——— LaraaraTarararnt Ennnhnhnhnhnhchdharrr Leihbibliothek Eduard Ottmann in Gießen. Täglicher Leſepreis für ein deutſches Buch 1 Kr. „„„ franz. od. engl.„ 2„ Das Abonnement beträgt: für wöchentlich 6 Bücher: 4 Bücher: 2 Bücher: —— auf 6 Monat: 3 fl. 30 Kr. 2 fl.— Kr. 1 fl. 12 Kr. 590„ 1 2, 12„ 45„, — 36„ ,,„„„ 18, „ aronanaaunanunngnnnnanananannuf 1 araarararr Dchannhnanarhchr anhr ſ TaLLAETATAATT T Scünracaenhrrhnhnhrhrananar rrenm * 2 hidle, 2, ch, W — 44 aa net es esſchfre. Taſchen⸗Bibliothek der wichtigſten und intereſſanteſten See⸗ und Land⸗Reiſen, von der Erſindung der Buchdruckerkunſt bis auf unſere Zeiten. Mit Landkarten, Planen, Portraits und anderen Abbildungen. Berfaß t von Mehrren, und herausgedeben Joachim Heinrich Jaͤck, Koͤnigl. Bibliothekar zu Bamberg. 31. Baͤndchen. Mit einem Kupfer. II. Theil. 1. Bändchen von Griechenland. Nürnber g. Verlegt von Haubenſtricker und von Ebner. 18˙29. 4 Taſchen⸗Bibliothek der wichtigſten und intereſſanteſten Reiſen durch Griechenland. Mit Laudkarten, Planen, Portraits und anderen Abbildungen. Verfaß von Mehrenn, und herausgegeben von. Joachim Heinrich Jaͤck, Koͤnigl. Bibliothekar zu Bamberg. II. Theil. 1. Bandchen. Nürnberg. Verlegt von Haubenſtricker und von Ebuner. 1829. 3 3 V. Reiſe des Engländers Rich ard Po⸗ eocke durch die griechiſchen Inſeln, Klein⸗Aſien, Thrazien und Grie⸗ chenland, 1739 und 1740. Vom Herausgeber. (Fortſetzung.) XI. Von Hierapolis in Groß⸗Phrygien. Etwa eine Stunde nordwaͤrts vom Fluſſe Lyku 8, gegenuͤber von Laodyzea, ſind die Ueberbleibſel von Hierapolis, deſſen Paulus in ſeinem Briefe an die Koloſſer erwaͤhnt. Dieſe Stadt leitet ihre Be⸗ neunung von den vielen Tempeln her, welche einſt dort waren. Sie heißt jetzt Baumwollen Kaſtell oder Pem⸗ buki⸗Kaleſi, und liegt auf einer Flaͤche an dem Fuße eines Gebirges. Ihre Mauern ziehen ſich au der Seile des Huͤgels hinauf, und ſie hat etwa 11 ½ Meilen im Umfange. 6 In einer kleinen Entfernung gegen Oſt der Mauer von Hierapolis iſt ein tiefes Bett eines Winter⸗ ſtromes, wo noch Druͤmmer von einer auf den Felſen gebauten Bruͤcke ſind. An dem Wege von bier nach der Stadt ſind einige ſteinerne Saͤrge und Begraͤb⸗ niß⸗Gebaͤude mit griechiſcher Inſchrift. In einiger Entfernung von der Weſtſeite der Stadt ſind 1½ Meile weit ſehr viele Grabmaͤler; 160 Schritte vom weſtli⸗ chen Stadtthore iſt eine Saͤulenſtellung auf 150 Schritte. Nord⸗ und ſuͤdwaͤrts ſind noch einige Gebaͤude und eine Kirche mit großen Wiederlagen, auf welchen, wie an alten Tempeln, Bogen ruhen. An der noͤrd⸗ lichen Seite des Huͤgels iſt ein ſehr ſchoͤnes Theater, vielleicht das vollkommenſte, welches ich geſehen habe. Es gibt hier Ueberbleibſel von feinen Reliefs in wei⸗ ßem Marmor, auf welchen Kaͤmpfe vorgeſtellt werden. Daraus mag die Beſtaͤtigung folgen, daß die Theater nicht blos zu den Schauſpielen, ſondern auch zu an⸗ dern Luſtbarkeiten gehoͤrten. : Das hieſige warme Waſſer iſt die groͤßte Natur⸗ ſeltenheit Aſiens; es entſpringt ſuͤdwaͤrts vom Thea⸗ ter, fließt in ein Becken, iſt ſehr hell, laulicht, ſchmeckt wie Pyrmonter, iſt nicht ſo ſtark, und ſcheint viel Schweſel mit ſich zu fuͤhren. Man trinkt es nicht, ungeachtet ich weder ſalzige noch ſalpetrige Theile ſchmeckte, wodurch es ungeſund werden koͤnnte. Die Quellen ſpringen ſo ſtark, daß ſie einen Strom bilden. Nach der Verſicherung der Alten wurde dieſes Waſſer 7 ſehr gut zum Faͤrben benutzt; auch die Wurzeln der Baͤume dieſer Gegend gaben eine Tinetur, welche dem Scharlach und Purpur ganz gleich kam. Jetzt aber ſieht man um den Huͤgel nur Geſtraͤuche, deren Wurzeln nach der verſteinernden Kraft dieſes Waſſers, mit einer Steinrinde uͤberzogen ſind, welche vielleicht ehemals zum Faͤrben dienlich war. Das Waſſer lauft jetzt in 3 F. weiten Kanaͤlen, und dieſe haben auf beiden Seiten eine Steinrinde, etwa ½ Fuß dick. Jene Seite des Huͤgels, an welcher das Waſſer ablauft, hat eine weiße Rinde, und die Kanaͤle, welche dasſelbe durch die Stadt auf die Ebene leiteten, ſind ganz ausge⸗ fuͤlt, wie die Bogen der Waſſerleitungen. Das Ganze glich einem dichten Felſen. Gegen die Spitze des Berges ſah ich verſchiedene Loͤcher, worin das Re⸗ genwaſſer ſich geſetzt hat, welche von ſchwefelichter Rinde begraͤnzt waren; an einigen Orten waren kleine Haufen von dichten Steinen, welche dem weißen Salze glichen. Bei dem Waſſerfalle bildete ſich eine herabhaͤngende Verſteinerung, wie Felſenſtuͤcke. Die Seite der Huͤgel iſt unten ſo weiß, wie Baumwolle, woher auch die Benennung Pambuk⸗ Kaleſi, oder Baumwollen⸗Kaſtell kommen mag. Das Waſſerbecken iſt umgeben von Truͤmmern einer Saͤu⸗ lenreihe, Mauer, Portiko's und andern Gebaͤuden. Gegen Mitternacht des Waſſers befindet ſich ein laͤng⸗ licht viereckiges Gebaͤude, von welchem eine offene Saͤu⸗ lenreihe zum Becken vielleicht gezogen war. Man ſollte — 83 nach der ſonderbaren Bauart glauben, dieſes ſei zur Aufſtellung von Bildſaͤulen beſtimmt geweſen. Viel⸗ leicht war dieſes jener Apollos⸗Tempel, deſſen Pho⸗ tinus erwaͤhnt. Suͤdwaͤrts des Waſſers finden ſich Ueberbleibſel ſehr ſchoͤner Baͤder, welche aus einem großen Hofe beſtehen, der auf jedem Ende einen Por⸗ tiko von viereckigen Pfeilern hat. Die Zimmer zum Baden, welche gegen Mittag dieſes Hofes liegen, ſind ſehr geraͤumig und oben gewölbt. Die Hoͤhle Plutonium iſt eine große Seltenheit; aus ihr ſteigt, wie zu Pyrmont, ein den Thieren ſchaͤdli⸗ cher Dunſt.— Ich begab mich von Denizley nach Laodizea und Pambuk, woſelbſt ich meine Wohnung in ei⸗ nem der abgelegenſten Kaffeehaͤuſer nahm. Da mir der Befehlshaber die jaͤhrliche Chriſtenſteuer oder den Harach abforderte, ſo zeigte ich ihm meinen Frei⸗ heits⸗Brief. Dieſer wurde, wie gewoͤhnlich, zum Kadi getragen, welcher mir wiſſen ließ, wenn ich eine gewiſſe Summe, welche ſoviel als der Harach betrug, ihm zahlen wollte, ſo wuͤrde ich frei ſeyn. Kaum verweigerte ich deſſen Zahlung, ſo befahl er, daß man mir keine Pferde zur Reiſe geben ſollte. Ich verfuͤgte mich zum Aga, der mir nicht nur Gerechtigkeit widerfahren ließ, ſondern auch noch ſo großmuͤthig war, mir das Geſchenk zuruͤck zu geben, welches ich ihm machte. 9 XII. Von Koloſſaͤ, Apamea, Cibotus und Synnada in Groß⸗Phrygien. Von Denizleh reiſten wir gegen Nord⸗Oſt bei dem Strome Sultan⸗Emir vorbei, welchen ich für den Fluß Kadmus halte. Er fließt nahe an der Ecke der Berge, wo die Huͤgel von Laodizea be⸗ ginnen, und faͤllt eine Stunde oſtwaͤrts dieſer Stadt in den Lykus. An der Bruͤcke, auf welcher wir uͤber den Lykus gingen, liegt eine alte, gut gebaute Her⸗ berge, Namens Accan aus weißem Marmor. In den Mauern ſah ich den Kopf einer Bildſaͤule, ein Relief mit einem Meduſen⸗Haupte, und ein anderes mit zwei Drachen. Der Berg Kadmus wendet ſich hier oſtwaͤrts und lauft ungefaoͤhr 6 Meilen in dieſer Richtung fort. An dem noͤrdlichen Fuße deſſelben iſt ein Felſen mit einem Kaſtelle, welches nebſt dem Flecken Kanus genennt wird. Dieſes war die Fe⸗ ſtung des Soley Bey, wo er ſeinen gewoͤhnlichen Sitz und 11 Kanonen zu ſeiner Vertheidigung hatte. Man haͤlt es fuͤr Koloſſaͤ, an deſſen Bewohner der b. Paul ſchrieb. Ganz uͤber der Ebene liegen kleine Waſſer⸗Kanaͤle, welche zwar jetzt trocken, aber eben ſo wie die Kanaͤle zu Pambuk mit einer Rinde uͤberzogen ſind. Et⸗ was weiter hin laufen die Huͤgel etwa zwei Stunden gegen Nord, und dann wieder oſtwaͤrts. Sie begraͤn⸗ zen ein ſchoͤnes Thal, in welchem vielleicht die Stadt 3 10 Themiſſonium lag. Auf der Suͤdſeite dieſer Huͤ⸗ geel ſind Gewaͤſſer, welche denen von Hierapolis gleichen; gegenuͤber ſind andere heiße Quellen. Wir kamen zu dem Fuße der hohen Berge nordwaͤrts von dieſem Thale, wo die Turkomanen ſich gelagert hat⸗ ten. So hoͤflich ſie uns begegneten, ſo war doch der Janitſchar aus zu großer Furcht ganz blaß: denn dieſe brechen oͤfters aus dem Gebuͤſche hervor, und verwun⸗ den oder toͤdten die Reiſenden ganz unvermuthet. Wir kamen uͤber einen Flecken in die Ebenen des Maͤan⸗ ders, welche 2— 3 Stunden breit und 20 lang ſind; von hier fließt er in die Ebenen von Laodizea. Auf der Oſtſeite liegt ein hoher Huͤgel und ein Flecken, Namens Dinglar, wo der Fluß entſpringt. Me⸗ tropolis lag vermuthlich zwiſchen dieſem Orte und Apamea. Wir uͤberſchritten den Maͤander, und kamen nach 8 Meilen zur Stadt Iſheeleh, unter den Huͤgeln an der Nordſeite der Ebene, welche nach 3 Plinius einſt Signia hieß. Dieſer Ort liegt am Urſprunge eines Fluſſes, welcher vielleicht einſt Nar⸗ ſyas, und jetzt Ochieuſe heißt, muß folglich Apa⸗ mea Cibotus ſeyn. Ueber der Stadt iſt ein hoher ſteiler Berg mit einigen Ueberbleibſeln einer alten Feſtung, welche Alexander der Große nicht ein⸗ 3 nehmen konnte. Das Volk erklaͤrte ſich bereit zur Uebergabe, wenn Darius nicht innerhalb so Tagen ihm Huͤlfe braͤchte. Ich hatte das Vergnuͤgen, Muͤn⸗ zen von dieſem großen Feldherrn zu kaufen. Der 11 zweite Name der Stadt ſcheint Cibotus geweſen zu ſeyn. Soley Bey war unumſchraͤnkt zu Iſheeleh, wohin er einen Aga ſetzte. Ich fand raͤthlich, dem Statthalter ein kleines Geſchenk zu machen; die Ein⸗ wohner waren ſehr hoͤflich. Ein Effendi ſetzte ſich zu mir, und forſchte genau nach der Epoche der Al⸗ terthuͤmer. Ein Tuͤrke unterrichtete mich von dem Orte, wo ſolche noch zu finden ſeyen; ein anderer ließ mich von einer Aufſchrift an ſeinem Hauſe in Kenntniß ſetzen. Ich machte uͤberhaupt die Beobach⸗ tung, daß nur die am Meere wohnenden Tuͤrken durch die Einfaͤlle der Korſaren boͤsartig, jene tiefer im Lande aber die beſten ſind. Gegen Morgen zu dem Urſprunge des Maͤan⸗ ders liegt jener Theil von Phrygien, welcher nach dem Gebirge Phrygia Parorius heißt; auf deſ⸗ ſen Nordſeite Philomelium lag. Gegen Mittag lag Antiochien von Piſidien, 12 Meilen von Sparta auf dem Wege nach Satalen, in einer Entfernung von etwa 18 Meilen, welche Oerter an den Graͤnzen von Lykaonien und Iſaurien liegen. Am 20. Maͤrz reiſten wir von Iſheeleh mit der Karawane uͤber die Berge gegen Mitternacht in eine große Ebene, an deren nordoͤſtlicher Ecke Sandac⸗ leh liegt. Das Wetter war ſehr kalt und froſtig; unter vielen Beſchwerden erſtiegen wir einige niedrige, 12 mit Schuee bedeckte Berge. Wir litten waͤhrend des groͤßten Theiles des Tages Mangel an Waſſer; ich trank Schneewaſſer, wo ich nur Schnee finden konnte; allein ich ſchien davon einen Ausſchlag, wie Rothlauf, an den Armen bekommen zu haben. XIII. Von Karahiſſar(dem alten Prymne⸗ ſi ga), und einigen anderen Orten in Groß⸗Phrygien. Karahiſſar hat von den Tuͤrken den Beinamen Aphicum(Opium) erhalten, weil dieſes hier verfer⸗ tigt wird. Ich freute mich, aus einer Inſchrift das alte Prymneſia des Ptolemaͤus zu erkennen, welches zwiſchen Smyrna und Angora am Fuße der Berge liegt rund um einen ſehr hohen Felſen von 1½ Meile im Umfange, auf deſſen Gipfel eine Feſtung iſt. Der Felſen beſteht aus einer Art unaͤchten brau⸗ nen Granits, weßwegen die Stadt Karahiſfar das ſchwarze Kaſtell genennt wird. Dieſer Felſen iſt ſo ſteil, daß das Kaſtell bei hinlaͤnglichen Lebeusmitteln und Waſſer unbezwinglich ſeyn wuͤrde. Es ſcheint, daß die ſenkrechte Hoͤhe eine halbe Viertels⸗Meile be⸗ traͤgt. Die Stadt hat faſt 3 Meilen im Umfange, eine ſtarke Durchfahrt, vielen Handel und Kramlaͤden voll allerlei Gegenſtaͤnde. Denn die Umgebung iſt fehr fruchtbar, viele Karawanen ziehen durch die Stadt, welche von einem Paſcha bewohnt wird. Sie hat 2¹ Moſcheen, deren eine geſchmackvoll iſt, einen Por⸗ 13 tiko und Kuppeln hat. Neben den Tuͤrken gehoͤren nur etwa s0 armeniſche Familien zu den Einwohnern; die zahlreichen fremden Handelsleute ſind wie uͤberall nur in Herbergen. Fuͤr Letztere ſind auch zwei Kir⸗ chen mit einem griechiſchen Biſchofe. Zwiſchen hier und Smyrna werden viele tuͤrkiſche Teppiche ver⸗ fertigt, beſonders zu Uſak, Gula Goirdas. Wei⸗ ter gegen Morgen werden die turkomaniſchen Teppiche verfertigt, welche glatt ſind, breite Streifen und Fi⸗ guren haben. Hier wurde ich wieder aufgefordert, die Chriſten⸗ Steuer zu entrichten; ſobald ich meinen Geleitsbrief dem Richter(Mulla) zeigte, uͤberzeugte er ſich, daß ich ein Frank bin, und keinen Harach bezahlen duͤrfte. Doch legte er meinen Firman ganz kalt zur Seite, und verlangte eine beſtimmte Summe Geldes fuͤr deſ⸗ ſen Ausloͤſung. Ich zahlte nichts, und drohte ihm mit einer Klage bei dem Paſcha; er ließ mir wiſſen, daß ich dieſem ein noch wichtigeres Geſchenk wuͤrde machen muͤffen. Ich beorderte meinen Jauitſcharen zum Paſcha, welcher ſich meinen Firman uͤberbringen ließ. Aus Erkenntlichkeit reichte ich dem Kaia des Paſcha ein Geſchenk von Kaffee, und dieſem ſelbſt ei⸗ niges Zuckerwerk. Zu Karahiſſar ſtieß ich auf ei⸗ nen jungen Boͤhmen, welcher in Belgrad Selave und dann ein Tuͤrke geworden war, um nach dem Ver⸗ ſprechen ſeines Herrn eine Frau zu erhalten. Am 26. Maͤrz reiſten wir mit der von Smyrna 14 nach Angora ziehenden Karawane unter großem Froſte, Schuee und ſtarkem Winde. Wir zogen gegen Nord Oſt uͤber die Huͤgel, und kamen uͤber einen brei⸗ ten Strom, welcher vielleicht in den Halys, und dann in den Euxinus ſich ergißt. Etwa 18 Meilen von Karahiſſar blieben wir in einer Herberge eines Fleckens. Wer kamen in eine Ebene, und ruhten im Flecken Alekiam, wo wir lateiniſche Inſchriften aus der Zeit K. Konſtantins fanden. Am 27ſten erreichten wir die ſchlecht gebaute Stadt Sevrihiſ⸗ ſar, uͤber welche einſtens eine Feſtung ſich erhob. Sie wird von einem Moſolem verwaltet, welcher vom Oberſten(Kißler Aga) der verſchnittenen Schwarzen dahin geſendet wird. Etwa 500 Armenier haben eine Kirche unter dem Erzbiſchofe von Angora. XIV. Von Galatien. Wir brachen am 30. Maͤrz auf und fahen nach wenigen Stunden die herrlichen Ziegen von Angora. Am 31. wurden wir des Morgens mit Schnee bedeckt, und gelangten an den Fluß Sakari(Sangarius). Dieſer iſt die Graͤnze zwiſchen Galatien, Groß⸗ und Klein⸗Phrygien, Bithynien und Mariandyni. Wir mußten wegen der Tiefe des Waſſers anhalten; am 1. April fuhren wir in Floͤſſen uͤber, und die Pferde ſchwammen durch. Am Lten verweilten wir in einem Flecken, wo wir einen Englaͤnder mit ſeinem Janit⸗ ſcharen, Maͤckler und Bedienten antrafen. Am zten 15 wurden wir etwa eine Meile von Angora(Ancyra) von den daſelbſt befindlichen Englaͤndern und vielen Franzoſen bewillkommt. Nach einigen Erfriſchungen, welche in einem Hauſe an der Landſtraße bereitet wa⸗ ren, beſtieg ich ein ſchoͤnes Pferd, und ritt au das Haus meines daſigen Freundes. Das alte Ancyra war eine Burg der DTectoſa⸗ gen, wurde unter K. Nero nach den noch ſichtbaren Aufſchriften zur Hauptſtadt von Galatien erhoben, und vom K. Karakalla aus Vorliebe Antoni⸗ niana genannt. Sie ſcheint auf dem Platze der jetzigen Angora gelegen zu ſeyn, und nur gegen Weſt etwas weiter ſich erſtreckt zu haben. Letztere liegt an der Weſt⸗ und Suͤdſeite eines gegen Suͤd ſich ausdehnenden Huͤgels, auf welchem ein Kaſtell iſt. Sie zieht ſich auch etwas gegen Nord⸗Weſt des Huͤ⸗ gels und beruͤhrt noͤrdlich eine Anhoͤhe, auf welcher die vornehmſte Moſchee Hadje⸗Biram iſt. Ganz nahe iſt der Tempel Auguſts mit der beruͤhmten Aufſchrift. Die Stadtmauern ziehen ſich in einer Dicke von 20 Fuß ſelbſt uͤber den Bach Tabahana, vielleicht um in Kriegszeiten durch den geheimen Gang dem Kaſtelle Waſſer zu verſchaffen. Dieſes hat eine Mauer von einer Meile im Umfange, und wird von Chriſten und Tuͤrken bewohnt. Obgleich noch zwei Baͤche und ein Fluß die Stadt umgeben, ſo fehlt es doch der Stadt am Waſſer, indem es zum gemeinen Gebrauche in ledernen Saͤcken, wie zu Kairo, oder 16 in irdenen Kruͤgen durch Pferde gefuͤhrt wird, welche die⸗ ſelben in Koͤrben, wie in Teutſchland die Eſel bepackt werden, auf beiden Seiten tragen. In die niedrigeren Theile der Stadt wird das Waſſer durch eine Leitung befoͤrdert; nur fuͤr wohlhabendere Einwohner wird das Waſſer auf 1⁄½ Meile aus einem Brunnen geholt. Man glaubt allgemein, die trockne Luft ſei fuͤr voll⸗ bluͤtige Menſchen ſchaͤdlich, fuͤr engbruͤſtige aber gut. Da in der Naͤhe kein Wald iſt, ſo hat das Brennholz einen außerordentlichen Preis, weßwegen die gemei⸗ nen Leute geduͤrrten Kuͤhmiſt brennen. Die jetzigen Stadtmauern ſind aus Truͤmmern alter Gebaͤude mit Lehm zuſammen gefuͤgt, und deßwegen zum Theile verfallen. Die Haͤuſer ſind aus ungebrannten Back⸗ ſteinen errichtet, und haben von Außen ein ſchlechtes Anſehen, obgleich ſie von Innen ſehr gut ſind. Die Straßen ſind ſchmal, und die Stadt hat eine un⸗ regelmaͤßige Anlage. Ein Bezeſtan von einem Stock⸗ werke verwahrt die reichen Kaufmanns⸗Guͤter, und ein ſchoͤnes Gehaͤude aus Steinen iſt mit Kuppeln bedeckt. Es gibt gegen 100 Moſcheen, wovon 42 mit Glocken⸗ Thuͤrmen verſehen ſind.. Angora ſteht unter einem Paſcha und Kadi, hat gegen 90,000 tuͤrkiſche und 40,000 chriſtliche Einwoh⸗ ner, von welchen gegen 1500 Griechen— die uͤbrigen Armenier ſind. Zwei Drittheile der letzteren gehoͤren zur roͤmiſchen Kirche, und haben 4 Kirchen; das dritte 3. Vor einiger Zeit bauten ſie eine ihrer Kirchen ppp¼¼¼¼ 17 neu auf, und fanden 7 unverrveſte Koͤrper von Kin⸗ dern; man muthmaßte, ſie ſeyen von den zwoͤlf Kin⸗ dern, welche an dem Martyrer⸗Tode des h. Cle⸗ mens Aneyranus Cheil nehmen mußten. Die Armenier haben gegen Nord eine kleine Meile von der Stadt ein großes Kloſter, wo der Erzbiſchof von Ancyra und deſſen Weihbiſchof wohnen, welche nicht zur roͤmiſchen Kirche gehoͤren. Der Erzbiſchof der Griechen iſt der vierte der 12 Metropolitane un⸗ ter dem Patriarchen zu Konſtantinopel, und fuͤhrt den Titel: Primas von Galatien, obſchon er jetzt keinen Biſchof unter ſich hat. Zu Angora ſind auch 40 arme juͤdiſche Familien. Ehemals gab es hier viele Ketzer, unter welchen Photinus ſich vorzuͤglich aus⸗ zeichnete. Im J. 314 wurde hier unter dem Patriar⸗ chen Vitalis von Antiochien eine kirchliche Ver⸗ ſammlung von 4s Praͤlaten gehalten, welche 24 Be⸗ ſtimmungen uͤber die Buße der Abtruͤnnigen und uͤber andere Gegenſtaͤnde betrafen. Ein vorzuͤglicher Handel wird hier mit kurzen Zie⸗ gen⸗Haaren getrieben, welche unter den langen wach⸗ ſen, erſt von den Fellen der todten Ziegen genommen, und nach England an die Hutfabrikanten verkauft werden. Auch viel Schafwolle wird nach Frankreich geſendet. Die Ziegen ſind ſehr ſchoͤn, meiſtens weiß, einige aſchgrau oder ſchwarz; ihre Haare ſind manch⸗ mal einen Fuß lang und krauslockigt; die feinſten werden von 1— 2jaͤhrigen Boͤcken gewonnen, und ge⸗ 31ſtes B. Griechenland. II. 1. 