeit nicht auch den? Du ſtehſt an dem Meere; 3 Sieh, Ein Tropfen kann dich, du Staub, mit Fuͤlle beſtroͤmen! B. Du erquickeſt mein Herz, ehrwuͤrdiger Alter. Doch wenn auch Gott ſo handelt; wie darf ſo hoch ich waͤhnen, Ich ſey Der Gluͤckſeligen Einer, die Gott mit Elend bela⸗ ſtet, Sich zu verherrlichen! ſie mit ewigem Lohn zu be⸗ lohnen! G. Einer von dieſen biſt du! Das weiß ich. Mit Ueberzeugung Wirſt auch du nun bald es erfahren. Denn Tag in der Seele Wird es dir, freue dich, werden! Der Morgenroͤ⸗ the des ſchoͤnen Lichten Tages ich ſehe ſchon ihre Schimmer von ferne. Laß, eh' er kommt, uns beten, damit er betend dich finde, 43⁰— Der Meſſias. XV. G. V. 964— 977. Gottes Tag. Sie ſanken hin, und knieten in Staube, Hiob vorwaͤrts an Beor; und Beor ſtammelte wei⸗ nend: Herr, Herr, Gott! barmherzig und gnaͤdig, bin ich der erkohrne, Elend zu ſeyn, damit du noch mehr dich meiner erbarmeſt; So erheb' ich mit Danke mein Haupt, mit Danke ggen Himmel, Daß du dem Auge Blindheit, und Nacht der Seele voll Schwermuth, Dieſes, Erbarmender, gabſt, mit ewigem Danke! Denn ewig Soll mein Jubel erſchallen, daß Gott, Gott ſo ſich erbarmt hat! Huͤter des Menſchen, iſt ſie nun bald voruͤber, der Seele Nacht? O Hoffnung, du neue, du himmelerhe⸗ bende Hoffnung, Dich empfang' ich vom Herrn! Geprieſen, Vater, geprieſen Sey dein herrlicher Name, des Gnadevollen Erbar⸗ mung, Dieſe Mutter des huͤlfloſen Kindes! Und wenn ſich ddes Sohnes Auch das Weib nicht erbarmte; ſo wird doch Gott ſich erbarmen! Funfzehnter Geſang. 431 XV. G. V. 978— 991. Herr, Herr, Gott! barmherzig und gnaͤdig, ge⸗ prieſen auf ewig Sey dein herrlicher Name, daß du mir von der Ge⸗ burt an Blind zu ſeyn geboteſt! daß du mir Leiden die Fuͤlle Gabeſt, und Thraͤnen, und deinen goͤttlichen Bo⸗ then, das Elend, Mich zu lehren, mir ſandteſt! mir Zweifel und Schwermuth der Seele Sandteſt, damit ich, wie ſehr ich deiner Huͤlfe be⸗ duͤrfe, Tief in das Leben hinein, in meinem Innerſten, fuͤhlte! Aber ſoll ich nicht dir auch danken, Geſendeter Gottes, Helfer in Juda? Allein(hier wurde die Stimme ihm ſchwacher) Er iſt todt! Er lebt! rief mit gewendetem Haupte, Und mit ahlendem Angeſicht, Hiob, er lebt! und mit Eile Stand er auf, und war ganz Herrlichkeit jenes Le⸗ bens. Sieh, er iſt nicht todt mehr, er lebt! und Einer . der Zeugen, Daß er lebe! bin ich, den er von dem Tode ge⸗ weckt hat, 432 Der Meſſias. XV. G. V. 992— 10⁰⁰5. Hiob. Ichelitt, das glaubſt du doch nun? viel groͤßere Leiden. Als du litteſt; allein wie hat er auch mein ſich er⸗ 1 barmet! Beor wollte die Haͤnde gen Himmel falten, ver⸗ mocht's nicht. Wie ſie Moſes am Tage der Schlacht die Haͤnde gen Himmel Hielten; geſunken, brachten ſie Tod! und Leben! erhoben: Alſo hielt ſie ihm Hiob empor. Jetzt ſchied er mit Wonne Von dem erſtaunenden, welcher ihn blaß und ſprach⸗ los anſah. H. Siehe, der Todte, der ewig lebt, und bald nun hinaufſteigt In die Hoͤhe der Hoͤhn,(er wies mit der glaͤnzen⸗ den Rechte Feirlich gen Himmel) er ſelbſt hat es uͤber dich aus⸗ geſprochen: Nicht der Blinde, noch die ihn gebar, noch der, ſo ihn zeugte, Haben geſuͤndigt! Er iſt ein Zeuge der Herrlichkeit Gottes! Alſo verließ er Beor, der kaum den Abſchied aushielt. Abraham ſchweben, und Moſes am hohen Tempelgewoͤlbe, Schaun Funfzehnter Geſang. 433 XV. G. V. 1006— 10¹9. Schaun auf des Feſtes Feirer hinab, und forſchen betrachtend, Einen darunter zu finden, der ihrer Erſcheinungen werth ſey; Aber ſie ſuchen lang vergebens. Endlich erblicken Sie an einem der palmenbewundenen Pfeiler voll Ernſtes Einen Juͤngling, und voll der tiefanbetenden An⸗ dacht. Feuer ſtroͤmt' ihm herab aus jedem Blicke, gehei⸗ ligt Dem, deß großen Namen die hohe Poſaune jetzt hallte, Sie, der Schlacht, des Triumphs, und der Halle⸗ luja Gefaͤhrtin. Milder wurde ſein Blick, und von werdenden Thraͤ⸗ nen beſchimmert, Als ihr Donner ſchwieg, und nun mit ſanftem Ge⸗ lispel 5 Korahs Gedith erklang, und die Harfe, Davids Geſpielin, Und die Stimme des Menſchen, vor allen Saiten und Erzten Unerſchoͤpflich, die maͤchtigſte Herrſcherin uͤber die Herzen. Alſo ſcholl es hinauf in den himmelſteigenden Tem⸗ pel: Klopſt. Meſſias III. B, Ee te Auufl. 434 Der Meſſias. XV. G. V. 1020— 1033. Auf den heiligen Bergen iſt ſie, die feſte gegruͤn⸗ det! Sions Thore, viel mehr als alle Wohnungen Ja⸗ kob Liebt ſie der Herr! In dir, du Stadt des All⸗ maͤchtigen, werden Herrliche Dinge verkuͤndet! verkuͤndet herrliche Dinge! Mit anhaltender Andacht Ernſt', erhoben zum Ge⸗ . ber Aller Gaben, zu dem, der ewig lebet, und herr⸗ ſchet, Knieete Saulus. Und, aus der großen gedraͤngten Verſammlung, Kohren ihn Moſes ſich aus, und Abraham, ihm zu erſcheinen. Als der Jubel ſchwieg, und des Feſtes Feirer zer⸗ ſtroͤmten, Schwebten ſie, ihn zu begleiten, ihm nach. Mit Eile, die ſtrahlte, Kam, da ſie folgten, herab von des Tabor wolki⸗ gen Hoͤhe, Gabriel ihnen entgegen, und ſchnell erflog er ihr Schweben. G. Vaͤter, erſcheinet ihm nicht; der Herr will ihm 3 ſelber erſcheinen! M. Bothe Gottes! wer iſt der erhabne Sterbliche, dem wir Funfzehnter Geſang. 