Taſchen⸗Bibliothek der wichtigſten und intereſſanteſten See⸗ und Land⸗Reiſen, Eründuns der Buchdr) ngerkunſt bis auf unſere —. Zeiten. Mit eandkarten, Vlanen Portraits und anderen Abbi ldungen. Berfaß von Mehren Gelehrten, und earsgegeben Joachim Helnrich Jaͤck, 3 Koͤnigl. Bibliothekar zu Bamberg. 22. Bändchen. Mit einem Kupfer. I. Theil. 3. Bändchen von Perſten. Nuͤrnberg. Verlegt von Haubenſtricker und von Ebner. 18228. Taſchen⸗Bibliothek wichtigſten und intereſſanteſten Reiſen durch Derſien. Mit Landkarten, Planen, Portraits und anderen Abbildungen. BDerf aß 1 von Mehren Gelehrten, und herausgegeben von Joachim Heinrich Jaͤck, Koͤnigl. Bibliothekar zu Bamberg. I. Theil. 3. Baͤndchen. Nürnberg. Verlegt von Haubenſtricker und von Ebner. 182 8. * Drittes Buch. Sir Thomas Sherley's Reiſe in die Türkei. I. Haupt ſt n ck. Der aͤlteſte der drei Bruͤder wurde in fruͤher Jugend zum Militaͤr erzogen. Da er eine beſondere Vorliebe fuͤr dieſen Stand hatte, ſo gelang ihm, das Kom⸗ mando uͤber dreihundert Mann in Holland zu er⸗ halten. Hier benahm er ſich ſo tapfer, daß Lord Willoughby ihn 1589 zum Ritter(Knight) erhob. Dieſe Sphaͤre war jedoch fuͤr ſeinen Ehrgeiz zu klein. „Er war beſchaͤmt“, ſagt Fuller,„ſeine beiden jüngeren Bruͤder gleich Blumen an dem Buſen frem⸗ der Fuͤrſten getragen zu ſehen, waͤhrend er ſelbſt auf dem Stiele verwelkte, auf welchem er wuchs.“ Er verließ daher ſeinen bejahrten Vater und ein ſchoͤnes Erbe in Suſſer, und unternahm See⸗Reiſen in 238 fremde Laͤnder zur Ehre ſeiner Nation, wobei er ſich aber ſehr wenig bereicherte.“ Um etwas zu thun, was ihm Ruhm erwerbe, entſchloß er ſich endlich, nachdem er mehrere Plaͤne bei ſich erwogen hatte, dem Geiſte ſeiner Zeit gemaͤß, zur Ehre der Religion und des Friedens einen Zug gegen die Unglaͤubigen zu unternehmen, welche Expedition gegen die Duͤrken er demnach ausfuͤhrte. Nachdem er drei wohl gebaute Schiffe ausgeruͤſtet, und mit fuͤnf⸗ bundert Soldaten bemannt hatte, ſegelte er im Jahr 1602 zu einem religtoͤſen Kreuzzuge ab. An die itali⸗ ſche Kuͤſte verſchlagen, ging er nach Florenz, und wurde an dortigem Hofe ſehr ehrenvoll aufgenommen. Nachdem er ſich hier eine kurze Zeit aufgehalten hatte, ſchiffte er ſich ein, und richtets ſeinen Lauf wieder nach der Tuͤrkei. Er war noch nicht lange auf der See geweſen, als er einem großen Schiffe begeg⸗ nete, mit welchem er ſich ſogleich in ein Gefecht ein⸗ ließ, und welches ihm nach einem laugen Gefechte zu entern gelang. Allein das Schiffsvolk wehrte ſich noch acht Stunden, ehe ſie ſich uͤbergaben. Da Sir Tho⸗ mas in dieſem Gefechte einhundert Mann einbuͤßte, und die Beute keineswegs einem ſo großen Verluſte angemeſſen war; ſo empoͤrten ſich ſeine Soldaten, und ein Theil fluͤchtete ſich quf einem ſeiner Schiffe. Er ſegelte hierauf nach Leghorn, wo nach einem Auf⸗ enthalte von acht Tagen ein neuer Tumult unter ſei⸗ nem Schiffsvolke ausbrach. Um ſie zu beſchwichtigen, 239 ſtach er abermals in die See: als er aber an die Kuͤſte von Sizilien kam, ſo entfloh Peagcock, einer ſei⸗ ner Kapitaͤne mit dem andern Schiffe; daher ihm nur noch ſein eigenes Fahrzeug uͤbrig blieb. Eine genauere Erzaͤhlung der ubrigen Begebenhei⸗ ten ſeines Zuges findet ſich in dem Bruchſtuͤcke einer Handſchrift auf dem brittiſchen Muſeum, aus welchem wir Folgendes entnehmen. JI. Hauptſtück. Sir Thomas Sherley's Verſuche in der Tuͤrkei, und die verraͤtheriſche Empo⸗ rung der uͤbrigen ſeeiner Leute. Es liegt in der Natur des Schickſals, daß es ſel⸗ ten einzeln kommt, ſei es in Widerwaͤrtigkeiten, oder im Gluͤck, und daß eines dem andern auf der Ferſe folgt, wie wir an des Sir Thomas hoffnungslo⸗ ſem Zuſtande ſehen. Denn am naͤchſten Morgen nach der Empoͤrung des Peacock wurde ihm ein gleicher Streich auf ſeinem eigenen Schiffe geſpielt, da der groͤßte Theil ſeiner Leute eine gefaͤhrliche Meuterei gegen ihn anſpann. Sie erklaͤrten ihm offen, daß ſie nicht laͤnger unter ſeinem Kommando ſtehen wollten. Sie weigerten ſich ernſtlich, ihm zur Ausfuͤhrung ſeiner Plaͤne auf ſeinen Reiſen zu folgen. Sie warfen ihm in groben Worten und unfreundlichen Reden vor, 240 daß ihre Hoffnungen und Erwartungen, die ſie von ihm gehegt haͤtten, getaͤuſcht worden waͤren; daß er in ſeinen Unternehmungen unvorſichtig, und in ſeinen Erfolgen ungluͤcklich ſei; daß ſie mit ſeinem Unterneh⸗ men durchaus nicht uͤbereinſtimmten, und nichts da⸗ von hoͤren wollten, indem keine Moͤglichkeit vorhan⸗ den ſei, daß etwas Gutes daraus entſtehe, und ſie be⸗ ſtaͤndige und ſichere Gefahr liefen. Sie beſtanden end⸗ lich darauf, daß ſie wieder in die See ſtechen, und ſich von ihrem Vorhaben nicht laͤnger abhalten laſſen wollten, alle Gelegenheiten zu ergreifen, die ſich ih⸗ nen darboͤten, um ſich zu bereichern, und ihre Wuͤnſche, es gehe wie es wolle, durch alle Mittel zu befrie⸗ digen.— 4 Sir Thomas uͤber die grobe und veraͤchtliche Behandlung ſeiner Leute auf ſeinem eigenen Schiffe außer Faſſung geſetzt, nahm zuerſt ſeine Zuflucht zu Drohungen, wie ſie ſeinem Range als Kommandant zukamen. Allein da die Empoͤrung allgemein war, und er, ihr General, allein gelaſſen wurde; ſo ſchuͤrte er nur das Feuer ſeiner rebelliſchen Schiffsmannſchaft. Er ward genoͤthiget, ſein Anſehen, als Befehlshaber bei Seite zu ſetzen, und wie eine Privatperſon in milden Ausdruͤcken und mit ſanften Worten, die ſei⸗ ner hohen Seele ſo wenig entſprachen, ſie zu bitten, daß ſie ihn nicht ſo verlaſſen moͤchten, da ſie ihn doch zuvor ihren Kapitaͤn und General genannt, und ver⸗ ſprochen haͤtten, ihm im Gluͤcke und Ungluͤcke beizu⸗ 241 ſtehen.„Laßt“, ſagte er,„Euch bei dem Gedanken an unſer Ungluͤck nicht ſo weit entmuthen, um mich und Euch ſelbſt zu einem verzweifelten Schritte zu verleiten; noch laßt Euch jene Abtruͤnnige zum Bei⸗ ſpiele dienen, die mich ſo verraͤtheriſch verlaſſen ha⸗ ben, um Euch dadurch verleiten zu laſſen, ein Glei⸗ ches zu thun. Ich habe euch gewaͤhlt, mein Leben und alles, was mir theuer iſt, in eure Haͤnde gege⸗ ben. Ich habe bereits zwei Schiffe nicht durch die Unbeſtaͤndigkeit des Seegluͤcks, ſondern durch das treu⸗ loſe Betragen meiner Leute verloren. Es bleibt mir jetzt nur noch Eines uͤbrig, mit Euch, in welche ich bisher ein ganz beſonderes Vertrauen ſetzte, worin ihr mich ebenfalls betrogen habt. Laßt mich nicht laͤn⸗ ger leben, damit ich einſt den Platz nicht angeben kann, wo ihr mich ſo unmaͤnnlich und unfreundlich verlaſſen, und Euern Kapitaͤn verrathen habt. Es bleibt uns jetzt noch eine lebhafte Hoffnung uͤbrig, un⸗ ſer Gluͤck zu machen, die Euch, wenn Ihr Euch nicht durch Zwiſt und Meuterei darum bringt, noch ehe⸗ ſtens bereichern, und Eure Erwartungen befriedigen kann. Ich werde nichts unterlaſſen, was zu Eurem Beſten gereichen, noch Etwas begehen, was der Er⸗ wartung, welche ihr von mir hegt, unwuͤrdig und meinem eigenen Rufe nachtheilig ſeyn koͤnnte.“ Da ſeine Leute durch dieſe Anrede nicht zufrieden geſtellt waren, und immer noch meuteriſch und aufruͤhreriſch gegen ihren Kapitaͤn geſinnt waren, ſo rief Sir Tho⸗ 8 242 mas weifelhaft, was er thun ſolle, den Schiffslieu⸗ tenant, den Unterſchiffer, den Stuͤckmeiſter und die andern Schiffs⸗Offiziere zu ſich, und fragte ſie, ob ſie mit dem Schiffsvolke gegen ihn gemeinſchaftliche Sache machten. Sie antworteten ihm, daß ſie nicht ſo geſinnt ſeien, ſondern betheuerten ihm, daß ſie ihm folgen, und ihm gehorchen wuͤrden, wie er uͤber ſie verfuͤge, und folglich alle ſeine Schickſale mit ihm theilen wollten. Sir Thomas vereinigte ſich hier⸗ auf mit ihnen, die Uebrigen zur Ordnung zuruͤck zu bringen, und ſo wurde fuͤr dieſes Mal der Aufruhr geſtillt. Um ſeine Leute beſchaͤftigt zu erhalten, richtete Sir Thomas ſeinen Lauf nach Milo, in der Ab⸗ ſicht, einen engliſchen Seeraͤuber zu nehmen, der ſich dort aufhielt. Allein boͤſes Wetter und widrige Winde trieben ihn nach Zia, wo er ein venetianiſches Schiff vor Anker fand, und ſeine Leute abermals Meuterei anſtifteten, ſo daß es ihn viele Muͤhe koſtete, ſie von der Pluͤnderung des Schiffes abzuhalten. Ihre Gierde nach Beute, und ihre Abneigung, ihr Gluͤck anders⸗ wo zu verfuchen, vermehrte ihre meuteriſchen Geſin⸗ nungen, welche abermals mit vieler Muͤhe beſchwich⸗ tigt wurden. Hier ward er durch widrige Winde gezwungen, acht Tage liegen zu bleiben. Da er ihren Unmuth zu ſtillen glaubte, indem er ſie von dem Muͤßs ſiggange abhielt; ſo machte er den Verſuch, eine Iu⸗ ſel zu uͤberfallen, die den Tuͤrken gehoͤrte, nicht weit 243 davon lag, und deren Einwohner Tuͤrken und Grie⸗ chen ſind. Dieſer Anſchlag ward auf folgende Weiſe ausgefuͤhrt: Am 415. Januar 1602 landete Sir Thomas zwi⸗ ſchen drei und vier Uhr des Morgens hundert ſeiner Leute, bei dem Lichte des Vollmonds, der eben ſehr hell ſchien. Er theilte ſie in zwei Abtheilungen, de⸗ ren vorderſte ſein Lieutenant, und er ſelbſt den Hin⸗ terhalt befehligte, und ſo marſchirten ſie auf die Stadt los, welche drei Meilen von der See entfernt lag. Nachdem ſie uͤber eine Ebene, welche ohngefaͤhr eine Meile lang war, gekommen waren, langten ſte an einem gekruͤmmten Felſen an, durch welchen ein Weg ſo eng durchgehauen war, daß nicht mehr als zwei Mann neben einander marſchiren konnten. Nach⸗ dem er ohne Hinderniß durch dieſe Fels⸗Schlucht gedrungen war, kamen ſie an einen hohen und ſtei⸗ len Berg. Nachdem ſie deſſen Gipfel erſtiegen hat⸗ ten, ſahen ſie die Stadt vor ſich liegen, deren ſie ſich bald bemaͤchtigten, da ſie ein unvertheidigter Ort war, der ſchnell von ſeinen Einwohnern verlaſſen wurde, welche in die Waͤlder und Gebirge und an⸗ dere unzugaͤngliche Plaͤtze fluͤchteten. Hier gab er den Befehl, daß keiner ſeiner Leute, bei Dodesſtrafe, Per⸗ ſon oder Eigenthum eines Chriſten beruͤhren ſolle, was aber uͤberfluͤſſig war, da ſie alle ihre Habſeligkeiten mit ſich geſchlepyt, und nichts als die leeren Haͤuſer ſtehen gelaſſen hatten. 244 Als ſie ſo im Beſitze der Stadt waren, wo ſie nichts fanden, um ihre Erwartung zu befriedigen, und noch im Zweifel ſtanden, ob ſie vorwaͤrts gehen oder zuruͤck kehren ſollten, erhielt er ploͤtzlich durch ſeine Spione die Nachricht, daß ein großer Haufe von In⸗ laͤndern ſich zuſammen gerottet habe, und ſie anzu⸗ greifen entſchloſſen ſei, und zwar mit groͤßerer Macht, als ſie zu widerſtehen im Stande waͤren. Als Sir Thomas dieſes hoͤrte, und wahrnahm, daß ſeine Leute murrten und erſchrocken waren, befahl er ſei⸗ nem Lieutenant, mit ihnen den Berg hinab in Ord⸗ nung ſich zuruͤck zu ziehen, und in Geſchwindſchritt nach dem Schiffe zuruͤck zu kehren, indem er ſie er⸗ muthigte, die Anzahl der Tuͤrken nicht zu fuͤrchten. Denn das Volk in dieſen Gegenden ſei ungeuͤbt in militaͤriſcher Diseiplin, und ihre beſten Waffen beſtaͤn⸗ den nur aus Staͤben und⸗Steinen. Er befahl ihnen weiter, Halt zu machen, wenn ſie in die Ebene ge⸗ kommen ſeien, wo keine Gefahr fuͤr ſie ſei, und ver⸗ ſprach ihnen ſeines Theils daſſelbe mit dem Nachtrabe zu thun. Allein ſeine Leute, die aus Rebellen jetzt Feiglinge geworden waren, und keinen Auftrag oder Befehl ihres Kapitaͤns anhoͤrten, ſprangen in Unord⸗ nung den Berg hinab, ſo geſchwinde ſie laufen konn⸗ ten. Da der Nachtrab dieſes ſah, ſo fingen ſie a das Gleiche zu thun. Hierauf nahm Sir Thomas einen Offizier bei der Hand, und ſtellte ſich vor den Nachtrab ihnen ſo in den Weg, dasß ſie in dieſer un 8 245 ordentlichen Weiſe nicht fortziehen konnten, ohne ihn nieder zu treten. Hier wurden ſie arg mit Steinen verfolgt, viele ſeiner Leute verwundet, und er ſelbſt an einem ſeiner Beine. Sie fochten jedoch eine Zeit lang mit ihnen, toͤdteten mehrere, und marſchirten eine Meile ruhig, waͤhrend die Einwohner auf jeden Vortheil lauerten, ihnen zu ſchaden. Aber als ſie endlich in der Ebene ankamen, wo ſie noch eine Meile nach dem Schiffe hatten, und als der Nachtrab wahr⸗ nahm, der Vortrab habe einen ſo großen Vorſprung gewonnen, daß ſie ſich einzuſchiffen im Begriffe ſtaͤn⸗ den: ſo folgten ſie eben ſo geſchwind nach, indem ſie ihren Kapitaͤn unter den Feinden zuruͤck ließen, der keinen ſeiner Leute dahin bringen konnte, zu ſtehen und ſein Schickſal mit ihm zu theilen, ſo ſehr er auch im befehlen, zu uͤberreden und zu bitten ſuchte.. Sir Thomas, der von ſeinen Leuten verlaſſen und von Feinden umringt war, weder Luſt zum Flie⸗ hen, noch Verlangen zu leben hatte, faßte jetzt ſeinen Entſchluß. Aller Hoffnung des Lebens beraubt, wel⸗ ches er jedoch ſo theuer als moͤglich verkaufen wollte, drang er auf ſeine Feinde ein, und ſchlug ſich, nur von zweien der Seinigen begleitet, welche nicht hat⸗ ten entfliehen wollen, durch zehn Griechen, welche ihn anfielen. Er hieb nach allen Seiten ſo um ſich, daß die Inlaͤnder einſehen mußten, wie ſchwierig fuͤr ſie geweſen ſeyn wuͤrde, ſeine Mannſchaft zu uͤber⸗ waͤltigen und zu ſchlagen, wenn die uͤbrigen eben ſo K 246 muthvoll und entſchloſſen geweſen waͤren. Endlich ward er von der Menge gedraͤngt, ſchwer verwundet, und zu Boden geworfen. Nur diejenigen, die ſich in einer aͤhnlichen Gefahr befunden haben, moͤgen beur⸗ theilen, was er bei dieſem Gluͤckswechſel fuͤhlte, als er ſo gefangen genommen und entwaffnet wurde, und ſich von ſeinen eigenen Leuten verlaſſen, in den Haͤn⸗ den eines treuloſen, blutduͤrſtigen und barbariſchen Volkes ſah. IHI. Hauptſtü ck. Sir Thomas Sherley’s Elend in ſeiner Gefangenſchaft auf einer tuͤrkiſchen Inſel. 8 So hart es fuͤr einen Mann iſt, aus einem gluͤcke lichen in einen elenden beklagenswerthen Zuſtand ver⸗ ſetzt zu werden, ſo iſt doch das Ungluͤck die wahre Pruͤfung oder der Probierſtein der Geſinnung eines Menſchen. Denn es pruͤft ſein Inneres, ob auch jene bimmliſchen und menſchlichen Tugenden in ihm ge⸗ funden werden, welche in Zeiten der Noth dieieni⸗ gen eines jeden Chriſten ſeyn ſollten. Allein es fand in dem unveraͤnderlichen Gemuͤthe dieſes wuͤrdigen Mannes, ſolche in ſo reichem Maaße vor, daß ohnse⸗ acht t des ungluͤcklichen Wechſels ſeiner Lage, er den⸗ 247 noch jene Standhaftigkeit und jenes Vertrauen, wie in den Tagen ſeines Gluͤcks beibehielt. Sir Thomas und zwei ſeiner Leute, welche mit ihm gefangen worden waren, befanden ſich in den Haͤnden von zehn der Einwohner, von denen neune ihn toͤdten wollten; der zehente jedoch es durch Bitten und Ueberredung dahin brachte, daß ſie ihn am Leben ließen. Allein ſie nahmen ihm alles, was er bei ſich hatte, zogen ihm ſelbſt Stiefel und Struͤmpfe aus, banden ihm die Haͤnde mit einem ſeiner Kniebaͤnder auf den Ruͤcken und fuͤhrten ihn barfuß durch den Felsweg nach der Stadt. Es begegneten ihnen auch nicht ein griechiſcher Mann oder Weib, die ihn nicht, ſchlugen oder zu ſchlagen verſuchten. 5 Sein Schiff lag drei Tage in dem Hafen; allein ſie machten keinen Verſuch, weder durch Gewalt noch Bitten, ihn zu befreien. So lang das Schiff im Ha⸗ fen lag, hielten ſie ihn in Feſſeln; als aber das Schiff davon ſegelte, nahmen ſie ihm ſolche ab, und behan⸗ delten ihn beſſer, als er von einem ſo barbariſchen Volke erwarten konnte. Hier wurde er einen ganzen Monat gefangen gehalten, und dann in einem kleinen offenen Boot nach Negropont geſchickt, wo er dem Caja(Kadi), ſo wird naͤmlich der erſte Beamte dieſer Inſel genannt, uͤberliefert ward. Im Anfange wurde er freundlich behandelt, und gut mit ihm um⸗ gegangen; allein ſtrenge und jede Nacht von acht Mann, vier Tuͤrken und vier Griechen bewacht. Nach fuͤnf Tagen miethete er einen Janitſcharen, durch welchen er Briefe an den engliſchen Conſul in Patras abſchichte, welches fuͤnf Tagreiſen von dort war. Er empfing jedoch von dem Conſul keine Ant⸗ wort auf ſeine Briefe, ſondern ward bei der Wieder⸗ kehr des Janitſcharen in einen finſtern Kerker gewor⸗ fen, und mittelſt einer ſchweren Galeeren⸗Kette mit einem Sklaven zuſammen gekettet, der zuvor gefan⸗ gen genommen worden war, was ihn am meiſten ſchmerzte. In dieſem ſcheußlichen Gefaͤngniſſe blieb er vom 20. Maͤrz 1602 bis zum 25. Juli 1603, waͤhrend wel⸗ cher Zeit ſeine beſte Bekoͤſtigung aus Brod und Waſ⸗ ſer, und ſein waͤrmſtes Lager aus dem kalten Erdbo⸗ den beſtand, wobei ihm oͤfters neben ſeinem Elende in der Gefangenſchaft bald mit dem Tode, und bald mit der Galeere gedroht wurde. So ohne alle Hoff⸗ nung, ſeine Freiheit wieder zu erhalten, und in taͤg⸗ licher Erwartung des Todes, ohne andern Troſt, als denjenigen, den ihm ſeine Geduld darbot, da ſich nur Seenen des Schreckens und der Verzweiflung ſeinem Auge und Ohr darboten, behielt er doch immer Faſ⸗ ſung und Selbſtbeherrſchung, indem er ſich von ihnen nicht ſo ſehr niederſchlagen ließ, um aͤußerlich ein Zeichen der Verzweiflung von ſich zu geben. Zu dieſer Zeit ſchrieb er verſchiedene Briefe an den engliſchen Geſandten zu Konſtantinopel, und bat ihn, ſich in Nuͤckſicht ihres gemeinſchaftlichen . 3 249 Vaterlandes fuͤr ihn bei dem Admiral⸗Paſcha zu ven wenden, deſſen Gefangener er eigentlich war, damit er ſeine Freiheit wieder erhielte; indem er ihm als Ehrenmann, deſſen Name und Familie ihm bekaumt ſeien, betheuerte„daß er, ſobald als es ihm moͤglich ſei, ihm fuͤr das ihm zu bezeigende Wohl wollen, ſich dankbar erweiſen werde. Allein Gefaͤngniſſe ſind den Graͤbern aͤhnlich, wor⸗ in ein Menſch, wenn er auch lebt, dennoch ohne Be⸗ ruͤckſichtigung und Achtung Anderer begraben liegt. Denn der Geſandte beantwortete keinen ſeiner Briefe, ſondern ſagte dem Paſcha, daß er mit ihm verfahren koͤnne, wie es ihm gut duͤnke. Waͤhrend der Zeit ſei⸗ ner ungluͤcklichen Gefangenſchaft hatte Jemand dem Paſcha hinterbracht, daß er im Stande ſei, fuͤnfig⸗ tauſend Zechinen Loͤſegeld zu bezahlen, worauf ihn der Paſcha unter Bewachung von vier Capoges oder Haͤſchern, wie wir ſie nennen, von Negro⸗ vont nach Konſtantinopel bringen ließ. So endigte ſich alſo das Eleud ſeiner Gefangen⸗ ſchaft an einem Orte, um an einem audern Orte eu Bez uzeen 6 fortgeſetzt zu werden. ateo B. Perſten. I. 3. 