7 E EE IEEE 5 AEEIIL IINIII 8 1. 5 2 Brarraeoee d Roper⸗ heus; Rra,ege 20 erueee 3 ar, ornt apvwi ν ,rgy“ 4 en Lenee/eboe Nhit 17 BAu eween oborzie—, j M 2 7 aealer N, Kn- Druailar Auranuerat ee, Ke Nam. 8— e 2 — Charte der 3 Wallachey Bulgariens und Thracien'’s. ruegyli Duskagei Dende — Nürnberg 1 3 KAezo,. aei Tlaubensrieker und u Ebrer. Tazchadaee — Dgfeairdlustata tmaed-if. Taſchen⸗ Bibliothek der wichtigſten und intereſſanteſten See⸗ und Land⸗ Reiſen, Erfindung der Bucharjeraiun bis auf unlſere eiten. Mit Landkarten, Planen, Portraits und. Auderen Abbildungen. Verfaßt von M ehren, und heranogegeben Joachim Heinrich Jäck, Koͤnigl. Bibliothekar zu Bamberg. 26. Baͤndchen. Mit einer Charte. I. Theil. 2. Bändchen von Siebenbürgen ꝛc. Nürnbe er eg. Verlegt von Haubenſtricker und von Ehner. 1823. Taſchen⸗Bibliothek der wichtigſten und intereſſanteſten Reiſen durch 4 Siebenbürgen, Moldau, Wallachei, Beſſarabien, Bulgarien, Servien, Bosnien und Romanien. Mit Landkarten, Planen, Portraits und anderen Abbildungen. Verfaßt von Mehren, und herausgegeben von Joachim Heinrich Jaͤck, Koͤnigl. Bibliothekar zu Bamberg. I. Theil. 2. Baͤndchen. Nürnberg. Verlegt von Haubenſtricker und von Ehner. 1828. V. Reiſe des Arzneigelehrten Dr. Edward Brown, aus England, durch Teutſchland und Ungarn nach Servien, Bulgarien, Mazedonien und Theſſalien, im J. 1669. Von einem königl. Bayer'ſchen Staatsdiener*). Ich verließ im Jahre 1868 die luſtige Stadt Nor⸗ wich, ſetzte mich zu Norfolk auf ein Schiff und *) Brief account of some travels in divers parts in Europe: viz Hungaria, Servia, Bulgaria, Macedonia, Thessaly etc.; with observations on the gold-, silver etc. mines, baths and mineral waters, and descriptions of antiqui- ties etc. Lond. 1673. 4. 1685. Fol. Die erſte Ausgabe erſchien franzoͤſiſch zu Paris 1674 und 1684. 4.; hollaͤndiſch von J. Leew zu Amſter⸗ 124 gelangte, nach einer kurzen und gluͤcklichen Fahrt, zu Amſterdam an. Meine fernere Reiſe fuͤhrte mich durch die Niederlande, den Rheinſtrom aufwaͤrts, durch Teutſchland in die Schweiz, zuruͤck nach Frankfurt und Nuͤrnberg durch Bayern, und an der Do⸗ nau abwaͤrts bis Wien. Nachher betrat ich der Ungarn Gebiet, beruͤhrte die Staͤdte Preßburg, Raab, Gomorrn, Graan und Ofen. Fortwandernd zwiſchen der Donau und der Save, durch die Landſchaft Syrmien, er⸗ reichte ich Semlin, wo man eine uͤberaus ſchoͤne Anſicht von Belgrad gewinnt. Bei meiner Ankunft in dieſer Stadt, welche einen vorzuͤglichen Handel treibt, ſah ich alle Gaſſen mit Brettern ſo bedeckt, daß weder Sonne noch Regen einwirken konnte. Zwei breite Plaͤtze, aus Steinen gebaut, dienen als Boͤrſe zu der Verſammlung der Kaufleute; auf zwei andern großen Plaͤtzen ſieht man in ſchoͤnen Buden die koͤſt⸗ lichſten Waaren des Orients. Der Groß⸗Vezier hat in dieſer Stadt eine vor⸗ treffliche Karavanſera, oder Herberge fuͤr Reiſende erbaut; in deren Mitte iſt ein Springbrunnen, nahe daran eine tuͤrkiſche Kirche. Auch findet ſich hier ein Collegium der Studenten, welche gruͤn gekleidet ſind dam 1682. 4.; teutſch zu Nuͤrnberg 1686 und 1711. 4,; jede mit Kupfern. 125 und deren Turban vier Ecken zu ihrer Auszeichnung hat. Eine ſehr große Zahl von Begraͤbniß⸗Plaͤtzen fiel mir auf; aber vor mehrern Jahren hatte die Peſt allhier geherrſcht. Meine Wohnung hatte ich in dem ſehr ſchoͤnen Hauſe eines armeniſchen Kaufmanns genommen, de⸗ ren es hier ſehr viele gibt. Man ſagt, ſie ſeyen im Handel und Wandel redlicher, als die Juden und Chriſten; ſie haben auch eine eigene Kirche zu Bel⸗ grad. Die Gegend um dieſe Stadt iſt ſehr fruchtbar und reitzend. Man findet ſchoͤne Pferde, vortrefflichen Wein und viele edle Fruͤchte. Einſt war ſie ein Theil des Koͤnigreiches Ungarnz allein dieſe große Feſtung, gleichſam der Schluͤſſel zur Tuͤrkei, wurde von Soli⸗ mann eingenommen, und iſt nun Eigenthum der Pforte. Als ich Belgrad wieder verlaſſen hatte, fuͤhrte mich der Weg durch Servien. Zu meiner Rechten gewahrte ich vorerſt einen ſehr hohen Berg, auf wel⸗ chem die Ruinen eines Kloſters waren. Zu Hiſar⸗ gick verließ ich den Strand der majeſtaͤtiſchen Do⸗ nau und zog nach Kolar, welches einſt eine roͤmi⸗ ſche Kolonie war. In der Gegend von Baditzna findet man, daß die Kleidung der Frauen ſich zu veraͤndern anfaͤngt. Ihr Haupt bedecken ſie mit einem Vorhange, gleich einem Himmel, die Stirne mit allerlei Geldſorten. 126 Ich ſah eine griechiſche Frau, welche bis an die Au⸗ gen mit Dukaten und Perlen bedeckt war. Auf dem Wege nach Chifflik ſieht man, an der Seite eines Berges, den Begraͤbnißplatz eines tuͤr⸗ kiſchen Heiligen; bald darauf aber wurde der Weg durch große Waͤlder ſehr gefaͤhrlich und müͤhevoll. Zahlreiche Woͤlfe und Straßenraͤuber halten ſich darin auf. Hin und wieder iſt jedoch eine Karawanſera, wo man ſich laben und ausruhen kann. Der Fluß Mo⸗ rovia iſt ein reißender Gebirgs⸗Fluß, der nur mit großer Gefahr uͤberſetzt werden kann. Meine Fuͤhrer beteten waͤhrend der Ueberfahrt mit lautem Geſchrei, und wollten gar nicht zufrieden ſeyn, daß ich weniger laͤrmte und doch der Erſte an das Ufer ſprang. Nicht weit von dieſem Strome geſchah die große Niederlage der Tuͤrken durch Hunniades, welcher mit zehn⸗ tauſ nd Pferden, zur Zeit des Vollmondes, das tuͤr⸗ kiſche Lager uͤberfiel und dreißig tauſend Mann erſchlug. Zu Halijahiſar waren wir ſchon auf dem Boden von Bulgarienz; jedoch ſahen wir hier noch eine ſchoͤne Kirche mit zwei huͤbſchen Thuͤrmen. Da⸗ ſelbſt machte ich die Bekanntſchaft eines Arztes, deſ⸗ ſen Gewohnheit es war, alle Morgen auf den Markt⸗ platz zu gehen und diejenigen, welche etwas uͤbel aus⸗ ſahen, zu noͤthigen, daß ſie in ſein Haus kamen und ſich ſeiner Heilung unterwarfen. — 127 Auf der Fortſetzung meiner Reiſe kam ich den Berg Cliſſura voruͤber. Derſelbe iſt eigentlich eine Abdachung des Hämus; ſeine Felſen ſcheinen aus lauterem Silber zu ſeyn. Denn das Geſtein iſt glaͤn⸗ zendes Fraueneis, und gewaͤhrt in den Strahlen der Sonne oder des Mondes einen praͤchtigen Anblick. Als ich das feſte Schloß Colombots und die Stadt Urania beruͤhrt hatte, kam ich nach Como⸗ nora, in deſſen Naͤhe, auf einem Berge, ein grie⸗ chiſches Kloſter ſtand. Zu Eceiſo Werbeni ſind mehrere Sauerbrun⸗ nen, welche man in der Umgegend ſehr ſchaͤtzet; man ſieht aber auch hier ſchon die mit ewigem Schnee be⸗ deckte Bergſpitze des Olymp's, welche auch zu Kon⸗ ſtantinopel geſehen werden kann. Der Weg von Egribugia nach Sarigiole fuͤhrt uͤber hohe, felſige Berge und uͤber den Fluß Injecorn nach Saviza, wo mehrere Chriſten wohnen. In der Naͤhe eines Engpaſſes, der gleichſam ein Thor, durch den Felſen gehauen, vorſtellet, iſt eine tuͤrkiſche Kirche. Auf einem Seitenwege erreichte ich, nach vielen, zum Theile beſchwerlichen Tagreiſen, die Stadt Sco⸗ pia, welche in einem Theile Obermoͤſiens liegt, nahe der mazedoniſchen Graͤnze. Sie iſt ſehr volkreich, hat einen erzbiſchoͤflichen Sitz und 100 Roth⸗ gaͤrber, welche vortreffliches Leder bereiten. Merk⸗ wuͤrdig iſt der Pallaſt des Emirs, welcher mit großer Pracht erbaut iſt. In einem Hofe deſſelben ſteht ein Brunnen, der einer Feſtung nicht unaͤhnlich ſieht. Aus jeder Thurmſpitze ſpringt das Waſſer luſtig em⸗ por. Auch die uͤbrigen Haͤuſer dieſer Stadt ſind huͤbſch, und meiſtens mit ſchoͤnen Teppichen behangen. Das oͤffentliche Bad iſt met Blei gedeckt. Auf einem Huͤgel ſteht ein ſchoͤner tuͤrkiſcher Tempel, der eine breite Gallerie vor ſich hat, durch Marmor⸗Saͤulen ge⸗ tragen. Auf einem dabei ſtehenden, hoͤlzernen Thurme iſt eine Uhr mit einer Glocke. Auber der Stadt ſieht man eine vortreffliche ſteinerne Waſſerleitung, mit ungefaͤdr 200 gewoͤltten Eoͤgen, von einem Berge zum andern. 3 Catſhaunich iſt eine Feſtung, welche einen en⸗ gen Paß beherrſchet, durch welchen man auf die be⸗ ruͤhmte Ebene Coſſova in Bulgarien kommt. Auf derſeiben wurden mehrere Schlachten zwiſchen den Chriſten und Tuͤrken geliefert. Das Heer der Chriſten betrug hier unter dem Fuͤrſten Lazarus von Servien fuͤnfmal hundert tauſend Mann. Sypaͤter wurde hier der beruͤhmte Hun niades von Maho⸗ meth in einer dreitaͤgigen Schlacht geſchlagen. Lariſſa, die Hauptſtadt von Theſſalien, liegt am Fluſſe Peneus, nicht weit vom Olymp. Sie wird von Chriſten, Juden und Tuͤrken bewohnt, und hat ſchoͤne Marktplaͤtze, Baͤder, chriſtliche und tuͤrkiſche Kirchen. Zu meiner Zeit war hier der Sitz des ottomanniſchen Hofes, und der Großherr bewohnt —— ——y—— 129 einen Pallaſt, der an den vier Seiten große, offene Fenſter hat. Die heißere Jahreszeit bringt derſelbe auch auf dem Olymp zu; er ergoͤtzt ſich mit der Jagd, die hier vortrefflich iſt. Weun er nach derſel⸗ ben zieht, iſt er ſehr leicht zu ſehen und zu betrachren; denn er reitet auf einem ſtattlichen, hohen Pferde, und eine Menge Diener begleiten ihn. Sobald er aus dem Schloſſe kommt, empfaͤngt ihn das Volk mit großem Freuden⸗Geſchrei, indem ſich Alles, in der Naͤhe und Ferne, auf die Erde wirft. Die Gaſſen ſind ſchoͤn geziert; an jeder Ecke ſteht ein Janitſchar, und zwei derſelben gehen zur Rechten und zur Linken des Großberrn, an der Vorderſeite des Turbans eine weiße Feder tragend. Dieſe Federn waren ſehr aus⸗ gebreitet und ungefaͤhr eine Klafter hoch, ſo daß ſie dem Großherrn, der zwiſchen denſelben zu Pferde ſitzt, Schatten geben und Kuͤhlung zuwehen. Gleich nach dem Sultan werden viele edle Pferde gefuͤhrt; dann folgen Diener, welche allerlei Geraͤthe tragen, Kiſſen, Falken u. dgl. Der Großherr ſelbſt ſchien mir eines Alters von 30 Jahren zu ſeyn, hatte einen ſtarken Koͤrperbau und ein hoch gefaͤrbtes, aber ſehr ernſtes Angeſicht. Deſſen ungeachtet ſoll er ſehr leutſelig ſeyn und un⸗ zufrieden, wenn ſich die Leute fuͤrchten. Zur Zeit meiner Anweſenheit in Lariſſa war auch die Sultanin auweſend, die von ihrem Gemahl unge⸗ mein geliebt wird. Sie iſt auf Candia geboren, 3 130 etwas klein von Statur und blatternarbig. Sie trug zur Zeit eben ein Kind unter ihrem Herzen, und hatte ſich vorgenommen, ihre Niederkunft in Monaſtee, einer angenehmen Stadt in Mazedonien, abzu⸗ warten. Damit ſie recht gemaͤchlich reiſen moͤchte, wurden die hohen Wege abgetragen, und gleichſam alle Berge eben gemacht, Bruͤcken uͤber die Fluͤſſe ge⸗ ſchlagen u. ſ. w., was die Einwohner der Gegend in ſchwerer Arbeit bewerkſtelligen mußten. Der Großherr hatte bereits einen Sohn von s Jahren. Hier hoͤrte ich auch die beſte Muſik, die wahrſcheinlich in der Turkei zu finden iſt. Zehn Maͤn⸗ ner ſpielten neben einander auf großen Blas⸗ oder Wind⸗Inſtrumenten, welches Spiel ſie zu gewiſſen Stunden des Tages puͤnktlich fortſetzten. Zu Lariſſa lag auch eine Beſatzung von meh⸗ rern tauſend Mann, zu Fuß und zu Pferd, mit fuͤnf⸗ tauſend Kameelen, die ich taͤglich zur Traͤnke fuͤhren ſah, was fuͤr mich zum erſten Mal ein uͤberraſchender Anblick war. Die Umgegend der Stadt iſt ſehr fruchtbar; die Lebensmittel ſind alle billig zu haben; fuͤr die allge⸗ gemeine Sicherheit iſt vortrefflich geſorgt. Tag und Nacht geht ein Offizier mit zwanzig Mann durch alle Straßen der Stadt, entfernt, oder ſtraft alle Perſo⸗ nen, welche betrunken ſind, Streit oder Laͤrmen ver⸗ urſachen, oder ſonſt Unanſtaͤndiges veruͤben. 131 Es war September⸗Monat, die Zeit der Wein⸗ leſe, und noch ſehr heiß. Doch gingen, ſelbſt die Tuͤr⸗ ken, ſehr haͤufig auf das Land, um friſchen Moſt zu trinken. Auch wurden die oͤffentlichen Baͤder haͤuſig beſucht, und ich kann das Wohlthaͤtige derſelben nicht genug ruͤhmen. Die Griechen haben auf dem Wirbel ihres Haup⸗ tes ein Plaͤtzchen, eines Thalers groß, welches ſie bloß und ohne Haare laſſen. Rund herum laſſen ſi ſie daſfelbe nicht laͤnger, als zwei Finger breit wachſen, nach welcher Laͤnge ſie den uͤbrigen Reſt vom Haupte ſcheren. Ein Kroat hat nur eine Seite ſeines Haup⸗ tes beſchoren; die andere Seite laͤßt er wachſen, wie er will. Der Tuͤrke beſcheret ſein ganzes Haupt, eine Locke ausgenommen, die er auf dem Wirbel ſtehen laͤßt. Die Franken verſtecken ihre Haare unter Kappen und Muͤtzen, um ſich im Umgange mit den uͤbrigen Nationen nicht unangenehm zu machen. Die griechi⸗ ſchen Prieſter tragen Haar und Bart, wie ſie natuͤr⸗ lich zu wachſen pflegen. Diejenigen, welche ihre Haare wollen abſchneiden laſſen, ſetzen ſich auf die Erde nieder. Der Barbier gebraucht viel Seife und haͤlt ſein Meſſer in der Fauſt, wie ein anderes; doch mit nur wenigen Zuͤgen vollendet er ſein Werk. Alsdann ſteht ein Gefaͤß mit Waſſer dabei, und ein Hahn uͤber dem Haupte des Geſchorenen, daß man ihn nach Belieben begießen kann.— In einer Badſtube zu Lariſſa ſah ich ei⸗ nen großen Grabſtein aus gruͤnem Jaspis, worein aber ein Loch gemacht war; man hatte ihn als Waſſerbe⸗ haͤlter gebraucht. Der Marſtall des Großherrn iſt vielleicht der ſchoͤnſte in der ganzen Tuͤrkei, und wahrhaftig ſehens⸗ werth. Die Pferde ſind ſo vortrefflich, wie ich ſie noch nie geſehen habe; auch ſind ſie auf das Beſte zu⸗ geruͤſtet. Sattel und Zaͤume ſind mit Edelſteinen be⸗ ſetzt; Alles iſt mit Gold uͤberladen. Die Thiere ſelbſt ſind ſehr fluͤchtig, dabei aber ſicher und uͤberhaupt gut abgerichtet. Ich war zu einer ſehr trockenen Jahreszeit in Theſſalien, und bemerkte, daß viele Quellen und ſo⸗ gar ganze Fluͤſſe vertrocknet waren. Nur ſieben Mei⸗ len von Tornova fand ich einen Strom, der unge⸗ ſchwaͤcht aus der Mitte eines Felſen brach, ſich uͤber den Abhang des Berges ſtuͤrzte, und dann mit ſchaͤu⸗ menden Wellen uͤber die Fluren eilte. Die Hem⸗ mung dieſes Fluſſes, Peneus genannt, an der Muͤn⸗ dung des Meeres, ſoll einſt Deucalions Suͤnd⸗ fluth verurſacht haben. Die Theſſalier ſind ein ſtreitbares, kuͤhnes Volk, wie vor Alters, noch heut zu Tage. Selbſt die Tuͤr⸗ ken beklagen ſich uͤber ihre Nachſucht, die ſie bei klei⸗ nen Veranlaſſungen durch Mord und Todſchag ver⸗ uͤben. Sie ſind ſchoͤn von Geſtalt, haben ſchwarze Haare und Augen; ihr Angeſicht iſt voll lebhafter Roͤthe; die Purpur⸗Wangen der Frauen ſetzen jeden 133 Fremden in ſehnſuchtsvolle Verwunderung. Minder ſchoͤn und etwas ſchwarz gefaͤrbt ſind die Mazedonier, die Griechen auf Morea und im Pelopones. Auch hat Theſſalien Ueberfluß an guten Pfer⸗ den und ſehr große Buͤffel, dergleichen man im uͤbri⸗ gen Griechenland nicht mehr findet. An der Seekuͤſte findet man zierlich gefaͤrbte Schildkroͤten, gelb, ſchwarz und roth gemengt. Ihr Fleiſch iſt ſehr ſchmackhaft, wird von den Griechen ſehr gerne, von den Tuͤrken aber gar nicht gegeſſen. Feigen und große, ſehr ſchmackhafte Waſſer⸗Melonen erfriſchen uͤberall den Durſtigen; Gaͤrten, voll von Baͤumen der Citronen und Granataͤpfel, geben Schatten und Wohlgeruch; die Beeren der Weintrauben gleichen an Groͤße unſern Pflaumen, oder Aepfeln. Daraus wird Wein im Ueberfluſſe bereitet; allein er hat durchgehends einen harzigen Geſchmack. Taback wird in Menge gebaut; die Felder ſind mit Wollbaͤumen umgeben, was ſehr reitzend zu ſehen iſt. Ueberdieß gibt es Ueberfluß an Mandeln und Oliven; die letzteren eſſen die Griechen gerne, wenn ſie reif in Salzwaſſer eingemacht wor⸗ den ſind. Die Kuͤrbiſſe in den Hecken, mit ihrer gelben Bluͤthe, bluͤhendes Dornen⸗Geſtraͤnch und himmelhohe Eichen entzuͤcken abwechſelnd den Luſt⸗ wandelnden. In den Thaͤlern von Theſſalien waͤchſt die Schar⸗ lach⸗Beere haͤufig, deren ausgepreßten Saft man zur Farbe bereitet. Davon kommen auch die Coccinillien, welche die Kinder ſammeln, indem ſie, wegen der Dornen, die Aeſte mit einem Staͤbchen niederbeugen, und an der Ruͤckſeite der Blaͤtter erbſengroße Blaſen mit einem Meſſer abſtreifen, worin Wuͤrmchen, einer Linſe groß, ſich befinden. Die Herrſchaft zahlt ihnen eine gewiſſe Menge nach der Taxe und beſorgt dann die Abſonderung der Wuͤrmchen, und die Bereitung der Purpur⸗Farbe. Zur Zeit der Sammlung geben ſie einen Geruch wie Moſchus von ſich⸗ Auf den Berghoͤhen waͤchſt die Schwalben⸗Wur⸗ zel,(Aſelepias oder Vincetoxia) welche als ein vor⸗ treffliches Gegengift bekannt iſt. Der Platanus waͤchſt vorzuͤglich groß und haͤufig in Mazedonien. Faſt zu allen Geruͤchten gebraucht man in dieſem Lande den Knoblauch. Die Zwiebeln ſind ungemein groß, beinahe drei Mal groͤßer, als die ſchoͤnſten bei uns. Ihr Geſchmack iſt vortrefflich, friſch, und lieb⸗ lich ſtechend, jedoch nicht im mindeſten widerwaͤrtig, oder unangenehm. Sie ſtaͤrken den Magen, und man ißt ſie, mit ſehr viel Brod, zu allen Zeiten des Ta⸗ ges. Von einer Art Gurken, einem Mitteldinge zwi⸗ ſchen Kuͤrbiſſen und Melonen, bereiten ſie eine gute Speiſe. Sie ſpalten dieſelben, nehmen die Kerne heraus, und fuͤllen die Woͤlbung mit gehacktem Huͤh⸗ ner⸗Fleiſche, worauf ſie gekocht werden. Tornova iſt eine anſehnliche Stadt in Theſ⸗ ſalien, ungefaͤhr zehen Meilen abendwaͤrts von La⸗ riſſa. Darin ſind ſehr viele Chriſten, auch achtzehn — † 135 chriſtliche Kirchen, und nur drei tuͤrkiſche Tempel. Ueberhaupt iſt bekannt, daß die Griechen durch die Tuͤrkei, durch Rußland, Ungarn und Aſien zerſtreut, einen großen Theil der Chriſtenheit ausmachen, und daß ſie, wenn ſie verſammelt waͤren, wohl zahlreicher ſeyn duͤrften, als die des uͤbrigen chriſtlichen Glaubens. Gleichzeitig hatte zu Tornova der teutſche, kaiſer⸗ liche Internunzius ſeinen Sitz. Er bewohnte ein ſchoͤ⸗ nes Haus, hatte dreißig Tuͤrken und Chriſten um ſich zur Bedienung, und am Thore zwei Janitſcharen zur Wache. Dieſe waren gutartige, wohl bewaffnene Leute. Zu erwaͤhnen habe ich noch von einem Kaufmanne, Namens Demetrius. Er wohnte zu Tornova, und lud uns oͤfters in ſein Haus ein. Er war aͤußerſt gaſtfreundlich, nach Art der alten Griechen, bat uns, in ſeiner Naͤhe nach der Weiſe, unſers Vaterlandes zu leben und recht froͤhlich zu ſeyn. Seine beiden, ſehr ſchoͤnen Toͤchter, mußten uns Geſellſchaft leiſten. Sie waren reitzend gekleidet, meiſt nach Art der alten Grie⸗ chinnen. Ihr vortreffliches Haar⸗Geflechte hing den Ruͤcken hinab; die Stirne beſchatteten dunkle Locken. Ihren Gruß und ihren Abſchied begleitete jederzeit ein Kuß von ihren Roſenlippen; ihre Schuhe waren be⸗ malt und glichen den Sandalen, mit zierlichen Baͤn⸗ dern am ſchoͤnen Fuße, bis an die Waden gebunden; ihre Naͤgel hatten ſie mit Alkang(mit der Farbe ei⸗ ner Wurzel) roth gefaͤrbt. Ihre Unterhaltung war 26tes B. Siebenbürgen zc. I. 2. 2 136 lebhaft, und voll Feuer ihre Sprache, wie der Glanz ihrer ſchoͤnen, ſchwarzen Augen. Es iſt allerdings eine große Annehmlichkeit, fremde Laͤnder zu bereiſen; beſonders wenn dieß ohne große Beſchwerde und ohne Gefahr geſchehen kann. Allein ſchon in Ungarn ſind die Straßen ſehr unſicher, indem die Huſaren uͤberall herum ſchwaͤrmen, und jeden Fremden pluͤndern. Ja, ſie fallen auch gern in das tuͤrkiſche Gebiet ein, und rauben beſonders den Tuͤr⸗ ken oft all ihr Eigentchmmn. In Servien, Bul⸗ garien und Mazedonien, nicht minder in Theſ⸗ ſalien und ſelbſt in Lariſſa gibt es eine Menge von Bettlern und Landſtreichern, welche durchgehends kühne, verwegene Menſchen ſind. Viele derſelben ſind bereits als Raͤuber gebrandmarkt; deſſen ungeach⸗ tet halten ſie ſich in den meiſten Staͤdten auf, und leben dort von allerlei Handwerken. Sie faͤrben ihre Naͤgel mit Alkana, und glauben, ſich dadurch vor Kaͤlte bewahren zu koͤnnen. Die Wahrſager⸗Weiber faͤrben mit der naͤmlichen Wurzel ihre Haare, oder aguch nur das Ende derſelben. Auf dem Wege von Belgrad durch Servien war ich in großer Furcht, gepluͤndert zu werden; denn uns verfolgten drei Reiter, welche ihre Lanzen ſchwenk⸗ ten, und ihre Piſtolen los ſchoßen. Unſer Fuͤhrer bemerkte aber bald, daß es Spahias(tuͤrkiſche Rei⸗ ter) waren, ſteckte ſeine Feder auf, und feuerte auch 137 ſein Gewehr los. Darauf zogen ſich dieſe Reiter wieder zuruͤck. Auf allen Straßen ſind offeutliche Karavanſeras; allein ſie ſind als Herberge fuͤr Reiſende weder be⸗ quem, noch ſicher: denn ringsum wimmelt es oft von Raͤubern, die ſich ſelbſt durch die haͤrteſten Strafen nicht von ihrem Erwerbe abtreiben laſſen. Deßwegen ſitzen bei ſolchen, beſonders gefaͤhrlichen Orten, manch⸗ mal alte Maͤnner, welche eine Trommel ruͤhren, was bedeuten ſoll, daß es hier vor Raͤubern ſicher ſey. Deſſen ungeachtet iſt es in den ebenen Gegen den dieſer Laͤnder luſtig zu reiſen, wegen der Schnellig⸗ keit der Pferde. Ihrer werden vier oder ſechs vor ei⸗ nen Wagen geſpannt; ſie laufen dann in einem Fut⸗ ter oft vierzig Stunden weit. Nur ziehen die Fuͤhrer ſie von Zeit zu Zeit wacker an den Haaren, indem ſie glauben, daß dadurch die Thiere wieder erfriſcht wer⸗ den. Man nennt dieſes die kroatiſche Fuͤtterung.