43⁵ XV. G. V. 1034— 1047. Nicht erſcheinen duͤrfen, dem Jeſus ſelber erſcheinet? G. Dort erblickt ihr Damaskon. Er eilt in dieſen Gefilden, Dein entflammter Verfolger, Gemeine Gottes. Er wuͤthet, Sammelt Schaaren um ſich. Die wuͤthen, wie er, und morden! Aber ploͤtzlich umſtrahlt ihn ein Licht von dem Him⸗ mel, zur Erde Faͤllt er nieder, und hoͤrt in der hohen Wolke die Stimme: Saulus, was verfolgſt du mich, Saulus? Da ruft er gen Himmel: Herr, wer biſt du? und ihm antwortet die ſchreck⸗ liche Stimme: Ich bin Jeſus, den du verfolgſt! Schwer wird es dir werden Wider den Stachel zu lecken! Er ruft mit Zittern 3 und Zagen: Herr, was gebieteſt du? was ſoll ich thun? Der Wecker vom Himmel, Jeſus, der Thronende zu der Rechte des ewigen Vaters Giebt ihm Befehl. Den thut er, obgleich geſchla⸗ gen von Blindheit. Sieh, es leiten ihn ſeine Gefaͤhrten, die neben ihm zagen, Ee 2 4³6 Der Meſſias. XV. G. V. 1048— 1061. Nach Damaskon zum Seher. Ein auserwaͤhltes Ruͤſtzeug Iſt er dem Herrn! Verkuͤndigen ſoll er des Goͤtt⸗ lichen Namen Vor den Heiden, und ihren Beherrſchern, und Iſraels Soͤhnen! Zeigen will ihm der Herr, wie viel er um ſeinet⸗ willen Leiden ſoll! Er empfaͤht den heiligen Geiſt, und die Blindheit Laͤßt ihn. Er wird getauft, und predigt des Goͤtt⸗ lichen Namen: Daß der ſey des Ewigen Sohn, der todte Meſ⸗ ſias, Der erſtandne, verherrlichte, himmelerhobne Meſ⸗ ſias! Gabriel ſchwieg: und Abraham rief mit gefalteten Haͤnden: Daß du biſt der Vollender vom Anbeginne der Wel⸗ ten! Daß ſich beugen ſollen, in deinem Namen, die Kniee Aller im Himmel, und auf der Erd', und unter der Erde! Aller Zunge bekennen, des erſten am ewigen Throne, Und des letzten am Grabe: Du ſeyſt zu der Ehre des Vaters Funfzehnter Geſang. 43 7 XV. G. V. 1062— 1075. Herr! du Eingeborner zur Herrlichkeit, Halle⸗ luja! Und ſie ſchwiegen lang vor inniger Wonne. Zuletzt ſprach Moſes, und weihete ſo den ernſten Juͤngling: Die Liebe Chriſtus dringe dich, und der Bruͤder! Sey denn geruͤſtet, Niederzuſtuͤrzen die Hoͤhn, die gegen den Herrn ſich erheben! Lehr' ihn, Redner wie Menſchen, und lehr' ihn, Redner wie Engel; Aber habe die Liebe zugleich, die Liebe zu Chriſtus, Die den Geliebten der engen, der dunkeln Wiſſen⸗ ſchaft vorzieht, Und der Bruͤder Liebe, die freundliche, duldende, ſanfte, Die nicht eifert, nicht ſpottet, von keinem Stolze ſich aufblaͤht, Die kein Zorn entſtellt, die nicht das Ihrige ſuchet! Nie zu erbittern, trachtet ſie nie, dem Bruder zu ſchaden; Ungerechtigkeit freuet ſie nicht, ſie freuet die Wahr⸗ heit! Alles glaubet ſie, traͤgt ſie, und hoffet alles, und duldet 43⁸ Der Meſſias. XV. G. V. 1076— 1089. Alles! iſt nie zu ermuͤden! ſie dauert ins ewige Leben! Dieſe Liebe ſey dein, du juͤngſtgeborner der Gnade Unter den heligen Bothen, dem Jeſus ſelber erſcheinet! Denn die, welche du liebſt, ſind Glieder der hohen Gemeine, Und ohne Flecken und Tadel iſt die hohe Gemeine, Iſt des Braͤutigams Braut, und in ſeinem Blute gewaſchen, Jenem, das lauter ruft, als Abels; und nicht um Rache! Heil euch! und lauter, als rief von dem Berge des Schreckengeheges, Sina, der Donner, der Cherubim Schaar, die Po⸗ ſaun'; und um Fluch nicht! Hinter Stephanus ging, von dieſer Weihe be⸗ gleitet, Saulus hinab. Die Heiligen ſchwebten nach Ta⸗ bor hinuͤber. Simeons Bruder, Elkanan, mit ihm ſein 1 kindlicher Leiter, Waren zu Samma hinein den traurigen Abend ge⸗ gangen, Daß ſie das alternde Grab voll ſtillen Mooſes ver⸗ ließen. Funfzehnter Geſang. 439 XV. G. V. 1090— 1103. Samma hielt ſie bei ſich ſuͤßuͤberredend, ein heit⸗ rer Freundlicher Wirth, obwohl viel Schmerz die Seel' ihm bewoͤlkte, Jetzt der neue: Todt ſey Chriſtus, und ſeines Er⸗ wachens Ruf bezeuge noch keiner! Das klagt' auch Elka⸗ nan, und Boa, Joel, mit dir. Sie ſandten umher, und ſie konn⸗ ten die Juͤnger Deſſen, der leben ſollte nicht finden. Sie ſaßen in Joels Duftender Laube, die ihm in dem Garten ſein Vater gegeben. Nur der wandelnde Mond war, wie ſie glaubten, der Hoͤrer Ihrer Klagen; allein auf einer ſilbernen Wolke, Die ihn leiſe bedeckt, verſammeln ſich andere Hoͤ⸗ rer, Andere Zeugen, wenn ihr Geſpraͤch in Schmerze verſtummet, Simeon, und Benoni, und du, vollendete From⸗ me, Lazarus Schweſter, Maria. B. Nun kann ich mich laͤnger nicht halten! Muß mich meinem Vater, mich meinem Bruder entdecken! 