9 Tarar Iraranar aTararaarnn anrnaehrhrhrhrbrürhnhnhrhchrnenr arararATAEAArALA Leihbibliothek von Eduard Ottmann in Gießen. araEa ann arhr araaan Täglicher Leſepreis für ein deutſches 3 1 Kr. „„„ franz. od. engl.„ 2„ Das Abonnement beträgt: E für wöchentlich 6 Bücher: 4 Bücher: 2 Bücher: 8 auf 6 Monat. Zſl. 30 Kr. 2 fl. Kr. 1 fl. 12 Kr⸗ 5 2,.„ 7 12„ 45„ —„ 36„—„ 27„„ 18„ . arararararanar uhnauhnanahanhnanhnanar . rarana arar arara nnahnachnhahnhehahnnannnananarnrar F d V Baare Iörnad r Bofaur. Vormeri ERCANTON — nrNDIss v QNO rtiτον rour— od(AVIOo 1 QUANGHAI A ſ SpEZIAI- KNxTEA der Oeffimmé der Stadt (ANToS XGEGEN DAS MEENR* ⁸ N„ ‿ X 5 ———- Taſchen⸗B ibliothek der wichtigſten und intereſſanteſten See⸗ und Land⸗Reiſen, von der Erfindung der Buchdruckerkunſt bis auf unſere Zeiten. Mit Landkarten, Planen, Portraits und anderen Abbildungen. Verfaßt von. Mehren, und herausgegeben von Joachim Heinrich Jaͤck, Koͤnigl. Bibliothekar zu Bamberg. 43. Baͤndchen. Mit einer Charte. I. Theil. 3. Bändchen von Chinag. —:—ꝛ—xxx———⏑::n—:— Nürnberg. Verlegt von Haubenſtricker und von Ebhner. 1829. A— 6 Taſchen⸗Bibliothek der wichtigſten und intereſſanteſten Reiſen durch 3 China. Mit Landkarten, Planen, Portraits und anderen Abbildungen. Ver f a ß 1 von Mehren, und herausgegeben von Joachim Heinrich Jaͤck, Koͤnigl. Bibliothekar zu Bamberg. I. Theil. 3. Bändchen. . Nürnberg. Verlegt von Haubenſtricker und von Ebner. 1 82 9. VII. Ueber die Verehelichung der Chi⸗ neſen). Die Weiber von China ſind faſt auf ihr ganzes Leben verurtheilt, das Licht des Tages nicht außer ihrem Hauſe zu ſehen. Ein Chineſe verehelicht ſich, ohne ſeine Braut geſehen zu haben. Er kennt nur ihre Zuͤge und ihren Wuchs aus dem Berichte einer Verwandten, oder andern vermittelnden Frau fuͤr ſolche Faͤlle. Wird er uͤber das Alter oder die Geſtalt betrogen, ſo kann er auf Eheſcheidung autragen. Die naͤmlichen Weiber, welche die Ehe einleiten, vereini⸗ gen ſich uͤber den Geld⸗Betrag, welchen der Braͤuti⸗ gam den Aeltern der Braut geben ſoll. Denn in China ſtattet nicht der Vater die Tochter aus, ſon⸗ dern der Mann ſelbſt, oder vielmehr er kauft ſie; er wird im doppelten Sinne Eigenthuͤmer. ) Tableau de l'état actuel de la Chine par Me. l'Abbè Grosier. Paris. 17 735. 4. p. 619— 625. 134 Die Aeltern der Tochter beſtimmen den Tag der Feierlichkeit; ſie haben im Kalender zu unterſuchen, welcher Tag gluͤcklich zu waͤhien ſey. In der Zwi⸗ ſchenzeit machen ſich beide Familien wechſelſeitig Ge⸗ ſchenke. Der Braͤutigam ſchickt ſeiner Braut einige Pretioſen, z. B. Ringe, Ohrengehaͤnge ꝛc. Die Brautleute ſchreiben wohl einander, aber ohne ſich zu ſehen; das wird noch durch dritte Perſonen beſorgt. Am Tage der Feierlichkeit wird die Verlobte in einen Wagen, oder in einen geſchloſſenen Tragſeſſel geſetzt. Ihre Mitgabe wird durch verſchiedene Perſo⸗ nen beiderlei Geſchlechts, theils vor⸗, theils nachge⸗ tragen; andere gehen mit Fackeln beim hellen Tage nebenher. Eine Anzahl Muſiker mit Quer⸗Pfeifen, Hautbois, Trommeln geht vor dem Wagen, und de⸗ ren Familien folgen hinter demſelben. Der Schluͤſſel zum Wagen wird einem ſicheren Hausgenoſſen auver⸗ traut, welcher ihn nur dem Manne uͤbergeben darf. Dieſer erwartet in reicher Kleidung au ſeine r Thuͤre die Ankunft des Zuges. Man uͤbergibt ihm den Schluͤſ⸗ ſel; er oͤffnet haſtig den Wagen, und auf den erſten Blick kann er ſein Gluͤck ſchaͤtzen; er ſieht, ob man ihn gut oder ſchlecht bedient habe. Zuweilen ſpertt der unzufriedene Braͤutigam den Wagen eben ſo hallig wieder zu, als er ihn oͤffnete, ſchickt die Verlobte zu ihren Ae tern zuruͤck, und verzichtet auf die Summe, die er zahlte, um ſie zu erhalten. + 133 Iſt aber die Braut willkommen, ſo ſteigt ſie vom Wagen und tritt mit dem Braͤutigam in Begleitung ihrer Aeltern in einen Saal. Nach dankbarer Begruͤ⸗ ßung wird die Braut den Weibern uͤberlaſſen, welche zu dieſer Feierlichkeit eingeladen wurden; ſie giebt ih⸗ nen ein Feſt, welches den ganzen Tag dauert. Der junge Ehemann benimmt ſich eben ſo mit ſeinen maͤnn⸗ lichen Gaͤſten. So geht es auch bei allen großen chi⸗ neſiſchen Gaſtmaͤlern zu; die Maͤnner zerſtreuen ſich unter einander, wie die Weiber. So iſt die Hochzeit der Mittel⸗Klaſſe; nach Verhaͤltniß des Ranges und Vermoͤgens iſt alles vornehmer, oder geringer. Ein Chineſe kann eigentlich nur eine rechtmaͤ⸗ ßige Frau nach dem Geſetze haben, zugleich aber auch mehrere Beiſchlaͤferinnen kaufen. Urſpruͤnglich war dieſe Einrichtung nur zur Befoͤrderung der Bevoͤlke⸗ rung. Daher auch jetzt noch jeder Chineſe bei der Wahl einer Beiſchlaͤferin ſeiner Frau die Abſicht ein⸗ praͤgt, ſie mit einer groͤbern Zahl von Kammerfrauen zu verſehen. In der That uͤbt ſie auch uͤber dieſelben die naͤmliche Gewalt, wie aͤber Dienſtboten aus. So⸗ gar die Kinder, welche dieſe zur Welt bringen, wer⸗ den angeſehen, als gehoͤrten ſie der Frau; aber ſie theilen auch die vaͤterliche Hinterlaſſen ſchaft. Stirbt die Frau, ſo muͤſſen ſie 3 Jahre trauern. Andere Maͤnner, welche von ihrer rechtmaͤßigen Frau keine maͤnnliche Geburt erhalten koͤnnen, neh⸗ men ſich eine Beiſchlaͤferin fuͤr dieſen Zweck, und ver⸗ 136 abſchieden ſie wieder nach deſſen Erreichung; ſie laſſen ihr die Freiheit zu heirarhen, wen ſie will; gewoͤhn⸗ lich verſchaffen ſie ſelbſt ihr einen Mann. Doch zu⸗ weilen erhebt der Wittwer ſeine Beiſchlaͤferin ohne die fruͤheren Foͤrmlichkeiten zur Frau. Solche Beiſchlaͤferinnen werden gewoͤhnlich aus den Staͤdten Vang⸗tcheou und de Sou⸗tcheou genom⸗ men. Daſelbſt werden ſie in der Kunſt erzogen, ſich durch alles, was Maͤdchen vom Stande unterſcheidet, z. B. Geſang, Spiel der Inſtrumente ꝛc., belieht zu ma⸗ chen. Der groͤßte Theil wird anderswo gekauft, um — nachher wieder verkauft zu werden; durch dieſen be⸗ ſondern Handels⸗Zweig zeichnen ſich beide Staͤdte vor allen uͤbrigen aus. Geſetzlich iſt zwar der Gebrauch der Beiſchlaͤferin nicht; doch wird er geduldet; weil der Kaiſer, die Prinzen Lon Geblüte, und die Manda⸗ rinen allein privilegirt ſind. Wittwen mittleren Standes mit Kindern ſchreiten ſelten zur zweiten Ehe; manche bleiben ſogar ledig, wenn ihr Braͤutigam vor der Verehelichung ſtirbt. Wittwen gemeiner Klaſſe mit Kindern benutzen ge⸗ woͤhnlich die Freiheit, noch einmal zu heirathen; ganz arme haben nicht einmal die freie Wahl, ſondern man verkauft ſie zum Beſten der Aeltern des verſtorbenen Mannes. Sobald der Handel abgeſchloſſen iſt, kommt ein Tragſtuhl mit vertrauten Maͤnnern, welcher die Wittwe ihrem ganz unbekannten neuen Manne iihan⸗ bringt. 137 Die Hausherren ſind ſehr eifrig in der Vereheli⸗ chung ihrer Sklaven und Sklavinnen. Die aus dieſer Verbindung folgenden Kinder gehoͤren ihnen eigen⸗ thuͤmlich, und Vater und Mutter derſelben gewinnt eine deſto groͤßere Anhaͤnglichkeit an die Herrſchaft. Selbſt die gebildetſten chineſiſchen Frauen kommen faſt niemals aus ihrem Zimmer. Dieſes iſt im entlegen⸗ ſten Theile des Hauſes; gewoͤhulich haben ſie keine andere Beruͤhrung, als mit Domeſtiken. In jedem Hauſe muͤſſen 2 Zimmer ſeyn, deren vorderes dem Manne— deren hinteres der Frau gehoͤrt. Eine Mauer, oder ein feſtes Schloß ſoll beide trennen, und die Thuͤre muß ſorgfaͤltig bewacht werden. Der Mann wird weder in das Zimmer der Frau kommen, noch die Frau in jenes des Mannes, ohne erhebliche Ur⸗ ſache zu haben. So iſt alſo die Frau nicht einmal Herr uͤber ſich ſelbſt; ſie hat gar nichts zu verfuͤgen; ihre ganze Gewalt beſchraͤnkt ſich auf den Umfang ihrer Wohnung. Eine Frau kann durch keinen Grund geſchieden werden, wenn ſie ihre Aeltern erſt nach der Heirath verloren, oder die dreijaͤhrige Trauer fuͤr den Tod des Vaters oder der Mutter des Mannes ge⸗ tragen hat. VIII. Erſte Miſſions⸗Reiſen der Jeſuiten nach China von 1579 bis zur ſtändigen Niederlaſſung und allſeitigen Ausbreitung im J. 1609. Beſchrieben von Nik. Tri⸗ gault, und in der Kürze mitgetheilt von Dr. Goöͤſchl, königl. Profeſſor zu Aſchaffenburg). 1 Erſtes Buch. Paver unterredete ſich zu Makao mit Pereira uͤber die Mittel und Wege, wie er und andere Or⸗ *) Nic. Trigautii libri quinque de christ. expe- ditione apud Sinas suscepta a societate Jesu, ex Matih. Ricci commentariis. Aug. V. 1615.4. Coloniae 1617. 4. Teutsch Augsb. 1017. 4. Mo- nachii 1625. 4. Ejusdem epist. de feliei sua 139 dens⸗Genoſſen als Geſandten nach Ching kommen koͤnnten. Er begab ſich nach Malakka, und bat den Statthalter Alvaro Taide dringend um Un⸗ terſtuͤtzung. Dieſer verweigerte ſie unter leerem Vor⸗ wande, wurde deswegen von Fr. Raver exkommu⸗ nizirt, wegen bald darauf erfolgter Empoͤrung gefeſ⸗ ſelt, und uͤber Goa nach Portugal gefuͤhrt. Dar⸗ auf begab ſich Fr. Raver an die chineſiſche Graͤnze; abein er fand ſo viele Hinderniſſe, daß er ſeinen Zweik nicht erreichen konnte. In dieſem qualvollen Zuſtande wurde er von einem Nerven⸗Fieber ergriffen, an wel⸗ chem er ſchon nach 12 Tagen den 2. Dezember 1552 verſchied. 1 11. Der Ordens⸗General ernannte Alexander Valignan zum Viſttator von ganz Indien, wovon er uͤber Makao nach Jayon ſegeln wollte. Waͤh⸗ rend ſeines zehnmonatlichen Aufenthaltes zu Makao ſchrieb er dem indiſchen Provinzial Roderich Vin⸗ cenz, er moͤge einen tauglichen Prieſter zur Verbrei⸗ tung des chriſtlichen Glaubens in China dahin fen⸗ den. Im Juli 1579 traf der Jeſuit Michgel Rug⸗ ger zu Makao ein, und fand die ſchriftliche Wei⸗ ſung des bereirs nach Japon geſegelten Viſttators in Indiam navigatione, itemque de statu rei christ. apud Sinas et Saponios. Coloniae 1629. 3. Alex. Valignan die chineſiſche Sprache reden, le⸗ ſen und ſchreiben zu lernen. Er bediente ſich der Huͤlfe eines chineſiſchen Malers, welcher das, was er mit Worten nicht begreiflich machen konnte, durch ſei⸗ nen Pinſel zu verſinnlichen ſuchte. Da die Portugie⸗ ſen auf den Jahrmaͤrkten zu Kanton bei Tags er⸗ ſcheinen durften, ſo fuhr er als deren Seelſorger da⸗ bin, und gewann durch ſein kluges Betragen die Gunſt des Seevogtes oder Admirals(Haithao), wel⸗ chem alle Fremde zu gehorchen haben, und vorzuͤglich durch ſein eifriges Leſen chineſiſcher Buͤcher. Waͤh⸗ rend die Portugieſen noch alle Naͤchte auf ihre Schiffe zuruͤck kehren mußten, durfte er im Palaſte des Ge⸗ ſandten des Koͤnigs von Siam bleiben, wo er auch Gottesdienſt verrichtete. Durch das Geſchenk einer Uhr gewann er noch die Gunſt des Oberſten uͤber das Kriegsvolk, ehe er nach geendigtem Jahrmarkte mit den Portugieſen auf Makao zuruͤck kehrte. Bald raͤumten ihm letztere ein Haus zum Unter⸗ richte der chineſiſchen Handelsleute in der chriſtlichen Religion ein, deren Zabl ſich ſtets vermehrte. Da Rugger theils deßwegen, theils wegen ſeiner balb⸗ jaͤhrigen Abweſenheit auf dem Markte zu Kanton, nicht mehr allen Wuͤnſchen entſprechen konnte, ſo ſchrieb der Viſitator Valignan aus Japon nach Goa an ſeinen ehemaligen Zoͤgling Matthaͤus icei, er moͤge zu deſſen Unterſtuͤtzung kommen. 141 III. Bald darauf kam der Viſitator ſelbſt im J. 1582 nach Makao zuruͤck. Er ſtiftete ſogleich in der daſigen Ordens⸗Kirche eine Jeſu⸗Geſellſchaft fuͤr die neuen Chriſten unter einem Miſſionaͤr, welcher ſie eben ſo unterrichten, als im Falle der Armuth mit Geld unterſtuͤtzen ſollte. Als der Statthalter Cinſui zu Kanton ver⸗ langte, der portugieſiſche Biſchof und Statthalter von Makao moͤge vor ihm erſcheinen; ſo wurde der Je⸗ ſuit Michael Rugger und der Stadtrichter Mat⸗ thias Penella ſtatt derſelben mit einem Dolmet⸗ ſcher, und mit anſehnlichen Geſcheuken an Sammet, Chamelot, Kriſtall, Spiegeln und anderen in China hoch geſchaͤtzten Gegenſtaͤnden dahin geſchickt. Da es den Statthaltern ſtreng verboten iſt, Geſchenke anzu⸗ nehmen, ſo wurde einige Zahlung fuͤr dieſe mit dem Auftrage geleiſtet, dafuͤr andere Waaren bald zu brin⸗ gen. Rugger benutzte dieſe Gelegenheit, dem Statt⸗ halter durch den Dolmetſcher eroͤffnen zu laſſen, daß er ſich mit dem Erlernen der chineſiſchen Sprache be⸗ ſchaͤftige, und deßwegen ſich in China außzuhalten wuͤnſche. Darauf wurde er zu einer ſpaͤteren Wieder⸗ kunft beſchieden, mit Silber und Nahrungsmitteln beſchenkt, und durch Beamte, Kriegsleute und Muſik wieder an das Schiff begleitet. Waͤhrend der portu⸗ gieſiſche Statthalter zu Makao die gewünſchten Ge⸗ genſtaͤnde einkaufen ließ, kam Matthaͤus Ricei nebſt anderen Jeſuiten dahin, welche von ihrem Or⸗ dens⸗Vifitator nach China beſtimmt waren, und brachte eine ſchoͤne Schlaguhr vom indiſchen Provin⸗ zial Roderich Vincenz mit. Als Cinſui von dieſem Geſchenke benachrichtigt wurde, ſchrieb er ſo⸗ gleich nach Makao, die Jeſuiten duͤrften zu Sciau⸗ chin ein Haus und eine Kirche bauen. Auf dieſe er⸗ freuliche Nachricht begab ſich Franz Mas und Rug⸗ ger ſogleich dahin, und uͤberließen die Verwaltung des Martins⸗Kollegiums zu Makao dem M. Nicei. Sie brachten dem Statthalter nebſt der Schlag⸗Uhr auch ein ſchoͤn ſoiegelndes Trink⸗Glas, woruͤber er ſo erfreut war, daß er ihnen ſogleich eine Wohnung im Tempel Thiennin⸗zu außer der Stadt einraͤumen, ihnen oͤfters Lebensmittel dahin ſchicken, und ſie auch zu ſich in ſeinen Palaſt einladen ließ. Daſelbſt wohn⸗ ten ſie 4— 5 Monate, wurden von vielen Beamten und anderen vornehmen Perſonen beſucht, und da⸗ durch in der Hoffnung zum beſtaͤndigen Aufenthalte ſehr beſtaͤrkt. Aber ploͤtzlich wurde der Statthalter ſeines Amtes entſetzt: um ſich der Vorwuͤrfe ſeines Nachfolgers zu entledigen, ließ er ſogleich die Jeſui⸗ ten zuruͤck weiſen, und ihnen ein Schreiben an den Admiral zu Kanton mitgeben, er moͤge ihnen einen Platz zur Erbauung eines Hauſes und einer Kirche anweiſen. Allein die Jeſuiten hielten fuͤr beſſer, da⸗ von keinen Gebrauch zu machen, ſondern nach Ma⸗ kao zuruͤck zu kehren, Der neue Statthalter fand in den neueſten Akten, daß der letzte Befehl fuͤr die 143 Niederlaſſung der Jeſuiten nicht vollzogen wurde; er verlangte alſs Bericht vom Admiral; dieſer vom Pfle⸗ ger der Stadt Hiamxan oder Anſan, und dieſer vom Oberſten zu Makao⸗ Dadurch ſahen die Jeſui⸗ ten Rugger und Ricei ſich veranlaßt, das noch unerbrochene Schreiben des vorigen Statthalters dem neuen perſoͤnlich zu uͤberreichen. Allein der Pfleger zu Hiamran gab dieſes nicht zu, ſondern ſchickte ſie wieder zuruͤck. Gluͤcklicher Weiſe traf gleichzeitig die Todes⸗Nachricht vom Vater des Pflegers ein; weß⸗ wegen er ſchnell abreiſen mußte. Die Jeſuiten ver⸗ weilten, und erhielten daun durch Geld⸗Geſchenke und Huͤlfe eines Notars vom Pfleg⸗Verwalter die Er⸗ laubniß, ſich unter Bedeckung nach Kanton zum Ad⸗ miral zu begeben. Dieſer nahm ſie, ohne das Schrei⸗ ben des vorigen Statthalters zu eroͤffnen, guͤtigſt auf⸗ und fragte nach ihrem Wunſche. Sie uͤberreichten ſo⸗ gleich ihre Bittſchrift des Inhaltes:„ſie ſeyen geiſt⸗ liche Perſonen, und aus weiter Ferne uͤber die See gekommen, um ihr Leben in dem beruͤhmten Koͤnig⸗ reiche China zuzubringen. Sie verlangten nichts, als einen ſchmalen Platz, auf welchem ſie dem Koͤnige des Himmels eine kleine Kirche bauen koͤnnten. Sie wuͤrden Niemanden beſchwerlich werden, indem ſie das Noͤthige zu ihrem Unterhalte bereits mitgebracht haͤtten.“ Mit beſonderer Vorſicht verhehlten ſie die Abſicht, das Evangelium zu verkuͤndigen. Denn die Chineſen glauben, in ihren Buͤchern ſey das Beſte 144 enthalten, und die Verkuͤndigung eines neuen Glau⸗ bens koͤnnte Aufruhr in China erregen. So loͤblich ihr Vorhaben dem Admiral ſchien; ſo erlaubte er ih⸗ nen ohne Wiſſen des Statthalters doch nicht, außer dem Markte da zu wohnen, wo Rugger fruͤher waͤh⸗ rend deſſelben ſich aufhielt. Er bat ſie alſo, nach Makgo zuruͤck zu kehren, was ſie mit Traurigkeit befolgten. Gleich nach ihrer Entfernung wurde eine Verordnung zum Beſten des allgemeinen Wohles an die Stadtthore geheftet, worin auch den Dolmet⸗ ſchern zu Makao ſtreng verboten war, auslaͤndiſche Prieſter, welche die chineſiſche Sprache und Schrift. lernten, in ihrem freventlichen Vorhaben zur Nieder⸗ laſſung mit Haus und Kirche jemals zu unterſtuͤtzen. IV. Deſſen ungeachtet erſchien ſchon nach 8 Ta⸗ gen ein Trabant des Statthalters zu Makao mit ei⸗ nem Patent des Landgerichts⸗Pflegers zu Sciauchin, daß daſelbſt ein Platz zur Erbauung eines Hauſes und einer Kirche den Jeſuiten eingeraͤumt werden ſollte. Dieſe hatten naͤmlich bei ihrer Verabſchiedung vom abgeſetzten Statthalter demjenigen der Waͤchter, welcher bei dem neuen Statthalter die Erlaubniß zu ihrer Wiederkunft bewirken wuͤrde, eine große Beloh⸗ nung verſprochen. Dadurch ermuntert, wagte einer, im Namen des Dolmetſchers die Bitte der Jeſuiten zu uͤbergeben, worauf ſogleich obiger Befehl erfolgte. Die Einwohner von Makao, welche ſchon zu den drei erſten vergeblichen Reifen große Zuſchuͤſſe 145 gemacht hatten, waren das vierte Mal um ſo weni⸗ ger bereit, als ein großes Schiff der Stadt auf der Rückkehr von Japan. mit allen Waaren zu Grunde gegangen war. Deſto bereitwilliger war der Kaufmann Kaſpar Viega aus Liſſabon, welcher ſchon zu Goa ein Noviziat⸗Haus vom Grunde erbaut, und mit Einkuͤnften verſehen hatte, wie auch der Rector des Kollegiums, Franz Kapralis zu Makao mit Zuſchuͤſſen. So unter utzt reiſten ſie im Anfange des Septembers 1583 ab, trafen 9. Sept. zu Seigu chin ein, wo ſie durch oben gemeldeten Soldaten dem Pfle⸗ ger vorgeſtellt, und gut aufgenommen wurden. Sie waͤhlten ſich einen Platz außer der Stadt in der Naͤhe des 10 Stocke hohen Thurmes, welcher zum Andenken des Pflegers eben erbaut wurde. Sie errichteten un⸗ ten Beſtaͤtigung des Statthalters der Provinz ſchnell e Wohnung, und hefteten deſſen urkundliche Be⸗ Antegungen an ihre Thuͤre. Sie betrugen ſich klug and hoͤflich gegen alle Einwohner, ſtellten in ihrer Haus⸗Kapelle das gemalte Bild der Maria mit dem Kinde auf, kleideten ſich in langen Roͤcken mit ſehr weiten Aermeln, nannten ihren Gott Thiencui, d. i. Himmels⸗Koͤnig, hoͤchſten Regenten aller Dinge, erſten Aufang und Urheber c., wie Maria, die große Mutter Gottes, durch welche den Chinefen gleichartige Benennungen ſie ſich ſehr beliebt machten. Obgleich das Maxia⸗Bild bald von hohen und niedrigen Chineſen durch Verbeugung 43tes B. China. I. 3. 