——— iinnsſanniſſiſinniſſnnnnſſinſirnniininnnnniieiniinininſniinn ſiſiſinſeiiſiniiimſſiniſiſinſiiinſin winnmiſninnſiüſſiinimimſiiimmmmmſdinſinnmhliiiiiiiinſiſſiiſinnſſiiſiſſiiiiiniiſie ſiitiiiiiiiiiiilniſi iniiiiniitit üdüiäifjsſiiinniiiſiniiii L nnmſſſiſſſiiiſſiſiſinſinniſſſiſimnſiiiniininſſſſſiiſſinnin M fRanecnannemamaaſanmn ͤooopopopopxvpvoc[c·˖ꝰZ RzumRRRRRmRRRm Maanangnam ſiſiſſiie 11 1nnemm üiii ii i E- a 2 2 r 1 — 2„ 7 aten deo„choſäle noite —— Taſchen⸗Bibliothek * de. wichtigſten und entereſſanteſten See⸗ und Land⸗Reiſen, von der Erfindung der Buchdruckerkunſt bis auf unſere Zeiten. Mit Landkarten, Planen, Portraits und anderen bbildungen. VBerfaßt von Mehren, und herausgegeben von Joachim Heinrich Jaͤck, Koͤnigl. Bibliothekar zu Bamberg. 29. Baͤndchen. Mit einem Kupfer. I. Theil. 3. Bändchen von Griechenland. Nürnberg. Verlegt von Haubenſtricker und von Ebner. 18 28. Taſchen⸗Bibliothek der wichtigſten und intereſſanteſten Reiſen durch Griechenland. Mit Landkarten, Planen, Portraits und anderen Abbildungen. VBerfaßt von Mehren und herausgegeben von Joachim Heinrich Jaͤck, Koͤnigl. Bibliothekar zu Bamberg. 7 I. Theil. 3. Bändchen. IV. Cornelli's*⁴) Bericht über die Eroberungen der Republik Venedig, in Morea, Negerponte und deren Umgebun⸗ gen. Aus dem Jtalidniſchen in gedraͤngter Kürze mitgetheilt vom Sprachenlehrer Feuſt zu Bamberg**). — Die Halbinſel Morea, von allen Seiten vom Meere umgeben, haͤngt bloß gegen Nord durch die Erdenge⸗ —— *) Vincen;z Coronelli, geb. zu Venedig, geſt. . Dez. 4718 daſ., widmete ſich in ſeiner Jugend dem Tiſchler⸗Handwerke, wurde Franziskaner, im 23. Jahre ſeines Alters Doctoör der Theo⸗ logie, dann Sekretaͤr und Provinzia⸗Aſſiſtent D. Antons, bald Provinzial von Ungarn, 1686. Kosmogra hder Republik Venedig, nach vier⸗ Jahren oͤffentlicher Lehrer der Weltbeſchreibung gegen die jaͤhrliche Erkenntlichkeit von 200 Du⸗ katen„1702 Ordens⸗General. Er errichtete zu 246 von Korinth wit dem feſten Lande von Achaja zue ſammen. In der Geſchichte kommt dieſer koͤſtliche — 8 Venedig eine kosmographiſche Akademie, welche den Namen der Argonauten annahm, und begab ſich einige Zeit nach Paris zur Fertigung der zwei ungeheuren Globen, welche der Kardinal d'Eſtrées fuͤr den Koͤnig Ludwig XIV. an⸗ Lemrdiee hatte, welche noch in der National⸗ iblisthek durch ꝛwei Stockwerke ſich ausbreiten, und nur durch beſondere Hacken mehrer Diener in Bewegung geſetzt werden koͤnnen.(S. Jaͤcks Reiſe nach Paris. Weimar 1822. 8. Seite 72.) Dieſe zwei Globen gab er dann in 430 kleinen Karten heraus. Nebſt dem hat er noch mehr als 400 Karten und 137 Schriften herausgegeben. Von dieſen iſt die merkwuͤrdigſte: Bibliotheca universale, in 45 Baͤnden, wovon aber nur 8 erſchienen, mit 14 Baͤnden Kupferſtiche. Dann folgt: Theatrum belli, in 24 B., deren jeder 130 Kupfer hat; Atlas Venetus, in 13 B.; lter Anglicanum; Galendarium hist. regis Angliae Guilelmi; Dux peregrinorum per urbem Ve motiam; Peloponnesi descriptio; Epitome cos- mogr.; Bergom. ecclesiae rerum ac temporum synopsis, im Thes. antiq. et hist. Italiae. Abt Hyagcinth Grimma verzeichnete alle ſeine ſchriften, welche meiſtens mehre Auflagen ei⸗ hielten.(Jaͤck.) * 2 — nella Dalmozia, Epiro e Moreo, durante la uerra intrapresa contra Meemet 1Y., Imper. e' Turchi, negli anni primi del Principato Marc. Ant. Giustiniani, Serenissimo Doge di Conquiste della ser. Republica di Venezia 247 Theil Griechenlands auch unter den verſchiedenen Be⸗ nennungen Argos, Apia und Peloponnes vor. Der Name Morea iſtt indeſſen in unſern Zeiten vorherrſchend*). Die Halbinſel liegt zwiſchen 360—38o noͤrdl. Br. und 380—520(2) öſtl. L., vom Meridian uͤber Ferro an gerechnet. Ihren Umkreis geben einige Schriftſteller auf 363(ital.) Meilen anz andere geben ihm eine Ausdehnung von 550—600 M. Die groͤßte Laͤnge Mo⸗ rea's, vom Kapo Chilli bis Caſtel Torneſe⸗ ſchaͤzt Sagredo auf 417s, und die groͤßte Breite von Korinth bis Kap Matapan, auf 150 M. Ueber die aͤltere Eintheilung dieſes Landes ſind die Meinun⸗ gen der Schriftſteller ſehr verſchieden, gegenwaͤrtig wird es indeſſen nach den beruͤhmteſten Geographen in folgende 4 Provinzen eingetheilt. Venezia, ec. Coll' aggiunta delle Fortezze di Kmin e Gastel-Nuove, descritte nel labo- ratorio del P. M. Cornelli, Cosmografo pu- blico.— In dieſem Werke und deſſen Auszuge werden nur italiſche Meilen gerechnet. *) Die Benennung Morea ſoll nach Einigen ih⸗ ren Urſprnag in dem lateiniſchen Worte Morus haben, weil dieſe Halbinſel die Geſtalt eines Maulbeer⸗Blattes hat. Andere wollen darin die verſetzten Buchſtaben des Wortes Nomeg, Land der Quaſi⸗Roͤmer, finden. Konſtantinopel wurde zur Zeit des oſt roͤmiſchen Kaiſerthums Neu⸗Rom genannt. 1 248 1) Das Herzogthum Chiarenza oder Cla⸗ renza(das ehemalige eigentliche Achaja, Siei⸗ yonien und Korinth umfaſſend) wird noͤrdlich durch den Meerbuſen von Lepanto, ſuͤdlich durch die Provinz Belvedere begraͤnzt. Der Korbon (Alpheus), in den ſich 140 andere Gewaͤſſer er⸗ gießen, und deſſen Waſſer die Flechte heilen ſoll, iſt der Hauptfluß der Provinz. Außer der Hauptſtadt Patras ſind noch Clarenza, Eaminza, Caſtel Torneſe in dem Herzogthum bemerkenswerth. Die beruͤhmteſten Vorgebirge ſind: Kapo Rio, Kapo da Bordone, oder Chiarenza, und Kapo Dorneſe, das mittaͤglichſte. 3 2) Belvedere(Elis und Meſſenien) wird noͤrdlich durch den Karbon von Chiarenza ge⸗ trennt, graͤnzt ſuͤdlich an den Meerbuſen von Coron, oͤſtlich an die Provinz Braccio di Maina, und weſtlich an die Meerbuſen von Arkadien und Zon⸗ chio. Unter den vielen Staͤdten und Ortſchaften ſind vorzuͤglich Modon, Koron, Zaranata und Na⸗ varin merkwuͤrdig. Vorzuͤglichſte Vorgebirge in die⸗ ſer Provinz ſind: Kapo Jardan, das noͤrdblichſte, dann Kapo Zonchio, Kapo Sapienza und Kapo Gallo. 3) Saccania oder Romania minore(das Argolis der Alten), wird noͤrdlich durch die Meer⸗ buſen von Lepanto und Engia, und den Iſth⸗ mus, ſuͤdlich durch Braccio di Maina und den 249 Meerbuſen von Napoli, weſtlich durch das Herzog⸗ thum Chiarenza und Zakonia begraͤnzt. Die Hauptſtaͤdte Napoli di Romania, Argos und Korinth ſind beruͤhmt. Dieſe Provinz hat nur ein Vorgebirg: Kapo Schili, das aber vorgüglich be⸗ ruͤhmt iſt. 4) Zakonia(Laconia der Alten) zder Brae⸗ eio di Maina, die groͤßte und ſuͤdlichſte unter den 4 Provinzen, erdehnt ſich bis an das Meer, wird ſuͤd⸗ lich durch den Meerbuſen von Calamata und Co⸗ lochina, oͤſtlich durch den Meerbuſen von Napoli di Romania beſpuͤhlt. Gegen Weſt graͤnzt ſie an Belvedere und an das Herzogthum Chiarenza. Sie iſt voll von Felſen, Abgruͤnden und unterirdiſchen Hoͤhlen; daher auch haͤufigen Erdbeben unterworfen. Am zahlreichſten ſind die Hoͤhlen bei dem Berge Tai⸗ gete, in jenem Theile von Miſitra, welcher Vou⸗ nikis Miſitra genannt wird: In dieſer Provinz gibt es auch die beruͤchtigten großen Jagdhunde, welche ſowohl fuͤr den Sultan, als auch fuͤr alle tuͤrkiſchen Großen ausgeſucht werden. Hauptorte dieſer Provinz ſind; Malvaſig, Mi⸗ ſitra und Zaranata u. a. Vorgebirge: Kap Matapau, Kapo Ounugnato, oder das Eſels⸗ kinn, und Kapo Malea, das ſich ſuͤdlich weit in das kandiſche Meer erſtreckt, wegen ſeinen guten Re⸗ ben beruͤhmt, und in Ruͤckſicht der Untiefen in ſeiner Naͤhe, den Seefahrern gefaͤhrlich iſt. 250 Unter den Fluͤſſen verdient beſonders bemerkt zu werden der Eurotas, jetzt Vaſiliskotamos (Kaiſerfluß) genannt, welcher Miſitra in der Mitte durchfließt. Dieſer Fluß verdient im Sommer kaum den Na⸗ men, indem er in dieſer Jahreszeit faſt ganz verſiegt; im Winter hingegen ſchwellt er außerordentlich an und uͤberſchwemmt die Ungegend.. Kein Land in Europa iſt von der Natur ſo reich⸗ lich ausgeſtattet worden, als dieſe geſegnete Halb⸗ Inſel. In ihren Ebenen iſt die Fruchtbarkeit mit der Anmuth der Temperatnr der Luft gepaart, ſelbſt die ſteilſten Berge prangen mit Pflanzen und herrlichen Fruͤchten. Ihre kriegeriſchen Bewohner ſind voll Herz⸗ haftigkeit und Geiſt; ihre Staͤdte beruͤhmt aus den aͤlteſten Zeiten. Mit Recht wird ſie auch das Haupt und die Vormauer Griechenlands genannt. Die Waffen und die Wiſſenſchaften waren immer die beiden ruhm⸗ vollen Eaͤulen, welche das Unuͤbertreffliche ihrer Be⸗ ruͤhmtheit beurkundeten. Hier hatte die Schule Athe us ihren erhabenen Tempel, auf deſſen Frontispiez die Ewigkeit ſchon die Worte mater sermonum eingrub. In blutigen und langwierigen Kriegen gaben hier die griechiſchen Kaͤmpfer ihren Heldengeiſt auf; Volk und Land blieben immer dieſelben, nicht aber die Regenten. Nach manchfaltigen Erſchuͤtterungen, kam dieſes ſchoͤne Land in die Herrſchaft eines Einzigen, und wurde ein großes Reich. Es bluͤhte herrlich unter der Herrſchaft 251 mehrerer Regenten, bis es unter der Regierung des griechiſchen Kaiſers Emanuel den erſten Keim zu ſeinem Untergang entfaltete. Dieſer beging die Un⸗ klugheit, das Reich unter ſeine 7 Soͤhne zu theilen, die ſich gegenſeitig anfeindeten und ſo den Untere ang des Reiches herbeifuührten. Man nannte dieſe Fuͤr⸗ ſten Deſpoten; bei ihnen war die N achfolge in der Regierung nicht erblich, ſondern jeder Deſpot waͤhlte ſich ſeinen Nachfolger unter ſeinen Verwandten, manchmal auch unter ſeinen Freunden und verdienſt⸗ vollſten Unterthanen. Unter dem Deſpoten Konſtan⸗ tin, mit dem Zunamen Dragares, einem Bruder Theodor's II., bedraͤngte Amurat I. Morea hart; doch mit ſchwerem Tribut erkaafte Jener den Frieden, und als er bald nachher in Konſtantinopel zum Kaiſer gewaͤhlt wurde, theilte er Morea unter ſeine 2 Bruͤder Demetrius und Thomasz dieſer wurde Deſpot von Korinth, jener von Sparta. Die Bruͤder kamen zu Streitigkeiten, und ver⸗ klagten ſich gegenſeitig bei Mahomet II.; er, der ohnedieß das Land an ſich zu reißen ſtrebte, wurde von beiden Bruͤdern als Schiedsrichter und gleichſam als Oberherr anerkannt. Zu ſpaͤt ſahen die Bruͤder ihren Fehler ein; Thomas fluͤchtete ſich nach Rom, und Demetrius wurde von den Tuͤrken nach Adria⸗ nopel gefuͤhrt. Die Tugenden, die in Griechenland entſtanden ſind, wuͤrden jedoch nicht zur Vollkommenheit gereift 252 ſeyn, wenn ſie nicht durch die venetianiſche Republik genaͤhrt und unterhalten worden waͤren. Das Inter⸗ eſſe der Pflegemutter war alſo ſchon in den fruͤheren Zeiten mit dem des Pflegekindes eng verbunden, und wer die Geſchichte jener Zeiten genau ſtudirt, wird ſich uͤberzeugen, daß keine Provinz in Griechenland iſt⸗ die nicht einſt unter dem Schutze des venetianiſchen Zepters ſtand. Als das griechiſche Reich zertruͤmmert, ſeinem Untergange ſich nahte, beſaß die Republik einen großen Theil des halben Arcadiopolis, Rodeſto, Adrianopel, Enllipoli, die ganze Gegend um Reveſa: und Artas ein Theil von Macedo⸗ nien, Lagedaͤmon, ein großer Theil von Morea, und ſehr viele Jaſeln des Archipels erkannten die Oberherrſchaft der venetianiſchen Republik. Mit Recht fuͤhrt ſie alſo den Titel: Dux Venetiarum, Dalma- tiae, Croatiae, Dominus quatae partis, et dimi- diae totius imperii Romaniae. Als der hinterliſtige Thrazier(Mahomer II.) das Land der vertriebenen griechiſchen Prinzen in Be⸗ ſitz nahm, ſchien erranfangs die Venetianer ruhig laſ⸗ ſen zu wollen; allein ſein Geiz legte bald die Maske der Freundſchaft ab. Er uͤberfiel Argos, und die Re⸗ publik ſah nun ein, daß es Zeit ſey, an ihre Verthei⸗ digung zu denken. Ein zahlreiches Heer, die Fahne des Kreuzes vor ſich her tragend, wurde unter Anfuͤh⸗ rung des Generals Berthold von Eſte geſtellt. 253 Dieſes Heer landete in Morea zwiſchen den Meer⸗ buſen von Engia und Lepanto. Muthvoll gingen ſie auf den Feind los, und ihre Unternehmungen hatten auch anfangs den gluͤcklichſten Erfolg. In wenigen Tagen wurde der beruͤchtigte Eximilo wieder erbaut, und auf das Tapferſte gegen den Feind vertheidigt. Doch das Gluͤck iſt blind und ſchont ſelbſt jene Helden nicht, die verdienten unſterb⸗ lich zu ſeyn. Bei einer der ſchoͤnſten militaͤriſchen Unternehmungen kam der General ungluͤcklicher Weiſe um das Leben; das Heer hatte gleichſam das Haupt verloren. Der Feind hingegen benutzte die Beſtuͤrzung der Venetianer; ſie wurden beſiegt, und verloren alle ihre Beſitzungen in Morea. Die ganze Halbinſel wurde nun in ein Sandſchakat umgewandelt, das von einem Morabegi, d. h. Herrn von Morea, beherrſcht wird. Dieſer Sandſchak hat einen Gehalt von 100,000 Aſper, muß aber dagegen ¹000 Pferde zur Verfuͤ⸗ gung des Beglerbei von Morea halten. So bedeutend auch dieſes Sandſchakat iſt, ſo hat es doch ſeine Schwierigkeiten, indem es oft zu Zwi⸗ ſtigkeiten zwiſchen dem Sandſchak und dem Dins⸗ Beglerbei, oder Paſcha des Meeres, hinſichtlich der Jurisdiktion uͤber die Seekuͤſten und Waaren, die in den Haͤfen ein⸗ und ausgeladen werden, kommt. Die venetianiſche Republik, die in den neueſten Zeiten die Wiedereroberung ihrer fruͤheren Beſitzungeu zu machen unternahm, verjagte den Feind in dem 254 einzigen Feldzug von 1685 aus dem ganzen mittaͤgli⸗ chen Ufer Moreg's, und ersberte, nach vielen gewon⸗ nenen Schlachten, die Stadt und Feſtung Koron, die Plaͤtze Calamata, Zarnata, Paſſava und Chielefa. Wir duͤrfen hoffen, daß ihre Erfolge in der Zukunft noch gluͤcklicher ſeyn werden, wenn ſie ihre Eroberungen zur Verbreitung der katholiſchen Religion und zur Ausrottung der Unglaͤubigen ver⸗ wendete. —— — I. Der Iſthmus von Corinth, ehemals Erd⸗ enge von Morea und Argolis genannt, iſt ein ſchmaler, ſteiniger Erdſtrich zwiſchen den Meerbuſen von Lepanto und Engiaz er verbindet Achaja mit Morea, und iſt beruͤhmt wegen der iſthmiſchen Spiele, welche Theſeus daſelbſt eingefuͤhrt hatte. Ein Kanal durch dieſe Erdenge wuͤrde das joniſche Meer mit dem Archipel verbinden und fuͤr die Schiff⸗ fahrt von großem Nutzen ſeyn. Alexander, Ju⸗ lius Caͤſar und Kaligula verſuchten dieſe Ver⸗ binduug beider Meere vergebens. Zur beſſeren Ver⸗ theidigung des Peloponnes, erbaute der griechiſche Kaiſer Emanuel, im Jahre 4413, auf der Meerenge eine Mauer, von Einigen Hexameli, von Andern Hexo milion genannt. Dieſe Mauer fing bei dem Hafen von Lechaeon, 16 Stadien von Korinth und z0 vom ſaroniſchen Meerbuſen an, und en⸗ digte, nach einer Laͤnge von s Meilen, bei dem Hafen 255 von Ceuchreat, welcher auf der oͤſtlichen Seite in der Gegend des Meerbuſens von Engia liegt. Amurat II. zerſtoͤrte im Jahre 1424 den Exi⸗ milo; die Republik Venedig aber, um ſich gegen die haͤufigen feindlichen Einfaͤlle zu ſchuͤtzen, ſtellte den⸗ ſelben im Jahre 1463 nicht nur wieder her, ſondern verſah ihn auch mit breiten, doppelten Graͤben und 136 Thuͤrmen. Die Ausfuͤhrung dieſes Vorhabens wurde dem Anfuͤhrer der Seetruppen, Ludwig Loredano, in Verbindung mit Berthold d'Eſte, General der Landtruppen, anvertraut. 30,000 Arbeiter vollendeten dieſes große Werk in 14 Tagen. Die Mauer wurde nun mit venetianiſchen Soldaten beſetzt, und die bei⸗ den Anfuͤhrer ſtellten ſich bei Korinth auf, wo ſie ſich verſchanzten und die Belagerung begannen. Da wurde ihnen die Nachricht durch einen Spion ertheilt, daß Amarbei Flambular von Morea mit 12,000 Mann heranruͤcke. Sie zogen ihm entgegen, und beim Eximilon kam es am 26. Dezember zu einem Tref⸗ fen, in Folge deſſen die Tuͤrken ſich zuruͤckziehen muß⸗ ten. Indeſſen erſchien der Feind bald wieder, und ſtellte ſich in einiger Entfernung von ihnen auf. Ber⸗ thold allein war zur Beobachtung der feindlichen Be⸗ wegungen zuruͤckgeblieben, waͤhrend der andere Gene⸗ ral die Belagerung von Korinth fortſetzte. Da ſich aber der Feind ruhig verhielt, und Berthold von dieſer Seite keine Gefahr ſah, pehrte er in das Lager zuruͤck, wo er ungluͤcklicher Weiſe durch einen Stein⸗ 25⁵6 wurf getoͤdtet wurde. Sein Nachfolger, als General der Landtruppen, Bettino da Caleinato, hatte nicht ſeinen Heldenmuth. Eingeſchuͤchtert durch den Beglerbei, der mit 80,000 Mann heranruͤckte, un⸗ terließ er nicht nur die Belagerung von Korinth, ſondern ließ ſogar den Eximilon, der mit ſo vielen Koſten erſt erbaut wurde, ohne Vertheidigung.. II. Korinth, faſt in der Mitte des Iſthmus, dem aͤgaͤiſchen und joniſchen Meere gegenuͤber, liegt von Patras so, von Athen so, von Miſi⸗ tra so, und von Argos 28 Meilen entfernt, und wird von dem Kaſtell Acrokorinth beherrſcht. Sei⸗ ner vortheilhaften Lage wegen, wird es bald das Auge, bald das Band Griechenlands und die Feſte des Pe⸗ loponnes genannt. Einſt die Hauptſtadt einer beruͤhmten Republik, reich und edel, iſt es jetzt, durch Krieg und Zeit, nur noch ein Haufe von Ruinen, von wenigen Menſchen bewohnt. Roger der Normann, Koͤnig von Neapel, uͤberfiel Korinth, und war im Begriff, ſich in dem Beſitz deſſelben zu befeſtigen, als die venetianiſchen Truppen ſich mit dem geſchlagenen Heere des griechi⸗ ſchen Kaiſers Emanuel vereinigten, ihn ſchlugen und zum Ruͤckzug zwangen. Die Venetianer begnuͤg⸗ ten ſich damals mit der großen gemachten Beute, und zogen ſich zuruͤck, als man ihrer Huͤlfe nicht mehr bedurfte. 257 Indeſſen verfloſſen kaum 2 Jahrhunderte, als Ko⸗ rinth den Venetianern von den griechiſchen Deſpo⸗ ten abgetreten wurde, um ſie fuͤr das viele Blut, das ſie zur Vertheidigung des Landes vergoſſen hatten, zu entſchaͤdigen. Mahomed ll., deſſen Eroberungsſucht kein Recht ſchonte, nahm es den Venetianern wieder ab, und alle Muͤhe der Venetianer, es wieder zu erobern, war vergebens. III. Akrokorinth, welches Korinthbeherrſcht, liegt auf einem ſteilen Felſen, iſt mit feſten Mauern uumgeben, und mit mehren Brunnen und reinem Quell⸗ waſſer verſehen. Es iſt durch Natur und Kunſt ſehr feſt, wurde jedoch durch die ſchlechte Vertheidigung mehrmals erobert, beſonders durch die Sizilianer un⸗ ter Anfuͤhrung des Nieeforo Calufo waͤhrend der Regierung des Kaiſers Emanuel Comnen. IV. Patras liegt auf der Nordſeite eines hohen Berges, der nahe am Kapo Rio, ungefaͤhr 700 Schritte vom Meere entfernt iſt, und iſt der Sitz eines Erzbi⸗ ſchofes. Unter den griechiſchen Luͤrſten hatte es mit ſeinem Gebiete den Titel eines Herzogthums. Zu ſchwach, es ſelbſt zu vertheidigen, traten es die grie⸗ chiſchen Fuͤrſten den Venetianern im Jahre 1408 fuͤr eine große Summe Geldes ab, denen jedoch ſpaͤter die Tuͤrken es wegnahmen. Im Jahre 1533 eroberte gher Doria die Stadt wieder; wobei er gegen die Garniſon ſehr menſchlich a9ſtes B. Griechenland. I. 3. 2 4 258 handelte, und ſie nebſt ihren Frauen unverletzt nach Lepanto ſchickte. Dieß mißfiel aber ſeinen Soldaten ſehr: denn ſie haͤtten die Unglaͤubigen gerne gepluͤn⸗ dert und an das Ruder geſchmiedet. V. Chiareuza liegt auf einem ſteilen Huͤgel am rechten ufer des Fluſſes Igliaco, und am Meer⸗ buſen von Patras. Sie war die Hauptſtadt des Herzogthums gleichen Namens, und nnter den einge⸗ borenen Fuͤrſten, wie ſchon ihr Name ſagt, ſehr be⸗ ruͤhmt. Auch ſie wurde den Veuetianuern von den griechiſchen Fuͤrſten abgetreten. Sie iſt jetzt ganz ver⸗ fallen; wie auch der Hafen, der in geringer Entfer⸗ nung liegt, und einſt ſo gut und geraͤumig war, jetzt faſt ganz mit Sand angefuͤllt iſt. VI. Camintza, das Olenus der Alten, liegt zwiſchen Chiarenza und Patras, am rechten Ufer des Fluſſes Pirus, 3 Meilen vom Meerbuſen von Patras entfernt. Ehemals eine große Stadt, Sitz eines Biſchofs, zum Erzbisthum Patras gehoͤrig, jetzt noch ein kleiner Flecken.