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Bibliothekar zu Bamberg. 50. Baͤndchen. Mit einer Charte. I. Theil. 2. Bändchen von Afrika. — Nürnberg. Verlegt von Haubenſtricker und von Ebner. 1830 Taſchen⸗Bibliothek der wichtigſten und intereſſanteſten Reiſen durch Afrika. Mit Landkarten, Planen, Portraits und anderen Abbildungen. VBerf a 5 t von M. e h pe e n., und herausgegeben von Joachim Heinrich G Ja ck, Koͤnigl. Bibliothekar zu Dautdee — I. Theil. 2. Baͤndchen. Nürnberg. Wellest von Haube afere und von Ebner. 18 3 Literatur der Reiſen durch Aethiopien. Die boͤchſt duͤrftigen Nachrichten uͤber dieſes Land, welche Herodot, Diodor, Strabo, Philoſtrat, Potken und der Armenier Matthaͤus, dieſer Ge⸗ ſandte des Prieſters Johaun an den portugieſiſchen Koͤnig Emanuel 1313 mittheilten, wurden im An⸗ fange des XVI. Jahrhunderts reichlich ergaͤnzt durch die Reiſe⸗Beſchreibung des portugieſiſchen Prieſters Fr. Alvarez, welche er waͤhrend ſeiner sjaͤhrigen Begleitung des Geſandten Roderieus Limaͤus durch Aethiopien verfaßte. Dieſes Werk erſchien in vortugieſiſcher Sprache zu Liſſabon 1540, in ſpani⸗ ſcher und franzoͤſiſcher zu Antwerpen und Toledo 4557—s8, in teutſcher zu Eisleben 1568, und wurde durch J. B. Ramuſio auch einer Italiſchen Samm⸗ lung einverleibt.— Von geringerem Werthe ſind die 134 Berichte Johann de Caſtro uͤber das rothe Meer bis an die Grenzen Aethiopiens und des Mino⸗ riten Franz Titelmann, welcher 1537 ſtarb.— Was der Patriarch Joh. Bermudes von Aethio⸗ vien 456s in Portugal bekaunt machte, iſt in Teutſch⸗ land nur durch die Ueberſetzung des Englaͤnders Pur⸗ chas bekannt geworden.— Der Bericht des Auguſti⸗ ners Hieronymus aus Rom, welcher 159s zu Salamanca erſchien, iſt nicht außer Acht geblie⸗ ben.— Die Briefe des portugieſiſchen Jeſuiten, Lud. von Alzevedo, welcher 1605 Aethiopien durch⸗ ſtreifte, ſind den Jahrbuͤchern des Ordens von 1606/1 eingereihet, und zu Liſſabon 1609 zuerſt erſchienen. So unbedeutend der Bericht des portugieſiſchen Do⸗ minikaners, Joan dos Santos zu Evora 1609 vom oͤſtlichen Aethiopien geweſen iſt, ſo wurde er doch vom Theatiner Cajetau Charpy zu Paris 16 4. 12. im Franzoͤſiſchen heraus gegeben.— Der Dominikaner Lud Urreta verbreitete 1641 zu viel Nachtheiliges gegen die Jeſuiten, als daß dieſe nicht ſogleich ihn zu widerlegen ſuchen ſollten. Die Briefe der Jeſuiten Godigni, Sandoval, Veigan, Al⸗ meida und Duleebenius ſtrotzen von Parthei⸗ lichkeit.— Was der Italiſche Soldat, Jak. B aratti meldete, wurde 1670 im Engliſchen, und 1616 im Teutſchen weiter verbreitet.— Eben ſo wurde der Bericht des Jeſuiten H. Lobo in das Engliſche und Franzoͤſiſche uͤberſetzt.— Die Beſchreibungen Ae⸗ thiopiens durch die Jeſuiten⸗Provinziale, Alm eyda und Tellez, wurden von ſpaͤteren Gelehrten ſehr zenutzt.— Die Geſchichte Ae thiopiens, welche der teutſche Orientaliſt Job ſt Ludolpb oder Leut⸗ Holf aus den beſten Quellen verfaßte, wurde in das Engliſche, Ruſſiſche und Franzoͤſiſche uͤberfetzt, und wird in den ſpaͤteſten Zeiten noch als die beſte Quelle zur Kenntniß des Landes und Volkes dienen.— In deſſen Fußſtapfen trat der beruͤhmte Englaͤnder Ged⸗ des.— Der franzoͤſiſche Arft, K. J. Poncet, hat ſich durch ſeinen Bericht von der Reiſe durch Aethio⸗ pien 1698— 1100 den Nuf der Wahrhaftigkeit errungen, obgleich er den Jeſuiten ſehr ſchmeichelte. Der ſpa⸗ niſche Minorit Franz de St. Jean de Porto benunte ſeine vieljaͤhrige Miſſion in Aethiopien zur genauen Beſchreibung der Sitten und Gebraͤuche, welche der Arzt Guidotti in das Italiſche uͤberſetzte, und zu Florenz 1775. 8. herausgab.— Er wurde durch den Englaͤnder Jak. Bruce, welcher vom J. 41768 ſich dort aufhielt, ſehr uͤbertroffen, deſſen Beſchreibung durch Volkmann, Blumenbach, Cuhn, Gme⸗ lin, Ehrmann verteutſcht wurde— Dazu gehoͤren noch Salt's, Waddington's und Hanbury s ꝛc. neueſte Reiſen. 1. 4 — Kurze Beſchreibung des Habeſſiniſchen Reiches. Aus den Urquellen bearbeitet von Hiob Ludolph*). Aus dem Originale frei bearbeitet vom Kaplan Gabriel Fellner zu Forchheim. I. Buch. Von der Beſchaffenheit des Landes und ſeiner Bewohner. I. Von den verſchiedenen Benennungen der Habeſſinier und dem urſprunge dieſes Volkes. Der Name Habeſſinier, oder wie Andere ſie nennen, Habiſſinier, oder Abeſſenier, iſt *) Jobi Ludolfi, alias Leut-holf dicti, historia Aethiopica, sive brevis et succincta des cri peis 137 arabiſchen Urſprungs, und bedeutet einen Zuſammen⸗ fluß, eine Miſchung mehrerer Voͤlkerſchaften. Sie regni Habessinorum, quod vulgo male Press- byteri Joannis vocatur. Francof. 40341. Fol.(Man vergl. die Vorrede zu M. Wans⸗ leben's erſter Reiſe nach Aegypten in dieſer Taſchen⸗Bibl. 8. Baͤndchen S. 57.) Hiob Ludolf wurde 16. Juni 1624 zu Erfurt geboren, daſelbſt auch unterrichtet, ſuchte ſeine Bildung durch jaͤhrige Neiſeu 1645 in den Viederlanden, 1646 in England, Frankreich und Italien, 1650 in Schweden und 1654 in Daͤne⸗ mark zu erhoͤhen, begab ſich als fuͤrſtlich⸗Go⸗ tha’ſcher Geſandtſchafts⸗Sekretaͤr 1652 auf den Reichstag nach Regensburg, wurde 1654 Hof⸗ meiſter der fuͤrſtlichen Pribzzen zu Gotha, hielt 1657 zu Altdorf eine Inaugural⸗Diſſertation von den Strafen der Verbrechen, wurde 1658 Hofrath bei dem Herzoge zu Gotha, machte 1673 eine Reiſe an der Seite des Prinzen Albert von Gotha, wurde 1675 Kammer⸗Director zu Altenburg, legte aber 1671 ſeine Dienſte nieder, um den uͤbrigen Theil ſeines Lebens zu Frank⸗ furt a. M. in Ruhe zu genietzen. Er erhielt den Titel eines geh. Rathes der Herzoge von Sachſen, Erneſtiniſcher Linie. Im J. 1684 wurde er Kammer⸗Director des Kurfuͤrſten Karl in der Rheinpfalz, lebte aber meiſtens zu Frank⸗ furt, erhielt den Beinamen eines kurſaͤchſiſchen Reſidenten zu Frankfurt, und wurde 1690 zum Vorſtande des kaiſ. hiſtoriſchen Kollegiums be⸗ foͤrdert. Er widmete ſeine meiſte Zeit und Kraft der Erlernung 26 europaiſcher und orientaliſcher 138 wollen aber lieber mit dem allgemeinen von den Grie⸗ chen erhaltenen Namen— Aethiopier bezeichnet werden, ein Name, der ſonſt allen Schwarzen, Afri⸗ kanern und Aſiaten, beigelegt wurde. Ihr ei⸗ gentlicher Unterſcheidungs⸗Name iſt Agaz⸗jan, welches Freie— bedeutet, und mit unſerem deut⸗ ſchen„Franken“ uͤbereinkommt.— Sie ſind keine Sprachen, unter welchen er der Aethiopiſchen ſich vorzuͤglich opferte. Seine vielen Schriften, welche Chr. Juncker 1710 zu Leipzig zu der Lebens⸗Beſchreibung verzeichnete, und welche auch im zweiten Theile von Joͤcher s Ge⸗ lehrten⸗Lexikon angedeutet ſind, liefern dis ſchoͤnſte Probe ſeiner außerordentlichen Talente und Thaͤtigkeit. Er ſtarb im 30. Lebens⸗Jahre zu Fraukfurt 8. April 4704. H. Fellner erprobte ſchon ſeine gute Darſtellungsgabe in der Beſchreibung der Stadt Konſtantinopel von Gyles(S. Taſchen⸗Bibl. 10. Baͤndchen. S. 11.), deren zweite Auflage bereits erſchienen iſt. Er wurde 21. Des. 1865 zu Auerbach geboren, bildete ſich theils in der obern Pfalz, theils zu Bamberg, zeichnete ſich daſelbſt durch Talente und vielſeitige Kenntniſſe ſehr vortheilhaft aus, wurde 27. Dez 1828 zum Prieſter geweihet, im Sommer 1829 als Kaplan an der Pfarrei Scheßlitz, im Fruͤhlinge 1830 imn gleicher Eigenſchaft zu Forchheim angeſtellt. Er koͤnnte als Gymnaſial⸗Lehrer weit wichtigere Dienſte dem Staate leiſten. 139 Eingeborne, ſondern aus dem gluͤcklichen Arabien im grauen Alterthume nach Afrika eingewandert. Dafuͤr, daß die Habeſſinier ehemals in Arabien einheimiſch waren, ſtehen ſowohl die Zeugniſſe der aͤlteſten Geographen, als auch ihre, mit der Arabiſchen ſehr verwandte Sprache, mehrere Gebraͤuche, die ſie mit den Arabern gemein haben, wie z. B. die Be⸗ ſchneidung, die natuͤrliche Beſchaffenheit ihres Geiſtes, ihre Geſtalt und ihre Zuͤge des Geſichtes, worin ſie ſich mehr den Arabern naͤhern; ferner der Umſtand, daß Kaiſer Severus die Habeſſinier den uͤber⸗ wundenen arabiſchen Voͤlkern anreihte. Die ihres eigentlichen Namens unkundigen Griechen nennen ſie Axumiten, von ihrer Hauptſtadt Ax uma; an⸗ dere verwechſeln ſie mit den alten Homeriten; noch andere mit den benachbarten Nubiern, und viele aͤltere Geſchichtſchreiber nennen ſie Indier, wie alle Voͤlker der heißen Zone, deren eigentliche Namen ſie nicht wiſſen. Im vorigen Jahrhundert kannte man ſie noch nicht einmal in Portugall: denn Damian von Goͤtz nennt den Koͤnig von Habeſſinien den großen Kaiſer der Indier. Dieſe Ungewißheit, in Beziehung auf den Namen dieſes Volkes, hat in ſeiner Geſchichte ſchon viele Irrungen veranlaßt, indem man vieles den Habeſ⸗ Kiniern beilegte, was auf andere Voͤlker Bezug hatte, und ſo umgekehrt.— Als in Rom die erſten 140 aͤthiopiſchen Buͤcher gedruckt wurden, nannte man ihre Sprache die Chaldaͤiſche, ſtie ſelbſt faͤlſchlich bald Chaldaͤer, bald Indier. Wir be⸗ halten die allgemein bekannte Benennung Habeſſi⸗ nien und hier und da Aethiopien bei, da dieſe unter den Gelehrten ſowohl, als unter den Ha⸗ beſſiniern ſelbſt gangbar iſt. II. Lage und Graͤnzen Habeſſiniens. Habeſſinien, von einigen auch Ober⸗Ae⸗ thiopien genannt, liegt in Afrüka oberhalb Ae⸗ gypten uͤber Nubien hinaus, und hat allenfalls 8— 16 Grade noͤrdliche Breite, beruͤhrt aber die Ae⸗ quinoctial⸗Linie nicht, wie bisher faſt alle Geo⸗ graphen und Hiſtoriker faͤlſchlich behaupteten. Ge⸗ lehrte, in der Aſtronomie wohl unterrichtete Jeſuiten haben zuerſt die richtige, oben angegebene Breite be⸗ ſtimmt, wiewohl auch ſie die Laͤngen⸗Grade von Ha⸗ beſſinien nicht mit Gewißheit ausmitteln konnten.— Seine groͤßte Breitenflaͤche geben die Portugieſen auf 140 franzoͤſiſche Meilen an, und ſeine groͤßte Laͤnge erſtreckt ſich vom nothen Meere bis an die Graͤnze von Dem bea in gerader weſtlicher Richtung. Hier wird die Landſchaft immer ſchmaͤler, die oͤſtliche und weſtliche Grenze immer enger, ſo daß das Land zuletzt in einen Kegel zulaͤuft, woran die Abreißung vieler Provinzen durch die Gallaner Urſache iſt. 1 — —,-— — 141 Die Graͤnzen von Habeſſinien ſind: Gegen Norden das Reich Fundt, nach andern Sennar ein Theil des alten Nubiensz oͤſtlich war ehemals das rothe Meer die Graͤnze, aber jetzt gehoͤrt die ganze Kuͤſte den Tuͤrken, welche den Hafen Arkiko mit der anſtoßenden Inſel Matzua erobert haben, und uͤberhaupt Herren des dortigen Meeres ſind, welches indeſſen fuͤr die Schifffahrt ungemein gefaͤhrlich, und daher von europaͤiſchen Schiffen wenig beſucht iſt⸗ Bei der Einfahrt in den Meerbuſen Babelmandeb⸗ d. i. Pforte des Ungluͤcks,(ſo genannt von den Ara⸗ bern wegen der haͤuſigen da geſchehenen Schiſbbruͤche) erblickt man zur Linken dieſes Meerbuſens das Reich Dancale, deſſen Koͤnig mit den Habeſſinſern in gutem Verhaͤltniſſe ſteht. Mehr einwaͤrts liegen die Beſitzungen des muhamedaniſchen Koͤnigs von Adela⸗ der grimmiger Feind der Habeſſinier, und im vorigen Jahrhundert ihre Geißel war. Hierauf folgen die Reiche Da⸗Waro, Bali, Fatagar, Wedt, Bizamo, Cambota nebſt vielen andern Provinzen, welche alle die wilden Gallaner entweder erobert, oder in Einoͤden umgeſchaffen haben. Suͤdlich(viel⸗ leicht 8 Geade) wird Habeſſinien begraͤnzt von den heidniſchen Reichen Alaba und Gingiro, bis man das letzte von 8— 9 Graden weſtlicher Breite, Ena⸗ reja, erreicht. Die weſtliche Graͤnze von Habeſ⸗ ſinien machen der Fluß Maleg und der Nil, der durch ungeheure Wuͤſten bis hieher ſich herausgewaͤlzt 142 hat. Dieſe Graͤnzen werden von keinem bemerkens⸗ werthen Volke bewohnt, ſondern bloß von noma di⸗ ſchen Aethiopiern. III. Von der Eintheilung Habeſſiniens in verſchiedene Reiche und Laͤuder. Ueber die Laͤnder, aus denen Aet biopien be⸗ ſteht, und uͤber die Anzahl derſelben iſt man nicht einig. Die meiſten dieſer Laänder haben den Namen eines Reiches, vermuthlich, weil ſie ſonſt eigene Koͤ⸗ nige und Rechte hatten. Die uͤbrigen werden Statt⸗ balterſchaften genannt, weil eigene Statthalter die⸗ ſelben regieren. Wegen der Verwechslung der Reiche mit den Statthalterſchaften, wird auch die Zahl der Provinzen Habeſſiniens von Verſchiedenen ver⸗ ſchieden angegeben. So viel iſt aber ausgemacht, daß iherr mehr als 20 ſind, mit denen, welche die Galla⸗ ner erobert haben. Gregorius zaͤhlt z3a ſolcher Reiche, nebſt einigen kleineren, die von anderen fuͤr Statthalterſchaften angeſehen werden. Wir werden ſie ganz nach der Angabe des Gregor ius aufzaͤblen, und zwar 1) Ambhara, jetzt die vorzuͤglichſte Provinz von Aethiopien, beſonders wegen ſeiner beiden umge⸗ mein feſten Felſenplaͤtze Cheshen und Ambagel. Es iſt faſt der Mittel⸗Punet von Habeſſinien, und grenzt noͤrdlich an die Provinz Bagemder, 143 weſtlich an den Nil, und jenſeits deſſelben an die Provinz Gojam, ſuͤdlich an Walaka und oͤſtlich an Angora. 2) Angot oder Hangot. 3) Bagemder, gewoͤhnlicher Bagamidri, iſt eine große und fruchtbare Provinz, welche von vielen Fluͤſſen durchſchnitten, und daher von Gregorius mit unſerem Deutſchland verglichen wird. Der Fluß Bashlo trennt es von Am hara. 4) Bali, ganz oͤſtlich gelegen, eroberten die Gal⸗ laner; von da wurden ſie den Habeſſiniern ſo oft verderblich. 3 5) Bizamo, durch den Nil von Gojam getrennt. 2 6) Bugna— hier und da auch Abugang ge⸗ nannt, ein gebirgigter und kleiner Landſtrich. 7) Cambot, deſſen Einwohner ſich Seb⸗a⸗ Hadin oder Hadjenſer heißen. Dies iſt die letzte fuͤdliche Provinz und nicht weit von Enarea Sein chriſtlicher Koͤnig herrſcht uͤber Chriſten, Muhameda⸗ ner und Heiden. 8) Cont, portugieſiſch: Conch. 9) Damot, uͤber den Nil und die Dafater hinaus, ſuͤdlich. 10) Dawaro, die oͤſtliche Graͤnze des Reiches⸗ und dem ſüͤdlichen Bali benachbart. 11) Dembeia, merkwuͤrdig wegen des koͤniglichen 144 Haupt⸗Quartiers, das lange Zeit ſeinen Sitz dort *hatte. 12) Enareja, von Heiden und Chriſten bewohnt. Melee⸗Saghedus bekehrte deſſen Koͤnig zum Chrißtenthume, und unterwarf das Reich ſelbſt ſeiner Herrſchaft. Gregorius lobt die Rechtſchaffenheit und Biederkeit ſeiner Bewohner. Der Boden des Landes iſt fruchtbar und goldhaltig. 13) Fatagarx graͤnzt an Bali. Sein oͤſtlichen Tbeil war ehedem von Chriſten bewohnt. 14) Gafat, das Nachbarland von Dampt. 15) Gajete oder Gajeque. 16) Gann oder Ganhe. 17) Ganz, welchen Namen man mit dem von Bali oͤfters in einen— Baleganz— zuſammen gezogen lieſt. 18) Gedm graͤnzt oͤſtlich an Dawaro. 19) Gojam, merkwuͤrdig, ſeitdem man in dem⸗ ſelben die Quelle des Nils aufgefunden hat. Das Land ſelbſt bekommt durch die Umſtroͤmungen des Nils die Form einer Halbinſel. 20) Gombo. 21) Gongg. 22) Gurachs. 23) IJfat, an dem oͤſtlichen Theile von Shewa gelegen. 24) Samen, nach Tellez Cemen. 25) Set, mit heidniſchen Bewohnern. 145 26) Shewa, oder portugieſiſch Choa, ein weit⸗ ſchichtiges und reiches Land— war einſt der oͤftere Aufenthalts⸗Ort der Koͤnige, und daher ſonſt beruͤhm⸗ ter, als Amhara. Es theilt ſich in Ober⸗ und Unter⸗Shewa, und hat einige Staͤdte und viele Kloͤſter. In Shewa war Dabra Libanos ehe⸗ dem der Sitz des Jeeghus, des Generals der Moͤnche. 27) Shat, oder Chat. 28) Tegre oder Ti gra, eine der vorzuͤglicheren Provinzen an der Graͤnze von Aethiop ien. Es war das Vaterland der vorigen Koͤnige, die in Ax u⸗ ma wohnten. Sein vorzuͤglichſter Theil liegt am rothen Meere, und heißt deßwegen auch See⸗Land. Es hat mehrere Statthalterſchaften, die von verſchie⸗ denen Voͤlkerſtaͤmmen bewohnt werden, unter denen Hamaceen zu bemerken, welches zwar dem Koͤnige von Habeſſinien unterthänig iſt, aber ſich ſelbſt ſeine Statthalter und Geſetze giebt, und einen kleinen Freiſtaat bildet, in welchem verwieſene Fluͤchtlinge Zuflucht finden. 29) Walaka— oder Oleca— oder Holeca zwiſchen Amhara und Shewa. 30) Wedt— oder Ogge. Dieſe Provinzen mit ihren vielen Statthalte⸗ ſchaften hat Gregorius uns angegeben: noch meh⸗ rere zaͤhlt deren Tellez auf, der aber auch dagegen Jandere der ſchon aufgefuͤhrten uͤbergeht. 5oſtes B. Afrika. I. 2. 2 146 Folgende Laͤnder und Proovinzen hat der Koͤnig von Habeſſinien jetzt noch im Beſitze: Amhara— Bagemder— Cambot— Damot— Dembea— Enareja— Gojame— Samen— einen Theil von Shewa, Emfraca— Mazaga— Tzagadea— Wagara— Walja⸗ kita, und noch andere unbedeutende Landſtriche. Alle dieſe Laͤndereien machen zwar noch den beſten, aber kaum den halben Theil des alten Habeſſiniens aus, das uͤbrige eroberten und verheerten die Gal⸗ laner. IV. Von der Beſchaffenheit des Clima und der Luft— von Stuͤrmen— Winden und aͤhnlichen in Habeſſinien vorkom⸗ menden Luft⸗Erſcheinungen. Bei ſo vielen und verſchiedenen Laͤndern iſt auch die Beſchaffenheit der Luft verſchieden.— In den Ebenen und tiefer liegenden Gegenden iſt nach dem Zeugniſſe aller Geographen und Naturforſcher, ſelbſt des Seneca und des Plinius eine faſt unausſteh⸗ liche Hitze, ſo daß viele Striche von der Sonne ganz verſengt und ausgebrannt ſind. Nur die eigenthuͤm⸗ liche phyſiſche Beſchaffenheit der Bewohner und dis haufigen Gebirge machen das Land bewohnbar. Deng je hoͤͤer man von der Kuͤſte des rothen Meeres auf 147. die Gebirge ſteigt, deſto gemaͤßigter trifft man die Luft. ſo, daß(nach Tellez) Gegenden ſind, die ein milderes Clima als Portugall haben, ja ſolche, in deuen man die Kaͤlte mehr ſcheuet, als die Hitze, wiewohl es wenig oder gar keinen Schnee hat, daher iſt denn auch im Ganzen die Luft ſo geſund, daß bei den Habeſſiniern ein Alter von 100 Jahren gar nichts ſeltenes iſt. Nur in Tegre herrſchen gegen den Anfang des Aethiopiſchen Winters, beſonders im Sep⸗ tember und Oetober, haͤufige Fieber. Dieſe Verſchiedenheit des Temperatur ⸗ Zuſtandes bewirket haͤufig furchtbare Donnerwetter, von denen Gregorius eine wahrbaft ſchauderhafte Schilde⸗ rung macht.. 4 In Beziehung auf die Jahres⸗Zeiten in Habeſ⸗ finien iſt Folgendes zu bemerken: Im Grunde ge⸗ nommen haben die Habeſſinier nur 3⸗ Jahres⸗Zeiten. Ihr Cramt— Winter— beginnt am 15. Juni, und beſteht in einem ſo beſtaͤn digen Regnen und Aus⸗ tteten des Waſſers aus der Erde, daß die Habeſſinier ihre Wohnungen nur auf erhaßene Orte bauen koͤnnen, um ſie gegen die Ueberſchwemmung des Winters zu ſichern. Natuͤrlich iſt dieſe Jahreszeit auch fuͤr Fremde ſehr laͤſtig.— Uebrigens iſt der Winter auch in Laͤn⸗ dern von gleicher Lage weder gleichzettig noch von gleicher Beſchaffenheit. 6 148 Der Fruͤhling— Matzau— der Habeſſinier beginnt am 25. September, und mit ihm die Uespig⸗ keit und Fuͤlle des Pflanzen⸗Lebens. Auf ihren Fruͤhling folgt ihr Tzadai— Herbſt, welcher Jahreszeit wohl dieſer Name nicht gebuͤhrt, einmal deßwegen, weil ſie unmittelbar auf den Fruͤh⸗ ling falgt, und dann, weil da ſaͤmmtliche Gattungen von Fruͤchten ihre Reife erhalten. Man koͤnnte eben daher dieſe Jahreszeit fuͤglicher Sommer heißen. Eben ſo iſt ihr darauf folgender Hagai nichts an⸗ ders, als ein Sommer. Herbſt kann er nach unſern Begriffen nicht heißen, da zu dieſer Zeit nicht, wis bei uns, die Obſt⸗ und IWWeinleſe ſtatt findet; dagegen mag er als vie heißeſte Iihreszeit wohl eher auf die Benennung des Sommers Auſpruch machen. Dem⸗ nach haͤtten die Habeſſtnier keinen Herbſt, und eigent⸗ lich nur 3 Jahres⸗Zeiten. Die Tag⸗ und Nachtzeiten ſind in Habeſſinien, als unter dem Aequator gelegen, faß immer gleich, dagegen die der Morgen⸗ und Abend⸗ Daͤmmerung weit kuͤrzer, als bei uns. Es taget ſchon, ehe noch e Sonne erſcheinet, und wenn ſie untergegangen iſt, wird es auch ſogleich Nacht. Die Winde ſind auf den Gebirgen haͤufig und angenehm, und machen, wie wir ſchon oben ſagten, die Luft gemaͤßigt und geſund; dagegen in Vertiefun⸗ gen und Ebenen trifft man eine heiße, faule und lehr — 149 ſchaͤdliche Luft, beſonders auf den Inſeln des Ery⸗ thraͤiſchen Meeres. Merkwuͤrdig iſt in Aethiopien der ungemein fuͤrchterliche Wind Sendo. In unſerer Sprache be⸗ deutet dies Wort eine Schlange, welche Benennung dieſes Windes wahrſcheinlich daher kommt, weil einige behaupten, daß er ſichtbar ſey, und die Geſtalt einer Schlange habe, weswegen ihn die Griechen auch Ty⸗ phon nennen. Die Niederlaͤnder heißen ihn Hooß. Die Gewalt dieſes Wirbel⸗Windes iſt ſo groß, daß er Haͤuſer, Eichen, Felſen, und alles, was ſeiner Wuth im Wege ſteht, niederſtuͤrzt, und oft mit ſich in die Luft reißt. Wehe den Schiffen, die er auf offener See erreicht. V. Von den hoͤchſten Bergen Habeſſi⸗ niens und ſeinen wunderbar geformten Felſen. 