2 146 bis zur Erde verehrt wurde, ſo ſtellten die Jeſuiten doch bald das Bild des Heilandes an deſſen Stelle. v. Kaum hatten ſie die 10 Gebote in chineſt⸗ ſcher Sprache drucken laſſen, und vertheilt, ſo erſchie⸗ nen ſo viele Einwohner, dieſen von der Natur dem Menſchen eingepragten Geboten ihren Beifall zu ge⸗ ben, und die Jeſuiten mit Rauchwerk, Oel fuͤr die Altar⸗Lampe und ſelbſt mit Almoſen zu unterſtuͤtzen. Sobald ſie durch ihren Lehrer und Dolmetſcher in der chineſiſchen Sprache mehr Fortſchritte gemacht hatten, ließen ſte einen Katechismus in derſelben drucken und vertheilen. Dieſer und die vielen europaͤlſchen Buͤcher, welche nach und nach zum Vorſcheine kamen, brachten die Chineſen auf die Vermuthung einer ho⸗ hen Kultur in Europa. Bald ſendete ihnen der Pfle⸗ ger zwei ſchoͤn gemalte und gezierte Tafeln mit 3 bis 4 Ellen hohen Inſchriften„Haus der Blumen der Heiligen“ und das hochheilige Volk von Weſten“ mit ſeiner Namens⸗Unterſchrift unter großem Pomp zu, was in China eine außerordentliche Aus⸗ zeichnung war. VI. Da ſſe ihre Gebaͤulichkeiten nicht vollenden konnten, ſo begab ſich NRugger nach Makao, wozu der Pfleger ihm ein aͤrariſches Schiff mit 30 Ruderern unter der Verbindlichkeit lieh, daß er ihm eine große Uhr mitbringen muͤßte. Dafuͤr ſchickte er ihm einen ſchwarzen Uhrmacher aus Goa, welcher in der naͤch⸗ ſten Schmiede ſogleich unter Rieecis Leitung eine 147 Uhr fertigte. Je hoͤher indeſſen die Gunſt der Obrig⸗ keit ſtieg, deſto verhaßter wurden die Jeſuiten wegen der Portugieſen den gemeinen Einwohnern. Dieſe fuͤgten ihnen verſchiedenes Leid zu, gegen welches aber der Pfleger ſie durch ein an ihre Hausthuͤre ge⸗ beftetes Verbot zu ſchuͤtzen ſuchte. Die chineſiſchen Gelehrten ſahen kaum in Riceis Wohnung eine allgemeine Welt⸗Karte, ſo ba⸗ ten ſie ihn, dieſelbe in chineſiſcher Sprache abzufaſſen. Um die Einwohner nicht zu aͤrgern, welche ihr Reich fuͤr den groͤßten Theil der Welt hielten, theilte er die Welt⸗Karte ſo ab, daß China in der Mitte von den Meeren und Laͤndern umgeben war. Zugleich fuͤgte er in den Rand viele Bemerkungen von den durch die chriſtliche Religion begluͤckten Laͤndern. Die Uhr und Karte wurden gleichzeitig dem Pfleger uͤberreicht, wel⸗ cher daruͤber hoͤchſt erfreut, letztere ſogleich drucken, und durch das ganze Reich verbreiten ließ. Bald ver⸗ anſtaltete Ricei eine verbeſſerte Auflage, fertigte viele Erd⸗ und Himmelskugeln, Sonne⸗Uhren und andere Gegenſtaͤnde fuͤr hohe Perſonen, wodurch er bald in den Ruf des groͤßten Altrologen kam. Unter⸗ deſſen war auch Rugger von Makao mit Geld zu⸗ ruͤck gekehrt, wodurch die Bezahlung der Bau⸗Schul⸗ den fuͤr die Vollendung ihrer zweiſtoͤckigen Wohnung, zur groͤßten Verwunderung der Chineſen, welche nur einſtoͤckige haben, beſchleunigt wurde. —— 148 VII. Die zunehmende Gunſt des Pflegers und die Anſaͤßigkeit der Jeſuiten in China war kaum in Japon und den Philippiniſchen Inſeln bekannt geworden, ſo wuͤnſchten die Spanier eine Geſandſchaftt mit paſſenden Geſchenken nach Peccking befoͤrdern zu duͤrfen. Der Rector Franz Kapralis zu Ma⸗ kao war hoffnungsvoll, daß durch dieſe Gelegenheit auch einige Jeſuiten an den Hof gelangen, und die Erlaubniß zur oͤffentlichen Lebre des Chriſtenthumes erhalten wuͤrden. Er beauftragte daher Rugger und Ricei, im Namen der ſpaniſchen Regierung durch ihren Dolmetſcher an den Statthalter eine Bitt⸗ ſchrift gelangen zu laſſen. Allein die zu Makao be⸗ ſindlichen Portugieſen, beſorgnißvoll durch das Ein⸗ dringen der Spanier moͤchten die Waaren in China mehr geſucht und theuerer, und doch in Europa wohl⸗ feiler werden, vereiteiten die geſchehene Einleitung. Denn P. Alexander IV. hatte den Portugieſen gi⸗ lein den Handel nach China zugeſprochen. Obſchon ſie zu dieſer Zeit mit den Spaniern nur einen ge⸗ meinſchaftlichen Koͤnig hatten, ſo war doch von die⸗ ſem ausgeſprochen, daß jede Nation in ungeſchmaͤler⸗ tem Genuſſe ihrer Rechte bleiben ſollte. Nach einiger Zeit begab ſich der Rector ſelbſt nach Seiauchin, um dem Viſttator in Indien, und dem Ordens⸗Ge⸗ neral zu Rom gruͤndlicheren Bericht erſtatten zu kon⸗ nen. Bei dieſer Gelegenheit nahm er die Taufe der zwei erſten Chineſen zu Chriſten vor. 149 VIII. Bald hernach beſtaͤtigte der Ordens⸗Viſita⸗ tor, Alexander Valignan, die chineſiſche Miſ⸗ ſion, als geſondert von jener zu Makao, unter den Portugieſen Eduard Sande und Anton Al⸗ meida als Oberen, welche am Ende Juli 1585 da⸗ ſelbſt eintrafen. Zu gleicher Zeit eroͤffnete der Statt⸗ halter dem Rugger, daß der Kaiſer zu Peking ei⸗ nige ſchoͤne Federn wuͤnſche, zu deren Beiſchaffung er ihm ein Schiff mitgab, ſo benutzte dieſer die Gelegen⸗ bheit, den Ed. Sande mitzubringen. Der Statthal⸗ ter nahm aber die Federn als Geſchenk nicht an, ſon⸗ dern erſtattete die Auslagen, und ſchloß noch mehrere Unzen Silber fuͤr die Muͤhe Ruggers zu. Bei der(alle drei Jahre ſtatt gefundenen) Reiſe des Statthalters an den Hof baten die Jeſuiten um die Erlaubniß, daß einer ihn begleiten duͤrfte. Allein er wagte nicht, zur Zeit der Verſammlung aller gro⸗ ben Staats⸗Beamten mit einem Fremden zu erſchei⸗ nen. Dafuͤr bewilligte er einen Paß in die Landſchaft Huqua und Cequia, was ihnen um ſo mehr er⸗ wuͤnſcht war, als ſie dadurch einen neuen Zufluchts⸗ ort im Ungluͤcksfalle, und Gelegenheit bekamen, ſich unmerklich zu verbreiten. Als Rugger nach Kan⸗ ton zum Einkaufe der noͤthigſten Beduͤrfniſſe fuͤr die Reiſe ſich begab, war er ſo gluͤcklich, Auton Al⸗ meidazu treffen, welcher mit Portugieſen auf den Jahrmarkt gekommen war. Sie verabredeten ſogleich eine gemeinſchaftliche Reiſe in jene Provinz, und ſich, 150 wie ihre Diener, nach chineſiſchem Gebrauche künftig zu nennen. Durch dieſe neue Anſchmiegung an die Chineſen hofften ſie, ſich ihrem Ziele deſto ſchneller zu naͤhern. Rugger und Almeida wurden in Sciau⸗ chin ſehr freundſchaftlich aufgenommen, und erhielten eine eigene Wohnung, in welcher ſie von den Magi⸗ ſtrats⸗Perſonen und Gelehrten haͤufig beſucht wurden. Seiauchin iſt eine anſehnliche Stadt in der Landſchaft Cequia, in einem See ſuͤßen Waſſers ge⸗ legen, wie ungefaͤhr Venedig im Meere liegt. In derſelben bluͤhten damals die Wiſſenſchaften; weßwe⸗ gen viele Gelehrte daſelbſt ſich aufhielten. 1X. Obgleich die Miſſionaͤre mit dieſen haͤufigen Umgang hatten, wobei ſie ihnen viele Kenntniſſe vom Chriſtenthume beizubringen ſuchten; ſo konnten ſie doch nicht ganz fuͤr daſſelbe ſie gewinnen; Mangel an tuͤchtigen Dolmetſchern verhinderte eine deutlichers Verſtaͤndigung. Nur einige Wenige ließen ſich tau⸗ fen. Indeſſen war ihnen die ganze Stadt zugethan, und Rugger hatte ſich der beſondern Freundſchaft des Landgerichts⸗Pflegers oder des Cifu zu erfreuen. Es ſchien alſo ihr Aufenthalt in China wohl geſi⸗ chert zu ſeyn. Eifrig waren ſie nun in ihren Predig⸗ ten zur Bekehrung der Heiden, großen Zulauf hatten ſie von allen Seiten: denn ſie hatten ſich bis jetzt ſchon feſter in der chineſiſchen Sprache begruͤndet. Aber gerade dieſer große Zulauf gereichte ihnen 151 zum Nachtheil. Man verdaͤchtigte ſie bei dem Pfleger von Sciauchin, der ihnen den Befehl zukommen ließ, ſich nicht von Seiauchin zu entfernen. Er entzog ihnen ſeine Gnade in der Art, daß er ihnen nicht mehr geſtattete, ſeinen Namen, wie bisher, auf den Inſchriften uͤber ihrer Kirche zu fuͤhren. Ver⸗ geblich begab ſich Rugger in die Hauptſtadt der Landſchaft Quimaſi, wo ein Prinz vom Gebluͤte re⸗ ſidirte, wohin ihn ſein Oberer geſchickt hatte, um eine Aufnahme dort zu erwirken. Man ließ ihm ſo⸗ gleich eroͤffnen, ſich zu entfernen, und keiner der Ein⸗ wohner wagte ihm eine Herberge zu geſtatten. Ein Verſchnittener aus der Hofdienerſchaft emfahl ihn je⸗ doch an den Rentmeiſter der Stadt Paſeivi in der Landſchaft Huguam, welche an Quiamſi graͤnzt, wo er bleiben koͤnne, ſo lange er wolle. Er vertroͤ⸗ ſtete ihn auf den Wechſel der Obrigkeit, in welchem Falle er vielleicht in die Hauptſtadt, aus welcher er jetzt vertrieben worden ſey, wieder zuruͤck gerufen werden koͤnnte. Indeſſen rief aber Eduard Sande den Rugger wieder zuruͤck. X. Selbſt aus Seiauchin abziehen zu muͤſſen, ſtand ihnen nahe; ſchon war wirklich der Befehl dazu gegeben; nur inſtaͤndiges Bitten und unterthaͤnige Vorſtellungen konnten ſie retten. Dabei hatten ſie manche Truͤbſale auszuſtehen. Drei oder viermal wur⸗ den ſie in der Nacht von Dieden angegriffen, von Betruͤgern getaͤuſcht, und abſcheulicher Laſter bezuͤch⸗ 8 152 tiget. Ein Eingeborner von Canton, welcher ſich Szu Macao hatte taufen laſſen, und nun den Namen Martin fuͤhrte, kam nach Seiauchin. Rugger erzeigte ihm viel Gutes, aber dieſe Guͤte mißbrauchte er auf das ſchaͤndlichſte. Er fabelte den leichtglaͤu⸗ bigen Chineſen vor, die Miſſionaͤre verſtaͤnden die Kunſt, Silber zu machen, und haͤtten zu dieſem Be⸗ hufe ein Kraut mitgebracht, das an ſehr weit entlege⸗ nen Orten wachſe, mittelſt deſſen ſie aus Queckſiber gutes Silber bereiten koͤnnten. Rugger habe ver⸗ ſprochen, es ihm zu lehren, unter der Bedingung, es keinem Andern zu lehren. Die Chineſen, die ohnehin der Alchimiſterei ſehr ergeben ſind, boten nun alles auf, Martin dahin zu bringen, daß er ihnen auch dieſe Kunſt mittheile; ſie verſorgten ihn mit allen nur moͤglichen Beduͤrf⸗ niſſen, uͤberhaͤuften ihn ſelbſt mit Geſchenken. Immer hielt er ſie aber damit hin, daß ihm Rugger die⸗ ſelbe noch nicht eroͤffnet habe; ſo vergingen 3 bis 4 Monate. Als er merkte, daß die Chineſen nicht laͤn⸗ ger mehr zu taͤuſchen ſeyen, beſtimmte er einen Tag, an welchem Rugger das Geheimniß mittheilen wuͤrde, und er ſogleich daſſelbe auch ihnen anvertrauen wolle. n Als der beſtimmte Dag erſchien, machte ſich der Betruͤger davon, und nahm auch das dreieckigte Glas, welches er von Rugger eutlehnt hatte, und welches er fuͤr einen unſchaͤtzbar koͤſtlichen Stein hielt, mit fort. 153 Die um ihr Geld betrogenen Leute ſtelltten nun Klage bei den Miſſionaͤren und verlangten Entſchaͤdi⸗ gung wegen des erlitteuen Betruges. Rugger ließ ſich ſehr angelegen ſeyn, den entlaufenen Betruͤger zu finden. Zu Canton erſpaͤhte man ihn. Durch Vermittlung des Landgerichts⸗Pflegers wurde Mar⸗ tin von Canton nach Sciauchin gefangen ge⸗ fuͤhrt. Sinn Dafuͤr ſuchte er ſich an Rugger zu raͤchen, in⸗ dem er ihn eines Ehebruchs bezuͤchtigte; welche An⸗ klage aber vom Gerichte als falſch erkannt wurde, da Rugger zur Zeit, wo der Ehebruch vorgefallen ſeon ſollte, in der 2 Monat Reiſen entfernten Landſchaft Quiamſi ſich aufbielt. Der falſche Auklaͤger Mar⸗ tin wurde im Beiſeyn des Beklagten mit 20 derben Streichen bedient, mit einer Geldſtrafe belegt, und dann zur Galeere verurtheilt. Dieſes Urtheil wurde von der Oberlandes⸗Regierung in der Art bezatigt, daß ihm zu den 20 Streichen noch 60 aufgezaͤhlt wur⸗ den. Indeſſen ſtarb Martin im Gefaͤngniß an den Folgen der erlittenen Streiche.— Dieſes Beiſpiel ſchreckte ſo ſehr, daß die Miſſionaͤre nun auch das ent⸗ wendete Glas, welches waͤhrend der Zeit ſchon in an⸗ dere Haͤnde gekommen war, ſogleich wieder zuruͤck er⸗ hielten. XI. Rugger zog hierauf nach Macao, um dort den Viſttator Alexander Valignan zu er⸗ warten; dagegen kam Eduard Sande nach Seiau⸗ ger nach Rom. Matthaͤus Ricei, der ſehr gut 154 chin, auf Veranſtaltung des Matthaͤus Ricei, um ihn in der Fortpflanzung des Chriſtenthums zu unterſtuͤtzen. Doch drohte ihnen eine andere Verfolgung von Seite des Poͤbels in Seiauchin. Zwei neue Chri⸗ ſten, welche von dem erwaͤhnten Martin betrogen waren, hatten noch immer einen Groll gegen die Miſ⸗ ſionaͤre, ſie ſuchten deßhalb das Volk gegen dieſelben dadurch zu reitzen, daß ſie vorgaben, Eduard Sande ſey nicht nur ohne Erlaubniß der Obrigkeit, ſondern ſogar gegen ein ausdruͤckliches Verbot derſelben nach Seiauchin gekommen. Nicht wenig geaͤngſtigt wurden dadurch unſere Miſſionaͤre, da ſie ſelbſt nur durch Huͤlfe der Unter⸗Beamten vor dem Frevel des Poͤbels geſichert werden konnten. Eduard Sande bielt fuͤr gut, wieder nach Macao zuruͤck zu kehren, und dem Viſitator Alexander Valignan von ihrer Lage in Seiauchin Bericht zu erſtatten. XII. Alexander Valignan, ergriffen von der Schilderung der mißlichen Umſtaͤnde in Seiau⸗ chin, dachte nun auf Mittel, ſeinen Miſſions⸗Ge⸗ noſſen ein Anſehen im Koͤnigreiche China zu ver⸗ ſchaffen. Er hielt fuͤr das tauglichſte dazu, wenn der Papſt an den Koͤnig von China eine Geſandtſchaft ergehen ließe, mit dem Erſuchen, in ſeinem Reiche das Evangelium predigen zu laſſen. Zu dieſem Behufe ſchickte der Viſitator den Rug⸗ 3 155 und ſchoͤn chineſiſch zu ſchreiben verſtand, mußte die Schreiben abfaſſen, die der Papſt in guter und eleganter Abſchrift durch ſeine Geſandtſchaͤft mit ſchicken ſollte, und und die man dem Rugger mitgab. Der Viſitator Alexander Valignan ſchrieb ſelbſt an den Papſt, an den Koͤnig Philipp II. von Spanien und an den Jeſuiten⸗General, und an mehrere andere, welche die beabſichtigte Geſandtſchaft betreiben moͤchten; und legte auch mehrere Geſchenke von bedeutendem Werthe bei, unter welchen eine große Landcharte vom chine⸗ ſiſchen Reiche ſich befand. Gluͤcklich kam Rugger in Europa an, litt aber bei den Inſeln Terceren Schiffbruch, aus wel⸗ chem er jedoch ſeine Sachen rettete, ſtieg bei Liſſa⸗ bon an das Land, und ſetzte ſeine Reiſe bis Ma⸗ drid fort, wo er vom Koͤnige Philipp II. außer⸗ ordentlich gnaͤdig aufgenommen wurde. Der Koͤnig bot ſich gleich ſelbſt an, die projektirte Geſandtſchaft bei dem paͤpſtlichen Stuhl zu betreiben, und derſelben in allem foͤrderlich zu ſeyn. Aber das Abſterben eini⸗ ger Paͤpſte nach einander verhinderte die Sache ſo ſehr, daß Rugger ſich bewogen fand, nach Sa⸗ lerno im Koͤnigreich Neapel ſich zu begeben, wo er auch ſein Leben endigte. Inzwiſchen war Matthaͤus Rieci viele Mo⸗ nate allein zu Seiauchin, hatte viele Beſuche von Neugierigen, welche die europaͤiſchen Kunſtgegenſtaͤnde 156 beſehen wollten, unter denen vorzuͤglich eine ſchla⸗ gende Uhr großen Beifall und Bewunderung fand. Der Viſitator Valignan ſchickte ihm den Anton Almeida zum Gehuͤlfen, ohne jedoch obrig⸗ keitliche Erlaubniß dazu eingeholt zu haben. Kaum war er dort angelangt, ſo kam aus der Hauptſtadt Canton die Nachricht, die Jeſuiten ſeyen bei dem Landſchafts⸗Viſitator ſchwer angeklagt wor⸗ den, und zwar von den ſogenannten Alten(wie man ſie in China nennt) d. i. Perſonen, welche wegen ihres unbeſcholtenen Wandels in großem Anſehen ſtanden, und welche nie eine Streitſache vor der Obrig⸗ keit gehabt, weder als Klaͤger, noch als Beklagte. Jaͤhrlich ehrt ſie die Obrigkeit mit vielen Zeremonien durch ein Banket; ſie haben nebſt mehrern andern Freiheiten auch dieſe, eine beſondere Kleidung zu tra⸗ gen, und bei allen Gerichten zu erſcheinen. Dieſe Alten hatten in einer ſcharfen Bittſchrift alle fruͤhern, ſchon laͤngſt als falſch und nichtig zuruͤck gewieſenen Bezuͤchtigungen gegen die Vaͤter der Ge⸗ ſellſchaft Jeſn wieder vorgebracht, und darauf ange⸗ tragen, daß, wenn der Viſitator das Land im Wohl⸗ ſtand erhalten, und ſich ſelbſt keinen Tadel zuziehen wolle, er dem Magiſtrat von Seiauchin den Befehl ertheilen moͤchte, dieſe Verderben bringende Fremd⸗ linge auszuſchaffen. Der Landſchafts⸗ Viſſtator Ciai, ein ſtreng recht⸗ licher Mann, verwies die Sache an den Admiral von 157 Canton, deſſen Gerichtsbarkeit alle Fremden unter⸗ worfen waren. Dieſer ernannte den Pfleger der Stadt Canton zum Unterſuchungs⸗Richter, und dieſer den Pfleger der Stadt Seiauchin. Weil aber letzterer zu Peechin war, um dem Koͤnige zu huldigen, wurde deſſen Amts⸗Verwalter zu Phan, der den Miſſionaͤ⸗ ren gewogen war, zum Berichte aufgefordert. Dieſer ließ den Matthaͤus Ricei von der Sache benachrichtigen, und forderte ihn auf, eine ſchriftliche Widerlegung der Klagepunkte gruͤndlich zu fertigen. Er ſelbſt richtete ein Inſtrument daruͤber auf, in wel⸗ chem deutlich niedergelegt wurde, daß den Beklagten in allen Artikeln Unrecht geſchehe; und ſpricht in ei⸗ nem eigenen Anhange den Vaͤtern der Geſellſchaft großes Lob. Damit die ganze Verhandlung deſto gluͤcklicher und ſchneller ſich endige, ſtellte er den Be⸗ richt unmittelbar dem Landſchafts⸗Viſitator zu. Fuͤr dieſes Mal nahm auch die Sache einen erwuͤnſchten Ausgang. 