Leihbibliothek deutſcher, engliſcher und franzöſiſcher Literatur von Eduard Oktmann in Gießen, Schloßgaſſe Lit. A. Nr. 256. 5 6 Leih- und Leſebedingungen. 4 3 1. Offensein der Bibliothek. Die Bibliothek ſteht zur Em⸗ pfangnahme und Rückgabe der Bücher jeden Tag von Morgens 7 Uhr bis Abends 8 Uhr offen. 3 2. Lesepreis. Bei Rückgabe eines geliehenen Buches wird von jedem Tag 5 Pf. bezahlt. Die Zeit eines Tages iſt zu 24 Stun⸗ k den angenommen. 4. 3.(aution. Unbekannte Perſonen müſſen, bei Entgegennahme eines Buches, eine dem Werthe deſſelben entſprechende Summe hinterlegen, welche bei deſſen Zurückgabe von mir zurückerſtattet wird. 4. Abonnement. Daſſelbe muß voraus bezahlt werden und eträgt: V für wöchentlich 2 ½ BSücher: 4 Bücher: 6 Bücher: ☛ —————e: auf 1 Monat: 1 Mk.— Pf. 1 Mk. 50 Pf. 2 Mk.— Pf. „ 3„—„ 3„=—„„—„ 5. Auswärtige Abonnenten haben für Hin⸗ und Zurückſendung der Bücher auf ihre eigenen Koſten und Gefahr ſelbſt zu ſorgen. 6. Schadenersatz. Für beſchmutzte, zerriſſene’, verlorene und defecte Bücher(namentlich bei ſolchen mit Kupfern ꝛc.) muß der Ladenpreis erſetzt werden.— Iſt das zerriſſene beſchmunte, ver⸗ lorene oder defecte Buch ein Theil eines größeren Werkes, ſo iſt der Leſer zum Erſatz des Ganzen verpflichtet. 7. Ausleihezeit. Dieſelbe iſt auf 14 Tage feſtgeſetzt und wird beſonders darauf aufm erkſam gemacht, daß das Weiterverleihen der Bücher nicht ſtattfinden darf, indem Die enigen, welche die⸗ ſelben von mir geliehen, auch dafür zu ſtehe haben. —== Friedrich Kind's Theaterſchriften. Dritter Band. Leipzig 3 bei Georg Joachim Goͤſchen 1826. Herrn Friedrich Baron de la Motte Fouqus, Koͤnigl. Preuß. Major, Ritter des Jahannita Ordens ꝛc. mit hoher Achtung und bruͤderlicher Freundſchaft gewidmet. + ergn h a l. des dritten Bandes. I. Die Eroberung von England im Jahre 1066. Hiſtoriſch⸗ ²roſpantiſches Schauſpiel. 1805. 1. Prolog. 2 2 s S. 3. 2. Die Schwüre. Schauſpiel in zwei Acten. ⸗ 5 2— 11. 3. Wilhelm, der Baſtard, Herzog von Normandie, Trauerſpiel in fünf Acten.⸗⸗— 65. „ Zuerſt gedruckt unter der Aufſchrift: Wilhelm, der Eroberer, nebſt einer hiſtoriſchen Skizze, vorzüglich nach David Hume.(Leipz. und Züllichau, bei Darnmann, 1806.) t II. Die Truhe. Luſtſpiel in Einem Act. 1821. S. 209. Zuerſt erſchienen in Beckers Taſchenbuche für 1822. und in Dresden, Frankfurth am Main und Hamburg aufgeführt. III. Die Barden⸗Eiche. Gedächtnißfeier 5 in einem Aufzuge. 1814.*— 247. — Dieſe dramatiſche Phantaſie erſchien bei der erſten Wiederkehr von Körners Todestage, folglich zum 26. Auguſt 1814.(in großem Quart⸗For⸗ mat und mit einer, in Kupfer geſtochenen Ein⸗ rahmung, woran ſich die Wappen der Verbün⸗ deten, Armaturen und Sinnbilder, Pegaſus und Phönix, tragiſche und komiſche Maske, Leier und Schwert, das eiſerne Kreuz u. ſ. w. befanden.) Bald darauf ſolgte eine zweite, wohlfeilere Auflage, welcher der Heergeſang: „Die deutſchen Frauen“ beigefügt war. (8. mit 2 Vignetten.)— Von einer, vor Körners Zriny ſtatt gefundenen Aufführung der Eiche iſt wenig zu ſagen, da ſie höchſt dürftig ausgeſtattet war.— Einige Zeit ſpäter faßte der General⸗Intendant des Königl. Theaters in Berlin den Entſchluß, beide Dich⸗ tungen auf die Bühne zu bringen. Die erſtere wurde daher mit dem hier vorrangeſetzten Prolog, die letztere aber mit Chören und Bal⸗ let verbunden. Unvorherzuſehende Hinderniſſe verzögerten eine Zeitlang die Darſtellung der Barden⸗Eiche, und zuletzt unterblieb ſie ganz. Der Heergeſang hingegen iſt einige⸗ mal auf der Berliner Bühne gegeben worden. IV. Das Luſtſpiel auf der Treppe. In einem Act. 1810. ⸗ ⸗ ⸗ S. 265. Zuerſt erſchienen in der Sammlung: Roswitha. 1. Band. S. 133.(Leipz. b. Hartknoch. 1811. I. Die Eroberung von England im Jahr 1066. Hiſtoriſch⸗romantiſches Schauſpiel. 18 0 z. Theaterſchr. III. 3 . ₰ Perſonen. Klio. Melpomene. Avanture, mit ihrem Gefolg. Ein Verhüllter. Eine weiß Verſchleierte. Ein Nekromant. Erſcheinungen. Angenehmer Hain. Im Hintergrunde der Tempel der Schauſpielkunſt. 5 Klio, eine majeſtäriſche Geſtalt in einfachem grauen Gewand, eine Pergamentrolle in der rechten Hand, unterm linken Arm Stammbäume, Wappenbilder und Briefe mit herabhängenden Siegeln, und Melpomene, gleichfalls etwas moderniſirt, in einer Hand Maske und Dolch, in der andern den Stab des Komus, kommen Arm in Arm. Klio. Ich will vor Euern Augen jetzt ein Bild aus alter grauer Zeit entfalten, will aus Koͤnigs⸗Gruͤften Schatten rufen; denn vor meinem Blick verſchwindet nichts, und wie die Sonne heut vergeht in Feuerwolken, um, gleich dem Phoͤnix, der in Flammen ſtirbt, in gluͤh'nden Wolken morgen zu erſtehn; wie in des Aetna nimmerſattem Schlund das Feuer raſtlos gaͤhrt, und kurze Stille der nahen Fiur nur wildres Wuͤthen droht: ſo ſterben Menſchen; doch die Sonne wandelt, nicht achtend auf der Erdbewohner Treiben, in ew'gen Bahnen fort; die Menſchheit lebt, und wo Ihr Abends uͤber Euerm Haupt ——— den hellen Himmel ſeht, hat naͤchtlich leicht ein Wetter ſich geſammelt, blitzgeſchwaͤngert. So folgt mir denn im Geiſt nach jenem Meer, nach dem Canal, ins heitre Gallien, und nach dem ſtolzen Eiland, das Neptun mit wilden Wogen jedem Feind verſchanzt. Nach fernen Tagen wendet Euer Aug', wo hohe Kraft bei feſtem Glauben wuchs, der Lorbeer mit der Mirte ſich verſchlang, und, ſie beſchuͤtzend, kuͤhner ſich erhob. Zwar nie geboren ward die Wunderwelt, wovon die Liebe und der Glaube fabelt. Die Gegenwart umgiebt Vergangenes mit ſuͤßer Traͤume roſ'gem Zauberſchein; das goldne Alter ward vom ſilbernen erzeugt, und jene ſanfte Schaͤferwelt war Tochter, nicht die Mutter, blut'ger Zeit; der fruͤhern Tage Wunderkraft und That beſang der Harfner, und der Enkel glaubte, und neidete der Vaͤter ſelig Loos, das ſie den Ahnen laͤngſt beneidet hatten; ſtets lebte nur der Glaube, nicht das Wunder; doch ward vom Glauben Wunderthat geboren. Melpomene. Und Glauben fodr' ich heute auch von Euch, ſo Euch geliebt, an meiner Hand zu wandeln! Denn, wie die Hirtin auf der Fruͤhlingsflur nicht jede Blume, nur erwaͤhlte, bricht, um einen Kranz von ſolchem Farbenſpiel, * wie ſie vermeint, daß er am beſten kleide, von lieblich⸗wechſelnd, reizendem Geruch zum frohen Feſt, zum Ringelreihn zu winden: Man hört in der Ferne eine ſanfte Muſik. Auf Roſen⸗ wolken und von Schwänen gezogen, ſchwebt, von beiden Muſen unbemerkt, Avanture auf einem blumenbekränzten Wagen herab. ſo widert auch des Dichters freiem Sinn das enge kleine Leben; er erkennt nur das Geſetz, das er ſich ſelber gab, nur das Geſetz, das ſeine Freiheit ſtuͤtzt, und tief in ſeiner Bruſt, wie in den Sternen, geſchrieben iſt mit ewig heller Schrift; er raubt ſich aus der Horen Schweſterkreiſe nur Taͤnzerinnen, die ſein Aug' gewannen, verlebt in Augenblicken Mond und Jahr, und, wenn Ihr nicht mit leicht beſchwingtem Geiſt mit ihm durchfliegen moͤgt den weiten Raum, ſo kehrt zuruͤck und ruht am eignen Heerd! Das ſind nur Tropfen fuͤr das Taggewuͤrm; doch keine Ufer kennt der ew'ge Wille; nichts hemmt den Fluͤgelſchwung der Phantaſie! Drum muͤßt Ihr auch— Avanture, ein junges, üppig blühendes Mädchen in der phantaſtiſchen Kleidung eines Ritterfräuleins, iſt ausgeſtiegen. Ein ſchö⸗ ner Negerknabe und ein Zwerg, folgen ihr als Knappen⸗ Der erſte trägt eine bunte, mit Kränzen und Bändern ge⸗ ſchmückte Lanze und einen Schild mit Deviſe und Sinnbild; der andere ein Hifthorn und einen Schäferſtab. Avanture 8 tritt zwiſchen beide Muſen, und häͤngt ſich ſchmeichelnd an ihre Arme. Drum, holde Schweſtern! muͤßt Ihr auch verzeih'n, daß ich herniederſchwebe, und Eure duͤſtern Reih'n mit buntem Licht und Schein und Zauberſpiel belebe. Ihr ſchweigt?— Nun wohl! ſo fuͤhre ich ſelbſt mich ein. Ich bin die juͤngſte Muſe, Avanture; der Liebe Wunderland iſt mein. Ich treibe mit lockenden Toͤnen den Ritter uͤber Land, uͤber Meer; mir folgen die zarten Schoͤnen gewaffnet, wie Maͤnner, zum Heer. Ich gaukle und ſchaukle durch Wolke und Welle, vom Himmel zur Hoͤlle, und reiße die trunkenen Sinnen von hinnen, von hinnen; mir gilt es gleich, ſei's moͤglich oder nicht; wenn's nur vergnuͤgt, ſo acht' ich keine Schranken; das Ungeſchaffne ruft mein Wort ans Licht; mein Flug iſt ſchnell, wie Blitze und Gedanken. Klio. Haſt du geendet, junge Schwaͤtzerin? Avanture. O laß mich, Schweſterchen! hier ſind wohl Viele, — — die guͤnſtig lauſchen meinem muntern Spiele— Du zweifelſt?— Pruͤfen wir's!— mein Mohr! reich' mir den Speer— Zu den Zuſchauern.. ich zaubr' Euch gleich was vor! Mohr reicht ihr die Lanze. Sie ſchlägt damit an eine Säule des Tempels. Augenblicklich wird die ganze Gegend verfinſtert; der Tempel verſchwindet unter einem Donnerſchlage, und Ruinen eines alten, halb zerſtörten Gebäudes zeigen ſich in tiefer Perſpective. Ein Ver⸗ huͤllter mit einer Fackel, und eine weiß verſchlei⸗ erte Jungfrau kommen gegangen. Der Verhüllte ſchlägt die Fackel an einem Felſen aus, und ermuntert die Jungfrau, an die Pforte des Gebäudes zu klopfen. Ein neuer Donner, und man erhlickt das Innere einer dunkeln Höle, nur von einer Lampe erleuchret. Ein Schwarz⸗ kuͤnſtler wirft Kräuter in ein ſonderbar geformtes kupfer⸗ nes Becken. Plötzlich praſſelt mit unterirdiſchem Krachen eine Flamme aus der Erde, entzündet das Rauchwerk. Der Zauberkeſſel verſinkt, und eine dichte ſchwarze Rauchſäule ſteigt aus der Erde. Der Verhüllte tritt vor. Wo der Keſſel verſunken iſt, ſteigt ein Todten geripp, mit der päbſtlichen Tiare bekleidet, aus der Erde, und zeigt dem Verhüllten die dreifache Krone mit der einen, eine Eiſenkette mit der andern Hand. Der Verhüllte ſtreckt die Hand nach der Krone aus, und die Erſcheinung verſchwin⸗ det. Jetzt tritt die verſchleierte Jungfrau vor. Ein ſchöner, ſchwarzgekleideter Genius ſteigt auf, und beut ihr eine königliche Krone. Sie ſchlägt dieſe aus. Der Genius verſinkt. Eine bedeckte Todtenbahre, vor dieſer ein ſchwarz Geharniſchter mit herabgelaſſe⸗ nem Viſir, kommen aus dem Boden. Sie will auf die Bahre zu. Der Geharniſchte warnt ſie mit der Hand. Da ſie gleichwohl ſich nähern will, berührt er das Leichentuch, 10 welches ſich ein wenig herabzieht. Die Jungfrau ſtürzt zu Boden.— Dieſe ganze Pantomime von paſſender, unter⸗ irdiſcher Muſik begleitet.. Welpomef 8 Genug des Sinnentruges! Das Vergnuͤgen iſt eine ernſte Sache— Avanture. Wostt es man obſchon die Zauberei wohl ſinn'ger war, als man es ſollte meinen. Sie ſchwingt wieder die Lanze, und alles verſchwindet. Doch, liebe Schweſtern! laßt uns jetzt vereinen; denn ich geſteh' es frei, ich wuͤrde ungerufen doch erſcheinen! 3. Sie gehen Hand in Hand nach dem Tempel. i e Schwüuͤre. Schauſpiel in zwei Aufzuͤgen. Perſonen. — Wilhelm der Baſtard, Herzog von Normandie. Alice, Robert Gambaron,» ſeine Kinder. Conſtanze, Alain Fergand, Graf von Bretagne. 4 Harold, Graf von Weſſer, Suſſer, Kent und Eſſex⸗ Aimar aus Aquitanien, Wilhelms Canzler. Robert, vertriebner Erzbiſchof von Canterbuxy. Lanfranc, mailändiſcher Mönch. Emma, Alicens Hoffräulein. Ein Höfling und mehrere Hoffräuleins. . 7 Die Scene iſt zu Rouen in der Normandie. Erſter Aufzug. Erſter Auftrit. Rouen. Ein Zimmer des Schloſſes daſelbſt. Robert, ehemals Erzbiſchof zu Canterbury, und Lanfranc, mailändiſcher Mönch und geheimer Abgeſandter des Pabſts, Alexander des Zweiten, treten ein. Erzb. Robert. Seid mir geſegnet unter den Normanen, ob freud'ger ſchon dort zu Canterbury, an meiner Kathedral, ich Euch empfing, wo Stigand jetzt das Heiligthum entweiht— ¹) Lanfranc. Werd' ich Gehoͤr erlangen bei dem Herzog? Erzb. Robert. Noch dieſen Morgen! Ehrerbietig harrt er, was der heil'ge Vater ihm gebiete; doch dank' ich's gern der Gunſt des Ohngefaͤhrs, 14 die uns erſt heut des Herzogs Canzler, Aimar, zuruͤck erwarten laͤßt, daß mir vergoͤnnt, Euch bei dem Herzog einzufuͤhren; denn es duͤnkt mir heilſam fuͤr die Shriſtenheit vorher mit Euch— Lanfranc. Auch haͤtt' ich ohnedieß mich dem Regenten nicht genaht, bevor vereinigt wir der Kirche Heil berathen. Erzb. Robert. Seit Jahren ſchon wuͤnſcht' ich den Mann zu ſeh'n, den ſtolz das ſchoͤne Mailand ſeinen Sohn, das heil'ge Rom der Diener treuſten nennt; und lange ſchon hab' ich nach ſichern Briefen ihn hier erwartet— Lanfranc. Dreißig Tage hielt mich ein Orkan im Haven. Erzb. Robert. Dieſen Sturm— verehrt mit mir den maͤcht'gen Herrn der Wellen! hat eine hoͤhere Gewalt empoͤrt. Lanfranc. Ihr ſprecht in Raͤthſeln— Erzb. Robert. 4 Die ich loͤſen werde! Wißt, dieſer Sturm, der Euer theures Leben, 15 der Roms erwaͤhltes Ruͤſtzeug uns erhielt, ergriff den ſtolzen, ſtillverborgnen Feind, gab ihn in unſre Hand⸗ Ihr ſeid zur ſchoͤnſten, zur folgereichſten Stunde hier gelandet! 4 9. Lanfranc. Ehrwuͤrd'ger Herr, ſprecht deutlicher! Erzb. Robert. Ihr wißt, daß Eduard, der fromme Brittenkoͤnig, an dieſem Hof als Juͤngling Schutz gefunden— ¹²) daß er Gehorſam, ſtrenge Gottesfurcht, und unſre mildern Sitten liebgewonnen, und, als ihn Gottes Gnade auf den Thron der Vaͤter dann erhoben, den Normanen der irren Heerde Leitung uͤbertragen;— daß Godwin bald mit frechem Uebermuth die Fahne der Empoͤrung aufgeſteckt, und, mit dem Schwerte in der droh'nden Fauſt, dem Koͤnige Vertraͤge vorgeſchrieben; daß er mit arger Liſt zwar Sohn und Neffen zu ſeiner Treue Unterpfand gegeben; doch, trotzend auf die ungebeugte Macht, mit unerſaͤttlich, ruchlos wilder Gier die Prieſterſchaft verfolgt, aus ihren Kloͤſtern der Moͤnche Schaar verjagt— Lanfranc. Der heil'ge Vater 16 verlas mit tiefer Wehmuth Eure Klagen, und hob die Augen feurig zu den Wolken. Erzb. Robert. Dem Afterbiſchof Stigand mußt' ich weichen; vor Godwins Schaaren konnte ſelbſt den Primas der Koͤnig nicht beſchuͤtzen; denn die Flamme des Aufruhrs war mit Aſche nur gedämpft, und loderte im Innern; ſtuͤndlich drohte mit lichtem Brand der ſchaͤndliche Verrath! Umringt von ſtolzen, meutriſchen Vaſallen, ſah Eduard die Koͤnigsburg nicht ſicher, und ſandte Godwins Geiſeln an den Herzog. Lanfranc. Und dieſe Geiſeln? Erzb. Robert. Heute ſind ſie noch in Wilhelms Haͤnden; doch, wer weiß, ob morgen? Lanfranc. Wie das?— iſts moͤglich, Robert? Erzb. Robert. Drum vergoͤnnt, daß ich aus Tiefen der Vergangenheit zum hellen Licht Euch leite!— Eh' ich floh, vertrauete der Koͤnig meiner Bruſt, was er nicht den gepruͤft'ſten ſeiner Raͤthe, was er der Schrift nicht zu vertrauen wagte. 8 17 ei eLanfranc. eri!.Jeiles Ich ahne— tiefer Sinn lag in des Herzogs demuͤth'gem Schreiben an den heil'gen Stuhl: „Noch fleh' er nur um Alexanders Segen, doch bald vielleicht um ſeinen maͤcht'gen Schutz, um ſeinen Richterſpruch vor allen Voͤlkern!“ Erzb. Robert. Der bittre Haß, den in des Koͤnigs Bruſt der Mord des Bruders Alfred gegen Godwin in fruͤher Jugend ſchon entzuͤndet hat,. doch mehr ein Eid, den einſt in meine Hand der eifrige Bekenner abgelegt, das heilige Geluͤbd, vor ird'ſcher Luſt den gottgeſalbten Koͤrper zu bewahren, lies ihn das Bett der koͤniglichen Frau,. der Tochter Godwins, Editha, ſtets meiden, und ohne Zweige ſah er ſeinen Stamm. Da ſchaut' er um nach einem wuͤrd'gen Haupt, es ſterbend mit dem Diadem zu ſchmuͤcken. Im fernen Ungarn lebte Eduard, ſein Neffe, mit dem jugendlichen Sohne, mit Edgar Atheling; der greiſe Godwin ſchien in dem Erben, Harold, zu erſtehen, und beide ſtreckten ſchon die freche Hand mit gier'gen Blicken nach dem britt'ſchen Scepter. Lanfranc. Und was beſchloß der Koͤnig? Erzb. Robert. Was ich ihn Theaterſchr. III. ch 5 2 18 beſchließen lies zum Wohl der heil'gen Kirche! Er blickte dankbar nach der Normandie, dem frommen, muͤtterlichen Pflegeland, und gnaͤdig auf den Ruhm des jungen Herzogs, des edlen Neffen aus der Mutter Stamm. Mit Freuden goͤnnt' er Wilhelm ſeine Krone, und, als nur Flucht mein Leben ſichern konnte, befahl er mir, ihm ſolches zu verkuͤnden. Lanfranc. Und was that Harold nach des Vaters Tod? Erzb. Robert. Was zu erwarten ſtand vom kraͤft'gen Mann, der ſchon als Juͤngling dem rebell'ſchen Vater aus Irland fremde Voͤlker zugefuͤhrt!— Zwar oͤffentlich gelobt' er Huld und Treue, und flehte dringend um der Geiſeln Loͤſung; doch heimlich mehrt' er ſeiner Freunde Zahl, mit Wehr und Waffen fuͤllt' er ſeine Schloͤſſer, beſtach des Poͤbels Herz durch reiche Milde, und ſchmaͤhte, um auf ſich die Wahl zu lenken, mit bitterm Hohne jedes fremde Joch. Schon ſpaͤht' er raſtlos, bis dem kranken Koͤnig das Auge braͤch, von ſeinem Bett die Krone zu rauben, und ſich ſelbſt aufs Haupt zu ſetzen; da winkte Gott den Stuͤrmen, ſeinen Dienern, und warf den Stolzen huͤlflos auf das Meer. Lanfranc. O heil'ge Macht des Himmels! 19 Erzb. Robert. SHeitern Muths, bei heitern Luͤften, kreuzt' er an den Kuͤſten; da ward der Himmel ploͤtzlich ſchwarz umzogen; es wandte ſich der Wind; ein jaͤher Sturm, wie keiner noch gewuͤthet, warf die Barte jetzt zu den Wolken, jetzt zum tiefſten Grund, dann ruderlos und faſt zerſchellt ans Ufer, Mah an das Gebiet des Guy von Ponthieu. 1 Lanfranc. Und dieſer—?2 Gr b. Robert. Nimmt den Scheiternden gefangen, und fodert, ſchlau erwaͤgend, daß die Zeit den Thronbewerbern hoch im Preiſe ſteige, ein unerſchwinglich Loͤſegeld von ihm. Jetzt ſiehet Harold bang nach Huͤlfe um, und nur ein einz'ger Retter zeigt ſich ihm, der maͤcht'ge Herzog von der Normandie!— Es gluͤckt, geheime Botſchaft abzuſchicken, daß er, als Eduards Geſandter, ſich zum Herzog von der Normandie begeben, um jene Geiſeln, Godwins Sohn und Neffen, aus langer Haft nun wieder zu befrei'n, R. ſo wie die eigne, lang vergeßne Werbung um Wilhelms edle Tochter zu betreiben; in ihm ſei nicht ſein Koͤnig nur beleidigt, der Herzog auch, zu dem er ſchiffen wollen! 20— Lanfranc. Ein kluger Mann, der Harold! Erzb. Robert. 12. Ktug genug als Britte, doch er findet ſeinen Meiſter! Des Herzogs Falkenblick durchſchaut den Trug; doch glaubt er gern den Vorwand, ſpricht von Rache, und ſendet augenblicks den Sohn mit Aimar aus Aquitanjen zu Graf Ponthieu. Er fodert die Geſtrandeten, und droht, im Weigrungsfall ſie mit dem Schwert zu loͤſen. Zugleich muß Aimar den Gefangnen ſelbſt der waͤrmſten Neigung ſeines Herrn verſichern, im Voraus ihm der werthen Geiſeln Freiheit, und ſelbſt die Werbung aus vergangner Zeit um der Prinzeſſin ſchoͤne Hand gewaͤhren. Doch freilich— heiſcht des edlen Herzogs Wunſch, die Wichtigkeit ſo heiliger Vertraͤge, daß Harold den erfreulichen Entſchluß vollziehe, und ſich ſe lb ſt am Hofe zeige. Lanf ranc. Ein ſeidnes Netz, den Leopard zu fangen! Erzb. Robert. Daß alle Godwins ſchon gefeſſelt laͤgen! Sie ſind die Feinde Gottes und der Kirche. Lanfranc. Doch folgte Harold dieſer Lockung willig? 21 Erzb. Robert. Er liebte nie den Herzog, doch er ſah in ihm auch nie des Koͤnigthumes Erben, und wen'ger jetzt, da Atheling aus Ungarn von Eduard nach England war berufen; er ſah ſich ſelbſt als Herzog Wilhelms Eidam um manche Staffel ſchoͤn dem Throne naͤher; er war gefangen, war in Aimars Hand.— Mit waͤrmſten Dank verehrt' er Wilhelms Gnade, ſchien uͤberraſcht— und, nach des Canzlers Briefen, ſieht Rouen heute noch— den Leopard. Lanfranc. 8 Vermuthlich giebt's nun hier recht lange Feſte! enErzb. Robert. 84 Wie meint ihr das? 3 La nf r anc. Was, glaubt Ihr, wird geſchehn? Erzb. Robert. Das iſt in Wilhelms eigner Bruſt verſchloſſen. Er iſt kein Eduard. Man ſieht nur Wolken, den Blitz nicht eher, bis die Eiche ſtuͤrzt. Lanfranc. Gefangen Harold hier zu halten? Erzb. Robert. Nein! das wagt er nicht. Lanfranc. Was waͤre da zu aongen e 833 Erzb. Robert.. Zu furchtbar iſt in England Harolds Macht, am Geiſt ihm gleich ſein tapfrer Bruder Gu rth; auch lebt in Atheling der rechte Erbe, und Englands Buͤrger liebt den alten Stamm. Hier gilt's, die Taube durch den Weih zu wuͤrgen, eh' beide dann der ſchnelle Adler faßt. Lanfranc. Ihr rechnet gut! Bei Gott! ich bin begierig— 195 Erzb. Robert. Was auch der edle Herzog wird erwaͤhlen, es iſt das Weiſeſte— Lanfranc. Ich zweifle nicht, und ehre hoch die Wuͤrde meiner Sendung. Erzb. Robert. So folgt mir jetzt zum Herzogt Denn ihr kennt die Gegend-— Lanfranc. Dank, Herr Erzbiſchof! In Rom ſoll mein Bericht fuͤr Euern Eifer zeugen. 8 Beide ab. Zweiter Auftritt. Alleen des Schloßgartens. Robert Gambaron„ Erbprinz von Normandie, und, Alain Fergand„Graf von Bretagne, beide nur leicht gewaffnet, kommen Arm in Arm. Prinz Robert. 9 So ſprich doch, guter Alain!— Faſt erkenne ich Dich nicht mehr, ſo ganz biſt Du veraͤndert, und kaum iſt's noch ein Monat, ſeit wir ſchieden. Der Auftrag, den mein Vater mir vertraut— was ſag' ich, mir?— der Canzler war das Haupt, das nur die Strahlen lieh vom einſt'gen Herzog— den haͤtte Aimar auch allein verrichtet. Ich bin nicht an dem rechten Platz, wo nur durch liſt'ge Wendung Vortheil zu erſchleichen, wo der Gedanke ſich des Wortes ſchaͤmt. Wo Herz zum Herzen ſpricht, da taug' ich hin, und find ich einen tapfern, edeln Mann, wie Harold, biet' ich offen ihm die Hand. Das moͤgen ſie nun nicht. Der kluge Aimar, der hatte ſtets zu deuteln und zu meiſtern. Drum ließ ich ſie zuſammen, ritt zum Forſt, hielt Ringelſtechen mit den Soͤhnen Guys, und zaͤhlte jeden Morgek, jede Stunde, die mich den Freunden wieder naͤher brachte. 24— Vor Morgen noch beſtieg' ich heut das Roß, voraus zu eilen. Nirgends fand' ich Dich. Doch endlich, ja! Du liegſt am Rand des Bachs, indeß dein Helm am Aſt der Eiche haͤngt, und ſchauſt mit Truͤbſinn in die klare Fluth, als waͤre Dir die ſchoͤnſte der Ondinen mit gelbem Haar und runder Bruſt erſchienen. Ich rufe Dich— Du taumelſt auf und bebſt, als waͤr' ein Blitz vor Dir herabgefahren; Du fliegſt mir an die Bruſt, umarmeſt mich mit Feuer, faſt mit Thraͤnen, bitteſt dann, nach dieſem Schattengang Dich zu begleiten; Du ſchlaͤgſt das Auge nieder, hebſt es bald ſchwermuͤthig dann zum Himmel— ſagſt kein Wort. Se ſprich denn— ds Alain Fergand. Ja, ich will, ich muß, mein Robert! Nicht laͤnger traͤgt mein Buſen dieſe Zweifel. Doch eh' ich Dir mein Heiligſtes vertraue, vergoͤnne mir, die Stunde zu erneu'n, da Dir den juͤngern Bruder auf der Jagd der Eber niederwarf, Du an dem Leichnam mit Thraͤnen knieteſt, und ob Rufus ſchon Dir nahe ſtand, mit inn'ger Wehmuth riefſt: „Wer giebt mir einen Bruder, wie den Todten?“ ³) Pr. Robert. Nun ja!— Du weinteſt auch— mit trocknem Auge ſah ich den Rufus, als bedaͤcht' er ſich, 18 wie hoch die Erbſchaft ſteige; doch die Doggen, ſie krochen winſelnd um den Todten— Du, Du zogſt mich an Dein Herz— *Alain. .. Und wir gelobten uns feſte, ew'ge Brudertreue bis zum Tod! . Pr. Robert.„ Nun ja doch, Alain!— Hab' ich ſte verletzt 2* Giebts einen, der Dich kraͤnkt— ſei's auch mein Bru⸗ 28 der— der Herzog ſelbſt!— ich bin in Dir gekraͤnkt! 8 Sprich, ich beſchwoͤre Dich; wer ſind die Feinde, die nicht Dein Muth, Dein tapfrer Arm allein zu Boden ſchmettert— ich, ich bin Dein Kaͤmpfer! Wir ſtreiten, ſiegen, ſterben mit einander! Sa leir.. Der Feind, der mich beſiegen wird, liegt tief in meiner eignen Bruſt Pr. Robert. . Wie? was? Du liebſt? und Deiner Liebe droht ein Mißgeſchick? Du biſt verliebt, mein Alain!— Das iſt ſchoͤn! Nun, endlich zeigt ſich mir ein Abenteuer, das Muth erheiſcht und ritterliche Uebung! . Alain. O mehr, als Muth und ritterliche That! — Pr. Robert. Sei ruhig, Freund!— und ließ im tiefſten Thurm ein Zauberer die Herzensdam' bewachen; — 26 gaͤb's Greifen dort und gruͤngefleckte Schlangen; hielt ſie der Rieſe Atlas auch gefangen, und ſperrte ſelbſt der gift'ge Hoͤllenwurm die Eiſenpforte mit dem Feuerrachen: wir retten ſie von Rieſen und von Drachen. Alain. Gieb mir Gehoͤr. Denn kurz iſt unſre Zeit, und Vieles hab' ich Dir noch zu entdecken! Eh' ich, der Vaͤter alten Zwiſt zu ſchlichten, 4) an dieſem Hof mich zeigte, ſchien die Welt ein gruͤner Garten mir, doch blumenleer. Vom tapfern Vater finſtern Ernſts erzogen, ſehnt' ich mich wohl hinaus— doch wie der Vogel, den ſchon im Neſt der Eiſenkaͤfig faßte; er ſieht der Baͤume lieblich Gruͤn, doch kennt er nicht den Fruͤhling und der Luͤfte Raum.— Da ſah ich Deine Schweſtern— . Pr. Robert. Meine Schweſter!— Iſts wahr?— Ha, Boͤſer! und ſo lange konnteſt Du mir dieß bergen? Pfui, ich ſollte grollen; doch ich vermag's nicht. Komm in meinen Arm! Ha! in die eigne Schweſter koͤnnt' ich mich verlieben, die ſich meinen Alain warb! Alain. Alice iſts— Pr. Robert. Alice?— Gut, Du ſollſt ſie haben, Alain! Nimm mein Nitterware⸗ 27 Er beut ihm die Hand. Alain tritt zurück. Du ſchlaͤgſt es aus? R e Alain. 2e a Wiie ſollt' ich an mich reißen, was Du bereuen koͤnnteſt! Pr. Robert. 9. .2813 Und warum? Wird Deine Liebe nicht erwiederte Alain. 2uCAch, ich hofft' es einſt. Ich las in ihren Blicken, in ihrem Aug', dem Spiegel ſchoͤn'rer Himmel, in ihrer Wangen zartem Roſenhauch, wenn ich ihr nahte, wenn ich von ihr ſchied, in manchem fuͤßen Ton, den nur die Liebe, der Liebe nur verſtaͤndlich, ſtill entlockt, daß ſie es wiſſe, wie ich ſie verehre, und huldvoll blicke auf die Huldigung. Nun liebte ich die Erde— und mein Leben weiht' ich der Hoffnung und dem Ritterthum; am Arm der Liebe winkte mir der Ruhm, mich wuͤrdig zu der Schoͤnſten zu erheben. Pr. Robert. 1 Und darum uͤbteſt Du ſo manche That, die ſelbſt die Edelſten Dir neiden mußten? und darum wirkteſt raſtlos Du im Stillen, die Vaͤter zu verſoͤhnen? gabſt dem Herzog in ſeinem Feind den treuſten Bundsgenoſſen? ————— Alain. Ich laͤugn' es nicht. Was konnt' ich weniger fuͤr Sie, und fuͤr Alicens edlen Vater? Um dieſe ſchattenreiche Ulme rankte ſich, wie die Rebe, meine Hoffnung auf, der Zweige ſchoͤnſten liebend zu erklimmen, und freundlich ſchien's die Ulme zu vergoͤnnen. Doch unerkannt erhob ſich eine Wolke; dem Traubenſchoͤßling droht ein wilder Sturm. Pr. Robert. Was fuͤchteſt Du! Alain. Noch kenn' ich nicht den Feind. Im Dunkeln lauert noch der Geiſt des Ungluͤcks und oͤffnet nicht das Gitter ſeines Helms; doch ſagt mir Alles, daß er haͤmiſch lauſcht. Pr. Robert. Du ſiehſt Geſpenſter, wo nur Schatten ſi ſind; Verliebte zuͤrnen, um ſich zu verfͤhnemt Alain. O nein, mein Robert! Du verkennſt Alicen! In dieſe ſchoͤne himmelreine Seele faͤllt nur des Himmels holder Widerſchein; nichts Niederes kann ihre Neigung truͤben. Doch ſeh' ich ſeit dem Tag, da Du Dich trennteſt, daß ſie mit Kampf, mit ſelbſtgeſchaffner Qual, mich meidet, daß ſie gern mich haſſen moͤchte; doch daß der Dolch, der meinem Herzen droht, ——— 29 auch ſie verwundet.— O was Schreckliches ſchwebt unvermeidlich uͤber unſerm Haupt. Pr. Robert, mit ſchneller Bewegung der Hand an die Stirn, halb vor ſich. lunet t. nen Ja, ich beſinne mich— ja, ja, ſie ſprachen von engerer Verbindung, von— 8 1121 AlAf.„6h 1 Kae t Jr e.... Was ſagſt ODuz. n u Pr. Robert, Höchſt beſtürzt und zerſtreut. Nein! nein! das meint' ich nicht— ich glaube— ich meinte nur— 1 12 Alain.. 21 O endel ſprich es aus! acp. Robert. Ich weiß ja nichts, gewiß nichts— nichts beſtimmtes! Ich meinte nur—— ich wollte ſagen, ſieh! ich wundre mich nur uͤber Deine Wahl. Ich habe ja der Schweſtern mehr— die aͤlt'ſte, ja Cicily iſt zwar im Kloſter— doch, da iſt die juͤngere Conſtanze— o! das iſt ein liebes gutes Herzensmaͤdchen— die iſt viel muntrer, bluͤhender, weit raſcher— die koͤnnte Dich erheitern— und ich weiß, ſie ſieht Dich gern, ſie iſt Dir gut. Ich glaube, —— —õ 30 die ſchickte ſich weit beſſer noch fuͤr Dich, und— wen'ger waͤr' auch da wohl zu bedenken. Man hört ganz in der Ferne Muſik und Geſang. . Alain. Du ſcherzeſt grauſam! Pr. Robert. Nun, was kann ich denn Erwuͤnſcht'res ſagen? Du verſchmaͤhſt mein Wort, das ich Dir geben wollte fuͤr Alicen; nun biet' ich Dir Conſtanzen—— Laß mich nur erſt mit dem Herzog ſprechend Heute noch ſoll es geſchehn— Du— 2 woüütsſte Du d kicht lieber Alicen ſelbſt befragen 2 Alain.— Ja, mein Bruder! und darum bat ich Dich, mich zu begleiten, Ich fuͤrchtete, allein die zarte Sitte der Fraͤulein zu beleidigen— und hier pflegt Alix jeden Morgen luſtzuwandeln. Der Bruder darf ja ſtets der Schweſter nahn! 2 Pr. Robert. Recht gern!— Nur wuͤnſcht' ich, daß ſie bald Ich habe Eile; bald wird Aimar kommen, und dann muß ich zum Herzog—— Hoͤre doch, iſt's nicht Conſtanze, die ſo froͤhlich trillert? Dritter Auftritt. Die Vorigen. Conſtanze zeigt ſich in der Ferne mit ihren Hoffräulein, welche Lauten und Blumenkörbchen tragen. Etwas ſpäter Alice, mit zurückgeſchlagenem Schleier, in einer von der Tracht der übrigen abweichenden Kleidung von weißer Seide, mit Emma, die Trauer trägt. Conſtanze und einige Hoffraͤulein —: unter Lautenmuſik. „Nimm an von mir, du Maͤgdlein hold!“ ſo ſprach der duͤſtre Zwerg— „dieß Straͤuschen von hellem Rubin und Gold, gewachſen im tiefſten Berg. Sieh, jedes Blatt iſt ein Smaragd— ich nahm's dem Greif in dunklem Schacht.“ „Ein Veilchen aus des Liebſten Hand, entfaltet am Sonnenlicht,. iſt mehr als Perl' und Diamant, dem Duft und Leben gebricht"“— Der Geſang erſtirbt allmählig, da ſie ſich nähern und Conſtanze zu ſprechen anfängt. nn. 3 Conſtanze, abwechſelnd zu Robert und Alain. Sei mir willkommen, lieber Bruder!— ſeid gegruͤßt, Herr Ritter!— Biſt Du wieder da? und iſt der Ritterzug nach Wunſch gelungen? —õ—õ———— Gabs nichts von ſchoͤnen Damen, Ungeheuern, von Sylphen, Mohren— ach, die Ritter denken jetzt gar nicht an der Maͤdchen Maͤhrchenluſt. — Pr. Robert. Wohl that ich Wunder, knickte manchen Speer— beim Carrouſſel, im Jagdgeheg des Guy! Triumph dem Sieger!