deutſcher, engliſcher un tinches. Lieratur Ednard Oltm in Gießen, Schloßgaſſe Lit. Lit. A. Nr. 256. Leih- und Jeſ Teſebedingungen. 1. Offensein der Bibliothek. Die Bibliothek ſteht zur Em⸗ pfangnahme und Rü⸗ Kebe der Bücher jeden Tag von Morgens 4 7 Uhr bis Abends 8 Uhr offen. 2. Lesepreis. Bei Rückgabe eines geliehenen Buches wird von jedem Tag 5 Pf. bezahlt. Die Zeit eines Tages iſt zu 24 Stun⸗ den angenommen. 3.(aution. Unbekannte Verſener müſſen, bei Entgegennahme eines Buches, eine dem Werthe deſfelben entſprchende Summe hinterlegen, welche bei deſſen Zurü wir 4. Abonnement. Daſſelbe muß voraus bezahlt werden und eträgt gabe von mir zurückerſtattet für aaachentlich 2 Bücher: 4 Bücher: 6 Büchen: ———— 2 e e anſ 1 Monat: 1 Mt.— Pf. 1 Mk. 50 Pf. 2 Mk.— Pf. 33 4 3 5. Auswärtige Abonnenten haben für Hin⸗ und Zurückſendung der Bücher auf ihre eigenen Koſten und Gefahr ſelbſt zu ſorgen. 6. Schadenersatz. Für beſchmubte⸗ zerriſſene, verlorene und defecte Bücher(namentlich bei ſolchen mir Kupfern dc.) muß der Ladenpreis erſetzt werden.— Iſt das zerriſſene, beſchmutzte, ver⸗ lorene oder defecte Buch ein Theil eines größeren Werkes, ſo iſt der Leſer ee Erſatz des Ganzen verpflichtet. 17 Ausleihezeit. Dieſelbe 14 auf 14 Tage feſtgeſetzt und wird 16 das 3 weirrperkeihen —— 2 v“ 1 II Tecr deKi eon Tarie„ Xedu I2, 3 ATLAN TIS un “ b Kreereon„ 3 1 V b o o E 7002 V V V Wendekreis 12 — — Aaui Gezeiclme lon Iae Vn. llin o. Nurnberg, ber Miuubenetrieker nnd ulibnern h, 9.,3 0 4 Snisen d dermilia Die Viuga,eoliuhe 759— le Peuwltee e Su u 22nse, nn, maemn weue Sh 2 des Steinbocles P NJ —. 3 ludoeriguel d 8 — — mmeeemk eeemn e u un————— eEr— 70 5 9 5 79 75 20 25 30 33 8 4—— —— — Taſchen⸗Bibliothek . der wichtigſten und intereſſanteſten See⸗ und Land⸗Reiſen, von der Erfindung der Buchdruckerkunſt bis auf unſere Zeiten. Mit Landkarten, Planen, Portraits und anderen Abbildungen. Verfaßt von Mehren, 1 und herausgegeben von Joachim Heinrich Jaͤck, Koͤnigl. Bibliothekar zu Bamberg. 46. Bändchen. Mit einer Charte. I. Theil. 1. Bändchen von Afrika. ————V————ÿ—ꝛ—ꝛꝛ—:O—ͤ— 1 Nürnberg. Verlegt von Haubenſtricker und von Ehner. 182 9. Taſchen⸗Bibliothek de r wichtigſten und intereſſanteſten I eiſen durch Afrika. Mit Landkarten, Planen, Portraits und anderen Abbildungen. Veer f aß 1 von Mehren, und herausgegeben 4 von Joachim Heinrich Jaͤck, Koͤnigl. uihiorjepar zu u Dunnber. I. Theil. 1. Bändchäne Nürnberg. Verlegt von Haubenſtricker und von Ebner. 1.8 2 9. Literatur der Reiſen von Afrika im All⸗ gemeinen. Die erſte Kenntniß dieſes Welttheiles verdankt die Nachwelt dem griechiſchen Werke eines gewiſſen Hanno, Koͤnigs aus Karthago, von welchem der uͤber die Aechtheit der Sorache zu aͤngſtige Englaͤnder H. Dodwell die beſte Belehrung ertheilte. Auch Cajus Plinius Secundus, und der Geograph von Nubien gaben einige Nachrichten.— Nach der Wiedergeburt der Wiſſenſchaften war der edle Vene⸗ zianer Aloys da Cadamoſto der erſte Bericht⸗ Erſtatter, welcher in ſeinem 24. Lebensjahre 1454 auf Befehl des Infanten Heinrich von Portugall den Ozean durchſchiffte.— Die Reiſe Alex. Geraldi⸗ ni's aus Ameria bei Spoleto, welcher von 1496 bis 1515 Biſchof in Apulien war, und als erſter Bi⸗ ſchof von St. Domingo 4524 geſtorben iſt, iſt ſehr ſelten, und um ſo wichtiger, als er ſchon 1520 die von ihm beobachteten Sitten, Gebraͤuche und Laͤnder von faſt ganz Afrika und Umgebung beſchrieb; ſie 6 wurde erſt 4631 zu Rom von ſeinem UHrenkel in ita⸗ liſcher Sprache herausgegeben.— Der beruͤhmte Biograph Arabiſcher Aerzte und Philoſophen, Joh. Loͤw aus Spanien, verfaßte eine arabiſche Beſchreibung ſeiner Reiſe durch ganz Afrika, welche er ſelbſt 1526 zu Rom in das Itgliſche uͤber⸗ ſetzte, aus welchem ſie in das Lateiniſche, Franzoͤſiſche, Engliſche und Hollaͤndiſche uͤberging. Ludwig del Marmol Caravajal aus Granada benutzte ſeine Kriegsdienſte 4535— zs in Afrika unter K. Karl V. zur ausfuͤhrlichen Beſchreibung des noͤrdlichen Landes, welche in das Franzoͤſiſche und Lateiniſche uͤberſetzt wurde.— Der Hollaͤnder Jan Huggen van Lin⸗ ſchoten gab eine Beſchreibung aller Afrikaniſchen Laͤnder und Inſeln heraus, welche er auf ſeiner Reiſe beruͤhrt hatte.— Daß die Beſchreibung der Afrikani⸗ ſchen und Spaniſchen Alterthuͤmer von Bern. Al⸗ drete aus Cordova nicht in mehrere lebende Sprachen uͤbertragen wurde, wird jeder Literat bedauern. Der Franzos, J. B. Grammaye, ſchilderte die Berberei, wo er gefangen war.— Je weniger Licht die Be⸗ richte von Jean Armand, Le Blanc, Birago und Chaulmer verbreiteten, deſto ſchneller wurde die gehaltrei che hollaͤndiſche Beſchreibung von Ol. Dapper in das Deutſche, Engliſche und Franzoͤſiſche uͤberſetzt.— Dieſe Vorarbeiten verſchmolz de la Croix in ein vollſtaͤndiges Ganze.— Nicht uninter⸗ reſant iſt die Beſchreibung von Afrika, welche der 7 Englaͤnder Th. Skyner nach ſeiner Befreiung aus der Sklaverei der Algierer durch A. Robert mit⸗ theilen ließ; aber ohne Gewinn fuͤr die Wiſſenſchaft, deſto mehr Froger's Seereiſe 1695— 97.— Doch Niemand hatte das innere Afrika ſo ſachkundig er⸗ forſcht, als Fr. Moore; daher ſeine Reiſe auch in mehrere Sprachen uͤberſetzt, und in verſchiedene Samm⸗ lungen aufgenommen wurde.— Zwar iſt das Gluͤck der Ueberſetzung in das Franzoͤſiſche, Engliſche und Deutſche auch den Ausſagen des Gaudentio di Lucea vor der Inquiſition zu Bologna begegnet; allein die Nachwelt uͤberzeugte ſich bald von ſeinen Unwahrheiten.— Keiner Beachtung iſt werth der 4754 auch verteutſchte Bericht des Daͤnen Hark Oluf.— In der neueſten Zeit erwarben ſich be⸗ ſondere Verdienſte um die Kenntniß von Afeika Lady Montague, Mackintoſh, Sullivan, Thun⸗ berg, Olivier, Chateaubriand, Abu Taleb Mirza Khan, Mayr, Jardine, de Jong Bla⸗ quiére, Poivre, Langſtedt, Tho man n, von Wurmb, v. Wolzogen, Cuhn, Mrion, d⸗ bertſon, Hollingworth, Nor den, Browne, Volney, Savary, Sonnini, Antes, Denon, Legh, Hamilton, Light, Belzoni und A. Menouu, Minutoli zc. Da nur allein Aegypten nach ſeinen inneren Verhaͤltniſfen dem großen Publikum ſehr bekannt, die meiſten uͤbrigen Laͤnder ader ſehr unbekannt ſind, 8 ſo halten wir fuͤr zweekmaͤßig, eine kurze Ueberſicht der einzelnen Laͤnder des noͤrdlichen, mittleren und fuͤdlichen Afrika nebſt den um daſſelbe liegenden Inſeln von den wichtigſten Reiſen mitzutheilen, um die Wuͤrdigung der à folgenden Karten zu erleichtern, welche das ganze Afrika umfaſſen.— A. Nord⸗Afrika. begreift von Oſt nach Weſt nachſtehende Laͤnder und Staaten: I. Aegypten, ein vormaliges Koͤnigreich, jetzt ein tuͤrkiſches Paſchalik, doch mit einer ganz eigenen ariſtokratiſch⸗militaͤriſchen Verfaſſung. II. Die Berberei(oder Breberei, irrig Bar⸗ barei) nach ihren Ur⸗Einwohnern, den Brebern, ſo benannt, nimmt den ganzen Kuͤſtenſtrich laͤngs des Mittelmeeres ein, und begreift folgende, von einander unabhaͤngige, Staaten und Laͤnder: I. Das Koͤnigreich Tripoli— eine Art von monarchiſchem, unter tuͤrkiſcher Oberhoheit ſtehendem Staate, deſſen Regent, Bey genannt, obgleich er Tribut bezahlen muß, doch ein Deſpot iſt, deſſen Ge⸗ walt keine Schrauken kennt. Zu dieſem Koͤnigreiche gehoͤrt auch groͤßten Theils das ſogenannte Koͤnigreich Barka, zwiſchen Tri⸗ poli und Aegypten, wo: 1) Augila, freie Stadt und Gebiet unter tripoli⸗ taniſcher Oberhoheit. 9 2) Siwah, kleine Republik. Ein anderer Theil von Barka ſteht unter tuͤr⸗ kiſcher Herrſchaft, und wurde bisher von einem Sand⸗ ſchack regiert. 3) Das Koͤnigreich TDunis— auch unter einem wenig beſchraͤnkten Bey, unter tuͤrkiſcher Ober⸗ herrſchaft, der jedoch beinahe gauz ſouve⸗ raͤn iſt. Dazu gehoͤrt Belad⸗al⸗Sgherid(Dattelland) im engeren Verſtande. 4) Das Koͤnigreich Algier(Aldſchier, richtiger Aldſcheſir), ein militaͤriſch⸗ariſtokratiſcher Staat unter einem Dey, der jedoch nicht ganz ſou⸗ veraͤn iſt. Die Franzoſen haben in dieſem Lande die Han⸗ dels⸗Niederlaſſung la Calle. 5) Das Marokkanzſche RKeich, oder das Staatsgebiet des(deſpotiſchen) Scherifs von Marokos und Fes, beſteht aus den Koͤnig⸗ reichen Marokos, Fes uns Tafilet nebſt einigen Nebenlaͤndern, und nimmt den nord⸗ weſtlichen Theil von Afrika ein. Die Spanier beſitzen auf der Kuͤſte dieſes Landes die Feſtungen: Ceura, Penon de Velez und Melilla. 6) Die im Innern liegende Landſchaft Belad⸗ al⸗Sgherid(d. h. Dattelland, gewoͤhnlich 10 Biledulſcherid genannt) begreift im weitern Verſtande: 1. Die Landſchaften Drah, Tafilet und Ses⸗ ghelmefa, welche zu Maxrokko gerechnet werden. 2. Die zu Algier gehoͤrige Landſchaft Za b⸗ 3. Die Landſchaft Belad⸗al Sgherid im en⸗ geren Verſtande, welche einen Theil des Staats⸗ gebiets von Tunis ausmacht.. 4. Das vormals von Tripoli abhaͤngige ſonveraͤne Koͤnigreich Fezzan oder Feſſan, das zwiſchen der Sahara, den Gebirgen Zittan und Ti⸗ beſti und der Lybiſchen Wuͤſte liegt, durch die es von Aegypten getrennt wird. 5. Die Laͤnder der Tibbo, weſtlich, ſuͤdlich und oͤſtlich von Feiszau. 6. Das Land der Tuarik's, eines nomadiſchen Volks, weſtlich von Fezzan. 7. Die Landſchaft Lewata, oͤſtlich von Fezzan. III. Die Sahara oder große Wuͤſte, die jedoch guch nicht ganz unbewohnt iſt, begreift: 1) Die Laͤnder des Mon ſichars, Wad elims, Lebdeſſebas, Trarzas u. ſ. w. auf der Kuͤſte des Atlantiſchen Meeres, von arabiſchen Nomaden bewohnt, die meiſt in patriarchaliſcher Verfaſſung unter Stamm⸗Oberhaͤuptern leben. Hier ſind die eintraͤglichen Gummiwaͤlder, an 11 der Kuͤſte die Inſel Arguin, und auf der Kuͤſte die vormalige franzoͤſiſche Niederlaſſung Portendik. 2) Im Innern des Landes der Tuarik's, die Laͤnder Gualata, Twat, Haher, Tagana, Dſchofſr, ſo viel man weiß, von gleicher Verfaſſung. B. Mittel⸗Afrika. begreift von Weſt nach Oſt folgende Laͤnder und Staaten. I. Nigrizien, oder das Negerland(arabiſch: Sudan, bei den Einwohnern: Aafn u) liegt ſüd⸗ lich von der Sahara, und erſtreckt ſich der Länge nach von dem atlantiſchen Ocean bis an die Graͤnzen von Nubien zund Habeſſinien. Wir theilen dieſen Landſtrich in 1) Weſt⸗Nigrizien oder Senegambien am atlandiſchen Meere, welches begreift: a) Die Negerlaͤnder am Senegal, und zwiſchen dieſem Fluſſe und der Gamb ia, meiſt uneinge⸗ ſchraͤnkter Duodez⸗Monarchien. Europaͤiſche Niederlaſſungen: 1) Franzoͤſiſche: Inſel Senegal mit dem Fort St. Louis; Inſel Goree und Albreda an der Gambia. 2) Engliſche: James⸗Inſel nebſt Fort in der Gambig und Jillifrey an dieſem Fluſſe. 12 b) Die Negerlaͤnder zwiſchen der Gambia und dem Rio Nunnez. Portugieſiſche Niederlaſſungen:. Kachao, Stadt im Lande der Papeln⸗Scheve, Kolbnie. c) Die Negerlaͤnder auf der Kuͤſte von Sierra Leona. ¹) Auf der Kuͤſte: Mandingo er⸗Laͤnder— Die Laͤnder der Wagers und der Kokalis.— Die Laͤnder Silm und Balm. ²) Im Innern: Koͤnigreiche F ulah⸗Beno— Nitombo— Burra— Gondſchae.— ³) Inſeln: Tamara, Goͤzen ober Looß⸗In⸗ ſeln, und Bananas⸗Inſel. Britiſche Niederlaſſungen: Freetown am Sierra⸗Leona⸗Fluſſe.— Inſel Benſe, in demſelben;— Inſel York in der Sherbro⸗Bucht. 3 8 2) Das innere oder eigentliche Nigrizien, am großen Fluſſe Niger oder Foliba. II. Ober⸗Guinea, oder Guinea im engern Verſtande— wird in folgende Kuͤſten⸗Striche ab⸗ getheilt: ¹) Die Koͤrner⸗, Pfeffer⸗, oder Malag⸗ betta⸗Kuͤſte, zwiſchen dem Fluſſe Madre⸗ banbo und dem Palmenkap. 2) Die Zahn⸗ oder Elfenbein⸗Kuͤſte— vom Palmenkap bis zum Dreiſpitzenkap. 13 3) Die Goldkuͤſte— vom dreiſvigentas bis zum Volta⸗Fluſſe. 4) Die Sklavenkuͤſte— zwiſchen den Volta⸗ und dem Benin⸗Fluſſe. 5) Die Kuͤſte Benin und Biafara— wiſchen dem Rio Formoſo, und dem Kap Labo Gonſalvo. III. Nubien— auf der Oſtſeite von Mittel⸗ Afrika, ſuͤdwaͤrts von Aegypten, beſteht aus fol⸗ genden einzelnen Theilen, welche ſind: 1) Das tuͤrkiſche Nubien auf der Kuͤſte des ro⸗ then Meeres, mit Seehaͤfen am rothen Meere, unter tuͤrkiſcher Herrſchaft. 2) Die Nubiſche Wuͤſte— nur von Nomaden⸗ Horden durchſtreift. 3) Das Koͤnigreich Donkolah. 4) Das Koͤnigreich Sennaar. 5) Die Landſchaft Kordofan. IV. Habeſſinien, fuͤdoͤſtlich von Nubien am rothen Meere, zerfaͤllt jetzt in folgende Theile: 1) Das heutige Koͤnigreich Habeſſinien(H a⸗ beſch) ſehr verkleinert. 2) Die jetzt davon abgeriſſenen Laͤnder: a) Das Koͤnigreich Dankali. b) Das Koͤnigreich Angata. c). Die oͤſtlichen und weſtlichen Gallaer⸗ laͤnder. 14 3) Die Kuͤſte Ha be ſch(Abex) am rothen Meere, unter tuͤrkiſcher Herrſchaft. V. Die Kuͤſte Adel und Aſchan— im oͤſtlichen Theile von Mittel⸗Afrika, am rothen und indiſchen Meere. 8 C. Süd⸗Afrika. Der ſuͤdliche Theil von Afrika begreift folgen de Laͤnder und Staaten: I. Nieder⸗Ghinea— vom Kap Labo Son⸗ ſalvo bis zum Kap Negro— umfaßt folgende Kü⸗ ſten⸗Laͤnder von Nord nach Suͤd: 1) Die Laͤndchen: Gobbi— Kamma— Sette — Jumba, kleine unbekannte Neger⸗Koͤnig⸗ reiche, von welchen die beiden letztern unter der Hoheit von Loango. 2) Das Koͤnigreich⸗ Loango. 3) Das Koͤnigreich Kakongo. 4) Das Königreich N'gajo. 5) Das vormals ſehr maͤchtige Koͤnigreiech Kongs, in welchem jetzt die Portugieſen viele Gewalt haben. 6) Das Koͤnigreich N. gola(Angola) unter por⸗ tugieſiſcher Herrſchaft, ſowie 70) Das Koͤnigr Benguela groͤßten Theils. 3 Das Land K„von den Schaggaein beſetzt, iſt ſehr wenig bekannt. 15 II. Innere(meiſt nur dem Namen nach bekannte) Laͤnder von Suͤd⸗Afrika, naͤmlich: 1) Die ſehr wenig bekannten Gallaerlaͤnder, wozu auch die Laͤnder der Simbaer und Mum⸗ boer gerechnet werden. 2) Die nordoͤſtlichen Kafferlaͤnder: III. Die Oſtkuͤſtenlaͤnder ſind: 1) Die Kuͤſte Jankebar, wo 2) Die Kuͤſte von Mozambik, 3) Die Kuͤſte Sofala, oder Sena, meiſt unter portugieſiſcher Herrſchaft. 4) Das Kafferland in engern Verſtande, zwi⸗ ſchen dem Heiliggeiſt⸗ und dem großen Fiſch⸗Fluſſe, wo außer den Hambonaͤrn, Tambukis, Makaſſen noch mehrere andere Horden von Kaffern unter ihren beſondern Haͤuptlingen leben. 5) Das Hottentotten⸗Land mit dem hol⸗ laͤndiſchen, jetzt von den Englaͤndern beſetzten Kap⸗Lande, wo da Vorgebärge der guten Hoffnung.— Es leben hier mehrere Hottentottenſtaͤmme, auch verwilderte Buſch⸗ Hottentotten.— Unter den zum Hottentotten⸗ Stamme gehoͤrigen Voͤlkern ſind beſonders die Betſchuanaer im Innern zu bemerken. 16 4 D. Die afrikaniſchen Inſeln. I. Weſtafrikaniſche Inſeln— von Norden nach Suͤden: 1 ¹) Die Azoriſchen Inſeln— gehoͤren den Portugieſen— es ſind ihrer folgende neun: 12) Santa Maria.— 2) San Miguel.— 3) Terceira, die Hauptinſel.— 4) San Jorge.— 5) Gracioſa.— 6) Fayal. — 7) Pieo.— 8) Flore s.— 9) Corvo. 2) Die Maderiſchen Inſeln, ebenfalls portu⸗ „giſiſch, ſfindd: 1 340 1) Inſel Madera, Hauptinſel.— 2) Inſel Portafauto. Dazu die unbewohnten Salya ges⸗Inſel⸗ chen. 3) Die Kanarien⸗Inſeln— ſieben an der Zahl— gehoͤren den Spaniern. 1) Lancerota— mit den unbewohnten Fel⸗ ſen⸗Inſelchen: Allegranza, Grazioſa, Rocca, St. Clara and Infierno— 2) Feuerte wntura.— 3) Kanaria, oder Groß⸗Kanaria, die Haupt Inſel.— 4) Teneriffa, mit dem beruͤhmten Spitz⸗ berge: Pico de Teyde.— 5) Gome⸗ ra.— 6) Ferro, durch welche am haͤu⸗ figſten, zur richtigen Abtheilung beider He⸗ 17 miſphaͤren unſerer Erdkugel, der erſte Meri⸗ dian gezogen wird.— 7) Palma. 4) Die Inſeln des gruͤnen Vorgebirgs, oder Kapverdiſchen Inſeln, gehoͤren den Portugieſen, und ſind zehn an der Zahl, naͤm⸗ lich: 1) San Jago, die Hauptinſel.— 2) San Antonio.— 3) San Vincent (unbewohnt).— 4) San Lucia.— 3) San Nicolago.— 3) Sal, oder del Sale, (ünbewohnt).—) Boa⸗ V iſta oder Bu⸗ ena⸗Viſtg.— 3) Majo.— 9) San Fe⸗ lipe, oder del Fuego.— 10) San Juan oder Brava. Dazu noch die kleinen unbewohnten Inſelchen: Ghuuy, Carneara, Chaon und Brama. 5) Die Guinea⸗ oder Linien⸗Inſeln ſind folgende ſechs: a) St. Thomas— vortugieſiſch. b) Prinzen⸗Inſel— c) Annobon Spaniſch. d) Fernando Po e) San Mattheo unbewohnt. f) Aſcenſion T II. Die Oſtafrikaniſchen Inſeln ſind: 1) Madagaſkar, eine große Inſel, die in mehrere kleine Koͤnigreiche, Fuͤrſtenthuͤmer und Land⸗ ſchaften mit verſchiedenartigen Einwohnern, zertheilt iſt.. 46ſtes B. Afrika. I. 4. 2 18 2) Die Maſkareniſchen Inſeln gehoͤren den Franzoſen. 3) Die Mahe⸗ oder Seſchellen⸗Inſelu ggeehoͤren den Franzoſen, ſind aber unbewohnt. 4) Die Admiranten⸗ nebſt den Sieben⸗ Bruͤder⸗ und Sieben⸗Schweſter⸗In⸗ 3 ſeln ſind ebenfalls klein und unbewohnt. 19 J. Erſte Reiſe von Aluiſe da Cada Moſto*) längs der Afrikaniſchen Kuſte bis Rio Grande im J. 1455. A. d. Italiſchen frei uberſetzt, und im Auszuge mitgetheilt vom Herausgeber. Eada Moſto begab ſich mit wenig Geld zu Vene⸗ dig auf ein Schiff, von welchem der Ritter Marco ) Da er der Erſte war, welcher von den Unter⸗ nehmungen der Portugieſen nach Afrika der Nachwelt einen Bericht hinterließ, der durch die Eiferſucht der Unternehmer zwar lange zu⸗ ruͤckgehalten, aber dem Publikum nicht ganz eitzogen werden konnte; ſo rechnen wir uns zur Pflicht, von ihm und ſeinem Werke einige Nachrichten voraus zu ſchicken. „Er war als armer Nobile 1430 zu Venedig geboren, erhielt eine ſeinen Standes⸗Verhaͤlt⸗ niſſen angemeſſene artiſtiſch⸗wiſſenſchaftliche 20 Zeuo Hauptmann war. Er wollte ſich nach Flan⸗ dern begeben, um ſich Vermoͤgen in fruͤher Jugend zu erwerben, durch welches er in hoͤherem Alter zu Rang und Anſehen unter ſeinen Landsleuten gelangen koͤnnte. Er ſegelte 8. Aug. 1454 ab, und wurde bei dem Vorgebirge St. Vincent durch widrige Winde Erziehung, widmete ſich vorzuͤglich dem Stu⸗ dium der Schifffahrts⸗ und Welt⸗Kunde, und war begeiſtert von dem Wunſche, zu deren Er⸗ weiterung beizutragen, wozu er ſehr zufaͤllig eine ſchoͤne, ihn ſelbſt verewigende Gelegenheit ſchon im 24. Lebens⸗Jahre erlangte. Einige Schriftſteller nennen ihn Cada⸗Morto, gu⸗ dere Cada⸗Muſto. Sein Werk heißt: Li- bro de la prima navigazione per Oceano alle terre de Nigri de la bassa Acthiopia per commandamento del illustre Signor infante Don Henrico de Lortogallo. In Vicenza 1507, 4. Ed. II. in Milano. 1508. FPol. Verteut⸗ ſchet vom Arzte Dr. Jobſt Ruchamer. Nuͤrnb. bei G. Stuͤchs zu Nürnb. 1508. Fol.— In das Latein. uͤberſ. voͤm Arch. Madrignan fuͤr die Sammlungen von Grynaeus Huttichius unter dem Titel: Novus orbis regionum ae insularum veteribus incognitarum. Basil. 