1 2 3—2 5 Breite 3 76 bis vo Se Stunden Franxovsischie Liieues 24 auf dan Grad. MI T P EI.I, E NDISCHES l 1 N 5 e D A fau. 4 ·j Snn apGaeenh MV N A gjers Umdebunden. 3 5 8— eeee. Taſchen⸗Bibliothek der wichtigſten und intereſſe anteſten Sce⸗ und Land⸗Reiſen, von der Erſindung der Buchdruckerkunſt bis auf unſere Zeiten. Mit Landkarten, Planen, Portraits und anderen . bildungen. Verfaßt von Mehren, und hereusasgeben Joachim Heinrich Jaͤck, Koͤnigl. Bibliothekar zu Bamtberg. 51. Baͤndchen. Mit einem Plan. I. Theil. 3. Bändchen von Afrika. — Nürnberg. Verlegt von Heinrich Haubenſtricker. 1830. — Taſchen⸗ Bibliothet der 3 wihtigſen und intereſſanteſten Reiſen durch Afrika. Mit Landkarten, Planen, Portraits und anderen Abbildungen. Verfaßt 1 von. Mehren, und herausgegeben von Joachim Heinrich Jaͤck, Koͤnigl. Bibliothekar zu Bamberg. — I. Theil. 3. Bändchen. Nürnberg. Verlegt von Heinrich Haubenſtricker. 183 0. Nachrichten von Marokko und Fez im Lande ſelbſt geſammelt in den Jahren 1760— 1770 von dem däniſchen Juſtiz⸗ rathe Georg Höſt). — I. Regenten Marokkos. Da erſten Bewohner Maro kkos moͤgen vielleicht von Ham, dem Sohne Noah's abſtammen. Wir uͤbergehen dieſes, wie auch die dunklen und fabel⸗ haften Erzaͤhlungen von der Herrſchaft des Nep⸗ tun, Atlas und An teus, und deuten blos dem Leſer an, daß die Bewohner aus verſchiedenen Voͤl⸗ kern beſtehen, welche nach und nach aus dem Oriente dahin gekommen ſind, und ſich entweder durch Macht oder Heirath vereinigt haben. 4 —p *) Von dieſem Werke erſchien eine deutſche Ueber⸗ ſetzung bei Chr. G. Proſt zu Kopenhagen 1781. * mit des Verfaſſers Bildniſſe und 3 andern Kupferſtichen. 262 Roͤmiſche Schriftſteller, Salluſt, welcher ſelbſt Statthalter in Afrika war, und Prokop geſtehen, daß ihnen der Urſprung der alten Bewohner unbe⸗ kannt geweſen iſt. Es iſt wahrſcheinlich, daß die von Salluſt angefuͤhrten Gaͤtuler und Lybier, eben die ſind, welche Prokop Volk des Landes nennt. Die damals genannten Mauri beſtanden aus Phili⸗ ſtern, Phoͤniziern, Aegyptern, Medern, Perſern, und Armeniern, deren Nachbarn, die ſtreitbaren Numidier beſtaͤndig Krieg mit den Roͤ⸗ mern fuͤhrten, und ihren Koͤnigen ſehr ergeben wa⸗ ren. Von dieſen iſt beſonders Juba, der Juͤngere bekannt, welcher zu Rom erzogen war, und ſehr viele Gelehrſamkeit beſaß. Ihm gehoͤrten die beiden Mau⸗ ritanien und ein Theil von Gaͤtulien; er ver⸗ heirathete ſich mit Kleopatra, einer Tochter des Antonius und der Kleopatra. Sein Sohn Ptole maͤus wunrde auf Befehl des Kaligula er⸗ mordet; mit ihm ging die Regierung der numidi⸗ ſchen Fuͤrſten im Jahre 40 zu Ende. Die puniſchen Staͤdte, von welchen Salluſt Meldung thut, waren Kolonien der Lybio⸗Phoͤni⸗ zier, welche die Karthager zu verſchiedenen Zei⸗ ten, beſonders durch den Hanon dahin geſendet hatten. 1 Die Roͤmer unterwarfen ſich das meiſte, war die Karthager und Mauren beſaßen. Auguß ſchickte? Kolonien nach Afrika, Claudius 7 263 und theilten Mauritanien in das Kaiſerliche (Caesarea) und in das Tingitaniſche, in wel⸗ chem Prokonſule bis zum Anfange des fuͤnften Jahr⸗ hunderts regierten. Inzwiſchen hatten die Roͤmer mit den Karthagern, Numidiern und Mauren genug zu thun. Sie uͤberwanden die erſtern gaͤnzlich, mach⸗ ten die andern zu Vaſallen, und nahmen letztere als Bundsgenoſſen auf. In Folge der Zeit gingen die roͤmiſchen Beſitzungen in Afrika an Vandalen verloren. Dieſe behielten Afrika uͤber 100 Jahre in ihrem Beſitze. Im J. 538 uͤberwand der griechiſche Kaiſer Juſtinian durch ſeinen Feldherrn Beliſar den letzten Vandalenkoͤnig Gelimer. Nun waren alſo die Roͤmer wieder Meiſter von Mauritanien, welches ſie bis in die Mitte des VII. Jahrhunderts behielten. Waͤhrend dieſer Zeit kamen die Gothen, und rißen von beiden Mauritanien ein Stuͤck nach dem andern an ſich. Die alten Bewohner des Landes, in neu⸗ ern Zeiten Breber genannt, wurden damals noch von den Koͤnigen aus ihrer Nation regiert. Als die Macht der Roͤmer zu ſinken anfing, empoͤrten ſich die Brebern. Dieſe Gelegenheit benutzten die Araber, um ſo⸗ wohl Roͤmer, als Gothen zu vertreiben. Als die Araber, nachdem ſie die Lehre Ma⸗ homeds angenommen, in weniger als 20 Jahren Syrien, Palaͤſtina und ganz Aegypten ero⸗ bert hatten, ging im J. 6a! einter ihrer Staͤmme, welcher den Namen Saraſeni fuͤhrte, nach Afrika. 264 Im J. 684 hatten ſie bereits alle Oerter bis Tans⸗ gig, und zuletzt auch gan; Sus unterjocht. Die Herrſchaft hatten nun die Edr iſen, dann die Fatimiten, Beni⸗Zevu, Morattuni, El⸗ mohadi, Merini, Eluataſi und jetzt die Scherifen. II, Graͤnzen und Eintheilung von Marokko. Marokko und Fez graͤnzen gegen Nord an die Straße und das mittellaͤndiſche Meer; gegen Oſt an Sesghelmeſa und das Reich Telemſon, wo das alte Mauritania Caͤſarienſis anfing; gegen Suͤd an die Berge Atlas, Tafilet und Draz und gegen Weſt an das atlandiſche Meer. Die Laͤnge von Uad Nun bis RNas Spartel betraͤgt 107 deutſche Meilen, und die Breite von Ras Can, tin bis Sesghelmeſa 77 Meilen; ſie erſtrecken ſich von dem 300— 370 der Breite, und von dem 70o bis beinahe zum 110 der Laͤnge. Tafilet, Sesghel⸗ meſa, Dra und Zahara ſind Reiche und große Landſtrecken, welche auch dem Koͤnige von Marokko gehoͤren. Marokko fuͤr ſich iſt gegenwaͤrtig in neun Pro⸗ vinzen getheilt. Sie ſind: Sus, Haha, Gezula, Erhamna, Dukala, Abda, Tedla, Zerara und Siedma. 265 1) In Sus ſind: Uad Nun, ein Bezirk, welchen der Koͤnig als die Graͤnze ſeiner Herrſchaft gegen Suͤd anſieht, ob⸗ gleich die Bewohner zwiſchen dieſem Bezirke und Ta⸗ redant ihm nur wenig oder gar nicht gehorchen. Meſſa mit den Ruinen einer vorhin bekannten Stadt. Saredant in einer angenehmen und fruchtbaren Gegend, von den Mauren irdiſches Paradies genaunt, war ehemals eine große, feſte und unanſehn⸗ liche Stadt. Jetzt iſt ſie ein unbedeutender Ort, in welchem der Koͤnig beſtaͤndig wegen des Aufruhres ei⸗ nige hundert Soldaten unterhaͤlt. Agader, Santa Crusz bei den Suropaern iſt eine kleine Seeſtadt auf einem Berge, welche die Portugieſen in dem J. 1580 verlaſſen haben. Sie hat einen ziemlich guten Hafen, und nahe bei der See eine Anzahl Haͤuſer fuͤr die Schiffslader, welche einem kleinen Flecken gleichen. So weit es die Ein⸗ wohner verhindern koͤnnen, darf kein Scherife in die Stadt kommen, und kein Breber ſich bewaffnet hin⸗ einbegeben, weil die maͤchtigſten Breber in dieſer Gegend wohnen. Jetzt iſt blos noch ein engliſches Kaufmanns⸗ Haus da.. 2) In Haha: 3 Suira, von den Europaͤern Mogodor ge, nannt, nach einem dabei gelegenen Grabe eines mau⸗ riſchen Heiligen, welches Modogul heißt. Man 266 verſteht ſowohl die Stadt auf dem feſten Lande, als die nahe dabeiliegende Inſel. Auf der Inſel Mogo⸗ dor befindet ſich auſſer einem Magazine kein Gebaͤude; auf der ſuͤdlichen Seite ſind viele Baͤume und Buͤſche, und in Allem 60 gute und ſchlechte Kanonen; auf den Klippen zwiſchen der Inſel und dem Lande liegen 2 kleine Magazine und Batterien. Die Inſel iſt nicht weit vom Lande entfernt; die Zahlen im Hafen be⸗ deuten die Klafter der Tiefe, wenn das Waſſer am niedrigſten ſteht. Der Grund ſoll ſehr ſchlimm ſeyn, weeil er die Taue zerreibt, und Suͤdweſtwinden aus⸗ geſetzt ſeyn ſoll. Die Stadt liegt unter dem 31⁰ 28 noͤrdlicher Breite. Die Abweichung der Magnetna⸗ del iſt daſelbſt 17⁰0 6 N. O. Vor dem Jahre 1765 wa⸗ ren hier nur einige Stuͤcke von der Mauer des Ka⸗ ſtells zu ſehen. Die Stadt hat ein altes Kaſtell, eine Bruͤcke, Mauern und eine Batterie. Im Winter iſt die Luft ſtille und maͤßig, im Sommer aber macht der beſtaͤndige Nordwind und der fliegende Sand die⸗ ſen Ort unangenehm. Sghebel Elhedid, der Eiſenberg haͤngt nicht mit Atlas zuſammen und ſcheidet Haha von Dukala. Die Bewohner heißen Ragragi; auf dem Gipfel ſoll ſich eine Art Tokia(Eremiten) aufhalten, wie auf Sghebel Kader zwiſchen Marokko und Asfi. 267 3) In Erhamna: Marokkos, eigentlich Merakſch, in den aͤl⸗ teſten Zeiten Martor, ſteht vermuthlich auf der Stelle des alten Bocanum Hemerum. Sie iſt die Hauptſtadt des ganzen Landes, die ordentliche Reſidenz des Koͤnigs, und liegt unter dem 310 37 1 noͤrdlicher Breite. Die Stadt iſt nicht ſo groß, wie in den meiſten Beſchreibungen angegeben wird. Die meiſten Haͤuſer ſind klein und ſchlecht gebaut; die Zimmer voll Schlangen, Skorpionen, Wanzen, Floͤ⸗ hen u. ſ. w.; die Gaſſen unrein und ohne Pflaſter, mit todten und lebendigen Hunden, Katzen, Ratzen u. dergl. angefuͤllt. Ein großer Theil innerhalb der Mauern iſt unbebaut, und mit den Truͤmmern einge⸗ fallener Haͤuſer angefuͤllt. Die Stadt liegt in einer angenehmen Gegend, auf einer großen Ebene, welche mit Oel⸗ und Palmbaͤumen angefuͤllt iſt. Sie hat keine Waͤlle und Graͤben, ſondern eine hohe Mauer aus einer ſtarken Miſchung von Kalk, Leim und klei⸗ nen Steinen. An einigen Stellen ſieht ſie ſehr ver⸗ fallen aus. Sie hat ein mauriſches Heiligthum Ben Labes, ein Pulvermagazin, die Sghiama des Ali Ben Juſef mit einem ſehr hohen und ſchmalen Thur⸗ me, die Sghiama des Abd Elmumen, deren Thurm 3 Kugeln hat, welche von Gold und ſo bezaubert ſeyn ſollen, daß ſie Niemand wegnehmen kann. Nahe dabei ſteht das Gebaͤude Turba Salat Sahdia, in welchem: Koͤnige von der Familie Sahdia begra⸗ 268 beu liegen ſollen, die man zugleich in Gyps abgebildet findet, mit einer goldenen Inſchrift auf Marmorplat⸗ ten, welche ihre Regierung und Tod enthalten. Die Anzahl der Einwohner betraͤgt kaum 20,000. Ma⸗ rokko iſt zur Sommerszeit der waͤrmſte Ort im gan⸗ zen Lande, und der kaͤlteſte im Winter, wo man vor dem Aufgange der Sonne bisweilen eine duͤnne Eis⸗ rinde an dem Waſſer erblickt, welches von dem Ge⸗ birge herruͤhrt. Das Atlasgebirg iſt nur eine halbe Tagreiſe von der Stadt entfernt. Dieſe Berge gehen der Laͤnge nach durch die marokkaniſchen Laͤnder und erhalten von den Mauren nach ihren verſchiedenen Strecken auch verſchiedene Namen. Die naͤchſten bei Marokko hei⸗ ßen: Uiſtam, Orika, Emsfiva, Tagana, Froga, Suitana u. ſ. w. bei Fez ſind Zavias, Itata, Zaimba ꝛc. ꝛc. Das Gebirge, welches man ſonſt kleiner Atlas nennt, heißt auf mauriſch Sgebelarifz es faͤngt bei Ras Spartel an, und ſoll ſich bis gegen Mekka erſtrecken. Der Oberſte von den großen Bergen iſt das ganze Jahr mit Schnee bedeckt. Die Mauren, welche fuͤr Geld Schnee von den Bergen bringen, erzaͤhlen, daß ihre Flinten auf einer gewiſſen Hoͤhe keinen Knall geben, wenn ſie ab⸗ ſchießeen und wenn ſie dieſen Verſuch noch hoͤher ma⸗ chen wollen, ſo geben ſie auch kein Feuer. Auf der Mitte der Berge ſoll ein beſtaͤndiger Fruͤhling herr⸗ ſchen, und fiſchreiche Bezirke mit ſchoͤnen Viehweiden 3 269 vorhanden ſeyn; wo auch die Breber vorzuͤglich woh⸗ nen. Den Zugang fuͤr Unbekannte dahin zu erlangen, iſt faſt unmoͤglich. 4) In Abda: 1 Aſafi, richtiger Asfi, vordem Sofia oder Santa Sophia, jetzt bei den Europaͤern Saffy, liegt unter dem 32° 30 noͤrdlicher Breite, und wurde 1641 von den Portugieſen verlaſſen, welchen bis dahin auch ein großes Stuͤck Land von der Stadt ge⸗ hoͤrte. Die Stadt hat ein unbedeutendes Schloß, und eine Stadtmauer mit beinahe ſaͤmmtlich unbrauchbaren Kanonen. Nicht weit von der Stadt gegen Suira liegt eine Vorſtadt Rabat, unter Beſchuͤtzung des mauriſchen Heiligen, Nohamed Salhe, welche eine Freiſtaͤtte fuͤr alle Verbrecher, Schuldner u. f. w. iſt. Auf der andern Seite der Stadt, gegen Sala, fin⸗ det man einen geringen Heiligen, Mula Abd er⸗ 4 rahamam, vor welchem die vorbeigehenden Juden ihre Pantoffeln ausziehen muͤſſen. Centum Putei ſoll, wie Dapper und Leo bemerken, ehemals eine große Stadt und ein Schloß geweſen ſeyn, wovon man jetzt nicht die ge⸗ ringſten Anzeigen findet. Die Mauren nennen dieſe Stelle Miat Abiar und Bir, d. i. hundert und ein Brunnen, von welchen man hier noch einige ſehen kann. Aier, ein kleiner verfallener und wüͤſter Flecken am Meere. 270 Ualedia, ein kleines verfallenes Kaſtell am Meere und ein elender Flecken, meiſtens von Juden bewohnt. 3 Berisgia, Mozagan bei den Europaͤern, gehoͤrt den Portugieſen, und beſteht in einem kleinen Kaſtelle mit einem unbedeutenden Schloſſe. Die Lage ſoll unter dem 320 62“ nahe bei der See ſeyn. Azamur unter dem 330 iſt ein kleiner Flecken nicht weit von Meere, neben einem Bezirke, welcher allgemein Marbis oder Omirabi, im Lande ſelbſt Omarba genannt wird, und ungemein fiſchreich iſt. Hier iſt fuͤr die Reiſenden zwiſchen Sala und Asfi die ordentliche Ueberfahrt in kleinen Barken. Bulauan ein elendes altes Schloß mit einer arabiſchen Inſchrift uͤber dem Thore, wurde 1709 zum Dienſte des Mula Ismail erbaut. Es liegt nahe dem Fluſſe Omarbaͤ, uͤber welchen man auf 6— 8 aufgeblaſenen Saͤcken von Fellen gebracht wird, welche auf einigen ſchmalen Stoͤcken gebunden ſind. Dieſes nennen ſie Madia Elgerb, und die Franzoſen Ra⸗ deaux. Auf der andern Seite gegen Sala, Bu⸗ lauan gerade gegenuͤber, ſind einige wenige Haͤuſer, Tabulauant genannt, die Wohnung der Schiffer⸗ 5) In Tedla: Teſſa, ein geringer und verfallener Flecken mit einem Schloſſe am Fuſſe der hoͤchſten Atlas⸗Berge. 271 6) In Siedma: Darbeida auf den Taedeharten a A nafe, beſteht aus den Ueberbleibſeln einer ziemlich großen Stadt, welche, wie die Mauren ſagen, wegen der Ameiſen vor Kurzem verlaſſen worden iſt. Sie liegt unter dem 330 327. Fedala eine kleine Inſel und ein ſchlechter Ha⸗ fen, unter dem 33⁰ 48“. Die Inſel iſt gaͤnzlich unbe⸗ baut, und auf dem feſten Lande ſind nur wenige Haͤu⸗ ſer. Schella, ein verfallenes Kaſtell, nahe bei Sala und Rabat, in welchem die koͤnigliche Familie von Beni⸗merini begraben liegt. Dieſer Ort wird fuͤr heilig gehalten; kein Chriſt oder Jude darf ihn betre⸗ ten. Nach Dapper ſoll er von den Roͤmern er⸗ baut worden ſeyn. Rabat, die offene Vorſtadt, iſt gegenwaͤrtig eine mit Mauern umgebene Stadt auf der ſuͤdlichen Seite des Bezirkes Burargag, und wird von den Seefah⸗ rern gewoͤhnlich Neuſale genannt. Jakub El⸗ manſur ſoll ihr Erbauer geweſen ſeyn. Fez wird in die ſechs Provinzen Temsna, Be⸗ ni⸗Haſan, Habat, Chus, Erif und Gart ein⸗ getheilt⸗ 4) In Temsna: Fez, die beſte Stadt der Berberei, wird von einem Waſſer in Fei Belli und Fe; Sgedid oder 2 272 Alt⸗ und Neu⸗Fez getheilt. Beide liegen in einem Thale, und haben viele Gaͤrten innerhalb der Mauern. Die Haͤuſer in Fez Belli ſind groß, und beſſer gebaut, wie in den meiſten andern Staͤdten dieſes Landes, auch ſind die Straſſen nicht ſo unrein, weil die Kanaͤle die Unreinigkeiten wegfuͤhren. Der Bazar iſt gegen die Hitze der Sonne, und gegen ſchlimmes Wetter gedeckt. In einem Quartiere findet man ſelbſt die Werkſtellen der meiſten Handwerker. Dieſer Ort hat im ganzen Lande den meiſten Handel und verſchiedene Seiden⸗ und Woll⸗Fabriken. Von Akademien und Kollegi⸗ en weiß man jetzt nichts mehr; es gibt aber eine große und ſchoͤne Fondak(Kaufmanns⸗Boͤrſe). Die Stadt iſt mit einer ſehr hohen Mauer und mit vielen vierkanti⸗ gen Thuͤrmen umgeben; an jedem Ende befindet ſich ein kleines Kaſtell. Es moͤgen wohl 70,000 Einwohner bier ſeyn. In Neu⸗Fez iſt ein großes verfallenes Schloß. Weil keine Juden in Fez Belli wohnen duͤrfen, ſo iſt bier auch eine große Juden⸗Stadt. Uebrigens berrſcht hier Elend und Armuth im hoͤchſten Grade. Sarhun iſt ein Berg zwiſchen Fez und Mek⸗ nesz; an dem Fuſſe deſſelben finden ſich Ueberbleibſel eines alten Schloſſes, welches die Mauren Keſuag Faraun nennen, und nach ihrer Meinung von Chri⸗ ſten erbaut worden ſeyn ſoll. Zavia Mula Edris iſt der Bezgraͤbniſort des Sdris, Stifters von Fez; er it eine Freiſaͤtte fuͤr alle Verbrecher und eines der groͤßten Heiligthuͤmer des Landes. Meknes, ehemals Silda, eine ſiemlich große Stadt, eine kleine Tagreiſe von Fez, mit einem Schloſ⸗ ſe. Im Umkreiſe iſt es groͤßer als die Stadt. Die meiſten Gebaͤude ſind eingefallen; es gibt viele Garten⸗ Plaͤtze darin. Die Truͤmmer des Schloſſes ſind noch ſehenswuͤrdig, beſonders die praͤchtigen Marmorpfeiler, welche Mula Ismail von Livorno und Mar⸗ ſeille hat kommen laſſen. Das meiſte wurde durch das Erdbeben verwuͤſtet, welches Liſſabon zu Grunde richtete. Vor dem Grabmale des bekannten Tyranns Mula Ismail gehen die Mauren nicht ohne ehrer⸗ bietige Furcht vorbei. Die Mauer um die Stadt iſt niedrig und ſchlecht, und das Waſſer taugt nichts. Die Zahl der Einwohner mag nicht uͤber 10,000 be⸗ tragen. 2) In Benihaſan: Sala ſoll unter dem 340 10“ liegen, und zwar Ra⸗ bat gerade gegenuͤber an der noͤrdlichen Seite des Fluſſes Burargag, vielleicht richtiger Bu Rgaba, welches mit Waldung und Buſch angefuͤllt bedeutet. Die Mauren nennen auch deßwegen die ganze Gegend bei Sala Bu Rgaba. Die Stadt iſt ziemlich groß, und wird von den Einwohnern Slaoi genannt. An⸗ dere nennen ſie An daluſi nach ihrer Abſtammung von den aus Spanien vertriebenen Mauren. Der be⸗ kannte Kaper⸗Hafen iſt innerhalb der Stadt, unter 51. B. Afrika. I. 3. 2 3 274 dem großen Thurm. Die Rhede iſt ſchlimm, und der Eingang noch ſchlimmer, worin ſich eine Sandbank befindet, welche die Europuͤer Barre nennen. Im Jahr 116s bombardirten die Franzoſen dieſe Stadt zu⸗ gleich mit Rabat vergeblich. 3 Mehedia, Mamora bei den Europaͤern, hat ein verfallenes Schloß bei dem Fluſſe Sebu, wo die Kaper oͤfters einlaufen. Die Rhede iſt ½ Meile vom Lande. Sie ſoll unter dem 340 30“ liegen. Slariſch, gemeinlich von den Europaͤern Lara⸗ che genannt, ein kleiner Ort unter dem 33⁰°0 8 war eine roͤmiſche Kolonie unter dem Namen Lixa. Er iſt auch durch das franzoͤſiſche Bombardement im Jahr 1765 bekannt. Hier koͤnnen nur Barken und ſehr kleine Fahrzeuge hinein kommen. 3) In Chus: Azila, eine kleine verfallene Stadt hat nur einige Tabacks⸗Pflanzungen. Sie liegt unter dem 330 20“. Alkaſſar beſteht in Ueberreſten der Stadt und dem Schloſſe, wo Don Sebaſtian Koͤnig von Por⸗ tugal, mit dem beſten Theile des portugieſiſchen Adels, und zwei mauriſche Koͤnige im Jahr 1618 fielen. Tansghia, gemeinlich Tanger, Tingis, ge⸗ hoͤrte bis 14463 den Roömern, Gothen und Mauren, bis 1662 den Portugieſen, und dann den Englaͤndern. Aber wegen der Koſten, ſie zu unterhalten, ſchleiften ſie dieſelbe im Jahr 1685; ſeit dieſer Zeit iſt ſie in den Haͤnden der Mauren. 