CONFUCIUS. Taſchen⸗Bibliothek der wichtigſten und intereſſanteſten See⸗ und Land⸗Reiſen, von der Erfindung der Buchdruckerkunſt bis auf unſere * Zeiten. Mit Landkarten, Planen, Portraits und anderen Abbi ldungen. Berfagßr von Mehren, und herausgegeben Joachim Heinrich Jä ck, Koͤnigl. Bibliothekar zu Bamberg. 52. Baͤndchen. Mit einem Kupfer. II. Theil. 1. Bändchen von China. — — Nürnberg. Verlegt von Heinrich Haubenſtricker. 1830. —— Taſchen⸗Bibliothek der wichtigſten und intereſſanteſten Reiſen durch China. Mit Landkarten, Planen, Portraits und anderen Abbildungen. Beryfaßt von Mehren, und herausgegeben 3 von Joachim Heinrich Jaͤck, Koͤnigl. Bibliothekar zu Bamberg. II. Theil. 1. Baͤndchen. Nürnberg. Verlegt von Heinrich Haubenſtricker. 1 8 30. —— Reiſe einiger Dänen nach China in den Jahren 1730— 1732, beſchrieben von dem Prieſter des Schiffes Kronprinz Chriſtian. Auf dem Schiffe„Kronprinz Chriſtian“ fuhren die Daͤnen den 2s. Oectober 1730 von Kopenha⸗ gen weg, kamen in die Nordſee, und landeten bei Faͤroe. Hier mußten ſie wegen der ſtuͤrmiſchen Wit⸗ terung 3 Wochen liegen bleiben. Faͤroe beſteht aus Inſeln, welche mit Klippen bedeckt ſind, und wegen ihrer wenigen Erde nicht viel fruchtbares Land haben. Die Einwohner erhalten die noͤthigen Lebensmittel von Daͤnema rk, gegen welche dieſes Wollwaaren, Thran und unſchlitt einnimmt. Die Faͤrder leben nicht vom Fiſchfange, begnuͤgen ſich mit geringer Koſt, und gebrauchen ſtatt des Bro⸗ des getrocknete Fiſche. Die beſten Haͤfen auf Faͤrbe ſind: Koͤnigs⸗ und Torshafen. Branntwein und Tabak lieben die Einwohner ſehr; ihre Sprache iſt Alt⸗Nordiſch. Das Volk auf dem Lande iſt, ebenſo wie jenes in Island, mit dem Ausſatze ge⸗ 6 plagt; das Klima geſund. Waldungen findet man hier nicht; die Stelle des Holzes vertritt Lyng und Torf. Den 3. Januar 1734 ſahen ſie in der Ferne einen Brand, deſſen Urſache ſie erſt erfuhren, als ſie Te⸗ neriffa erreicht hatten. Es war naͤmlich auf der kanariſchen Inſel Lancerotta ein Berg in Brand gerathen, welcher großen Schaden angerichtet hatte. Lancerotta wird gewoͤhnlich Kanariens Korn⸗ kammer genannt, weil es den beſten Weizen in großer Menge liefert. Teneriffa unter dem 28 Grad noͤrd⸗ licher Breite hat im Sommer eine große Hitze, und im Winter eine gelinde Luft. An den Fenſtern und Thuͤren findet man kein Glas, ſondern ſtatt deſſelben ein Gitterwerk, um durch den Zug der Luft groͤßere Kuͤhlung zu bewirken. Die Staͤdte St. Cruz und Lagona ſind be⸗ kannt. Die Religion auf Teneriffa iſt roͤmiſch⸗ katholiſch; auch herrſcht hier die ſcheußliche Inquiſi⸗ tion. Das Waſſer auf Teneriffa iſt nicht ſonderlich gut, obſchon es von den Gebirgen durch Roͤhren in die Stadt gefuͤhrt wird, welche auf Stuͤtzen ungefaͤhr 10 Ellen hoch liegen. Den 4. Februar hatten die Reiſenden einen ſchrecklichen Sturm auszuhalten, welchem ſie aber gluͤcklich entgingen. Als ſie ſich der Linie naͤherten, fanden ſie eine Art von den in Daͤnemark bekann⸗ ten Waſſer⸗Maͤuſen, welche aufgeblaſen uͤber das 7 Waſſer gehen, ſie ſind ganz heiß anzufuͤhlen, und ihr Schleim klebt ſo an, daß man glaubt die Hand wuͤrde verbrennen. An dieſen Kuͤſten nennt man dieſe Thiere Meſaner. Auch hatten die Reiſenden viel von Flie⸗ gen auszuſtehen, welche ihnen ſo zuſetzten, daß nach dem Stiche ſogleich Blut floß. Den 217. Februar paf⸗ ſirten ſie die Aequinoktial⸗Linie, und befanden ſich den 15. Mai auf der Hoͤhe des Vorgebirgs der guten Hoffnung. Den 28. erblickten ſie die beiden unbewohnten Inſeln St. Paul und Amſter⸗ dam. Den 26. Juli kamen ſie in Strat Sunda, einem Sunde zwiſchen Java und Sumatra. Des Tages nach der Ankunft der Reiſenden zu Java kamen 2 javaniſche Boote zu ihnen an Bord, und brachten alte und junge Huͤhner, Schildkroͤten und Kokosnuͤſſe. Ein junger Mann, auf dieſen Booten gab ſich fuͤr einen Sohn des Koͤnigs auf dem Lande aus, welches ein Zeichen iſt, daß daſelbſt auf den indiſchen Plaͤtzen, deren ſich die Chriſten noch nicht bemaͤchtigt haben, ebenſo viele kleine Koͤnige ſeyen, wie ehemals in Norwegen. Auf Angri, einem andern Japaniſchen Platze, kauften ſie einen Buͤffel, eine Kuh, Kokosnuͤſſe und Papageien, beſonders kleine⸗ welche nicht groͤßer, als eine Lerche, und ungemein ſchoͤnfarbig ſind.. Den 25. ſahen ſie die Inſeln, welche vor dem feſten Lande von China liegen; den 28. langten ſie gluͤcklich zu Macao an. In dieſer Stadt mußten ſie 8 chineſiſche Lootſen nehmen; mit dieſen ſegelten ſie nach Kanton. Den 3. Auguſt kam ein chineſi⸗ ſcher Aufſeher an Bord, und zeichnete die Schiffs⸗ Munition, die Mannſchaft und die Ladung auf. Den 4. beſuchte ſie ein Mandarin von Bocatiger(einem Sunde zwiſchen 2 Kaſtellen), und ſchrieb gleichfalls die Waaren in dem Schiffe auf. Er war ein alter, aber heiterer und gefaͤlliger Mann, verlangte ein Trinkglas und eine Flaſche Wein, fuͤr welche er den groͤßten Dank abſtattete. Er gab uns auch 2 Diener, welche, ſo lange das Schiff in China war, bei dem⸗ ſelben bleiben, und alles aufzeichnen mußten, was auf das Schiff kam und von demſelben weggebracht wurde. Den z. Auguſt langten ſie gluͤcklich bei Wampou, einer kleinen Stadt mit einem hohen Thurme, an. Den 7. beſuchte der Oppos(General⸗Zoll⸗Aufſeher) von Kanton das Schiff. Er fuhr in einem Mandarin⸗ Samphan(einem langen Fahrzeuge), welches unten meiſt flach iſt, und oben ſchoͤn eingerichtete Zimmer hat. Als er ſich dem Schiffe der Reiſenden naͤherte, zeigte er ſich zuerſt mit einem Becken aus Meſſing, auf welches er ſchlug. Er brachte ein Geſchenk von Schafen, einem Schweine, und ein Paar Kruͤgen mit Mandarinwein. Sein Geſchaͤft war: das Schiff zu meſſen; fuͤr ſeine Bemuͤhung wird er reichlich bezahlt. Den 14. Auguſt kam der Voye von Kanton mit 7 andern Voyen aus den Provinzen, um die euro⸗ 9 päͤiſche Kandels⸗Flotte, welche aus ¹1 Schiffen be⸗ ſtand, zu beſehen. Der Voye ſelbſt kam in der groͤß⸗ ten Pracht und mit vielem Gefolge; waͤhrend ſeines Zuges hoͤrte man ein gewaltiges Rufen der Chine⸗ ſen, welches ein Lebehoch bedeutete. Er hatte allzeit eine große Anzahl von Knechten bei ſich, welche eine Peitſche in der Hand hielten, und ſich durch ihre Kleidung leicht von den andern unterſchieden. Bei der Ankunft des Voyen loͤſeten alle Schiffe die Kano⸗ nen. Ehe er am Bord ging, ſtieg zuerſt ein Chineſe in das Schiff, und legte 6 mit Gold bordirte Schar⸗ lach⸗Decken uͤber die Stuͤhle, auf welche ſie ſich ſetzen ſollten. Hierauf kam ein anderer Chineſe mit Ge⸗ ſchenken von koſtbarem Seiden⸗Zeuge, welche der Ka⸗ pitain erhielt. Denn in China iſt Sitte, daß vor⸗ nehme Leute bei Beſuchen einander Geſchenke machen. Der Beſucher fragt den Wirth:„Was giebſt du mir, weil ich zu dir komme?“ dieſer erwiedert:„Was bringſt du mit, indem du zu mir kommſt?“ Waͤhrend der Anweſenheit des Voyen durfte ſich außer dem Ka⸗ pitain und den Supereargers Niemand ſetzen. Das gemeine Volk, welches mit ihm ſprechen wollte, mußte ſich auf ein Knie niederlaſſen. Der Fluß Croſa theilt das Reich China in das ſudliche und noͤrdliche. Das Land iſt in 15 Provinzen eingetheilt, hat viele ſchifftragende Fluͤſſe, und iſt durch Fruchtbarkeit des Bodens ausgezeichnet. Das Klima iſt geſund, jedoch in den Monaten Auguſt „ 10 und September die Hitze unertraͤglich. Es giebt viele Garten⸗Gewaͤchſe; beſonders wachſen die Aepfel de Sina im Ueberfluß und von ausgezeichneter Groͤße. Von Thieren findet man faſt dieſelben, wie in Europaz nur ſſt ihre Geſtalt etwas veraͤndert. Och⸗ ſen⸗Fleiſch zu eſſen iſt den Chineſen verboten; da⸗ gegen genießen ſie Hunde, Katzen, Ratten u. ſ. w. Das Hundefleiſch ſoll nach ihrem Dafuͤr halten im Sommer kuͤhlen; Schwein⸗Fleiſch iſt aber ihre taͤg⸗ liche Nahrung. Die chineſiſchen Schinken uͤbertreffen an Geſchmack die weſtphaͤlinger und franzoͤſi⸗ ſchen ſehr. Das ſtaͤrkſte Getraͤnke der Chineſen heißt Sam ſon, und wird von Reis und Palm⸗Saft be⸗ reitet.— Wilde Thiere findet man in entfernt lie⸗ genden Waͤldern und Gebirgen. Unter den Fiſchen in China fand der Schiffs⸗ Prediger eine beſondere Seltenheit, naͤmlich einige kleine Fiſche in einem großen Kryſtall⸗Glaſe, welche ſo lange ſie im Waſſer ſind, wie das reinſte Gold er⸗ ſcheinen; faͤllt eine ihrer Schuppen ab, ſo ſcheint die untere Stelle purpurroth zu ſeyn; nimmt man ſie aber aus dem Waſſer, ſo ſind ſie wie andere Fiſche. Die vornehmſten und bekannteſten Staͤdte in China ſind: Peking mit der kaiſerlichen Reſidenz; Nanking mit dem koſtbaren Porzellan⸗Thurme und der beruͤhmten Sternwarte; die Handelsſtadt Kan⸗ ton und Amoy. Staͤdte und Doͤ8rfer ſind faſt un⸗ zaͤhlig und liegen nahe beiſammen. 11 Die große und geraͤumige Stadt Kanton beſteht aus der Vorſtadt, Alt⸗ und Neuſtadt. In erſterer haben die Europaͤer ihre Faktoreien; ſie iſt durch eine Mauer von den beiden andern getrennt. Sich in dieſe zu begeben, war vorher den Europaͤern erlaubt, jetzt iſt es verboten. Die Straßen ſind ſehr enge, mit viereckigen Steinen belegt, ſo daß, wenn 2 Perſonen mit einander gehen, die dritte, welche vorbei will⸗ einem der Vorgehenden an dem Arme laufen muß. Die Querſtraßen ſind an jedem Ende mit einer Pforte verſehen welche Abends, wenn es fiuſter wird, ge⸗ ſchloſſen werden. Laͤßt der gemeine Mann ſich nach 9 Uhr auf der Straße finden, ſo wird er in Verhaft genommen. Die Straßen werden uͤberall ungemein rein gehalten. In der Vorſtadt findet man 2 ka⸗ tholiſche Kirchen und 2 Kollegien, und in der Altſtadt ein Jeſuiten⸗Kollegium. Die Miſſionaire und Prie⸗ ſter bei den Kirchen in Kanton ſind, Franzoſen und Spanier. Rach der Religion herrſcht in China Abgoͤtterei; jedoch giebt es verſchiedene Sekten. Einige nehmen ein goͤttliches Weſen und die Unſterblichkeit der Seele, u. ſ. w. an. Dieſem Glauben ſind faſt alle Gebildete zugethan. Die Ponzen ſind Goͤtzendiener, und leben ſtaͤts in Pagoden. Sie dienen ihrem Abgott Joß Morgens und Abends mit Pfeifen, Trommeln und Geſaͤngen. Sie ſpeiſen nichts, was ehedem Leben gehabt hat, oder noch erhalten koͤnnte. So geniehen 12 ſie keine Eier, weil aus ihnen junge Huͤhner werden können. Sie tragen lange, graue Noͤcke mit weißen Aermeln, und ſcheeren ihr Haupt. Sie koͤnnen zwar das goͤttliche Weſen nicht laͤugnen; meinen aber, daß Gott eine leibliche Geſtalt habe und ſich wenig um die Menſchen bekuͤmmere. Sie glauben die Unſterb⸗ lichkeit der Seele. Andere halten dafuͤr, daß die Seelen ihrer Vor⸗ fahren in Thiere gefahren ſeyen, deßwegen erlauben ſie nicht, daß einem ſolchen Thiere das Leben genom⸗ men wird. Auch giebt es Jungfrauen, welche in Geſellſchaf⸗ ten unter einer Vorſteherin loben, um ihre Jungfern⸗ ſchaft zu bewahren. Der Goͤtzendienſt der Bonzen verbreitet ſich uͤber ganz China. Jeder Mann hat einen Joß in ſeinem Hauſe, welchen er fuͤr ſeinen Beſchuͤtzer haͤlt, an⸗ raͤuchert, jeden Abend ein Licht vor ihm anzuͤndet, und die ganze Nacht brennen laͤßt. Außerdem hat ein Jeder uͤber ſeiner Thuͤre gegen die Straße ein Bild ſtehen, welches einen großen Feldherrn vorſtellen ſoll, und als Waͤchter des Hauſes angeſehen wird. Dier vorzuͤglichſte Benennung des chineſiſchen Kai⸗ iſt: Thin ou⸗o.„Sohn des Himmels.“ Sein rechter Name iſt Junqui. Das Wappen des Kai⸗ ſers iſt ein Drache mit 8 Klauen; auch duͤrfen ſeine Mandarine einen ſolchen Drachen, jedoch nur mit 7 Klauen fuͤhren. Die Einkuͤnfte des Kaiſers uͤber⸗ 13 ſteigen jene des tuͤrkiſchen Sultan und des Groß⸗ Mogul bei weitem. Die Regierung in China beſteht vorzuͤglich in den 7 kaiſerlichen Kammern zu Peking, bei welcher jeder Voye ſeiner Provinz die Angelegenheiten nach ihrer Beſchaffenheit anmelden muß. Die Kammer entſcheidet dann, und ſchickt das urtheil dem Kaiſer zur Beſtaͤtigung und unterſchrift. Dieſer ſendet ſie an die Kammer zuruͤck, welche nun dem Voye der Provinz die Entſchließung bekannt macht⸗ Erfaͤhrt der Kaiſer, daß ein Madarin ſich auf un⸗ rechtmaͤßige Koſten bereichere, ſo laͤßt er dieſem einen Beſuch anſagen. Der Mandarin iſt alsdaun verbun⸗ den, ſogleich einen neuen und praͤchtigen Palaſt vom Grunde bauen zu laſſen. Iſt dieſes geſchehen, ſo be⸗ zieht der Kaiſer mit ſeiner Familie und ſeinen Hof⸗ bedienten den Palaſt, und verweilet in demſelben ſo lange, bis der ſchuldige Mandarin ein armer Mann geworden iſt. Kein Chineſe darf außer den Grenzen ſeines Vaterlandes reiſen: denn der Kaiſer betrachtet alle ſeine Unterthanen als Sklaven. Jedoch erlaubt er ihnen nach Batavia und Japan zu fahren. Bei dem Zollweſen wird große Aufſicht gehalten. Die Einnehmer duͤrfen ſogar die Reiſenden unter den Kleidern unterſuchen. Die Soldaten werden in 3 Korps getheilt; das erſte, das Mongoliſche, beſteht aus Tataren⸗ „ 14 und hat Fahnen. Das zweite erkannte zuerſt unter den Chineſen die tartaiſche Herrſchaft, und heißt deßwegen das Kiangſche. Dieſes Korps iſt der Kern des kaiſerlichen Heeres; es erhaͤlt großen Sold; alle Kinder, welche in demſelben geboren wer⸗ den, bleiben bei demſelben von einem Geſchlechte bis zum andern; das dritte Korps bilden die uͤbrigen Re⸗ gimenter, welche nur aus Chineſen beſtehen. Die Seemacht iſt unbedeutend, denn die Flotte beſteht nur aus langen und großen Booten, deren jedes 20 Ruder fuͤhrt, und 5— s Falconeten hat. Je⸗ des Boot iſt mit 21 Mann beſetzt, deren Anfuͤhrer Bogen und Pfeile, die uͤbrigen aber Spieße, Schilde und Saͤbel gebrauchen. Auch haben die Chineſen Musagueten, welche beim Losbrennen auf eine, in die Erde geſteckte Ga⸗ bel gelegt werden.— In dem ganzen Lande findet man hohe Thuͤrme, auf welchen bevorſtehende Gefah⸗ ren durch große Feuer angedeutet werden. Auch wer⸗ den in dieſe Thuͤrme Straͤflinge gebracht. Bei jedem Kaſtelle und Zollhauſe ſind Minen von Steinen und Kalk aufgefuͤhrt, welche bei der Ankuͤndigung eines feindlichen Anfalles geſprengt werden, um dadurch das Land zur Gegenwehr zu ermuntern. Die Chineſen ſind fein und artig nicht nur unter ſich, ſondern auch gegen Fremde. Sie ſind der Ueppigkeit ergeben, und begehen haͤufig die Suͤnde Sodom's. Auch dienen ſie ibrem Magen gar ſehr 15 durch Eſſen und Trinken. Haben ſie den Magen uͤber⸗ fuͤlt, ſo trinken ſie einige Schalen Thee, welcher den genommenen UNeberfluß bald wieder verzehrt. Sie ſind von Natur furchtſam, und die gemeinen Leute zittern bei dem Anblicke eines Soldaten, wie vor einem Loͤwen. Sie machen nicht gerne Geſchenke, außer wenn ſie wiſſen, daß ſie das Doppelte dagegen erhalten. Sie lieben außerordentlich das europaͤi ſche Gold und Silber, und erweiſen einem gemeinen Eu⸗ ropaͤer die groͤßte Aufmerkſamkeit bei der Bedienung, wenn ſie Geld bei ihm wiſſen. Ihr Gruß und Ge⸗ gengruß beſteht in den 2 Sylben: King King. Sie ſind ſtolz und gebildet, und fragen gleich, wenn man etwas ſchoͤnes bei ihnen ſieht, ob man in Europa auch ſolche Sachen habe, oder bearbeiten koͤnne? Sie glau⸗ ben, daß ihre Ahnen die vornehmſten und meiſten Wiſſenſchaften erfunden haͤtten. Die Chineſiſche Sprache iſt ſehr wortarm: denn ein Wort hat wohl fuͤnferlei Bedeutungen, welche man allein durch einen gewiſſen Aecent unter⸗ ſcheiden kann, deren ſie fuͤnf haben. Sie haben we⸗ nige Konſonanten, und koͤnnen eben ſo wenig, wie die Ruſſen und Polaken, viele ausſprechen. Ihre Schreibart beſteht aus Charakteren, deren ſie mehr als 80,000 haben ſollen. Sie haben kein Al⸗ phabet, wie andere Nationen; auch ſchreiben ſie von oben nach unten, nicht gegen die Seiten. Die philo⸗ ſopbiſchen Charaktere ſind die vorzuͤglichſten. Ein 16 Mann, welcher nicht ſtudieren will, kann ſich mit 1000 Karakteren behelfen; der Gelehrte aber muß faſt eine unzaͤhlige Menge wiſſen. Um hierin vollkommen zu werden, braucht man 10— 12 Jahre. Ihre Ziffern ſind gleichfalls Charaktere, Cjeder Charakter bedeutet ein ganzes Wort, oder wenigſtens eine Sylbe), welche ſie zur Dezimal⸗Rechnung an⸗ wenden. Die jetzige Kleider⸗Tracht der Chineſen iſt iſt die tatariſche. Die alt⸗chineſiſche Kleidung beſtand aus kleinen Roͤcken mit weiten Aermeln, einem Hute mit 2 Fluͤgeln, welche auf beiden Seiten ein⸗ waͤrts gingen. Ehemals trug man die Haare lang, jetzt geſchoren, jedoch bleibt ein kleiner Buͤſchel von Haaren oben auf dem Haupte ſtehen. Die alt⸗chi⸗ neſiſche Kleidung ſieht bloß man noch in Luſtſpielen. Die gebraͤuchlichſte Farbe der Kleidung iſt ſchwarz oder dunkelblau. Die gelbe Farbe darf nur vom Kai⸗ ſer und ſeiner Familie getragen werden. Statt der Meſſer, Gabel und Loͤffel bei dem Mahle bedienen ſich die Chineſen elfenbeinerner oder hoͤlzerner Pinnen, (zubereitete platte Stuͤcke, wie man ſie in den Apo⸗ theken ſieht). Doch nehmen jetzt vornehme Leute auch Loͤffel nach europaͤiſcher Sitte. Die chineſiſche Nation beſteht hartnaͤckig auf ihrer Meinung; doch iſt ſie arbeitſam und kuͤnſtlich in ihren Erfindungen. Fuͤr Letzteres zeugen: der bewunderungs⸗ wuͤrdige Porzellan⸗Thurm in Nankingz die kuͤnſt⸗ 17 lichen Bruͤcken uͤber große Seen; minirte Wege durch die hoͤchſten Berge; gegrabene Flußbette durch das ganze Land; haͤngende Bruͤcken in der Luft von einem Berge zum andern. 1 Es iſt ein Geſetz, daß kein Muͤßiggaͤnger in China geduldet wird. Auf Reinlichkeit wird in und außer den Haͤuſern viel gehalten. Kleine Augen und Naͤ⸗ gel, ſo lange wie Adlers⸗Klauen, werden fuͤr eine Schoͤnheit gehalten; je laͤnger, deſto ſchoͤner. Bietet man einem Chineſen eine Prife Tabak an, ſo nimmt er dieſe mit ſeinen langen Naͤgeln, welche aber allzeit rein gehalten werden. Kleine Fuͤße bei den Frauenzim⸗ mern gelten fuͤr eine außerordentliche Schoͤnheit; doch ſind die Fuͤße gemeiner Frauen und Toͤchter groß und vollkommen. In Kanton befinden ſich beſondere Straßen⸗ welche bloß von Frauenzimmern bewohnt werden.— Der groͤßte Schmuck der Frauenzimmer beſteht darin, daß ſie die Haare in einen Zopf winden, und mit vielen goldenen und ſilbernen Nadeln beſetzen. Auch rauchen ſie ſtark Tabak. Die Chineſen nehmen à Elemente an: Erde, Waſſer, Luft, Feuer und Metall. Sie vermuthen, daß der Himmel rund und die Erde viererkig ſei. In Peking iſt eine Pagode dem Himmel geweiht, in welcher auf einem Altar eine Himmelskugel ſteht; zu dem Altare fuͤhren 9 Stufen; eine andere Pagode iſt zur Ehre der Erde aufgerichtet worden; die Erde iſt 52ſtes B. China. II. 1. 2 5 hier als Viereck auf einem Altare dargeſtellt, von wel⸗ chem 9 Stufen in einen Keller hinabfuͤhren. Das Werk Jeking, ein aus alten philoſophi⸗ ſchen Ueberliteferungen zuſammengeſetztes Werk, wird bei den Chineſen eben ſo hoch geſchaͤtzt, als bei uns die Bibel. Von dieſem Werke glauben ſie, es koͤnne nicht uͤber das Meer gefuͤhrt werden. Die Muſik der Chineſen kann dem europaͤiſchen Ohre nicht behagen. Die Inſtrumente ſind: 2 meſ⸗ ſingene Becken, welche mit kleinen Stoͤcken geſchla⸗ gen werden. 