1 Habeſſinien iſt im Ganzen ſehr gebirgigt. Schon 2 Tagreiſen vom rothen Meere hat man die hohen Gebirge von Tegre zu beſteigen. Unter ihnen erhebt ſich hoch uͤber die uͤbrigen der Lamalmonus, der wegen ſeines engen Pfades und ſeiner unabſeh⸗ baren Untiefen nur einen lebensgefaͤhrlichen Uebergang darbietet. Doch ſind nebſt Tegre auch Bagemder, Gojame, Waleka, Shewa und die uͤbrigen Laͤnder, etwa Dembeia ausgenommen, von hohen Gebirgs⸗Ketten durchzogen. Beſonders erheben ſich die Gebirgs⸗Maſſen von Amhara und Samen in eine ſo unermeßliche Höhe, daß ſie gleichſam einen Hoͤcker Habeſſiniens bilden. Ferner giebt es hier ſehr viele Aornos(hohe indiſche Felſen) von denen Felllez erzaͤhlt, daß im Vergleiche zu ihnen unſere maͤchtigen Alpen und Pyrenaͤen als kleine Huͤgel er⸗ ſcheinen, daß den Wanderer ſchon bei ihrem Anblicke ein Schauer anwandelt, daß nach Curtius Zeug⸗ niſſe der Adler vergebens ihre Gipfel zu errei⸗ chen ſucht. Zwiſchen dieſen Gebirgen, ja oͤfters in der Mitte aus einer Ebene heraus, ſteigen von allen Seiten ſteile und abſchuͤſſige Felſen bervor, welche die ver⸗ ſchiedenartigſte Geſtalt baben. Sie erſcheinen in der Ferne bald als hohe Thuͤrme, bald als Pyramiden, bald als ungeheuere Kegel, bald als im Quadrate erbaute, von Menſchen⸗Haͤnden aufgefuͤhrte Burgen. Dabei ſind ihre Scheitel groͤßtentheils ſo geraͤumig, daß man Felder, Wieſen, Waͤlder, Quellen, ja ſogar Fiſchteiche und anderes zum Leben Nothwendiges auf ihnen findet. Sie ſind daber auch meiſtens bewohnt, und an ihnen zu dieſem Behufe, in Ermanglung be⸗ quemer natuͤrlicher Pfade, Leitern angebracht. Noch verdient hier einer Erwaͤhnung der be⸗ ruͤhmte Folſen Geshen in Amhara, welcher ver⸗ wieſenen Aethiopiſchen Großen zum Aufenthalts⸗Orte 151 angewieſen iſt. Dieſer iſt ein faſt unbezwinglicher Fels, von allen Seiten abſchuͤſſig, ungemein hoch, und von der Geſtalt eines Kaſtells. Sein Zugang iſt an⸗ faugs nicht ſehr ſteil, zuletzt aber ſo beſchwerlich, daß man die Habeſſiniſchen Stiere, die ſonſt gleich Stein⸗ boͤcken uͤber Felſen klimmen, hier an Seilen hinauf⸗ ziehen und herablaſſen muß. Dabei hat ſeine Ober⸗ flaͤche die Ausdehnung einer halben portugieſiſchen Melle und eine halbe Tagreiſe im Umfange. Daß es bei ſolchen Gebirgen ungeheure Schluͤnde und Abgruͤnde gebe, laͤßt ſich leicht denken. Sie ſind nach der Schilderung der Geographen ſo unabſehbar, daß man in dieſe Untiefen, wie in den Mittelpunkt der Erde, zu ſehen glaubt. Daß es daher eben ſo wenig Ebenen giebt, iſt wieder klar. Die groͤßte iſt in Dembeja am See Tzane von ungefaͤhr 20 por⸗ tugieſiſchen Meilen in der Laͤnge und 4— s in der Breite. Ein ſolches Gebirgsland muß dem erſten Anſcheine nach viel Abſchreckendes und Wildes haben. Doch man nehme nur auf die unſchaͤtzbaren Vortheile Ruͤck⸗ ſicht, welche dieſe Gebirge den Habeſſiniern gewäͤhren, und man wird vielmehr die goͤttliche Vorſehung auch hier bewundern. Dieſe Berge mildern die unertraͤg⸗ liche Hitze des Himmelsſtriches, und machen den Ha⸗ beſſiniern ihr Vaterland bewohnbar. Hinter dieſen Bergen vertheidigen ſie ſich, wie in natuͤrlichen Feſt⸗ ungen gegen ihre maͤchtigen Feinde, die Adelenſer 152 und Gallaner. Dieſen Bergen entſpringen die herrlichſten Quellen, woran die Ebenen der heißen Zone gaͤnzlichen Mangel haben. VI. Von den Metallen und Mineralien in Habeſſinien. So ungeheure Gebirgsketten und ein ſo außer⸗ ordentlicher Grad von Hitze laſſen allerdings eine große Menge Metalle und Mineralien erwarten, wie auch wirklich Habeſſinien daran einen großen Reich⸗ thum hat. Beſonders fuͤhren die Fluͤſſe viel Goldſand in der Groͤße einer Wicke, und ganz vollkommen rei⸗ nes Gold mit ſich, welches hoͤchſt wahrſcheinlich ihre Fluten den Eingeweiden der Gebirge entreißen, und in ihrem Sande mit ſich ſchwemmen. Damot und beſonders Enareja erfreuen ſich dieſer Wohlthat Silber haben die Habeſſinier keines, entweder weil ihre Gebirge keines enthalten, oder weil ſie es nicht zu gewinnen wiſſen, da uͤberhaupt die Habeſſinier weder die Kunſt verſtehen, noch die Geduld und die Neigung dazu haben, Bergwerke anzulegen. Warum ſollten ſie auch nach Schaͤtzen trachten, welche nur die habſuͤchtigen Tuͤrken zum Kriege gegen ſie reizen wuͤr⸗ den? Daher halten ſie es mit dem ihnen viel ſchaͤtz⸗ bareren Eiſen, welches ihnen die Oberflaͤche ihres Landes ohne viele Muͤhe giebt. — 153 Nebſt vielen andern Mineralien hat Habeſſi⸗ nien vorzuͤglich Ueberfluß an Salz, beſonders an den Graͤnzen von Tegne und Angora, wo ſich ganze Berge natuͤrlichen Salzes befinden. Das Salz ſelbſt iſt weiß, von guter Qualitaͤt, innen weich, wird aber, ſobald es gegraben und in die Luft gebracht wird, hart. Darin beſteht der eigentliche Reichthum der Habeſſinier: denn es wird deſſen eine unſaͤgliche Menge durch Karavanen in die benachbarten Laͤnder, wo es ſeltener iſt, verfuͤhrt, und trotz des beſtaͤndigen Ausfuͤhrens wird dieſe Salzmaſſe dennoch nie erſchoͤpft. Die Habeſſinier haben daher hierin einen Schatz, der Gold und Sdelſteine aufwiegt, worauf ſie wenig Werth legen, als auf Dinge, die im Ganzen des Menſchen Leben nicht gluͤcklicher machen. Deßo böͤher ſchaͤtzen ſie ſtatt der Edelſteine andere Mineralien, die ſie als der Geſundheit zutraͤglich kennen, und unter dieſen beſonders eine Art von Spießglas, Cuchel oder Co⸗ hol welches ſie ſowohl als Augenarznei, wie auch als Zierde des Koͤrpers gebrauchen. VII. Von den Fluͤſſen Habeſſiniens. Vom Nil. Vom See Tzana. Bei weitem groͤßere Schaͤtze als an ihren Me⸗ tallen, haben die Habeſſinier an den Fluͤſſen, die aus ihren Gebirgen hervorſtroͤmen: denn ſie ſind es, die ih⸗ nen und den Nachbar⸗Voͤlkern groͤßere Vortheile ver⸗ 154 ſchaffen, als ſelbſt das Gold, nach welchem die Men⸗ ſchen ſo gierig ringen und trachten.— Dieſe Fluͤſſe ſind Folgen des langen Winterregens. Das Waſſer ſammelt ſich in unterirdiſchen Hoͤhlen und Felſen⸗ kluͤften, bis es einen Durchgang findet, oder ſich er⸗ bricht, daher auch in jenen Gegenden, wo ſelten Regen faͤllt, faſt gar keine Fluͤſſe ſind. Unter allen Stroͤmen Habeſſiniens, ja wohl der Erde, zeichnet ſich offenbar der Nil durch die Laͤnge ſeines Laufes, durch die Menge ſeines Waſſers und deſſen Suͤßigkeit, Heilſamkeit und Fruchtbarkeit aus. Die Habeſſmier heißen ihn Abawi— Vater, gleichſam Vater der Fluͤſſe— und die Aethiopier uͤberhaupt, Gejon. Jahrtauſende war der Urſprung dieſes merkwuͤr⸗ digen Fluſſes unbekannt, und vergebens waren alls Anſtrengungen, alle Verſuche, des Niles Quellen zu finden, unnütz und falſch alle Muthmaßungen, nach welchen man ſie in das Paradies des erſten Menſchen⸗ Paares, oder gar in die Gebirge des Mondes verſetzte, bis endlich die Portugieſen das große Raͤthſel loͤſten, und auf ihren Reiſen nach Habeſſinien die beiden roͤthlichen und ſehr tiefen Quellen des Nils auf einer kleinen Anhoͤhe an einer ſumpfigen Gegend fanden, und zwar im weſtlichen Theile des Reiches Gojame in der Provinz Sabala. Er fließt von ſeiner Quelle, nachdem er mehrere Gewaͤſſer an ſich gezogen hat, durch den See Tzana, 2 Ot 154 ohne ſeine Farbe zu aͤndern, wendet ſich dann gegen Mittag, ſtroͤmt links Bagemdra, A mhara, W a⸗ leka, Shewa und Damot vorbei, und nimmt die verſchiedenen Fluͤſſe dieſer Laͤnder auf, als: den Balshlo, Tzohnag, Kecem, Jema, Roma und Woneit; rechts umſtroͤmt er wie im Kreiſe Gojam, verſtaͤrkt ſich durch deſſen Fluͤſſe Muga, Abaja, Aswari, Temei, Gult und Tzulz wendet ſich nochmals, gleichſam Abſchied von ſeiner Quelle zu nehmen, weſtlich, verlaͤßt dann rechts Habeſſinien, richtet, nun ſchon zum großen Strome angewachſen, ſeinen Lauf noͤrdlich durch duͤrre und ſandige Land⸗ ſchaften, um endlich Aegypten mit ſeinen Segen bringenden Wogen zu begluͤcken. Was das Austreten des Nils in Aegypten, und die dadurch bewirkte Fruchtbarkeit dieſes Landes be⸗ langt, ſo hat ſie aller Vermuthung nach ihren Grund darin: Die meiſten Laͤnder der heißen Zone werden, wenn die Sonne in die Winter⸗Zeichen zuruͤcktritt, von unaufhoͤrlichen heftigen Regenguͤſſen uͤberſchwemmt. Es ſammelt ſich daher von allen Seiten eine große Waſſermaſſe, die im gewoͤhnlichen Flußbette keinen Naum mehr findet. Wenn alſo der Nil die Ebenen Aegyptens erreicht, ſo muß er nothwendig austreten. Zu dieſer Austretung tragen wenig oder gar nichs bei die Paſſat⸗Winde, von denen einige behaupten, daß ſie die Fluten des Meeres gegen die Muͤndung des Nils zuruͤckdraͤngen, ſo deſſen Ausmuͤnden verhindern, 156 und ſeine Ueberſchwemmungen verurſachen. Allein dieſe Winde wehen bald heftig, bald minder heftig, und des Nachts gar nicht, ohne daß dadurch das Aus⸗ treten des Nils eingeſtellt wuͤrde. Auch iſt ausgemacht, daß der Nil nicht ganz nach Aegypten komme, in welchem Falle wohl ſeine Ueberſchwemmungern mehr gefaͤhrlich werden wuͤrden; ſondern daß er ſich in 2 Arme theile, von denen der groͤßere zwar noͤrdlich, der andere aber, den die Grie⸗ chen, wie den Nil uͤberhaupt Nigris nennen, weſt⸗ lich ſich wendet, und das Land der wahrſcheinlich von ihm benannten Nigriten durchſchneidet, bis ihn der Ocean aufnimmt. Man hat in Beziehung auf den Nil die keines⸗ wegs unwichtige Frage aufgeworfen, ob der Koͤnig von Habeſſinien im Stande waͤre, den Nil ſo abzuleiten, daß er nicht nach Aegypten fließe und ſo dieſem und der Tuͤrkei verderblichen Nachtheil bringe.— Die Meinungen dafuͤr und dagegen ſind folgende: Auf der einen Seite ſagt eine wirklich ſehr glaubwuͤrdige Nachricht, daß ſchon einmal ein Koͤnig von Habeſſinien dem Nil durch einen vorgeſetzten Damm eine andere Richtung gegeben, und nur durch die dringenden Bitten der Aegypter bewogen, dieſen wieder weggenommen habe.— Ferner iſt es ganz richtig, daß nicht weit von den Quellen des Nils das ganze oͤſtliche Land abhaͤngig iſt, und nur ein Berg im Wege ſteht, nach deſſen nicht ſehr beſchwerlicher ——— Durchgrabung der Nil gar leicht eine andere Richtung erhalten wuͤrde. Endlich ſollen die Tuͤrken wirklich den Habeſſiniern deßwegen Tribut bezahlen, und die Beherrſcher Aerhiopiens haͤtten ſchon bei verſchie⸗ denen Gelegenheiten aus derſelben Urſache von den Sarazenen ſehr vortheilhafte Bedingungen und Vertraͤge erhalten. Allein dagegen ſtehet doch zu bedenken: Einer ſo rieſenhaften Arbeit, wie die Verdaͤmmung und Ab⸗ daͤmmung des Rils, ſcheinen die Habeſſinier gar nicht gewachſen geweſen zu ſeyn; dann waͤre wohl gar nicht einmal moͤglich geweſen, einem ſo gewaltigen Strome, wenn er einmal einen andern Lauf angenommen hatte, ſein altes Beet wieder anzuweiſen. Ferner wenn die Ableitung des Nils in des Koͤnigs von Habeſſinien Macht ſtaͤnde, wuͤrde nicht auch das Sehickſal A e⸗ gyptens und der Tuͤrkei in ſeinen Haͤnden lie⸗ gen? Wuͤrde er dulden, daß ſeine chriſtlichen Glaubens⸗ Genoſſen mit ihrem Patriarchen von den Muhameda⸗ nern ſo gedrangſalt wuͤrden? Wuͤrde man nicht ſchon zur Zeit der Miſſionen von den tuͤrkiſchen Baſchas, welche die Haͤfen des rothen Meeres inne hatten, mehreres durch Drohungen, als durch Bitten und Beſtechungen erhalten haben? So viel ſcheint indeſſen doch gewiß zu ſeyn, daß dort, wo der Nil ſich in 2 Arme theilt, die Ablei⸗ tung deſſelben von Aegypten keine ſo gar unge⸗ henre Arheit waͤre. Denn wenn man den erſten Arm 158 verdaͤmmte, ſo wuͤrde er dem Laufe des anderen fol⸗ gen. Wenn dann auch einige Fluͤſſe, die unterhalb der Tbeilung des Nils ſich in denſelben ergießen, nach Aegypten gelangten, ſo wuͤrde ihr Waſſer zur Ue⸗ berſchwemmung dieſes Landes doch nicht binreichen, und es und die Tuͤrkei wuͤrden die verderblichſten Fol⸗ gen davon haben.— Allein die Gegend, in welcher dieſe Ableitung des Nils ſtatt ſinden kann, oder wirk⸗ lich ſtatt fand, iſt entweder nicht mehr in der Gewalt des Koͤnias von Habeſſinien, oder die kleinen Koͤnige dieſer Laͤnder verehren ihn nicht mehr wie ſonſt als ihren Oberherrn, oder ihre Bewohner ſind nicht mehr Chriſten, ſondern zum Islamismus uͤber⸗ getreten. Wenn uͤbrigens der Nil in Habeſſinien auch nicht gans abgeleitet werden kann, ſoo beſteht doch die Moͤglichkeit, andere kleinere Fluͤſſe in dem Hochlande Habeſſiniens abzugraben, und ſo den Nil bedeutend zu ſchwaͤchen. Unter noch mehreren vorzuͤglichen Fluͤſſen, die in Habeſſinien entſpringen, fuͤhren wir ferner an den Tagaze und den Malegi. Erſterer hat ſeine Quelle in Angot, nicht weit von Bagemder in dem Berge Aſhguagua, durchſtroͤmet Tegre und Wal⸗Kajet oder Waljaket, das Gebiet der no⸗ madiſchen Aethiopier, das Reich Dequin, und ver⸗ einigt ſich endlich mit dem Nil.— Der zweite, Malegi, entſpringt in Damot, und fließt durch das weſtliche Habeſſinien in den Nil. 159 Nicht zu uͤbergehen ſind ferner auch 2 ganz ſon⸗ derbare Fluͤſſe Habeſſiniens. Der eine, Ha⸗ waſh, entſpringend in der Nachbarſchaft von Shewa und Wedt richtet ſeinen Lauf gegen das Reich Adel⸗ deſſen duͤrren Boden zu erfriſchen. Freudig empfan⸗ gen die Einwohner den Wohlthaͤter, und vertheilen ihn zur Bewaͤſſerung ihrer Felder inſo viele kleine Baͤche, daß zuletzt der Hawash aufhoͤrt zu ſeyn, und ſeine kleinen Reſte im Sande verbirgt.— Der an⸗ dere— Mareb— entſpringend in Degre, nicht weit von Fremona, fließet, im Gebiete der Cafrer angekommen, eine lange Strecke unter der Erde fort, und die Einwohner muͤſſen 10 Spannen tief graben, um ſein Waſſer und ſeine Fiſche zu gewinnen; bald darauf kommt er, nachdem er Degre beinahe ganz umfließet, nahe an ſeiner Quelle wieder zum Vor⸗ ſchein, und verſchwindet endlich, durch ſeine Wellen die trocknen Gefilde von Deauin bewaͤſſernd. Der Schifffahrt ſind die Habeſſinier gaͤnzlich un⸗ kundig; denn einmal ſind ihre Fluͤſſe fuͤr dieſelbe zu gefahrvoll; dann beſitzen ſie auch im rothen Meere keinen Hafen. Nur den See Tzane beſchiffen ſie unter Lebensgefahr mit kleinen aus einem Blocke ge⸗ hauenen Nachen.— Dieſer See liegt dieſſeits der Aequinoctial⸗Linie, und hat 13 ½ Grade der Breite. Seine Laͤnge betraͤgt 30, ſeine Breite gegen 12 por⸗ tugjeſiſche Meilen. Unter ſeinen vielen Inſeln, die 8 160 groͤßtentheils von Moͤnchen bewohnt werden, iſt die vorzuͤglichſte Tzana. Endlich iſt noch zu erwaͤhnen der fabelhafte Fluß Sambation— Sabbaths⸗Fluß, deßwegen ſo genannt, weil er alle uͤbrigen Wochentage Steine und Sand mit ſich fuͤhret, was er am Sabbathe unter⸗ laffen ſoll.— VIII. Von der Fruchtbarkeit des Bodens in Habeſſinien, ſeinen Vegetabilien und Pflanzen. Die Habeſſinier aͤrnten jaͤhrlich doppelt, in man⸗ chen Gegenden dreifach, ein Beweis fuͤr die bewun⸗ dernswuͤrdige Fruchtbarkeit des Bodens, welcher da, wo er bebaut werden kann, alle Arten Fruͤchte hervor⸗ bringt. Die Habeſſinier haben nebſt den bei uns bekannten Getraid⸗Arten und Huͤlſen⸗Fruͤchten auh noch eine uns unbekannte Getreid⸗Art, welche ſie Def heißen, mit einem ſehr kleinen laͤnglichten Korne, und zum Brodbacken ſehr brauchbar. Dagegen haben ſie unſern Roggen nicht. Den Haber achten ſie ge⸗ ringe, und fuͤttern dagegen ihre Pferde mit Gerſte⸗ Ihrer Hausthiere wegen pflegen ſie weder zu ſaͤen, noch zu aͤrnten, da ihnen die immer uͤppig bluͤhenden und graſereichen Ebenen hinlaͤnglich Futter fuͤr ſie gewaͤhren, beſonders in den milderen Gegenden, wo es daher auch Ueberfluß an Bienen und Honig giebt ——.,—— 161 Bei einer ſo großen Fruchtbarkeit halten ſie es auch nicht fuͤr noͤthig, Vorraͤthe zu ſammeln, theils im Vertrauen auf die Fruchtbarkeit ihres Landes, theils, weil ſie keine Scheunen haben. Heu fuͤhren ſie eben⸗ falls nicht zuſammen, obwohl dieſes wegen der Heu⸗ ſchrecken, die oft Hungersnoth fuͤr Menſchen und Thiere verurſachen, ſehr noͤthig waͤre. 3 Der Habeſſiniſche Boden bringt auch Kraͤuter aller Art hervor: nicht nur die gewoͤhnlichen Gewuͤrz⸗ und Mediein Kraͤuter Europa's, ſondern ganz eigene von wunderbarer Beſchaffenheit, unter welchen aber am meiſten ſich auszeichnet die Arſazoe, ein ſo be⸗ waͤhrtes Mittel gegen alles Schlangengift, daß die giftigſten Vipern damit beruͤhrt, davon betaͤubt oder todt werden. Schon der Schatten dieſes Krautes ſoll ihnen erſchrecklich und der Genuß ſeiner Wurzel ſo wirkſam ſeyn, daß man ohne Gefahr unter Schlangen wandeln kann, und ſogar auf mehrere Jahre gegen ſie ſo geſichert iſt, daß die Habeſſinier ſie mit der Hand faſſen, ihnen Halsbaͤnder anlegen, oder ſie ohne Muͤhe toͤdten. Es iſt dieſe Arſazoe wahrſcheinlich die naͤmliche Pflanze, welche jenes afrikaniſche Volk der Pfyllen wegen ihrer Kunſt, den Biß der Schlangen zu heilen, ſo beruͤhmt machte. Wilden Safran haben die Habeſſinier haͤuſig, aber keinen Hopfen; ſie brauen Bier ohne dieſen. Sie haben ferner die herrlichſten Weinſeoͤcke und Trauben, aus 50. B. Afrika, I. 2. 3 162 denen ſie jedoch keinen Wein bereiten, entweder aus Unwiſſenheit, oder weil die Trauben im Sommer zeitigen, wo der Moſt der ungeheuern Hitze wegen verderben wuͤrde. An Zucker haben ſie Ueberfluß, da⸗ gegen Mangel an Pfeffer, Ingber und andern Ge⸗ wuͤrzen, was jedoch wohl mehr eine Folge ihrer Traͤg⸗ heit zu pflanzen, als der Beſchaffenheit des Bodens ſeyn mag⸗— Auch die indiſche Feige(Ma uz) waͤchſt in Ha⸗ beſſinien von vorzuͤglicher Guͤte und Menge— dagegen hat es nicht unſere Birnen und Aepfel. Denn wenn dieſe bei uns reifen, wuͤthen in Habeſ⸗ ſinien Gewitter und Stuͤrme. Doch wachſen in demſelben perſiſche und puniſche Citronen. Fichten und Tannen erſetzen den Habeſſiniern andere grohe Baͤume. Merkwuͤrdig iſt unter dieſen der Baum En⸗ ſete mit einer Dicke von 2 Klaftern, und nicht un⸗ aͤhnlich dem indiſchen Feigenbaume. An dem Enſete ſproſſen, wenn er umgehauen wird, unzaͤhlige Neben⸗ zweige hervor, welche alle ſo genießbar ſind, daß nebſt den Fruͤchten der ganze Baum, ſogar die Blaͤtter ver⸗ zehrt werden koͤnnen. IX. Von den vierfuͤßigen Thieren in Habeſſinien. Wegen des Reichthumes an Graͤſern und der be⸗ ſaͤndigen Waͤrme dieſes Himmelsſtriches, die auf alle 163 Koͤrper einen ausdehnenden Einfluß aͤußert, giebt es in Habeſſinien auch ungemein große Thiere, be⸗ ſonders Ochſen von ſo ungewoͤhnlicher Groͤße, daß die groͤßten Ungariſchen und Ruſſiſchen als klein dagegen erſcheinen. Dagegen haben ſie ein Gehoͤrne von we⸗ nigſtens 4 Schuh in der Breite. Das Zuchtvieh Afrika's war ehedem ſehr bekannt, und noch geben ſich einige Voͤlker, z. B. die Beck⸗ lenſer nicht weit von Suagena mit der Viehzucht ab. Sie bewohnen im Sommer die Gebirge, im Winter die Ebenen, und wechſeln ſo ihre Wohnungen nach dem Beduͤrfniſſe des Futters. Edel und kraͤftig iſt in Habeſſinien die Race der Pferde, derer ſie ſich nur in Schlachten und in Wettrennen bedienen. Alle Dienſte, welche ſonſt die Pferde bei uns verrich⸗ ten, muͤſſen ihnen die Maulthiere leiſten, die ſie außerdem noch zu haͤufigen Laſttragen in den Gebirgen verwenden. Die Farben der Pferde ſind, wie bei uns, verſchieden, doch ſind die meiſten ſchwarz. Beſchlagen werden ſie nicht; wenn es durch beſchwerliche Wege geht, ſo reiten die Habeſſinier auf Mauleſeln, und die Pferde werden gefuͤhrt. Kameele giebt es nur in den Ebenen, da ſie den brennenden Sand eher, als die ſteinigten Gebirgswege gushalten. Jene ganz eigene Gattung von Schafen, wie ſie der Orient und Afrika hervorbringen, ſind auch in Habeſſinien einheimiſch. Sie haben ſo dicke 164 Schwaͤnze, daß auch die geringſten 10— 12 Pfund ſchwer ſind, weßwegen man ihnen auch einen kleinen Wagen unterlegt, um ſie leichter zu tragen und nicht auf dem Boden zu zerfleiſchen.— Andere Hausthiere haben ſie mit uns gemein. Ueberdieß ſind in Habeſſinien auch die wil⸗ den Thiere groͤßer und haͤufiger. Die Eiephanten zeigen ſich hier in Heerden zu 100 und mehreren, die aber auch in Waͤldern uad Feldern furchtbare Zerftö⸗ rungen anrichten. 