275 Sebta, Ceuta bei den Europaͤern, iſt eine kleine Feſtung, welche den Roͤmern, Gothen, Arabern, Portugiefen und Spaniern gehoͤrte. Letztern gehoͤrt ſie noch; ſie wurde ſeit 1690 von den Mauren blokirt, und liegt unter dem 350 52“. Tetaun, gemeinlich Tetuan, eine kleine artige Stadt, unter dem 350 37“, liegt zwiſchen zwei hohen Bergen, etwas uͤber eine Meile von dem mittellaͤndi⸗ ſchen Meere, in einer unvergleichlichen Gegend. Sie hat viele ſchoͤne Fruchtgaͤrten, und iſt eiviliſirter we⸗ gen des haͤufigen Umganges der Einwohner mit den Europaͤern. Die Abweichung der Magnet⸗Nadel be⸗ traͤgt hier 170 31 N. O.— Es moͤgen wohl 14,000 Einwohner von aller Art hier ſeyn; alle koͤnnen die ſpaniſche Sprache reden. 4) In Erif: 3 Penon de Vele;, ein kleines unbedeutendes Kaſtell, unter dem 350 45“, welches den Spaniern ge⸗ hoͤrt. 5) In Gart: . Manila oder Melilia, ein den Spaniern ge⸗ hoͤriges Kaſtell. Mieluia, gewoͤhnlich Mulvia, iſt der Fluß⸗ welcher die Graͤnze zwiſchen den marokaniſchen Laͤndern und Telemſan macht, welches unter die Botmaͤßigkeit von Alſgher gehoͤrt. 276 Die Beſchwerlichkeiten, welchen die Reiſenden in dieſen Laͤndern oͤfters ausgeſetzt ſind, geben Veranlaſ⸗ ſung zu einigen Bemerkungen. Unter Weges findet man keine Wirthshaͤuſer, und ſelten Doͤrfer oder Staͤdte. Der Reiſende muß daher alles bei ſich haben, was zur Erhaltung ſeines Lebens dient. Wenn der Koͤnig keine Bedeckung ſchickt, ſo muß man Mauren nehmen, ſowohl wegen der Sicherheit, als auch der benoͤthigten Dienſte, im Falle ein Sonntag fallen ſoll⸗ te, an welchem die Juden, als gewoͤhnliche Koͤche und Bedienten, nicht arbeiten koͤnnen. Auch kann man nicht der Juden entbehren, weil die Manren keinen Chriſten tragen. Zum Reiſen bedient man ſich der Pferde und Mauleſel; von Morgens ſechs bis Abends ſechs Uhr reist man gewoͤhnlich ſechs daͤniſche Meilen. Man kann gewoͤhnlich ſein Gebaͤck fortgehen laſſen, und ſich ſelbſt ein oder zweimal eine halbe Stunde aufhalten. Kommt man an ein Dorf von Zelten, wo man zu bleiben gedenkt, ſo muß man eine Wache von dem Schech verlangen, welcher dann 3— 4 Araber ſchickt. Jeder derſelben erhaͤlt eine halbe Dueate. Die Zehrung der Leute, und die Gerſte fuͤr die Pferde muß der Reiſende zahlen; ja es muͤſſen ſogar die Geſchenke, welche ein oder der andere Araber machen moͤchte, mit ein wenig mehr, als ſie werth ſind, bezahlt werden. Ein Reiſender wird ſich bei nachſtehendem Wegzeiger to wohl befinden, als ich mich befunden habe. 277 Von Rabat nach Marokko. Getara, ein Platz am Meere mit gutem Waſſer, von Rabat 1/½ Stunde; Ichem, ein Regen⸗Bach von Getara 21½; Zerat von da 2 ½, Bu Snega 1 von Zerat, Monſuria, ein ſehr geringer Ort mit einem Grabmale und einigen Huͤtten 2 ½ von Bu Snegaz Enfiſeck, ein kleiner Regenbach von da 3⁄4, Kentara, ein Bach, uͤber welchen ehemals die Bruͤk⸗ ke Kentara fuͤhrte, von da 1, Ain Sba, die Loͤwen⸗ Quelle von Kentara 11⁄4 Stunde entfernt. Von da nach BuSkor, einer Stelle mit ſchlechtem Waſſer ſind?, nach Sid Mohamed Rgiat dem Begraͤbnißplatze eines mauriſchen Heiligen 3; nach Zerini einem guten Waſſer bei einem Felſen 1; nach Sid Abd Enbi, dem Grabe eines Heiligen 8; nach Sid Abd El⸗ krim ½; zu dem Fluſſe Omarbaͤ, uͤber welchen man auf Boͤten zur Stadt Azamur faͤhrt 11/2, von Aza⸗ mur zu dem Brunnen Buhamo, 6; nach Mokris einer Gegend mit vielen Doͤrfern 3; nach Benihelel, zweier maueriſchen Heiligen 1; nach Sid Ben Nur 3; nach Sid Erhal; nach Sid Abd Allah 1;3 nach Garando, einem kleinen fließenden Waſſer 2; nach Menzela, einem beſtaͤndigen Dorfe am Fuße von Gebirgen s8; nach Kentara einer Bruͤcke uͤber den Bach Tenſif a4 Stunden. Dieſe Gegend iſt un⸗ ſicher fur die Reiſenden, welche oͤfters gepluͤndert und umgebracht werden. Von Kentara bis Merakſch⸗ der Hauptſtadt des Landes, iſt 4 Stunde. 278 Von Maxokko nach Suira. Harili, ein fließendes Waſſer, wo ſich die Stut⸗ terei des Koͤnigs befindet, 1 Stunde von Marokko ent⸗ fernt; Bahasgia, ein fließendes Waſſer und ein Haus von da 1 ½ 3„ der kleine Bach Enfiis von da 1; Dar Sgedida, ein verfallner Thurm, ehedem eine Stadt, 2; Sid Omara das Grab eines Hei⸗ ligen, von da ½; Sur Elabid, ein ummauerter, von Negern bewohnter Platz, von da 6 1½; der Berg Tildet ½;3 nahe dabei iſt der Bach Schiſava; Sid Buziid, ein maunritaniſcher Heilige, 1; Sid Moktar, von da 3 1 ¼4; gutes Waſſer von daher 23 Dar Amar⸗ ein gemanertes Haus fuͤr einen Kaid, von da 2; Todenſt, ein Platz mit ungefaͤhr 42 Ju⸗ denhuͤtten 3 3/¼; Sid Abd Allah Uasgemi, ein Heiliger und Waſſer, von da 1/4; Dar Kaid Bil⸗ lah, ein gemauertes Haus fuͤr einen Baſcha, in einer ſehr angenehmen Gegend, von da 2; Gutes Waſſer von da 2; und Suira oder Mogdul, eine Stadt, von da 3 Stunden. Von Suira nach Agader. Uad Idaugert, ein Bach, iſt von Suira gi: Idaumeda, ein kleines Haus bei einem Palmbaum, von da 4 1¼43 Idaubelel, ein Breber⸗Haus, von da 13 Tidſi, eine Hoͤle am Wege, von da 13 Mot⸗ fia Tidſi, gutes Brunnenwaſſer von da 1; Bir Zmima, ein Brunnen, 2 von da; Idauigel, ein Breberhaus, von da 3 1½; Azla, ein Saſzbach, von 279 da ½; Uad Iguzul, ein Bach in einem Walde, 4 1/ von daz Motfia Idaugelul, ein Brunnen, von da 2; Dar Eit Iſim, ein großes Breberhaus, von da 13 Uad Tildi, ein Bach unterhalb der Ber⸗ ge, von da 5;3G gutes Waſſer⸗ von da 1 1/2;3 Ua d Benitamer, ein Fluß bei Ferni oder Kap Age, ri, von da 1; Uagrot,. einige Breberhaͤuſer, 4 4/2 von da; Targazut ein Hafen, welcher zu den Zei⸗ ten des Mula Ismall gebraucht wurde, von da 2; Uad Tameragtvon da 1, und Agader oder Santa Cruz, eine kleine Stadt, von da 2 Meilen entfernt. Von Agader nach Marokko, uͤber die Berge, der Weg nach Emsgrot genannt. Ein großer Baum mit gutem Waſſer von Aga⸗ der 4; Emsgrot, ein Schloß von Mula Ismail erbaut und von Negern bewohnt, von da 4; Aſifek, eine Freiſtaͤtte mit Waſſer, von da 4; Idaulin, ein Breberhaus, von da 3; Eit Muſi, eine von Juden bewohnte Stelle, von da 56v Tims Gadavi, ein Tigmin oder Breberhaus, von da 313 Ain elberda, eine Quelle mit ſehr kaltem Waſſer, von da 4; Da⸗ elkadi, ein maͤßiges Haus, von da 4; Imentar nut, gleichfalls ein maͤßiges Haus, von da 2; Uad elkehera, ein Bach, von da 2;3 Fruga, ein kleines Breberdorf mit den ſchlechteſten Einwohnern im ganzen Lande, von da 1; Motfia Jheia Dlelet⸗ ein Brunnen, von da 4;3 und Marok⸗ ko, die Hauptſtadt 4 Meilen von da entfernt. 280 Von Marokko nach Asfi. Von Marokko, einem großen Bach, auf der Stelle, wo dieſer Weg iſt, nach Tenſif ſind 2 ½, nach dem Brunnen Femtagoria, von da a; nach Menzella, einem Betort 2; nach dem Brunnen Bir Nahel 1; nach dem Brunnen Tefelia 1; nach Bas elein, einer Quelle mit gutem Waſſer, 1 ½3 nach Hakor und Zima Elmelh, einem Brun⸗ nen und Waſſerbehaͤlter, 4½3 nach Sid Hamed Ti⸗ ſi, einem großen Heiligen im Lande, vor welchem ſelbſt der Koͤnig abſteigt, 3½¼, und von da nach der kleinen Stadt Asfi 6 ½ Stunden. Von Suira nach Asfi. Sid Bu Zerogdul, ein Heiliger, von Suira 2;3 Sid Karmut, desgleichen von da 4; Sid Uas⸗ men, gleichfalls auf Sgebel Hedid(Eiſenberg) 1 ½3 Keſua Ben Hamido, ein verfallenes Schloß in einer ſchoͤnen Gegend, von da s ½3 Denſif, ein großer Bach, von da, und Asfi von da 6 Stunden entfernt. Von Asfi nach Azamur. Lella Muluka, eine mauriſche Heilige, von Asfi 23 Tam eroſud, eine ſehr ſteinige Stelle, von da 2; Danizir, ein Haus, die Wohnung des Kaid uͤber Abda, von da 2 ¾; Sid Kuskuſu, die Grabſtelle eines mauriſchen Heiligen, ⁊, welche ihren 281 Namen von Kuskuſu, der beſten Speiſe der Mau⸗ ren, erhalten haben ſoll. Der Verſtorbene war ein ſo großer Liebhaber derſelben, daß er eine Summe Gel⸗ des zu Kuskuſu vermachte, mit welchem alle Rei⸗ fenden bei feinem Grabe geſpeiſt werden follten. We⸗ gen der großen Menge derſelben ging das Vermaͤcht⸗ niß bald ein; Aier, Ueberbleibſel von einem Flecken mit einigen Familien, von da 3 ½; Uledia, Ueber⸗ bleibſel von einem Kaſtelle, von da 1; David El⸗ herir, ein Heiliger bei der See, von da 2; Bra⸗ him Ben Helel, von da 2; Augar, eine Berg⸗ ſtadt, von da 6; Rgit,. ein fließendes Waſſer in ei⸗ ner Gegend, Kraker Uled Aiſa genannt, von da 1/ Sid Ali Ben Rabi, ein Heiliger, von da s; Faz Uled Duib, Baracken fuͤr die, welche Berjis⸗ ghia blokirten, 1; Faz Tikni, gleichfalls, von da 13 Faz Kebir, gleichfalls Baracken, von da 1; Be⸗ risghia oder Mazagan, gerade gegenuͤber an der See; Azamur, eine kleine Stadt, von da 2 /½2 Stunden entfernt. Von Sala nach Meknes. Rgaba Belut, ein kleiner Eichenwald, von Sala 23 Keſua Fenzara, eines von den Neger⸗ haͤuſern Mula Ismail, von da 33 Ain ſins⸗ ghiara, eine Quelle, von da 1;3 Uad Flefla, ein Bach, von da ½; Moſiad Eit Erma, ein Haufe Duaren, von da 4 ½;3 Uad Bet,. ein Bach, von 282 da 2; Dar Om Soltan, wovon ſich verſchiedene in dieſer Gegend befinden, welche fuͤr die Mutter M. Ismails wegen ihrer Reiſen erbaut worden ſind; Meknes, eine Stadt, von da 1 Stunde entfernt. Von Sala nach Detaim ſollen s0 Stunden, und von Sala nach Fez 30 ſeyn. Von Meknes nach Fez rechnet man 10 Stunden. Es iſt eine Ta⸗ gereiſe auf einem bergigen und ſchlimmen Wege, welche an vielen Stellen der vielen Loͤwen wegen un⸗ ſicher iſt. III. Gegenwaͤrtige Bewohner. Dieſe ſind in den marokkaniſchen Laͤndern Mau⸗ ren, Araber, Berber, Neger, Renegaten, Juden und Chriſten. 1) Mauren ſind eigentlich derjenige Theil der Araber, welcher ſich in den Staͤdten niederließ, und ſich mit einem Theile der alten Mauren und Gaͤ⸗ tuler vermiſchte, zu welchen im J. 4640 die Ma⸗ rauen oder ſpaniſchen Mauren ſich geſellten, die ſich ſo vermehrten, daß man in den Stadten faſt keine Spur mehr von den alten Einwohnern findet. Sie nennen ſich Moslemin, Befreite. Unrichtig verwechſeln einige die Mauxen mit den Negern. Bei der Geburt eines Mauren werden am 1. Tage nachher einige Familien eingeladen, und im Namen des Ge⸗ vornen, welcher hierbei zum erſtenmale genannt wird, 283 ein Schaf oder eine Ziege geſchlachtet. Sind es Zwil⸗ linge, ſo heißen ſie gllezeit Haſen und Haſin, nach dem Glauben, daß die Zwillingsſoͤhne des Ali und der Fatima dieſelben Namen gefuͤhrt haben. Die Frauen gebaͤren ihre Kinder mit wenigem Schmerzen; am zweiten Tage ſtehen ſie auf, binden das Kind auf den Ruͤcken, und verrichten alle Ge⸗ ſchaͤfte. Der Kopf des Kindes bleibt bei jeder Witte⸗ rung unbedeckt. Von Windeln, Schnuͤrleibern ꝛc. weiß man nichts, und doch gehen nach einem Jahre die Kinder raſch und ſtark umher. Im 6. Jahre gehen die Kinder in die Schule, oder werden zu einem Handwerke gegeben. Wenn ſie leſen und ſchreiben koͤnnen, verlaſſen ſie die Schule; einige bleiben ſo lange, bis ſie den Koran auswendig gelernt haben, und von dieſen glaubt man, daß ſie ſtudirt haben. Iſt einer der Sohn eines Vornehmen, ſo wird er geputzt, und auf einem Pferde durch die Straßen gefuͤhrt. Nach dieſem bleiben ſie ſich ſelbſt uͤberlaſſen, und treiben umher, bis ſie ſich verheira⸗ then. Sie bekuͤmmern ſich aber wenig, ob ſie eine Frau ernaͤhren koͤnnen oder nicht. Dieß koͤmmt von ihrer ſparſamen Lebensart und von ihrer Genuͦgſamkeit in Speiſe und Kleidung. Das Frauenzimmer darf ſich nicht albſt verheira⸗ then, ſondern muß von einem Manne weggegeben wer⸗ den. Hat es keine maͤnnlichen Verwandte, ſo gibt der Kadi es weg; es darf der Wahl nicht widerſtehen, 284 außer wenn es eine Wittwe iſt, in welchem Falle idre Einwilligung erfordert wird. Der Liebhaber wendet ſich an den Vater oder deſſen Stellvertreter, gelobt fuͤr die Braut, welche er nicht geſehen hat, eine ge⸗ wiſſe Summe Geldes, und beſtimmt, ob die Summe ganz bezahlt werden, wie viel die Braut zu Kleidern und Putz erhalten, und was ruͤckſtaͤndig bleiben ſoll, fuͤr den Fall, daß die Braut wieder fortgeſchickt wer⸗ den ſollte. Dann wird von den oͤffentlichen Richtern der Vertrag aufgeſetzt, und nach einem halben Jahre die Hochzeit vollzogen. Der Braͤutigam reitet am Abende von einer großen Schaar begleitet durch die Straßen; derſelbe Aufzug geſchieht am Hochzeittage. Die Braut reitet auf einem Maulthiere, indem ſie in einem viereckigen Kaͤfigt ſitzt. Junge Leute ſchießen mit Pulver nach ihm, begegnet ihnen aber ein Jude, ſo muß deſſen Muͤtze herhalten, bis nichts von derſel⸗ ben uͤbrig iſt. Wenn der Braͤutigam vornehm thun will, ſo haͤlt er ein Naſentuch vor dem Mund, in Ermangelung deſſelben ſeinen Haik. Außerdem geht ein anderer vor ihm her, um den Rauch und die Flie⸗ gen mit einem Stuͤcke Tuch abzuhalten. Hinter dem Braͤutigam folst Muſik nebſt einem Haufen von Ne⸗ gerinnen, welche den Kuskus tragen, der von den Freunden zu Hauſe verzehrt wird. Die Frauensper⸗ ſonen ſpeifen allein. Nach der Mahlzeit wird der Braͤutigam mit der Braut noch am Dage in eine ganz finſtere Kammer gefuͤhrt, auf ein gegebenes Zeichen 285 die Thuͤre geoͤffnet, und den Notaren(Abduln) die Seichen der Jungfrauſchaft ausgehaͤndigt, uͤber welche ſie eine ſchriftliche Urkunde ausfertigen, und dieſelbe unter Freudengeſchrei und Trommeln dem Vater der Braut zuſchicken. Bei Eroͤffnung der Thuͤre ſieht der Braͤutigam ſeine Braut zum erſten Male; er muß mit ihr zufrieden ſeyn; in dem Falle, wenn ſie keine Jung⸗ fer mehr waͤre, hat er das Recht, ſie fortzuſchicken. Der Vater muß alsdann die Mitgaben und alles, was der Braͤutigam auf ſeine Tochter verwendet hat, zu⸗ ruͤckgeben. Es kommt aber ſelten dazu, indem man⸗ cher Betrug geſpielt wird. Die Braut darf in den erſten acht Tagen nicht aus dem Hauſe gehen, der Mann aber kann mit acht Tagen abkommen, und wird waͤhrend dieſer Zeit von ſeinen Freunden und Verwandten im Scherze als ein Koͤnig angeſehen. Ein Mann darf vier Eheweiber und ſo viel Bei⸗ ſchlaͤferinnen haben, als er ernaͤhren kann. Die Rei⸗ chen haben fuͤr jede Frau ein Haus, und ſind unge⸗ mein eiferſuͤchtig; nichts deſto weniger werden die Maͤnner betrogen. Denn eine Frau darf ihr Geſicht vor keiner Mannsperſon entbloͤßen; ebenſo wenig darf der Mann das Geſicht einer Frauensperſon entbloͤßen, dadurch wird verkleideten Liebhabern ein weites Feld zu ihren Liebesſpielen geoͤffnet. Kommt der Mann nach Hauſe und findet Pantoffeln vor dem Zimmer ſeiner Frau, ſo darf er daſſelbe nicht betreten. Ein Mann kann, ohne Urſache zu haben, von ſei⸗ 27 286 ner Frau ſich ſcheiden laſſen. Hat er aberUrſache, und iſt doch Willens, ſie wieder zu nehmen, ſo muß er in den Scheidebrief ſetzen: daß er keine andere Urſache habe, als die Erlaubniß, welche ihm das Geſetz zugeſtehe; er mußihr alsdann die Summe bezahlen, welche in dem Hei⸗ rathsvertrage feſtgeſetzt worden iſt. Kann er ſie hinge⸗ gen uͤberfuͤhren, daß ſie untreu oder ihm aufbrauſend geweſen iſt, ſo bezahlt er nichts. Dieſer Fall iſt ſel⸗ ten, weil bei dergleichen großen Vergehungen ſo viele Zeugen und Umſtaͤnde erfordert werden, daß der Kadi nur ſelten nach dem Geſetze urtheilen kann. Wenn der Mann ſeiner Frau den noͤthigen Unterhalt ver⸗ weigert, oder zu ihr ſagt: Allah ilanek(Gott fluche dich), oder wenn er drei Mal bei ihr falſch ge⸗ ſchworen hat, ſo kann die Frau von dem Manne ge⸗ ſchieden werden. 1 Eine Wittwe ſoll nach dem Tode ihres Mannes 4 Monate und 10 Tage trauern, welches Ada heißt; iſt ſie aber ſchwanger, ſo ſoll ſie bis zu ihrer Nieder⸗ kunft trauern. Die Familie des Verſtorbenen iſt ver⸗ pflichtet, ſie ſo lange zu unterhalten, welches man Nefeka nennt. Eine Negerin, als Beiſchlaͤferin des Geſtorbenen, muß 2 Monate und s Tage trauern, und dieß heißt Iſtibra. Iſt ſie waͤhrend dieſer Zeit ſchwanger, ſo iſt ſie nachher frei, und kann nicht ver⸗ kauft werden. Sie gehen gemeiniglich ohne Licht zu Bett, und ſtehen vor Untergang der Sonne auf, wo ſie ſich ſo⸗ 287 gleich in die Sghiame begeben, um zu beten, und von da zu ihren uͤbrigen Verrichtungen. Am Morgen eſſen ſie gerne Haſu, eine warme Suppe aus Mehl und Waſſer mit ein wenig Oel und Salz. Ein gro⸗ ßer hoͤlzerner Loͤffel dient fuͤr alle Gegenwaͤrtige. Die warme Suppe zu blaſen oder kalt zu machen, iſt ver⸗ boten. Zu Mittag ſpeiſt man Trauben, Feigen oder Melonen mit Brod. Etwas vor dem Abende wird die beſte Mahlzeit bereitet, naͤmlich Kuskus oder Kuskuſo. Eine Maurin nimmt ein großes, hoͤlzer⸗ nes Geſchirr, in welchem ſie ein wenig Weitzenmehl und Waſſer hin⸗ und herruͤhrt, bis es Gruͤtze wird. Dann kommt ſo oft eine Quantitaͤt Mehl und ein we⸗ nig Waſſer hinzu, bis man die noͤthige Portion be⸗ kommen hat. Alsdann wird ein irdener Topf mit fri⸗ ſchen Fleiſche auf das Feuer geſetzt, und uͤber denſel⸗ ben ein anderer irdener Topf mit Loͤchern in dem Bo⸗ den, in welchem der ſo zubereitete Kuskus unter auf⸗ gelegtem Deckel von dem heißen Dampf. kochen muß. In einem unten ganz ſchmalen und oben weiten Ge⸗ faͤße wird er dann angerichtet. Auf den Kuskus wird das gekochte Fleiſch gelegt, nebſt hart gekochten Eiern und einigen gekochten Garavancos. Zuletzt legt man Butter hinein, und faͤrbt das Ganze mit Safran. Die Suppe wird gewoͤhnlich weggeſchuͤttet. Vor der Mahlzeit wird die rechte Hand allzeit gewaſchen, weil ſie mit der linken keine Speiſe beruͤhren duͤrfen. Als⸗ dann ſagen ſie zwei Mal die Worte: Beſm Allab, 288 im Namen Gottes, fangen gewoͤhnlich mit hart gekochten Eiern an, und beſchließen auch die Mahl⸗ zeiten mit Fruͤchten, wie die alten Roͤmer. Nach dem Tiſche lecken ſie die Finger ab, und ſagen: Elhem⸗ do lillah, Gott ſey Dankl und waſchen aber⸗ mals die Hand. Diejenigen, welche von der Tafel des Koͤnigs bekommen, rufen zugleich ſehr laut: Al⸗ lah ibark Aamur Sidi, Gott ſegne den Koͤnig. Alte Butter(Smen) lieben ſie mehr als friſche (Zeb da); ſie wird in einem Ziegenfelle, deſſen Haare inwendig gekehrt ſind, bereitet. Die Armen gebrau⸗ chen ſtatt der Butter Talg von Ochſen, Schafen oder Ziegen. Ihre Kaͤſe ſind klein, hart, ſauer und faſt ungenießbar. Die uͤbrigen Speiſen ſind: Sfingſh, eine Art Mehlkuchen, Bu Fortuna, klein gemach⸗ tes Fleiſch mit Nudeln und Mandeln, und Moro⸗ fia, gekochtes Fleiſch mit Honig, Mandeln und Ro⸗ ſinen. Im Namen Gottes ſchlachten ſie ihr Vieh und ſchießen das Wild. Obwohl den Muhamedanern das Wein trinken verboten iſt, ſo trinken ſie doch heimlich denſelben. Ein Chriſt, welcher betroffen wuͤrde, einem Mauren ein ſtarkes Getraͤnke gegeben zu haben, wuͤrde ſich ei⸗ nem großen Verdruſſe ausſetzen. Ein beſoffener Maure wird nach dem Geſetze mit einer beſtimmten Anzahl Stockpruͤgel geſtraft. Ein Scherife wird, wie ein Chriſt gekleidet, umgekehrt auf einen Eſel geſetzt, ihm 289 auf der einen Seite ein Hund, auf der andern ein Affe beigeſellt, und ein Ausrufer vorgeſchickt, daß er ſich betrunken haͤtte. Hinter ihm folgt eine ungeheure Maſſe von Menſchen durch die meiſten Straßen Ma⸗ rokkos. Doch iſt erlaubt, den Saft von gekochten Trauben mit Zimmet und andern Spezereien zu trin⸗ ken. Dieſes Getraͤnke heißt Errub. Kaffe und Thee trin⸗ ken ſie nur, wenn ſie dieſelben faſt umſonſt haben koͤn⸗ nen; daher iſt Milch und Waſſer ihr vornehmſtes Ge⸗ traͤnke. Man wird hier nicht um Trinkgeld, ſondern um Fleiſchgeld,(Bes enſcheri elhem) angeſprochen. Die Mauren ſchnupfen weder, noch rauchen ſie, einige wenige Seeleute ausgenommen. Da ſie ſich nicht betrinken duͤrfen, ſo eſſen ſie ſich trunken. Dieſes bewirken ſie durch den Gebrauch des Samens und der Blaͤtter des Krautes Haſch⸗ ſchiſcha, welches in den meiſten Stuͤcken unſerm Hanfe gleicht. Gemeinlich kauen ſie den Samen und die Blaͤtter mit einander, oder ſie kochen beides nebſt Stengeln, mit Spezereien und Honig, welches ſie alsdann Maſun nennen, von welchem ein Loͤffel ganz betrunken machen kann. Auch legt man auf ei⸗ nem Topf mit Waſſer einen ſteinernen Teller, auf welchem die Haſchiſchaͤ angezuͤndet wird; in dieſen ſtecken ſie ein Rohr und 3—4 Zuͤge machen ſie be⸗ reits beſoffen. Opium(Afium) bringt bei ihnen die⸗ ſelbe Wiurkung hervor. 