96„ D, s, ne 4. Aouν⁵‿ 1SP 12 4 TI. os d. — Taſchen⸗Bibliothek der wichtigſten und intereſſanteſten See⸗ und Land„Neiſen, von der Erfindung der Buchdruckerkunſt bis auf unſere Zeiten. Mit Lanhtarten, Planen, Portraits und anderen Abbildungen. Verfaßt von M e h ren, und heransgegeben Joachim Henrich Jaͤck, Koͤnigl. Bibliothekar zu Bamberg. 33. Baͤndchen. Mit einem Kupfer. II. Theil. 3. Bändchen von Aegypten. Nürnberg. Verlegt von Haubenſtricker und von Ebner. 1829. Taſchen⸗Bibliother der 4 wichtigſten und intereſſanteſten Reiſen 3 durch b Aegypten. Mit Landkarten, Planen, Portraits und anderen Abbildungen. Verfaßt von Mehren, und herausgegeben von Joachim Heinrich Jaͤck, Koͤnigl. Bibliothekar zu Bamberg. II. Theil. 3. Bäͤndchen. Nürnberg. Verlegt von Haubenſtricker und von Ebner. 1829. XI. Reiſen C. S. Sonnini's nach Ober⸗ und Nieder⸗Aegypten auf Be⸗ fehl der Regierung von Frankreich in den Jeahren 1777 u. 73. Im Auszuge mit⸗ getheilt von Mich. Fiedler. — (Fortſetzung.) Zweiter Tbeil. I. Den 26. Januar 1718 brachen wir Morgens um 4 Uhr auf, und langten Abends in dem elenden Flecken Schlimé an, in deſſen Hafen Handel ge⸗ trieben wird. Auf dem gegenuͤber ſtehenden Ufer ſa⸗ hen wir das Dorf Bahrim, und etwas oberhaub demſelben die Muͤndung eines nach Suͤdſuͤdweſt ge⸗ henden Kanales. Bei Bghrim laſſen drei große Huͤgel auf eine alte Stadt ſchließen. Am weſtlichen Ufer fuhren wir vor dem Dorfe Istak vorbei. 626 Den 27. verließen wir fruͤhe Schlimé und tra⸗ fen Abend zu Mehallet⸗Abu⸗Ali im Delta ein. Hier fanden wir Wohnungen aus geduͤrrten Ziegelſteinen, welche einen Flecken bilden, den ein aus Ziegelſteinen erbauter Damm gegen Ueberſchwem⸗ mung ſchuͤtzt. Hier ſah ich eine neue Art von Regen⸗ pfeifern, von denen noch kein Ornitholog Erwaͤhnung gethan hat; ſie hielten ſich an den Nilufern auf, wenn derſelbe in ſein Bett zuruͤckgetreten war. Sie ſind beinahe immer paarweiſe beiſammen, und leben von Waſſer⸗Inſekten; ſie ſind nicht ſcheu, und man kann ſich ihnen naͤhern, ſo weit man will. Eine halbe Meile von Mehallet⸗Abu⸗Ali trifft man auf der Oſtſeite das Dorf Sennehur⸗ Medini mit betraͤchtlichen Ueberreſten aus dem Al⸗ terthume an. An der Seite dieſer Truͤmmer zeichnen ſich zwei Doͤrfer durch ihre ſchoͤnen, aus Ziegelſteinen eerbauten Haͤuſer aus, welche dem Anſcheine nach aͤl⸗ ter als die Haͤuſer anderer Flecken und Doͤrfer in Nieder⸗Aegypten ſind. Eine halbe Meile unterhalb Schlimé ſah ich aus der Ferne viele Spuren einer alten Stadt. Die Nacht und die Unſicherheit der Gegend hinderten mich, dieſe zu beſuchen. Bei dem Dorfe Salhe el Ads⸗ jar lag mein Fahrzeug vor Anker; hier kaufte ich. von den Einwohnern viele alte Bruchſtuͤcke. Von da kehrten wir zuruͤck und uͤbernachteten vot Mehallet⸗Abu⸗Ali, welches wir den 28. fruͤhe 627 wieder verließen. Auf dem weſtlichen Ufer ſahen wir an der Muͤndung des Kanales von Damanbur das bekannte Rahamanis; der Kanal iſt bloß zur Zeit, wo der Nil anwaͤchſt, ſchiffbar. Fuah, dieſem Kanale gegenuͤber, war eine be⸗ trächtliche und bluͤhende Stadt. Die Europaͤer hatten da Handelshaͤuſer errichtet; aber durch harhariſche Sorgloſigkeit der aͤgyptiſchen Tyrannen haͤufte ſich der, Schlamm im Kanale ſo an, daß dieſer nicht mehr be⸗ fahren werden konnte, und der Handel nach Ra⸗ ſchid wanderte. Fuah verlor deßwegen viel von ſei⸗ nem alten Glanze und Umfange; der groͤßte Theil ſei⸗ ner alten Gebaͤude zerfaͤllt in Truͤmmer. Die um Fuah liegenden Gefilde ſind ſehr fruchtbar. Mir ſcheint Fuah das alte Naukratis zu ſeyn, welches die Mileſier erbaut haben, und das Vaterland des beruͤhmten Grammatikers Athenaͤus iſt. Vor Fuah bildet der Nil die Inſel Geziretel Dahab(Goldinſel); von hier reiſten wir Mittag ab⸗ und langten um Mitternacht zu Raſchid an. II. Der Boden Aegyptens geſtattet alle Arten von Anbau; Pflanzen, welche in Afrika, Indien, Amerika einheimiſch ſind, wachſen hier, oder koͤn⸗ nen Unterhalt zu ihrem Wachsthume finden. 4 Aegypten, die Kornkammer Roms, erzeugt Waizen in reichlicher Menge. Vier Monate nach der Saat kann man ihn ſchon wieder einaͤrndten. Bei der Aerndte iſt die Sichel nicht gebraͤuchlich, man 628 reißt die Stengel aus, und traͤgt ſie auf eine große Tenne zuſammen. Man laͤßt alsdann Ochſen daruͤber treten, und faͤhrt mit einem kleinen Wagen darauf herum, welcher das Stroh zerſchneidet, und es vom Kerne trennt. Weaitzen⸗Aehren vor ihrer Reife abgeſchnitten, ge⸗ trocknet, im Ofen geroͤſtet, geſtoßen, und mit Fleiſch gekocht, ſind in Unter⸗Aegypten ein gemeines Ge⸗ richt, Ferik genannt. Die Kuͤnſte des Mahlens und Backens ſind in Aegypten noch in ihrer vöͤlligen Kindheit. Man fin⸗ det weder Waſſer⸗ noch Windmuͤhlen. Das Brod hat die Geſtalt kleiner Kuchen, die Rinde iſt weich; es iſt ſchwer zu verdauen. In den Staͤdten baͤckt man fei⸗ nere Arten von Brod, und ſtreut ſchwarze Kuͤmmel⸗ Koͤrner, im Arabiſchen Habs ſodé(ſchwarzes Korn) oder Habé Baraké(geweihtes Korn) darauf. Eine andere Art kleinen Brodes uͤberſtreut man mit Se⸗ ſam. Dieſe beiden Arten von Kuchen gehoͤren unter die Leckerbiſſen der Luxurioſen. Aegypten bringt im reichlichen Maße Gerſte und Flachs hervor, und erzeugt die Pflanze, aus welcher man Indigo zieht; ſie fuͤhrt den Namen Nile; betraͤchtlich iſt der Er⸗ trag des Zuckerrohrs. 8 Die Arten von Fruchtbaͤumen ſind zahlreich. Die Feigen⸗Baͤume liefern einen Ueberfluß von ſuͤßem und markigem Fleiſche, und von verſchiedener Guͤte; kein Baum aber iſt mehr verbreitet, als die Dattelpalme. 629 III. Den Tag meiner Abreiſe nach Kairo toͤd⸗ tete ich auf dem Nile bei Raſchid einen Vogel, welcher mit dem Flußtaucher viel Aehnlichkeit hat. Man nennt ihn in Aegypten Farha Reheit (Waſſer⸗Huhn). Auf meiner Reiſe nach Kairo den Nil hinauf, fand ich bei Jagnuß die Ueberreſte einer alten Stadt. Die Stelle, wo die Truͤmmer um Jagnuß liegen, bezeich⸗ net wahrſcheinlich den Platz, wo eine alte Stadt geſtan⸗ den war; hier kaufte ich mehrere antike Figuren. Auf dem gegenuͤber liegenden ufer ſteht das Dorf Ikmas. Wegen Windſtille mußten wir zu Terrena Halt machen; wir trafen mehrere kleine Fahrzeuge an. Der Fang der Fiſcher beſtand in Sohalls, Ka⸗ ſchoüss, Herſés, Karmuths, Keſcherés, Sohillis, Buris und Breillingen. Die alten Aegypter durften keinen Fiſch eſſen, welcher keine Schuppen und ein weiches Fleiſch hatte, und in der Diefe eines ſchlammichten Fluſſes lebte. Mit guͤnſtigem Winde naͤherten wir uns dem Hafen von Kairo, welcher immer mit Fahrzeugen angefuͤllt iſt. In dem angenehmen Flecken Bulak auf dem oͤſtlichen Ufer dieſes Hafens ſtieg ich an das Land, und Eſel brachten mich und meine Gekaͤhrten nach Kairo, welches nur eine halbe Meile davon entfernt liegt. Daſelbſt wohnte ich in dem verlaſſenen Hauſe des franzoͤſiſchen Konſuls. IV. Kairo, im Arabiſchen Maß genannt, iſt 630 mehr lang als breit, und nimmt ungefaͤhr drei Mei⸗ len im Umfange ein. Es wurde von Tuͤrken, Ma⸗ meluken, Griechen, Syrern, Arabern, Kop⸗ ten, Barbaresken, Juden und einigen Euro⸗ paͤern bewohnt, die Seelenzahl belief ſich auf 400,000. Die Haͤuſer⸗Terraſſen waren mit Gabelgeiern und Kraͤhen bedeckt, zu denen ſich noch der Aasgeier, der Ak⸗Bobas(weiße Vater) der Tuͤrken, die Pharao⸗ henne der Europaͤer geſellten. Deer Glanz und die Verſchwendung des Luxus ſtan⸗ den mit den Lumpen und der Bloͤße des Elendes, der uͤbermaͤßige Reichthum der Herrſcher mit der ſcheußlich⸗ ſten Armuth der zahlreichſten Klaſſe im auffallendſten Widerſpruche. Die Mittelklaſſe vergrub ihr durch den Handel gewonnenes Geld; Niemand wagt oͤffentlich von ſeinem Gelde Gebrauch zu machen, um nicht die zuͤgelloſe Habſucht der Großen rege zu machen, und Erpreſ⸗ ſungen ausgeſetzt zu werden. Das Volk, wie ſeine Beherrſcher, iſt roh, unwiſſend, fanatiſch und grau⸗ ſam. Fremdlinge werden ſehr mißhandelt. Die Regierung beſtand aus 24 Beys oder San⸗ ſchiaks. Einer von ihnen wurde General⸗Gouver⸗ neur, Scheik el belled. Alle waren Mamelu⸗ ken, jung aus Georgien, Tſcherkaſſien als Sklaven von Kaufleuten nach Aegypten gebracht; auch waren, aber ſeltener, Nubier, folglich Schwarze unter ihnen. Dieſe ſonderbare Regierung beſtand ſeit der Eroberung Aegyptens durch die Osmannen. Ganze 631 Baͤnde koͤnnte man mit der Erzaͤhlung von den haͤu⸗ figen Revolutionen anfuͤllen, welche ſich in Aegyp⸗ ten unter ihnen ereigneten. Alein das aͤgyptiſche Volk, welches durch ſeine vorgebliche Regierung erniedrigt und grauſam geplagt wurde, blieb unter den ſchrecklichſten Bewegungen gleichguͤltig; niemals nahm es an den Streitigkeiten der Bey's und an den unaufhoͤrlichen Kriegen, welche ſie mit einander fuͤhrten, Theil. Bei den Kaͤmpfen in den Straßen von Kairo verließ der Kaufmann ſein Gewoͤlbe nicht, und der Handwerker arbeitete ruhig in ſeiner Werkſtaͤtte fort, ohne ſich weder um die Streitenden zu bekuͤmmen, noch auf welcher Seite der Sieg blieb. 3 v. Die Mameluken, von Jugend auf in den Kriegsuͤbungen unterrichtet, erwerben ſich in denſel⸗ ben eine große Geſchicklichkeit. Sie verſtehen den Wurfſpieß mit ſolcher Fertigkeit zu werfen, daß ſie niemals das Ziel verfehlen; ſie fuͤhren die Damasze⸗ nerklingen mit der groͤßten Gewandtheit. Die Rei⸗ terei der Mameluken ſteht in einem noch groͤßeren Rufe, als die tuͤrkiſche. Mit einem kleinen einfachen Gebiße, dem Reſte des Zuͤgels von einem leichten Korduan, und ohne unnuͤtze Stuͤcke kann der Reiter ſein Pferd nach Ge⸗ fallen lenken. Die Saͤttel ſind wie die tuͤrkiſchen, aber noch hoͤher; die Steigbuͤgel ſind gleichfalls groͤßer, als in der Tuͤrkei. 1 632 Die aͤgyptiſchen Pferde ſind die ſchoͤnſten. Eine große Geſtalt, ein vortheilhaft ſtehender Kopf, ein angenehm gebildeter Hals, ein runder, ſtarker Ruͤcken, ſchwache und nervige Beine, Leichtigkeit und Sicherheit in dem Gange, edle und ſtolze Stellungen; endlich ein ſchoͤnes Verhaͤltniß zwiſchen allen Gliedern, geben ihnen das ſchoͤnſte Anſehen. Allein dieſe Pferde ſind nicht ſo dauerhaft, wie die arabiſchen. Man laͤßt dieſer ausgezeichneten Pferde⸗Race nur zwei Ar⸗ ten von Schritten, den großen Schritt und den ſehr verlaͤngerten Galop machen; den Trab kennen dieſe Pferde nicht. Große Vorſicht wendet man auch an bei dem Fuͤttern und Reinigen derſelben. Die Pferde erhalten bloß Haͤckerling und Gerſte. Alle haben im Stalle den Kopf frei und feſſellos. Sie werden im Stalle und im Freien mit den vier Fuͤßen an einem Stricke feſt gehalten, welchen man an einem hinter ihrem Ruͤcken eingeſchlagenen Pfahle feſt bindet. Den Huf ihrer Fuͤße bedeckt ein Halbzirkel ohne Erhoͤhung, welcher hinreichend iſt, ſie gegen Verletzungen zu ſchuͤtzen, weil es weder Koth, noch gepflaſterte Stra⸗ ben gibt. 3 Das Pferd war zu Kairo ausſchließlich fuͤr die herrſchende und ausgezeichnetſte Volksklaſſe, fuͤr die Krieger vorbehalten. Die Prieſter, gegen welche die dummen Anhaͤnger Mahomeds eine große Ehrfurcht hegen, durften auf den Straßen der Hauptſtadt Aegypten's nicht zu Pferde erſcheinen. Die euro⸗ 633 paͤiſchen Konſuln konnten zwar ausreiten, machten aber ſelten von dieſem Vorrechte Gebrauch, und zwar bloß, wenn ſie auf das Land gingen, und wenn ſie bei dem Antritte ihrer Stelle und bei dem Abgange von derſelben ſich zur Audienz bei dem Paſcha bega⸗ ben. Von dieſem gefaͤhrlichen Vorrechte machten die Konſuln nur zitternd Gebrauch: denn ſie kamen nie⸗ mals ohne Anfaͤlle von Seite des Poͤbels weg. Ich ſelbſt befand mich zu meinem großen Leidwe⸗ ſen bei einer ſolchen Zeremonie, als es naͤmlich dem General⸗Inſpector Tott einſiel, eine oöͤffentliche Au⸗ dienz bei dem Paſcha von Kairo zu haben. Unter Verwuͤnſchungen des Poͤbels langten wir in dem Schloſſe an. Wir ließen Geldſtuͤcke auswerfen, aber dieſe konnten nichts, als einen Steinhagel abwenden, welcher ſich in Schmaͤhungen verwandelte. In den Franken⸗Bezirk zuruͤck gekehrt, hoͤrten wir einen Laͤrm 1 anderer Art. Jede Wache, jeder Bediente, jeder Stallknecht forderte eine Belohnung; von einer andern Seite ließ ſich der Janitſcharen⸗Aga mit ſeinen An⸗ forderungen melden. Das Schloß von Kairo liegt auf der Ruͤckſeite der Kette von Gebirgen, welche ſich an der Oſtſeite des Nil befindet, und den Namen Mokattam(be⸗ hauenes Gebirge) fuͤhrt. Es beherrſcht die Stadt, und wird auf allen Seiten von Thuͤrmen beſchuͤtzt, welche mit einigen Kanonen von ſchlechtem Calibre verſehen ſind; es iſt die einzige Feſtung, welche Kairo ver⸗ 634 theidigte, und damals auf allen Seiten zuſammen ſtuͤrzte. Man bemerkt darin Ueberreſte von großen und praͤchtigen Saͤlen, welche noch eines Theils die koſt⸗ barſten Granit⸗ und Marmor⸗Saͤulen ſtuͤtzen. In der Mitte des Schloſſes iſt eine Hoͤhlung, Joſephs⸗ Brunnen genannt, weil ſie ein Werk des Veziers Joſeph iſt, welcher ſie⸗ unter den Befehlen des Sul⸗ tan Mahomed, Cglaun's„Sohune, machen ließ. Dieſer Brunnen, in einen kalkartigen und weichen Felſen gegraben, beſteht aus zwei Abſaͤtzen, welche nicht mit einander ſenkrecht laufen; eine Treppe fuͤhrt hinab. Bei dem erſten Abhange drehen Ochſen durch ein Rad ein ſehr ſalziges Waſſer herauf. Die Beys hatten ein Huͤlfs⸗Korps Infanterie aus Barbaresken beſtehend; ſie ſind außerordentlich luͤgenhaft, rachſuͤchtig, grauſam und treulos. Dieſe Mogrebinen(Leute von Weſt) gingen in weißen Maͤnteln ohne Naht, und mit einer laugen ſpitzigen Kapuze umher, und verkauften ſich an jeden, der ſie kaufen wollte. VI. Die Eſel, deren Art ſo nahe an das Pferd graͤnzt, ſind auch in dieſen Himmelsſtrichen am beſten und ſchoͤnſten. Sie werden ſehr geſchaͤtzt, und ſind ſehr theuer; ihre Augen ſind lebhaft, und ihr Koͤrper iſt ſtark und dick. Ihr Tritt iſt ſicher, ihr Gang leicht und geſchwind, lebhaft und ſanft. Man reitet ſehr angenehm auf ihnen. Die Eſel ſind das einzige —— Thier, auf welchen die Chriſten aller Nationen in der Hauptſtadt reiten durften. Selbſt die mahomedani⸗ ſchen Kaufleute, die reichſten Einwohner, und Frauen⸗ zimmer von hoͤchſtem Range, bedienen ſich der ſelben. Man bedient ſich der Eſel auf der langwierigen Reiſe nach Mekka. Auf den oͤffentlichen Straßen von Kairo fand man ooͤllig geſattelte und aufgezaͤumte Eſel zum Miethen; ſie dienten ſtatt der Mieth⸗Kut⸗ ſchen. Die Eſel ſind daſelbſt ein Gegenſtand des Lu⸗ rus, und die europaͤiſchen Kaufleute mußten 1779 ei⸗ nen gezwungenen Geldbeitrag, einen Vorſchuß von 500,000 Franken bezahlen, weil ſie ſchoͤnere Eſel, als die Gemahlinnen der Beys hatten. 1 Bei den alten Aegyptern waren die Eſel ſo ver⸗ haßt, daß die Einwohner von Coptos ſie von der Hoͤhe eines Felſen hinab ſtuͤrzten, und die Buſiri⸗ ten und Lycopoliten auf keiner Trompete blie⸗ ßen, weil der Schall dieſes Inſtrumentes nach ihrer Meinung dem Eſels⸗Geſchrei gleichen ſollte. Bei den ausgezeichnetſten Pferde⸗ und Eſel⸗Racen muß Aegypten natuͤrlicher Weiſe auch die ſchoͤnſten Mauleſel beſitzen.* 12 4 Ich bin nur ſelten in der Stadt Kairo herum gegaugen. Als ich das erſte Mal daſelbſt ankam, war alles in Unruhe, Unordnung und Aufruhr. Die Thore vor dem Bezirke der Franzoſen waren faſt ſtets ver⸗ ſchloſſen, und man konnte nicht ohne Lebensgefahr ausgehen. Kairo wird durch keine Feſtungswerke geſchuͤtzt. Die mit ſchoͤnen Thuͤrmen verſehenen Mauern ſchlie⸗ ben die Stadt nicht gaͤnzlich ein. Die Außenſeite von Kairo iſt gegen Oſt mit ſchoͤnen Gebaͤuden be⸗ deckt, deren groͤßter Theil halb eingeſtuͤrzt iſt; ſie ſind die Graͤber der alten aͤgyptiſchen Sultane. Von der Einfaſſung auf der Oſtſeite der Stadt gelangte ich zu dem Berge, auf welchem das Schloß ſteht. Von hier holt man die Steine, welche man in Kairo zum Bauen der Haͤuſer noͤthig hat. Durch die Mitte der Stadt geht von Weſt bis Nord⸗Oſt ein breiter Kanal, deſſen Muͤndung etwas uͤber Alt⸗Kairo iſt, Ueber denſelben fuͤhren ver⸗ ſchiedene Bruͤcken, welche auf jeder Seite eine Reihe von Haͤuſern haben. Sein Bett iſt, wie die arabi⸗ ſchen Geſchichtſchreiber mmelden⸗ mit Marmor ausge⸗ mauert. t Waͤhrend meines letzten Aufenthaltes zu Kairg ſah ich oͤffentliche Taͤnzerinnen, deren Schritte und Spruͤnge keine Aehnlichkeit mit den Taͤnzen in unſern Laͤndern haben. Mit der groͤßten Behaͤndig⸗ keit, aber auch zugleich mit vieler Unanſtaͤndigkeit be⸗ wegen ſie die Lenden hin und her, ohne Bewegung des uͤbrigen Koͤrpers. Dieſe Bewegungen unterbrechen ſie durch ſchnelle und leichte Spruͤnge. Sie fuͤhren dieſe Taͤnze bei dem Schalle einer Hoboe, einer Laute mit 3 Saiten und einer kleinen Schellentrommel auf. Gewoͤhnlich tanzen 637 zwei Frauenzimmer zuſammen, indem ſie einander gegenuͤber, ſich einander naͤhern, und mehrere Augen⸗ blicke um die Wette und im Takte bei einer lebhaften Bewegung ihrer Huͤften zubringen. Dieſes Schau⸗ ſpiel lockte immer zahlreiche Zuſchauer, und die Frauen⸗ zimmer ſahen es gerne durch ihre Fenſtergitter. Dieſe TDaͤnzerinnen tragen am Daumen und am Zeige⸗Finger jeder Hand ein kleines Becken, welches ſie taktmaͤßig an einander ſchlagen. Ihr Geſicht iſt nicht verſchleiert. Die meiſten haben ſich durch die Naſenloͤcher einen Ring gezogen. Wenn ſie ihren Schleier herab laſſen, ſingen oder ſchreien ſie viel⸗ mehr aus vollem Halſe. Nach den Taͤnzerinnen kommen die Taſchen ſpie⸗ ler, bei welchen ebenfalls, wie bei uns, ein Hans⸗ wurſt den Poͤbel beluſtigt. Auf dem Wege von Bulak nach Kairo wird man haͤufig von Improviſatoren belaͤſtigt, welche zur Ehre jedes Fremden fuͤr Geld einige Verſe ver⸗ fertigen. Außer dieſen Schauſpielen ſah ich auch einen Hochzeit⸗Zug voruͤber gehen. Wenn man wegen der Bedingungen der Heirath uͤberein gekommen iſt, geht die Braut immer in Begleitung eines großen Gefol⸗ ges aus. Trommelſchlaͤger und Hoboiſten gehen vor⸗ aus, die Braut wird unter einer Art von Baldachin umher gefuͤhrt. Der erſte Gang iſt in das Bad, wo die Braut des geheimnißvollen Schleiers der Natur 238es V. Aegypten. II. 3. 2 638 auf eine ſchmerzhafte Weiſe beraubt wird. Nachher ſucht man ſie durch verſchiedene Vergnuͤgungen zu zer⸗ ſtreuen. Man zieht ihr verſchiedene Kleider von Mannsperſonen an. Mit dieſen Verkleidungen bringt man einen Theil des Tages zu. Einige Tage ſpaͤter fuͤhrt man die Braut unter derſelben geraͤuſchvollen Begleitung zu dem Braͤuti⸗ gam. Voraus geht eine große Menge von Leufen, welche die Mitgabe der Tochter traͤgt. Je zahlreicher die Art von Geraͤthen iſt, deſto mehr wird die Eitel⸗ keit befriedigt. Dieß iſt die erſte Zufammenkunft; vorher ſehen ſich die Verlobten nicht. Die Braut zeigt ſich in verſchiedenen Mannskleidern, und wieder⸗ holt die naͤmlichen Verkleidungen, worin ſie ſich im Bade geuͤbt hatte. Der Geſchmack der Frauenzimmer in dieſen Laͤndern, ſich in Mannsperſonen zu verklei⸗ den, iſt ein bemerkenswerther Umſtand.— Die uͤbri⸗ gen Szenen der Hochzeit will ich, weil man ſie nicht, ohne die Anſtaͤndigkeit zu beleidigen, erzaͤhlen kann, uͤbergehen. 6 Bei der Beſchneidung der Kinder zeigen die Aegypter, wie die Tuͤrken, die groͤßte Pracht. Die Stadt Kairo war die Handels⸗Niederlage von faſt allen Nationen der Erde. Sklaven liefert vorzuͤglich Nubien. Zu Kairo haͤufte man dieſe Ungluͤcklichen in einem großen Gebaͤude auf einander; bier kaun ſie Jedermann unterſuchen, befuͤhlen, unter 639 ihnen herum gehen, und ſie nach allen Richtungen wenden heißen. 