4 Nebſt dem Elephanten haͤlt ſich in Habeſſinien das Giraffe auf, welches den Elephanten zwar uicht durch ſeine Dicke, wohl aber durch ſeine Hoͤhe uͤber⸗ trifft. Ein Reiter zu Pferd ſoll unter ſeinem Bauch durchreiten koͤnnen. Es hat Kopf und Hals vom Kameel, und die Haut eines Panthers. Die Habeſſi⸗ nier nennen es ſeines kleinen Schwanzes wegen Ji⸗ vata⸗Kacin. Das ſchoͤnſte und ſchneliſte, aber auch wildeſte aller vierfuͤßigen Thiere, der Zebra, iſt in Habeſſinien zu Hauſe. Die Koͤnige dieſes Landes machen damit ſehr geſchaͤtzte Geſchenke. Auch der fuͤrchterliche Loͤwe, deſſen Junge die Habeſſinier zu⸗ weilen zaͤhmen, die grauſamen Beſtien der Tieger und der Panther, Woͤlfe, die jedoch wie in allen beißen Laͤndern klein und unanſehnlich ſind, und die erſchreckliche Hiaͤne, das gefraͤßigſte aller Thiere, das mit unerſattlicher Grauſamkett gegen Menſchen und Thiere wuͤthet, ſind in Habeſſinien zu treffen. ſſſ— — 165 Unzaͤhlige Heerden von Affen durchwandern ſeine Ge⸗ birge; ihr Futter, das beſonders in Wuͤrmern beſteht, unter allen Steinen hervorſuchend. Auch den Amei⸗ ſen gehen ſie nach; aber verderblich werden ſie allen Feldern und Gaͤrten, die ſie unbewacht finden: denn dieſe werden ſicher gaͤnzlich gepluͤndert, wobei ſie mit großer Behutſamkeit und nicht ohne ausgeſtellte Wa⸗ chen zu Werke gehen. Dabei hat aber Habeſſinien auch ein recht zahmes Thierchen, das man fuͤglich wegen ſeiner Aehnlichkeit mit dieſem Thiere, Meer⸗ katze heißen koͤnnte. Es iſt verſchiedenfarbig, ge⸗ woͤhnlich hellblau, doch erzeugt Indien auch ſehr ſchoͤne weiße, die ſo zart ſind, daß ſie nur aͤußerſt ſchwer zu uns gebracht werden koͤnnen. Noch nennet uns Gregorius ein ſtarkes und reißendes Thier, welches die Einwohner jener Gegenden Arweharis nennen— ohne Zweifel der Harſhan — Einhorn— der Araber, welches ungemein ſchnell iſt, und die Geſtalt einer Ziege hat. Einige halten dieſes Thier fuͤr den Monoceros der Alten, andere für ein ganz fabelhaftes, andere fuͤr eine gaͤnzliche Mißgeburt der Natur. Indeſſen ſpricht die Nachricht Johann Gabriel's, und die Schilderung mehre⸗ rer Portugieſen und anderer Augenzeugen dahin, daß der Arweharis wirklich eine Art Einhorn ſey, von der Groͤße und Geſtalt eines Pferdes, von kaſtanien⸗ brauner Farbe, ſchwarzen aber kurzen Maͤhnen und 166 Schweife. Es lebe einſam in den Waͤldern, und gehe nur ſelten in das Freie. Es ſind noch viele Nachrichten uͤber dieſes Thier vorhanden, aber alle verſchieden lautend, und daher nicht zuverlaͤßig. X. Von den Amphibien und Waſſerthieren Habeſſiniens. Unter dieſen ſteht zuerſt das rieſenhafte Nilpferd, von den Habeſſiniern Gomari genannt. Dieſes Thier hat, wie bekannt, eine ungeheure Koͤrpermaſſe und erſtaunliche Staͤrke. Seinen Namen hat es deß⸗ wegen, weil es am Kopfe einem Roſſe ſehr aͤhnlich iſt: jedoch hat es keine Maͤhne, kurze Fuͤße, eine glatte und kahle Haut, und iſt wenigſtens noch einmal ſo groß, als ein Ochs. Im See Tzana halten ſich ihrer viele auf, in deſſen Naͤhe ſie die Saaten ver⸗ wuͤſten, kleine Fahrzeuge umſchlagen, und ſo das Schiffen auf dieſem See unſicher machen. Gleich faſt allen uͤbrigen reißenden Thieren fuͤrchtet es auch das Feuer, und kann dadurch mit leichter Muͤhe ferne ge⸗ halten werden. Man macht auf ſie Jagd, ißt ihr Fleiſch, und benutzet auf mancherlei Weiſe ihre ſehr dicke Haut, beſonders zu Schilden. Weit fuͤrchterlicher iſt das Krokodil, das ſich zwar nicht in dem See Tzana, aber in dem Fluſſe Ta⸗ ea ze, der in den Nil ſich ergießt, aufhaͤlt. An man⸗ chen Orten giebt es ſehr große Waſſer⸗Eidexen, unter — 167 ühnen eine— Angueg genannt, die uͤberaus haͤßlich anzuſehen iſt, und einen ſpitzigen Schwanz hat, mit em ſie ſehr kraͤftige Schlaͤge verſetzen kann, weßwe⸗ zen ſie die Roͤmer Caudiverbera heißen. Uebrigens haben alle Seen und Fluͤſſe Habeſ⸗ ſiniens Ueberfluß an Fiſchen, unter welchen vor Allem einer Erwaͤhnung verdient— der Zitterfiſch, der eine ſo außerordentliche Beſchaffenheit hat, daß derjenige, der ihn beruͤhrt, einen unausſtehlichen Schau⸗ der empfindet. Die Habeſſtnier heilen mit dieſem Fiſche die Fieber-Kranken; vielleicht moͤchte er auch gegen das Podagra nicht undienlich ſeyn, da nach der Behauptung Einiger dieſe Kraukheit nur durch Qua⸗ len und Martern geheilt werden kann. XI. Von den Voͤgeln Habeſſiniens. unter ihnen ſind merkwuͤrdig der Strauß und Caſuar, die groͤßten bekannten Voͤgel, deren un⸗ brauchbarkeit ihrer Fluͤgel die Natur mit einer unge⸗ meinen Schnelligkeit der Fuͤße verguͤtet hat— ferner der Schlangen⸗Toͤdter, der nebſt dem ſchon an⸗ gefuͤhrten Kraute Arſazoe das beſte Mittel gegen die Schaͤdlichkeit der Schlangen iſt. Dieſer Vogel ſoll ſogar durch ſeinen Ruf den Jaͤgern die Schlupf⸗ winkel derjenigen Schlangen, uͤber die er ſelbſt nicht Herr werden kann, verrathen. Er iſt etwa ſo groß, wie eine Lerche. 168 Unſere zahmen Gaͤnſe haben die Habeſſinier nicht, und nicht wenig pries Gregor die Eigenſchaften dieſes Vogels, als er das erſte Mal in Deutſchland auf einem Federbette ſchlief. Uebrigens ſind die meit ſten europaͤiſchen Voͤgel auch in Habeſſinien zu Hauſe, etwa den Kukuk und Adler ausgenommen. Gefluͤgelte Roſſe— Candorae— und andere ge⸗ fluͤgelte Ungeheuer werden als fabelhaft, billig mit Stillſchweigen uͤbergangen. XII. Von den Schlangen und Inſekten. Wir kommen nun zu den zahlloſen Arten boͤsar⸗ tiger und ſchaͤdlicher Thiere, die in Habeſſinien 7 zu Hauſe ſind. Unter dieſen giebt es theils ſehr grofe Schlangen, die zwar nicht giftig, aber doch ſo ge⸗ waltig ſind, daß ſie ganze Kinder, Schweine, Laͤmmer, ja gehoͤrnte Boͤcke verſchlingen, wie die Rieſen⸗ Schlange— Boas-— theils ſolche, deren Gift auf eine erſchreckliche Weiſe wirket, wie die Waſſer⸗ Schlangen, welche in ſumpfigten Gegenden ſich auf⸗ halten. Weit ſchaͤdlicher noch ſind dieſe im Sommer, wenn die gluͤhende Sonne alle Suͤmpfe ausgetrock⸗ 3 net, und Durſt und Hitze ſie vollends wuͤthend ge⸗ macht hat. Sie ſind nach Gregor's Erzaͤhlung von der Laͤnge und Dicke eines Maͤnner⸗Arms, dun⸗ kelgelber Farbe, halten ſich unter Geſtraͤuch und Kraͤu⸗ tern verborgen, und ſollen ſchon durch ihren Hauch 169 vergiften. Derſelbe Gregor giebt menſchlichen Un⸗ rath, im Waſſer genommen, als Mittel dagegen an.— Andere bekanntere Schlangen uͤbergehen wir hier, und bemerken nur noch, daß die Habeſſinier ſich vor den gewoͤhnlichen Schlaugen gar nicht fuͤrchten, und ſich gegen ſie blos mit einem krummen Stabe bewaffnen, mit dem ſie dieſelben um ſo ſicherer treffen, und er⸗ legen koͤnnen. Ueberhaupt ſind die heißen Zonen Afrika's von Schlangen ſehr bevoͤlkert, vorzuͤglich unbewohnte Ge⸗ genden, wo ſie ſich ungehindert vermehren koͤnnen. Die Habeſſinier treiben in diejenigen Gegenden, wo ſie ihre Eier hinlegen, Ochſen, die ſie mit Arſazoe gegen ihr Gift geſichert haben, um ſie zertreten zu laſſen, wodurch ſie der ſo ſchnellen Vermehrung der Schlangen großen Einhalt thun. Weit verderblicher aber, als dieſe Schlangen, ſind unter den Inſekten die Heuſchrecken. In unſaͤglicher Menge, die Sonne verfinſternd, fallen ſie uͤber das Land herein, und da, wo zuvor bluͤhende und gruͤnende Fluren waren, wird das Land plötzlich eine Wuͤſte. Hungersnoth und Peſt ſind die natuͤrlichen ſchrecklichen Folgen, indem die Habeſſinier keine Vorraͤthe ſam⸗ meln, und nur durch die Heuſchrecken ſelbſt, die ſle aus Hunger und Rache gierig verzehren, ſich eine Zeit lang erhalten. 4 Unter den uͤbrigen vielen Inſekten⸗Arten zeichnet ſich die Habeſſiniſche Biene durch die große Maſſe . 170 Wachs und Honig, welche ſie bereitet, und dieſer Wachs und Honig durch ſeine beſondere Guͤte aus. Auch gilt der Habeſſinier Honig als eine vorzuͤgliche Arzuei. Bemerkenswerth ſind die ungewoͤhnlich großen Ameiſen dieſes Landes, welche ſie Gundan heißen. Dieſe ziehen in einem ganz regelmaͤßigen Zuge einher, ſo daß ſie gleichſam einen ordentlich gebahnten Weg hinter ſich laffen. Die Nahrung, die ſie ſinden, ver⸗ zehren ſie ſogleich, und ihr Biß iſt ſehr ſchmerzkaft. Noch zwei Arten von Ameiſen, von denen eine ge⸗ fluͤgelt iſt, und welche ebenfalls in Habeſſinien ſich finden, ſcheinen ganz mit den unſrigen uͤberein zu kommen. XIII. Beſchaffenheit und Charakter der Habeſſinier. Tellez macht uns von den Habeſſiniern eine ſehr vortheilhafte Schilderung. Er ruͤhmt ihre Bil⸗ ligkeit, Gerechtigkeit, Verſoͤhnlichkeit, Sanftmuth, Wahrhaftigkeit und ihren chriſtlich frommen Sinn. Wirklich ſind ſie auch gar nicht grauſam, vergeſſen leicht Beleidigungen, haben ſelten Streitigkeiten, und noch ſeltner entſcheidet dieſe das Schwert. Aber alle dieſe Tugenden haben in einem hohen Grade die Enareenſer, wie dieſes die Habeſſinier ſelbſt ein⸗ geſtehen, indem ſie ſagen, daß dieſe durch Vorzuͤge —— — 171 der Seele und des Koͤrpers, durch Tapferkeit, Treue und Glauben ausgezeichnet ſeyen. Wahrlich ein herr⸗ liches Zeugniß fuͤr ein ſonſt ungebildetes Volk. Es iſt auch ausgemacht, daß die Habeſſinier, wenn ſie ſich nur auf einige Hoͤhe von Bildung erſchwingen könnten, durch geiſtige Vorzuͤge alle uͤbrigen Voͤlker Afrika“s uͤbertreffen wuͤrden. Aus dieſem Grunde ſind auch im Oriente die Habeſſiniſchen Sklaven am meiſten geſucht, und daher heißt auch der Koͤnig von Habeſſinien hie und da— Preſter⸗ Chan, welches bei den Perſern bedeutet— den Fuͤrſten der Sklaven.. Die Habeſſinier ſind ferner ſehr lernbegierig, und ganz beſonders eingenommen fuͤr ſchoͤne Kuͤnſte und Wiſſenſchaften. Haͤtten ſie Gelegenheit und Huͤlfs⸗ mittel zu lernen, wahrlich an Fleiß und Anlagen fehlte es ihnen nicht. Aber die Beſchwerlichkeit und das Gefahrvolle der Reiſen nach Habeſſinien, die Scheu der Habeſſinier ſelbſt vor langwierigen Reiſen, der Neid und Geiz der Tuͤrken, die einen hoͤheren Bildungs⸗Grad der Habeſſinier fuͤr ſich gefaͤhrlich hal⸗ ten, haͤufige Kriege im Innern, und von Außen be⸗ ſtäͤndiger Kampf mit den Gallanern, laſſen die Kuͤnſte des Friedens in Habeſſinien nicht auf⸗ keimen. Daß nicht alle Volkerſtaͤmme Habeſſiniens dieſe Lobſpruͤche verdienen, leuchtet bei einer ſo großen Ver⸗ ſchiedenheit von Menſchen leicht ein, und unter an⸗ 172 dern ſind die Tigrenſer, welche Tellez als wankelmuͤthig, treulos und grauſam characteriſirt. Nicht minder als durch Guͤter des Geiſtes, zeich⸗ nen ſich die Habeſſinier durch korperlich ſchoͤne Ge⸗ ſtalt aus. Sie haben nach Tel lez eine proportionirte Laͤnge, einen freien Blick, nicht(wie die uͤbrigen Aethiopier) aufgeworfene Lippen und eine Affennaſe, und ſind groͤßtentheils ſchwarz oder dunkelbraun, auf welche Farben ſie ſich viel zu Gute thun. Einige von ihnen ſind roͤthlich— wenige weiß.— Wenn es heißt, daß in Aethiopien auch weiße Menſchen getroffen werden, ſo ſind dieſe vielmehr ſolche, die ein ganz todtenfarbiges und dabei ausſaͤtziges Ange⸗ ſicht haben, was wahrſcheinlich von einer Krankheit kommt. Deßwegen ſliehen auch die uͤbrigen Aethio⸗ pier ſorgfaͤltig den Athem und die Beruͤhrung ſolcher krankhaften Menſchen als anſteckend. Die koͤrperliche Staͤrke und Gewandtheit der Habeſſinier iſt ebenfalls ausgezeichnet. Sie ſind wegen des herrlichen Temperatur⸗Zuſtandes der Luft aͤußerſt lebendig, ausdauernd in Arbeiten, fertig und gewandt in Ueberſteigung ihrer Felſen, und die meiſten errei⸗ chen ein ſehr hohes Alter, wenn nicht Krieg oder wilde Thiere ſie fruͤh dem Tode uͤberliefern. Nicht weniger kraͤftig ſind die Frauen, welche, was ſchon die große Anzahl der Habeſſinier beweiſet, nichts we⸗ niger als unfruchtbar ſind. Ohne Muͤhe und ſonder⸗ —— —æ— 173 liche Schmerzen, und nur ſelten unter dem Beiſtande einer Hebamme gebaͤren ſie. Rebſt den Habeſſiniern bewohnen dieſes Reich auch Juden, Mahomedaner und viele Heiden. Be⸗ ſonders zahlreich waren ſonſt die Juden, welche ganz Dembea, Wegara und Samen im Beſitze hatten. Gegenwaͤrtig leben ſie zerſtreut, jedoch die meiſten noch in Dembea, und beſchaͤftigen ſich mit Wuͤr⸗ kereien, Zimmer⸗, Bau⸗ und Schmid⸗Arbeiten, die ſie trefflich verſtehen.— Auch an die weſtliche Graͤnze des Reiches unter die Cafrer am Nile haben ſie ſich, da ſſe von Susneus aus ihren vorigen Sitzen ver⸗ trieben wurden, zuruͤck gezogen, wo ſie unter dem Namen— Falasjan— Fluͤchtlinge, bekannt find. Die meiſten haben ihre Synagogen und hebraͤiſche Bibel noch, und ſprechen unter ſich einen verdorbenen talmudiſchen Dialekt. Die Muhamedaner leben unter den Chriſten ganz frei geduldet, bebauen das Feld, und treiden den Haudel, der faſt ganz in ihren Haͤnden liegt, weil ſie als Muhamedauer ungehinderten Durchgang durch die tuͤrkiſchen und arabiſchen Laͤnder und uchere Stappel⸗ Plaͤtze vom rothen Meere her haben, 2nbe Umtauſch des Habeſſiniſchen Goldes mit Indiſchen Waaren nicht unbedeutende Geſchaͤfte machen.. Endlich wird Habeſſinien noch von zahlreichen Heiden— Cafirunag— Unglaͤubigen genannt, be⸗ wohnet, von wilden, rohen Voͤlkern, ohne Gott, 174 Obrigkeit und Geſetz— umherſchwaͤrmend in wuͤſten Gegenden, ohne beſtimmte Heimath, von haͤßlicher Geſtalt, und naͤhrend ſich von Allem, was ihnen unter die Haͤnde kommt, nicht verſchmaͤhend ſelbſt Schlan⸗ gen⸗ und Elephanten⸗Fleiſch— wahrhaft ungluͤckliche Geſchoͤpfe, mehr Thiere als Menſchen. Doch gibt es noch andere Heiden in Habeſſinien mit eigenthuͤmli⸗ chen Namen und Laͤndern, wie die Agawer auf den Gebirgen von Gojam, die Gafaten und ein Theil der Gallaner, der ehedem heftigſten Feinde der Habeſſinier.— Die Habeſſiniſchen Koͤnige haben ihnen, nachdem ſie bei Gelegenheit einer Empoͤrung von den ihrigen vertrieben worden waren, beſtimmte Laͤndereien in Gojam und Dembea angewieſen, um ſie in den Kriegen gegen die uͤbrigen Gallaner, von denen ſie abgefallen waren, zu gebrauchen. xIV. Von den in Habeſſinien uͤblichen Sprachen, und beſonders von der Aethiopiſchen. . je die Voͤlker Habeſſiniens, ſo ſind auch ihre Spra⸗ verſchieden. Doch iſt die vorzuͤglichſte und aͤlteſte die Aethiopiſche— Geez, d. i. Sprache des Reiches genannt. Sie iſt die einzige Schriftſprache, war Sprache des Hofes, oder vielmehr der Tigren⸗ ſer, in deren Hauptſtadt Axuma die Reſidenz der Koͤnige war. In dieſer Sprache werden alle profauen — 175 und heiligen Buͤcher ausgearbeitet, in ſie iſt die ganze heilige Schrift uͤberſetzt.— Joh. Potken, ein Deutſcher aus Koͤln, machte die Aethiopiſche Sprache zuerſt in Europa, namentlich zu Rom bekannt, wo er ſogar einige Buͤcher des alten Teſtaments in der⸗ ſelben herausgab. Wie er aber darauf kam, die Ae⸗ thiopiſche Sprache mit der Chaldaͤiſchen zu verwechſeln, kann man nicht einſehen, da ſie doch der Hebraͤiſchen und Syriſchen eben ſo aͤhnlich als der Chaldaͤiſchen, und mit der Arabiſchen viel mehr verwandt iſt. Es iſt uͤbrigens fuͤr den Theolo⸗ gen gar nicht unnuͤtz, einige Kenntniß der Habeſſtni⸗ ſchen Sprache ſich zu erwerben, da viele Stellen der heiligen Schrift Licht und Deutung aus ihr erhalten koͤnnen. 3 Die jetzt in Habeſſinien gebraͤuchliche Sprache iſt die Amphariſche. Der alte Zagaͤiſche Herr⸗ ſcherſtamm ſtarb aus, ein neuer Koͤnig aus Shewa, wo durchgaͤngig Amphariſch geſprochen wird, be⸗ ſtieg den Thron, und dieſer, der Digrenſiſchen Sprache unkundig, fuͤhrte mit ſeinen Hoͤflingen den Amphariſchen Dialekt faſt uͤberall ſo ein, daß man mit ihr durch alle Provinzen des Reich slan⸗ get. Sie iſt weſentlich von der Aethiopiſchen ver⸗ ſchieden, beſonders ſchwer zu ſchreiben und auszuſpre⸗ chen, und daher heißen in Aethiopien diejenigen ſchon Gelehrte, welche dieſe Sprache ſchreiben und verſtehen, da bei dem Mangel an Sprachlehren und Woͤrterbuͤ⸗ 176 chern ſie nur mit vieler Muͤhe und durch lange Uebung erlernt werden kann. Indeſſen hat aber doch die Aethiopiſche Sprache bei Abfaffung von Buͤchern, urkunden, Koͤniglichen Schreiben, und bei dem Got⸗ tesdienſte ihren Werth beibehalten. 8 Nichts deſto weniger herrſcht in den uͤbrigen Provinzen noch eine große Verſchiedenheit der Spra⸗ chen. Tellez ſagt, daß es ſo viele Sprachen als Provinzen gebe; daß in einer und derſelben Provinz die Dialekte ſo verſchieden ſeyen, als die Bewohner ſelbſt; daß aber die Gebildeteren und Vornehmeren immer, wie in Europa etwas lateiniſch, ſo in Ha⸗ beſſinten etwas Amphariſch verſtaͤnden. Die durch das Land zerſtreuten Muhamedaner ſprechen als geborne Araber ihre Mutterſprache, die am Hofe und unter den Kaufleuten hinlaͤnglich be⸗ kannt iſt— und die Juden bedienen ſich eines durch Aethiopiſche Provinzialismen verdorbenen Talmudi⸗ ſchen Dialekts, wie ſchon oben geſagt wurde. Die griechiſche Sprache verſtehen die Habeſſinier gar mich 1 8 man die große Verſchiedenheit dieſer Spra⸗ chen erwaͤgt,— wie eitel erſcheinet nicht das Bemuͤhen derjenigen, die eine beſtimmte Anzahl aller Sprachen des Erdkreiſes anzugeben wagen wollen? Sind doch ſchon in dem einzigen Afrika die Sprachen un⸗ zaͤhlig! — 177 XV. Von den benachbarten Voͤlkern Ha⸗ beſſiniens, und von den Gallanern ins Beſondere. Im vorigen Jahrhunderte waren die Adelen⸗ ſer, welche in einem blutigen Kriege unter ihrem Anfuͤhrer Grain oder Grainhe die Macht der Habeſſinier ſo erſchuͤtterten, daß ſie ſich ſeitdem nie wieder ganz erbolten. Dadurch ward es anderen ihrer Nachbarn, den Gallanern, moͤglich, die Habeſſinier auf alle Art zzu befeinden, und die Tuͤrken fanden Gelegenheit, ſich ihnen zu neuen noch gefaͤhrlicheren Nachbarn aufzudtingen. Denn dieſe hatten, ſich der See⸗Steaße nach Indien zu verſichern, eine Flotte in das Erythraͤiſche Meer geſchickt: weil aber die Portugieſen, die den indiſechen Handel allein haben wollten, alle Fahrzeuge der Tuͤrken wegnahnen⸗ ſo beſetzten dieſe die Habeſſiniſchen Inſeln Sua⸗ gquena und Matzua, ohne daß die Habeſſinier es hinderten, wovon ſie bald die nachtheiligen Folgen fuͤhlen mußten, theils in der Unterſtuͤtzung, die jetzt die Tuͤtken ihren Feinden zukommen ließen, theils in den freiwilligen Abgaben, die ſie an die tuͤrkiſchen Paſchas zu entrichten haben, um freien Einlaß fuͤr Menſchen und Waare in ihr Land zu erhalten. Aber furchtbarer noch ſind den Habeſſinienn die wilden Gallaner, und nur die Uneinigkeiten dieſer 50. V. Afrika. I. 2. 3 4 178 unter ſich ſelbſt, und die unzugaͤnglichen Felſen der Habeſſinier haben deren gaͤnzlichen Ruin durch die Gallaner aufgehalten. Dieſe brachen unter der Regierung des Etana⸗ dengkel, der eben damals gegen die Adelenſer im Gedraͤnge war, aus dem Reiche Bali hervor. Sie waren nichts anders, als ein Haufe von Sklaven, die ihren harten Herren entliefen, alle Fluͤchtlinge, Muͤßiggaͤnger, Raͤuber und anderes Geſindel an ſich zogen, und ſich, da ſie von den Habeſſiniern anfangs als Straßenraͤuber mit Verachtung uͤberſehen wurden, zu einer maͤchtigen Schaar vermehrten. Kuͤhn gemacht durch die erſten gluͤcklichen Verſuche und durch eine leicht eroberte Beute, trieben ſie ihre Streifereien in's Große, eroberten das ganze Reich Bali, und verheerten dann alle benachbarten Laͤnder. Wohl ein⸗ ſehend, daß das durch Gewalt Eroberte nur durch Gewalt zu ſehuͤtzen ſey, gaben ſie ſich eine Verfaſſung und Geſetze, welche nur auf die Anregung des krie⸗ geriſchen Feuers, und auf die Erhaltung ihrer wilden Tapferkeit abzweckten. Daher iſt auch ihr Muth ſtaͤr⸗ ker als ihre Waffen, die blos aus Speeren, Wurf⸗ ſpießen, Pfaͤlen und Schildern von Rindshaͤuten be⸗ ſtehen, und daher ſind die gleichwohl beſſer geruͤſteten and berittenen Habeſſinier ſelten im Stande, ihren Anfall auszuhalten. Nur zum Kriege geboren, verachten ſie alle Kuͤnſte und Geſchaͤfte des Friedens, und was andere Voͤlker — — —,— 179 im Schweiße ihres Angeſichtes ſich erwerben, das raubt ihnen wieder die raͤuberiſche Gewalt der Gal⸗ lauer. Sie bebauen das Feld nicht, verlegen ſich blos auf die Viehzucht, und im Kriege und Frieden treiben ſie ihre Heerden mit ſich. Das Fleiſch eſſen ſie roh und ohne Brod, ihr Getraͤnk iſt Milch, zu Hauſe wie im Felde. Auf ihren Zuͤgen fuͤhren ſie kein Gepaͤcke. Bei dieſer natuͤrlichen Wildbeit, bei dieſer aͤrmlichen und einfachen Lebensweiſe, bei ihren unentnervten Koͤrpern, bei der Schnelligkeit und Beweglichkeit ihrer Heereszuͤge, ſind ſie der Schrecken aller gebildeten, durch Ueberfluß und Reichthum verweichlichten Voöl⸗ ker; und werden ſie doch zuweilen beſiegt ſo ziehen ſie ſich mit ihren Heerden in das Innere ihres Landes zuruͤck, und ihre Armuth und die Unwirthlichkeit ihres Landes ſchuͤtzet ſie vor weiterer Verfolgung. Sie waͤhlen ſich alle s Jahre einen Heerfuͤhrer, dem ſie jedoch nur im Kriege gehoörchen, und deſſen erſtes Geſchaͤft immer ein Ueberfall der Habeſſinier ſeyn muß. Die Gallaner haben eine eigne von der Habeſſi⸗ niſchen verſchiedene Sprache, keine Bilder, aber die Beſchneidung. Ihre Gotthéit iſt der Himmel, die ſie jedoch, was ſelbſt die wildeſten Araber nicht thun, durch keinen Dienſt verehren. Dagegen zeichnen ſie ſich durch Geiſtes⸗Gaben und Gelehrigkeit aus, und beweiſen fuͤr das Chriſtenthum große Empfanglichkeit So ſind alſo die Gallaner beſchaffen, welche die Machtt 180 der Habeſſinier ſo ſehr erſchuͤtterten, ihnen die Haͤlfte ihrer Beſitzungen wegnahmen, und ſie wahrſcheinlich gaͤnzlich aufgerieben haͤtten, wenn nicht Partheien und Buͤrger⸗Kriege unter den Gallanern ſelbſt, und die Huͤlfe vieler von ihren Landsleuten vertriebenen Gallaner das Verderben der Habeſſinier aufgehalten haͤtten. Das Reich Zendero graͤnzt nicht an Habeſſſi⸗ nien: denn ſeine Graͤnze iſt noch 5— 8 Tagreiſen von Enareja entfernet, und es gehoͤret alſo eigent⸗ lich nicht hieher. Seine Einwohner ſind nicht viel gebildeter, als die Gallaner, haben jedoch einen Koͤnig und einen Gottesdienſt, oder vielmehr ſte beten, wie die meiſten wilden Indier, den Teufel an, und geben ſich diel mit Zauber⸗Kuͤnſten ab.— Dagegen iſt be⸗ nachbart mit Habeſſinien Alaba, und zwar oͤſtlich an der Seite von Cambot. 1 Weſtlich umgeben Habeſſinien nur Wuͤſte⸗ neien, und noͤrdlich graͤnzt es an das Reich Sennar oder Fundt, welches ſeinen eigenen Koͤnig har, der ſonſt unter der hoͤchſten Botmaͤßigkeit von Habeffinion ſtand, jetzt aber unabhaͤngig iſt.