2 IV.; Hauptſtück. Sir Thomas Sherley's Elend in der Ge⸗ fangenſchaft zu Konſtantinopel. Der Kranke, der ſeinen Aufenthalt veraͤndert, aber ſeinen Zuſtand nicht verbeſſert hat, findet wenig Troſt in der Veraͤnderung der Luft und des Klimas, weil ſeine Krankheit ihrer Natur nach jene Luſt oder jenes Vergnuͤgen ertodtet oder niederſchlaͤgt, welche ſich gewoͤhnlich zu einem geſunden Koͤrper geſellen. In einer aͤhnlichen Lage befand ſich auch Sir Tho⸗ mas bei ſeiner Verſetzung von Negropont nach Konſtantinopel. Denn ſowohl die Behaudlung, die er unterwegs erlitt, als ſein Empfang dort, wa⸗ ren nicht ſehr geeignet, ihn zu troͤften. Er fand, daß er nur den Ort, aber nicht die Art ſeiner Gefangen⸗ ſchaft verwechſelt hatte. Den ganzen Weg zwiſchen Konſtantinopel, welche beide Orte fuͤnfhundert Meilen von einander entfernt ſind, legte er auf einem Maulthiere zuruͤck, denn er ritt auf einem Packſattel mit einer Galeerenkette an den Beinen, und eine an⸗ dere um ſeinen Leib, wobei ihm oͤfters die Beine un⸗ ter dem Bauche des Maulthiers zuſammen gebunden wurden. Bisweilen hatte er ſein Lager in Haͤuſern, bisweilen unter Baͤumen. Wenn ſie ja in eine Stadt kamen, worin ſich ein Stockhaus befand; ſo ſperrten ſie ihn dort ein, und wenn ſie keinen ſolchen Platz trafen, banden ſie ſeine Fuͤße mit einer kleinen Kette — — 251 zuſammen, wobei er uͤberdieß noch eine große Kette um ſeine Lenden, und eiſerne Feſſeln an ſeinen Haͤnden hatte. Die vier von dem Paſcha abgeſchiek⸗ ten Haͤſcher bewachten ihn, und es wuͤrde die Geduld des ſanftmuͤthigſten Menſchen ermuͤdet haben„ den veraͤchtlichen Spott und die Sticheleien anhoͤren und erdulden zu muͤſſen, die ſie, wenn auch nicht immer durch ihre Reden, doch durch ihre finſteren Geſichter und ihr Benehmen, ſo daß er es wohl merken konnte, auf ſeiner ganzen Reiſe von Negropont nach Kon⸗ ſtantinopel ausdruͤckten. Am 12. Tag nach ihrem Ausmarſche, gegen drei Uhr des Nachmittags, kamen ſie in der Stadt an, und ſogleich nach ſeiner Ankunft ſchrieb er abermal an den Geſandten, und machte ihn mit der Veranlaſ⸗ ſung ſeiner Gefangenſchaft, mit der Art, wie er be⸗ handelt werde, und ſeinem gegenwaͤrtigen Clende be⸗ kannt. Er drang außerſt in ihn, daß er ihn doch nicht in ſeinem gegenwaͤrtigen Jammer verlaſſen, noch zugeben moͤchte, daß ein Landsmann von ihm und ein Mann vom Stande ſeine Hoffnungen, ſeine Jugend, ſein Gluͤck, ja ſein Leben ſelbſt in einem ſo ſchreckli⸗ chen und entehrenden Gefaͤngniſſe unter der grauſa⸗ men Tyrannei der Unglaͤubigen einbuͤße. Allein er ließ ihm rundweg ſagen, daß er nichts mit ihm zu thun haben, noch ſich in ſeine Sache miſchen wolle. Sir Thomas, der ſich alſo troſtlos und verlaffen ſab, waffnete ſich indeſſen immer noch mit gewohn⸗ ter Geduld, und faßte Muth gegen die Schrecken der bemwerkte ihm hierauf, daß er nicht wiſſe, wofuͤr er 2⁵² Verzweiflung, indem er ſeine Seele nicht, wie ſei⸗ nen Koͤrper, durch knechtiſche und furchtſame Vorſtel⸗ lungen feſſeln, ſondern ſich wenigſtens die Freiheit ſeines Geiſtes erhielt, und die Hoffnung zu ſeinen Be⸗ fuͤrchtungen vorwalten ließ. Am folgenden Tage nach ſeiner Ankunft in der Stadt wurde er vor den Paſcha gefuͤhrt, welcher ihn fragte, was er in dem Archipel zu thun gehabt habe, und warum er gegen die Kriegsgeſetze und das zwi⸗ ſchen beiden Koͤnigreichen beſtehende Buͤndniß ohne Erlaubniß auf dieſe feindliche Weiſe gewaltſam ge⸗ landet habe, um in dieſem Cheile des tuͤrkiſchen Reichs zu rauben und zu pluͤndern. Sir Thomas antwor⸗ tete, daß, da er durch den Drang der Umſtaͤnde und ſeine langen Reiſen in Mangel gerathen ſei, er genoͤ⸗ thigt geweſen waͤre, ſeine Leute an das Land zu ſetzen, um ſie zu erfriſchen, und daß er dieß um ſo mehr in dieſem Lande gethan habe, da er wiſſe, daß es in Freundſchaft mit ſeinem Koͤnig ſtehe. Der Paſcha er⸗ wiederte hierauf, daß ſein Einfall gegen Recht geſche⸗ hen, und er ſein rechtlicher Gefangener ſei. Er fragte ihn dann auf eine barſche Weiſe, welches Loͤſegeld er fuͤr ſeine Befreiung bezahlen wolle? Sir Thomas ihm ein Loͤſegeld geben ſolle, da er in Freundes Land ſei, das er weder abſichtlich, noch durch ein Ohnge⸗ faͤhr verletzt habe, und daß, wenn ſeine Sache durch 253 einen unvartheiiſchen Richter unterſucht, und dabei die lange Zeit, und die grauſame Weiſe ſeiner Ge⸗ fangenſchaft in Anſchlag gebracht wuͤrde, es der Bil⸗ ligkeit angemeſſen erſcheinen wuͤrde, daß er fuͤr das ihm widerfahrne Unrecht und uͤberſtandene Elend eine angemeſſene Verguͤtung verlangen köoͤnne und erhielte. Endlich ſagte er dem Paſcha, daß er ihn ſeiner Mei⸗ nung nach fuͤr viel zu gerecht und ehrbar halte, als daß er ein Loͤſegeld von ihm fordern werde, da er nicht verdient habe, ein Gefangener zu ſeyn. Allein der Paſcha erklaͤrte ihm, daß er ihn als einen Uebel⸗ thaͤter kenne, und er eine Gewaltthaͤtigkeit und Un⸗ recht begangen habe, gegen welche Beſchuldigung er nichts einzuwenden wiſſen werde; da ihn ſonſt der Geſandte nicht vernachlaͤſſigt haben wuͤrde. Er er⸗ klaͤrte ihm hierbei mit geb eteriſcher Stimme und ſin⸗ ſterem Blicke, daß er fuͤnfzigtauſend Zechinen Loͤfe⸗ geld, oder den Kopf von ihm haben muͤſſe. Sir Thomas, welcher der Grauſamkeit dieſes barbariſchen Tuͤrken nicht traute, des Elendes eines ſo langen und harten Gefaͤngniſſes muͤde, und ſehr geſchwaͤcht war, entſchloß ſich endlich, um ſich einige Erleichterung und Ruhe zu verſchaffen, ihm zwoͤlftau⸗ ſend Zechinen unter der Bedingung zu verſorechen, daß man ihn gut behandle, und keine Ketten mehr anlege. Sein Anerbieten wurde weder augenommen, noch abgeſchlagen; alein er erhielt das Verſprechen einer guten Behandlung, was ihm jedoch nur ſchlecht 254 gehalten wurde. Deun er wurde von hier nach der Pfortners Wohnung an dem Hofe des Sultans ge⸗ bracht, und in ein ſchlechtes, unrathvolles Gefaͤngniß geworfen, wo er, ob er gleich die erſten vierzehn Tage ein gutes Abendeſſen erhielt, dennoch kein anderes Lager fand, als die kalten Steinplatten. Dieß wuͤrde jedoch noch ertraͤglich geweſen ſeyn, wenn nichts Schlimmeres erfolgt waͤre. Denn der Paſcha, der vielleicht neue Nachrichten uͤber ſeine Herkunft und ſeine Verbindungen eingezogen hatte, und die Mei⸗ nung hegte, daß es kein beſſeres Mittel gaͤbe, das Loͤſegeld von ihm zu bekommen, als ihn uͤbel zu be⸗ handeln, gab den ſtreugſten Befehl, von Zeit zu Zeit noch aͤrger mit ihm umzugehen, als er in ſeiner er⸗ ſten Gefangenſchaft behandelt worden war. Am folgenden Morgen wurde er hierauf an einen ſchlimmern Ort gebracht, und ſeine beiden Fuͤße in den Block geſpannt, eine ſchwere eiſerne Kette ihm um den Hals gewunden. Seine beiden Haͤnde vor ihm zuſammen gebunden, ſein Koͤrper den langen Weg auf den Ruͤcken ausgeſtreckt, und ihm ein großer ſchar⸗ fer Stein unter die Lenden gelegt, ſo daß er ſich nicht ruͤhren konnte, und dabei beſtaͤndig von Laͤuſen ge⸗ plagt wurde, was keine der geringſten Qualen war, die er zu erdulden hatte; ſo daß er oft wuͤnſchte, zum Tode verurtheilt worden zu ſeyn. Er richtete all' ſeine Gedanken dahin, und machte ſich darauf gefaßt, wenn ein ſolches Schickſal uͤber ihn verhaͤngt werde, 25⁵ es willig und mit Geduld zu ertragen. Denn ſein Elend ging ihm ſo zu Herzen, daß er gerne auf die Hoffnung des Lebens und das Verlangen nach⸗ dieſem verzichtete, und ſich in Gedanken mit nichts, als dem Tode beſchaͤftigte. In dieſem Zuſtande blieb er vom Donnerſtag den 23. Auguſt 1603, bis zum folgenden Dinſtage, waͤhrend welcher Zeit ihm nur viermal in vier und zwanzig Stunden aufzuſtehen erlaubt wurde. An demſelben Dinſtage, gegen neun Uhr, wurde er abermals vor den Paſcha gefuͤhrt, der in einem oͤffent⸗ lichen Gerichte ſaß, wo er ſeine fruͤhere Forderung von fuͤnfzigtauſend Zechinen erneuerte. Alle ehriſtli⸗ chen Geſandten haben bei dem Gerichte des Paſchas beſtaͤndig zwei Dolmetſcher, um von allen Verhand⸗ lungen und Vorfallenheiten Kenntniß zu nehmen, die ihre Laͤnder betreffen moͤchten. An dieſem Tage hatte der engliſche Geſandte keinen dort, vielleicht um von Sir Thomas in ſeiner traurigen Lage nicht mit Bitten uͤberſtuͤrmt zu werden. Allein dem Paſcha ant⸗ wortete Sir Chomas, daß man ſich auf ſeine Worte ſehr wenig verlaſſen koͤnne, und wenn ihm ſein Leben genuͤgen koͤnne, er ſolches in ſeiner Gewalt habe, und daß es gerechter und ehrbarer von ihm ſei, ſolches zu nehmen, als daß er es ihm unter Qualen verlaͤngere. Denn was ihn belange, ſo wolle er nicht mehr ver⸗ ſprechen, als er leiſten koͤune. Kurz, er bemerkte ihm, daß er wohl ſein Leben, aber nie ſeine Forde⸗ rung haben koͤnne. Der Paſcha erwiederte hierauf 256 nichts, ſondern befahl, ihm ſogleich den Kopf ablu⸗ ſchlagen. So raſch er jedoch in ſeiner Verurtheilung war; ſo bedaͤchtig ging er mit der Ausfuͤhrung zu Werke: denn Sir Thomas wurde in ſein Gefaͤng⸗ niß zuruͤck gebracht, wo, obgleich er ſeine fruͤhern Martern eher vermehrt, als gemildert fand, ſein Le⸗ ben dennoch erhalten wurde. V. Hauptſtück. Sir Thomas Sherleyss fernere Leidenin ſeinem Gefaͤngniſſe zu Konſtantinopel. Nachdem Sir Thomas alſo in ſein Gefaͤngniß zuruͤckgekehrt war, und ſeine alten Qualen von neuem anfingen, da ihm ſo wenig Hoffnung zur Erhaltung ſeines Lebens blieb, und er noch weniger ſeine Erloͤ⸗ ſung erwarten durfte; da er vielmehr mit jeder Stunde der Vollſtreckung ſeines Urtheils entgegen ſah, wurde ein gewiſſer Jude, welcher in der Stadt wohnte, und von ſeiner Gefangenſchaft und der grauſamen Weiſe ſeiner Behandlung, und welch ein angeſehener und geachteter Mann er in ſeinem Lande ſei, gehoͤrt hatte, von Mitleid uͤber ſeine Lage fuͤr ihn ergriffen, und fand Mittel, in ſein Gefaͤngniß zu kommen und mit ihm zu ſprechen, wo der Jude nach einigen Hoͤf⸗ lichkeits⸗Bezeigungen auf dieſe Weiſe mit ihm ſprach: 257 „So wie Ihr durch Geburt und Sprache ein Fremd⸗ ling bei dieſer Nation ſeyd, eben ſo fremd und un⸗ wiſſend ſcheint Ihr in ihren Sitten zu ſeyn. Ich habe von Eurer langen Gefangenſchaft gehoͤrt, und ob ich gleich ihre Veranlaſſung nicht kenne, ſo thut es mir doch leid, Euch ſo behandelt zu ſehen. Ihr werdet wohl thun, Lieber! meinem Nathe zu folgen, der ich ihre Sitten ein wenig kenne, als Euch eigenſinnig durch Eure Unwiſſenheit in Verderben zu ſtuͤrzen. Laßt Euch von mir rathen, und verſprecht dem Paſcha die verlangte große Summe Geldes; allein haltet Euch einen langen Termin zur Bezahlung aus. Es kann keineswegs nachtheilig fuͤr Euch ſeyn, wenn Ihr Eure eigne Lage und ſeine Verhaͤltniſſe wohl in Erwaͤgung zieht. Denn wenn Euer Koͤnig in Frie⸗ den mit dem Duͤrken bleibt, woran bei dem freund⸗ ſchaftlichen Verhaͤltniſſe kein Zweifel iſt, ſo kann leicht der Fall ſeyn, daß Ihr vor dem zur Be⸗ zahlung angeſetzten Termine, durch die Verwen⸗ dung Eures Köoͤnigs ohne Loͤſegeld in Freiheit geſetzt werdet. Schlaͤgt dieſes fehl, und wird inzwiſchen eine weit geringere Summe zuſammen gebracht, ſo wird der Paſcha, wenn er findet, daß wenig Hoff⸗ nung da iſt, mehr zu erhalten, lieber das Wenige nehmen, als Euer Leben auf das Spiel ſetzen, und alles verlieren. Und ich will Euch noch einen weitern Troſt geben, wenn er auch gleich nur in meiner ei⸗ genen Meinung, und obne daß ich irgend einen Wink erhalten koͤnnte, ſeinen Grund hat. Denn in dieſem tuͤrkiſchen Staate, wo nur das blinde Ohngefaͤhr ent⸗ ſcheidet, moͤgen Menſchen wohl ihre Beobachtung machen, wenn ſie auch ſonſt nur zu gehorchen wiſſen. Dieſer Paſcha, dieſer große Gegner von Euch, der Euch jetzt nach dem Leben trachtet, kann, ehe es lange wird, ſein eigenes verlieren. Denn die Natur und Lage ſeines Platzes bringt es mit ſich, daß einer ihn nicht lange behalten kann.“ Sir Thomas, der den Wolf bei dem Ohre hatte, und ihn ohne Gefahr nicht gehen laſſen durfte, ſtand im Zweifel, ob es beſſer ſei, dem Rathe des 4 Juden zu folgen, oder ſich der Grauſamkeit eines Tuͤrken anzuvertrauen. Da er jedoch bei reifer Er⸗ waͤgung ſeiner Worte nichts darin fand, das einem Betruge aͤhnlich ſah, ſo hielt er fuͤr angemeſſen, deſ⸗ ſen Rathe zu folgen. Nachdem er alſo hiernach ſeinen Entſchluß gefaßt hatte, fand er bald Gelegenheit, dem Paſcha ſagen zu laſſen, daß er ihm vierzigtauſend Ze⸗ 5 chinen verſpraͤche, wenn er ihm einen billigen Termin zur Zahlung anberaumen, ihn in der Zwiſchenzeit als Mann von Ehre behandeln, ihm ein eigenes Haus einraͤume, und ihn nicht mit allen Arten von Schur⸗ ken belaͤſtigen laſſen wolle, wenn er ihm ferner zu ſei⸗ nem Unterhalt zweihundert Aspern taͤglich, was den Betrag von zehn Schilling Sterling ausmacht, nebſt einem Diener zu ſeiner Aufwartung bewillige. Der Paſcha empfing ſein Anerbieten mit großem 259 8 A Vergnuͤgen, und verſprach ihm mehr, als er ver⸗ langte, daß er ein gutes Haus und einen ſchoͤnen Garten nebſt zweihundert Asvern den Tag, und zwei maͤnnliche oder weibliche Bedienten, wie er es wuͤnſche, zu ſeiner Aufwartung haben ſollte; auch daß er fuͤr ſein Geld gute Bekoͤſtigung und Wein haben koͤnne, weil er, wie der Paſcha ſagte, ihn zufrieden ſtellen wolle. So froh Sir Thomas uͤber dieſes Erbieten auch war, ſo hatte er doch bald Veranlaſſung es zu be⸗ reuen. Denn am naͤchſten Tage ſchrieb ihm der eng⸗ liſche Geſandte, daß ihm ſeine Verirrungen, ſo wie ſeine Gefangenſchaft leid ſeien, daß er ſich aber in ein Labyrinth verwickele, aus dem er ſich ohne Bezahlung des Geldes nicht wuͤrde heraus winden koͤnnen. Er riethe ihm daher, ſein Verſprechen zuruͤck zu nehmen, und das Erbieten des Paſchas keineswegs anzunehmen. Denn wenn er es thaͤte, ſei er entweder an ſein Wort gebunden, oder der Tuͤrke habe uͤber ſein Leben zu verfuͤgen. Um ihn zugleich zu troͤſten, bemerkte er ihm, daß er binnen zehen Tagen ſeine Befreiung er⸗ wirken, und Buͤrgſchaft fuͤr ihn leiſten wolle, damit er nach Hauſe gehen koͤnne. Sir Thomas, welcher in das Verſprechen des Geſandten ſein Vertrauen ſetzte, ſchlug hierauf des Paſcha’s Erbieten aus, und wurde wieder in ſein altes Gefaͤngniß zuruͤck gebracht, in dem er noch lange in großem Jammer und Elend ſchmachtete. 1 260 Ohngefaͤhr gegen den folgenden Michaelistag wurde dieſer Vezier, ſein großer Gegner, gefangen, wie es der Jude propheijeihet hatte, welches neue Hoffnungen zu ſeiner Befreiung bei ihm errveckte. Denn gleich nach dem Tode des Paſchas ſchrieb er dem Geſandten abermals, und bat ihn, ſich ſeiner jetzt zu erinnern, oder nie. Denn jetzt ſei es Zeit, wenn er ſein Anſehen bei Hofe fuͤr ihn geltend zu machen ſo gefaͤllig ſeyn wolle, ihm ſeine Loslaſſung zu erwirken, da ſein Gegner todt und kein Geſetz vor⸗ handen ſei, das ſich dieſer entgegen ſtelle. Er that dieſes mit deſto groͤßerer Dringenheit, weil er, wie er ſagte, nicht im Stand ſei, es laͤnger auszuhalten, da er ſo viele qualvolle Leiden erduldet habe, und durch die langwierige und ſchmerzliche Dauer derſel⸗ ben ſo aͤußerſt entkraͤftet ſei. Der Geſandte ſchickte ihm jedoch die wenig troͤſt⸗ liche Antwort, daß er nichts fuͤr ihn thun koͤnne, bis ein neuer Vezier gemacht ſei; dann wolle er ſehen, was er fuͤr ihn zu erwirken vermoͤge. Es dauerte zehen Tage, bis der neue Vezier er⸗ nannt war. Sobald er eingeſetzt war, unterhandelte der Geſandte, wie Sir Thomas unterrichtet wurde, mit ihm um deſſen Freilaſſung, allein umſonſt, da der Vezier ihm antwortete, daß es nicht in ſeiner Macht ſtehe, etwas fuͤr ihn zu thun, da er ein Gefangener des Großſultans ſei, und er ohne deſſen Einwilligung nicht losgelaſſen werden koͤnne. Der Geſandte zog 261 dierauf vor, ſich mit einem Geſuche an den Großſud tan ſelbſt zu wenden, der ſogleich den Befehl gab⸗ ihn den folgenden Tag, welches ein Donnerſtag war, loszulaſſen. Haͤtte der Geſandte mit der Angelegen⸗ beit nicht gezoͤgert, ſondern ſich den Beſehl des Sul⸗ tans zu Nutze gemacht, ſo wuͤrde es ihm wahrſchein⸗ lich leicht geweſen ſeyn, ihn denſelben Abend in Frei⸗ heit ſetzen zu laſſen. Allein ſei es, daß er in die ver⸗ aͤnderliche und ungewiſſe Laune des Sultans ein zu großes Vertrauen ſetzte, oder daß andere Geſchaͤfte oder eigene Angelegenheiten ihn von dem Gedanken abzogen, oder daß es beſchloſſen war, das Elend von Sir Thomas follte noch kein Ende nehmen, das kann ich nicht ſagen, allein ſeine Loslaßung wurde bis zum ſolgenden Sonntag hinaus geſchoben, wo auf erfolgte neuere Einlispelungen, der Befehl zu ſeiner Befreiung wieder zuruͤck genommen, und er in ſeinem Gefaͤngniſſe mit Kummer beladen, und weniger Hoff⸗ nungen, als er je gehabt hatte, zuruͤckgehalten wurde. —— VI. Hauptſtück. Sir Thomas Sherley's Befreiung durch einen Brief des Koͤnigs von England an den Großſultan. Mit Vergnuͤgen erzaͤhlt der Kaufmann, wenn er nach einer langen und gefaͤhrlichen Reiſe den er⸗ 262 wuͤnſchten Hafen wieder ſicher erreicht hat, ſeine uͤberſtandene Gefahren, wenn er auch alle Fruͤchte ſei⸗ ner Muͤhen verlor, um ſeinen Enkeln ein frohes An⸗ denken vergangener Zeiten zu hinterlaſſen. Wir wuͤr⸗ den ohne die Arbeit weder die Behaglichkeit der Ruhe, noch ohne Mangel den Ueberfluß kennen; ohne Ge⸗ fahr weder die Sicherheit, noch die Freiheit ohne den Zwang. Ich zweifle nicht, daß Sir Thomas bei dem Vergnuͤgen, das er in der Erinnerung ſeiner be⸗ ſtandenen Leiden empfand, in ſeinen Gebeten weder den Dank, noch den Preis gegen die goͤttliche Vorſe⸗ hung vergaß, die ihn ſo wunderbar in ſeinem Elend erhalten, und ihn an dem Rande des Todes und der Gefahr ſo gluͤcklich befreit hatte. Vierzehn Tage nachher, als der Befehl zu ſeiner Befreiung zuruckge⸗ nommen worden war, ſtarb der Großſultan und hin⸗ terließ einen Sohn, einen Knaben von vierzehn Jah⸗ ren, der ihm in der Regierung folgte. Bei dieſer neuen Wendung der Dinge faßte Sir Thomas abermals Hoffnung, ſeine Befreiung zu er⸗ halten, und da er nicht verabſaͤumte, jede ſich darbie⸗ tende Gelegenheit zu ergreifen, ſo ſchrieb er dem Ge⸗ ſandten abermals, und bat ihn ſehr angelegentlich, daß es ihm gefaͤllig ſeyn moͤge, dieſe Veranlaſfung zur Erwirkung ſeiner Loslaſſung zu benutzen. Denn er hege die Hoffnung, daß der junge Sultan, wel⸗ cher noch lenkſam fei, leicht dahin gebracht werden koͤnne, gnaͤdig mit ihm zu verfahren. Der Geſandte 263 ließ ihm jedoch ſagen, daß der junge Fuͤrſt nichts fuͤr ihn thun koͤnne, weil er wegen ſeiner Jugend unter Vormundſchaft der Regierung ſtehe, bis entweder der Admiral komme, welcher ſich damals an der Grenze des tuͤrkiſchen Reiches befand, oder der Protektor, wel⸗ cher in Kurzem aus Aegypten zuruͤck kehren ſollte. Bei Ankunſt eines von ihnen, wer auch der Erſte ſei, betheuerte er, wolle er ſich ſeiner wegen bei ihm ver⸗ 3 wenden, und er zweifle nicht, daß er bald Mittel fin⸗ 3 den werde, ſeine Befreiung zu erwirken. Er bat ihn inzwiſchen ſich zu gedulden, da er keine Gelegenheit vorbeigehen laſſen wuͤrde, um ihm zu helfen. Sir Thomas in ſeinen Hoffnungen hingehalten, hatte den Schmerz mancher herben Stunde bis zum 1. De⸗ zember zu ertragen, um welche Zeit der Admiral zu⸗ ruͤckkehrte, der, als ihm der Geſandte anlag, ihm zur Antwort gab, daß er uͤber den Gefangenen nicht ver⸗ fuͤgen wolle, bis der Protektor kaͤme. Nicht lange darauf kehrte der Protektor zuruck, und da dieſen der Geſandte ebenfalls unerbittlich fand, ſo gab er ſeine Bemuͤhungen auf. Den erſten Tag, an welchem