S 2nd“ Taſchen⸗Bibliothek der wichtigſten und intereſſanteſten See⸗ und Land⸗Reiſen, von der Erfindung der Vuchpenzteckunſt bis auf unſere 3 eiten. Mit Landkarten, Planen, Portraits und anderen bbildungen. Werfa ß t von Mehrenn, und herausgegeben . von. Joagchim Heinrich Jä ck, Koͤnigl. Bibliothekar zu Bamberg. 47. Baͤndchen. Mit einem Kupfer. II. Theil. 2. Bändchen von Perſien. Nürnberg. Verlegt von Haubenſtricker und von Ebner. t 18339. Taſchen⸗Bibliothek der wichtigſten und intereſſanteſten Reiſen durch Perſien. Mit Landkarten, Planen, Portraits und anderen Abbildungen. Verfaßt von — Mehren, und herausgegeben Joachim Heinrich Jaͤck, Koͤnigl. Bibliothekar zu Bamberg. 1 II. Theil. 2. Bändchen. Nürnberg. Verlegt von Haubenſtricker und von Ebner. 1830. Sechsmalige Reiſe durch die Türkei nach Perſien. Unternommen zwiſchen den J. 1636— 64 von Joh. Bapt. Tavernier, Freih. v. Aubonne, dem weſentlichſten In⸗ halte nach ausgezogen von K. Th. Peter, Pfarrer zu Windheim im Ober⸗ . Main ⸗Kreiſe. — Vorrede. Job. Bapt. Tavernier, geb. zu Paris 4508, Sohn eines Landkarten⸗Haͤndlers, gewann durch Be⸗ ſchaͤftigung mit denſelben von erſter Jugend eine zu⸗ nehmende Luſt, durch fremde Laͤnder zu reiſen. Kaum hatte er das 22. Lebensjahr erreicht, ſo reiste er ſchon durch Frankreich, England, die Niederlande, Schweiz, Teutſchland, Polen, Ungarn und Italien. Nach dem Willen ſeines Koͤnigs verfuͤgte er ſich, von 1636 bis 1664 ſechs Male zu Land, durch die Tuͤrkei, Perſien 134 und Indien, und kehrte nur einmal zu Waſſer in ſein Vatertand zuruͤck. Er erwarb ſich durch die mit jeder Reiſe verbundenen Handels⸗Geſchaͤfte, beſonders in Sdelſteinen, ein ſo großes Vermoͤgen, daß er die Herr⸗ ſchaft Aubonne in der Schweiz kaufen, und ſich in den Freiherren⸗Stand erheben laſſen konnte. Mit dieſem Gluͤcke noch nicht zufrieden, ließ er ein Schiff mit Waaren fuͤllen, welche er um 222,000 Livres in Frankreich gekauft hatte, und ſendete einen Vetter zum vortheilhaften Verkauf derſelben nach dem Orient. Allein er wurde durch dieſen ſo betrogen, und ſein Vermoͤgens⸗Stand ſo erſchuͤttert, daß er 1687 ſeine Herrſchaft Aubonne wieder verkaufen mußte. Voll Sehnſucht, das verlorene Vermoͤgen wieder zu erwer⸗ ben, wagte er die Unternehmung einer ſiebenten Reiſe; allein er erreichte nur Moskau, wo er im Juli 1689 ſtarb. Seine Reiſe⸗Berichte konnte er ſelbſt aus Mangel an wiſſenſchaftlichen Kenntniſſen nicht verfaſſen, ſon⸗ dern er mußte ſich durch den beruͤhmten Geographen Samuel Chappuzeau vertreten laſſen, welcher durch den Praͤſidenten Lamoignon und deſſen Sohn Baville nach dem Willen des Koͤnigs zu dieſer Arbeit faſt gezwungen wurde. Denn nach deſſen Ver⸗ ſicherung hatte Tavernier nichts mitgebracht, als einige Denkſchriften, welche er von einem Kapuziner, Namens P. Raphael zu Iſpahan empfangen hatte; alles uͤbrige theilte er dem Chappuzeau aus 135 ſeinem Gedaͤchtniſſe mit. Dieſer iſt alſo der wahre Verfaſſer der Beobachtungen und Erfahrungen Ta⸗ vernier's in den zwei erſten Buͤchern bis auf das letzte Hauptſtuͤck, worin die Verwalter der hollaͤndiſch⸗ oſtindiſchen Geſellſchaft wegen Unredlichkeit ſo bitter getadelt werden. Letzteres verfaßte De la Cha⸗ pelle, Sekretaͤr des Praͤſidenten Lamoignon. Deßwegen beſchwerte ſich auch Chappuzeau ſpaͤter mit Recht uͤber Jurieu, welcher ihm jenes Haupt⸗ ſtuͤk zuſchrieb, und wofuͤr er in dem Esprit de Mr. Arnaud ſo ſcharf kritiſirt worden war. Der naͤmliche Sekretaͤr hat auch unter Tavernier s Namen ei⸗ nen Bericht uͤber das tuͤrkiſche Serail, uͤber Japan und Tunquin heraus gegeben, worin er den in ſeinem reformirten Glauben unerſchuͤtterlich gebliebenen Tavernier gar als einen Katholiken redend einfuͤhrte. Die wahren Titel aller dieſer Werke ſind: n 1 Six voyages en Turquie, en Perse et aux Indes, fails pendant l'espace de quarante ans, accompas: nés d'observations particulieres sur la qualité, la religion, le gouvernement, les coutumes et le com- merce de chaque pais, avec les figures, les poids, et la valeur des monnoies, qui y ont cours à Paris 4676. 4. 2 Vol. à Amsterd. 1679. 12. à Utrecht. 1742. 8. 3 Vol. à Rouen. 1743. 412. 5 Vol. à la Haye 11746. 8. 3 Vol. In das Hollaͤndiſche uͤberſetzt von J. H. Glazemaker. Amſterdam 1682. 4. Vel⸗ 136 teutſcht durch Prof. J. Menudier zu Nuͤrnlerg 1684. Fol. m. Kupf⸗, wie auch durch J. H. Wie⸗ derhold zu Genf. 1681. Fol. m. Kupf. Zu dieſem Werke gehoͤrt noch: Recueil de plusieurs relations et traités singuliers et curieux, non compris dans ses six premiers voyages, avec figures en taille- douce. à Paris. 1679. 4. Dann: Relation de l'In⸗ terieur du Serrail du Grand Seigneur. à baris, 1687. 12. Jaͤck. Erſtes Buch. Wenn das Reiſen uͤberhaupt beſchwerlich iſt, ſo mag es gewiß in Aſien ſeyn, wo alles fehlt, was dasſelbe in Suropa erleichtert. Von Poſten und gebahnten Straßen weiß man dort nichts; eben ſo wenig von Gaſthaͤuſern Europa's, in denen man den Neiſenden alle Beguemlichkeit ſeines eigenen Hauſes darzubieten ſucht. Man muß unter Felten bei jeder Witterung uͤbernachten, wenn man nicht zufaͤllig eine Karavanſe antrifft, in der man aber auch weiter nichts, als Obduch fuͤr ſich und ſein Gethier findet, und nur manchmal Lebensmittel von den Aufſehern derſelben erkaufen kann, immer aber aller Bequemlichkeit ent⸗ behrt. Was das Muͤhſame der Reiſe in dieſem oͤſtli⸗ chen Erdtheile noch erhoͤht, ſind die Gefahren, mit denen man zu kaͤmpfen hat. Oft zieht ſich der Weg 137 mehrere Tage durch Oedungen, die theils wegen des Climas, theils aus Traͤgheit der Menſchen, unbebaut liegen, oft durch Wuͤſten, in denen man mehrere Tage auf kein Waſſer, wohl aber haͤufig auf Raͤuber, die in ihnen hauſen, ſtoͤßt. Wer dieſen Gefahren entgehen will, muß ſich Karavanen anſchließen, welche regelmaͤ⸗ ßig zu beſtimmten Zeiten des Jahres von Smyrna, Aleppo und Konſtantinopel, eigentlich von Burſe,— denn von Konſtantinopel ziehen keine Karavanen ab— dahin abreiſen. Burſe iſt die Hauptſtadt von Bythinien, ſie iſt 1 1/2 Tagreiſen von Konſtantinopel entfernt, hat aber mit dem⸗ ſelben gemeinſchaftlichen Weg nach Perſien, indem die Straße von Konſtantinopel nach Perſien und die ihrige dahin in ihrer Naͤhe ſich vereinigen. Als ich das erſte Mal nach Perſien reiste, trat ich meine Reiſe in der Hauptſtadt des tuͤrkiſchen Reichs an. Von ihr ſetzte ich nach Aſien uͤber, und zog mit meinen Reiſegefaͤhrten, die ſich alle zu Skutaret geſammelt, und daſelbſt mit Lebensmitteln zur Reiſe. verſehen hatten, am erſten Tage durch ſehr angenehme Auen, vor vielen tuͤrkiſchen Gottesaͤckern vorbei. Die Tuͤrken pflegen dieſelben an Landwegen anzulegen, weil ſie glauben, daß dadurch die Voruͤbergehenden erinnert. wuͤrden, fuͤr die Verſtorbenen zu beten. Auf einer jeden Grabſtaͤtte ſtand eine Pyramide, an deren Spitze ein maͤnnlicher oder weiblicher Kopfbund befeſtiget war, je nachdem der Leichnam, den die Pyramibe be⸗ 138 wachte, maͤnnlichen oder weiblichen Geſchlechts gewe⸗ ſen. Nachtlager nahmen wir an dieſem Tage zu Car⸗ tali, einem Dorfe Bythyniens, des andern Tags zu Gebiſe, wo die alte, durch das Grabmal Han⸗ nibals beruͤhmte Stadt Lybiſſa ſtand; am dritten Tage zu Iſnich, welche einige fuͤr die alte Stadt Nicaͤg halten. Sie iſt befeſtigt, und hat einige große mit Mauern umgebene Plaͤtze, welche ihr ſtatt eines Arſenals dienen. Eine Seite der Stadt liegt an einem jaͤh abſtuͤrzenden Huͤgel, die andere auf einer Ebene, die ſich bis an das Meer erſtreckt, und den Meerbuſen von Iſnich bildet. Auf dem hoͤchſten Punkte dieſer Stadt kann man das Meer, wie die Ebene uͤberſehen. Sultan Amurath hat dieſer un⸗ begrenzten Ausſicht wegen allda einen ſchoͤnen Pallaſt auffuͤhren laſſen. Von Konſtantinopel kann man hieher auch zur See, und zwar bei gutem Winde in⸗ nerhalb 7— 3 Stunden gelangen. Am vierten Tage waren wir nach Chabangi gekommen, wo ſich der Weg von Kon ſtantimopel und von erwaͤhntem Burſe nach Perſien vereini⸗ gen. Hier verſuchten mehrere Sultane einen Kanal bis zu dem Meerbuſen zu fuͤhren, um das Bauholz, welches in dieſer Gegend auf den Gebirgen waͤchſt, nach Konſtantinopel zu bringen. Auf der Reiſe von Chabangi uͤbernachtet man eigentlich an den Ufern des Fluſſes Zararat, welcher gegen Nord fließt, und in das ſchwarze Meer muͤndet. 139 Da an dieſem Orte weder ein Dorf, noch eine Ka⸗ rawanſe anzutreffen war, ſo begaben wir uns eine Meile vom Fluſſe, vorzuͤglich um uns mit Wein und andern Beduͤrfniſſen zu verſehen, zum Dorfe Ada⸗ welches groͤßtentheils von Armeniern bewohnt iſt. Von da gelangten wir des andern Tages durch eine ſumpfigte Gegend auf Daͤmmen nach Coneoly, hierauf zu dem Dorfe Tuſkebaſar, zuletzt nach Cargueſlar, einem großen Dorfe, und Polis oder Polia, einer Stadt, an einem ſehr hohen Ge⸗ birge, und mit einer ſehr ſchoͤnen und aͤußerſt frucht⸗ baren Ebene. Die Doͤrfer, die wir paſſirten, hießen Bende⸗ lur, Gerrardar, Cargeſtar, Carragalar und Corizar. Tocia iſt eine große Stadt. Sie iſt auf einem Huͤgel erbaut, welcher ſich an ſehr hohe Berge lehnt. Auf ihrem hoͤchſten Punkte liegt die Veſte. In dieſer Stadt fand ich die beſte Karavanſe auf der ganzen Reiſe. Der groͤßte Theil der Einwohner ſind Grie⸗ chen, die vor den Tuͤrken voraushaben, daß ſie den vortrefflichen Wein, den dieſe Gegend im Ueberfluſſe hervorbringt, trinken duͤrfen. Agiſenſalu, Ozeman, Azilar, Deleki⸗ rar, auf welche man von Tocia kommt, ſind große Ortſchaften mit Karavanſen, mit Ausnahme von Ozeman, welches eine kleine Stadt iſt, die am Fuße eines Huͤgels, auf dem ein Schloß erbaut iſt, 140 liegt. Laͤngs ihr gegen Mittag fließt der breite und tiefe Fluß Guſelarmak, welcher ſich, 8 Tagreiſen entfernt, in das Cuxiniſche Meer ſtuͤrzet. Ueber ihn fuͤhrt eine Bruͤcke, die man nicht ſchoͤner ſehen kann. Sie hat 15 Schwibboͤgen, welche alle aus Quadern erbaut ſind, und ſattſam den kuͤhnen Geiſt des Baumeiſters verkuͤnden. Dieſe 4 letzten Tagreiſen ſind, weil der Weg ſehr enge, und fuͤr die Raͤuber vortheilhaft iſt, ſehr ge⸗ faͤhrlich. Um vor ihnen ſicher zu ſeyn, beſonders da wir hoͤrten, daß ſich eine Bande zuſammengerottet habe, um uns aufzulauern, nahmen wir von Tocia 50 Neiter zur Bedeckung mit. Amaſia iſt eine große Stadt unten an einem Berge auf einem Huͤgel erbaut. Um in ſie friſches Quellwaſſer zu leiten, hat man einen marmorharten Felſen eine Meile Wegs durchgegraben. Eine beinahe unglaubliche Arbeit! Die Gegend um Amaſia iſt ſehr fruchtbar. Daſelbſt wachſen der beſte Wein und die herrlichſten Fruͤchte von ganz Natolien. Amabazar iſt eine Karavanſe, 1/4 Meile von dem großen Dorfe Turkat. Von ihm kann man mit einem Futter nach Dockat kommen, wo der Weg, den die Kargvanen von Smyrna ziehen, mit dem der Karavanen von Konſtantinopel oder Burſa zuſammenlauft. Tokat iſt eine ſehr große Stadt, liegt am Fuße eines hohen Berges um einen Felſen, auf welchen 141 ein ſehr altes und feſtes Kaſtell ſteht, iſt ſehr volkreich, und wird von Griechen, Armeniern und Tuͤrken be wohnt, welche letztere die Mehrzahl bilden. Ihre Straßen ſind enge, aber ihre Haͤuſer ſchoͤn gebaut, ſo auch ihre Moſcheen. Fuͤr die Chriſten befinden ſich in ihr 12 Kirchen, 2 Moͤnch⸗ und 2 Nonnen⸗Kloͤſter. Eines dieſer Kloͤſter iſt der Sitz eines Erzbiſchofs. Um Torkat wohnen groͤßtentheils Chriſten und Armenier. Die Chriſten ſind meiſtens Handwerker, und beinahe alle Schmiede. Gegen Mitternacht von Torkat breitet ſich eine 3— 4 Sagreiſen lange, und 2— 3 Meilen breite Ebene aus, welche mit außerordentlich vielen Doͤrfern beſaͤet, und ausnehmend fruchtbar iſt⸗ In dieſer Gegend waͤchſt der meiſte Safran von ganz Aſien; dieſer iſt die beſte Handelswaare nach Indien. Was Torkat beſonders merkwuͤrdig macht, iſt, daß durch daſſelbe alle Karavanen aus Perſien, Diar⸗ bequir, Bagdad, Konſtantinopel, Smyrna, Sonope, und aus andern Orten kommen muͤſſen. Es iſt auch der Ort, wo die Karavanen, die aus Perſien zuruͤckkehren, ſich trennen, und entweder rechts noͤrdlich, den Weg nach Konſtantinopel, oder links weſtlich, den Weg nach Smyrna einſchla⸗ gen. Torkat iſt eine Zollſtation. Fuͤr ein Kameel zahlt man einen Thaler, fuͤr ein Pferd einen halben, wenn es beladen iſt; denn unbepackte Pferde, auf welchen die Herren und ihr Gefolge reiten, zahlen 142 nichts. Dieſe Mauth macht die Stadt zu einer der beſten und reichſten in der Tuͤrkei. Obwohl die Karavanen einige Zeit zu Torkat liegen, halten ſie ſich doch auch 2— 3 Sage zu Char⸗ liqueu auf, welches nur 2 Meilen von voriger Stadt entfernt liegt. Die Urſache iſt der gute Wein, der hier waͤchſt, und um die Haͤlfte wohlfeiler, als in Torkat zu kaufen iſt; auch geſchieht dieß der Chriſten wegen, welche hier, da das ganze Ort von Chriſten bewohnt wird, ihre Andacht verrichten koͤnnen. Die Einwohner ſind meiſtentheils Gerber. Es wird hier der gute blaue Corduan, zu deſſen Bereitung das Flußwaſſer daſelbſt viel beitragen ſoll, verfertiget. So wie die Gegend um Torkat durch den blauen, ſo iſt Diarbequir und Bagdad durch den rothen, Muſeul oder das alte Ninive durch den gelben, und Urfa durch den ſchwarzen Corduan beruͤhmt. 2000 Schritte von genanntem Dorfe zeigt man einen ausgehauenen Felſen, wo der beruͤhmteſte chriſtliche Redner, der h. Chryſoſtomus, waͤhrend ſeiner Verbannung, gewohnt, und zu dem Volke geprediget haben ſoll. Zwei Meilen von Charkliqueun fuͤhrt der Weg üͤber hohe allſeitig ſteile Berge. Auf dieſen wurden 3z Kaufleute unſerer Karavane, die durch den Wein ermuthigt, ſich von unſerer Karavane entfernten und vorausritten, von Raͤubern angegriffen; 2 wurden ſchwer verwundet, einer rettete ſich durch die Flucht. 143 Die Raͤuber ſprengten, nachdem ſie die Kaufleute be⸗ zwungen hatten, mit den Pferden derſelben und mit den darauf geladenen Guͤtern davon, und hatten eine Beute von 10,000 Thalern gemacht. Unſere Karavane ſah dieſes Ungluͤck, welches ſich dieſe durch ihre Un⸗ vorſichtigkeit zuzogen, mit an, ohne ihnen jedoch zu Huͤlfe eilen zu koͤnnen. Denn die Wege waren ſehr enge, auch waren die Raͤuber ſehr hurtig und hatten ſich, da ſie alle Schliche in den Gebirgen kennen, bis wir dahin kamen, ſchon aus unſeren Augen ver⸗ loren. Von den Karavanen ſich entfernen, und ent⸗ weder vorauseilen oder zuruͤckbleiben, iſt ſehr gefaͤhrlich, und es iſt ſchon Manchem uͤbel bekommen, daß er nur 500 Schritte von ihr zuruͤckblieb. Von dieſem Ge⸗ birge, wo die Kaufleute, welche Armenier waren, an gegriffen wurden, kamen wir nach Almus, einem kleinen Dorfe. Von da fuͤhrte der Weg uͤber eine große Ebene, in der wir uns an einem anmuthigen Fluſſe, mit Namen Tufanlu⸗ſu, der ſich in den Fluß bei Tokat ergießt, lagerten. Der Weg fuͤhrte nun abermals uͤber ein hohes Gebirge, welches ſo jaͤb iſt, daß man es ohne Gefahr nicht uͤberreiten kann, und nothwendig zu Fuß gehen muß. Dieſer Urſache wegen wird es auch von den Einwohnern Karab⸗ chin⸗bequendren oder Gebirge, welches große Herrn anhaͤlt, genannt. Auf den ſchlimmen Wegen dieſes Gebirges erlagen 2 Pferde unſerer Karavane, deren jedes mit 2 Ballen engliſchen Tuches bepackt 144 war. Wir hatten uns Hoffnung gemacht, 2 Meilen von dem Orte, wo die Pferde ſielen, auf einer Wieſe, durch welche ſich ein Bach ſchlaͤngelt, lagern zu koͤn⸗ nen; allein wir fanden, als wir dahin kamen, den Platz ſchon von einer Kompagnie Tataren, die noch auf mehrere warteten, benutzt. Da wir ihre Nachbar⸗ ſchaft nicht fuͤr raͤthlich hielten, ſo zogen wir noch 1/4 Meile weiter, um an einem bequemen Platze zu lagern. Unſer Karavanen⸗Anfuͤhrer verehrte dem Hauptmanne der Tataren 2— 3 Pfd. Tabak, etwas Zwieback und zwei Flaſchen Wein, welches derſelbe mit vielem Danke annahm; auch erzaͤhlte er ihm das Ungluͤck mit den Pferden. Dieſe Nachricht verurſachte bei den Tataren, die es hoͤrten, große Freude. So⸗ gleich ritten einige zu dem Orte der gefallenen Pferde. Nach 2 Stunden kamen ſie wieder zuruͤck. Mich trieb die Neugierde, zu erfahren, was ſie bei den Pferden gethan hatten. Ich beſtieg daher ein Maulthier, nahm eine Flinte, begab mich in ihre Naͤhe und that, als wenn ich jagen wollte. Da ſah ich, daß ſie die Pferde geſchunden, und in Stuͤcke zertheilt hatten. Einige Stuͤcke hatten ſie unter ihre Saͤttel gelegt, einige auf ſelbe gebunden. Als ſie ankamen, verzehrten ſie das durch die Bewegung und Hitze des Pferdes, dann durch den Druck des Sattels in etwas gar gemachte Pferdefleiſch gemeinſchaftlich mit ihren Kameraden. Andere ſah ich die rohen Stuͤcke in ein mit Salz ge⸗ elebenes Tuch wickeln, und mit Holz blaͤuen, was ſie ſich weidlich ſchmecken ließen. Am Fuße des Gebirges, von dem die Rede iſt, breitet ſich eine Ebene aus, in deren Mitte ein Brun⸗ nen, Namens Chermedeler(Kryſtallbrunnen) ſich befinder. Weſtlich von ihm ſieht man ein Dorf. Von dem Orte, wo wir an dieſem Tage lagerten, kamen wir zu dem kleinen Flecken Adras, welchen Arme⸗ nier bewohnen. Aſpidar liegt 2 Meilen von Adras. Iſpeder, durch welches ebenfalls der Weg fuͤhrt, iſt ein Douf im Gebirge, in welchem die Karavane theils des Zolles, thetis des vortrefflichen Weines wegen, den man hier trifft, und mit welchem man die leeren Schlaͤuche wieder fuͤllt, 2— 3 Tage verweilt. Von da gelangt man uͤber einen Fluß zum Dorfe Zakapa, von wo man durch ſehr enge Wege, auf denen man an 2 Or⸗ ten die Kameele abladen, und die Ballen 25— 30 Schritte tragen muß, auf eine kleine Ebene gelangt, welche am Fuße des ſehr hohen Gebirges Dikmebel liegt. In dieſer liegt das Dorf Kurdaga, in deſſen Naͤhe man 3 Fluͤſſe paſſirt, und 2 Meilen weiter einen vierten Berg, uͤber welchen man dreimal wandern muß. Hierauf erſt erreicht man die Doͤrfer Garme⸗ ru, Seukmen, Luri und Chaouqueun, von welchen die 2 letzteren ſehr ſchoͤn gelegen ſind. Zu Chaouqueu ſah ich einen 130 Jahre alten Mann, der zur Zeit der Belagerung Babylons durch Sultan 47. B. Perſten. II, 2, 2 146 Amurath ſo viel Hafer, als einen Tag zur Unter⸗ haltung der Armee nothwendig war, lieferte. Ihm und ſeinen Kindern waren deswegen auf Lebensdauer alle Abgaben erlaſſen. Von Chaouqueu kommt man üuͤber ein Ge⸗ birge, wegen ſeines Climas das rauhe genannt. Die Wege uͤber ſelbiges ſind ſfehr enge; daher muß eine Perſon immer hinter der andern gehen. Hier erhebt der Karavanenbachi ein beſtimmtes Geld von jedem Kameele und Pferde. Dieſes gehoͤrt theils ihm, theils zur Unterhaltung von 7— s Armeniern, die auf der ganzen Reiſe bei der Karavane Wache halten, theils wird es zur Beſtreitung anderer Koſten verwendet. Wenn man dieſes Gebirge durchreiſet iſt, lagert man auf der Ebene Giogandereſi, von der man bis Erzerum nur noch zu den Doͤrfern Ache⸗kalg, Ginnis und Iligia, die eben ſo viele Halteplaͤtze fuͤr die Karavanen ſind, kommt. Waͤhrend dieſer drei⸗ taͤgigen Reiſe zieht ſich der Weg immer laͤngs des Euphrats, welcher in der Gegend von Erzerum entſpringt. An den Ufern dieſes Fluſſes waͤchſt der Spargel wild in außerordentlicher Menge, und ſehr dick. Eine Meile von Erzerum muß die Karavane ſtill halten. Ein Mauthner plumbirt ſie, wodurch man verhuͤten will, daß die Kaufleute in der Stadt keine Ballen ohne Wiſſen verwerthen. In der Stadt ſelbſt werden, nachdem die Kargvane 3 Tage geraſtet hat, 147 alle Ballen durchſucht, die Waaren geſchaͤtzt, und nach ihrem Inhalte verzollt. Dieß iſt die Urſache, weßwe⸗ gen die Karavanen regelmaͤßig 20— 28 Tage daſelbſt liegen muͤſſen. Erzerum, die Graͤnzſtadt der Tuͤrkei gegen Perſien liegt am Ende einer großen Ebene, welche mit ſchoͤnen Doͤrfern geziert, und ganz mit hohen Bergen umgeben iſt. Wenn man die Vorſtaͤdte und das Schloß mitrechnet, kann man ſie faͤr eine große Stadt gelten laſſen; die Haͤuſer jedoch ſind ſehr arm⸗ ſelig und nur aus Holz und Erde erbaut. Man ſieht in ihr noch einige Ruinen von armeniſchen Kirchen und Gebaͤuden, woraus