— Schade, daß Dein Freund Dich nicht begleitet; der hat unterdeß den Ring erhaſcht, ſich unſichtbar zu machen— Komm, komm doch her, Alice! unſer Bruder hat mit gar fein erdachter Zierlichkeit den Wald gewaͤhlt, die Ruͤckkunft uns zu melden. Pr. Rober t, herzlich. Da bin ich, liebe Alix! Alice. Lieber Bruder! Pr. Robert, mit einem Blick auf Emma, die ſich, da ſie es bemerkt, ſchnell unter den übrigen Hoffräulein verliert. Wer iſt denn jene, die im ſchwarzen Boy den Freudenglanz der Schweſterſterne truͤbt? Alice. Ein frommes Maͤdchen, der den Braͤutigam, den bravſten Seemann, in dem letzten Sturm das Meer begraben. —,— 3³3 Pr. Robert, utmäthig. Nun, es findet ſich fuͤr ſie ein andrer wieder— 815 1 Alice. Ja, ein Andrer! Pr. Robert. Das arme Maͤdchen!— Doch wie geht's denn Dir? Alice.. Ich habe immer Dich zu ſeh'n gewuͤnſcht.— Auch Euch, Herr Ritter! ſieht man jetzt ſo ſelten. Alain. Kann Alix mich vermiſſen? Alice, artlich. Und Ihr zweifelt? ſchnell zu Robert gewandt. Du biſt doch wohl, doch heiter, lieber Robert? Pr. Robert. Wie immer, Schweſter!— Was kann unſer einem ſo Wicht'ges wohl begegnen? Haͤtte Alain die Haͤlfte nur von meiner Ruhe, von der blinden, ungluͤckſel'gen Gunſt des Zufalls, die ewig mich verfolgt, und meinen Arm vor Kampf bewahrt, wie meine Bruſt vor Kummer! Alice, die Augen niederſchlagend. Ihr ſeyd bekuͤmmert, Graf? Theaterſchr. III. 3 Conſtanze, heftig einfallend. O das wird ernſtlich, und Ernſtliches ziemt nicht fuͤr junge Maͤdchen! ſie ergreift Emma's Arm. — Kommt, liebe Schweſtern! laßt die Alten hier von dem, was Ritterpflicht, vom Dienſt der Minne, vernuͤnftig ſchwatzen; kommt zu Spiel und Tanz ins Krokusthal mit leichtem, offnen Sinne— mit einem Blick auf Alain. Es welkt die Mirte und der Lorberkranz! läßt ſich ihre Laute wiedergeben und fährt fort. „Iſt mehr, als Perl und Diamant, dem Duft und Leben gebricht. Behalt deine Steine und rothes Gold; ich bleibe dem ſchoͤnen Schaͤfer hold!“ mit allen Fräulein ab. Vierter Auftritt. Pr. Robert. Alain. Alice. Alice. Ihr ſeid bekuͤmmert, Alain?— an der Hand 1 des treuen Bruders darf ich's wiederholen. 3 Alain.. Und ſollt' ich nicht, Prinzeſſin?— Ja, ich muß 35 der ſtummen Liebe heil'ge Schranke brechen— Ihr ſeid bekuümmert, fragt Ihr?— 9 Ihr wißt, was ich empfinde; meine Hoffnung hat mich nicht betrogen! Alice. Manche Hoffnung ſtirbt, eh' ſie der Blaͤtter zarten Kelch entfaltet, und manche Zwillingsroſe bricht der Gaͤrtner, die Schweſter zu erhalten; manche welkt, daß nicht der Stamm verderbe, der ſie liebend mit ſeinem Leben naͤhrte— 4 Alain. — Gott! Ihr ſprecht mein Todesurtheil. Sprecht denn ganz es aus! O nennt das furchtbar Schreckliche, das Euch von mir entfernt— Alice. Seid Ihr auch ſtark genug?— Pr. Robert, oor ſich. Nein! ich muß fort. Mein Herz ertruͤg' es nicht, wenn ſie, die Ungluͤckſelige, dem Freund das Todeswort verkuͤndet. laut, mit Innigkeit. Theure Schweſter, ſei ſchonend! Sei ein Mann, mein edler Alain! Ich muß zur Audienz— Alice, aͤngſtlich. Auch Du willſt fort, mein Bruder?— wo iſt Emma?— Pr. Robert. Ich verlaſſe Dich bei dem beſſern, edlern Bruder! ab. Fuͤnfter Auftritt. Alain. Alice. Alice. Bruder? O wollt' es Gott! dann ging ich meinem Loos mit feſtem Muth, mit hoher Kraft entgegen, dann waͤr' mein heißeſtes Gebet erhoͤrt! Alain. Wir ſind allein, Prinzeſſin! Seit ich Euch verehre, wagt' ich's nie, mich ſo zu naͤhern.— So nehmt denn mein Geſtaͤndniß, das Ihr laͤngſt in meinem Aug' geleſen, und dann ſprecht, was Euer Herz Euch raͤth! Bei dieſer Liebe, bei Euerm Herzen, Alix!— ach, auf Erden kenn' ich nichts heiligers— Alice wendet ſich ab. O haltet ein! 37 Bei meiner Ruh', bei Eurem Gluͤck und Leben— Ihr toͤdtet mich— ich bin fuͤr Euch verloren! Alain. Verloren, ſagtet Ihr?— verſtand ich recht? verloren, Alix!— Was im Himmel und hienieden kann Euch mir entreißen, als Ihr ſelbſt? Alice. Der Staͤrkre und das Schickſal. Alain.— b— Nein! Die Liebe weicht dem Staͤrkern nicht; ſie kaͤmpft den Todeskampf mit jeder hoͤhern Macht! Alice. Wollt Ihr mit Harold kaͤmpfen? Alain. Ha! Mit Harold!— Das alſo war der Geiſt im ſchwarzen Helm, der mir im Traum erſchien, und mich vom Boden auf ſeine Schultern ſchwang— Alice, ſehr unruhig. O nichts davon! Die Geiſter ſind nicht unſre Freunde; ſtets nach blut'gen Opfern lechzt die Unterwelt— 38 Alain, ohne auf ſie gehört zu haben, nach einiger Beſinnung ſchnell. Alice, ſchenkt mir dieſe Roſe! Alice giebt ſie ihm vom Buſen. . Gern! Gern alle, die die Erde traͤgt!— Doch wie? warum dieß jetzt? * Alain, der die Roſe auf ſeinen Helm geſteckt hat. Dieß theure Kleinod feiet mich kraͤftiglich im Kampf; von meinem Schild ſoll nie die Roſe weichen— und mit Harold kaͤmpft um Alieen Alain von Bretagne! Alice. Auch mit dem Herzog von der Normandie, der Harold ſeine Tochter zugeſagt? . Alain. Mit Euerm Vater?—— Das entſcheidet, ja! Ihr hattet Recht— Ihr ſeid fuͤr mich verloren. Alice. Nicht wahr, mein Alain? Alain. Dein? Dein, Alice? Dein?— O wenn dieß Mein, wenn dieſer Himmelston aus Euerm Herzen klang; wenn dieſer Laut das Echo iſt der zaͤrtlichſten Gefuͤhle; —— 39 wenn Alain, trotz den feindlichen Gewalten, der Liebe und des Schickſals Guͤnſtling iſt: ſo zeigt ſich eine Freundesflagge mir, und rettet aus dem halbverſunknen Schiff!— Ich ſchlinge meinen Arm um Dich, und fliehe, und berge Dich in meines Vaters Burgen, und lebe ruhmlos, oder— fall' im Kampfe! Alice. Sprecht ehrlos— ſchmachbeladen Ihr und ich! Alain. Hart klingt das Wort, doch ſanfter iſt der Sinn. Nichts fuͤrcht' ich mehr; ich will das eigne Schwert zerbrechen, darf ich nicht fuͤr Euch es fuͤhren. Mein Heiligſtes iſt Alix und die Liebe! Alice. Ihr fuͤhlt es anders, Ritter!— O ich kenne die Flamme, die in Euerm Innern tobt, und Euer Aug' jetzt blendet; auch in mir hat ſie gelodert.— Nichts davon!— Ihr ſagt, Euch ſey nichts heiliger, als meine Liebe? Alain. Nichts heiliger auf Erden und im Himmel! Alice. So ſchwoͤrt mir denn bei Euerm Heiligſten, daß Ihr, ein treuer Ritter edler Minne, 40 erfuͤllen wollt, was ich von Euch verlange, und was ich ſelbſt den Heiligen gelobt. Alain ſinkt auf ein Knie— feierlich. Ich ſchwoͤr' es bei Alicen, zu erfuͤllen, was mir der Damen Edelſte gebeut! Alice, mit Thränen. Ich dank' Euch, treuer Alain!l und ich hebe den edlen Ritter nun als Schweſter auf. Alain. Was ſagt Ihr, theures Fraͤulein! Ich verſtehe nicht dieſe Worte— Alice. Ob mein Geiſt entfliehe, ich kann nicht anders, bei des Himmels Maͤchten! Zuerſt, Ihr duͤrft, Ihr ſollt des Harold Braut vergeſſen, ſollt ſie nimmer wiederſehn— Alain. O Schreckenswort! Nein! das vermag ich nicht! Alice, ihren Schleier losſteckend. Ihr ſchwurt es bei Alicen— Alain. Ihr geliebten Sonnen! ſo wollt ihr ewig fuͤr mich untergehn? 41 Alice. Mein Abend naht. Bald iſt die Nacht entronnen; und ſchoͤner wird Aurora dann erſteh'n! Alain. So fliehſt du hin, des Lebens einz'ge Luſt, und aus der Freude Reich bin ich verwieſen? Alice. Auf Monde nur! Ihr ſchwurt es bei Alicen! Alain. Stets leuchtet Sie in meiner innern Bruſt! Alice. Ihr habt geſchworen— Alain. Ewig zu erblinden; doch Liebe weiß in Nacht und Tod zu finden. Alice, laͤßt den Schleier herab. Es iſt geſcheh'n! Ihr heil'gen Engel Gottes! ſteigt keiner ſtaͤrkend jetzt zu mir herab?— Es iſt geſcheh'n— Nehmt meine Thraͤnen, Alain! Ach, die Verlobte kann Euch ſonſt nichts geben. Doch ja, noch eins!— Ach, Alain, koͤnnt' ich Dir des Himmels Wonnen auf die Erde locken, koͤnnt' ich fuͤr Dich den Schrecklichen mich weih'n! Ich kann es nicht; ich opfere ein Hoͤh'res, 4² ich opfre meine Ruhe Dir, und was das Schickſal meiner Liebe abgeſchlagen, das wird die Schweſter liebend Dir gewaͤhren. Alain. Verſteh' ich Euch? Auch Ihr— 2 Alice. Euch liebt Conſtanze! Alain. Conſtanze, wie? was ſagt— was fodert Ihr? Alice. Das iſt das zweite, was Ihr mir gelobt! Nur ihr, der Liebenden, kann Alix weichen; in ihr laß' ich Euch ſcheidend einen Engel— 1 Alain. Mich lieben koͤnnte ſie, die meiner ſpottet? die immer Frohe koͤnnte lieben? Aliee. Alain! kennt Ihr das heiße Maͤdchenherz ſo wenig? wißt Ihr, wie Weiber lieben? habt Ihr nie erfahren, daß ein leidend, brechend Herz ſich Roſen ſammelt zu dem Leichenſchmuck?— Sie kannte Eure Neigung, wie die meine, und wollte ſterben, aber ewig ſchweigen, und nur durch Liſt entriß ich ihr Geheimniß. 43 Alain. Fuͤhrt Liebe denn zu Leid und Thraͤnen nur. Kann ich das je erwiedern— 2 Aliee. Ja, Du wirſt, wenn Du ſie kennſt, die zarte, ſchoͤne Seele! Alain. Kann ohne Euch mir eine Freude bluͤh'n? Alice. Am Schweſterherzen, an der treuſten Bruſt, an einem Herzen, das fuͤr unſer Gluͤck ſich opferte! O haͤtt'ſt Du ſie geſehn, wie ich ſie ſah in mancher Nacht und jetzt— Sie wußt' es wohl, daß Du mich ſprechen wollteſt, und dennoch laͤchelte ihr glaͤnzend' Aug', und dennoch ſchuf ſie unſre Einſamkeit, und ſang ein Lied mit halbgebrochner Stimme— Alain. Es iſt umſonſt—! Alice. Mein Alainl wuͤrd' ich Dir das Heiligſte verrathen, hielt ich Dich nicht fuͤr der Menſchen Edelſten, nicht ſie fuͤr die, die meine Liebe Dir erſetzt? Alain. Ihr wollt es, Alix? Alice. Und Ihr habt geſchworen, was ich verlange, treulich zu erfuͤllen! Alain. Ihr wollt es— und ſie iſt Alicens Schweſter!— An Euerm Brauttag will ich um ſie werben. Ihr habt mein Wort: ſeid Ihr befriedigt nun? Alice. Ihr war't es werth, von mir geliebt zu ſeyn! Alain. Ich war's! Jetzt fuͤhl' ich's! Alice. Und nun laßt uns ſcheiden! Schon flieht das Blut aus dem gebrochnen Herzen— Alain. Ja, ſcheiden, Alix! Alice reicht ihm abgewandt die Hand, die er feurig küßt. Scheiden, treuer Alain! Begluͤckt die edle Schweſter— und erfuͤllt, was Ihr geſchworen— — 45 Alain. Nimmer ſeh' ich Euch! Alice. Hienieden nie! O geht— Alain. Leb' wohl, Alice! Beide auf verſchiedenen Seiten ab. Zweiter Aufzug. Eyſter Auftrite. Audienzzimmer des Herzogs, auf beiden Seiten mit Ne⸗ beneingängen, die nur durch Vorhänge abgetheilt ſind. Im Hintergrunde der Thronhimmel mit dem Bildniß des Erzeno Michael, als Schutzpatrons der Normandie. Wilhelm, weiter vorwärts, auf einem Armſtuhl ſitzend. Vor ihm Erzbiſchof Robert und Lanfranc. Wilhelm, Lanfrancs Creditiv in der Hand. Ich ehr' Euch willig als des heil'gen Stuhls Geſandten, und der hochberuͤhmte Moͤnch iſt meinem Herzen ein willkommner Gaſt. Lanfranc. Schon aus der Ferne mußt' ich Euch bewundern; jetzt lieb' ich Euch, und widm' Euch jede Kraft. Wilhelm. Und was gebeut mir Seine Heiligkeit? 1 — 47 Lanfranc. Der heil'ge Vater gruͤßt in Jeſu Chriſt den vielgeliebten Sohn, und ſegnet ihn. Mit hoher Ruͤhrung und mit Wohlgefallen hat er vernommen, wie ſein liebſter Sohn der Kirche Wohlfarth foͤrdert, und mit Eifer die heiligen Beſchluͤſſe treu vollſtreckt; wie er es nicht geſtattet, daß die Prieſter den Altar Gottes ſchaͤnden durch des Fleiſches unreines Weſen; wie er unverbruͤchlich den Hoͤchſten in dem Stellvertreter ehrt. Er laͤßt Euch mahnen, treulich zu beharren, und nicht zu weichen von dem rechten Pfad, ob Menſchenweisheit ſchon das Heil'ge laͤſtre, und Feinde Gottes droh'’n dem frommen Knecht. Der heil'ge Vater will euch maͤchtig ſchuͤtzen, und ſendet Euch zum Zeichen ſeiner Huld, zu Weckung und Befeſtigung des Glaubens, dieß wuͤrd'ge, hochbegabte Heiligthum. er überreicht dem Herzoge ein goldnes, mit Juwelen be⸗ ſetztes Käſtchen. Wilhelm. O theure Gabe aus des Heil'gen Hand. Langfranc. Und wuͤrdig Eurer Andacht— heil'ge Reſte, die in Jeruſalem ein frommer Pilger, die Peter Eremita, auf dem erſten von ſeinen Zuͤgen ins gelobte Land, 1 48 mit Todsgefahren, doch von Gott beſchirmt, der Hand der Heiden kuͤhnlich hat entriſſen. Wilhelm neigt das Haupt, drückt das Reliquien⸗Käſtchen an ſein Herz, und überreicht es dann dem Erzbiſchof. Euch, Robert! uͤberliefr' ich dieſes werthe, 1 hochwuͤrd'ge Kleinod, treu es zu bewahren. Laßt Meiſter in der Baukunſt, laßt erfahrne Bildhauer und den trefflichſten der Maler berufen, wo ſie nur zu finden; ſchont nicht Kunſt und Schaͤtze; denn ein eigner Altar . in einer eigenen Kapelle ſoll die heiligen Gebeine praͤchtig faſſen zum ew'gen Denkmal von des Pabſtes Gnade und zur Beſchuͤtzung meines glaͤub'gen Volks! . 1 Erzb. Robert. Ich dank Euch, gnaͤd'ger Herzog! und es ſoll das Werk mit Freudigkeit begonnen werden, zur Ehre Gottes und der heil'gen Maͤrt'rer! 49 zweiter Auftritt. Die Worrgen, Ein Höfling erſcheint am 1 Erzbiſchof geht zu ihm, und der Höfling tritt wieder ab. Bald nachher Prinz Robert und Aimar von fn tenien. 5. Wilhelm. dn Was iſt? Wilhelm. Erzb. Robert. Prinz Robert. und der Canzler Aiman von Aquitanien ſind Befehls 3awäetim, dem Herzog, i zu zeigen u nulon ni ds Wilhelm. nlda2 un 0 Langſt erwartet! zu Lanftanc, der abtreten will. Ich bitt' Euch, Lanfranc! zu verweilen. Denn an dieſem Hofe kann ſich nichts ereignen, was ich dem heil'gen Stuh t verbergen ſollte. Erzbiſchof geht an die Thür, und läßt Robert und huma 3 eintreten. cChn Wilhelm zu fanftmne 1276 fae Das n. mein Sohn und Cunzker— i n e zu dieſen beiden. Sinn 0 das iſt Lanfranc von Mailand, den der heil'ge Vater ſendet. Wir ſind allein! Sprecht offen! Denn der Herzog hat kein Geheimniß vor dem Stuhl zu Rom. Theaterſchr. III. 4 Pr. Robert. Natht gernt S lieb' ich's, Vater!— Nun⸗ wit kommen faſt nur, den tapfern Haro ld anzukuͤnden-— Wilhelm. Schon gut! Ich werde fragen. Ihr, Herr Canzler! berichtet uns, wie Alles ſich begeben. Aimar. Faſt fuͤrcht' ich, daß der Anfang des Berichts wie eine Klage laute; doch mein Amt gebeut, nichts zu beſchoͤn'gen, zu verſchweigen. Es iſt gelungen, gnaͤd'ger Herzog! was Ihr uns befohlen hattet, doch beinah waͤr' ich gerbindfri worden— ayr. Robert. a Sagt's nur gleich, Herr Lanztert denn ich ſeh⸗ je. doch Lach tyumen Aimar. 4 Kaum hatte ſi ſich Graf Guy von Ponthieu Der Weiſung unterworfen, und den Herrn von Weſſer, Suſſer, Kent und Eſſex uns zu uͤberliefern ſich verſtanden; kaum erſchien der ernſte Harold als Gefang'ner— Pr. Robert. Ja, ohne Schwert, mein Vater! Denkt Euch ſelbſt! Er, ohne Schwert, der Mann, den ich nach Euch am meiſten ehre— 51 Wilhelm. Nun? Aimar..4 Da riß der Prinz das ſeine ab und gab es ihm und rief: „Graf Ponthieul wo iſt des Harold Schwert? Jetzt iſt es mein, und frei iſt der Gefangne!“ Wilhelm m Robert. Das wagtet Ihr? Pr. Robert. Ich mag's nicht laͤugnen, Herzog! und werd' es nie bereuen— ne Aimar. — ehe noch ein Wort nur von Bedingung, von Vertraͤgen gewechſelt worden— 1 163 Wilhelm. Ja, zu fruͤh, doch edel! Nur darum ſei's verziehen!— Und was that mein weiſer Aimar? Aimar. l 2 Ihr beſchaͤmt mich— doch dafuͤr muß Euch die Folge buͤrgen. Harold warb um der edlen Alix Hand auf's neu', und harret nun, Euch ſeinen Dank zu bringen. 3* Pr. Robert. Verſtattet, Herr! dem Sohne jetzt ein Wort. Nicht mit dem Herzog ſprech' ich, mit dem Vater! Ich hab' Euch nie um eine Huld gebeten, und werd' es nie— doch jetzt fuͤr einen Freund! Ich ehre Harold- da anne dns Hab' ich's noch bezweifelt? Erkenne meine Nachſicht— Pr. Robert. Ja, ich ehre ihn; doch werd' ich nimmer ihm Alicen goͤnnen. Gebt dieſe Alain Fergand von Bretagnel Wilhelm. Er hat es hoch um mich verdient; ich lieb' ihn, will gern mit Alain Fergand mich verbinden, obſchon er nicht den beſten Sprecher waͤhlte; doch nie kann Alix— Pr. Robert. Nicht den beſten Juͤngling!—— Wilhelm. Du wirbſt um Herzogs⸗Toͤchter, wie um Dirnen im Haus des Buͤrgers— moͤgen dieſe lieben; der Fuͤrſten Toͤchter fuͤhlen groß genug, ſich zu permaͤhlen* uh nun rnne 53 Pr. Robert. Ja, die Herrſchbegier fuma ihre Be mit der Groͤße aus— VWilhelm. und will der Maulwurf wohl den Adler meiſtern? Schweig!— Aliyx iſt vergeben, und ich brach noch nie mein Fuͤrſtenwort— Pr. Robert. — Ich weiß es, Vater, Ihr liebt mich nicht, wie Andre! Da iſt Rufus; der haͤtte Harold nicht zu fruͤh befreit; dem haͤttet Ihr auch nicht den Freund getoͤdtet! Ihr liebt mich nicht! wie koͤnnte auch der Herzog den Erben lieben, dem das Volk ergeben— Wilhelm. Still, u, Prinzt Wo Maͤnner ſprechen, zie ziemt es Knaben, zu hoͤren und zu ſchweigen— Pr. Robert, beugt ein Knie. O mein Vater! gebt Alix meinem Alain von Bretagne! Wilhelm, zornig. Ich hieß Euch ſchweigen— Aimar. Gnaͤd'ger Herr! verzeiht— das wollt' ich nicht— Erzb. Robert. Der Erbprinz iſt ſo gut— Wilhelm. Die guten Menſchen, Biſchof! wißt Ihr wohl, ſind ſelten große Fuͤrſten.— Geht jetzt, Prinz! den Harold zu empfangen. Iſt es Noth, werd' ich Euch rufen laſſen; fuͤhrt ihn ein! Pr. Robert ab. zu Erzb. Robert. Euch aber, Biſchof! duͤrfte Harold leicht nicht gern allhier gewahren. Drum geleitet den Herrn Legaten hier ins Cabinet. mit Lächeln zu beiden. Euch berg' ich nicht den Gaſt, nur Euch dem Ga ſtel Erzb. Robert und Lanfranc ins Cabinet. 5„» Dritter Auftritt. Wilhelm. Aimar. Haxold, von Pr. Robert begleitet, der ſogleich wieder abgeht. Wilhelm, noch alein. Jetzt toͤnt die Kroͤnungsglocke!— Wilhelm! jetzt verlaß den Herzog nicht, nicht du, mein Gluͤck! geht Harold einige Schritte entgegen und umarmt ihn. Willkommen, Graf von Weſſex, werther Eidam! Harold, durchgängig ernſt und den innern Unmuth nur gewaltſam verbergend. Nehmt meinen Dank, Herr Herzog!— Doch verzeiht, ich miſſe hier ſo manches, was zuerſt ich gern begruͤßte— die Frau Herzogin, und die erlauchte Braut, von deren Huld 1 und edler Sitte jeder fremde Ritter, der meine vaͤterliche Inſel je betreten, hohe Wunder ſtets verkuͤndet. Im Kreis der Schoͤnheit hofft' ich Herzog Wilhelm, die Blume edler Ritterſchaft zu finden, und find' ihn an dem Arm— 1 25 mit einem Blick auf Aimar. 1 des weiſen Alters! ah Wilhelm. Ei, ſeht doch!— Haͤtt' ich jemals wohl geglaubt, 36 daß Harold wie der juͤngſte Paladin das Recht der Damen ehre, und mit Sehnſucht den Augenblick erwarte, ſich der Minne als Sclav zu uͤberliefern; daß der Britte ſo feurig liebe, als der leichte Franke? Harold. Ihr ſcherzt wohl nur; o nein, gewiß verkennt Ihr nicht ſo ernſtlich mein Britunnien 4 1.. Wilhelm.„ Nein, Harold! ich verkenn' es nicht— und bald werd' ich zu meiner Tochter Euch geleiten. Ihr wißt ja wohl, wie Frau'n und Maͤdchen ſind, wenn ſolch' ein tapfrer, edler Freier kommt— Harold. So bitt' ich, daß Ihr guͤtig mir vergoͤnnt, den Bruder und den Neffen zu umarmen. Schon lange ſehnt nach ihnen ſich mein Herz; auch hab' ich Eile, bald zuruͤckzukehren. Wilhelm. Auch dieſe findet Ihr im Damenkreis; doch laßt indeß, bis uns die Stunde ruft, vorher noch manches Ernſtliche berathen. Harold. Sehr gern, wenn Ihr befehlt! Es giebt ſo manches, was ich Alicens Vater zu vertrauen. 57 Ich haͤtt' es nicht gewagt, um der Prinzeſſin, der Reizendſten auf Erden, Hand zu werben, duͤrft' ich nicht hoffen, ihr ein wuͤrd'ges Gluͤck zu bieten— Wilhelm. O gewiß, das hoff' ich auch, und rechne ſehr auf Harolds tapfern Arm. Wie geht es jetzt in England? hat der Koͤnig von ſeiner ſchweren Krankheit ſich erholt? Harold. Die Aerzte zweifeln laͤngſt an der Geneſung, und ſeine Denkkraft ſcheinet faſt erloſchen. Wilhelm. So? das bedaur' ich herzlich— Soll mein Oheim ſo bald den Thron verlaſſen, den er ziert? 8 Harold. Ja, ſchwerlich ſieht er einen zweiten Fruͤhling ſein Land beſcheinen— Wilhelm. Nun, da giebt es wohl ſchon manche Hoffnung— 2 Harold. Ja, ich muß Euch ſagen— 58 Wilhelm. Ich glaub' es gern; wo Koͤnigskronen wanken, da ſammeln ſich die Erben— Harold.. Schon iſt Edgar aus Ungarn angelangt— Wilhelm. Ich weiß; doch dieſer kann meine Hoffnung ſchwerlich niederſchlagen. * Harold. Ihr macht mich ſtaunen— Eure Hoffnung, ſagt Ihr? Wilhelm. Kann das Euch wundern?— Solltet Ihr nicht wiſſen, daß Eduard in ſeinem letzten Willen mich laͤngſt zum Erben ſeines Reichs ernannt? Harold, erbittert vor ſich. Ha! war es das? laut. Von ſolchem Teſtament hoͤrt' ich noch nie, Herr Herzog!— Denkt nur ſelbſt— Wilhelm. Ihr wolltet zweifeln, Harold? O ihr koͤnnt 52 mir glauben, und hauptſaͤchlich nur darum wuͤnſcht' ich Euch ſelbſt zu ſprechen; denn Ihr ſeid— 59 ich weiß es wohl— der maͤchtigſte Vaſall, und Eure Burgen ſind erfuͤllt mit Waffen. Das iſt mir nun erwuͤnſcht. Beſinnt Euch nur, welch Gluͤck Euch winkt? Kann einer wohl dem Thron dann naͤher ſtehen, als des Koͤnigs Eidam? Harold. Es koͤnnte Dinge geben— Wilhelm. O erwaͤgt nur alles recht. Ich ſeh's, Ihr ſeid betroffen; ſo nahe ſaht Ihr Eure Groͤße nicht! Harold. Ich ſehe Alles!— Doch, Herr Herzog, ſprecht, was Ihr von mir verlangt, mit kurzen Worten. Wilhelm. Was ich verlange?— Wenig nur, und was ſich ſelbſt ergiebt. Mein Eidam und ſein Bruder wird mir zuerſt den heil'gen Eid der Treue zu ſchwoͤren eilen— wird das ſchon anjetzt— wird ſchwoͤren, daß er mir mit aller Macht, mit Wort und That, beim Volk und bei dem Adel, zu meinem Recht verhelfe 1 Harold. Aber wie? es lebt in Atheling der rechte Erbe! — — Wilhelm. Der rechte Erbe iſt im Teſtament 4 des Koͤnigs laͤngſt erkohren, Wilhelm von der Normandie— und dieſer wird das Reich, das der Geſalbte Gottes ihm beſtimmt, mit ſeinem guten Schwert zu ſchuͤtzen wiſſen; er wird ſein Recht beim hoͤchſten Richterſtuhi des heil'gen Vaters und vor allen Fuͤrſten erweiſen, wird nicht eher ruh'n und raſten— Harold. Beim heil'gen Vater— ja, das glaub' ich gern! Doch auch beim Britt'ſchen Volk und bei den Staͤnden? Wilhelm. Bei maͤnniglich; das leidet keinen Zweifel; und auch bei Euch— Soll ich den erſten Pair des Reichs, den Metropolitan Euch ſtellen? Harold. Den Stigand? Wilhelm. Nein! den echten Biſchof, Robert, in deſſen Hand der Koͤnig ſeinen Willen— Harold. Erſpart Euch das, Herr Herzog!— ich veracht' ihn! 61 Wilhelm. Doch ſchwoͤren werdet Ihr— 2 e Harold, nach langer Pauſe. Es ſey; ich will! Nur wuͤnſch' ich, daß ich wieder bald nach England zuruͤck komme— Wilhelm. Freilich, werther Eidam! hoͤchſt noͤthig iſt ja dort mir Euer Beiſtanrt. Noch heute nehm' ich euern Eid— und dann geb' ich Euch freudig meiner Tochter Hand und meinen vaͤterlichen Segen.— Wollt Ihr nun Alicen ſehen?— Geht, Herr Canzler! und fuͤhrt den Braͤut'gam zu den edlen Frauen; Kd in wenig nadewlicten folg' ich uag. 2 Harold. n Lebt Bah zi,de Herzog! 8 Withelm. Bald im Freudenkreis ſeh'n wir uns wieder; drum verſcheucht den Ernſt; dem Braͤutigam ziemt eine heitre Stirn. Haxold mit Aimar ab. Vierter Auftritt. Wilhelm läßt Erzb. Robert und Lanfrane wieder eintreten. Wilhelm. Ihr habt gehoͤrt, was vorging— — Erzb. Robert. 9eR. 42 1h Anllt 1 Ja, wir haben. Verachten will mich dieſer Harold? mich 2 Lanfranc. Herr Herzog! nehmt auch meine Huld'gung an; denn willig dient dem hoͤhern Geiſt der meine. Doch wollt Ihr mir verſtatten, daß auch ich ein Steinchen fuͤge zu dem Wunderbau, den Ihr durch Zauberworte aufgeſtellt; wollt Ihr vergoͤnnen, daß ich den Beweiß von meiner Treu' Euch augenblicklich fuͤhre— Wilhelm. Recht gern! Wie leicht iſt's moͤglich, daß ich wohl noch was vergeſſen, daß ſich manches beſſer— Lanfranc. Nicht das! Nur rieth ich, daß wenn Harold ſchwoͤrt man in dem Altar jenes Kleinod berge, das ich Euch brachte— 63 Erzb. Robert. „* Trefflich! Wilhelm. Doch warum? Lanfranc. Leicht iſt ein Eid zu loͤhen— O gewiß wird Stigand ſich's erfrecen- * * Lanfranc. Doch wenn Harold— ſei's wiſſend, oder nicht— auf die e Reſte der Heil'gen ſchwoͤrt, ſo kann ihn keine Macht von ſolchem Eid entbinden— 2 9 — Erzb. Robert. Weh dem Stolzen!— Ha, Lanfrancl Ihr ſeid Meiſter— 4 18 d Lanfranc. und geſchaͤh's, ſo wuͤrde doch das eigne Heer die Fahnen des Heiligthumveraͤchters leicht verlaſſen, und ſchneller ihn die Hand der Rache faſſen; des Volkes Stimme iſt der Schickſalsgott! 64 Wilhelm. Ja, Lanfrancl Ihr habt Recht. zu Erzb. Robert. Es fei alſo! Beſorgt den Altar! Bald komm' ich mit Harold Und ſeinem Bruder zur Capelle nach, damit ſie mir nicht heimlich Trug erſinnen. zu Lanfranc. Ihr riethet kluͤglich. Lanfranc. Nicht ich ſelbſt; der Geiſt, der ſeinen Frommen ſteten Schutz verheißt. Geheime Kraft iſt den Reliquien verliehn von Gott und ſeinem Knecht zu Rom. Wie dort der goldne Morgen ſich erhebt, wo tief die Wolke auf den Huͤgeln ſchwebt; wie einſt zu Noah ſich der Gnade Ruf Des Regenbogens goldne Bahnen ſchuf: ſo beugt der Himmel liebend ſich zur Erden, ſoll Herrliches von ihr empfangen werden. Der Herzog giebt ihnen huldreich das Zeichen der Ent⸗ laſſung. Alle ab. Läer Wilhelm der Baſtard, Herzog von Normandie. Trauerſpiel in fuͤnf Aufzuͤgen. „ ) Theaterſchr. III. 5 1. ———— Perſonen. Wilhelm der Baſtard, Herzog von Normandie. Odo, Wilhelms Halbbruder, Biſchof von Bajeux. Matilde, Tochter des Grafen Balduins von Flandern, Wilhelms Gemahlin. Alice, Robert, ſeine Kinder. Conſtanze, Alain von Fergand, Graf von Bretagne. Harold, König von England. Githa, ſeine Mutter. Gurth, Toſti, Wilhelms von der Normandie Schwager, ſeine Brüder Leofwin, Carl Martell, Roger von Montgomeri, Ritter, Wilhelm von Varenne, Mehrere Ritter und Herführer. Edgar Atheling, rechtmäßiger Erbe von England. Olav, Prinz von Norwegen.— Aimar aus Aquitanien, Canzler. Robert, vertriebener Erzbiſchof von Canterbury. Aldred, Erzbiſchof von York. Mehrere Biſchöfe und andere Geiſtliche. Lanfranc, malländiſcher Mönch. Hugh von Neuſchatel, normänniſcher Edelmann. Edmund, ſein Sohn. Adele, ſeine Tochter, Conſtanzens Hoffräulein. Elgiva, ein anderes Hoffräulein Conſtanzens. Emma, Nonne. Anführer der Krieger von London. John, ein Fiſchhändler. Tom, ein Matroſe. Erich, normänniſcher Soldat. Anna, ein Bauermädchen. Ein Harfner. Ein Herold. Höflinge, Knappen, Soldaten, Nonnen und andere Nebenperſonen. Die Scene iſt durch die zwei erſten Aufzüge in der Nor⸗ mandie; durch die drei letzten in England. Er ſter Aufzug. Erſter Auftritt. Ein abgelegenes Zimmer im Schloſſe zu Rouen. Herzog Wilhelm. Aimar. 8 Wilhelm, ſehr heiter. Was winkt Ihr mir beim froͤhlichen Banket ſo ſtill geheimnißvoll? Der Freude nur gehoͤrt der Tag, der mit dem edlen Alain mein Kind vermaͤhlt, die Wonne meines Lebens mit ihrem Gluͤck, den Helden mit der Liebe! Ach, ſelten wird mir ſolch ein Freudentag; er iſt der erſte fuͤr das Vaterherz! Iſt denn ſo ganz in Eurer Greiſesbruſt das freudige Gefuͤhl erloſchen? treibt 1 der Pauke Wirbel und der Zinke Klang, der Feuerwein, nicht ſchneller Euch das Blut zum Herzen? hoͤrtet Ihr denn nicht, wie ſich der Carl Martell und Taillefer und Evreup mit Roger Beaumont, mit Montgomeri 70 und andern oͤffentlich verbanden, noch vorm Fackeltanz, dem Braͤutigam zu Trotz, die Krone aus Conſtanzens Haar zu rauben? wie Wilhelm von Varenne, Grandmesnil die Herzogin beſtuͤrmten um das Knieband der ſchoͤnen Braut, und kecklich ſich vermaßen, in jeder Schlacht es zum Triumph zu tragen? Ich liebe das. In meinen Ritterjahren war ich bei Scherz und Spiel, beim Fackeltanz der letzte nie, der erſte in den Schranken, wo's fuͤr der ſchoͤnen Frauen Ehre galt, und heute lebt die Jugend fuͤr mich auf— Aimar. Wer war es doch, der einſt beim Mahle ſagte: „Das Ernſte bis auf Morgen!“— und wer jener, der ſeinen Tag verloren nannte, wenn— Wilhelm. Wozu die finſtre Weisheit jetzt? Aimar. Ich glaubte, es gelte an dre Kronen noch, als die von Mirtenzweigen— Wilhelm, giebt ihm die Hand. Ihr habt recht, Herr Canzler! Verzeiht dem Vater dieſe Laune— ſagt, was ruft den Herzog? — --— 21 Aimar. Dieſer Brief aus Englahd, und dann ein Pilgrim, der, ſo mich's nicht trog, mit ſeiner Kutte einen Harniſch deckt, 4 und, wie er ſagt, ſein Roß zum Tod geſpornt— Wi lhe lm, feurig, indem er zugleich in den Brief ſieht. Aus England, ha!— Und was erfuhrt Ihr muͤndlich? was ſpricht der Bote? hat es ſich bewaͤhrt,f daß Harold durch der Raͤthe ein'ge Stimmen den Seepter traͤgt? daß Aldred ihn gekroͤnt? daß Edgar Atheling ſich ihm ergeben? daß alle Staͤdte freudig ihm gehuldigt? Aimar. Wahr! alles wahr! Es kreuzen um die Kuͤſten bemannte Boote, alles aufzufangen; ſchon ſieben Boten ſandten Eure Freunde; der erſte nur, und dieſer iſt emtgangen. Wilhelm, giebt den Brief mit großer Bewegung an Aimaͤr. Ha! dieß noch!— meine Tochter! meine Ehre! Aim ar, in den Brief ſehend. Verſtoßen Eure Tochter? aufgeloͤſt das Band der Ehe, an Alicens Stelle die Tochter Morkars auf dem Koͤnigsthron? Wilhelm. War's nicht genug, daß er den Eid, auf heil'ge Reliquien geſchworen, frevelnd brach? daß er, vergeſſend der gelobten Pflicht, die Krone nahm, die er beſchuͤtzen ſollte? Auch ſchmaͤhen mußt' er mich; das Sacrament verraͤth'riſch loͤſen, und ſein Weib verwerfen, die Tochter Wilhelms von der Normandie! Aimar. Die Rache wird ihn finden! Wilhelm. n, dne Ja, ſie wieds. Noch heute ruf' ich laut im Ritterſaal: Wer zieht zum Kampf fuͤr Wilhelms Reich und Rrona Wer zieht zum Kampfe fuͤr Alicens Ehre? Aimar. Doch erſt erlaubt mir, daß ich auch den Pilger noch vor Euch bringe, welcher drauf beſteht, den Herzog ſelbſt zu ſprechen. Seh' ich recht, ſo iſt er wicht'ger, als er ſcheint. Sein Antlitz iſt bleich und finſter, und im duͤſtern Aug' lauſcht Liſt des Fuchſes bei des Wolfes Raubgier. Wilhelm. So laßt ihn vor! Aimar geht ab. O welch ein Hochzeittag! Conſtanzen kroͤnt die Liebe— und Alicen hat der Gemahl verſtoßen.— Sei's! Die gackeln, 4 — —— 23 die heut uns leuchten, brennen bis nach Engla nd, und leuchten mir zur Halle in Weſtmuͤnſter! e e ⸗ Zweiter Auftritt. withetm. Atmar mit dem Pilger Süricrdehrund. Eni 72 Dilger. Ein ungeladner Gaſt erſcheint beim Feſt, doch ohne Furcht, vom Mahl verbannt zu werden, wie aus dem Mutterland vom eignen Bruder; 2 denn nah verſchwaͤgert bin ich mit der Braut und ihrem Vater;— wenn das Gluͤck es will, ſo kkoͤnnt' ich leichtlich einen Reigen fuͤhren, daß die Muſik nach feriten Ufern ſchalle— Wilhelm. Wer ſeid Ihr, Fremdling? 