59 Es gibt noch andere Schwarze, welche aus N u⸗ bien kommen, und den Einwohnern von Katro freiwillig ihre Dienſte anbieten. Nach Verlauf eini⸗ ger Jahre kehren ſie mit dem Erworbenen in ihr Va⸗ terland zuruͤck. Die naͤmliche Vorſicht, welche mich zu Kairo eingeſchloſſen hielt, verhinderte mich ebenfalls, die Denkmaͤler in der Nachbarſchaft bequem zu unterfu⸗ chen. Nur in der Eile konnte ich mich den P yr a⸗ miden und den unterirdiſchen Gallerien guf der Ebene von Sakkara naͤhern. 3 Auf dem Markte von Kairo fand ich alle Arten von Nil⸗Fiſchen, unter andern drei Arten, welche zu beobachten ich noch keine Gelegenheit gehabt hatte, naͤmlich den Volti, die Bayatte und den Benni. Im September ſpeißt man zu Kairo viele Far⸗ luſe, eine Art Lerchen, die von den Kuͤſten des mittellaͤndiſchen Meeres, welche an die Ba rbarei graͤnzen, kommen, und in Aegypten Asfur Dſie⸗ bali(Bergvoͤgel) heißen, weil ſie aus den Sandber⸗ gen in der Wuͤſte zu kommen ſcheinen. Ihr Zug dauert nur einige Tage im Anfange des Septembers. Die Einwohner fangen ſie mit Netzen und bringen ſie in Kaͤſigen zur Stadt. VII. Von meiner Regierung zu wenig unterſtuͤtzt, verſuchte ich, auf meine eigene Koſten mir einen Weg 640 nach Habeſch zu eroͤffnen. Von Murat Bey mit Schreiben an alle Befehlshaber in Ober⸗Aegypten, und mit einem Diener aus Syrien, welcher ſieben Mund⸗ arten mit vieler Leichtigkeit, aber nicht nach Grund⸗ ſaͤtzen ſprach, beſchloß ich durch Ober⸗Aegypten zu reiſen. Bemerkenswerth ſchien mir die Leichtigkeit, mit welcher die Morgenlaͤnder verſchiedene, ſelbſt eu⸗ ropaͤiſche Sprachen lernen. Der Tag unſerer Abreiſe war beſtimmt. Zu Bulak angekommen, konnten wir wegen des heftigen Suͤdwin⸗ des nicht den Nil aufwaͤrts fahren. Ich legte hier meine druſiſche Seſte ab, und ſetzte einen rothen Turban auf, daher man mich nach meiner uͤbrigen Kleidung fuͤr einen Tuͤrken hielt. Ich ging den gan⸗ zen Tag mit der Pfeife in der Hand an den geraͤuſch⸗ vollen Nil⸗Ufern ſpatzieren. Abends begab ich mich in die ſehr ſchoͤnen Baͤder. Bulak gegenuͤber auf der Weſtſeite liegt das kleine, durch ſeine vortreffliche Butter beruͤhmte Dorf Embabe. Es iſt der einzige Ort Aegyptens, wo man gute, friſche Butter haben kann. Die frucht⸗ baren Ebenen von Embabe bringen beſonders eine Art Wolfsbohnen hervor, welche in Aegypten haͤufig verbraucht werden, und von dem Dorfe Embabe, auch Embaben genannt werden. Mit guͤnſtigem Winde reiſten wir den 21. Maͤrt 1778 um 8 Uhr von Bulak ab. Wir hielten zu Alt⸗Kairo, dem Masr el Atik der Araber, 641 eine halbe Meile von Bulak an. Dieſe Stadt, das aͤgyptiſche Babylon, iſt der Hafen fuͤr die Fahr⸗ zeuge, welche aus dem Said herabkommen, wie Bu⸗ lak der Haſen fuͤr die Fahrzeuge aus dem Delta iſt. Die Juden zu Alt⸗Kairo beſitzen eine Synagoge, und die Katholiken eine Kirche und ein Kloſter. In einer rleinen Kapelle in demſelben ſoll einer frommen Sage nach die Jungfrau Maria mit dem Kinde Jeſus ſich einige Zeit aufgehalten haben..* Man ſieht zu Alt⸗Kairo Joſephs Kornſpei⸗ cher, ein großer, mit einer 20 Fuß hohen Mauer umgebener Platz, welcher in Hoͤfe ohne Gewoͤlbe, und ohne irgend eine andere Bedeckung abgetheilt iſt. In denſelben wird das Getreide aus Ober⸗ Aegypten fuͤr den Fiskus aufbewahrt. Ein durch ſeine ſchoͤne Bauart und durch ſeine Kuͤhnheit ausgezeichnetes Werk der Araber iſt die Waſſerleitung, welche das Nilwaſſer nach dem Schloſſe von Kairo bringt. Sie iſt auf 350 enge, aber ſehr hohe Schwibbogen geſtuͤtzt. Vorwaͤrts Alt⸗Kairo bildet der Nil in der Mitte ſeines Bettes die 500 Fuß breite Inſel Ro ud⸗ da(Garten), auf welcher der Nilmeſſer(Mek⸗ kias) ſich befindet. Auf der andern Seite der Inſel RNoudda liegt am weſtlichen Nil⸗Ufer der Flecken Dſchiſah. In der Gegend von Dſchiſah lag Memphis; die bis 3 Meilen entfernt liegenden Pyramiden fuͤhren 642 ohne Unterſchied den Namen: Pyramiden von Memphis, oder Pyramiden von Dſchiſah. VIII. Wir verließen noch am Abend des naͤmli⸗ chen Tages Alt⸗Kairo. Zwei uͤbergroße Segel, welche wie Haſenohren ausſahen(lateiniſche Segel), trieben ſchnell unſern leichten Ka nia dahin. Gegen die Nacht machten wir s Meilen von Alt⸗Kairo vor dem kleinen Dorfe Scheik Itmann Halt, deſſen P ruſer aus Erde erbaut ſind, und von Dattelbaͤumen beichattet werden.. Von Alt⸗Kairo begraͤnzt das oͤſtliche Nil⸗Ufer die naͤmliche Gebirgs⸗Kette, welche ihren Anfang zu Kairo nimmt. Man ſieht darin große Hoͤhlen, welche durch die daraus geholten Steine entſtanden ſind. Wahrſcheinlich hat man hier im Alterthume die Steine zum Baue der Pyramiden der Stadt Memphis gebrochen. Eine Viertel Meile vor Scheik Itmann liegt am öͤſtlichen Ufer des Fluſſes Tura, welches noch et⸗ was von ſeinem alten Namen Troja erhalten hat. Von Zeit zu Zeit ſieht man an jeder Flußſeite Kloͤ⸗ ſter, welche von koptiſchen Moͤnchen bewohnt werden. 4 Scheik Itmann gegenuͤber liegt das Dorf Mazarg(eine Preſſe) auf der naͤmlichen Seite wie Dura, aber etwas weiter in das Land hinein. Ueber⸗ baſb demſelben erſtreckt ſich gegen Weſt ein ſchmater Kanal nicht weit in das Land hinein. 8 643 Den 22. gegen Mittag brachen wir wieder auf, und ſetzten unſere Reiſe den Nil hinauf fort. Ich entdeckte bald Landeinwaͤrts ſowohl die Pyramiden von Sakkara, als auch den durch ſeine Mumien⸗ Katakomben beruͤhmten Flecken gleiches Namens. Wir fuhren bei dem Dorfe Schim, welches in eini⸗ ger Entfernung vom weſtlichen Nil⸗Ufer liegt, vorbei, bekamen ein wenig weiter hinauf an dem gegenuͤber ſtehenden Ufer den Ort Berdrisge zu Geſicht, und hielten um 6 Uhr Abends vor Kafr Jaiat. Dieſes Dorf, von Erde erbaut, hat einen Kiaſchef. Auf der Ebene von Sakkara ſah ich Sandhoſen durch den Wind bis zu den Wolken erheben, welche in ihrer ganzen Hoͤhe die ſenkrechte Stellung eines vollkommenen Cylinders behielten. Den 27. um 6 Uhr Morgens brachen wir bei ei⸗ nem ſchwachen Nordwinde von Kafr Jatat auf, und hielten nach s Meilen bei dem Dorfe Riha am weſtlichen Ufer ſtill. Demſelben beinahe gegenuͤber, am Fuße des Gebirges, ſteht an einem ſchmalen Ka⸗ nale, welcher durch eine ziemlich betraͤchtliche Inſel gebildet wird, Atfieh, welches das alte Aphro⸗ ditopolis iſt. Ich ſah landeinwaͤrts, und 4—5 Meilen von Riha, eine ſehr betraͤchtliche Pyramide. Der Strom wird von Kafr Jalat durch einen Strich kleiner Inſeln getheilt, von denen einige einen ziemlich betraͤchtlichen Umfang haben, und ſich bald dem einen bald dem an⸗ 644 dern Ufer naͤhern. Um Niha befand ſich eine Menge Voͤgel verſchiedener Art. Wir hatten bei unſerer Fahrt nicht den geringſten Wind, welcher unſere Segel aufſchwellte, und unſere Mannſchaft mußte den Kania am Seile ziehen. Zu Zule, einem ziemlich großen Dorfe am oͤſttichen Ufer, ungefaͤhr 2 Meilen von Riha, machten wir Halt. Ziemlich laugſam langten wir zu Zavui el Mans⸗ lub(Schwemme des Kreutzes) an, einem kleinen Fle⸗ cken am weſtlichen Nil⸗Ufer im Angeſichte der kleinen Inſel Geziret Barraks(geheiligte Inſel), auf welcher man ein Dorf und angebautes Land ſieht. Auch den 24. konnten wir unmoͤglich von unſeren Segeln Gebrauch machen; ich ging zu Fuß am Nil hin, und toͤdtete mehrere wilde Tauben; ihr Flei ch iſt hart und unſchmackhaft. Unſere Matroſen ruhten nach einer Meile bei dem Flecken Komrigé, an der Weſtſeite des Fluſſes. Er hat mehrere Moſcheen. Nachmittags rei⸗ ſten wir immer noch mit widrigem Winde ab; wir mach⸗ ten die Fahrzeuge feſt, um in dem Dorfe Sch ment el Arab zu uͤbernachten; es liegt mit Komrigé auf einer Seite. Wir hatten den ganzen Dag nur 3 Mei⸗ len zuruͤckgelegt. Dieſe Strecke iſt auf der Oſtſeite des Fluſſes blos eine unfruchtbare und unbewohnte Sandgegend; auf der Weſtſeite ſieht man durch Bear⸗ beitung und Fruchtbarkeit verſchoͤnerte Gefilde. Ich bemerkte große Strecken mit Saflor, dem Asfur der Araber, deſſen Koͤrner die Europaͤer Papagei⸗Koͤr⸗ 2* 645 ner, die Aegyptier Cortom, und wir Carthamus nennen. Aus den Koͤrnern ziehen die Aegyptier Brenn⸗ Oel; aus dem Marke machen ſie einen ſchokoladefaͤr⸗ bigen Teig. Die Bluͤte iſt zum Tuchfaͤrben unentbehr⸗ lich; ſie iſt ſchoͤn ſafranroth, ihr Geruch ſtark, aber unangenehm.: Den 26. machten wir uns wieder auf den Weg, ließen uns noch immer ziehen, erreichten Mittags den Flecken Buſch am weſtlichen Ufer, wo bei unſerer Anfahrt ein betraͤchtlicher Vieh⸗ und Getreide⸗Markt gehalten wurde. Zu Buſch hatten wir einen von je⸗ nen Windſtoͤßen von Suͤd auszuhalten, welche in die⸗ ſen Gegenden ſo beruͤchtigt und ſo gefaͤhrlich ſind. Die Atmosphaͤre war gluͤhend heiß, und wurde durch Staub⸗ Wirbel verdunkelt. Das Reaumuͤriſche Thermo⸗ meter ſtand auf 27 Grad. Der Windſtoß dauerte den 27. noch fort; das Thermometer ſtand auf 28 Grad. Der Schweiß floß aus allen Oeffnungen, der Sand legte ſich an unſern Geſichtern feſt, und bildete ein Maske. Wir müßten immer die Augen mit Flußwaſ⸗ ſer abkuͤhlen. Die Luft wurde durch einen dicken Ne⸗ bel feinen Sandes verdunkelt, welcher ſo roth war wie eine Feuerflamme. Er drang an allen Orten ein. Gegen Abend ließ der Wind nach, wir erreichten die kleine Stadt Beniſuef auf der Weſtſeite des Nils, 4 Meilen von Schmentel Arab. Die Haͤu⸗ ſer, aus Ziegelſteinen erbaut, ſind mit Lehm verbun⸗ den, und rings mit Dattelbaͤumen umgeben. Eine 646 G Fabrik von groben Teppichen macht es zum Handels⸗ orte; die umliegende Gegend iſt fruchtbar und ſchoͤn. Den 28. laugten wir in der Nacht bei dem gro⸗ ben Dorfe Bébé an, welches am naͤmlichen Ufer, gleichfalls wie Beniſuef, der Sitz eines Kaſchefs iſt, und von demſelben 3 Meilen entfernt liegt. Man ſieht daſelbſt eine Moſchee und ein koptiſches Kloſter, Den 29. ſetzten wir bei heiterem Wetter unſere Reiſe fort. An dem oͤſtlichen Nil⸗Uſer zeigen ſich hohe und ſteile Sand⸗ und Felſenberge, welche das Fluß⸗ bett einſchraͤnken und eine Kette unbezwinglicher Waͤlle bilden. Sie ruͤcken manchmal bis an den Nil vor, und machen durch ihre Engen, welche ſie bilden, die Schifffahrt gefaͤhrlich. Der Name dieſer Felſenkette Dſiebelel Teir(Vogelgebirge) gibt ihre Bewoh⸗ ner zu erkennen. 4 Nach einer beinahe 5 Meilen langen Fahrt war⸗ fen wir Abends bei dem ziemlich großen Dorfe Scheik Zaiar am weſtlichen Ufer Anker. IX. Den 30. langten wir in dem wohlgebauten Orte Senon⸗Seni am naͤmlichen Ufer an; am 31. brachte uns ein angenehmer kuͤhler Nordwind bald zur ziemlich artigen Stadt Miniet am weſtlichen Ufer. Die Bazars ſind gut eingerichtet; die Stadt iſt ſtark bevoͤlkert und treibt einigen Handel. Man verfertigt hier irdene Gefaͤße, Bardacks, in welchen das Waſ⸗ ſer Kuͤhle erhaͤlt. Man nimmt den Thon aus der um⸗ liegenden Gegend. Umgeſtuͤrtzte und zerbrochene Gra⸗ 647 nitſaͤulen, und noch aufrechtſtehende beweiſen, daß Mi⸗ niet auf der Stelle einer aͤltern Stade ſteht. Ueber den Namen derſelben ſind die Gelehrten nicht einis⸗ Den 2. April regnete es, was etwas Auſſerordent⸗ liches in Ober⸗Aegypten iſt. Den 3. reiſten wir von Miniet ab, und hielten nach 3 Meilen in dem Dorfe Mulahg. Es gehört zum Kaſcheflik Miniet, und ſteht, wie dieſe Stadt, am weſtlichen Nil⸗Ufer. Den 4. brachten uns Nordwinde mit einer gefaͤhrlichen Schnelle zu dem Raͤuber⸗Neſte Scheik Abade, auf der Oſtſeite des Nils. Die große Menge von Ruinen, und lange Reihen von Schutthaufen beweiſen, daß im Alterthume hier eine große Stadt geweſen, naͤmlich das von Hadrian erbaute Antinoe. Es war auf der Stelle des alten aͤgyptiſchen Abidus erdbaut worden. Die verwilderten Meuſchen, welche um die Truͤm⸗ mer der Stadt Hadrians wohnen, ſtoßen die noch ſtehenden Theile von Gebaͤuden um, damit ſie ihren Hang zum Zerſtoͤren befriedigen. Zur Zeit Wansle⸗ bens und Paul Lukas waren weit mehr Bruch⸗ ſuuͤcke vorhanden, als ich autraf. Auf der Ruͤckſeite des Gebirges, welches gegen Morgen den alten Umfang von Antinoe einſchließt. bemerkt man noch eine große Menge in den Felſen ge⸗ machter Oeffnungen, welche ohne Zweifel Begraͤbniß⸗ Plaͤtze oder Katakomben waren. Die unwiſſenden Ein⸗ wohner ſchreiben dieſe Hoͤhlen boͤfen Geiſtern zu. 648 Die Moſchee in dem Dorfe nahe bei Antinoe enthaͤlt das Grab und die Reliquien eines Heiligen, welcher dieſem Orte den Namen Scheik Abads ge⸗ geben hat. Wir entfernten uns von der Stadt An⸗ tinoe und warfen im Angeſichte von Mellavui, s Meilen von Scheik Abadsé Anker. Mellavui, eine kleine Stadt von ziemlich ſchoͤnem Anſehen, iſt ½ Meile vom weſtlichen Nil⸗Ufer entfernt. Die um⸗ liegende Ebene iſt beſonders an Weitzen, wovon eine große Menge nach Arabien geſchafft wird, fruchtbar. Den s. April trafen wir Abends in Manfelut ein, welches bei 10 Meilen von Mellavui entfernt iſt. Zwei Meilen unter Manfelut bhildet das oͤſtliche Nil⸗ufer eine ſehr hohe Gebirgs⸗Kette, welche ganz aus nackten Felſen beſteht. Man nennt dieſe Felſen⸗ Reihe das Gebirge Abufeda, nach dem Namen eines Mahomedaniſchen Hetligen, welcher hier begraben liegt, und zu deſſen Ehre eine kleine Kapelle hier erbaut iſt. Um dieſes Denkmal wohnen in Hoͤhlen die fuͤr Aegyp⸗ ten furchtbarſten, und am ſchwerſten auszurottenden Seeraͤuber. Die Stadt Manfelut iſt ziemlich betraͤchtlich, und ſchoͤner als Miniet. Ihre Gaſſen ſind breiter und offener; das umliegende fruchtbare Land macht ihre Lage angenehm, und fruchtbare Baͤume, uͤber wel⸗ che zahlreiche Dattelbaͤume hervorragen, beſchatten ihre Mauern. Man treibt mit Getreide und Leinwand Handel. Manfelut gerade gegenuͤber liegt am oͤſtli⸗ 649 chen Nil⸗Ufer ein großes koptiſches Kloſter mit ganz hohen Mauern; vermittelſt einer Winde wird man in einem Korbe hinaufgezogen, daher der Name Win⸗ den⸗Kloſter. Den 6. begaben wir uns nach Siut, welches et⸗ was uͤber 6 Meilen von Manfelut entfernt iſt. Der Nil iſt dieſe Strecke uͤber geſchlaͤngelt und ſeine Fahrt iſt beſchwerlich und gefaͤhrlich. Siut, eine der groͤßten Staͤdte Ober⸗Aegyptens, liegt 1/4 Meile von dem Nil, an ſeiner Weſtſeite bei einem ſteilen Berge. Ein Kanal leitet das Flußwaſſer dahin; uͤber dieſen fuͤhrt eine ſchoͤne gothiſche Bruͤcke, mit 3 Bogen aus Quaderſteinen. Sie hat die naͤmli⸗ che Lage wie die alte Stadt Lykopolis. Eine vier⸗ tel Meile hinter Siut bilden Berge ein unfruchtbares Felſen,Amphiteater. Die Seite dieſer Berge, welche nach dem Nil liegt, ſcheint in der Ferne mit verſchie⸗ denen Loͤchern wie durchbohrt zu ſeyn. Dieß ſind Oeffnungen zu den Hoͤhlen, welche man in den Kalk⸗ Felſen gemacht hat. Einige von dieſen Bergen ſind rund gewoͤlbt; andere ſtellen ein laͤngliches Viereck vor. Sie ſind von ſchoͤner Arbeit und voll ſymboliſcher Fi⸗ guren, zwiſchen welchen man aus⸗ und inwendig die Geſtalt eines Menſchen von natuͤrlicher Groͤße bemerkt, welche die Hand auf einen Stock ſtuͤtzt. Der groͤßte Theil der Hoͤhlen bildet ſehr geraͤumige und ungefaͤhr 30 Fuß hohe Saͤle. Man ſieht an den Decken und in den Vertieungen der Figuren Ueberreſte von Malerei. 8 030 Sie haben auch tiefe in das Gevierte gegrabene Brun⸗ nen, in welchen man unmooͤglich etwas ſehen, noch in dieſelben hinabſteigen kaun. Am Fuße des Gebirges liegt der Todtenacker der Mahomedaner. Seine Bauart, welche im Zickzack, wie eine gezackte Beſetzung der Kleider geht, und ſein wei⸗ ßer Anſtrich macht den Anblick maleriſch und ſehr an⸗ genehm. Zu Siut fand ich die naͤmlichen Arten von Voͤ⸗ geln wieder, welche ſich in andern aͤgyptiſchen Staͤdten eingeniſtet hatten. X. Mein Ruf in der Arzneikunde hatte viel Auf⸗ ſehen gemacht. Von allen Seiten fragte man mich um Nath, und die Großen ließen mich in ihre Haͤuſer kom⸗ men. Die Auruͤbung der Praxis iſt mit vieler Gefahr verbunden, der Tod eines Großen wuͤrde unmittelbar den Tod des Arztes nach ſich ziehen. Die eingebornen Aerzte Aegyptens, wenn man ſie ſo nennen darf, ſtehen in einem geringen Anſehen, und ihr elender Zu⸗ ſtand zeigt, daß ſie kein eintraͤgliches Geſchaͤft treiben. Die aͤgyptiſchen Aerzte beneiden einander nicht, und zogen mich oft zu Rathe. Eine von den gangbarſten Heilmethoden war das Brennen. Mich beſiel eine gefaͤhrliche Augenkrankheit, von welcher ich durch einen gluͤcklichen Fall befreit wurde. Xl. Mein Entſchluß nach Habeſch zu reiſen, haͤtte mir wegen der Treuloſigkeit meines ſyriſchen Dolmetſchers, und eines nubiſchen Karawanenfuͤhrers, 651 Cſie fuͤhren den Namen Kabir, groß,) beinahe das Leben gekoſtet, wenn mich nicht Ibrahim Kia⸗ ſchef, bei welchem die nubiſchen Karawanen zu Siut den Zoll bezahlen muͤſſen, aus der mir bevorſtehenden Gefahr gerettet haͤtte. In Siut und Manfelut heſtand der groͤßte Theil der Einwohner aus Kopten, welche meiſtens blaue Leinwand verfertigen Weil ſie allein in dieſem Theile Aegyptens leſen und ſchreiben konnten, ſo waren ſie die Intendanten, Verwalter und Schreiber der Großen.— 5 Waͤhrend meines Aufenthaltes zu Siut beſuchte ich oft die Baͤder, welche weder ſo ſchoͤn noch ſo gut, als jene zu Kairo ſind. Nebſt der gewoͤhnlichen Art zu baden, macht bei den Sybariten dieſer Gegenden das Reiben der Fußſohlen mittelſt Bimsſtein ein be⸗ ſonderes Vergnuͤgen aus. Dieſer ſieht ſchwaͤrzlich aus. Man gibt ihm die Form eines Gefaͤßes, welches auf der einen Seite ſcharf geſchnitten iſt, auf der andern aber eine glatte Oberflaͤche hat. Die ſo gearbeiteten Bimsſtein⸗Stuͤcke heißen im Arabiſchen el Hakks. Die Gefilde um Siut zeichnen ſich durch ihre Fruchtbarkeit und ihren Reichthum aus. Das Getreide in dieſen Gegenden waͤchſt ſchnell, und wird erſtaunlich zeitig reif; die Baumgaͤrten liefern Fruͤchte aller Art. Durch ihr Fleiſch und ihren kuͤhlenden Saft ſtillen am beſten die Hitze die Paſteken oder Waſſer⸗Melonen, welche man in ganz Ober⸗Aegypten ununterbro⸗ 65² chen antrifft. Eine andere Art Melonen fuͤhrt den Na⸗ men Battech. Im Mai gab es auch ſehr dicke Zi⸗ trullen, Harrach im Arabiſchen, und gruͤne Datteln. Auch baut man in dieſen Ebenen Hanf, welcher nicht, wie in Europa, zu Garn verſponnen wird, ſondern die Araber und Aegyptier bereiten eine Art berauſchenden Getraͤnkes aus ihm, das ſie in einen Zuſtand von Traͤumerei verſetzt, welcher bei ihnen Heiterkeit und liebliche Traͤume erweckt. Alle dieſe Zubereitungen, ſo wie auch die Theile der Pflanze, welche man dazu braucht, ſind unter dem arabiſchen Namen Haſchiſch bekannt; der Haſchiſch wird haͤufig verbraucht, und auf allen Maͤrkten gefunden. XII. Nach einem ziemlich langen Aufenthalte zu Siut, wo ich die Haͤlfte der Zeit krank war, ent⸗ ſchloß ich mich, meine Reiſe nach dem ſuͤdlichen Theile von Aegypten ſortzuſetzen. Wegen Mangels eines Fahrzeuges, welches den Nil hinauffahren ſollte, miethets ich 2 Kamele und s Eſel, um nach Echmim zu reiſen. Den 23. Mai 1778 brachen wir vor 12 Uhr Mit⸗ tags auf, und langten Abends gegen 9 Uhr in dem kleinen Flecken Tomieh, dem Aufenthaltsorte eines Kiaſchefs an. Zahlreiche Dattelbaͤume maͤßigen die Hitze der Sonne. Es gibt noch ein anderes großes Dorf Tamieh, an welchem ein Kanal ſich voruͤberzieht; es gehoͤrt zum Kaſcheflick Fajum, und liegt von dieſem ⸗ Meilen entfernt. 3 653 Zwiſchen Siut und Tomieh trafen wir den ziemlich betraͤchtlichen Flecken Abutitſche an. Die Truͤmmer von alten Gebaͤuden und Schutthaufen be⸗ zeichnen die Stelle der ehemaligen Stadt Abotis. Zu Tomieh konnten wir nur durch die Gewalt des Kiaſchefs eine Wohnung fuͤr die Nacht erhalten. In der Moſchee zeigt man ein Kamel von Stein; man ſieht es in dem Augenblicke gegen Mekka ſich wenden, wenn die Pilgrims⸗Karawane von Kairo aufbricht, und ſich wieder nach der Seite von Kairo zuruͤckdrehen, wenn ſie wieder von Mekka abreiſt. Es war mir unmoͤglich, dieſe Wunderfigur zu unter⸗ ſuchen.. Den 24. reiſten wir fruͤhe von Tomieh ab, und langten Vormittags in dem Flecken Tahta an, wel⸗ cher ungefaͤhr 12 Meilen von Siut entfernt iſt. Ich heilte daſelbſt einen krauken Kopten, Namens Mal⸗ liim Markus. Unter der Menge koptiſcher Einwohner waren auch mebrere Katholiken, welche von den Kopten verfolgt, beinahe alle arm und elend waren, und in Noth und Verachtung lebten. Man aß in dieſer Jahrszeit zu Ta hta kleine, aber ziemlich ſchlechte Aepfel, welche im Arabiſchen Tefha heißen, und Melonen, welche in Aegypten unter dem Namen Agur bekannt ſind. Auf den Gefilden von Tahta kommen die erſten Stoͤcke von der Faͤcher Palmenatt, welche dem oberen 336es B. Aegypen. II. 3. 