— VII. Zunchio, oder Navarino liegt 10 Mei⸗ len von Koron auf einer ſteilen Anhoͤhe, hat einen geraͤumigen Hafen, der 2000 Segel faſſen kann. AFn rechten Ufer des Hafens iſt Neu⸗Navarin erbaut. Alt⸗Navarin iſt eine Feſtung, und wurde oft von verſchiedenen Parteien erobert. Im Jahre 4498 htelt es unter venetianiſcher Bot⸗ maͤßigkeit einen harten Sturm gegen die Tuͤrten aus, 259 die ſich zuruͤck ziehen mußten. Als ſie jedoch nicht lange nachher Modon erobert hatten, erſchienen ſie wieder vor Navarin, deſſen Beſatzung ſich nach kur⸗ iem Widerſtande ergab. Nichts deſto weniger bemaͤch⸗ tigten ſich die Venetianer bald darauf, unter Anfuͤh⸗ rung eines gewiſſen Demetrius aus Modon, Na⸗ varin's wieder. Dieſer Demetrius in Verbin⸗ dung ſeines Freundes, eines Albaneſers, erſchien ploͤtzlich vor der Stadt, drang in die offen ſtehenden Thore, und hieb die Garniſon nieder. Die Tuͤrken wollten die Stadt wieder haben, und erſchienen auf der Landſeite mit einer ſtarken Reiterei, von der See⸗ ſeite blockirten 14 Galeeren und s Rennſchiffe die Stadt. Zwar lagen 3 venetianiſche Galeeren zur Be⸗ wachung des Hafens in demſelben; allein ohne Be⸗ ſorgniß eines feindlichen Aufalls, waren ſie bei Er⸗ ſcheinung der Tuͤrken ſo uͤberraſcht und außer Faſſung, daß es dieſen leicht gelang, in den Hafen zu dringen, und ſich der Galeeren zu bemeiſtern. Die feige Manu⸗ ſchaft derſelben warf ſich in kleine Nachen, und fluͤch⸗ tete ſich auf s große mit Kaufmanns⸗Guͤtern beladene Galeeren, die von Baruti kommend, nicht weit vom Eingange des Hafens vor Anker lagen, und bei dieſem Anblicke auch ſogleich die Flucht ergriffen. Die Beſatzung von Zunchio, Zuſchauer dieſes ungluͤcklichen Vorfalls, und von der Landſeite hart behringt, hielt es nun fuͤr das Beſte, ſich zu er⸗ geben. —— dd 260 VIII. Modon liegt in der Landſchaft Belve⸗ dere(dem Meſſenien der Alten), einer der anmu⸗ thigſten Provinzen des Peloponnes, und iſt der Sitz eines Biſchofs, der unter dem Erzbiſchofe von Patras ſteht. Von Koron iſt es 10, von Napoli di Ro⸗ mania 120, und vom Kap Matapan 72 Meilen entfernt. Von Natur und Kunſt befeſtigt, iſt Mo⸗ don es noch mehr, durch ſeine Lage auf einem Vor⸗ gebirge, das ſich in das Mare di Sapienza er⸗ ſtreckt. Sein Hafen iſt aͤußerſt bequem, und liegt der Kuͤſte von Afrika gerade gegenuͤber. Hier iſt der Sitz des Sandſchak von Morea, der bei der ottoma⸗ niſchen Pforte in großem Anſehen ſteht. Dieſe Stadt, eine Vormauer der ganzen Provinz, hatte viele Bela⸗ gerungen von verſchiedenen Parteien auszuhalten, und wurde mehrmals erobert. Die Venetianer waren zu verſchiedenen Zeiten im Beſitz derſelben. Zuerſt erhiel⸗ ten ſie dieſelbe durch Abtretung von den griechiſchen Deſpoten, ſpaͤter bemaͤchtigten ſie ſich dieſer ehemali⸗ gen Beſitzung oͤfters durch die Gewalt der Waffen. Der Doge Domenikus Michael, eroberte ſie im Jahre 1124, als er zum dritten Mal von ſeinem fiegreichen Zuge aus dem gelobten Lande zuruͤckkam. Im folgenden Jahre wurde die Stadt zwar dem grie⸗ chiſchen Reiche wieder einverleibt; als aber im Jahre 1204 dieſes Reich unter verſchiedene Prinzen getheilt wurde, kam ſie wieder in Beſitz der Venetianer. Im Jahre 1208 wurde ſie den Venetianern durch einen 261 gewiſſen Leon Vetrans, einen liguriſchen Korſa⸗ ren durch Ueberfall entriſſen; dieſer aber konnte ſich ſeiner Herrſchaft nicht lange freuen; er wurde kurze Zeit darauf bei ſeinen Streifereien in den Pelopon⸗ nes gefangen, und zu Korfu hingerichtet, worauß auch die Stadt wieder in die Gewalt der Venetia⸗ ner kam. Bajazet II. voll Eroberungsſucht, erſchien im Jahre 1498 mit einem Heere von 4150,000 Streitern vor Modon, und begann die Belagerung. Da er bald mit ſeinen Kanonen die Mauern der Burg zer⸗ ſtoͤrt hatte, ſo ſahen die Belagerten ſich genoͤthigt, mit ihrer Habe in die Stadt ſich zuruͤck zu ziehen. Hier wurden ſie aber von den Belagerern ſo hart bedraͤngt, daß ſie ſchon zur Uebergabe bereit waren, als die Flotte der Republik, die von Zante ausgelaufen war, zu ihrer Huͤlfe herbei eilte. Dieſe griff nun ungeſaͤumt die tuͤrkiſche Flotte an, und unter abwechſelndem Er⸗ folge gelang es einer venetianiſchen Feluke, der Stadt die Nachricht zu bringen, daß ſie bald mit Kriegs⸗ und Mund⸗Vorrath verſeben werden vuͤrde. Dieſes wurde auch durch 4 venetianiſche Galeeren, die bald durch die tuͤrkiſche Flotte drangen, ausgefuͤhrt. Ddieſer gluͤckliche Erfolg fuͤhrte indeſſen ein weit geoͤſeres Ungluͤck herbei. Die Venetianer, voll Freude, verließen unvorſichtig die beſetzten Poſten, um der ſo lange erſehnten Huͤlfe an Mannſchaft entgegen zu eilen. Die uͤrken aber, die von der Landſeite dieſe 262 Nachlaͤſſigkeit wahrnahmen, drangen wuͤthend in die Stadt. Durch ein fuͤrchterliches Gemetzel gaben ſi nun ein Beiſpiel ihrer bekannten Grauſamkeit. Der erlauchte Andreas Salconi, der in biſchoͤflichem Ornate die Venetianer zum Widerſtand anfeuerte, en⸗ digte bei dieſer Gelegenheit ſein ruhmvolles Leben. IX. Koron, ebenfalls in der Landſchaft Bel⸗ vedere, liegt nicht fern von dem Berge Sema⸗ thio, und rechts des Fluſſes Pamiſo oder Spira⸗ nazza, auf der linken Seite des Kapo Gallo, in einer vortheilhaften Lage, am Ufer des Golfe di Koron, 10 Meilen von Modon zu Land, und un⸗ gefaͤhr 20 zu Waſſer. Es hat eine faſt dreiwinkliche Geſtalt, und iſt auf beiden Seiten mit 2 kleinen Buch⸗ ten des Meerbuſens umgeben. Seine Mauern ſind alt, aber doch feſt und mit großen Thuͤrmen verſehen, unter denen der herrlichſte und ſtaͤrkſte, von den Ven netianern im Jahre 1463 erbaut, hoch empor ragt. Die Stadt breitet ſich am Ufer des Meeres aus, hat aber einen breiten unbebauten Rand auf der Meeres⸗ ſeite. Noͤrdlich ſchließt ſich an die Stadt eine Vor⸗ ſtadt von 500 Haͤuſern, um die zahlreichen Handel trei bende Bewohner, welche in der Stadt nicht Naun finden, aufzunehmen. Die Stadt war ſchon in den fruͤheren Zeiten des Chriſtenthums der Sitz eines VWr ſchofs, der unter dem Erzbiſchofe von Patras ſtand. Seit mehreren Jahrhunderten im rechtmaͤßigen Beſit der venetianiſchen Republik, mußte ſie unter dem ſien 263 reichen Bajazet II., gegen das Ende des XV. Jahr⸗ hunderts, ſich unter das Joch der tuͤrkiſcheu Tyran⸗ nei beugen. 35 Jahre ſpaͤter kam ſie auf wenige Tage in den Beſitz der Spanier, denen ſie aber wieder von den Tuͤrken entriſſen wurde, und ſo waͤhrend 150 Jahren bis auf unſere Zeiten denſelben unterworfen blieb. Am 25. Juni 1685 landete mit Tages⸗Anbruch ein venetianiſches Heer von 12,000 Mann mit den Huͤlfstruppen unter Anfuͤhrung des General⸗Kapitaͤns Franzesko Moroſini, in der Naͤhe der Stadt, und begann gleich nach der Ausſchiffung die Belage⸗ rung. Mit Schnelligkeit wurden Laufgraͤben eroͤffnet, Schanzen aufgeworfen, Batterien errichtet, und die S tadt heftig beſchoßfen. Schon war ſie der Uebergabe nahe, als auf der Landſeite Chabel Paſcha, Vezir von Morea, mit einem maͤchtigen Heere heran ruͤckte, und ſich nicht weit von den Benetianern in einer vortheilhaften Lage verſchanzte. Nach vielen blutigen Gefechten unternahmen die Venetianer einen allgemeinen Sturm auf das feindliche Lager, drangen in dasſelbe hinein, und zwangen den Feind, nachdem der Paſcha ſelbſt geblieben war, zur uͤbereilten Flucht. Der geſchlagene Feind ließ alle ſeine Bagage, Zelte, Mund⸗ und Kriegs⸗Vorraͤthe im Stiche, und litt uͤberhaupt eine große Niederlage. Hierauf kehrten die Venetianer zur Belagerung der Stadt zuruͤck, die ſich aber noch hartnaͤckig vertheidigte, bis am 21. Auguſt eine Mine mit 200 Pulverfaͤſſern ſprang, und eine 264 breite Breſche in die Mauer machte. Als die Chriſten ſich zum Sturm anſchickten, ſteckten die Tuͤrken die weiße Fahne aus, und verlangten zu kapituliren. Waͤhrend man aber mit ihnen in Unterhandlung ſtand, begingen ſie die Treuloſigkeit, mit 2 Feuermoͤrſern und einer Kanone, die mit Kartaͤtſchen geladen war, zu feuern, wodurch eine große Anzahl Veuetianer das Leben ver⸗ lor. Nun konnten die Chriſten ihre Wuth nicht mehr bezaͤhmen; ſie drangen voll Erbitterung mit Gewalt in die Stadt, hieben Alles nieder, und bemaͤchtigten ſich ſo dieſes in jeder Hinſicht ſo wichtigen Platzes, der in der Folge den Weg zu bedeutendern Unternehmungen oͤffnen wird. Bei dieſer as taͤgigen Belagerung zeich⸗ nete ſich beſonders der General La Tour, Anfuͤhrer der malteſiſchen Huͤlfstruppen aus, der auch dabei ſeinen glorreichen Tod fand. Die Prinzen von Braunſchweig und Savoien, welcher letztere bedeutend verwundet wurde, und viele Andere gaben Proben ihres Heldenmuthes. X. Calamata, auf dem linken Ufer des Fluſſes Spiranazza(Pamiſus), in der Provinz Bel⸗ vedere, dehnt ſich auf den Seiten eines Huͤgels aus. Der ſtark bevoͤlkerte Ort iſt zwar ohne Mauern, aber ein feſtes Schloß, das hoch in geringer Entfer⸗ nung liegt; es dient den Einwohnern als Zufluchtsort bei feindlichem Ueberfalle. Die Stadt liegt in einiger Entfernung von Koron, nicht weit vom Golfe, der auch Meerbuſen von Calamata genannt wird. 265 Im Jahre 1659 verſuchten 6000 Mainotten das tuͤrkiſche Joch abzuſchuͤtteln, und ergriffen die Partei der Venetianer, allein ſte wurden von der ſtarken Be⸗ ſatzung im Zaume gehalten. Um ihr Vorhaben zu be⸗ guͤnſtigen, ſchiffte der Cavalier Gremouille eine bedeutende Anzahl venetianiſcher Soldaten in dem Hafen aus, welche die ihnen entgegen ziehenden Tuͤr⸗ ken ſchlugen, und mit ihnen zu gleicher Zeit in die Stadt drangen. Dadurch entſtand eine ſolche Ver⸗ wirrung unter den Tuͤrken, daß ſie eiligſt die Flucht ergriffen, und Stadt und Feſtung verließen. Die Ve⸗ netianer fanden darin eine Menge Kriegs⸗ und Mund⸗ Vorrath, behaupteten ſich aber nicht lange, und be⸗ gnuͤgten ſich bloß damit, die Stadt und die Umge⸗ gend verwuͤſtet, und eine gute Beute gemacht zu baben. Indeſſen wurde Calamata 1585 am Tage der Kreuz⸗Erhebung, neuerdings von den Venetianern, unter Anfuͤhrung des tapfern General⸗Kapitaͤns zur See Franeesco Moroſini, erobert. Der von demſelben als Kommandant hinein gelegte General, Baron Degenfeld, ſand fuͤr gut, die Feſtung zer⸗ ſoͤren zu laſſen. XI. Zarnata, ein durch Natur und Kunſt wohl befeſtigter Ort, hat eine runde Geſtalt, und liegt auf einer der anmuthigſten Hoͤhen. Im Jahre 1685 wurde die Stadt von den Venetianern belagert. Der Kapi⸗ tan Paſcha ſtand mit einem ſtarken Heere kaum 5 Mei⸗ 266 len von der Feſtung entfernt, und hatte die Abſicht, die Belagerung zu hintertreiben; allein da er es nicht wagte, die Venetianer anzugreifen, ergab ſich die Fe⸗ ſtung dem General⸗Kapitaͤn Moroſini mit der Be⸗ dingung des freien Abzugs der Beſatzung. Am 11. Sep⸗ tember zog dieſelbe, 6000 Mann ſtark, aus der Fe⸗ ſtung, und wurde von den Venetianern eine Strecke Wegs begleitet, um ſie vor Mißhandlungen zu ſchuͤtzen. Nur der Aga, vorzuͤglichſter Kommandant der Beſat⸗ zung, blieb freiwillig im venetianiſchen Lager zuruͤck, weil er enthauptet zu werden, beſorgt war. Es blieb eine venetianiſche Beſatzung von 250 Mann unter dem Kommando des Obriſtlieutnants Praſtini in der Stadt. XII. Chielefa liegt auf einer Anhoͤhe 11 ½ M. vom Meere entfernt. Die Stadt bildet ein Viereck, und hat eine Meile im Umfange. Natur und Kunſt machen ſie zu einer bedeutenden Feſtung, und 6 große Thuͤrme ſind an den Mauern angebracht. Der Ge⸗ neral⸗Kapitaͤn Moroſini belagerte ſie im Laufe ſeiner Siege, und die ſchwache Beſatzung ergab ſich, erhielt jedoch freien Abzug. 58 Kanonen von verſchie⸗ denem Kaliber wurden hiebei erobert. Aſar Paſcha, Kommandant der Feſtung und der ganzen Provinz, uͤberbrachte ſelbſt die Schluͤſſel der Stadt, in die Ga⸗ leere, wo die Generalitaͤt verſammelt war. Ber⸗ nardo Balbi wurde ordentlicher und Lorenzo Ve⸗ nier außerordentlicher Verwalter der Stadt. 21 XIII. Arga*), Hauptſtadt des alten Argo⸗ lis, gehoͤrte zu den vorzuͤglichſten Staͤdten des Pele⸗ ponnes, und liegt am Fluſſe Planiſſa(Inacus), 36 Meilen von Korinth, 60 von Sparta, und s von Napoli di Romania. Aus den Ruinen anderer nahe gelegenen Staͤdte empor gekommen, ſoll es im Alterthume ſeines Gleichen nicht mehr an Pracht gehabt haben; die Griechen nannten ſich daher auch gern Argier. Nachdem es einige Zeit Hauptſtadt eines Regenten war, wurde es eine Republik, welche Theil an allen griechiſchen Kaͤmpfen nahm. Durch die Alles zerſtoͤrende Zeit, nimmt Argos jetzt nur noch einen kleinen Raum ein, der wenig Einwohner enthaͤlt, und von ſeiner vormaligen Groͤße blieb ihm bloß noch der Name. 1 Es iſt unſtreitig, daß Argos ſchon vor langen Zeiten im rechtmaͤßigen Beſitz der Venetianer war. Nach Baudrand ſoll es ein gewiſſer Herzog von Sparta zum Verkaufe ausgeboten haben, von dem es die Republik um eine große Summe Geldes kaufte. Ein Dekret des Senats vom Maͤrz 1383 beurkundet, daß Argos nebſt Napoli di Romania von einem *) In Griechenland gab es eigentlich 3 Argos nach Baudrand, naͤmlich: 1) das amphi⸗ lochiſche, eine Stadt in Epirus, 2) das pe⸗ asgiſche in Macedonien, und 3) das eleponneſiſche, wovon hier die Rede iſt. — 268 gewiſſen Pietrodi Federico Cornaro beherrſcht wurde. Die kinderloſe Wittwe deſſelben, unfaͤhig ſich gegen die Anfaͤlle mehrerer Fuͤrſten, beſonders des laͤndergierigen Bajazet, zu vertheidigen, trat es im Jahre 1388 im Monat Deiember der Republik kaͤuflich ab. Im Jahre 1463 kam es verraͤtheriſcher Weiſe in die Haͤnde des Flambular oder Sandſchak von Korinth. Vergebens beklagten ſich die Venetianer bei Mahomed II. uͤber dieſen Friedens⸗Bruch, der treuloſe Thrazier gab ihnen kein Gehoͤr, und ſie ent⸗ ſchloſſen ſich zum Kriege. Hierauf erſchien Ber⸗ thold von Eſte, Befehlshaber der Landtruppen mit 15,000 Mann vor der Stadt, und bemaͤchtigte ſich der⸗ ſelben, ſo wie auch kurz darauf der Berg⸗Feſtung⸗ Als aber im 4. November desſelben Jahres Berthold bei der Belagerung von Korinth das Leben verlor, trieb Paſcha Beglerbeg mit 80,000 Mann das venetianiſche Heer in die Flucht, ruͤckte vor Argos, und eroberte die Stadt, wobei 60 Bogenſchuͤtzen aus Kandia zu Gefangenen gemacht, und auf eine grau⸗ ſame Art hingerichtet wurden. Unter den Inſeln, welche die Republik Venedig um Morea herum beſitzt, nimmt Korfu(Cor⸗ ey 2ura) eine vorzuͤgliche Stelle ein. Sie liegt am aͤu⸗ ßerſten oͤſtlichen Ende des adriatiſchen Meeres, und wird vom joniſchen beſpuͤlt. Obgleich dieſe Inſel nicht zu den groͤßten des mittellaͤndiſchen Mee⸗ 269 res gehoͤrt, ſo iſt ſie doch die groͤßte im adriatiſchen Meere. Ihre Urbewohner ſollen Rieſen(*) gewefen ſeyn. In den aͤltern Zeiten ſoll die Inſel 94— 97 Meilen in der Laͤnge gehabt haben; vermutblich hing ſie damals mit der Inſel Pax u zuſammen, von der ſie ſpaͤter durch ein Erdbeben getrennt wurde. Gegen⸗ waͤrtig betraͤgt ihre groͤßte Breite gegen Weſt 20, und gegen Oſt 12 Meilen, ſo daß ihr ganzer Umfang 120 Meilen betragen mag. Von der Oſtſeite an ge⸗ rechnet, liegt ſie ungefaͤhr so Meilen von Kapo . dOtranto, und 700 Meilen von Venedig ent⸗ fernt; noͤrdlich liegt ſie, von dem Vorgebirge an, in deſ⸗ ſen Naͤhe die Schlangenklippe(seoglio della serpe) iſt, gerechnet, leine Meile von Epirus entfernt; von dem zweiten Vorgebirge aber, welches eine oͤſt⸗ liche Richtung hat, liegt Spirus 20 M. entfernt. Zwiſchen dieſen beiden Vorgebirgen iſt ein Meer⸗ buſen eingeſchloſſen, der gewoͤhnlich Canale di Corfu genannt wird. Ihre geographiſche Lage iſt zwiſchen 39 bis 400 noͤrdl. Br., und 44 bis 450 oͤftl. Laͤnge. Sie hat die Geſtalt einer Sichel; daher ihr ehe⸗ maliger griechiſcher Name Agsmayo ſtammt. Die Inſel iſt in 4 Provinzen, welche die Ein⸗ wohner Vogteien nennen, getheilt. Die erſte, oͤſtliche, heißt Lefchimo(Leuchino, auch Leucimne); die zweite, auf der Weſtſeite der Inſel, heißt Laghiro oder Agiru, die dritte Mezo, und die vierte Loros oder Oros. Jede dieſer Vogteien iſt wieder 270 in Diſtrikte und Gebiete eingetheilt. Auf der ganzen Inſel herrſcht das herrlichſte Klima, welches die vie⸗ len Pomeranzen⸗ und Cedern⸗ Waͤlder beurkunden; ſie iſt uͤbrigens ſehr fruchtbar an Getreid, liefert Honig, Wachs, Wein und vorzüglich gutes Oel in großer Menge; auf der noͤrdlichen Seite ſind auch viele ſchoͤne Ebenen. In der erſten Vogtei, Lefchimo, ſind noch einige Ueberreſte der alten biſchoͤflichen Stadt Gardiohi, zwei Meilen vom Meere ſuͤdweſtlich ge⸗ legen; ſie iſt beruͤhmt wegen einer Quelle, die in en⸗ gem Bette fließt, und nachdem ſie in ihrem Laufe eine unzaͤhlige Menge Muͤhlen getrieben, endlich in das Meer muͤndet. In dieſer Provinz ſind 25 Weiler oder Landſitze(Ville), von 10,000 Menſchen bewohnt. Der groͤßte, welchen man ein Dorf nennen koͤnnte, beißt Potami, nach einem Kanale, der ihn in zwei Theile trennt, und auf welchem die Schiffe in das Meer ſegeln. Die Einwohner dieſer Villa ſind hoͤf⸗ liche und vermoͤgende Leute. Die Provinz Laghiro iſt ſehr reich an allen Lebensmitteln, und wird von 8000 Einwohnern, die in 20 Doͤrfern leben, bewohnt. Die Einwohner⸗Zahl war weit ſtaͤrker, bevor die Afri⸗ kaner die auf einer Halb⸗Inſel erbaute Stadt zerſtoͤrt hatten. Auf der Stelle, wo einſt dieſe Stadt ſtand, iſt gegenwaͤrtig ein der Mutter Gottes geweihtes Klo⸗ ſter mit vielen Geiſtlichen. Die Kirche in dieſem Klo⸗ ſter heißt Palio Caſtrizza, und das auf dem Vor⸗ gebirge Palgerum von dem Kgiſer Michgel 271 Comnen erbaute Kaſtell, Augelo Caſtro genannt, heißt jetzt S. Angelo. In der dritten Provinz, Mezo, liegt die Stadt Korfuz noch eine weit groͤßere Stadt lag in den fruͤheren Jahrhunderten in dieſer Provinz. Uebrigens hat Mezo einen Umfang von 60 Meilen mit 30 Ka⸗ ſtellen oder Doͤrfern, worin, die Bewohner der Haupt⸗ ſtadt mit gerechnet, 25,000 Menſchen leben. Die vierte Provinz, Loros oder Oros, hat in einem Umfange von 40 Meilen 25 Ortſchaften mit 8000 Seelen. Der vorzuͤglichſte Ort darin iſt Caſſopo, ehemals Caſ⸗ ſiope genannt, und eine ſehr beruͤhmte Stadt. Die Inſel hat keine Fluͤſſe; auf der ſuͤdweſtlichen Seite fließt zwar der Meſongi, welcher da entſpringt, wo ehemals die Feſtung Gardiechi ſtand; aber ſo⸗ wohl dieſer, als die andern Gewaͤſſer, ſind eher Stroͤme als Fluͤſſe. Die Bewohner der Inſel,(uͤber deren Abſtammung die Schriftſteller verſchiedener Mei⸗ nung ſind), ſind gegenwaͤrtig groͤßtentheils Griechen, und leben nach dem griechichen Ritus. Die Inſel ſtand laͤngere Zeit unter der Herrſchaft der Koͤnige von Neapelz in den politiſchen Stuͤrmen dieſes Koͤ⸗ nigreiches aber machte ſie ſich unabhaͤngig von Nea⸗ pel, und unterwarf ſich der Republik Venedig. Die Inſulaner theilten naͤmlich zuerſt dem venetiani⸗ ſchen Konſul zu Korfu, Giov. Peneſaſco, ihren Entſchluß mit, ſich von Neapel los zu reißen. Die⸗ ſer gab ſogleich dem Senat Nachricht davon, welcher 272 den Sekretaͤr Pietro Compettelli an den Fuͤrſten von Taranto, welcher die Inſel in Anſpruch nahm, ſandte, um demſelben vorzuſtellen, welche Gefahr dar⸗ aus entſtehen wuͤrde, wenn die Inſel in feindliche Haͤnde kaͤme. Man bot ihm zu gleicher Zeit eine be⸗ deutende Summe Geldes als Entſchaͤdigung an, wo⸗ durch er ſich auch beſchwichtigen ließ. Porcacchi berichtet den Hergang auf fol⸗ gende Art: Im Jahre 1322 begab ſich die Inſel unter die Le⸗ henherrſchaft der Republik Venedig; allein am 9. Juni des Jahres 1326 wurde ſie dem See⸗Kapitaͤn auf dem adriatiſchen Meere Gio. Miani, von Rie⸗ ceardo Altavilla und Gio. Aleſſio foͤrmlich uͤbergeben. Auf dieſe Art blieb ſie bis zum 16. Augußt im Beſitze der Republik. Um dieſe Zeit trat Ladis⸗ laus, Sohn Karls, Koͤnig von Neapel, fuͤr die Summe von 30,000 Ducati der Republik ſein Recht auf dieſe Inſel ab. Seit dieſer Zeit blieb ſie immer unter der Herrſchaft der Venetianer, und wurde von dieſer auch immer trefflich bewacht, weil ihr Beſitz zur Erhaltung der Herrſchaft uͤber das Meer ſehr noth⸗ wendig iſt. Sie hat gute Haͤfen, die geraͤumig genug ſind, die Flotte aufzunehmen, um immer die andem Inſeln und Staaten es Morgenlandes zu vertheidi⸗ gen, und der feindlichen Flotte das Einlaufen in das adriatiſche Meer faſt unmoͤglich zu machen, weil dieſe keineswegs wagen wird vorwaͤrts zu dringen, 273 und die maͤchtige venetianiſche Flotte hinter dem Ruͤk⸗ ken zu laſſen. Mit Recht nennt man ſie alſo: Pforte des Meerbuſens, Vormauer Italiens, Schutzwehr gegen die Barbaren. Da in den neueren Zeiten die Macht der Ottomanen ſich ſo ſehr vergroͤßerte, ſo hat die Republik, zum allgemeinen Wohl der Chriſtenheit, mit Aufopferung bedeutender Summen, jene uneinnehmbare Feſtung zur Verthei⸗ digung der Inſel erbaut. In der Mitte des Halbzir⸗ kels, welchen die Inſel bildet, ragt ein harter Felſen hervor, worauf die alte Feſtung liegt, die auf allen Seiten vom Meere umgeben iſt, und nur an der Fronte, mit dem Lande zuſammen haͤngt; von dieſer Seite aber wird ſie durch 2 Baſteien, eine Mauer (Corlina) und einen Graben geſchuͤtzt, welcher letztere auf beiden Seiten bis in das Meer geht. Weiter un⸗ ten iſt die Stadt, in welcher die neue Feſtung einge⸗ ſchloſſen iſt. Dieſe wurde mit vielem Aufwande und großer Muͤhe auf dem Berge St. Marco erbaut, um den gegenuͤber liegenden Berg Abraham zu be⸗ bei ſhen. Von dieſem letzteren Berge wurde in neue⸗ ren Zeiten ein großer Theil abgetragen. Die Stadt bat den Titel:„erzbiſchoͤfliche.“ Sechs venetianiſche Nobili bilden die Regierung der Stadt, und bleiben 24 Monate in ihrer Amtsverwaltung. Der erſte hat den Titel: Vogt(Bailo); der zweite: Verwalter (Proveditor); der dritte: Capitano; der vierte: Rath; aoſtes B. Griechenland. I. 3. 3 274 der fuͤnfte: Capitano der Neuſtadt; der ſechſte: Burg⸗ vogt der Altſtadt. Im Jahre 1537 landeten 285,000 Tuͤrken mit 30 Stuͤck Geſchuͤtz, unter Anfuͤhrung des Barba⸗ roſa, auf Befehl Soliman's, auf der Inſel. Sie errichteten 4 Schanzen, beſetzten dieſelben mit ihrem Geſchuͤtze, und beſchoßen die Stadt; allein ſie waren zu weit entfernt, und konnten keine Breſche ſchießen; das Geſchuͤtz der Hauptfeſtung aber richtete unter den Tuͤrken ein großes Blutbad an. Fuͤnf tuͤr⸗ kiſche Galeeren ſanken, und die Galeere des Barba⸗ roſa ſelbſt wurde faſt unbrauchbar gemacht. Zu gleicher Zeit wurde ein Eilbote an den venetianiſchen Geſandten zu Rom abgeſchickt, er moͤge dem Papſt, und dieſer dem Kaiſer, vorſtellen, welche außerordent⸗ liche Gefahr durch den Verluſt der Inſel Korfu, fuͤr die Koͤnigreiche Neapel und Sizilien, wie fuͤr ganz Italien entſtehen wuͤrde. Der Papſt ſollte alſo den Kaiſer vermoͤgen, s0 Galeeren und eben ſo viele an⸗ dere Fahrzeuge, die er ſchon fruͤher gegen die Tuͤrken angeboten hatte, mit der Flotte der Republik zu vei⸗ einigen. Die letztere beſtand aus 100 Galeeren, 10 Ga⸗ leazzen und anderu Fahrzeugen, und endlich aus 3 Galeonen. Der Papſt nahm dieſen Antrag zwar mit Bereit⸗ willigkeit auf, und gab ſich alle Muͤhe, der bedrohten Chriſtenheit Huͤlfe zu verſchaffen; ſeine Bemuͤhung war aber fruchtlos. Doch die Republik leaſtete den 275 Unglaͤubigen ohne andere Beihuͤlfe den kraͤftigſten Wi⸗ derſtand, zwang den Feind endlich zum ſchaͤndlichen Nuͤckzuge, und Ko rfu wurde gerettet. Die um Korfu herum liegenden Inſelchen und Klippen ſind folgende: Fanari oder Ottonus, weſtlich von der Inſel Korfu, zu der ſie gehoͤrt, liegt 15 Meilen vom korfui⸗ La Serpe(die Schlange), eine Klippe in der Meerenge zwiſchen Korfu und Epirusz in der Naͤhe ſind mehrere Untiefen, die den Seefahrern ſehr gefaͤhr⸗ lich ſind. S. Vido(Pitia der Alten), eine Klippe, die Korfu in einer Entfernung von 2 Meilen gegenuͤber liegt, iſt reich an Oliven. Condiloniſi, eine ſuͤdweſtlich von Korfu ge⸗ legene Klippe; ſie iſt mit Rohren bewachſen, deren man ſich als Schreibfedern bedient. Es beſindet ſich auch darauf eine der h. Jungfrau geweihte Kirche. S. Demetrio iſt eine kleine Inſel, auf welcher ein Lazaret, mit einer Apotheke und allen Nothwen⸗ digkeiten verſehen, zur Bequemlichkeit von Korfu, erbaut iſt. In der Naͤhe dieſes Inſelchens weißer Felſen aus dem Mee ein Schiff mit ausgebreitet 276 der heidniſchen Fabel iſt dieſes das verſenkte Schiff des uerhiſſe s, von den Goͤttern in einen Felſen verwan⸗ elt.. 3 Paxu iſt ſo bevoͤlkert und reich an Lebensmitteln, als die vorzuͤglichſte der erſt benannten Inſelchen. Sie liegt auf der ſuͤdoͤſtlichen Seite Korfus, 12 Meilen von Epirus und 100 vom Vorgebirge S. Iſidor, auf Teffalonia, hat nach Einigen 25, nach Ande⸗ ren 10 Meilen im Umfange. Auf der Nordweſt⸗Seite iſt der Hafen S. Nicolo, geraͤumig genug um jede Art Schiffe aufzunehmen. Au dem Eingang deſſelben iſt eine Klippe. Zwiſchen Weſt und Suͤdweſt iſt die Bucht oder das Thal S. Andrea, das fuͤr die Ga⸗ leeren ſehr bequem iſt; ſuͤdoͤſtlich iſt das Thal Uromo Limione. Auf der mittaͤglichen Seite liegt die fruchtbare aber unbewohnte Inſel Antipaxa, deren Ernte die Bewohner von Paxa einſammeln. Zwi⸗ ſchen dieſen beiden Inſeln iſt das Meer außerordentlich tief, und in dem Kanale zwiſchen den Inſeln und dem feſten Lande, 2 Meilen von Paxu entfernt, iſt aber eine ſchreckliche Sandbank, die mit der Waſſer⸗ hoͤbe gleich ſteht. 