51. B. Afrika. I. 3. 3 290 Bei dem Eſſen, T Trinken u. ſ. w. machen die Mauren nicht viel Weſen. Eine Frau, ein Pferd und eine Buͤchſe ſind das Vorzuͤglichſte, nach welchem ein Maure verlangt. Wenn ein Maure den andern beſucht, ſo muß er erſt an das Thor klopfen, wenn daſſelbe auch offen ſteht. Iſt der Herr nicht zu Hauſe, ſo geht der Beſu⸗ chende bald moͤglichſt weg. Iſt er aber zu Hauſe, ſo gruͤßt er denſelben bei dem Thore, geht aber wieder zuruͤck, um die Frauenzimmer aus dem Wege zu ſchaffen. Alsdann wird der Fremde in ein kleines Zimmer gefuͤhrt, wo man gewoͤhnlich ſich ſehr trocken unterhaͤlt. Nach dem Beſinden der Frau darf ein Fremder nicht fragen, ſondern blos, wie ſich das Haus befindet; Kif Kan Darek? Wenn die Frauen einander beſuchen, ſo ſchreit die Wirthin aus Freude vielmal; Lu⸗lu⸗lu⸗lusz dieſes iſt auch ihr Freudengeſchrei an Feſttagen, bei Siegen und der⸗ gleichen Gelegenheiten. Bei Trauer rufen ſie: Uak⸗ uaksuak⸗uak. Alle Gluͤckſpiele ſind nach dem Koran verboten; aber Serrensgh, d. i. Schach iſt erlaubt. Wer ver⸗ liert, muß zugeben, daß ihm der andere eine Feder oder Stroh in den Turban, oder in die Muͤtze ſteckt, welches ihnen ungemein empfindlich iſt. Eine ihrer groͤßten Beluſtigungen iſt Lab elba⸗ Lud, der Spaß mit Pulver, wenn die Mauren zn wechſelſeitigen Schießuͤbungen ſich beluſtigen. Die Mauren gruͤßen einander mit den Worten 291 Salem alikom; zu den Chriſten ſagen ſie nur Sa, lama, Gruß, oder Sabah elchaer, guten Morgen. Sie ſprechen auch Marhabab Kom, willkommen. Die Geringern beugen ſich, und ſetzen die rechte Hand auf das Knie, indem ſie zu⸗ gleich den Kopf nach der einen Seite neigen. Wenn der Vornehme zu Pferde ſitzet, ſo wird ihm das Knie oder der Fuß gekuͤßt. Vor dem Koͤnige fallen ſie nie⸗ der, und kuͤſſen die Erde. Perſonen gleichen Stan⸗ des kuͤſſen ſich auf den Kopf und die Schulter, und geben einander die Hand, nach welchem ein jeder ſeine ei⸗ gene Hand kuͤßt, und unaufhoͤrlich wiederholt: Kif Entaꝛ Kif Konte Aiſch Halek? wie lebſt du? wie haſt dugelebt? wie iſtdein Zuſtaud? der andere antwortet: ala ehaer, recht gut; ſonſt antworten ſie: Hak Hak, wenn ihr Beſinden nur maͤßig iſt. Die Frauensperſonen kuͤſſen den Mannsperſonen die Haͤnde, beſonders die Weiber den Maͤnnern. Bei dem Eintritt eines Fremden geht der Hausherr zuerſt in das Haus; wir entbloͤßen das Haupt, die Mauren die Fuͤße; wir kuͤſſen die Haͤnde des andern, ſie ihre eigene. Wir werſen die Flaͤche der Hand gegen unſer Angeſicht in der Hoͤhe, wenn jemand naͤher kommen ſoll; ſie werfen in derſelben Abſicht die flache Hand gegen die Erde. Wir laſſen die Maͤhnen unſe⸗ rer Reitpferde auf die linke Seite haͤngen, ſie allezeit auf die rechte. Wenn ſie ſich von dem Koͤnige entfernen, ſo kehren ſie ihm den Ruͤcken, „ und laufen ſo ſchnell ſie nur koͤnnen. Wir ſtehen aus Ehrerbietung auf; ſie ſitzen niederhauchend. Unſere Mannsperſonen verrichten ein gewiſſes natuͤrliches Be⸗ duͤrfniß ſtehend, ſie aber ſitzend. Ihre Kleidertracht veraͤndern ſie niemals; der Schuitt iſt bei allen einer und derſelbe. Die Vornehmen unterſcheiden ſich blos durch Feinheit und Reinlichkeit. Die Unverheiratheten laſſen auf dem Kopfe nur eine Haarlocke ſtehen, und gehen mit ent⸗ bloͤßtem Haupte, ſogar die Prinzen gehen mit bloßem Kopfe. Die Verheiratheten haben eine rothe wollene Muͤtze, Sefia, auf demſelben. Wuͤrde ein Jude oder Chriſt eine ſolche Muͤtze tragen, ſo gaͤlte dieſes als Erklaͤrung, daß er Mohamedaner werden wolle. Ein Scherif, Hafgh, Kaid, Reis und Talb tra⸗ gen einen Sched, ein Neſſeltuch, welches auf eine kanſtliche Art ſchlangenweiſe um die rothe Muͤtze ge⸗ legt wird. Zunaͤchſt am Leibe tragen ſie ein Hemd, Ka⸗ miſa; uͤber dem Haupte einen Kaftan(Weſte), der bald laͤnger, bald kuͤrzer getragen wird. Die Farbe deſſelben iſt verſchieden; uͤber dem Ka ftan entwe⸗ der eine Hazem, eine breite, ſeidene Schaͤrfe: oder einen Modhema, einen ledernen Guͤrtel mit einer Schnalle. Statt des Kaftan haben einige einen Ke⸗ ſeb, oder ein wollenes Hemd ohne Aermel; uͤber daſſelbe eine Haik, welche in einem Stuͤcke weißen, wollenen Zeuges beſteht, welches gewoh lich? Ellen 293 lang und 3 breit iſt. In dieſes winden ſie ſich vom Koͤnige bis zum geringſten Mauren ein. Gewoͤhnlich werfen ſie dieſelbe uͤber den Kopf und die Enden uͤber die linke Schulter. Wenn der Koͤnig zugegen iſt, ſo muͤſſen ſie dieſelben von dem Kopfe abnehmen, und einen Knoten in dieſelbe machen, welches achat Errua heißt. Sie haben hiezu beſondere Waͤſcher(Morgaſel), wel⸗ che dieſelbe gut mit Seife oder Seifenerde(Rgahul) einſchmieren, und mit den Fuͤßen waſchen. Zu dieſer Arbeit ſuchen ſie gerne eine Stelle mit großen Stei⸗ nen neben einer Mauer, oder doch ſo aus, daß ſie etwas haben, um ſich daran zu ſuuͤtzen. Ueber der Haik haben einige einen Zolham von dem naͤmlichen Zeuge, wie die Haik. An demſelben befindet ſich eine Kappe, welche ſie bei ſchlimmen Wetter uͤber den Kopf ziehen. Von der Kappe haͤngt eine ſeidene Quaſte uͤber den Ruͤcken herab. Vorne baben ſie bisweilen Quaſten auf tuͤrkiſche Art, welche unten mit kurzen Franzen umgeben ſind. Vermoͤgende tragen Beinkleider von weißer Lein⸗ wand(Serual), welche oft ſehr weit ſind. Die See⸗ leute tragen ſie gewoͤhnlich von Tuch. Keiinner, nicht einmal der Koͤnig, traͤgt Struͤmpfe, ausgenommen bei einer ſehr beſchwerlichen Reiſe oder bei ſehr ſchlimmen Wetter. Die Mannsperſonen tra⸗ gen gelbe Pantoffeln, die Frauenzimmer rothe. Jeder Soldat hat einen Skin,(Saͤbel) in einer dicken Litze uͤber der rechten Schulter. Man hat2 Arten von 7 204 Dolchen. Die Chenſgher werden von Gouver⸗ neurs und Hofleuten an einer ſeidenen, rothen Litze getragen. Das Gefaͤß und die Scheide ſind von ei⸗ nerlei Metall. Komia, eine geringere Art von Dolchen, wird von allen in Cedernen Sheiden getragen. Obwohl die meiſten bei dem erſten Anblicke eine und dieſelbe Tracht zu haben ſcheinen, ſo kann man ſie doch mittelſt einiger kleinen Veraͤnderungen ziem⸗ lich von einander unterſcheiden. Ein Kaid(Gou⸗ verneur) hat einen Sched und einen Chensgher, und einen Stock in der Hand, deſſen dickes Theil allzeit unten iſt. Ein geringerer Kaid(Offizier) hat uͤber den Schultern eine zuſammengeflochtene lederne Schnur, Asfil, von der Dicke eines Fingers; er bedient ſich derſelben, um ſeine uUntergebenen in vor⸗ kommenden Faͤllen zu ſtrafen; ſein Dolch iſt eine Komia. 1 Ein Hofmann hat gerne einen Zolham uͤber den Kaftan, einen Modhemma und ein in den⸗ ſelben haͤngendes Naſentuch; einen Chenſgher, große leinene Serual und einen bloßen K Kopf, und in der Gegenwart des Koͤnigs, bloße Fuͤße, und die rechte Hand in den Zollham eingewunden. 1 Ein Geiſtlicher hat eine kleine Kappe an ſeinen Pantoffeln, einen Roſenkranz in der Hand. Wenn er einem Chriſten nahe kommt, haͤlt er Naſe und Mund zu, und geht uͤbrigens gekleidet, wie ein 295 Kaufmann, welchen man an einer ſauberen Haik, einem ſchoͤnen Kaftan, und einem breiten ſeidenen Hazem erkennt. Ein Soldat iſt wie der andere gekleidet; er hat aber gerne eine Buͤchſe in der Hand, ein Naſentuch um die Muͤtze, einen Strohhut auf dem Ruͤcken, ei⸗ nen Modhemma uͤber der Haik, ſeinen Skin au der Seite und Mohemez an den Fuͤßen. Der Sat⸗ tel hat vorn und hinten große Erhoͤhungen, die Steig⸗ biegel ſind kurz und man ſitzet an dem Sattel weit hinten. Der ganze Sattel iſt mit rothem Tuche uͤber⸗ zogen; unter demſelben liegt noch ein kleiner Quer⸗ ſack mit einigen Franzen; der Stirnriemen an dem Zaume heißt Tiſikert, und der Halsſchmuck Hers; von dem Schweife ſind alle Haare abgeſchnitten, und unter dem Hufeiſen befinden ſich keine Hacken. Ein Kaperkapitain hat einen Sched von rother oder anderer Farbe, einen mit Gold bordirten Kaftan, welcher nach tuͤrkiſcher Art nur bis an den Guͤrtel reicht, große rothe oder blaue Beinkleider von Tuch, eine große Hazam, in welcher ein großes Meſſer ſitzt; außer dem noch einen uͤber der einen Schulter haͤn⸗ genden Chenſgher, und uͤber der anderen ein Regen⸗ tuch, in welches er bisweilen den Kopf wickelt. Die Matroſen haben faſt dieſelbe Kleidung, nur von einem geringen Werthe. Ein Scherif traͤgt brandgelbe Pantoffeln, und 296 bisweilen einen gruͤnen Sched, welchen ſonſt Niemand tragen darf. Alle Verheiratheten laſſen den Bart in die Laͤnge wachſen, die Unverheiratheten haben ihn ſelten uͤber einen Daumen lang, und gehen gewoͤhnlich mit blo⸗ ßem Kopfe. Die Frauenzimmer tragen auch Haiken, aber auf eine andere Art, als die Maͤnner. Sie befeſtigen ſie uͤber den Bruͤſten mit ſilbernen Hacken, welche Be⸗ ſim und Chetfia heißen; zwiſchen dieſen iſt eine kleine Kette. Die meiſten tragen die Haik auf bloßem Leibe, andere haben ein Hemde ohne Aermel unter derſelben; noch andere haben eine Art Kaftan uͤber dem Hemde; uͤber jenes einige noch eine Monſoria (Ueberzug von duͤnnem Leinen), endlich kommt die Haik, um welche ſie eine Hazem binden. Die Ver⸗ heiratheten muͤſſen ihr Haar nicht ſehen laſſen, ſon⸗ dern umbinden es mit einem Schleier(Abruck), deſ⸗ ſen Enden lange den Ruͤcken hinabhaͤngen. Vorne iſt der Schleier in der Geſtalt eines Sched gelegt, uͤber welchen ſie oft koſtbar beſetzte Kopfbinden (Azeba) haben. Das Ohr ſchmuͤcken oben Ringe (Ambra) in welchen Steine oder Glas eingefaßt ſind, unten in den Ohren tragen ſie gewoͤhnlich große Ringe mit Diamanten und Steinen, man nennt ſie Cherſa. Um den Hals haben ſie zwei oder mehrere Perlenſchnuͤre, mit Dukaten oder beſchriebenen Sil⸗ derplatten; dieſer Schmuck beißt Tezra; unter demſel⸗ 297, ben ſind einige Korallenſchnuͤre(Cordor), welche mit Silberſtuͤcken abgetheilt ſind, am Ende iſt ein Ring, welcher voll Muskatnuͤſſen, Elendsklauen u. dgl. iſt. Haͤnde und Arme ſind mit Ringen umgeben. Unver⸗ heirathete laſſen ihr Haar in Flechten, jede von drei Straͤngen, mit einigen ſeidenen Schnuͤren uͤber den Ruͤcken herabhaͤngen, an deren Ende ſülberne Doppen und Quaſten ſind, welche bei jedem Schritte ein Ge⸗ laͤut geben, und Naſia genannt werden. Bisweilen tragen auch verheirathete Maurerinnen dieſelben, am gewoͤhnlichſten die Juͤdinnen. Das Geſicht ſchminken ſie mit Cochenille oder einer andern rothen Farbe. Die Augen beſchmieren ſie rund auf der Kante der Augenlieder mit einer ſchwarzen Farbe(Kahol.) Haͤnde und Finger malen ſie vermittelſt des Krautes Henna brandgelb. Die Haare am Leibe werden durch kuͤnſtlich bereitete Sal⸗ ben weggebracht. Fette und etwas braͤunliche Frauen⸗ zimmer werden fuͤr die Schoͤnſten gehalten. Faſt alle haben kohlſchwarzes Haar, aber die rothgelben werden fuͤr die Schoͤnſten gehalten. Wenn eine Maurin aus⸗ geht, ſo windet ſie ſich ſo in den Hack, daß man von ihr nicht mehr als ein Auge ſiehet.. Ihre Verrichtungen ſind, ſich zu putzen, zu waſchen und zu baden. Sie verrichten wenig Hausarbeit; das meiſte muͤſſen ihre Neger⸗Sklavinnen thun. Sie gehen nicht zum Markte, um fuͤr die Haushaltung einzukaufen; dieß thun gewoͤhnlich die Maͤnner ſelbſt. 298 So verliebt die Nation auch iſt, ſo dibt es bei denſelben doch keine oͤffentlichen Huren. Jedem Man⸗ ne iſt erlaubt 4 Weiber zu haben, und ſich ſo viele Beiſchlaͤferinnen zu halten, als er ernaͤhren kann. Das fruͤhe Heirathen, die vielen Weiber und ihre Unmaͤßigkeit in der Liebe, ſind Urſachen, daß ſie bald aufhoͤren, Kinder zu zeugen, und daß ſie ſich ſogenann⸗ te galante Krankheiten zuziehen. In dem 25. Jahre hoͤren die Weiber auf zu gebaͤhren. Die Suͤnde So⸗ doms iſt auch bei den Einwohnern herrſchend. Die Mauren ſind gewoͤhnlich wohl gebildet und ſtark von Gliedmaſſen. Sie thun ſich etwas auf ihren Bart zu gute, kaͤmmen und balſamiren ihn. Bloß in dieſem Punkte findet man Stutzer unter ihnen. Sie ſind beherzt, ſtark, Betruͤger, traͤge, ſtolz, mißtrauiſch, geitzig, rachſuͤchtig u. ſ. w. Doch gibt es auch brave Maͤnner unter ihnen. Die Leiche eines Mauern wird wohl gewaſchen, und ihr hernach ein Hemd, lange, leinene Beinkleider und Pantoffeln angezogen; der Kopf wird mit einem Stuͤcke Leinwand umbunden, in welche endlich das Ganze eingenaͤht wird; denn ſie ſollen in Allem 7 Stuͤcke Leinwand in das Grab mitnehmen. Ohne Sarg wird die Leiche noch an demſelben Tage, wo die Perſon geſtorben iſt, zum Grabe außerhalb der Stadt, unter großem Gefolge getragen. Beſtaͤndig wird das bekannte La Illah ela Allahan ge⸗ ſungen. Die Leiche wird ohne Sarg in das Grab, 299 auf die rechte Seite mit der Hand unter dem Kopfe gelegt. Der Kopf liegt hoͤher als der Leib, das Ge⸗ ſicht iſt gegen Mekka gewendet. Waͤhrend der Beer⸗ digung verſammelt ſich eine Menge von Frauenzim⸗ mern, unter dieſen auch gemiethete Weinerinnen, welche in dem Trauerhauſe klagen, weinen und die Bruſt zerkratzen. Am folgenden Tage gehen die Wei⸗ ber zu dem Grabe, beklagen ſich auf das Neue, rich⸗ ten verſchiedene Fragen an den Verſtorbenen, weil ſie glauben, daß er alles ſehe und hoͤre. Dieſe Zeremo⸗ nie wird 8 Tage lang an jedem Morgen wiederholt, und in der Folge einmal im Jahre. Einige geben ihre Trauer dadurch zu erkennen, daß ſie kein Feuer im Hauſe haben, und ihre Kleider, welche ſie bei dem Todesfalle tragen, nicht eher ausziehen, bis ſie Schweiß und Alter unbrauchbar gemacht hat. Einige ſtellen Speiſe fuͤr Arme und Vögel auf das Grab. Die Begraͤbniß⸗Stelle wird nach Umſtaͤnden ein⸗ gerichtet. Einige errichten einen langen, ſchmal ge⸗ hauenen Stein, mit einer Schrift auf demſelben, um das Grab werden Feldſteine in ein laͤngliches Viereck gelegt; andere ziehen eine kleine Mauer, 2 Ellen hoch, aus Stein und Kalk. Andere, welche fuͤr Heilig ge⸗ halten werden, oder aus einer anſehnlichen Familis ſind, erhalten ein großes Gebaͤude uͤber ihr Grab. Jenes iſt 8— 10 Ellen hoch, und hat eine Wohnung für die Aufſeher des Heiligthums angebaut; Nachts brennen Lampen in demſelben. Ein ſolches Grabmal 300 iſt zugleich eine Zavia, Freiſtaͤtte fuͤr Verbrecher. Kein Jude darf vor demſelben vorbeigehen, ohne ſeine Fuͤße zu entbloͤßen. 2) Die Araber in Marokko ſind eigentlich diejenigen Araber, welche ſich nicht um die ſpani⸗ ſchen Kriege bekuͤmmerten, ſondern auf den Ebenen zwiſchen dem Meere und den Bergen wohnen blieben, und ſich von der Viehzucht und dem Ackerbaue naͤhr⸗ ten. Obwohl ſie nicht viel Sorgfalt anwenden, ihre Staͤmme zu erhalten, ſo theilen ſie ſich doch in Kabeil (Kaſten). Religion und Sprache haben ſie mit den Mauren gemein; fie nennen ſich Moslemin. Zieht ein Maure auf das Land, ſo wird er fuͤr einen Araber angeſehen, und umgekehrt. Letzterer Fall geſchieht aber faſt nie. Die Araber wohnen auf dem Lande in Zelten (Chaima), weiche entweder aus grober Wolle oder aus Ziegenhaaren verfertigt ſind.„Auch ſpinnen die Weiber die Faͤden der Wurzel Lift Adum, und weben ſie ſo dicht, daß ſie den Regen aufhalten koͤn⸗ nen. Einige Zelten haben drei, andere nur zwei Haupt⸗ pfaͤhle, ſind ſelten uͤber 8— 10 Fuß hoch. Statt der. Thuͤre heben ſie ein Stuͤck Zelt auf. Sie binden es auch hie und da mit Stricken, und ſo iſt das ganze Gebaͤude fertig, welches mit Kuperoſe ſchwarz gefaͤrbt wird. In einer ſolchen Chaima wohnt eine ganze Familie mit allem, was ſie hat. Kamele, Ochſen, Pferde, Schafe ſind zu allen Jahreszeiten unter dem „ 301 freien Himmel. Mann, Weib und Kinder liegen auf der ebenen Erde, auf einigen Strohmatten, und rau⸗ hen Schaf⸗ oder Ziegenfellen. Wenn eine Frau nie⸗ derkommt, ſo muß der Mann fuͤr ein anderes Zelt ſorgen, in welches ſie ſich mit allem Hausgeraͤthe begiebt, welches in einer Handmuͤhle, einem Korbe, einer hoͤlzernen Schale, und in einem Paare Lehmtoͤpfe beſteht. 1 Bei 200 ſolcher Zelte in einer laͤnglichten Ord⸗ nung bei einander nennt man Duar. Man kann ſie mit unſern Doͤrfern vergleichen. In einer Gegend, wo Loͤwen ſich aufhalten, ſind Dornen, welche dieſe Thiere ſcheuen, umher geſteckt. Wenn ſie einen Platz abgeweidet haben, ſo brechen ſie mit ihren Zelten auf, und ſuchen einen neuern, beſſern Weideplatz. 4 Eine jede Duar wird von einem Schech regiert, welchem ſich alle unterwerfen. Das Oberhaupt uͤber viele Duaren heißt Schech elkebir, welcher unter dem Baſcha der Provinz ſteht. Ihr Amt iſt nicht erb⸗ lich, ſondern man waͤhlt die angeſehenſten unter ihnen. Sie koͤnnen nur mit Pruͤgeln und Geldbußen ſtrafen. Auch findet ſich ein Kadi uͤber jede Provinz auf den Maͤrkten ein, welche auf gewiſſen Plaͤtzen gehalten werden, macht Zwiſtigkeiten ab, unterſchreibt Heiraths⸗ vertraͤge, und entſcheidet uͤber Eheſachen. Die Schatzungen, welche“ die Araber bezahlen muͤffen, ſind Neiba, eine Art Vermoͤgensſtener, wel⸗ 302 che der Koͤnig fuͤr jede Provinz als etwas Gewiſſes anſetzt, und der Baſcha einfordert, welcher die noͤthi⸗ gen Befehle wieder an den Schech einer jeden Duar erlaͤßt. Jeder muß nach ſeinem Vermoͤgen beitragen. Oft ſind ſie unwillig oder unvermoͤgend zu zahlen; Der Koͤnig muß alsdann die Steuer mit Gewalt durch Soldaten einſammeln laſſen. Die ſe Schatzungen werden jaͤhrlich erhoͤht, und je nachdem der Koͤnig in dem Militaire einige Veraͤnderungen vornimmt, ver⸗ aͤndert. Die andere Schatzung Aſchora, beſteht in Einem von vierzig, ſowohl von Korn, als von dem Viehe. Die Araber ſind ein wenig braͤunlich, welches zum Theile von der Hitze der Sonne folgt; ſie werden weiß geboren. Die Haͤßlichkeit der Weiber wird durch ihre Unreinlichkeit und ſchlechte Kleidertracht erhoͤht. Die Maͤnner laſſen ſie mit bloßem Angeſichte gehen, weil ſie wiſſen, daß ſie nicht reitzen. Die Kinder bei⸗ derlei Geſchlechts gehen bis zum 1 Jahre nackt. Waſ⸗ ſer und Milch iſt ihr einziges Getraͤnke, und ihre vor⸗ nehmſte Speiſe das Brod aus Gerſtenmehl, welches ohne Sauerteig zubereitet wird. Das Korn mahlen ſie auf einer Handmuͤhle(Roha), in den Staͤdten auf Pferdemuͤhlen,(Ettahun) und in Fez und Mek⸗ nes auf Waſſermuͤhlen. 3) Die Brebern ſind ohne Zweifel die alten Bewohner der marokkaniſchen Laͤnder, welche die frem⸗ den Nationen nach den Gebirgen verjagt haben. Es . 