2 18 waͤhren das Gefuͤhl der Seide. Sie werden im Mai geſchoren, aber nicht gewaſchen; eine Ocke Haare ko⸗ ſtet zwei Thaler. Obſchon der gewoͤhnliche Preis des Garns 6 Thlr. iſt, ſo iſt es doch manchmal auch auf 30 Thaler geſtiegen. Hier wird ein feiner Gameloth von 3— 4 Faden ſolchen Haares verfertigt, auch ein Zeug von 2 Faden, glatt oder geſtreift; beider bedienen ſich die Tuͤrken zu Sommerkleidern. Fuͤr die Euro⸗ paͤer werden Gamelothe von 13 Faden bearbeitet. Da die meiſten Einwohner ſich von dem Spinnen der Haare ernaͤhren, ſo iſt die Ausfuhr ſtark verboten; unſere gewoͤhnlichen Tuche, Mohair, Gamelothe und Prunellas ſind das Produkt davon. Nach Frankreich, England und Holland werden 5.— 600 Ladungen von Kamelen, jede zu 150 Ocken gegen 3— s Thaler be⸗ foͤrdert. XV. Von einigen Hertern in Galatien und Paphlagonien auf dem Wege nach Konſtantinopel. Am 29. April verließ ich An gora nach der mor⸗ geulaͤndiſchen Sitte in Begleitung aller daſigen 30 bis 40 Europaͤer zu Pferde auf 1—2 Stundenz; bei einem Fluſſe nahmen wir alle noch eine Erfriſchung ein. Zwei Englaͤnder begleiteten mich gegen Nord, und wir blieben etwa 12 Meilen von Angora uͤber Nacht. Am zoſten reiſten wir durch eine unebene Gegend etwa 20 Meilen, und betraten ein Thal, deſſen Berge jenen 19 von Savoyen gleichen. Bei deſſen Eintritte ſahen wir das wenig beſuchte Bad Kiſdjee Hamam. Das Waſſer fuͤhrt Stahl mit ſich, iſt lauwarm, nicht ſtark, und wird ſowohl getrunken, als zum Baden verwendet. Wir uͤbernachteten in einem Flecken, deſſen Haͤuſer aus Fichtenbaͤumen zuſammen geſetzt waren. Es gibt in dieſer Gegend wilde Stachelbeere in Stauden. Nach⸗ 4 Meilen gelangten wir des anderen Dages zu den heißeren und ſtaͤrkeren Quellen S ha⸗Hamam, wovon man gleich anfangs eine gewiſſe Beklemmung empfindet; ſie ſollen vorzuͤglich gegen die Waſſerſucht wirkſam ſeyn. Wegen der kuͤhlen Lage des Ortes balten ſich die Europaͤer von Angora zur heißen Jah⸗ reszeit daſelbſt auf. Von dem noch eine Stunde ent⸗ fernten Orte Clefikui, oder Kirchendorf, kehrten meine Freunde zuruͤck. Nach 4 Meilen gegen Weſt erreichten wir ein ſchoͤnes Land, welches ich fuͤr Paphlagonien hielt, ge⸗ gen welches und Galatien dieſe Berge die Graͤnze bil⸗ den. In einem Waldflecken begegneten uns die Ein⸗ wohner ſehr hoͤflich, und tranken mit uns Kaffee. Paphlagonien lag zwiſchen den Fluͤſſen Halys und Parthentus, hatte gegen Weſt⸗ Bithynien, gegen Oſt Pontus, und war einſt von ſeinen eige⸗ nen Koͤnigen beherrſcht. Am 2. Mai ſah ich gegen Nord die Stadt Cherkes auf der Straße nach To⸗ kat, wo der Paſcha dieſer Gegend wohnt. Wir uͤber⸗ ſchritten den Bach Cherke, und⸗ kamen auf die 20 Landſtraße nach Konſtantinopel. In einer Entſernung von s Meilen fand ich den Strom Gerede⸗Su oſt⸗ waͤrts; auf der andern Seite etwa s Meilen weiter iſt der große Flecken Bainder. 56 Meilen von An⸗ gora liegt die Stadt Geredy an beiden Ufern des Fluſſes gleiches Namens, deren Haͤuſer aus Fichten⸗ baͤumen zuſammen geſetzt, und mit Brettern bedeckt ſind. Daſelbſt findet ſich eine große Manufaktur ro⸗ then Leders. Sie liegt 64 Meilen vom euxiniſchen Meere; der naͤchſte Ort iſt Eliry, vielleicht das alte Heragelea. XVI. Von Borla, Nikomedien und anderen Oertern in Bithynien und den Fuͤrſten⸗ Inſeln. Am 4. Mai verfuͤgten wir uns nach 16 Meilen in einen Flecken in einem ſehr reitzenden Thale. Ich be⸗ gab mich in die Wohnung des Eigenthuͤmers der Mieth⸗Pferde; meinen Teppich hatte ich im Walde bei einem Fluſſe ausgebreitet. Hier ſah ich Seile aus bloß geriebenem Hanfe fertigen. Am zten kamen wir durch eine angenehme waldige Gegend nach Borla nahe bei dem See Chagah⸗Guel, welcher 4 Mei⸗ len im Umfange und Ueberfluß an ſchaͤdlichen Fi⸗ ſchen hat. Die Stadt liegt an der Weſtſeite eines ſchoͤnen Thales wie Padua, welches eine Stunde breit und vier lang iſt, theils in der Ebene, theils an der Suͤd⸗ und Weſtſeite eines Huͤgels. In der Um⸗ 21 gebung deſſelben findet man verſchiedene Grabſchriften in Steine gehauen. Vielleicht war hier Bithynium, ſpaͤter Claudianopolis genannt, der Geburtsort von Antinous, wovon vielleicht der Name Anti⸗ niopolis der Tabellen kam. 6 Am 6ten reiſten wir 18 Meilen durch ſchoͤne Bu⸗ chen⸗ und Ahorn⸗Waͤlder, uͤberſchritten den Fluß Lanſu, wanderten durch den Flecken Lasjah, wo viele Herbergen fuͤr die Pflege der Reiſenden ſind, und uͤbernachteten auf einer Wieſe. Ich ſah an dieſem Tage die meiſten Arten von Baͤumen aus Birken und Ruͤſtern. Am Iten machten wir einen Marſch von 44 Meilen, zur Haͤlfte durch ſchoͤne Eichenwaͤlder. Am sten erreichten wir die kleine Stadt H andake, welche das Manoris der Tabellen ſeyn mag, und ſich meiſtens von Karawanen naͤhrt. Wir kamen in die ſchoͤnſte eingeſchloſſene Ebene von 3 Stunden in der Breite, welche mit vielen Nußbaͤumen und Eber⸗ eſchen ordnungslos beſetzt iſt. Der große See Saba⸗ niah iſt auf der Suͤdſeite der Huͤgel, welche dieſe Ebene theilen, iſt 1½ Stunde breit, und mehr als 2 lang. Unter anderen Fiſchen gibt es beſonders Kar⸗ pfen, welche in Kaͤhnen aus einem ausgehoͤhlten Stuͤcke Holz gefangen werden. In der kleinen Stadt Saba⸗ niah vereinigen ſich alle Straßen nach Konſtanti⸗ nopel, wovon ſie viele Vortheile zieht. Die an⸗ graͤnzende Landſchaft war die angenehmſte, welche ich 22 jemals durchwanderte; ſie iſt ſehr fruchtbar ohne alle Steine. Am 10ten erreichten wir Ismit oder Nikome⸗ dien, deſſen Begruͤnder Olbia ſeyn ſoll, deſſen Er⸗ bauer der Koͤnig Nikomedes von Bithynien war. Die jetzige Stadt liegt am Fuße zweier Huͤgel, unweit der nordeoͤſtlichen Ecke des Meerbuſens. Alle Haͤuſer, beſonders an den Huͤgeln, ſind mit kleinen, durch Baͤume bepflanzten Gaͤrten, oder Hoͤfen verſe⸗ hen; die Weinſtoͤcke werden wie an gegitterten Daͤ⸗ chern hinauf gezogen, was der Stadt zur beſonderen Zierde dient. Die Stadt hat eine herrliche Lage, iſt von gebautem Lande umgeben, und mit vielen Kram⸗ laͤden in 4—5 Straßen naͤchſt dem Meere um einige große runde Herbergen verſehen. Die meiſten Haͤuſer ſtehen auf den Seiten der Huͤgel. Die Chriſten woh⸗ nen oben auf der Spitze, weil die Tuͤrken zu traͤge ſind, ſo hoch zu ſteigen. Da hier alles ſich ſammelt, was in die Hauptſtadt beſtimmt iſt, ſo ſollte man ei⸗ uen ordentlichen Strand fuͤr die großen Schiffe finden, welcher nur durch einige Wiederlagen aus Holz erſetzt wird. Da nur 36 Meilen zu Land nach Seutari ſind, ſo mag kaum s0— viel weniger 100 Meilen zur See nach Konſtantinopel ſeyn. Hier enden alle Karawanen ihre Zuͤge zu Land, wenn ſie nicht ihre eigenen Laſtthiere haben. Hier wird viel Zimmerholz und Schiffe verkauft, auch viel Salz aus den Werken jenſeits des Meerbuſens, und der Paſcha der Gegend 23 wohnt da. Etwa 200 armeniſche Familien ſtehen un⸗ ter einem Erzbiſchofe, welcher ſich in einem s bis 6 Meilen entfernten Kloſter oͤfters aufhaͤlt, und werden von einem Prieſter beſorgt. Etwa 100 griechiſche Fa⸗ milien erfreuen ſich eines Erzbiſchofs mit einer Kir⸗ che St. Panthaleon auher der Stadt, welcher da⸗ ſelbſt begraben iſt. Auf der Spitze des hoͤchſten Huͤ⸗ gels befindet ſich das wichtigſte Alterthum einer Mauer aus Backſteinen, welche nach K. Konſtantin erbaut ſeyn mag. Eine ehemals praͤchtige Ciſterne iſt noch aus Ueberbleibſeln einiger Saͤulen⸗ und Bogenreihen von Backſteinen zu erkennen. Von Ismit nach Isnik(Nizaͤg) moͤgen 32 Mei⸗ len uͤber Sabaniah fuͤhren, welches 12 von erſterem und 20 von letzterem entfernt iſt. Vielleicht iſt dieſes das Lateas der Tabellen, oder das Libo der Reiſe⸗Beſchreibung auf die Straße von Nikome⸗ dien nach Nizaͤa. Der iſmitiſche Meerbuſen (von etwa 30 Meilen in der Laͤnge) hieß vor Alters Aſtacenus und Olbianus, und das mittaͤgige Vorgebirge jenes des Neptuns. Pronectas wird als wichtiger Handelsort Nikomedien gegenuͤber angefuͤhrt. Drepane, welches K. Konſtantin zur Ehre ſeiner Mutter Helenopolis nannte, wird ebenfalls an dieſen Meerbuſen geſetzt. Der Geſchicht⸗ ſchreiber Arrian war aus Nikomedien, und nahe bei dieſem Meerbuſen hielt ſich der beruͤchtigte Fuͤrſt Tekely oder Thokoly in ſeinem Landhauſe auf, t 24 welches er Blumenfeld nannte. Er wurde zu Iſmit im armeniſchen Kirchhofe beigeſetzt, und ſein Anden⸗ ken durch eine lateiniſche Inſchrift verewigt. Am 11ten wendeten wir uns aus Iſmit 3 Mei⸗ len von der Straße gegen Nord zu dem Alaunwaſſer Chaieſu, welches in großer Menge nach Konſtan⸗ tinopel geliefert wird, und gegen die Stein⸗Krank⸗ heit wirkſam ſeyn ſoll, wie gegen die rothe Ruhr. Zehn Meilen von Iſmit liegt der kleine Flecken Korfau an dem Meere, in deſſen Naͤhe die alte Stadt Aſtakus gelegen ſeyn mag. Am 12ten bega⸗ ben wir uns zum kleinen Hafen Mahollom, wo die Bourſiſche Karawane von Dil!l! auf der andern Seite des Meerbuſens landet. In 8 Meilen erreichten wir die Stadt Gebſeh auf einer Anhoͤhe, ungefaͤhr eine Stunde vom Meere. Man glaubt, hier ſey Libyſſa gelegen, in deſſen Naͤhe hielt ſich Hannibal auf, als er zum Koͤnige Nikodemus von Bithynien ſich gefluͤchtet hatte; daſelbſt vergiftete er ſich auch, als er ſich uͤberzeugte, verrathen zu ſeyn. Er foll daſelbſt ei⸗ nen Thurm mit 4 Eingaͤngen auf 4 Seiten gebaut haben, um bei jedem Ueberfalle zu entwiſchen. Die⸗ ſer Thurm hatte wahrſcheinlich eine erhoͤhte Lage, denn er hat die Roͤmer von Weitem entdeckt, als ſie kamen, ihn zu uͤberfallen. In einer Entfernung von 8 Meilen iſt die kleine Stadt Pantik am Meere, welche das Pantichio in der Reiſe⸗Beſchreibung des Antoninus ſeyn muß⸗ 25 wenn es 15 Meilen von Chalcedon, und 24 von Libyſſa entfernt ſeyn ſoll. Wir ließen uns auf dem Felde jenſeits des Ortes nieder, und beſchauten am z3ten die Umgebung der vielen Blumen⸗, Wein⸗, Obſt⸗ und Gemuͤsgaͤrten, welche Konſtantinopel verſehen. Daſelbſt ſahen wir auch die von Griechen bewohnten Fuͤrſten⸗Inſeln am iſmitiſchen Meerbuſen. Die groͤßte dieſer Inſeln, Prineipe, oder Boiuk Abdah, liegt am meiſten gegen Morgen und gegen Kortal uͤber, nach der Muͤndung des iſmi⸗ tiſchen Meerbuſens, und eine Stunde vom feſten Lande. Sie iſt eine Meile von Mitternacht gegen Mittag lang und ½ breit, und beſteht aus zwei Huͤ⸗ geln und einer Ebene gegen Nord, auf welcher die Stadt an der Seeſeite liegt. Sie war ehemals ziem⸗ lich gut gebaut, iſt aber jetzt groͤßtentheils zerſtoͤrt. Die Inſel ſteht dem Erzbiſchofe von Chalcedon zu, und wird von Griechen theils in der Stadt, theils in den zwei Kloͤſtern auf der Inſel bewohnt; ein drittes Klo⸗ ſter iſt zerſtoͤrt worden. Die Franzoſen hatten einſt Luſthaͤuſer auf der Inſel errichtet; allein ſie verließen ſie wieder theils wegen der Beſchwerlichkeit des Waſ⸗ ſers, theils wegen der Gefahr durch widrige Winde aufgehalten zu werden. Die meiſten Einwohner er⸗ naͤhren ſich von der Fiſcherei und vom Handel mit Wein, welchen ſie aus der Inſel Alonia und dem fe⸗ ſten Lande heruͤber bringen, und an die lebensluſtigen Bewohner der Hauptſtadt, welche zu ihrer Zerſtreuung 26 bieher kommen, verkaufen. Auch gedeihet einiges Oliven⸗ und Fichtenbaͤume. In der Naͤhe der Stadt iſt ein aufloͤſendes und abfuͤhrendes Waſſer, ohne be⸗ ſonderen Geſchmack, welches vorzuͤglich gegen ſpohili tiſche Zuſtaͤnde dienen ſoll. Etwa 1/½ Meile oſtwaͤrts iſt die unbewohnte In⸗ ſel Anderevetho, welche zur Viehweide dient. Korn auf dieſer Inſelz auf deren Huͤgeln Wachholder⸗, Wir fuhren an die mit Schenken und Kramlaͤden be⸗ ſetzte Inſel Halki, auf deſſen Huͤgel das Kloſter der b. Dreieinigkeit den Fremden zur guten Her⸗ berge dient. Wir begaben uns ſuͤdlich in das ſchoͤng Kloſter Panaieg. Weiter nordwaͤrts iſt das Kloſter des h. Georg mit großen Gebaͤuden fuͤr die Frem⸗ den, welche zur Zeit beſonders aus der Hauptſtadt dahin fluͤchten. Dieſes Kloſter gehoͤrt dem Erzbiſchofe von Chalcedon, die beiden anderen aber dem Patriar⸗ chen von Konſtantinopel. Auf der Inſel Halki waͤchſt uͤͤbrigens nur wenig Getraid und eben ſo ſtar⸗ ker als guter weißer Wein. Damit wir wieder auf das feſte Land kamen, verfuͤgten wir uns uͤber Pan⸗ tek in die kleine Stadt Kortalz 2 Stunden weiter in die Stadt Kadikui an der Weſtſeite des Vorge⸗ birges, auf welchem Chaleedon ruhte. 7 ————„ *2 27 XVII. Von Chaleedon, Seutari, dem ſchwar⸗ zen Meere und deſſen angraͤnzenden Oertern. Chaleedon iſt im Winter den Winden ſehr ausgeſetzt, und hat keinen guten Hafen. Sein Vor⸗ gebirge iſt etwa ½ Meile breit und eine lang; auf ihm kann man den Propontis, den thraziſchen Bos⸗ phorus und Konſtantinopel uͤberſehen. Von der zer⸗ ſtoͤrten Stadt ſind nicht einmal Ueberbleibſel, ihre Umgebung beſteht aus Gaͤrten und Weinbergen. Die kleine Kirche der Griechen ſoll durch deu chalcedoni⸗ ſchen Kirchenrath verherrlicht worden ſeyn, allein ihr Aeußeres zeugt nicht von ſo hohem Alter, auch liegt ſie zu tief und zu nahe am Meere. Gegen Morgen iſt dieſer Theil von Bithynien bergicht, und die Huůͤ⸗ gel naͤhern ſich Seutari, gegen Nord⸗Oſt dem Bosphorus. Der Fuß derſelben zieht ſich gegen Mittag nach Chaleedon, endigt ſich am Meere, und bildet nebſt dem chalcedonenſiſchen Vorgebirge Konſtantinopel gegenuͤber einen kleinen Meerbuſen. Ueber deſſen noͤrdlichen Theil erhebt ſich das Serail von Seutari, wo der tuͤrkiſche Kaiſer gewoͤhnlich im Anfange jedes Sommers einige Tage wegen der augenehmen Lage und ſchoͤnen Ausſicht verweilt. Ge⸗ gen Nord⸗Oſt ſind ſehr ſchoͤne Viehweiden, und jen⸗ ſeits derſelben die ſeutariſchen Begraͤbnißplaͤtze, welche mit Cypreſſen und andern Baͤumen beſetzt ſind. Seutari, vielleicht das alte Cryſopolis, ſteht ſuͤdlich gegenuͤber der Ecke des Serails— noͤrd⸗ lich zu Tophana und Funduecli, liegt ſehr ſchoͤn an den Seiten der Huͤgel, und iſt noch dicker mit Baͤumen beſetzt als Konſtantinopel. Auf dem Thurme hat man eine entzuͤckende Ausſicht uͤber die allſeitigen Umgebungen. Sie iſt der Sitz des perſiſchen Geſandten, und der Vereinigungspunkt aller Reiſen⸗ den aus Morgenland, und mag 4 Meilen im Umfange haben. Die kleine Moſchee daſelbſt iſt ſehr geſchmack⸗ voll gebaut und herrlich verziert. Jede Seite des thraziſchen Kanales(Bosphorus) iſt mit 20 Flecken beſetzt; auf der aſiatiſchen Seite draͤngen ſich die Huͤgel gegen das Meer vor, darum ſind ſie hier kleiner, waͤhrend ſie auf der europaͤiſchen eine zuſammenhaͤngende Stadt zu ſeyn ſcheinen, wel⸗ che ſich nach dem euxiniſchen Meere bis an den Flecken Boyukderre ausdehnt, woſelbſt einige Ge⸗ ſandte Landhaͤuſer haben. Auf beiden Seiten ſind viele Serails und Sommerhaͤuſer des tuͤrkiſchen Kai⸗ ſers, von Vezieren und andern Großen erbaut, welche jener im Falle der Ungnade einzieht. Die Flecken laͤngſt des angenehmen Kanals und die daruͤber gele⸗ genen und mit Holz bewachſenen Huͤgel machen die Ausſicht ſehr reitzend. Man glaubt, der thraziſche Kanal ſey zwiſchen dem rumeliſchen und aſiatiſchen Kaſtele(Hiſſari) am engſten, folglich konnte die Bruͤcke des Darius fuͤr die Ueberſetzung ſeines Kriegsheeres gegen die Seythen nur bei dem Tempel des Merkur's auf der europaͤi⸗ ſchen Seite geweſen ſeyn. Bajazet I. erbaute das Kaſtell auf der aſiatiſchen Seite, als er Konſtanti⸗ nopel vor 350 Jahren belagerte, wie jenes auf der europaͤiſchen von Mahomed II. vor der Belagerung errichtet wurde. Hier werden alle Schiffe vor ihrem Zuge in das ſchwarze Meer unterſucht, auch oͤfters die aufruͤhriſchen Janitſcharen gefangen, erdroſſelt und in das Meer geworfen. Seutari gegenuͤber iſt eine Inſel mit dem Thurme Kiſkuli(oder Jungfern⸗ Thurme), von den Franken Leanders⸗Thurm genannt. In einem kleineren Thurme wird Nachts eine Leuchte fuͤr die Schiffer unterhalten; unter ihm iſt eine Ci⸗ ſterne mit Regenwaſſer; K. Immanuel erbaute denſelben. Gegen die Muͤndung des ſchwarzen Mee⸗ res liegen auf der aſiatiſchen und europaͤiſchen Seite zwei Feſtungen(Kala), welche die Franken die neuen Kaſtelle zum Unterſchiede von den alten nennen. Dieſe Kaſtelle am ſchwarzen Meere wurden 1628 vom K. Amurath IV. erbaut, um die Einfaͤlle der Koſaken zu verhindern, welche durch den Kanal ſegelten, und viele Flecken anzuͤndeten. 