aber hervorgeht, daß ſte nicht von ſonderlicher Kunſt geweſen ſeyen. Ihre Veſte liegt auf einem hoben Ort, und iſt mit einer doppel⸗ ten Mauer und einem ſchlechten Graben umgeben, nebſtdem durch 4 Thuͤrme, die ſehr nahe beiſammen⸗ ſteben, befeſtiget. In eben dieſem Bezirke iſt auf ei⸗ nem Huͤgel noch eine Schanze angelegt. In Erze⸗ rum ſind ſehr viele und große Karavanſen, denn wie Tokat, iſt ſie als ein Hauptpaß in die Tuͤrkei, ein Sammelplatz vieler Karavanen. Der Zoll daſelbſt in hoch, und traͤgt ungemein viel. Eine Laſt Seide aus Perſien, welche gewoͤhnlich 800 Pfd. wiegt, zahlt 24 Thaler, eine Laſt indianiſcher Tuͤcher, welche aber ſchwerer iſt, zahlt gegen 100 Reichsthaler. Die Laſten der Kameele ſind nicht von gleicher Schwere, ſle richten ſich nach der Guͤte des Weges. Gewoͤhnlich 148 iſt, daß die Kaufleute in der Naͤhe von Zollſtationen, aus 3 Laſten 2 machen, und damit ſich die Kameel⸗ treiber als Kameel⸗Eigenthuͤmer ſolches gefallen laſſen, mit ihnen unterhandeln. Das Clima von Erzerum iſt ſehr kalt; deſſen ungeachtet waͤchſt und reift die Gerſte innerhalb 40, das Korn innerhalb 60 Tage. Die Gegend bringt auch etwas Wein, aber von ſchlech⸗ ter Guͤte hervor. Die Einwohner ſind ſehr mit Au⸗ genkrankheiten geplagt. Es war vor Alters eine der vornehmſten Staͤdte in Armenien, und wird noch heute in den Vorſtaͤdten groͤßtentheils von armeniſchen Familien bewohnt. Ehe wir unſere Reiſe von Erzerum weiter ſetzen, muß ich noch eines Weges von Konſtanti⸗ nopel hieher erwaͤhnen. Von Erzerum ſind iu dem alten Trepizonte, nun Taraboſan, welches am ſchwarzen Meere liegt, s Tagreiſen. Und hieher kann man von Konſtantinopel beiguͤnſtigen Winden in 4— 6 Tagen gelangen, ſo daß man alſo die ganze Reiſe inner 10— 12 Tagen zuruͤcklegen kann. Dieſer Kuͤrze ungeachtet aber ſchlaͤgt man dieſen Weg, weil die Fahrt auf dieſem Meere wegen des beſtaͤndigen Nebels und der Stuͤrme aͤußerſt gefaͤhrlich iſt, ſelten ein. Einige ſind dieſen Weg gefahren, hatten aber zu ſelbem auf der Heimkehr keine Luſt, ſondern zogen bei derſelben den ſichern Weg zu Lande vor. 183 Wenn die Karavane Erzerum verlaͤßt, kommt fie am erſten Lage nicht weiter als eine Meile, II 149 dieſer Entfernung von der Stadt iſt eine Zoͤhnerei, wo alles baare Geld, welches aus der Tuͤrkei gebracht wird, mit 2 vom 100 verzollt wird, manchmal wenn ſich die Kaufleute ſtraͤuben, auch nur mit ein Proxcent. Denn obwohl die Kaufleute ganz der Willkuͤhr der Zoͤllner uͤberlaſſen ſind, ſo koͤnnen ſie dieſelbe doch in Schranken zuruͤcktreiben, wenn ſie ausarten will. Sie ziehen naͤmlich einen andern Weg, und umgehen die Mauthſtationen, wodurch dann der Baſcha und die Zoll⸗Einnehmer, die ſich in den Zollgefaͤllen theilen, die Einnahme entbehren, und ihren Nachtheil wahr⸗ nehmend, ſpaͤter gerne ſich nach den Kaufleuten be⸗ quemen. Eine zweite Zollſtation von Erzerum nach Erivan iſt bei dem Schloſſe Haſſam⸗Kale. Ein Kameel, wie eine Pferdeladung giebt etwa 1⁄½2, auf der Rückreiſe 4 Thaler. Von dieſem Schloſſe weiter reiſend, lagert man ſich bei der Brucke nahe an dem Dorfe Choban⸗ Kupri. Dieſe ſchoͤne Bruͤcke traͤgt uͤber 2 Fluͤße, von welchen einer von Kars, der andere vom Ge⸗ birge Binguiel herfließt. Beide vereinigen ſich, und ſtuͤrzen in den Fluß Aras. Hier theilt ſich oͤfters die Karavane; weßwegen man, wenn ſolches der Fall iſt, 4— 2 Tage daſelbſt Halt macht, um ſich noch einmal mit einander vergnuͤgen zu koͤnnen. Ein Theil der Kaufleute zieht auf der Landſtraße weiter, der andere haͤlt auf Kars zu, theils um des oͤftern und beſchwerlichen Wadens durch den Fluß Aras⸗ theils aber auch, um eines hohen Zolles von 4 Reichs⸗ thalern fuͤr ein Kameel, und 2 Reichsthalern fuͤr eine Pferde⸗Ladung, welchem man auf der Landſtraße un⸗ terliegt, uͤberhoben zu ſeyn. Ich reiste zweimal uͤber Kars. Dieſer Weg iſt nicht viel laͤnger und ſchlim⸗ mer, als der andere. Er fuͤhrt zwar anfangs 4 Tage lang uͤber Gebirge und durch Gehoͤlz, und geht waͤh⸗ rend dieſer Zeit nur durch ein einziges Dorf; allein wenn man dieſen zuruͤckgelegt hat, und Kars naͤher gelangt iſt, kommt man in eine uͤberaus anmuthige, bebaute und fruchtbabe Gegend. Die Stadt Kars, unter dem 78⁰ 40“ der Laͤnge und 42⁰ 40“ der Breite, liegt in einer ſehr fruchtba⸗ ren Gegend. Sie iſt groß, aber nicht volkreich; be⸗ ſonders zeichnet ſie ſich durch die Wohlfeilheit der Lebensmittel aus. Von Kars hat die Karavane 9 Tage nach Erivan. Man öuͤbernachtet, da auf dieſer Reiſe keine Karavanſen zu treffen ſind, an den be⸗ auemſten Orten. Den erſten Tag fuͤhrt der Weg vor einem zerſtoͤrten Kloſter und einem gleichfalls zerſtoͤr⸗ ten Dorfe, den andern Tag vor den Ueberreſten der Stadt Anikagae vorbei. Anikagae, Stadt Ani⸗ von einem Armeniſchen Koͤnige Namens Ani erbaut, muß ehemals ſehr feſt geweſen ſeyn. Sie liegt auf einem Moraſte, in dem man noch Spuren von 2 Daͤmmen, auf welche man ihr allein nahe kommen kann, ſieht. Auch bemerkt man in ihr noch die Ueberreſte etlicher ſchoͤner Kloͤſter. Gegen Morgen 151 laͤngs ihrer Mauern rollt ein reißender Fluß, der vom Gebirge Mingrelie kommt, und ſich in den Fluß bei Kars ergießt. Von hier bis Erivan trifft man waͤhrend 2 Tage nicht mehr als 2 Doͤrfer an. Bei letzterm laͤßt man auf der Weiterreiſe ein Gebirge zur Seite liegen. Als wir dieſe Gegend durchzogen, wur⸗ den uns von allen Seiten Pferde zugefuͤhrt, und zum Kaufe angeboten. Wir wollen wieder zur Bruͤcke zuruͤckkehren, wo, wie geſagt, die Karavanen gerne ſich theilen, und die Landſtraße verfolgen. Auf dieſer ſieht man 2 Meilen von der Bruͤcke ein großes Gebirge, das die Einwohner Mingol nennen. Auf ihm entſpringen viele Quelleu, die auf der einen Seite den Euphrat, auf der an⸗ dern den Fluß bei Kars bilden. Der Fluß Aras der alte Araxes, welcher, nachdem er das obere Armenien durchſchlungen, in das Caſpiſche Meer muͤndet, entſpringt auf einem andern Gebirge, welches dem Gebirge Mingol gegen Morgen liegt. Alle die Laͤnder, welche von dem Fluſſe bei Kars und dem Aras umfloſſen werden, ſind von Chriſten bewohnt. Muhametaner giebt es hier wenige; dieſe ſind aber ſo aberglaͤubiſch, daß ſie aus beiden Fluͤſſen, weil deren Waſſer die Chriſten gebrauchen, weder trinken, noch in demſelben ſich baden. Das erſte Dorf, bei dem man auf dieſem Wege uͤbernachtet, heißt Cumaſur. Halikarkar, das auf dieſes folgt, iſt ein großes Dorf, welches von 152. Chriſten bewohnt wird. Seine Haͤuſer gleichen Hoͤh⸗ len in der Erde. Ich erinnere mich, auf dem Ruͤck⸗ wege meiner dritten Reiſe am 1. Maͤrz 1655, hier einen ſo tiefen Schnee getroffen zu haben, daß es uns ſchwer wurde, die Ballen nur aus dem Schnee zu ziehen. Wir mußten hier 8 Tage ſtille liegen, und haͤtten uns noch laͤnger aufhalten muͤſſen, wenn nicht der Zoll⸗Einnehmer von Erzerum mit 500 Pferden uns zur Huͤlfe geeilt waͤre und noch zum Weiterſchaf⸗ fen unſerer Guͤter alle Landleute der Umgegend auf⸗ geboten haͤtte. Dieß geſchah jedoch nicht aus Gefaͤl⸗ ligkeit, ſondern die 400,000 Reichsthaler, die unſere Karavane, welche ſehr ſtark war, ihm eintrug, noch zu erhalten. Dieſe wuͤrden ihm naͤmlich entgangen ſeyn, wenn wir ſpaͤter als den 22. Maͤrz, wo ſein Nachfolger das Zollamt bezog, in Erzerum einge⸗ troffen waͤren. Wir hatten auf dieſer Reiſe viel Un⸗ gemach zu erdulden, einige unſerer Leute, die ſich auf Schnee nicht mehr vorgeſehen hatten, verloren ſogar durch den blendenden Schnee⸗Glanz das Augen⸗ licht. Um ſich vor dieſem Uebel zu ſchuͤtzen, tragen die Einwohner ſchwarze ſeidene Schleier vor dem Geſichte. 1— Von Erzerum nach Erivan hat die Karavane gewoͤhnlich 12 Tage. Sie muß viermal uͤber den Fluß Aras, der ſehr gewunden fließt, und einmal uͤber den Fluß, der von Kars kommt und die Graͤnze der Tuͤrkei und Perſiens bildet. Der letzte Ort, zu 153 dem ſie auf dieſem Wege gelangt, iſt Dreikirchen, welches nur /½ Tagreiſe von Erivan entfernt liegt. 5* *. 2 Dreikirchen, der erſte merkwuͤrdige Ort, wenn man durch Armenien nach Perſien reiſet, liegt 2 Meilen von Erivan, und beſteht aus 3 nahe bei⸗ ſammen liegenden Kloͤſtern. Eines dieſer Kloͤſter iſt der Sitz des Patriarchen der Armenier. Dieſer hat 87 Biſchoͤfe, und ein jeder von dieſen 4— s Weibh⸗ biſchoͤfe unter ſich. Unter letzteren ſtehen die Moͤnche, welche, nachdem ſie eine Stunde nach TDages Anbruche Gebet und Meſſe gehalten, ſich zur Feldarbeit begeben, und dadurch ihren Unterhalt gewinnen. Der Groß⸗ patriarch von Armenien hat jaͤhrlich gegen 600,000 Reichsthaler Einkuͤnfte. Er erhebt von jedem arme⸗ niſchen Chriſten, welcher ſchon 15 Jahre zaͤhlt, jaͤhr⸗ lich 5 Stuͤber. Dieſe große Summe Geldes verwendet er aber nicht, um glanzvoll auftreten zu koͤnnen, ſon⸗ dern um den jaͤhrlichen Carage den Tuͤrken zu berich⸗ tigen. Auf meiner Ruͤckreiſe aus Perſien im Februar 4655 reiſete ich auch durch Dreikirchen. Theils wegen des tiefen Schnees, theils weil gerade Faſching der Armenier war, hielt ſich die Karavane 10 Tage daſelbſt auf. Ich beſuchte damals den Patriarchen, welchen ich in Geſellſchaft von 4 Biſchoͤfen antraf; 154 ich wurde von ihm ſehr herablaſſend empfangen. Nachdem ich mich einige Zeit mit ihm unterhalten hatte, trat ein Moͤnch ein, der zur Buße 22 Jahre nichts reden durfte, und nichts geredet hatte. In meiner Gegenwart band ihn der Patriarch von dieſer Strafe los, worauf er ſogleich, jedoch muͤhſam, zu reden anfing. Waͤhrend der Zeit unſeres Aufenthaltes bat uns der Patriarch einmal zu Tiſche. Wir ſpeiſeten in Geſellſchaft des Patriarchen, der Erzbiſchoͤfe und Biſchoͤfe in eirem großen gewoͤlbten Sale an einem langen ſteinernen Tiſche. Man trug verſchiedene Richte von manchfaͤrbigem Reiße auf, nebſtdem Fiſche und Wein. Jede Speiſe wurde, ehe ſie umgereicht wurde, vom Patriarchen geſegnet. Er ſelbſt aß jedoch von allem dieſen nichts, ſondern bloß einige Eier und Kraͤuter. Nach geendigtem Mahle gingen Biſchoͤfe berum, um von den Gaͤſten eine Gabe fuͤr ihre Kirchen aufſchreiben zu laſſen. Manche reiche Kaufleute ſchenkten gegen 2 Tomans, ich ließ 4 Tomans, gegen 60 Reichsthaler, aufſchreiben, unter dem Bedinge jedoch, daß man andern Tages fuͤr meinen Koͤnig und den Herzog von Orleans bete, was auch bewilliget wurde. Nach der Tafel laͤutete es zur Veſper, denn in Armenien ſind den Chriſten nicht, wie in der Tuͤrkei, die Glocken verboten. Der Patriarch wußte, daß die Europaͤer in der Faſching ſich beluſtigen; um uns auch ein Vergnuͤgen zu machen, ließ er eine Buͤffelbetze anſtellen. Dieſelben zu reizen, warf man 155 Scharlachtuch unter ſie, wodurch ſie ſo ſehr in Wuth geriethen, daß ſie mit aller Macht auf ſich losrennten. Einer blieb hiebei ſogleich, die andern wurden ge⸗ laͤhmt. Was mich in Dreikirchen ganz beſonders wunderte, war der Reichthum der Kirchen, in denen ich Cruciſixe und Leuchter von gediegenem Golde an⸗ traf. Ich verlaſſe nun Dreikirchen; ehe ich aber nach Erivan komme, will ich der Umgegend desſelben erwaͤhnen. 2 Meilen von ſelbem nordwaͤrts befindet ſich ein See, in dem auf einer Inſel ein Kloſter liegt, deſſen Moͤnche nur blos Gartenkraͤuter mit Butter und Oel genießen, und dieſes fuͤr das eigentliche Faſten halten. Nur viermal des Jahres genießen ſie Fleiſch, ſprechen auch das ganze Jahr uͤber nichts, außer an den Tagen des Fleiſchgenußes. Seitwaͤrts von dieſem See, naͤher bei Erivan, iſt eine Ebene, in der s Klöſter liegen. Eines derſelben iſt in einen Felſen gehauen. In ihm wird das Eiſen von dem Speere, mit welchem die Seite des Heilandes ge⸗ oͤfnet wurde, gezeigt. Die Armenier verehren dasſelbe ſehr hoch, und erzaͤhlen, daß der h. Mathias das⸗ ſelbe zu ihnen gebracht habe. s Meilen von Erivan, ihm ſͤdoͤſtlich, iſt das durch die Arche Noeus be⸗ ruͤhmte Gebirge Ararat. In einer Entfernung einer halben Meile von dieſem Gebirge iſt eine Kirche, ihr zur Seite ein Brunnen. Dieſer ſoll der Brunnen ſeyn, in welchen der armeniſche Koͤnig den h. Georg, welcher der Abgoͤtterei, der er ergeben war, nicht 156 huldigen wollte, hat werfen laſſen. Zwiſchen dieſer Kirche und Erivan ſind die Ueberreſte der Stadt Artaxate, der Reſidenz der Armeniſchen Koͤnige. Ich komme nun zu Erivan, welches 3 Meilen von Dreikirchen entfernt, und die erſte Stadt in Per⸗ ſien, wie Erzerum die letzte in der Tuͤrkei iſt. Erivan liegt unter dem 640 20 der Laͤnge und 44⁰˙ 15 der Breite, in einer uͤberaus fruchtbaren und weinreichen Gegend auf einem Felſen, an deſſen Fuſſe der Fluß Sangui⸗Cya fließt, welcher 20 Meilen von Erivan noͤrdlich aus dem See Giaguni ent⸗ ſpringt, und in den Aras faͤllt. Es beſteht aus der eigentlichen Stadt und der Vorſtadt. Jene iſt die Wohnung des Militaͤrs, das wegen der Graͤnze hier immer in großer Anzahl liegt; dieſe, welche viermal groͤßer, als die eigentliche Stadt iſt, 4 Kirchen und 1 Kloſter hat, iſt der Aufenthalt der Handelsleute, der Handwerker und aller Armenier. Die Haͤuſer, wis die Stadtmauern, ſind von Erde erbaut. In der Naͤhe ſtehen hohe Berge, von denen es leicht be⸗ ſchoſſen werden kann. Dieſe machen, daß es nicht ſehr feſte iſt, jedoch iſt es fuͤr den Koͤnig durch ſeine Fruchtbarkeit, wie durch ſeinen Handel mit Seide, die aus keiner nahen Provinz hieher gebracht wird, ſebhr eintraͤglich. Es war ſchon oft der Gegenſtand des Krieges zwiſchen Tuͤrken und Perſern, ward auch ſchon einige Male von erſteren beſeſſen, aber immer von den Perſern wieder erobert. In einem ſolche u 157 Kriege wurde das alte Erivan gaͤnzlich zerſtoͤrt: denn das jetzige iſt das neuere, und 800 Schritte von dem aͤlteren erbaut. Etwa 4 Meilen von der Stadt ſind hohe Gebirge, wohin die Landleute, welche ſuͤdwaͤrts von Erivan gegen Chaldaͤa hin wohnen, im Som⸗ mer wegen der großen Hitze ihres Landes ihr Vieh zur Weide treiben. Dieſe Gegend hat ſehr viel Aehn⸗ lichkeit mit dem Walliſerland der Schweiz. deſſen Bewohner aus dieſer Gegend eingewandert ſeyn ſollen. 3 „*³ Von Erivan nach Dauris hat die Karavane 40 Cagreiſen. Nackſivan iſt die Haͤlfte des Weges. Der Weg dahin zieht ſich laͤngs des Gebirges Ara⸗ rat, welches die Armenier Meſeſouſar oder Ar⸗ chegebirg nennen. Es iſt außerordentlich hoch, beſtaͤn⸗ dig mit Schnee bedeckt, und von der Mitte bis zum Gipfel oft 8— 4 Monate von Nebel eingehuͤllt. Obgleich ich oft dieſen Weg gereiſet bin, und obgleich dieſes Gebirg weither ſchon in die Augen faͤllt, ſo ſab ich doch nur drei Mal deſſen Spitze nebellos. Nackſivan, Niederlaſſung der Arche, wird von den Armeniern fuͤr die aͤlteſte Stadt der Welt gehalten. Sie glauben naͤmlich, Noe habe nach der Weltfluth an dieſem Orte ſich niedergelaſſen; auch erzaͤhlen ſie, daß er hier begraben liege, ſeinr Frau aber zu Marante 158 auf dem Wege nach Tauris. Auf dem Wege dahin traf ich 2 Geſundbrunnen, einen, der den Schlangen⸗ biß heilet, und einen, der erweichend gegen Unter⸗ leibskrankheiten wirkt. Von Nackſivan iſt eine Tag⸗ reiſe nach Zulfa. Zwiſchen beiden Orten liegen noͤrdlich und ſuͤdlich 10 Kloͤſter, welche den Papſt anerkennen, und ihm ſich unterwerfen. Das letzte dieſer Kloͤſter, Namens Kiſouk, an der Graͤnze von Curdiſtan oder Aſſyrien ſoll an dem Orte erbaut ſeyn, wo der h. Bartholomaͤ und der h. Mat⸗ tbaͤus gemartert wurden. Es iſt ein beruͤhmter Wallfahrtsort, der ſelbſt von Muhametanern, die das Fieber haben, beſucht wird. Zulfa iſt eine alte Stadt der Armenier. Sie liegt zwiſchen 2 Gebirgen, in deren engem Thale der Aras fließt. Eine halbe Meile von ihr laufen 2 Wege nach Tauris. Einer derſelben geht uͤber die kleine, aber ſchoͤne Stadt Aſtabal. Dieſe Stadt iſt beruͤhmt durch die Ronas, die hier ganz allein in der Welt waͤchst. Die Ronas iſt eine Wurzel, welche wie das Suͤßholz, in der Erde waͤchſt, und auch nicht viel dicker iſt. Sie dient zum rothfaͤrben. Mit ihr ſind alle Tuͤcher, die aus dem Reiche des großen Mo⸗ guls kommen, gefaͤrbt. Die Heerſtraße fuͤhrt uͤber Marante, welches mehr einem Flecken, als einer Stadt gleicht. Es liegt jedoch in einer anmuthigen Gegend in Mitte einer fruchtbaren Ebene, welche mit vielen volkreichen Doͤrfern angefuͤllt iſt. Von Ma 159 rante kommt man uͤber Sophiana, einer grolen Stadt, nach Tauris. Tauris liegt unter dem 830 30 der Laͤnge und 40⁰ 54 der Breite in einer offenen Ebene. Das Land um dieſe Stadt iſt aͤußerſt fruchtbar, und bringt alles im Ueberfluſſe hervor. Man haͤlt dieſe Stadt fuͤr das alte Ekbatana, die Hauptſtadt des Mediſchen Reiches. Sie iſt durch ihren Handel in ganz Aſieu beruͤhmt, und treibt beſtaͤndigen Verkehr mit Tuͤrken⸗ Arabern, Georgiern, Mengreliern, Per⸗ ſern, Indianern, Ruſſen und Tartaren. Ihre Einwohner fſind theils Schmiede, groͤßtentheils aber Seidenwirker. Durch ſie fließt der kleine Fluß Scheinkale. Sie hat ſchoͤne Haͤuſer, die alle mit Backſteinen und verglaſ'ten Ziegeln aufgefuͤhrt ſind. Schade, daß die Tuͤrken einige der ſchoͤnſten Gebaͤude in und um Tauris blos aus Sektenhaß haben ein⸗ gehen laſſen! Auf dem Wege von Tauris nach Iſpahan iſt von 2 Berggipfeln uͤber einen unge⸗ beuern Abgrund eine Bruͤcke erbaut. Ein Mollah ſoll dieſe Bruͤcke, die man von allen Seiten weither ſehen kann, als er erfuhr, daß der Koͤnig dieſe Gegend be⸗ reiſe, blos aus dem Grunde erbaut haben, um des Koͤnigs Aufmerkſamkeit auf ſich zu lenken, und mit ihm ſprechen zu koͤnnen. „* 160 Von Tauris nach Iſpahan haben die Kara⸗ vanen 24 Tagreiſen. Die Karavanſen ſtehen auf dieſem Wege regelmaͤßig nach der Laͤnge einer Tag⸗ reiſe von einander entfernt. Nachdem man am erſten Dage ein oͤdes rauhes Gebirg hinauf, und am andern Tage ein eben ſo rauhes hinabgeſtiegen iſt, ſpaltet ſich bei einem See der Weg nach Iſpahan. Einer fuͤhrt dem See zur Rechten uͤber Ardevil und Caſbin. Ardevil, eine Stadt, beinahe unter der naͤmlichen Laͤnge und Breite, wie Tauris, iſt be⸗ ruͤhmt durch Seiden⸗Handel, durch herrliche Aleen, eine reiche und prachtvolle Moſchee, und durch den Karavanenzug, der uͤber ſie nach Smyrna und Konſtantinopel geht. Caſbin liegt von ihr 3— 4 Meilen entfernt. Zwiſchen beiden liegt Arion, eine kleine Stadt, dann Taron und Kalkab, 2 große Doͤrfer. Dieſe 3 Orte ſind merkwuͤrdig, da in ganz Perſien um ihnen allein die Oliven wachſen. Caſbin, unter dem 870 30 der Laͤnge und 360 13“ der Breite, iſt wohl eine große, aber uͤbel gebaute Stadt. Es beſitzt ſchoͤne Gaͤrten und große Fruchs barkeit an Pimpernuͤſſen. Auf Caſbin folgt das Dorf Denghe. Der andere Weg fuͤhrt uͤber das große Dorf Tur ko⸗ ma, welches in einer fruchtbaren aber kalten Gegend liegt, uͤber Miana, einer kleinen Stadt, in einer mo⸗ raſtigen Gegend; uͤber einen mit einer Bruͤcke verſehenen Fluß am Fuße des Gebirges Kaplentonz von da 161 laͤngs eines Fluſſes uͤber Zangan, eine armſelige Stadt in einem Thale, nahe bei Sultanie vorbei durch Habar, eine alte und große Stadt mit vielem Weine und armeniſchen Einwohnern; ferner? Stun⸗ den von da, nachdem man eine fruchtbare Ebene zu⸗ ruͤckgelegt hat, durch das Dorf Paſtin, die kleine Stadt Sexava nach Denghe, wo die Wege, von welchen oben geſprochen wurde, wieder zuſammen⸗ laufen. Von Denghe bis nach Kom ſind 3 Tagreiſen. Der Weg fuͤhrt durch ein wuͤſtes und duͤrres Land, in dem man nichts als Ziſternen⸗Waſſer trifft. 7— 8 Stunden von Kom liegt in einer fruchtbaren mit wielen Doͤrfern geſchmuͤckten Ebene, Sava, welches auch durch Handel mit Laͤmmer⸗Fellen, die zu Unter⸗ futter verwendet werden, beruͤhmt iſt. Kom iſt eine der groͤßten Staͤdte Perſiens. Es liegt auf einer ſchoͤnen Ebene, auf der viel Reiß und Granataͤpfel wachſen. Seine Haͤuſer, wie die Stadtmauern, ſind von Erde erbaut. Merkwuͤrdig macht es eine große Moſchee, welche der Begraͤbnißort zweier beruͤhmten derſiſchen Koͤnige, des Chach⸗Sefi und des Chach⸗ Abbas II., dann der Sidi Fatimi, einer Enkelin Muhamets iſt. Die Moſchee iſt achteckig gebaut, hat 3 Vorhoͤfe, iſt ein Aſyl fuͤr Verbrecher, und be⸗ ſitzt reiche Stiftungen zur Unterhaltung von Armen. Dieſe Graͤber werden beſtaͤndig durch Wachslichter erleuchtet, und ſind ſehr reich an Silber. 