— Ihre Aecker hingegen beſtellen ſie mehr mit Ochſen, und zwar haͤufig mit Buͤffeln, ſelten mit Pferden. Nicht allein die Raͤuber, auch die Woͤlfe und Hunde ſind dem Reiſenden gefaͤhrlich. Die erſtern bauſen in großer Menge, beſonders in den Gebirgen von Servien und in andern großen Waldungen. Sie erſcheinen oft zu Hunderten an der Landſtraße, daß man ſich ihrer nur mit Muͤhe erwehren kann. Die Hunde hingegen lagern ſich in den Staͤdten und in allen Haͤuſern; ſie fallen jeden Fremden an, weßwegen 8 138 man immer mit einem Pruͤgel ſich verſehen muß. Durch die ganze Nacht bellen ſie ohne Aufhoͤren, was allen denjenigen ſehr zur Laſt wird, welche dieſe Toͤne nicht gewohnt ſind. Die Chriſten leben unter den Tuͤrken in beſtaͤndi⸗ ger Furcht. Ich ſah mehrmalen, wie ſie ſich eilig verſteckten, ſobald ſich einer ihrer Verfolger ſehen ließ. Noch ein haͤrteres Loos aber haben die Chriſten⸗ Sklaven. Sie haben theils durch Verraͤtherei, theils durch den Krieg ihre Freiheit verloren, oder ſind von den Tartaren weggeraubt worden. Ihre Herren ver⸗ kaufen oder vertauſchen ſie wechſelſeitig, oft in die entfernteſen Orte. Auf dieſe Weiſe kommen ſie manchmal ſogar wieder zu ihrer Freiheit; allein, ſo⸗ bald ſie dem Großberrn angehoͤren, iſt keine Erloͤſung mehr zu hoffen; denn von dieſem darf keiner mehr losgekauft werden. Ich fand einen Sklaven, Na⸗ mens Sigmund, welcher mir viel Vergnuͤgen im Umgange machte. Er war aus Ungarn gebuͤrtig, und in dem letzten Kriege gegen die Tuͤrken gefangen ge⸗ nommen worden. Zuerſt war er demnach in der Dienſt⸗ barkeit eines Tuͤrken, dann eines Juden, der ihn be⸗ ſonders hart hielt; zuletzt kaufte ihn ein Armenier, der ihm wegen ſeines Wohlverhaltens die Freiheit ſchenkte. Er war Willens, in ſein Vaterland zuruͤck zu reiſen. Eines Tages wuͤnſchte ich, den Sultan zu ſehen; allein mein tuͤrkiſcher Fuͤhrer zoͤgerte, mich zu be⸗ 139 gleiten. Als ich ihn um die Urſache fragte, gab er zur Antwort, daß er gar nicht gern in der Naͤhe des Großherrn, ſondern lieber ſo weit als moͤglich entfernt ſei. Denn, ſetzte er bei, keines Tuͤrken Kopf iſt ficher, das gerinſte Verſehen, eine vernachlaͤſſigte Ze⸗ remonie zieht die Todesſtrafe nach ſich. Als ich aͤuſ⸗ ſerte, daß dieſe Handhabung der ſogenannten Gerech⸗ tigkeit doch ein wenig zu hart ſey, erwiederte er: Wir wiſſen es nicht anders, fuͤgen uns willig darein, und haben Geduld— bis zum Kopf verlieren. Die Graͤber der Tuͤrken ſind prunklos, meiſt mit einem Steine geziert, worauf ein Turban gehauen iſt. Auch ſtehen manchmal zwei Saͤulen, eine Elle hoch, am Haupte und zu den Fuͤßen. 3 Die Graͤber ihrer Heiligen aber ſind prunkvoller und oft rieſenhaft groß. Bei denſelben muß jeder Tuͤrke, wenn er voruͤber geht, ſeine Andacht verrich⸗ ten.— Die Frauen kommen oft des Nachts auf die Graͤber ihrer Freunde und Verwandten, um dort iu beten und zu weinen. 5 Auch der Tuͤrken Jahrmaͤrkte oder Kirchweiben fand ich merkwuͤrdig, wovon ich einem zu Lescoya in Servien beiwohnte. Sie ſchließen ſich in enge Gaſſen ein und in kleine Gaͤnge abgetheilt, wird jede Gattung von Waare geſondert verkauft. Man ſiehl! allerlei Arten von tuͤrkiſcher Kleidung, und hoͤrt ver⸗ ſchiedene Muſik, die aber rauh und widerlich klingt, 140 Zu meiner Zeit waren die Laͤnder der europaͤiſchen Tuͤrkei von der Peſt frei; nur zu Presdina fanden wir einen ſolchen Kranken ſchwer danieder liegend. Wir fanden ihn in der Mitte eines großen Saales, mit Tape⸗ ten und andern Zierathen ſchoͤn behangen; wir mußten uns im naͤmlichen Gemache niederlaſſen, und unſer Gaſtmahl einnehmen. Wir eilten ſo ſchnell als moͤg⸗ lich wieder davon; die Tuͤrken aber machten ſich, nach ihrer Gewohnheit, wenig daraus. Da ich gewohnt war, in jeder Herberge dasjenige, was mir merkwuͤrdig ſchien, aufzuſchreiben, ſo gab ich den Tuͤrken oft Gelegenheit, die Art, wie mein Buch ge⸗ bunden war, wie meine Schreibfeder zu bewundern. Sie haben zwar auch gutes Papier und gute Tinte, die ſie in kupfernen Gefaͤßen gern am Guͤrtel tragen; allein ihre Schreibfedern beſtehen aus Schilfrohren, welche ſie trefflich zuzubereiten wiſſen. Die meiſten Fuͤhrer, welche den Reiſenden durch die Tuͤrkei beigegeben werden, ſind bejahrte Maͤnner, in vielerlei Sprachen erfahren, tapfer und getreu. Wenn ich mit dem meinigen in ein Zimmer kam, worin viele Tuͤrken ſaßen, begruͤßten ſie mich freund⸗ lich und beruͤhrten meine Haͤnde; dann boten ſie mir Kaffee und Tabak. Sie bedienen ſich auch des Schnupf⸗ tabakes gern. Das gemeine Volk und die Jungen aber laufen den Fremden oft auf der Straße nach, und rufen: Saſthlu Gaur, d. i. behaarter Un⸗ glaͤubiger! 141 Die Tuͤrken rauchen aus einem Pfeifenkopfe von Thon, den ſie auf den Boden legen; daran ſteckt ein ellenlanges Schilfrohr, deſſen Ende ſie im Munde halten. Dadurch wird der Dampf kuͤhl und weniger widerwaͤrtig. Den Tabak ſelbſt traͤgen ſie in kleinen Saͤcken, am Guͤrtel mit ſich. Die Reinlichkeit der Tuͤrken gefiel mir ſehr wohl. So oft mein Fuͤhrer zu einer Quelle kam, ſtieg er ab und wuſch ſich. Alle Morgen putzte er ſich Kopf und Bart gar fleißig; nach jeder Mahlzeit nehmen ſie einen Krug Waſſer, und waſchen ſich an abgelege⸗ nen Orten. 4 Die Chriſten ſind haͤufiger auf dem Lande, als in großen Staͤdten, wo die Kriegsmacht der Tuͤrken iſt. Sie ſind alle der griechiſchen Sekte zugethan, und tragen das Loos ihrer Dienſtbarkeit mit großer Ge⸗ duld. Es ſchien mir, daß ſie lieber der Tuͤrken Sklaven ſeyn wollen, als andern Potentaten, be⸗ ſonders die der lateiniſchen Kirche zugehoͤren, gehor⸗ chen. Dieſe wuͤrden ſich auch wenig auf ihre Mit⸗ huͤlfe verlaſſen duͤrfen, wenn ſie es unternehmen wollten, die europaͤiſchen Landſchaften wieder von tuͤrkiſcher Herrſchaft zu befreien. Dagegen ſind die Tuͤrken beſtaͤndig bedacht, die Graͤnzen ibres Rei⸗ ches zu vergroͤßern; daher ganz Europa nicht ſicher ſeyn duͤrfte, von ihrer Macht uͤberwaͤltiget zu werden. 142 So weit E. Brown's Reiſe durch die Tuͤrkei. Seine Ruͤckreiſe nahm er uͤber die Goldbergwerke in Ungarn, nach Wien, und von da durch Steyermark, Kaͤrnthen, Friaul und Crain; zuletzt durch Teutſch⸗ land, uͤber Koͤln und Hamburg, zuruͤck nach London. 5 VI. Beſchreibung der Moldau von Deme⸗ trius Kantemir, ehemaligem Fürſten daſelbſt 1710. Aus dem Lateiniſchen über⸗ ſetzt, und in gedräͤngter Kürze mitgetheilt vom Bibliothekar Jaͤck*). Vorrede. Demetriue Kantemir, geb. 26. October 1673, hatte den Statthalter dreier Landſchaften in der Mol⸗ dau, Konſtantin Kantemir zum Vater, welcher 1684 zum Fuͤrſten von der Pforte ernannt wurde. **) Status praesens Moldaviae. Aus dem Origi⸗ nale, vom Kollegienrath Muͤller zu Petersburg an Dr. Buͤſching mitgetheilt, welcher das Werk durch den Piofeſtor J. L. Redslob uͤber⸗ 144 Nachdem ſein Bruder Antiochus als Geiſel 3 Jahre zu Konſtantinopel gelebt hatte, mußte Deme⸗ trius dieſen von 1687 bis 1694 abloͤſen. Dieſe Zeit benutzte er vorzuͤglich zur Erlernung der tuͤrkiſchen Sprache und Muſik: in dieſer machte er ſolche Fort⸗ ſchritte, daß er zuerſt die Noten bei den Tuͤrken ein⸗ fuͤhrten, und mehre muſikaliſche Stuͤcke komponirte, welche ſich uͤber ein halbes Jahrhundert im Auſehen erhielten. 1692 wohnte er der Belagerung Soroka's bei. Ehe ſein Vater 14. Maͤrz 1693 ſtarb, waͤhlten die Edelleute Demetrius zu ihrem Fuͤrſten; alein da er von der Pforte nicht beſtaͤtigt wurde, ſo begab er. ſich nach Konſtautinopel zu ſeinem Bruder. Waͤh⸗ rend der wallachiſche Fuͤrſt, Konſtantin Branko⸗ wan, jene beiden Bruͤder der Hofgunſt unwuͤrdig zu machen ſuchte, widmete ſch Demetrius der arabi⸗ ſchen und perſiſchen Sprache. 1700 wurde ſein Bru⸗ der zum Fuͤrſten der Moldau ernannt, welchen er zur Beſitznahme begleitete. Bei dieſer Gelegenheit verehe⸗ lichte er ſich mit Kaſſandra, Qochter des ehemali⸗ chen Fuͤrſten Serban Kantakuzenus in der Wallachei. Waͤhrend ſeines ferneren Aufenthaltes zu Konſtantinopel widmete er ſich der fortſchrei⸗ tenden Bildung, und erwarb ſich vorzuͤglich eine genaue ſetzen, urd in ſeinen woͤchentlichen Nachrichten Band III. 1769 erſcheinen ließ. Eine verbeſſerte Ausgabe erkoigte zu Frankfurt u. Leipzig 1771.8. — Kenntniß der Gewohnheiten und Gebraͤuche des Lan⸗ des. Als Peter der Große 1110 der Pforte den Krieg ankuͤndigte, wurde Demetrius von dieſer zum Fuͤrſten der Moldau ernannt, und noch mit 20 Beuteln beſchenkt, ſtatt daß ſeine Vorgaͤnger bedeu⸗ tende Geſchenke machen mußten. Kaum war er aber in der Hauptſtadt Jaſſy angekommen, ſo erhielt er nicht nur Befehl zur Errichtung einer Bruͤcke uͤber die Donau fuͤr das tuͤrkiſche Heer, ſondern auch zur Zah⸗ lung der gewoͤhnlichen Gebuͤhren fuͤr ſein Fuͤrſtenthum an den Weſſir. Durch letzteren Befehl wurde er ſo aufgebracht, daß er ſich zur Rache an dem Weſſir, und zur Befreiung ſeines Landes vom tuͤrkiſchen Joche entſchloß. Er durchreiſte alle Theile derſelben zur ge⸗ nauen Kenntniß der oͤrtlichen und perſoͤnlichen Ver haͤltniſſe ſowohl, als der Stimmung der Einwohner, wie ich hier das Reſultat ſeiner Beobachtungen in ge⸗ draͤngter Kuͤrze mittheile. Bald verglich er ſich mit dem griechiſchen Arzte Polikala, welcher vom K. Peter dem Großen an ihn geſchickt war, uͤber die Bedingungen zur Uebergabe ſeines Fuͤrſtenthumes an dieſen. Deſſen ungeachtet bemuͤhte er ſich den Bau der Bruͤcke zu vollenden, um jeden Verdacht ſeiner Verbindung mit Rußland zu beſeitigen. Der Zar traf ſpaͤter ein, als die Tuͤrken ſchon uͤber die Donau ge⸗ zogen waren, und mußte aus Mangel an Lebensmit⸗ teln einen ſehr nachtheiligen Frieden ſchließen, ohne daß er den Fuͤrſten Kantemir auslieferte. Dieſer, 146 nebſt 1000 Perſonen von Edelleuten und deren Gefol⸗ ge, zog mit dem ruſſiſchen Heere von Jaſſy in das moskowitiſche Reich zur Uebernahme der angewieſenen Laͤndereien in der Ukraine. Er verweilte zu Charkow bis 1713, in welchem Jahre er nach Moskau zog, nachdem ſeine neuen Beſitzungen an die ausgewander⸗ ten Edelleute vertheilt, und er mit 1000 Pachthauſern der Krone beſchenkt worden war. 1743 verior er ſeine Gemahlin, 1714 hielt er ſich mit ſeinem dritten Sohne Serban zu Petersburg und 1715— 416 auf ſeinen Guͤ⸗ tern auf, wo er die zu Konſtantinopel begonnene Ge⸗ ſchichte des osmanniſchen Reiches vollendete. 1717 war er zu Moskau, 1718 begleitete er den Zar nach Peters⸗ burg, wo er ſich mit einer Tochter des Fuͤrſten Dru⸗ bezkoi verehelichte; weßwegen er 1719 auch ſeine Kinder dahin kommen ließ. 1726 ſollte er dem Zar nach Perſien folgen; er wurde zu Kolomna, 20 Stunden von Moskau, zwar unpaͤßlich; doch richtete er auf dem Fluſſe eine tuͤrkiſche Buchdruckerei ein, durch welche die ruſſiſche Kriegserklaͤrung in Perſien verbreitet werden ſollte. Allein das Fahrzeug gerieth bei einem Sturme auf eine Sandbank, weßwegen die ganze Druckerei zu Grunde ging, waͤhrend er zu Land den Zar nach Derbend begleitete. Von hier begab er ſich nach Aſtrachan, wo der ihn ſchon lange quaͤ⸗ lende Harnfluß dem Tode nahe brachte; doch gelangte er durch die Geſchicklichkeit des Arztes Englert noch ein Mal auf ſeine Guͤter, wo er 1. Sept. 4723. — —— 137 ſtarb. Er war von mittlerer Groͤße, angenehmer Ge⸗ ſichtsbildung, großer Freundlichkeit und Zartheit ge⸗ gen Jedermann. Er ſtand taͤglich um s Uhr auf, ſtu⸗ dirte bis 12 Uhr, aß nur eine Speiſe(gewoͤhnlich junge Huͤhner mit Sauerampfer), trank wenig Wein mit Waſſer, ſchlief nachher ein wenig, ſtudirte bis 1, beſuchte dann die Seinigen, ſpeiſte um 10, und legte ſich um 12 in das Bett. Er war der tuͤrkiſchen, perſiſchen, arabiſchen, neu⸗griechiſchen, lateiniſchen, italiſchen, ruſſiſchen und moldauiſchen Sprache ganz maͤchtig⸗ und verſtand auch die franzoͤſiſche, altgriechiſche und flavoniſche. Er widmete ſich vorzuͤglich der Geſchich⸗ te, doch auch der Philoſophie und Mathematik; be⸗ ſonders zum Behufe der Baukunſt. Daher er ſelbſt auch die Riſſe zu den von ihm erbauten Kirchen in drei Doͤrfern verfertigen konnte. Er war Mitglied der Akademie, und vom teutſchen Kaiſer auch zum Fuͤrſten des teutſchen Reiches bereits ernannt, als deſſen Reſi⸗ dent die Nachricht von ſeinem Tode erhielt. Außer der vorliegenden Beſchreibung der Moldau, verewigte er noch ſein Andenken durch folgende Schriften: ¹1) The history of the growth and decay of the Othman Empire. Written originally in Latin, and translated in to Englilh from the Author's own ma- nufcript, by N. Tindal. Adorned with the heads of tue turkish Emperors, ingraved from copies ta- ken from originals in the Grand Seigniors palace, by the late Sultan's painter. London. 4754. Fol. 148 Frei in das Franzoͤſiſche uͤberſetzt von Jonquieres. Pa⸗ ris 1743. 12. 4 Baͤnde. Verteutſcht von Joh. Lorenz Schmid. Hamburg. 1745. 4.; welche Ausgabe auch in der K. Bibliothek zu Bamberg ſich befindet. 2) Zuſtand der tuͤrkiſchen Religion(in ruſſiſcher Sprache). Petersburg. 1722. Fol. 3) Die Welt und die Seele(in griechiſcher und moldauiſcher Sprache) zu Jaſſy gedruckt. Auſſer dieſen 4 gedruckten Werken hat or noch hinterlaſſen: 4) Alte und neue Geſchichte von Dacien, in mol⸗ dauiſcher Sprache. 6) Geſchichte der Schoͤpfung, betitelt: Theologo- Physica. 6) Geſchichte der beiden Haͤuſer Brankowan und Kantakuzenus,(in moldauiſcher Sprache). 7) Geſchichte der Mahomedaner von der Zeit des falſchen Propheten, bis auf den erſten tuͤrkiſchen Kai⸗ ſer.(Dieſes Werk ging in der kaſpiſchen See verloren.) 8) Tuͤrkiſche Geſaͤnge mit Melodien. 9) Einleitung zur tuͤrkiſchen Muſik,(in moldaui⸗ ſcher Sprache). 149 Erſtes Hauptſtü ck. I. Die Bewohner der Moldau und anſtoßenden weſtlichen Laͤnder hießen ehemals Seythen, Geten, Da eier, bis der tapfere Roͤmer Nerva Trajan das Land eroberte, und dieſe Provinz in das heutige Un⸗ garn und das Fuͤrſtenthum Wallachei, in Siebenbuͤr⸗ gen, und in den groͤßten Theil der jetzigen Moldau, zwiſchen der Donau und dem Pruth, vertheilte. Die roͤmiſche Herrſchaft wurde durch die Einfaͤlle der Sarmaten Hunnen und Gothen untergraben. Gegen das J. 1250 lernte Dragoſch, Sohn des Koͤnigs Bogdan, die Umgebung des Fluſſes kennen, wel⸗ chen er nach ſeinem Jagdhunde Molda, wie bi⸗ Aus⸗ laͤnder den Bezirk Moldau nannten. II. Dieſer erſteckt ſich, der Breite nach, vom 44 Grade 44 Min. bis zum 48 Gr. 51 Min.; d. i. von der ſuͤdlichſten Spitze bei Galatſch an der Donau bis zur noͤrdlichſten bei dem Walde Bukowina am Dnieſter auf 100 Stunden. Die Laͤnge iſt zwar unbeſtimmt; doch ſetzen die meiſten Erdbeſchreiber den 150 weſtlichen Theil gegen Siebenbuͤrgen auf 4s Gr. 39 Min., und berechnen ihr oͤftliches Ende, welches bei Akjerman einen ſpitzigen Winkel macht, auf den 53 Gr. 22 Min. Nach Haſen's Karte von Un⸗ garn iſt die weſtlichſte Laͤnge, wo Moldau, Sieben⸗ buͤrgen, Ungarn und Polen ſich beruͤhren, 42 Gr., die oͤſtlichſte aber bei Akjerman am ſchwarzen Meere 48 Gr., oder 90 Reiſe⸗Stunden. Da der Theil, wel⸗ cher Siebenbuͤrgen beruͤhrt eben ſo bergich iſt, als jener gegen die polniſche Ukraine, Beßarabien und die Donau, ſo iſt das Klima in dieſen Gegenden kaͤlter, aber geſuͤnder; in den Ebenen zwar waͤrmer, aber un⸗ geſuͤnder. Daber oͤfters boͤsartige Fieber und Entzuͤn⸗ dungs⸗Krankheiten berrſchen, welche durch Mitthei⸗ lung aus Polen, oder durch aͤgyptiſche und konſtanti⸗ nopolitaniſche Schiffe bei dem Hafen Galatſch ein⸗ dringen. Die Fieber ſind ſo heftig, daß ſie gewoͤnlich am 3. oder J. Tage toͤdtlich werden, oder wenigſtens die vorige Geſundheit nie zuruͤck kehrt. Die meiſten Menſchen werden theils wegen dieſer Urſachen, theils wegen der Lebensart und natuͤrlichen Schwaͤche nicht alt; ſelten wird einer 10, noch weniger 8o Jahre er⸗ reichen; doch Landleute eher, als verweichlichte Stadt⸗ bewohner.. 1lI. Die jetzigen Graͤnzen der Moldau wurden durch den Fuͤrſten Stephan den Grohen beſtimmtz gegen Mittag bis an die Donau und deren Muͤn⸗ dung bei Kilia; gegen Morgen von der Muͤndung 151 des Pruth's bis an das Dorf Trajan, durch den trojaniſchen Graben uͤber den Fluß Botna in gera⸗ der Richtung an die Muͤndung des Fluſſes Bikal bei Speecul in den Dnieſter. Gegen Mitternacht ſcheidet dieſer Strom Polen und die otſchakowſche Tartarei, in Verbindung mit den Baͤchen Seraphi⸗ netſch, Colatſchin und Tſchirimuß. Gegen Abend iſt von deſſen Quellen durch den Urſprung der Sutſchawa, Moldawa, Biſtritza und des Tortus, bis an den Mileow und Sireth gegen die Wallachei, unter dem Fuͤrſten Stephan die Graͤnze gezogen worden. Innerhalb dieſer Graͤnzen hat die Moldau 237 Stunden im Umfange und vier große, ſchiffbare Fluͤſſe, naͤmlich Donau, Dnie⸗ ſter, Pruth und Sereth. Obgleich die Donau nur den geringſten Theil des Landes bewaͤſſert, ſo nutzt ſie ihm doch am meiſten: denn im Hafen Galatſch koͤnnen die Handungs⸗Schiffe verſchiedener Nationen landen. Auch koͤnnen die Waaren vom Pruth, wel⸗ cher ſich in die Donau ergießt, das leichteſte und ge⸗ ſundeſte Waſſer hat, in alle am ſchwarzen Meere ge⸗ legene Staͤdte gebracht werden. Der Fluß Sireth entſpringt an der Graͤnze Polens, vereinigt ſich mit der Moldawa und dem Mileow, und ergießt ſich in die Donau. Der Duieſter diente immer den Tuͤrken zum Transvorte ihrer Waaren aus Konſt an⸗ tinopel uͤber das ſchwarze Meer nach Beuder und Kaminietz. Mit der Moldawa vereinigt ſich uach 26ſtes B. Siebenbürgen zc. I. 2. 3 152 der Barlad, die Sutſchawa, die Beſtriza und der Tortuſch; mit dem Pruth der Dſchirimus und die Zizia; mit dem Dnieſter die Reut und der Botna. Nelbſt dieſen vereinigen ſich noch ſehr viele Baͤche mit den Fluͤſſen. Die vorzuͤglichſten Seen ſind der Brateſch, der Dorohejenſiſche, der Colatſchin, und jener Ovid's bei Akjerman, von den Einwohnern Oviduluj genannt. IV. Die untere Moldau enthaͤlt das Gebiet der Hauptſtadt Jaſſi, gegen Mittag das C arliga⸗ turiſche Tyrgulfurmos, und das Tutowſche, gegen Abend das Faltſchiſche, Putn aſche, Co⸗ hurluiſche, Teeutſchiſche und Romaniſche, gegen Morgen das Wasluyſche, gegen Mitternacht das Lapuſchniſche und uͤber demſelben am Dnie⸗ ſter das Orhejenſiſche und Sorockiſche. Zur obern Moldau vird gerechnet das Chotſchini⸗ ſche, das Dorchojiſche gegen Abend, das Har⸗ leviſche, das Tſchernauciſche, das Sutſcha⸗ wiſche am weſtlichen Ufer des Sireth, das Ni⸗ amt ſchiſche und das Bakowiſche. Der ehema⸗ lige dritte Haupttheil der Moldau war Beßara⸗ bien, und beſtand aus dem Budſchakiſchen, Ak⸗ jermaniſchen, Kiliſchen und Iſmailiſchen Gebiete. Die Stadt Sutſchawa hat in ihren Mauern einen großen Stein, auf welchem? Thuͤrme feingehauen ſind, die mit einer Kaiſer⸗Krone bedeckt ſind, welche von 2 Loͤwen gehalten wird. Der Gra⸗ 153 ben des K.