— eMan ſſeht, daß Habeſſinien meiſtens feindſelige umgebungen hat, und nicht mit Unrecht vergleichen 4 dir Habeſſinier ihr Vaterland mit der Blume Den⸗ guellat, die rings mit Dornen umgeben iſt. * Noch iſt in Habeſſinien ein Voͤlkehen zu be⸗ merken, welches die Nachkommen jener 400 Porku⸗. 8 — 181 gieſen ausmachen, welche Chriſtophorus Gamaͤus⸗ im Adelenſiſchen Kriege den Habeſſiniern zu Huͤlfe fuͤhrte, und von welchen nach beendigtem Kriege noch 170 uͤbrig blieben, die ſich jedoch in Rr Zeit eines Jahrhunderts zu 1400 Kriegern vermebrten, welche derjenigen Seite, auf die ſie ſich werfen, aller⸗ dings ein bedeutendes Uebergewicht geben, da ſie durch Geſchicklichkeit in der Fuͤhrung der Waffen, durch Tapferkeit und beſonders durch den Gebrauch der Musaueten vor den Habeſſiniern und Barbaren große Vorzuͤge haben. Wahrſcheinlich verlieren fie ſich mit der Laͤnge der Zeit gaͤnzlich unter die Ha⸗ beſſinier. II. Buch. I. Von den Koͤnigen der Habeſſinier, ihren verſchiedenen Titeln, Beneu⸗ nungen und Inſignien. Der Koͤnig von Habeſfinien war den Euro⸗ puͤern bisher blos unter dem Titel:„Presbvter Johannes“ bekannt. Die Portugieſen legten ihm dieſen bei, und zwar bei folgender Gelegenheit; Jo⸗ 182 hannes II., Koͤnig von Portugall, wollte, die Spuren verfolgend, die ſchon ſeine Vorfahren gefun⸗ den hatten, den Seeweg nach Indien um Afrika genauer auskundſchaften laſſen, und waͤhlte zu dieſem Geſchaͤfte zwei der arabiſchen Sprache kundige Portu⸗ gieſen— Petrus Covillianus und Alphons Payvas, welche unter andern auch den Befebhl er⸗ bielten, den beruͤhmten Presbyter Johannes, der Sage nach ein maͤchtiger Koͤnig in Aſien oder Indien, aufzuſuchen, und mit ihm, als einem chriſt⸗ lichen Koͤnige Freundſchaft und Buͤndniß zu ſchließen. Beide kamen zuruͤck, hatten aber weder in Indien, noch in Aſten einen Presbyter Johannes ge⸗ funden. Nur Petrus hatte auf dem Ruͤckwege in den Haͤfen des rothen Meeres viel gehoͤrt von dem chriſtlichen und maͤchtigen Koͤnige der Habeſſinier, der ſtatt eines gewoͤhnlichen Scepters ein Kreuz zu tragen pflege, hatte gehoͤrt von deſſen ihm unterworfenen chriſtlichen Voͤlkerſchaften, und ſogleich mußte dieſer der Presbyter Johannes ſeyn, welche Beneu⸗ nung die Habeſſiniſchen Koͤnige einige Jahrhunderte hindurch behielten. Der Name„Presbyter“ bedeutet indeſſen nichts weniger, als einen wirklichen Prieſter, wie es die Portugieſen genommen zu haben ſcheinen, ſondern mit dem Titel„Presbyter Johannes“ und dem Koͤ⸗ nige, der ihn getragen haben ſoll, mag es folgen de Bewandniß haben. Es iſt nach den vorzüglichſten — 183 Geſchicktſchreibern ausgemacht, daß ehedem an der aͤu erſten Graͤnze von Aſien, nicht weit von Tendue, gezen Cataja, ein chriſtlicher Koͤnig von großer Micht und Anſehen regieret habe. Die benachbarten Peiſer nannten ihn Preſter Chan— Fuͤrſt der Chliſten— woraus der Italiener Preſte Gianni, und der Lateiner endlich Presbyter Johannes machte. Die Portugieſen haben demnach irrig den Koͤnig der Habeſſinier ſo betitelt, wiewohl dieſe Be⸗ nennung auch bei den Habeſſiniern bekannt, gebraucht, und noch auf mancherlei oft laͤcherliche Weiſe veraͤn⸗ dert wurde. Der wahre Name des Habeſſiniſchen Koͤnigs iſt Aethiopiſch, und heißt Negus, Koͤnig, und ſein gewoͤhnlicher Titel iſt: Neg üͤga⸗nagaſth⸗ zaitjopja, das iſt: Koͤnig der Koͤnige von Aethiopien, in Beziehung auf die kleineren ihm unterworfenen Koͤnige. Angeſprochen und begruͤßt wird er mit Hatzeghé oder abgekuͤrzt Hatzel das iſt: hoher Fuͤrſt, welchen Titel die Habeſſinier, wie die Franzoſen ihr Sire, nur ihrem Koͤnige beilegen⸗ Die Perſer und Indier nennen ihn Padeshah, was gleichbedeutend iſt mit Kaiſer. Auch die Por⸗ tugieſen betiteln ihn mit Emperador Abexim. Er verdient auch ſowohl wegen der verſchiedenen ihm unterworfenen Reiche, als auch deßwegen, weil er in eigener Perſon ſtets den Oberbefehl uͤber das Heer fuͤhrt, mit vollem Rechte den Titel Kaiſer. Der allgemeine, bleibende und allen Habeſſiniſchen Koͤnigen 184 zukommende Name iſt Najashi, entſprechend dan Pharao der Aegypter, und dem Auguſt der Roͤmer. Den eigentlichen Namen eines jeden Koͤnigs betreffend, war es ſonſt Sitte, daß der Koͤnig bei dem Antutle ſeiner Regierung einen neuen, ſinnreichen Namen er⸗ haͤlt, welchen er von nun an, doch mit Beibehaltung ſeines Taufnamens, fuͤhret.—. Die Inſignien des Koͤnigs von Habeſſitien, deren er ſich auch bei Siegelung ſeiner Briefe bedieut, beſtehen in einem Loͤwen, der das Kreuz haͤlt mit dem Spruche: der Loͤwe vom Stamme Juda ſiegt. Die Koͤnigin wird begruͤßt mit Ithegbi, wel⸗ chen ſehr ehrenvollen Namen ſie jedoch nicht ſogleich nach dem Beilager, ſondern erſt nach einigen Tagen oder Monaten, wie es eben dem Koͤnige gefaͤllt, und nur oͤffentlich unter großen Feierlichkeiten und Zu⸗ jauchzen des Volkes empfaͤngt. Sie wird naͤmlich in feſtlichem Aufzuge aus ihrem Zelte in das des Koͤnigs gefuͤhrt, dort auf das praͤchtigſte geſchmuͤckt an ſeine Seite geſtellt, und dabei rufet einer der vornehmeren Hoͤflinge aus, daß der Koͤnig dieſe ſeine Magd zur Koͤnigin erhoben habe. Dieſen Ditel fuͤhrt aber nur eine der koͤniglichen Gemahlinnen, und er geht auch nur nach deren Tode auf die neue Koͤnigin uͤber. Denn die koͤnigliche Wittwe wird von dem Nachfol⸗ ger in hoher Ehre, und wie eine Mutter gehalten, auch wenn er ihr Sohn nicht iſt. — v 185 IlI. Von dem Verzeichniſſe der Koͤnige Aethiopiens. Das aͤlteſte Verzeichniß dieſer Art iſt das von einem gewiſſen Marianus Victorius Reati⸗ nus zu Rom 1552 gefertigte, und ſpaͤter als richtig und aͤcht von Hieronymus Vecchietti, einem Florentiner herausgegebene, worin er aber die Re⸗ gierungs⸗Jahre der einzelnen Koͤnige ganz willkuͤrlich und nichts weniger als der Wahrheit gemaͤß beſtimmte. Mit Recht hat der ſcharfſinnige Telletz dieſes Verzeichniß als fehlerhaft verworfen, und iſt einem anderen gefolgt, wie man aus der Aufeinanderfolge der Koͤnige und der Zahl der Regierungs⸗Jahre leicht ſieht. Auch er ſetzt den Urſprung der Habeſſiniſchen Koͤnige bis auf die Zeiten Salomos, ſich ſtuͤtzend auf Habeſſiniſche Mittheilungen von einem Geſchlechte zumn andern. Er zaͤhlt 99 Koͤnige auf, deren ſaͤmmt⸗ liche Namen er aber nicht angibt. Sein Verzeichniß hat jedoch auch folgende Unvollkommenheiten: einmal uͤbergeht er den gleichwohl geſetzwidrigen Herrſcher⸗ Stamm der Zagaiden, und dann ſetzt er das Alter der Habeſſiniſchen Koͤnige zu hoch, wiewohl es Einige giebt, die dasſelbe noch uͤber Salomo hinaus, auf heidniſche, aber ohne Zweifel erdichtete Koͤnige zuruͤck⸗ fuͤhren. Indeſſen iſt ausgemacht, daß die Habeſſini⸗ ſchen Koͤnige in Beziehung auf das Alter des Stam⸗ mes mit den beruͤhmteſten Herrſchern der Erde wett⸗ eifern koͤnnen, wenn man auch nur die Bruͤder Atzbeha und Abreha, unter welchen das Licht des Chriſten⸗ thums unter den Arumiten aufging, als die erſten Koͤnige Habeſſiniens annimmt. Uebrigens werden wir uns doch an das weit rich⸗ tigere und einfachere Verzeichniß des Tellez halten, welcher den Urſtamm der Habeſſiniſchen Koͤnige von der bibliſchen Koͤnigin von Saba herleitet, wie es ſich im folgenden Abſchnitte zeigen wird. III. Von dem Salomoniſchen Stamme, entſproſſen aus Menilehech, Sohn der Koͤnigin von Saba. Von der Erde aͤußerſten Graͤnzen war die Koͤnigin von Saba gekommen, Salomos Herrlichkeit zu ſehen und deſſen Weisheit zu hoͤren— mit großem Gefolge und vielen Koſtbarkeiten. Dieſe iſt es, welche die Aethiopier fuͤr ihre Koͤnigin ausgeben. Delle; ſchreibt hieruͤber ſo: Die Koͤnigin von Aethiopien, Maqueda, habe auf die Kunde von deſſen Macht und Weisheit den Koͤnig Salomo mit den Großen ihres Reiches, und mit koͤſtlichen Geſchenken verſehen, beſucht, von ihm Unterricht in der Anbetung des wah⸗ ren Gottes erhalten, einige Zeit nach ihrer Zuruͤckkunft einen Sohn, Menihelech geboren, welchen ſie von Salomo empfing, und ſpaͤter David nannte. In der Folge habe ſie ihn nach Jeruſalem zu ſeinem — 187 Vater geſchickt, wo er im juͤdiſchen Geſetze wohl un⸗ terwieſen, zum Koͤnige von Aethiopien geſalbt, und in Begleitung vieler vornehmer, geſetzkundiger und einſichtsvoller Israeliten, als Miniſter und Stuͤtzen des neuen Reiches, und in Begleitung des Azarias, des Sohnes des Hohenprieſters Tzadoc, als Vor⸗ ſteher des Heiligthums, entlaſſen wurde. Diefer Me⸗ nihelech ſey alſo der Stamm der Habeſſiniſchen Koͤnige geworden. Wer nun aber dieſe Koͤnigin von Saba eigent⸗ lich war, woher ſie kam, ob ſie wirklich den Meni⸗ helech mit Salomo zeugte, und in ihm den Ha⸗ beſſiniern ihren erſten Koͤnig gab, daruͤber wurde unter den Alten viel geſtritten. Wenn man freilich annimmt, daß das ganze Volk uͤber dieſen Punet einig iſt, daß die Koͤnige Habeſſiniens ſelbſt ihren Salomoniſchen Urſprung behaupten(ſo nennt Clau dius ſeine Ahnen Iſraelitiſche Koͤnige; ſo ſagt man zur Zeit der Koͤnigs⸗ Wahl, es wird ein Iſraelitiſcher Koͤnig gewaͤhlt; ſo werden die auf dem Felſen Geshen bewachten Prin⸗ zen Ifraeliten genannt) wenn man ferner bedenkt, daß die Habeſſinier wirklich in manchen Sitten und 2 Gebraͤuchen mit den Juden übereinkommen, daß es dem Characeter Salomos gar nicht widerſtreitet, wenn er auch die Koͤnigin von Saba ſeiner Umar⸗ mungen wuͤrdigte: wenn man endlich zugibt, was von vielen behauptet wird, daß naͤmlich die Habeſſinier Pflanzvoͤlker der Homeriten oder Sabaͤer und 8 188 ihre Stammverwandte ſind, ſo koͤnnte man toirklich annehmen, daß die Koͤnigin von Saba die Stamm⸗ Mutter der Habeſſiniſchen Koͤnige war. Allein nicht minder wichtige Gruͤnde ſtehen auch gegen dieſe An⸗ nahme. Die juͤdiſchen Gebraͤuche konnten auch auf eine andere Weiſe nach Salomo in Habeſſinien eingefuͤhrt werden; auch haben ſie dieſe mit Heiden und Chriſten gemein.— Wenn ferner die Verehrung des wahren Gottes ſchon damals in Habeſſinien be⸗ gann, wie konnte ſie ohne Synagogen, ohne heilige Buͤcher erhalten werden? Warum finden ſich aber dieſe nicht vor, weder in der hebraͤiſchen, noch in einer ihr aͤhnlichen Sprache? Daß die Koͤnige von Habeſſinien Iſraelitiſche Könige genannt wurden? Wurden ja auch unſere Kaiſer roͤmiſche genannt; ſtammten ſie deßwegen von den Roͤmern? Ferner, warum lieſt man denn nichts von der Geſchichte jener erſten Abkoͤmmlinge Salomos? Warum befeſtigten ſie nicht die Freund⸗ ſchaft mit ihren Landsleuten und Stamm Verwandten durch Heirathen, durch Beſuchen des Tempels in Je⸗ ruſalem, durch Leiſtung wechſelſeitiger Huͤlfe, be⸗ ſonders in den drangvollen Zeiten des Abfalls der 10 Staͤmme Iſraels, der Kriege Roboams mit Je⸗ roboam, der babyloniſchen Gefangenſchaft, der Kriege und Bedraͤngniſſe durch die Samaritaner, Sp⸗ rer, und in den unheilvollen Tagen ihrer Unterdruͤk⸗ kung durch die Roͤmer? Warum ferner ging mit⸗ —.,—-— d 189 dem Gottesdienſte der Juden nicht auch ihre Wiſſen⸗ ſchaͤftlichkeit auf die Habeſſtnier uͤber? Ihre Schrift, ihre Sprache? Warum wiſſen und halten die in Ae⸗ thiopien wohnenden Juden nichts von dieſer Ueber⸗ gabslehre der Habeſſinier? Doch wir kehren zu Me⸗ nihelech zuruͤcke. IV. Von Menihelech, dem Sobne der Ma⸗ keda und ſeinen Nachkommen, bis zur Unterbrechung der Thronfolge der Salomonaͤer. Renihelech, oder arabiſch Ebn El⸗hag nim, ſon alſo Habeſſiniens erſter Koͤnig geweſen ſevn. Sein Rame bedeutet im Arabiſchen: Sohn des Weiſen, näntlich Salomos. Nach Tellez war ſein Sohn Zagdur. Von dieſem bis auf den Koͤnig Bazen ſoll eine Reihe von 24 Koͤnigen regieret haben, uͤber wolche aber die Geſchichte nichts Zuverlaͤſſiges meldet. Unter Bazen wurde, und zwar in ſeinem achten Regierungs⸗Jahre, unſer Heiland Jeſus Chr iſt us geboren. Die in der Apoſtel⸗Geſchichte vorkommende Koͤnigin Candake war keineswegs, wie Einige wol⸗ len, eine Koͤnigin der Aethiopier: denn dieſe hatten nach einem alten Geſetze, den Weibern das Recht zu regieren abgeſprochen. Dieſe Candake war viel wahrſcheinlicher Koͤnigin uͤber einen andern Theil von Asthiopien,ſ vielleicht auf der Inſel Merog auf 4ℳ welcher ſelbſt nach des Plinius Zeugniß eine Koͤ⸗ nigin Candake regiert haben ſoll. Naͤch Bazen herrſchten in Aethiopien durch einen Zeitraum von 327 Jahren 13 Koͤnige bis auf die Bruͤder Abreha und Atzbeha. Ihre Namen ſind ſaͤmmtlich zweifelhaft: aber von den Zeiten des Arbeha und Atzbeha wird die Geſchichte der Ha⸗ beſſinier und ihrer Koͤnige viel lichtvoller. Des erſt⸗ genunnten Bruͤder⸗Paares und einiger folgenden Koͤnige erwaͤhnen nebſt andern auch die liturgiſchen Buͤcher der Aethiopier. So heißt es in ihren Diptychen: Gedenke Herr der Koͤnige von Aethiopien— Abreha und Atzbeha. Die Aethiopiſchen Dichter beſingen ihre bruͤderliche Eintracht, ihren Eifer fuͤr das Evan⸗ gelium Chriſti. Auf ſie folgte das in eben ſo ſchöͤner Eintracht berrſchende Triumvirat der Koͤnige Atzfa, Atzfed und Ameyz auf dieſe das Triumvirat Arado, Ala⸗ doba und Alamid. Zu dieſer Zeit kamen viele chriſtliche Miſſionaͤre aus Aegypten nach Aethiopien. Dem Alamid folgte ſein Sohn Tacena, und die⸗ ſem ſein Enkel Calebp den griechiſche und lateiniſche Geſchichtſchreiber Elesbaan nennen. Er herrſchte zur Zeit des Kaiſers Juiſſtin um das Jahr Chriſti 522. Er war hoch beruͤhmt durch die Zerſtoͤrung des Reiches der Sabaͤer, und durch die Rache, die er genommen an Dunawas, dem letzten Koͤnige der Sabaͤer, wegen der Grauſamkeit, mit welcher er 191 gegen die Chriſten wuͤthete, wegen der unſaͤglichen Qualen, mit denen er ſie bis zum Tode martern ließ. In der Stadt Nagran allein fielen als Opfer ſeiner Wuth und ſtarben den Martyrertod 340 Chriſten mit der heiligen Areta, deren Sohn in der Folge uͤber die Stadt Nagran geſetzt wurde. Dieſer und ſeine Rachfolger behaupteten ſich unter dem Schutze der Habeſſinier 72 Jahre im Beſitze von Steaba, bis dieſe Provinz nach vielen Reibungen mit den Perſern ein Naub der Tuͤrken wurde. Auf Caleb, den ebenfalls die Geſaͤnge Aethiopi⸗ ſcher Dichter verherrlichten, folgte der nicht minder gefeierte Gebra⸗Meskel, d. i. Diener des Kreuzes. Seine Nachfolger waren Conſtantin und Fre⸗Sennai; unter Delnoad um das Jahr 960 wurde die Thronfolge dieſes Stammes unterbro⸗ chen, und ein anderer griff nach dem Scepter Ha⸗ beſſiniens. v. Von dem Zagaͤiſchen Herrſcher⸗Stamme. Nach dem Tode Delnoads bemaͤchtigte ſich die Familie der Zagaͤer des Habeſſiniſchen Thrones, und behauptete ſich 340 Jahre auf demſelben durch die Ruchloſigkeit und Umtriebe eines Weibes, Namens Eſſat. Die Namen der Herrſcher aus dieſem Stam⸗ me ſind meiſtens unbekannt oder verdaͤchtig. Doch zaͤllt Marignus Vietorius ein Weib, Namens 192 Tredda⸗Gabbez; auf, welche alle Nachkommen des Salomonaͤtſchen Geſchlechtes aus dem Wegs räumte, bis auf einen Juͤngling, der ſich unter den Schutz der Großen von Sheiwa fluͤchtete, die dem rechtmaͤßigen Koͤngs⸗Stamme zugethan blieben. Tellez iſt auf die ſaͤmmtlichen Zagaͤer nicht gut zu ſprechen, wiewohl unter ihnen einige große und merkwuͤrdige Fuͤrſten waren, als: Degna Mi⸗ chael, Newaja Chriſtos, deſſen koͤnigliche Frei⸗ gebigkeit beſungen wird. Ganz vorzuͤglich aber zeich⸗ nete ſich aus Lalibalg deſſen kuͤnftige Groͤße ſchon ein Bienenſchwarm, der ſich auf ihn als Kind, ohn⸗ ihm zu ſchaden, geſetzt hatte, vorgedeutet wurde. Großen Ruhm erwarb er ſich durch die herrlichen Tempel, die er durch Aegyptiſche Kuͤnſtler errichten ließ, und zwar, was bis jetzt in Habeſſinien unerhoͤrt war, aus bloßen Felſen und Saͤulen, ohne des Kalkes oder einer andern bindenden Materie ſich zu bedienen. Dieſer Fuͤrſt regierte gleich ſeinem Sohne Imra 40 Jahre. Der letzte, ebenfalls nicht underuͤhmte Koͤnig dieſes Stammes war Nagacueto⸗Lgaabus. VI. Wiedererbebung der Salomonaͤer auf den Thron. Nach dem Ausſterben der Zagaͤiden um das Jahr 1300 verhalfen die Großen von Shewa dem Aicuna⸗Am lae, einem Prinzen des Salomoniſchen — 193 Hauſes wieder zur Krone ſeiner Ahnen, welche ſeine Nachkommen bis auf unſere Zeiten behaupteten. Ih⸗ rer waren nach Tellez bis auf Zar⸗a⸗Jacob 46, deren Namen wir hier aus Veecchietti einruͤcken: 1) Aieuna⸗Amlac, 2) Jag bea⸗Tzejon, 3) Baharſarda, 4) Esbraad, s) Cadem Sag⸗ hed, 6) Zenſaghed, 1) Udimrad, 8) Amdetze⸗ jon, 9) Seifaarad, 10) Udmaasfan, 11) Da⸗ vid, 12) Theodorus, 13) Iſaacus, 14) An⸗ dreas, 15) Hesbinaani und 16) deſſen Sohn Amde⸗Jeſus. Auf dieſen folgte Zar⸗a⸗Jacob mit dem Beinamen Conſtantin, ein ausgezeichneter Fuͤrſt, der beſonders die aͤußern Angelegenheiten ſeines Reiches klug zu leiten wußte. Der Nachfolger Zar⸗a⸗Jacobs war Baͤda Mariamus Cyriacus, er beſtieg den Thron 1465, ſtarb nach 10 Jahren und hinterließ eine Wittwe, Helena. Alexander regierte von 147s5 bis 1494. Zu feiner Zeit kam der erſte Portugieſe, Petrus Co⸗ villianus nach Habeſſinien. Sein Sohn Arnda⸗Tzejon ſtarb ſchon nach einer Regierung von 6 Monaten. Sein Oheim Naod ward, als ſein Bruder Alexander die Regierung au ſich riß, auf den Felſen Geshen verwieſen, aber von den Großen, nachdem Alexander ohne mann⸗ liche Nachkommen geſtorben war, auf den Thron ge⸗ rufen. Er regierte 13 Jahre, und ſtarb 1508. 60. B. Afrika. I. 2. 3 5 Sein zweiter Sohn(der Erſtgeborne ward fuͤr regierungs⸗unfaͤhig erklaͤrt) Namens Stana⸗deng⸗ kel, mit dem Beinamen David, war bei dem Tode ſeines Vaters noch minderjaͤhrig, und ſtatt ſeiner ergriff die Zuͤgel der Regierung ſeine Großmutter, oben genannte Helena, eine ungemein kluge und großherzige Frau, deren Andenken noch lebt in den Herzen der Aethiopier. Auch in Europa wurde ſie bekannt durch ihre Briefe an den portugieſiſchen Koͤ⸗ nig Emanuel. Uebrigens herrſchte David, ſo lange ſeine Großmutter lebte, ſehr gluͤcklich, und trug mehrere glaͤnzende Siege uͤber die Adelen ſer davon. Aber nach Helena's Tode ergab er ſich der Schwel⸗ gerei und Wohlluſt, und gegen das Ende ſeines Lebens verfolgte ihn das Unglück auf allen Seiten. Die Adelenſer nahmen ihm unter ihrem Feldherrn Graine ſchier das ganze Land, und die Gallaner brachen aus Bali hervor. Von ſeinen 4 Soͤhnen ſtarb der erſte, Vietor, noch vor ihm; von den 3 uͤbrigen Claudius, Jakob und Menas ſoll jetzt die Rede ſeyn. 1 Claudius mit dem Beinamen Atznaf⸗Sag⸗ hed haͤtte in keiner ungluͤcklicheren Zeit an die Re⸗ gierung kommen koͤnnen. An den aͤußerſten Graͤnzen ſeines Reiches mußte er ſich verſteckt halten, und nur die wahrhaft wunderbare Huͤlfe, die ihm Gott durch Johannes III., Koͤnig von Portugal, zu Theil wer⸗ den ließ, rettete ihn von gaͤnzlichem Verderben⸗ 195 Claudius beſaß Vorzuͤge des Geiſtes und Koͤrpers, war in den heiligen Wiſſenſchaften nicht unwiſſend, ward aber von den Miſſions⸗Prieſtern darin getadelt, daß er die Hoheit des roͤmiſchen Stuhles nicht in ihrer ganzen Groͤße anerkannte. 18 Jahre hielt er unter vielen Anſtrengungen ſein Reich aufrecht, bis er im Maͤrz 1569 gegen Nurus, Feldherrn der Ade⸗ lenſer, Schlacht und Leben verlor. Er hinterließ keine Kinder; daher ging die Regierung nach kurzem Kampfe zwiſchen ſeines verſtorbenen Bruders J Keobs Sohne und dem Menas, an letzteren uͤber. Menas hatte unter Arabern und Tuͤrken einen wilden Charakter angenommen, machte ſich dadurch ſowohl bei dem Clerus und den Portugieſen, als auch bei den uͤbrigen Habeſſiniern ſehr verhaßt; Un⸗ ruhen und Empoͤrungen waren die Folge. Iſaac Bahrnagaſt, ein angeſehener und kriegserfahrner Mann, rief 1562 die Duͤrken in das Reich, ſchlug und mordete mit ihrer Huͤlfe den Koͤnig. Seit jener Zeit ſind die Kuͤſten des rothen Meeres in den Haͤnden der Tuͤrken. Unter ſeinen 3 Soͤhnen beſtieg S ertza⸗Deng⸗ hel mit dem Beinamen Malac⸗Seghed den Thron. Sein kriegeriſcher Muth und ſein Feldherrn⸗ Talent endeten bald die Buͤrgerkriege im Reiche, trie⸗ ben die Tuͤrken aus Tegre, und machten ihn zum Schrecken der Gallaner. Die Habeſſiniſche Kirche regelte er nach den Geſetzen der Alexandriniſchen, 3 196 zoͤrte jedoch auch den Gottesdienſt der lateiniſchen Chriſten nicht.