47. B. Perſten. II. 2. 3 162 Von Kom führt ebener Weg nach Aſchirim, Suͤßwaſſer, wo man noch s Stunden nach Cachan hat. Cachan oder Kaſchan iſt eine große und volk⸗ reiche Stadt mit alten zum Theil verfallenen Mauern und Ueberfluß an allen Lebens⸗Beduͤrfniſſen. Sehr viele ihrer Einwohner ſind Seidenwirker. Dieſe ver⸗ fertigen den ſchoͤnſten und kuͤnſtlichen reichen Stoff in ganz Perſien. Ehe ich Kaſchan verlaſſe, muß ich⸗ bemerken, daß, wenn man von ſelbem nach Guilan reiſet, der Weg uͤber eine gegen 12 Stunden lange Ebene, die nichts als Salz enthalt, fuͤhrt. Nun wollen wir den Weg nach Iſpahan verfolgen. Auf der Weiterreiſe von Cachan kommt man uͤber eine etwa 3 Meilen lange Ebene; hierauf uͤber ein Gebirge in ein ſehr anmuthiges Thal. Am Ende dieſes Thales ſieht man eine große Mauer, welche quer uͤberlaufet, und die beiden das Thal bildenden Berge mit einander verbindet. Dieſe Mauer iſt uͤber 100 Schritte lang, uͤber 30 dick, und uͤber so hoch. Der Koͤnig Cha⸗Abbas hat ſie erbauen laſſen, um das Waſſer, welches von den Hoͤhen herabſchießet, damit einzudaͤmmen. Dieſer Damm hat Schleußen, mittelſt welcher man das Waſſer nach Belieben und Bedarf zur Bewaͤſſerung abziehen kann. Von dieſem Damme hat man bis Corou etwa 2 Stunden. Co⸗ rou, ein großes und volkreiches Dorf in Mitte von hohen Gebirgen, und umher mit Nußbaͤumen bepflanzt, hat ſehr niedrige, nur aus Feldſteinen erbaute Haͤuſer, — 163 jedoch eine ſehr praͤchtige Karavanſe. Das Dorf, weſches ½ Meile lang iſt, bildet nur eine Straße, auf der im Winter wegen des Baches, der durchlauft, austritt und gefriert, ſehr ſchwer fortzukommen iſt., Um dieſes Dorf halten ſich, wie um viele andere perſiſche Doͤrfer, ſehr viele Schakale auf. Dieſe ſind eine Art Fuͤchſe, welche naͤchtlicher Weile ein ſehr widriges Geheul erheben. Von Corou fuͤhrt der Weg noch 3 Meilen zwiſchen 2 Bergen fort. An dem Ende derſelben eroͤffnet ſich eine ſehr große Ebene, auf der Iſpahau liegt, das man nach einem Wege von 12 Meilen erreicht. Auf dem Wege dahin ſind immer zu 3 Meilen Karavanſen angelegt, unter wel⸗ chen die Karavanſe Michiacour, welche auf halbem Wege von Iſpahan ſteht, ein großes Dorf iſt. Auf Michiacour folgt die ſchlechtgebaute Karavanſe Aganura, von der man, nachdem man noch 3 Meilen auf einem fetten und fruchtbaren Boden zuruͤckgelege hat, Iſpahan erlangt. Ehe ich dieſe große Reſidenz⸗ Stadt von Perſien beſchreibe, will ich den Leſer noch zuvor mit den verſchiedenen Wegen, welche dahin fuͤhren, bekannt machen. * X Smyrna, 500 L., 280 45“ B., liegt in der aͤu⸗ ferſten Ecke eines Meerbuſen, an deſſen Eingange eine Veſte iſt, von der man mit Kanonen den Golf beſtret⸗ chen, und den Schiffen den Ein⸗ und Auslauf ver⸗ wehren kann. Sie hat noch ſehr viele alte denkwuͤr⸗ dige Baureſte, iſt ſehr volkreich, und hat Einwohner von allen Gegenden und Sprachen. Die Gegend um Smyrna iſt fruchtbar an vortrefflichem Weine und gatem Oele; auch hat ſie Salzgruben. Große Unbe⸗ quemlichkeit macht im Semmer die Hitze, wenn ſie nicht durch einen Wind vom Meere, welcher regel⸗ maͤßig von 10 Uhr Vormittag bis Abends wehet, ab: gekuͤhlet wird. Die Peſt wuͤthet in ihr alljaͤhrlich im Monate Mai, Junius und Julius, jedoch iſt die ſelbe nicht ſo Menſchen wuͤrgend, wie ein Fieber, welches in den Monaten September und Oktober nachfolget. Zwei Meilen von Smyrna, bei dem Dorfe Pon⸗ garbachi ſammelt ſich die Karavane, die regelmaͤßig alle 10 Monate nach Perſien reiſet. Von Smyrna bis Tokat hat die Karavane 35 Tagreiſen. Der Weg dahin fuͤhrt uͤber den alten wegen ſeines vielfarbigen Sandes beruͤhmten Fluß Paktolus, der auf dem Berge Tmolus eutſpringt; durch die kleine, jedoch angenehme Stadt Dugout; bet der Stadt Allachas, das alte Philadelphia vorbei; uͤber den Fluß Copli⸗Sou, der in der Ebene Inachi fließt, in die Naͤhe der Stadt Amphion Caraſſar. Dieſe Stadt hat den Namen von dem vielen Mohn⸗Samen, welcher in ihrer Gegend gebaut wird. Aus demſelben bereiten die Tuͤrken den von ihnen ſo ſehr geliebten Opium oder Ophium. Hieher 4 165 waren wir in 15 Tagreiſen gekommen. Unſere Kara⸗ vane theilte ſich daſelbſt, der eine Theil reiſte uͤber Aleppo durch Syrien, der andere uͤber Tokata durch Armenien nach Perſien. Die den Weg von Aleppo reiſten, ſchlugen ſich nach Tarſus, des h. Paulus Vaterſtadt, rechts oͤſtlich, wir aber, die wir uͤber Tokata reiſten, nordoͤſtlich nach der Stadt Boulavandi. Von ihr kamen wir in einer Tag⸗ reiſe zum Dorfe Euchederin⸗giuz hierauf in 2 Tagreiſen zum Dorfe Tchactelon, deren Einwohner ſich im Sommer mit ihren Heerden der kuͤhlen Luft und Weide wegen in das Gebirg begeben. Das naͤchſte bedeutende Dorf, auf das wir nun kamen, hieß Dche⸗ kenajar. Es lag in einer ſchoͤnen Gegend, und war nicht uͤbel gebaut. Wir hatten hieher s Tagreiſen. Auf dieſem Wege kamen wir uͤber den Salz⸗See, welcher ganz Natolien mit Salz verſorgt. Des aundern Tages kamen wir zum Dorfe Beferguen⸗ lou, wo wir viel Suͤßholz trafen; Tags hernach uͤber eine ſteinerne Bruͤcke, welche uͤber den Fluß Jechil⸗ irma geſprengt war, zu dem großen Dorfe Moun⸗ chiour, von welchem wir uͤber den Fluß Cera⸗Sou dann uͤber das Dorf Jangou in mehreren Tagreifen nach Taqu ibae, einem Dorfe s Stunden von To⸗ kat, gelangten. Der Weg von Tokat nach Iſpa⸗ han iſt aus dem Vorhergehenden bekannt. Dieſe ſind die verſchiedenen Wege, die von Eu⸗ ropa durch die mittaͤgigen Provinzen der Tuͤrkei nach 166 Iſpahan fuͤhren. Das folgende Buch ſoll die Wege durch die mittaͤgigen Provinzen der Tuͤrkei beſchreiben. Ehe ich aber dieſe zu bezeichnen beginne, wil ich eini⸗ G ges fuͤr Reiſende in dieſen Gegenden Nuͤtzliche uͤber Karavanen und Karavanſen, uͤber die Polizei derſelben, uͤber die Zucht der Kameele und uͤber perſiſche Muͤn⸗ zen aumerken. Die Karavanſen ſind die Gaſthaͤuſer der Morgen⸗ laͤnder, die ſich von den Europaͤiſchen dadurch unter⸗ ſcheiden, daß ſie weder Bequemlichkeit noch Reinlich⸗ keit beſitzen. Sie ſind aͤhnlich den Kloͤſtern in das Gevierte gebaut, und gewoͤhnlich nur 1 Stockwerk hoch. In den Vorhof derſelben fuͤhrt eine Thuͤre. Rechts, links und in der Mitte ſtehen die Gebaͤude. In jedem dieſer Gebaͤude iſt ein Sal fuͤr Vornehme. An ihm reihen ſich kleine Kammern, in die ein Jeder nach Belieben ſich logirt. Die Kammern ſtoßen an die Staͤlle, in welche man durch eine kleine Oeffnung ſehen, und ob die Pferde wohl behandelt werden, bemerken kann. Oft, beſonders im Winter, zieht man der Waͤrme wegen vor, in den Staͤllen, die wie Saͤle und Kammern gewoͤlbt ſind, zu herbergen. In dieſen Karavanſen gilt kein Auſehen und Rang, ſondern wer eine Wohnung eingenommen hat, dem bleibt das Recht 167 dazu waͤhrend der Zeit ſeines Aufenthaltes, und dieſer kann durch Niemand darans vertrieben werden. Nachts wird der Eingang zur Karavanſe verſchloſſen und bewacht. Es giebt zweierlei Arten von Karavanſen; die einen haben Einkuͤnfte, die anderen keine. In erſteren erhalten die Reiſenden alle Lebensmittel umſonſt, und haben bei ihrer Abreiſe nichts als einen Dank aus⸗ zugeben. Karavanſen dieſer Art findet man wenige, außer von Ofen bis Konſtantinopel, wo der⸗ gleichen haͤufig angetroffen werden. In den Kara⸗ vanſen zweiter Art muß man alles bezahlen, kann aber alles um billigen Preis theils von den Verwaltern derſelben, theils von den Landleuten, die das Noth⸗ wendige aus benachbarten Orten bei dem Geruͤchte der Ankunft einer Karavane beiſchaffen, kaufen. In einer Karavanſe hat nie eine ganze Karavane Platz. Die Karavanſen in Perſien ſind groͤßtentheils beſſer und bequemer gebaut, als die Tuͤrkiſchen, und liegen in abgemeſſenen Entfernungen von einander. Aus Geſagtem kann man leicht abnehmen, daß die Karavanſen, wenn gleich nicht fuͤr Reiche, doch fuͤr Arme, die hier ganz nach ihrem Vermoͤgen leben koͤn⸗ nen, erwuͤnſchter ſeyen, als die Gaſthaͤuſer der Eu⸗ ropaͤer. Durch die Tuͤrkei und nach Perſien kann man auf manchfache Art reiſen, entweder mit Karavanen, oder in Geſellſchaft von 10— 12 Perſonen, oder allein mit einem Wegweiſer. Ich habe jede dieſer Arten verſucht, fand aber die Reiſe in Karavanen fuͤr die vortheilhafteſte, obgleich ſie am langſamſten weren des außerſt langſamen Schrittes der Kameele vor ſich geht. Die Karavanen ſind große Geſellſchaften, beſte⸗ hend aus einer Anzahl von Kaufleuten, die ſich zu einer beſtimmten Zeit au einem beſtimmten Orte ſam⸗ meln, um eine Reiſe gemeinſchaftlich zu unterneh⸗ men, damit ſie ſo ſicherer gegen Raͤuberrotten ſeven. Dieſe waͤhlen unter ſich einen Vorſteher, welcher der Karavanen⸗Baſcha heißt. Er hat die Reiſe zu ordnen, die Tagreiſen zu beſtimmen, und die Streitigkeiten zu ſchlichten. Selten laſſen ſich hiezu die Vornehmſten der Karavane brauchen. Nachdem Tuͤrken und Arme⸗ nier die Mehrzahl bilden, wird ein Tuͤrke oder Arme⸗ nier gewaͤhlt. Auch die Karavanen ſind zweierlei Art. Eine Art ſchafft ihre Guͤter auf Kameelen, die andere auf Pferden fort. Die Karavanen mit Kameelen ſind die gewoͤhnlichern, weil die Fracht, indem ein Kameel 3— sz mal ſoviel wie ein Pferd traͤgt, dadurch wohl⸗ feiler wird. Dieſe Karapanen ſind jedoch nicht ganz ohne Pferde. Solche befinden ſich auch bei dieſen, und muͤſſen die Weinſchlaͤuche tragen, welche aus Bock⸗ fellen gefertigt ſind, deren rauhes gegen Innen ge⸗ kehrt und ausgepicht iſt; Wein laſſen die Kameeitrei⸗ ber den Kameelen nicht aufpacken. Sie halten ſolches fuͤr eine Suͤnde, indem das Kameel ihrem Propheten, der den Wein verbietet, geheiligt iſt. Die Karavanen 169 reiſen groͤßtentheils bei Nachtzeit, und brechen ent⸗ weder mit Sonnen ⸗Untergang, oder um Mitternacht, oder mit Anbruch des Tages auf. Dieß geſchieht der Tageshitze wegen, theils aber auch um nach einer Tagreiſe bei dem Halte einer Karavane fuͤr das Noth⸗ wendige ſorgen zu koͤnnen, was ſich bei Nachtzelt nicht wohl machen wuͤrde, da man im Finſtern nicht ſo gur Zelte ſchlagen, das Vieh fuͤttern und die Spei⸗ ſen zubereiten koͤnnte. Ob die Reiſe gleich Nachts geſchieht, und die Neiſenden auf einem uͤber die Erde gebreiteten Teppich ſchlafen, ſo hat dieß doch keinen nachtheiligen Einfluß auf die Geſundheit. Die Ka⸗ meele in den Karavanen gehen einzeln, je ſieben zu⸗ ſammengekoppelt, hinter einander. Das Hintere iſt an des Vorderen Sattel mittelſt eines duͤnnen Striekes gebunden. Dieſer iſt an einem Ringe, welcher durch das Naſenloch des Kameels geht, befeſtiget; das letzte hat eine Glocke Dieſes Zuſammenkoppeln mit leicht zerreißbaren Schnuͤren geſchieht abſichtlich, damit, wenn das erſtere Kameel faͤllt, das Schnuͤrchen zerreißt, und ſo das folgende nicht mit niedergeworfen wird. Das Letzte hat die Glocke deswegen, damit der Ka⸗ meeltreiber, der den Kameelen mit dem Zaum des erſteren uͤber die Schultern ſingend und pfeifend vor⸗ angeht, merkt, wenn ein Schnuͤrchen zerriſſen, und die Verbindung der Kameele unterbrochen iſt denn in dieſem Falle bleiben die nachfolgenden Kameele ſtehen. Die Karavanen lagern ſich gewoͤhnlich an Orten, wo gangen iſt, halten die Chaouz, arme Tuͤrken oder Ar⸗ menier Wache. Sie gehen hin und her, und rufen einander zu:„Gott iſt einig.— Er iſt barmherzig.— Habt fleißig auf euch Acht.“ Wenn die Stunde zum Aufbruchengekommen iſt, zeigen ſie dieſe dem Carava⸗ nen⸗Baſcha an, der ihnen den Befehl ertheilt, auszu⸗ rufen, man moͤge die Pferde ſatteln. ½ Stunde bernach rufen ſie, man ſolle aufpacken. Auf dieſen Ruf iſt jeder in der Karavane in einem Augenblicke reiſefertig, und der Zug geht in der groͤßten Ordnung ab. Wenn man mit einer Karavane reiſt, muß man ſich nach ihrer Sitte kleiden, tuͤrkiſch oder perſiſch. Zur tuͤrkifchen Kleidung gehoͤrt ein langer Bart, zur perſiſchen ein glattes Kinn mit einem langen Knebel⸗ Bart. Je groͤßer ſolcher iſt, deſto geachteter iſt Je⸗ mand. Ich ſah einen Thuͤrhuͤter am perſiſchen Hofe, deſſen Knebelbart ſo lang war, daß er ihn hinter den Kopf zuſammenbinden konnte, weßwegen er denn auch doppelte Loͤhnung erhielt. Nebſtdem muß man Halb⸗ ſtiefel von gelbem, ſchwarzem oder rothem Corduan nach Landesart tragen. Sporne braucht man nicht: denn an jedem Steigbuͤgel iſt ein ſpitziges Eiſen, das ſolche entbehrlich macht, insbeſondere da man nach aſtatiſchem Gebrauche die Beine beim Reiten nicht tiefer, als des Pferdes Leit halt. Es muß ſich Jeder verſehen mit K Kuͤchengeraͤthen, Schlaͤuchen mit Waſſer und Wein, Decken, einem Zelte, auch zuweilen mit man Waſſer haben kann. Wenn die Sonne unterge⸗ 171 Zwieback und Reiß. Wenn die Karavane lagert, wer⸗ den die Ballen an einen abhaͤngigen Ort geſtellt, da⸗ mit, wenn Regen eintritt, das Waßſer ablaufe; deß⸗ wegen werden ſie auch mit Deppichen gedeckt. Große Verdrießlichkeiten und Mihhelligkeiten, welche ſich oft mit Raufen, Schlagen und Mord endigen, macht bei dem Stillehalten der Karavanen das Waſſer, wovon die Kameeltreiber ein rohes und unbaͤndiges und nur durch Schlaͤge in Zucht zu haltendes Volk, niemanden etwas zukommen laſſen, bis jbre Thiere ſich ſatt ge⸗ trunken haben. Die Kameele, welche in den Karavanen ſo nuͤtz⸗ liche Dienſte leiſten, werden dazu ſchon gleich nach der Geburt abgerichtet. Das Kameel⸗Weibchen, deſſen Milch ein bewaͤhrtes Mittel gegen die Waſſerſucht iſt, traͤgt ſeine Frucht 11 Monate. Sobald das Kameel geboren iſt, ſo werden ihm die Fuͤße unter den Leib gebogen, daſſelbe darauf gelegt, mit Teppichen behan⸗ gen, und mit Steinen beſchwert. In dieſer Stellung laͤßt man es 15— 20 Tage, und ernaͤhrt es durch wenig Milch. Dieß geſchieht, um es an das Nieder⸗ knieen zu gewoͤhnen. Das Kameel naͤmlich legt ſich, wenn es beladen werden ſoll, auf ein gegebenes Zei⸗ chen zur Erde, und erheht ſich, wenn es beladen iſt, nach einem ebenfalls gegebenen Zeichen wieder. Das⸗ ſelbe thun ſie, wenn ſie entlaben werden ſollen. Sind mehrere Kameele beiſammen, ſo bilden ſie hiebei von ſelbſt einen Kreis um ihren Herrn. Sobald ſie ent⸗ Straͤuche, insbeſonders Diſteln, welche ihre Lieblings⸗ Nahrung iſt, ſuchen. ⁄½ Stunde vor Sonne⸗Unter⸗ gang kommen ſie von ſelbſt wieder, und bilden einen Kreis. Ein jedes wird dann mit 2 Laiben aus Ger⸗ ſtenmehl etwa 2 Faͤuſte dick gefuͤttert, was zu ihrer Saͤttigung hinreicht: denn obgleich das Kameel ſehr groß iſt, ſo frißt dasſelbe doch wenig. Sehr zu be⸗ wundern iſt ihre Geduld im Ertragen des Durſtes. Auf einer meiner Reiſen ſah ich Kameele 9 Tage nichts ſaufen. Noch mehr zu bewundern iſt, daß ſie waͤhrend der Zeit ihrer Brunſt 40 Tage weder ſaufen noch freſſen. Gegen den Fruͤhling fallen denſelben in⸗ nerhalb 3 Tagen alle Haare aus. Sie werden ganz nackt, und haben viel von den Muͤcken zu leiden, gegen die man ſie durch Einreiben einer Salbe ſchuͤtzt. Es gibt zweierlei Arten von Kameelen, deren eine geeignet iſt zum Reiſen in heißen, die andere in kalten Laͤndern. Die Kameele erſterer Art ſind klein, koͤnnen nicht uͤber 6— 1 Zentner tragen, und auf naſſem Erdreiche nicht fortkommen. Auf dieſem gleiten ſie leicht aus, und ſprengen ſich den Leib auf. Solche Kamecele koſten wenig, und koͤnnen außerordentlich lange Durſt leiden. Man bindet dieſe Art nicht an einander, ſondern laͤßt ſie wie eine Heerde von Kuͤhen laufen. Der Kameel⸗ treiber geht hinter ihnen, ſingt und pfeift, und jemehr er ſingt und pfeift, deſto ſchnellern Schrittes gehen ſie. Die Kameele, welche man durch die Wuͤſte braucht, laden ſind, laͤßt man ſie auf die Weide, wo ſie gruͤne 173 haben faſt einerlei Beſchaffenheit mit dieſen, fordern aber, daß man ſie ſehr reinlich halte, und nicht uͤber⸗ treibe. Sie freſſen und ſaufen wenig, und koͤnnen den Durſt lange aushalten. Dergleichen Kameele trifft man von Ormus bis Iſpahan. Die Kameele der kalten Laͤnder, die man zwiſchen Tauris und Kon⸗ ſtantinopel findet, ſind groß, koͤnnen ſehr ſchwer, 10 ja 4s Zentner tragen, und kommen auf naſſem Bo⸗ den eher fort. Wie unſere Roßkaͤmme treiben auch die Kameelhaͤndler bei dem Verkaufe Betrug. Sie ſchneiden ihnen naͤmlich in der Gegend des Schwanzes au einem beſtimmten Orte ein Loch in die Haut, und blaſen ſie ſo auf, daß ſie, obgleich duͤrr und abgema⸗ gert, doch wohlgenaͤhrt und kraͤftig ausſehen. Auf dieſe Art betriegen ſie oft den ſcharfſichtigſten, beſon⸗ ders zur Zeit, wo die Kameele die Haare verloren haben, und eingeſalbet werden. Nun noch etwas von den perſiſchen Muͤnzen. In Perſien giebt es vier Muͤnzen. Sie heißen Abaſſis, Mamondis, Chajet und Biſtis. Nebſtdem giebt es noch Kupfer⸗Muͤnzen, einfache und doppelte Casbeken. Eine einfache Casbeki iſt etwa 1 4 ½, eine doppelte s Pfennige werth. 4A einfache Casbeken ma⸗ chen eine Biſtis, 10 eine Chajet, 2 Chajet eine Ma⸗ mondi, 2 ſolche eine Abaſſt. Die Biſti, wie die Cas⸗ beken, ſind laͤnglich rund. Die Silber⸗Muͤnzen haben auf der einen Seite den Namenszug des Koͤnigs, auf der andern den Namen der Stadt, wo ſie gepraͤgt 174 wurden, und das Jahr. Auf einer Seite der kupfer⸗ nen Muͤnzen iſt ein Loͤwe mit der Sonne auf dem Ruͤcken; auf der andern der Name der Stadt, wo ſie geſchlagen wurde. Obwohl alles mit Abaſſis gezahlt wird, ſo redet man doch allezeit von Larins. Eine Larin iſt eine alte Muͤnze von Balſare und Ara⸗ bien, ſie iſt ein Silberdrath, der aufgeſpult und 2 Fin⸗ ger breit iſt. Auf demſelben ſteht der Name des Fuͤr⸗ ſten, in deſſen Lande die Larin gepraͤgt wurde. 8 La⸗ rin geben eine Or und 24 Larin eine Toman, am Werthe gegen 15 Thaler. Or und Toman ſind ideelle Muͤngen. Man kennt auch die Dukaten, und handelt damit; ihr Preis iſt verſchieden, und wird durch die haͤufigere und ſeltnere Nachfrage beſtimmt. Zweites Buch. Meine erſte Reiſe nach Perſien geſchah uͤber Kon⸗ ſtantinopel nach Erivan. Ich habe dieſen Weg, wie die uͤbrigen, welche durch die mitternaͤchtigen Provinzen der Tuͤrkei fuͤhren, in meinem erſten Buche ausfuͤhrlich beſchrieben, dasſelbe will ich nun hinſicht⸗ lich der Wege, welche durch die mittaͤgigen Gegenden fuͤhren, unternehmen. Es war der 13. September 1638, da beſtieg ich, um nach Perſien zu reiſen, zu Marſeille ein Schiff⸗ 175: und fuhr nach Alex andrette. Wir kamen dahin uͤber Malta, wo wir landeten, und Sand einunah⸗ men. Man thut dieß, damit das Schiff ſchneller laufe. Wir kamen auch uͤber Larneka, welches ein guter Landungsplatz der Inſel Cypern iſt. Kaum waren wir zu Alexandrette gelandet, ſo wurde unſere Aukunft durch unſern Konſul dem Konſul von Alepo bekannt gemacht. Dieſer hatte die Nachricht in 4— 5 Stun⸗ den, obgleich zu Pferd dahin mehr als 2 Tagreiſen ſind. Dieß ſcheint unmoͤglich, allein durch Tauben hat man es moͤglich gemacht. Dieſe werden abgerich⸗ tet, und daunn dem, von welchem man eine Nachricht zu erhalten wuͤnſcht, zugeſchickt, welcher dieſel⸗ ben ſo lange bei ſich behalt, bis er uͤber et⸗ was Nachricht ertheilen will. Iſt dieß der Fall, ſo bindet er der Taube den Brief unter den Fluͤgel, und laͤßt ſie los, worauf ſie gerade dem Orte, woher ſie kam, zuhaͤlt. Gewoͤhnlich laͤßt man zwei Tauben mit derſelben Nachricht los, damit, wenn ſich eine ver⸗ irren ſollte, doch die andere ſicher ankommen moͤchte. Alexandrette iſt ein Haufe unregelmaͤßig und ſchlecht gebauter Haͤuſer, welche von Griechen bewohnt werden, die ihre Nahrung in Beherbergung der Bots⸗ knechte finden. Wie zu Ormus, ſo iſt hier die Luft aͤußerſt ungefund, beſonders im Sommer, zu welcher Zeit hier zu landen lebensgefaͤhrlich iſt. Von Alexandrette bis Alepo ſind 3 kleine Tagreiſen. Ich kam dahin uͤber den Berg Belan. 