[Trajan beginnt mit einem doppelten Walle bei Peterwardein in Ungarn, zieht ſich nach dem Gebirge Demurkapu, durchſchneidet den Pruth bei dem Dorfe Trajan, den Botna bei 3 dem Staͤdtchen Cauſchen, und endigt ſich am Fluſſe Don. Er iſt noch 12 Ellen tief; daher er anfangs noch ein Mal ſo breit und ſo tief geweſen ſeyn mag. V. Der hoͤchſte Berg heißt Tſchaslow, nicht weit vom Urſprunge des Fluſſes Tazlo w. Eine ande⸗ re Strecke von Bergen, Namens Incul, liegt ge⸗ gen Mitternacht bei dem Fluſſe Tſchirimus. Die Zigeuner bringen jaͤhrlich 1600 Drachmen Gold⸗Koͤrner, welche ſie aus dem Fluß⸗Sande ſammeln, als Tribut der Gemahlin des Fuͤrſten. An dem Ufer des Dnie⸗ ſter zeigen ſich eiſerne von der Natur bereitete runde Kuͤgelchen. In dem Bakowiſchen Gebiete bei der Stadt Totruſch gibt es ſehr ergiebige Salzbergwerke ohne Kunſt, indem 1— 2 Ellen unter der Erde das reinſte und eriſtallhelle Salz ohne Vermiſchung mit Erdtheilen ſich zeigt. Dieſe Salzbergwerke entleeren ſich niemals, obgleich taͤglich viele 100 Menſchen be⸗ ſchaͤftigt ſind. Denn dieſe laſſen uͤberall Pfeiler dieſes Criſtall⸗Salzes zur Unterſtuͤtzung der Erde ſtehen, da⸗ mit die neuen Salzadern ſich ausbreiten koͤnnen. In 20 Jahren ſind dieſe Gaͤuge wieder mit Salz ſo gefuͤllt, als waͤren ſie noch nicht ausgegraben geweſen. Es gibt zwar noch andere Berge, aus welchen viel Salz ge⸗ graben werden koͤnnte; allein die Fuͤrſten verboten de⸗ 154 ren Oeffuung, damit ihre Einkuͤnfte nicht durch deſſen Neberfluß geſchmaͤlert wurden. Da fäſt alle Felder eine ſatpetriſirte Erde haben, ſo wird uͤberall mit ge⸗ ringer Muͤhe Salpeter bereitet. In dem Bakowiſchen Gebiete nicht weit vom Dorfe Maineſtii ſprudelt aus einer QOuelle ein mit dem Waſſer vermiſchtes Harz hervor, deſſen unſere Bauern zum Schmieren ihrer Wagen⸗Raͤder ſich bedienen. VI. So unfruchtbar die Felder auf den Gebirgen find, ſo gibt doch der Waizen in fruchtbaren Jahren gewoͤhnlich 24, der Rocken 30, die Gerſte so, der Hirſe 300 Köͤrner, welcher zu Brod verwendet wird. Hafer und Obſt gedeihet nicht wohl. Die Weinberge zwi⸗ ſchen Cotnar und der Donau gedeihen ſo gut, daß ein Quadrat⸗Raum von 24 Klafter oͤfters 4— 300 Maß Wein, jedes zu 40 Quart gerechnet, abwirft. Der edelſte Wein waͤchſt bei Cotnar, wird dem To⸗ kajer vorgezogen, iſt aber nicht zu verfuͤhren, obgleich er im vierten Jahre wie ein gluͤhender Wein brennt. Er hat eine gruͤne Farbe, und wird deſto gruͤner, je alter. Der ſtaͤrkſte Trinker kann kaum das dritte Glas zu ſich nehmen, ohne betrunken zu werden; doch zieht er keine Kopfſchmerzen nach ſich. Andere gute Weine wachſen zu Huſch in dem Faltſchiſchen Bezirke, bei Odobeſt am Mileow in dem Putniſchen Betirke. Geſchaͤtzt wird noch der Nekoreſtiſche am Sireth, der Greeiſche am Berhetſch und der Coſteſti⸗ ſche. Sehr viel Wein wird nach Siebenbuͤrgen, Un⸗ 155 garn, Polen und Rußland jaͤhrlich verkauft, weil der Preis noch geringer iſt, als in ſenen Laͤndern. Seit⸗ dem Beßarabien unter tuͤrkiſchem Joche ſchmach⸗ tete, iſt der Weinbaun ſo vernachlaͤſſigt worden, daß die Chriſten in dem Kilaſchen und Iſmailſchen Bezirke kaum fuͤr ihre Nothdurft mehr bauen. Die Kotnariſchen und Kiegetſchiſchen Waldungen liefern ſehr gute Eichen zum Schiffbaue; ein anderer Wald jenſeits des Pruth's gegen Bek⸗ grabien hat ſo dicht neben einander ſtehende Baͤums, daß auch nicht einmal ein Fußgaͤnger anders, als nur auf den Fußſteigen durchkommen kann, welche den Ein⸗ wohnern bekannt ſind. VII. Man findet Hirſche, Gemſen, Ziegen, Fuͤchſs, Luchſe, Woͤlfe, und drei Arten von Schaſen, von wel⸗ chen jaͤhrlich mehr als 60,000 fuͤr die Kuͤche des Sul⸗ tans nach Konſtantinopel durch griechiſche Vieh⸗ haͤndler gebracht werden. Denn dieſelben werden theils wegen des zarten Fleiſches, theils wegen des lieblichen Geſchmackes allen andern vorgezogen. Auf den Ebenen fallen die Schafe weit groͤßer, als auf dem Gebirge, und alle haben eine Rippe mehr, beſon⸗ ders im Sorockiſchen Gebiete, als anderswo. Weden ſie in andere Provinzen gebracht, ſo gebaͤhren ſie erſt im dritten Jahre ein Lamm, welches nur die gewoͤhn⸗ lichen Rippen hat. Wird ein Schaf aus einem andern Gebiete in das Sorockiſche gebracht, ſo hat das kuͤnftige Lamm auch eine Rippe mehr, als die Mu⸗ 156 ter. Von dieſen ſind die wilden oder Wald⸗Schafe ſehr verſchieden. Die obere Lippe haͤngt mehre Zolle ſo herab, daß ſie auf der Weide ihr Futter ruͤcklings nehmen muͤſſen. An ihrem Halſe haben ſie kein Ge⸗ lenk, ſie koͤnnen daher ihren Koyf weder auf die rechte, toch auf die linke Seite drehen. Sie haben zwar ganz kurze, aber ſo flüchtige Fuͤße, daß ſie im Laufen kaum von Hunden ertappt werden koͤnnen. Auch haben ſie einen ſo ſcharfen Geruch, daß ſie jedes lebende Weſen, welches mit dem Winde ſich ihnen naͤhert, ſchon auf zwei Stunden wittern. Kommen ſie aber gegen den Wind, ſo riechen ſie die Menſchen erſt, wenn ſie ſchon gefangen ſind. Die Bewohner der Gebirge haben nur kleine Och⸗ ſen; jene der Ebenen aber große Herden von anſehn⸗ lichen und großen Ochſen, von welchen jaͤhrlich mehr als 40,000 durch Polen nach Danzig getrieben und als voffi che verkauft werden. In der Moldau koſtet das Gaar im Winter 3— 4, im Sommer 5—, zu Dan⸗ zig aber 40— 50 Thaler. Die beſten und fetteſten wer⸗ den an den Baͤchen Serat und Baſſeu, im Falt⸗ ſchiſchen und Tſchernauciſchen Gebiete gefun⸗ den, weil daſelbſt die Felder ſehr ſalzig ſind, und fei⸗ nes Gras haben. Die Zahl der Ochfen iſt ſo groß, daß ſie aus deren Erloͤſe nicht nur ihren Unterhalt gewin⸗ nen, ſondern auch die ſchweren Abgaben an die Tuͤr⸗ ken entrichten. An beiden Ufern des Dnieſter zei⸗ gen ſich zuweilen Buͤffelochſen, welche waͤhrend der 157 Bedeckung deſſelben mit Eis aus Podolien und der Tartarei kommen. 4 Auf den weſtlichen Bergen iſt ein Thier, Namens Zimbr, an Groͤße einem zahmen Ochſen gleich, mit einem kleineren Kopfe, laͤnglichen Halſe, mageren Bauche, hoͤheren Beinen, duͤnnen und gerade in die Hoͤhe ſtehenden Hoͤrnern, deren ſpitziges Ende nur ein wenig auswaͤrts gebogen iſt. Es iſt ein wildes und eilfertiges Thier, und kann wie die Ziegen uͤber die ſteilen Feiſen klettern; daher man es nicht anders als durch ein Schießgewehr verwunden oder toͤdten, und dann fangen kann. Das Bild des Kopfes dieſes Thie⸗ res, welches in Polen Zubr heißt, waͤhlte der erſte Moldauiſche Fuͤrſt Drago ſch zum Wappen des Landes. Die Schweine in dem Orhejiſchen Gebiete bei dem Dorfe Tohatin werden nicht mit einem zwei⸗ ſpaltigen, ſondern geſchloſſenen und faſt pferdartigen Hufe geboren. Dieſe Erſcheinung findet ſich ſogar an Ferkeln, welche nach dem dritten Jahre von Muͤttern kommen, die aus andern Gegenden eingewandert ſind, ſie moͤgen wild oder zahm ſeyn. Im bergigen Theile der Moldau ſind etwas klei⸗ ne, und in Anſehung des Baues ihres Koͤrpers faſt den rufüſchen aͤhnliche Pferde von beſonderer Staͤrke und ſo hartem Hufe, daß ſie ſelbſt fuͤr die raueſten Wege nicht beſchlagen zu werden brauchen. In den ebenen Landſchaften aber ſind ſie groͤßer, ſchoͤner, nach 158 Geſtalt, Regelmaͤßigkeit der Glieder, Geſchwindigkeit und Dauerhaftigkeit weit anſehnlicher, und nicht nur den Ungern und Polen, ſondern auch den Tuͤrken ſehr beliebt. Um die Graͤnzen der Moldau ſind auch große Herden von wilden Pferden, welche nur etwas kleiner ſind, und Hufe haben, welche uͤber eine Spanne breit, ſonſt aber hart und rund ſind. Andere wilde Thiere unſerer Waͤlder ſind die Luchſe, Marder(aber keine Zobel), Fuͤchſe, deren Felle zum Schutze gegen die Kaͤlte dienen. Die Bienenzucht iſt außerordentlich groß und vortheilhaft, weil die Fel⸗ der uͤberall mit den ſchoͤnſten und angenehmſten Blu⸗ men beſetzt ſind, und die Waͤlder Stoff genug fuͤr Ho⸗ nig und Wachs darbieten. Der Gewinn der Einwohner wuͤrde noch groͤßer ſeyn, wenn ſie ſo viele Schwaͤrme behalten duͤrften, als die Bienen jaͤhrlich aushecken. Denn es iſt geſetzlich verboten, mehre Stoͤcke zu hal⸗ ten, als der Umfang der Grundſtuͤcke erlaubt, damit Niemand ſeinem Nachbarn beſchwerlich werde. Man hat bemerkt, daß die Bienen⸗Schwaͤrme, welche einan⸗ der gar zu nahe ſind, wenn ſie ſich in der Luft begeg⸗ nen, ſich ſehr heftig bekaͤmpfen, und nicht eher aufhe⸗ ren, bis der uͤberwundene Theil die Flucht eigreift. Von dieſem Augenblicke ſammelt die ſtegende Partei keinen Honig mehr aus den Blumen, ſondern geht taͤglich in die Zellen der Beſiegten, und nimmt den ſchon bereiteten Honig ganz ungehindert. Wenn die Huͤter ſehen, daß ihre Bienen emſig arbeiten, und 3 4 3 1 159 doch nichts einbringen, ſo beſtreuen ſie alle, welche ſie in den Stoͤcken treffen, mit Kreide, welche ſie in Waſſer aufgeloͤſet haben. Des andern Tages begeben ſie ſich zu dem Nachbarn, auf deſſen Bienen ſie Ver⸗ dacht haben, zeigen ihm die weißen Flecken, und noͤthi⸗ gen ihn zum Erſatze ihres Schadens. Außer den ge⸗ woͤhnlichen Honig⸗ und Wachskuchen bilden die mol⸗ dauiſchen Bienenrauch ein gewiſſes Wachs, welches ſehr ſtark riecht, und eine etwas ſchwarze Farbe hat; aber nicht um den Honig darin zu verwahren, ſondern wi⸗ der das Licht der Sonne. Deßwegen ſchneiden die Bienen Waͤrter, wenn ſie einen neuen Schwarm mit ihrem Koͤnige in ein Gefaͤß ſchließen, in daſſelbe ein Loch und mehre Ritze. Die Bienen aber uͤberziehen dieſe ſogleich mit jenem ſchwarzen Wachſe, weil ſie nur im Dunkeln arbeiten koönnen. Dieſes Wachs neh⸗ men die Huͤter erſt zur beſtimmten Zeit mit dem Ho⸗ nige heraus: da es faſt wie Ambra riecht, und den Strahlen der Sonne widerſteht, ſo verkaufen ſie es deſto theurer. Die ſchwarze Farbe dieſes Wachſes wird der Vermiſchung ihres Unrathes zugerechnet. 160 Zweites Hauptſtück. — I. Ganz Dazien wurde zur Zeit der röͤmiſchen Herrſchaft nach römiſchen Geſetzen regiert. Nach dem Untergange der Monarchie wurden aber weder Trup⸗ pen, noch Verwalter der Provinz von den Roͤmern da⸗ hin geſendet, und die italiſchen Kolonien konnten die oͤfteren Einfaͤlle der Barbaren nicht aushalten. Daher uͤbertrugen die Einwohner, nach dem Muſter ihrer Nachbarn, einem ihrer Mitbuͤrger die Regierung. Von einem ſolchen ſtammt der wallachiſche Johann, deſ⸗ ſen Sohn Bogdan war, welcher Dragoſch erzeug⸗ te. Dieſer rieth zuerſt ſeinen Landsleuten die Ruͤck⸗ kehr in die Moldau, ſie folgten ihm, und uͤbertrugen ihm auch die erſte Ehrenſtelle. Seine Nachfolger ha⸗ ben ihre Regierung, weiche ſie theils durch die Wahl der Staͤnde erhielten, mit ſolchem Anſehen verwaltet, daß ſie an Gewalt und Anſehen keinem chritlichen Fuͤr⸗ ſten nachſtanden, obgleich ihr Gebiet und ihre Macht viel kleiner war. Sie uͤbten alle Majeſtaͤts⸗Rechte aus, und hatten nur Gott und das Geſetz uͤber ſich. Sie waren keinen auswaͤrtigen Fuͤrſten untergeordnet. Krieg und Friede, Leben und Vermoͤgen ihrer Unterthanen hing nur von ihrem Willen ab, ſie mochten Recht oder Unrecht haben. Der griechiſche Kaiſer verlieh dem Fuͤrſten Alexa nder l. dem Guten, den koͤniglichen Schmuck nebſt dem Titel eines Deſpoten. Auf ſeinen 161 Befehl mußte jedes Mal die ganze Nation zu den Waffen greifen. Der Fuͤrſt Stephan V. der Große, erweiterte die Graͤnzen der Moldau zwar am mei⸗ ſten; allein unter ſeinen Nachfolgern ſank ſie in den elenden Zuſtand zuruͤck, in welchem ſie ſich jetzt be⸗ findet. Nach dem vor 1560 erfolgten Tode Steph an's VIII. forderten die Tuͤrken ſchon groͤßeren Tribut, ver⸗ nichteten die meiſten Hoheits⸗Rechte, und ſetzten will⸗ kuͤhrlich auslaͤndiſche Fuͤrſten ein und ab. Je groͤßere Verſprechen dieſe den Tuͤrken machten, deſto mehre neue Abgaben mußten ſie erſinden. Im Inneren be⸗ hielten ſie die alte Gewalt, Geſetze zu geben, Unter⸗ thanen zu ſtrafen, zu adeln oder den Adel zu nehmen, Steuern aufzulegen, und Biſchoͤfe einzufetzen. Ihre Gewalt erſtreckte ſich nicht bios uͤber ihre Unterthanen, ſondern auch uͤber tuͤrkiſche Kaufleute waͤhrend des Aufenthaltes in der Moldau. Alle oͤffentliche Dienſte verlieh er nach Willkuͤhr an Lieblinge, und nahm ſie denen, welchen er abgeneigt war. Wird er aber bei dem tuͤrkiſchen Hofe wegen Erpreſſungen oder unſchul⸗ dig vergoſſenen Blutes verklagt, ſo wird er ſchuell ab⸗ geſetzt, und gewoͤhnlich ſeines Vermoͤgens beraubt, oder aus dem Lande verwieſen. Weigert er ſich, den jaͤhrlichen Tribut zu zahlen, oder empoͤrt er ſich, ſo wird er mit dem Tode geſtraft, wenn er ſich nicht ſchnell durch Geſchenke an einen der erſten Miniſter die Gnade des Kaiſers ſchnell wieder erwirbt. II. Von Dragoſch bis Demetriusl. Kan⸗ temir im J. 169 herrſchten 51 Fuͤrſten der Moldau. Obſchon ſein Vater Konſtantin il. ihm vorging; obgleich er von den Großen gewaͤhlt, und von zwei Patriarchen zu Jaſſy geſalbt war: ſo wurde er doch von der Pforte nicht beſtaͤtigt. Er mußte alſo einem Griechen weichen, an deſſen Stelle ſein aͤlteſter Bru⸗ der Autiochus im J. 1700 kam. III. So lange die Soͤhne der Fuͤrſten nachruͤckten, wurden ſie nach dem Tode ihrer Vaͤter bloß ausgeru⸗ fen. Von der Zeit der freien Wahl durch Staͤnde verſammelten ſich die 1erſten Barone, oͤffneten das Teſtament des verſtorbenen Fuͤrſten, und ernannten, wenn kein Sohn bezeichnet war, durch Stimmen⸗ Mehrheit einen Nachfolger. Nach dem Leichen⸗Be⸗ gaͤngniſſe erfolgte die Verkuͤndigung, Einſetzung, Krö⸗ nung und Salbung deſſelben mit h. Oele in der Kirche durch den Metropoliten, nach welcher die feierliche Huldigung der Großen in der Reſidenz folgte. Nach⸗ dem die volle Ernennung der Fuͤrſten durch die Pforte eingetreten iſt, wurde eine ſehr prunkvolle Ein ſetzung durch den Großweſſir und Patriarchen eingefuͤhrt. So⸗ bald er die Haͤlfte des bedungenen Geldes fuͤr das Fuͤr⸗ ſtenthum gezahlt hat, ſo erhaͤlt er zwei Roßſchweife und eine Fahne zum Zeichen der emofangenen Wuͤrde. Hat er ganz bezahlt, ſo erhaͤlt er in einer feierlichen Audienz die Erlaubniß, ſich nach ſeinem Fuͤrſtenthume zu begeben, und zugleich eine Kopfdecke mit Strauß⸗ federn zum Zeichen ſeiner Einreihung in das Korps 163 der Janitſcharen. Nach mehren felerlichen Zuͤgen zu Konſtantinopel reiſet er in die Moldau uͤber Galatſch nach Jaſſy, begißt ſich in die Haupt⸗ kirche St. Nikolaus, und dann in ſeinen Palaſt, wo er auf dem Throne von den Großen feierlich aner⸗ kannt wird. IV. Jeder Fuͤrſt hat die Verbindlichkeit alle 3 Jahre am Hofe der Pforte zu erſcheinen, und ſich neue Be⸗ ſtaͤtigung zu erbitten, nicht ohne viele Geldopfer, V. Hat der Weſſir die Abſetzung des Fuͤrſten be⸗ fchloſſen und die Einwilligung vom Kaiſer erhalten, ſo erfaͤhrt dieß vorerſt Niemand als der Nachfolger, welcher im Geheimen nach Konſtautinopel geru⸗ fen wird. Ein Kapudſchi Baſchi uͤberraſcht zu Jaſſy den vor Mittags verſammelten Divan mit den zwei kaiſerlichen Befehlen zur Abſetzung des alten und zur Einſetzung des neuen Fuͤrſten, deſſen Bevollmaͤchtig⸗ ter bereits in ſeinem Gefolge iſt. Nach 3 Tagen muß der Abgeſetzte feierlich abziehen, und ſich mit dem Kapudſchi Baſchi nach Konſtantinopel begeben, wo er nach ſeinen Umſtaͤnden eutweder bei einem hoͤ⸗ heren Staatsdiener, oder in den 7 Thuͤrmen verwahrt wird. Nur durch große Summen Geldes kann er ſeine Freiheit wieder erkaufen. Dann kann er ſich ſein Haus ſo vornehm, als er will, einrichten, und mit den Geſandten Umgang pflegen, mit beliebiger Pracht reiten, ſich und die unbedingte Zahl der Be⸗ dienten kleiden. Er iſt von allen Abgaben frei, und 164 kann fuͤr ſeinen Hof oͤffentlich Wein einlegen, nur darf er keinen verkaufen. Da der Weſfir ſelbſt keine bleibende Stelle hat, ſo wird der abgeſetzte Fuͤrſt oft bald wieder eingeſetzt. Vl. Die Großen des Fuͤrſtenthumes werden nach dem Muſter der europaͤiſchen Staaten Barone ge⸗ nannt und in geheime Raͤthe des Fuͤrſten und Beiſitzer des Divans abgetheilt. Erſtere 8 ſind: der Großkanzler, die beiden Gouverneurs der obern und niedern Mol⸗ dau, der Hetman oder General der ganzen Armee, der Oberhofmarſchall, der Großſchwert⸗Traͤger, der Obermundſchenk, der Großſchatzmeiſter. Nach dieſen 3 Naͤthen folgen die Barone oder Beiſitzer des Divan erſter Klaſſe, naͤmlich der Oberkuͤchenmeiſter, Ober⸗ ſtallmeiſter, Groß⸗Medelnitſchiar, Oberhofmeiſter, Ge⸗ neral⸗Lieutenant, die Groß⸗Aufſeher uͤber die Flei⸗ ſcher, uͤber das Getreid, uͤber die Baͤcker, der Groß⸗ Schetrar, Groß⸗Armaß, Großkanzler, Ober⸗Chuͤrhuͤ⸗ ter, Aga, Hofmarſchall, dritte Kanzler, oder fuͤrſtli⸗ cher Sekretaͤr, Kapitaͤn der Darabaner und der Vor⸗ ſteher des Zollweſens. Zur zweiten Klaſſe derſelben gehoͤren der Schwert⸗Traͤger, Mundſchenk, Schatz⸗ meiſter, Kuͤchenmeiſter, Stallmeiſter, Medelnitſchiar, Hofmeiſter, die Aufſeher uͤber die Fleiſcher, das Ge⸗ treide und die Baͤcker, der Schetrar, Armaß und Chuͤrhuͤter. In der dritten Klaſſe befinden ſich mehre gleichartige, untergeordnete Bedienſtigte. Nach dieſen 165 kommen erſt die Kaͤmmerer und andere hohe Diener naͤchſt dem Fuͤrſten und der Fuͤrſtin. VII. Vor der tuͤrkiſchen Herrſchaft ſtanden den Fuͤr⸗ ſten 10— 100,000 Mann zu Befehl; ſeit dieſer aber jaͤhr⸗ lich weniger, und zuletzt kaum 6— 8000. Die Solda⸗ ten dienen theils um Sold, theils leiſten ſie fuͤr die Befreiung von Abgaben uoͤthigen Falles Kriegsdienſte, und ſtehen unter dem Baſchbuluckbaſchi. Die Fuͤrſten ſind ſo klug, weniger Soldaten zu halten, damit ſie den Aufwand fuͤr ſich erſparen. VIII. So oft der Fuͤrſt außer der Stadt eine Kirche oder Kloſter beſucht, oder in den Krieg zieht, ſo geſchieht es mit groͤßter Pracht, in Begleitung aller hoͤheren und niederen Staatsdiener und vieler Solda⸗ ten. Ganz außerordentlich iſt der Zeremoniendienſt des Metropoliten bei den Kirchen⸗Beſuchen. IX. Der ehemals unmaͤßige Gebrauch der Jagd wurde von weiſeren Fuͤrſten auf die wenigen Tage beſchraͤnkt, welche vor den 4 Faſten der orientaliſchen Kirche ſind; an dieſen Tagen aber muͤſſen Soldaten, Barone, Edelleute, Kaufleute, und viele 1000 Bauern zum Jagd⸗Vergnuͤgen des Fuͤrſten mitwirken. X. Zum Ausdrucke der groͤßten Verehrung wird jeder Fuͤrſt gleich nach ſeinem Tode einbalſamirt, und das feierlichſte Begraͤbniß findet dann erſt Statt; wenn alle Barone, Edelleute, Biſchoͤfe, Archimandriten, Aebte, geachtete Moͤnche und vornehmſte Weltprieſter zu Jaſſy ſich verſammelt haben. Sie erzeigen dem 166 todten Koͤrper in der Kirche die naͤmliche Ehre, wie dem lebenden. XI. Urſpruͤnglich galt nur des Fuͤrſten Wille, ver⸗ eint mit dem Natur⸗Rechte; unter dem Kaiſer U⸗ pius Trajan wurden die roͤmiſchen Geſetze den uͤberwundenen Daciern vorgeſchrieben. Der Fuͤrſt Alexander der Gute, der erſte tuͤrkiſche Deſpot hat die griechiſchen Geſetze aus den Buͤchern Tid» Gacnhalöy eingefuͤhrt, und das Geſetzbuch der Mol⸗ dau gegeben, zu welchem das Gewohnheits⸗Recht ge⸗ eihet wurde. Da letzteres durch beſtochene Richter verdreht wurde, ſo hat der Fuͤrſt Baſilius der Albanier vor 200 Jahren. das geſchriebene und un⸗ geſchriebene Geſetz vereinigt. XII. Außer den großen Feſttagen der Kirche haͤlt der Fuͤrſt jede Woche 3—4 Mal oͤffentliches Gericht in dem großen Ausienz⸗Saale der Reſidenz, welcher Divan genan und woher ſpaͤter die das Gericht bildenden Raͤthe und Beiſitzer ſelbſt als der Divan be⸗ zeichnet wurden. Wenn der Metropolit die geſetzliche Strafe vorgeleſen hat, ſo bittet er zngteih wie alle Barone, um die Gnade des Fuͤrſten. enn jeder Dieb muͤßte gehangen, jeder Vni hen Fernen ver⸗ brannt, jeder Edeimann, welcher einen Todſchlag be⸗ geht, enthauptet, jeder Bauer aber geſpießt und ſo qualvoher getoͤdtet werden. Iſt der Fuͤrſt verhindert, dem Divan beizuwohnen, ſo wird der ſchriftliche 167 Beſchluß deſſelben ihm zugeſendet. Die beiden Gou⸗ verneurs ſind die Unter⸗Richter aus Jaſſy; nebſtdem darf jeder Baron die ihm vorkommende Streitigkeit urſthetden⸗ wenn beide Parteien zugleich es wuͤn⸗ ſchen. Auch finden ſich in deu einzelnen Staͤdten noch beſondere Richter. Iſt eine Partei mit dem Aus⸗ ſpruche dieſer Richter unzufrieden, ſo kann ſie an den Fuͤrſten berufen. XIII. Seitdem die Barone, deren Vermoͤgen durch Geſchenke des Fuͤrſten begruͤndet wurde, ſich ſo ſehr vermehrten, haben die Fuͤrſten die Einnahmen und Ausgaben vertheilt. Zur Beſtreitung ihres Hofes be⸗ hielten ſie alle Staͤdte und Flecken in der Moldau, nebſt 12 in der umgebung von Jaſſy gelegenen Doͤr⸗ fern, dann das Salz, die Zoͤlle, den Zehnten von Scha⸗ fen, Schweinen und Bienenſtoͤcken der Bauern und unteren Edelleute. Alles Uebrige haben ſie fuͤr die Beduͤrfniſſe des Staats und der Barone beſtimmt. Die Zoͤlle werfen jaͤhrlich ab 30,000, das Salz 10,000, die Staͤdte und Flecken 15,000, die Schafe 10.00— im erſten Regierungs⸗Jayre wegen der Beiträge der Barone 20,000, die Schweine und Bienen 25,000, die unteren Edelleute 15,000, alles zuſammen mehr als 100,000 Thaler zu 1 fl. 30 kr. XIV. Der tuͤrkiſche Hof erhielt anfangs 6 bis 10,000, dann 20,000, endlich 65,000 Thaler als Tri⸗ but, welchen ein geheimer Schatz⸗Aufſeher aus Kon⸗ ſtantinopel jaͤhrlich abholte, wofuͤr er 1500 Thaler 26ſtes B. Siebenbüurgen ꝛc. I. 2. 