1 Der Euxrinus wiird von den Tuͤrken Karade⸗ nize, d. i. ſchwarzes Meer genannt, welches wegen der beftigen Winde ſehr gefaͤhrlich iſt. Es wird mei⸗ ſtens nur von Nachen mit Lebensmitteln, und von gkößeren Schiffen mit Zimmer⸗ und Brennholz be⸗ 30. fahren. Die Ruſſen koͤnnten ſeit ihrem Beſitze von Aſoph einen ſehr vortheilhaften Handel mit Pelz⸗ werk machen. Dieſes Meer ſoll von Mitternacht ge⸗ gen Mittag 350 Meilen breit, und von Morgen gegen Abend 900 Meilen lang ſeyn. Durch die kalten Nord⸗Winde dieſes Meeres wird das Klima von Kon⸗ ſtantinopel ſehr gemaͤßigt, und zuweilen ſogar kuͤhl, waͤhrend andere in gleicher Breite liegende Oer⸗ ter von großer Hitze gequaͤlt werden. XVIII. Von den Dardanellen, IJlium und dem alten Troja. Die Dardanellen ſind a Schloͤſſer am Hel⸗ leſpont. Die Alten nannten dieſe Meerenge alſo, weil Helle, als ſie nebſt ihrem Bruder Phryxus auf dem Widder mit dem goldenen Fließ nach Colchis binuͤberſchwimmen wollte, daſelbſt ertrank. Der Ein⸗ — gang zu ihnen wird jetzt vom aſiatiſchen Wach⸗Churme, etwa eine Stunde von Lampſakus, und vom eu⸗ ropaͤiſchen ½ Stunde von Gallipoli an gegen Nord gerechnet. Die Laͤnge erſtreckt ſich ungefaͤhr auf 26, die Breite kaum auf 4 Meilen. Die Meerenge iſt auf allen Seiten, beſonders gegen Weſt, von Bergen umgeben; am ſuͤdlichen Ende ſtehen die Schloſſer. Das dardaniſche Vorgebirge und die alte Stadt Dardanus mag das jetzige Kapo Berrieri der Franken ſeyn, welches nur eine Stunde von dem Kaſtelle entfernt iſt, welches Einige fuͤr Abydus 31 halten, das wegen der Bruͤcke des Verxes auf ſeinem Zuge aus Aſien nach Europa beruͤhmt iſt. Das alte aſiatiſche Kaſtell iſt ein hohes viereckiges Gebaͤude, welches mit einer aͤußeren Mauer und mit Thuͤrmen umgeben iſt; an dem Ufer ſtehen 14 große kupferne Kanonen ohne Lavetten. Dieſe ſind ſtets mit ſteinernen Kugeln geladen, um jedes Schiff in Grund zu bohren, welches ſich nicht zur Unterſuchung naͤhern wollte. Man feuert auch mit Kugeln, wenn ein vor⸗ bei ſegelndes Schiff die Schloͤſſer begruͤßt. Zur Ent⸗ ſchaͤdigung des gegenuͤber liegenden Landes iſt dieſes von der Steuer befreit. Auf der Suͤdſeite liegen s andere Kanonen, wovon 2 ſehr ſchoͤn waren. Eine derſelben iſt 25 Fuß lang mit Lilien geziert; die an⸗ dere 20 Fuß lang, und beſteht aus 2 Stuͤcken. Ihr Kaliber iſt etwa 2 Fuß; zu ihrer Ladung werden im⸗ mer 2 ½ Zentner Pulver erfordert; ſie wirft eine ſtei⸗ nerne Kugel von 44 Zentnern. Die Stadt an der Nordſeite des Kaſtells hat 1200 Haͤuſer und 11/2 Mei⸗ len im Umfange. 850 Haͤuſer ſind von Tuͤrken, 100 von Armeniern, s0 von Iuden und 200 von Griechen bewohnt. Auf beiden Seiten iſt eine große Manufak⸗ tur von baumwollenem Zeuge und Segeltuche; auch wird irdenes Geſchirr, wie zu Delft, verfertigt, und gegen 45,000 Thaler jaͤhrlich ausgefuͤhrt. Ein ſtarker Handel iſt mit Wachs, Oel, Wolle, Baumwolle und Garn, auch mit neu verfertigten Schiffen. Die Stadt liegt auf einer Ebene, welche zwei Meilen gegen Nord 32 beginnt, ſich bis an das Vorgebirge Dardanum erſtreckt, und etwa eine Stunde breit iſt. Auf einem Dardanellen⸗Schloſſe wohnt ein franzoͤſiſcher Konſul, nebſt einem juͤdiſchen Dolmetſcher fuͤr die Englaͤnder und Hollaͤnder. Das andere rumeliſche Schloß hat 20 große kupferne Kanonen. Ich begab mich zum engliſchen Dolmetſcher, wel⸗ cher am 27. Juli mich zur Beſichtigung der Alter⸗ thuͤmer von Troja begleitete. In einer Stunde erreichten wir das Kapo Berrieri oder Bornu, wo vielleicht das alte Dardanum ſtand, welches durch den Frieden zwiſchen Sylla und Mithridates verewigt wurde. Wir erreichten endlich die beruͤhmte Ebene an der Muͤndung des Helleſpontz oſtwaͤrts der Ebene iſt der Berg, welcher ſich zwiſchen dem Fluſſe Simois und Seamander von Oſt aus⸗ dehnt. Innerhalb des Einganges zum Helleſpont ſind Salzwerke, und auf der Ebene am See fuͤhren 2 bis 3 Bruͤcken uͤber ſtehende Waͤſſer, welcher Strabo als Moraͤſte oder ſalzichte Seen erwaͤhnt. Der Sea⸗ mander iſt ein kleiner Fluß im Sommer, hat aber ein ſehr breites Bett, und vereinigt im Winter mehrere Fluͤſſe mit ſich. Gegen Suͤd⸗Weſt ziehen ſich kleine Huͤgel an dem Meere von dem ſigaͤiſchen Vorgebirge, worauf das alte Sigaͤum ſtand, welches die Troja⸗ ner aus Eiferſucht verwuͤſteten, und die Nachkommen mit Jenachahere(d. i. die neue Stadt) erſetzten. In demſelben ſtehen zwei griechiſche Kirchen, deren — 33 eine die beruͤhmte ſigaͤiſche Inſchrift hat. In deren Naͤhe iſt ein Stuͤck eines Sarkophages aus weißem Marmor mit einigen ſchoͤnen Reltefs. Man ſieht ein ſchoͤn ausgearbeitetes Bas⸗Relief in Lebensgroͤße, wo⸗ von die Haͤnde abgebrochen ſind. Es gibt das Bild eines jungen melancholiſchen Mannes, welcher etwas Zerbrochenes in der Hand haͤlt, das dem Schafte eines Speers gleicht. Man glaubt, der hier ſehr ge⸗ achtete Achilles ſtehe auf dem Speere, wovon er toͤdtlich verwundet wurde. Nordweſtliche und ſuͤdliche Erhoͤhungen moͤgen das Grab deſſelben, dann Pa⸗ troklus und Antilochus vorſtellen. Ich dingte zwei Janitſcharen, welche mich des anderen Tages auf der gefaͤhrlichen Straße nach Troja und den daſigen Bergwerken begleiten ſollten. Der niedrige Huͤgel, welcher ſuͤd⸗oſtwaͤrts des ſigaͤi⸗ ſchen Vorgebirges ſich erhebt, hat drei Spitzen, zwi⸗ ſchen welchen Kluͤfte ſich befinden. Auf der naͤchſten am Kapo war Sigaͤum; auf der zweiten iſt zwar kein Dorf, wohl aber ein Bollwerk gegen Suͤd⸗Oſt; auf der dritten iſt das von Chriſten bewohnte Dorf Inekui. Gegen Suͤd⸗Oſt zieht ſich noch eine vierte Spitze nach Nord⸗Oſt zum Vereinigsorte der beiden Fluſſe. Ich beſtieg ſie nord⸗oͤſtlich und erreichte den Flecken Buieck, wo große Haufen Truͤmmer, viele zerbrochene Pfeiler und Marmorſtuͤcke liegen. Eben ſo beſinden ſich viele Saͤulen⸗Geſimſe und andere Steine auf dem etwa 31. Stunden entfernten Be⸗ 3iſtes B. Griechenland. II. 1. 3 34 graͤbniß⸗Platze. Vielleicht war hier der Flecken IJlium mit ſeinem Minerven⸗Tempel, welches vom K. Ale⸗ rander nach ſeinem Siege am Fluſſe Granikus zur Stadt erhoben, und nach ſeinem Tode vom K. Lyſimachus noch mehr erweitert wurde. Unter dieſem Orte ſollen die Fluͤſſe Simois und Sca⸗ mander ſich vereinigt haben, und Troja foll bei Ilium auf der Anhoͤhe gerade uͤber dem Zuſammen⸗ fluſſe gelegen ſeyn. Auf der Nordſeite des Berges Ilium deckt eine Erhoͤhung das Grab von Ai⸗ ſyetes. In der trojaniſchen Ebene ſind die meiſten von Homer erzaͤhlten Schlachten geliefert worden. Viel⸗ leicht war die ganze Bergkette Sigia genannt, und die Stadt Achaͤum auf dem Platze von Jenikui gelegen. Lariſſa lag zwiſchen IJlium und dem Meere, wie auch Colonaͤ, welches vielleicht im Thale nach Eſkiſtambole gelegen iſt, das fuͤr Alexan⸗ dria oder Troas gehalten wird, weil man ſeit 1700 Jahren ſeine eigentliche Lage nicht mehr kennt. Ich uͤberſchritt den Fluß Thymbrius, Gimhrick⸗ Chaie genannt. Sein Thal muͤſſen die thymbriſchen Ebeuen ſeyn, worin die Lyzier ſich gelagert hatten. Dieſer Fluß ergießt ſich in den Scamander bei dem Tempel des thymbriſchen Apoll’s. Unter der Hoͤhe von Troja moͤgen die jetzigen Stauden und Ge⸗ buͤſche das wuͤſte Feld vorſtellen, welches Homet Erineus nennt. 0 Von den Truͤmmern Iliums ſchritt ich 8 Mei len oſtwaͤrts zum Flecken Sſkiupjee am Fuße des Berges Ida, wo ich dem Aga empfohlen war. Da⸗ ſelbſt ſind wenig benutzte Silber⸗, Blei⸗, Kupfer⸗, Eiſen⸗ und Alaun⸗Gruben, obſchon Jeder gegen 1¼ Abgabe des ganzen Produkts frei darin arbeiten darf. Die meiſten Arbeiter ſind entflohene Griechen. Zu den Gruben bedarf man weder Seile, noch Fahrten zum Hinabſteigen, indem die Gruben ſtufenweiſe ge⸗ fertigt werden. 4 1 Ida iſt eine Reihe Berge„ welche ſich von dem Vorgebirge Lectus nord⸗nord⸗oſtwaͤrts erſtreckt; alles Land gegen Weſt bildet das Koͤnigreich Troja. Die boͤchſte Spitze dieſes Berges ſcheint dem Orte gerade oſtwaͤrts gelegen zu ſeyn, wo Simois und Sca⸗ mander zuſammen fließen. Letzterer, Gran ikus und Aeſep quellen aus dem Berge Kotylus nicht uͤber 2— A Meilen von einander. Eine andere Spitze des Berges Ida wird Gargarum genannt, wo pijel⸗ leicht die aͤoliſche Stadt Gargara lag. Suͤdlich der Bergwerke zieht ſich eine lange Reihe der felſigen Berge Chigur hin, wo 10 Fuß dicke Mauern⸗Truͤm⸗ mer grauer Steine auf eine alte Stadt ſchließen laf⸗ ſen, zu welcher acht Thore den Weg oͤffneten. Vicl⸗ leicht war ſie das alte Seepſis zum Unterſchiede vom neuen, oder Pals⸗Scepſis. Der von Stra⸗ bo ſo oft erwaͤhnte Grammatiker De metrius war daſelbſt geboren, welcher 30 Buͤcher uͤber die c0 Linien 36 des Homers von den Trojanern und ihren Bundes⸗ Genoſſen geſchrieben hatte. Ihm verdankt man be⸗ ſondere Nachrichten von der Buͤcher Sammlung und den Handſchriften Ariſtoteles, welche viele Jahre daſelbſt aufbewahrt wurden. Sobald ich die Bergwerke geſehen hatte, wollte ich nach Alexandrien oder Troas— Tenedos gegenuͤber— mich begeben. Allein der Aga mißrieth, an dieſen Ort— jetzt Eſkiſtambole genannt, oder in deſſen Umgebungen mich zu verfuͤgen, weil der an⸗ weſende Paſcha die Landſtreicher ergreifen laſſe, wozu wir leicht gezaͤhlt werden koͤnnten. Ich wurde da⸗ durch veranlaßt, auf einem anderen Wege zu den Schloͤſſern zuruͤck zu kehren. Am zoſten kamen wir von den Bergwerken in s Meilen gegen Nord⸗Weſt in die Stadt Enai, in deren Naͤhe der Fluß Enachagie ſich in den Sca⸗ mander ergießt. Der Paſcha und ſeins Leute be⸗ ſchaͤftigten ſich mit dem Ergreifen der Raͤuber; vor der Stadt ſtanden einige Pfaͤhle, woran einige kurz vorher geſpieſet waren. Von hier begab ich mich zum Seamander auer uͤber die Huͤgel zum Simois und Thymbrius, und auf einer mehr gegen Mor⸗ gen liegenden Straße, als jene, auf welcher ich zu den Dardanellen oder dem alten Schloſſe auf der aſia⸗ tiſchen Seite kam. Zu bemerken iſt, daß gegen Mor⸗ gen des Gebietes vom alten Troja die Herrſchaft Ce⸗ brenia nordwaͤrts des Scamander gelegen war, 37 und ſich vielleicht bis an die Hoͤhe des Berges Ida auedehnte. XIX. Von Troas. Nach einem kurzen Aufenthalte zu Bourſa und Nizaͤa kam ich wieder an die Dardanellen uͤber Te⸗ nedos nach Eſkiſtambole. Dieſes halte ich fuͤr jenes Alexandrien oder Troas, welches Anti⸗ gonus erbaut und Antigonien bezeichnete; Ly⸗ ſimach aber vergroͤßerte, und zur Ehre Alexan⸗ ders mit deſſen Namen belegte. K. Auguſt ſoll es in eine roͤmiſche Kolonie verwandelt haben; es liegt auf einer Auhoͤhe, welche mit hohen Klippen Te⸗ nedos gegenuͤber endigt. Von der Stadtmauer zog ſich eine Mauer an den Hippodromus, wo die Grenze der Stadt vor der Vergroͤßerung geweſen ſeyn mag. Auf der Oſtſeite ſind Ueberbleibſel eines großen Tempels, welcher jenem zu Epheſus ſehr aͤhnlich geweſen ſeyn mag. Auf der Suͤdſeite finden ſich in⸗ nerhalb der Mauern Truͤmmer eines ſchoͤn gelegenen Theaters. Man genießt hier auf dem Meere nach Tenedos und den umliegenden Inſeln eine herrli⸗ che Ausſicht. Nordwaͤrts des Theaters finden ſich in einiger Entfernung Truͤmmer eines Tempels Kisla⸗ Serai, oder Jungfern⸗Schloß genannt, welches viel⸗ leicht ein Dianen⸗Tempel geweſen iſt. Die Stadt⸗ mauern ſcheinen von Nord nach Suͤd, wie von Oſt ge⸗ gen Weſt uͤber eine Meile ſich auszudehnen. Sowohl die 38 Mauern, als dieſes Gebaͤude, wurden auf Befehl des jetzigen tuͤrkiſchen Kaiſers gleich nach dem Antritts ſeiner Regierung zerſtoͤrt, und die beſten Steine nach Konſtantinopel für oͤffentliche Gebaͤude gebracht. Dazu ſoll ein Renegat die Veranlaſſung gegeben haben, welcher beſondere Schäte hier vergraben waͤhnte. Gegen Öſt, nicht weit von den Stadtmauern fließt der Salzſtrom Aiyehſu, auf deſſen weſtlicher Seite viele heiße ſchwefelichte Salzquellen ſind, welche auch Stahl mit ſich zu fuͤhren ſcheinen. Ueber denſel⸗ ben ſind auf der Seite der Huͤgel zwei Baͤder gebaut, und in der Naͤhe ſind Truͤmmer ven Gebaͤuden, als vermeintliche Ueberbleibſel von Lariſſa. In einem der Baͤder ſah ich eine rieſenfoͤrmige Bildſaͤule eines Weibes aus weißem Marmor. xX. Von Lampfalus und den Inſeln des Propontis. Lampſakus, zuvor Pityuſa genannt, am aſia⸗ tiſchen Ufer faſt Gallipoli gegenuͤber, wurde dem Themiſtokles gegeben, um ſeinen Wein daher zu erhalten. Epikur pflegte daſelbſt mit Gelehrten ge⸗ raume Zeit Umgang. Etwa eine Meile von der Stadt gegen Nord iſt der ſchoͤne Flecken Schardack, aus welchem viele Melonen und andere Fruͤchte nach Konſtantinopel gebracht werden. Der Berg 39 Rhea war 5 Meilen von Lampſakus, und hatt. einen Tempel. Am 1. Auguſt ſegelte ich nach der Inſel Mar⸗ mora. Zwiſchen Lampſakus und Paria war die Stadt und der Fluß Paͤſus, nach deren Verwuͤſtung die Einwohner auf Lampſakus zogen. Vierzehn Mei⸗ len oſt⸗nord-oſtwaͤrts iſt der Flecken Kimere und ein kleiner Fluß an einem Meerbuſen auf der Weſtſeite jenes Vorgebirges, wo vielleicht Parium und Pria⸗ pus gelegen ſind. Kimere liegt nahe am nord⸗ weſtlichen Winkel, ich fand daſelbſt mehrere Muͤnzen. Da ich von dieſem Meerbuſen zuruͤck kehrte, und laͤngs des Vorgebirges etwa zwei Stunden reiſte, ſahen wir einen kleinen Meerbuſen auf der Seite des Kapo gegen die nord⸗ weſtliche Ecke deſſelben, und nord⸗ waͤrts zwei kleine Felſen. Vielleicht war hier Pa⸗ rium, welches auf den Tabellen 22 Meilen von Lamſakus geſetzt wird. Die Erbauer der Stadt waren vie Mileſter, Erythraͤer und das Volk der In⸗ ſel Paros. Unter den Koͤnigen von Pergamus aus dem Geſchlechte des Attalus hatte die Stadt ſich eines guten Zuſtandes zu erfreuen. An den Gren⸗ zen der Gebiete Priap und Cyzikus war Harpa⸗ giag, der angebliche Geburtsort von Gan hmed. Zwiſchen Priap und Aeſop war der Fluß Grani⸗ kus, wo Alexander die Perſer, und Lukull die Armee des Mithridates beſiegte. Dem Ver⸗ nehmen nach ſind zwiſchen dieſem und dem eylikiſchen Kapo zwei Fluͤſſe, wovon einer Aeſop, der andere Deker Chaie heißt. Letzterer lauft durch das Land Adraſtea, erſterer ergießt ſich nach einem Laufe von 70 Meilen in das Meer. Etwas uͤber der Muͤndung Aeſop's war das Grab Memnon's, Sohnes des Tithonus, und der Flecken Memnon. Am zten ſegelten wir auf die Inſel Aphſia und Kutulli, und am aten nach Marmora. Dieſe liegt gegen Nord, iſt hoch und felſig, 4 Stunden lang und eine breit, hat 6 kleine Staͤdte und 6 Kloͤſter, und wird meiſtens von Chriſten bewohnt. Sie wird jaͤhrlich an einen Woywoden um s Beutel oder 150 Pfund Sterling vergeben; ein Kadi verſieht die Gerichte. Wir ſegelten 3 Stunden ſuͤdwaͤrts nach der ſehr frucht⸗ baren Inſel Alonia von 18 Stunden im umfange. Daſelbſt waͤchſt ein in Konſtantinopel ſehr belieb⸗ ter Wein, weßwegen unter dieſem Namen auch man⸗ cher anderer, beſonders von Cyzikus in der Haupt⸗ ſtadt verkauft wird. Nord⸗weſtwaͤrts dieſer Inſel iſt ein halbzirkelicher Meerbuſen, und demſelben gerade g g nuͤber eine kleine Inſel. Der Hafen, welcher gegen Mitternacht von Marmora und gegen Weſt von der Inſel Aphſia bedeckt wird, iſt vortrefflich und gibt das Bild eines Sees. In den s Flecken wohnen meiſtens Chriſten, welche jaͤhrlich s Beutel zahlen. Der Biſchof wohnt in der Stadt Alonia, wo ich ſehr gut in ſeinem Hauſe aufgenommen wurde. 41 Er hat ſeine Domkirche daſelbſt, und iſt dem Patriar⸗ chen von Konſtantinopel untergeordnet. XXI. Von Artakui und Cyzikus. Von Alonia ſegelten wir am 5. Auguſt weſt⸗ waͤrts dieſem Lande, welches einſt die Inſel Cyzi⸗ kus war. In zwei Stunden langten wir bei der Stadt Artakui an. Dieſe iſt 11/2 Meile im Um⸗ fange, von 1500 griechiſchen Familien bewohnt, hat nicht uͤber 400 tuͤrkiſche Haͤuſer, und iſt der angebliche Sitz des Erzbiſchofs. Da er aber einer der 12 vor⸗ nehmſten iſt, ſo lebt er gewoͤhnlich zu Konſtauti⸗ nopel, und kommt nur alle 2— 3 Jahre dahin. In der Stadt ſind wenigſtens 12 Kirchen. Die Inſel enthaͤlt viel Marmor, und aus mehrern Truͤmmern iſt auf ehemalige Pracht⸗Gebaͤude zu ſchließen. Viel guter weißer Wein wird als aloniſcher ausgefuͤhrt nach Konſtantinopel. Am 71. Auguſt reiſten wir von Artakui an dem weſtlichen Hafen eine Stunde gegen Morgen zu den Truͤmmern von Cyzikus, nordwaͤrts vom Iſthmus, wo einſt zwei Bruͤcken waren. Die Inſel Cyzikus bat 62 Stunden im Umfange, und gleicht einem großen und bergigen Vorgebirge. Die Stadt hatte einen großen Bezirk zu beherrſchen, und erfreute ſich ihrer eigenen Geſetze wie Rhodis, Karthago und Marſeille. Das ehemalige Volk war ſo tap⸗ fer, daß es 150,000 Fußgaͤnger und viele Reiterei mit uͤbrig war. In 12 Stunden von Panormo kamen 400 Schiffen des Mithridates zum Ruͤckzuge zwang. Der gegenuͤber ſtehende Huͤgel auf dem feſten Lande wurde Adraſtea genannt. Die Stadt lag zum Theile auf der Ebene, zum Theile an der Seite des Berges Urſus. Ueber dieſem war der Berg Dindymon mit einem Dempel der Argonauten zur Ehre der Dindymene. Die Stadt hatte zwei Ha⸗ fen, welche mit Ketten verſchloſſen werden konnten. Gegen Oſt des Meerbuſens, welcher gegenuͤber der Inſel Calolimno eine große Oeffnung hat, liegt die Stadt Panormo. Wir ſahen auf dem Wege am Meere einen Felſen Namens Monaſtere mit einem Kloſter, und gelangtem über einen Bach in die⸗ ſelbe. Sie hat eine ſchoͤne Lage und einen ziemlich guten Hafen fuͤr kleine Schiffe. Von hier wird Kern, Wein nebſt andern Fruͤchten nach Kon ſtantinopel geliefert. XXII. Von Mehullitſch, Burſa und dem Berge Olymp. Am 8. Auguſt reiſten wir oſtwaͤrts durch frucht⸗ bate Gegenden und ein gut bebautes Land. Wir ka⸗ men bei Fanakni und Omarkui vorbef. In fuͤuf Stunden von Panormo ſah ich ſuͤdlich den Flecken Dulakui, und in deſſen Naͤhe auf einer Anhoͤhe einen Thurm, welcher vielleicht von Miletopolis 43 wir zur Stadt Mehullitſch von zwei Meilen im Umfange, nicht weit vom Fluſſe gleiches Namens, welcher durch eine große Ebene fließft, und den Weg von Bourſa nach Smyrna durchſchneidet. Da⸗ ſelbſt wohnen ungefaͤhr 500 Griechen und 200 armeni⸗ ſche Familien, welche beide ihre Kirchen haben, und ſich vorzuͤglich vom Handel mit Seide ernaͤhren. Die Maulbeerbaͤume ſind ſehr dick gepflanzt und werden auf 6 Fuß in der Hoͤhe gezogen. Die meiſte Seide wird nach Konſtantinopel gebracht, deren Werth ſich uͤber 100,000 Thaler belaufen ſoll. Auch wird viel Korn und andere Frucht dahin geliefert. Sowohl bier, als zu Panormo und Kgraboa wird viel grobe Wolle von den Franzoſen gekauft, und theils nach Konſtantinopel, theils nach Smyrna, theils nach Marſeille gefuͤhrt. Man hat hier einen Marmor, welcher aus rothen und blauen Kieſelſteinen mittelſt eines rothen Kittes zuſammen gebacken iſt. Ich ſah Stuͤcke davon an einer Moſchee, welche ſehr ſchoͤn geſchliffen waren.. Am z8ten reiſten wir mit der Karawane uͤber Lupat, und ſchliefen auf dem freien Felde. Nach Mitternacht eilten wir nach Bourſa, oder dem alten Pruſa, wo die Koͤnige Bithyniens gewoͤhnlich ſich aufhielten, und welches 24 Stunden von Mehul⸗ litſch entfernt iſt. Jene Stadt wurde vom Koͤnige Bruſias gebaut, welcher