3 Theile Aegyptens eigen iſt, zum Vorſcheine. Man nennt ſie daſelbſt Dum und Dum Saidi. XIII. Den 1. Juni Morgens brachen wir von TDahta auf, und ſetzten unſere Reiſe am weſtlichen Ufer des Nils, welcher oberhalb Tahta große Kruͤm⸗ mungen in ſeinem Laufe macht, gegen Suͤd fort. Als ich, muͤde dem langſamen Gange der Kamele zu fol⸗ gen, vergeblich den groͤßten Theil des Tages uͤber meine anderen Gefaͤhrten erwartet hatte, reiſte ich in das große Dorf Suhaje, welches 7 Meilen von Tahta, und faſt 1¼4 Meile von dem Fluſſe entfernt liegt. Oberhalb demſelben enthaͤlt ein großer Kanal ſein Waſſer aus dem Nil, um es auf die Felder gegen We⸗ ſten zu leiten. Beſorgt um meine Gefaͤhrten reiſte ich vor Anbruche des andern Tages ab, um nach Sch⸗ mimm mich zu begeben. Bei meiner Ankunft in dieſer Stadt lief ich in das italieniſche Kloſter, wo ich meine Gefaͤhrten wegen meiner in großer Unruhe traf. Ich und meine Gefaͤhrten wurden uͤbel aufgenommen, und mir, wie ihnen bedeutet, uns nach einer anderen Wohnung umzuſehen. Ich ließ in der Stadt nach einer Wohnung ſu⸗ chen, und da dieſe Nachfrage lange dauerte, ſo blieb ich bis Nachmittag da, ohne daß ſich Jemand um mich bekuͤmmerte, und ohne daß ich den Superior beſucht haͤtte. Die Moͤnche ließen ſich nicht einmal dann ſe⸗ ben, als ich meine Sachen den Kamelen auflud. Ich ging binweg, ohne daß ich einen von ihnen zu ſehen 555 bekam, und ſchickte ihnen einen Pataken fuͤr das Nacht⸗ Quartier, welchen ſie aber nicht anzunehmen wagten. Man konnte das Kloſter im Vergleiche mit den Haͤuſern der Einwohner fuͤr einen Palaſt anſehen. Ka⸗ tholifche Kopten halten ſich zu Echmimm in großer Menge auf. Sie hatten hier, wie zu Tahta, einen Pfarrer von ihrer Nation, welcher 10 Jahre zu Rom gelebt hatte, italieniſch und ziemlich gut lateiniſch ſprach. Waͤren die Haͤuſer in SEchmĩimm von einer beſſern Bauart, ſo wuͤrde es eine ſchoͤne Stadt ſeyn. Die Stadt wird auf der Morgen⸗Seite von einer Kette von Bergen, und von ſteilen und kahlen Felſen umringt, welche die Hitze zuruͤckwirft, die dadurch unertraͤglich wird. Den 3. Juni um 4 Uhr Nachmittags war das Reaumuͤrſche Thermometer, welches im Schatten ſtand, bis 360 geſtiegen. Ein Nord⸗Oſt⸗Wind, ſtatt die Luft abzukuͤhlen, erbitzte ſie vielmehr. Panopolis und Chemmis ſind unter zwei Namen, wovon einer griechiſch, der andere aͤgyptiſch iſt, eine und dieſelbe Stadt; den aͤgyptiſchen Namen findet man noch heut zu Tage in dem Namen Ech⸗ mimm. Gegen Morgen ſieht man noch nahe bei der Mauer der neuen Stadt, Spuren von der alten. Der Pfarrer der katholiſchen Kopten hatte die Ge⸗ faͤlligkeit, mir die Merkwuͤrdigkeiten von Echmimm und ſeiner Umgegend zu zeigen, worauf er mich in ſein 656 Haus fuͤhrte, und mir mehrere Alterthuͤmer, welche nicht viel werth waren, zeigte. Eine alte Moſchee, dem Vorgeben nach eine ehe⸗ malige chriſtliche Kirche, iſt auch noch der Gegenſtand der Verehrung bei den Chriſten. Der Tempel iſt ge⸗ raͤumig, und hat auf mehreren Seiten Eingaͤnge; ſein Umfang wird durch eine Reihe aneinander ſtehender Fenſter erhellt. Das Innere iſt, wie in allen Moſcheen dieſes Landes, ein großer, leerer und nackter Bezirk; man bewundert aber darin die kleinen Granitſaͤulen, welche man aus Ueberreſten von Panopolis genom⸗ men hat. Das um Echmimm angebaute Land ſteht wegen ſeiner großen Fruchtbarkeit in großem Rufe. Die Stadt Echmimm enthaͤlt, wie alle Staͤdte Ae⸗ gyptens, eine große Menge Prieſterinnen der Ve⸗ nus Pandemos. Der Nil liefert bei Schmimm Fiſche im Ueberfluſſe. Die Art, welche ich am haͤufig⸗ ſten angetroffen habe, iſt die Bagatte, welche zwar ſehr groß wird, aber nicht viel beſſer, als jene oben er⸗ waͤhnte iſt. XIV. Den 9. Juni ſchiffte ich mich zu Ech⸗ mimm ein, um auf das weſtliche Nil⸗Ufer uͤberzuſe⸗ tzen, und den Weg wieder zu Lande nach Farſchut anzutreten. Den ganzen Tag herrſchte eine auſſeror⸗ dentliche Hitze; Menſchen und Thiere waren wie er⸗ ſtickt, nur mit Muͤhe konnten ſie weiter kommen. Wir reiſten um Dſchirdſche(Girge), Ober⸗ Aegoptens Hauptſtadt, und langten Abends in dem 657 neueren, nicht merkwuͤrdigen Flecken Bardis an; er liegt ungefaͤhr 8 Meilen gegen Mittag von Echmimm. Die Menge von Palm⸗Baͤumen in der Thebais iſt gegen Suͤd von Bardis weit groͤßer, als gegen Nord dieſes Fleckens. Den 1¹0. Nachmittags traf ich zu Farſchut ein, wo ſich eine andere Kolonie von italiſchen Barfuͤßern niedergelaſſen hatte. Ich hatte an ſie die naͤmliche Empfehlung, welche mir zu Echmimm unnuͤtz gewe⸗ ſen war; ich muß aber zur Ehre dieſer Moͤnche ſagen, daß ſie wenigſtens den aͤußern Schein einer ehrlichen, aber vielleicht eigennützigen Gaſtfreundſchaft gegen mich beobachteten. Das Haus dieſer Moͤnche, nicht ſo groß als jenes zu Schmimm, iſt dennoch geraͤumig, ſchoͤn und bequem. Ich traf einen chriſtlichen Kauf⸗ mann darin an, welcher den naͤmlichen Namen, wie ich, fuͤhrte, und unter welchem ich meinen Christia⸗ nism verbarg; er hieß Malliim Nusef. Die kleine Stadt Farſchut iſt ſchlecht gebaut, und hat den An⸗ ſchein von Armuth und Elend. Sie liegt ſehr weit in dem Lande, 2 gute Meilen vom Nil entfernt. Zwi⸗ ſchen dieſer Stadt und dem Fluſſe findet man den Fle⸗ cken Baſchura(Basjoura), wo ſich ein Kiaſchef auf⸗ haͤlt. Der Hafen von dieſen beiden Orten iſt das kleine Dorf Sahet. Allem Anſcheine nach ſteht Farſchut auf der Stelle der alten aͤgyptiſchen Stadt Aeanthus, wo es einen geheiligten Wald gab; eine 8 andere Stadt gleiches Namens ſtand auf der Stelle von Daſchur, etwas ſuͤdlich von Sakkara. Den 15. Juni verließ ich zufrieden das Kloſter von Farſchut. Als wir eben vom Nil⸗Ufer abſegeln wollten, kam ein Mameluke, noͤthigte uns auszuſteigen, und unſer Gepaͤcke auszuladen. Seine ganze Abſicht war, von uns einiges Geld zu erpreſſen. Daruͤber war ein großer Theil des Tages verfloſſen, und wir muß⸗ ten Sahet gegenuͤber in unſerem Fahrzeuge uͤber⸗ nachten. Als der Kiaſchef die Erpreſſung von Seite des Mameluken erfahren hatte, noͤthigte er ihn, das erpreßte Geld zuruͤckzugeben. Traurig kam er, ging aber ſehr zufrieden von mir, als ich von ihm die 27 Sols nicht zuruͤckforderte. Wir trafen mehrere Floͤſſe Paſteken an, welche den Nil herabkamen. Dieſe Fruͤchte ſind in der Thebais auſſerordentlich gemein, und um die Muͤhe, ſie in Fahr⸗ zeuge zu laden, zu erſparen, verbindet man ſie zu Floͤſ⸗ ſen, welche ſehr gut ſchwimmen, und wovon jedes Stuͤck eßbar iſt. Das erſte Krokodil ſah ich in Aegypten eine Strecke uͤberhalb Sahet. Es hielt ſich in der Mitte des Fluſſes unbeweglich, der Kopf allein ragte aus dem Waſſer heraus. Je weiter man aber den Nil hinauf⸗ kommt, deſto gemeiner werden dieſe, von den Einwoh⸗ nern gefuͤrchteten Thiere. An einigen Stellen hat man im Fluſſe eine Umzaͤunung von Pfaͤhlen und Reisholz 659 gemacht, damit den Waſſer holenden Weibern die Kro⸗ kodile die Beine nicht wegreißen. Das kleine Dorf Hu, wo wir anhielten, zeigt die Stelle, wo ehemals Klein⸗Diospolis zum Un⸗ terſchiede von noch zwei andern Diospolis in Ae⸗ gypten, geſtanden war. Hu ſteht noch jetzt auf der Anhoͤhe, auf welcher nach den Geſchichtſchreibern die alte Stadt erbaut geweſen ſeyn ſoll. Schutthaufen, große Ziegelſteine und noch groͤßere andere Steine, ein Ueberreſt von einem Damme, und endlich eine Arcade, welche den Eingang zu einem unterirdiſchen Kanale macht, ſind die einzigen Spuren von noch vorhande⸗ nen, antiken Arbeiten. Von hier fuhren wir bis zu dem wenig bedeuten⸗ den Dorfe Kasr Eſſalad auf dem oͤſtlichen Nil⸗Ufer an einem der Einſchnitte, welchen die Felſengebirge, die an dieſes Ufer graͤnzen, zum Anbaue und zuy Woh⸗ nung fuͤr Menſchen frei laſſen. Wir ſahen eine Flo⸗ tille von Floͤſſen, welche aus irdenen Gefaͤften beſtand, die man nach Kairo fuhr, auf dem Nil herabkommen. Ich bemerkte, daß die Bewohner dieſer hohen Ge⸗ genden Aegyptens eine Art Hunde hielten, welche ſehr viele Aehnlichkeit mit dem Schaͤferhunde haben; ihre Stimme iſt außerordentlich ſchwach, und ſie ſind kaum im Stande zu bellen. Der Gefahr des Dodes entriſſen, welche durch die Sorgloſigkeit der Matroſen erregt worden war, gingen wir wieder unter Segel, und langten den 17. Abends 660 bei einem ſtarken Nordwinde zu Den dera an. Eine balbe Meile von Dendera iſt das Flußbett ſehr enge, und eines von ſeinen Ufern iſt mit Steinen eingefaßt. Die aͤgyptiſchen Seeleute nennen dieſen Ort, el Bab, die Pforte; er iſt eine von den gefaͤhrlichſten Stellen der Flußfahrt. 8 XV. Tentyris, ehemals eine beruͤhmte Stadt Aegyptens, gab dem tentyritiſchen Nomos, wo⸗ rin ſie die Hauptſtadt war, ihren Namen. Sie iſt groß von Umfange, und wegen ihres Glanzes eine der anſehnlichſten Staͤdte Aegyptens, und hatte einen der Venus und Iſis geweihten Tempel. Beſonders merkwuͤrdig wird ſie durch den Haß der Einwohner ge⸗ gen die Krokodile. Der Tentyrite verfolgte das Kro⸗ kodil im Waſſer, holte es ein, ſprang ihm auf den Ruͤ⸗ cken und ſtieß ihm einen Stock in den Rachen, mit dem er es wie an einem Gebiß an das Ufer zog, und es daſelbſt toͤdtete. In der Naͤhe der Ueberreſte von Tentyris iſt das große Dorf Dendera, welches nichts, als den Namen erhalten hat. Es iſt in einiger Entfernung vom weſtlichen Nil⸗Ufer am Ende einer großen und außerordentlich fruchtbaren Ebene erbaut. Ein arabiſcher Emir uͤbt die Oberherrſchaft uͤber Dendera und die umliegende Gegend aus, obgleich er an den Bey von Kairo einen Tribut bezahlt. Dieſer vernuͤnftige Mann hatte die uneigennuͤtzige Ge⸗ faͤlligkeit, mir die Ruinen von Tenturis zeigen zu laſſen. 661 Unter den Ruinen und Schutthaufen welche eine große Strecke einnehmen, und die Groͤße und Pracht des alten Tentyris bezeugen, hob ſich noch ein gan⸗ zer und gut erhaltener, der Iris geweihter Tempel empor. Sie, die Schutzgoͤttin Aegyptens, wurde daſelbſt unter der Geſtalt einer Katze verehrt. Der Tempel, ein laͤngliches Viereck, iſt aus wei⸗ ßen Steinen erbaut, welche aus den benachbarten Kalk⸗ Gebirgen geholt wurden. Die Vorderſeite betraͤgt in der Breite 132 Fuß und einige Zolle. In der Mitte des Karnies, etwas unterhalb des Mauerkranzes, iſt eine Kugel, welche von zwei Fiſchſchwaͤnzen getragen wird. Ungeheuere Saͤulen mit einem Umfange von 21 Fuß, ſtuͤtzen einen großen Vorſaal. Ihre Knaͤufe beſtehen aus einem einzigen Stuͤcke, und ſtellen Arten von Koͤpfen, oder breite, einander gegenuͤberſtehende Geſichter vor, welche auf einer Draperie ſtehen. Oben iſt auf jedem ein viereckiger Block, deſſen Geſims uͤber die Figur hervorgehend, einige Aehnlichkeit mit Platten hat. Das Innere des Gebaͤudes iſt in mehrere Saͤle abgetheilt, deren Gemaͤuer mit Hieroglyphen und ſym⸗ boliſchen Figuren bedeckt iſt. Die aͤußern Mauern ſind ebenfalls davon voll. Es ſind groͤßtentheils außeror⸗ dentliche Vorſtellungen, welche man auf andern Denk⸗ maͤlern des alten Aegyptens nicht findet. Die Decke von einem Theile des Tempels zu Dendera iſt mit der glaͤnzenden Farbe des Azurblaues gemalt. Die ſchoͤn gelbgemalten Figuren in erhabener Arbeit 662 an dieſer Decke, ſind noch ſo lebhaft, als wenn ſie erſt gemalt worden waͤren. Der Gipfel des Tempels iſt platt, und beſteht aus ſehr großen Steinen, welche von einer Saͤule auf die andere, oder von einer Mauer auf die Saͤule reichen, oder auf zwei Scheidewaͤnden lie⸗ gen. Die großen Schutthaufen hinter dem Tempel, und der daſelbſt angehaͤufte Sand, haben den Boden dem Dache des Gebaͤudes gleich gemacht. Die Ein⸗ wohner dieſes Bezirks hatten dieſe Lage benutzt, und uͤber den Tempel ein Dorf gebaut, welches ich verlaſ⸗ ſen und zerſtoͤrt fand. Unter den Ruinen von Tentyris findet man haͤufig Denkmuͤnzen und geſchnittene Steine. Der Emir beſuchte mich in meiner Wohnung und gab mir verſchiedene Geſchenke, welche ich mit einer Jagd⸗ Flinte und einer kleinen Portion Pulver erwiederte. XVI. Ungefaͤhr 4 bis 5 Meilen gegen Suͤd von Dendera liegt auf dem oͤſtlichen Nil⸗Ufer das große Dorf Abnub, welches dem grabiſchen Scheik Is⸗ main⸗Abu⸗Ali gehoͤrt. Drei Meilen weiter hinauf ſtoͤßt man an dem weſtlichen Ufer auf das Dorf Bal⸗ las, welches demſelbigen Fuͤrſten gehoͤrig, mit vielen irdenen Kruͤgen, welche man daſelbſt verfertigt, Han⸗ del treibt. Sie fuͤhren den Namen des Ortes, wo man ſie verfertigt. Sie ſind von mittlerer Weite und haben zwei Handhaben; ihr Boden iſt von Außen rund ausgebogen, lauft am Ende faſt ſpitzig zu, und bleibt daher nicht aufrecht ſtehen. Dieſe unbequeme Form hatten auch die Amphorn der Roͤmer, in welchen ſie 663 ihren Wein aufbewahrten. In dieſem Theile von Ober⸗Aegypten trifft man haͤufig ganze Bezirke von Paſteken an. Wegen einer vollkommenen Windſtille konnten wir den 23. deguadé auf der Weſtſeite des Nils erſt Nachmittags erreichen, obgleich es von Ballas nur 3 Meilen entfernt iſt, und wir mit Tages⸗Antritt auf⸗ gebrochen waren. Nég uadsé, ein etwas groͤßeres Dorf als die uͤbri⸗ gen, hat faſt lauter Kopten, unter welchen ſich auch Katholiken befinden, zu Einwohnern. Sie haben Manufakturen von blauer oder geſtreifter Leinwand, und gewinnen durch dieſelbe einen gewiſſen Wohlſtand. Es haͤlt ſich auch ein koptiſcher Biſchof hier auf. Die Katholiken haben einen Pfarrer, welcher zu Rom ſtu⸗ dirt hat, und zwei Barfuͤßer. In der Nacht verſpuͤrte man einige Erſchuͤtterun⸗ gen von einem Erdbeben. Hyaͤnen halten ſich haͤufig in dieſem Theile Aegyptens auf. Das Flußpferd, welches man zu Parapamis verehrte, hat ſich in ſolchem Grade zuruͤckgezogen, daß man es daſelbſt nicht einmal mehr kennt. Ich uͤbernachtete blos zu Néguadsé, und reiſte den 23. Vormittags um 9 Uhr wieder ab. Obgleich Luxor nur s bis 9 Meilen von dieſem Orte entfernt iſt, ſo konnten wir es doch wegen der haͤufigen Kruͤm⸗ mungen des Nils nicht mehr erreichen. Die Gegend, in der wir uns befanden, war ſehr unſicher wegen der Raͤuber. Moͤnche zu Néguadé ein, wo ich mich einige Tage 664 Den 24. langten wir in dem Dorfe Luxor an; es iſt an dem oͤſtlichen Ufer auf den Ruinen von The⸗ ben erbaut. Seit zwei Tagen hatte ich eine große Menge Stoͤrche und mehrere Pelikane angetroff.⸗; letztern Vogel nennen die Einwohner wegen ſeines haͤutigen Sackes Waſſer⸗Kamel. Dem Fuͤrſten Ism ain⸗Abu⸗Ali, welcher ſich Luxor gegenuͤber gelagert hatte, machte ich meine Aufwartung, und uͤberreichte meine Empfehlungs⸗ Schreiben. Dieſen alten, haͤßlichen und ganz gelaͤhmten Greis ſollte ich wieder jung machen und bei ihm die Stelle eines Leibarztes antreten, welcher ich durch die Flucht nach Néguads zu entgehen ſuchte. Ism ain, welcher meinen Aufenthalt erfahren hatte, ſchickte eine Botſchaft, ich moͤchte am folgenden Tage zu ihm kom, men. Ich ließ ihm, um Zeit zu gewinnen, ſagen: da er geſonnen ſei, in wenigen Tagen nach Néguade zu kommen, ſo baͤte ich um die Erlaubniß, ihn daſelbtt erwarten zu duͤrfen, weil ich an dieſem Orte beque⸗ mer, als anderwaͤrts wohnte, indem ich einige Ruhe noͤthig haͤtte. Dieß wurde mir auch bewilligt; ich rei⸗ ſte ſogleich nach Néguade ab, um der gefaͤhrlichen Ehre, arabiſcher Leibarzt zu ſeyn, ausweichen zu koͤnnen. XVII. Den 26. Juni traf ich mit einem Bettel⸗ in der Wohnung meines Gefaͤhrten aufhielt. Es war jetzt die Zeit, in welcher der Nil anwuchs; ſein Waſ⸗ 665 ſer hatte ſeit einigen Tagen die Farbe geaͤndert, und fing in die Hoͤhe zu ſteigen an. Die Einwohner er⸗ warteten eine reichliche Ueberſchwemmung aus der gro⸗ ßen Menge von Waſſerſpinnen, welche ſich an der Oberflaͤche der Erde geſammelt hatten. Sie hatten die Erfahrung gemacht, daß je zablreicher dieſes Inſekt ſei, in deſto groͤßerem Ueberfluſſe erhielten ſie das Fluß⸗ waſſer. Man ſah Schwaͤrme, oder beſſer, ſo dicke Wol⸗ ken von Waſſerſpinnen, daß die Luft damit bis zu einer gewiſſen Hoͤhe angefuͤllt war. 3 Den 28. fuhren wir uͤber den Nil und fanden bei unſerm Ausſteigen Pferde, welche uns nach Kus, welches die Einwohner Said Kus aus ſprechen, brin⸗ gen ſollten, wo wir zu dem wohlhabenden Kopten Maliim Poctor eingeladen waren. Der Flecken Kus, der Sitz eines Kiaſchefs, liegt in einiger Entfer⸗ nung vom oͤſtlichen Ufer, auf der Néguade gegen⸗ uͤber liegenden Seite, aber 1½ Meile weiter gegen Kord. Nach Daanville nimmt er die Stelle des alten Klein⸗Antinopolis ein. Das einzige hier noch ſichtbare Denkmal aus dem Alterthume, war die halb vergrabene Vorderſeite eines kleinen, der Sonne geweihten Tempels. Der Kopte nahm uns ſehr artig auf, und bewirthete uns praͤchtig; auch vergaß man nach Landesſitte den Dattelbranntwein nicht. Drei ſtarke Tagreiſen von Kus liegt der Hafen Coſſeir am rothen Meere; der Weg dahin geht durch die Wuͤſte. Es iſt die Karawanen⸗Straſſe, auf 666 welcher man aus Aegypten Getreide nach Ara⸗ bien ſchafft, und fuͤr welches man Kaffee aus Je⸗ men zuruͤck bringt. Der groͤßte Theil dieſer Karava⸗ nen begibt ſich von Coſſeir nach Kus; einige rei⸗ ſen auch nach Kenne, und andere nach Banub. Aegyptens unvergleichliche Fruchtbarkeit des Bodens zeigt ſich im ſuͤdlichen Theile noch herrlicher, als im noͤrdlichen. Die an die heiße Zone graͤnzende Thebais iſt weit fruchtbarer, als der feuchte Boden des Delta. Die Inſekten, welche hier am zahlreichſten und beſchwerlichſten ſind, ſind die laͤſtigen Stuben⸗Fliegen; zu dieſen geſellen ſich die Wanzen. Die Einwohner, ſelbſt die wohlhabendſten, haben trotz der Baͤder und der haͤufigen religioͤſen Reinigungen, den ganzen Koͤr⸗ per voll Laͤuſe. Wenn ſie ſich von irgend einem dieſer Inſekten gebiſſen fuͤhlen, greifen ſie es ſanft an, und ſetzen es, ohne ihm etwas zu thun, ſogar auf das Sopha, wo es bald wieder an eine andere Perſon lauft. In Ober⸗Aegypten ſchleicht ſich manchmal auch eine ſchoͤne Art von Schlupfw espe, mit ſtarkem und langem Bohrer am Ende des Koͤrpers, in die Haͤuſer ein; ſie glaͤnzt mit den lebhafteſten Farben. Man ſieht hier auch die Hummel, welche Olivier die Biene mit dem gelben Bruſtſtuͤcke nennt. Beim Fliegen laͤßt ſie ein faarkes Sumſen hoͤren. Die Skorpionen werden ſehr groß. Der Nil liefert, 667 obgleich ſelten, eine Art von Krebs, welcher ein gutes Fleiſch hat. Die Einwohner in der Thebais ſind noch unge⸗ ſchlachteter, als in Unter⸗Aegypten. Die Moͤnche ſuchen, durch falſche Begriffe geleitet, die katholi⸗ ſchen Bewohner im Irthume zu erhalten, indem ſie z. B. das Beſchneiden der Frauenzimmer unterlaſſen, um nichts mit den Mahomedanern gemein zu haben; die dem Klima angemeſſene weite Frauenkleidung ver⸗ warfen ſie als unanſtaͤndig. XVIII. Die Franken werden in den Staͤdten von Nieder⸗Aegypten verachtet, und unter den Einwohnern von Said verabſcheut. Dieſes kommt von den Kopten, welche in dieſem Bezirke weit zahlreicher, als in den mitternaͤchtlichen Theilen ſind. Sie ſahen es ungern, daß Miſſionaͤre aus Italien kamen. Der Superior zu Néguadé, unzufrieden, daß ich die Gunſt Ismains erhalten hatte, ſuchte mich bei demſelben zu verkleinern und herab zu ſetzen. Haͤtte er dieß bei einem Bey gethan, ſo waͤre es um mein Leben geſchehen geweſen. Nichts deſto weniger nahm mich Ismain ſehr edelmuͤthig auf; ich erbat mir ſeinen Schutz zur Reiſe, welche ich in die vorzuͤglich⸗ ſten Orte der Thebais, die ich noch nicht beſucht batte, zu machen Willens war. Ich verließ den ſchaͤndlichen Superior von No⸗ gugdsé, und reiſte den 4. Juli nach Kus. Dieß iſt 668 mit Fruchtbaͤumen umringt, welche angenehme Gaͤr⸗ ten bilden. In dieſer Jahreszeit traf man hier Wein⸗ trauben in großer Menge an. Die Maͤrkte und die Gaſſen von Kus waren mit Melonen und Paſteken angefuͤllt. Ich habe daſelbſt drei Arten von Melonen gegeſſen, die Agur, welche Aehnlichkeit mit der eu⸗ ropaͤiſchen hat; die Ahun, eine Cantalupen⸗Art mit gelber Schale und gelblich weißem Fleiſche; endlich die Abdelaoui(Sklavin der Suͤßigkeit), die laͤng⸗ licht iſt, und einen runden Auswuchs an der Spitze hat. Die Melonen ſind groͤßtentheils unſchmackhaft. Zu Kus traf ich auch eine Spielart von Paſteken, welche die Araber Nems nennen; dieſen Namen ge⸗ ben ſie auch mit Unrecht dem Ichneumon. Die Datteln fingen an reif zu werden. Auf den duͤrren und beinahe unfruchtbaren Ebenen dieſer naͤm⸗ lichen Theile von Ober⸗Aegypten vaͤchſt gemein⸗ lich der aͤchte Akazienbaum, aus deſſen Stamme und Zweigen der arabiſche Gummi fließt. Die Aegvpter nennen dieſen Baum Sunth. Sein dun⸗ kelrothes Holz iſt hart und nimmt einen ſchoͤnen Glanz an; ſeine in einer Schotte eingeſchloſſenen Kerne gebraucht man zum Korduan⸗Faͤrben. Dieſe Frucht, im Arabiſchen Karat genannt, freſſen die Ziegen begierig. Das Gummi iſt fuͤr die Manufaktu⸗ ren und den Handel ein wichtiger Gegenſtand. Zur Bereitung des arabiſchen Gummi iſt große Hitze er⸗ forderlich. 