4 168 nebſt einem Zobelpelze erhielt. Nebſtdem muß die Moldau dem Kaiſer noch viele Pferde und Falken, an Oſtern 12,500 Th. nebſt einem Zobel⸗ und Luchspelze; der Mutter des Kaiſers 5000 Th. nebſt einem Luchspelze; fuͤr Wachs zu den Lichtern im kaiſerlichen Palaſt 6000; fuͤr Unſchlitt zur Beſchmierung der Kriegsſchiffe 12,000 Thaler; dem Oberſten der Verſchnittenen 2500 Loͤwenthaler nebſt einem Zobelpelze; dem Weſſir 5000, dem Kiehaja 2500; dem Tefterdar 1090, dem Reis⸗ Effendi soo Thaler zahlen und einen guten Zobel⸗ pelz beifuͤgen. Die uͤbrigen Geſchenke an Tuͤchern, ſeidenen Stoffen, geringeren Zobelpelzen und Geld fuͤr Bediente des Kaiſers und Veziers betrugen nis weniger als 40,000 Thaler; wie bei der Ernennung eynes neuen Fuͤrſten. In dieſem Falle bekommt der KJiſer noch beſonders 25,000, deſſen Mutter 5000, der Wſſir 15,000, der Kiehaja 7500, der Tefterdar 1000, der Reis⸗Effendi 500 Thaler, und der Iſkiemne Agaſt, welcher den Fuͤrſten auf den Thron fuͤhrt, 10,000 Löͤwenthaler. Die Beſtaͤtigungen des Fuͤrſten betragen immer auch noch 25— 50,000 Thaler. XV. Durch die Einfaͤlle der Tartaren ſind viele edle Polen zur Niederlaſſung in der Moldau veran⸗ laßt worden. Dieſe haben den von ihnen erbauten Doͤrfern ihre Familien⸗Namen beigelegt. Nach der Eroberung Konſtantinopels durch die Tuͤrken ſind viele adelige Griechen, Servier und Bulgarier in die Moldau gefluͤchtet. Auch ſind viele Sklaven 169 von den auslaͤndiſchen Fuͤrſten zu Edelleuten der drei Klaſſen erhoben worden, wie vornehme Familien Po⸗ lens und der Tartarei, welche waͤhrend ihrer inneren Unruhen in die Moldau zogen, als ſolche daſelbſt auf⸗ genommen worden. Auch hier nahm, wie in Teutſch⸗ land, der Stolz mit der Verarmung der Edelleute zu, und viele ſuchen eher durch geheime Verbindungen zu Aemtern ſich zu erheben, als durch reelle Brauchbar⸗ keit und Verdienſte. XVI. Die eingewanderten Griechen, Albanier, Servier und Bulgaren beſchaͤftigen ſich theils mit dem Handel, theils dienen ſie dem Fuͤrſten um Sold. Die wenigeren Teutſchen, Polen und Koſaken ſind ent⸗ weder Soldaten, oder dienen am Hofe. Die Arme⸗ nier werden als Unterthanen betrachtet, wie die Buͤr⸗ ger und Kaufleute in anderen Staͤdten der Moldau, bezahlen gleichen Tribut, haben kleinere Kirchen als die Katholiken, und erfreuen ſich der freien Ausuͤbung ihres Glaubens. Die Juden genießen die Rechte der Unterthanen gegen hoͤheren Tribut, und treiben Han⸗ del oder Gaſtwirthſchaft; duͤrfen jedoch nur holzerne Synagogen bauen. Die Ruſſen und Ungarn wurden immer als leibeigene Bauern behandelt. Die Zigen⸗ ter ſind uͤberall zerſtreut, haben eine mit griechiſchen und perſiſchen Woͤrtern vermiſchte Sprache, treiben Erz⸗ und Eiſen⸗Arbeiten, und rechnen den Muͤſſig⸗ gang und Diebſtahl zu ihren hoͤchſten Tugenden. Zu Jaſſy befinden ſich auch viele Tuͤrken wegen des 170 Handels, ſie duͤrfen ſich aber nirgends ein Haus oder eine Moſchee errichten, noch oͤffen itlichen Gottesdienſt ausuͤben. Die wahren Moldauer ſind entweder Buͤrger in den Staͤdten und Flecken, oder Bauern auf den Doͤr⸗ fern. In den Flecken ſind nur Handwerker, keine an⸗ dern Handelsleute als mit Fruͤchten, welche ſie auf ihren Guͤtern gebaut haben. Daher haben tuͤrkiſche, juͤdiſche, armeniſche und griechiſche Kaufleute allen Handel mit den traͤgen Moldauern an ſich gezogen; ſie fuͤhren ganze Herden großes und kleines Vieh um geringen Preis aus der Moldau, und verkaufen ſie zu Konſtantinopel und in anderen Staͤdten um doppelten oder dreifachen Preis. Da der vermoͤgendſte Theil der Kaufleute weder Haͤuſer, noch Grundſtuͤcke erwerben darf, ſo wird das meiſte Geld aus dem Lande ge⸗ ſchleppt; das wenige zuruͤck kehrende iſt kaum fuͤr die Abgaben an die Tuͤrken hinreichend. Wahre moldaui⸗ ſche Bauern gibt es nicht, ſondern alle ſind ruffiſchen, ſiebenbuͤrgiſchen oder ungariſchen Urſorunges, und ha⸗ ben noch ihre Landesſprache. Alle ſind traͤge von er⸗ ſter Jugend; ſie pfluͤgen und ſehen wenig und ernten doch viel; ſie ſorgen nur nothduͤrftig fuͤr den Brodbe⸗ darf auf ein Jahr; mißlingt die naͤchſte Ernte, oder tritt Krieg ein, ſo kommen ſie in Gefahr zu verhun⸗ gern. Mit einer oder zwei Kuͤhen glaubt er ſeine Fa⸗ milie ernaͤhren zu koͤnnen: denn die meiſten geben IMglich 20, 30, 40 Maß Milch. Hat er 20 Bienen⸗ —— 171 ſtoͤcke, ſo kann er aus deren Ertrage die Abgabe fuͤr das ganze Jahr beſtreiten. Denn bei guter Witterung ſtoͤßt jaͤhrlich jeder 7 andere aus, und jeder ausge⸗ ſchnittene reicht 2, 3, 4 Maß Honig zu 1fl. 30 kr. Die Bewohner der Gebirge haben Schafe, Honig und Baumfruͤchte im Ueberfluſſe; auf den Ebenen gibt es Korn, Ochſen und Pferde. Jene an der Graͤnze der Tartarei werden am meiſten beſtohlen, oft gefangen, und als angebliche Ruſſen zu Konſtantinopel ver⸗ kauft, wenn ſie daſelbſt nicht durch die fürſtlichen Re⸗ ſidenten wieder gefunden, und ihrer Freiheit zuruͤck gegeben werden.. XVII. Der Moldauer iſt uͤbermuͤthig und ſtolz. Hat er ein edles Pferd und gute Waffen, ſo duͤnkt er ſich hoͤher als alle Menſchen. Er iſt ſehr verwegen, frech und ſtreitſuͤchtig; doch verſoͤhnt er ſich leicht mit ſeinem Gegner wieder. Den Zweikampf kennt er noch nicht; in Wortſtreiten ereifern fich die Bauern nur bis zum Pruͤgeln; ſelbſt die Soldaten greifen nicht leicht zum Degen, weil dieſes hart geſtraft wird. Sie ſind ſcherzhaft, luſtig, offen, nicht ausharrend in der Freundſchaft, trinken gerne, beſonders an Feiertagen und waͤhrend des Winters bei ſchlechtem Wetter. Die Soldaten lieben den Branntwein, die untern Mol⸗ dauer den Wein. Sie ſind gute Bogen⸗Schuͤtzen und verſtehen die Behandlung des Spießes, noch mehr des Schwertes. Der Flinte bedienen ſich nur die Jaͤger; ſie halten fuͤr ſchimpflich, ihren Gegner durch Waffen 172 zu beſiegen, bei welchen Tapferkeit oder kriegeriſche Kunſt nicht entſcheiden. Auf der Flucht ſind ſie ſehr eilfertig;z einen Tuͤrken oder Tartaren umzubringen, ſcheint ihnen chriſtliche Pflicht, und ſie halten den, welcher ſie ſchont, fuͤr einen abtruͤnnigen Glaubensge⸗ noſſen. Den Kuͤnſten und Wiſſenſchaften ſind ſie ganz abgeneigt; Gelehrte halten ſie fuͤr naͤrriſche Menſchen; ſie begnuͤgen ſich als Laien mit etwas Leſen und Schrei⸗ ben, und rechnen das Studiren den Prieſtern zu. Die gemeinen Frauenzimmer ſind ſchoͤner, als die adeli⸗ gen. Ledige rechnen die Bedeckung— Verheirathete die Entbloͤſung des Kopfhaares zur Schande. Sie glauben an einen durch Gott beſtimmten Sterbetag, und gehen deßwegen mit Raſerei in das Feld. In die Tartarei einzufallen und zu pluͤndern, halten ſie nur fuͤr Vergeltung, indem die Tartaren nichts beſaͤßen, was ſie nicht den Moldauern geſtohlen oder geraubt haͤtten. Der Ehebruch iſt eine ſeltene Erſcheinung; obſchon junge Leute von fruͤher Jugend bis zur Ver⸗ ehelichung in vertrauten Liebes⸗Verhaͤltniſſen leben duͤrfen. Jedem Fremden und Reiſenden begegnen ſie mit der groͤßten Zuvorkommenheit, beherbergen und naͤhren ihn 3 Tage ganz umſonſt. Die oberen Mol⸗ dauer ſind weniger in Waffen und Kriegen geuͤbt, in der Religion aberglaͤubiſch, haben mehr als 200 von Steinen erbaute und große Kirchen mit vielen Kloͤ⸗ ſtern, ihre Berge ſind von Einſtedlern belebt, ſie ſind dem Diebſtahle ſehr abhold, vor dem Eheſtande ſehr —— 173 keuſch, in haͤuslichen Geſchaͤften ſehr ordentlich, der Obrigkeit ſehr gehorſam, zu Staatsgeſchaͤften aber weniger brauchbar. Ihre Taͤnze ſind verſchieden von jenen der Polen und Franzoſen, und finden nur an Hochzeiten Statt. Zwiſchen Himmelfahrt und Pfing⸗ ſten widmen ſie ſich nur dem Tanze und der Maſke⸗ rade; waͤhrend dieſer Zeit ſchlafen ſie nur unter dem Kirchendache, damit ſie gegen Hexen geſchuͤtzt ſind. XVIII. Gefaͤllt einem Juͤngling ein Maͤdchen, ſo ſchickt er an deſſen Aeltern einige Freier, welche bei guͤnſtiger Aufnahme dann mit allen Verwandten des Braͤutigams wieder kommen, ſich die Tochter nach mehren Zeremonien vorfuͤhren laſſen, mit den Aeltern ſchmauſen und den Hochzeittag beſtimmen. Nach vie⸗ len andern Zeremonien vollendet der Prieſter ſeine be⸗ reits geſchehene Einſegnung dreimal durch Darrei⸗ chung einiges Brodes, welches er mit Honig beſchmiert hat, zum Zeichen der Liebe und ewigen Gemeinſchaft. Hat der Braͤutigam die Braut gemeinen Standes ſchon entjungfert gefunden, ſo muͤſſen die Aeltern (ſtatt der Pferde) ſie auf einem Wagen zuruͤck fuͤh⸗ ren; vornehme Aeltern erſetzen dieſen Mangel durch eine groͤßere Mitgabe. XIX. Alle Todte werden mit warmem Waſſer ab⸗ gewaſchen, in ihre beſten Kleider geſteckt und zur Schau ausgeſtellt, ehe ſie am dritten Tage begraben werden. Die Trauer der Bauern dauert s Monate, waͤhrend welcher die Soͤhne ihre Koͤpfe ſelbſt zur Win⸗ 174 terszeit nicht bedecken, und die Haare ihres Kopfes und Bartes fortwachſen laſſen muͤſſen; die Vorneh⸗ men beobachten ein Gleiches 40 Tage. Drittes Hauptſtück. I. Wahrſcheinlich erhielt die Moldau die chriſt⸗ liche Religion unter Konſtantin dem Großen. Denn unter deſſen Sohne Konſtantin erſchienen ſchon zwei Biſchoͤfe von Dazien auf der Synode zu Sardes. Jetzt bekennt ſich die ganze Nation ſtreng zur chriſtlich⸗orientaliſchen Kirche; indem ſie das ein⸗ fache Evangelium und die Lehre der Kirchenvaͤter zum ewigen Heile hinreichend gefunden, ſich an keine be⸗ ſondere Schule angeſchloſſen, und jede Ketzerei ver⸗ mieden hat. Am meiſten verabſcheuen ſie die Reli⸗ gion der Katholiken, obſchon dieſe aus Ungarn Einge⸗ wanderten einen Biſchof zu Bakow haben. Das ni⸗ zaͤiſche Glaubens⸗Bekenntniß wird ohne den paͤpſtli⸗ chen Zuſatz„vom Sohne“ beibehalten, und vom h. Geiſte glauben ſie nicht mehr, als der Evangeliſt Johannes geſagt hat. Sie haben 7 Sgeramente, halten das Abendmahl nach der Vorſchrift der Vaͤter Baſilius und Johannes Chryſoſtomus, und genießen geſaͤuertes Brod mit Wein. Die Bibel leſen 175 ſie nach der Ueberſetzung der der 10 Dolmetſcher, die Vulgata verwerfen ſie. Il. Die aͤußere Sorge fuͤr die Kirche ſteht dem Fuͤrſten, die innere dem Metropoliten zu, an deſſen Seite leider! ungelehrte Erz⸗ und Biſchoͤfe gewoͤhn⸗ lich waren, welche zu Roman, Radauzii und Huſchii wohnen. Er ſelbſt wird vom Fuͤrſten und Patriarchen zu Kon ſtantinopel beſtaͤtigt, iſt aber keinem Patriarchen unterthaͤnig. Eben ſo haben die Biſchoͤfe uͤber alle einfache Prieſter ihrer Sprengel unbeſchraͤnkte Gewalt; nur die Aebte und Archiman⸗ driten ſtehen unter dem Fuͤrſten. Uebrigens ruͤgt der Prieſter den Diakon, der Protopope den Prieſter, der Abt den Moͤnch, der Metropolit den Biſchof, der Fuͤrſt den Metropoliten und der Sultan im Namen Gottes auch den Fuͤrſten. III. Alle Kloͤſter befolgen ſtreng die Regel des h. Baſilius, eſſen folglich niemals Fleiſch. Kleine Kloͤſter, welche auch Hoſpitien haben, ſind vielleicht 200 unter der Leitung der Aebte; 4 große ſtehen unter Archimandriten. Einige ſind dem h. Berge Athos in Mazedonien, andere dem Berge Sinai, oder der Stadt Jeruſalem geweihet; was ſie jaͤhrlich eruͤbrigen, muͤſſen ſie an die groͤßeren Kloͤſter liefern. In den freien aber muͤffen die Bruͤder ſelbſt ackern, pfluͤgen, ernten, in muͤſſigen Stunden die ihnen vom Abte vorgeſchriebenen Handarbeiten verrichten, und die jaͤhrlichen Fruͤchte in das Kloſter bringen. Die 176 Gaſtfreiheit der Kloͤſter erſtreckt ſich auf alle Menſchen ohne Ruͤckſicht der Religion, nicht bloß Tage, ſon⸗ dern ein ganzes Jahr lang. IV. Die moldauiſche Sprache gruͤndet ſich auf die lateiniſche, und die Italier wollen ſich nur mit groͤßtem Unrechte dieſe Ehre anmaſſen. Die Vermi⸗ ſchung derſelben, welche aus dem Umgange mit allſei⸗ tigen Nachbaren entſtanden iſt, war faſt unſchaͤdlich: denn alle fremdartizen Nenn⸗ und Zeitwoͤrter haben die moldauiſche Endung erhalten. V. Die Zahl der Buchſtaben belauft ſich auf 47 nebſt einigen proſodiſchen und orthographiſchen Zei⸗ chen; die großen haben die naͤmliche Form, wie jene der Griechen und Slavonier. Seit der tuͤrkiſchen Herrſchaft iſt zu Jaſſy eine griechiſche Schule fuͤr die gebildete Jugend, und allen Kloͤſtern wurde die Aufnahme junger Edelleute zur Bildung in den Wiſ⸗ ſenſchaften befohlen. In der Hanptkirche beſteht auch ein Chor griechiſcher Saͤnger, und die Liturgie iſt theils griechiſch, theils ſlavoniſch. Der Fuͤrſt Baſilius der Albaner, welcher dieſe guten Einrichtungen machte, hat auch eine griechiſche und moldauiſche Druckerei angeſchafft, und ließ kirchliche Buͤcher und Geſetze drucken, welches einige Jahrzehnte ſpaͤter auch vom Fuͤrſten Serban Cantacuzen in der Walla⸗ chei nachgeahmt wurde. Erſt am Ende des XVII. Jahr⸗ hunderts fing der moldauiſche Geſchichtſchreiber Mixon an, Geſchmack fuͤr die lateiniſche Sprache ſo⸗ 177 wohl, als fuͤr mehre in dieſer behandelte Wiſſenſchaf⸗ ten zu verbreiten. Er ſchickte ſeine Soͤhne nach Polen zur Ausbildung. Der ſpaͤtere Duca hat den gelehr⸗ ten Johann Papia, welcher ſpaͤter zu Moſkau, Comnenus genannt, Metrspolit von Driſtra geworden iſt, und den Moͤnch Cygal zum Unterrichte ſeiner Soͤhne gerufen. Der Vater Konſtantin Kantemir ließ den gelehrten Jeremias Caca⸗ vela aus Candia zur Unterweiſung ſeiner Kinder ſowohl, als jener anderer Edelleute kommen. Seit dieſer Zeit erſt iſt der Geſchmack an griechiſcher, la⸗ teiniſcher und italiſcher Literatur allgemeiner ge⸗ worden. VII. Nikolaus Ernſt Kleemann's Reiſen von Wien über Belgrad bis Kilianova, durch die Butſchiack⸗Tartarei über Kavſchan, Bender, durch die Nogew⸗Tartarei in die Krimm, dann von Kaffa nach Konſtantinopel, nach Smyrna, und durch den Archipel nach Trieſt und Wien in den Jahren 1768— 70.*) Mit⸗ getheilt von Michael Fiedler. 4) Den 8. Oktober 1768 fuhr Kleemann in Geſellſchaft eines Armeniers aus der Krimm mit *) Dieſe Reiſen erſchienen⸗ mit einem Anhange von den gbeſondern Merkwuͤrdigkeiten der krim⸗ miſchen Tartarei, in 42 Briefen an einen Freund zu Wien, bei Ghelen 1771. 8. Verm. mit Kupf. zu Leipzig. 1773. 8. Dritte Aufl. Prag 1783. 8. Der Verfaſſer war geboren zu Aitdorf, 9. Febr. 179 Kaufmanns⸗Waaren von Wien auf der Donau ab, erreichte in Baͤlde Presburg, und uͤbernachtete auf der Inſel Schuͤtt. Am andern Tage bot ſich ihrem Anblicke die durch ein Erdbeben verwuͤſtete Stadt Ko⸗ morn dar; endlich Gran, und auf der Fahrt nach Waizen das alte, zernoͤrte Schloß Vicegrod. Dies liegt auf einem hohen und ſteilen Berge, und wurde in dem Kurutzen⸗Kriege ſehr bekannt. Die biſchoͤlliche Stadt Waizen erfuhr im Kriege mit den Tuͤrken ein trauriges Schickſal. Unſern Reiſenden fiel hier beſonders die ſchlechte und ſchmutzige Be⸗ handlung ſeines Wirthes auf. 3 2) Hierauf kam er nach Ofen; es war vormals die groͤßte und ſchoͤnſte aller ungariſchen Staͤdte, ver⸗ lor aber durch Verwuͤſtungen, Belagerungen und Er⸗ oberungen ihre Pracht und Schoͤnheit; dann nach 1136. Sein Vater legte als Pfarrer, und ſein Bruder als Rektor der Stadtichule, den Grund zu ſeinem theologiſchen Lehrkurs. Dieſen ver⸗ Ueß er vor der Voltendung, begab ſich nach Wien, wurde Schreiber der beiden Reichs⸗ Agenten v. Fiſcher und v. Fabricez dann widmete er ſich der Handelſchaft, und machte in Dienſten ſeines Patrons, des Grafen Ruͤ⸗ diger v. Starenberg, obige Reiſe, um ei⸗ nen Probe⸗Handel zu machen. Im Mai 17170 kehrte er nach Wien zuruͤck, wurde katholiſch, und endlich Mampulant bei dem k. k. Tabaks⸗ Gefaͤlle zu Prag. 1(Nopitſch.) 2 180 Mochaz und Peterwardein, wo er die Feſtungs⸗ werke beſah. Der griechiſche Konſul in Belgrad ſchickte zwei Mal ſeinen Schreiber zu Kleemann nach Semlin, und beſuchte zuletzt ihn ſelbſt. Bei der Ueberfahrt nach Belgrad wurden von tuͤrkiſchen Schiffleuten, welche aus Belgrad kamen, wegen der Abfuͤhrung unſeres Schiffes große Forderungen gemacht. 3) Zur groͤßern Sicherheit, und um von dieſen unangenehmen Gaͤſten nicht noch mehr beunruhigt zu werden, ließ ich an einer Inſel landen, welche Bel⸗ grad gegenuͤber liegt, und fuhr mit meinem Hadgi, dem Dolmetſcher und Schreiber des Kontuls uͤber den Strom. Zu Belgrad wurden wir von dem Konſul herrlich empfangen. 4) Die Gegenden und Berge unterhalb Belgrad an der Donau, das immer daran ſtoßende Gebirge Athos, hatten eine ſehr ſchoͤne und reitzende Lage. Wir mußten uͤber 6 Waſſerfaͤlle, welche die Duͤrken Dalila, die auf beiden Seiten liegenden hohen fel⸗ ſigen Gebirge Warma nennen. Am Ende des Ge⸗ birges theilt ſich die Donau in 2 Arme, und bildet 2 Jnſeln. Wir landeten an der obern Inſel bei dem großen tuͤrkiſchen Dorfe Burotſcha, welches Tuͤr⸗ ken, Juden und Wallachen bewohnen. Wegen Wind⸗ ſtille blieben wir hier 3 Tage liegen, und verließen den 2. November dieſe Inſel. Nicht weit von der⸗ ſelben fließt ein Donau⸗Arm durch ein ſteiles Felſen⸗ 181 gebirg ganz ſtille, und iſt ſehr tief. Dieſen Weg nen⸗ nen die Tuͤrken und Wallachen In nik. Nicht weit von dem ziemlich großen, von Tuͤrken und Wallachen bewohnten Orte Orſava, zwiſchen dem kaiſerlichen und tuͤrkiſchen Gebiete, ſind zwei Haͤufer, jedes auf einem hohen Berge, das Zeichen der Graͤnze. 5) Zwei Stunden von HOrſava liegt das ſoge⸗ nannte eiſerne Thor, und in einer Entfernung einer halben Stunde auf einer Inſel die große Fe⸗ ſtung der Tuͤrken, Große Kitab, und gegenuͤber am ufer ein Kaſtell, von welchen beiden man das Donauufer beſtreichen kann. Nicht weit davon hoͤrt man ſchon das ſtarke Ge⸗ raͤuſche und Getoͤſe, welches bei dem eiſernen Thore die Donau verurſacht. Noch lange vorher, ehe man die Steintruͤmmer ſah, wurde das Geraͤuſche ſo hef⸗ tig, daß das Rufen der Schiffleute nicht mehr gehoͤrt wurde. Durch fuͤrchterliche Steintruͤmmer und enge Gaͤnge waͤlzt ſich die zertheilte Fluth. Faſt eine Vier⸗ telſtunde mußten wir durch Strudel fahren. Nicht weit von dieſem gefaͤhrlichen Orte hielten wir bei ei⸗ nem Dorfe an, um auszuruhen. Meine Neugierde trieb mich an, das Ufer hinauf zu gehen, um einige Ruinen der von dem Kaiſer Trajan erbauten, und von ſeinem Nachfolger H a⸗ drian ierſtoͤrten Bruͤcke zu ſehen. Dieſer Truͤmmer wegen iſt in dieſer Gegend der Strom ſo ſchwer zu beſchiffen; ich fand aber nichts, als von dem Waſſer ausgeſpuͤhlte grofe Stuͤcke, welche mehr Felien, als Mauern aͤhulich waren. An dem Ufer ſah ich ein gro⸗ ßes Stuͤck liegen; es war aus Back- und Kieſelſteinen zuſammen geſetzt, der Moͤrtel ſo feſt, als die Steine ſelbſt. Die Tuͤrken nennen dieſe zwiſchen den Ber⸗ gen gelegene Wege Sylo palankaſoͤ, d. i. die Obere, und Tekoͤ palankaſo, die Untere, und glauben, daß ſie ihren Urſprung von zerſtoͤrten Schloͤſ⸗ ſern haben. 6) Nachdem das Schiff, welches auf einer Sand⸗ bank feſt geſeſſen war, wieder losgemacht war, ſo landeten wir den 6. bei der ziemlich großen und wohl⸗ befeſtigten Stadt Widdin in Bulgarien. In der großen, und in einer ſchoͤnen Gegend gelegenen Stadt Schiſta verſahen wir uns mit Lebensmitteln. 1) Die ziemlich große und nahrhafte Stadt Orot⸗ ſchuk mit einem Kaſtelle, gewaͤhrt in der Ferne, weil ſie auf Anhoͤhen erbaut iſt, einen herrlichen An⸗ blick. Man fidet hier viele Zeug⸗, Tuch⸗ und andere Fabriken. Die Einwohner ſind groͤßtentheils Arme⸗ nier, Griechen, Juden und Tuͤrken; letztere machen ungefaͤhr den dritten Theil der Einwohner aus. Todt⸗ ſchlaͤge und Diebercien waren hier ſehr haͤufig, und um 4 Uhr Abends getraute Niemand mehr auf die Straße zu gehen. 8) Von Oroſtchuk reiſte ich ab, und miethete mir eine⸗Barke; die Muſelmaͤnner behaupteten hier vollkommen ihren Charakter. Sie fanden ſich ordent⸗ 183 lich ein, wenn wir aſſen und Kaffee hatten; ſie wa⸗ ren beſonders zaͤrtliche Freunde vom Weine, welchen ſie uns getreulich austrinken halfen. Wenn ſie ſahen, daß nichts mehr da war, ſo ließen ſie uns wieder allein. Die nicht große Stadt Siliſtria liegt an dem rechten Ufer der Donau. Die Einwohner, groͤßten⸗ theils Tuͤrken, ſind wegen ihrer Raͤubereien und Grauſamkeiten beruͤchtigt. Unſer Reis landete an dem jenſeitigen ufer. Wir kamen dann zur mittel⸗ maͤßigen Stadt Hoͤrſova an der rechten Seite der Donau, und mußten einen ganzen Tag und die halbe Nacht in einem ſchmalen Donau⸗Arme, welcher viele Kruͤmmungen macht, fahren. 9) Ibrael in der Wallachei und Galaz in der Moldau haben eine reitzende Ausſicht. Galaz hat viele chriſtliche Kirchen. Sachſcha, eine Stadt von unbedeutender Groͤße, hat eine alte Feſtung. Endlich langten wir gluͤcklich in Jsmael au. In dieſer großen Stadt wird viel Handel mit tuͤrkiſchen Waaren getrieben. Obwohl Jsmagel und und Kili nur 8—9 Stunden von einander entfernt ſind, ſo brachten wir doch zwei Tage wegen eines ſtarken Sturmwindes auf dieſer Fahrt zu. Ich hatte das Ungluͤck an dem Schiffskranze mit neuen Panu⸗ toffeln auszuglitſchen, und in die Donau zu ſtuͤrzen. In meiner Jugend hatte ich das Schwimmen erlernt, und erreichte auf dieſe Art den Schiffskrs wieder⸗ 26ſtes B. Siebenbürgen zc. I. 2. 5 184 bis mich endlich zwei Perſonen auf das Schiff zogen. In der Stadt Kili, welche 3 Stunden vom ſchwar⸗ zem Meere liegt, hatten wir unſere Donau⸗Reiſe von 56 Tagen geſund und gluͤcklich vollendet. 11) Nach einer ſchlechten Behundlung in Kili trat ich in armeniſcher Kleidung den 20. Dezember in einem Miethwagen die Reiſe nach Callehan in der Butehiak⸗Tartarei an. In einuem 2 Stun⸗ den entfernten tartariſchen Dorfe erhielten wir bei Vorweiſung eines Scheines eine Poſt. Dergleichen Poſten ſind, wie in Teutſchland zu Kriegszeiten die Ordonnanzen, welche die Buͤrger und Bauern ohne Bezahlung hergeben muͤſſen. Von Dorf zu Dorf gab man uns einen kleinen tartariſchen Wagen, welcher keinen eiſernen Nagel hatte, ſondern aus bloßem Holze beſtand; man ſpannte 2 Pferde vor, ein Tar⸗ tar ritt das dritte, und hielt die beiden andern am Leitſeile. 3 12) In einigen Orten mußten wir uns mit den Tartaren zanken, bis ſie ihre Pferde gaben; in eini⸗ gen Orten bekamen wir gar keine, und mußten mit der alten Poſt weiter; an andern Orten erhielten wir die Pferde gerne. 713) Nach 3 Tagen und eben ſo viel Naͤchten ka⸗ men wir um Mittag in Cauchan an. Dieſe kleine Stadt liegt zwiſchen Huͤgeln, 20 tartariſche Stunden von Kili und 4 von Bender. Hier beſuchte ich 185 den franzoͤſiſchen Konſul, welcher mich ſehr wohl aufnahm. 14) Auf Anrathen des Herrn Blanchet ließ ich einige fuͤr den Chan beſtimmte Geſchenke nach Hof ſchicken. Ich wurde noch an demſelben Abende durch einen Dolmetſcher nach Hof geholt, um die dabei be⸗ findlichen Maſchinen vor dem Chan zu zeigen. Bei der Ankunft des Chan machte ich eine tuͤrkiſche, tiefe Verbeugung, und kuͤßte ihm den Pelz; er aber ließ mir als Zeichen großer Gnade die Hand kuͤßen. Der Chan war von mittelmaͤßiger Laͤnge, ein wenig dick, ſchwarzbraun und ganz regelmaͤßig im Geſichte; ſein etwas grauer Bart zeigte beilaͤufig ein Alter von 50 Jahren an. Als ich beinahe eine Stunde die Maſchi⸗ nen in Gegenwart des Chaus und einiger vornehmen Tuͤrken und Tartaren gezeigt, ſagte er zu mir auf tuͤrkiſch: ei ei peck ei baſerkan,(gut, gut, recht gut, Kaufmann). 