176 An ſeinem Fuße konnte ich, nachdem ſch ihn uͤberſtie⸗ gen hatte, die Stadt Antiöochia uͤberſehen, und die Ebene um dieſelbe, auf der die vielen Oelbaume wach⸗ ſen, aus welchen in Alepo die beruͤhmte Saife ge⸗ fertiget wird. Von ihm ſetzte ich uͤber die Furth des Fluſſes Asrora, erlangte hierauf das Dorf Cha⸗ quemin, und kam nach 10 Stunden auf einem ſehr verdrießlichen Wege durch Felſen nach Angare, wo ich nur noch 3 Stunden nach Alep hatte. Alep, unter dem 140 45“ der Laͤnge und 360 45 der Breite ſoll nach einigen das alte Hierapolis, nach andern Berraͤa ſeyn. DieſeStadt iſt wegen ihrer Groͤße, Schoͤnheit, geſunden Luft, Fruchtbarkeit der Gegend und bedeutenden Handels eine der beruͤhmteſten Staͤdte der Tuͤrkei. Sie iſt auf 4 Huͤgeln erbaut, und hat eine Veſte, die in der Mitte der Stadt auf dem hoͤchſten Huͤgel liegt. Alepo hat im Umfange drei Meilen, 26 Moſcheen, unter welchen 6— 7 von vorzuͤglicher Bauart ſind, mehrere hoͤhere Bildungs⸗ anſtalten, gepflaſterte Stratzen, gegen 40 Karavanſen und etwa 60 Baͤder, welche zu den Vergnuͤgungsorten der Morgenlaͤnder gehoͤren. Ihre vielen Vorſtaͤdte ſind von Chriſten aus allen Sekten bewohnt. Großen Handel treibt ſie mit Waaren aus Seide, Camelot, mit Gallaͤpfel, Valanede und Saifen. Valanede iſt die Schale von Eicheln, welche zum Gerben des Cor⸗ duan nothwendig iſt. Dieſe Waaren werden jedoch weder auf dem Euphrat, noch auf dem Tiger ver⸗ 177 fuͤhrt. Der Euphrat iſt wegen der vielen kin ihn gebauten Muͤhlen nicht befahrbar, und der Tiger uur von Bagdad bis Balſara. Und ſollten auch beide Fluͤſſe ſchiffbar ſeyn, ſo waͤre die Verſendung der Waaren doch nicht raͤthlich, indem ſich der Weide wegen an den Ufern dieſer Fluͤſſe im Sommer die grabiſchen Emire mit ihren Horden lagern, was viele Unſicherheit im Handeln erzeugen wuͤrde. Von Alepo ſind nach Iſp ahan fuͤnf Haupt⸗ ſtraßen, folglich ſind mit den zwei ſchon beſchriebenen durch Natolien im Ganzen Hauptſtraßen nach Perſien. Die erſte dieſer 5 Straßen fuͤhrt links von Ale⸗ do gegen Suͤd⸗Oſt uͤber Diarbek und Tauris; die andere rechts gegen Oſten durch Meſopota⸗ mien, Moſul und Amadan; die dritte nordoͤſt⸗ lich uͤber Bagdad und Ken gauar: die vierte gegen Mittag quer durch die kleine Wuͤſte uͤber Anna, Bagdad und Balſara die fuͤnfte durch die große Wuͤſte. Von jedem dieſer 8 Wege will ich einzeln reden, und zwar von dem durch die große Wuͤſte zuerſt. Dieſer iſt der ungewoͤhnlichſte, und wird von den aͤgyptiſchen und tuͤrkiſchen Kaufleuten nur einge⸗ ſchlagen, wenn ſie Kameele kaufen wollen. Die große Wuͤſte faͤngt 2— 3 Meilen von Alep an, wo auch ihr Eingang iſt, und erſtreckt ſich gegen Nord⸗Oſt laͤngs des Euphrats bis nach Balſara, und an das Ufer des verſtſchen Meerbuſens; gegen 47 B. Perſien. II. 2. 4 dergleichen ſelten, gewoͤhnlich zu drei Tagreiſen nur 178 Mittag bis zu den Bergen, welche das ſteinige und gluͤckliche Arabien von einander trennen. Sie be⸗ ſteht aus großen Sand⸗Ebenen, hat Außerſt wenige Thaͤler und Berge, kein Holz, ja ſogar ſelten Ge⸗ ſtraͤuche. Holz oder Kohlen, auch Waſſer muß man auf der Reiſe durch ſie mit ſich fuͤhren, indem man antrifft. Einmal geſchah es uns, daß wir neun Tage auf kein Waſſer ſtießen. Waͤhrend dieſer Zeit ertrugen unſere Kameele den Durſt! Man findet in dieſer Wuͤſte keine Haͤuſer, ſondern nur Zelte von ſich la⸗ gernden Arabern. Nur ein großes Gebaͤude, einen Pallaſt erinnere ich mich, in ihr geſehen zu haben. Er war aus gebrannten Backſteinen, von welchen jeder viereckig 11⁄2 Fuß lang und Zoll dick war, erbaut. Da man in einem Umkreiſe von 29 Meilen weder Holz noch Geſtraͤuch ſieht, ſo muͤſſen dieſe Steine durch Stoppeln gebrannt worden ſeyn. Der Pallaſt hatte 3 große Hoͤfe, in denen ſich ſehr ſchoͤne Gebaͤude mit 2 Reihen uͤber einander gelagerten Schwibboͤgen be⸗ fanden. Er war nicht verfallen, aber unbewohnt. Ich unterließ nicht, bei den Arabern mich uͤber dieſes Gebaͤude zu erkundigen, allein ich konnte weder uͤber ſeinen Erbauer, noch uͤber andere Merkwuͤrdigkeiten deſſelben Auskunft erhalten. Die Araber ſind uͤber⸗ haupt hinſichtlich der Alterthuͤmer aͤußerſt unwiſſend. Vor dem Thore dieſes Pallaſtes iſt ein See und ein Kanal, deſſen Grund mit Backſteinen gemauert iſt. 179 Dieſes Kanales wegen halten die Araber dafuͤr, daß dieſes Gebaͤude eine Waſſerleitung ſey, zu dem Zwecke naͤmlich erbaut, um das Waſſer aus dem Euphrat hieher zu leiten. Ich meines Theils weiß nicht, was ich aus demſelben machen ſoll, und begreife nicht, wie und wozu man das Waſſer aus dem Euphrat, der mehr als 20 Meilen entfernt iſt, hieher leiten ſollte. Die Reiſe durch die Wuͤſte iſt ſehr beſchwerlich, und kann nur zur Regenzeit, wo der feine Sand durch den Regen hart wird, alſo im Dezember unternommen werden. Oft begegnet man in dieſer Wuͤſte arabiſchen Emirs mit ihren Horden. Dieſe reiten herrliche Pferde, von denen eines oft um mehrere 1000 Thaler verkauft wird. Von dieſen muͤſſen die Karavanen, indem ſie die Uebermacht bilden, viel erdulden. Sie pluͤnderten zwar unſere Karavane nicht; allein ſte noͤthigten unſere Kauflente, ihnen Geld zu einem beſtimmten Preis aibzuwechſeln, wobei dieſe großen Verluſt erlitten. 65 Tage mußten wir wandern, bis wir das Ende der Wuͤſte und an demſelben Balſara erreicht hatten. Hier zu Balſara ſah ich zweimal eine ſo große Menge Heuſchrecken voruͤberfliegen, daß ſte von Ferne wie eine Wolke ausſahen, und die Sonne verfinſterten. Sie werden von dem Winde in die Wuͤſte geworfen, wo ſie ſterben, was fuͤr dieſe warme Gegenden bei der unmaͤßigen Fruchtbarkeit dieſer In⸗ ſekten eine große Wohlthat iſt. Von Balſara bis zur Muͤndung des Euphrats 180 5 iſt 20 Meilen ſuͤßes Waſſer. Auf ſelbem gelangte ich bei gutem Winde in 4s Stunden nach Banderie, wo man, wenn man nicht gar bis Ormus fahren will, an das Land ſteigt. Banderie ſind 6— 1 ſchlechte Fiſcherhuͤtten aus Flechtwerk. In s Tagen . kam ich von da uͤber bergigtes Land, wo ich an Stel⸗ len Holz, aber nirgends ein Dorf oder Karavanſe antraf, nach Cazerom; dieß iſt eine kleine, ſchlecht gebaute Stadt. Von ihr bis nach Schiras ſinds Tagreiſen; der Weg fuͤhrte uͤber rauhe Berge. Auf ſelben hatte ich die Ausſicht auf eine 2s— 30 Meilen ggrroße Ebene, welche von Juden, die Seiden wirken, bewohnt wird. Dieſe boten mir guten Wein zum Kaunfe an. Auf allen Bergen ſtieß ich an Zelte von chaldaͤſchen Hirten, die im Sommer hier Kuͤhle und Weide ſuchen. In Schiras angelangt, nahm ich Pferde, und kam in neun Tagen nach Iſpahan. Der Weg zog ſich uͤber den Berg Mojen, durch die Provinz Cuſcazar, und durch die kleine Stadt Veſdecgs. Bei meiner dritten Reiſe nach Aſien, verließ ih am s Dezember 1643 Paris und begab mich nach 99 vorno, um mit der bollaͤndiſchen Flotte zur See in gehen. Von ihr wurde ich nach Alexandreit 181 gebracht, von Alexandrette ritt ich llach Alepo, welches ich am 6. Maͤrz 1644 verließ, um nach Bir, 4 Tagreiſen weiter, zu gelaugen. Dieſe Reiſe geſchah in Geſellſchaft von 2 Kapuztnern. Am erſten Tage brachten wir die Nacht in einer Karavanſe des Markt⸗ fleckens Arabkoui, des andern Tages in einer 3000 Pferde faſſenden Grotte zu, nahe bei dem Flecken Telbechar, welchen zu erreichen uns der Regen binderte. Solche Grotten ſind der Aufenthalt der Be⸗ duinen. Aufangs ſind ſie gewoͤhnliche Hoͤhlen, die ſie aber nach und nach ſo erweitern, und ihnen durch kleinere Hoͤhlen und Kammern eine ſolche Einrichtung geben, dan ſie einem unterirdiſchen Dorfe gleich ſehen. Am 8. Maͤrz uͤbernachteten wir in dem Dorfe Mezara. Am 9. Maͤrz erreichten wir das Ufer des Euphrats⸗ uber welchen wir auf Floͤßen zu der auf der anderen Seite gelegenen Stadt Bir uͤberſetzten. Bir oder Berggeon, wie es von den Leuten jener Gegend genannt wird, liegt auf dem Ruͤcken eines Berges, auf deſſen hoͤchſten Hoͤhe eine Veſte ſteht. Am Fuße dieſes Berges, am Euphrat⸗ liegt noch ein zweites, aber uraltes Schloß. Die Stadt iſt, wie die meiſten Staͤdte der Tuͤrkei, ſchlecht gebaut, hat jedoch Ueber⸗ fluß an trefflichem Wein, Brod, Fiſchen und Fruͤchten. Den 10. Maͤrz, nachdem wir 11 Stunden an der Graͤnze Meſopotamiens, das zwiſchen den Fluͤffen Euphrat und Tigris liegt, und nun Diarbe k genannt wird, gereiſet waren, erreichten wir gegen 1 182 Abend Charmely, ein Dorf in der Naͤhe eines Berges mit einer Bergveſte. Folgenden Tages kamen wir nach Ourfa, wo die Karavane gewoͤhnlich 10— 12 Tage ſtille liegt, da dieſe Stadt die Heimatb derjenigen iſt, welche die Mauleſel vermiethen. Ourfa, die Hauptſtadt Meſopotamiens, beruͤhmt durch das Grab des h. Sphraims, ſchoͤne Gaͤrten, guten Wein und den blauen Corduan, hat eine Mauer, aber ſchlechte und zum Theil verfallene Haͤuſer. Die alten Haͤufer einfallen zu laſſen iſt Sitte im Morgenlande. Kein Orientale beſſert ein baufaͤlliges Haus aus, ſon⸗ dern er reißt daſſelbe entweder ein, und fuͤhrt ein nenes an ſeiner Stelle auf, oder er verlaͤßt es, und baut ſich an einer andern Stelle ein neues. Nach a Tagreiſen waren wir am 23. Maͤrz zu dem grohen Flecken Dadacardin gekommen. Am 24. d. M. uͤbernachteten wir in dem Neſtorianiſchen Dorfe Cara. Den 28. erlangten wir nach 28 ſtuͤndi⸗ ger Reiſe das Dorf Couſaſar, wo wir am andern Tage den Zoll wegen des nur 2 Tagreiſen entfernten Diarbekir zahlen mußten. Merdin, eine kleine auf einem Berge gelegene Stadt mit ſchoͤnen Mauern und einem trefflichen Brunnen, der aus dem der Stadt nahe gelegenen Schloſſe kommt, iſt 2 Meilen von dem Dorfe Con⸗ ſaſar. In dieſem Dorfe, welches Armenier und Neſtorianer bewohnen, ſah ich 2 Bibeln, von welchen eine 371, die andere im Jahre 937 in chaldaͤſchet 183 Sprache auf Pergament mit großen goldenen Buch⸗ ſtaben auf Laſur Zeſchrieben war. Am 21. Maͤrz reiſten wir in 7 Stunden bis zu der ehemals großen Stadt Karſera, am 28. bis Nesbin, vordem Niſibis, von dem es jedoch nur noch ein Schatten iſt. Es iſt nun ein großes Dorf, welches Armenier und Neſto⸗ rianer bewohnen. Mau zahlt daſelbſt Zoll, und verſteht ſich in ihm mit Vorrath fuͤr die s taͤgige Reiſe bis Mouſſul. Mouſſul ſcheinet von Außen ſehr ſchoͤn, und pranget mit ſeinen hohen aus Quadern erbauten Mauern. Im Innern entſpricht es jedoch nicht der vortheilhaften Meinung, die man ſich aus der Ferne von demſelben gemacht hat. Es iſt beruͤhmt durch die Kaufleute der Curden und Araber, welche das alte Aſſyrien, nun Curdiſtau, bewohnen. Dieſe bandeln hieher mit Gallaͤpfel, welche in ihrer Heimath geſammelt werden. Ehe ich uͤber den Fluß ſetze, um das alte Ninive zu beſchauen, will ich von den Fluͤſſen Tigris und Euphrat anmerken, daß die⸗ ſer langſam, jener dagegen ſchnell fließe, dieſer ein roͤthliches, jener aber ein weißes Waſſer habe. Ninive liegt auf dem linken Ufer des Tigris, und iſt jetzt nichts als ein unregelmaͤßiger Haufe von eingefallenen Haͤuſern, welche faſt eine Meile laͤngs des Fluſſes liegen. ½ Meile vom Tigris iſt ein kleiner mit vielen Haͤuſern bebauter Huͤgel nebſt einer Moſchee, welche das Grab des Propheten Jo⸗ 184 nas ſeyn ſoll. In Mouſul, wovon der Moſulin ſeinen Namen hat, verweilten wir 8— 10 Tage. Jen⸗ ſeits des Tigris hatten wir uns ⁄¾4 Stunde von Ninivoe gelagert. Hier erwarteten wir einige Kauf⸗ leute, durch welche unſere Karavane verſtaͤrkt werden ſollte. Nachdem dieſe angekommen waren, reiſten wir weiter, jedoch nicht den ordentlichen, ſondern einen Nebenweg, der ſich uns, weil wir einige Zoͤlle umgingen, dann weil er kuͤrzer war, empfahl. Auf dieſem hatten wir bis Iſpahan nur ss Tagreiſen. Die erſten Tage unſerer Reiſe kamen wir uͤber den reißenden und fiſchreichen Fluß Bohrus, uͤber welchen wir in Floͤßen, in der Landesſprache Kilet genannt, ſetzten; dann uͤber den Fluß, die große Zarbe, uͤber die eine Bruͤcke von 29 Schwibboͤgen fuͤhrt. Dieſe Bruͤcke ſoll Alexander der Große erbaut haben. 1⁄4 Meile von dieſer Bruͤcke gegen Suͤd⸗Weſt vereinigen ſich 2 Fluͤſſe, und ſtuͤrzen ſich in den Tiger. Von dieſer Bruͤcke kamen wir zur klei⸗ nen Stadt Chirezoul, welche auf einem Huͤgel liegt, und 3 Redouten hat. Nun reiſten wir eine Tagreiſe zwiſchen duͤrren Gebirgen, wonach wir auf die Ebene bei Arbele, auf welcher Alexander den Darius geſchlagen hat, kamen. Dieſe Ebene hat beinahe 1s Meilen im Umkreiſe. Von ihr kamen wir zur Stadt Cherazoul, deren Gaͤuſer in einen jaͤh abſchießenden Felſen gehauen ſind. Hier fand ich am Ufer des Fluſſes Altun⸗ſou, der ſich 3 Meilen 185 jenſeits Bag dad in den Diger ſtuͤrzet, eine Mineral⸗ quelle. Der s. Tag unſerer Abreiſe von Ninive oder Moſul brachte uns uͤber mehrere ſtehende Suͤmpfe und warme Waͤſſer, durch welche die beiden Reiche, die Tuͤrkei und Perſien von einander geſchieden wer⸗ den. Bei dieſem Eintritte in Perſien fuͤhrt der Weg ſogleich uͤber ein hohes Gebirge. Nachdem wir ſolches uͤberſtiegen hatten, kamen wir auf eine ſchoͤne von einem Bache durchſchnittene Ebene, worauf wir nach 2 ſtarken Tagreiſen ein Dorf erreichten, welches eine aus in der Sonne getrockneten Backſteinen gebaute Veſte hatte. Hier reiſten wir uͤber Sneirne nach Amadan. Wir mußten hiebei uͤber ein Gebirge. Im Ueberſteigen desſelben hoͤrten wir ein Geziſche. In unſerer Karavane war ein Geſandter der Republik Venedig, wegen ſeiner hatte uns der Kommandant vorerwaͤhnter Feſtung begleitet, dieſer fuͤhrte uns zu dem Orte, von welchem das Geziſche herkam, wo wir dann eine Schlange ſahen, welche dick, wie eines Mannes Schenkel und uͤber 13 Schuhe lang war, und ihren Kopf zwiſchen zwei Aeſten eingeklemmt hatte. Amadan iſt eine der groͤßten und vornehmſten Staͤdte in Perſien. Sie liegt am Fuße eines Gebirges, ans dem unzaͤhlige Quellen entſpringen, die das Land bewaͤſſern. Die Gegend um die Stadt iſt fruchtbar und traͤgt viel Korn und Reiß. Wir blieben mehrere Tage in Amadan. Da ich nach Indien wollte ſo beſtieg ich hier mit 2 Bedienten und 1 Wegweiſer Pferde. In 9 Tagen waren wir in Iſpahan, wo⸗ hin wir mit der Karavane doppelt ſo viele Tagreiſen gehabt haͤtten. * 2** Als ich mich entſchloſſen hatte, das vierte Mal nach Aſien zu gehen, reiſte ich am 18. Junius von Paris ab, ſtieg abermals zu Marſeille in das Schiff, und fuhr zur See nach Alexandrette. Von da begab ich mich uͤber Aleppo nach Ninive, wo unſere Karavane Kilets, die durch die aufgeblaſe⸗ uen zuſammengeuaͤhten Bocksfelle, welche mit ihnen in Verbindung gebracht waren, 30 Menſchen und gegen 60 Zentner trugen, beſtieg, und damit auf dem Tiger weiter fuhr. Auf dieſer Fahrt kamen wir am dritten Tage bei der Muͤndung des Fluſſes Zab, und am fuͤnften bei der des Fluſſes Altom⸗ſon, Gold⸗ fluß, vorbei. Beide Fluͤſſe muͤnden in den Sigris. In 14 Tagen waren wir in Bagdad. Hier, wo ich mich, ſchon im Jahre 1632, 5 Tage aufgehalten hatte, verweilte ich dieſes Mal 20 Tage. Bagdad, wel⸗ ches auch Babylon genannt wird, liegt auf dem perſiſchen Ufer des Tiger, hat Mauern von Back⸗ ſteinen, 33⁰ 15“ Polhoͤhe, und etwa 3 Meilen im Um⸗ kreiſe. Von Bagdad fuhren wir auf dem Tiger gar bis Balſara. Dieſes iſt 2 Meilen von der verfallenen Stadt Teredon, welche in der Wuͤſte d 187 des ſteinigen Arabiens gelegen iſt, entfernt. In Bal⸗ ſara findet man Kaufleute aus Konſtantinopel, Smhrna, Aleppo, Damas und Cairo, welche die aus Indien kommende Waaren auf jungen Ka⸗ meelen, die hier verkauft werden, weiter verfuͤhren. Dieſe Stadt iſt durch ihren Handel, den Zoll und die auberordentlich vielen Palmbaͤume ſehr reich. In derſeiben und um ihr wohnen ſehr viele Johannes⸗ Chriſten. Von hier trugen uns unſere Floͤße nach Bandercongo, das wir am 23. Mai erlangten, und von da nach Ormus, wo wir am erſten Junius aukamen. Die Fahrt auf dem perſiſchen Meerbuſen hieher iſt wegen der vielen Stuͤrme, wegen der kurzen Wellen, die dabei das Waſſer wirft, und wegen der vielen Sandbaͤnke ſehr gefahrvoll. Ohne ſehr kundigen Botsmann, und ohne das Senkblei beſtaͤndig in Haͤn⸗ den zu haben, iſt nicht raͤthlich auf demſelben zu ſchiffen. Der perſiſche Golf hat mehrere Inſeln, unter denen die Inſel Baharen wegen der Perlen⸗Fiſche⸗ rei die vornehmſte iſt. Dieſe Inſel hat kein trink⸗ bares Waſſer. Um dergleichen zu erhalten, ſenken ſich die Taucher in der Naͤhe der Inſel an einem be⸗ ſtimmten Orte mit verſtopften leeren Flaſchen auf den Meeresgrund, und holen aus denſelben ſuͤßes Waſſer herauf. So erwas Aehnliches traf ich auch bei dem Vorgebirge Comorin laͤngs der Seite von Coromandel und Malabar. Hier gehen die Frauen an den Meeres⸗Strand, und graben bei dem⸗ ſelben, nachdem das Meerwaſſer verlaufen iſt, Gruben, aus welchen ſie dann ſuͤßes Waſſer ſchoͤpfen, obgleich in jener ganzen Gegend keines zu treffen iſt. Meine fuͤnfte Reiſe nach Aſien geſchah im Fe⸗ bruar 1657, meine ſechste am 271. November 1663. Beide Reiſen unternahm ich auf ſchon beſchriebenen Wegen von Smyrna uͤber Tauris nach Iſpahan. Auf erſterer Reiſe ſah ich, als ſich unſere Karavane der großen Hitze wegen bei Tokat noͤrdlich wand, und uͤber ein Gebirge ſetzte, auf dem Ruͤcken desſelben eine ſo große Menge Muſcheln, wie ſie ſich nicht groͤßer an den Ufern des Meeres findet. N** 7 Nebſt den verſchiedenen Wegen, die ich auf mei⸗ nen ſechsmaligen Reiſen nahm, giebt es noch 2 Wege nach Perſienz einer geht nordwaͤrts durch die Tuͤr⸗ kei, der andere ſuͤdwaͤrts. Der erſtere fuͤhrt durch die große von dem rothen Corduan beruͤhmten Stadt Diarbeguir uͤber Van, eine Stadt, welche am groͤßten See Aſieus an dem See Van liegt⸗ durch das Land der Curden, Curdiſtan, nach Tauris. Der andere geht uͤber Anna, durch die kleine Wuͤſte nach Bagdad. Alle dieſe Wege bereiſte ich auf mei⸗ nen Heimkehren aus Aſien. Der kuͤrzeſte Weg den ich auf meinen vielmaligen Reiſen aus und nach Per⸗ 189 ſien kennen lernte, gins von Iſpahan nach Couſar uͤber Comba, Oranguil, Nahouand Kenga⸗ var, Sahana, Polica, Maidacht, Eruna⸗ bad, Conaguy, Caslisciren, Jenguy Conaguy, Caſered, Charaban, Bou⸗ rous nach Bagdad; ven da uͤber Anna, Mached⸗ raba, Taiba nach Alepo. Der ganze Weg erfor⸗ dert von Iſpahan bis Alepo nur 32 Tage. Da ich keinen Weg nach Perſien uͤbergehen moͤchte, ſo bringe ich noch den Weg an, der durch Rußland uͤber das ſchwarze Meer, durch die Landſchaften Geor⸗ gien, Mengrelien, Cirkaſſien, Cumanien, dann auf dem Kaſpiſchen Meere dahin fuͤhrt, in Anregung. *.