1532. Fol. Aus dieſen verſchiedenen Ausgaben wurden viele Auszuͤge und Ueberſetzungen in das Franzoͤſiſche, Engliſche und Teutſche gemacht, unter welchen die von Prevoſt am meiſten ſich auszeichnete, nachdem die Sammlung von Namuſio 200 Jahre zur vorzuͤglichſten Quelle gedient hat. 3 21 aufgehalten, wohin der Infant Don Enriquez zum ruhigen Studiren auf dem Landgute R epoſera ſich zuruͤckgezogen hatte. Auf die Nachricht von ihrer Aukunft ſchickte dieſer ſeinen Sekretaͤr Ant. Gon⸗ zalez nebſt dem Venetianiſchen Konſul und Patrizier de Conti, ihnen entgegen, welche von den bisheri⸗ gen See⸗Unternehmungen des Prinzen hoͤchſt Wun⸗ derbares erzaͤhlten. Ca da Moſto wurde davon ſo entzuͤckt, daß er ſich ſogleich erkundiate, ob er nicht auch dazu verwendet werden koͤnnte. Sie erwiederten, der Prinz gebe jedem ſachkundigen Unternehmer eine Caravelle(Schiff), und dieſer muͤſſe es entweder ganz auf ſeine Rechnung ausruͤſten, oder wenigſtens die Ladung beſorgen. Im erſten oder zweiten Falle be⸗ dinge ſich der Prinz ein oder zwei Viertheile der er⸗ rungenen Vortheile; im ungluͤcklichen Falle trage er den Schaden allein. Fuͤr die Venetianer habe er eine beſondere Vorliebe, weil er ihnen zutraue, ſie haͤtten die meiſte Kenntniß von den koſtbaren Gewuͤrzen und Spezereien der Afrikaner. Cada Moſto begab ſich mit dem Sekretaͤr und Konſul zum Prinzen, welcher ihn zur Reiſe ermunterte. Da er ſich Ehre und Vortheile vom Beſuche noch unbekannter Gegenden verſprach, ſo willigte er ein. Er ließ ſein Schiff nach Flandern fortſegeln, und ſorgte ſogleich fuͤr die Beiſchaffung aller ihm fuͤr die⸗ ſen Zweck noͤthigen Gegenſtaͤnde. Don Henrieo außerte ſich daruͤber ſehr freudig, und beorderte eine 22 Caravelle von go Tonnen Laſt unter der Leitung von Vincent Diaz aus Lagos. Er ſegelte in Begleitung des Genueſers Ant. Uſſomare 22. Maͤrz 1455 ab, und richtete ſeine Wendung nach Madera. Am 25. beruͤhrte er ſchon Puerto Santo— vielleicht 600 Meilen fuͤdweſtlich von dem Vorgebirge ſeiner Abfahrt. Dieß Eiland bringt K Korn und Hafer hervor, hat. viele Ochſen und wilde Schweine. Unter deſſen Baͤumen zeichnet ſich der Drachen⸗Baum aus, deſſen Saft durch Ein⸗ ſchuitte ohnweit des Gipfels abgezapft, als Gummi gekocht, gereinigt, und von den Apothekern als Dra⸗ chen⸗Blut verkauft wird. Der naͤmliche Baum traͤgt zugleich eine ſo gute Frucht, wie die Kirſchen, nur von gelber Farbe. Auch findet ſich in dieſer Inſel viel Honig, Wachs und gute Fiſche. Die Rheede iſt auf allen Seiten, bis auf Suͤd und Oſft, geſchloſſen. daher der Mangel eines Hafens nicht ſo ſehr gefuͤhlt wird*). Am 28. Maͤrz fuhr er weiter, und erreichte den Hafen Monchrico, 40 Meilen von Mader a; von hier ſegelte er ſuͤdwaͤrts zu den: Kanarien⸗Inſeln. Er kam auf zwei derſelben, naͤmlich Gomera und Ferro, beruͤhrte Palma, und erhielt Nachricht von *) Die Eitdeckung dieſer Inſel findet ſich bereſts in 6. Bd. Oſt⸗, Weſt⸗, Suͤd⸗Indien. S. 2. 3. 23 Lanzarotta, Fuerte Ventura, der großen Kanaria und Teneriffa. Von Seeleuten erfuhr er, daß letztere in der Mitte einen ſehr hohen Berg, Piko, in der Geſtalt eines Diamanten habe, von deſſen Fuße bis auf den Gipfel 60 Italiſche Meilen ſeyen. Dieſe Inſel wird von mehrern Maͤnnern aus ihrer Mitte beherrſcht, welche ihre Gewalt durch Krieg erringen. Ihre Waffen ſind Steine und ſolche Ge⸗ wehre wie Wurfſpieße, deren Spitzen aus s ſcharfen Hoͤrnern beſtehen. Sie gehen gewoͤhnlich nackend; nur wenige bekleiden ſich mit Ziegenfellen vorne und hinten. Ihre Koͤrper ſchmieren ſie mit Ziegen⸗Fett, welches ſie mit dem Safte gewiſſer Kraͤuter vermiſchen; dadurch wird ihre Haut ſo hart, daß ſie ſelbſt kalten Nordwinden trotzt. Ihre Wohnorte ſind Berg⸗Hoͤh⸗ len; ſie genießen Korn, Fleiſch, Ziegen⸗Milch, Feigen und andere Fruͤchte. Ihre Getreide⸗Erndte iſt wegen des heißen Climas ſchon im April und Mai. Einige beten die Sonne, andere den Mond, oder andere Planeten an. Jeder kann ſich mit ſo vielen Weibern verbinden, als er will; doch haben ſie dieſe nicht mit einander gemein. Niemand verehelicht ſich mit einem Maͤdchen, welche nicht ſchon von einem anderen ent⸗ weiht iſt. Sie ſind ſo vortreffliche Laͤufer und Sprin⸗ ger, daß ſie uͤber die Spalten der Berge hupfen. Sie ſpringen barfuß von Stein zu Stein, wie die Ziegen, und zwar auf große Zwiſchenraͤume. Sie ſind ſo geuͤbt im Werfen der Steine, daß ſie die bezeich⸗ 24 neten Gegenſtaͤnde ſicher neßſen. Die Manus⸗ und Weibs⸗Perſonen wiſſen ihre Koͤrper ſebhr ſchoͤn gruͤn, roth und gelb durch Kraͤuter zu faͤrben. II. Nach wenigen Tagen erreichte Ca da Moſto das weiße Vorgebirge(Cabo blanco), 870 Mei⸗ len von den Kanarien. Er ſegelte ſuͤdwaͤrts in ziem⸗ licher Entfernung von der Afrikaniſchen Kuͤſte, waͤh⸗ rend die Kanarien weit gegen Weſt ſich ausbreiteten, bis auf ihres Weges von den Inſeln zum Vorge⸗ birge. Dann nahm er ſeine Richtung gegen die linke Seite, damit er nicht dem Vorgebirge voruͤber fuhr, ohne es wahrzunehmen. Die Kuͤſte zieht ſich von dieſem an einwaͤrts, und bildet den Meerbuſen Forna von Argin; dieſer zieht ſich etwa s0 Meilen ein⸗ waͤrts, und hat außer Argin noch 3 Inſeln, welche die Portugieſen mit Namen bezeichneten. Letztere haben kein friſches Waſſer, woran erſtere einen Ueber⸗ fluß hat. . Die Kuͤſte der Berberei iſt von Gibraltar bis an das Vorgebirge Cantin nur bewohnt; dann folgt die Sand⸗Wuͤſte Sarrah, welche ſuͤdwaͤrts an die Schwarzen grenzt, und nordwaͤrts durch Berge von der Berberei getrennt wird; ihre Laͤnge zu durchlaufen, erfordert einen Zeitraum von 50— 60 Tagen. Das ganze Land iſt eben und niedrig, bis an das Cabo Blanco, welches die Portugieſen nach dem weißen Sande ohne Gras und Baͤume benann⸗ ten. Das Vorgebirge iſt faſt dreieckigt, indem jede 25 der drei Spitzen faſt eine Meile von der audern iſt. Es giebt an der Kuͤſte ſo verſchiedene und ſchmack⸗ hafte Fiſche, wie zu Venedig. Der Meerbuſen von Argin iſt ſehr tief, voll Klippen und Sandbaͤnke, weßwegen man nur bei Tags mit dem Senkblei in der Hand ihn durchſchiffen kann. Hinter dem weißen Vorgebirge liegt s Dagreiſen vom Ufer der Platz Hoden, wohin die Araber und die Karavanen von Tombuto und anderen den Negern gehoͤrigen Plaͤtzen kommen. Sie leben von Datteln und Weizen, trinken Milch von Kameelen und anderen Thieren. Ochſen und Kuͤhe finden ſich aus Mangel des Futters nicht viele, und dieſe ſind ſehr klein. Die Bewohner ſind Mahometaner und große Feinde der Chriſten; ſie bleiben nicht immer am naͤmlichen Orte, ſondern durchziehen die Wuͤſten. Sie beſuchen auch die Laͤnder der Schwarzen, und iene Seite der Berberei, welche dem Mittellaͤndiſchen Meere am naͤchſten iſt. Sie reiſen in großer Zahl mit einander unter einem großen Zuge von Kamelen, auf denen ſie Erz, Silber, und andere Gegenſtaͤnde aus der Berberei nach Tombuto und den Laͤndern der Schwarzen bringen, aus dieſen aber Gold ꝛc. uͤber⸗ liefern. Sie haben eine braune Farbe; maͤnnlich und weiblich iſt nur einfach weiß bedeckt mit rother Ein⸗ faſſung. Die Maͤnner tragen Turbane wie die Mau⸗ ren und gehen allzeit barfuß. In den ſandigen Wuͤ⸗ 26 3 ſten befinden ſich Loͤwen, Leoparden und Straußen, von deren Eiern Cada Mo ſto ſich oft naͤhrte. aͤngs der Kuͤſte bis zum Fluſſe Senega wohnte das Volk Azornaghi, welches braunſchwarz iſt, und ſich in einigen Plaͤtzen uͤber das weiße Vorgebirge aufhaͤlt. Sie durchlaufen die Wuͤſten, und grenzen an die Araber von Hoden. Sie ernaͤhren ſich von Korn, Datteln und Kamel⸗Milch. Im Handel mit Negern erhalten ſie Reis und Bohnen. Sie eſſen nicht viel, und ſind ſogar zum Hungern gewoͤhnt; mit einem Loͤffel voll Weizenmehl koͤnnen ſie den gan⸗ zen Tag ſich erhalten. Da die Mahometaniſche Re⸗ ligion noch nicht ſo feſten Fuß unter ihnen gefaßt hatte, ſo hoffte man, ſie um ſo eher fuͤr den katholi⸗ ſchen Glauben zu gewinnen. Sie umwinden den Kopf mit einem Duche ſo ſonderbar, daß ein Stuͤck deſſelben ihre Augen, einen Theil der Naſe und des Mundes bedeckt, welchen ſie nur bei dem Eſſen ſehen ließen. Sie hielten den Mund wegen der aufſteigen⸗ den Daͤmpfe und des uͤbeln Geruches fuͤr etwas Haͤß⸗ liches. Sie ſind ſehr arm, dem Luͤgen und Stehlen ergeben, verraͤtheriſch, ſchlank und nicht ſehr groß. Ihr ſchwarzes Haar trugen ſie wie die Teutſchen uͤber die Schultern aufgerollt; ſie ſchmierten es taͤglich mit Fiſch⸗Fett, deſſen uͤbler Geruch ihnen ſchoͤn vorkam. Die erſten Schiffe kamen ihnen wie große Voͤgel mit ausgeſpannten Fluͤgeln auf dem Meere vor; nach der Einziehung der Segel hielten ſie dieſelben fuͤr große 27 8 Fiſche. Da ſie waͤhrend des Tages ſich bewegten, und des Abends geankert wurden, ſo wurden ſie von den Wilden fuͤr boͤſe Geiſter gehalten und geflohen. Denn ſie konnten nicht begreifen, wie eine menſchliche Anſtalt in einem Tage ſich weiter bewegen koͤnne, als ſie barfuß in 3— 4 Tagen. Zu Lande liegt etwa s Tagreiſen von Hoden ein Platz Teggazza, wo jaͤhrlich viel Steinſalz ge⸗ graben, durch Karavanen und auf Kamelen von den Arabern und Azanaghiern nach Tombuto, und von bier nach dem Reiche der Neger, Mellt, gefuͤhrt wurde. Daſelbſt wurde es um Gold verkauft, welches ſie zuruͤck brachten. III. Melli liegt in einem ſo heißen Striche, daß ſelbſt die Thiere wenig Nahrung haben„ weßwe⸗ gen von 100 derſelben mit den Karavanen keine 715 zu⸗ ruͤck kehren. Die vierfuͤßigen Thiere ſterben ſehr bald in dieſem Lande. Selbſt die Araber und Azanaghier koͤnnen der gußerordentlichen Hitze nicht immer trotzen, und gehen haͤufig zu Grunde. Zu Pferde werden 40 Tagreiſen von Teggazza nach TCombuto, und 30 von hier nach Melli gerechnet. Das eingefuͤhrte Salz wurde zum Theil als Mittel gegen die Hitze ge⸗ braucht; ſie nahmen taͤglich ein Stuͤck, ließen es im Waſſer aufloͤſen, und tranken es zur Erhaltung ihrer Geſundheit. Das uͤbrige Salz wurde auf den Koͤpfen in ſo großen Stuͤcken getragen, wie ſie konnten. In Melli wurde es von den Schwarzen in kleinere Stuͤcke 28 zum leichteren Forttragen zertheilt. Fußgaͤnger nah⸗ men eine Gabel in die Hand, worauf ſie das Salz ruhen ließen, wenn ſie muͤde waren. So trugen ſie ihre Laſt bis an einen Fluß. Die Schwarzen wurden dazu aus Mangel an Laſtthieren foͤrmlich ge⸗ dungen. Bei der Ankunft am Waſſer legte ein Laſt⸗ traͤger ſein Salz in einer fortlaufenden Reihe nieder, und jeder Eigenthuͤmer bezeichnete das ſeinige. Waͤh⸗ rend die Karavane eine halbe Tagreiſe zuruͤck kehrte, erſchienen die Schwarzen, welche nicht geſehen ſeyn wollten, und legten große Klumpen Golds auf das Salz, und entfernten ſich. Dann kehrten die Eigen⸗ thuͤmer des Salzes zuruͤck, und nahmen das Gold, wenn es ihnen hinreichend ſchien; im Gegentheile lie⸗ ßen ſie das Gold mit dem Salze liegen, und zogen ſich wieder weg. Dann kamen die Moren und nah⸗ men das von Gold entbloͤßte Salz weg, oder legten auf das unberuͤhrte Gold noch mehr deſſelben. Cada Moſto fragte die Kaufleute, warum ihr angeblich großer Landesherr nicht in Guͤte oder mit Gewalt die Schwarzen ausforſchen laſſe, wer ſie ſeyen, und warum ſie ſich nicht wollten ſehen laſſen. Sie erwiederten: der Kaiſer von Melli ließ zwar einmal einen gefangen nehmen, allein dieſer ſtellte ſich ſtumm, und da man ihn durch Aushungerung zum Sprechen zu bewegen ſuchte, ſo ſtarb er nach 4 Tagen. Dieſes unangenehme Ereigniß war allen Schwarzen von Melli ſo auffallend, als dem Kaiſer ſelbſt; er be⸗ 29 gnuͤgte ſich mit dem Berichte ſeiner Leute: daß jene Fremden eitie Spanne groͤßer, als ſie, ſehr ſchwarz, wohl geſtaltet ſeyen; ihre untere Lippe ſey dicker als eines Mannes Fauſt, haͤnge auf die Bruſt herab, ſey ſehr roth, und ſchwitze ſtets eine Feuchtigkeit wie Blut aus; die obere Lippe aber ſey, wie bei gewoͤhnlichen Menſchen. Durch die Geſtalt ihrer unteren Lippen ſey der Gaumen und die großen Zaͤhne entbloͤßt; ihre Augen ſeyen groß und ſchwarz. Dieſes Ereigniß habe jene Schwarzen veranlaßt, 3 Jahre nicht wieder zum Salz⸗Kaufe zu kommen, vermuthlich ſeyen ihre Lip⸗ pen durch die außerordentliche Hitze des Landes aus Mangel an Salz faul geworden, und ſo viele Men⸗ ſchen geſtorben, dag dadurch der Handel unterbrochen wurde. Das Gold, welches fuͤr das Salz nach Melli kam, wurde in 3 Theile abgegeben. Der erſte wurde durch die Karavane von Melli nach Kokhia hefuͤr⸗ dert, welches auf dem Wege nach Kairo und Syrien liegt; die beiden anderen Theile kamen durch Karava⸗ nen nach Tombuto, und von hier theils nach Coet, theils nach Oran, One, Fe;, Marokko, Arzila, Azaſi, Meſſa und Tunis in der Berberei außerhalb und innerhalb der Enge von Gibraltar. In allen dieſen Staͤdten erhalten die Chriſten, und vorzuͤglich die Italier das Gold gegen andere Waaren von den Moren. Im Lande der braunen Moren winrd kein 30 Gold gepraͤgt, ſie bedienen ſich nicht einmal des ge⸗ muͤnzten Geldes, ſondern handeln durch Vertauſchung anderer Gegenſtaͤnde. Zwar bedienen ſich die Araber und Azanagghier in einigen Staͤdten kleiner weiher Muſcheln als Zahlungs⸗Mittel, und uͤberlaſſen ge⸗ woͤhnlich das Gold nach dem Mitigal⸗Gewichte, wel⸗ ches einem Dukaten am Werthe gleich kommt. Die Einwohner dieſer Wuͤſten haben weder Reli⸗ gion, noch Oberherren; nur manchmal gewinnen die reichſten einige Herrſchaft. Die Weibsperſonen ſind von brauner Farbe, und tragen einige kattunene Klei⸗ der, ohne Hemden, welche ſie aus dem Lande der Schwarzen erhalten, einige auch Oberroͤcke. Welche des groͤßten Buſens ſich zu erfreuen hat, wird fuͤr die ſchoͤnſte gehalten; deßwegen binden ſie denſelben im 17— 48. Jahre durch einen Strick bis zur Zerquet⸗ ſchung feſt, und ziehen ihn taͤglich tiefer herab. Die Maͤnner reiten auf Pferden, doch haben ſie nicht viele, weil die Unfruchtbarkeit des Bodens ihnen kein Futter gewaͤhrt, und die zu große Hitze ſie bald zum Tode befoͤrdert. Es gibt nur wenig Waſſer; auch regnet es nur im Auguſt, September und Oktober. Manches Jaͤhr wird die Wuͤſte auch noch durch ein großes Heer von Heuſchrecken verdorben, welche die Geſtalt der großen Pferde haben, 3 Zoll lang, roth und gelb ſind, und manchmal die Sonne verdunkeln, und den Horizont auf 12— 16 Meilen bedecken. Sie freſſen alles bis auf den Grund ab, wohin ſie jmmer fallen, 31 und erſcheinen alle 3— 4 Jahre. Kaͤmen ſie jaͤhrlich, ſo waͤre das Land gar nicht zu bewohnen. IV. Nachdem Cada Moſto bei dem weißen Vorgebirge voruͤber war, ſetzte er ſeigen Lauf nach dem Fluſſe Senega fort, welcher die Wuͤſte und die braunen Azanaghier von den fruchtbaren Laͤn⸗ dern und den Schwarzen treunt. Dieſer Fluß war be⸗ reits 5 Jahre vor Cada Moſtos Ankunft von drei Karavellen des Prinzen Heinrich entdeckt worden. Dieſe hatten mit den Moren einen Handlungs⸗Ver⸗ trag abgeſchloſſen, nach welchem jaͤhrlich andere Schiffe mit Waaren dahin ſegelten. Der Fluß iſt an der Muͤndung vielleicht eine Meile breit, auch tief genug; er hat etwas weiter hin noch eine Einfahrt. Zwiſchen beiden liegt eine Inſel, welche wie ein Vorgebirge in das Meer ſich erſtreckt, und an⸗ jeder Muͤndung liegen Sandbaͤnke und Untiefen bis auf eine Meile vom Ufer. Deßwegen muͤſſen alle einlaufende Schiffe den Strich der Fluth beobachten. Die Ebbe und Fluth dehnt ſich alle 6 Stunden auf 10 Meilen hinein, wo⸗ durch die Portugieſen mit ihren Schiffen ſo tief in das Land eindringen konnten. Vom Cabo Blanco au, welches 380 Meilen entfernt liegt, iſt die Kuͤſte ganz ſandig bis auf 20. Meilen vom Fluße. Die Kuͤſte gehoͤrt den braunen Moren, oder Azanaghiern, und wird Anterota genannt. Cada Moſto konnte gar nicht begreifen, einen ſo großen Unterſchied in einer ſo geriugen Entfernung 32 wahrzunehmen. Denn auf der Suͤdſeite des Fluſſes ſind die Einwohner außerordentlich ſchwarz, groß, ſtark und ſchoͤn geſtaltet; die Landſchaft iſt gruͤn und voll fruchtbarer Baͤume. Auf der andern Seite ſind die Leute braun, mager und klein, das Land trocken und unfruchtbar. Viele Gelehrte glaubten, der Fluß ſey ein Arm von jenem Ghion, welcher aus dem ir⸗ diſchen Paradieſe entſpringe; die Alten legten ihm den Namen Niger bei. Er durchſtroͤmt ganz Aethio⸗ pien, und theilt ſich in verſchiedene Arme, wenn er ſich weſtwaͤrts dem Ozean naͤhert. Der Nil iſt ein anderer Arm von Ghion, und ergießt ſich in Aegyp⸗ ten durch das mittellaͤndiſche Meer. Das erſte Koͤnigreich der Schwarzen liegt am Fluſſe Senega, und deſſen Ufer⸗Bewohner werden Ialofs oder die Jalofer genannt. Das ganze Land iſt niedrig nicht nur bis an den Fluß, ſondern auch uͤber denſelben hinaus bis an das gruͤne Vorge⸗ birge, welches das hoͤchſte Land der Kuͤſte, und 400 Meilen vom weißen Vorgebirge iſt. Es graͤnzt oſtwaͤrts an die Landſchaft Sukhuſor, ſuͤdwaͤrts an das Koͤnigreich Gambra, nordwaͤrts an den Fluß gleiches Namens, und weſtwaͤrts an den Ozean. Der dem Cada Moſto bekannt gewordene Koͤnig hieß Zukholin, und hatte erſt 22 Jahre. Sein Reich war nicht erdlich, ſondern 3— 4 Reiche des Landes waͤhlten einen Koͤnig aus ihrer Mitte; er war aus einem edlen Geſchlechte und regierte ſo lange, als es 33 ihnen beliebte. Sie ſetzen ihre Koͤnige oft mit Ge⸗ walt ab; manchmal ſind dieſe auch ſo maͤchtig gewor⸗ den, daß ſie ſich gegen die Abſetzung vertheidigen. Dadurch iſt die Regierung dieſer Koͤnige ſo ſchwankend, wie jene der Sultane von Kairo, welche ſtets in Beſorgniß ſtehen, abgeſetzt, oder gar hingerichtet zu werden. Solche Koͤnige der armen Wilden ſind mit den Europaͤiſchen nicht zu vergleichen. Sie haben we⸗ der feſt gebaute Haͤuſer, noch weniger Staͤdte mit Mauern, ſondern nur Doͤrfer mit Stroh⸗Huͤtten. Sie bedienen ſich weder der Steine, noch des Lehms zum Bauen: jene wiſſen ſie nicht zu behauen, und dieſen nicht zu behandeln. Nach dem an Cada Moſto er⸗ ſtatteten Berichte zog ſich das Koͤnigreich nicht uͤber 200 Meilen an der Kuͤſte, und erſtreckte ſich auch nicht tiefer in das Land. Der Koͤnig hat keine beſtim mten Einkuͤnfte; er wird aber von den Herren des Landes jaͤhrlich mit geſchirrten Pferden, mit Kuͤhen und Zie⸗ gen, Fruͤchten aller Art, mit Hirſe ꝛc. beſchenkt, da⸗ mit er ihnen gewogen bleibe. Er hat ſeinen wahren Unterhalt nur aus dem Raube, und wirft ſowohl ſeine, als die angraͤnzenden Unterthanen in die Skla⸗ verei. Einem Theile uͤberweiſt er dann Laͤndereien zum Baue, die uͤbrigen Sklaven verhandelt er an die Azonaghier, Chriſten und Araber, welche ſeit der Er⸗ oͤffnung des Handels mit Waaren, beſonders Pferden hierher kommen, welche in dieſem Lande unter die Seltenheiten gehoͤren. 46ſtes B. Afrikn. I. 1. 