221 1 Pilger. Toſti iſt mein Name; mein Bruder ſtahl ſich eine Inſelkrone. Einſt war ich Herzog von Northumberland; doch, um die Gunſt des Volks ſich zu erkaufen, um in des Koͤnigs Aug' ſich zu erheben, um uͤber meine Truͤmmer auf den Thron zu klettern, ſchutzt' er meine meutriſchen, verwegnen unterthanen; raubte mir mein än Lünd, und ſchenkt es Morkar, ſeinem Gänftling 74— Der Guͤnſtling herrſchte, und der Bruder floh und bettelte ſein Brod. Jetzt bin ich Pilger; doch, vor der Hand, nich t nach dem heil'gen Grab! Wilhelm. Ihr braucht den Namen Toſti— Pilger. Sie AhA Denn ich bins! Ihr kennt vermuthlich dieſen Siegelring? Wilhelm, nachdem er den Ring betrachtet. 1 Ihr ſeid's, der eifrigſte der Bundsgenoſſen! Su ſagt, woher— 2 Toſti.. Mit einem luͤchtg gen Sals vorausgeeilt der ruͤſt'gen Landungsflotte. Wilhelm. Ha, trefflich! trefflich! Nun, ich hoffe doch, daß meine Briefe, meine Abgeſandten, annf nicht aufgefangen worden; daß Ihr hier nicht muͤſſiger geweſen um die Krone, als ich um meinen Haß und meine Rache? Wilhelm. Nur wenig Kunde ward mir; denn die Schiffe der Britten wimmeln auf dem Meere; doch 75 ſobald ich nur des Koͤnigs Tod vernommen, hab' ich die laͤngſt geworbnen Soͤldner eng zuſamm gezogen, auf der Rhed', im Haven verſammelt eine maͤcht'ge Armatur, und um die zugeſagte Huͤlf' geſchrieben zu einem Kriegszug in ein fernes Land. Der Herzog von Bretagne und von Anjou ſchickt ſeine Voͤlker; Kaiſer Heinrich will mein eignes Erbland unterdeß beſchuͤtzen; der Koͤnig Frankreichs gab mir zwar Befehl, von jedem Einfall abzuſtehen, doch— er laͤßt in ſeinem Land mich werben, ſendet den jungen Adel meinen Fahnen zu; der Pabſt, den ich zum Richter aufgerufen, gab mir das Reich, dem Feinde Acht und Bann; und, wem ein feurig Herz im Panzer ſchlaͤgt, wen Großes reizt, wem hohes Spiel gefaͤllt, wie einſt um Arthurs goldne Tafelrunde hab' ich ſie alle hier im Schloß verſammelt. Toſti. So wird's gelingen, Herzog! Doch auch wir ſind noch geſchwinder, als Ihr wohl vermeint! Aus Norwegs Suͤmpfen ſchwaͤrmen ſchon die Raͤuber, die tapferſten Piraten, die es giebt, um Englands Kuͤſten, die ich lockend ihnen zur Pluͤnd'rung anwies— und Graf Balduin von Flandern— Wilhelm. Unſer edler Schwiegervater— 7 Toſti. Graf Baldwin und der Koͤnig Halfager aus Norweg ſegeln ſchon mit vollem Wind, um in den Humber einzulaufen— Wilhelm. 4 Wohl! ſo war⸗ s verſprochen, und in kurzer Friſt folg' ich mit meiner ganzen Nuͤſtung nach. im Toſti. Zum erſten Angriff leichtlich dann zu ſpaͤt! 3 Wilhelm. Nun deſto beſſer! Deſto ſchneller dringen wir in das Herz des Landes; deſto tapfrer ſicht dann mein Heer, den Lorberkranz zu theilen, der ſchon auf Eurer Heldenſtirne prangt. Nun, wie geſagt, mit naͤchſtem guten Wind folg' ich Euch nach; laßt immer vom Succurs durch Ueberlaͤufer das Geruͤcht verbreiten; ſo ſicht die Furcht fuͤr uns— Toſti. Es ſoll geſcheh'n! und mit der Furcht verbinde ſich die Rache. Ihr koͤnnt mir glauben— ha, bei Gott! ich moͤchte Euch ſelbſt die Krone auf die Stirne druͤcken, ſaͤh' ich nur meinen Bruder tief im Staub; als Blutvogt wollt' ich an dem Blocke ſteh'n, wenn das Rebellenhaupt vom Rumpfe fliegt! Der Schaͤndliche!— Wer iſt er denn? wer ich? — 77 Ich bin, wie er, des großen Godwins Sohn, und wenn er von dem Mark des Landes ſchwelgt, ſoll Toſti an des Bauern Huͤtte pochen? Wilhelm. Darf ich Euch laden, heute hier zu raſten? Toſti. Ich moͤchte ſchon den Kreis der Ritter ſehen, der Rachgehuͤlfen— Wilhelm. Lieb iſt mir der Gaſt, der Freund und Schwager 5)—— Doch bedenkt, es giebt wohl manchen Ritter hier, der Harold nicht, wie Ihr, veraͤchtlich findet, ihn nicht haßt; es koͤnnte welche geben, die den Bruder zu wuͤrd'gen nicht verſtaͤnden, der mit Luſt des Bruders Untergang im Buſen traͤgt; wohl welche geben, die den Britt'ſchen Mann, der die Piraten nach der Inſel fuͤhrt, mit Recht von Land und Reich vertrieben glaubten. Ich ſage das nur ſo— nicht alle ſeh'n die Sache recht, nicht ſo, wie wir es wiſſen. Toſti. Ihr unterbracht mich, Herzog! Nein, ich hab' auch ganz einen andern Tanz zu tanzen jetzt. Ich habe nirgends Ruhe, und es eilt mich hoͤchlich, unerkannt von hier zu ſegeln. Die Luft verſpricht mir eine gute Fahrt. Wilhelm. Sie fuͤhr' Euch ſchnell hin nach Britannien. In wenig Tagen licht auch ich die Anker— Toſti. Ich lad' Euch ein zu unſerm Siegesmahl! Wilhelm. Und ich bezahl' es mit Northumberland, wie Koͤn'gen ziemt— Toſti. Lebt wohl! Wilhelm, zu Aimar. Gebt ihm ein Roß! Begleitet ihn-— dort, durch die Gallerie! Toſti mit Aimar ab. Dritter Auftritt. Wilhelm. Bald darauf Aimar zurückkehrend. Wilhelm, Doſti nachſehend. Wir moͤchten ſchwerlich deine Straße waͤhlen; doch gut iſt's, wenn es Harold alſo glaubt; zu ſchwach ſind ſeine Flotten, ſich zu theilen. Aimar. Ein edler Bruder! 79 Wilhelm. Spyrich, ein Sohn der Hoͤlle! Kaum konnt' ich laͤnger meinen Abſcheu bergen; doch muß dem weiſen Arzt auch Schierling dienen, die Peſt und Flamme ſind des Hoͤchſten Engel. Aimar. Und was habt Ihr beſchloſſen, gnaͤd'ger Herzog? Wilhelm. Die Saat iſt reif; wir winken nun den Schnittern! Hier dieſen Brief moͤgt Ihr ein wenig aͤndern; der Britte ſpotte meiner und der Freunde— Alice ſei verſchwunden— niemand wiſſe, ob ſie zu ihrem Vater ſich gefluͤchtet, ob ſie in der Clauſur der Buͤßerinnen— 6 Aimar.. Wohl! ich verſtehe. Manches wird geſagt, und manches Schlimmre laͤßt ſich leicht errathen— Wilhelm. Wie's Euch am beſten duͤnkt! Ihr bringt den Brief zum feſtlichen Gelag.— Es zittert ſchon, von inneren Gewittern aufgeregt, der Boden; einen friſchen Windſtoß noch! So blaſ't denn! Eurer grauen Politik vertrau' ich meine braungelockten Ritter. Aimar. Sorgt nicht, Herr Herzog! Wilhelm. Laͤngſt hab' ich's verlernt, wo Canzler Aimar an der Spitze ſteht! Beide auf verſchiednen Seiten ab. Vierter Auftritt. Ein ſparſam erleuchtetes Zimmer, das zu Conſtanzens Brautgemach führt. Conſtanze, in räuelihem Schmuck, den Kranz und Edelſteine im Haar, ſchnell eintretend. Bin ich endlich euch entronnen, laute Freude, raſche Luſt! habe ſichern Port gewonnen? Darf die froh beklommne Bruſt endlich, endlich freier ſchlagen? Darf ich meine Wonne ſagen, werde meines Gluͤcks bewußt?— Nimm mich auf, geweihte Stille, Liebes⸗Freundin, Einſamkeit! Daß ich ganz mein Gluͤck empfinde, daß des Himmels Seligkeit ewig ſich mit mir verbinde, laß dich feſſeln, fluͤcht'ge Zeit! Traurig ſchlichen meine Stunden 214 970 unter banger Thraͤnen Lauf; doch ich hab' ihn nun Mffunden, ihn, den Juͤngling meiner Liebe, bin ihm ewig nun verbunden— Nacht und Trauer ſind entſchwunden, leuchtend ging die Hoffnung auf! Werd' ich jemals ihm gefallen, ihm, dem Juͤngling meiner Liebe? aiie wird er dieſes Buſens Wallen, dieſer Augen ſtilles Flehln wird er je mein Herz verſteh'n? Ja, er hat mit ſanftem Auge, hat mit liebevollem Blicke auf d die Liehende geſeh n! Iſt der Len Henkosetatn 22 1 krtt auf die duͤſtre Erdenbahnn 2 bin ich traͤumend— wonnetrunken?. nni94 iſt der Himmel aufgethan? nt tt ilt dhi ane Zaͤrtlich druͤckt' er meine Hände, rief mit ſuͤßem Liebeslau: Noͤcht' ich je dieß. Herz verdienen, 6 ſühas Maͤdchen! Hofdi Braut! 5 4 12 6 am un Io 280— o wit 149 46 Theaterſchr. III. 5 6 Iuhe onhr eonde* Fuͤ niter An ftritt.. a 1 Conſtanze, Eläßs und Tdete, ihre vmaanun umit eichtern.. 7 Conſtanze. 3 Wie? ſucht Ihr mich, Ihr lieben guten Midchen! Adele 14 42. 6410 Ihr ſchient verſchwunden, gnaͤd'ges Fraͤakein mit ſcatthaſtem Lächeln.. 18 2 oder 1. Corſan nze O ſag's nur immer— Fraul— Ja, ich bin ſein Kaum traͤgt es dieſe glutherfuͤllte Seele—ro Faßt Ihr die Wonne? faßt Ihr dieſes: Sein! Mein, mein iſt er, Elgkval Mein, Adelen O daß ich nicht in maͤchtigem Verein 1 dem Himmel und der Hoͤlle jetzt befehlel Die Nache ſollte ſich der Qual erbarmen, und Teufel weinten in der Wiget Armen Ihr ſeht mich an— Ihr glaubt wohl, daß 8 ſchwaͤrme? O nein, gewiß, Ihr werdet's einſt verſteh'n, wenn Ihr einſt liebt, wenn Ihr einſt gluͤcklich ſeid! Da— da— nehmt dieß— nehmt Alles, was Ihr moͤchtet— 83 0 kwt Euch nur!— So nehmt!— Von dieſem Tag t maͤßt alle Ihr ein Angedenken haben— ſie giebt der einen ein Armband, der andern eine Perlen⸗ ſchnur ihres Schmucks. Adele. Ihr ſeid verſchwendriſch, gnaͤd'ge Frau! Con ſtanze. „AD 1 e! Du bprichſt ſo lieblich— ſag es noch einmal! Adele. Ich wuͤnſch' Euch Gluͤck und Freude, gnaͤd'ge Graͤfin! des edlen Alain von Bretagne Frau! Conſtanze. So, ſo war's recht!— Habt Ihr das Kleid d beſorg wie ich Euch bat— 33 Adele. Ja alles— Elgiva. Li. Doch wir meinen, es ſei zu einfach— 3 Adele. — auf den heut'gen Tas nicht reich genug fuͤr unſre edle Herrin! Conſtanze. Ihr wißt das nicht, ihr Guten! Glaubt, es iſt 84— das ſchoͤnſte, was mich kleidet; kommt und helft! Nicht ſchnell genug kann ich mich drinn erblicken! aalle mit den Lichtern ab. Sechſter Auftritt. Alain tritt ein. Wo barg ſie ſich? warum iſt ſie entfloh'n? hab' ich die Holde, Himmliſche betruͤbt? O daß mir nicht das Schickſal einen Thron, daß mir kein Gott der Erde Scepter giebt! Wo find' ich einen wuͤrdig ſchoͤnen Lohn fuͤr dieſes Herz, das mich ſo feurig liebt? Laß, Himmel! deine Engel niederſchweben, und gieb mir Kraft, mich ganz ihr zu ergeben. Ach! wohnte nicht in dieſer Bruſt Alice, wo waͤr' ein ird'ſches Gluͤck, dem meinen gleich? Die Liebe rief aus Wuͤſten Paradieſe, ſie zauberte Aleing“ s Wonnereich. Doch, ob des treuſten Maͤdchens Thraͤne fließe, Doch wird dieß undankbare Herz nicht weich. Conſtanze wird— ſie m uß mich fliehn und haſſen; denn nimmer kann ich von Alicen laſſen! Alicel— ach, warum biſt Du geſchieden! Du liebteſt nicht mit dieſer heißen Gluth! Giebt's eine Macht dort oben und hienieden, der zagend weicht getreuer Liebe Muth? —— 85 Du ſagteſt wohl, du gaͤbſt mir deinen Frieden; du opferteſt der Thraͤnen reiche Fluth— Kann Liebe je ein ſchoͤn'res Loos erwerben, als fuͤr die Liebe kaͤmpfend ruͤhmlich ſterben? Noch ſeh' ich ſie, wie ſie mit heißen Zaͤhren ſich von mir kehrte, und im Lichtgewand, wie Engel, fliehend nach der Heimath Sphaͤren, der Hochgelobten aͤhnlich, vor mir ſtand, Sie durfte keinen Blick mir mehr gewaͤhren, doch zoͤgerte, doch zitterte die Hand. So ſteht ihr Bild, ſo viel ich Naͤchte zaͤhle, im lichten Schleier vor der bangen Seele. Siebenter Auftrit t. Alain. Die Thür des Brautgemachs öffnet ſich, und ein heller Schimmer fällt heraus. Conſta nze, einen Schleier übergeworſen, und ganz wie Alice im erſten Aufzuge„der Schwüre“ gekleidet„ tritt heraus, und breitet die Arme . gegen ihn.— Alain. Ihr ew'gen Maͤchte!— Du, Alice, ſelbſt? Du— Du vertrittſt den Weg zum Brautgemach? Dein Geiſt aus jenem ſchoͤnern, ſtillen Lande? 128 Conſtanze, 1e.8 wirft ſchnell den Schleier ab und fliegt an ſeine Bruſt. Ich bin es, lieber Alain! 121 Alain. Ach— Conſtanze—! vergieb— ein Traum— ein wunderbares Spiel der Phantaſie— Conſtanze. Nein, Alain!— o verbirg mir nicht, was ſtets Dein Inneres bewegt. Du ſahſt in mir Alicen— und ich will ſie nicht aus dieſer treuen Bruſt verdraͤngen. Nein! nein! das will ich nicht— bei Gott! das — wollt 2 Geil ich nie— denn Deiner werth war meine Schweſter. Ich war zu ſpaͤt geboren, und du liebteſt ſchon meine Alix, da Conſtanze, noch ein Kind, die innre Stimme nicht verſtand. Verdraͤngen will ich meine Alix nicht, die— o ich weiß es— Dich zu mir gefuͤhrt! Du ſollſt ſie lieben— ewig lieben!— Sieh! ich hatte mir das lange ſchon erdacht; dieß Kleid— Alice hatt' es ſelbſt erfunden; ſo ging ſie, als Du von ihr ſcheiden mußteſt— Nicht wahr, es ließ ihr ſchoͤn? nicht wahr, ſie ſchien Dir reizend?— Seh' ich nicht Allcen auch ein wenig aͤhnlich, guter Alain!— Ach! ich moͤcht' ihr immer aͤhnlich ſcheinen— nun nicht wahr, dann biſt du auch Conſtanzen gut? Mich ſelbſt ſollſt Du nie lieben— meine Schweſter in mir!— Nicht wahr, Geliebter! das iſt leicht! 87⁷ 358 1 6n Algin. e emee e Du ſpielſt mit m mir ein zaͤrtlich, ſchrecklich Svial Nie bin ich Deiner werth, Conſtanzel nie ſo heißer Liebe werth!— o meine attin⸗ Du biſt der Erdentoͤchter beſte! Laß mich dieſes Herz verdienen— o Conſtanze! Bei Gott! ich ſcheine gegen Dich mir ſelbſt ſo klein, ſo werthlos.— Haſt Du keinen Wunſch? Mit meinem Tode wollt' ich ihn erkaufen—. Conſtanze. Mit Deinem Tode? Trauter! Nun, das heißt doch auch mit meinem eignen? Denn das wirſt Du doch niat wollen, daß ich nach Dir lebe? 1 Alain. Con ſtan zer willſt Du mich vernichten?. Conſtanze. 2 — Main! Du ſollſt nur meine Liebe wuͤrd'gen lernen! legt den Kopf auf ſeine Achſel. Alain. 2 Was willſt Du, Theure! fag, was haſt Du 8n Conſtanze. Ninm Du, mein Greund!⸗ den Kranz aus meinem Haar! Et Kein Fremder ſoll ihn zagbenz hart hab' ich geſtritten mit den wilden Rittern— ſieh! die Wang; iſt gluͤhend und geritzt die Hand— 88 Kein Fremder ſoll den Mirtenkranz mir rauben— will ſich auf ein Knie niederltſſen. 117 Alain. Was willſt Du, Holde?„ 1 Co nſtanze, imn zieht den ürans aus den Locken. Geben will ich ihn Dir ſasfe— Doch, Ala in! gieb ihn mir zuruͤck. Alain. Gpric⸗ theures Weib— Conſtanze.— O% gieb ihn mir zuruͤck! Ich will ihn treu, ihn redlich Dir bewahren, bis Du mich lieben kannſt.— Nicht wahr, Du weiſt, was ich Dir ſagen will, und nicht vermag? Ein Jahr gelobt' ich meiner Heiligen, wenn ich noch Deine Gattin wuͤrde— Alain, giebt ihr den Kranz. Maͤdchen! Ich muß Dich lieben! 8 Conſtanze. Gluͤcklich iſt Conſtanze, wenn ſie Dich lieben darf, und Deine Freundin, Dein treues Maͤdchen heißt— nach dem Gatinet rufend. ¹Elg tun lind delr. Ater Aufritt. 8 orige. Elgiva und Adele aus dem Cabinet. Man hört in der Ferne Muſk. 1,G. 3,7101) en 1iter:, Irn Conſtanze. . Nehmt dieſen Kranz, und hebt ihn ſorglich auf bei meinen Perlen und Juwelen; denn er iſt das Koͤſtlichſte von ihnen— Adele. Theure Graͤfin! es ſoll geſcheh'n;— Doch horehr, es K nufen ichon die ſanften Floͤten— 12 Coyfanze. Liebſter! komm zum Tanz!— Mit Dir zum Tanz und ins Gedraͤng der Schlacht! alle ab. NReununter Auft rihtt. Der Ritterſaal, hell erleuchtet, im Hintergrund und an den Seiten Stufen mit einer Gallerie, wo die Herzogin Ma⸗ tilde mit ihrem Gefolg und andere Damen ſitzen, Muſik⸗ chöre, Schenktiſche u. ſ. w. — Herzogin Matilde mit ihrem Gefolg. Erbprinz Robert, Odo, Carl Martell, Roger von Mont⸗ gomeri, Wilhelm von Barenne, mehrere Ritter und Damen, alle prächtig gekleidet. Wilhelm von Varenne und ungefähr die Hälfte der übrigen Ritter tragen roſenfarbne, mit Silber geſtreifte Bänder um den linken Arm. Ritter gehen auf und ab, unterhalten ſich mit den Damen; Muſikanten blaſen; Knappen' und andre Diener warten auf. Montgomeri, mit Odo hervorkommend. Mir gilt es gleich, was er im Sinne trage; nur bald! nur bald! ſonſt reiſ' ich wieder ab. Die Meeresſtille iſt mir unertraͤglich. Sagt das dem Herzog, Euerm Bruder, Herr! Odo. Habt nur Geduld. Gewiß, ich weiß die Zeit; ich weiß wohl mehr, als Ihr vermuthen moͤgt. Laßt Euch bedeuten— feht, die ferne Zukunft iſt Euern Augen freilich wohl verborgen— 91 Montgomeri. Euch weniger? müas Odo. Verſteht—— zieht ihn auf die Seite und ſpricht geheimnißvoll m mit ihm. Ein junger Ritter kniet vor einem Hoffräulein. 1 Ja, ſchoͤnſte Dame! ich dien' Euch ewig. Eine Eiſenfeſſel will ich am Arme tragen, als ein Sclav der treuen Minne, wenn Ihr mir gelobt, daß Euer ſproͤdes Herz— Fraͤulein. uue 3 Dem Hochzeitmeiſter üringt dieß Gelubd; es ſpricht aus Euch der Wein! Ritter. Grauſame! Euch gebar die Ligerin in Lybia— Varenne, mit Prinz Robert hervorkommend. Du ſahſt ihn alſo nicht? Er ſchlich einher, als ſchluͤg ihm das Gewiſſen; tief eingemummt in einer Pilgerkutte, 191307 ſtahl er ſich an den I Waͤnden fort, ich traut⸗ ihm nicht; er machte falſche Augen; ja! ſo rechte Katzenaugen— Pr. Robert. Fort mit ihm! Was wollen ſolche falſche Augen hier? Ich ſah auf keine Augen, als Conſtanzens und meines Alain, und die ſchimmerten in Lieb und Wonne— Montgomeri wieder mit Odo, lachend. Nun, ich wuͤnſche Gluͤck; doch das beding' ich, daß ich Euch den Fuß nicht kuͤſſen darf— und dann, daß Ihr ſo viel Indult mir gebt, als meine Suͤnden, die ich mit Gewalt begeh'n kann— 6) 121E Odo. Wahrt die Zunge!— Das bleibt natuͤrlich alles unter uns. Carl Martell mit einigen andern am Schenktiſch. Hoͤrt an, wer Ohren hat!— der Ritter Roland ſei ſtets geprieſen, und Olivier, und jeder Ritter, der die Minne ehrt! trinken. Tuſch. Mehrere Ritter draͤngen ſich zu. Geprieſen Roland und Olivier! getreue Minne! edle Ritterſchaft! allgemeiner Lärm. Die Thüren werden geöffnet. 3 4 93 Zehntet Auftritt. Die Borigen. In kurzer Zeit Herzog Withelm, und bald darauf Conſtanze mit Alain. 17 Montgomeri. Still jetzt, das Brautpaar kommt! Martell. ierss Lun 6686 Run gitt es Sturm, den Kranz zu raube— nsEs ſammeln ſich Ritter um ihn. Varen ne. 1 Nein! wir leiden's nicht: wir haben gnug erbeutet an dem Knieband. Alle Ritter, welche Bänder tragen, ſich um Varenne ſammelnd.. Wir leiden 8 nicht! wir ſind im Dienſt der Braut! Varenne. Wer ſie zedrohte der heb' den Handichuh auf!. Martell. Ich heb' ihn auf— Wilhelm. hat die Damen begrüßt und tritt unter die Ritter. Ha, hier giebts Zweikampf!— Carl Martelll brecht Ihr den Frieden meiner Burg? Varenne. Beſtraft ſie, gnaͤd'ger Herr! nehmt ſie gefangen! 94 Martell. Wir ſind in guter Fehde; denn die Mirte iſt nirgends ſicher, als am Traualtar! Alain und Conſtanze treten ein. Als die Ritter der Braut ſie ohne Kranz erblicken, rufen ſie: Victoria! Martell. Nicht Ih rohabt uns beſiegt! zu Alain. 119 Ihr kamt mir ritterlich zuvor, Herr Graf! zu Conſtanzen. Der Jungfrau bot ich Fehde; ich ergebe der jungen Frau mich willig zum Gefangnen! Conſtanze, mit niedergeſchlagnen Augen. Ich dank' Euch Carl Martell! Bergeſſen ſei vergangnes Unrecht fuͤr die Gegenwart. 3 Wie koͤnnte zu dem Freunde des Gemahls Conſtanze von Bretagne Feindſchaft naͤhren! ſetzt ſich zur Herzogin. 8 eilfter, Auf 1 6,tan Vorige. Timar. Nh emt in Aimar,. den Hetzag auffuchend—— hakb laut. Herr Herzog! habt Ihr einen Augenblick für miih— es— ich wollte nur— ich habe— öuſ ae. Wilhelm.) dr z0n1 Was siſt Eugs denn, Herr uüker= ie v Jhrſcheint ja ſo beſtuͤrzt— 41 fun Aimar. Nun ja, es ſcheint vielleicht; doch iſt s nicht ſo! Wenn Ihr ins Nebenzimmer auf einen Augenblick mir folgen wolltet— Wilhelm, laͤchelnd. Ach, heute ncht, Ihr ſeht ja, henie ſoagt nur Scherz und Freude ihren goldnen Srepter. Laßt heute mich die Roſen froͤhlich brechen, und zeigt mir nicht die Spinne in dem Kelch! Alle Ritter ſind ſchon aufmerkſam worden. Aimar.— Es iſt— es ſcheint doch wichtig⸗— Wilhelm, aufmerkſam ſcheinend. 46 nn 2 So2 96 22— Alain, berzutretend. Herr Herzog! Theilt mir es mit, dem treuergebnen Sohne! Pr. Robert, ehen ſo. Und mir, mein Vater!. 4 Mehrere NRitter.. Uns! uns, Euern Freunden! Wiilhelm.— imn u So ſagt es, Langiera Hoͤrt Ihr nicht, wir m hier alle Freunde— Aimar. Wuͤßt' ich nur— Wilhelm. ul 32. 191 Ich wills! Aimar. mate W Wollt Ihr nicht wenigſtens die Damen— Wilhelm.. wenns Euch ſo beſſer ſcheint— Am. in den Hintergrund zu den Damen gehend. . Frau Herzogin und edle Damen! wollt Ihr mir verzeih'n, daß ich zur ernſtlichen Berathung jetzt den Prunkſaal waͤhle— ohnedieß ruft nun ja bald die Stunde zu der Abendtafel; waͤhlt unterdeß die Sitze— Matilde, etwas unruhig. — Wir gehorchen! Du folgſt uns doch bald nach, Herr und Gemahl? Conſtanze wirft Alain einen bittenden Blick zu, bald nach⸗ zukommen, den er durch einen zärtlich bejahenden Wink 4 erwiedert. 4 Wilhelm. Sogleich! Alle Damen und Ritter gehen ab. Wilhelm und die Ritter indeß unruhig im Saale auf und ab. Z woͤlfter Auftritt. Die Vorigen ohne die Damen. Wilhelm zu Amar. Nun ſagt, was Euch ſo wichtig duͤnkt! Aimar. Vor ein'gen Stunden ſteh' ich ſtill im Erker und ſchaue in die Gegend; da erſcheint aus duͤſtern Schatten ſchnell ein Reutersmann; er ſprengt mit loſem Zuͤgel, und der Rappe— keucht athemlos; er ſtuͤrzt vor meinen Augen. Ich eile fort und ſende einen Diener; der kehrt zuruͤck, und nichts hat er gefunden, als nur das Roß im letzten Todeskampf. Wilhelm. Nur weiter, weiter, Aimar! Theaterſchr. III. Einige Ritter. Sprecht, Herr Canzler! wo blieb der Reuter? 1 2 Aimar. Ja, das glaubt' ich ſelbſt nicht zu erfahren; doch vor ein'ger Zeit, da ich hieher gedankenvoll mich fuͤge, tritt ſchnell ein Fremdling, der im Dunkeln lauſcht, aus jenen Pfeilern— Varenne. Ja, ich ſah ihn auch; es war ein Pilger, trug ein braunes Kleid. Aimar. Ja, ja, wenn ich nicht irre— dunkles Braun! Varenne. Ich dacht' es gleich— Pr. Robert. Was will die Fledermaus! Aimar. Er gab mir eilig— draͤngend dieſen Brief, und war, wie Geiſter in den Grund, verſunken. Wilhelm. Und was enthaͤlt der Brief? Aimar. Er iſt aus England, 99 ſo neu, als moͤglich; und des Pilgers Schiff ſcheint ſchneller noch geflogen, als ſein Roß. Alain und mehrere Ritter unter einander. Aus England! England! Ha! was giebts von dort? Wilhelm. So leſ't ihn laut— Aimgr. Wenn Ihr befehlt— Wilhelm. Geſchwind! Aimar lieſt: „Ich kann nur wenig ſchreiben, und verfallen iſt meine Ehre, wenn man mich erkennt; denn meinem Schwure, meiner Pflicht und Treue iſt ſie vertraut, die edelſte Gefangne—“ Alain. Gefangne? wer? Ich ahne— Ritter. Laßt ihn doch! Aimar. „die edelſte Gefangne, und wer kann die Unſchuld, Schoͤnheit, Tugend ungeruͤhrt die Haͤnde ringen, troſtlos jammern ſeh'n? So ſah ich ſie ſchon manchen Tag, die ſchoͤnſte, die beſte Koͤnigin“— Alain. Alice! Sie! o meine Freunde!— Aimar.. —„ſie, die edle Alix!“ Alain. O ſchrecklich, ſchaͤndlich!— Und wir zaudern noch—7 Aimar. „Wie? habt Ihr keine Schiffe? keine Schwerter? b Iſt's wahr, was Harold oft beim Becher ſagt: „„Eh' laͤuft die fluthenreiche Themſe ab, eh' Wilhelm kommt mit ſeinen Abenteurern!““ Mehrere Ritter. Das fodert Rache! Wilhelm. Meine edle Tochter! Aimar. Es kommt noch aͤrger, gnaͤd'ger Herzog! Alain. Hoͤrt! o hoͤrt ihn an!— Giebts noch was Schaͤndlichers, als ſie im Kerker— 7 Mehrere Ritter. Leſet, Aimarl leſ't! Aimar. „So eilet denn, wenn ihr noch Maͤnner ſeid. — 101 Denn leichtlich findet ihr die Arme nicht, nur ihren Leichnam—“, Wilhelm. Aimar! Alain. Gott! Ihr ſtockt— 2 Aimar. „Nur ihren Leichnam;»denn es laͤuft die Sage, als zeihe ſie der Koͤnig einer Schuld, er zeihe einer fremden Liebe ſie 1 aus fruͤhern Tagen, welche Strafe heiſche, und wenn ſie ſich nicht rein'ge durch's Ordal, und unverſehrt auf gluͤh'ndem Eiſen wandle, ſo warte ihrer ſchmaͤhlich harter Tod.“ Alain reißt ſein Schwert heraus. In meine Hand— gieb ihn in meine Hand, du Gott der Rache! Wilhelm. Ha! beſchimpft! entehrt!— Es iſt zu viel— vergebt mir, edle Ritter! wenn dieſer Schmerz— wenn Vaterſchmerz mich hemmt— Alain tritt mitten in den Saal und. hält das Schwert mit beiden Händen in einer flehenden Stellung gen Himmel. Hoͤrt mich, ihr Ritter! edle Waffenfreunde! 102 Wir kennen uns— Ihr ehrtet ſtets die Wuͤrde gekraͤnkter Unſchuld, zogt fuͤr ſie das Schwert. Durch mich, durch mich fleht Alix jetzt um Rache! Ihr Mund iſt ſtumm— ich habe ſie geliebt, wie fromme Beter hab' ich ſie geehrt; ich weihe mich fuͤr ſie dem Tode! Wollt Ihr mich verlaſſen? Pr. Robert,— wirft ſich an ſeinen Hals. Auf! mit Dir zum Tod fuͤr meine Schweſter! Alle Ritter, zugleich. die Schwerter ziehend, in wildem Getümmel. Keiner! keiner! auf! zum Kampf mit Harold! Auf zu Kampf und Rache! Sie drängen ſich alle um Alain und den Herzog und der Vorhang fällt. Zweiter Aufzug. 2E r ſt er A uftrit t. Gegend bei St. Valori, mit der Ausſicht auf die See. Am Ufer einige abgebrochene Zelter; im Haven Schiffe. 4 Erich, Soldat. Anna, Bauermädchen. Erich. dn Es kann nichts helfen, Annal weine nicht! Du ſiehſt es ja, der Himmel will es haben. Der Himmel ſtreitet fuͤr den Herzog! Denk, kaum hatte noch der fromme Zug begonnen, kaum knieten wir am Altar St. Valori's— . Anna. Ja, es war ruͤhrend, ſo mit anzuſeh'n— das ganze Heer im Schein der Morgenroͤthe, das ganze Heer als Buͤßende— kein Schmuck, kein goldner Glanz ſelbſt an den hoͤchſten Fuͤrſten; die heil'gen Prieſter mit den weh'nden Kerzen, und kein Panier erhoͤht, als nur das Kreuz, und jedes Auge ſtill zu Gott gewandt, und jede Hand gefaltet— tief im Staube die ganze große ungezaͤhlte Menge— 104 Erich. Und kaum bog vor dem Altar ſich das Knie, kaum hob der Biſchof die Monſtranz empor: da drehte ſich der Wetterhahn; die Sonne drang wunderfreundlich durch die grauen Wolken; dem Mohnfeld gleich, von Morgenluft bewegt, entwallten unſre Faͤhnlein licht durchſchienen; auf jedem Thurmknopf, jeder Segelſtange ging uns ein Stern der Hoffnung glaͤnzend auf— Anna. Ich habe nicht gebetet zum Valori, und will es nimmer wieder; ach ich ſah ihn wohl, den heil'gen Leichnam, eingeſchrumpft und ekelbraun gefaͤrbt.„Du lieber Gott!“— dacht ich bei mir—„was fuͤhlt der Knochenmann von dem, was mir die warme Bruſt beengt?“ Erich. Ei, Annal rede nicht ſo fuͤndlich— Maͤdchen! bedenk' nur alles. Heut' iſt St. Michaͤlstag, das Feſt des Schutz⸗Patrons von Normandie, und heute eben ſpricht zu uns der Himmel; zeigt das nicht alles, daß wir gluͤcklich ſind? . Anna. A. Ja, gluͤcklich! wie Du redtſt! Ich wuͤßte warlich da nicht, wo unſer Weizen bluͤhte. Ja, Du kannſt gut reden! Nun, was kamſt Du denn hieher und gabſt mir tauſchd ſchoͤne Worte, und putzteſt ſtets den Harniſch, daß er blitzte, 105 und trugſt die ſchoͤne Feder auf dem Helm? Nun nennſt Du's Gluͤck, daß du von dannen ziehſt. Erich. In Engelland giebts Schaͤtze, bunte Tuͤcher; da bring' ich Dir gewiß von meiner Beute ein Scharlach⸗Mieder, feine Buſengoller— Anna. Ja, Schaͤtze, bunte Tuͤcher?— Schmucke Maͤdchen! Ich hoͤr' es ſchon, was Dich nach England treibt. Ja, ja, ich ſeh' es; Du biſt auch nicht beſſer, als alle Andre— Denkt doch, Scharlach⸗Mieder und feine Buſengoller, die willſt Du erobern, Falſcher!. Erich. Ach, da geh' mir nur! Es thut mir leid— was kann's nun weiter helfen? Anna. „Es thut mir leid, was kann's nun weiter helfen?“ ſo ſprichſt Du, und ich moͤchte lieber ſterben; mir druͤckt's das Herz ab—. Erich.. Fort!— der Herzog kommt! Beide ab. Zweiter Auftritt. Herzog Wilhelm. Odo. Wilhelm. Es bleibt dabei! Wir lichten heut' die Anker. Die Winde weh'n; es ſchwellen hoch die Segel; die Wimpel ſtrecken ihre Scßlangenringel nach Albion— Odo. Es waͤre doch wohl beſſer, wenn Du nichts uͤbereilteſt— Wilhelm. Uebereilen? Iſt's nicht genug, daß wir ſchon viele Wochen hier muͤſſig lagen? daß ſo manches Boot, der ſichern Bucht entriſſen von der Brandung, ein Raub der Wellen ward? daß der Soldat ſchon Mißmuth naͤhrte, an des Himmels Gunſt verzweifeln wollte? Das, das ſind die Folgen von Deiner ſteten Bangigkeit— Odo. Und doch— Dein Heer iſt groß; doch kaum zu zaͤhlen ſind die Schaaren unſrer Feinde. Mit dem Meer, mit Maͤnnern, die den eignen Heerd beſchuͤtzen, in einem fremden Land haſt Du zu kaͤmpfen. ——-——⸗—x::O;OQ¶OC—C—CO—-— 107 Wilhelm. Erſt auf der Wahlſtatt zaͤhlt der Held die Feinde. Ich laͤugn' es nicht, des Harold Macht iſt groß, er ſelbſt ein tapfrer Fuͤhrer; doch die Zeit 1 der Ueberlegung war ſchon laͤngſt voruͤber. Der edle Leu kaͤmpft mit dem Tiger nur,. den Tapfern lockt der Fels, ihn zu erklimmen— Odo. Doch waͤhlt der Kluge ſtets den leichtſten Pfad! Wilhelm. Nichts liegt vor uns, als Siegen oder Schande! Auf mich gerichtet ſind der Voͤlker Augen,“ verpfaͤndet iſt mein Name, und ich will ihn loͤſen; zu den Helden, nicht zu Prahlern, ſoll mich die Zeit in ihre Tafel zeichnen!— Zur Abfahrt denn! Es kaͤmpft an meiner Seite Europa's Ritterjugend und der Glaube! Odo. Acht'ſt Du ſo wenig auf des Himmels Draͤu'n? verachteſt Du die Warnung des Cometen, der wie ein Schwert der Rache Gottes flammte? Wilhelm. Die acht' ich hoch; ſie droht dem falſchen Schwoͤrer, ſie droht den Britt'ſchen Heeren Fluch und Tod; denn nicht das ritterliche Schwert, wie wir, die rohe Streitaxt ſchwingt des Feindes Fauſt. 108 Odo. Ich rathe nicht, die Landung aufzugeben; nur Vorſicht rath' ich; denn gewiſſe Zeichen, die Harolds Koͤnigthum vorlaͤngſt gedeutet, die ſcheinen immer noch verdaͤchtig— Wilhelm. 1 mit Deinen Zeichen! Kann's ein beßres geben, als daß, ſo bald der fromme Wallerzug begonnen, ſchon der Wind ſich guͤnſtig hob, die Sonne alle Schleier ſchnell zerriß? Wie? oder gelten guͤnſt'ge Zeichen nur bei Dir? und theilſt Du mir die boͤſen zu? Odo. Mein Nekromant ſcheint noch bedenklich; denn— Wilhelm. Dein Nekromant? Ha, dieſer, der die Krone des heil'gen Peters Dir hat zugeſagt?