—— Micht ſo groß, wie ſein Kriegsgluͤck, war das haͤusliche Gluͤck Sertza⸗Deng hels. Seine Ge⸗ mahlin Marianſena gebar ihm zwar viele Toͤchter, aber keinen Sohn, und ſeine beiden natuͤrlichen Soͤhne Zamariam und Jakob waren nach Aethiopiſchen Geſetzen nicht zur Regierung faͤhig. Um daher einem bei folchen Gelegenheiten leicht moͤglichen Buͤrger⸗ kriege vorzubengen, waͤhlte Sertza⸗Deng hel ſei⸗ nes Bruders Leganar Sohn, Zadenghel, zu ſeinem Nachfolger, und ſtellte ihn feierlich als ſolchen den Magnaten des Reiches vor. Allein wenige Mo⸗ nate vor ſeinem Tode reute ihm ſeine Wahl: er wurde Zadenghel abhold, und dieſem Jakob, ein Knabe von ⸗ Jahren, nicht unwahrſcheinlich Sertza Deug⸗ hels natüuͤrlicher Sohn, in der Thronfolge vorgeio⸗ gen. Die Magnaten waren zufrieden, unter einer Kinder⸗Regierung große Vortheile fuͤr ſich vorausſe⸗ hend. Aber als der Koͤnig, zuruͤckgekehrt aus einem Kriege gegen die Gallaner, in eine Krankheit ſiel⸗ und ſeinen Tod fuͤhlte, aͤnderte er ploͤtzlich noch ein⸗ mal ſeine Geſinnung, eroͤffnete in einer Rede den Staͤnden des Reiches, daß er ſeiner vaͤterlichen Liebe Gerechtigkeit und Recht, und das Wohl des Vater⸗ landes vorziehen wolle, und empfahl ihnen ſeinesn Bru⸗ ders Sohn Zadenghel zu ſeinem Nachfolger, wo⸗ rauf er bald verſchied. S 197 Doch Ehrgeiz und Eigennutz hieß die Großen ganz anders handeln. In der Hoffnung, unter einem un⸗ mündigen Koͤnige die Reichsgewalt an ſich zu reißen, hatten ſie ſchon, ohne eine ſo ploͤtzliche Willens⸗Aen⸗ derung des Koͤnigs zu erwarten, mit ſtillſchweigender Uebereinkunft die hoͤchſten Wuͤrden des Reiches unter ſich vertheilt, und wenn es dabei bleiben ſollte, ſo mußte der unmüͤndige Jakob auf den Thron kom⸗ men. Ihr Entſchluß war auch bald gefaßt. Za⸗ denghel wurde gefangen auf die Inſel Deka im See Tzane abgefuͤhrt, und ihm aller Verkehr mit ſeinen Landsleuten abgeſchnitten; ein Gleiches hatten ſie dem Prinzen Susneus, einem muthigen und entſchloſſenen Juͤnglinge zugedacht, welcher ihnen aber durch die Flucht zu den Gallanern entkam, und der Knabe Jakob wurde Koͤnig. Doch wurden die Großen in ihren Hoffnungen betrogen. Jakob war kaum 1s Jahre alt geworden, als er ſelbſt nach dem Ruder des Staates griff, und mit einer Herrſchſucht regierte, die ihnen noch weniger behagte. Ehe daher noch Jakobs Anſehen im Reiche erſtarken konnte, ſetzten ſte, um ihren Fehler wieder gut zu machen, ihn ab, und Zadenghel an ſeine Stelle, der den Beinamen Atznaf⸗Saghed erhielt. Jakob fluͤchtete mit 8 ihm treu gebliebenen Be⸗ gleitern nach Samen zu den Verwandten ſeiner Mutter, wurde aber auf dem Wege erkannt, und ge⸗ fangen zu Zadengbel gefuͤhrt, der ihn jedoch ſehr 198 milde behandelte, und ihn blos nach Enarea, der aͤußerſten Provinz Aethiopiens verbannte, wohin er ihn unter ſtarker Bedeckung ſchickte. Zadenghel beſaß bei einem angenehmen Aeu⸗ ßeren auch ſchoͤne Gaben des Geiſtes; beſonders aber machten ihn ein im Gluͤcke und Ungluͤcke bewaͤhrter feſter Charaeter, und eine ſeltene Guͤte und Sanft⸗ muth, die auch Feinden gerne verzieh, ſeines Amtes vollkommen wuͤrdig. Ein Beiſpiel ſeiner perſoͤnlichen Tapferkeit und ſeines entſchloſſenen Muthes legte er im Kriege gegen die Gallaner ab. Mit 3 Heeren hatten dieſe Habeſſinien angegriffen, bereits den Statt⸗ halter von Gojam geſchlagen, und kuͤhn durch ihren Sieg, auch den zur Huͤlfe eilenden Zadenghel durch ihren erſten furchtbaren Andrang geworfen. Schon riethen die Heerfuͤhrer ihm zur Flucht, aber „ich werde hier fallen,“ rief er,„fliehet ihr auch, ihr werdet vielleicht den Haͤnden der Gallaner, nicht aber dem Schimpfe, euern Koͤnig verlaſſen zu haben, ent⸗ rinnen.“ Er ſprach es, ſprang vom Roſſe, nahm ſei⸗ nen Schild, zog das Schwerdt, und ſtürzte in die Feinde. Schwer hatte dieſe Rede die Habeſſinier ge⸗ troffen! Wuth und Scham bemaͤchtigten ſich ihrer; dicht ſchließen ſie ſich um ihren Koͤnig, die Gallaner muͤſſen weichen; auch die Fluͤchtlinge kehren um, und die Feinde leiden eine graͤßliche Niederlage. Ohne ſeinem Heere Ruhe zu goͤnnen, fliegt Zadenghel uͤber die Gebirge, uͤberraſcht und ſchlaͤgt der Feinde 199 zweites Heer, und das dritte zieht ſich voll Schrecken zuruͤck. 400 Gallaner, die auf einem beinahe unzu⸗ gaͤnglichen Felſen ihre Beute bewachen, werden von den ſiegestrunkenen Habeſſiniern ſtuͤrmend angegriffen, und ſaͤmmtlich niedergemacht. Solche Folgen hatte eine einzige heldenmuͤthige That. Um eben dieſe Zeit kam der Jeſuit, Petrus Pays, auf den Ruf des Koͤnigs nach Habeſſinien, Unheil und Verderben bringend fuͤr den Letzteren. Dieſer wurde von dem Jeſuiten fuͤr die lateiniſche Kirche ſo eingenommen, daß er zuerſt heimlich, und endlich oͤffentlich ſich zu derſelben bekannte. Dieſes, der Neid gegen die Portugieſen, die der Koͤnig vor⸗ zͤglich ſchaͤtzte, und der Haß gegen Laeca⸗ Maria⸗ mus, den vertrauten Freund des Koͤnigs, brachten die Vornehmen des Reiches auf, und Zaslageus⸗ ein ausgezeichneter Krieger, ferner Nas Athanas, der oberſte Feldherr, und Alexandrinus, der Pa⸗ triarch der afrikaniſchen Kirchen, verſchworen ſich ge⸗ gen den Koͤnig. Dieſer merkte es, verſammelte, die Verſchwoͤrung zu daͤmpfen, ſchnell die Portugieſen, zog eilends nach Gojame, wurde aber ſchon auf dem Wege vom Ras Athanas und Jonnel, einem der vorzuͤglichſten Heerfuͤhrer, verlaſfen. Man rieth ihm, dem beinahe nur 12,000 Mann noch zu Gebote ſtanden, den Krieg in die Laͤnge zu ziehen, und die erſte Wuth der Empoͤrer verrauchen zu laſſen. Aber das ſtuͤrmiſche Feuer ſeines Muthes riß ihn hin; 200 er hoffte durch Schnelligkeit und Ueberraſchung den Aufſtand zu unterdruͤcken, fand aber erfahrne Krieger vor ſich, und in einem hitzigen Treffen nach helden⸗ muͤthigem Kampfe den Tod.— So endete dieſer vortreffliche Koͤnig Aethiopiens zum traurigen Be⸗ weiſe, wie vorſichtig man im Punete der Religion die Voͤlker zu behandeln habe. vII. Von den Habeſſiniſchen Koͤnigen des XVII. Jahrhunderts bisauf unſere Zeiten. Der Tod Zadenghels gab dem Lande nichts weniger, als den Frieden. Die Rebellen, die einen ſo ſchnellen Sieg nicht hofften, hatten noch an keinen Nachfolger gedacht, und Ras Athanas und Zas⸗ lagaͤus, eiferſuͤchtig auf einander, treunten ſich. Da erfuhr der ſchon einmal erwaͤhnte Prinz Sus⸗ neus den Tod des Koͤnigs Zadenghel, und be⸗ ſchloß als Urenkel des Koͤnigs David, ſein Recht auf den Thron geltend zu machen. Er hatte einen ſla ken Anhaug tapferer Maͤnner, und im Vertrauen auf dieſe forderte er ſogleich den Ras Athanas auf, ihm als dem Erben des Thrones zu huldigen, und ſeine Truppen zu den Seinigen ſtoßen zu laſſen. Dieſem Befehle gab er durch eine auserleſene Mann⸗ ſchaft den gehoͤrigen Nachdruck, und Ras Athanas uͤberraſcht und unſchluͤſſig, that wie ihm befohlen. — . 201 Zaslacaͤus, an welchen dieſelbe Aufforderung ergangen war, weigerte ſich zwar anfaugs, Susneu 3 als Koͤnig anzuerkennen, weil er ſchon dem Jakob durch eine Geſandtſchaft den Thron angetragen hatte. Da aber von Jakob, der in Euareja ſich befand, keine Nachricht einlief, und die uͤbrigen Officiere des Zaslacaͤus auf die Koͤnigswahl drangen, ſo beſchloß er durch Geſandte dem Susneus zu huldigen. Waͤhrend aber ſeine Gefandtſchaft dieſen Auftrag zu vollziehen hatte, kamen auf einmal Boten von Jakob, Zaslagaͤus rief ſeine Geſandten an Susneus heimlich zuruͤck, zog dem Jakob entgegen und be⸗ gruͤßte ihn ais Koͤnig. Der treuloſe Ras Athanas folgte ſeinem Beiſpiele. Indeſſen unternabm Jakob noch nichts Entſcheidendes gegen Susneus. Er glaubte abwarten zu muͤſſen, was Zeit und Umſtaͤnde ruthen wuͤrden. Um jedoch keinen ſo gefaͤbrlichen Nebenbuhler zu haben, both er⸗ dem Susneus Friede, Freundſchaft und eine Theilung des Reiches an. Aber dieſer ſchlug ſtolz den Antrag aus. Was Gott ihm gegeben, koͤnnten Menſchen ihm nicht neb⸗ men, ſprach er; nur todt wuͤrde er auf den Thron Verzicht leiſten. Die Buͤrgerkriege begannen von Neuem. Susneus, der wohl einſah, daß er im affenen Felde gegen die Uebermacht Jakobs nichts ausrichte, vermied ſorgfaltig jedes entfcheidende Tief⸗ fen, ermuͤdete ſeine Feinde durch beſtaͤndige verſtellte Maͤrſche, machte ſie durch ſtetes Zaudern ungeduldig 202 und ſorglos, und lauerte dabei immer auf eine Ge⸗ legenheit, ihnen einen Schlag beizubringen. Dieſe bot ſich ihm auch bald dar. Zaslacaͤus, der ent⸗ weder, um den Ausgang eines Treffens abzuwarten, oder aus einem geheimen Grolle, immer getrennt von Jakob handelte, und dabei gegen allen Kriegs⸗Ge⸗ brauch eine große Sorgloſigkeit und Nachlaͤßigkeit ſich zur Schuld kommen ließ, in der Meinung, daß ſchon ſein Name die Feinde ſchrecken werde, wurde von dem unermuͤdlichen Susneus ſo ploͤtzlich uͤber⸗ fallen, daß ſeine Krieger nicht einmal die Waffen er⸗ greifen, vielweniger ſich in Ordnung ſtellen konnten. Sie wurden niedergehauen oder zerſtreut, und Zas⸗ lagaͤus zur ſchaͤndlichen Flucht gezwungen. Dadurch ſiel er taͤglich mehr in der Gunſt Jakobs, und er wußte zuletzt nichts Beſſeres zu thun, als wieder einen Verraͤther zu machen, und ſich an Susneus zum zweiten Male anzuſchließen, der ihn vorerſt freundlich aufnahm, da er ihm jetzt weſentliche Dienſte leiſten konnte. Jakob, bereits durch den Ueberfall des Z as⸗ lagaͤus, noch mehr aber durch den Abfall dieſes Mannes geſchwaͤcht, wuͤnſchte nun, da er doch noch ſeinem Feinde an Druppenzahl uͤberlegen war⸗ ſobald als moͤglich zu ſchlagen. Allein der ſchlaue Susneus zauderte noch immer, auf den Augenblick wartend, wo er mit Vortheil die Feinde angreifen koͤnnte. Dieſe bielten ſein Zaudern fuͤr Furcht, wurden, trotzend auf 203 d ihre Uebermacht, immer verwegener und unvorſichtiger, und ſo geſchah es denn, daß ſie Susne us endlich in einem Engpaſſe hatte, wo er ſie haben wollte, und wo er mit ſeinen wenigen Truppen das Heer Ja⸗ kobs gaͤnzlich auf das Haupt ſchlug. Jakob ſelbſt ſiel im Kampfe. Susneus war ein menſchenfreundlicher Sieser. Nur ein gewiſſer Nahardinus, der als Muſelmann ſchon verhaßt, Zaden ghel den Todes⸗Streich ver⸗ ſetzt hatte, mußte als Koͤnigs⸗Moͤrder den Tod durch das Henkerbeil ſterben. Zaslagaͤus, der Stifter ſo vieler Unruhen, und der noch gefaͤhrlichere anzuzetteln drohte, ward zwar nicht mit dem Tode, aber doch mit der Gefangenſchaft auf dem ſteilen Felſen Gusman in Gojame be⸗ ſtraft. Er entwiſchte aber von da, trieb an den Graͤnzen von Waleka mit einem Naͤuber⸗Haufen ſein Unweſen, und ward endlich von den dortigen Heiden erſchlagen. Auch dem Ras Athanas ging es nicht viel beſſer. Er ſank taͤglich mehr in der Gnade ſeines Königs, und folglich auch in der Gunſt und Achtung aller uͤbrigen Hoͤflinge ſo, daß ſeibſt ſeine Gattin, eine Tochter des Koͤnigs Malac⸗Saghed und eine ehrliebende Dame, ihn verließ. Er, der den hoͤchſten Gipfel von Macht erſtiegen hatte, ſtarb in groͤßter Duͤrftigkeit. 204 Susneus bewarb ſich, um ſeine Herrſchaft zu befeſtigen, beſonders um die Gunſt der Portugieſen, weil ſie durch ihre Feuer⸗Gewehre ihn ſowohl gegen neue Empoͤrungen ſeiner Unterthanen, als auch gegen die Macht der Gallaner Schutz gewaͤhrten. Auch mit den Miſſionaͤren in Dembea, vorzuͤglich mit P. Pe⸗ ter Pays, den er an ſeinen Hof berufen hatte, ging er fehr huldvoll und freundſchaftlich um. Die Folge war, daß er der Alexandriniſchen Kirche abſchwur, und mit ſeinem Sohne den roͤmiſchen Pabſt als Uni⸗ verſal⸗Biſchof und Stellvertreter Chriſti anerkannte; ein Schritt, der noch viel Blutvergießen verurſachte. Mehrere Unruhen, die zuerſt ein Pſeudo⸗Ja⸗ kob, der ſich fuͤr den im Treffen gegen Susneus gefallenen, aber nicht gebliebenen Jakob ausgab; dann ein gewiſſer Tzagaxus, welcher ein Sohn des ge⸗ fallenen Jakob zu ſeyn behauptete, erregten, hatten keine weiteren Folgen, da der erſtere ſogleich durch Liſt aus dem Wege geraͤumt, der zweite aber ein Op⸗ fer ſeines ſchaͤndlichen Lebens wurde. Susneus ſtarb im September 1632. Er war ein Mann, der ſowohl durch ſeinen großen Koͤrper, als auch durch ſeinen noch groͤßeren Geiſt ausgezeichnet, einen Platz unter den erſten Fuͤrſten verdient; aber ſeine Regierung war wegen der beſtaͤndigen Kriege und Unruhen, die er zu beſtehen hatte, nicht gluͤcklich. Beſonders aber verbitterten ihm die Folgen ſeines —— —y— 295 Abfalles von der Alexandriniſchen Kirche ſeine letzten Tage. Ihm folgte in der Regierung nach dem Tode ſei⸗ nes Erſtgebornen— Marcus, ſein Sohn Baſilides, mit dem Beinamen Seltan⸗Saghed. Dieſer vertrieb, um die Gaͤhrungen unter ſeinen Unterthanen zu daͤmpfen, die Miſſionaͤre mit ihrem Patriarchen Alphons Mendez aus ganz Aethiopien. Auch bezuͤchtiget man ihn, er habe ſeine Bruͤder falſcher Verbrechen beſchuldigen und ermorden laſſen. Weiter iſt von ihm nichts bekannt, da er aus Furcht vor der Rache der vertriebenen Miſſionaͤre, die in Portugal Ruͤſtungen gegen ihn betrieben haben ſollen, allen Verkehr mit den Europaͤern aufhob. VIII. Von der Nachfolge der Koͤnige von Habeſſinien. Von den auf den Felſen Geshen und Amhagel in Verwahrung gehaltenen Prinzen. Wie viele Gefahren fuͤr Erbreiche aus der Eifer⸗ ſucht der regierenden Prinzen gegen Stammverwandte entſpringen, auch das haben die Habeſſinier empfunden und eingeſehen und daher die Anordnung getroffen, daß alle Prinzen des koͤniglichen Hauſes, die auf die Regierung keinen Anſpruch hatten, in enger Gewahr⸗ ſam gehalten wurden, um ſowohl allen Unruhen gegen die Regenten von Seite der uͤbrigen Prinzen vorzu⸗ 206 beugen, als auch um nie wegen eines Nachfolgens in Verlegenheit zu ſeyn. Die 2 Felſen in Amhara⸗ Geshen und Amhacel waren hiezu beſtimmt. Dieſe wiewohl etwas harte Anordnung, deren Heilſames aber auch nicht zu verkennen iſt, wurde unter dem Koͤnige Jeon⸗amlacus gemacht, und unter der Regierung Naods, der ſeinem Vater⸗Gefuͤhle das Wohl des Vaterlandes aufopferte, wieder abgeſchafft, nachdem ſie faſt 230 Jahre beſtanden hatte⸗ IX. Nechte und Gewalt der Habeſſiniſchen Koͤnige. Die Koͤnige von Habeſſinien haben ſowohl in Beziehung auf geiſtliche, als weltliche, in kirchlichen und Civilſachen eine unbedingte Gewalt, was die Vaͤter der Miſſions⸗Geſellſchaft nur zu oft erfahren mußten. Sie gaben Verordnungen in Religions⸗Sachen, in Beziehung auf gottesdienſtliche Gebraͤuche ꝛc., wie es ihnen beliebte, und eine Nuͤge, die deßwegen der Patriarch Alphons an den Koͤnig ergehen zu laſſen wagte, hatte nur die Folge, daß dieſer in dem von ſeinen Vorfahren ſtets ausgeuͤbten und nie angefoch⸗ tenen Rechte ſich noch mehr befeſtigte, ja die kirchliche Gerichtsbarkeit des Alexandriniſchen Patriarchen noch verminderte. Dieſe unbedingte Gewalt des Koͤnigs in kirchli⸗ chen Angelegenheiten zeigte ſich bei Verlaſſung der . 207 lateiniſchen und bei der Wiederannahme der alexan⸗ driniſchen Kirche. Sie zeigt ſich in der willkuͤrlichen Zuſammenberufung von Synoden und Vorladung des Metropoliten aus Aegypten, in der ganz freien Gerichtsbarkeit uͤber dieſen und alle andern Cleriker⸗ Nur das Recht, die geiſtlichen Pfruͤnden zu beſetzen, ſteht ihm nicht zu. Freilich gibt es auch in Habeſſi⸗ nien, jenes des Metropoliten ausgenommen, keine weitern kirchlichen Aemter. In weltlichen Gegenſtaͤnden kennt der Koͤnig von Habeſſinien gar kein poſitives Geſetz an. Moͤchte er nur ſich nicht eben ſo frei uͤber die Reichs⸗Grundgeſetze hinwegſetzen, deren Achtung oder Nichtachtung auf das Wohl oder Wehe eines Staates ſo ſehr einwirkt, wie wir ebenfalls ſchon aus der Habeſſiniſchen Ge⸗ ſchichte vernommen haben.— Die treueſten Huͤter ſolcher Geſetze ſind Landſtaͤnde, und dieſe hat Habeſſi⸗ nien leider! nicht, und demnach iſt auch ſein Koͤnig im Kriege, wie im Frieden, voͤllig unumſchraͤnkter Herrſcher. Bemerkbar iſt noch, daß kein Habeſſinier Grund⸗ ſtücke als freies Eigenthum beſitzt. Auch uͤber dieſe ſchaltet und waltet der Koͤnig, wie er will, verſchenkt ſie, wem und wann und ſo oft er will. Kein ſeltener Fall iſt, daß einer ein Feld pfluͤget, ein anderer beſaͤet, und ein dritter beaͤrndtet. Nur machen hiervon einige alte angeſehene Familien, beſonders in Tegre, eine Ausnahme, und beſitzen eigene Erbguͤter. 208 X. Von der Macht und den Einkuͤnften des Koͤnigs von Habeſſinien. Bei der unumſchraͤnkten Gewalt uͤber ſein Reich, bei der Herrſchaft uͤber ſo viele Laͤnder, laͤßt ſich leicht denken, daß die Macht des Koͤnigs von Habeſſinien in fruͤheren Zeiten ſehr bedeutend geweſen ſeyn mag. Die Ehrfurcht der benachbarten Fuͤrſten vor ihnen, ihre Zuͤge nach Aſien, die Vertilgung der Homeri⸗ ten durch den Koͤnig Caleb, der ruhmvolle Zug des Koͤnigs Cyriakus nach Aegypten gegen die Tuͤr⸗ ken, veranlatzt durch die Verfolgungen der Chriſten, beweiſen dieſes zur Genuͤge. Als aber die Macht der Tuͤrken immer hoͤher ſtieg; als dieſe alle benachbarten Laͤnder unterdruͤckten; da wichen auch die Habeſſinier aus Axuma, mußten ſich immer mehr gegen das Innere von Afrika ziehen, ihr Reich durch geringe aus einander gelegene, kein Ganzes bildende Laͤndereien verſtaärken, und konnten ſo auch gegen Außen nichts Erhebliches mehr ausrichten. Dazu kamen die unheik⸗ vollen Kriege mit den Adelenſern, die beſtaͤndigen Anfaͤlle der Gallaner, wodurch ihre beſten Provin⸗ zen ganz verloren gingen, und die Macht der Ha⸗ beſſinier fuͤr immer gebrochen wurde. Wuͤrden dieſe mit der Kriegskunſt und den Waffen der Europaͤer bekannt zu werden ſuchen; wuͤrden ſie Kolonnen ausſenden, durch ſie vielleicht jene wilden, und an keins ſeſten Wohnſitze gebundenen Voͤlker 209 3 zaͤhmen, und durch die Kuͤnſte des Friedens zu bilden ſich bemuͤhen; wuͤrden ſie durch Erbauung von Staͤdten und Schloͤſſern ſich ſelbſt ſowohl mehr civiliſiren, als auch ſchuͤtzen gegen feindliche Augriffe; wuͤtden ihre Koͤnige etwas von ihren Rechten nachlaſſen, die Laͤn⸗ dereien den Unterthanen als Eigenthum uͤberlaſſen, und das Lehenweſen einfuͤhren; wuͤrden die Hateſſinier die Erzeugniſſe ihres Landes geboͤrig ſchaͤtzen lernen; wuͤrden ſie die Haͤfen und Inſeln des rothen Meeres nicht ſo ruhig den Tuͤrken uͤberlaſſen; wuͤrden ſie end⸗ lich bei der Oiganiſtrung ihres Reiches von den chriſt⸗ lichen Fuͤrſten Suropa's unterſtuͤtzt werden, nicht ſowohl geleitet von chriſtlicher Liebe oder der Hoffnung, das Chriſtenthum weiter auszubreiten, als vielmehr der Macht der Tuͤrken einen Damm zu ſetzen; wuͤrde dieß Alles verwirklichet werden: ſo wuͤrden die Ha⸗ beſſinier nicht nur mit leichter Muͤhe ihre verlornen Laͤnder wieder erobern, ſondern auch in Kurzem eines der blühendſten und maͤchtigſten Voͤlker werden. Die Einkuͤnfte des Koͤnigs von Habeſſinten beſte, hen nicht in baarem Gelde: denn Muͤnzen werden bei den Habeſſiniern nicht geſchlagen; ſondern in den na⸗ tuͤrlichen Erzeugniſſen des Landes, z. B. Gold, welches in rohem Zußande und in großer Quantitaͤt aus den Provinzen abgeliefert wird; Pferde, welche Art von Abgabe Malae⸗Sagbhed ſeinen Unterthanen erließ, um den Gallanern deſto eher widerſtehen zu koͤnnen; Hornvieh und kleineres Vieh, welche eintraͤgliche 90. B. Afrika. J. 2. 6 210) Steuer erſt ſpaͤter eingefuͤhrt wurde: Getraide, Rinds⸗ haͤute ꝛe. und zuweilen auch Lieferungen au Kleidern. Zoͤlle uͤberlaͤßt der Koͤnig ſeinen Magnaten, die Lai⸗ malmoniſchen ausgenommen, die er wegen ihrer gro⸗ ßen Ausbeute(wegen des Zuges vom rothen Meere nach Habeſſinien) fuͤr ſich behaͤlt. Uebrigens hat er⸗ noch ganz eigene Guͤter und Gruͤnde, die ihm ſeinen. ganzen Mundbedarf. liefern. 311 Nimmt man Ruͤckſicht auf die Groͤße des Reiches,, und auf die ihm unterworfenen Laͤnder, ſo erſcheinen dieſe Einkuͤnfte eines Koͤnigs wahrlich klein; bedenkt man aber die unglaubliche Wohlfeilheit aller Gegen⸗ ſtaͤnde, die Menge derſelben, die dem Koͤnige geliefert wird; nimmt man an, daß ſeine Soldaten ſich mit Gemuͤſe begnuͤgen, und daß ſeine Miniſter mit Waga⸗ ren beſoldet werden; ſo iſt doch der Koͤnig von Ha⸗ beſſinien reich genug. Pranget auch ſein Diadem nicht mit Edelſteinen und Perlen; ſind ſeine Kiſten auch nicht mit Geld⸗ gefuͤllt; ſchimmert ſein Haus auch nicht von goldenen und ſilbernen Gefaͤßen; ſeuf⸗ zen gleichwohl ſeine Tafeln nicht unter auslaͤndiſchen Leckerbiſſen, waͤhrend vielleicht ſeine Unterthanen, Miniſter und Krieger Noth leiden; ſo hat er doch ſo viel, als er braucht, um maͤßig zu leben und anſtaͤndig ſich zu kleiden. Eben ſo genuͤgſam ſind ſeine Lands⸗ leute: dafuͤr hat er aber auch im Kriege keine ver⸗ weichlichten Menſchen, ſondern tuͤcktige, ausdauernd⸗ 211 und muthige Krieger, mit denen ſich allenfalls jener Tand von Koſtbarkeiten erobern ließe. XI. Von der Reſidenzſtadt Axruma und von der Koͤnigswahl. Axuma oder Aeſum war ehemals die Haupt⸗ und Reſidenzſtadt von ganz Habeſſinien. Sie war ſchoͤn, mit herrlichen Gebaͤuden und Kunſtwerken ver⸗ ſehen; ſie war groß, wie es noch die Ruinen bezeu⸗ gen. Der Adelenſiſche Krieg, der Abfall des Statt⸗ balters von Tegre zur Zeit des Koͤnigs Menas, die Angriffe der Tuͤrken, und endlich die Verlegung der Reſidenz von Axuma raubten dieſer Stadt Glanz: und Groͤße, und heut zu Dage iſt ſie nur noch ein⸗ Doͤrfchen von etwa 100 Bauern bewohnt. Axuma liegt im 14 1/2 Grade noͤrdlicher Breite in einer fruchtbaren angenehmen Gegend, 8 bis 7 Tagreiſen vom rothen Meere. Die Koͤnigswahl ging ehemals in Aruma vor ſich mit großer Feierlichkeit, in Gegenwart des ganzen Heeres, des Hofes, des Metropoliten mit der ganzen Cleriſey; unter Abhaltung eines feierlichen Gottes⸗ dienſtes, unter Anſtimmung von Hymuen und Pfal⸗ men, und andern zum Theile ſehr wunderlichen Cere⸗ monien. Der Koͤnig ſelbſt erſcheint in kriegeriſchem Schmucke zu Pferde, und emplaͤngt nach der Wahl. das heiblige Abendmahl.