440 Der Meſſias. XV. G. V. 1104— 1117. Sag' es, Simeon, ſelbſt: Sind ach nicht genug des Jammers Thraͤnen geweint? genug der bitteren Kelche ge⸗ trunken Ihrer Leiden? Iſt nicht an der Laufbahn Ziele die Pruͤfung? Wollen wir ihnen die Krone nicht bringen? S. Wir wollen, Benoni. Folg' unſichtbar uns nach, und geneuß der Wonne, Maria, Ihre Freuden zu ſehn! Und du, Benoni, ent⸗ huͤlle Dich in der Fern mit milderem Glanze, daß ſie 3 der Erſcheinung Nicht erliegen. Sie ſchwebten hinab. J. Bei mei⸗ nes Benoni's Grabe war ich, bei Simeons du; ach! waͤren wir armen Auch bei dem Grabe des Herrn geweſen: ſo haͤtten wir ihn dort Auferſtehn vielleicht, iſt er auferſtanden, geſe⸗ hen! Haͤtten.. O Gott der Goͤtter! was ſchimmert dort in der Ferne? Samma ſank, rief: Herr, Herr, Gott! barmher⸗ zig und gnaͤdig! Sieh, ein Bothe des Himmels! E. Was ſaheſt du, Knabe? was ſahſt du, Funfzehnter Geſang. 441¹ XV. G. V. 1119— 1131. Samma? Fuͤhret mich hin, daß ich der Erſchei⸗ nung begegne, Mit ihr rede! J. Wir beben, Elkanan, koͤnnen nicht fuͤhren! E. Fuͤhret mich! Boa, was ſieheſt du? fuͤhre du mich! Der Knabe Hielt ſich erſtarrt an die Laube. So redet denn, ſaget: Was ſeht ihr? J. Eine leuchtende Juͤnglingsgeſtalt, die unter Be⸗ noni's Baͤumen wandelt, und gegen uns laͤchelt! Erſchei⸗ nung, Erſcheinung! Rief Elkanan, wer biſt du? Melodiſch erſcholls in der Laube: B. Einer Seligkeit Bothe, die groͤßer, als ihr ver⸗ muthet, Viel entzuͤckender iſt. J. Ach! weſſen Stimm' iſt die Stimme? Rufte Joel, und weß Antlitz des nahenden An⸗ 1 tlitz? Gott der Goͤtter! Benoni! Er ſank. Schon hielt ihn Benoni's Helfender Arm, und richtet' ihn auf. B. Mein Bruder! Benoni Riefs in der Wonne. J. Mein himmliſcher Bru⸗ der! ſtammelte Joel. B. Samma, mein Vater! und ſank ihm ans Herz, und erhielt ihm das Leben, 44² Der Meſſias. XV. G. V. 1132— 1145. Daß der Greis, in der ſtuͤrmiſchen unnennbaren Empfindung, Nicht entſchlummerte, nicht, in der thraͤnenloſen Entzuͤckung, In die Nacht des Todes ſein Aug' hinſtarrte. Nun leitet Er den verſtummenden Alten zu einem mooſigen Sitßze. Bring Elkanan zu mir, ſo ſprach er zu Boa, da⸗ mit er Näher mich hoͤre. E. Nun wall' ich hinab mit Ruh zu dem Grabe! Sprach Elkanan, denn ob dich mein Auge gleich naicht geſehn hat, Hat dich mein Ohr doch gehoͤrt, Unſterblicher! Re⸗ . de denn, lehr' uns, Bothe von Gott! B. Euch wird ein Groͤßerer leh⸗ ren, ſo bald ihr Ruhiger ſeyd, und zu tragen vermoͤgt des erſchei⸗ nenden Ankunft! Joel hatt', indeß da er redete, ſtill ſich genaͤ⸗ hert, Blumen gekuͤßt, und ſie in des Bruders Tritte ge⸗ ſtreuet. B. Sagt, vermoͤgt ihr's,(er ſah mit dankenden Blicken auf Joel) Haltet ihr's aus, daß Simeon komme? E. Si⸗ meons Seele, Funfzehnter Geſang. 443³ XV. G. V. 1146— 1159. Rief Elkanan, ſchwebet um mich? ach! laß ſie er⸗ ſcheinen, Bothe der Wonne! Seyd ſtark, du Samma, Joel, du, Boa, Hindert ſie nicht. Schon hoͤrt dir mein Ohr, mein Bruder, entgegen. Simeon, Simeon, komm! Mein Auge wird dich nicht ſehen, Theurer Bruder, allein nicht lang', und ich werde dich ſehen, Wenn die Nacht des finſteren Thals zu dem Lichte mich aufweckt. Simeon kam in des Mondes Schimmer, mit himm⸗ liſchem Glanze Ueberkleidet, einhergegangen. Mit ſanfterem Schrecken, Als Benoni's unangekuͤndetes Schimmern erblickten Sie die Strahlengeſtalt; allein mit groͤßerem Stau⸗ nen. Alſo floß von der Lippe des hohen Engels die Stimme: Jeſus Chriſtus iſt auferſtanden! Viele der Frommen Haben, auf ſeiner Allmacht Wink, die Graͤber ver⸗ laſſen! Er erſcheint, und wir erſcheinen. Ihn ſehn nur die Zeugen! 444 Der Meſſias. XV. G. V. 1160— 1173. Die er zu lehren beruft, und Wunder zu thun, und zu bluten! Derer warten im Himmel der Erſtlinge Kronen und Palmen! Und ein Thron im Gericht! Doch eh der Verſoͤh⸗ ner zu Gott geht, Eh mit Jauchzen, und heller Poſaun' er gen Him⸗ mel emporſteigt, Werden auf Einmal ihn noch fuͤnfhunder Glaubende ſehen. Jeſus ſegn' euch, und nenne, mit dieſer begnadeten Namen, Eure Namen! Ja ſegne ſie, Herr, mit dieſer Er⸗ 3 barmung! E. Simeon, auferſtanden biſt du vor dem Tage der Tage? Ach wie duͤrſtet mein Herz, dich zu ſehn! Doch ich wuͤrde ja Jeſus Selber nicht ſehen! Nie hat mich ſchwerer die Blindheit belaſtet! Schmerz, verſtumme du! Die Stunde, da Si⸗ meon mich ſieht, Ich ihn reden hoͤre, ſoll keine Klage bewoͤl⸗ ken, Da er von Jeſus mit mir und ſeiner Herrlichkeit redet! Ach! fuͤnfhundert auf Einmal! Wenn ich zu ihnen gehoͤrte, Funfzehnter Geſang. 