— Ich bitte, ſag' es dieſem maͤcht'gen Mann, der, ſelbſt den Talisman der heil'gen Weihe nicht fuͤrchtend, Paͤbſte aus den Graͤbern ruft, er ſoll die Zeichen, oder ſeine Zunge beherrſchen und zum Guten zwingen; ſonſt 1 wird ihm ein Erdengeiſt ein Loos bereiten, das ſeine Unterird'ſchen ihm verſchwiegen! ——— ———— — 109 Dritter Auftritk. Die Vorigen. Erzbiſchof Robert im vollen geiſt⸗ lichen Ornat. Eine Abtheilung des Heers, mit der normandiſchen Hauptfahne, füllt in einem Halbkreiſe den Hintergrund. Carl Martell, Roger Montgome⸗ rie, Alain(auf deſſen Schilde eine Roſe und ein Mir⸗ tenkranz zu ſehen), Wilhelm Varenne, Prinz Ro⸗ bert, und mehrere Anführer, alle gerüſtet, umgeben den Herzog. — Erzb. Robert. Lob ſei dem Sohn und der Gebenedeiten! Lob allen Heiligen und Engeln; doch vor allen ihm, dem ſtarken, maͤcht'gen Helden im Reich der Himmel, ihm, dem Michael, dem Schild und Schirmvogt unſrer Normandie! Er hat den Drachen einſt beſiegt im finſtern, verfluchten Pfuhl, und ewig ihn gebunden; er iſt das Vorbild frommer Ritterſchaft, der Kirche Feinde mannhaft zu beſtreiten; er ſteht vor Gott, und hat das Aug' des Herrn uns zugewandt; er hat den Geiſt des Meers gebaͤndigt und in Feſſeln ihn gelegt; er wird uns beiſteh'n und uns maͤchtig ſchuͤtzen im guten Kampf fuͤr Recht und Ruhm! Wilhelm. Ja, unſer Flehen ward erhoͤrt; und Ihr, Ihr, meine Tapfern! gebt nun den Befehl, ſich augenblicklich einzuſchiffen— Mehrere Anfuͤhrer. Wohl! wollen ab. Erzb. Robert. Verziehet noch ein wenig, Herzog! ſeht, der paͤbſtliche Geſandte— —— Vierter Auftritt. Vorige. Lanfranc von einigen Diaconen begleitet, die ein Schwert und ein weißes Panier tragen, worauf ein rothes Kreuz und das Bild des Engels Michael ſich be⸗ findet. Lanfranc. Maͤchtig iſt der Herr, und heilig iſt ſein Knecht auf Petri Stuhl! Ihr kamt zu ihm als ein getreuer Sohn; von ſeinem Ausſpruch, ſeiner Weisheit nur erbatet Ihr den Ausgang Eurer Sache. Erleuchtet hat ihn Gott der Herr; er hat, wie es der fromme Koͤnig Eduard bei ſeinem Leben laͤngſt geordnet, Euch die Krone Albions gegeben, und des Ew'gen Fluch gedrohet jedem Feind. So zieht denn hin mit Gottes Schutz, und nehmt was Euch der heil'ge Vater liebend ſandte, dieß heilige Panier und dieſes Schwert, 7) 111 . die er geweiht am Grabe des Apoſtels. Wo dieſe Fahne hoch erhaben wallt, wird jeder Feind Euch weichen; dieſes Schwert wird ihn zerſtaͤuben, wie die Spreu vorm Wind, und wo es blinkt, da folgt, Euch unſichtbar, mit Flammenſchwertern Gottes Engelſchaar; mit Blitz und Donnern, auf geſchwinden Roſſen, umrauſchen Euch die heil'gen Kampfgenoſſen. Drum fuͤrchtet nichts— 4 Wilhelm. Wie kann ich wuͤrdig werden ſo hoher Gnadenzeichen?— Steht der Herr uns bei, ſo ſend' ich Harolds Heerſtandarte dem heil'’gen Vater! zu Prinz Robert. Prinz von Normandie! mein Erſtgebohrner, und, wenn dort mein Erbe ich nun errungen, Herzog der Normanen! empfange dieß, und bring' es Deinem Heer. Prinz Robert nimmt die Fahne und trägt ſie zu dem Heer. Alle Lanzen werden geſenkt; kriegeriſche Muſik erſchallt. Der Prinz übergiebt ſie einem Fahnenträger: alle übrige Fahnen verſammeln ſich um ſie. Der Herzog vertauſcht ſeinen eignen Degen mit dem geweihten. Fuͤnfter Auftritt. Die Vorigen. Ein fremder Ritter. Ritter. 4 Graf Balduin von Flandern und Graf Toſti entbeut Euch ſeinen Gruß, und ſendet mich mit dieſen Briefen— Wilhelm, 3 der ſie ſchnell erbricht und durchſieht. 1 Ha! ein Siegesbote! Kaum weht das theure, heil'ge Kreuzpanier 4 vor meinem Heer, ſo naht uns Heil und Sieg! Einige Anfuͤhrer. Was iſt? was iſt geſcheh'n? Iſt's ſchon voruͤber! Wilhelm, zu dem Ritter. Erzaͤhlt es ſelbſt; Ihr fochtet in der Schlacht; drum raub' ich Euch der Botſchaft Ehre nicht. Ritter.— Die Flotte Baldwins, Halfagers und Toſtis war in dem Humber gluͤcklich eingelaufen. Des Koͤnigs Schwaͤher, Edwin Mercia und Morcar, Herzog von Northumberland, erkuͤhnten ſich, die Spitze uns zu bieten. Sie ſind geſchlagen und gefangen; viele ertranken in der Stroͤme Fluthen. Bald ſteht eine Schlacht bevor mit Harold ſelbſt. — 113 Wilhelm. 5 Habt Ihr's vernommen?— Sieg! Victoria! Die Ritter und das ganze Hekr unter aayuane ſchlag der Schllde. 1 Heil! Sieg! Victoria! Heil! Heitt Wilhelm. 121alK. lon Auf! Laßt uns eilen, daß wir nicht zu ſpat zum Siegsmahl kommen!— Ha! mein Herz, wie freudig pocht es, wenn ich Euch erblicke, und wenn mein Geiſt ſich hin nach En glandwendet. Dort liegen ſie, die ſchoͤnen Ufer— dort winkt bas Gefild der Ehre und des Ruhms. Mehrete Anfuͤhrer. n 1ia 101 Zum 2waa und Wiihunn Herr Herzog, füͤhrrn uns an! 4 Withelm. 8 Ki d5 Befehlt den Auföruch; bald ge5⸗ ich das Zeichen. „Gott kaͤmpft mit uns!“ iſt unſre Loſung. Die Anführer zerſtreuen ſich. Wilhelm hält Alain zurück. Wie lohn' ich Deinem Eifer, Deiner Ereue? Du haſt mich ewig Dir verbunden, Alainn und gern bezahlte dieſe Schuld mein Herz. dn⸗ Dein ſcheint die Krone Entlands, Dein der Kampf! . Arain. 3 Mein agr. und Bater! jal der Kampf iſt mein, Vergoͤnnt mir dieſen Seütz;. er aits dem Leben noch ein'gen Werth aeh 18ef An. Theaterſchr. II. 8 114 Wilhelm. Rn Man ſchreibt in dieſen Briefen, daß Alix und des Koͤnigs Mutter, Githa, die der Verſtoßnen edel Schutz verliehn, um zu entgeh'n dem wilden Kriegsgetuͤmmel, nach einem Kloſter, auf die Mittagskuͤſte von Engelland, nach Suſſex, ſich gefluͤchtet, Dort landen wir, wo niemand es erwartet; Du aber eile, wenn wir angelangt, mit einer kleinen, auserkohrnen Schaar, das Kloſter zu beſetzen— ne Te ah Ah ſhten e den aat ea Gnd 518 S ein Herzog 1 Ihr wißt zu lohnen!— Doch, wenn Ihr vergoͤnnt! Ino Sn 33 L0Wilhelm... i= m Was willſt Du, lieber Alain! ſag es frei! Nicht fern vom Heere haͤlt Dich dieſer Zug; nicht miſſen will ich Dich in meiner Schlacht. Plult diane g aAlain. 1 34 Ich hab Alicen einſt gelobt, ſie nimmer zu ſehen. Wollt Ihr gnäͤdig mir geſtatten, daß Euer Sohn, mein Rob ert, bei dem Zuge befahle, und ich ſelblt nach eigner Willkuͤhr. e Wilhelm. Gern! ihr ſeid Freunde! Fuͤhr' er denn die Schaar ung Deinem Rgehe— Wohll es ſet alot Alain zu ſeinen Truppen ab. Wilhelm tritt in die Mit, und ſagt ſeierlich mit lauter Stimme: 1 4 115 So zieh' ich denn dieß hochgeweihte Schwert zum erſtenmal, zum Sieg euch anzufuͤhren. Ihr ſollt mich ſtets vor euern Reihen ſeh'n, und mit Euch. will ich ſiegen oder fänens der Blick gen Hunmelen⸗ e ates Gieb du uns deinen Schuh! al nn um kniet mieder, und das ganze Heer h thut ei Er betet einige Augenblicke, und Pungt uſh anf. Gott kaͤmpft mit uns! anauu„Oas Dondf heenerlhen Gott kaͤmpft mit uns! de uns kaͤmpft Gont, der Luu 9 err! Wilhelm ſtellt ſich vor das Heer. Es ofhut ſich; der Herzog und das heilige Panier werden in die Mitte genommen. Alles eilt unter kriegeriſcher Muſik und behen Getümmel 1 Winde Gehiſfen. Bin 5 1! b E S 86 35319 1 e 115⁵— 1196(t 24 S3 er As anat: Eine durze Ausſicht auf die Gee, am ufer mit einer Er höhung. An den Seiten Gebüſch. Maͤn Hörk noch in der Ferne Muſik, die aber bald gänzlich verhallt. Da alles ſtill worden, kommt Conſtanze in einer einfachen grauen Knappenkleidung, mt ſchwatzem Bruſthatniſch und gleicher Pickelhaube, und Ad e Lauch in männlicher ith Conſtanze, hervorſtürzend und ſich furchtſam dunihadende Haſt Du kein Nauſchen vernommen? Adele, weiter zuruͤck. faßt mach un. Tnheno nue kommen 1 19 8 Conſtanze. a 2ee an Raſchel es nicht in den Zweigen? 5 Adele. Ueberall waltet das Schweigen! Conſtanze. Himmel! es klang mir, wie Schritte, klang mir wie Waffen, wie Tritte eines Verraͤthers— Adele. O nein! Hier im verlaſſenen Hain weinet die Echo allein. — ——— 117 Tonſtanze, mannwoch weiter hervorkommend. Ich glaub' es Dir. Die ungewohnte Tracht,— des Schwertes Klirren und der Klang des Helms, und mein Geheimniß macht mich baͤnglich.— Ach! die Liebe füͤrchtet ſtets belauſcht zu ſeyn, und wenn mein Herz im heißen Buſen wallt, vernimmt das innre Ohr den ſtuͤrm'ſchen Sigg des Buſens an den Panzer.— Ach, Adele—— lehnt ihr Haupt an Adelens Bruſt. 1 Adeler. Seid ruhig, arme, theure Graͤfin! Conſtanze. Rnuhig—2 Dein Vater nors doch kommen? wird es bald? und wird' s gewiß? 2— Gott! wenn er ohne mich— wenn er ſein heiligſtes Verſprechen braͤch wenn’'s ihm gereuen koͤnnte— Ude le. Nein! o nein! Sorgt nicht! Er liegt am Ufars Soll ich ihm das Zeichen geben?— Conſtanze. O ſogleich! Warum,. Du Quaͤlerin, haſt Du ſo lang⸗ gezoͤgert? Ahele. n. So will ich geh'n und ſehen 118—— Conſtanze. . Doch behutſam! Es gilt mein Gluͤck— de nt. u ae Adele. — Mir heilig, wie das meine Adele geht in das Gebüſch, und erſcheint nach einiger Zeit 1 aauf der Anhöhe. c 9 Siebenter Auftritt. Conſtanze alein. O halte dich, o halte dich, mein Herz! O ſteht mir bei, ihr Heiligen im Himmel! Ihr kennt ihn ja„der frommen Liebe Schmerz; ihr habt ja oft mein naͤchtlich ſtilles Klagen, habt meine Thraͤnen treu vor Gott getragen; Ihr gabt ihn mir— und weder Tod noch Leiden ſoll mich von ihm, von dem Geliebten ſcheiden! Wie? ich ſollte von ihm laſſen? Ohne Freund in fernem Land ſoll der Liebliche erblaſſen; unbeklagt, auf fremdem Strand, ſoll der kalte Tod ihn faſſen, und ſein Weib ſoll ihn verlaſſen; weinend und mit feiger Hand weben fern am Grabgewand? Nur mit Thraͤnen und Gebeten 119 ſoll die traͤge Weiblichkeit vor den Altar Gottes treten, folgen nicht in Kampf und Streit? muthlos ſoll die Liebe klagen, einſam weinen, einſam zagen in der Nonnen duͤſterm Chor? ſtets mit furchterfuͤlltem Ohr jedem Laut entgegen beben, jedes jungen Tages Strahle? jedes Abends Niederſchweben? Nicht mit ihm im Panzerſtahle, dort im blut'gen Waffenthlea kaͤmpfen mit den finſtern Miͤchten in des Treffens heißter Gluth? nicht an Alains Seite fechten? ſtillen nicht ſein rieſelnd Bluk? Ha! ich ſeh' die Schwerter blinken, und die ſcharfe Lanze droht;— Speere ſplittern, Fahnen ſi ſinken; durch die Reihen jagt der Tod; Schatten ſchwirrender Geſchoſſe wandeln goldnes Licht in Nacht; brauſend ſtuͤrzen blut'ge Roſſe ins Gebruͤll der tiefſten Schlacht. Alain, Alain an der Spitze— Gott! ſein rother Helmbuſch ſchwankt!— Schuͤtzt ihn, ſchuͤtzt ihn, Gottes Blitze!— Schuͤtzt ihn, Engel— ach! er wankt! Seine Tapfern ſind gefallen, 5 und ich ſollte zitternd ſtehn 2 Nein! zum Tode muß vor allen— mit dem Helden Liebe gehn — 95 1 Achter Auftri tit.. Conſtanze, Adele. Hugh von Reuſchatet, ihr Vater. Edmund, ſein Sohn, Adele, welche nun die Anhöhe völlig erſtiegen hat, darſcht in die Hände und ruft. Mein Vater! Hugh von Neufchatel Neuſchgiel, noch unſichtbar. 4 Was ſoll's! was iſt das Wori 195: V Mef⸗ ahl ai4 Die Liebe und die Nach Konſtamze liaßt ein Fläſchchen aus der Leibbinde, und geht uimter ein Eebhſchne, geh a Die erſte Probe! Neuſchatel legt den Kahn an, und ſteigt mit Edmund aus. Adele kommt herunter. Reuſchatel kommt vorwärts. Edmund bleibt am Ufer und lehnt ſich an einen Baum. „Nun, da bin ich Arunh wo iſt Adele! die Gebieterin? —.— 121 Conſtanze tritt ſchnell ihn entgegen. Ihr Geſicht iſt mit einer braun⸗ ae bensdatde überzogen und ganz unkenntlich. Neuſchatel zu Adelen. Was toil der Bube! iſt er im Geheiminiß 0 n t g n 3 e, mit verſtellter Stimme. Was ſprecht Ihr da? was zögert Ihr noch hier? Habt Ihr ſo wenig Eil' nach Engelland! Neuſchatel faßt ſ ſie am Arm. Wer fragt michd das?— Ich laſſe Dich. nicht los— Conſtan 36 mit natfche, ſchmeichelnder Stimme. Ihr ſollt auch nicht, mein theurer Freund, mein 15 Vater! Neuſchatel. Iſt's moͤglich? 2 Graͤfin von B re tagne—— Ihr? Adele geht unterdeſſen zu Edmund. . Conſtanze. Richt Gräftn— Adelin von Neufchatel, 2 der juͤngre Sohn des wackern Ritters Hugh! Neuſchatel. Ich hoͤre Eure Stimme, doch ich glaub' es kaum dem Ohr, daß Ihr es ſeid, Frau Graͤfin! Wie iſt es moͤglich, daß der Wange Roth, der weiße Liljenglanz der ſchoͤnen Stirn ſo ſchnell verblichen? Kleiner ſcheint Ihr zwar im Waffenrock, doch ein'ge Jahre aͤlter. 12²2²2 Conſtanze. Ihr kennt noch nicht der Maͤdchen Farbenkunſt; doch dieſes Stuͤckchen will ich Euch verrathen. Das iſt nicht eigene Erfindung, ſondern ein alter Nekromant, den meine Alix gar hoͤchlich ehrte, gab ihr einſt dieß Waſſer, zum Scherz das Antlitz zu entſtellen, und da ſie's nicht that, will ich den Scherz vollſihren Neuſchatel. Vergebt, Frau Graͤſin! mir ein ernſtes Wort! So ſcherzhaft iſt doch dieſe Reiſe nicht. Ihr ſeid entſchloſſen, habt Befehl gegeben— Conſtanze. Beſchworen hab' ich Euch, Euch meine Letwun Euch meines Lebens Freude uͤbertragen— . Neufchatel. Kann ich's vertheid'gen, wenn man Euch erkennt—! Conſtanze. Habt Ihr mich denn erkannt?— Ich glaube kaum, daß Neuſchatel Graf Alains Eh gemal— ſo hart ergriffen haͤtte— Neufchatel. Nimmermehr! Den Knaben nur, der mir verdaͤchtig ſchien, mich meiſtern wollte! un Conſtanze.. u Nun, Ihr wußtet doch, 123 daß ich Euch hier erwartete; Ihr dachtet mich hier zu finden. Kann ein Anderer dieß auche wermathen? 1 8 Reufchatel. 8 Was im Augenblick nicht moͤglich war, kann kuͤnftig doch geſcheh'n! Conſtanze. Hoͤrt mich nur weiter! Alles iſt erwogen. Ich heiße Ad'lin, Euer juͤngſter Sohn; den aͤltern, Edmun d, haͤlt mein Bruder werth— 8 5 Neufchatel.— O ja, er it ſein Leibpurſch. Auch Graf Alain iſt ihm gemogen, beide Treunde— 3 enſtanze. Nun! Ad etens⸗ meiner Freundin, guter Bruder iſt ſchlau, und wird den juͤngern nicht beneiden. Neuf chatel. Er iſt entzuͤckt, von Euch allein zu wiſſen, entzuͤckt von Eurer Kuͤhnheit, Eurer Treue, und eher ſchloͤß der Tod ihm ſeinen Mund, als er entdeckte— Conſtanze. 1 Guter, braver Junge! die Kameradſchaft ſoll Dich nicht gereuen. 124 Neuſchatel. Ihr wißt ja, wie die Jugend iſt, Frau Graͤfin! wohl von Euch ſelber. Das Gewoͤhnliche erſcheint ihr kaum des lieben Daſeyns werth; doch giebt es ſo was Eignes, Wunderbares, ſo was aus einer fernen Fabelwelt, wie ſie die Harfner ſingen— o da gluͤht nin die Wange feurig und der Buſen klopft. Conſtanze. Mag ſeyn! ich laͤugn' es nicht— wer wollte immer nur Mittag haben, nicht auch Morgenroͤthen und Mondenſchein und milde Sternennacht?— Nun gut, ich heiße Edmunds Bruder, und Ihr ſagt, man habe immer mich verborgen; ich habe ſtets geſiecht; ich ſei als Kind ganz ſtumm geweſen; nur in ſpaͤter Zeit hab' ich zuweilen einiges geſprochen; doch bleib' ich immer ſtill fuͤr mich— ein Traͤumet von menſchenſcheuem Weſen, bloͤdem Sinn. Neuſchatel. Die Liſt iſt gut. Conſtanze. Wie jede Liſt der Liebe! Neuſchatel. Ihr ſeht das freilich alles nur im Licht; doch giebt's auch truͤbe Schatten!— Conſtanze. Zeigt ſie mir! 125 Neuſchatel. Man wird, man muß Euch. baüds vermiſſen. Eanſanze h 4.0 Nein! Als ich mich zafean von Gemahl und Vater entfernte, wirkt' ich mir Erlaubniß aus, die Schweſter Cieily im Nonnenkloſter— dnan zu Fescamp heimzuſuchen, reiſte ab und— ſendete Elgivashin ſtatt meiner; als Kud dr hats nur die Schweſter nich gekannt. c 2 Neuf hntek. Doh eit wie ns wird dieſe ane ouhomie 21 6ʃ Sne Conſtagie dn efini 4 6 Sn eingeſtehen, und die Schweſterllebe wird mein Deheaiii, zu Keaunh e u wiſſen. Neufchatel. e„442 4460 Doch habt Ihr nuch bedacht aaeet de dea 3 ult 12S Eonftange. eu KIInuI42 Und waͤr's auch nicht, bin ich nur fort erſt, bin bei meinem Alain! Wer will Pnnsh Paf von ſeiner Seite reißen?2 nn Linsct of e n gtsid n Weufchat ell. Je⸗ 106,0 Wird's Euch ſo Keicht, das Mutterherz zu auänken Conſtanze, ernſt. O nein! nein! Neufchatell das war das einz'ge, was mich zuweilen niederſchlug— Neufääater 5 13Infzts Frau Graͤfin! ich mein' es gut— bin Vater.— o bedenkt!, was Aeltern⸗ Küͦmmer heißdan was Dßteasſhtn 21 3 Conſtanze, ensſchlüſſen ans— 2n Die Jeltern laͤßt das Weib, und folgt dem Mann; das hoͤrt' ich ſchon, eh' ich den Sinn verſtand! Ich kenne keine Wahl; wollt Ihr das Wort, das Ritterwort mir brechen, mich verlaſſen,o ſo ſtuͤrz' ich mich allein ins offne Meer und ſchwimme nach den Schiffen, folge Alain— und, ſink' ich unter, bin ich tren Pahtent 8 Neufchaurel Die Lieb' iſt maͤchtig; doch dem zarten Weibe verlieh Natur nur Reize, Staͤrke nicht.. Gefahr und Mangel, druͤckende Beſchwerde 8 erwarten Euch im. Schiffe: und im Lager. cejnt Hlln 15 6 Eonſtanze, HvIISI 13 Deukt Zir von Wiͤlhelms Tochtern. ſor Sumne glaubt Ihr ſo wenig an der Fraͤulein Muth? Schon jung erlernt⸗ ich, Roſſe⸗ zu beſteigen⸗ und manches Reh ferlegte dieſe Hand. d 127 Neuſchatel. Wohl moͤcht Ihr, euern Falken auf der Schulter, im luſtigen Gefolg von Euern Damen, auf leichtem Zelter durch die Thaͤler ſtreichen, mit euerm Pfeil das Huhn im Flug erreichen— in Schlachten rinnt der M aͤnner Sczuubiſ und Dlu Conſtange. Ich weiß es; ja!— Doch fließe auch das meine; wie gluͤcklich, ſterb' ich an der Liebe Hand! Iſt Treue nicht aus Edens heil'gem Haine als Buͤrgin ſchoͤner Zuͤkunft uns geſandt? Sie birgt ihr Liebſtes, gleich dem ſeltnen Steine der Perſerkrone, den ein Bettler fand, in blut'ger Sohle, fromm es zu bewahren. Bin ich bei Alain, lach' ich der Gefahren! Neufchatel. Ich kann Euch nicht bewegen, nicht verlaſſen— Conſtanze. So kommt denn, Vater! Lebe wohl, Adele! und denke deiner Freundin im Gebet— umarmt ſie. Adele. Ich folg' Euch, Theure, ſtets mit fummer Seele. Lebt wohl, mein Vater— Neuſchatel. „Kommt, der Wimpel weht! 138 s Gon ſtan ze. n o weht, ihr Wende! Ungeduldig zuͤhle ich die Minuten bis ich Ihn erfleht, bis ich Ihn habe— hiederſehe Ihn— Leb' wohl, Adele! .21 Neuſchatel. 1 A Komm denn, Adelln! beut Conſtanzen die Hand, und beſteigt, mit, te. und 6 mund das 5 Buot. a Dritter Aufzug. Erſter Auftritt. 129 Lager des Königs Harold, unweit des Schlachtfelds bei Stamford. In der Mitte des Theaters das Zelt des Königs, vor welchem die Engliſche Reichsſtandarte aufge⸗ ſteckt iſt. 4 5 — Soldaten ſitzen im Hintergrunde am Feuer, jubeln und zechen. Ein Harfenſpieler, von Soldaten umringt, ſingt, und die Zuhörer wiederholen den Endreim. Harfner. Earl Toſti hatt' es fein erdacht; er zog daher mit Norwegs Macht, und hoch ſtolziert' am Britt'ſchen Strand Graf Balduin von Flandernlan d. Heil, Harold! Heil! Soldaten wiederholen... Was wollt ihr Herrn in unſerm Meer? Wo denkt ihr hin? wo kommt ihr her? Beliebt euch nicht?— Heran, heran! und nehmt von uns den Imbiß an! Heil, Harold! Heil!:, Nur naͤher, naͤher, edle Herrn! wo bleibt ihr nur? Wir ſaͤh'n euch gern! Theaterſchr. III. 130 1 Wo war's, daß Euer Heerbann ſtand? Dort fault ihr ſchon im Britt'ſchen Sand! Heil, Harold! Heill ,: — Zweiter Auftritt. Harold, in einer dunkel angelaufnen Ruͤſtung, mit G urth aus dem Zelt tretend. Gurth. Und jetzt ſchon wollteſt Du den kuͤhnen Ianatn befreien? einen tapfern Fuͤhrer mehr dem Feinde in die offnen Arme ſenden? Harold. Wo iſt der Feind, den Harold fuͤrchten niße Gurth. Trauſt Du dem Wilhelm von der Rormanti ſo feigen Sinn, ſolch eitles Pochen zu? waͤhnſt Du, daß ihm der Bundsgenoſſen Fall, ein Hagelſchlag, der fremde Fluren traf, die ſtolze Hoffnung niederſchmettern werde? daß ſeine Herrſchbegier von Englands Throne das Auge wende, weil ein breiter Strom von Preundesblut um deſſen Stufen rauſcht? — Harold. Nein, glaub' es mir, er wagt es nimmermehr; und haͤtt' er auch in ſeinem eitlen Muth — 131 es je gedacht, er haͤtt' es aufgegeben; es noch zu denken waͤre Raſerei. Wie? England zu erkaͤmpfen— und mit einer Hand erkaufter Soͤldner? England zu erobern, das jetzt die Wunden, von dem Daͤn'ſchen Schwert geſchlagen, mit der Feinde Blut gewaſchen? das unterm eingebornen Koͤnig ſicht? Wo iſt der Balduin? wo Halfager? Sie ſind gelandet in der Unterwelt! Gurth. Du haſt mit Ruhm gekaͤmpft, und Deine Tapfern erweckten den erloſchnen alten Namen; doch gruͤnt der Lorbeer auch um Wilhelms Schwert, und ſeine Ritter duͤrſten nach Gefahren. Harold. Das ſind nur Prahler, Fuͤrſten ohne Land! Ihr ganzes Erbe liegt in ihrer Fauſt; ſie haben keine Huͤtte, keinen Heerd, und, da ſie nicht im Monde ankern koͤnnen, verſuchen ſie's mit England— Gurth. Kuͤhner Glaube entriß die Palmen oft der ſtaͤrkern Macht! Harold. 4* Erwarten wir's!— Geh', laß mir Olav tommen! Gurth ab. 3 24 r 13² Dritter Auftritt. 9 4 Harolv. Es wird ihm ein Feldſtuhl gebracht, auf wel⸗ chen er ſich niederläßt. Einige ſeiner Feldherrn umgeben ihn. Leofwin, von Soldaten, die mit Schilden und Streit⸗Aexten bewaffnet ſind, begleitet, bringt Olav ge⸗ feſſelt. Leofwin uͤberreicht Harold Olavs Schwert. Prinz Olav, Sohn des Koͤnigs Halfager! Harold. Ich danke Dir, mein Bruder, fuͤr die That!— Doch Ihr, mein Prinz! wie kommt es doch, daß Ihr ſo ferne her, ſo jung Euch aufgemacht, um meinen Hyf: zu ſeh'n— Olav mit einem Blick auf ſeine Ketten. ihn ſo zu ſeh'n! — Harold. zu einigen Soldaten. Entfeſſelt den Gefangnen! Der Kon' ge Gegenwart loͤſt alle Ketten— Olav. Ihr ehrt in mir die eigne Wuͤrde, Harold! Mein Vater iſt gefallen, und nur Wunden vergoͤnnte Leofwin dem Juͤngling; Olav iſt Euch an Wuͤrde gleich, jetzt Norwegs Koͤnig! Ich haͤtt' es nicht arhaßs V Harold..n t Ihr ſprecht ſehe ſtolz; doeß Tesrich dieſen Muth. 3h ſeid geſange- t Anche Olav. Jetzt! 86. nane⸗Harold. d. ma⸗ 26 Ich tunn euoh tödten na nt Hlähe die dud anu d Wenn Harold es erlaubt/ der König kann! 6! Ln ns ae nont unnt da Ich ſollt' Küch toͤdten! 38, 90. 6 Nun, ſo thurs Hiit nt nach ast Ofs 25— i 18 2ne„Was ſuchtet Ihr hier; n. Vngeranwurt m zunc O lav.⸗ Mir galt das gleich! Mein dends Schwert wollt ich zrprohen; weiter verlangt⸗ ich nichts— 82 E maonb Harold. 1ien 6 Und darum wagtet Ihr den Einfall in ein fernes Kedenlande Olav.„ 5 uln 9. Fragt das den Toſtiz ſeine Schmach zu aen. ihm zu erfechten ſein entrißnes Land, bewog ſein Flehn den koͤniglichen Vater. Harold. Wer gab Euch Recht, Verraͤthern Schutz zu leih'n? Olav. Ich bin noch jung, noch unerfahren, Koͤnig! Ich habe manches wohl gehoͤrt vom Recht der Nationen; doch geſteh' ich gern, ich kenne keins, als nur das Recht der Sieger. V Harold, mit Huld. Was kann man mit Euch machen? b Olav. Nichts, Herr Rangt was mich entehren kann! Harold, un Leofwin. Was duͤnket Dir? Der Pen; 6 Dein Gefangener—— Leofwin.. 4 1 8 Ihr ſeid mein Herr und Feldherr— Harold. Kann ich Deinem Muth den Lohn des Sieges rauben? Nede frar Leofwin. Ich ehre Olav; uͤberwaͤltigt nur, doch nicht beſtegt, und ſelbſt in Ketten groß— 135 Harold. Du fuͤhlſt, wie Ro bert von der Normandie; und ziemt es mir. an Groͤße Euch zu weichen? Szu Olao. Nehmt Euer Schwert, mein koͤniglicher Freund! Leofwin überreicht es Olav. Olav. Wie viel bin ich Euch werth? was ſodert Ihr als Loͤſegeld? Leofwin, unwigig. „Sch gab Euch ſchon das Sgwe— Harold, mit innerm Unmuth, halb vor ſich. Ich wollt' einſt hohes Loͤſegeld erſparen, und fiel in feſtre, haͤrtre Bande—— Nein! verwuͤnſcht ſei Wohlthat, wenn ſie Wucher treibt! Olav. 1 Nehmt meinen Dank, Herr Koͤnig! geofwin! Harold. Nur diefem muͤßt Ihr danken; doch Ihr ſolt von Harold auch ein Gaſtgeſchenk empfahen. Ich geb' Euch zwanzig Schiffe von den Euern, mit Euerm Heer, ſo viel der Schlacht entging, ins Vaterland zu kehren. Waͤhlt ſie ſelbſt! ingeha Olav. Gern dank ich Euch die Frei heit, meine Krons; und, wenn Ihr einſtens eines Arms beduͤrft, ſo laßt es Olav wiſſen.— Gott mit Euch! Olap mit Feohon und allem Geſolg ab. d eir tier Au fbie Parots. Gurth. cictira lonnenh eAllgin Gutrh. s Es iſt geſchehen? ectn., Ja! Gurth. 3 Ich wollte Doch, Du nuerte es Aih Aeſchoben.— Harold.. 497R.. 34 24e Se und wune 113 En Gurth. Wenn er zum a Zeinde uͤberging-— 4 Harold. nit unis Entehre mit ſalchem Veewurf nicht den edlen Jüngling Gurth. 4 Wenn ſi ſie ihn zwaͤngen, ihn umfluͤgelten— Harold. Und wer vermag das? ihn— mit zwanzig Schiffn, hemannt mit Allen, die dem Schwert ensſioh ns Gurth. Du haſt mir nicht geglaubt; doch eben kommt ein Schiffer an, ein zuverlaͤß'ger Mann, 137 der hat vor zurzem an der Suſſex⸗Kuͤſte auf dem Verdeck die Flotte der Normanen mit eignem Aug' erſpaͤht; faſt an Dreitauſend, und große, ſtarkbemannte Schiffe; nur durch Nebel iſt er ſelbſt entkommen— Harold. Nein! Ein Schiffer brachhe Dir die Racricht 1ante niem„Gurth. Jr Doch buͤrg' ich feine Treue, ſeine Wahrheit mit meiner Ehre— 54 Haro...hac minsl — Wäͤr' es wirklich ſ2 r n4 Doch Du verbuͤrgſt ihn— Gieb ſogleich Befehl dem ganzen Heer zum Aufbruch; und vor allen muß das geſchwindſte, auserwaͤhltſte Faͤhnlein das Kloſter unweit Pevenſey beſetzen, daß Gatha nicht gefangen wird⸗ und Mlass als Grißels bleibt ⸗ 4* 4 Gurth. Sal ich die Londner Krieger⸗— 895. 826 Haxold. 6 HerrnaE Rein! dieſe ziehen mit dem Hauptpanier mns nach altem Brauch Fiaares n Wurth. Sod ich die Voͤlker Kents—2 e I 138—— — Harold. Ja, Bruder! dieſe ſende nach dem Kloſter; voranzugehen iſt ihr altes Recht, und, wer gebieten will in Albion, der ehre ſtets des Vaterlands Geſetz! Gurth bleibt noch nachdenkend ſtehen. Was zoͤgerſt Du? Gurth. Mein Koͤnig und mein Bruder! Harold. Du ſprichſt ſo ernſtlich, dringend, treuer Gurth! Gurth. 94 Mein Herz verlangt's! Gewaͤhr' mir eine Bitte, daß ich Dich muthig nun verlaſſe— Harold. n Sprich! Gurth. 110 da9 Du haſt als Held gekaͤmpft in Stamfords⸗ Schlacht, als Held und Ritter; aber nicht als Koͤnig! Das iſt nicht recht, nicht loͤblich; ungewiß ſchwebt ſtets die Schickſalswage in der Schlacht, und was ſind wir, wenn Du gefallen biſt? Drum fleh' ich Dich, nicht ſelber eer das beer zum Kampf zu fuͤhren— Harold. Wie? ich ſoll als Feiger zuruͤckbleiben? 139 Klugheit iſt nicht Feigheit! O fuͤhre nicht die Schaaren wider Wilhelml Harold. Er fuͤhrt die ſeinen, mir das Reich zu rauben; ich ſoll es nicht, das eigne Reich zu ſchuͤtzen? raun Gurth. Laß mich die Schaaren fuͤhren wider ihn! Denn meine Hand iſt vein, und dieſes Schwert wird ſiegreich fechten fuͤr das Vaterland. Ich habe— muß ich's ſagen?— dieſem Wilhelm den Lehnseid nicht geſchworen, nicht sehntdios— hbn Harold. Gezwungen hat er mich zum Eide; hat, mit buͤb'ſchem Trug, mit Argliſt mich zeſchr dens⸗ die Heiligthuͤmer im Altar verborgen. Erpreßter Eid wird nicht von Gott gehoͤrt! ſo ſagens ſltſtn die teſchanaſghnen Prieſter. 1 Gurth. O traue nicht den Prieſtern! Kann der Clerus Dir's je vergeben, daß Du ſeine Pfruͤnden geſchmaͤlert? daß des Pabſtes Urtheil Du verworfen, ſeinen Bann verſpottet haſte Schon iſt der boͤſe Saame ausgeſtreut 1 durchs ganze Lager— und der erſte Unfall, der dich betrifft, ſo nennt Dich der Soldat eidbruͤchig, ſieht des Himmels Rache droh'n, 140— verlaͤßt die Fahnen—— oder meineſt Du, es ſei umſonſt, daß man ein altes Maͤrchen, als jetzt geſcheh'n, verbreitet—! ipi 54 arold. Welches Murchen? awuteh. Von einem reichen Maͤkler zu Ravennal Ihm ſei die Hand durch Gottes Strafgericht verdorrt, womit er falſchen Eid geſchworen; allmaͤhlich hab' es Glied vor Glied ergriffen, bis er verhaucht, ein klapperndes Geripdens Ein alter Wallerbruder hat's verſtreut in den Gezelten— und ſte deuten' 8 ſchon⸗ Harold, unrubig. Mag Gott denn richten zwiſchen mir und hm⸗ Das wuͤnſch' ich eben; ruhig will ich werden, drum ſtell' ich mich als Kaͤmpfer ihm entgegen. Ich werde ſiegen, und wer zweifelt dann, daß ich gerecht erfunden von dem Richter? Ich werde ſiegen— wer den Strand betritt, wird nimmer ſeiner Heimath Ufer grüßen Gaseh. Ungluͤckliche Verblendungt 4 nsr 4 4351 Haxrold, hatt. Gieb Befehl zum 2 Autseugt Gurth will ab. Harold breitet die Arme nach ihm aus. ———O——— 141 Laß mich als König fallen, wenn es ſeyn ſoll, und ſchuͤtze Du mein Volk vor fremdem Jocht Gurth. Ich trenne mich von meinem Koͤnig nie! Nach einer Umarmung Harold in ſein Zelt und Gurth ab. 1 — 13 Funfter Auftritt. Steile Ufer einer Bucht bei Pevenſey in Suſſex. An einer Seite Fiſcherhütten. „ — John, ein Fiſchhändler, ein langes Tau um den deib, und Tom, ein Matroſe, beide in ganz zurchaafuen Kler⸗ dern, klettern herauf. 4 4 „„ Tom. Nun, Gott verdamm' mich! das heiß⸗ ich ge⸗ n ſchwommen. John. 8 Faſt ſind mir Haͤnde und Fuͤße veeglommten; das Waſſer im Leibe— wahrlich, es hat mich ausgemergelt zur Kirchenratt'.“ Tom. Aber, Maſter! Ihr ſpreizt Euch auh wie eine Kroͤte— „John. 15 Das macht mein Bauch. Sonſt— ſa, da konnt' ich ſchwimmen und tauchen, daß faſt das ganze Meer thaͤt rauchen. Tom. Und heute— beim Teufel! Ihr wart verloren, haͤtt ich Euch nicht geſchleppt am Strick. John. Ja, ja, ich fuͤhl's an meinem Genick— komm mir nicht wieder, ſonſt koſt't Dichs die Ohren! Tom. Aber, Maſter! ſo ſagt mir nur, wo Ihr gleich hernahmt die feſte Schnur? John. 2 Ich wollte nur ein Paar feiſte Stuͤcken 5 von Thunfiſch den Klauen der Schurken entruͤcken, zu einem genuͤgſamen Abendbrod— iſt's nicht geſotten, je nun, in der Noth 1 kann man's auch eſſen geſchmort und gebraten— nun, und da hatt' ich zu derb geladen. Tom. Und wo habt Ihr den Bratfiſch gelaſſen? John. Ich konnt' ihn nicht laͤnger erhalten und faſſen. V Tom. Ich denk' auch, wir kommen heute ſchwer nach einer guten Herberg'— 143 John. Das waͤr! Ich ſchlafe nicht anders, als in Betten— Tom. So legt Euch auf den Bauch ſtatt Sack; ich werde mich tiefer ins Land nein retten— John. Aber ſag' mir nur erſt, wer war das Pack, das uns ſo ohne alle Compliment die Fiſche genommen zuſamt den Körben? Tom. Die laſſen die Fiſche gewiß nicht verderben!— Wo habt Ihr die Augen, zum Element! Ich hatte ſie lang' ſchon auf dem Maſt gar trefflich und deutlich ins Auge gefaßt— John. Wer ſi ſnd ſi ſie aber— 2 Tom. Mein werther Göͤnner! es ſind, ſo wahr ich hier ſteh', Normaͤnner. John. Normaͤnner? Nun wahrlich, Du biſt nicht geſcheidt, ich glaube, es iſt Dir nicht richtig im Magen! Ja, mit den Normaͤnnern— da hat's wohl Zeit! Norweger, Norweger wollteſt Du ſagen. Ja, ja,'s iſt eine verteufelte Rotte— 144 Tom.. Nein! nein! ˙s iſt die Normaniſche Klotte, dabei verbleib' ich feſt und ſtarr. 4 8 John. Du biſt und bleibſt doch ewig ein Narr! Tom. Ich ſag' Ench,'s iſt die Normaniſche Flotte. John. Das waͤes mir recht! Der Sohn der Harlotte, der Robert bei'nem frechen Tanz genommen hat den Jungfernkranz,. der Gaͤrbersdirne— ³⁸). 1he 316 Tom. Ich dachte gar; ein ederhändler ihr Vater war. John. Du— komm mir mit dem Haͤndler nicht, wenn man von einer Mekze ſpricht. Die Haͤndlerstoͤchter— ob ihre Vaͤter mit Fiſchen handeln, oder mit Leder— die tragen Spitzen und ſilberne Hauben, ſeidne Laͤtze und feine Marderſchauben, goldne Ringe an allen Ohren und Haͤnden, und laſſen ſich nicht gleich ſo verblenden; der Gaͤrber— ja, der Gaͤrber, der weiß wenig von des Kaufmanns Ehr. Haſt's nicht gehoͤrt? der Gaͤrber, ei! 145 iſt Nachbar an der Meiſterei. e: Ja, komm Du mir— das iſt mir zum Spotte— das Herzoglein— der Sohn der Harlotte— To m. Er iſt ein Held! Von ſeinen Mannen kann keiner ſeinen Bogen ſpannen; er tbipir zu Gaul n mit dem d Sus, Jo 58.. — Der Sohn des Teufels, der Hurenſohn, der bleibt mit der Naſe wohl davon! 