2 Schalmeien, 2 Poſaunen, von wel⸗ chen man nur einen Ton hoͤrt; 2 Saiten⸗Inſtrumente. Mit dieſen Inſtrumenten wird gewoͤhnlich in Komoͤ⸗ dien, und vor dem Gott Joß Muſik gemacht. Au⸗ ßerdem haben ſie noch ein kleines Glockenſpiel, eine Querpfeife, eine kleine indiſche Orgel von Rohr, und und eine Trommel. Dieſe Muſik wird gewoͤhulich bei Feuers⸗Gefahr gehoͤrt. So lange ſich die Europaͤer in Kanton auf⸗ halten, werden faſt in allen Straßen Komoͤdien ge⸗ ſpielt. Das Schonſte an dieſen Spielen iſt die Klei⸗ dung der Spieler und die vielen Veraͤnderungen bei den Spielen. Die Spieler ſingen durch alle Akte. Ein jeder kann nach ſeinem Belieben die Spieler in ſein Haus kemmen laſſen. Beſonders iſt bei Vorneh⸗ men Sitte, nach deu Mahlzeiten Schauſpieler kom⸗ men zu laßen; dieſe legen dem Herru des Hauſes ein 19 Buch vor, aus welchem er ein Spiel nach Belieben waͤhlen kann. Zaweilen ſpielen alte Leute, zuweilen Kinder. Die bei den Chineſen gebraͤuchlichen Strafen ſind das Schlagen mit dem Bambus⸗Rohr, das Köpfen und das Lebendigbegraben. Wird jemand verhaftet, ſo wird dem Verbrecher ein Bret um den Hals gelegt, auf welchem das Verbrechen ſteht, von dem Brete geht eine Kette um die rechte Hand. Dieſes Bret muß der Verbrecher ſo lange tragen, bis die Strafe an ihm vollzogen wird. Ihre Graͤber haben die Chineſen auf Bergen, beſonders lieben die Mandarine Anhoͤhen, und errich⸗ ten auf denſelben ſchoͤne Denkmaͤler. Der gemeine Mann wird in das flache Feld begraben. Sein Leich⸗ nam ruht unter einem Dache, welches auf 4 Pfeiler aus Stein gebaut iſt. Auf das Dach werden Blumen und Confekturen geſetzt, von welchen ein jeder nach Belieben nehmen kann. Soll ein vornehmer Mann begraben werden, ſo ſetzt man die Baͤckereien laͤngs der Straße hin. Wird die Leiche aus dem Hauſe ge⸗ fahren, ſo traͤgt man den Abgott des Verſtorbenen nebſt einer Menge buntfarbiger Fahnen vorher; alle Freunde und Verwandte des Verſtorbenen folgen nach denſelben. Gerne fuͤhrt man die Leichname iu Waſ⸗ ſer nach dem Begraͤbniß⸗Platze; in dem Fahrzeuge befinden ſich zugleich die Verwandten, welche ſich we⸗ 20 gen des Todes des Verblichenen am Eſſen und Trin⸗ ken ergoͤtzen. Der ſo beruͤhmte chineſiſche Thee waͤchſt auf klei⸗ nen Baͤumen, welche oder ꝛ Ellen hoch ſind. Die Blaͤtter dieſer Baͤume(Straͤuche) ſind der Thee. Der Thee Bou wird auf eiſernen Piatten bei dem Feuer getrocknet; der ſogenannte weiße Thee beſteht in den hin und wieder ſich beſindenden einzelnen Blaͤt⸗ tern. Der beſte Thee ſindet ſich an der Spitze des Baumes; der geringere naͤher bei dem Stamme; je naͤher, deſto ſchlechter. Das chineſiſche Porzellan iſt bekannt. Rhabarbara ündet man in China in Menge, ferner China⸗Rinde, Queckſilber, kuͤnſtlich gearbeitete Blumen, Sonnen⸗ faͤcher, ſeltene Steine, Gold, weißes Kupfer und ſei⸗ deue Stoſſe. Wollene Zeuge werden bei den Chine⸗ ſen nicht verfertigt; zuweilen bringen die Europaͤer wollene Waaren zu ihnen. Gemuͤnztes Geld iſt in China nicht gebraͤuchlich; doch haben die Chineſen eine Art Muͤnze von Meſ⸗ ſing, mit einem viereckigen Loche; dieſes heißt Caß. Silber und Gold wird ausgewogen mit Caß, Ca⸗ drin, Maas und Teyl; 10 Caße machen 1 Cadrin (2 Schillinge daͤniſch), 10 Cadrin 1 Maas(1 Mark daͤniſch) und 10 Maas 1 Teyl. Alles wird in China nach dem Gewicht verkauft; ſey die Wagre fluͤſſig oder trocken. Das große Ge⸗ — 21 wicht zerfaͤlt in Catie und Peku. Catie iſt ein Gewicht von 1 Pfund und Peku ein Gewicht von 100 Pfund(nach daͤniſchem Gewicht 150 Pfd.). Das koͤniglich⸗daͤniſche Schiff„der Kronprinz Chriſtian“ hielt ſich 4 Monate und 13 Dage in China auf. Nach Vollendung ſeines Auftrages kehrte er nach Europa zuruͤck, und langte am 25. Juni 1732 gluͤcklich zu Kopenhagen an. Des Schweden Peter Osbeck Reiſe nach Oſt⸗Indien und China in den Jahren 1750— 1752. Aus dem Schwe⸗ diſchen überſetzt von D. G. Georgi.*) Im Jahre 1750 ward ich von der Schwediſch⸗ Oſtindiſchen Kompagnie berufen, auf einem, nach Oſt⸗Indien fahrenden, Schiffe das Amt eines Schiffs⸗Predigers zu uͤbernehmen. Von Gothen⸗ burg begab ich mich bei ſehr ungeſtuͤmen Wetter nach *) Der Paſtor Osbeck war zu Upſala„Schuͤler des Linne's,“ und hatte fuͤr ſeine Reiſe von dieſem noch eine beſondere Anweiſung erhalten, welche im v. Band von deſſen akademiſchen Ergoͤtzlich⸗ keiten abgedruckt iſt Nach ſeiner Ruͤckkehr wurde er in die koͤnigliche Akademte der Wiſſenſchaften zu Stockholm, wegen dieler gehaltreichen Reiſe⸗ Beſchreibung aufgenommen; ſeine Eintritts⸗Rede lieferte noch einen weſentlichen Beitrag zu jener, und iſt 1758 daſelbſt be Salvius erſchienen. Durch ihn wurde Linnaei species Plantarum ſehr be⸗ reichert. 23 Wargs⸗Hala, dem gewoͤhnlichen Ankerplatze der Oſt⸗Indiſchen Schiffe, wenn Rifwe, Fiol und die uͤbrigen Buchten in den hieſigen Scheeren mit Eis belegt ſind. Dadurch entgehen ſie der Be⸗ ſchwerlichkeit, durch muͤhſames Eis⸗Saͤgen in die See zu gelangen. Bis Hinsholm reiſte ich zu Land, und ging von da an den Bord des Schiffes Prinz Kar!, des erſten Oreideckers, welchen Schwe⸗ den nach Oſt⸗Indien ſendete. Das Schiff hatte eine Groͤße von 390 Laſt, fuͤhrte eine Beſatzung von 132 Mann, und war faſt ſegelfertig, um nach Kan⸗ ton in China abzugehen. Den 21. November gingen wir mit einem Suͤd⸗ Oſt⸗Winde und bei ſchoͤnem Wetter unter Segel, und ſahen am 29. 570 20“ noͤrdl. Breite, Norwe⸗ gen. Den s. Derember 64° 44“ noͤrdl. Breite erblick⸗ ten wir die traurigen Faͤroe⸗Inſeln; den 7ten Ja⸗ nuar 1751 das Kap St. Vincent, und ankerten nach einem kurz vorher uͤberſtandenen Sturme, und nach einer Reiſe von 6 Wochen in der Bay von Ka⸗ dix. Nach erhaltener Erlaubniß von Seite der ſpa⸗ niſchen Regierung begaben wir uns an das Land, und beſuchten die vorzuͤglichſte See⸗Stadt Spaniens Kadix. Dieſe unter 36° 33“ noͤrdl. Breite und 230 45 weſtl. Laͤnge, iſt mit koͤſtlichen Mauern und Fe⸗ ſtungs⸗Werken verſehen, welche mit praͤchtigen Ka⸗ nonen beſetzt ſind. Auf den Mauern die Ausſicht zu genießen, ward dem Prediger Osbeck verſagt. O beeck beſah die Merkwuͤrdigkeiten der Stadt, unterſuchte das Mineral⸗, Pflanzen⸗ und Thierreich der Umgebung, und begab ſich aus gleicher Abſicht nach Puerto de Santa Maria, Puerto Real, Chielana, und Isla. Nach einem Aufenthalte von 10 Wochen in Spanien verließ Osbeck den 20 Maͤrz Kadix mit gutem Winde. Alle ſchoͤnen naturhiſtoriſchen Kenntniſſe, welche es ſowohl hier, als im Verlaufe ſeiner Reiſe entwickelte, koͤnnen wir in dieſem Berichte nicht mittheilen, indem es nicht unſere Abſicht iſt, ein botaniſches oder mineralogiſches Handbuch zu liefern, und auch, weil dieſe Mitthei⸗ lungen nur die wenigſten Leſer anſprechen koͤnnten. Den 26. Maͤrz erſchien den Reiſenden die Inſel Teneriffa von der Meeres⸗Seite ſehr unfrucht⸗ bar. Der Pieo de Teneriffa, welcher unter 280 42 noͤrdl. Breite und 34 45 Laͤunge von Upſala weſtlich liegt, wird zu den hoͤchſten Bergen der Welt gezaͤhlt. Am 30. Maͤrz 18⁰ 34“ noͤrdl. Breite ſegelte eine Menge Baſanties mit ihren bogenfoͤrmigen ausgeſpannten Haͤuten bei dem Schiffe vorbei, ſchlu⸗ gen aber bisweilen um, und tauchten die Segel ein. Einige dieſer Thierchen zu erhalten war ich nicht im Stande. In großer Entfernung glichen ſie großen Fiſch⸗Blaſen mit kleinen Segeln, von welchen ſie en Namen erhalten zu haben ſcheinen. Wir ſahen fliegende Fiſche, Seekatzen, Boniten, Schildkroͤten. Den 1. April 3⁰ 47 noͤrdl. Breite fingen wir einen 25 Hay, welcher s Fuß lang war, und den Sauger(Eche- neis Remora) und den Lodsmanties zu Begleitern hatte. Den 14. April 8“ noͤrdl. Breite fuhren wir durch die Linie. Man beobachtete die alte Gewohn⸗ heit, vermoͤge welcher die ganze Beſatzung auf das Verdeck gerufen wurde, und alle, welche durch die Linie noch nicht gefahren waren, wurden mit einigen Eimern Waſſer begoſſen. Holms in ſeiner Beſchrei⸗ bung von Neu⸗Schweden zeigt, daß dieſe Zere⸗ monje ſchon 1642 im Gebrauch war. Am 26. April fuhren wir durch den Wendekreis des Stein⸗ bocks, hier zeigten ſich fliegende Fiſche. Den zten Mai ſlogen verſchiedene Gattungen Voͤ⸗ gel um das Schiff, und unter dieſen die ſogenannten Alcadraſſen(Diomedea exulans). Den 6. muß⸗ ten wir unſere Winter⸗Kleider anziehen: denn die Kaͤlte war hier nicht viel geringer, als des Winters in Schweden. Dieſe Veraͤnderung der Witterung erzeugte viele Krankheiten bei dem Schiffs⸗Volke. Den 22. Mai 350 14“ fing das Land von Afrika ſich von Nordoſt gegen Norden nach Oſtnordoſt zu zeigen. Den 27. folgten s Delphine dem Schiffe, und hielten ſich meiſtens auf der Oberflaͤche des Waſſers auf. Nie ſah ich in Betreff der 9 Mannichfaltigkeit der Farben praͤchtigere Fiſche, als dieſe. Der Delphin iſt im Großen, was der Gold⸗Fiſch im Kleinen iſt.— Zu den Ungemaͤchlichkeiten einer Oſtindiſchen Neiſe gehoͤrt auch, daß die Wuͤrmer Speiſe und Trank verderben. In dem Schiffs⸗Brode hielten ſich ſchon ſeit dem Monate Mai Wuͤrmer auf. Den 12. Juli 70⁰ 53 ſuͤdl. Breite erblickten wir die Inſel Cani⸗ bas. Der oͤſtliche Theil des Landes Java lag uns Oſtuordoſt, und der weſtliche Nordnordweſt. Als wir an den Kuͤſten von Java fuhren, huͤpften die Sprin⸗ ger(Delphinus Phocoena) vor und neben dem Schiffe zu tauſenden herum, und machten bei dem Aufſprin⸗ gen ein heftiges Geſchnaube. Die Luft war anfangs durchdringend heiß, welches wahrſcheinlich von einem Luftzuge zwiſchen den Bergen erfolgte. Das Land iſt ſowohl in den Thaͤlern, als auf den Hoͤhen mit gruͤnen Baͤumen bekleidet, deren Schatten dem Waſ⸗ ſer weit vom Lande Widerſchein mittheilt. Eine Gattung Vögel, welche ſich auf unſerem Schiffe niederließ, nannten unſere Oſt⸗Indien⸗Fah⸗ rer Bubbi(Dummkopf) weil ſie, wenn ſie ſich auf ein Schiff ſetzen, um auszuruhen, nicht entfliehen, wenn man ſie fangen will, ſondern bloß ſchreien, um ſich bauen, und Tran oder auch Fiſche ausſpeien, welche ſie im Kropfe haben. Sie fahren mit den Schiffen oft ganze Meilen, wenn ſie nicht verjagt werden. Sie ſind aber nicht gut zu beherbergen, weil ſie ſehr von Laͤuſen geplagt werden. Dieſer Vogel iſt der Pelecanus Piscator.- Durch das Haupt von Java fuhren wir den 44. Juli. Dieſes hohe, ſteile Vorgebirge nennen un⸗ ſere Seefahrer Jaya Head, oder auch Pico vom 27 Prinzen⸗Eilande. Nahe bei dem Haupte iſt eine Erdzunge, welche uͤberall mit belaubten Baͤumen bedeckt iſt. Weiter Landeinwaͤrts erhoben ſich die Ge⸗ genden, und die großen Palmbaͤume auf den Anhoͤ⸗ ben ragten hoͤher in die Wolken, als ich je geſehen habe. An einigen wenigen Stellen erblickte man in dieſen dichten Waͤldern kleine von bluͤhenden Kraͤu⸗ tern ganz gelbſcheinende Flaͤchen. Die Nacht war auf dem Verdecke ſehr angenehm; der ſtarke Geruch von den Baͤumen und Gewaͤchſen erquickte uns ſehr. Außerdem beſuchten uns eine Menge kleiner weißer Voͤgel in Geſtalt unſerer Moͤwen, welche pfeifend uns umflatterten. An dem Strande von Java zeigten ſich kleine roͤthliche Klippen, und auf dem Waſſer Schildkroͤten. Des Abends uͤberzog ſich der Himmel mit goldglaͤnzenden Wolken; ſpaͤter folgten Regen und Blitz. Die Einwohner zündeten laͤngs des Strandes verſchiedene Feuer an, um die wilden Thiere zu ver⸗ ſcheuchen. In einer maͤßigen Entfernung von der Bav An⸗ geri beſtieg ich eine Joͤlle, und begab mich au das Land. Es kamen uns ſogleich einige Eingeborne ent⸗ gegen, welche unentſchloſſen zu ſeyn ſchienen, ob ſie uns als Freunde oder als Feinde behandeln ſollten. Ein jeder hatte einen Dolch an der Seite, deſſen Spitze mit der Toxicaria Rumpfii vergiftet war. Sie gingen faſt nackt und hatten ein baumwollenes blau⸗ geflecktes Gewand um die Mitte des Leibes gebunden, Wenn ſie an Bord kamen, bederkten ſie ſich zuweilen mit einem Hemde. Einige trugen an den Fingern kupferne Ringe mit blauen, Saphir aͤhnlichen Stei⸗ nen. Die Indianer waren zum Cheil von mitt⸗ lerer Groͤße, die meiſten aber klein; ihre Haare und Augenbraunen waren ſchwarz, die Zaͤhne ſchwarzroth, Augen und Naſe klein, der Mund groß. Die mei⸗ ſten waren bartlos, freundlich und einfaͤltig. Nahm man ihnen etwas, ſo ſchrien ſie wie Kinder. Ihr Gruß war Tabae Tuani(guten Tag, mein Herr). Sie boten Kokos⸗Nuͤſſe, Huͤhner, Bier und Buͤffel an, und nahmen zur Bezahlung entweder ſpaniſches Silbergeld men Waaren, als alte Hemden, Glas, Spiegel u. ſ. w. an. Das Ger⸗ uUfer beſtand hier aus einem grauen Sande, in welchem verſchiedene Korallen angetroffen werden. Das Land war hier kaum eine Elle hoͤher, als die Waſſerflaͤche. Die Baͤume, welche den Unſrigen ganz unaͤhnlich ſehen, wachſen nahe am Strande ſo dicht neben einander, daß es den Fremden beinahe unmoͤg⸗ lich iſt an das Land zu kommen. Nachdem wir die Javaner in ihrem Lande beſucht, und verſchiedene Blumen und andere Gegenſtaͤnde an uns gebracht hatten, eilten wir wieder an Bord, wo wir um 12 Uhr eintrafen. Wir fanden hier viele Ja⸗ paner, welche Kokos⸗Nuͤſſe, Flaſchen⸗Kirbiſſe⸗ Schnecken, Pompelmoſſe, Piſang, Tabak, und Ja⸗ van'ſche Meerkatzen zum Kaufe uns anboten. Wegen ent⸗ 29 gegengeſetzten Windes mußten wir bei Toppens⸗ huth, vor welchem Brabandshuth liegt, vor An⸗ ker liegen. Java unter dem 60 ſuͤd. Breite liegt zwiſchen Sumatra, Banca, Borneo, Ma⸗ dura, Bali oder Klein⸗Java und dem Lande Eendraght. Fledermaͤuſe ſo groß wie Raben, flo⸗ gen alle Abende von Sumatra nach Java, um da⸗ ſelbſt Nachts zu ſchlafen, am Morgen aber kehrten ſie wieder nach Java zuruͤck. Auf unſerer Weiterreiſe ſahen wir Sumatra, Lucipara, Nanka, Polo Taja, Lingen, Polo Tingey, Piedra Blanca (weiße Klippe), die Inſel Lanta und mehrere In⸗ ſeln dicht an der chineſiſchen Kuͤſte. Den 22. Au⸗ guſt lichteten wir die Anker, und ſteuerten nach der chineſiſchen Kuͤſte. Dem Lootsmann, welchen wir an Bord erbielten, mußten wir 20 Peſos duros oder ge⸗ gen 200 Thaler Kupfermuͤnze geben. Wir hatten Lanta zur Rechten, und die ſuͤdlichen Limes⸗Jn⸗ ſeln zur Linken. Das Waſſer ſchlug hohe Wellen von den Inſeln her; dieſe ſahen von Kraͤutern ganz gruͤn, waren aber ohne Waldung. Der gewoͤhnlichſte Einlauf fuͤr europaͤiſche Schiffe nach China iſt bei den Landron⸗Inſeln(RNaͤuber⸗Inſeln). Bei Bocea Tiger(Pho⸗hao, auf chineſiſch) ankerten wir wegen Mangel am Winde. Rechts bei dem Eingange war ein niedriges Kaſtell, mit Baͤu⸗ men umgeben; von beiden Seiten deſſelben fuͤhrte ein Weg den Berg aufwaͤrts zu einer kleinen Huͤtte, welche 2 fuͤr eine Opferlaube gehalten ward. Etwas weiter waren uns zur Linken auf 2 geſonderten Anhoͤhen 2 Kaſtelle, gleichfalls mit Baͤumen umzeben; das aͤu⸗ ßerſte, welches dem Sumpfe am naͤchſten war, wurde von Waſſer umfloſſen, und hatte in ſeiner Naͤhe eine kleine Huͤtte. Zwei Mandarine(Die Chineſen ſagen Mande⸗ line, weil ſie das R nicht ausſprechen koͤnnen) kamen zu uns an Bord, und begleiteten uns bis Huam⸗ pu, wo wir einen Zoll⸗Aufſeher erhielten, welcher ſo lange wir uns in China aufhielten, bei uns blei⸗ ben mußte. Zu bemerken iſt, daß kein Chineſe an ſeinem Geburtsorte Mandarin werden kann. Deu 24. Auguſt ankerten wir bet dem Loͤwenthurme, welcher der erſte der 3 merkwuͤrdigen Thuͤrme auf dem Wege nach China iſt. Nach einer Reiſe von 5 Mo⸗ naten und 4 Tagen kamen wir von Kadix nach Huam pu(Wampo), dem Ankerplatze aller europaͤ⸗ ſchen Schiffe in dem Strome von Kanton oder Ta⸗ bo. An beiden Seiten des Stromes waren grobe, medrige Reisfelder. Hier lagen bereits 19 europaͤ⸗ ſche Schiffe. Des Nachts harten wir Muſtk, theils von den Inlekten, theils von dem Geraͤuſche auf dem Gun⸗gung in den Sampanen und Baͤng⸗ ſalen. 3 Baͤngſal(engl. Baneſhal) iſt der Ort, al welchem die Europaͤer waͤhrend ihres Aufenthalts in Cbina alles auf dem Schiffe Unnoͤthige bringen. Je⸗ 31 des Schiff muß fuͤr den Platz, deſſen es ſich bedient, eine gewiſſe Summe erlegen, und dem Komprador bezahlen, daß er gleich nach Ankunft des Schiffes ein einer Scheune ahnliches Zeughaus aus Bambus⸗ Staͤmmen und Matten aufrichten laͤßt. Wenn die Wachen des Nachts nichts von Dieberei merken, ru⸗ fen ſie einan der zu:„alles wohl!“ und ſchlagen zum Beweiſe ihrer Wachſamkeit oͤfters auf ein Gungung. Ehemals hatten ſie auch die Freiheit, auf Chine⸗ ſen, welche ſich Nachts in die Baͤngſal wagten, zu ſchießen. 3 Das Blei, welches wir ausluden, wurde von einem Chineſen gewogen, welcher durch Rufen das Gewicht anzeigte. Drei andere Chineſen ſchreiben es in Gegenwart verſchiedener Mandarinen auf. Das Kaiſerthum China liegt in Aſien zwi⸗ ſchen dem noͤrdlichen Wende⸗Kreis und 420 noͤrdl. Hoͤhe. Rechnet man noch die angraͤnzenden, zu die⸗ ſem Reiche gehoͤrenden Tatariſchen Laͤnder, ſo er⸗ ſtreckt es ſich bis auf 550 in Nord oder auf eine Laͤnge von 357 ſchwediſche Meilen in Oſt und Weſt von 100 bis 130, oder ungefaͤhr auf 315 ſchwediſcher Mei⸗ len Breite. Es grenzt gegen Nord an die ruſſi⸗ ſchen Staaten, gegen Oſt und Suͤd an das ſtille Meer, und gegen Weſt an Tonkin, welches mit Corea, Siam und Cochin⸗China demſelben zinsbar iſt. Ob China ſeinen Namen von ſeinem ehemaligen Beherrſcher Chin oder Sin erhalten habe, oder ob es die Indier wegen ſeiner großen Menge an Seide ſo nennen, oder ob es Sinims Land des Eſatas iſt, kann nicht leicht entſchieden werden. Einige nennen es Chuni, andere Thoum⸗ coͤve oder das mittelſte Reich. Zur Zeit Alex⸗ ander des Großen ſoll es Kitai oder Katai geheißen haben.. China mochte anfangs wohl nur aus der Land⸗ ſchaft Benſi beſtanden haben, und nach und nach kamen mehre Laͤnder hinzu, bis endlich der Kaiſer Schi⸗vang⸗ti alle kleinen Koͤnige ſich unterwarf. Der Kaiſer Chi⸗Hoham⸗ti errichtete gegen die Einfaͤlle der Tataren 200 Jahre vor Chriſtus die große Mauer, welche anfaͤngt in der Landſchaft enſi in Nordweſt unter 380 der Hoͤhe, uͤber alle Berge und Thaͤler ſich erſtreckt, zuerſt nach Nordoſt bis 420 Breite, dann nach Suͤdoſt bis 390, und zwi⸗ ſchen den Landſchaften Peking und Leaotum bei dem See Kang ſich endigt. Die Mauer iſt aus Zie⸗ gelſteinen, 5oo ſchwediſche Meilen lang, 30 Fuß hoch, 5 Fuß dick, und an einigen Orten noch mehr. Die uͤbrigen Grenzen des Reiches ſind theils durch hohe Gebirge, theils durch tiefe Gewaͤſſer befeſtigt. Die Landſchaft Fockien giebt Zucker und den beſten Thee; Schekiang die feinſte Seide; Kiag⸗ nan Firniß, Tuſch und ſchoͤne Arbeit; Charſi, Chenſi und Nunnan Eiſen, Kupfer, Pferde, Maulthiere ꝛc.; Setchuen Schiffs⸗Holz, Arienei⸗ 33 Kraͤuter; Huquam und Kiangſi Reis. Die vie⸗ len Stroͤme und Kanaͤle erleichtern die Kommunika⸗ tion ſehr. Das Klima iſt geſund. Das Mineralreich liefert Gold, Silber, Zinn, Kupfer, Queckſilber, Lafurſteine, Jaspis, Zinnober, Vitriol, Rubine, Kryſtalle u. ſ. w. Auf einem chineſiſchen Boote oder Kiel(Sam⸗ pan) fuhr ich am 2ten September nach Kanton. In dem Boote befanden ſich 2 laͤngliche Tafeln mit chineſiſchen Charakteren, eine Laterne, ein Topf zum Reiskochen, und ein kleiner Schrank fuͤr den Goͤtzen, welcher mit Goldpapier und andern Zierathen ausge⸗ ſchmuͤckt war. Vor demſelben ſtand ein Topf mit Aſche, in welchen die Rauchkerzen geſetzt werden. Die Lichter waren Bambus⸗Spaͤne, an deren obern Ende Saͤgeſpaͤne von Kandelholz mit Gummi ange⸗ klebt ſind. Solche Lichter werden alle Abends vor den Goͤtzen, in den Pagoden, Haͤuſern oder vor den Thuͤren angezuͤndet. Dieſe Lichter verurſachen in der ganzen Stadt einen fuͤr die Augen ſehr beſchwerli⸗ chen Rauch. Die Reis⸗Aecker an beiden Seiten des Stromes, und die aus verſchiedenen Baͤume beſtehenden herrli⸗ chen Waͤlder, Berge und Thaͤler gewaͤhrten eine herrliche Ausſicht. Zollhaͤuſer fand Osbeck drei; ſie ſind auf Pfaͤle und einen ſteinernen Grund an den Strom, und zum Cheil noch uͤber denſelben erbaut, 52tes B. China, II. 1. 3 und mit einer Bruͤcke verſehen, damit die Boote bei Ebbe und Fluth ſich naͤhern koͤnnen. Wenn man auf einem Schiffe nach Kanton reiſt, und ſeinen Tiap(Zettel), welchen man bei dem Mandarin auf dem Schiffe erhalten hat, vor⸗ zeigt, ſo ſetzt jedes der beiden Zollhaͤuſer einen laͤng⸗ lich runden rothen Stempel auf denſelben; bei dem letzten Zollhauſe wird der Zettel abgegeben. Die Reiſe nach Kanton wird angenehmer, wenn man mit der Fluth ankommt, und mit der Ebbe weggeht. Die kleine Stadt Huampu(Pa⸗ti⸗ a u) liegt hinter dem Zolhauſe Wampu Tiap zh aus(Huam⸗ pu Sioͤgun). Die Chineſen ſingen am Strande Fiſche mit Matten, welche ſie zur Zeit der Fluth laͤngs des Ufers aufſtellten, und ſo die kleinen Fiſche hin⸗ derten, mit der Ebbe zuruͤck zu gehen. Bei dem Falle des Waſſers begaben ſich viele Menſchen bis an die Knie in das Waſſer. Die Fiſche huͤpften in dem blauen, thonartigen mit Sand gemiſchten Grunde wie Eidechſen. Sahen ſie kein Rettungsmittel mehr, krochen ſie einen Fuß tief in den weichen Grund, wo ſie von den Chineſen mit den Haͤnden ausgegraben wurden. Dieſe Fiſche, der Gobius pectini rostris Linn.