303 iſt glaublich, daß die erſten die Graͤtuler und zwar die weißen waren, zu welchen ſich die Philiſer, Sabaͤer, Egypter und endlich die mohamedani⸗ ſchen Araber geſchlagen zu haben ſcheinen. Die Ju⸗ den auf den Bergen unter ihnen nennen ſich alle Pii⸗ liſtin. Es iſt ſehr ſchwer, von dieſer Nation eine genaue Kundſchaft einzuziehen, weil ſie einen außen ordentlichen Haß gegen die Chriſten hegen und weil der Ort ihres Aufenthaltes ſchwer zu betreten iſt. Nur ein kleiner Theil der Brebern erkennt den Koͤnig von Marokko als ihren Oberherrn an. Sie thun es vorzuͤglich des Handels wegen, die meiſten wohnen in der Gegend um Agader. Die andern haben eine Art kleiner Koͤnige, Amrgar, deren Nachkommen allemal regieren, bis ſie ausſterben. Sie ſind aber nicht Scherifer oder aus der Familie Mo⸗ hameds. Dieſe Amrgar ſtrafen Moͤrder und Diebe am Leben. Andere Uneinigkeiten machen die Brebern unter ſich ab. Sie wohnen auf den Atlas⸗Bergen in gro⸗ ben Haͤuſern, welche ein ordentliches Viereck bilden; ein jeder Fluͤgel wild von einer ganzen Familie be⸗ wohnt. Einige Haͤuſer haben einen hohen ſpitzigen Thurm, andere deren zwei, von welchen herab ſie ſich veertheidigen. Ein ſolches Haus heißt Tagimi. In den Waͤnden befinden ſich viele kleine Loͤcher, aus welchen ſie unbemerkt auf alle ſchießen, welche ſich naͤhern. Außer dieſen einzelnen, aus Kalk, Steinen 304 und Lehm erbauten Haͤuſern haben ſie auch beſondere Flecken, beſonders in dem Diſtrikte Tamenart, welcher acht Tagreiſen auf jener Seite von Agader liegt; in dieſem wehnt auch ihr vornehmſter Amrgar. Zwei Tagreiſen von Agader iſt der große brebiſche Flecken Dhemnet, und auf dieſer Seite ein kleine⸗ rer, welcher Fruga heißt. Ihre Religion iſt die muhamedaniſche; ſie ſind aber unwiſſender und ſchwaͤrmeriſcher, als die Mauren. Sie haben zwar den Koram arabiſch, aber nur wenige von ihnen verſtehen ihn. Die Breber haben fuͤr ſich eine beſondere Spra⸗ che, welche mit der mauriſchen oder arabiſchen nichts gemein hat, als die Buchſtaben und etwas in den Zah⸗ len. Sie haben dieſe Schrift bei der Einfuͤhrung der mohamedaniſchen Religion unter ihnen erhalten. Sie ſind wohlgewachſen, lang und mager. Die Haare laſſen ſie hinten bis auf den Hals wachſen; vorn aber ſcheren ſie dieſelben bis hoch auf den Kopf. Ihre Kleider beſtehen in Haiks, Kaftans, oder ſtatt dieſer in einer Art von Keſeb und Scherbil. Hem⸗ den und Beinkleider ſind ſelten und ihr Haik iſt oͤfters ein elender Lappen, weil ſte aus Mangel an Schafen ihre Wolle von den Arabern oder Mauren kaufen muͤſſen. Sie ſind leicht, munter und hurtig, und be⸗ ſitzen eine ungemeine Fertigkeit mit ihren Flinten. Dieſe ſind ihnen auch das liebſte; ſie ſchmuͤcken die⸗ 3⁰⁵ ſelben mit Silber, und Elfenbein ſo aus, daß ſie 60 — 80 Dukaten koſten. 4) Die jetzigen Neger in Marokko ſind ent⸗ weder von Guinea gekommen, oder ſtammen daher. Die Neger, welche Sklaven ſind, heißen Abid mok⸗ ſub, und werden von Kaufleuten aus Fez jaͤhrlich mit Karavanen aus Guinea gebracht. Der Eigenthuͤmer darf ſie verkaufen, wenn er will; ja er kann ſie todt ſchlagen, wenn er eine guͤltige Urſache hat, ohne daß er vor Gericht gezogen wird. Die freien Neger, Abid harar, oder Abid Sid el Buchari ſtammen ent⸗ weder von Negerinnen ab, mit welchen die Mauren Kinder gezeugt haben, oder auch von den Negern des Mulat Ismail, welche Buchari zum Schuͤtzer hatten, und mehr Macht beſaßen, als die Weißen. Es gibt auch viele Neger, welche man in Weſtindien Kaſſauti nennt, die mit vielen Figuren und Stri⸗ chen im Geſichte und auf der Bruſt zur Zierde gezeich⸗ net ſind. Dieſe Merkmale nennen die Mauren Elu⸗ ſchem, und halten ſie fuͤr eine Schoͤnheit. Die Mu⸗ latten nennen ſie Chamrin. Die Neger werden bloß zu Verſchnittenen gewaͤhlt und werden Emfetin oder Moftin genannt. Da ſie aber nur zur Aufwar⸗ tung in dem Seraile des Koͤnigs und der Prinzen ge⸗ braucht werden, ſo heißen ſie Abid Eddar, Skla⸗ ven des Hauſes. 5) Die Juden, welche unter den Mauren in MNarokko wohnen, wurden nach und nach aus Euro⸗ 51. B. Afrika, I, 3, 4 306 pa verjagt, naͤmlich aus Italien im Jah re 1342; aus den Miedersnden 1350; aus Frankreich 1403; aus England 1422, aus Spanien 1494, und aus Portugal 1496. Sie ſind Unterthanen des Koͤnigs in Marokko, und ſtehen unter ſeinem Schutze, fuͤr welchen ſie in jeder Stadt eine gewiſſe Summe bezahlen muͤſſen, 3. B. in Marokko 500 Dukaten, in Neu⸗Fez 500 Duka⸗ ten, in Fetaum 500 Dukaten in Sala und Rabat 400 Dukaten u. ſ. w. Jede Mannsperſon muß vom 13. Jahre jaͤhrlich einen Dukaten bezahlen. Der Schech ſammelt ſie ein, und bringt ſie dem Koͤnige an ſeinem Ramadhans⸗Feſte unter dem Namen Deſg hieſa De⸗ buledha, die Goldhenne mit ihren Kuͤch⸗ lein, welche ſie zu den vorigen Zeiten ſtatt des Gel⸗ des geliefert haben ſollen. Die Juden ſind der aͤußer⸗ ſten Verachtung Preis gegeben, und werden fuͤr die geringſten Meuſchen auf der Erde gehalten. Ein klei⸗ ner mauriſche Junge darf einen alten Juden bei ſei⸗ nem grauen Barte faſſen, in die Augen ſpeien, mit Steinen werfen, ohne daß der Jude etwas anderes vornehmen darf, als daß er um Gnade bittet, und ſich zu fluͤchten ſucht. Klagt er, ſo erhaͤlt er die Antt wort: Enta Elihud, du biſt ein Jude. Sie muͤß⸗ ſen auch den geringſten Mauren mit Sidi, mein Herr anreden, duͤrfen keine Waffen tragen, auf kei⸗ nem Pferde reiten und nicht ohne koͤnigliche Erlant⸗ niß aus dem Lande gehen. 3⁰7 In einigen Staͤdten wohnen ſie in beſtimmten Plaͤtzen, in andern unter den Mauren, welche ihnen oft aus Religionseifer die Kinder ſtehlen, und ſie heimlich in der mohamedaniſchen Religion unterrichten laſſen. Ein Theil der Juden treibt Handel, Maͤckle⸗ rei und Handwerke. Die Aermſten leben von Arbei⸗ ten, beſonders bei dem Aus⸗ und Einladen der Schiffe. Sie haben ein Sghimah,(Komune) deſſen Vorſtand Schech genannt wild, die Befehle des Koͤnigs em⸗ pfaͤngt, die Schatzungen eintreibt und ſte an den Koͤ⸗ nig abliefert. Er kann mit Geld und Pruͤgeln ſtrafen laſſen, aber in allen Sachen kann an das mauriſche Gericht appellirt werden. Ein großer Theil der Inden redet ſpaniſch; ihre eigentliche Sprache aber iſt die mauriſche, welche ſie nie anders, als mit hebraͤiſchen Buchſtaben ſchreiben duͤrfen, damit ſie den Koran nicht ſollen leſen koͤnnen. Ihre Buchſtaben ſind die ſogenannte Rabinenſchrift. Die Rabiner haben keine beſondere Kleidertracht, aher doch zum Unterſchiede groͤßere und weitere Aer⸗ mel, ein rothes Merkmal auf dem ſchwarzen Bernus und gemeinlich ein blaues Naſentuch um die Muͤtze. Alle Juden tragen ſchwarze Muͤtzen, Bernus und Pan⸗ toffeln, und Kaftane von verſchiedener Farbe. Die Bernus duͤrfen ſie nicht tragen, wie die Mauren den Zolham; das, was nach vorn gehoͤrt, wird auf eine Schulter gelegt, und das hinterſte auf die andere. 308 Die Weiber kleiden ſich beinahe wie die Maurin⸗ nen. Sie binden gewoͤhnlich die langen Aermel von ihren Hemden auf dem Ruͤcken zuſammen, und haben alle einen Rock von rothem oder gruͤnem Tuche, wel⸗ cher vorne offen iſt, und unter den Bruͤſten mit einem Guͤrtel zuſammengebunden wird. An dem aͤußerſten Spitzenende iſt eine Broderie von Gold oder Seide. Die Pantoffeln ſind roth, und haben Abſaͤtze. Auf der Straße ſollen ſie das halbe Geſicht entbloͤßen, da mit ſie von den Maurinnen unterſchieden werden koͤn⸗ nen. Sie ſehen gut aus; und da der Umgang mit ihnen verboten iſt, ſo haben ſie ſchon manchen chriſt⸗ lichen Kaufmann zu Grunde gerichtet. Sie haben den naͤmlichen Charakter wie die Juden in den an⸗ dern Laͤndern. 6) Sin Renegat aus einem Chriſten heißt Aelſgh⸗ aus einem Juden Aſelami. Sie treten meiſtens uͤber, um ſich von Strafen oder Schulden los zu ma⸗ chen. Um ein Mohamedaner zu werden, wird nut erfordert, das bekannte La Illah ela Alla Mo ha⸗ med Raſul Allah zu ſagen. Der Renegat wird in mauriſchen Kleidern auf ein Pferd durch die Sti ßen gefuͤhrt, gibt ſich einen andern Namen, und ſucht ſich einen Vater aus, welcher ihn allzeit in Schuz nimmt. Am folgenden Tage wird er, wenn er nicht Jude geweſen iſt, beſchnitten. Die meiſten Renegaten ſind Spanier, Franztt ſen, Italiener, Portugieſen, Teutſche und 309 Englaͤnd er. Reuegaten koͤnnen ſich nur mit Negerinnen und Toͤchtern von Renegaten verheirathen und werden kaum im dritten oder vierten Gliede fuͤr Mauren angeſehen. Sie haben einige Renegat⸗Kaide uͤber ſich, welche dieſen Abſchaum des menſchlichen Geſchlechtes mit Pruͤgeln und Gefaͤngniſſen belegen koͤnnen. Sie wer⸗ den von den Mauren als Ketzer angeſehen, auf welche man ſich nie verlaſſen kann. Wird doch einer Reis⸗ oder Kaper⸗Kapitaͤn, ſo iſt ein eingeborner Maure bei dem Zuge, welcher auf ſeine Auffuͤhrung ein wach⸗ ſames Auge hat. Sie ſind ewige Sklaven, welche nie Erlaubniß bekommen, aus dem Lande zu reiſen. 7) Die Chriſten in Marokko ſind entwe⸗ der Konſuln, Kaufleute, Kuͤnſtler oder Sklaven. Die Konſuln in dem marokkaniſchen Reiche ſind der daͤniſche, engliſche, franzoͤſiſche, ſchwediſche, ſpaniſche und hollaͤndiſche. Sie halten ſich nicht am Hofe, ſondern in den Seeſtaͤdten auf. Wenn ſie bei Hof erſcheinen ſollen, ſo wird es ihnen zuerſt ſchriftlich bekannt gemacht, alsdann werden ſie durch ein koͤnigliches Geleit an den Hof gebracht. Der Konſul muß die Leute des Geleites nicht nur unterhalten, ſondern ihnen auch bei ihrer Entlaſſung eine Belohnung(Sochra)geben. Bei der Audienzerſcheint der Konſul mit entbloͤßtem Haupte und mit dem Oe⸗ 310 gen an der Seite; die Geſchenke, welche er zu uͤber⸗ geben hat, laͤßt er hinter ſich tragen. Ohne dieſe fin⸗ det keine Audienz bei dem Koͤnige Statt. Sobald er den Koͤnig gewahr wird, verneigt er ſich gegen ihn, auf der Mitte des Weges thut er daſſelbe, wenn er ihm etwa 20 Schritte nahe gekommen iſt, gruͤßt er ihn zum dritten Male, und bleibt ſtehen. Sind Briefe zu uͤbergeben, ſo muͤſſen ſte in etwas eingewunden werden. Wenn dem Koͤnige die Geſchenke anſtehen, ſo wird der Konſul an eine Perſon verwieſen, welche den Mittler zwiſchen dem Koͤnige und ihm machen ſoll. Hierauf wird er mit einigen Hoͤflichkeitsbezeu⸗ gungen, mit Bono, Bono,(gut) abgefertigt, wo ſich der Konſul ſehr kruͤmmen muß. Wenn er es ver⸗ gißt, oder es nicht gleich und tief ausfuͤhrt, ſo ſchreien alle einander in den Mund: Galik Sidi: Bono: der Koͤnig ſagt, du biſt gut. Wenn der Kon⸗ ſul dann ſeine Hoͤflich keitsbezeugung macht, ſo rufen alle: Allah ibark amer Sidi. Gott ſegne den Koͤnig. Zu Hauſe angelangt, verlangen viele Leute von dem Konſul die Sochora mit Ungeſtuͤmme. Außerdem erhalten noch viele andere, welche ſich fuͤr Hofdiener ausgeben oder in irgend einer Verbindung mit dem Hofe ſtehen, Geſchenke von Thee, Zucker, Leinen und Geld. Sind die Geſchaͤfte von großer Wichtigkeit, oder iſt der Koͤnig mißvergnuͤgt, ſo wer⸗ den die Geſchenke anſehnlich vermehrt. 2 Die Hauptmittel in dieſem Lande etwas auslu⸗ 311 richten, ſind zuverlaͤßig Gaben und Geſchenke; allein ſie muͤſſen zur rechten Zeit, und am rechten Orte ge⸗ geben werden. Die Geſchenke ſteigen, und werden jaͤhrlich erhoͤht.. Ein Konſul iſt hier zu Lande ziemlich wohl angeſehen, ſein Haus iſt eine Freiſtaͤtte fuͤr alle Verfolgte. Ein Kaufmann kann bei dem Koͤnige Audienz er⸗ halten, zu welcher Zeit er will, und zwar mit ſeiner Mütze auf dem Kopfe; er muß aber ſeine Geſchenke und Sochoras beinahe in eben der Ordnung geben, wie die Konſuln, obgleich nicht von ſo hohem Werthe. Ein Kaufmann iſt in einem ſolchen Anſehen, daß die Mau⸗ ren nicht allein jeden angeſehenen Europaͤer Taſg⸗ hier, Kaufmann nennen, ſondern ſogar Tasghier⸗ Konſul ſagen. . In Marokko ſind auch einige Chriſten, naͤm⸗ lich Kuͤnſtler und Handwerker, welche entweder um ihr Gluͤck zu verbeſſern, hier ankommen, oder von den europaͤiſchen Maͤchten dahin geſchickt werden, um den Koͤnig zu beluſtigen. So ſchickte 4780 der daͤniſche Koͤnig Friedrich V. mehrere Kuͤnſtler. In Marokko und Meknes ſind? Kloͤſter fuͤr Franziskaner, welche in dem 13. Jahrhunderte daſelbſt errichtet wurden. Dieſe mußten viel leiden, weil ſie verſuchten, Proſelyten zu machen. Ihre Miſ⸗ ſion iſt daher bloß zum Beſten der roͤmiſch⸗katholi⸗ ſchen Sklaven. Der Koͤnig ſchickt den Moͤnchen 312 zuweilen Kanarienvoͤgel, Papageien und Hunde, welche ſie fuͤr ihn fuͤttern und abrichten muͤſſen. Alle 3 oder 4 Jahre werden die Moͤnche abgelöſet, und erhalten bei ihrer Ruͤckkehr in Spanien fette Pfruͤnden. 4 Die Sklaven in Marokko gehoͤren alle dem Koͤ⸗ nige, welcher nicht zulaͤßt, daß ihnen jemand Be⸗ ſchwerden verurſacht. Der Koͤnig hat gemeinlich ei⸗ nen Lieblingsſklaven, welchen er zu wichtigen Ge⸗ ſchaͤften braucht. Die Sklayen haben einen Kaid uͤber ſich, welcher gewoͤhnlich ein Seekapitain iſt. Er kann dieſelben auf ſeine eigene Hand pruͤgeln, und muß auch dem Koͤnige von ihrer Auffuͤhrung Rechen⸗ ſchaft geben. IV. Regierung und Hof. Die Regierungsform iſt despotiſch; der Ku⸗ nig nennt ſich Chalifat Allah: Statthalter Gottes, und wie ſeine Vorfahren Emir Elmum⸗ nin: Fuͤrſt der Glaͤubig en, und Im am Praͤlat. Die Mauren nennen ihn gewoͤhnlich Solt an: König, auch Sidna:unſerHer r, oder uͤberhaupt auch Sidiß oder auch Sidi elkebir: der große mein Herr; dieſes ſagen ſie gewoͤhnlich, wenn ſie mit einem ſeiner Soͤhne ſprechen.. Seit der Thronbeſteigung der Scherifen iſt Ma⸗ rokko ein Erbreich geworden; der aͤlteſte Prinz nimmt 313 nach dem Tode ſeines Vaters das Reich im Beſitz. Sind mehrere Bruͤder da, ſo gibt es gewoͤhnlich Streit um die Krone. Jeder ſucht ſich einen Anhang zu verſchaffen, die Oberhand erhaͤlt gewoͤhnlich der, wel⸗ cher die Kaſſe hat. Die Bruͤder des Koͤnigs ſind ge⸗ woͤhnlich ſtolz und unausſtehlich, obgleich ſie oft in der groͤßten Armuth leben. Ohne ausdruͤcklichen Be⸗ fehl des Koͤnigs darf Niemand die Hand an ſie legen. Die Scherifen, welche nicht ſo nahe mit dem Koͤnige verwandt ſind, daß ſie irgend einen rechtlichen An⸗ ſpruch an den Thron haben koͤnnen, erhalten von ihm Geſchenke. Der Koͤnig hat keinen Rath, wie etwa der tuͤrki⸗ ſche Divan iſt; auch keine Kammern, Kollegien u. ſ. w. alles geht gerade an ihn ſelbſt. Die Ausfertigung geſchieht von 2— 3 Sekretairen und einem Siegelbe⸗ wahrer. Die wichtigſten Papiere werden Mauren und Juden in die Haͤnde gegeben, welche oft nicht lefen und ſchreiben koͤnnen. Da nichts zu Buch gefuͤhrt wird, ſo kommen oft widerſprechende Befehle und Wieder⸗ holungen zum Vorſcheine. Der Koͤnig ertheilt woͤ⸗ chentlich zweimal Audienz unter freiem Himmel, wel⸗ che Moſchuar heißt. Die Klaͤger muͤſſen ein ange⸗ meſſenes Geſchenk bringen. Da der Koͤnig ſchon eine natuͤrliche Neigung zum Gelde hat, ſo ſucht er ſeine Einkuͤnfte jaͤhrlich zu vermehren. Unter den 4 geſetzmaͤßigen Frauen des Koͤnigs iſt allzeit eine Scherifa, welche Lella Kebira: große 314 Frau, genannt wird. Die drei andern Koͤniginnen heißen bloß Lella. Außerdem ſind in dem Serail (Dar elharim) gegen s00 Frauensperſonen ſowohl zum Dienſte des Koͤnigs, als auch der Koͤniginnen; ſchwarze Verſchnittene haben die Aufſicht uͤber dieſel⸗ ben. Nichts deſto weniger erfinden ſie verſchiedene Mittel, um ihre angeborne Neigung zur Liebe zu befriedigen. Wenn einige von dieſen Frauenzimmern aͤlter werden, ſo werden ſie entweder nach Tafilet geſchickt, oder an einen Guͤnſtling verſchenkt. Die Gouverneurs in den Provinzen liefern jaͤhrlich dem Koͤnige einige junge Maͤdchen, durch welche die Stel⸗ len der Verſchenkten wieder beſetzt werden. Die Beſchaͤftigungen dieſer Frauenzimmer beſtehen in Putzen, Waſchen, Baden und in Spatzierengehen in dem Garten des Serail. Zu ihrem Unterhalte wird an jedem Morgen friſches Fleiſch in großer Menge vor den Koͤnig gebracht, welcher es ſtuͤckweiſe be⸗ ſchaut, und dann an die Vornehmſten nebſt Butter, Oel, Fruͤchten liefern laͤßt. Ein Prinz wird Mulei genannt. Die Amtsdie⸗ ner des Koͤnigs legen nie einen Eid der Treue ab. Der Koͤnig ſucht immer die reichſten Leute aus, von welchem Gewerbe ſie auch immer ſeyn moͤgen. Wenn ſie einige Jahre in ſeinem Dienſte waren, ſo nimmt er ihr Vermoͤgen, unter dem Vorwande, daß ſie es geſtohlen haͤtten. Die vornehmſten Amtsbedienten ſind: der Baſchia, der Kaid, der Chalifa, der 315 nzir(Vezir), der Mula Taba(Siegelbewahrer), die Emgelles. Die Hofbedienten werden M okaseni und Sa⸗ hab Sidi genannt. Einige heißen Moſachrin, und muͤſſen die Befehle des Koͤnigs von einem Orte zum andern bringen. Einige Hofbedienungen ſind doppelt, andere wohl zehnfach beſetzt; keiner erhaͤlt ei⸗ nen ordentlichen Gehalt; einige aber Kleidung, an⸗ dere ihre taͤgliche Nahrung aus der Kuͤche des Koͤnigs; einige empfangen taͤglich eine Monſuna, andere werden ausgeſandt und gebraucht, wo etwas zu ver⸗ dienen iſt. v. Kriegsweſen. In Friedenszeiten haͤlt der Koͤnig 8,000 Neger und ebenſo viele Araber. Die Neger, deren Zahl ſich fruͤ⸗ her auf 60,000 belief, waren ſehr maͤchtig, ſetzten die Kinder des Koͤnigs, welche ſie wollten, auf den Thron und wieder ab. Ihre Macht vernichtete Mu⸗ lei Abd Allah. Dieſe Soldaten ſind in Tare⸗ dant, Suira, Laraiſch, Tansghia, Mek⸗ nes, Neu⸗Fez, Dedla und nach dem groͤßten Theile in Marokko, wo taͤglich 4000 Mann die Wache haben, oder auf verſchiedenen Stellen in der Arbeit des Koͤnigs ſind. Dieſe erhalten jaͤhrlich zwei leinene Hemden und Beinkleider, einen Kaftan von rothem Tuche, und