3 34 Jeder Einwohner kann ſo viel Weiber nehmen, als ihm beliebt. Der Koͤnig hat in der Regel wenigſtens 30, welche nach dem Alter und Range der Herren, von welchen ſie ſtammen, unterſchieden ſind. Acht oder zehn Weiber wohnen in den ihnen angewieſenen Plaͤ⸗ tzen oder Doͤrfern beiſammen, wo jedes ſein beſonde⸗ res Haus zum Aufenthalte, eine beſtimmte Zahl von jungen Maͤdchen zur Bedienung, und genug Sklaven hat, um das ihnen angewieſene Land zu bebauen, wo⸗ von ſie leben. Sie haben auch Kuͤhe und Ziegen, wel⸗ che durch Sklaven behandelt werden. Kommt der Koͤnig in eines dieſer Doͤrfer, ſo wird er von den Weibern unterhalten. Schon bei dem Aufgange der Sonne bereitet jedes Weib dieſes Dorfes 3—4 Schuͤſ⸗ ſeln mit Fleiſch, Fiſchen und anderen Nahrungs⸗Mit⸗ teln zu, welche durch Sklaven in des Koͤnigs Gemach gebracht werden; was er uͤbrig laͤßt, gehoͤrt ſeiner Be⸗ dienung; iſt kein Ueberfluß da, ſo muß dieſe hungern. So reiſt er das ganze Jahr von einem Dorfe zum andern, worin er ein Weib hat; daher ſeine zahlreiche Nachkommenſchaft ſehr zerſtreut wird. Nach der Sitte aller Großen dieſes Landes beruͤhrt er kein geſegnetes Weib. Alle ſchwarzen Mauern gehoͤren zwar zur mahome⸗ taniſchen Religion, ſind aber darin nicht ſo gut un⸗ terrichtet, als die weißen Moren. Daher haben die Herren der erſteren ſtets einige Araber oder Azanaghier bei ſich. Dieſe praͤgten ihnen ein, daß es fuͤr ſie ſchaͤnd⸗ 35⁵ lich ſey, ſo wenig von der Religion zu wiſſen, als der gemeine Poͤbel. Alle Moren ſind gewoͤhnlich nackend; ihre Schaam iſt mit einem Ziegenfelle ſtatt der Bein⸗ kleider bedeckt. Nur die Herren und Reichen tragen kattunene Hemden, welche durch ihre Weiber aus den Gewaͤchſen ihres Landes geſponnen werden. Sie we⸗ ben ihren Kattun nur eine Spanne weit, und naͤhen 5— Stuͤcke zuſammen, wenn ſie etwas Großes ma⸗ chen wollen. Ihre Hemden bedecken nur den halben Hintern und die halben Arme. Ihre kattunene Bein⸗ kleder haͤngen bis auf die Schienbeine hinab, und ſind 30— 40 Hand weit, daher voll Falten, und glei⸗ chen vorne einem Sack, und Binten einem Schlepp⸗ kleide. Die Weibsperſonen ſind vom Nabel aufwaͤrts blos; unten tragen ſie ein Stuͤck Kattun bis auf die Haͤlfte der Schenkel. Maͤnner und Weiber gehen bar⸗ fuß, mit bloßen Koͤpfen, und flechten ihr kurzes Haar in ſchoͤne Zoͤpfe mit verſchiedenen Knoten zuſammen. Die meiſten weiblichen Dienſte, z. B. Spinnen, Wa⸗ ſchen der Kleider ꝛc. verrichten die Maͤnner. Die Hitze des Landes iſt außerordentlich groß; in der Mitte des Winters iſt es nicht einmal ſo kalt, wie in Italien waͤhrend des Aprils. Maͤnner und Weiber waſchen ihren Koͤrper taͤglich 4— 5 Mal, obſchon ſie uͤbrigens nicht ſo reinlich ſind. In den ihrem Lande eigenen Geſchicklichkeiten machen ſie jedem Europaͤer den Rang ſtreitig. Sie ſind ſehr geſchwaͤtzig, meiſtens Luͤgner und Betruͤger; doch ſind ſie ſehr menſchen⸗ 36 freundlich, und bewirthen jeden Fremden ganz unentgeld⸗ lich Mittags oder Abends, oder reichen ihm ein Nachtla⸗ ger. Mit ihren Nachbaren haben die Herren der Schwarzen viele Uneinigkeiten, ungeachtet ſie aus Mangel an Pferden keine Reiterei haben. Ihre ein⸗ zige Waffe ſind Wurfſpieße, welche ſie ſehr geſchickt zu behandeln wiſſen; und ein großes Schild aus der Haut des Thieres Danta, weiches kaum zu durch⸗ bohren iſt. Die Wurfſpieße ſind 8— s Zolle mit aus⸗ gezacktem Eiſen geſpitzt, wodurch ſie geſaͤhrlich ver⸗ wunden, und das Fleiſch bei dem Ausziehen derſelben ſehr ſchmerzlich zerriſſen wird. Sie haben auch ein tuͤrkiſches halbes Schwert aus Eiſen, welches aus dem Koͤnigreiche Gambra geholt wird, weil ſie die in ihrem Lande befindlichen Etſenſtufen nicht zu bearbei⸗ ten verſtehen. Endlich ſind ſie noch manchmal mit einem lanzenfoͤrmigen Gewehr verſehen, welches unſe⸗ ren Wurfſpießen aͤhnlich iſt. Ihre Kriege ſind ſehr blutig: denn faſt keiner ihrer Streiche faͤllt vergebens. Sie ſind ſehr keck, und opfern eher ihr Leben, als daß ſie es durch Flucht zu retten ſuchen. Sie fuͤrch⸗ ren weder den Tod, noch werden ſie durch den Tod ihrer Kameraden entmuthet. Vor der Ankunft der Portugieſen kannten ſie die großen Schiffe noch nicht; nur jene, welche zunaͤchſt am Ufer wohnen, hatten Baͤume auf 3—4 Menſchen ausgehoͤhlt, womit ſie den Fluß auf und nieder fahren, um zu fiſchen; ihre Fertigkeit im Schwimmen iſt ſehr groß. 37 V. Nachdem Cada Moſto den Fluß Senega uͤberſchifft hatte, ſo fuhr er laͤngs der Kuͤſte nach der Landſchaft Budomel etwa 800 Meilen weiter, und einer ganz bergloſen niedrigen Gegend voruͤber. Er bemuͤhte ſich, den Herrn Budomel wegen deſſen ge⸗ ruͤhmter Eigenſchaften kennen zu lernen; er hatte Zeuge, mauriſche gewirkte Seiden⸗Waaren und ſpa⸗ niſche Pferde am Bord. Als er ſich dem Platze naͤ⸗ herte, welcher der Platz von Budomel genannt wird, und nur eine Rhede, aber kein Hafen iſt, ſandte er ſeinen Dolmetſcher, einen Schwarzen, dem Herrn Budomel ſeine Ankunft und die Guͤter wiſſen zu laſſen, welche er am Bord hatte. Bald kam dieſer ſelbſt mit etwa 15 Pferden und 150 Fußgaͤngern an die Kuͤſte, und ließ Cada Moſto erſuchen, zu lan⸗ den. Dieſer folgte und wurde ſehr gut aufgenommen. Nach einigen Unterredungen ſendete Cada Moſto 7 geſchirrte Pferde, im Werthe von 300 Dukaten, und glaubte an deren Zahlung, welche 25 Meilen vom Ufer im Hauſe Budomels geſchehen ſollte. Dieſer erſuchte jenen um Begleitung, und einige Tage bei ihm zu verweilen, weil er die uͤbernommenen Guͤter in Sklaven bezahlen wollte. Cada Moſto war be⸗ reit, ihm zu folgen; allein ſchon vor dem Aufbru che erhielt er eine ſchoͤne zwoͤlfjaͤhrige Sklavin zur Geſell⸗ ſchafterin, welche er ſogleich an Bord bringen ließ. Budomel ließ Cada Moſto mit Pferden und anderen Reiſe⸗Beduͤrfniſſen verſehen; 4 Meilen von 38 feiner Wohnung ließ er denſelben durch ſeinen Ver⸗ wandten Bisboror bewirthen, welcher Herr einer kleinen Stadt war, bei welcher ſie ankamen. Dieſer nahm ihn in ſein Haus auf, und begegnete ihm waͤh⸗ rend des Aufenthaltes von 28 Winter⸗Tagen ſehr ar⸗ tig, in welchen er auch Budomel oͤfters beſuchte, und dabei ſeine Kenntniß der Gewohnheiten ſehr er⸗ weiterte. Dazu hatte er noch ſchoͤnere Gelegenheit auf ſeiner Ruͤckkehr, welche er wegen ungeſtuͤmen Wetters am Fluſſe Senega machte. Da er aus die⸗ ſem Grunde ſein Schiff auf dem Fluſſe voran ſchickte. Gerne haͤtte er eine ſchriftliche Weiſung auf das Schiff gelangen laſſen. Allein es lag 3 Meilen vom Ufer, die See ging hohl, und der Wind heftigz er bemerkte mehrere Sandbaͤnke, zwiſchen welchen ein ſtarker Strom bald vorwaͤrts, bald ruͤckwaͤrts ſtrich, wodurch jedem Menſchen unmoͤglich wurde, durchzuſchwimmen. Auch brach ſich die See mit großer Heftigkeit an den Baͤnken. Deſſen ungeachtet erboten ſich zwei Wilde, ſich mit einem Briefe gegen etwas Zinn dahin zu begeben. Sie hatten mit unbeſchreiblichen Schwierigkeiten bei der Sandbank zu kaͤmpfen; mänchmal waren ſie ſo lange unſichtbar, daß ſie verſchwunden ſchienen. Einer konnte der Gewalt der Wellen nicht laͤnger trotzen, und kehrte zuruͤck; der andere aber kaͤmpfte mehr als eine Stunde an der Bank, bis er vorüber kommen konnte; er brachte endlich den Brief an das Schiff, und deſſen Beantwortung zuruͤck. Daraus uͤberzeugte 39 ſich Ea da Moſto von der großen Schwimm⸗Fertig⸗ keit der Schwarzen. Budomel beherrſchte ein kleines Koͤnigreich; ſolche Herren haben weder Reichthuͤmer, noch Schaͤtze: denn Geld iſt unter ihnen nicht gebraͤuchlich. Man betrachtet ſie aber als Herren theils nach ihrer zahl⸗ reichen Begleitung, theils aus Ehrfurcht; ſie werden von ihren Unterthanen mehr geachtet und gefuͤrchtet, als die italiſchen Fuͤrſten. Der Platz von Budomels Sitze war weder ein Palaſt, noch ein ummauertes Haus; ſondern er hatte nur einige Ooͤrfer fuͤr ſich und ſeine Weiber nebſt deren Familie um ſich, weil ſein Wohnſitz ſehr veraͤnderlich iſt. Das Dorf, worin Cada Moſto wohnte, war eine ſolche Wohnung von 55 Huͤtten, wie ſie oben beſchrieben wurden; ſie war nahe an einem Baume, mit Gebuͤſchen und hohen Baͤumen umgeben; nur 1— 2 Oeffnungen blieben zum Eingange, und jede Wohnung hatte hinter ihr einen mit einer Hecke umſchloſſenen Hofraum. Budomel hatte hier 9 Weiber und mehr oder weniger in andern Doͤrfern. Jedes Weib hat 6— 6 junge Maͤdchen zur Bedienung, welche in Anweſen⸗ heit des Herrn auch zu deſſen Bedienung bereit ſind, ohne daß deren Gebieterin daruͤber unzufrieden ſeyn darf. Beide Geſchlechter haͤngen ſehr an der Befrie⸗ digung des ſinnlichen Genuſſes. Da Budomel er⸗ fahren hatte, die Chriſten ſeyen noch ſtaͤrker als er, ſo erbat er ſich von Cada Moſto eine Belehrung, 40 wie man ſich ſo erſtarken koͤnne, und verſprach ihm dafuͤr alles, was in ſeiner Gewalt ſey. Die Naͤnner ſind ſo eiferſuͤchtig, daß ſie nicht einmal ihren Soͤh⸗ nen geſtatten, die Weiber zu beſuchen. Budomel hatte abwechſelnd 200 Schwarze zu ſeiner Begleitung, und nebſt dieſen naͤherten ſich viele andere, welche ihn ſprechen wollten. Am Eingange ſeines Hauſes ſind 1 weite Hoͤfe, in deren Mitte ein Baum ſteht, unter welchem er zu ſprechen iſt. Seine Umgebung iſt nach dem Range in dieſe Hoͤfe vertheilt; die Vornehmſten ſind die naͤchſten an ſeinem Gemache; die Geringeren die entfernteſten. Nur wenige duͤrfen ſich ihm ganz naͤhern, die Chriſten und Azanaghier ausgenommen, welche freieren Zutritt und mehr Vor⸗ rechte haben, als die Schwarzen. Budomel laͤßt ſich nur eine Stunde des Mor⸗ gens und Abends ſehen. Um dieſe Zeit erſcheint er im erſten Hofe an der Thuͤre ſeines Gemaches, wo⸗ hin nur die Vornehmſten kommen duͤrfen. Wollte ihn Jemand ſprechen, ſo mußte dieſer ſich erſt ganz bis auf die Schamfelle entkleiden, dann ſich knieen, und den Kopf bis auf die Erde vor ihm beugen, auch wenn er mit ihm verwandt war. Jeder Suplikant muß lange in dieſer bußfertigen Stellung bleiben; er bewirft ſich mit Sand, und rutſcht auf den Knien bis er ſich dem großen Manne naͤhert. In einer Entfernung von zwei Schritten traͤgt er kniend ſeine Bitte vor, und bewirft ſeinen Kopf fortwaͤhrend mit 41 Sand, zum Zeichen ſeiner Demuth. Waͤhrend dieſer Zeit ſcheint der große Herr nicht auf ihn zu achten, unterredet ſich mit anderen Leuten; ſobald ſein Va⸗ ſall gezahlt hat, antwortet er ihm in wenigen Wor⸗ ten. Der Stolz des Einen und die Unterwuͤrfigkeit des Anderen iſt ſo groß, daß das Verhaͤltniß Gottes zu Menſchen nicht ferner gedacht werden kann. Die Unterthanen ſind naͤmlich ſtets von der Furcht ge⸗ quaͤlt, daß ihre Weiber und Kinder zu Sklaven bei der geringſten Ungnade gemacht werden⸗ Budomel benahm ſich ſehr artig gegen Cada Moſto, und fuͤhrte ihn in die Moſcheen, wo des Abends die Araber yder Azauaghier ſeiner Umge⸗ bung zu beten pflegten. Er ſelbſt hob bei dem Ein⸗ tritte die Augen in die Hoͤhe, trat einige Schritte vorwaͤrts, ſprach leiſe einige Worte, legte ſich auf den Boden, und kuͤßte ihn, was alle nachahmten. Dann ſtand er auf, und wiederholte dieſe Zeremonie 29— 12 Mal waͤhrend einer halben Stunde. Hierauf fragte er ihn uͤber ſeine Religion, und Cada Moſto hatte den Muth zu erwiedern, die mahomedaniſche Religion ſey die falſche, und die roͤmiſch⸗katholiſche die wahre. Waͤhrend die Araber faſt wuͤthig uͤber dieſe Keckheit zu werden ſchienen, ſagte Bu domel laͤchelnd, er lege der Religion der Europaͤer einen Werth bei, weil nur Gott ſie mit ſo viel Einſichten und Reichthuͤmern ausſtatten koͤnne. Er fuͤgte aber bei, die mahometaniſche ſey gleichfalls ſchaͤtzbar, und . 42 die Schwarzen koͤnnten des Himmels bei der Gerech⸗ tigkeit Gottes ganz verſichert ſeyn. Denn da dieſer die Europaͤer ſchon auf das irdiſche Paradies verſetzt habe, ſo muͤßten die Schwarzen es jenſeits des Gra⸗ bes finden. Er bewies ſehr viel Empfaͤnglichkeit fuͤr jede Belehrung, und war ſehr aufmerkſam auf die Geblaͤuche der Chriſten. Deßwegen hoffte Cada Moſto deſſen Uebergang zum chriſtlichen Glauben, wenn er nicht durch die Furcht, ſein Vermoͤgen zu verlieren, zuruͤckgehalten wuͤrde, wie deſſen Verwandter verſicherte. Uebrigens wurden Budomels Nah⸗ rungs⸗Beduͤrfniſſe von den Weibern beſtritten, wie bei dem Koͤnige von Senegha; jedes befoͤrderte ihm taͤglich mehrere Speiſen. Sie verzehrten dieſe auf dem Boden in Geſellſchaft einiger Moren, welche ſie als Lehrer verehrten, und 2— 3 vornehmer Schwarzen, waͤhrend die gemeinen Leute im Kreiſe von 10— 42 mit einander ſpeisren. Aus Mangel der Meſſer und Gabel greifen alle mit der Hand nach der in der Schuͤſſel befindlichen Speiſe. Sie ſind maͤßig in deren Genuſſe, begeben ſich aber des Tages 4— 5 Mal zum Tiſche. 4 Die zi große Hitze dieſes Erdſtriches laͤßt Korn, Reis, Hafer und Wein ſo wenig gedeihen, als in dem Koͤnigreich Senegha. Alle Verſuche mit dem aus dem Schiffe genommenen Weizen waren vergebens: denn vom Okrober bis Juli regnet es nicht. Doch giebt es große und kleine Hirſe, Bohnen aller Art, 43 ſo groß wie die Hafelnuͤſſe, aber laͤnger als die Ve⸗ netianiſchen und buntfaͤrbig; es giebt auch weiße. Man ſaͤet dieſelben im Junt und erndtet im Herbſt⸗ Monate, in welchem ſo viel Regen faͤllt, daß die Fluͤſſe davon ſchwellen. Die Zeit ihrer Bearbeitung der Felder, der Saat und Eindte iſt nur 3 Monate. Sie ſaͤen aus Traͤgheit nicht mehr aus, oder erndten nicht mehr ein, als ſie beilaͤufig im Jahre brauchen. An Aufhaͤufung eines Vorraths wird gar nicht gedacht, weßwegen ſie auch manches Jahr Noth leiden. 4— 5 werfen die Erde durch Spaten auf, aber nicht 4 Zoll tief; ungeachtet dieſer geringen Arbeit gedeihet der Samen... Ihre Getruͤnke ſind Waſſer, Milch und Palmwein, wel cher von einer Art Dattel⸗Baͤume waͤhrend des ganzen Jahres abgezapft wird; ſie nennen dieſen Saft Michol. Werden die Baͤume an 2— 3 Stellen ohnweit des Fußes angebohrt, ſo entquillt ein braunes Waſſer in Tropfen, wovon ein Gefaͤß kaum den gan⸗ zen Tag voll wird. Der Saft ſchmeckt angenehm, und berauſcht ſogar, wenn er nicht mit Waſſer ver⸗ miſcht wird. So fuͤß er anfangs iſt, ſo verliert er doch taͤglich ſo viel, daß er endlich ganz ſauer wird. Am dritten oder vierten Tage befoͤrdert er den Stuhl. Cada Moſto befand ſich bei deſſen Genuſſe beſſer, als bei Italiſchen Weinen. Zwar iſt der Saft nicht in Menge zu haben, doch ſind alle Vornehme damit verſehen.— 44 Man findet mehrere Arten von fruchtbaren Baͤumen, wie in Europa. Wuͤrden ſie in Gaͤrten verſetzt, ſo moͤchten ſie ſich noch⸗ beſſer auszeichnen, als in den noͤrdlicheren Laͤndern, wegen des elimatiſchen Ein⸗ fluſſes. Das Land iſt eben, voll ſchoͤner Vieh⸗Weiden und vieler ſchoͤnen Baͤume, welche die Europaͤer nicht beſitzen. Die Waſſer⸗Teiche ſind nicht breit, aber ſehr tief, und mit den beſten Fiſchen gefuͤllt, unter welchen auch viele Waſſer⸗Schlangen(Kalkatrici) ſich befinden. Zwar bedient man ſich auch eines Oeles zu den Speiſen, aber deſſen Quelle war nicht zu entdecken; es riecht wie Violen, ſchmeckt wie Oliven, und faͤrbet die Speiſen beſſer als Safran. Eine Pflanze iſt fruchtbar an kleinen welſchen Bohnen. Unter ihren vielen Thieren ſind vorzuͤglich die giftigen Schlangen zu meiden, ſie moͤgen groß oder klein ſeyn. Die erſteren ſind mehr als 2— 4 Fuß lang, und ſo dick, daß ſie eine Ziege auf einmal ver⸗ ſchlingen koͤnnen, ohngeachtet ſie weder Fuͤße noch Fluͤgel haben. Sie begeben ſich in zahlreicher Menge zu den Haufen weißer Ameiſen, die durch einen na⸗ tuͤrlichen Trieb die Erde ſo aufhaͤufen, daß die Schlan⸗ gen ſich darin verkriechen koͤnnen. Dieſe Hoͤhlen glei⸗ chen Oefen, und in mancher Gegend ſind 50— 60 zu ſehen. Die Schwarzen glauben viel an Zauberei, und ſind ſogar der Meinung, auch die Schlangen zu be⸗ 3 zaubern. Sie glaubten, daß Budomel durch Be⸗ zeichnung eines Kreiſes in die Erde alle daſelbſt be⸗ findliche Schlangen bannen koͤnne, wovon er die gif⸗ tigſten toͤdte, und durch deren Blut ſeine Waffen ſo vergifte, daß ein damit Verwundeter in einer Viertel⸗ ſtunde ſterben muͤſſe. Im Reiche Senegha giebt es weder Ochſen, noch Kuͤhe, noch Ziegen, noch Schafe, weil ſie in dieſer Hitze nicht lange ausdauern koͤnnten. Wie die Europaͤer ſich durch Pelze und Kleider gegen die Kaͤlte ſchuͤten, ſo haben die Schwarzen Baumwolle. Man ſieht ſehr ſelten eine rothe Kuh; die meiſten ſind ſchwarz oder weiß, oder bunt. Deſto mehr Loͤwen, Leoparden und Woͤlfe, Ziegen und Haſen ſind zu ſehen, auch wilde und große Elephanten, ohne zahm gemacht werden zu koͤnnen. Jeder Elephant hat zwei große Zaͤhne in dem unterſten Kinnbacken, wie der wilde Eber, mit dem einzigen Unterſchiede, daß die Spitzen des letzteren aufwaͤrts— jene des erſteren abwaͤrts ſtehen. Die Elephanten verlieren ihre großen Zaͤhne nicht vor dem TDode, und beſchaͤdigen Nieman⸗ den, wenn ſie nicht gereizt werden, in welchem Falle ſie ſogleich ihre Gegner mit dem Ruͤſſel empor heben, und ſo weit manchmal ſchleudern, als man einen Stein werfen kann. Sobald ſie Jemanden ernſtlich veifolgen, ſo iſt es nicht moͤglich, ihnen zu entfliehen; ſie ſind beſonders zur Zeit der Schwangerſchaft ge⸗ faͤhrlich. Sie gebaͤhren 3— 4 Junge, leben von Blaͤttern und Fꝛuͤchten der Baͤume, deren Aeſte ſie 46 mit dem Ruͤſſel von der Hoͤhe herab beugen, und zum Munde fuͤhren. Verſchiedene Gattungen von Voͤgeln; beſonders Papageien, ſind ſehr zahlreich. Die Schwarzen haſſen ſie, weil ſie großen Schaden an ihren Huͤlſen⸗Fruͤchten und Hirſe leiden. Es giebt kleinere und groͤßere Papageien: letztere haben einen braunen Kopf, Nacken und Schnabel; der Leib iſt gruͤn und gelb. Cada Moſto brachte mehr als 150 nach Spanten, wo er jeden um 1½ Dukaten verkaufte. Sie ſind ſebhr ge⸗ ſchickt im Baue ihrer Neſter, welche ſie aus Binſen und kleinen Blaͤttern von Palm⸗ und anderen Baͤu⸗ men verfertigen. Der Papagei waͤhlt den duͤnnſten Aſt, auf deſſen Ende er die Binſen befeſtigt, ſein Neſt ſehr ſchoͤn webt, und wie eine Kugel ſo anhaͤngt, daß nur eine Oeffnung uͤbrig bleibt. Da die ſchwa⸗ chen Aeſte die Laſt der Schlangen nicht ertragen koͤn⸗ nen, ſo erhaͤlt der Papagei auf dieſe Art ſeine Jun⸗ gen im Neſte geſchuͤtzt vor ihnen. Es giebt auch andere in Italien unbekannte Voͤgel, welche man in Europa, wohin ſie aus der Levante geliefert werden, Pharaons⸗Huͤhner nennt. Waͤhrend ſeines Aufenthaltes beſuchte Cada Moſto vorzuͤglich die auf einer Wieſe jeden Mittwoch und Freitag ſtatt findenden Maͤrkte. Aus einer Ent⸗ fernung von 4— 5 Meilen wurden Waaren durch Maͤnner und Weiber geliefert, naͤmlich Kattun, Zeug, Garn, Oel, Huͤlſenfruͤchte, Hirſe, hoͤlzerne Faͤſſer, 8 N 47 Palm⸗Matten, Gewehre, etwas Gold, und ganz ge⸗ meine Lebens Beduͤrfniſſe. Aus Mangel einer Muͤnze konnte nur Tauſch⸗Handel ſtatt finden. Da Cada Moſto wahrſcheinlich der erſte Weiße war, welcher ſich den Schwarzen zur Schau darbot, ſo war er der allgemeine Gegenſtand der Neugierde. Seine Kleidung bewunderten ſie in gleichem Grade, wie ſeine Farbe; er trug eine ſchwarze Weſte aus Damaſt, und einen ſpaniſchen Mantel. Da ſie die Bearbeitung der feinen Wolle nicht verſtanden, ſo gefiel ihnen vorzuͤglich der Stoff der Weſte. Manche ergriffen ihn an den Armen und Haͤnden, und rieben dieſe mit Speichel ab, um ſich zu uͤberzeugen, ob die weiße Farbe natuͤrlich oder kuͤnſtlich ſey. Er beſuchte die Maͤrkte vorzuͤglich, um zu ſehen, welche Gold⸗ Maſſen dahin gebracht werden. Wegen des durch die Hitze vernichteten Futters ſind die Pferde außerordentlich ſelten und theuer, welche die Araber und Azanaghier aus den Europa am naͤchſten gelegenen Laͤndern erhalten. Leider koͤnnen ſie wegen der großen Hitze, wenn ſie auch Futter im Ueberfluſſe erhalten, nicht lange leben. Denn ſie werden ſo fett, daß ſie zuletzt berſten, weil ſie ſich ihres waͤſſerichten Unraths nicht mehr entledigen koͤn⸗ nen. Man fuͤttert die Pferde mit Bohnen⸗Blaͤttern nach deren Erndte auf dem Felde; dieſelben werden klein geſchnitten, wie trocknes Heu, und dienen ſtatt des Hafers. Man reicht den Pferden auch Hirſe, 48 wovon ſie ſehr fett werden. Ein geſchirrtes Pferd hat den Werth von 9— 10 ſchwarzen Sklaven; es wird aber nur in Gegenwart der Pferde⸗Beſchwoͤrer gekauft. Dieſe zuͤnden gewiſſe Kraͤuter an, und hal⸗ ten den Kopf des Pferdes bei dem Zaume uͤber den Dampf, waͤhrend ſie, wie unſere juͤdiſchen Zauberer oder Taſchenſpieler, einige Worte ſprechen. Dann ſalben ſie es ganz mit feinem Oele, verwahren es 18— 20 Tage gegen alle Beſuche der Neugierigen, heften einige mauriſche Beſchwoͤrungs⸗Formeln an den Nacken, welche in Leder auf Zettelchen ſich be⸗ finden. Sie bilden ſich ein, daß ſie durch dieſes Schutzmittel gegen die heftigſten Angriffe im Kriege geſichert ſind. 4 Die Weiber ſind ſehr munter und luſtig; die jüngeren ergoͤtzen ſich beſonders durch Geſang und Tanz des Nachts bei hellem Monde. Alle Schwarze bewunderten die Einrichtung der Schiffe, das grobe Geſchuͤtz und die Flinten. Bei deren Annaͤherung an das Schiff ließ Cada Moſto eine Kanone los⸗ brennen, wodurch ſie ſehr erſchraken. Ihre Furcht vor dieſer Waffe ſteigerte ſich auf die Nachricht, daz ein Schuß 100 Menſchen toͤdten koͤnnte; ſie rechneten dieſe Gewalt dem Teufel zu. Eben ſo bewunderten ſie die Sackpfeifen, und die Fertigkeit der Spieler auf denſelben: ſie hielten dieſes Inſtrument fuͤr ein lebendiges Thier, welches ſo verſchiedene Toͤne von ſich geben koͤnne, und horchten mit großem Vergnuͤgen 49 zu. Erſt als ſie es in die Haͤnde nahmen, uͤberzeugten ſie ſich vom Kunſtwerke, welches nur aus Gottes Hand kommen koͤnnte. Denn Menſchen ſeyen nicht im Stande, ſo verſchiedene ſchoͤne Toͤne hervor zu bringen. An den Schiffen bewunderten ſie die Maſten, Segel, Taue und Anker in gleichem Grade. Sie hielten die Schieß⸗Loͤcher im hinteren Theile fuͤr wirkliche Augen, durch welche das Schiff den Weg uͤber die See faͤnde. Denn die Reiſenden zu Land haͤtten ſchon Muͤhe, den Weg von einem Orte zum anderen zu finden; wie weit ſchwerer ſey der Weg uͤber das Meer zu finden, welches keine Spuren hin⸗ terlaſſe, wie das Land. Am meiſten befremdete ſie die brennende Kerze im Leuchter, welche ihnen eben ſo ſchoͤn als wunderbar vorkam, weil ſie kein anderes Licht, als jenes des Feuers kannten. Sie ſaugten das Honig aus den Bienen⸗Neſtern, und warfen das Wachs als unbrauchbar weg. Sobald ſte aber ſahen, daß die Fremden aus dem Wachſe die brennenden Kerzen bereiten, wurden ſie in das groͤßte Staunen verſetzt; ſie hielten die Chriſten fuͤr Abkoͤmmlinge Gottes, welche alles wuͤßten. Daran glaubten ſie um ſo mehr, als Cada Moſto die Be⸗ handlung der Bienen⸗Neſter ſie lehrte. Ihre muſikaliſchen Inſtrumente beſchraͤnkten ſich nur auf eine Art einer großen Trommel, und eine 46. B. Afrika. I. 1. 