der Protektor zu Gerichte ſaß, war ein Chriſttag, und an dieſem Tage, an welchem der Geſandte keinen Dolmetſcher hinge⸗ ſchickt hatte, wurde Sir Thomas vorgefordert. Nachdem ihn der Vezier vorgerufen hatte, fragte er ihn, warum man ihn in das Gefaͤngniß geworfen habe? Sir Thomas antwortete kuͤhn, daß ſein 264 Schickſal, und das Mißverſtaͤndniß ſeines Landungs⸗ Verſuchs auf der Inſel die erſte Veranlaſſung zu ſei⸗ Gefangennehmung gegeben habe, daß aber die Bos⸗ beit und die uͤble Meinung, welche Hafſan Paſcha ohne Urſa he gegen ihn gefaßt habe, Schuld geweſen ſei, daß er ſo lange, als ein armer und ungluͤcklicher Gefangener behandelt worden waͤre. Er bat den Pro tektor ehrerbietig, daß er ihm doch endlich ſeine Frei⸗ heit ſchenken wolle, da er nichts begangen habe, wo⸗ durch ſein Leben verwirkt ſei, ausgenommen, daß er etwas gewaltthaͤtig geweſen, und ſeine Macht uͤber⸗ ſchritten habe, und wenn er ſich hierdurch vergangen babe, ſeine Beſtrafung groͤßer geweſen ſei, als ſein Verbrechen. Allein eine ſolche Guade war fern von dem Herzen des Protektors: denn ohne zu antvor⸗ ten, und ohne ihm den Prozeß geſetzlich zu machen, gab er ſogleich den ſtrengen Befehl, daß man ihn mit ſeinen beiden Leuten aufhaͤngen ſolle. Es nuszte ihn wenig zu fragen, warum, allein da er ſich ſchon lange zuvor auf ein ſolches ſchreckliches Ende gefaßt gemacht, und in beſtaͤndiger Erwartung hiervon gelebt hatte; ſo ergab er ſich willig drein, indem er wohl wußte, daß ſeinem Tyrannen nur ſein Tod genuͤgen wuͤrde. Sir Thomas wurde hierauf mit ſeinen beiden Leu⸗ ten Lebuideſth. und ſie ſogleich nach dem Richtplatz abgefuͤhrt. Was haͤtte ihm jetzt außer der Erhebung ſeines Herzens zur Andacht erwuͤnſchter ſeyn koͤnnen, als ſich nach England verſetzen, und ſeinem Herzen 265 Luft machen zu koͤnnen, um ſeine letzte Pflicht gegen ſeinen Vater zu erfuͤllen, und ſich dem Andenken ſei⸗ ner Freunde und Verwandten zu empfehlen; ſie von dem Elende zu unterrichten, das er waͤhrend ſeiner Gefangen ſchaft ausgeſtanden, und welchen ſchimpfli⸗ chen Tod ihm die Verraͤtherei und Feigheit ſeiner ei⸗ genen Leute bereitet habe. Von da haͤtte er ſich ploͤtz⸗ lich nach Spanien und Perſien verſetzt wuͤnſchen moͤ⸗ gen, daß er ſeine geachteten Bruͤder von der Art ſei⸗ nes Lebens und ſeines Todes haͤtte unterrichten koͤn⸗ nen, damit ſie durch feindliche Unternehmungen gegen die Tuͤrken, ſeinen Tod raͤchen koͤnnten. Allein Gott ruͤhrte ploͤtzlich das Herz eines der Dolmetſcher, des venetianiſchen Geſandten, daß er aus Chriſtenpflicht und Mitleiden mit ſeiner Lage un⸗ verweilt, weil es ſonſt zu ſpaͤt geweſen ſeyn wuͤrde, zu dem Protektor ging, und ihn bat, einem ſo wackern Edelmann nicht in der Aufwallung ſeines Zornes und auf einem bloßen Verdacht hin, das Leben zu neh⸗ men, ſondern ihn vielmebr als Gefangenen anſtaͤndig zu behandeln, und ſtatt des Lebens ein Loͤſegeld von ihm zu nehmen. Anfangs war der Protektor ſehr hart⸗ naͤckig; allein da ſehr in ihn gedrungen wurde, und ihm die Hoffnung einleuchtete, 40,000 Zechinen damit zu gewinnen, die ihm angeboten wurden; ſo ward er etwas nachgiebiger, und befahl, mit der Hinrichtung einzuhalten. So wurde Sir Thomas von dem Richtplatze 22tas B. Perſien, I. 3. 3 266 an einem andern Ort gebracht, der wenig beſſer war, naͤmlich in ein Gefaͤngniß, welches man die ſieben Thuͤrme nennt. Hier wurde er in ein elendes finſte⸗ res und außerordentlich kaltes Loch geworfen, in wel⸗ chem er bis 1 Uhr Nachmittags des andern Tages blieb, um welche Zeit der Geſandte, welcher die Ab⸗ ſcheulichkeit ſeines Aufenthaltes vernommen hatte, ei⸗ nen ſeiner Bedienten zu dem Gefangenwaͤrter ſchickte, und ihn bitten ließ, ihn von hier an einen beſſern Platz zu bringen. Er wurde hierauf aus dem Kerker genommen, und mit ſeinen beiden Leuten in einen engen Schuppen geſperrt, der nur zwei Ellen im Geviert hatte, und wider eine Mauer angebaut war, und dieß ohne Bekleidung, ohne Bettung, ohne Feuer, noch gute Nahrung. In dieſem Zuſtande mußte er vierzehn Tage in der ſtrengſten Kaͤlte, bei Froſt und Schneewetter ausharren. Waͤhrend dieſer Zeit ſtarb einer ſeiner Leute vor Kaͤlte, und er ſelbſt war ſo erſtarrt an allen Gliedern, daß er fuͤrchtete, ſolche nie wieder gebrauchen zu koͤnnen. In dieſem armſeligen Zuſtande blieb er bis An⸗ fangs April 1604, um welche Zeit Briefe von des Koͤ⸗ nigs Majeſtaͤt an den Großſultan, und Gelder von ſeinem Vater anlangten. Vor dieſem hatte er keine Nachrichten aus England erhalten: denn die Briefe waren entweder aus Nachlaͤſſigkeit, oder durch einen ungluͤcklichen Zufall verloren gegangen. Vermittelſt ſeines Geldes wurde ihm erlaubt, ein Zimmer und 267 einen Bedienten zu ſeiner Aufwartung zu miethen; er blieb jedoch hierbei ein Gefangener, und wurde ſtrenge bewacht. So lebte er bis zum folgenden Chriſt⸗ tage, um welche Zeit ſein Vater, welcher Nachricht von ſeines Sohnes großem uͤberſtandenen Elende, dem Verluſte der fruͤheren Briefe Sr. Majeſtaͤt, und von deſſen gegenwaͤrtigen Lage erhalten hatte, ſich aber⸗ mals wegen ſeiner bittlich an den Koͤnig wandte, und von Seiner Majeſtaͤt ein Verwendungsſchreiben an den Großſultan um ſeine Befreiung erhielt. Aber auch dieſe Briefe bewirkten ſeine Loslaſſung noch nicht. Denn er blieb noch immer im Gefaͤngniſſe; allein durch deren Vermittlung blieb er von den Martern und Qualen befreiet, die man ihm vorher auferlegt hatte. In der Mitte des Novembers 160s hatte der Koͤnig die Gnade, neue und dringendere Briefe an den tuͤr⸗ kiſchen Kaiſer zu richten, vermoͤge deren er unter Gottes Beiſtand, Freitags den s. Dezember deſſelben Jahres befreit wurde, welches auf folgende Weiſe ge⸗ ſchah. Der Protektor begab ſich naͤmlich an dieſem Tage in Perſon zu ſeinem Gefaͤngniſſe, ließ ihn ber⸗ austreten, und uͤbergab ihn zuſammen mit ſeinem bei ſich habenden Matroſen dem Geſandten mit den Wor⸗ ten: Er iſt Euer Gefangener, bis Morgen. So uͤber⸗ geben, aber nicht gaͤnzlich befreit, empfing ihn der Geſandte, und verſprach ihn, am naͤchſten Morgen nach der Duana zu ſchicken, welches ihr oberſter Gerichtshof iſt, weil ihm der Paſcha beme⸗ kie, daß 268 ihn der Kaiſer fuͤr ſeinen rechtmaͤßigen Gefangenen halte, und daß er ſein Leben gegen ihn verwirkt habe, daß er jedoch, um ſich gegen Seine Majeſtaͤt den Koͤnig von England wilffaͤhrig zu bezeigen, geruhe, ihn ſeinem Koͤnige zum Geſchenke zu machen, weßwe⸗ gen er den Offizianten Seiner Majeſtaͤt in oͤffentlicher Gerichtsſitzung uͤbergeben werden ſolle. Am naͤchſten Tage, den Sonnabend, wurde Sherley nach der Duana gebracht, wo ſeine Ueberlieferung keinem großon Anſtand unterworfen wurde, nur der Teſta⸗ tos, welcher ſo viel als Lord Schatzmeiſter iſt, brachte einige Worte uͤber die koͤniglichen Briefe vor, und rieth dem Paſcha, wohl zu bedenken, was er thaͤte, ihn zu befreien, da er, wie es ſchien, ein vorrnehmer Mann ſei. Der Kadiliskar, das iſt ſo viel als Oberſtrich⸗ ter in Criminalſachen, antwortete, daß er es wohl wiſſe, daß dieſes die allgemeine Meinung ſei. Denn ſo große Koͤnige, ſagte er, wie jener von England, pflegen nicht geringer Leute wegen zu ſchreiben; allein ihr Kaiſer habe ihn dem Koͤnige von Großbrittanien aus freien Stuͤcken zuruͤck gegeben, weßhalb er ihn ſtille zu ſchweigen bat. Seinem Matroſen drohete an demſelben Tage eine große Gefahr. Denn mehrere der vornehmſten Beiſitzer des Gerichts waren ſehr ge⸗ gen ihn, und behaupteten, daß der Paſcha kein Recht habe, ihn zu uͤbergeben, weil er weder in dem Briefe des Koͤnigs erwaͤhnt, noch von dem Kaiſer bewilligt 269 worden waͤre. Allein der Paſcha, der von dem Ver⸗ ſprechen einer großen Summe Geldes gehoͤrt hatte, uͤbergab ſie nach einer gehaltenen Rede, und einigen Feierlichkeiten alle beide. Am folgenden Montag den 16. Dezember fiel ihm jedoch bei, daß er einen Fehler begangen haben koͤnne. Befuͤrchtend, daß er ſich durch die Freilaſſung des Ma⸗ troſen einer Gefahr ausgeſetzt habe, ſchickre er ſogleich zu dem Geſandten, und bat ihn, ihm den Sir Tho⸗ mas und deſſen Matroſen zuruͤck zu ſchicken. Der Geſandte begab ſich ſelbſt hierauf zum Paſcha, und brachte ihn mit vieler Muͤhe davon ab, ihm beide zu⸗ ruͤck zu ſenden: denn ob er gleich keine Gefahr fuͤr Sir Thomas dabei fand, ſo fuͤrchtete er doch, daß der Paſcha beabſichtige, ſeinen Matroſen umbringen zu laſſen, und Sir Thomas jammerte es, ihn in ſein elendes Loch wieder zuruͤckgebracht zu ſehen. Der Tuͤrke iſt ſehr ſtreng in Beſtrafung der Fehler ſeiner Beamten: denn denſelben Abend wurde der Paſcha ſeines Amtes entſetzt, und aus keiner andern Urſäche, als daß er ohne Auftrag ſeinen Matroſen freigeſpro⸗ chen hatte. So endigte ſich das langwierige Elend von Sir Thomas Sherley's Gefangenſchaft, wel⸗ che auf der Inſel, wo er zuerſt gefangen genommen wurde, den 15. Januar 1602 begann, zu Negro⸗ pont fortgeſetzt, und endlich zu Konſtantinopel Freitags den 16. Dez. 1605 beendiget wurde, ſo, daß ſeine ganze Gefangenſchaft vier Jahre weniger einige 270 Tage dauerte. Hieraus mag man abnehmen, welches Pflichtgefuͤhl der Anblick eines koͤniglichen Briefes in den Herzen ſeiner Unterthanen erweckt, und welche Achtung er einfloͤßt, ſelbſt auch in weiter Entfernung. Denn der Geſandte, welcher vorher alle ſeine Be⸗ freiungs⸗Verſuche und Bitten nur ſchwach unterſtüͤtzt, und ſich oft fuͤr ihn zu ſprechen geſcheut, ja ſich ſelbſt mehrmals mit ſeinen Angelegenheiten zu befaſſen geweigert hatte, ſtand ihm nach Empfang der koͤnig⸗ lichen Briefe ſo ſtandhaft bei, daß er es gerade ab⸗ ſchlug, den Sir Thomas oder deſſen Matroſen zu⸗ ruͤck zu ſchicken, ohngeachtet des ſtrengen Befehls des Veziers, welcher ein Mann vom hoͤchſten Anſehen in ſeinem Lande war. Sir Thomas hielt ſich von der Zeit ſeiner Be⸗ freiung, naͤmlich vom 6. Dezember 1605 bis zum 1s. Februar 1606, als ein freier Mann zu Konſtanti⸗ nopel auf, und vergnuͤgte ſich da, wo er ſo viel Kummer und Elend ausgeſtanden hatte, indem er die Stadt und ihre Umgegend beſah; die tuͤrkiſchen Ge⸗ ſetze, Sitten und Gebraͤuche beobachtete, und ihre Gerichtshoͤfe, Moſcheen, Dempel und andere Dinge beſuh, die der Bemerkung eines Fremden nicht un⸗ werth ſind. Am 15. Februar ſegelte er in einem Raguſiſchen Schiffe, Maria Della Roſaria ge⸗ nannt, von Konſtantinopel ab, und landete am 19ten deſſelben Monats in Gallipoli, von wo er nach Neapel, und zuletzt nach England ging, 271 woſelbſt er von ſeinem Vater und ſeinen Freunden freudig empfangen ward, und von der Gnade Seiner Majeſtaͤt lebte. Der Reſt ſeiner Geſchichte iſt uns unbekannt, mit Ausnahme, daß wir in einem Briefe von Rowland Whyte an den Grafen von Shrewsbury unter dem 17. Sept. 1607 finden, daß Sir Thomas Sher⸗ ley, der Juͤngere in den Tower geſteckt wurde, weil er ſich dem Vorgeben nach zu ſehr mit dem konſtan⸗ tinopolitaniſchen Handel beſchaͤftigt, und ihn nach Ve⸗ nedig und Florenz gebracht haben ſollte; auf alle Faͤlle war er ſehr thaͤtig. 3 Hier muͤſſen wir ihn demnach mit ſeinen beiden beruͤhmteren Bruͤdern verlaſſen, indem wir nur be⸗ merken, daß gleichzeitige Schriftſteller oͤfters auf ihre Reiſen anſpielen, und daß ſie der Gegenſtand eines Dramas geworden ſind, betitelt: Die drei engliſchen Bruͤder, Sir Thomas, Sir Anton und Sir Ro⸗ bert Sherley. London 4607. Geſchrieben von drei Dichtern John Day, William Rowley, und Georg Wilkins. Als dramatiſches Produkt iſt es voͤllig werthlos, und kann ruͤckſichtlich der hiſto⸗ riſchen Thatſachen nicht in Anſchlag gebracht werden, obgleich die Dichter bekennen, bei der Wahrheit ge⸗ blieben zu ſeyn. Allein das Zeugniß eines Poeten gilt, wie Fuller ſagt, nur wenig vor dem Richter⸗ ſtuhle der Geſchichte. Ihre ungewoͤhnlichen Abentheuer grenzen jedoch an das Poetiſche und Romanhafte, und 272 haben eher das Anſehen, erfunden zu ſeyn, als das einer wirklichen Geſchichte. Ihr Zeitalter war in der That jenes der Abentheuer und der Entdeckungen, aus⸗ gezeichnet durch das Auftreten großer Geiſter eines Naleigh, Sidney und Eſſex, und einer großen Menge von Kriegern und Dichtern, welche ſich an dem Scheidepunkt der Ritterzeit und der neuern Sit⸗ ten fanden, und den alten Unternehmungs⸗Geiſt mit intellectueller Ausbildung verbanden. Das beruͤhmte bruͤderliche Kleeblatt, deren Reiſen und Abentheuer der Gegenſtand dieſer Erzaͤhlung iſt, ſcheint eines ſol⸗ chen Zeitalters nicht unwuͤrdig geweſen zu ſeyn. 4 273 IX. Reiſe der Englander Joſeph Sal⸗ banck und Robert Covert aus In⸗ dien nach Perſien, und durch verſchie⸗ dene Provinzen deſſelben, im Jahre 1609. Aus dem Lateiniſchen überſetzt durch Michael Fiedler*). — Auf dem großen Schiffe Aſeenſion litten die Eng⸗ laͤnder an der Kuͤſte Cambaias Schiffbruch; die meiſten durchreiſten jedoch ohne Schaden Indien. Einer derſelben Joſeph Salbanck begann ſeine Reiſe alſo: *) Itinerarium I. Salbanck et R. Covert Angl., ex India in Persiam, et ber varias ejusdem provincias a 1009, interprete Jo. de Laet. Lugd. B. 1055. 16. P. 252— 292. 274 Von Agra, der Reſidenz des Groß⸗Mogul, kam er in 2 Tagen nach Byana, und in 8 Tagrei⸗ ſen uͤber meyre Staͤdte und Doͤrfer nach Merta. Er ſetzte uͤber den Fluß Paddar, welcher uͤber den Guzerates ſich in den indiſchen Ozean ergießt, langte in 20 Tagen in Suckaran an, und reiſte uber Reuree und Buckar. Nahe bei Buckar fließt der Damiadee, oereinigt ſich nach einem staͤgigen Laufe mit dem Indus, und ſuuͤrzt ſich zwiſchen Gua⸗ der und Guzarate in das Meer. Von der Stadt Suckar auf einer waſſerreichen Inſel, erreichte er in 20 Tagen die Stadt, und den wegen des Handels mit Perſien und Indien be⸗ ruͤhmten Handelsplatz Candahara. Der Weg geht durch Wuͤſten und Einoͤden, und hat ſehr viel Be⸗ ſchwerliches. Von Cadahara gegen Hispahan kam er in s Tagen, nach Ueberſetzung uͤber den Fluß Sabaa, welcher das Gebiet des Mogul von Perſien ſchei⸗ det, in die perſiſche Stadt Grees, in welcher der perſiſche Koͤnig faſt 10,000 Mann Beſatzung hat. Ueber eine große Landſchaft und einige Doͤrfer, deren vor⸗ zuͤglichſtes Vea heißt, langte er nach 8 Tagen in der Stadt Parra an. Sie iſt ein Handelsplatz, und hat auf ihrem Markte viel Seide. Von Parra fuͤhrt ein Weg von 18 Tagreiſen durch oͤde Landſchaften nach Jeſd. Nicht weit von dieſer Stadt liegt der Flecken Pabanaunis, be⸗ 275 rühmt wegen ſeiner Seidenzucht, und 4 Tagreiſen davon Godana. 1 Von Jeſd kam er in 17 Tagen nach Hispa⸗ ban, der groͤßten Stadt Perſien's mit der Reſidenz des Koͤnigs; von Hispahan in einem Monate zur Stadt Bagdad am Ufer des Tigris mit einem Umfange von 2 engliſchen Meilen. Von Bagdad ſchiffte er in 28 Tagen nach Bal⸗ ſara. Wenn der Fluß nicht angeſchwollen iſt, kann man die Reiſe in 18 Tagen vollenden. Die Stadt Balſara am perſiſchen Meerbuſen hat beilaͤufig „/2 Meile im Umfange. Alle Gebaͤude, die Mauern der Stadt und der Schloͤſſer ſind aus Backſteinen auf⸗ gefuͤhrt, welche an der Sonne getrocknet ſind. Der tuͤrkiſche Kaiſer haͤlt hier 500 Janitſcharen nebſt meh⸗ ren andern Soldaten. Nach 6 Tagen landete er bei der Stadt Califa, an der Kuͤſte des gluͤcklichen Nrabiensz; ſie iſt befehligt durchteinen Tuͤrken, wel⸗ cher ſich gegen ſeinen Kaiſer empoͤrt hatte; ſie hat Ueberfluß an Fruͤchten aller Art, vorzuͤglich an Feigen. Von Eatifa ſegelte er bei verſchiedenen kleinen Inſeln vorbei, und landete am sten Tage bei der be⸗ ruͤhmten Inſel Baharesz au ihrer Kuͤſte werden im Juni, Juli, Auguſt und September die vortrefflich⸗ ſten Perlen gefunden..— Von Baharef kamen ſie nach Calara an der Küſte des gluͤcklichen Arabiens: hier ſetzten ſie auf Kamelen die Reiſe gegen Shiriffdin fort⸗ uüm 276 Aman zu erreichen. Wegen der Treuloſigkeit der Einwohner in dieſen Gegenden, erzaͤhlt er, wandte ich mich gegen Lima, einer Stadt am perſiſchen Meer⸗ buſen, beſtieg ein Schiff, um zur Inſel Socotora zu fahren; aber von Seeraͤubern gefangen genommen, wurde ich in die Kuͤſtenſtadt Snar, oder Sohar, nicht weit von Lima, gefuͤhrt. Bei dem portugieſi⸗ ſchen Statthalter ſuchten ſie mich als einen Spion verdaͤchtig zu machen. Von den Portugieſen wurde ich zuerſt nach Azibo, und dann auf die Inſel As⸗ eate, wo ſie eine Beſatzung von 40 Mann halten, und eine Kirche haben, gefuͤhrt. Hier befreite mich aus meiner harten Gefangenſchaft ein engliſcher Jeſuit. Der andere Englaͤnder Robert Covert, ein Begleiter Salbancks, reiſte(wie er erzaͤhlt) von der großen und ſchoͤnen Stadt der Pultaner von Can⸗ dahar ab, welche Sawder Chan, der Statthal⸗ ter des Vicekoͤnigs der Pultanen, beherrſcht. Hier treiben beſtaͤndig Kaufleute aus Perſien, Indien, Meſopotamien und den uͤbrigen Theilen des Hrients Handel. 7— 8000 Kamele werden um die Stadt herum zur Lieferung der Waaren ernaͤhrt. Der Statthalter haͤlt 40,000 Reiter, um die kriegeriſchen Puttaner im Zaume zu halten, weil ſie dem Mogul ungerne gehorchen. Am 6. Mai reiſten ſie nach Ispahawnen(ſo nennt er die Stadt), und erreichten denſelben Tag an dem ſehr reitzenden Ufer des Fluſſes 2 Staͤdte, in O7 deren einer, Langor genanut, ſie uͤbernachteten. Am 71. Mai reiſten wir 6—1 Meilen uͤber eine Ebene; am sten uͤbernachteten wir unter freiem Himmel; am oten kamen wir uͤber eine Ebene nach 12 Meilen zum 7 Fluſſe Sabbaa, welcher das Gebiet der Putta⸗ ner von Perſien trennt. Am 12ten ſetzten wir uͤber den Fluß, und erreichten die Stadt und Feſtung Grees, eine Schutzwehr gegen die Mongolen; der perſiſche Koͤnig haͤlt hier unter einem Praͤfekten 10,000 Soldaten. 