445 XV. G. V 1174— 1187. Wuͤrd ich dennoch mich freun! ſie wuͤrden Ent⸗ zuͤckungen reden! Darfſt du von eurem Himmel, und ſeinen Geheim⸗ niſſen ſprechen, Simeon? S. Nicht zu Bewohnern des Staubs! So hat es geordnet, Der auf Stufen erhoͤht, und, nach der Pruͤfung, belohnet! Der die Welten geſondert von Welten, und doch ſie vereint hat! Der, in ſeinem unendlichen Plan der Seligkeit Aller, Alle Graͤnzen und Arten der Seligkeiten vereint hat! Gegen dich, lichtheller Entwurf des Gluͤckes der Geiſter, Iſt die ſinnliche Schoͤpfung nur, Schatten. Er bauet auf Elend Freuden empor, die keiner der Immergluͤcklichen kennet. Lernet noch dieß: Nichts Groͤßeres haben die Ewig⸗ Liten, Nichts, das unerforſchlicher, und unempfindbarer waͤre, Als, daß eine der Hoͤhn der Erhebung des Gott⸗ 2 verſoͤhners, Auf der Erniedrigung, ſteht! Der ernſte Gedanke vertieft euch. 445 Der Meſſias. XV. G. V. 1188— 1201. Sinnt ihm zu eifrig nicht nach. Er iſt ſelbſt En⸗ geln Erſtaunen! Kennet eure Seligkeit ganz, die hier ſchon euch Gott gab! Nicht nur wir ſind um euch; die ſchoͤne Seele Ma⸗ ria's Lazarus Schweſter iſt darch an dieſer heiligen Huͤtte. Siehe, ſie freuet ſich eurer Freuden! Da riefen ſie alle: Lazarus Schweſter iſt todt? Und freuet ſich unſe⸗ rer Freuden! Rief der gluͤckliche Samma. Wir freun der deinen uns, Mirjam! Ach wie trockneſt du die Thraͤnen mir, Vater des Schickſals! Meinen Benoni ſendeſt du mir; und Elkanan den Bruder! Und auch Joel den Bruder! ſo ſprach der zaͤrtliche Joel, S. Gott! wie endeteſt du mein Schickſal! Wie koͤnnt' ich es wagen Das zu hoffen, als meine verſinſternde Schwermuth, dieß Elend Ueber alles Elend, begann, ich mir mein noch be⸗ wußt war, Und nur Naͤcht' erblickt' um mich her, Labyrinth und Abgrund! — Funfzehnter Geſang. 447 XV. G. V. 1202— 1215. Nichts im Kuͤnftigen ſah, als ſchwarze Schrecken! Nun wich mir Meine Vernunft! Ich zermalmte dich, Sohn, an dem blutigen Felſen, Ach, zu durchweinen, ſo dacht' ich bis heut, mein uͤbriges Leben! Und dieß alles endiget ſich, mit der Wonne der Himmel! Mit dem ſuͤßeſten Wiederſehn, das jemals erlebt ward! Sohn, Benoni, mein Sohn, an dem blutigen Fel⸗ ſen zerſchmettert, Wie hat der dich begnadet, der mein durch dich ſich erbarmt hat! Sieh, ich weiß es, du geheſt von mir; doch es ſoll mir kein Abſchied Seyn, wenn du geheſt! Ich werde vor mir dich immer erblicken, Wie du, ein Erbe des Himmels, in deiner Herr⸗ lichkeit daſtandſt! Kaum, daß es Wiederſehen genannt darf werden, wenn druͤben Ueber den Graͤbern ich dich in deiner Herrlichkeit ſehe. Eins noch bitt' ich dich: Gieb mir deinen Segen, Benoni, Eh du dich wendeſt. B. Ich dich ſegnen? der Sohn den Vater? 448 Der Meſſias. XV. G. V. 1216— 1229. Und dein juͤngſter? S. Mein Erſtling nun!, und aͤlter, als ich bin! Alt an Tagen der Ewigkeit! Sie iſt wirkliches Le⸗ ben! Dieſes Leben iſt Schlaf, aus dem ein letzter uns aufweckt. Da erhub Benoni die feſtgefalteten Haͤnde, Ward, indem er eedete, ſtrahlenvoller, und ſagte: Bald denn komme dein letzter, und ſanft, wie Si⸗ meons Tod kam, Theurer Vater! So ſegnet' er ihn. Jetzt redete Joel. Ach! ich baͤte dich auch um deinen Segen; allein ich Fuͤrchte, Benoni, daß du mit langem Leben mich ſegneſt. B. Juͤngling, du fuͤrchteſt groͤßeren Lohn! Je tie⸗ fer des Guten Leben hier wurzelt, je hoͤher waͤchſt ſein Wipfel im Himmel, und je ausgebreiteter ſchatten die volleren Zweige. Soll ich dich nun, mein Bruder, mein Joel, ſeg⸗ nen? Da kniete Joel nieder vor ihm. Benoni legte die Hand ihm Auf —— Funfzehnter Geſang. 449 XV. G. V. 1230— 1243. Auf dr gluͤhende Stirn. Nimm hin den Segen der Segen, ant das ewige Leben: Der Gott, der Jeſus erweckt hat, Fuͤhre zu Jeſus dich! Sie verſchwanden der beten⸗ den Auge. Schnell rief Boa: Sie ſind verſchwunden, Elkanan! Und Joel Richtet ſich auf, und ſagt mit dem leiſen Laute der Freude: Wenn du hier noch verweilſt, du ſchoͤne Seele Ma⸗ ria's, O ſo bringe du ihnen von uns den ſtaͤrkſten, den frohſten, Feurigſten Dank, daß ſie uns der Erſcheinung ge⸗ wuͤrdiget haben, Ihrer Geſpraͤche von Gott, und ihrer himmliſchen Segen! Alſo ſagte der Juͤngling, und ſank in die Arme des Vaters. Chriſtus Mutter ſaß auf dem hohen Soͤller. Die Sonne War geſunken; der Abendſtern entſtrahlte dem Him⸗ mel Neben ihr ruhte die Tempelharfe. Sie ſahe, das daͤucht' ihr, Ueber den Bach der Pilgerinnen eine, nicht gehen, Klopſt. Meſſias III. B. F f Ute Aufl. 45⁰ Der Meſſias. XV. G. V. 1244— 1257. Sahe ſie ſchweben, und werden, indem ſie heruͤber⸗ ſchwebte, Himmelsgeſtalt. Alſo wird That ein großer Ge⸗ danke! Und ſchon ſtand die lichte Geſtalt bei ihr auf dem Soͤller. Chriſtus Mutter ſtaunte nicht mehr. Es war ein 1 Erſtandner, Oder ein Engel. Sie hatte geſehn erſtanden vom Tode Ihren Sohn! E. Ich verhuͤlle vor dir mich, Mut⸗ ter des Herrn nicht. Warum ſollt' ich? Du ſtrahleſt mit mir nun bald an dem Throne! Mirjam, auch ich bin Mutter! M. Vielleicht des gehorſamen Opfrers? Oder deß, der das Grab nicht kannte, des himm⸗ liſchen Henochs? E. Abrahams auch, and Henochs! Ich bin, o die du der Unſchuld Wiederbringer gebarſt, ich bin die Mutter der Men⸗ ſchen! M. Dich, dich ſeh' ich! o Wonne des offenen Him⸗ mels! die Mutter Abels ſeh' ich! E. Auch Kains. Ich bin heruͤber⸗ gekommen, Daß ich mit dir den Sohn, den Mann Jehovah, o Mirjam, Funfzehnter Geſang. 