669 Zu Kus ſetzte man mir bei einer Mittagsmahl⸗ zeit zum erſten Male Tahine vor; es beſteht aus dem Marke von Seſamoͤle, vermengt mit Honig und Citronen⸗Saft. Dieſes Gericht iſt ſehr unſchmackhaft. Auch das aus dem Seſamkerne gezogene Oel, Si⸗ ritſch im Arabiſchen, wird in Aegypten ſehr ge⸗ ſchatzt; in Europa wuͤrde man es bloß zum Brennen und zum Backſchmalze tauglich halten. Die Seſem⸗Pflanze iſt in Europa unter den Namen Seſam, und auch orientaliſcher Fin⸗ gerhut bekannt.. XIX. Wie ich durch die Niedertraͤchtigkeit und Treuloſigkeit der Bewohner verhindert wurde, nach Habeſch zu reiſen, ſo zwangen mich die naͤmlichen Umſtaͤnde auch jetzt wieder, meine Reiſe nach dem ro⸗ then Meere aufzugeben. Der Kopte Mallum Poc⸗ tor zu Kus verſuchte nebſt einem tuͤrkiſchen Kauf⸗ manne, mich zu beſtehlen und auf alle Weiſe zu hin⸗ tergehen. Ihrer Spitzbuͤbereien uͤberdruͤſſig, entſchloß ich mich, meine Reiſe nach den Ruinen der alten Stadt Theben fortzuſetzen. 4 Wir reiſten den 17. Juli, begleitet von 4 Ara⸗ bern, von Kus zu Pferde an dem Nil auf der Oſt⸗ ſeite ab. In dem großen Dorfe Nuzaris, welches von Kopten oder aͤgyptiſchen Chriſten bewohnt wird, hielten wir Mittag und langten bald darauf in dem elenden Dorfe Karnal an, um welches praͤchtige Ruinen ſich befinden. Eine Meile weiter hinauf liegt 33:es B. Aegppten. II. 3. 4 670 Luxor, auf dem aͤußerſten Suͤd⸗Ende der Stelle er⸗ baut, welche dieſe beruͤhmte Stadt auf dieſer Seite des Fluſſes einnahm. Obelisken, koloſſaliſche und andere ungeheuere Statuen, Zugaͤnge, welche durch Sphinxe gebildet werden, durch welche man noch hineingehen kann, gewoͤlbte Gaͤnge von einer ungeheuren Hoͤhe, uner⸗ meßliche Saͤulen⸗Stellungen, Farben, welche noch durch ihre Schoͤnheit in Erſtaunen ſetzen, Granit und Marmor in Menge, ungeheuer große Steine, welche von Knaͤufen getragen werden, und die dieſen praͤchti⸗ gen Gebaͤunden zur Decke dienen; endlich Tauſende von umgeſtuͤrzten Saͤulen, nehmen eine Strecke von ſehr großem Umfange ein. Zu Luxor wurde ich von dem Araber, welcher Ismain⸗Abu⸗Alis Befehlshaber war, ſehr wohl aufgenommen. Den 18. ritten wir unter einer Be⸗ deckung bei den Ruinen der alten Reſidenzſtadt der aͤgyptiſchen Koͤnige herum. Ihre Pracht und ihre Groͤße uͤbertrifft alles, was man ſich vorſtellen kann. Wegen eines zwiſchen den Mamelucken ausgebro⸗ chenen Krieges konnte ich nicht lange an den Orten verweilen, wo ehemals das praͤchtige Theben ſtand. Ich war 135— 140 Meilen von Kairo entfernt, als ich meine weitere Reiſe gegen Suͤd einſtellte. Der Ort, wo ich an das Land ſtieg, war mit aͤchten Aka⸗ zien⸗Baͤumen bepflanzt. In das nicht weit entfernte Dorf wagten wir, weil es eine der furchtbarſten Raͤu⸗ 671 ber⸗Hoͤhlen war, nicht zu gehen. Ich ließ den Scheik von Gurnei, an welchen ich Empfehlungsſchreiben hatte, zu mir kommen. Er hatte hier kein großes Anſehen, und was er uns von Gurnei's Einwoh⸗ nern erzaͤhlte, war nicht gemacht, uns zu beruhigen. Die Einwohner boten uns viele Muͤnzen aus den Zei⸗ ten der Ptolemaͤer an. Der weſtliche Theil der alten Stadt Theben gibt jenem, welcher durch den Nil von ihm getrennt iſt, an Pracht nichts nach; allein die Denkmaͤler ſind hier nicht ſo gut erhalten. Man ſieht hier noch die Mauerwerke von einem alten Tempel, die voll von Hieroglyphen ſind, einen praͤchtigen Portikus, Koloſ⸗ ſal⸗Statuen, unter deuen man Bruchſtuͤcke von einer Memnon⸗Saͤule unterſcheidet, welche beim Auf⸗ gange der Sonne Toͤne hoͤren ließ. Die Graͤber, welche weſtlich von Gurnei liegen, und jene der Koͤnige von Theben ſind, konnte ich wegen des Krieges der Einwohner mit den Bewoh⸗ nern von Gurnei nicht beſuchen. Bei unſerer Ruͤckreiſe mußten wir, um den Be⸗ wohnern von Kamulsè, einem Dorfe auf der Haͤlfte des Weges nach Néguadé, zu entgehen, begleitet von einem halb nackten Araber von elendem Anſehen, uͤber die ſteilen Berge, welche einen Felſenwall laͤngs der angebauten Bezirke von Ober⸗Ae gypten bilden. Wir reiſten durch enge Schluͤnde, und durch verſchlun⸗ gene Kruͤmmungen, wo man weder eine Spur von 672 Menſchen, noch von Thieren entdeckte. Nach einer ſechsſtuͤndigen Reiſe auf dieſen unangenehmen Wegen ſtiegen wir in die Ebene bei Noguadé herab, und reiſten nach Kus. XX. Zu Kus ging ich in die Wohnung des Kopten Maliim Poctor. Ich nahm den Entſchluß, mich zu verſtellen; der Kopte hatte Einfluß im Lande. In ſeinem Hofe ſah ich mehrere Schafe aus Jemen; der vordere Theil des Kopfes iſt gebogen; die Ohren haͤngen herab, die Wolle iſt mehr ein ſeidenartiges und kurzes weiches Haar, als wirkliche Wolle. Dieſe arabiſchen Schafe machen keinen Theil von den aͤgyp⸗ tiſchen Heerden aus. Die Schafe Aegyptens wech⸗ ſeln hinſichtlich der Groͤße und Falbe, nach Beſchaf⸗ fenheit der Landſtriche ihres Aufenthaltes. Die Schweine waren in den Augen der Aegyptier unreine Thiere. Die Schweinhirten machten eine ab⸗ geſonderte Klaſſe aus; der Eintritt in die Tempel war ihnen verboten. Nichts deſto weniger opferten die Aegyr⸗ tier der Luna jaͤhrlich einmal Schweine, und bloß an dieſem Dage, dem Feſttage des Vollmondes, durften ſie Schweinefleiſch eſſen. Auch die jetzigen Bewohner Aegyptens, Koy⸗ ten wie Mahomedaner, enthalten ſich des Schweine⸗ fleiſches. Das Krokodill, ein den alten Aegyptiern heili⸗ ges Thier legt ſeine Eier an das kothige Nil⸗Ufer, wo ſie ſich auch begatten. Das Weibchen liegt bei der 673 Begattung auf dem Ruͤcken, und kann ſich nur mit vieler Muͤhe wieder umwenden. Das Krokodill wuͤrde eine Geißel fuͤr die Laͤnder ſeyn, in welchen es ſich aufhaͤlt, wenn es nicht ſo viele Feinde haͤtte, unter welchen die Nil⸗Schildkroͤte die erſte Stelle ein⸗ nimmt, welche deſſen Eier und Jungen im Augen⸗ blicke, als ſie zum Vorſcheine kommen, frißt. Zu Noguads ſah ich auch die ſchlecht erhaltene Haut einer Art Eidechſe, Waral genannt; ſie war 2 Fuß lang; allein es gibt noch groͤßere. Sie geht niemals in das Waſſer; von ihr erzaͤhlt man viele Maͤhrchen. Die Aegyptier bedienen ſich aus Aberglauben, ver⸗ ſchiedener Steine gegen Stiche von Skorpionen und gegen Biſſe der Schlangen. Vor meiner Abreiſe zu Kus mußte ich einem zu Pferde gefallenen Kiaſchef die verenkte Schulter einrichten. Ich mußte mich in einen Chirurgen verwandeln. Geduldig ertrug der Mameluke die Schmerzen einer ungeſchickten Behand⸗ lung. Aus Furcht, der Kranke moͤchte mich bei ſich behalten, reiſte ich noch den naͤmlichen Abend nach Kennè ab, wo ich in der Nacht den 23. Juli au⸗ langte.. XXI. Kenné, ein ziemlich unbetraͤchtlicher Flecken auf der Oſtſeite, iſt ein Sammelplatz der Ka⸗ ravanen; welche nach Coſſeir gehen, und jener, welche von da mit den Reichthuͤmern Indiens und Arabiens beladen, wieder zuruͤck kommen. Die 674 Alten nannten es Cenaͤ und Coͤnopolis. Die Denkmaͤler, welche die alte Stadt verſchoͤnerten, ſind nicht mehr, der Handel iſt vernichtet; ein Kanal, ver⸗ moͤge deſſen der Nil mit dem arabiſchen Meerbuſen in Verbindung ſtand, iſt nicht mehr vorhanden. Zwiſchen Kus und Kenne iſt das Dorf Koft in das Land hinein, in der Naͤhe, wo die alte blu⸗ hende Handelsſtadt Cophtos geſtanden hat; es liegt Dendera gegenuͤber. Ich ſetzte meine Reiſe auf dem Nil fort, deſſen Waſſer alle Tage dicker wurde, und immer mehr zu⸗ nahm, und hielt den 25. in dem Dorfe Reiſchie, welches am weſtlichen Ufer liegt. Von hier reiſten wir zu dem Dorfe Kelhe, an der naͤmlichen Seite ½ Meile von Sahet. Des Aufruhrs wegen ſchiff⸗ ten wir uns wieder ein, und erreichten unter Gefah⸗ ren Sahlt, den Hafen von Basjura und Far⸗ ſchut. Wegen der Unruhen konnten wir nicht in das Dorf gehen; ich gab mich fuͤr einen Kiaſchef aus, deßwegen mußte auch der Reis des Dorſes fuͤr meine Sicherheit forgen; er ſelbſt kam und wachte mit ſeinen Leuten bei unſerm Schiffe. Befuͤrchtend, entdeckt zu werden, reiſten wir fruͤh eiligſt ab, und uͤbernachteten den 27. in dem anſehn⸗ lichen Dorfe Belians guf der Weſtſeite des Nils. Von da begaben wir uns den 28. nach Dſchirdſche. Es gab hier noch ein Hoſpiz der Moͤnche von der Propaganda, welche mich ſehr unhoͤflich aufnahmen. 675 Oſchirdſche, 100 Meilen von Kairo an dem Nil, deſſen Ufer hier hoch und ſteil, iſt nach Kairo die groͤßte Stadt Aegyptens. Sie iſt die Haupt⸗ ſtadt des Said, der Sitz eines Bey's und eines kop⸗ tiſchen Biſchofes. Sie iſt ein Werk neuerer Zeit und unregelmaͤßig geſtaltet. Den 29. erreichten wir mit vieler Muͤhe den Flecken Menſchisé, deſſen Maͤrkte immer reichlich mit Le⸗ bensmitteln verſehen ſind. Die Taubenhaͤuſer ſind hier ſchoͤner, als anderwaͤrts. Die große und volk⸗ xreiche Stadt Ptolemaͤis Hermii ſtand auf der naͤmlichen Stelle. Es ſind nur noch einige Truͤmmer, nebſt einem Steindamme vorhanden. Den 30. reiſte ich nach Suhaye, ritt den 31. durch das Dorf Kennè, und langte Abends zu Tahta an; daſelbſt waren gleichfalls Unruhen aus⸗ gebrochen. Ich hatte meinen Kanja verabſchiedet und fuhr den 6. Auguſt mit einer Barke ab. Ungefaͤhr 2 Mei⸗ len von Scheik Zeineiddin liegt auf der Oſftſeite des Nils das Dorf Kau el Kebir(Groß⸗Kau, zum Unterſchiede von dem gegenuͤber liegenden kleinerem), welches auf der Spitze eines hohen Vorgebirges erbaut iſt, und noch Ueberreſte einer antiken gut erhaltenen Saͤulen⸗Stellung zeigt. Ein jetzt halb eingefallener Damm von Quaderſteinen ſichert das Gebiet der alten Stadt; ſie iſt nach einigen Antaͤopolis, nach an⸗ dern Klein⸗Diospolis. Selbſt an der Spitze, 676 des Kaps, und nordwaͤrts des Qai's ſieht man große Truͤmmer eines Dammes. Den 8. reiſten wir ab; das Dorf Kum el Arab wurde von den Arabern in einem Kriege mit den Einwohnern angezuͤndet; wir ruhten zu Abutitſche aus. Ich brachte einen Theil des Tages auf dem Kaffeehauſe in Abutitſche zu; wir trafen daſelbſt Dichterinnen und Taͤnzerinnen, welche zugleich ſich dem Dienſte der Venus weihen. 3 Von Siut begab ich mich den 11. Abend nach Manfelut. Tags darauf langte das Fahrzeug mit meinen Reiſegefaͤhrten und meinen Sachen an. XXII. Den 24. Auguſt ſchiffte ich mich auf der Korvette Galliun(Schiff) ein; ſie hatte bei 250 Tonnen, oder 2500 Saͤcke Getreides, außer einer Menge Ballen von Privat⸗Perſonen, wenigſtens 100 Menſchen, und viel Vieh am Bord. Am Fluß⸗Ufer flogen eine Menge purpurrother Waſſerjungfern um⸗ her, waͤhrend uns Schwaͤrme von Muͤcken und Waſ⸗ ſer⸗Spinnen bei dem Einbruche der Nacht belaͤſtigten. Den 28. ſtieß das Fahrzeug in das hohe Waſſer. We⸗ gen der Ungeſchicklichkeit der Mannſchaft bei der Len⸗ kung des Schiffes ſtrandete dieſes in der Naͤhe des Landes. Endlich reiſten wir nach Verlauf mehrerer Tage den 21. fruͤh ab, und fuhren ſehr nahe an der Felſen⸗ kette Abufeda hin. Ich bemerkte noch außer den Katakomben an dem außerſten Ende des Gebirges 677 Abufeda Ruinen von den in Felſen gehauenen Ge⸗ baͤuden, welche ich bei meinem erſten Beſuche nicht geſehen hatte. Auf dem Schiffe bekam ich Streit mit Tuͤrken, welche meine Gefaͤhrten geſchlagen hatten, was fuͤr uns einen boͤſen Ausgang haͤtte nehmen koͤnnen. Durch die Zimmer⸗Jalouſien erkannte ich zu Scheik Abadé die Ruinen von Antinoe, und auf dem naͤmlichen oͤſtlichen Ufer das Dorf Beni⸗ haſſan wieder, am Fuße eines ſteilen Felſen⸗Gebirges, in welches die Alten Todten⸗Kammern gehauen haben. Hierauf folgt das Dorf Savuadi mit einigen Rui⸗ nen von alten Gebaͤuden. Die Oeffnungen einer gro⸗ ßen Anzahl Katakomben befinden ſich an der Vorder⸗ ſeite des Gebirges, und in ihrer Naͤhe bemerkte ich Hieroglyphen und ſymboliſche Figuren. Zu Miniet fuhr das Fahrzeug an das Land. Sogleich ſtieg der Reis mit mehreren Paſſugiers aus, und ſie verklagten mich bei dem Kiaſchef, daß ich ei⸗ nen Tuͤrken geſchlagen haͤtte. Das Volk rottete ſich uſammen, und verlangte den Kopf des Hundes, wel⸗ cher einen Liebling Mahomeds beſchimpft hatte. Ich ſchickte meine Bediente dieſen nach, welche mir die Nachricht brachten, daß ich die Baſtonade auf die Fußſohlen erhalten ſollte. Ich ging zum Kiaſchef und brachte es durch einige Zechinen dahin, daß der Reis einige Schlaͤge auf die Fußſohlen erhielt. Der Kia⸗ ſchef gab mir einige Offiziere mit, welche mich gegen . 678 die Nachſtellungen des Reis ſchuͤtzten, der ſich noch auf dem Schiffe befand; denn die uͤbrigen Anklaͤger waxren eutflohen. In einiger Entfernung, unterhalb Miniet, iſt das Vogelgebuͤrge. Auf dem Gipfel des einen von den Felſen⸗Abſaͤtzen, aus welchen es beſteht, ha⸗ ben die Kopten ein Kloſter erbaut. Den 30. Abends hielten wir bei einer mit vielen Dattel⸗Baͤumen beſetzten Gegend, und mußten am fol⸗ genden Tage wegen der Waſſer⸗Wogen des Nils bei der Inſel Hadsjar Salame einen Zufluchtsort ſuchen. Den 31. fuhren wir wieder laͤngs einer hohen Felſen⸗Kette hin; auf dem Gipfel zeigt eine Kapelle das Grab des mahomedaniſchen Heiligen Scheik Embarek, welcher in großer Verehrung ſteht. Alle Berge auf der Oſtſeite des Nils ſind hoͤher, als jene auf der Weſtſeite. Wir fuhren vor dem Flecken Fe⸗ ſché am oͤſtlichen Ufer vorbei, welches ſeinen Namen einem hohen Gebirge gibt. Wegen Windſtille hielten wir uns den ganzen Tag vor Bebé auf. Die Gebirgs⸗Kette Feſchné, welche ſich in Sandhuͤgel verwandelt hatte, ſteigt et⸗ was unterhalb Bebé in die Hoͤhe, und bildet ein rundes, den Lauf des Stromes aufhaltendes Kap; es hat ſeinen Namen von einem Heiligen, Abnur⸗ berg, ſein Grabmal ſieht man auf einer flachen Hoͤhe. Wir fuhren bei Beniſuef vorbei. Vor Buſch 679 rundet ſich die oͤſtliche Gebirgs⸗Kette in eine weit her⸗ vor ſpringende weiße Spitze; man nennt ſie Dſie⸗ bel Guypſe(Gypsberg); man findet viel Gyps da. Bei Annaͤherung der Nacht wurde das Schiff im Angeſichte des Dorfes Meium feſt gemacht. Dieſem gegenuͤber ſteht ein altes koptiſches Kloſter; weiter unten iſt die Felſenſpitze Dſjebel Nauti(Matro⸗ ſen⸗Berg), von einem Matroſen ſo genannt, welchen ſeine Kameraden unter die Heiligen verſetzt haben. Riha war die letzte Station, ehe wir nach Kairo kamen. Die Ueberſchwemmung ging von der Weſtſeite bis an den Fuß der großen Pyramide, wel⸗ che man einige Meilen von Riha ſieht. Den 4. September zogen unſere Schiffleute die beiden faſt unermeßlichen Segel auf, weil ſie nach Kairo zu kommen wuͤnſchten. Wir machten eine halbe Meile von Alt⸗Kairo, vor dem koptiſchen Kloſter Deir Ettin(Feigenkloſter) Halt. XXIII. In Kairo beſuchte ich meine Landsleute wieder. Ich ließ Kairo rechts liegen, ging dann mit einem Reis zu Lande nach Schubra, einem Dorfe zwiſchen Bulak und Beiſſus, wo wir eine Schaluppe beſtiegen, um unſer Fahrzeug zu erreichen. Den 6. September reiſten wir von Beiſſus ab; die Fahrt von Beiſſus bis Raſchid dauerte nicht lange. Nachdem ich einige Zeit zu Ra ſchid ausge⸗ ruht hatte, begab ich mich nach Alexandrien, wo ich meine gewoͤhnlichen Kleider wieder anzog. Ein 680⁰ Schiff, welches nach Smyrna abzuſegeln bereit war, verſchaffte mir Gelegenheit nach Griechenland und in die Tuͤrkei zu reiſen. Ich trennte mich von mei⸗ nen Gefaͤhrten, deren Geſchaͤfte ſich mit der Reiſe durch Aegypten endigten. Ich ſegelte den 17. Oktober 1718 aus dem neuen Hafen von Alexandrien und verlor die ebenen und nackten Kuͤſten des Landes bald aus dem Ge⸗ ſichte. Die Expedition nach Aegypten und Sy⸗ rien in den Jahren 1798— 99, unter Napoleon's Ober⸗Befehle. Von Fr. Schneidawind*). — Erſtes Buch. Die Unternehmung nach Aegypten hatte das franzoͤſiſche Direktorium den 12. April 1798 defi⸗ nitiv beſchloſſen. *) Der Feldzug Napoleons nach Aegypten iſt in vieler Beziehung nicht nur fuͤr unſere Pe⸗ riode hoͤchſt wichtig, ſondern wird auf die ſpaͤ⸗ teſte Nachwelt noch den wichtigſten Einfluß ha⸗ ben. Obſchon das von ihm ſelbſt angeordnete große Werk der Beſchreibung Aegyptens von ſeinen gelehrteſten Begleitern verfaßt wurde, ſo ſind doch ſeit 30 Jahren noch viele andere 682 Die Gluͤckwuͤnſche, die Beweiſe von Anhaͤnglich⸗ keit, welche dem Feldherrn Napoleon nach ſeinen Siegen in Italien, von allen Seiten in Frank⸗ reich begegneten, hatten den Mitgliedern des Direk⸗ toriums Beſorgniſſe einzufloͤßen. Als ſchwache Stell⸗ vertreter der Macht fuͤhlten ſie, wie die oͤffentliche Meinung ſich von ihnen losriß; die Nation verglich die Nichtigkeit derſelben mit dem Ruhme des jungen Helden. Sie beſorgten, der allgemeine Enthuſiasmus moͤchte irgend eine Bewegung, irgend eine Unterneh⸗ mung gegen ihre Macht herbei fuͤhren, und dachten Werke in Frankreich und England erſchienen, welche zur Ergaͤnzung dienen; etnige von zahl⸗ reichen Baͤnden ſind eben erſt angekuͤndigt wor⸗ den. So ſehr Hr. Prof. Schneidawind ſich bemuͤhte, in vorliegender Erzaͤhlung alles We⸗ ſentliche aus dieſen Quellen mitzutheilen; ſo mußte er doch manche Einzelnhrit, vorzuͤglich die Charakteriſtik der handelnden Perſonen, bloß andeuten, um andern Gegenſtaͤnden, welche durch den ruſſiſch⸗tuͤrkiſch⸗ griechiſchen Krieg ein beſonderes Intereſſe unſerer Leſer erhalten, den Raum in der Taſchen⸗Bibliothek der Rei⸗ ſen nicht zu verſperren. Statt deſſen hat er ein eigenes baͤndereiches Werk uͤber Napoleons ug nach Aegypten, unter Zuziehung der eſten bis jetzt erſchienenen Quellen angelegt, auf deſſen einſtige Erſcheinung wir uns zur Pflicht rechnen, das Publikum letzt ſchon auf⸗ merrſam zu machen. Jaͤck. 683 nun nur auf die Entfernung eines Mannes, von wel⸗ chem ſie das Meiſte fuͤrchteten. Aus dieſer Furcht entſprang zum Lheil die Idee einer Expedition nach Aegypten. Zudem war dieſe Expedition ganz geeignet, einen großen Begriff von der Macht Frankreichs zu geben, und Europa durch die Kuͤhnheit derſelben zu uͤberraſchen. Sie konnte die Niederlaſſung einer franzoͤſiſchen Ko⸗ lonie am Nil, welche ohne Sklaven gedeihen, und der Republik den Verluſt von Sanet Domingo und aller Zucker erzeugenden Inſeln erſetzen wuͤrde, zur Folge haben, den franzoͤſiſchen Manufakturen ei⸗ nen Abſatz in Afrika und Afien eroͤffnen, ahe Pro⸗ dukte jener unermeßlichen Laͤnder in den franzoͤſiſchen Handel bringen, und aus Aegypten einen Waffen⸗ platz machen, aus welchem man 60,000 Mann nach dem Indus ſendete, um die engliſchen Beſitzungen in Oſt⸗Indien anzugreifen, und die unterdruͤckten Voͤl⸗ ker Hindoſtan's, ſo wie die Maratten, in Auf⸗ ſtand zu bringen. Hiebei durfte man uͤberdieß auf die Mitwirkung Tippo Saibs, oder Sahebs, Fuͤr⸗ ſten des indiſchen Staates von M y fore, nach deſ⸗ ſen Beſitzungen England Luſt trug, zaͤhlen. Denn dieſer Fuͤrſt hatte Abgeordnete an Malartic, Ge⸗ neral⸗Gouverneur von Isle de France und de la Reunion, mit Depeſchen fuͤr das Direktorium ge⸗ ſendet, und außerdem noch vertraulich an den Kolo⸗ nial⸗Rath, und an die bei dieſer Regierung ange⸗ 684 teelten Generale geſchrieben. Dabei erbot er ſich, mit Frankreich ein Offenſiv⸗ und Defenſiv⸗Buͤndniß abzuſchließen, und alle Truppen, welche dieſe Macht nach Indien ſenden wuͤrde, ſo lange der Krieg dauerte, auf ſeine Koſten zu unterhalten. Er erwarte nur den Augenblick, in welchem ihm die Franzo ſen zu Huͤlfe kaͤmen, um den Britten den Krieg zu er⸗ klaͤren, da ihm nichts ſo ſehr am Herzen liege, als dieſe aus Indien zu verjagen. Wenn aber auch das Unternehmen nach Aegyp⸗ ten mißlang, ſo hatte man dadurch wenigſtens den gefuͤrchteten Feldherrn entfernt, und vielleicht Ihn und ſein Heer— meiſt aus trotzigen Republikanern beſtehend— zur Sicherung der Direktions⸗Herrſchaft aus dem Wege geraͤumt. Unter dem Vorwande einer Expedition gegen England, dieſe alten Feinde Frankreichs, wur⸗ den ¹3 Linienſchiffe, 14 Fregatten, 400 andere Fahr⸗ zeuge in den Haͤfen des mittellaͤndſchen Meeres aus⸗ geruͤſtet. Treffliche Regimenter wurden zuſammen⸗ gezogen, und Generale, welche meiſtens bei der ita⸗ lieniſchen Armee gedient hatten, und durch ihre Heldenthaten dem Ruhme Frankreichs angehoͤrten— Berthier, Kleber, Deſſair, Cafarelli⸗Du⸗ falga, Murat, Lannes, Davoust, Vaubois Belliard, Dumas, Andreoſſy, Menou und A. m. befehligten ſie, und uͤber Alle ſtand Napo⸗ leon als Ober⸗General. 