1id Has ig Tom. Was ſagt Ihr von dem Hurenſohn? Da ſaß wohl mancher auf dem Thron. Der Rom' lus— hieß Er der Erſt' oder Große, ich hab's vergeſſen, doch hab' ich's gar ſchoͤn zuſamt der Woͤlfin agiren ſehn— nu, deſſen Frau Mutter war auch keine Roſe, und war lebstags nicht getrauet im Dom; und doch war's ein gewaltiger Kaiſer zu Rom. John. Lin Bankert kann nicht England regitten! Tom. Er wird's uns ſchon zu Gemuͤthe fuͤhren; auch kann ſich drum niemand an ihm reiben, er thut ſich als Bankert ſelbſt unterſchreiben.— Wer nimmt ihm wohl den Siegeskranz? Theaterſchr. III. 10 Hat's nicht verkuͤndet laut und klar der Stern mit langem Benerhanr, daß England ☛ John. 4.. 1. Des Cometen Schwanz?— Der rothe Himmel, die Feuerzeichen, die deuten auf des Feindes Weichen, wo nicht auf reichen Heringsfang— Tom. Des Britt'ſchen Namens Unsergangs 28 John. Der Wilhelm bleibt noch lang' von hier— Tom. Ja, daͤchte der Koͤnig Harold, wie wir! So lange der Britte ein Schiff und ein Bein noch hat, wird er Meiſter zu Meere ſeyn. Aber mein Alter hat's lange geſagt, da haben ſi ſie alles nach Norden gejagt; nun kommt der Wilhelm und holt ſich das Beſte⸗ der ſchlaue Fuchs, aus dem leeren Neſte. John. Sag', was Du willſt— Das waͤr' mir recht, wenn wir ſollten werden fremde Knecht', waͤren geſchlagen im Bette und im Feld, muͤßten wieder zahlen das Danegeld; wuͤrd' unterſagt die freie Puͤrſch t in unſern Forſten, der Haaſ' und Hirſch, A 147 die Schmerle und Forelle auch; am Ende nach der Sieger Brauch der Ofen⸗ und der Kuͤchenrauch! Wenn ſie anfingen mit der Glocke zu bimmeln, da muͤßten wir loͤſchen mit ſtummem Schmerze die Lampe des Thrans, die Wallrathskerze, und ruͤcken vom Feuer den Suppentopf; der Schinkenkeſſel, der Karpfenkopf, muͤßt' alles verkuͤhlen und verſchimmeln— Tom. Was kann uns helfen— 1 Joh n. Ich bleibe dabei, es ſind Roehehee Tom. Dort, ſeht n nur die Flagge! Es ſind die Normanen— John. Das wäͤr' meine Sache! Tom. Da, hoͤrt ſie nur ſchreien: Es lebe Wilhelm! Jonhn. Er iſt und bleibt doch ein Bankert und Schelm! Es ſind Norweger ohn’ allen Zweifel— 148 Tom. Es ſind Normanen— John.. So hol' ſie der Teufel! laufen fort. 1 Sechſter Auftritt. Angenehme, kriegeriſche Muſik. Man erblickt die Wimpel und Segel mehrerer Boote und Schiffe. Alain, Odo, Martell, andere Anführer und Soldaten ſteigen an verſchiedenen Orten ans Land. Alain, der Erſte von allen, pflanzt ſogleich eine Normaniſche Schiffsfahne auf. Da ſich ſchon eine ziemliche Schaar formirt hat, ſpringt auch Wilhelm ans ufer, gleitet aber aus. Alain. Folgt, meine Freunde! Sei willkommen Land, wo Aliy leidet, wo die Rache winkt! Odo, auf den Herzog deutend und erſchrocken zu den Umſtehenden. Der Herzog gleitet aus— o ſeht, o ſeht! das iſt ein Zeichen uͤbler Vorbedeutung. Alain. Still, Odo! Mehrere Soldaten. Seht, der Herzog iſt gefallen. Das iſt ein boͤſes Zeichen— 149 Wilhelm, ſich aufrichtend und das Ufer mit beiden Händen umfaſſend. O mein Erbland! ſo halt' ich dich in meinen Armen; nimmer ſoll jemand der Umfaſſung Dich entreißen! Alain, laut. Schon pflanzt' ich Eure Fahne auf, und nahm Beſitz in Euerm Namen— Martell hat indeſſen aus dem Strohdach einer Fiſcherhütte einige 1 Halme gezogen, und überreicht ſie dem Herzog. 9) Herzog Wilhelm! ich gruͤß' Euch: Herr und Koͤnig dieſes Lands! Nehmt dieſe Halme, von der erſten Huͤtte, die wir erblickten; Euer iſt das Land! Alain. Heil, Heil dem Erben von Britannien! Alle. Heil, Heil dem Erben-— Heil dem Keig Englands! MASNNE Vierter ufsus. —— Er ſt e t. A Haf t r t t. Man hört, noch ehe der Vorhang ſich hebt, und dam noch einige Augenblicke die Paſſagen eines Chorals. October⸗ morgen vor Tages Anbruch. Anſicht eines Kloſters mit Thürmen, unweit Haſtings. Der Mond ſteht noch über dem Kloſter, und fällt durch die Zweige der großen, es umgebenden Bälhme. 1 h Edmund von Neufchatel und Conſtanze, beide in Knappenkleidern, letztere mit einer Laute. Conſtanze. Hier alſo, fagt' er— ſollt' ich ihn erwarten? Edmund. Hier, im Gebuͤſche vor der Kloſterpfortet Conſtanze. Und fragte Dich, ob ich die Laute ſpiele? Edmund. Das hat er jetzt mich nicht gefragt; doch geſtern, als muͤhſam wir durchs zaͤhe Moorland zogen, da ſaß er lang' auf ſeinem ſtolzen Roß, tief in Gedanken, wie in finſterm Traum. Als er erwachte, wand' er ſich zur Seite, 151 und fragte einen Hauptmann des Gefolgs: „Habt Ihr nicht auch Muſik vernommen? ſagt, was toͤnte dort ſo ſanft und wundervoll? 2 4* 1 aun Conſtanze. Was brac der Hauptmann?. 910 Hi ann Eymugn. i iſt der bloͤde Knappe, r 31 der auch zu Gaule feine Laute ſchlaͤgt. Er raͤcht ſich an der Mißgunſt der Natur; was ſie zu karg an Sprache ihm verlieh'n, erzwingt er maͤcht ger aus dem todten Holz. 72 Conſtanze. Was fagte Alain? t Areh dn 8 25 ☛☚ Edmund⸗ Ien S6a7 100 1 Ich verſtänd's nicht recht. 4 weil er ſein Noß ermunterte zu eilen. Sear 1 „Der gute Knab'⸗— ſo klang es Nhaoehhe 8 „er weiß wohl nicht, wie tief ſein lieblich Spiel die Seele mir bewegt! auf ſolchem Fluͤgel ſchwingt ih die Riebk in zein ſchoͤn⸗ res Land Conſtanze. e 2 So hab' ich ihn erfreut, in Ruh! gefungen;, 0 holde Laute, doppelt lieb⸗ ich dich— Doch— weißt Du nicht, was hier geſchehen ſoll?, Edmund. Ich ahn es wohl— doch fuͤrcht' ich— gnaͤd'ge Frau! ich fuͤrchte, Euer liebend Herz zu kraͤnken.. Conſtanzeä. Du guter Edmund! Edmund. Nennt mich nur nicht gut! Was konnt' ich Großes fuͤr Euch thun, als ſchweigen! Eh' ich Euch noch geſehen hatte, da— da freut' ich mich, Euch einen Dienſt zu leiſten; ich freute mich— ach! wie verſtand ich's auch? durch das Vertrauen, das Ihr mir geſchenkt, b mir ſelbſt etwas zu gelten; ja ſogar— was ſoll ich's laͤugnen?— ja, ich freute mich, daß Ihr einſt ſagen wuͤrdet: Edmund war mit im Geheimniß, und er nahm ſich brav. Doch'ſeit ich Euch geſeh'n, ſeit ich Euch Bruder vor Fremden nennen muß; ſeit Alain mir befohlen, Euch nicht unbewacht zu laſſen, damit kein Ungluͤck Euch begegne,— ach! b ſeit dieſer Zeit iſt mir ſo eng und heiß; ich kenne mich faſt ſelbſt nicht mehr; ich wünſche mir weiter nichts, als nur die tiefſte Schlacht. Con ſtanze⸗ 516 V Das wuͤnſch' ich auch! ja, in die tiefſte Schlacht Im wildeſten Gemetzel ſchweigt das Herz, und, wilt 8 nicht ſchweigen, findei leicht es Ruh; b der kuͤhle Huͤgel deckt die Flamme zul! Edmund. Ach, arme Dame! ich verſteh' Euch wohl. Er liebt Euch nicht ſo zaͤrtlich, als Ihr ihn! 153 Tonſtanze. Er liebt mich wohl!— Ach, Du verſtehſt mich nicht! Nein, Edmund! nein, wie kannſt Du davon wiſſen? Ich hoͤrt' es ja, als ihn ein Ritter fragte nach ſeinem Schildeszeichen— nach der Roſe, vom gruͤnen Mirtenkranz umwunden; da 2 erwiedert' er aus tief gehobner Bruͤſt: „Es zeigt aufs Leid getheilter treuer Liebel 8 Edmund. Getheilter— ja! Kann dieß Conſtanzen gnügen? — Conſtanze. Con ſtanzen gnäͤgt, in ſeiner Naͤh' zu thmen: Die Sonne liebt die duft' gen Blumen alle; doch freut das Veilchen ihres Blicks 1ch auch. Edmund. O himmliſch Herz!— Und dennoch kommt er d her. die Koͤnigin zu ſeh'n— Conſtnnze. 1n Er will ſie ſehen? Edmund. Sie ſprechen, mein' ich— ohne ſie zu ſeh'n. Conſtanze. Was ſoll das heißen? Edmund. G Weiß ich's ſelbſt wohl recht? Ich ſtand nur fern; er ſprach ſehr ernſt und traurig mit unſerm Prinzen, ſprach von einem Eid, 15⁴4 von einem theuern, heiligen Geluͤbd, das er einſt abgelegt.—„Ich will's erfuͤllen! „Nein, ſehen“— ſprach er—„will ich nimmer ſie, doch mit ihr ſprechen; dieß verbietet mir nicht mein Geluͤbd; das mußt Du mir geſtatten!“ Dann hieß er mich aus ſeinem Heergeraͤth 1n, ein lang Gewand, das ich noch nie bemerkt, eihm bringen, und mit ſeinem Lautenſchlaͤger hier ſeiner harren— Conſtanze. 4 u Seinem Lautenſchlaͤger? Mit ſeinem Lauttenſchliger; Sagt er dns 7 2 4 Edmund. 21 3 So ſagt' er! Es iſt ſonderbar,— es ei,he ihn heimliche Gewalt an Euch— „Conſtanze. ni⸗ O Gott! Dort kommt er! ſtill! e ſetzt ſich abwärts unter einen Baum, durch den der Mond einen hellen Schein wirft. Zweiter AafeSNNE ans Die Vorigen. Alain, zane einem Stabe und in einem faltichten Mönchs⸗ Gewand, wodurch das ganze Geſicht ver⸗ hüllt wird, erſcheint mit Prinz Robert und Su9z von Neuſchatel im Gebüſch.. Alain. Nur einen Augenblick— ſo lange nur, als meine Kraft es traͤgt, mußt Du mir Friſt geſtatten! Dann beſetze mit unſern Wappnern Kloſter und die Gegend.— Du aber, Hugh, erſcheinſt, wenn ich die Nachricht von unſerm Kommen ihr verkuͤndet, und den Weidenſtock Dir winkend hebe— N 2 ufchatel. Wohl! Prinz Robert und Neufchatel ab. Nun, ſeid ihr kommen, meine Knaben? Edmund. Ja Alain, zu ezwand Dn kannſt nun geh'n! aud et Wor ſich.. aunm. Was 6 zu fprechen habe, entbehrt der Zeugen gern; doch Ad'lin wird mir nichts verrathen— Edmund ab. 156 Ad'lin! fuͤhre mich zur Kloſterpforte— Conſtanze, mit leiſer, verſtellter Stimme. Still, Herr Ritter! ſtill! Stoͤrt mich jetzt ja nicht— Alain. Wie, mein Lautenſpieler? was ſinnſt Du wieder aus im truͤben Sinn? Conſtanze. 3ch, Herr? ich ſinnen? Nein! Alain. Was thatſt Du denn? Conſtanze. Ich horchte auf den Mond— lai. Was ſagt' er Dir! Conſſta nze, geheimnißvoll. „Ich ſtehle nur mein Licht von andern— komm herauf!“— Sagt's niemand we 4 Gitt ich Euch— A lain. 1 dess — Was follſt Du dort? 4 157 Conſtanze. Ob ich Euch's ſahe: Run, Ihr tiast es doche nicht aus? Akain.. Ich wahre Dein weheimnat Conſtanze. „Es wohnen in mir gute ſtille Seelen, die auch ihr Licht von ſchoͤnern Sonnen ſtehlen!“— Sagt's ja nicht aus, Herr Ritter— Alain. 8 Nein! ſei erhigi aobgewandt, vor ſich. 1 Es huͤllt ſich tiefer Sinn in dieſen Wahnſinn; verklagend mahnt des Knaben tolle Rede an ſchweres Unrecht, an des Herzens Schwaͤche. Conſtanzel o Conſtanze! ſaͤhſt Du mich; vergehen muͤßt' ich— ach, vor Schaam vergeh'n! Conſtanze,. vertraulich, ihn bei der Hand faſſend. Ich wollt' Euch wohl noch etwas ſagen— Alain, hart. Nein! ich habe gnug an dieſem— Conſtanze. Gut! doch ſagt's dem Vater nicht; ſonſt ſchlaͤgt er mich wohl gar. Er iſt Canzlarius des Mondes— ¹ 15⁸ . Alaln Armer Knabe! komm her—— ſe nicht ſo duͤſter, denke Dir ſo wunderbare Sachen nicht!— Komm her! 1 Conſtanze reicht ihm die Hand. So Ad'lin!— leite mich zur Kloſterpforte, und ſchlag' die Laute nun— Conſtanze. Was ſagt Ihr doch? Di iſt nur ſtummes Holz, ich bin die Laute. Alain. S0 ruͤhre denn das ſtumme Holz, du Laute! und ſpiele mir was Froͤhliches— Conſtanze. Recht gern! Ich will mich ſtimmen, Herr! Ich ſpiele nichts, als luſt'ge Lieder— Alain. Fang denn aa Ich brauche jetzt feſten Muth; mit ſanften holden Toͤnen erheitre meine Seele!— Ach, zum letztenmal werd' ich ihr nahe ſeyn— Conſtanze ſpielt eine ſehr traurige Melodie. Alain. Das Venuſ Du luſtig? 139 Conſtanze. Nun, wenn Euch das nicht froͤhlich klingt— — Alain.“ 5 Was anders! Conſtanze. Ihr ſeid ein ſondrer Mann; doch bin ich Euch vom Herzen gut; mit keinem hab' ich noch mich ſo befreundet; iſt Euch jen's nicht recht, ſo ſpiel' ich, was mir traurig ſcheint— Alain. 378 12 e h et nt iser Laß hören t a S lsid— Ionſeange 1 pieit die Melodie der Romanze aus dem erſten Aufzuge „der Schwüre; t Ninun an von mir du Mäͤdchen hold ee. Alain. Nicht das, nicht das, mein Adelinl J Ja das iſt traurig, iſt das dumpfe Schwanenlied der Freude und der Ruhe— o nichts mehr! Ich habe gnug— wir locken mit der Laute die Nonnen nicht; geh⸗ jetzt, mein guter Junge! und zieh die Glocke an dem Kloſterthor. Conſtanze ezehi de Glocke. 160— Dritter Auftritt. Die Vorigen. Emma, als Monne eingekleidet, tritt aus dem Kloſter. Emma. Wer laͤutet ſchon ſo fruͤh, da kaum das Chor des Morgenpſalms verhallt— 2 Alain, mit verſtellter, zitternder Stimme. Es naht dem Thor ein blinder Greis, dem nichts der Himmel gab, als Glauben, Lieb' und Hoffnung— dieſen Stab. Emm. So willſt Du Speiſe oder milde Gabe?! Alain. Nein! nichts bedarf ich, außer einem Grabe! Emma. Was willſt Du denn? 4 Alain. Ein Wort der Kön⸗ gin nua. Emma. Der Koͤnigin? Alain. Ich wuͤrd' es nimmer wagen; doch, zwar ergraut in Leid und ſchweren Suͤnden, 161 bin ich gewuͤrdigt, Hohes zu verkuͤnden; es zu entdecken bindet mich ein Schwur— Emma. Sie iſt die Liebe und die Guͤte nur! tns ab. Vierter Auftritt. Alain. Conſtanze. Alain. Zum letztenmal— o Gott! zum letztenmale ſchluͤrf' ich das Gift verbotner Seligkeit! Conſtanze, vorr ſich. O vaͤr' ich fern, im ſtillen Todesthale! 9 lagm mir ſchon das Sterbetuch bereit! snätl Alain.— O9 haͤte i ſ ſie zeleert, die herbe Schaale— Conſtanze. Doch lieb' ich ihn, doch lieb' ich dieſes Leid! Iſt er nur gluͤcklich— ob das Herz mir bricht— Alain. Was ſprachſt Du, Knabe? Conſtanze. Nit dem Mondenlicht! Doch, denkt nur, Herr! ſchon langs hoͤrt es nicht. dheaterſchr. III. 11 Faͤn ft r Azuftrit k. Die Borigen. Alice, verſchleiert. Emma mit einem ſilbernen Becher. Alice. Ihr fodert mich; was iſt zu Euerm Wunſch? Alain. Zu meinem?— Wenig! Alice. Eine Labung werdet, den Becher, den das Kloſter Pilgern beut, Ihr nicht verſchmaͤhen— Alain. Nein! ich wuͤrd' es s nict aus ſolchen Haͤnden; aber ſeit die Nacht mein Aug' verdunkelt, traͤnkt mich nur der Quell mit klaren Fluthen— gebt von Euerm Wein dem ſchwachen Knaben, der mein Alter leitet. Alice. Wer iſt der Knab'? Alain. Er iſt mein Enkelſohn, ein bloͤder Knabe, der mit Lautenſpiel und mit Geſang mich naͤhrt. Geh, Adelinl⸗ und ehre D Deine Koͤnigin— „ 1&◻— 3 163 Conſtanze, vor ſich. O Gott! laß ſie mich uͤberſtehn, die Pruͤfungsſtunde! wirft ſich ſtürmiſch vor Alicen auf die Knie. Alice beugt ſich zu ihr. Conſtanze küßt ihre Hand mit tiefer Erſchüt⸗ terung, und nimmt dann den Becher aus Emma's Hand. Dank Euch, fuͤr dieſe Labung, ſchoͤne Alix! Ihr ſtaͤrkt, wie Engel in Gethſemane. zu Emma. Da, fromme Schweſter! nimm den Kelch zuruͤck, und bete auf fuͤr mich im Sonnenſchein. Ich will Dir eine ſchoͤne Laube flechten, daß nicht der heiße Strahl die Haut Dir ſchwaͤrzt. Es thaͤt mir leid um Dich. Das Mondenlicht wirft milder Dir der Sonne Kuͤſſe zu. geht auf die Seite und ſtellt ſich ämſig beſchäftigt, Zweige 4 zu einer Laube zu verſchlingen. Emma ab. Alice, zu Alain. 1 Wie ſpricht der Knabe doch ſo wunderbar? wie gluͤht's in ſeinem Aug', wie zittert er? Alain, mit einer Bewegung nach der Stirn. Das iſt ſo ſeine Weiſe— Ach, ich habe gar manches Leid erfahren in der Welt; viel zaͤhlt der Leiden, wer der Jahre viel! Ich lebte ſchon, als Englands junger Koͤnig, Edward, der Maͤrtirer, in Dorſetſhire, ermuͤdet von der Jagd im tiefſten Wald 164 bei ſeines Vaters ſchoͤner Wittwe, bei der Koͤnigin Elfride einen Trunk und hinterwaͤrts den Stich des Dolchs empfing; ¹⁰) mein Vater ſah die Spuren, die der Huf nie des Noſſes blutig in den Sand gezeichnet„ Alice. Was ſagt ihr von Elfrieden? Alter, nein! das habt ihr nicht zu fuͤrchten— Alain. O, ich weiß es! So meint ich's nicht, von Eurer Hand— und waͤr's in meinen Jahren, iſt der Tod ein Freund. Alice. 1 In Euern Jahren nur? Die Jugend wuͤnſcht zuweilen Gleiches— Alain. Ja, es giebt der Faͤlle; doch fern ſei dieß von meiner Koͤnigin! Alice. Ihr nennt mich Koͤnigin; ich bin's nicht mehr! . Alain. Mir bleibt Ihr's ewig, ſeid es ſtets geweſen. Doch— darum kam ich nicht zu Euch; ach nein! ein wunderbarer Traum, vor wenig Stunden in meinem Geiſt gebildet, fuͤhrt mich her. Ali ce. Ein Traum? 105 Atain. Die Menſchen pflegen's ſo zu nennen! Seht, Koͤn'gin! einen neunzigjaͤhr'gen Greis fuͤhrt wohl der Glaube in ein hoͤh'res Land. Geſchloſſen iſt mein Aug'; da oͤffnet ſich's im Innern; in das Dunkel faͤllt ein Schein von oben— laͤngſtens hab' ich prophezeit, daß Harold herrſchen wuͤrde in Britannien, ich ſagt' es auch, daß Ihr verbannt, verſfohen⸗ beleidigt werden wuͤrdet— Alice. Sagt das nicht! 4 Es ehrt mich Sitha, Koͤnig Har olds Mutter. Er hat mich nie geliebt, und nie ich ihn; 84 Er ſah in mir nur ſeine Hoffnung, und, da dieſe ohne mich zur Reife kam— Alain. Es ſei! ein Andrer wird das ſchlichten. Nun, jetzt ſagt es mir der Geiſt— — Aliecee. Ihr glaubt den Geiſtern? Alain. Ein P hat ſo ſeine Meinung— fehtl die mein'gen nah⸗ u in Traͤumen; die erſetzen 6 des Leibes Auge mir. Um Mitternacht, wenn alles Irdiſche gebunden liegt, die Unterwelt die ſchwarzen Pforten oͤffnet zur kurzen Flucht, umſchwaͤrmen mich Geſtalten; 166 ſie gaukeln um mein Lager, ſie umrauſchen mit braunen Fluͤgeln mich in frechem Spiel. Ich kann ſie nicht verſcheuchen; doch ich kaͤmpfe mit ihnen ſtets, und traue ihnen nimmer. Doch, wenn die Tageſcheide nun voruͤber, der Morgenſtern ſich auf die Reiſe macht, der Hahn die Fluͤgel ſchwingt, die Eule flieht; wenn dann des Menſchen Geiſt der Erdenlaſt ſich ledig fuͤhlt und Morgenroͤthe ahnt: dann zeigen mir ſich weiße Lichtgeſtalten, geheime Weſen, freundliche Geſichte und wahre Bilder, wie der Himmel einſt zu den Propheten alter Zeiten, zu Johannes, den der Meiſter liebte, ſandte; dann faͤllt der Schatten vor dem blinden Aug' und helle Klarheit liegt vor meinem Geiſt. Alice. So wißt Ihr mehr, als andre Menſchen, Alter Alain. Zuwetlen, wenn's der Geiſt mir offenbart. 3 Alice. Woran erkenn' ich, daß Ihr Euch und mich nicht taͤuſcht? Ich moͤcht⸗ Euch manches fragen; denn nicht Phne Geiſter⸗ Glnuben waͤr⸗ ich hier. Alain. 191 ele 8. Verſucht: mich; was ich weiß, das ſag' ich Quchs doch freilich hat das Ird'ſche ſeine Grenze. 48 167 Alice. So ſagt mir was Vergangnes, das nur ich und lheign meiner Biebſtot zuiſſen koͤnnen! Alain. Das wollt' ich wohl, doch Geegt's im Nebel nur vor meinen Augen— Dieſen Schleier trugt ihr nicht zuerſt im Kloſter; einſtens bluͤhte an Euerm Buſen eine rothe Roſe; 3 als dieſe wich— da habt Ihr einen Juͤngling durch dieſen Schleier ewig regem Gram, ihn ew'gem Kummer uͤbergeben! Alice, tief bewegt. 8 Still! ich mag nichts weiter vom Vergangnen wiſſen; verkuͤndet mir den Traum, der Ench erſchien!— Alain. Es wies ſich mir ein Adler am Geſtade, mit breiten Schwingen, koͤniglichen Aug's. Ernſt, majeſtaͤtiſch ſchwamm er in der Luft. Ein gruͤnes Reis entfiel aus ſeinem Schnabel und wurzelte im Boden; ploͤtzlich wuchs ein hoher gruͤner Baum hervor, und lrsiss 454 bald ſeine Zweige uͤber dieſe Inſel. Dies war der Traum— Mot lice⸗ aund wißt Ihr ſalne Deutung! 168 Alain. O die iſt leicht! 1— hebt den Weidenſtock gen Himmel. Beim großen, ew'gen Gott! der Herzog, Euer Vater, iſt gelandet, und mit ihm Alain Fergand von Bretagne— Alice. O wehe ihm und mir! S ecch ſt ey Auftritt. Die Vorigen. Hugh von Neuſchatel ſchnet aus dem Gebüſch tretend. Alice. Gott! was erblick' ich? Neufchatel. Was hoͤr' ich? welcher himmelvolle Ton? beugt ein Knie. O meine Koͤnigin und Tochter meines Herzogs! mit froher Botſchaft eil' ich, Euch zu ſuchen, und Eure Stimme toͤnt mir gleich entgegen— Alice. Iſt's moͤglich? wirklich? Augenblicklich naht des Traums Erfuͤllung? 169 . Alain. — 1Sexu Euch Gott, Frau Koͤn'gin! Alice. Bleibt, Alter! reichen Lohn zu nehmen.— Husht ſo iſt es wahr? S a Reufchatel. T* Die Flotte iſt gelandet; Prinz Robert ſendet eilig mich voraus, und folgt mir auf dem Fuße—* Alice. Heil'ger Gott! b Iſt Alain bei dem Zuge— Neuſchatel. Nein!— Ich eile zuruͤck zum Prinze- Heiß erwart' ich ihn!— V 486 1n ſae Beeihet t a t lad 1 keee “ 12½ Kenat Die Vorigen ohne Neufchatel. Zuletzt Prinz . Mbiß an Robert. eeinihnan aslienz dann Auch er iſt kommen, Alter? Alain Tergahde 6 8 170 Alain. Traut Ihr ſo wenig Muth dem Schwager zu? Alice. O alles, alles ihm, dem Edlen, Treuen; doch zittr' ich— net 19 erAlain. Meine theure Koͤnigin! . Alice. Ich hieß Euch nicht umſonſt verweilen, Alter! Ihr muͤßt mir mehr entdecken; denn des Traums Erfuͤllung, ſie, die froͤhliche, erweckt ein banges Zittern im beklommnen Buſen. Drum deutet mir ein finſteres Geſicht, das ſich mir einſtens zeigte. Alter, ſagt, ſoll ich ihm Glauben ſchenken— Alain. Wohl! ſagt ant Conſtanpe⸗ von ſich. Was werd' ich hoͤren? Alain, oor ſich. O ich wußt' es laͤngſe daß ſi ſen mir manches liebend naßß denkohgine Alice. 12 16p Ein Bruder meines Vaters nennt ſich Odo, und liebt verborgne tiefe Wiſſenſchaft. Auch mich trieb oft(im Innern ſtille Neigung 4 — 171 . und eine Liebe, die ich ſtill gepflegt, in ferne Zukunft einen Blick zu thun. G Alain. Ungluͤckliche! 5„ 5 A ftes. Ja, Ihr habt recht! ch n ward 3:2. zahlloſe Thraͤnen buͤßten meine Neugier.— Es war ein alter Nekromant, den Odo vor allen ehrte; Gerbert war ſein Name; als Fluͤchtling hatt' er in Hiſpanien 1 der Saracenen Kunſt erlernt. Als Wilhelm dem Harold zur Gemahlin mich gelobt, die Zagende— in einer ſchwarzen Nacht, da alles zur Beſchwoͤrung vorbereitet, ging ich mit Odo nach der duͤſtern Grotte. Der Nekromant begann den Jauberſpruch; die Donner vollten; das Gefaͤß mit Daͤmpfen 6 verſank; ein grauſer Abgrund that ſich auf; es ſauſten Luͤfte; ſcharfe Toͤne klangen, i in wie Winde, die durch Schilf und Roͤhricht pfeifen,— b und Erdengeiſter ſtiegen an das Licht. . 8312 25 25a 1. Alain. Das fuͤhrt zum Unhet; denn der ſchwarze Daͤmon erſcheinet tuͤckiſch auf der Oberwelt. Alice. in fürchterlich Geripp mit einem Mantel, der einem Biſchofsmantelnglich, entſchwebtee dem Boden, und wies Odo ſchwere Bande und eine dichtverhangne Toͤdtenbahre 172 mit ſeiner Linken, eine goldne Krone, dreifach erhoben, mit der bleichen Rechten— Alain. Was zeigt' es Euch, das ſchreckliche Geſpenſt? Alice.— Vor mir erſchien ein himmliſch ſchoͤner Knabe; doch rollte feurig leuchtend ihm das Aug', wie nicht der Himmelsgeiſter Blicke ſchimmern, und ſchwarze Floͤre deckten ſeinen Leib; er bot mir eine Koͤnigskron'— Alain. Und Ihr? Alice. Ich ſchlug ſie aus; denn keine Koͤnigskrone, ein liebend Herz erfleht' ich mir vom Schickfal⸗ Der Grund erbebt'; verſchwunden war der Engel; ein Wappner ganz im ſchwarzen Eiſenrock ſtieg aus der Erde— 1 Alain. Wie? ein ſchwarzer Niiui Auch mir iſt einſt— Rms 1 Alicee.— Ich bebte, doch ich wagt' es, der Decke mich zu naͤhern und der Bahre, obſchon der Ritter warnend mit der Hand mich ſchreckte— 173 Alain. Ihr erblicktet— 2 Alice. Was ich ſah, warf mich zu Boden. Vor Entſetzen ſarr, rief leiſe in den finſtern Erdenriß . den Geiſtern ich:„Was deutet mir das Schickſal?“ Alain. Und welche Antwort gab der ſchwarze Schlund? Alice. Dumpf aus dem Abgrund ſcholl es:„Deine Liebe weiht ihn dem Tod von eines Koͤnigs Hand!“ Alain. Dem Tode, ha! Conſtanze, vor ſich. % grauſenvolle Maͤchte! 1 Alice. Ich ſank in einen tiefen kalten Schlummer. Doch ich erwachte— Gott! zu welchem Leben? Ein wilder Kampf entſtand in meiner Seele; doch endlich ſiegt' ich; endlich Alain. Ihr beſchloſſet— 7 Aliee. Nein!— ſprach ich endlich— nicht mit ſeinem Leben will ich mein Gluͤck erkaufen; meine Ruhe 174 weih' ich fuͤr ihn, den Edelſten der Erde! nicht ihn dem Tod— mich geb' ich Harold hin! Alain oor ſch. Ha! dieß noch! dieß noch? Alice. Wie? Ihr ſcheint bewegt— a:w. e Ja, es iſt ſchreckensvoll, was Ihr erzaͤhlt, und tief ergreift es mich— Alice. Was meint Ihr, Alter! von dieſer Stimme?— Wenn der Theure mich noch liebte, eines fremden Mannes Weib— Alain. Die Lieb' iſt ewig— doch der Geiſterſpruch, nicht wahr, nicht truͤg'riſch, wag' ich's ihn zu nennen- Alice. Die Lieb' iſt ewig— wehe ihm und mir! 5 Alain. Lebt wohl, Frau Koͤnigin! Ich kann nicht laͤnger hier weilen; meine Sendung iſt vollendet, und jedem winkt ſein Schickſal.— Knabe, komm! und leite mich von hinnen— Alice. ziht. 40 verziehtt Kommt morgen wieder k Alain. Morgen wieder? Schwerlich! Es draͤngt ſich manches zwiſchen mich und Morgen. Alice. O guter Greis! ſoll ich Euch nimmer 3 n? Alain. Ich ſeh⸗ Euch nimmer, meine Koͤnigin 1 mit Thränen und natürlicher Stimme. Ich ſchwur es bei Alicen! Alige, ihn erkennend und entkräftet an einen Baum ſinkend. Heil'ge Mutter! Ihr, Alain! Pr. Robert, ſchnell herzueilend und ſie umfaſſend. Meine Alix, theure Schweſter! erhole Dich; Du liegſt in meinen Armen. er führt die Wankende, ſie umſchlingend, ins Kloſter. 4 Alain mit Conſtanzen eilig ab. Achter Auftritt. Wilhelms Lager unweit Haſtings, in welchem noch die tiefſte Stille herrſcht. Im Vorgrunde, aber ſeitwärts, Wilhelms Zelt. Der Tag bricht an. Wilhelm, ganz geharniſcht, doch noch ohne Helm, ſitzt nachdenkend bei einer Kerze, und hat Pläne vor ſich aufgeſchlagen. Nach kurzer Zeit ſteht er auf, und lehnt ſich an die Zeltſtange. Wilhelm, alein. So winkſt du endlich dort am Horizont, du ernſte Botin, junge Morgenroͤthe, du lang' Erſehnte! So erſcheinſt du mir, du goldne Sonne, fuͤhrſt den Tag herauf, der mich fuͤr kuͤnft'ge Tage und Geſchlechter zum Helden oder eitlen Thoren praͤgt. Du wandelſt hehr und ruhig deinen Pfad; doch unter dir wird's nicht ſo ruhig bleiben, und, wenn du morgen deinen Lauf beginnſt, erblickſt du mich als Sieger— oder Leiche! geht einigemal unruhig auf und ab. Noch herrſcht in meinem Lager heil'ge Stillle; im Feindeslager ſterben blaß die Feuer, die Funken ſpruͤhten durch die ſchwarze Nacht; verhallt ſind ihre wilden Zechgeſaͤnge, und wie die Mein'gen ſich auf mein Gebot durch Ruh' geſtaͤrkt und vor dem Herrn des Himme in ſtiller Andacht reuig hingeworfen, ſo waffnen ſie ſich auch mit ſtillem Ernſt— V 1 177 und wohl thun ſie daran; der Tag iſt ern ſthaf. nicht jeden, der mit hellem Feueraug'— der Sonne Licht begruͤßet, wird dieß Licht zum zweitenmal erwecken. Wo um Kronen— gewuͤrfelt wird, da gilt nur eine Muͤnze, der Tapfern Blut!— Es ſei! Wer herrſchen will, berechnet mehr die Aerndte, als die Saat, und nur der Nachwelt darf er Rede ſtehen! * Reuwier, Au f f i tit, Auf mehrern Seiten des Lagers ertönt eine kurze, feierliche Morgenmuſik, Einige einzelne Schaauen ziehen im⸗ Hinter⸗ 3 Efimde ſtill über die Bühne.. „— 1 13 WiNh Aüm. Mart ell, Weo ntg matn, beſde geharniſcht. 4 Wilhelm zu Martell und Montgomeri. Willkommen, meine Helden, meine Freunde! Montgomeri. Gott ſei mit Kuch und uns, mein edler Herrtie Martell.— 1 Mein Feldherkt alles iſt genau ean,gen. F wie Ihr es anbefoͤhlen. Wir⸗ gewahrten der Fackeln hellen Schein in den Gezelten Theaterſchr. III. 12 178 und große Feuer um des Feindes Lager; es ſchallte raſtlos rauſchendes Getuͤmmel von Zechgelagen, wie bei Siegesmahlen; doch ernſte Ruhe ſchwebte uͤber uns, nur vom Gebet der Prieſter unterbrochen;⸗ erweckend ſtieg die Hymne zu den Sternen, und als die Daͤmm'rung zu den Waffen rief, nahm jeder ſeinen Panzer, ſattelte ſein Roß mit heiligen Gedanken und mit frommen Ernſte— Wilhelm. Recht! ſo hielten es die alten Ritter ſtets vor ihren Schlachten. Ein Heer, das vor dem maͤcht'gen Herrn der Sterne ſich niederwirft, iſt ein erhabner Anblick; die Freudigkeit zu Gott giebt auch dem Feigen getroſten Muth und Glauben an ſich ſelbſt. Montgomeri. Wohl manchem iſt dieß noͤthig— Wilhelm. Haben ſie ſchon Nachricht von des Toſti Niederlage? Martell. Nicht gaͤnzlich ſtand es zu vermeiden, ob ich ſchon den vordern Poſten, wackren Kriegern, die Ueberlaͤufer zu durchbohren hieß. Montgomeri. Es laͤuft ein ſchen Gemurmel unterm Volk; 179 ſie zagen nicht; doch ſcheint man zu erwaͤgen, 1 und die Erwaͤgung ziemt dem Haufen nicht. Martell. Drum gieb zum Aufbruch uns geſchwind das Wort, eh' ſich noch weiter das Geruͤcht verbreitet; das Roß iſt ungeduldig, wie der Reiter—— Wilhelm. 4 Ich will mit ihnen ſprechen vor der Schlacht. Sie moͤgen noch den Muth bezaͤhmen, daß er dann entzuͤgelt deſto kraͤft'ger brauſe— Es bleibt dabei, wie ich Euch geſtern ſagte: Wir fechten in drei Reihen; Bogenſchuͤtzen, die leichten Lanzenknechte faßt die erſte, und dieſe fuͤhrt Montg omeri; die zweiie enthaͤlt der Schwerbewaffneten Geſchwader, 82 und ſoll nur in geſchloßnen. Gliedern kaͤmpfen; ſie fuͤhrt Martell zum Kampfe und zum Sieg;. die dritte wird von Reiterei gebildet, erſtreckt ſich uͤber eure Fluͤgel, deckt die Znken; dieſei will⸗ 2tc ſolsſ gebieten. Monigomeri. Wohl, wohl, Herr Herzog! Martell. 6 Mein ſind die Geſchwader! Montgomeri. Iſt euer Friedensbote ſchon zuruͤck? 180 Wilhelm. Noch iſt die Faſtnachtspoſſe nicht heendigt. 6 Martell. 6 Wie! noch Geſandtſchaft—? Wilhelm. Alles iſt nur Trug. Der Harold prunkte gern mit ſeinem Recht; er fuͤrchtet ſtets die Strafe ſeines Meineids, und, um den Schein beim Volke zu gewinnen, ſo ſchickt er truͤg'riſch Friedensunterhaͤndler. 15 Montgomeri. Was waren die Bedingungen? Wilhelm. CEs iſt, wie ich geſagt, nur Schein. Der erſte Gruß war dieſer: Hoͤchlich ſei er laͤngſt erſtaunt, 4 daß wir mit dieſer ſchwer empfangnen Landung 4 ſo lang im Wochenbett gelegen, eh' der Berg gekreiſt— 29 r Mattell e 8 34 V Ha, dieſen Spott—! Montgomeri. 