(Faj⸗ je), und der Gobius niger Linn.(Tan⸗ naͤo), mit Oel gebraten, ſind nebſt Reis der vorzuͤg⸗ lichſte Lebens⸗-Unterhalt der Armen. Enten ſamdanen lagen am Lande; wenn der Li⸗ genthuͤmer die Bruͤcke niederließ und die Enten rief, ſo gingen ſie zu hunderten in das Boot. Der Brannt⸗ wein⸗Thurm(Tie⸗Kany) war zur Linken. Wenn die Matroſen an denſelben kommen, ſo ſind ſie berech⸗ tigt, von ihrem Reiſe⸗Branntwein einen Schluck zu nehmen. Kleine Wirthshaͤuſer, welche etwas weiter liegen, ſind dicht neben einander, auf Pfaͤhlen gebaut, und machen den Anfang der Vorſtadt aus. Vor den⸗ ſelben liegen unzaͤhlige kleine und große Fahrzeuge, durch welche der Hafen ſehr ſchmal wird. Wir legten bei dem andern Tiap⸗Hauſe(Tang⸗ pack⸗tay) an, nachdem wir kurz vorher ein Kaſtell voruͤber fuhren, welches in der Mitte des Stromes liegt, und zur Linken blieb. Ein anderes Kaſtell liegt weiter hinauf. Beide waren mit Baͤumen umgeben. Das dritte Tiap⸗Haus iſt das vornehmſte, und liegt nicht weit von den Faktoreien. Es heißt auf Chineſiſch: Tay⸗quam⸗ſang ⸗ſang⸗gunn. Der erſte Ort in der Vorſtadt von Kanton fuͤr die Europaͤer iſt die Faktorei. Obwohl das Ta⸗ peten⸗Papier in den Zimmern ſehr glatt iſt, ſo lau⸗ fen dennoch Eidechſen mit der groͤßten Geſchwindig⸗ keit an den Waͤnden auf und ab. Waͤhrend des Som⸗ mers ſind ſie haͤufig in den Haͤuſern, im Winter aber begeben ſie ſich weg. Die Stadt Kanton iſt der Handelsplatz, an welchem alle europaͤiſchen Schiffe ihre Waaren holen. Kanton, in der Landſchaft gleichen Namens, liegt auf einer Ebene unter 230 3“ noͤrd. Breite, und 950 36 307 6 Stunden und 22 Minuten Laͤnge, oͤſtlich von Upſala, den Meridian von Peking aber 30 344 weſtlich. Auf einer Seite liegt ſie am Strome, von welchem ein oder mehrere Kanaͤle durch die Vorſtadt gehen. Die Haͤuſer ſind auf beiden Seiten dicht an den Steinbruͤcken, welche uͤber den Kanal gehen, ge⸗ baut. Die Alt⸗Stadt iſt mit hohen Mauern und Thoren verſehen; an letztern wird Wache gehalten, damit kein Europaͤer dieſelbe betrete. Hat aber ein Europaͤer die Erlaubniß der Großen der Stadt erhal⸗ ten, ſo wird er in einem bedeckten Tragſeſſel in die Stadt getragen. Die Alt⸗Stadt wird von der Vor⸗ ſtadt ungefaͤhr auf drei Viertheile umgeben. Außer⸗ halb derſelben auf der Landſeite iſt zwiſchen der Mauer und dem Graben ein ſchoͤner breiter Gang. Dicht an dem Graben beginnen die Anpflanzungen, ſie liegen groͤßtentheils niedrig, beſtehen aus verſchiedenen gruͤ⸗ nen Geſtraͤuchen, Wurzeln und Reis, und reichen, ſo weit man ſehen kann. Die Stadtmauer beſteht aus gehauenen Sandſtei⸗ nen, iſt mit allerlei kleinen Baͤumen und Kraͤutern bedeckt, und auf der oberen Seite mit Wachbhauſern verſehen. Der vornehmſte Mann der Stadt iſt der Tſang⸗to oder Sſang⸗tak, welcher ſowohl uͤber die Soldaten, als auch uͤber die zu der Provinz gehoͤrigen Staͤdte und Doͤrfer den Oberbeſehl hat. Die kleinen Herren fallen vor ihm auf die Knie. Zunaͤchſt nach ihm kommt 37 der Fu⸗jenn; der Vornehmſte bei dem Zollweſen iſt der Happa. Das Horgericht in Kanton hat noch 17 andere Staͤdte unter ſeiner Gerichtsbarkeit. Die Straßen ſind lang, aber ſelten gerad, un⸗ gefaͤhr einen Faden, bald mehr, bald weniger breit, und mit laͤnglichen Steinen gepflaſtert. Die Steine ſind durchloͤchert, damit das Waſſer durchlaufen kann; denn die Stadt iſt zum Theile auf Pfaͤhle erbaut. Die Straßen ſind ſehr reinlich, weil beſtaͤndig arme Leute mit Koͤrben umhergehen, und den Unrath ſam⸗ meln.— Wagen und anderes Fuhrwerk ſieht man in der Stadt nie; wenn man Lebensmittel und andere Gegenſtaͤnde von einem Orte zum andern bringen will, ſo geſchieht es durch 2 Koͤrbe, welche man an eine Stange und zwar an jedes Ende derſelben haͤngt. Die Traͤger muͤſſen beinahe beſtaͤndig rufen, daß die Leute, welche die Hauptſtraßen meiſtentheils ganz anfuͤllen, Platz machen.— Leute von allerlei Gewerbe wohnen meiſtentheils in einer Straße beiſammen. In den Apotheken, die Zahl derſelben iſt groß, haͤngen am Boden und an den Waͤnden Hirſch⸗Ge⸗ weihe und getrocknete Kroͤuter in Menge. Osbeck hat nie bemerkt, daß die Apotheker mehrere Sachen zuſammen miſchen; auch nicht, daß ſie Latwergen, Eſſenzen u. dergl., ſondern nur verſchiedene Wurzeln, theils ganz, theils zerſchnitten, verkaufen. Die Leute kauften ihre Arzneien ohne Rezepte, und heilten ſich ſelbſt, ſo gut ſie konnten. Die Wurzel Ninſi, Panas quinquefolia Linn. bei den Chineſen Jaͤn⸗ſaͤm genannt, iſt ſehr theuer; ein Loth derſelben koſtet 30— 40 Loth feinen Silbers. In China darf ſie nicht eingefuͤhrt werden, weil ſie in dem Lande wild waͤchſt. Taͤglich ein Loth in Suppe oder Thee⸗Waſſer gekocht, ſoll ihrer Meinung nach in der Schwindſucht und mehrern Krankheiten ein un⸗ vergleichliches Heilmittel ſeyn. Nahe bei dem Markte iſt eine Pagode. Auf dem⸗ ſelben befanden ſich Leute in Menge, und verkauften Garten⸗Kraͤuter, Fiſche, Speck u. ſ. w. Der Han⸗ del wird theils durch die Landes⸗Bewohner theils durch Armenier und andere aſiatiſche Voͤlker getrieben. Von Kanton werden jaͤhrlich viele Produkte, theils eigene, theils fremde ausgefuͤhrt; beſonders Por⸗ zellan, rohe Seide, Baumwollen⸗Zeuge, Malereien, Blumen von Pavier und ſeidenen Zeugen, Gold, Ku⸗ pfer in Stangen, Tutanego, Queckſilber, Zinnober, Tuſch, Biſam, Thee nach verſchiedenen Sorten. Kampfer wird roh verkauft; Reis, das taͤgliche Brod der Chineſen, waͤchſt in uͤberaus großer Menge; fer⸗ ner findet man die China⸗Wurzel, die Wurzel Gal⸗ gant, Rhabarber, Indigo und Perlmutter.. Die Europaͤer bringen Silber, Blei⸗ feine Klei⸗ der, Scharlach, verſchiedenfarbige wollene Zeuge, Flin⸗ tenſteine, Piſtolen, Flinten, Uhren u. ſ. w. Kabi(chineſiſche Elle) iſt etwa 15 ſchwediſche Zoll lang. Sie iſt in 10 Pan, und jeder Pan in 39 10 Kandarin getheilt. Die Ellen der Schneider ſind gewoͤhnlich laͤnger.— Das Gewicht entſcheidet bei den Chineſen alles, was empfangen und ange⸗ geben wird. Kas iſt die einzige gangbare Muͤnze, welche in China geſchlagen wird, und ſowohl an Groͤße und Werth unſern 1/¼6 Oeren Silbermuͤnze gleich kommt. Dieſe Muͤnze iſt aus Meſſing, und hat in der Mitte ein viereckiges Loch und einen glat⸗ ten Rand, iſt aber an den Seiten mit chineſiſchen Buchſtaben gezeichnet. Mit dem groͤßern Gewichte Datchin wird nach Pekul und Kattien gewo⸗ gen. Mit dem kleinern Gewichte Laͤy⸗tang werden kleine Sachen gemeſſen. Ein Pekul oder Tdaam baͤlt 100 Kattie oder 139 Pfd. 241/46 Loth und 47/32 As. Ein Kattje(1Pfd. 12 14/16 Loth 29/32 As) haͤlt 16 Tel. Ein Tel, Lea der Chineſen, haͤlt 1 Mes ungefaͤhr 14 Thaler Kupfermuͤnze. Ein Mes haͤlt 0 Kandarin, ein Kandarin 10 Kas ungefaͤhr 6 Oer Silbermuͤnie. Syan⸗paͤnn(die chineſiſche Rechentafel) iſt laͤnglich, in 2 Theile getheilt, und hat kleine Rol⸗ len, welche auf Naͤgeln vor⸗ und ruͤckwaͤrts geſcho⸗ ben werden. Dieſer Quer⸗Naͤgel ſind bald mehr, bald weniger, und bisweilen an 2s an ieder Seite. An der einen Seite bedeutet jede Rolle eins, an der andern aber fuͤnf. Verſtaͤnden die Chineſen mit Zahlen zu rechnen, ſo wuͤrde es ſehr geſchwinde ge⸗ 40 hen, indem ihre Maaß⸗, Gewicht⸗ und Geld⸗Rech⸗ nungen dezimaliſch ſind. Die Chineſen ſind weiß, ſehen einander meiſt gleich, haben kurze Naſen, kleine Augen, kur⸗ ſchwarze Augenbraunen, ein breites Geſicht, große Ghren und ſchwarze Haare, von welchen aber nur ein Buͤſchel auf dem Scheitel ſtehen bleibt. Die alten Maͤnner⸗, welche wenig Haare haben, machen ihren Zopf mit einem Bande anſehnlicher, damit ſie in der Eile nicht fuͤr Verbrecher angeſehen werden moͤgen, welchen der Zopf abgeſchnitten wird. Die Maͤnner laſſen die Baͤrte wachſen, und theilen ſie in verſchiedene Locken. Im Umgange ſind die Chineſen freundlich, in ihrer Lebens⸗ weiſe maͤßig und reinlich, im geſellſchaftlichen Leben fleißig, zu Gewerben, beſonders zum Handel ſehr auf⸗ gelegt. Sie ſind aber auch Schwaͤtzer, neugierig, ei⸗ gennuͤtzig, nehmen gerne Geſchenke, ſind eigenſinnig, hochmuͤthig und argwoͤhniſch. Bei dem Begegnen he⸗ ben ſie die Haͤnde in die Hoͤhe, beruͤhren aber weder Hut noch Muͤtze. In Ermangelung der Stuͤhle ſetzen ſie ſich auf die Ferſen. Ihr freundlicher Gruß iſt: Hoa, Hoa(Gut, Gut). Vor den groͤßern Herren fallen die Geringern auf die Knie. Die Mannsperſonen tragen zwei weite Roͤcke von Seide oder Baumwolle; der untere derſelben iſt weiß, der obere aber violet oder ſchwarz. Sie gleichen unſern langen Schlafroͤcken, und ſind ohne Futter, Steifung, Knopfloͤcher, Falten und Aufſchlaͤge. Kleine, runde, 41 vergoldete Knoͤpfe werden durch kleine Schnuͤre, welche gegen die innere Seite etwas weit hinein feſt gemacht ſind, verbunden. Die Aermei ſind ſehr lang und weit, die Beinkleider weit und weiß, und wer⸗ den um den Leib und unter den Knieen geſchnuͤrt. Die Struͤmpfe ſind dick, ausgenaͤht, und wie Stie⸗ fel gemacht. Die Schuhe werden aus Schweins⸗ Leder verfertigt, und mit Baumwolle⸗Garn genaͤhet. Arbeitsleute, Bauern und Fiſcher tragen Bambus⸗ Huͤte mit verſchieden farbigen Krempen. Die Vor⸗ nehmen tragen Muͤtzen, und unterſcheiden ſich durch verſchiedenartige Auszeichnungen an denſelben von ein⸗ ander. Nie ſieht man einen Chineſen, welcher ſich des Halstuches, der Handſchuhe, Strumpfbaͤnder, Schuhe⸗ oder Guͤrtelſchnallen, und nur ſelten ſich eines Stockes bedient. Statt dieſer Sachen haͤngt die Dabakspfeife, der Geld⸗ und Tabaks⸗Beutel u. ſ. w. an langen Schnuͤren von der Seite bis auf die Beine. Im Winter ziehen ſie oft 13— 14 Roͤcke an, und gebrauchen ſtatt eines Pelzes zur Erwaͤrmung der Haͤnde eine lebende Wachtel. Die Armen gehen mit bloßen Fuͤßen, und die meiſten bis auf den halben Leib nackt. Man ſieht oͤfters kleine Kaͤhne angefuͤllt mit nackten Kindern meiſtens nackter Aeltern, welche keine andere Wohnung, als dieſe auf dem Waſſer haben. Sie leben von Fiſchen, todten Schweinen, und was ſonſt uͤber Bord geworfen wird. Die vornehmen Frauenzimmer muͤſſen ſich beſtaͤn⸗ 42² dig im Hauſe aufhalten. Die Frauen gemeiner Leute ſieht man taͤglich, beſonders in den Booten; ſie ſind faſt wie die Maͤnner gekleidet, nur flechten ſie ihre Haare auf dem Scheitel in einen Knoten zuſammen, und befeſtigen dieſelben mit großen, langen, ſilbernen Nadeln. Die Haare der Unverheiratheten ſind an den Seiten verſchnitten, und haͤngen eine Querhand lang rund um das Haupt. Das Schminken iſt allge⸗ meine Mode. Dem Rauchen ſind beide Geſchlechter ergeben, und nicht ſelten ſieht man Weiber in Boo⸗ ten, mit Kindern auf den Ruͤcken, das Ruder fuͤhren, und Tabak rauchen. Die Frauen, um nicht in ihren Arbeiten gehindert zu werden, binden die Kin⸗ der auf den Ruͤcken, und verſehen die Kleinen mit Kalebaſſen, damit ſie nicht unterſaͤnken, wenn ſie allen⸗ falls in den Strom ſtuͤrzen ſollten. Die Geſchaͤfte der Frauen ſind die Kind erzucht, die Kuͤche, der Webſtuhl und der Spinnrocken. Die Kinder ſind mit ſilbernen Ringen um die Arme und Fuͤße, und außerdem mit Muͤnzen, welche auf der Bruſt haͤngen, geſchmuͤckt. Die Volks⸗Anzahl in China iſt ſo groß, daß die Straßen ſo angefuͤllt mit Menſchen ſind, als ſei taͤg⸗ lich Jahrmarkt. Die Menſchen⸗Menge ſchaͤtzt man guf s8 Millionen. Das Papier wird in China von der innern Rinde des Bambu(Arundo Bambos) gefertigt, und hat mit unſerm Papier nichts Aehnliches, als die Farbe. Ihre Bogen baben die Groͤße von 4 unſerer Bogen; 43 auf einer Seite iſt es glatt wie Glas; auf der andern nicht, daher immer 2 Blaͤtter zuſammengelegt wer⸗ den, und nie auf mehr als eine Seite geſchrieben oder gedruckt wird. Das Druck⸗Papier iſt ſo duͤnne, wie eine Eihaut. Die Chineſen ſchreiben mit Pinſeln, welche in Tuſch getaucht werden. Buͤcher findet man aus allen Wiſſenſchaften; kein einziges aber in einer fremden Sprache. Das Format ihrer Buͤcher iſt Re⸗ galoctav; alle Buͤcher aber find mit ausgeſchnitzten Holztafeln gedruckt. Die Beobachtungen der Chineſen am Himmel und Erde; ihre Moral, ihre Geſetze, ihre Meditin, ihre Naturgeſchichte und ihre Haushaltung, ſind be⸗ ruͤhmt. Dagegen iſt die Religion heidniſch, und Sek⸗ ten giebt es ſo viele, als faſt Koͤpfe; indeſſen 3 Haupt⸗ ſekten. Die erſte heißt Tao⸗tſe, und ihr Stifter Daokiun; die andere und allgemein verbreiteſte iſt die Sekte des Fo oder Foez die dritte Sekte be⸗ ſteht aus Philoſophen, welche ſich auf des Confu⸗ eins und ſeines Schuͤlers Memcius Lehrjaͤtze gruͤnden. Die Roͤmiſch⸗Katholiſchen haben durch die Je⸗ ſuiten und andere gelehrte Maͤnner viele Chine⸗ ſen zu ihrem Glauben gebracht, ſind aber endlich nach unzaͤhligen Abwechſelungen von Gnaden⸗Bezeugun⸗ gen und ſchweren Todes⸗Strafen, des Landes ver⸗ wieſen worden, nur wenige Mathematiker ausgenom⸗ 44 men, welche im Reiche, jedoch nicht am Hofe ſich aufhalten durften. Die Chineſen beginnen eine neue Zeitrechnung, ſo oft ein neuer Kaiſer den Thron beſteigt. In ihrem Kalender ſind die 12 Monate auf jeder Seite des Ka⸗ lenders mit großen Buchſtaben(ꝛ) bezeichnet; jeder Tag nimmt eine Zeile ein, und an dieſer iſt alles verzeichnet, was mit Vortheil unternommen werden 4 kann. Der Tag wird in 212 gleiche Theile getheilt, die Zaͤhlung derſelben beginnt um Mitternacht, folg⸗ lich macht eine ihrer Stunden zwei der unſrigen aus. In jeder Stadt iſt ein Thurm, und auf demſelben ein Stunden⸗Glas mit Sand oder Waſſer angefuͤllt, durch welches die Stunden entſchieden werden. Die Kanonen lernten die Chineſen von den Europaͤern erſt um das Jahr 1621 kennen, in wel⸗ chem ſie von den Portugieſen 3 Stuͤcke erhielten. Acker⸗ und Gartenbau ſind in der groͤßten Bluͤthe. Die Chineſiſchen Kaiſer haben zu allen Zeiten eine be⸗ ſondere Sorgfalt dem Ackerbau und den Pflanzungen gewidmet; ja ſogar Hand bei dieſen angelegt. Der Kaiſer begiebt ſich im Fruͤhlinge auf das Feld, und pfluͤgt ſelbſt zur Ermunterung des Landmannes, einige Aecker. Die Vornehmen, als ſeine Begleiter, beſor⸗ gen die Opfer, und arbeiten die Reden aus, welche der Kaiſer den Pfluͤgern zu halten hat. Andere ſchla⸗ gen Zelte auf, ſuchen 40— so alte ehrwuͤrdige Bauern zuſammen, welche dem Kaiſer vorgeſtellt werden; 45 die juͤngern lenken den Pflug, fuͤhren die Ochſen, und ſaͤen das Getraide. Das Volk bereitet ſeine Speiſen auf die einfachſte Weiſe. Der Reis wird in Waſſer gekocht, dann abge⸗ ſeihet, und das Gekochte warm gegeſſen. Die Leute in den Booten ſetzen ſich um den Tiſch herum, und fuͤhren mittelſt einer Thee⸗Schaale in der linken Hand die Speiſe zum Munde. Zwiſchen den vordern Fin⸗ gern der rechten Hand halten ſie 2 kleine, eine halbe Elle lauge Staͤbe, mit welchen ſie eine Schale nach der andern in den Mund bringen. Auch ſpeiſen ſie Speck, Fiſche und eine den Feigen aͤhnliche, aber etwas laͤngere Frucht, Ai⸗gwa oder Kea. Außer⸗ dem bedienen ſie ſich einer Gattung Gruͤnes, welches ſie aus einer andern Schale, und mit dem Reiſe zu⸗ gleich eſſen. Die Vornehmen bedienen ſich zwar der Tiſche, haben aber keine Tiſch⸗Tuͤcher, Meſſer und Gabeln. Der Meſſer koͤnnen ſie entbehren, weil ſie kein Brod eſſen. Speck, Fiſche und andere Gerichte werden ſchon, ehe ſie aufgetragen werden, in kleine Stuͤcke geſchnitten. Loͤffel kommen gar nicht vor, weil es keine Suppe und Sauce giebt. Bei dem Eſſen wird entweder Chee ohne Zucker, oder elender Samſu getrunken. Sie bewirthen einander ſo, daß keiner ſeine Schale austrinkt, ſondern eines dem andern ſeine Schale zum Munde fuͤhrt, und ihn trinken laͤßt, welches der andere mit ſeiner Schale erwiedert. Hoͤf⸗ lichkeit-Bezeugungen werden weder vor, noch nach 46 dem Tiſche gemacht. Sie ſpeiſen geſchwinde, und nehmen taͤglich 3— 4 ſtarke Malzeiten. Schweine⸗Fleiſch wird gewoͤhnlich gegeſſen.— Froͤſche, Kopp⸗na, verkauft man auf allen Stra⸗ ßen. Sie werden mit einem Faden uͤber den Ruͤcken zuſammengebunden, und lebendig auf den Straßen herumgetragen; ſie ſind ein Leckerbiſſen der Chineſen. Den 8. September ließ ich mich auf einem Chine⸗ ſiſchen Boot zur Stadt Holam oder Honam fah⸗ ren. Zwiſchen dem Ufer und den Haͤuſern bei einer Pagode iſt ein großer Platz mit großen und hohen Baͤumen umgeben, welcher Lianſiy genannt wurde. Als mir ein Chineſe eine Pfeife Tabak anbot, und ich mich weigerte, dieſelbe anzunehmen, ergriff er mich bei dem Kleide, und wollte ſich meiner Knie⸗Schnal⸗ len mit Gewalt bemaͤchtigen. Da ich mich von dieſem Manne mit Gewalt trennte, verfolgten mich kleine Buben mit Steinen. Einen nahe liegenden Garten ſehen zu duͤrfen, konnten wir weder fuͤr Geld, noch durch gute Worte Erlaubniß erhalten. In dem Hauſe eines Aufſehers wurden wir gut aufgenom⸗ men; wir begaben uns dann in einen kleinen Wald, welcher groͤßten Theils aus Bambu⸗ Baͤumen beſtand. Wie es mir ſchien, waren hier 2 Arten dieſes Bau⸗ mes, eine wuchs auf Bergen, ward nur einige Ellen hoch, und war ſehr aͤſtig und zackig: die andere wuchs an niederen Orten, ward bis 3 Menſchen⸗Laͤngen 47 und noch daruͤber hoch, wuchs gerade, und war ohne Zacken. Vor dem Walde ſetzten wir uͤber einen kleinen Bach, und gelangten an einen hohen ebenen Platz, welcher zum Begraͤbniſſe der Chineſen diente. Einige Saͤrge ſtanden uͤber der Erde, und waren wie Bie⸗ nenſtoͤcke an den Baͤumen aufgeſtellt. Nach dem Be⸗ richte der Chineſen waren dieſe fremde Leichen, welche, ohne begraben zu werden, auf oͤffentliche Koſten in Saͤrge gelegt worden ſind. Mit dem Einbruche der Nacht kehrte ich nach Kanton zuruͤck. Als wir das Land außerhalb der Stadt ſehen wollten, und durch die Straßen der Vorſtadt gegan⸗ gen waren, trieben uns Jungen mit großem Geſchreie und einem Steinhagel zuruͤck. Wir ließen die Stadt mit ihrer Mauer zur Rechten, und ſahen zu beiden Seiten des Weges nur Aecker oder große ſchmale Leim⸗ felder mit Reis bedeckt.— Der Chineſe richtet nicht den Acker nach der Saat, ſondern die Saat nach dem Acker ein. An verſchiedenen Hecken ſahen wir Eu- phorbia nerii folia(Fujong⸗fa), Ipomea Quamoelit, und unſern ſchwediſchen Hopfen. Die Beſchreibung der vielen ſeltenen Pflanzen, welche Osbeck ſammel⸗ te, koͤnnen wir hier nicht mittheilen, ſondern muͤſſen wißbegierige Leſer an ſeinen eigenen Reiſe⸗Bericht verweiſen. Die Chineſiſchen Graͤber werden an den Sei⸗ ten der Berge gemacht, und ſehen aus wie Eiskeller. 48 Auf beiden Seiten haben ſie Erhoͤhungen, von Stei⸗ nen, und ſtatt der Thuͤre einen Stein, mit einer Ta⸗ fel, dem Andenken des Verſtorbenen geweiht. Keinem Eingebornen, viel weniger einem Fremden, wird ge⸗ ſtattet, ſich in die Stadt begraben zu laſſen. Als Osbeck einen Chineſen fragte, warum die Vor⸗ nehmen nicht innerhalb der Stadt beerdigt wuͤrden? Was fuͤr eine Ehre koͤnnen wir den Verſtorbenen er⸗ weiſen, wenn wir ſie in die Stadt begraben, antwor⸗ tete er? Wuͤrden wir ſie in den Haͤuſern beerdigen, ſo koͤnnten ſie ihren Kindern beſchwerlich fallen, und ihr Verdienſt wuͤrde mit ihnen gleichſam begraben ſeyn. Wir legen ſie daher auf freien Plaͤtzen in den Schooß der Erde, und errichten Denkſteine, damit alle Leute ihre Handlungen leſen koͤnnen. Den 11. September beſuchten wir die mohriſche Pagode, welche noch eine gute Strecke weiter, als die europaͤtſchen Graͤber liegt. Sie lag auf einem ſehr hohen Berge, und unterſchied ſich durch ihr Inneres nur wenig von den chineſiſchen Pagoden. Bei dem Herabſteigen von dem Berge fand ich das Te⸗limm der Chineſen, oder die Melaſtoma octandra zu beiden Seiten des Weges. Eine Pflanze, welche in der na⸗ tuͤrlichen Ordnung der Lyſtmachia nahe kommt, und bei den Chineſen Komm⸗Heong looa heißt, be⸗ nannte der große Linne, zur Ehre des Verfaſſers, und ſeiner Verdienſte um die Naturgeſchichte wegen, Osbeckia chinenſis. 