3 Paxu ſoll ehemals einen Theil der Inſel Korfn ausgemacht haben, und durch die Heftigkeit der Wel⸗ len davon getrennt worden ſeyn. 277 Von der Inſel und dem Koͤnigreiche Negroponte. 1 Groͤßer und edler als die andern Inſeln des Ar⸗ chipels iſt die prachtvolle Inſel Egriponte, oder wie ſie gemeiniglich genannt wird, Negroponte. Bei den Duͤrken heißt ſie Eg ribos, und die alten Lateiner nannten ſie Su boea. Dieſe Inſel, welche den Titel eines Koͤnigreichs fuͤhrt, ſoll ehemals mit Boëtia zuſammenge haͤngt, und durch ein Erd⸗ beben, oder wie Andere behaupten, durch die ſtarke Fluthung des Meeres davon getrennt, und dadurch der Kanal Euripos entſtanden ſeyn. Ste hat einen Umfang von 365 Meilen. Ihre Laͤnge von Suͤdoſt bis Nordweſt betraͤgt 90, ihre groͤßte Breite 40, und ihre kleinſte 20 Meilen. Auf dieſer letzten Seite haͤngt ſie mittels einer Bruͤcke mit dem feſten Lande zuſammen, Sie iſt von zwei Vorgebirgen, naͤmlich von dem Kapo Lithar und von dem Kapo dell' Oro eingeſchloſ⸗ ſen. Erſteres liegt dem Meerbuſen von Volo gegen⸗ uͤber, in der Naͤhe der Kuͤſte Artemiſa, wo die Flotte der Griechen, in dem Kriege mit e rres, lag. Das zweite, auf der Oſtſeite des Archipels, auf einer Anhoͤhe deſſelben, ſolll einſt der Beherrſcher der Inſel, NRauplio genannt, ein großes Feuer angezuͤndet haben, um den von Troja zuruͤckkehrenden Griechen den ſichern Hafen zu zeigen, wodurch aber ihre Schiffe verbrannten, und ſie in das Verderben geſtuͤrzt wur⸗ den. Die Hauptſtadt der Inſel, Chalus genannt, hat jetzt gleichen Namen mit der Inſel; ſie war einſt der Sitz eines Biſchofs, und ſtand unter dem Erzbi⸗ ſchoͤfe von Athen, ſpaͤter wurde ſie ſelbſt der Sitz eines Erzbiſchofes. Sie liegt in einer Ebene, am Ufer des Euripos. Der von Mauern eingeſchloſſene Theil der Stadt hat ungefaͤhr 2 Meilen im Umfange; außer⸗ halb der Mauern aber ſind noch Vorſtaͤdte und einzelne Haͤuſer, welche allein von Chriſten bewohnt ſind; hin⸗ gegen iſt die Stadt von Tuͤrken und Juden bewohnt. In der Stadt ſind 2 Moſcheen, und eben ſo viele au⸗ ßer der Stadt. Hier haben auch die Jeſuiten ein Kollegium, wo ſie dem Unterrichte der Jugend ſich widmen. Man zaͤhlt in der Stadt ungefaͤhr 60,000 Einwohner. Ein großer Graben trennt die eigentliche Stadt von den Vorſtaͤdten. Die ganze Inſel nebſt einem Theile von Boöëtia ſteht unter dem Befehle eines Capitan Paſcha, und in deſſen Abweſenheit wird ſeine Stelle durch einen Lieutenant, Kiaia oder Sus⸗ kiaia genannt, vertreten. Auch ein Bey iſt auf der Inſel mit einigem Gehalte angeſtellt, der eine Galeere unterhalten muß. In der Gegend, wo das Bett des Euripos am engſten iſt, haͤngt die Stadt mittel einer Bruͤcke, die s ſchmale Bogen, von 30 Schritien in der Laͤnge, hat, mit dem feſten Lande zuſammen⸗ Die Bruͤcke fuͤhrt naͤmlich vom feſten Lande zu einem Thurm, den die Venetianer in der Mitte des Kanals erbaut haben; uͤber der Pforte dieſes Thurmes ſelt 279 man noch das Bild vom St. Mareus eingehauen. Ein zweiter Thurm iſt an dem Thore der Stadt er⸗ baut, und zwiſchen dieſen beiden Thuͤrmen iſt eine Zugbruͤcke von 20 Schritten in der Laͤnge, wo die Ga⸗ leeren durchgehen. Die biſchoͤfliche Stadt Cariſto, von den Franzoſen Chaäteau-Rour genannt, hat ſich auch noch erhalten, und ſtehet unter dem Erzbi⸗ ſchofe von Chalus. Sie liegt s0 Meilen von letzterer Stadt entfernt, nahe am Vorgebirge Cafareo. Eretria, eine andere biſchoͤfliche Stadt, war einſt eben ſo beruͤhmt als Chalus; ſie wurde vor der Zerſtoͤrung Troja's von einer Kolonie Athenienſer am Ufer des Euripos erbaut. Die Inſel iſt ganz ſteinig, hat aber dennoch an manchen Gegenden einen herrlichen Boden, und beſonders viele Waͤlder, die gutes Holz zum Schiffbau liefern. In der Naͤhe von Cariſto beſindet ſich ein Berg gleiches Namens, aus dem der ſchoͤnſte Marmor gezogen wird; nicht weit davon wird auch der Asbeſt oder Steinflachs ge⸗ funden, der in das Feuer geworfen, weiß, und zu Leinwand verarbeitet wird. In dem Gebiete von n, de⸗ gen iſt. ag, um Chalus waren einſt Kupfer⸗ und Eiſen⸗Mi ren Spur aber gegenwaͤrtig verloren gegan Uebrigens erzeugt die Inſel Baumwolle zahlreiche Fiotten mit Segelwerk zu verſehen. Viele warme Baͤder machen den Aufenthalt in derſelben angenehm. Zwei Fluͤſſe bewaͤffern die Juſel, wovon, wie die Dichter ſagen, jener die Wolle der 280 Schafe, die daraus trinken, ſchwarz, und dieſer weiß faͤbt. Die Inſel hat uͤbrigens einen ſolchen Ueberfluß an allen Beduͤrfniſſen, daß Pius V. mehreren Kapi⸗ taͤns rieth, die Tuͤrken in dieſem Koͤnigreiche, wo ſich ein ganzes Heer erhalten kann, zu bekaͤmpfen. Viele gute Haͤfen machen den Beſitz dieſer Inſel ſehr vor⸗ theilhaft. Auf der fuͤdoͤſtlichen Seite ſind viele Ort⸗ ſchaften, unter welchen die vorzuͤglichſte Spiritus iſt. Unter der Regierung des Doge Pietro Ziani trat der Kaiſer von Konſtantinopel dieſe bluͤhende In⸗ ſel den Venetianern freiwillig ab, um dadurch ſeine Erkenntlichkeit fuͤr die vielfaͤltigen Dienſte zu bezeigen; worauf Pietro Barbo, mit dem Zunamen il Zaneo, als Vogt von der Republik dahin geſandt wurde.. Im Juni des Jahres 1488 uͤberſiel eine tuͤrkiſche Flotte von 300 Segeln die Inſel, und zu dieſem Zwecke hatten die Feinde eine Bruͤcke uͤber den Euripos geſchlagen; ſie wurden aber von den Venetianern ſo empfangen, daß ſie ſich ſchnell wieder in ihre Galecren fluͤchten mußten. Doch am Ende deſſelben Monates erſchien Mehemet wieder mit 12,000 Soldaten, und bei dieſer Gelegenheit wurde eine neue Bruͤcke erbaut, die von der Kirche St. Mareus an, ſich eine Meile weit von der Stadt, uͤber den Kanal ausdehnte. Mit⸗ telſt dieſer Bruͤcke eroͤffnete ſich der Feind einen Wel zur Eroberung der Stadt Negroponte, die ſowohl in Hinſicht der ſchlechten, nach der damaligen Mt 281 angelegten Feſtungswerke, als auch in Hinſicht der geringen Anzahl der waffenfaͤhigen Vertheidiger, ſehr ſchwach war. Der Feind errichtete auf mehreren Or⸗ ten Batterien, und beſchoß die Stadt unausgeſetzt. Das Kommando in der Stadt hatten Giovanni Bondulmiere, Ludooico Calbo und Paolo Erizzi. Letzterer, deſſen Funktion als Vogt eben zu Ende war, verzoͤgerte bloß ſeine Abreiſe wegen der Gefahr, in welcher die Inſel ſich befand. Vier allge⸗ meine Stuͤrme wurden von den Belagerten muthig abgeſchlagen, und der Feind verlor dabei 4000 Mann. Nichts deſto weniger ſetzte derſelbe die Belagerung noch einen ganzen Monat fort, und bedraͤngte die Stadt, ſo⸗ wohl zu Waſſer als zu Land, außerordentlich. Neben⸗ bei ſuchte der Feind auch ſich der Stadt durch Verrath zu bemeiſtern; allein ſein Anſchlag wurde durch ein unſchuldiges junges Maͤdchen entdeckt. Dieſes fand naͤmlich einen Brief, aus welchem das Einverſtaͤndniß eines gewiſſen Tomaſſo Schiavo mit dem Feinde, zur Ueberlieferung der Stadt, hervor ging. Der Ver⸗ raͤther wurde hierauf von Luigi Delfini auf oͤffent⸗ lichem Markte ermordet und fuͤr ſein Bubenſtuͤck be⸗ ſtraft. Indeſſen wurden die Belagerten immer mehr in die Enge getrieben. Zwar eilte der General Ca⸗ nale mit 14 Fahrzeugen und 2 Galeeren zur Huͤlfe der bedraͤngten Stadt herbei, der Feind verſperrte ihm aber den Weg. Mehr durch Hunger, als durch erhaltene Wunden ermattet, verließ die Mannſchaft, welche das 282 Thor Bureliana vertheidigte, am 12. Juli 1649 um 2 Uhr ihren Poſten. Der Feind bemerkte die entbloͤßte Stelle, und drang ſogleich auf dieſer Seite bis in die Mitte der Stadt. Ga lbo wurde nun auf dem Markte ermordet, Bondulmiero in einem Hauſe. Paolo Erizzo, der ſich in einen feſten Ort zuruͤck gezogen hatte, vertheidigte ſich hier auf das Tapferſte. Der herbei gekommene Sultan ließ ihn auffodern, ſich zu ergeben, und verſprach, ihm das Leben zu laſſen. Unter dieſer Bedingung ergab ſich der Ungluͤckliche auch; allein der Tyrann hielt nicht Wort, und ließ den Tapferen in der Mitte des Leibes von einander ſaͤgen. Anna, die ſchoͤne, unſchuldige Tochter des Ermordeten, die ſich den Glanz ihrer jungfraͤulichen Tugend nicht nehmen laſſen wollte, wurde durch die eigene Hand des Tyrannen enthaup⸗ tet. Der Wuͤthrich ließ in der ganzen Stadt Niemand bei Leben, der das 20. Jahr bereits erreicht hatte. Nachdem er ſich ſatt im Blute der Chriſten gebadet und ſeinen grauſamen Durſt geſtillt hatte, legte er eine ſtarke Garniſon in die Stadt, und zog weg. Der Meerbuſen von Lepanto hat 100 Meilen in der Länge, und wird noͤrdlich von den Ufern Ach aj a's, ſuͤdlich von jenen Moreas begraͤnzt. Er wird vom joniſchen Meere mit Waſſer verſehen; ſeine ſehr breite Muͤndung wird durch zwei kleine Vorgebirge, die ge⸗ rade einander gegenuͤber liegen, gebildet. Das eine dieſer Vorgebirge, Kapo Antirio genannt, liegt in 1 283 Morea, iſt mit dem Kaſtell von Patras verſehen; und das andere, an der Kuͤſte von Achaja, Kapo Rione ge⸗ nannt, iſt ebenfalls mit einem Kaſtell, das romeliſche genannt, verſehen. Dieſe beiden Kaſtelle nennt man auch die Dardanellen von Lepanto; ſie ſind beide eineckig, mit ſtarken Mauern und guten Batterien, die mit dem Waſſer gleiche Hoͤhe haben, verſehen. Alle Wagren, welche aus dieſem Meerbuſen gehen, als: Leder, Oehl, Tabak, Reis und Gerſte, zahlen 3 Procent Zoll an den Enim, welcher jaͤhrlich 6000 Piaſter an den Großherrn abgeben muß. Ehemals war hier ein Sammelplatz aller Waaren, die von dem Abendlande ſowohl als von der Levante durch den Meerbuſen von Engia kamen. Jetzt iſt die Einfuhr in dieſen Meerbuſen allen fremden Schiffen unterſagt, und dieſe muͤſſen daher zu Patras ausladen. Nur Seeraͤuber ſchiffen in den Meerbuſen, weßwegen auch Lepanto das kleine Algier heißt. Unter den Einwohnern dieſer Gegend ſind viele Mauren, welche eben ſo ſchwarze Kinder als in der Barbarei ſich zeu⸗ gen. Im Jahr 183s ſchloſſen die Venetianer, in Ver⸗ bindung mit dem Papſt und Karl V., den beruͤchtigten Barbaroſſa in dieſen Meerbuſen. Im Jahre 1511 drang eine zahlreiche tuͤrkiſche Flotte aus dem Meer⸗ buſen, und wurde von der heiligen Ligue geſchlagen. Auf der Morgenſeite des alten Zacconia, einer abſchuͤſſigen aber fruchtbaren Provinz des Peloponnes, die jetzt Braccia di Maina heißt, liegt am linken 284 ufer eines Meerbuſens, die erzbiſchoͤfliche Stadt Mal⸗ vaſia. Sie bat eine ſehr vortheilhafte Lage auf dem Gip⸗ fel eines ſteilen Felſens, der gleichſam im Meere einge⸗ wurzelt iſt. Die Stadt hat ſuͤße, reine Quellen, und 5 ſchließt einen Huͤgel ein, deſſen Ernte 50 Perſonen, wel⸗ che zur Vertheidigung derſelben hinreichend ſind, naͤhren kann. Von drei Seiten iſt ſie unzugaͤnglich, und auf der vierten von einer dreifachen Reihe dicker Mauern um⸗ geben. Daran ſchließt ſich eine große Vorſtadt, die ebenfalls von einer ſtarken Mauer umgeben iſt. Von da gelangen die Stadtbewohner auf das feſte Land, welches zungenfoͤrmig in das Meer hinein geht, und durch eine hoͤlzerne Bruͤcke mit der Stadt verbunden iſt. Die Stadt hat auch einen geraͤumigen Hafen, und derſelbe iſt ſehr gut von der Feſtung beſchuͤtzt. Der Wein, der in ihrem Gebiete waͤchſt, iſt an Vor⸗ trefflichkeit dem von Candia gleich. Dieſe Inſel⸗ Stadt ſtand ſeit laͤngerer Zeit unter der rechtmaͤßigen Herrſchaft der Venetianer, als im Jahr 1537 Soli⸗ mann, von ſeinem thraziſchen Throne herab, der Chriſtenheit, und vorzuͤglich den Venetianern, Ver⸗ derben und Untergang drohete. Er trug dem Caſſin, Sandſchak von Morea, die Belagerung dieſer Stadt auf. Dieſer ſammelte ein ſtarkes Heer und naͤherte ſich der Stadt; allein er fand das Unternehmen zu ſchwer, und befuͤrchtend bei dem Mißlingen Ruhm und Zeit zu verlieren, zog er ſich zuruͤck. Nichts deſto we⸗ niger kehrte er bald darauf zuruͤck, und bekam die 285 Stadt, nicht durch die Gewalt der Waffen, ſondern durch friedlichen Vergleich. Im Jahte 6sz erſchienen die Venetianer, unter Aufuͤhrung des Generals Foscolo, mit 22 Galeeren, 3 Schiffen und 6 Galeazzen, in der Naͤhe der Stadt. Da befahl der Anfuͤhrer, die Feſte, welche die Tuͤrken außerhalb der Vorſtadt erbaut hatten, ſchnell zu be⸗ ſtuͤrmen, welches auch mit ſo vieler Tapferkeit ausge⸗ fuͤhrt wurde, daß ſie am naͤmlichen Tage noch ihren Zweck erreichten. Waͤhrend ſie aber den fliehen den Feind verſpotteten und ſich ganz dem Jubel uͤberließen, ſprang unverſehens eine Mine, wodurch 150 der Sie⸗ ger auf dem Platze blieben, und eben ſo viele verwun⸗ det wurden. Doch die Venetianer raͤchten den Tod ihrer Gefaͤhrten, machten, was ſie antrafen, nieder⸗ ſchleiften die Feſte, und zogen mit 22 erbeuteten Ka⸗ nonen ab. Unter den edlen Staͤdten, welche einſt der Glanz der Provinz Argolis(des jetzigen Saecanias oder Romania minore) waren, hat Napoli di Roma⸗ nia, das die Griechen Anaplia nennen, ſeine ehe⸗ malige Vorzuͤglichkeit noch nicht verloren*). Die — *) Die Benenuung Nauplia, welche es in der alten Geſchichte hat, ſoll von Nauplio, ei⸗ nem Sohne Neptuns, der es erbaute, ent⸗ anden ſeyn. 4 Stadt liegt an der aͤuferſten Hoͤhlung eines Meerbu⸗ ſens, der von ihr den Namen hat, auf der Hoͤhe eines kleinen Vorgebirgs, welches nebſt einem andern einen breiten und ſichern Hafen mit einem engen Eingang bil⸗ det. Von der Landſeite kann man nur mittelſt eines, uͤber einen ſteilen Berg fuͤhrenden, gefaͤhrlichen Weges, in die Stadt gelangen, und anf der Meeresſeite iſt es von ſo hohen und ſteilen Ufern umgeben, daß dadurch nicht nur jede feindliche Landung erſchwert wird, ſon⸗ dern auch das Beſchießen der Stadt aus Galeeren faſt unmoͤglich iſt. Der Hafen, im Innern geraͤumig, iſt an der Muͤndung ſo enge, daß feindliche Galeeren nur einzeln durch den engen Paß dringen, und dabei von dem Geſchuͤtze eines Kaſtells, das 300 Fuß vom Meere eutfernt, auf einem hohen Felſen liegt und dieſen Engpaß beherrſcht, leicht in den Grund gebohrt wer⸗ den koͤnnen. Große Schiffe koͤnnen wegen der vielen Untiefen dem Kaſtell nicht nahe kommen, und ſo iſt Napoli di Romania durch Kunſt und Natur einer der feſteſten Plaͤtze Griechenlands. Vormals war Na⸗ poli di Romania eine biſchoͤfliche Stadt, und ſtand unter dem Erzbiſchofe von Korinth; jetzt iſt ſie die „Hauptſtadt eines Erzbiſchofs. Sie liegt 55 Meilen von Athen, 60 von Mi⸗ ſitra und 36 von Korinth; hier iſt der Sitz des Praͤfekten der ganzen Provinz, worin 60,000 Griechen und ſehr viele andere Einwohner ſind, welche aus einer aͤgyptiſchen Kolonie abſtammen ſollen. Nach 287 Baudraund ſoll die Stadt mit dem Gebiete den Ve⸗ netianern gegen eine Summe baares Geld, von dem Herzog Theodoro Sparta aggetreten, und meh⸗ rere Jahrhunderte unter der Herrſchaft der Republik geblieben ſeyn. Waͤhrend dieſer Zeit hatte ſie mehrere Belagerungen von den Tuͤrken auszuhalten, und wurde oft durch Hunger und Verrath auf das Aeußerſte ge⸗ bracht. Im Jahre 1460 wollte Mahomet II. ſich der Stadt mit Gewalt bemeiſtern, und auf ſeinen Befehl beſagerte Maemut Paſcha mit einem zahlreichen Heere die Stadt. Doch er fand ſo kraͤftigen Widerſtand in der tapfern Vertheidigung der Belagerten, daß er ſich nach vielen vergeblichen Stuͤrmen mit großem Verluſte zuruͤck ziehen mußte. Solimann, der von der Laͤn⸗ derſucht noch mehr als ſeine Vorgaͤnger beherrſcht wurde, gab im Jahr 1537 dem Sandſchak von Morea den Befehl, mit einem ſtarken Heere vor die Feſtung zu ruͤcken und ihre Eroberung zu bewirken. Dieſer vollzog zwar den Befehl ſeines Herrn; allein er er⸗ kanute die faſt nicht zu uͤberwindende Schwierigkeit ſeines Vorhabens, und zog ſich ebenfalls unverrichteter Sache zuruͤck. Doch kaum waren 2 Jahre verfloſſen, ſo erſchien er wieder und erreichte ſeinen Zweck, zwar nicht durch die Gewalt der Waffen, denn gegen dieſe war ſie unuͤberwindlich; die Republik war aber durch die langen Kriege ſo ſehr bedraͤngt, und die Hungers⸗ 288 noth nahm ſo ſehr zu, daß ſie den Frieden durch Ab⸗ tretung dieſer Feſtung erkaufen mußte. Die Stadt und Feſtung Santa Maura liegt auf einer Inſel, zwiſchen der Inſel Lefeada und dem feſten Lande. Mit dieſem ſteht ſie vermittelſt mehrerer kleiner Inſeln in Verbindung, welche letztere durch eine gleiche Anzahl von Bruͤcken zuſammen haͤn⸗ gen; mit jener ſteht ſie durch eine Bruͤcke und eine berrliche Waſſerleitung aus Steinen, von einer Meile in der Laͤnge, und die auf 360 Bogen ruht, in Ver⸗ bindung. Gegen Morgen hat ſie eine ſandige Land⸗ Zunge, deren Richtung den Hafen von Demata bildet. Ihre Mauern bilden ein unregelmaͤßiges Sie⸗ beneck(Heptagona) mit s Thuͤrmen, die ſie von der Seite decken. Im Jahre 1479 wurde ſie von den Tuͤrken der Herrſchaft einiger griechiſchen Fuͤrſten, die ſie in Be⸗ ſitz hatten, entriſſen.— Im Jahre 1502 aber, bemaͤchtigte ſich der vene⸗ tianiſche General Peſaro der Inſel, und die Fahnme des Halbmondes mußte dem ruhmvollen Panier des beil. Marcus Platz machen. Doch wurde ſie in einem Friedensſchluß mit Bajazet den Tuͤrken wieder ab⸗ getreten. Von dieſer Zeit an wurde die Inſel ein Neſt von raͤuberiſchem und boͤſem Geſindel, ſo daß ſie den Haß der ganzen Chriſtenheit auf ſich zog, und den Wunſch allgemein rege machte, dieſen Schlupf⸗ Winkel der Raͤuber zu zerſtoͤren. Der Kapitaͤn⸗General 289 Moroſini, deſſen religioͤſes Gefuͤhl noch uͤberdieß dadurch empoͤrt wurde, daß eine Stadt, welche einen heiligen Namen fuͤhrt, ſolchen ruchloſen Buben zum Aufenthalte dienen ſollte, unternahm endlich die Er⸗ oberung. Er ging dabei mit ſo vieler Tapferkeir und Ungeſtuͤm zu Werke, daß der auf das Aeußerſte bedraͤngte Feind kapitulirte und freien Abzug unter der Bedin⸗ gung, alles was ſie tragen konnten, mit ſich zu neh⸗ men, erhielt. So kamen die Venetianer wieder zum Beſitz dieſes wichtigen Poſtens. Sie richteren die Al⸗ taͤre des Herrn wieder auf, ſtellten die beſchaͤdigten Theile der Stadt wieder her, und vermehrten die Be⸗ feſtigung bedeutend. 3 Die Inſel Cefalonia, ehemals Ceffo oder Chieffali genannt, ſoll ihren Namen von dem grie⸗ chiſchen Worte KsHa*y haben, weil ſie gleichſam der Kopf und die vorzuͤglichſte der andern Inſeln des jo⸗ niſchen Meeres iſt. Ehemals waren 4 Staͤdte auf der⸗ ſelben; daher wurde ſie auch Tetrapolis genannt. Sie liegt zwiſchen dem 37 und 380⁰ n. Br. und dem 460 d. L., und hat einen Umfang von 170 Meilen. Sie bildet ein Dreieck, wovon der noͤrdlichſte Winkel, der am weiteſten hervor geht, das Kapo Guiscardo bildet. Gegen Oft liegt ſie Chiarenza in Morea gegenuͤber. Weſtlich gegen Sizilien; ſuͤdlich gegen die Inſel Corfu. Mit der Inſel Zante, welche 18 Meilen davon entfernt iſt, bildet ſie den ſogenannten Kanal von Zante, und auf der andern Seite, von aoſtes B. Griechenland. I. 3. 4 290 dem Kapo Guiseardo, bis an Val d⸗Aleſ⸗ ſandria, bildet ſie mit der Inſel Teacchi, den ſogenanuten Kanal Guiscardo, der, wo er am eng⸗ ſten iſt, nur 3 Meilen in der Breite hat. Sie hat mehrere Buchten, in welchen Galeeren, ja ſogar große Flotten einen Zufluchtsort finden koͤnnen. Dieſe ſind Val d'Aleſſandria, Val di Guiscardo, Val d'Aſſo, Foechi und Atterra; endlich hat ſie den Hafen Argoſtoli. Sie iſt in 19 Diſtrikte getheilt; in jedem derſelben ſind mehrere Weiler oder Villen, welche nach den ſie bewohnenden Familien genannt werden; denn manche Villa hat nur 3 Haͤuſer und die groͤßte nur 20. Die Einwohner dieſer Inſel ſind alle von kriegeriſcher und wilder Gemuͤthsart. Die Namen der Diſtrikte oder Pertinenzen ſind: Piete Monte, Liouato, Coſſimig, Plateis, Leo, Scala, Valta, Coromus, Raeli, Pirghi, Samo, Pillaro, Eriſſo, Thineg, Potamina, Malu, Thallamies, Palichi und Atterra... Die Inſel iſt ſehr fruchtbar an Roſinen, und die Englaͤnder nehmen jaͤhrlich große Ladungen von dieſem Artikel ein; welches der Republik vieles Geld einbringt, Sie erzeugt ferner Agrumen(ſcharf ſchmeckende Ge⸗ waͤchſe, als Zwiebel und Knoblauch), von außerordent⸗ licher Groͤße. Das Getreide, welches in der ganzen Winterzeit geſaͤet wird, wird im Juni geerntet. Die Weinſtoͤcke erheben ſich nicht hoch uͤber die Erde, und werden vier Mal im Jahre beſchnitten; die Baͤume tra⸗ gen meiſtens zwei Mal im Jahre Fruͤchte, naͤmlich im 3 . 