mit Croͤſus und Cyrus Krieg fuͤhrte. Bourſa liegt ſehr angenehm unten 44 am Berge Olymp uͤber einer Ebene von 4 Stunden in der Laͤnge und eine in der Breite, und hat 6 Mei⸗ len im Umfange neben einem Kaſtelle. Dieſes iſt ringsum gemauert, ſeine Klippen ſind faſt ſenkrecht und haben wegen der daran haͤngenden Baͤume ein ſchoͤnes Ausſehen. Der uͤbrige Theil der Stadt und Vorſtaͤdte liegt auf Anhoͤhen der beiden Seiten, vor⸗ zuͤglich gegen Morgen. Die Vorſtadt der 600 Grie⸗ chen⸗Familien liegt dem Kaſtelle gegen Weſt; ſie ha⸗ ben 3 Kirchen mit einem Metropolitane. Die Stadt wird von der Vorſtadt gegen Morgen durch einen tie⸗ fen Kanal geſondert, uͤber welchen mehrere Bruͤcken ſich ziehen. Fine derſelben hat auf beiden Seiten Kram⸗ laͤden, iſt vo Schritte lang und 16 breit. Die am Thale liegenden Haͤuſer haben ein ſehr gutes Ausſe⸗ ben durch die vielen angepflanzten Maulbeerbaͤume und durch den Bach, welcher das Thal durchſchneidet. In der oͤſtlichen Vorſtadt wohnen 800 armeniſche Fa⸗ milien mit einem Erzbiſchofe und einer Kirche. Die Stadt mag 300 Kirchſpiele und Moſcheen, nebſt vie⸗ len kleinen gewoͤlbten Moſcheen haben; die großen ſind mit mehrern Kuppeln verſehen, und ſind, wie die Herbergen und Bezeſtans mit Blei gedeckt. Das Kaſtell hat faſt eine Meile im Umfange; aus einer Inſchrift iſt zu erkennen, daß der Kaiſer Theodor Comnenus Lafkaris einen der Thuͤrme bauen ließ. Ueber der noͤrdlichen Spitze des Huͤgels findet man die Ueberbleibſel eines vor etlichen Jahren aöge⸗ 45 brannten Serails des tuͤrkiſchen Kaiſers. Orkan nahm dieſe Stadt ein, und ließ ſich nebſt ſeinen Kin⸗ dern auch in einer alten Kirche auf dem Kaſtelle be⸗ erdigen. Dieſe iſt mit ſchoͤnem Marmor uͤberzogen, und mit moſaiſcher Arbeit belegt. Auf ihrer weſtlichen Seite iſt ein Grab mit einer Kuppel bedeckt, in wel⸗ chem der Sultan Osman begraben ſeyn ſoll. Das Kaſtell wird durch den Aga der Janitſcharen, welcher hier wohnt, kommandirt. Die meiſten der in der Stadt gefertigten Atlaſſe werden von den Tuͤrken zu ihren kurzen Unterkleidern verwendet. Viele halb leinene und halb ſeidene Zeuge werden zu Hemden, und Gaze oder Bruniucke von Frauenzimmern zu Unterkleidern benutzt. Viele rohe Seide wird nach Smyrna und Konſtantinopel gefuͤhrt. Die uͤber der Stadt entſpringenden Quellen, wo⸗ von eine wie ein Bach aus dem Berge ſpringt, berei⸗ ten ihr viele Annehmlichkeiten. Denn die Tuͤrken ſetzen ſich waͤhrend des Sommers in deren Naͤhe un⸗ ter Schatten, und ergeben ſich allen Ergoͤtzlichkeiten. Gegen Abend ſind einige ſchoͤne haͤuſig beſuchte Baͤ⸗ der, wovon das Kara⸗Mu ſtapha durch kaltes und heißes Waſſer neben einander ſich vorzuͤglich auszeich⸗ net Die heiße Quelle Jeneh⸗Kopluiah bildet das groͤßte und ſchoͤnſte Bad; neben dieſem iſt das Juden⸗ Bad. Von dieſem gelangten wir an ein warmes, welches die Griechen heilig halten und Aie Theo⸗ 46 dory nennen. Ein anderes iſt das Schwefelbad. Eine halbe Stunde weiter liegt das große Bad Chekreeh⸗ Kupleiah, deſſen Waſſer von weniger ſchwefelichtem Gehalt iſt, obgleich alle Quellen eben ſowohl zum Trinken, als zum Baden verwendet werden. Ich war dem Aga der Janitſcharen durch ein Schreiben empfohlen, welches er ohne ein Geſchenk annahm. Ich bat um einige Janitſcharen zur Beglei⸗ tung nach dem Olymp. Er erwiederte mir, daß er meine Sicherheit nicht verbuͤrgen koͤnne„ indem die Naͤuber manchmal bis in die Vorſtaͤdte dringen. Ein Armenier miethete mir einige gut bewaffnete Reiter, mit welchen ich des andern Morgens den Berg be⸗ ſtieg. Seine Benennung mag von einigen Koloniſten abgeleitet ſeyn, welche aus der Naͤhe des Berges Olymp in Theſſalien hieher wanderten. Die Tuͤrken nennen ihn Moͤnchsberg vom Kloſter der ſie⸗ ben Schlaͤfer daſelbſt. Der erſte Zugang iſt ſteil und mit Buchen⸗, Kaſtanien⸗ und Haſelnuß⸗Baͤumen be⸗ ſetzt. Auf jener Seite des Huͤgels, wo die Uruken ſich gelagert hatten, iſt es eben. Der folgende Theil des Berges iſt wieder ſteil, und mit verſchiedenen Ar⸗ ten von Nadelholz bewachſen, wovon eine ihre Zapfen, wie die Cedern, aufrecht tragen. Der von den Fruͤch⸗ ten triefende Saft wird Maſtix genaunt, theuer ver⸗ kauft und zu Arzneien verwendet. Ueber dieſem Cheile ſind zwei durch einen niedrigen Huͤgel getheilte Thaͤler, in deren jedem ein Forellen⸗Bach fließt, 47 welche man Gottes⸗Fiſche nennt. Auf der Hoͤhe liegt in den Höhlungen des Huͤgels waͤhrend des ganzen Jahres Schuce, welcher taͤglich nach Bourſa geliefert wirs. Gegen den oberſten Theil iſt unaͤchter grauer Granit, wo eine entzuͤckende Ausſicht ſich darbietet. Wir kehr⸗ ten erſt Abends nach Bourſa zuruͤck. XKXIII. Von Nice, Gemblick und Montagna. Am 18. Auguſt begaben wir uns mit der Kara⸗ wane nach Nice, und gingen laͤngs des ſchoͤnen Tha⸗ les nach Nord⸗Oſt, welches mit Maulbeer⸗Baͤumen fuͤr die Seidenwuͤrmer gut beſetzt iſt. Am isten ka⸗ men wir zum Flecken Chioslak, wo Sammet fuͤr die in der Tuͤrkei gebraͤuchlichen Polſter verfertigt wird, und wovon das Paar von 14 bis 80 Thaler ko⸗ ſtet. Ueber die Huͤgel gegen Nord kamen wir in die große Ebene der Stadt Jenichahere, welche 4 bis 6 Moſcheen und eine armeniſche Kirche hat. Vielleicht war dieſe das Caͤfarea der Alten. Von hier kamen wir an den See Niee oder Iſnik. Er iſt etwa 12 Meilen lang, hat ſehr viele Fiſche, wird aber nur von Booten aus einem einzigen Stuͤcke Holz be⸗ fahren. Die Stadt Nice liegt an der Oſtſeite des Sees, und hat gegen Oſft ein mit vielen Maulbeer⸗Baͤumen beſetztes Thal, welches von mehrern Baͤchen durch⸗ ſchlaͤngelt wird. Dieſe Stadt wurde zuerſt von An⸗ tigonus gebaut, und nach ihm beuannt. Spaͤter Allem lauft eine Inſchri 48 erhielt ſie den Namen Nyzaͤg nach der Gemahlin von Lyſimachus. Sie iſt mit ſchoͤnen Mauern aus loſen Steinen umgeben, welche durch Reihen von Backſteinen alle 6 Fuß befeſtigt waren, 15 Fuß dick, 20 hoch und mit Zinnen verſehen ſind, hinter welchen ein Gang rings herum fuͤhrt. Alle 70 Schritte ſtehen Thuͤrme aus Backſteinen, welche halb oval und 15 F. boͤher, als die Mauern ſind. An beiden Seiten des Chores ſtehen ſchoͤne Thore, welche als Triumph⸗Bo⸗ gen errichtet worden ſeyn moͤgen. Aus den unvoll⸗ ſtaͤndigen Inſchriften und den Namen Nero und Claudius erkennt man, daß ſie nach dieſen gebaut wurden. An einer Moſchee ſah ich zwei ſehr ſchoͤne Pfeiler aus herrlichem Marmor. Die griechiſche Kir⸗ che, worin der Kirchenrath geweſen ſeyn ſoll, iſt aus Backſteinen errichtet, wahrſcheinlich nach K. Kon⸗ ſtantin. Die Armenier haben hinter der Weſtſeite derſelben in einer Art von Grotte eine kleine Kirche. Nordwaͤrts der Stadt ſind zwei Saͤrge aus rothem und weiß geſprengtem Marmor. Einer hat ein Me⸗ duſen⸗Haupt an jeder Seite, und in der Mitte des vordern Theiles iſt ein Relief von einem Manne mit einem Streitkolben, welcher eine Weibsperſon zu ver⸗ laſſen ſcheint. Man haͤlt dieſes fuͤr das Bild des Herkules, wie er die Wohlluſt flieht und ein ar⸗ beitſames Leben waͤhlt. Auf jeder Seite ſteht in einer beſonderen Abtheilung ein Frauenzimmer, und uͤber ft. 49 Die Mauern der Stadt haben uͤber 4 Meilen im Um⸗ fange, und doch hat ſie nicht mehr als 300 Haͤuſer, und gleicht einem Flecken. Hier ſinden ſich nur 20 grie⸗ chiſche Familien. Sie handeln mit Seide, welche uͤber Bourſa nach Konſtan tinopel befoͤrdert wird. Die Luft iſt wegen der ſtehenden Baͤche ſehr un⸗ geſund. Am 21. Auguſt reiſten wir an der Nordſeite des Sees, und gelangten in 4 Stunden zu einem Obelisk, welcher etwa eine Stunde nordwaͤrts ſteht. Er iſt aus grauem Marmor, dreieckig, ſteht auf einem Po⸗ ſtamente und Fußgeſtelle von 6 Fuß 9 Zoll im Vier⸗ eck und 14 Fuß hoch. An der Suͤdſeite deſſelben ſteht eine Inſchrift, nach welcher er als ein Grabmal zur Ehre einiger anſehnlicher Buͤrger in Niee errichtet wurde. Man findet darin, daß K. Kaſſius Phi⸗ liskus, der Sohn von Kaſſius Aſclepiodotus —83 Jahre gelebt habe. Auf dem weiteren Wege uͤbernachteten wir in ei⸗ nem Flecken bei etnem Armenier, welcher mich durch die Unſicherheit der Straßen beaͤngſtigen wollte, da⸗ mit ich ihn als Begleiter dingen ſollte. Wir kamen nach Gemblik an der nordweſtlichen Ecke dieſer Sbene, welches das alte Cius iſt, vom Philipp, Koͤnig der Mazedonier, zerſtoͤrt, von Pruſias wie⸗ der erbaut, und nach ihm genannt wurde. Sie liegt 24 Meilen von Nice und iſt die Reſidenz des Erzbi⸗ ſchofes, welcher als der fuͤnfte von den zwoͤlf Vor⸗ 31tes B. Griechenland. II. 1. 4 1 50 nehmſten gewoͤhnlich zu Konſtantinopel ſich aufhaͤlt. 600 griechiſche Familien haben 7— 8. Kirchen, ein Nonnen⸗Kloſter, und auf der Seite der Huͤgel uͤber der Stadt noch zwei andere Kloͤſter. Vielleicht ſind⸗ hier so tuͤrkiſche Familien mit 2 Moſcheen. Von hier wird viel Korn und guter weißer Wein, auch allerlei Frucht nach Konſtantinopel geliefert. Am 23. Auguſt wanderten wir laͤngs der Suͤdſeite des Meerbuſens von Montagne nach der Stadt gleiches Namens. Gegen Nord des Meerbuſens iſt das Vorgebirge Neptuns, welches zwiſchen dieſem und dem nikomediſchen Meerbuſen liegt. Montagne liegt am Meere, etwa 12 Meilen nordwaͤrts von Bourſa und unter dem Gebirge, iſt etwa eine Meile lang, und beſteht aus einer Straße an dem ufer. Hier befinden ſich 700 griechiſche Familien mit 7 Kir⸗ chen, und der Erzbiſchof von Bourſa wohnt hier ei⸗ * nen Theil des Jahres in ſeinem eigenen Pallaſt. Die Zahl der tuͤrkiſchen Familien belauft ſich nicht uͤber 300. Dieſer Hafen iſt der naͤchſte an Bourſa und ſoll 100. Meilen von Konſtantinopel entfernt ſeyn⸗ Hier wird ſtark gehandelt mit Seide, Korn und den Manufakturen von Bourſa, tuͤrkiſchen Teppichen, Salpeter, geringem weißen Weine und verſchiedenen Fruͤchten, welches nach Konſtantinopel geliefert wird, und woher viele andere Waaren zuruͤck gebracht werden. Die alte Stadt Myrlea war /½ Meile fuͤd⸗oſtwaͤrts derſelben auf der Oſtſeite der Strabe 51 nach Bourſa, und lag auf einem von der Natur befeſtigten Huͤgel. K. Philipp zerſtoͤrte, Pruſias erbaute ſie wieder und nannte ſie nach ſeiner Gemah⸗ lin Apamea in Bithynien. Ich machte dem Erzbiſchofe, an den ich durch ein Schreiben emnpfoh⸗ len war, meine Aufwartung, er nahm mich ſehr hoͤf⸗ lich auf, ungeachtet er wegen ſeines Bruders ſehr be⸗ kuͤmmert war, welchen der Vezier nach Ko nſtanti⸗ nopel holen ließ, um von ihm Geld zu erpreſſen. Nach meiner Ruͤckkehr in die Herberge ſendete mir der Erzbiſchof ein Geſchenk von Wein und Fruͤchten. Ich begab mich zu Schiff fuͤr Gallipoli; wir muß⸗ ten aber wegen des widrigen Windes in den Hafen Armokui fahren. Hier quellt ein heißes minerali⸗ ſches Waſſer, und⸗ nordwaͤrts bei dem Orte Salo⸗ way noch eines. Man ſagte mir, daß auf der nord⸗ weſtlichen Spitze des Vorgebirges bei Kurai ein hei⸗ ßes Waſſer bei einem Kloſter entſpringe. Die Grie⸗ chen wandern jaͤhrlich einmal aus Andacht dahin, und⸗ baden ſich im heißen Schlamme, indem ſie dieſes als das beſte Mittel gegen verſchiedene Krankheiten, be⸗ ſonders gegen Huͤftweh erkennen. Wir kamen uͤber Rodoſto, wo die Peſt zu wuͤthen begonnen hatte, weßwegen ich in einem Kaffeehaus die ganze Nacht verweilte. Des andern Tages gelangten wir⸗ nach⸗ Gallipoli, wo ich wegen der Peſt zu Schiff nach den Dardanellen fuhr, von hier nach Denedos kam, die Druͤmmer von Troas ſah, dann nach⸗ 52 Lemuos ſchiffte, und von hier auf den Berg Athos ging. Drittes Buch. I. Von Konſtantinopel. Thrazien graͤnzt gegen Weſt an den Berg Haͤ⸗ mus und an den Fluß Naͤſtus, auf der anderen Seite an den Propontis, an das aͤgaͤiſche und euxini⸗ ſche Meer. Es bildete in der roͤmiſchen Kirche nur einen Sprengel, und wurde von der griechiſchen Kirche in 4 Provinzen getheilt, naͤmlichen in Eu⸗ ropa, welche vermuthlich am Meere gegen Oſt lag; Haͤmiomontane gegen Weſt am Berge Haͤmus, worin Plotinopolis lag; Rhodope lag um das Gebirge gleiches Namens, und in ihr war Traja⸗ nopel; das eigentliche Thrazien lag mit der Hauptſtadt Adrianopel wahrſcheinlich in der Mitte. Das Ganze hat den fruchtbarſten Boden. Zu Seu⸗ tari nahm man mir meinen Selaven, weil ich die Urkunde nicht bei mir hatte, daß er mir gehoͤre; doch / erhielt ich ihn wieder. Ich ſchickte von hier zu dem Goͤnner in Konſtantinopel, welchem ich empfoh⸗ len war. Dieſer war ſo gefaͤllig zu mir zu kommen, und fuͤhrte mich in ſein Haus, wo ich waͤhrend mei⸗ 53 nes Aufenthaltes alle Zuvorkommenbeit, wie von al⸗ len Englaͤndern genoß. Konſtantinopel hat eine vortheilhaftere Lage, als ſich beſchreiben laͤßt; daher die ſchoͤne Ausſicht allein den Reiſenden die Muͤhe, dahin zu kommen, belohnt. Sie liegt auf einem Vorgebirge am Ein⸗ gange in den Bosphorus, hat oſt⸗ und ſuͤd-oſt⸗ waͤrts den Propontis, und gegen Mitternacht den Hafen, welcher vor Alters Ceras hieß. Die ſuͤd⸗ weſtliche Seite zu Land iſt 7700 Schritte lang; auf dieſer Seite hat ſie zwei Mauern mit viereckigen Thuͤrmen, und Außen um der aͤußeren Mauer einen Graben, welcher 20 Schritte breit und auf beiden Seiten ausgemauert iſt. Sie iſt ½ bis 11 /½ Meile breit. Die Erhoͤhung von dem Hafen und vom Meere an rings um das Vorgebirge macht die Lage hoͤchſt angenehm, und man kann leicht die? Huͤgel unter⸗ ſcheiden, auf welchen ſie ruht. Der erſte nimmt die ganze Breite des Vorgebirges ein, auf welchem das Serail ſteht. Fuͤnf andere Huͤgel liegen uͤber dem Hafen und werden durch Thaͤler abgetheilt. Die Straße nach Adrianopel lauft uͤber die gauie Spitze der Huͤgel hin. Auf dem zweiten ſteht der verbrannte Pfeiler; auf dem dritten die praͤchtige Mo⸗ ſchee Solimaneaz das Thal zwiſchen dieſem und dem vierten iſt ſehr breit, und die ſalentiniani⸗ ſche Waſſerleitung, wovon noch etwa 40 Bogen uͤb⸗ rig ſind, zieht ſich quer durch daſſelbe. Die Ottſeite „ 54 derſelben iſt verfallen, weßwegen das Waſſer durch Kanaͤle auf der Erde fortgeleitet wird. Die Moſchee des Sultans Mahomed ruht auf dem vierten Huͤ⸗ gel; jene Selims auf dem fuͤnften. Die weſtlichen Mauern der Stadt ziehen ſich laͤngs des Gipfels des ſechſten Huͤgels hin. Dieſe Huͤgel erheben ſich vom Hafen an ſo uͤber einander, daß man ſie alle aus deſſen Muͤndung uͤberſehen kann. Da die meiſten Haͤu⸗ ſer Gaͤrten oder Hoͤfe haben, welche mit Baͤumen bepflanzt ſind, unter deren Schatten man ſich erfri⸗ ſchen kann, ſo gewaͤhrt dieſes den ſchoͤnſten Anblick. Der ſiebente Huͤgel wird von der Hoͤhe, welche die drei nordwaͤrts liegenden Huͤgel vereinigt,, durch ein Thal getrennt. Er gilt fuͤr ein Drittheil der Stadt, und liegt gegen Mittag des vierten, fuͤnften und ſechſten Huͤgels. Die uͤbrigen liegen ſüdwaͤrts des Meerbuſens. Die Saͤule von Arkadius ſtand auf dem ſiebenten. Die meiſten Haͤuſer ſind aus hoͤlzernem Fachwerke ge⸗ bant, und mit ungebrannten Backſteinen ausgemauert, viele ſind auch nur mit Brettern uͤberzogen. Deſſen unge⸗ achtet ſind die Zimmer ſehr gut, wie die Straßen, welche einen Fußweg(Crottoir) auf jeder Seite ha⸗ ben. Die Straße von Adrianopel iſt breit, und mit vielen oͤffentlichen Gebaͤuden beſetzt. Suͤdwaͤrts derſelben iſt ein Thal, auf deſſen Nordſeite der ſie⸗ bente Huͤgel iſt. Die Straßen der Kramlaͤden fuͤr koſtbare Gegenſtaͤnde ſind, wie anderswo, oben be⸗ 5⁵ deckt, um ſie gegen Sonne und Regen zu ſchuͤtzen. Viele Kaufleute haben in den Herbergen Zimmer, worin ſie ſich waͤhrend des Tages fuͤr ihre Geſchaͤfte aufhalten; Nachts kehren ſie zu ihren Familien zu⸗ ruͤck in ihre Haͤuſer. Zur vorzuͤglichen Zierde gerei⸗ chen viele Baͤder und Brunnen, deren Einfaſſungen etwa 20 Fuß im Viereck haben, und die auf jeder Seite mit einer Roͤhre verſehen ſind. Inwendig ſind an jeder Ecke Plaͤtze, und vor denſelben eine eiſerne Thuͤre, worin eine Perſon ſtets Zecher zum Trinken fuͤllt. Dieſe Gebaͤude ſind aus Marmor, die vorderen Sei⸗ ten ſehr ſchoͤn mit Bas⸗Reliefs von Baͤumen und Blumen verziert und vergoldet. Man will 300 Moſcheen zuͤhlen, wovon ſechs Kaiſerliche 2 bis s Minarets haben, die uͤbrigen aber nur einen. Jede wird nach ihrem Stifter genannt. Die von mir beſuchten vier hatten vorne einen Hof mit einem Portiko, welcher aus alten Pfeilern vom ſchoͤnſten Marmor beſteht. An der geſchmackvollen Solimanea ſind vorzuͤglich vier große Pfeiler aus rothem Granit zwiſchen den ſteinernen Widerlagen, welche das Gewoͤlbe tragen. Unten zieht ſich eine Gallerie herum, welche durch Pfeiler von dem Theile unter dem gewoͤlbten Dache abgeſondert iſt. An dem Portiko derſelben ſtehen zwei Pfeiler aus Porphyr, wie in dem Sophien⸗Tempel. Alle dieſe Gebaͤude ſind mit Kuppeln, und einige nur mit Achteln einer Kugel bedeckt; alles iſt mit Blei bedeckt. Auswaͤrts ſind 56 auf jeder Seite der Moſchee Brunnen zum Waſchen. In den Mauern, welche den großen Hot vor der Mo⸗ ſchee umgeben, ſind Fenſter mit eiſernen Ouerſtangen angebracht. Nahe bei den Moſcheen ſind gemeiniglich Plaͤtze, wo den Armen an gewiſſen Tagen Nahrung gereicht wird. Ueberall ſind auch Kramlaͤden und Baͤ⸗ der zum Waſchen. Der Sultan beſucht gewoͤhnlich alle Freitage eine der koͤnigl. Moſcheen; manchmal mehrere nach ein⸗ ander, weil die von ihm beſuchte Moſchee ein Ge⸗ 8 ſchenk von etwa soo Thalern bekommt. Maho⸗ med Il. hat auch eine gebaut, gegen Weſt der Stadt auf einem Platze Namens Joupe, des tuͤrkiſchen Heiligen, welchem ſie gewidmet iſt. Hier nimmit der Sultan feierlichen Beſitz von ſeinen Laͤndern, indem er ſich durch den Mufti mit einem Schwerte umguͤr⸗ ten laͤßt. Die Sophien⸗Kirche hat acht Saͤulen aus Por⸗ phor, und viele von Verd Autique, wie man ſie kaum irgendwo mehr findet. Die Kuppel ruht auf — vier großen viereckigen Pfeilern, zwiſchen welchen auf jeder Seite 4 Saͤulen Lon Verd Antique ſtehen, die an jeder Ecke mit vier andern Pfeilern einen Halbzir⸗ kel bilden, in deren jedem zwei Saͤulen aus Porphyr ſich beſinden, obſchon es ſcheint, daß ehemals drei ſolche da ſtanden. Denn es