4 50 Art einer Violin mit zwei groben Saiten, die ſie ſehr mißtoͤnig mit den Fingern ſpielten. VII. Nachdem Cada Moſto eine ziemliche Kennt⸗ niß des Landes von Budomel erworben zu haben glaubte, und einige Sklaven eingetauſcht hatte, ſo beſchloß er, ſich weiter zu begeben. Aus dieſem Grunde wollte er uͤber das gruͤne Vorgebirge hinaus fahren, indem nach der Belehrung des Prinzen Hein⸗ rüch von Portugal nicht weit vom Koͤnigreiche Se⸗ negha ein anderes unter dem Namen Gambra ſich befinde, aus welchem viel Gold nach Spanien gebracht werde, und die dahin pilgernden Chriſten ſich ſehr bereicherten. Cada Moſto verließ daher Budomel zur Befriedigung ſeines Durſtes nach Gold, begab ſich in ſeine Caraselle und ſegelte ab. Eines Morgens nahm er zwei Schiffe wahr, er naͤherte ſich ihnen, und fand, daß beide dem Prinzen Hein⸗ r ich zugehoͤrten, und auf Koſten ſeines Dienſt⸗Mannes Genneſer Antonio Ufo di Mare und anderer Sdelleute ausgeruͤſtet worden war. Sie vereinigten ſich, und wollten gemeinſchaftlich uͤber das gruͤne Vorgebirge hinaus ſegeln, ihr Gluͤck zu verſuchen. Sie fuhren laͤngs der Kuͤſte, damit ſie das Land im Auge behielten. Das Vorgebirge, welches ſie den naͤchſten Tag entdeckten, war kaum mehr als 30 Ita⸗ liſche Meilen vom Punkte ihrer Abfahrt entfernt. Der Name des gruͤnen Vorgebirges wurde von den Portugieſen, welche es ein Jahr vorher entdeckt 51 batten, ausgeſprochen, weil ſie es mir Baͤumen be⸗ wachſen, und im ganzen Jahre gruͤn fanden. Es iſt hoch und ſchoͤn, dehnt ſich weit in das Meer, und hat an der Spitze zwei kleine Anhoͤhen. Auf und um deuſelben ſind mehrere kleine Doͤrfer der Schwarzen von Senegha augelegt, welche ſich in Stroh⸗Huͤtten nahe am Ufer und im Angeſichte der Voruͤberſegelnden aufhalten. Einige Sandbanke erſtrecken ſich auf 1/½ Meile in die See. Nachdem ſie voruͤber gefahren waren, ſo ſtießen ſie auf 3 unbewohnte kleine Inſeln voll groter gruͤner Baͤume, wo ſie aus Mangel an Waſſer ankerten; allein ſie fanden keine Quelle auf der groͤßten derſel⸗ ben, wohl aber mehrere angeſehene Vogel⸗Neſter und Eier. Sie verweilten einen Tag, und fiſchten mit Angeln und großen Haken. Sie hatten das Ver⸗ gnugen, eine gußerordentliche Menge Fiſche zu finden, unter welchen auch der Dentali und Goldfiſch von 42— 15 Pfunden(Orate Vecchio nach Ra⸗ muſio, oder Oſtreas Veteres nach G ry naͤus) im Juli gefangen wurde. Des anderen Tages ſegelten ſie in nicht großer Ferne vom Lande weiter; auf dieſer Seite bildet ſich ein Vorgebirge. Die Kuͤſte iſt ganz niedrig, und voll ſchoͤner Baͤume, welche ihre Blaͤtter niemals ſo ver⸗ lieren, wie die Europaiſchen. Denn neue Blaͤtter wachſen nach, ehe die alten ganz verdorren. Dieſe Baume ſind ſo nahe am Ufer, daß ſie das Seewaſſer 52 an ſich zu ziehen ſcheinen. Dieſe Kuͤſte geſiel dem Cada Moſto mehr, als irgend eine andere auf ſeiner ganzen Fahrt. Ueberall iſt ſie von verſchiedenen klei⸗ nen Fluͤſſen durchſchnitten, in welche jedoch die Schiffe nicht einfahren koͤnnen. Zwei verſchiedene ſchwarze Nationen bewohnen dieſe Kuͤſte, naͤmlich die Barbaſini und Serreri. Sie ſind weder dem Koͤnige von Senegha, noch einem anderen unterworfen, obgleich ſie einen mehr als den andern hoch verehren. Ihre Abneigung ge⸗ gen einen Herrn uͤber ſich mag ſich aus der Furcht erklären, daß ihre Weiber und Kinder als Sklaven abgefuͤhrt und verkauft werden, wie es allen anderen ſchwarzen Nationen begegnet, welche unterworfen ſind. Sie ſind ohne alle Geſetze, ſehr grauſam und große Abgoͤtter. Ihre vorzuͤglichſten Waffen ſind Bo⸗ gen und Pfeile; letztere ſind, wie wir ſchon beruͤhrten, vergiftet; deßwegen ſind die Wunden davon unheilbar, ſobald Blut herauskommt; der Getroffene ſtirbt au⸗ genblicklich. Alle haben eine ſchoͤne Geſtalt, und ſind ſehr ſchwarz. Man findet in ihrei Lande viel Holz, Teiche und Baͤche oder Fluͤſſe zur groͤßten Sicherheit der Einwohner: denn man kann ſich ihnen nur durch euge Paͤſſe naͤhern, weßwegen ſie auch keinen benach⸗ barten Herrn zu fuͤrchten haben. In den fruͤheren Zeiten verſuchte der Koͤnig von Senegha oͤfters, ſie zu unterjochen; allein alle ſeine Muͤhe war verge⸗ 53 bens. Durch ihre Pfeile und natuͤrliche Befeſtigung des Landes wieſen ſie jeden Angriff muthig zuruͤck. Cada Moſto fuhr laͤngs der Kuͤſte mit gurem Winde ſuͤdwaͤrts, und entdeckte die Muͤndung des ſeichten Fluſſes Barbaſini, welche vielleicht einen Bogen⸗Schuß breit war; er iſt etwa 60 Meilen von dem gruͤnen Vorgebirge entfernt. Er ſegelte waͤhrend des Tages laͤngs der Kuͤſte fort, und aukerte jeden Abend in 10— 12 Klaftern oder Faden Waſſer, viel⸗ leicht 4— 5 Meilen vom Lande. Bei dem Aufgang der Sonne ließ er die Segel aufziehen und beorderte einen Mann oben auf dem Maſte, und zwei am Hin⸗ tertheile, genau zu beobachten, ob die See an Klippen oder Untiefen ſich brechen wuͤrde. Bald erreichten ſte die Muͤndung eines Fluſſes, welcher ſo breit war als der Senega; ſie ankerten und beſchloſſen, einen ihrer ſchwarzen Dolmetſcher, welche ſie aus Portugal mitgebracht hatten, in das Land zu ſenden. Dieſe waren von den Herren von S enega an die erſten Portugieſen, welche dahin gekommen waren, als Skla⸗ ven verkauft worden, hatten bereits ſich zum Chriſten⸗ thume bekannt, und waren der ſpaniſchen Sprache maͤchtig. Die Eigenthuͤmer dieſer Sklaven uͤbergaben ſie den Schiffen unter der Bedingung, daß jeder nach ſeiner Ruͤckkehr einen neu mitgebrachten Sklaven ſtatt ſeiner Beſoldung erhalten, und ganz frei werden ſollte, wenn er vier Sklaven ſeinem Herrn uͤberbringen wuͤrde. 54 Dieſes Mal hatte das Genueſer Schiff durch das Loos die Beſtimmung erhalten, einen Sklaven als Dolmetſcher abzuſchicken. Dann ſetzte dieſes eine bewaffnete Barke mit der Weiſung aus, d daß nur dann Jemand au das Land treten ſollte, wenn der Dol⸗ metſcher ausgeſetzt wuͤrde. Dieſer haͤtte dann ſich um die Beſchaffenheit des Landes zu erkundigen, und beſonders um den Vorrath von Gold und anderen Waaren, w welche den Europaͤern dienlich ſeyn koͤnnten. Als der Dolmetſcher an das Land gekommen und das Schiff zuruͤckgekehrt war, naͤherten ſich ihm mehrere Schwarze. Sobald ſie die Schiffe annaͤhern ſahen, ſteckten ſie ſich mit Bogen, Pfeilen und anderen Waffen in den Hinterhalt, und mochten ſich mit der Hoffnung ſchmeicheln, daß ſie einige der landenden Fremdlinge fangen wuͤrden, ſtatt daß ſie gefangen werden ſollten. Nach einer ſehr kurzen Unterredung mit dem Dolmetſcher, fielen ſie mit ihren kurzen Schwertern wuͤthend uͤber ihn, und todteten ihn, ehe die Schiffsmannſchaft ihm Huͤlfe leiſten konnte. Da⸗ durch wurde dieſe ſehr beſtuͤrzt, und zum Schluſſe gebracht, daß die grauſamen Wilden, welche ſo ſchnell einen ihrer Gattung umbringen koͤnnten, gegen ſie noch weniger Schonung haben moͤchten; deßwegen ſetzte ſie ihre Reiſe ſuͤdwaͤrts weiter fort. Die Kuͤſte wor überall niedrig, immer ſchoͤner und voll gruͤner Baͤume. Endlich erreichten ſie die Muͤndung eines Fluſſes, welcher an ſeinen engſten Orten wenigſtens — 5⁵ 3— 4 Meilen breit war. Sobald ſie ſich uͤberzeugten, daß man ohne Gefahr einfahren koͤnne, ſo beſchloſſen ſie, zu verweilen, in der Hoffnung, daß ſie im Koͤnig⸗ reiche Gambra angekommen ſeyen, und nicht weit von demſelben viel Gold und andere Koſtbarkeiten zu ihrer Bereicherung antreffen wuͤrden. Des anderen Tages bemerkten ſie ſchon einen ſchwachen Wind; ſie ſchickten ihre kleine gut beſetzte Karavelle mit der Weiſung voraus, ſo weit als moͤglich in das Land vorzudringen. Faͤnden ſie Baͤnke im Fluſſe, ſo moͤch⸗ ten ſie deren Tiefe ergruͤnden; waͤre er ſchiffbar, ſo ſollten ſie zuruͤckkehren, Anker werfen, und dieſe Be⸗ obachtung durch Zeichen andeuten; ſie fanden 4 Klafter Waſſer. Dies gab Veranlaſſung, daß ein bewaffnetes Boot mit den anderen Karavellen unter der Weiſung abgeſchickt wurde, ſich vor den Schwarzen, im Falle ihres Angriffes auf die Schiffe, ſogleich zuruͤck zu zie⸗ hen, ohne ſich mit ihnen weiter zu befeinden. Denn nur durch Guͤte, Sanftmuth, Nachgiebigkeit und Friede köoͤnnte der Vortheil errungen werden, welchen man von der Schiffahrt in dieſes Land hoffe. Die Boots ruͤckten auf dem Fluſſe voran, und fanden zwei Meilen weit deſſen Tiefe nicht unter 16 Klafter; im Fortſegeln ein ſehr ſchoͤnes Ufer voll Baͤume. Doch getrauten ſie ſich nicht, wegen der Kruͤmmungen des Fluſſes tiefer in das Land zu fahren. Auf der Ruͤckkehr ſahen ſie an der Muͤndung eines kleinen Fluſſes, welcher ſich in den großen ergoß, 56 3z kleine Nachen aus einem Stuͤck Holz geſchnitten, in Italien Zoppoli, in Spanien Almadias genannt. Obſchon ſie zahlreich genug zur Vertheidigung waren, ſo fuͤrchteten ſte doch die vergifteten Pfeile, und ru⸗ derten deßwegen in moͤglichſter Eile nach dem Schiffe zuruͤck. Bis ſie an Bord kamen, waren die ihnen ge⸗ folgten 3 Nachen mit 25 oder 30 Moren innerhalb eines Bogen⸗Schuſſes entfernt; naͤherten ſich aber, ungeachtet wiederholten Rufes nicht weiter, ſondern fuhren nach einiger Beſchauung zuruͤck. Des anderen Morgens 3 Uhr ſegelten die beiden zuruͤckgebliebenen Schiffe mit dem Strome unter einem ſchwachen Winde fort zur Erreichung des dritten. Sie fuhren nach einander in den Fluß, und die kleinſte Karavelle voran. Bereits hatten ſie 4 Meilen zuruͤck gelegt, als ſie ſich von einer Menge kleiner Nachen umringt ſahen, ohne zu wiſſen, woher ſie kamen. Sie wendeten ſich gegen dieſe, und machten ſich ſo ſchlagfertig, als ſie konnten. Die Nachen naͤherten ſich dem vorderen Theile von Cada Moſto's Schiffe, welches voran fuhr, theilten ſich in zwei Haͤlften, und nahmen ihn in die Mitte; erſt jetzt konnte er die 15 Barken zaͤhlen. Sie hielten ſtill und ſchauten auf die Karavelle mit Verwunderung; ſie waren 130— 150 ſtark, ſehr ſchwarz, ziemlich groß, und gut gewachſen. Sie trugen weiße Hemden von Kattun, weiße Muͤtzen auf den Koͤpfen wie die Teutſchen, aber mit einem Flügel an jeder Seite, und mit einer 57 Feder in der Mitte, wodurch ſie ſich als Soldaten kenntlich machten. Vorne an jeder Almadia ſtand ein Schwarzer mit einem runden Schilde aus Leder am Arme. Sobald die anderen Schiffe auch herbei ge⸗ kommen waren, ſchoſſen ſie ihre Pfeile los; die Eu⸗ ropaͤer erwiederten dieſen Angriff durch Kanonen und kleines Gewehr⸗Feuer, wovurch viele Schwarze ihr Leben verloren, aber kein Europaͤer. Als die Schwar⸗ zen ihren Verluſt erkannten, ſo vereinigten ſie alle ihre Barken gegen den hinteren Theil von Cada Moſto's Karavelle mit großem Feuer. Sobald er dieſes wahrnahm, ruͤckte er mit den beiden groͤßeren zum Beiſtande herbei, nahm die Barken zwiſchen jene, und nothigte ſie durch gleichzeitiges Abfeuern aller Kanonen und Flinten zum Ruͤckzuge. Darauf ver⸗ einigten ſich die drei Karavellen, und warfen Anker, weil es ſtilles Wetter war. Sie bemuͤhten ſich hier⸗ auf durch ihre Dolmetſcher, mit den Schwarzen in Unterredung zu kommen. Endlich naͤherte ſich eine Barke, deren Mannſchaft gefragt wurde, warum ſie gegen Fremde feindſelig verfahre, welche doch die Ab⸗ ſicht haͤtten, ſo freund ſchaftliche Verbindungen anzu⸗ knuͤpfen, wie bei den Bewohnern von Senega. Sie braͤchten große Geſchenke vom Koͤnige in Portugal, wofuͤr ſie wenig oder gar nichts verlangten. Die Schwarien erwiederten, ſie ſeyen von der Verbindung der Fremden mit den Bewohnern von Senega wohl benachrichtigt; dieſe muͤßten ſehr boͤſe Menſchen ſeyn⸗ 58 weil ſie mit den Chriſten ſich in Verbindung einließen, denn ſie ſeyen verſichert, daß alle dieſe nur Menſchen⸗ Freſſer ſeyen, und die Schwarzen kauften, um ſie zu verzehren. Eben deßwegen wollten ſie jede Freund⸗ ſchaft meiden; vielmehr ſie toͤdten, und von ihren Waaren dann ihrem Herrn von Gambra, welcher drei Tagereiſen entfernt ſey, Geſchenke machen. Die Befehlshaber der Karavellen wollten dann 200 Meilen weiter den Fluß hinauf ſchiffen, in der Hoffnung, freundlichere Menſchen zu finden. Allein ihre Matroſen hatten Sehnſucht zur Nuͤckkehr, und weigerten ſich, weiter zu fahren. Da die Obern ihre Untergebenen kannten, ſo gaben ſie dem zu lauten Wunſche nach, und ſegelten des anderen Tages nach dem gruͤnen Vorgebirge, und nach Spanien zuruͤck. Waͤhrend ibres Aufenthaltes in dieſem Fluffe ſahen ſie den noͤrdlichen Polar⸗Stern nur einmal und ſehr tief: denn bei heiterem Wetter ſchien er nur eine Lanze hoch uͤber dem Meere zu ſtehen. Neben dieſem bemerkten ſie zugleich ſechs helle und große, welche ſie fuͤr den fuͤdlichen Wagen hieſten; ſie konnten ſich aber nicht verſprechen, den vornehmſten Stern zu ſehen, da ſie den Nord⸗Pol noch immer ſahen. Am 1. Juli war ihnen die Nacht 11 1½ Stunden, und der Tag 12.4/2. Das Land iſt fehr heiß; ſelbſt der Regen faͤllt ganz warm herab, obſchon die Hitze bald zu, bald abnimmt. Das letztere nennen die Schwarzen 59 den Winter: denn alle Mittage vom Juli bis zum Ende Octobers regnet es; in Nord⸗Oſt gegen Oſt, oder Oſt⸗Suͤd⸗Oſt erheben ſich Wolken, welche mit Donner, Blitz und großen Regenguͤſſen verbunden ſind. Die Einwohner von Gambra ſaͤen um dieſe Zeit ihr Korn, wie jene von Senega. Ihre Lebens⸗ Mittel ſind Hirſe, Huͤlſen⸗Fruͤchte, Fleiſch und Milch. Bei dem Anbruche des Dages faͤllt Thau, wie in Italien und England: ſchon ½ Stunde nach dem Verſchwinden der Nacht erſcheint die Sonne, und waͤhrend dieſer kurzen Zeit iſt die Atmoſphaͤre neblicht. Cada Moſto glaubte, das ſchnelle Erſcheinen der Sonne komme von dem Manzel der Berge, und von der tiefen Lage des ganzen Landes her. 60 Zweite Reiſe des Aluiſe da Cada Moſto an die Afrikaniſche Küſte im J. 1456. So mißvergnuͤgt er und ſein Genueſer Ant. Uſſomare uͤber das Mislingen der erſten Unter⸗ nehmung war, ſo ruͤſteten ſie doch im folgenden Jahre wieder zwei Karavellen aus, um an den Rio Grande zu ſegeln. Der Infant Henrieo war daruͤber ſo erfreut, daß er ihnen noch eine dritte uͤbergab. Sie ſchifften im Anfange des May 1456 unter gutem Winde von Lagos, nicht weit von dem Vorgebirge St. Vincent ab, erreichten nach wenigen Tagen die Kanarien, und ſetzten wegen des ſtets guten Win⸗ des ihren Lauf gegen Suͤd fort. Da ſie auch der nach Suͤd⸗Weſt gehende Strom beguͤnſtigte, ſo machten ſie eine große Strecke. Endlich ſahen ſie das weiße Vorgebirge, und wurden in der folgenden Nacht von einem großen Sturme aus Suͤd⸗Weſt uͤberfallen. Deßwegen ſteuerten ſie lieber zwei Naͤchte und drei Tage Weſt gegen Nord, um dem Sturme zu entge⸗ ben. Am dritten Tage wurden ſie von der Anſicht eines Landes uͤberraſcht. Von den Maſten herab ent⸗ deckten ſie zwei große Inſeln, uͤber welche ſie eine grenzenloſe Freude empfanden, da dieſe den Spaniern noch nicht bekannt waren. Da ſie Einwohner daſelbſt vermutheten, ſo naͤherten ſie ſich, ſegeiten um das rand herum, bis ſie einen Auker⸗Platz fanden. Sobald 61 das Wetter ruhig war, ſendeten ſie ihr Boot wohl bewaffnet und bemannt an das Land. Die Mann⸗ ſchaft durchwandelte eine Strecke, und kehrte mit der Nachricht zuruͤck, keine Spur von Menſchen gefunden zu haben, Des anderen Tages ſchickte Cada Moſto zehn Mann mit Gewehren und der Weiſung dahin, ſie moͤchten ſich auf die Spitze einiger Berge begeben, um die Beſchaffenheit des Landes, und vielleicht einige benachbarte Inſeln zu ſehen. Dieſe fanden ebenfalls keine Menſchen, aber eine außerordentliche Menge Tauben, welche ſie mit den Haͤnden ergreifen und in die Schiffe bringen konnten. Zugleich entdeckten ſie 3z andere Inſeln, wovon eine gegen Nord, der uͤbrigen Schiffs⸗Mannſchaft nicht ſichtbar war, die beiden an⸗ deren gegen Suͤd. Noch vermutheten ſie, eine Inſel gegen Weſt zu bemerken, welche ſie nicht genau unter⸗ ſcheiden konnten. Cada Moſto war karg auf ſeine Zeit, welche er nicht unbewohnten Eilanden opfern wollte. Die Nachricht von den bereits entdeckten Inſeln bewog die uͤbrige Mannſchaft zur weiteren Forſchung; ſie entdeckten allmaͤhlig 10 Inſeln, von vielen Tauben und Fiſchen belebt. Ste ſchifften weiter an den beiden uͤbrigen groͤße⸗ ren Inſeln, und ſuchten an der mit Baͤumen beſetz⸗ ten einen Anker⸗Platz. Da ſie die Muͤndung eines Fluſſes entdeckten, und friſches Waſſer brauchten, ſo aukerten und landeten ſie zu dieſem Zwecke. Einige Neugierige der Schiffs⸗Mannſchaft ſegelten in Bar⸗ S 62 ken den Fluß aufwaͤrts, und fanden einige kleine Teiche von ſchoͤnem feinem Salze, wovon ſie vieles auf die Schiffe brachten. Sie beiaſteten ihre Schiffe mit eben ſo viel gutem Waſſer und Salz, als ſie fuͤr die weitere Reiſe noͤthig zu haben glaubten. In gro⸗ ßer Anzahl zeigten ſich auch Schildkroͤten, von welchen die Matroſen gleichfalls viele zu ſich nahmen, und auf verſchiedene Weiſe zubereiteten, wie die Fiſche bei dem Meerbuſen von Argin. Cada Moſto fand das Fleiſch derſelben im Geſchmack und Geruche, wie jenes der Kaͤlber, weßwegen er viele Schildkroͤten fuͤr die weitere Reiſe einſalzen ließ. An der Muͤndung des Fluſſes ſingen ſie auch eine außerordentliche Menge ſehr gut ſchmeckender Fiſche, welche ſie gar nicht kannten. Ein Schiff von 150 Tonnen kaun den Fluß aufwaͤrts ſegeln; er iſt auch ſo breit, als ein Bogen⸗ Schuß. Zu ihrer Erholung verweilten ſie zwei Tage, und nahmen auch ſehr viele Tauben zu ſich, welche ſie vor der Abreiſe toͤdteten. Die erſte Inſel, welche ſie wieder ſahen, nannten ſie Bona Viſta, und die zweite St. Jago, oder Jakob, weil ſie an dieſem Tage ankerten.