6 XIII. Mit ungeſtoͤrtem Eifer konnten ſie nun wieder ihrem Miſſions⸗Geſchaͤfte leben, weil gerade die Lage von Sciauchin ſo guͤnſtig dafuͤr war. Da⸗ bei hatten ſie die Freude, den Saamen des Evange⸗ liums auch mittelbar in die entſernten Gegenden von Caucinein ausſrreuen zu ſehen. Alle drei Jahre kamen Geſandte aus dieſem Koͤnigreiche, um dem Koͤ⸗ nige von China den Tribut zu bezahlen. Mehrmals hatten ſie die Vaͤter der Miſſion beſucht, und von ih⸗ 158 nen Katechismen, in chineſiſcher Sprache abgefaßt, erhalten, die ſie in ihr Vaterland zuruͤck brachten. So verpflanzten ſich auch chriſtliche Ideen in das Koͤ⸗ nigreich Caueinein, durch welche einer allenfalſigen Miſſion dahin vorgearbeitet werden konnte. XIV. Aber nicht lange blieben ſie in dieſer ſichern Ruhe. Thanſiarihin, der Vorſteher der Buͤrger⸗ ſchaft zu Seiauchin, wußte den neuen Landgerichts⸗ Pfleger von Canton dahin zu ſtimmen, daß er den Befehl erließ, die Miſſionaͤre ſollten ihre Wohnung raͤumen, und entweder gaͤnzlich abziehen nach Ma⸗ cao, oder den Tempel Nanſoa, worin uͤber 1000 Goͤtzenpfaffen wohnten, beziehen. Matthaͤus Rieci, der fuͤr erſprießlicher hielt, zu bleiben, als gaͤnzlich abzuziehen, weil er die neuen Chriſten oͤfters beſuchen koͤnnte, eroͤffnete dieſe Mei⸗ nung dem Viſitator Valignan, der aber damit nicht einverſtanden war; ſondern ihm den Auftrag ertheilte, daß er, wenn er bei allem angewandten Fleiße die jetzige Wohnung nicht erhalten koͤnnte, nach Macao ſich begeben ſollte. Die Beamten von Seiau⸗ chin wollten dem Ricei wohl; um ihn zu Peechin ſelbſt Freunde zu machen, gebrauchten ſie ihn zu ei⸗ ner Sendung nach Macao, daſelbſt fuͤr eine vornehme Magiſtrats⸗Perſon zu Pecchin von den Portugieſen, als ſeinen Landsleuten, einige Stuͤcke Scharlach zu kaufen. Man ruͤſtete ihm ein großes Schiff mit vie⸗ len Rudern, mit einem Kapitaͤn und andern Dienern 159 aus. Gluͤcklich wurde der Einkauf vollbracht. Als Ricei wieder nach Seiauchin zuruͤck gekehrt war, verwandten ſich die dortigen Beamten wieder fuͤr ihn und ſeine Geſellſchaft; ſie brachten vor, daß dieſe Leute mehr als 600 Kronen(was in China eine be⸗ deutende Summe war) daſelbſt verbaut haͤtten. Die⸗ ſes hatte indeſſen nur die Folge, daß man ihnen 50 bis so Kronen als Entſchaͤdigung fuͤr ihren Tempel anbieten ließ. Matthaͤus Riccei antworiete aber auf dieſes Anerbieten ganz unerſchrocken: er verkaufe das Gotteshaus nicht, und wolle von den Seinigen nicht deßwegen getadelt werden; auch muͤßten ſie ihn wohl fuͤr einen leichtſinnigen Kaufmann halten, wenn er um s0 Krouen ein Gebaͤude von 600 Kronen Ko⸗ ſten⸗Aufwande losſchlagen ſolle. Er entſchloß ſich alſo fuͤr das Haus gar nichts zu nehmen, nicht ſo faſt we⸗ gen des geringen Preiſes, welchen man dafuͤr bot, als wegen des rechtlichen Anſpruches auf Beſitzthum in dieſem Reiche. Es blieb ihm alſo nichts uͤbrig, als von Seiau⸗ chin abzuziehen. Zuvor mußte Ricei dem Pflege⸗ Verwalter ſchriftlich bezeugen, daß er ihnen das Geld angeboten habe. Dagegen verlangte Matthaͤus Ricei von ihm eine Urkunde, worin bezeugt iſt, daß er und die Seinigen wegen keines Vergehens aus dem Koͤnigreiche verwieſen worden ſeyen, ſondern daß ſie ſich tugendhaft und gottſelig verhalten haͤtten. Dieß that auch der Pflege⸗Verwalter ſehr gerne, und gab 160 ihnen noch einen Paß, daß ihnen auf der Reiſe Nie⸗ mand Spott oder Schade zufuͤge; ferner auch ein Schreiben an den Admiral zu Canton, der ſie mit Schiffen und dem noͤthigen Geleite bis Macgo ver⸗ ſeben ſollte. Nicht ohne NRuͤhrung war der Abſchied von der zuruͤckgelaſſenen neuen Chriſten, die ſich ihrer geiſtli⸗ chen Vaͤter beraubt ſehen ſollten. In der Hauptſtadt Canton trafen ſie den Admi⸗ ral nicht zu Hauſe, mußten alſo daſelbſt verweilen. Sie verwendeten die Zeit zum Einkaufen von Tuch fuͤr Kleider, und ſchrieben nach Macao, daß der Landgerichts⸗Pfleger von Seiauchin ſie vertrieben habe, und ſie ſelbſt in einigen Tagen nach Macgo koömmen wuͤrden. 161 Zweites Buch. I. Aber ploͤtzlich wurden ſie wieder nach Seiau⸗ chin zuruͤck gerufen, ohne daß ſie davon die Urſache erfahren konnten. Nachdem ihnen wiederholt Geld fuͤr ihren Tempel vergebens angeboten wurde, bewil⸗ ligte man ihnen eine andere Reſidenz. Matthaͤus Ricci waͤhlte Manhius der Land⸗ gerichts⸗Pfleger rieth ihm aber, zuerſt in das Kloſter Nanhoa bei Saucea zu gehen, und dann, wenn es ihm da nicht gefalle, koͤnne er ſich nach Nanhiu begeben. Sehr gnaͤdig entließ er ihn nun, ſchenkte ihm eine Geſchichte ſeines Krieges wider ie Seeraͤuber und anderer Unruhen, die er ſelbſt gedaͤmpft hatte, und gab ihm auch ein Empfeh⸗ lungs⸗Schreiben an den Pfleg⸗Verweſer von Sau⸗ cea mit. Am Feſte Mariaͤ Himmelfahrt im J. 1589 fuhren ſie von Seiauchin ab. Ihrem Schiffe zur Seite hielt ſich immer ein anderes, das ihnen Furcht ein⸗ foͤste, weil ſie es fuͤr ein Raubſchiff hielten. Allein zu Macao erfuhren ſie dann, daß der Admiral von Canton auf Befehl des Landgerichts⸗Pflegers daſſelbe zu ihrer Begleitung mitgegeben habe. Am 8. Tage kamen ſie an das Kloſter Nanhoa, 43tes B. China. I. 3. 3 162 wo die Diener des Pfleg⸗Verwalters von Saucea ſchon beordert waren, die Ankommenden zu empfan⸗ gen, und ihnen eine anſtaͤndige Wohnung anzuweiſen. Allein die Vaͤter der Geſellſchaft ſchlugen es aus, ver⸗ langten jedoch, den Ort beſehen zu duͤrfen. Das Kloſter, das von Goͤtzenpfaffen bewohnt war, lag in einer ſehr reitzenden und fruchtbaren Ebene, von klei⸗ nen Gewaͤſſern durchſtroͤmt, ringsum von lieblichen Huͤgeln umgeben, mit den mannigfaltigſten Frucht⸗ baͤumen geſchmuͤckt, welche wegen des milden Klimas waͤhrend des Sommers und Winters gruͤnen und Fruͤchte tragen. Auf 4000 belief ſich die Anzahl der Goͤtzenpfaffen, welche in 12 Quartieren vertheilt waren, wovon jedes ſeinen eigenen Vorſteher hatte. Alle zuſam⸗ men waren aber wieder einem Obern unterworfen. Der Tempel, der bei dem Kloſter ſtand, war ein ſehr großes Gebaͤude; in demſelben zeigte man noch den Leichnam des Luſu, eines Patriarchen dieſer Goͤtzen⸗ pfaffen, der mit glaͤnzendem Pech oder Firniß uͤberzo⸗ gen iſt, und in der Mitte des Tempels auf einem er⸗ habenen Platze ruht, der mit so Lampen umhaͤngt iſt⸗ und in den man uͤber einer ſchoͤnen Stiege hinauf ſteigt, wohin auch viel gewallfahrtet wird. Von die⸗ ſem Luſu erzaͤhlte man, daß er vor 8oo Jahren ge⸗ lebt, und durch ein außerordentlich ſtrenges Leben ſich den Ruf eines Heiligen erworben habe. Im Kloſter ſelbſt wurden unſere Miſſionaͤre von 163 den Goͤtzenpfaffen, die anfangs in ihnen Reformato⸗ ren ihrer verfallenen Kloſterzucht erblickten, auf das Stattlichſte bewirthet, und im ganzen Kloſter herum gefuͤhrt. Ueber 500 Goͤtzenbilder, theils von Metall, theils von Holz, aber zierlich vergoldet, wurden ihnen gezeigt; auf den Thuͤrmen ſahen ſie Glocken, unter welchen eine war, wie ſie ſich nicht erinnerten, in Europa geſehen zu haben. Selbſt das vermeinte Klei⸗ nod, den Luſu, zeigte man ihnen. Nun fuͤhrte man ſie auf einen freien Platz, wo man die wohlerbaute Stadt Saucea in der Ferne ſehen konnte. Da konnten unſere Vaͤter den Wunſch nicht bergen, lie⸗ ber dort in der Stadt, als hier im Kloſter ſich nieder zu laſſen, uͤber welchen Wunſch die Goͤtzenpfaffen hoͤch⸗ lich erfreut waren. Die Vaͤter machten ſich ſogleich wieder auf den Weg nach Saucea. Almeida ging auf das Schiff zuruͤck und machte dieſe Reiſe zu Waſſer, waͤhrend Matthaͤus Ricei den kuͤrzern Weg dahin zu Land nahm. Der Obervorſteher des Kloſters begleitete ſie in die Stadt. Dort nahm man ſie freundſchaftlichſt auf; es wurde ihnen geſtattet, einen Platz zur Er⸗ bauung einer Wohnung auszuſuchen, bis aber der Bau fertig wurde, ſollten ſie das Kloſter am Tempel Quiamhiao beziehen. Aber ploͤtzlich erkrankten die 2 Miſſionaͤre toͤdtlich. Denn, obgleich Saucea in einer ſehr fruchtbaren Gegend gelegen iſt, wo es Ueberfluß an Reis, Fruͤch⸗ d 164 ten, Gartengewaͤchs, Fiſchen und Fleiſch giebt; ſo iſt doch von Mitte Oktobers bis in den Dezember die Witterung ſo ſtuͤrmiſch und ungeſund, daß beinahe der dritte oder vierte Theil der Einwohner am drei⸗ taͤgigen Fieber erkranket, und ſehr viele daran ſterben. Doch half ihnen Gott wieder auf. Unterdeſſen wurde ihnen, mittelſt brieflicher Ur⸗ kunde, der zum Bauen ausgeſuchte Platz als Eigen⸗ thum zugeſprochen, und man begann nun ſogleich mit dem Bau. II. Der Viſitator Alexander Valignan, der in Macao ſich aufhielt, unterſtuͤtzte den Bau durch Geldzuſchuͤſſe, die er von Spanien erhalten hatte; ſehr erfreut uͤber die gluͤckliche Wendung der Sache. Er ſchickte ihnen auch zwei chineſiſche junge Menſchen, welche in den Schulen zu Macao erzogen, Soba⸗ ſtian Fernandez und Franz Martinei, und die erſten Novitzen in Saucea waren. Den Buu ſelbſt legten ſie vorſichtiger an, als zu Seiauchin; die Kirche bauten ſie ziemlich groß, in der Hoffnung, eine große Anzahl neuer Chriſten zu erhalten; aber ihre Wohnung daran machten ſie nur eingaͤdig, um ſie fuͤr die Magiſtrats⸗Perſonen nicht beſonders anzie⸗ hend zu machen, die ſich ſo gerne in den Kloͤſtern zu Bankets einzufinden pflegten. Der Viſitator Valignan mußte ſich aber jetzt eilends mit den unterdeſſen aus Europa zuruͤck gekehr⸗ ten Geſandten zu einer Reiſe nach Japan giiſchi⸗ 165 cken. Denn der Kaiſer Cam vaco hatte eine Verfol⸗ gung gegen die Chriſten angeordnet, nach welcher alle Miſſionaͤre verdraͤngt, ihnen die Haͤuſer genommen, und die Kirchen niedergeriſſen wurden. An ſeiner Statt ließ Valignan den Eduard Sande zu Macao als Rektor zuruͤck.. IIl. In Saucea gelangte Matthaͤus Nicei zu großem Anſehen, durch Vermittlung eines gewiſſen Chiutaiſo, Sohus einer vornehmen Magiſtrats⸗ Perſon, deſſen Lehrmeiſter er geworden, und den er in der Folge getauft hatte. Durch ihn wurde den Miſ⸗ ſionaͤren auch der Schutzbrief ertheilt, den ſie an die Thuͤre ihrer Wohnung anhefteten, um von Nieman⸗ den beunruhigt zu werden. IV. Anton Almeida erkrankte jetzt ſehr, und Ricei fand noͤthig, ihn zur beſſern Pflege nach Ma⸗ cgo zu ſchicken— ſich dagegen aber einen an dern Ge⸗ huͤlfen auszubitten. Sein Freund Chiutaiſo er⸗ wirkte ihm die Erlaubniß dazu. Der Rektor Sande von Macao benuͤtzte dieſe guͤnſtige Gelegenheit, um eine Viſitations⸗Reiſe nach Saucea zu veranſtalten. Kaum fuͤhlte ſich Almeida bei der Ruͤckkehr des Rektors etwas beſſer, ſo begehrte er wieder nach Sau⸗ cea gehen zu duͤrfen; dort erkrankte er aber wieder und ſo heftig, daß er ſchon innerhalb 8 Tagen am 17. Oktober in einem Alter von 35 Jahren ſtarb. An ſeiner Statt ſchickte Rektor Sande den Franz de Petris nach Saucea. 166 v. Ein vornehmer Kaufmann aus Nanhiun ließ ſich taufen, und dieſes gab im J. 1592 in der Faſtenzeit dem Matthaͤus Rieei Gelegenheit, nach Nanhiun zu reiſen, wo er viele dem Chriſtenthume gewann. Auch in Sauceg fand das Chriſtenthum ſo eifrige Anhaͤnger, daß ſie ihre Goͤtzen zerſchlugen, und in das Feuer warfen. VI. Im Monat Juli wurde das Miſſions⸗Haus von bewaffneten Raͤubern zur Mitternachtzeit uͤberfal⸗ len, wobei die Diener des Hauſes, und auch die Vaͤ⸗ ter der Geſellſchaft verwundet wurden, und großen Schaden litten. Die Obrigkeit, welcher ſie davon die An⸗ zeige machten, kundſchaftete die Thaͤter aus, und ſtrafte ſie nach Verdienſt. Der Raͤdelsfuͤhrer wurde am Leben ge⸗ ſtraft, die uͤbrigen aber, je nachdem ſie mehr oder minder mitgewirkt, theils auf die Galeere verurtheilt, theils zu Sklaven gemacht fuͤr den Koͤnig. Waͤhrend der ge⸗ richtlichen Unterſuchung mußten die Vaͤter ſelbſt des Verhoͤres wegen an verſchiedene Orte, auch nach Seiauchin wandern, welche Gelegenheit ſie benuͤtz⸗ ten, die neuen Chriſten in ihrem Glauben zu ſtaͤrken. Die Strafen ſelbſt wurden auf ihre Fuͤrbitte gemil⸗ dert; es kam ein jeder mit 20 Streichen davon. VII. Waͤhrend der Unruhe des naͤchtlichen Ueber⸗ falles der Raͤuber, naͤmlich am 5. November 1594, ſtarb Franz de Petris an einem Fieber. Man be⸗ wunderte ſeinen Scharfſinn und ſeine Klugheit; dabet ſoll er außerordentlich demuͤthig geweſen ſeyn. Als 167 die Nachricht von dieſem Todesfalle nach Macao kam, wurde ein Laienbruder mit einem Schiffchen nach Saucea geſendet, welcher den Leichnam des Franz de Petris, wie auch jenen des ſchon fruͤher verſtorbenen Almeida auflud, um beide in das Graͤbniß nach Macao abzufuͤhren. VIII. Nun kam Lazarus Cataneus, ein Ita⸗ liener, nach Saucea, welcher ſeinen Vorfahren mit Eifer nachſtrebte. Die Goͤtzenpfaffen hatten viele aͤußere Aehnlich⸗ keit mit den Miſſionaͤren, ſie ſchoren ſich den Bart, ſchnitten ſich die Haare, hatten keine Weiber ꝛc. Da⸗ her wurden letztere oͤfters mit den erſtern verwechſelt, was ſehr nachtheilig auf ihr Anſehen wirken mußte, da dieſe Pfaffen ſich durch ihre Lebensart und durch ihre Unwiſſenheit veraͤchtlich gemacht hatten. Mat⸗ thaͤus Ricei machte daher dem Viſitator Valig⸗ nan den Vorſchlag, alle Mitglieder der Geſellſchaft Jeſu in China ſollten ſich nun zum Unterſchied den Bart und die Haare wachſen laſſen, in der Kleidung der Gelehrten erſcheinen, und bei den Viſitationen ein ſeidenes Ehrenkleid anziehen. Ferner rieth er ihm an, auch eine andere Reſiden;z anzulegen, weil die Luft um Saucea ungeſund, die ja ſchon zwei hin⸗ weggerafft habe. Der Viſitator ging in dieſe Vorſchlaͤge ein, ließ ſie ſogleich auch durch Ricei in das Werk ſetzen, 168 und machte daruͤber Bericht an den Papſt und den Jeſuiten⸗General. 1X. Die Veraͤnderung in dem aͤußern Anzuge hatte den beſten Erfolg; man behandelte ſie jetzt als Gelehrte, welche in China ſich eines großen Anſe⸗ hens zu erfreuen haben. Auch zur Erzielung einer neuen Reſidenz wurde im Mai des folgenden Jahres 1596 Gelegenheit gegeben. Ein vornehmer Kriegs⸗Beamter des Kaiſers Cam⸗ bacondono in Japan uͤbergab dem Matthaͤus Riecei ſeinen 2ojaͤhrigen geiſteskranken Sohn, um ihn wieder zu ſeinem Verſtande zu verhelfen. Ricei er⸗ bat ſich aber, mit dem Blödſinnigen in die Landſchaft Chiamſi ziehen zu duͤrfen. Sogleich traf auch der Vater des Kranken Anſtal⸗ ten, trug dem Pfleger von Saucea auf, dem Ricei einen Paß auszufertigen, und ſegelte voraus ab. Rieei ſchiffte mit zwei Novitzen von Macao und zwei Dienern am folgenden Tag nach. In der erſten Stadt der Landſchaft Chiamſi— Nangan ge⸗ nannt— erreichte er den Se ilan. Dazu verhalfen ihm die neuen Chriſten zu Nanhiunz ſie ſorgten da⸗ fuͤr, daß er unaufgehalten den Berg Mui lin paſſi⸗ ren konnte. Dieſer Berg ſcheidet die zwei Landſchaf⸗ ten Canton und Chiamſi. An dem einen Fuße des Berges lag Nanhiun mit einem ſchiffbaren Waſſer bis in das mittaͤgige Meer, und am andern Fuße Nangan, wo man durch einige Landſchaften 169 in das orientaliſche Meer fahren kann. Der Berg ſelbſt zog ſich ungefaͤhr eine Tagreiſe hin, und weil beide genannte Staͤdte ſehr gewerbsreich ſind, ſo war der Weg uͤber dieſen Berg immer mit einer uͤberaus großen Menge Menſchen und Thieren beſetzt. Der ganze Weg iſt gepflaſtert, auf beiden Seiten mit Baͤu⸗ men beſetzt, und eine Herberge ſtoͤßt ſo an die andere, daß man bei Tag wie bei Nacht ſicher reiſen kann. Ein großes Thor, kuͤhn durch wilde ſchroffe Fel⸗ ſen geſprengt, verbindet beide Landſchaften. Oben auf dem Berge entſpringt ein großes Trinkwaſſer; ein ſchoͤner Tempel ſteht da, nebſt einer Beſatzung von Kriegsvolk. Von hier kann man auch die beiden Land⸗ ſchaften uͤberſchauen. Nieei langte zu Nangan unter großem Volks⸗ zulaufe an. Auf ſeiner weiteren Reiſe litt er zwei⸗ mal ſo großen Schiffbruch, daß einer von den 2 No⸗ vitzen Johannes Barradas ertrank, und Ricei ſelbſt nur auf wunderbare Weiſe gerettet wurde.— Aus Furcht, einen neuen Schiffbruch leiden zu muͤſ⸗ ſen, begibt ſich Ricci mit dem Sei lan bei der be⸗ ruͤhmten volkreichen Stadt Chien gan an das Land. Von hier aus trennten ſich beide; Seilan trug Be⸗ denken, den Ricei als einen fremden Menſchen mit nach Pecein zu nehmen, da er die Reiſe ſelbſt auf koͤnigliche Koſten machte. Er war daher anfangs ge⸗ ſonnen, ihn wieder nach Saucea zu ſchicken; laͤßt ihn aber doch, beſtochen durch ein dreieckigtes Glas, 170 das fuͤr ein koͤſtliches Praͤſent gehalten wurde, nach Nanchin abfahren, wohin ihn der Pfleger der Stadt Chiengan einen Paß ausſtellen mußte. Mit Si⸗ cherheit konnte er nun auf Nanchin ſteuern. Bei der Hauptſtadt der Landſchaft Chiam ſi ſtieg Rieei aus, um den beruͤhmten Tempel zur eiſernen Saͤule zu beſehen. Man zeigte noch eine eiſerne Saͤule, an welche ein gewiſſer Huiunſi vor mehrern hundert Jahren einen greulichen Drachen, der die Stadt ſehr geplagt, angeheftet und ſo vernichtet habe. Der Tempel war ein herrliches Gebaͤude. Bei⸗ nahe haͤtte er Unannehmlichkeiten erfahren, weil er dem Goͤtzen im Tempel die Ehrfurcht nicht erwies, wenn nicht einer ſeiner Schiffskameraden den aufgeregten Poͤbel dadurch beſchwichtigte, daß er ihm ſagte;„Die⸗ ſer Auslaͤnder bete kein Bild an.