45¹ XV. G. V. 1258— 1271. Preiſe mit dir! Wohlan, laß unſere Harfen be⸗ ginnen! M. Ich mit dir, der Unſterblichen? ich mit der Mutter der Menſchen, Die ich ſterblich noch bin? Allein wir ſingen dem Mittler! Eva, beginn, und lehre mich dem Erhabenen ſingen! E. Zweimal ward ich geſchaffen! er rufte mich zwei⸗ mal ins Leben, Den du, Mirjam, gebarſt! O Mutter, er wurde geboren, Der dich ſchuf, und mich, der alle Himmel zemaüßt hat! M. Der die Sonne, den Mond, der alle Ererne gemacht hat! Der dich ſchuf, und mich, er wurd', o Eva, ge⸗ boren! Haſt du den hohen Geſang der Engel Gottes ver⸗ nommen, Die ihm ſangen, als er geboren ward in der Huͤtte? E. Da nach Sion zuruͤck des Preisgeſanges Trumpß kam, Bebten vor ſeinem Donner die Wipfel der Lebens⸗ baͤume! Sanken, wo er toͤnte, die Himmliſchen vor dem Gebornen! Ff 2 45² Der Meſſias. XV. G. V. 1272— 1286. M. Und er weint' in Bethlehems Krippe. Doch hatten ſchon Engel, Eh' er weinte, den Namen des Wiederbringers ge⸗ nennet! Jeſus! hatte die Ceder, die Palme Jeſus! gehoͤ⸗ ret, Jeſus! Tabor, Jeſus! gehoͤrt ach Golgatha Je⸗ ſus! E. Nennen hoͤrte den Gottesgeſalbten der Thron, 2 von dem er Niederſtieg, der Unſterblichen Heer den Gottesge⸗ ſalbten! M. Haſt du ihn ſterben geſehn? E. Ich hab' ihn ſterben geſehen! M. Haſt du die blutige Krone der Schmach um die Schlaͤfe des Mittlers Triefen, o Mutter Abels, geſehn? E. Ich ſahe die Krone Um ſein Haupt! und ſah wie in Daͤmmrung erloͤ⸗ ſchen der Engel Antlitz, in truͤbere derer Antlitz, die er verſoͤhnte! M. Haſt du die Todesſtimme des Gottverſoͤhners vernommen?. Jene, da Chriſtus rief: Es iſt vollendet! und jene: Vater, in deine Haͤnde befehl' ich meine Seele! E. Ach, ich habe vernommen die Worte des ewigen Lebens, — Funfzehnter Geſang. 4⁵3 XV. G. V. 1287— 1301. Habe wie Pſalme gehoͤrt der Harfenſpieler, wie Choͤre, Als ob ſie an dem Throne dem Hocherhabenen ſaͤn⸗ gen, Da er ſein Haupt emporhub, rief: Es iſt vollen⸗ det! Da ſein Auge ſchaute mit Gottesblicken gen Himmel: Vater, in deine Haͤnde befehl' ich meine Seele! M. Und doch litt' ich, die Sterbliche, wie die Mut— . ter Abels Niemals litt! Allein Preiß ſey dem Sohne, des Leidens Geber, denn ach! wie erhoͤhet mir nun die naͤchtli⸗ che Stunde, Siehe, die Stunde der Angſt, die Stunde des Schwerts in der Seele Meine Wonne! E. Ich habe, wie du, nicht ge⸗ litten, ob Abel 3 Gleich zu der Erde geſtuͤrzt ich liegen ſahe, der Todten Erſten, und meinen Sohn! die Stirn' ihm zer⸗ ſchmettert, des Fluches Fruͤhes Opfer! in Blut! und meinen Sohn! Es 4 vergingen Erd' und Himmel um mich! ſo ſchreckte der Todte die Mutter! M. Arm des Allmaͤchtigen! du, ja du nur hielteſt mich, Gottes 454 Der Meſſias. XV. G. V. 1302— 1315. Arm! da hinaus in die Nacht vom Gerichtsaltare der Sohn rief: Mein Gott! mein Gott! warum haſt du mich ver⸗ laſſen? E. Mutter Chriſtus, ich hoͤrt's den Geopferten ru⸗ fen! Ich ſah dich Nun nicht mehr! M. Heil dir, o der Menſchen Mutter, du wareſt Da bei dem Kreuz, da das tiefe Geheimniß Chri⸗ . ſtus zu Gott rief. Selig bin ich! Ich habe den Mittler Gottes ge⸗ boren! Selig auch du! Du biſt die Mutter ſeiner Ver⸗ ſoͤhnten. E. Selig bin ich! Aus Adams Gebein'’ erſchuf mich der Schoͤpfer In dem Paradieſe! mich ſchuf aus Verweſungs⸗ ſtaube Tief im zertruͤmmerten Paradieſe der Todtener⸗ wecker. Heil mir, die Mutter bin ich der Gottverſoͤhnten, bin, Mirjam, Deine Mutter. M. O du, die Eden zweimal ge⸗ 3 boren! Tochter der Schoͤpfung,(ihr Leben verging!) und der Auferſtehung Tochter zum ewigen Leben, ach Eva, er ſtammet von dir auch, 4⁵⁵ Funfzehnter Geſang. XV. G. V. 1316— 1329. Der von Ewigkeit iſt! und den die ſterbliche Mir⸗ jam In der Huͤtte gebar! O du der Gebaͤrerin Mut⸗ ter, Himmelsfreuden ſind die Freuden, die uͤber mich kommen, Und die dennoch, wie tief ſie auch in dieſer Be⸗ geiſtrung Stroͤmen verſinkt, zu empfinden vermag die ſterb⸗ liche Mirjam. Segne zum ewigen Leben, ich bin die Erlöste des Bundes, Eva, ſegne die Himmelserbin zum ewigen Le⸗ ben! E. Zwar biſt du noch ſterblich, und ich unſterblich: doch kann ich Dich nicht ſegnen! Es hat dich ſchon der Stifter des Bundes, Siehe, das Todesopfer auf Golgatha's blutigem Altar, Seine Mutter, zum ewigen Heil, der Vollender geſegnet! M. Eh' am Throne mein Lied von dem Segen des Liebenden ausſtromt, Werd' ich noch Einmal ihn ſehen hier in der Graͤ⸗ ber Gefilden! Gabriel ſtand, und ſtrahlt', und