1 Am 8ten legten wir uͤber eine Ebene 6 Farſan⸗ gen zuruͤck; eine Farſange betraͤgt mehr als eine fran⸗ toͤſiſche Meile. Am 15ten erreichten wir nach 6 Far⸗ ſangen ein Kaſtell; am 1sten uͤbernachteten wir nach s Farſangen unter freiem Himmel, und erreichten am 19ten in 5 Farſangen die Stadt Doctarhaz am ztten in eben ſo vieler Zeit die Stadt Schawe. Wir ſetzten wegen der großen Hitze, unſere Reiſe Nachts fort, und kamen am 23ten nach 11 Farſan⸗ gen auf Vea, wo deſſen meiſte Bewohner Matrazen verfertigen; am 24ten nach 6 Farſangen in die ſchoͤne, und durch Handel mit Seide ausgezeichgete Stadt Parra, welche in perſiſcher Sprache Averiſham heißt. Am 6. Juni brachen wir von hier auf, reiſten 32 Farſangen uͤber Berge bis zu einer oͤffentlichen Herberge. Am 12ten reiſten wir uͤber eine Ebene 415— 16 Farſangen, und kehrten den 165ten im Flecken Sunday ein. Am z!ten legten wir uͤber eine Ebene 278 24 1/2 Farſangen zuruͤck, reiſten am 19ten uͤber den Flecken Beaſtan, und erreichten den 2oten nach 10 Farſangen die Stadt Guſtan. Den 2sten bra⸗ chen wir auf, erreichten den 28ten das melonenreiche Datten. Am 2sten kamen wir nach 11 Farſangen guf Yesd; am 2sten nach s Farſangen zur Stadt Pahanavens, welche ſehr viele Seide hat. Am 2. Juli fuͤhrte ein Weg von s Farſangen uͤber eine Ebene; den zten durch eine Einoͤde mit ſalzigem Waſ⸗ ſer; ſelbſt der Boden war mit Salz bedeckt. Am aten reiſten wir 1 Farſangen uͤber ſalzigen Boden. Am sten hatten wir einen aͤhnlichen Weg. Waſſermangel trieb uns zur Stadt Bibenz am sten erreichten wir die ſeidenreiche Stadt Godana; am eoten nach 20 Farſangen die Stadt Hemda, welche Trauben und Melonen im Ueberfluſſe erzeugt; am 12ten nach 15 Farſangen die Stadt Cornetta; am 13ten in Farſangen den Flecken Orrinkga; am auten in 4 Farſangen die große, ſchoͤne und ſeidenreiche Stadt Gowra. Am 18ten legten wir 9 Farſangen zuruͤck, ohne Waſſer anzutreffen; am 11ten fanden wir ein kleines Dorf, und erreichten endlich am 23ten Ispa⸗ bawnen. Den 6. Auguſt verließen wir dieſes, legten s Far⸗ ſangen zuruͤck und uͤbernachteten am Ufer eines Fluſ⸗ ſes. Am 7ten ging der Weg 1¹0 Farſangen uͤber eine Wuͤſte; und den sten zur Stadt Coronday; am oten nach Miſkereon in s Farſangen; am 10ten aͤber eine 10 Farſangen lange Wuſte; am 13ten zum kleinen Dorfe Corryn; am z6ten uͤber eine Wuͤſte zur kleinen Stadt Lackerce. Am ꝛ9ten reiſten wir uͤber eine Wuͤſte in 14 Far⸗ ſangen zur kleinen Stadt Corbet, am 2oten in 12 Farſangen zu einem Flecken, deſſen Haͤuſer, wie Zelte, aus grober Leinwand errichtet waren. Am 28ten er⸗ reichten wir auf einem gleichen Wege eine dieſem aͤhn⸗ liche kleine Stadt. Am 2sten gingen wir durch einen großen, 1s Far ſangen langen Wald, und uͤber einen ſo ſteilen Berg, daß 2 Kamele in den Abgrund ſtuͤrz⸗ ten, und das Leben verloren. Am 28ten kamen wir nach 2 Farſangen in eine der oben genannten aͤhnli⸗ chen Stadt; hier bezahlten wir Tribut der großen Stadt Nezzeret, welche nur 4 Farſange entfernt liegt. Bei ihr erblickt man das Grabmal eines Sul⸗ tan auf einem buhen Berge. Am zoten kamen wir an den Fluß Synnee, welcher ſich in den Euphrat ergießt, und Perſien von Arabien trennt. An ſeinen Ufern ſieht man die Truͤmmer einer alten per⸗ ſiſchen Stadt, welche ehemals die Tuͤrken oder Araber zerſoͤrten. Den zuten reiſten wir uͤber eine weite Ebene. 1 8 9 Am 1. September kamen wir zur großen Stadt Sabberea, der erſten Stadt Arabiens, welche Gnanataͤpfel, Anarres von den Arabern genannt, im Ueberfluſſe hat. Sie iſt eine Schutzſtadt der Ara⸗ ber. Am zten kamen wir zur Stadt Bal dad, ein 280 Schutzwerk voll von Naͤubern; am aten zur Stadt Bagdad oder Babylon am Euphrat, durch Groͤße und Feſtigkeit ausgezeichnet. Der Wall wird durch 120 Stuͤcke Geſchuͤtz vertheidigt. Vor 4 Jahren entriß ſie der tuͤrkiſche Kaiſer den Perſern; am 22 Oktober reiſten wir gegen Aleppo, faſt 60 franzoͤſt⸗ ſche Meilen durch Wuͤſten, und erreichten nach 8 Ta⸗ gen die Stadt Muſſaw⸗Coſa. Am 341ten kamen wir durch oͤde Gegenden nach 30 Meilen zum Flecken Ruſſelee; am 4. November zum kleinen Dorfe Deeſh in 8 Meilen. Am zsten ging unſere Reiſe ge⸗ gen Muſel. Dieſe Stadt, ſchon groͤßtentheils zer⸗ ſtoͤrt, war eine der groͤßten, welche ich auf meiner Reiſe geſehen habe; ſie wird regiert von einem Paſcha, und hat ein ſehr feſtes Schloß an den Ufern des Tigris. Hier ſieht man die meiſten Ueberbleibſel alter Denk⸗ maͤler. Am zaten erreichten wir das Kaſtell Nuſſe⸗ baw; am folgenden Tage die Stadt Nuſſebaw. Hier ſoll der Prophet Jonas geprediget haben, ſein Bildniß, aus Steinen gehauen, wird, vbwohl es ſehr mißgeſtaltet iſt, von den Chriſten aufbewahrt; am asten erreichten wir die alte armeniſche Stadt Ha⸗ madaines, welche von den Tuͤrken ganz vernichtet wurde. Die vielen hier beſindlichen Denkmaͤler zeu⸗ gen von der fruͤheren Groͤße der Stadt. In 3 Tagen legten wir 28 Meilen zuruͤck, und kamen Abends nach Goubbaz; am 2sten gelangten wir zur großen Stadt Ulfawen. Die Reiſenden muͤſſen hier einen großen 281 Tribut bezahlen, und duͤrfen in ihr nicht uͤbernachten. Am 4. Dezember kamen wir zur Stadt Bir am ESuphrat⸗ in welcher die Tuͤrken eine ſtarke Be⸗ ſatzung halten; am 1ten in 2 Tagreiſen nach Lum⸗ man, und am sten nach Aleppo. zates B. Perſleu. I. 5. 4 282 X. Reiſe des Englaͤnders Johann Cart⸗ wright 1610 nach Perſien. Aus dem Lateiniſchen überſetzt von Michael Fiedler*). Von Aleppo kamen wir in 3 Tagen durch verſchie⸗ dene nicht beruͤhmte Doͤrfer, und uͤber eine fruchtbare und getreidereiche Ebene, an die Geſtade des Eu⸗ phrat. Eines dieſer Doͤrfer, von den umliegenden Bewoͤhnern Tedith genannt, iſt merkwuͤrdig wegen *) Cartwright, or the Preacher's Travels, welche ſich in Purchas Pilgrims Theil II. befinden, wurden in das Hollaͤndiſche und Lateiniſche uͤberſetzt. Der hier mitgetheilte Auszug ſteht in: Persia, interprete Jo. de Laet. Lugd Bat. ex off. Elzevir. 1055. 18. P. 252— 269. (Jack.) 283 einer im 3498. Jahre der Welt gegruͤndeten juͤdiſchen Synagoge. Nicht weit davon iſt das Thal Salis, beruͤhmt durch die Niederlage der Aramiten, deren 18,000 David erlegte. Hier wurde auch Camſon Gaurus, der Groß⸗Sultan von Aegypten, in einem entſcheidenden Treffen von Selim I. geſchlagen, und wahrſcheinlich von den Reitern zertreten. Der Euphrat, welcher aus dem See Chiel⸗ dor⸗Giol in Armenien aus mehren Baͤchen ent⸗ teeht, vereinigt dieſelben an der Stelle, wo wir ihn beruͤhrten, in ein Bett; ſeine Breite iſt ſo groß, wie jene der Themſe uͤber der Bruͤcke zu London. Hier beſteigen die Kaufleute Kaͤhne, um bei guͤnſtigem Winde nach Babylon zu ſchiffen, und der ſehr be⸗ ſchwerlichen und gefahrvollen Reiſe durch die arabiſche Wuͤſte auszuweichen. Bei dieſer Fahrt muſſen ſie oft 20— 30 Tage verweilen, nachdem das Waſſer groß oder klein iſt; die bequemſte Zeit zur Abfahrt iſt im April und Oktober, weil in dieſen Monaten der Fluß wegen des haͤufigen Regens ſtark anſchwillt; im Juli und Auguſt bleiben oft die Schiffe auf Sandbaͤnken liegen; weßwegen die Kaufleute mehre Felucken mit ſich fuͤhren muͤſſen, um die Waaren iu uͤberladen. Jede Nacht werfen ſie die Anker aus; die Kauſteute ſchlafen in den Schiffen, die Schiffer an den Kuͤſten auf dem Boden. An den Ufern ſchweifen viele Ara⸗ ber umhe. welche etreide aller Art, Milch und der⸗ zleichen fuͤr andere Waaren eintauſchen. Die Weiber. find ſo geuͤbt im Schwimmen, wie die Maͤnner ſie rauben und ſtehlen, weßwegen der Reiſende ſiets auf ſeiner Hut ſeyn muß. 1 An dem entgegengeſetzten Ufer des Euphrats liegt Bir, eine Stadt Meſopotamiens, welche Pre⸗ vinz die Tuͤrken Diarbeck nenuen. Sie iſt ſehr fruchtbar, und hat, obwohl ſie von den Tuͤrken grau⸗ ſam verwuͤſtet wurde, doch einige bedeutende Staͤdte. Zwei Tagreiſen von Bir liegt die beruͤhmte und ge⸗ achtete Stadt Orfa, welche die meiſten fuͤr das be⸗ ruͤhmte Edeſſa halten. Hier fanden wir auch ei⸗ nige Denkmaͤler vom Kaiſer Balduin in lateini⸗ ſcher Sprache. Die Luft iſt ſehr geſund, der Bo⸗ den fruchtbar, aber ſo baumlos, daß die Einwohner aus Mangel des Holzes an der Sonne getrockneten Kamel⸗Duͤnger brennen muͤſſen. Die Stadt iſt vier⸗ eckig; ihre weſtliche Seite liegt an dem Fuße eines felſigten Berges, ihre oͤſtliche beugt ſich in ein geraͤn⸗ miges Thal, welches Weinberge und Gaͤrten ſchmuͤ⸗ ken, hinab; ihre Mauern ſind ſtark und mit Geſchuͤtz verſehen; ihr Umfang betraͤgt 3 engliſche Meilen. Ehemals wurde ſie fuͤr Meſopotamien's Haupt⸗ ſtadt gehalten; jetzt iſt dieſelbe Caramida. Hier iſt eine Quelle mit ſo zahmen Fiſchen, daß ſie ihre Nah⸗ rung aus den Haͤnden der Menſchen nehmen. Juden, Tuͤrken und Armenier, halten dieſelbe fuͤr den Brun⸗ nen Jakobs, bei welchem er ſeinem Schwiegerva⸗ ter Laban fuͤr die Rachel 44 Jahre gedient haben 285 ſon. Die Thore der Stadt wurden juͤngſt durch den Schreiber Eliasger und deſſen Anhaͤnger zerſtoͤrt, welche von den Einwohnern 50,000 Zechinen erpreßt hatten. Dieſe Stadt hieß vor Alters Carraͤ; ſie iſt merkwuͤrdig wegen des großen Treffens, welches die Noͤmer mit den Parthern ſchlugen; jene befehligte M. Craſſus, dieſe Surena. Fuͤnf Tagreiſen von Oufa liegt Ami da, jetzt Ca⸗ ramida oder Cara⸗Emit, theils von rauhen und ſteilen Bergen, theils von ſchoͤnen Thaͤlern und Ebe⸗ nen, rings aber von Bergen ſo eingeſchloſſen, daß ſie nur einen Eingang hat; hier ſoll Aladeules ſein Paradies gehabt haben. Cara⸗ Emit heißt in tuͤrkiſcher Sprache ſchwarze Stadt, oon den ſchwarzen Steinen der Mauern, welche an Farbe mit dem Gagat oder thraziſchen Steine wetteifern; oder von der Fruchtbarkeit des Bodens, welcher hier ſehr ſchwarz iſt. Die Stadt auf einem hervorragenden Felſen, hat faſt 6 engliſche Meilen im Umfange. Obgleich von der Natur hinlaͤnglich geſchuͤtzt, hat ſie doch eine dop⸗ pelte Mauer; deren aͤußere etwas verfallen, die in⸗ nere aber ſtark, und mir Geſchuͤtz verſehen iſt. Sie wird von einem Paſcha beherrſcht, unter deſ⸗ ſen Befehle 12 Sangiaken und 30,000 Tymarioten ſte⸗ hen, heut zu Tage iſt ſie die Hauptſtadt Meſopo⸗ tamiens. Als 1518 Amurath Perſien angriff, 286 nahm Muſtapha ſehr uͤbel auf, daß nur 12,000 Sol⸗ daten hierher gefuͤhrt wurden. Wir reiſten von Caramida weg, und kamen auf eine reitzende und fruchtbare Ebene mit vielen Gaͤrten. Schnellen Laufes durchfließt ſie der Suphrat; im Sommer bildet er viele Inſeln und Halbinſeln, auf welche die Einwohner Zelte ſchlagen; im Winter aber ſchwillt er ſo an, daß er alle dieſe Inſelu bedeckt, und man nirgends durchwaden kann; eine Meile von der Stadt fuͤhrt eine Bruͤcke mit 20 Boͤgen uͤber den Fluß. Die Reiſenden vertauſchen ihre Kamele gegen Mauleſel, weil ſie zur Beſteigung der daſigen hohen und rauhen Gebirge bequemer ſind; ein ſehr hohes Gebirge Armeniens nennt die heilige Schrift Ararat. Zwei Tagreiſen von Caramida erhebt ſich ein fel⸗ ſigtes Gebirg, auf welchem der Tigris aus drei be⸗ wunderungswuͤrdig an einander haͤngenden Felſen ent⸗ ſpringt. Die Duͤrken erbauten hier 3 Bruͤcken zur naͤ⸗ heren Betrachtung dieſes Natur⸗Wunders. Das Ge⸗ raͤuſche des ſich in die Diefe herabſtuͤrzenden Gewaͤſſers, erfuͤllt die Seele mehr mit Grauſen, als mit Bewun⸗ derung. An dieſen Berg reihen ſich mehre andere, auf welchen ſehr viele Baͤume wachſen, welche den Eichen aͤhnlich, aber kleiner und etwas krumm ſind und Gallaͤpfel tragen. Von da gelangt man wieder zu dem Euphrat, welcher hier an manchen Stellen durchwadet werden kann. An dem oͤſtlichen Ufer deſ⸗ 287 ſelben leben die Kurden, vermuthliche Ueberbleibſel der alten Parther; das rohe, aber durch einen ſchoͤnen Koͤrperbau ausgezeichnete Volk, traͤgt bis in ſein hohes Alter die Waffen; ſie beſtehen in Bogen und Pfeilen, in kurzen Schwertern und Schildern. Sie ſind Verehrer des Teufels, damit er dem Viehe nicht ſchade; wegen ihres ſehr großen Haſſes gegen die Chriſten, nennen ſie ihre Provinz das Land des Teufels; im Rauben und Morden ſtehen ſie den Arabern nicht nach; ſie gehorchen dem tuͤrkiſchen Kai⸗ ſer, genießen aber die groͤßte Freiheit. In der gan⸗ zen Provirz der Kurden iſt ein einziges bemerkens⸗ werthes Dorf, Manuscate, s Sagreiſen von Ca⸗ ramida, und 3 von Bitliſh. Es liegt in einem ſehr fruchtbaren Thale zwiſchen 2 Bergen; ohngefaͤhr eine Meile davon iſt das Spital des h. Johann Baptiſt, welches von Mahometanern und Chriſten haͤufig beſucht wird, weil ſie glauben, daß ſie Gluͤck auf der Reiſe haben wuͤrden, und Verzeihung ihrer Suͤnden erhielten, wenn ſie ein Lamm, eine Ziege oder einige Geldſtuͤcke zum Opfer gebracht haͤtten. Von da fuͤhren mehre rauhe und ſteile Berge an die Ufer des Suphrat, welcher hier die Graͤnze Me⸗ ſopotamien's bildet, und den Anfang Groß⸗Ar⸗ menien macht, welches von einigen in 3 Theile ge⸗ theilt wird, deren kleinſtes gegen Nord Georgien, der mittlere Turkomanien, und der dritte Arme⸗ nien beißt. Turkomanien war der erſte Wohnſitz 288 der Tuͤrken, welche aus Seythien durch die Kas⸗ piſchen Engen nach Georgien(welches damals Hiberien hieß) aufbrachen, ſich an die Kuͤſte des Kaspiſchen Meeres begaben und jenen Theil Arme⸗ niens eroberten, welchen ſie nach ihrem Namen be⸗ nannten.— Bei dem Einganz dieſer Provinz iſt eine ſchoͤne und breite Ebene, welche rings von Bergen umgeben, mehre von Armeniern bewohnte Doͤrfer hat. Dieſes Volk iſt fleißig, und ertraͤgt Beſchwerden; die Weiber wiſſen ſo geſchickt Bogen und andere Waffen zu fuͤh⸗ ren, wie die Maͤnner, nach Art der Amazonen und jener Frauen, welche in Perſien die Gebirge Batach bewohnen. Ihre Familen ſind ſehr zahlreich: denn Soͤhne, Enkel und Enkelinnen leben in einem Hauſe; nach dem Tode des Vaters iſt der Erſtgeborne das Fa⸗ milien⸗Haupt, nach deſſen Ableben, folgt nicht ſein Sohn ſondern ſein aͤlteſter Bruder, und nach dem Tode aller Bruͤder tritt er erſt an ihre Stelle. Alle tragen eine Kleidung, und leben in der groͤßten Ruhe und Zucht. Dieſes zahlreiche Volk bewohnt beide Armenien, Cilicien, Bithynien, Syrien, Meſopotamien, und einen großen Theil von Per⸗ fien. Durch ihren Fleiß und durch ihre Geſchicklich⸗ keit; die Waaren in die verſchiedenen Provinzen zu bringen, bereichern ſie die Kaſſe beider Kaiſer. Sie haben 2 allgemeine Patriarchen, deren einer in der Carmaniſchen Stadt Sis, nicht weit von Thau⸗ 289 ſus lebt, und der andere in dem Kloſter Eemeagzin, nicht weit von der Stadt Ervan in derſelben Pro⸗ vinz. Unter dieſen ſtehen 18 Kloͤſter mit vielen Moͤn⸗ chen ihres Ordens, und 24 Episcopate. Jeder Pa⸗ triarch erhielt ehemals von jeder Familie einen Mai⸗ din zum Unterhalte; jeder hatte faſt 20,000 Familien; dieſe Abgabe entzog ihnen der tuͤrkiſche Kaiſer, ſo daß ſie jetzt von ihrem Gelde leben, und mit ihren Wei⸗ bern und Kindern von einer Stadt zur andern ziehen muͤſſen. Sie bekennen ſich zur Lehre Chriſtus welche ſie durch großen Aberglauben entſtellen; ſie machen das Kreuz nach roͤmiſcher Art, und halten fuͤr ein Verdienſt, wenn ſie es mit 2 Fingern verrichten, aber fuͤr etwas unnuͤtzes, wenn es mit 1 Finger geſchieht, wie die Jacobiten. Sie zieren ihre Kirchen mit Kreuz⸗ zen, andere Bilder kennen ſie nicht, und verabſcheuen ſie auch. Dafuͤr treiben ſie groͤßeren Aberglauben mit Reliquien, und hegen die groͤßte Verehrung gegen die Jungfrau Maria. An Sonntagen eſſen ſie wie die Dioscorianer Fleiſch, halten, aber fuͤr Unrecht, daſſelbe am Dienſt⸗ und Freitage zu eſſen, auſſer zwiſchen Oſtern und der Himmelfahrt Chriſtt. Au s Sonntagen enthalten ſie ſich jaͤhrlich des Fleiſches zum⸗ Andenken jener Zeit, wo die Heiden den Goͤtzen ihre Kinder opferten. Das Feſt der Verkuͤndigung Maria feiern ſie am 6. April, die Geburt des Herrn am 6. Janunar, die Reinigung am 4 Februar, und die Verklaͤrung am 44. Auguſt. Die Meſſe wird in ihrer Sprache gehal⸗ 290 ten; bei den Meſſen fuͤr Verſtorbene ſind ſie große Goͤtzendiener. Denn ſie ſchlachten ein Lamm, welches ſie zuvor um die Kirche fuͤhren, dann gebraten auf ein reines Duch legen, zerhauen, und unter die Anweſen⸗ den zum Eſſen vertheilen. Nur wenige Familien ge⸗ borchen dem roͤmiſchen Stuhle. Durch viele Armeniſche Doͤrfer gelangt man end⸗ lich zur alten Stadt Bithlis, in welcher die Frem⸗ den uͤbel behandelt werden. Sie liegt in einem ſchoͤ⸗ nen Thale, und wird von einem kleinen Fluße, wel⸗ cher aus den Vor⸗Tauriſchen Gebirgen ent⸗ ſpringt, beſpuͤhlt. Sie, die Graͤnze des perſiſchen Reiches, war vor ihrer Eroberung im Jahre 1538 durch Solyman, mit einer perſiſchen Belatzung gegen Meſopotamien geſchuͤtzt. In dieſem Jahre fiel auch die merkwuͤrdige Schlacht zwiſchen den Baſſen von Kairo und Syrien, und dem edlen und treuen Perſer Delimenthes vor. Die treuloſen Ulemas und die Baſſen mußten auf Befehl Solyman's von der Zerſtoͤrung der Stadt Tauriza abſtehen, mit 18,000 Mann den Nachtrapp ſeines Heeres bilden, um die vielleicht nachruͤckenden Perſer abzuhalten. Deli⸗ menthes folgte mit 5000 Perſern den Spuren des tuͤr⸗ kiſchen Heeres, uͤberſiel in dieſem Thale von der Nacht und dem Regen unterſtuͤtzt, unvermuthet die Tuͤrken im Schlafe, und ſchlug ſie ſo, daß die Baſſen und Ulemas nur mit Muͤhe auf ihren Pferden ſich retten konnten. 3 große Sangiaken fielen; einer wurde gefangen ge⸗ 291 nommen, 300 Janitſcharen, von den ihrigen verlaſſen, ſtreckten die Waffen, und ergaben ſich den Perſern. Die Perſer feiern den 18. Oktober als den Tag dieſer merkwuͤrdigen Schlacht ſehr feſtlich. Von Bithlis bis zur großen Stadt Van ſind 3 Tagreiſen, ein ſehr beſchwerlicher Weg fuͤhrt uͤber hohe Berge, rauhe Felſen und enge Wege, wel⸗ che, wie die Tuͤrken ſagen, A murath III. mit groſ⸗ ſer Anſtrengung zum Durchzuge ſeines Heeres machen ließ. Die Beſchwerlichkeiten der Reiſe vergroͤſſert noch ein ſalziger See, welcher uͤber einen Felſen, wel⸗ chen man paſſiren muß, ſich ergießt. In dem See, ohngefaͤhr 2 Meilen vom Ufer, liegen 2 Inſeln, welche Semenike heiſſen, und von Armeniern und Georgiern bewohnt werden. Sie heißen wegen ihrer großen Fruchtbarkeit an Getreide und Vieh die Korn⸗ kammern der benachbarten Gegenden. An der weſtli⸗ chen Seite dieſer Stadt liegt eine herrliche Ebene, noͤrdlich der See, welcher Martiana, Margiana oder Mantiana genannt wurde, und viele den Haͤ⸗ ringen aͤhnliche Fiſche ernaͤhrt, welche an der Sonne getroknet, weit und breit verſendet werden. Die Stadt mit einer zweifachen Mauer aus OQuaderſteinen, wird fuͤr die feſteſte der ganzen Provinz gehalten, und uͤberdieß noch durch Geſchuͤtz und ein Kaſtell auf einem hohem Felſen herrlich vertheidigt. Den Perſern entriß ſie der tuͤrkiſche Kaiſer Solyman im Jahre 1549 nach einer 10 taͤgigen Belagerung. Sie 292 wird von einem Baſcha verwaltet, welchem 10,000 Tymarioten zu Gebote ſtehen. Von dieſer Stadt kommt man an die Berge Ara⸗ rat, deren Gipfel ehemals Periard, jetzt Chel⸗ deriſche Berge heiſſen. Dieſe Bergruͤcken enthal⸗ ten die Quellen vieler Fluͤſſe, welche die benachbarte Gegend ſo fruchtbar machen, daß ſie von den barbari⸗ ſchen Voͤlkern Leprus d. i. fruchtbar, genannt werden. Der Araxes aus einem See auslaufend, durch⸗ fließt in vielen Verzweigungen die duͤrre Gegend, und bewaͤſſert ſie; er entſpringt auf dem Periard auf der Seite des Berges Abo, fließt oͤſtlich bis zu den Graͤn⸗ zen der Provinz Syrvan, wendet ſich gegen Corus (Nordweſt?) nimmt den Fluß Cyrus auf, theilt Artaxata,(welche heute zu Tage die Armeniſche Stadt Naßwan heißt), bewaͤſſert Armenien und die Ebene von Araxis, wo er ſich in das Kasp i⸗ ſche Meer ergießt, indem er ſuͤdlich Armenien laͤßt, noͤrdlich aber Sevania mit der Hauptſtadt Eris. 8 Der Cyrus entſpringt gleichfalls auf dem Tau⸗ rus, ſtuͤrzt ſich in die Ebenen von Georgien, und ergießt ſich nach ſeiner Vereinigung mit mehren an⸗ dern Fluͤſſen und dem Araxes in das Kaspiſche Meer. Die Einwohner nennen dieſen Fluß Ser, die Tuͤr⸗ ken Chiur. 