eine Zolhem von blauem Tuche, * 316 und bekommen taͤglich vier Usghio oder Blankillen. Die andern bekommen taͤglich eine Blankille oder auch jaͤhrlich Kleider von Leinen, die Offiziere erhalten beides. Die, welche bloß Kleider bekommen, treiben nebenbei Feldbau, Fiſcherei und dergl., um davon le⸗ ben zu koͤnnen. Weun der Koͤnig in den Krieg ziehen will, ſo fammelt er erſt ſo viel von ſeinen eigenen Soldaten, als auf ihren Poſten entbehrt werden koͤnnen, und gibt einem jeden von ihnen 10— 15 Dukaten, und au ihre Weiber einen Dukaten, als Lohn fuͤr den ganzen Kriegszug. Dann ertheilt er Befehl an den Baſchia einer jeden Provinz; dieſer gibt Befehl an den Schech in jeder Duar, ſo viele auszuheben, als noͤthig ſind. Was in den militaͤriſchen Provinzen etwa fehlt, das wird von den andern Provinzen beigelegt. Der Koͤnig bezahlt Dukaten an jeden, und verſieht ihn mit Waffen. Wenn nur ein Theil der Militaͤrprovinzen in das Feld foll, ſo muͤſſen die Zuruͤckbleibenden zu⸗ ſammenſchießen, und jedem ausgehenden Soldaten von ihrer Provinz s Dukaten bezahlen. Außerdem muͤſſen ſie dieſelben mit Pferden, Buͤchſen, Saͤbeln, Pulver und Kugeln verſehen; endlich fuͤr ſie den Landbau treiben, und ihr Vieh huͤten. Em kadem iſt ein Of⸗ üzier uͤber 100 Mann; ein Kaid befiehlt uͤber 500, und ein Baſchia uͤber 2,500 Mann. Bei großen Kriegszuͤgen iſt der Koͤnig oberſter Feldherr. Er reitet entweder auf einem Pferde, oder ſitzt in einem Em⸗ v 317 hefa, einer Art von Lehnſeſſel. Der Zug beginnt mit einer Feldmuſik; dann marſchirt der Baſchia der Provinz, wo die Armee iſt, mit ſeinen Leuten; dann kommt ein Corps ſchwarzer Soldaten mit dem Buche ihres Patrons Sid elbuchari; dann folgt der Koͤ⸗ nig mit einem Corps ſeiner regulaͤren Truppen; dann die uͤbrige Armee, und endlich die Bagage, welche von ſeinen eigenen Leuten bedeckt wird. In dieſer Ord⸗ nung marſchiren ſie, ohne Halt zu machen, bis 3 Uhr Nachmittags, wo ſie bis 4 Uhr(Elaſar) einen be⸗ guemen Platz ſuchen. Um dieſe Zeit halten ſie Gebet, und ſchlagen das Lager auf. Die Schwarzen oder die Leibwache machen ein laͤngliches Lager nahe bei dem Zelte des Koͤnigs; nicht weit von dieſen die andern ihre Zelte, jede Provinz für ſich. Wenn ſie eine Schlacht liefein wollen, ſo wird die Reiterei getheilt, und auf die beiden Fluͤgel der Fußvoͤlker geſtellt, im Falle dergleichen da ſind, welches ſehr felten iſt. Die Armee bildet einen Halbmond, und in der Ordnung halten ſie ein kurzes Gebet um Sieg; dann ſtuͤrzen ſie mit großem Geſchreie auf den Feind. VI. Seeraͤlberei. Die Kaperfootte iſt ſelten ſtaͤrker, als 12 Fahr⸗ zeuge. Die Schiffe werden in Sala und in De⸗ taun von Renegaten und von alsgheriſchen Schiff⸗ bauern gebauet; der Koͤnig allein laͤßt ſie bauen. Ein 318 Reis kann am Bord nicht am Leben ſtrafen; dieß kommt dem Koͤnige allein zu. Die Wache wird zwi⸗ ſchen zwei Partheien, getheilt, welche jede ſechſte Stunde abgeloͤſt werden. Am Morgen bekommen die Leute Brod mit Oliven, am Mittage Chale(Fleiſch), welches in lange Streife geſchnitten, an der Sonne getrocknet, in Oel gebraten, und dann in Kruͤgen aufbewahrt wird, bis man es ißt. Am Abende erhal⸗ ten ſie Garavanſus und Kuskus. Wenn ein Reis ausfahren ſoll, ſo holt er bei jedem Conſul einen See⸗ paß, und erhaͤlt dabei ein Geſchenk, damit er die Fahrzeuge der Nation auf der See nicht mißhandle. Sie kreuzen oöͤfter innerhalb der Straße bei Sghi⸗ braltar, gehen auch auf die noͤrdliche Seite der Kanariſchen Inſeln, und nach Cap Finisterraͤ. Sie ſind ſchlechte Seeleute, und verſtehen ſich wenig auf Compas und Seekarten. Wenn ſie eine Beute gemacht haben, ſo nimmt der Koͤnig, welcher die Schiffe bauen laͤßt, erſtlich ei⸗ nen fuͤnften Theil zu ſich, welcher nach dem Koran, Gott, dem Propheten, ſeinem Geſchlechte, den Wai⸗ ſen, Armen und Reiſenden gehoͤren ſoll. Aber nach Malek kann der Fuͤrſt damit ſchalten, wie er will; hernach nimmt der Koͤnig den halben Theil und alle Sklaven; dagegen bezahlt er fuͤr jeden S klaven fuͤnf⸗ ig Piaſter, und laͤßt die uͤbrige halbe Beute unter die Mannſchaft vertheilen. Der Kaperkapitaͤn nimmt. am Borde die Kleider und andere Sachen des chriſt⸗ 319 lichen Kapitaͤns, die Waaren ausgenommen; die an⸗ dern pluͤndern die Mannſchaft ſo gut aus, als ſie nur koͤnnen; dieß heißt Karabata. VII. Gottesdienſt. Die alten Bewohner Marokko's waren Heiden. Nach der Ankunft der Saraſenen gingen viele zur Lehre Mohame d's uͤber, beſonders jene, welche in der weſtlichen Berberei und außerhalb der Straße wohnten; auf der andern Seite aber erhielt ſich das Chriſtenthum laͤnger. Jetzt ſind alle Marok⸗ kaniſche Bewohner Mohamedaner, und zwar von de⸗ nen, welche ſich zur Sekte Maleki nennen. Die Sekten, deren es uͤber 7o gibt, gehen in der Erklaͤ⸗ rung des Koran und in einigen unbedeutenden Gebraͤu⸗ chen von einander ab. Eſſalam iſt die eigentliche Benennung für den Gottesdienſt der Mauren, weßwegen ſie Mosli⸗ min, Etloͤſte, ſich nennen, weil ſie glauben, durch den Glauben in den Stand geſetzt zu ſeyn, erloͤſt zu werden. Dieſer Glaube iſt erſtens lehrend und heißt Iman, weicher den Glauben von Gott, ſeinen Engeln, ſeinem Worte, ſeinen Propheten, von der Auferſtehung und von der Vorherbeſtimmung in ſich faßt. Er iſt zweitens ausuͤbend, Duͤn, und be⸗ trifft das Waſchen, Gebet, Almoſen, Faſten und Wallfahrten. 7 320 Der vornehmſte Hauptſatz ihrer Religion iſt: Es iſt kein Gott, außer dem wahren Gott, Mohamed iſt der Apoſtel Gottes. Sie glau⸗ ben, daß die Engel aus einem reinen und feinen Koͤr⸗ per ſind, welche aus Feuer geſchaffen worden, und die weder eſſen, noch trinken, noch ſich durch Nach⸗ kommen fortpflanzen. Sie geben ihnen verſchiedene Verrichtungen, einige beten Gott an, und ſingen ihm Lob u. ſ. w. Geiſter, Jin, gleichfalls aus Feuer ge⸗ ſchaffen, aber aus einer groͤbern Materie, ſollen eſſen, trinken, ſterben, ſelig und verdammt werden koͤnnen. Propheten haben ſie in unglaublicher Menge, ſie beten ſie aber nicht an. Den erſten Rang erthei⸗ len ſie jenen, welche nach ihrem Dafuͤrhalten neue Geſetze gebracht haben, naͤmlich: Adam, Nuah, Ibrahim, Muſa, Aiſa: Jeſus und Moha⸗ med. Zu dem zweiten Range gehoͤrt eine Anzahl von Patriarchen und Propheten, welche ohne Suͤnde ge⸗ lebt haben, und auf Erden vollkommen heilig gewe⸗ ſen ſeyn ſollen. Die vornehmſten ſind: Hud, He⸗ ber, Salhe, Junas ꝛc. Sie laͤugnen die Gott⸗ heit Chriſti, halten ihn aber fuͤr den groͤßten Apoſtel und Propheten vor Mohamed. Wenn ein Maure geſtorben iſt, ſo glauben ſie⸗ daß er gleich im Grabe von den zwei Engeln, Mun⸗ kir und Nakir gefragt wird; wenn er als rechter Moslim zu ihrer Zufriedenheit antwortet, ſo ruht ſein Leib ungeſtoͤrt bis zum Gerichtstage; wenn nicht, ſo 321 ſchlagen ſie ihn mit eiſernen Keulen an die Schlaͤfe; er wird von giftigen Thieren gebiſſen und uͤbel behan⸗ delt. Die Seelen der Martyrer bleiben im Halſe der gruͤnen Voͤgel des Paradieſes bis an den Tag des Ge⸗ richts; die andern rechtglaͤubigen Seelen halten ſich um die Graͤber auf, obgleich ſie gehen koͤnnen, wohin ſie wollen. Fuͤr die Seelen der Verdammten wiſſen ſie keinen Platz; denn weder Himmel, noch Erde will ſie annehmen. Sie glauben an eine Auferſtehung. Wenn dieſe Zeit kommt, ſollen gewiſſe Zeichen vorher gehen. Die Sonne ſoll am Abende aufgehen; Chriſtus auf die Erde kommen, die Lehre Mohameds annehmen, Hei⸗ rathen, Kinder zeugen und nach 40 Jahren ſterben. Waͤhrend ſeiner Regierung ſoll auf der Erde Friede und Ueberfluß herrſchen; die ganze Erde im Rauche ver⸗ borgen, und der Mond verfinſtert werden. Mehe⸗ di, ein großer Lehrer aus der Familie Mohameds ſoll uͤber alle Mohamedaner regieren! Zuletzt ſoll die Trompete erſchallen, die Erde beben, Meere ſollen ausgetrocknet werden u. ſ. w. Bei dem zweiten Trom⸗ petenſchalle ſollen alle Lebenden im Himmel und auf der Erde in einem Augenblicke ſterben; die Bewohner des Paradieſes und der Hoͤlle ausgenommen. Dann folgt ein Regen, welcher an 40 Jahre dauert, und das Wachsthum der Leichname ſo befoͤrdert, daß ſie keimen und fortwachſen, bis ſie die gehoͤrige Voll⸗ kommenheit erreicht haben; alsdann werden Gabriel, 51. B. Afrika. I. 3. 5 322„ Michgel und Israfil zuerſt aufgeweckt werden. Der letzte von ihnen ſoll alle Seelen in der Trompete ſammeln, aus welcher ſie bei dem letzten Schalle, wie ein Bienenſchwarm fortfliegen, und den ganzen Raum zwiſchen Himmel und Erde erfuͤllen; jede Seele kehrt dann zu ihrem Koͤrper zuruͤck, welcher ihr entgegen gehen wird. Dieſer Tag ſoll ungewoͤhnlich lang ſeyn. Die Rechtglaͤubigen ſollen in Leinwand aufſtehen, weß⸗ wegen ihnen auch ſieben Stuͤcke in das Grab gegeben werden; die Gottloſen aber nackt, ſchaamvoll und ausgezeichnet. So werden die, welche ihre Reichthuͤ⸗ mer auf eine unrechtmaͤßige Art erworben haben, Schweinen gleichen; die, welche Zinſen genommen haben, werden Kopf und Fuͤße verkehrt tragen u. ſ. w. Viele Jahre ſollen verſtreichen, ehe das Gericht ge⸗ halten werden wird. Waͤhrend dieſer Zeit werden ſo⸗ wohl Gute als Boͤſe verſchiedene Leiden auszuſtehen haben. Am TDage des Gerichts wird Gott ſich ſehen laſſen, um zu richten, Mohamed ſoll Fuͤrbitter bei Gott ſeyn, nachdem Adam, Noah, Abraham und Moſes ſolches von ſich abgelehnt haben. Bei dem Gerichte ſind die Handlungen eines jeden aufge⸗ zeichnet. Dieſe werden in einer erſchrecklich großen Wage gewogen, und diejenigen, deren Handlungen die boͤſen(ſo viel als ein Haar) uͤberwiegen, ſollen felig werden. Derjenige, welcher Unrecht gethan hat, erhaͤlt einen Theil der Schuld desjenigen, welcher das Unrecht erlitten hat. Die Guten gehen zur Rechten 323 in das Paradies, die Boͤſen zur Linken in die Hoͤlle, nachdem ſie uͤber die Bruͤcke Sirat gekommen ſind, welche uͤber die Mitte der Hoͤlle gehen, ſo ſchmal als ein Haar, und ſo ſcharf als eine Degenſchneide ſeyn ſoll. Die Seligen gelangen uͤber dieſelbe mit einer unglaublichen Geſchwindigkeit, die Verdammten aber fallen uͤber Kopf von derſelben in die Hoͤlle hinab. Die Hoͤlle iſt in ſieben Stockwerke eingetheilt. In das oberſte kommen die gottloſen Mohamedaner, welche aber nach einigen tauſend Jahren auf die Fuͤr⸗ bitte Mohameds wieder befreit werden ſollen.— Unter jedem Stockwerke werden nach ihrer Meinung 19 Engel Wache halten, und die Verdammten vor ihnen bekennen, daß das Urtheil Gottes uͤber ſie ge⸗ recht ſey. Die Verdammten ſollen von den Flammen der Hoͤlle umgeben werden, mit Hemden von Feuer bedeckt ſeyn, kochendes Waſſer ihre Haͤupter uͤber⸗ ſchwemmen; Feuer ſoll in ihren Eingeweiden brennen und Feuer ihre Haut braten; ſie ſollen mit eiſernen Keulen geſchlagen werden, ſiedendes Waſſer trinken, die Frucht von dem Hoͤllenbaume Zakon eſſen, deſ⸗ ſen Zweige den Teufelskoͤpfen gleichen. Sie ſollen Feuerſchuhe tragen, deren Hitze die Koͤpfe, wie ei⸗ nen Keſſel, zum kochen bringen wird. Die Unglaͤu⸗ bigen ſollen noch durch die Ueberzeugung gequaͤlt wer⸗ den, daß ſie nicht erloͤſt werden koͤnnen. Wenn die Seligen uͤber die ſchmale Bruͤcke Si⸗ rat gekommen ſind, ſo glaubt man, daß ſie noch uͤber 324 die Mauer Aaraf wandern muͤſſen, welche zwiſchen der Hoͤlle und dem Paradieſe iſt. Hernach gelangen ſie zum Teiche Mohameds, welcher viereckig iſt, und eine Monatsreiſe im Umfange hat. Hier ſind ſo viele Schalen, als Sterne am Himmel mit dem klar⸗ ſten und reinſten Waſſer fuͤr die Seligen, nach deſſen Genuſſe ſie nicht mehr duͤrſtet. Das Paradies iſt nach ihrer Meinung uͤber den ſieben Himmeln, und gerade unter dem Throne Got⸗ tes. Beides nennen ſie Eſghena und Elferdus; die Steine in demſelben ſind Edelſteine, die Mauern aus Silber und Gold, die Staͤmme der Baͤume von reinem Golde u. ſ. w. Tuba, der Baum der Gluͤck⸗ ſeligkeit, in dem Palaſte Mohameds, wird die Se⸗ ligen mit Fruͤchten, Kleidern und geſattelten und ge⸗ zierten Thieren verſorgen. Ein Zweig dieſes Bau⸗ mes, welcher ſo groß iſt, daß das leichteſte Pferd in vollem Galoppe mehr als 100 Jahre brauchen wuͤrde, um zu ſeinem Schatten zu kommen, reicht zu dem Hauſe eines jeden Rechtglaͤubigen. Von dem Fuße dieſes Baumes laufen Fluͤſſe mit klarem und kuͤhlem Waſſer, andere von Milch, noch andere von Honig. Der merkwuͤrdigſte unter dieſen iſt die Quelle des Lebens, aus welcher die verdammten Rechtglaͤubi⸗ gen nach ausgeſtandener Strafe ſich reiner und heller, als die Perlen waſchen koͤnnen. Die vollkommenſte Gluͤckſeligkeit veranlaſſen die ſchoͤnen Jungfrauen des Paradieſes, von ihren großen und ſchwarzen Augen, 325 Hur elaium genannt; ſie ſind aus Biſam geſchaf⸗ fen, ohne Unreinlichkeiten und Geſchlechtszufaͤlle, von der groͤßten Ehrbarkeit, und verbergen ſich in aus⸗ gehoͤhlten Perlen von ungeheuerer Groͤße. Um ſich recht gluͤcklich zu achten, wird jeder Seliger mit hun⸗ dertfaͤltiger Staͤrke begabt. Am Thore des Paradie⸗ ſes werden die Seligen von ſehr ſchoͤnen Knaben em⸗ pfangen, und von ihnen bedient. Zwei Engel brin⸗ gen Geſchenke von Gott, einer zieht ihnen die Klei⸗ der des Paradieſes an, der andere ſteckt an jeden Fin⸗ ger einen Ring mit Aufſchriften uͤber die kuͤnftige Gluͤckſeligkeit. Der Grad dieſer wird nach dem Ver⸗ dienſte eines jeden beſtimmt; der geringſte erhaͤlt 80,000 Diener und 72 ſchwarzaͤugige Maͤdchen des Paradieſes; ein großes Zelt aus Perlen, Higeinthen und Smaragden, die niedlichſten Gerichte auf golde⸗ nen Schuͤſſeln, und die koͤſtlichſten, nicht berauſchen⸗ den Weine. Dieſes verurſacht keine Unreinlichkeit, ſondern wird durch den Schweiß ausgeduͤnſtet, wel⸗ cher wie Biſam riecht. Sie werden beſtaͤndig in ei⸗ nem Alter von 30 Jahren bleiben. Wenn Jemand von einer ſeiner paradieſiſchen Frauen ein Kind wuͤnſcht, ſo wird es empfangen, geboren, und innerhalb einer Stunde die Groͤße eines Mannes erlangen. Die Oh⸗ ren der Seligen werden von dem Geſange der Huris und durch Muſik, ja ſelbſt von den Baͤumen ergoͤtzt werden. Sie haben nicht die Meinung, welche den Mohamedanern gewoͤhnlich beigelegt wird, daß die 7 326 Weiber an der Gluͤckſeligkeit des Paradieſes keinen Theil haben ſollen, ſondern ſie halten dafuͤr, daß ſie in dem andern Leben ſowohl belohnt, als beſtraft werden. Sie glauben an die Vorherbeſtimmung; denn ſie ſagen, daß Gott von Ewigkeit, ſowohl das Gute, als das Boͤſe beſchloſſen hat. In dem dritten Kapi⸗ tel des Koran ſteht, daß der Menſch nicht ohne Zu⸗ laſſung Gottes ſterben kann, und zwar, zu einer„or⸗ herbeſtimmten und niedergeſchriebenen Zeit. 1) Waſchen und Reinigen iſt der erſte Haupt⸗ punkt des Gottesdienſtes. Die groͤßte Uebung der Art, welche den ganzen Koͤrper trifft, heißt Erge⸗ fel. Die Unreinigkeiten, welche dieſelben erfordern, ſind: ehelicher Umgang mit den Weibern, Beruͤhrung eines todten Koͤrpers, Beſpritzung von Urin, daher ſie ſich bei dem Waſſerlaſſen niederſetzen, und ſich an einem Steine oder einer Wand abreiben. Das kleine Waſchen, Eludu, betrifft nur einen Theil des Koͤr⸗ pers unter beſtimmten Ceremonien. Auch genuͤgt es zuweilen, das Kleid von Außen zu waſchen. Auf Reiſen, wo es an Waſſer fehlt, koͤnnen ſie ſich mit Sand waſchen, und dieß heißt Etteimon. Die Frauenzimmer haben auch beſtimmte Geſetze in Bezug auf das Waſchen, ſie gehen nicht in die Sghiame, außer wenn ſie alt geworden ſind, und nicht mehi reizen. 327 2) Das Gebet ſoll innerhalb 24 Stunden fuͤnf Mal mit dem, gegen Mekka gewandten, Geſichte verrichtet werden. 3) Den dritten Hauptpunkt des mauriſchen Got⸗ tesdienſtes machen die Faſten, Eſſiam aus, welche vorzuͤglich in dem Monate Ramadhan, von einem Neu⸗ monde bis zu dem andern, zu halten befohlen ſind. 4) Almoſen gelten als ſehr verdienſtvolle gute Handlungen. Es gibt drei Arten derfelben: Eſcha, gemeinlich Aſchor, welches Malek zu einem von vierzig, ſowohl vom Viehe, als von Fruͤchten und der Landernte ſetzt. Die zweite Art Almoſen, Za⸗ kat, beſteht in einem Sah Weitzen, Gerſte oder an⸗ dern eßbaren Waaren. Die dritte Art, Sadakat, beſteht in dem taͤglichen Almoſen an die Bettler. 5) Wallfahrt nach Mekka iſt der fuͤnfte aus⸗ uͤbende Hauptpunkt der Religion. Diejenigen, welche das Vermoͤgen haben, ſind verpflichtet, dieſe Reiſe Einmal in ihrem Leben zu machen. Stirbt ein Be⸗ guͤterter, ohne dieſe Pflicht erfuͤllt zu haben, ſo nimmt der Kadi oͤfters eine Summe Geldes von den Erben, und ſchickt einen andern nach Mekka. Die Beſchneidung wird bei den Mauren nicht als Anordnung der Religion beobachtet, ſondern es ge⸗ ſchieht, theils um Abraham darin nachzufolgen, theils um Unreinigkeiten hinſichtlich des Urins zu vermeiden. Knaben werden im ſiebenten Jahre beſchnitten, nicht aber die Maͤdchen, wie es in Perſien geſchieht. Mit „ 328 Triumph wird der Knabe in die Sghiame gebracht, die Beſchneidung vollzogen, und dann zu einem kleinen Mahle in dem Hauſe des Vaters gezogen. Die Gotteshaͤuſer heißen Sghiama; gewoͤhnlich 1 haben dieſelben einen großen Vorhof mit Springbrun⸗ nen. Inwendig gibt es keine andere Zierrathen, als glaͤſerne Lampen und eine Kanzel; außerdem iſt in denſelben nichts zu ſehen, als die weiße Wand. Kein Jude oder Chriſt darf ſie betreten. Wenn ein Jude bei derſelben vorbet geht, muß er ſeine Pantoffeln ausziehen, und darf ſie nicht eher wieder anthun, als bis er ziemlich weit ſich entfernt hat. Die Sghiamen werden durch verſchiedene Einkuͤnfte unterhalten. Der oberſte ihrer Geiſtlichen iſt der Mofti, wel⸗ cher in Marokko wohnt, von den Talben erwaͤhlt, und von dem Koͤnige beſtaͤtigt wird. Er beſtellt alle Kadis, weil ſie halbe Geiſtliche ſind. Wenn er ein Urtheil abſpricht, ſo kann nicht an den Koͤnig appel⸗ lirt werden. Weltliche Gegeuſtaͤnde verweiſt er an den Kadi des Orts. Im am iſt derjenige oͤffentliche Lehrer, welcher fuͤr die Zuhoͤrer lieſt und ſingt, die ſeine Gebehrden und Grimaſſen waͤhrend des Gebetes nachahmen. Chatib predigt am Freitage auswendig, erzaͤhlt einige Geſchichten von ihren Propheten und Heiligen, und ermuntert zum Haſſe gegen die Ketzer. Urak, eine Art von Vorleſern, welche taͤglich ei⸗ nige beſtimmte Stuͤcke aus dem Koran vorſagen. 