— Nach gehoͤriger Vorbereitung zur Fortſetzung der Reiſe richteten ſie ſich nach dem gruͤnen Vorge⸗ birge, wo ſie zu Spedegar an dem Platze der zwei Palmen hielten, welcher zwiſchen dem Vor⸗ gebirge und dem Fluſſe Seuega liegt. Des anderen Tages ſegelten ſie zum Fluſſe Gambra, in weichen 63 ſie ſchnell einfuhren, und ohne Widerſtand der Schwar⸗ zen oder deren Almadien waͤhrend des Tages, mit dem Senkblei in der Hand hinauf ſegelten. Etwa 10 Meilen von dem Fluſſe ankerten ſie am Morgen eines Sonntages bei einer Inſel, welche glattem Ei⸗ ſen aͤhnlich war, und wo ein am Fieber geſtorbener Matroſe, Namens Andr eds, begraben wurde, nach welchem ſie die Inſel bezeichneten. Waͤhrend ſie den Fluß hinauf fuhren, folgten ihnen einige Almadien der Schwarzen von Ferne nach, mit welchen die Dol⸗ metſcher ſprachen. Dieſe boten jenen verſchiedene Spiel⸗Waaren an, und luden ſie zur Annaͤherung ein, indem die auf den Schiffen befindlichen Fremden gut⸗ artige Menſchen ſeyen. Die Schwarzen ließen ſich be⸗ wegen, und einer beſtieg Cada Moſto's Schiff, deſ⸗ ſeu innere Einrichtung er ſo ſehr bewunderte, wie die Segel und das Takelwerk, indem er nur ausgehohlte Baͤume und Ruder kannte. Eben ſo befremdend kam ihm die Farbe und Kleidung der Fremden vor. Da er fehr artig behandelt und auch beſchenkt wurde, ſo war er nicht zuruͤckhaltend in der Beantwortung der ihm geſtellten Fragen. Er meldete, daß er aus dem Lande Gambra komme, und daß ſein Oberhaupt Foroſangoli zwiſchen Suͤd und Suͤd⸗Weſt 9— 10 Tagreiſen entfernt, und dem Koͤnige Melli unter⸗ thaͤnig ſey, welcher der große Kaiſer der Schwarzen iſt. Nebſt dieſen gebe es aber noch auf beiden Seiten des Fluſſes viele andere Herren, von welchen Bat⸗ 64 timanſa der naͤchſte ſey. Er erbot ſich zur Einlei⸗ tung eines Vertrages mit dieſem, weil er ſie fuͤr gute und ehrliche Menſchen halte, uͤber welches Benehmen man ſich ſehr freute. Man ſegelte dann etwa 40 Mei⸗ len von der Muͤndung des Fluſſes bis zum Wohnorte von Battimanſa. Sie nahmen ihre Richtung oͤſtlich den Fluß hin⸗ auf, in welchen verſchiedene Baͤche ſich ergoßen. Am Ankerplatze war er viel enger, als an der Muͤndung, nicht uͤber eine Meile breit. Bei ihrer Ankunft ſchick⸗ ten ſie den Scharzen und einen ihrer Dolmetſcher zu Battimanſa, mit dem Geſchenke eines ſeidenen Moriſchen Kleides Alzimba, welches die Form eines Hemdes hatte. Sie ließen ihm wiſſen, daß der chriſt⸗ liche Koͤnig von Portugal mit ihm ſich zu verbinden wuͤnſche, und ihm jaͤhrlich mehrere Produkte ſeines Landes ſenden wolle, wenn ſie ihm angenehm waͤren. Battimanſa ſendete ſogleich einige Schwarze in das Schiff, welche einen Vertrag machten, und meh⸗ rere Waaren gegen etwas Gold, und gegen einige Schwarze eintauſchten. Man verweilte eilf Tage, waͤhrend welcher viele Schwarze von beiden Ufern ka⸗ men, die Schiffe zu ſehen, und ihre Waaren zu ver⸗ kaufen, unter welchen auch einige goldene Ringe waren. Sie trieben Handel mit Kattun und baumwolle⸗ nem Garne; erſteres war theils ganz weiß, theils blau und weiß, theils roth, blau und weiß geſtreift und 65 ſehr gut gewebt. Sie lieferten auch Zibeth, Meer⸗ Katzen und Baviane nebſt deren Haͤuten um ſehr ge⸗ ringen Preis; hoͤher ſchlugen ſie ihre Datteln und an⸗ deren Fruͤchte an. Die Matroſen verzehrten ſie haſtig, und wollten ſie beſſer finden, als die Europaͤiſchen. Waͤhrend des langen Aufenthaltes der Europaͤer ru⸗ derten die Schwarzen mit Weibern und Kindern in ihren kleinen Kaͤhnen neugierig hin und her; ihre Ruder waren eine Stange mit einem breiten runden Brette, 7 ½ Fuß lang, und bloß durch die freie Hand regiert. Sie rudern ſehr ſicher in die Muͤn⸗ dungen ihrer vielen Fluͤſſe, nicht ferne von ihrer Kuͤſte, noch weniger in die hohe See, damit ſie nicht von Nachbarn ergriffen, und als Sklaven verkauft werden. Da viele Europaͤer das hitzige Fieber bekamen, ſo kehr⸗ ten ſie zuruͤck. II. Die Schwarzen glauben, ungeachtet ſie die Zauberei ſchaͤtzen, an einen Gott; ſie ſind Mahome⸗ daner, leben wie die Schwarzen des Koͤnigreiches Se⸗ nega, meiſtens von Reis. Jene an der Gambra eſſen Hunde⸗Fleiſch, und kleiden ſich mit Kattun, weil die Baumwolle in ihrem Lande weit mehr gedei⸗ het, als an dem Senega. So lange ihre Frauen⸗ zimmer jung ſind, ſtechen ſie mit der Spitze einer gluͤhenden Nadel verſchiedene Figuren an den Hals, die Bruͤſte und Arme, welche wie die gewirkten und ſeidenen Blumen der Sacktuͤcher nie vergehen. Das 46. 2. Afrika. J.„. 5 66 ganze Land iſt zwar heiß, doch gegen Suͤd in zuneh⸗ mendem Grade. Es war ſelbſt im Fluße viel heißer als auf dem Meere, weil das Land von ſehr vielen breiten Baͤumen beſetzt war. An einer Quelle nicht weit vom Ufer des Fluſſes, wo die Matroſen Waſſer holten, ſtand ein Baum dicker als hoch, indem er 17Fuß maß, durchloͤchert und hohl, mit ſehr breiten Aeſten; dieſer wurde von vielen anderen noch uͤber⸗ troffen. 4 Die Zahl der Elephanten iſt groß, aber die Ein⸗ wohner hatten die Fertigkeit nicht, ſie zu bezaͤhmen. Waͤhrend die Europaͤer in der Mitte des Fluſſes an⸗ keuten, kamen drei aus dem Gehoͤlze an der Seite des Fluſſes; ſobald man ſich ihnen naͤherte, zogen ſie ſich zuruͤck. Spaͤter wurde ihnen vom Vorſteher der Schwarzen Guumi Menſa(ſoviel als Koͤnig) ein junger todter gezeigt, welchen er nach einer zweitaͤ⸗ gigen Jagd erlegt hatte. Sie jagen zu Fuß mit Bo⸗ gen und vergifteten Pfeilen; ſie ſteigen in der Verfol⸗ gung eines Elephanten auf einen Baum, und ſprin⸗ gen von einem Zweige und Baume auf den anderen. Denn die Groͤße des Thieres erfordert viele Verwun⸗ dungen, ehe es unfaͤhig wird zu widerſtehen; im freien Felde darf Niemand einen Angriff wagen, wie auch der geſchwindeſte Laͤufer ihm nicht entwiſchen kann; doch erregt es keine Beſorgniſſe, wenn es nicht ge⸗ reitzt wird. Die Zaͤhne des todten Elephanten waren nicht uͤber s Spanne lang, während jene det erwach⸗ — 67 ſenen gewoͤhnlich 40— 12 meſſen; ungeachtet ſeiner Jugend mochte er mehr Fleiſch au ſich haben, als 5— 6 Ochſen. Der Schwarze ſchenkte dem Cada Moſto jenes Stuͤck Fleiſch, welches ihm geſtel, das uͤbrige ſeinen Mitjaͤgern. Er wollre davon ein Stuͤck gekocht und gebraten eſſen, wie die Schwarzen; allein er fand es zu hart und unſchmackhaft. Er brachte ein Bein, ein 4 Stuͤck des Ruͤſſels zum Schiffe, und einige Haare,. welche ausgeriſſen, ſehr ſchwarz, dick und 1 ½ Spaune lang waren. Das Haar und ein Stuͤck Fleiſch wurde eingeſalzen, und Don Enriquez bei der Ruͤckkehr damit uͤberraſcht. Der Fuß des Elephanten iſt rund, wie ein Pferds⸗Fuß ohne Huf, welches durch eine 8 harte, ſchwarze und ſehr dicke Hant erſetzt wird, die. am vorderen Theile mit fuͤnf Naͤgeln beſetzt iſt. Der Fuß des jungen Elephanten war nicht ſo klein, ſon⸗ dern die runde Sole hatte nach allen Seiten 1 1½ Spanne. Jener vornehme Schwarze gab dem Cada Moſto den Fuß eines audern Elephanten, deſſen Sole 3 Spanne maß, welcher nebſt einem Zahne von ¹2 Spannen gleſchfalls dem Prinzen Enriguez zurück gebracht wuurde, welcher dieſe Seltenheit ſpaͤter der Herzogin von Burgund ſendete. 5 In allen Fluͤſſen dieſer Kuͤſte iſt nebſt anderen Thieren auch das Waſſer⸗Pferd zu finden, wel⸗ ches einer See⸗Kuh gleicht, und auf dem Lande, wie 68 auf dem Waſſer lebt. Es hat nur kurze Beine mit geſpaltenen Fuͤßen, einen ſo breiten Kopf, wie ein Pferd, und zwei ſo hohe Zaͤhne, wie die Hauer eines wilden Ebers zwei Spanne hoch. Dieſes Thier zieht ſich aus dem Fluſſe, und wandelt am Ufer, wie an⸗ dere vierfuͤßige Thiere, und war bis auf Cada Moſto keinem chriſtlichen Reiſenden außer dem Nile bekannt geworden. Nach ihrer Entfernung aus dem Bezirke von Bat⸗ timauſa zogen ſie ſich in wenigen Tagen aus dem Fluſſe Gambra zuruͤck, reich mit allerlei Waaren beladen. Sie kamen in dem Vorhaben uͤberein, mit gutem Winde laͤngs der Kuͤſte weiter zu ſegeln, und zwar gegen Weſt, um das Meer bald zu erreichen, ob⸗ ſchon die Kuͤſte ſehr niedrig und voll Baͤume war. Bald belehrten ſie ſich von dem Irrthume, es fuͤr ein Vorgebirge gehalten zu haben. Deſſen ungeachtet hiel⸗ een ſie ſich etwas ferne vom Ufer, weil viele Klippen und um das ſcheinbare Vorgebirge einige Meilen in das Meer ſich erſtreckten. Zur beſſeren Vorſicht mußte ein Mann im Maſtkorbe, und zwei auf dem vorderen Theile des Schiffes die Klippen und. Sandbaͤnke ſtets beobachten, weßwegen ſie auch nur bei Tags ſegelten, und Nachts vor Anker lagen. Waͤhrend dieſer Zeit fuhr ein Schiff hinter dem andern nach dem taͤglichen Looſe. Nachdem ſie zwei Tage neben dem Lande fortgeſegelt waren, entdeckten 69 ſte am dritten die Muͤndung eines Fluſſes, welcher ungefaͤhr ½ Meile breit war. Gegen Abend ſahen ſie einen kleinen Meerbuſen, welchen ſie fuͤr die Muͤndung eines anderen Fluſſes hielten. Nachts an⸗ kerten ſie, des andern Morgens fuhren ſie in den Meerbuſen, und fanden die Muͤndung eines ſo breiten Fluſſes, wie Gambra, deſſen beide Ufer mit ſehr ſchlanken und ſchoͤn gruͤnen Baͤumen be⸗ ſetzt waren. Nach dem Ankern kamen ſie uͤberein, swei Boote auszuruͤſten, und mit Dolmetſchern an das Land zu befoͤrdern. Dieſe brachten die Nachricht zuruͤck, daß der Fluß Kaſamanſa nach einem ſchwarzen Herrn gleiches Namens heiße, welcher etwa so Meilen weiter oben wohnte, aber nicht zu Haus, ſondern gegen einen andern Herrn zu Feld gezo⸗ gen war. Dieſe Nachricht bewog ſie, von dieſem Fluſſe, welcher 20 Sermeilen von Gambra entfernt war, wegzuſchiffen; ſte kamen in weiterer Entfernung von Seemeilen an ein Vorgebirge, welches etwas hoͤher, gls die uͤbrige Kuͤſte war. Da die Spitze deſſelben roth ſchien, ſo wurde es auch Cabo Roxo genannt. Auf der weiteren Fahrt erreichten ſie die Muͤndung eines ſehr breiten Fluſſes, welchen ſie, ohne einzufah⸗ ten, St. Anna nannten. Bald gelangten ſie an die Muͤndung eines nicht viel kleineren Fluſſes, welchen ſie St. Dominik nannten, und der ss—so Meilen 4 70 von dem Vorgebirge Roxo entfernt geweſen ſeyn mochte. Des anderen Tages kamen ſie an einen ſehr breiten Fluß, welcher zo engliſche Meilen breit ſeyn mochte; deſſen ungeachtet erkannten ſie die ſchoͤnen gruͤnen Baͤume auf der anderen Seite gegen Suͤd, wohin ſie nur mit vieler Muhe ihre Anker werfen Fluß herab, und naͤherten ſich den Karavellen; einer hatte gleiche Laͤnge mit dieſen, und war mit 30— der andere mit 16 Mann beſetzt. Bei der Ankunft ſteckten konnten. Des andern Tages ſchifften zwei Nachen den ſie ein weißes Sacktuch auf dem Ruder als Friedens⸗ Zeichen aus„und hielten es ſo hoch, als ſie konnten. Söbald die Portugieſen daſſelbe erwiederten, ſo kamen die Schwarzen ſogleich an ihre Seite, und ſahen die Weihen mit eben ſo viel Bewunderung an, als die Geſtalt ihrer Schiffe, die Maſten, Segel und das Tauwerk. Vergebens bemuͤhten ſich die Dolmet⸗ ſcher, ſie zu verſtehen; mit dem Eintauſche weniger goldenen Ringe gegen europaͤiſche Taͤndeleien, und kehrte zuruͤck. Auf man begzuͤgte ſich alſo dieſer Fahrt verweilten die Europaͤer noch an der Muͤndung des großen Fluſſes, welchen Nunnez Triſtan ſchon 1411 Rio Grande bezeichnet hatte, und wo ihnen der Nord⸗Pol ſehr niedrig vorkam. Hier machten ſie eine ganz eigene Erfahrung uͤber Ebbe und Fluth: ſtatt daß beide in Europa ganz glei⸗ cher Dauer zu 6 Stunden ſind, war hier die Ebbe 6, die Fluth nur 4 Stunden. Das Waſſer lief mit ſ 71 cher Gewalt an, daß ſie kaum mit 3 Ankern an der Spitze ſich halten kounten. Sie mußten die Segel immer ausſpannen, und dennoch uͤbertraf der Strom die Heftigkeit des Windes. Auf der Ruͤckreiſe beſuch⸗ ten ſie noch einige Inſeln mit ſchwarzen Einwohneyn, ohne ſich ihnen verſtaͤndlich machen zu koͤnnen. 72 Literatur der Reiſen von Marokko und Fez, Algier, Tunis u. Tripolis. — Von der Zeit K. Karl V. kam keine ausfuͤhrliche Beſchreibung dieſer Staaten zur Kenntniß des Publi⸗ kums, bis Nik. Clenard, Prpofeſſor der orientali⸗ ſchen Sprachen, zu Loͤwen, 1540 einige Briefe aus Fez ſchrieb, und der engliſche Geſandte Edm. Ho⸗ gan 1577, Stuckeley 1578, Gurney u. H. Ro⸗ berts 188s Berichte erſtatteten.— Der ſpaniſche Geſandte, Diego de Torres, verweilte dort gleich⸗ zeitig 10 Jahre; ſeine Schilderung wurde durch Her⸗ zog Karl v. Valois erſt 1638 in das Franzoͤſiſche uͤberſetzt.— Die Berichte von Spontone und Prado ſind keiner Beachtung wuͤrdig.— Die viel⸗ jaͤhrige Reiſe der Franzoſen Frejus und Charant wurde 1674— 98 in das Engliſche, Hollaͤndiſche und Teutſche uͤberſetzt.— Auch Lanc. Addiſons und Fr. Brooks Beſchreihung der Berberei wurden ii t 7 73 das Teutſche 1672 und 1748 uͤberfetzt.— L. Des⸗ may beſchrieb die Reiſe der Miſſionaͤre 1684 zum Kö⸗ nige Moule Iſmael von Fez und Marokko fuͤr die Befreiung gefangener Chriſten.— Der gleichzeitige Bericht des Franzoſen Georg Mouerte von ſeiner eilfjaͤhrigen Gefangenſchaft iſt in das Hollaͤndiſche und Engliſche, und jeuer des franzoͤſiſchen Geſandten Pi⸗ don de Saint⸗Olon, vom J. 1693, in das Hol⸗ laͤndiſche uͤbertragen worden.— Bekannte gleichwohl Simon Ockley, Profeſſor der arabiſchen Sprache zu Cambridge, in der Vorrede zu der Beſchreibung von Suͤd⸗Weſt⸗Berbarei, daß ihm der Verfaſſer der⸗ ſelben, ein Sklave, unbekannt ſey, ſo wurde dieſelbe doch in das Teutſche und Franzoͤſiſche uͤberſetzt.— Eben ſo wurde die dreimalige Reiſe des franzoͤſiſchen Trini⸗ tarier's Busnot fuͤr die Befreiung gefangener Chri⸗ ſten in das Engliſche und Teutſche uͤbertragen.— Die Franzoſen und Deutſchen erkannten auf gleiche Weiſe den Werth des englichen Tagebuchs Braith⸗ waites an.— Der Bericht des Sekretaͤrs John Windus an der Seite des engliſchen Geſandten Karl Stewart 11721 in die Staaten Fez und Ma⸗ rokko fuͤr die Befreiung gefangener Britten enthaͤlt nur wenige Neuigkeiten.— Reichhaltiger ſind die Bemerkungen von Th. Shaw uͤber die Berberei und Levante vom J. 1727 u. f., weslvegen ſie auch in das Franzoͤſiſche und Teutſche uͤberſetzt wurden.— Sehr beſcheiden ſind die Reiſen Tollots und Heben⸗ 74 ſtreits von den J. 1734— 32 vorgetragen.— Die geographiſche und hiſtoriſche Beſchreibung der Stadt Oran von Boulet wird immer achtbar bleiben.— Der wohl unterrichtete Daͤne, G. Hoeſt, machte 1750— ss ſehr intereſſante Beobachtungen, welche ver⸗ teutſcht wurden.— Saunier reiſte 1783— 8s mit zu vielen Vorkenntniſſen nach Marokko, Senegal, Gorea, Galam ꝛc., als daß ſeine Beſchreibung zweier Reiſen nicht viele andere haͤtte uͤbertreffen ſollen; ſie wurde jedoch erſt 1199 von Labor de zu Paris gege⸗ ben.— Zu den Bemerkungen des Auditors Fried⸗ richs aus Goͤttingen zu Tanger im Juni 1783 ge⸗ ſchrieben, gehoͤren noch die neueren von Jardine, Muͤller, Poiret, Lempriere, Curtis, Duͤm⸗ ge, Lyon, Agrell, Haringman, Jackſon, Dombagy, Chenier und Anderer. Die aͤlteſte Topographie von Algier danken wir dem Spanier Diego de Haedo. Deſſen Lands⸗ maͤnner Maſearenhas und Airanda beſchrieb ſeine Gefangenſchaft ſo anziehend, daß ſie in das Hollaͤndiſche und Franzoͤſiſche uͤberſetzt wurde.— Sehr ſchaͤtzbar ſind noch Dalrymples, Taſſys und Morgans Schilderungen des Landes und der Be⸗ wohner von Algier; jene von Le Roy wurde ver⸗ teutſcht. Was der daͤniſche Geſandtſchafts⸗Sekre⸗ taͤr Schöndorn im teutſchen Muſeum 1716 mit⸗ theilte, wurde durch die neueſten Nachrichten des Freiherrn v. Rehbinder beſtaͤtigt. 75 Der franzoͤſiſche Konſul Saint⸗Gervais und der Englaͤnder Ed. Stanley haben ihren offiziellen Charakter zu Tunis fuͤr viele Bemerkungen benutzt; doch machte Maggil auf ſeiner Reiſe noch mehrere; weßwegen letztere auch in die Weimarer Bibliothek der Reiſen aufgenommen wurde. 3 Alf. Ulloas Beſchreibung der Einnahme von Tripolis durch die Spanier 1560 gab zwar viele Auf⸗ klaͤrung uͤber dieſen Staat; doch blieb dem ſchwediſchen Arzt Rothmanu auf ſeiner Reiſe nach Garean noch eine reiche Nachleſe. Die Briefe Blaquieres und della Cellas wurden fuͤr die Bibliothek der Reiſen uͤberſetzt. 