293 Auf denſelben Bergen hat auch der Fluß Canac ſeinen Urſprung. Ueberhalb Eris umfließt er eine In⸗ ſel, und ergießt ſich gleichfalls in den Araxes. Ueberdieß gibt es hier noch 2 merk kwuͤrdige Berge, der Anti⸗Taurus, heut zu Tage ſchwarze Vess, erſtreckt ſich gegen Medien nebſt dem mit ihm ver⸗ bundenen Gordaeusz beide ſind mit⸗Schnee bedeckt. Der Gordaeus mit mehren kleinen Bergen, zeigt auf deren Gipfel Spuren und Truͤmmer großer Ge⸗ baͤude. Er von den Tuͤrken Agri⸗Daugh, von den Armeniern Miſſis⸗Saur genannt, uͤbertrifft alle uͤb⸗ rigen Berge an Hoͤhe; an ihrem Fuße entſporuseln Tau⸗ ſende von Quellen, welche durch ihr Waſſer theils den Tiger, theils andere Fluͤſſe vergroͤßern. Um ihn lie⸗ gen vielleicht 300 Doͤrfer von Armenien und Ge⸗ orgien. An demſelben wird eine große Menge Getreid ge⸗ baut, welches das europaͤiſche 2 mal an Groͤße uͤber⸗ trifft, und Rhabarbar, deren Gebrauch den Bewoh⸗ nern unnuͤtz iſt, weil ſie deren Wurzeln zu trocknen nicht verſtehen. Juden, Tuͤrken und Armenier glau⸗ ben, daß auf dem Gipfel dieſes Berges die Arche Noas ſtehen geblieben ſey. Auf engen Wegen, zwiſchen hohen Bergen und tie⸗ fen Thaͤlern, in welchen der Araxis durch ſeinen Herabſturz ein ſchreckliches Getoͤſe verurſacht, fuͤhrt eine Tagreiſe nach Chiulfal. Die Berg⸗ Abhaͤnge, uͤber welche jene Wege fuͤhren, ſind mit finſteren Waͤl⸗ 294 dern bewachſen, und ſetzen die Reiſenden durch ihre Stille, welche nur das Geheul wilder Thiere unter⸗ bricht, in eine nicht geringe Furcht. Chiulfal, eine Stadt Armeniens, an den Graͤnzen Atrobatiens, wird von chriſtlichen Arme⸗ niern und Georgiern bewohnt. Die Einwohner ſind mehr zum Handel, als zum Kriege geneigt. Die Stadt bat 2000 Haͤuſer und 10,000 Einwohner, und liegt an dem Fuße eines rauhen und felſigten Berges auf ei⸗ nem ſo unfruchtbaren Boden, daß die Bewohner ihr Ge⸗ treide mit Ausnahme des Weines von der Stadt Naſ⸗ ſivan, welche eine halbe Tagreiſe entfernt iſt, und von Artaxata an der Graͤnze Medien's und Arme⸗ niens, beziehen muͤſſen. Chiulfal hat ſehr ſchoͤne Palaͤſte und Woͤlbungen aus Quaderſteinen. Die Ein⸗ wohner ſind freundlich geſpraͤchig, und Liebhaber des Weines. Betrunken fangen ſie keine Streitigkeiten an, ſondern ſtimmen Gebete an, vorzuͤglich Lobgeſaͤnge auf die h. Maria und andere Heiligen. Sie gehorchen den Perſern, ſind ihnen zinsbar und die groͤßten Feinde der Tuͤrken. In großer Gefahr ſchwebten ſie, als Amurath und Mahumet Codabenda ein⸗ ander bekriegten. Eine halbe Tagreiſe von dieſer Stadt ſind die Chalderaniſchen Ebenen, beruͤhmt durch die merk⸗ wuͤrdige Schlacht zwiſchen dem Perſer Ismael und dem Tuͤrken Selim 1814, in welcher Selim uͤber 10,000 Mann verlor. Hier ſetzt man uͤber den Ara⸗ 295 res, um Medien zu betreten, welches einige in Me⸗ dien Atropatia und Groß⸗Medien theilen; das ganze Land iſt ſehr fruchtbar, und wird von dem Ara⸗ res, Cyrus und andern geprieſenen Fluͤſſen des Al⸗ terthums bewaͤſſert. Die vorzuͤglichſten Staͤdte deſſel⸗ ben ſind Summachia, Derbent, Secchi, Eres und Aras. Summachia zwiſchen Derbent und Eres, die Hauptſtadt von Sirvan, war ehemals die Reſidenz der Koͤnige von Sir van, und wird jetzt von Armeniern und Georgiern bewohnt. In dieſer Stadt hatten 156s die engliſchen Kaufleute ein Haus, welches ihnen der Vizekoͤnig von Perſten, Namens Obdowlaw gegeben hatte. Hier ſieht man noch die Ruinen eines barbariſchen und ſchauderhaften Denk⸗ mals, naͤmlich einen aus Kieſel und natuͤrlichen Stei⸗ nen erbauten Thurm, zwiſchen deren Verbindung man die Hirnſchalen der von den Barbaren grauſam ermor⸗ deten Vornehmen des Landes ſieht. Sirvan ehemals eine ſehr angeſehene Provinz, hatte mehre Staͤdte, Doͤrfer und Schloͤſſer, und einen ſo maͤchtigen Koͤnig, daß er dem Koͤnige Perſiens an Macht nicht nachſtand. Als aber zwiſchen ihm und den Perſern Religions⸗ Streitigkeiten entſtanden waren, wurde er beſiegt, die meiſten Staͤdte aus dem Grunde zerſtoͤrt, der ganie Adel vernichtet, und die Koͤpfe der Vornehmen zum Schrecken des Volkes an jenem Thurme aufgehangen. Ohngefaͤhr eine Meile von der Stadt liegen die — Truͤmmer eines ebemals ſehr feſten Kaſtells, welches 296. Alexander der Große nur mit der groͤßten An⸗ ſtrengung erobern konnte. Nicht weit davon iſt ein praͤchtiges Nonnen⸗Kloſter, in welchem Ameleke Canna, die Tochter des Koͤnigs, begraben ſeyn ſoll. Sie erſtach ſich mit einem Meſſer, als ihr Vater ſie zwang, das abgelegte Geluͤbde der Keuſchheit zu bre⸗ chen, und ſich mit dem Fuͤrſten der Tartaren zu ver⸗ ehlichen. Jaͤhrlich kommen hier die Jungfrauen des Landes zuſammen, und beweinen den Tod derſelben. Summachia iſt Tagtreiſen vom Kaspiſchen Meere, und s von Derbent entfernt. Als ſich die Einwohner 1577 freiwillig dem Tuͤrkiſchen Fuͤhrer Muſtapha ergaben, griff Emir Hamza, der Erſt⸗ geborne des Perſiſchen Koͤnigs Mahomet Coda⸗ benda, um dieſe Treuloſigkeit zu raͤchen, mit ſeinen beſten Soldaten die Provinz Sirvan an, ermordete auf eine grauſame Weiſe die Einwohner, zerſtoͤrte ihre Wohnungen riß die Mauern aus dem Grunde nieder, und verwuͤſtete das ganze Gebiet. Die Stadt Derbent, 6 Tagreiſen von Sum⸗ machia, fuͤhrt verſchiedene Namen. Bisweilen heißt ſie Derbent wegen ihrer langen und engen Geſtalt; bisweilen Demir⸗Capi, die eiſerne Pforte, weil bier eiſerne Thore den Eingang nach Seythien er⸗ oͤffneten; bisweilen Alexandria, von ihrem erſtem Erbauer Alexander dem Großen, als er die Me⸗ der und Perſer bekriegte. Er fuͤhrte auch um dieſe Zeit einen ſehr hoben und dicken Graben von ihr bis zur Armeniſchen Stadt Tephlis, deſſen Spuren noch ſichtbar ſind. Die Stadt auf erhabenem Huͤgel, hat aus natuͤrlichen Steinen gehauene Mauern, welche binſichtlich ihrer Hoͤhe und Dicke den Europaͤſchen gleich kommen. Sie gelangte in keiner Zeit zu eini⸗ gem Ruhme; alle welche dieß⸗ und jenſeits aus Per⸗ ſien in die Tartarei reiſen, muͤſſen durch ſie, ohne einigen Nutzen fuͤr die Einwohner. Vier Tagreiſen von Summachia kiegt die Stadt Sechi, welche ſich gleichfalls freiwillig den Muſta⸗ pha ergab, und unter ſeinem Schutze zu großeit An⸗ ſehen gelangte. Hier iſt auch die Stadt Sres, derent Gebiet bewunderungswuͤrdig von dem Araxes und Cyrus bewaͤſſert wird. In fruͤheren Jahren lieferte ſie ſehr viele weiße Seide, gewoͤhnlich Mamodea⸗ num genannt; jetzt findet man kaum eine Spur mehr wegen der beſtaͤndigen Verwuͤſtungen von Seite der Tuͤrken und Perſer. Denn nachdem ſich Sechi nnd Eres ohne Schwertſchlag dem Muſtapha ergeben hatten, ruͤckte Emir Hamza mit ſeinen raͤchenden Soldaten heran, und wuͤthete ſo gegen die Einwoh⸗ ner, daß er weder Geſchlecht, noch Alter und Stand verſchonte. Aus dem Schloſſe fuͤhrte er 200 Stuͤcke Geſchuͤtz hinweg, welche Muſtapha hier gelaſſen hatte, und ſchickte ſie ſeinem Vater nach Kasbin. In demſelben Reiche liegt an der Graͤnze Geor⸗ giens die Stadt Araſſe, ein vorzuͤglicher Handels⸗ platz, theils wegen ſeiner vorzuͤglichen Menge daſelbſt a2tes B. Perſten. I. 3. 5 298 erzeugter Seide, theils wegen der vielen anderen ein⸗ gefuͤhrten Waaren; wie rauhe und glatte Gallaͤpfel; aus Indien Baumwolle, Alaun, Gewuͤrze jeder Art, Sdelſteine, Diamanten, Rubine ꝛc. Jaͤhrlich gehen 500— 1000 mit Seiden beladene Mauleſel nach Alleppo. Von Araſſe bis Tauris ſind s Tagreifen; Neber den Araxes kommt man aus Atropatia nach Groß⸗Armenien, deſſen Hauptſtadt Tauris beruͤhmt iſt, durch die Wohnung des Propheten Da⸗ wiel, welche er laͤngs der ſehr praͤchtigen Burg ge⸗ baut haben ſoll. Zu Joſephs Zeiten war ſie nach ſeiner eigenen Erzaͤhlung noch unbeſchaͤdigt. In dem herrlich erbauten Schloße lagen mehre Jahrhunderte die Koͤnige Medien's, Perſien's und Parthiens begraben; die gefraͤſſige Zeit hat es beinahe vernich⸗ tete. Das beruͤhmte Elbatana, heut zu Tage Tau⸗ ris, liegt, am Fuße des Berges Orontas Tagreiſen vom Kaspiſchen Meere, die Luft iſt ſehr geſund und dgs Gebiet erzeugt Getreide aller Art im Ueberfluße. 8 e. Stadt verdaukt ihren Reichthum der beſtaͤndigen Duxchfuhr orientaliſcher Waaren, welche nach So⸗ ren, und der Europaͤlſchen, die im ganzem Orien⸗ re verbreitet werden. Sie iſt ſo zahlreich, daß ſie fat 200,000 Seelen ernaͤhren ſoll. Zu ihrem Schutze hat ſie keine Mauern und Vorwerke, ſondern eine Burg, welche in fruͤheren Jahren von den Tuͤrken erbaut worden iſt. Die Gebaͤude ſind aus Ziegeltteinen errich 299 tet und ſehr niedrig. Gegen die oͤſtliche Seite der Stadt iſt ein ſehr ſchoͤner und reitzender Garten. Die ver⸗ ſchiedenen Baͤume, die wohlriechenden Kraͤuter, die vielen Quellen und Stroͤme, welche aus dem Fluſſe abgeleitet werden, welche denſelben von der Stadt trennen, machen ihn ſo angenehm, daß ihn die Ein⸗ wohner Sechis genet, oder acht Paradieſe nen⸗ nen. Hier pflegten ehemals die perſiſchen Koͤnige zu wohnen; jetzt dient er ihren Stadthaltern zum Auf⸗ enthalte, nachdem die Koͤnige wegen des Krieges mit den Tuͤrken nach Kasbis ſich begeben hatten. Die Stadt erlitt in fruͤheren Jahren viele Ungluͤcksfaͤlle, theils von den Duͤrken, theils von den Perſern. Als ſie 1514 ſich dem tuͤrkiſchen Kaiſer Selim ergeben hatte, er⸗ preßte er wider ſein gegebenes Wort eine große Summe Geldes von den Einwohnern, und fuͤhrte 3000 vorzuͤg⸗ lich in Fertigung der Waffen geuͤbte Familien nach Konſtantinopel. 1814 wurde ſie von den Sol⸗ daten Solymans gepyluͤndert, und der ſehr praͤch⸗ tige Palaſt des Koͤniges Thamuz nebſt den ſchoͤnen Gebaͤuden der Adelichen aus dem Grunde zerſtoͤrt, und viele Vornehme und ſchoͤne Perſonen in die Sklaverei geſchleppt. Im J. 1585 wurde ſie grauſam von Os⸗ man, dem Vezire Amuraths III. verwuͤſtet. 1603 uͤberſiel die Stadt Abras, der jetzige Beheurſcher Per⸗ ſiens, unvermuthet mit ſeinem Heere, brachte ſie nach einer s woͤchigen Belagerung bei welcher ſich die Per⸗ ſer das erſtemal des Geſchuͤtzes hedientenn wieder un⸗ 300 ter ſeine Bothmaͤſſigkeit, und eroberte beinahe das ganze Reich Syrvan bis auf einige Kaſtelle wieder. Von Tauris bis Kasbis ſind 10 Tagreiſen, in den erſten 3 Tagen reiſt man uͤber rauhe und ſteile Gebirge mit groͤßter Lebensgefahr und unter haͤufigem Schnee; hier theilt der ſehr hohe Berg Duzim das K. Perſien von der Tuͤrkei. Das erſte Perſiſche Dorf Darnah iſt, ungeachtet ſeiner großen Verwuͤ⸗ ſtung, wegen wohlfeilen Getreides bekannt. Von Darnah bis zur alten Stadt Soltania fuͤhrt durch ſehr viele Doͤrfer, deren zahlreichen Ein⸗ wohner im groͤßten Frieden leben, ein Weg von 3 Ta⸗ gen. Hier ſtellen ſich dem Auge viele Truͤmmer alter kuͤnſtlich erbauter chriſtlicher Kirchen mit hohen Thuͤr⸗ men dar. Die faſt entvoͤlkerte Stadt wird rings von Bergen, welche mit Schnee bedeckt ſind, umgeben, welche ehemals die Namen, Nyphates, Caspius, Coathras und Zagras fuͤhrten; ſie ſind wahrſchein⸗ lich Aeſte des Caucaſus, welche bald vereint, bald getrennt ſich durch verſchiedene Provinzen verbreiten. Vor der Stadt breitet ſich eine ſehr große Ebene aus, welche das Ungluͤck des tuͤrkiſchen Kaiſers Solv⸗ man 1534 merkwuͤrdig machte. Als er im Anfange Septembers das Lager geſchlagen hatte, regnete es haͤufig. Das Waſſer gefror. Der haͤufige Schnee be⸗ deckte die Lager, loͤſchte die Wachtfeuer aus, und ver⸗ tilgte Menſchen und Vieh. 301 Leonelavius ſetzt in ſeinen tuͤrkiſchen Jahxbä⸗ chern dieſen Vorfall auf das Jahr 1535. Die Osmanen ſetzten den fliehen Parthern bis zur Stadt Hemadane nach. Hier verloren die meiſten Osmanen durch die Kaͤlte Haͤnde und Fuͤſſe. Mangel an Lebensmitteln und haͤu⸗ figer Regen vernichtete eine unglaubliche Anzahl Men⸗ ſchen und Thiere. Bei dem Uebergange uͤber den Fluß Docus⸗Gezid fand eine noch groͤßere Anzahl Menſchen und Chiere durch das ploͤtzliche Anſchwellen deſſelben den Tod. Von Sultania bis Kasbis fuͤhrt uͤber ſehr viele Doͤrfer ein Weg von 4 Tagreiſen. Die Stadt ſit reich theils wegen der Reſidenz des Koͤnigs, theils wegen des haͤufigen Zuſammenfluſſes fremder Kaufleute. Ehemals hieß ſie Arſacia, iest Kasbis, d. i. ten der Perſiſchen Koͤnige war. Sie liegt auf einer ſehr ſchoͤnen Ebene, welche kaum in 3 Tagen durch⸗ gangen werden kann, und vielleicht 2000 Villen ent⸗ haͤlt, die ſchlecht und wie die meiſten Perſiſchen Ge⸗ baͤude, aus Backſteinen, welche an der Sonne getrock⸗ net werden, erbaut ſind. Eine dient dem Perſi⸗ ſchen Koͤnige Thamuz, welcher den Sitz ſeiner Regierung von Tauris hierher verlegt hatte, zur Wohnung. Er erbaute einen praͤchtigen Palaſt fuͤr ſich und ſeine Weiber. Der jetzige Koͤnig haͤlt ſich meiſtens zu Hispahan auf, welches 10 Tagreiſen gegen Oſten liegt. In dieſer Stadt verdienen eine Bemerkung die Reſidenz des Koͤnigs, die verſchiede⸗ nen Bazats, und der Fuͤrſtenplatz Atmaiden. Die Pforte des Palaſtes iſt aus verſchiedenfarbigen Steinen gebaut, und mit Gold ausgelegt; er hat geraͤumige Vorhofe, deren Boden mit feidenen, von Gold durch⸗ wirkten Teppichen bedeckt iſt. Die Waͤnde ſind mit praͤchtigen Gemaͤlden, welche die Schlachten mit den Tuͤrken vorſtellen, geziert. Die Bazars find verſchie⸗ dene Straſſen der Stadt, in welchen Sachen von Werth feilgeboten werden. Atmaiden oder der Fuͤrſtenplatz hat eine aeckige Geſtatt, und betraͤgt eine engliſche Meile im Umfan⸗ ge; hier werden verſchiedene Waaren verkauft. Die Feſtigkeit dieſer Stradt machen nicht Mauern und Vor⸗ werke aus, ſondern die Menge der Soldaten. Denn in und aufferhalb der Stadt werden beſtaͤndig 20,000 Reiter ernaͤhrt.. Vier Tagreiſen von Kasbis und zwei von Sul⸗ tania liegt die beruͤhmte Stadt Ardevil; hier wohnte Alexander der Große, als er Perſten an⸗ greifen wollte; hier liegen die meiſten perſiſchen Koͤ⸗ nige begraben. Dieſe Stadt hing zuerſt der Seete des Ginus, welcher hier regierte, an. b Vier Tagreiſen von Kasbis iſt Geilan, eine Stadt Hireaniens, nicht weit vom kaspiſchen Meere. Der Theil dieſer Provinz gegen Nord, Ghi⸗ lan genannt, iſt mit dichten Waͤldern bewachſen, und ernaͤhrt ſo viele wilde Thiere, daß ſie die Wege un⸗ 303 ſicher machen; gegen die Meereskuͤſte hat ſie Ueberfluß an ſehr augenehmen und waſſerreichen Weiden, wegen der großen Menge von Quellen, welche den benacht⸗ barten Bergen eurſprudein. Zu den vornehmſten Staͤd⸗ ten der Provinz gehoͤren Beſtan, Maſſandran, Pangiazer, Bachu und Geilan: dieſe Staͤdte haben Statthalter, welche gleichen Rang haben wie in der Tüͤrkei die Baſſen. Bach u, ein ſehr beguemer Handelsolatz, mit ei⸗ nem Hafen am Kaspiſchen Meere, liegt nicht weit von Ardevil, Tauris, Eres, Summachia und Derbent. Nicht weit von dieſer Stadt entauillt aus der Erde ſchwarzes Oel, welches die Perſer zu ihren Lampen brauchen, und durch das ganze Land verſenden. Von Kasbis fuͤhren s Tagreiſen uͤber ſehr viele Doͤrfer und Herbergen an der Straße zur Stadt Kom⸗ Dieſe ſehr alte Stadt, Guriana von P tolemaͤus genaunt, ſoll um die Haͤlfte groͤßer geweſen ſeyn, als Konſtantinopel. Seit ihrer Zerſtoͤrung durch Ta⸗ murlan hat ſie ſich nicht wieder erholen koͤnnen, vor⸗ zuͤglich da die Stadt Caſſan, der ſie einſt unterwuͤr⸗ fig war, ihr allen Handel entzieht. Sie hat eine ſehr guͤnſtige Lage, und Ueberfluß an allen Lebens⸗Beduͤrf⸗ niſſen. Ueber den Fluß, welcher an ihr vorbei laͤuft, fuͤhrt eine ſteinerne Bruͤcke. Ueber dieſe kommt man nach Parthien, einer vor Alters ſehr beruͤhmten 304 Provinz, welche jetzt ſo mit Perſien vereinigt iſt, daß ihr nicht einmal der Name uͤbrig blieb. Von Kom bis Caſſau ſind 2 Tagreiſen, dieſe ſehr beruͤhmte und reiche Stadt, obwohl Ortelius und Andere ihrer nicht erwaͤhnen, liegt auf einer ſehr ſchoͤnen Ebene. Wegen der nur eine Tagreiſe entfernten Gebirge, ſtuͤrmt es ſehr haͤufig, beinahe wie zu Or⸗ muz; der Fruͤhling und der Sommer fangen hier ſchneller an, als in dem uͤbrigen Perſien. Sie hat Quellen und Getreide jeder Art im Ueberfluſſe, und iſt ein ſo ausgezeichneter Handelsplatz, daß Kaufleute aus verſchiedenen Laͤndern, und vorzuͤglich aus In⸗ dien, Waaren aller Art bringen. Die Einwohner we⸗ ben Seiden⸗ und Wollenſioffe jeder Art. Muͤſſiggaͤ⸗ ger werden in ihr nicht geduldet; ſelbſt sjaͤhrige Kna⸗ ben werden zur Arbeit angehalten. Hier iſt das Ge⸗ ſetz, welches nach Diodor auch bei den Aegyp⸗ tiern gebluͤht haben ſoll, duß jeder bei der Obrigkeit ſeinen Namen angeben muß, wovon er lebt, und welches Gewerbe er treibt. Wenn ſie Unwahrheiten berichten, bekommen ſie Schlaͤge auf die Fußſohlen, oder werden zu Sklaven der Stadt gemacht. Die Sceorpionen, welche hier ſehr groß und ſchwarz ſind, werden von den Einwohnern ſehr gefuͤrchtet. Von Caſſan bis Hispahan ſind 3 Tagreiſen. Dieſe Stadt im Alterthume Hecatonpolis, die hundertthorige genannt, verdient dieſen Namen heute zu Tage noch; ihre Mauern koͤnnen kaum in ei⸗ 305 nem Tage umritten werden. Sie, die groͤßte Stadt Perſiens, der Aufenthaltsort des Koͤnigs, iſt ſo⸗ wohl durch ihre Lage, als durch eine ſtarke Mauer befeſtigt, ihre breiten und tiefen Graͤben erhal⸗ ten ihr Waſſer von den Waͤſſern der coroniani⸗ ſchen Berge. Gegen Nord liegt eine ſehr feſte Burg mit einer ſehr hohen Mauer, deren Umfang 1500 Ellen betraͤgt; in ihrer Mitte erhebt ſich ein Thurm mit vielen Hoͤfen und Gemaͤchern, aber mit wenig Geſchuͤtz. Gegen Weſt ſind 2 Palaͤſte, deren einen die koͤnigliche Familie bewohnt, den andern die Weiber des Koͤnigs; dieſe Palaͤſte aus glaͤnzendem und rothen Marmor erbaut, uͤbertreffen alle andern Ge⸗ baͤude weit an Pracht; der Fußboden iſt mit Moſaik belegt, und mit ſeidenen, von Gold gewirkten Tape⸗ ten bedeckt; die Fenſterſtoͤcke glaͤnzen von Alabaſter und weißem buntfarbigen Marmor; die Thuͤre ſind mit El⸗ fenbein und Ebenholz ausgelegt. An den Palaſt ſtoͤßt ein geraͤumiger und breiter Garten mit unzaͤhligen Fruchtbaͤumen und wohlriechenden Kraͤutern; 1000 Quellen und Seen bewaͤſſern ihn; ein ſanft fließen⸗ der kleiner Fluß treunt ihn von dem Palaſte. Ihn bewa⸗ chen s Reiter, und jeder Buͤrger darf ihn betreten. Zur Wache ſeines Palaſtes ernaͤhrt der Koͤnig ver⸗ ſchiedene Soldaten, deren vorzuͤglichſte, 8000 an der Zahl, die Leibwache des Koͤnigs gusmachen, und un⸗ ter verſchiedenen Befehlshabern, welche dem Churchi⸗ Baſſa der meiſtens aus den Großen des Reichs er⸗ 306 waͤhlt wird, ſtehen. Die zweite Abtheilung, Eſa⸗ hul genannt, 4000 an der Zahl, gehorcht mehren Be⸗ fehlshabern, deren Oberſter Eſſahul⸗Baſcha heißt. Alle dieſe Soldaten empfangen ihren Sold von be⸗ ſtimmten Staͤdten, und den perſiſchen Koͤnigen gehoͤ⸗ rigen Doͤrfern. Zu beſtimmten Zeiten erhalten ſie vom Koͤnige Waffen, Pferde, Kleider und Zelte; ihre Befehlshaber umgeben beſtaͤndig den Koͤnig. Die Ver⸗ waltung des Staates beſorgen nebſt dem Koͤnige noch 42 Sultane. Drei vorzuͤglich, deren Aemter getrennt ſind, beſorgen den ganzen Staat. Einer verwaltet das Kriegsweſen durch das ganze Reich, die beiden andern erheben die Abgaben, und beſtreiten die Staats⸗ Ausgaben. Sie fuͤhren mit Recht den Namen Schatz⸗ meiſter. Nach ihnen kommen die Mordari, 2 Großkanzler. Sie muͤſſen alle Befehle bekannt machen, und alle Papiere ſchraeen, welche auf das Wohl des Reiches Bezug haben. Ciner iſt Siegelbewahrer, der andere Schreiber(geheimer Sekretaͤr). Außer dieſen gibt es noch 2 Kadi, Richter, welche in Cipil⸗Pro⸗ ieſſen unkerſuchen und entſcheiden, in Criminal⸗Pro⸗ zeſſen aber fragen ſie blos, verhoͤren die Zeugen, und leiten den Gang des Prezeſſes, Sygil genannt, ein; die Entſcheidung ſteht dem Sultan zu, welcher(uach der Gewohnheit des Reiches) Belohnung oder Strafe be⸗ ſtimmt. Wie die Regierung hier iſt, ſo iſt ſie auch in den uͤbrigen Staͤdten. Das Kirchen⸗Oberhaupt iſt in dieſer Stadt der Muſtaͤdin; in andern Staͤdten ſind andere Prieſter, welche nicht von ihm, ſondern von dem Koͤnige, dem geiſtlichen und weltlichen Oberhaupte, erwaͤhlt wer⸗ den. Um Unruhen zu verhuͤten, uͤberlaͤßt der Koͤnig die Entſcheidung dem Ausſpruche Anderer.