Mader XNTON SHIRILAEN. 4 SIR Taſchen⸗Bibliothek . der wichtigſten und intereſſanteſten See⸗ und Land⸗Reiſen, von der Erfindung der Buchdruckerkunſt bis auf unſere Zeiten. Mit Landkarten, Planen, Portraits und anderen Abbildungen. Berfaß: von Mehren Gelehrten, und herausgegeben von Joachim Heinrich Jaͤck, Koͤnigl. Bibliothekar zu Bamberg. 20. Baͤndchen. Mit einem Kupfer. I. Thell. 2. Bändchen von Perſien. Nürnberg. Verlegt von Haubenſtricker und von Ebner. 1 828. Taſchen⸗Bibliothek der wichtigſten und intereſſanteſten Reiſen 4 durch Perſien. Mit Landkarten, Planen, Portraits und anderen Abbildungen. Berfaß t 4 dn Mehren Gelehrten, und herausgegeben . von 3 Joachim Heinrich Jaͤck, Koͤnigl. Bibliothekar zu Bamberg. I. Theil. 2. Baͤndchen. Nürnberg. . Vöotlegt von Haubenſtricker und von Ebner. 1828. — Reiſen und Abentheuer des Sir Anton, Sir Robert und des Sir Thomas Sherley. — VIII. Hauptſtü ck. Des Koͤnigs Ruͤckkehr aus dem Kyiege und deſſen Aufnahme. 1(Fortſetzung.)— Zwei Tage vorher, ehe der Koͤnig ſeinen Einzug in Casbin hielt, ſchickte er einen Kurier, oder eine Poſt an ſeinen Haushofmeiſter mit dem Befehle, daß er uns mit den beſten Pferden, die zu haben ſeien, verſehen, und wir ihm in Begleitung des Gouver⸗ neurs und ſeiner ſelbſt vier Meilen von Casbin ent⸗ gegen kommen ſollten, was beide auf die artigſte Weiſe vollzogen. Der Zug von Sir Anton Sher⸗ ley und ſeinen Begleitern wurde alſo angeordnet: Zuerſt kam Sir Anton Sherley ſelbſt, deſſen Rock und Unterkleid von koſtbarem Goldſtoffe waren; ſein Schwert hing an einem koſtbaren Wehrgehaͤnge 126 im Werthe von tauſend Pfund Sterlingen, da es mit Perlen und Diamanten beſetzt war. Auf dem Kopfe trug er einen angemeſſenen Turban von zweihundert Thalern Werth; und ſeine Stiefel waren gleichfalls mit Perlen und Rubinen geſtickt. Hierauf kam ſein Bruder, Sir Robert Sherlev, ebenfalls in Rock und Unterkleid von Goldſtoff, mit einem koſtbaren Turban auf dem Kopfe; ſein Dolmetſcher Angelo in Ober⸗ und Unterkleid von Silberſtoff. Dann vier andere in Roͤcken von Silberſtoff mit ſeidenen damas⸗ rirten Unterkleidern; hierauf wieder vier andere in Noͤcken von ſcharlachfarbenem Sammet, mit damas⸗ cirten Unterkleidern; vier in blau damascirten Roͤcken mit taffetnen Unterkleidern; und vier andere in gelb damascirten Roͤcken und Unterroͤcken von perſiſchem Stoffe. Dieſen folgten ſein Page in Goldſtoff, und ſeine vier Lakeien in fleiſchfarbenem Taffet, und ſo ſetzte ſich der Zug in Bewegung. Sir Anton und ſein Bruder ritten zuſammen, der Haushofmeiſter zu ihrer Rechten, und der Gauverneur zur Linken; die Uebrigen kamen zwei und zwei nach. Ich ſelbſt ritt gerade vor Sir Anton mit einem weißen Stabe in der Hand; denn ihm hatte gefallen, mich zu ſeinem Marſchall zu ernennen, da in dieſem Lande jeder Große einen Marſchall hat, der vor ihm reitet. Nach⸗ dem wir ſo eine halbe Meile vor die Stadt gekommen waren, hatten wir einen Anblick, wie man ſolchen micht gewoͤhnlich zu ſehen pflegt, naͤmlich zwoͤlfhundert 127 Reiter, welche zwoͤlfkhundert Menſchenkoͤpfe auf ihren — Lanzen trugen, und mehrere von ihnen hatten Men⸗ ſchenohren, in Schnuͤren eingefaͤdelt, um den Hals haͤngen. Auf dieſe folgten die Trompeter, welche ei⸗ nen ſchrecklichen Laͤrm machten, da ihre Trompeten ganz anders geformt ſind, wie die engliſchen. Dieſe Trompeten ſind zwei und eine halbe Elle lang und gegen die Muͤndung ſo dick und breit, wie ein Hut. Naͤchſt dieſen kamen die Trommelſchlaͤger, deren Trom⸗ meln von Kupfer waren, und von Kamelen get V wurden. Dieſen folgten ſechs Standarten⸗S „ und hierauf wieder zwoͤlf Pagen, deren jeder eine Lanze in der Hand trug. In einer ziemlichen Entfer⸗ nung kam ſodann der Koͤnig, welcher allein