291 April und November; die Fruͤchte des letztern Monats ſind aber kleiner als die des erſten; doch gibt es auch im November eine Menge Nareiſſen und Hyaeinthen. Roſen und Nelken ſind im ganzen Winter gewoͤhnlich. Der Nordwind bringt im Sommer außerordentliche Hitze; die Bauern treiben alsdann ihre Thiere in Hoͤh⸗ len, die auf dieſer Inſel ſehr haͤufig und groß ſind. Die Inſel wird von einem Proveditor verwaltet, dem zwei Raͤthe vom Adel untergeordnet ſind; dieſe Letz⸗ tern beſorgen abwechſelnd, immer einen Monat, die offentliche Einnahme und Ausgabe, und bleiben beide 24 Monate in Thaͤtigkeit. Die Stadt, welche mit der Inſel gleichen Namen hat, iſt von geringem Umfange, und liegt auf einem Berge, s Meilen vom Hafen Argoſtoli entfernt; ſie ſieht unter dem Biſchof von Zante. Im Jahre 1224 uͤbergab der damalige Beherrſcher der Inſel Cefalonia„mit Namen Gaio, aus blo⸗ ßer Achtung und Freundſchaft, dieſelbe der Republik. Im Jayhre 1479 lief eine große tuͤrkiſche Flotte aus Gallipoli, und bemaͤchtigte ſich der Inſel. Im Jahre 1499 aber erſchien die vereinigte Flotte der Ve⸗ netianer und der Spanier, dieſe unter Anfuͤhrung des tapfern Kapitaͤns Con ſalvo, und jene unter dem General Piſan i, vor Cefalonia. Sie landeten und fingen die Belagerung der Stadt, die eine Beſatzung von 600 Mann hatte, au. Sie warfen hohe Schanzen auf, von deren Hoͤhe herab ſie die Verſchanzung der * 232 Tuͤrken beherrſchten; dieſe waren gezwungen, die Mauern zu verlaſſen, worauf die Venetianer ſtuͤrm⸗ ten, und Alles nieder machten. Hierauf nahmen ſie auch die ganze Inſel ein, und Luigi Salamon wurde Stadt⸗Kommandaut, Giovanni Veniero Feſtungs⸗Kommandant, und Gouverneur der ganzen Inſel wurde Francesco Leone. Die Inſel, welche durch dieſen Vorgang ſehr entvoͤlkert worden war, wurde mit neuen Kolonien beſetzt. V. Reiſe des Engländers Nichard Po⸗ cocke durch die griechiſchen Inſeln, Klein⸗Aſien, Thrazien und Grie⸗ chenland, 1739 und 1740. Vom Herausgeber“). Erſtes Buch. I. Von der Inſel Secio. Am 1. Oct. 1739 begab ich mich zu Kanea auf ein franzoͤſiſches Schiff, ſegelte vor den meiſten kleinen Inſeln vorbei, und landete den 4. bei Seio(X!o, Xos, Aetalia, die Maſtix⸗Inſel). Sie liegt jenem großen Vorgehirge weſtlich, welches der ſuͤdliche Theil *) Vexgl. die erſte Anmerdung Pococke's Reiſe durch Aegypten, im 1 aͤndchen dieſer Taſchenbibl. Seite 494. x294 des Meerbuſens von Smyrna, gegen Mitternacht, und die Nordſeite jenes von Epheſus bildet. Jhre geringſte Entfernung vom feſten Lande betraͤgt 8 Mei⸗ len. Der noͤrdliche Theil iſt ganz bergig, und wird von den uͤbrigen Theilen durch den Namen Spane⸗ meria(das obere Viertheil) unterſchieden; deſſen ungeachtet gibt es darin einige ſchoͤne kleine Thaͤler. Das Gebirge erſtreckt ſich gegen Suͤdweſt, und endigt ſich gegen Mittag mit niedrigen Huͤgeln, auf welchen die meiſten Maſtix⸗Doͤrfer ſich befinden. Gegen Abend des Gebirges, um die Mitte der Inſel, ſind auch ei⸗ nige Maſtix⸗Doͤrfer, und gleichfalls im ſogenaunten Epinameria. Dieſe verbreiten ſich gegen die nord⸗ weſtliche Ecke; die andern Ooͤrfer dieſes Viertels lie⸗ gen gegen Mitternacht. Die ganze Inſel iſt ungefaͤhr 30 engliſche Meilen*) lang, 15 breit, und mag einen Umfang von oo haben. Dieſe Inſel wurde einſt von dem Genueſer Si⸗ mon Vignoſius eingenommen, und meiſtens von der Familie Juſtiniani aus Genua regiert. Die Tuͤrken bemeiſterten ſich derſelben 1566, die Chriſten aber behielten das Kaſtell bis 1595, in welchem die florentiniſchen Galeeren, welche unter Virginio Urſinio die Inſel wieder zu erobern ſuchten, zur uͤck *) So oft in dieſer Reiſe von Meilen die Rede iſt, werden nur engliſche zu erwaꝛ 25 Mi⸗ nuten verſtanden. 295 getrieben, und die Chriſen aus dem Kaſtell verdraͤngt wurden. Zu Ende des XVII. Jahrhunderts nahmen die Venezianer dieſe Inſel ein, behielten ſie aber nur 6 Monate, worauf ſie dieſelbe den Tuͤrken wieder uͤberlaſſen mußten, denn ſie hatten nur 30 Soldaten im Kaſtell gelaſſen, welche den Siegern ſich bald er⸗ geben mußten. Auf dieſer Inſel liegt nur die einzige Stadt Spio, von den Einwohnern der Ort oder die Stadt( Xε) genannt. Sie liegt um die Mitte eines ſeichten Meerbuſens an der Oſtſeite der Inſel. Suͤdwaͤrts iſt jenes ſchoͤne Land, welches Campo, und gegen Mitternacht der ſchmalere Strich, Livadia, genannt wird. Innerhalb dieſes Meerbuſens iſt noch ein kleiner: dieſer hat gegen Oſt zerſtoͤrte Bollwerke, an jeder Seite ein Wachthaus, und bildet den Hafen von Seio, in welchem die ausgeladenen Schiffe lau⸗ fen. Außerhalb deſſelben iſt eine Rehde, wo die groͤß⸗ ten Schiffe vor Anker liegen koͤnnen. Das Kaſtell iſt dem Meerbuſen, welcher ungefaͤhr eine halbe Meile im Umfange hat, gegen Norden. Es wird nur von Tuͤrken und Juden bewohnt, und oͤfters werden auch Staatsgefangene aus Konſtantinopel dahin ge⸗ gebracht; wie bei meiner Anweſenheit der letztere Ve⸗ zier von Rhodis ankam. Doch haͤlt man es fuͤr ein gutes Zeichen, wenn ſie naͤher nach Konſtantino⸗ pel geliefort werden. Gegen Mitternacht des Kaſtells liegt Polai⸗ caſtro, oder die alte Burg, weßwegen die alte 296 Stadt an der Nordſeite des Hafens gelegen ſey! mag. Der vornehmſte Theil der heutigen Stadt iſ an der Weſtſeite deſſelben, und von der alten Stadt welche meiſtens vom gemeinen Poͤbel bewohnt wird, durch Gaͤrten abgeſondert. Sind gleichwohl die Straßen ſchmal, ſo iſt die Stadt doch ſchoͤn durch ihre Haͤuſen aus Quadern, welche von zuruͤck gebliebenen italiſchen Familien und reichen Griechen bewohnt, und groͤßten⸗ theils unter der genueſiſchen Herrſchaft erbaut ſind. Die Griechen haben in der Stadt viele Kirchen, wel⸗ che wegen des ſchoͤnen Schnitzwerkes vor dem Altare zu ſchaͤtzen ſind. Eine der Kirchen iſt ein ſchoͤnes Ge baͤude; es hat Gallerien, welche auf Pfeilern ruhen, und wurde erſt kurz vor der Herrſchaft Venedig's ge⸗ baut. Die alte und neue Stadt enthaͤlt außerhalb der Mauern ungefaͤhr zwei Meilen im Umfange. 1 Das Campo, oder die Ebene von Seio nordwaͤrts der Stadt, iſt ein ſehr ſchoͤnes Land, ungefaͤhr zwei Stunden lang und eine breit, und beſteht aus Gaͤrten mit Luſthaͤuſern. Die Gaͤrten ſind mit Mauern ein⸗ geſchloſſen, und groͤßtent heils kleine Waͤlder von Li⸗ monien Baͤumen. Die Landhaͤuſer ſtehen ſo nahe an einander, daß ſie einer Vorſtadt gleich ſehen, und von der See betrachtet, den Aublick einer an einander haͤn⸗ genden Stadt gewaͤhren. Die Ebene gegen Nord und Suͤd iſt etwa 4 Stunden lang, und an den meiſte Orten eine engliſche Meile breit, zuweilen auch breiter. In dieſer Ebene beſinden ſich verſchiedene Gaͤrten von — 297 Maulbeer⸗Baͤumen fuͤr die Seidenwuͤrmer. Die ſchoͤn⸗ ſten haben ſowohl in der Mitte, als auf der rechten und linken Seite des Hauſes einen Spatziergang, mit viereckigen Saͤulen auf beiden Seiten, zwiſchen wel⸗ chen Sitze aus Quaderſteinen ſich befinden. Die Pfei⸗ ler tragen ein Gitterwerk, welches mit Weinfoͤcken uͤberzogen iſt, und auf beiden Seiten ſind kleine Waͤl⸗ der von Orangen⸗ und Limonien⸗Baͤumen. Einige Eigenthuͤmer haben in ihren Gaͤrten Ka⸗ pellen, und unter denſelben ein Familien⸗Begraͤbniß. Hieher begeben ſich faſt alle Einwohner der Stadt waͤhrend des Sommers, und kehren erſt im Winter dorthin zuruck. Auch zur Peſtzeit gehen ſie aus der Stadt in die Gartenhaͤuſer; wie auch im Fruͤhlinge vor meiner Ankunft wegen des Erdbebens geſchah. Doch ſchloßen ſie bald auf groͤßere Sicherheit in der Stadt, wo die Haͤuſer an einander ſtehen, und eines das an⸗ dere gegen die Stoͤße haͤlt. Die Doͤrfer der Ebene liegen gegen den fuͤdlichen und fuͤdweſtlichen Theil; doch ſehen ſowohl dieſe, als alle so Doͤrfer faſt Staͤd⸗ ten gleich. Sie beſtehen aus mehren ſchmalen Straßen, die Haͤuſer ſind an einander gereihet, mit Thoren verſehen, und haben gewoͤhnlich— beſonders in Ma⸗ ſtix⸗Doͤrfern— ein Kaſtell. Vermuthlich wurden ſie ſo gebaut, um gegeu die Streifereien vom feſten Lande geſichert zu„yn. Auf einem Huͤgel ſuͤdwaͤrts dieſer Ebene iſt das große Kloſter St. Minas, wovon man zu den Huͤgeln hinauf kommt, auf welchen 20 Ma⸗ 298 ſtix⸗Doͤrfer, und zwar bis auf 4 ſuͤdlich der Ebene lie⸗ gen; eines dieſer 4 an den Huͤgeln gegen Abend wird St. Georg genannt. Es erzeugt zwar keinen Ma⸗ ſtix, genießt aber doch die Fretheiten wie die uͤbigen, weil es die 3 uͤbrigen gegen Abend gleichſam bewacht. Dieſe Flecken haben große Freiheiten; ſie geben keine Steuern, ſondern nur eine gewiſſe Quantitaͤt Maſtix an den tuͤrkiſchen Kaiſer. Sie ſind nur ihrem Aga unterworfen, duͤrfen Glocken in ihren Kirchen haben, weiße Binden um ihre Turbane tragen, und ſind Chriſten. Im erſten Flecken iſt eine Wache, welche zu der Zeit, als Maſtix gefertigt wird, Niemanden ohne Erlaubniß des Aga eintreten laͤßt. Der Maſtix⸗ Baum, auch Lentiseus, und im Arabiſchen Carice genannt, iſt entweder wild oder gepflanzt. Die wilde Art ſah ich in Syrien und Kandien uͤberfluͤſſig; ſie traͤgt eine kleine rothe Beere, und wird durch Able⸗ ger fortgepflanzt; doch iſt die gepflanzte fruchtreicher, obſchon ſie keine Beeren hat. Dieſer Baum iſt ein großer Strauch, welcher zuweilen eine Hoͤhe von funfzehn Fuß erreicht; man rechnet ihm ein maͤnn⸗ liches und weibliches Geſchlecht zu. Das Weibchen hat groͤßere und hellgruͤnere Blaͤtter, und liefert den beſten Maſtix. Jener, welcher zuerſt hervor trieft, iſt der beſte. Am 9. Juli(nach Tournefort am 1. Auguſt) werden Loͤcher in die Rinde kreuzweis ge⸗ ſchnitten, das dazu gehoͤrige Juſtrument gleicht einer Schuſter⸗Ahle, iſt zweiſchneidig, und hat eine Soitze 8 — 299 von 1/s Zoll breit. Man kehrt den Boden rein ab, begießt ihn mit Waſſer, und ſtampft ihn feſt, damit er glatt und eben werde. Nach 1—3 Tagen faͤngt das Gummi an zu triefen; dann bleibt es 8 Tage liegen, waͤhrend welcher es ſo hart wird, daß man es ergreifen kann. Der Baum fließt waͤhrend des ganzen Auguſts; nur wird das Gummi ſoaͤter nicht wehr ſo gut, als anfangs. Faͤllt Regen ein, welcher den feſt geſchlagenen Boden erweicht, ſo leidet die Ernte großen Schaden: denn das fluͤſſige Harz zieht ſich in die Erde und verſenkt ſich. Das beſte und feinſte Gummi wird Fliscari genennt, wovon ein Ocke um zwei Thaler verkauft wird; das uͤbrige koſtet nur 1 bis 14⁄½. Was die Einwohner uͤber die dem tuͤrkiſchen Kaiſer zu entrichtende Quantitaͤt erhalten, duͤrfen ſie verkaufen. Doch glaube ich, daß das meiſte Gummi heimlich verkauft wird, damit die Abgabe nicht erhoͤht werde. Man ſagte mir, das Waſſer, worin das Holz des Maſtix⸗Baumes geſotten wird, helfe gega das Po⸗ dagra; weßwegen manche Leute ſolches Hoz heimlic nach Italien ſendeten. Die Tuͤrken, vorzuͤglich die Weiber, kauen ihn, um die Zaͤhne weiß zu erhalten, und den Athem wohlriechend zu machen; weßwegen er von den Frauenzimmern des Serails am meiſten gebraucht wird. Man verwendet auch Mazix, um das Brod wohl ſchmeckend zu machen. Der weißeſte und hellſte iſt der beſte; er wird nach einem Jayre 3⁰0⁰ gelb; doch ſoll er ſeine Kraft nicht verlieren. Man nimmt dem wilden Baume die Bluͤte, welche Fruͤchte tragen wuͤrde, ab, damit beſſeres und mehr Gummi abfließe; das baldige Beſchneiden entkraͤftet den Baum und hindert das Bluͤhen. An dem gepflanzten Ma⸗ ſtiv⸗Baume bemerkte ich eine Art ſchwarzer, trockner Blume, welche der Blume des Maͤunchens vom Eſchen⸗ baume glich. Solche Blumen beiderlei Geſchlechts findet man zuweilen auf allen Baͤumen, obgleich ſonſt nur maͤnnliche Baͤume ſolche Blumen tragen. Der Maſtix darf nirgends anders auf der Inſel gewonnen werden; ſchon Dioſkorides haͤlt ihn fuͤr den beſten. Ich reiſte gegen Suͤd fort, beſuchte zwei Kloͤſter, und ließ mir ein Stuͤck Land bei einem Winterſtrom zeigen, welches ungefaͤhr zwei Meilen im Umfange hatte, und nach einer großen Fluth ſo nieder geſun⸗ ken war, daß Baͤume und Haͤuſer umgeworfen wur⸗ den. Ich ſah die noch vorhandenen Denkmaͤler die ſes Ungluͤckes, welches durch eine unterirdiſche Hoͤhle veranlaßt worden ſeyn mag, deren eine Seite durch die Fluth vielleicht locker geworden und eingefallen war. Es waren in dieſer Gegend drei kleine Kloͤſter und ein Nonnen⸗Kloſter, welches ich beſuchte. Die Nonnen bauen oder kaufen ihre Zimmer, welche halb dem Hauptkloſter zu Neamoni, und halb den Ver⸗ wandten der Verſterbeneu gehdron⸗ Sie duͤrfen ihre Geluͤhde vor dem 26 Jahre nicht ablegen; ſie werden 301 von der Aebtiſſin aufgenommen, haben aber keine gewiſſe Einkuͤnfte, ſondern leben von ihren Mitteln, oder ihrer Arbeit in der kloͤſterlichen Manutaktur des feinen Barchents. Sie haben die Freiheit auszugehen; daher begeben ſie ſich oͤfters zu ihren Verwandten, und halten ſich einige Monate bei ihnen auf. Die Thuͤren des Kloſters ſind ſtets offen, daß Jedermann ohne Aufſehen frei hinein gehen kann. Aus Gefaͤlligkeit fuͤr die Reiſenden ſingen ſie fuͤr ein Stuͤck Geld ein Lied, welches ſie eine Paraeleſis nennen, in ihrer Kirche. Manche leben im Kloſter, ohne jemals ein Geluͤbde abzulegen, oder wenigſtens nicht eher, bis ſie das uͤber alle Verſuchung erhabene Alter erreicht haben. In dieſem Nonnen⸗Kloſter befinden ſich einige — alte Weiber, welche von den Almoſen der Reiſen⸗ den leben. Von den Maſtix⸗Doͤrfern kamen wir zu dem Orte Selaviaz welcher ehemals von Genueſern und Ve⸗ nezianern bewohnt wurde; jetzt befinden ſich daſelbſt nur wenige roͤmiſch⸗katholiſchen Familien noch. Swei ihrer praͤchtigen Haͤuſer ſind noch uͤbrig; vor einem derſelben ſteht ein ſchoͤner Springbrunnen. In dem Flecken Carchioſe iſt uͤber der Kirche ein altes Stuͤck erhabener Arbeit, welches den Einzug Jeſus in Je⸗ ruſalem vorſtellt; auch noch andere Stuͤcke. Wir gingen nordwaͤrts zwiſchen den Bergen, dann gegen Abend zu dem großen Kloſter von Neamone, welches etwa zwei Stunden weſtwaͤrts von der Stadt 302 auf einem Huͤgel liegt. Der Kaiſer Konſtantin Omonomilos ſtiftete dieſes Kloſter, oder baute wenigſtens die Kirche, weil ſie mit ſeinem und ſeiner Gemahlin Thea Bildniſſe geziert iſt. Das Kloſter iſt groß und unregelmaͤßig um einen laͤnglich viereckigen Hof und 2 bis 3 kleinere Hoͤfe gebaut; deſſen Kirche wird fuͤr eine der ſchoͤnſten im Archipel angeſehen. Sie ſcheint anfangs zwei Portiko gehabt zu haben, wozu ſpaͤter noch eine kleinere mit einem Thurme unſchick⸗ lich hingefuͤgt wurde. Alle Thuͤr⸗Gewande ſind aus Jaspis oder feineni Marmor, wie die auf jeder Seite befindliche Saͤule. Der Abt des Kloſters wird nur auf zwei Jahre gewaͤhlt; Frauenzimmer haben keinen Zutritt in daſſelbe; waͤhrend des ganzen Jahres wird kein Fleiſch gegeſſen. Die Zahl der Konventuale be⸗ traͤgt gewoͤhnlich 200oͤ, wovon 25 Prieſter, 50 Kreuz⸗ traͤger ſind, welche nie Fleiſch eſſen. Auf dem Wege von dem Kloſter nach der Stadt iſt ein Huͤgel, welcher der marmorne Diſch genannt wird, aus welchem der Jaspis genommen wurde, wel⸗ cher fein und roͤthlich iſt. Ich ſah auf den Seiten des Gebirges zwei von den Brunnen, deren Waſſer bei s bis 6 Meilen Wegs durch ein Thal in Rohren geleitet wurd. Die Ebene gegen Mitternacht der Stadt wird Li⸗ vadia genannt, und iſt faſt zwei Stunden lang. Auf derſelben liegt der kleine Flecken Sretes; au deren Ende und gegen Suͤd des Meerbuſeus iſt das Alter⸗ 303 thum, welches die Schule Homers heißt. Es liegt nicht weit vom Meere am Fuße des Gebirges Spos, und iſt jetzt ſehr ungeſtaltet; die mittlere Fi⸗ gur ſoll vieleicht Homer, und die beiden zur Seite die Muſen vorſellen; durch die Loͤwen⸗Koͤpfe ſcheint das Feuer und die Staͤrke der Dichtkunſt Homers ausgedruckt zu ſeyn. Vielleicht wurden einſt hier ſeine Gedichte blos vorgeleſen und erklaͤrt. Etwa 2 bis 3 Stuunden gegen Mitternacht liegt der Hafen Del⸗ fin, dieſem gegenuͤber die Inſeln Spermadori, welche bloß von Hirten bewohnt werden. Der Muͤn⸗ dung des Kanales gegenuͤber liegt Mitylene, das alte Lesbos, etwa 40 Stunden von einander. Eine Stunde gegen Abend von der nordoͤſtiichen Seite von Seio, welche Lag uardia heißt, iſt der tiefe Mrer⸗ buſen von Fana, welcher bei der Oeffuung weit, ge⸗ gen das Ende aber ſchmaͤler iſt, und von der Inſel St. Margareth beſchuͤtzt wird, wo einſt ein Pal⸗ men⸗Wald und Apollo⸗Tempel war. Der innere Theil des Meerbuſens hat auf der weſtlichen und ſuͤdlichen Seite ein fuͤr die dahin kommenden Boote bequemes Ufer, welches von dem nahe liegenden Dorfe Kar⸗ damilla ſeinen Namen erhaͤlt. In dieſem Theils der Inſel ſind nordwaͤrts der Stadt 14 Doͤrfer, wel⸗ che nebſt den s Flecken gegen Weſt der Gebirge Epa⸗ uameria genannt werden. Eine Stunde gegen Weſt faͤllt der Bach Selavia in die See, welcher an dem Fuße des Gebirges entſpringt, und in einem Bette 304 von weißem Marmor mit roͤthlichen Adern lauft. Dieſe Gegend wird nach den Ruinen eines Tempels Na⸗ goſe oder Naoſe genannt, welcher nach To urne⸗ fort's Meinung dem Neptun geweihet war, welcher daſelbſt mit einer Nymphe Liebeshaͤndel pflog. Die⸗ ſer Platz iſt dem Hafen Sigri in Mitylene ge⸗ genuͤber. Wir reiſten weiter weſtwaͤrts, kamen zu einem Strome, und gingen laͤngs deſſelben zu dem geringen Flecken Aie⸗Chelene auf dem Berge. Unter die⸗ ſem ſuͤdlich ſahen wir eine Gruft, welche wegen eines thoͤrichten Aberglaubens beſucht wird. Ueber derſel⸗ ben iſt eine Kirche, und innerhalb der Grotte, wo verſchiedene Verſteinerungen aus dem herab tropfen⸗ den Waſſer entſtanden, tropft noch immer von einem vorſtehenden Stuͤcke Waſſer herab. Man ſpiegelt dem Poͤbel vor, dieß ſeyen die Bruͤſte der Jungfrau Maria; das Waſſer ſey deren Milch, wovon Niemand außer der Faſten genießen duͤrfe. Man gibt den Pilgern etwas Tropfſtein als das wirkſamſte Mittel gegen das Fieber, wenn er im Waſſer geſotten wird. Der ſtets waſſerreiche Bach naͤhrt Aale; andere Fiſche gibt es in der Inſel nicht.. Wir gingen beinahe 2 Meilen bis an das nord⸗ weſtliche Vorgebirge der Inſel Melano in ein Dorf gleiches Namens. Der Befehlshaber von St. The⸗ lena ſchickte nach dieſem Dorfe einen Boten, ehe wir ankamen. In 3 Stunden weiter gegen Mittag 30⁵ kamen wir nach Voliſſo, wo das wegen des Weines beruͤhmte Land Ariouſa anfaͤngt. Es iſt 300 Sta⸗ dien lang, und ſoll den Nektar der Alten hervor ge⸗ bracht haben. Horaz und Virgil erheben den Wein von Chio, und Caͤſar bediente ſich deſſen bei ſeinen Triumphen. Voliſſo ſoll von Beliſar oder Veliſar ſeine Benennung haben. Einige laſſen ihn mit ſeiner Ar⸗ mee dahin kommen und bauen, Andere als gefangen daſelbſt ſitzen. Voliſſo liegt etwa zwei Meilen von dem Meere an jener Seite des Huͤgels, auf welcher das Kaſtell mit runden Thuͤrmen ſteht. In demſel⸗ ben iſt eine Kirche der h. Elias. Zwei Stunden ſuͤd⸗ waͤrts von dieſem Orte iſt das Kloſter Diefka auf der abgelegenen Seite der Berge, welche ſich ziemlich weit gegen Abend erſtrecken, und das Vorgebirge Pe⸗ ſaro ausmachen. Im Winkel des Meerbuſens iſt ein Maſtix⸗Dorf, und ſuͤdwaͤrts deſſelben ſind laͤngs des weſtlichen Ufers verſchiedene andere. Dieſes Land bildet im Vereine mit Voliſſo gegen Nord eine Art großen Meerbuſens; doch hat er keinen Hafen und iſt den Weſt⸗ und Suͤd⸗Weſt⸗Winden ſehr ausgeſetzt. Dieſes Gebirge erſtreckt ſich oſtwaͤrts gegen den Berg Elias, welcher der hoͤchſte der Inſel iſt; gegen Abend liegt das Land Voliſſo, welches viele kleine Huͤgel und fruchtbare Thaͤler hat, wo guter Wein waͤchſt. Hier wird viele Seide zubereitet, und viele Feigen wer⸗ den eingemacht. Von dem Gebirge zeigte man mir das g9ſtes B. Griechenkand. I. 3. 5 . 