— Unter dem Oberprieſter ſtehen die Kaliphen, welche taͤglich in den Moſcheen und Tempeln die Religious⸗Sere⸗ monien verrichten. Unter ihnen behauptet derjenige die oberſte Stelle, welcher dem Koͤnige bei ſeiner Ein⸗ ſetzung das Horn aufſetzt. Dieſe Feierlichkeit wurde zuerſt zu Cufa nahe bei Babylon begangen; nach⸗ dem aber die Tuͤrken den Perſern Afſyrien entriſſen hatten, wird ſie jetzt bald zu Kasbis, und bald zu Hispaban vollzoßen. Die Bewohner der Stadt ſind, wie die alten Parther, geſchickte Reiter. Sie reiten auf Reiſen, im Gefechte, bei dem Handel und bei der Unterhaltung; dadurch unterſcheiden ſich die Vornehmen von den Geringeren und Sklaven.— Das Volk iſt von Natur aumaſſend, aufruͤhreriſch, hinterliſtig und unruhig. Sie ſind ſehr uͤppig: denn es gibt bei ihnen 3 Arten von Frauen; ehrbare, halb⸗ ehrbare, und Huren; kein Verbrechen wird ſtrenger beſtraft, als der Ehebruch. Endlich ſind ſie voll Hin⸗ terliſt, und lieben Neuerungen. Wenn man von Hispahan gegen Syrien zur Stadt Syras zuruͤckkehrt, braucht man 10 Tagrei⸗ ſen. Die Stadt liegt am Ufer des großen und be⸗ ruͤhmten Fluſſes Bindamir, welcher durch Per⸗ 308 ſien und das Koͤnigreich Lar fließt, und ſich in den perſiſchen Meerbuſen ergießt. Sie war fruͤher die Hauptſtadt des Reiches. Sie iſt ſehr groß, hat bei 40 Meilen im Umfange, und liegt an der Koͤnigs⸗ ſtraße, welche von Hispahan nach Ormuz fuͤhrt. In und außerhalb der Stadt ſind viele Truͤmmer al⸗ ter Gebaͤude; beſonders bezeugen? große Thore, wel⸗ che 12 Meilen von einander entfernt, ſich gegenuͤber ſtehen, ihre fruͤhere Groͤße. Gegen Oſt liegen die Ueberbleibſel eines Prachtgebaͤudes, welches Cyrus erbaut haben ſoll, und von Aelian ſo ſehr gelobt wird. Gegen Weſt erblickt man die Truͤmmer eines alten Kaſtells, welches eine zfache Mauer gehabt zu haben ſcheint. Die erſte mit vielen Thuͤrmen war 24 Fuß hoch; die zweite den erſten aͤhnlich, aber um die Haͤlfte hoͤher, die dritte viereckig und 90 Fuß hoch; alle drei waren aus nakuͤrlichen Steinen gebaut. Zu beiden Seiten waren 12 eherne Thuͤren, vor jeder kuͤnſtlich verfertigte Saͤulen. Von dieſem Kaſtelle er⸗ hebt ſich gegen Morgen in einem kleinen Zwiſchen⸗ raume ein Berg, auf deſſen Gipfel eine ſchoͤne Ka⸗ velle ſteht, mit den Denkmaͤlern alter Koͤnige. Ob⸗ gleich dieſe Stadt verſchiedene Veraͤnderungen erlitten hat, ſo gehoͤrt ſie doch noch zu den vorzuͤglichen Per⸗ ſiens; in kurzer Zeit kann ſie 20,000 bewaffnete Rei⸗ ter ſtellen. Sie iſt einer der vorzuͤglichſten Handels⸗ plaͤtze des Orients; in ihr werden Wafſen aller Art 309 verfertigt. Die aus Eiſen und Stahl uͤbertreffen an Guͤte und Schoͤnheit die europaͤiſchen weit. Von Siras ſind zur Provinz Suſiana 8 Tag⸗ reiſen; ehemals hieß ſie Aſſyrien, jetzt Cuſeſtan. Gegen Nord grenzt ſie an den ſuͤdlichen Theil Ar⸗ meniens, gegen Weſt an Meſopotamien, ge⸗ gen Suͤden an einen Theil des perſiſchen Meer⸗ buſens; hier iſt ſie voll Suͤmpfe und ſumpfiger Plaͤtze ohne einen Wohnort und Hafen. Die Luft iſt ſehr heiß, der Boden mit Harz angefuͤllt, baumlos, und verunreinigt das Waſſer ſo, daß die Einwohner bald ſterben. Von der Graͤnze dieſer Provinz, bis zur Stadt Baldae ſind 2 Tagreiſen; ſie, das ehemals beruͤhmte Suſg iſt beinahe ganz verwuͤſtet, und wird von dem Fluſſe Choaspes, welcher nach verſchiedenen Wen⸗ dungen und Kruͤmmungen ſich in den perſiſchen Meer⸗ buſen ergießt, beſpuͤhlt. Sein Waſſer iſt ſehr pein, ſehr angenehm und lieblich zu trinken. Jeuſeits des Fluſſes liegt s Tagreiſen entfernt die ſehr alte Stadt Moſul an dem ufer des Fluſſes Ti⸗ gris. Auf einer Ebene Aſſyriens ward an den Ufern dieſes Fluſſes im Lande Eden das beruͤhmte Ninive von Nimrod angefangen, und von Ni⸗ nus vollendet. Heilige und Profan⸗Hiſtoriker ſtim⸗ maeen darin uͤberein, daß hier die groͤßte und beruͤhm⸗ teſte Stadt geweſen ſei. Die Spuren der Mauern laſſen erkennen, daß ſie 310 viereckig und aus ungleichen Ziegelſteinen erbaut ge⸗ weſen ſei. Von den 2 laͤngeren Seiten betraͤgt jede 150 Stadien, die kuͤrzere nur 90, ſo daß ihr Geſammt⸗ Umfang 4s0 Stadien betraͤgt, d. i. 60 italiſche Mei⸗ len. Die Mauern waren 100 Fuß hoch, und oben ſo breit, daß 3 Wagen neben einander fahren konnten; ſie wurden durch 4500 Thuͤrme geſchmuͤckt. Jetzt iſt die Stadt ganz von den Chaldaͤern zerſtoͤrt„ und ein trauriges Denkmal ihrer vorigen Groͤße; heute zu Tage ſieht man da eine ſehr kleine Stadt, in welcher mit Erlaubniß der Duͤrken ein neſtorianiſcher Patriarch wohnt.— 3 Auf der entgegengeſetzten Seite des Fluſſes liegt die Inſel Eden, 12 Meilen entfernt; ſie ein Theil des Paradieſes, wird vom Tigris umſpuͤhlt, und 8 ſoll 10 engliſche Meilen im Umfange haben. Aus ih⸗ ren Truͤmmern erſieht man, daß ſie mit einer Mauer umgeben war. Heute zu Tage fuͤhrt ſie den Namen Edenis. 4 Von Moſul faͤhrt man auf Fahrzengen, welche aus Ziegenfellen auf beiden Seiten zuſammen genaͤht, und vom Winde aufgeblaſen ſind, nach Bagdad. Die Schiffer verkaufen ſie in Bagdad, und kehren mit Haͤuten vom Zugviehe zuruͤck. Dieſe Stadt nen⸗ nen einige Neu⸗Babylon, weil ſie aus den Rui⸗ nen des Alten, welches nicht weit davon entfernt iſt, erbaut ſeyn ſoll. Sie iſt weder ſchoͤn, noch groß, und hat nur s engliſche Me en im Umfangel; ihre Mauern 311 ſind aus Backſteinen, welche an der Sonne getrock⸗ net wurden. Hier regnet es 8 Monate nicht; auch ſieht man keinen Nebel, weder bei Nacht, noch bei Tage. Die Winter⸗Monate, November, Dezember, Januar und Februar, ſind ſo warm, daß ſie den Som⸗ mer⸗Monaten in England wenig nachſtehen. Dieſe ehemals ſehr beruͤhmte Handelsſtadt, verlor, wie Kaivo in Aegypten, viel durch die Schiffahrt der Portugieſen, Englaͤnder und Hollaͤnder nach Indien. Zur Vorſtadt jenſeits des Fluſſes fuͤhrt eine Bruͤcke, welche uͤber Kaͤhne geſchla⸗ gen iſt. Nicht weit von hier ſieht man die Ruinen des Thurmes von Babel, deſſen Ueberbleibſel ¼ Stunde im Umfange betragen, und heute noch wie ein hoher Thurm emporragen, welche aus großen, 14 Ellen langen, und 1/4 breiten Backſteinen erbaut iſt. Sie ſind durch einen harzigen Kalk verbunden; in einzelnen Reihen ſind aus Palmblaͤttern geflochtene Decken, welche man heute noch ſieht. Nahe bei die⸗ ſem zeigt man die Ruinen von Babylon, und 3 Tagreiſen davon die gaͤnzlich zerſtoͤrte Stadt Ayt, de⸗ ren Truͤmmer die Araber bewohnen. Neben dieſer Stadt entſprudelt in einem bewun⸗ derungswuͤrdigen Thale aus mehren Quellen eine ſchwarze, dem Peche aͤhnliche Subſtanz unter brauſen⸗ dem Getoͤſe in ſo großer Menge, daß es von den be⸗ nachbarten Provinzen im Ueberfluſſe zur Verpechung 8 der Schiffe verbraucht wird. Die Einwohner nenneu es die Oeffnung zur Hoͤlle. Von Ayt kommt man in 3 Tagen zur verlaſſenen Stadt der Araber, Anna, welche ſehr enge iſt, und 3 Meilen in der Laͤnge hat. Ihre Bewohner ſind ſehr raͤu⸗ beriſche Kurden. Im ſchnellen Laufe fließt der Eu⸗ phrat vorbei, bewaſſert und befruchtet das angraͤn⸗ zende Land. Von dieſer Stadt, furt der Verfaſſer, ſei er in 18 Tagen nach Aleppo gekommen, da man bei der Karawane 20 Tage, wie man ſagt, noͤthig hat. 1 Xl. Reiſe des Englaͤnders Richard Steele aus Indien nach Perſien, und durch Perſien nach Bagdad im Jahre 1615. Aus dem Lateiniſchen uͤberſetzt durch Michael Fiedler*). Am 23. Juli 1615 reiſte Richard Steele von Candahar weg, und erreichte an demſelben Tage noch das Dorf Serraben; am 2aten das kleine Dorf Deabagen; am esten das kleine Kaſtell Cuſ⸗ hecunna, in welchem der Mogul eine Beſatzung halt. Am 26ten uͤbernachteten ſie an einem Fluſſe *) Rinerarium R. Steele Angli ex India in Per- siam, et per Persiam ad Bagdad a 1615, in- terprete Jo. de Laet. Lugd. Bat. 1653. 18. P. 295— 206. a2tes B. Perſten. I. 3. 6 unter freiem Himmel; kamen den 27ten zum Kaſtelle Griez, welches den Perſern gehoͤrt; am 28ten zum Dorfe Maldee; am zoten zum kleinen Schloſſe Ga⸗ zichan, und am z4ten zu einem zerfallenen Kat zelle. Am 1. Auguſt erreichten ſie das Schloß Delaraz am zten das alte Kaſtell Bacon, am oten die kleine Stadt Farra oder Parra, welche eine hohe, vier⸗ eckige, aus getrockneten Steinen erbaute Mauer um⸗ gibt; ihr Umfang betraͤgt eine engliſche Meile. Sie hat nichts Merkwuͤrdiges, als einen Bazar(Markt⸗ haus) mit einem Dache; ihr Gebiet iſt fruchtbar und bewaͤſſert; mit großem Fleiße und großer Anſtrengung leiten ſie das Waſſer zu ihren Aeckern, welche nicht ſehr fruchtbar ſind. Am gten kamen ſie zu einem Fluſſe, am 11ten zu einem kleinen, aber getreiderei⸗ chen Dorfe; am 14ten zum Dorfe Draw, am 1steu nach Zaidebashanz am 19ten zum Dorfe Muden; am 2oten nach Birchen; und den 22ten nach De⸗ zeaden. In allen dieſen Plaͤtzen werden die herr⸗ lichſten Decken verfertigt. Den 23ten durchgingen ſie die alte und beinahe zerſtoͤrte Stadt Choore; am 2!ten kamen ſie nach Dehugen, welches warme Quellen hat; am 28ten nach Dea Curma, und den esten nach Tobaz. Hier ruhen die Karawanen 4— 5 Tage, um deſto leichter durch die 4 Tug lange, ſalſige Wuͤſte zu gehen. Hier werden, wie im obigen Dorfe, jaͤhrlich 3000 Maun der beſten Seide geſammelt, welche zur ſehr ſchoͤnen 3 315 Stadt Jesd gefuͤhrt werden, die 12 Tagreiſen von Ispahan entfernt iſt. Am zoten reiſten ſie durch eine Wuͤſte; am 34ten legten ſie 10 Farſangen zuruͤck. 3 Am 1. September 5 Farſangen; am zweiten 9 bis zu einem kleinen Kaſtelle; am dritten s; am vierten 10 bis Seagan; am fuͤnften 4; am ſechſten 10 bis zum Kaſtelle Irabad; am ſiebenten 6; am sten 8 Farſangen bis Ardecan. 4 Farſangen ſind nach Sellef; 3 zu dem kleinen Schloſſe Ageaͤ Gau⸗ rume; z bis Beavas; 4 bis Goolabadiz 5 bis Morea Shabaden; 5 bis Coopa; eben ſo viele bis Sabs. Am agten reiſten ſie nach Ispahan. .0 Am 2. Dezember verließen ſie Ispahan, und kamen nach s Farſangen zu einer Karawanſerai; am zten erreichten ſie gleichfalls eine Karawanſenai; am 4ten ein Dorf; am sten Dreag; am(ten eine Ka⸗ rawanſerat; am Iten Golpigan; am 8ten Curo⸗ von; am 9ten Showgot; am 10ten Saro; am liten Diſſabod; am 12ten die ſchoͤne Stadt Toſ⸗ ſarkan; am 15ten Kindanor; am 16ten Sano; am 17ten bis Shar Nuove; den zsten gingen ſie uͤber eine Bruͤcke, bei welcher jeder Reiſende ſeinen Namen und das Ziel ſeiner Reiſe angeben muß. Am 19ten erreichten ſie daſſamkan, den letzten Ort Per⸗ ſiens. Denn von da beginnt Turkomanien. Am 24ten kamen ſie uͤber hohe⸗Berge, welche dieſe 3¹6 Laͤnder von einander trennen; am 22ten kamen ſie zu einem Dorfe; am 2aren zur tuͤrkiſchen Stadt Man⸗ do; am 2sten nach Emomeſter; am 26ten nach Boroh, wo ſie uͤber den Fluß ſetzten, und Nachts in Bagdad eintrafen. XII. Nikolaus Hemm's Reiſe von Ormuz bis Hispahan im Jahre 1625. Aus dem Lateiniſchen uͤberſetzt durch Michael Fiedler*). Am 3. Auguſt reiſte die Karawane von Gambron mit 180 Kamelen ab, legte 3 Meilen zuruͤck, und uͤbernachtete unter freiem Himmel. Am 4aten gingen ſie bei einigen Herbergen und Ciſternen, aus welchen Menſchen und Thiere ihren Durſt loͤſchen, vorbei, und kamen nach Ueberſteigung einiger Berge nach Getſii. *) Itinerarium Nic. Hemmii ab Ormuzio ad Hispahan a 1623, interprete Jo. de Laet Lugd. B. 1055. 18. p. 279— 262. 318 4 Am 5ten gingen ſie an trocknen Stellen uͤber 2 Fluͤſſe, deren einer eine ſtarke ſteinerne Bruͤcke hatte, von der das Waſſer einen Theil weggeriſſen hatte, und kamen zur Herberge Cauwereſtanz am sten nach Goerobaſergonz am Iten nach Gigon, und unter einem heftigen Sturme Abends zu der Karawanſerai Tange; am sSten zu dem ſehr ſchoͤnen Dorfe Gourmon mit 34 Haͤuſern. Es iſt rings mit Palmen umpflanzt, welche Datteln in großer Menge erzeugen. Die Einwohner muͤſſen einen ſchweren Tribut bezahlen. Gegen Abend erreichten ſie Bahidiniiz den sten Waſſalii, und Nachts das Dorf Scarchan, welches ohngefaͤhr eine Meile von Lar entfernt iſt; am 10ten Vormittags Lar; wo ſie in der Herberge des Chan von Siras, welche viele Vorhoͤfe und Schlafſtaͤtten hat, gaſtfreundlich aufge,⸗ nommen wurden; bei ihr liegt ein ſehr ſchoͤner Gar⸗ ten. Von Lar kamen ſie den 16ten zum Dorfe Da⸗ „haku; am 11ten zum großen, Dorfe Beriiz welches ehemals eine Stadt war, und noch jetzt ein Schloß auf einem Berge hat; am 18ten nach Benarow und uͤber 2 hohe und rauhe Berge um Mitternacht in die Herberge Schahitalk; am 18ten uͤber rauhe und ſteile Gebirge Nachmittags zum Dorfe Gaharon; ſie uͤbernachteten unter freiem Himmel. 3 4 Am oten erreichten ſie gegen Mittag Gaffer; dieſen Namen haben mehre Doͤrfer gemeinſchaͤftlich. Am 2tten reiſten ſie die ganze Nacht durch bis zur 349 Hen erge Meſaferii an einem ſchoͤnen Platze. Am 22en kamen ſie fruͤhe nach Babahagiiz welches faſt 4 Meilen von Schiras liegi; Abe ds zum Dorfe Derouwal. Laͤßt man einen ſalzigen See zur Rech⸗ ten, ſo erheben ſich hohe Berge, in deren Eingewei⸗ den Erz, Silber, Schwefel und andere Metalle ver⸗ borgen liegen. Am 28ten gingen ſie in die ſehr ſchoͤne Stadt Schiras. Am 8. September gingen ſie von Schiras uͤber einige Berge in ein ſchoͤnes Thal, welches vielem Zug⸗ viehe der Araber zur Weide dient. Am 0ten uͤber⸗ nachteten ſie an dem ufer eines Fluſſes, erreichten am 11ten das große Dorf Maim; am 12ten Emou⸗ ſadam, welches wie eine Feſtung viereckig gebaut iſt. Am 12ten ſetzten ſie auf einem muhſamen Wege uͤber einen hohen Berg, und kamen zum Dorfe Ou⸗ ſion in einem ſehr reitzenden Thale; am 14ten zum Dorfe Aſpas mit einem Schloſſe auf einem Berge; am 15ten zur Herberge Choſgoſar. In dieſer Nacht gefror es. Am 16ten ritten ſie den ganzen Tag, bis ſie endlich gegen Abend das Dorf Deheygourdon in einem angenehmen Thale erreichten. Zur Rechten ließen ſie 2 andere Doͤrfer mit Schloͤſſern liegen; ka⸗ men am 17ten nach Coubet mit einem Schloſſe; am j8ten zum Schloſſe Jaſichias auf einem Felſen in ei⸗ nem Thale, welches viele Gaͤrten zieren; am 19ten uͤber die neue Herberge Abenabad nach Deymach⸗ ſoet am Fuße der Gebirge; den 2oten uͤber mehre 320 Doͤrfer mit herrlichen Gaͤrten zum großen Dorfe Chomſhez; am 22ten nach Mayar. Dieſer Weg iſt ſehr ſchoͤn, und mit Gaͤrten und Wieſen ringsum ge⸗ ſchmuͤckt, Am 23ten kamen ſie zum großen und ſchoͤ⸗ nen Dorfe Spavech, welches ⁄½ Meile von Ispa⸗ hau liegt. 321 XIII. Reiſe des Jeſuiten Peter Teixeira von Harmuz bis Baſora, und durch einen Theil Perſiens zwiſchen 1609— 1640. Aus dem Lateiniſchen überſetzt durch Michael Fiedler*). Ha rmuz iſt von dem arabiſchen Hafen Mascate 60 Meilen entfernt. Von Harmuz ſegelten wir den *) Dieſer ſpaniſche Miſſionaͤr lebte zwiſchen 1609— 1640, reiſte durch Oſt⸗ und Weſt⸗Indien, und gab heraus: Relations del origen, descencia y succession de los Reyes de Persia y. de Harmuz, y de un viage dende la India orien- tal hasta Italia por tierra. In deſſen Ermang⸗ lung benutzten wir: Itinerarium P. Texeirae ab Harmuzio ad Bosaram, et porro per Per- siae partem, interprete Jo. de Laet. Lugd. 8 14. April zwiſchen der Inſel Queixome oder Broct, und dem Feſtlande Perſiens, durch eine Meerenge, welche in ihrer groͤßten Breite 3 Meilen, und in ih⸗ rer kleinſten 1½ Meile betraͤgt. Die Inſel iſt 25— 30 Meilen lang, und betraͤgt in ihrer groͤßten Breite 10— 12 Meilen; ſie hat einen unbedeutenden Hafen. Innerhalb der Meerenge ſind Dargahon, Lapt, Chau Sermion merkwuͤrdig; außerhalb derſelben liegt das Vorgebirge Queixomes mit ſchattigen Baͤumen und vortrefflichen Quellen; die kleine Inſel Karvez Angan wird von der gloͤßeren Meerenge durch eine kleine getrennt, ſie hat einen ſehr geraͤu⸗ migen und ſicheren Hafen. Die ehemals ſehr bevoͤlkerte Inſel QOueixom 7 jetzt wegen der beſtaͤndigen Einfaͤlle der Arabe welche Nihhelus heißen, faſt entooͤlkert, iſt vnn Harmuz nur 3 Meilen entfernt. Von ihrem aͤußer⸗ ſten Vorgebirge Sermion ſchifft man laͤngs der Kuͤſte Perſiens zu den Inſeln Pelur, Keys, und Andrevii, welche von den Portugieſen wegen der unzaͤhligen Voͤgel⸗Menge Isla de los Paxaros genannt werden. Die 3 Inſeln Lar oder Laran, 4— Meilen vom Feſtlande, werden von 653. 