49 Heu fuͤr das Rindvieh zu ſammeln, hat der Ch i⸗ neſe nicht noͤthig, indem das Vieh das ganze Jahr auf die Weide gehen kann. Er bedarf auch keiner Kuͤhe, weil er ſich ohne Milch, Kaͤſe und Butter be⸗ hilft, und haͤlt keine Pferde, weil er entweder geht oder in einer Saͤnfte ſich tragen laͤßt. Auch beſuchte ich Franche Islan d, welches zwei ſchwediſche Meilen von der Stadt Kanton liegt, und bei den Chineſen Som⸗ſo⸗ang heißt. Hier befanden ſich mehrere Grabmale daͤniſcher, engli⸗ ſcher und franzoͤſiſcher Reiſender. Fuͤr jede Leiche, welche auf der Inſel beerdigt wird, erhalten die Chi⸗ neſen 1 Tel, 4 Mes, 8 Kandarin. Osbeck unter⸗ ſuchte den Boden und die Pflanzen der Inſel, von welchen letztern er manche Seltenheit fand. Den 14. September kam der Hoppo,(Oberzoll⸗ Inſpector), um unſer Schiff zu meſſen. Er ſchickte ſeine eigene, mit rothem Tuche belegte Treype voraus, und kam in einer großen, roth angeſtrichenen Sampa⸗ ne, unter Begleitung einiger Muſikanten. In ſeinem Gefolge befanden ſich, nebſt ſeinen Dienern, Knechte und Soldaten, von denen einige Federn auf den Muͤ⸗ tzen, andere Saͤbel an der Seite hatten. Als der Hoppo in das Schiff ſtieg, hielt ein Diener einen Sonnenſchirm uͤber ihn. Nachdein er Platz genom⸗ men hatte, befahl er zweien ſeiner Leute, die Laͤuge und Breite unſeres Schiffes mit einem Stricke zu meſſen. Fuͤr dieſe Meſſung mußte unſer Schiff 600 52ſtes B. China. II. 1. 4 50 Piaſter, oder gegen 6000 Thaler Kupfermuͤnze, als Zoll erlegen. Dagegen beſchenkte er uns mit 2 leben⸗ den Ochſen, 8 Saͤcken Mehl, 8 Kruͤgen chineſiſchen Weins u. ſ. w. Bei ſeiner Ankunft und Entfernung geſchahen 16 Ehrenſchuͤße. Den 13. Oktober gieng ich von der Faktorei in die naͤchſte Straſſe, um mich in den Kauflaͤden umzu⸗ ſehen. Bei uns war Feiertag, bei den Chineſen aber iſt ein TDag dem andern gleich. Ich traf eine Gattung Leinwand, welche etwas rauh anzufuͤhlen war. Man ſagte mir: dieſe Leinwand werde aus einer Rinde bereitet, gleichfalls wie ein anderer ſehr gebraͤuchlicher Zeug. Dieſe Leinwand war ſehr weiß und ſo ſchmal, als die Kanton'ſche Baumwolle⸗Leinwand. Der Flachs iſt in den orientaliſchen Laͤndern ſehr ſelten. Von den Kraͤutern, welche gegen den Skorbut dienen, fand ich in China kein einziges wild wachſend, nicht einmal eine mit Kreuzblumen(Tetradynamistae). Ich hoͤrte auch nicht, daß Jemand hier zu lange vom Skorbut geplagt werde. Das Laternen⸗Feſt nahm den 29. Oktober ſeinen Anfang, und ſollte drei aufeinander folgende Naͤchte zur Ehre des Feuer⸗Gottes Fa⸗Kang gefeiert wer⸗ den. Die Feier geſchah alſo: man ſtellte viele hundert Laternen ſo zuſammen, daß ſie eine Art Gewoͤlbe bil⸗ deten; auch waren viele Kronleuchter in Geſtalt von Baͤumen angebracht. Vor den Haͤuſern ſtanden große Menſchen, und Pferd⸗Geſtalten aus Papier; gewoͤhn⸗ . 51 lich waren alle Zimmer im Hauſe geoͤffnet und beleuch⸗ tet. Muſikanten befanden ſich in dem Zimmer, wel⸗ ches zunaͤchſt an der Straße war, und ſpielten auf In⸗ ſtrumenten, welche ich zuvor nie gehoͤrt hatte. Drei Opfer⸗Prieſter gingen in dem Hauſe mit Rauchwerke und Opfern umher, waren in lange, weite, rothe Roͤcke gekleidet, und trugen hohe Muͤtzen. Die Chine⸗ ſen ſagten, daß ſie jaͤhrlich auf dieſe Weiſe um Ab⸗ wendung von Feuers⸗Gefahren baͤten. Der 14. Dezember, der ſechste Tag in dem elften Monate(Schiengib) der Chineſen, iſt dieſen beſenders wichtig. Iſt derſelbe heiter, ſo verkuͤndet er ein gutes Jahr; faͤngt er aber mit Regen an, ſo befuͤrchtet man Mißwachs. Die Chineſen bringen ibren Goͤtzen Opfer, in der Hoffnung, daß ſie dieſelben mit Theurung ver⸗ ſchonen werden. Den 21. Dezember fuhr ich in unſerer Schaluppe laͤngs des Landes bei dem Loͤwenthurme hin. Hier war am ufer ein großer Berg, in welchem roͤth⸗ licher Sandſtein gebrochen, gehauen und bearbeitet wird. Die Arbeiter hatten in dem Steinbruche eine Menge kleiner Haͤuſer gebaut, welche dem Berge an der Seeſeite das Anſehen einer kleinen Stadt gaben. Auf der Hoͤhe war eine kleine Schanze, und nach dem Strande giengen gepflaſterte Wege. In den abgeaͤrn⸗ teten Reis⸗Feldern waren Furchen gezogen, um in denſelben beim Ablaufe des Waſſers die Fiſche zuruͤck⸗ zuhalten. Wir wunderten uns, daß die Chineſen, 5² welche ihre Netze in der Tiefe ausgeſtellt hatten, einen Schuß nach dem andern thaten, ohne nach einem Ge⸗ genſtande zu zielen. Bei dem Nachfragen erfuhren wir, daß es geſchehe, um die Enten zu verſcheuchen, welche ſonſt geſchwinder als die Menſchen die Netze ausleeren wuͤrden. Nie habe ich ſo dreiſte und ſo zahl⸗ reiche Haufen von Enten geſehen; ein Haufe kam nach dem andern geflogen, und verſuchte des herrſchen⸗ den Geraͤuſches ungeachtet, zu Tauſenden bei den Ne⸗ tzen nieder zu fallen. Dieſe Enten unterſchieden ſich etwas von unſern wilden Enten. Nach einem Aufenthalte von vier Monaten und zehn Tagen in China lichtete endlich unſer Schiff den 4 Januar 1752 die Anker, um die Ruͤckreiſe an⸗ zutreten. Alles huͤpfte vor Freude. Auf der Ruͤckreiſe machte Osbeck ſehr viele naturhiſtoriſche Ausbeute, und langte den 26. Juni gluͤcklich wieder in ſeinem Vaterlande an. Olof Foreen's*) Reiſe nach Oſt⸗ Indien und China vom 1. April 1750 bis 26. Juni 1752. Aus dem Schwedi⸗ ſchen überſetzt von D. G. Georgi. Den 1. April 1750 giengen wir mit dem Schiffe der Gothiſche Loͤwe von Gothenburg unter Segel, und erreichten den ⸗ Mai Madera. Zwiſchen Afrika und Madagaskar fanden wir ein Thier⸗ chen, welches im Waſſer einem Wurme glich; wenn man es aber auf einen Teller legte, gingen alle Glie⸗ *) Dieſer war gleichfalls zu Upſala Schuͤler Linne's welchem er in Briefen vom 20. Nov. 4752 bis 3. May 1753 nach ſeiner Ruͤckkehr jene Beobach⸗ tungen mittheilte, welche er als Schiff⸗Prediger der oſtindiſchen Geſellſchaft zu machen Gelegenheit hatte. Seine Geſundheit war aber durch die Reiſe ſo erſchuͤttert worden, daß er ſchon den 17. Au⸗ uſt 1753 bei Naͤſinge ſtarb. Die k. Akademie ließ ſanen Reiſe⸗Bericht mit jenem Osbecks er⸗ einen. 54 der auseinander, und jedes bewegte ſich von ſelbſt. Auch erhielten wir ein ungewoͤhnliches Seethier. Wir hatten bereits Maſſota, Mobilla und das hohe Comaro geſehen, und ſuchten den 16. Auguſt ſehn⸗ ſuchtvoll die noͤrdliche Bay von Johanna zu errei⸗ chen. Dieſes Land iſt eines der ſchoͤnſten auf der Erde. Die Inſel iſt zwar uneben und bergig; aber dieſes erhoͤht nur ihre Schoͤnheit, denn Huͤgel und ſteile Ber⸗ ge ſind gruͤn bekleidet. Kokos, Muſa, Ananas, Gra⸗ nataͤpfel, Papayen und andere Fruͤchte ſind hier im Ueberfluße. Buckelochſen, Ziegen mit herabhaͤngenden Ohren, gemeine und guineiſche Huͤhner erhaͤlt man fuͤr billige Preiſe. Die Einwohner ſind Mahume⸗ taner aus Afrika abſtammend, und betragen ſich boͤflich gegen Fremde. Der Farbe nach ſind ſie ſehr verſchieden. Eidechſen findet man in unzaͤhliger Men⸗ ge, Auf einen Kokos⸗Baum, welcher 20 Ellen hoch iſt, kann man ſicher 60 Eidechſen rechnen. An man⸗ chen Orten kann man keinen Schritt gehen, ohne gan⸗ ze Haufen derſelben aufzujagen, welche unter dem Laube verborgen liegen. Den 16. September warfen wir auf der Rhede von Suratte Anker, ungefaͤhr eine ſchwediſche Meile vom Lande, weil uns die Sandhaͤnke nicht naͤher kommen ließen. Die See wirft hier bei der Ebbe und Fluth ſtarke Wellen, und iſt voll Seewuͤrmer, welche ſich nicht nur uͤber Waſſer halten, ſondern auch das 55 Holz am Anker in der Tiefe anfreſſen. Die Stadt Suratte liegt ungefaͤhr 3 ſchwediſche Meilen vom Ankerplatze an dem Fluſſe Tapti oder Tapta. Die Einwohner zerfallen in malabreſiſche Heiden, die aͤlteſten Landeseinwohner in Parſen und Muhame⸗ taner.. Den 1. Maͤrz 1754 ſegelten wir mit abwechſeln⸗ den Land⸗ und See⸗Winden nach Mangulor, wo wir den 12ten mit vielen Ungemaͤchlichkeiten anker⸗ ten. Der Flecken Mangulor iſt ein offener, geraͤu⸗ miger Ort mit vielen Gaͤrten. Die Einwohner ſind Heiden. Den 17. erreichten wir Mahie. Die Stadt liegt nicht weit vom Strande, und gehoͤrt der fran⸗ zoͤſiſchen Kompagnie. Der Ausfluß des Stro⸗ mes iſt mit vielen Klippen, welche aus dem Waſſer hervorragen, bedeckt. Die Hitze war ſo unertraͤglich, daß die Einwohner um die Mitte des Tages in ihren Haͤuſern ſich verbargen. Die haͤßlichſten Thiere, wel⸗ che wir ſahen, waren die gentiviſchen Frauenzimmer, welche nichts als ihre Lenden bedeckt hatten. In Ma⸗ hie erhielt ich das ſeltene Inſekt, welches zwiſchen der Bruſt und dem Bauche eine lange Sehne hat. Wir ſetzten den 13. unſere Reiſe nach Queda in der Straße von Malacca gluͤcklich fort. Das Land iſt hier bis auf eine Strecke vom See⸗ ufer ſehr niedrig, und uͤberall mit dichten Waldungen bedeckt. In den Waͤldern gibt es Tiger, Meerkatzen, Papageien. In dem Meere ſind außer verſchiedenen Fiſchen auch ver⸗ 56 ſchiedene Krabben⸗Arten. Viele Auſtern erhaͤlt man in dem Strome, auch halten ſich in demſelben viele Krokodille auf, welche, waͤhrend die Fluth ſich uͤber das niedrige Land verbreitet, weit in den Wald bin⸗ eingehen. Mit Anfang des Juni ſahen wir China, gingen bei Macao vorbei, und ankerten den 1. bei Wam⸗ po. Erblickt man das Land, ſo zeugen Ebenen und Thaͤler von der Menge und dem Fleiße der Einwohner. Die niedrigſten Felder werden zu Reis⸗Aeckern zube⸗ reitet, weil der Reis viel Waſſer erfordert, welches ihm die Fluth ohne Bemuͤhung des Landmannes mit⸗ theilt. Waͤhrend ſeines Wachsthumes wird er aus⸗ geriſſen und in Schlangen⸗Linien umgepflanzt, damit das Waſſer beſſer an die Wurzel dringen koͤnne. Selbſt hohe liegende Plaͤtze und Berge werden angebaut. Was nicht zu Aeckern benutzt werden kann, wird mit Baͤumen bepflanzt. Auf hohen Huͤgeln ſind Thuͤrme errichtet, welche alle 8 Seiten haben, 9 Stockwerke hoch ſind, und ſich in eine Spitze endigen. Je weiter man auf der Reiſe nach Kauton den Strom aufwaͤrts kommt, deſto groͤßer wird die Anzahl der groͤßern und kleinen Fahrzeuge, welche theils ab⸗ und zugehen, theils ſtille liegen. Naͤher nach der Stadt ha⸗ ben ſie kaum auf dem Strome Raum.— Die Vorſtadt iſt durch viele Kanaͤle abgetheilt, und ſo ſehr als moͤglich 57 bebaut. Die Quartiere ſind groß, die Hofraͤume dagegen ſchmal undlang. Man findet hier und da offene Hofplaͤtze, zwiſchen welchen bisweilen Fußboͤden der Wohnzim⸗ mer angelegt werden, uͤber welche ein Ziegeldach auf⸗ gerichtet wird. Die Treppen ſind enge, die Stufen boch und ſchmal. Wenn die Zimmer nicht durch Thuͤ⸗ ren und offene Waͤnde Licht erhalten, hat man ihnen Fenſter von Perlmutter⸗Schalen gegeben. Die Waͤu⸗ de ſind mit feinem weißen oder bemalten Papiere be⸗ kleidet; gewoͤhnlich haͤngen einige Denkſpruͤche an den⸗ ſelben. Faſt an jedem Zimmer iſt ein kleiner Garten⸗ Platz, in welchem einige Blumen⸗Beete und Geſtelle zu Blumentoͤpfen, groͤßere Gefaͤße zu Schnecken, Gold⸗ fiſchen u. ſ. w. ſich befinden. In den Gaͤrten ſteht man weder durch Kunſt ge⸗ zogene Baͤume, noch Laubgaͤnge, ſondern alles iſt in einer natuͤrlichen Zerſtreuung. Statt der Grotten wer⸗ fen ſie Haufen poroͤſer Steine zuſammen, welche Ber⸗ gen und Klippen aͤhnlich ſind. Dieſer Geſchmack an dem wilden Anſehen der Gaͤrten erſtreckt ſich auf die kleinen Blumenbeete und Blumentoͤpfe in den Haͤu⸗ ſern. Eine der vornehmſten Pagoden iſt in der Vorſtadt in einem ſtillen Haine. Sie ſoll ehemals den Jeſui⸗ ten gehoͤrt haben. In dem Vorſaale waren vier Rie⸗ ſenbilder von weißer, brauner, ſchwarzer und rother Farbe, in einer Stellung, als ob ſie mit dem Schwerte um ſich hauen wollten. Gegen den binteren Theil iſt 58 ein Hofraum, deſſen Seiten mit niedrigen Gebaͤuden eingefaßt ſind; auf der vordern Seite ſteht ein hohes, ziemlich großes Haus ganz frei, welches, wie bei an⸗ dern Pagoden mehr breit als lang iſt. Um das ganze Gebaͤude geht eine Treppe, welche zu einer Thuͤre fuͤhrt, in welche man, aus unbekannten Urſachen, nicht gehen darf. Etwas weiter wird ein Gehoͤfte durch einen Kanal getheilt; an der andern Seite befindet ſich eine zwei Stock hohe Pagode. In dem unterſten Stocke ſitzt ein dicker, fetter, halbnackter Goͤtze auf einem Sofa; er ſcheint aus vollem Halſe zu lachen, indem er in einer unverſchaͤmten Stellung iſt. Vor ihm ſteht ein eiſerner Rauchaltar. In dem obern Stocke befindet ſich das Bild eines Frauenzimmers mit kreuzweis gelegten Beinen, mit niedergeſchlagenen Augen, beſcheiden laͤchelnd. Beide Bildniße gehen zuͤber die gewoͤhnliche Menſchen⸗Groͤße hinaus, und ſind ganz vergoldet. In einer Pagode,(ſie ſteht außerhalb der Stadt auf einem Berge) befinden ſich zwei weiße Pferdebil⸗ der. In dem aͤußern Zimmer ſteht eine kleine weib⸗ liche Geſtalt mit einem Kinde; in dem innern Gema⸗ che iſt auf einem Stuhle ein groͤßeres Bild, welches nach chineſiſcher Art einen langen Bart hat; vor dem⸗ ſelben befinden ſich vier ſtehende Bilder. Die Mannsperſonen, welche an Groͤße ſehr ver⸗ ſchieden ſind, haben eine gelbliche Haut; die vorneh⸗ men Frauenzimmer ſind blond, die geringern aber von 59 der Sonne verbrannt. Der Knochen oberhalb des Au⸗ ges ſteht ſehr hervor, und macht mit dem Kinne ein Dreieck. Die meiſten koͤnnen die Augen nicht auf⸗ ſchlagen; dieſes ſoll davon herruͤhren, daß die Kinder mit niederhaͤngendem Kopfe auf dem Nuͤcken getragen werden; und durch dieſes Verfahren die Augen gleich⸗ ſam anſchwellen. Ihre Naſen ſind ein wenig platt⸗ die Lippen mittelmaͤßig. Die Kinder werden anfangs geſchoren, um das Wachſen der Haare zu befoͤrdern, in der Folae bleiben aber nur eine oder drei Locken ſtehen, die Barthaare wollen bei ihnen nicht recht fortkommen. Wenn man einen Chineſen fragt, was er fuͤr ſeinen Haarzopf ha⸗ ben will, ſo fragt er wieder, was man fuͤr ſeinen Kopf verlangt. Die Frauenzimmer binden die Haare uͤber den Scheitel, und flechten, um den Zopf zu vergroͤ⸗ ßern, falſche Haare ein. Auf den Straſſen beunruhigen Blinde als Bettler die Voruͤbergehenden. Als Almoſen reichen ihnen die Chineſen gewoͤhnlich einen Loͤffel Reis.— Der Suͤnde Sodom's huldigen Chinas Bewohner im hoͤch⸗ ſten Grade; doch ſtraft ſie die Natur durch abſcheuliche Krankheiten. Die Chineſen zeigen nur beim Steh⸗ len Muth, ſind aber doch rachgierig und heimtuckiſch, wie alle kleinen Geiſter. Bei dem Begruͤßen zieht man die linke Hand zuſammen, legt die Rechte auf dieſelbe, ſenkt ſie nieder, buͤckt ſich, und hebt ſie wie⸗ der auf. Vei der Thuͤre machen ſie Umſtaͤnde wegen 60 des Vorangehens, und laſſen ſich einige Male bitten, ehe ſie ſich ſetzen. Bei einem Beſuche wird man mit Thee, eingemachten Fruͤchten, auch mit europaͤiſchen und Kap⸗Weinen bewirthet. Zum tiefen Nachſinnen ſind die Chineſen nicht geſchaffen; deſto mehr verlegen ſie ſich auf den Han⸗ del, bei welchem ſie alle moͤgliche Kunſtgriffe handha⸗ ben. Auf alte Gemaͤlde und altes Porzellan halten ſie viel. Die Handwerker ſind fleißig, und in den Preißen billig. Ihre offenen Werkſtaͤtte haben den Nutzen, daß keine Kunſt gant unbekannt bleibt, oder von den Voruͤbergehenden fuͤr ſchwer gehalten wird⸗ Die Maler wuͤrden gut ſeyn, wenn ſie mit dem Schatten umzugehen verſtaͤnden. Man findet ſehr ſchoͤne auf Papier und Glas gemalte Gegenſtaͤnde, aber von ſehr ſchlechter Zeichnung. Die triefenden und ſchwachen Augen der Chineſen ſollen vom Reiſe, ihrer gewoͤhnlichen Speiſe, her⸗ ruͤhren. Auch lieben ſie das Opium, obgleich es ſehr ſcharf verboten iſt. Sie ſpielen gerne Wuͤrfel, eine Gattung Dame, Karte, welche von Holz u. f. w. ſind. Ihre Gaukler ſind ſehr geſchickt und behende. Die Chineſen ſchreiben mit einem Pinſel, wel⸗ chen ſie zwiſchen den Daumen und den beiden hinter⸗ ſten Fingern ſenkrecht auf der einen Seite halten, und legen blos die Hand auf den Tiſch oder auf das Pa⸗ pier. Ihr Pinſel laͤuft aber ſo ſchnell, als der Pinſel des burtigſten europaͤſchen Schreibers. Sie haben 61 auch Curſiv⸗Schrift, welcher ſie ſich nur bei eigenem Geſchwindſchreiben bedienen. Der Verkauf auch der geringſten Bedienungen, ja ſogar der Mandarins⸗Stellen iſt ſo allgemein, daß ein Jeder davon ſpricht, und daß man ſich unterſteht, es auf dem Cheater zu ſagen. In den Gebirgen, uͤber welche die noͤrdliche Land⸗ ſtraße geht, halten ſich Diger auf. Um dieſen grau⸗ ſamen Thieren zu entgehen, tragen in den Winter⸗ Naͤchten die Reiſenden Laternen vor ſich her. Die Hunde duͤrfen nicht mehr, als bellen. Kleine, beſon⸗ ders ſpaniſche Hunde, werden von den Chineſin⸗ nen geliebt, und von ihren Maͤnnern gut bezahlt. Katzen ſind wegen der vielen Maͤuſe noͤthig. Die Chineſen erkennen ihre Guͤte an der Farbe ihrer Augen und deren Veraͤnderung; denn ſie ſagen, daß eine Katze dieſelben zweimal veraͤndere. So leicht ſich die Chineſen auch kleiden, ſo wer⸗ den ſie doch durch Ungeziefer beunruhigt. Die Muͤcken waren den Europaͤer ſehr beſchwerlich. Die Chi⸗ neſen koͤnnen auch Pulver machen. Es iſt aber nur zu Feuerwerken, und kaum zu etwas anderm dienlich, denn es knallet und zuͤndet gut, laͤßt aber zu viel Kohlenfarbe auf dem Papiere zuruͤck. Man muß ſich wundern, daß man Naquetten, Schwaͤrmer, Taucher⸗ ja ſogar Windbuͤchſen in Kanton fuͤr guten Preis erhaͤlt, da doch die Leute in dieſer Stadt die Schieß⸗ 62 gewehre ſo fuͤrchten, daß ſie vor einem ſchwarzen Bambu⸗Stocke, wie vor dem boͤſen Feinde laufen. Doreen wunderte ſich, daß es unter 23 1/20 Breite ohne Kunſt Eis geben koͤnne, jedoch uͤberzeug⸗ ten ihn ſeine Augen und das ſchwediſche Wetter⸗ Glas bald. Da die Reiſenden 18 Monate in dem hei⸗ ßen Erdſtriche zugebracht hatten, fiel ihnen dieſe Kaͤlte, welche ſie auf offener Rhede bei freiem Nordoſt⸗Winde ausſtehen mußten, ein wenig beſchwerlich. Den 4. Januar gingen ſie, mit einem chineſiſchen Paſſe und Steuermanne verſehen, und von vielen weißen Tumm⸗ lern begleitet, durch den Sund von Bocoa Tig⸗ ris, und verließen den 6. die chineſiſche Kuͤſte voͤllig. Nach einer Reiſe von 27 Monaten erblickten ſie die kahlen gothenburgſchen Klippen, die ſchoͤnſte Ausſicht in den Augen der Reiſenden. 