* Georgien oder Gurgien erſrreckt ſich oſtwaͤrts bis an das kaſpiſche Meer, und wird durch Bergs von dem Reiche Mengrelien geſchieden. Es beſteht aus 2 Provinzen Tiflis und Cartele. Tiflis, von welchem die erſtere Provinz den Namen hat, iſt die Hauptſtadt des Landes. Georgien iſt reich an Weinwuchs, woher die Trunkliebe ſeiner Bewohner kommen mag. Die Bewohner desſelben ſind theils Muhametaner, theils Chriſten. Das Frauenvolk un⸗ ter denſelben iſt ſehr ſchoͤn, und wird fuͤr das ſchoͤnſte in ganz Aſien gohalten. Dieſes iſt die Urſache, warum 190 2 ſich Menſchen⸗Diebßahl hier ſehr haͤufig ereignet. Es giebt hier Leute, die ſich damit eigens abgeben. Sie rauben die Maͤdchen, welche eine ſchoͤne Geſichtsbil⸗ dung verratzen, ſchon als Kinder, laſſen dieſelben anderswo erziehen, und verhandeln ſie erwachſen nach Perſien und Indien. Die Naͤnner, die eben⸗ falls ſchoͤnen Wuchs und ſchoͤne Geſichtsbildung haben, ſind ſtark und tapfere Soldaten. Maͤnner und Wei⸗ ber eſſen bei oͤffentlichen Gaſtmahlen nicht mit einan⸗ der, ſondern wenn heute der Mann ſeinen Freunden ein Mahl giebt, ladet die Frau am folgenden Tage ihre Freundinnen. Zwiebeln, Kraͤuter und Baͤckereien ſind hiebei ihre Lieblingsſpeiſen. Mengrelien, welches von Georgien durch ein wie eine Kette zuſammenhaͤngendes Gebirge ge⸗ trennt iſt, erſtreckt ſich bis an das ſchwarze Meer. Es beſteht aus den 3 Provinzen Imerete, Mengre⸗ lia und Guriel. Dieſes Land hat viele Eiſen⸗Gru⸗ ben und bedeutende Gold⸗ und Silber Minen. Unter den Bewohnern dieſes Landes, welche Chriſten ſind, wird die Ehe aus den leichtfertigſten Urſachen getrennt, und Maͤnner⸗ und Weiberwechſel iſt an der Tages⸗ Hrdnung; ja man macht dieſe Sitte ſogar zum Gegen⸗ ſtande des Handels. Wem ſeine Heirath nicht nach Wunſch gelungen iſt, der verlaͤßt ſein Eheweib, und mietbet ſich auf eine beliebige Zeit gegen Bezahlung eine andere Ehefrau. Die Jungfrauen, die in Kid⸗ 191 ſtern erzogen werden, hoͤren Beicht, konuliren und taufen. Camauia hat gegen Oſt das kaſpiſche Meer zur Graͤnze; gegen Weſt ein Gebirge, das es von Circaſſien trennt; gegen Nord graͤnzt es an das Gebiet von Moskau; gegen Suͤd an Georgien. Weſtlich von dem Gebirge bis zum Fluſſe Terki hat es ein trefflich ſchoͤnes ebenes Land zum Ackerbau, und huͤbſche Wieſen. Das Land iſt nicht ſehr bevoͤlkert, daher auch wenig bebaut. Einen Acker beſaͤet man nicht 2 Jahre hinter einander. Das Klima iſt wie zwiſchen Paris und Lvon. Es regnet zuweilen, je⸗ doch kann das Land auch durch 2 Fluͤſſe, von welchen einer Coyaſon heißt, und da, wo die Wolga in das kaſpiſche Meer muͤndet, auch hineinfaͤllt, be⸗ waͤſſert werden. Die Einwohner dieſes Landes, die Comanier oder Co mouchen, naͤhren ſich haupt⸗ ſäͤchlich vom Fiſchfange und dem Thran, mit dem ſie Handel treiben, zum Theile auch vom Raub. In die⸗ ſer Gegend lebt noch ein anderes Volk, die Kal⸗ mucken. Sie ſitzen an der Kuͤſte des kaſpiſchen Mee⸗ res zwiſchen Moskau und der grofen Tatarei. Dieſes Volk iſt ſtark, aber das haͤßlichſte unter der Sonne. Ihr Antlitz iſt flach und breit; zwiſchen den beiden Augen iſt gerne s Finger Raum. Ihre Augen find klein, ihre Naſe ſo flach, daß man von derſelben nichts, als die beiden Naſenloͤcher ſieht. Die Fuͤße haben ſie einwaͤrts, die Knie auswaͤrts gebogen. Sie 192 ſind tuͤchtige Soldaten, und fuͤhren im Kriege ihre ganze Familie mit ſich. Weiber und Toͤchter, die uͤber 12 Jahre alt ſind, fechten in ſelbem eben ſo mu⸗ thig, als die Maͤnner. Ihre Waffen ſind Bogen, Pfeil, Saͤbel, und eine am Sattelknopf befeſtigte Knute. Die Pferde, welche ſie reiten, ſind die beſten in ganz Aſten. Cireaſſien iſt ein herrliches, gutes und ſchoͤ⸗ nes Land. Es hat Ebenen, Waͤlder, Huͤgel und Berge mit Waſſerquellen, die in Baͤchen ſich durch mehrere Doͤrfer ergießen. Das Erdreich iſt ſo gut, daß die Fruͤchte auf demſelben trefflich gut und in großer Menge ohne Muͤhe gebaut werden. Der beſondere Reichthum dieſer Gegend beſteht in Vieh, beſonders in der großen Menge ſchoͤner Pferde, in Ziegen und Hammeln, deren Wolle ſo ſchoͤn als die ſpaniſche iſt. Ihr Rindvieh iſt mittelmaͤßig. Dis Bewohner dieſer Landſchaft bauen weder Roggen, noch Hafer, noch Waiz, ſondern nur Gerſte zur Fuͤtterung ihrer Pferde, und Hirſe zu ihrem Brode. Aus Hirſe bereiten ſie auch ihre Getraͤnke Cherkes und Boſa⸗ welches letztere berauſchend iſt. Wein baut dieſes Land keinen, es hat aber Ueberfluß an gutem Fleiſche, wohl⸗ ſchmeckenden Huͤhnern und Wildpret. Ganz eigens it wore Jagd des Wildes. Wollen ſie auf ſolche gehen, ſo verbinden ſich mehrere zuſammen. Haben ſie dann ein Wild gefunden, ſo verfolgen ſie zu Pferde dasſelbe ſo lange, bis es ganz ermuͤdet iſt, in welchem Zuſtande ſie ihm aͤußerſt behende eine Schlinge um den Hals . 193 werfen, und es fangen. Selten entgeht ihnen auf dieſe Art ein einmal geſpuͤrtes Wild. Die Tracht des maͤnnlichen und weiblichen Geſchlechtes iſt gleich; ſie tragen einen bunten Rock aus baumwollenen Gewebe und Beinkleider von außerordentlicher Weite. Dieſe Voͤlker, die Cireaſſier und Comanier, ſind we⸗ der Chriſten noch Mohametaner, ſondern haben eine Religion, die in gewiſſen Gebraͤuchen beſteht, die Alt und Jung in einem Dorfe gemeinſchaftlich mit einem großen Gepraͤnge begehen. Einen vom Blitze Getoͤd⸗ teten halten ſie fuͤr einen Heiligen, und begraben ihn gar feierlich. Schlaͤgt der Blitz in ein Haus, ſo ſind die Bewohner desſelben, wenn derſelbe auch nichts verletzt hat, ein Jahr von allen Abgaben frei, und werden ſehr hoch geachtet. Sobald der Blitz ir⸗ gendwo einſchlaͤgt, ſo wird ſogleich der groͤßte weiße Ziegenbock im Lande geſucht, und in dem Dorfe, in welches er einſchlug, mit ſehr vieler Ehrerbie⸗ tung ſo lange ernaͤhrt, bis der Blitz in ein anderes Dorf geſchlagen hat. Mit dieſem Bocke ziehen die Einwohner des vom Blitze getroffenen Hauſes von Dorf zu Dorf, gehen aber in keines, ſondern verwei⸗ len mit demſelben vor dem Dorfe, ſingend und tan⸗ zeud. Alle Dorfbewohner kommen dann zu ihnen heraus, und bringen ihnen Geſchenke. Zu ihrer Re⸗ ligion gehoͤrt ein großes Buch, welches ſie fuͤr heilig halten. Dasſelbe hat ein alter Mann in Verwahrung und er allein darf es beruͤhren. Sein Geſchaͤft iſt, 47. B. Perſien. II,. 2. 5 mit demſelben einen jeden Kranken zu beſuchen, aus dem er dann uͤber den Kranken etwas betet, dasſelbe ihm auflegt und uͤber dasſelbe ihn anhaucht. Iſt Jemand geſtorben, ſo begleiten ſie ſeinen Leichnam bis zum Begraͤbnißplatze, wobei die naͤchſten Anverwandten beulen und ſchreien, ſich die Haare ausraufen, und das Geſicht verwunden. Hierin beſteht ihre ganze Trauer⸗Feierlichkeit. Neber den Todten be⸗ ten ſie nicht. Ihre Heiraths⸗Ceremonien beſtehen in folgendem. Wenn ſich ein junger Mann eine Braut auserleſen hat, ſo ſchickt er ſeine Aeltern und naͤchſten Auverwandten mit einem Braut⸗Geſchenke aus Pfer⸗ den, Kuͤhen ꝛc. zu den Aeltern der Jungfrau. Ju dieſen die Vermaͤhlung angenehm, ſo fuͤhren ſie, nach geſchloſſenem Vertrage, mit den Aeltern oder Ver⸗ wandten des Braͤutigams, ihm ihre Tochter in das Haus, wo ſchon eine Mahlzeit zubereitet iſt. Nach geendeter Mahlzeit und anderer Luſtbarkeit, die der eine oder andere damit verbindet, ſind beide Eheleute, ohne daß ein anderer religioͤſer Gebrauch daswiſchen getreten iſt. Iſt die Ehe mehrere Jahre durch keine Kinder geſegnet, ſo iſt dem Manne erlaubt, eine an⸗ dere Frau zu nehmen, und nach einander ſo lange kort, bis einmal die Ehe durch eine Leibesfrucht be⸗ gluͤcket iſt. Eiferſucht kennt dieſes Volk nicht, hievon iſt jedoch ihre Enthaltſamkeit nicht die Urſache. Dieſe Voͤlker ſind wie die Georgier ſehr huͤbſch von Ge⸗ ſicht: beſonders ſind die Frauen ſehr ſchoͤn, von friſcher 195 Farbe, zart und munter, und dieß bis 45 ja so Jahre ihres Alters. Die Frauen ſind ſehr arbeitſam, holen Eiſenerz aus den Bergwerken, ſchmelzen es, und ma⸗ chen daraus allerlei Hausrath, auch ſticken ſie mit Gold⸗ und Silber⸗Faden huͤbſche Sachen. Leben Ehe⸗ leute und Nachbarn im Unfrieden, und kommt dieſes zur Klage, ſo werden ſie getrennt, indem der ſchuldige Theil von beiden als Sklave an Fremde verkauft wird. Das Volk beſteht aus Adeligen und Bauern. Dieſe ſind die Sklaven der Adeligen, und treiben den Feldbau. Wein, Tabak und Caffee kennt dieſes Volk nicht. Dieſe Voͤlker haben zu Nachbarn die kleinen Ta⸗ taren oder Nogainen, ein Nomaden⸗Volk, wel⸗ ches nur vom Raub lebt. Hiebei leiſten ihnen Pferde, die ſie beſonders dazu abrichten, ganz beſondere Dienſte. Dieſe Pferde dauern 4— s Dage aus, wenn ſie nur alle 10 Stunden eine handvoll Gras und alle 24 Stun⸗ den etwas Waſſer bekommen. Zu einem Streifzuge ge⸗ brauchen ſie ein Pferd nicht vor dem 6. oder 7. Jabre, und pruͤfen ſeine Tauglichkeit zuvor noch auf folgende Weiſe. 8 oder 8 Monate zuvor belegen ſie es eine Woche durch jeden Tag mit einem Sack Sand, wel⸗ cher ſo ſchwer als ein Mann iſt; dieſen machen ſie dann die andere Woche taͤglich ſchwerer, bis er am Ende der Woche doppelt ſo ſchwer als ein Mann wird. Nach Maß der Vermehrung der Laſt des Pferdes ver⸗ mindern ſie das Futter und den Trank desſelben, ſo 196 daß ſie ihm in den 3 oder 4 letzten Tagen dieſer 16 taͤgigen Probezeit gar nichts zu freſſen und zu ſau⸗ fen geben. Am letzten Tage reiten ſie daſſelbe ſo muͤde, daß ihm der Schweiß tropfenweiſe auf der Haut ſteht. Iſt dieß geſchehen, ſo nehmen ſie ihm den Sattel und das Gepaͤcke ab, und uͤberſchuͤtten es mit dem kaͤlteſten Waſſer. Hat das Pferd alles dieſes uͤberſtanden, ſo wird es auf eine Wieſe gefuͤhrt, ange⸗ bunden, und taͤglich ſein Futter erhöht, bis man es zuletzt wieder mit den andern Pferden auf die Weide läßt. Wenige Pferde halten ſolches Verfahren aus; allein diejenigen, die ausdauern, ſind dieſen Voͤlkeru auch unabkaufbar. Wenn ſie auf Streifzuͤgen gehen, ſo hat jeder noch ꝛ bis 3 Pferde bei ſich, nebſt einem nach obiger Art abgerichteten, auf dieſem reitet der Nogaine jedoch nicht, ſondern nur daun, wenn er mit ſeiner Beute verfolgt wird. Der Huf dieſer Pferde wird nicht beſchlagen. Sie ſind ſehr mager, ſo daß ſie derjenige, welcher ihre Eigenſchaften nicht kennt, fuͤr nicht vorzuͤglich achtet. Die Kleidung dieſes Volkes iſt aus einem Schaf⸗ felle gefertiget, von welchem das Rauhe im Sommer auswaͤrts— im Winter einwaͤrts gekehrt iſt. Die Vornehmeren tragen Wolfshaͤute, bunte wollene Hem⸗ den und Hoſen. Die Kleidung des weiblichen Ge⸗ ſchlechts beſteht in einem langen Kleide, weißem Schleier, und einem Kopfbunde. Das andere Ge⸗ ſchlecht hat ſehr ſchoͤne weiße und zarte Haut, iſ 197 ſchlank gewachſen, hat aber ein breites Geſicht, und kleine Augen. Im dreißigſten Jahre ſind die Frauen ſehr haͤßlich. Die Maͤnner wohnen unter Zelten, die Frauen und Jungfrauen in Wagen mit Brettern verſchlagen. Die Frauen duͤrfen Abends, um in die Zelte zu kommen, und um in den Ciſternen Waſſer zu holen, den Wagen verlaſſen, den Jungfrauen aber, ſobald ſie das eilfte oder zwoͤlfte Jahr zuruͤckgelegt baben, iſt dieſes nicht erlaubt, nicht einmal zur Ver⸗ richtung ihrer Nothdurft. Daher kommt es, daß ein Junggeſelle ſeine Braut, ehe er ſie geheirathet, nicht zu Geſichte erhaͤlt. Er muß ſich hiebei blos auf ſeine Mutter und Schweſtern verlaſſen, die ſie ihm freien. Sie wird ihm zur Frau nicht eher, als bis er die Tochter den Eltern um eine beſtimmte Anzahl Pferde, Kuͤhe u. ſ. w. abgehandelt hat. Erſt, nachdem er einen ſolchen Vertrag mit den Eltern in Gegenwart des Mollah eingegangen, darf er mit ſeiner Braut ſpatzieren gehen. Jeder Nogaine darf 2 Weiber haben, nebſtdem noch Sklavinnen, deren Kinder aber leibeigen bleiben. Dieſe Tataren ſind jaͤhzornig, die Frauen mehr als die Maͤnner, und haben ſchoͤne Haare am Kopfe, ſonſt aber am ganzen Koͤrper keine. Ein Bart iſt eine Seltenheit unter Maͤnnern, und wer ſolchen dat, iſt verpflichtet ein Mollah zu werden. Ihre Speiſe iſt Pferdefleiſch und Kaſe, ihr Getraͤnke Stu⸗ den⸗ und Kuͤhe⸗Milch. Waſſer trinken ſie nie, und Pferde ſchlachten ſie nur bei Feſtlichkeiten. Alle ihre 1 Speiſen bereiten ſie ohne Salz. Von Brod wiſſen ſie nichts; dieſes wird ihnen erſetzt durch Fiſche, welche ſie an der Luft und in unterirdiſchen Gruben durch Rauch duͤrr machen. In Friedenszeit, und welu ſie von einem Streifzuge kommen, beſteht ihre Haupt⸗ beſchaͤftigung in der Jagd, wozu ſie Windſpiele(au⸗ dere Hunde leiden ſie nicht) und Falken gebrauchen. Das iſt ein armer Tatar, der nicht wenigſtens ein Windſpiel und einen Falken ernaͤhrt. Ihrem Glauben nach ſind ſie Muhametaner. Iſt Jemand geſtorben, ſo gehen ſie mit ihm zu Grabe und ſchreien dabei immer Allah! Allah! Sind ſie dort augekommen, und der Todte begraben, ſo ſpricht der Mollah einige Gebete uͤber dem Grabe, und dieß drei Tage hinter einander, bei Reichen oft 8— Monate laug alls Tage. Ihre Wunden heilen ſie mit gekochtem Fleiſche, welches ſie warm uͤber die Wunde binden. Iſt die Wunde tief, ſo druͤcken ſie gekochtes Fett, ſo heiß es der Kranke ertragen kann, in ſelbe und verbinden ſie. Das Fett von Pferden halten ſie hiebei fuͤr das heil⸗ ſamſte. Pferde haben unter dieſem, wie unter den fruͤher beſchriebenen Voͤlkern, nur die Reichen, die Armen gehen zu Fuße. um, nachdem ſie eine Fußreiſe gemacht, die Muͤdigkeit aus ihren Beiuen zu vertreiben, ſtoßen ſie Nuͤſſe, und reiben mit dem Oele ibre Füßs, was die erwunſchte Wirkung briupt. † 199 Viertes Buch. Wir ſind bisher auf den Wegen, die nach Perſien fuhren, fortgegangen, und haben dasjenige, was uns auf denſelben begegnete, betrachtet, nie aber haben wir uns lange in Perſten verweilt. Ich habe dieſes abſichtlich gethan, weil ich in den ietzt folgenden Buͤ⸗ chern alles Merkwuͤrdige dieſes Landes zuſammendraͤn⸗ gen wollte. Perſien, nach ſeiner jetzigen Groͤße, graͤnzet gegen Nord an das kaſpiſche Meer, gegen Suͤd an den großen Ocean, gegen Oſt an das Reich des großen Moguls, gegen Weſt an die Tuͤrkei, von der es durch die Fluͤſſe Euphrat und Tigris getrennet wird, und begreift folgende Landſchaften in ſich. Groß⸗Armenien, Turkomanien genannt, welches aber, da es beinahe nur allein Armenier be⸗ wohnen, beſſer Ermenik geheißen werden duͤrfte, iſt der erſte Gebiets⸗Cheil des perſiſchen Reiches. Der Theil dieſes Landes, welcher zwiſchen den Fluͤſſen Araxes und Cyrus, nun Aras und Kur⸗, liegt, führt den Namen Iran, ofters auch Ca ra⸗bag⸗ und iſt eine der ſchoͤnſten und reichſten Gegenden von Perſien. Die vornehmſten Staͤdte dieſes Gebietes ſind: Erivan, Kars, Nackſivan, Zulpha und Van. 378 Die andere Provinz Perſiens heißt Diarbek. Dieſe liegt zwiſchen dem Euphrat und Tigris, und iſt das alte Meſopotamien. Bir jenſeits des Euphrats, Carzemit oder Diarbekir oberhalb des Tigris, Urfa, Mouſſul, Gezire, Merdin, u. a. ſind vorzuͤgliche Staͤdte derſelben. Die dritte iſt Curdiſtan, das ehemalige Aſſo⸗ rien. Sie erſtrecket ſich laͤngs des oͤſtlichen Ufers von dem See Van bis Bagdad, und hat Ninive, Cheriſoul, Amadie, Sneirne, Betlis und Salmaſtre zu Staͤdten. Hierak⸗arabi, das alte Babylonien oder Chaldaͤa mit den Staͤdten Felugia, Bagdad, Mechid⸗ali, Gurno, Balſara, Burus, Cha⸗ raban, Erunabat iſt die vierte Provinz. Die fuͤnfte heißt Hierak⸗agenii und iſt das Land der Parther. In ihr liegen die Hauptſtadt des Landes Iſpahan, und die Staͤdte Tucherkan, Hamadan, Cachan, Kom und Caſbin. Yerd duͤrfte man auch noch hieher rechnen. Den ſechsten Gebietstheil bildet Chirvan, mit den Staͤdten Derbent oder Demir⸗Capi, Ba⸗ ku und Chamaki; dann Edzerbayvan mit den Staͤdten Tauris, Ardevil, Sulanie. Beide Provinzen, wovon erſtere laͤngs des kaſpiſchen Meeres, letztere landeinwaͤrts liegt, ſind beinahe das alte Medien, welches bis an das kaſpiſche Meer reichte. Kylan und Mazandran, ebenfalls laͤngs des kaſpiſchen Meeres, das ebemalige Hirkanien mit 201 den Staͤdten und Flecken Firuz⸗euh, Sukar⸗ Abad und Mionikielle am Eingange in das Gebirge Giru, Talarapeſet und Saha auf der Ebene; dann Ferahabat, Giarman und Eſcerf gegen das Meer iſt die ſiebente Provinz. Eſtarabad die achte, das alle Margiana, begreift die Staͤdte Eſtarabad, Amul, Damkam ꝛc. in ſich, und reicht bis an den Fluß Ruth⸗Khaue⸗ Kurkan, von den Alten Oxus genannt. Das Land der Uſbekiſchen Tatarn ancht die neunte Provinz, und iſt etwa die alte Landſchaft Bactrien und Sogdianien. Die Namen der vornehmſten Staͤdte heißen Samarcand, Balk, Boccara. Die zehnte Provinz Coraſſan, welche das alte Aria und ein Theil von Bactria in ſich faßt, bat folgende Staͤdte: Sri oder Exat, Meched, Ni⸗ ſabur, Thun. Die bedeutendſten Staͤdte von S abreſan. ebe⸗ vor Paropamiſus, der eilften Provinz, ſind Bek⸗ ſabat, Aſbe, Buſt, Sarents. Hieher gehoͤrt auch die Stadt Candabar, dann Duki und Alun⸗ kan, welche auf der Graͤnze des Neiches des großen Moguls liegen Sigiſtan, ehedeſſen Drangiane, mit den Staͤdten Sigiſtan, Chalak, Kets iſt die zwoͤlfte. Der dreizehnte Kreis des Perſiſchen Reiches iſt Arachoſien, das an das Koͤnigreich Sindi graͤnzt; .. 202 der vierzehnte, die Provinz Makran, ehemals Ge⸗ droſien genannt, mit den Staͤbten Firk b, Cha⸗ lak und Makran. Ddie fuͤnfzehnte Provinz Kerman⸗ weiland Ca⸗ ramanien, teichet bis an den Golf Ormus. Die vortrefflichſten Staͤdte barin ſind Kerman und Bermazir. Farſiſtan mit den Staͤdten Schiras am Fluſſe Kur, Caferon, Benaron, Firus⸗ abat, Da⸗ rab⸗guter iſt die ſechzehnte Provinz und das ei⸗ gentliche alte Perſien. Hiezu gehoͤrt noch die Provinz Laraſtan mit der Stadt Lar. Die letzte Provinz iſt Cuſiſtan, vor Zeiten Su⸗ ſiana. Sie wird von dem Euphrat und Liger von Ehaldaa getrennt, und hat zu beruͤhmten EStaͤdten Suſter⸗fadis, Suſeu, die Hauptſtadt des Reiches des Aſſuerus, Ahawas, 95 cahus und Ram⸗bhormus. Perſien hat? Seehaͤfen, welche laͤngs des per⸗ ſiſchen Meerbuſens liegen. Einer beißt Bander⸗ Abaſſi, auch Gamron und Hafen von Ormus; der andere Bander⸗Congo. Letzterer liegt 2 Tag⸗ reiſen von erſterem gegen Weſt. Im henannten Golf giebt es noch 2 Haͤfen, Namens Bander⸗Rik und Bander⸗Rakel, weiche aber nur von kleinen Barken befahren werden koͤnnen. 4 Die Luft und Temperatur von perſten iſt ver⸗ ſchieden; manche Orte erfreuen ſich geſunder Luft und 2⁰3 angenehmer Temperatur, bei andern Orten, beſonders bei denjenigen, die auf moraſtigem Grund liegen, haupt⸗ ſächlich in den mittaͤgigen Provinzen in der Naͤhe von Bander⸗Abaſſi und Bander⸗Congo iſt die Hitze druͤckend heiß, und die Luft ungeſund. Die Gegend von Iſpahan, welche mitten im Koͤnigreiche liegt, hat 6 Monate Waͤrme und 6 Monate Kaͤlte. Der Regen iſt mit Ausnahme des Aprils ſelten, in dieſem Monate aber ſehr haͤufig. Perſien hat wenige Fluͤſſe, und unter dieſen keinen ſchiffbaren, mit Ausnahme des Aras, welcher der groͤßte iſt und mit Floͤßen befahren wird. Die an⸗ deren Fluͤße laufen nicht weit, und vertrocknen, indem man ſie zur Bewaͤſſerung des Landes abzieht, nichs fernegvon ihren Quellen. Dieſe Bewaͤſſerung macht dieſes Reich zu einem der fruchtbarſten im Morgen⸗ lande. In den Fluͤſſen leben Karpfen, Barben, Fo⸗ rellen, Lachſe, Stoͤre u. a.; auch Krebſe, welche auf die an den Ufern gepflanzten Maulbeerbaͤume Abends kriechen, und Morgens, wenn ſie ſich von der Frucht derſelben geſaͤttiget haben, in den Fluß wieder berab⸗ ſteigen. n 56 HSd ac dchiu ma 9 0. Berge hat Perſien viele; ſie ſind ſehr rauh und boch, duͤrr und unfruchtbar, haben auch großentheils wenige Quellen. In den Bergen ſindet man Stein⸗ ſalz, Kupfer, Eiſen, Stahl, etwas Silber und Gold. Die Bergwerke werden erſt ſeit Kurzem gebaut, und ſind noch nicht ſo benuͤtzt, wie ſie benuͤtzet werden 204 koͤnnten. In Perſien werden auch Tuͤrkiſſe ge⸗ brochen und Perlen gefſcht. Die Blumen in Perſien ſtehen den Europaͤi⸗ ſchen an Mannigfaltigkeit, Schoͤnheit und Glanz weit nach. Die gewoͤhnlichſten Blumen, die man findet, ſind Roſen und Lilien. Auch ſind die Fruͤchte nicht ſo ſchmackhaft, als in Frankreich. Man baut Aepfel, Birne, Pomeranzen, Granataͤpfel, Pflaumen, Kirſchen, Quitten, Miſpeln, mehrere Arten Morellen, Piſta⸗ zien, herrliche Melonen, und in manchen Gegenden Wein, den man aber nicht in Faͤſſern, ſondern in großen irdenen Geſchirren, von welchen eines mehrere Eimer haͤlt, und entweder uͤberfirnißt oder mit Ham⸗ melfett uͤberſtrichen iſt, in Kellern aufbehaͤlt. Unter den Weinen iſt derjenige, welcher um Schiras waͤchſt, der beſte. Der Weinſtock wird in den warmen und kalten Gegenden Perſiens gerade ſo, wie in den warmen und kalten Gegenden Europas gewartet. In Perſien werden wilde und zahme Thiere ge⸗ funden. Die wilden ſind Loͤwen, Baͤren, Leoparden. Jedoch finden ſich dieſe nur in geringer Zahl vor, und man hoͤrt nicht, daß von denſelben Jemand beſchaͤdiget wuͤrde. Es giebt auch daſelbſt Stachelſchweine. Die tahmen Chiere, beſonders diejenigen, welche man zum Tragen der Laſten gebraucht, ſind Kameele, Maulthiere, Eſel und Pferde. Die Pferde ſind von mittlerer Groͤße, vorn ſehr ſchmal, aber uͤberaus lebhaft und fluͤchtig, ſie werden nicht wallachet, und mit Gerſte 4 205 gefuͤttert: denn Hafer baut man beinahe im ganzen Morgenlande nicht. Die Voͤgel dieſer Gegenden ſind dieſelben, wie in Frankreich. Vorzuͤglich ſſeht man viele Tauben, deren Koth zum Duͤngen der Melonen verwendet wird. Den Chriſten iſt Tauben zu halten verboten. Die Raubvoͤgel, als: Falken, Sperber und andere Arten von Stoßvoͤgeln gebrauchen die Perſer zur Jagd. Sie fangen damit wilde Schweine, Eſel, Fuͤchſe, Rehe, Haſen, Gazellen, Hirſche, Kraniche, Reiher, Gaͤnſe, Rebhuͤhner u. a. Hiezu werden dieſe Voͤgel eigens, und zwar folgender Art abgerichtet⸗ Man nimmt eine Hirſchhaut, ſtopft ſie aus, und legt in die Augenhoͤhlen und auf den Kopf den Fraß des Raubvogels. Nachdem derſelbe hier ſeine Nahrung zu ſuchen gelernt hat, wird der ausgebaͤlgte Hirſch guf ein Brett, welches mit Naͤdern verſehen iſt, ge⸗ nagelt, daran lange Stricke befeſtiget, und er, ſobald das Futter darauf liegt, durch Menſchen gezogen. Hiebei fliegt der Raubvogel ſeinem Fraße nach, und hackt ihn ans dem Kopfe und den Augenhoͤhlen. Hat er dieſes gewoͤhnt, ſo wird der Hirſch, um den Raub⸗ vogel zu gewoͤhnen, ſeine Beute nie fahren zu laſſen, von Tag zu Tag ſchneller gezogen, bis man zuletzt ein Pferd, welches im ſchnellſten Laufe mit demſelben. davon rennt,, daran ſpannt. Solche Voͤgel ſind auch. abgerichtet einen Reiter in groͤßtem Rennen aufzuhal⸗ ten. Sie werden bei der Jagd nur auf das Wild losgelaſſen, wenn die Hunde ſehr ermuͤdet ſind, wo 206 ſie ſich dann auf den Kopf des Wildes ſetzen, und auf die Augen zu ſtechen, was den abgematteten Hunden Zeit giebt, ſich zu erholen, und das angefalleue Wild wieder einzuholen. Perſten iſt ſehr arm an Holz und Steinen, daher alle Gebaͤude in den Staͤdten mit Ausnahme einiger wenigen nur aus Erde erbaut ſind. Dieſe iſt eine Art Ton. Er wird ſchichtenweiſe im⸗ mer zu 3 Schuhen aufgetragen, worauf dann?2— 3 Reihen an der Sonne gedoͤrrter Ziegelſteine gelegt werden. Erwaͤhnte Ziegelſteine ſind viereckig, 3 Zoll dick und!