685 Niemals zeigte Napoleon mehr Eifer und Ta⸗ lent, als bei der Sorgfait, welche er auf die Vorbe⸗ reitungen zu dieſem Feldzuge verwandte; er veryiel⸗ faltigte ſich gleichſam durch ſeine unermuͤdete Thaͤtig⸗ keit. In weniger als zwei Monaten befanden ſich 36,000 Mann von allen Waffengattungen in den ver⸗ ſchiedenen Haͤfen Frankreichs und Italiens be⸗ reit, auf das erſte Zeichen in das Meer zu gehen. Die Hauptruͤſtung geſchah in Toulon, und am 9. Mai 1798 erſchten Napoleon in dieſer Seeſtadt ſelbſt. Ohne zu raſten, ließ er die Truppen hier aus⸗ ruͤcken und gab folgende Proklamation an die Armee: Soldaten!„Ihr ſeyd ein Fluͤgel der Armee von England! Ihr habt auf Bergen, auf Ebenen, vor feſten Plaͤtzen Krieg gefuͤhrt: Euch bleibt noch der See⸗Krieg zu fuͤhren uͤbrig. Die roͤmiſchen Legio⸗ nen, denen Ihr es zuweilen gleich gethan, die Ihr aber noch nicht ganz erreicht habt, haben Karthago abwechſelnd in dieſen Gewaͤſſern und in den Ebenen von Zama bekaͤmpft— und nie verließ ſie der Sieg, weil ſie ſtets tapfer, unermuͤdet, diseiplinirt und un⸗ ter ſich einig waren. Soldaten! Ganz Europa hat die Augen auf Euch gerichtet! Ihr habt große Thaten zu vollfuͤhren; Schlachten zu liefern „Gefahren und Muͤhſeligkeiten zu uͤberwinden; Ihr werdet mehr thun, als Ihr jemals fuͤr das Heil des Vaterlandes, das Gluͤck der Menſchen und Euren Ruhm gethan habt! Soldaten! Matroſen, Infanteriſten, Kano⸗ 33fes B. Aogypen. II. 3. 5 686 niere,IReiter! ſeyd einig; bedenkt, daß Ihr am Tage dee Schlacht alle einander noͤthig habt! See⸗Solda⸗ ten! Ihr ſeyd bisher vernachlaͤſſiget worden; jetzt aber wird die Republik Euch die groͤßte Sorgfalt wid⸗ men; Ihr werdet der Armee wuͤrdig ſeyn, von der Ihr einen Theil ausmacht. Der Genius der Freiheit, welcher die Republik von ihrem Euntſtehen zum Schieds⸗ richter Europens berufen, hat ſie auch als ſolchen zur See, und fuͤr entfernte Laͤnder beſtimmt.“ Auf dieſe Art erfuhr die Armee von ihrem Feld⸗ herrn, daß ſie jenſeits der Meere ſich ſchlagen und ſiegen ſollte. Aber uͤber welche Meere ſollte ſie hin⸗ ſegeln, und welche Laͤnder ſollte ſie erobern?— Das Geheimniß, wohin die Expedition Napoleons ge⸗ richtet ſey, wurde ſorgfaͤltig bewahrt. Aber ſie konnte bei der Herrſchaft der brittiſchen Flagge im Mittelmeere nur durch dieſe ſorgfaͤltige Verheim⸗ lichung und Liſt gelingen, und die Englaͤnder konnten, ungeachtet ihres Goldes, nicht erfahren, nach welcher Seite die Unternehmung ſich richte. Am 14. Mai begab ſich Napoleon an den Bord des Orient, der die Admirals⸗Flagge aufzog. Der General Vaubois leitete die Einſchiffung der Trup⸗ pen auf Korſika, die Generale Baraquay d' Hil⸗ liers, Vial, Veaux, Murat zu Genua, und die Generale Deſſair, Friant, Belliard und Mireur zu Civita⸗BVecchig. Napoleon fuhr laͤngs der Kuͤſten der Provence nach Ger ug, ver⸗ 687 einigte ſich hier mit der Schiffs⸗Abtheilung, richtete dann ſeinen Lauf nach dem Vorgebirge von Korſika, woſelbſt Vaubois mit ſeiner Diviſion zu ihm ſtieß, und vereinigte ſich am 29. Mai endlich mit dem Kon⸗ voi unter Deſſaix in den Gewaͤſſern von Malta.— Dieſe nun vereinigte Flotte beſtund aus 13 Linien⸗ ſchiffen, 8 Fregatten, 8 Fluthſchiffen, 3 Aviſos, 4 Bombardier⸗Schiffen, 4 Kanonier⸗Schaluppen, 2 Briggs, 4 Felucken und etwa 400 Transport⸗Schif⸗ fen. Dieſe Flotte trug 10,000 Seeleute unter den Admiralen Brueys(Ober⸗Befehlshaber der Flotte), Villeneuve, Blanquet⸗Duchayla und De⸗ erès. 3 4 Auf der Flotte befanden ſich aber außer den Krie⸗ gern, uͤber 100 Gelehrte, Kuͤnſtler oder Ingenteurs Frankreichs; z. B. Monge, Berthollet, Geoffroy, Pourlier, Lepere, Denon, Jaco⸗ tin, Parſeval de Grandmaiſon u. A. m. 83 Die Flotte ging, um Erfriſchungen einzunehmen, im Angeſichte von Marſala vor Anker; am 6. Junſ, nach einer Fahrt von 21 Tagen, zeigten ſich ihr die Ufer von Malta und ihre Feſtungswerke, am a. dehnte ſie ſich von der Inſel Gozzo bis Marfo⸗ Sirocceo aus, und bedrohte zu gleicher Zeit alle an⸗ greifbaren Punkte von Malta.— Man mochte nun Aegypten als die Baſis einer Unternehmung gegen die Eng laͤnder in Indien betrachten, oder ſich darauf beſchraͤnken, jenes Land in eine franzoͤſiſche Kolonie zu verwandeln, ſo mußte die Eroberung von Malta immer die erſte Unternehmung dieſer Expedition ſeyn, um fuͤr alle Faͤlle einen Zwiſchen⸗Poſten und einen großen Stapel⸗ Platz fuͤr die Kriegs⸗ und Handels⸗Marine Frank⸗ reichs zu haben. Mußte aber Napoleon Gewalt anwenden, ſo haͤtte ein langer Widerſtand Zeit gege⸗ ben, daß die engliſche Flotte die franzoͤſiſche fand, und ankommen konnte. Der Weg der Unter⸗ handlung ſchien weniger gewagt, und er verlangte deßhalb von dem Großmeiſter des Johanniter⸗Ordens, Ferdinand von Hompeſch, daß die Flotte in den Hafen eingelaſſen werde, um ſich mit Waſſer zu verſorgen. 8. Hompeſch benahm ſich mit dem Ordens⸗ Rath, und antwortete an N apoleon:„daß die Ge⸗ ſetze und Statuten des Ordens nur 4 fremden Faht⸗ zeugen auf einmal das Einlaufen in die Haͤfen und Ankerplaͤtze von Malta erlaubten.“ Napoleon erklaͤrte dem Großmeiſter: der Orden habe ſeit langer Zeit die Feinde der Republik beguͤnſtiget, den Brit⸗ ten Vorſchub geleiſtet u. ſ. w.„ und ließ einen Theil ſeiner Truppen auf Punkten am 10. Juni feindlich landen. Die Franzoſen trafen wenig Widerſtand. Die Ritter hatten keinen innern Trieb mehr. Eine Schanze, eine Redoute, ein Ort um der andere fiel in Napoleons Gewalt. Bald begann— abſicht⸗ lich(wahrſcheinlich) erregt— graͤnzenloſe Verwirrung 689 unter den Truppen des Ordens und in der Haupt⸗ ſtadt La Valetta. Der Großmeiſter, von der Un⸗ moͤglichkeit, den Platz zu retten, und von der Zweck⸗ loſigkeit eines unnuͤtzen Widerſtandes uͤberzeugt, wil⸗ ligte ein, zu kapituliren. Die Haupt⸗Bedingungen waren: Uebergabe der Forts und Inſeln Malta, Gozzo und Comino an Frankreich, Freiheit, Penſion und Entſchaͤdigung fuͤr ſich und die Seinigen, und die Erlaubniß fuͤr die Ritter, ſich an einen ihnen beliebigen Ort zuruͤck zu ziehen. Die Franzoſen nahmen Beſitz. Hompe ſch und die Ritter verließen die Inſel; bloß eine Anzahl braver junger Leute, ge⸗ borne Franzoſen, nahmen Dienſte in der Armee von Aegypten. Napoleon beſchaͤftigte ſich ſogleich mit der Or⸗ ganiſirung von Maltaz eine Nationalgarde, ein Ver⸗ waltungs⸗Rath, die Mittel zur Vertheidigung und zum Angriffe; alles dieſes wurde angeordnet, und in weniger als 8 Tagen vollzogen. General Vaubois wurde Befehlshaber auf Maltaz die malteſiſchen Truppen wurden den franzoͤſiſchen Halbbrigaden ein⸗ verleibt; 4000 Franzoſen erſetzten ſie, und die Flotte erhielt Befehl, unter Segel zu gehen. Napoleon erhielt auf der Hoͤhe des Cap Bo⸗ nara von einem ſpaniſchen Schiffe, und dann von der franzoͤſiſchen Fregatte, welche den Groß⸗ meiſter Hompe ſch nach Trieſt gebracht hatte, ſichere Nachricht von der brittiſchen Flotte unter Nel ſon in den Gewaͤſſern Siziliens. Er befahl, man ſolle den Weg, den man verfolgte, aͤndern, und auf Can⸗ dia, was die Franzoſen zwar nicht ſehen konnten, aber links vor ihnen lag, losſteuern. Der Befehl wurde puͤnktlich erfuͤllt; Abends waren alle Schiffe an der Kuͤſte von Ca ndia vereinigt, und hatten die Kriegs⸗Flotte, in 2 Kolonnen geordnet, auf ihrem rechten Fluͤgel. In derſelben Nacht hoͤrten die Fran⸗ zoſen in der Richtung ihres rechten Fluͤgels meh⸗ kere Kanonenſchuͤſſe, und da dieſe nicht von ihrer Flotte erſchollen, ſo verſetzte dieſes Ereigniß Alle in tiefes Nachdenken. Nach dem Verluſte der franzoͤſiſchen Flotte bei Abukir verglichen die Britten das Schiffs⸗ buch der franzoͤſiſchen Flotte mit dem ihrigen, und fanden, daß beide Flotten in jener Nacht mehrere Stunden, auf 4— s Meilen von einander entfernt, neben einander geſegelt waren. Die Kanonenſchuͤſſe, welche man gehoͤrt hatte, waren Signale, welche der engliſche Admiral, Nelſon, ſeinen Schiffen gab, und wenn Napoleon nicht den Alond vorher auf Candia haͤtte losſteuern laſſen, ſo haͤtte die fran⸗ zoͤſiſche Flotte unfehlbar der engliſchen Seemacht gegenuͤber ſich befunden. Napoleon befahl nun, anſtatt gerade auf Alexandrien zu ſteuern, den Lauf gegen die afrikaniſche Kuͤſte nach dem Cap Durazzo, 23 Meilen von dieſer Stadt zu nehmen. Des andern Tages wurde die Kuͤſte und das Cap ſig⸗ naliſirt. Nelſon befand ſich gerade vor Alexan⸗ 691 drien damals, und da er dort nichts von der fran⸗ zoͤſiſchen Flotte wahrnahm, richtete er ſeinen Lauf nach Alexandrette, und von da nach Rhodus. Waͤhrend die franzoͤſiſche Flotte ihr Glück benuͤtzte, war die engliſche zum Theil in Neapel, zum Theil in Syracus oder Palermo, wo der beruͤhmte Nelſon ein zweites Capua zu den Fuͤßen der Lady Hamilton*) gefunden hatte. Endlich von der Nachricht der Abfahrt der franzoͤſiſchen Flotte aus Toulon aus ſeiner Ruhe aufgeſchreckt, ging Nelſon auf der Stelle entlang der Kuͤſte von Italien nach Toulon unter Segel. Von hier ſchiffte er nach Saint Florent, und von hier nach der Levante, ohne ſich aufzuhalten, oder Malta rekognosziren zu laſſen. Nach einer Fahrt von 13 Tagen ſeit dem Abzuge aus Malta, am 43ſten Tage ſeit der Abfahrt von Toulon, am 1. Juli naͤmlich erſcholl aus den Maſt⸗ Koͤrben der Flotte Napoleons der Ruf„Land“ wieder. Ein Kuͤſten⸗Land breitete ſich wie ein weißer Streif an dem blaͤulichen Horizont des Meeres aus. Kein Baum, kein Strauch war zu ſehen; es war dieß nicht das Schweigen der Natur, ſondern die Natur 5 Siehe die Artikel Hamilton und Nelſon in der VII. Ausgabe des Brockhauſiſchen Kon⸗ verſations⸗Lerikons. 692 in ihrer Zerſtoͤrung, die Stille eines Kirchhofes. Die Soldaten fragten nun einander, was das fuͤr eine Ge⸗ gend ſeyn koͤnne? Sie waren an der Weſtkuͤſte von Aegypten*). Drei Stunden neben der Kuͤſte Aegyptens ging die Flotte vor Anker. Sie befand ſich gegenuͤber vor Alexandrien. Napoleon hatte eine Fregatte voraus geſchickt, um den franzoͤſiſchen Konſul, der in dieſer Stadt re⸗ ſidirte, abzuholen. Dieſer berichtete dem General, daß 48 Stunden vorher Nelſon vor Al exandrien eerſchienen ſey, wo er uͤber das franzoͤſiſche Geſchwader Erkundigungen eingezogen habe, daß er aber, da er dasſelbe nicht getroffen, ſeinen Weg gegen die Kuͤſte von Syrien fortgeſetzt habe, da der Admiral ohne Zweifel ſich nicht uͤberreden koͤnne, er habe es uͤberſe⸗ gelt. Auch berichtete dieſer Konſul, daß das Erſchei⸗ nen der franzoͤſiſchen Flotte eine Bewegung gegen die Ehriſten in der Stadt veranlaßt, und er ſelbſt bei ſei⸗ ner Einſchiffung in großer Gefahr ſich befunden habe. Außerdem ſcheine es, als wollten die Stadt und die Forts gegen Jeden, der eine Landung verſuchen wuͤrde, *) Den Zuſtand dieſes Landes kennen die Leſer aus Dr. Schneidawind's Darſtellung der Rriſe des Daͤnen Norden. Bd. Xl. S. 335 u. Bd. XIV. S. 384 u. folg. dieſer Taſchen⸗Bibl. 693 ſich vertheidigen, gleichviel, von welcher Nation er ſey. Es war keine Zeit zu verlieren. Napoleon be⸗ fahl ſogleich, ſo nahe als moͤglich, bei dem Meerbu⸗ ſen von Marabu Anker zu werfen, und die Aus⸗ ſchiffung der Truppen zu beginnen. Man fing damit noch am Abend der Ankunft an; die Flotte lag mit den Transport⸗Schiffen ſehr nahe bei Alexandrien vor Anker; alle Schaluppen wurden in wenigen Au⸗ genblicken in das Meer geſetzt, und mit Soldaten be⸗ mannt; ſie naͤherten ſich dem Ufer, die Stadt zu ib⸗ rer Linken laſſend. Allein das Meer wurde ſo unru⸗ hig, daß man nicht landen konnte, und daß die Scha⸗ luppen genoͤthiget waren, ſich an die dem Ufer naͤchſt⸗ liegenden Schiffe feſt binden zu laſſen. In dieſer Lage brachten ſie, mit ihrer Mannſchaft beladen, die Nacht zu, wobei ſie fuͤrchterlich hin⸗ und hergeworfen wurden. Sobald aber das Meer wieder ruhig war, ſo banden ſie ſich los, und ſteuerten nach der Kuͤſte, welche in einigen Stunden mit Soldaten uͤberdeckt war.— In dem Augenblicke des Landens ward ein Schiff, im Winde, ſignaliſirt.„Gluͤck,“ rief Napo⸗ leon, der beſorgte, ein brittiſches Spaͤhe⸗Schiff moͤchte ſich ihm naͤhern,„willſt du mich verlaſſen? Nur noch s Tage!— Aber nie hatte das Gluͤck mehr fuͤr ſeinen Guͤnſtling gethan. Das ſignaliſirte Schiff war die franzoͤſiſche Fregatte: Justice, welche von Malta kam. 694 Napoleon hatte den Orient verlaſſen, eine Galeere beſtiegen, ungeduldig, einer der Erſten an dem Lande zu ſeyn, und erreichte endlich in einem Boote, nachdem er mit den groͤßten Hinderniſſen gekaͤmpft batte, das Ufer. Von den Anſtrengungen erſchoͤpft, ſchlief er zwei volle Stunden auf dem Sande, waͤh⸗ rend ſeine Truppen landeten. Erwacht, brennt er vor Ungeduld, ſeine Ankunft auszuzeichnen, wartet nicht die Landung der ganzen Armee ab, will ſeinen neuen Feind durch eine demſelben unbekannte Kuͤhnheit in Erſtaunen ſetzen, und ſich durch eine nüutzliche Erobe⸗ rung der Stimmung der Armee verſichern. Auch weiß er die Zeit zu ſchaͤtzen, und ſetzt die eben gelandeten Truppen, ungefaͤhr 1000 Mann von Klebers Divi⸗ ſion, 2600 von jener Menou's, 1500 von jener Bon's (dabei keine Kanone, kein Pferd), in Marſch gegen Alexandrien. Er ſelbſt, von ſeinem Generalſtabe und den Generalen Berthier, Kafarelli, Kle⸗ ber, Dommartin u. A. m. umgeben, marſchirt zu Fuß mit der Avantgarde. Auf dem rechten Fluͤgel ruͤckte der General Bon auf die oͤſtliche Seite der Stadt Alexandrien gegen das Thor von Roſette vor. Auf dem linken Fluͤgel zog ſich General Menou uͤber die kleinen Sandduͤnen, laͤngs dem Meere gegen die Weſtſeite der ſogenannten Araber⸗Stadt. In dem Centrum richtete der General Kleber ſeinen Marſch gegen den Theil der Stadt, wo die Saͤule des Pompejus ſteht. Bei den erſten Strahlen der Sonne erblickte man dieſe Saͤule. Eine halbe Stunde vor Tages⸗Anbruch erſcheint ein Haufe Araber von ungefaͤhr 300 Pferden, und faͤngt an, mit den franzoͤſiſchen Vorpoſten zu plaͤnkeln. Dieß waren die erſten Schuͤſſe, welche auf die franzoͤ⸗ ſiſche Armee von Aegypten fielen, die aber doch einen Offizier toͤdteten. Bald aber gibt dieſe Horde ihren Angriff auf, und entſlieht, mit aller Schnellig⸗ keit ihrer Pferde, in die Wuͤſte. In geringer Entfernung von der Stadt laͤßt N a⸗ poleon halten. Um das Blut⸗Vergießen zu hindern, will er unterhandeln, kann aber kein Gehöoͤr finden. Ein furchtbares Geheul von Maͤnnern, Weibern und Kindern, auf und innerhalb der Mauern, und eine Ka⸗ nonade aus einigen ſchlechten Piecen, geben die Geſin⸗ nungen der Muſelmaͤnner kund. Auf der Seite, von welcher ſich die Franzoſen naͤherten, befand ſich eine Oeffnung, welche ehemals irgend eine Beſtimmung ge⸗ habt zu haben ſchien, aber welche nun nur noch ein großes Loch, 12 Schuh hoch vom Fuße der Mauer ent⸗ fernt war. Die Tuͤrken hatten dort Geſchuͤtz ange⸗ bracht. Man wird kaum glauben, daß in einer Armee, welche wie die franzoͤſiſche, eine Menge Offiziere von unlaͤugbarem Verdienſte beſaß, man darauf beſtand, dieſe elende Oeffnung zu ſtuͤrmen, waͤhrend ſich 200 Toiſen weiter rechts, das große Thor auf der Straſſe von Alexandrien nach Damanhur, welches 696 nicht einmal geſchloſſen war, befand. Der Sturm⸗ Marſch wurde geſchlagen. Ziemlich viele Leute wur⸗ den bei dem Angriffe verloren, Kleber und Menou erhielten Wunden. Am Fuße der Saͤule des großen Pompejus unterſtuͤtzte und verſtaͤrkte der edle und ritterliche Sugen Beauharnois den an der Stirne getroffenen Kleber*). Endlich dringt die franzoͤſi⸗ ſche Armee auf mehreren Punkten in die Stadt kaͤm⸗ pfend ein, und Alex andrien iſt genommen. Der tuͤrkiſche Gouverneur Koraim ergibt ſich, und die Forts, Kaſtelle, die Haͤfen und die Stadt, werden Napoleon uͤberliefert. Die ganze Armee war bald in der Mitte dieſer ehrwuͤrdigen Ruinen verſammelt, aber mit ihrer Bewunderung fuͤr die Truͤmmer ſo vie⸗ ler alter Erinnerungen, begann auch ſchon die Unzu⸗ friedeunheit und das Murren daruͤber, daß ſie in der Mitte einer Wuͤſte nur Staubwolken ſtatt Alles deſſen ſah, was ſie in dem Lande, wohin ſie gefuͤhrt worden war, zu finden gehofft hatte. Man wird ſich die ſes leicht erklaͤren koͤnnen, wenn man bedenkt, daß dieſe Armee aus Truppen zuſammengeſetzt war, welche aus *) Man ſehe:„Die Feldzuͤge in den Jahren 1842, 1813, 481¼ und 4815, unter Napoleons perſoͤn⸗ licher Anfuͤhrung, nebſt biographiſchen Skizzen denkwuͤrdiger Perſonen dieſer Epoche.“ Von Dr. und Prof. F. J. A. Schneidawind. Bamberg und Aſchaffenburg bei J. C. Dreſch. I. Bandes II. Heft. Seite 183 und 154. 697 Rom, Floren:, Mailand, Venedig, Genna, Marſeille u. ſ. w. kamen, und daß beinahe der ganze Generalſtab aus Paris war. Napoleon blieb einige Tage zu Alexandrien. Er richtete daſelbſt eine Regierung ein, wozu er, um die Gemuͤther zu gewinnen und zu beruhigen, ſchlau die alten tuͤrkiſchen Obrigkeiten beibehielt, und ihr den General Kleber, der ſich von ſeinen Wunden heilen laſſen mußte, vorſetzte. Dann verſuchte er die Sache der Mameluken von jener des Volkes in Aegypten zu trennen, indem er dieſem, Jahrhun⸗ derte lange unterdruͤckten und mißhandelten Volke kund machte, daß er als ſein Freund und Retter, als Feldherr eines mit der osm anniſchen Pforte verx⸗ buͤndeten Stuates gekommen ſey.. Einer frechen Politik, wie jener des Direkevriuan von Frankreich, gebrach es auch an einem Vorwande nicht, die gegen die Pforte, einem Allirten Frank⸗ reichs, pyojektirte Gewaltthat zu verchun n Man gab vor, zum Beſten der Pforte ſelbſt die Waffen ergriffen zu haben, um die rebelliſchen Mameluken, welche dem Anſehen der Pforte ſpotteten, zu zuͤchtigen. Die Armee ging noch am Abende der Einnahme von Alexandrien ab. Die Beſorgniß vor den Eng⸗ laͤndern, und der große Vortheil, den Beys und ih⸗ ren Mameluken zuvorzukommen, und ſie in Schre⸗ cken zu ſetzen, erlaubte keinen Aufenthalt in Hinſicht des Marſches nach Kairo, der Hauptſtadt von Ae⸗ gypten. Die Armee war in fuͤnf Diviſionen Infan⸗ terie und einer Diviſton Reiterei eingetheilt. Die erſte Inf. Diviſion(21 leichte, 64 und 88 Linien⸗Halbbri⸗ gade) befehligte General Deſſa ix, die zweite(9 und 85 Linien⸗Halbbrigade) General Re ynier, die dritte (2 leichte, 2s und 75 Linien⸗Halbbrigade) General Kleber, die vierte(22 leichte, 13 und 69 Linien⸗Halb⸗ brigade) der General Menou und die fuͤnfte(4 leichte und 18 und 32 Linien⸗Halbbrigade) der General Bon. Die Reiterei(7 Huſſaren⸗, 3, 4s und 18 Dragoner⸗ und 22 Jaͤger⸗Regiment) kommandirte General Du⸗ mas. Da die Generale Kleb er und Menou ver⸗ wundet waren, kommandirten die Generale Dugua und Vieal ihre Diviſionen. Der Diviſions⸗General Berthier war Chef des General⸗Stabes, der Divi⸗ ſions⸗General Caffa relli Kommandant des Genie⸗ Weſens, und der General Domartin Befehlshaber der Artillerie. Noch dienten in dieſer Armee die Ge⸗ nerale Dumuy, Lannes, R mpon, Murat, Lanuſſe, Andreoſſy, Damas, Leeclere, Verdier, Fugieres, Davouſt, Vaux(De⸗ vaur), Belliard und Zajonzeck(Pole). Unter den Adjutanten Napoleons waren ſein Bruder Ludwig, ſein Stiefſohn Eugen, dann Duro c. Merlin(Sohn des Direktors), Julien, der Pole Sulkowesky, der ſein Vertrauen beſaß, Lavalette, beruͤhmt durch die edle Aufopferung ſeiner Gattin, Ju⸗ not u. A. m.