— 21² Außer Aruma ſind in Habeſſinien keine großen Staͤdte, wenige kleine. In Tegre iſt Dobarua der Sitz des Vicekoͤnigs, und Fremona, der erſte Au enthaltsort der Miſſionaͤre. In Dembea iſ Gubay; die Reſidenz der Koͤnigin; in Gojame Naning, in Amhara Macanacelace ꝛc. Lie⸗ ber als in Staͤdten wohnen die Habeſſinier in Doͤr⸗ fern, um einander nicht zu nahe zu wohnen, und ſo alle Streitigkeiten zu verhuͤten. Schloͤſſer haben ſte ebenfalls nicht, und groß iſt die Bewunderung der Habeſſinier uͤber unſere weitlaͤufigen Staͤdte; noch groͤßer, wie ſo viele Menſchen und Thiere an einem Orte beiſammen lebend ernaͤhrt werden koͤnnen. XII. Vom koͤniglichen Hofo. Nachdem Habeſſiniens Koͤnige Aruma verlaſſen batten, hatten ſie keine beſtaͤndige Reſidenz mehr; auch wohnten ſie nicht in Palaͤſten, wie unſere europaͤi ſchen Fuͤrſten, ſondern begnuͤgten ſich mit Zelten. Erſt der ſchon oͤfter genannte Peter Pays baute ihnen ein Haus nach europaͤiſcher Geſtalt auf der Halbinſel Gorgora am See Tzana, wo die Koͤuige den Winter zuzubringen pflegten, in einer ſehr angenehmen Gegend. Pays vollendete dieſes mit ungeheurer Thaͤtigkeit und Anſtrengung, da er die Arbeiter faſt ale zuerſt ſelbſt unterrichten mußte. Doch gelang die Arbeit ſo vortrefflich, daß dieſe nunmehrige Renden 213 der Habeſſiniſchen Koͤnige keinem Landhauſe eines europaͤiſchen Fuͤrſten etwas nachgab, ein wahres Wun⸗ derwerk fuͤr die Habeſſinier, die dergleichen noch nie geſehen hatten. Was die koͤnigliche Tafel⸗Ordnung betrifft, ſo iſt dieſe ſehr verſchieden von der unſrigen. Es herrſcht dort zwar weniger Aufwand, aber deſto mehr ein ſtei⸗ fes, ceremonielles Weſen. So rechnen ſich die vor⸗ nehmſten Habeſſinier zur groͤßten Ehre, wenn ſie, nachdem der Koͤnig von der Tafek aufgeſtanden iſt, fich an denſelben Tiſch begeben, und das verzehren duͤrfen, was der Koͤnig uͤbrig gelaſſen hat.— Statt der Teller und Tiſchtuͤcher hat man duͤnne Weizen⸗ kuchen von 1 Fuß in der Breite, mit welchen die Tiſche bedeckt, und welche mit den uͤbrigen Speiſen genoſſen werden. Deller, Meſſer, Gabel, Loͤffel, Salz⸗, Pfeffer⸗Gefaͤße und andere dergleichen Luxus⸗Sachen ſieht man nicht. Dafuͤr haben ſie aber auch zur Zeit des Krieges kein Heer von Packwagen, wie es bei uns oͤfters der Fall zu ſeyn pflegt. Die Speiſen, die hoͤchſt einfach ſind, und in Gemuͤſen, Fleiſch und verſchiede⸗ nen nach ihrer Art zubereiteten Bruͤhen beſtehen, wer⸗ den von den Frauen in noch einfacheren irdenen Ge⸗ ſchirren aufgetragen. Sobald ein Gericht aufgetragen iſt, werden ſogleich Tapeten vor die Tafel gezogen, damit Niemand den Koͤnig eſſen ſehe, was in der That auch nicht ganz unnoͤthig iſt. Denn der Koͤnig und ſeine Großen erniedrigen ſich nicht dazu, die 214 hochſt eigenen Haͤnde zum Munde zu tragen, ſondern die Hofbedienten ſchneiden die Speiſen, und geben ſie ihnen manchmal in ziemlich großen Biſſen in den Mund. Von ungefaͤhr abgefallene Broſamen werden fleißig geſammelt, in die Bruͤhe getaucht und ebenfalls eingegeben; eine Sitte, die man wohl mit Still⸗ ſchweigen haͤtte uͤbergehen koͤnnen. Dagegen darf den Habeſſiniern zu deſto groͤßerer Ehre nachgeſagt wer⸗ den, daß ſowohl ihre Koͤnige, als Hoͤflinge, nie den Tiſch ohne Gebet anfangen oder endigen. Dieſes Gebet beſteht in dem Ausſpruche der Pſalmen, ſo, daß bei zahlreichen Gaſtmaͤhlern oft der ganze Pfalter in der Art gebetet wird, daß der Pſalter theilweiſe unter die Gaͤſte vertheilt wird, und ſo jeder ſeinen beſtimmten Antheil zu beten hat.— Ein anderes Gebetbuch, als das Pſalterium, haben die Habeſſi⸗ nier nicht. Die Art und Weiſe, Geſandtſchaften anzunehmen, war ſonſt viel auders, als jetzt. Der Geſandte wurde ſonſt wenigſtens 4 Mal gefragt, woher er komme, und die groͤßte Antwort, die er am erſten Tage erhielt, war etwa, daß ſeine Ankunft willkommen ſey, und nur nach langen Umſchweifen und Unterredungen mit Unterhaͤndlern gelang ihm, den Koͤnig von Angeſicht zu Angeſicht begruͤßen zu duͤrfen. Heut zu Tage iſt wie ihre Macht und ihr Gewicht, auch ihr Stolz in dieſem Punkte geſunken. —— — » 215 Die Hofämter ſind, wie bei uns, ſo auch in Ha⸗ beſſinien, von verſchiedener Art. Die maͤchttgſten Aemter waren ehemals die 2 Bahtudedt's, der eine Bahtudedt zur rechten, der andere— zur linken Hand betitelt. Beide waren die einzigen Vertrauten des Koͤnigs, und hatten den meiſten Einfluß. Sie wurden aufgehoben, da ſie ihre Gewalt oͤfter miß⸗ brauchten. An ihre Stelle trat der Ras— oder oberſte Heer⸗ fuͤhrer im Kriege. Auch dieſe wurden durch ihre große Gewalt ſelbſt den Koͤnigen gefaͤhrlich, wie wir an Nas⸗Athanas geſehen haben, weswegen auch Susneus dieſe Stelle keinem andern, als ſeinem Bruder Seelax zu uͤbertragen fuͤr gut fand. Nach dem Ras kommen zwei Aufſeher des Hofes, von welchen einer, Bellatenot⸗Gueta, die Gerichts⸗ barkeit gegen die hoͤheren Aemter, Vicekoͤnige, Statt⸗ halter und gegen die Unterrichter ausuͤbt, der andere, Dakak Bellatenot Gueta, die Aufſicht uͤber das Dienſtperſonale des Hofes fuͤhrt. Auf dieſe fol⸗ gen erſt die Vicekoͤnige, Statthalter, die Praͤfekte des koͤniglichen Lagers, koͤniglichen Raͤthe ꝛc. XIII. Vom koͤniglichen Hoflager. Das königliche Zelt als Reſidenz iſt ſehr geräu⸗ mig, weiß von Farbe, und in der Mitte die Lagers. Rings um daſſelbe iſt hinlaͤnglicher Raum, um ſowohl 216 gegen Feuers⸗Gefahren Sicherheit, als auch um fuͤr die zu Fuß und zu Roß beſtaͤndig zu⸗ und abgehenden Hoͤflinge und Großen Platz zu haben. In der Naͤhe ſieht man 2 Tempel, die Zelte der Koͤnigin und ihres Gefolges, und dann in weiterer Entfernung die der Magnaten, Freunde und Verwandte des Koͤnigs. Das Lager ſelbſt beſteht aus 4 Abtheilungen, uͤber deren jede ein eigener Praͤfekt geſetzt iſt. Bei dem Abſtecken und Schlagen des Lagers beob⸗ achten ſie eine ſchoͤne und immer dieſelbe Ordnung. Naͤmlich: der Praͤfekt der erſten Abtheilung des Lagers geht voraus, um einen ſchicklichen Ort fuͤr daſſelbe auszuſuchen. Dieſer Ort muß hinlaͤnglich Holz und Gras haben, und wo moͤglich an einem Fluß oder See gelegen ſeyn, um nicht Mangel an Waſſer zu leiden. An einem ſo gewaͤhlten Platze wird nun eine hohe Stange mit der koͤniglichen Fahne aufgerichtet, worauf dann die Meſſer der Großen ebenfalls fuͤr ihre Herren in der ihnen ſchon bekannten Ordnung die Zelte errichten. Nach dieſen lagern ſich die Schaaren der Krieger und der uͤbrige Anhang, und in wenigen Stunden ſteht das ganze Lager in derſelben Ordnung, als man es kurz zuvor geſehen hatte. Jeder weiß ſchon den ihm beſtimmten Platz, da die Beſchaffenheit des Lagers immer dieſelbe iſt, und ſich an ihm nicht das Geringſte außer ſeinen natuͤrlichen Umgebungen aͤndert.— Bei der Abhrechung des Lagers herrſcht dieſelbe ſchoͤne Ordnung. Sobald ein Herold das 217 Zeichen hiezu gegeben hat, weiß auch ſchon jeder, wann und in welcher Ordnung er einzupacken, und den Zug anzutreten hat. Dieſe nie geſtoͤrte Ordnung haben wohl die be⸗ ſtaͤndigen Kriege hervorgebracht, und noch befonders bemerkbar iſt der Umſtand, daß nur Voͤlker⸗Staͤmme von gleicher Sprache in den einzelnen Quartieren des Lagers beiſammen wohnen. Im XVI. Jahrhunderte waren dieſe Lager groͤß⸗ tentheils in Dembea, und zwar oͤfters 3— 4 Jahre an einem Orte. In den erſten Zeiten des Susneus gegen 1607 war es in Coga, 1612 und in den fol⸗ genden Jahren zu Gorgora, ſyaͤter in Dancaza und Guendra. Daß dieſe Lager ſehr groß ſeyn muͤſſen, ſteht man daraus, weil nicht nur alle Truppen, ſondern auch deren Familien, Weiber und Kinder, ferner das viel⸗ leicht noch 3 mal ſo ſtarke Gefolge des Koͤnigs, ſondern auch eine Menge Kaufleute, Kuͤnſtler, Werkleute und Troßknechte daſſelbe begleiten, ſo daß es einer beweg⸗ lichen Stadt ganz gleich kommt, wie es auch von Ferne einer großen Stadt ähulich ſieht. Daß das Lager⸗ Gefolge des Königs, welches be⸗ ſtändig um ihn iſt, einen großen Einfluß auf denſelben habe, daß in dieſen Lagern auch haͤufig Partheien und Aufſtaͤnde ſtatt finden, iſt ohnehin jedem begreiflich.) 1 218 XIv. Vom Kriegsweſen der Habeſſinier. Daß die Habeſſinier ein kriegeriſches Volk ſind, und beſtaͤndige Kriege zu fuͤhren haben, wiſſen wir bereits. Waffen⸗Stillſtand macht nur der Winter, wo das Austreten der Fluͤſſe viele Ueberſchwem mun⸗ gen verurſacht. Auch Tellez ruͤhmt die Tapferkeit der Habeſſinier, ihre Reitfertigkeit und Unverdroſſen⸗ heit zum Kriege, ſowohl aus Gehorſam gegen ihren Koͤnig, als auch aus andern ſchon angegebenen Ur⸗ ſachen. Sie ſind ſtark und behend, ertragen Hunger, Durſt und Witterung auf eine bewunderungswuͤrdige Weiſe. Sie dienen ohne Sold, und begnuͤgen ſich mit der Ehre und den allen Tapferen verliehenen Laͤndereien. Daher iſt ganz natuͤrlich, wenn ſie die Laͤnder, durch welche ſie ziehen, hart mitnehmen, wenn ſie die armen Gallaner nicht weit verfolgen können, welche ſie deswegen auch, weil ſle keine Beute von ihnen zu hoffen haben, im Treffen nie verſchonen. Der Kunſt, mit Schießgewehren umzugehen, ſind die Habeſſinier unkundig. Sie haben zwar 400 hoͤch⸗ ſtens 500 Musquetiere, welche ihnen aber ihrer Un⸗ geuͤbtheit wegen wenig Vortheil gewaͤhren. Das groͤßte Habeſſiniſche Heer betraͤgt jetzt huͤch⸗ ſtens 45,000 Mann, unter welchen etwa 5000 Mann Reiterei ſehr gut beritten, und leicht bewaffnet iſt. Sie hat Schwerdter und Pfeile, Lanzen und Wurf⸗ 219 ſpieße, welche ſie ſehr geſchickt in die Ferne zu ſchleu⸗ dern weiß, und leichte Schilde. Auch Heerpauken hat ſie, welche aber, beſonders ihre koͤniglichen, weit groͤ⸗ ßer, als die unſerigen ſind. Der Fußgaͤnger hat nichts als einen Schild und zwei Speere, von denen er einen gegen den Feind ſchleudert, mit dem andern im Handgemenge kaͤmpfet. Die Taktik und Kriegszucht der Habeſſinier iſt, wohl nur durch die Schuld ihrer Heerfuͤhrer, nicht die beſte. Fliehen zieht weder Schande noch Straſe nach ſich, die Fluͤchtigen verſteht man weder ohne weitere Verwirrung durchzulaſſen, noch wieder zu ſammeln. Sind daher die vorderen geworfen, ſo rei⸗ ßen ſie auch die uͤbrigen unaufhaltſam mit ſich fort. Ueberdieß werden ihre Fluͤgel nicht gehoͤrig gedeckt, Rekruten nicht von Veteranen getrennt, alles Maͤn⸗ gel, die verderblich werden koͤnnen. Ferner ſetzen die Habeſſinier die ganze Entſcheidung eines Treffens in den erſten gewaltigen Andrang, worin aber die Gal⸗ laner noch maͤchtiger ſind. Auch verſtehen ſie nicht, den Krieg in die Laͤnge zu ziehen, die Schwaͤchen des Feindes auszuſpaͤhen, vortheilhafte Augenblicke zu be⸗ nuͤtzen, durch feſte Schloͤſſer und Bollwerke die Kraft der Feinde zu brechen; daher ihre haͤufigen Ungluͤcks⸗ faͤlle im Kriege. Oberſter Feldherr iſt der Koͤnig oder der Ras. Habeſſinien iſt uͤbrigens nicht nur von Feinden, ſondern auch von zahlreichen Raͤuber⸗Schwaͤrmen 220 beimgeſucht, da die unaufhoͤrlichen Kriege nicht an thre Ausrottung denken laſſen, und zudem dieſe durch die Schlupfwinkel der Raͤuber in den Gebirgen ſehr erſchwert wird. KV. Von den durch die Habeſſinier ge⸗ fuͤhrten Kriegen. Ob die Koͤnige von Aethiopien in aͤlteren Zeiten ſchon Feldzuͤge nach Aegypten unternommen, daruͤber laͤßt ſich ſchon deßwegen, weil man nicht weiß, welchen Theil von Aethiopien die Geſchicht⸗ ſchreiber meinen, und wie weit die Herrſchaft der Habeſſinier ſich ehemals erſtreckte, nichts Zuverlaͤßiges ſagen. Dagegen ſind keinem Zweifel unterworfen die ruhmvollen Unternehmungen der Habeſſiniſchen Koͤnige gegen Arabien, von denen die Zerſtoͤrung des Ho⸗ meriten⸗Reiches durch Koͤnig Caleb ſchon be⸗ regt wurde. Auch wollen wir nicht gedenken der haͤuftgen Kriege der Habeſſinier mit ihren Nachbarn, die wir ohnehin nicht genug kennen; ſondern wir be⸗ ſchraͤnken uns hier nur, den im Anfange des 18. Jahr⸗ bunderts unter Koͤnig David ausgebrochenen Krieg mit den Adelenſern etwas ausfuͤhrlicher zu be⸗ ſchreiben. In den erſten Jahren ſeiner Regierung hatte twar David einige Siege uͤber ſie erfochten. Als gber die Tuͤrken Aegopten und einige Haͤfen des — 221 rothen Meeres erobert hatten, und die Adelenſer kraͤftig durch ſie unterfluͤtzt wurden; als David un⸗ eingedenk ſeines vorigen Ruhmes, ſtatt die Beſchwer⸗ den des Krieges muthig zu tragen, einer behaglichen Traͤgheit und Weichlichkeit ſich hingab; als er, ſtatt im offenen Felde mit den Feinden des Vaterlandes, ſich Ueber zu Hauſe mit ſeinen Kebsweibern herum⸗ tummelte: da brach Verderben uͤber Habeſſinien her⸗ ein. Den Schimpf der vorigen Niederlagen zu raͤchen, drang der Koͤnig von Adel, Ahmed, gewoͤhnlich Graine genaunt, in Habeſſinien ein, und eroberts 1526 Fatagar. In den pvei erſten Jahren kaͤmpfte man zwar mit abwechſelndem Gluͤcke; aber in den folgenden 12 Jahren bis 4540 traf die Habeſſtnier Schlag auf Schlag. David hatte wahrend dieſer Zeit ſeine beſten Laͤnder verloren, ſein zweiter Sohn Menas war gefangen, und er ſelbſt lebte auf dem Felſen Damus ein jaͤmmerliches Leben. Verzweiflung ergriff die Habeſſinier: denn um das Vaterland ſchien es geſchehen, da die Adelenſer nun vollends auch durch tuͤrkiſche Musquetiers unterſtuͤtzt wurden, da die in Habeſſinien lebenden Muhamedaner ihren Glaubens⸗ Genoſſen allen moͤglichen Vorſchub leiſteten, da viele Habeſſinier, an der Rettung des Vaterlandes verzwei⸗ felnd, den Koͤnig verließen. Der Untergang des Ha⸗ beſſiniſchen Reiches ſchien nahe— da rief der Koͤnig den Beherrſcher Portugals um Huͤlfe an, und ſiehe 15431 kamen wirklich unter der Anfuͤhrung des Chri⸗ 222. ſtophorus Gamaͤus 4s0 Musquetiers, ein kleines, aber tapferes Haͤuflein nach Ueberwindung vieler Muͤ⸗ hen und Beſchwerlichkeiten in Habeſſinien mit 6 Feld⸗ ſtuͤcken an, und nun aͤnderte ſich die Geſtalt der Sachen. Obwohl der nunmehrige Koͤnig Claudius Shewa, wo er ſich verborgen hielt, wegen der uͤberall herum ſtreifenden Feinde, nicht verlaſſen konute, und daher Gamaͤus den Krieg faſt ganz aus eigner Kraft, nur von wenigen Habeſſiniern unterſtuͤtzt, fuͤhren mußte, ſo wurden doch die Feinde uͤberall zerſtreut und gleich anfangs der fuͤr unuͤberwindlich gehaltene Felſen Amba⸗Sane rerſtuͤrmt. Graine, der wohl ein⸗ ſah, daß er es mit tapferen Leuten zu thun habe, ſuchte den Gamaͤus theils durch Drohungen, theils durch Vorſpiegelungen zu entfernen— aber vergebens. Dieſer beſchloß vielmehr, im Vertrauen auf die Tap⸗ ferkeit der Seinigen, den Feind, welcher 15,000 Mann Fußvolk und 1500 Mann Reiterei ſtark, zu welchem noch tuͤrkiſche Musquetiers geſtoßen waren, in ſeinem Lager zu erwarten. Aber Graine, der wohl wußte, daß die Portugieſen das auf einem Huͤgel gelegene Lager bald aus Mangel an Lebensmitteln aus eigenem Antriebe verlaſſen muͤßten, und er ſie dann leichter uͤberfluͤgeln koͤnne, griff das Lager nicht an. Er hatte ſich auch nicht betrogen. Die Portugieſen mußten ihren Huͤgel verlaſen, aber uͤberfluͤgelt wurden ſie nicht, da die Barbaren, trotz der Befehle und Dro⸗ hungen ihres Feldherin, ſich aus Furcht vor den 223 Kugeln der Portugieſen nicht an dieſe wagten. Ue⸗ berdieß wurde Graine an der Huͤfte durch eine Musqueten⸗Kugel verwundet; ſein Pferd, toͤdtlich getroffen, ſtuͤrzte mit ihm zuſammen, und der Fall ihres Feldherrn entmuthigte die Adelenſer ſo, daß ſie das Zeichen zum Ruͤckzuge gaben, und den Portugieſen das Feld uͤberließen⸗ Nach zwoͤlf Tagen erneuerte ſich das Treffen an⸗ fangs mit demſelben Erfolge; da fing durch einen Zufall das Pulver der Portugieſen Feuer, und flog mit ſo entſetzlichem Krachen in die Luft, daß die Pferde der Adelenſiſchen Kavallerie, welche maͤchtig auf die Portugieſen eindrang, ſcheu wurden, und von ihren Reitern nicht mehr gebaͤndigt, die ganze Schlacht⸗ ordnung der Adelenſer in Verwirrung brachten. Die Portugieſen, welche jetzt Luft bekamen, konnten ſich mit ganzer Kraft gegen die Tuͤrken wenden. Nachdem dieſe, und mit ihnen die eigentliche Staͤrke des Fein⸗ des geſchlagen waren, ſuchten auch die uͤbrigen mit Zuruͤcklaſſung des ganzen Lagers die Flucht. Der Winter machte dem Kampfe ein Ende. Gegen den Anfang des Fruͤhlings machten die Portugieſen eine gluͤckliche Expedition durch die Eroberung des ſoge⸗ nannten Juden⸗Felſens, wodurch ſie ſowohl dem Claudius den Paß aus Shewa fehr erleichterten, als auch 30 ſchoͤne Pferde, 300 Maulthiere und viele Elabei erbeuteten und nebſt dem naeh viele andere Beute machten. 224 Nach allen dieſen Vorfaͤllen ſah Graine wohl ein, daß er ohne Geſchuͤtz und Feuer⸗Gewehre nichts ausrichten koͤnne. Er ſah ſich daher nach Huͤlfe bei Tuͤrken und Arabern um, und wirklich ſtieſen 300 Musguetiers mit 10 Feldſtuͤcken zu ihwm. Gamaͤus, der dieſes entweder nicht wußte, oder durch ſeine Siege zu muthig geworden war, erwartete weder den Claudius, noch die Portugieſen, welche einen Transport von Pferden begleiteten, ſondern nahm ſogieich ein Dreffen an, konnte der Macht der Tuͤrken nicht widerſtehen, wurde, nachdem ſchon 180 der Sei⸗ nigen gefallen waren, auf der Flucht mit 14 Beglei⸗ tern gefangen, vor Graine gefuͤhrt, und auf ſeine kuͤhnen Reden unter vielen Martern getoͤdtet. Endlich kam Cl audi us an unter ſchlechten Aus⸗ ſichten, und niedergeſchlagen durch den Tod des Ga⸗ maͤus und durch die erlittene Niederlage. Da er nur mit wenigen Truppen gekommen war, ſo verſtri⸗ chen faſt noch 4 Monate, bis man ein ſtaͤrkeres Heer beiſammen hatte. Die 120 Portugieſen, die in der letzten Schlacht dem Tode entronnen waren, brannten vor Begierde, ihre gebliebenen Bruͤder zu raͤchen, und drangen hitzig in Claudius, eine Schlacht zu wa⸗ gen. Sie machten ihm ſichere Hoffnung des Sieges, da ſie erfahren hatten, daß die Tuͤrken bis auf 200 den Graine verlaſſen haͤtten. Der Koͤnig, obwohl nur an der Spitze von 3000 Mann Fußvolk und s00 Reitern gab dem Ungeſtuͤm⸗ 225 der Portugieſen nach, griff an, ſchlug zuerſt den Vor⸗ trab, und endlich das Hauptheer der Feinde unter Graine ſelbſt, der von einer Musquetenkugel ge⸗ troffen, ſeinen Tod fand. Mit ihm fiel der Schrecken der Habeſſinier und mit ſeinem Falle fingen dieſe an, ſich wieder zu erheben. Die Abgefallenen kehrten zu ihrer Pflicht zuruͤck, baten um Verzeihung, und der Koͤnig— die Umſtaͤnde erwaͤgend— verzieh, ſuchte durch Guͤte und Milde die Herzen ſeiner Unterthanen zu gewinnen, ſammelte ſeine zerſtreuten Kraͤfte, und that alles, um ſeinem zerruͤtteten Lande wieder zu helfen.— Aber indeſſen waren die bisher veraͤchtlich uͤberſehenen Gallaner zu einer furchtbaren Macht angewachſen— die Adelenſer hatten ſich erholt, brachen unverſehens mit einem gewaltigen Heere wie⸗ der in Habeſſinien, ſchlugen und toͤdteten den Clau⸗ dius. Sein Bruder und Nachfolger war gegen die in das Land gerufenen Tuͤrken nicht gluͤcklicher— er verlor Schlacht und Leben, den Hafen Arkiko und die Inſel Matzua. Erſt ſein Sohn Sertza⸗deng⸗ bel ſtellte den Kriegsruhm der Habeſſinier wieder her, vertrieb die Tuͤrken, und ſchlug die Gallaner Nach ſeinem Dode ſchwaͤchten ſich die Habeſſinier ſelbſt durch blutige Erbfolge⸗Kriege. Auch die Gal⸗ laner konnten ſie bis auf dieſe Zeit noch nicht be⸗ zwingen. 8 50. B. Afrika. I. 2. 226 XVI, Von den Geſandtſchaften der Habeſſinier. In Europa waren die Portugieſen die erſten, zu welchen die Habeſſinier, und zwar unter der Regierung⸗ der Helena, der Großmutter des Koͤnigs David. eine Geſandtſchaft ſchickten. Die Portugieſen waren⸗ uͤbrigens auch das einzige europaͤiſche Volk, welches durch ſeine Seezuͤge nach Indien den Habeſſiniern bekannt wurde.— Man erwaͤhlte zu obiger Geſandt⸗ ſchaft einen Armenier, Matthaͤ us, welcher der ara⸗ biſchen Sprache, fremder Gebraͤuche und Sitten wohl⸗ kundig war. Ihn begleitete ein edler Habeſſiniſcher Jungling. Auein dieſe Geſandtſchaft erfuhr ihrer Einfachheit wegen, vermoͤge welcher ſie nicht von dem beruͤhmten Presbyter Johannes zu kommen ſchien, ſowohl bei dem portugieſiſchen Vicekoͤnig von Indien in Goa, wo ſte 3 Jahre aufgehalten wurde, als auch bei dem Koͤnige von Portugal ſelbſt viele Schwierigkeiten, ehe ſie, erſt nach langer Zoͤgerung anerkannt wurde. Man ſchickte als gegenſeitigen Ge⸗ ſandten zuerſt den Odoardus Galvan, und als dieſer auf der Reiſe geſtorben war, den Rodericus Limaͤus unter Begleitung eines Prieſters, Franz Alvare:, der die Beſchreibung ſeiner Reiſe in por⸗ tugieſiſcher Sprache herausgab. Auch er ward 6 Jahre wahrſcheinlich zur Vergeltung in Habeſſinien zuruͤck⸗ bebalten, bis man ihn in Geiel Uſchaft des Habeſſiniers 227 Tzagazaab mit Briefen au den Pabſt, und an den Koͤnig von Portugal entließ. Eine andere Geſandtſchaft der Habeſſinier an die Portugieſen war diejenige, durch welche ſie im Ge⸗ draͤnge gegen die Adelenſer um Hülfe baten.