306 ſogenannte Monte Santo; allein ich hielt es fuͤr die Inſel Stalimene. Wir ſahen auch Seiro, Negroponte, Andros und Tiue. Die Doͤrfer Voliſſo und Perich, welches eines der Maſtix⸗ Doͤrfer iſt, erkennen außer dem Patriarchen von Kon⸗ ſtantinopel keine kirchliche Gewalt. II. Von der Natur⸗Geſchichte, den Gebraͤu⸗ chen, dem Handel und der Regierungs⸗ Art in Scio. Seio beſteht groͤßtentheils aus felſigen Gebirgen und Huͤgeln; ſogar das ebene Erdreich iſt mager und von Natur nur fuͤr Baͤume tauglich; doch ſuchen die Einwohner den Boden zu kultiviren. Das Gebirge beſteht meiſtens aus einem bleifaͤrbigen Marmor mit weißen Streifen. Um die Stadt und auf der Ebene ſiud auch einige Steinbruͤche von roͤthlichem Quader. Die Luft iſt ſehr geſund; die große Verbindung der Einwohner mit vielen andern Gegenden veranlaßt haͤufig die Peſt. Man theilt ſogar die Erſchuͤtterun⸗ gen des Erdbebens auf benachbartem feſten Lande. Es gibt zwar mehre Winterſtroͤme, aber ſehr wenige Baͤ⸗ che, welche das gauze Jahr fließen. Doch gibt es viele gute Quellen, und bei dem Eingraben leicht Waſſer; jenes der felſigen Gegenden wird dem der Ebene vorgezogen. Ddie immergruͤne Eiche, der Kiefer, der wilde Maſtix⸗ und Johannes⸗Baum, und die gemeine Eiche — 7 307— ſind die einzigen Baͤume, welche wild wachſen; doch hat man mehre andere, und beſonders den Maulbeer⸗ Baum zum Seidenbaue gepflanzt. Man hat auch den Terpentin⸗Baum, deſſen Rinde man aufſchneidet, da⸗ mit der Terpentin auf untergelegte Steine ſich er⸗ gieße; man nennt ihn Crementina. Er wird nicht ſo trocken wie Harz, ſondern in Geſchirren aufbe⸗ wahrt. Man haͤlt den von Seio fuͤr den beſten, ob⸗ ſchon der Baum in Syrien ſehr gemein iſt. Die Baumwolle und den wenigen Flachs verwenden die Einwohner zum eigenen Bedarfe. Ihre Korn⸗Ernte iſt nicht zureichend; weßwegen vom feſten Lande, aus Aſien und Alexandrien Korn eingefuͤhrt wird. Das Vieh hat ſo wenig Weide, daß das Geſtraͤuche der abgeleſenen Baumwollen⸗Staude gereicht, und di duͤrren Blaͤtter fuͤr den Winter aufbewahrt wer⸗ den muͤſſen. 8 Es gibt Fuͤchſe, Haaſen und Mauleſel, fuͤr vor⸗ nehme Familien auch Pferde; aber keine Fuhrwerke mit Raͤdern. Das Ziegenfleiſch iſt wohlfeil, deſto theurer das Rindffeiſch; Schafe ſind ſo ſelten, daß in den Maſtix⸗Doͤrfetn nur einzelne, wie Hunde, der Fa⸗ milie nachlaufen. Zahme Huͤhner gibt es nicht, aber viele wilde Rebhuͤhner von der roͤthlichen Art. Außer den urſpruͤnglichen Bewohnern gibt es an⸗ ſehnliche griechiſche Familien, welche nach der Erobe⸗ rung der Stadt aus Konſtantin opel hieher gezo⸗ gen ſind. Auch die Genueſer⸗Familien Juſtiniani 308. und Grimaldi ſind noch uͤbrig, reich und anſehn⸗ lich. Ueberhaupt iſt die Inſel reich, und ſo bevoͤlkert, daß immer alles zweimal ſo theuer iſt, als in Kandia. Man zaͤhlt 50,000 Einwohner in der Stadt, und eben ſo viele auf dem Lande, wovon 3000 Genueſer rs⸗ miſch⸗katholiſch ſind, und Italiener genennt werden. Etwa 40 juͤdiſche Familien und 5000 Tuͤrken halten ſich im Kaſtell auf, aber keiner in den Doͤrfern; die uͤbrigen Einwohner ſind Griechen. Sowohl dieſe ha⸗ ben einen Metropolitan, als die Roͤmiſch⸗Katholiſchen einen Biſchof, welchen der Papſt aus s eingeborenen Vornehmen waͤhlte, welche ihm vorgeſchlagen werden; doch ſoll der jetzige, als der erſte nach der Zerſtoͤrung bei dem Einfalle der Venezianer, von dem Papſte ohne Vorſchlag ernannt worden ſeyn. Sie haben ungefaͤhr 50 roͤmiſch⸗katholiſche Prieſter, welche die roͤmiſche Meſſe leſen; einige ſind in Rom erzogen, und alle Gebildete dieſer Konfeſſion ſprechen gut italieniſch. Die jetzige Regierung hat die Sprache in der Stadt ſo verunſtaltet, daß das Landvolk noch das reinſte Grie⸗ chiſche ſpricht. Im Kloſter und in der Stadt Nea⸗ mone ſind Prieſter, welche die alt⸗griechiſche Sprache lebren. Die Einwohner ſind zwar fleißig und habſuͤchtig, aber nach vollendeten Geſchaͤften eben ſo uͤppig als verſchwenderiſch; ſie ſind ſehr ſchlau; darum laſſen ſich auch nicht viele Juden bei ihnen nieder. Die Griechen und Roͤmiſch⸗Katholiſchen aſſen einander ſo ſehr, daß — 309 ſie einander nicht als Chriſten erkennen. Die Fran⸗ ziskaner und Kapuziner de propaganda fide haben ein kleines Kloſter in der Stadt; erſtere ſtehen unter hol⸗ laͤndiſchem, letztere unter franzoͤſiſchem Schutze. Auf der ganzen Inſel ſind drei Nonnen⸗ und acht Maͤn⸗ ner⸗Kloͤſter. Sie kleiden ſich faſt wie die Bewohner von Kan⸗ diaz die jungen Gebildeten tragen, wenn ſie auf dem Lande wohnen, weite Hoſen und Struͤmpfe. Die Kleider der Weiber erſtrecken ſich nur etwas uͤber die Knie, und ſind weiß, wie ibre Schuhe, doch oͤfters auch von gefaͤrbtem Seidenzeuge ohne Aermel. Auf dem Haupte haben ſie einen beſondern, in die Hoͤhe ſtehenden Putz von Neſſeltuch, welcher Kapas genannt wird. Die Weiber ſind gar nicht ſproͤde, doch ſehr beſcheiden; ſie haben eine zuverſichtliche und ungekauͤn⸗ ſtelte Miene, welche ihre Tugend verbuͤrgt. Ihre freien Manieren ſind dem ganzen Volke eigen. Beſuche nach unſerer Art ſind bei ihnen nicht gebraͤuchlich. An Sonn⸗ und Feiertagen ſitzen alle Frauenzimmer vor ihren Haͤuſern auf ſteinernen Baͤnken, wo die Maͤnner ſich oft den ganzen Tag mit ihnen unterreden. In den Doͤrfern tanzen Maͤnner und Weiber auf oͤf⸗ fentlichen viereckigen Plaͤtzen, waͤhrend die Muͤtter und ledigen Frauenzimmer umher ſitzen, und durch Unter⸗ redung mit Nachbarn ſich zerſtreuen. Iſt gleichwohl die Eiferſucht hier nicht herrſchend, ſo beſuchen doch die Maͤnner ſelbſt ihre verwandten Frauenzimmer 310 N ſelten. Da die Weiber oͤffentlichen Umgang haben, ſo beſuchen ſie ſelten ein fremdes Haus. Auch iſt nicht gewoͤhnlich, Jemanden als Gaſt einzuladen, nicht ein⸗ mal Verwandte. Die Weiber ſpinnen Seide, verrich⸗ ten andere haͤusliche Geſchaͤfte, und gehen außer Sonn⸗ und Feiertagen nie aus. Die Franken beſchaͤf⸗ tigen ſich mit dem geringen Handel; die Franzoſen haben einen Konſul, und ein Genueſer verſieht die Stelle des engliſchen und hollaͤndiſchen. Der vornehmſte, Handel der Inſel wird mit Da⸗ maſt und andern daſelbſt gefertigten Seidenzeugen ge⸗ trieben. Deßwegen fuͤhren ſie jaͤhrlich von Tine und einem nicht weit von Salonika gelegenen Orte etwa 12,000 Ocken Seide ein, weil ihre eigene rohe Seide nicht hinlaͤnglich iſt. Einheimiſche Kaͤufer ge⸗ ben nur ein halbes Prozent, Fremde aber fuͤnf. Der einheimiſche Wein iſt ſo wenig zureichend als das Oel. Die oͤffentlichen Einkuͤnfte werden aus den Zoͤllen und der Kopfſteuer erhoben, welche von s bis 10 Thaler ſteigt; bloß in den Maſtix⸗Doͤrfern zahlt der Kopf nur 3. Nebſtdem wird noch eine Abgabe von den Fel⸗ dern erhoben; der Statthalter gibt uͤberhaupt 300 Beutel, und erhebt 400, d. i. 40— 50,000 Karoline. Gewoͤhnlich wird dieſe Inſel durch einen in Un⸗ gnade gefallenen Baſſa verwaltet; die Chriſten hatten vier Abgeordnete, zwei griechiſche und zwei roͤmiſch⸗ katholiſche, mit großer Gewalt. Sie ſchlichteten alle buͤrgerliche Haͤndel unter den Chriſten; ſie durften 311¹ allen ihren Miſſethaͤtern den Prozeß machen, ſie zur Verurtheilung an den Kadi ſenden, und von ihm fordern, ſte entweder aus dem Lande zu verweiſen oder hinrichten zu laſſen. Allein vor etwa 20 Jahren wur⸗ den dieſe Abgeordneten verhaftet und nach Konſtanti⸗ nopel gebracht, ſtatt des Baſſa ein Moſelem, und ſtatt jener Vikarien oder Vikardi ernannt, welche deſ⸗ ſen widerrechtliche Handlungen an den Kadi berichten koͤnnen. Seitdem die Abgeordneten aufgehoben ſind, wurden alle Laͤndereien geſchaͤtzt, und mit emer geringen Abgabe belegt, welche nicht uͤber 6— 7 Karoline ſteigt; öfters zahlt ein ganzes armes Dorf nicht mehr als dieſe Summe. In den bergigen Gegenden der Inſel iſt das Volk ſeht em, lebt nur vom Tauſche, und kann nicht einmal ſeinen Wein, wegen zu ſchlechter Wege, verkaufen; ſeine Geld⸗Ein⸗ nahme kommt nur aus wenigen Schafen. Jedes Dorf hat ſeinen Vikardi, welcher oͤfters zugleich die Stelle des Prieſters vertritt. Der Kadi wird alle 1—8 Mo⸗ nate aus Konſtantinopel geſendet; ſeine Gerichtsbar⸗ keit erſtreckt ſich bis Dſchesme auf dem feſten Lande. Er ſchickt alle 8— 10 Gerichtshalter in die Flecken herum, Streitigkeiten zu ſchlichten und Strafgelder einzutreiben. III. Von der Inſel Ipſara. Wir ſegelten von Volisco in etwa s Stunden nach Ipſara, welches 40 Meilen entfernt ſeyn ſoll, obſchon das Vorgebirge Melanon kaum 20 von der 312 nord oͤſtlichen Ecke Ipſara's entfernt ſeyn mag, Wir ſahen ſuͤdwaͤrts die Inſel Andros, weſtwaͤrts Schiro, und das Kapo Negroponte, auch Duro genannt, welches das durch den Schiffbruch der grie⸗ chiſchen Flotte beruͤhmt gewordene alte Cephareus iſt. An der Nord⸗ und Oftſeite iſt die Inſel hoch und felſig, etwa 6 Meilen lang und 3 breit; auf der Suͤdſeite ſind 2 Meerbuſen. Im weſtlichen liegt die kleine Inſel St. Demetrius, ein guter Ankerplatz bei ſchlimmem Wetter fuͤr die Korſaren, noch haͤufiger aber bei der unbewohnten Inſel Antipſera, welche vor dieſem Meerbuſen iſt, und 3 Meilen im umfange hat. Zwiſchen zwei Meerbuſen iſt an dem Ende einer ſehr ſeichten Hai bei zwei felſigen Anhoͤhen ein ſehr ſchmales Geſtade. Auf der Anhoͤhe gegen Oſt liegt eine Kapelle des heil. Johannes; im Felſen iſt eine tiefe Ciſterne. Das Kaſtell iſt an der weſtlichen An⸗ hoͤhe bloß von den Mauern der Haͤuſer eingeſchloſſen, hat nur einen Zugang, und etwa eine Viertel⸗Meile im Umfange. Die Stadt liegt an einem ſanften Abhange auf zwei Seiten des Kaſtelles, und mag eine halbe Meile im Umfange haben. Die Haͤuſer ſind niedrig, ſehr ſchlecht gebaut, und beſtehen meiſtens nur aus einem Stockwerke. Da auf dey Inſel keine Tuͤrken wohnen, ſo hat man Glocken in den 13 Kirchen. Ich begab mich auf die Nordſeite der Inſel nach dem armen Kloſter der Jungfrau Marig. Die Inſel hat einen — 113 ſchieferartigen Stein, in welchem viele Adern aus weißem Marmor ſind. Der hohe Berg gegen Nord, auf welchem die Kapelle des heil. Elias ſteht, iſt mei⸗ ſtens aus grauem Marmor. Es gibt auch rothen broͤ⸗ ckeligen Granit, welcher dem Porphyr etwas gleicht. Es gibt gute Quellen, aber kein Gras; der Boden iſt meiſtens mit niedrigem Geſtraͤuche bewachſen. Baͤume, welche wild wachſen, findet man hier nicht; ſelbſt die wenigen Feigen werden gepflanzt. Baumwolle fehlt; Korn wird aus Aſien gebracht. Das vornehmſte Pro⸗ dukt iſt rother Wein, welcher nach Seio gebracht wird und ſehr ſtark iſt. Der ſuͤdliche und mittlere Theil der Inſel beſteht meiſtens aus kleinen Huͤgeln und zwei kleinen Ebenen, welche an beiden Meerbuſen liegen; der Boden ſcheint bier uͤberall gut zu ſeyn. An vielen Orten ſind die Seiten der Berge mit Wein depflanzt. Man pfluͤgt durch Ochſen; zum Beladen und Reiten bedient man ſich der Eſel; es gibt auch wenige Schafe und Ziegen. Die Einwohner ſind Griechen; ſie moͤgen ſich auf 1000 belaufen, wovon 200 Kopfſteuer zahlen. Alle leben in der Stadt, haben aber auf dem Lande Huͤtten, worin ſte ſich waͤhrend der Feldarbeit aufhalten. Sie wer⸗ den fuͤr tapfer und unerſchrocken gehalten, und haben ſich ſelbſt von den Ueberfaͤllen der Maltheſer befreit. Die Maͤnner tragen eine Art von Sandalen aus rohem Leder, welche mit Riemen um den Fuß und Knoͤchel gebunden ſind. Die Weiber tragen einen Schleier auf 314 dem Kopfe, welcher ſich um den Hals zieht, und zu⸗ weilen uͤber das Kinn und den Mund lauft; ihr Bu⸗ ſen iſt unanſtaͤndig bloß. Sie haben weder einen Arzt, noch einen Chirurgen, noch einen Rechtsgelehrten; ſie werden, wie zu Seio, durch drei Vikardi regiert, welche Landleute ſind. Der Kadi von Seio ſchickt manchmal ſeine Abgeordneten zur Beilegung der Strei⸗ tigkeiten. Sie zahlen dem Kapitaͤn Baſſa, oder dem oberſten Admiral jaͤhrlich zwei Beutel; denn dieſem gehoͤren alle Inſeln, welche nicht durch einen Baſſa oder Moſelem regiert werden; daher von Cypern, Rhodus, Kandien, Negroponte, Scio und Mitylene der Admiral nichts bekommt. In kirch⸗ lichen Angelegenheiten ſtehen ſie, wie alle Inſeln, welche keinen eigenen Biſchof haben, unter dem Pa⸗ triarchen von Konſtantinopel. Dieſer haͤlt einen weltlichen Vikar, welcher auf der Inſel wohnt, und zugleich uͤber Voliſſo und Perieh in Seio regiert. Dem Patriarchen werden jaͤhrlich 30 Thaler durch den Vikar von Seio gezahlt; auf der ganzen Inſel ſind s Prieſter. Der ganze Handel beſteht in der Ausfuhr des Weines, und in der Einfuhr des Getreides und anderer Beduͤrfniſſe. Da die Bai offen iſt, ſo werden die kleinen Boote und Barken an das Land gezogen. Am Tage des heil. Lukas kam ich in die Kapelle glei⸗ ches Namens, wo viele Menſchen zur Andacht ver⸗ ſammelt waren. Die Weiber und Kinder brachten kleine Wachslichter und einen Korb oder eine Schuͤſſel voll geſottenen Waizens, woruͤber entweder Roſinen geſtreut, oder Scheiben von Granataͤpfeln gelegt wa⸗ ren; Einige brachten auch Brodkuchen. Nach geendigter Andacht wurde alles, bis auf den geſottenen Waizen, unter das Volk in oder bei der Kirche vertheilt, nebſt Feigen und Branntwein, welche auf gleiche Weiſe ge⸗ opfert waren. Dieſe Gewohnheit ſcheint noch aus grauer Vorzeit zu ſtammen, wo man das Brod gemein⸗ ſchaftlich mit froͤhlichem Herzen verzehrte. IV. Von der Inſel Mitylene, dem alten Lesbos. Wir ſegelten nach Mitylene, blieben aber den erſten Tag zu Kardamilla in Scio, wo ich mein Zelt aufſchlug und dieſe Nacht verweilte; des andern Morgens kamen wir in den Hafen von Mitylene. Die Bewohner dieſer Inſel waren als Lesbier durch ihre Flotte beruͤhmt geworden. Sie hatten anfangs eigene Koͤnige, ſpaͤter eine Republik, und wurden durch die Vornehmſten des Volkes, deren Dekrete noch in eini⸗ gen Aufſchriften zu ſinden ſind, regiert. Einige Per⸗ ſonen vom hoͤchſten Anſehen maßten ſich eine faſt tyran⸗ niſche Macht uͤber ihre geringern Mitbuͤrger an. Un⸗ ter dieſen war Pittakus, einer der 7 Weiſen, wel⸗ cher ſich fuͤr das Gemeinde⸗Wohl bemuͤhte, alle Ge⸗ walt an ſich zu ziehen, und dann ſeinem Vaterlande die alte Freiheit wieder ertheilte. Die Stadt liegt auf der Nordſeite der Inſel gegen das oͤſtliche Ende, 316 7 ½ Meilen vom oͤſtlichen Vorgebirge Kdapo Malia. Vor der Stadt war eine Inſel von faſt einer Meile im Umfange, die wohl bewohnt war, und mit dem Lande durch einen Iſthmus vereinigt iſt, welcher die Breite eines Feldweges hat; zu beiden Seiten war ein Hafen, wie noch jetzt. Den ſuͤd⸗weſtlichen Hafen vertheidigten zwei ſteinerne Bollwerke, wovon noch einige Truͤmmer uͤbrig ſind; die Einfahrt iſt zwiſchen denſelben. Den andern Hafen gegen Nord⸗Weſt vertheidigte ein ſteinernes Bollwerk, wovon noch viele Ueberbleibſel zu ſehen ſind. Der Hafen gegen Suͤd wird jetzt bloß von großen Schiffen beſucht. Die Stadt war ehemals ſehr groß, und man findet uͤberall feine Stuͤcke von grauem Marmor, als Ueberbleibſel von Gebaͤuden, und mehre unvollſtaͤndige Inſchriften. An dem Eingange zum biſchoͤflichen Palaſt iſt ein ſehr merkwuͤrdiger alter Stuhl, welcher aus einem einzigen Stuͤcke von weißem Marmor gehauen iſt. Nebſt Pit⸗ takus waren die Poeten Alkaͤus und Sapho, und der Geſchichtſchreiber Theophanus daſelbſt geboren, welcher ſich der Beguͤnſtigung Pompejus des Gro⸗ ßen zu erfreuen hatte, und deſſen Sohn von Auguſt zum Prokurator Aſiens ernannt wurde. 2 Die jetzige Stadt liegt auf dem Striche Landes, welcher nach der Halbinſel ſich zieht, auf deren beiden Seiten ſie ſich am Geſtade eben ſo hinzieht, wie gegen Suͤd den Huͤgel hinauf. Sie iſt gut gebaut, und hat etwa eine Meile im umfange. Das Schloß ſteht auf 317 dem Gipfel der hohen felſigen Halbinſel, und hat faſt drei Viertel⸗Meilen im Umfange. Er beſteht aus dem alten und neuen, welche dicht an einander ſtoßen. Doch hat jedes ſeinen eigenen Kommandanten und ſeine beſondere Beſatzung. Nur Tuͤrken wohnen darin und kein Franke darf hinein gehen. Die Reſte der alten Stadt dehnen ſich ziemlich weit gegen Weſt aus. Gs heißt, in dem Schloſſe befaͤnden ſich die Namen und Wappen eines der Kaiſer Palaolog, und in einer Moſchee ſey ein ſteinernes Grab, welches fuͤr jenes der Sapho gehalten wird. Haben auch die griechiſchen Kaiſer dieſes Schloß erbaut, ſo muß es doch von den Genueſern ſehr ausgebeſſert worden ſeyn. Bei ihrem Eintritte war die Inſel der Familie Kata⸗ niſi eigenthuͤmlich, welche Herren der Inſel Lesbos waren. Man ſagt, daß bei der Belagerung der Stadr durch den Sultan Amurath eine Jungfrau dieſer Familie ſich an die Spitze geſtellt, und dieſelbe befreit babe. Die Einwohner beſtehen meiſtens aus Griechen. mit wenigen Armeniern; ſie haben vier griechiſchs Kirchen. Die Franzoſen hatten einen Vize⸗Konſul mit einer Haus⸗Kapelle und einem franzoͤſiſchen Pre⸗ diger, auch 2— 3 franzoͤſ. Faktoren der ſmyrna'ſchen Kaufmannſchaft. Die Englaͤnder haben einen griechi⸗ ſchen Vize⸗Konſul. Obſchon ein Biſchof ſich den Titel des Metropoliten beilegt, ſo ſchien er doch nicht uͤber den andern gebieten zu koͤnnen; denn beide ſtehen unter dem Patriarchen von Konſtantinopel, und werden von 318 ihm eingeſetzt. Hier iſt ein Prieſter, welcher zu Pa⸗ dua gebildet wurde; auch gibt es in andern Theilen des Archipels ſolche hochgelehrte Prieſter, welche dem Neide und der Verfolgung der uͤbrigen, dummen, aus⸗ geſetzt ſind. Zum großen Vortheile der Stadt werden hier viele Boote und große Schiffe aus Tannenholz gebaut, welches vom feſtem Lande, wo es gegen die Korſaren nicht ſicher waͤre, hieher gebracht wird. Sie ſind ſehr leicht, dauern 10— 42 Jahre, weil das Holz ſehr barzig iſt, und ſind weit feſter als die europaͤiſchen. Man bedient ſich dazu eiſerner Naͤgel; ſtatt daß das Holz anderswo gekruͤmmt wird, ſaͤgt man es hier nach der noͤthigen Form. Von hier wird viel Oliven⸗Oel nach verſchiedenen Plaͤtzen der Levante und nach Frank⸗ reich gebracht. Auch gibt es hier ſehr guten Seamo⸗ nium und Althee, nicht weniger auch Alkermes und Schiffs⸗Pech aus Tannen. Am 22. Okt. machte ich einen Ausflug durch die Inſel in Geſellſchaft eines Franzoſen und unter dem Schutze eines Janitſcharen. Die Inſel hat eine mei⸗ ſtens felſige Kette von Marmor⸗Bergen, welche ſich ganz durchzieht; eine andere durchſchneidet dieſelbe gegen das weſtliche Ende; dieſelbe hat viele warme Bauͤder. Wir reiſten an der Nordſeite derſelben, und bemerkten, daß die Truͤmmer der alten Stabt weit gegen Weſt ſich zogen, und fanden auch Ueberbleibſel der alten Stadtmauer, welche ſich den Huͤgel hinauf 2 319 gezogen hatte. Bei einer Entfernung von 2 Meilen zur Stadt kamen wir zu einem heißen Bade. Wir gingen zwiſchen den Bergen etwa eine Meile gegen Suͤd, wo Ueberbleibſel einer ſehr praͤchtigen Waſſerleitung von grauem Marmor nach ruſtiker Art quer durch das Thal ſich zogen. Die obern Bogen ſind mit Backſtei⸗ nen gewoͤlbt; nachdem das Waſſer einen ziemlichen Weg an der Seite der Huͤgel von Suͤd⸗Weſt gefloſſen, lauft es uͤber dieſe Bogen in die Kanaͤle von Mitylene. Wir kehrten auf der Straße laͤngs der Nordſeite der Inſel etwa zwei Stunden gegen Weſt der Stadt zu⸗ ruͤkk. Nicht weit vom Meere waren warme Baͤder, deren Waſſer noch ſalziger war als das Seewaſſer; deſſen ungeachtet bedient man ſich derſelben oft. In der Umgebung derſelben ſind große Ueberbleiſel von Gebaͤuden, beſonders von einer Reihe Saͤulen aus dem Suͤden her, deren Fußgeſtelle noch ſtehen. Auch findet man noch viele Aufſchriften. Jenſeits derſelben ſind Ueberbleibſel eines Kaſtells aus den mittlern Zeiten, mit viereckigen Thuͤrmen auf den Ecken, worin viele Stuͤcke Marmor den Bau⸗ Styl der alten Gebaͤude erproben. Ueber der Mitte der Inſel hinaus iſt ein großes Vorgebirge; oſtwaͤrts deſſelben ein Meerbuſen, wo an einem Huͤgel der Flecken Manoneia ſich befindet. Vermuthlich lag Aegirus in dieſer Gegend; die Inſel iſt von dieſem Meerbuſen an bis zu jenem Na⸗ mens Pyrrha am ſchmaͤlſten. Dieſem Vorgebirge 320 gegenuͤber iſt die tiefſte Stelle des Meerbuſens Adra⸗ myttium, in welchem ſehr viele kleinere Inſeln liegen, jetzt Nusconiſi, ſonſt Apollo's⸗Inſeln, oder Hecatonneſigenannt, deren Zahl Einige auf 20, Andere auf 40 angeben. Die eigenthuͤmliche Inſel Mus⸗ coniſi hat eine griechiſche Stadt, die uͤbrigen ſind unbewohnt. Nahe bei Mitylene ſind 3—a kleine In⸗ ſeln, die tockmackiſchen genannt, deren Einwohner behaupten, der Flecken Tockmack liege auf dieſer Seite Kaloni am naͤchſten, welches am Meerbuſen Pyrrha liegt. An dem nord⸗weſtlichen Vorgebirge der Inſel liegt die Stadt Molivo; etwa vier Mei⸗ len oſtwaͤrts derſelben trifft man am Ufer des Meeres Truͤmmer eines Bades an; weiter hinab iſt eine heiße Quelle, welche einen ſchwefelichten Geſchmack hat. Etwa auf der Haͤlfte des Weges zwiſchen dieſer Quelle und Molivo iſt noch ein kleines ausgebeſſertes Bad, deſſen warmes Waſſer keinen beſondern Geſchmack hat. Molivo, das alte Methymna, iſt auf der Seite des Huͤgels an dem hohen Vorgebirge angelegt, welches die nord⸗weſtliche Ecke der Inſel bildet. Me⸗ thovmna wurde ehemals 33 ¾ Meilen von Sigrium, I2 Meilen vom Geſtade des feſten Landes angegeben; allein in neuern Zeiten hat man ſich uͤberzeugt, daß die Entfernung 18 Meilen groͤßer iſt. Die Stadt hat eine Meile, und das Kaſtell auf dem Gipfel des Huͤgels eine halbe Meile im Umfange. Letzteres wird von Tuͤrken bewohnt, welche hier verſchiedene Korps mit 321 ihren Agas haben, wie zu Mitylene. Weſtwaͤrts des Kaſtells nimmt der Boden allmaͤhlig ab und wird flacher; auf dem Vorgebirge ſelbſt iſt eine Ebene, wo einige Spuren der alten Stadt Methymna ſich be⸗ finden. Dem Anſehen nach hat ſich die Stadt von dem Ende des Vorgebirges ungefaͤhr eine halbe Meile gegen den ſteilen Abhang erſtreckt, an welchem die heutige Stadt liegt. In dieſer leben nur 200 Chriſten mit 3 Kirchen, deren Biſchof ſeinen Sitz zu Kaloni hat. Die Griechen ſind ſo unwiſſend, daß ſie Kaloni fuͤr Methymna halten, weil der Biſchof den alten Namen beibehaͤlt. Dieſe Stadt war der Geburtsort des beruͤhmten Tonkuͤnſtlers Ario n, welcher durch einen Delphin gerettet worden ſeyn ſoll, auch Terpan⸗ der's, welcher die vierſaitige Leyer mit noch drei Saiten vermehrte; wie uͤberhaupt die Lesbier durch Muſik ſich auszeichneten. 4 Das Vorgebirge, worauf Molivo ſteht, bildet mit einem kleinen Vorgebirge gegen Suͤd, ſuͤdoſtwaͤrts einen Meerbuſen, vor welchem die den Hafen be⸗ ſchuͤtzende Inſel liegt. Dieſer iſt fuͤr große Schiffe, welche hier oͤfters mit Oel beladen werden, und wird Petra nach einem daſigen Flecken genannt. Er ſcheint ſeinen Namen von dem in der Mitte liegenden Felſen zu haben, welcher auf allen Seiten— außer der Nordſeite— unerſteiglich iſt, und deſſen Gipfel mit einer Mauer umgeben iſt, welche etwa 100 Yards im Umkreiſe hat. Hierher fluͤchten die Einwohner ihre 29ſtes B, Griechenland. I. 3. 