63 Des Schiff⸗Kapitain's Guſtav Ecke⸗ berg Bericht von der Chineſiſchen Landwirthſchaft. Aus dem Schwedi⸗ ſchen überſetzt von D. G. Georgi⸗) Das Reich China hat eine ſo glückliche Lage, daß weder ſeine noͤrdlichen Theile uͤber zu große Kaͤlte, noch ſeine ſuͤdlichen uͤber zu ſtarke Hitze klagen koͤn⸗ nen. Die Witterung der zwiſchen beiden befindlichen Gegenden iſt gelinde, gleichfoͤrmig, angenehm, bequem fuͤr die Geſundheit und geſchickt, alle Gewaͤchſe her⸗ vorzubringen. Die noͤrdlichen Paſſat⸗Winde reinigen die Luft von ſchaͤdlichen Duͤnſten, und die ſuͤdlichen Kuͤhlen die brennende Hitze der warmen Jahreszeit. Der groͤßte Theil der Graͤnzen China's wird von geraͤumigen Meeren, welche an den ſichern Kuͤ⸗ *) Dieſer Bericht wurde 4754 der koͤniglichen Aka⸗ demie zu Stockholm uͤberreicht, welche ihn mit Osbeck's Reiſe drucken ließ. 64 ſten, gute und nicht zu weit entfernte Buſen bilden, bewaͤſſert. Der Boden iſt ſo fruchtbar, daß die Muͤhe der Bearbeiter reichlich belohnt wird: denn die Getraide⸗ Arten, Erd⸗ und Baumfruͤchte, welche in unzaͤhligen Verſchiedenheiten gedeihen, bemuͤhen ſich gleichſam um die Wette, ihre Bearbeiter mit beſtaͤndiger Ernte zu erfreuen und zu uͤberhaͤufen. Die großen Waͤlder liefern nebſt den vielen Arten von Bau⸗ und Nutzholz auch verſchiedene feine und theure Holzarten, nuͤtzliche Saͤfte, Harze, Baſt und Blaͤtter. Sie dienen verſchiedenen wilden Thieren zur Wohnung und Nahrung. Erze, Steine und Er⸗ den verſchiedener Art, Salz, Goldſand, Perlen, Ko⸗ rallen und unzaͤhlbare Fiſcharten, findet man in Menge. Federvieh erblickt das Auge uͤberall in ungemein zahl⸗ reichen Haufen. In den ſuͤdlichen, an das Meer grenzenden Thei⸗ len von China, kommt der Reis am beſten fort. Es giebt Arten von Reis, welche in einem hoͤher lie⸗ genden, trocken Boden gedeihen; dieſes Reiſes bedie⸗ nen ſich die naͤchſten Chineſiſchen Landſchaften, welche einen trocknen und unebenen Boden haben. In den fuͤdlichen Gegenden baut man auch Weizen, Bohnen, kleine Erbſen und Linſen, welche die Einwohner theils fuͤr ſich, theils fuͤr Fremde gebrauchen.. Die meiſten Doͤrfer ſind ſo dicht bebaut, daß man erſtaunt, wie ein Land fuͤr ſo viele Millionen Einwoh⸗ 65 ner Getraide genug hervorbringen koͤnne. Betrachtet man aber den faſt unglaublichen Fleiß der Bewohner, alles anzubauen, was nur benutzt werden kann; ſieht man auf ihre Sparſamkeit und Maͤßigkeit im taͤglichen Leben; ſo gewinnt man die Ueberzeugung, daß ein Land von ſolchen Einwohnern faſt nie ſo gefuͤllt wer⸗ den koͤnne, daß dieſelben nicht ihr noͤthiges Auskom⸗ men finden ſollten. Die Hoͤhe, zu welcher der Acker⸗ bau, beſonders der Reisbau, in China gebracht wurde, iſt der vorzuͤglichſte Grund der Gluͤckſeligkeit dieſes Landes. Die Erdarten ſind in Hinſicht ihrer Lage um Kan⸗ ton ebenſo verſchieden, als an andern Orten. Alle niedrigen Plaͤtze ſind mit Lehm und ſchwarzer Erde bedeckt; je hoͤher aber ein Ort wird, deſto mehr nimmt er eine gelbe und rorhliche mit Ocker gemiſchte Erde, Glimmer und Sand zu ſich. Obgleich durch den Wechſel des Regens und der Waͤrme der Sonne bei unbearbeitetem Boden die Oberflaͤche gleichſam ver⸗ ſteinert wird; ſo wachſen nichts deſto weniger Fichten und andere harzige Baͤume auf derſelben. So oft das Waſſer die Aecker uͤberſchwemmt, hin⸗ terlaͤßt es einige Fettigkeit, welche die Erde frucht⸗ bar macht. Die Reis⸗ Aecker ſind an einigen Orten ſo weich, daß die Fluth die Ufer der Erde beraubt. Um dieſes zu verhuͤten, beſetzt man ſie mit Zypreſſen, deren untereinander verbundene Wurzein der Erde Fettigkeit ertheilen. Da ein jedes große Reisfeld durch 52. B. China. II. x. 5 66 breite Graͤben von dem Strome geſchieden wird, ſo geben dieſe in lange Reihen geſetzten Zypreſſen⸗Gaͤnge ein ſehr gutes Anſehen, beſonders wenn das Feld un⸗ ter Waſſer ſteht. An hoͤhern Orten, welche nicht durch die Fluth gewaͤſſert werden koͤnnen, ſind um die Reisfelder we⸗ gen der gleichfoͤrmigen Bewaͤſſerung 2— 3 Fuß hohe Erdwaͤlle aufgeworfen, innerhalb welchen ſie bei jeder Regenzeit das Waſſer entweder ſammeln oder ablaſ⸗ ſen. Das Erdreich dieſer Felder iſt von einem feſten Thone mit Dammerde vermiſcht. Da der Ertrag der⸗ ſelben, gegen die andern gerechuet, doppelt ſeyn kann, ſo werden ſie mit verſchiedenen Arten von Duͤnger unterhalten und gewartet. Die Zubereitung der Reisaͤcker geſchieht entweder mit dem Pfluge oder mit der Hacke. Der Boden iſt immer ſo weich, daß die Arbeiter bis an die Knie in demſelben waten. Der Pflug iſt uͤberaus einfach, und wird von einem Ochſen gezogen. Durch die naͤchſt⸗ folgende Fluth und Ueberſchwemmung wird das Erd⸗ reich ſo eben, als ob es gewalzt waͤre. Wenn der Reis hervor zu kommen pflegt, ſo halten die Chineſen den Acker eine Hand hoch unter Waſſer, und verſez⸗ zen nach 30 Tagen die Reis⸗Pflanzen. Das Ver⸗ pflanzen ſelbſt geſchieht auf folgende Art: von den Spitzen der Reis⸗Pflanzen brechen ſie ungefaͤhr 2 Zoll lang ab; wenn die Pflanze aber zu klein iſt, druͤcken ſie mehrere Pflanzen zugleich mit den Finger⸗Spitzen 67 ſo tief in die weiche Erde, daß die Wurzeln 2 Zoll derſelben uͤber ſich bekommen. Die ſuͤdlichſten, innerhalb des Wende⸗Kreiſes des Krebſes gelegenen Theile von China erhalten von den in der Naͤhe wehenden Wechſelwinden in der Witterung ſolche Veraͤnderungen, daß das Jahr in 2 Zeiten, in die naſſe und trockne getheilt wird. Wenn die Sonne im September von der Aequinoc⸗ tial⸗Linie gegen Suͤd geht, wird die Luft nach und nach kuͤhler; der Oktober nebſt einem Theile des Novembers ſind von Nebel und Staubregen mehren⸗ theils feucht. In den folgenden Monaten iſt die Wit⸗ terung mehr beſtaͤndig, trocken und ſchoͤn, bis die Sonne abermals ihre Winterreiſe vollendet hat, und im Maͤrz uͤber die Aequinoetial⸗Linie gegen Nord gegangen iſt. Im Mai und Juni halten die Regen⸗ guͤſſe oft 14 Tage an, und werden meiſtens von hef⸗ tigen Gewittern und Stuͤrmen von Suͤd nach Weſt begleitet. Der Auguſt iſt mehr gemaͤßigt, hat aber gegen den September veraͤnderliches, oft neblichtes Wetter. 4 Nach der Veraͤnderung des Wetters richten die Chineſen die Beſtellung ihrer Felder ein, und wiſ⸗ ſen fuͤr ihren Ackerbau Vortheil zu ziehen. 4 Um an Duͤnger keinen Mangel zu leiden, beſchaͤf⸗ tigen ſich arme Leute haͤufig mit dem Sammeln des Duͤngers auf den Straßen und um die Haͤuſer, und mit kleinen Sampanen an den Strom⸗Ufern. Auch 68 verwahren ſie den Urin in den Haͤuſern in eigenen Gefaͤßen. Eben ſo ſammelt man den Koth des Vie⸗ hes, und hebt alle Knochen auf; letztere werden ver⸗ brannt, und mit der Aſche verbrannter Kraͤuter auf das Feld geſtreut. Nur kleine Stuͤcke des Landes werden mit Weizen bepflanzt, weil das Mehl deſſelben nur zum Zucker⸗ Backwerk verbraucht wird. Der gewöͤhnliche Ertrag der Ernte iſt hundertfaͤl⸗ tig; fällt aber entweder zu große Duͤrre oder zu viele Naͤſſe ein, ſo entſteht Mißwachs, welcher oft von großen Folgen iſt, und Aufruhr veranlaßt, wie dieſes der Fall im Jahr 4754 war, in welchem die Peſt auch viele Menſchen hinwegraffte. Um Anhoͤhen und abſchuͤſſige Plaͤtze urhar zu ma⸗ chen, waren die Chineſen darauf bedacht, die Hoͤ⸗ hen zu ebenen, und durch Terraſſen, deren Hoͤhe und Breite ſich nach der Abſchuͤſſigkeit richtet, den Flaͤchen gleich zu machen. Dieſe Abſaͤtze wenden ſie zu verſchiedenen Gewaͤchſen an, und theilen jedem einen, mit ſeiner Natur uͤbereinſtimmenden Platz zu. Diejenigen, welche die meiſte Hitze vertragen koͤnnen, ſtehen oben; die weichlicheren bekommen unten⸗ ihre Stelle. Wenn der Regen das Erdreich auf den obern Abſatzen bewaͤſſert hat, leitet man das Waſſer durch Furchen auf die niedrigern. Die Abſatze, welche 4 bis 5 Fuß uͤbereinander angelegt werden, ſund mit ver⸗ ſchtedenen Beumen beſetzt, weiche den Gewaͤchſen 69 Schutz gegen die Hitze der Sonne, und gegen den Wind gewaͤhren, und den Derraſſen ein herrliches An. ſeben geben. Wenn man das Erdreich der Abfaͤtze duͤngen will, ſo beachtet man eine große Sparſamkeit. Man weicht den Duͤnger meiſtens in runde, in die Erde gemauerte Loͤcher, und begießt die Saat mit der Jauche: bis⸗ weilen legt man auch bei dem Setzen der Pflanzen eine Hand voll Aſche auf jedes Korn, weil ihrer Mei⸗ nung nach der Duͤnger, welcher zwiſchen die Stau⸗ den zu liegen kommt, keinen Nutzen leiſtet. Jede Pflanze, welche entweder Kaͤlte, Naͤſſe oder Duͤrre liebt, bekommt die bequemſte Jahres⸗Zeit zu ihrem Wachsthume; das Wurze werk wird allein dem Herbſte zugetheilt. Auf dieſe Abſaͤtze legt man den Saamen von Baumwolle und Obſtpflanzen, Potatoes, Jams⸗ und Zuckerrohr⸗Wurzeln. Zu den Kraͤuter⸗Gaͤrten waͤhlt man gemeiniglich niedrige, leimige Plaͤtze, welche ſehr geduͤngt werden. Die bekannten Gewaͤchſe waren Salat, lange und kurte Gurken, Purjo, weiße Zwiebeln, Sellery, Spi⸗ nat, Moͤhren, rothe Melte, Nuͤben, Pumpen und Waſſer⸗Melonen. Außer dieſen findet man verſchie⸗ dene den Namen und der Geſtalt nach uns voͤllig un⸗ bekannte Erdfruͤchte. Die Chineſen legen ſich nicht ſonderlich auf die Baumzucht. Sie hatten verſchiedene, und unter dieſen auch Fruchtbaͤume, um ihre Gaͤrten, und deren Abſaͤtze geſetzt, und beſaßen auch große Baumgaͤrten, welche ſie fuͤr etwas Vorzuͤgliches hielten; daher ſie auch meiſt bei Pagoden und Luſtgaͤrten angelegt wa⸗ ren. Sowohl von den Frucht⸗ als uͤbrigen Baͤumen ſind bei uns nur wenige bekannt. Apfelſinen⸗Baͤume findet man in verſchiedenen Arten, ferner Areca, Man⸗ ges, Leichibaͤume, Betelbuͤſche, Pompelmoſe(eine Art großer, ſuͤßer Citronen), kleine ſaure Eitronen, Birnen, Aepfel, Oliven und Trauben. Man laͤßt faſt alle Baͤume wild wachſen, und beachtet nur bei einigen Baumarten das Propfen, welches ihnen ſehr gluͤckt. Wie die Chineſen durch Sitten, Gebraͤuche, Kleidung und Geſchmacke von andern Voͤlkern ſich un⸗ terſcheiden, ſo iſt dieſes auch der Fall mit ihren Blu⸗ men und Luſtgaͤrten. Sie bekuͤmmern ſich wenig um Hecken, bedeckte Gaͤnge und Ebenmaß; ein nackter Platz mit Steinen von verſchiedener Farbe und Groͤße in Drachen⸗ und Blumen⸗Geſtalten belegt, gefaͤllt ihnen beſſer, als wenn dieſelben mit artigen Zeich⸗ nungen, und die Zwiſchenraͤume mit Kraͤutern ge⸗ ziert waͤren. Ihre Gaͤnge muͤſſen auch nicht offen, ſondern meiſtens an den Seiten mit Mauern verſehen ſeyn, an welche Weinſtoͤcke oder andere empor rankende Gewaͤchſe gepflanzt ſind, welche Stangen mit beiden Mauern verbinden. Die Ruhebaͤnke ſind in Gaͤngen ohne Mauern auf den Seiten angebracht, und durch verſchiedene Setzung der Steine mit vielen Hoͤhlen 71 verſehen, in welche Gefaͤße mit verſchiedenen Blumen geſtelt werden. Die Gaͤnge bilden viele Kruͤmmun⸗ gen, bisweilen gehen ſie uͤber einen kleinen, ebenen mit Steinen belegten Platz, vor ein offenes Luſthaus, auf welchem Blumentoͤpfe ſtehen, bisweilen durch Bogengaͤnge, welche von Bambu in ungleicher Form geflochen, und mit Immergruͤn bepflanzt ſind, wel⸗ ches ſich durch dieſelben ſchlaͤgt, und ſie einer gruͤ⸗ nen mit einem großen Loche verſehener Mauer aͤhn⸗ lich macht. Bei dieſen findet man mit Gebuͤſchen be⸗ deckte Berge, bei welchen Baͤche vorbeilaufen. Schat⸗ tenreiche, dicht ſtehende Baͤume, Gebaͤude, von 3 bis 4 Stockwerken, welche meiſtens an einem Theile offen ſind; Thuͤrme, ſchrof ausgehoͤhlte Grotten, Bruͤcken, Teiche, mit Bohnen beſaͤete Plaͤtze, dicht und wild gezogene Gebuͤſche, und mehrere Abwechſelungen geben eine ſchoͤne Ausſicht. Nach dem Geſchmacke der Chineſen darf in einem Garten keine Ausſicht der andern gleich ſeyn. In einigen Luſtgaͤrten graben ſie Teiche, um welche ein Gang nach allen Plaͤtzen fuͤhrt; bei denſelben ha⸗ ben ſie viele Luſthaͤuſer, welche alle verſchieden einge⸗ richtet ſind, und gewoͤhnlich mit der einen Seite im Teiche ſtehen, damit man aus den Fenſtern Fiſche fan⸗ gen kann. Bet den Luſthaͤuſern haben ſie in kleinen Teichen Gold⸗ und Silberfiſche; Voͤgel, Blumen, Abbildungen von Drachen und dergleichen mehr. Die Seidenwuͤrmer eſſen die Chineſen, nach⸗ 72 dem die Seide abgewickelt worden iſt, entweder friſch gekocht, oder auch getrocknet, mit vieler Luſt. Bei Chingchin ſoll es eine Art recht großer Seiden⸗ würmer geben, von welchen eine ſo grobe Seide ge⸗ ſammelt wird, welche anfangs dem Haufe aͤhnlich ſieht. Die Einwohner bereiten aus derſelben eine Art von Zeug, welcher, wenn er neu iſt, wie unge⸗ bleichte Leinwand ausſieht, aber durch den Gebrauch und oͤfteres Waſchen Glanz und ein beſſeres Anſehen erhaͤlt. Dieſer Zeug wird ungefaͤrbt getragen, wahr⸗ ſcheinlich, weil er keine Farbe annimmt; dagegen ſoll er ſehr ſtark ſeyn, und wird Chinehiau genannt. In dem ſehr langen, und an ſeinem Ausfluſſe breiten Strome Tacho werden viele Fiſche gefangen. Die gewoͤhnlichſte Art die Fiſche zu fangen iſt: auf den, von den Ufern entfernten Sandbaͤnken, Pfaͤhle, einen Faden weit von einander, zu ſchlagen, und zwiſchen dieſe ſchwarzgefaͤrbte, von ſtarkem Garne ge⸗ ſtrickte Reuſen zu ſtellen, in welche die laͤngs des Ufers ſtreichenden Fiſche gehen, und ſo gefangen werden. Sie haben eine Menge Koͤrbe aus Bambu-Schie⸗ nen mit Weiden⸗Reiſern verbunden, 11 /2 Klafter lang und unſern Reuſen aͤhnlich. Dieſer bedienen ſie ſich, wenn das Waſſer hoͤher, als gewoͤhnlich ſteigt. Sie ſtellen dieſelben laͤngs des Stromes hin, laſſen aber an beiden Enden dieſer Reihe von Bambu⸗Koͤr⸗ ben Oeffnungen, bei welchen ſie mit ihren Sampa⸗ 73 nen ganz ſtill liegen, damit der Fiſch, welcher dem Strande nachſtreicht, ungehindert in dieſelben gehen kann; innerhalb derſelben trifft er eine Reihe Bambu⸗ Koͤrbe an, welche in der Quere dem Lande zu geſtellt ſind, und ihm den Ausgang verſchließen. Wenn das Waſſer nun abzufließen anfaͤngt, verſchließen ſie die⸗ ſen Raum mit Koͤrben derſelben Art. Iſt nun nach dem Ablaufe des Waſſers der Raum trocken, ſo kaun man die Fiſche zuſammenleſen. Sie bedienen ſich auch eines zwiſchen zwei Booten befeſtigten Schwimm⸗ Netzes, mit welchem ſie bei der Fluth hin und her fahren und fiſchen. Auch fangen ſie Fiſche mit großen, zwiſchen zwei Bambu⸗Stangen befeſtigten Hamen. Die Grund⸗ Angeln bedecken ſie mit Wuͤrmern und Krabben, und koͤdern mit dieſen Aale und audere kleine Fiſche. Auch unterhalten ſie in kleinen, weiß angeſtrichenen Sam⸗ panen, Nachts Feuer; die Fiſche, welche nach dem Feuer laufen, huͤpfen alsdann in die Sampanen. Die Fiſcherei iſt eigentlich wegen einer Fiſchart, Nul⸗ letten genannt, eingerichtet: denn dieſe ſpringen im Finſtern dem Scheine des Feuers nach. Zwiſchen den Scheren und am Strande wird die Fiſcherei mit Hamen und Angeln ſtark getrieben. Fi⸗ ſche werden in Menge gefangen, eingeſalzen oder ge⸗ trocknet, und in die umliegenden Staͤdte und Doͤrfer verkauft. Unter den vielen Fiſchen ſahen einige unſern Kar⸗ pfen, Stock⸗Barſchen, See⸗Barſchen und Elritzen aͤhnlich. Die mir ganz unbekannten, ſchließt Ecke⸗ berg ſeinen Bericht, ſind: Aale, Krabben, Garne⸗ len, Auſtern, Muſcheln und Hummer. Aus den Schalen der Auſtern brennen die Chineſen nicht nur Kalk, ſondern ſie bedienen ſich auch der Groͤßten bei ihren Gebaͤuden ſtatt der Ziegel. 75 John Barrow's Reiſe nach Cochin⸗ china in den Jahren 1792 und 1793*). Am 26. September 4792 lichtete unſer kleines Ge⸗ ſchwader zu Spithead die Anker, und ſegelte mit friſchem guͤnſtigen Winde ab. Bei dem Vorgebirge Finis⸗Derraͤ fuͤhlten wir die Wirkung der be⸗ kannten See⸗Stroͤmung, welche immerfort gegen das mittellaͤndiſche Meer fließt, und in der Straße von Gibraltar ſo heftig iſt, daß kein Schiff auch bei dem gelindeſten Weſt⸗Winde im Stande iſt, durch dieſelbe in den atlantiſchen Ozean zu fahren. Nach der Hypotheſe des Dr. Halley iſt die Quanti⸗ taͤt des Waſſers, welche das mittellaͤndiſche Meer *) A voyage to Cochinchina in the years 1302— 93: containing a general view of the valuable productions and the political importame of this flourishing kingdom etc. by John Barrow. Lon- don, 1806. 8. . 76 ausduͤnſtet, groͤßer, als die, welche durch Regen und Fluͤſſe in daſſeibekommt; folglich muß der atlanti⸗ ſche Ozean, um dieſem Mangel abzuhelfen, und in gleicher Flaͤche mit genanntem Meere zu bleiben, noth⸗ wendig in daſſelbe ſtrömen. Unſer Admiral Potton fuͤllte in dem atlantiſchen Ozean, nahe bei dem Vorgebirge St. Vincent, eine kleine Flaſche mit Salz⸗Waſſer, deſſen Gewicht 32 Unzen betrug; die naͤmliche Quantitaͤt Salz⸗Waſſer, welche er in dem mittellaͤndiſchen nahe bei Minorea ſchoͤpfte, wog 13 Gran ſchwerer. Hierauf wurden zwei Fla⸗ ſchen, eine mit ſuͤßem Waſſer, und die andere mit Salz⸗Waſſer gefuͤllt, und das ſuͤße Waſſer in ſolcher Maſſe mit einer rothen Materie gefaͤrbt, daß die ſpe⸗ ziſiſche Schwere von beiden Arten des Waſſers in den oben angefuͤhrten Verhaͤltniſſen von einander verſchie⸗ den war. Als nun dieſe Flaſchen mit den Muͤndungen horizontal gegen einander gelegt, und die letztern wohl vermacht wurden, ſo drang das ſuͤſſe und gefaͤrbte Waſſer durch den obern Theil der Haͤlſe, das Salz⸗ waſſer hingegen in der entgegengeſetzten Richtung durch den untern Theil, ſo daß man durch dieſe gegenſeitige Ortsverwechſelung eine vollkommene richtige Vorſtel⸗ lung von den obern und untern See⸗Stroͤmungen erhaͤlt, welche ſich in entgegengeſetzten Richtungen in der Straſſe von Gibraltar erhalten ſollen. Die gebirgige Inſel Madera, bei welcher wir landeten, iſt gewoͤhnlich in eine dicke ſchwarze Wolke 77 gehuͤllt, und gewaͤhrt keinen einladenden Einblick. Der Entdecker der Inſel Porto Santo, Gonſalez Zarco, verſiel wegen der dicken ſchwarzen Wolke, welche beſtaͤndig uͤber demſelben Punkte ſchwebte, nach der gewöhnlichen Denkart ſeines Zeitalters auf den Gedanken, daß auf Madera eine von den Muͤndun⸗ gen der Hoͤlle ſeyn muͤſſe. Die Stadt Funchal liegt auf dem Ufer einer großen Bai, deren beide aͤußenne. Spitzen aus zwei hohen und ſteilen vulkaniſchen Fel⸗ ſen beſtehen; die Lava⸗Berge mit den weißen Haͤu⸗ ſern der Stadt, die rings uͤppig gruͤnenden Pflanzun⸗ gen ſtellen eine maleriſche Anſicht dar. In der Mitte dieſer Pflanzungen liegt eine zahlloſe Menge von Land⸗ haͤuſern, Kirchen, Kapellen und Kloͤſtern. Der hoͤchſt ſichtbare Gegenſtand iſt das Kloſter von Noſſa Senhora do Monte(unſerer lieben Frau vom Berge), welches ganz mit gruͤnenden Gaͤrten, Baͤu⸗ men, Stauden und Kaſtanien⸗Alleen umringt iſt, und in der Mitte eines dicken Waldes zu liegen ſcheint. Doch die Reize, welche Funchal in der Entfernung darbietet, verſchwinden, ſobald man in die unreinliche Stadt tritt. Die Bevoͤlkerung der Inſel ſoll ſich un⸗ gefaͤhr auf 90,000 Seelen belaufen. Die Inſel hat ſich einer ſehr maͤßigen und wenig veraͤnderlichen Temperatur zu freuen. In den Winter⸗ Monaten faͤllt der Fahrenh. Thermometer ſelten unter 550 herab, und ſteht auch niemals hoͤher als 650; im Sommer iſt der gewoͤhnliche Stand sso und 160; Len Sirocko⸗Winden, welche jedoch ſelten ſind, ſteigt der Thermometer gewoͤhnlich auf 90° bis 950. Die Ein⸗ wohner ſehen blaß, mager und kraͤnklich aus. Als Ur⸗ ſache gibt man die ſchlechten Speiſen an, welche die⸗ ſelben genießen. Ihr gewoͤhnlicher Anzug beſteht in einem leinenen Hemde, Schiffer⸗Beinkleid von Se⸗ geltuch, und einer blauen, meiſtens aber rothen wol⸗ lenen Muͤtze. Die Weiber und Toͤchter der mittleren Klaſſe tragen gewoͤhnlich Roͤcke und Jacken von ſchwar⸗ zem Tuche, und haben große Kappen uͤber den Kopf gezogen. Nichtsdeſtoweniger verrichten ſie auf offener Straſſe bei hellem Tage vor den Augen aller Voruͤber⸗ gehenden ihre natuͤrlichen Beduͤrfniſſe. Die Einwoh⸗ ner der hoͤhern Klaſſe rechnen ſich nicht zur Schande, auf offener Straſſe zu betteln. Zu bemerken iſt, daß ein Portugieſe immer ſeine beſten Kleider anzieht, wenn er betteln will. Die Geiſtlichen zu Madera ſind Woͤlfe in Schaf⸗ pelzen, und verdienen mehr Mitleid, als Verachtung. Die Einkuͤnfte des Gouverneur belaufen ſich jaͤhrlich auf 2000 Pfd. Sterling,(12,00o ſaͤchſ. Thaler); au⸗ ßerdem erhaͤlt er noch von den engliſchen Kaufleuten ein beſtimmtes Geſchenk von 200 Pfd. Um einige inlaͤndiſche Pflanzen und Produkte der Inſeln kennen zu lernen, machten wir auf Maulthie⸗ ren einen kleinen Streifzug in die Gebirge. Der Weg fuͤhrte uns bald uͤber ſteile Berge, bald durch tiefe Schluchten und ſumpfige, mit Buſchholz bedeckte Dik⸗ 79 kichte, bald wieder an den Rand ſchrecklicher Abgruͤn⸗ de. Auf jedem Schritte findet man große, romantiſch ſchoͤne Ausſichten, und mehrere Thaͤler ſtellen reitzende, wirklich maleriſch ſchoͤne Landſchaften dar. Auf dem Gipfel eines Berges, gegen die oͤſtliche Spitze der In⸗ ſel, fanden wir den Krater eines ausgebrannten Vul⸗ kan, welcher ungefaͤhr 300 Ellen im Durchmeſſer zu haben ſchien. Der Boden war ringsum mit Nabel⸗ Kraut bedeckt. Auf unſerm ganzen Wege ſahen wir nur wenige Baͤume, und dieſe nur in tiefen Thaͤlern. Nie⸗ mals koͤnnen ſo unermeßliche Waldungen auf der In⸗ ſel geweſen ſeyn, daß nach dem Berichte der Portu⸗ gieſen der Brand derſelben 7 Jahre gedauert habe. Die auf der Inſel einheimiſchen Staudengewaͤchſe ſind: der Ginſter, die Heidelbeere, der Lorbeer⸗ und Myrthen⸗Baum, die Wolfs⸗Milch, die verſchiedenen Caetus⸗Arten, eine Art Jasmin und wilde Oelbaͤume. Auch findet man eine Art von Lavendel, verſchiedene Blumen, das