iſt ein Bogen zwiſchen den Pfeilern gezogen, um dieſe mehr zu befeſtigen. Auf der Suͤd⸗Weſtſeite hat der Tempel ſich ſebr ge⸗ 57 ſenkt, wo die Pfeiler von der Gallerie ſehr uͤberhan⸗ gen. Zwei der porphyrnen Pfeiler an dem Portiko der Solimanea ſcheinen aus der Moſchee genom⸗ men zu ſeyn. Der Tempel hat zwei Portikos, deren innerer mit feinem Marmor belegt iſt. Durch die Groͤße des Gewoͤlbes wird jeder Eintretende von Be⸗ wunderung deſſelben erfuͤllt; doch hat er ſeit der Ver⸗ wuͤſtung der moſaiſchen Arbeit ſehr viel verloren. Die Seiten ſind mit Porphyr, Verd Antique und anderm orientaliſchen Marmor belegt. Er iſt mit ſehr vielen glaͤſernen Lampen behaͤngt, und der Boden iſt mit den reichſten Teppichen belegt. Die Sophtis wieder⸗ holen daſelbſt ſtets den Koran, und die Lehrer und Prediger erklaͤren denſelben den Zuhoͤrern in beſondern Theilen der Moſchee. Die Spitze iſt mit Blei be⸗ deckt, und inwendig zieht ſich an der Kuppel eine Gallerie herum. Suͤdwaͤrts der von Außen viel ge⸗ ringer ausſehenden Moſchee hat der tuͤrkiſche Kaiſer einen kleinen ſchoͤnen Buͤcher⸗Saal angelegt, welcher etwa 30 Fuß lang und 2o breit iſt. Auf beiden Sei⸗ ten ſind Schraͤnke mit gedruckten Buͤchern gefuͤllt; zwei andere in der Mitte enthalten die Handſchriften. Die Fenſter oͤffnen die Ausſicht in einen Hof, wo die marmornen Grabmaͤler dreier Sultanen ſtehen. In einem Fenſter der Bibliothek iſt ein Sopha fuͤr den Sultan, wenn er ſich daſelbſt das Geſetz vorle⸗ ſen laͤßt. Nach der Sophien⸗Kirche iſt jene Moſchee die 58 ſchoͤnſte, welche auf dem ſiebenten Huͤgel unweit der 7 Thuͤrme ſteht, und von einem Buͤrger Konſtan⸗ tinopels Namens Studios geſtiftet iſt. Sie hat einen ſehr ſchoͤnen Portiko mit 4 Pfeilern aus weißem Marmor, welche ein ſehr koſtbares Saͤulen⸗Geſimfe tragen, wie inwendig noch mehr dergleichen ſind. Das Schiff iſt von den Fluͤgeln durch 7 Pfeiler aus Verd Antique getheilt, welche 6 Fuß 2 Zoll im Um⸗ fange haben, und von der zuſammengeſetzten Ordnung ſind. Ueber denſelben ſind verſchiedene joniſche Pfei⸗ ler, vermuthlich aus gleichem Stoffe, aber nach tuͤr⸗ kiſcher Art weiß uͤbertuͤncht. Unter dem Hofe iſt eine Ciſterne, worin 4 Reihen korinthiſcher Pfeiler ſind. Ein anderer in eine Moſchee verwandelter Tem⸗ pel auf der noͤrdlichen Spitze des vierten Huͤgels iſt dem Allmaͤchtigen geweiht. Sie hat zwei Portikos und iſt in zwei Theile getheilt; das Gewoͤlbe ruht auf Saͤulen aus rothem Granit. Sie war uͤberall mit den Bildniſſen der Apoſtel und mit Scenen aus der Geſchichte unſeres Heilandes in moſaiſcher Arbeit ver⸗ ziert, und der Inhalt jeden Feldes in griechiſcher Sprache beſchrieben, was die Tuͤrken verwuͤſteten. An der aͤußern Seite dieſes Tempels iſt ein ſchoͤnes Grabmal von einem außerordentlich großen Stuͤcke Verd Antique. Kreuze ſind daran gehanen; vielleicht iſt es das einzige Stuͤck Marmor dieſer Art in der ganzen Welt. 59 Die praͤchtige Apoſtel⸗Kirche, welche Konſtan⸗ tin der Große erbaute, ſtand auf dieſem Huͤgel, wo die Moſchee des Sultans Mahomed liegt; von derſelben iſt nichts mehr uͤbrig. In der Naͤhe waren die Ciſternen des Arkadius, welche jetzt in das groͤßte Bad von Konſtantinopel verwandelt ſind. Auf dem ſiebenten Huͤgel gibt es große Ueberbleibſel von Gewoͤlbern und Ciſternen, wovon eine durch Anaſtaſius Dikorus geſtiftet worden zu ſeyn ſcheint. Auf dem ſechſten Huͤgel iſt eine Kirche, in welche wahnſinnige Leute gefuͤhrt, und in einen Por⸗ tiko gelegt werden. Ich glaube, in dieſer Gegend befand ſich ehemals die Kirche des h. Johannes, und die Vorſtadt Hebbdomum. Am Fuße des fuͤnften Huͤgels haben die Patriarchen von Jeruſalem und Konſtantinopel ihren Sitz. Die Zahl der wahren Alterthuͤmer zu Konſtan⸗ tinopel iſt nicht groß. Von den verſchiedenen Saͤulen und Obelisken, welche im Hippodromus geweſen ſind, ſieht man nur noch drei. Eine iſt der Obelisk aus rothem Granit; 36 Fuß von dieſem iſt die Schlan⸗ gen⸗Saͤule, und 40 Schritte von dieſer ein aus Quadern erbauter Obelisk. Die Fußtritte um alle dieſe ſind verſchuͤttet, weil die Erde des Hippodromus erhoͤht wird; auch iſt von der Schlangen⸗Saͤule ein Stuͤck abgebrochen. Die ſogenannte verbrannte Saͤule ſoll von Konſtantin dem Großen aus Rom gebracht worden ſeyn. Er ſoll die metallene 60 Saͤule des trojaniſchen Apollo, welche eine Abbil⸗ dung von ihm ſelbſt war, aufgeſetzt haben. Ihr Bei⸗ name kommt daher, daß das Fußgeſtell und ein Theil der Saͤule durch das Feuer beſchaͤdigt wurde. Der Schaft ſcheint aus 10 Stufen von Porphyr beſtanden zu haben, deren Umfang 33 Fuß betrug. Jetzt ſind uͤber die 7 Lagen aus Porphyr 42 aus andern Steinen. Auf der vierten iſt eine griechiſche Inſchrift, nach welcher Emanuel Comnenus dieſe Saͤule wieder ergaͤnzen ließ. Nach der Kirchen⸗Geſchichte iſt Arius bei dieſem Pfeiler geſtorben. Nicht weit davon iſt eine Ciſterne, deren Bogen auf 18 Saͤulen in der Laͤnge und 14 in der Breite ruht, und uͤber jeder der⸗ ſelben erhebt ſich wieder eine andere.— Die Jung⸗ fern⸗Saͤule(Kiſh⸗Taſſh) iſt ſehr ſchoͤn aus grauem Granit nach korinthiſcher Ordnung mit einem ſehr verhaͤltnißmaͤßigen Fußgeſtelle; der Schaft allein ſcheint eine Hoͤhe von 28 Fuß zu haben. So oft auch die feierlichen Audienzen im Serail beſchrieben wurden, ſo moͤchten doch einige Umſtaͤnde noch zu eroͤrtern ſeyn. Ich ſah einen Theil der Au⸗ dienz bei dem Groß⸗Vezier, und war mit einem Kaf⸗ tan bekleidet; ich konnte aber wegen zu vieler Perſo⸗ nen des Geſandten nicht in den Saal eindringen. Vor jeder Audienz wird immer ein Divan gehalten, welchem der Geſandte beiwohnt. Der Kaiſer ſitzt an einem Fenſtergitter uͤber dem Sitze des Groß⸗Veziers, kann aber nicht geſehen werden, obſchon ſeine Gegen⸗ 61 wart durch ein Zeichen angegeben wird. Sind die Bittſchriften armer Leute verleſen und Beſchluͤſſe ge⸗ faßt, ſo werden alsdann Stuͤhle fuͤr den Vezier, fuͤr die zwei Kadislikiers, fuͤr den Schatzmeiſter und Sie⸗ gel⸗Bewahrer gelegt, welche immer zugegen ſind. Um? Uhr des Morgens wird das Eſſen in kleinen Schuͤſſeln, welche auf großen ruhen, herbei getragen, vor ſie auf die Stuͤhle, ohne daß ſie ihre Plaͤtze, welcher ſie ſich bei ihrer Amts⸗Verwaltung bedienten, veraͤndern. Die kleinen Schuͤſſeln werden oft gewech⸗ ſelt. Der Geſandte ſpeiſet mit dem Groß⸗Vezier, und ſeine Begleiter mit dem Schatzmeiſter und Siegel⸗ Bewahrer. Die Kadislikier ſind Rechtslehrer und zu heilig, als daß ſie mit Unglaͤnbigen ſpeiſen duͤrften. Dann wird des Kaiſers Befehl) vorgeleſen, daß der Geſandte zur Audienz kommen ſoll. Der Vezier haͤlt gewoͤhnlich 4 Male in der Woche Divan im kaiſerli⸗ chen Serail, an den uͤbrigen Tagen in ſeinem Hauſe. Etwa eine Stunde weſtlich von der Stadt er⸗ gießen ſich zwei Fluͤffe in den Meerbuſen von Kon⸗ ſtantinopel; der noͤrdliche iſt der alte Lykus, der ſuͤdliche hieß Hydraulis. An deren Ufern waren viele Gaͤrten und Luſthaͤuſer großer Herren. In der letzten Empoͤrung aber, durch welche der jetzige Kai⸗ ſer auf den Thron kam, erbat ſich der Poͤbel die Er⸗ laubniß zu deren Zerſtoͤrung, weil die Großen darin ihre Geſchaͤfte verſaͤumt, und ihre Berufszeit mit Scherz und Wohlluſt vertrieben haben. Dieſe Bitte wurde gewaͤhrt; deßwegen ſind jetzt die Luſthaͤuſer laͤngs des Kanales auf dem Wege nach dem ſchwarzen Meere. An dem noͤrdlichen Fluſſe hat der Kaiſer ſein angenehmes Serail Sadabat. Der Fluß iſt durch einen Kanal von 1700 Schritten voruͤber geleitet. Im Anfange des vorigen Jahrhunderts wurden zu Konſtantinopel zwei armeniſche Druckereien errich⸗ tet. Der Ibrahim Baſſa las eine Schrift vom Nutzen der Druckerei, und uͤberredete den Sultan Achmet unter der Aufſicht des Ibrahim Effendi, eines ungariſchen Renegaten, eine Druckerei anlegen zu laſſen. In dieſer wurden 12 Buͤcher gedruckt, aber das Geſchaͤft nicht fortgeſetzt. Unlaͤngſt hatte man vom Neuen begonnen, die Geſchichte der Tuͤrkei von den letzten 60 Jahren zu drucken. Ich war ſo gluͤck⸗ lich, in einer fuͤr die Franken ſehr guͤnſtigen Zeit zu Konſtantinopel zu ſeyn, in welcher auch die Tuͤr⸗ ken keine andere Wuͤnſche aͤußerten, als zur Fort⸗ ſetzung des Krieges gegen Oeſterreich. Sie hatten kurz vorher einen ſehr vortheilhaften Frieden mit dieſem und dem Kaiſer von Rußland abgeſchloſſen. Ich ging alſo zu Konſtantinopel frei herum, und wurde uͤberall hoͤflich behandelt. Ich beſuchte die Moſcheen nach Belieben ſogar an Freitagen kurz vor dem Anfange der Predigt, und ehe die Weiber kamen, dieſe zu hoͤ⸗ ren. Dieſe Crlaubniß erhaͤlt man gegen eine Erkennt⸗ lichkeit durch den Moſcheen⸗Huͤter. Ueberhaupt iſt mit gut erzogenen Tuͤrken wohl umzugehen. Sind ſie auch⸗ 63. an See⸗Plaͤtzen roher und unruhiger, ſo mag man dieſes mehr dem Verkehre mit Korſaren zuſchreiben. II. Von Galata, Pera und den Waſſer⸗Lei⸗ tungen bei Konſtantinopel. Gegen Mitternacht des Hafens liegt Galata, mit einer Mauer umgeben, faſt 3 Meilen im Umfange, auf der Suͤd⸗ und Oſtſeite an dem⸗ Waſſer, und von dem Meere am Huͤgel hinauf gebaut. Daſelbſt woh⸗ nen viele europaͤiſche Chriſten, haben ihre Niederlagen und Zoͤlle, und alle ihre Schiffe laufen daſelbſt in den Hafen. Die Griechen haben in Galata 3, die Ar⸗ menier 2 Kirchen. Die Jeſuiten, Dominikaner und Franziskaner haben Kloͤſter in dieſer Stadt. Waͤhrend des venetianiſchen Krieges wurde eines, welches den Schutz Venedigs genoß, weggenommen und die Kirche in eine Moſchee verwandelt. Allen fraͤnkiſchen Be⸗ wohnern der Umgebung wurde die Weiſung ertheilt, ſich zu entfernen. Deßwegen begaben ſich alle Eng⸗ laͤnder und andere nach Pera, welches oben auf dem Huͤgel liegt. Alle Geſandte wohnen daſelbſt, und die Lage dieſes Ortes iſt weit ſchoͤner. Jener Theil der Stadt, welcher Quatro Strade genannt wird, wird meiſtens von Franken und anderen Chriſten bewohnt. Pera ſteht unter dem Tophee⸗Baſſa von Tophana, und Galata unter einem Woywoden. Die ganze Ge⸗ gend von Pera und Galata nennt man Sicena. Die Trinitanter und zweierlei Franziskaner und Ka⸗ 64 puziner haben zu Pera Kloͤſter. Die hier befindlichen Geſandten leben hier nach ihrer Landes Sitte praͤchti⸗ ger, als irgendwo, und haben offene Tafeln. Pera und Galata wurden ehemals mit Bewil⸗ ligung der griechiſchen Kaiſer ſehr zahlreich von Ge⸗ nueſern bewohnt, deren Nachkommen nur noch in Dolmetſchern zu finden ſind. Einer oder zwei dienen der ganzen Nation; die uͤbrigen dienen Kaufleuten. Es gibt auch junge der tuͤrkiſchen Sprache kundige Leute, welche gegen geringe Beſoldung zu dieſem Dienſte bereit ſind. Die Franzoſen unterhalten ge⸗ woͤhnlich 12 Juͤnglinge ihrer Nation in dem Kapuzi⸗ ner⸗Kloſter, dann bei den Kon ſuln fuͤr dieſen Zweck; bei guter Auffuͤhrung werden ſie zu Konſuln befoͤrdert. Die Ruſſen und Teutſchen haben zwar auch einige ih⸗ rer Nation, doch muͤſſen ſie ſich vorzuͤglich der Ein⸗ gebornen fuͤr das geheimnißvolle Amt eines Dolmet⸗ ſchers bedienen. Der Ober⸗Dolmetſcher der Pforte iſt gewoͤhnlich ein Grieche, oft auch ein Prinz aus der Moldau, und hat bei wichtigen Staats⸗Verhandlun⸗ gen großen Einfluß. Noͤrdlich von Pera liegt Tophana auf einem anderen Huͤgel, welcher die entzuͤckendſte Ausſicht dar⸗ bietet. Auf deſſen Spitze ſteht das oͤffentliche Gebaͤude Galati Seraiz; es iſt rund und hat einen großen Hof. Darin werden die Itcheoglans zu dem Serail des Sultans erzogen; gewoͤhnlich ſind ihrer 400, mei⸗ ſtens arme Waiſen, welche von ihren Verwandten 65 nicht koͤnnen erzogen werden. Sie duͤrfen weder aus⸗ gehen, noch Beſuche von Jemand annehmen, noch „auch nur nach Belieben durch das Fenſter ſehen. Sie werden unterrichtet im Leſen, Schreiben, Reiten, Bo⸗ gen⸗Spannen und Singen der Gebete. Der Sultan beſucht ſie alle zwei Jahre einmal, und waͤhlt die ihm beliebigen 20jaͤhrigen als ſeine Itcheoglans. Die mei⸗ ſten ſind zur Aufwartung in ſeinen Zimmern beſtimmt, oder zum Ausreiten mit ihm. Sie vertreten die Stelle der Kammerherren, und werden zu den Stellen der Baſſen oder anderen wichtigen befoͤrdert. Der Name Tophana wird von der Kanonen⸗ Gießerei(Tope) abgeleitet; es wird, wie Pera, durch den Artillerie⸗Hauptmann regiert. Auf dem Walle ſtehen ſehr ſchoͤne kupferne Kanonen. Nord⸗ waͤrts des ſchoͤnſten Springbrunnens liegen zwei Ort⸗ ſchaften, welche mit Tophana ein Ganzes zu ma⸗ chen ſcheinen, wenn man von Galata heruͤber ſieht. Weſtwaͤrts von Galata liegt das oͤffentliche Zeughaus und der Schiffplatz auf der Nordſeite des Hafens. Waͤhrend des Winters werden die Galeeren daſelbſt in bedeckte Haͤuſer gebracht. Daſelbſt iſt auch das Gebaͤude, worin das Bad der gefangenen chriſtli⸗ chen Selaven ſich beſindet. Ich ſah 14 große Kriegs⸗ ſchiffe, deren Zahl ſich zuweilen auf 20 belaufen ſoll. Das groͤßte war 486 Fuß lang, 46 Fuß s Zoll breit, 224 Fuß tief im Lichten, hatte 3 Verdecke außer dem DOberlof, und ein kleines Verdeck. Der große An⸗ f. 31ſtes B. Griechenland. II. 1. 9₰ 66 ker wog 9s Zeutner, und das Schiffs⸗Seil hatte 32 Zoll im Umfange; es hat 110 Kanonen und 96 Mann. Die Galeeren fahren jeden Sommer um die Inſeln zum Einſammeln der Chriſten⸗Steuer(Harach); der Ober⸗Admiral ſegelt mit 4—5 Kriegsſchiffen aus, und erhebt von den ihm zugewieſenen Ortſchaften, ſoviel als ihm beliebt. Nordwaͤrts des Zeughauſes iſt der Platz, wo man ſich mit Bogen und Pfeilen uͤbt. Mehrere zum Theile von einander ſehr entfernte Saͤulen aus Marmor zei⸗ gen an, wie weit manche große Herren geſchoſſen haben. Hier iſt der Platz, wo der Kaiſer die Armee vor dem Feldzuge muſtert. Das offene tuͤrkiſche Beth⸗ haus ſoll zur Beſchneidung der Kinder deſſelben be⸗ ſtimmt ſeyn. Wegen des haͤuſigen Badens und Waſchens iſt zu Konſtantinopel ein großer Bedarf an Waſſer, welches deßwegen in koſtſpieligen Leitungen dahin be⸗ foͤrdert wurde. Mangel deſſelben koͤnnte Aufruhr er⸗ regen; darum ſind auch noch viele Ciſternen angelegt und die große unter dem Sophien⸗Tempel wird noch unterhalten. Die aͤlteſten, welche das Waſſer aus einer Entfernung von 10 Meilen bringen, ſind von den Kaiſern Valens und Valentinian⸗ errichtet; eine derſelben iſt ſehr praͤchtig, und liefert ihr Waſſer aus dem bei Belgrad entſpringenden Fluſſe Hi⸗ draulis. Die ſogenannte lange Waſſerleitung ſoll von Solyman dem Prachtliebenden ſtammen, 67 iſt 2229 Fuß lang, 85 1½ Fuß hoch, und ihre Mauer iſt 12 Fuß dick. Sie beſteht aus zuvei Geſchoßen Bo⸗ gen uͤber einander; im unteren ſind 47, im oberen 50 Bogen. Die unregelmaͤßige dicke Bauart gibt dem Ganzen ein gothiſches Anſehen, indem die Mauern 15 Fuß dick und die Bogen s0 Fuß weit ſind. III. Von Selivree und Adrianopel. Ich verfuͤgte mich am„. Juli nach Mittags mit einer Karavane nach Adrianopel. Die Straße welches vom Adrianopeliſchen gegen Weſt ziemlich ent⸗ fernt iſt. Links der Straße ſteht das große Pulver⸗ Haus, worin alles fabrizirt wird, deſſen man in der Hauptſtadt und am ſchwarzen Meere bedarf. Fuͤnf Meilen von jhr liegt eine kleine Stadt, wo wir zwei Bruͤcken;. 22 Meilen von dieſer kamen wir nach Selivree, oder dem Se⸗ lymbria des Ptolemaͤus. Die Griechen und Ar⸗ menier haben hier ihre Kirchen, welche mit Moſaik aus dem Mittelalter. geziert ſind. Des Abends ver⸗ ließen wir die Stadt; bei dem Austritte ſahen wir einen Haufen von Tartaren, deren Bogen um den Leib haͤngen. 68 Von Selivree zog ſich der uͤbrige Weg nach Adrianopel weſtwaͤrts. In 16 Meilen gelangten wir am oten nach Chourley, welches angenehm auf einer Anhoͤhe liegt; am 10ten nach Borgas, dann nach Baba, wo eine große tuͤrkiſche Bruͤcke uͤber einen kleinen Fluß, eine ſchoͤne Moſchee und alte vollſtaͤndige Kirche aus Backſteinen zu ſeben iſt. Am z4ten reiſten wir nach Hapſa auf s Meilen von Adrianopel. Dieſes hieß zuerſt Oreſtes, und hat ſeinen jetzigen Namen von den Verbeſſerungen des K. Adrian. Die Stadt liegt theils auf einer An⸗ boͤhe, theils in der Ebene am Fuße deſſelben. Man findet noch alte Mauern mit Inſchriften unter Bezie⸗ hung auf grischiſche Kaiſer. Die Kramlaͤden ſind gut angelegt und mit Waaren verſehen. Die Herbergen befinden ſich innerhalb der Ringmauern; aber die mei⸗ ſten Leute wohnen auf der geſunderen und angeneh⸗ meren Hoͤhe und haben Gaͤrten. Außer der Stadt ſind einige Moſcheen, deren groͤßzte mit jeder zu Kon⸗ ſtantinopel wetteifert; in der Stadt ſind zwei ehe⸗ malige Kirchen in Moſcheen verwandelt. In dem Portiko der einen finden ſich zwei Pfeiler von Verd Antique. Dieſe Stadt iſt eine der vier kaiſerlichen Reſtden⸗ zen der Sultane. Das Serail liegt weſtwaͤrts der Stadt und des Fhuſes Meritcheh, auf einer ſcho⸗ nen Flaͤche, bei einer mit Baͤumen beyflanzten Wieſe. Außer dem nicht gar großen Haupt⸗Gebaͤude ſind viele 69 kleinere und niedrigere fuͤr die Frauenzimmer und Be⸗ diente, welche einem Kloſter der Karthaͤuſer gleichen. Ohne beſondere Erlaubniß aus Konſtantinopel darf Niemand wagen, dieſe Haͤuſer zu betreten. Der Boſtangi⸗Paſcha wohnt in einem Cheile deſſelben, und beherrſcht die ganze Umgebung bis Philippopoli. Auf dem Huͤgel weſtwaͤrts des Serails ſteht ein gro⸗ ßes Luſthaus des Sultans, welches eine herrliche Aus⸗ ſicht darbietet. Die Stadt wird von dem Aga der Janitſcharen regtert, treibt vielen Handel mit Konſtantin opel, Smyrna und anderen Orten, hat großen Ueberfluß an rothem guten Weine und anderen Lebensmitteln, baut und verarbeitet viel Seide und mancherlei Fruͤchte gewaͤhren ihr Vortheile. Etwa eine Stunde ſuͤdweñ⸗ waͤrts liegt der Flecken Demerlata, wo der ſchwe⸗ diſche Koͤnig Karl XII. einige Jahre ſich aufhielt, bis er nach Demotika ziehen mußte. Die Franzo⸗ ſen haben dort einige Haͤufer und einen Konſul, wie die Englaͤnder, welche waͤhrend der Kriege mit Oeſter⸗ reich vorzuͤglich durch ihre Faktors viel Leinwand, Zinn und Blei verkauften. V. Von Oemotika, Rodoſto und Gallipoli. Am zrten reiſten wir von Adrianopel ſuͤdwaͤrts durch den Flecken Aherkui, wo ein großer Stall fuͤr die Kamele des Kaiſers iſt, welche in dieſer Ge⸗ gend gezogen werden. Wir reiſten zwiſchen den Huͤ⸗ 70 geln und kamen zu Demotika auf einem kleinen Fluſſe faſt 12 Meilen von Adrianopel an. Hier zeigen ſich noch Ueberbleibſel der Mauern eines Ka⸗ ſtells und verſchiedener kuͤnſtlicher Grotten. Zwiſchen Adrianopel und Plotinopolis lag der Ort Nizaͤa, wo die Arianer aus Betrug ein falſches Glau⸗ bens⸗Bekenntniß verfaßten. Am asten reiſten wir durch eine ſchoͤne Gegend in die Stadt Ouzoun Cupri, welche ihren Namen von der uͤber den Fluß Erganeh geſprengten Bruͤcke hat, welche ſich über 170 Bogen aus Quadern auf eine halbe Meile ausdehnt. Wir verfuͤgten uns 16 Meilen weiter in die kleine Stadt Jeribol, wo⸗ von wir am 19ten in s Stunden nach Rodoſto ka⸗ men. Dieſe ganze Gegend Thraziens iſt hoͤchſt frucht⸗ bar; vorzuͤglich reitzend iſt der Wieſengrund, in wel⸗ chem viel Getreid und Flachs gebaut wird. Iſt die⸗ ſelbe gleichwohl ſehr uneben, ſo hat ſie doch wenige Waldungen.. Rodoſto(oder Biſanthe, Rhedeſtus, Reſiſton) liegt theils nebſt einem großen Meerbuſen an der See, theils auf der Seite des Huͤgels. Die tuͤrkiſchen Ein⸗ wohner ſind nur mit wenigen Griechen und Armeniern vermiſcht; letztere haben eine Kirche; die Griechen fuͤnf unter dem Erzbiſchofe von Heraclea. Guter Wein und viel Korn wird aus dieſer Gegend nach Kon⸗ ſtantinopel gebracht. Die letzteren Fuͤrſten Ra⸗ gotzi hatten hier einen Palaſt, welcher noch im Be⸗ 71 ſitze jener Nachkommen iſt, die von der Pforte ein Gehalt bekommen. Nord oſtwaͤrts liegt Heraclea, das alte Perinth.. Am eoten ſchiffte ich mich ein, und kam am 24ten zu Gallipoli an, welches ſehr ſchoͤn an der noͤrdli⸗ chen Muͤndung des Helleſponts auf den Bergen und an der Suͤdſeite derſelben liegt. Lampſakus liegt jenſeits in Aſien, etwa eine Meile ſuͤdwaͤrts; Gal⸗ lipoli gegenuͤber der Flecken Shardack. Nicht weit von einem kleinen Meerbuſen, nordwaͤrts der Stadt und an dem Propontis befindet ſich ein Pul⸗ verhaus, wo alle Schiffe des Groß⸗Sultans fuͤr das mittellaͤndiſche Meer ſich verſehen. 