— Spa⸗ ter ſchickten ſie noch einige Male Abgeordnete an den Pabſt, und an die Portugieſen bis zu dem Bruche mit der romiſchen Kirche, und bis zur Vertreibung der Miſſionaͤre aus Habeſſinien, von welchem Zeitpunkte faſt aller Verkehr mit Suropa von den Habeſſiniern aufgehoben wurde. Außerdem ſchicken ſie wenige Geſandtſchaften, etwa noch an ihren Metropoliten in Aegypten, und an die Tuͤrken, mit welchen ſie wegen der Nachbarſchaft manches zu ſchaffen bekommen Aber auch zu dieſen wenigen Geſandtſchaften gebrauchen ſie keine Einge⸗ borne, da es dieſen an der Kenntniß fremder Sprachen, Gebraͤuche und Sitten gaͤnzlich gebr.cht. XVII. Von den verſchiedenen Titeln der Statthalter in den Provinzen. Dieſe Statthalter in den Provinzen, welche der Koͤnig ganz nach Willkuͤhr waͤhlt und abſetzt, haben keinen algemeinen, ihnen allen zukommenden Namen. und Titel, ſondern dieſe ſind nach der verſchiedenen Beſchaffenheit der Laͤnder, die ſie verwalten, ebenfals verſchieden. So heißen einige ſogar Koͤnige, wie 3. B. der Koͤnig von Gan, oder von Enarea, au⸗ 228 dere Nagash, d. i. Regent, Herrſcher, wie z. B. Gojam⸗Nagash, oder Walaka⸗Nagash; wie⸗ der andere haben den ſchon bekannten Titel Ras, welches zwar eigentlich einen oberſten Feldmarſchall bedeutet, aber im Falle dieſer Ras einer Provinz vorſteht, auch als Landes⸗Hauptmann uͤberſetzt werden kann. Dergleichen Ras ſind in Angot und Bugna. Wieder andere fuͤhren die Benennung— Shum— welches einen Vorſtand im Allgemeinen bedeutet, welcher Titel aber nur den Statthaltern von Guraga und Cambot zukommt. Kurz die Statt⸗ halter der meiſten Provinzen haben ihre eignen Be⸗ nennungen, deren Bedeutungen man aus dem Ae⸗ thiopiſchen nicht genau wieder geben kann. Die Ver⸗ ſchiedenheit dieſer Benennungen ſcheint daher entſtan⸗ den zu ſeyn, weil ſie wahrſcheinlich die vorigen Beſitzer dieſer Laͤndereien fuͤhrten, ehe ſie unter die Botmaͤßigkeit der Koͤnige von Habeſſinien kamen, und weil ſie dann auf die folgenden Vicekoͤnige und Statt⸗ halter uͤbergingen. Der Titel Negus oder Nagaoi — Nagasth, welchen einige Statthalter hatten, bewog die Habeſſiniſchen Koͤnige, ſich Neguca⸗Na⸗ gaſt— Koͤnig der Koͤnige— beißen zu laſſen. XVIII., Von den Vaſallen des Koͤnigs von Aethiopien. Daß die Beherrſcher von Aethiopien ehemals andere kleine Koͤnige unter ihrer Herrſchaft hatten, 229 welche ihnen einen Tribut entrichten mußten, das baben wir ſchon fruͤher beruͤhrt, daß aber deren 60, oder so oder 40 geweſen ſeyn ſollen, wie ſoll das an⸗ nehmbar ſeyn, da nicht einmal ſo viele Statthalter⸗ ſchaften dem Aethiopiſchen Reiche unterthan ſind? Dagegen ſpricht Gregor nur von a ſolchen Tribut⸗ Koͤnigen, von denen jener in Sennara das Habeſſi⸗ niſche Joch laͤngſt abſchuͤttelte, und der von Dan⸗ cala ſeine Selbſtſtaͤndigkeit ebenfalls behauptet, ob⸗ wohl er nicht eben auf einem feindſeligen Fuße mit Habeſſiniens Koͤnig ſteht. Die zwei uͤbrigen ſind die Koͤnige von Guraga und von Enareja. Ueber alle anderen Vaſallen, ſie moͤgen von koͤnig⸗ lichem Gebluͤte, von hobem Adel, oder aus dem Staube zu hohen Wuͤrden erhoben worden ſeyn, ſie moͤgen einen Titel fuͤhren, welchen ſie mollen— uͤber alle gebietet der Koͤnig von Habeſſinien, als voͤllig unumſchraͤnkter Herrſcher. Er ſetzt ſie in ihre Wuͤrden ein, und wieder ab, wie ihm beliebt: denn nur wenige haben erbliche Wuͤrden. Er betrachtet ſie alle als ſeine Selaven, wie er ſich auch bei jeder Gelegenheit nur des Ausdruckes— Selave— gegen ſie bedient. Hievon machen ſelbſt Prinzen vom Ge⸗ bluͤte— ſelbſt die Koͤnigin keine Ausnahme. Wem dieſes ſonderbar vorkommt, der mag bedenken, dat dee Aethiopier das Wort Selave in weiterer und gelinde⸗ rer Bedeutung nehmen, daß obige Sitte alle Herrſcher von Afrika und Aſien uͤben, daß ſelbſt in unſerem 230 eiviliſtrten Europa der chriſtliche Kaiſer der Ruſſen die Großen ſeines Reiches Selaven nennet, und daß die Aethiopier, welche alle meiſtens eigenthumslos ſind, und ihrem Koͤnige auf den Wink mit Gut und Blut zu Dienſte ſeyn müſſen, durch ihre wahrhaft knechtiſchen Gebraͤuche, durch Kruͤmmungen bis zum Boden, durch Niederfallen auf die Erde, und durch Erniedrigung vor dem Koͤnige faſt bis zum Thiere, keine andere Benennung verdienen.— Merkwuͤrdig und ſonderbar iſt die Art und Weiſe, wie die Habeſſinier ihre Bittgeſuche vor den Koͤnig bringen. Da ſie aus Mangel an Schreibkenntniß keine ſchriftlichen Bittgeſuche einreichen koͤnnen, ſo lagern die Bittſteller ſich vor dem Zelte des Koͤnigs, und beſtuͤrmen dieſen noch im Schlafe am fruͤheſten Morgen in den verſchiedenſten Dialekten und Toͤnen mit dem groͤßten Ungeſtuͤme, rufend ohne Unterlaß: Mein Herr, mein Koͤnig! Wunderlich klingt da das Jan hyhoi der Amharenſer und Shewaner; das Hadarije der Tigrenſer; das Jegja der Einwohner von Dembea und Dara; das Ab⸗ kawo der Gafater und Gojamenſer; das wilde Hu⸗Hu der wilden Gallaner; und das Senhor der Portugieſen ꝛc. durch einander. Dazu ſingen die Moͤnche, ſtatt dieſer Ausrufungen, eine Hymne, wenn ſie von dem Koͤnige erhoͤrt werden wollen. Bei dem werdenden Tage laͤßt der Koͤnig dieſe oder jene der 231 Bittenden rufen und anhoͤren, oder hoͤret ſie, wenn die Sache wichtig iſt, wohl ſelbſt an. XIX. Von Gerichten und Strafen. Die Gerichtsordnung der Habeſſinier iſt hoͤchſt einfach: denn die Prozeſſe werden ohne Foͤrmlichkeiten und Schreibereien blos muͤndlich gefuͤhrt. Zeugen aufzufuͤhren iſt erlaubt, ſie als verdaͤchtig zu verſchla⸗ gen, ebenfalls; allein die meiſten Zeugen werden nur obenhin verhoͤrt, und da muß denn das Recht und die Unſchuld oft unterliegen. Berufungen an hoͤhere Ent⸗ ſcheidungen finden ſehr ſelten ſtatt— einmal wegen der Beſchwerlichkeit und Koſtſpieligkeit der Reiſen an den Hof, dann weil man ſelten einen beſſeren Spruch zu hoffen hat. Zudem will man lieber den Prozeß, als die Gunſt der Provineial⸗Richter verlieren, was durch Berufungen gewoͤhnlich der Fall iſt. Nicht ſel⸗ ten ſchlagen die Richter, durch Gunſt und Beſtechun⸗ gen bewogen, Proceſſe nieder. Ein ſolches Verfahren iſt auch in Habeſſinien keine Schande und wird mit dem Namen— Gelindigkeit bezeichnet. Gewoͤhnlichere Strafen ſind: Enthauptung, Haͤn⸗ gen, Steinigung, Geißelung, Verweiſung. Moͤrder werden den Anverwandten des Ermordeten zur will⸗ kuͤhrlichen Beſtrafung ausgeliefert.— Das Molaiſche: Auge um Auge— Zahn um Zahn ꝛc. gilt zum Theile noch in Habeſſinien. 232 III. Buſch. Kirchliche Verfaſſung der Habeſſinier. 1I. Von der ehemaligen Religion der Habeſſinier. Erſt durch die Miſſionaͤre, durch Tellez und Gregor wurde die kirchliche Geſchichte der Habeſſt⸗ nier etwas heller und zuverlaͤßiger. Wir werden daher uns auch hier beſonders und in der Hauptſache an Tellez halten. Wir haben ſchon oben geſagt, daß man in Ha⸗ beſſinien die Tradition von der Koͤnigin von Saba— Maqueda— annimmt, vermoͤge welcher die Ha⸗ beſſinier ſchon von Salomo's Zeiten die Erkenntniß des wahren Gottes, mehrere juͤdiſche Gebraͤuche und Ceremonien, z. B. die Beſchneidung, die Enthaltung von gewiſſen, nach dem moſaiſchen Geſetze verbotenen Speiſen, die Beobachtung des Sabbaths, die Levi⸗ rats⸗Ehe und anderes, erhalten haben ſollen. Allein die Spuren dieſer Gebraͤuche durch ſo viele Jahrhun⸗ derte bis nach Judaͤa ſelbſt verfolgen zu wollen, moͤchte doch zu gewagt ſeyn. Die Habeſſinier konnten ſie ja eben ſo gut von andern Voͤlkern, mit denen ſie dieſe Gebraͤuche gemein haben, oder von den erſten chriſtlichen Gemeinden, die ſich anfangs hierin nach 233 den Juden richteten, uͤbernommen haben. So hatten die Beſchneidung die Aethiopier uͤberhaupt, und unter ihnen gerade die Homeriten, das Stamm⸗ volk der Habeſſinier, ferner die Aegyptier, Colcher, Phoͤnicier und Syrierꝛe. Muhamed erwaͤhnt in ſeinem Koran der Beſchneidung mit keinem Worte, ein Beweis, daß die Muhamedaner dieſelbe ſchon uͤbten, ohne hierin den Juden nachzuahmen. Zudem haben die Habeſſinier nicht dieſelbe Beſchneidung, wie die Juden(daß die Beſchneidung bei verſchiedenen Voͤl⸗ kern verſchieden vollzogen wird, iſt eine bekannte Sache) und ſie verbinden damit keine ausgezeichnete Ceremonie oder Formel, wie die Juden. So ſagt der Koͤnig Claudius, der uͤberhaupt von ſich und den Seinigen allen Verdacht des Judaismus zu entfer⸗ nen ſucht, in ſeinem Bekenntniſſe ausdruͤcklich: daß ſie nicht beſchnitten wuͤrden, um dem moſaiſchen Ge⸗ ſetze genug zu thun, ſondern es ſey bei ihnen nur eine Gewohnheit des Landes, wie die Einſchnitte im Ge⸗ ſichte bei den Aethiopiern und Nubiern, oder die Durchloͤcherung der Ohren bei den Indiern. Eben ſo laͤugnet derſelbe Koͤnig Claudius auch die Enthaltung von Schweinefleiſch und andern Mo⸗ ſaiſch verbotenen Speiſen, als einen von den Juden empfangenen Gebrauch. Er ſagt: wir enthalten uns nicht vom Schweinefleiſche wegen des Moſaiſchen Ge⸗ ſetzes wie die Juden— wir halten einen ſolchen, der es ißt, auch nicht fuͤr unrein, und verachten ihn nicht; 2³4 zwingen aber auch einen ſolchen, der kein Schweine⸗ fleiſch genießt, nicht zu deſſen Genuſſe.— Haben ja doch die meiſten Vöͤlker in Beziehung auf den Genuß des Fleiſches eigenthuͤmliche Gewohnheiten. Die Tuͤr⸗ ken enthalten ſich des Schweinefleiſches und des Wei⸗ nes, die Pythagoraͤer aßen keine Bohnen, andere wilde Voͤlker verzehren das Fleiſch aller Thiere, die ihnen aufſtoßen; und als Gregor einſt in Deutſchland ge⸗ fragt wurde, warum er kein Schweinefleiſch genieße, ſtellte er auch gegenſeitig und wohl mit Recht die Frage: warum wir kein Pferdefleiſch aͤßen? Man muß hier immer Ruͤckſicht auf Aberglaube und Ge⸗ wohnheit nehmen. Vom Blute und vom Erſtickten enthalten ſich die Habeſſinier gaͤnzlich; aber nicht we⸗ gen Moſaiſcher, ſondern wegen Apoſtoliſcher Anordnung. Den Sabbath feiern die Habeſſinier ebenfalls nicht, nach des Claudius Geſtaͤndniſſe, wie die Juden. Sie feiern an dieſem Tage das Abendmahl und die alten Liebesmahle, enthalten ſich uͤbrigens nur von rein knechtiſcher Arbeit. Ja Claudius zieht die Feier des Sonntags der des Sabbaths noch vor, als dem Tage der Auferſtehung Chriſti, der Sendung des h. Geiſtes ꝛec. Die Levirats⸗Ehe der Juden, kraft welcher ein Bruder die Wittwe ſeines verſtorbenen Bruders heirathet, iſt auch in Habeſſinien erlaubt. Gregor laͤugnet es, und ſagt nur, daß dergleichen Ehen von der Obrigkeit zwar nicht beſtraft, daß aber doch die 235 Maͤnner von den h. Verſammlungen ausgeſchloſſen wuͤrden. Uebrigens ſtammt dieſe Sitte ſo wenig von den Juden, als die Vielweiberei und Eheſcheidungs⸗ Rechte der Voͤlker. Das einzige ſcheinen die Habeſſi⸗ nier von den benachbarten Juden zu haben, daß ſie ſich jener den Juden verbotenen Senne an der Huͤfte ebenfalls enthalten. Was Mendez von einer Re⸗ publik der Juden in Habeſſinien ſagt, iſt erdichtet. Was man ſich von der Koͤnigin Kandake und ihrem Eunuchen erzaͤhlt, daruͤber haben wir uns ſchon ge⸗ aͤußert. Ob die Nachkommen Menihelech's den Goͤtzendienſt wieder angenommen, kann nicht erwieſen werden. Nur das iſt richtig, daß die Habeſſinier lange in dem Verdachte des Judaismus ſtanden, welchen Koͤnig Claudius in ſeinem Bekenntniſſe als ungegruͤndet darzuſtellen ſucht. II. Von der Bekehrung der Habeſſinier zum Chriſtenthume. Dieſe wird gewöoͤhnlich dem in der Apoſtel⸗Ge⸗ ſchichte vorkommenden Eunuchen der Koͤnigin Kan⸗ dake zugeſchrieben. Die Habeſſinier ſelbſt ſtuͤtzen dieſe Behauptung auf einen Axumenſiſchen Codex⸗ in welchem die Geſchichte von jenem Eunuchen⸗ wie in der Apoſtel⸗Geſchichte, vorkommt.— Doch gegen dieſe Behauptung ſpricht ſowohl die Unaͤchtheit dieſer Erzaͤhlung im Axumenſiſchen Eoder, die man ior auf den erſten Blick anſieht, als auch der Umſtand, 236 daß dieſe Kandake keine Koͤnigin der Habeſſinier ſondern der Meroenſer war. Andere Traditionen, nach welchen man die Be⸗ kehrung der Habeſſinier doch wenigſtens in die Zeiten der Apoſtel ſetzt, und ſie bald dem Ba rtholomaͤ, bald dem Matrhaͤus, bald dem Matthias zu⸗ ſchreibt, ſind, eben ihres ſchwankenden Inhaltes we⸗ gen, weil die Habeſſinier ſelbſt nichts davon wiſſen, und weil man uͤberhaupt nichts weiter daruͤber boͤrt, eben ſo unſtichhaltig. Folgendes iſt nach der Uebereinſtimmung Habeſſi⸗ niſcher, Griechiſcher und Lateintſcher Geſchichtſchreiber die wahre Bekehrungs⸗ Geſchichte der Habeſſinier. Zur Zeit des h. Athanas unter Konſtantin dem Großen, landete Mer opius, ein Tyriſcher Kaufmann, der auf einer Reiſe nach Indien be⸗ griffen war, an der Aethiopiſchen Kuͤſte des rothen Meeres, ſtarb daſelbſt, und binterließ zwei Soͤhne, Frumentius und Aedeſius. Die Juͤnglinge wurden gefangen und zum Koͤnige gefuͤhrt, der ſie bald wegen ihrer trefflichen Anlagen und Kenntniſſe ſehr lieb gewann, und ihnen endlich die Freiheit ſchenkte. Nach dem Tode des Koͤnigs zogen ſie in der Folge mehrere chriſtliche Kaufleute an ſich, ver⸗ ſchafften durch ihren unbeſcholtenen, tugendhaften Le⸗ benswandel der chriſtlichen Religion hohe Achtung, und legten ſo den Grund zur Bekehrung der Habeſſi⸗ nier. Sie zu vollenden, reiſete Frumentius zum 237 b. Athanas, wurde von ihm zum Biſchofe von Ae⸗ thiopien geweihet, kehrte dahin zurüuck, taufte die Einwohner ſtellte Prie er und Diaconen auf, erbauete Tempel, und begruͤndete ſo das Chriſtenthum in Ha⸗ beſſinien. Hierin liegt ein neuer Beweis dafuͤr, daß die Bekehrung der Habeſſinier nicht bis in das apoſtoliſche Zeitalter zu ſetzen ſey. Denn wie konnte das Chriſtenthum von den Tagen der Apoſtel bis auf die Zeiten Konſtantins des Großen beſtehen ohne Taufe, Biſchoͤfe, Prieſter, Diakonen und ſonſtige uö⸗ thige Anordnungen, wovon man aber in jenen Tagen weder eine Spur, noch eine Nachricht findet. Es gibt noch einige Erzaͤhlungen von der Be⸗ kehrung der Habeſſinier, die wir aber als voͤllig unge⸗ gruͤndet verwerfen. Wir halten uns an die oben ge⸗ gebene Nachricht, welche durch die beruͤhmteſten und gewichtigſten Autoritaͤten von Kirchen⸗ und Profan⸗ Geſchichtſchreibern, ja ſelbſt durch den Axumenſiſchen Codex verbuͤrgt wird⸗ III. Von der weiteren Verbreitung der chriſtlichen Religion in Habeſſinien. Nachdem Frumentius die Bekehrung von Aethiopien begonnen hatte, zogen theils auf ſeinen Ruf, theils aus frommen Eifer viele Religioſen dahin. Beſonders kam ihrer eine große Anzahl, laut der Axu⸗ menfiſchen Chronik, zur Zeit des Koͤnigs Amiami⸗ das aus den roͤmiſchen Provinzen, und erfuͤllten das 238 ganze Land. Unter ihnen werden vorzuͤglich 9 genannt, welche durch die Geſaͤnge Aethiopiſcher Dichter ge⸗ feiert werden. Außer dieſen Moͤnchen gab es in Habeſſinien noch viele andere Lehrer des Chriſtenthums, die ſich um deſſen Ausbreitung große Verdienſte ſammelten, viele Martyrer und Heilige, welchen faſt unglaubliche Wun⸗ der zugeſchrieben werden, und Asceten, die ein wirk⸗ lich ſehr beſchauliches Leben fuͤhrten. Unter ihnen ſtand im Rufe vorzuͤglicher Heiligkeit ein gewiſſer Gabra Menfes Keddus, d. i. Diener des heil. Geiſtes, welcher mit einem h. Antonius und andern h. Einſtedlern das Moͤuchthum in Habeſſinien ein⸗ fuͤhrte, in geſetzliche Orduung brachte, und vervoll⸗ kommnete. Der letzte Vorſteher ſaͤmmtlicher Habeſſiniſchen Moͤnche war Euſtathius. Er ging, ohne einen Nachfolger zu erwaͤhlen, nach Armenien, und die Moͤnche ſelbſt erwaͤhlten ſich keinen. Jeder Abt, der immer durch Stimmen⸗Mehrheit zu dieſer Wuͤrde ge⸗ langt, leitet von nun an nach Gutduͤnken ſein Klo⸗ ſter. Uebrigens iſt Habeſſinien ſo voll von Moͤnchen, daß ſie dem Staate zur Laſt fallen, da ſie gegen die Feinde nicht zu brauchen, und von allen Abgaben frei ſind.— Zudem iſt die ganze Verfaſſung des Moͤnch⸗ thums die allerſchlechteſte. Ohne Habit, ohne ange⸗ meſſene Beſchaͤftigung, ohne ordentliche Kloͤſter, ſind die Monche mehr Bauern, die ihr Stuͤck Feld bear⸗ 239 beiten, von deſſen Ertrag ſie leben, und welche, wie⸗ wohl auch das nicht immer, im eheloſen Stande leben. Sogar Civil⸗Aemter begleiteten ſie ſchon oͤfters, und die Miſſions⸗Prieſter ſprachen deshalb auch gar nicht gut von ihnen. Nach Telles gibt es auch Nonnen in Aethiopien, von denen man jedoch nichts Ge⸗ wiſſes weiß.: IV. Von den heiligen Buͤchern der Ha⸗ beſſinier. Mit dem Chriſtenthume erhielten die Habeſſinier auch die heilige Schrift. Das alte Teſtament haben ſie aus einem Alexandriniſchen Exemplare der 70 Dol⸗ metſcher uͤberſetzt; wann und von wem, iſt ungewiß. Doch iſt wahrſcheinlich, daß dieſe Ueberſetzung zur Zeit der Bekehrung der Habeſſinier, oder bald darauf, und, wie der Text lehrt, von mehreren Autoren ge⸗ fertiget wurde. Das neue Teſtament haben ſie in der Ueberſetzung aus einem authentiſchen griechiſchen Texte, nicht, wie Einige glauben, aus der Vulgata. Die Habeſſinier haben uͤbrigens die ganze heilige Schrift, eben ſo viele Buͤcher, als wir; aber eine an⸗ dere Eintheilung derſelben, wobei ſie ſich mehr nach der Groͤße, als nach den inneren Eigenſchaften der Buͤcher gerichtet zu haben ſcheinen. Demnach theilen ſie das alte Teſtament in 4 Haupttheile. Den erſten Sbeil nennen ſie das Geſetz, oder den Octateuch, 24⁰ umfaſſend die erſten 8 Buͤcher. Den zweiten heißen ſie Koͤnige— enthaltend 48 Buͤcher bis zu den Spruͤchwoͤrtern. Den dritten uͤberſchreiben ſie Salo⸗ mon— von den Spruͤchwoͤrtern bis zu Jeſaias. Der vierte iſt betitelt: die Propheten— von Jeſaias bis Malachias, welchem Theile die 2 Buͤcher der Maccabaͤer angehaͤngt ſind. Gleichmaͤßig theilen ſie auch das neue Teſtament in 4 Theile, in 1) die Evangelien, 2) die Apoſtelge⸗ ſchichte, 3) die Pauliniſchen Briefe, 4) in den Apo⸗ ſtel— enthaltend die uͤbrigen Schriften der Apoſtel mit der geheimen Offenbarung Johannes als An⸗ hang.— Den Buͤchern des N. T. zaͤhlen ſie noch s8 Buͤcher Apoſtoliſcher Conſtitutionen und Ca⸗ nonen bei. Nach allen dieſen Schriften folgen als heilige Buͤcher die Verhandlungen und Canonen der 3 deumeniſchen Kirchenraͤthe zu Nicaͤa, Konſtantinopel und Epheſus. Hierauf folgt der Kanon der Euchariſtie, ein liturgiſches Buch, welches alle Gebete und Ceremonien der Aethiopiſchen Kirche enthaͤlt. An dieſes reihet ſich das ſymboliſche Buch der Habeſſinier, welches ſie Hajmanota⸗ Abau, oder: Glaube und Religion der Vaͤter— be⸗ nennen, ein Werk, welches aus den Schriften griechi⸗ ſcher Kirchenvaͤter(die lateiniſchen ſind den Habeſſi⸗ niern unbekannt) zuſammen getragen iſt, und welches in hohem Anſehen ſteht. Außerdem haben die Habeſſi⸗ nier noch mancherlei andere heilige Buͤcher, 3. B. ein 241 Martyrologium, Legenden der Heiligen, eine Geſchichte der Vaͤter, und noch mehrere dergleichen, unter denen auch manches erdichteten und ungereimten Inhaltes iſt. V. Von der jetzigen Religion der Ha⸗ beſſinier. Alles, was wir bisher von der Religion der Ha⸗ beſſinier, oder vielmehr von dem eigentlichen und wahren Glauben, und dem Lehrgebaͤude der Aethiopi⸗ ſchen Kirche erfahren haben, iſt ſchwankend. Die Aethiopiſchen Glaubens⸗Bekenntniſſe des Armeniers Matthaͤus und des Tzagazaab verdienen eben⸗ falls keinen Glauben, und ſelbſt die Miſſtonaͤre, die hieruͤber am beſten unterrichtet ſeyn konnten, haben uns nur die Irrthuͤmer, nicht aber die reinen Glau⸗ bens⸗Lehren der Habeſſinier berichtet. Von den juͤdi⸗ ſchen Gebraͤuchen, die ihnen auch als Irrthuͤmer an⸗ gerechner werden, haben wir oben geſprochen; von den uͤbrigen Irrlehren wollen wir hier einige aus Godignus und Tellez anfuͤhren. Sie behaupten unter andern, daß der h. Geiſt blos aus dem Vater hervorgehe, daß die menſchliche Natur Chriſti gleich ſey ſeiner goͤttlichen, daß in Chriſtus nur ein Wille und nur eine Thaͤtigkeit vorhanden. Sie wiederholen die Taufe, und zwar jaͤhrlich am Feſte Spiphauia, verwerfen die Ohrenbeicht, haben nicht die Saeramente der Firmung und der letzten Oelung; auch reichen ſie 5oſtes B. Afrika. I. 2. 3 8— 242 den Kranken nicht die heilige Wegzehrung, und leug⸗ nen die Exiſtenz des Fegfeuers ꝛc. Die einzige Glaubens⸗ und Sitten⸗Norm iſt den Habeſſiniern die heil. Schrift; nicht viel geringeres Anſehen haben die 3 erſten zeumeniſchen Kirchenraͤthe, wie ſie denn auch das Nizaͤiſche Symbol das Gebet des Glaubens heißen; dagegen verwerfen ſie gaͤnzlich den Kirchenrath von Chal eedon. Das große Werk Chriſti zur Erloͤſung der gefalle⸗ nen Menſchheit nehmen ſie mit glaͤubigen Herzen an. Von den Saeramenten nehmen ſie als ſolche die Taufe und das h. Altars⸗Saerament an. Sie glauben eine wahrhaftige Gegenwart Chriſti unter den Geſtalten des Brodes und Weines in der Euchariſtie, welches Sacrament ſie ausſchließend mit dem Namen Ge⸗ heimniß benennen.