76 Seltſame Begebenheiten eines engliſchen Kaufmanns, nebſt einer neuen Beſchrei⸗ bung des Königreiches Algier in dem J. 1648. A. d. Engl. überſetztt/, Auf dem Hamburzer Schiffe S. Maria kuhren wid im J. 1648 mit Kaufmanns⸗Waaren aus dem Kanal, und kamen in zwanzig Tagen bis an das Vorgebirge St. Vineenz. Wir dachten dann nach Kadix zu ſegeln, um einige Guͤter auszuladen. Sobald wir uns dem Vorgebirge naͤherten, ſahen wir zwei Schiffe, welche ihre Segel richteten, und Anſtalt machten, auf uns zu fahren. Wir ruͤſteten uns zur Gegenwehre, wiewohl wir nicht wußten, welche Schiffe dieſe ſeyen. Bei naͤherer Zuſammenkunft erkannten wir an den 77 Glutfahnen, daß ſie Kriegsſchife und die Manuſchaft Tuͤrken waren. Wir Alle geriethen in Schrecken; jeder begab ſich an ſeinen Ort und zu dem Dienſte, zu welchem er beſtimmt war. Gegen 100 Mann, mit den Reiſenden aus verſchiedenen Laͤndern, und 30 große Stuͤcke, nebſt noch andern kleinern Gewehren, waren auf dem Schiffe. Abends trafen wir mit den Tuͤrken zuſammen; das Gefecht war auf beiden Seiten grimmig und blutig, und dauerte 4 Stunden. Unſere Leute vertheidigten ſich muthig; einige, deren Lenden ganz zerſchmettert, und deren Leiber ganz beſchaͤdigt waren, ſchoßen, ſo lange ſie konnten. Jeder wollte lieber mit den Waf⸗ fen in der Hand ſterben, als am Ende des Gefechtes nachgeben. Zuletzt waren von den unſrigen nicht mehr als 48 Mann uͤbrig, das Schiff fing an zu ſin⸗ ken; von dem Meere und dem Feinde zugleich bedroht, mußten wir uns nach vergeblichem Widerlande er⸗ geben. Gegen unſer Vermuthen behandelten die Tuͤrken uns artig, lobten unſere Tapferkeit, und verziehen 1 uns, als ſie unſere reiche Ladung ſahen. Mit Schmerzen erinnerte ich mich meines vo⸗ rigen Standes, und wuͤnſchte in einem chriſtli⸗ 78 chen Lande ſo arm, wie Hiob zu ſeyn; jetzt erſt em⸗ pfand ich die Suͤße der ehemaligen Freiheit mit bitte⸗ rem Schmerze. Sobald wir in dem feindlichen Schiffe waren, wurden uns unſere guten Kleider ausgezogen, und die Todten nackt uͤber Bord geworfen. Die Tuͤrken ſuchten auf alle Weiſe zu erfahren, weſſen Standes wir ſeyen; was fuͤr Guͤter wir hinterlaſſen, und was fuͤr Freunde wir haben, welchen Beiſtand und welche Hilfe wir von ihnen erwarten koͤnnten. Jeder von uns wurde beſonders uͤber dieſe Punkte gefragt. Wir ſegelten in die Straße, und begegneten gleich bei der Einfahrt, Gibraltar gegenuͤber, einem ſpa⸗ niſchen Kriegs⸗Schiffe; am folgenden Tage warfen wir in dem Hafen von Algier Anker, wo etliche Of⸗ fiziere aus der Stadt kamen, und ſich nach unſerer Anzahl erkundigten. Sobald wir an das Ufer kamen, verſammelte ſich viel Volk, um uns wegen unſerer bewieſenen Tapferkeit zu ſehen. Einige, deren Freunde in dem Kampfe gefallen waren, fluchten und ſchmaͤh⸗ ten, und hatten ein unbeſchreibliches Verlangen, den Tod ihrer Kameraden zu ruͤchen. Zwei Mamelucken aus Spanien haten, daß ſie wenigſtens einen von uns opfern duͤrften, mit dem Verſplechen zu bezahlen, wge er werth waͤre. Als ſie dieſes nicht erlangen konnten, ſo begehr⸗ ten ſie, wenigſtens uns die Ohren abſchneiden zu duͤr⸗ fen. Als er einem Teutſchen unter den Gefangenen ziemlich nahe kam, hieb er ihm ein Stuͤck Fleiſch aus dem Geſicht, und fraß es mit wildem Grimme. Unſere Verkaͤufer ließen uns wohl verwahrt in die Stadt bringen. Jeder bekam eine 20 Pfund ſchwere Kette, welche an die Schenkel geſchloſſen und an dem Guͤrtel feſt gemacht wurde. In dieſem Aufzuge wurden wir in den Palaſt des Ober⸗Statthalters gefuͤhrt. Durch die erſte Wache gelangten wir in einen großen, mit Marmor gepfla⸗ ſterten Hof. Die Mauern waren von Ziegelſteinen; vor uns ſahen wir ein großes, verſchiedenfarbiges Thor, welches zu einer Gallerie fuͤhrte, wo wir bis zur Ankunft des Statthalters warten mußten. Wir wurden rings um Sommerlauben geſtellt. Ehe der Statthalter erſchien, kam ein Offizier mit einem kleinen Stabe in der Hand, und mit einem großen Turban auf dem Haupte. Ihm folgten ſechs Perſonen mit Saͤbeln. Bald kam eine ernſte Perſon mit einem ſehr großen Bunde, welcher auf der einen Seite mit Diamanten beſetzt war, die ſo ſtark glaͤnz⸗ ten, wie ſeine Augen. Er war gruͤn gekleidet, hatte 80 die Schenkel blos, trug Pantoffeln, und ging ſehr langſamen und ſtolzen Schrittes. Am oberſten Orte war ein Thron⸗Himmel, und 7 unter demſelben zwei Kiſſen von Damaſt. Hier ſetzte er ſich nieder; die Schiffs⸗Herren, welche uns wegge⸗ pommen hatten, kuͤßten den Saum ſeines Rockes, und zeigten ihm die Zettel unſerer Ladung. Nachdem er ein praͤchtiges Geſchenk von unſern geraubten Wag⸗ ren erhalten hatte, wurden wir ihm vorgeſtellt. Aus den Gefangenen waͤhlte er mich, den Schiffer, und einen ſchoͤnen, jungen Teutſchen. Als der Statth war, ließ er mich zu ſich rufe Stande, nach meinen Freunden tigung. Ich antwortete ihm: i tern, haͤtte das Kochen, und dann Kaufmanne die Handlung gelernt. ter hoͤrte, daß ich ein Koch ſey⸗ chendienſt beſtimmt. Aber meine Speiſen und Bruͤhen waren ſo ſchlecht zu eine Tracht Pruͤgel, und zuletzt Dienſte erbielt. 4 n, fragte nach meinem ch ſey von armen Ael⸗ bei einem reichen Als der Statthal⸗ Durch eine wunderbare Veraͤnderung wurde ich Badwaͤrter des Stattbalters, und mit einer Frau deſe bereitet, daß ich fuͤr das erſte Mal Entlaſſung aus dem alter auf ſein Zimmer gekommen und meiner Beſchaͤf⸗ wurde ich zum Kuͤ⸗ 9 ſelben bekannt. Ich ward gleich fort geſchickt, und durch muͤhſame Arbeit und grauſame Behandlung ſo abgemattet, daß ich in eine ſchwere Krankheit verfiel. Aber die gute Frau verließ mich hier nicht; ſie ſchickte mir einige Labungen, und wuͤrdigte mich in meinem niedrigſten Stande eines Beſuches. Nach meiner Ge⸗ neſung wurde ich an einer Kette, wie ein Pferd oder Ochs, durch die Straßen gefuͤhrt, und zum Verkaufe ausgeboten. Auf dem Markte angekommen, fanden ſich mehrere Kaͤufer: Ein ganz fremder Mann zahlte das Geld fuͤr mich, fuͤhrte mich in ein nahe an der großen Moſchee der Stadt gelegenes Haus, welches ziemlich nahe an dem Palaſte war. Bald erhielt ich Nachricht durch ein ſpaniſches Weib von oben gedach⸗ ter Frau. Ich ſchaͤtzte mich gluͤcklich, der Sklave einer ſo vortrefflichen und freundlichen Dame zu ſeyn; auch litt ich an nichts, was zum menſchlichen Leben gehoͤrt, Mangel. Seit dieſer Zeit ward die Frau ſehr andaͤch⸗ tig, beſuchte beinahe taͤglich die Moſchee, aus wel⸗ cher ein Gang in mein Quartier fuͤhrte. Durch die⸗ ſes fleißige und beharrliche Beſuchen des oͤffentlichen Gebetes erwarb ſie ſich nachmals den Namen einer Heiligen. Faſt zwei Jabre blieb ich ihr Sklave, und erhielt 96. B. Afrika. I. 1. 6 dadurch Gelegenheit, die Stadt Algier wohl zu ſehen. 3 Die Stadt iſt nicht ſo groß, als volkreich, aber durch Natur und Kunſt ziemlich feſt. Die Mauern ſind 60, an manchen Stellen 70— 80 Schuhe hoch, und 12— 13 Schuhe breit. In der Runde iſt ſie nicht uͤber eine Meile groß. 3 An der Oſtſeite auf der Spitze eines hohen Huͤ⸗ gels ſteht ein ſtark befeſtigtes, von den Spaniern er⸗ bautes Kaſtell mit 40— 50 großen Stuͤcken. Dreihun⸗ dert Renegaten liegen als Beſatzung in demſelben. An der Weſtſeite befindet ſich ein etwas kleineres Kaſtell, welches eben ſo feſt iſt, und die Ausſicht uͤber die ganze Stadt gewaͤhrt. In dem Hafen iſt ein ſehr bequemer See⸗Damm, innerhalb deſſen mehr als 200 Segel ſich aufhalten koͤnnen; auf demſelben ein ſtar⸗ kes Fort zum Zuruͤckdraͤngen feindlicher Schiffe. Die Stuͤcke in demſelben ſind dreifach uͤber einander ge⸗ pflanzt; die unterſten ſtehen dem Waſſer gleich. Der See⸗Damm iſt ſo krumm angelegt, daß kein Schiff mit vollen Segeln gerade, und ohne umzuwenden, in den Hafen einlaufen kann. Die Haͤuſer der Stadt ſind ſehr luſtig, und ſo⸗ 83 wohl in⸗ und auswendig ſchoͤner, als in den andern Gegenden von Afrika. Die groͤßern haben in der Mitte offene Plaͤtze mit ſchoͤnen Gallerien und kleinen Thuͤrmen. Auch ſind viele Moſcheen zum Gebrauche . der oͤffentlichen Andacht erbaut. Kein Chriſt darf die⸗ ſeiben betreten, ohne verbrannt, oder ein Tuͤrke wer⸗ den zu wollen.. Die Anzahl von Geiſtlichen(Talubs) iſt ſehr gkoß; ſie muͤſſen das Gebet ableſen. Diejenigen, wel⸗ che das Geſetz Mahom ets auslegen, heißen Codtrs; die, welche das Volk zum Gebet ermahnen, Dervi⸗ 4* ſes; einige leben von dem Almoſen des Volkes, an⸗ dere ſind Propheten und heilige Leute. Streitigkeiten fuͤhrt den Ditel Marabut; er erhaͤlt eine gewiſſe Beſoldung aus der gemeinen Kaßſe. Er hat zwar keinen Genuß von den niedern Orden; denn jeder hat ſeine geſetzte Beſoldung; es geht aber doch, wie bet den Fiſchen, wo die groͤßern die kleinern ver⸗ ſchlingen.. b Der oberſte uͤber alle geiſtliche Orden bei allen Nach dem Statthalter und Paſcha iſt der Lagau die vornehmſte und erſte Perſon in dem Divan (Rath) und zugleich General uͤber die Armee von Außen. Unter ihm ſind die Chanſen, wie bei uns⸗ 2 die Friedens⸗Richter; dieſen folgen die Boulgebu⸗ ſchen, welche unſern Landrichtern gleichen, und Die⸗ ner bei dem Divan ſind. Sie bleiben 3 Jahre bei ihren Aemtern; dann ziehen ſie mit den Armeen aus. Ueber dieſes gibt es noch andere Paſchen, Kapitaͤne und Offiziere uͤber das Kriegsvolk. Sie tragen ein Ehrenzeichen auf den Haͤuptern und unterſcheiden ſich von einander durch ihren Turban, welcher die Form eines Zuckerhuts hat, an welchem hinten ein rothes Kreuz herab haͤngt. um die Stadt gibt es viele luſtige Gaͤrten, und ſchoͤne, den Einwohnern gehoͤrige Haͤuſer. Weit im Lande umher waͤchſt auf Huͤgeln Getreid. In der Stadt gegen die Oſtſeite iſt ein ſehr feſtes Haus, in welchem immer einige Soldaten Wache balten; es ſoll das Gemein⸗Schatzhaus ſeyn. Hier werden von einem Jahre zum andern große Summen niedergelegt, je nachdem die Einwohner gluͤck⸗ lich im Auslaufen gegen die Chriſten ſind; nachher nehmen ſie nie etwas heraus. Der letzte Barba⸗ roſſa hat es zum gemeinen Beſten erbaut, und zur Aufmunterung 2000 Thaler gegeben. Wenn die Schiffe einlaufen, und man um die Guͤter loſt, ſo wird allzeit etwas fuͤr den Schatz und fuͤr Mghomet feſtgeſetzt. d 85 Den Theil fuͤr Mahomet haͤndigt ein beſtimm⸗ ter Einnehmer an die Geiſtlichen aus. Laͤßt er ſich zur Schuld kommen, etwas unterſchlagen zu haben, ſo wird er nackt ausgezogen, vor der Thuͤre des Ma⸗ rabut lebendig geſpießt, und hernach auf eine Mo⸗ ſchee⸗Spitze geſteckt. Nach drei Tagen wird der Koͤ⸗ ver aus der Stadt geſchafft, und den wilden Thieren zur Speiſe gegeben. Zum Beſten der Geiſtlichen wer⸗ den alle ſeine Guͤter verkauft. Vornehme Ordensleute rufen das Volk zum Ge⸗ bete, naͤmlich Morgens(Salam); Mittags 12 Uhr (Dochar); Nachmittags 4 Uhr(Aſſara); bei Unter⸗ gang der Sonne(Mogharo); in der Daͤmmerung (Uſcher); um Mitternacht(Du⸗el). Das naͤchſt fol⸗ gende heißt Iſtanay. In dieſen verſchiedenen Zei⸗ ten begeben ſich viele Perſonen in die Moſcheen zum Gebete. Bei der Einweihung der Religioſen fuͤhrt der Va⸗ ter ſeinen Sohn zum Ma rabut, welcher in der Haupt Moſchee der Stadt unter einer Zahl von Auf⸗ waͤrtern ſitzt, um Zeugniß zu geben, baß er zu dieſem Dienſte eingeweiht ſey. Bei ihrer Ankunft fuͤhrt der Vater den Sohn mit der rechten Hand; ſie kuͤſſen als⸗ dann beide den Rockſaum des Marabut. Nach die⸗ ſer Zeremonie wird dem Sohne ein Buch, gewoͤhn⸗ 86 lich der Koran, zum Leſen vorgelegt. Fehlt er kein Wort, und ſpricht alles deutlich aus, ſo wird er an⸗ genommen und in das Ordens⸗Buch geſchrieben. Hier⸗ auf ſchneidet der Marabut mit einem ſcharfen Meſ⸗ ſer demſelben die Geſtalt eines Halbmondes in den Arm, und reibt die Wunde mit Schieß⸗Pulver ein. Einige Gebete, welche geſprochen werden, deuten auf die Beſtaͤtigung des Eingeweihten. Dann muß er bei Mahomets Haar⸗Locke ſchwoͤren, gewiſſe Regeln zu beobachten. Das Volk umgibt ihn mit einem neuen Gewande, der Marabut nimmt ihn in ſeinen Arm, und gibt ihm einen Kuß, welcher ihn auf ewig hei⸗ ligt. Die Feierlichkeit endigt mit Muſik und Tanz. Waͤhrend der Sklaverei bei der Frau des Statt⸗ halters hatte ich Freiheit, die Stadt zu beſehen, und uͤberall hinzugehen. Meine Arbeit beſtand bloß in der Aufwartung bei meiner Frau, wenn ſie zum Ge⸗ bete ging. Einſt erzaͤhlte ich ihr von der Gluͤckſeligkeit in den Laͤndern der Chriſten, ſuchte ſie zur Flucht zu bereden, und verſprach, ſie dann zu heirathen. Zwei Kinder aber, welche ſie hatte, hielten ſie zuruͤk. Bald darauf ſtarb ſie, nachdem ſie ſechs Monate zuvor mit einer ſchoͤnen, jungen Tochter nieder gekommen war Dieſe war weißer, als gewoͤhnlich, und der alt 87 Statthalter meinte der Vater von derſelben zu ſeyn. Ich ſah ſie nur einmal. Mein Herr, welchen ich jetzt erhielt, ein Gaͤrt⸗ ner, lehrte mich, mit der Peitſche in der Hand, eine Handthierung, welche ich vorher nicht kannte. Der Verſuch zu entſliehen, ward mit 100 Streichen auf die Fußſohlen belohnt, ſo daß ich lange Zeit zum Dienſte untauglich wurde. Mein Herr, meiner Ge⸗ ſellſchaft muͤde, verkaufte mich an einen engliſchen Renegaten, welcher mich noch haͤrter und grauſamer behandelte. Nach dem TDode dieſes Unmenſchen er⸗ hielt mich ein italieniſcher Renegat, welcher mich an den Kriegs⸗Offizier Haly Hamez Beiz verkaufte. Obwohl ich ihm 800 Thaler fuͤr meine Ausloͤſung bot, ſo verſtand er ſich doch nicht dazu. Ich ſollte mit ihm erſt einen Zug in das Land thun, und nach ſei⸗ ner Ruͤckkehr die Freiheit, mich loszukaufen, er⸗ halten. Zu derſelben Zeit ſendeten die Tuͤrken eine ſtarke Armee aus, um Contributionen von dem Land⸗ volke einzufordern; Tremſen oder Climſan zu ent⸗ ſetzen, welches eine feſte und volkreiche Stadt in der Landſchaft iſt. Es liegen tuͤrkiſche Soldaten in der⸗ ſelben, welche ale Jahre dahin geſchickt werden. Die 88 Stadt iſt ſehr groß, und ein Schutzwerk gegen die Einfaͤlle der Araber. Die Armee beſtand aus 12,000 Mann, von wel⸗ chen 4000 gegen Weſt gehen ſollten, die Steuern an der Seekuͤſte einzufordern, ſoweit als Tetman und das Koͤnigreich Fez geht; die andern 4000 ſollten nach Tunis ziehen, und die letztern 4000 tief in das Land gehen. Es iſt Gewohnheit der Tuͤrken, die Steuern, welche die Einwohner niemals freiwillig be⸗ zahlen, in großer Anzahl und wohl bewaffnet zu fordern. Die Abtheilung des Heeres, bei welcher mein Herr Befehlshaber war, beſtand aus 1000 Reitern und 2000 Fußgaͤngern. Erſtere waren geborne Tuͤrken und Mohren; letztere al gefallene Chriſten. Dieſe haben ein ſolches Anſehen uͤber die andern, wie die Janit⸗ ſcharen in der Tuͤrkei uͤber die Griechen, und die Ma⸗ melucken in Aegypten uͤber die alten Einwohner. Der Divan beſteht aus dieſer Art von Leuten, weil ſie die Haͤndel Europas wohl kennen, und uͤberall die noͤthigen Befehle zu ertheilen wiſſen. Mit dieſer Abtheilung zogen wir fort, und kamen am erſten Tage zu dem Platze Atſabah, welcher 89 zwei Meilen von der See liegt. Es war eine kleine Stadt an dem Abhange eines luſtigen Huͤgels, wel⸗ cher zur Rechten mit einem breiten Walde bedeckt, und zwei Meilen lang war. Die Haͤuſer waren ſchoͤ⸗ ner, als wir auf dem Lande haͤtten vermuthen koͤnnen. Dieſer Ort ſoll vor Alters Stilpeja geheißen, und ein chriſtlicher Biſchoſs⸗Sitz geweſen ſeyn. Am folgenden Tage machten wir s Meilen, und zogen bei Zelten der Araber vorbei, deren Familien⸗ Haͤupter ihre Steuer in Thalern und Gold entrichte⸗ ten. Wir fanden das Land ſehr fruchtbar an Getreide und Wieswachs. Nach drei Meilen kamen wir in ein kleines Thal, welches viele Palmen⸗ und Oelbsume hat, und von einem kleinen Fluſſe bewaͤſſert wurde. An dem Ufer deſſelben wuchſen viele Straͤuche mit rothen Beeren; an jedem Ende war ein Holzwachs. In einem derſelben ſah ich beim Durchzuge eine ſtiegende Schlange, welche beinahe ſo groß, wie ein gemeiner Hund, einen langen Schweif und einen Af⸗ fen aͤhnlichen Kopf hatte. Der Leib war faſt 4 Schuhe lang. Als ich mich nach ihrem Namen erkundigte, konnte ich denſelben nicht erfahren. Die Fluͤgel wa⸗ ren verſchiedenfarbig, vorzuͤglich aber roth und weiß. 90 Auf dieſer Tagreiſe fanden wir nichts merkwuͤrdi⸗ ges, als einige Marmorſaͤulen. Auf einer derſelben ſah ich einige arabiſche Buchſtaben, welche nach der Erzaͤhlung eines Mohren den Namen eines Generals bedeuteten, der gegen die Einwohner des Landes eine Schlacht gewonnen hat, als er Araber in dieſe Land⸗ ſchaft fuͤhrte. 2 Eine Meile weiter trafen wir verſchiedene Stein⸗ baufen, und nahe bei ihnen an der Seite des Weges eine geraͤumige Hoͤhle an, in welcher ich einige Hau: fen Gebeine fand. In der innerſten Kammer waren viele Kreuze an der Wand zu ſehen. Dieſe Nacht er⸗ reichten wir Boumelli, eine feine Stadt an Knene Fluſſe, rund mit herrlichen Wieſen umgeben. Ver⸗ ſchiedene, entfernt liegende, Huͤgel waren mit Zitro⸗ nen⸗ und Pomeranzen⸗Baͤumen bepflanzt. In der Stadt waren gegen 600 Haͤuſer und Huͤt⸗ ten; einige ziemlich ſchoͤn, mit Marmor⸗Saͤulen und ſonſt guter Arbeit geziert. Die Einwohner brachten uns verſchiedene Lebensmittel, bewillkommten ſehr de⸗ muͤthig unſern General, und theilten uns Nachrichten von der Widerſetzlichkeit der Araber mit, welche ſich jenſeits des Fluſſes Talma verſammelt hatten. un⸗ ſer General ſchickte verſchiedene Reiter⸗Haufen aus, um vom Volke die Steuern einzuſammeln. Am drit⸗ 91 ten Tage zogen wir uͤber ein hohes, von allen Seiten mit Felſen beſetztes Gebirge. Als wir unter den ſchat⸗ tigen Baͤumen dieſes ſteinigen Grundes ausruhten, wurde ich von einem Skorpion in dem Fuß geſtochen; mein Fleiſch ſchwoll ſtark auf, und ich gerieth in große Furcht, das Gift moͤchte um ſich greifen. Einige, welche den Skorpion getoͤdtet hatten, beſtrichen mit dem Blute deſſelben die Wunde; die Geſchwulſt hoͤrte auf, und aus dem Stiche lief ein weißer Saft, wie Milch heraus. Von dieſem Orte zogen wir bergauf durch ein von wilden Thieren bewohntes Land. Wir ſahen eine große Menge derſelben. Dieſer Berg iſt ein Aſt des Atlas, geht der Laͤnge durch das Koͤnigreich, durch Fez bis an die See, und iſt zum Theil uͤberaus hoch. Das Gebirge iſt an manchen Stellen mit Schnee bedeckt, und mit vielem Holze bewachſen. Wir ſahen verſchiedene Ar⸗ ten von Loͤwen, wilde Geiſen, das Stinkſtier Sub⸗ ſib und den Thaloub(eine Art Fuchs) u. ſ. w. Nach dreitaͤgigem Steigen uͤber bergige Orte eil⸗ ten wir wieder in das flache Land herab zu kommen. Als wir uns dem Feinde naͤherten, wurden wir in drei Haufen getheilt. Eine kleine Parthei in 100 Zel⸗ 92 ten wurde umringt, und alles, was lebend gefunden wurde, getoͤdter. Nach mehrexen kleinen Gefechten und einem ungluͤcklichen Verluſte von Seite der Tuͤr⸗ ken wurden die Araber muthig, und ſuchten uns mehrmals in einen Hinterhalt zu locken. Alle Tage ſtelen Gefechte vor; zuweilen zu unſerm Vortheile, zuweilen zu unſerm Verluſte. Endlich ruͤckten beide oben genannte Abtheilungen zu der unſrigen. Wir entſchloßen uns, den Feind in ſeinen Wohnungen auf den Bergen zu ſuchen. Mit großer Herzhaftigkeit be⸗ ſtiegen wir den Berg Houla Hka; er hat faſt zehn Meilen im Umfange, iſt uͤberaus hoch. Verſchiedene Huͤtten dienen den Einwohnern zum Aufenthalts⸗Orte. Meiſtens ſind ſte arme Leute, und naͤhren ſich von den Dingen, welche wild in dem Thale wachſen. Der untere Grund iſt fruchtbar, und von vielen Brunnen bewaͤſſert, deren Baͤche alle nach dem Fluſſe Tapna laufen. Dieſer Ort iſt mit vielen Baͤumen und Ge⸗ Geboͤlz verſehen. Hier gkaubten die Araber einen ſichern Schlupf⸗ winkel zu haben, und zwar um ſo mehr, weil wenige Zugaͤnge auf dem Gipfel ſind. Doch bemaͤchtigten ſich unſere Leute dieſes Ortes, und trieben die Araber mit einer großen Niederlage aus dem Gehoͤlze. Ihr Verluſt betrug uͤber 18w00 Mann. In den Thaͤlern fanden wir viele Schafe, Ochſen, Kamele und andere wendet, und ein Theil in den gemeinen Schatz 93 Thiere weidend. Die Beute an dieſen Orten erſetzte den jaͤhrlichen Tribut reichlich. Die Araber, welche ſich ergaben, bekamen freie Gewalt, in ihre Wohnun⸗ gen zuruͤck zu kehren, jedoch unter der Bedingung, daß ſie das Land bebauen, und denen von Algier den gewoͤhnlichen Tribut erlegen ſollten. Als die Armee auf einem andern Wege von dem Gebirge wegzog, wurde ſie von den Arabern bei einem Engpaſſe uͤberfallen, und nur durch die Schlanheit unſerer Anfuͤhrer gerettet. Nach dieſem gluͤcklich ge⸗ e digten Kriege ſetzten die Tuͤrken die Reiſe durch das Koͤnigreich fort, um die Steuern einzufordern. Das gemeine Volk bezahlt fuͤr den Kopf zwei Thaler. Die, welche reich an Vieh ſind, muͤſſen mehr geben, wenn die Armee umher zieht. Iſt einer aber ganz arm, ſo muͤſſen ſeine Nachbarn und Verwandten den Tribut fuͤr ihn bezahlen. Die ganze Summe dieſes Tributs ſoll jaͤhrlich 10 Millionen Thaler betragen. Dieſes Geld wird nach Algier gebracht; ein Tbeil davon nach Konſtantinopel zu dem Grok⸗ herrn geſchickt, ein anderer fuͤr die Unkoſten des Kriegsvolkes fuͤr die Kirchen⸗ und Staatsdiener ver⸗ elegt. 