“ Ricei ſah nun wohl, daß er hier nicht viel Gutes ſchaffen koͤnne; er begab ſich daher auf ſein Schiff zuruͤck. Ein ſchoͤner großer See, ringsum mit Staͤdten, Doͤrfern, Schloͤſſern und Flecken beſetzt, ſchließt ſich an dieſe Hauptſtadt an; auf der einen Seite ſchifft man in die Landſchaft Fuchien, und auf der andern in das orientaliſche Meer. An dieſem Meer liegt auch die Stadt Nanean, an welcher ſich ein Berg⸗ Liu genannt, erhebt, auf dem viele Einſiedler ein ſtrenges Leben fuͤhren. Dieſen Berg ſelbſt kann man aus der See, ob gleich er demſelben ſehr nahe liegt, nicht ſehen: denn er iſt, auch bei heiterm Himmel, 171 immer in Nebel und Wolken verhuͤllt. Einige Fluͤſſe ſtroͤmen durch dieſen See, welche das Fahren etwas gefahrvoll machen. Nun koͤmmt Matthaͤus Ricei nach Nan⸗ chin, in deren Vorſtadt er Wohnung nahm. X. Die Stadt Nanchin, nach andern auch Lanchin, wird fuͤr eine der groͤßten und ſchoͤnſten Staͤdte der Welt gehalten. Sie hat einen uͤberaus großen Palaſt, viele Tempel, Thuͤrme und Bruͤcken. Das Klima daſelbſt iſt ſehr mild und der Boden fruchtbar. Die Einwohner, deren Anzahl in das Un⸗ glaubliche geht, ſind ſcharfſinnig und gaſtfreundlich; ihre Sprache zierlich. Die Stadt ſelbſt gibt an Um⸗ fang der Reſidenzſtadt Pecein nichts nach; ſie iſt eben ſo, wie dieſe, mit 3 Mauern umringt. Die in⸗ nerſte umſchließt den koͤniglichen Palaſt, der fuͤr ſich allein 3 Mauern und 3 Waſſergraͤben hat, in einem Umfange von 4— italiſchen Meilen. Die zweite Mauer umſchlieft die eigentliche Stadt mit 42 Tho⸗ ren, mit Eiſen beſchlagen und mit Geſchuͤtz wohl ver⸗ ſehen, und hat einen Umkreis von 18 italiſchen Mei⸗ len. Die dritte und aͤußerſte Mauer iſt nicht ganz, ſondern ſteht nur an den befahrenſten Stellen. Der Umfang kann nicht genau angegeben werden. Man ſagt, man habe einſtens am Morgen 2 Pferde auf bei⸗ den Seiten der Stadt losgelaſſen, und erſt gegen den untergang der Sonne haͤtten ſie zuſammen getroffen. Die Form iſt rund und ſchließt in ſich viele und große 172 Gaͤrten, Berge, Seen und Teiche. Die militaͤriſche Beſatzung wird auf 40,000 Mann angegeben. Die geo⸗ metriſche Lage iſt in der Mitte des Koͤnigreiches. Ge⸗ gen Weſt wird ſie von dem großen Fluſſe Jamſu beſpuͤhlt, in den viele Kanaͤle fuͤhren, welche ſchon ziemlich große Schiffe tragen. XI. Matthaͤus Riccei miethete ſich eine kleine Wohnung in dem aͤußerſten Theile der Stadt, oder in der Vorſtadt. Er ließ ſich ſehr oft in einer Senfte in die Stadt tragen, wo er mit vielen vornehmen Perſonen Bekanntſchaft machte, welche ihn oͤfters zu Tiſch luden. Denn theils war der Weg zu beſchwer⸗ lich, theils wollte er alles Aufſehen bei dem Poͤbel vermeiden. Er verſuchte ſelbſt eine beſtaͤndige Reſi⸗ denz in der Stadt zu erhalten, aber es gelang ihm nicht; er verließ alſo die Stadt und begab ſich nach Naneian, der Hauptſtadt in der Landſchaft Cbiam⸗ ſi, beruͤhmt durch die große Anzahl ihrer Gelehrten. Hier traf er einen alten Bekannten, den Leibarzt des vornehmen Kriegs⸗Beamten Seilan, der ihn dem Statthalter ſo gut empfohl, daß dieſer ihm ſelbſt an⸗ bot, da zu bleiben. Die mathematiſchen Inſtrumente, Sonne⸗Uhren u. dgl. hatten fuͤr ihn, wie uͤberhaupt fuͤr die Chineſen viel Anziehendes; er begehrte daher ſelbſt von ihm eine Sonne⸗Uhr. Am meiſten bewun⸗ derte er Riceis Kunſt, das Geleſene oder Gehoͤrte im Gedaͤchtniß zu behalten; weßwegen er ihm den Auftrag gab, die Gedaͤchtnißkunſt, wie er ſie nannte, 173 in chineſiſcher Sprache zu ſchreiben. Viele andere vor⸗ nehme Beamte beſuchten daher unſern Matthaͤus Nicci; zwei koͤnigliche Prinzen Chiengan und Longan, die ſich zu Nancian aufhielten, thaten unſerm Ricei die Ehre an, ihn zu ſich zu laden, weil ſie ſelbſt Niemanden, auch die vornehmſten Ma⸗ giſtrats⸗Perſonen nicht beſuchen. Sie machten ihm anſehnliche Geſchenke, die er nur durch einige Son⸗ ne⸗Uhren, mathematiſche Inſtrumente, Gemaͤlde, Glaͤſer u. a. europaͤiſche Kunſigegenſtaͤnde ꝛc. erwis⸗ derte. Die liebſten Gegenſtaͤnde, die er ihnen uͤber⸗ reichte, waren 2 Buͤcher, zwar von chineſiſchem Pa⸗ pier, aber auf europaͤiſche Weiſe gebunden; das eine enthaltend Landcharten und mathematiſche Figuren, das andere eine kurze Abhandlung uͤber die Freund⸗ ſchaft in chineſiſcher Sprache, die Ricei ſelbſt Ge⸗ ſpraͤchsweiſe abfaßte, und darin die Meinungen der europaͤifchen Theologen und Philoſophen uͤber die Freundſchaft niederlegte. Dieſes Werk, das erſte, das er in chineſiſcher Sprache abfaßte, bereitete ihm einen großen Ruhm im ganzen Koͤnigreiche, und die Freundſchaft der Gelehrten daſelbſt. XII. Von dieſem gluͤcklichen Fortgange zu Nan⸗ eian erſtattete Matthaͤus Ricei Bericht an den Rektor ESduard Sande zu Macao, und erſuchte ihn, Gehuͤlfen und Geld zu ſenden. Dieſer ſchickte ihm den Prieſter JFohaun Goe⸗ rius, einen Portugieſen, und den Bruder Franz 174 Martine;, der damals zu Saucea war.— Ricei ſuchte um die Erlaubniß an, ſich allda ein Haus kaufen zu duͤrfen; es wurde ihm dieſelbe auch muͤndlich er⸗ theilt. Wegen Geldmangels kaufte er aber nur ein kleines, gut gelegenes und wohlfeiles Haus in der Naͤhe der Pflegers⸗Wohnung um 60 Kronen. XIII. Waͤhrend der Zeit hatte Lazarus Ca⸗ taneus zu Saucea manchen harten Kampf gegen frevelhaften Muthwillen. Einer der Bruͤder, Seba⸗ ſtian Fernande;, hatte die ſchmaͤhliche Strafe der Geige(eines Holzes, in welchem Hals und Haͤnde feſtgeſteckt wurden) zu leiden, ſo daß Cataneus fuͤr noͤthig erachtete, ihn dem Ricei zuzuſchicken, und dagegen einen andern Gehuͤlfen zu begehren. Weil er merkte, daß die Kirche vorzuͤglich Urſache der Unruhe ſey, ſo ließ er dieſelbe abbrechen, und uͤbte den Got⸗ tesdienſt in ſeiner Haus⸗Kapelle. XIV. Cataneus blieb bis in das J. 1597 ganz allein in Saucea, und litt durch vielfaͤltige Sorge und Arbeit ſo ſehr, daß er ſchwer erkrankte, und man an ſeinem Leben verzweifelte. Man hielt fuͤr das aͤu⸗ berſte Mittel, ihn nach Macao zu fuͤhren, und dage⸗ gen den Prieſter Aroccia einen Portugieſen, ob⸗ gleich auch er nicht feſter Geſundheit war, zu ſchi⸗ cken. Als aber bald darauf der Viſitator Valignan aus Indien kam, ſchickte er den Prieſter Nielaus 175 Lombardus, einen Sicilianer, nach Saucea, welchen Cataneus wieder dahin geleitete; ſo daß jetzt mit des Viſitators Bewilligung alle drei, Aroc⸗ eia, Lombardus und Cataneus in Saucea blieben. Drittes Buch. 1. Da der Viſitator Valignan die Hoffnung aufgab, daß je die nachgeſuchte Geſandtſchaft von Seite des Papſtes und des Koͤnigs von Spanien an den Koͤnig von China zu Stande kommen werde, welche auch jetzt bei den eingetretenen guͤnſtigen Uum⸗ ſtaͤnden nicht mehr ſo nothwendig ſchien; bildete er eine eigene Miſſion, die nicht mehr unter dem Rektor zu Macao ſtehen ſollte, da ohnehin Sduard Sande ſchon im hohen Alter ſtand, dem das Reiſen beſchwerlich wurde; und ſtellte an die Spitze dieſer neu errichteten chineſiſchen Miſſion den Matthaͤus Ricci. Er ertheilte ihm die Vollmacht, nach eige⸗ nem Gutduͤnken neue Reſidenzen anzulegen, und alles Andere zu thun, was ſonſt nur dem Viſitator zuſtand. Vor allem trug er ihm auf, allen Fleiß anzuwenden, um eine beſtaͤndige Reſidenz in Pecein zu erlangen; wozu er ihm das noͤthige Geld und ſonſtige Beduͤrf⸗ niſſe verabfolgen ließ. Au die Stelle des alten Rek. tors zu Macao, Eduard Sande, ſetzte er den Prieſter Emmanuel Dias. Bald hernach ſtarb auch wirklich Sduard Sande. Der neue Praͤſtdent Guam von Nanchin, deſ⸗ ſen Bekanntſchaft Nieci ſchon zu Saueeag gemacht NVV 177 hatte, lernte eben daſelbſt auch den Cataneus ken⸗ nen, und nahm ihn und den Prieſter Aroccia, nachdem letzterer das Haus zu Saucea dem Lom⸗ bardus uͤbergeben, nach Nancian mit ſich. 1I. In Nancian wußte Ricei den Praͤſiden⸗ ten ſo zu gewinnen, daß er ihm und den mitgebrach⸗ ten Prieſtern nicht nur erlaubte, ihn nach Nan chin zu begleiten, ſondern ihnen ſelbſt verſprach, ſie nach Pecein mitzunehmen, wohin er zu reiſen geſonnen ſey, um dem Koͤnige an ſeinem Geburtstage den 17. September zu huldigen. Dieſe Gelegenheit ſey auch ſchoͤn, ſie dort dem Koͤnige vorzuſtellen. Am 25. Juni 1598 reiſte Rieci von Nancian ab; ſeine Gefaͤhrten waren der Prieſter Catanen 6, der Bruder Sebaſtian Fernandez und Ema⸗ nuel Pereira, welcher bald hernach auch in die Geſeüſchaft Jeſu aufgenommen wurde; beide letztere waren zu Macao geborne Chineſen. Den Prieſter Johann Aroccia ließ er zu Nancian zuruͤck. Zu Nauchin wurden Kriegs⸗Ruͤſtungen getroffen gegen die Japaneſer, welche in das Koͤnigreich Coria eingefallen waren; deßwegen konnten die Reiſenden keine Herberge bekommen, und mußten guf ihrem Schiffe bleiben.. Dem neuen Praͤſidenten von Nanchin, welcher ſogleich in ſeinem Palaſte abſtieg, wurde bei den Gluͤck⸗ wünſchungen, die ihm die Magiſtrats⸗Perſonen brach⸗ ten, unter andern Geſchenken, die ihm nach Landes⸗ 43tes B. China. I. 3. 4 178 Gebrauch zukamen, vom Landgerichts⸗Pfleger zu Nan⸗ chin, der aber in einer andern eine Tagreiſe entlege⸗ nen Stadt wohnte, eine Landcharte zugeſchickt, die vom Ricei ſelbſt fruͤher gefertigt wurde, und die der Landgerichts⸗Pfleger nur in einem Stein druck abziehen und mit einer zierlichen Zueignung nebſt ſeinem Na⸗ men hatte verſehen laſſen. Daruͤber war der Praͤſi⸗ dent ſehr erfreut, und zeigte ſie ſogleich dem Nieei (der ſich ſehr haͤufig zu ihm in den Palaſt in einer Senfte tragen laſſen durfte), um ihn merken zu laſ⸗ ſen, daß man auch in China ſchon Landcharten zu fer⸗ tigen verſtehe. Aber Ricei erkannte ſogleich ſein 4 Werk, und eroͤffnete es dem Praͤſidenten. Dieſer ließ dem Landgerichts⸗Pfleger fuͤr ſein Geſchenk danken, und zugleich melden, daß er den Verfertiger dieſer Lundcharte in ſeinem Palaſte habe, und ihn mit nach Pecein nehme. —— Der Landgerichts⸗pffeger ließ ſich ſogleich dieſen Wundermann, von welchem er ſchon ſo vieles gehoͤrt habe, ausbitten, und rraf Anſtalten, ſeine Bekannt⸗ ſchaft zu machen. Ricci konnte dieſem Begehren nicht ausweichen; er ließ alſo den Cataneus einſt⸗ weilen vorausreiſen, und willfahrte dem Landgerichts⸗ Pfleger. Zehn Tage behielt er ihn bei ſich, wo er nicht fertig werden konnte, ihn uͤber mathematiſche und andere europaͤſche Kunſt⸗Gegenſtaͤnde zu fragen. Unter andern koſtbaren Sachen, die Ricci bei ſich fuͤhrte, zeigte er ihm ein herrliches Gemaͤlde, den 179 Salvator vorſtellend, durch deſſen Anblick er ſo ergriffen wurde, daß er ausrief:„Das iſt keines ſterb⸗ lichen Menſchen Bildniß!“ Er fand ſich nicht wuͤr⸗ dig, es laͤnger zu beſchauen, ſondern ließ es in einer ſchoͤnen Kapelle in ſeinem Garten aufſtellen, und vor demſelben einen Altar, mit Wachskerzen und Rauch⸗ werk beſetzt, aufrichten. Er ſelbſt erſchien in ſeiner koͤſtlichen Amtskleidung; und nachdem er es auf chine⸗ ſiſche Art verehrt hatte, getraute er erſt, daſſelbe naͤ⸗ her zu beſehen. Viele Vornehme kamen, um es zu⸗ beſehen, und mußten es auf gleiche Art verehren. 3 Nun konnte Ricci nicht mehr laͤnger weilen, da⸗⸗ mit die Seinigen nicht einen zu großen Vorſprung erhalten moͤchten. Der Landgerichts⸗Pfleger ließ ihn, nachdem er ihn zuvor mit einer großen Summe Sil⸗ bers beſchenkt hatte, mittelſt einer Senfte auf ein Rennſchiff bringen, auf welchem Ricei ſeine Geſell⸗ ſchaft bei der Stadt Ehingan einholte. Der Fluß Jauſu, der 140 italteniſche Meilen nuterhalb RNanchin ſich in das Meer ergießt, iſt von den alten Koͤnigen mittelſt eines großen Kanals mit dem ſogenannten gelben Fluß ber Pecein in Verbindung gebracht, der nach Janſu der groͤßte Fluß im Koͤnigreiche iſt, auf welchem der Proviant nach Pecein geſchafft wird, um vor Seeraͤubern ſicher zu ſeyn. Die Unterhaltung dieſes Kanals ſoll dem Koͤnig jaͤhrlich eine Million koſten. 5 180 Auf der ganzen Reiſe durch die drei Landſchaften RNanchin, Seiantum und Pecein trifft man ſo viele Staͤdte, Flecken und Doͤrfer, daß man ſagen kann, es ſey alles an einander bewohnt, und der Schiffende kann um wohlfeilen Preis an jedem Orte friſchen Proviant von Getreid, Reis, Fleiſch, Fiſch, Fruͤchten, Kraut, Wein u. dergl. aufnehmen. Pee⸗ ein ſelbſt liegt in einer unfruchtbaren Gegend, deß⸗ wegen muß dahin aus den mittaͤgigen Landſchaften der noͤthige Proviant geliefert werden. Vom Fluſſe, der bei Pecein vorbei ſtroͤmt, fuͤhrt ein Kanal bis dicht an die Stadtmauer, weil man ſonſt noch eine Tagreiſe zu Land zu fahren haͤtte, aber auf denſelben duͤrfen nur koͤnigliche Sachen gebracht werden. Unſere Miſſionaͤre landeten ungehindert bei Pos⸗ cin, und betraten die Stadt ſelbſt am Vorabende des Feſtes Maria Geburt. Von der Hauptſtadt Canton, zwei Tagreifen * von Macao, bis nach Pecein hatten ſie zu Waſſer 41443 italiſche Meilen gemacht— von Canton bis Nanhiun 234; dann bis Nancian 224, ferner bis Nanchin 288, und von da bis Pecein 667 ita⸗ liſche Meilen. 111. Die Stadt Pecein liegt ſehr noͤrdlich, un⸗ gefaͤhr nur 100 italiſche Meilen von der beruͤhmten Mauer an der Graͤnze der Tartarei. Ihre Polhoͤhe iſt 400. Die Stadt Nanchin iſt zwar gdoͤßer, hat — 9-— — — 181 3 ſchoͤnere Straßen und Gebaͤude, und iſt auch feſter; aber Pecein iſt volkreicher, hat auch mehr Militaͤr und mehrere Magiſtrats⸗Perſonen. Gegen Suͤd iſt ſie von zwei Mauern umgeben, deren Zwiſchenraum mit Erde ausgeſchuͤttet iſt, und welche ſo dick ſind, daß gar leicht 42 Pferde neben einander darauf laufen koͤnnen; ſind auch viel hoͤher, als man ſie in Europa zu machen pflegt. Gegen Nord hat die Stadt nur Eine Mauer. Auf dieſen Mauern wird ſowohl in Friedens⸗ als Kriegszeiten ſtarke und ſcharfe Wache gehalten. Waͤhrend des Tages wachen unter den Tho⸗ ren die Verſchnittenen, und nehmen den Zoll ab, der in andern Staͤdten nicht gebraͤuchlich iſt. Der koͤnig⸗ liche Palaſt daſelbſt iſt ein ungeheures Gebaͤude, reicht vom Thor der innern Mauer gegen Suͤd, bis zur Mauer gen Nord; zwar iſt er nicht ſo groß als der Palaſt zu Nanchin, aber weit geſchmackvoller und beauemer. IV. Die Straßen in Pecein ſind nicht gepfla⸗ ſtert, daher ſehr anrein; beſenders iſt zur Sommers⸗ zeit der Staub ſehr groß, gegen den man ſich nur ſo zu verwahren ſucht, daß man das Geſicht bis auf die Bruſt verhuͤllt. An allen Gaſſen ſindet man Thore und Brücken; an jedem Ecke einer Straße Tragſeſſel, Pferde oder Eſel, die man um wenige Kreuzer mie⸗ then kann, um in der Stadt herum zu kommen. Ob⸗ gleich an allem Ueberfluß iſt, ſo iſt doch alles weit theurer, als an andern Orten. Wegen Mangels an Brennholz braucht man haͤufig Steinkohlen nicht nur zum Kochen, ſondern auch zum Heitzen ihrer Lieger⸗ ſtaͤtten, die aus Backſteinen gebaut, unten hohl und mit Roͤhren verſehen ſind, wodurch die Steinkohlen⸗ Waͤrme hineingeleitet wird. V. Die Miſſionaͤre begaben ſich in Pecein un⸗ ter den Schutz des Praͤſidenten, mit dem ſie gekom⸗ men waren. Sie wurden einem Hofdiener empfohleu, der ihnen ein freundſchaftliches Mahl gab, und an den Geſchenken, die ſie ihm zeigten, große Freude hatte. Dieſe beſtanden in einer Uhr, 2 Gemaͤlden, zwei dreieckigten Glaͤſern und einem Clavieimbal, dergleichen man in China noch nie geſehen hatte. Der Hofdie⸗ ner ſtand in dem Wahne, die Miſſionaͤre verſtaͤnden die Kunſt, aus Queckſilber auch Silber zu machen— als ſie daher dieſes verneinten, ſagte er ihnen offen, er koͤnne ſie dem Koͤnige nicht vorſtellen, da ſie ohne⸗ hin Auslaͤnder ſeyen, die man in China von den Japaneſern, mit denen man jetzt im Krieg verwickelt ſey, nicht unterſcheide. Auch der Praͤſident wurde gewarnt, ſich der Fremden nicht zu ſehr anzunehmen. Alle Magiſtrats⸗Perſonen zogen ſich von ihnen zuruͤck, und nun machten ſie auch die Erfahrung, daß bei den Chineſern nicht viel Redlichkeit ſey. Der Rektor von Macao hatte ihnen einen Wechſel mitgegeben, den ein chineſiſcher Handelsmann in Macao auf einen andern in Pecein ausſtellte. Aber es fand ſich gar keiner des Namens vor; ſo zwar, daß derjenige, der 183 das Geld empfangen hatte, es wieder herausgeben 3 mußte. VI. Sie reiſten demnach wieder nach Nanchin zuruͤck. Sie mietheten ſich ein ſehr wohlfeiles Schiff, welches aber auch ihre Reiſe ſo verzoͤgerte, daß ſie wegen des eintretenden Winters von Linein, einer der groͤßten und vornehmſten Handelsſtaͤdte, nicht mehr weiter ſegeln konnten. 8 VII. Matthaͤus Ricei eilte mit 2 Dienern an das Land, und reiſte zu Land nach Nanchin, waͤhrend deſſen Cataneus mit den Bruͤdern und dem Gepaͤcke zu Waſſer ſeiner Zeit nachkommen ſollte. Ungehindert kam er durch die Landſchaft Seiantum. In Nanchin wurde Nicei vom Praͤſidenten, ſeinem alten Goͤnner, liebreich aufgenommen, und ihm ein ſtattlicher Palaſt des Beiſitzers des Praͤſidenten, der eben leer ſtand, zur Wohnung angeboten, bis er ſich ein Haus kaufte, was er aber, um kein Aufſehen zu erregen, ausſchlug, und eine kleinere Wohnung miethete. Durch ſeine mathematiſchen, aſtronomiſchen und phyſikaliſchen Kenntniſſe gewann Ricei die Ge⸗ muͤther der daſigen Gelehrten. Die hoͤchſten und vor⸗ nehmſten Perſonen in Nanchin ſuchten ſeine Freund⸗ ſchaft. VIII. Unterdeſſen kam auch Cataneus mit den uͤbrigen Bruͤdern, die bei Linein uͤberwin⸗ tern mußten, gluͤcklich zu Nan chin an; und dieſes wollte nur Rieei abwarten, um ſich eine Wohnung 184 zu kaufen. Dazu erbot ſich eine ſchoͤne Gelegenheit.— Wenige Tage vor der Ankunft des Cataneus wurde ihm eine fuͤr die Beiſitzer am Bauamte beſtimmte Wohnung zum Kaufe angeboten; denn es ging davon die Sage, als ſeyen boͤſe Geiſter darin. Froh, die Wohnung nur wieder zu verkaufen, gab man ihnen dieſelbe um die Haͤlfte des Preiſes. Das Haus war ein neues geſundes Gebaͤude, an einer der vornehm⸗ ſten Straßen, auf einem erhabenen Platze gelegen, wo das Waſſer keinen Schaden bringen konnte. In drei Tagen war der Kauf abgeſchloſſen; man ſtellte ihnen einen Kaufbrief aus mit einem Edikt, daß Niemand ſie am Beſitze hindern duͤrfe, welches ſie an die Haus⸗ thuͤre hefteten. Zur Zahlung ſelbſt gab man ihnen ein Jahr Friſt. 