1 329 Talb wird auch zu den Geiſtlichen gerechnet; uͤbrigens kann jeder Studirende ſo genannt werden. Er findet ſich bei Sterbefaͤllen, Ehevertraͤgen u. ſ. w. ein, und darf auch Schule halten. Muden iſt derjenige, welcher auf dem Thurme zum Gebete ruft. Fakia iſt einer, welcher Theologie ſtudiert hat. Sie werden fuͤr eine Art von Heiligen angeſehen; man ſieht ſie gewoͤhnlich leſen oder beten, mit Roſen⸗ kraͤnzen(Sabaͤh), welche aus 99 Perlen in einer Reihe und 10 andern, die fuͤr ſich haͤngen, beſtehen. Beim Fortſchieben einer jeden der 99 Perlen wird eine Ei⸗ genſchaft Gottes genannt. Es gibt auch eine Art Fakia, welche, ohne ſtu⸗ dirt zu haben, im Rufe der Heiligkeit ſtehen, oder von dergleichen abſtammen. Noch andere machen ſich durch ſchrecklich ſchwaͤrmeriſche Einfaͤlle und Grimaſ⸗ ſen, durch eine uͤbertriebene und beſondere Lebensart, durch eine ſeltſame Kleidertracht, oder durch eine ſchaͤndliche Nacktheit zu Heiligen. Auch haͤlt man alle Bloͤdſinnige und voͤllig Wahnwitzige fuͤr Heilige. Die Einſiedter(Gonani), deren Zahl ſehr gering iſt, ſcheuen allen Umgang mit Menſchen, leben von Wur⸗ zeln und Kraͤutern, beſchneiden ſich erſt in ihrem 30. Jah⸗ ret, und glauben die vollkommenſten Menſchen zu ſeyn. Die Sekte Beni Aiſa gibt vor, giftige Thiere ohne Nachtheil anfaſſen zu koͤnnen, und vermoͤgend zu ſeyn, dieſe Kunſt andern mitzutheilen. 330 VIII. Wiſſenſchaften. Die Wiſſenſchaften der Mauren koͤnnen unter Sprache, Theologie, Geſetzkunde, Arzneikunſt, Aſtro⸗ nomie, Poeſie und Muſik, Baukunſt, Fabriken und Handwerken befaßt werden. Was die Sprache der Mauren angeht, ſo ſchrei⸗ ben und ſprechen ſie jetzt arabiſch, welches zwar nicht das ſogenannte gelehrte, oder koraniſche iſt. Es unterſcheidet ſich etwas von dem in andern Laͤn⸗ dern gebraͤuchlichen allgemeinen Arabiſchen. Das Er⸗ lernen der Sprache erſchweren die vielen Buchſtaben und Woͤrter, welche einerlei Laut haben, und dann auch der große Reichthum der Sprache. Die Theologie, vornehmlich auf den Koran Mohameds gegruͤndet, iſt eine Art unvollkommener Wiſſenſchaft von den Eigenſchaften Gottes, von der Vorherbeſtimmung, von Strafe und Belohnung in dem andern Leben, von Sendung der Propheten, und von dem Sittlichen und Unſittlichen in dieſem Leben, worfen iſt. Es iſt bekannt genug, daß Mohamed der Haupt⸗ verfaſſer des Koran iſt; aber die Mauren laͤugnen es ganz, und nehmen an, daß der Koran ewig und goͤttlichen Urſprunges ſey. Defſir elkoran(Erklaͤrung uͤber den Koran) wurde von einigen gelehrten Arabern uͤber die dun⸗ kelſten Stellen ſo unverſtaͤndlich abgefaßt, daß man inſofern dieſes nicht den buͤrgerlichen Geſetzen unter 331 wieder eine Tefſir Ettefſir, oder Erklaͤrung uͤber die Erklaͤrung noͤthig hat. Maleks Schrift iſt nicht allein eine Erklaͤrung uͤber den Koran, ſondern enthaͤlt viele Ueberliefe⸗ rungen ihrer Gelehrten uͤber das Mangelnde im Ko⸗ ran. Die Mauren halten dieſe Schrift fuͤr unabaͤn⸗ derliches Geſetz in geiſtlichen und weltlichen Dingen. Sie iſt in 24 Biban(Kapitel) getheilt. Deleil Elchaerat, ein Buch, welches bei den Mauren den vierten Nang behauptet, iſt eigentlich ihr Geſetzbuch. Die Geſetzkunde beruht vorzuͤglich auf dem Koran und auf Maleks Schrift. Alle Klagen ge⸗ hen in der erſten Inſtanz an den Kaid, welcher unter dem Thore der Stadt Gericht haͤlt. Das Thor iſt wie eine viereckige Kammer mit 2 Oeffnungen gebaut, welche auf einer Seite ſind, und auf den andern zwei Seiten iſt eine Einrichtung mit Baͤnken. Nach An⸗ hoͤrung der Parteien wird der Schuldige entweder gleich beſtraft, oder bei Zeugen⸗Anhoͤrung oder naͤhe⸗ rer Erklaͤrung die Sache an den Kadi verwieſen. Strafen uͤber Mannsperſonen vollziehen die Die⸗ ner des Gouverneurs, Strafen an Frauenzimmern, in oder außer dem Serail, die Arifa, eine ſtarke Frau. Strafen fuͤr gewoͤhnliche Vergehungen beſtehen in einer Geldbuße, oder in Stockpruͤgeln auf den Bauch oder auf den Hintern. Grobe Verbrechen werden mit Haͤngen, Kopfabſchneiden u. ſ. w. belegt; 332 überhaupt haͤngen dieſe Strafen von der Willauͤhr des Koͤnigs ab. Diebe ſollen ihre Haͤnde verlieren, ſo⸗ wohl Manns⸗ als Frauensperſonen; wenn ſie auf der That ergriffen werden, ſo wird ihnen kein Prozeß ge⸗ macht, und es bedarf keiner Zeugen. Ehebruch wird hart beſtraft, indem nach dem Koran ein Mann oder eine Frau zu Tode geſteinigt, oder die Frau in dem Hauſe des Mannes gefangen gehalten wird, bis er ſtirbt. Weil aber dieſes Vergehen durch 4 Zeugen dargethan werden ſoll, ſo haͤlt es ſchwer, obige Strafe zu bewir⸗ ken, beſonders da der Anklaͤger wegen mangelnden Be⸗ weiſes mit 8o Peitſchenſchlaͤgen geſtraft, und hernach niemals als Zeuge mehr angenommen werden ſoll. Doch wird es auch dem Manne zugelaſſen, wenn er ſeine Frau ohne Zeugen anklagt, daß er a4mal ſchwoͤrt, er ſage die Wahrheit, und das fuͤnfte Mal, der Fluch Gottes moͤge ihn treffen, im Falle er luͤge. Schwoͤrt die Frau dieſelben Eide, daß ihr Mann luͤge, ſo iſt ſie von der Strafe frei. Unverheirathete Per⸗ ſonen, welche der Unzucht uͤberfuͤhrt werden, ſollen 4100 Peitſchenſchlaͤge erhalten, Sklaven und Sklavin⸗ nen nur die Haͤlfte. Vorſetzlicher Mord wird nach dem Koran in dem andern Leben auf das haͤrteſte geſtraft, doch erlaubt Mohamed, mit den Freunden des Entleibten einen Vergleich einzugehen, im Falle ſie ſich dazu bewegen laſſen. Iſt dieſer Fall nicht, ſo ſoll der Moͤrder aus⸗ 333 geliefert, und auf dieſelbe Art, wie der Entleibte, oͤffentlich getoͤdtet werden. Unvorſetzlicher Todſchlag ſoll durch Zeugen oder Eid bewieſen werden, und wird mit 100 Dukaten be⸗ zahlt. Um einen ſolchen Mord geſetzmaͤßig zu erwei⸗ ſen, werden ſehr viele Zeugen gefordert, der Koͤnig aber laͤßt auch nur zwei gelten. Wird Jemand ermordet, ohne daß der Thaͤter ausgemittelt wird; ſo⸗ muß die ganze Propinz eine große Summe Geldes bezahlen, welche der Koͤnig beſtimmt. Vertraͤge ſollen in Gegenwart von zwei Maͤnnern, oder in Ermanglung derſelben vor einem Manne und zwei Frauen gemacht werden. Dieſe Zeugen ſollen Adul ſeyn; im Falle ſie nicht bezahlen koͤnnen, ſoll Buͤrgſchaft geleiſtet werden, und der Buͤrge bezahlen. Wer in einem Hauſe 1s Jahre zur Miethe ge⸗ wohnt hat, maßt ſich dieſes als Eigenthum an, und behaͤlt es unter der Begruͤndung auf das Geſetz ohne Bezahlung, u. ſ. w. Die Arzneikunſt iſt bei den Mauren ſchwach; voon der Zergliederungskunſt verſtehen ſie gar nichts. Ihre Kenntniſſe in der Arznei erwerben ſie ſich durch das Leben einiger mediziniſcher Schriften, als des Hippokrates und Ggleniz letztere nennen ſie Abbu elfedel elaſghiel ani. Sie kennen die Kraft einiger Kraͤuter des Landes, und einige ſoge⸗ nannte Hausmittel. 334 Die ſchlimmſte Krankheit iſt der Ausſatz, Sghidam, welcher am meiſten in Marokko herrſcht. Die Ausſaͤtzigen wohnen in elenden Huͤtten außerhalb der Stadt, und ernaͤhren ſich vom Betteln. Dieſe elenden Menſchen erzeugen Kinder. Veneriſche Krankheiten ſind allgemein; den Kinderblattern ent⸗ gehen wenige. Vor den Fiebern fuͤrchten ſie ſich ſehr, und gebrauchen dagegen geduͤrrtes Fleiſch vom Bua oder Kameleon. Viele in den Staͤdten leiden an Augenkrankheiten. Feuerkuren gebrauchen ſie oft, in⸗ dem ſie die Haut auf der ſchmerzhaften Stelle mit einem gluͤhenden Eiſen brennen. Auf die Weltgeſchichte verwenden die Mauren nur wenig Fleiß. Wenige von ihnen bekuͤmmern ſich um Geſchichte und Aſtronomie; ſie haben aber allzu⸗ wenige Huͤlfsmittel in ihrer eigenen Sprache; andere verſtehen ſie nicht⸗ 1 Dieijenigen, welche unter den Mauren glaͤnzen wollen, verlegen ſich auf Aſtronomie. Die Mau⸗ ren rechnen nach dem Monde 12 Monate abwechſelnd von 29— 30 Tagen. Die Planeten nennen ſie Kua⸗ keb, naͤmlich: Schims, die Sonne, Gom ra, den Mond, Merich, Mars, Zachara, Venus, Atard, Merkur, Miſchteri, Jupiter, und Zahel, Saturn, Sie rechnen ihre Jahre, wie die Araber, von der Hesghira oder der Flucht Mohameds, vom 18. Juli 622. Deſſenungeachtet brauchen ſie auch die Ju⸗ lianiſchen Monate und Sonnenjahre bei dem Landwe⸗ ſen, und beſonders bei der Zeit der Gebete. Obgleich die Mauren große Liebhaber der Dicht⸗ kunſt ſind, ſo gibt es doch jetzt faſt keinen unter ih⸗ nen, welcher ſelbſt etwas dichten kann. Sie begnuͤgen ſich mit dem, was andere gemacht haben. Sie ha⸗ ben ganze Sammlungen von Gedichten, welche alle zum Singen eingerichtet ſind. Sie haben keine ge⸗ ſchriebene Muſik, aber doch einige Kennzeichen, um eine Melodie von der andern zu unterſcheiden. Alle dieſe werden durch die Ueberlieferung nach dem Ge⸗ hoͤre gelernt. Einige dieſer Melodien baben ſie von Spanien mitgebracht, andere von den Tuͤrken bekommen. Die muſikaliſchen Inſtrumente der Mauren ſcheinen keine genaue Beſchreibung zu ver⸗ dienen, da ſie uͤberhaupt ſchlecht und zum Theile be⸗ kannt ſind. Sie ſind folgende: Elaͤut, einer ſpa⸗ niſchen Guitarra aͤhnlich; Erbeb, ihre Violin mit einem Schallboden von einem duͤnnen Felle, und von einem Kaſten aus einem Stuͤcke Holz, welches aus⸗ gehoͤlt iſt; ſie hat nur zwei Seiten, welche mit einem ſchlechten Bogen geſtrichen werden; Schabeba, eine kleine Floͤte; Rgeita, eine Art Schallmey; Dhif, eine Art Handtrommel, ſo groß als ein klei⸗ nes Sieb, mit zwei Saiten inwendig uͤber dem Bo⸗ den von einem duͤnnen Felle; Tirr, eine Handtrom⸗ mel mit Meſſingblechen; Tabel, eine gewoͤhnliche 336 Trommel, aber von ungewoͤhnlicher Groͤße; Agual, eine Handtrommel von Thon, uͤber deren dicke Ende ein duͤnnes Fell geht, an deren ſchmalſtem aber gar nichts iſt; Tabilat, zwei kleine thoͤnerne Trom⸗ meln; Bendir, eine kleine viereckige Trommel; Karakeb, zwei oder drei Meſſingplatten von der Groͤße eines Speziesthalers, mit einer Erhoͤhung in der Mitte, in welcher Baͤnder ſind, welche uͤber die Finger gehaͤngt werden, wenn ſie tanzen, wie die Spaniſchen Caſtanettas; Cudenin genaua, eine Art Caſtagnetten von Eiſen, deren nur die Neger ſich bedienen; Getara genaua, gleichfalls von den Ne⸗ gern gebraucht, wird nur mit den Fingern beruͤhrt. Die Araber und Breber hrauchen Schebeba, Dhuf, Bendir und Agual; die Juden Erbeb, Tirr und Tabilat; die Mauren bedienen ſich ſowohl der uͤbrigen Inſtrumente, als einige der ge⸗ nannten mit andern gemeinſchaftlich. Uebrigens iſt ihre Muſik eintoͤnig, und alle In⸗ ſtrumente gehen oktavweiſe zuſammen; ausgenommen, wenn viele Rgeita auf Einmal geblaſen werden, da die zwei bisweilen, entweder eine lange Zeit auf den Hauptton, oder eine Derz hoͤher aushalten, unterdeſ⸗ ſen die dritte einen Lauf macht, durch welchen in ei⸗ niger Art ein Fall nachgeahmt wird. Viele ſehr alte Sghiamen und Fondaks Göffentliche Herbergen) zeugen, daß die Mauren ehe⸗ mals nicht unwiſſend insder Baukunſt waren; in der 337 neuern Zeit zeigten ſie aber nicht viel Kenntniß in derſelben, da die meiſten Ruinen, welche man ſieht, von neuen Gebaͤuden ſind. Die Hauſer ſind ſchlecht gebaut mit Teraſſen. Wenn die vier Manern aufge⸗ fuͤhrt ſind, werden Balken von Argan⸗Holz gelegt, welche krumm und kurz ſind; deßwegen werden auch die Zimmer lang und ſchmal; queer uͤber die Balken werden kleine, beinahe zwei Zoll dicke Stoͤcke gelegt, uͤber dieſe eine Lage Kal lk, hernach bloße Erde eine Viertel Elle hoch, hieruͤber wieder Kalk und Sand eine Elle hoch. Alles dieſes wird mit flachen hoͤlzer⸗ nen Keulen dicht und eben geſtampft, doch ſo, daß es etwas abhaͤngig von der Seite wird, wo ein Waſſer⸗ behaͤlter im Hauſe eingerichtet iſt Die Terraſſen uͤberſtreichen ſie mit dickem Kalk, die Ritze beſſern ſie vor der Regenzeit fleißig mit Kalk und Oel aus. Ge⸗ gen die Straßen und den Hofraum iſt eine Mauer, welche zwei Ellen hoch iſt, um zu verhuͤten, daß Nie⸗ mand herab fallen kann. Ein Haus beſt ht gewoͤhnlich aus vier Fluͤgeln, welche einen kleinen Hofraum einſchließen, welcher ſo eben iſt, wie der Boden eines Zimmers und ent⸗ weder mit Kalk, oder viereckigen, giaſirten, bunt⸗ farbigen Steinen belegt iſt. Oben an den vier Waͤn⸗ den des Hauſes gegen den Hof findet ſich eine vorſtehende Kante von gruͤuen Dachziegeln. Die Thore, Thuͤren und ihre Rahmen ſind gewoͤhn⸗ lich von Tannenholz aus Europa; die Fußboͤden ſind 51. B. Afrika. I. 3. 6 338 gemauert, oder gekalkt, oder mit Steinen belegt. Man findet faſt nie ein Fenſter gegen die Straße; al⸗ lein gegen den Hof hat ein Haus oft dreierlei Arten: Taka, Niaha und Schmaſa, welche alle ohne Glas und ſehr klein ſind, indem das Licht durch die Thuͤre kommt, welche die Groͤße eines Thores hat. Da die Haushaltung der Mauren weniger einge⸗ richtet iſt, als jene der Europaͤer, da ſie eine außer⸗ ordentliche Zufuhr, ſowohl von nothwendigen, als uͤberfluͤſſigen Gegenſtaͤnden haben, ſo wenden ſie kei⸗ nen Fleiß auf Fabriken. Eine Haik kann faſt jeder ſelbſt weben; die Frauen ſpinnen das Garn auf Spin⸗ deln. In Fez ſind Muͤtzenfabriken, welche das ganze Land verſehen koͤnnen. Daſelbſt werden auch ſeidene Tuͤcher, eine Art Taffent und ſchlechter Tamaſt, Kopf⸗ ſchmuck fuͤr Frauenzimmer, Schaͤrpen um den Leib ꝛc. verfertiget. Einige wenige bereiten ſchlechtes Stuͤck⸗ pulver. Hin und wieder wird Leiuwand im Lande bereitet; in manchen Provinzen, beſonders in der Pro⸗ vinz Dukala, ſogenannte tuͤrkiſche Teppiche ge⸗ macht, welche nach dem Gewichte verkauft werden. Unter den Handwerkern ſind Schuſter, Schmiede⸗ Riemer und Sattler die vornehmſten. An Zimmer⸗ leuten, Tiſchlern und Maurern iſt kein Ueberfluß. Die beſten rothen Maroquins⸗ und Saffianfelle wer⸗ den in Fez, die beſten gelben in Maroko bereitet⸗ Alle Goldſchmiede ſind Juden. Es iſt recht zu beklagen, daß ein ſo ſchoͤnes Land, 339 als Marokko, von ſolchen Bewohnern beſeſſen wird, welche es weder ſelbſt verſtehen, alle Herrlichkeiten deſſelben zu benuͤtzen, noch andern erlauben, auf ge⸗ hoͤrige Art Antheil zu nehmen. Das Klima iſt uͤber⸗ aus geſund, die Luft ſehr rein, die Waͤrme groß, das Feld ſehr herrlich und fruchtbar; es wartet vergebens auf arbeitſame Haͤnde, um mannichfaltige Fruͤchte her⸗ vorzubringen. Die luſtigſten Gegenden von Bergen, Thaͤlern, Ebenen, Waͤldern, Gebuͤſchen und Fluͤſſen wechſeln mit einander ab. Es gibt die wohlſchmek⸗ kendſten Fruͤchte: als Datteln, Weintrauben, Feigen, Apfelſinen, Granataͤpfel, Mandeln u. ſ. w.; geſun⸗ des und gutes Waſſer, wohlſchmeckendes Fleiſch, nied⸗ liche und viele Fiſche. In dem Thierreiche ſindet man Kameele, Dro⸗ medaren, Loͤwen, Tiger, Woͤlfe, Pferde, Maulthiere, Eſel, Rindvieh, Schafe, Ziegen, Hunde, wilde Kaz⸗ zen, Fuͤchſe, Affen, Gazellen, Haſen, wilde Schwei⸗ ne, Stachelſchweine, Landſchildkroͤten; Strauße, Fla⸗ mingos, Stoͤrche, Gaͤnſe, Huͤhner, Wachteln, Brach⸗ voͤgel, Becaſſinen, Staare, Tauben, Zerkrak, eine Art zwiſchen Papagei und Elſter; Tiur elbegri, ſo groß, wie ein Huhn von ſchneeweißen Federn, und beinahe ſchwarz von Haut und Fleiſch; Hedhed, le Hupe der Franzoſen; Raben, Schwalben, Nach tigal⸗ len, Lerchen, Sperlinge, Feigenſchnepfen, Curilt (Krabbenfreſſer), Habichte. 3 Unter den Fiſchen gibt es: Regel, Emſorg, auf 340 Spaniſch Breca; Daknas, Veſugo auf Spaniſch; Targenſa, Borri, Elheat Muſa, Mdſis⸗Fiſch; Le⸗ ſan⸗Zungen; Lefah, Meeraal und andere wohlſchmek⸗ kende Fiſche. Hummern, Auſtern, Seeſchnecken, Ur⸗ ſini oder Echini finden ſich zwiſchen Asfi und Suira. Das Kameleon, Heuſchrecken, Schlangen, Skor⸗ pionen, Laͤuſe, Floͤhe, Muͤcken u. ſ. w. finden ſich gleichfalls. Eidechſen ſieht man von verſchiedener Art; Bienen verſchaffen den beſten Honig und ſehr viel Wachs; Schmetterlinge koͤnnen leicht gefangen, aber nicht ſo leicht aufbewahrt werden. Von Trauben rechnet man 7 Arten, von Feigen 4; Oliven wachſen in Menge. Ferner findet man: Argan, eine Art Oliven, aus welchen Oel gepreßt wird, Mandeln, Citronen, Aepfel, Maulbeeren, Kir⸗ ſchen, Palmbaͤume, Eichen, Cedern, Gummibaͤume, Wallnuͤſſe, Granataͤpfel, Zuckerrohr, Heuna, Truͤf⸗ feln, eßbare Wurzeln, Bohnen, Weitzen, Gerſte, Ha⸗ fer, Mais, Wermuth, Rauke.— In den Marokkaniſchen Laͤndern gibt es Gold⸗, Silber⸗, Kupfer⸗, Zinn⸗, Blei⸗ und Eiſenminen. Auch findet man ſchoͤne Bergkryſtalle und verſchiedene Verſteinerungen. 