94 unſere Armee ging gerade auf Elimſan oder Tremiſen durch ein fruchtbares Land, in welchem wir Geld und Lebensmittel erhielten. Unſer Geueral war zum Statthalter diefes Orts beſtimmt. In einer kleinen Stadt, welche die Tuͤrken Ca⸗ natudi, die Mohren aber Cameel nennen, war ein großes Feſt wegen der Heirath eines Mannes. Ich kann nicht unterlaſſen, ehe ich weiter gehe, etwoas von den Heirathsgebraͤuchen dieſes Volkes zu melden. Wenn ein Juͤngling heirathen will, ſo haͤlt er bei dem Vater oder bei den naͤchſten Verwandten um die Tochter an, ohne ſich um den Willen derſelben zu bekuͤmmern. Der Mann bereitet dann ein großes Feſt nach ſeinem Stande. Den erſten Tag ſendet er ſeiner kuͤnſtigen Braut durch eine Biutsfreundin eine Decke uͤber das Haupt, um ihr zu bedeuten, daß ſie ſich ſchamhaft und beſcheiden verhalten ſoll; am an⸗ dern Tage Weiber⸗Kleider; am dritten Tage eine Muͤhle zum Kornmahlen und allerlei Zeug zum Spin⸗ nen, um ſie zu erinnern, daß ſie nicht muͤtig ſeyn ſoll. Den vierten einen Koran; den fuͤnften ein Paar ſchuͤn gemachte und vergoldete Pautoffel; am ſechsten einen Hahn und einen Hund zum Zeichen des Fleißes und der Wachſamkeit; und am ſiebeaten einen Ring nebſt einer Schuͤſſel Fleiſch und einem Stabe, auf welchem der Spruch ſteht: Ich will alle Belei⸗ diger ſtrafen. Dieſe ganze Zeit hat der Braͤutigam ſeine Braut nooch nicht geſehen. Nach dem Brauche der Mohren ſchickt er oft einige Empfehlungen als Beſuch an ſie. Am achten Tage, als dem groͤßten des Feſtes, erſcheint der Braͤutigam mit allen Freunden und Verwandten in dem Hauſe des Vaters der Braut, wo er dem Braͤutigam alle Rechte und Anſpruͤche auf ſeine Tochter abtritt. Er gibt demſelben ihre Hand, unter Sprechung einiger Worte, welche bei dieſer Gelegenheit paſſend ſind. Darauf gehen ſie an den Ort des Gebetes, welcher in der Mitte der Zelte iſt, und werden von dem Thal oub eingeſegnet, welcher einige Gehete zum Gott Mahomet, und zu dem Engel Zadiel ſpricht. Letzterer hat, wie ſie ſagen, die Herrſchaft uͤber den Planeten Jupiter, und er erhaͤlt deßwegen ein Gebet, daß er zu dieſer Vereini⸗ gung einen gluͤcklichen Einfluß ſchicken moͤge. Her⸗ nach gehen ſie zu dem Hauſe des Vaters, wo eine große Mahlzeit die Gaſte erwartet. Das maͤnnliche und weibliche Geſchlecht ſpeiſt getrennt von einander. Die Frau wird in ihrem Putze mit ihrem Hausge⸗ rathe u. ſ. w. in das Haus ihres Mannes gebracht; ſie reitet gewoͤhnlich auf einem Kameele, glaͤnzt von 96 Seide und Gold und iſt von ihren Freunden um⸗ geben. Wir lagen an dieſem Orte, der Erholung wegen, einige Tage ſtill, und ſetzten dann unſere Reiſe nach Climſan fort, wo wir den 3. Oktober ankamen. Climſan iſt eine große und volkreiche Stadt, in welcher eine Art Volk, Lhebdiah genannt, iſt. Ringsum ſind ſehr huͤbſche Kuͤchen- und Baum⸗ Gaͤrten; der Boden iſt gut, und es fehlt dem Lande nichts, als Volk. Wir fanden hier Fruͤchte in großer Anzahl, als: Aepfel, Birnen, verſchiedene Melonen und Weintrau⸗ ben. Obwohl die Mahometauer keinen Wein trinken duͤrfen, ſo bereiten ſie ſich doch aus Waſſer und Wein⸗ beeren einen Trank(Afrieana)⸗ welcher ſehr ange⸗ nehm iſt. 17 3 ₰— 3 Hier giebt es einen Baum, welcher nur aus Blaͤt⸗ tern beſteht, ſo daß ein Blatt auf der Spiitze des andern waͤchſt; die Blaͤtter ſind in der Mitte 2— 3 Zoll dick, und uͤber einen Schuh lang und breit. Die Frucht deſſelben, A fholok von den Arabern genannt, iſt kuͤhlend und erfriſchend, wird in der Mitte des Sommers reif, und bekommt eine gelbe Farbe. Dis 97 Rinde iſt voll von kleinen Stacheln. In jedem Gar⸗ teen findet man einen ſolchen Baum. Hier giebt es noch einen Baum von verſchiedenen Farben; ſein Stamm iſt dunkelgruͤn; die Aeſte roth; die Blaͤtter gelb und etwas weiß vermiſcht. Dadeln(Datteln) gibt es im Ueberfluſſe. Der Dadelbaum traͤgt niemals, außer es ſteht ein Weibchen und Maͤnnchen beiſammen, welche gewoͤhnlich ihre Aeſte gegen einander biegen. Die Stadt ſcheint eine der aͤlteſten der Welt zu f ſeyn; ſie liegt auf einer Ebene, iſt mit einer ſtarken Mauer befeſtigt, welche durch viele viereckige, weiße Marmor⸗Pfeiler ausgezeichnet iſt; das Uebrige der Mauer iſt von braunem Steine. Das Bollwerk hat kleine Thuͤrme von verſchiedenen Farben. Der innere Theil der Stadt iſt gleichfalls ſchoͤn; die Straßen ſind erade und breit; eine herrliche Moſchee, auf 100 Saͤulen ruhend, hat herrliche Schwibbogen. Das Haus des Statthalters mit 100 großen Zimmern iſt mit verſchiedenen ungeſtalteten Figuren geziert, weil die Mahometaner einen Abſcheu gegen gemalte und Ausgehauene MenſchenGeſtalten haben. 4 Das Rathhaus ſteht auf Schwibboͤgen, welche auf 6. B. Afrika. I. 1. 7 98 2 Reihen von Marmor⸗Saͤulen ruhen. Daſſelbe hat einen ſehr hohen und breiten Thurm, halb von Back⸗ en Steinen erbaut. Auf der einen halb von gehauen Seite iſt ein großes Gemach, gefuͤllt mit Jahrbuͤchern der Araber von der erſten Eroberung des Landes. Nach dieſem Platze kommt der Hof, in welchem der Kadi Recht ſpricht. Auf einer mit Teppichen bedeckten Erhoͤhung ſitzt er wie ein Schneider mit geſchraͤnkten Fuͤßen; neben ihm ſteht ein Menſch mit bloßem Saͤ⸗ bel; ein wenig unter ihm ſitzen Beiſitzer, welche er in ſchwierigen Faͤllen um Nath fragt. Gegenuͤber ſtehen die Partheien, welche ohne Verzug Beſcheid bekommen. Dem Ausſpruche folgt ſogleich Befreiung oder Strafe. Im Sommer ſchlafen die Einwohner auf den flachen Daͤchern der Haͤuſer, und bedecken ſich mit einem Al Mage gegen die Muͤcken und Schnacken. In der Mitte der Stadt iſt ein breiter Markt⸗ platz, rings mit Klöſtern umgeben. Eines derſelben iſt wegen ſeiner vortrefflichen Arbeit, ſeines alten Baues, und einer großen Bibliothek, einer Seltenheit unter dieſem rohen Volke, merkwuͤrdig. Ein Chriſt darf dieſe niemals betreten. So viel ich erfahren kounte, wurden die Buͤcher auf Befehl eines Fuͤrſten zum Gebrauche der Studenten in Afrika zuſammen⸗ 5 99 gebracht. Studenten gibt es gar wenige, diejenigen ausgenom en, welche man Magi oder Zauberer nennt. Andere Kuͤnſte und Wiſſenſchaften, als Aſtro⸗ . logie, Logik und Mathematik u. ſ. w. ſind groͤßten⸗ theils bei ihnen erloſchen. Die Einwoh er ſind ſehr aberglaͤubiſch, und halten ſehr viel auf das Geſchwaͤtz ihrer Wahrſager. Es gibt viele Perſonen, weiche Aemter und großes Anſehen wegen ihrer geheimen Bekanntſchaft mit den hoͤlliſchen Geiſtern haben. .„Es giebt verſchiedene Kaufteute an dieſem Orte,, welche, wie in den meiſten Staͤdten der Barbarei, in elter Straße wohnen. An dem einen Ende der Stadt, ſehr nabe an 2 dem Fluſſe Elouad, welcher das Feld von Clim⸗ ſau durchlauft, iſt ein ſchoͤnes Kaſtell, die Wohnung des Gouverneurs. Man uͤberſieht die ganze Stadt, und kann ſie mit 100 Stuͤcken beſchießen. Nur das Alter und die Fortifikation des Gebaͤudes iſt merk⸗ wuͤrdig. Es wurde zur Zeit der Vandaliſch en Koͤnige gebaut, und von den Sarazenen ſehr er⸗ weitert. In der Mitte ſteht eine Saͤule mit einer Arabiſchen Schrift; die Buchſtaben ſind blau, und bezeichgen die beruͤhmten Handel aus den Zeiten der 100 1/ arabiſchen Koͤnige, welche in dieſer Gegend viele Jahre regierten, ehe Karl V. Algier eroberte. Dieſe Stadt iſt die groͤßte in dem ganzen Koͤnig⸗ reiche, deſſen Grenzen gegen Norden das mittellaͤn⸗ diſche Meer, gegen Oſt Tunis, gegen Suͤd Angad, ein anderes Koͤnigreich in dieſem Lande, und Snata, eine beinahe ganz bergige Landſchaft, und gegen Weſt das Koͤnigreich Fez ſind. Es hat 250 Meilen in der Laͤnge; vom Meere bis Angad; und 4160 in der Breite, von Bouſema bis zum Vorgebirge, Cad de Bugaremo. Es enthaͤlt viele gut befeſtigte Staͤdte, deren vornehmſte Algier und Tremiſen oder Climſan bei den Einwohnern, ſind. An der Seekuͤſte befinden ſich: Cercelli, Bougia, Gi⸗ giari, Maſtagan, Biſche, Gilero, Guien, Ar ſeni, Oran(welches den Spaniern nebſt einem Gebiete von 10 Meilen mit 200— 800 Pferden ge⸗ hoͤrt) Zereni, Arſehiba, Buezia, Corban; einige derſelben ſind wirkliche Staͤdte, andere nur kleine Feſtungen. Im Innetn des Landes ſind viele gute Staͤdte und merkwuͤrdige Plaͤtze; die vornehmſten ſind: Bem⸗ backul, Albori, Tegdeme, Stefe, Canatudi, Medua, Calamon, Lori, Albron, Segmes (eine große Stadt, weiche der nahe gelegenen Land⸗ — 101 1 ſchaft den Namen gibt), Hagroah, Bibroeht und mehrere andere. Hier rechnete ich uͤber 100 Doͤrfer der Afrikaner, welche den Arabern und Tuͤrken unterworfen ſind; einige derſelben behalten die alte Sprache. Die Be⸗ wohner der Provinz S natta haben eine ſönderbare Sprache, welche nur die Einwohner unter einander verſtehen, und die alte puniſche ſeyn ſoll. In der Stadt Climfan blieb ich mit meinem Herrn 3 Jahre. Dreimal mußte ich mit meinem Herrn in das Land reiſen; zuerſt nach Angad, in welcher Provinz die beruͤhmte Stadt Bedtua liegt; ſie iſt vielleicht hinſichtlich der Groͤße und Vortreff⸗ lichkeit der Gebaͤude geringer, als Climſan. Das Land umber erzeugt verſchiedene Arten von Fruͤchten; Haͤute, Honig und Wachs gibt es im Ueberſluſſe. Der halbe Weg nach Bedtu a fuͤhrt durch ein ſandiges Thal, wo wir eine Menge Sandes, dem Golde ſehr gleich, fanden. In der Mitte der ſelben iſt ein See, bei welchem wilde Thiere und Schlangen zuſammenkommen. Wir durchzogen viele Gemeinden, welche unter Zelten in luſtigen Thaͤlern und angeneh⸗ men Gegenden wohnen. Den erſten Tag hatten wir ein ſcharfes Gefecht mit einigen Duzend Loͤwen. 10 Den andern Tag zogen wir durch ein weites Sand⸗ Feld, welches 10 Meilen lang und 4 breit war. In demſeiben ſahen wir viele kleine Sandhuͤgel. Bei unſerem Eintritte erhob ſich ein ſtarker Oſtwind und wohte uns mit lebendigem Sand begraben. In einem Augenblicke ward die Luft vom Staube verdichtet und der Sandberg ſtand auf einem andern Platz. 2 In 8 Tagen ſahen wir die Mauern von Bedtua, und wurden auf Koſten des Fuͤrſten empfangen. Vor unſerer Ankunft ſchickte er uns 500 Pferde entgegen. Der Fuͤrſt war von mittlerer Statur, ziemlich ſchwarz; in ſeinem Geſichte erſchienen gewiſſe Zeichen von Majeſtaͤt, in ſeinen Gebaͤhrden und ſeiner Bedienung aber ließ er ſeine Hoheit ſehen. Wir wurden praͤchtig empfangen, unſer Zug ging durch breite Straßen zu dem Palaſte, welcher aus Marmor und Backſteinen erbaut war, und durch ſeine rothe und weiße Farbe ein artiges Anſehen erhielt. Wir gingen durch drei Hoͤfe von ſauberer Arbeit. In dem erſten Hofe ward mein Herr von dem Se⸗ kretaͤre des Fuͤrſten empfangen, in dem zweiten von dem Bruder des Fuͤrſten, und in dem dritten von dem Fuͤrſten ſelbſt. In der Mitte deſſelben war ein großes Zelt von gruͤner Seide aufgerichtet, an deſſen 4 Ecken und an der Spitze Faͤhnchen von rother Seide, 103 und in dieſen die Wappen Mahomets und der fuͤrſtlichen Familie waren. Nach einigen Unterredungen und freundlichen Verſicherungen ſetzten ſie ſich zu einer großen Tafel, und zwar mein Herr zur Linken des arabiſchen Fuͤr⸗ ſten; uͤber ihren Haͤuptern hing ein ſtattlicher Bal⸗ dachin, und ringsum ſtanden Perſonen zur Vermeh⸗ rung der Feierlichkeit. Ich ſah hier nichts von dem groben Weſen, wel⸗ ches unſere Leute, in allen Theilen von Afrika, zu finden ſich einbilden. Die Araber in Afrika ſind durchgehends hoͤflich und wohl erzogen. Geſchieht einem Fremden etwas, ſo geſchieht es von der lieder⸗ lichſten Art des Poͤbels, naͤmlich von den alten Ein⸗ wohnern, welche alle Fremden, der Araber wegen, fuͤr ihre Feinde halten. Nachdem mein Herr nach meinem Rathe ſeine Geſchaͤfte gluͤcklich vollendet hatte, kehrten wir wieder nach Climſan zuruͤck, und blieben einige Zeit hier liegen. Hier bemerkte ich einige an dieſen Orten ge⸗ braͤuchliche und ſonderbare Lebensſtrafen. Wenn ſie Jemanden ſpießten, ſo wurde ein ſchar⸗ fes Holz durch den Leib des Verbrechers getrieben, 104 ſo daß es zwiſchen die Beine hiuein, und zu dem Munde wieder ausgeht. Einige ſah ich in dieſer Lage 6 Stunden noch leben. Die Ehebrecher und ſolche, welche Anſchlaͤge gegen das Leben ihrer Schuͤtzlinge vornehmen, werden von einer Anhoͤhe in die Tiefe geſtuͤrzt, wo auf dem Bo⸗ den ſpitzige Pfaͤhle zu ihrem Empfange bereit ſtehen. Einem Kirchen⸗Raͤuber wird ſiedendes Blei in die Kehle gegoſſen; andere werden mit ſpitzigen Staͤ⸗ ben von den Kindern todt geſtochen. Noch eine an⸗ dere Todesart iſt folgende: auf dem großem Markte ſteht ein Loͤwe aus Erz, welcher inwendig hohl iſt: zu ſeiner Seite fuͤhrt eine Thuͤre, durch welche er kriechen muß; ſie wird alsdann verſchloſſen, unter dem Loͤwen Feuer gemacht, und der Verbrecher jaͤm⸗ merlich verbrannt. Dieſe grauſame Luſt dauert bis⸗ weilen den ganzen Tag; denn nach dem Belieben des Richters wird das Feuer groͤßer oder kleiner gemacht. In dieſer Stadt bedient man ſich auch des Er⸗ droſſelns, wie bei den Tuͤrken; des Erſaͤufens mit einem Steine am Halſe; ferner ſind Todes⸗Strafen durch das Schwert, wilde Thiere u. dgl. gebraͤuchlich. Das Pruͤgeln entweder auf den Nuͤcken, oder den 105 Bauch und die Fußſohlen iſt wegen einer geringen Urſache gemein. Auch das Abſchneiden der Ohren und anderer Zierden des Leibes, iſt nicht unge⸗ woͤhnlich. Ein Richter der Stadt(Alcaide) und 9 Beiſitzer verhandeln uͤber die Angelegenheiten der Stadtbe⸗ wohner, wie der Gouverneur uͤber die Soldaten. Das Land um Clim ſan iſt ſehr unfruchtbar, und wohl bewaͤſſert. Weizen, Gerſte, Reis gibt es im Ueberfluſſe; der Hafer waͤchſt an den Orten, welche man ackert, wild: denn im Fruͤhiahre ſchlaͤgt die Wurzel wieder aus, und bringt dieſelbe Frucht. DOel, Ingwer, Seide, Weinbeere, vortrefflicher Balſam, Zeug aus Baumrinden, verſchiedene Arten Gewuͤrze, und Goldſand findet man hier. In den wuͤſten Orten des Koͤnigreiches gibt es viele Buͤffel, aus deren Haͤuten treffliches Leder be⸗ reitet wird. Der Buͤffel iſt ungefaͤhr ſo groß, wie ein Ochs, hat kein Gelenk an den Fuͤßen, und kann deßwegen, wenn er faͤllt, ſchwer aufſtehen. Bei dem Buͤffelfange hauen die Einwohner Baͤume ab, und ſtuͤtzen ſie leicht. Da es nun Gewohnheit der Buͤffel iſt, ſich an die Baͤume zu reiben, ſo fallen ſie mit 106 dieſen um, und werden ſo gefaugen. Ferner findet man: Tieger von einer ungemeinen Groͤße, Leoparden, wilde Eſel und wilde Pferde; dieſe ſind alle entweder weiß oder ſchwarz und ſehr ſchnell. Ihre Jungen ſind auch ſehr wild, ſchnell, und roͤthlich bis ſie ein Jahr alt werden. Auch haben ſie eine Geſchwuͤlſt an dem Kopfe, welche bisweilen eine Elle lang iſt, und dieſes mag Veranlaſſung zu dem Einhorne gegeben haben. Strauße trifft man in großer Menge. Nahe bei der Stadt iſt ein Brunnen gar ſeltſamer Natur; er fließt mit einem voͤlligen Bache, und iſt bei dein Vollmonde ſiedend heiß; bei Abnahme des Mondes nimmt er ab, und wird kalt. Gichtkranke und mit dem Zipperlein Behaftete ſuchen hier Zuflucht, und werden nicht ſelten geheilt. Dieſer Ort wird noch beruͤhmt durch das Grab eines großen Hage, welcher von dem Volke beinahe eben ſo hoch, als Mahomet geſchaͤtzt wird. Das Volk wallfahrtet von allen Or⸗ ten zu ſeinem Grabe, und bildet ſich ein, dadurch Linderung ſeiner Schmerzen zu erhalten. Als das Jahr verfloſſen war, und die tuͤrkiſche Armee kam, uns abzuloͤſen, erhielt mein Herr den Auftrag, ſo lange Lieutenant des Stadthalters zu ſeyn, als es ihm nuͤtzlich ſey. Waͤhrend der Zeit unſeres hieſigen Aufenthaltes 107 nachten die unbeſtaͤndigen Eraber oͤfters Einfaͤlle. Auch empoͤrten ſich mehrere Fuͤrſten, welche zu unter⸗ druͤcken wir immer in Kriegshaͤndel verwickelt waren. Was meine Perſon betrifft, benachrichtet uns der Kaufmann, ſo war ich auch nicht muͤßig, und mußte auf manches Liebes⸗Abentheuer eine große Sorgfalt und großen Fleiß wenden. Nicht ſelten ſchwebte ich in großer Gefahr bei dieſen Haͤndeln. Nachdem der Kaufmann ſeinem Herrn in einem Zuge gegen die Bewohner von Fez, welche eine Ka⸗ rawane angegriffen hatte, beigewohnt war, und nach⸗ dem das ganze im Aufruhre begriffene Land unterjocht worden war, kehrte die Armee nach Algier zuruͤck. Sein reicher und maͤchtig gewordener Herr gab ihm nach ſeinem Verſprechen die Freiheit, und eine Summe Geldes, um wieder nach Hauſe gelangen zu koͤnnen. Darauf begab er ſich auf ein franzoͤſiſches Schiff und ſegelte nach Frankreich. 108 Franz Froger's Reiſe an die Küſten Afrikas 1695— 97*. Vom Her⸗ ausgeber. In jener Zeit gehoͤrte es zum guten Tone aller Na⸗ tionen am Meere, daß einzelne Abentheurer ihr Gluͤck *) Relation d'un voyage fait en 4608— 97 aus cotes d'Afrique, detroit de Magellan, Bresil, Cajenne et isles Antilles, par une escadre des vaisseaux du Roi de France, commandée Har Mr. de Gennes. Fait par le Sieur rancois IoFia Ingenieur volontaire sur le vaisseau le Flaucon Anglois. Enrichie de grand nombre de figures, dessinées sur les lieux. à Paris 1698. 12. à Amst. 1699, 1702, 1745. 12. Als ſolche von Prevoſt in ſeine franzoͤſiſche Sammlung aufgenommen, von 109 auf Seefahrten verſuchten. Nachdem mehrere an den Kuͤſten von Caracko, Neu⸗Spanien und der Inſel Cuba nicht gluͤcklich geſtreift hatten, entſchlo⸗ ßen ſie ſich 1686 ihr Gluͤck im ſuͤdlichen Meere zu ver⸗ ſuchen, wohin ſie entweder zu Land, oder durch die Magellaniſche Straße kommen konnten. Der erſte kuͤrzere Weg war von Einigen zwar gluͤcklich betreten worden; allein ſie litten große Gefahr, von den In⸗ diern, welche mit den Spaniern bald Krieg, bald Frieden hatten, angegriffen zu werden, und waren der bequemen Schiffe fuͤr ihre Streifereien nicht ge⸗ nug verſichert. Sie waͤhlten alſo den Waſſer⸗Weg, und wurden fuͤr ihre Verwegenheit vom Gluͤcke mehr beguͤnſtigt, als die geſchiekteſten Schiffer hoffen konn⸗ ten. Sie verbreiteten lange Zeit unter den Spaniern in Chili und Peru großen Schrecken, theils durch unvermuthete Landungen auf beiden Schiffen, theils durch das Wegnehmen vieler Schiffe. Allein da ſie nicht zahlreich und ohne Kriegs⸗Zucht waren, ſo konn⸗ ten ſie nichts Großes unterneymen, folglich auch keine wichtige Beute machen. Oefters waren ihnen die koßt⸗ baren Gegenſtaͤnde des Raubes mehr laͤſtig, als erfren⸗ de la Harpe ſpaͤter verbeſſert wiederholt, und von Osborne in das Engliſche uͤberſetzt. Jede Ausgabe iſt mit vortrefflichen Kupfern zur Er⸗ muterung des Reiſe⸗Berichts verſehen. 11⁰⁶ lich, weil ſie dieſelben nicht verwahren konnten, und folglich gegen geringes Loͤſegeld zuruͤck geben mußten. Auch waren ſie gewoͤhnlich nur auf 5— 6 Monate mit Lebens⸗Mitteln verſehen, welche ſie auf irgend einer unbewohnten Inſel vergeudeten; nach verzehrtem Vor⸗ rathe blieb ihnen nichts anderes uͤbrig, als ihr Leben durch Raub zu friſten. Sieben Jahre hatten ſie in dieſer ſchaͤndlichen Weiſe verlebt, und waren ihrer ſatt; ſie entſchloßen ſich alſo, ſich in die Nord⸗See zuruͤck zu ziehen. Sie hatten ſich auf der Inſel Juan Fernandez zur Theilung ihrer Beute verſammelt, von welcher jedem nur 9000 Livres zukamen. Jene, welche ſich nach ih⸗ rem Vaterlande ſehnten, waͤhlten die Ruͤckkehr durch die Straße; aber 23 waren durch den Verluſt ihrer Beute im Spielen ſo kalt gegen ihre Schickſals⸗Ge noſſen geworden, daß ſie dieſe ohne die geringſte Nuͤhrung abreiſen ſahen. ie ſetzten ſich dann in eine Barke ganz verzweiftungsooll, entweder darin zu ver⸗ hungern, oder neues Gluͤck auf ihrer ungewiſſen Fahrt einzuernten. Sie nahmen auf der Kuͤſte von Peru fuͤnf Kauffarthei Schiffe weg, und waͤhiten davon je⸗ nes fuͤr ſich, welches ihnen das dauerhafteſte ſchien. Darin verwahrten ſie die koſtbarſten Gegenſtaͤnde, wel⸗ che ſie auf allen gefunden hatten, und hegten die Hoff⸗ t nung, reicher als ihre Genoſſen zuruͤck zu kommen. 