15) Auf unſere Bitte, uns einen Firman und Menſil, kraft des erſteren wir bei den Zollſtaͤtten in der Tartarei keinen Para bezahlen duͤrften, erhielten wir eine befriedigende Antwort. In einer zweiten Audienz vor dem Chan machte dieſer bei mir verſchie⸗ dene Beſtellungen an Spiegeln, Wandleuchtern ꝛe. 16) Den 2. Jaͤnner 1769 fuhr ich mit meinem Dolmetſcher auf einem mit Ochſen beſpannten Wa⸗ gen, denn Pferde waren nicht zu bekommen, mit Waaren nach Bender am Dnieſter. Wir verkauf⸗ ten in 2 Tagen alles, und kehrten wieder nach Cau⸗ chau zuruͤck. 17) Des Tartar⸗Chans Wohnung, nur einen Stock hoch, iſt im Vergleiche der niedern, ſchlechten Huͤtten ein Palaſt, und liegt an dem aͤ ßerſten Theile der Stadt Cauchan auf einer Anhoͤhe; ſie iſt von außen blau und weiß angeſtrichen, und von hinten mit einer hohen Mauer umfangen. Der Hof iſt ziem⸗ lich geraͤumig; die Zimmer waren mit Tapeten und Sophen ausgeſchmuͤckt. Die Pferde, Kameele und Wagen ſtanden in den nahe herumliegenden Haͤuſern und Gaͤrten. Die Hof⸗ bedienten, fuͤr Tartaren ſehr manierlich und gefaͤllig, hatten ihre Wohnungen in einigen Haͤufern der Stadt. Wenn ein ſolcher Murſa,(Kavalier, denn es gibt un⸗ ter ihnen auch einen Adel), in der Stadt herumritt oder ging, ſo folgten ihm 3—4 Tartaren, welche ſeinen Bogen, Koͤcher oder Stock trugen. Ihre Klei⸗ dung iſt von feinem Tuche, und ihre mit Pelz gefuͤt⸗ terten langen Oberroͤcke ſind mit breiten ſeidenen Baͤndern gebunden. Sie haben mit den Tuͤrken we⸗ nig Gemeinſchaft. Alle Tage war eine Stunde vor der Nacht an dem Palaſte des Chans eine ſehr dis⸗ harmoniſche Feldmuſik. Den 6. kamen die Weiber und Toͤchter des Chans in ſechs Kutſchen, welche theils mit rothem, theils mit gruͤnem Tuche uͤberzogen waren; die andern Wa⸗ gen waren nur mit Farbe angeſtrichen. Die Gemah⸗ 187 linnen, Toͤchter und Beiſchlaͤferinnen des Chans nebſt. ihren Dienerinnen, 4s an der Zahl, waren alle ver⸗ ſchleiert; meiſtens befand ſich in jedem Wagen ein Verſchnittner. Vor dem Zuge ritt der Oberſte der Verſchnittenen, ein dicker Mohr, nach ihm viele Tar⸗ taren, Paar und Paar mit Lanzen. Die Wagen wa⸗ ren mit s und 8 Pferden beſoannt. Als die Wagen an den Palaſt gekommen waren, wurden hohe Tuͤcher ausgeſpannt, damit die Frauenzimmer nicht geſehen werden konnten.. 18) Zwei Tage vor der Abreiſe des Chan empfing ich den Ferman von ſeinem Sekretaͤr; das Menſil un⸗ terblieb aber wegen Mangels an Pferden. Hierauf kehrte ich wieder nach Bender zuruͤck. Daſelbſt er⸗ hielt ich wegen der Menge der Janitſcharen und Spa⸗ his eine ſchlechte Wohnung; auch getraute ich mir kaum auszugehen. Haͤtte ich Zeit und Gelegenheit gehabt, ſo waͤre ich dieſſeits des Stromes hinauf ge⸗ reiſt, um die nur 2 Stunden von Bender entfernte merkwuͤrdige Gegend zu beſehen, wo der ſonderbare K. Karl XII. mit wenigen Schweden gegen ein Heer von Tuͤrken und Tartaren ſich zu vertheidigen unternahm. Die Citadelle von Bender iſt innerhalb der Stadt mit einer ſtarken, hohen Mauer, und einem tiefen, aber nicht breiften Graben verſehen. Die Thore derſelben haben Zugbruͤcken und Fallgatter. Außerhalb liegt es auf der Anhoͤhe am Dnuieſter⸗ 188 durch welche es von Natur ſtark befeſtigt wird. Es hat nach alter Art doppelte, ſtarke Mauern uͤber ein⸗ ander mit Zwingern, und an den 4 Ecken 4 viereckige Thuͤrme. Uuten, nicht weit vom Fluße, iſt es mit ei⸗ nem Hornwerk von Quaderſteinen verſehen; an dem⸗ ſelben haͤngt eine etwas hoͤhere Baſtion, deren Bruſt⸗ werke von Erde ſind, auf welchen nach Art der tuͤr⸗ kiſchen Feſtungen Schanzkoͤrbe, und zwiſchen dieſen Kanonen ſtehen. Das Hornwerk wird von einigen Ra⸗ velins bedeckt, der Graben iſt ziemlich breit. Auf dem und unterhalb des Glaeis laufen 2 Reihen Palliſaden. Der uͤbrige Theil der Stadt an der Anhoͤhe iſt mit guten Mauern verſehen, an welche Rondele und Ba⸗ ſtionen gebaut ſind, und mit einem Graben umgeben. Der andere Theil der Stadt, in der Ebene, hat Mau⸗ ern, Baſtionen, Navelins und einen breiten Graben; die Thore ſind ſehr diek und mit Fallgattern verſehen. Die Stadt mit den Vorſtaͤdten iſt gegen den Onie⸗ ſter einem halben Monde aͤhnlich. Den 26. Jannar reiſten wir von Bender ab, ſetz⸗ ten gluͤcklich uͤber das Eis des Dnieſter, und uͤber⸗ nachteten nur ½ Stunde von Bender an der Mo⸗ ſchee eines großen Dorfes. 19) Wir gelaungten nun mit unſerer kleinen Kara⸗ vane in die Nogew⸗Tartarei, ein Land, welches lauter Ebenen und Heiden, aber keine Staude, keinen Baum, und ſelten einen kleinen Sandhuͤgel hat. Wir auußten meiſtentheils auf der freien Heide bleiben; wir 189 ſtießen die Wagen zuſammen, und ließen die Pferde weiden. 5 Ich hatte bisher kein Auge geſchloſſen, und genoß den erſten Schlaf in einem tartariſchen Zelte. Dieſe Zelte ſind gut und dauerhaft gebaut, rund, und haben im Durchmeſſer gegen 8 Schuh. Die etwa 4 Schuh hohe Wand beſteht aus kreuz⸗ weis in einander befeſtigten Hoͤlzern, welche einen Zoll breit, eben ſo dick, und zuweilen mit Blut ange⸗ ſtrichen ſind. Auf dieſer Wand ruht die Kuppel, welche gleickfalls mit ſolchen Hoͤlzern befeſtigt iſt. Von Auſ⸗ ſen iſt alles mit Rohrdecken und uͤber dieſen mit einem ſehr braunen Filze bedeckt; durch dieſen kann weder Wind noch Regen dringen. Oben, in der Mitte der Kuppel, iſt ein Loch; durch dieſes geht eine Stange mit einer dick genaͤhten, weißen oder blauen Fahne. In der Mitte des Zeltbodens macht man Feuer, der Rauch zieht ſich durch das Kuppel⸗Loch. Die Thuͤre, gleich⸗ falls eine abgenaͤhte Decke, iſt ſo niedrig und ſchmal, daß man kaum durchkriechen kann. Das Hausgeraͤthe beſteht in einer auf der Erde liegenden Rohrdecke, in 2 mit Haaren gefuͤtterten Polſtern, auf welchen der Tartar ſchlaͤft, in einer kleinen hoͤlzernen Kiſte mit Saͤbel, Flinte, Piſtolen, und in Ermanglung die ſer Stuͤcke in einem Bogen und Koͤcher. Nicht weit von dieſem Zelte befindet ſich jenes ſeiner Frau und Kin⸗ der mit dem Kuͤchen⸗Geraͤthe, welches in einem großen und etwas kleinern eiſernen, nicht verzinnten Keſſel⸗ 190 einem Dreifuße und 2— hoͤlzernen Schuͤſſeln beſteht. Ein ſolches Zelt kann, wie es ſteht, auf Wagen ge⸗ packt und weiter gefuͤhrt werden. An die Zelte ſind Scheunen und Staͤlle fuͤr das Vieh gebaut, deren Waͤnde aus kleinen Steinen, Rohr ꝛc. beſtehen, und mit Miſt ſtatt des Moͤrtels verworfen ſind. Das Dach iſt von Rohr, und auf demſelben liegt Heu oder Miſt. Dieſer ganze tartariſche Bauernhof iſt mit einem Rohrzaune eingeſchloſſen, und von dem benachbarten 50— 60 Schritte entfernt. In der Mitte des Dorfes iſt ein großer runder Platz, und in deſſen Mitte ein Sandhuͤgel, auf welchem die jungen Tartarn ſich uͤben. An einem andern Platze iſt der Schamy oder die Mo⸗ ſchee; dieſe iſt ſehr klein, ohne Thurm, und aus Stein⸗ brocken viereckig gebaut; das Dach iſt allzeit mit hoh⸗ len Ziegeln gedeckt. In allen Doͤrfern ſind die Tchamy von gleicher Groͤße. Wenn man ſich Nachts einem tartariſchen Dorſe naͤhert, ſo glaubt man, es ſtehe in Brand, wegen des Rauches und der Feuerfunken, welche aus den Kami⸗ nen ſteigen. In der ganzen Nogew⸗Tartarei brennt man, ſtatt des Holzes, Torf, Rohr oder Heu. Brod iſt den Tartarn eine ſeltne Speiſe; ſie leben meiſtens von ro⸗ her Hirſe; andere eſſen noch Pferdefleiſch. Wir mußten uͤber 4 Fluͤſſe und etliche Baͤche ſet⸗ zen. Sie ſind aber bis auf den Bogfluß, uͤber wel⸗ 191 chen eine ſteinerne Braͤcke fuͤhrt, ſehr klein, und man muß durch dieſelben reiten und fahren. Denn 31. kamen wir endlich in die Stadt Oeza⸗ kov oder Offy am Ausfluſſe des Dniepers und am ſchwarzen Meere, ſie hat an der Landſeite eine ziemlich ſtarke Citadelle, an der Meeresſeite iſt ein unbebauter Abhang. Am Strande ſtehen wieder Haͤuſer oder vielmehr Huͤtten. Auf beiden Seiten deſ⸗ ſeiben liegen 2 kleine Citadelle, welche den Hafen dek⸗ ken, und die Rhede beſtreichen koͤnnen. Als wir durch den obern Theil der Stadt fuhren, erblickte ich zum erſten Male das ſchwarze Meer; es gewaͤhrt auf allen Seiten eine ſehr ſchoͤne Ausſicht. Dieſe Stadt iſt meiſtens von Tuͤrken, und nur von we⸗ nigen Armeniern bewohnt. 20) Wegen unſerer ſchlechten Wohnung freute ich mich auf die baldige Abreiſe. Ich wanderte getroſt uͤber das Eis des ſchwarzen Meeres mit Erinnerungen an Karl XII., nur daß er uͤber den Sund gefahren, und das Eis hinter ſeinem Wagen gebrochen war, ich aber zu Fuß ging. Nach einer fuͤnfſtuͤndigen beſchwerlichen Reiſe lang⸗ ten wir in Kolbreing an. Unſer Schlitten blieb in einer Windwehe ſtecken, und das Pferd fiel bis an den Kopf in den Schnee. Wir mußten nothwendiger Weie abladen, und unſere Waaren in die fuͤr uns be⸗ ſtimmte Wohnung nicht weit vom Strande tragen. Wegen Mangels an Pferden nahmen wir Ochſen zum 192 Anſpann, kauften friſche Lebensmittel, und reiſten den 5. Februgr, nachdem ſich unſere Karavane mit 5 Wagen vermehrt hatte, von Kolbreing ab. Am andern Tage erreichten wir ein Dorf an der Straſſe, obwohl es nur s Stunden entfernt lag. Den 10. wa⸗ ren wir in Or(Prekop). Dieſe Stadt und Cita⸗ delle iſt der Eingang zur Krimm und heißt deßwe⸗ gen bei den Tuͤrken Orkanſu. Hier iſt die Erdenge dieſer Halbinſel, und von der einen Seite des Mee⸗ res bis zur andern geht eine hohe Linie mit einem tiefen Graben.. Wir kehrten mit der Reiſe⸗Geſellſchaft in einem Han ein, und beſtellten einen Tartarn⸗Karren und 2 Dromedare bis Karaſu, welches 22 Stunden ent⸗ fernt liegt. Wagen dieſer Art findet man uͤberall in der Krimmz; ſie ſind ſehr hoch und auf 2 großen, ſtarken Naͤdern, ruͤckwaͤrts und an beiden Seiten mit Rohr⸗ decken und Filz wohl belegt und geraͤumig; wenn vorn eine Decke gemacht wird, ſo iſt man gegen Kaͤlte und Hitze geſchuͤtzt. In einem ſolchen mit Ka⸗ meelen beſpannten Wagen fuhren wir den 12. Februar von Or ab. Die Karavane trennte ſich; Einige nahmen ihren Weg nach Bachtſchieſſerei, Andere nach Kafſa. Abends hielten wir in einem großen Dorfe, und nah⸗ men ein leer ſtehendes Haus ein. Als die Tartarn er⸗ fuhren, daß ich ein Teutſcher ſey, verſammelte ſich 193 Jung und Alt um meinen Wagen, mich wie ein fremdes Thier zu betrachten. 21) Den 14. bei dem Aubruche des Tages waren wir in der Krimm, und erblickten Nachmittars Ka⸗ raſu. Dieſes gewaͤhrt in der Ferne einen ſchoͤnen Anblick; es liegt zwiſchen Bergen in einem Thale, wird von dem kleinen Fluße Karaſu, welcher ſich in mehre Arme theilet, durchſchnitten, und erhaͤlt von demſelben ſeinen Namen. Die vielen Gaͤrten und hohen Cypreſſen, welche letztere man hin und wieder findet, gewaͤhren im Som⸗ er den herrlichſten Anblick. Den groͤßten Theil der Einwohner machen Armenier, Griechen und Juden aus, welche zuſammen genommen die groͤßten Betruͤ⸗ ger in der ganzen Krimm ſind; man findet auch noch Tartarn und Tuͤrken. Dieſe Stadt gehoͤrt allzeit dem Calcha Sultan, welcher in Friedens⸗Zeiten zu Or reſidirt, und der Oberbefehlshaber der ganzen tarta⸗ riſchen Armee iſt. 22) Zu Karaſu wohunte ich in dem Hauſe mei⸗ nes Dolmetſchers, und beſuchte das Bad. Es war von Außen ziemlich hoch, aus Steinen gebaut, und oben mit 2 Kuppeln verſehen, durch welche ſich der Dunſt zog. Das Bad der Weiber iſt von jenem der Maͤnner geſondert. Bei dem Eingange iſt ein großes Zimmer, in welchem aus einigen Rohrkaſten von harten Stei⸗ nen warmes und kaltes Waßer quillt. Hier entkleidet 4 man ſich auf einer groben, erhoͤhten Lehnhank, deren / viele an den Waͤn ein Diener ein Tuch, welches man um die Lenden bindet, und ein paar hoͤlzerne Pantoffel. Dieſer iſt der Badort fuͤr Arme. Durch einen bedeckten Gang kamen wir in ein ſehr hohes und gewoͤlbtes Zimmer, deſſen Seitenwaͤnde aus ungeſchliffenem weißen Marmor mit einigen doriſchen und joniſchen Saͤulen gebaut waren. An den 4 Waͤnden ſind 8 mormorne Lehnbaͤnke ange⸗ bracht, und zwiſchen dieſen eben ſo viele große Mu⸗ ſcheln mit war! nem, reinen Waſſer. Der Boden beſteht aus zuſammen teten harten, rauhen, großen Stein⸗ tafeln; in deſſen Mitte erhebt ſich ein geraͤumiger, vier⸗ eckiger, 2 Schuh hoher Platz. Auf dieſen mußte ich n, und ich fand ihn ſo heiß, wie einen halb geheitzten Ofen. Als ich einige Stunden ſaß, kam ein Diener, und rieb mit ſeiner Hand meinen Kopf, die Schultern und die Arme; hierauf drang ſogleich der Schweiß durch alle Poren. Halb taumelnd fuͤhrte man mich auf eine Bank, und goß ctliche Becken Waſſers uͤber mich; es wurde mir etwas beſſer. Dann rieb der Diener mit einem Handſchuhe meinen Kopf, Geſicht und alle uͤbrigen Glieder, wobei ich immer ſchwitzte, und er mich beinahe alle Minuten mit einigen Becken heißen Waſſers uͤbergoß. Zuletzt bra chte er ein Becken voll Seifenſchaum, und beſtrich mich mit einer zuſam⸗ men gebundenen Wolle. Ich wuſch mich ab, wurde mit einem Eimer Waſſer uͤbergoßen, und mit einem Tuche um die Lenden und einem Badmantel umhaͤngt, den angebracht ſind. Daun bringt 195 mein Kopf in Tuͤcher gehuͤllt. Nach 1 1⁄2 Stunden verließ ich das Bad, und ging in das Zimmer, wo meine Kleider waren. Hier war ein Teypich und ein weißes Leilach ausgebreitet, um mich darauf zu ſetzen. Man gab mir ein weißes baumwollenes Tuch zum Ab⸗ trocknen. Die ganze Bezahlung fuͤr dieſer Bad waren 2 Para. Ein Para iſt eine tuͤrkiſche Scheid deren Werth nach Belieben der Chan und Saltan er⸗ hoͤht oder vermindert. Aus der dauerhaften und koſtbaren Bauart urtheilte ich, daß dieſes Bad weder von Tuͤrken, noch von Tar⸗ tarn ſondern vielleicht vor vielen Jahrhunderten von einer fremden Nation erbaut worden ſey. 23) Ueberdruͤßig meiner elenden Wohnung und ſchlechten Bewirthung, beſorgt und in Trauer wegen meiner Waaren, welche ich zu Cauchan und Kili gelaſſen hatte, und beunruhigt wegen der Kriegsnach⸗ richten, entſchloß ich mich nach Bachtſchieſſerei un reiſen. Ich verließ Karaſu, und uͤbernachtete zum er⸗ ſten Male in einer tartariſchen Herberge. Es war ein ziemlich artiges Haus an dem aͤußerſten Ende eines mit Cypreſſen bepflanzten, und von einem Bache durch⸗ ſchlungenen Dorfes; es hatte 3 reinliche Zimmer, wel⸗ che mit Tapeten belegt, und auf beiden Seiten waren Polſter. Dergleichen Herbergen gibt es in der Krimm fehr viele; man zahlt nicht das Geringſte, auch nicht 196 fuͤr Pferde. Dieſe Herbergen ſind Stiftungen einiga Adligen, welche dieſelben fleißig unterhalten. Der Prokurator des franzoͤſiſchen Konſuls Jere⸗ mie nahm mich gut auf, und ſtellte mich dem Kai⸗ makan vor, welcher zugleich Mufti war, und als Statt⸗ halter die ganze Krimm regierte; er empfing uns ſehr hoͤflich, und lud uns zum Eſſen ein. Nach ei⸗ nem 12 taͤgigen Aufenthalte zu Bachtſchieſſerei kehrte ich wieder nach Karaſu. 24) Den erſten end kam ich nach Achmett⸗ ſchitt, einer ziemlich artigen und ſchoͤn gelegenen Stadt, und dem Sitze des juͤngern Prinzen des re⸗ gierenden Hans. Zu Karaſu empfing mich mein Dolmetſcher ſehr freundlich. Weil meine Waaren noch nicht angekommen waren, ſo beſchloß ich, nach Goͤsleve, wo ſie ſeyn ſollten, zu reiſen. 25) Bachenfihierie rei, di e Reſidenz des Krimm⸗ Hans, liegt 10 tartariſche S Snd von Karaſu, und s von Goͤsleve in einem langem Thale, auf einer Seite von Felſen, und auf der andern von Bergen umgeben. Des Haus Wohnung beſteht aus einigen an einander haͤngenden Wohnungen und aus einem Garten, und iſt weit groͤßer und anſehnlicher, als ein Palaſt in Cauchan. Gegenuͤber iſt eine Moſchee, welche noch dazu gehoͤrt, und von Außen ziemlich ſchoͤn ausſieht; die Kuppel des Thurmes iſt von ver⸗ zinntem Kupfer und der Halbmond vergoldet. Die uͤbrigen Haͤuſer ſind ſehr ſchlecht. Der Ort iſt groͤ⸗⸗ — 197 tentheils von vornehmen Tartaren, von vielen Arme⸗ niern, ſehr wenigen Tuͤrken, und einigen Juden be⸗ wohnt. Wenn der Han im Felde oder ſonſt auf einige Zeit nicht in Bachtſchieſſerei iſt, ſo muß der Kaimakan daſelbſt wohnen; außerdem haͤlt er ſich auf ſeinem Landgute nahe bei der Stadt auf. Eine halbe Stunde von der Stadt iſt ein Ort von 420 Haͤuſern mit einer alten Mauer und mit Thuͤr⸗ men auf einem Berge, welcher von Juden bewohnt wird, welche die reichſten in der ganzen Krimm ſind. Der Ort hat Mangel an Waſſer. Die Juden, Ka⸗ ray Jaodi(ſchwarze Juden) genannt, leben nur nach der Tora, und nicht nach dem Talmud, und un⸗ terſcheiden ſich in vielen Gebraͤuchen von den andern Juden, von welchen ſie auch ſehr gehaßt werden. Sie ſcheren den Kopf ganz glatt, waͤhrend bei den andern turkiſchen Juden Haarzotten an beiden Ohren herab haͤngen. Ungefaͤbr 4⁄4 Seunde von Bachtſchieſſerei ſtehen einige ſehr alt ſcheinende kleine Gebaͤude aus Steiu. Das groͤßte iſt noch ſehr gut, ſieht einem Tem⸗ pel gleich, iſt zirkelrund, und hat ungefaͤhr 12 Schritte im Durchſchnitte. Es iſt aus harten, großen Quader⸗ ſteinen aufgefuͤhrt; 8 Bogenfenſter, welche mit Ziegel⸗ ſteinen und Moͤrtel verworfen ſind, ſind zwiſchen eben ſo viele Saͤulen angebracht. Die Kuppel iſt aus Stein. Nach Aueſage der Tartarn liegen hier heilige Leiber 1 198 hegraben; nach der Vermuthung der Armenier ſind ſie Graͤber der alten Chane. Einige Tage nachher traf der neu ernannte Kaima⸗ kan Deiwlet Georg hier ein. Die Beſoldung und die Nelrreinkuͤnfte eines Kaimakan beſtehen jaͤhrlich in 3000 tuͤrkiſchen Piaſtern. Er muß taͤglich freie Ta⸗ fel geben, und alle Perſonen, welche zu ihm kommen, mit Kaffee und Tabak bedienen laſſen. 26) Den 28. May waͤre ich bald von den Janit⸗ ſcharen ermordet worden, weil ſie mich fuͤr einen Spion hielten; nur auf die Verſicherung von 2 tarta⸗ riſchen Kaufleuten und eines Juden ließen ſie mich gehen. Mein Handelsgeſchaͤft in Karaſu wurde durch die haͤufige Ankunft tuͤrkiſcher Soldaten oft unter⸗ brochen. Von Bachtſchieſſereiging ich unter Bedeckung von s Tartaren nach Goͤsleve. Dieſe Stadt iſt nicht ſehr groß, hat aber eine guͤnſtige Lage fuͤr die Schiff⸗ fahrt, eine Rhede und einen kleinen Hafen, in welchen nur Barken einlaufen koͤnnen. An demſelben liegt ein ſehr altes, eingegangenes Kaſtell. Es wohnen da⸗ ſelbſt mehr Chriſten, als Mahumedaner. Nach einem zweitaͤgigen Aufenthalte reiſte ich mit meinen Tartarn wieder nach Bachtſchieſſerei. Der Krieg der Mos⸗ kowiten mit den Tuͤrken veranlaßte viele Ausſchwei⸗ fungen der tuͤrkiſchen Soldaten, ſtoͤrte den Handel, und ſetzte alle Gemuͤthey in Furcht. 199 22) Wegen eines nochmaligen Einfalls der Ruſſen, und wegen der Winterquartiere der Tuͤrken in Furcht, das Leben und meine Waaren zu verlieren, hielt ich es fuͤr das Beſte uͤber Kaffa nach Konſtantinopel zu reiſen. 28) Mit Freuden verließ ich das mir verhaßte Ka⸗ raſu, brachte die Nacht auf freiem Felde zu, und nahm bei meiner Ankunft in Kaffa meine Wohnung in einem ziemlich guten Hanz nur war ich hier von der allgemeinen Pein der Krimm, von den Floͤhen und Natten ziemlich geauaͤlt. 29) Den 7. September lief in den hieſigen Ha⸗ fen die tuͤrkiche Flotte von Janikale. Dieſes ge⸗ waͤhrte mir ein herrliches Schauſpiel: 60— o0 große Kriegsſchiffe, Fregatten, Galeeren und andere Schiffe ſah man nach und nach in den Hafen ſegeln, welche die Stadt mit vielen Kanonenſchuͤſſen begruͤßten, die mit noch mehrern beantwortet wurden.— Zu Kaffa hielt ich mich 8s Tage auf. 30) Kaffa, die Hauptſtadt der Krimm, von den Tartarn nur Jarim Stambul(Halb⸗Konſtan⸗ tinopel) genannt, liegt gegen Oſt an oͤden, ſteini⸗ gen Huͤgeln der Laͤnge hin. An den Mauern und vie⸗ len hohen Thuͤrmen, ſieht man noch die Macht, wel⸗ che die Genueſer auf dieſer Halbinſel gehabt haben. Gegen Nord⸗Oſt liegt ein altes, hohes, eingefallenes Gebaͤnde an welchem man noch hohe, gewoͤlbte Fenſter ſehen kann. Oben auf den Huͤgeln iſt ein großer Platz 26ſtes B Siebenbürgen ze. I. 2⸗ 6 200 mit den Ruinen von Kirchen und andern Gebaͤuden, mit einer ſehr ſtarken Mauer umgeben. Die Hauptmoſchee, welche in der Mitte der Stadt am Markte ſteht, iſt ziemlich ſchoͤn, hat viele Kup⸗ peln, und war eine chriſtliche Kirche. Der Hafen iſt ſehr groß und kann einige 100 Kauffahrteiſchiffe faſſen; die gegenuͤber liegenden Berge und Ebenen gewaͤhren eine herrliche Ausſicht. Die Einwohner von Kaffa ſind groͤßtentheils Tuͤrken und Armenier, aber nur wenige Tartaren und Griechen. Hier halten ſich auch viele Moskowiter, Tar⸗ taren, Koſacken, Cirkaſſier und Georgier auf. Die Cir⸗ kaſſier bringen ihre Toͤchter, die ſchoͤnſten Frauensper⸗ ſonen in der ganzen Welt, ihre Soͤhne und ſchoͤne Pferde hierher. Ein junges cirkaſſiſches Maͤdchen, wel⸗ ches ſchoͤne rothe Haare bat, koſtet 6— 7000 Piaſter. Drei teutſche Meilen von Kaffa liegt ein groſ⸗ ſes Dorf, Namens Eski Krimm(Alt⸗Krimm). Es iſt der Sitz des Chirin Pei(Fuͤrſten des Adels) und ſoll nach Einigen die Hauptſtadt der Genueſen ge⸗ weſen ſeyn. Man ſieht an den Haͤuſern noch viele Al⸗ terthuͤmer, dann viele Moſcheen und ein armeniſch⸗ ſchismatiſches Kloſter. Dieſe Halbinſel liegt unter dem 48. Grade, und hat 93 teutſche Meilen im Umfange. Die auf der⸗ ſelben gelegenen Staͤdte ſind: Kaffa, die Haupt⸗ und Handelsſtadt, mit einem Hafen.