3 Sas, Und was habt Ihr erwiedert? Wilhelm. Harold ſolle nur noch kurze Friſt der Woͤchnerin verſtatten; 181 die Kerzen ſeien reichlich eingekauft, um naͤchſtens ſie in ſeiner eignen Hauptſtadt, am hohen Altar bei der heil'gen Meſſe als Weihgeſchenk zu opfern. Martell. Das war gut!. Montgomeri. Was bot er Euch nach dieſem ſondern Eingang? Wilhelm. Er bot Entſchaͤdigung fuͤr alle Koſten, ſo ich die Inſel raͤumte ohne Schwertſchlag. Martell. Ein ſchoͤner Antrag— Wilhelm. Ja, ſo duͤnkt mir's auch! Europa's Heldenjugend haͤtt' ich eingeladen, zum Siege ſie, zu ew'gem Ruhm zu fuͤhren, um jeden nun mit einem reichen Kleinod zum Angedenken zu entlaſſen; wie? es haͤtte zur Matrone ſich das junge Geruͤcht geſchwatzt von dieſem Zug; ich haͤtte vor allen Voͤlkern dieſes Schwert gezogen, und ſollt' ihn nun, wie einen feigen Dieb, mit Gelde ſeinen Karansbenuhſen laſſen? Montgomeri. Was gabt Ihr ihm zur Antwort? a5s 182 Wilhelm. Darum ſei des Landes Erbe nicht gekommen;; doch, um ſo, wie er, des Britt'ſchen Bluts zu ſchonen, verlang' ich nichts, als daß er mir die Krone von England uͤberreiche auf den Knie'n und mir aufs neue huld'ge als Vaſall. Doch zweifle er an meinem Recht, ſo moͤge der apoſtol'ſche Stuhl den Streit entſcheiden. Martell. Er hat entſchieden— Wilhelm. — und verwerf' er dieſen, ſo ſei ich auch bereit im offnen Feld mit ihm durch Zweikampf unſern Zwiſt zu ſchlichten Martell Ha! das war ritterlich Montgomeri. Ich bin begierig— Martell Das kann er nicht vermeiden! O ich wollte, Ihr haͤttet dieſen Antrag nicht gethan! Montgomeri. Er kann es nicht; als Ritter und als Teldheri Euch ebenbuͤrtig— Wilhelm. Ja, ich glaub' es ſelbſt, daß er den Handſchuh aufhuͤb', wenn ihn nicht ſein Meineid aͤngſtete. Er wagt es nicht, den Ausſchlag jener Rechte zu vertrau'n, die er beim Schwur aufs Heiligthum gelegt! Montgomeri. Dort kommt der Herold. —— Zehnrer Auftritt. Vorige. Ein normanniſcher Herold. Wilhelm. Herold! ſag' es kurz! Herold. Darf ich Euch alles ſagen, wie's geboten? Es klingt nicht hoͤflich— Wilhelm. Sag' es Wort zu Wort. Herold. Mit ernſtem, duͤſtern Blick befahl er mir: „dem Koͤnig Harold wuͤrd' es nimmer ziemen, ſich mit dem frechen Sohne der Harlotta, der Gerberstochter zu Falaiſe, in ein Handgemeng' zu miſchen. Wilhelm. Wehe ihm! In dieſe Steppe fluͤchtet ſein Gewiſſen? Zum Vorurtheil des Poͤbels ſank ſein Muth? Ich hab' es nie gelaͤugnet, werd' es nie, daß Liebe mich gezeugt, nicht traͤge Pflicht..6 Harlotta's Leib entſproß ein Koͤnigsſtamm, und ſpaͤte Enkel nennen ihren Namen. Doch was ſprach Harold weiter? Herold. Er erkenne nur einen Richter, ihn, den Gott der Schlachten; ich ſolle eilen, Euch dieß anzukuͤnden, eh' er ſein Schwert erhebe, Euern Frevel, wie er's verdient', zu zuͤcht'gen— Wilhelm. Auf! zur Schlacht! Trompeter blaſ't! Dem Feind entgegen! auf! Es wird geblaſen und dem Herzog von zwei Pagen Helm, Schild und Blechhandſchuh gebracht. Alle Anführer umrin⸗ gen ihn. Wilhelm tritt unter die Ritter. Wenn ich geſprochen habe, bricht das Heer zum Kampfe auf; Ihr ſtimmt nach altem Brauch den Schlachtgeſang des großen Roland an! zu einem Ritter von furchtbarer und faſt rieſenhafter Ge⸗ ſtalt, der zwei bloße Schwerter in der Hand trägt: Du Taillefer, dem aus der eh'rnen Bruſt Gott Martis Donnerſtimme furchtbar hallt, erhebſt das Lied! ²1) 1 185 Der Ritter. Nicht mein Geſang allein ruft Raben aus den Wolken, auch die Fauſt. Voran im Schwertertanz eil' ich dem Heer, und weh dem erſten Taͤnzer, den ich halſe! ale Anführer gehen auf ihre Poſten. Wilhelm tritt vor das Heer.. Wilhelm. Die Stund' iſt da, wo Euer tapfrer Arm dem Schickſal Albions Geſetze ſchreibt. Nie ſcholl zu uns ein ſchoͤn'rer, wuͤrd'grer Ruf, doch— ich geſteh' es— auch ein laut'rer nie! Was beut ſich unſerm Aug'?— Eroberung des ſchoͤnſten Koͤnigreichs— gewiſſer Tod; Macht, Reichthum, Ehre— jammervolle Flucht; des Feinds Vernichtung— eigner Untergang; der Kranz des Ruhms— das Brandmal ew'ger Schmach!— Ha! welch ein Heer— von altem großen Namen, aus einem großen, tapfern Stamm erleſen, der Deutſche, Saracenen kuͤhn beſiegt, und ſchon ein reiches Koͤnigreich gegruͤndet— 1¹²) und welche Fuͤhrer— jeder in das Buch der Helden, der Unſterblichkeit geſchrieben— und welche Feinde— ſtets beſiegte Britten, vom Joch des Daͤnen Canuts wund gedruͤckt, der Traͤgheit und der Voͤllerei ergeben! Kann hier die Wage ſchwanken in der Hand des ew'gen Schickſals? in der Hand des Richters, 186.—— der Harolds Eid vernahm, und ſeinen Blitz, den Blitz der Rache, nicht vergeblich traͤgt? bei dem Gerechten, der durch ſeinen Knecht auf Petri Stuhl dem Harold Fluch geſprochen, zu Naͤchern ſeines Namens uns erkohren?— Auf dann zum Sieg, ihr gottgeweihten Krieger! Gott kaͤmpft mit uns— und unſer iſt die Schlacht! Das ganze Heer ſetzt ſich in Bewegung. Wilhelm zieht das Schwert. Rauſchende Kriegsmuſik fällt von allen Sei⸗ ten ein. Die Anführer ſtimmen das Schlachtlied an: „Roland zog aus zum harten Straus; „vor ſeinem Durindan „ſtuͤrzt Roß und Reiter mit Gebraus „zur finſtern Todesbahn.“ „Doch gift'ge Pfeile ſonder Zahl „verfinſtern Sonn' und Feld. „Bei Ronceval, bei Ronceval nerlag Roland, der Held!“ Fuͤnfter Aufzug. Er ſter Auftr it k. Eine offne Gegend. Auf einer Anhöhe eine Feldwacht. Odo mit einigen Anführern. Ein Hauptmann ntt einigen Soldaten auf der Anhöhe. Odo, zu der Wacht. Bemerkt man immer noch den rothen Schein? Hauptmann. Bis Sonnenaufgang hat man ihn gewahrt; jetzt ſieht man dichten, ſchwarzen Nebelrauch. Odo. Der ganze Himmel ſchien in Blut getaucht. Hauptmann. Von Gluth geroͤthet, muͤßt Ihr ſagen, Herr! Odo. Was das bedeuten muß? Ob wohl der Himmel des Harolds Tod und ſeiner Bruͤder feiert? Hauptmann. Was denkt Ihr doch? Iſt nicht auch Taillefer, 1 188 der Wunderfrevel, der im Angeſicht des Feind's, noch eh' die Heere ſich vermiſchten, zwei Faͤhnlein wie ein Leu' im Sprung geraubt, und funfzehntauſend Mann von uns gefallen, die bravſten Kaͤmpfer— ſichre Todesbeute, wenn bis zur ſchwarzen Nacht die Mordſchlacht raſ't, der Feldherr ſich vom dritten todten Roß aufs vierte wirft—! Odo. Wie? Oder follt' es uns noch einen boͤſen Ausgang zeigen; ſollte Gefahr und Ueberfall uns noch bedroh'n? Hauptmann. Ich will's Euch beſſer deuten. Eben kaem ein Reiter, brachte Nachricht an den Herzog. Die Unſern haben eine Stadt entzuͤndet, ſie waren nicht zu baͤnd'gen— Odo. 3 War's nur das? geht fort. V mnHauptmann. Der wird dong gets ſein Rabenlied uns kraͤchzen, und ſaͤß er ſchon in Vater Abrams Schooß. Wenn eine Stadt verbrennt— Hm!war's nur das?— Er grollet mit dem Himmel, daß er nicht zum juͤngſten Tag die Sterne brennen laͤßt. —. — 189 Zweiter Auftritt. Wilhelm. Montgomeri. Martell. Mehrere Anführer. Wilhelm, zu einem der Anführer. Ihr gebt Befehl zu ſtrenger Unterſuchung. Ich werd' es ſagen, wo es noͤthig iſt, um alte Unbill zu vergelten, oder Verrath und Meutereien zu beſtrafen; doch dieſe wilde Wuth geſtatt' ich nicht; wir ſind nicht Raͤuber, die mit Mord und Brand ſich frech verkuͤnden— gnug ſchon floß des Bluts. zu Montgomeri. Den tapfern Truppen, welche Maͤß'gung uͤbten, ſagt meinen Dank. Sie ſollen heute ruh'n; doch morgen wird das Siegesfeſt begangen mit Lobgeſang und lauter Froͤhlichkeit, und auf dem Schlachtfeld leg' ich ſelbſt den Grund zu einem hohen Dome, Gott und uns zum ew'gen Ruhm, fuͤr der Geblieb'nen Ruh; daſelbſt zu beten, Schlacht⸗Abtei genannt. zu Martell. Hat man den Leichnam Harolds, ſeiner Bruͤder, des edlen Gurth, und Leofwin 8, des Juͤnglings, gefunden? 190 Martell. Ja; ſie ſind nach dem Befehl gereinigt, zum Begraͤbniß aufgebahrt. Sie hatten Wunden ohne Zahl— Wilhelm. — ſie fielen, wie Koͤnigen geziemt! Martell. Im tiefſten Drang hat Harold ſelbſt, und ſtets zu Fuß gefochten, bis ihn ein Pfeil durch's Aug' getroffen— Wilhelm. Still! Es naht ſich dort ein feierlich Gepraͤng. Dritter Aufkritt. Die Vorigen. Aldred. Erzbiſchof von York, und mehrere Biſchöfe. In ihrer Mitte Prinz Ed⸗ gar Atheling. Alsdann die Anführer der Krie⸗ ger von London. Aldred. Der Clerus eilt, den Herzog der Normannen durch mich zuerſt als Sieger und als Herrn Britanniens zu ehren— 191 Wilhelm. Seid gegruͤßt! Willkommen mir ſind die getreuen Hirten des neuen Volks, und meine erſte Sorge wird ſtets das Wohl der heit gen Kirche ſeyn! Ald red. 4 Dieß hofften wir zu Gott und unſerm König! 6 Wir ſind des Friedens Boten und der Eintracht, und nahmen dieſen auf in unfre Mitte, Verzeihung, Eure Huld ihm zu erflehn! tnn Wilhelm. Wer iſt's, der meiner Huld und Nachſicht braucht? Aldred. Prinz Edgar Atheling— Wilhelm, die Arme gegen ihn ausbreitend. Ihr ſelbſt, mein Prinz? 0 nicht als Bittender dürft Ihr erſcheinen, und nicht Verzeihung— Liebe koͤnnt Ihr fodern. In Euch verehr' ich Koͤnig Eduards, des edlen Oheims Neffen; immer ſollt Ihr mir der naͤchſte ſeyn am Throne, und ſtets meines Hofes Zierde— Edgar. Nein! mein Koͤnig! Von feüher Ingend an kaͤmpft' ich mit Ungluͤck; und nie giebt's einen ſtarken, kraͤft'gen Baum, 19²2 wenn ſchon vom Reis der Boden los geruͤttelt. Gebrochen ſind die Zweige meiner Kraft, von Muth und Hoffnung bin ich laͤngſt geſchieden, und that Verzicht auf alles Irdiſche. Darum vergoͤnnt mir, koͤniglicher Herr! um ew'ges Heil mit frommen Zug zu werben, als Pilger nach dem heil'gen Land zu wallen, wie ich's den Heiligen gelobt— Wilhelm. Nur ungern verſtatt' ich Eu, nach Aſien zu ziehen; doch wenn ein heiliges Geluͤbd Euch bindet, ſo ſei es denn; doch unter dem Beding, daß Geld und Schiffe, ſchickliche Begleiter, wie Euch's gefaͤllt und Eure Wuͤrde heiſcht, Ihr von mir fodert— E dgan. Dank, mein gnzd ger Suns — 2 nfuͤhrer der Krieger von London, niederknieend. Verſtattet nun auch uns 4 daß wir Euch nah'n! Wir ſind die Buͤrger Londons, und bewachen den Koͤnig unſers Lands nach alter Sitte. Im Kampf iſt Harold uns gefallen; wir erwaͤhlen Euch, den Wuͤrdigſten der Erde! Verſchonet unſre Stadt mit Feuer; läßt— an einem Strafexempel Euch genuͤgen. 193 Wir uͤbergeben Euch die Reichsſtandarte, und bald die Schluͤſſel Euxer Koͤnigsſtadt. ſenkt die Fahne vor ihm. Wilhelm, zu einem normaniſchen Anführer. Nehmt ſie ihm ab! Ich habe dieß Panier dem Pabſt gelobt, und muß mein theures Wort jetzt treu erfuͤllen. Mit den reichſten Gaben von unſrer Beute ſendet ſie nach Rom, daß in St. Peters Heiligthum ſie prange. Euch aber, Buͤrger! ſichr' ich meinen Schutz, und will Euch eine andre Fahne geben, als tapfern Kriegern, treuen Unterthanen. Vierter Auftritt. Die Vorigen. Ein normaniſcher Anführer kommt. Bald darauf Alice und Githa mit einem Ge⸗ folg von Nonnen. Anfuͤhrer. Ein Zug von Nonnen wallt von jenen Huͤgeln— Wilhelm. Wie? haͤtte man gewagt, ſie zu beleid'gen? die heil'gen Mauern nicht geachtet?— Laßt ſie kommen; ſchwer will ich dieß Unrecht ahnden. Theaterſchr. III. 13 Alice ſenkt ſich vor ihm aufs Knie. Mein Vater und mein koͤniglicher Herr! Wilhelm, ſie aufhebend. O meine Tochter! Koͤnigin von England, und nun des Koͤnigs Tochter— ſei willkommen! Alice. Heil meinem Vater! Doch erfuͤllet mir die Tochterbitte an den Sieger Englands. Als Harold mich verwarf, hat die Verlaßne bei Githa Troſt und edlen Schutz gefunden— Wilhelm. Ich will's vergelten— Alice. Githa iſt gekommen— Githa tritt naͤher. Ich bin es, Herzog!— die verwaiſte Mutter Harolds, des Starken, meines tapfern Gurth⸗ und Leofwins, des edlen, ſchoͤnen Juͤnglings— Wilhelm. Sie ſind mit Ruhm gefallen in der Schlacht; der Sieger ehrt die Tapferkeit im Feind— Githa. Vergoͤnnt mir ihren Leichnam— o vergoͤnnt der Koͤnigsmutter, die geliebten Soͤhne mit Thraͤnen einzuſalben, zu begraben! 195 Wilhelm. Sie ſollen koͤniglich beſtattet werden, wie Helden es gebuͤhret; im Gefild des Kampfes ſoll ein Tempel Gottes ſteigen; dort ſollen ſie in der geweihten Erde, dort ſoll'n ſie ruhen unterm Hochaltar, und ihr Gedaͤchtniß ſoll in Ehren bleiben! Githa. War Harold Koͤnig nicht? Alice. — und mein Gemahl? Githa. Soll er nicht ruhen in der Koͤnigsgruft? Wilhelm. Auch das, wenn Ihr ſo wuͤnſchet— Ein Todtenmarſch in der Ferne. Ha, was iſt? Martell. Mir ſcheint es, Harolds Leichnam und der Bruͤder. Fuͤnfter Auftritt. Die Vorigen. Hugh von Neufchatel mit einem Zuge Schwergewaffneter. Ein Muſikchor mit Trauerflören. Zwei Pagen, welche zwei Schilder tragen, doch alſo, daß anfänglich das eine von dem andern verdeckt wird. Zwei Bahren von Lanzen und Zweigen, mit dem Fürſtenmantel und prächtigen Teppichen bedeckt, von Gewaffneten getra⸗ gen. Auf beiden Helm, Lanze, und Schwert. Gleich nach ihnen das Normaniſche Hauptpanier geſenkt. Ein ſchwarzer Ritter mit geſchloßnem Helm. Eroberte Engliſche Fahnen. Soldaten. Der Zug bewegt ſich langſam vorwärts, und die Bahren werden in der Mitte des Theaters niedergeſetzt, Wilhelm, heftig. Was iſt das? Nimmer ſoll ſich dieſe Fahne vor Ueberwundnen beugen! Wer befahl das? Der ſchwarze Ritter. Ich hab's befohlen, Koͤnig von Britannien! der junge Herzog von der Normandie— Wilhelm. Ihr ſprecht ſehr ſonderbar, mein Prinz! und ſehr zur Unzeit; willſt Du deinen Vater ſchon, den Lebenden, beerben? ſoll vor Nacht, vor Schlafengeh'n, ich ſchon mein Wams ablegen?*⁵) Pr. Robert. Ihr gabt mir Euer herzogliches Wort im Angeſicht der Ritter und des Heers— 197 — Wilhelm. Ein andermal davon! Pr. Robert. Ihr zwangt mich ſelbſt, Euch dran zu mahnen, da Ihr den Befehl, den ich gegeben, zornig widerruft. O dieſe Todten ehret nichts zu hoch! Wilhelm. Wohl ehrt man billig auch den tapfern Feind; doch— Alice, die indeß Alains Schild gewahr worden iſt, mit tiefem Schreck. Gott! was iſt das? Hier auf dieſem Schild iſt eine Roſ', ein Mirtenkranz— eilt auf die Bahren zu. Pr. Robert, ganz in der Stellung, wie die Pantomime im Prolog angegeben iſt. 8 Zuruͤck! Alice. Bei meinem Leben, das zu ſliehen droht, bei dieſen Thraͤnen— o verbirg mir nichts! Pr. Robert hebt die Decke von Alains Leichnam. Seine Begleiter thun das nämliche bei Conſtanzen. Es ſei! Du mußt es einmal doch erfahren! Alice ſinkt an Alains Leichnam nieder. Ha! Alain! Alain! Alle drängen ſich näher. Einige Ritter an Conſtanzens Bahre. Wie? ein Knappe nur mit dieſer hohen, koͤniglichen Ehr— 2 Odo, gleichfalls bei Conſtanzen. Das iſt kein Knappe— Martell. Seht, welch goldnes Haar das Angeſicht bedeckt— 1 Einige Ritter. Entfernt den Herzog! Martell. Das Bruſtſtuͤck iſt zerhauen— Gott! ein Weib! ſeht, wie das Blut die weiße Bruſt geroͤthet— Odo. Ach! welche Zuͤge— Wilhelm, die Umſtehenden zurückdrängend. Du, Conſtanze? Du? Du ſtille Freude meines ganzen Lebens? Du Einzige, die meine Liebe hatte? 1 3 199 Gott! Gott! iſt's moͤglich?— ſagt, wie ging das zu? taͤuſcht mich Verblendung? Robert! ſprich, o ſprich! 1 Pr. Robert. 2 Wir hatten kaum das Kloſter rings umgeben, da hoͤrten wir von einer nahen Schlacht. Nicht muͤſſig harren konnten wir; mein ATa te mein Alain— die Wehmuth hemmt ſeine Sprache. ach, es fehlt die Sprache mir— ich ſchaͤme mich, vor Maͤnnern ſo zu ſteh'n, und doch— ſprich Du, Hugh Neufchatel Du biſt ja aͤlter, muthiger— das traͤge Blut kreiſt kuͤhler ja in eines Greiſes Bruſt. Neuſchatel, mit gewaltſamer Ruhe und ſich nur ſelten erhebendem Ton. Ich, Prinz? ich ſoll's berichten?— Gut, ich will es denn verſuchen; denn wer wuͤßt' es beſſer?— Ich kann's, ich will's nicht laͤugnen, daß Conſtanze mir wiſſend dem Gemahl zum Heer gefolgt. Nicht konnt' ich ihren Bitten widerſtehen, nicht dieſer Zaͤrtlichkeit und Heldentreue. Wilhelm. Ich glaub' Dir's, Alter! Haͤtteſt Du's vermocht, ich koͤnnte Dir an ihrem Leichnam fluchen.— WBas ſag' ich? haͤtte nicht Dein Weigern ſie erhalten? Neuſchatel. Gott ſei Zeuge, ob ich's konnte! 200 Sie hieß ſich Adelin, den juͤngſten Sohn Hughs Neufchatel— und mehr, als meinen Sohn, bewahrt' ich ſie vor jeglicher Gefahr. Doch wich ſie nimmer von des Gatten Seite, den Engeln gleich, die ſtill und unbekannt den Frommen dienen, nimmer ſie verlaſſen. Wilhelm. So war ſie immer— ach! mein Engel auch; vor ihrem Laͤcheln ſchwiegen meine Wuͤnſche; vor ihrer Laute floh der ſtolze Geiſt! Neuſchatel. Wir zogen in die Schlacht; ſie folgte ihm mit Edmund, meinem Sohn, auf ſchnellem Roß. Mit truͤbem Sinn zog Alain vor uns her; nur einmal wandt' er freundlich ſich zu mir, und ſprach:„Mit Koͤnig Harold hab' ich was zu ſchlichten; haſt Du nicht erfahren, Hugh! was er fuͤr Waffen in den Schlachten traͤgt?— „Schwarz iſt ſein Harniſch“— ſo erwiedert' ich— „Schwarz ſah man ihn in Stamfords Schlacht⸗ gefild!“— Da ſpornt' er ſchnell ſein Roß; doch ploͤtzlich hemmt' er ſeinen Lauf, und rief mit inn'rer Wuth: „Schwarz iſt ſein Harniſch! Ich beſieg' ihn nicht; Fluch meinem Schickſal, das ihn mir entreißt!“— Wir fielen dann dem Feinde in die Seiten; wo Alains und des Prinzen Helmbuſch wehte, da ſank, wie Halmen, Reiter, Schaar und Roß; und wir verfolgten unverweilt den Sieg. 201 In tiefen Suͤmpfen ſetzte ſich ein Haufen von tapfern Streitern unbekannten Schilds, und warf mit blinder Wuth uns wild zuruͤck. Mit Daͤmm'rung lief die Sage durch die Reihen, der Koͤnig ſei gefallen mit den Bruͤdern, und hoch erhob ſich Alain auf dem Roß und rief:„Auf, meine Tapfern! folget mir; der Sieg iſt unſer; denn ein Koͤnig nur kann mich beſtegen!“— Wie ein Ungewitter, das von dem Felſen auf die Heerden ſtuͤrmt, ſo ſtuͤrzt' er auf den fremden Fuͤhrer los. Und jetzt— entfeſſelt ſchienen alle Geiſter des gluͤh'nden Abgrunds, und ein Todeskampf, wie keinen ich geſeh'n, begann im Moor; in duͤſterm Dunkel kaͤmpfte Feind und Freund, als gaͤlt es nur Vernichtung, nicht den Sieg. Die Feinde flohen— Alain folgte nicht— Wilhelm. Wie fiel der Held?— wo fandet ihr Conſtanzen? Neuſchatel. „Wo iſt Graf Alain?“ rief der Prinz mit Schrecken, und alles ſtand, und ließ den Feind entkommen! Hell war der Mond am Himmel aufgegangen; wir fanden ihn— bei meines Edmunds Leiche— den Speer des Koͤnigs Olav in der Bruſt, der unbewußt des Harold Heer verſtaͤrkt, und neben ihm die roͤchelnde Conſtanze. Noch einma chlug er ſeine Augen auf, und hob die bleiche Rechte:„Ich erkenne Dich, meine Holde!“ fluͤſtert' er ihr zu; ſie faßte krampfend ſeine Hand, und beide verſchieden laͤchelnd— Zorn und Wuth ergriff die treuen Krieger, und die naͤchſte Stadt ging auf in Flammen— Martell. Edles Erienpauek. Mehrere Stimmen. 9 Tod der Treue! Neidenswerther Tod! Alice hat ſich von Alains Leichnam erhoben und faßt Conſtanzens Hand. O theures, neidenswerthes, holdes Maͤdchen! Du warſt es ſelbſt; Du fuͤhrteſt ihn zu mir; auf meine Hand floß Deine Abſchiedsthraͤne; Du haſt fuͤr ihn gelitten— ſtarbſt fuͤr ihn. Ich darf nur um ihn klagen, darf nur weinen— Githa, ſie umarmend. An meine Bruſt, Alice!— Laß die Todten, laß unſre Todten friedlich uns beweinen; verſoͤhnt ſind ihre Schatten— ohne Schmerz— Alice. O ſie iſt gluͤcklich— durfte fuͤr ihn ſterben! Wilhelm. Ja, gluͤcklich ſie und Alain; Aütlich 5 die ruͤhmlich fielen; hoch ſind ſie von Freund' und Feinden bis in ſpe zeeen⸗ O theuer ward der Krone Glanz erkauft; Du biſt geopfert, meine Alix, und von meiner Seite floh der ſanfte Engel:; dem ſtolzen Geiſte bin ich uͤbergeben, und bange Zweifel truͤben meine Zukunft. Sie ſtarben ſchoͤn— was beut das Schickſal mir? wird auch bei meinem Tod die Liebe weinen? Der Vorhang fällt. Anmerkungen. 1. Robert, ein geborner Norman, hatte auf Antrieb des eben ſo kuͤhnen, als maͤchtigen Godwins(des Vaters von Harold) England verlaſſen muͤſſen und war zu Wilhelm von der Normandie gefluͤchtet. Sti⸗ gand, ein Englaͤnder, war Biſchof worden. 2. Nach dem Tode ſeines Vaters, des Koͤnigs Ethelred— bei Richard von der Normandie. 3. Wilhelm v. d. Normandie hatte vier Soͤhne, Namens Robert, Rufus, Richard und Heinrich. Richard wurde in fruͤher Jugend von einem Eber getoͤdtet. Robert ward nach des Vaters Tode Herzog von der Normandie, Rufus aber durch Lanfranc, der nach Stigands Tode Primas worden war, als Koͤnig von England gekroͤnt. Ihm folgte Heinrich(genannt der Erſte) in der Regierung. 4. Howel, Herzog von Bretagne, Alains Vater, war fruͤher Wilhelms v. d. Normandie erbit⸗ tertſter Feind. 5. Auch Doſti war mit einer Tochter des Grafen Balduins von Flandern vermaͤlt. 6. Dem Odo hatte Gerbert, ein aus Spanien vertriebener ſehr beruühmter Aſtrolog und Zauberer, die paͤbſtliche Krone prophezeiht. Er haͤufte in dieſer Abſicht Schaͤtze auf Schaͤtze, wurde aber ſpaͤterhin von Wilhelm, dem Baſtard, ſeinem Halbbruder, ins Ge⸗ faͤngniß geworfen und ſtarb im Kloſter St. Gervais Cin der Normandie gelegen) am 9. Sept. 1087. 7. Der Wahrheit nach ſandte der Pabſt dem Her⸗ zoge eine geweihte Fahne und einen Ring, in welchem ſich ein Haar des Apoſtels Petrus befand.. 8. Robert, Herzog von der Normandie, mit dem Zunamen der Teufel, hatte Wilhelm mit Har⸗ 205 lotta erzeugt, der Tochter eines Gaͤrtners oder Rauchhaͤndlers in Falaiſe, in welche er bei einem Tanze auf das heftigſte entzuͤndet worden war. 9. Dieß galt damals, wie auch wohl noch jetzt, fuͤr ein Zeichen der Beſitzergreifung. 10. Im Jahre 978. Elfride, Eduards Stief⸗ mutter, ſtrebte fuͤr ihren Sohn Ethelfred nach der Krone, und trachtete daher dem jungen Koͤnige nach dem Leben. Dieſer hatte ſich einſt, erſt funfzehn Jahr alt, auf der Jagd verirrt, ritt auf ein Waldſchloß zu, pochte an und bat, ohne abzuſteigen, um einen Trunk. Elfriede, die ſich dort befand, brachte ihm ſelbſt unter dem Anſcheine der froheſten Ueberraſchung und mutter⸗ lichſten Freude einen Becher Weins. Doch in demſel⸗ ben Augenblick, als er trank, ward er hinterruͤcks von einem Meuchelmoͤrder durchbort. I1. Du Fresne fuͤhrt hieruͤber aus einer alten Handſchrift folgende Zeilen an: Taillefer, qui moult bien chantoit sur un cheval, qui tost alloit, devant eus alloit chantant d' L Allemaigne et de Rollant et d' Olivier, et de Vassaux, qui morurent en Rainschevaux. Taillefer war uͤbrigens ein eben ſo guter Vorfech⸗ ter, als Vorſaͤnger. Noch vor Anfang der Schlacht warf er im Angeſicht des feindlichen Heeres einige bloße Schwerter in die Luft und ſing ſie wieder auf. Indem aber die Engläͤnder dieſem Spiele ver⸗ wundernd zuſahen, drang er in ihre Reihen und ſtieß einen ihrer Fahnentraͤger nieder. Das naͤmliche wie⸗ derholte er mit gluͤcklichem Erfolge noch einmal. Allein beim dritten Verſuche mußte er ſeine 2diyehen mit dem Leben bezahlen. Henr. Huntindoniensis I.. p. 568. ed. Wechel— Ueber den Rolandsſang wird folgendes von Adelung(Magaz. fuͤr die deutſche Sprache 2. B. 4. St. S. I1.) aus le Grand'’s Vorrede vor den Fäbliaux ou Contes du XII. et XIII. Siecle-(IV. Tom. Par. 1779— 1781.) ausgezogene Stelle zu der hier erforderlichen Erlaͤuterung gnuͤgen: „Die Nation(der Franken) hatte, von den entfernteſten Zeiten ihres Urſprungs an, Kriegsgeſaͤnge gehabt, in welchen diejenigen von ihren Anfuͤhrern und von ihren Kriegern geruͤhmt wurden, deren Name durch eine ſchoͤne That die unſterblichkeit verdiente. Um ſich aufzumuntern, ſich einer gleichen Belohnung wuͤrdig zu machen, ſang der Soldat ſie in Choren, wenn er in die Schlacht ging, und das Vorrecht, ſie anzuſtimmen, gehoͤrte den Barden, die ſie verfertigt hatten. Die Franken hatten die ihrigen in den deut⸗ ſchen Moraͤſten. Da ſie die Eroberer Galliens wurden, machten ſie neue, welche, wie Sginhard ſagt, die vornehmſten Thaten ihrer Koͤnige, und die ſchönſten Thaten unſrer Geſchichte enthielten. Karl, der Große, deſſen kriegeriſche Seele und heldenmuͤthige Neigungen eine ſolche Art mit Entzuͤcken lieben muß⸗ ten, ſammelte ſie alle, wie uns eben dieſer Schrifiſtel⸗ ler berichtet, und ſchrieb ſie ſogarmiteigener Hand ab. Allein ſie wurden durch den glaͤnzenden Namen, den dieſer Monarch hinterließ, verdunkelt. Man wagte es nicht mehr die ſchwache Nachkommen⸗ ſchaft des Clovis zu beſingen, als man einen ſolchen Helden hatte, und er allein wurde, mit ſeinen vor⸗ nehmſten Feldherrn, der Gegenſtand der neuen Kriegs⸗ geſaͤnge. Doch war einer, der den Vorzug behielt; es war derjenige, in welchem Roland und die uͤbri⸗ gen Ritter, die in der Niederlage von Ronceval(einem Thale in Ober⸗Navarra, wo der Konig Don Alonſo el Caſto im Jahre 809. einen Sieg uͤber Karl den Großen erfocht), getoͤdtet oder verwundet waren, geruͤhmt wurden. Es ſei nun, daß dieſer Ge⸗ ſang eine tragiſche Begebenheit darſtellte, die im ———=—— 207 Stande war, den Soldaten am ſtaͤrkſten zu erſchuͤttern, oder daß er an eine unruͤhmliche That erinnerte, deren Schande auszuloͤſchen man ihn anreizen wollte, oder endlich, daß er ein vorzuͤgliches dichteriſches Verdienſt vor den andern hatte, genug, er brachte ſie in Vergeſ⸗ ſenheit, und wurde fuͤr unſere Kriegsheere der Schlacht⸗ geſang. Man ſah es als eine Ehre an, ihn anzuſtimmen, und einer von unſern alten Geſchichtſchreibern bemerkt, daß in der Schlacht bei Haſtings, die 1066. einen Herzog der Normandie zum Herrn von England machte, dieſe ruͤhmliche Verrichtung von einem Ritter, Namens Taillefer, der mit einer ſtarken und wohlklingenden Stimme begabt war, unternommen wurde. Wilhelm hatte ihm zur Vergeltung erlaubt, das feindliche Heer zuerſt anzugreifen, und Taillefer bezeigte ſich durch Tapferkeit eines ſolchen Vorzugs wuͤrdig. Rolands Geſang wurde beinahe bis zu Anfange der dritten Linie beibehalten, wie aus einer ſtolzen, jedermann bekann⸗ ten Antwort eines Soldaten gegen Johann erhellet, der ihm vorwarf, daß er ihn zu einer Zeit ſaͤnge, da es keine Rolande mehr gaͤbe.„Sire“— erwiederte der Soldat—„es wuͤrden ſich noch welche finden, wenn ſie nur einen Karl den Großen an der Spitze haͤtten!“ — Er(der Rolandsgeſang) iſt nicht bis auf uns gekom⸗ men, und hat das Schickſal vieler andern gehabt, die Niemand auf die Nachwelt zu uͤbertragen bedacht iſt, weil ſie jedermann bekannt ſind, und die, nachdem ſie durch Aller Mund gegan⸗ gen ſind, endlich aus dieſer Urſache ſelbſt vergeſſen wer⸗ den und verloren gehen.“ Ueber das altdeutſche Gedicht von der Roncevalſchlacht koͤnnen Deutſche, die uͤber das Fremde das Vaterlaͤndiſche nicht zu vergeſſen gewohnt ſind, einen Aufſatz meines theuern, zu fruͤh verſtor⸗ benen Freundes, Otto Heinrichs, Grafens v. 208 Loben nachſehen in der Muſe Jahrgang 1822. Monat Maͤrz. S. 1. 12. Das Köͤnigreich Neapel, welches die Norma⸗ nen im eilften Jahrhunderte den Saracenen entriſſen. Roger II. ein Normane, ließ ſich im Jahr 1130. zum Köonige beider Siecilien ausrufen. 13. Eigene Worte Wilhelms, des Erobe⸗ rers, welche die Geſchichte aufbewahrt hat. II.] ð — 72 —₰ „ Luſtſpiel in Einem Act. 182 I. Theaterſchr. III. 14 Perſonen. Frau Sabine, Wittwe. Tinchen, ihre Tochter. Vetter Wilhelm. Herr Bruckmann, bisher ſein Vormund. Die Tracht der Perſonen, wie ſie im bemittelten ſtande einer kleinen Reichsſtadt üblich iſt. Bürger⸗ Ein Vorrathsſtübchen, aus dem eine Treppe auf den Bo⸗ den führt. Eine verſchloſſene Truhe, ein zugemachtes größe⸗ res und ein kleineres, offenes Schlagfaß, ein zerbrochener Spiegel, ein Päckchen alte Bücher, ein weißes Tuch, wor⸗ auf Aepfel liegen, Weifen, ein Spinnrad, Flachs, Garn u, ſ. w. rings umher. Erſter Auftritt. Sabine 4 zählt Garn ab und nimmt es auf den Arm. Sol— fuͤnf, ſechs Straͤhn'— ein ganzes Stuͤck. Das muß zu vier Paar Struͤmpfen reichen, Dann waͤr' ein Dutzend wieder im Gleichen— Und nun zum Toͤchterlein zuruͤkk! Es iſt bedenklich, wenn die Maͤdchen Mit ſich zu lang' alleine ſind; Da ſtockt gar leicht das ſchnurrende Raͤdchen, Die Nadel bricht, es reißt das Faͤdchen, Fort geh'n die Gedanken wie Wirbelwind!— Nun, anders iſt's wohl mit meinem Kind'! Mein Tinchen gleicht noch ganz dem Veilchen, Das ſchuͤchtern ſich dem Moos entwand, Und— haͤngt's einmal das Koͤpfchen ein Weilchen, Den Kummer ſtillt ein neues Band! Ein wenig vortretend. Ei, laß nur gut ſeyn, liebe Sabine! Sey ehrlich, dir es einzugeſteh'n: — 212 Du ſprichſt nur darum von der Tine, um wieder einmal in die Truhe zu ſeh'n! Nimmt den Schlüſſel aus der Anhängetaſche. Ja, die hat wunderbare Reize; Mit ihr ergeht mir's, wie dem Geize, Der Thaler auf Thaler zuſammentraͤgt, Und oft fuͤr tagelanges Faſten Erquickung ſucht beim vollen Kaſten, Bis ihn der ſchwere Deckel erſchlaͤgt; Der dann um Mitternacht im Keller Den hart erpreßten Mammon zaͤhlt—— Sie ſteckt den Schlüſſel an. ¹ Nein! hiebei iſt kein rother Heller Dem Nebenmenſchen abgequaͤlt; Kein Greis, kein Kind mit bleichen Wangen Iſt hungrig von der Thuͤr' gegangen! uns ſelber hab' ich's abgeſpart, Und ſie hat mit dran helfen muͤſſen!— Hab' ich auch manchmal ohn' ihr Wiſſen— Wie gern ſchlaͤft man ſo jung und zart!— Beim duͤſtern Laͤmpchen, mit der Brille, Genaͤht in Einſamkeit und Stille, Ich hab' dann um ſo ſanfter geruht, Und ward dabei nicht mag'rer und gelber; Man thut ja warlich fuͤr ſich ſelber, Was man fuͤr ſeine Kinder thut! Wer weiß, ob nicht in ein'gen Jahren Ein Freudentag mir Alles lohnt! Bis dahin— — 213 Zweiter Auftritt. Sabine. Tinchen 3 lauſchet mit dem Kopfe durch die Eingangsthüre. Sabine. darf ſie nichts erfahren Vom Schatz, der in der Truhe wohnt— Tinchen bis in die Mitte des ſiebenten Auftritts faſt noch kindlich, . vor ſich. Warum nicht? Sabine. Wenn die Kinder merken, Man ſey nicht ganz von Eiſen und Stahl, Pflegt's ihren Leichtſinn zu verſtaͤrken. Tinchen, vor ſich. Was man nicht hoͤrt! Sabineä. Daß vergeß' ich manchmal!— Auch iſt die Eitelkeit ein Pflaͤnzchen, Das weiter wuchert Schritt vor Schritt, Weiß einmal ſo ein albernes Gaͤnschen Von etwas mehr—! Tinchen oor ſich. Wen meint ſie damit? 214 Sabine. Nein!— Ueberhaupt: von ſolchen Dingen Erfaͤhrt ein Maͤdchen nie zu ſpat. Wer wollte ſie noch ſelbſt drauf bringen? Das Sprichwort ſagt: Kommt Zeit, kommt Rath! Sie mag jetzt ſtricken, ſpielen, ſpringen— . Tinchen, vor ſich. Ei ſeht doch! 10 Sabine, ſich ſchnell Asſchend. Klang mir's doch beinah.— Tinchen hat ſchnell den Kopf zurückgezogen und die Thür zugedrückt. Durch den hierdurch verurſachten Windzug geht die Bodenthür auf. 8 Ach nein!'s war nur die Bodenthuͤre, „Tinchen lauſcht wieder. Und warlich! recht, als ob ſie's ſpuͤre, mmal⸗ Mit den Fingern ſchnippend. Hc Daß ich noch nicht nach dem Beiſuße ſah. Der haͤngt nun ſchon drei Wochen da— Mein Himmel! nein! es ſind wohl viere!— Der doͤrrt zu Beſenreiß' mir ein; Am Ende ſchaͤmt die Gans ſich ſein! Schnell die Treppe hinauf. —B— 6215 Mh 5 kkerer Auferitte. 