111 Arfangs fanden ſie keine Hinderniſſe auf ihrer Fahrt; ſie waren gluͤcklich bis zur Meeres⸗Enge; aber hier zerſtoͤrte ein Sturm ihr Schiff, ſtatt deſſen ſie erſt in 10 Monaten mit groͤßter Anſtrengung eine Barke bauen konnten. Darin verbargen ſie ihre noch uͤbri⸗ gen Schaͤtze: zwar gingen mehrere Glieder ihrer Ge⸗ ſellſchaft aus Hunger und Anſtrengung auf der wei⸗ teren Fahrt zu Grund; indeſſen langten doch die gluͤck⸗ lichſten auf der Inſel Cajenne an. Einige ließen ſich daſelbſt nieder; andere kehrten nach St. Do⸗ mingo zuruͤck. Allein 4—z konnten ſich uͤber den Verluſt ihrer Reichthuͤmer nicht troͤſten, und beſchlo⸗ ßen alſo eine zweite Fahrt in das ſuͤdliche Meer. Zu dieſem Ziele brachten ſie ſehr gute Nachrich⸗ ten nach Frankreich. Einer von ihnen, Namens Macarty, bot dem Herrn von Gennes, welchem man einen großen Unternehmungs⸗Geiſt zutraute, ſeine Dienſte an. Dieſer billigte die Vorſchlaͤge, und er⸗ bot ſich dem Hofe der Duillerien, dieſe auszufuͤhren. Sein Autrag wurde ſo gut aufgenom men, daß der Koͤnig ihm ſogar die Wahl der Schiffe.*) uͤberließ. *) Der engliſche Falk, mit as Kanonen und 260 Mann, wurde von Gennes ſelbſt befehligt. Die afrikaniſche Sonne, mit 32 Kanonen und 112 Der ungewoͤhnliche Plan zu einer Seefahrt lockte ſo viele Theilnehmer, daß ſogar Perſonen erſten Ranges Geld⸗Zuſchuͤſſe machten. Viele Juͤnglinge wußten nicht, ob ſie mehr von der Neugierde nach der Kennt⸗ niß des ſuͤdlichen Welttheiles, oder von der Hoffnung zur ſchnellen Bereicherung verfuͤhrt wurden. Froger war zwar damals erſt 10 Jahre alt; hatte ſich aber in der Mathematik eine ſolche Fertig⸗ keit angeeignet, und aus Beſchreibungen der Laͤnder und Meere ſo umfaſſende Belehrung verſchafft, daß er hoffen konnte, ſeinem Vaterlande nuͤtzlich zu wer⸗ den. Er ſchloß ſich an die Reiſenden mit dem Vor⸗ ſatze, beſondere Karten von der Einfahrt der Haͤfen und Fluͤſſe entweder zu entwerfen, oder aus ſchon vorhandenen nachzubilden und zu berichtigen. Er hat auch ſeinen Zweck ſo gut erreicht, daß er die Arbeiten aller Vor⸗ gaͤnger von dem alten Wege nach Oſt⸗Indien durch Suͤd⸗Weſt uͤbertraf. 220 Mann, ſtand unter du Parey, Kapitaͤn der leichten Fregatten. Der Aufruͤhriſche mit 26 Kanonen und 140 Mann, unter dem Kapi⸗ taͤn de la Roque. Die Korvette Gluͤckſelig⸗ keit hatte 8 Kanonen mit ao Mann. Die Ge⸗ fraͤßige war eine Fluͤte von 10 Kanonen mit 4 Mann. 113 Das Geſchwader von s Schiffen lief den 3. Juni 1695 aus Rochelle, erſchien vor dem gruͤnen Vor⸗ gebirge, und nahm auf der Inſel Goree Erfri⸗ ſchungen ein. Der Anfuͤhrer Gennes uͤberfiel dann am Fluſſe Gambia oder Gambra das engliſche Fort St. James, welches ſich bald ergab. Die gfrikaniſchen Koͤnige mehrerer benachbarter Laͤnder er⸗ wieſen der franzoͤſiſchen Flagge beſondere Ehre. Auf der weiteren Fahrt uͤber das große Meer zwiſchen Afrika und Braſilien beruͤhrte er die Inſeln St. Anna, welche die Hollaͤnder einſt beſaßen, als ſte die Eroberung von Braſilien vornahmen. Sie liegen nahe an einander; die groͤßte hat nur 1 ½ Meile im Umfange, und zeigt an der Seite des fe⸗ ſten Landes eine ſehr angenehme Bucht, wo man vor⸗ treffliches Waſſer findet. Außer dieſem findet man nur einige wilde Fruͤchte, Portulae und kleine ge⸗ ſtreifte Kirſchen; dafuͤr wird man durch einen hoͤchſt melodiſchen Geſang von vielen Voͤgeln entſchaͤdigt, welche in dem Gehoͤlze niſten. Froger wuͤrde den Kardinal, eine Art kleiner Sperlinge mit ſchwarzem Fluͤgel und Schwanze, aber lebhaft rothem Leibe be⸗ wundert haben, wenn der kleine Kolibri von gruͤnem Gefieder nicht ſeine ganze Aufmerkſamkeit gefeſſelt haͤtte, deſſen Neſt aus Baumwolle an Baumzweigen haͤngt. Die beiden anderen Inſeln ſind ſo weit ent⸗ fernt, daß Schiffe durchfahren koͤnnen. Die noͤrdliche 46. B. Afrika. I. 1. 8 114 hat auf der Landſeite eine ſehr bequeme Bucht, die Schiffe auszubeſſern, und die ſuͤdliche iſt nur ein gro⸗ ßer runder Felſen. Ihnen gegenuͤber zeigt ſich auf der Kuͤſte ein kleiner portugieſiſcher Flecken. Am 28. November ſchifften ſie um das Vorgebirge Friez am 30. befand man ſich vor zwei großen ziem⸗ lich von einander entfernten Klippen, welche ſich, wie zwei Zuckerhuͤte, an der Mündung des Fluſſes Ja⸗ meiro erheben. Von deſſen Einfahrt, wie von der Stadt gleiches Namens fertigte Froger einen Grund⸗ riß. Nachdem Gennes den Portugieſen fuͤr die uͤberreichten Erfriſchungen ziemlich viel gezahlt hatte, ſegelte er 27. Dezember weiter. Eine außerordentliche Windſtille noͤthigte ihn, am 29. im Kanale der Iſola⸗ Grande zu ankern. Dieſe hat wenigſtens 18 See⸗ meilen im Umfange, iſt hoch, und mit ſo dickem Ge⸗ hoͤlze bedeckt, daß man ſie nicht leicht betreten kann. Indeſſen ſieht man die ganze Ebene mit Orangen⸗ und⸗Citronen⸗Baͤumen bedeckt. Unter den verſchiede⸗ nen wilden Fruͤchten verdiente vorzuͤgliche Ruͤckſicht die Birne Mavou, aus deren roth wolligtem Weſen ſehr dauerhafte Matrazen gefertigt werden. Legt man dieſe in die Sonne, ſo gewinnt die Wolle ihre vorige Schnellkraft in ſo hohem Grade wieder, daß die Ma⸗ trazen neu gefuͤllt zu ſeyn ſcheinen. Auf der gegen⸗ uͤber befindlichen Kuͤſte iſt ein portugieſiſches Dorf von 4— 500 Einwobnern., 115 Nach dem Vorhaben, bis zur Magellaniſchen Meer⸗ enge nicht mehr zu landen, wurde das Geſchwader zu Jaueiro mit Allem verſehen. Gennes ließ in der Bucht der Inſel Grande Holz und Waſſer einneh⸗ men, und lichtete den 6. Jaͤnner 1696 die Anker. Bis zum Ende dieſes Monats entfernte man ſich mehr als 40 Meilen vom Lande. Am 223. ſahen ſie viele See⸗ kaͤlber auf dem Ruͤcken liegen, und auf des Waſſers Oberflaͤche ſchlafen. Am 29. wurden ſie durch mehrere Wallſiſche, Margots und ſehr viele Voͤgel uͤberraſcht, welche wie Enten dem Schiffe folgten. Am 31. war das Meer mit ſo vielen Krebſen bedeckt, daß man mit Leichtigkeit mehr als 10,000 in Koͤrben fangen konnte. Am 4. Februar erkannte man das Vorgebirge St. Nn⸗ nes de las Barreras, deſſen Land niedrig iſt, und nicht fruchtbar zu ſeyn ſcheint, und deſſen Ein⸗ wohner bei der Anſicht eines Schiffes Gott oder den Teufel bitten, er moͤge es ſcheitern laſſen. Am 7. entdeckten ſie das Vorgebirge der Jungfrauz Win d und Strom draͤngten ſich in die Straße, wo ſie Abends bei der Einfahrt in die Bucht Poſſeſſion ankerten. Am 12. wurde es ſo windſtille, daß ſie kaum drei Seemeilen fortruͤcken konnten. Am 13. ſegelten ſte bei dem Vorgebirge Entrana vorbei, ankerten in der Einfahrt der Buch Boucaut, ſahen viele Wall⸗ fiſche und etliche Meerſchweine, welche ganz weit bis auf den Kopf und Schwanz waren. Am 14. arbeite⸗ MN 116 ten ſie den ganzen Vormittag gegen die widrige Flut, und ankerten in der Mitte der Bay. Die Kuͤſte iſt eben und unfruchtbar, hat weder Holz noch Waſſer, aber kleine Schneyfen und andere Meervoͤgel. Einige Matroſen drangen in das Land etliche Meilen vor⸗ waͤrts, und bemerkten daſelbſt wilde Rinder und Zie⸗ gen, wie am ufer ſehr ſchoͤne Schnecken, ſehr viels Jambles und Muſcheln. Am 19. umſchifften ſie das Vorgebirge Gregorius, und ankerten Mittags eine kieine Seemeile unter der Inſel St. Georg, wel⸗ cher man ſich wegen der Windſtille und Flut nicht mehr naͤhern konnte. Sie hat eine Seemeile im Um⸗ fange, iſt hoch und duͤrr, erzeugt Meervoͤgel, und iſt mit einigen verlaſſenen Huͤtten der Wilden beſetzt. Wegen der Heftigkeit der Winde wurden die Anker erſt den 21. gelichtet. Sie ſegelten nahe an St. Georg mit dem Senkblei in der Hand; deſſen unge⸗ achtet ruhten ſie ploͤtzlich auf einer Bank, von welcher ſie nur durch die Anſtrengung der Seeleute ſich wie⸗ der entfernen konnten. Des Abends ankerte das Ge⸗ ſchwader s Seemeilen von der Inſel in einer Bucht, wo die Kuͤſte ſich angenehm erhebt, und mit Gehoͤlze bedeckt iſt. Einige Baͤche bieten ſehr gutes Waſſer dar; man findet Seleri, Stachelbeere, Fuͤchſe, Trapyen⸗ Grieben, Enten, Naben, Cormorans, und andere Meervoͤgel im Ueberfluſſe. Widiige Winde hielten das Geſchwader in diefor 117 Bucht bis zum 24. auf; dann ſegelte es in die Hun⸗ gerbay, wo ungeachtet der vielen Klippen an der Kuͤſte ſehr gutes Waſſer zu finden war. Die wenigen Einwohner beſchaͤftigten ſich am Ufer mit der Verfer⸗ tigung zweier Kaͤhne aus Rinden. Sie hatten Schleu⸗ dern und Pfeile nebſt einigen Hunden; ſtatt des Ei⸗ ſens bedienten ſie ſich geſchliffener Kieſelſteine zum Be⸗ bauen des Holzes. Ihre Huͤtten beſtanden nur aus einem halben Kreiſe von Baumaͤſten, die ſie pflanz⸗ ten, und in einander flochten, um ſich gegen die Luft zu ſchuͤtzen. 2 Am 23. Nöͤthigte der Wechſel widriger Winde, un⸗ ter dem Vorgebirge Forward zu ankern. Des an⸗ dern Morgens ſegelten ſie um daſſelbe, und langten Abends unter erſtaunlichen Windſtoͤßen, welche zwi⸗ ſchen zwei Gebirgen oͤfters in der Mitte einer großen Windſtille hervor ſtuͤrmten, am Vorgebirge Holland an. Gegen Mitternacht ſah man ſich genoͤthigt, fo ſchnell als moͤglich zwei Seemeilen uͤber Forward in einer großen und ſehr bequemen Bay zu ankern. Daſelbſt verweilte Gennes bis zum 3. Mai, und nahm Waſſer und Holz ein. Der daſeibſt einfallende Fluß nimmt Schaluppen bei etwas hoher Flut auf; ſie nannten ihn Gennes, und die Baye Fran⸗ eoiſe. Bei einem vortheilhaften Winde ſegelten ſte noch einmal um das Vorgebirge Forward. Am s. 118 erkannten ſie die Hungerbay, wo die unter Koͤnig Philipp II. nieder gelaſſenen Spanier noch leben wuͤrden, wenn ſie von den Wilden nicht waͤren ge⸗ freſſen worden. Man findet hier viel Wildpret, und die großen Ebenen locken zur Bebauung des Bodens. Am 6. erhoben ſich ſo außerordentliche Windſtoͤße, daß ein Schiff vom Geſchwader getrennt, und in die franzoͤſiſche Bay zuruͤck getrieben wurde. Vom 9. wech⸗ ſelten ſie mit Regen und Hagel bis zum 20. Ein guͤn⸗ ſtiger Zwiſchenraum geſtattete die Erreichung der Rhede von Port Galant. Aus Mangel an Lebensmitteln wollten ſie nach der Inſel Grande zuruͤck kehren, und ihr Gluͤck auf andere Weiſe verſuchen; allein Froger widerſetzte ſich kraͤftig dieſem Entſchluſſe. Doch nach wenigen Stunden ſchon gelangten ſie wie⸗ der an die Muͤndung der Straße, und am 7. April in das Nordmeer; die Kuͤſten Braſiliens ließen ihnen gleiche Unterſtuͤtzung hoffen. Sie ſegelten in die Bay Aller Heiligen, vor der Stadt Salvador. Nach viermonatlicher Pflege ihrer Kranken daſelbſt beſchloß Gennes nach Cayenne zu fahren, wo die Franzoſen 1677 durch den Marſchall von Eſtrees waren eingeſetzt, nachdem ſie vom J. 1635 zweimal verdraͤngt worden waren. Am 1. Auguſt ſegelte das mit Erfriſchungen be⸗ — 1 —— 119 ſtens ausgeruͤſtete Geſchwader von Salv ador um das Vorgebirge St. Anton in die weite See, um ſſich von der Kuͤſte zu entfernen, welche durch Klippen und Stuͤrme gleich gefaͤhrlich iſt. Am 17. erkannten ſie das Vorgebirge St. Au guſtin; am 22. uͤber⸗ ſchritten ſie die Linie, und begegneten anderen, weſt⸗ lich ſtreichenden Stroͤmen. Sie bemuͤhten ſich, auf der weiten See ſich zu halten, um auf die Hohe des Vorgebirges d'Orange zu kommen. Am 2. bemerk⸗ ten ſie in einer Entfernung zu mehr als so Meilen vom Lande, daß das Waſſer gelb, truͤbe und etwas fuͤßer war. Sie ſchloßen auf die Naͤhe des Amazo⸗ nen⸗Stromes, welcher durch ſeinen ſchnellen Lauf dem Meere auf mehr als 20 Seemeilen noch einige Suͤße mittheilt. In den naͤchſten Tagen wollten ſie ſich der Kuͤſte naͤhern; allein ſie fanden in einer Ent⸗ fernung von 3— 4 Meilen nie mehr als s bis 6 Fa⸗ den Waſſer. Am 30. erkannten ſie das Vorgebirge d'Orange, und umſegelten die große Klippe des Konſtabels, welche ſich drei Meilen in das Meer ausdehnt, und fuͤnf Meilen von Cayenne entfernt iſt. Sie fuhren neben ihr in der halben Entfernung eines Kanonen⸗Schuſſes, und ankerten um 6 Uhr Abends drei Meilen nordwaͤrts der Inſel. Nach vie⸗ len Hinderniſſen legten ſie unter dem Geſchuͤtze der Stadt einen halben Piſtolen⸗Schuß vom Ufer an. Die Inſel Cayenue liegt an der Kuͤſte von — 120 Guaiana, 4 Grad 4s Minuten noͤrdlich, und im 332. Grad der Laͤnge, wird von zwei Armen des Fluſ⸗ ſes umgeben, und hat vielleicht 18 Seemeilen im Umfange. Nach Froger iſt ſie gegen das Ufer ziem⸗ lich hoch, in der Mitte aber ſo ſumpfigt, daß man zu Lande nicht von einem Ende auf das andere kommen kann. Die Staͤdt liegt nordwaͤrts der Iuſel, wo⸗ Katur und Kunſt gleichviel zu ihrer Befeſtigung bei⸗ getragen haben; ihre Geſtalt iſt ein unordentliches Sechseck. Sie wird auf allen Seiten durch die Bat⸗ terien der Feſtung, welche mit 60 Kanonen beſetzt ſind, vertheidigt. Die Zahl der Einwohner betrug damals 400, jene der ordentlichen Beſatzung 200, welche durch erſtere bei einem Ueberfalle verſtaͤrkt wur⸗ den. Durch die Jeſuiten iſt die Kirche St. Salva⸗ tor in der Stadt, und eine Kapelle außerhalb die⸗ ſer geſtiftet worden. Da der Regen daſelbſt jaͤhrlich 9 Monate dauert, und die Stadt mit Gehoͤlz und Suͤmpfen umgeben iſt, ſo iſt das Klima der Geſundheit ſehr nachtheilig. Doch hat ſich das Uebel ſeit der Bebauung ziemlich gemindert. Der vornehmſte Handel koͤnnte in Zucker, Roucou, Baumwolle und Indig beſtehen, wenn ge⸗ nug Arbeiter waͤren. Aus Frankreich wird Wein, Brantwein, Mehl und eingeſalzenes Fleiſch dahin ge⸗ bracht. Das Rindvieh iſt nicht zahlreich, und darf 121 ohne beſondere Erlaubniß nicht einmal getoͤdtet wer⸗ den, damit die Gattung nicht im Fortpflanzen gehin⸗ dert werde. Sonſt war auch das Geld ſelten; aber ſeitdem die Seeraͤuber aus dem Suͤdmeere ihre Vor⸗ raths⸗Haͤuſer und Wohnungen daſelbſt errichteten, iſt es gemeiner worden. Die Franzoſen trieben thaͤtigen Handel in trock⸗ nen Fiſchen und Hamaks mit den Indiern des Ama⸗ zonen⸗Stromess die ſpaͤter eingetroffenen Portu⸗ gieſen ſuchten durch grauſame Mittel alles zu vertil⸗ gen. Herr von Feroles wollte die Feinde ſeines Handels verdraͤngen, verſicherte ſich der Inſel, und entdeckte, daß der Amazonen⸗Fluß in der Naͤhe von Silber⸗Gruben ſey. Nebſt den ſchon genannten Fruͤchten iſt auf der Inſel Cayenne auch Maiz und Manios zu finden. Ebenſo Caſſia, Papaies, Vanille, Ackajou⸗Aepfel und Pite, deſſen Faſern wie Hanf bearbeitet werden, und feinere ſowohl als ſtaͤrkere Faden geben. Ganz gemein iſt das ſchwarze und gruͤne Ebenholz, das Veilchen⸗ holz und andere Holzarten zum Faͤrben ſowohl, als zur Tiſchler⸗Arbeit. Man findet viele Fiſche und Wildpret, Tiger, Hirſche, Schweine, Stachelſchweine und andere Thiere. So erſchreckend die großen Schlangen ſind, ſo bat man doch nichts von ibrer 122 Vergiftung zu befuͤrchten. Von den Voͤgeln zeichnen ſich beſonders die ſchoͤnen Papageien aus; ſie lernen leicht reden, und die Indier geben ihnen verſchiedene Anſtriche durch das Blut gewiſſer Wuͤrmer. Die Ge⸗ hoͤlze wimmeln von den niedlichſten Voͤgeln, z. B. Colibris. Die Flaͤmminge ſind ſo groß, wie unſere Huͤhner, iegen Heerdenweiſe wie die Enten herum, und ihre ſchoͤn rothen Federn werden von den Indiern zu Kronen benutzt. Die Einwohner ſind klein, reißen ſſich die Haare aus dem Bart, und faͤrben ſich mit Roucou. Ihr gan⸗ zer Leib iſt nackt; nur um die Mitte ziehen ſie einen ſchmalen baumwollenen Streif; ihre Verzierungen ſind Feder⸗Kronen von mancherlei Farben und Armbaͤnder aus Glas⸗Korallen. Die meiſten durchloͤchern die Naſe in der Mitte, und behaͤngen ſie mit einem Stuͤck⸗ chen Silber, oder einem großen Stuͤcke gruͤnen Kry⸗ ſtalls aus dem Amazonen⸗Fluſfe. Die Bewohner eines großen Bezirkes unterſcheiden ſich von ihren Nachbarn durch ein großes Loch in der untern Lippe, durch wel⸗ ches ein Stuͤckchen Holz geſteckt iſt, an welchem jenes Kryſtall haͤngt. Die Weiber umguͤrten ſich bloß mit einem Stuͤckchen Leinwand. Die Maͤnner haben eine Fertigkeit im Fiſchfange und Bogenſchießen. Sie ſind geſchickt in der Ferti 123 gung der Toͤpfer⸗Gefaͤße, waſſerhaltiger Koͤrbe, und bewunderungswuͤrdiger Hamaken. In ihre Kuͤrbis⸗ Flaſchen graben ſie mancherlei Figuren, und uͤberzie⸗ hen ſte mit einem waſſerhaltigen Firniſſe Ungeachtet dieſer Geſchicklichkeiten ſi ſind ſie traͤge, ſorglos um die Zukunft, und nur auf die augenblicklichen Beduͤrf⸗ niſſe bedacht. Erfahren ſie waͤhrend der Arbeit oder des Krieges, daß ihre Weiber entbunden werden, ſo umbinden ſie ihren Kopf, legen ſich nieder, als haͤt⸗ ten ſie ſelbſt Geburt⸗Schmerzen, und nehmen Beſuche der Nachbatn an. Sie wohnen in langen Huͤtten mit medreren Familien zuſammen. Die Weiber bearbeiten das Feld, die Maͤnner fiſchen und jagen. Im Kriege haben ſie weniger Lebensmittel nothwendig denn ſie eſſen das Fleiſch ihres fetteſten Gefangenen. Sie ſind im Ganzen ſehr unwiſſend, beten die Sterne an, ver⸗ ehren die Alten im hoͤchſten Grade, und fuͤrchten einen boͤſen Geiſt, welchen ſie Piaye nennen. Der Umfang der Inſel Kayenne mag 15— 16 See⸗Meilen betragen. Ihr Haupt⸗Fluß theilt ſich in zwei Arme, deren einer gleiches Namens weſtwaͤrts in das Meer ſich ergießt; der andere Mahury von der oͤſtlichen Landſpi ze, wo er in das Meer faͤllt, ge⸗ nannt wird. Bei der Muͤndung des Fluſſes Ka⸗ yenne erhebt ſich eine Spitze wie ein Halbmond mit zwei Hoͤrnern. Der Ankerplatz liegt ſehr gut am 124 Fuße des Huͤgels ſelbſt im Kanale des Fluſſes: zwi⸗ ſchen beiden Hoͤrnern haben mehr als hundert Schiffe Raum zu ankern, und ſind gedeckt durch das Fort⸗ welches auf dem Huͤgel erxichtet wurde. Auf beiden Seiten des Huͤgels naͤhern ſich Barken und Schalup⸗ pen dem Ufer bis guß einem Fuß. Auf der andern Seite des Fluſſes iſt ein Huͤgel, der etwas in das Meer ſich erſtreckt, und an deſſen Fuß eine Quelle bervor ſprudelt; er iſt ſo hoch als der andere, und hat oſtwaͤrts ein ſehr ſchoͤnes Ufer. Dieſe Bucht wud von Außen durch eine Landſvitze begraͤnzt, in deren Mitte die erſten Koloniſten eine Wohnung anlegten, welche durch ihre zu grole Entfernung von gutem Waſſer bald unnuͤtz wurde⸗ Außer den erwaͤhnten Haͤgeln iſt das uͤbrige Land ſehr eben, und bietet ſo⸗ gar ſchoͤne Wieſen voll trefflicher Kraͤuter dar. Von dieſen haben ihre Auserwaͤhlten eine ſo genaue Kennt⸗ niß, daß ſie mittelſt derſelben die Wunden der Pfeile heilen, ſelbſt wenn dieſe vergiftet waren. 4. Das franzoͤſiſche Geſchwader verweilte beinahe drei Monate auf der Inſel iur Herſtellung der Krau⸗ zen. Ungluͤcklicher Weiſe traf ein Kaufmannsſchiff mit Wein und Branntwein ein. Da die Seeleute eben ibren Sold auf ein Monat erhalten hatten, ſo tran⸗ ken ſie ſo unmaͤbig, daß mehrere davon wieder ei⸗ krankten. 125 Herr von Gennes ließ die Anker lichten, und ſegelte am 16. Februar 1697 von Quadeloupe ab, wo⸗ hin er ſich zum Schutze des franzoͤſiſchen Handels ge⸗ wendet hatte. Von der Fahrt durch die Antillen bis an die Azoriſchen Inſeln beobachtete man ſtets Kraͤu⸗ ter, welche aus dem Kanale Bahama kommen ſoll⸗ ten, woher ſie durch die ſtarke Stroͤmung in die offene See, und von da uͤber das ganze Meer durch die Winde von Aval zerſtreut werden, welche beſtaͤndig auf den Kuͤſten von Virginien und Neu⸗Eng⸗ laud herrſchen. Am 21. April ankerte das Geſchwa⸗ der vor Rochelle, und ſo war die Reiſe in zwei Jah⸗ ren gluͤcklich vollendet.