8 Am erſten Abende des Einzugs in das neu er⸗ kaufte Haus errichteten ſie in einem Saale einen Al⸗ tar, trugen das Salvators⸗Bild im Hauſe herum, und ſtellten einen Exoreismus an, damit das Haus von den boͤſen Geiſtern gereinigt wuͤrde. IX. Bald verbreitete ſich die Nachricht davon im ganzen Reiche, und alles wurde mit Ehrfurcht erfuͤllt gegen die Diener Gottes, denen die boͤſen Geiſter ge⸗ wichen ſeyen. Nicht ſchwer war es jetzt, der chriſtli⸗ chen Religion neue Anhaͤnger zu verſchaffen. Der erſte und vornehmſte war ein zojaͤhriger Greis, Cin genannt, aus Nanchin gebuͤrtig, von adelichem Ge⸗ ſchlechte. Dieſer ließ ſich mit ſeinem Sohne, der 185 auch ſchon eine anſehnliche Stelle begleitete, und ſei⸗ nem ganzen Hauſe taufen, und eine Hauskapelle ſich errichten, in welcher die Vaͤter der Geſellſchaft ein Salvatorsbild fuͤr ihn aufſtellten. Beſonders anzie⸗ hend fuͤr die Chineſen war die chriſtliche Moral. X. Nun verſuchten ſie noch einmal zu Pecein eine Reſidenz zu erlangen. Riccei bereitete die Ge⸗ ſchenke, die dem Koͤnige gebracht werden ſollten, ſchickte ſich ſelbſt an zur Reiſe, und nahm den Prieſter Di⸗ dacus mit, waͤhrend deſſen er den Cataneus zu Nanchin zuruͤck ließ. Am 28. Mai 1600 trat er die Reiſe nach Pecein an. XI. Auf der Reiſe dahin hatten ſie zu Linein von einem verſchnittenen Mauthner, Mathan ge⸗ nannt, einem boͤſen geitzigen Menſchen, viel auszu⸗ ſtehen, an den ſie von einem Verſchnittenen, der mit ihnen von Nanchin reiſte, verrathen worden waren, daß ſie koͤſtliche Geſchenke nach Pecein hlaͤchten. Die Geſchenke wurden ihnen abgenommen, und ſie ſelbſt in das Schloß Thienſin geſperrt. XII. Aber ploͤtzlich kam ein koͤniglicher Befehl von Pecein, dieſe Fremdlinge ſollten ſogleich mit ihren Gaben dahin kommen. Auf koͤnigliche Koſten wurden Pferde und Traͤger herbei geſchafft, um ſie ſelbſt nebſt ihren Sachen nach Pecein zum Koͤnige zu bringen. Alle Tage ihrer Reiſe wechſelten 8 Pfer de und 30 Traͤger; uͤberall wurden ſie in den koͤniglichen Wohnungen einanartirt und gut gehalten. Gegen das Ende des Januars 4601 zogen ſie fort, und langten gegen Ausgang des chineſiſchen Jahres zu Pecein an. In dem Palaſte eines Verſchnittenen vor der Stadt mußten ſie ihre Gaben zurecht richten, und des andern Tags wurden dieſelben mit großem Pomp und Getuͤmmel durch die Stadt in den koͤniglichen Palaſt gebracht.. Bei dem Anblick der herrlichen Gemaͤlde, die unter den Geſchenken waren, wurde der Koͤnig von Bewun⸗ derung hingeriſſen, und ließ Rauchwerk vor denſelben anzuͤnden. Das ſchoͤne Mariabild ſchickte er ſeiner Mutter, weil er ſelbſt das weibliche Bildniß nicht anſchauen duͤrfe. Das kleine Salvatorsbild, ein vor⸗ treffliches Kunſtwerk, ließ er in ſeinem vornehmſten Saal aufhaͤngen. Der koͤnigliche Palaſt hat 4 Ningmauern, in die zwei aͤußern wird waͤhrend des Tages Jedermann, die geſchornen Goͤtzenpfaffen und Weiber ausgenommen, eingelaſſen; in die innern aber niemand als die ver⸗ ſchnittenen Hofdiener. In die zweite Ringmauer wurden nun unſere Miſſionaͤre gefuͤhrt, wo ſie viel Volks um die mitgebrachten großen Schlaguhren ver⸗ ſammelt antrafen. Der Koͤnig ließ ſie daſelbſt durch ei⸗ nen ſeiner vornehmſten Verſchnittenen empf genannt), ſeyen Geiſtliche, welche dem Herrn Him⸗ angen, und fragen: zu welchem Zwecke ſie dieſe Gaben dem Koͤnige braͤchten? Da antworteten ſie:„ſie kaͤmen aus dem großen Abendlande(denn ſo wird in China Europa 4 487 mels und der Erde dienen, und nichts Irdiſches ſuchen und begehren; ſie wollten daher auch kein Gegenge⸗ ſcherk oder Vergeltung. Die Uhrwerke ſeyen eine Erſindung von Kuͤnſtlern, mittelſt welcher man bei Tag und bei Nacht die Stunden ohne Muͤhe wiſſen koͤnne, nur muͤßten ſie gerichtet ſeyn; ſie wollten ei⸗ nen, den man ihnen zuſenden wuͤrde, darin unter⸗ weiſen.“ Sogleich beorderte der Koͤnig 4 Verſchnittene aus dem mathematiſchen Colleg in den Palaſt, mit dem Befehl, die Uhren innerhalb 3 Tagen zu bringen, und ſie zu richten. Dieſe Tage benuͤtzten die Verſchnitte⸗ nen auch, von den Vaͤtern der Geſellſchaft ſich das Nichten und Aufziehen der Uhren zeigen zu laſſen. Die Uhren gefielen dem Koͤnige ſo wohl, daß er vor Freude den Verſchnittenen mehr Beſoldung gab, und ein kleines Uhrwerk immer vor ſich richten ließ. Fuͤr die große Uhr, die im Palaſte ſelbſt nicht aufge⸗ macht werden konnte, ließ er in einem ſchoͤnen Luſt⸗ garten außerhalb der zweiten Ringmauer einen Thurm errichten. Der Koͤnig hatte nun auch ein Verlangen, dieſe Leute, die ihm ſo ſonderbare Sachen mitgebracht, zu ſehen, um aber ſeiner vieljaͤhrigen Gewohnheit, Nie⸗ manden vor ſich zu laſſen, als ſeine Weiber und Ver⸗ ſchnittene, nicht zuwider zu handeln, ließ er ſie beide in Lebensgroͤße malen. Weil der Koͤnig gerne auch das Koſtuͤm und die Palaͤſte der europaͤiſchen Koͤnige 188 und Fuͤrſten kennen gelernt haͤtte, ſo uͤberſchickten ſie ihm einen Kupferſtich, auf welchem Koͤnige, Kaiſer und Fuͤrſten in ihren Kleidungen vor dem Namen Jeſu auf ihren Knieen liegend abgebildet waren; und einige Kupfertafeln, europaͤiſche Palaͤſte vorſtellend, unter andern den koͤniglich ſpaniſchen Palaſt Eseu⸗ rial, den St. Mareus Palaſt zu Venedig ꝛc. Da dem Koͤnige geſagt wurde, daß die europaͤiſchen Fuͤr⸗ ſten in den obern Stoͤcken ihrer Palaͤſte wohnen, ſoll er gelacht haben, weil er das Auf- und Abſteigen in denſelben fuͤr ungelegen und gefaͤhrlich gehalten. XIII. In Pecein beſteht ein eigenes Gericht, Zeremonien⸗ Amt genannt, dem alle Fremde und Auswaͤrtige unterworfen ſind, ſobald ſie an den Hof gelangen, die auch in den dazu beſtimmten Palaͤſten oder Kaſtellen logiren muͤſſen. Der Praͤſident dieſes Gerichts fand ſich hoͤchlich beleidigt, daß die Miſſionaͤre ſein Tribunal uͤbergin⸗ gen, und bei dem Koͤnige ſogleich ihre Gaben an⸗ brachten; er ließ ſie deßhalb verhaften, und in das Fremden⸗Haus ſperren. Dieſes beſtand aus zwei gro⸗ ßen Kaſtellen, die mit Mauern umgeben und mit vie⸗ len Thoren verſchloſſen ſind. In denſelben find uͤber 41000 Kammern, ſo klein, daß ſie billiger Schafſtaͤlle, als Menſchen⸗Wohnungen genannt zu werden verdie⸗ nen; ſie haben weder Thuͤren, noch Fenſter, weder Stuͤhle, noch Baͤnke, weder Tiſche, noch Betten. Denn die orientaliſchen Voͤlker, ausgenommen die . ——— ſellſchaft nach Hof gerufen, um dem koͤniglichen Thron Chineſer, eſſen und ſchlafen auf dem Boden. In die⸗ ſen Gemaͤchern werden nun auch alle Geſandten aus allen den Koͤnigreichen, die dem Koͤnige von China Tribut geben, einquartirt. Unſere Miſſionaͤre wurden jedoch darin beſſer gehalten, als ſolche Geſandte; man legte ſie in die Zimmer, in welche immer die chineſi⸗ ſchen Beamten kommen, worin Betten mit ſeidenen Decken, Stuͤhle und andere Beduͤrfniſſe ſind. Die Diener warteten ihnen auch beſſer auf, als andern. Als der Praͤſident erfuhr, was fuͤr Leute ſie ſeyen, that er ihnen auch mehr Ehre an; er zog ſie, dis ſonſt vor ihm immer auf die Kniee fallen mußten, ſogar an ſeine Tafel, wo ſie neben ihm ſitzen durften. Auf ſein Begehren hatten ſie ihm einige ma⸗ thematiſche Inſtrumente gemacht, und dadurch auch Dank ſich erworben. Sie durften ſich darin auch eine Kapelle einrichten, worin ſie taͤglich Meſſe leſen konnten. Alle dieſe Auslaͤnder werden auf des Koͤnigs Ko⸗ ſten geſpeist; und ehe ſie ſich verreiſen, werden ihnen einige Mahlzeiten gegeben, bei welcher immer einer der vornehmſten Offinere oder Beamten die Stells des Koͤnigs einnimmt, an deſſen Seite der Geſandte ſitzt, welches in China ein Zeichen der Demuͤthigung oder Unterthaͤnigkeit iſt. Bei dieſen Banketen iſt auch jedes Mal Muſik und Komoͤdie. XIV. In drei Tagen wurden die Vaͤter der Ge⸗ 190 Ehrfurcht zu erweiſen; dieſer ſteht in einem hohen großen Saale, wo der Koͤnig immer Audienz gibt; gewoͤhnlich wird aber nur dem leeren Stuhle die Ver⸗ ehrung gebracht. Vor dem Audienz⸗Saale iſt ein un⸗ geheurer, ſtattlich umbauter Hof, der 30,000 Men⸗ ſchen faſſen kann, und in dem auch alle Nacht 3000 Soldaten wachen, die Schildwachen nicht gerechnet, die außen herum ſtehen. Bei einem jeden der fuͤnf Thore iſt ein Elephaut. Diejenigen, welche ihre Ehr⸗ furcht bezeigen wollen, muͤſſen ſich vor Tages An⸗ bruche bei dem Thore des Palaſtes einfinden. Bei den erſten Lichtſtrahlen der Sonne laͤßt man die Ele⸗ phanten und Soldaten heraus, und die Ehrfurcht Be⸗ zeigenden hinein, welche in einem rothen Kleide er⸗ ſcheinen muͤſſen, mit einem 2 Spannen langen und 4 Finger breiten elfenbeinernen Daͤfelchen vor dem Munde. Ein eigener Ceremonienmeiſter geleitet ſie, der ihnen alle Buͤcklinge und Knie⸗Beugungen zeigt, damit kein Fehler gemacht wird, deren geringſter ge⸗ ſtraft wird. 1 Matthaͤus Riceei entſchuldigte ſich bei dem Ceremonienmeiſter wegen ſeiner Kleidung, er ſey, ſagte er, bei den Seinigen ein Gelehrter, deßwegen erſcheine er auch in der Kleidung enes Gelehrten. Das Verfahren eines Ceremonien⸗Amtes gegen ſie mißbilligte der Koͤnig, ſo zwar, daß der Praͤſident, der den Rieci und ſeinen Kollegen in das Fremden⸗ Haus bringen ließ, erſtern ſelbſt inſtaͤndigſt bat, er 191. moͤchte doch um die Erlaubniß, in der Stadt wohnen zu duͤrfen, nachſuchen, und ein eigenes Haus ſich miethen, was auch geſchah. Der Praͤſident verſah ihn deſſen ungeachtet immer am fuͤnften Tage durch 4 Diener mit ſo viel Reis, Fleiſch, Salz, Wein, Kraut und Holz, als man ihm dafuͤr in des Geſand⸗ ten Haus ſchickte. XV. Um aber nicht mehr ausgetrieben zu werden, und der Verkuͤndung des Evangeliums ungeſtoͤrt ob⸗ liegen zu koͤnnen, reichten ſie dem Koͤnige eine Bitt⸗ ſchrift ein, er moͤge ihnen zu Peccin eine beſtaͤn⸗ dige Wohnung gewaͤhren. Darauf ließ er ihnen muͤnd⸗ lich entbieten:„Sie ſollen ohne Sorge in Pecein bleiben, und gar nicht mehr von einer Reiſe nach den mittaͤgigen Landſchaften, oder in ihr Vaterland Mel⸗ dung thun.“— Er verordnete auch, daß ihnen alle 4 Monate eine Penſion, zu s Kronen monatlich, aus⸗ bezahlt wurde. Das gnaͤdige Verfahren des Koͤnigs ſtimmte auch alle Großen der Stadt ſo fuͤr ſie, daß ſelbſt der Co⸗ lao, die hoͤchſte Magiſtrats⸗Perſon in ganz China, den Matthaͤus Riccei oͤfters zu ſeiner Tafel zog.— Wegen Reperatur der Uhren wurden ſie des Jahrs viermal in den koͤniglichen Palaſt gefordert, was ihnen Gelegenheit gab, mit den Befreundeten des Koͤnigs und mit den Beſchnittenen genauere Bekanntſchaft zu machen, welches ihrem Miſſions⸗Geſchaͤfte ſehr guͤn⸗ ſtig war. 19²2 XVI. Waͤhrend dieſer Zeit arbeitete auch in Sau⸗ cea ſegenreich Nieolaus Lombardo aus Siet⸗ lien, mit dem Laienbruder Franz Martinez fuͤr . die Kirche Chriſti. Ju einem Dorfe, Cineun ge⸗ nannt, wo bereits 100 Chriſten waren, wurde eine ziemlich große Kirche erbaut, und mit einer Glocke verſehen;— wiewohl es auch nicht an Hinderniſſen fehlte, die ſich ihrem Wirken entgegen ſetzten. XVII. Zu Nanchin waren 2 Prieſter aus der hann Roecia, die das angefangene Werk mit gro⸗ zem Erfolge fortſetzten. Erſtern draͤngten Geſund⸗ heirs⸗Umſtaͤnde, nach Macao zu reiſen, und Roe⸗ eia uͤbernahm daher die Leitung der kirchlichen Ange⸗ legenheiten in Nanchin an ſeiner Statt. XVIII. So hatte die Societaͤt nunmehr 4 Reſt⸗ denzen in China. Zu Nancian war der Prieſter Soerius toͤdtlich krank, und Matthaͤus Ricei, der uͤber das ganze Miſſionsweſen in China geſetzt war, konnte vom Hofe nicht abkommen, um Viſita⸗ tions⸗Reiſen zu machen. Der Viſttator Valignau hielt aiſo fuͤr gut, den Valentin Carval zum Rektor von Macao zu machen, und den bisherigen um die drei gegen Mittag gelegenen Reſidenzen mit den Reſidenzen zu Saucea, Nanecian und Nan⸗ chin waren viele Angelegenheiten zu ſchlichten, die Soeietaͤt, naͤmlich Lazarus Cataneus und Jo⸗ Rektor Smanuel Dias nach China zu ſchicken, Gutheißung des Matthaͤus Rieei zu beſuchen, In 193 eine muͤndliche Unterredung mit Ricei erforderten. Deßwegen reiſte Emanuel Dias auch nach Pec⸗ ein mit dem Bruder Jakob Niva, von chineſiſchen Aeltern, aber in Japan geboren, ein ziemlich ge⸗ ſchickter Maler; und pflegte zwei Monate mit Ricci Umgang. 43ces B. China. I. 3. 5 Viertes Buch. 1I. In Pecein hatte Ri ceis Gehuͤlfe, der Prie⸗ ſter Didaeus ſo gute Fortſchritte in der chineſiſchen Sprache gemacht, daß beide das Evangelium dortſelbſt predigen konnten. Viele vornehme und gelehrte Leute nahmen den chriſtlichen Glauben an. Den gemeinen Leuten wurde jedesmal, knieend vor dem Altare, wo ſie mit Reue uͤber ihre Suͤnden, die ſie im Heiden⸗ thume begangen hatten, verſprechen mußten, im neu angenommenen Glauben zu verharren, das Glaubens⸗ Bekenntniß vorgeſprochen, waͤhrend deſſen die Gelehr⸗ ten es ſchriftlich abfaſſen, und ableſen mußten. II. Von Macao, wohin der Viſitator Valig⸗ nan ſich wieder begeben hatte, wurde Vorſorge ge⸗ troffen, Geld und Gehuͤlfen den Miſſionaͤren zuzuſen⸗ den. Man hatte den Ueberſchlag gemacht, daß in China fuͤr eine Perſon, um ſie mit Kleidung und Speiſe zu verſehen, nicht mehr als 30 Kronen das ganze Jahr aufgewendet zu werden brauchte, weil alle Gegenſtaͤnde dortſelbſt ſehr wohlfeil waren. III. Bartholomaͤus DTedeseo und Hiero⸗ nymus Roderieo, ein Portugieſe, wurden nach Saucea geſchickt, Petrus Ribena, Alfonſus Vagnon, ein Piemonteſer und Felician a Silva 6 195 nach Nanchin; und Caſpar Ferrara nach Pec⸗ ein. Emanuel Dias ſollte zu Nancian blei⸗ ben, und den drei ihm unterworfenen Reſidenzen fer⸗ ner als Rektor vorſtehen.— Nicht weit von Pee⸗ ein litt P. Ferrara Schiffbruch; der Schaden betrug bei 200 Kronen. Nur die herrliche Bibel, in 8 Tom. zu Antwerpen von Plantin gedruckt, welche vom Kardinal St. Severina der Societaͤt in China verehrt ward, wurde in einer Kiſte gerettet, weil die Schiffsleute dieſelbe, in der Meinung, darin ſeyen koͤſtliche Schaͤtze, haſtig auffiſchten. IV. Mit gleichem Eifer und gleich gluͤcklichem Erfolge arbeiteten zu Nancian der Rektor Ema⸗ nuel Dias mit dem Bruder Pascal, der bald nachher in die Societaͤt aufgenommen ward— zu Saueea Nikolaus Lombardo, dem Emanuel Dias auch einen Gehuͤlfen zufuͤhrte— zu Nanchin Johannes Roccia mit noch drei andern Prie⸗ ſtern und einem Bruder, der ſorgfaͤltig die chineſiſthe Sprache ſtudierte, und junge Leute nachzuziehen ſich angelegen ſeyn ließ. V. In Pecein hatten die Miſſionaͤre waͤhrend der s Jahre immer nur in Miethe gewohnt, was ih⸗ nen, des oͤftern Ausziehens wegen, große Ungelegen⸗ heit und Koſten verurſachte. Nun wurde ein Haus, am beſten Ort in der Sradt gelegen, um geringen Preis feil geboten, weil der chineſiſche Aberglaube wieder boͤſe Geiſter darin ſeyn ließ. Sie kauften die⸗ 196 ſes, bezogen es am 26. Auguſt 1605, richteten darin eine ſehr ſchoͤne geraͤumige Kapelle ein, und ein No⸗ zziat. Mit dem neuen Hauſe hatte ſich auch der Zu⸗ lauf vermehrt; und zwar nicht am gemeinen Volke, ſondern an vornehmen Perſonen, Gelehrten und Ma⸗ giſtrats⸗Perſonen.— Den uͤber den Hauskauf errich⸗ teten Kaufbrief ließen ſie von einer vornehmen hiezu beorderten Magiſtrats⸗Perſon verſiegeln und bekraͤfti⸗ gen, um ſich als Eigenthuͤmer in der Folge ausweiſen zu koͤnnen. Matthaͤus Ricei brachte es auch dahin, daß ſie von aller Hausſteuer befreit wurden. VI. Nicht lange hernach wurde ihnen auch die Erlaubniß ertheilt, in einige Doͤrfer des Landgerichts Pantifu, von der Stadt Pecein drei Tagreiſen entfernt, noch zur Landſchaft Pecein gehoͤrig, hin⸗ aus zu ziehen, um den wahren Glauben zu predigen, was auch mit Erfolg geſchah. Gleich in dem erſten Jahre wuchs die Anzahl der neuen Chriſten auf 150, die ſich jaͤhrlich immer vermehrten. VII. Der Viſitator Alexander Valignan gedachte auch, nach China zu reiſen. Schon war er mit Paͤſſen und Freibriefen verſehen, die ihm Ricei auswirkte, um nicht Gefahr zu laufen, weil die Japaneſer und Chineſen Dodtfeinde wa⸗ ren, und er viele Jahre in Japan geweſen; als er ploͤtzlich ſtarb, in einem Alter von 69 Jahren am Ende Jaͤners 1606 zu Macao. 197 VIII. Auf dem Todbette noch lag ihm die chine⸗ ſiſche Miſſion, deſſen erſter Stifter er war, am Her⸗ zen: er ſorgte, daß drei ſehr nuͤtzliche Arbeiter nach China geſchickt wurden; denen er alles mitgab, was er mit ſich zu nehmen gedachte, um liegende Guͤter ſich anzukaufen. Sein Andenken ehrte man aber auch, indem man die Kleidungen, Bilder u. dergl., die er im Leben gebraucht, aufbewahrte. 1X. Ein Zwiſt zwiſchen einem Laienbruder und einem Ordensmann gab zu Macao Veranlaſſung, ſie eines Aufruhrs zu beſchuldigen, in welchem ſie ſich des ganzen Koͤnigreichs bemaͤchtigen wollten. Cata⸗ neus, der zu Macao noch in ſeiner chineſiſchen Kleidung herum ging, diente zur Beſtaͤtigung. In die Hauptſtadt Canton drang hievon das Geruͤcht; der Landgerichts⸗Pfleger, blind demſelben glaubend, ließ ſogleich Kriegs⸗Volk muſtern, Schiffe zuruͤſten, die Vorſtadt, welche uͤber 1000 Haͤuſer zaͤhlte, nieder⸗ reißen, die Thore gegen Macao vermauern, die Wache verſtaͤrken, und ein ſcharfes Verbot ergehen, je mehr mit Portugieſen einen Verkehr zu haben, oder Proviant gegen Macao abzufuͤhren.— Auch die Miſſionaͤre zu Pecein kamen deßwegen in Gefahr. X. Die Portugieſen zu Macao ſchickten nun eine Deputation nach Canton, um ſich von der fal⸗ ſchen Beſchuldigung zu reinigen, und beriefen ſich auf ihr friedliches Verhalten waͤhrend ſo langer Jahre— darauf wird den chineſiſchen Handelsleuten der freie 198 Zugang nach Macao erlaubt, die jedoch dabei Kund⸗ ſchaft einzuziehen haͤtten, wie es dortſelbſt ſtehe. Zur naͤmlichen Zeit kam auch der Bruder Franz Martinez in die Stadt Canton, und wurde von der Nachricht des Todes des Viſitators und von der falſchen Bezuͤchtigung ſo ergriffen, daß ein Fieber ihn befiel. Ein vom Chriſtenthum abgefallener Buͤrger der Stadt Canton verrieth, daß Martinez aus Macao gebuͤrtig, und ein geheimer Kundſchafter des Cataneus ſey, den man in dem falſchen Verdachte hatte, daß er das Reich an ſich zu reißen ſuche. So⸗ gleich wurde er, obgleich er im heftigſten Fieber lag, ergriffen und gefangen geſetzt; und in kurzer Zeit er⸗ lag er den mannigfaltigen Qualen, die man uͤber ihn kommen ließ, indem er unter den Streichen des Scher⸗ gen ſeinen Geiſt am letzten Maͤrz 1606 im 37. Jahre ſeines Alters aufgab. Ein alter Bekannter des Ricei und des Lom⸗ bardo wurde jetzt Admiral zu Canton. Sogleich zog er Bericht uͤber die Vorfaͤlle zu Saucea und Macao ein. Nach Macas ſchickte er einen Haupt⸗ mann, um Nachricht einzuziehen. Cataneus, um ihm allen Verdacht zu nehmen, als habe man ie nur Boͤſes im Sinne gehabt, fuͤhrte ihn in ſeine Biblio⸗ thek, und zeigte auf die Buͤcher, indem er ſorach: „Dieſe ſind die Waffen, mit denen ich euer Koͤnig⸗ „reich zu erobern gedenke.