— Goͤrz gegen Or.— Janckale mit ei⸗ 201 nem Kaſtell.— Arabat, kleine Feſtung.— Or, oder Prekop, an der Linie, eine Feſtung.— Ath⸗ methſchitt, mit einer Rhede.— Goͤsleve, mit einer Rhede und einem kleinen Hafen.— Baluk⸗ lava, mit einer Rhede. 3 Im Lande liegen: Bachtſchieſſerei, Ach⸗ mettſchitt, Karaſu und die ehemaligen Ruinen der Stadt Eski⸗Krim. Die Genueſen waren ehemals die maͤchtigen Beherrſcher dieſes Landes; erbauten zur Sicherheit des Handels viele Staͤdte, und verloren 30— 40 Jahre nach Eroberung Konſtantinopels durch die Tuͤr⸗ ken ihre Beſitzungen in der Krimm. Dieſes Land iſt ſehr fruchtbar, und hat wenige Waldungen. Der Wechſel von Ebenen, Huͤgeln und Thaͤlern iſt fuͤr das Auge ſehr angenehm. Kleine Fluͤſſe mit gutem und reinem Waſſer gibt es in Men⸗ ge, an denſelben wohnen groͤßtentheils die Landleute; ihre vielen Doͤrfer in den ſchoͤnſten Gegenden liegen mit Gaͤrten, Cypreſſen und andern Baͤumen beinahe an einander. Obſt gibt es genug, der Wein iſt ziem⸗ lich gut, geſund und wohlfeil. Haſen und Wildpret zu ſchießen, iſt jedem erlaubt. In dem Gebirge gibt es Woͤlfe und Wildſchweine ꝛc. Das Gebirge, welches aus ſehr hohen und ſteilen zuſammen haͤngenden Bergen beſteht, beginnt nicht weit von Kaffa, und lauft an der Kuͤſte gegen Suͤ⸗ den die halbe Krimm hin.— Das Klima und die 202 Luft iſt ſehr geſund, jedoch erzeugen die Nordwinde im Winter große Kaͤlte, weil gegen Norden keine Ber⸗ ge, ſondern viele Ebenen ſind.— Die Einwohner er⸗ reichen, ohne Aerzte zu haben, ein ſehr hohes Alter.— Die Krimm⸗LTartarn ſind Mahumedaner, gute und rechtſchaffene Menſchen; die Armenier, Griechen und Juden voll Betrug und Liſt, und verwenden wenig Sorgfalt auf die Erziehung ihrer Kinder. In den Staͤdten herrſcht Ordnung, und in Frie⸗ denszeiten kann man uͤberall reiſen, ohne ausgepluͤn⸗ dert zu werden. 31) Den 30. September ſegelte ich mit der tuͤrki ſchen Flotte an der Kuͤſte der Krimm mit maͤßigem Winde hin. Unſer Reiſender kam dann nach einem ausgeſtandenen Sturme, nach dem Verluſte ſeine Pferdes und einer Summe Geldes von 40 Piaſtern, endlich den 14. Oktober zu Konſtantinopel an. Dieſes hatte nicht das geringſte Anziehende fuͤr mich Auf einem ſchwediſchen Schiffe, Freimauerer ge⸗ nannt, ſegelten wir unter Abfeuerung der Kanonen, nebſt vielen andern Kaufffahrtei⸗Schiffen, aus dem konſtantinopolitaniſchen Hafen, und kamen mit gutem Winde unter den Dardanellen des weißen Meeres, in Geſellſchaft vieler franzoͤſiſchen und ra⸗ guſaniſchen Schiffe an. 32) Ich fuhr mit meinem Kapitaͤn in die Darde⸗ nelle auf der aſiatiſchen Seite. Sie liegt eben, und hat auf der Landſeite einen breiten Waſſergraben, wel⸗ 203 cher von dem Kanal rings herum wieder bis iu dem Kanale geht. Sie hat hohe Mauern mit runden und viereckigen Thuͤrmen, welche von einigen Baſtionen aus Steinen gegen die Landſeide bedeckt ſind. Die Kanonen, welche den Kanal beſtreichen ſollten, waren ungeheure Maſchinen aus Eiſen, lagen auf einer Boͤ⸗ ſchung von Erde, und waren eingemauert um deſto richtiger zu treffen. Die Anzahl der Haͤuſer oder viel⸗ mehr Huͤtten, in welchen Janitſcharen mit ihren Fa⸗ milien wohnen, mag beilaͤufig 3o0 betragen. An die⸗ ſer Dardanelle iſt eine lange Sandbank, uͤber welche man bei der Fluth mit ziemlich großen Schaluppen fahren kann. 81* Die gege nuͤber auf der europaͤiſchen Seite lie⸗ gende Dardanelle, ſchien mir etwas feſter zu ſeyn. Sie liegt auf einer Anhoͤhe, auf welcher noch ein Kaſtell mit a großen Thuͤrmen gebaut iſt. 33) Den 26. November wurden fruͤhe die Anker gelichtet; wir kamen aus dem Kanal des weißen Mee⸗ res in das mittellaͤndiſche, erblickten die Gegend, wo das alte Troja gelegen ſeyn ſoll, verſchiedene Inſeln des Archipel's, und landeten in Tenedos, um Wein und 2 Griechen an Bord zu nehmen. Die Inſel hat 3 teutſche Meilen im Umfange und viel Weinbau. Der Wein iſt ſehr gut, und wird bei⸗ nahe durch die ganze Levante verfuͤhrt. An dem Hafen liegt eine kleine Stadt, deren Huͤtten meiſten⸗ theils Griechen bewohnen. Das Kaſtell auf einer klei⸗ 204 nen Anhoͤhe hat ziemlich ſtarke Mauern und Thuͤrme, ſcheint aber ein ſehr altes Gebaͤude zu ſeyn. Wir verließen die Inſel Tenedos, kamen ge⸗ gen Mittag an die Inſel Meteline, und mit be⸗ ſtaͤndigen Winden in den Hafen von Smyrna, wo wir noch einen kleinen Sturm hatten. Widrigen Win⸗ des wegen mußten wir an der nicht weit vom Kaſtelle liegenden Sandbank liegen bleiben. Dieſes Kaſtell liegt 14 tuͤrkiſche oder ungefaͤhr eine teutſche Meile von Smyrna an der rechten Seite der Einfahrt in den M Hafen. Es iſt ein altes, ziemlich eingegangenes Ge⸗ baͤude, von welchem man wegen der nahen Sandbank die kerm eine Viertelſtunde breite Einfahrt beſtrei⸗ 5 chen kann. „ 34) Den 22. Januer verließen wir Smyrna, und hatten Abends die ſo beruͤhmte und bluͤhende In⸗ ſel Chios im Geſichte. Am folgenden Tage ſegelten wir nahe bei dieſer Inſel vorbei; es uͤberſiel uns aber ein ſtarker Sturm; doch ſegelten wir bei der kleinen, vergigen und fruchtbaren Inſel Tino gluͤcklich vorbei, und fluͤchteten uns in den Hafen der Inſel Chyra. Die Inſel hat ungefaͤhr 2 teutſche Meilen im Um⸗ fange, und iſt mit hohen Bergen und Felſen umge⸗ ben. Der gegen Nord⸗Weſt liegende Hafen iſt ge⸗ faͤhrlich zum einlaufen. In der Naͤhe deſſelben ſieht man Truͤmmer einer ziemlich großen Stadt. In der Ecke des Hafens ſteht ein zuckerhutfoͤrmiger Berg,⸗ von hoͤheren Bergen umgeben. In der Runde ſind 205 bis an den Gipfel Haͤuſer aus rohem weißen Marmor erbaut. Auf der Spitze ſteht das Haus des tuͤrkiſchen Befehlshabers. Die Inſel erieugt Fruͤchte und ſchlech⸗ ten Wein. 1 Von Chyra ſegelten wir durch den Archipe⸗ lag, kamen an die Kuͤſte von Morea, ſchifften an dem Vorgebirge von Morea bei der Inſel Serigo und der tuͤrkiſchen Feſtung Moutone vorbei. Die Inſel Cerigo, das alte Cytherea, iſt klein, felſig und unfruchtbar. Guter Wind brachte uns nach Zante⸗ Den 9. Februar hatten wir Korfu gegen Oſten, und ſegelten zwiſchen 2, mit vielen Klippen und Sandbaͤnken umgebenen kleinen Inſeln gluͤcklich durch⸗ Wegen guͤnſtigen Windes liefen ſie nicht in Ra⸗ guſa ein, ſondern fuhren zwiſchen Dalmazien und der Inſel Melito und Corzula hin. Nach einem staͤgigen Aufenthalte daſelbſt mußten wir wegen widrigen Wetters auf einer kleinen Inſel unterhalb Istria 15 Tage warten. Der Mangel an Lebensmitteln ſiel uns beſchwerlich. Wir verließen die Inſel, kamen durch den gefaͤhrlichen Paß Karniere an dem Vorgebirge bei Istria gluͤcklich vorbei, ſegel⸗ ten mit ſchlechtem Winde an der Kuͤſte von Istria hin, bei Piramo vorbei, und kamen den 6. Mai vor dem Trieſter Hafen an.— uUnſere Seereiſe hatte von Smyrna 43 Tage gedauert. Nach ausge⸗ haltener 4s taͤgiger Kontumaz blieb ich noch 8 Tage in Trieſt. 4 ¹ 206 35) Jetzt will ich noch einige Anmerkungen, welche ich beſonders uͤber dieſe Laͤnder gemacht habe, mitthei⸗ len. Beſonders gab ich mir Muͤhe, die Krimm genau kennen zu lernen. 1 Die Wirthshaͤuſer ſowohl in den Staͤdten, als auf dem Lande ſind meiſtentheils ſchlecht.— Die von Belgrad, in der Wallachei, Moldau und rech⸗ ter Hand an der Donau befindlichen Staͤdte und Doͤrfer ſind durchgehends ohne die geringſte Zierde und Ordnung ſchlecht gebaut. Die engen und krummen Straſſen laufen durch einander; in einer Stadt ſind ſie gepflaſtert, in einer andern von Bruckholz; die mei⸗ ſten haben keines von beiden. Die Einwohner ſind zu faul, dieſelben zu reinigen: daher entſteht bei eintre⸗ tendem Regen der groͤßte Moraft. Die Tſchami oder Moſcheen ſind in dieſen Staͤd⸗ ten nur aus ſchlechten Steinbrocken und Holz gebaut, und außen groͤßtentheils ſchlecht angeſtrichen. Die groͤßten Haͤuſer ſind nur ein Stockwerk hoch, haben nur Erdenzimmer und zur Decke das Dach. Die Waͤnde ſind ſelten angeſtrichen. Die Fenſter werden im Winter von Papier gemacht, zu warmen Zeiten werden ſie abgeriſſen, um die ſreie Luft zu genießen. Die Kaffehaͤuſer ſind ziemlich geraͤumig. Der Tuͤrke ſchmaucht ſein Pfeifchen, und trinkt Kaffee, ohne ſich um Staat nund Staats⸗Angelegenheiten zu kuͤmmern. Thee und erfriſchende Getraͤnke ſehlen, ge⸗ ſpielt wird ſelten. 207 36) Der Wein iſt von Belgrad an faſt an allen Orten ſchlecht, und kaum zu trinken: denn er iſt nur Moſt, und wird nicht aufbewahrt, wie bei uns. In allen Staͤdten wird wegen der Faulheit der Einwohner Waſſer verkauft. Wo es Fluͤſſe gibt, ge⸗ braucht man deren Waſſer zum Kochen und Trinken.— Die Landſtraſſen werden niemals ausgebeſſert, und ſind deßwegen hoͤchſt beſchwerlich fuͤr die Fuhrleute. Der groͤßte Theil der Tuͤrken iſt in den Laͤndern an der Donau, in Beßarabien ec. noch ſehr wild, hoͤchſt unwiſſend und barbariſch, und nicht ſo geſittet wie zu Konſtantinopel und in der Levante. In der Tuͤrkei iſt Jederman Soldat. Alle Anſtalten der Tuͤrken zu Waſſer und zu Lande ſind ſchlecht; uͤberall ſieht man Barbarei, Unordnung, Eigenduͤnkel und Prahlerei. Jeder Muſelmann kauft ſich, vermoͤge ſeiner Begierde zu rauben, fuͤr ſein eigenes Geld ein Pferd und das noͤthige Gewehr, und dann iſt er Spahi oder Reiter. Iſt er nicht vermoͤgend, ſich ein Pferd zu kaufen, ſo laͤßt er ſich unter eine Janitſcharen⸗ Nummer außzeichnen, und kauft ſich Flinte, Piſtol ꝛc. Die Soldaten wiſſen nichts von einem Exereitium. Die Tartaren, welche von dem Chane der klei⸗ nen Tartarei beherrſcht werden, ſind im Vergleiche mit den Tuͤrken, gerade das Gegentheil; ſie ſind nicht ſo ſtolz, meiſtens von Natur gutherzig, gefaͤllig, und gelehrig. 208 37) Die Chane der kleinen Tartarei lei⸗ “ten ihre Abſtammung von den Zinkiſchan, welche heut zu Tage China und die große Tartarei be⸗ herrſchen. Laut Vertraͤgen der Chane mit der Pforte, nimmt ſich dieſe das Vorrecht, jene zu ernennen, und laͤßt dem tartariſchen Adel die Ehre, ihn zu beſtaͤtigen. 38) Dieſer Tartar⸗Chan beherrſcht die Halbin⸗ ſel Krimm, die Nogew⸗ und Butſchiacktarta⸗ rei. Die Krimm iſt wegen der Handlung, Schiff⸗ fahrt, Viehzucht, Wein und anderer Landes⸗Erzeugniſſe das beſte und eintraͤglichſte ſeiner Laͤnder. Nogew, nur durch die Linie bei Or von der Krimm getrennt, iſt ſehr groß. Die Einwohner ver⸗ legen ſich auf Viehzucht und Feldbau. Butter, Ho⸗ nig, Wachs und Getreid wird von da in großer Menge nach Konſtantinopel gebracht. Die Butſchiacktartarei it klein, aber fruchtbar. Dieſe Tartaren liefern ihren Ueberfluß nach Bender, Akjermann, Kili ꝛc. Ueber dieſe Laͤnder kann der Chan nicht unum⸗ ſchraͤnkt herrſchen; er iſt in vielen Stuͤcken eingeſchraͤnkt. Die vornehmſten Miniſter des Chans ſind: der Kal⸗ ka⸗Sultan, Oberbefehlshaber der tartariſchen Ar⸗ mee; der Kaimakan, Statthalter uͤber die Krimm; der Mufti; der Muradin, Praͤſident bei kleinen und Landgerichten; der Kadil Sskier, Polizeiaufſeher von Bachtſchieſſerei und deſſen Gebiete.— Wenn 209 der Chan Krieg hat, ſo ziehen viele Sultane mit, welche als Generaͤle die Tartaren anfuͤhren. Der Adel theilt ſich in 4 Klaſſen: als, Schyrin Murſa, Baron Murſa, Monſur Murſa, und Sutſchuwud Murſa. Alle Edellente werden Murſa genannt. Die Schyrin Murſa ſind die Vornehmſten. Ihr Fuͤrſt wohnt in Eski⸗Krimm. Dieſer Bei wird als die zweite Perſon nach dem Chan betrachtet. Wenn er bei dem Chan Audienz hat, ſo wird er mit vielen Zeremonien empfangen, und bei ſeinem Eintritte in des Chans⸗Zimmer ſteht dieſer auf. Der Bei(Fuͤrſt), der Baron Murſa, hat den zweiten Rang nach dem Chan, und keinen Kalka⸗Sul⸗ tan und Mufti, die uͤbrigen aber alle. Die Monſur⸗ und Sudſchuwud Murſa haben nur einen Bei und Muradin. Alle Bei, Vorgeſetzte und Praͤſidenten des ganzen Adels tragen lange Baͤrte, die Edelleute aber haben nur Spitzbaͤrte. Sobald ein Bei ſtirbt, waͤhlen die Vornehmſten und Murſen deſſelben Adels den Aelte⸗ ſten unter ihnen zu deſſen Nachfolger. Die Wahl wird vom Chan beſtaͤtigt. Der Bei hat Vollmacht, die nach ihm folgenden vernehmſten Glieder des Adels zu waͤhlen. Wenn der Chan Krieg fuͤhren will, oder andere wichtige Staatsgeſchaͤfte Erwaͤgung fordern, ſo beruft er die Fuͤrſten und Vornehmſten des tartari⸗ ſchen Adels nach Bachtſchieſſerei. Bei dieſer Verbandlung hat der Chbyrin⸗Bei, als erſter Fuͤrſt * 210 des ganzen Adels die Macht und Gewalt alles zu ent⸗ ſcheiden. Er hat eine dreifache Stimme zu geben, die Fuͤrſten nach ihm nur zwei. 39) Die meiſten Edelleute leben das ganze Jahr von den Abgaben ihrer Unterthanen auf dem Lande. Sie verheirathen ſich nur mit Frauenzimmern ihres Standes. Die von Selavinnen gebornen Kinder er⸗ balten erſt dann die Vorrechte des Adels, wenn ſie ſich im Kriege oder durch andere Thaten Verdienſt er⸗ worben haben, und werden vom Chan geadelt. Nur die aͤußerſte Armuth kann einen Edelmann zwingen, einen Dienſt bei Hofe oder einem andern Großen zu nehmen. Die tartariſchen Kavaliere tragen ſich rein⸗ lich, und haben allzeit ein Gefolge von Bedienten bei ſich. Die Nogew⸗Tartarn beſteſten aus 7 Natio⸗ nen. Sie ſind: 1) Jediſchull⸗multi; ²) Jed⸗ ſan⸗ multi; 3) Kaſajolu; 4) Kuͤrgoͤs; 5) Sſchamboiluek; 6) Naurouſelli; ⁷) Ka⸗ ſpalladoln. Jediſchull und Jedſan und die zahlreichſten. Alle dieſe Nationen wohnen in eben ſo vielen Gegenden des Landes. Man zaͤhlt ſie nach Keſſeln. Jeder Tartar mit ſeiner Familie hat einen groſ⸗ ſen eiſernen Keſſel, in welchem ein halbes Pferd geſotten werden kann. Auf jede Nation werden 10,000 Keſſel gerechnet; beilaͤufig 500,000 Familien. Dieſe Nogew⸗ Tartarn, obgleich Muſelmaͤnner, empoͤren ſich oft gegen den Chan. Sie unterſcheiden ſich in vielen „ 211 Stuͤcken von den Krim⸗Tartaren, beſonders im Geſichte. Sie haben kleine, tief liegende Augen, eine gebogene Naſe, wenig Bart, und ſehen faſt alle ein⸗ ander gleich; jene aber ſind regelmaͤßig ſchoͤn gebildete Menſchen. Sie eſſen Pferdefleiſch, trinken Roßmilch „und leben ſchmutzig und unflaͤtig; bei Jenen iſt das Gegentheil. Sie wohnen mehrentheils in Zelten und nomadiſiren; die Krim⸗Tartaren hingegen haben Haͤu⸗ ſer, Staͤdte und Doͤrfer. Sie ſind von Natur zum Stehlen geneigt. In der Krim herrſcht, beſonders waͤhrend des Friedens, ſo große Sicherheit, als in unſern Laͤndern. 40) Wenn die Nogew⸗Tartaren Sklavinnen ha⸗ ben, ſo noͤthigen ſie durchreiſende, wohl gebildete Aus⸗ laͤnder, ſich mit ihnen zu unterhalten, in dem Wahne, ſchoͤne Sklaven dadurch zu erhalten. 41) Ohne Zuſtimmung des Adels und der Fuͤrſten kann der Chan, wie oben bemerkt wurde, keinen Krieg anfangen. Er kann uͤber keinen Sultan Richter ſeyn, wohl aber die Vornehmſten des Adels. Wenn er ge⸗ ſetzwidrige Befehle gibt, ſo muß er dieſelben, gezwun⸗ gen durch die Fuͤrſten und den Adel, abaͤndern. Seine Einkuͤnfte ſind maͤßig; er erhaͤlt dieſelben von der Muͤnze, den Salzgruben, der Maut und einigen chriſt⸗ lichen Unterthanen. Von den meiſten Griechen und Armeniern empfaͤngt die Uhla Sultan, die Schwe⸗ ſter des Chan, den Tribut; ſie erhaͤlt auch einen Theil 1 E A 212 von den Einkuͤnften der Murſen. Sie iſt nach dem Kalka⸗Sultan die wichtigſte Perſon. Wird ein Chan abgeſetzt, ſo muß er gleich nach Rumelien, oder auf eine Inſel im mittellaͤndiſchen Meere in das Exil. Die Abſetzungen ſind etwas ſehr Gewoͤhnliches. 4²) Seinen Reiſebericht beſchließt Kleemann mit folgendem Gemaͤlde von den Armeniern. Sie ſind von Natur ſehr faul und traͤge, betruͤgeriſch im Handel, ſelten aber, aus Furcht, gegen die Tuͤrken. Man findet ſie in allen Orten und Staͤdten. Sie le⸗ ben ſehr genau. Fruͤh um 4 Uhr wird das von dem vorher gehen⸗ den Tage Uebriggebliebene verzehrt und Branntwein getrunken. Von da geht es in die Kirche, und nach⸗ ber in das Branntweinhaus. Um 9 Uhr wird das Gewoͤlbe geoͤffnet; der Herr laͤßt ſeinen Knecht in dem⸗ ſelben, geht nach Hauſe und ißt etwas Gekochtes. Dann legt er ſich nieder, ſchlaͤft, oder raucht eine Pfeife Tabak. Nachmittags loͤßt er ſeinen Knecht ab, weil dieſer kochen muß. Abends* Uhr wird Schoͤp⸗ ſenfleiſch, eine Suppe, Kaͤſe, oder etwas Anderes ge⸗ geſſen, und Waſſer, aber ſelten Wein getrunken. Außer der Faſten, welche so0 Tage dauert, und in welcher ſie nur ſchlechte Erdfruͤchte eſſen, haben ſie noch eine Menge anderer Faſttage, welche oft s bis 6 Tage dauern. Vor denfelben wird in der Nacht erſtaunlich geſchmaußt. 8 213 Ehe man ſich an den Liſch ſetzt, wird Brod nebſt Rettig und Zwiebeln in Menge herum geſchnitten, und ein ſchmales leinenes Tuch um den Tiſch gelegt. So⸗ bald man ſich geſetzt hat, wird Branntwein in einer Kaffeeſchaale herum gereicht, dann gebetet und aufge⸗ tragen. Den Nachtiſch bilden aufgeſchnittene Wuͤrſte, ge⸗ raͤuchertes Fleiſch, getrocknete Fiſche ꝛc. Schon bei dem erſten Biſſen geht die Weinſchaale herum und wird mit Segenſprechen, Seufzern und Geſundheiten waͤhrend der Mahlzeit ohne Aufhoͤren ausgeleert. Le⸗ dige Maͤdchen muͤſſen der Mannsperſon, welche ihr die Schaale reicht, die Hand kuͤſſen und auf der Seite des Tiſches knieend trinken; zuweilen thun dieſes auch die Weiber. Bei allen Speiſen vertritt die Hand die Stelle der Meſſer, Gabeln und Loͤffel. Nach der Mahlzeit waͤſcht man die Haͤnde und ſpuͤhlt den Mund aus; nicht aber vor derſelben. Kommt man zur Eſſenszeit in ein Zimmer, ſo muß man ohne Umſtaͤnde ſich an den Tiſch ſetzen. Dagas armeniſche Frauenzimmer trinkt taͤglich zum Fruͤhſtuͤcke gewaͤrmten Branntwein, in welchen etwas Pfeffer geworfen wird, in Kaffeeſchaalen. Sie war⸗ ten, ſtatt Kaffee und Thee, mit dem naͤmlichen Ge⸗ traͤnke bei Beſuchen auf; wobei noch Brod, Zibeben ꝛc. vorgeſetzt wird. Wein koͤnnen dieſe Frauenzimmer trinken, wie Waſſer. 214 Faſt alle Armenier waren in den von mir betre⸗ tenen Laͤndern Schismatiker, ſie gehen fleißig in die Kirche, die Frauenzimmer ſelten. Nichts deſto weni⸗ ger herrſchen bei ihnen alle Laſter; auch halten ſie Chriſten⸗Sklaven, und treiben mit denſelben haͤufigen Handel. Alle andern Chriſten, mit Ausnahme der Katho⸗ liken, nennen ſie Lutheraner und hegen gegen dieſel⸗ ben einen grauſamen Haß. Ihre Unwiſſenheit von andern Laͤndern und Han⸗ delsſtaͤdten iſt ſehr groß. Aberglaube, Barbarei, Un⸗ flaͤtigkeit, Treuloſigkeit, Betrug und Verraͤtherei ſind ihnen eigen. 4 VIII. Des k. k. wirklichen Regierungsrathes, Friedrich Wilhelm von Taube, Be⸗ ſchreibung des Königreiches Slavonien und des Herzogthums Syrmien; nach deſſen Reiſe an die türkiſche Gränze in den Jahren 1776— 77 verfaßt. Erſtes Buch. Nach der Eroberung Slavonien'’s durch die Roͤ⸗ mer erhielt dieſe Provinz und Syrmien den Namen *) Critiſche Nachricht von unterſchiedlichen neuen Entdeckungen, welche 4776— 71 in Slavonien, Syrmien und den angraͤnzenden Laͤndern ge⸗ macht ſind, und welche ſowohl die Alterthuͤmer, als auch die Naturgeſchichte betreffen. Mit Kun⸗ fern, Riſſen und Landcharten, gr. 4.(Beuß⸗ 26ſtes B. Siobonbürgen zc. I. 2. 7 216 Pannonia Valeria oder interamnis; dieſer Name blieb bis in das 4. Jahrhundert. Der heutige Name kommt von den Slaven, Slavenen oder Slawiniern, welche im Jahre 640 uͤber die Do⸗ nau gingen und Illyrien beſetzten. Syrmien, der öoͤſtliche Theil des Koͤnigreichs, hat ſeinen Namen von der beruͤhmten roͤmiſchen Hauptſtadt Syrmium, heute Sirmiſch. Die merkwuͤrdigſten Fluͤſſe ſind die Drave, Do⸗ nau und Save. Erſterer wird faͤlſchlich Drau, und letzterer irrig Sau genannt. Dieſe 3 ſtarken und ſchiffbaren Stroͤme begraͤnzen das Koͤnigreich auf 3 Sei⸗ ten, und ſcheiden es von Ungarn, Servien und Bosnien; auf der Weſtſeite bildet Kroatien die Graͤnzen. Ueber dieſe 3 Stroͤme fuͤhren keine Bruͤcken, und man kann ſie nur in flachen Boͤten und Faͤhren und oft nur mit Lebensgefahr uͤberſchreiten. Das ganze Koͤnigreich Slavonien, zu welchem nuch Syrmien gehoͤrt, betraͤgt in gerader Linie von Weſt gegen Oſt 34 Meilen. Die Landſtraßen ſind nicht gepflaſtert und ſehr ſchlecht; im Winter kann theilt in Buͤſching's woͤch. Nachrichten 1777. St. XV. v. 14. April, Seite 127.) Dieſe Schrift war der Vorlauſen voiger Beſchreilung, welche zu Leichig in 3 Baͤnden 1777— 18 erſchien, und hier in gedrangter Kuͤrze von M. Fiedler mitgetheilt wird. 217 man ohne Lebensgefahr nicht im Gebirge reiſen. Mit Ausnahme von Eſſeck, Peterwardein und Sem⸗ lin trifft man hier ſo wenig als in der Duͤrkei Gaſt⸗ hoͤfe und Herbergen an. Doch dieſen Mangel erſetzt die Gaſtfreiheit der griechiſchen Kloͤſter und der beguͤ⸗ terten Einwohner vollkommen. Die Witterung iſt von jener in Teutſchland ver⸗ ſchieden. Auf der Ebene, beſonders in Syrmien, faͤngt der Fruͤ ling gewoͤhnlich ſchon im Februar an; im Gebirge aber etwas ſpaͤter. Die Hitze im Som⸗ mer iſt beinahe unertraͤglich, und macht den ganzen Koͤrper ungemein matt und traͤge. Die Luft iſt in der Mitte des Landes zwiſchen dem Gebirge heiter, rein und geſund, aber laͤngs der drei Hauptſtroͤme hoͤchſt ungeſund.