6 322 beſten Waaren, wenn ſie einen Ueberfall der Korſaren befuͤrchten. Nebſt einer Kapelle befindet ſich hier eine Maria⸗Kirche fuͤr die zahlreichen Chriſten. Wir reiſten fuͤdwaͤrts meiſtens an der Seite der Huͤgel, nahe an der See, und kamen auf eine kleine Halbinſel, welche eine feſte Lage hat. Eine jede Seite des Iſthmus hat einen ſehr guten Hafen; weiter hinan liegt eine an⸗- dere kleine Halbinſel, worauf viele Truͤmmer ſind. Wir kamen an den großen tuͤrkiſchen Flecken Telo⸗ niaz etwa zwei Meilen oſtwaͤrts von demſelben ſteht an dem Platze Peribole ein Nonnen⸗Kloſter mit einer halb ſeidenen und halb leinenen Manufaktur. In dieſer Gegend wurde mein in Kandiren gekauf⸗ ter Mauleſel krank, auf welchem bisher mein Sklave geritten war: Dieſer ging alſo, verirrte ſich, und wir konnten nichts von ihm erfahren. Ich ließ ihn daher durch meinen Janitſcharen ausforſchen, welcher ihn brachte, als ich eben zu Mitylene aulangte. Der Sklave ſagte, er ſey gegen die Nacht eine Stunde vom Meere geweſen, und die ihm begegneten Men⸗ ſchen haͤtten ihn zum Aga des Fleckens gefuͤhrt. Die⸗ fer habe des an dern Tages ihn mit einem Manne zumm Biſchofe nach Kaloni geſendet, welcher ihn eben nach Mitylene befoͤrdern wollte, als der Janitſchar ihn fand. Deſſen ungeachtet gab dieſer, um Geld zu er⸗ halten, vor, er habe fuͤr die Auskundſchaftung deſſel⸗ ben Geld ausgegeben. Das Vorgebirge Sigrium, welches jetzt Kapo 323 Sigri heißt, iſt das ſuͤdweſtliche der Inſel; der Ha⸗ fen iſt gebildet durch ein ſchmales Kapo gegen Nord, und durch eine Inſel vor demſelben. Gegen Oſt iſt ein Kloſter auf einem ſehr hohen felſigen Gebirge, welches ſehr ſchwer zu erſteigen iſt, Upſelo Mona⸗ ſterio, oder das hohe Kloſter heißt, und eine ſehr kalte Lage hat. Alle Berge dieſer Gegend bis zum Hafen Kaloni⸗ ſind felſig und unfruchtbar, und ge⸗ waͤhren den Reiſenden einen ſehr traurigen Anblick. Eine Stunde gegen Morgen dieſes Gebirges an der Seite eines Berges liegt der große Flecken Ereſſo, deſſen meiſte Einwohner Chriſten ſiud; von da koment man auf eine Ebene am Meere fuͤdlich der Inſel. An. der ſuͤdweſtlichen Ecke der Ebene iſt ein kleiner Huͤgel, worauf die alte Stadt Ere⸗ ſfus ſtand. Die Spitze des Berges iſt oval, und man ſieht noch große Ueber⸗ bleibſel von den Ringmauern und einem runden Thur⸗ me an der oͤſtlichen Seite. Ich ſah bei denſelben ein Saͤulen⸗Gebaͤlke aus weißem Marmor, in deſſen Frieſe eine unvollſtaͤndige griechiſche Inſchrift war. Unter⸗ der Erde nahm ich verſchiedene große Eiſternen wahr,, und am Huͤgel ſchien eine anſehnliche Vorſtadt gewe⸗ ſen zu ſeyn; am. Fuße deſſelben iſt eine Mauer von: 5— s eckigen Steinen zu ſehen, woraus man auf das⸗ hohe Alter ſchließen kann. Von hier ging ich nordwaͤrts in die Gebirge, danm gegen Oſt durch einen Flecken. Etwa zwei Sturnden gegen Nord⸗Oſt dieſes Fleckens langten wir bei dem Golfo Kaloni und einem kleinen Stuͤcke Landes heſſelben an, welches eine Stunde vom Eingange des Meerbuſens iſt. In der Naͤhe befindet ſich eine kleine Inſel mit einer verwuͤſteten Kirche, auf deren Abend⸗ ſeite an der Hoͤhe bei der Ueberfahrt noch Ueberbleib⸗ ſel einer Mauer ſind, welche den abhaͤngigen Boden unterſtuͤtzen ſollte, und ebenfalls aus fuͤnfeckigen Stei⸗ nen aufgefuͤhrt iſt. Der Meerbuſen von Kaloni zieht ſich nordwaͤrts wenigſtens 4 Stunden in das Land, und iſt etwa eine Stunde breit. Der Eingang iſt nicht uͤber eine Meile breit: waͤre das Waſſer tief, ſo wuͤrde der Hafen ſehr gut ſeyn. Am aͤußerſten Ende deſſel⸗ ben iſt die kleine Stadt Kaloni nebſt einem Moͤnchs⸗ und einem Nonnen Kloſter; wie auch gegen Nord⸗Oſt von Ereſſo ein kleines Moͤnchs⸗Kloſter ſeyn ſoll. Das alte Pyrrha muß am kalvoniſchen Meerbuſen ge⸗ legen ſeyn, indem ein großer Strich Landes auf der Oſtſeite Pera genannt wird. Aus den Backſteinen und Ziegeln, welche ich auf dem Felde liegen ſah, ſchloß ich, daß ein altes Gebaͤude hier moͤge geſtanden ſeyn. Da der groͤßte Theil der Stadt durch den Ein⸗ bruch des Meeres verwuͤſtet wurde, ſo koͤnnen natuͤr⸗ lich wenige Spuren mehr davon uͤbrig ſeyn. Das Land oſtwaͤrts von dieſem Meerbuſen gegen das Gebirge hat in einem Umfange von zwei Stunden eiuen Ueberfluß an Korn, und wird Baſilika genaunnt. In dieſem Bezirke liegen 5—6 Fiecken, deren meiſte Bewohner Tuͤrken ſind. Auch findet man einige heiße 325 Quellen, deren ſalziges Waſſer zum Baden und Trin⸗ ken verwendet wird, Eiſen und Schwefel enthaͤlt, ge⸗ gen Verſtopfungen und Geſchwuͤre ſehr dienlich erach⸗ tet wird. Neben dieſen Quellen ſind noch einige gleichartige, welche nicht benutzt werden. Weiter oſt⸗ waͤrts gegen das Gebirge liegt ein kleines Kloſter, welches der Jungfrau Maria gewidmet iſ. Von die⸗ ſem Orte lauft die Straße nordoſtwaͤrts durch die Mitte der Inſel uͤber die Berge nach Port Jero, welchen die Schiffer Oliviere nennen. Die Ein⸗ fahrt deſſelben iſt nahe am oͤſtlichen Ende der Inſel, und die Oeffnung gegen Suͤd⸗Oſt. Er bildet ein gro⸗ ßes Becken, welches von Huͤgeln umgeben iſt, die mit Buſchwerk bewachſen ſind. Die Einfahrt iſt ſo enge, daß ſie von Innen nicht geſehen wird; weßwegen der Hafen einem großen See gleicht. Er iſt etwa zwei Stunden lang und eine breit; das Waſſer iſt ſehr tief. Dieſer iſt einer der ſchoͤnſten, welche ich je geſehen habe; oͤfters kommen Schiffe zur Beladung mit Oel an. An der Suͤdſeite liegen 7— 8 Flerken, Jera oder Hiera genannt. Weſtwaͤrts dieſer Flecken oder des Hafens liegt ein kleines Kloſter an dem Orte Qua⸗ trotito, welches als Landhaus vom Biſchofe zu Mi⸗ tylene benutzt wird. Suͤdweſttvaͤrts an den Huͤgeln liegt der Flecken Ajaſſo mit ſehr vielen Oliven⸗Baͤu⸗ men. Die Einwohner zahlen keinen andern Landzins, als etwas Schiffs⸗Pech fuͤr die tuͤrkiſche Flotte, wel⸗ ches aus den an den Bergen ſtehenden Kiefern bereitet 7 326 wird. An der Nordſeite des Hafens ſind heiße Baͤder ohne beſonderen Geruch oder Geſchmack. Von hier zieht ſich die Straße etwa zwei Stunden weit uͤber die Huͤgel nach Mitylene. Ich ſah an einem Huͤgel nahe bei der Stadt viele runde Schwefel⸗Kieſe. Die Inſel wird von dem Befehlshaber oder Na⸗ ſir regiert, welcher die Einkuͤnfte erhebt. Die Chri⸗ ſten entrichten den fuͤnften, die Tuͤrken den ſiebenten Cheil deſſen, was die Inſel hervor bringt Der Na⸗ ſir beſtimmt Agas uͤber eine gewiſſe Anzahl Flecken. Jede der Staͤdte Mitylene und Molivo wird durch einen Moſolem regiert, und durch einen Kadi wird die Gerechtigkeit verwaltet. Der Boden iſt ſehr gut, aber wenig bebaut; weßwegen nicht einmal ge⸗ nug Korn gebaut wird. Die griechiſchen Einwohner ſind ſehr traͤge, und eruaͤhren ſich bloß von dem Oele, welches nur zu einer gewiſſen Jahreszeit geerntet wird. Die Weiber und Kinder ſammeln die Oliven zur Zeit, als ſie abfallen: ſobald ſie in Muͤhſen, welche durch Pferde gezogen werden, geſampt ſind, werden ſie in großen Gefaͤßen durch Schrauben gepreßt, und das Oel in Schlaͤuche gegoſſen. Die Weiber ſind heute nicht keuſcher, und die Maͤnner nicht maͤbiger als in der Vorzeit. Da dieſe Inſel dem feſten Lande ſehr nahe iſt, ſo wird ſie des Sommers durch die Naͤuber ſehr geplagt, welche in kleinen Booten uͤberfahren, die Menſchen auf den Straßen beunruhigen, und bei 327 der kleinſten Gefahr nach dem Lande zuruͤck kehren, um ſich in die Gebuͤſche zu verbergen. V. Von der Inſel Tenedos. Bei meiner Ruͤckkehr aus Konſtantinopel be⸗ gab ich mich von den Dardanellen nach Tene⸗ dos, oder Kalydina, wie die zwei ſudwaͤrts lie⸗ genden Inſeln noch genannt werden. Sie iſt entfernt 9 Meilen vom feſten Lande, 30 von Imbrus, 20 von Sigeum oder dem Kapo Jenichahere, und 96 von Mätylene, und hat s Meilen in der Laͤnge, zo in der Breite. Die Alten beſtimmen ihren Um⸗ fang zu 41 4/4 Meilen. Die Stadt dieſer Inſel wird zu den aͤoliſchen Staͤdten gezaͤhlt, und ſoll zwei Haͤ⸗ fen gehabt haben. Der heutige Hafen mag einer der⸗ ſelben ſeyn; der andere iſt weſtwaͤrts des Kaſtells nahe an der Stadt, und frei gegen die Nordwinde. Die griechiſche Flotte, welche nach Troja ſegelte, lag zwar daſelbſt; allein man hielt den Hafen damals fuͤr ſchlecht. Die Rehde gegen das feſte Land ſoll ſehr ſicher ſeyn. Einſt war ein Dempel des ſmintheoni⸗ ſchen Apollo an dem Glaeis vor dem Kaſtell, wo noch jetzt Truͤmmer von geſtreiften Pfeilern aus weißem Marmor, zu 21 ½ Fuß im Durchmeſſer, zu ſehen ſind. Die einzige Stadt liegt an der nordoͤſtlichen Ecke der Inſel, worin 200 griechiſche und 300 tuͤrkiſche Fami⸗ lien wohnen. Die Griechen haben eine Kirche und drei arme Kloͤſter in der Stadt, und ſtehen unter dem 328 Biſchofe von Mityleue. Das Kaſtell iſt ein großes hohes Gebaͤude, auf einem felſigen Vorgebirge zwi⸗ ſchen den zwei Haͤfen, und hat gegen das Land ein großes Glacis. Vielleicht iſt das Kaſtell, oder ein Theil deſſelben, Ueberbleibſel des großen Kornhauſes, welches K. Juſtinian fuͤr die Aufbewahrung jenes aͤgyptiſchen Kornes bauen ließ, welches auf dem Wege nach Konſtantinopel durch widrige Winde aufgehalten wurde. Die Umgebung der Stadt iſt felſig und un⸗ bebaut, weil die Tuͤrken den Anbau des Bodens nicht geſtatten; bloß an der Nordſeite iſt ein gut angeleg⸗ tes Feld. Dieſe Inſel ſteht unter dem Kapitaͤn Ba⸗ ſcha, und unterhaͤlt bloß die Janitſcharen auf dem Kaſtell; ihre vornehmſte Ausfuhr beſteht in gutem Weine und Branntweine. VI. Von der Inſel Lemnos. Auf dem Wege von Tenedos nach Lemnos ſegelten wir vor Imbrus vorbei, welches 30 Meilen von Tenedos entfernt iſt, und dem Vorgebirge an der Einfahrt der Dardanellen gegen Suͤd⸗Weſt liegt Dieſe Inſel war dem Merkur gewidmet, und hatte 5— 6 Doͤrfer, wovon zwei Kaſtelle haben. Auf der Suͤdfeite der Inſel ſind zwar Silber⸗Bergwerke; allein das Erz erfordert ſo viel Silberglaͤtte, daß es die Ko⸗ ſten nicht erſetzt. Die Inſel Samandrachi liegt nordwaͤrts von Imbrus, und hieß zuerſt Samos in Thrazien, 329 zum Unterſchiede von jenem in Jonien. Sie war der Goͤttin Cybele geweiht, welche lange Zeit da⸗ ſelbſt gelebt haben ſoll. Jupiter ſoll hier mit Elektra, der Enkelin des Atlas, drei Kinder ge⸗ zeugt haben; naͤmlich Dardanus, den Stifter des trofjaniſchen Reiches, Jaſon, welcher den Korg⸗ bas mit Cybele zeugte, wovon ihre Prieſter Kory⸗ bantes hießen, und Harmonia, die Gemahlin des Kadmus. Auf dieſe Inſel fluͤchtete ſich Perſeus, nachdem er von den Roͤmern war geſchlagen worden. Wir landeten auf der Oſtſeite von Lemnos in einem Meerbuſen, welcher uͤberall, bis auf die Oſtſeite, gedeckt iſt. Unweit deſſelben lagen die beiden Flecken Odopole und Kalliope. Dieſe Inſel, von den italiſchen Schiffern Stalimene genannt, wurde anfangs von einem thraziſchen Volke bewohnt, dann von den Pelasgern, und endlich von den Athenien⸗ ſern, bis ſie von den Roͤmern unterjocht wurde. Ein großer Theil der Inſel iſt huͤgelig; aber die Ebenen und Thaͤler ſind fruchtbar, geben viel Korn und Wein, auch Seide und Baumwolle, welche auf der Inſel ſelbhſt zu einigen Arten von Zeugen verarbeitet wer⸗ den, wovon ein Theil zu Hemden(Meles) verwendet wird, oder zu Unterkleidern der Frauenzimmer(Bru⸗ niuke). Man fuͤhrt viel Butter und Ziegenkaͤſe aus; man zieht ſtarke Pferde mittlerer Groͤße, welche ſchnell laufen. Die Inſel iſt wegen der Terra Lemnia beruͤhmt, deren Kraft der kalabriſchen Siegelerde gleicht; weßwegen ſie bloß in der Levante verbraucht wird. Die Griechen und Tuͤrken legen ähr eine wun⸗ derbare Kraft bei, wenn ſie am 18. Auguſt vor dem Aufgange der Sonne gegraben wird. Sie verſammeln ſich an dem Orte Aiokomo; ein Prieſter verrichtet ſein Gebet eine halbe Stunde; ein Grieche ſchlachtet ein Schaf, welches die Tuͤrken wegnehmen und ver⸗ zehren, weil die Griechen zu dieſer Zeit kein Fleiſch genießen duͤrfen. Dann graͤbt Jemand in die Erde, und wirft ſie aus. Der. Woywode nimmt 8o0 Oken zu 3 Pfunden, und ſendet ſie an den tuͤrkiſchen Kaiſer, welcher daraus ſeine Trinkbecher verfertigen laͤßt. Das Volk nimmt ſo viel Erde, als ihm beliebt. Sie wird auf der Seite eines kleinen Huͤgels gegraben, welcher gegen Suͤdweſt von dem Hafen Kokimo und gegen Weſt von dem Hafen Golf liegt. Die Oeffnung, aus welcher die Erde gegraben wird, iſt nicht groß an der Oberflaͤche. Die Erde gleicht jener der Pfei⸗ fen; drei ſtarke Schichten ſind weiß, zwei kleinere roth; die letzte wird am meiſten geſchaͤtzt. Eine Stunde gegen Oft von der Stadt Kaſtro ſind Baͤder von lauwarmem Waſier, welches aus ei⸗ nem Kalkſteine zu quellen ſcheint. Auf beiden Seiten des Hafens, wo ich landete, iſt ein Salzſee. Jener gegen Nord trocknet im Sommer aus, und laͤßt einen Salz⸗Kuchen zuruͤck, welcher zum Gebrauche der Inſel gereinigt wird. Der andere, welcher der Muͤhlen⸗See genannt wird, iſt weniger ſalzig, und von. keinem Ge⸗ brauche. Nordwaͤrts dieſes Hafens iſt ein breites Vor⸗ gebirge, welches Kapo Ekatokephale, d. i. 100 Haͤupter, genannt wird. Seitwaͤrts der Straße, wel⸗ che von dem Hafen, wo ich landete, nach Kaſtro fuͤhrt, iſt ein ſchoͤner Hafen von faſt 20 Meileu im Umfange. Die Einfuhr iſt ſo enge, daß der Meerbu⸗ ſen einem großen See gleicht. Oſtwaͤrts liegt die Stadt Madru mit einem Kaſtell, weſtwaͤrts der große Flecken Sarpe. Die Hauptſtadt Kaſtro an der Weſtſeite der In⸗ ſel hat ungefaͤhr eine Meile im Umfange, und ver⸗ muthlich lag die alte Stadt Myrina daſelbſt. Weſt⸗ waͤrts liegt ein hohes felſiges Vorgebirge mit einem durch die Lage ſehr feſten Kaſtell. In der Stadt woh⸗ nen etwa 800 Familien, gleich an Tuͤrken und Grie⸗ chen in der Zahl. Die Griechen haben 3 Kirchen mit einem Biſchofe, welcher jaͤhrlich 4 Beutel Einkuͤnfte bat. Der Woywode beſitzt die Juſel als Erblehen, und bezahlt dafuͤr jaͤhrlich etwa» Beutel an den Ka⸗ pitaͤn Baſſa, oder Groß⸗Admiral. So oft dieſer in die Gegend kommt, muß der Woywode mehr bezah⸗ len, gewoͤhnlich unter dem Vorwande, daß er wider die Geſetze habe Korn ausfuͤhren laſſen; indeſſen, er ge⸗ winnt jaͤhrlich wenigſtens so Beutel von dieſer Inſel. Nebſtdom iſt auch ein Kadi und ein Aga der Janit⸗ ſcharen nebſt verſchiedenen Soldaten auf der Inſel; 60 Flecken, 7 Kloͤſter, etwa 700o griechiſche und 3000 tuͤrkiſche Familien. Ungefaͤhr 30 Meilen luͤdwaͤrts von Lemnos ſah ich die kleine unbewohnte Iuſel Strati. VII. Von der Inſol Samos. Wir begaben uns von Mitylene auf Smyrna, Segigieck, Epheſus und Scala Nuova, wo wir nach Samos ſegelten. Man rechnete ihren Um⸗ fang auf 75 Meilen; ſie liegt nordweſtlich von dem Vorgebirge Trogilium in Jonien. Die zwei oͤſt⸗ lichen Vorgebirge liegen nur 1 Stunde vom feſten Lande; der Berg Furnos erſtreckt ſich oſtwaͤrts durch die ganze Inſel. Sie iſt felſig und voll aſiatiſcher Holz⸗ arten; nur bemerkte ich keine Cypreſſen. Wir fuhren in den Hafen Vahti, welcher ſich gegen Nord⸗Oſt öͤffnet, und ein guter Meerbuſen iſt, wenn keine ſtarke Winde wehen. Die Stadt iſt eine halbe Meile davon entfernt, an der Seite des Huͤgels, hat etwa 500 Haͤuſer mit s Kirchen, wovon jede ihre Glocke hat, und etwa 200 griechiſche Einwohner. Das Klo⸗ ſter zur h. Maria liegt faſt eine Stunde nord⸗ oſtwaͤrts von der Stadt. Dieſe ernaͤhrt ſich von der Fiſcherei und von der Ausfuhr guter Weine, beſonders einer Art Muskatwein. Aus Vahti ging ich zwei Stunden gegen die oͤſtliche Ecke der Inſel, welche 18 Flecken enthaͤlt; ei⸗ ner derſelben liegt am Wege zum engen Paſſe der Ueberfahrt. Nordwaͤrts davon iſt der kaſoneſiſche Hafen mit einer Inſel, welcher gegen Nord⸗Oſt offen iſt. 333 Oſtwaͤrts deſſelben iſt das ſuͤdliche Vorgebirge der Inſel; weſtlich ſind zwei k ve Meerbuſen, welche gegen Suͤd⸗ Oſt offen und vortt che Hafen ſind. Die zwei Vorge⸗ birge des nördlichen Hafens ſcheinen dem feſten Lande am naͤchſten zu ſeyn. Auf dem ſuͤdlichen Vorgebirge bietet ſich eine entzuͤckende Ausſicht neben Truͤmmern eines ehemals feſten Thurmes dar. An beiden Buſen moͤ⸗ gen Flecken geweſen ſeyn; in jedem iſt eine Kirche. Suͤdteſtwaͤrts dieſes Vorgebirges iſt ein anderes, und jenſeits deſſelben ein kleiner Meerbuſen. Die alte Stadt Samos hat gegen Weſt eine Laͤnge von 800 Schritten; ihre Mauern waren ſowohl auf der inne⸗ ren als aͤußeren Seite mit weißem Marmor bekleidet, und mit kleinen Steinen gemauert; ſie ſind 10, 12, 45 Fuß dick, und nach ihrer Lage mit großen Qua⸗ derſteinen bedeckt. Das große Theater iſt aus weißem Marmor gebaut. Auf der Weſtſeite der Stadt ſind. noch Ueberbleibſel einiger anſehnlichen Gebaͤude. Weſt⸗ waͤrts derſelben ſind einige Gewoͤlbe, wie die Kram⸗ laͤden der Morgenlaͤnder. Weſtwaͤrts der Truͤmmer iñ ein großer, mit einer Mauer umgebener Deich, wel⸗ cher das von den Huͤgeln herab fallende Waſſer ſam⸗ melt. Der Huͤgel bei dem unteren Theile der Stadt iſt aus weißem Marmor; an der Seite ſind mehre Steingruben. Das Waſſer mußte durch eine koſtſpie⸗ lige Leitung in die Stadt befoͤrdert werden; die noch zu ſehenden Reſte beginnen an dem Fluſſe Imbra⸗ ſius. Der Waſſer⸗Kanal war auf eine niedrige Mauer 8 334 gemacht, nur an einigen Stellen zog er ſich uͤber Bo⸗ gen von 60 Fuß hoch. Jenſeits deſſelben ſind an dem andern Huͤgel viele Steingruben oder große viereckige Plaͤtze ausgehauen.. Eine halbe Meile weſtwaͤrts der alten Stadt zie⸗ ben ſich die Huͤgel gegen Nord. Der Juno⸗Tempel lag nahe am Meere, und die vorderſte Seite war ge⸗ gen Oſt gekehrt. Es war ein außerordentliches Ge⸗ baͤude, ſowohl nach ſeiner Groͤße, als Bauart. Auf der Nordſeite ſieht man noch Reſte von Fuß⸗Geſimſen und Wuͤrfeln verſchiedener Saͤulen, meiſtens mit Erde uͤberſchuͤttet, auf der Suͤdſeite eine faſt ganze Saͤulen⸗ Schaft. Die Pfeiler ſind aus weißem, der Grund aus grauem Marmor. Einer von den Schaften, wel⸗ cher ganz zu ſeyn ſcheint, beſteht aus 47 Steinen von 2—3 ⁄½2 Fuß dick. Dieſe ſind wie durch ein Erdbeben aus einander geruͤckt. Ich ſah auch Stuͤcke zwei run⸗⸗ der Kapitaͤler aus grauem Marmor; eines hatte 4. Fuß⸗ 5 Zoll im Durchmeſſer. Da aber die aͤußeren Pfeiler 5 Fuß 6 Zoll haben, ſo gehoͤrten wahrſcheinlich dieſe doriſchen Kapitaͤler zu Saͤulen innerhalb des Tempels, welcher wegen der Menge ſchaͤner Bildniſſe beruͤhmt war. Nordweſtlich des Tempels ſind drei kleine Huͤ⸗ gel, und weſtwaͤrts viele Spuren von Gebaͤuden. Eine⸗ halbe Meile weſtwaͤrts des Tempels fließt der kleine. Imbraſius, an welchem Juno geboren ſeyn ſoll. Er kommt vom Berge herab. und fließt bei dem Flek⸗ ken Baounda nahe an dieſen Bergen vorbei. Die 335 daſige rothe Erde mag zu den beruͤhmten Gefaͤßen aus Samos verwendet worden ſeyn, wie zu den Rohren der Waſſer⸗Leitungen. Der Bach fließt bei dem zer⸗ ſoͤrten Flecken Milo vorbei, welcher wegen der Strei⸗ fereien der Korſaren verlaſſen wurde. Die Hauptſtadt Kora liegt an der nordweſtlichen Ecke der Ebene neben einem felſigen Gebirge, gleicht aber wegen der ſchlechten 250 Haͤuſer mehr einem Dorfe, obſchon ſie 12 Kirchen mit unvollſtaͤndigen In⸗ ſchriften und zerbrochenen Reliefs hat. Eine Stunde oſtwaͤrts gegen Vahti iſt der Ort Mitylene, und weſtwaͤrts deſſen das hoͤchſte Gebirge Karabunieh, d. i. der ſchwarze Berg. In Samos iſt weiße Erde, welche der Pfeifen⸗ und Walker⸗Erde ſich naͤhert, und wegen ihrer Benutzung zur Waͤſche auch Seifen⸗Erde genennt wird, wie zu Milo. Sie wird als Speiſe von Weibern und Kindern verzehrt, obſchon man ihr die Kraft zurechnet, das Milz anfzuſchwellen, und die Waſſerſucht zu verurſachen. Vermuthlich bedienten ſich die alten Aerzte derſelben als einer Arznei. Die Einwohner von Samos ſind ſchwelgeriſch, dem Trunke ergeben und arm. Sie ſelbſt pfluͤgen ihre Fel⸗ der, und haben keine Gehuͤlfen, als ihre Kinder. Alle Weiber, ſelbſt die Frau des Statthalters, gehen zu den Waſſer⸗Brunnen, und verrichten ihre verſchiede⸗ nen Arbeiten.. Außer Wein und roher Seide gibt es faſt gar keine Handels⸗Arttkel; fuͤr etwa 8000 Thaler wird jäͤhrlich Seide nach Scio geſeudet. Zwar wird auch etwas Korn zuweilen gegen das Geſetz ausgefuͤhrt; aber eben ſo viel wieder eingefuͤhrt. In einigen Grot⸗ ten iſt etwas Salz zu finden, wovon die Griechen ſchweigen, damit ſie keine Abgabe zu entrichten haben. Man nennt es Salpeter⸗Salz, und verwendet es zum Schießpulver. Man hat auch in der Ebene von Kora Salzpfannen, und das Salz wird ſogar auf das feſte Land gefahren. Viele Kiefer⸗Baͤume werden zum Baue der Schiffe und Boote nach Patmos verkauft. Auf der nordweſtlichen Seite der Inſel liegt der Flek⸗ ken Karlovaſi, wovon Wein und Orangen nach Segigieck gebracht werden; drei Stunden weiter iſt der Hafen Sitan. Die Laͤndereien dieſer Inſel gehoͤren zur Moſchee Tophana Jameſi in Konſtantinopel; ſie werden alle 7 Jahre durch ein 2 Schritte langes Maß gemeſ⸗ ſen; fuͤr 40 Quadratfuß werden jaͤhrlich 12 Medinen gezahlt, deren eine 2 Kreuzern gleich kommt. Die jährlichen Einkuͤnfte belaufen ſich auf 22 Beutel. In den 18 Flecken und Staͤdten ſind kaum 1300 Einwoh⸗ ner, welche die Kopfſteuer entrichten, welche ſich auf weitere 20 Beutel belauft. Der tuͤrkiſche Statthalter bezieht von dem, was ſie Avanias nennen, etwa 10 Beutel; dieß ſind Geldſtrafen der Todtſchlaͤger und anderer großen Verbrecher, wenn ſie nicht als Chri⸗ ſten einen Tuͤrken toͤdten.. Die Inſel wird von einem tuͤrkiſchen Kadi und Woywode regiert. Erſterer geht jaͤhrlich 4 bis Mal in dem Flecken herum, und haͤlt Gericht. Auch der tuͤrkiſche Aga hat in den vornehmſten Flecken einen Diener, welcher befiehit; es gibt auch einen chriſtli⸗ chen Aga von großem Anſehen; er wird auf Lebens⸗ dauer vom Volke gewaͤhlt, von welchem er ſo hoch geachtet wird, daß der Kadi und Woywode ihn ge⸗ woͤhnlich zu Rath ziehen. Letzterer bleibt Jahre in ſeinem Amte, zaylt jaͤhrlich eine beſtimmte Summe, und ſucht ſich zu bereichern. Der Biſchof von Sa⸗ mos hat zu Kora ſeinen Sitz. Es gibt Moͤnchs⸗ Kloͤſter, deren iedes 3 bis 4 Prieſter mit 3 bis 4 Laien⸗ bruͤdern enthaͤlt. 68 4 136u10. 