— Sucy war Ordonnateur en Chef. 699 Die Diviſionen unter Reynier, Dugua und Vial mit einem Cheile der Reiterei, ſchlugen den Weg von Alexandrien nach Roſette uͤber Abu⸗ kir ein, und die beiden andern mit der uͤbrigen Rei⸗ terei, den von Alexandrien nach Damanhur laͤngs der Ufer des Kanals, welcher, die Wuͤſte durch⸗ ſchneidend, waͤhrend der Ueberſchwemmungszeit das Gewaͤſſer des Nils nach Alexandrien bringt. Die Dirviſion Menou mußte Roſette nehmen, und Ge⸗ neral Menou wurde zum Gouverneur in dieſer Stadt ernannt. Napoleon ließ ferner eine Kriegs⸗ und Trans⸗ port⸗Flotille organiſiren, welche aus den leichteßen und kleinſten Fahrzeugen zuſammengeſetzt war. Nachdem er auf dieſer Flotille die Kriegs⸗ und Mund⸗Vorraͤthe, welche die Armee fuͤr ihre erſte Operation noͤthig ha⸗ ben konnte, eingeſchifft hatte, ſo ließ er auch das Ver⸗ waltungs⸗Perſonale, wie die unberittene Mannſchaft der Reiterei auf dieſelbe bringen. Nun ließ er die Flotille noch vor ſeiner Abreiſe abſegeln, und befahl ihr, an die Muͤndung des Nils zu fahren, und die⸗ ſen Fluß ſtets in der Hoͤhe der Armee hinaufzuſchiffen. Der Diviſions⸗Chef von der Marine, Perée, befeh⸗ ligte dieſe Flotille. Vor dem Abmarſche aus Alexandrien ließ auch Napoleon alle Transportſchiffe in den Hafen bringen; er befahl dem Admiral Brueys, Alles, was tur Armee gehoͤre, auszuſchiffen, in Alexandrien — 70⁰ mit der Kriegsflotte einzulaufen, und wenn es die Zu⸗ gaͤnge zum Hafen nicht erlauben wuͤrden, nach Cor⸗ fu oder Toulon zu ſegeln. Der Admiral verſchob es, ohne Zweifel in rechtlichſter Abſicht, dieſem Be⸗ fehle, der wiederholt ward, nachzukommen, und legte ſich an der Spitze von Abukir zwiſchen Alexau⸗ drien und Roſette vor Anker, indem er glaubte, er koͤnne in dieſer Stellung dem Heere im Falle einer Niederlage, welche er vielleicht nicht fuͤr unmoͤglich hielt, nuͤtzlich ſeyn. Nachdem er dieſe Vorkehrungen getroffen hatte, verließ Napoleon ſelbſt Alexa ndrien, und ſchlug denſelben Weg ein, den die Diviſionen Deſſair (Deſaix) und Bon betreten hatten. Beide mar⸗ ſchirten in Kolonnen und nur ſehr langſam, damit ein Jeder nachkommen konnte, Die Truppen mar⸗ ſchirten auf einem weißen Boden, der unter ihren Fuͤ⸗ ben krachte, wie Schnee. Indem man davon in den Mund nahm, fand man, daß es Salz war, was ſich durch die Verfluͤchtigung des Waſſers, welches waͤh⸗ rend der Ueberſchwemmungszeit dieſe Ebenen apfuͤllt, gebildet hatte. Ein Marſch von 15 Stunden auf einem brennenden Sande lehrte die Franzoſen, daß dieſe Ge⸗ gend ihnen furchtbarere Hinderniſſe und Gefahren dar⸗ biete, als ſie hier geſucht hatten. Die Soldaten em⸗ pfanden das dringendſte Beduͤrfniß nach Waſſer, das erſte von allen, in jenen gluͤhenden Ebenen. Der Nil⸗ Strom ſtand damals am niedrigſten, und alle Brunnen 3 3 . G 701 waren faſt verſiegt oder verſchuͤttet. Man ſah Solda⸗ ten vor Durſt, Ermattung und Hitze ſterben. Um das Murren und die Ungeduld der Truppen zu beſchwich⸗ tigen, verſicherten die Generale und Offiziere von einer Stunde zu der andern, daß man bald uͤberfluͤſſig Waſ⸗ ſer antreffen wuͤrde. Eine optiſche Taͤuſchung, die dem Klima von Aegypten eigen iſt, gab dieſer Vertroͤ⸗ ſtung einigen Grund. Man ſah in gewiſſer Entfernung vor ſich eine ungeheuere Waſſerflaͤche, in der Form eines Sees, worin die Wolken, die Sandhuͤgel und die Unebenen des Erdreichs ſich zu ſpiegeln ſchienen, welche ſie umgaben. Durch dieſe Erſcheinung getaͤuſcht, beſchleunigten die faſt athemloſen Soldaten ihren Marſch. Was aber jetzt die Bitterkeit ihrer Lage vermehrte, war, daß der wohlthaͤtige See, wo ſie den Durſt zu loͤſchen bofften, vor ihnen zu fliehen ſchien, und ſich immer in der naͤmlichen Entfernung zeigte. Dieſes in den ſan⸗ digen und alkaliſchen Ebenen Afrikas gewoͤhnliche Phaͤnomen iſt unter dem Namen der Abſpiegelung (Kimmung, Minage) bekannt. Die erſte Station auf der Straſſe von Alexan⸗ drien nach Damanhur heißt Bedaz; hier, wie in El Kaffa wurde Nachtguantier bezogen. Am Abend des 8. Juli kamen die Diviſionen Deſaix, Menou Lunter Vial), Bon und Reynier in Damanhur an. Auf dieſem Zuge hatten die Araber, die auf ihren kleinen, trefflichen Pferden, den Ruͤcken der fran⸗ ſiſchen Kolonnen unſchwaͤrmten, einige 3o Mann ge⸗ 33tes Z. Aegypten. II. 3. 70⁰² toͤdtet, unter welchen die braven Offiziere Galois und Desnatos waren. Man raſtete in Daman⸗ hur. Man hatte der Armee ſo viel Schoͤnes uͤber die Stadt geſagt, daß Jeder darauf los marſchirte, wie wenn es einer der ſchoͤnſten Staͤdte Italiens gegol⸗ teu haͤtte. Die Soldaten wurden bedeutend enttaͤuſcht, als ſie den Haufen von Huͤtten ſahen, den man Stadt nennt, weil es der anſehnlichſte Flecken zwiſchen Ale⸗ randrien und dem Nil iſt. Napoleon war ſehr ungehalten uͤber den Unwillen, den Jeder in Folge der Entbehrungen, die man erduldet hatte, und die, wie man glaubte, man noch zu erleiden haͤtte, ungeſcheut laut werden ließ. Er konnte dem Uebel nicht abhel⸗ fen, und verlangte nur noch ein wenig Geduld, um dem Heere Ueberfluß an Allem zu verſchaffen*). Indeß zeigten ſich die Araber und Beduinen immer in groͤßerer Anzahl um das Hauptquartier zu Damanhur, und griffen die Hauptpikets an, wo⸗ raus mehrere kleine Gefechte entſtanden, oder uͤberſte⸗ len die, welche ſich einzeln uͤber die Linie wagten. Auf dieſe Art wurde der tapfere General Muireur er⸗ ſchlagen. * Die außerſt intereſſanten Details des Wuͤſten⸗ Karſches, die Aeußerungen der Armee daruͤber u, ſ. w., gibt das große Werk des Verfaſſers uͤber die aͤgoptiſche Expedition ꝛc. Am 10. Juli brachen die 4 Diviſionen nach Ra⸗ gluͤcklich den Augen einer Horde 703 manieh, einen Ort am Nil auf. Napoleon ging zuerſt ab, begleitet von einer Guides, von ſeinen Fluͤgel⸗Adjutanten und General⸗ Stabs⸗Offizieren. Ein kleiner Sandhuͤgel entzog ihn von Beduinen, welche hinter demſelben lagen. Als er die Gefahr er⸗ kannte, welcher er entgangen war, ſagte er ſcherzend: „Es iſt nicht dort oben geſchrieben, daß ich von den Arabern gefangen werden ſoll.“ Die Diviſion De⸗ ſaix machte den Nachtrab. Die Diviſton Du⸗ gua, welche in Roſette eingetroffen war, hatte Be⸗ fehl erhalten, in Ramanieh zu dem uͤbrigen Heere zu ſtoßen. Nach einem angeſtrengten Marſche gegen 0 Uhr Morgens, kam der Nil wieder zum Vorſchein. Mit Freuden⸗Geſchrei begruͤßten ihn die Soldaten der Di⸗ viſionen Bon, Vial und Reynier, und alle Offi⸗ ziere und Soldaten ſtuͤrtzten ſogleich, ohne zu wiſſen, ob man Grund finden wuͤrde, in den Fluß. Jeder ſuchte den ihn verzehrenden Durſt zu loͤſchen, und trank mit in das Waſſer gebeugtem Haupte; die Sol⸗ daten glichen einer Heerde; keiner hatte ſich die Zeit genommen, ſeinen Torniſter oder ſein Gewehr abzu⸗ legen. Aber beinahe in demſelben Augenblicke, wo ſich die Armee in den Nil geſtuͤrtzt hat, ruft die Trommel zur Fahne. Zum erſten Male zeigten ſich Mamelu⸗ ken; etwa 800 Reiter. Als die 3 franzoͤſiſchen Diyvi⸗ ſionen aber die Waffen ergriffen, aͤnderten dieſe die Eseorte von berittenen 7⁰4 Richtung, und ſchlugen den Weg nach damanhur ein, wodurch ſie auf Deſaix ſtoßen mußten. Dieſer General war, nach dem Befehle, als Nach⸗ trab auch von genanntem Orte abmarſchirt; das Ge⸗ paͤcke, von Guides zu Fuß geſchuͤtzt, folgte ihm. Letzte⸗ res wurde von einem Schwarm der Araber ange⸗ griffen, aber es war ihm gelungen, ſich auf die Divi⸗ ſion Deſaiyx gluͤcklich zuruͤckzuziehen. In dem Au⸗ genblicke als Deſaix ſich wieder in Marſch ſetzte, zeigte ſich ds Mameluken⸗Corps. Deſair ſtellte ſeine Diviſion in zwei ſtarke Kolonnen, etwas entfernt von einander auf; die Artillerie ſtellte er an die Spi⸗ be, alle Kamele und die Bagage in die Mitte und in den Zwiſchenraum dieſer beiden Kolonnen; an die Queues der Kolonne ſtellte er die Guides zu Fuß mit ihren beiden achtpfuͤnder Kanonen. Als dieſe Ordnung einmal feſtgeſtellt und der Be⸗ fehl ertheilt war, fur den Fall eines Angriffes nur mit Zuͤgen rechts und links zu ſchwencken, und das Feuer zu beginnen, ſo ſetzte man ſich in Marſch. Die Mameluken ritten ein, und machten bald an der Spitze, bald an der Queue der Kolonne Angriffe, aber die Kanonen zwangen ſie immer zum Ruͤckzuge. In dieſer Ordnung fuhr die Diviſion Die ſaix fort, bis an den Nil zu marſchiren, wo ſie, halbtodt vor Durſt, in der gluͤhendſten Sonnenhitze ankan, aber ſich auch ſogleich in den Fluß warf. N 70⁵ Man kam nach Ramanieh. Die ganze Armee war hier an den Ufern des Nil verſammelt, denn Dugua mit Klebers Dioiſion war auch eingetrof⸗ fen, und die Flottille unter Perée, welche von Ale⸗ randrien abgeſegelt war, um in den Nil zu lau⸗ fen, war denſelben hinauf gefahren, und hatte der Armee zur Seite Anker geworfen. Hier hielt man ungefaͤhr zwei Tage Raſt, und brach dann nach Kai⸗ ro uͤber Minieh⸗Salameh auf. Bei jedem Schritte, den die Armee in Aegyp⸗ ten vorwaͤrts that, ſuchte Napoleon gleich zu er⸗ forſchen, was ſich fuͤr dasſelbe thun laſſe; einmal, um die Huͤlfsauellen eines der fruchtbarſten Laͤnder der Erde zu benutzen, und deren Verwendung zu ord⸗ nen; und dann, um einen Ruhm, verſchieden von dem, den er vor ſeiner Ankunft daſelbſt ſchon erlangt batte, zu erringen. Aegypten, wie der ganze Orient, erwartet nur einen Mann, und dieſer Mann hat weniger noͤ⸗ thig, ein Eroberer, als ein Geſetzgeber zu ſeyn. Die⸗ ſes Land wurde ſo oft erobert und verwuͤſtet, daß ihm die Eroberer ein Abſcheu ſind; es vergleichet dieſelben mit der Peſt. Aber ein Herrſcher, der bloß die Uebel, die das erdruͤckende Joch belaſten, aufheben wuͤrde, waͤre der groͤßere Mann fuͤr dieſes ungluͤckliche Volk, welchem das Eigenthums⸗Recht unbekannt iſt, und welches weder das Vermoͤgen zu erwerben, noch zu veraͤußern beſttzt. Wuͤrde dieß nicht ein Mittel ſeyn, „ 7 um es fuͤr immer an ſich zu knuͤpfen, wenn man ihm die Wohlthaten der Civiliſation ohne die Verderbniß, welche die erſtere ſo oft begleitet, geben wuͤrde? Man kann nicht daran zweifeln, daß das Direkto⸗ rium, indem es den General Bon aparte nach Aegypten ſchickte, bloß den Zweck hatte, einen Feldherrn zu entfernen, welchen ſeine Siege populaͤr gemacht hatten, und deſſen er ſich nicht mehr bens⸗ thiget glaubte. Er nahm den Vorſchlag mit Eifer an, einmal, um außer dem Wirkungskreiſe der Chikanen einer mißtrauiſchen Regierung zu ſeyn, und dann, um dem lobenswerthen Ehrgeitze Genuͤge zu leiſten, die⸗ ſen Voͤlkern den Ruhm und Glanz, den ſie ehemals gehabt hatten, wieder zu geben. Er haͤtte ſich viel⸗ leicht unter irgend einem Titel zum Regenten derſel⸗ ben erklaͤrt*). 3 Napoleon marſchirte vorwaͤrts, entſchloſſen, dem Feinde, wo er ihn treffen wuͤrde, eine Schlacht zu liefern. Nach der von ihm vorgeſchriebenen Ord⸗ nung marſchirte jede Diviſion in einem Viereck von s Gliedern, die Artillerie an den Ecken, die Muni⸗ tionswagen, die Bagage und der geringe Theil von Reiterei, welchen man hatte, im Innern. Dieſe Marſch⸗Ordnung ſchuͤtzte die Armee vor jedem Unfalle; *) Siehe„die Denkwuͤrdigkeiten des Herzogs von Rovigo(Savary).“ 707 aber ſie hielt auch ihre Bewegungen auf, welche ohne⸗ dieß ſchon langſam waren, weil die franzoͤſiſche Rei⸗ terei, welche hinſichtlich der Bewaffnung den Mame⸗ lucken nachſtund, und nur zu einem kleinen Theil be⸗ ritten war, die Kolonnen nicht umſchwaͤrmen konnte. Das zweite Quarrè ſetzte ſich erſt in Marſch, wenn das erſte aufing, ſich wieder zu bilden, ſobald ſich eine Gefahr zeigte, oder auch dann, wenn das erſte in vollem Marſche begriffen war, ſobald die Entfernung der Mamelucken keinen Anlaß zur Beſorgniß mehr gab u. ſ. w. 1 2 Am 13. Juli erblickte man bei Schebreis ein Korps Mamelucken, deren Unordnung ſelbſt, verbun⸗ den mit der Verſchiedenheit der Farben in ihrem An⸗ zuge und mit der Pracht ihrer Pferde und Waffen, einen impoſanten Anblick darbot. An der Spitze der Mamelucken ſtund Murad⸗Bey, der bedeutendſte dieſer eigentlichen Herren Aegyptens*), und Araber und Fellahs unterſtuͤtzten dieſes Korps. Mit ihm war auch eine Flottille von allen Arten Fahr⸗ zeugen, die mit Tuͤrken und Griechen bemannt wa⸗ ren, verbunden, und welche den Nil herab fuhr, um die franzoͤſiſche anzugreifen. *) Ueber dieſen beruͤhmten Murad⸗Bey, ein Mheres in meinem großen Werke Fn Exye⸗ dition. ·* Die Mamelucken waren ſchon nahe an das fran⸗ zoͤſiſche Heer, als Napoleon mit dem Vorruͤcken der Armee inne hielt, um es zu s in Schachbrett⸗Form ge⸗ ſtellte Vierecke zu bilden. Das Quarrèé auf dem linken Fluͤgel lehnte ſich an den Nil, und beſchuͤtzte die Flottille, das auf dem rechten marſchirte in der Rich⸗ tung nach der Wuͤſte hin, alle Quarrés flankirten ſich gegenſeitig. Die franzoͤſiſche Flottille ſollte mit der linken Flanke gleiche Hoͤhe halten. Allein die Heftig⸗ keit des Windes riß ſie vorwaͤrts, und gab ihr eine franzoͤſiſche Meile weit einen unangenehmen Vor⸗ ſprung. Die Flotte der Mamelucken ſteuerte eifrig auf die franzoͤſiſche los. Sie griff dieſelbe an, und enterte keck in einer Stellung, wo eine Biegung des Fluſſes und die Hoͤhe des Ufers die franzoͤſiſche Landmacht verhinderte, ſie von dem Punkte, wo ſie ſich befand, zu unterſtuͤtzen. Zwei franzoͤſiſche Fahrzeuge wurden genommen, und Allen, die gefangen wurden, ward der Kopf abgeſchnitten. Allein der Kommandant der Flottille Pereie traf die beſten Gegen⸗Anſtalten, und focht ſehr tapfer; dieß, und daß Napoleon die Di⸗ viſion auf dem linken Fluͤgel bis an das Ufer des Nil anruͤcken, und ein Musketen- und Kartaͤtſchen⸗ Feuer eroͤffnen ließ, zwang die Feinde, ihre Erobe⸗ rungen wieder im Stiche zu laſſen, und trieb deren Flottille zuruͤck. Die Mamelucken inzwiſchen tummelten ihre Roſſe, erſchienen an der Spitze der franzoͤſiſchen Aufſtellun⸗ gen; aber da ſie dieſelbe nicht anzugreifen wagten, ſo gingen ſie um den rechten Fluͤgel derſelben, in der Hoffnung, den Ruͤcken verwundbarer zu finden. Die Kanonen und die Feſtigkeit der Vierecke zwangen aber bald die ſtolzen Reiter, die Straße nach Kairo zu ſuchen. Napoleons Armee nahm Scheb⸗ reis weg. Die franzoͤſiſche Flottille ſetzte ihren Lauf den Fluß hinauf fort, wobei ſie die der Mamelucken hart bedraͤngte; die Kanonade war ſehr ſtark. Die Flottille der Mamelucken verlor einige Fahrzeuge, und fuhr den Nil in der folgenden Nacht hinauf, wo ſie nun bei Kairo Stellung nahm. Die franzoͤſiſche Armee zog ſich waͤhrend des uͤbri⸗ gen Theils des Tages den Fluß hinauf. Sie lagerte bei Chabour unter ſchoͤnen Sycomorbaͤumen, und fand Felder voll Paſtecken, einer Art Waſſer⸗Melonen, welche eine erfriſchende Nahrung darbieten. Hierauf uͤbernachtete man zu Kun⸗Schereck und zu Alkam, wo der General Zayonczeck Befehl erhielt, auf dem rechten Nil⸗Ufer mit der nicht berittenen Ka⸗ vallerie aus der Flottille an das Land zu ſteigen, und ſich nach Menuf an die Spitze des Delta zu bege⸗ ben. Am 11. lagerte ſich die Armee zu Ab unoſcha⸗ beh, am 18. zu Wardan, und am 19. iu Om⸗ Dinar. Sät 41 Hier empfaͤngt Napoleon die Nachricht, daß 23 Beys(Fuͤrſten) der Mamelucken, unter ihnen Murad und Ibrahim, als die vornehmſten, ihre Streitkraͤfte in der Ebene vom Dorfe Embabeh, auf gleiche Hoͤhe mit der gegenuͤber am rechten Ufer des Nil liegenden Hauptſtadt Kairo aufgeſtellt, Embabeh verſchanzt haͤtten, und eine Schlacht lie⸗ fern wollten. Murad hatte alle Bey's zur Verthei⸗ digung der heiligen Stadt, und zum Schutz der Reichthuͤmer und Macht der Mamelucken herbeigeru⸗ fen. Er ſteht an der Spitze des Heeres, welches durch Janitſcharen, Spahis, Araber, Fellahs verſtaͤrkt iſt; der Bey Ibrahim aber hatte die Vorſicht, mit ſeinen 2000 Mamelucken auf dem rechten Nil⸗Ufer zu bleiben. Am 214. fruͤhe 2 Uhr ſſetzte ſich die franzoͤſiſche Armee zur Schlacht in Bewegung. Den Feind ſehend, bildete Napoleon ſeine Schlacht⸗Ordnung. Deſ⸗ ſaix bildete mit ſeiner und Reyniers Abtheilung den rechten Fluͤgel; die Diviſion unter Qugua ſtand in der Mitte; und die Abtheilungen Bon's und Vial'’s bildeten den linken, an den Nil gelehnten Fluͤ⸗ gel. Am Ufer dieſes Fluſſes hatten die Muſelmaͤnner Embabeh verſchanzt, indem ſie es mit einem Gra⸗ ben umgaben, und mit ihrem Fußvolk beſetzten, hin⸗ ter welchem die Reiterei hielt. Hinter dieſem Graben hatten ſie, ſo gut es gehen wollte, 15 Geſchuͤtze auf⸗ gepflanzt, welche ſie gegen den linken franzoͤſiſchen 711 Fluͤgel, der gegen ſie zuerſt anruͤckte, ſpielen ließen. Im Ruͤcken des linken Fluͤgels der Mamelucken erho⸗ ben ſich die Pyramiden, dieſe unerſchuͤtterlichen Zeugen der groͤßten Gluͤcks⸗ und Ungluͤcks⸗Faͤlle der Welt.„Soldaten“ rief Napoleon,„Ihr ſtehet im Begriffe, mit den Herren Aegyptens zu kaͤmpfen; bedenkt, daß 40 Jahrhunderte von der Hoͤhe dieſer Denkmale auf Euch herab ſchauen!“ Und der edelſte Enthuſiasmus belebte ſeine Geſtalt. Die Armee aber antwortete ihm durch den Sieg. Napoleon hielt ſich bei der Diviſion Dugua auf. Er ließ durch die Generale Bon, Rampon und Vial, das Dorf Embabeh angreifen; es wurde mit der Artillerie darin genommen, und die Verthei⸗ digungs⸗Maſſen zerſtreut. Waͤhrend dieſer Angriff ſtatt fand, erſchien Murad mit dem groͤßeren Theile der Beys und der Mamelucken am aͤußerſten Horizont vor den Vierecken der beiden Abtheilungen Reyniers und Deſaix. Die Lufterſcheinungen, die in Aegyp⸗ ten oft vorkommen, und an deren Wirkung die Fran⸗ zoſen noch nicht gewoͤhnt waren, veranlaßten ſie zu dem Glauben, als ſey der Feind, wie ſie ihn ſahen, noch nicht ſo nahe, ſo daß die Mamelucken ſchon beinahs vor ihnen waren, als ſie dieſelben noch kaum durch dieſe Luſterſcheinung unterſcheiden konnten*). **) Dieſe Lufterſcheinungen ſind durch die Sonnen⸗ hitze hervorgebracht, welche die von der Erde 71² Die beiden eben genannten Diviſionen hatten kaum noch Zeit, das Feuer zu beginnen, als die ge⸗ faͤhrliche Reiterei ſchon vor ihnen war. Die Schnel⸗ ligkeit ihres Angriffes war ſo groß, daß man nicht Zeit gehabt hatte, die Stellung der beiden Diviſionen, welche ſich in ihrer Fronte um die Laͤnge jedes halben Bataillons ungefaͤhr maskirten, zu verbeſſern. Die Gefahr war dringend; das Feuer begann, da man ſich nicht denken konnte, daß jene beiden Dioi⸗ ſionen, welche nur ungefaͤhr 100 Schritte von einan⸗ der entfernt waren, ſich in die Nothwendigkeit ver⸗ ſetzt ſehen wuͤrden, ſich ihres Feuers auf ihren Flan⸗ ken, die ſich in einer Laͤnge von einigen Toiſen mas⸗ kirten, zu bedienen. Doch gerade das Gegentheil ge⸗ ſchah: der Angriff der Mamelucken war ſehr lebhaft auf der Fronte der Franzoſen, wo ein Musketen⸗ und Kartaͤtſchen⸗Feuer die ganze Front und den Umkreis der Vierecke mit den Leichnamen und Pferden derſelben bedeckte; aber welche Kuͤhnheit! Alle Mamelucken, aufſteigenden Duͤnſte verdichtet, und dieſelben verhindert, in die Hoͤhe zu ſteigen; ſie bilden einen Nebel, der den ganzen Tag die Oberflaͤ⸗ che der Erde bedeckt, und einem ſtillen Meere, von der Ferne geſehen, gleicht. In der Nacht fallen dieſe Duͤnſte als Thau in ſolcher Menge herab, daß man nach dem Untergange der Sonne viel weiter ſehen kann, als waͤhrend der Ta⸗ ges⸗Hitze. 