3 Ti 3 n) e n bereinſchleichend. Was heißt denn das?— Ich merkt' es lange, Daß hier herauf Etwas die Mutter zieht,„ Weil ſie ſich immer mit dem Gange,— Statt mich zu ſchicken, ſelbſt bemuͤht. Oft bleibt ſie eine Viertelſtunde, Zu Zeiten eine halbe hier. Warum denn? und aus welchem Grunde Traͤgt einen Schluͤſſel ſie nicht am Bunde, Verbirgt den Inhalt der Truhe mir? Es ſteht doch ſonſt. hier Alles offen— MNRäher kommend. Jetzt ließ ſich da Erlaͤutrung hoffen; Die Mutter zog der Beifuß fort, Und— ol der Schluͤſſet, der Schluͤſſel ſteckt do dort! Noch näher. Neugierig bin ich nicht! bewahre! Doch, weil ſich's ſo von ſelber fand— Ich werde zu Lichtmeß ſechzehn Jahre Und habe meinen vollen Verſtand— Und wenn ich' s auch was eh'r erfahre— Am Schlüſſel ſpielend. Ja, freilich liegts in meiner Hand! Doch iſt's auch recht, ein Geheimniß zu ſtehlen, Das mir der Muͤtter Liebe barg? Ach, ſie kann's nur zum Scherz verhehlen; 216— Ich bin ja verſchwiegen, ich bin ſonder Arg— Und— ſchwerlich wird wieder Gelegenheit kommen, Verſaͤum' ich ſie jetzo— Bald neugierig nach der Truhe, bald furchtſam nach der Bodenthür ſchauend. B Die Mutter iſt nah!— Ich brenne vor Neugier— ich bin ſo beklommen— Ich moͤchte ſo gerne— es raſchelt! ja! ja!— Nein! Alles iſt ruhig!— Wie bald iſt' sgeſchehen! Ein einz'ges Blickchen! Sie ſchließt auf und hebt ein wenig den Decket. . Vierter Auftritt. Tinchen. Sabine, mit dem Garne und Beifuße, ſchnell aus der Bodenthür tretend. Ganz zuletzt Wilhelm. Sabine. Wer iſt denn da?— He! Tinchen! Tinchen! willſt du gehen! Tinchen läßt ſchnell den Deckel zuklappen und entfernt ſich weit möglichſt von der Truhe. Ich wollte ja— ich kam ja nur— Sabine noch auf der Treppe. Ein wenig zu horchen? ein wenig zu ſehen? r 217 Siich ereifernd. Ja! du haſt die wahre Eva's⸗ Natur; Waͤr' die nicht ſchon die Mutter der Suͤnde, Du, du braͤcht'ſt ſie noch heut⸗ auf die Welt! Pfui, ſchaͤm' dich! ziemt das einem Kinde? Tinchen.. Ach, Mutter!— Weinerlich und ſchnell den Arm in die Schürze wickelnd. Mich hat— die Katze gekraͤllt!—— Es war kein Toͤllner Waſſer im Glaſe, Da wollt' ich dich bitten— Sabine, wirft das Garn und die Kräuterbüſchel von ſich und eilt zu ihr. nn de Wret Wohin denn? wie? Daichen nicht in's Aug'? doch nicht auf die Naſe?— Du armes Maͤdchen!— das iſt nicht zum Spaße!— Noch heut' verſchenk' ich das garſt'ge Vieh! Laß ſehen, Herzchen! zeig' die Wunde— Tinchen, den Arm mit Verlegenheit aufwickelnd. Ich weiß nicht recht— Ja— ſo im Grunde War's kein recht Kraͤllen, mehr ein Stoß— Nein, Mutter! nein! ich bitte fuͤr's Kaͤtzchen— Es hieb— mit eingezognen Taͤtzchen; Doch— glaub' es mir, der Schmerz iſt groß! Sabine, den Arm ſorgfältig beſehend. n Ich finde nichts! Nun, laß⸗ dich ſtreichen;z. Vielleicht, daß dann die, Schmerzen weichen— Streicht ihr. den Arm. b Tinchen. Sie weichen—!— Innnge CnleHiet 361 10 StA bit o. Lit.(hi ee — 115 35 Ja, die alte Kur Wird wieder Mode: man folgt der Spur, Und kann's durch bloßes⸗ Anſchaun zwingen,— Daß Baͤume verdorren, oder gelingen— So weit kam man jetzt in der Natur—! Gannt et niee 376 omnt t ne Tinch eit, aiu an verwundert— und zugleich nach Wilhelm blickend, der mit 4 8 großen Augen zur Thür herein gukt. 4 Duͤrch bloßes Anſchaun—/ 1 16 Oasines horchend. 13 8 Hoͤrſt du nichts ſchteichen? 7 Lin chen. 's iſt Niemand! s iſt der Vetter nur! „ 42à4 4 26 9 S 3 e— 4113— † E 6 7 e, Fuͤnfter Auftritt. unn ei⸗ — 15n⸗ Sabine. Tinchen. Wilhelm öfnet Bru ckman nen die Thüͤr. Wilhelm, einen Straus von gemachten Blumen und einige natuͤrliche im Knopfloche, beide in ſtaatlichem Anzuge und mit ſteifem Anſtande, dod rerſtever nur mit angenommen. . Bru kmann, hin iudii 399 voraustxetend⸗ und, wegen ſeiner Wohlbeleibtheit, tief Athem ſchöpfend. Wihem ſtellt ſich, den Hut, unterm Arme, hinter ihn. l101 5 5 Ei, Frau Gevatt'rin! das iſt eigen; 1458 Um Sie zu finden, mͤchte man Ja bis zum Taubenſchlage ſteigen— acl Doch— hab' ich's mit Pergnuͤgen gethan. Sabine, vor ſich. Was giebt das eimetde 328 Tinchen, ndann Wilhelm von oöben bis unten betrachtend. Was ſicht Withelm an? Sabine. Der Herr Gevatter ſind doch munter? Die werth'ſten Kinder—? Bruckmann. Alle vier, Mit jedem Tage derber und runder, Empfehl'’n ſich beſtens. Nun, bei mir 220 Schenkt freilich jetzt der Wirth Berg— unter; Je nun, s iſt drum kein ſaurer Wein! Haͤhaͤ! 1 Sabine. Nur bitt' ich zu verzeih'n, Daß Sie ſo hoch— in die Vorrathsſtube— Bruckmann. Was thut nicht Cupido, der loſe Bube? Mit einem ſchmunzelnden Blicke auf Tinchen. Nach rothen Kieſchen eig man hoch! Haͤhaän Leiſe zu Wilhelm, den er vorſchiebt. Potz Wetter! ſo red' Er doch! Wilhelm, mit vielen Verbeugungen. Gehorſamer Diener, werth'ſte Frau Muhme! Befinden Sie ſich wohl, ſo iſt mir's lieb. Da bring' ich Ihnen eine Blume Aus meinem Erb⸗ und Eigenthume, Die noch der— Weiberſommer trieb— Ueberreicht ihr einen Levkoy⸗Stengel. Bruckmann reiiſe. Brav! Weiter! Laut. Ja, er meint den Garten; Das ſchoͤnſte Grundſtuͤck vorm Niclasthor, Mit Feld und Wieſen— Alles im Flor— Wilhelm. Und darf ich Permiſſion erwarten, So haͤtt' ich— Tinchen, die Wilhelm bald vergeblich zugenickt, bald jihn mit Er⸗ ſtaunen betrachtet hat. Himmel! was ſtellt das vor? Wilhelm. So haͤtt' ich fuͤr das Jungfer Muͤhmchen Hier auch noch ein paar art'ge Bluͤmchen— Giebt dieſer den künſtlichen Straus, aus welchem ein Zet⸗ tel gezogen werden kann. Sabine, wohlgefällig zu Wilhelm. Ei ſieh, wie fein! Er macht Complimente. Tinchen vor ſich. s wird immer beſſer! Bruckmann, zu Sabinen. Nicht wahr? Er ſpricht, wie ein Profeſſer! Ich ſelber war kaum ſo gewandt, Als ich das erſte Mal mit Ihnen— Haͤhaͤ!— auf dem breiten Steine ſtand. Sabine. Da bitt' ich— laſſen Sie ſich dienen; Sie war'n von jeher ſehr galant; Sie hatten mir ein Bouquet geſandt— 222 Mit Pantomime. Es ſtand vor mir gleich einer Schanze; So, ſo groß war die Pomeranze, Sie purzelte mir ab beim Tanze— Ein Band mit Silber⸗Tulpchen dran. Bruckmann, neckend. 's war nicht ganz richtig mit uns Beiden, Doch mußt' ich freilich mich beſcheiden Wollt' ich nicht einen Korb empfahn.— Leiſe zu Wilhelm, den ex nach Linchen dreht. Fang' er doch auch ein Discourschen an! Wilhelm. Darf ich das Jungfer Muͤhmchen fragen, Ob— Tinchen, oor ſich. 's rappelt mit ihm, meiner Treu! Bruckmann, präſentirt Sabinen eine Priſe und giebt ihr einen Wink, Ich haͤtte Ihnen was zu ſagen— Sabin e, ſchnupfend. Belieben Sie!— Ganz offen und frei! Hat ſich denn etwas zugetragen— 7 Sie treten zuſammen auf eine Seite. Man ſieht, daß Bruckmann von Wilhelm ſpricht. Sabine ſcheint geſpannt, wo es hinaus wolle.— Wilhelm. Ob— Ihnen die Erfindung bekannt— * —— 223 . Tinchen, halb aͤrgerlich. Erfindung? Wilhelm. Sie iſt ganz ſcharmant! Ihr die Roſe in dem Strauße zeigend. Man zieht ein Blaͤttchen auf beiden Seiten So!— ſeh'n Sie!— gleich kommt ein Devischen hervor, Das, wer nur fein iſt, leicht kann deuten. Er läßt ſie auf einer Seite ziehn und zieht auf der andern. Nun, leih'n Sie mir ein guͤnſtig Ohr! Auf lächerliche Art declamirend. „Cupido, das ſag' ich dir: Keine andre nehm' ich mir—“ Tinchen, dreht ihm den Rücken. Nein, ſag mir, Vetter, wie biſt du heut? Wilhelm. O hoͤren Sie nur weiter— Tinchen, läuft von ihm fort. Du— biſt nicht geſcheidt! Tritt zur Mutter. Wilhelm, ſtößt Bruckmannen. Herr Vormund! ſie laͤßt mich alleine ſtehen. 224 Bruckmann, leiſe. Was thut's! Das pflegt ſo zu ergehen; Halb laut. Das iſt die liebe Zimperlichkeit! Doch— Roſen bricht man mit der Zeit. Laut fortfahrend. Gnug, Frau Gevatt'rin! er hat heut, Das Recht als Buͤrger und Weinſchenk gewonnen— Das iſt eine goldene Profeſſion, Ich ſelbſt- Mit der Pantomime des Trinkens. will da helfen, als waͤr' er mein Sohn!— Bald wird der Handel im Großen begonnen; Im Keller liegt Aechtes— und Eins noch! er iſt Auch eingeſchrieben als Buͤrgergardiſt— Sabine, zu Wilhelm. Viel Gluͤck! Viel Gluͤck! Tinchen,, ſteif. Ich gratulire! Bruckmann, zu Sabinen. Sie merken doch,'s pocht an die Thuͤre! Wie waͤr' es nun, wenn Tinchen— haͤhaͤ!— Den Vetter zu Pferd', mit dem Federbuſch ſaͤh Und etwa— 1 Sabine, verdrüßlich, mit einem Wink auf Tinchen. Mein Himmel! wie lange Sie ſtehen! Wir woll'n ein wenig hinuntergehen— 225 Bruckmann. Recht wohl!— Ihr Kinder, bleibt nur da! Leiſe zu Wilhelm. Zuſammengenommen! huͤbſch feine Manieren! Die Alte will ich ſchon praͤpariren— Laut zu Tinchen. Es meldet ſich blos mein Podagra! Mit Sabinen ab. Sechſter Auftritt. Tinchen. Wilhelm. Wilhelm, immer noch in voriger Manier. Nun, Jungfer Muͤhmchen! Tinchen, geht um ihn herum und betrachtet ihn von allen Seiten, richtet aber hier und in der Folge zugleich ihr Augenmerk auf den Truhenſchlüſſel. MNuu, Herr Vetter! Wilhelm.. Wir ſollten wohl ſo ſtumm nicht ſeyn! Von was denn aber? vom heur'gen Wein? Behalten wir noch warmes Wetter, Wird er gerathen.— Oder lieber Von Zeitungsſachen— 2 Theaterſchr. III. 15 Tinchen, losbrechend. . Nein! nein! nein! Nur davon einzig und allein: Seit welcher Zeit— ſchnappt's mit dir uͤber? Wilhelm. Ei keineswegs! Soll ich's erklaͤren? Tinchen, oor ſich. Nun, wenn er ſo bleibt, muß er fort! Mit Pantomime nach dem Schlüſſel. Mich zuckt's!— Laut. So ſprich! Wilhelm. „Vernimm mein Wort!“ Begann Herr Bruckmann, mir zu lehren, Daß wir nun nicht mehr Kinder waͤren, Daß, wenn man Ein und Zwanzig ſey— ve. Tinchen, ſpottend. Und Buͤrger, Weinſchenk, Gardiſt dabei— Wilhelm, fortfahrend. Im Sinne trag', ein Weib zu nehmen, Man ſich zum Ernſte muͤſſe bequemen. „Zieh' aus“— ſprach er—„die Knabenſchuh'! Heiß' nicht das Jungfer Muͤhmchen du— Du mußt ein huͤbſches Verschen waͤhlen, Ein art'ges Spaͤßchen ihr erzaͤhlen; Dein Tritt ſey feſt, die Haltung ſtarr.“— 227 Tinchen. Du— und dein Vormund iſt ein Narr! Wir ſind zuſammen in die Schule gegangen, Wir haben Verſtecken und Plumpſack geſpielt; Du haſt mich beim Haſchekater gefangen,— Haſt nach mir mit der Armbruſt gezielt; Du biſt auch jetzt faſt taͤglich gekommen, Und haſt mich, wie's unter Verwandten auch laͤßt, Beim Abſchied' wohl gar beim Kopfe genommen— Nun wirſt du auf einmal ehrenfeſt! Du ſiehſt dich zu Pferde, mit Saͤbel und Hute, Die Achſel mit goldenen Schnuren beblecht; Faſt weinend. Nun iſt dir auf einmal die arme, gute, Die noch nicht muͤndige Tine zu ſchlecht— Nun wirſt du ein aͤlt'res Maͤdchen dir waͤhlen, Das freilich wird uͤber die Schweſterſchaft ſchmaͤlen— Drum heißt z nun: Sie, ſtatt des traulichen: Du!— Recht wohl denn, Herr Vetter! Nur zu! Immer zu! Wilhelm, die Verſtellung aufgebend. Soll's lieber fuͤr immer beim Alten bleiben? Tinchen, freudig. Nun ja! Wilhelm. Es gilt? Tinchen. Verſteht ſich! Wilhelm. Schlag' ein! Tinchen thut es. Er wirft den Hut in die Luft, umfaßt ſie, dreht ſich tanzend mit ihr herum und ſingt: Juchheiſa! Juchheiſa! das Muͤhmchen iſt mein! Tinchen. Wie biſt du? Wer kann den Vetter vartretben Wilhelm vor ſich. Den Vetter? Sie verſtand mich nicht. Wie ſie draufbringen, was ich meine? Tinchen oor ſich. Ich hoͤr's recht gerne, wenn er ſpricht; Doch— Den Blick nach dem Schlüſſel. lieber waͤr' ich bald alleine! Vier Augen ſind mir jetzt zu licht! Wilhelm. Was ſagteſt du? Tinchen. Ich?— Nichts! Du aber ſollteſt Was reden— Wilhelm. Ja, wenn du mich hoͤren wollteſt Doch etwas lang iſt meine Maͤhr— 229 Tinchen. Recht gern— Vor ſich. wenn nur die Truhe nicht waͤr'! Wilhelm, nimmt ſie bei der Hand, die ſie ihm willig läßt. Sieh, Tinchen! es giebt ſchoͤne Stunden, Wo Wuͤnſche, die wir unbewußt empfunden, In voller Klarheit vor uns ſteh'n— Tinchen, immer noch an ſeiner Hand, ihm treuherzig in die Augen ſehend. Kommt noch ein Ruͤckfall? Wilhelm. Wer kann Schoͤnes ſeh'n, Wer weilen bei der Erde holdſten Gaben Und— wuͤnſchte ſie nicht auch zu haben? Sein Auge ſinkt zur Erde und zufällig auf das Tuch mit den Aepfeln. Tinchen, munter. Wer wehrt dir's? Vor ſich. Schoͤn! ich werd' ihn los!— Laut. Was machſt du da noch lange Complimente? Lang' zu! Kauert zu den Aepfeln nieder. 230 Der iſt recht purpurn und groß! Nun, nimm! Auch den!— Wie lang' iſts am Ende— Gewiß ein Jahrer dreie kaum— Da ſtahlſt du ſie halbreif vom Baum! Wilhelm. Ich meine Schoͤn'res! Tinchen. Sie ſind heu'r nicht beſſer! Aufſpringend. Geſchwind lauf' hinunter, hol' ein Meſſer! Ich will ſie dir ſchaͤlen! geſchwinde! geſchwind! Wilhelm. Ich mag aber keine Aepfel, Kind! Tinchen. Was denn? du ſprachſt von ſchoͤnen Gaben— Wilhelm. Kann denn nur Obſt das Herz erlaben? Noch ſchaͤner⸗ als des Apfels Wangen, ſind— Tinchen. Aufs Wort! die Aepfel ſind ſaftig und ſuͤße— Wilhelm. Sind Roſenwangen, ſanfte Kuͤſſe Von Tinchens Lippen, an Roſen ſo reich— Tinchen, ſchnell. Aha, zum Abſchied'? was ſagſt du's nicht gleich—! 231 Wilhelm. Du meineſt alſo, ich ſoll gehen? Tinchen, mit angenommener Altklugheit. Du moͤcht'ſt doch nach dem Vormund ſehen! Es hat ſonſt doch kein rechtes Geſchick— Wilhelm. Nun freilich handelt ſichs dort um mein Gluͤck— Tinchen beut ihm die Wange. Nun da!— . Wilhelm. Doch kann ich deshalb bleiben; Wir ſoll'n uns hier die Zeit vertreiben— Tinchen, voor ſich. Nun hilft nichts, als ein tuͤcht'ger Zank! Wilhelm. So gieb denn— Will ſie küſſen. Tinchen. Nein! Nun ſchoͤnen Dank! Sie wirft ihm den erhaltenen Straus ins Geſicht. Du laͤß'ſt mich erſt eine Stunde paſſen— Wilhelm. Wie? du willſt dich nicht kuͤſſen laſſen? Nun wart! Sie jagen ſich. 232 Tinchen. Ja du! Wilhelm, haſcht ſie. Ich hab' dich ſchon! Tinchen entſchluͤpft wieder. Noch nicht! da haſt du was zum Lohn! Greift in das offen ſtehende Faß und bewirft ihn mit einer Hand voll Flaumfedern. Wilhelm, halb ärgerlich, halb komiſch. Das iſt zu arg— die ſchoͤne neue Fahne, Die Faͤden ſind noch nicht ausgezupft— Tinchen, mit der Abſicht, ihn zu reizen. Ja, Freund, du gleichſt dem Pelikane, Der ſich fuͤr ſeine Jungen gerupft! Wieder gutmüthig, doch noch lachend. Vergieb! 3 Vor ſich. Ich ſtehe, wie auf Kohlen!— Laut. Geſchwind geh', eine Buͤrſte zu holen; Ich putze dich wieder glatt und rein— . Wilhelm. Und Strafe ſoll— der Brautkuß ſeyn! Ab. Siehenter Auftritt. Tinchen alein, flaͤchtig. 8 Wie war das?— Sieht ihm nach, ſchiebt den Riegel vor die Thür, läuft ſchnell zur Truhe und iſt im Begriff, ſie zu eröffnen. Rein! mir beben die Finger! Laut pocht das Herz, die Wange gluͤht. Wird darum meine Schuld geringer?— Iſt Niemand, der mein Unrecht ſieht? Nur dem ſoll's wohlergeh'n auf Erden, Der treu die Kindespflicht gethan. Nein! ſollt' ich auch zur Salzſaͤule werden, Der Schluͤſſel ſteckt fuͤr mich nicht an! Tritt etwas zurück. Man ſoll ſich auf andre Gedanken bringen, Um der Verſuchung zu widerſteh'n; Ich will mir eins traͤllern, will mir eins ſingen— Hüpft mit untergeſchlagenen Armen umher und trällert. Du lieber Himmel!'s will doch nicht geh'n! Was Andres! Beſieht das herumliegende Geräth. Da liegen alte Buͤcher— Nun, machen ſie mich nicht beſſer und kluͤger, Sie ſchuͤtzen jetzt doch vor Gefahr! Nimmt das oberſte Heft. „Der Blaubart— gedruckt in dieſem Jahr!“ Ich kenn' es— Er hat acht Weiber genommen—— Es iſt doch drollig, recht wunderbar; Das ſcheint wie ein warnender Engel zu kommen, Da lernt man die Strafe der Neugier recht. Nach der Truhe ſchielend. Pfui, ſchaͤm' dich, Tinchen! das Gleichniß waͤr' ſchlecht! Mariechen, ja die fand Schrecken und Jammer Dort in der ſchwarzen, blutigen Kammer; Allein der garſtige Raoul war Ein Unmenſch auch, ein rechter Barbar! An ſo was zu denken, das waͤre ja Suͤnde; Ich wette, daß ich gar Herrliches finde, Und doppelt wird mir die Mutter werth!— Was gab ſchon das einzige Blickchen fuͤr Weide! Es blitzte, wie Gold, es glaͤnzte, wie Seide, Als haͤtte der heil'ge Chriſt beſcheert! Wohlan denn!. Sie ſchlägt den Truhendeckel zurück und klatſcht freudig in die Hände.. Himmel! wie ſchoͤne Sachen! Welch Zinn! welch blankes Kupfergeraͤth! Sie nimmt das Erwähnte zum Theil heraus und ſetzt es auf die Erde. Zwei ſilberne Leuchter! Ein Caffeebret! Das Herz muß einem im Leibe lachen!— Schoͤn Tiſchzeug— dran ich ſelbſt genaͤht!— Doch— in den Zipfeln— warlich! mein Name, Mit ſchoͤner Purpurſeide geſtickt; Das ſtickte die Mutter gewiß im Rahme, Den ich nur auf dem Schrank' erblickt.— O uͤber die ſchoͤne, volle Truhe!— Hier! wohl zwoͤlf Ellen Roſataft! Fuͤr wen ward das denn angeſchafft?— Was iſt das?— Meine erſten Schuhe In einem groͤßern praͤcht'gen Paar Von weißem Atlas ganz und gar!— Hier— auch mein liebes weißes Schaͤfchen, Das oft in meinen Armen geruht;. Nun, machen wir auch jetzt kein Schlaͤfchen, Ich bin dir darum doch noch gut!— 3 Ein zierlich Kaͤſtchen! * Oeffnet es. Was muß ich ſehen? Granatenſchnuren— Ein Ringfutteral öffnend. ein Diamant!— Setzt das Ringkäſtchen zu dem Uebrigen und hält die Gra⸗ naten gegen das Licht. Wie wuͤrde mir dieß Halsband ſtehen!— Und— nein!'s iſt aus mit meinem Verſtand! Ein Strauß, ein Kraͤnzchen—— nein! probiren Will ich blos das Granatenband!— Der Kranz darf nur am Brauttag zieren— Da— ſteckt ja ein Nagel in der Wand! Holt geſchwind den Spiegel, hängt ihn auf, hält leicht den Taft an ſich und bindet dann die Granatenſchnuren um. Ei! wie das ſchimmert!— Nun, ich daͤchte, Ganz ſchwarz waͤr' doch nicht meine Haut!— Verſuch' ich auch den Kranz?— Ich moͤchte—! 236 Nun, wenn man einmal ſich beſchaut,— Man wird ja drum nicht gleich getraut! Sie ſtürzt den Kaſten um, um Kranz und Bouquet her⸗ auszunehmen; es fällt von ihr unbemerkt, ein Papier mit heraus. Sie ſetzt den Kranz auf und beſieht ſich. Wenn man nun noch den Strauß anbraͤchte, Lachend. So glich ich warlich einer Braut! Steckt das Bouquet an. Braut— 2—— Von nun an mit erwachendem und immer zunehmendem Gefühle des jungfräulichen Alters. Himmell jetzt erſt denk' ich wieder— Was ſagte vorhin der Vetter mir? Was engt ſo ploͤtzlich mir das Mieder? Den Blick zu Boden. Was liegt denn da fuͤr ein Papier? Hebt es auf. Das ſind der guten Mutter Zuͤge, Und— o, daß nicht die Ahnung truͤge!— Ich finde wohl Entraͤthslung hier! Sie lieſt. „An meine liebe Albertine, falls ich vor ihrer— ſie ſtockt— Verheirathung mit Tode abgehen ſollte.“ „Wenn ich dir bei Lebzeiten nicht alle Vergnuͤ⸗ gungen der Maͤdchen deines Alters geſtattete, 237 ſo magſt du das nicht als einen Beweis gerin⸗ 1 gerer Liebe anſehen.“ „Alles, was ich hierdurch eruͤbrigt, habe ich auf dieſe deine Ausſtattung gewendet. Die bei⸗ den Faͤſſer Federn gehoͤren zu den Indelten, die du in der Truhe mit findeſt. Die Gra⸗ naten— auch ſie ſind aͤcht— und den Ring habe ich ſeit deines Vaters Tode nicht wieder getragen. Moͤchteſt du dich bis ins ſpaͤte Alter. damit ſchmuͤcken, und zuweilen dabei denken Deiner dich treulichſt liebenden Mutter.“ Küßt das Blatt und hebt es mit gefalteten Händen empor. Verdien' ich's, Mutter? Kannſt du noch mich lieben, 1 Die dir die frohe Ueberraſchung nahm? Kann ich ins Antlitz ſehen dir vor Schaam? Wie konnt' ich dich— ſo ſchmerzlich dich betruͤ⸗ ſ ben?— Läßt ſich auf ein Knie nieder. Du, ſchon im Himmel, Vater! hab' Geduld, Und ſchenk' mir wieder meiner Mutter Huld! Es wird an die Thür gepocht. Sie ſpringt erſchrocken auf. Achter Auftritt. Tinchen. Wilhelm. Wilhelm, noch von außen. „Holla! holla! thu' auf mein Kind! Schlaͤfſt, Liebchen, oder wachſt du?“ Tinchen arngſtlich. Gleich! gleich!— Mein Gott! was ſoll ich 4 machen? Geſchwind hinein die ſchoͤnen Sachen! Packt die Geräthſchaften ſchnell wieder in die Truhe. Wilhelm ſtaͤrker pochend. „Wie biſt noch gegen mich geſinnt? Und weineſt oder lachſt du?“ Tinchen. Gleich! gleich! Ich komm' ſchon—! Sie wirft den Truhendeckel zu und öffnet die Thür, hat aber vergeſſen, daß ſie noch mit dem Kranze, Halsbande und Strauße geſchmückt iſt. Wilhelm, eine Bürſte in der Hand, tritt ein. Nun, da kehre! Das Schlimmſte iſt ſchon abgeſtaubt. 1 239 Tinchen iſt ſchnell hinter ihn getreten, um ihn abzubürſten. Sie iſt ſehr beklommen und benimmt ſich mit jungfräulicher Zurück⸗ — gezogenheit. Sey mir nicht boͤſe! Wilhelm munter. O viel Ehre! Tinchen.„ 2* Der Scherz war doch faſt unerlaubt. 's iſt alles rein! Vor ſich. 3 Soll ich es wagen? Entdeck' ich ihm— 7 Hat die Bürſte weggelegt, ſo daß er ſie mit dem Kranze nun erſt völlig ins Auge faßt. Wilhelm. Engel! du weißt es ſchon— 7 Will ſie umarmen. Tinchen ſich ihm entziehend und traurig. Ach wohl! Wilhelm. Und das in ſo bangem Ton'? Komm, liebes Tinchen! laß dir ſagen: Ich ſuchte nicht nach der Buͤrſte ſo lang, Haͤtte wohl auch die Federkrauſe ertragen; Doch Neugier iſt ein gewalt'ger Drang— Will ihre Hand faſſen. 4 240 Tinchen zuräcktretend. Ach wohl! ach wohl! Mir iſt ſo bang— Wilhelm. Warum? Ich hoͤrte die Mutter zwar ſprechen, Du waͤrſt faſt Kind noch, viel zu jung; Herr Bruckmann aber— Tinchen. Mein Verbrechen Stuͤrzt mich faſt in Verzweifelung! Wilhelm. Verbrechen— 2 Tinchen. Hilf mir die Mutter bitten, Daß ſie nur dießmal mir verzeiht; Bin ich auch jetzt zu weit geſchritten, Ich thu's nicht wieder in Ewigkeit! Wilhelm. Darauf moͤcht' ich mich ſelbſt verlaſſen, So lang mir der Himmel das Leben ſchenkt— Tinchen. Auch du biſt boͤſe? wirſt mich haſſen, Weil ich ſo ſchwer die Mutter gekraͤnkt? Wilhelm. Die Mutter, Tinchen?— Laß die Sorgen; Denn ſo viel konnt' ich doch erhorchen, Herr Bruckmann ſchießt bald Victoria— 241 Tinchen. Was kuͤmmert mich der? Wilhelm. Ich ſollte meinen— Tinchen. Doch wie ſoll ich vor der Mutter erſcheinen, Der ich ſonſt rein ins Auge ſah?— So ungehorſam, ſo unbeſonnen! Sie kann's nicht verzeihen— Wilhelm. Sie iſt ſchon gewonnen; Sie iſt ſchon im Ruͤckzug'!— ich ſagte dir's ja! Tinchen, ganz erſtaunt. Was heißt das? Wilhelm. Sag' mir, ſuͤßes Leben! Was dir im lieben Koͤpfchen ſpuckt? Tinchen. Sie wird mir's nimmer, nimmer vergeben, Daß ich in die— Heiraths⸗Truhe geguckt—! 3 Wilhelm. Das alſo— 7 3 Tinchen. Ja! Wie kannſt du fragen? Wie biſt du? Theaterſchr. III. 16 Wilhelm. Nun, das laͤßt ſich tragen; Dem ſann ich freilich jetzt nicht nach, Weil ich von was viel Wicht'germ ſprach— Tinchen. Wovon denn? Wilhelm. Nun, von unſerm Gluͤcke, Daß ich dich immer, immer geliebt; Daß dich— o ſenke nicht die Blicke!— Die Mutter mir zum Weibe giebt! Tin ch en, halb erſchrocken mit gefalteten Pünden zurücktretend⸗ Was ſagſt du— 2 188 Wilhelm. Ich komme freudig zuruͤcke Und finde dich, Holde! ſo reizend, ſo ganz r Als Braut geſchmuͤckt— mit Strauß und Kranz’— Führt ſie vor den Spiegel. 1 Tinchen zuruͤckfahrend. O Himmel! Will Kranz, Strauß und Gonnatenſchnuren ichnell eintynge Wilhelm ihr es wehrend. 16 Tinchen! warum ſo erſchrocken? O laß die Schnuren, laß in den Locken Die gruͤne Mirte— Tinchen immer angſtlicher. Nein! ich muß— Wilhelm. Und gieb mir den Verlobungskuß! Tinchen, ſich ſtraͤubend. O nicht doch—! Wilhelm. Koͤnnteſt du mich haſſen? Mich ſo betruͤben— 2 Tinchen beklommen und leiſe. Haſſen—? Nein! Gott hat mir keinen Bruder gelaſſen; Du ſchienſt es immer mir zu ſeyn— Wilhelm. Doch ſpielt' ich mit euch Maͤdchenſpiele, Wer war dann Braͤut'gam, wer die Braut? Tinchen. SAE aM Ia damals!— Wilhelm. Jener Zeit Gefuͤhle, Die leis nur riefen, wurden laut, Die holde Ahnung ward Verlangen! Ich kann nun nimmer gluͤcklich feyn, Stimmt dieſe Glut auf deinen Wangen Nicht mit in meine Wuͤnſche ein— 243 ———— 244 Tinchen. Was willſt du, Wilhelm? Wilhelm. Werde mein! Mein Weib! Tinchen. O ſchweig! Dieß innre Bangen— Wilhelm, ſie an ſich ziehend. O laß mich ewig dich umfangen, Geliebtes Maͤdchen! Tinchen. Wilhelm— dein! Sie legt den Kopf auf ſeine Achſel und er küßt ſie. — Neunter Auftritt. Tinchen. Wilhelm. Sabine. Bald darauf 3 Bruckmann. Sabine in der Anhängetaſche ſuchend und eilig eintretend, bleibt erſtaunt in der Thür ſtehen. Leiſe: Was ſeh' ich?— was hilft Schloß und Riegel? Sie kuͤſſen ſich— gar vor dem Spiegel! Ja, der verwuͤnſchte Schluͤſſel ſteckt— Schleicht ſich näher und bleibt mit ausgebreiteten Händen hinter ihnen ſtehen. Bruckmann, indem er ſich durch die Thür windet, laut: Haͤhaͤ! Frau Mutter! wie es ſcheinet— Tinchen und Wilhelm drehen ſich ſchnell um und ſtehen in größerer und minderer Beſtürzung vor Sabinen. Das haͤtten Sie wohl nicht gemeinet?— Wird Niemand hier zu ſehr erſchreckt: Wir duͤrfen nicht zum Bader ſchicken, Daß er dem Kind' eine Ader ſchlaͤgt— V Wilhelm, zu Sabinen. 1 O leſen Sie in meinen Blicken Den Dank— Tinchen. 6 Ich bin ſo tief bewegt, Bin ſo beſtuͤrmt von Schaam und Reue— Nicht wahr, Du biſt nicht boͤſe mehr? O blicke freundlich nach mir her, Wenn ich gleich deine Muttertreue— 1 2 Sabine umarmt ſie. Wilhelm, heiter zu Bruckmann. Verzeih'n auch Sie— Bruckmann. Was will denn Er? Wilhelm. Daß ich das Complimentirbuch ins Freie Ein wenig zu zeitig uͤberſetzt— 246 Bruckmann. Recht gut, kam Er zum Zweck!— Und jetzt Kann Er's ganz nach Belieben halten Und dann— wie's der Pantoffel will! Sabine, Tinchen die Augen abtrocknend. Du fehlteſt ſchwer an deiner alten, So treuen Mutter— aber ſtill! Biſt ja nun Braut! was will ich machen? Mit mütterlichem Entzücken. Ach Gott! wie hübſch nimmt ſich der Strauß, Wie allerliebſt das Kraͤnzchen aus!— Tinchen und Wilhelm haſtig an die Truhe führend. Gefall'n Euch denn die ſchoͤnen Sachen?— 's liegt auch ein Taufzeug ſchon dabei!— Seyd gluͤcklich!— Schlaf' ich laͤngſt in Ruhe, Und Ihr— holt Etwas aus der Truhe, Dann denkt auch meiner Lieb' und Treu! Sie umarmen ſich. Bruckmann, dem Wilhelm die Hand reicht, blickt behaglich und nicht ohne Rührung auf die Gruppe, und der Vorhang fällt. Hn as e l Die Barden⸗ Eiche. V Eine Gedaͤchtniß⸗Feier. 1 8& 1 4.—’ Prol og. Säulenhalle, durch deren offene Bögen man im Hin⸗ tergrunde das Königl. Schloß, nur erſt von Morgendäm⸗ merung beleuchtet, wahrnimmt. Im Vorgrunde eine hohe Waffenſäule, auf deren Spitze die Fahnen aller deutſchen Völkerſchaften, durch Lorber⸗ und Eichenzweige verbunden, hervorragen. Auf den Stufen der Säule ſitzt Boruſſia's Schutzgeiſt, eine Minerva⸗Geſtalt, mit ſilbernem Bruſt⸗ harniſch, auf dem Helme ſchwarze und weiße Federn, auf der Aegide den Preußiſchen Adler. Sie lehnt nach völligem Schluß der Ouvertüre Lanze und Schild an den Säulen⸗ fuß, und tritt mit Erhabenheit vor. Euch, edle Soͤhn' und Sue meines Boless, Und aller Voͤlker, die zum Bruderbund Ein Nam', Ein Sinn und Eine Sprache ruft, Gilt jetzt mein Wort. Die deutſche Muſe bringt Heut' oͤffentlich ein Todtenopfer dar, Zu loͤſen eine heil'ge, theure Pflicht. So ziemt es ihr. Wer ſich nach Hermann nennt, Dem ſchlaͤgt in treuer Bruſt ein dankbar Herz! So ziemt auch mir es; denn war ich's nicht ſelbſt, Die, als ſich Deutſchlands letzt Geſchick genaht,*) Thuiskons Jugend zu den Schwertern rief, Aufpflanzend dieſen Adler als Panier. Der Rettungs⸗Hoffnung?— Kaum erſcholl mein Ruf, — Da klang mir Antwort aus den fernſten Gauen, Bis wo der deutſchen Zunge Laut verſtummt, Und kampfbereit, mit hohem Siegsvertrauen, Begruͤßte jubelnd tapfrer Soͤhne Schaar 4 V Der langen Sehnſucht Graͤnzſtein, meinen Aar.*) Der Kuͤnſtlerruh', der Muſen Dienſt entriſſen Und dem Gewerb, dem Pflug, dem heil'gen Heerd, Dem Arm der Braut, der grauen Aeltern Kuͤſſen— Des Schwerts nicht kundig— griff ſie nach dem Schwert; Von eignem Gluͤcksſtand wollte keiner wiſſen, Fuͤr Deutſchland kaͤmpfen, galt als einz'ger Werth; Und jedem Tapfern von Thuiskons Stamme Galt Preußens Aar als heil'ge Oriflamme! Nicht ſpricht mein Mund zu ungerechtem Preis; Noch mißkenn' ich der Helden hohe Kraft, Die in der ehrnen Ruͤſtung ſchier ergraut, Die, von der Veteranen Aug' gepruͤft, Den Sieg umfaßt wie einen alten Freund; Noch neiden ſie, die langbewaͤhrten Ruhm, Den grauen Wappenſchild des Preußenheers, Mit eignem und mit Feindsblut aufgefriſcht, Die Kraͤnze, juͤng'rer Bruͤder Muth geweiht; Doch, wo Gerechtigkeit die Wage haͤlt, Da haſt du, was du wollteſt, auch vollbracht, Und gleich der That wiegt die Begeiſterung! Und dieſer reine, heil'ge Goͤtterſtrahl, War er es nicht, der Jener Herz ergriff, 251 Und nun von Herz zu Herzen fortgepflanzt, Dem Funken gleich, der auf geheimen Pfad Zum Schoos der donnerſchwangern Mine glimmt, Die Glut entflammt, die unſer Joch zerſchellt? Geſondert von der Menge ſteht das Heer, Der Staat nicht iſt es, Mauer iſt's und Wall; Doch wenn der Staat, das Volk zum Heere wird, Dann ſchwillt der Strom zum wild'ſten Meer⸗ ſturm an, Die Flamme gaͤhrt und lodert als Vulkan! So zeigt' es Deutſchland; aus dem Driedens⸗ haus Zog Mann und Bruder, Sohn und Vater aus; Nur eine Loſung gab es: Sieg und Ehre! Zum Schwerte kruͤmmte ſich des Pfluͤgers Schar, Der Huͤtte Heerd ward Vaterlands⸗Altar; In des verwaiſten Hauſes banger Leere War jedes Herz zu Rath und That entbrannt, War jeder Blick zum Lager hingewandt. Ganz Deutſchland war vereint im deutſchen Heere! Drum nannt' ich's eine heil'ge theure Pflicht, Wenn Euch die Muſe jetzt ein Denkmal zeigt, Fuͤr Einen, der im großen Kampf gefallen; In Einem ehrt ſie das Verdienſt von Allen; Nicht, weil ſie uͤber Andre ihn erhob— Wer zaͤhlt der edlen Todten tapfre Schaar, Wer nennt der Heldenſoͤhne Namen all'’, Die wohl ihm gleich, die ihm wohl vorgethan? „Die Marwit, Dohna, Croſigk, Harden⸗ b erg, Der Roͤder bruͤderliches Drei⸗Geſtirn, 3) Von ew'gem Glanz, gleich Roms Horatiern?