—. Eine hohe Bergkette durchſchneidet das Koͤnigreich der Laͤnge nach. Sie beginnt an der kroatiſchen Graͤnze, am Fluſſe Illova, zieht ſich von Weſt ge⸗ gen Oſt durch die Mitte des Landes, wird immer ſchmaͤler, und naͤhert ſich bei Wuckowar der Do⸗ nau, welche dieſelbe bet Illok beruͤhrt. Dann lauft das Gebirge am ſuͤdlichen Ufer den Strom hinab, bei Peterwardein und Karlowitz vorbei, und endet 1 Stunde unter Karlowitz. Der Ueberreſt von Syrmien bis Semlin, wie das fuͤdliche Uter der Drave und das noͤrdliche der Save, beſteht aus kleinen Huͤgeln, flachem Lande und fruchtbaren Ebe⸗ nen, welche mit Moraͤſten vermiſcht ſind. Das Ge⸗ 218 birge iſt theils mit Gebuͤſchen und hohen Baͤumen bewach⸗ ſen, theils mit Weinſtoͤcken und Obſtbaͤumen bepflanzt. Hier und da ſind die Hoͤhen mit alten verfallenen Schloͤſſern und andern zertruͤmmerten Gebaͤuden geziert. Kein Land iſt reichlicher mit warmen Baͤdern, Geſundbrunnen und heilſamen Waͤſſern geſegnet, als der gebirgige Theil von Slavonien. Eine große Wohlthat der Natur ſind die Forſte und ſchoͤnen Wal⸗ dungen. Obſtbaͤume ſind noch ziemlich ſelten. Weiße Maulbeerbaͤume finden ſich wegen der Seidenzucht in Menge; mit Weinſioͤcken ſind alle Huͤgel und nie⸗ drigen Berge bepflanzt. Das ganze Land iſt mit ver⸗ ſchiedenen kraͤftigen und gewuͤrzhaften Arzneikraͤutenn bedeckt. Wenn man das Herzogthum Syrmien, welchen Mangel an Holz leidet, und einige Gegenden in Sla⸗ vonien ausnimmt, ſo bildet der Ueberreſt einen un⸗ geheuern, faſt an einander haͤngenden Eichenwald. Die Waͤlder wimmeln von zahmen Thieren. Hirſche gibt es gar nicht, wilde Schweine ſehr ſelten. Da⸗ gegen finden ſich Baͤren, Woͤlfe und Fuͤchſe ꝛe. in großer Menge. Im flachen Lande gibt es keine Baͤ⸗ ren, ſondern nur im Gebirge. Die meiſten ſindet man in Bosnien und in der kleinen Wallachei. Die Woͤlfe werden an Mehrzahl von den Fuͤchſen uͤbertroffen. Geſchaͤtzt werden wegen ihrer Baͤlge: der Biber, der Fiſchotter, der Luchs, der Dachs und die Gebirgs⸗ 219 Maus. An wildem Gefluͤgel und mancherlei Waſſer⸗ voͤgeln iſt großer Ueberfluß. Zu den nuͤtzlichen Inſekten gehoͤren die Biene und der Seidenwurm. Sowohl die Bienenzucht als der Seidenbau erfordern wenig Arbeit und ſind daher vor⸗ trefflich fuͤr die natuͤrliche Traͤgheit der Illyrier geeignet. 7 Die Stroͤme und Fluͤſſe des Landes ſind ſehr zahl⸗ reich. Der wichtigſte Zweig der ſlavoniſchen Land⸗ wirthſchaft und der groͤßte Schatz des Landes beſteht in der Viehzucht. Das Rind⸗ und Borſtenvieh, Pferde, Eſel, Schafe ꝛc. bleiben Winter und Sommer im Freien. So wichtig und anſehnlich das Thier⸗ und Pflan⸗ zenreich iſt, ſo arm iſt dagegen das Mtneralreich; nicht wegen Mangels an Mineralien, ſondern wegen Man⸗ gels der Aufſuchenden. Alle Arten des Getreides kommen gut fort und werden gebaut; der Flachs⸗ und Hanfbau aber wird im ganzen Koͤnigreiche vernachlaͤſſiget. Der Weinbau iſt dagegen ſehr anſehnlich; man hat rothen und weiß⸗ ſen Wein; beide Arten uͤbertreffen alle teutſchen Weine; ſind aber ſehr feurig und hitzig, und koͤnnen nicht lauge aufbewahrt werden. Der Tabaksbau iſt in gu⸗ tem Zuſtande. Die roͤmiſche Pracht in den Staͤdten iſt durch die Barbarei der Sarmaten und Tuͤrken verſchwun⸗ den; die Bauart iſt hier eben ſo elend, als in allen ubrigen ungariſchen Laͤndern. Man findet in den Staͤdten wenig ſteinerne Haͤuſer, die meiſten ſind von Holz und Lehm erbaut und zum Theile mit Schilf und Rohr bedeckt. Auch faſt alle Schloͤſſer und Edel⸗ ſitze ſind wegen der oͤftern Einfaͤlle der Tuͤrken hoͤchſt elend gebaut. Die Doͤrfer befinden ſich in einem ſchlechten Zuſtande; die Haͤuſer der Bauern ſind Huͤt⸗ ten aus Lehmen, mit Stroh, Rohr oder Schilf ge⸗ deckt, und haben keine Glas⸗Fenſter. Die Zigeuner wohnen unter der Erde in Loͤchern. Ueber die Haͤlfte des Koͤnigreiches beſteht aus adeligen Herrſchaften und aus Landguͤtern, welche mei⸗ ſteus den Adeligen gehoͤren. Einige beſitzt der Lau⸗ desherr und die Geiſtlichkeit. Die adeligen Herrſchaf⸗ ten ſind ſehr groß; manche betragen 4— und noch mehre teutſche Meilen im Umfange. In den Soldaten⸗Bezirken laͤngs der tuͤrkiſchen Graͤnze gibt es keine adeligen Herrſchaften; die Laͤn⸗ dereien ſind zwiſchen den Angeſeſſenen zertheilt, welche ihre Herrendienſte und Abgaben dem Landesherrn leiſten. Daß Slavonien, eine ehemals ſo bluͤhende Provinz der Roͤmer, jetzt faſt oͤde und verwuͤſtet liegt, iſt dem tuͤrkiſchen Joche, den vielen Krie⸗ gen und dem Verluſte von Bosnien und Ser⸗ vien zuzuſchreiben. Die Slavonier beſtehen aus natuͤrlichen Ein⸗ wohnern und Neuankoͤmmlingen; zu letzteren rechnet 221 man die Ungarn und Zigeuner; ſie vermiſchen ſich nicht mit den Illprier u und reden ihre eigene Sprache. Die Hauptſprache des Landes iſt die illyriſche; ſie iſt aus einer Vermi chung der ſarmatiſchen oder ſlaviſchen Sprache mit der alten illyriſchen ent⸗ ſtanden. Die Illyrier haben einen geſunden, ſtarken und dauerhaften Koͤrper, und zeichnen ſich durch Treue gegen ihren Landesherrn, durch Gaſtfreiheit, durch ei⸗ nen unerſchrockenen Muth und eine Herzhaftigkeit, . welche allen Gefahren Trotz bietet, und durch Nei⸗ gung zum Kriege aus. Ihre Hauptlaſter ſind Traͤg⸗ heit und Fauiheit, Neigung zum Rauben und Pluͤn⸗ dern, ein unbaͤndiger Trieb zu hitzigen Getraͤnken ſammt allen daraus entſpringenden Laſtern, Sorglo⸗ ſigkeit fuͤr die Zukunft, Verachtung der Kuͤnſte und Wiſſenſchaften, Nachbegierde, Aberglaube und Ver⸗ ſchmißtheit im Handel und Wandel. Alle Illyrier haben in ihren Sitten, Gebraͤuchen, in ihrer Lebensart und Sprache viel von den Tuͤrken angenommen. Bei ihnen herrſcht Vielweiberei; die Bauart auf dem platten Lande iſt tuͤrkiſch; der Poͤbel ſitzt mit untergeſchlagenen Beinen, und laͤßt ſich den Bart wachſen. Die Kleidung der Maͤnner iſt halb ungariſch und halb tuͤrktſch; jene der Frauen naͤhert ſich der tuͤrkiſchen. Bei den Ilyriern ſind die Ge⸗ 222 ſchlechts⸗Namen eben ſo ungewoͤhnlich, als bei den Tuͤrken. Bei dem gemeinen Volke muß der Braͤutigam die Braut von ihrem Vater kaufen. Bei den Leichen⸗Be⸗ gaͤngniſſen werden viele außerordentliche Gebraͤuche beobachtet. Den Vornehmen bezeigen die geringen Leute eine große Ehrfurcht; ſie fallen vor ihnen nie⸗ der und geben ihnen den Titel Gospodar. Die Weiber legen beide Haͤnde kreuzweiſe auf die Bruſt und neigen ſich tief mit dem Kopfe. Alle Illyrier ha⸗ ben noch den alten Kalender. 3 Das Chriſtenthum wurde ſchon bei ſeinem Ent⸗ ſtehen in dieſen Laͤndern verbreitet, litt aber großen Nachtheil durch den Einfall der Tuͤrken im XV. Jahr⸗ hunderte. Zwei Religionen theilen jetzt Slavonien und Syrmien, naͤmlich die griechiſche und roͤmi⸗ ſche. Der Zahl nach ſind die Mitglieder beider Kir⸗ chen in Slavonien und Syrmien beinahe ein⸗ ander gleich. Aus alten Urkunden erhellt, daß die Dempel⸗ herren in Slavonien ſehr maͤchtig geweſen ſeyen, und die beſten Landguͤter beſeſſen haben. Nach ihrem Erloͤſchen im XIV. Jahrhundert fielen dieſe Guͤter dem Landesherrn heim. Die Jeſuiten traten in die Fuß⸗ ſtapfen der Tempelherren, hatten aber zuletzt gleiches Schickſal. Jetzt ſinden ſich nur noch Franziskaner, in 15 ſchoͤn gebauten Kloͤſtern, in großer Anzahl. 223 In dieſen Laͤndern iſt noch nicht einmal die Mor⸗ genroͤthe der Kuͤnſte und Wiſſenſchaften angebrochen. Finſterniß bedeckt das ganze Land; die Unwiſſenbeit bat hier ihren Thron aufgerichtet. Die Manufakturen beſinden ſich in ſchlechtem Zu⸗ ſtande; es herrſcht Mangel an Handwerksleuten, Kuͤnſtlern und Fabrikanten. Zweites Buch. Das ganze Koͤnigreich Slavonien wird in Ober⸗ und Unter⸗Slavonien abgetheilt. Zu erſterem gehoͤren Croatien, zu letzterem Slavo⸗ nien und Syrmien. Unter⸗Slavonien, welches hier alein be⸗ behandelt wird, beſteht aus der buͤrgerlichen Pro⸗ vinz und dem Soldaten⸗Bezirke an der tuͤrki⸗ ſchen Graͤnze. A. Die buͤrgerliche Provinz iſt jener Cheil des Landes, welcher 4747 eine buͤrgerliche Verfaſſung erhalten hat, und in 3 Geſpannſchaften(comitatus) abgetheilt iſt. Eine Geſpannſchaft iſt ein kleiner Strich Landes, welcher eine gewiſſe Anzahl adeliger Herr⸗ ſchaften, auch Kammerguͤter, Feſtungen, koͤnigliche Freiſtaͤdte und gemeine Landſtaͤdte enthaͤlt, und von einem Obergrafen oder Obergeſpanne regiert wird. 224 Keine Geſpanuſchaft iſt erblich, oder mit einer ge⸗ wiſſen Wuͤrde begleitet, wie in Ungarn. In jedem Komitate iſt ein Obergeſpann, ein Un⸗ tergeſsann, ein Rentmeiſter, ein Sekretaͤr und 4 Ober⸗ ſtuhl⸗Richter. Zu dieſen kommt noch ein Haupt⸗ mann, welcher die Komitats⸗Panduren und Huſaren anfuͤhtt. Die buͤrgerliche Provinz mit der Vero⸗ witiczer oder Veroczer Geſpannſchaft, dann mit der Boczeganer, und endlich mit der ſyrmi⸗ ſchen Geſpannſchaft. I. Die Veroviticzer Geſpannſchaft faͤngt auf ihrer Abendſefte von der kroatiſchen Graͤnze an, zieht ſich laͤngs der Drave gegen Oſt hinab, und endigt ſich 4 teutſche Meilen jenſeits Eſſek. Gegen Suͤd graͤnzt dieſe Geſpannſchaft an die Boe⸗ zeganer(Poſcheganer), und auf der ſyrmiſchen Seite an den Soldaten⸗Bezirk des Broder⸗Re⸗ giments. Das Land iſt mehr eben als bergig, hat große Waͤlder, viele Moraͤſte, ſtehende Gewaͤſſer und ſumpfige Gegenden, und deßwegen eine ſters ungeſunde Luft. Die Einwohnerzahl belauft ſich auf 70,000 Seelen. Neun Herrſchaften machen dieſen Komitat aus. Sie ſind: 1) Das koͤnigliche Kammergut Eſſek mit der Stadt gleiches Namens. 225 Eſſek, bei den Roͤmern Murſia, in der mitt⸗ lern Zeit Oſek genannt, die Hauptſtadt der Ge⸗ ſpannſchaft und vormals des ganzen Koͤnigreiches, iſt eine in Moraͤſten liegende Feſtung am rechten Drave⸗ Ufer, ungefaͤhr 3 Meilen oberhalb des Zuſammen⸗ fluſſes der Drave und der Donau. Die Feſtung, am Ende des vorigen Jahrhunderts gehaut, liegt mit ihren 3 Vorſtaͤdten in einer weiten fruchtbaren Ebene, welche hier und da vortrefflichen Korn⸗Boden hat. Die Stadt ſelbſt iſt klein, zaͤhlt nur 82 Buͤrgers⸗ haͤuſer, einen groͤßeren Raum nehmen dagegen die oͤf⸗ fentlichen Gebaͤude ein. Die meiſten Einwohner ſind teutſche Katholiken und Leibeigene der k. Kammer. Doch gibt es auch Griechen und Armenuier. In den Vorkaͤdten leben viele Illyrier und Sla⸗ vonier, welche ſich zur griechiſchen Kirche bekennen. Die ganze Zahl der Einwohner betraͤgt 8000. Die Jahrmaͤrkte, der Seidenbau und der Verkehr mit Teutſchland und Ungarn bringt der Stadt großen Nutzen. Die Vorſtaͤdte, welche ſich in einem Halbkreiſe um die Stadt zichen, ſind Ober Waros(Waroſch) gegen Nord⸗Weſt mit mehr als 300 Haͤuſern; Un⸗ ter⸗Waros mit mehr als 400 Haͤufern. Die dritte Vorſtadt bilden Meyerhoͤfe, welche in der Mitte zwiſchen erſter, und nur 600 Schritte von der Fe⸗ ſtung liegen. Sie iſt ſehr klein und hat ſchlechte Haͤuſer. 226 In der Feſtung finden ſich 2 Pfarrkirchen; 3 rö⸗ miſche und 1 griechiſche in den Vorſtaͤdten.. Dieſe in der Geſchichte ſehr beruͤhmte Stadt wurde vom Kaiſer Hadrian erbaut. Eine Meile von Eſſek auf der Suͤd⸗Weſtſeite liegt in der Mitte eines großen Waldes das kleine Landgut Cſepin(Tſchepin).. 2) Das Kammergut Dallia laͤngs der Donau. Es wird auf der Weſt⸗ und Suͤdſeite von Syrmien und auf der Nordſeite von der Herrſchaft Er doͤd ein⸗ geſchloſſen. Dallia hat einen geſegneten Korn⸗Bo⸗ den, fette Vieh⸗Weiden, und auf der Donau gute Fiſchereien. Dallia, ein Markflecken an der Donau, mit einer griechiſchen Pfarrkirche, hat Fiſcherei treibende Ein⸗ wohner.— Boravo iſt ein freies Pfarrdorf. 3³) Die Herrſchaft Erdoͤd ſtoͤßt gegen Oſt theils an die Donau und theils an die ſyrmiſche Herrſchaft Vukowar, gegen Weſt an Eſſek; gegen Suͤd wird ſie durch den Fluß Vuka von der ſyrmiſchen Herr⸗ ſchaft Nuſtar getrennt; gegen Nord an den Zuſam⸗ menfluß der Donau und Drave. Der Boden iſt flach, eben und moraſtig. Erdoͤd, ein Marktflecken an der Donau, hat eine vor Alters ſtark befeſtigte Burg; die Ein wohner haͤhren ſich von der Fiſcherei. Die hier geſundenen 227 Alterthuͤmer zeugen von dem ehemaligen Aufenthalte der Römer. E Almas iſt ein unanſehnliches Dorf an dem Zu⸗ ſammenfluſſe der Drave mit der Donau. Zatha, nicht weit von Almaſch, die bluͤhende Stadt Cornacum der Roͤmer, iſ jetzt in ein klei⸗ nes, armſeliges Dorf verwandeit. Beloberdo und Ten ja ſind freie Doͤrfer. 4) Die Herrſchaft Diacowar oder Jakowar ſtoͤßt gegen Oſt an die ſyrmiſche Peauga Nuſtar und an den Bezirk des Broder⸗Regi⸗ ments. Auf der Nordſeite fließt die ſiſchreiche Vuca vorbei, welche Digkowar von Eſſek und Volpa ſcheidet. Die Bergkette, welche ſich der Laͤuge nach durch das Koͤnigreich zieht, geht auch durch dieſe Herrſchaft. In dieſem Bezirke ſind 40 Doͤrfer nebſt vielen einzeln ſtehenden Bauernhoͤfen. Diaco⸗war, oder Jakowar(Jakobsſtadr) 4 Meilen von Eſſek, ein großer, ſchlecht gebauter MNarktflecken, hat elende Haͤuſer, nnreine Straßen, und gegen 1000 arme Einwohner, welche von dem Ackerbau und der Viehzucht leben. Goxrian, Zelza, Ternava und Keſſinzi find große Kirchdoͤrfer. 5) Walpo liegt laͤngs der Drave, Ungarn gegenuͤber, hat viele Suͤmpfe und ſtehende Gewaͤſſer, und iſt eine der groͤßten Herrſchaften im ganzen Koͤ⸗ nigreiche. 228 Walpo iſt ein volkreicher Marktflecken am rech⸗ ten Ufer der Vuchina; die uralte, aber neu erbaute Burg befand ſich lange in den Haͤnden der Osmanen. Petrovich, ein nahrhafter Marktflecken gegen Eſſek an der Vachina, welche nicht weit davon in die Drave faͤllt. 6) Die Herrſchaft Orahovicza, oder Orgo⸗ vicza, graͤnzt gegen Mittag an die Poſcheganer Grafſchaft, und hat viele mit Waͤldern bedeckte Berge. Der beſte Ort iſt Oraovicza, ein am Fuße der Gebirge liegender Burgflecken. 7) Wutchin oder Wukin iſt eine große, aber gebirgige Herrſchaft. Hier enſpringt die Vuchina, fließt durch die Herrſchaft, welche auf der aanzen Suͤdſeite an die Poſcheganer Grafſchaft, und auf der Oſt⸗ und Nordſeite an die Veroviticzer Herr⸗ ſchaft ſtoͤßt. Wutchin oder Wukin, ein Burgflecken im Ge⸗ birge, zwiſchen dem Urſprunge von 2 Fluͤſſen. Kas⸗ man, Hum, Popowacz, Seralia und Sa⸗ bona ſind Doͤrfer. 8) Die ſehr große Herrſchaft Veroviticz(We⸗ rowitſch) graͤnzt gegen Oſt an die Drave, gegen Weſt theils an Wutchin, theils an Kroatien. Ein großer Theil des Landes iſt mit Suͤmpfen d Waldungen bedeckt; doch fehlen auch nicht fruchtbare Aecker, Weiden u.d mit Weinſtoͤcken bepflanzte Huͤgel. S 229 Verowiticza, oder Verocza, vor Alters Ve⸗ rucia, iſt ein volkreicher, lebhafter, und luſtig gele⸗ gener Marktflecken in einer angenehmen, fruchtbaren Gegend. Dieſer Ort iſt ſehr alt, und war ſchon, wie In⸗ ſchriften darthun, in den Zeiten der Roͤmer bewohnt. Miolzi, Meliani, Billoba, Turnoſicza und Gradacz ſind Pfarrdoͤrfer. Die Doͤrfer Vaska, Szonie und Szlatina ſind 1761 dem Bisthume Agram abgekauft worden. 9) Turanovacz an der Drave ſſit auf allen uͤbrigen Seiten von der Herrſchaft Verovicz um⸗ geben. Moraͤſte und Waͤlder machen den groͤßten Thein dieſer Herrſchaft aus. Die Einwohner legen ſich auf Viehzucht, Fiſcherei und Schifffahrt. Das große Dorf Turanovacz iſt das beſte in dieſer Herrſchaft, wo auch die 2 griechtſchen Kloͤſter Drenovacz und Orahooicza ſich befinden. II. Die Boczeganer Geſpannſchaft graͤnzt gegen Oſt und Nord an den Veroviticzer Komi⸗ tat, gegen Weſt an Kroatien, und gegen Suͤd an das Land der Graͤnz⸗Soldaten laͤngs der Save. Eine hohe Gebirgskette bedeckt faſt die ganze Land⸗ ſchaft. Es gibt jedoch auch fruchtbare Thaͤler und flache Ebenen. Heilſame Quellen finden ſich in großer Menge, die Luft iſt geſund und rein. Wegen der Berge verlegen ſich die Einwohner mehr auf Viehzucht, 1 als Ackerban. Die Huͤgel ſind mit Weinſtörken be pflanzt, wilde Obſtbaͤume wachſen zuweilen auf den mit Waͤldern bedeckten Berggipfeln. Eine vorzuͤgliche Gabe der Natur iſt der herrliche Tabak, weicher hier in Menge waͤchſt. Ein Theil dieſer Geſpannſchaft heißt die kleins Wallachei. Sie faͤngt bei der Stadt Pojek an, zieht ſich nordweſtlich nach der Stadt Pakracz, dann weſtwaͤrts bis an Kroatien, und gegen Suͤd uͤber die Save bis Bosnien. Der jetzige Flecken Kra⸗ lieva, oder Kralowa⸗Velika, war chemals die Hauptſtadt der kleinen Wallachei, welche von den hier 4 wohnenden Wallachen ihren Namen erhielt. Alle Einwohner, mit Ausnahme der Edelleute und der teut⸗ ſchen Reiter machen 35,000 Köopfe aus. Man zaͤhlt hier eine koͤnigliche Freiſtadt und 13 adelige Herr⸗ ſchaften. Die Freiſtadt dieſer Grafſchaft iſt Boc⸗ zega, oder Pojeg, der Hauptort der gau⸗ zen Geſpyannſchaft an dem kleinen Fluſſe Orlovg oder Oriawa, fuͤhrte als roͤmiſche Pflanzſtadt den Namen Inicernum. Sie iſt jetzt ein offener Ort ohne Befeſtigung, mit einem alten verlaſſenen Berg⸗ ſchloſſe und 600 Haͤuſern. Man findet hier ein Fran⸗ ziskanerkloſter mit einer großen Kirche und ein Gym⸗ naſium. Die Zahl der Einwohner belaͤuft ſich auf 3,600 Menſchen. Dieſer Freiſtadt gehoͤren s in der Umgegend liegende Doͤrfer. 231 Die in dieſer Geſpannſchaft liegenden adeligen Herrſchaften ſind: 1) Die Herrſchaft Kuttinja oder Kuttina. Der Fluß Lugna oder Lonja trennt ſie auf der Weſtſeite von Kroatien; auf der Suͤdſeite graͤnzt ſie an das Land der Graͤnz⸗Soldaten. Der Marktflecken Kuttinja gab der ganzen Herrſchaft den Namen. Battina und Illova ſind Doͤrfer am Fluße Illova. Die folgenden in der kleinen Wallachei lie⸗ genden 3 Herrſchaften Pakracz, Czirach und Da⸗ ruvar enthalten 3 ſchoͤne Marktflecken und 19 Doͤr⸗ fer auf 15 ½ teutſchen Meilen. Alle 3 ſind gebirgig; haben aber doch fruchtbare Thaͤler, ſtarke Viehzucht, Obſtgaͤrten, und zuweilen auch Weinbau. Die Zahl der Einwohner betraͤgt s,ooo Seelen. 2) Die Herrſchaft Pakracz wird von der Il⸗ lova und Pakra durchſtroͤmt, hat einen Markt⸗ flecken und 50 Doͤrfer. Pakraezk, ein laͤnglich, ſchoͤn gebauter und ſehr angenehmer Marktflecken an der Pakra, in einem ſchoͤnem Thale, enthaͤlt 282 Buͤr⸗ gershaͤuſer, eine katholiſche und griechiſche Kirche. Hier iſt der ordentliche Sitz des griechiſchen Biſcho⸗ fes von Slavonien. Das ganze Bisthum beſteht aus 9 Probſteien, 100 Kirchſpielen und 473 Filialen. Fuͤr die Anſehnlichkeit dieſes Ortes im Alterthume ſpre⸗ chen Ueberbleibſel alter Gebaͤude und in der Erde ge⸗ fundene Muͤnzen. 26ſtes B. Siebenbürgen z9. I. 2. 8 232 Bei dem Dorfe Lipik, eine Stunde gegen Nord⸗ weſt von Pakrac:, ſind viele warme Quellen zu ſinden. Polliana, Gaya, Toran, Kliſſa, Popovaez, Saſſe und Kamengrad ſind griechiſche Kirchdoͤrfer. 8) Die Herrſchaft Czirach(Schiratſch) in der Mitte zwiſchen Pakracez und Daruvar iſt voll Waͤlder und Gebirge. Czirach, ein ſchoͤner Marktflecken, in einer wal⸗ digen Gegend mit vortreflichen Wildbahnen, hat eine alte Pfarrkirche. Bemerkenswerth ſind noch die grie⸗ chiſchen Kirchdoͤrfer Biella, Millenovacz, und Kippo. 4) Daruvar ſtoͤßt gegen Oſt und Nord an die Veroviticzer Geſpannſchaft; gegen Weſt aber an Kroatien; es enthaͤlt 1 Marktflecken und 16 Doͤr⸗ fer. Der groͤßte Theil des Landes beſteht aus abwech⸗ ſelnden Huͤgeln und Thaͤlern. Daruvar, der Name einer alten Abtei, iſt ein nahrhafter Marktllecken am Fuße eines ziemlich hohen, mit Waͤldern bedeckten Gebirges. Man findet hier eine uralte griechiſche, und eine neue lateiniſche Kirche. Nahe bei der Kirche erhebt ſich auf einem noch viel hoͤheren Huͤgel ein großer Palaſt von neuer Bau⸗ art. Dieſes Luſtſchloß gewaͤhrt eine herrliche Aus⸗ ſicht uͤber gruͤnende Fluren, Wieſen, Pflaumengaͤrten⸗ mit Weinſtoͤcken bepflanzte Huͤgel, und zerſtreut lie⸗ gende Doͤrfer und Meierhoͤfe. In und um den Marktflecken ſind viele und ſtarke 233 Mineral⸗Quellen, aus welchen das Waſſer forudelnd heiß ſich ergießt. Die Beſtandtheile des Waſſers ſind etwas Eiſen, alkaliſches Salz und viele Siegelerde. Zwanzig Schritte vom Bade gegen den nahe geleg nen Berg wurde unter der Erde ein roͤmiſches Bad mit vielen Alterthuͤmern entdeckt. Dieſes wid⸗ mete die? Republik Jaſoru dem Kaiſer Kommodus. Eine kleine Stunde von hier gegen Suͤdweſt, auf den Graͤnzen der Herrſchaft Czirach liegen Bruchſtuͤcke eines ehemals praͤchtigen Palaſtes. Zer⸗ ſchmetterte Saͤulen, Pfeiler, Gewoͤlbe, Bogen ꝛe. ragen theils halb aus der Erde hervor, oder liegen im Waſſer, ſind mit Moos und Buſchwerk uͤberwach⸗ ſen, und bedecken einen großen Platz, in deſſen Wi telpunkte der Palaſt ſteht. Die Saͤulen, welche all umgeſtürzt ſind, und zerbrochen auf der Erde rder im Waſſer liegen, beſtehen aus grauem, mit Moos bewachſenen Marmor, und ſind von der korinthiſchen Ordnung. Dieſe Truͤmmer ſind offenbar ein Werk der mittleren Zeit. 5) Die Herrſchaft Velika, welche gegen Wet an Pakracz graͤnzt, iſt zwar gebirgig, aber ziemlie angebaut und bewohnt. Velika iſt ein großer Marktflecken mit einem Edelhofe und Franziskaner⸗ Kloſter. 