“ Dann fuͤhrte er ihn in — — 199 die Schule, indem er auf die Schuͤler deutend ſagte: „Dieſe ſind die Soldaten, mit denen ich es ſtuͤrmen „will.“ Daraus nahm der Hauptmann zur Genuͤge ab, daß dieſe Leute etwas ganz Anderes ſich angele⸗ gen ſeyn ließen, als ein irdiſches Reich zu erobern; er brachte hievon Nachricht nach Canton. Man ſprach Cataneus und ſeine Genoſſen ſogleich von der Beſchuldigung los; der Admiral ſchrieb deßwegen auch an den Landpfleger und ſelbſt an den Koͤnig, und hatte ausfuͤhrlich erwieſen, daß die Portugieſen zu Macao nichts wider das Koͤnigreich China vorneh⸗ men wollten, noch koͤnnten. Nach dem Wunſche des verſtorbenen Viſitators Valignan ſollte Cataneus wieder an ſeine vorige Stelle nach Nanchin ſich zuruͤck begeben, und den Italiener Sabatinus de Urſis mit ſich nehmen. Nur mit Huͤlfe des Admirals, der ihnen Paͤſſe aus⸗ fertigte, konnten ſie ihre Reiſe vollbringen. Zu Nan⸗ eian fanden ſie jedoch ein Schreiben von Ricei, als ihrem Obern, nach welchem Cataneus zu Nanchin bleiben, Sabatinus de Urſis aber zu ihm nach Pecein kommen ſollte. XI. Obgleich Rieei bereits nach Indien geſchrie⸗ ben hatte, daß das Koͤnigreich Cataio kein anderes Reich als China ſey, ſo wurde man doch durch die entgegengeſetzten Berichte der Sarazenen irre gefuͤhrt. Um ſich hieruͤber Gewißheit zu verſchaffen, wurde Be⸗ * nedikt Goes*) aus Portugal, welcher der perſiſchen Sprache maͤchtig, und mit den Sarazeniſchen Sitten und Gebraͤuchen bekannt war, abgeſchickt. Weil man aber die Spanier nirgends durchziehen ließ, ſo gab er ſich fuͤr einen chriſtlichen Armenier aus, der Handels⸗ Geſchaͤfte triebe, kleidete ſich wie dieſe, und nahm ſelbſt den armeniſchen Namen Abdula Iſai, d. i. Herr Chriſt, an. Seine Geſellſchaft beſtand blos aus einem armeniſchen Chriſten, Namens Iſaac⸗ deſſen Weibe und Kind. Am 6. Jaͤnner 1603 zog er gegen Laor: hier ſchloß er ſich an eine Caravane, aus ungefaͤhr s00o Koͤpfen beſtehend, mit vielen Ka⸗ meelen und Waͤgen an, und zog mit derſelben nach Hiarchan, wo der Koͤnig von Caſcar Hof haͤlt. Auf dieſer Reiſe wurde er theils von Strahenraͤubern, theils durch andere Hinderniſſe ſo ſehr aufgehalten, daß er erſt im November des J. 1603 nach Hiar⸗ chan gekommen iſt. In einem Flecken, nicht weit von der Stadt Paſſaur, traf er einen ſaraceniſchen Waldbruder, welcher ihm ſagte: 30 Tagreiſen von da ſey eine Stadt, Capherſtom genannt, deren Ein⸗ wohner, wenn ſie in den Tempel gehen, ganz ſchwarz gekleidet ſind; welche auch keinen Sarazenen einlaſſen, wohl aber heidniſche Handelsleute, wiewohl ſie auch *) Siehe Baͤndchen II. von China S. 98— 1419 wegen der Verſchiedenheit von dieſer Erzaͤh⸗ ung. 201 dieſe nicht in ihren Tempel zulaſſen. Das Land ſelbſt ſey fruchtbar, und habe viel Weinbau. Darauf ließ er ihm auch einen koͤſtlichen Wein von dort koſten; da ſtieg in ihm der Gedanke auf, dieſe moͤchten wohl Chriſten ſeyn. In der Stadt Cabul, an der aͤußerſten Graͤnze des mogoriſchen Gebiets, einer vornehmen Handels⸗ ſtadt, blieben ſo viele von der Reiſegeſellſchaft liegen, daß man 8 Monate verweilen mußte, um wieder Rei⸗ ſegefaͤhrten in genuͤgender Anzahl zu erhalten. Denn nur in großen Karavanen kann man hier ſicher reiſen. Waͤhrend dieſes Aufenthaltes fand ſich auch des Koͤ⸗ nigs von Caſcar Schweſter, Age Hanem genannt, ein: den Namen Age fuͤhren alle diejenigen, welche zum Grabe des Propheten Mahomed nach Mecea wallfahrten. Sie war durch die lange Reife des Geldes ſo entbloͤßt, daß ſie ſich gezwungen ſah, bei den Handelsleuten Geld aufzunehmen. Da bot ſich ſogleich Benedikt Goes an, der fuͤr ungefaͤhr 600 Kronen Wagren verkaufte, und ihr das Geld gab, um ſich dadurch ihren Bruder zum Freunde zu machen.— Nach einigen Unfaͤllen, in welchen er ſelbſt bald er⸗ froren, bald ſein Armenier erſoffen waͤre, gelangte er im November 4603 gluͤcklich in Hiarchan an. Hiarchan iſt eine vornehme Handelsſtadt, wo der Koͤnig von Caſear ſeinen Hof hat. Hier wech⸗ ſelt jedesmal das Geleit, und bis ſich wieder eine Geſellſchaft zuſammen fand, mußte er ein ganzes Jahr 202 daſelbſt verbleiben.— Dem Koͤnige machte Benedikt Goes eine Halsuhr, kryſtallene Spiegel und andere europaͤiſche Kunſtgegenſtaͤnde zum Geſchenke. Dafuͤr und wegen des Anlehens von 600 Kronen an ſeine Schweſter, gab er ihm einen Reiſepaß in das Koͤntg⸗ reich Cialis. Die Koͤnigin, der er 600 Kronen vor⸗ ſtreckte, wohnte noch 10 Tagreiſen weiter— dahin zog er denn auch, um es einzufordern, mit welchem Geſchaͤfte er einen Monat zubrachte. Im November des J. 1604 reiste er nun mit ſeinem Iſaae und 14 Pferden fort; und nach 25 Tagen, in denen er viele Staͤdte und eine Wuͤſte Caracatai, d. i. Schwarzland Cataio genannt, durchwandert hatte, kam er in die Stadt Aeſu, wo⸗ rin ein Enkel des Koͤnigs von Caſcar, ein Knabe von 12 Jahren, Statthalter war. Dieſem machte er ein Geſchenk von Confeet, und der Mutter dieſes Knaben von einem Spiegel und einem baumwollenen Tuche. Von Acſu kam er abermals durch einige Staͤdte gen Cueia, und hierauf in die Stadt Ciglis, wo ein unehelicher Sohn des Koͤnigs von Caſcar Statthalter war. An dieſem Orte iſt er 3 Monate gelegen, und weil der Hauptmann der Karavane noch immer nicht fortreiſen wollte, ſondern immer auf mehr Geſellſchaft gewartet, erlaugte Gves bei dem Statthalter durch Geſchenke die Erlaubniß, daß er 203 allein mit den Seinigen, zum Verdruß des Haupt⸗ manns und ſeiner Geſellſchaft, fortziehen durfte. Schon brach Benedikt Goes von Cialis auf, da begegneten ihm Handelsleute, die mit dem vorigen Geleite nach Cgtaio gezogen waren, und wieder zuruͤckkamen. Sie waren eben die Sarazenen, die mit Matthaus Riccei und ſeiner Geſellſchaft im Geſandten⸗ oder Fremden⸗Hauſe gelegen waren. Dieſe erzaͤhlten nun von den Fremden, die nach Cambalu gekommen ſeyen, die dem Koͤnige Uhren, Gemaͤlde und verſchiedene andere europaͤiſche Kunſt⸗ Gegenſtaͤnde zum Geſchenk machten, und von ihm in hoͤchſten Ehren gehalten wuͤrden. Obwohl ſie die Namen ſelbſt europaͤlſch nicht nennen konnten, und Goes die angenommenen chineſiſchen nicht kannte, ſo muthmaßte er doch gleich, daß ſie europaͤiſche Miſ⸗ ſionaͤre ſeyen. Als bald darauf die Saracenen ge⸗ ſchriebene Zettel, die ſie mitgebracht, um zu zeigen, welche Schriftzuͤge die Fremden haͤtten, vorbrachten, ſah Benedikt Goes ſogleich, daß das Geſchriebene portugieſiſch iſt, und es blieb ihm kein Zweifel, daß dieſe Leute die portugieſiſchen Miſſtöonaͤre ſeyen. Sie waren daruͤber hoͤchlich erfreut, und zugleich uͤberzeugt, daß Matthaͤus Ricei mit Recht gemeldet hat: Cataio iſt kein anderes Reich, als China, und Cambalu keine andere Stadt als Pecein. Von Cialis reiste Benediet Goes mit einigen wenigen andern nur langſam fort, weil er im 2⁰4 ganzen Koͤnigreich uͤberall recht gut aufgenommen wurde. Von der aͤußerſten Stadt Camul bis nach Chiaieuon, zunaͤchſt an der beruͤhmten chineſiſchen Mauer, machte er noch 9 Tagreiſen. Der ganze Weg dahin war ſehr beſchwerlich, da die Tartaren die Wege unſicher machen. Die Vorſicht rathet, bei Tag ſich auf Bergen umzuſchauen, ob man keine tartari⸗ ſchen Streifzuͤge ſieht, und dann bei der Nacht ſeinen Weg fortzuſetzen. Bei einem ſolch naͤchtlichen Marſche ſiel Benedikt Goes vom Pferde, und waͤre bei⸗ nahe zu Grunde gegangen, wenn nicht der Armenier ihn in der Herberge vermißt, und den Weg wieder zuruͤck gemacht haͤtte, um ihn ſicher unterzubringen, und zu pflegen. Zu Chiaicuon blieb er 25 Tage, bis er vom Statthalter die Erlaubniß erhielt, durch⸗ zureiſen. Innerhalb der chineſiſchen Mauer ſelbſt kam er nach einer Tagr'iſe in die Stadt Socen, wo ſo viel von Pecein geſprochen wurde, daß jeder Zweifel, ob Cataio und China zwei verſchiedene Reiche waͤ⸗ ren, wenn er ihn noch gehabt, haͤtte ſchwinden muͤſſen. An den Grauͤnzen des Koͤnigreichs China, von Weſten gegen Norden, iſt die beruͤhmte Graͤnz⸗Mauer ungefaͤhr 20o italieniſche Meilen lang unterbrochen; weil aber eben an dieſer Stelle die Tartaren haͤufige Einfaͤlle machten, und noch zu Zeiten ſich's geluͤſten laſſen; ſo ſind da zwei feſte Staͤdte erbaut, und mit dem auserleſenſten Kriegs⸗Volk beſetzt. Dieſe beiden 2⁰⁵ Staͤdte haben ihren eigenen Statthalter und Magi⸗ ſtrat, die unmittelbar unter Pecein ſtehen; die eine heißt Canceu, in welcher der Statthalter wohnt, und die andere Soceu, die ihren eigenen Pfleger hat. Die Stadt Soceu iſt in 2 Theile ab⸗ getheilt, wovon der eine von den Chineſen(oder Cataiern, wie ſie von den Sarazenen genannt werden), und der andere von den Sarazenen be⸗ wohnt wird. Dieſe Sarazenen ſtehen aber demunge⸗ achtet unter der chineſiſchen Obrigkeit; und wenn ei⸗ ner 9 Jahre da gewohnt hat, ſo darf er vermoͤge ei⸗ nes Statuts nicht mehr hinweg ziehen. In dieſer Stadt Soceu langte Benedikt Goes gluͤcklich gegen Ende des Jahres 1605 mit den Seinigen an, von wo aus er dem Ricei in Pecein Kachricht gibt. Dieſer ſendet Johannes Ferdi⸗ nand, der ins Noviziat treten wollte, an ihn gab. Am 14. Dezember 1606 verließ Fe rdinand Pecein, und nach manch erlittenem Ungemach kam er zu Ende Maͤrz 1607 in Soceu an, wo er den Benedikt Goes an einer gefaͤhrlichen Krankheit ſterben ſieht— man argwoͤhnte, die Sarazenen haͤtten ihm Gift bei⸗ gebracht.— 3 Johannes Ferdinand nahm nach manchem Mißgeſchick in Soceu den Armenier Iſaae mit ſich nach Peceinz von wo aus letzterer, nachdem er der Societaͤt Bericht von ſeiner Reiſe erſtattet, nach ein 206 monatlichem Aufenthalt nach Macao und weiter nach Indien abgefahren.— Zu Naneian arbeiteten mit großem Eifer und Erfolg Sverius und Dias an der Fortpflanzung des chriſtlichen Glaubens; aber eine Krankheit reißt jetzt den Soerius dem Dias von der Seite; er ſtirbt jetzt im 41. Jahre ſeines Alters, nachdem er 23 Jahre der Societaͤt genuͤtzt hatte. Emanuel Dias erkaufte wegen der immer mehr zunehmenden Anzahl der Chriſten ein groͤßeres und gelegenere. Haus um 1000 Kronen; und dieß veranlaßte eine Un⸗ ruhe, die beinahe eine Verfolgung nach ſich gezogen haͤtte, die jedoch mit dem Verbot endigte, daß kuͤnf⸗ tig kein Chineſer mehr Chriſt werden duͤrfe, was in⸗ deß dem Chriſtenthum keinen Abbruch, ſondern im Gegentheil Vortheil brachte; denn der Eifer der neuen Chriſten nahm zu. Matthaͤus Ricei ſtand in der Koͤnigs⸗Stadt Pecein bei hohen und niedern Perſonen im groͤßten Anſehen, was um ſo mehr ihm zum Ruhme gereicht, weil die Chineſen alle Auslaͤnder fuͤr Barbaren halten. Als Vorſteher der ganzen Miſſion in China unter⸗ lag er nun bald auch den gehaͤuften muͤhvollen Arbei⸗ ten. Er erkrankte im Jahre 1609 am 3. Mai, und verſchied am 11. Mai.— Dadurch wurden die neuen Chriſten in Pecein, ſowie in ganz China in große Trauer verſetzt. Sie ließen ihn von einem aus den Bruͤdern abmalen, um 207 ihn zum Troſte gleichfam wenigſtens im Bilde zu ha⸗ ben. Die Todtenfeier wurde nicht nur in Pecein, ſondern auch in allen andern Reſidenzen gehalten, wo uͤberall auch die Magiſtrats⸗Perſonen Theil nahmen. Der Koͤnig von China erfaͤhrt die Todesnach⸗ richt mit geruͤhrtem Herzen, und ſchenkt einen Be⸗ graͤbnißplatz her, ſammt einem daran ſtoßenden Goͤ⸗ tzen⸗Tempele der in einen chriſtlichen umgewandelt wurde. 1 Der Pfleger der Stadt Pecein ließ dem Ver⸗ ſtorbenen ein herrliches Grabmal errichten mit der Inſchrift: „Dem Matthaͤus Riccei vom großen Oeci⸗ dent, welcher wegen der beruͤhmten Gerechtig⸗ keit hieher gekommen, und treffliche Buͤcher ge⸗ ſchrieben, hat der Hoam Kiem Sci(Name und Zuname des Pflegers) der koͤniglichen Stadt Pecein dieſes Denkmal geſetzt.“* Nach dem Tode Riceis wird Nikolaus Lom⸗ bardo Vorſteher der ganzen chineſiſchen Miſſion.— 208 Nachtrag zur Miſſions⸗Reiſe nach Japan in den Jahren 1609— 1612, von Dr. Göſchl, Profeſſor. — Macao⸗ hatte einen vortrefflichen Hafen, und war alſo fuͤr die Prediger des Chriſtenthums eine ſehr ge⸗ legene Station, beſonders weil man von da mit Ja⸗ pan ſich in Verbindung ſetzen konnte. In ganz Japan waren gegen 30 Reſidenzen der Miſſionaͤre zerſtreut, unter denen zu Nagaſacki ein Kollegium und eine Pflanzſchule, zu Migco ein Haus, und zu Arima ein Prieſterhaus war. Nagaſacki war das Haupt der japaniſchen Kirche, und hatte verſchiedene Miſſions⸗Haͤuſer, in welchen waͤhrend der. 3 Jahre(von 1609— 1612) im⸗ mer a0 bis 50 Jeſuiten lebten, unter welchen mehr als zwanzig Prieſter waren. Beinahe alle Einwohner der Stadt wurden Chriſten, und weil wegen des be⸗ ruͤhmten Handelsplatzes jaͤhrlich eine große Menge 209 Volks zuſtroͤmte, ſo wurde eine ungeheure Zahl Men⸗ ſchen zum Chriſtenthume bekehrt. Die Tempel wur⸗ den zu klein, weßwegen die chriſtliche Wohlthaͤtigkeit fuͤr neue zu ſorgen hatte. Doch damit nicht zufrieden, machten ſie auch groͤ⸗ ßere Ausfluͤge, und zwar zuerſt nach der Inſelgruppe Gotto, im Weſten des Hafens von Nagaſacki. Obgleich nur ein Prieſter mit einem Gefaͤhrten dahin abging, ſo wurden doch in kurzer Zeit uͤber 180 Heiden bekehrt, die getauften Kinder nicht gerechnet. In Ermanglung der Tempel und Haͤuſer errichteten ſie auf verſchiedenen Plaͤtzen Kreuze. Im J. 1610 wurde eine Miſſion in das Fuͤrſten⸗ thum Surunga, und zwar in der Hauptſtadt deſ⸗ ſelben gleiches Namens unternommen. Sie heißt wohl auch Sumpu, und liegt am Meerbuſen von Totomina, ſie iſt offen und ohne Thore, hat eine Burg an der Nordeite, ſehr breite, ebene, ſich kreu⸗ zende Gaſſen, und niedrige, mit vielen Krambuden und Waarenlagern verſehene Haͤuſer. Schon fruͤher wurde das Chriſtenthum hieher ge⸗ bracht; daher man viele Bekehrte hier traf, zu wel⸗ 8 chen noch mehr als 30 aus den Heiden kamen. Dabei wurden auch die Neubekehrten auf der be⸗ traͤchtlichen Inſel Firando, nahe an der Kuͤſte ge⸗ legen, nicht vergeſſen. Die Stadt gleiches Namens hat einen guten, ſichern Hafen, in welchen beinahe alle Schiffe einlaufen, welche in die Gegenden von 43tes B. China. I. 3. 6 210 Kami ſteuern. Dadurch ward moͤglich, alle Jahre einen Beſuch dort zu machen, und die Neubekehrten nicht nur im Glauben zu ſtaͤrken, ſondern auch neue Bekenner demſelben zu gewinnen, die ſo eifrige Chri⸗ ſten waren, daß ſie ſelbſt ihr Leben fuͤr Chriſtus hin⸗ zugeben bereit waren. Folgendes Beiſpiel ſoll als Be⸗ leg dienen: Um die Inſel Firando liegen mehrere kleine Eilande, unter welchen Woeima und Kitſeki, die alle angebaut und bewohnt ſind. Kitſeki war groͤßtentheils von Chriſten bewohnt, und der Vorſte⸗ her der Stadt Jamanda auf derſelben war ſelbſt ein Neophyt(d. i. ein vom Heidenthum zum Chri⸗ ſtenthume Bekehrter) Namens Gaſpar, aus adeli⸗ chem Geſchlechte. Seine Gattin Urſula war eben⸗ falls eine Chriſtin, und auch ihr Sohn Johannes und ihre Tochter Maria wurden in der chriſtlichen Religion erzogen. Maria wurde an einen heidniſchen Juͤngling verheirathet, den Sohn eines Statthalters von Ja⸗ chinofama, Condochiſan mit Namen, der ein fehr heftiger Feind des Chriſtenthums war. Als die Schwiegertochter in das Haus kam, ließ dieſer nichts unverſucht, ſie vom Chriſtenthume abzubringen. Standhaft kaͤmpfte Maria gegen alle Lockungen und Drohungen, die mit einander abwechſelten. Trau⸗ rig war ihr Loos; ſie konnte es nun nicht laͤnger mehr im Hauſe des Schwiegervaters aushalten, und ——— 211 eutfloh in das aͤlterliche Haus. Ihr Vater nimmt die fluͤchtige, wie billig, in Schutz, und verweigert ihr, zuruͤck zu kehren zum Gatten. Nun wuͤthet der Schwiegervater, und beſchließt, den alten Gaſpar mit ſeinem Hauſe zu verderben, beſonders weil auch er ein Chriſt ſey; und nicht bloß er, ſondern alle Neubekehrten ſallten mit ihm leiden. Sehr gelegen war ihm jetzt die Ankunft eines heidniſchen Archimandriten, Namens Coja, auf der Inſel Firando; mit dieſem verbindet er ſich. Beim erſten Beſuche, den dieſer dem Dynaſten oder Fuͤrſten von Firando machte, klagt er, daß auf der Inſel Kitſeky und vorzuͤglich in Jamanda, im Gebiete des Gaſpar, nicht nur ſehr viele Chriſten ſeyen, ſondern auch gar viele Heiden zum Chriſtenthum ver⸗ leitet wuͤrden. Den Namen Gaſpar verſchwieg er aber, daß es nicht ſchiene, als habe er mehr aus Privathaß dieſe Anzeige gemacht, als aus Eifer fuͤr die vaͤterliche Religion. Denn obgleich jeder Japa⸗ neſe das Recht hat, ſich zu dem Glauben zu beken⸗ nen, den er fuͤr den beſten haͤlt, und ihn ſo oft zu veraͤndern, als es ihm gut duͤnkt, ſo iſt doch die Ver⸗ fuͤhrung von einem Glauben. zum andern geſetzlich verboten. Der Tyrann giebt nun dieſem Coja und einem andern heidniſchen Prieſter von der Sekte, zu der ſich der Fuͤrſt ſelbſt bekannte, den Auftrag und die Voll⸗ macht, auf der Inſel nachzuforſchen. 