— Nein! weil der Kampfgenoſſen Bruͤdertreu Ein kennbar Grab dem kuͤhnen Freund erhoͤht, Der Kriegesmuth mit Liedesglut verband. Wie in der Vorzeit ruhmerfuͤllten Tagen Den Tod der Ehre mancher Tapfre fand, Doch nur um ihn, deß ſchwertgerechte Hand Im Fruͤhlingshain der Saiten Gold geſchlagen, Nur um den Saͤnger Kleiſt die Muſen klagen, So ſei zum Saͤnger auch der Blick gewandt; Doch zu den Huͤgeln Aller, die fuͤrs Recht ge⸗ fallen, Wird Deutſchland ſtets mit frommer Ruͤhrung wallen. Ja, du mein Volk! wirſt ihrer nie vergeſſen, Ja, du mein Deutſchland! ehrſt der Tapfern Maal. Bedarf ihr Grab vergaͤnglicher Cypreſſen? Die Bruſt des Deutſchen iſt ein Heeroldsſaal; Mit jedem Feind kann Hermanns Stamm ſich meſſen, Groß iſt ſein Herz und maͤchtig iſt ſein Stahl!— O mein Boruſſia!— Dein Gluͤck iſt feſt ge⸗ gruͤndet— Der Proſpect um die Waffenſäule wird plötzlich von der aufgehenden Sonne erhellt. Dort winkt die Sonne, die dein Heil verkuͤndet! Barden⸗Eiche. e Perſonen. — Ein Greis. Ein Fuͤhrer. Erſter Krieger. Zweiter Krieger. Dritter Krieger. Ein Schanzgraͤber. Chor der Krieger. Eine Stimme. Ueberirdiſches Chor.. Krieger, Fackeltraͤger, Spielleute Zimmerer. und Dunkler Abend. Der Himmel iſt ganz mit Wolken über⸗ laufen. Unter einer alten Eiche ein friſch aufgeworfenes Grab. Ein verhüllter Greis lehnt am Stamm der Eiche. Todtenmarſch hinter der Scene. Dann nüähert ſich bei Fackelſchein und mit Geſang ein Commando Lützower. Hierauf ein Sarg mit kriegeriſchen Ehrenzeichen und viel⸗ fachen Kränzen. Hinterdrein, Paar und Paar, Krieger von verſchiedenen Schaaren und Waffengattungen. Chor der Krieger. „Gott, dir ergeb' ich mich! Wenn mich die Donner des Todes begruͤßen, Wenn meine Adern geoͤffnet fließen, Dir, mein Gott, dir ergeb' ich mich! Vater, ich rufe dich!“ ⁴) Der Greis. Sieht, Maͤnner! Gebt Bericht, weß iſt der Staub⸗ Den ihr bei naͤchtlich ſchaurigem Geſang Zuruͤck geleitet in der Mutter Arm!: Mir theuer iſt der Eiche Schattenraum; Erkohren hat mich eine Heldenſchaar, Dieß Grab zu huͤthen fuͤr ein tapfres Herz, Wie wenig ſchlagen in der Juͤnglings⸗Bruſt— Ein Fuͤhrer.) Sagt, wer beſchied ihn zu des Grabes Wacht? 4 Erſter Krieger. Wir nicht! Zweiter Krieger. Noch wir! Dritter Krieger. Entweich, du Geiſt der Gruft! Fuͤhrer. 12 Das Alter ehrt!— Halt! Setzt die Bahre ab!— Wer du auch ſeiſt, deß Wort zermalmend faſt Durch's Dunkel hallt: wohl ſchlug ein tapfres Herz In des geliebten Waffenbruders Bruſt! Siehſt du den Eichkranz auf des Sarges Haupt? Wem dieſer ward, iſt freier Erde werth! Greis. Doch wehr' ich euch den Eingang in das Grab. Auch ich lebt' einſt nicht ruhmlos meinen Tag; Doch was ich ſah, als ich das Schwert noch ſchwang, Was ewig lebt in Schlacht⸗ und Siegs⸗ Geſang, Hat wunderbar die Zeit zuruͤckgebracht; Die Vorwelt lebt, die Vaͤter ſind erwacht. Wohl Mancher ward des Laubs der Eiche werth, Doch der, deß hier die Mutter Erde harrt, War groͤßer— Fuͤhrer. Ja, er war's.— Du ernſter Greis, Erwecke nicht den Zorn der Bruͤderſchaar!— Kennſt du den Juͤngling hier im Leichentuch? Dem edlen Fluͤgelroß der Fabel gleich, Das nicht den Erdball ſeine Heimath glaubt, Strebt er nach hoͤhern Lichtgefilden auf. 257 Sprecht, Freunde! daß aus mehr'rer Zeugen Mund Die Wahrheit ſchoͤpfe dieſer Rhadamanth! Erſter Krieger. Ihn birgt der Sarg, der zu des Ruhmes Hallen Sich in des Lebens Fruͤhlingsſchimmer ſchwang, Vor allen Juͤnglingen der Zeit, vor allen, War ihm verliehen Wohllaut und Geſang. Was Herrliches der Goͤtter Hand entfallen, Ward reizender durch ſeiner Saiten Klang; Verklaͤrter noch in wundervollen Toͤnen Schien Luſt und Scherz und die Magie desSchoͤnen. Zweiter Krieger. Doch kaum, daß, wachſend gleich dem Ungeheuer Lernaͤa's, der Verderber uns bedroht, Da gluͤht' er auf in heil'gen Zornes Feuer Und prieß beneidend Zrinys großen Tod; Da ſtuͤrmt' er maͤchtig in Alcaͤus Leier, 5) Und deutete der Flammenzeichen Roth, Und fern und nah, ſo weit die Toͤne hallten, Erblitzten Waffen und Paniere wallten. Greis. Nicht mir verborgen iſt der Saiten Macht. Die alten Barden, glaub' es, junger Mann, Sie waren auch nicht muͤßig, wenn es galt— Und wohl iſt's auch zu meinem Ohr gehallt, Wie, da die Aerndte reif war, Schlachtgeſang Durch Feld und Wald, aus Berg und Thal erklang. Traun! ihrer Ahnen ſind die Saͤnger werth! Theaterſchr. III. 17 258 Doch der, deß hier die Mutter Erde harrt, War herrlicher! Es weckt das Flammenwort Aus Saͤnger⸗Bruſt zwar auf der Maͤnner Schwert, Doch iſt's kein Schwert, und Schwerter will die Schlacht. Fuͤhrer. Das kannt' auch er, der Schlaͤfer hier im Sarg— Dritter Krieger, ſich näher drängend. Und flog in Dampf und Feuer Voran voll Kampfesluſt; Es kreuzte Schwert und Leier Sich auf der Tapfern Bruſt. Wie jene Seraphinen, Die fromm mit Harfenton Dem Herrn des Himmels dienen, Wenn Hoͤllenmaͤchte droh'n, Mit leuchtend hellem Speere, Mit Flammenſchwertes Macht, Des Abgrunds freche Heere Zerſtreuen in ew'ge Nacht; Mit eines Cherubs Mienen, Und doch ſo hold und mild, So iſt er uns erſchienen, So lebt in uns ſein Bild! Greis. Wer Großes wuͤrdig ſingt, iſt Ruhmeswerth; Noch hoͤheres, wer Liedes⸗Thaten uͤbt; 4 259 Doch wehr' ich euch den Eingang in das Grab. Erhob fuͤr Freiheit, fuͤr den heil'gen Heerd Nicht Greis und Juͤngling rachentgluͤht das Schwert? Zog nicht entbrannt zu fahrvoll hartem Straus Der deutſche Knabe mit dem Vater aus? Doch jedem ward die dritte Weihe nicht.— Fuͤhrer. Der Phoͤnix ſtuͤrzt ſich ahnend in die Glut, Sucht Tod— und findet ihn!— du ernſter Greis, 1 Sieh unſern Todten, ſieh ſein rothes Blut! Er ſang, er ſtritt, er ſtarb fuͤrs Vater⸗ land! Er wirft die Decke des Sarges zurück. Einige Fackelträger treten näher. Mehrere Krieger umringen den Garg und beugen ſich darüber hin. Greis. So bergt den Edlen hier zu edlem Staub, Und— gebt ein Schwert dem Tapfern mit hinab, Daß einſt, wenn jemals Schmach und Sklavenjoch Den Gauen meines Deutſchlands wieder droht, Das Schwert ein Pfluͤger ackre aus dem Feld, Und wiſſe, was die Ahnen einſt gethan— Doch nicht ſein Schwert— kein Schwert gelt' euch zu viel, Deß Spitz' und Schaͤrfe noch zum Kampfe taugt, Bis das entwendete Palladium, Bis jene Roſſe vor des Kriegsgotts Wagen, 6) Aufs neu erhoͤht, auf alter Staͤtte ragen!— 260— Ein andres wird ſich finden, auch erprobt, Ein gutes Schwert, das auch ein Barde ſchwang— Ein Schanzgraͤber zu dem Führer. Ja, Herr! im Zwielicht gruben wir dieß Grab Und trafen tief verſunken Stein bei Stein, Und hofften ſchier auf einen reichen Schatz. Doch fanden wir nur dieſes Eiſenſchwert, Gewichtig, ſtark, doch faſt vom Roſt zernagt— Der Greis neigt langſam und bedeutend das Haupt, weicht einen Schritt zurück und ſteht dann unbeweglich. Fuͤhrer. Das iſt doch wunderbar.— Gehorcht dem Greis! Man legt das Schwert in den Sarg. Während dieſer hinabgelaſſen und mit Erde bedeckt wird. Chor. „Gott weckte uns mit Siegerluſt Fuͤr die gerechte Sache. 2 Erſte Salve. Er rief es ſelbſt in unſre Bruſt, Auf, deutſches Volk, erwache! Zweite Salve. Und fuͤhrt uns, waͤr’s auch durch den Tod, Zu— Freiheit Morgenroth. Dritte Salve. Dem Herm allein die Ehre!“ 261 Fuͤhrer. Jetzt haut des Todten Namen in den Stamm, Daß auch der Enkel unſers Freundes Grab, Die Barden⸗Eiche kennt— ihr Zimmrer, vor! Zimmerer treten herzu. Die Fackeln ſind größtentheils her⸗ unter gebrannt und verlöſcht. Der Mond tritt hinter einer Donnerwolke hervor und beleuchtet die Eiche. Man erblickt den eingehauenen Namen in grünem Feuer. Der Greis iſt verſchwunden. Erſter Krieger. Seht! ſeht! 3 6 Fuͤhrer. Wo iſt der Alte? Zweiter Krieger. Er zerrann In Luft, ſo wie des Mondes Licht erſchien. 7 Dritter Krieger. Ich ſah's, da er verſchwand; ſein grauer Bart Floß ſilberhell zur breiten Bruſt herab, Und ſein Geſicht umfloß ein milder Glanz. Zweiter Krieger. Um ſeinen Scheitel ſchlang ein Eichkranz ſich Und eine Harfe droͤhnt' in ſeiner Hand. Erſter Krieger. Seht, wie der Stamm erbebt! Die Zweige faßt Ein Sturm, und nirgends regt ſich ſonſt die Luft. Stimme aus der Eiche. Zwei Barden deckt nun dieſer Eiche Laub! Zweiter Krieger. Hoͤrt! hoͤrt! der Boden ſpricht! Dritter Krieger. Und in der Hoͤh Toͤnt Geiſterlaut, wie Aeolsharfen⸗Ton. Wunderbar liebliche Muſik. Alle Krieger maleriſch grup⸗ pirt, blicken in die Höhe und bleiben unverändert in derſelben Stellung. Eine Stimme von oben. Hoͤret auf, um mich zu klagen; Wißt, ein lichtes Kreuzpanier Gab der Herr der Sterne mir, Euch's im Streit voranzutragen. C hj or von oben. Es flammet, wie Sonnen, das heilige Zeichen, Der Himmel wird ſiegen, die Hoͤlle wird weichen! Ehre ſei Gott! Die Stimme. Streiter Gottes ſteigen nieder, Schwert und Lanze in der Hand, Blitz und Flammen ihr Gewand; Freudig, freudig, meine Bruͤder! Das Chor. Wir ſteh'n euch zur Seite im heiligen Kriege, Wir fuͤhren die irdiſchen Bruͤder zum Siege. Gloria! Gloria! Muſik und Geſang verhallt wie in die Ferne. Fuͤhrer. Vernahmt ihr, was der Chor der Engel ſang? Er wirft ſich zur Erde und erhebt betend, ſein Schwert gen Himmel. Alle knieen um ihn in weitem Kreiſe. Mit tiefer B Inbrunſt. So fuͤhr' uns, Herr, und waͤr's auch durch den Tod, Zum Sieg des Rechts, zum Freiheitsmorgenroth! Ein lang anhaltender Donner. Darauf Schießen im Hin⸗ tergrunde, Trompeten und Hörner⸗Ruf. Er ſpringt auf und ruft feurig: Hurrah! die Schwerter raus! Mit uns iſt Gott! . Alle, wildfreudig einfallend, mit gezogenem Schwert und gefälltem Bajonet fortſtürzend. „Der Hochzeitmorgen graut! Hurrah, die Eiſenbraut! Hurrah!“ Anmerkungen. 1) Hier, wie hie und da im Verfolg des Ganzen, abſichtliche Andeutung auf Schillers„Jungfrau von Orleans.“ 2)„Der Preußiſche Graͤnz⸗Adler“ in Kö rners „Leier und Schwert.“ S. 404. 3) Namen Einiger von ſo Vielen, die den Hel⸗ dentod fuͤrs Vaterland ſtarben. 4) Die mit„bezeichneten Choͤre ſaͤmmtlich aus Koͤrners„Leier und Schwert.“ 5)„Friſch auf, mein Volk! die Flammenzeichen rauchen!“ ohne Zweifel nach einer Stelle in Schil⸗ lers Wilhelm Tell. Koͤrner, ebendaſelbſt S. 87. 6) Die Victoria mit dem Viergeſpann auf dem Brandenburger Thorre. IV. Das Luſtſpiel auf der Treppe. In einem Aufzuge. 1810. Perſonſen. Landrath von Klenke. Leonore, ſeine Tochter. Hannchen, ihr Kammermoͤdchen. Die Gouvernante. Fraͤulein von Ruͤbezahl. Doctor Mieſel. Lieutenant von Braun. Lebrecht, ein Schlöſſergeſell. Elias, der Hausmann. Ein Aufwaͤrter und andere Nebenperſonen. Scene: Das unterhaus eines herrſchaftlichen Hau⸗ ſes. Auf der Seite die Hausthür mit einigen Stufen, Eine große gebrochene Treppe mit eiſernem Geländer und einem Ruheplatz in der Mitte. Oben die Vorhausthür des erſten Geſtocks. Seitwärts des Ruheplatzes, etwas im Schatten, ein Verſchlag mit einer Gatterthür, Uunter der Treppe einige große Fäſſer. x — Erſter Auftritt. Abenddämmerung und bald völlige Dunkelheit. Lebrecht ſtolpert zur Hausthür herein und perliert dabei einen großen, in Papier geſchlagenen Straus. Lebrecht. Hop! hop! Was war denn das? Der Einzug, der war ſchlecht; Faſt waͤr' ich rein geplumpt; ich bin hier doch G wohl recht?— Die Mauͤdchen koͤnnten auch das Abziehn laſſen bleiben; Man hat ſich ohnedieß genug herum zu treiben, Wenn man was Liebes hat. ſich umſehend. Es iſt ein vornehm Haus; Da muß ich wachſam ſeyn 1— Wo iſt denn nun mein Straus? er kriecht auf der Erde herum und ſucht. Nun, rede doch ein Wort! laß mich nicht ewig kriechen! indem er ihn findet. Das nenn' ich ein Bouquet, man kann's von weitem riechen, Kann man ſie ſchon nicht ſehn, man wittert doch die Pracht. 268— Wenn Hannchen heute nicht das Herz im Leibe lacht, Wenn ſie nicht zaͤrtlich thut, ſo— iſt ſie uͤber⸗ wieſen, 1 So iſt ſie mir nicht treu, und ich— muß mich erſchießen. Nun, noch iſt's nicht ſo ſchlimm. Wenn ſie nur kommen thaͤt! Man ſieht ja keinen Stich, gewiß es iſt ſchon ſpaͤt. Die Treppe iſt recht ſchoͤn; ich will hinauf mich ſchleichen 3. Um, tritt ſie aus der Thuͤr, ihr gleich den Straus zu reichen. Zweiter Auftritt. Lebrecht tappt die Treppe hinan und iſt ungefähr bis auf den Abſatz. Elias mit Schurzfelle Leiter und Laterne, kommt bei den Fäſſern hervor und ſteigt langſam die Treppe hinan. Elias, einen Pfeifenſtummel im Munde. Hm!'s iſt recht ſchummericht— Lebrecht, vor ſich. 1 Was Geier will denn der! Wohin verſteck' ich mich? 269 Elias. Man daͤcht' es nimmermehr, Wie bald es dunkel wird. 8 Lebrecht vor ſich. Hier ſteht ein Hedn offen. Elias. Und doch, verſieht man was, gleich heißts, man iſt beſoffen. Beſoffen, immerhin! ei was? ˙s iſt ja ſchon gut! Kann man denn vor den Durſt? Lebrecht macht leiſe die Gatterthür auf. Friſch, Lebrecht, faſſe Muth! Elias. Das Bier, der Brantewein giebt ja dem Menſchen Kraͤfte, Und um ſo froͤhlicher betreibt man ſein Geſchaͤfte. Es war noch heller Tag, als ich ſchan Sfhl eingoß Lebrecht, vor ſich. Getroſt! ich wag' es dreiſt! Die Thuͤr hat ja 3 kein Schloß! ſchleicht in den Verſchlag und macht die Gatterthür hinter ſich zu. Elias. Iſt denn der Hausmann ſchuld, daß Tag und Nacht ſich ſcheiden? 270 Doch will der gnaͤd'ge Herr die Finſterniß nicht autaniten leiden— er iſt indeſſen bis auf den Ruheplatz gekommen, ſteigt auf die Leiter und zündet die Treppenlampe an. Nu, nu,'s iſt ja ſchon gut! Da brennt's ja lichterloh! Herr Landrath, hab' ich heut auch Heckerling und Stroh— Im Kopf? nimmt die Leiter und will wie der gehen. Wie iſt mir denn? Da haͤngt ja gar die Kettel! Wo hab' ich denn das Schloß?— Ei, du ver⸗ wuͤnſchter Bettel, Sei wo du willſt! Was da? nu, macht's auch keinen Staat, er nimmt ein Beil und Holz aus dem Schurzfell, hackt einen Pflock und ſteckt ihn vor die Gatterthür. Fuͤr Alles in der Welt giebt's jetzt ein Surrogat. mit der Leiter die Treppe hinauf. 4 Dritter Auftritt. Lebrecht im Verſchlage. Lieutenant Brand, im Mantel, zur Hausthür herein. Lebrecht, an der Gatterthür rüttelnd. Verwuͤnſchter alter Kerl mit deiner Kupfernaſe, O waͤrſt du laͤngſt erſtickt an deinem erſten Glaſe! 271 Hier ſteck' ich, wie ein Fuchs— recht meiner Kunſt zum Trotz, Haͤlt mich kein kuͤnſtlich Schloß; nein, nur von Holz ein Klotz.— Und laſſe mich zum Spott der Meiſter und Ge⸗ ſellen Von einem Saͤgebock, von einem Pfuſcher prellen. Hier ſteck' ich wie ein Dieb, und wag' es nicht zu ſchrein— Er glettert in die Höhe, daß er mit dem Koöpfe über das Gatiere ſehen kann. Gr aun, durch das Haus und die Treppe hinan ſchleichend. Nun endlich winkt das Gluͤck, mein Blondchen iſt allein! Der Landrath iſt zum Whiſt, die alte Gouvernante Ward gluͤcklich noch beſchwatzt, und ging allein zur Tante. Auf war ja das Rouleaux— der Telegraph taͤuſcht nicht!— Und— einer Muͤcke gleich, flattr' ich nach mei⸗ nem Licht. Zu ſpaͤt iſts ohnedieß, die Fluͤgel zu verbrennen; Die Lbvaunten lange ſchon— Lebrecht vor ſich. Verwuͤnſcht, den ſollt' ich kennen! Ja, ja, ich irre nicht; ſo nobel er auch geht, Es iſt der Schneider Mock, der mit Gevatter ſteht; 272 Und ich, ich kaufe noch, ſie dem recht zu ſtaffiren, Den ſchoͤnen, theuren Straus— Braun. Auch glaubt ſie meinen Schwuͤren— Lebrecht oor ſich. Sie glaubt? Braun. Ja, ſie iſt mein! Lebrecht vor ſich. Wer haͤtte das gedacht! O Schlange, Schlange du! Nun, Leben, gute Nacht! Braun iſt indeſſen bis zu dem Abſatz gelangt. Lebrecht zieht den Kopf zurück. 3 Vierter Auftritt. Braun. Lebrecht im Verſchlage. Die Vorhausthür oben geht auf, und man ſieht Hannchen, mit einem Doppelleuch⸗ ter vorleuchtend, Fräulein Rübezahl und Doctor Mieſel(die ſich anpacken), mit einem alten Bedien⸗ ton in altmodiſcher Galalivrei, der eine große Laterne und einen Mops trägt, heraustreten. Im Vorſaal ſtehen Leo⸗ nore und die Gouvernante. Fraͤulein. Es hat mich recht geſchmerzt, den Landrath nich zu finden— 8 273 Doctor. Doch wuͤrden Sie gewiß uns Beide ſehr verbinden, Wenn Sie von unſerm Gluͤck— Fraͤulein, zu dem Bedienten. Packt doch Mimi huͤbſch ein, Ihr alter Unbeſorgt; ſeid ihr von Stock und Stein? zu Leonoren und der Gouvernante. Wir kommen morgen noch, und zwar im Gala⸗ wagen, Die frohe Neuigkeit dem Vetter ſelbſt zu ſagen. Braun, der lange gehorcht hat, vor ſich. Was iſt das fuͤr ein Laͤrm? Fräu lein. Empfiehl uns tauſendmal! Adieu, Adieu, mein Kind! 2½ Braun vor ſcch. Die Tante Ruͤbezahl! Die fuͤhrt der Scwts hex. 8 4 Docto r. Viel tauſend omplimente! Braun. Ihr Herr Curator auch! ſchleicht ſich die Treppe hinunter und verbirgt ſich hinter den Fäſſern. cheaterſchr. III. 18 274 Fraͤulein, ſchon auf der Treppe zum Doctor, der noch zurück iſt. Nun, machen Sie ein Ende! Es iſt ja noch ein Kind, und wo bleibt der Reſpect, Wenn mein Herr Braͤutigam die Hand des Nichtchens leckt? Doctor, 5 ihr den Arm bietend. Erlauben Sie! Fraͤulein. Schon gut!— Den Landrath moͤcht' ich ſehen, Der platzt vor Aergerniß!— Doctor. So7 Fraͤulein. Nun, ich muß geſtehen, Ein ſo enormes Gluͤck faͤllt wohl ein wenig auf; Doch bleibt mir's immer frei, mit dem Geradekauf, Was mir heliebt, zu thun— Doctor. Das wird ſich Alles geben, Wenn wir im Eheſtand wie ein paar Taͤubchen leben! Doch gilt mir alles gleich, hab' ich nur Herz und Hand— er ſtolpert. Piano! ho! — 273 Fraͤulein, ſcharf zu Hannchen. Mein Kind! wo hat ſie den Verſtand? Nur ſacht', wie ſichs gebuͤhrt— Doctor. Wir ſind ja auf der Treppe— Fraͤulein, boshaft. Ja, ja, Sie treten auch mir immer auf die Schleppe! Doctor. Verzeihung, Gnaͤdige! Fraͤulein„ wie vorhin. Das macht Ihr Podagra! Doctor. Sie ſtrafen mich zu hart— Fraͤulein. Sind Regenſchirme da? Doctor, einen aufſpannend und ihr darbietend. Zu dienen! Da ſie ſich umgewandt hat, giebt er Hannchen das Trink⸗ geld und kneipt ſie in die Backen. Leiſe: Da, mein Kind! Hannchen, eben ſo. Ich muß beinah mich ſchaͤmen— 276 Fraͤulein wendet ſich ſchnell um, und ertappt den Doctor, der ſchnell zurückfährt. Zum Doctor: O ſchoͤn! zu Hannchen: Nur nicht geziert! Ich gab's! Drum ſoll ſie's nehmen! mit dem Doctor und Bedienten ab. Fuͤnfter Auftritt. Braun hinter den Fäſſern. Hannchen an der Hausthür. Lebrecht im Verſchlag. Hannchen. Drei Kreuze hinterher! Fuͤr die iſt nichts zu viel; Die reitet zu Walpurg gewiß den Beſenſtiel, Und— iſt doch eine Braut! Mein Siy! das iſt zum Lachen! Da wird ſich unſer eins doch wohl ganz anders machen! Je nun, kommt Zeit, kommt Rath!— noch einmal aus der Hausthür ſehend. Iſt die antippe fort! Sie zankt mit ihrem Herrn an einer Traufe dort; Hier klebte ſie, wie Pech, und hing, wie eine Klette— . 27⁷ Braun, hervorgukend, vor ſich. Wer Geier iſt denn das? Hannchen. 4 Bei einem Haare haͤtte Sie den Beſuch geſtoͤrt— Braun, oor ſich. Das Laͤrvchen iſt recht fein! Das neue Maͤdchen wohl— Hannchen. Wo muß denn Lebrecht ſeyn? ſie leuchtet umher und huſtet. Hm! hm!— Braun huſtet auch. Hm! hm! Lebrecht oben, im Katzenton. Miau! Miau! 5 annchen, nach Braun leuchtend. Wer iſt denn da? Braun. Mein ſchoͤnes Kind! wohnt nicht— Hannchen oor ſich. Wie iſt mir denn? Ja, ja— 278 1 Braun. Magiſter Maiwurm hier? er ſchreibt den Regen⸗ . bogen— Hannchen oor ſich. Er ſchlich mir zweimal nach, ſeit ich hieher gezogen— Braun. Ein Tageblatt— Hannchen, laut. Nicht wahr, ein Mann in deutſchem Rock, Mit ſtrupp'gem rothen Bart? Der wohnt im ſechſten Stock! Sie werden da Trepp' auf ſich garſtig muͤſſen ſchmiegen, Doch, kommen Sie nur mit; ich leuchte mit Ver⸗ gnuͤgen. ſpringt ſchnell die Treppe voran. Braun. O allzu guͤtevoll! Doch, allerliebſtes Kind, Doch, wenn ich bitten darf— Sie laufen zu geſchwind! ſie ſind indeß auf den Abſatz der Treppe gekommen, und Hannchen bleibt ſtehen. Das Hochzeit⸗Carmen brauch' ich erſt in ein'gen Wochen; Doch haͤtt' ich laͤngſt ſchon gern mit Ihnen was geſprochen— 279 Lebrecht erhebt ſich leiſe über das Gatter und gukt vorſichtig dar⸗ 3 über heraus. Hannchen. Mit mir? Das glaub' ich kaum! Da waͤr ich wohl zu ſchlecht— Braun. So ſpricht die Anmuth ſelbſt?— Verſteh'n Sie mich nur recht— Hannchen. Ich bin zwar Maͤdchen hier— Braun. Wie ſchoͤn! Hannchen.. Doch dabei ehrlich! Braun. Natur! wer zweifelt dran? Doch waͤrs denn ſo gefaͤhrlich, Wenn ich ganz im Vertraun— nimmt ſehr artig ihre Hand. Hannchen.. Gewiß, ich werde roth! . Braun. So hoͤren Sie doch nur! Lebrecht, voor ſich. Was tauſend ſapperlot! 280 Braun. Wie? ſprach nicht jemand wo? Hannchen. Es muͤßten Geiſter ſcheuchen, Und dieſe— ¹ übers Geländer herabſehend, mit Bedeutung, weil ſie glaubt, Lebrecht ſey unten. thaͤten klug, bis man ſie rief, zu ſchweigen! Braun. Die Liebe fuͤhrt mich her— Sie kennen ſie doch aauch? Hannchen. Wie? ich? was denken Sie? Sie ſchlagen auf den Strauch; Ich bin noch viel zu jung— und ward gewarnt vor Klippen— Braun. Mit dieſem Schelmenaug', mit dieſen Purpur⸗ lippen— Lebrecht. O, ol es iſt mein Tod! er wirft in der Wuth einige Blumen nach Hannchen und verbirgt ſich dann wieder. Braun. Wie? was? was flog denn da! 281 Hannchen, verwundert die Blumen aufſuchend. Nein! ſehen Sie nur an! Levkoy, Hortenſia— Braun. So gar boͤs muͤſſen's doch nicht die Geſpenſter maeinen, Mit Blumen feuern ſie, mit Scherben nicht und Steinen! Hannchen hinunterſehend. Kam's denn von unten'rauf? Braun. Mir ſchien's, von oben her. H a nnchen. Nun, wiſſen moͤcht' ich's doch— Braun, neckend. Wer der Cupido waͤr, Der ſolch ein Felſenherz ſo ſchonungslos beſchoſſen? 4 Hannchen. Ei! es verdrießt mich faſt; gewiß geſchah's zum Poſſen— Braun. So kommen Sie geſchwind— legt den Arm um ſie und will ſie die Treppe hinaufziehen. Lebrecht. Ich halt's nicht laͤnger aus! 282 Braun. Dort ſpricht es im Verſchlag! Lebrecht ſoreiend. He! Hannchen, laß mich'raus! Mach' auf! geſchwind mach' auf! Braun. Verwuͤnſchtes Abenteuer! Komm, liebes Maͤdchen, komm— Lebrecht, laut. Mach' auf! Sonſt ſchrei' ich Feuer! Hannchen. Schweig, Lebrecht, oder— Lebrecht. Nein! Ich ſchreie Feuer! Nein! Braun. Er wird das ganze Haus uns noch zuſammen⸗ ſchrei'n! Lebrecht, immer am Gatter rüttelnd. Das will ich auch!—— Es brennt! Hannchen, die den Pflock nicht gleich herausbringen kann. So ſchweig doch, mir zu Liebe— Lebrecht, immer lauter. Nein!— Feu'r! 1 . Braun. So ſchrei' ich mit! Feu'r! Feuer! Diebe! Diebe! Sechſter Auftritt. Ein Aufwärter, in einer Hand einen andern ein Auſternbret, iſt ſchon Elias, Die Vorigen. Flaſchenkorb, in der etwas früher durch die Hausthür eingetreten. von oben zurückkommend. Aufwaͤrter, mit dumpfer, keuchender Stimme. Wo brennt es denn? Lebrecht, laut. Hier! hier! Elias. Wo iſt das Teufelszeug? Braun. Hier! hier! Aufwaͤrter. 4 Wo raucht es denn? Elias. Halt an! Ich komme gleich! iſt nun auf den Abſatz gekommen und packt den Aufwär⸗ ter an. * 284 Wart, wart, vertrackter Kerl! Du willſt uns Wein hier mauſen, Und Auſtern— 2 3 Aufwaͤrter. O du Schaaf! ihr ſollt das hier ja ſchmauſen—! Elias. So ſchleppſt du es nicht fort? Auf w aͤrter. Nein doch! Ich bring's gebracht. . Elias. Nun, nun,'s iſt ja ſchon gut! Das haſt du klug gemacht— Aufwaͤrter. Der Landrath ſchickt's— Elias. Trag's'nauf!— Nun, wer hat denn geſtohlen? Hannchen hat indeſſen aufgemacht, und Lebrecht verſucht fortzuſchleichen. Aufwaͤrter, ſchon in der Höhe. Dort laſſen ſi ſie ihn'raus! Elias, Lebrecht packend⸗ Gleich laſſ' ich Wache hulen. 285 Halt! halt! Ei, welche Fauſt! Doch bleib nur hier, Patron! Gewiß, du biſt ein Schmidt! man fuͤhlt's am Griffe ſchon. Lebrecht. Laß los, du altes Faß! Kein Schmidt bin ich, ein Schloͤſſer. Elias. So! ſo!'s iſt ja ſchon gut! da mauſt ſich's um ſo beſſer. Wo iſt das Dietrichsbund? Lebrecht hat ſeinen Hammer gezogen. Ich ſag's zum letzten Mal! Laß los, ſonſt— Elias nimmt ſein Beil. Nein! du mußt zum Policei⸗Fiscal! Braun. Still, Alter! hab' Verſtand! Hannchen. Elias! laß dich ruͤhren, Und hoͤre— Elias. Papelpap! Du willſt mich wohl verfuͤhren? Nun, nun,'s iſt ja ſchon gut! Biraun. Still, Hausmann, auf ein Wort! Hier, Alter, haſt du Geld, und nunmehr— pack dich fort. Es war ein Irrthum hier; es giebt hier keine Diebe— Hannchen. Der gute, brave Purſch kommt manchmal mir zu Liebe— Elias. So?— nun! die Maͤdchen ſteh'n nicht unter meiner Huth— zu Braun. 4 Ich trink' eins auf Ihr Wohl! haͤl haͤ!—'s iſt 3 ja ſchon gut! ab. d. Siebenter Auftritt. Die Vorigen ohne Elias. Hannchen. Sprich, Lebrecht! biſt du boͤs?. Lebrecht, ſich umdrehend. Ich mag von dir nichts wiſſen. Hannchen. Du bracht'ſt wohl mein Bouquet? 287 Lebrecht. Und hab's nun auchzerriſſen! zerrupft vollends den Straus und wirft ihn Hannchen vor die Füße. O ich bin nicht ſo dumm, ſo ſchlau du dich verſtellſt; Ich kaufe nicht den Straus, daß du— dem Herrn gefaͤllſt! Hannchen, ſeine Hand nehmend. Nein! ſprich, biſt du verwirrt? Lebrecht. Geh hin zum Herrn Gevatter! Braun, den Mantel öffnend. Was? ich? Lebrecht. Ein Offizier! Hannchen, auf den Verſchlag zeigend. Freund! du gehoͤrſt in's Gatter! . Braun. Es iſt ein Irrthum hier; er hoͤrt es ja, mein Freund! Wie er die Sache denkt, ſo war ſie nicht gemeint. Die Liebe fuͤhrt mich her— zu Fraͤulein Leonoren— Hannchen, oor ſich. Braun. Doch hat das Gluͤck ſich gegen uns ver⸗ ſchworen; Der Vater giebt's nicht zu, weil mich die Tante d haßt. Drum wird von Zeit zu Zeir ein Stuͤndchen abgepaßt; Halb offen das Roulaux⸗ iſt ſtets ein guͤnſtig Zeichen— Hannchen. Die Tante wollte heut gar nicht vom Fenſter weichen; Das Fraͤulein zog umſonſt von weitem an der 8 Schnur. Braun. Drum ſtand das Fenſter auf? Entzuͤckt folgt' ich der Spur, und fand die Kleine hier, die kuͤrzlich angezogen. Hm, dacht' ich, wuͤrde die ein wenig dir gewogen, er faßt höflich Hannchens Hand. So zeigte ſich fuͤr dich ein neuer Hoffnungsſtern! Lebrecht, Hannchen ein wenig wegſchiebend. Nun, ſie verſteht's ſchon ſo— Braun. Nicht wahr, du thuſt das gern 1 — Acheer Aufktrirrt. Die Vorigen. Leonore, oben aus der Thür tretend. u Leonore. Wo bleibt das Maͤdchen denn? die Vorhausthuͤr . ſteht offen— Braun, zu Hannchen. Du liebſt ja, liebſt ja auch! Sieh, hatt' ichs nicht getroffen? Leonore, einige Stufen leiſe herab. 1 Was hoͤr' ich? das iſt Braun! Kaum daß ein † huͤhſch Geſicht In meine Dienſte zieht— —— ᷣ—— Braun. Nein! du verraͤthſt mich nicht! Hannchen, Leonoren gewahr werdend. Das Fraͤulein! Braun, einige Stufen hinaufeilend. O!l welch Gluͤck! Leonore, empfndlich. Ich will Sie nicht geniren— Theaterſchr. III. 19 290 Braun. Das Maͤdchen ſollte ja mich blos zu Ihnen fuͤhren; Der Fenſter⸗Telegraph— Leonore, besgätigt. Ach ja, die Tante ſtand Bis Licht⸗Anzuͤnden dort, und kniff mich in die Hand— Braun. So laſſen Sie uns denn die Gunſt des Zufalls nutzen, Der— Dich hieher gefuͤhrt! Leonore. Du ſollſt mich ja nicht dutzen! Braun. Die Zeit iſt viel zu kurz zu jenem kalten Wort, Leonore. 96 Du Boͤſewicht!— Ja waßt— is muß gleich fort— Braun. Zu Worten uͤberhaupt, doch weniger zu Kuͤſſen! Leonore ſich weigernd. Nein, nein, mein lieber Braun!— o pfui! daß nenn' ich: Weäſſent a6 291 Braun. Ei was? Du zwingſt mich ja— So gieb mir ohne Muß,— Wie ſelten ſeh' ich Dich— freiwillig einen Kuß! Gewiß, Du liebſt mich doch, trotz der verwuͤnſch⸗ ten Tante— Leonore. Die iſt jetzt Braut— Braun. Wie? was? Hannchen. O weh! die Gouvernante! Neunter Auftritt. Die Vorigen. Die Gouvernante in der Vorhaus⸗ thür, eine Brille auf der Naſe, ein Licht mit Schirm in der Hand. 1 Gouvernante. Das iſt ein Leben hier! Geoͤffnet Thuͤr und Thor! Ich ſelber komme mir wie Lady Makbeth vor Und ſchreie:„Mon enfant!“ wie ſie:„zu Bett! zu Bette!“ Es thaͤt wahrhaftig Noth, daß man zwoͤlf Au⸗ gen haͤtte! 292 Leonore. Mein Gott! wo flieh'n wir hin? Gouvernante. Das ganze Haus ſteht leer! Braun. Sie ſah uns wohl noch nicht. Leonore. „Nauf komm' ich nimmermehr, So lang' ſie ſpionirt; Braun. So wird herabgegangen! ſie gehen herunter. Auch Lebrecht und Hannchen folgen. Leonore, ſtutzend. Was fuͤr Getoͤs? Hannchen, ſchreiend. Der Herr! Leonore. O weh! wir ſind gefangen! Zehnter Auftritt. Die Vorigen. Eine Portechaiſe, aus welcher der Landrath ſteigt. Landrath, haſtig herbei. Hier iſt's ja recht frequent! — 293 Braun erkennend. Ei! Sind Sie denn ſchon da, Mein lieber Herzens⸗Braun? Braun, voerlegen. Herr Landrath! wie?— O ja! O nein! 3 Landrath. Sie haben doch mein Briefchen leſen koͤnnen? Ich ſchrieb's in Zorn und Eil— Braun. . O ja— wenn Sie vergoͤnnen, Daß ich—— Landrath. Sie wundern ſich? Sie wundern ſich! Nicht wahr? Nun ja, es kam auch ſchnell, es ging recht 1 wunderbar.— un. O, wenn ich bitten darf— Landrath. Ei was! die alte Tante— Mein Aerger kehrt zuruͤck— die naͤchſte An⸗ . verwandte, Das Fraͤulein Ruͤbezahl, das immer Sie gehaßt, Heirathet noch, und hat ein Teſtament ver⸗ faßt— Dem Doctor iſt's gegluͤckt, die Naͤrrin zu beſchwatzen; 294 Er trug den feiſten Mops und ſpielte mit den — Katzen— Mein Maͤdchen wird enterbt— Leonore. Ja, Vaͤterchen, ſie war Vor kurzem ſelber da— Landrath. Mir ſagt' es der Notar. Vor Zorne ſchwur ich gleich— ſonſt haͤtt' ich's 8 wohl verſchoben— Der Tante recht zum Trotz— Euch heute zu verloben! Braun. Ein himmliſcher Entſchluß! Leonore. Ein engliſcher Papa! Landrath. Nun, macht mich nur nicht weich, hier auf der Treppe— Na! Sie nehmen doch fuͤrlieb mit einem Auſterteller— Ich nahm gleich alles ſelbſt in Chiappone's Keller— Wenn Leonorens Hand den lieben Becher kraͤnzt? Braun. Ich bin ſo uͤberraſcht— ————— Leonore. In meinem Auge glaͤnzt Mein Dank— Landrath. Nun kommt, und kuͤßt und trinkt, und laßt mich lachen. 8 Gouvernante, welche zugehorcht hat, breitet ihnen von oben die Hände entgegen und ſchreit: Ma chere! viel tauſend Gluͤck! Braun, Leonore und der Landrath die Treppe hinauf. Lebrecht, Hannchen die Hand bietend. Du! woll'n wir's auch ſo machen? Hannchen ſchlägt ein und der Vorhang fällt. Zu verbeſſern: 4* . 12 3. 12 lies Hoffräulein ſtatt Hoffraͤuleins 105— 1 I. ſchönſte ſt. ſchöne 191— 7 l. hoffen ſt. hofften 205— 1 I. Gärbers ſt. Gärtners —— 35 l. folgende ſt. folgendes 210— 6 l. angenommenem ſt. angenommen — Trmmſmſnffſnſnſnnſſnnſn ſinnann. 9 12 13 14 1 7 8 10 11 5 16 17