verhieß, wir ſoll⸗ ten noch Einmal 45⁶6 Der Meſſias. XV. G. V. 1330— 1343. Chriſtus ſehn! O ſinge mir, Abrahams Mutter, und meine, Von der Auferſtehung des Sohns, da am hohen Kreuze Nun nicht mehr in die Nacht ſein Haupt ſich ſenkte, die Augen Ihm nicht mehr verloſchen, nicht mehr die Krone vom Blute Ueber ſein Antlitz trof! da den Donnergang der Ent⸗ ſcheidung Gott ging! E. Alſo erſcholl's: Es werde Licht! und das Licht ward! Alſo erſtand er! Die Harfe ſank, und die Palme 3 ſank uns, Jubel ruften wir aus! So ſingen die Lieder am Thron nicht; Meere rauſchen, wie wir das Halleluja dem Mitt⸗ 4 ler Gottes ruften. Doch ſchnell ward Alles ſtaunende Stille! Himmel und Erde ſchwiegen, und wir, bis endlich Triumphe, Maͤrtyrer ſangen, bis endlich zum Mittler Adam herabkam, Laut ausrief: Ich ſchwoͤre bei dir, der ewig lebet! Daß nun Tod nicht langer der Tod iſt, und daß an dem Tage Funfzehnter Geſang. 45⁷ XV. G. V. 1344— 1357. Deiner großen Vollendung ſie All' erwachen, die ſchlafen! M. Ach ſein Wonnausruf durchdringet die Mitge⸗ noſſin Seines Erbes! Beſtreuet mein Grab mit den Blu⸗ men der Erndte. Saat, dich ſaͤte der Herr! Ich hoͤr', ich hoͤre das Rauſchen Deiner Aehren! ich hoͤr' in dem Himmel das Ru⸗ fen der Erndter! E. Lege bald zu des Todes Schlaf', o Mirjam, dich nieder, Daß ich die Mutter des Herrn in dem Thale des Friedens empfange. M. Daß wir ſingen dort in dem Thale des Frie⸗ dens dem Sohne, Wenn er nun an dem Thron die Thraͤnen trocknet der Chriſten, Und zu verſtummen gebeut der ſanften Klage der Wehmuth. Siehe, der trug die Suͤnde der Welt, iſt die Liebe! der Adams Laſten nahm, und hinauf nach Golgatha ging, iſt die Liebe! Der die Liebe, der, nicht gekennet, ach ungelie⸗ bet, Sich, da ſchwiegen die Himmel der Himmel, er⸗ kohr, ſich hingab 458⁸ Der Meſſias. XV. G. V. 1358— 1371. Dieſem ſchrnrklihen Tode zum Opfer! E. zum Opfer, zum Opfer Fuͤr die Suͤnde! da ſelbſt Erzengel verſtummten, die Hoͤlle Laut anklagt', und zu wandeln, den eiſernen Tritt das Gericht hub! Alſo ſang ſie, und wendete ſich. Ihr ſahe Maria Lange nach, da gen Tavor in Himmelsglanze ſie ſchwebte. Jetzt begannen zuruͤck zu kehren der Heiligen Schaaren Mach d der Verklaͤrung Gebirge, dort mit einander der Freuden Sich zu freun, die erſcheinend den Auserkohrnen ſie gaben. Und ſie ſtrahlten herauf von Jeruſalem, viele der Wonne, Voll, die ſie hatten gegeben, und viele der kuͤnfti⸗ gen Wonne, Die, noch verborgen im bruderliebenden Herzen itzt keimte, Trieb, arbeitet', und wuchs, zu der Ruhe Schat⸗ ten zu werden Ueber der Wandrer Haupt in dem heißen Pfade des Elends. Wie Ein Stern, und noch einer, und wieder einer hervorgeht Funfzehnter Geſang. 459 XV. G. V. 1372— 1385. Aus der graͤnzloſen Tiefe der ſchauererfuͤllenden Schoͤpfung, Wenn der kommenden Nacht die Abenddaͤmmerung weichet: Alſo verſammelten ſich die Erſcheinenden Gottes auf Tabor; Wenige ſpaͤtere nur empfing noch der heilige Berg nicht. Cidli, die Tochter Jairus, ſaß vor der Laube des Soͤllers, In dem Schimmer der Morgenroͤthe. Sie ſah den Geliebten, Seit er zu ſeinem Grabe von ihr in der Traurig⸗ keit eilte, Ihren Semida nicht. O Liebe voll Unſchuld! ich darf dich, Meine Liebe ſo nennen, wenn wirſt du mich end⸗ lich verlaſſen? Wenn wegrufen den Schmerz, der alles in truͤbe Bilder, Alles in Thraͤnen um mich verwandelt? Gehoͤr' ich der Erde Viel zu wenig, ihr ſterbliche Soͤhne zu geben; er⸗ ſtand ich, Gott mich auf dieſe Weiſe zu widmen; was weileſt du, Liebe, Zwar mir bitterer Schmerz, doch Liebe voll Un⸗ ſchuld, was weilſt du 460 Der NMeſſias. XV. G. V. 1386— 1399. Unnachlaſſend in mir? Doch wenn dein Weilen mir zeigte, Daß ich, alſo dem Herrn mich zu widmen, vom Lode nicht aufſtand? Ach wer fuͤhrt mich heraus aus dieſer Tiefe des Schmerzes? Dieſer Irre des Gruͤbelns heraus? Zwar bin ich erſtanden; Aber ſterblich bin ich! Ich leb', und ich leide, wie andre! Leide viel mehr, wie andre, die ſo voll Unſchuld nicht lieben! Waͤr' ich nur ſterblicher auch! Du Klage, wareſt zu heftig! Sterblicher will ich nicht ſeyn! Sie erhebt ſich, und trocknet mit Eile Ihre Wangen. Da ſtieg der Pilgerinnen des Fe⸗ ſtes Eine den Soͤller herauf, von der Mutter Cidli's begleitet. P. Lange wallt' ich umher, Jairus Tochter zu ſe⸗ hen; Endlich find' ich dich auf. Du haſt von deines Er⸗ weckers Hohem Triumph doch gehoͤrt? E. Ich habe von meines Erweckers Hohem Triumphe gehoͤrt; doch ſeiner Herrlichkeit Zeugen Funfzehnter Geſang. 