18. p. 296— 330; ferner Prevoſt's oͤſi 533. ſiſchen Auszug, wie jenen von La Harpe. (Jaͤck.) B. 1 franz 1 X 323 wenigen Arabern bewohnt, die wegen ihrer Raͤu⸗ bereien Noutaques, oder Nihhelus heißen, und an der Kuͤſte Perſiens leben. Die Inſel Lar iſt niedrig, und beinahe der Mee⸗ resflaͤche gleich. Hier iſt die Kuͤſte Perſiens gebir⸗ gig, rauh und unfruchtbar, mit Ausnahme einiger Thaͤler, welche der Bebauung faͤhig ſind. So ſegelten wir laͤngs der Kuͤſte bis zur Stadt Chilagom(nicht weit von Verdoſtan) an einem Meerbuſen zwiſchen dem Vorgebirge Vedican und den Sandbaͤnken Kane. Ein Sturm jedoch trieb uns wieder nach Harmuz zuruͤck, wo wir den 21. Mai Anker warfen.. Von Harmuz ſegelten wir den?ten an der aͤußeren Seite der Inſel Queixomes vorbei, und ſahen an der Meereskuͤſte die durch vieles und gu⸗ tes Getreide ausgezeichnete Burg Rexel, welche dem Koͤnige Perſiens unterthan iſt. Mehr gegen Norden liegt Regh Ceyfadin, welches, wie bei⸗ nahe dieſe ganze Kuͤſte, den Perſern gehorchende Ara⸗ ber bewohnen. In einer Entfernung von 3 Meilen die felſige und gebirgige Inſel Karg, deren Umfang 2 Meilen betraͤgt; ſie erzeugt vorzuͤglich Zwiebeln und wird von Arabern bewohnt. Bis hierher hat die Kuͤſte Perſiens rauhe Gebirge, von da ziehen ſich die Berge mehr in das Feſtland zuruͤck, und die Kuͤſte wird ſo niedrig, daß man ſie nur in der Naͤhe ſehen kann. Bei der Kuͤſte, vorzuͤglich nahe bei Rexel und Regh Ceyfadin ergießen ſich 2 Fluͤſſe aus Perſien in den perſiſchen Meerbuſen. Hier fuhren wir mit einem mahometaniſchen Steuermanne gegen Weſt, und entgingen nicht ohne Gefahr den Sandbaͤnken Karab, welche 4 Meilen weit auf der See geſehen werden. Hier ſoll nach den Erzaͤhlungen der nahen Bewohner eine große Stadt von den Wogen verſchlungen worden ſeyn; uͤber dieſe hinaus erblickt man zu beiden Seiten die Kuͤſte. Bei der Muͤndung des Eat el Arab(Fluſſes der Ara⸗ ber) warfen wir den 1. Auguſt Anker. Nach der Be⸗ merkung des Verfaſſers nennen die Araber die groͤßeren Fluͤſſe Pat, die kleineren aber Kor und Wed.. Dieſer Fluß, deſſen ſuͤßes Waſſer an der Meer⸗ enge 3 Meilen vom Lande geſchoͤpft wird, hat ſeinen Urſprung von den ſo beruͤhmten Fluͤſſen Tigris und Euphrat, welche bei Corna, einem Schutzwerke der Tuͤrken in dem aͤußerſten Winkel Meſopo⸗ tamien's, 3 Tagreiſen uͤber Baſore, zuſammen fließen. Von ihrem Zuſammenfluſſe durchſchneiden ſie ſehr ebene Laͤnder, von denen viele noͤrdlich gegen Perſien, obwohl ſie fruchtbar ſind, unbebaut lie⸗ gen. In ihrem Beſitze iſt Mombark, Sohn des Mo⸗ telob, ein ſehr maͤchtiger Araber, welcher mit den Tuͤrken Krieg fuͤhrte. In ihrem Bezirke liegen die Staͤdte Magdon, Oeza und Dorka. Jeue Laͤn⸗ der auf der entgegengeſetzten Seite gegen Arabien 325 ſind ſehr fruchtbar, und erzeugen im Ueberfluſſe alle Arten Getreides. Der Fluß wendet ſich innerhalb der Muͤndung ein wenig zuruͤck, kehrt aber ſogleich wie⸗ der zu ſeinem alten Lauf von Weſt nach Oſt; bei der Muͤndung betraͤgt ſeine Breite 2 Meilen. Zu beiden Seiten bewohnen die Ufer Araber, welche ihr Vieh, Huͤhner und Getreide, das ſie im Ueberfluſſe haben, um einen geringen Preis verkau⸗ fen. 8— 9 Meilen auf der entgegengeſetzten Seite des Fluſſes, theilt er ſich in? Arme, deren einer ge⸗ gen Mittag fließt, Arabien durchſchneidet, und bei Katifa in der Naͤhe von Bahen ſich in den per⸗ ſiſchen Meerbuſen ſo ergießt, daß er vom Feſt⸗ lande einen Landſtrich, welcher uͤber 8o Meilen in der Laͤnge betraͤgt, theilt. Den andern befuhren wir ſelbſt; uͤberhalb ſeiner Treunung iſt der Fluß breiter und tie⸗ fer, und ſein Lauf viel reiſender. Hier ſtießen wir auf eine Inſel, welche 1 Meile lang, kaum 1/2 breit, ſehr reitzend iſt; der Arm, welcher bei Arabien fließt, iſt tiefer als der andere. Auf dieſem fuhren wir den 6. Auguſt nach Serragen, 15— 16 Meilen von der Muͤndung des Fluſſes. Hier haben die Duͤrken ein Schutzwerk gegen die? Raͤubereien der Araber, wie noch mehre andere uͤber⸗ und unterhalb an den Ufern des Stromes; von hier faͤhrt man in 1 Meile nach Ba⸗ ſora. Bis hierher bemerkt man die Ebbe und Fluth, ohne daß das Waſſer ſalzig iſt. Die arabiſche Stadt Blaiſ ſiora auf einer Ebene, heit der Einwohner nicht guͤnſtig; denn im Sommer 326 iſt von dem Ufer des Euphrat und Tigris faſt 2 Meilen gegen Weſt entfernt. Inner⸗ und außer⸗ halb der Bollwerke zaͤhlt man 10,000 große geraͤumige, aus Raſen erbaute Huͤtten, welche kaum 3 Jahre dauern koͤnnen; die Huͤtten der Aermeren ſind aus Schilf und Rohr, welches in Menge in dem Fluſſe waͤchſt, geflochten. Sie hat ein viereckiges, mehr lan⸗ ges als breites Schloß mit einem Erdwalle, mit ſehr vielen Vorwerken, mit einem ſehr großen und brei⸗ ten Graben, welcher von jener Waſſerfurche abgelritet wird. Sie iſt ein Handelsplatz und wird von einem Paſcha, deſſen Einkuͤnfte ſehr groß ſind, regiert. Er haͤlt 3000 Mann zur Beſatzung; in ſeinem Zeughauſe hat er ſehr viel großes Geſchuͤtz, und einige kleine, ſchlechte Dreiruderer, mit welchen er die Araber im Zaume haͤlt; uͤber eine Waſſerfurche fuͤhrt eine Schiff⸗ bruͤcke. Sie bedienen ſich ſolcher Fahrzeuge, Dane⸗ que genannt, welche wegen Mangels an groͤßerem Holze aus kleinen Stuͤckchen gemacht und mit einem ge⸗ wiſſen Harze, Quirita, ſo beſtrichen ſind, daß nicht leicht Waſſer eindringen kann. Dieſes Harz kommt fluͤſſig aus 2 Quellen bei der Stadt Hiit am Euphrat; es vereiniget ſich aber bald, und wird hart. Das Gebiet iſt ſehr fruchtbar, vorzuͤglich an Fei⸗ gen, Getreide, Huͤlſenfruͤchten; es ernaͤhrt viel Vieh; die Fiſche werden nicht gelobt, Voͤgel aber findet man in unzaͤhlicher Menge. Das Klima iſt der Geſund⸗ 327 4 herrſcht die groͤßte Hitze, und es erzeugt viele Scor⸗ pionen von ungewoͤhnlicher Groͤße. Wenige Einwohner ſind Tuͤrken, mehre Ara⸗ ber; die Frauen wegen ihrer Sittenloſigkeit ſehr be⸗ buͤchtigt. Die Einwohner nehmen Muͤnzen aller Art, praͤgen ſelbſt eigene Muͤnzen; die Larines iſt aus reinem Silber; auf ihr ſind 2 zuruͤck gebogene Schwein⸗ hammen(Meermuſcheln) gepraͤgt; die andere, welche die Einwohner Rays heißen, beſteht nicht aus reinem Silber, iſt rund und ohne Geprage, erſteie gibt 65 Maravedi. Die Gebaͤnde ſind nicht merkwuͤrdig; die meiſten haben Baͤder, welche die Maͤnner Vormittags, die Weiber von Mittag bis Abends beſuchen. Dieſe Sitte wird ſehr ſtreng beobachtet. Von dieſer Stadt bis Bagdad wilrd die Reiſe zu Waſſer gemacht; ſie iſt ſehr beſchwerlich, bis das Waſſer von dem Regen anſchwillt, welches gewoͤhnlich nach Weihnachten eintritt. Deßwegen ſchloß ich mich an die Karagwane, welche durch das wuͤſte Ara⸗ bien zog. Gegen Suͤd hat Baſara einen großen Platz, Maxarafk genannt, auf welchem die Waaren ver⸗ kauft werden, und die Mahometaner am Freitage(ih⸗ rem Sonntage) ſich aufhalten. Hier verſammelte ſich am 2. September die Karawane; am zten legten wir 1⁄½ Meile zuruͤck, und kamen uͤber wuͤſte, feuchte, ſal⸗ zige Orte. Die Hitze der Sonne iſt ungemein ſtark, der perſiſche Meerbuſen, obwohl 10 Meilen eutfernt, 328 uͤberſchwemmt dieſe Orte. Ein enger Erdpfad fuͤhrt noch 4 Meilen gegen Suͤd nach Drahemyam, wo man die Druͤmmer des alten Baſora ſieht, welche von der vorigen Groͤße dieſer Stadt zeugen. Am ten kamen wir gegen W. N. W. uͤber ſehr ebene, wuͤſte Gegenden, und ließen zur Linken nach einem Zwiſchenraume von 8— 7 Meilen den ziemlich hohen, und 2 Meilen langen Berg, Gibel Sinam bei den Arabern genannt, liegen. Zwei Meilen wei⸗ ter ruhten wir bei Brunnen mit klarem Waſſer; die Araber bedienen ſich deſſelben mit Kamelmilch als Arzneimittel, und nennen dieſen Ort Braggeya oder Cobroſya. Hier ſtießen wir auf einen Hau⸗ fen Beduinen. Die Araber ſind arm, ſchweifen nach Art der Seythen umher, und leben von der Jagd.. Gegen Abend kamen wir nach 2 Meilen zu einer unfruchtbaren und waſſerarmen Gegend, welche die Araber mit dem gemeinen Namen Choa bedeh be⸗ legen. Am Iten legten wir auf derſelben Ebene un⸗ ter der groͤßten Hitze der Sonne uͤber 6 Metlen zuruͤck, und kamen am Ort Reamelah, wo 3 Brunnen un⸗ reinen, ſchlammigen und ſalzigen Waſſers ſind. Am sten wendeten wir uns gegen Wet, und uͤber⸗ nachteten nach Zuruͤcklegung von 1 Meilen uͤber ſehr duͤrre und ſandige Orte, auf einer Ebene, welche gleichfalls Choabedeh heißt; in ihrer Mitte ſtehen 8 Huͤtten der Beduinen mit einigen Brunnen ſtinkenden M 329 Waſſers. Dieſen Tag ſahen wir an den Ufern des Suphrat, welche 2 Tagreiſen entfernt ſind, einen ſehr dicken Rauch aufſteigen, welcher nach der Auſſage der Einwohner dadurch eutſteht, daß die Araber Rohre verbrennen, um mit der Aſche ihre Felder fruchtbarer zu machen. Auf unſerer Reiſe begegneten wir vie⸗ len Haſen⸗ und Wald⸗Ratten; die Wald⸗Ratte an Groͤße der unſrigen gleich, mit einem Panther aͤhnli⸗ chen Felle, hat die Ohren, Fuͤße und den Schweif des Ratten; Kopf und Augen wie ein Kaninchen, und Beine wie eine Gemſe; ſie bewegen ſich ſpringend, und untergraben die Erde. Von da machten wir 3 Meilen uͤber mehr hohen, als ebenen Boden, und ruhten in trocknem, mit Schlangen angefuͤlltem Thale. Am gten reißten wir in der Fruͤhe uͤber ſandige Gegenden, und legten 6— 1 Meilen zuruͤck, bis zu einem ummauerten und s Klafter hohen Brunnen, deſſen klares Waſſer ſehr uͤblen Geruch verbreitete wegen des Aufenthaltes der Schlangen in demſeiben, die Araber nennen dieſen Platz Ithe Un, oder Ithyuna, oder Ahen, d. i. Quellen. Abends erreichten wir eine große, ſal⸗ zige und waſſerarme Ebene; den ganzen Tag reiſten wir gegen Weſt; am 40ten wendeten wir uns W. S. W., und kamen nach 3 Meilen zu hohen, ſandigen Bergen. Die Reiſe iſt wegen der Rauheit der Berge und wegen des Waſſermangels ſo beſchwerlich, daß einige Kamele und Eſel umkamen, und die Wenſchen 22tes B. Perſien. I, 3. 7 330 vor Durſt beinahe verſchmachteten; nach 8 Meilen kamen wir auf Ithynigan. Hier fanden wir mehre mit Duͤnger bedeckte Brunnen, deren Waſſer bei ih⸗ rer Eroͤffnung ſehr gut war; ohne dieſes haͤtten wir ſterben muͤſſen. Am auten ſchlugen wir den Weg gegen N. W. ein; am 12ten gegen W. N. W., 1/2 Meile uͤber kleine Huͤgel mit einem fruchtbaren, aber duͤrren Bo⸗ den, und fanden Brunnen mit klarem Waſſer. Vor Mittags kamen wir an ein ausgetrocknetes Flußbett, welches in den Winter⸗Monaten ſehr angeſchwollen ſeyn muß. In der Naͤhe erblickt man auf einer An⸗ hoͤhe eine alte viereckige Burg mit 12 Vorwerken, de⸗ ren s immer an jeder Seite mit Backſteinen und fe⸗ ſtem Moͤrtel gut verbunden ſind. 60 Schritte davon ſteht eine 10 Ellen hohe Kapelle von derſelben Bau⸗ art; beide litten ſehr viel durch die Unbilden der Zeit, die Araber nennen ſie Alkayzar oder Kayzar, d. i. Kaiſers Palaſt. Kaiſer pflegen ſie ihre Koͤnige zu nennen, und ſagen, ein arabiſcher Koͤnig habe ſie zum Schutze der Karawanen erbaut. Sie liegt in der Mitte zwiſchen Baſora und Mexatts Alii. An dieſem Tage legten wir s Meilen zuruͤck; am genann⸗ ten Flußbette trafen wir einige Brunnen mit reinem, aber ſehr uͤbel riechenden Waſſer an; nur die Noth zwang uns, daſſelbe zu trinken. Am 13ten reiſten wir ſehr fruͤhe uͤber bewaͤſſerte, ſalzige, und mit einigen wilden Baͤumen beſetzte Ebenen, und ruhten nach 331 7 Meilen auf einem rauhen, ſandigen und waſſerlo⸗ ſen Platze; ½ Meile gegen Oſt fanden wir ſalziges Waſſer. Am 14ten gingen wir gegen N. W. uͤber aͤhnliche Landſchaften, und ließen uns nach s Meilen auf einer Ebene nieder, welche ½ Meile von den Brunnen, die zwiſchen den Truͤmmern der alten Stadt Sayda ſtehen, entfernt iſt; die Araber nennen dieſe Brunnen Hayun Sayda, d. i. Quellen von Sayda; bis Abends legten wir noch 3 Meilen zuruͤck. Am 16ten machten wir s Meilen uͤber unebene Gegenden, und ließen uns am Platze, welchen die Araber Kalb Alſor, d. i. Ochſen⸗Her;, nen⸗ nen, nieder. Der hier befindliche Brunnen hat ſchmutzi⸗ ges, uͤbel riechendes Waſſer. Nach 4 Meilen ruhten wir an einem ziemlich bequemen Orte, nachdem wir Schildwachen ausgeſtellt, und viele Feuer wegen der vielen Raͤuber und Loͤwen gemacht hatten. Am 16ten kamen wir zu einem großen Felſen, von welchem herab im Winter mit großer Kraft ein Gießbach ſtuͤrzt, welchen die Araber Haneghan nen⸗ nen, weil viele hier von den Wellen verſchlungen wer⸗ den. Nach s Meilen ruhten wir in Semat, einem mit Baͤumen und Rohren bepflanzten Orte, deſſen Brunnen ſehr gutes Waſſer enthalten. Bis Abends legten wir uͤber rauhe und duͤrre Steppen s Meilen zuruͤck; waͤhrend des ganzen Tages ſaben wir viele wilde Eſel. 332 Am 11ten legten wir hoͤchſt beſchwerlich, hungernd und duͤrſtend, Vormittags 6 Meilen zuruͤck, erreich⸗ ten das beinahe ausgetrocknete Bett des Fluſſes Ut⸗ eela, und lagerten uns unter dem Schatten der Baͤume und des Rohres bei gutem Waſſer; bis Abends machten wir noch 3 Metlen. Am zsten reiſten wir gegen N. W., und erreichten nach 8 Meilen die noͤrd⸗ liche Hauptgelle eines See's, welcher dem Euphrat ſeine bedeutende Groͤße verdankt. Am fruͤheſten Mor⸗ gen erblickten wir die Stadt Mexat Aly auf einer Anhohe mit einem See an ihrer Öſtſeite. Obwohl ſte nur 6 Meilen entfernt lag, konnten wir ſie doch erſt Abends erreichen. Obiger See verdankt dem Euphrat ſeinen Ur⸗ ſprung, weil dieſer in den Winter⸗Monaten an⸗ ſchwillt, aus ſeinen Ufern in dieſe Ebene tritt, und dieſen See bildet, welcher in mehre Buſen vertheilt, mehr lang als breit iſt, im Umfange 36— 40 Meilen betraͤgt, und niemals die Bleite von 6 Meilen uͤber⸗ ſteigt. Seine Mitte kann man im Sommer durchwa⸗ den; an den uͤbrigen Theilen iſt er hoͤher. Obwohl ſein Waſſer wegen ſeines mit Salpeter bedeckten Grun⸗ des ſalzig iſt, ſo ernaͤhrt es doch viele große und kleine Fiſche, und erzeugt bei der Gluth der Sonne viel Salz; die Araber nennen den See Rahemah. Die Stadt Mexrat Aly, oder Mam Aly (gleichſam das ſehr alte Bethaus Alys wurde vor mehren tauſend Jahren erbaut. Denn als Alv, 333 der Schwiegerſohn Mahomet's durch einen Sklaven aus Kufa, welches in der Naͤhe liegt, ermordet worden war, ſo hegten ſeine Anhaͤnger fuͤr ſeine Grab⸗ ſtaͤtte eine große Verehrung, und erbauten ihm eine ſehr koſtbare Moſchee, welche aber wegen der Abnahme dieſer Sekte einzuſtuͤrzen drohr, ſo wie auch die Mauern der Stadt, welche aus Backſteinen und Moͤrtel gebaut ſind. Von ihren ehemaligen 6— 1000 Haͤuſern, wer⸗ den jetzt kaum mehr z00 bewohnt, die andern ſind ein⸗ gefallen, und zeigen noch die ehemalige Groͤße der Stadt.— Dieſe hat nur ſalziges Waſſer, mit Ausnahme jenes, welches der tuͤrkiſche Kaiſer Selim 3 Meilen weit vom Euphrat durch eine ſehr koſtſpielige und muͤhvolle Waſſerleitung, welche nicht ſelten mit Koth uͤberfuͤllt wird, der Stadt gab. Das Getreide iſt hier ſehr ſelten und theuer, weil es hier nur eingefuͤhrt wird. Die Einwohner ſind von weißer Farbe und ſchlechten Sitten; alle Ankoͤmmlinge, welche nicht zu ihrer Sekte gehoͤren, haſſen und verabſcheuen ſie als unrein. Ihr Koͤnig iſt dem tuͤrkiſchen Sultan unter⸗ thau, und bezahlt Tribut. Am 23ten reiſten wir von Meyat gegen Norden, legten uͤber ebene und unfruchtbare Gegenden, 7 Mei⸗ len zuruͤck, und ruhten in einer alten, aber ſchoͤn ge⸗ bauten Herberge, welche ſie K han nennen. Auf der Mitte des Weges, ½ Meile von der koͤniglichen Straße ſteht ein großes Haus mit einem Thurme; es 1 334 ſoll der Begraͤbnißort des Propheten Ezechiel ſeyn. Dieſe Herberge heißt Efegel. Bis Abends machten wir noch s Meilen, und kamen zur Herberge Ge⸗ nezan. Am 2sten reiſten wir gegen N. W., und kamen in 7 Meilen nach Mexat Ozem. Die Stadt ohne Mauern zaͤhlt 4000 Haͤuſer. Sie hat eine ſehr pracht⸗ volle und alte Moſchee, in welcher Ozem, des Ali Sohn, welcher hier aus Waſſermangel geſtorben ſeyn ſoll, begraben liegt. Daher halten die Anhaͤnger ſei⸗ ner Sekte fuͤr ein großes Verdienſt, allen Duͤrſtenden umſonſt Waſſer zu reichen, und tragen zu dieſem Endzwecke Schlaͤuche und Gefaͤße voll Waſſer umher. Die Stadt hat Ueberfluß an Lebensmitteln jeder Art; die Luft iſt gut und geſund; ſie hat einige oͤffentliche Brunnen ſehr guten und reinen Waſſers. Das Ge⸗ biet der Stadt mit ſehr vielen fruchttragenden Baͤu⸗ men wird durch einen Kanal aus dem Euphrat, welcher 8 Meilen entfernt iſt, bewaͤſſert, und ernaͤhrt viel großes und kleines Vieh. Dieſe Stadt gehorcht, wie Mexat Ali, dem axabiſchen Koͤnige Mir Na⸗ zer, einem Vaſallen des tuͤrkiſchen Kaiſers. Von Mexat Ozem gingen wir den 2. Oktober, geoͤßtentheils laͤngs jener Waſſerleitung, uͤber Baum⸗ wolle hervorbringende Ebenen, und kamen nach 8 Mei⸗ len an das Ufer des Suphrat, an welchem eine oͤf⸗ fentliche, durch Glanz und Schoͤnheit auszeichnete Herberge ſteht. 335 Am zten ſetzten wir auf Fahrzeugen uͤber den Eu⸗ phrat, welcher hier 30 Ellen breit iſt; er ernaͤhrt viele Fiſche, welche die Perſer und Araber Forat nennen. Im Sommer iſt er nur 200 Fuße breit, im Winter wird er bisweilen 4— s Ellen breiter. Ueber den Fluß kommt man nach Meſopotamien; hier ſteht eine oͤffentliche Herberge auf den Ruinen der alten Stadt Mezayebh, von der nur noch der Name und einige Waͤnde uͤbrig ſind. Auf der entgegengeſetzten Seite des Fluſſes ſind mehre Staͤdte an den Ufern deſſelben ausgezeichnet, z. B. Gedidaz Hytz des Harzes we⸗ gen Quit genannt, welches die Portugieſen das beruͤhmte Quile nennen; Hadyta, Haluz, Ju⸗ ba mit ſchoͤnen Frauen, Mamura, Ana und mehre andere bis Bir, nicht weit von Aleppo, und jen⸗ ſeits des Fluſſes 2 Stunden von dieſem Orte die alte Stadt Hela, uͤber welche die Iſraeliten in die babyloniſche Gefangenſchaft gefuͤhrt wurden. Von da reiſten wir durch Meſopotamien ge⸗ gen Nord, ließen rechts in einer Entfernung von 2 Meilen die Ruinen des alten Babylon liegen, gingen vor einer ſehr ſchoͤnen Herberge, welche eine tuͤrkiſche Frau erbaut hatte, vorbei, und kamen nach Mitternacht zur beruͤhmten, befeſtigten und ſehr ge⸗ raͤumigen Herberge Berenum, 8 Meilen vom Eu⸗ phrat. Am 4. Oktober legten wir uͤber duͤrre Step⸗ pen und Felder 10 Meilen zuruͤck. Links und rechts ſahen wir viele an der Sonne getrocknete Backſteine, 336 mit Aufgang der Sonne erblickten wir in der Ferne Moſcheen,(welche ſie Aleoranes nennen) von je⸗ nem Theile Bagdad's, welcher in Mefopota⸗ mien liegt. Dieſen Theil betraten wir eine Stunde nach Mittags, und um 3 Uhr ſetzten wir uͤber den Fluß zum andern Theil von Bagdad. Die ſehr be⸗ ruͤhmte Stadt Bagdad liegt am Ufer des Tigris, welchen die Einwohner Digilah oder Diguylah nennen; er theilt die Stadt zwiſchen Nord und Suͤd, und wird im Sommer faſt 230 Fuß breit. Ueber ihn fuͤhrt eine Bruͤcke auf s Fahrzeugen, welche 4 Schuhe immer von einander abgeſondert, und zu beiden Sei⸗ ten mit eiſernen Ketten an die Haͤuſer befeſtigt ſind. Nachts und an Freitagen wird ſte abgeloͤſt, und ein⸗ zelne Theile an die Ufer gezogen; das Waſſer des Ti⸗ gris iſt reiner und heller, als jenes des Euphrat, und hat ſehr gue Fiſche. Zu dem Cheile der Stadt, welcher vom Fluſſe gegen Weſt liegt, fuͤhrt ein Erd⸗ wall mit 2 feſten Bruͤcken. Der Wall wurde 1601 von Azen Baſſa, welcher eine Herberge, einen Markt, und eine Huͤtte(Kaffeehaus?) Koah, und eine ſehr ſchoͤne Moſchee auf der linken Seite des Eingangs aus weißen Steinen, erbaute, welche ron Moſal, dem angeblich alten Ninive, gebracht werden, aufgefuͤhrt. In dieſem Theile der Stadt zaͤhlt man 3 00 Haͤuſer, unter den oͤffentlichen Gebaͤu⸗ den behauptet den erſten Platz die Huͤtte Koah. Koah iſt ein Getraͤnk aus kleinen Bohnen, welche 337 den arabiſchen gleich kommen; es wird gekocht, und in einem Maaße von 5 Unzen, warm von Hohen und Niedrigen getrunken; es iſt ſchwarz, und beinahe un⸗ ſchmackhaft; man trinkt es im Winter bei Tags, und im Sommer bei der Nacht. Dieſes Kaffeehaus am Ufer des Fluſſes, gewaͤhrt die herrlichſte Aufſicht. Auſ⸗ ſerhalb des Walles liegen viele Truͤmmer alter Ge⸗ baͤude⸗ Der andere Theil der Stadt jenſeits des Fluſſes breitet ſich laͤngs der Kuͤſte uͤber eine große Meile aus, und hat gegen Nord ein mehr durch Groͤße, als Fe⸗ ſtigkeit ausgezeichnetes viereckiges Schloß, welches 1500 Schritte im Umfange hat. Sein Graben iſt 18 Ellen hoch und 12 breit; die Mauern und Vor⸗ werke ſind aus Ziegelſtein. Eine Pforte fuͤhrt nach Perſien, deſſen Gebiet ſehr fruchtbar und eben iſt, und nicht felten im Winter von dem Fluſſe uͤber⸗ ſchwemmt wird. Am Ende des Schloſſes beginnen die aits Backſtein gebauten Stadtmauern, welche, wie ein Halbzirkel, eine halbe Meile bis an den Fluß ſich rſtrecken; ſie haben viele Vorwerke, beſonders 4 große mit metallenem Geſchuͤtze. Die Stadt wird von einem unabhaͤngigen Baſſa regiert; doch nimmt der tuͤrkiſche Kaiſer die Fremden und Kaufleute gegen die Gewaltthaͤtigkeiten des Pa⸗ ſcha und ſeiner anderen Beamten ſehr in Schutz. Hier und in den benachbarten Plaͤtzen werden 14,000 Reiter und Fußgaͤnger ernaͤhrt; unter ihnen befinden ſich 338 1500 Janitſcharen. Der Paſcha hat in ſeinem Schloſſe dieſe 1500, oder mehre auserleſene Soldaten; in der Stadt ſind 4— 5000, die uͤbrigen werden in die be⸗ nachbarten Plaͤtze als Beſatzung verlegt. In der Stadt ſieht man viele Truͤmmer von Prachtgebaͤuden, wie von Moſcheen, welche Cale⸗ fahe heißen. Madraſa, oder das Spital und ei⸗ nige andere Moſcheen, erliegen der Zeit; von neuen Bauwerken ſieht man wenige, 2 Moſcheen ausgenom⸗ men; die eine ſteht nicht weit vom Ufer des Fluſſes, die andere nahe bei den Mauern, iſt ſehr kuͤnſtlich ge⸗ baut, und hat einen Kanal, welcher aus dem Fluſſe abgeleitet wird. Sie iſt ein ſehr prachtvolles Werk, und bringt den Einwohnern den groͤßten Nutzen. Ob⸗ gleich der dritte Theil der Stadt leer und mit Palmen bepflanzt iſt; ſo hat ſie doch faſt 20,000 Haͤuſer, wel⸗ che geraͤumig, aber von ſchlechter Bauart ſind, und wenige oder gar keine Fenſter auf die Straße haben. Sie ſind niedrig, und aus alten Ziegelſteinen, welche in einem Umfange von 2 Meilen um die Stadt aus den Boden und den Ruinen der alten Stadt genom⸗ men werden, gebaut. Daraus kann man leicht ſehen, wie groß ſie ehemals war. Die meiſten Einwohner ſind Araber, die uͤbri⸗ gen Duͤrken, Kurden und Perſer und 2— 300 Juden⸗ Familien, aus welchen 12— 18 von der babyloniſchen Gefangenſchaft uͤbrig ſeyn wollen. Nebſt 10 Familien chriſtlicher Armenier und S0 Familien Neſtorianer. 