341 Schreiben des Däniſchen Geſandten G. F. E. Schönborn aus Algier vom 22. Januar 1776 über die letzte Spaniſche Expedition. [—q—— Scöon im Anfange des vorigen Mai's gingen hier allerlei Geruͤchte herum, daß die Spaniſche Nuͤſtung gegen Algier ziele; inzwiſchen wollten weder die Re⸗ gierung, noch andere, ihnen Glauben beimeſſen. Al⸗ lein die Nachrichten aus Marſeille, Spanien ſelbſt, Italien, Marokko und andern Orten, die im Ver⸗ laufe dieſes Monats ſich immer haͤuften, und immer daſſelbe ſagten, machten doch den Dey aufmerkſam, daß er einige Anſtalten vorkehrte, obgleich er einer von denen war, die am wenigſten, ja faſt bis auf die letzte Stunde nicht denken konnten, daß Spanien jetzt, da es im Kriege mit Marokko begriffen war, et⸗ was wider Algier vornehmen wuͤrde. Die Anſtalten zur Vertheidigung machte er mehr auf allen Fall und dringendes Anrathen einiger ſeines Divans, ia ſelbſt einiger hieſigen Europaͤer, als aus wahrer Ueberzeu⸗ gung. Vielen von dieſen Nachrichten zufolge ging die Abſicht Spaniens auf Arſev, einen Hafen an 342 der weſtlichen Graͤnze des Algieriſchen Gebiets; an⸗ dere aber behaupteten, daß es auf die Hauptſtadt ge⸗ muͤnzt ſey. Ein Mahonneſer ſchickte ſein Schiff einzig und allein her, um den Dey hievon zu benachrichti⸗ gen, und erbot ſich aus Freundſchaft fuͤr die Regie⸗ rung, oder vielmehr aus Liebe zum Gewinn, daſſelbe auf Kundſchaft auszuſenden. Der Dey ſchickte es nach Gibraltar in dieſer Abſicht. Gleichfalls ließ er alle Kaſtelle beſichtigen, und in wehrhaften Stand ſetzen, und befahl den Beys, in den Provinzen ihre Heere zu ſammeln, und ſich Algier zu naͤhern. In der Mitte des Junius kam obbeſagtes Schiff von Gibraltar zu⸗ ruck, und ſeine Nachrichten lauteten, wie alle vorie gen. Um eben dieſelbe Zeit langten die Beys von Titterie und Konſtantine in hieſiger Nachbarſchaft mit iyren Heeren an. Jener machte etwan eine Tagereiſe, und dieſer ungefaͤhr ſechs Stunden von Algier Halt. Der Bey von Maskara, hieß es, wuͤrde in ſeiner Provinz bleiben, gegen Arſev zu ſeine Mannſchaft zu- ſammenziehen, und blos einen Kalifen mit einem Corps Reiterei nach Algier ſchicken. Um eben dieſe Zeit ſandte auch der Kaiſer von Marokko einen Cou⸗ rier mit einem Briefe an den Dey, des Inhalts, er wiſſe gewiß, daß die Spanier gegen Arſev ſowohl als Algier ſich ruͤſteten, und wolle ihm alſo freundſchaft⸗ lich rathen, ſich in gute Verfaſſung zu ſetzen. Der Dey zerriß den Brief in Gegenwart des Boten, und antwortete: Geh hin, ſag deinem Herrn, wie viel ich 343 mir aus ſeiner verſtellten Freundſchaft mache! Er ſchickte gleichwohl in die Gebirge, um die Einwohner, welche mit den Algierern Friede gemacht, zur Vertheidigung des Glaubens und Vaterlandes auf⸗ zubieten. Ueberhaupt hatte man von Seiten der Re⸗ gierung nichts mangelu laſſen, die Spanier bei den Landeseinwohnern recht verhaßt zu machen, die ohne⸗ dem unter allen Europaͤern am wenigſten bei ihnen beliebt ſind, theils wegen der vorigen Kriege beider Nationen, theils wegen des nicht verloſchenen Anden⸗ keus einiger vielleicht veruͤbten Grauſamkeiten, da man die Mauren aus Spanien vertrieb. Religion und Freiheit, hieß es, ſtuͤnden jetzt auf dem Spiel. Die Spanier wuͤrden ihre Weiber und Kinder wegfuͤhren, und die Maͤnner niederſaͤbelu. Die tuͤrkiſche Regie⸗ rung, welche, wegen ihres aͤußerſten Deſpotismus eigentlich alle Landeseinwohner wider ſich hat, hatte dieſen Kunſtgriff noͤthig, den Haß derſelben, durch Fanatismus, Aberglauben und Vorurtheil, zu be⸗ zwingen, und die unterdruͤckten Horden, die insgeheim nichts mehr wuͤnſchten, als daß irgend ein Befreier, und ſollten es auch Chriſten ſelbſt ſeyn, den Felſen des tuͤrkiſchen Despotismus von ihnen abwaͤlze, zogen zur Vertheidigung ihrer Unterdruͤcker zu Felde. Am 26. Junius lief ein franzoͤſiſches Schiff von Alikante, welches man vor einiger Zeit auf Kundſchaft ausge⸗ ſandt hatte, mit der Nachricht ein, daß die ganze ſpaniſche Flotte in wenig Tagen hier ſeyn wuͤrde. 344 Die hieſigen Konſuln ſchickten gleich ihre Frauen und Kinder nach Marſeille, und wir andern gingen darauf ein jeder aufs Land. Ein großer Dbeil der Landhaͤuſer iſt mit ziemlich hohen Mauern umgeben, die den erſten Anlauf umher⸗ ſtreifender Horden, wenn ſie nicht gar zu ſtark ſind, abhalten. Das Landhaus, worin ich und einige von uns uns verſammelt hatten, liegt an der oͤſtlichen Seite der Stadt, etwan eine Stunde von der⸗ ſelben, und ungefaͤhr eine halbe Viertelmeile von der Rhede, welche wir nebſt der Stadt faßt ganz uͤber⸗ ſehen konnten. Wir waren mit Feuer⸗ und Sei⸗ tengewehr zum hoͤchſten Nothfall verſehen; denn zu ſolchen Zeiten ſind Europaͤer hier immer in Gefahr, und es iſt oft mehr Zufall, wenn man unbeſchaͤdigt aus dem Sturm des Chaos herauskommt, als ſonſt gute Verfuͤgung. Unſer Gluͤck war zum Theil mit, daß der Dey, nach der Art, wie mans hier ſeyn kann, ein ganz vernuͤnftiger Mann iſt. Er hat ſelbſt einigen freien Spamtern am hieſtgen Hoſpital, einer Stif⸗ tung eines ſpaniſchen Geiſtlichen zur Verpflegung kranker Skiaven, ſo viel Schutz angedeihen laſſen, als ein Mann thun kann, der eine Menge Raubthiere am Zuͤgel hat, und ſo lange dieſen es nicht einfaͤllt, ihn zu zerreiſſen. Die hieſige Regierungsform iſt ein Ungeheuer, das immer auf den Eyern der Meuterei ſitzt, und ehe man ſichs verſieht, eins ausgebruͤtet hat; vollends bei ſolchen Umſtaͤnden haͤngt das Leben eines Dey am Faden einer Spinne. Inzwiſchen zeigte er doch in ſeinen Verfuͤgungen viel kalte Beſonnenheit. Am 30. Junius kamen etwa 130 große und kleine Schiffe auf der Rhede an, und legten in der Gegend von Kap Mattifus vor Anker. Am 1. Juli kam die zweite Diviſion von ungefaͤhr 300 großen und klei⸗ nen Schiffen, und legte ſich zu den Vorigen. Gleich bei Erblickung der erſten Diviſton der ſpaniſchen Flotte brachte man alle Chriſtenſklaven, welche der NResgierung angehoͤren, ungefaͤhr zwei Tagereiſen aus der Stadt weiter ins Land hinein, und in eine un⸗ terirdiſche Hoͤle in Verwahrung. Das Ufer der Rhede, welches von der Stadt an in der Runde bis ans Kap Mattifus ungefaͤhr fuͤnf franzoͤſiſche Meilen betraͤgt, bezog ſich mit Truppen von allerlei Gattung. Die Heere der Beys, und die Tuͤrken aus der Stadt la⸗ gerten ſich um daſſelbe in ſechs Lagern. An der weſt⸗ lichen Seite der Stadt ſtand bloß ein einziges, wel⸗ ches der Schreiber der Pferde, einer der hieſigen Staatsbedienten, kommandirte, und worinn meiſtens Tuͤrken und Tuͤrkenſoͤhne befindlich waren, die man hier zu Lande Koloris nennt. An der oͤſtlichen Seite aber hatte ſich der groͤßte Theil der Truppen in fuͤnf Lagern verſammelt. Ueber das erſte war der Kalife von Maskara, oder der weſtlichen Provinz, geſetzt, und es beſtand gaͤnzlich aus Mauritaniſcher Reuterei. Das zweite, unter dem Befehl des Oberſchatzmeiſters oder Karsnagi, des naͤchſten Staatsbedienten nach dem 346 Dey, enthielt Tuͤrken und Koloris. Der Aga der erſte Ge⸗ neral aller Algieriſchen Truppen zu Roß und Fuß, war an der Spitze des dritten, worin ſich, wie in des Karsnagi, nur Tuͤrken und Abk oͤmmlinge von Tuͤrken befanden. Im vierten hatte der Bey der oͤſtlichen Provinz, oder von Kon⸗ ſtantine, das Kommando. Sein Lager war das groͤßte, wie die Zahl ſeiner Truppen die anſehnlichſte war. Dieſe, mei⸗ ſtens Reuterei, beſtanden zum Theil aus Voͤlkern einer Propin, die der Regierung von Algier ganz und gar unter⸗ wuͤrfig ſind, theils aus ſolchen, die ihr nur einigen Tribut zahlen, uͤbrigens ihre eigene Gerichtbarkeit haben, oder auch aus andern, die gaͤnzlich unabhaͤngig ſind, und nur in einer Art von Freundſchaft mit ihr ſtehen. Unter den letzten waren ſonderlich einige Bergeinwoh⸗ ner, und vorzuͤglich die von dem Gebirge Fliſſa, oder Fe⸗ lice, wie es die Europaͤer hier ausſprechen. Aus jedem Dorfe oder Flecken, koͤmmt eine Anzahl zu Pferd, oder zu Fuß, unter Anfuͤhrung ihres Scheks, oder auch ih⸗ rer Heiligen und Prieſter, welche ſie Marabutten nennen. Unter andern kamen auch zwei Frauen aus den Gebirgen, jede mit einer Anzahl Mannſchaft. Es iſt naͤmlich hier ſo, wie in der Levante, uͤblich, daß muhamedaniſche Weiber, die Vermoͤgen haben, und ſich im Eifer fuͤr Vaterland und Religion hervor⸗ thun wollen, zu Kriegszeiten eine Anzahl Truppen, nach Maßgabe ihres Vermoͤgens, gleichſam in Sold nehmen, mit ihnen, unter Anfuͤhrung ihrer Scheke, zu Felde ziehn, und ſie da, ſo lange ſie koͤnnen, auf 347 ihre Koſten unterhalten. Die Vergeltung, welche ſie hier dafuͤr haben, iſt, das man ihre Namen ins Re⸗ giſter der Regierung einſchreibt, in den Gegenden ih⸗ res Geburtsortes Lobgedichte auf ſie macht, und an⸗ dere Ehren ihnen erweiſet. Das fuͤnfte und letzte Lager, zunaͤchſt am Kap Mattifus, gehoͤrte dem Bei von Titterie, oder der ſuͤdlichen Provinz, und beſtand gleichfalls meiſtens aus mauritaniſcher und arabiſcher Reuterei. Das ganze Heer, Tuͤrken und Mauritanier zuſammen, wurde anfaͤnglich fuͤr 450,000 Mann aus⸗ gegeben; hernach ſchaͤtzte man es auf 100,000, und nach Angabe einiger ſollen nicht einmal ſo viel gewe⸗ ſen ſeyn. Ich muß geſtehen, mir ſind ſie nach dem bloßen Augenurtheil, ungeachtet ein Chaos von Men⸗ ſchen, das den Blick umwimmelt, immer groͤßer ſcheint, als ein geordnetes Heer, kaum 100,000 ſtark vorge⸗ kommen. Uebrigens laͤßt ſich ihre Anzahl wohl nicht beſtimmen, da gewiß jeder Bey ſelbſt nicht gewußt hat, wie viel Mannſchaft zu ſeinem Lager, oder viel⸗ mehr ſeiner Sammlung von Horden, gehöre, wovon er keine Liſte hat, und keine braucht. Alle dieſen Truppen, die Tuͤrken ausgenommen, die in beſtaͤndigem Solde ſtehen, und einige Koloris, die blos zu Kriegszeiten beſoldet werden, muͤſſen ſich ſelbſt unterhalten; die wenigſten koͤnnen auf laͤnger als vierzehn Tage, hoͤchſtens vier Wochen Proviant mitnehmen, und daher eben keinen langen Feldzug aus⸗ halten, und koͤnnte man ſie ſelbſt ſchon durch Zau⸗ 348 dern auseinander treiben. Auch wurden ihnen die acht oder neun Tage, die die ſpaniſche Flotte, ohne was vorzunehmen, auf der Rhede lag, ſchon zu lang, und wenige Tage nach dem Abzug der Spanier ging alles aus einander, ſo daß, wenn ſie nach einigen Wo⸗ chen zuruͤckgekommen waͤren, ſie das ganze Ufer leer gefunden haben wuͤrden. Die Art zu kriegen aller dieſer Voͤlker hat ſo wenig Kuͤnſtliches, ſo wenig Ord⸗ nung, daß die leichteſten und ſchlechteſten Truppen in Europa noch ſehr regelmaͤßig im Vergleich mit die⸗ ſen Horden ſeyn wuͤrden. Die Armee der Maurita⸗ nier und Araber beſteht meiſtens aus Reuterei, einige wenige von den Bergeinwohnern, oder Kebeylen aus⸗ genommen, welche auch zu Fuß ins Feld gehen. Ihre Bewegungen zu Pferde ſind ſchnell und lebhaft, ihre Art zu kriegen iſt wie die der alten Numidier. Sie haben eine Flinte, und ein mittelmaͤßiges Seitenge⸗ wehr, gehen in kleinen Truppen, nach der Groͤße, wie es das Ungefaͤhr will, ohne Ordnung und Schluß, auf den Feind los, ſchießen ihre Flinte ab, eilen zu⸗ ruͤck, laden, ſprengen wieder her, ſchießen, und fliehen zuruͤck, ſo daß ihre ganze Kriegsart aus einem wieder⸗ holten Angriff und Zuruͤckzug beſteht. Wenn die Tuͤr⸗ ken hier gegen aufruͤhreriſche Partheien ins Feld ruͤk⸗ ken, ſtellen ſie die Mauritanier und Araber, die auf ihrer Seite ſind, voran— denn der tuͤrkiſche Despo⸗ tismus erhaͤlt ſich hier hauptſaͤchlich durch den Zwiſt, den die Regierung unter den kleinen Voͤlkerſchaften, 349 oder Horden, die ohnedem ſchon, eben dadurch weil ſie kleine, in ſich ſelbſt begraͤnzte Voͤlkerſchaften ſind, den Samen des Zwieſpalts in ſich haben, anzu⸗ fachen weiß— und laßfen ſie ſo lang mit dem Feinde herumtummeln, bis jener entweder meiſt uͤberwunden, oder dieſe muͤde ſind; alsdann erſt ſtuͤrzen ſie mit dem Saͤbel in der Fauſt hinein, wo denn faſt beſtaͤndig der Sieg auf ihrer Seite iſt. De Tuͤrken gehen immer zu Fuß ins Feld. Ihre Anzahl belaͤuft ſich jetzt nicht uͤber 4v00o Mann, und das ganze Heer, welches von der Regierung in be⸗ ſtaͤndigem Sold erhalten wird, betraͤgt ungefaͤhr 6000, worunter etwa 2000 Koloris begriffen ſind. Dieſe Koloris ſind die Soͤhne aus Nachkommen der Tuͤrken, die ſie mit den Weibern des Landes gezeugt haben. Sie koͤnnen, ſo wie die Landeseinwohner, zu keiner anſehnlichen Bedienung gelangen. Dieſen Vorzug aber haben ſie vor ihnen, daß ſie zu Soldaten einge⸗ ſchrieben ſind, beſtaͤndigen Sold erhalten, auch ſonſt einige Unterbedtenungen bekommen koͤnnen. Zu Kriegszeiten, naͤmlich mit europaͤiſchen Maͤchten, gibt der Dey den uͤbrigen Koloris, die nicht eingeſchrieben ſind, auch Gewehr und Soldatenbezahlung. In die⸗ ſem ſpaniſchen Kriege wurde dieſer Haufen Fußvolks, Tuͤrken und Koloris zuſammen, etwan auf 16 bis 16,000 Mann geſchaͤtzt. Dieſe Miliz weiß eben ſo wenig von Kriegskunſt, als die mauritaniſche Reuterei. Der hieſige Tuͤrk hat eine Flinte, ein paar Piſtolen im 350. Guͤrtel, und ein ſcharfes Seidengewehr. Wenn ſie angreifen, ſtuͤrzen ſie ſich, wie jene, ohne Ordnung und Schluß in den Feind. Es iſt wahr, ihr Saͤbel kann gefaͤhrlich werden, wenn ſie Gelegenheit haben einzudringen. Allein gegen wohlgeſchloſſene Glieder und unſer Bajonett ſind alle ihre Unternehmungen nur Kinderſpiel. Auch fuͤhren ſie ſelten Feldſtuͤcke mit ſich, wiſſen ſie auch nicht zu gebrauchen. Wie wenig man hier verſteht, was Kriegsordnung und Schluß iſt, ſteht man aus ihrem Erzaunen uͤber die geſchloſſenen Glieder der Spanier. Man hoͤrte durch⸗ gaͤngig von ihnen ſagen; Bei Gott! Dieſe Menſcheu ſind verruͤckt im Kopfe! ſie haben ſich alle an einander gehaͤugt mit Hacken. Die ganze hieſige Rhede iſt ungefaͤhr mit ſechs Kaſtellen, die Kaſtelle des Hafens nicht mit gerech⸗ net, nebſt verſchiedenen Batterien und Schan⸗ zen umgeben. Die Hafenkaſtelle waren etwa mit 5000 Mann, theils Tuͤrken und Koloris, theils auch Mauren aus der Stadt, beſetzt. Im erſten Anfang erregte der Anblick ſo vieler Schiffe ein großes Schrek⸗ ken; allein die acht Tage uͤber, da die Flotte auf der Rhede ſtille lag, fing man an, ſich daran zu gewoͤh⸗ nen. Am ſechſten Tage nach ihrer Ankunft ſonderten ſich ein paar Kriegsſchiffe und Fregatten von den uͤb⸗ rigen ab, legten ſich vor einigen Batterien in der Bucht der Rhede, und beſchoſſen ſie. Die Kanonade von beiden Seiten dauerte etwa von fuͤnf Uhr Nach⸗ 351 8 mittags, bis neun Uhr Abends, ohne daß man ſich von der einen, oder der andern Seite merklichen Scha⸗ den zufuͤgte. Endlich aber Morgens fruͤh den achten Julius um halb vier Uhr ward ein Zeichen von dem Admiralsſchiffe mit einem Kanonenſchuſſe gegeben, welchem bald eine allgemeine Kanonade folgte. Es hatten ſich naͤmlich in dieſer Nacht einige Schiffe von der Linie und Fregatten dem Ufer genaͤhert; dieſe feuerten unaufhoͤrlich gegen das Land zu, um die Lau⸗ dung, welche in einer halben Stunde darauf erfolgte, zu unterſtuͤtzen. Ein langer Zug Schaluppen, die einem Radeau mit Mannſchaft, beſetzt folgten, wel⸗ cher vor ſich und auf jeder Seite eine halbe Galeere zur Bedeckung hatte, ging landwaͤrts, und ſetzte ſeine Mannſchaft, zwiſchen den beiden Batterien, auf die man Donnerſtags zuvor gefeuert hatte, gleichſam mit⸗ ten ins Zentrum von allen feindlichen Lagern, ans Land. Man ſtieg ſchnell und in guter Ordnung aus, formte ſich ſogleich in Kolonnen, und uͤberhaupt mach⸗ ten die Spanier das Probeſtuͤck ihrer bisherigen Schul⸗ ubungen im preußtſchen Exereitio ganz gut. Ich bil⸗ dete mir mehr ein, man wuͤrde von ſpaniſcher Seite verſchiedene verſtellte Augriffe und Landungsverſuche thun, um den Feind am Ufer irre zu machen und zu ermuͤden; man wuͤrde zu gleicher Zeit die Hafenka⸗ ſtelle beſchießen, und andere Operationen der Art vornehmen, um ihn in Verwirrung zu bringen, wel⸗ ches unter dieſen Horden, die aus Mangel an Ord⸗ 352 nung immer in einiger Verwirrung ſind, ſo was leich⸗ tes ſeyn müßte; allein man that das alles nicht, viel⸗ leicht, weil man ſie ſo vieler Muͤhe nicht werth ach⸗ tete, ſondern ſetzte ſich ohne alle Verbergung der Ab⸗ ſichten, mitten unter den feindlichen Truppen aus, und zwar, wie es mir und vielen andern vorkommt, nicht an der vortheilhafteſten Landungsſtelle.⸗ Die Spanier waren faſt eine halbe Stunde am Lande geweſen, ehe ſie von hieſiger Seite beunruhigt wurden, es ſey nun, daß man Zeit noͤthig hatte, ſich zu ſammeln, oder daß man es ruhig abwarten wollte, bis ſie ausgeſtiegen ſeyn wuͤrden, um nachher deſto beſſer uͤber ſie herfallen, und in ſie einhauen zu koͤn⸗ nen. Vor der Landung fing man ſchon an zu wuͤn⸗ ſchen, daß die Spanier landen moͤchten, weil man auf die Art voͤllig ihrer Meiſter zu werden, und von dem Bombardement frei zu kommen glaubte. Nicht wenige ließen ſich einige Tage vor der Landung verlauten: wir wollen ſehen, ob Algier gluͤcklich iſt, das iſt, ob die Spanier landen werden. Die Reuterei des Kalifen von Maskara ſprengte zuerſt auf ſie los; al⸗ lein das Kartaͤſchenfeuer der Galeeren dicht am Ufer zu beiden Seiten der gelandeten Kolonen, und das Feuer ihrer Feldſtuͤcke zerſtreute dieſe Horden ſogleich und in wenigen Minuten fand ſich ihr Anfuͤhrer al⸗ lein auf dem Platze, und ſeine Reuter flohen einer Anhoͤhe zu, wo ſie ſich ſetzten und ein gewaltiges Ge⸗ ſchrei machten. Bald darauf kamen die Tuͤrken aus 353 den Lagern des Karsnagi und Aga, und die des Schrei⸗ bers der Pferde, denen es nicht viel beſſer, als den vorigen erging. Das Heer des Beys von Konſtan⸗ tine, das etwan eine franzoͤſiſche Meile von dem Ort der Landung entfernt war, und die Truppen des Beys von Titterie, welche noch weiter davon ſtanden, wa⸗ ren noch nicht angekommen. Die Spanier ruͤckten ruhig vorwaͤrts, und trieben den Feind bis ungefaͤhr eine Viertelmeile vom Ufer vor ſich her, bis an eine Anhoͤhe, wo theils Gaͤrten und Landhaͤuſer ſind, theils eine ziemlich große Buſchebene, worin ſich dieſer ver⸗ ſteckte. Wir ſahen immer noch Schaluppen mit Mann⸗ ſchaft und Kriegsgeraͤth ans Land gehen, und wir koͤn⸗ nen eigentlich nicht beſtimmen, wann ſich die ganze Landung geendigt, und wie viel ſpaniſche Truppen ans Ufer gekommen ſind. Ihre Anzahl kam uns immer nur gegen 12 bis 13,000 Mann vor. Spani⸗ ſche Nachrichten aber, die ich geleſen, ſagen, daß 18,000 Mann ans Land geſtiegen, und daß ſich die ganze Landung um s Uhr geendigt. So viel iſt gewiß, daß die Reiterei gar nicht ans Land gekommeniſt. Zwiſchen acht und neun Uhr aͤnderte ſich der Wind, der die ſtreitenden Partheien vor unſern Augen in Dampf einhuͤllte. Wir hoͤrten nur die Schuͤſſe der ſpaniſchen Geſtuͤcke, ihr regelmaͤßiges Musketenfeuer, ſammt dem unordentlichen Gefladder der mauritaniſchen Buͤchſen, und ihrem wilden Feldgeſchrei. Um ein Uhr aͤnderte ſich der Wind, und wir erblickten die Spanier wieder 31. 3. Afrika. I. 3⸗ 7 354 an dem Orte des ufers, wo ſie ans Land geſtiegen waren, und in voller Arbeit, ihr fliegendes Lager mit Schanzkoͤrben und ſpaniſchen Reitern zu befeſtigen. Die ganze Armee der Feinde, die ſich nunmehr zu⸗ ſammen gezogen hatte, ſtand ihnen gegen uͤber in der oben angefuͤhrten bebuſchten Ebene. Nichts, als kleine Horden, die ſich dann und wann von ihrem Heer ab⸗ ſonderten, ſprengten auf das Lager, wurden aber von dem beſtaͤndigen Feuer der Feldſtuͤcke an der Spitze deſſelben zuruͤckgewieſen. Es hatte das Anſehn, als wollten ſich die Spanier fuͤrs erſte an dieſer Stelle ausruhen, und als haͤtten ſie ihr Lager dicht am Ufer gemacht, um immer Gemeinſchaft mit der Flotte zu haben. Es ſchien auch, daß der Feind ſich nicht getraue, einen fernern Angriff auf ſie zu thun, und dies ſoll auch, wie man nachher durchgehends behauptet hat, wirklich wahr ſeyn. Denn die ſpaniſchen Kartetſchen, ihre Stangen⸗ und Kettenkugeln, welche man unter ſie hineinſchoß, hatten ſie in der That in Furcht geſetzt. Der Dey, wie man gleichfalls aus nachgehenden Nach⸗ richten weiß, hat zu verſchiedenen Malen Befehl aus der Stadt geſchickt, man ſolle noch Nachmittags, oder Nachts, mit vereinten Kraͤften einen Angriff auf das Lager thun; allein man iſt dazu nicht zu bringen geweſen. 