71¹3 welche dieſer Niederlage entgangen waren, ſtuͤrzten mit einer ſolchen Schnelle vorwaͤrts, daß ſie in den Zwiſchenraum, zwiſchen den beiden Diviſionen De⸗ ſaix und Reynier, unter das Kreuzfeuer beider Flanken dieſer Diviſionen kamen, welche ſie auf we⸗ niger als so Schritte beſchoßen. Nicht ein einziger Mameluck kehrte um, und ſonderbarer Weiſe blieben bei dem Zuge durch dieſen Trichter weniger auf dem Platze, als bei dem erſten Angriffe auf die Front. Muradd und die tapferſten Beys erneuerten ſtets ihre Angriffe auf die 5 Diviſionen des Heers Na⸗ poleons; allein ihre Bemuͤhungen ſcheiterten an dieſen eiſernen Waͤllen. HObgleich die franzoͤſiſchen Truppen, welche in Aegwypten waren, ſeit langer Zeit an die Gefahr gewoͤhnt, und mit allen Wechſelfaͤllen eines Gefechtes vertraut waren, ſo mußte ſich doch Jeder aufrichtig geſtehen, daß der Angriff dieſer 8— 10,000 Mameluk⸗ ken etwas ſo Impoſantes hatte, daß er einen Augen⸗ blick befuͤrchten mußte, ſie moͤchten die Vierecke durch⸗ brechen, auf welche ſie mit einer Zuverſicht losgingen, die unter die Bataillone ein tiefes, nur durch die Be⸗ fehle der Anfuͤhrer unterbrochenes Stilichweigen her⸗ vor brachte. onet 14 109 Alle Mamelucken ritten uräeptige, mit Gold und Silber bedeckte Pferde; ſie waren in Tuͤcher von allen Farben, und in fliegende Schwals gehuͤllt; ſie ſtuͤrz⸗ ten in vollem Galopp unter fuͤrchterlichem Geſchrei 714 auf die Franzoſen, und ſchienen ſie in einem Augen⸗ blicke unter den Hufen ihrer Pferde zertreten zu wollen. Das Ganze dieſes impoſanten Anblicks hatte in die Gemuͤther der franzoͤſiſchen Soldaten ein Gefuͤhl gefloͤßt, welches ſie zum erſten Male empfanden, und welches ſie nur fuͤr das Kommando aufmerkſam machte. Sobald auch das Feuer befohlen war, wurde es mit einer Schnelligkeit und Puͤnktlichkeit ausgefuͤhrt, wie man es haͤtte nicht ſchoͤner auf dem Parade⸗Platze ſehen koͤnnen. Nie hatte ein Schlachtfeld den Heeren, welche ſich von beiden Seiten zum erſten Male trafen— ſchreibt Savary— ein ſolches Schauſpiel dargeboten. Dieſer Tag entſchied uͤber den Beſitz von Kairound eines gro⸗ ßen Theiles von Aegypten, und dieſe Anſtrengung war die letzte, welche die Bey's gemeinſchaftlich machten, Napoleon die Eryherung dieſes Landes ſtreitig zu machen. An demſelben Abende trennten ſie ſich; die zwei Maͤchtigſten, Murad und Ibrahim, welche die Geſchichte ihrer alten Streitigkeiten in Allem, was ihr perſöͤnliches Intereſſe betraf, aͤußerſt mißtrauiſch und vorſichtig gemacht hatte, waren ſtets Nebenbuh⸗ ler von einander. Ibrahim ſchlug mit den kleinen Bey's, welche von ſeiner Macht abhingen— Kairo ſeinem Geſchick uͤberlaſſend— den Weg nach Syrien ein; bielt aber in Salahieh, am Eingange in die 715 Wuͤſte Aſiens, theils um diejenigen ſeiner Mame⸗ lucken, die ſich ſeit der Schlacht noch nicht mit ihm vereiniget hatten, zu erwarten, theils um ſeinem Ha⸗ rem und ſeinem Gepaͤcke Zeit zu laſſen, Syrien zu erreichen. Murad hingegen ſchlug mit ſeinen Va⸗ ſallen den Weg nach Ober⸗Aegypten ein, und zog das linke Ufer des Nil hinan. Napoleon nannte das heutige Treffen: die Schlacht bei den Pyramiden. In der Nacht des Schlachttages noch ſchlief er in dem Landhauſe Murad⸗Beys zu Gizehz; die Armee freilagerte daſelbſt. Die Mamelucken hatten auf dem Nil etliche so Fahrzeuge, die mit Reichthuͤmern beladen waren. Als ſie den Ausgang der Schlacht ſahen, und merkten, daß die franzoͤſiſchen Kanonen ſchon auf den Fluß uͤber die Inſel Rodah gerichtet waren, verloren ſie die Hoffnung zu deren Rettung, und ſteckten ſie in Brand. Zu Kairo ging es ſchrecklich her. Der tuͤrkiſche Paſcha Said⸗Aboubecker, welcher in Aegyp⸗ ten den Schatten der Oberherrſchaft des Sultan zu behaupten hatte, war dem Ibrahim⸗Bey ge⸗ folgt, der Poͤbel ſchien Herr der Stadt zu ſeyn, bis die vornehmſten Scheiks und Mollahs die Ruhe zuruͤck in fuͤhren ſich bemuͤhten. Am andern Tage verlangte Kairo zu kapituliren. Napoleon verſicherte der Deputation, die Abſicht der Franzoſen ſey, im freund⸗ welchen der Sieg uͤber die Mamelucken erfochten ſchaftlichen Verhaͤltniſſe mit dem Volke von Aegyr⸗ ten und der Pforte zu bleiben. Er verſicherte ihr, daß die Sitten, Gebraͤuche und die Religion des Lan⸗ des auf das Gewiſſenhafteſte geachtet werden ſollte. Er ſchickte dann eine eigene Proklamation, und jene, welche er zu Alexandrien ſchon erlaſſen hatte, nach Kairo, und ſchrieb an den Paſcha Seid⸗Abou⸗ beker:„er bedaure ſehr, daß Ibrahim⸗Bey ihn, den Paſcha, gezwungen habe, die Stadt zu verlaſſen, und dem Bey zu folgen; er lade ihn ein, nach Kairo zuruͤck zu kehren; er verſpreche ihm, daß er mit all“ der Ruͤckſicht empfangen werden ſollte, die dem Stell⸗ vertreter des Sultan, des Freundes von Frank⸗ reich, gebuͤhre. Er verſichere, daß die Waffen, mit wurde, immer zur Verfuͤgung des Sultan ſeyn werden.“— Napoleon wollte fortwaͤhrend zu er⸗ kennen geben, daß er nicht gegen die tuͤrkiſche Re⸗ gierung, ſondern gegen die, von den Britten beſoldeten Beys verfahre. Am 23. hielt der Ober⸗General ſeinen Einzug in der ungeheuren, ſchweigenden Stadt. Er ernannte den General Dupuy zum Platz⸗Kommandanten, und bildete einen proviſoriſchen Divan oder Gerichts⸗ ſtelle der Stadt aus neun der angeſehenſten Scheiks der Stadt. Auch traf er Anſtalten, die Provinzen zu unterwerfen, zu beſetzen, und Kontributionen einzu⸗ bringen. Deßhalb wurde Dumuy zum Komman⸗ 1 717 danten von Damanhur ernannt, Dugua erhielt die Befehlshaber⸗Stelle der Provinz Kairo, ward aber ſpaͤter nach Damiette entſendet; Zayonzeck wurde nach Menuf, Murat nach Keliubeh, Fu⸗ gieres nach Garbyeh geſchickt; Lariſſe komman⸗ dirte in einem andern Bezirke. Deſaix bezog ein verſchanztes Lager bei Gizeh, um fuͤr Kairo als Reſerve zu dienen, oder um den Murad in Schach zu halten, oder zu verfolgen; eine andere Abtheilung wurde nach Elkanka geſchickt, um Ibrahim zu beobachten. So lange die Mamelucken nicht ans Aegypten verjagt waren, oder doch recht weit von Kairo ent⸗ fernt, konnte die Lage der Franzoſen nicht fuͤr geſi⸗ chert angeſehen werden. Napoleon entſchloß ſich daher, von Kairo mit zwei Abtheilungen aufzubre⸗ chen, und in eigener Perſon gegen Ibrahim zu marſchiren, um ihn vom Theater der Haupt⸗Opera⸗ tionen zu entfernen, und Aegypten dem Einfluſſe der Mamelucken zu entziehen. Ferner wurden mobile Kolonien beordert, um die Araber zu zuͤchtigen, welche ſtets geſchlagen, doch immer zum Angriffe zuruͤck kehr⸗ ten, in der Hoffnung, Beute zu machen. Als Napoleon zu Belbéesanlangte, fand er die Stadt geraͤumt. Denn Ibrahim hatte ſich, ohne ihn zu erwarten, nach Salah ieh zuruͤck gezogen. Außer⸗ halb jener Stadt ſtieß er auf die Truͤmmer der Kara⸗ vane von Mekka, wovon der groͤßte Theil dem Bey 33tes B. Aegypten. II. 3. 7 718 Ibrahim hatte folgen muͤſſen. Er befreite die Kauf⸗ leute von den Arabern, die ſie zur Begleitung genom⸗ men hatten, welche ſie aber auspluͤnderten. Er gab ihnen eine franzoͤſiſche Bedeckung, um ſie nach Kairo zu bringen. Napoleon marſchirte am 11. Auguſt nach Sa⸗ lahieh, den letzten bewohnten Ort von Aegypten, und 30 Stunden von Kairo. Ibrahim hatte eben auch dieſen Ort verlaſſen; allein Napoleon erreichte ihn bald, und ließ ihn durch ſeine Reiterei angreifen, welche, da ſie zu ſchwach war, große Gefahr lief. Nichts deſto weniger wurde der Zweck, den man ſich vorgeſteckt hatte, erreicht; Ibrahim ging mit 1000 Mamelucken nach Syrien zum Paſcha Achmet. Napoleon begnuͤgte ſich aber nicht, dieſe Mamelu⸗ cken aus Aegyten getrieben zu haben; man mußte auch ihre Ruͤckkehr verhindern, und auf Mittel denken, mit der Armee nach Syrien marſchiren zu koͤnnen, im Falle ein Feind von dieſer Seite ſich zeigen ſollte. Napoleon ließ daher Salahieh befeſtigen, ein Magazin anlegen, und den General Reynier mit einer Abtheilung daſelbſt, indem er ihn zum Gouver⸗ neur der ganzen Prvvinz Scharkyeh ernannte. Napoleon war auf der Ruͤckreiſe nach Kairo begriffen, als er unterwegs dem Adjutanten des Ge⸗ neral Kleber, Loyer, begegnete, welcher die Nach⸗ richt von dem der franzoͤſiſchen Flotte zugeſtoßenen Ungluͤck uͤberbrachte. 719 Wie man weiß, hatte Napoleon, ehe er die Flotte verließ, dem Admiral den Befehl gegeben, in Ale⸗ xandrien einzulaufen, oder nach Korfu zu ſegeln. Sey es nun, daß die Zugaͤnge von Alexandrien noch nicht recognosecirt waren, oder daß ſie nicht ge⸗ nug Tiefe hatten*), Brueys hatte ſich bei Abu⸗ kir vor Anker gelegt, wo er ſich ſchon ſeit ungefaͤhr einem Monat befand. Die Beſorgniſſe Napoleons waren ſo groß, daß er waͤhrend ſeines Marſches von Alexandrien nach Kairo dem Admiral zweimal geſchrieben hatte, er moͤge in Alexandrien ein⸗ laufen, oder nach Korfu ſegeln, und daß er ferner noch, ehe er von Kairo zur Bekaͤmpfung Ibra⸗ hims abging, ſeinen Fluͤgel⸗Adjutanten Julien ab⸗ ſchickte, um Brueys dieſen Beſehl zu wiederholen. Am 1. Auguſt wurde der Admiral Brueys um 6 Uhr Abends von der engliſchen Flotte unter Admi⸗ ral Nelſon zu Abukir angegriffen. Dieſe beſtand aus 14 Linienſchiffen und 2 Briggs. Die Schlacht *) Nachdem die Britten zwei Jahre ſyaͤter Mei⸗ ſter von Alexandrien wurden, ließen ſie die Zugaͤnge zum Hafen unterſuchen, und fanden, daß der mittlere Zugang, in der geringſten Tiefe, s Klafter tief war. Wenn das franzo⸗ ſiſchen Geſchwader nicht einen Mongt, ohne ſich davon zu uͤberzeugen, verloren hatte, ſo waͤre es gerettet, und von einem großen Ge⸗ wichte in der Wagſchale der Zukunft geweſen. 720 dauerte unentſchieden bis zur Nacht, in welcher die einzige Leuchte das Feuer von 1200 Kanonen war. Das Meer war bewegt, wie bei einem heftigen Sturme. Gleich am Anfange des Treffens war der Admiral Brueys verwundet worden. um s uUhr wurde er durch eine Kanonenkugel getoͤdtet. Endlich um 9 Uhr bricht Feuer auf dem Orient, dem franzoͤſiſchen Ad⸗ mirals⸗Schiffe aus; es fliegt in die Luft. Dadurch tritt eine Pauſe ein. Am andern Morgen zwiſchen 5— Uhr beginnt das Gefecht vom Neuen, und endet ſich erſt um 2 Uhr Nachmittags, durch die Vernich⸗ tung oder Wegnahme faſt aller franzoͤſiſchen Schiffe. Der Kontre⸗Admiral Villeneuve, der mit ſeiner Abtheilung ſchwachen Antheil am Gefechte nahm, ent⸗ kam nur mit a Schiffen verſchiedenen Ranges, die nach Korfu oder Malta ſich retteten. Da es den Britten an Lebensmitteln fehlte, und ſie Gleiches bei ihren Feinden glaubten, ſetzten ſie am Tage nach der Schlacht den groͤßten Theil der Gefangenen an das Land; aus ihnen bildete Napoleon die ſogenannte See⸗Legion, oder ergaͤnzte mehrere Truppenkorps. Die brittiſche Flotte ließ eine Eskadre unter Kommodore Sidney Schmith zum Kreuzen an den Kuͤſten Aegyptens zuruͤck, und ging zu einer weitern Beſtimmung ab. Der Tag von Abukir und der von Trafalgar ſind zwei der ungluͤcklichſten im Leben Napoleons. Der erſte verſperrte ihm den Weg nach Aſien; der audere raubte ihm die Herrſchaft des Kanals. Kle⸗ ber ſelbſt ſchien durch die Vernichtung der Flotte er⸗ ſchuͤttert. Napoleon blieb ſich gleich. Nichts ver⸗ rieth die Unruhe, in welche dieſer Schlag ihn ver⸗ ſetzen mußte. Das Schickſal laͤßt ihn den Verſuch des Szepters an dem Ufer des Nils machen. Die Natur ſchien ihn fuͤr einen aſiatiſchen Thron beſtimmt zu haben. Dieſe gezwun⸗ gene und voruͤbergehende Koͤnigs⸗Wuͤrde in Aegypten entwickelte in ihm alle Keime der abſoluten Gewalt, die auf dem Boden Frankreichs noch nicht Wurzel ſchlagen konnte. Im Abendlande konnte Napo⸗ leon zwiſchen Caͤſar, Scipio, Karl dem Gro⸗ ßen, und Karl V. ſchwanken. Im Orient er⸗ blickte er nur Alexander, Seſoſtris, und viel⸗ leicht ſelbſt Nuhamed. Er will die Rolle eines aufgeklaͤrten Kalifen ſpielen, und in Aegypten die ſpaniſchen Abaſ⸗ ſiden nachahmen. An der Spitze einer unuͤberwind⸗ lichen Armee und eines philoſophiſchen General⸗Sta⸗ bes, will er die europaͤiſchen Kuͤnſte und die Re⸗ ligion des Halbmonds vereinigen.„Wir haben keine Flotte mehr“, ſagte er,„wir muͤſſen alſo in dieſem Lande bleiben, oder es groß, wie die Alten ver⸗ laſſen.“ 3 Siegen, die Beys und Mamelucken verjagen, ſich die verſchiedenen Voͤlkerſchaften unterwerfen, und das Land erobern, war dem Napoleon alſo nicht genug. MNuͤndungen, und die Natron⸗Seen zu unterſuchen 722 Den Aegyptern einige Vortheile der Civiliſation zu verſchaffen, ihre Lage zu erleichtern, aus ihnen Ver⸗ buͤndete fuͤr ſeine Waffen zu machen, und die ſeit langer Zeit verbannten Kuͤnſte und Wiſſenſchaften au die Ufer des Nils zuruͤck zu fuͤhren— dieß war ſein edler Ehrgeitz; deßwegen er auch die Gelehrten und Kuͤnſtler, welche die franzoͤſiſche Republik der Expedi⸗ tion beigegeben hatte, in Thaͤtigkeit ſetzte. Die erſten Monate des Aufenthaltes in Aegypten waren durch ungeheure Arbeiten, und durch Schoͤpfungen jeder Art bezeichnet. 1 Die Kommiſſion von Gelehrten wurde von Ale⸗ randrien nach Kairo berufen. Napoleon gruͤn⸗ dete das Inſtitut von Aegypten fuͤr Kuͤnſte und Wiſſenſchaften, wobei Monge Praͤſident, er ſelbſt Vice⸗Praͤſident, und Fourier Sekretaͤr wurde. Jedes Mitglied wurde an die Spitze irgend einer Einrich⸗ tung geſtellt, die es begruͤnden und leiten ſollte. Hier iſt wohl nun der Ort, der Arbeiten dieſer Gelehrten zu erwaͤhnen. 25 Den Artillerie⸗General Andreoſſy, und den beruühmten Gelehrten Berthollet beauftragte Na⸗ poleon den See Menzaleh, die peluſiſchen (und dabei das Gebiet zu unterwerfen). Nouet und Mechain beſtimmten die geographiſchen Berge von Kairo, Alexandrien, Salahieh, Damiette, Suez u. ſ. w. Nouet beobachtete auch Meteore, 723 und gab die Hoͤhe und Lage der Pyramiden an. Lepere nahm den Plan von Alexandrien auf, eben ſo Girard. Lefevre und Malus beſorgten die Recognoseirung des Kanals von Moez(Moſes). Koſtaz unterſuchte die Beſtandtheile des Sandes der Wuͤſte, der nach ihm bloß weiße, glanzloſe, quarz⸗ artige Koͤrnchen enthaͤlt, welche ſich je nach den Zu⸗ faͤlligkeiten des Bodens aufhaͤufen, und der Gegend den Anſchein eines mit Schnee bedeckten Landes ge⸗ ben. Geoffroy unterſuchte die Thiere des Sees Menzaleh, und die Fiſche des Nils. Delille die Pflanzen Unter⸗Aegyptens. Savigny und Geoffroy klaſſifizirten die Thiere und Pflanzen. Bertholet und Descotils unterſuchten die Faͤr⸗ beſtoffe der Pflanzen. Vis jetzt waren die Oaſen noch wenig erforſcht worden. Repault uͤberreichte dem Inſtitute eine Abhandlung, betitelt:„Unterſuchun⸗ gen der Oaſen.“ Nachdem Monge die optiſche Er⸗ ſcheinung, welche wir ſchon unter dem Namen: Luft⸗ ſpiegelung oder Kimmung kennen, auf eine gelehrte Weiſe erklaͤrt hatte“), theilte er eine Ab⸗ handlung uͤber den Moſes⸗Brunnen mit. Gi⸗ rard machte Bemerkungen uͤber den Ackerbau und *) Ueber dieſe Abſpiegelungen der Kimmung gibt ein Naͤheres mein großes Werk der Expedition. Der Verfaſſer. 724 Handel Ober⸗Aegyptens. Arnolet und Cham⸗ py Sohn unterſuchten die Mineralien. Saviani ſammelte die Inſekten der Wuͤſte und Syriens. Lanorey unterſuchte den Kanal von Abou⸗Ma⸗ nege(Abumanea), und leitete die Arbeiten jenes von Alexandrien; Laneret und Chabrol be⸗ ſchaͤftigten ſich mit der Unterſuchung der Kanaͤle, be⸗ ſonders des Kanals von Alexandrien. Lepere und andere Bruͤcken⸗ und Straßen⸗Baukuͤnſtler nah⸗ men die Nivellirung des Kanals von Su e; vor. Gi⸗ rard hatte eine Arbeit im Betreffe aller Kanaͤle Ober⸗Aegyptens; Regnault unterſuchte die Beſtandtheile des Nil⸗Schlammes, der auf die Vegetation Aegyptens ſo großen Einfluß hat. Sa⸗ vareſi entdeckte die Spuren von Vulkanen in der Gegend von Lesbeh. Norry beſchrieb die Saͤule des Pompejus und andere Monumente. Der gute, ehrwuͤrdige Denon, welcher, ungeachtet ſeiner wei⸗ ßen Haare, an dem wiſſenſchaftlichen Kreuzzuge hatte Theil nehmen wollen, folgte dem General Deſair bis an die aͤußerſten Graͤnzen Ober⸗Aegyptens, ungeduldig und begierig die Urdenkmaͤler dieſer Ge⸗ gend zu ſehen; er zeichnete ſie ab. Dutertre zeich⸗ nete die Monumente von Alexandrien und Kai⸗ ro; Conté errichtete eine mechaniſche Werkſtaͤtte, verfertigte Windmuͤhlen und andere fuͤr Aegypten neue Gegenſtaͤnde. Desgenettes leitete die Re⸗ daktion der phyſiſchen und mediziniſchen Ort⸗Beſchrei⸗ 725 bung Aegyptens. Bruant zeigte die Urſachen der herrſchenden Augen⸗Krankheiten im heißen Klima und die Mittel dagegen. Parceval de Grand⸗ maifon las in Sitzungen des Inſtituts Bruchſtuͤcke einer poetiſchen Ueberſetzung des Camoens und Taſſo vor. Mareel uͤberſetzte den Koran, wie die arabiſchen Fabeln von Lockmann. Die Fabeln Aeſops und Lafontaines fſind faſt nur ſinnreiche Bearbeitungen dieſer Fabeln. Mareel fuͤgte ſeiner Ueberſetzung Bemerkungen uͤber Lockmann bei*). Beauchamp und Nouet ſetzten einen Kalender zuſammen, welcher fuͤnf Zeitrechnungen enthielt, naͤm⸗ lich die der Republik, der roͤmiſchen, griechi⸗ ſchen, koptiſchen(kophtiſchen) und ma⸗ bumedaniſchen Kirche. Koſta; redigirte ein Journal. Bruchard und Lefebre waren mit den Unterſuchungen des Sees Mentale beſchaͤftigt. An⸗ dere Gelehrte bearbeiteten eine Vergleichungs⸗Tabelle der aͤgyptiſchen und franzoͤſiſchen Maaße. Dieſe Arbeiten der Gelehrten des Inſtituts und der Expedition von Aegypten ſind in einem Werke, deſſen Herausgabe zu Paris mehrere Millionen ge⸗ koſtet hat, geſammelt, und bilden eines der ſchoͤnſten *) Ueber den beruͤhmten Lockmann findet man ein Weiteres in meinem großen Werke der Ex⸗ pedition. Der Verf. 726 Denkmale, welche jemals durch die Wiſſenſchaften und Kuͤnſte errichtet wurden. Zu Alexandrien, zu Roſette in Damiet⸗ te und zu Kairo erbaute man Muͤhlen, die eben ſo ſchoͤnes Brod als zu Paris lieferten. Man erbaute Oefen, ſo daß das Brod jetzt eben ſo allgemein wurde, als es vorher ſelten war. Man errichtete Spitaͤler, in welchen jeder Kranke ſein Bett hatte. Die Aerzte Larrey und Desgenett es, in mehr als einer Ruͤck⸗ ſicht beruͤhmt, unterſtuͤtzten dieſe wohlthaͤtige Schoͤ⸗ pfung kraͤftig, und erwarben ſich die Achtung des Ober⸗ Generals und der Armee. Man errichtete ferner Sal⸗ peter⸗Fabriken und Pulver⸗Muͤhlen. Man erbaute eine Gießerei mit einem Streichofen, mittelſt deſſen man Geſchuͤtze von großem Kaliber, die man im Ueberfluſſe hatte, umgoß, um fuͤr den Gebrauch der Artillerie klei⸗ nere aus ihnen zu machen. Man errichtete große Schloſſer⸗, Waffenſchmied⸗„Zimmermanns⸗, Wag⸗ ner⸗ und Schuſter⸗Werkſtaͤtte. Mit Hilfe der Ma⸗ troſen, welche zu bejahrt waren, um ihren Stand zu aͤndern, errichtete man auf dem Nil eine Flottille, zuſammengeſetzt aus allen Arten von Fahrzeugen, wel⸗ che ſehr gut zugerichtet und ausgeruͤſtet wurden. Alle Truppen kleidete man in Zeug von blauem Kattun u. ſ. w., gab ihnen eine Kopfbedeckung vom ſchwarzen Saffianleder, wozu man noch eine aus Wol⸗ lenzeug des Landes verfertigte Muͤtze hinzufuͤgte, wel⸗ che der Soldat des Nachts trug; zu keiner Zeit war 727 derſelbe ſo bequem gekleidet geweſen. Als Nahrung erhielt er ein treffliches Brod, Fleiſch, Reis, trockene Fruͤchte