— Die Kommunion empfangen Kleriker und Laien nach Art der griechiſchen Kirche unter beiden Geſtalten. Ueber den Zuſtand der Seelen nach dem Tode denken die Habeſſinier verſchieden. Die gangbarſte Meinung hegen jene, welche blos einen zweifachen Zuſtand nach dem Tode annehmen— Himmel, oder Hoͤlle. Ein Fegfeuer nehmen ſie nicht an, obwohl ſie auf eine gewiſſe Art fuͤr die Verſtorbenen beten. Die Anrufung der Heiligen wie der Engel, deren ſie 9 Ordnungen annehmen, laffen ſie zu. Wir wollen uns mit dem von dem Religions⸗ Weſen der Habelſi⸗ 243. nier Geſagten begnuͤgen, bis wir uns ſicherer Nach⸗ richten hieruͤber zu erfreuen haben werden. VI. Von den Gebraͤuchen und Ceremonien in der Aethiopiſchen Kirche— von den Tempeln der Habeſſinier. Der Patriarch von Alexandrien, welcher in kirchlicher Hinſicht auch uͤber Aethiopien gebietet, war unter den Melchitiſchen und Jacobiti⸗ ſchen Unruhen, unter den Verfolgungen der Sara⸗ zenen und andern Drangſalen nicht im Stande, gleich dem Biſchofe von Rom durch Einfuͤhrung neuer Gebraͤuche und Ceremonien einen gewiſſen Glanz und Nimbus uͤber ſeine Kirchen zu verbreiten. Daher auch in dieſer Hinſicht noch Einfachheit und Alter⸗ thum in Habeſſinien; daher die Habeſſiniſche Kirche ganz ein Bild der alten chriſtlichen Kirche iſt. Schon die Tempel, die zwar ehemals praͤchtig ge⸗ weſen ſeyn ſollen, ehe ſie naͤmlich im Adelenſiſchen Kriege der allgemeinen Zerſtoͤrung erlagen, tragen das Gepraͤge dieſer Einfachheit und dieſes Alterthums. Sie ſind finſter, ganz nach Art der Synagogen er⸗ bauet, und mit eben denſelben Abtheilungen verſehen. Oeſtlich am Tempel iſt das Behaͤltniß fuͤr die Eucha⸗ riſtie angebracht. In demſelben ſieht man weder Stuͤhle, da die Habeſſinier nach altem Kirchen⸗Ge⸗ brauche waͤhrend des Gottesdienſtes ſtehen, oder ſich einer Art Kruͤcken bedienen, noch findet man andere als 244 gemalte Bilder, da man Statuen— geſchnitzte oder aus Erz gegoſſene— fuͤr Goͤtzenbilder anſieht. Daher iſt an ihren Kreuzen auch das Bild des Erloͤſers nicht zu ſehen, ſondern die Cleriker tragen in den h. Ver⸗ ſammlungen das bloße Kreuz vor, und reichen es den Glaͤubigen zum Kuſſe, wodurch ſie das Bekenntniß des Chriſtenthums ablegen.— Was nun die eigentliche Liturgie, die heiligen Gebraͤuche und Ceremonien betrifft, ſo unterſcheidet ſich die Habeſſiniſche Kirche gaͤnzlich von der lateini⸗ ſchen. Zum Belege hiervon nur Einiges: Die Taufe der Erwachſenen, welche bei der Nach⸗ barſchaft der Heiden kein ſeltener Fall iſt, geſchieht bei den Habeſſiniern durch Untertauchen. Die Kin⸗ dertaufe ſchieben ſie, wenn nicht Nothfall vorhanden iſt, wohl manchmal ein halbes Jahr hinaus.— Amn Feſte der Erſcheinung des Herrn feiern ſie das Anden⸗ ken der Taufe Chriſti durch Wiederholung der Taufe. Ihre Beicht legen ſie nur im Allgemeinen ohne die Aufzaͤhlung einzelner Suͤnden ab, mit dem Bekenntniſſe: wir haben geſuͤndigt. Mit Muͤhe brachten die roͤmi⸗ ſchen Prieſter es dahin⸗ daß ſie die 3 Laſter, des Mor⸗ des, Ehebruchs und Diebſtahls namentlich bekennen, bei welchen und andern großen Laſtern ſie die Los⸗ ſprechung wohl manchmal auch recht derb fuͤhlen muͤſſen, da die bereit ſtehenden Diener des Metro⸗ politen nur auf den Wink der Prieſter warten, um gröbere Suͤnder mit Geißel⸗Streichen zu bedienen. 245 Daß bei ſolchen Umſtaͤnden es um das Beichtſigin ſchlecht ſtehe, ſieht jeder ſelbſt ein. Der ganze Gottes⸗ dienſt der Habeſſinier beſteht im Empfange der heil. Kommunion und bn dem Anhoͤren beſtimmter Ab⸗ ſchnitte aus dem N. T.; Predigten werden keine ge⸗ halten. Die Cr ged bewahren ſie in einer ganz eigenen hoͤlzernen Lade auf, welchen Gebrauch ſie durch den der erſten Kirche rechtfertigen wollen. Zur Euchariſtie bedienen ſie ſich des geſaͤuerten Brodes; nur am Donnerſtage machen ſie davon zum Andenken des Feſtes der ungeſaͤuerten Brode eine Ausnahme. Daß ſie unter beiden Geſtalten communietren, iſt ſchon vorgekommen. Die Euchariſtie in Privathaͤuſer zu tragen, iſt durchaus nicht erlaubt. Das Zeichen zum Gottesdienſt geben ſie in Er⸗ manglung eherner Glocken, mit hoͤlzernen, eiſernen oder ſteinernen Schellen. Eben ſo ſchlecht ſieht es mit der Habeſſiniſchen Kirchen⸗Muſik aus, welche in einem mißtoͤnigen Geblaͤrre der Canoniker unter Be⸗ gleitung von Cymbeln und Klappern beſteht, welche zu ruͤhren an hohen Feſten ſelbſt die Magnaten des Reiches ſich zur Ehre ſchzen. Dabei fuͤhrt man, zur Nachahmung des vor der Bundeslade tanzenden Da⸗ vid, oͤfters nicht gar anſtaͤndige Taͤnze auf. Die Faſten werden nirgends ſtrenger gehalten, als in Habeſſinien; man enthaͤlt ſich nicht nur von gewiſſen Speiſen, waͤh⸗ rend man ſich dabei mit andern wohl fuͤttern koͤnnte, ſondern man verſucht gleichſam ſeine Kraͤfte im Faſten⸗ 246 genießt oft mehrere Tage gar nichts, und hierin gehen die Kleriker wirklich mit einem guten Beiſpiele vor.— Die kirchlichen Feſte betreffend, halten ſie ſich groͤßten⸗ theils an die Praxis der aͤlteſten katholiſchen Kirche.— Ihr Neujahr feiern ſie mit Griechen, Armeniern, Ruſſen und andern orientaliſchen Chriſten am erſten September; ihr Jahr beſteht zwar auch aus 12 Mo⸗ naten; dieſe aber nur immer aus 30 Tagen, und die Habeſſinier bedienen ſich demnach des Julianiſchen Kalenders. Die Ceremonien bei Einweihung der Ehe ſind ihnen, wie die Ehe ſelbſt, heilig. Aber merkwuͤrdig iſt, daß die Vielweiberei zwar kirchlich verboten, aber buͤrgerlich erlaubt iſt.— Die Begraͤbnißfeier geht in Habeſſinien auf folgende Weiſe vor ſich. Die Leiche wird wohl gewaſchen und beraͤuchert und mit Klei⸗ dern, oder wenn der Verſtorbene eine angeſehene Perſon war, mit einer Rindshaut bedeckt, auf die Todten⸗ Bahr gelegt, und unter Vortragung des Kreuzes, un⸗ ter Begleitung der Geiſtlichen ſo ſchnell hinausgetra⸗ gen, daß man Muͤhe hat, dem Zuge zu folgen. Am Grabe wird die Leiche ſo lange beigeſetzt, bis ein Ab⸗ ſchnitt aus dem Johannes⸗Evangelium abgeleſen iſt, und dann beraͤuchert und mit Weihwaſſer beſprengt in das Grab— nicht hinab gelaſſen, ſondern hinab geworfen. 247 VII. Von der Beſchaffenheit der Hierarchäe in Aethiopien. Es war ſchon fruͤher davon die Rede, daß auch die oberſte Kirchen⸗Gewalt Aethiopiens in den Haͤnden des Koͤnigs liege, und alles, was in das Ge⸗ biet der Gerichtsbarkeit faͤllt, wird demnach, gering⸗ fuͤgige Sachen ausgenommen, von koͤniglichen Richtern entſchieden. Nur rein geiſtliche Gegenſtaͤnde, wie Ordinations⸗ und Dio ceſan Angelegenheiten ſind dem Ermeſſen der Kleriker uͤberlaſſen. Man ſieht hieraus, daß die Gewalt der Habeſſiniſchen Geiſtlichkeit ſehr beſchraͤnkt iſt. Ja dieſe erfreut ſich nicht einmal der gewoͤhnlichen geiſtlichen Privilegien, ſo daß ſelbſt gewaltſame Handanlegung an einen Kleriker nichts weniger, als Erkommunieation nach ſich zieht. Das Haupt der Habeſſiniſchen Cleriſey iſt der Metropolit— Abbuna, d. i. Vater— genannt. Derſelbe wird immer auf Anſuchen des Koͤnigs von dem Patriarchen zu Alexandria geweihet, und aus Aegypten nach Aethiopien geſchickt, da die Aethiopier vermoͤge des Kirchenraths zu Nieaͤa keinen andern Metropoliten haben duͤrfen, als einen ſolchen, der in kirchlicher Hinſicht unter dem Patriarchen von Ale⸗ randria ſteht.— Die Habeſſinier ſind zu engbruͤſtig, als daß ſie ſich uͤber dieſe alte Sitte und Vorſchrift binausſetzten, obgleich ſie ihnen ſchon viel Nachtheil und Ungluͤck bereitete, und zwar aus folgendem Grun⸗ 248 de: Die Alexandriniſche Kirche iſt gegenwaͤrtig in einem hoͤchſt traurigen Zuſtande Der Patriarch und ſein Clerus ſind Leute ohne alle, auch die geringſte Bildung. Die Wiſſenſchaften liegen gaͤnzlich nieder. Man iſt zufrieden, weun der Patriarch leſen und ſchreiben kann, und die Bibel nur etwas inne hat. Wie kann nun der uͤbrige Clerus beſchaffen ſeyn, der noch uͤberdieß groͤßtentheils nur gezwungen das Cle⸗ ricat antritt, oft unter Weinen und Klagen die heil. Weihen empfaͤngt, wegen der von den Tuͤrken an dem Clerus veruͤbten Grauſamkeiten und Verfolgungen? Und aus einem ſolchen Clerus erhaͤlt die große Kirche Habeſſiniens einen Oberhirten, deſſen ganze Wiſſen⸗ ſchaft in einigen auswendig gelernten Ordinations⸗ 6 Formeln beſteht, der, ſeine Bildung betreffend, ſelbſt den ungebildeten Habeſſiniern oͤfters zum Geſpoͤtte dient? O bedauernswuͤrdige Kirche, o erbaͤrmliche Hierarchie, die nicht einmal auch Erzbiſchoͤfe und Bi⸗ ſchoͤfe unter ihren Gliedern zaͤhlt, deren ganze Koͤrper⸗ ſchaft aus Presbytern, Subpresbytern, Diasonen und Subdiaconen beſteht! Man verſuchte zwar ſchon in verſchiedenen Zei⸗ ten, den Habeſſiniern andere Metropoliten aus Rom aufzudringen: allein ſie wurden ſtets mit Verachtung und Abneigung zuruͤckgewieſen. Die uͤbrige Beſchaffenheit des Habeſſiniſchen Cle⸗ rikers betreffend, ſo unterſcheidet ſich derſelbe im Aeu⸗ ßern durch kein weiteres Kennzeichen vor dem Laien, 249 als durch ein Kreuz, das er, ſo oft er ſich oͤffentlich ſehen laͤßt, in der Hand traͤgt, und den Voruͤberge⸗ benden zum Kuſſe reicht. Der Habeſſiniſche Clerus leht nicht im eheloſen Stande; doch iſt ein zum zwei⸗ ten Male verheiratheter Mann unfaͤhig, die beiligen Weihen zu empfangen. VIII. Ueber die Trennung der Habeſſinier an der griechiſchen, und ihre Streitig⸗ keiten mit der roͤmiſchen Kirche Die Habeſſinier waren von jeher in kirchlicher Hinſicht unter dem Stuhle von Alexandrien. Seit dem Kirchenrathe von Chalcedon aber, wel⸗ cher unter dem Kaiſer Marcian gebalten wurde, trennte ſich dieſe Kirche in Folge der Eutychiani⸗ ſchen Zaͤnkereien von der griechiſchen Kirche, und mit ihr wurden in dieſes Schisma auch die Habeſſi⸗ nier verwickelt. Hoͤchſt ſchaͤdlich wirkte dieſe Kirchen⸗Spaltung auf das Alexandriniſche Patriarchat. Denn alle ihm uunterworfenen Gemeinden bildeten wieder Partheien, and waͤhlten ſich ihre eigenen Patriarchen. Unter ibnen nennt uns die Ketzer⸗Geſchichte beſonders die Patriarchen der Melchiten und Jacobiten, zu welchen letzteren ſich die Habeſſinier ſchlugen, und ſich ſo von der griechiſchen und roͤmiſchen Kirchen⸗ Gewalt losriſſen. Doch ſaben ſich noch immer auf 250 den Grund der Tradition die roͤmiſchen Biſchoͤfe al ls die erſten aller chriſtlichen Patriarchen an; ja ſie ſuch⸗ ten, obgleich der Monophyſitiſchen und Mo⸗ notheletiſchen Ketzerei ergeben, dennoch die Freund⸗ ſchaft mit dem Pabſte ſo viel als moͤglich zu befeſtigen, zu welchem Ende man ſich oͤfters wechſelſeitige Ge⸗ ſandtſchaften ſchickte. Pabſt Alexander III, ſchrieb an Aethiopiens Koͤnig einen Brief, worin er die⸗ ſen ſeinen lieben Sohn nennt; Koͤnig Zera⸗ Jakob ſchickte Geſandte an Eugen Iv., Koͤrſg David an Clemens VII., Paul III. beſtaͤtigte den uns ſchon bekannten Johannes Bermudes als Biſchof von Habſſinien; die in Rom anwe⸗ ſenden Habeſſinier genoſſen alle Auszeichnung, und der Paͤbſte vorzuͤgliches Wohlwollen. Kurz, es beſtand ein ſehr freundſchaftliches Vernehmen zwiſchen Ha⸗ beſſinien und Rom, bis es durch die Verſuche des letzteren, Aethiopien gaͤnzlich der kirchlichen Macht Roms zu unterwerfen, wieder geſtoͤrt ward. Schon Ignaz von Lojola naͤmlich hatte im Sinne gehabt, Habeſſinien der roͤmiſchen Kirche ein⸗ zuverleiben, und in dieſer Abſicht ſelbſt ſich dahin zu begeben; allein Julius III. hatte es ihm nicht zu⸗ gegeben. Da wurde auf den Betrieb des Koͤnigs Johannes III. von Portugal Johann Nonius Barret, ein Jeſuit, mit der Patriarchal⸗Wuͤrde von Habeſſinien bekleidet, obwohl ſchon Bermudes vom Pabſte in derſelben Eigenſchaft beſtaͤtigt war. Zugleich 251 erhielt er fuͤr den Fall, daß ihm eine Krankheit oder Perſon des Biſchofs Andreas Ovied. Beide ge⸗ langten gluͤcklich nach Habeſſinien, wo unterdeſſen Claudius ſeinem Vater David in der Regierung gefolgt war, fanden aber Schwierigkeiten in der Er⸗ fuͤllung ihres Auftrages, die ſie nicht gehofft hatten. Schon der Koͤnig und die koͤnigliche Familie waren gegen alle Veraͤnderungen in Religions⸗Sachen ein⸗ genommen, und daher wurde Barret mit ſeinen Begleitern zwar nicht gerade abgewieſen, aber durch Unterredungen, Berathungen und Unterhandlungen ſo hingehalten, daß er wohl merken mußte, welchen Aus⸗ gang die Sache nehmen wuͤrde, und daß er den DO pvied allein nach Matzua, wohin ſie vom Koͤnig waren beſchieden worden, gehen ließ, um ſein Gluͤck weiter zu verſuchen. Ovied wurde vem Koͤnige ſehr huldvoll aufgenommen, und mit ſo vieler Maͤßigung angehoͤrt, daß er wirklich ſeine Hoffnung nicht ganz ſinken ließ. Als er aber nach vielen, ſowohl muͤnd⸗ lichen, als ſchriftlichen Unterhandlungen und Unter⸗ redungen mit den Habeſſiniſchen Doetoren, worin dieſe freilich immer den Kuͤrzern zogen, ernſtlich in den Koͤnig drang, ihm eine entſcheidende Antwort zu geben, erklaͤrte dieſer unumwunden, er ſehe nicht ein, warum er Neuerungen zulaſſen ſolle; er und ſein Volk ſeyen mit ihrem Abbuna(Metropoliten) ſehr zufrieden, und wollten wie ihre Vorfahren den Nach⸗ — fonſt ein Unfall begegnete, einen Adjuneten in der 2⁵² Soolgern auf dem Stuhle des h. Marcus in Reli⸗ gious Sachen gehorchen. Als Ovied zu andern Mitteln griff, ſeinen Zweck zu erreichen; daß er naͤmlich die Habeſſinier vieler Ketzereien beſchuldigte, und die Portugieſen vor dieſen warnte, verdarb er ſeine Sache vollends. Schon David wurde ſehr uͤber ihn aufgebracht, noch mehr aber deſſen minder gutmuͤthiger Nachfolger Adamas⸗ Saghed, der mehrere harte Verfuͤgungen gegen alle Lateiner ergehen ließ, ja ſogar ſchon einmal in ſeinem Grimme das Schwerdt gezogen hatte, Ovied zu durchbohren, wovon er nur durch die Umſtehenden abgehalten wurde. Owvied verzweifelte an der Ausfuͤhrung ſeines Vorhabens, ging nach Fremona, und lebte hier 30 Jabre als Patriarch der Portugieſen, nachdem Bar⸗ ret geſtorben war, Spaͤter wurde allen Prieſtern der Zugang nach Habeſſinien durch die Tuͤrken verſperrt, und es kam mit den Portugieſen ſo weit, daß ſie keinen Cleriker zur Haltung des Gottesdienſtes mehr batten, bis der Indier Melchior Sylvanus nach Aethiopien ſich durchſtahl, der ſo lange das Heiligthum der Portugieſen beſorgte, bis Petrus Pays in Ha⸗ beſſinien im Jahre 1697 ankam. 253 IX. P. Peter Paysin Habeſſinien und ſein Wirken daſelbſt.. 3 Mit P. Peter Pays, der ſchon fruͤher einmal eine Reiſe nach Habeſſinien, wiewohl mit ungluͤcklichem Erfolge, verſucht hatte, kam eine beſſere Periode fuͤr die Religion der Portugieſen in Habeſſinien. Er ward durch die Leichtigkeit und Schnelligkeit, mit welcher er den Portugieſiſchen Knaben in Fremona Reli⸗ gions⸗Unterricht ertheilte, durch ſeine Wiſſenſchaft ſowohl in freien als mechaniſchen Kuͤnſten, durch ſein gefaͤlliges und leutſeliges Benehmen bald ſo beruͤhmt, daß es ſogar zu den Ohren des damals regierenden Koͤnigs Zadenghel gelangte, welcher begierig, Pe⸗ ter Pays zu ſehen, dieſen mit ſeinen jungen Schuͤlern zu ſich einlud. Er folgte dieſem Rufe, und ging im April 160¼ an den Hof, wo er ſehr ehrenvoll aufge⸗ nommen wurde, mehrere Verhandlungen mit den Moͤnchen beſtand, und nach roͤmiſcher Art Meſſe und Predigt hielt, durch welche letztere bewogen, der Koͤnig ſchon damals mit ſeinen vertrauteren Freunden den Entſchluß faßte, dem roͤmiſchen Pabſte ſich zu unter⸗ werfen. Dieſen anfangs geheim gehaltenen Entſchluß machte er bald dadurch oͤffentlich, daß er die Feier des Sabbaths aufhob, und mehrere aͤhnliche Auordnungen machte— mit einer ſolchen Hitze und Eilfertigkeit, daß Peter Pays ſelbſt ihn vergebens zuruͤckhielt, und die Verſchworung der Vornehmen des Reiches 254 gegen den Koͤnig, durch welche deſſen Fall herbei ge⸗ fuͤhrt wurde, nicht mehr hindern konnte. Mit dem Tode Zadenghels ſanken zwar auf einige Zeit die Hoffnungen Peter Pays's; aber ſie erwachten auch wieder, als nach Beendigung des Krieges zwiſchen Jakob und Susneus, und nach dem Tode des erſteren, der letztere den Thron von Habeſſinien beſtieg. Dieſer nahm Peter Pays nebſt deſſen Genoſſen mit vieler Gewogenheit auf, und ſchenkte in allen ſei⸗ nen Antraͤgen ihm ein geneigtes Ohr. Er ſah ein naͤmlich den traurigen Zuſtand der Kirche und Reli⸗ gion in Habeſſinien, die ungeheuere Unwiſſenheit und Geiſtes⸗Beſchraͤnktheit des Habeſſiniſchen Clerus, und die ſo ſehr dagegen abſtechende Wiſſenſchaft und Bil⸗ dung der Jeſuiten. Er ſah ein, daß nur durch ſie der religioͤſe Zuſtand des Landes verbeſſert werden koͤnne, und beſchloß mit des Reiches Großen, wegen der Ein⸗ verleibung der Habeſſiniſchen in die lateiniſche Kirche, mit dem Pabſte Unterhandlungen anzuknuͤpfen. Als man endlich vollends die Erfahrung machte, daß in allen oͤffentlichen Religions⸗Geſpraͤchen, welche meiſtens das Dogma von den zwei Naturen in Chriſtus betra⸗ fen, der Habeſſiniſche Saͤcular⸗ und Regular⸗Clerus ſtets mit Schande abziehen mußte, da trat alsbald des Koͤnigs leiblicher Bruder, Ras⸗Seelarus, und kurz darauf, nach erhaltener Antwort von Rom, der Koͤnig ſelbſt der lateiniſchen Kirche bei, ohne daß ihm Jemand widerſprach, nachdem alle ſeine bedeutenderen 255 Feinde aus dem Wege geraͤumt waren. Zugleich recht⸗ fertigte er ſeinen Schritt vor dem Volke, verſicherte demſſelben, daß er ihn nur nach reifer Ueberlegung und von der Kraft der Wahrheit uͤberwunden, gethan. Ein neues feierliches Religions⸗Geſpraͤch, gehalten in Ge⸗ genwart der Magnaten und nach einigen Tagen wie⸗ derholt, hatte fuͤr die Habeſſiniſchen Moͤnche denſelben ſchlechten Erfolg, wie alle fruͤheren, und der Koͤnig nahm nun keinen Anſtand mehr, ein Ediet ergehen zu laſſen, nach welchem kuͤnftig zwei Naturen in Chri⸗ ſtus, an welchen Satz eigentlich der ganze Streit ge⸗ knuͤpft war, geglaubt und golehrt werden ſollten, wel⸗ chem Ediecte ſpaͤter die Bedingung: unter Todes⸗ ſtrafe— beigefuͤgt wurde.— Aber nun ARahm auch die Sache eine ernſthaftere Wendung und Waffen⸗G walt, nicht Worte mehr ſollten den Kampf 6 Zuerſt beſchwerte ſich der Metropolit Simeon, daß man in Religions⸗Sachen ohne ſeine Zuziehung entſcheide, und drang auf wiederholte Religions⸗Ge⸗ ſpraͤche; aber er konnte nach Telle; kein Woͤrtchen erwiedern auf die Behauptungen, welche die Jeſuiten in denſelben aufſtellten. Da er ſich, obwohl uͤberwun⸗ den, dennoch nicht zufrieden ſtellte, ſondern zu Gewalt⸗ ſtreichen ſeine Zuflucht nahm, und den Bannſtrahl guf alle jene ſchleuderte, welche zwei Naturen in Chriſtus behaupteten, ſo bewirkte er wentgſtens ſo viel dadurch, daß der Koͤnig ein anderes, gelinderes Ediet heraus gab, wo es nur hieß, daß ein jeder die Freiheit habe, die Religion, wie ſie die Jeſuiten vortrügen, zu er⸗ greifen. Allein auch das war dem Metropoliten und leinen Moͤnchen noch zu viel: er nahm ſeinen Bann⸗ ſtrahl nicht zuruͤck. Die Gutdenkenden ſahen uun wohl mit Bedauern, daß, woferne der Koͤnig nicht nachgebe, Blut fließen wuͤrde, ja daß ſelbſt das Vaterland in das Verderben geſtörzt werden koͤnne. Man bat von Mlen Seiten den Susneus, von ſeinen Vorhaben 256 1 und Neuerungen abzuſtehen, und das ſo ſehr gefaͤhr⸗ dete Wohl des Vaterlandes zu beruͤckſichtigen— auch Stmeon und ſeine Moͤnche baten, die ganze Cleriſey beſchwor ihn unter Thraͤnen und auf den Knieen, die alte Religlon aufrecht zu euedtern der Koͤnig blieb unerbittlich. Und nun folgten alle jene furchtbaren Empoͤrungen und blutigen Kriege, die faſt ganz Ae⸗ thiopien dem Graͤuel der Verwuͤſtung Preis gaben. Jamanaxus, des Koͤnias leiblicher Bruder, Ahe⸗ lius ſein Schwiegerſohn und der Eunuch Caflo verſchworen ſich, da Susneus in ſeinen Neuerungen immer weiter ging, gegen ſein Leben, und ſammelten ſogar ein Heer gegen ihn: allein ſie unterlagen, und Aelius und Simeon wurden Opfer threr Kuͤhnheit. Joanel, der Vieekoͤnig von Bagemdra, empoͤrte ſich und— unterlag Die Damotenſer empoͤrten ſich und unterlagen nach blutigem Kampfe, in welchem 400 Moͤnche nach dem tapferſten Widerſtande ihren Tod fanden. Nun erſt hielt Susneus nichts mehr zuruͤck, foͤrmlich und oͤffentlich der lateiniſchen Kirche ſich zu ergeben, und der Alexandriniſchen abzuſchwoͤren. Er⸗ legte dem P. Peter Pays eine Ohrenbeichte nach roͤmiſcher Art ab, entließ alle ſeine Kebsweiber, und behielt blos eine rechtmaͤßige Gemahlin, mit welcher er die erſten Soͤhne erzeugt hatte. In dieſer Hinſicht folgten ſeinem Beiſpiele noch viele andere Habeſſinier. Susneus legte in einer Schrift ſeinem Volke die Gruͤnde ſeines Uebertrittes zur roͤmiſchen Kirche dar, und weder der bittere Tadel des Patriarchen von Alerxandrten, noch die Unruhen, die ſpaͤter deß⸗ wegeu eutſtanden, konnten ſeinen Schritt ruͤckgaͤngig machen. (Fortſetzung folst.)