3 Die obengenannten Kriegsſchiffe feuerten beſtaͤn⸗ dig landwaͤrts, und hoͤrten nicht eher auf, bis des an⸗ dern Morgens um fuͤnf Uhr. Einige waren haupt⸗ ſaͤchlich gegen eine kleine Batterie gerichtet, die etwa 355 fuͤnf bis ſechs Kanonen haben mochte, und von der wir ſahen, daß ſie bis ins ſpaniſche Lager reichen konnte. Das Feuer der Schiffe auf dieſe Batterie war heftig, aber ohne Wirkung; es ſey nun, daß ſie zu weit vom ufer entfernt war, und wegen ihrer Kleine nicht Oberflaͤche genug preis gab, oder daß man von ſpaniſcher Seite nicht geſchickt genug war, ſie zu zerſtoͤren. Gegen Nachmittag ſchickte man eine Bombarde, und warf etwa ein Dutzend Bomben gegen dieſe Bat⸗ terie, aber auch ohne Wirkung. Da die Spanier keine andere Anſtalten vorkehrten, dieſe Batterie zum Schweigen zu bringen, ſo kam es mir vor, daß ſie nicht ſehr von ihr im Lager beunruhigt wuͤrden; weiß man doch in Europa von ganz andern Batterien Meiſter zu werden. Einige Galeereu mit bewaffneter Mannſchaft ans ufer geſchickt wuͤrden den Zweck leicht erreicht, und die Kanonen vernagelt haben. Was mich in dieſer Meynung beſtaͤtigte, war, daß man ruhig zuſah, wie die Algierer in Schaluppen dieſer Batterie Kriegsammunition zubrachten, welches man meines Erachtens doch leicht haͤtte verhindern koͤnnen. Gegen Abend ſahen wir verſchiedene Scha⸗ luppen nach dem Lager zu gehen, und mit Mannſchaft zuruͤckrudern, woraus einige von uns ſchloßen, die Spanier wuͤrden ſich vielleicht des Nachts wieder ein⸗ ſchiffen. Doch ſchien mir dies mehr eine bloße Ver⸗ muthung. Des Abends um ſechs hatten wir Nach⸗ richt aus der Stadt, welche nichts erwaͤhnte, woraus 3⁵6 man auf eine Wiedereinſchiffung haͤtte ſchließen koͤn⸗ nen. Es hieß blos, es waͤren 50— 60 ſpaniſche Kopfe in dem Pallaſt des Deys angekommen, welcher 7 Zechinen fuͤr jeden Kopf eines Spaniers zu zahlen verſprochen hatte, den man ihm bringen wuͤrde; uͤb⸗ rigens waͤre die Armee zuſammen in dem Lager des Beys von Konſtantine, und man hoffte, ſie wuͤrde noch dieſe Nacht einen Angriff auf das ſpaniſche Lager thun. Abends um 9 Uhr ſahen wir gewaltiges Mus⸗ ketenfeuer von den Tuͤrken und Mauren an der lin⸗ ken Seite des ſpaniſchen Lagers, und in der Dun⸗ kelheit ſchien es, als ob es dicht am Lager ſey, ſo daß man anfing zu glauben, der Feind habe einen An⸗ griff darauf unternommen. Weil ich aber die Kano⸗ nen an der Fronte des ſpaniſchen Lagers immer wie vor fortfeuern, auch keine der Galeeren, die an dieſer Seite zur Bedeckung des Lagers lagen, feuern ſah, ſo glaubte ich, daß es blos ein blindes Feuer aus dem feindlichen Lager ſey, welches etwas nach dieſer Seite des ſpaniſchen zu gelegen war, um zu zeigen, daß man auf ſeiner Hut ſey, wenn ſie, wie alle Naͤchte und Abende zuvor geſchehen war, etwas unternehmen wollten. In der That iſt es auch nichts anders geweſen. Um 14 Uhr verminderte ſich dies Feuern, ob es gleich zu verſchiedenen Malen in der Nacht wieder anfing. Des Morgens um 3 Uhr hör⸗ ten die Kanonen an der Fronte des ſpaniſchen Lagers auf, und es war uͤberhaupt in allen beiden La⸗ 8 357 gern ziemlich ſtille. Nur von Seiten der Kriegs⸗ ſchiffe kanonirte man noch immer fort, ſo wie auch die angefuͤhrte kleine Batterie noch beſtaͤndig auf das Lager zu ſchoß, woraus wir ſchloßen(denn ob es nun gleich ſchon Tag war, ſo war doch die ganze Gegend in Nebel und Dampf ſo eingehuͤllt, daß wir nichts ſehen konnten) die Spanier waͤren noch in ihrem La⸗ ger. Endlich nach 6 Uhr des Morgens kam die Nach⸗ richt aus der Stadt an, daß ſie ſich wieder eingeſchifft haͤtten. Der Bey von Konſtantine ſey naͤmlich zwi⸗ ſchen 1 und 2 Uhr Morgens mit 2000 Kameelen und Ochſen, die er vor ſich her getrieben, ins ſpaniſche Lager gedrungen, und habe ſie, mit Verluſt von 15,050 Todten, genoͤthigt wieder an Bord zu gehen; 17 Ka⸗ nonen und ein betraͤchtlicher Theil des Kriegsgeraͤthes ſey dem Feinde zur Beute geworden. Allein die Um⸗ ſtaͤnde dieſer Nachricht waren zu unwahrſcheinlich, als daß ſie Glauben verdienten, und es muͤſten mehr als zwei Drittel der ganzen ſpaniſchen Armee auf dem Platz geblieben ſeyn, wenn der Feind ins Lager gedrun⸗ gen waͤre. Ein Paar Tage nachher aͤnderte ſich auch wirklich dieſe Nachricht in eine andere: der Feind ſey erſt, als ſich die Spanier ſchon meiſt eingeſchifft, ins Lager gekommen, habe den Reſt der vorgefundenen Truppen, theils niedergehauen, theils ins Meer ge⸗ jagt, und habe ungefaͤhr 80o ſpantſche Köpfe. Allein nachgehends kam die Wahrheit noch beſſer an den Tag: die Armee der Mauren und Tuͤrken ſey erſt zwiſchen 3⁵8 s und 6 ins Lager gekommen, nachdem ſie geſehen, daß kein Menſch mehr darin geweſen, habe es auch ganz leer gefunden, außer 17 Kanonen, die theils auf zuruͤckgelaſſenen Schiffbruͤcken, theils am ufer geſtan⸗ den, und einigem andern Kriegsgeraͤthe; von den ſpa⸗ niſchen todten Koͤrpern, deren man zwiſchen beiden Lagern ungefaͤhr 3o0 auf dem Platze vorgefunden, habe man die Koͤpfe abgehauen, und ſie ins Haus des Deys gebracht, um den darauf geſetzten Preis zu erhal⸗ ten. So viel iſt auch gewiß, daß man zwiſchens und 6 noch nichts von der Wiedereinſchiffung der Spanier in der Stadt gewußt, und daß man daſelbſt gleichfalls, wegen des langen Ausbleibens der Nachrichten von der Armee, in Furcht geweſen ſey, ſie moͤchte ſich ſchon in die Gebirge zuruͤckgezogen haben; welches gar nichts ſeltenes bei den meiſten dieſer zuſammengelaufenen Horden iſt, die bald ungeduldig werden, wenn ſie nicht ihren Zweck er⸗ reichen. Es iſt wahr, daß nicht allein wir, ſondern faſt alle die hieſigen Einwohner ſich uͤber die Wiedereinſchiffung der Spanier wunderten, weil wir die Urfache nicht wuß⸗ ten. Einige glaubten, daß ein Zwiſt unter ihren Genera⸗ len entſtanden ſey, und ein großer Theil ſchrieb dieſe Bege⸗ benheit den Wundern ihrer Heiligen zu. Wir haben ſie nicht wieder in ihre Schiffe getrieben, haben mir verſchiedene Tuͤrken geſagt; Gott hats gethan! Wir haben des Abends ſpaͤt Feuer vom Himmel ins ſpaniſche Lager fallen ſehen! Wohl zu merken, es wetterleuchtete etwas in dieſer Nacht. 359 Die Nachrichten ſtimmen nunmehr darin uͤberein, daß am Tage der Landung, da die Spanier an der Ebene mit Buͤſchen bemuͤht waren, den Feind daraus zu vertreiben, ſie bei der Ankunft des Beys von Kon⸗ ſtantine mit ſeinem Heere ſich zuruͤckzuziehen angefan⸗ gen, und daß einige etwas zu weit vorgedrungene Colonnen einigen Verluſt erlitten. Einige ſagen: die⸗ ſer Bey habe viele Kameele und Ochſen vor ſich her getrieben, welche das Kartetſchenfeuer der Spanier erſt aushalten muͤſſen, und ſey ihnen dadurch naͤher zu Leibe geruͤckt. Andere aber behaupten: die Spa⸗ nier haben ſich gleich bei Erblickung der Armee des Beys von Konſtantine zuruͤckgezogen, weil ſie ſich vor der großen Uebermacht des Feindes, die ſie nicht ver⸗ muthet, gefuͤrchtet haͤtten. So viel iſt gewiß, daß der Ruͤckzug in guter Ordnung und ohne Verluſt geſche⸗ ben iſt. Weder eine einzige Kanone noch Fahne iſt dabei eingebuͤßt, ungeachtet der Dey mehr als fuͤnfzig Zechinen fuͤr jede Fahne, die man ihm bringen wuͤr⸗ de, geboten hatte; und es ſcheint, daß ſie mehr zu⸗ ruckgegangen, als zuruͤckgetrieben ſind. Auch iſt die ganze Anzahl von Todten, welche ſie zuruͤckgelaſſen, keine 400 Mann. Man glaubte nun, daß die Stadt noch ein Bom⸗ bardement auszuhalten habe, aber zu noch groͤßerer Ver⸗ wunderung verſchwand die ganze Flotte in einigen Tagen nach der Landung von hieſiger Rhede, und ihre Erſchei⸗ nung und Verſchwindung war einem Traum aͤhnlich. 360 Dieß ſind alſo die Begebenheiten, die ſich waͤh⸗ rend der Anweſenheit der Spanier hier zugetragen ha⸗ ben. Ihre Kartetſchen haben unter dem Feinde große Furcht, und wie man ſagt, auch große Niederlage ge⸗ macht. Verſchiedene hier geben die Anzahl der Tod⸗ ten bei den Tuͤrken und Mauren uͤber 6000, und die der Verwundeten noch weit hoͤher an. Allein, die Wahrheit zu ſagen, ich glaube das nicht. Vielleicht die Haͤlfte. Doch wird die wahre Zahl wohl gar nicht zu beſtimmen ſeyn. Die meiſten, die man von dem ſpaniſchen Gefechte reden hoͤrt, ſprechen mit großem Entſetzen von den doppelten Kugeln(ſo nennen ſie ihre Stangen⸗ und Kettenkugeln), aber ihr Musketenfeuer verachten ſie ganz. Dieſes, ſagen ſie, ſey ganz ohne Kraft und Wirkung geweſen. So viel iſt gewiß, daß die wenig⸗ ſten eine Landung wieder wuͤnſchen, welche es vorher thaten. Es ſind Kinder, welche ſich noch nicht ver⸗ brannt hatten, und nun das Feuer ſcheuen. Ich ſehe in einige oͤffentliche franzoͤſiſche Blaͤtter Briefe einge⸗ ruͤckt, die man Offizieren zuſchreibt, die der Landung mit beigewohnt, und welche berichten, die Spanier haben am Tage ihrer Landung 6000 Todte und 2000 Verwundete gehabt. Das letzte kaun wahr ſeyn, allein das erſte iſt ganz falſch. Die Anzahl geht, wie ich ſchon oben bemerkt, nicht uͤber 400. Haͤtten die Spa⸗ nier die in dieſer Nachricht angebenen Todten gehabt, ſo fragt ſichs: wo ſie geblieben ſind? Hier ſind ſie 361— nicht, ſonſt wuͤrde die hieſige Geldſucht gewiß die Koͤ⸗ pfe von ihnen allen eingebracht haben, um den darauf geſetzten Preis zu erhalten. Sind doch einige mit Koͤ⸗ pfen ihrer eignen Glaubensbruͤder gelaufen gekommen, um die Zechinen zu bekommen. Ueberdem find alle zu⸗ ruͤckgelaſſenen todten Koͤrper der Spanier unbegraben auf dem Felde liegen geblieben, liegen noch da, und ſind von verſchiedenen gezaͤhlt worden. Man hat aber keine groͤßere Zahl herausgebracht. Die Spanier muͤß⸗ ten alſo ihre Todten beim Ruͤckzuge aufgerafft, und entweder in die See geworfen, oder an Bord gebracht haben. Wie wahrſcheinlich iſt es aber, daß eine Ar⸗ mee, geſetzt auch ſie habe aus 18 000 Mann beſtanden, welcher ſo ſtark vom Feinde zugeſetzt wird, daß ſie 6000 Tode und 2000 Verwundete hat, mithin meiſtens die Haͤlfte einbuͤßt, ſo viel Zeit haben kann, um ihre Todten aufzuleſen und mitzunehmen? Eine Armee, die uͤbrigens bei dieſem Ruͤckzuge keine einzige Kanone noch Fahne eingebuͤßt? Ueberdem hatte der General, deſſen 3 Inſtruktion man auf dem Schlachtfelde vorgefunden, bei Lebeusſtrafe verboten, ketne etwanigen Todten auf⸗ zuleſen.— Nun ſind wir abermals in voller Erwar⸗ tung der Spanier. Dieß Mal wird es ſchaͤrfer herge⸗ hen, als vorigem Sommer, wenn ſie nicht wieder eine bloße Oper ſpielen wollen, wie ſie damals thaten. „Aber auch fuͤr die Euronaͤer wird es ein ſchlimmer Stand ſeyn, als vorm Jahre. 362 Algier und ſeine Umgebungen. — Vom Meere geſehen, bietet Algier ein herrliches Schauſpiel dar. Die 10,000 weſßen Haͤuſer mit ihren Garten⸗Derraſſendaͤchern, die enggedraͤngt die ſteile Hoͤhe, auf der die Stadt liegt, hinaufſteigen, ſo daß man ſie mit Einem Blicke uͤberſteht, von den furcht⸗ baren Batterien, die das Mittelmeer beſpuͤlt, bis hin⸗ auf an die Spitze des umphitheatraliſchen Dreiecks, wo die, die Stadt beherrſchende Citadelle den Dey mit ſeinen Schaͤtzen einſchließt; die felſige Kuͤſte der halbzirkelfoͤrmigen Rhede mit den zwoͤlf hundert Feuer⸗ ſchluͤnden, die vom Vorgebirge Pescada bis zum Cap Matifu auf einer ununterbrochenen Rethe von Bat⸗ terien und Forts aufgepflanzt ſind; hinter ihnen die bluͤhenden Huͤgel mit den unzaͤhligen Kapellen und Grabmaͤlern wunderrhaͤtiger Marabuts, ſo wie mit ihren Waͤldern von weißen Roſen und Aloen, und 363 den vielen Tauſenden von Gaͤrten und Weinbergen, in denen die uͤppigſten Reben ſich von Baum zu Baum ſchlingen, und ſo den Mandelbaum mit der Orange und Cypreſſe, die Olive mit der Granate, die Palme mit der Ceder verbinden; endlich diteſer ganze ſchoͤne Landguͤrtel von der fernen Kette des Atlas umſchloſ⸗ ſen— Alles dieß bildet einen der ſchoͤnſten Punkte, den man an den ufern des Mittelmeers finden und ſich ſchwer uͤberzeugen kann, daß er ſeit Jahehunder⸗ ten der Sitz von Seeraͤubern und Barbaren iſt. Das Letztere erkennt man erſt, wenn man in das Innere der Stadt, in die engen, unebenen, ſchmutzigen Stra⸗ ßen tritt, und dieſes bunte Gemiſch von Menſchen dreier Welttheile, von Mauren, Tuͤrken, Arabern, Negern, Juden und Sklaven erblickt. Die Angaben üͤber die Bevoͤlkerung der Stadt weichen ſehr von einander ab; waͤhrend einige ſie auf 80,000, ja uͤber 100,000 Seelen*) ſchaͤtzen, ſchlaͤgt William Shaler, der als General⸗Conſul der Vereinigten Staaten zehn Jahre in Algier lebte, ſie nur zu 50,000 an**). Die beiden Hauptſtuͤtzpunkte der Befeſtigungen ſind gegen das Meer hin der Molo auf der Landſeite aber die Ci⸗ *) Renaudot, der ſich ancien ofſicier de la garde Consul de France a Alger nennt, ſpricht ſogar von 135.000 Einwohnern, wonach ailſo, bei 10,000 Hauſein, auf ein Haus beinahe ¹0 Perſonen ge⸗ rechnet werden muͤßten.. a*n) Sketches of Algiers. Boston 4826. 364 tadelle. Der Molo, die ſogenannte Marine, liegt auf einer durch einen 300 Fuß langen feſten Damm mit der Stadt verbundenen felſigen Inſel. Auf dem ſuͤdlichen Theile derſelben befindet ſich die Loͤwenbat⸗ terie, die auf einer gedoppelten Reihe von Kanonen 44 Geſchuͤtzſtuͤcke enthaͤlt, worunter zwei, ungefaͤhr 20 Fuß lange 6s Pfuͤnder. Unweit davon iſt ein rundes Werk(das runde Schloß) aufgeworfen, mit 48 in drei⸗Reihen aufgeſtellten Kanonen. In der Mitte er⸗ bebt ſich der Leuchtthurm mit der nach ihm benann⸗ ten Batterie des Fanals. An ſie ſchließt ſich die oͤſt⸗ liche Batterie an, die ſiaͤrker, laͤnger und mit 66 gleichfalls in drei Reihen aufgepflanzten Feuerſchluͤn⸗ den verſehen iſt. Endlich kommen noch vier andere Redouten, jede von gedoppelter Reihe, im Ganzen mit 60 Kanonen. Auf der oͤſtlichen Seite des Dam⸗ mes, dem oͤſtlichen Arme der Iuſel faſt gegenuͤber, erbliekt man zwei kleine Batterien, jede von 4 Kano⸗ nen, denen eine ſtaͤrkere von 20 Stuͤcken folgt. Letz⸗ tere iſt ein ſehr alter Bau, auf zwei große Bruͤcken⸗ bogen aufgefuͤhrt, unter denen die Durchfahrt der Fiſcherboote iſt, die ſich zum Fiſchmarkte begeben, da⸗ her das Werk auch die Batterie des Fiſchmarktes heißt. Dieß iſt dieſelbe Batterie, die waͤhrend der Beſchießung unter Lord Exmouth das Linienſchiff Leander ſo ſtark beſchaͤdigte, das ihr gegenuͤber Auker geworfen hatte, und deſſen Feuer das Werk nicht zum Schweigen zu bringen vermochte. Von da bis zur 365 Vorſtadt Babazun, oder dem Theile der Mauer, wel⸗ cher die Stadt von der ſuͤdoͤſtlichen Seite einſchließt, befinden ſich noch zwei Batterien, und etwas weiter⸗ hin am Meeresufer, auf der Spitze eines Huͤgels, das Fort von Babazun mit 24 Geſchuͤtzen. Das Kaiſer⸗ ſchloß, das in Truͤmmern liegende Sternfort und ei⸗ nige feſte Werke decken die alte unebene, zum Theil gepflaſterte Roͤmerſtraße, die von Torretta Chiea(Sidi Ferendſch) das Land durchſchneidend, in die mit der Citadelle endigende hoͤchſte Spitze der Stadt fuͤhrt. Das Kaiſerſchloß(Sultan Calaſſt), urſpruͤnglich von Karl V. angelegt, und ſpaͤter von den Algierern wei⸗ tergefuͤhrt, liegt eine ſtarke Viertelſtunde ſuͤdoͤſtlich von der Stadt. Es hat einen Umfang von ungefaͤhr 450 Metres, und beſteht aus drei unregelmaͤßigen Ba⸗ ſteien, mit einer gleich unregelmaͤßigen Bruſtwehre, Alles von Backſteinen aufgefuͤhrt, ohne Graͤben, ohne Contreſcarpe oder ſonſtige Vorwerke. Die Mauern erheben ſich an einigen Stellen in der bedeutenden Hoͤhe von 30 Metres; an andern Stellen ſind ſie viel niedriger. Dieſes Fort liegt iſolirt auf einem Huͤgel, der den obern Theil der Stadt beherrſcht, ſelbſt aber wieder von drei oder vier wenig entfernten Hoͤhen be⸗ herrſcht wird, auf denen man Batterien errichten und daſſelbe leicht zuſammen ſchießen koͤnnte. Die Cita⸗ delle ſelbſt(el Caſſanbah, el Kasbah, Aleaſſade, Alca⸗ zava), die den Landwinkel der Stadt einnimmt, und deren Kanonen die gante Stadt nebſt der Marine be⸗ 366 ſtreichen koͤnnen, iſt von den Straßen durch einen breiten Graben getreunt, ſoll aber gleichfalls von ei⸗ nigen umliegenden Hoͤhen beherrſcht ſeyn. Dieß iſt die Burg, deren Zugangsſtraßen der Dey, wie neuere Nachrichten melden, unterminiren ließ. Von hier führt laͤngs der ſuͤdweſtlichen Seite der Mauer eine gepflaſterte Straße bis zum Babaloueit⸗Thore. Die Entfernung betraͤgt eine kleine Viertelſtunde. Zunaͤchſt dieſem Thore erhebt ſich das Neue Fort, das den Hafen deckt, und deſſen Nothwendigkeit der Erfolg der Exmouthſchen Expedition fuͤhlbar machte. Ihm ſchließen ſich zahlreiche Batterien an, die ſich laͤngs des weſtlichen Ufers hinziehen, an welchem ſich auch, etwa 2000 Schritte von der Stadt, das Fort der Eng⸗ laͤnder befindet, waͤhrend, etwas naͤher bei der Stadt, das ſogenannte Fort der 24 Stunden(Sitti Alkoleit) die Straße vertheidigt, die ſich von Torretta Chica längs der Meereskuͤſte hinzieht. Die ſchoͤne Bucht von Torretta Chica ſelbſt, die einen ſehr guten An⸗ kergrund bietet, iſt(oder war wenigſtens bisher) nur von einem kleinen Fort mit wenigen Kanonen gedeckt, an deſſen Seite ſich das Grabmal eines Marabuts er⸗ bebt. Die von trockenen Graͤben umgebene Stadt⸗ mauer(die wir ſchon in dem erwaͤhnten erſten Arti⸗ kel naͤher beſchrieben haben) iſt von Backſteinen er⸗ baut, und hier und da mit Kanonen beſetzt. Ebenſo erblickt man uͤber den Thoren Geſchuͤtze aufgepflanzt, in einer Art von Courtinen. Einige gute Waſſerlei⸗ 367 tungen naͤhren 150 Brunnen; bei jedem derſelben be⸗ findet ſich ein Trinkgefaͤß fuͤr die Voruͤbergehenden; wer trinken oder ſeine Kruͤge fuͤllen will, muß, mag er Maure, Chriſt oder Sklave ſeyn, warten, bis die Reihe an ihn koͤmmt; nur wenn ein Tuͤrke ſich naht, muͤſſen alle andern zuruͤckſtehen, waͤhrend ein armer Jude warten muß, bis der Platz ganz frei iſt, und ſelbſt die Sklaven ſich bedient haben. Die Beſatzung der Stadt beſtand ſonſt gewoͤhnlich aus einem Corps von 4500 bis 2000 Tuͤrken, faſt immer Veteranen oder jungen Soldaten, die man fuͤr den Dienſt des innern Landes bildet. Das ganze Heer des Deys betraͤgt(in gewoͤhnlicher Zeit) ungefaͤhr 15,000 Mann, worunter Tuͤrken, Coloris(Tuͤrkenabkommlinge) und Araber begriffen ſind. Letztere bilden die Reiterei; die Tuͤrs ken und die Coloris das Fußvolk. Dieſe Truppen ſind theils als Garniſonen in den Staͤdten der Regent⸗ ſchaft, theils in beweglichen Lagern im Innern des Landes vertheilt. Der tuͤrkiſche Theil derſelben wird alle Jahre erneuert. Die algieriſche Seemacht beſtand fruͤher blos aus einer großen Zahl Galeeren und Sche⸗ becken; in neuerer Zeit aber wurde ſie auf europaͤiſchen Fuß geſetzt, mit Huͤlfe europaͤiſcher Schiffbauer und Ingenieure. Vor dem Frieden von 1846 beſtand die⸗ ſelbe in s Fregatten, 1 Corvette, 1 Brigatine, 1 Ga⸗ leere und ungefaͤhr 3o Bombarden. Alle dieſe Schiffe wurden von Lord Exmouth zerſtoͤrt. Die Algierer aber ſtellten ibre Marine allmaͤhlich wieder her, tbeils durch den Bau und Ankauf verſchiedener Schiffe, theils durch die Geſchenke anderer, die ihnen von der Pforte, von dem Kaiſer von Marokko und dem Paſcha von Tripoli gemacht wurden, ſo daß ihre Eskadre gegen⸗ waͤrtig betraͤchtlicher iſt, als fruͤher. Sie beſtand naͤm⸗ lich im Maͤrz 182s aus 3 Fregatten von 40— 62 Ka⸗ nonen; 2 gantinen laere, 4 befanden Werften. 368 Corvetten von 36 und 46 Kanonen; 2 Bri⸗ von 18 und 16 Kanonen; 5 Goeletten, 1 Po⸗ Schebecke und s Kanonenboͤten. Außerdem ſich damals drei neue Goeletten auf den