8i VIII. Von der Inſel Patmos. 2 Patmos liegt im ikariſchen Meere, gerade ſuͤdwaͤrts von den kleinenenſeln zwiſchen Nikarig und Samos; ihr Umfang ſcheint keine 30 Meilen zu be⸗ tragen. Oeſtlich hat ſie einen tiefen Meerbuſen, weſt⸗ lich zwei kleinere; der Strich Landes, welcher ſie ver⸗ bindet, iſt nicht uͤber eine Viertel⸗Meile breit. Ehe⸗ mals lag die Stadt auf der oͤſtlichen Seite der Land⸗ enge; allein aus Furcht vor den Korſaren zog das Volk auf den ſuͤdlichen Huͤgel, und baute eine neue am Fuße des Kloſter⸗Berges. Auf der Haͤlfte der Anhoͤhe liegt das Kloſter Apokalypſe, deſſen Ka⸗ pelle als Grotte einſt dem h. Johannes zur Abfaſfung a9ſtes B. Griechenland. I. 3. 7 338 ſeiner Offnbatung gedient haben ſoll; ſie iſt 9 Fuß lang und 4 Schritte breit. Dieſes Kloſter iſt das Noviziat oder Seminar des groͤßeren, und wird durch einen Profeſſortverwaltet, welcher Didaskalos ge⸗ nannt wird, und noch einen Lehrer unter ſich hat. Sie lehren die alt⸗griechiſche Sprache(Hellenike), Phyſik. Metaphyſik und Theylogie. Sie bedienen ſich der Grammatik Konſtantins Laſkaris und der Logikvon Theophilus Korudaleos, welche beide iu Venedig erſchienen, der Phyſik und Metaphyſik deſ⸗ ſelben als Handſchrift, wie der Theologie von Georg Qugreis aus Secio. Alle dieſe Gegenſtaͤnde werden in einer großen Schule gelehrt; der Unterlehrer be⸗ ſorgt die Kinder in der Sprache, und der Oberlehrer die Erwachſenen in den uͤbrigen Gegenſtaͤnden. Die Zahl der aus verſchiedenen Laͤndern kommenden Schuͤ⸗ ler belauft ſich etwa auf z0, welche theils in den bei⸗ den, Klöſtern, theils in der Stadt wohnen. 3 Mau koͤnnte die Lage der Stadt und des Kloſters auf dem oberſten Huͤgel mit jener von St. Marino vergleichen; letzteres gleicht einem Kaſtelle; doch iſt die Kapelle mit 2 großen Glocken ſchoͤn. Man glaubt, Kaiſer Alexius Comnenus habe es geſtiftet; der Abt wird alle zwei Jahre durch einen audern er etzt. Swar zaͤhlt es 200 Bewohner, doch nur 20 Prieſter und 40 Lvienbruͤder. Die kleine Buͤcher⸗Sammlung zeichnet ſich durch die beſten Ausgaben griechiſcher Kir⸗ chenvaͤter aus; die aͤlteſte Handſchrift iſt eine Samm⸗ — 339 lung einiger griechiſchen Kirchenlehrer, und mag mehr als 4000 Jahre alt ſeyn. Die fuͤnf Buͤcher Moſis mit Auslegungen verſchiedener Gelehrten ſind auch ſchaͤtz⸗ bar. Zu dem Kloſter gehoͤrt die ganze Inſel, wie die kleinen oſtwaͤrts liegenden Inſeln. Man kann daſelbſt den groͤßten Theil des Archipels uͤberſehen. In der Stadt iſt auch ein Nonnen⸗Kloſter, bewohnt von 39 altern Weibern; 700 Haͤuſer ſind nur von 160 Perſo⸗ nen beſetzt, welche Kopfſteuer zahlen; die 200 zum Kloſter gehoͤrigen zahlen nichts, die meiſten uͤbrigen ſtammen aus andern Orten. Das Kloſter hat jaͤhrlich nicht mehr als 2 Beutel an den Kapitaͤn Baſſa zu ent⸗ richten. ingeachtet der Abt die hoͤchſte Gewalt hat, ſo ſte⸗ ben ihm doch 4 Vikardi zur Seite, deren Soͤhne ge⸗ woͤhnlich im Amte nachfolgen. Alle Einwohner ſind Chriſten, zu den Schiffern oder Schiffbauern gehoͤrig. Die Unfruchtbarkeit iſt ſo groß, daß alle Beduͤrfniſſe auf die Inſel gebracht werden muͤſſen. Sie fuͤhren bloß baumwollene Struͤmpfe nach Venedig aus, ha⸗ ben wenige Gaͤrten, und ſo ſchlechten Wein, daß er ſich keinen Monat haͤlt; deſto beſſer iſt ihr Waſſer. Die Inſel liſt zſehr geſund, und ſelten von der Peſt befallen. Die Bewohner erreichen ein hohes Alter, ſind ſehr vorſichtig gegen anſteckende Krankheiten, und laſſen ihre Schiffe, weiche aus verdaͤchtigen Gegenden ommen, Quarantaine halten. Sie ſind durch ihren Verkehr mit Fremden ſehr gebildet, und ſtehen unter 340 dem Patriarchen unmittelbar. Nan zaͤhlt auf der gan⸗ Pen Inſel 300 Kirchen. *—— Zweites Buch. I. Von Klein⸗Aſien, Jonien und der Stadt Smyrna. Natolien oder Klein⸗Aſien iſt jenes oͤſtliche Land, welches vom ſchwarzen und mittellaͤndiſchen Meere auf drei Seiten umgeben iſt und Griechenland gegenuͤber liegt. Zum unterſchiede von Aſien wurde dem weſtlichen Theile deſſelben dieſſeits des Gebirges der Name Taurus beigelegt, und der Fluß Halys gegen Morgen zur Graͤnze beſtimmt. Der oͤſtliche Theil hieß Aſten, jenſeits und um den Berg Taurus, und beſtand aus Pontus, Kappadozien⸗ Cili⸗ zien, Pamphilien, Lyzien, Piſidien, Iſau⸗ rien und Lykaonien. Dieſſeits des Pus. gegen Nord lag Paphlagonien, Galatien und By⸗ thinien. Alle uͤbrige Theile, welche die ganze weſt⸗ liche Kuͤſte in ſich faßte, waren das eigentliche Aſien, worin die beiden Phrygien, die beiden Myſien, Aeolien, Lydien, Jonien, Karien und Doris lagen. Alle dieſe waren Pflanzſtaͤdte der Griechen, welche daſelbſt Freiſtaͤdte angelegt haben. Wir ſetzten uns zu Mitylene in das Schiff, und fuhren nach Smyrna. Dieſe Stadt liegt gegen die 341 ſuͤdoͤſtliche Ecke eines tiefen Meerbuſens. Ein groer Theil deſſelben gegen Weſt wird durch das Vorg birge Kagraburnu bedeckt, welches ſich nach Nord au.⸗ dehnt, ein hoher Berg und ein Stuͤck des alten Mi⸗ mas iſt. Der Muͤndung des Fluſſes Hermus e⸗ genuͤber iſt eine Sandbank, welche fuͤdwaͤrts lauft. Gegenuͤber iſt ein Vorgebirge mit einem Kaſtelle zur Deckung der Einfahrt des Hafens. Denn die Schiffe muͤſſen wegen der Sandbank nahe hinſegen Die er Meerbuſen iſt an der weſtlichen Seite drei Stunden breit. Etwa eine Meile ſuͤdwaͤrts liegt ein ſtei er fel⸗ ſiger Huͤgel, welcher durch ein kleines Thal von den oͤtllichen Huͤgeln getrennt iſt, eine halbe Meile etwa weſtwaͤrts in die See ſich ausdehnt, und zum aa ell von Smyrna verwandelt iſt. Gegen Nord deſſelben iſt ein kleiner Meerbuſen, in welchen alle kleine Sch ffe laufen. Ein ſchmales ebenes Feld liegt zwiſchen dem feſten Kaſtell und dem Meere. Der Fluß Meles fließt an die Nord⸗ und Oſtſeite des Berges, auf wel⸗ chem die Stadt liegt. Sie hat von Seite des Wan rs ein ſchoͤnes Anſehen, enge, nicht gut angelegte Stra⸗ ßen, und etwa vier Meilen im Umfange. Sie hat zwei ſchoͤne Herbergen, rund um Hoͤfe gebaut, und mit Kuppeln verſehen; auch gewoͤlbte Kramlaͤden. Die obern Stockwerke der Haͤuſer ſind aus Holz, die Faͤ⸗ cher mit ungebrannten Ziegeln ausgemauert, und die Waͤnde uͤberworfen. Die Haͤuſer an der See haben Hoͤfe und Gaͤrten gegen dieſelbe, und einen bedeckten 342 Gang, welcher die verſchiedenen Zimmer vereinigt; oben ſind ſie bewohnt, unten mit Waren belegt. Auf einer Seite des Gartens iſt eine große hoͤlzerne Gal⸗ lerie, welche oben bedeckt iſt, und vom Wohnhauſe zu eiem kleinen Luſthauſe auf der See fuͤhrt; was eine große n ebn ent iſ. Laͤngs des Seeufers iſt ein Damm, auf welchem die kleinen Boote vor den Haus⸗ Thuͤren geladen werden. Man rechnet 100,000 Einwohner, wovon 7— 8 00 Griechen, 2000 Armenier und 5— 6000 Juden ſind, und in beſondern Straßen beiſammen wohnen. Die Griechen haben drei Kirchen, die Armenier nur eine, aber Inſchriften und Alterthuͤmer auf ihrem Begraͤb⸗ niß⸗Platze. Die Franken(Europaͤer) haben ihre eigene Straßze mit großer Freiheit, und verſchließen dieſelbe in jeder Nacht. Die Englaͤnder, Franzoſen, Schwe⸗ den, Hollaͤnder, Venetianer und Oeſterreicher haben daſelbſt Konſuls, und die Franziskaner, Kapuziner und Jeſuiten ihre beſondern Kloͤſter. In jenem der Franziskaner iſt ein apoſtoliſcher Ordens⸗Vikar. So⸗ wohl die Armenier, als die Griechen, haben ihren Erz⸗ biſchof; die griechiſche Metropolitan⸗Kirche hat eine koſtbare Handſchrift der fuͤnf Buͤcher Moſes mit ei⸗ ner weitlaͤufigen Auslegung aus dem 1X. Jahrhundert mit ſchoͤnen Malereien. Die vielen Franken zu Smyrna erhoͤhen den angenehmen Aufenthalt und die Geſelligkeit der Fremden. Die Stadt mit ihrer naͤchſten Umgebung gehoͤrt 343 der Mutter des Sultans(Validea), deren Gefaͤlle ein Woywode als Moßlem beforgt. Der Kadi hat die hoͤchſte Gewalt, weil kein Baſſa da iſt. Einige Jahre vor meiner Ankunft wurde die Stadt durch den Auf⸗ ruhr des Soley Bey ſehr beunruhigt; denn er durch⸗ ſtreifte das ganze Gebiet, drohte Pluͤnderung, und er⸗ zwang 30 Beutelz die Europaͤer retteten ihre beſten Sachen auf die Schiffe. Die Obrigkeit baute Thore, pflanzte Kanonen darauf, und zog einen kleinen Gra⸗ ben mit Bruſtwehr um den Berg. Dadurch wurde der Handel gehemmt; die Kurawanen konnten nicht abgehen, und die Ausfuhr war geſchwaͤcht. Erdbeben fuͤgte ſchon oͤfters großen Schaden zu; im April 1739 wurden mehre Haͤuſer eingeworfen und einige Perſo⸗ nen unter deſſen Schutt begraben; weßwegen die Ein⸗ wohner ſich geraume Zeit, theils auf den Schiffen, theils in den Huͤtten des platten Landes Nachts auf⸗ hielten. Manche verließen ihre bloß erſchuͤtterten Haͤu⸗ ſer ganz, ſowohl zur Sicherheit als Bequemlichkeit. Der Handel daſelbſt uͤbertrifft jenen aller andern Haͤfen der Levante. Die Ausfuhr verbreitet ſich auf rohe Seide, tuͤrkiſche Decken und die feinſten Ziegen⸗ Haare von Angora, aus welchen in England Knoͤp⸗ fe, Camelotte und Prunello verfertigt werden. Viele Roſinen werden nach England geliefert, viele rohe Baumwolle, Muskat⸗ oder weißer Jungfern⸗Wein. Die Einfuhr beſteht in Zinn, Blei und wollenen Zeu⸗ gen. Anfangs ſind die Englaͤnder uͤberall, bis auf Kon⸗ 344 ſtantinopel und Aegypten, wo man an deren Fabrikate gewoͤhnt iſt, verdraͤngt worden. Glas und verarbeitete Seide wird aus Venedig und andern italiſchen Staͤd iten gegen die große Eichel geliefert, deren man ſich ſhutt⸗ der Baumrinde zunn⸗ Gerbem Vdient. IMn 1* Gegen Siäd⸗ Oſt von memyenal liegt eine ſchone Ebene, und noͤrdlich der ſchoͤne Flecken B uiaw, in deſſen Umgebung die Europaͤer Landhuͤuſer, Gaͤrten und Felder mit großen Cypreſſen⸗Baͤumen beſetzten. Auf der Ebene ſind mehre Kanaͤle, welche die Stadt durch bloße Waſſer⸗Leitungen mit Waſſer verſehen; der Fluß Meles neigt ſich gegen Suͤd derſelben. Jenſeits deſſen gegen den Fuß des Gebirges liegt der Flecken Segikun, wo ebenfalls die Europaͤer mehre Landhaͤuſer angelegt haben. Gegen Mitternacht der Stadt iſt in einem Garten ein Sarg aus weißem Mar⸗ mor mit einer Inſchrift, welche den Namen eines im Jahre verſtorbenen Fabius Maximus enthaͤlt. In der Richtung nach der Ebene, auf welcher Bon⸗ avre gelegen iſt, war nicht weit von der Straße die große Waſſer⸗Quelle, welche das Bad der Diana ge⸗ nennt wird. Das Waſſer iſt im Winter warm; in deſſen Naͤhe ſind noch viele Grundmauern von Gebaͤu⸗ den, und mehre alte Bogen, welche wahrſcheinlich zu den alten Baͤdern gehoͤrten. Da der ganze Weg von der Stadt bis hieher mit Truͤmmern bedeckt iſt, ſo hat vielleicht die alte Stadt i⸗ dahin ſich erſtreckt. 345 Bei dem Flecken Bonavre iſt ein großer tuͤrki⸗ ſcher Begraͤbniß⸗Platz, welcher die Groͤße der vorigen Stadt beſtaͤtigt. Der tuͤrkiſche Kaiſer ſoll in allen Addreſſen an die daſigen Konſuls den Zuſatz von Bon⸗ avre und Smyrna beifuͤgen. Auf dem Benraͤbniß⸗ Platze gibt es viele Saͤulen, Stuͤcke von Saͤulen⸗Ge⸗ ſimſen, und andere Steine von alten Gebaͤuden mit griechiſchen Inſchriften, welche auf einen Tempel ſchliefen laſſen. An der Seite des Berges weiter nach Adend und nahe an der Ecke des Meerbuſens ſind ver⸗ ſchiedene ſehr alte Grabmaͤhler. Die ſchlechteſten ſind rund und erhaben, theils aus gehauenen, theils aus ungehauenen Steinen uͤber einander gelegt. Unter dieſen befinden ſich gewoͤhnlich zwei Graͤber in die Erde vertieft, welche mit Quadern gemauert und mit einem großen Steine bedeckt waren. Die uͤbrigen ſind runde Haufen von 20—60 Fuß im Durchmeſſer; ſie ſind rings umher bis an den Gipfel mit großen Steinen nach ruſtiker Art gemauert. Unter der Erde iſt ein Zimmer, und einige ſind in zwei Zimmer abgetheilt Die Mau⸗ ern ſind meiſtens von ſehr guter Arbeit und aus einer Art unaͤchten Granits gebaut, welcher ſich ſo ab⸗ gerieben hat, daß die Fugen jenen des abgeſchliffenen Marmors gleichen. Mehre Englaͤnder fanden bei der Oeffnung ſolcher Graͤber einen Aſchenkrug. Gegen die Oſtſeite der Ebene liegen die beiden Flecken Norle⸗ kui und Hadjeclar, woſelbſt viele Europaͤer ihre Landhaͤuſer haben. Dieſe zwei Ebenen, nebſt den nahe 1 346 gelegenen Huͤgeln machten be anlish das Gebiet von Sm yrna aus. l. Von Vurla, dem alten Clazomene, Henahrännd dem alten Tejus. „Schmfegelte nach dem Flecken Vurla, welcher eine Stunde fuͤdwaͤrts des Meerbuſons gleiches Na⸗ mens liegt, deſſen Kaſtell den Eingang des ſmyrna“⸗ ſchen Hafens deckt. Er liegt auf dem großen Vorge⸗ birge, welches aus dem karaburniſchen Gebirge entſpringt; zu dieſem gehoͤrt der Berg Mimas der Alten. Der Hafen Vurla mag 8— 10 Stunden von Smyrna entfernt ſeyn; er bildet in Verbindung mit einem andern gegen Suͤd den Iſthmus; folglich muß er der Hafen der beruͤhmten Stadt Clazomene ge⸗ weſen ſeyn, welche eine von den 12 joniſchen Staͤdten war. Einige Reiſende haben einen Flecken an der Oſtſeite dieſes Meerbuſens, Namens Kelisman, fuͤr dieſe Stadt gehalten; obſchon er außer dem Iſth⸗ mus und an einem Platze liegt, wo keine Truͤmmer ſind. Zwar ſind hier nur wenige Spuren einer Stadt; doch da das Feld mit vielen Backſteinen und Ziegeln bedeckt iſt, ſo muß hier eine anſehnliche Stadt geſtan⸗ den haben. Die Meinung, hier habe das alte Clazo⸗ mene gelegen, wird durch die Inſel des h. Johan⸗ nes beſtaͤtigt. Dieſe hat eine halbe Meile im Umfange, und war ehemals durch einen breiten Damm damit ver⸗ bunden, wovon noch Spuren zu ſehen ſind. Die Ein⸗ 547 wohner ſind ſo verrufen, daß wir deßwegen die Orte nicht beſuchen mochten. Drei Stunden ſuͤd⸗oſtwaͤrts von Vurla liegt Sevrihiſſar, welche große Landſtadt auf drei Hö⸗ hen angelegt, und von einigen Chriſten bewohnt iſt, wo wenige Alterthuͤmer zu finden waren. Eine Stunde ſuͤd⸗weſtwaͤrts iſt die Stadt Segigieck, mit einem guten Hafen; eine halbe Stunde davon ſind die Truͤm⸗ mer von Deos, welches jetzt Bodram heißt. In⸗ nerhalb der Stadt ſind an der Suͤdſeite eines der Huͤ⸗ gel noch Ueberbleibſel eines Theaters zu ſehen, deſſen Sitze noch hoͤher hinauf gefuͤhrt geweſen ſeyn moͤgen, als im Theater zu Epheſus. Suͤd ⸗oſtwaͤrts vom Theater ſind noch Ueberbleibſel eines Tempels des Bachus in einem laͤnglichten Viereck und aus grauen Marmor⸗Steinen von betraͤchtlicher Groͤße. Einige feine joniſche Kapitaͤler und ſehr ſchoͤne Saͤulen⸗Ge⸗ baͤlke, welche mit der praͤchtigſten Bildhauer⸗Arbeit nach beſtem Geſchmacke verſehen waren, ſind auch zu ſehen. Suͤd⸗oſtwaͤrts dieſes Tempels ſind auf einem ab⸗ baͤngigen Grunde zwei gewoͤlbte Zimmer, welche zu Waſſer⸗Behaͤltern moͤgen gedient haben. Die Mauern, welche den Boden tragen, ſind bogenweiſe gebaut. Weiter gegen Oſt und nahe bei dem Theater iſt eine laͤnglicht viereckige Einfaſſung, welche rund umher kleine Thuͤrme gehabt haben mag. Anfangs glaubte ich, bier ſey ein oͤffentlicher Platz oder eine Citadelle 348 geweſen: aber aus der theatraliſchen Form der Fuß⸗ tritte und andern Ueberbleibſeln erkannte ich bald, daß hier ein Odeon oder eine andere Form eines kleinen Hoͤrſaales geweſen war. An der Außenſeite der nord⸗ oͤſtlichen Ecke der Einfaſſung lagen Truͤmmer von ge⸗ ſtreiften Pfeilern aus Marmor und ſchoͤnen, zum Theile unvollendeten Saͤulen⸗Gebaͤlken korinthiſcher Ordnung. Man kann ſich nicht wundern, daß alle Steine des Gebaͤudes weggefuͤhrt ſind, da es ſo naͤhe an der See war.. Ich war Jemanden in Vurla empfohlen worden, welcher mich am 4. Dezember in ſeinem Hauſe auf⸗ nahm, mir alle Merkwuͤrdigkeiten der Umgebung zeigte, und ſich mit mir nach Sevirhiſſar und Segigieck begab. Da ich einem hollaͤndiſchen Schiffs⸗Haupt⸗ mann empfohlen war, ſo blieb ich alle Nacht auf ſei⸗ nem Schiffe, weil in der Stadt kein bequemes Quar⸗ tier fuͤr Fremde war. Ich ging alle Tage aus, um die Alterthuͤmer von Teos und der Umgebung zu be⸗ ſchauen. Myonneſus lag oſtwaͤrts von Teos an einer Hoͤhe auf einer Halbinſel, Lebedus 15 Meilen oſtwaͤrts von Teos; die zwei Meerbuſen werden durch die Inſel Aſpis oder Arkoneſus getheilt. Dieſe halte ich fuͤr jene lange Inſel um die Mitte des Meer⸗ buſens, welche ſich ſuͤd⸗weſtwaͤrts erſtreckt, und heuti⸗ ges Tages Karabaſch, d. i. ſchwarze Binde, nach einer eingebildeten Aehnlichkeit genannt wird. Funf⸗ zehn Meilen weiter nach Oſt lag Kolophon. Dieſes 349 ſtand vermuthlich an dem kleinen Meerbuſen, welcher dem epheſiſchen nord⸗weſtwaͤrts liegt. Dieſe Stadt ſtreitet mit andern um die Ehre, der Geburtsort Ho⸗ mer's zu ſeyn. Weſtwaͤrts davon war der Berg Ko⸗ razius, und etwas weiter gegen Weſt die Inſel Diane. II’, Von Scala Nuova und Epheſus. Ich beſtieg am 9. Dez. zu Segigieck ein offenes Boot, und kam Abends zu Scala Nuova an. Dieſe Stadt liegt auf der Seite einer Anhoͤhe uͤber dem epheſiſchen Meerbuſen, 3 Stunden weſt⸗ ſuͤd⸗weſtwaͤrts von Spheſus, auf der Nordſeite eines Vorgebirges, welches ſich nach Weſt erſtreckt. Der Hafen wird durch eine kleine Inſel mit einem Thurme gegen den Weſt⸗ Wind geſchuͤtzt; deſto mehr iſt er dem Nordwinde aus⸗ geſetzt. Das Kaſtell oder die Stadt hat ungefaͤhr drei Viertel⸗Meilen im Umfange, gegen Nord eine Vor⸗ ſtadt, in welcher einige vornehme Kramlaͤden oder Bazare ſind. Die Chriſten wohnen an der Seite eines hohen Huͤgels gegen Weſt in etwa 200 Haͤuſern. Der Erzbiſchof von Epheſus, welchem ich empfohlen war, wohnt neben der Kirche in der Stadt; er ſagte mir, daß er ehmals zwei Biſchoͤfe unter ſich hatte, jetzt aber keinen. Das Kaſtell gehoͤrt dem Groß⸗Admiral, wel⸗ cher einen Kommandanten ernennt. Die Stadt ſteht unter einem Aga, und dieſer unter dem Baſſa von Guzelhiſſar. Dieſer Ort hat eine Meſſe, und 350 verſieht alle benachbarte Orte, auch Samos, mit Reiß, Kaffee, Flachs und Hauf aus Aegypten, gro⸗ bem wollenen Tuche aus Salonika, Baumwolle und indiſcher Leinwand, welche uͤber Smyrna gelie⸗ fert wird, und vielen andern Gegenſtaͤnden aus andern Gegenden. Man liefert auch Korn nach Samos und den benachbarten Inſeln. Die Stadt wird zwar mit vielen Weinbergen umgeben, der Wein iſt aber nicht gar gut, obſchon Epheſus vor Alters wegen des Wei⸗ nes beruͤhmt war. Auch werden ſehr viele getrocknete Roſinen nach Aegypten geliefert. Ich langte Abends ganz ſpaͤt zu Scala Nuova an. Drei Janitſcharen begleiteten mich an das Haus des Erzbiſchofs von Spheſus. Die Furcht vor den Soldaten iſt hier ſo groß, daß man meine Begleiter zuerſt vor den Erzbiſchof brachte und von ihm bewir⸗ then ließ, waͤhrend ich in einem andern Zimmer et⸗ was zu eſſen erhielt. Erſt nach der Entfernung der Janitſcharen wurde ich auch zum Erzbiſchofe gefuͤhrt, welcher ein alter ehrwuͤrdiger Mann, und wie andere griechiſche Prieſter gekleidet war; nur war er mit einer rothen Scherpe aus Kamee.⸗Haaren umguͤrtet. Des andern Tages begab ich mich in eine Herberge, und durch Huͤlfe einiger andern Perſonen, welchen ich auch 3 empfohlen war, bekam ich einen Tuͤrken als Begletter gach Spheſus. i Wir kamen im Flecken Ajaſoluck an, welcher nord⸗oſtwaͤrts der alten Stadt Epheſus liegt. Ich 351 wohnte daſelbſt in einer Herberge, welche zugleich zu einem Stalle diente, und mit Sophas und Kaminen zur Bequemlichkeit der Reiſenden verſehen war. Mein Begleiter gab mir zu verſtehen, daß ich den zwei Kom⸗ mandanten des Kaſtelles Geſchenke von Kaffee machen muͤßte. Ich verweilte einige Tage zur Beſichtigung der Alterthuͤmer; Nachts wurde ich durch große Ka⸗ rawanen ſehr beunruhigt, welche von Smyrna nach Guzelhiſſar gingen. Die Prophezeihung der Of⸗ fenbarung Johaunes, daß der Leuchter von dieſem Orte genommen werden würde, iſt ſo buchſtaͤblich er⸗ fuͤllt worden, daß man auf zwei Stunden weit keine Chriſten findet. 