461 XV. G. V. 1400— 1413. Hab' ich noch nicht geſehn. Maria, Lazarus Schweſter, Denn ihn kennſt du wohl auch, da du mich zu ſu⸗ chen umherwallſt? Iſt entſchlafen! und ob die Mutter des Goͤttlichen lebe, Weiß ich auch nicht. P. Sie lebt, und hat den Erſtandnen geſehen! C. Hat ein Engel dich mir, o Pilgerin, zugeſen⸗ det, Daß du mir dieſe Bothſchaft von Jeſus Herrlichkeit braͤchteſt, Und den Freuden der Mutter? P. Ich ſuchte der Auferſtandnen Eine, von denen eine, die Jeſus Herrlichkeit zeug⸗ ten, Als er noch in der Niedrigkeit war. Vernahmeſt du, Cidli, Nichts von den neuen Zeugen und Zeuginnen nun, da er herrſchet Maͤchtiger uͤber den Tod, als da er den Bruder Maria's, Und den Vaterloſen aus Nain, und dich er⸗ weckte? Kam der Ruf nicht zu dir: Viel Heilige waͤren er⸗ ſtanden, Als er am Kreuz entſchlief, und die erſchienen den Frommen, 46² Der Meſſias. XV. G. V. 1414— 1427. Die ihn liebten? C. Ich lieb' ihn, ich lieb' ihn, o Pilgerin, rede! Iſt der Ruf denn gewiß? P. Nicht lange, ſo wird es ſich zeigen. Viel' erzaͤhlen, daß ſich die auferſtandnen Gerechten Auf der Verklaͤrung Gebirg verſammeln. Auf Ta⸗ bor zu ſteigen, Iſt daher mein Entſchluß. Doch in einer Erſtand⸗ nen Begleitung Wallet' ich lieber dahin, als allein zu dem neuen Erſtandnen. C. Pilgerin, zwar bin ich auferweckt von dem To⸗ de, doch bin ich Sterblich, wie du. Die Erſtandnen ſind vollendete Fromme, Wenn ſie erſcheinen. Doch geh' ich mit dir, wo— fern du mich leiteſt, Und die ſinkende haͤltſt, wenn wir Erſcheinungen ſehen. und ſie machten ſich auf, nach Tabor zu ge⸗ hen, die Mutter, Und mit Cidli die Pilgerin. Der Juͤngling aus Nain, Semida hatte ſo viel von deinem Erwachen, Ver⸗ ſoͤhner, Endlich erforſcht, daß er ſein Herz beruhigen konnte, Funfzehnter Geſang. 463 XV. G. V. 1428— 1441. Glauben konnte, du ſeyſt wahrhaftig vom Tod' er⸗ 3 ſtanden! Nun erwachten von neuem mit tiefverwundender Wehmuth Seiner Liebe Schmerzen in ihm. Noch war fuͤr ihn immer Cidli geſchaffen. Das fuͤhlt er zu maͤchtig! unuͤber⸗ windlich War der Sieger, dieß ſtarke Gefuͤhl, in dem inner⸗ ſten Herzen! Nacht vor mir, wer fuͤhrt mich durch dich? wer hindurch zur Gewißheit, Ob, die ich mir erkohr fuͤr die Ewigkeit, wieder mich liebe? Oder auch nicht? Wer bringt mich hinauf zu den Hoͤhen der Freude 2 Oder hinab in das ſinkende Thal der bitterſten Schmerzen? Auferſtanden bin ich, doch nicht unſterblich gewor⸗ den! Waͤren wir dieß; ſo waͤren wir lang' hinuͤberge⸗ gangen 3 In der Ruh Gefilde, wo nichts die Liebenden tren⸗ net! Und dort liebte mich Cidli gewiß! O Cidli, Ge⸗ waͤhlte, Die ich liebe, wie wenige nur zu lieben vermoͤ⸗ gen! 464 Der Meſſias. XV. G. V. 1442— 1455. Doch verſtumme du, Schmerz! noch ſterblicher machſt du mich, truͤber Bitterer Schmerz. Wie ſonderbar iſt mein Schick⸗ ſal! Ein Juͤngling, Munter und froh, der war ich, und ſtarb! und kehrt' aus Gefilden Dunkler Empfindungen wieder, allein die Freude mir waren! Wurde, was wurd' ich? mir daͤucht's bei dem Wie⸗ derkommen, ich waͤre Nun ein Unſterblicher; aber wie bald empfand ich, ich waͤre Wieder ſterblich, und was ich nicht war, eh zum . Tod' ich hinſank, Elend! Elend dadurch vor allem, daß ich die Wonne Meines Lebens, die Weisheit deß, der todt war, und lebet, Nicht, wie ich ſollte, genug mir machte zu Saat fuͤr die Zukunft, Dann zu erndten, wenn nun das erſte Leben ent⸗ flohn iſt! Herr, von dem Tod' Erſtandener! eh zu dem Va⸗ ter du hingehſt, Rufe zu dir mich, damit ich von dir das Eine, das noth iſt, Mehr noch lerne! So dacht' er, und ſchwieg mit gefalteten Haͤnden. Und Funfzehnter Geſang. 46⁵ XV. G. V. 1456— 1469. Und zu ihm trat ein Fremdling herein. F. Du kannſt mir, o Juͤngling, Helfen, wofern du willſt. An dem Fuße von Ta⸗ bors Gebirge Liegt ein verwundeter Mann; den haben Moͤrder verwundet! Auf dem Wege zu dem ſitt einer, der blind iſt, und durſtet. Keine Quelle war da! er wußte mir keine zu nennen. Sieh, er durſtet, und ruft nach Huͤlfe, die ihm verſagt wird. Auf dem Wege zu ihm wehklagt ein ermatteter Al⸗ ter, An die Felſen geſunken. Ich konnt' ihn nicht fuͤh⸗ ren; und laben Konnt' ich ihn auch nicht. Ich ſelber ach! bin duͤrftig und kraftlos. Semida rief mit Schnelligkeit: Nimm, und ſtaͤrke dich; nimm dann Dieſes fuͤr ſie, und dieß. Ich nehme das andre. 4 Sie gingen, Kamen zum Greiſe. S. Geh du voraus mit dem zu dem Blinden. Nimm, mein Vater, und iß, und trink dieß Lab⸗ ſal der Traube! Sprachs, und kam dem Pilger zuvor, und fruher zum Blinden, Klopſt. Meſſias III. B. G g ute Aufl⸗ 466 Der Meſſias. XV. G. V. 1470— 1483. Den die Sonne nur waͤrmt, o nimm die Staͤrkung, ich komme Wieder zuruͤck; dann gehſt du mit mir nach Jeru⸗ ſalem. Eilend Ging er weiter. Die Sonne begann, ſeitdem ſie die Thore Salems verließen, das erſtemal uͤber die Berge zu ſteigen. Und ſie eilten dahin, leicht, wie der kuͤhlenden Fruͤhe Athem. Da Tabor ſie nahten, erblickte Semida Cidli Zwiſchen der Pilgerin, und der Mutter. Schrecken der Freude Stuͤrzten auf ihn; allein er blieb bei dem fuͤhren⸗ den Fremdling. Und ſie kamen zum Manne, der bleich, als ſtuͤrb' er, im Blute Lag. Sie verbanden ihm ſorgſam die Wunden, und legten ihn ſchonend Auf ſanftkuͤhlendes Moos. Da wandte ſich Semi— da endlich, Sahe Cidli herum an dem Berge kommen, doch ferne. Jetzo kam ſie naͤher, und ſah es, und ſtand er⸗ ſchrocken. Aber als ſie erkannte, daß jenem Verwundeten Huͤlfe Funfzehnter Geſang. 