gemeine Farnkraut in großer Menge, und verſchiedene kryptogamiſche Gewaͤchſe. Auf der Inſel werden angebaut der Weinſtock, die Orangen⸗, Limonien⸗, Citronen⸗, Feigen⸗, Bananas⸗, Aprikoſen⸗, Pfirſich⸗ und andere europaͤiſche Obſt⸗Baͤu⸗ me; auch gibt es vortreffliche Wallnuͤße und Kaſtanien. Auf der Reiſe durch die Inſel ſahen wir kein ein⸗ ziges vierfuͤſſiges wildes Thier, und nur aͤußerſt wenige Voͤgel. Inſekten, welche den Fremden beſchwerlich fallen, gibt es nur aͤußerſt wenige, und giftige Thiere 80⁰ ſind gaͤnzlich unbekannt. Eidechſen finden ſich aber in unermeßlicher Menge. Die Anſicht von Teneriffa bei der Einfahrt in die Bai iſt keineswegs ſo angenehm und einladend, als jene von Madera. Die Stadt Santa⸗Cruz hat durch ihrer Lage in einer wilden und felſigen Ge⸗ gend ein unfruchtbares und abſchreckendes Anſehen. Die Felſen umher haben eine einfoͤrmige und duͤſtere Farbe, und werden auf keiner Seite durch etwas Gruͤ⸗ nes belebt. Je mehr man aber ſich der Kuͤſte naͤhert, deſto mehr entwickeln ſich die Schoͤnheiten der Stadt. Die Oberflaͤche des Steindammes, welcher von einer Granitaͤhnlichen Lava erbaut iſt, bildet einen breiten, mit Sand bedeckten Spaziergang. Die breiten und reinlichen Straſſen laufen groͤßtentheils in geraden Linien, die Haͤuſer haben im Durchſchnitte ein huͤb⸗ ſches Ausſehen, und alle ſind mit Kalk uͤbertuͤncht. In den Fenſtern befinden ſich ſtatt des Glaſes hoͤlzerne Gitter. In Funchal gibt es Gaſthoͤfe, Weinhaͤuſer und Kauflaͤden, und ein gewiſſes Gewuͤhl in den Straf⸗ ſen zeigt, daß Handel und Gewerbe daſelbſt getrieben werden; hier aber ſind die Haͤuſer faſt beſtaͤndig ver⸗ ſchloſſen, und außer Morgends und Abends ſieht man faſt den ganzen Tag keine menſchlichen Geſchoͤpfe, als Laſttraͤger und Fiſcher. Laguna, die Hauptſtadt der Inſel iſt ſehr klein, und vielleicht um nichts groͤßer, als Santa⸗Cruz. Die Stadt kam uns im Gegentbeile noch weit duͤſte⸗ 81 rer und einſamer vor, als St. Cruz. Einige friſch⸗ und wohlgenaͤhrte Moͤnche waren die einzigen Perſon nen, welche wir in den Straſſen antrafen. Nur hin und wieder ſahen wir eine ein ſame Geſtalt, in einen ſchwarzen Mantel mit einer großen Kappe gehuͤllt, furchtſam die Straſſe durchſchleichen. Um den Piko von Teneriffa zu beſuchen, ver⸗ ſchafften wir uns Maulthtere. Von der Stadt kamen wir in eine große fruchtbare Ebene, welche von meh⸗ rern kleinen Baͤchen durchſchnitten war, deren klares reines Waſſer in großen Behaͤltern aufgefaßt, und durch hoͤlzerne Roͤhren in die Stadt geleitet wird. Auf unſerer rechten Seite gegen die Meeres⸗Kuͤſte zeigte ſich uns eine Reihe angenehmer Landhaͤuſer und mehrere betraͤchtliche Doͤrfer, welche unter Weinbergen verſteckt lagen; zur Linken erhoben ſich hohe Reihen von Bergen, welche mit Buſchholz bedeckt, und auf dem Gipfel mit Fichten bekraͤnzt waren. Der mittlere Theil der Landſchaft, auf dem der Weg uns hinfuͤhrte, war eine offene Strecke artbaren Landes. Die Bota⸗ niker unſerer Geſellſchaft ſammelten auf dem Abhange der Berge eine große Menge von Pflanzen. In dem fruchtbaren Thale, in welchem die Stadt und der Seehafen Oratava liegen, zertheilten ſich die Wolken und der unermeßlich hohe und wunderbare Gipfel des Pico ſtand ploͤtzlich vor unſern Augen. Es kann nichts Majeſtaͤtiſcheres gedacht werden, als dieſer unermeßliche Kegel, welcher allmaͤhlich in eine 32. Bd. China. II. 1. 6 82 Spitze zulaͤuft, und mit derſelben den azurblauen Him⸗ mel zu unterſtützen ſcheint. Der untere Theil des maleriſch ſchoͤnen Berges verliert ſich nach und nach in die Ebene, in kaum bemerkbaren Abhaͤngen bis zur Meeres⸗Kuͤſte. An dem Fuſſe deſſelben liegt die ſchoͤ⸗ ne Stadt la Vila d' Oratava, und eine gute halbe Stunde weiter der Seehafen El Puertode Ora⸗ tava. Im vollen Galoppe ritten wir in die Stadt, in welcher wir vom Herrn Little gut aufgenommen wur⸗ den. Wir dachten nun daran, den P ieo zu beſteigen⸗ verſahen uns mit neunzehn Maulthieren und Kleppern, eben ſo vielen Treibern, und zwei Wegweiſern. Der Gipfel des erſten Berges, welchen wir erſtiegen, war eine Ebene von ſo betraͤchtlichem Uumfange, daß wir eine volle Stunde brauchten, um ſie zuruͤck zu legen; ſie war mit Buſchwerk bedeckt, welches aus hohem und uͤppigem Immergruͤu, einer Art von Lorbeer⸗ Baͤumen, einem Cactus, und mehrern kriechenden Pflan⸗ zen beſtand. Jetzt gieng der Weg ſteil aufwaͤrts, und beſtand groͤßtentheils aus Lavaſtuͤcken, zwiſchen welchen keine Spur von Vegetation, außer nur der niedern Klaſſe der kryptogamiſchen Gewaͤchſe zu finden war. Wir ſahen hier auch eine Menge wilder Ziegen. Wir ſtiegen auf einer Art von Fußpfade, von Felſen zu Fel⸗ ſen, und laͤngs des Randes von ſchrecklichen Abgruͤn⸗ den, bis um 7 Uhr Abends, wo wir auf einmal be⸗ merkten, daß die Wolken, welche bisher die Mitte des 2 83 Pico umringt hatten, mit einer auffallenden und wunderbaren Schnelligkeit an den Seiten des Berges hinabrollten. Als wir Mittag Oratava verließen, ſtand der Thermometer auf 160, nun war er lbis auf 450 gefallen. Wegen eines bevorſtehenden Sturmes brachten wir die Nacht unter einem heruͤberhaͤngenden großen Felſen zu, in deſſen Naͤhe der Boden mit einer Menge von Cytiſus folioſus, und von dem Spartium Nubigena bedeckt war. Das Fahrenh. Thermometer fank auf 400 herab. Die Maulthier⸗Treiber zuͤndeten ein Feuer an, deſſen kniſternde und hoch em por lodern⸗ de Flamme waͤhrend des tobenden Sturmes und der dichten Finſterniß eine erhabene und feierliche Wir⸗ kung hervorbrachte. Das Romantiſche dieſes Schau⸗ ſpieles wurde noch erhoͤht, indem die Maulthier⸗Trei⸗ ber eine Hymne auf die h. Jungfrau ſangen. Viele unſerer Gefaͤhrten waren von Kaͤlte und Muͤdigkeit erſchoͤpft, und konnten die Reiſe nicht wei⸗ ter fortſetzen. Vier jedoch gaben ihr Vorhaben nicht auf, und fingen an, den Berg noch hoͤher zu ſteigen. Je weiter wir aber in die Hoͤhe kamen, deſto heftiger wurde der Sturm, und deſto mehr nahm der Regen zu. Wir erreichten endlich eine ſo große Ebene, daß wir das Ende derſelben nicht erblicken konnten. Sie war hin und wieder mit großen Lavabloͤcken bedeckt, welche wahrſcheinlich aus dem Krater auf der Spitze des Piko geworfen worden waren. Der Thermome⸗ ter ſtand auf 380. Wir banden nun unſere Maulthie⸗ 84 re zuſammen, und gingen durch das Thal, welches uns an den Fuß des großen Kegels zu fuͤhren ſchien. Die ganze Oberflaͤche des Thales war jedoch ſo hoch mit Aſche und Bims⸗Steinen bedeckt, daß wir bei jedem Schritte bis an die Knoͤchel in der Aſche verſan⸗ ken; ein unertraͤglicher Staub und Schwefel⸗Ge⸗ ruch, der uͤberhandnehmende Sturm trieb uns jetzt zu⸗ ruͤck. Der Thermometer ſtand auf 300. Nach dem Stande des Queckſilbers in dem Baro⸗ meter betrug die Hoͤhe von demjenigen Punkte des Berges, auf welchem wir uͤbernachtet hatten, 6030 Fuß, und das mit Bims⸗Steinen und Aſche bedeckte Thal mochte ungefaͤhr noch 2500 Fuß hoͤher ſeyn. Die ganze Hoͤhe des Piko, von der Ebene Oratava, betraͤgt nach den beſten Beobachtungen 13,— 14,000 Fuß. Der Gipfel des Piko, weil er ſich unmittelbar aus der Erde emporhebt, und rings von dem Meere umgeben iſt, iſt nicht laͤnger als von November bis zum Ende Aprilis mit Schnee bedeckt. Der Zuſtand der großen Maſſe der Bewohner die⸗ ſer Inſel ſcheint ungefaͤhr der naͤmliche, wie bei den Bewohnern von Madera zu ſeyn. Eine große An⸗ zahl Frauensperſonen muͤſſen ihr Leben in traurigen Nonnenkloͤſtern zubringen. Die ſcheußliche Inquiſition uͤbt auch hier ihre Schreckniſſe aus, und unterdruͤckt jede freimuͤthige und offenherzige Mittheilung der Geſinnungen ſogar unter den vertrauteſten Freunden und Verwandten. Die 85 Einwohner leſen nichts anders als die Bibel, ihr Meß⸗ buch und die hoͤchſt wunderthaͤtige Geſchichte unſerer lieben Frau von Candelaria, der Schutzpatro⸗ nin der Inſel! Trotz aller Vorſichtsregeln der geiſtlichen Gerichte iſt dennoch die Moralitaͤt des Volkes aͤußerſt ver⸗ dorben. Der Konkubinat zwiſchen jungen Leuten iſt ſo haͤufig, daß, wenn ſie deſſen uͤberfuͤhrt werden, ſie nach dem Geſetze gleich verbunden werden muͤſſen. Der Ausſatz, Skorbut und Haut⸗Krankheiten ſind bei den Einwohnern nicht ungewoͤhnlich. Die letzteren ſchreiben ſie dem haͤufigen Genuſſe der Fleiſchſpeiſen zu. 3 Die Unterhaltung einer außerordentlich großen Menge von Moͤnchen iſt fuͤr das Land eine ſehr druͤk⸗ kende Laſt. Dieſe erhalten nebſt den Almoſen u. ſ. w. auch den Zehent von dem ganzen Ertrage der Laͤn⸗ dereien. Die Regierung treibt den Alleinhandel mit Tabak, die Ein⸗ und Ausfuhr, und der Anbau iſt den Bewohnern bei ſchwerer Strafe verboten.— Die ver⸗ derblichen Wirkungen der ſchlechten Regierungs⸗Ver⸗ faſſung ſind im Allem ſichtbar. Teneriffa, vielleicht die ſchoͤnſte Inſel auf dem ganzen Erdboden, wuͤrde nicht nur reichlichen Unterhalt fuͤr 18— 20,000 Fa⸗ milien mehr, als ſie gegenwaͤrtig beſitzt, ſondern noch einen Ueberfluß von allerlei Arten koſtbarer Produkte fuͤr die europaͤiſchen Maͤrkte, z. B. außer ihren Wei⸗ nen noch Seide, Baumwolle, Oliven⸗Oel und getrock⸗ 85 netes Obſt hervorbringen koͤnnen. In allen hoͤhern Gegenden der Inſel ſollen die Mandelbaͤume und in den Thaͤlern die Kaſtanienbaͤume vortrefflich gedeihen.— Teneriffa hat ungefaͤhr 100,000 Seelen. Die Alten ſcheinen die canariſchen Inſeln, unter dem Namen der gluͤcklichen Inſeln gekannt zu haben. Als wir Teneriffa verlaſſen hatten, fingen wir in dieſer Gegend ſowohl mit der Angel, als mit der Gabel einen Delphin,(Coriphaena hippurus). Dieß thaten wir, um unſern Au gen das grauſame Vergnuͤ⸗ gen zu verſchaffen, die außerordentlich ſchoͤne, aber vergaͤngliche Farbenpracht dieſes Fiſches zu bewundern⸗ welche ſich waͤhrend des Todes-Kampfes dieſes Thie⸗ res in immer neuen, auf einander folgenden Schatti⸗ rungen uͤber den ganzen Koͤrper deſſelben verbreitet. Wenn der Fiſch aus dem Waſſer kommt, iſt er ganz goldfaͤrbig; nach und nach nimmt er alle Farben des Regenbogens an, welche in unendlicher Mannigfaltig⸗ keit ſchattirt ſind, und von jeder Seite betrachtet, ver⸗ ſchieden ausſehen. Bei ſchoͤnem Wetter ſtellte ich auch den Verſuch mit der Flaſche an. Man laͤßt naͤmlich eine leere, ſo feſt als moͤglich mit einem Kork zugeſtopfte Flaſche in eine gewiſſe Tiefe des Meeres; zieht man ſie dann heraus, ſo findet man den Korkſtoͤpfel in das Innere der Flaſche hineingetrieben; unſer Verſuch gelang voll⸗ kommen. In den tropiſchen Klimaten wird die ver⸗ 87 ſchloſſene Luft durch die Verminderung der Tempera⸗ tur, welche in einer ſo betraͤchtlichen Tiefe unter der Oberflaͤche des Meeres erfolgt, nothwendig verdichtet, verliert alle Regetionskraft gegen das Gewicht der daruͤber liegenden Waſſerſaͤule, und bringt ſo dieſe Erſcheinung hervor. Mit uns lief ſogleich das alte Schiff des Kapitaͤns Cook, die Reſolution, welches jetzt den fran⸗ zoͤſiſchen Namen La liberté und die fran⸗ zoͤſiſch⸗ republikaniſche Flagge fuͤhrte, in die Braya⸗Bay auf der Inſel St. Jago ein. Von dieſer Bai betrachtet, hat die Inſel gar nichts Einla⸗ dendes. Auf einer betraͤchtlichen Anhoͤhe, zu welcher ein in den Felſen gehauener Weg fuͤhrt, liegt die elende Stadt Praya. Den Einwohnern ſah man ſehr den Mangel und das Elend an. Die meiſte Geiſt⸗ lichkeit auf der Inſel beſteht aus farbigen Leuten, ei⸗ nige derſelben ſind auch vollkommen ſchwarz. Alle Gegenden von St. Jago, welche wir ſahen, hatten ein duͤrres, ausgetrocknetes, und ganz verbrann⸗ tes Anſehen. Wirklich war auch dieſe Inſel durch eine, drei Jahre lang anhaltende Duͤrre auf eine ſchreckliche und jammervolle Art heimgeſucht worden, ohne von dem Hofe zu Liſſabon Linderung ſeiner Qualen zu erhalten. Alle Einwohner, von den vor⸗ nehmſten bis zu den geringſten ſind Bettler. Die Orangen von St. Jago ſind die vortrefflich⸗ ſten, welche ich jemals gegeſſen habe, und ebenſo vor⸗ 88 zuͤglich ſind die Zitronen. Feigen, Bananen und Ko⸗ kosnuͤſſe ſind ebenfalls in großer Menge vorhanden. Wir ſahen auch einige Wurzel⸗- und Gemuͤſe⸗Arten. Mais und Reis machen die gewoͤhnlichen Nahrungs⸗ mittel der Einwohner aus. Waͤhrend unſers Aufent⸗ haltes auf der Inſel ſtand das Queckſilber beſtaͤndig auf 840, und einmal ſtieg es ſogar auf 880. Am 1. Oktober 1792 verließen wir die ungluͤckliche Inſel St. Jago, und ſegelten mit einem friſchen Paſſatwinde gegen Suͤdweſt, ſo daß wir dicht an der ſuͤdlichen Grenze von dem Mar do Sargaſſo(die See vom Meergras) vorbei kamen. Wir ſahen nur wenige hin und her zerſtreute Pflanzen; allein auf un⸗ ſerer Ruͤckreiſe fanden wir die ganze Oberflaͤche des Meeres mehrere Tage ganz mit ſolchen Pflanzen uͤber⸗ deckt; das eigentliche Gras⸗Meer liegt zwiſchen dem 180 und 320 NBr. und zwiſchen dem 250 und 400 WL. Die Pflanze hat keine Wurzeln, ſondern ihr, in die blaͤtterichten Zweige verſteckter Stamm gibt offen⸗ bar zu erkennen, daß ſie immer fortfaͤhrt zu wachſen, waͤhrend ſie auf der Oberflaͤche des bodenloſen Ab⸗ grundes ſchwimmt. Manche derſelben haben mehrere Fuſſe im Durchmeſſer, andere hingegen nur wenige Zoll; ihre runden Beeren ſind an einigen noch ganz gruͤn, an andern hingegen ſchon roth. In jeder ein⸗ zelnen Pflanze ſindet der wißbegierige Reiſende eine Menge von Meer⸗Inſekten und Wuͤrmern. 89 Wir paſſirten gluͤcklich die Linie, ſahen den 29. das Vorgebirge Frio, und liefen am folgenden Mor⸗ gen in den praͤchtigen Hafen von Rio de Janeiro ein. Dieſer bietet dem entzuͤckten Zuſchauer ein uͤber alle Beſchreibung praͤchtiges Schauſpiel dar. Sind nun die Naturſchoͤnheiten von Rio de Janeironoch heute ſo unbeſchreiblich ſchoͤn und bezaubernd, um wie viel muͤſſen ſie es zu der Zeit geweſen ſeyn, wo dieſer jetzige Meeresarm noch blos ein Landſee von reinem und kryſtallhellem Waſſer war? Alle Anhoͤhen in der Gegend der Stadt Rio tra⸗ gen auf ihrer Spitze ein Schloß oder ein Fort, eine Kirche oder ein Kloſter, und viele von den, in dem ungeheuern Hafen zerſtreuten Inſeln ſind durch aͤhn⸗ liche Gebaͤude verſchoͤnert. Die Stadt Rio(eigent⸗ lich St. Sebaſtian) hat eine bezaubernd ſchoͤne Lage auf einem hervorſpringenden viereckigen Vorgebirge, von welchen drei Seiten in den Hafen hinausragen, die vierte aber durch eine Reihe von hohen, mit Wal⸗ dungen bedeckten Bergen gegen die herrſchenden Weſt⸗ winde geſchuͤtzt wird. Kaſtelle auf Anhoͤhen ſind zum Schutze der Stadt errichtet. Die Stadt hat einen ſehr betraͤchtlichen Umfang, und ſoll wenigſtens s0,000 Einwohner in ſich faſſen. Bemerkenswerth iſt der Paſſeo Publico, oder der zum oͤffentlichen Spa⸗ ziergang dienende Garten. Alle Theile der Stadt ſind binlaͤnglich mit Waſſer verſehen; alle Hauptſtraßen auf beides Seiten mit großen Granit Quaderſteinen 90⁰ belegt. Die Magazine und Kramlaͤden in der Stadt ſind groß und bequem, und mit europaͤiſchen Waaren aller Art verſehen. Wir begaben uns in die Umgegend der Stadt, um Schmetterlinge zu fangen. Myriaden von den ſchoͤn⸗ ſten Inſekten flatterten in der Luft umher; Schmet⸗ terlinge mit ſchwarzen und gelben Querlinien bezeich⸗ net, flogen in ſo zahlloſer Menge um die Baͤume und Geſtraͤuche, daß ſie an manchen Orten die Atmoſphaͤre verdunkelten. Waͤhrend unſeres Aufenthalts zu Rio hatten wir nur ſelten viel von der Hitze auszuſtehen. Waͤhrend des Tages uͤber war die Temperatur der Luft im Durchſchnitte zwiſchen 760 und 840 Fahrenh. Die Naͤchte dagegen waren weit unangenehmer und laͤſti⸗ ger. Wagten wir in das Freie zu gehen, ſo liefen wir alle Augenblicke Gefahr, daß uns Fledermaͤuſe in das Geſicht flogen; blieben wir aber zu Hauſe, ſo waren wir von Scorpionen, Hundert⸗ und Vielfuͤßen, welche beſtaͤndig in Menge auf dem Boden herumkro⸗ chen, umringt. Eine Art von Grille(Gryllus Gryl- lotapa) ſprang waͤhrend des Nachteſſens beſtaͤndig in die Glaͤſer und auf die Teller. Die heftigſte Qual verurſachte uns aber der Stich der Muskiten. In den zwei Buchlaͤden der Stadt fanden wir alte mediziniſche, alchemiſche und theologiſche Werke, kein einziges aber, was Bezug auf das Land ſelbſt hatte. Die Vertraulichkeit der Frauensperſonen zu 91 Rio gegen Fremde, wurde von vielen Reiſenden nicht auf die guͤnſtigſte Art ausgelegt. Ich aber glaube keineswegs, daß die Aeußerungen von Froͤhlichkeit und guter Laune, mit welchen ſie von den Altanen ihrer Haͤuſer den voruͤbergehenden Fremdling freund⸗ lich winken, und lachend Blumen auf ſie herabwer⸗ fen, beſonders da ich haͤufig geſehen habe, daß ſie daſ⸗ ſelbe in Gegenwart ihrer Vaͤter und Maͤnner thun, auch nur mit dem geringſten Scheine von Recht fuͤr eine unſchickliche Aufforderung gehalten werden koͤn⸗ nen, oder daß man befugt iſt, dieſer allgemeinen, ohne allen Nebenzweck befolgten Landes⸗Sitte eine andere unſittliche Abſicht unterzulegen. Bei einem Ausfluge in das Thal von Tejeuca hatten wir die traurige Gelegenheit, uns zu uͤberzeu⸗ gen, wie erbaͤrmlich vernachlaͤſſigt dieſes ſchoͤnſte und fruchtbarſte unter allen Laͤndern, ſogar auch in der Naͤhe ſeiner groͤßten und volkreichſten Stadt iſt. Der Moͤnche Unfug zu Rio de Janeiro wird ſo genaͤhrt und unterhalten, daß ſie ſich den ganzen Tag mit leeren Zeremonien beſchaͤftigen, Heiligen⸗ Bilder in den Straßen zur Auferbauung des Volks umhertragen, und ſo jeden Funken der Vernunft in demſelben erſticken und unterdruͤcken, ohne ihm etwas Beſſeres zu geben. Das beſtaͤndige Laͤuten der Glok⸗ ken zu den Metten, Vespern, großen Meſſen und Requiem fuͤr irgend eine abgeſchiedene Seele, welche etwa einer Kirche ein bedeutendes Legat vermacht hat⸗ 92 wie auch das haͤufige Abfeuern von Raqueten und Schwaͤrmern, verurſachen ein unablaͤſſiges aͤußerſt nie⸗ driges Geklingel und Geraſſel. Sehr paſſend iſt daher der Ausdruck des franzoͤſiſchen Satyrikers, daß die Portugieſen die Lebenden umbringen, um die Doden zu ehren. Die Braſilianer(Ur⸗Einwohner) haben eine ſolche Abneigung gegen die Portugieſen, daß der Vize⸗Koͤnig nur mit aͤußerſter Muͤhe 12 Ruderer fuͤr eine zur Pracht ſeines Hofſtaats gehoͤrige Barke er⸗ halten kann. Ihre Geſichtszuͤge waren von jenen der Malaien, Tataren und Chineſen nicht ſehr verſchieden. Ihr Koͤrperbau war klein und unterſetzt. Sie ſchienen ernſthaft und zuruͤckhaltend zu ſeyn, ſpra⸗ chen aͤußerſt ſelten mit einander, und ließen ſich nur hoͤchſt ungern mit Fremden in ein Geſpraͤch ein. Sie hatten lange und ſchwarze Haare, und nirgends an⸗ derswo Bart, als an der Oberlippe und unter dem Kinn. Weizen, Gerſte, Guinea⸗Korn, Hirſe und alle Arten von europaͤiſchen und tropiſchen Getraide⸗Ar⸗ ten bringt das Land im groͤßten Ueberfluſſe hervor. Außer dem vortrefflichen Schiff⸗Bauholze, welches uͤberall in Braſilien gefunden wird, liefern die da⸗ ſigen Waldungen auch eine große Menge von koſtba⸗ ren Farbe⸗Hoͤlzern. Arznei⸗Pflanzen, wohlriechende Gewaͤchſe, Terpentin⸗, Gummi⸗ und Harzbaͤume fin⸗ det man in Menge. Die tropiſchen Fruͤchte jeder Art 93 ſind in großer Anzahl vorhanden, und von vorzuͤgli⸗ cher Guͤte. In den großen Ebenen von Suͤd⸗Ame⸗ rika befinden ſich zahlloſe Heerden von Pferden und Rindviehe. Von den drei unbewohnten Inſeln Tristan da Cunha unter 370 7 ſuͤdl. Breite ſteuerten wir nach dem Vorgebirge der guten Hoffnung und ſahen nach deſſen Umſeglung den 1. Februar die bei⸗ den Inſeln St. Paul und Amſter dam. Letztere liegt in 380 42“ ſuͤdl. Breite und in 160 31 Jſtl. Länge. Auf der Öſtſeite der Inſel beſindet ſich ein großer vul⸗ kaniſcher Krater, in welchen ſich das Meer durch das ununterbrochene Anprallen ſeiner rollenden Wellen einen Durchgang erzwungen hat. Die ganze Breite des Durchbruches betraͤgt ungefaͤhr 1000 Fuß, der ei⸗ gentliche Kanal iſt nicht breiter, als 200 Fuß. Die Ufer des Kanals, aus