— s Zoll breit. Die zweite Schichte traͤgt man nicht eher auf, bis die erſte ganz trocken gewor⸗ den iſt. Die folgenden Schichten ſind nicht ſo breit und hoch, als die untere. Man muß ſich hierbei wohl in Acht nehmen: denn oft geſchieht es, daß die vierte oder fuͤnfte Schichte nicht breit genug iſt, eine neue zu tragen. Die auf ſolche Art aufgefuͤhrten Gebaͤude ſind noch ziemlich gefaͤllig. Sie werden von Außen mit Thon, der mit Stroh vermiſcht iſt, verworfen, glatt geſtrichen, und mit Kalk, Gummi und Mos⸗ kauer Gruͤn uͤbertuͤncht, zuletzt mit einer Buͤrſte ge⸗ rieben, durch welche die Wand wie Marmor ſieht. Aermere Leute begnuͤgen ſich mit geringerer Tuͤnche. Alle Haͤuſer ſind beinahe auf folgende Art gebaut. In der Mitte iſt ein großer bedeckter Gang von 20— 30 Schuhen in das Gevierte, in ſeiner Mitte ein Seich voll Waſſer. Dieſer Gang iſt auf einer Seite offen, und von den Waͤnden bis zum Deich mit Tep⸗ 297 pichen belegt. In jedem Winkel desſelben befinden ſich Zimmerchen, um ſich niederſetzen und friſche Luft athmen zu koͤnnen. An dieſe ſtoͤßt von hinten ein großer Sal, deſſen Boden von Tepyichen, Matratzen und Kiſſen pranget, die nach dem Vermoͤgen des Hausbeſitzers mehr oder minder reich ſind. Zu beiden Seiten des Ganges ſind noch 2 andere Gemaͤcher nebſt vielen Thuͤren, wovon man aus der einen in die andere gehen kann. Die Wohnungen der Großen ſind eben ſo gebaut, nur daß ſie geraͤumiger ſind und anſtatt eines Sales, Divan genannt, 4 haben, welche nach den 4 Weltgegenden gebaut ſind und von 8 Ne⸗ benzimmern umringt werden. Der Koͤnigliche Pallaſt iſt auf gleiche Art aufgefuͤhrt. Die Gebaͤude haben ſelten mehr als 2 Stockwerke, die Zimmer ſind ge⸗ woͤlbt und der obere Theil des Hauſes oder das Dach flach. Damit durch dasſelbe Regen und Schnee nicht eindriugen kann, ſo iſt der Boden mit Lehm, worunter Stroh gemiſcht wurde, uͤberſtrichen und feſtgeſtampft, zuweilen auch mit großen in Oefen gebrannten Scha⸗ len aus Thon belegt. Die Haͤuſer ſind von Außen nicht ſonderlich ſchoͤn, immer aber ſehr nett und reich geziert,— die Fußboͤden wie die Waͤnde. Letztere ſind mit Voͤgeln und Blumen, jedoch nicht ſehr künſtlich gemacht. Die Perſer haben im Bauen ein ſonderliches Vergnuͤgen an kleinen Zimmern mit vie⸗ len Thuͤren und Fenſtern. Dieſe ſind von Holz oder Gips mit vielen eingeborten Oeffnungen, in denen 208 mannigfaͤrbige Glaͤſer eingeſetzt werden; jene ſind von Holz aus Tchinar ſchoͤn und zierlich gefertiget. Die Perſer koͤnnten auch Fenſter von Glastafeln haben, wenn ſie nur wollten, allein ſie vermeiden ſolche ab⸗ ſichtlich, damit man durch ſie nicht ihre Weiber ſehen moͤge. In die Wohnungen der Frauen kommt Nie⸗ mand als der Mann; daher auch der Hausrath darin nur mittelmaͤßig iſt. Alles Koſtbare, was die Perſer beſitzen, ſtellen ſie in den Saͤlen auf. Die Perſer, wie alle andere orientaliſche Voͤlker, wiſſen nichts von Betten, die uͤber die Erde erhaben ſind. Wenn ſie ſchlafen gehen wollen, breiten ſie auf den mit Teppichen belegten Boden eine Matratze oder genaͤhte Decke, worein ſie ſich wickeln. Im Sommer ſchlafen ſie unter freiem Himmel. Die Hauptſtadt des Landes, in der aber außer dem Meydan oder dem großen Marktplatze vor dem koͤniglichen Pallaſte und Zulpha nichts Merkwuͤrdi⸗ ges zu treffen iſt, heißt Iſpahan. Iſpahan, Spahan oder Sphaon, wie es die Perſer aus⸗ ſprechen, liegt unter dem 900 der Laͤnge und 450 der Breite in der Provinz Hierak, welche ein Theil des alten Perſiens war. Es beſtand uranfaͤnglich nur aus 2ꝛ an einander gelegenen Doͤrfern, deren eines Hai⸗ der, das andere Neamed Olahi hieß. Hievon haben noch die beiden Theile der Stadt ihren Namen. Cha Abas hat es erſt, nachdem er mehrere Laͤnder erobert hatte, weil es im Mittelpunkte des Koͤnigreichs 209 lag, zur Haupt⸗ und Reſidenz⸗Stadt erhoben. Zu⸗ vor waren die Haupt⸗ und Reſidenz⸗Staͤdte Caſbin und Sultanie. Die Stadt Iſpahan, die ſich ſeit dieſer Zeit zu der Groͤße, die ſie nun hat, erwei⸗ terte, liegt auf einer großen Ebene, die ſich nach drei Seiten gegen 15— 20 Meilen weit ausdehnt. Da dieſelbe bewaͤſſert werden kann, ſo iſt ſie auch aͤußerſt fruchtbar. Der Umfang von Iſpahan, die Vorſtaͤdte mitgerechnet, iſt nicht viel kleiner, als der von Paris, aber es iſt 10 mal weniger bevoͤlkert, als dieſes. Dieß kommt daher, weil jede Familie ihr Haus, und jedes Haus ſeinen Garten hat. Aus der Ferne ſieht man von der Stadt nichts als die Thuͤrme der Moſcheen, und die Baͤume um die Haͤuſer, ſo daß Iſpahan aus der Weite mehr einem Walde, als einer Stadt gleicht. Es hat aus Erde erbaute Mauern und zehn Thore. Seine Straßen ſind enge, uneben und ſehr finſter. Oft 200 Schritte geht man am Tage auf denſelben im Finſtern, was Folge der gewoͤlbten Gaͤnge iſt, welche man von einem Hauſe zu dem andern zu bauen pflegt. Sie ſind nicht gepflaſtert, und wie die Haͤuſer, nicht regelmaͤßig angelegt. Im Sommer hat man von dem feinen Staube, von welchem die Augen ſehr verdorben werden, auf denſelben viel zu leiden; im Winter von dem Kothe, in dem man bis an die halben Schenkel waten muß. Zu jeder Jahres⸗ zeit ſind ſie aͤußerſt unreinlich, da man die todten Thiere auf dieſelben wirft, und die Schlaͤchter das 47. B. Perſten. II. 2. 6 Blut des geſchlachteten Viehes auf ſelbe abfließen laſſen. Weſſen Vermoͤgen es immer zulaͤßt, der geht bei Regenzeit, wo die Straßen ſo kothig ſind, nicht zu Fuß, ſondern reitet und laͤßt ſich dabei von 2 Cha⸗ ters(Schnelllaͤufern) begleiten, welche vor ihm Platz zu machen haben. Dieſe Chaters bilden eine Innung in Iſpahau, und werden zum Schnelllaufen eigens abgerichtet. Im ſechsten und ſiebenten Jahre gewoͤhnt man ſie eine Meile Wegs ohne Unterbrechung laufend zuruͤckzulegen, in dem folgenden Jahre 2, und in den nachkommenden immer mehr. Solche Schnelllaͤufer gehoͤren zur Dienerſchaft der Großen und des Koͤnigs, welcher aber keinen annimmt, der nicht die Meiſter⸗ ſchaft erhalten hat. Hiezu gehoͤrt, daß der Schnell⸗ laͤufer von Aufgange der Sonne bis zu ihrem Nieder⸗ gange zwoͤlfmal bis zu einem 11/½ Meile von Iſpa⸗ han entfernten Steine und wieder zuruͤcklaufe, folg⸗ lich in dieſer kurzen Zeit 38 Meilen, einen Weg, der groͤßer iſt, als von Paris nach Orleans, zuruͤck⸗ lege. Sie laufen mit bloßen Fuͤßen, haben die Schenkel mit einem beſondern Fette eingeſalbt, und ſind, außer kurzen Beinkleidern und einem Guͤrtel um die Lenden, mit nichts angethan. Die Veſte von Iſpahan iſt unbedeutend, ſie beruͤhrt gegen Mittag die Stadtmauer, iſt zweimal laͤnger als breit, und hat außer etlichen runden ſchlechten Thuͤrmen, welche wie die ganze Veſte aus Erde gebaut ſind, ſonſt keine Wehr, Iſpahan gleicht mit Ausnahme des Mey⸗ 211 dans und Zulpha mehr einem Dorfe, als einer Stadt. Der Meydan iſt ein großer Platz, gegen„0o Schritte lang, und etwa 200— 300 Schritte breit. Er iſt viereckig gebaut, und um und um mit gewoͤlbten Gaͤngen verſehen. Die Gebaͤude, die ſich regelmaͤßig angelegt und an einander ſtoßend in dem ſelben befin⸗ den, ſind theils koͤnigliche Regierungs⸗Gebaͤude, theils Bazars,— Gewoͤlbe, worin fremde Kaufleute ihre Waare auslegen,— theils Werkſtaͤtte von Handwer⸗ kern, theils Kauflaͤden. Nicht ſowohl Zulpha, wel⸗ ches einige Julpha, andere Giolfa nennen„ denn jeder ſchreibt die Namen fremder Staͤdte, Laͤnder und Fluͤſſe, wie es ihm am beſten gefaͤllt, 3. B. nichts iſt merkwuͤrdig, als vielmehr der Weg dorthin. Dieſer fuͤhrt auf einer Ebene dahin, die etwa gleichweit von Iſpahan und Zulpha ein Fluß durchſchneidet, der durch viele Kanaͤle in die benachbarten Gaͤrten abgeleitet wird. Ueber dieſen Fluß, wie uͤber die Kanaͤle gehen ſchoͤne Bruͤcken. Zu beiden Seiten des Weges ſind koͤnigliche Gaͤrten, die angebaut und mit Baͤumen bepflanzt ſind. Sie haben großentheils Mauern mit ſchoͤnen Portalen, auch befinden ſich in ſelben Gebaͤude und Thuͤrme. Alles dieſes iſt fuͤr dieſe Gegenden wohl ſchoͤn, jedoch giebt es keinen Vergleich zu einer An⸗ lage Frankreichs, wo ein Privatmann ſchoͤneres beſitzt, als dieſes Koͤnigliche hier iſt. Zulpha iſt eine Kolonie Armenier, welche Cha⸗ Abas aus der Stadt Zulpha in Armenien hieher 212 verpflanzte. Es hat ſchoͤnere Straßen und Haͤuſer, als IFſpahan, ſſt ſehr bevoͤlkert und neben den Ar⸗ meniern noch von andern chriſtlichen Sekten bewohnt. Die Armenier haben hier 15— 16 Kirchen, mehrere Klöͤſter, einen Erzbiſchof und viele Biſchoͤfe. Sie ſind beinahe alle Kaufleute, und durch ihren Handel, wie durch ihre Klugheit und Sparſamkeit ziemlich reich geworden. Hier, wie in Iſpahan, giebt es auch katholiſche Moͤnche, Auguſtiner, Karmeliten, Kapuziner und Jeſuiten. Die Mehrzahl der Einwohner von Iſpahan ſind Muhametaner; doch zaͤhlt man darin auch Juden, die ſich vom Scha⸗ cher naͤhren, und gegen 10— 12,000 Banian en, in⸗ dianiſche Getzendiener. Man erkennt dieſe leicht an ihrer ſchwarzbraunen Farbe, noch mehr durch einen gelben, mit Safran auf die Stirne gezeichneten Flecken, welchen ſie nach ihrer Religion tragen muͤſſen. Nebſt⸗ dem haben ſie kleinere Kopfbuͤnde und Schuhe, die den unſrigen aͤhnlich, und oben mit Blumen geſiickt ſind. Sie haben ſehr viele Kenntniſſe von den Muͤnzen, und treiben Wechſelgeſchaͤfte. In ihren Haͤnden iſt beinahe alles Geld von Iſpahan. Obgleich man in Perſiten verſchiedene Religionen und Sekten antrifft, ſo haben doch nur drei vermoͤge ihrer Ueberzahl den Vorrang, naͤmlich die Muba⸗ metaner, die Gauern und die Armenier. Ihre Religionen ſind gleichſam die drei anfcenam nenen des Staates. 213 Die Lehre der Muhametaner iſt bekannt, ſie werden in 2 Sekten gecheilt, von welchen die Anhaͤn⸗ ger der einen Sumiten, die der andern Schuͤten beißen. Der Unterſchied beider Sekten beſteht nicht m Verſchiedenheit der Auslegung des Korans, ſondern in verſchiedener Meinung uͤber den wahren Nachfol⸗ ger Muhamets. Die Perſer gehoͤren zu der Sekte der Schuͤten. Da ſehr viele uͤber die Religion der Mu⸗ hametaner geſchrieben haben, moͤge dieſes wenige uͤber dieſelbe genuͤgen. Die Gauern, welche die Nachkommen der alten Perſer ſind, leiten ihre Religion von Ibrahim Ze⸗ rate ucht her, welcher ihr Prophet iſt. Sein Vater, welcher ſeiner Kunſt nach ein Bildhauer, und ſeiner Geburt nach ein Franke war, ſoll Azer geheißen baben. Er kam nach Babylon, um ſich dortſelbſt niederzulaſſen und nahm allda eine Frau Namens Doghdon. Von ihr erzaͤhlen ſte, daß ſie einmal Nachts ein Geſicht gehabt haͤtte, in dem es ihr vorge⸗ kommen, als beſuche ſie, auf Befehl Gottes, ein Engel vom Himmel, bringe ihr ſchoͤne Kleider„kleide ſie darein, und als wenn ſich uͤber ihr Antlitz ein himmliſches Licht ausgieße, von welchem ſie ſchoͤner als die Sonne geworden ſey. Bei dem Erwachen babe ſie ſich befruchtet gefuͤhlt, und nachher den Ibrahim Zerateucht geboren. Die Aſtrolo⸗ gen jener Zeit, ſo erzaͤhlen ſie ferner, ſeyen von der bevorſtehenden Geburt dieſes durch Gott geſendeten 214 Kindes, welches die Menſchen regieren und ihre Her⸗ zen beherrſchen ſollte, durch Geſtirne unterrichtet wor⸗ den, und haͤtten dem Koͤnige entdeckt, daß ein Kind, welches ihn ſeiner Krone berauben wuͤrde, geboren werde. Der Koͤnig, mit Namen Neubrout, ein Tyrann, wel⸗ cher das Koͤnigreich gewaltſam an ſich geriſſen hatte, befahl auf dieſe Nachricht, aus Furcht, dasſelbe wie⸗ der zu verlieren, alle geſegneten Frauen ſeines Reiches zu toͤdten, was auch vollzogen wurde. Allein durch ein Wunder wurde hiebei die Mutter und das Kind gerettet. Gott hatte es naͤmlich bei der Mutter ſo gefuͤgt, daß man an ihr die Schwangerſchaft nicht bemerkte. Auf ſolche Art iſt ſie dem Tode entgangen, und hat ſpaͤter das goͤttliche Kind geboren. Als ihr Mann, der bisher von dem Geheimniſſe nichts wußte, dieſes ſah, fuͤrchtete er, die Geburt dieſes Kindes, wenn der Koͤnig ſie erfahre, moͤchte ihm das Leben koſten. Er gieng daher hin, und machte dem Koͤnige die Anzeige, daß ſeine Frau wieder ſein Wiſſen ſchwan⸗ ger geworden, und ſich durch Liſt denjenigen, welche die Befruchteten zu toͤdten ausgeſendet wurden, ent⸗ zogen haͤtte. Er berichtete ihm auch, daß das Kind, als es zur Welt geboren geweſen, gegen alle Gewohn⸗ heit der Kinder, welche immer weinen, wenn ſie aus dem Mutterleibe kommen, gelacht habe. Der Koͤnig verwunderte ſich uͤber dieſen Vorgang, und ließ ſo⸗ gleich die Aſtrologen rufen, um von ihnen die Bedeu⸗ tung dieſes ſo ſeltſamen Vorganges, und was aus 7 21⁵ dem Kinde werden wuͤrde, zu erfahren. Da ihm dieſe nichts Gutes weiſſagten, ſo befahl er das Kind vor ihn zu bringen, und wollte es durch eigene Hand mit dem Degen erſtechen, was er aber nicht vermocht ha⸗ ben ſoll. Denn in dem Augenblicke, da er ſolches zu vollbringen verſuchte, ſoll ſein Arm verdorret ſeyn⸗ Der König, erzaͤhlen ſie, ſey durch dieſe Strafe nicht weiſe, ſondern vielmehr zornig geworden. Im Zorne befahl er ein Feuer anzuzuͤnden, das Kind hineinzu⸗ werfen und es zu verbrennen. Man vollzog den koͤnig⸗ lichen Befehl, aber umſonſt; denn das Feuer, ſtatt das Kind zu verbrennen, verwandelte ſich durch die goͤttliche Allmacht in ein Roſenbett, worauf es ſehr ſanft ruhte. Viele der Anweſenden ſollen bei dem Anblicke dieſes Wunders dem jungen Propheten ihr Herz zugekehrt und deswegen von dieſem Feuer ge⸗ nommen haben, was bis zur Stunde zum Andenken an dieſes Wunder, die Verehrer des Propheten unter ſich aufbewahren. Der Koͤnig wurde auch hierdurch nicht belehret und ſann auf andere neue Plagen fuͤr das Kind, verſuchte ſie auch, jedoch fruchtlos. Wegen ſeines und des Volkes Unglaubens ſchickte nun Gott eine Menge boͤsartiger Fliegen. Ein jeder, der von ihnen geſtochen wurde, ſtarb, wenn er ſich nicht ſo⸗ gleich vor dem Kinde niederwarf, und demſelben die Fuͤße kuͤßte. Auch dieſes Uebel beugte des Koͤnigs Halsſtarrigkeit nicht; da kam ihm eine ſolche Fliege in das Ohr, von welcher er, weil er ſich zu obigem 216 Rettungsmittel nicht verſtand, den Geiſt aufgab. Ihm folgte in der Regierung Cha⸗Glochtes. Auch er verfolgte bei dem Beginne ſeiner Regierung das Kind, welches von Tag zu Tag an Alter und Tugend zunahm, und ließ es in ein Gefaͤngniß werfen. Zur Strafe fielen von dem Leibpferde deſſelben, auf welchem rei⸗ tend er des Sieges gewiß war, die 4 Beine. Dieſes Ungluͤck nahm jedoch der Koͤnig zu Gemuͤthe, er be⸗ freite das Kind aus dem Kerker, und bat es, ihm ſei⸗ nen Unglauben zu perzeihen, und bei Gott zu bitten, daß das Pferd die Beine wieder erhielte. Der Pro⸗ phet that ſolches, wand ſich viermal im Gebete zu Gott, und ward erhoͤrt, denn auf ein jedesmaliges Bitten ſoll das Pferd wieder ein Bein bekommen haben. Auf dieſes neue Wunder bekehrte ſich der Koͤ⸗ nig nun vollends; aber um ſich ſeiner himmliſchen Sendung zu vergewiſſern, machte er demſelben den Vorſchlag, er und ſein Volk wollten ihn fuͤr einen Gott halten, und ſeiner Lehre Gehoͤr geben, wenn er ſich in ein mit geſchmolzenem Silber gefuͤlltes Becken ſetzen, und daraus eben ſo geſund und unverletzt, wie er hineingeſtiegen, herauskommen wuͤre. Der Prophet nahm dieſen Vorſchlag an, ſtieg in das Bad, nach⸗ dem es, wie der Koͤnig befohlen hatte, zugerichtet war, und kam, ohne daß ihm das Geringſte verletzt wurde, wieder aus demſelben heraus. Auf dieſes war der Koͤnig und ſein Volk ſeiner goͤttlichen Sendung gewiß, beteten ihn an, und gaben ihm den Namen 217 Zer⸗Ateucht, d. i. Silbergewaſchner. Von dieſem Augenblicke ſoll der Prophet, welcher nun ſah, daß ihn Jedermann in großer Ehre hielt, ſich verborgen haben, und Niemanden mehr zu Geſicht gekommen ſeyn. Wohin er gekommen, weiß Niemand anzugeben, einige meinen, er ſey mit der Seele und dem Leibe in das Paradies verſetzt worden, andere dagegen hal⸗ ten dafuͤr, er habe unterwegs bei Bagdad einen ei⸗ ſernen Sarg getroffen, habe ſich in denſelben gelegt, und ſey von den Engeln weggetragen worden. Die Gauern eignen ihm 3 Kinder zu, die aber noch nicht geboren ſind, obgleich ſie ſchon ihre Namen haben. Sie heißen Ouchider, Ouchiderma und Senoietho⸗ tius. Hinſichtlich dieſer geben ſie vor, daß, als einmal ihr Prophet ohne Schiff wunderbar uͤber einen Fluß ſich begeben habe, 3 Tropfen ſeines Samens in das Waſſer gefallen ſeyen, welche da bis an das Ende der Welt aufbehalten wuͤrden. Zu dieſer Zeit wuͤrde Gott eine ihm ſehr liebe Jungfrau ſchicken, welche von dem erſten, hierauf eine andere, welche von dem zweiten, dann eine dritte, welche von dem letzten Tropfen gedachten Samens befruchtet wuͤrde. Von dieſen wuͤrden Obengenannte geboren, von welchen Ouchider mit vielem Anſehen die Welt betritt, und durch ungemeine Beredſamkeit, die er durch Wunder unterſtuͤtzt, die Lehre ſeines Vaters Ibrahim empor und in Anſehen bringt, Quchiderma, der in der Welt gleiches Aufſehen erregen kaun, bilft ſeinem 218 Bruder, und ſteht ihm mit Predigen durch die ganze Welt bei. Dieſer wird 410 Tage der Sonne Lauf hemmen, um das Volk zu vermoͤgen, ihm Glauben zu ſchenken. Des Dritten Auftreten in der Welt ſoll glanzvoller, wie das der Fruͤheren ſeyn. Er wird aber auch vollends das Volk zur Aufnahme der Lehre ihres Propheten bringen. Wenn dieß alles geſchehen, kommt die Auferſtehung der Todten, bei welcher alle Seelen im Himmel und Hoͤlle wieder ihre Leiber erhalten, biebei ſchmelzen Berge und Metalle, fuͤllen die Hͤlle aus, und zerſtoͤren die Wohnung der Teufel. Nun beſteht auf der Welt nicht mehr der Unterſchied der Geſchlechter, ſie iſt ausnehmend angenehm zu bewoh⸗ nen, und jeder Menſch hat auf ihr ſeine eigene Wohnung, die ihm nach der Vielheit und der Art des Guten, welches er in ſeinem Leben geuͤbet, zugetheilt wird. Der groͤßte Wohlgenuß der Menſchen beſteht dann auf derſelben in der Anſchauung Gottes, und in beſtaͤndiger Lobpreiſung ſeiner und ſeines Propheten. Eine Lehre von ihnen iſt noch, daß vor der Auferſte⸗ hung Niemand, ſelbſt die Seelen im Paradieſe nicht, Gott und ſeine Engel ſchauen, mit Ausnahme eines Einzigen, der immer um Gott ſey, ihm diene und ſeine Befehle vollziehe. Die Gauern haben heilige Buͤcher, welche ihnen Gott auf das Anſuchen ihres Propheten, nach ſeiner Verſetzung in den Himmel, geſendet haben ſoll. An⸗ fangs erhielten ſie 7 Buͤcher. Sie enthielten das 219 Geſetz und die Art und Weiſe zur Seligkeit zu ge⸗ langen. Hierauf erhielten ſie noch 7 andere, welche die