467 XV. G. V. 1484— 1497. Durch die Maͤnner geſchaͤhe, da wagte ſie weiter zu gehen, Semida ſaͤumte nicht lang', er lief mit zitternder Eile Cidli entgegen; doch nah, verſtummten ſie beide vor Freude, Und vor Wehmuth. Die Pilgerin bat, nicht lange zu weilen! Denn ſonſt wuͤrden am Berge ſie noch die Strah⸗ len des Mittags Treffen. S. So nehm' ich von dir ſchon wieder Abſchied! Auf immer, Meine Cidli? Sie weint', und folgte der fuͤhren⸗ den Fremden. Semida blieb bei dem blutenden mit dem Gefaͤhr⸗ ten, und ſtaͤrkt' ihn. Als ſie ſich unterredeten, wo ſie ihn baͤrgen, er⸗ reichten Sie zween Maͤnner. Die waren des armen Leiden⸗ den Bruͤder. Und nun ſchieden ſie mit Dank, und mit Ruh von einander. Wenn du, ſagte der Fremdling, mich uͤber Tabor begleiteſt; Gehet dort ein kuͤrzerer Weg, als jene ſich waͤhlten, Und wir kommen zu ihnen, ſo bald ſie den Gipfel erreichen. Gg 2 4683 Der NMeſſias. XV. G. V. 1498— 1511. Denn es fließt der kleinere Weg mit dem großen zuſammen. S. Ja, ich bin dein Gefaͤhrt; doch mußt du zu⸗ ruͤck mit mir kehren. P. Nicht zuruͤck mit dir. S. Welch' iſt die Hei⸗ math, o Pilger, Die dein wartet? P. Mein warten in meiner 4 gluͤcklichen Heimath Himmliſche Freunde! S. So biſt du nicht arm, wenn redliche Freunde Dir dein Leben erheitern. O nenne mir ihre Na⸗ men. P. Ihre Namen? Du wirſt erſtaunen, daß ihrer ſo viel ſind. S. Viele Freunde! das macht mich erſtaunen: doch . nenne ſie. Freudig Sah der Pilger ihn an, und begann die Namen zu nennen. David!, Abraham! Noa! Melchiſedeck! Joſua! Hiob! Rahel! Joſeph! Debora! Und Semidg ſah ihn erſtaunt an. Doch bald ſtaunt er noch mehr. Denn des Pilgers Angeſicht wurde Roͤthlich, und ſchimmernd; doch wars erſt wenige Daͤmmrung von Schimmer. Auch ſchien Jonathan ſchwebend zu gehn. Je hel⸗ ler er wurde, —— —ᷣ Funfzehnter Geſang. 469 XV. G. V. 1512— 1525. Deſto blaͤſſer vor Freud', und vor Furcht ward Se⸗ mida's Antlitz. Aber ihn ſtaͤrkte ſein Freund, und fuͤhrte den be⸗ benden weiter. Auf dem andern Wege ſtand auf Einmal der Reiſe Frohe Gefaͤhrtin, die Pilgerin ſtill, und ſprach zu der Mutter: Weiter folge du nicht. Die auferweckte des Mitt⸗ lers Sieht die hoͤhren Erſcheinungen nur. Sie glaͤnzte verwandelt. Nimm jetzt Abſchied. Sie ſagt' es der ſinkenden Mutter, und hielt ſie. M. Abſchied von meiner Cidli, von der ich niemals mich trennte? Komm bald wieder, o himmliſche Tochter, und ſa⸗ ge mir armen, Was du ſahſt. Gott ſegne zu dieſer Erſcheinungen Heil dich! Geh nach Salem hinab, ſo ſprach zu der Mutter Megiddo, Denn du ſieheſt ſo bald die gluͤckliche Cidli nicht wieder! C. Meine Mutter! der Herr geleite dich, meine Mutter!. Himmliſche Freundin! laß bald mich wieder die Mutter umarmen! 470 Der Meſſias. XV. G. V. 1526— 1539. Und ſie verließen die arme, die weinend den ſchei⸗ denden nachſah. Als ſie erſtiegen die Hoͤh', und vor Staunen Cidli kaum fragte, Sahe ſie fern in dem Cederſchatten Semida kommen Mit dem Pilger der nun in ſeinem Schimmer auch glaͤnzte. Semida ſah auch ſie. Die beiden Sterblichen ſtan⸗ den, Gingen, zitterten, ruhten. Auf jeder Seite begannen Strahlengeſtalten um ſie zu ſchweben, und ihnen zu laͤcheln. O wie glaͤnzten, noch unerkannte, der Greis, und der Blinde, 1 Und der verwundete Mann, und ſeine kommenden Bruͤder! Srenes Immer wurden der Himmliſchen mehr, und leuch⸗ tender immer Wer vermag die Entzuͤckungen alle mit Namen zu nennen, Welche die beiden ergriffen; wie ſie mit gefalteten Haͤnden Staunend umherſahn, wieder den Blick zu der Er⸗ de ſenkten! Fragen wollten, und in der bebenden Frage ver⸗ ſtummten! ——12 ———— Funfzehnter Geſang. 471 XV. G. V. 1540— 1549. Wie von Strahlen umgeben der nahen Unſterbli⸗ chen, wie ſie, Dann von Schimmer und ſanftzuliſpelndem Seg⸗ nen umgeben, Freudig waren, und bang! Sie kamen ſich naͤher. Da ſchwanden Ihre Gedanken! und ſie, die beiden gluͤcklichen wur⸗ den Schnell verklaͤrt! Sie ſchwebten daher, und um⸗ armten einander; Ach das erſtemal dort, und nicht in den Huͤtten der Trennung! Wiederſehen, o du der Liebenden Wiederſehen, Wenn bei dem Staube des Einen nun auch des Andern Staub ruht, Selbſt der Gedank' an dich iſt nur ein Traum von den Freuden Cidli's,(nun weinten ſie andere Thraͤnen) und Se⸗ mida's Freuden! ——— ſTITIIITIISIIISIſſſſſſſſſſſſſſſſſſnſn 1. 7 9 11 12 13 14 15 16 17