vulkaniſchen Produkten beſte⸗ hend, erheben ſich allmaͤhlig immer mehr in die Hoͤhe, bis ſie zuletzt mit dem Rande des Durchbruches zu⸗ ſammenſtoßen, welcher nach einer ſehr gefaͤhrlichen trigonometriſchen Vermeſſung, welche wir anſtellten, etwas uͤber 100 Fuß hoch iſt. Der laͤngſte Durchmeſ⸗ ſer des Kraters auf der Oberflaͤche des Waſſers be⸗ traͤgt 1000 Ruthen, und der Kuͤrzeſte ungefaͤhr 580; im Umkreiſe iſt er 134 engl. Meilen. In der Mitte des Kraters fanden wir mit dem Senkblei eine Waſ⸗ ſertiefe von 174 Fuß; rechnet man dieſe zu der mitt⸗ lern Hoͤhe der uͤber das Waſſer hervorragenden Sei⸗ 94 tenwaͤnde, ſo kommen 874 Fuß fuͤr die ganze Tiefe des Kraters heraus. In dieſem, durch das Meer be⸗ wirkten Einbruche in den Krater befinden ſich auf bei⸗ den Seiten des durch die Mitte fließenden Kanals, wie auch hin und wieder auf den ſchief hinablaufen⸗ den Seitenwaͤnden deſſelben, mehrere heiße Quellen, deren einige frei und ungehindert in die Hoͤhe ſpru⸗ deln, andere hingegen in einen bloßen Teich oder Schlamm wegſickern. In mehreren dieſer Quellen ſtieg das Fahrenheit'ſche Thermometer in freier Luft von 620 auf 1960, in einigen aber auf 204“, und in andern ſogar auf 24120. An mehreren Orten ſahen wir auch ſchoͤne gruͤne Stellen mit den zarteſten Moos⸗Arten bedeckt, un⸗ ter welchen hin und wieder eine Art von Lyco- podium und von Marchantia ſich befand. Bei ge⸗ nauerer Unterſuchung fanden wir, daß alle dieſe Strek, ken auf heißen Suͤmpfen ſchwammen, deren Tempe⸗ ratur 8 oder 10 Zoll unter der Oberflaͤche, in welcher ſich die Wurzeln der Pflanzen ausbreiteten, zum wenig⸗ ſten 1860 betrug. Dies war uns um ſo auffallender und bemerkenswerther, da die naͤmliche Art von Ly⸗ eopodium auch ſogar im Winter auf den kalten Heiden in Nord⸗England waͤchſt. Der Erdboden iſt durchgaͤngig ſchwammig und poroͤs, und bei jeder Bewegung fuͤhlt man ihn unter den Fuͤßen zittern. Legte man ſich mit dem Ohre auf den Boden, ſo hoͤrte man uͤberall ein Sprudeln, wie vom ſiedenden 95 Waſſer. In den meiſten Quellen hat das Waſſer einen ſalzigen Geſchmack, allein ſeitwaͤrts von dem großen Krater fanden wir eine, welche mit Stahl geſchwaͤngert war, und deren Temperatur 14120 betrug. In die ſiedenden Quellen warfen wir Fiſche, wel⸗ che von der Angel wegkamen; innerhalb einer Vier⸗ telſtunde waren ſie vollkommen gekocht; ſie ſchmeckten uns vortrefflich. Die Menge von Krebſen, welche auf dem Sande vor der Einfahrt in den Krater bei niedrigem Waſſerſtande ſich findet, iſt gar nicht zu be⸗ ſchreiben und kaum glaublich. Auch fingen wir einen Hay, in deſſen Magen ſich vier junge lebendige Haye befanden. Ob ſie aber von dem Alten als Beute wa⸗ ren verſchlungen worden, oder ob ſie ſich freiwillig zur Entgehung einer Gefahr hierher gefluͤchtet hatten, konnten unſere naturkundigen Begleiter nicht genau beſtimmen. Nirgends, außer au den Kuͤſten von Spitzbergen, habe ich eine ſo ungeheure Menge von Wallſiſchen, Nordkapern, Meerſchweinen, See⸗ loͤwen und Seekaͤlbern geſehen, als hier. Sie ſchwam⸗ men zwiſchen den Schiffen, machten Luftſpringe, kaͤmpften mit einander, und verſchlangen einander gegenſeitig. Auch bemerkten wir einen Fiſch, welcher mit einem außerordentlichen Ungeſtuͤme den Wallfiſch angriff, ſo oft dieſer nur ſeinen ungeheuern Ruͤcken uͤber die Oberflaͤche des Meeres emporhob. Außerdem fanden wir auf der Inſel eine erſtaun⸗ liche Menge von Voͤgeln, und die beiden Ufer des 96 Kanals mit Eiern dicht uͤberdeckt. Dagegen fanden wir auf der ganzen Inſel keinen einzigen Landvogel, auch kein vierfuͤßiges Thier von irgend einer Art, ja ſogar nicht das geringſte Inſekt außer Fliegen. Hoͤchſt ſonderbar und merkwuͤrdig iſt, daß der groͤßte Theil von allen Pflanzen, welche wir auf dieſer neuen In⸗ ſel fanden, europaͤiſche Produkte waren. 1 Die benachbarte Inſel St. Paul iſt mit einem undurchdringlichen Dickicht von Unterholz ganz uͤber⸗ deckt. Sie iſt eben, wie Amſterdam, vulkaniſchen Urſprungs, und die ganze Kuͤſte derſelben ſoll rings mit Bimms⸗Steinen umgeben ſeyn. Wenn durch den Rauch und das Feuer auf der Inſel Amſterd am unſere Neugierde rege gemacht wurde, ſo mußte der Anblick von 2 oder 3 Menſchen, welche an dem Ufer hin und her liefen, uns in Er⸗ ſtaunen ſetzen. Als wir an das Land geſtiegen waren, trafen wir s Maͤnner, hoͤchſt elend angezogen, und im groͤßten Schmutze; drei waren Franzoſen und zwei Englaͤnder, welche wegen des Seekalbfanges hier an das Land geſtiegen waren. Das ſchlechte Wetter, welches 40 Tage anhielt, hemmte alle Verbindung mit ihrem Schiffe, welches wieder in die offene See geſtochen war. Jetzt mußten die fuͤnf Ungluͤcklichen ein volles Jahr auf deſſen Zuruͤckkunft warten. Ohne mit Lebensmitteln verſehen zu ſeyn, behalfen ſie ſich s Monate mit Fiſchen und Voͤgel⸗Eiern, welche ſie mit Seekalbfett zubereiteten. Sie hatten ſchon uͤber 97 3000 Felle bereit liegen. Wir ſchenkten ihnen einen kleinen Vorrath von Weineſſig und Kartoffeln. Am 2. Februar verließen wir die brennende Inſel Amſterdam, und liefen am 26. in die Straße von Sunda ein. Der Anblick der beiden großen Inſeln Sumatra und Java, zwiſchen denen die Straße ſich zieht, iſt durch das weiche, uͤppige und ſchmelzende Gruͤn, mit welchem ſie urſpruͤnglich von der Natur bedeckt ſind, auf eine ſonderbare Art auf⸗ fallend. So lieblich und wohlthaͤtig auch dieſe Farbe an und fuͤr ſich iſt, ſo wird ſie doch durch das ewige Einerlei, da auch nicht die geringſte Abwechſelung Statt findet, dem Auge im hohen Grade laͤſtig. Von den vielen Inſeln, welche in der Straße hin und wieder zerſtreut liegen, beſuchten wir nur zwei, welche den Seeleuten unter dem Namen Bu⸗ ton und Cap bekannt ſind. Auf letzterer ſchreckten wir in einer tiefen Hoͤhle eine ſolche unermeßliche Menge von Fledermaͤuſen und Schwalben auf, daß wir durch die zahlloſen Schaaren derſelben, welche auf uns ſtuͤrmten, im ſtrengſten Verſtande zuruͤckge⸗ ſchlagen wurden. Dieſe Schwalben(Hir. esculenta) ſind bekannt wegen des haͤufigen Gebrauches, welcher in der Chineſiſchen Kochkunſt von ihren Neſtern gemacht wird. Wir fanden mehrere Dauſend ſolcher Neſter in den Waͤnden der Hoͤhle haͤngen; in einigen Neſtern befanden ſich Eier, in andern Junge. Die Neſter hatten eine ovale Form, waren ſaͤmmtlich an 52tes B. China. II. 1. 7 98 einem Ende ein wenig an einander befeſtigt, und hingen rings an den Waͤnden in regelmaͤßig zuſammenhaͤn⸗ genden Reihen. Ihre aͤußere Bekleidung ſchien aus Meergras⸗Faſern zu beſtehen, welche durch eine ſchlei⸗ mige Subſtanz, die wahrſcheinlich an der Kuͤſte geſam⸗ melt wird, an einander befeſtigt waren. Nahm man die aͤußere Huͤlle herab, ſo betrug ihre Dicke noch ungefaͤhr den achten Theil eines Zolles, und das Neſt hatte dann das Anſehen von einem Stuͤcke harten Leim, war halb durchſichtig, und beſtand offenbar aus der naͤmlichen gallertartigen Materie, mit welcher auch das aͤußere Gewebe an einander befeſtigt war, und auch alle Steine und Seepflanzen auf der K Kuͤſte der Inſel ganz uͤberdeckt waren. Auf der Inſel Java liegt das betraͤchtliche Dorf Anjerie, von welchem die Seefahrer friſches Waſſer und andere Lebens⸗Beduͤrfniſſe erhalten. Nahe an der Kuͤſte bei Anjerie halten ſich Hayfiſche in un⸗ ermeßlicher Menge auf. Waͤhrend Barrow eines dieſer Thiere mit der Angel fangen wollte, entging er nur noch mit genauer Noth der Gefahr, von demſel⸗ ben in den Abgrund geriſſen zu werden. Der ver⸗ wundete Fiſch ſtuͤrzte ſich ploͤtzlich in den Grund des Meeres, und zog das Seil in ſeiner ganzen Laͤnge nach ſich; dieſes verwickelte ſich aber in die Staͤbe der Gallerie, riß einen Theil des Gelaͤnders mit ſich fort, wand ſich um Barrows Arm, und er war vetloren, weun nicht der Hay wieder auf die Ober⸗ 99 flaͤhhe des Waſſers zuruͤckgeſchoſſen waͤre, und das Seil dadurch von ſeinem Arm frei gemacht haͤtte. Durch eine Harpune getoͤdtet, ward der Hay bald auf das Verdeck gezogen und geöffnet. In ſeinem Magen war eine ſolche Maſſe und Verſchiedenheit von Dingen, daß man es⸗kaum moͤglich halten ſollte. Un⸗ ter andern befand ſich in demſelben ein Buͤffelkopf, ein ganzes noch unverſehrtes Kalb, eine zahlloſe Menge von Eingeweiden und Knochen, und große Stuͤcke von der obern und untern Schale einer be⸗ traͤchtlich großen Schildkroͤte. Die ganze Laͤnge des Fiſches betrug 10 Fuß 8 Zoll. Es kann in der Welt nichts Anmuthigeres gedacht weerden, als die kurze Fahrt von Nord⸗Eiland nach Batavia laͤngs der noͤrdlichen Kuͤſte von Ja va. Die Entfernung betraͤgt ungefaͤbr 90 Seemeilen; das Meer iſt immer ſo glatt und eben, wie der ſchoͤnſte Fluß, und ſeine Oberflaͤche iſt mit einer ſo unernzeß⸗ lichen Menge von kleinen Inſeln bedeckt, daß die Hollaͤnder nicht im Stande geweſen ſind, einer jeden von ihnen einen beſonderen Namen zu geben, ſondern der ganzen Gruppe die allgemeine Benennung Tauſend⸗Inſeln beigelegt haben. Jede dieſer zahlreichen Inſeln von koralliſchem Urſprunge iſt mit lebhaftem, aber einfoͤrmigem Gruͤne ohne alle Abwech⸗ ſelung bedeckt. Da ſie ſehr flach ſind, und ihre Ober⸗ faͤchen nur wenig uͤber das Meer emporragen, ſe 100 ſahen die hohen Baͤume derſelben in der Ferne wie Schiffs⸗Flotten aus. Die Bai von Batavia wird auf der Suͤdſeite durch die Kuͤſte von Java begrenzt, und auf den uͤbrigen Seiten von 15 bis 16 kleinen Inſeln, welche von OÖſt durch Nord nach Weſt zerſtreut liegen. Die vorzuͤglichſten unter den Inſeln, welche die unermef⸗ lich große Bai umringen, ſind die Inſeln Onruſt, Purmerent, Kuiper und Edam. Barrow's ſchaͤtzbare Nachrichten von der in aller Beziehung in uͤppiger Fuͤlle wuchernden Inſel Java, uͤber die ungeſunde Lage Batavia's, von der uͤppigen und den Tod erzeugenden Lebeusart der Hollaͤnder in dieſer Stadt, von der harten Be⸗ handlung der gewerbtreibenden Chineſen von Sei⸗ ten der hollaͤndiſchen Regierung, von dem wilden Betragen der Malagen, und von dem Zuſtande der bataviſchen Sklaven koͤnnen wir uͤbergehen, in⸗ dem wir ſie zum Theile in fruͤhern Reiſebeſchreibun⸗ gen mitgetheilt haben, und ſie andern Theils uns zu weit von unſerm Ziele, von Cochinchina abfuͤh⸗ ren wuͤrden. Nachdem wir uns weit laͤnger in der Naͤhe des Aequators aufgehalten hatten, als es unſere Ab⸗ ſicht war, und die Geſundheit unſerer Mannſchaft er⸗ laubte, verließen wir mit Vergnuͤgen die niedrige, ſumpfige Kuͤſte von Sumatra, und bald auch die Straße von Banca. Wegen des traurigen Zuſtan⸗ 101 des unſerer Kranken liefen wir in eine Bai, auf einer den kleinen Inſeln Pulo Condore ein; allein der Anblick unſerer großen Schiffe verurſachte den Be⸗ wohnern derſelben einen ſolchen Schrecken, daß ſie in die Gebirge fluͤchteten, ihren geringen Vorrath von Lebensmitteln vor den Thuͤren ihrer Huͤtten liegen ließen, und uns in einem Zettel, welcher in Chine⸗ ſiſcher Sprache geſchrieben war, flehentlich baten, mit dieſem Wenigen zu frieden zu ſeyn. Wir ſegelten daher unverzuͤglich ab, und ſteuerten gerade einem Theile von dem Feſtlande Aſiens zu, welcher weit weniger bekannt iſt, als er es zu ſeyn verdient. Um die hiſtoriſche Ueberſicht des Landes, welche ich mit⸗ theile, deſto beſſer verſtehen zu koͤnnen, wird noͤthig ſeyn, einen gedraͤngten Umriß von der Lage und der geographiſchen Eintheilung desjenigen Theiles von dem Aſiatiſchen Feſtlande, welcher gewoͤhnlich unter dem Namen von Cochinchina begriffen wird, vorangehen zu laſſen. Das unermeßliche Chineſiſche Reich erſtreckt ſich gegen Suͤd bis zum 220 der Breite; allein eine an daſſelbe ſtoßende Landzunge dehnt ſich gegen Weſt bis zum 90 NBr. Dieſer letztere, 130 in der Laͤnge hal⸗ tender Landſtrich wird in der Mitte durch eine Kette hoher Gebirge von Nord nach Suͤd in zwei Theile getheilt, und durch dieſe wird das Birmaniſche Reich gegen Weſt von den Koͤnigreichen Tung⸗ Quin, Cochinchina, Tſiompa und Cambodia 102 gegen Oſt abgeſondert. Dieſe Namen ſind den Ein⸗ gebornen, mit Ausnahme von Tung⸗Quin, gaͤnzlich unbekannt. Die uͤbrigen drei Laͤnder zuſammen genommen, heißen An⸗Nan, und zerfallen in drei Hauptabthei⸗ lungen. Die erſte zwiſchen dem ſuͤdlichſten Punkte, welcher die aͤußerſte Spitze des Meerbuſens von Siam bildet, welcher ungefaͤhr im 900 Br. liegt, wird bis zum 120 Don⸗Nai genannt. Die zweite, welche ſich bis zum 150 Grad erſtreckt, heißt Chang, und die dritte, welche ſich vom 150— 17⁰, dem Anfangs⸗ punkte des Koͤnigreichs Tung⸗Quin, ausdehnt, fuͤhrt den Namen Hue. An den Kuͤſten aller dieſer Abtheilungen gibt es mehrere ſichere und ſehr bequeme Baien und Haͤfen. Der große Fluß Don⸗Nai (Cambodia auf den Charten) ſoll fuͤr die groͤßten Schiffe bis auf s teutſche Meilen in das Land, wo die Stadt Sai⸗Gong mit einem bequemen und ge⸗ raͤumigen Hafen liegt, ſchiffbar ſeyn. In der Abtheilung Chang befindet ſich der Hafen Chin⸗Cheu in 13⁰ 15 NBr.; dicht an dieſem die Stadt Quing⸗Nong. Die Hauptſtadt in der Ab⸗ theilung Hue fuͤhrt denſelben Namen, wie das Land. Sie liegt an einem Fluße, welcher betraͤchtliche⸗Schiffe traͤgt; allein ungluͤcklicher Weiſe laͤuft eine Sandbank quer durch ſeine Muͤndung. Ein wenig ſuͤdlich von dieſem Fluſſe und in 600 7˙der Breite liegt die Bai Han⸗ 103 San, welche gewoͤhnlich auf unſern Charten Turon heißt. Von Pulo⸗Condore kamen wir am 24. Mat vor die letzt genannte ſichere und bequeme Bai. Als die Fiſcher uns gewahr wurden, eilten ſie davon. End⸗ kich gelang uns, einen Kahn einzuholen, in welchem ſich ein alter Mann in ſchlechter Kleidung befand. Jedoch ward er fuͤr uns von großer Wichtigkeit, denn ohne ihn haͤtten wir unmoͤglich den Weg in die Bat finden koͤnnen. Die Eingebornen waren den erſten dag zwar etwas ſchuͤchtern, als ſie aber ſahen, daß ſie ihre Produkte um jeden ſelbſt beliebigen Preis und gegen baares Geld an uns verkaufen konnten, wurden nir mit Vieh aller Art, mit Fruͤchten und Vegetabi⸗ len im groͤßten Ueberfluſſe verſorgt. Auch die Be⸗ fehlshaber der Stadt erwieſen uns viele Hoͤflichkeit, und beſuchten uns ſogar am Bord unſeres Schiffes. So wenig die vornehmſten Beamten der Stadt an urſerer Kochkunſt Geſchmack ſinden konnten; deſto mehr hatten ſie eine Begierde nach Rum, Branntwein und andern geiſtigen Getraͤnken; denn, wenn ſie von dem Schiffe ſich wieder wegbegaben, ſo waren ſie jedes⸗ mal im hoͤchſten Grade betrunken. Die Cochinchineſen uͤbertreffen ihre aͤußerſt hoͤflichen Nachbarn, die Chineſen, an gaſtfreundli⸗ cher Freigebigkeit: denn ſie bedecken nicht nur den ganzen diſch mit Speiſen, ſondern ſie ſtellen auch die Schuͤſſem reihenweiſe drei⸗ bis vierfach uͤbereinander. 104 Wir ſpeiſten ſelten, daß ſich die Anzahl der Speiſen nicht auf 200 Gerichte belaufen haͤtte, die Becher mit Reis nicht gerechnet, welche ſtatt des Brodes gereicht wurden. Jeder Gaſt erhielt einen irdenen Loͤffel, ein Paar Stachel von einem Stachelſchweine, oder kleine Staͤbe von Bambus⸗Rohr, welche haͤuſig mit Silber beſchlagen ſind. Die Gerichte beſtehen aus Rind- und Schweinefleiſch, Federvieh und Fiſchen, welche in Stuͤckchen zerſchnitten, mit mancherlei Arten von Ve⸗ getabilien vermiſcht, und in ihrem eigenen Safte, oder mit ſtark gewuͤrzten Bruͤhen zugerichtet ſind. Gebacke⸗ nes oder getrocknetes Fleiſch kam nie auf den Diſch Auch wurden erſt nach dem Tiſche der Chineſiſche Seau⸗Cho in kleinen Bechern aus Porzellan her umgereicht. Der Statthalter zu Turon ließ ſich nicht ſo weit herab, daß er ſich ſelbſt mit uns an den Tiſch ſetzte, ſondern er lag gewoͤhnlich waͤhrend unſerer Mahlzeit an dem andern Ende des Zimmers der Laͤr⸗ ge nach auf einer Matratze ausgeſtreckt, kaute ſeinen Betel und ſeine Areka⸗Nuß, und rauchte beſtaͤrdig Tabak. Zwei große Diener faͤchelten ihm mit großen, aus den Fluͤgelfedern des Argus⸗Faſan verfertihten, Faͤchern Luft zu. Von der Tafel begaben wir uns in das Schauſpielhaus, einen Schuppen aus Bembus⸗ Rohr. Dieſer Theil von Cochinchina, in welcem die Turons⸗Bai liegt, gehoͤrte damals dem lungen 4 105 Herrſcher Quang⸗Tung, dem Sohne eines aufruͤh⸗ reriſchen Generals. Seine Reſidenz war in der Stadt Hue, ungefaͤhr acht teutſche Meilen noͤrdlich von Turon. Kaum war unſere Ankunft in der Reſidenz bekannt, ſo wurde ſogleich ein Mandarin von hohem Range abgeſchickt, um uns an den koͤniglichen Hof zu bringen. Wegen der vielen Zeremonien und aus Zeit⸗ Erſparniß lehnten wir die Einladung ab. Ein Brief von dem Koͤnige enthielt eine Menge Verſicherungen von der hohen Achtung, welche er fuͤr die engliſche Kation hege, auch war ein Geſchenk uns uͤberreicht worden, welches in 10 jungen Buͤffeln, in 50 Schwei⸗ nen und ungefaͤhr 300 Enten und Huͤhnern nebſt einer großen Menge vor Fruͤchten, Kuͤrbiſſen, Zwiebeln und andern Arten von Vegetabilien beſtand. Der Ueber⸗ bringer des Briefes hatte ein ſeidenes Gewand, wel⸗ ches mit Geſtalten von Tigern und Drachen durchwebt war. Als er ſein Schiff verließ, legte er dieſes Ge⸗ wand ab, und zog zwei oder drei ſehr weite muſſeline⸗ ne Kleider, deren eines immer laͤnger als das andere war, an. Unſer Geſandter ſchickte dem Koͤnige nebſt einem Antwortſchreiben eine ſehr ſchoͤne Doppel⸗Flin⸗ te, ein Paar Piſtolen, einen Degen, mehrere Stuͤcke Kamelot, und ein breites ſcharlachrothes Tuch. Einige Meſſungen, welche unſere Offiziere mit großer Eile vornahmen, erregten bei den Eingebor⸗ nen den Verdacht, als haͤtten wir andere, als unſere vorgeblichen Abſichten. Die Sache wurde jedoch bald 106 wieder gut gemacht. Der Geſandte erhielt ſogar einen zweiten Brief von dem Koͤnige, in welchem ihm der Antrag gemacht wurde, ſich in Handels⸗Verkehr mit dem noͤrdlichen Cochinchina einzulaſſen. Die Ge⸗ ſchenke, welche mit dieſem Briefe ankamen, beſtanden in einem Paar Elephanten⸗Zaͤhne, in 10 Koͤrben mit Pfeffer fuͤr den Geſandten, und in 3000 Koͤrben mit Reis, deren jeder ro Pfund wog, fuͤr das Schiffs⸗ Volk. Am 4. Juni feierten die vornehmſten Beamten von Turon zur Ehre unſeres Geſandten ein Feſt. Als wir an dieſem Tage an das Land geſtiegen waren, ſo wurden wir ſogleich in ein Gebaͤude gefuͤhrt, wel⸗ ches abſichtlich zu dieſem Zwecke errichtet worden, und bei weitem groͤßer war, als dasjenige, in welchem wir bisher auf dem Lande geſpeist hatten. Das Dach deſſelben wurde von einer Reihe Bambu⸗ Pfaͤhlen un⸗ terſtuͤtzt, welche quer durch die Mitte des Gebaͤudes liefen, und daſſelbe in zwei Theile abſonderten. Die Waͤnde und Oecke waren mit dicken, doppelten Mat⸗ ten bedeckt, und inwendig mit grobem Mancheſter⸗ Zeuge von verſchiedenen Muſtern ausgeſchlagen. Ein anwe⸗ ſender portugieſiſcher Kaufmann uͤhernahm die Beſor⸗ gung unſeres Tiſches, und brachte uns durch ein ſchlech⸗ tes portugieſiſches Mittageſſen um ein gutes Co⸗ chinchineſiſches Mittagsmahl. Bei unſerm erſten Eintritte in das Gebaͤude e er⸗ eignete ſich ein Umſtand, welcher die Cochin chine⸗ 107 ſiſchen Beamten in die groͤßte Verlegenheit ſetzte. Sie hatten naͤmlich, wie es auch in China der Ge⸗ brauch iſt, einen großen Vorhang von gelber Seite verfertigen laſſen, auf welchem mit großen Buchſtaben der Name ihres Koͤnigs geſchrieben war. Bei den Cochinchineſen iſt Sitte, ſich neunmal vor dem Vorhange auf die Erde niederzuwerfen. Als daher der Statthalter von Turon, welcher als Stell⸗ vertreter ſeines Herrn in der Naͤhe des Vorhanges auf einer Bank ſaß, ſah, daß wir bei ihm voruͤberge⸗ hend nur eine Verbeugung machten, ohne uns im Ge⸗ rigſten um den gelben Vorhang zu bekuͤmmern, gerieth er in die ſchrecklichſte Verlegenheit, verlor ſchlechter⸗ dugs alle Faſſung, und konnte ſich faſt den ganzen Tag nicht wieder erholen. Als ihm nachher der Rang jedes einzelnen von uns angegeben wurde, hoͤrte er Alles nur mit halben