4 211 Gegen das Meer iſt eine Ebene, welche eine Stunde breit iſt und ſich nach der nord⸗oͤſtlichen Ecke jenes Meerbuſens erſteckt, wo das große Vorgebirge beginnt, welches weſtwaͤrts nach Scio ſich zieht. In einer kieinen Entfernung vom Meere erweitert ſich dieſe Ebene zirkelfoͤrmig, und gegen Suͤd iſt ein klei⸗ nes Thal, welches eine halbe Stunde zwiſchen den Bergen ſich hinzieht. Auf der nord⸗oͤſtlichen Ecke dieſer Ebene iſt der Zugang zur kleinen Ebene zwiſchen den Huͤgeln, wodurch der Kagſter fließt. Diefer macht ſo viele Kruͤmmungen gegen Suͤd⸗Weſt, wo er ſich wie Maͤander dreht, daß die Duͤrken ihn den klei⸗ nen Mandras nennen. Ein großer TCheil der Ebene, vorzuͤglich ſuͤdwaͤrts des F. uſſes, iſt ein Moraſt, wel⸗ chen man nach ſtarkem Regen nicht durchwaden kaun. 352 Auf der Weſtſeite der Ebene ſah ich die Seen, deren die Alten erwaͤhnten; einer derſelben, Selenuſia, gehoͤrte zum Tempel der Dianaz bei einem derſelben lag der Tempel des Koͤnigs, welchen Agamemmon gebaut haben ſoll. Auf einem Huͤgel nordwaͤrts von dem Fluſſe gegen die Seen nahm ich ein Gebaͤude wahr, welches dieſer Tempel geweſen ſeyn mag. Nord⸗ weſtwaͤrts von den Seen geht der Berg Galeſius bis nach Kolophon. Der Theil der Stadt an dem Fuße des Berges Koriſſus wurde Aſpera genannt. Die Mauern moͤgen 4 Meilen im Umfange haben; ſte ſind ruſtik, mit Quadern uͤberzogen, und haben vier⸗ eckige Vertheidigungs⸗Thuͤrme. An einigen Orten ſind die Mauern noch ganz, an andern Orten ſteht nur noch das 10 Fuß dicke Fundament derſelben. Ouͤwaͤrts des Berges Lepre hatten die Einwoh⸗ ner ihre Begraͤbniß⸗Plaͤtze. Ich ſah daſelbſt einen ſehr großen Sarg aus Marmor mit unvollſtaͤndiger Ueber⸗ ſchrift. In dem Grunde zwiſchen dem Huͤgel und dem Flecken Ajaſaluck ſind Ueberbleibſel von verfchiede⸗ nen viereckigen Pfeilern aus einzelnen uͤber einander gelegten Steinen; allem Anſehen nach waren auf den⸗ ſelben Schwibbogen und uͤber dieſe Haͤuſer gebaut. Die praͤchtigen Truͤmmer am ſuͤd⸗oͤſtlichen Ende des Huͤgels halte ich fuͤr das Gymnaſium, an deſſen Platze fruͤher das Athenaͤum war. Der nahe gelegene Platz wurde Hipaͤleum vermuthlich deßwegen genennt, weil er mit Oliven⸗Baͤumen begraͤnzt war. . Der Dianen⸗Dempel liegt gegen die ſuͤd⸗weſt⸗ liche Ecke der Ebene, und hat auf der Weſtſeite den in Moraſt verwandelten See, welcher ſich bis an den Kayſter erſtreckt. Der Tempel und die Hoͤfe um den⸗ ſelben hatten rings herum eine ſtarke Mauer. Die Mauer gegen Weſt an dem See und gegen Nord diente zugleich zur Stadt⸗Mauer; gegen Suͤd iſt eine gedop⸗ pelte, und innerhalb derſelben ſind 4 Hoͤfe, d. i. auf jeder Seite des Tempels ein Hof; und auf jeder Seite des Hofes gegen Weſt war ein großer Saͤu⸗ len-Gang, welcher ſich bis an den See erſtreckte, und auf demſelben waren Bogen aus Backſteinen zur Bedeckung des Ganges. Die vordere Seite des Tem⸗ pels war gegen Morgen; er ſtand auf Bogen, zu wel⸗ chen man hinab ſteigen konnte; ſie ſind ſchmal und einer uͤber dem andern. Der Boden war moraſtig, weß⸗ wegen die Grundlegung ſo koſtſpielig war, als das Gebaͤude uͤber der Erde. Vor dem Tempel ſcheint ein großer Saͤulen⸗Gang zu ſeyn. Vor dieſem Orte liegen Stüͤcke von Granit⸗Pfeilern, deren jedes 15 Fuß lang und ein grauer Granit⸗Pfeiler, welcher in 2 Stuͤcke gebrochen iſt; ſie alle hatten 3½ Fuß im Durchmeſſer. Von der erſtern Art der Pfeiler trifft man in der Mo⸗ ſchee des h. Johannes 4 Stuͤcke bei dem Flecken Aja⸗ ſoluck an. Von den Pfeilern des Tempels ſind noch viele Ueberbleibſel zu ſehen; ſie waren aus großen ge⸗ hauenen Steinen, und vermuthlich mir koſtharem Marmor uͤberzogen. An der Mauer im mittlern gro⸗ 29ſtes B. Griechenland. I. 3. 8 354 ßen Zimmer ſind viele kleine Loͤcher, welche zur Befe⸗ ſtigung des Marmors moͤgen gedient haben. Wahr⸗ ſcheinlich war die Bildſaͤule der Goͤttin Diana da⸗ ſelbſt geſtanden. Der Flecken Aiaſaluck ſcheint wegen der vielen umher liegenden Moſcheen mit Kuppeln eine anſehn⸗ liche mahomedaniſche Stadt geweſen zu ſeyn. Nach Erzaͤhlungen von 2— Kirchen iſt zu ſchließen, daß das alte Epheſus noch bewohnt war, ehe die Sarazanen das Land eroberten. Jedoch iſt unwahrſcheinlich, daß die große Moſchee des h. Johannes bei dem Flecken eine Kirche war. Die vordere Seite iſt aus weißem geſchliffenen Marmor; ſie iſt ein anſehnliches Gebaͤude, und mit Blei bedeckt. Von den oͤſtlichen Huͤgeln ge⸗ gen das Kaſtell zieht ſich eine Waſſer⸗Leitung, welche in den mittleren Zeiten erbaut zu ſeyn ſcheint, mit vielen Inſchriften. Ueber dem Thore des alten Ka⸗ ſtelles ſind ſehr ſchoͤne Reliefs. Laͤngs des Weges von Epheſus nach Scala Nuova, welches ſuͤd⸗ſuͤd⸗weſtwaͤrts liegt, ſieht man auf der Seite der Huͤgel gegen Morgen eine andere alte Waſſer⸗Leitnng; ſie beſteht aus einer ſehr niedri⸗ gen Mauer, worauf der Waſſer⸗Kanal angelegt war. Daſelbſt ſind auch quer durch zwei Thaͤler noch Ueber⸗ bleibſel von zwei Theilen einer Waſſer⸗Leitung. Der naͤchſte an Epheſus iſt der laͤngſte, und lauft in einem ſchoͤnen Thale etwa 2 Meilen von den Stadt⸗Mauern. Die niedrigern Bogen erſteecken ſich ungefaͤhr eine 335 Stadie weit in die Laͤnge. Ich ſetzte meine Reiſe nach Seala Nuova fort, und ſah das andere Sruͤck der Waſſer⸗Leitung auf der ſuͤd⸗weſtlichen Seite eben die⸗ ſes Thales, in welchem zwiſchen den zwei Stuͤcken der Waſſer⸗Leitung ein Huͤgel liegt. Der Kanal iſt 4 Fuß hoch und 2 breit; der Boden iſt hier etwas erhaben. Wir uͤberſchritten den Huͤgel und kamen in ein auderes Thal, welches zu einem kleinen Meerbuſen fuͤhrt, und innerhalb deſſen ein kleiner See iſt. Man trifft ſuͤd⸗ waͤrts des Meerbuſens an einem Huͤgel einige Ueber⸗ bleibſel nebſt einer hohen Mauer von 2— 3 Bogen an. Etwa 16 Meilen gegen Mittag von Scala Nuo⸗ va liegt der chriſtliche Flecken Changlee, welcher fuͤr das alte Panionium gehalten wird„wo die 12 joniſchen Staͤdte ſich verſammelten, dem Neptun Helicon feierlich zu opfern, wobei das Volk von Priene den Vorſitz hatte. Es lag an dem Fuße des Berges Mycale, und nordwaͤrts lag in dem epheſi⸗ ſchen Gebiete der Berg P getyes, wo man die Ue⸗ berbleibſel des unbewohnten Ortes Sapho findet, welches fuͤr Priene, den Geburtsort eines der ſieben Weiſen, des Bias, gehalten wird. Das Land am Fuße des Berges Mycale, welches Samos am naͤchſten iſt, wie auch die Stadt Neapolis, gehoͤrt zu dieſer Inſel, ſeitdem ſie es fuͤr Maratheſium von den Epheſern eingetauſcht hat. 356 IV. Von Guzelhiſſar, dem alten Magneſia, an dem Maander. Wir ſegelten von Epheſus nach Samos, wo ich in Erwartung eines Geleitsbriefes verweilte; hier⸗ auf kehrte ich nach nach Seala Nuova zuruͤck, wo eben die Peſt herrſchte, und reiſte am 13. Februar nach Guzelhiſſar, 24 Meilen nach Suͤd⸗Oſt und oſt⸗ waͤrts von Scala Nuova. Nach einem Zuge von 12 Meilen kamen wir auf die Morgenſeite jener Berge, welche ſich von Nord nach Suͤd erſtrecken, und an den Berg Saphon, welcher Samos gegenuͤber liegt, ſtoßen. Wir blieben die erſte Nacht in einem Kaffee⸗ hauſe zu Jermanſeick, welches 9 Szunden von Seala Nuova entfernt iſt. Von den Bergen kamen wir in die ſchoͤnen Ebenen des Maͤander. Dieſer Fluß entſpringt in Phrygien und lauft bei Priene in das Meer. Er ſcheidet Lydien von Karien, und bildet die Graͤnze zwiſchen Karien und Jonien; er wird wegen ſeiner außerordentlichen Wendungen Maͤander genannt. Das ſchoͤne Schloß Guzelhiſſar iſt das alte Magneſia an dem Maͤander. Die Lage dieſes Ortes iſt ſehr angenehm; man hat die Ausſicht guf die ſchoͤne Ebene an dem Maͤander, welche ſich ge⸗ gegen das Meer weſtwaͤrts ausbreitet. Von der Hoͤhe ſah ich die agathoniſchen Inſeln bei Patmos. Dor Berg Thorar liegt gegen Nord und iſt mit Schnee bedeckt. Der Fuß dieſes Huͤgels geht bis an die Stadt, und wird von derſelben nur durch das Bett des Winterſtromes getrennt. Zur Exhoͤhung der ſchoͤnen Ausſicht dient die angenehme Laudſchaft gegen Mittag und Abend, deren Felder mit Feigen⸗ und Mandel Baͤumen bedeckt ſind. Sie iſt groß, und bei den Haͤuſern ſind Hoͤfe und Gaͤrten, welche mit Cy⸗ preſſen⸗ und Pomeranzen⸗Baͤumen beſetzt ſind, wie verſchiedene Straßen; daher gleicht die Stadt einem Walde. Rings umher liegen viele Gaͤrten, welche durch Reihen von Pomeranzen⸗Baͤumen geviertelt ſind. Dieſe Stadt iſt eine der erſten zwiſchen Epheſus und Antiochien an dem Meander, deren Ein⸗ wohner vermiſcht und eigentlich keine Jonier, ſondern theils Lydier, theils Karier ſind, welche alle unter der Regierung der Roͤmer vereinigt wurden. Die Magneſier waren urſpruͤnglich Griechen, und man haͤlt ſie fuüͤr die Delphianer, welche das Gebirge Didymi in Theſſalien bewohnten. Magneſia wurde von den Trerern aus Cimbrien zerſtoͤrt, und nachher von den Meliſſern in Beſitz genommen. In der ganzen Stadt findet man Spuren anſehnlicher Gebaͤude, gegen Suͤd⸗ Oſt auch eines Theaters, welches in den Berg gegen Oſt eingehauen iſt, wovon aber jetzt nichts mehr als der gewoͤlbte Eingang auf beiden Seiten zu ſehen iſt. Nahe am Theater iſt eine unterirdiſche Waſſerleitung fuͤr die Stadt; das Waſſer wird von dem entfernten Gebirge durch ein ſchmales Thal uͤber verſchiedene 358 hohe Bogen gefuͤhrt. Weſtwaͤrts des Theaters ſind viele große Stuͤcke von Saͤulen⸗Geſimſen aus Mar⸗ mor. Die Armenier haben daſelbſt einen Altar und einen Begraͤbniß⸗Platz; gegen Abend iſt jener der Ju⸗ den. Gegen Mitternacht findet man auch Ueberbleib⸗ ſel von dem oͤſtlichen Ende einer großen Kirche, und eine Stadie weiter gegen Morgen ſehr ſtarke Truͤm⸗ mer, welche von einem praͤchtigen Palaſte zu ſeyn ſcheinen. An dem Fuße der Huͤgel ſind verſchiedene gewoͤlbte Zimmer. 1 Auf der noͤrdlichen Seite ſind Truͤmmer eines ſehr großen Tempels, vermuthlich der Diana Leuco⸗ phryne, welcher nach den Tempeln zu Spheſus und Didymi der groͤßte in Aſien geweſen iſt. Er uͤbertraf ſogar jenen zu Ephelus in ſeinen Verhaͤltniſ⸗ ſen und in der Vortrefflichkeit der Bauart. Die heu⸗ tige Stadt liegt gegen Abend des Stromes, erſtreckt ſich den Hugel hinan gegen Mitternacht, und iſt mit ſehr ſchlechten Mauern eingefaßt. Gegen Mittag hat ſie eine große Vorſtadt, und gegen Morgen eine an⸗ dere. Auf der andern Seite des Baches wohnen faſt bloß Chriſten. Die Griechen und Armenier haben hier ihre K Kirchen, und letztere einen Biſchof. Die Stadt hat 4 Meilen im Umfange, und ihre Straßen ſnd beſſer gepflaſtert, als gewoͤhnlich in tuͤrkiſchen Staͤdten; die Bewohner ſind mit vielen Juden ver⸗ miſcht. Die Stadt hat großen Handel mit roher und geſponnener Baumwolle, welche uͤber Smyrna nach Europa geſendet wird, viele Zitz⸗Manufakturen, und reiche Kaufleute. Die Stadt fuͤhrt die aus Eu⸗ ropa kommenden Gegenſtände uͤber 60 Meilen oſtwaͤrts bis in jene Gegenden, welche aus Satalia und an⸗ dern ſuͤdlichen Haͤfen beſorgt werden. Mehre anſehn⸗ liche tuͤrkiſche Familien, auch Beys oder Soͤhne der Paſchen wohnen hier, und beſitzen Land⸗Guͤter in der Umgebung. Der Paſcha der Provinz wohnt zu Gu⸗ zelhiſſar; weßwegen die Stadt eine der anſehnlich⸗ ſten von Klein⸗Aſien iſt. V. Von Karien uͤberhaupt, und dem alten Alabanda. Am 18. Febr. reiſte ich uͤber den Meander nach Caria oder Karien, deſſen erſte Bewohner Lele⸗ ger genannt wurden, und dem Minos unterthaͤnig waren. Sie bemeiſterten ſich jenes Stuͤckes des feſten Landes, welches von ihnen und den Pelasgern ge⸗ meinſchaftlich beſeſſen war, und wurden dann von den Griechen, Joniern und Doriern wieder verdraͤngt. Der Meander itt in dieſer Gegend eine halbe Stadie breit, und lauft raſch. Wenn der kleine Fluß Gu⸗ zelhiſſar und einige andere, welche in denſelben fließen, austreten, ſo iſt das Land eine Meile um den Maͤander ein Moraſt. Deßwegen iſt um das niedrigere Feld ein Damm gezogen, welcher aber waͤhrend des Winters auch uͤberſchwemmt wird. Die ufer des Maͤander ſind abhaͤngig; die Faͤhren uͤber dieſen 360 Fluß haben die Geſtalt eines halben Rhombus, wie Schlitten; die Seiten ſind nicht uͤber einen Fuß hoch. Das Seil wird aus zuſammen gewundenen Weinre⸗ ben gefertigt, welche 11½ Zoll dick, und 10— 15 Fuß lang ſind; man zieht daſſelbe quer uͤber den Fluß, und befeſtigt es; mittelſt dieſes Seiles ziehen drei Men⸗ ſchen die Faͤhre von einer Seite zur andern. In einer Entfernung von einer halben Meile faͤllt der Strom China in den Maͤander. Er entſpringt im ſuͤdoͤſtli⸗ chen Tbeile Karien's uͤber Aphrodiſſias, ſiießt durch das Thal bei Stratonica und Lagena, und dreht ſich vor dem Einfluſſe in den Maͤander etwas nordwaͤrts. Eine Kette von Bergen zwiſchen beiden Fluͤſſen iſt mit ſchoͤnem Gras bedeckt. Etwa s Mei⸗ len weiter gegen Morgen gingen wir uͤber eine hoͤk⸗ zerne Bruͤcke des China, welche ſich uͤber 9— 10 ſtei⸗ nerne Widerlager auf 300 Schuh ausdehnt. In einer Stunde kamen wir nach Salashar in eine ſehr ge⸗ ringe Herberge voll Waſſer und Moraſt, wie ein Stall. Unſere Karawane verweilte außer derſelben bei einem Feuer. In 21 ½2 Stunden kamen wir in das frucht⸗ bare Thal Karpuslay, welches der Mutter der tuͤrkiſchen Kaiſerin gehoͤrt, und wo die Stadt Ala⸗ banda geſtanden ſeyn mag. Die noch uͤbrigen Truͤm⸗ mer von Gebaͤuden aller Art laſſen auf die allſeitigen Kunſtwerke ſchließen. Von der ſuͤdoͤſtlichen Ecke der Ebene ſtiegen wir ſuͤdwaͤrts etwa drei Meilen weit auf die Spitze des 361 Berges Latmus. Man ſoll daſelbſt nicht allein Woͤlfe, wilde Schweine und Jackhaͤlſe, ſondern auch Tiger und Baͤren finden. Wir machten hier Nacht⸗ quartier bei großem Feuer zum Schrecken der Thiere⸗ Ein bequemer Weg zieht ſich in das Thal von Ka⸗ rien, wo die Stadt Mylaſa ſtand, von den Grie⸗ chen Melaſſo, von den Tuͤrken Milleß genannt. Gegen Weſt dreht ſich dieſes Thal etwas ſuͤdwaͤrts, und wieder gegen Weſt bei Mandaleat, welcher Ort von Scorpionen mehr als irgend einer beunruhigt iſt, und deren boͤsartiger Stich im Sommer Man⸗ chem das Leben koſtet. Weſtwaͤrts von Mandal⸗ cat 5— Meilen iſt der See bei Joran, dem alten Jaſſus. VI. Von Melaſſo. Die Ueberbleibſel von Gebaͤuden, Waſſer⸗Leitun⸗ gen, Saͤulen, Thoren und Tempeln laſſen auf den Umfang und die Pracht der alten Stadt Mylaſa ſchlirßen. Die Tempel Jupiters, Auguſts und Roms ſind wichtige Denkmaͤler der Baukunſt geweſen. Die neue Stadt iſt klein und ſchlecht, ungeachtet einer al⸗ ten und neuen Moſchee und einiger guten Herbergen. Sie iſt die Reſidenz eines Sangiak, welcher kein Baſſa iſt, und nur den Titel eines Aga hat. Der in dieſer Gegend gebaute Taback uͤbertrifft jenen der ganzen Tuͤrkei bis auf den laticheiſchen. Die Handels⸗Ge⸗ ſchaͤfte verbreiten ſich vorzuͤglich auf Wachs und Baum⸗ 362 wolle. Etwa 30 griechiſche Familien leben zuſammen in einem Hauſe, wovon ein Zimmer die Stelle einer Kirche vertritt. Armenier kommen nur dahin wegen des Handels. Durch Empfehlung des Arztes von Guzelhiſſar wurde ich vom Groß⸗Aga ſehr gut ohne Geſchenke aufgenommen. Er ertheilte mir die Erlaub⸗ niß, in Begleitung meines Janitſcharen alles zu ſehen, gab mir ein Empfehlungs⸗Schreiben nach Paitshin, und ſchickte einen Verwandten M ghomeds mit mir dahin. VII. Von Eskihiſſar, Lagena und Alinda. Am 20. Februar reiſte ich zu dem alten Strato⸗ niea, auf deſſen Truͤmmern der geringe Flecken Es⸗ kihiſſar ruht. Die mahomedaniſchen Einwohner waren mir anfangs ſehr hoͤflich, brachten mir Schau⸗ ſtuͤcke zum Kaufe, und ſchienen mich bereitwillig zu unterſtuͤtzen in der Anſicht merkwuͤrdiger Gegenſtaͤnde. Bei meiner Annaͤherung zum Theater fragte der Gou⸗ verneur nach ſeinem Geſchenke, indem daſſelbe auf ſei⸗ nem Grunde ſtebe; ich ließ mich aber dadurch von deſ⸗ ſen genauer Unterſuchung nicht abhalten. Als ich zuruͤck kam, wollte mich der Aga auch hindern; er ſagte,, mein Paß ſey nur vom Kaiſer, nicht vom Paſcha, weß⸗ wegen er nicht darauf achten koͤnne, wenn er und ſein Kadi nicht Geſchenke erhielten. Ich erwiederte, daß ich nach meinem Paſſe zur Anſicht aller mir beliebigen Gegenſtaͤnde bevollmaͤchtigt ſey, und jedes mir begeg⸗ 363 nende Hinderniß moͤge er verantworten. Mehre Ein⸗ wohner und ſelbſt der Aga ſuchten meinen Janiſcharen gegen mich zu gewinnen, um mir dadurch meine Ab⸗ reiſe zu erſchweren; allein ich ritt raſch fort. Der Ja⸗ nitſchar und unſer Wegweiſer, welchem die Pferde gehoͤrten, ſahen ſich oͤfters voll Angſt um, man moͤge uns Verdruß machen. Allein der Letztere war aus ei⸗ nem andern Bezirke, als worin der Aga zu befehlen hatte; ich war ihm nicht unterthaͤnig, und der Sklave gehoͤrte mir eigenthuͤmlich. Haͤtte der Aga den Janit⸗ ſcharen aufgehalten, ſo wuͤrde jener von Guzelhiſſar ihn durch ein Kommando befreit, und wegen der da⸗ durch veranlaßten Koſten den Ort in Kontribution ge⸗ ſetzt haben. Wir begaben uns uͤber Gulſuck nach Mulla ung Lakena, woſelbſt wir von einem Tuͤrken ſehr gaſtfreundlich aufgenommen und bewirthet wurden. Wir kamen in wenigen Stunden an die Flecken Akujeh, China, und zu den Truͤmmern Arabi⸗ hiſſar, welches vermuthlich Alinda, der Sitz der kapiſchen Koͤnigin Ada war, wovon wir nach Guzel⸗ hiſſar zuruͤck kehrten. Ich war daſelbſt einem Arzte aus Seio empfohlen, welcher alles Moͤgliche zu mei⸗ ner Bequemlichkeit leiſtete. VIII. Von Tralles und Nyſa in Karien. Am 28. Februar entfernten wir uns von Guzel⸗ hiſſar und gelangten in 10 Stunden nach Sultan⸗ 364 biſſar, wobei auf einer Hoͤhe die alte Stadt Tral⸗ hes lag. Man findet noch Spuren von ſehr großen Gebaͤuden, unter welchen ein Kaſtell, Tempel und Bogengang ſich vorzuͤglich auszeichnen. Wir kamen noch am naͤmlichen Abend zur alten Stadt Nyſa, jetzt Naſalee oder Naslee, wo ich einem Aga und einem Griechen empfohlen war. Der Flecken Ma⸗ ſtaura lag vermuthlich nicht weit entfernt. Die heu⸗ tige Stadt Naslee beſteht aus zwei Theilen, welche eine halbe Meile von einander entfernt ſind. Im noͤrdlichen wird Markt gehalten, weßwegen er Nas⸗ lee⸗Bazar genannt wird, wo gegen 400 armeniſche und 30 griechiſche Kaufleute in Herbergen ſich auf⸗ halten. IX. Von Antiochien an dem Raͤander, und von Aphrodiſias in Karien. Am 2. Maͤrz reiſte ich von Naslee uͤber einige zerſtoͤrte Flecken, als Arpas⸗Kaleſi und Antio⸗ chien, gegen Weſt nach Karajeſu, und nach dem Flecken Gegra gegen die oͤſtliche Ecke, wo das alte Aphroſidias gelegen ſeyn mag. Die Mauern ha⸗ ben ungefaͤhr zwei Meilen in Umfange, und machen ein unregelmaͤßiges Dreieck, weil die Oſtſeite der Stadt ſehr ſchmal iſt. Die jetzige Stadt ſcheint aus den Truͤmmern der praͤchtigen Gebaͤude der alten ent⸗ ſtanden zu ſeyn, von welcher noch drei Thore uͤbrig 36⁵ ſind. In der Mitte der Stadt iſt ein kleiner Huͤgel, deſſen Gipfel befeſtigt geweſen ſeyn mag. Gegen Nord⸗ Weſt deſſelben laſſen Truͤmmer eines Gebaͤudes auf ei⸗ nen Tempel der Venus oder Aphrodiſiaſchließen; eine Stadie weiter gegen Nord⸗Oſt auf einen Tempel des Bacchus. An den Stadt⸗Mauern ſind gegen die ſuͤd⸗weſtliche Ecke einige ſehr feine Reliefs mit Kupido, gefluͤgelten Perſonen, Jupiter ꝛc., und einer Inſchrift, worin Antiochien eine Kolonie genannt wird. Die Tuͤrken fertigen hier einen wohlſchmeckenden weißen Wein. Vermuthlich hatte der Ort ehemals des Sta⸗ pelrechtes ſich zu erfreuen, und großen Aufwand fuͤr oͤffentliche Spiele zur Anlockung entfernter Bewohner gemacht. Denn ich erkannte aus einer Inſchrift, daß viele Staͤdte bis an den Euphrat den oͤffentlichen Spielen beiwohnten. Zu Geyra ging ich in das Haus des Aga, welcher Tuͤrke ein wahrer Menſchen⸗ Freund gegen die Fremden geweſen iſt. Ich beſuchte taͤglich andere Alterthuͤmer. Die Einwohner ſind ſo armſelig, daß ich nicht wuͤrde gewagt haben, mich ihnen allein zu naͤhern, wenn ich nicht mit einem Schreiben des Groß⸗Aga verſehen geweſen waͤre. Am 7. Maͤrz kehrte iſt nach Naslee zuruͤck, wo ich uͤber Chiflik des anderen Tages eintraf. 366 X. Von Laodicea an dem Lycus. In der Richtung von Naslee an dem Maͤan⸗ der hin gegen Oſt ſtieß ich auf mehre heiße Quellen, welche ehemals von zahlreichen Reiſenden beſucht wur⸗ den. Jenſeits des Fluſſes trennen ſich die Berge und oͤffnet ſich eine Ebene von 4 Stunden in der Laͤnge und Breite, anf welcher der Lyeus in den Maͤander faͤlt. Gegen Suͤd⸗Oſt dieſer Ebene liegt auf einem ſandigen Huͤgel die Stadt Denitzley, deren aͤlterer Theil vor etwa 25 Jahren durch ein Erdbeben zerſtoͤrt wurde, wobei 12,000 Perſonen das Leben einbuͤßten. Nach dieſem Ereigniſſe lebten die uͤbrigen Bewohner in ihren Gaͤrten und Landhaͤuſern, und in der Stadt waren vorerſt nur einige Kramlaͤden aus ungebrannten Ziegelſteinen und Brettern aufgefuͤhrt worden. Die wenigen Griechen und 40 Armenier wohnen jetzt in Herbergen beiſammen. Die Umgebung der Stadt iſt mit vielen Weinreben bepflanzt; aus den Trauben werden Roſinen und eine Att Sirup bereitet, welcher dem Theriak gleicht, Beckmeß heißt, und ſtatt des Zuckers verwendet wird. Zwiſchen Laodicea und Karura war ein Tempel des Monats Karus, und eine beruͤhmte Schule zur Erlernung der Arzneikunſt. Suͤd⸗ und oſtwaͤrts Denisley liegen mit Schnee bedeckte, ſehr hohe Berge, an welche ſich niedri⸗ gere anreihen. Eine Stunde weit liegt zwiſchen dieſen niedrigen Haͤgeln, gerade gegen Mittag von 367 Denitzley, das alte Lodicea an dem Lycus, jetzt Eskihiſſar genannt, wo eine der Kirchen ſtand, deren in dem Briefe Paulus an die Koloſſenſer und in der Offenbarung erwaͤhnt wird; die Stadt lag nahe dabei. Dieſe hohen Berge ſind das alte Gebirge Kadmus, und wo dieſelben anfangen ſich der ſuͤd⸗ lichen Ebene zu naͤhern, da endigen ſich die Huͤgel, welche ganz am Meere ſuͤdwaͤrts neben dem Maͤan⸗ der ſich hinziehen, und vermuthlich ehemals unter dem Namen Latmus begriffen waren. Die Truͤmmer von Laodicea ſind auf einem niedrigen Huͤgel, welcher etwa eine halbe Meile lang, und eine Viertel⸗Meile breit iſt. Suͤdlich deſſelben liegt ein kleines Thal, welches nordwaͤrts der Ebene und des Lykus iſt. Dieſer fließt in einem tiefen und ſchmalen Bette, etwa eine halbe Meile von der Stadt, welche durch die Benennung des Fluſ⸗ ſes von andern gleichen Namens unterſchieden iſt. Gegen Oſt fließt ein kleiner Strom, vermuthlich Ae⸗ ſop, welcher ſich in den Lykus ergießen ſoll. Gegen Abend fließt vielleicht Kaprus, indem Plinius die Stadt durch dieſe beiden Fluͤffe benetzen laͤßt. Der Gipfel des Fluͤgels, an welchem Laodicea lag, iſt etwas uneben, gaͤnzlich unbewohnt, und gleicht einem gruͤnen Felde bis auf einige Ueberbleibſel von Gebaͤu⸗ den, unter welchen jene des Cirkus und zweier Thea⸗ ter ſich vorzuͤglich auszeichnen. Auf dem Huͤgel gibt es kein Waſſer; deſſen Abgang wurde durch Leitungen uͤber einige Bogen erſetzt. Es lief durch eine in die Steine gebohrte Roͤhre von 2 Fuß im Durchmeſſer, und ſein Behaͤlter ſcheint an dem großen Ende des Gebaͤudes uͤber dem Cirkus geweſen zu ſeyn: denn„ daſelbſt findet man noch Ueberſteinerungen von dem Abtropfen. (Fortfetzung folgt.) 4 lddaaan Fffſfnnffffffffffffffffffſſſſi 12 13 14 15 16 17 18