Erklaͤrung aller Traͤume, die man nur immer haben kann, geben. Zu dieſen erhielten ſie noch 7, die alle Geheimniſſe der Arzneikunſt beſchrieben, und die Mittel, ſich lange vollkommen geſund zu erhalten. Dieſe Buͤcher beſitzen ſie nicht mehr. Nach ihrer An⸗ gabe hat Alexander der Große bei Eroberung ihres Landes die 13 letzteren als einen Schatz mit ſich genommen, die erſteren aber, die in einer Sprache, welche nur die Engel verſtehen, geſchrieben waren, verbrannt. Die 14, welche von den⸗Traͤumen und der Arznei handeln, ſind nachmals verloren gegangen. Obgleich ſie dieſe Buͤcher nicht mehr haben, ſo be⸗ ſitzen ſie doch noch ein heiliges Buch, welches ich ſah. Es iſt ſehr groß, und mit Buchſtaben geſchrieben, die von den Perſiſchen, Arabiſchen und Indiſchen ganz verſchieden ſind. Dieſes Buch, ſagten ſie mir, ſey auf folgende Art entſtanden. Bei dem allgemeinen Blutbade Aler nders des Großen ſeyen einige ihrer Prieſter, welche ſie Cazi nennen, ſeinem Schwerte entgangen, indem ſie ſich auf die Berge fluͤchteten. Dieſe ſeyen nach Alexanders Tod zuſammengekommen, und haͤtten, da keine Buͤcher uͤbrig geweſen ſeyen, dieſes aus dem, was ihnen von dem Leſen der fruͤheren Buͤcher im Gedaͤchtniſſe ge⸗ blieben, zuſammengetragen. Dieſes Buch verſtehen die Cazi nicht; ſie haben aber andere Buͤcher, welche 220 dasſelbe ihnen auslegen. Wenn ſie in demſelben leſen, ſo verbinden ſie den Mund mit einem Tuche, damit die Worte nicht durch Vermiſchung mit der Luft verunreinigt werden. Nach der Religion der Gauern werden die Kinder nicht beſchnitten, ſondern bei ihrer Geburt etwas, das mit der Taufe uͤbereinkommt, vorgenommen. Etliche Tage naͤmlich nach der Geburt waſchen ſie daſſelbe mit Waſſer, in welchem einige Blumen ge⸗ ſotten wurden. Waͤhrend der Abwaſchung ſpricht der Cazi einige Gebete. Stirbt ein Kind vor ſolcher Abwaſchung, ſo halten ſie dafuͤr, daß dieſes das Kind zwar nicht an dem Eintritte in das Paradies hindere, daß aber ſolche Nachlaͤßigkeit den Eltern große Ver⸗ antwortung zuzoͤge, indem beſchriebenes Waſchen die Gnade und die Verdienſte des Kindes vor Gott ver⸗ groͤßern. Den Gauern ſind nach ihrer Lehre s Frauen zu nehmen erlaubt, wenn ſie ſolche ernaͤhren koͤnnen. Sie duͤrfen keine derſelben entlaſſen, und aus keiner Urſache ſich von derſelben trennen, als im Falle des Ehebruches und des Uebertrittes zur Muhametaniſchen Lebre. Jedoch auch in dieſem Falle muͤſſen ſie, bevor ſte dieſelbe entlaſſen, noch ein Jahr warten, und ſehen, ob ſie nicht Buße thue. Tritt dieſe ein, ſo legt der Cazi derſelben 3 jaͤhrige Buße auf, nach wel⸗ cher er beide wieder zuſammengibt. Dieſes Zuſam⸗ mengeben oder Eheeinſegnen beſteht darin, daß der 221 Prieſter in Gegenwart der anweſenden Zeugen den Braͤutigam und die Braut um ihre gegenſeitige Ein⸗ willigung fragt. Iſt dieß geſchehen, ſo nimmt der Cazi Waſſer, betet uͤber daſſelhe etwas, und waͤſcht beiden unter Ausſprechung etlicher Worte die Stirne. Hiemit iſt die Trauung zu Ende. Obgleich die Gau⸗ ern s Frauen haben duͤrfen, ſo wird ihnen doch nur eine unter obiger Feierlichkeit angetraut. Dieſe geht den uͤbrigen vier vor, und der Mann hat gegen ſie die Verbindlichkeit, ihr an jedem Feiertage oder am Sonnabende beizuwohnen. Nur wenn ſie 7 Jahre unfruchtbar befunden wurde, wird ihm eine zweite angeheirathet, wobei er jedoch die vorige behalten, und ſeinem Stande gemaͤß ernaͤhren muß. Die Ehe iſt unter ihnen bis in den dritten Grad verboten. Wenn Frauen oder Jungfrauen ihre Periode ha⸗ ben, ſo bleiben ſie nicht in ihrem Hauſe, ſondern be⸗ geben ſich auf das Feld, und verweilen dort in einer hiezu eigens gebauten Huͤtte bis zum Ende. Waͤhrend dieſer Zeit erhalten ſie ihre Nahrung dahin getragen. Iſt die Zeit ihrer Unreinheit voruͤber, ſo ſchicken ſſe dem Cazi, je nach Vermoͤgen, entweder ein Ziegen⸗ boͤckchen, eine Taube oder eine Henne, und begeben ſich nach Hauſe, wo ſie ſich baden, and einige ihrer Verwandten zu Gaſt bitten. Maͤnner und Frauen genießen unter den Gauern Wein und Branntwein, auch das Fleiſch der Schweine; jedoch duͤrfen ſie nicht geſehen haben, daß dieſelben * 222 irgend einen Unflat gefreſſen haben. In dieſem Falle iſt ihnen von jenem Schweine zu eſſen verboten. Ihre Haare ſchneiden ſie, wie andere Morgenlaͤnder, nicht ab, ſondern tragen ſie lang. Auch die Naͤgel ſchnei⸗ den ſie nicht ab. Sind ſie aber beides zu thun ge⸗ zwungen, ſo bringen ſie das Abgeſchnittene an einen dazu beſtimmten Ort. 5 Tage im Jahre duͤrfen ſie weder Fleiſch noch Fiſch, Butter und Eier genießen; einige Tage duͤrfen ſie gar nichts eſſen. Sie feiern 30 Feſttage, nach der Anzahl ihrer Heiligen, durch gewiſſe Feſtlichkeiten und Enthaltung von der Arbeit. Ihr vornehmſter Feſttag iſt der Tag der Geburt ihres Propheten. An dieſem geben ſie viel Almoſen. Im Jahre iſt auch ein Tag, wo ſich in Staͤdten und Doͤr⸗ fern die Frauen verſammeln, um die Froͤſche auf dem Felde zu toͤdten. Dieſes nebmen ſie zum Andenken an ihren Propheten vor, der von denſelben einmal ſehr ſoll gepeiniget worden ſeyn. Die Prieſter der Gauern haben einige Buͤcher kleiner und ſchlechter Bilder, welche die Hoͤllenſtrafen vorſtellen, beſonders die Strafen derjenigen, welche ſich in dem Leben mit der Suͤnde wider die Natur, vor welcher ſie große Abſcheu haben, befleckten. Sie leh⸗ ren, daß am Ende der Welt Hoͤlle und Deuſel auf⸗ boͤren, indem ſich Gott der Suͤnder, nachdem ſie ge⸗ nug gebuͤßet, erbarme, und dieſelben in den Himmel aufnehme. Wenn die Gauern in eine ſchwere Krank⸗ heit fallen, ſo bitten ſie ihre Prieſter zu ſich, welchen 223 ſie ihre Suͤnden beichten. Dieſe legen ihnen dann Allmoſen und andere gute Werke zur Buße auf, nach welcher ſie ihnen die Vergebung ihrer Suͤnden er⸗ theilen. Die Todten verbrennen ſie nicht, noch be⸗ graben ſie dieſelben. Sie haben außer der Stadt einen beſondern Platz, in welchem viele 7— 8 Schuhe hohe Pfeiler aufgerichtet ſind; an dieſe haͤngen ſie dieſelben mit ihrem Antlitze gegen Aufgang gekehrt. Sie blei⸗ ben dabei von Ferne ſtehen, beten und warten, bis Raben, welche in der Gegend in großer Menge ſich aufhalten, uͤber den Leichnam herfallen. Hackt einer der Raben das rechte Auge des Verſtorbenen an, ſo halten ſie dieſes fuͤr ein gutes Zeichen, und ſolche Perſon fuͤr gluͤcklich. Um ihre Freude daruͤber zu bezeugen, geben ſie viel Almoſen, und an jenem Orte ein großes Mahl. Wenn ein Rabe das linke Auge anhackt, ſo halten ſie ſolches fuͤr ein ungluͤckliches Zeichen, ſind daruͤber betruͤbt, und begeben ſich in der Stille nach Hauſe. Die Gauern heißen auch Feuer⸗Anbeter, aber mit Unrecht. Wie ſie ſelbſt geſtehen, ſo verehren ſie nur den einzigen Schoͤpfer Himmels und der Erde. Was das Feuer belanget, welches ſie aufbewahren, ſo ge⸗ ſchieht ſolches nur, wie ſchon erwaͤhnt, zur Erinnerung an das Wunder, das ſich mit ihrem Propheten zutrug. Ich bat, da ich mich zu Kerman aufhielt, mehremal, mir das Feuer zu zeigen, konnte aber dieſe Gunſt nie erhalten. Als Urſache, dieſe Bitte verweigern zu ——— 224 muͤſſen, erzaͤhlten ſie, daß dasſelbe auch der Kan von Kerman begehrt habe. Sie haͤtten dasſelbe auch ihm gezeigt, was ihnen aber uͤbel bekommen ſey. Denn als der Kan, der ſich unter dem heiligen Feuer etwas ganz beſonderes vorſtellte, nichts Unterſchiedenes von dem gewoͤhnlichen Ofen⸗ und Kuͤchenfeuer wahr⸗ nahm, ſo fluchte er und ſpie in dasſelbe. Ueber dieſe Entheiligung ſey das Feuer in Geſtalt einer weißen Taube entflohen, jedoch die Prieſter, die ſolches ſahen, haͤtten ſogleich gebetet, und Almoſen gemeinſchaftlich mit dem Volke gegeben, nach welchem das heilige Feuer in derſelben Geſtalt wieder an die vorige Stelle, von welcher es gewichen war, gekommen ſey. Die Prieſter vertheilen alle Monate von dieſem Feuer, und laſſen ſich ſolche Gunſtbezeugung theuer vezahlen. In Gegenwart dieſes himmliſchen Feuers legen die Gauern ihre Eide ab, und ſind dabei der Meinung, daß das⸗ ſelbe, ſo jemand falſch ſchwoͤre, ſie leicht verlaſſen koͤnne. Die Sprache und die Schrift der Gauern iſt ver⸗ ſchieden von der Perſiſchen. Die Gauern haben auch eine beſondere von der Perſiſchen unterſchiedene Klei⸗ dungstracht, und leben ſehr uͤppig. Haſen und Maul⸗ beere eſſen ſie nicht, weil ſie bei jenen, wie bei dieſen, aͤhnliches mit der Periode der Frauen entdeckt haben wollen. Sie halten ſehr hoch den Harn der Ochſen und Kuͤhe, den ſie zu allen Reinigungen gebrauchen. 4 Mit demſelben waſchen ſie ihre Kleider, wenn bei 225 dem Kaͤmmen des Bartes oder der Haare eines der⸗ ſelben auf dieſe gefallen iſt. Mit demſelben waͤſcht ſich der Cazi, wenn er ſich auf dem Wege durch zu⸗ faͤlliges Anſchauen eines Leichnams verunreiniget hat. Denſelben vermiſchen ſie mit Waſſer, in dem Wei⸗ denrinde und andere Kraͤuter abgeſotten worden ſind, und geben es zur Entſuͤndigung demjenigen zu trinken, welcher in eine Suͤnde gefallen iſt und dieſelbe be⸗ kannt hat. Solches Waſſer nennen ſie das Cazi⸗ Waſſer. Hat Jemand eine ſchwere Suͤnde begangen, ſo muß er 10 Tage in der Wohnung des Cazi aus⸗ harren. Waͤhrend dieſer Zeit erhaͤlt er nichts zu eſſen, als das, was ihm der Cazi zukommen laͤßt. Iſt dieſe Zeit bald zu Ende, und will er losgeſprochen werden, ſo muß er ſich nackt ausziehen, worauf ein kleiner Hund an des rechten Fußes große Zehe gebunden wird, mit dem er ein oder mehrere Tage, wie es der Cazi nach der Schwere der Suͤnde beſtimmt, in deſſen Haus herumgehen muß. So, nackt und mit dem Hunde am Fuße, bittet er dann den Prieſter, er moͤge ihn reinigen: denn, ſetzt er bei, was ihn belange, halte er ſich rein. Auf dieſes entgegnet ihm der Cazi, der Hund muͤſſe ihn reinigen: denn dieſer ſey reiner als er. Nun gießt er ihm vom obigen Cazi⸗ Jaſſer auf das Haupt, und laͤßt ihn davon trinken, auf welche Art er dann von ſeinen Suͤnden frei iſt. Diejenigen, welche maͤnnlichen Geſchlechtes ſind, neh⸗ men dieſe Entzuͤndigung in Gegenwart des Cazi vor, 47. B. Perſten. II, 24 7 226— die des anderen Geſchlechtes unterziehen ſich derſelben Bußuͤbung vor der Frau des Prieſters. Nach erlang⸗ ter Suͤnden⸗Befreiung ſind diejenigen, welchen ſolche gewaͤhrt wurde, ſchuldig, in dem Hauſe des Cazi alle ihre Freunde zu bewirthen, was oft hohen Aufwand fordert. Ich fragte einmal einen Prieſter, wie der Harn zu ſolcher Wirkung gekommen ſey, und wie man die reinigende Eigenſchaft desſelben erkannt habe. Auf dieſe Frage antwortete er mir, daß ſolche nicht erſt ihr Prophet aufgefunden, ſondern daß man dieſelbe ſchon laͤngſt gekannt habe. Es ſey aber hiebei auf folgende Art zugegangen. Zu Zeit der erſten Menſchen habe eine gewiſſe Perſon gelebt, deren Arm durch den Teufel ganz verdorben und ſchwarz geworden ſey. Dieſe ſey einmal auf dem Felde eingeſchlafen, wo zufaͤllig ein Tropfen Harn eines in der Naͤhe gra⸗ ſenden Ochſen auf ihren Arm ſiel. Wo der Tropfen hingefallen war, wurde der Arm ganz weiß. Der Schlafende ſey daruͤber erwacht, und waͤre, da er folches wahrgenommen hatte, dem Ochſen nachgegan⸗ gen, bis er wieder harnte, wo er ſeinen Arm dann dem ſolben unterhielt; wovon er auch ganz geſund und weiß wurde. Auf dieſe Weiſe ſey man zur Kenntniß der heilenden und reinigenden Eigenſchaft des Harnes gelaugt. Einige Thiere werden von den Gauern hochgeehrt, andere aber verabſcheuet. Diejenigen Thiere, die ſie hochachten, und denen ſie beſondere Ehre erzeigen, 227 ſind der Ochs, die Kuh und der Hund; diejenigen, welche ſie haſſen, ſind Schlangen, Nattern, Eidexen, Kroͤten, Froͤſche, Krebſe, Ameiſen, Ratten, Maͤuſe und hauptſaͤchlich die Katzen. Solche Thiere zu toͤdten balten ſie fuͤr verdienſtlich. Reiche Leute und Kranke. geben deßwegen armen Leuten Almoſen, um ſolche fuͤr ſie zu toͤdten. Sie glauben, daß, indem ſie die⸗ ſelben ausrotten, dadurch die Qual der Verdammten verringert werde. Erſtere Thiere halten ſie theils wegen des Nutzens, den ſie den Menſchen leiſten, tbeils wegen der Reinigung, die ſie durch dieſelben erwerben, ſehr werth. Die Armenier ſind Chriſten, die mit den Grie⸗ chen und Katholiken nahe verwandt ſind und ſich nur durch wenige Lehren und Gebraͤuche von dieſen un⸗ terſcheiden... Fuͤnftes Buch. Die Regierungsform Perſteus iſt unumſchraͤnkt monarchiſch und erblich. Der aͤlteſte Sohn tritt nach des Vaters Tode die Regierung an. Gewoͤhnlich laͤbt ſolcher ſeinen uͤbrigen Bruͤdern, um ſeines Thrones ſicher zu ſeyn, die Augen ausſtechen, und ſie in Ge⸗ faͤngniſſen feſthalten. Die Aemter des Reiches ſind erblich, und gehen vom Vater auf den Sohn uͤber; jedoch vertheilt ſie 228 der Koͤnig auch nach Willkuͤhr unter ſeine Sklaven, je nachdem er einem geneigt iſt, und ihn dazu tuͤch⸗ tig findet. ¹ Wie in jedem Staate, ſo giebt es auch in Per⸗ ſien 3 Staͤnde. Zum erſten Stand gehoͤrt der Adel, unter welchem das koͤnigliche Haus, die Kane und Soldateſca, uͤberhaupt alle Hof⸗ und Reichs⸗Beamten begriffen ſind. An dem Hofe des Koͤniges von Perſien findet man einen Hofmarſchall, Nezer oder Nazar; einen oberſten Kammerdiener, Mehter, welcher immer hinter dem Koͤnige gehet, und ihm die Sacktuͤcher nachtraͤgt. Dieſer hat, da er beſtaͤndig um den Koͤnig iſt, großen Einfluß auf ihn. Mancher ſolcher hat zur Zeit der Minderjaͤhrigkeit des Koͤniges oft das ganze Reich regiert. Solches Amt bekleidet immer ein ver⸗ ſchnittener Weißer. Hofaͤmter bekleiden ferner der Mir Akher Bachi, welcher der Oberſtallmeiſter des Koͤniges iſt. Die Pferde im koͤniglichen Marſtalle ſind auf den linken Schenkel gebrennt, die der Privaten auf den rechten. Mir⸗Chikar⸗Bachi iſt der Oberjaͤgermeiſter. Zenkon⸗Courichiſi iſt das Haupt derer, welche dem Koͤnige den Steigbuͤgel halten. Der Kelege⸗Courichiſi fuͤhrt des Koͤ⸗ nigs Degen. Der Oriaſe⸗Courichiſi traͤgt ſei⸗ nen Bogen und die Pfeile. Mehmender⸗Bachj heißt der Reichsreeremonienmeiſter; ſein Geſchäͤf iſt die Geſandten vor den Koͤnig zu fuͤhren. Der Hakin⸗ 229 Bachi iſt des Koͤnigs Leibarzt. Der Munedgin⸗ Bachi iſt der Hofaſtrolog. Der Chiraki⸗Bachi iſt der Kellermeiſter, der Karaſetache iſt des Koͤnigs Leibchirurg u. ſ. w. Unter den Reichsaͤmtern verwaltet das oberſte der Athemat⸗doulet. Er bekleidet dieſelbe Wuͤrde, wie der Großvezier am tuͤrkiſchen Hofe, hat aber nicht ſo viel, wie dieſer, zu fuͤrchten. Denn gewoͤhnlich ſterben die Beamten in Perſien eines natuͤrlichen To⸗ des, und werden bei Verbrechen hoͤchſtens in eine an⸗ dere Stadt des Koͤnigreiches verwieſen. Der Divan Begui iſt der oberſte Criminal⸗ und Polizei⸗Beamter. Der Deroga iſt der dem Vorigen beigeſetzter und untergeordneter Criminal⸗ und Poltzei⸗Beamter. Von dieſem geht der Inſtanzenzug zu jenem. Der Mir⸗ Abe, Waſſerfuͤrſt, hat die Aufſicht uͤber die Gewaͤſſer, beſonders uͤber die Bewaͤſſerung des Landes. Sein Amt iſt das eintraͤglichſte im ganzen Koͤnigreiche. Die Provinzen werden durch Kane regiert. Dieſe ſind in denſelben kleine Koͤnige und bekleiden ihr Amt lebenslaͤnglich. Sie haben nicht zu fuͤrchten, dasſelbe zu verlieren, wenn ſie ſich nicht ausgezeichnete Tyrannei erlauben, und dadurch das Volk aufregen. Unter den Kauen ſtehen die Sultane, welche kleinere Bezirke bevogten. Denſelben Wirkungskreis und die ausge⸗ dehnte Gewalt, wie die Kane, haben die Aſſefen, aber nicht denſelben Rang und Gehalt. Des Sparens wegen bat man in der einen oder andern Provinz 230 einen Kan abgehen laſſen, und dafuͤr einen Aſſef geſetzt. Die Kane waͤhlt der Koͤnig aus den Corſchien oder Goulamen, welche ſchoͤn von Koͤrper, und tapferer wie die Perſer ſind. Die eigentlichen Perſer ſind nicht ſchoͤn, was die Gauern und Guebern, in denen ſich das alte Perſer⸗Volk noch am reinſten erhalten hat, beweiſen. Dieſe ſind ſchwarzgelb und nicht wohl geſtaltet. Die Perſer heutigen Tages ſind von ſchoͤ⸗ nerer Farbe, hievon iſt aber die Verheirathung mit Georgierinnen, Cireaſſierinnen und andern Frauen zwiſchen dem ſchwarzen und kaſpiſchen Meere die Urſache. In Perſien giebt es ² Gattungen von Militaͤr, die eben ſo viele Armeen bilden. Dieſe 3 Arten ſind die Corſchien, die Goulamen und die Du⸗ fenkgien. Die Corſchien ſtammen von einem alten frem⸗ den Geſchlechte, welches wegen ſeiner Tapferkeit im⸗ mer in hoher Achtung ſtand. Sie ſind ein Nomaden⸗ Volk, und ſchicken ihre Kinder fruͤhzeitig dem Koͤnige, damit er ſie in ſeine Dienſte aufnehme. Bis dieſes geſchieht, unterhalten ſie dieſelben. Dieſe Corſchien ſind beritten, und erheben einen hohen Sold. Nicht ſelten werden einige aus ihnen zur Beſetzung der boͤchſten Aemter im Staate genommen. Man nennt ſte ſonſt auch Keſelbachen, Rothkoͤpfe, weil ſie vordem eine rothe Muͤtze auf dem Haupte trugen. Sie haben ihre Offiziere und einen General, welcher 231 Corſchi⸗Bachi heißt, und vom Koͤnige aus ihrem Stamme gewaͤhlt werden muß. Dieſen Corſchien uͤbertraͤgt es der Koͤnig, wenn ein Großer des Reiches hingerichtet werden ſoll. Man meint, daß der Koͤnig in Perſien gegen 20,000 Corſchien im Dienſte habe. Die Goulamen ſind Sklaven, oder Kinder von Sklaven. Groͤßtentheils ſind es deſertirte Georgier. Sie dienen zu Pferde, und moͤgen der Zahl nach ge⸗ gen 18,000 Mann ſeyn. Ihr General heißt Gouler⸗ Agaſi. Waͤhrend die Corſchien ſehr ſparſam, ſind dieſe aͤußerſt lebensluſtig und verſchwenderiſch. Sie gelangen nicht ſelten zu den hoͤchſten Ehrenſtellen. Unter ihnen bricht nicht leicht eine Empoͤrung aus, da ſie Sklaven ſind, und weder Verbindung noch Verwandtſchaft haben; deßwegen ſind ſie auch das von dem Koͤnige geſchaͤtzteſte Militaͤr. Die Bewaff⸗ nung derſelben beſteht in Saͤbel, Bogen und Pfeilen, einige fuͤhren auch Streitäxte, Armſchienen und Ca⸗ ſauette auf dem Kopfe⸗ Die Tufenkgier bilden das dritte Armee⸗Corps. Sie dienen zu Fuß, und haben zum Anführer den Tufenkgiler Agaſi. Solches Fußvolk wird aus dem Landvoike genommen. Es iſt kein ſtehendes Heer, ſondern folgt der Fahne nur bei beſonderm Aufgebote. Fuͤr einen ſolchen Fall werden ſie zu Zeiten geuͤbt. Jeder hat auch hiezu ſein Kleid und ſeine Bewaffnung im Hauſe. Wenn es die Noth erfordert, ſo kann dergleichen Truppen, die aus armen Bauern beſtehen, 232 der Koͤnig 50,000 auf die Beine bringen, ſie ſind aber im Kriege fuͤr ihn von geringem Gewinne. Der Koͤnig hat auch gegen 2000 Mann Leibwache. Schek Agaſi heißt das Haupt derſelben. Ihren Dienſt haben dieſe in dem koͤniglichen Pallaſte. Seemacht und Artillerie, mit Ausnahme einiger Kanonen in den Graͤnzfeſtungen und einiger nicht großer Schiffe, beſitzt der Koͤnig von Perſien nicht. Er hat jedoch den Tapigi Bachi, welcher ſein Ar⸗ tillerie⸗Oberſt und See⸗Admiral iſt. Den zweiten Stand im Reiche bilden die Geiſt⸗ lichen, die Gelehrten und die niedern Bedienſteten. Das Oberhaupt der Geiſtlichen iſt der Seder; er geht den Athematdoulet nach, und iſt der Mufti der Tuͤrken. Zwiſchen der Tuͤrkiſchen und Perſiſchen Geiſtlichkeit iſt jedoch der Unterſchied, daß dieſe neben ihrem geiſtlichen auch noch zu einem welt⸗ lichen Amte gelangen koͤnnen, jene aber nicht. Zu dem Amte des Seders gehoͤrt, neben der Aufſicht auf die Geiſtlichkeit und der Leitung der kirchlichen An⸗ gelegenheiten, noch die Verwaltung des Kirchenver⸗ moͤgens. Daher ſind oft 2 Seders. Einer hat unter ſich die Einkuͤnften der koͤniglichen Stifte, und heißt Seder⸗Cras, der andere die Einkuͤnften der Stiftun⸗ gen der Privaten. Sein Name iſt Seder el Man⸗ kufat. Unter dem Seder ſtehen der Scheik el Selom und der Cadi, welche die geiſtlichen Strei⸗ tigkeiten ſchlichten, und dem Ehegerichte vorſtehen. 