30o griechiſche Fa⸗ milien haben? Kirchen; neben einer beſitzt der Erzbi⸗ ſchof von Heraelea ein Haus, in welchem ſein Stell⸗ vertreter wohnt. Auch findet man einige Juden. Da die Reiſenden von Smyrna und Konſtantinopel in dieſem Hafen gewoͤhnlich ſich auf ihre Schiffe be⸗ geben, ſo wurde dadurch ſchon oͤfters die Peſt verbrei⸗ tet. Etwa zwei Meilen nordwaͤrts von Gallipoli iſt der ſchmalſte Theil dieſer Halbinſel, welcher unge⸗ faͤhr 5 Meilen breit gerechnet wird. Auf meinem Zuge gegen Suͤd ſah ich die Truͤmmer eines alten Kaſtelles etwa eine halbe Meile von dem Meere. Viel⸗ leicht war hier Aegos, wo die Athenienſer, von den Lazedemoniern geſchlagen, ihre Freiheit verloren. 72 V. Vom Berge Athos. Von Lemnos ſegelten wir den 8. Sept. an den h. Berg Athos(Haion Horos) in Mazedonien, auf welchem viele Kloͤſter liegen, woher er ſeine Benen⸗ nung hat. Dieſes Gebirge erſtreckt ſich faſt in gera⸗ der Linie von Mitternacht gegen Mittag, und haͤngt mit dem feſten Lande durch einen Strich Landes zu⸗ ſammen, welcher vielleicht eine Meile breit iſt. Der ei⸗ gentliche Athos iſt eine ſehr ſteile, felſichte und mit Fichten beſetzte Anhoͤhe, welche ihren Schatten bis Lemnos wirft. Zehn Kloͤſter ſind auf der noͤrdlichen, und zehn auf der ſuͤdlichen Seite, meiſtens am Meere; viele ſind ſehr arm; einige haben ihre Gurr in gro⸗ ber Ferue; die meiſten laſſen durch ihre Prieſter Al⸗ moſen ſammeln. Sie zahlen fuͤr ihre Guͤter an den Boſtangi, welcher ſie gegen alle Angriffe ſchuͤtzt, eine beſtimmte Summe und eine Kopfſteuer fuͤr eine gewiſſe Menſchenzahl. Sie theilen mit andern die gute Ge⸗ ſinnung, daß ſie alle Fremde beherbergen muͤßten; von vermoͤgenderen erbitten ſie ſich ein Almoſen. Weib⸗ liche Weſen ſind in der ganzen Umgebung unſichtbar. Die Moͤnche leben hier, wie zu Sinai, ohne Fleiſch; am Tiſche ſitzen ſie in langen ſchwarzen Maͤnteln, mit Kapuzen bedeckt, waͤhrend einer in neu griechiſcher Sprache vorliest. In jedem Kloſter ſind viele Kapel⸗ len, vielleicht aus beſonderer Andacht zu gewiſſen Hei⸗ ligen geſtiftet; eben ſo finden ſich viele auf den Fel⸗ ☛ ——— —— 73 dern mit Wohnungen fuͤr einzelne Layenbruͤder. Sie beſchaͤftigen ſich ſo wenig mit Wiſſeuſchaften, daß ſie nicht einmal eine Fertigkeit im Alt⸗Griechiſchen ſich erwerben, welche traͤge Lebensart von den Tuͤrken noch unterſtuͤtzt und gewuͤnſcht wird. Einige dieſer Kloͤſter wurden durch bulgariſche, ſerviſche und wal⸗ lachiſche Fuͤrſten geſtiftet, und zuerſt mit Muͤnchen ih⸗ ꝛer Nationen gefuͤllt. Die Kloͤſter ſind rund um ei⸗ nen Hof gebaut, und haben in der Mitte eine Kirche; vier auf der Oſtſeite ſind die groͤßten und reichſten, und Laura das vornehmſte. Dieſes hat die meiſte Herrſchaft uͤber die uͤbrigen, und ſeine Glieder wer⸗ den fuͤr die geſchickteſten und kluͤgſten gehalten. Jde⸗ rone und Vatopede ſind durch ihre Lage am Waſ⸗ ſer und durch ihre Bauart gleich ausgeteichnet. Gleich nach der Landung verfuͤgte ich mich in das Floſter Laura, wo Neophyrus, der Erzbiſchof von Naupactus und Larta wohnte, welcher ſein Erzbisthum ſchon vor 20 Jahren aufgegeben hatte. Der marmorne Taufſtein in der Kirche ſcheint ein al⸗ tes Gefaͤß zu ſeyn. Am 9. Sept. beſuchte ich die Klöͤſter auf der Nordſeite des Berges, und kam in 4 Stunden zum armen Kloſter Karakallo, und in einer Stunde zum Kloſter Philotho; dann nach Iverone auf der Wieſe, wo ich ſehr hoͤflich em⸗ pfangen und zum Verweilen genoͤthigt wurde. Ich fand einen alten Biſchof von Lemnos, welcher ſich turuͤck gezogen hatte, und einen Archi⸗Mandriten aus Moskau, welcher hierher gereiſt war. In einer Stunde erreichte ich zu Waſſer das arme Kloſter Sta⸗ vro Niketa, wo mich der zur Ruhe verſetzte Erz⸗ biſchof von Philippi und Drame ſehr artig auf⸗ nahm, in das Gewaͤchs⸗Haus fuͤhrte, und mich da⸗ ſelbſt mit einem Zweige voll Limonien beſchenkte. Viele alte Praͤlaten legen ihre Stellen nieder und be⸗ geben ſich hieher, um ihre letzten Tage in ſtiller Ein⸗ ſamkeit zu genießen. In einer Stunde kam ich zu Waſſer nach dem Kloſter Pantocratori, wo ich uͤbernachtete, deſſen Abt der italiſchen Sorache kun⸗ dig war, und Italien, Teutſchland und Spanien durchwandert hatte. Dieſes wurde durch einen Fuͤr⸗ ſten Johann aus der Wallachei geſtiftet, welcher nebſt mehreren Verwandten daſelbſt begraben iſt. In einiger Entfernung ſah ich einen Einſiedler, deſſen Huͤtte mit ſoviel Dorn⸗Geſtraͤuch eingeſchloſſen war, daß man ſich ihr nicht naͤhern konnte. Er ſoll 105. Jahre alt ſeyn und ſeit 40 Jahren daſelbſt gelebt haben. Am 10. Sept. ruderte ich zum großen Kloſter Vatopede, wo ich viele Hoͤflichkeit einerntete, und erhielt. Wir begaben uns zwei Stunden nordwaͤrts nach dem Kloſter S. Simenus, welches Peli⸗ ſena, Tochter des K. Arkad geſtiften hatte. Von hier ritten wir auf Maulthieren eine halbe Stunde nach dem Kloſter Kilandri, welches vom Koͤnige ſogar bei der Abfahrt noch Fruͤchte fuͤr mein Boot ———y— 75 Stephan in Servien fuͤr Servier erbaut worden war. Aui 11ten gingen wir zwei Stunden die Huͤgel ſuͤdwaͤrts hinauf nach dem Kloſter Zographo, wel⸗ ches ein Enkel Juſtinians fuͤr Bulgarier geſtiftet hat. Auf der Oſtſeite des Vorgebirges kamen wir zum Kloſter Dokiario. Wir ſegelten eine Meile nach dem armen Kloſter S. Georgio Zenopho, und koſteten unterwegs ein geſalzenes Waſſer, welches erweicht und abfuͤhrt. Wir ſchifften nach dem Klo⸗ ſter Simopetra, nach St. Gregorio, und end⸗ lich nach Johann Dionys, wo wir uͤbernachteten. Am 12ten fuhren wir nach St. Paul; von hier rit⸗ ten wir zwei Meilen um die Huͤgel uͤber dem Meere zu dei Einſtedeleien St. Anna. Dieſe beſtehen viel⸗ leicht aus 40 Haͤuſern mit 100 Einſiedlern beſetzt, und liegen in einer halbzirkelichten Berg⸗Hoͤhle. Bei mei⸗ ner Anweſenheit beſchaͤftigten ſie ſich mit dem Ein⸗ ſammeln und Duͤrren der Feigen, Roſinen und Nuͤſſe; auch bereiteten ſie etwas Branntwein und Wein fuͤr ihren Gebrauch. Einige machen hoͤlzerne Loͤffel, au⸗ dere ſchnitzen Bilder; an Sonn⸗ und Feſttagen bege⸗ ben ſie alle ſich in die Kirche von St. Anna, deren Hand noch gezeigt wird. Dieſe Kirche liegt 4 Mei⸗ len von Laura auf der hoͤchſten Spitze des Berges. Wir kehrten nach St. Paul zuruͤck, und ſegel⸗ ten nach Simopetra, welches die ſonderbarſte Lage hat. Es ruht auf der Spitze eines Felſens und ragt aus der Seite eines waldigen Huͤgels hervor. Eine 76 Waſſerleitung aus drei Geſchoßen von Bogen traͤgt viel zur ſchoͤnen Ausſicht bei; ſie fuͤhrt von der be⸗ nachbarten Hoͤhe das Waſſer nach dem Kloſter. Am 13ten gingen wir in das Kloſter Zeropotamo, wo wir an der vordern Seite der Kirche ein ſchoͤnes altes Relief vom h. Demetrius in Verd Antigue und in den Mauern des Kloſters zwei alte Koͤpfe ſahen. In 14/ Meile kamen wir in das alte Kloſter NRuſikon, gegen Morgen von Zenopho, und eine Stunde wei⸗ ter in das große Kloſter, welches ſich kaum eine halbe Meile von der einzigen Stadt Kares auf dem h. Berge befindet. Dieſe liegt um die Mitte deſſelben gegen die Spitze der Anhoͤhe auf der noͤrdli⸗ chen Seite, und wird von Layenbruͤdern bewohnt, welche die unentbehrlichſten Gegenſtaͤnde in Kramla⸗ den verkaufen. Außer ihnen ſind Meſſer⸗Schmiede und Roſenkranz⸗Fabrikanten die einzigen Handwerker daſelbſt, nebſt den Schnitzlern mit Holz in Kreuzen oder hiſtoriſchen Stuͤcken. Jeden Sonnabend findet ein Markt ſtatt, auf welchen Getreid und andere Le⸗ bensmittel aus einer Entfernung von 3— 4 Tagreiſen gebracht werden. Die gewoͤhnlichſten Handels⸗Gegen⸗ ſtaͤnde ſind daſelbſt verfertigte Spielwaaren, welſche und gemeine Nuͤſſe, Kaſtanien und ſchwarze Schafe. Da die Kaͤlte oͤfters die Trauben verdirbt, ſo wird der noͤthige Wein gewoͤhnlich aus der Umgebang da⸗ bin gebracht. Viele Haͤuſer und Gaͤrten zu Kares gehoͤren den Kloͤſtern eigenthuͤmlich; dieſe laſſen die — 77 Gaͤrten durch ihre Layenbruͤder bauen, welche kleine Bilder verfertigen, und uͤbrigens gut leben. VI. Von Theſſalonich. Am 14. Sept. ließen wir uns durch eine kleine Karavane nach Salonika fuͤhren, dann zum Golfo Conteſſa und zum Iſthmus, welcher dieſes Land mit der Landſchaft gegen Weſt verbindet. Der Monte Santo mag 30 Meilen lang ſeyn; an deſſen nordo⸗oͤſt⸗ lichem Ende iſt ein kleines Vorgebirge, welches ſich in den noͤrdlichen Golfo zieht, vermuthlich das Vor⸗ gebirge Acrathos. Auf der Nordſeite des Meerbu⸗ ſens zeigte man mir den Hafen Esborus, welcher das Conteſſa der Landkarten, und vielleicht der alte Hafen von Amphipolis iſt. Das gegen Nord ſich ziehende Vorgebirge bildet den Meerbuſen und iſt auf den gemeinen Karten nicht weit genug gegen On geſetzt. Denn mir kam vor, als ſey nordwaͤrts von dieſem noch ein Meerbuſen geweſen; alle dieſe zuſam⸗ men werden auf den Seekarten Conteſſa genennt. Am weſtlichen Ende deſſelben zeigte man mir den Ha⸗ ſen Eriſo, wo Truͤmmer der alten Stadt Palio⸗ — caſtro ſeyn ſollen; vielleicht ſtand daſelbſt Acan⸗ thus, wohin Rerxres ſeine Armee fuͤhrte. Nordwaͤrts derſelben befand ſich Stagira, der Geburtsort des Ariſtoteles. Der Fluß Strymon, welcher Mazedo⸗ nien noͤrdlich begraͤnzt, ergießt ſich bei dieſem Golfo in das Meer. Gegen Nordoſt dieſes Fluſſes war das ſogenannte Macedonia Adjecta, welches die Edo⸗ ten bewohnten; es erſtreckte ſich bis an den Neſtus, und war ein Theil Thraziens, welches der Koͤnig Philipp eroberte, und mit Mazedonien vereinigte. Suͤdwaͤrts ſah ich die Juſel Taſſus, welche einſt wegen ihrer Gold⸗Bergwerke und des ſchoͤnen Mar⸗ mors beruͤhmt war, und 49 Meilen von Lemnos, Cavalla und Neſtus gegenuͤber liegt. Der Theih Mazedoniens vom Berge Athos bis zur Halbinſel Pallene oder Phlegra wurde ehemals Chalei⸗ diee genannt. 5 Wir uͤbernachteten bei Chriſten zu Palaiocori. Am 46ten ſahen wir gegen Nord den See Baza⸗ ruke und blieben zu Ravanah. Am z!ten erreich⸗ ten wir etwa 10 Meilen von Salonika eine ſchoͤne Ebene, welche vom Bache Chabr ius befeuchtet wird; nahe an deſſen Muͤndung iſt ein Salzpful. Vier Meilen von Salonika befinden ſich auf der naͤmli⸗ chen Straße einige Baͤder, deren Waͤſſer nur laulich ſind und einen ſalzicht⸗ſchwefelichten Geſchmack haben. Die Stadt Theſſalonich liegt an der uord⸗oͤſtli⸗ chen Ecke deſſelben, hat die genannte Ebene gegen Kord⸗Oſt, einige Huͤgel gegen Nord⸗Weſt, eine große Ebene gegen Suͤdweſt, welche vermuthlich bis an den Olymp Pierus und andere Berge bei La⸗ riſſa ſich ausdehnt. Dieſe Umgebung hat ſich in der Geſchichte verewigt. — 79 Die Landſchaft wurde Amphaxitis genannt, und wurde vom Bache Schedorus befeuchtet, wel⸗ chen die Armee des Rerxes ausgetrunken haben ſoll. Kordwaͤrts deſſelben lag Mygdonien; die Fluͤſſe Axius und Lydias durchzogen dieſe Ebene. Zwi⸗ ſchen denfelben war die Landſchaft Bottiaͤa, in wel⸗ cher die Reſidenz Pella der mazedoniſchen Koͤnige von Philipy bis Perſeus war, und worin des erſteren Sohn Alexander geboren wurde. Suͤd⸗ waͤrts des Fluſſes Axius in Emathia war Edeſſa oder Aega, 59 Meilen von Theſſalonich, auf dem Wege nach Nom. Diocletianopolis und Pella lagen zwiſchen dieſen Orten. Ehe die mazede⸗ niſchen Koͤnige ſich nach Pella begaben, wohnten ſie zu Aegaͤ, wo ſie ſpaͤter begraben wurden. Zwiſchen dem Lydii a.s und dem Aliacmon wurde das Land Pieria genannt, worin Methone ſich befand, bei⸗ deren Belagerung K. Philipp ſein Auge verlor. In der Naͤhe des benachbarten Pydna ſchlugen die Roͤ⸗ mer den K. Perſeus, und loſteu dadurch das maze⸗ doniſche Koͤnigreich auf. Weſtwarts dieſer Oerter lag Berrhoͤa, s1 Meilen von Theſſalonichz deſ⸗ ſen Einwohner hielt Paulus fuͤr das Evangelium nicht ſo empfaͤnglich, als jene. Bei dem Berge Olym p iſt Dius gelegen, wo K. Alexander die metalle⸗ nen Bildſaͤulen zur Ehre jener Tapfern durch Lyſipp errichten ließ, welche bei dem Fluſſe Granikus in der Schlacht mit den Perſern blieben. Die Oerter glei⸗ 80⁰ chen Namens in Syrien und Klein⸗Aſien wurden von den Koloniſten abgeleitet, welche ihren Stammort verewigen wollten, z. B. Olymp, Heraclea, Pieria, Berrhoͤg, Magneſiac. Die Stadt Theſſalonich ſoll nach ihrer Stif⸗ terin, der Schweſter K. Alexanders, genaunt worden ſeyn. Ihre jetzigen Mauern, Werke der grie⸗ chiſchen Kaiſer, haben 5— s Meilen im Umfange, und faſſen die ganze Ebene in ſich; dieſe zieht ſich den Berg hinauf bis an das Schloß. Die Straßen ſind ſeblecht gepflaſtert; die Haͤuſer aus ungebrannten Backſteinen gering aufgefuͤhrt, und haben Gaͤrten. Die Stadt bietet nur wenige Alterthuͤmer dar. Ein verſtuͤmmelter Ehren⸗Bosen hat ſehr koſtbare Bild⸗ bauer⸗Arbeit, und beſteht aus 3 Bogen von Ziegeln, welche mit Marmor uͤberzogen ſind. Die groͤßeren Reliefs ſind 4 Fuß 2 Zoll hoch und ſehr abgeſtoßen; man glaubt, er ſtamme aus der Zeit der Antonier. Eine Neihe fuͤnf feiner Saͤulen aus Cipoliner Mar⸗ mor hat vortreffliche Kapitaͤler; jede Saͤule hat 2 Fuß im Ourchmeſſer, und ſteht 9 Fuß ² Zoll von der an⸗ dern. Der Fries hat hohe Streifen, und auf dem Saͤulen⸗Geſimſe iſt eine Art attiſcher Ordnung von viereckigen Pfeilern mit einem Architrav. Sie zeich⸗ nen ſich durch vier alte, vortrefflich gearbeitete Re⸗ liefs aus; auf der Morgenſeite ſtehen Bacchus, Merkur und zwei Viktorien; gegen Abend Leda, eine Weibsperſon, ein nackter Mann, und noch eine 81 Weibsperſon, welche etwas durch die linke Hand in die Hoͤhe hebt. Mehrere Moſcheen waren ehemals Kirchen; die aͤlteſte runde ſcheint ein Pantheon der Heiden geweſen zu ſeyn; ihre Mauern ſind ſehr dick aus guten Backſteinen. Oſtwaͤrts dieſer Moſchee wird ein Grab gezeigt, in welchem Ortagi Effendi begraben ſeyn ſoll, welcher die Stadt einnahm. Die ſchoͤnſte Moſchee war eine Kirche des h. Demetrius; unter ihr iſt noch eine verſchuͤttet, worin Paulus geprediget haben ſoll. Die Kirche der h. Sophie, im Geſchmacke jener zu Konſtantinopel iſt eben⸗ falls in eine Moſchee verwandelt worden; ihre Kuppel iſt mit ſchoͤner moſaiſcher Arbeit verziert. In der Kirche, wie im Portiko, ſtehen einige ſehr ſchoͤne Pfei⸗ ler von Verd Antique, mit einigen Stufen aus einem Marmor⸗Block. An einigen Moſcheen findet man Mezzo⸗Reliefs von der Maria und anderen Heiligen, aus der Zeit, ehe die Bildhauerkunſt jener Laͤnder ganz in Verfall gerieth. Die Stadt hat einen Erzbiſchof und ein kleines Kloſter auf dem Huͤgel, auch mehr Juden als Chriſten und Tuͤrken; letztere trinken ſtark und veruͤben viele Exeeſſe, vorzuͤglich die Janitſcharen. Man hat um und in Salonika eine Manufaktur von grobem wollenen Tuche, welches in die ganze Tuͤrkei fuür das gemeine Volk geliefert wird. Die Englaͤnder, Franzoſen, Hollaͤnder und Italier haben ihre Konſuls. Die vornehmſte Ausfuhr beſteht in Seide, Wachs und Baumwolle uͤber Smyrna nach 3iſtes B. Griechenland. II. 1. 