2 212 In Jam anda angekommen, legten ſie dem Praͤfekten, von dem ſie gleichwohl wußten, daß er ein Freund des Gaſpar iſt, die Befehle des Dynag⸗ ſten von Firando vor. Mit Schrecken vernimmt er den Bericht, laͤßt ſogleich dem Gaſpar davon Nachricht geben, und rathet ihm, wie auch andern Freunden, die Flucht zu ergreifen: denn die Unterfu⸗ chung wuͤrde hauptſaͤchlich gegen ihn gerichtet. Aber Gaſpar will nicht feig erſcheinens er entzieht ſich nicht, und bekennt ganz freudig:„ja, er ſey von Ju⸗ gend ſchon ein Chriſt, und wuͤrde es immerhin mit ſeiner ganzen Familie bleiben.“ Er wurde ſammt ſei⸗ ner Familie gefaͤnglich eingezogen, und nichts half ihm die Gunſt des Praͤfekten, der ſich ſo gerne fuͤr ihn verwendet haͤtte. Nun kam das Urtheil von F i⸗ rando:„Gaſpar, Johann und Urſula ſollen, weil ſie Chriſten ſind, euthauptet werden.“— Gaſpar boͤrt es gelaſſen an, und erbittet ſich nur von der Freundſchaft des Praͤfekten, daß er am Kreuze ſein Blut vergießen duͤrfe, wie Chriſtus, wegen deſſen Namen er doch ſterbe, und an dem Orte, wo einſt das Kreuz verehrt worden; ferner, daß ſein Leichnam den Chriſten uͤbergeben werde, um ihn auf chriſtliche Weiſe zu beerdigen. Der Praͤfekt autwortet ihm aber: „uͤber die Todesart koͤnne er nicht entſcheiden, ſon⸗ dern muͤſſe den Befehl des Dynaſten verehren, das uͤbrige aber wolle er ihm beſorgen.“ „Der Tag, an welchem das Urtheil vollzogen wer⸗ —.—— — 213 den ſollte, war herangeruͤckt. Gaſpar wird hinaus⸗ gefuͤhrt an den Ort, wo das Kreuz geſtanden, er faͤllt nieder auf die Kniee, betet inbruͤnſtig, und empfaͤngt den Dodesſtreich. Sein Leichnam wurde den Chriſten ubergeben, die ihn auf ihrem gemeinſchaftlichen Begräͤbnißplatze beerdigten. Dasſelbe Urtheil wurde auch an Urſula und Johannes vollzogen. Maria allein war noch uͤhrig von der frommen chriſtlichen Familie, ſie, welche die Urſache dieſes tra⸗ giſchen Falles war. Sie mußte zum groͤßeren Kum⸗ mer laͤnger leben, da ſie doch ſo ſehnlichſt gewuͤnſcht, mit den ihrigen zu ſterben. Damit es nicht ſchien, als ſey die Verfolgung nicht bloß gegen Gaſpar gerichtet geweſen, wurden auch die uͤbrigen Chriſten der Inſel beunruhigt. Aber es war ihnen jettt ein Beiſpiel der Stand⸗ haftigkeit gegeben, welches ſie zur Nachahmung an⸗ eiferte. Dem Collegium von Nagaſacki waren 6 Miſ⸗ ſtonshaͤuſer in der Umgegend unterworfen, uͤber welche der Rektor des Collegiums die Oberaufſicht hatte; ſie hießen: Jſafai, Fucafori, Conga, Vra⸗ cami, Vehi ime, Fudoyamaz; wo waͤhrend dieſer drei Jahre mehr als s00 Chriſten gewonnen wurden. Zu Arima hatten die Miſſtonaͤre ein Collegium und ein Seminar, in welchem junge Miſſions⸗Prieſter 214 nachgezogen wurden. Sie konnten auch bald, unter⸗ ſtuͤzt von der Mildthaͤtigkeit des Fuͤrſten Johann von Arima und anderer vornehmer Neubekehrten, ein Krankenhaus errichten, nach dem Muſter jenes zu Nagaſacki, und zwar in beſondern Abtheilungen fuͤr Maͤnner und Frauensperſonen. Dadurch konnten ſie ihre chriſtliche Liebe mehr zeigen, was auch dem Chriſtenthume einen großen Vorſchub in dieſen Ge⸗ genden gab. Im Fuͤrſtenthume Sazuma, wo einer der maͤch⸗ tigſten Fuͤrſten des japaniſchen Reichs wohnte, hatte fruͤher das Chriſtenthum ſchon Wurzel gefaßt; aber ein großer Sturm der Verfolgung ſtand den Chriſten jetzt bevor. Daher trieb der Eifer die Miſ⸗ ſtonaͤre, dorthin zu wandern, und unter dem Vor⸗ wande, dem Fuͤrſten zu huldigen, die Glaubensbruͤder gegen die harten Anfaͤlle des Sturmes zur Ausharrung zu ermuntern. Auf dem großen Eilande Amacuſa wurde die Arbeit der Miſſionaͤre ſehr erſchwert, einmal durch die gebirgigte Gegend, die ſie nur mit groͤßter An⸗ ſtrengung durchwandern konnten, und dann durch die Mißgunſt des Dynaſten, die er gegen die Bekenner Chriſti außerte. Im Fuͤrſtenthume Sſchikugen hatten ſie zwei Reſidenzen, die eine in der Hauptſtadt des Reichs Fakata, die andere in Jzka. Der Fuͤrſt dieſes 1 215 Neichs erlaubte zwar, daß die chriſtliche Religion ge⸗ predigt wurde; er woltte aber doch verhindern, daß dieſelbe nicht vom Militaͤr, unter welchem der ganze japaneſiſche Adel ſich befand, angenommen wuͤrde, und berief ſich dabei auf ein kaiſerliches Edikt. Er ſuchte auch wirklich mehrere Adeliche, die das Chri⸗ ſtenthum bereits angenommen hatten, wieder davon abzuziehen; aber er fand ſelbſt von Seite dieſer hef⸗ tigen Widerſtand. 30 1, In den Jahren 1609— 1612 vermehrte ſich die Anzahl der Glaͤubigen auf sso— 600 Erwachſene. So hatten ſie auch im Fuͤrſtenthume Tſchi⸗ kungo, das an das vorige graͤnzte, eine Reſidenz, und zwar in der Stadt Janagewa am gleichnami⸗ gen Fluſſe, wo die im ganzen Reiche zerſtreuten Neu⸗ bekehrten beſorgt werden konnten. Ueber 600 wurden in dieſen Jahren zu den vorigen Chriſten gewonnen. Im Fuͤrſtenthume Buigen hatten die Miſſionaͤre ſchon fruͤher einen Sitz in der Hauptſtadt des Reichs Kokura, wo der Dynaſte Nechudon wohnte; jetzt wurde ihnen auch noch ein anderer zu Theil in der Stadt Nagatſu auf Bitten Naiquidon s, des Erſtgebornen des Dynaſten, Erben des ganzen Reichs. Die Anzahl der Neubekehrten belief ſich auf 2,626, Zu Takata, einer Stadt im Fuͤrſtenthume Bungo(Bugo), war ein Miſſionsſitz, ſehr gelegen⸗ 216 die an verſchiedenen Orten zerſtreuten Chriſten zu beſuchen; zu welchem in dieſem Zeitraume von 3 Jah⸗ ren noch ein Sitz in Notſu kam. Die Anzahl, welche aus den Heiden fuͤr das Chriſtenthum gewon⸗ nen wurden, belief ſich auf 2,377.— An z verſchiede⸗ nen Orten wurden Tempel erbaut und Kreuze auf⸗ gerichter. In Miaco, der alten Hauptſtadt des Reichs, einer der 5 Reichsſtaͤdte, hatten die Miſſionaͤre 2 Haͤuſer, in den verſchiedenen Theilen der Stadt zum bequemern Gebrauche fuͤr die Neubekehrten. Von hier wurden mehrere Wanderungen ange⸗ ſtellt; die erſte in die Fuͤrſtenthüner Mino und Owari. Dazu gab die Ankunft des Kaiſers Cubo Veranlaſſung, der ſeinen Sohn, dem dieſes Reich erblich zufiel, dahin fuͤhrte, und bei dieſer Gelegenheit einen Miſſionsprieſter zu ſich kommen ließ, welchem er die Erlaubniß ertheilte, das Chriſtenthum in dieſem Reiche zu predigen; die andere Wanderung wurde auf Verlangen einer ſehr vornehmen Matrone, Ma⸗ ria, der Mutter eines Dynaſten, in das Fuͤrſtenthum Kanga unternommen, aus welchem man in das Fürſtenthum Mikawa kam, ebenfalls auf die Ein⸗ ladung einer vornehmen Perſon, welche von einem meubekehrten Freunde nach dem Chriſtenthum luͤſtern gemacht wurde. 3 217 Waͤhrend dieſer Zeit lag auch in Fusjimi, einer Stadt, die ſo nahe bei Kio liegt, daß ſie als eine Vorſtadt angeſehen werden kann, ein Prieſter mit 2 Gefaͤhrten dem Predigeraunte ob; wie auch in Sakai einer der s Reichsſtaͤdte; und in Kanazawa, der Hauptſtadt des Fuͤrſtenthums Kanga. Kurzer Bericht von dem Miſſions⸗ ſtande in China im Jahre 1581—1669; welchen der Prokurator Proſper Intorcetta aus der Geſellſchaft Jeſu ver heil. Congrega⸗ tion de propaganda Fide in Rom erſtattet. Nach dem weſentlichen Inhalt mitgetheilt vom Prof. Dr. Göſchl. Seit der Gruͤndung der chineſiſchen Miſſion durch die italieniſchen Jeſuiten Michael Roger, Franz Palius und Matthaͤus Ricei, im Jahre 1584 wurde unablaͤſſig in dem großen Reiche, das aus 45 Provinzen beſtand, fuͤr die Ausbreitung des Chri⸗ ſtenthums gearbeitet. Bis die vielen und nicht geringen Hinderniſſe der Sprache und der politiſchen Geſetze, wie auch des heidniſchen Aberglaubens uͤberwunden waren, wozu ein Zeitraum von 20 Jahren erforderlich war, ging freilich das Bekehrungs⸗Geſchaͤft nur langſamen Schritt. — .219 Aber von nun an, uwn die Miſſionaͤre feſten Fuß in China gefaßt hatten, machte es Rieſenſchritte. Bis zum Jahre 1650 konnten die Vaͤter der Geſellſchaft ſchon 150,000 Chriſten zaͤhlen; und vom Jahre 1650 bis 1667 wieder 140,980, ſo daß die Anzahl der Chriſten im Reiche China im Jahre 1668 auf 308,7180 ſtieg.— Freilich hatten unterdeſſen auch die Franziskaner und Dominikaner an dem Miſſions⸗Geſchaͤfte Theil genommen, die ſich aber von einander entfernt zu hal⸗ ten ſuchten, ſo daß die Dominikaner 21 Kirchen und zwei Reſidenzen— die Franziskaner drei Kirchen und eine Reſidenz— und die Jeſuiten 159 Kirchen und 38 Reſidenzen, die Privat⸗Oratorien nicht mitgerechnet, aufweiſen konnten. Die tartariſchen Unruhen unterbrachen freilich mit⸗ unter den gluͤcklichen und ruhigen Fortgang. Doch war dieß kurz voruͤber gehend.— Gegen das Jahr 1643 ging das Reich China an den orientaliſchen Tartaren Pun⸗chi uͤber, und mit ihm wurde die Verbreitung des chriſtlichen Glau⸗ bens wieder frei gegeben. 3 3 Johanu Adam Schall hatte ſeine Gnade im doͤchſten Grade ſich erworben, und wurde ſeiner treff⸗ lichen mathematiſchen Kenntniſſe wegen ſelbdſt an ſei⸗ nen Hof zu Pecein gezogen, wo er ſich wirklich ei⸗ ner vertrauten Freundſchaft mit dem Kaiſer ruͤhmen konnte. Dieß verſchaffte nun aber auch den uͤbrigen Miſſionaͤren in den Provinzen die guͤnſtigſte Aufnahme, 220 und den guͤnſtigſten Erfolg ihres Wirkens, zum gro⸗ ßen Aergerniſſe der Bonzen. Die Miſſionaͤre ſelbſt wurden nicht nur ſehr hoch geſchaͤtzt, ſondern auch die Chriſten ſehr liebreich behandelt. Man hatte nicht nur oͤffentliche Tempel, ſondern beging auch die Feſte des Jahres mit pompoͤſer Feierlichkeit.— Aober leider! mit dem Tode ihres Beſchuͤtzers, des Kaiſers Kun⸗chi, der im Jahre 1664 im September erfolgte, aͤnderte ſich ploͤtzlich die Szene. Yam⸗quam⸗ſien war der feindliche Daͤmon, der zerſtoͤrend auf das ſo gluͤcklich begonnene Werk einwirkte. Als Vorſteher und Beguͤnſtiger chineſiſcher Sekten erließ er ein Memoriale gegen die apoſtoliſchen Maͤnner, und fertigte ein Buch voll von Laͤſterungen gegen das goͤttliche Geſetz, welches er den 4 Gouver⸗ neurs des Reichs zuſandte. Die Miſſionaͤre wurden darin eines Aufruhrs, falſcher Lehre, einer Verfaͤlſchung chineſiſcher Mathe⸗ matik, und eines Verſuches, das koͤnigliche Haus zu ſtuͤrzen, beſchuldi gt. Dabei ließ der Anſchuldiger es nicht ermangeln, uͤb erall durch Beſtechungen eine Par⸗ thei ſich zu ſammeln, um mittelſt derſelben die chriſt⸗ liche Religion ſammt ihren Verehrern gaͤnzlich auszu⸗ rotten. Vier Vaͤter der Geſellſchaft wurden ergriffen, die in den zwei Hofkirchen arbeiteten; einzeln wurden ſie mit neunfachen Ketten am Halfe, Armen und Fuͤßen gefeſſelt, und ſo in zweimonatlicher Haft gehalten. 221 Scheinbar zog man ſie vor Gericht, und obgleich durch eine halbjährige Unterſuchung die Richter ſich leicht von der Nichtigkeit der Anklage uͤberzeugen konnten, ſo ſiegte denn doch die Ungerechtigkeit. Gegen Johann Adam Schall erging das Ur⸗ theil des grauſamſten Todes,— uͤber die uͤbrigen alle wurde Geißlung und Exil verhaͤngt; als ſolches wurde die Tartarei beſtimmt. Sogleich erging auch ein koͤnigliches Edikt an alle Vorſteher der Provinzen, daß alle europaͤiſchen Vaͤter allenthalben in allen Staͤdten und Laͤndern des Reichs mit groͤßtem Eifer aufgeſucht, und ſicher an den Hof gebracht werden ſollten; daß die chriſtlichen Religions⸗ Buͤcher und alle chriſtlichen Bilder verbrannt werden, ſo wie auch die Tempel verſchloſſen und genau be⸗ wacht werden ſollten.“ Dieſes Edikt wurde jedoch nicht in allen Provin⸗ zen mit gleicher Strenge vollzogen, je nachdem der eine oder der andere Vorſteher einer Provinz den Chri⸗ ſten mehr oder minder gewogen war. Drei aus der Geſellſchaft Gabriel Magaglia⸗ nes, Ludwig Buglio und Ferdinand Ver⸗ bieſt, welche am Hofe zu Pecein zuruͤck blieben, um die aſtronomiſchen Beobachtungen zu leiten, mach⸗ ten den Exilirten unterm 2. Jaͤnner 1669 zu wiſſen, daß ſie alle bei dem tartariſchen Kajſer Cam⸗hi wie⸗ der in Gnaden aufgenommen ſeyen. Gleiches berichte⸗ ten ihnen auch Briefe, von Macgo gus im Sep⸗ 222 tember geſchrieben. Nun blieb bald kein Zweifel mehr uͤbrig, daß nicht auch die in die Provinz Canton Exilirten in ihre fruͤhern Kirchen wieder eingeſetzt werden wuͤrden. Die Miſſion in China konnte bald wieder des guͤnſtigen Erfalges ihrer muͤhungen ſich freuen. 8 223 Reiſe des päpſtlichen Vikars de la Motte⸗ Lambert, Biſchofs v. Beryte aus Frank⸗ reich nach China im J. 1660. Beſchrie⸗ ben von deſſen Begleiter v. Bourges), Prieſter und apoſtol. Miſſionär. Aus d. Franz. überſ., und in gedrängter Kürze mitgetheilt vom k. Bibl. Jäck. OO/— Im J. 1660 wurden drei franzoͤſiſche Weih⸗Biſchoͤfe, naͤmlich von Beryte, Heliopolis und Metel⸗ liopolis, zur Reiſe nach China beordert. Der Biſchof von Beryte und ſein Gehuͤlfe, v. Bour⸗ —— *) Relation du voyage de Mr. P'Eveque de Be- ryte. Paris 1066, 68, 33. 8. In das Hollaͤn⸗ diſche uͤberſ. Amſterd. 4669. 4.; in das Teutſche. Leipt. 1671. 4. Marſeille, trafen den 3. Dezember zu Malta ein, 28. Dezember zu Salines in Cypern, und 11., Januar 1661 zu Alexandrette. Von hier gingen ſie in das 4 Meilen entfernte Dorf Bailau; am 21. kamen ſie nach Antiochien am Fluſſe Oron⸗ tes, 6 Meilen vom Meere. Hier vernahmen ſie zu ihrem groͤßten Leidweſen, daß die erſte Kirche des Petrus in eine Moſchee verwandelt ſey. Unter vie⸗ len Beſchwerden kamen ſie uͤber Anjare 28. Jaͤnner nach Aleppo, wo ſie ſich an eine Karavane anſchlo⸗ ßen, mit welcher ſie 25. Februar in die Stadt Anna oder Aina am Euphrate kamen. Am 3. Maͤrz erreichten ſie Babylon oder Bag dad, wo ſie ein Schiff auf dem Fluſſe Tygris beſtiegen, mitteltt deſſen ſie am 29. Maͤrz zu Korna, wo dieſer Fluß vom Euphrat verſchlungen wird, und am 30. zu Baſorag eintrafen. Am 22. April ſchifften ſie nach dem perſiſchen Hafen Bandarick, begaben ſich zu Fuß nach Kalzeron, erreichten am 14. Mai die Stadt Schiras oder Siras, und am 11. Juli Is⸗ paham. Daſelbſt trafen ſie viele Franzoſen und Englaͤnder, von welchen ſie uͤber die bequemſte Reiſe nach China unterrichtet wurden. Nach dreimonat⸗ lichem Aufenthalte begaben ſie ſich uͤber Lara nach Gomeron, wo ſie am 30. Juli eintrafen, und bis zum 29. November, ungeachtet der ungeſunden Luft, verweilten. Gegen die Bezahlung von 15 Piaſter oder ges, fuhren 26. November 1660 aus dem Haven von 225 Thaler fuͤr jede Perſon, wurden ſie nach Suratte geſchifft, wo der Biſchof v. Beryte Nachricht aus Gog erhielt, daß die portugieſiſche Regierung den Landvoͤgten in Indien befohlen habe, die drei fran⸗ zoͤſiſchen Biſchoͤe und Miſſionaires einzuziehen, und durch die erſte Gelegenheit nach Liſſabon zu ſenden. Dieſen grauſamen Befehl hatte der Koͤnig von Por⸗ tugal auf den Antrag neidiſcher Geiſtlichen und Kaufleute unterzeichnet, unter dem Vorwande, den Portugieſen wuͤrde zur Schande gereichen, wenn der chriſtliche Glaube in Aſien durch andere Voͤlker verbreitet werde. Sie mietheten daſelbſt zwei Wagen, brachen am 21. Jaͤnner 1662 auf, und gelangten in 44 Tagen durch die Lande des großen Mogols, am 6. Maͤrz nach Maſulpatan, einem Haven an der Kuͤſte von Koromandel. Am 28. Maͤrz ſegelten ſie aus dieſer Stadt ab, und gelangten 28. April in den Haven Meriguy, 18 Meilen von Ternaſſe⸗ rim, nachdem ſie, durch die Ungeſchicklichkeit ih⸗ res portugieſiſchen Steuermannes, an den Adami⸗ ſchen Inſeln beinahe geſtrandet haͤtten.. Am 30. Juni traten ſie ihre Reiſe nach der Haupt⸗ ſtadt Siam an, welche in der Landes⸗Sprache Jou⸗ dig genennt wird. Sie fuhren uͤber den Strom in drei kleinen Nachen, welche mit Palm⸗Blaͤttern be⸗ deckt, und von drei Perſonen beſetzt waren, welche ſie regieren mußten. Jeder dieſer Nachen iſt nur ein dicker und großer Baum von 20 Fuß in der Laͤnge, 43tes B. China. I. 3. 