233 In jeder Moſchee findet ſich ein Pichnama, welcher den Gottesdienſt haͤlt, mehrere Moulahs, welche alle Freitage den Koran auslegen, ferner ein Monteveli, welcher der Kirchendiener iſt, und ein Meeazen, welcher Morgens und Abends jeden Tages von der Moſchee herabruft:„Es iſt nur ein Gott, ſein Pro⸗ phet iſt Mahomet, u. m. a. Die Gelehrten ſtehen bei den Perſern in hoher Achtung. Um die Jugend in hoͤheren Kenntniſſen zu unterweiſen, beſtehen in den Staͤdten Kollegien. In denſelben erhaͤlt der Zoͤgling eine Kammer zum Be⸗ wohnen, welche er aber waͤhrend der Zeit ſeines Auf⸗ enthaltes ſelbſt mit Teppichen und Matratzen verſehen muß, und Unterricht von beſonders dazu angeſtellten Lehrern. Das Haupt derſelben heißt Mouderes. Man unterweiſet in den Kollegien in der Logik, Pho⸗ ſik, Mathematik, Geſchichte, Arzneikunde u. a. Die Buͤcher, nach denen gelehrt wird, ſind groͤßtentheils von einem gewiſſen Kodgia Neſir verfaßt. Man findet auch bei ihnen Werke von Ariſtoteles, Eu⸗ klid, Archimedes, Galen, Averoes, und Her⸗ mes Triſmegiſtus. Ihr vornehmſter Geſchicht⸗ ſchreiber iſt Rouzeel Sapha, der die ganze Welt⸗ geſchichte mit vielen Fabeln untermengt, beſchrieben bat. Die Perſer ſchicken die Kinder fruͤhzeitig in die Schulen, welche an verſchiedenen Orten errichtet ſind. Vornehme laſſen ihren Kindern Haus⸗Unterricht er⸗ iheilen. 234 1 Die Beamteten niederen Ranges ſind, wie die vom erſten Range, verſchieden, und koͤnnen leicht nach dieſen, welche ſchon genannt wurden, eingetheilt wer⸗ den. Einen großen Theil der niedern Beamteten bilden diejenigen, welche die koͤniglichen Gefaͤlle ein⸗ nehmen. Dieſe fließen theils aus dem Zoll, theils aus der Verpachtung der Laͤndereien, die beinahe alle dem Koͤnige gehoͤren und aus beſtimmten Abgaben der Handwerker, welche jaͤhrlich entrichtet werden, und Bonitche heißen. Zum dritten Stande in Perſien gehoͤren die Kauf⸗ leute und Handwerker. Erſtere treiben Handel mit inlaͤndiſchen und fremden Waaren. Mit jenen Waa⸗ ren handeln gewoͤhnlich nur Perſer und Juden, mit dieſen aber die Armenier. Die bedeutendſten Handels⸗ artikel ſind Seide aus Guilan, Corduan, Ronas, Pi⸗ ſtazien, Vieh u. a. Die Handwerker und Kuͤnſtler, welche man in Perſien trifft, ſind Schuſter, Schmiede, Meſſer⸗ und Waffenſchmiede, Gerber, Maurer, Schreiner, welche jedoch ſehr ſelten ſind indem die Perſer weder Seſſel, Tiſche noch Bettladen und Kommode gebrauchen, Seidenwirker, Weber, welche die Leinwand gewoͤhnlich auch durch Gummi mit Arabeſten bemalen, Toͤpfer, Buchd;zucker u. au. Die Perſer haben dreierlei Schrift, die Neſta⸗ lik, Chakeſte oder Divanni, und Neſkre heißt. Erſtere iſt die Schoͤnſchrift, die zweite die Kanzlei⸗ die 235 dritte die Currentſchrift. Sie ſchreiben mit kleinen indianiſchen Rohren auf baumwollenes Papier mit Dinte. Da ich der perſiſchen Schrift erwaͤhne, will ich auch der Sprache gedenken, die ſie in Belich, Seiascet, Feſchiſch und Cobahet abtheilen. Die perſiſche Sprache heißen ſie Belich. Solche iſt mit arabiſchen Worten, indem die perſiſche Sprache ſehr wortarm iſt, vermiſcht, und wird von den Ge⸗ bildeten geſprochen. Sciaſeet heißen ſie die tuͤrkiſche Sprache, welche bei Hof geredet wird. Arabiſch oder Feſchiſch reden nur die Gelehrten. Cobahet iſt die perſiſche Sprache gemeiner Leute. Obige perſiſche Sprache, Belich genannt, iſt die Hofſorache an dem Hofe des großen Moguls, des Koͤniges von Gol⸗ eonda und des Koͤniges von Viſapour. Die Gerichtspflege iſt in Perſten muͤndlich, und ohne alle Weitlaͤufigkeit; es bedarf dazu weder Anwaͤlte, noch ſonſt etwas. Der Kan iſt in ſeiner Provinz oberſter Richter, und repraͤlentirt den Koͤnig; doch iſt in jeder Stadt ein Divan⸗Beaui, der nur un⸗ ter dem Koͤnige ſteht, dem aber der Kan einen De⸗ roga an die Seite ſetzt. Beide ſind Kriminal⸗ Richter. In Perſien iſt die Polizei von vorzuͤglicher Beſchaf⸗ fenheit; ohne Furcht beraubt oder beſtohlen zu wer⸗ den, kann man das Land durchreiſen. An allen Fluͤſ⸗ ſen, Baͤchen und Gebirgspaͤſſen ſtehen Soldaten, Radars, welche jeden anhalten, und ihn fragen, 236 woher er komme, wohin er wolle, was der Zweck ſei⸗ ner Reiſe ſey, wer er ſey? Sieht ein Reiſender ihnen verdaͤchtig aus, und kann er ſich uͤber alles Gefragte nicht rechtfertigen, oder verraͤth er ſich ſelbſt in Reden, ſo fuͤhren ſie ihn ſogleich zum Kan oder zum Richter des naͤchſtgelegenen Ortes. Wird ein Kaufmann be⸗ raubt, ſo muß der Kan, in deſſen Gebiete der Raub vorftel, demſelben die geraubte Waare, um den Preis, wie der Kaufmann ſie in ſeinem Kaufmannsbuche ein⸗ getragen hat, erſetzen. Raͤuber und Diebe werden mit dem Tode beſtraft. Eine ſehr ſchoͤne Anordnung in Perſten iſt, daß von einem Polizeibeamten, Moh⸗ teſeb genannt, jede Woche am erſten Tage der Preis aller Lebensmittel ausgerufen wird. Hiebei bleibt es aber nicht bewendet, ſondern es wird auch ſtrenge Aufſicht gepflogen, ob dieſer Taxe nachgekommen wird. Der Uebertreter wird ſcharf beſtraft. Alle Lebensmit⸗ tel kaufen die Handwerksleute ſchon gekocht. Nichts wird dabei nach Maß, ſondern alles nach dem Ge⸗ wichte verkauft, ſelbſt der Wein wird dem Kaͤufer zugewogen. Die Sitten und Gebraͤuche eines Volkes richten ſich gewoͤhnlich nach ihren Religionen; ſo auch die der Perſer. Die Muhametaner unter denſelben beſchnei⸗ den die Kinder, ſie reichen dabei dem Kinde mehrere Zettelchen, worauf Namen geſchrieben ſind, welchen Namen nun das Kind ergreift, der wird ihm beigege⸗ ben. Sie nennen Niemand mit dem Familien⸗Namen, 237 ſondern ſagen, wie andere Orientalen, der Sohn des... Die Perſer ſind ſehr neugierig und aber⸗ glaͤubiſch, daher die Aſtrologen und Wahrſager, Ra⸗ mule, bei ihnen in großen Ehren ſtehen. Was ihnen ferner werth iſt, ſind ihre Kalender, Taknim, nach denen ſie ſich in Allem richten. Sie ſind zu unflaͤtigen und ſchmaͤhenden Worten ſehr geneigt; jedoch hoͤrt man nie einen Fluch aus ihrem Munde. Wollen ſie etwas beſtaͤtigen, ſo ſchwoͤren ſie, und bedienen ſich dabei folgender beider Schwuͤre: Serazire Cha, bei dem lieben Haupte des Koͤniges, oder Eryabigum- ber, bei dem Geiſte des Propheten. Die Perſer ſind ehrgeitzig, ſchmeichleriſch, und aͤußerſt Pracht lie⸗ bend, beſonders die Großen, deren Pferde ganz mit Gold und Silber bedeckt ſind. Zum Spielen ſind ſie nicht geneigt. Gluͤckſpiele ſind nach ihrem Geſetze verboten. Sie tanzen auch nicht; nur feile Maͤdchen tanzen bei Gaſtmalen zur Beluſtigung der Geladenen. Es giebt unter ihnen Taſchenſpieler, welche durch ihre Kuͤnſte bei Gelegenheit von Gaſtmalen Unterhal⸗ tung verſchaffen. Zum Waſchen und Baden vor dem Gebete, nach Beruͤhrung einer Unreinigkeit, nach dem Beiſchlafe u. ſ. w. ſind ſie nach ihrem Geſetze verbun⸗ den. Hiezu giebt es oͤffentliche Bade⸗Anſtalten, Vor⸗ nehmere haben auch eigene Baͤder in ihren Haͤuſern. Auf den Straßen in den Staͤdten tragen beſoldete Leute, Sakas genannt, Waſſer herum, welches ſie Jedem ohne Unterſchied zum Trinken darbieten. Die . 238 Kleidung der Perſer, wie der Perſerinnen, iſt reich und ſchoͤn. Die Franen, die ſehr ſchoͤn ſind, werden von Niemand als ihren Maͤnnern geſehen; ſie gehen nie aus, als in das Bad, wo ſie aber einen Schleier von Leinwand, aus dem nur die beiden Augen vor⸗ blicken, vor dem Geſichte haben. Wenn ein Gerin⸗ gerer einem Hoͤheren begegnet, ſo kniet er, um ihm ſeine Ehrerbietung zu bezeugen, nieder, und ſetzt ſich nach ihrer Art auf die Ferſe, worauf der Hoͤhere das Haupt beugt, und die rechte Hand auf die Bruſt legt. Eine Gewohnheit unter ihnen iſt noch, ſich an bohen Feſttagen zu beſuchen, und gegenſeitig Gluͤck zu wuͤnſchen.. In Perſien giebt es Aerzte und Apotheker, deren Wiſſenſchaft aber nicht ſehr groß iſt. Die gewoͤhnlichſte Kur beſteht unter ihnen in Diaͤt. Viele Krankheiten, die in Europa zu Hauſe ſind, kennen ſie gar nicht, z. B. die Gicht, die Blattern, Blaſenſteine u. a. Zur Erhaltung ihrer Geſundheit und als Vorbeugungs⸗ mittel gegen Krankheiten dient die Chinarinde, welche ſte im Fruͤhjahre gebrauchen, und unter Waſſer 12 bis 20 Tage trinken. Solche Rinde iſt ſehr leicht dem Verderben unterworfen und ſehr theuer. Ein Pfund gute Chinarinde koſtet gegen 100 Thaler. Das Jahr der Perſer faͤngt mit der Fruͤhlings⸗ Tag⸗ und Nachtgleiche an. Bei ihnen wird der Tag wie bei uns in 4 Theile, das Jahr in 12 Monate, die bald 30, bald 34 Tage haben, eingetheilt. Um 239 Mitternacht und bei dem Anbruche des Tages werden in jeder Stadt die Panken geſchlagen, und von andern Pfeif⸗ und Klang⸗Inſtrumenten begleitet. Die Perſer ſpeiſen nicht vornehm, in dieſer Hin⸗ ſicht ſind ſie ſehr nuͤchtern. Sie eſſen des Tages we⸗ gen der Seltenheit und Theuerung des Holzes nur einmal Gekochtes, naͤmlich am Abende. Mittag ge⸗ nießen ſie Kaͤſe, Brod und Obſt. Wenn ſie Gaſtmale geben, ſo kommen die Gaͤſte ſchon fruͤh, wo man ſich dann die Zeit bis zum Male, alſo bis zum Abende, mit Erzaͤhlen und Tabakrauchen vertreibt. Waͤhrend deſſen wird auch Obſt, Konfekt, Kaffee n. dgl. herum⸗ gegeben. Ihre gewoͤhnliche Speiſe beſteht in Rind⸗, Ziegen⸗ und Lammfleiſch, Waizenbrod, Reis u. a. Sie haben weder Meſſer noch Gabeln, ſondern ergrei⸗ fen alles mit der Hand. Fluͤſſige Speiſen eſſen ſte mit hoͤlzernen Loͤffeln. Tabak rauchen auch die Frauen. Eine Lieblingsſpeiſe von ihnen iſt der Opium. Ihre Getraͤnke ſind Wein, Hokemar, welcher aus Opium bereitet wird, und Bengue, ein widerwaͤrtiger bitte⸗ rer Trank, der aus Hanfblaͤttern und andern Kraͤutern gekocht iſt. Unter ihnen iſt Gewohnheit, daß ſie ſchon mit 9 oder 10 Jahren ihre Kinder verheirathen, die Armenier ſogar mit s oder 6 Jahren. Vermoͤge des mohame⸗ taniſchen Glaubens duͤrfen ſie nicht mehr als vier ehe⸗ liche Weiber, Nekha, haben, uneheliche aber, Amoutha, ſo viele ſie wollen. Auch iſt ihnen er⸗ 240 laubt, die erkauften Sklavinnen zu genießen. Die Kinder von allen werden fuͤr ehelich gehalten, und erben in gleichen Theilen gemeinſchaftlich das Vermoͤ⸗ gen des Vaters, jedoch erben 2 Toͤchter nur ſo viel als ein Sohn. Wenn ein Perſer eine Frau gemiethet hat, und die Zeit iſt voruͤber, ſo ſchickt er dieſelbe, ſo ſie ihm nicht ferner gefaͤllt, wieder fort; nur muß er ſich zuvor von ihr 40 Tage enthalten, um zu ſehen, ob ſie nicht befruchtet ſey. Die Kinder erben den Adel des Vaters, und zwar alle ohne Nuͤckſicht, ob ſie von der eheligen oder nur beigelegten Frau geboren ſind. Der perſiſche Adel heißt Negahet, und giebt vor, von Muhamet abzuſtammen. Die daher abſtam⸗ men heißen ſie Mir, Fuͤrſten, ihre Kinder aber Mirza, Fuͤrſten⸗Geborne. Wenn ein Kranker ſeinem Ende nahe iſt, zuͤnden ſie auf der Altane des Hauſes Feuer an, welches den Nachbarn ein Zeichen iſt, fuͤr den Kranken zu beten. Iſt er geſtorben, ſo erheben ſie ein entſetzliches Schreien, Heulen und Bedauern, wobei ſie ſich nicht ſelten die Haare ausraufen. Unter ſolchem Heulen erzaͤhlen ſie die Thaten des Verſtorbenen. Sie ſchicken dabei ſo⸗ gleich zu dem Cadi, welcher auf den Bericht des Bo⸗ ten dem Mour derch our die ſchriftliche Erlaubniß ſchickt, den Todten zu holen, und ihn in dem beſon⸗ ders dazu erbauten Hauſe zu waſchen. Waͤhrend die⸗ ſes geſchieht, verſammeln ſich die Moulahs mit Fahnen und anderem Gepraͤnge und tragen ihn unter — 241 beſtaͤndigem Rufen:„Allah! Allah!“ zu Grabe, Sie ſenken ihn in ſtehender Stellung in die Grube, und wenden ſein Angeſicht Mekka zu; Vornehme laſſen ſich nach Mekka ſelbſt begraben. Obſchon ich von Iſpahan nach Ormus ofters gereiſet bin, will ich hier doch nur meiner letzten Reiſe dahin im Jahr 1665 gedenken. Ich reiſte damals nach Indien. Von Iſpahan kam ich uͤber das Dorf Mahiar, und uͤber die große Stadt Comche in drei Tagen nach Yesdeeas, einer kleinen Stadt, die in einem Thale auf einem Felſen liegt, und durch ihr gutes Brod beruͤhmt iſt. Der Weg nach Mahiar fuͤhrte durch ein ſehr unfruchtbares Land, in dem man nicht einen Baum erblickte, nach Comche uͤber eine duͤrre Sandebene. Von Yesdecas ritten wir uͤber einen rauhen und ſteinigten Berg nach Dehigherdou, Nußdorf, und durch eine unfruchtbare Ebene nach Cuzkuzat, worauf wir, nachdem wir einen langen. kahlen Berg zuruͤckgelegt batten, das große Dorf⸗ 47. B. Perſien. II, 2. 8, N 242 Aſepas; dann das Dorf Ondgion, welches an einem Fluſſe, uͤber welchen eine Bruͤcke geht, liegt: ferner das Dorf Iman Sade, welches ſeinen Na⸗ men von einem in ihm begrabenen Propheten hat; zuletzt das jenſeits des Fluſſes Mayn gelegene Dorf Abgherme erreichten, von dem wir des andern Ta⸗ ges nach Schiras gelangten. Der Weg von Iman Sade nach Abgherme lauft uͤber einen Berg, auf dem nichts als bittere Mandelbaͤume ſtehen. Die Fruͤchte dieſer Baͤume werden nach Indien verſen⸗ det, und dortſelbſt in der Provinz Guzeratte ſtatt kleiner Muͤnzen verbraucht. Dieſes iſt der kuͤrzeſte Weg nach Schiras, oͤfters muß man jedoch des Schnees wegen von Yesdecas oͤttlich uͤber Tcheel⸗ minar dahin reiſen. Auf dieſem Wege, wenn man von dem Berge, welcher 1 1/2 Meile von Tcheelminar entfernt iſt, herabkommt, ſieht man rechts von der Landſtraße 12 aufrecht ſtehende in das Viereck gebaute Saͤulen. Dieſe, von denen einige ſtehen, andere um⸗ liegen, ſind ſehr alt, und mit verſchiedenen nicht ſehr künſtlichen Fisuren behauen. An ſie ſtoßen kleine viereckige dunkle Kammern. Ich habe viele Pagoden in Indien geſehen, in deren Erinnerung mir vorkam, daß Tcheelminar ehemals ein hoͤlzerner Tempel ge⸗ weſen ſey. Wenigſtens wenn man den Ueberfluß an Waſſer hierorts betrachtet, ſo ſcheint kein Ort in Perſien beſſer, als dieſer daiu tauglich geweſen zu 243 ſeyn. Die dunklen Kaͤmmerchen gehoͤrten fuͤr die Prieſter, die hier ihr Obſt und ihren Reis verzehrten, damit ja keine Muͤcke unter ſelbe kaͤme. Schiras, eine der vornehmſten Staͤdte Perſiens, liegt unter dem 780 15, der Laͤnge, und dem 290 36“ der Breite auf einer Ebene, die ſich von Nord gegen Suͤd vier Meilen, und von Weſt gegen Oſft gegen fuͤnf Meilen ausdehnt, von da aber von einem duͤrren kahlen Gebirge umringt iſt. Die Stadt iſt nicht ſchoͤn, und jetzt zum Theil verfallen, beſonders die Mauern, welche wie die Haͤuſer von Erde erbaut ſind. Nur einige ſchoͤne Gebaͤude hat Schiras, unter welchen einige Tempel, das Collegium des Iman Couli Kan und etliche Thore gehoͤren. Die Umgegend von Schiras iſt ſehr fruchtbar, vorzuͤglich an Wein, welcher der beſte im Orient iſt. Es hat mehrere Glas⸗ und Roſen⸗Waſſer⸗Fabriken; auch treibt es ſtarken Handel mit Obſt, als: Gurken, Citronen„Birnen, Aepfeln, Pflaumen, Kirſchen u. a., welche hier in Eſſig eingemacht und nach Indien, Sinnatra und Batavien verſendet werden. In Schiras leben gegen 500 Juden⸗Familien, welche von dem Stamme Levi zu ſeyn vorgeben, hier iſt auch der von den Perſern hochgeprieſene Dichter Sadi be⸗ graben. Dieſe Stadt iſt vorzuͤglich merkwuͤrdig durch ihre Umgebung. In derſelben finden ſich ſehr viele Gaͤrten, 244 in welchen in Becken weit hergeleitetes Quellwaſſer aufgefangen wird. Nordweſtlich von der Stadt, bei dem Ausgange derſelben, iſt ein Gang, der an den Gar⸗ ten Bag⸗Cha(königlichen Garten) ſtoͤßt. Das Sei⸗ tengemaͤuer dieſes großen Ganges, in dem ſich in ge⸗ wiſſen abgemeſſenen weiten Entfernungen 3 geſetzte Steine, Mils genannt, befinden, iſt verfallen. Eine Meile ſuͤdlich von der Stadt iſt ein von dem großen Berge geſonderter Huͤgel, auf welchem noch 3 uͤbrig gebliebene Thore eines Goͤtzentempels ſtehen.(Die Ruinen von Perſepolis.) Sie waren 4 Thore, eines davon aber, das ſuͤdliche iſt eingefallen. Die Thore beſtehen aus 3 Steinen, von denen die beiden aufrechtſtehenden mit Abbildungen geziert ſind. Eine der Figuren, welche die Arme ausbreiten, hat in der einen Hand ein Gefaͤß, in dem eine Flamme auf⸗ lodert, in der andern ein Tuch. Die andere hat in der einen Hand einen Beutel, in der andern, etwas einer Kugel aͤhnliches. Die Figuren ſind in Lebens⸗ groͤße gearbeitet. Nicht weit von hier, etwa 1⁄½ Meile entfernt, findet man am Fuße eines Berges in dem Winkel deſſelben 4 rieſengroße Figuren in einen Felſen gehauen. Die zur Linken hat einen großen Bund auf dem Kopfe, wie ſolchen der Großvezier und die Baſcha zu tragen pflegen, wenn ſie in den Divan gehen. Vom Bunde bis zur Mitte der Stirne reicht eine Binde aus Haaren geflochten, deren Ende am Halſe 245 dicke Spangen bildet. Sie iſt mit einem Rock nach altem Schnitte bekleidet, und hat an der Seite einen Dolch. Solchen Dolch bemerkt man auch an der andern Figur, die ſich von der vorigen jedoch unter⸗ ſcheidet, indem ſie ſtatt eines Bundes eine Infel auf dem Kopfe traͤgt. Die anderen Figuren breiten die Arme aus. Eine derſelben gleichet einer Manns⸗ die andere einer Frauensperſon. Es ſcheint, als wenn jene dieſer eine Blume darbiete. Saͤmmtliche Figuren ſind ſehr verdorben, und an ihnen ſchwer zu erkennen, was ſie worſtellen. 1 Von Schiras kam ich in s Tagen zur kleinen Stadt Jarron, um welche eine unzaͤhlige Menge Palmbaͤume ſtehen, ſo daß ſie mehr einem Walde, als einer Stadt gleichet, worauf ich in 4 Tagen Bena⸗ rou, eine ebenfalls kleine Stadt erreichte, welche an der Graͤnze der Provinz Fars und des Reiches Lar, welches hier anfaͤngt, liegt. Auf dem Wege hieher trifft man nur Karavanſen an, man kommt auch ſehr vft uͤber Berge, unter denen der Berg Jarron, in der Naͤhe der Stadt dieſes Namens, der hoͤchſte iſt. Im Ueberſteigen deſſelben ſah ich eine Bruͤcke, welche von einem Berge uͤber einen jaͤhen Abgrund zu einem andern Berge ſehr kuͤnſtlich und kuͤhn geſprengt war. Lar, wohin ich von da in 2 Tagreiſen kam, iſt die Hauptſtadt einer eben ſo genannten Provinz, die ehedem den Titel eines Koͤnigreiches fuͤhtte. Dieſe 246 Stadt iſt von mittlerer Groͤße, liegt um einen Felſen, auf deſſen Gipfel ein Schloß iſt, und iſt ringsum von Bergen umgeben. Deſſen Einwohner ſind groͤßten⸗ theils Juden. Es hat kein Waſſer, außer dem, das in Ciſternen aufgefangen wird, mit dem man ſo ſpar⸗ ſam, wie mit Wein umgeht. Gewoͤhnlich erhaͤlt man das Waſſer aus den Ciſternen faul, woher eine eigene Kran kheit dieſer Gegend, nach der den Einwohnern Wuͤrmer in den Schenkeln und den Fuͤßen wachſen, der auch ich unterlag, ihren Urſprung hat. Hier in Lar wechſeln die Karavanen, die nach Ormus ziehen, die Kameele, was Noth thut: denn wegen des heißen Climas wuͤrden die Kameele, die man bisher gebraucht, nicht ausdauern. In 6.Tagen kamen wir nach Ormus. Ormus liegt unter dem 29⁰ 45“ der Laͤnge, und 160 30˙ der Breite am Eingange des Perſiſchen Meerbuſens, ge⸗ gen 2 Meilen vom Lande. Dieſe Inſel hat etwa 3 Meilen im Umfange, und bringt weder Gras noch Baͤume hervor, ſondern iſt ganz von gutem und ſchneeweißem Salze bedeckt, ſo daß ſie nicht einmal ſußes Waſſer hat, außer dem was in Ciſternen zur Regenzeit aufgefangen wird. Ihr gegenuͤber auf dem feſten Lande liegt Gomron oder Bander Abaſſi. Es iſt eine ſchoͤne und große Stadt, die groͤßtentheils von Kaufleuten bewohnt wird, welche hier die Waaren aus Igrien umladen und zur See nach Europa brin⸗ gen. Der Aufenthalt in ihr iſt außer den Monaten Dezember, Januar, Februar und Maͤrz wegen der großen Hitze aͤußerſt ungeſund und lebensgefaͤhrlich. In den nicht genannten Monaten weht ein Wind aus Weſt, oder von Suͤd⸗Weſt, der ein Fieber bei dem Menſchen, der da nicht geboren iſt, verurſacht, an welchem er ſtirbt oder doch lebenslaͤnglich davon die Gelbſucht mit ſich herumſchleppt. Dieſer Wind iſt zu Zeiten erſtickend heiß, und erſtickt auch wirklich. Um ſeiner ſchadenden Wirkung vorzubeugen, iſt keine Huͤlfe, als zur Zeit, in der er weht, ſich auf die Erde zu legen. Die Araber nennen dieſen Wind Samiel, die Perſer Bade Sambour. Die vermoͤgenderen Einwohner halten ſich zur Zeit, da er wehet, beſtaͤndig mit ihrer ganzen Familie im Bade auf, was aber auch nachtheilige Wirkung fuͤr die Geſundheit hat, andere verlaſſen Gomron, und begeben ſich in ge⸗ ſundere und kuͤhle Gegenden. Merkwuͤrdig iſt, daß das Fleiſch der Menſchen, die von dieſem Winde, der gemeiniglich im Junius, Julius und Auguſt wehet, erſtickt werden, ſogleich ſich klebrig anfuͤhlt, wie Fett oder das Fleiſch von Menſchen, welche ſchon Monate lange todt ſind.