und etwas Zucker und Kaffee, welche die vor der Ankunft der Armee in Aegypten unbekannten geiſtigen Getraͤnke erſetzen ſollte. Die Kavallerie mach⸗ te ſich beritten, und andere Kriegs⸗Anordnungen wur⸗ den noch von Napoleon getroffen. Alles ging auf das Beſte, und wurde mit der ihm angebornen Thaͤ⸗ tigkeit betrieben. Schon bemerkte man die fuͤhlbaren Fortſchritte, welche alle dieſe Schoͤpfungen machten. Die Solda⸗ ten hatten Tiſche, Seſſel, Saffianſtiefel, Waͤſche. Kaum war den nothwendigſten Beduͤrfniſſen Genuͤge geleiſtet, als auch ſchon der Luxus ſich einſchlich; man bediente ſich blos noch ſilberner Becher, und das Tiſchgeraͤth war von demſelben Metalle. Der Aufenthalt der Fran⸗ zoſen gab der Stadt Kairo beſonders ein ganz neues Auſehen. Suropaͤiſche Kuͤnſte verſchoͤnerten und bereicherten dieſe Stadt. Konditors und Deſtillateurs etablirten ſich, welche ſehr guten Abſatz hatten. Bald hatte man Spielſaͤle, Billards, ein Kaffehaus, eine Reſtauration, ein Leſe⸗Kabinet, Tanz⸗Muſik, Feuer⸗ werke und Spielkarten. Alles, was der Armee noch uͤbrig war, um ſich auf europaͤiſche Art einzurichten, war vollendet, oder doch im Begriffe, es zu werden. Der Handel unter andern erhielt eine Thaͤtigkeit, wel⸗ che den ſtumpfſinnigen Bewohnern der fruchtbarſten 728 Gegenden bisher unbekannt war, und der ihnen ſo große Vortheile darbot. Arer eine dumpfe Gaͤhrung brach bald zu Kairo aus. Napoleon wohnte der Feierlichkeit der Eroͤff⸗ nung der Kanaͤle, bei der Ueberſchwemmung des Nils bei. Dieſe war ſehr bedeutend, was als ein gluͤckliches Zeichen betrachtet wurde. Deſſen ungeachtet konnte ſich das Volk nicht an die Regelmaͤßigkeit der Geſetz⸗ pllege gewoͤhnen, und empoͤrte ſich daruͤber. Der Ko⸗ ran ſelbſt ſtieß den neuen Gefetzgeber zuruͤck. Am 22. September wurde das Gruͤndungs⸗Feſt der Republik begangen. Napoleon wollte dieſe Feierlichkeit auch nationell fuͤr die Aegypter ma⸗ chen. Seine Muͤhe, Verſchwendung und Luxus dabei, war groß. Man ſang wohl zu ſeinem Lobe in der gro⸗ ßen Moſchee, doch„die Soͤhne der Menſchen verſchwo⸗ ren ſich gegen die Tapferen des Abendlandes“, um unter ihr voriges Blut⸗Joch zuruͤckzukehren, und aus freien Buͤrgern wieder feige Sklaven zu werden. Der Divan zu Kairo leitete die innern Angele⸗ genheiten. Die uͤbrigen Staͤdte erhielten gleichfalls eine Munizipal⸗Organiſation. N apoleon verſuchte Alles, um des Landes Lage zu verbeſſern; allein es auch für ſich zu benuͤtzen, wiewohl er ſich alle Muͤhe dabei gab, den geringſten Schein gegen die Pforte zu bewahren. ef Am 314. Oktober, waͤhrend der Obergeneral ſich in Alt⸗Kairo befand, brach ein Aufruhr zu Neu⸗ 729 Kairo aus. Bewaffnete Haufen verſammelten ſich in den Straſſen, in der großen Moſchee, und an an⸗ deren Orten. Der Stadtkommandant Dupuy und der Adjutant Sulkowsky, ein tapferer Pole und Liebling Napoleons, wurden ermordet. Ein glei⸗ ches Schickſal traf andere Franzoſen. Die Moſcheen wurden Feſtungen. Die Prieſter forderten, von der Hoͤhe der Minarets, das Volk zur Vertilgung der Un⸗ glaͤubigen auf. Die ungeheure Bevoͤlkerung Kairos erhebt ſich, durch eine Proklamation des Sultans zu Konſtantinopel fanatiſirt.. Es war um die ganze franzoͤſiſche Expedition ge⸗ ſchehen, wenn ſich ihr Anfuͤhrer nicht uͤber jede Gefahr erhaben gezeigt haͤtte. Er dringt an der Spitze ſeiner Tapferen in das Innere der Stadt, treibt die herbei⸗ geeilten Araber in die Wuͤſte, umzingelt die Rebellen, und bietet ihnen Gnade fuͤr Recht an. Die Natur ſelbſt ſteht ihm bei. Durch ein in dieſer Gegend aͤuſ⸗ ſerſt ſeltenes Phaͤnomen bedeckt ſich der Himmel mit ſchweren Wolken. Der Donner kracht. Die aberglaͤu⸗ bigen Muſelmaͤnner, welche die Stimme des Himmels fuͤr Napoleon zu hoͤren glauben, flehen um Gnade. Eine fuͤrchterliche Exekution fand ſtatt; dadurch wurde der Aufruhr zum tiefen Schlummer gezwungen.*) „) Die zußerſt wichtigen und intereſſanten Details dieſes Aufſtandes, der ſchoͤnen Feyer des Gruͤn⸗ dungsfeſtes der Republik, der Eroͤffnung des 730 Europa hatte laut aufgejauchzt bei der Nachricht der Vernichtungs⸗Schlacht von Abukir. Denn ſchon war, trotz der Vorliebe fuͤr die Grundſaͤtze der Revolu⸗ tion(ſchreibt v. Rotteck), Frankreich durch ſeine ſchamloſen Gewaltthaten der Abſcheu, wie der Schre⸗ cken des Welttheils geworden. Die Monarchen aber, der Revolution ſelbſt und daher zwiefach den Fran⸗ zoſen gram, ſchoͤpften aus dem Triumphe von Abu⸗ kir neuen Muth und neue Luſt zum Streite. Es bildete ſich eine neue Koalition furchtbarer als die erſte, und welcher es weit minder, als der erſten, an wohlgegruͤndeten Beſchwerden wider Fr ankreich fehlte. Die Pforte, bisherige Bundesgenoſſin oder Freundin Frankreichs, erklaͤrte hierauf gegen ge⸗ nannten Staat den Krieg am 1. September. Zwiſchen England und der Pforte kam eine Verbindung zu Stande(s6. Januar 1799), worin ſie gegenſeitig ſich verſprachen, nur einen gemeinſchaftlichen Frieden zu ſchließen; die Franzoſen aus Aegypten zu vertrei⸗ ben und den Levante⸗Handel derſelben zu zerſtoͤren. Andere zahlreiche Aufſtaͤnde in Aegypten, die Ernennung des Schlaͤchters Achmet zum Paſcha von Aegypten u. ſ. w., machten Napoleon immer Nils, dann der gelieferten Schlachten, gibt das große Werk des Verfaſſers der Expe⸗ dition nach Aegypten und Syrien. J. 731 auf das Gefaͤhrliche ſeiner Lage aufmerkſam. Die Pro⸗ klamation des Sultan, oder die Emiſſaire eines Ibra⸗ him, Murad oder der Englaͤnder waren die Urſachen davon. So empoͤrten ſich z. B. die Orte Berk⸗el⸗Gitas, Dezuk, Nakleh, Tantah, Damanhur, Doundeh, Choarah, Detar, Sonbat, Remerieh, Alkam ec., ermordeten ein⸗ zeln gehende Franzoſen, griffen kleine Detaſchements an, oder ſuchten auf andere Weiſe den unglaͤubigen Hunden zu ſchaden. Ein Dugua, Fugieres, Mu⸗ rat, Verdier, Barthelemy, Vial u. A. mußten dieſe Rebellen zuͤchtigen. Zahlreiche militaͤriſche Hin⸗ richtungen an den Orten, wo Aufſtaͤnde vorfielen, un⸗ terdruͤckten dieſe nur zum Theile, meiſtens ſprangen ſie immer wieder aus der Aſche der verbrannten Doͤr⸗ fer hervor, und die Rache erwiderte dieſe Handlungen der ſtrengen Gerechtigkeit. Auch der tapfere Bey Murad hatte den Plan, ſich der Stadt Kairo zu naͤhern, weil er naͤmlich er⸗ fahren hatte, daß ein Aufſtand gegen die Franzoſen im Werke ſey, den er benutzen wollte.— Napoleon batte einen gewiſſen Noſetti, den Konſul von Ve⸗ nedig, welcher zu Kairo war, als Unterhaͤndler an Murad⸗Bey abgeſendet; aber dieſer Letztere ver⸗ warf die Vorſchlaͤge des Obergenerals, weil er die Nachricht von der Zerſtoͤrung der franzoͤſiſchen Flotte erhalten hatte, und weil er glaubte, dieſer Vorfall werde die franzoͤſiſche Armee noͤthigen, Aegypten zu verlaſſen.. Mit 8 Bataillons und 2 Kanonen ruͤckte der brave Deſaiy gegen dieſen Bey vor, um ihn zu beſiegen, und Ober⸗Aegypten zu beſetzen. Am 8. Oktober ſchlug er den Murad⸗Bey bei Sedinam in einem lebhaften und blutigen Treffen, beſetzte dann die Pro⸗ vinz Fajum, welche Murad⸗Bey verlaſſen hatte, und floͤßte den Arabern und Aegyptern in dieſen Ge⸗ genden einen ſolchen Schrecken ein, daß ſie ihre taͤgli⸗ chen Angriffe unterließen, und man einige Zeit an ihre Unterwerfung glauben konnte. Auch General Reynier griff, 2 Tage nach dem Aufſtande von Kairo, die von den verſchiedenen Punkten der ſyriſchen Wuͤſte herbeigeeilten Araber vor Belbeis an, und trieb ſie auf allen Seiten zuruͤck, worauf ſie ſich zerſtreuten, und in Kurzem gaͤnzlich un⸗ terwarfen. Nach dieſen Gefahren begab ſich Napoleon auf Suez, um ſich von der Moͤglichkeit einer Ver⸗ bindung des rothen mit dem mittellaͤndiſchen Meere zu uͤberzeugen, und die Spuren des alten Se⸗ ſoſtris⸗Kanal zu erſpaͤhen. Die rieſenhafte Erin⸗ nerung an die Groͤße der erſten aͤgyptiſchen Koͤnige konnte nicht in dem Herzen eines Mannes ſchlafen, der, als er uͤber einen Friedens⸗Vertrag in einem Staͤdt⸗ chen des venetianiſchen Friaul unterhandelte, an die Eroberung Oſt⸗Indiens gedacht batte. In 733 Begleitung mehrerer Mitglieder des aͤgyptiſchen Inſtituts— nicht als Obergeneral, ſondern als Mitglied der Inſtitute von Frankreich und Aegyp⸗ ten wollte er Suez beſehen— kam er in 3 Tagen nach Suez, und beſuchte die Moſes⸗Quellen. Auf dem Nuͤckwege wurde er von der ſteigenden Fluth des rothen Meeres uͤberraſcht, und waͤre, wie Pha⸗ rao, darin umgekommen, haͤtte ihn nicht einer ſeiner Fuͤhrer oder Begleiter ſchnell gerettet. Zwei Stunden von der Stadt entdeckte man die Spur des alten Ka⸗ nals, die 4 Stunden weiter im Sande ſich verlor. Bei ſeiner Ankunft zu Suez erfuhr er, daß der Paſcha Achmed oder Achmet, genannt der Schlaͤch⸗ ter von Aere, dem auch das Paſchalisk von Aegyp⸗ ten und Damask uͤbertragen war, mit ſeinem Vor⸗ trabe das Fort El⸗Ariſch beſetzen ließ, welches zehn Stunden in der Wuͤſte liegt, und die Grenzen Ae⸗ gyptens vertheidiget. 8* Napoleon, wohl wiſſend, daß man den Krieg nicht erwarten, ſondern ihn in des Feindes Land ſpie⸗ len muͤſſe, beſchloß ſogleich, gegen Syrien außzubre⸗ chen. Er ſendete von Suez dem General Reynier Befehl, ſich mit ſeiner Diviſion bei Katieh aufzu⸗ zuſtellen, und begab ſich ſelbſt nach Kairo, um die Ruͤſtungen zur ſyriſchen Expedition zu betreiben, woſelbſt er am 1. Januar 1799 eintraf. ——ʒ———— 33es B. Aegypten. II. 3. 8 Zweites Buch. Napoleon hatte bei ſeiner Landung in Aegyp⸗ ten oͤffentlich erklaͤrt, daß er mit den Tuͤrken in Frie⸗ den leben wolle. Sein Benehmen bezeugte die Auf⸗ richtigkeit ſeiner Worte. Er hatte deßhalb den Ba⸗ taillons⸗Chef Beauvoi ſon an den beruͤchtigten Ach⸗ med⸗Paſcha geſendet, um ihm einen Brief zu uͤber⸗ bringen, worin unter andern ſtand:„daß er(Napo⸗ leon) mit ihm in gutem Vernehmen zu leben wuͤn⸗ ſche, und daß die Muſelmaͤnner keine beſſern Freunde, als die Franzoſen haͤtten.“ Aber Ach⸗ med ließ den Offtzier nicht einmal vor, ſondern traf Kriegs⸗Anſtalten gegen die Franzoſen mit Lebhaftig⸗ keit und mit den rachſuͤchtigſten Gedanken, wobei ihn die Britten mit Nath und That unterſtuͤtzten. Napoleon machte auch ſeine, zur Expedition von Syrien beſtimmte Truppen⸗Abtheilungen, marſch⸗ und ſchlagfertig. Sie waren beinahe die Haͤlfte der Armee. Der Etat der ſyriſchen Armee iſt: 4) Die Diviſion Kleber*), mit den Brigade⸗Gene⸗ *) Kleber war von Alerandrien in demſelben Augenblicke zu Katro eingetroffen„als die Em⸗ porung dieſer Stadt in vollem Ausbruche war. . 735 ralen Verdier und Junot, von 2349 oder 2336 Mann.— B) Die Diviſion Reynier, mit dem Brigade⸗General Lagrange von 2160 Mann.— C) Die Diviſion Bon, mit den Brigade⸗Generalen Vial und Rampon von 2449 Mann.— D) Die Diviſion Lannes, mit den Brigade⸗Generalen und General⸗Adjutanten de Veaux(Devaux), Robin und Rambaud von 2924 oder 2998 Mann.— E) Die Reiter⸗Abtheilung(aus verſchiedenen Regimentern) unter General Murat, von s8oo oder 900 Pferden.— F) Die Artillerie unter General Dommartin von 1385 oder 1387 Mann, mit 48 Stuͤcken Feldgeſchuͤtz.— G) Das Genie⸗Korps unter General Caffarelli⸗ Dufalga von 340 Mann.— H) Die Guides zu Pferd und zu Fuß, unter ihrem Chef Beſſières.— 1) ss Dromedare mit ihren Fuͤhrern und Reitern*), unter dem Escaderons⸗Chef Lambert.— Die Be⸗ lagerungs⸗Artillerie wurde zu Alexandrien und Damiette eingeſchifft; der Kontre⸗Admiral Perrée wurde beauftragt, mit 3 Fregatten von Alexan⸗ drien auszulaufen, das Belagerungs⸗Geſchuͤtz zu decken, und vor Jaffa zu kreuzen. Der General Deſaix beſetzte mit ſeiner Divi⸗ ſion Ober⸗Aegypten; die 19 Halbbrigade, die *) Ueber dieſes Dromedaren⸗Korps gibt des Verfaſſers große Werk der Expedition Naͤheres. dritten Bataillons der Halbbrigaden bei der ſyri⸗ ſchen Expedition, die nautiſche Legion, die Malteſer⸗ Legion wurden zur Beſatzung von Alexandrien, Damiette, Kairo und zu beweglichen Kolonnen, welche die Provinzen in Gehorſam halten und ſie ge⸗ gen die Araber ſchuͤtzen ſollten, vertheilt. Die Befehls⸗ haberſchaft der Provinz Kairo wurde dem General Dugua anvertraut. Der General Destaing be⸗ fehligte zu Kairo ſelbſt, Menou zu Roſette, Al⸗ meyras zu Damiette. Sehr wichtig war die Be⸗ fehlshaber⸗Stelle zu Alexandrien. Der Oberge⸗ neral glaubte, ſie einem Offizier anvertrauen zu muͤſ⸗ ſen, welcher, außer dem Ingenieur⸗Weſen und andern militairiſchen Wiſſenſchaften, auch die Artillerie ver⸗ ſtaͤnde. Durch Napoleons Entfernung wurde die⸗ ſer Platz in militairiſcher und adminiſtrativer Ruͤckſicht faſt unabhaͤngig; das Kommando deſſelben war um ſo wichtiger, als die Englaͤnder in der Naͤhe waren, und zu gleicher Zeit Symptome der Peſt ſich zu aͤuſſern anfingen. Er uͤbergab es dem General Marmont. Die andern Provinzen wurden den Generalen Le⸗ elere, Belliard, Zayonzeck, Fuggieres, La⸗ nuſſe und dem General⸗Adijutanten Boyer uͤber⸗ tragen. 3 1 Die Diviſion Reynier bildete den Vortrab der Armee von Syrien. Am 4. Februar zu Katieh angekommen, brach ſie am 6. wieder auf, und langte am 9. vor El⸗Ariſch an, welchen Ort ungefaͤhr 2000 737 Mann von Achmed⸗Paſchas Truppen beſetzt hat⸗ ten. El⸗Ariſch beſtand aus einem Dorfe und einem Fort. Reynier und Lagrange nahmen das Dorf im Sturm⸗Angriffe weg; allein die Truppen des Fein⸗ des zogen ſich in das Fort zuruͤck, welches Reynier ſogleich blokirte. Auch die Diviſion Kleber war unterdeſſen angelangt. Sie hatte bei Pelus gelan⸗ det, und ſich ebenfalls uͤber Katieh nach El⸗Ariſch begeben. Beide Generale uͤberfielen in der Nacht vom 14. auf 15. eine feindliche Verſtaͤrkung, welche eine zur Verproviantirung von El⸗Ariſch beſtimmte Be⸗ deckung begleitete, unweit genannten Ortes, und machten gute Beute. Napoleon ſelbſt traf am 17. bei Reynier und Kleber ein. Er war am 10. Februar von Kairo abgereist, und uͤber Belbeis, Solahieh, Katieh gegangen. Den Tag vor ſeinem Abgange zur Armee hatte er die Nachricht aus Alexandrien erhalten, daß die Englaͤnder dieſe Stadt bombardirten. Aber augenblicklich erkannte er ihre Abſicht, ſeinen Zug nach Syrien aufzuhalten; daher nahm er keine Ruͤckſicht darauf, und als die Britten dieß bemerkten, ſtellten ſte ſogleich ihr unnuͤtzes Unternehmen ein. Am 18. war die ganze Armee vereiniget, und nahm Stellung vor El⸗Ariſch. Napoleon kanonirt dieſen Platz, und erhaͤlt eine Preſche; allein er will das Blut ſei⸗ ner Soldaten ſchonen, und verſchiebt den Sturm⸗An⸗ griff. Am 20. endlich ergibt ſich die 1800 Mann ſtarke Beſatzung, unter der Bedingung aber, nach Bagdad durch die Wuͤſte zu ziehen. Ein Theil der Beſatzung, etwa 400 Mog rabinen, nahmen Dienſte in der franzoͤſiſchen Armee. 4. Dieſe Armee machte nun einen soſtuͤndigen Marſch durch die Wuͤſte. Die Beſchwerden derſelben waren fuͤrchterlich; oft durch ungetreue oder unwiſſende Fuͤh⸗ rer noch irre gefuͤhrt, fanden die Diviſionen nirgends Waſſer genug, um die furchtbaren Qualen des bren⸗ nendſten Durſtes zu lindern, oder ſie mußten Pferde⸗, Kamel⸗ und Eſelfleiſch zu Rathe ziehen, um nicht auch zu verhungern. Oft fand der Obergeneral ganze Halb⸗ brigaden in Verzweiflung, und in Erwartung des To⸗ des gus Durſt und Strapazen. Endlich erblickte man die ſchoͤnen Gebirge Syriens, und die gruͤnen Ebe⸗ nen Gazzas erinnern das Heer an den vaterlaͤndi⸗ ſchen Boden. Bei Gazza zeigten ſich feindliche Trup⸗ pen, welche aber einer Schlacht auswichen, und Na⸗ poleon verlegte ſein Hauptquartier dahin. Man fand zu Gazza, das freuͤndſchaftlich behandelt wurde, vielen Kriegs⸗ und Mund⸗Vorrath, namentlich 1500 fund Pulver und 100,000 Nationen Zwieback ꝛe.— er Platz und die Umgebung wurden miltitaͤriſch ſo⸗ wohl als eivil organiſirt; auch hier errichtete Napo⸗ leon einen Divan. Nach zwei Tagen Henoſfener Ruhe, welche das Heer die uͤberſtandenen Muͤhſeligkeiten vergeſſen mach⸗ te, brach dasſelbe gegen Jaffa auf. Es mußte aber⸗ mals eine wuͤſte Gegend duͤrchziehen; denn von Gazza (Gaza) nach Jaffa findet man nur eine unermeß⸗ liche Sand⸗Ebene, auf welcher der Wind eine Menge Huͤgel zuſammen geweht hat. Bei den großen Muͤh⸗ ſeligkeiten des Marſches wurde derſelbe zuweilen durch die Beduinen beunruhiget. Am 3. Marz erſchien Kleber mit der Vorhut vor Jaffa, und bald traf Napoleon mit dem uͤbrigen Heere ein. Es war uͤber Esdodes und Ramlay marſchirt. 739 Jaffa, das alte Joppe, 415 Stunden von Je⸗ ruſalem entfernt, der Schluͤffel zu den Provinzen des beruͤchtigten Achme d⸗Paſcha von Acre, war mit Thuͤrmen und Mauern bewehrt, und hatte eine Beſatzung von 4000(nach Dr. Bergk von 7000) Mann. Letztere beſtand aus einem bunten Gemiſche von Mo⸗ grabinen, Albaneſen, Kurden, Natoliern, Damaskenern, Aleppinern, Aegyptern, Schwarzen u. ſ. w., und war von einem Fanatis⸗ mus, Haß und Verachtung beſeelt, welche alle Mu⸗ ſelmaͤnner des Orients gegen die Europaͤer hegen. Zwei kleine Forts deckten den Hafen der Stadt, welche 7— 8000 Einwohner zaͤhlt.. Napoleon ſtellte ſeine Armee vor und bei Jaffa ſo auf, daß ein Theil die Belagerung deckte, der andere aber ſie vollbrachte, und errichtete ſeine Batterien, welche Breſche ſchoßen. Zwei Ausfalle, welche die Feinde unternahmen, ſchlug er zuruͤck. Als eine hinlaͤnglich ſcheinende Breſche gemacht war, ließ Napoleon den Kommandanten des Platzes zur Ueber⸗ gabe auffordern. Dieſer aber ließ ſtart aller Antwort, dem Tuͤrken, welchen man als Parlamentair geſen⸗ det hatte, den Kopf abſchneiden. Darguf ließ den 6. Maͤrz der Obergeneral die Stadt beſtuͤrmen. Die Soldaten der Diviſionen Lannes und Bon dran⸗ gen, ohne ſich aufhalten zu laſſen, in dieſelbe ein, aber jedes Haus wurde wie ein Fort vertheidiget; je⸗ des mußte beſonders erobert werden. Die Franzo⸗ ſen kletterten von Dach zu Dach; ſie draugen von Straſſe zu Straſſe; eine allgemeine Metzelei entſtand, nur ein kleiner Reſt der Beſatzung entrann den Mord⸗ ſtreichen der Stuͤrmenden und wurde gefangen.— Auch mancher tapfere Franzoſe ſiel, namentlich Le⸗ jeune, Chef der 22ſten leichten Halbbrigade. Die Stadt Jaffa wurde von einer ſiegreichen, aber nun zuͤgelloſen Soldgteska gepluͤndert. Welch ſchreckliches Gemaͤlde bietet die Pluͤnderung einer Stadt 740 dar! Ungeachtet der Bemuͤhungen der braven fran⸗ zoͤſiſchen Offiziere hoͤrte man nur zu lange unauf⸗ hoͤrlich Jammer⸗Geſchrei und von wuͤthenden Fluͤchen erſtiektes Stoͤhnen in allen Haͤuſern. Es ſchien, als ob die Eroberung Jaffas das Zeichen zu allen Schreck⸗ niſſen geben ſollte, welche der Krieg in ſeinem Gefolge hat. Kolb ſchreibt in ſeiner Biographie Napoleons: „„Die Gefangenen erhielten zum Theile ihre Freiheit, zum Theile wurden ſie nach Damask, Aleppo, Jeruſglem und noch anderen Orten geſchickt, um uͤberall die Nachricht von dem Siege der Franzoſen zu verbreiten; die gebornen Aegypter wurden als Kriegsgefangene in ihr Vaterland zuruͤckgeſchickt.— Auch entdeckte man unter der Beſatzung eine Anzahl der Soldaten, welche bei El⸗Ariſch zu Gefangenen gemacht worden waren, und welche damals ihr Wort gegeben hatten, binnen eines Jahres nicht wider die Franzoſen zu dienen.— Da Bonaparte glaubte, er wuͤrde vor Jaffa keinen Mann verloren haben, haͤtten dieſe Elenden ihr Wort nicht gebrochen, und die Beſatzung verkaͤrkt, ſo ließ er ſie ſaͤmmtlich vor der Stadt niederſchießen*).“— *) Wie aber andere, treffliche Hiſtoriker dieſes Er⸗ eigniß darſtellen, werde ich in meinem großen und umfaſſenden Werke uͤber die Expedition der Feranzu en nach Aegypten und Syrien, geben. 4 Die Zahl der niedergeſchoſſenen Ungluͤckli⸗ chen wird verſchieden angegeben. Einige Schrift⸗ ſteller nehmen 400, andere 800, wieder andere, z. B. Saalfeld(dem auch das— nicht immer wahre— Converſations Lexicon treulich nachge⸗ ſchrieben hat!) 4000 Mann an. —õʒʒ3“kuO+ H