7 226 welche durch Feuer hohl gebrannt werden. In dieſen Nachen, deren jeder 12 Kronenthaler koſtete, mußten ſie nicht nur ihre Koſt bereiten, ſondern auch ſchlafen. Denn zahlreiche Tiger, wilde Schweine und andere gefaͤhrliche Thiere machen das Landen hoͤchg gefaͤhrlich. Sie fuhren unter großer Anſtrengung den Strom auf⸗ waͤrts, waͤhrend die Schiffer oͤfters in das Waſſer ſich begaben, und die Nachen bald durch Taue an das Land zogen, bald mit Baͤumen, oder ihren eigenen⸗ Schultern empor hoben, damit ſie gluͤcklich zwiſchen den Klippen fortſtroͤmten. Deſſen ungeachtet hatte der Nachen des Biſchofs von Beryte das Ungluͤck zu ſtranden, und er ſelbſt konnte ſich und ſeine wichtigſten Kiſten nur auf einem nahe gelegenen Baume retten. Gluͤcklicher Weiſe kam ein anderer Nachen zufaͤllig in die Naͤhe, welcher ſie nach Jalinga fuͤhrte. Am 22. Juli reiſten ſie von hier abd, und kamen in drei KTagen an das Dorf Mena, in ſechs Tagen nach Kouir, in zwei Tagen nach Pram, in fuͤnf Tagen nach der großen Stadt Pipili mit ſteinernen Mauern, und erſt 21. Auguſt nach Siam. Dieſes Koͤnigreich wird noͤrdlich vom Lande Pegu, weſtlich vom Gan⸗ ges, ſuͤdlich von der kleinen Stadt Malakka, und oͤſtlich theils vom Meere, theils vom Gebirge begraͤnzt. Das ganze Reich hat eine ziemlich reine Luft, der Boden iſt fruchtbar und bebaut, und die Erzeugniſſe⸗ werden um geringen Preis verkauft. Ein vorzuͤglicher Nahrungs⸗Zweig iſt die Fiſcherei, und der Reis, wel⸗ 227 cher die Stelle ihres Korns vertrit. Er waͤchſt in der Mitte des vom Regen uͤberſchwemmten Landes, wel⸗ ches dem Moraſte weit aͤhnlicher, als Feldern iſt, die mit dem Pfluge gebaut werden. Der Reis waͤchſt 6 bis 7 Fuß hoch, nach der Hoͤhe des Waſſers. Die große Fruchtbarkeit des Bodens veranlaßt die Einwoh⸗ ner zur Draͤgheit in deſſen Bebauung, und befoͤrdert den Aufenthalt der Elephanten, wilden Ochſen und Kuͤhe, Hirſchen, Hunde, Rinoceros. In Indien ſind wenige Staͤdte von ſo vielen Nationen bewohnt, als Siam, wo mehr als zwan⸗ zig Mund⸗Arten geſprochen werden. Man findet da⸗ ſelbſt viel Gold, Silber, Zinn, Blei, Stahl, Sal⸗ peter, Elfenbein, Leder, zubereitete Hirſch⸗Haͤute, Indigo 1 Gummi, Pfeffer, Lack und viele andere Fruͤchte. Wie dieſer Ueberfluß fremde Handelsleute herbei lockt, ſo bringen dieſe auch viele andere Gegen⸗ ſtaͤnde mit, und machen vorzuͤglich gute Geſchaͤfte mit ſeidenen Zeugen. Unter den Fruͤchten zeichnen ſich vorzuͤglich der Durion aus, welcher einer kleinen Melone an Geſtalt und Groͤße gleich, eine harte und rauhe Schale hat, und oben an dem Stamme des Baumes unter den Aeſten waͤchſt. Sobald diefe Frucht reif iſt, oͤffnet ſich ihre Schale, und bietet Brocken eines muͤrben, niedlichen Fleiſchẽs dar, welches weißer als der Schnee, und hoͤchſt ſchmackhaft iſt, obſchon der Geruch einem verfaulten Apfel gleicht. Europaͤer werden krank, 228 welche viel von dieſer Frucht genießen, die unge⸗ mein erhitzt, wenn ſie ſich nicht ſchnell baden, um die zu große Hitze zu maͤßigen. Cbenſo verurſacht ſtar⸗ ken Durchfall die Milch der Jacken, welche in der Groͤße der Kuͤrbiſſe, am Stamme des Baumes wach⸗ ſen. Die Pomeranzen ſind uͤber alle Vorſtellung gut, und erhalten ſich uͤber ſechs Monate. Auch gibt es gute Feigen von großer Suͤße und vieler Schmack⸗ haftigkeit. Die mannigfaltigen Vortheile der Kokos⸗ Nuͤſſe ſind bekannt. Die Areka gleicht einer ſaͤuer⸗ lichen Pflaume, ſtaͤrkt aber den Magen. Die Ana⸗ nas iſt eine ſehr gemeine Frucht; die Manka gleicht der Birne an Geſtalt, iſt außen gelb und innen roth, hat aber keine Aehnlichkeit mit einer europaͤiſchen Frucht.. Die Eingebornen haben eine gelblichte Farbe und kuͤrzere Naſen, als die Europaͤer, ſind gegen alle Fremde ſehr zuvorkommend, und lieben die Ruhe mehr als Arbeit, welches ihren Sklaven uͤberlaſſen wird. Ihre Kleidung und Einrichtung iſt eben ſo einfach, am Kopfe und Fuße ſind ſie entbloͤßt; waͤhrend die Großen und Naͤchtigen auf Elephanten reiſen, und ſich durch Schirme von Baumwollen⸗Tuch, in Wachs getaucht, gegen die Sonne ſchuͤtzen. Ihre Kleider ſind einfach aus duͤnnen Zeugen; die Schultern mit durchſichtiger Leinwand bedeckt. Die Tracht der Maͤn⸗ ner und Weiber iſt ganz gleichartig; letztere ſcheeren ihre Haare kurz ab, halten ſich ſehr reinlich, und ——òòðℳ—— 229 waſchen ſich oft mit wohlriechendem Waſſer. Bei vornehmen Zuſammenkuͤnften erſcheinen ſie in ſeide⸗ nen, mit Gold und Silber geſtickten Zeugen. Die Haͤuſer beſtehen aus Holz und Blaͤttern, und ruhen auf Pfeilern wegen der jaͤhrlichen Ueberſchwemmung in Folge des anhaltenden Regen. Nur die Reichen haben Haͤuſer aus gebackenen Steinen und mit Ziegeln edeckt, jedoch außer einigen Tapeten und Kiſten, ohne alle europaͤiſche Verzierungen und Bequemlichkeiten. Sie naͤhren ſich gewoͤhnlich vom Reis, obſchon ſie ge⸗ nug Huͤhner, Ochſen, Voͤgel und Wildpret haben. Die grauſame Toͤdtung derſelben ſcheint ihnen ſuͤnd⸗ hafter, als jene der Fiſche; doch gibt es auch hier Menſchen, welche von der Suͤnde Anderer durch 4 Schlachten und Verkauf der Thiere ſich bereichern. Ihr gewoͤhnlicher Trauk iſt helles Waſſer; doch ver⸗ fertigen ſie auch einen Branntwein aus Reis, welchen ſie mit Zuziehung des Blattes Niper betaͤubend machen. Nach dem Eſſen bedient man ſich eines ſehr heißen Thees mit Zucker zur Verdauung. Die Wohl⸗ feilheit der Lebensmittel wird durch die allgemeine Freiheit im Gottesdienſte und Handel, wie durch das friedliche Zuſammenleben der Einwohner mit den Fremden ſehr erhoͤht. In der Gymnaſtik ſind ſie noch ſehr ungeuͤbt, in der Philoſophie und Mathematik noch ganz fremd; ihre Theologie beſteht in einigen Fabeln, ihre Medizin beſchraͤnkt ſich auf einige Hausmittel und Zauberei, ihre ganze Wiſſenſchaft beſteht in der Fertigkeit mit dem Griffel von der linken zur rechten Hand auf duͤnnem Papier zu ſchreiben, ihre Geſetze zu beobachten, und das Recht zu verſtehen. Ihre Muͤnze aus Silber iſt mit dem Stempel des Koͤnigs gezeichnet; damit ſie ſich gegen die Unordnung der Fremden ſichern, ſo beſtimmen ſie einen Aufſeher aus jeder Nation, wie in jedem Range und Stande der Eingebornen, welche uͤber ihres Gleichen wachen muͤſ⸗ ſen.(Man koͤnnte jetzt glauben, die jetzige geheime Polizei zu Wien ſey nach dieſem Muſter organiſirt.) Ueber die Unſterblichkeit der Seele lafſen ſich die Bewohner von Siam in keine Beſtimmung ein; doch ſorgen ſie auch fuͤr das jenſeitige koͤrperliche Leben. Sie ſammeln Geld, ſo viel ſie koͤnnen und verbergen es an geheimen Orten, von welchen weder der Mann, noch die Frau, noch die Aeltern, noch die Kinder, noch die Freunde einander benachrichtigen. Durch die⸗ ſen Aberglauben geht außerordentlich viel Geld verlo⸗ ren: denn das vergrabene Geld den Todten zu ſtehlen, halten ſie zugleich fuͤr den groͤßten Kirchen⸗Raub. Große Herren laſſen vortreffliche Pyramiden auffuͤhren, in deren Grundlage ſie ihre Schaͤtze verwahren, welche durch beſondere Menſchen nach ihrem Dode bewacht werden muͤſſen. So beſtaͤtigt ſich alſo ihr Glaube an materielles Fortleben und Auferſtehen. Sie erkennen auch den Unterſchied zwiſchen dem Guten und Boͤſen, und uͤben große Naͤchſten⸗Liebe und Barmherzigkeit durch Unterſtuͤtzung mit Lebensmitteln aus; ſie wall⸗ 231 fahrten und opfern; ſie laſſen die Todten koſtbar be⸗ graben, umgeben die Grabhuͤgel der Vornehmen mit viereckigen Thuͤrmen aus Cypreſſen⸗Holz, auf welchen Kunſt⸗Feuer angezuͤndet werden, und bringen die Aſche der verbrannten Koͤrper unter eine Pyramide. Ihre Prieſter, T alapoinen genannt, kleiden ſich in gelb gemaltem Tuche aus Baumwolle, ſind weder am Kopfe, noch an den Fuͤßen bedeckt, tragen Palm⸗Blaͤtter in der Hand zum Schutze des Hauptes gegen die Sonne, und leben hoͤchſt maͤßig. Um gegen Mangel geſichert zu ſeyn, praͤgen ſie dem gemeinen Volke ſtets ein, daß es nur nach dem Maße ſeiner Mildthaͤtigkeit in dieſem und in jenem Leben gluͤcklich ſeyn koͤnnte. Sie duͤrfen nicht heirathen, ſo lange ſie dieſe Kleidung tragen; erſt nach deren Ablegung ſind ſie von ihrem Geluͤbde befreit. Sie kommen jeden Morgen und Abend fuͤr die Verrichtung ihrer Gebete zuſammen, unter welchen ſie als die wichtigſten Ge⸗ bote ihrer Geſetze erwaͤhnen, daß man ihnen Gutes erweiſen und kein Vieb toͤdten ſoll. Um ihren Wor⸗ ten Kraft zu geben, ſind ſie ſehr mildthaͤtig und gaſtfrei. 4 Sobald der Biſchof von Beryte zu Siam an⸗ gekommen, und dem Oberſten der Portugieſen ſeine Aufwartung gemacht hatte, wurde auch er mit Hoͤf⸗ lichkeit bedient, nach welchen er ſich mit ſeinen Leu⸗ ten in die Einſamkeit zuruͤck zog. Dieſe benutzten ſie zur Erlernung der Sprache von China und Cochin⸗ 232 china, und zu andern Geſchaͤften fuͤr ihre Miſſion. Gluͤcklicher Weiſe fanden ſie 2. Portugieſen, welche beider Sprachen kundig, ſich ſelbſt als Sprachlehrer nboten. Da viele Bewohner von Cochinchina, welche ſich zu Siam aufhielten, ſchon eine beſondere Vorliebe fuͤr die chriſtliche Religion aͤußerten, ſo faßte der Biſchof von Beryte noch mehr Hoffnung, ſein Bekehrungs⸗Geſchaͤft mit Vortheil auszufuͤhren. Gleich⸗ zeitig vernahm er von einigen chriſtlichen Kaufleuten aus Ternaſſerim, welche im September von Maſul⸗ patan abgereiſt waren: daß ſie daſelbſt einige fran⸗ zoͤſiſche Geiſtliche zuruͤck gelaſſen haͤtten, von welchen ein Biſchof geſtorben ſey. Er ſchickte deßwegen ſeinen Begleiter Bourges nach Ternaſſerim, wohin derſelbe 20 Tage zu wandern hatte. Waͤhrend deſſen Abweſenheit ließ der Biſchof von Beryte fuͤr ſeine zunehmenden Chriſten aus eigenem Vermoͤgen eine Kirche erbauen. Da er zu gleicher Zeit ſeine Reiſe nach China nicht laͤnger verſchieben zu duͤrfen glaubte, ſo ſchrieb er an den Erzbiſchof von Manilla, an den Oberſten der Philippiniſchen Inſeln, und an den General der oſtindiſchen Kompagnie zu Batavia, wie an den Unterprovinz⸗Vogt zu Makao, den Zweck der Reiſe der franzoͤſiſchen Geiſtlichen fuͤr die Verbreitung des chriſtlichen Glaubens. Zugleich hin⸗ terließ er ſchriftliche Weiſung fuͤr ſeinen Begleiter, welcher nach Ternaſſerim ſich begeben hatte. Er ſelbſt begab ſich nach feierlichem Abſchiede von 3 — 233 den Chriſten zu Siam, am 12. Juli auf den Strom, und kam den 17. an das Schiff, welches ungefaͤhr 2 Meilen vom Hafen und auf der Rhede gelegen iſt. Am 21. gingen ſie unter Segel mit guͤnſtigem Winde, welcher bis zum 30. dauerte. Allein auf der Hoͤhe 110 noͤrdlicher Breite, am Zuſammenfluſſe der Meere von China und Siam, erhob ſich ein ſo ſchrecklicher Wind, daß man ſchon in einer viertel Stunde den Untergang befuͤrchtete. Obſchon man die Segel einzog, und alle entbehrliche Gegenſtaͤnde zur Erleichterung des Schiffes in das Meer warf, ſo ſah man doch um ſo weniger Mittel zu entkommen, als das nahe Land befuͤrchten ließ, das Schiff moͤchte auf den Strand und die Klippen gerathen. So fuhren ſie einen Tag und zwei Naͤchte, in ſchrecklichſter Unge⸗ wißheit uͤber das Ende und die Folgen des Stur⸗ mes fort. Als ſie ganz nahe am Lande waren, und durch das Wurfblei Grund fanden, ſo ließen ſie Anker fallen, und ſchickten 12 Mann mit der Schaluppe an das Land, um Huͤlfe von den benachbarten Doͤrfern zu ſuchen, die Waaren auszuladen, die Menſchen zu ret⸗ ten, und das Schiff dem Zufalle zu uͤberlaſſen. Allein die Schaluppe wurde bei der Aunaͤherung an das Ufer in Stuͤcke zerſchlagen. Da die 12 Maͤnner ſahen, daß ſie weder Nachricht an das Schiff bringen, noch dem⸗ ſelben den erwuͤnſchten Beiſtand leiſten koͤnnten; da ſie auch Mangel au Waſſer zu leiden anfingen, ſo be⸗ 234 ſchloßen ſie den oberen Theil der Schaluppe abzubre⸗ chen und einen kleinen Nachen zu bilden, auf wel⸗ chem der Schiffer, ein Geiſtlicher des Biſchofs von Beryte, und fuͤnf andere Maͤnner verſuchten, ob ſie am Lande einige Huͤlfe erhalten koͤnnten. Gluͤcklicher Weiſe waren unter den vier erſten Cochinchinnen zwei Chriſten, welche dieſen Prieſter zu Siam ſchon geſehen hatten, und ſich erboten, den Biſchof von Beryte und ſeine Leute nach und nach in kleinen Nachen zu retten. Kaum waren ſie zwei Meilen in die See gefahren, und noch eine vom Schiffe ent⸗ fernt, ſo wurden ſie von einem ſo raſenden Sturm zuruͤck getrieben, daß die Schaluppe bei der Ruͤckkehr an das Land auch in Stuͤcke zerbrach. Waͤhrend die⸗ ſer Zeit ſahen die uͤbrigen im großen Schiffe um ſo weniger Rettung, als ſie zugleich aus Mattigkeit in Folge des anhaltenden Durſtes, nicht einmal die Un⸗ ordnung im Schiffe hemmen konnten. Ploͤtzlich trat eine Windſtille ein, und nach ihr folgten zwei große Platzregen, welche ihnen Staͤrke und Labung ver⸗ ſchafften. Einige Tage ſpaͤter kamen zwei Barken aus Siam und eine Schaluppe mit dem abgeſendeten Prieſter. Der Biſchof von Beryte kehrte auf dem⸗ ſelben nach Siam zuruͤck, wo er den 15. September eintraf, nachdem er 6s Tage auf dieſer Reiſe verge⸗ bens zugebracht hatte.— Gleich nach ſeiner Ankunft begegnete ihm auch der Prieſter Bourges, welchen er nach Ternaſ⸗ —— 235 ſerim geſchickt hatte, um Nachrichten uͤber dem Bi⸗ ſchofe von Heliopolis einzuziehen. Dieſem ſchickte er zwei Maͤnner mit den noͤthigen Geleits⸗Briefen entgegen, damit er zu Land herbei kommen koͤnne. Zugleich beſchloß der Biſchof von Beryte auf den⸗ ſelben zu warten, damit ſie nach gemeinſchaftlicher Berathung ihr Ziel weiter verfolgen koͤnnten. Da er zugleich auf der letzten See⸗Reiſe, von einigen der 40 Portugieſen des Schiffes vernommen hatte, welche Befehle aus Portugal gegen ihn ergangen waren; da die Portugieſen zu Siam ſich zu ſeiner Vertilgung verabredet hatten; ſo entſchloß er ſich, bei den Hollaͤn⸗ dern Schutz zu ſuchen, und beorderte ſeinen Begleiter Bourges unterdeſſen nach Europa zuruͤck zu kehren, was dieſem ſehr unangenehm war. Bourges reiſte den 14. Okt. Abends 8 Uhr auf einem engliſchen Schiffe von Siam nach Madras⸗ welche Feſtung der engliſchen Kompagnie gehoͤrt. Er kam in 24 Stunden 35 Meilen auf dem Strome von Siam, als drei hollaͤndiſche Kriegs⸗Schiffe ebenfalls den Strom hinauf fahren wollten. Dieſes Zuſam⸗ mentreffen ſetzte ſeinen Bedienten und zwei portugie⸗ ſiſche Reiſe⸗Gefaͤhrten in ſolche Furcht, daß ſie aus Beſorgniß, in die Gewalt der Hollaͤnder zu kommen, zuruͤck kehrten. Bourges aber ließ ſich nicht ein⸗ ſchuͤchtern, und bald erfuhr er von einem Hollaͤnder auf dem groͤßten der drei Schiffe, daß dieſe den Koͤ⸗ nig von Siam nur bewegen wollten, ihrer Nation 236 fuͤr eine Beleidigung genug zu thun. Er ſelbſt hatte das Gluͤck, noch einen Hollaͤnder zu treffen, von wel⸗ chem er ſogar eine Empfehlung an den Stadt⸗Vogt zu Malakka erhielt. Am 4. November begegneten ihrem Schiffe drei Meuſchen in einem geringen Nachen, auf welchem ſie ſich nach dem Untergange ihres Schiffes zu retten ſuch⸗ ten. Da ſie ohne Lebensmittel waren, ſo wurden ſie ſogleich in das große Schiff aufgenommen. Am 13. November ſahen ſie die Richtung von Sincapur, und Petra⸗Banca. Da ihnen der Wind wider⸗ ſtrebte⸗, ſo konnten ſie vor dem 24. nicht voruͤber kom⸗ men, und erſt am 27. Abends im Haven von Malakka eintreffen. Gleichzeitig wurde der Friede zwiſchen Portugal und Holland aufgekuͤndigt. In Ma⸗ lakka und in deſſen Umgebung waren ehemals viele Katholiken; ſeitdem die Hollaͤnder ſich dieſes Platzes bemeiſtert hatten, waren jene in ihrer Freiheit ſo be⸗ ſchraͤlkt, daß kaum 600 uͤbrig blieben. Von der hol⸗ laͤndiſchen Flotte, welche aus Japan eben zuruͤck kehrte, waren drei Schiffe auf der Herfahrt, und zwei auf der Ruͤckfahrt zu Grunde gegangen, und ſelbſt die drei uͤbrig gebliebenen Kriegsſchiffe hatten alle ihre großen Maſthaͤume verloren. Deſſen ungeachtet ver⸗ ſicherte man uns, daß die drei Schiffe noch Schaͤtze ge⸗ nug enthielten, um fuͤr die uͤbrigen fuͤnf verlornen ſchadlos zu halten. Am 6. November kam das Schiff des Prieſters — Bourges auf die Rhede Maſulpatan. Er ſtellte ſich ſogleich vor dem Agenten der Euglaͤnder, welcher ihn ſehr hoͤflich empfing, obſchon ſeine Leute ihre große Unzufriedenheit uͤber den Biſchof von Heliopolis wegen deſſen Behandlung etlicher katholiſcher Familien bei der Feſtung Madras nicht verhehlten. Nach wenigen Tagen trafen ſie daſelbſt ein; Bourges fand den Prieſter Efrem von Nevers, welcher ihu auf die Nachricht von ſeiner erſten Ankunft entgegen gekommen war. Vom engliſchen Schloßvogte Edua rd zu Madras hatte er ſich gleichfalls des artigſten Empfanges mit der Zuſicherung zu erfreuen, daß die⸗ ſer mit dem Oberſt der engliſchen Flotte, welche eben nach Suropa fahre, fuͤr ſeine Ueberſchiffung ſich be⸗ nehmen wolle. Zu Madras vernahm Bourges die gluͤckliche Reiſe des Biſchofs von Heliopolis, und deſſen Auf⸗ bruch von Maſulpatan nach Ternaſſerim; er ſchoͤpfte Hoffnung, daß dieſe und ſeine begleitenden Prieſter mit dem Biſchofe von Berryte zu Siam bald zuſammen kommen, und ihre gemeinſchaftliche Neiſe nach China fortſetzen wuͤrden. Zugleich hatte er aber auch die traurige Nachricht vernommen, daß der dritte Biſchof von Metellopolis, im Dorfe Palakal, zwei Tagreiſen von Maſulpatan, 46. Auguſt 1662 in Folge eines taͤglichen Fiebers und anhaltenden Blut⸗Verluſtes nach zwanzigtaͤgiger Krank⸗ heit geſtorben ſey, obſchon der franzoͤſiſche Wundarzt 238 von Montval, welcher im Dienſte der hollaͤndiſchen Kompagnie war, alles aufgeboten hatte, ihn zu retten. So guͤnſtig der Oberſt Eduard fuͤr Bourges war, ſo konnte dieſer doch nur um 70 Pagoden oder 140 Kronenthaler auf die engliſche Flotte gelan⸗ gen. Der Aufbruch geſchah ſo ſchleunig, daß er kaum einen halben Tag Zeit hatte, ſich mit allen Beduͤrf⸗ niſſen fuͤr eine ſo lange Reiſe zu verſehen, beſonders gegen die annaͤhernde Faſtenzeit, welche die proteſtan⸗ tiſchen Hollaͤnder nicht achteten. Am 28. Dez. ſah er ſchon das Gebirge der Inſel Ceylon zur Rechten. Auf⸗ gehalten durch das fortwaͤhrende Stroͤmen fuhr er am 6. Jaͤnner uͤber den Aequato r. Die Windſtille war dem Fortgange der ohnehin beſchwerlichen Reiſe ſehr hinderlich. Da er ſich erſt bei dem 200 ſtatt des ge⸗ woͤhnlichen 140 des Windes zu erfreuen hatte, ſo be⸗ ſorgte er, daß er ſich der baldigen Auſicht des Vor⸗ gebirges der guten Hoffnung nicht wuͤrde er⸗ freuen koͤnnen, ſondern zu Madagaskar uͤberwin⸗ tern muͤſſen. Da man das Vorgebirge erſt im An⸗ fange Aprils voruͤber ſegeln kann, und nur noch drei⸗ ßig Tage fuͤr eine Fahrt von 1500 Meilen uͤbrig wa⸗ ren; ſo war die Freude uͤber den unerwartet guͤnſtigen Wind, welcher am 8. Maͤrz eintrat, und fortdauerte, ſehr groß. 1. Am 1. April erreichten ſie das Vorgeb irge der guten Hoffnung, am 26. Abends lahen ſie ſchon — 239. die Inſel St. Helena, wo ſie des andern Tags drei engliſche Schiffe antrafen, welche auf die Flotte warteten, um mit ihr nach Europa zuruͤck zu kehren. Nachdem die Schiffe daſelbſt mit friſchem Waſſer ver⸗ ſehen waren, ſetzten ſie ihre Reiſe nach der Inſel Auferſtehung bis zum 6. Mai fort, wo ſie wieder zwei engliſche Schiffe fanden, welche auf die Flotte gewartet hatten. Von hier bis England war die Reiſe ſehr guͤnſtig. Man begegnete drei hollaͤndiſchen Schif⸗ fen, deren zwei nach Oſtindien ſegelten, und eines aus Guinea kam, welches Sklaven nach den Bar⸗ badiſchen Inſeln brachte. Die engliſche Flotte traf am 20. Juli in England ein; Bourges wurde dem koͤniglichen Hofe vorgeſtellt. Am 6. Auguſt reiſte er von London uͤber Graveſaud nach Dieppe; allein in großer Gefahr eines Schiffbruches, indem ein zz2ſtuͤndiger Sturm ihn weit groͤßerer Todes⸗Gefahr ausſetzte, als die omonatliche Seereiſe. Denn in den 6 Schiffen war nicht ein einziger Bootsknecht geſtor⸗ ben; jeden dritten Tag gab es friſche Koſt, an Fiſchen war kein Mangel, und bei der Ankunft in England waren die Voͤgel, welche aus England nach In⸗ dien mitgenommen waren, in beſtem Zuſtande dahin zuruͤck gekommen.