6) Die kleine Herrſchaft Sztraſemon, ganz von Velika umgeben, haͤngt nur auf der Nordſeite mit der verovitiezer Geſypannſchaft zuſammen. 234 6) Die kleine Herrſchaft Sttraſemon, ganz von Velika umgeben, haͤugt nur guf der Nordſeite mit der veroviticzer Geſpannſchaft. zuſammen. Die Bewohner des ſchoͤn gelegenen Fleckens Sztra⸗ leon fangen an, ſich auf Manufakturen zu ver⸗ egen 7) Preſztovacz ſtoͤßt auf der Suͤb⸗ und Oſt⸗ ſeite an das Gebiet der k. Freiſtadt Boczega oder Bojeg. Der Hauptort iſt Pr. eſztovacz mit. einem Edelhofe und gutem Tabaksbaue. Alaginzi, Lippa und Seſovach ſind Kirchdoͤrfer. 8) Die gebirgige Herrſchaft Czernik ſcoͤßt gegen Suͤdweſt an das Land der gradiskaner Graͤnz⸗ ſoldaren, und auf den uͤbrigen Seiten an 6 ver⸗ ſchiedene Herrſchaften. Czernik, ein nahrhafter Marktflecken auf der Grͤnde der Gradiskaner im Gebirge, hatte ehemals ein befeſtigtes, jetzt aber wehrloſes Schloß. Hier iſt ein großes Franz ziskaner⸗Kloſter. Die vier Doͤrfer Sintillig, Bachindol, Malg und Oſtrivier bauen viel Tabak. ) Die Herrjchaft Pleternieza graͤnzt gegen Mittag an das Land des Broder⸗Regimentes und gegen Morgen an die biſchoͤßiche Herrſchaft Digkovar. Sie iſt ſehr gebirgig, und hat ſtarken T b Ple ternieza iſt ein Flecken mit einem ghe und Reiter⸗Kaſerne. Die reiche Abtei K 0, jetzt ein koͤuigliches Kammergut, wird auf der doſt⸗Seite durch einen kieinen Fiuß von der. Herrſhaft Pleternicza gexh treunt. Dieſe Gegend muß vor Beiten ſtark bewohnt geweſen ſeyn, weil die Huͤgel mit alten Schloͤſſern bedeckt 172„ von welchen die meiſten in Truͤmmern 1. gen. Dieſe Herrſchaft hat s teutſche Meilen im fange, und die fruchtbarſten. Ebenen mit vielen Borarg. Kuttjevo, ein ſchoͤner Markiflecken an 235 der Graͤnze des Veroczer Komitates, hat eine ſchoͤn gebaute Pfarrkirche. Die 5 Doͤrfer Hernieza, Ergglin, Czaryliak, Lakuſia und Novoſelo, treiben ſtarken Ackerbau.— Auf der Abendſeite dieſes Kammergutes liegt die Probſtei Kaptol, welche 1 42 geographiſche Meilen groß iſt, und dem Koͤnige gehoͤrt.. 34 5411) Die Herrſchaft Naſſiecze ſtoͤßt gegen Suͤd⸗ weſt an das Domaͤnengut Kuttjevo, auf allen uͤbri⸗ gen Seiten iſt von der veroezer Grafſchaft um⸗ graͤnzt. Sie iſt 2 ½ Meilen groß, und hat 14 Doͤr⸗ fer Auf, der Mittags⸗ und Abendſeite liegt ein ſeyr hohes Gebirge, welches ſich bis Naſſicze erſtreckt. In dieſer Herrſchaft findet man auch viele alte, meiſt derwüſtete Bergſchloͤſſer. Naſſicze iſ ein alter ſchlecht gebauter Burgflecken mit einem großem Fran⸗ ciskanerkloſter. Die in dieſer Geſpannſchaft liegenden Kloͤſter der Kalugier ſind nicht reich, und leben groͤßtentheils vom Almoſen. Kalugier benennen die Illyrter ihre Moͤnche. III. Das heutige Syrmien erſtreckt ſich von Illok die Donau hinauf, 6— 8 Meilen weiter ge⸗ gen Weſt, als das alte. Die Donau treunt es von Ungarn; die Save von Servien; auf der Abend⸗ und Mittagsſeite der Fluß Bich oder Boszut von Slavo⸗ nien. Der Name kommt von der roͤmiſchen Haus⸗ ſtadt Syrmium her. Unter den Roͤmern war die⸗ ſer Landſtrich ein Theil des valerianiſchen Pa⸗ noniens. Das Land iſt mit Huͤgeln und Thaͤlern geſchmuͤckt. Die Erde traͤgt aus eigener Kraft man⸗ cherlet Wurzeln, Kraͤuter, Pflanzen, Blumen, Baͤn⸗ me, welche in Teutſchland eine muͤhſame Wartung und Pfilege verlangen..— ber⸗Syrmien, d. i. der weſtliche Theil des Landes, iſt voll hoher Gebirge, welche aus der Herr⸗ ſchaft Diakovar kommen, ſich bei Vukovar der Pferde licht in hinl O Donau naͤhern, neben dem Strome hinlaufen, und ſich bis Unter⸗Syrmien, d. i. bis in den öͤſtli⸗ chen Theil erſtrecken. Bei Peterwardein in dieſe Bergkette ganz ſchmal und nicht uͤber eine teutſche Metle breit, zieht ſich dann um Karlowitz herum, und breitet ſich gegen Suͤd, Oſt und Weſt gewaltt aus. Eine Stunde von Karlowitz gegen Sud⸗Of endigen ſie mit der groͤßten Hoͤhe. In dieſen Bergen guilt hier und da eine Fettigkeit von aromatiſchem Geruche und Geſchmacke hervor. In unterirdiſchen Hoͤhlen findet man die ſeltenſten Naturſpiele. 8 inbau hat ſich hier durch das ganze Land Der verbreitet. Einen wichtigen Zweig der Landwilth⸗ ſchaft in Syrmien macht der Seidenbau. Baͤren ſinden ſich in dem Lande nicht, aber deſto mehr Fuͤchſe, wilde Katzen und Woͤlfe. 3 Vogel verſchiedener Art ſindet man in Menge, . ünglicher Anzahl, deſto mehr aber ſen von ausgezeichneter Groͤße und Staͤrke. Die Schafe, bleiben, wie in England, Tag und Nacht auf dem Felde, und werden von beherzten Hunden bewacht, welche ſo ſtark ſind, daß ein einziger dem Wolfe gewachſen iſt. Durch den Einfall der Osmanen 14141 verlor Syrmien ſehr viel an ſeiner Bevoͤlkerung. Die Mehrzahl der Einwohner iſt der grichiſchen Religion zugethan. Die ſyrmiſche Geſpannſchaft, oder Graf⸗ ſchaft, graͤnzt gegen Oſt theils an die Donau, theils an das Land der Graͤuz⸗Soldaren; auf der Suͤd⸗ und Weſtſeite ſtroͤmt der Fluß Bich oder Bos⸗ zut vorbei, und ſcheidet die Grafſchaft vom Lande des Broder⸗Negimenres. Gegen Weſt⸗ und Nord bildet jedoch nur in kleinen Strecken die ſlavo⸗ niſche Geſpannſchaft Verovitieza an einigen Or⸗ ten die Graͤnze. Das Land iſt hoͤchſt fruchtbar und 237 6 Gefpeihe, Wein, Schlachtvieh, Wolle und Seide geſegnet. 3 Unter den 3 Grafſchaften iſt Syrmien die klein⸗ ſte, und enthaͤlt nur 33,000 Menſchen und 4 adelige Herrſchaften nebſt einigen kleinen Landguͤtern, deren Beſchrerbung ich auf der Weſtſeite von der ſlavoni⸗ ſchen Graͤnze beginnen will. 1) Die Herrſchaft Noſtar oder Nuſtar wird auf der Nordſeite durch die Wuko von der ſlavoni⸗ ſchen Herrſchaft Er doͤd und von der ſormiſchen Herr⸗ ſchaft Wukovar getrennt; gegen Suͤd liegt das Land der Graͤnz⸗Soldaten; gegen Oſt Wuko⸗ var, gegen Weſt theils Diakowar, theils das Land der Soldaten. Suͤdwaͤrts graͤnzt auch dieſe fehr getreidreiche Herrſchaft in einer kleinen Strecke an den Fluß Bich. Nuſtar iſt ein ziemlich großer Marktflecken mit einem Welhofe. Lanka, Mar⸗ koſieza, Goboch und Merineze ſind Doͤrfer am rechtem Ufer der Wuko.— 2) Die große Herrſchaft Wukvvar ſtoͤßt gegen Nord⸗Oſt theils au die Herrſchaft Dallia, theils an die Douau; gegen Suͤdweſt an den Fluß Bos⸗ zut oder Bich; gegen Nord an die Herrſchaft Er⸗ doͤd und Dellja; gegen Weſt an Nu ſtar, und ge⸗ gen Oſt an Illok. Die Wuko trennt dieſe Herr⸗ ſchaft auf der Landſeite von Nuſtr, und theilt ſie eine Meile von der Donau abwaͤrts in 2 ungleiche Theile. Sie hat einen vortrefflichen Kornboden und viele volkreiche Doͤpfer. Vorzuͤglich befaſſen ſich die Einwohner mit Fiſchfang und Schifffͤhrt. Der Sei⸗ denbau iſt hier im groͤßten Flore. Wukovar, d. i. Wuko⸗Burg;, ehemals Valkowar, eine ziem⸗ lich große, gut gebaute und ſtark bewohnte Stadt, die Hauptſtadt der ſyrmiſchen Geſpannſchaft, liegt in ei⸗ ner angenehmen Gegend, auf beiden Seiten der Wuko, weiche hier in die Donau faͤllt, und den 238 Ort in die alte und neue Stadt theilt. Die Einwoh⸗ ner machen eine Zahl von 3,600 Menſchen aus, von deuen ſich die meiſten zur griechiſchen Religion beken⸗ nen. Die ehemals wichtigen Feſtungswerke der Stadt ſind alle eingegangen. Hier wird das Donauufer huͤ⸗ kelig, und verwandelt ſich endlich bei Illok in hohe erge. Sztaringrad, bei den Ungarn Tarkawara an der Donau, vor Zeiten eine feſte Burg, iſt jetzt ein offener Ort mit einem Franziskanerkloſter. Vera iſt ein Marktflecken, 2 Meilen von Eſſek. Oppatowacz iſt ein Kirchdorf an der Donau, in der Mitte zwiſchen Wukovar und Illock; demſelben gegenuͤber jenſeits der Donau liegt die unggriſche Stadt Bacs. Tardinze, Bogdano⸗ vich, Orolik und Sotin ſind volkreiche Kirchdoͤr⸗ fer, Bobata und Petrovacz freie Gemeinden. 83) Die Herrſchaft Illok, eine der groͤſtten und eintraͤglichſten im ganzen Koͤnigreiche, liegt laͤngs der Donau, und iſt beinahe ganz von dem Lande der Graͤnz⸗Soldaten umgeben. Der ganze Land⸗ ſtrich, welchen die Donau beſpuͤhlt, iſt von Il⸗ lok bis Peterwardein ein hohes und rauhes Gebirge, uͤber welches die Poſtſtraße 7 Meilen geht. Derjenige Theil, welcher eine Meile abwaͤrts von der Donau gegen Suͤd liegt, hat die fruchtbarſten Ebe⸗ nen, und bringt Weizen und Mgis in ungeheuerer Menge hervor. Die Viehzucht, Jagd und Fiſcherei ünd anſehnlich. Hier und da waͤchſt guter Wein. Illoͤk, gemeinlich Illok, iſt eine uralte Berg⸗ ſtadt, ganz nahe an der Donau, welche hier beinahe 1/4 Meile breit iſt. Dieſe alte, bluͤhende, ſehr be⸗ voͤlkerte und wohl befeſtigte Stadt, iſt jetzt ein gerin⸗ ger offener Ort. Drei auf 3 hohen Huͤgeln erbaute gewaltige Schloͤſſer liegen nebſt zwei Kirchen und ei⸗ nem Kloſter der Stadt in Truͤmmern. Eine kleine 239 Stunde weiter, liegt ein Hain, und in demſelben die Ueberbleibſel eines roͤmiſchen Gebaͤudes, welches ein Tempel der Digna geweſen ſeyn ſoll. Stuſzeck(Schuſſeck) iſt ein Dorf an der Donau, 2 Meilen von Illok, mit einer griechiſchen Kirche und einem Poſthofe,. Irregh oder Irek, ein ge⸗ raͤumiger, aber ſchlecht gebauter Marktflecken, liegt mit 1000 Haͤufern in einer ſchoͤnen Ebene am Fuße des hohen Gebirges, welches das Donguufer einnimmt. Molovin, Bingula, Divach, Nangelos⸗ he Denae. Kukinacz und Peſka ſind/ volkrei⸗ e Doͤrfer. Sechs griechiſche Kloͤſter verdienen hier bemerkt zu werden: Burkovacz, Peſchenovo, Ver⸗ nik, Jaſek, Opova und Kroczendol oder Kruſchendol. Nicht weit von letzterem iſt in ei⸗ nem finſteren Haine und ganz kleinem Thale ein praͤch⸗ tiges roͤmiſches Grabmal. 4 Zu Jllot gehoͤren noch die kleinen Landguͤter: Maradek, ganz auf der Oſtſeite der Herrſchaft in einer Gegend mit vortrefflicher Viehzucht; das Dorf Maradek iſt groß, und mit einer ſehr ſchoͤnen grie⸗ chiſchen Kirche geziert. Das Landgut Ruma iſt we⸗ gen ſeines vöortrefflichen Kornbodens beruͤhmt. Im Bezirke dieſer Herrſchaft liegen noch s, ihr nicht mehr gehoͤrige kleine Landguͤter: a) Schit, d. i. Schild, der Sitz eines Protopopen,) Kuko⸗ feze, c) Ehalma, d) Neſtin an der Donau, und c) RNavadin oder Neradin. 4) Die keine Quadratmeile große Herrſchaft Che⸗ rvoicz liegt an der Donau zwiſchen der Herrſchaft Illok und dem Lande der ſyrmiſchen Graͤnz⸗Sol⸗ daten. Sie enthaͤlt nichts als Berge und Thaͤler, und hat kein Ackerland. Cherovez iſt ein ziemlich großes Dorf an der Donau. Banoſtar, ehemals Bakmonoſtra, an der Donau vor Zeiten eine 240 beruͤhmte Stadt und der Sitz der ſyrmiſchen Bi⸗ ſchoͤfe, iſt durch die zftere Verwuͤſtung der Osmanen in ein Dorf verwandelt worden. B. Die Graͤnz⸗Soldaten muͤſſen ſowohl in Kriegs⸗ als Friedenszeiten die Graͤnzen decken, und Dag und Nacht bewachen. Sie ſtehen unter dem kommandirenden General in Slavonien, welcher ſeinen ordentlichen Sitz zu Eſſek. hat, und von dem Hofkriegsrathe zu Wien abhaͤngig iſt. Die Offnas beſorgen ſowohl das Juſtit⸗Weſen, als auch all fentlichen Ange legenheiten des Landes. Die Huetten dieſer Soldaten ſind aus Lehm, ein Zim mer dient der Familie und den Hausthieren zur Wohn aung. Alles Kuͤchen⸗Geſchirr beſteht in einem Keſſel, einem ein⸗ zigen Meſſer, und einigen hoͤlzernen Loffeln und Tel⸗ lern; die Finger vertreten die Stelle der Gabeln. Die gemeinſten Speiſen ſind ihre liebſte Nahrung. Ein ſolches Volk, welches nur thieriſch e Beduͤrfniße kennt⸗ iſt allzeit traͤge und ein Feind der Arbeit. Den Weibern und Ochſen werden daher oͤfters die Verrichtungen des Feldbaues uͤberlaſfen. Die Maͤn⸗ ner, welche nur am Kriege und an egeri Hen Be⸗ ſchaͤftigungen Freude haben, begnuͤgen ſich, ihre Wa⸗ chen zu verrichten, und ſich in den W ſen zu uͤben; die uͤbrige Zeit wird mit Schlafen und Tabakrauchen zugebracht. Man findet hier ebenfalls, wie in den 3 Geſpann⸗ ſchaften, zwei Religions⸗Partheien, velche mit ein⸗ ander vermiſcht, ſehr friedlich le Die National⸗ Regimenter der ſlavoniſchen Graͤn⸗ Soldaten ſind: das Peterwardeiner, das Byo⸗ der, und das Gradiskaner Regiment; zu dieſen kommen noch die ſlavoniſchen Huſaren. I. Staͤdte und Oerter des Peterwardei⸗ ner Regiments. Dieſe Landſchaft, welche das oͤſtliche Ende des 241 Koͤnigreiches zwiſchen der Donau und Save aus⸗ macht, faͤngt 4 4½2 Meile oberhalb Peterwardein an, laͤuft am rechten Donauufer den Strom hinab, bis Semlin, Belgrad gegenuͤber, und von da die Save herauf, bis an den Fluß Bich, auf deſſen Uinker Seite dieſes Land bis an die Herrſchaft Wu⸗ kovar ſich erſtreckt. Die vormaligen 3 großen adeli⸗ gen Herrſchaften Karlowitz, Semlin und Mi⸗ troviez, nebſt einigen kleinen Landguͤtern und ei⸗ nigen Stuͤcken von der Heirſchaft Illok, machen dieſes Soldaten⸗Land aus. 3 Das Land iſt uͤberhaupt reich an Wein und Raki, an Getreide, Melonen und Schlachtvieh. Un⸗ ter Rakj oder S chlivavieza verſteht man einen aus Zwetſchken und Pſlaumen gebrannten Geiſt, wel⸗ cher, nicht ſo hitzig als der Zwerichken⸗Branntwein, das tagliche und angenehmſte Getraͤuke der Ilyrier ausmacht. Folgende Oerter ſind an der Donau zu merken: Pekerwardein, die Hauptſtadt des Regiments, wird abgetheilt in die untere und in die obere ſedun⸗„ in das Hornwerk und in die Vor⸗ adt. Die Anzahl der Seelen belauft ſich mit 2000 Mann der Beſatzung, mit den Gefangenen in der Fe⸗ ſtung, und mit allen Einwohnern in der Stadt nur auf 5,300 Seelen. Handel und Wandel ſind ſchlecht. Das heutige Peterwardein, vor Alters eine bluͤ⸗ hende roͤmiſche Pflanzſtadt, neunt Prolemgeus Aeumineum oder Acimin ium, vermuthlich von der ſoitzigen Landzunge, auf welcher ſie aun der Do⸗ au lag.. Heut zu Tage iſt Peterwardein nicht nur nach Efſek die ſchoͤnſte Stadt im ganzen Reiche, ſon⸗ dern gehoͤrt auch zu den ſtaͤrkſten Feſtungen Eur opa's. Kamenitz, gemeinlich Kamenz, ein Dorf an der Donau, 1 Meilen oberhalb Peterwardein, „ 242 war vor 300 Jahren eine Stadt. Die meiſten Ein⸗ wohner deſſelben ſind Fiſcher. Karlowitz, eine große und volkreiche Stadt an der D dngu, 1 Meile — unterhalb Peterwardein gegen Suͤd⸗Oſt, liegt am Fuße des hohen Karlowitzer Gebirges. Eine Haͤlfte der Stadt liegt im Thale, die andere auf Huͤgeln. Es ſind hier 845 numerirte Buͤrgershaͤnſer und viele geiſtliche Gebaͤude. Unter jenen moͤgen hschſtens z00 ſteinerne und etwa 100 Haͤuſer ſeon, welche mehr als ein Stockwerk haben. Die meiſten uͤbrigen ſind aus Lehm erbaute und lnit Rohr gedeckte Huͤtten. Die Stadt iſt der Wohnſitz des griechiſchen Patriar⸗ chen. e Z9. der Einwohner mag ſich auf 5600 See⸗ belaufen. Das ſogenannte Schoabendorf liegt neben der Stadt, und iſt von teutſchen Bauern ange⸗ legt worden. Szalankamen, oder Salankemen, 3 Mei⸗ len von Karlowitz, iſt ein großer, ſehr alter Burg⸗ flecken an der Donan, welche gerade gegenuͤber die ſchiffbare Theis aufnimmt. Die meiſten Einwohner bekennen ſich zur griechiſchen Religion, und ſind Fiſcher.. Semlin oder Zemlin, eine große und volk⸗ reiche Stadt, in dem Winkel, welchen die Donau und Save bei ihrer Vereit igung, Belgrad gegen⸗ uͤber machen, liegt mehr an der Donau, als an der Save Es liegt niedrig am Fuße eines ziemlich ho⸗ hen Huͤgels, welcher ſich auf der Abendſeite der Stadt vom Thore an ſteil erhebt. Eine einfache Reihe Palliſaden umgibt die ganze Stadt. Innerhalb der Palliſade un ſind 850, und außer⸗ halb derſel lben 280 Haͤuſer. Die Einwohner belaufen ſich auf 6800, ohne die fremden Kaufleure, welche ſich hier nur einige Zeit aufhalten, und ohne die Reiſenden, welche hier die Quarantaͤne halten. Wichtig iſt dieler Ort wegen des Handels; denn 243 er liegt in der Mitte zwiſchen Wien und Konſtan⸗ tinopel, und alles, wgs hin und her geht, muß dieſe Stadt beruͤhren. Die Stadt liegt unter dem 44 Gr. 68 Min. 49 Sec. noͤrdlicher Breite. Nicht weit von Semlin liegt die tuͤrkiſche Feſtung Belgrad. An der Sgve liegen folgende Oerter im Lande der ſormiſchen Graͤnz⸗Soldaten: 3. Demetro⸗Vicza, gewoͤhnlich Mitroviez⸗ ein großer, volkreicher und etwas befeſtigter Markt⸗ flecken. Dieſer Ort iſt einer von den 4 Plaͤtzen, in welchen die Quarantaͤne gehalten wird⸗ Die Einwoh⸗ ner, ſowohl Ackerbauern als Fiſcher, ſind beinahe alle der griechiſchen Religton zugethan.. Merkwüͤrdig iſ dieſer Ort dadurch, daß eine kleine Stunde von hier gegen Oſt, nicht weit vom Dorf Ja⸗ rak, die Uebelbleibſel der beruͤhmten Stadt Sy r⸗ mium oder Sirmiſch an der Save in und ihe der Erde zu finden ſind. Sie war zur Zeit der Rö⸗ uer, die Handihudt des ganzen abenlaͤndiſchen Il⸗ hrien's.— „Dem Dorfe Klenka gerade gegenuͤber iſt die tuͤrkiſche Stadt Sabacz, bei den Osmauen Bujur⸗ delen, auf einer Iunſel an der Save der Schluͤſſel zu Sormien, Kopowina iſt ein befeſtigter Markt⸗ flecken an der Save. In der Mitte des flachen Landes ſiegen; Go⸗ lubincie, ein volkteiches Pfarrdorf, Popineig⸗ Indig unb Paturna, bekannt wegen ihres vortreff⸗ ſichen Weizens. Endlich ſind noch die 4 griechiſchen Kloſter Beochin, Ratkoviez, Drenovaez und Gergetegg zu bemerken. II. Staͤdte und Oerter des Gradiskaner und Broder Regimentes, oder der ſl a⸗ voniſchen Graͤnz⸗Soldaten. Die ſlavoniſchen Graͤnz⸗ Soldaten be⸗ wohnen ein Land, weiches 26 geographiſche Meilen omm zwiſche eiſt unſicher, gefal 2 tromes von Kroa ſind am Ufer viele Wachthaͤnſer und kleine T erbaut, welche Cſerdaken heißen Brod, oder Brodi, ein ſehr alter, ſchlecht ge⸗ bauter Marktflecken an der Save. Die Einwohner machen mit der Beſatzung und der Geiſtlichkeit keins 3000 Seelen aus. Die meiſten ſind roͤmiſch⸗katho⸗ liſch, legen ſich auf den Ackerbau, die Viehzucht, Fiſcherei und Schifffahrt.. Kobat, ein altes, etwas befeſtigtes Schloß an der Save, 2 Meilen oberhalb Brod mit einer Beſatzung. 3 3 Lukgch, eine Schanze an der Save, in welche hier der Fluß Bosna, wovon Bosnien den Na⸗ men hat, faͤllt. Ratſcha, eine kleine Feſtung auf einer Inſel, um welche ſich die Save in einer ſtar⸗ ken Kruͤmmung ſchlingt. Die Drina, die Graͤnze zwiſchen Bosnien und Sexvien, vereinigt ſich 245 der Inſel gegenuͤber mit der Save. Bei dem Dorfe Boszat faͤllt der Fluß gleicher Namens in die Save. Morpviez iſt ein feſtes Schloß am Boszut. 3 Vinkoviezi, oder Vinkofwze, ein volkrei⸗ cher Marktflecken am Boszut, 3 Meilen von Eſſek, und eben ſo weit von Diakovar, liegt in einer waldigen und moraſtigen Gegend. 3 Das Land des Gradiskaner Regimen⸗ tes. Auf der Nordſeite dieſer Landſchaft liegen die 2 poſcheganer Herrſchaften Kuttinja und Czerni k, die Mittagsſeite beſpuͤhlt die Save; der Bach Tre⸗ beß und einige gezogene Kanaͤle trennen ſie auf der Abendſeite von Kroatien.. Das Land liegt am Fuße der Berge, welche die poſcheganer Grgafichaft bederken, und von denen ei⸗ nige in dieſe Landſchaft treten. Gegen die Save findet man moraſtige Waldungen. Die kroatiſche achbarſchaft iſt Urſache der ſtarken Bevoͤlkerung. Den Namen Gradisk oder Gradiska fuͤhren 3 Staͤdte. Sie ſind; 4 Alt⸗Gradiska, am linken Ufer der Saye. Von dem ſehr alten Schloſſe hat das ganze Land ſei⸗ nen Namen. Die Stadt iſt groß, ſtark bewohnt und hat kothige Straßen und ſchlecht gebaute Haͤuſer. Hier muͤſſen alle aus der Tuͤrkei kommende Reiſend die Quarantaͤne halten. 3 Tuͤrkiſch⸗Gradiska, von den Osmanen Ber⸗ bir genannt, liegt am rechten Ufer der Save in Bosnien, Alt⸗Gradiska gerade gegenuͤber, iſt eine neue, regelmaͤßige Feſtung, und gehöͤrt den Os⸗ anen. Neu⸗Gradiska, an der Graͤnze der poſcheger Grafſchaft, eine neue Stadt, wurde vor wenigen Jahren erſt ausgebaut, iſt unbefeſtigt; ſie uͤbertrifft an S zuhei, regelmaͤßiger Bauart und reinlichen Stra⸗ ſen Alt⸗Gradiska⸗ 246 Kralieva Velika, oder Kraliowa Vel⸗ likg, ein ſehr alter Ort auf einer Inſel, welche die Pakra 34 Meilen von ihrer Vereinigung mit der Save bildet. Dieſer Ort in der kleinen Walla⸗ chei war vor Alters eine große Reſidenzſtadt, wie ihr Name andeutet. Novoſello, ein nahrhafter und wohlbewohnter Marktflecken. Goleſig, Zaga, Medari, Sigiſa, Bodovals und Petrovo⸗ ſello ſind große Doͤrfer.. Im Lande der ſyrmiſchen Graͤnz⸗Soldaten erbau⸗ ten die Clementiner, ein ſehr altes, unvermiſcht gehliebenes Volk, welches ſich durch Sprache, Ge⸗ muͤthsart, Leibes⸗Beſchaffenheit, Kleidung, Sitten ꝛc. von allen andern Voͤlkern in den ungariſchen, osma⸗ niſchen Laͤndern gaͤnzlich unterſcheidet, und in Syr⸗ mien und Albanien wohnt, 5 Dorfer an der Save, welche die Kompagnie der ſlavontſchen Hu⸗ ſaren ausmachen. Die Maͤnner tragen einen Harle⸗ kin's⸗Hut, und haben, wie ihre Weiber und Kinder, einen ſeltſamen Anzug. Sie lieben, wie die Berg⸗ ſchotten, buntfaͤrbige Kleider und Struͤmpfe, welche ſie ſelbſt verfertigen. Sie kamen erſt 1737 aus Alba⸗ nien nach Syrmien. Sie ſind treu, tapfer, und betragen ſich ordentlich. Dieſes merkwuͤrdige Volk halten Einige fuͤr Ueber⸗ reſte der Gothen, andere der Alanen, wieder an⸗ dere der Geugener oder Awaren. Allein es iſt of⸗ fenbar, daß daſſelbe unvermiſchte Ueberbleibſel der ur⸗ ſpruͤnglichen Illyrier ſind, von welchen noch viele auf dem Gebirge Zeraunis oder Monte⸗ negro wohnen.