6 Europa. Da der daſige Tabak fuͤr den beſten nach jenem von Latichea gehalten wird, ſo wird ſehr viel nach Italien und in die meiſten Orte der Tuͤrtei ge⸗ bracht. Ein Paſcha und ein Aga der Janitſcharen halten ſich daſelbſt auf. Die Entfernung von Kon⸗ ſtantinopel iſt fuͤr eine Karavane 15 Tagreiſen, indem Salonika etwa 180 Meilen von Rodoſto eni⸗ fernt iſt. 5 VII. Von den alten Feldern von Tempe, Lariſſa, Pharſalia und der Schlacht zwi⸗ ſchen dem Caͤſar und Pompejus. Die Landſtraße von Salonichi nach Lariſſa iſt gefoͤhrlich; deßwegen ſegelt man nach dem Hafen von Claritza in Theſſalonien an der Suͤdſeite des Meerbuſens von Salonichi in 15 Stunden. Wir fuhren vom 49. auf den 20. Sept. dahin, und uͤber⸗ nachteten am Fuße des Berges Oſſa unter freiem Him⸗ mel. Des andern Morgens kamen wir an das Klo⸗ ſter St. Demetrius auf der Seite des Berges uͤber Claritza, etwa 2 Stunden vom Fluſſe Pe⸗ neus, welcher vom Berge Pindus herab rinnt. Weſtwaͤrts des Peneus liegt der beruͤhmte Olymp, wir gingen auf der Oſtſeite des erſtern. Am 22ſten kamen wir in ein 2 Meilen langes und breites Thalz dann weſtwaͤrts zwiſcheu die gegen Suͤden gelegenen Huͤgel, und quer uͤber einige in jene große Ebene, wo Lariſſa liegt. Man zweiſelt ſehr, ob nicht die er⸗ 83 ſtere Ebene die Felder von Tempe geweſen ſind, welche von einigen an die Muͤndung des Peueus geſetzt werden. Perxes ſegelte mit ſeiner Armee von Theſſalonicha an dieſen Fluß. Daphne war die Tochter des Veneus, und die Fabel von ihr und dem Apollo machte dieſe Gegend beruͤhmt. Homer beſchreibt den Peneus als ein helles Waſſer. Gegen Abend lag Eynocephalaͤ, wo T. Quin⸗ tius Flaminius den K. Philipp in einer großen Schlacht beſiegte. Lariſſa liegt 18 Meilen vom Meere am Peueus weſtlich und noͤrdlich; weſtwaͤrts zieht ſich eine ſteinerne Bruͤcke von 10 Bogen uͤber ihn. Vor der Ph arſaliſchen Schlacht war Seipio mit ſeiner Legion dafelbſt gelagert; nach deſſen Nie⸗ derlage ruͤckte Pompejus in die Stadt, eilte an das Meer und rettete ſich auf einem Kauffartei⸗Schiffe. In der Mitte der Stadt ſteht ein hoͤlzerner Thurm mit einer Schlag⸗Uhr, welche vielleicht allein aus der chriſtlichen Zeit in der ganzen Tuͤrkei geblieben iſt. Die Stadt ſoll 15,000 tuͤrkiſche Haͤuſer mit einem Baſſa, 1500 griechiſche und ungefaͤhr 300 juͤdiſche Fa⸗ milien enthalten; ſie ſind alle boͤsartigen Charakters. 24 Meilen ſuͤdwaͤrts von La riſſa liegt Volo, das Pagaſaͤ, wo nach den Dichtern das Schiff Argos gebaut wurde; unweit deſſelben befand ſich Ap hita, wovon die Argonauten abgeſegelt ſeyn ſollen. Die ſuͤd⸗oͤſtliche Ecke dieſes Landes iſt das alte Vorgebirge Sepias, wo 50o Schiffe von der Flotte des Ler⸗ pes in einem Sturme Schiffbruch litten. ne z29 Am 23. Sept. reiſten wir mit Poſtpferden ab⸗ durch welche die Paſſen gewoͤhnlich ihre Leute reiſen laſſen, weßwegen man alle, welche auf dieſe Weiſe reiſen, fuͤr Leute des Paſſa haͤlt. Von Lariſſazo⸗ gen wir ſuͤdwaͤrts uͤber Heiden vorerſt, und dann uͤber eine ſchoͤne Ebene, welche fuͤr die Pharſaliſche ge⸗ halten wird. Suͤdwaͤrts derſelben liegt die kleine Stadt Katadia, und über derſelben der zerſtoͤrte rt Pharſalus. Nord⸗oſtwaͤrts deſſelben wenden ſich die Huͤgel gegen den Fluß; auf demſelben mag Pompejus, wie Caͤſar mit ſeiner Legion auf dem Huͤgel of waͤrts von Pharſalus gelagert haben. In der Mitte dieſer Ebene, etwa 2 Stunden nord⸗weſtwaͤrts von Pharſalus, iſt ein Huͤgel, auf welchem wahrſcheinlich das von Caͤſar eingenommene. Me⸗ tropolis lag. Etwa 2 Stunden weiter ſind in die⸗ ſem Theile der Ebene, wo ſie ſich weiter gegen Non⸗ den zieht, zwei Huͤgel, auf deren einem vielleicht Gomphi ſtand, welches Caͤſar zuvor erobert hatte. Die Soldaten des Pompejus bemaͤchtigten ſich der hoͤchſten Berge unweit des Lagers. Nachdem Caͤſar dieſe belagerte, und ein Waſſer⸗Mangel eintrat, ſo fluͤchteten ſie ſich gegen Lariſſa: da aber Caͤſar etwa s Meilen weiter ſie wieder erreichte, und ſich zum Angriffe ruͤſiete, beſetzten ſie einen Berg, an deſten Fuße ein Bach lief. 1 85 Zu Katadia wechſelten wir Pferde, nachdem wir einige Erfriſchungen genommen hatten; dieſe Stadt liegt Stunden von Lariſſa. Wir verfuͤgten uns am naͤmlichen Tage noch nach Zeitoun, welches 8 Stunden von Katadia entfernt iſt. Die Straße zieht ſich uͤber fruchtbare Huͤgel gegen Morgen, welche das Vorgebirge zwiſchen dem pagaſaͤiſchen und malliaeiſchen Meerbuſen bilden. Dieſe Landſchaft Theſſaliens wird nach Phthia, dem Geburtsorte des Achilles, Phthiotis bezeichnet. Hier lag die Stadt Theben, und aus dieſer Gegend waren die Myrmidonen, welche nach den Poeten aus Amei⸗ ſen Menſchen wurden. Strabo lehrt, ihre Thaͤtig⸗ keit im Feldbaue ſey nur mit jener der Ameiſen zu vergleichen. VIII. Von Zeitoun, Thermopylaͤ. Zeitoun liegt auf der Suͤdſeite eines mit einem Kaſtelle verſehenen Huͤgels, am Fuße der hohen Gebirge, und an einem andern Huͤgel gegen Suͤd, und wird von Tuͤrken bewohnt. Da es 4 Meilen gegen Weſt der nord⸗weſtlichen Ecke des malligciſchen Meerbuſens, und faſt eben ſo weit von dem Fluſſe Sp erchius gegen Nord entfernt iſt, ſo muß dieſer Ort Lamia feyn. Dieſes iſt wegen des Lamiſchen Krieges be⸗ ruͤhmt, welchen die Griechen nach dem Tode Ale⸗ randers gegen Mazedonien fuͤhrten. Bei meiner Ankunft zu Zeitoun begab ich mich in die Herberge und legte mich auf den Gang vor den Zimmern⸗ theils um mich vor den Inſekten zu ſchuͤtzen, theils gegen die Hitze. Im erſten Schlafe wurde ich durch einen großen Laͤrm geweckt; ich ſah, daß ein großer Theil der Herberge eingefallen war, und die Pferde aus dem Stalle liefen. Ich konnte mir dieſe Erſcheinung nicht erklaͤren, aber mein Diener meldete, es ſey ein Erdbeben, woruͤber alle beſtuͤrzt waren. Die vordere Seite und der groͤßte Theil des Hauſes war ſo zerſtoͤrt, daß man kaum heraus kom⸗ men konnte. Ein vor dem Thorwege gelagerter Tuͤrke war verſchuͤttet, doch noch lebendig hervor gezogen worden. Der Mond leuchtete zuvor hell, allein der durch das Einfallen der Haͤuſer erregte Staub verduͤ⸗ ſterte den Himmel. Viele ſchrieen wegen ihrer ver⸗ ſchuͤtteten Angehoͤrigen; manche waren getoͤdtet, an⸗ dere bloß verwundet hervor gezogen. Des andern Ta⸗ ges lagen viele Todte vor den Kirchen zur Begraͤbniß. Ich ließ mein Gepaͤck eilig auf einen Dunghaufen bringen, welcher entfernt von Haͤuſern war; in zwei Stunden fuͤhlte ich etwa 20 Stoͤße, wovon einige ſehr hart waren. Des andern Tages regnete es; ich fluͤchtete mich unter ein Dach, ich wurde gewarnt, mich davon zu entfernen. Jedermann war in Angſt und Verwirrung; erſt nach Mittags konnte ich Pferde haben. Ich ſah in der Ebene Ritze von 6 Zoll weit in Folge dieſes Erdbebens. Die Haͤuſer der Chriſten, welche aus Stein und Lehm aufgefuͤhrt waren, ſind 87 vorzuͤglich zerſtoͤrt worden; die Haͤuſer der Tuͤrken lit⸗ ten weniger, weil ſie feſter gebaut waren. Zeitoun liegt in einem 5 Meilen weiten Thale, welches ſuͤdlich vom Sperchius durchſtroͤmt wird, und gegen Weſt nicht uͤberſehen werden kann. Die Landſchaft Doris lag in einiger Entfernung gegen Weſt auf der Suͤdſeite des Fluſſes, und wurde wegen ihrer 4 Hauptſtaͤdte Tetrapolis genannt. Hier mag die Doriſche Saͤulen⸗Ordnung entſtanden ſeyn. Der Fluß Sperchius iſt breit. Wir reiſten zwiſchen dem See und hohen Gebirge, welches Coumaita genennt wird, und vielleicht der Berg Oeta iſt, weß⸗ wegen ich jetzt den beruͤhmten Paß Thermopylaͤ ſehen konnte, wo wenige Spartaner dem ganzen Heere der Perſer trotzten. Zwiſchen den Gebirgen und dem Meere gegen Oſt ſind heiße Baͤder(Ther⸗ maͤ), woher der Paß ſeinen Namen hat. Nach ſechs Meilen oſtwaͤrts wendeten wir uns gegen Suͤd zwiſchen die Gebirge, wo ich zwei heiße und ſalzicht⸗ſchwefe⸗ lichte Baͤder bemerkte. Dieſes ganze Land der Epich⸗ nemedier zeichnet ſich durch viele hohe Berge aus. Am Eingange des malligeiſchen Meerbuſens iſt die noͤrdliche Ecke der Inſel Negroponte, des alten Euboͤa, welche ein ſehr hohes Vorgebirge iſt. Dieſe iſt nur 12 Meilen von Theben in Boͤotien entfernt, und hat ſowohl einen Paſſa als einen Aga der Janit⸗ ſcharen; erſterer regiert die ganze Gegend bis nach Salona. Die Hauptſtadt war das zerſtoͤrte Chal⸗ eis; nach ihr iſt Eretria die betraͤchtlichſte, welche von den Perſern zerſtoͤrt, wieder erbaut und dann von Lueius Quintius eingenommen wurde. Hier war die Schule der eretriſchen Weiſen; nicht weit davon das wegen der Diana beruͤhmte Amarynthus. Am Vorgebirge Artemiſium ſiel das erſte Treffen zwiſchen den Griechen und dem Terxes vor. Vielleicht 10 Meilen von Zeitoun wanderten wir bei Molo voruͤber, und hatten bald Andra zur Linken. Ein Theil des Gebirges gegen Suͤd wird Iliakon genennt. Am 2sſten begaben wir uns an ein Haus, welches wegen der Raͤuber ſtets mit Wachen beſetzt iſt, auf der Straße zwiſchen Zeitoun und Livadia. Ich ſah auf dem Gebirge das alte Kaſtell Kitonietry. Suͤd⸗oſtwaͤrts iſt Alope, in deſſen Naͤhe Naryx, der Geburtsort des Aiax. Wir ſtie⸗ gen uͤber das Gebirge in ein Thal, und hatten die Reihe Berge Japora gegen Suͤd, welche man fuͤr den Parnaß haͤlt, auf deſſen Seite Delphi ſtand. Im Thale nordwaͤrts von Cephiſſus war vielleicht Cheronaͤa, Plutarch's Geburtsort. Ueber Ge⸗ birge kamen wir in das Thal, wo ſuͤdlich Livadia oder Libadia, etwa 20 Meilen von Caſtri, dem alten Delphi liegt. Der Dienſt des Jupiter Trophonius, zu deſſen Ehre oͤffentliche Spiele ge⸗ halten wurden, machte dieſe zwiſchen zwei Huͤgeln liegende Stadt beruͤhmt, welche 150 Haͤuſer hat, de⸗ 89 ren so von Juden bewohnt werden; die Chriſten ha⸗ ben 3 Kirchen. IX. Von dem Sumpfe Copias, Theben und Phyle. Ich kam gegen Oſt an den Sumpf von Topolia oder Copias, welche Gegend durch die Schlacht beruͤhmt iſt, worin Ageſilaus die Athener und Boͤotier beſiegte. An der nords⸗oͤſtlichen Ecke des Sees war Medeon, und in deſſen Naͤhe oͤſtlich O uch aͤ⸗ ſtus. Die Stadt Theben mag 24 Meilen von Li⸗ vadien eutfernt ſeyn; ihr erſter Stifter ſoll Cad⸗ mus geweſen ſeyn. Seit der Zerſtoͤrung durch Ale⸗ rander konnte ſie nicht wieder aufbluͤhen. Sie iſt der Geburtsort von Pindar, Spaminondas, Pe⸗ lopidas, Herkules und Bacchus; liegt eben, hat s Stunden in der Laͤnge und 4 in der Breite, ei⸗ nen Erzbiſchof nebſt einem Woywoden und Kadi, viel⸗ leicht 1005 Haͤuſer fuͤr die Tuͤrken, 200 fuͤr die Grie⸗ chen und 70 fuͤr die Juden. Nordwaͤrts von The⸗ beu ſind einige Huͤgel, welche die Ausſicht auf den See unterbrechen. Von der Stadt bis an die Straße nach Negroponte iſt eine Entfernung von 18 Mei⸗ len. Bei meiner Ankunft begab ich mich in die Her⸗ berge, und des andern Tages zu einem Prieſter; kaum hatte der Erzbiſchof meine Anweſenheit vernommen, ſo ließ er mich zu ſich einladen. Ich fand bei ihm den Erzbiſchof von Aeging, welcher Almoſen fuͤr ſeine 90⁰ Kirche ſammelte. Am 217. Sept. reiſten wir nach Athen, etwa s Meilen oſtwaͤrts, dann ſuͤdlich uͤber einige Huͤgel, und endlich uͤber die Gebirge Ozia, welche wegen ihres feinen Marmors beruͤhmt ſind. Auf der Hoͤhe kam ich nach Phyle an einen hohen Felſen gegen die Neigung auf die andere Seite, wo⸗ hin Thraſibulus geflohen iſt, als er von jenen 30 Tyrannen vertrieben wurde, welche er wieder ver⸗ jagte. Auf der Spitze des Berges ſind noch gut er⸗ haltene ſtarke Mauern, wovon man das noch 10 Mei⸗ len entfernte Athen ſehen kann. Im Herabſteigen ſah ich links eine Straße nach einem Kloſter zwiſchen dem Gebirge Panaiea. Sohbald ich Caſſia vor⸗ üͤber gegangen hatte, gelangte ich in die Ebene Athen's, welche vielleicht 3 Stunden lang und zwei breit vom Berge Hymettus auf der Ottſeite bis zu den Bergen gegen Eleuſis iſt. Gegen Nord des durch ſeinen Honig und ſchoͤnen Marmor beruͤhmten Hymettus breitet ſie ſich oſtwaͤrts zur See nach Porto Raſti aus, welches bei dem Vorgebirge Su⸗ nium iſt, und dann gegen Nord nach Marathon ſich zieht, wo Miltiades die Perſer ſchlug. X. Von Athen. Vom Berge Hymettus ziehen ſich gegen Weſt mehrere niedrigere Berge, wovon der naͤchſte an Athen Anchesmus heißt. Die Stadt lag vielleicht eine Meile davon ſuͤd⸗weſtwaͤrts auf einem Huͤgel, 91 welcher ringsum bis auf die Abendſeite ein ſteiler Fels war; er iſt etwa 3 Stadien lang und eine breit. Die⸗ ſer Berg war das alte Acropolis⸗ zuerſt Cecro⸗ pia genannt, an deren nördlichen Seite das jetzige Athen gebaut iſt. Zwei Fluͤſſe durchſtrichen die Ebene, Iliſſus und Eridanusz beide wurden durch Lei⸗ tungen in die Oelgaͤrten und Feider ſehr unbedeutend. Die Stadt liegt ungefaͤhr 2 Meilen vom Meere und wurde vom erſten Koͤnige Cecrops gebaut, deſſen letzter Nachfolger Codrus war; ihm folgten Ar⸗ chonten, welche anfangs lebenslaͤnglich, dann 10, und endlich ein 1 Jahr regierten. Sie wurde von den Perſern, Mazedoniern und Roͤmern ſchon eingenom⸗ men, daher uns die ſpaͤteren Schickſale um ſo weni⸗ ger auffallen koͤnnen. Doch hat ſie noch viele Denk⸗ maͤler der hoͤchſten Bau⸗ und Vildhanerſunſt bis auf unſere Zeiten gehabt. Der Weg nach Akropolis zieht ſich an der Abendſeite durch 8 Thore, ehe man auf die Spitze des Berges kommt; das koſtbare Propylaͤum ſtand ohne Zweifel vor dem dritten Thore. Ein kleiner wiereckiger Thurm ſchien mir entweder ein Stuͤck des Propylaͤum, oder der alte Tempel der Viktorie ohne Fluͤgel geweſen zu ſeyn, welcher nahe bei der Mauer war, von welcher Aegeus, des Theſeus Vater, ſich ſelbſt herab ſtaͤrzte, als er ſeinen Sohn erwartete, und auf das Nichterſcheinen des verabre⸗ 92 deten Zeichens befuͤrchtete, daß er geſtorben ſeyn moͤchte. Parthenion, der Tempel der Minerva, iſt vom Baumeiſter Jetinus unter Perikles errichtet worden, und hat im letzten venetianiſchen Kriege ſchon viel gelitten, indem es zum Pulverhauſe diente, welches eine venetianiſche Bombe zerſprengte. Seit dem war nur noch die Abend⸗Seite ganz, und die Saͤulen nebſt Thuͤr⸗Zierrathen der Morgen⸗Seite zu ſehen. An jedem Ende des Tempels iſt eine doppelte Saͤulen⸗Reihe, wovon die aͤußeren vielleicht aus H a⸗ drianes Zeiten ſtammen, weil ſeine und ſeiner Ger mahlin Sabina Bildſaule ſich daſelbſt befinden. Die Verzierungen ſtellen hiſtoriſche Stuͤcke in Lebens⸗Groͤße vor. Nach Pauſanias war auf der Abend⸗Seite die Geburt der Minerva abgebildet. Ich ſah am Gie⸗ bel eine nackte ſitzende Figur, zwei bekleidete, eine wandernde Frau, alle ohne Koͤpfe, und zwei Koͤrper in der Mitte, eine ſtehende Perſon, den Hadrian ſitzend und ein Frauenzimmer in ſeinen Armen hal⸗ tend, nebſt einer nackten niedergeſunkenen Figur. Die Geſchichte an der Morgen⸗Seite betraf den Streit der Minerva mit Neptun üuber die Benennung der Stadt. Ich ſah daſelbſt einen uͤbrig gebliebenen Pferdskopf, einen ſitzenden nackten Mann, welcher aber umgefallen war, zwei ſitzende Maͤnner, deren Koͤpfe aber abgebrochen, eine fliehende Frau ohne Kopf. Der mittlere Theil war ganz verwuͤſtet, und 93³ auf der andern Seite waren nur noch die zerbrochenen Bilder uͤbrig. Im dem Frieſe zwiſchen den Dreiſchli⸗ tzen ſind rund umher koſtbare Bilder von erhabener Arbeit, welche Gefechte mit Centauren, Loͤwen und viele Leute zu Pferd vorſtellen; und rund um den Tempel auswaͤrts an den Mauern ſind ſehr ſchoͤne halb erhabene Stuͤcke in dem Frieſe, welcher 3 Fuß 4 Zoll hoch iſt. Kaum 60 Schritte von der noͤrdlichen Seite des Tempels der Minerva iſt der Tempel Ere ch⸗ theion, welcher nach Pauſanias ein doppelter war, wovon aber nur ein Theil noch uͤbrig iſt. Am Fuße des Berges gegen Suͤd⸗Weſt ſind noch einige Ueberbleibſel des Theaters von Baechus aus großen gehauenen Steinen. Gegen die ſuͤd⸗weſtliche Ecke des Berges iſt eine Grotte, worin Apollo ſeine Liebe mit der Creuſa, der Dochter des Erechtheus gepflogen haben ſoll; allein dieſe ſo geheiligte Staͤtte mag eher die Grotte von Niobe oder Ninive ge⸗ weſen ſeyn. Weiter gegen Morgen an der ſuͤd⸗oͤſtli⸗ chen Ecke des Berges iſt die ſogenannteé Laterne des Demoſthenes, welches zirkelfoͤrmige Gebaͤude aber eher ein Tempel des Herkules war. Es iſt mit 6 korinthiſchen geſtreiften Saͤulen umgeben, zwiſchen welchen in halb erhabener Arbeit zwei Dreifuße ge⸗ hauen ſind. Leider iſt das Kapuziner⸗Kloſter um den groͤßten Theil deſſelben gebaut. Gegen Suͤd⸗Weſt von Akropolis iſt der Berg Areopag, dem Tempel des Theſeus gegen Mittag; er hat ſeine Benennung von dem gerichtlichen Verhoͤre des Mars uͤber die Ermordung des Halirrhofius. Auf dieſem Platze ſoll Paulus den Athenienſeru die Erkenntniß Gottes gelehrt haben. Gegenuͤber des Areopags und gegen Mittag des Schauplatzes von Baechus liegt der hohe Berg, welcher ſeinen Namen von dem Aufenthalte und Be⸗ graͤbniſſe des Dichters Muſaͤus entlehnt hat. Die⸗ ſer Ort wurde durch Demetrius ſehr befeſtigt. Auf der Spitze deſſelben ſind Spuren eines praͤchtigen Denkmales aus weißem Marmor, woraus man auf die hohe Vollkommenheit der Bau⸗ und Bildhauer⸗ Kunſt zu Athen ſchließen kann. eiter gegen Mor⸗ gen iſt auf der Ebene ein Springbrunnen, und noch weiter das praͤchtige Thor zur Hadriau's⸗Stadt, wel⸗ welches einem Triumph⸗Bogen gleicht. Das Thor hat eine Fronte gegen Abend und eine gegen Mor⸗ gen, und iſt in korinthiſcher Ordnung praͤchtig gebaut. Dieſe kleine Stadt iſt nur ein Theil Athens, vom Rathe und Volke nur zur Ehre Hadrians ſo genannt, beſtand wahrſcheinlich nur aus wenigen oͤffentlichen Gebaͤuden, welche er gebaut hat, und wurde von ei⸗ ner mit gewoͤlbten Bogen verfehenen Mauer umgeben. Jetzt iſt nichts mehr zu ſehen, als einige ſehr praͤch⸗ tige ausgekehlte korinthiſche Saͤulen, an der Zahl 11 von 6 Fuß im Durchſchnitte, deren Schaft aus 16 Steinen beſteht, wovon jeder faſt 3 Fuß hoch iſt. Nach 95 der Weite mußten s Reihen geſtanden ſeyn, in deren jeder ungeſaͤhr 20 Saͤulen, alſo 120 geſtanden ſind. Pauſanias erzaͤhlt, 120 Saͤulen aus phrygiſchem Marmor ſeyen in dem Dempel geſtanden, welcher zur Ehre des Jupiter Panellenius, der Juno und aller Goͤtter erbaut wurde. Das große Thor mag, weil es nicht parallel mit den Saͤulen ſteht, nicht zu dieſem Gebaͤude gehoͤrt haben; vielleicht fuͤhrte es zur Bibliothek und zum Gymnaſium dieſes Tempels, in welchem 100 Saͤulen aus lybiſchem Marmor ſich be⸗ fanden. Gegen Mittag dieſes Theiles der Stadt, nicht weit vom Bette des Iliſſus, iſt ein ſtehendes Waſ⸗ ſer, und auf der andern Seite ſind noch Ueberbleibſel des faſt vollſtaͤndigen Tempels der Ceres Chloe aus ſehr weißem Marmor. Der Eingang iſt gegen Abend; die Fronte mag 4 Saͤulen vor dem bedeckten Gange gehabt haben. Der Unterſatz iſt horizontal ge⸗ ſtreift, und der Saͤulen⸗Kuß um den Tempel und in dem bedeckten Gauge fortgeſetzt. Der Tempel iſt in eine griechiſche Kirche verwandelt worden, wird aber nicht mehr dazu benutzt. Gegen Nord fuͤhrt eine Bruͤcke von 4 Schwibbogen uͤber den Iliſſus zu einem ehemaligen Nonnen⸗Kloſter, und zum Cyrkus am Fuße des Berges Hymettus, etwa 1/2 Meile von der Stadt, welcher 270 Schritte lang und 62 dreit war. 96 4 Was man den Tempel der Winde nennt, iſt ein achteckiges und frei ſtehendes Gebaͤude aus ſehr wei⸗ ßem Marmor, welches die Alten den achteckigen Thurm der Winde nannten, und der von Androni⸗ kus Cyrrheſtes erbaut wurde. Oben ſtand ein Triton, welcher ſich drehte, und durch einen Stab den Wind anzeigte. 