339 Die Einwohner ſind beinahe alle weiß, ſchoͤn und geſittet. Maͤnner und Weiber ſind praͤchtig gekleidet; die ſchoͤnen Augen der reitzenden Frauen ſchmuͤckt ein Schleier, durch welchen ſie alles ſehen, aber von Nie⸗ mand geſehen werden koͤnnen. Viele Baͤder dienen gemeinſchaftlich fuͤr beide Geſchlechter. In der Mitte der Stadt gegen den Fluß ſind 7— 8 Straßen, an welchen zu beiden Seiten Kauflaͤ⸗ den und Werkſtaͤtte ſind; Nachts werden ſie durch eine Kette verſperrt. An ihrer Spitze ſteht die Kapelle Pange⸗Ali(hier, traͤumen die Einwohner, ſoll Ali die Spuren ſeiner 5 Finger in der Wand zuruͤck⸗ gelaſſen haben), hier laͤßt ſich der Bolugo Baxi, d. i. das Oberhaupt der Bombardier, nieder und ſorgt, daß den Kaͤufern und Verkaͤufern keine Beleidigungen zugefuͤgt werden; er ſchlichtet entſtan⸗ dene Zwiſtigkeiten, oder ſchickt ſie zu den Kab⸗ dyn, d. i. dem gewoͤhnlichen Richter zuruͤck. Dieſes iſt eine heilſame Einrichtung, weil dadurch die oͤffentliche Sicherheit am beſten erhalten wird. Die Stadt hat eine gute und geſunde Luft; die Hitze iſt im Sommer ſehr groß; die Kaͤlte im Winter maͤßig. Getreide gibt es im Ueberfluſſe. Ihre Umge⸗ bung bringt Baumwolle und Seide hervor, in der Stadt leben uͤber 4000 Weber. Sie treibt ſtarken Handel mit Perſien, Indien und Syrien; und hat eine Muͤnzſtaͤtte, in welcher goldene, ſilberne und 340 5 eherne Muͤnzen gepraͤgt werden. Hier leben ſehr viele mahomedaniſche Gold⸗ und Silberarbeiter. 3 Die meiſten verwechſeln dieſe Stadt mit Baby⸗ lon, weil deſſen Rutnen nur eine Tagreiſe entfernt ſind. Dieſelben werden aber dadurch widerlegt, daß Bahylon am Euphrat, Bagdad am Tigris liegt. Den Grund zu dieſer Stadt legte im J. 148 der Hegira, nach unſerer Zeitrechnung im J. 163, der Kalife Ab uiafar; er baute naͤmlich den Theil in Meſopotamien; den anderen Theil fuͤgte Almo⸗ ſtazer Bilah, oder Almoktady Bilah im Jahre der Hegira 487, nach unſerer Zeitrechnung im Jahr 4096 hinzu; ſie ſcheint ihren Namen von dem perſi⸗ ſchen Baga, d. i. Garten, erhalten zu haben, weil hier zuerſt Bagdaden, d. i. Gaͤrten waren. Der Paſcha von Bag dad hat in Friedenszei⸗ ten 200,000 Sequinen, oder 250 000 Dukaten als jaͤhr⸗ liche Einkuͤnfte, von denen er kaum 40,000 ausgibt. Am 13. Detember 1604 reiſten wir von Bag⸗ dad nordlich durch Meſopotamien, und bezahlten nach 1½ Meile in Bar Dulab(Haupt der Ant⸗ liaren) dem Koͤnige Mexat Ali und Ozem Tribut. 1 Am a46en reiſten wir 3 Meilen uͤber fruchtbare und ebene Geſilde, und kamen auf die Ruinen der Stadt Karkuf, von der nicht mehr ſteht, als eine Moſchee und 2 Mauern; das Gebiet iſt fruchtbar, aber unbebaut. Nach zuruͤckgelegten ⸗ Meilen ruhten wir 341 auf dem Felde Aſtya; dieſen Namen fuͤhrt jener ganze Bezirk. Auf dieſer Reiſe ſahen wir viele Herden von Schaafen, viele Boͤcke, Gemſen und zerfallene Waſ⸗ ſerleitungen. Am 45ten gingen wir gegen N. W. uͤber eine Ebene nahe an dem trocknen Bette eines Fluſſes, wel⸗ cher in den Winter⸗Monaten anzuſchwellen, und auf welchem man bis Bagdad zu fahren pflegt. Wir uͤbernachteten an dem ſchoͤnen Platze Achenh at, nahe bei dem trocknen Bette eines Giesbachs. Am z6ten fuͤhrte der Weg gegen N. W. uͤber ſehr ebene Gegenden, und wir ruhten an einem waſſerar⸗ men Platze, welchen ſie nach dem benachbarten Orte Omerrus nennen. Alles hier befindliche Waſſer iſt ſchlammigt und uͤbelriechend. Nach 3 Meilen ſahen wir den 11ten zur Linken die Moſchee Mexat Sandahaia, und kamen nach s Meilen zu den Brunnen Ogelet Peque Maha⸗ nted, nahe bei einem faſt ausgetrockneten Flußbette. Wir uͤbernachteten bei dem waſſerarmen Platze Oge⸗ letel Kelb, welcher ſeinen Namen von den eine gute Stunde entfernten Ziſternen hat. Die Guͤte und Ebenheit des Bodens erregt Mitleiden bei dem Anblicke vernachlaͤſſigter Kultur. Am 16ten wandten wir uns gegen N. W., und kamen nach 6 Meilen auf Gomegmen, an den uUfern eines ausgetrockneten Stromes, welches von weißen und ſchwammigen, dem Berggruͤne aͤhnlichen Steinen glaͤnzt. Am 0ten fuͤhrte . 342 ein 8 Meilen weiter Weg gegen N. W. uͤber felſige unnd oͤde Strecken zu einem ſchoͤnen und trocknen Thale, welches die Araber Aburegemo nennen. Das Waſſer iſt hier giftig. Am 2oten erreichten wie in 8 Meilen den ſehr rauhen und trocknen Ort Sey⸗ lat; am 21ten gegen N. W. in 2 Meilen das Ufer eines zu dieſer Zeit ausgetrockneten Giesbachs; in 4 Meilen das Ufer des Euphrat; die Araber nennen dieſe Gegend Nazeria. Wir uͤbernachteten bei dem Platze Zawyhe. Der 400 Fuß breite Fluß laͤuft zwiſchen Nord und Suͤd⸗Weſt. Am 22ten reiſten wir laͤngs des Ufers durch Ge⸗ birgs⸗Paͤſſe(die Araber nennen die an den Fluß graͤn⸗ zenden Berge Medyk Nazerya), kamen nach de⸗ ren Ueberſteigung in fruchtbare und angebaute Ebenen, und uͤbernachteten, nachdem wir 7 Meilen an dieſem Tage zuruͤckgelegt hatten, ein wenig vom Fluße ab⸗ beugend zu Ved Garabah⸗ Am 23ten ging der Weg 5 Meilen uͤber verſchie⸗ dene Gegenden und ziemlich rauhe Gebirge, an deren Fuße der Euphrat fließt. Die Nacht brachten wir nicht ohne Furcht vor den hier ſich haͤufig aufhalten⸗ den Raͤubern an den Ufern des Fluſſes zu. Am 24ten ſchifften wir nach erhaltener Erlaubniß zur Stadt Ana; die Araber nennen dieſe Gegend Pam, ſo wie Meſopotamien Jazirey, d. i. die von 2 Fluͤſſen umſtroͤmte Inſel. Unſer Weg von Bag dad his hierher iſt nicht der gewoͤhn⸗ 343 liche der Karawanen, welche auf einem laͤngeren Wege nordwaͤrts reiſen. Doch unſer Weg wird wegen ſeiner groͤßern Sicherheit haͤufig beſucht. Die Stadt Ana(im Arabiſchen bedeutet Ana ſoviel als Strafe) liegt am Uſer des Euphrat. Sie wird fuͤr ſehr alt gehalten, weil ihrer ſchon die h. Schrift erdaͤhnt, wo Ava fuͤr Ana ſteht. Sie liegt an beiden Ufern des Fluſſes, oder eine Elle von demſelben zwiſchen N. W. und Oſt auf einer kleinen Inſel(deren mehre hier bewohnt werden), welche eine Meile im Umfange hat. Sie iſt rings mit einer Mauer umgeben, welche durch die Zeit viel Schaden gelitten hat. An ihrer noͤrdlichen Spitze hat ſie ein Schloß mit einer Beſatzung von 100 Tuͤrken, und ei⸗ niges Geſchuͤtz. Außerhalb derſelben ſieht man mehre Haͤuſer, Palmen und Gaͤrten und einen Markt. Als ſie noch wie Bagdad, im Beſitze der Perſer war, hatte ſie ein oͤffentliches Bad. Der Fluß ergießt ſich hier zwiſchen rauhe und hohe Berge, zu deren beiden Seiten eine Ebene liegt, welche in Meſopotamien 20o Fuß breit, in am aber von 200 bis 50o ſteigt. Die Stadt hat nur 2 Fußpfade, naͤmlich an jedem Ufer einen; der in Meſopotamien gelegene Theil, wenig und beinahe nur von Handwerkern bewohnt, hat in der Laͤnge 2000 Schritte; der andere, und zwar der vorzuͤglichſte Theil der Stadt in am iſt 2 Mei⸗ len lang. Die viereckigen Haͤuſer mit platten Daͤ⸗ 344 chern liegen zu beiden Seiten an dem Fußpfade; nur eine Moſchee iſt mit Ziegein gedeckt, welches in die⸗ ſer Gegend ſehr ungewoͤhnlich iſt. Der Boden erzeugt die beſten Fruͤchte Europas, vorzuͤglich große Oliven und Getreide aller Art. Die Luft iſt ſehr rein. 3 In beiden Theilen der Stadt ſind bei 4000 Haͤu⸗ ſer; von denen 120 juͤdiſche Araber, die uͤbrigen aber, die in 2 Partheien getheilten Mahomedaner bewohnen. Denn ein Theil derſelben ſind Eingeborne; ihre Ah⸗ nen haben die Sonne angebetet; auch ſie ſcheinen die⸗ ſes noch im Verborgenen zu thun; der andere ſind An⸗ koͤmmlinge. Beide beherrſcht der arabiſche Koͤnig Amir Hamed Aburira, welcher, obwohl er der maͤchtigſte in ganz Axabiſtan iſt, dem tuͤrkiſchen Kaiſer Tribut bezahlt. Man ſammelt hier viele Datteln, das Getreide iſt wohlfeil; außer einem Markte gibt es hier keinen oͤf⸗ fentlichen Platz. Die Stadt hat 30 ziemlich große Barguen, auf welchen man Fluß auf⸗ und abwaͤrts fahren kann. Die Einwohner haben eine weiße, glaͤnzende Farbe, und tragen gewoͤhnlich Kleider aus Schaaffellen bis an die Haͤnde, und kehren ſie nach dem Wetter um. Die Karawanen aus Tripolis, Aleppo und Da⸗ mask reiſen hier durch, obwohl es auch anders Wege gibt. 345 Am 13. Januar 1605 reiſten wir von Ana ab, uͤberſttegen nicht ſowohl hohe, als vielmehr rauhe Berge, kamen nach einem ſehr beſchwerlichen Wege in eine mehr ebene, aber unfruchtbare Gegend, und uͤbernachteten im Telalyud, d. i. auf dem Ju⸗ den⸗Huͤgel. Am 21. Januar reiſten wir 4 Meilen uͤber gebirgige, rauhe und unfruchtbare Gegenden bis zu einer Ebene, in deren Mitte 2 hohe und runde Berge ſtehen, welche die Araber von ihrer Geſtalt Rumam hen, d. i. 2 Granataͤpfel nennen; wir ruhten nach 3 Meilen in einer ſchoͤnen, aber waſſer⸗ armen Ebene.. Am 22ten ging gegen Öſt der Weg bald uͤber ebene, bald uͤber gebirgige Gegenden. Nach s Meilen gingen wir durch Mauſel, welches ſie Jubab, d. i. Re⸗ genwaſſer⸗Brunnen nennen, und uͤbernachteten nach 3 Meilen auf der waſſerarmen Ebene Mekazar Jubab. Auf dieſer Reiſe ſahen wir viele Herden weiden. Am 23ten kamen wir gegen N. W. zu einem ans⸗ getrockneten Flußbette, deſſen Boden aus natuͤrlichen Felſen, ſo weiß wie Marmor, kuͤnſtlich eben gemacht zu ſeyn ſchien. Wir gingen durch denſelben, und uͤbernachteten an dem Fuße zweier Berge, welche auf der Mitte einer Ebene ſtehen, und von den Arabern wegen ihrer Geſtalt Aden then, d. i. zwei Ohr⸗ laͤppchen genannt werden. An dieſem Tage legten wir s Meilen zuruͤck. zates B. Porſten. I. 3. 8 Gegen Weſt bis zum ſanft fließenden Mauſe ſind 6 Meilen. Sie nennen ihn von einem kleinen Thurme oder Denkmal an dem Ufer deſſelben, Ka⸗ hem. Die Araber erzaͤhlen, hier ſei ehemals eine große Stadt geſtanden, von der man keine Spur mehr ſieht. Wegen der Unſicherheit des Ortes begaben wir uns 2 Meilen weiter nach Telulmana hyat, d. i. Huͤgel der Brunnen. Am 25ten reiſten wir gegen N. W. von Fruͤhe bis Abends uͤber Ebenen durch Lage und Guͤte von einander unterſchieden, und kamen auf ein breites Gefilde, in deſſen Mitte wir auf 4 Zelte der Turko⸗ manen mit ihren Herden ſtießen. Die Zelte ſind rund, das Dach iſt gewoͤlbt, die Waͤnde ſind aus Rohr mit Fellen umgeben, ſo daß ſie zuſammengelegt, und anders wohin gebracht werden koͤnnen. Die Tur⸗ komanen iind eigentliche Tuͤrken, welche aus dem alten Turqueſtan ſich hier in Staͤmmen nie⸗ derließen; ſie nennen ſich Tayffas, die Araber Ca⸗ biley, die Tartarn Ordasz ſie ſind ein kraͤftiger und ausdauernder Menſchenſchlag. Die Frauen, wel⸗ che ſich nicht verſchleiern, ſind ſtark, und beſorgen die Viehzucht. Der Ort heißt Mezenabh, und hat kein Waſſer. Den zsten betraten wir nach 3 Meilen eine ſehr große Ebene, welche wie ein Thal rings mit Huͤ⸗ geln umgeben iſt, und in der Mitte von einem Gieß⸗ bache, welcher damals ausgetrocknet war, durch⸗ ſchnitten wird; hier ſahen wir einen andern turkoma⸗ 347 niſchen Stamm mit ihren Herden. Der Ort heißt Muyal Mezenah oder Methena, d. i. Waſ⸗ ſer Meſnah. Abends ruhten wir auf einer waſſer⸗ loſen Ebene, welche die Araber Tabaki Seguer nennen. Am 2rten reiſten wir gegen N. W. uͤber ſehr ebene und fruchtbare Gefilde, und ſetzten nach 3 Meilen uͤber einen ſehr großen ausgetrockneten Fluß, von den Arabern Sehel genannt; in deſſen Naͤhe befinden ſich einige Brunnen ſehr guten Waſſers. Abends ließen wir uns an dem ſandigen, aber wohl bewaͤſſer⸗ ten Orte Lubeba oder Jubeba nieder. Am 28ten reiſten wir nordwaͤrts uͤber ſehr fruchtbare und ebene Gegenden, und uͤbernachteten nach s Meilen zu Ra⸗ gem al Kayma. Auf dieſen ganzen Wegen ſahen wir weder Huͤgel noch Berge; außer in der Ferne ei⸗ nen Berg, welchen ſie von dem anwohnenden Stamme Gibelal Bexar nennen. Am oten ließen wir den Berg Berar zur Rech⸗ ten, und legten gegen N. W. uͤber aͤhnliche Gegen⸗ den 7 Meilen zuruͤck. In der Naͤhe von 10—42 Tur⸗ komanen Zelten ließen wir uns am waſſerarmen Orte Ketefel Hel nieder. Am zoten ſetzten wir unſern Weg gegen N. W. über gleiche Gegenden(hier ſchweifen die meiſten Tur⸗ komaniſchen Herden umher, dieſer Stamm, Begh⸗ dely genaunt, iſt der zahlreichſte, kann 8000 Reiter in das Feld ſtellen, und weigert ſich deßwegen allein 348 dem Amir Tribut zu zahlen), und uͤber rauhe Plaͤtze » Meilen weit, fort; auf dem Platze Naguib uͤber⸗ nachteten wir, nachdem wir zur Linken den beruhm⸗ ten Fluß Gadyr aà ther gelaſſen hatten. Am 34ten kamen wir gegen N. W. durch ein ge⸗ raͤumiges und ebenes Thal zwiſchen Bergen und Huͤ⸗ geln um 9 Uhr zur Stadt Sukana. Sie hat 150 Huͤtten, iſt an einem Engyaſſe zwiſchen 2 Bergen ge⸗ legen, und wird von Arabern und Turkomanen be⸗ wohnt. Sie hat keine Mauern, und leidet beinahe an Allem, vorzuͤgleich an Holz Mangel. Die Frauen ſind ſehr ſchoͤn. Sie verdankt ihren Urſprung einer Feſtung, welche noch in ihrer Mitte ſteht, aber durch die Zeit ſehr viel gelitten hat; ihren Namen aber ei⸗ ner warmen Huelle, deren Waſſer nach Schwefel riecht: denn Sukan heißt im Arabiſchen warm. Am 3. Februar kamen wir theils gegen Weſt, theils gegen Nord uͤber Berge, beſchwerliche und rauhe Orte in 8 Meilen nach Taybah, einer ummauerten Stadt mit 260 Huͤtten; ſie iſt aus den Truͤmmern ei⸗ nex alten Stadt chriſtlicher Franken erbaut, von denen nur noch ein Glockenthurm und einige Marmor⸗Saͤu⸗ len einer Kirche, welche zu einer Moſchee dienen, uͤb⸗ rig ſind. Sie erhielt ihren Namen von ihrer reinen und geſunden Luft. Ihre Einwohner ſind Araber, meiſtens Hirten oder Bauern. Sie gehorcht mit Su⸗ kanag dem Amir, dem Beherrſcher von Ang. Am eten reiſten wir von Taybah nordwaͤrts 349 aͤber Ebenen, Weiden, und zuweilen uͤber Gebirge auf eirem s Meilen langen Wege. Zu beiden Seiten ſahen wir in weiter Entfernung Berge. Wir uͤber⸗ nachteten auf dem unbewaͤſſerten Platze Haie Oie, d. i. gewundener Pfad. Am Iten legten wir gegen Nord uͤber verſchiedene Gegenden* Meilen zuruͤck, und uͤbernachteten an dem Fuße von Bergen, in deren Naͤhe Brunnen ſehr ſchlechten und ſtinkenden Waſſers ſich befinden; deß⸗ wegen auch dieſer Platz Abumentem(Vater der ſchlechten Waͤſſen) heißt. Am sSten ging die Reiſe uͤber ſehr ebene Gegen⸗ den; zur Linken ließen wir in einer großen Entfernung Bergketten liegen, auf deren einem, nach Erzaͤhlung der Araber und Armenier, die Ruinen einer alten ehriſtlichen Stadt ſtehen ſollen. Als wir den oten kaum 1½ Meile zuruͤckgelegt hatten, griſſen uns 300 arabiſche Raͤuber an, nahmen uns 208 Kamele, pluͤnderten einige der unſerigen, und behandelten ſie ſehr uͤbel. Am 10ten erreichten wir, nach s Meilen uͤber ſehr fruchtbare, aber nicht ſo ebene Gegenden, Drahem, welches von einem ehemals benachbarten Schloſſe ſeinen Namen hat, und waſſer⸗ los iſt. Am 14ten reiſten wir einige Zeit uͤber ſehr ſchoͤne Gefielde bis zum Fuße des Berges Corna Zebad, und ſtießen, nachdem wir andere Berge zur Linken gelaſſen hatten, an deren Fuße wir hinzogen, auf einen großen See, welcher 30 Meilen im Umfange / in welchem ſich 300 Seghmenen, welche vom Paſcha 350 hat. Aus demſelben entſpringt die Quelle Ahen Dabad, nahe bei der Stadt Gebul, welche an dem Ufer dieſes Sees liegt; der See iſt von großer Wichtigkeit. Denn wenn der Boden mit Salpeter bedeckt iſt, und ſalzig wird, ſalzt er deſſen Waſſer, welches bei der Gluth der Sonne in Salz uͤber geht, ſo daß man immer durch den See reiten kann. Die Reiſe iſt ſchwierig, und mit vielen Gefahren verbun⸗ den. Wir uͤbernachteten in dem Dorfe Acle, wel⸗ ches von Naͤubern bewohnt wird, die ſich damals aus Furcht vor Maͤchtigeren anders wohin begeben haben. Am 12ten reiſten wir laͤngs der Kuͤſte uͤber ſehr fruchtbare Laͤnder, indem wir zur Linken in einer Ent⸗ fernung von 6 Meilen große Berge liegen ließen. Wir gingen nach 3 Meilen uͤber den Flecken Mel⸗ huah mit 300 Huͤtten, welcher auf den Ruinen ei⸗ ner groͤßern und beſſeren Stadt erbaut ſchien. Er beiät Melhuah von ſeiner Salzmenge. 1¼ Meile von dieſem iſt in der Naͤhe der Flecken Safyra mit 120 Haͤuſern. Nach 2 Meilen kamen wir zu einem klaren Fluſſe, welcher aus 2 Quellen entſpringt, und Ahen Macubha heißt, von den Binſen, welche an dem Ufer deſſelben wachſen. Nicht weit davon liegt der Flecken Tal⸗Aron mit 500 Haͤuſern, von dem Huͤgel, an welchem es liegt, ſo benannt. Dann reiſten wir durch den großen Flecken Gebrahim, 351 zu Aleppo abgefallen waren, niedergelaſſen hatten. Ueber fruchtbare Felder eilten wir nach Tel Axa⸗ rab, einem 3 Meilen von Aleppo entfernten Dorfe, und betraten mit dem Untergange der Sonne die Stadt Aleppo. ———