Ohren, und ſichtbar zerſtreut an. Dieſer Mangel an Aufmerkſamkeit dauerte auch ſo lange fort, bis ihm der chineſiſche Dollmetſcher den Kapitän Barish von der Artillerie als den Ober⸗ aufſeher uͤber die großen Kanonen vorſtellte; bei die⸗ ſen Worten kam er ploͤtzlich mit einer Art Schrecken wieder zu ſich ſelbſt, und ſchien den ganzen uͤbrigen Dag dieſen Offizier als einen aͤußerſt furchtbaren und gefaͤhrlichen Mann mit ſcheuen Blicken anzuſehen. In der innern Abtheilung des Gebaͤudes fuͤhrten Schauſpieler ein geſchichtliches Drama auf. Bei un⸗ ſerer Ankunft unterbrachen ſie das Spiel, traten ſaͤmmt⸗ 108 lich naͤher hervor, und zeigten uns ihre Ehrerbietung durch die herkommlichen neun Kniebeugungen und Niederwerfungen. Nach dieſen ſetzten ſie ihr Spiel fort, bei welchem es ſehr laͤrmend und geraͤuſchvoll zu⸗ gieng. Der unterhaltendſte, und auch am wenigſten laͤrmende Theil der theatraliſchen Vorſtellung war eine Art Zwiſchenſpiel, welches von drei jungen Frauens⸗ perſonen aufgefuͤhrt wurde; ein armſelig gekleideter Hanswurſt machte ſeine gewoͤhnlichen veralteten Spaͤße. Der Dialog war in dieſem Zwiſchenſpiele leicht und komiſch, und wich gaͤnzlich von der klagenden, und faſt eintoͤnigen Deelamation der Chineſen abz von Zeit zu Zeit wurde er durch luſtige Arten unterbro⸗ chen, welche ſich gewoͤhnlich in einem allgemeinen Chor endigten. Dieſe Arien waren zwar roh und kunſtlos, aber doch ſchienen ſie regelmaͤßige Kompoſitionen zu ſeyn, und wurden auch mit vollkommen richtiger Beob⸗ achtung des Taktes geſungen. Eine der Atien hatte eine ſanfte Melodie, und erſtaunliche Aehnlichkeit mit den weichen, klagenden Toͤnen, welche den ſchotti⸗ ſchen Nationalliedern eigen ſind. Die Stimmen der Frauensperſonen waren gellend und ſchmetternd, je⸗ doch hielten ſie ziemlich Ton, auch waren ihre Kaden⸗ zen nicht ohne Harmonie. Bei jeder Pauſe machten die feineren Inſtrumente ein kurzes Zwiſchenſpiel, bis zuletzt die alles erſchuͤtternden, betaͤubenden Pauken und Trompeten wieder einfielen. Bei jeder Wiederholung des Chors ſuchten die drei Cochinchineſiſchen Grazien 109 ihre ſchlanken Geſtalten in verwickelten labyrinthiſchen Taͤnzen in das vortheilhafteſte Licht zu ſetzen. Weder in China, noch in Cochinchina zahlt irgend Jemand bei ſeinem Eintritte in das Schauſpiel⸗ haus Geld. Die Schauſpieler werden entweder von einem Privaten auf den ganzen Tag gedungen, oder ſie ſpielen vor dem geſammten Publikum in einem beſondern zu dieſem Zwecke aufgefuͤhrten Schuppen. In beiden Faͤllen werden die Schauſpieler durch das Zuwerfen von Kupfermuͤnzen als eine Beifalls⸗Be⸗ zeugung aufgemuntert. Zu dieſem Zwecke hatten uns die Mandarinen mehrere Hundert ſolcher Muͤnzen gegeben. In der Mitte des Stuͤckes verließen wir das Schauſpielhaus, um uns auf den nahe gelegenen gruͤ⸗ nenden Anger, welcher zugleich als Marktplatz diente, zu begeben. Durch eine Menge von Spielen und Poſſen wurden wir ſehr angenehm unterhalten. Meh⸗ rere junge Burſche beluſtigten ſich mit dem Ballſpiele; andere ließen ihre Leichtigkeit durch das Hinwegſprin⸗ gen uͤber eine horizontal gelegte Stange ſehen; an einem Orte beluſtigte ſich eine laͤrmende Gruppe mit Hahnenkaͤmpfen; an einem andern brachten Knaben nach dem Beiſpiel der Aeltern, Wachteln und andere kleine Voͤgel, ja ſogar Grashuͤpfer herbei, um zu zu zehen, wie ſich dieſe gereizten Thiere in Stuͤcke zerriſ⸗ ſen. In jedem Winkel des Platzes ſaßen Leute, wel⸗ che mit Karten und Wuͤrfeln ſpielten. Am meiſten 110 zog eine Anzahl junger Leute„ welche einen Federball beſtaͤndig in der Luft erhielten, indem ſie ihn mit den Fußſohlen fortſchlugen, die Aufmerkſamkeit auf ſich. So geſchickt ſie in dem Gebrauche ihrer Fuͤße ſind, eben ſo bewunderungswuͤrdig iſt die Gewandt⸗ heit ihrer Haͤnde und uͤbrigen Glieder. Ueberall fan⸗ den wir Gaukler, Zauberer und Taſchenſpieler. Auch hatten wir die Gelegenheit, uns auf unſere eigenen Koſten zu uͤberzeugen, daß auch diefenigen unter ihnen, welche nicht oͤffentlich die Taſchenſpieler⸗ Kuͤnſte als Gewerbe treiben, doch in der Kunſt, die Taſchen zu beſtehlen, nicht weniger geſchickt waren. Saͤmmtliche Einwohner waren aͤußerſt unverſchaͤmt in ihren For⸗ derungen, und ihr Hang zum Stehlen war bei allen ſo allgemein, daß wir genoͤthigt waren, die vornehm⸗ ſten Beamten der Regierung„welche an Bord unſerer Schiffe kamen, ſorgfaͤltig beobachten zu laſſen. (Beſchluß im naͤchſten Baͤndchen.) 111 Kurze Biographie des Confucius(Con— fu—tſe) verfaßt vom K. Bibl. Jäck*). C onfucius, der vornehmſte chineſiſche Philoſoph, wurde 561 vor Chriſtus geboren in der Stadt Tſeuye, im Gebiethe Tehang—ping-—hiang, im Koͤnigrei⸗ che Lu oder Lou. Sein Vater nannte ſich Chou— leang-—he, und ſtammte aus dem Fuͤrſtenthume Song, von welchem ſeine Voraͤltern in das Koͤnigreich Lou gezogen waren. Seine Mutter hieß Yen-chi, ſie nannte ihn Kieon, d. i. kleinen Huͤgel, weil er eine etwas erhabnere Stirne hatte, als gewoͤhnliche Men⸗ ſchen. Im 19. Lebens⸗Jahre 632 v. Chr., hatte er ſchon einen großen Ruf im Lande Lou erlangt; allein er war ſehr arm. Um ihm einige Mittel zum Lebens⸗ Unterhalte zu verſchaffen, ernannte ihn Tchao⸗kong zum Aufſeher der Lebens⸗Mittel, welches zwar ein *) Vorzuͤglich nach Histoire gen. de la chine par Grosier. Paris. 1777. 4. 12. vol. 112 geringes, aber ziemlich eintraͤgliches Amt eines Man⸗ darins war. Schon im vorigen Jahre hatte er ſich mit Pien⸗kuan⸗chi aus dem Fuͤrſtenthume Song vermaͤhit, von welcher er einen Sohn zeugte, den er Pe⸗yu nannte. Er blieb jedoch nicht laͤnger als ein Jahr Verwalter der Lebens⸗Mittel: da er ſich mit vieler Klugheit benahm, ſo uͤbertrug ihm Dchgo⸗ko ng die Aufſicht uͤber die wilden Thiere. Im Jahr 517 vernahm der Fuͤrſt Tchao⸗kong, welcher ſeit einem Jahre im Lande Tſi ſich aufgehalten hatte, daß der im Fuͤrſtenthume Lou entſtandene Aufruhr ſeinen Liebling Confucius genoͤthigt habe, ſich in jenes von Tſi zu fluͤchten. Dieſe Unannehmlichkeit des be⸗ ruͤhmten Philoſophen ſchmerzte den Fuͤrſten mehr, als die in ſeinem Lande entſtandene Unordnung. King⸗ kong, Regent von Tſi, bemuͤhte ſich den großen Mann nach Wuͤrde zu empfangen, und lud ihn ein, an ſeinen Hof zu kommen, was auch Confucius befolgte. King⸗kon, wollte bei dieſer erſten Unter⸗ redung ſogleich ſich uͤberzeugen, ob Conf ucius wirk⸗ lich ſo aufgeklaͤrt ſey, als er nach dem allgemeinen Rufe ſeyn ſollte. Er fragte ihn alſo, worin die gute Regierung beſtehe? Confucius erwiederte:„ſie beſteht darin, daß der Regent wirklicher Herr, und der Untergeordnete wirklicher Unterthan; der Vater wirk⸗ licher Vater, der Sohn wirklicher Sohn ſey, und Je⸗ der gegen den Andern nach dieſem Verhaͤltniſſe ſich benehme.“ King⸗kong:„dieß iſt ganz wahr; denn 113 wenn der Herr nicht wirklicher Herr iſt, ſo iſt auch der Untergeordnete kein wirklicher Unterthan; auf gleiche Art verhaͤlt es ſich mit Vater und Sohn. Man mag uͤbrigens noch ſo reich ſeyn, ſo kann mau nicht in bloßer Ruhe leben. Noch im Jahre 610 war Confucius am Hofe King⸗kongs, wo er ſich bemuͤhte, die weiſe Regie⸗ rung der Alten herzuſtellen. Er haͤtte ſehr gewuͤnſcht, ſeine Grundſaͤtze in den Staaten von Tchou und Dein bekannt zu machen, wo er ſie haͤtte glaͤnzen laſ⸗ ſen, allein die Fuͤrſten derſelben waren zu ſehr fuͤr das Gold, und fuͤr ihre Macht eingenommen. Dage⸗ gen fragte ihn der Fuͤrſt von Tſi ſtets uͤber die Re⸗ geln einer guten Regierung, hoͤrte ſie auch gern an, lobte ſie ſogar, befolgte ſie aber ſehr wenig. Da Con⸗ fucius uͤber dieſe Erſcheinung betroffen ſchien, ſo erklaͤrte ihm King⸗hong: er fey zu alt, um ſich mit dieſer Neuerung zu befaſſen. Confucius, weit entfernt auf die Befolgung ſeiner Lehre zu dringen, verließ das Land von Tſi, und kehrte in ſein Vater⸗ land zuruͤck. Daſelbſt waren die Unordnungen und Aufruhren, welche der Stolz und das ſchlechte Betragen des in⸗ zwiſchen eingetretenen Regenten Ki⸗chi veranlaßt hat⸗ te, ſo nachtheilig, daß auch die erſten Regierungs⸗ Jahre ſeines Nachfolgers Ting⸗kong, nichts weniger, als erfreulich waren. Deßwegen miſchte ſich Confu⸗ eins weder in die Angelegenheiten der Regierung, 52. Pd. China. II. 1. 8 114 noch uͤbernahm er irgend ein Amt. Statt deſſen ord⸗ nete er die Buͤcher Chi⸗kiug und Chu⸗king, und jene fuͤr die Ceremonien und Muſik, welche alle ſo vermiſcht waren, daß ſie nicht einmal mehr ein geſon⸗ dertes Ganze ausmachten. Dieſe neue Ordnung und Abtheilung gewann ihm eine außerordentliche Zahl von Zuhoͤrern. Bald eilten die Weiſen der entfernte⸗ ſten Provinzen herbei, um den Unterricht eines ſo großen Meiſters zu genießen. Im Jahre soo wurde Confucius durch Ting⸗ kong zum Amte eines Tſe⸗kong, d. i. Praͤſidenten des Tribunals der oͤffentlichen Arbeiten ernannt. Der Philoſoph verwaltete es mit ſo vieler Gerechtigkeit, Sorgfalt und Uneigennuͤtzigkeit, daß er den allgemei⸗ nen Beifall erlangte. Sein ganzes Streben gieng da⸗ hin, den alten guten Regierungs⸗Geiſt wieder zu er⸗ wecken: waͤren die Zeiten guͤnſtiger geweſen, ſo wuͤr⸗ de ſein Streben gewiß gelungen ſeyn. Im Jahre 497 wurde Confucius zum Staats⸗Miniſter des Fuͤr⸗ ſenthums Lou ernanut. Kaum hatte er ſein Amt uͤbernommen, ſo ließ er Chao⸗tching⸗mao, welcher viele Unordnungen in der Regierung veranlaßt hatte, in Verhaftung bringen und hinrichten. Als ſeine Schuͤler ihr Staunen uͤber dieſe Strenge bezeigten, erwiederte er ihnen:„es gibt fuͤnf Verbrechen, welche jeden Menſchen ſtrafbar machen, als waͤre er Straſſen⸗ Naͤuber. Naͤmlich ein betruͤgeriſches Herz, ein argli⸗ ſtiges Betragen, ſchoͤne Beredſamkeit voll Luͤgen und 115 Falſchheiten, ein gluͤckliches Gedaͤchtniß, welches das Laſter bekannt macht, und eine natuͤrliche Schmeiche⸗ lei im Boͤſen. Jedes dieſer fuͤnf Laſter an einem Gro⸗ ten verdient den Tod, und darf von keinem Weiſen, welcher im Stande iſt zu ſtrafen, vergeben werden. Oder durfte ich Chao⸗tching⸗mao am Leben laſſen, wenn alle Laſter in ihm vereinigt waͤren?“— Dieſe Strenge des Confucius, in der Beſtrafung des La⸗ ſters hatte die Sitten der Großen und des ganzen Volkes vom Lande Lou in kurzer Zeit ſo umgeſtaltet, daß der Regent von Tſi eiferſuͤchtig wurde, Ting⸗ kong moͤchte dem Confuelus den Titel Pa bei⸗ legen, durch welchen er natuͤrlich uͤber ihn erhoben wuͤrde. Nach mehreren Berathungen mit ſeinen Gro⸗ tzen wurde beſchloſten, kein Mittel gegen die weiſe Regierung des Coufucius ſey wirkamer, als die Tugend des Fuͤrſten von Lou zu untergraben. Der Regent von Sſi ſchickte daher unter dem Vorwande, die Freundſchaft unter ihnen zu erneuern, die ſchoͤn⸗ ſten Frauen ais Geſchenke an den Regenten Ting⸗ kong. Der Oberſthofmeiſter Ki⸗hoan⸗tſe deſſelben empfing ſie im Namen ſeines Herrn, welcher von ihnen ſo bezaubert wurde, daß er drei Tage ſeinen Pallaſt gar nicht verließ. Confucius wurde daruͤber ſo aufgebracht, daß er ſeinen Monarchen verließ, und ſich in die Staaten von Quei begab. Im Jahre 498 zog der Philoſoph zu Yen⸗tchou tſedu. Um ihn zu gewinnen, daß er daſelbſt bleibe, gab man ihm 60,000. Maas Getreide. Er verweilte aber nur 10 Monate: als er in die Staaten von Tchin ſich begeben wollte, wurde er im Lande von Kouang verhaftet, wo man ihn fuͤr einen gewiſſen Nang⸗ hou aus Lou hielt, welcher die Voͤlker dieſer Kan⸗ tone ſchon oͤfters beleidigt hatte. Sobald man den Jrrthum erkannte, gab man ihm zwar die Freiheit wieder; allein Confucius ſetzte ſeine Reiſe nach 116 Schin nicht fort, ſondern kehrte nach Ouei im Jahr 494 zuruͤck.. Der Fuͤrſt dieſes Landes Ling⸗kong, war mit ſeiner Gemahlin und dem Verſchnittenen Vong⸗king in einem Wagen aus dem Pallaſte gekommen, um den zu Fuß wandelnden Confucius zu bewillkommen. Ling⸗kong ließ ſogleich den Verſchnittenen ausſtei⸗ gen, und lud den Confucius ein, deſſen Platz ein⸗ zunehmen. Dieſer beſtieg den Wagen, und ſetzte ſich neben ihnen. Bald kam man auf einen Markt, wo eine muͤßige Volksmenge mit Schauſpielen ſich be⸗ ſchaͤftigte.„Ach!“ ſchrie er ploͤtzlich,„ich ſah noch nie einen tugendhaften Menſchen, welcher an Leuten, die nur dem Vergnuͤgen ergeben ſind, ein Wohlgefal⸗ len findet.“ Er ſtieg ſogleich vom Wagen, und zog ſich in das Fuͤrſtenthum Tſao zuruͤck. Kaum hatte er ſich daſelbſt uͤberzeugt, daß man ſeine Lehre nicht ſchaͤtze, ſo eilte er wieder weg, und begab ſich in Be⸗ gleitung mehrerer Schuͤler gegen das Fuͤrſtenthum Song. Auf dem Wege verweilten ſie unter einem Baume, wo Confucius ihnen Unterricht uͤber den Nutzen der Ceremonien ertheilte. Im naͤmlichen Au⸗ veufluee fuhr Huan⸗toui, Praͤſtdent des Kriegs⸗ aths des Fuͤrſten von Song voruͤber, welcher den Confucius und ſeine Lehre haßte. Eine ſchickliche Gelegenheit, ſich deſſelben zu entledigen, wollte er nicht voruͤber laufen laſſen, er ging alſo mit dem Saͤ⸗ bel in der Hand ihm entgegen, und wollte ihn toͤdten; allein Confucius wich dem Schlage aus, und zog ſich mit ſeinen Schuͤlern zuruͤck. Da er nicht ſehr erſchuͤttert ſchien, ſo drangen ſeine Schuͤler, welche nicht to viele Feſtigkeit hatten als er, auf Beſchleuni⸗ gung ihrer Schritte. Confucius ſagte ihnen:„wenn Tien wegen meiner Tugend mir Schutz gewaͤhrte, was kann mir Huan⸗toui ſchaden?“ Alein die 117 Schuͤler waren mit dieſer Antwort nicht zufrieden, lie⸗ ben ihn allein, und flohen. Als er zu Tching ankam, hielt er am Eingange des Stadt⸗Chores gegen Morgen. Ein Einwohner, welcher ihn ein wenig verlegen fand, aber uͤbrigens eine ganz ungewoͤhnliche Geſtalt an ihm entdeckte, be⸗ gab ſich ſogleich zu Tſe⸗kong, und ſagte ihm: Jemand iſt am Thore gegen Morgen, deſſen Stirne jener von Yao, deſſen Hals jenem von Cao⸗yao, deſſen Schultern jenen von Tſe⸗tchin, und deſſen Geſtalt beilaͤufig jener des großen Yu gleichen; er ſcheint verlegen, und von Furcht ergriffen, wie ein Hund, welcher das Haus ſeines Herrn verloren hat. Sſe⸗kong begab ſich ſogleich an das Thor: als er ſich dem Confucius naͤherte, ſagte er ihm, was von ihm berichtet worden war. Der Philoſoph er⸗ wiederte laͤchelnd: rückſichtlich der Geſtalt irrt man ſich, was aber den Vergleich mit dem Hunde betrifft, ſo giebt es nicht Wahreres. Auf ſeiner Reiſe war er oͤfters in die hoͤchſte Ar⸗ muth verſetzt. Waͤhrend ſeines Aufenthaltes im Lande Tching 493 hatte er einmal 7 Tage nichts zu eſſen. Seine meiſten Schuͤler wurden durch dieſe Entbehrung krank; er aber ſchien nicht trauriger zu ſeyn. Man hörte ihn ſogar mehr ſingen, und Inſtrumente ſpie⸗ len als ſonſt. Deßwegen ſagte Tſe⸗lou, eiyer ſei⸗ ner Schuͤler zu ihm:„ſchick es ſich zu ſingen, waͤhrend wir vor Entbehrung niederſinken?“ Confuci us ließ ſich nicht außer Faſſung bringen, ſetzte ſein Ge⸗ ſang bis zum Schluſſe fort, und antwortete dann: „Ich ſage dir, daß der Weiſe die Muſik nur liebr, um zu große Artigkeit zu unterdruͤcken; wer nicht weiſe iſt, liebt die Muſik nur, um Beſorgniſſe ſeines Innern zu unterdruͤcken. Tſe⸗lou war mit dieſer Antwort ſo wenig zu frieden, daß er ſeinen Spies ergriff, dreimal geſchickt ſchwang, und ſich entfeinte. 118 Nachdem ſie ſich von dieſem Elende befreit hat⸗ ten, ſagte ſein Schuͤler Tſe⸗kong zu ihm; nur die 2 bis 3 Schuͤler, welche Ihnen folgten, ſind Urſache der Darbung, in welche Sie verſetzt wurden, ſie wer⸗ den deßwegen dieſelbe nicht vergeſſen;“ Er erwieder⸗ te; fuͤr mich iſt Gewinn, in die Laͤnder Tchin und Tfai gekommen zu ſeyn. Was meine Schuͤler be⸗ trifft, die mir nachfolgten, ſo erprobt ſichderen Staͤr⸗ ke nicht ſchoͤner, als in gefaͤhrlichen Gelegenheiten. Wie koͤnnten ſie ſonſt wiſſen, daß die Vollkommen⸗ hrit ei. dann beginnt, wenn man an Allem Mangel eidet? Im Jahre 489, im dritten Regierungs⸗Jahre des Kien⸗Huang, wanderte Confuc ius gus den Staaten Tchin in jene von Tſas. Als Tchgo⸗ kong, Fuͤrſt von Tchou erfuhr, daß er ihm ſo nahe ſey, ließ er ihn durch einen ſeiner Beamten einladen, an ſeinen Hof zu kommen. Confucins verſprach ſich dahin zu begeben; allein die Fuͤrſten von Tchin und Tſai widerſetzten ſich aus Beſorgniß, durch die tiefen Kenntniſſe dieſes Philoſophen von der Regie⸗ rungs⸗Weiſe moͤchten ihre Staaten einſt erſchuͤttert werden. Confncius reiſte jedoch ab; beide Fuͤrſten machten ſich mit Truppen auf den Weg, ihn zu verfolgen, und ſchloſſen ihn in eine Wuͤſte zwiſchen trocknen Fellen ein, wo der Philoſoph Mangel an Le⸗ bensmuttein litt, und wohin Niemand einige bringen durfte. Dieſe außerſte Grauſamkeit brachte ihn jedoch nicht von dem Entſchluſſe ab, ſich nach Tchou zu be⸗ geben, und er fand Mittel, den Fuͤrſten daſelbſt die an ihm veruͤbte Grauſamkeit wiſſen zu laſſen. Dieſer gerieth in einen außerordentlichen Zorn, und ſchickte zu ſeiner Befreiung ſogleich Truppen ab⸗ Bei ihrer Annaͤberung zogen ſich die Fuͤrſten zuruͤck, und die Truppen fuͤhrten Confucius, wie im Triumphe, nach ihrem Lande. 119 Der Fürſt von Tchon empfing ihn mit großen Ehren, und wollte ihm ein Stuͤck Landes zur unum⸗ ſchraͤnkten Herrſchaft bergeben. Allein ſein erſter Mi⸗ niſter widerſetzte ſich auf eine Weiſe, welche dem Con⸗ fucius und ſeinen Schuͤlern hoͤchſt ehrenvoll war, naͤmlich daß man durch ſeine Erhebung zum Souve⸗ rain außer dem Lande, ſeine Kenntniſſe und guten Nathſchlaͤge im Lande entbehren muͤſſe. Der Regent folgte dem Rathe ſeines Miniſters und aͤnderte ſeine Geſinnung; nach 1 Monaten ſtarb er, und ließ Con⸗ fucius ſo huͤlflos, daß er dem Spotte Preis gegeben wurde. Vergebens ſuchte er ſich zu rechtfertigen; Nie⸗ mand hoͤrte ihn. Er entſchloß ſich alſo nach Ouei zuruͤck zu kehren; allein daſelbſt verweilte er im Jahr 488 nicht lange. Aus der Gewaltthaͤtigkeit, welche die Fuͤrſten von Tchin und Tſai an ihm veruͤbten, hoffte er, daß ſeine Lehre daſelbſt gut aufgenommen werden moͤchte, und wollte deßwegen nach Tchin ſich begeben. So große Achtung auch ſeine Lehre genoß⸗ ſo brachte ſie doch keine Veraͤnderung im Reiche her⸗ vor. Die Fuͤrſten blieben waͤhrend ſeines Aufenthal⸗ tes in den Staaten von Tching 487— 484 eben ſo ehrgeitzig als vorher, und unterließen nichts, was ihren Untergang beſchleunigen konnte. Da er alſo ſeinen Aufenthalt fuͤr zwecklos erkannte, ſo kehrte er in das Land Ouei zuruͤck. 1— Daſelbſt verweilte Confucius bis zum Jahre 479, in welchem er mit 63 Lebens⸗Jahren zum allge⸗ meinen Bedauren ſtarb. So große Achtung er im Le⸗ ben genoſſen hatte, ſo ſtieg dieſe doch erſt nach ſeinem Tode empor. Die Auszeichnungen, welche er im Le⸗ ben verdient hatte, wurden ihm erſt nach dem Tode gezollt. Wie er ſelbſt ein friedlicher und nuͤchterner Weiſe war, ſo wollte er auch alle Menſchen tugend⸗ haft und klug machen. Seine Schuͤler bildeten eine Sekte, deren zahlreiche Anhaͤnger ſich bis auf unſere 8 Tage fortpflanzen, und noch innerhalb der Graͤn⸗ zen des Reiches von China erhalten. Er bemuͤhte ſich den herrſchenden Glauben ſnes Volkes nicht zu veraͤndern, ſondern nur von deſſen ſchaͤdlichen Aus⸗ wuͤchſen zu reinigen. Er erhielt den Glauben der Chinefen an das Loos und an die Wahrſagung, wie die Verehrung gewiſſer wohlthaͤtiger Geiſter, welche die Eiemente und verſchiedene Theile der Erde be⸗ wachen. Er praͤgte ſeinen Zoͤglingen die Verehrung ihrer Voraͤltern ſehr nachdruͤcklich ein; ebenſo allge⸗ meine Menſchen,Liebe, Gerechtigkeit, Recht ſchaffen⸗ heit und Redlichkeit. Er lehrte das Alter und die Ju⸗ gend, die Hohen und Niedrigen im gleichen Grade achten, er empfahl die Freundſchaft, die Vergebung aller Beleidigungen, den Handel und Ackerbau, und ermunterte zum Eheſtande. 1 Seinen durch Stammtafeln erwieſenen Nachkom⸗ men ſind die erſten Auszeichnungen im Staate begeg⸗ net; zu ſeiner Ehre wurde ein Ochs geſchlachtet; ein Glied ſeiner Familie wurde erblicher Graf. ͤͤͤ“, .