83 Innerhalb der jetzigen Stadt ſind Ueberbleibſel ei⸗ nes Portiko von vier doriſchen Saͤulen, welche einen Giebel tragen, und gewoͤhnlich der Tempel Auguſts genannt werden. In deſſen Naͤhe ſteht auf einem langen Steine, welcher vielleicht zur Einfaſſung der Thuͤre gedient hat, das beruͤhmte Geſetz Hadrians, welches den Zoll beſtimmt, der von dem Oele zu Athen entrichtet werden mußte. Das praͤchtigſte Denk⸗ mal der Baukunſt ſind die Ueberbleibſel des ſogenann⸗ ten Tempels Jupiter Olimpius, welcher von Deu⸗ calion erbaut, von Hadrian ſehr verbeſſert wurde. Er hatte 500 geometriſche Schritte im Umfange. Die drei neben einander ſiehenden Saͤulen ſind ausgekehlt. Der untere Theil deſſelben, welcher mit Moos ganz bedeckt iſt, beſteht aus einem einzigen Steine, wie der obere; beide ſind hoͤchſt kuͤnſtlich zuſammen gefuͤgt. Die andern ganz glatten Pfeiler beſtehen aus einem einzigen Steine. Der Tempel des Theſeus im Geſchmacke jenes der Minerva befindet ſich an der aͤußern Seite der 97 aͤußern Seite der Stadt, und liegt gegen Nord⸗Weſt von Aeropolis und dem Areopag gegen Nord; zwei Stufen ziehen ſich um das ganze Gebaͤude. Die Pfei⸗ ler im Portiko oder Pronaos gegen Abend ſind 4 Zoll hoͤher als die andern; auch gegen Morgen war ein ſo bedeckter Gang. Ich glaube, die Griechen zerſtoͤr⸗ ten den oͤſtlichen Theil, um den Halbzirkel fuͤr den Altar zu erhalten. In der Fronte ſind zwiſchen den Dreiſchlitzen einige Vorſtellungen von Zweikaͤmofen in erhabener Arbeit, wodurch die Thaten Theſeus verſinnlicht werden. Von der Ecke jeder Seite an ſind vier ſolche ausgehauene Bilder, inwendig an der Fronte feine Bildhauer⸗Arbeit am Architrave, welcher von der Fronte des bedeckten Ganges zu den Seiten⸗ Saͤulen fortgeſetzt iſt. Gegen Abend ſind die Gefechte der Centauren und Lapithen, gegen Morgen fechtende und ſitzende Perſonen, alles im ſchoͤnſten Geſchmacke und vortrefflich ausgearbeitet. 11 Der Hafen Pyraͤus lag gegen Abend des klei⸗ nen Vorgebirges, Phalerus und Munychia ge⸗ gen Morgen deſſelben. Erſterer wird wegen ſeines engen Einganges und der Verſchloſſenheit am meiſten benutzt, er wurde von den Italiern Porto Leone, von den Griechen Porto Drago wegen des Loͤwen⸗ Bildes genannt, welches jetzt am Zeughauſe zu Ve⸗ nedig prangt. 31tes B. Griechenland. II. 4. 7 98 Da ich an den engliſchen Konful zu Athen ein Empfehlungs⸗Schreiben hatte, ſo nahm er mich in ſein Haus auf, und fuͤhrte mich zum Woywoden, welchem ich ein ſchoͤnes Geſchenk machte. Kaum hatt ich ihm meinen Firman gezeigt, ſo erklaͤrte er ſeine Bereitwilligkeit zur Erfuͤllung des Willens des Groß⸗ herrn, weßwegen ich alles mit der groͤßten Ungebun⸗ denheit ſehen und unterſuchen konnte. XI. Von Eleuſis, Megara und dem korin⸗ thiſchen Iſthmus. Am 4. Oktober brachen wir von Leſſina auf und folgten dem ſogenannten heil. Wege, weil die Prozeſſion zum Tempel der Ceres und Proſer⸗ pina fuͤhrt. Etwa eine Meile von Athen gelang⸗ ten wir zu einem großen Kloſter, und dann zu einem andern Gebaͤude. In einer halben Stunde erreichten wir Truͤmmer eines kleinen Tempels, welcher nach Pauſanias der Ceres, Proſerpina, Mi⸗ nerva und dem Apoll gehoͤrt haben mag. Wir zogen nahe an der See uͤber eine im Felſen gehauene Straße in eine Ebene mit einer Salz⸗Quelle. Gegen Nord⸗Oſt lag auf dem boͤbtiſchen Wege Platea, oo die Arnee des Perres vom Pauſanias geſchla⸗ gen wurde. Als ich mich dem Meerbuſen naͤherte, bemerkte ich ſowohl an der See, als rechts einige 99 zerbrochene Pfeiler. Vielleicht ſind dieſe noch Ueber⸗ bleibſel von Erineon, wo Pluto die Proſerpina in die Unterwelt entfuͤhrte. Wir zogen dann gegen Suͤd in die Ebene von Eleuſis, welche eine Stunde etwa im Durchmeſſer hat. Ein langer Huͤgel theilt die Ebene, zieht ſich nach Oſt faſt eine Meile weit von der See, und naͤhert ſich ihr wieder ſuͤdwaͤrts. Am oͤſtlichen Ende dieſes Huͤgels war das alte Eleuſis. Eine Meile von demſelben nahm ich gegen Morgen Truͤmmer eines kleinen Tempels wahr. Auf der Ebene befinden ſich unweit des noͤrdlichen Fußes des Huͤgels manche Stuͤcke von Steinen und Pfeilern, welche vielleicht noch vom Tempel der Diana Pro⸗ pylaͤg ſtammen, welcher vor dem Studtthore⸗ ge⸗ weſen iſt. Auf einer Anhoͤhe des noͤrdlichen Fußes des Huͤ⸗ gels liegen einige unvollkommene Truͤmmer von Saͤulen und Saͤulen⸗Gebaͤlken, welche vielleicht von einem Tempel der Proſerpina und Diana ſtammen. Gegen Abend ſind die Grund⸗Mauern eines Stadt⸗ Thores von grauem Marmor zu ſehen. Nicht weit davon iſt ein ſchoͤnes Stuͤck eines Bildes von einem Schafe mit einem Felle, welches auf dem Ruͤcken von einander getheilt iſt, und der Ceres geopfert wird. Bei deren Tempel nahm ich den oberen Theil einer Bildſaͤule wahr, deren Schultern 612 Fuß breit war. 100 An dem Kopfe iſt eine runde Verzierung, deren Mitte mit Eichenlaub verbraͤmt iſt; aber das Geſicht iſt ſehr verdorben. Der Flecken Leſſina hat nur wenige griechiſche Einwohner. Eleuſis und Athen ſind gleich weit von Me⸗ gara entfernt, wovon wir uns auf der Abend⸗Seite des langen Gebirges begaben. Auf der Suͤd⸗Seite naͤherten wir uns einer nicht guten Quelle, welche fuͤr den Brunnen Anthenon's gehalten wird, bei welchem Ceres aus Ermuͤdung ſich ſetzte, als ſie Proſerpina aufſuchte. Jenſeits der Huͤgel gegen Abend zieht ſich die megariſche Ebene auf 3 Stunden gegen Weſt. Auf der Suͤdſeite hat ſie bis auf die Haͤlfte des Weges die ſogenannten Berge Niſus, an deren oͤſtlichem Ende Megara gelegen iſt, theils auf einem Huͤgel, thei's auf einer Ebene gegen Oſt, wo Ueber⸗ bleibſel zweier Thore aus grauem Marmor ſind, an welchen eine Inſchrift ſich uͤber die oͤffentlichen Spiele verbreitet. Der ganze Meerbuſen zwiſchen Morea und Attika heißt der Engiſche, von der alten Inſel Eugia oder Aegina. Die Inſel Colouri, das alte Salamis, zieht ſich vom Vorgerirge gegen den atheniſchen Hafen nach dem alten Minoa ſuͤdwaͤrts Megara. Aiax war daſelbſt Koͤnig, und ſendete ſeine Truppen nebſt 12 Schiffen zur Belagerung von Troja. Eine Stunde gegen Nord von Megara 101 befinden ſich mehrere alte Kirchen. Daſelbſt war ge⸗ boren und lebte Euklid; deßwegen hiehen ſeine Schuͤler auch Meggariker. Am 8. Oktober begaben wir uns von Megara uͤber die hohen Berge gegen Suͤd, ſahen gegen Abend den ehemals korinthiſchen Meerbuſen Lepanto, und hatten uns folglich dem Iſthmus in Achaia ge⸗ naͤhert. Jener kleine Meerbuſen bildet ſich durch ein Vorgebirge, welches ſich vom oͤſtlichen Ende des Golfs, auf deſſen fuͤdlicher Seite der Hafen Argilio iſt, gegen Abend ausdehnt. Auf der andern Seite des Iſihmus lag Cromyon. In dieſer Umgebung wa⸗ ren die Felſen, von welchen der beruͤhmte Raͤuber Sciron die Wanderer uͤberſiel, oder mit Steinen warf. Theſeus nahm ihn gefangen und warf ihn in das Meer. Die Dichter ließen die Knochen dieſes Naͤubers in Felſen verwandeln. Gegen Morgen ka⸗ men wir am Gipfel der Berge zu einem engen Paſſe, wo vielleicht Seiron die Wanderer uͤberfiel. Wir umgingen die Berge, naͤherten uns einem Bache und dann einem ſchoͤnen Springbrunnen auf einem Huͤ⸗ gel mit drei gefuͤllten Waſſerbecken, bis wir an den Iſthmus hinab kamen. Man findet Spuren eines quer durchgegrabenen Kanales, deſſen Unternehmung Alexander, Pitias, Demetrius, Caͤſar, Caligula, Nerxro und Herodes von Athen wag⸗ 102 aber nicht vollenden konnten. In der Mitte dieſer Erdenge weiter gegen Nord zieht ſich von Oſt her ein Bach, und gegen Suͤd deſſelben iſt das Ufer ſehr hoch und ſteil. Hier ündet man noch Ueberbleibſel der Mauer, welche der griechiſche Kaiſer Emanuel 1413 quer durch den Iſthmus fuͤhrte. Zwar wurde ſie von K. Amurath II. 1424 zerſtoͤrt, aber 1463 von den Venetianern wieder aufgefuͤhrt. Vielleicht erſtreckte ſie ſich bis zum Hafen Cenchrea. Der jetzige Hafen von Korinth am weſtlichen Golf, Le⸗ chaͤum genannt, iſt ſehr weit von der Stadt entfernt. Ehemals wurde dieſe Landſchaft nach ihrer Breite von ſechs griechiſchen Meilen, welche ſehr kurz ſind, Exg⸗ milia genannt, welche Bezeichnung jetzt einem Flek ken gegen Suͤd⸗Oſt zukommt. Auf dem Wege nach Korinth war ein Tempel N eptun's; auch ſoll das Theater und Stadium aus weißen Steinen an dem Wege geweſen ſeyn. Dieſer zog ſich zum Theile uͤber den Berg Oenius, welcher wegen der Tempel von Bacchus, Pluto, Diana und anderen der Tempel⸗Berg genennt wurde. Man hatte auch da⸗ ſelbſt einen Wald von Fichten, mit welchen die Sie⸗ ger in den iſthmiſchen Spielen gekroͤnt wurden, wel⸗ che alle 5 Jahre(Luſtrum) gehalten wurden, und von Theſeus zur Ehre des Palaͤmon oder Portu⸗ nus eingefuͤhrt waren. 103 XII. Von Morea uͤberhanpt, und von Ko⸗ riuth beſonders. Die erſte Benennung von Morea war Argos, die zweite Apia, von Apis dem dritten Koͤnige der Archiver; die dritte Peloponnes, von Pelops einem phrygiſchen Koͤnige; die vierte erſt Morea wegen der Aehnlichkeit mit einem Maulbeer⸗Blatte. Bei der Umſchiffung ſeiner Meerbuſen zaͤhlt man 600 Meilen fuͤr ihren Umfang, 120 fuͤr die Laͤnge, 10o fuͤr die Breite. Morea iſt zwar bergicht, deſſen ungeachtet aber an der See und in den Thaͤlern ſehr fruchtbar an Korn, Oel und Seide; ſie wird von einem Paſcha regiert. Ueber ein ſteiles Ufer zieht ſich ein Weg von dem unteren Theile des Iſthmus zu einer groͤßern Anhoͤhe, auf welcher Korinth, noch weiter weſt⸗ waͤrts Akro⸗Korinth ſich befindet, wo das Schloß ſtand. Korinth, einſt Ephyra, erbaut von Si⸗ ſyphus, dem Sohne des Aeolus, wurde von den Roͤmern in dem agaiſchen Kriege zerſtoͤrt, von Julius Caͤſar wieder hergeſtellt und zu einer Pflanz⸗ ſtadt erhoben. Gegen den Hafen Lechaͤum finden ſich noch Spuren alter Mauern. Die alte Stadt ſcheint ſich mehr gegen Abend ausgedehnt zu haben. Gegen Nord ſind noch einige Truͤmmer von Mauern; 104 auf der ſuͤd⸗weſtlichen Ecke der Stadt beſinden ſich noch zwoͤlf ausgekehlte doriſche Saͤulen von s Fuß im Durchmeſſer, ruhen auf einem viereckigen Fuß⸗ Geſtelle, und ſcheinen aͤlter als je von Athen zu ſeyn. Gegen Mittag ſieht man 1, gegen Abend 5 Saͤulen. Die jetzige Stadt iſt klein und ſieht einem Dorfe aͤhnlich; deſſen ungeachtet wird Getreid und Oel ausgefuͤhrt. Das Schloß Akro⸗Korinth iſt ſo befeſtigt, daß es einer vier monatlichen Belagerung des ganzen tuͤrkiſchen Heeres trotzen konnte. In dem⸗ ſelben befindet ſich der den Muſen geheiligte Brunnen Pirene, bei welchem der Pegaſus waͤhrend des Trin kens von Bellerophon genommen wurde. Daraus mag ſich erklaͤren, daß die Kehrſeite der korinthiſchen Muͤnzen bald den Pegaſus, bald den auf ihm rei⸗ tenden Bellerophon vorſtellt. XIII. Vom Meerbuſen Lepanto und Patras. Der Meerbuſen von Korinth wurde ehemals der Lepantiſche genannt, iſt hoͤchſtens 4 Stunden breit und 100 lang. Die Strecke von Korinth bis zur Feſtung Morea mag 22 Stunden betragen. Auf der noͤrdlichen Seite des Buſens waren die Laͤnder Phocis, Loeris, Ozolaͤ und Aetolien. An⸗ ſilio iſt gegen Oſt der erſte Hafen, liegt dem Vor⸗ 8 105 gebirge gegen Suͤd, welches ſich gegen Weſt von dem Iſthmus erſtreckt. Laͤngs Phocis ziehen ſich drei große Berge bis an die See. Jener gegen Mor⸗ gen heißt Livadoſtro; der gegen Abend Zogara, und iſt der alte Helikon ſuͤdwaͤrts von Livadia; der dritte iſt der Berg Japora gegen Nord von Sa⸗ lona, und wird der Berg des Parnaſſes genennt. Korinth liegt 8 Stunden von Argos, wie von Napoli di Romania, welches Nauplia oder der Hafen von Argos geweſen iſt. Am 9. Okktober verfuͤgten wir uns von Korinth nach Patras, welches zuerſt Aroe, dann Patra genannt wurde, bis es unter Auguſt Colonia Au⸗ guſta Aroe Patrenſis auf Muͤnzen bezeichnet wurde; auf deren Kehrſeite pfluͤgt ein Mann mit einem Joche Ochſen. Der zweite Name Pakras wurde abgelei⸗ tet von Pater, dem Sohne des Preugenes. K. Auguſtus beförderte viele, welche ihm zum Etrin⸗ gen des Sieges von Aetium dienten, nach Patra. Daſelbſt waren viele Tempel, und nicht weit davon iſt einer, welcher der Diana Trielaſia geweiht war. Dieſer wurde alle Jahre eine junge Manns⸗ und Weibsperſon geopfert, damit das Verbrechen zweier jungen Leute wieder verſoͤhnt wurde, welche ſich wider den Willen ihrer Aeltern zu Zeit der Diana verehelichten. Die Stadt am Fuße des Schloßberges * Umfange. Man findet Syuren von einem Cirkus und von zwei Waſſer⸗Leitungen quer uͤber dem Bette eines Stromes; die noch ſtehende hat zwei Reihen Bogen uͤber einander. Nicht weit vom Meere befindet ſich ein großes Kloſter ohne Moͤnche, wo der Leib des b. Andreas in einem ſteinernen Sarge liegen ſoll. Der daſige Erzbiſchof hat 12 Pfarrkirchen nebſt 4 an⸗ dern; zu jeder derſelben gehoͤren so chriſtliche Fami⸗ lien, tuͤrkiſche gibt es 250, welche ſo ſchlecht ſind, ſich auf 10 Familien. Die Luft im Sommer iſt hier, wie dort, ſehr ungeſund, weßwegen ſelbſt die Arbei⸗ ter nur im Winter zu haben ſind. Das ſchlechte Oli⸗ ven⸗Oel wird von Tuchmachern in Frankreich benutzt. Seide, Tabak und Korn wird auch ausgefuͤhrt, unge⸗ achtet letzteres verboten iſt. Viele Gaͤrten bringen Pomeranzen, Limonen und Zitronen; in der Stadt ſind auch viele Kauflaͤden, weswegen der engliſche General⸗Konſul daſelbſt wohnt, waͤhrend der franzoͤ⸗ ſiſche ſich mit einem Vize⸗Konſul daſelbſt begnuͤgt, Oeſterreich) und Holland haben ihre Konſuls. Pa⸗ 106 iſt nahe am Meere, und hat mehr als eine Meile im wie jene in Morea. Die Zahl der Juden beſchraͤnkt und in Modon ſich aufhaͤlt. Auch Venedig(jetzt tras ſoll 20 Stunden von Cephalonia, 30 von Zante und 40 von Korfu entfernt ſevn. In Morea gibt es Woͤlfe, Schakale und Luchſe auf den Gebirgen. Man zaͤhlt 100,000 Chriſten, welche 107 ziemlich freien Handel genießen. Ein Theil von Morea wird Maina genennt, daher die Benennung der Mai⸗ notten, welche in einem unzugaͤnglichen Gebirge, dem alten Taygetus wohnen, wo ſie immer ihre Frei⸗ beit behauptet haben. Sie ſind in die obern und un⸗ tern Mainotten vertheilt, welche ihr Oberhaupt ha⸗ ben und einander oͤfters bekriegen; bisweilen erregt auch ein Praͤtendent einen Buͤrger⸗Krieg⸗ Das obere Maina hat gegen Abend den Fluß Surotas; deſ⸗ ſen Einwohner ſind noch ſehr wild, weil ſie mit an⸗ dern wenig Verkehr haben. Das untere Maina er⸗ ſtreckt ſich bis Coron, und deſſen Bewohner ſind um ſo geſitteter, je naͤher ſie an Kalamita wohnen. Außer Holz haben ſie nur Eicheln mit Kaͤppchen jum Ausfuͤhren nach Italien. Man reiſet unter ihnen nur dann ſicher, wenn man an die Kapitaͤns addreſſitt iſt. XIV. Von der Inſel Cepbalonia. Am 20. Oktober ſegelte ich von Patras nach Meſſina in Sizilien zuruͤck, auf welcher Fahrt ich durch widrige Winde genoͤthigt wurde, in den Hafen Argoſtoli auf der ſuͤdlichen Seite von Ce⸗ phalonien einzufahren. Dieſes Samos oder Same des unſterblichen Dichters Homer hat etwa 170 Meilen im Umfange, und mag 3—4 Stunden nordwaͤrts von Zaute liegen. Der h. Anton fing 108 nach der Ruͤckkehr aus ſeinem Elende die Erbauung einer Stadt daſelbſt an, wurde aber vor deren Vol⸗ lendung abgerufen. Marcus Fulvius nahm dieſe Fiſer nach der Beſtegung der Aetolier ein, und Sa⸗ e wurde 4 Monate belagert. Cephalonien wurde nar⸗ von den Venetianern unterjocht, 1479 von den Tuͤrken erobert, und 1499 von den erſteren wieder genommen. Die Inſel hat etwa so Doͤrfer, Same lag an der oͤſtlichen Seite, und wurde von den Roͤ⸗ mern zerſtoͤrt, worauf erſt Cephalonia gebaut wurde. Gegen Nord iſt der geringere Hafen Fis⸗ cardo, gegen Suͤd der beſte Argoſtoli, wovon auch eine Stadt gleiches Namens ſich findet. Die alte Stadt Cranium lag in dieſer Gegend; gegen Nord befindet ſich ein Kaſtell auf dem hohen Berge Gargaſſo, wo einige Ueberbleibſel des Tempels von Jupiter zu ſehen ſind. An der nord⸗weſtlichen Ecke des Hafens liegt die Stadt Lixgiri; gegen Weſt iſt der Hafen Valle de Aleſſandro. Dieſe Inſel wird, wie Zante, durch 3 venetianiſche Edelleute, ei⸗ nen Broveditore und zwei Naͤthe, mit Stimme bei Anhoͤrung der Rechts⸗Haͤndel, verwaltet. Die Grie⸗ chen laſſen durch einige Syndike ihre alten Geſetze aufrecht erhalten. Man zaͤhlt noch nach dem alten Kalender auf der ganzen Inſel. Zu Argoſtoli ſind zwei, im Kaſtelle eine roͤmiſche Kirche; in der Stadt zwei roͤmiſche Kloͤſter. Der Biſchof iſt Weihbiſchof 109 des Erzbiſchofes von Korfu, und wohnt zu Zante. In allen Theilen der Inſel finden ſich Griechen. Un⸗ geachtet Cephalonia ſehr bergig und felſig iſt, ſo hat doch die fortſchreitende Kultur mit der Bevoͤl⸗ kerung immer gleichen Schritt gehalten; beſonders in Wein⸗ und Korinthen⸗Gaͤrten. Dieſe wachſen faſt wie die Weinreben, und die Fruͤchte, wie die Trau⸗ ben, und werden ſehr zahlreich ausgefuͤhrt; aus ihnen wird der vortreffliche korinthiſche Wein bereitet, wo⸗ von nur eine groͤßere Quantitaͤt zu haben ſeyn ſollte. Die beſten und kleinſten Korinthen findet man in Zante, doch auch einige um Patras und den ganzen Meerbuſen. Leider iſt dieſe Inſel durch die Wuth der Partheien von Metakſas, Anino, Co⸗ riphani und anderer Familien ſehr zerfleiſcht worden. 02 Verbeſſerungen. Zum 11. Baͤndchen. Seite 109 Zeile 23 leſe Chonos 202— 22— hatte 8 — — — 27— Klazomene — 1— Stadt war — 3— Canoupli — 15— Epaminondas — 8— Briheſſus 8— verwandelt — 417— Eurus — 1— Oedipus Mardonius S. 260 Z. 2 — 305— 13 — 308— 28 — 318— 26 — 349— 26 — 324— 2 — 346— 16 — 361— 19 — 363— 16 — 366— 18 Verbeſſerungen. Zum 29. Baͤndchen. leſe Vaſilispotamos — des h. Elias — haſſen — Stadt — die — deſſelben — geweſen — ſchließen — Art