ritt, eine Lanze in der Hand hatte, und an deſſen Seite Bogen — und Pfeile, Schwert und Schild hingen. Er war ein Mann von unterſetzter Statur, aber ſehr kraͤfti⸗ gem Koͤrperbau und ſchwaͤrzlicher Geſichtsfarbe. Zu⸗ naͤchſt auf den Koͤnig kam ſein General⸗Lieutenant der 8 Feldtruppen, und ſeine ſaͤmmtlichen Bogenſchuͤtzen⸗ in halbmondfoͤrmiger Ordnung. Als wir zuerſt vor den Koͤnig kamen, ſtiegen Sir Anton und ſein Bru⸗ * der von ihren Pferden ab, und gingen hin, dem Koͤ⸗ nig den Fuß zu kuͤſſen. Denn es iſt Sitte in dieſem Lande, daß ein jeder, ſei er auch noch ſo vornehm, bei ſeiner erſten Zuſammenkunft mit dem Koͤnige, deſſen Fuß kuͤſſen muß. Nachdem dieſes geſchehen — war, ſah ſie beide der Koͤnig mit ſtolzer Miene au, 128 und dann uns Alle; indem er mit Sir Anton nicht ein Wort wechſelte, ſondern dem General⸗Lieutenant befahl, mit ihm nach den erhaltenen Befehlen zu ver⸗ fahren. Hiermit gab der Koͤnig ſeinem Pferde die Sporne, und begab ſich auf eine Stunde hinweg. Dem Sir Anton wurde hierauf die Stelle des Koͤ⸗ nigs eingeraͤumt; ſein Bruder Robert Sherley und der General⸗Lieutenant nahmen jene zu ſeiner Rechten, und der Haushofmeiſter jene zu ſeiner Lin⸗ ken ein. Als ſich der Koͤnig entfernt hatte, erzaͤhlte der Haushofmeiſter dem Sir Anton, daß Sitte des Landes ſey, Fremdlinge auf dieſe Weiſe zu empfan⸗ gen, und bat ihn, ſich eine Weile zu gedulden, und den Ausgang abzuwarten. Nach Verlauf einer Stunde kehrte der Koͤnig wieder, ſo geſchwind ſein Pferd lau⸗ fen konnte, und hatte ſechszehn Frauen zu Pferde bei ſich, die alle ſehr koſtbar gekleidet waren. Als er nahe bei Sir Anton gekommen war, begruͤßten ihn die Weiber mit einem Halloh! und ſtießen ein ſehr lau⸗ tes Geſchrei aus; gleich dem der rohen Irlaͤnder, daß wir uns hoͤchlich daruͤber verwunderten. Als ſie da⸗ mit fertig waren, kam der Koͤnig auf Sir Anton und ſeinen Bruder zu, umarmte und kuͤßte ſie drei oder viermal, und ſchwur, indem er Sir Anton bei der Hand nahm, einen feierlichen Eid, daß er ſein Bruder ſeyn wolle, wie er ihn auch immer ſo nannte, und indem er wesging, ließ er den Sir Auton zu keiner Rechten gehen. — — 129 Die große Volksmenge, die ſich hierbei verſam⸗ melt hatte, gewaͤhrte einen bewunderungswuͤrdigen Anblick, wo der Koͤnig voruͤber ging, kniete das Volk nieder und kuͤßte die Erde. Ehe wir aber in die Stadt kamen, wurde ein Befehl bekannt gemacht, daß bei Todesſtrafe kein Soldat in die Stadt kommen ſollte, welcher nicht etwa darin geboren ſei, aus Furcht, daß ſie einen Tumult anſtiften moͤchten, ſo wurden ſie fuͤr dieſesmal alle entlaſſen, und kehrten in ihre Hei⸗ math zuruͤck⸗ 3 Nach unſerer Ruͤckkehr in die Stadt, marſchirten wir durch alle Straßen, und kamen am Ende zu ei⸗ nem koͤniglichen Bankethauſe, wo der Koͤnig den Sir Anton in ein koſtbar ausgeſtattetes Zimmer fuͤhrte, woſelbſt Letzterer eine Rede au den Koͤnig uͤber den Zweck feiner Ankunft hielt, und ihm eine Erzaͤhlung feiner beſchwerlichen Reiſe und unſerer Behandlung in der Tuͤrkei, nebſt anderer uns auf dem Wege zu⸗ geſtoßener Unfaͤlle machte, welcher der Koͤnig mit großer Aufmerkſamkeit zuhoͤrte. Als Sir Anton feine Rede geendigt hatte, ſtand er auf, und erwie⸗ derte:„Bruder, es thut mir leid, deine, auf der Reiſe beſtandene gefahrvolle, und muͤhſelige Aben⸗ theuer zu vernehmen; ich freue mich jedoch, dich jetzt gluͤcklich an meinem Hofe angelangt zu ſehen: denn ſei verſichert, daß ich dich auf meinen Kopf ſtellen werde;“ ein Ausdruck, womit er ſo viel ſagen wollte, as ob er ihn zu do hen Ehren zu erbeben beabſichte. 130 Es wurde hierauf eine große Mahlzeit unter Muſie aufgetragen, und hiermit zwei volle Stunden ſehr vergnuͤgt hingebracht. Nachdem das Banket geendigt war, bat der Koͤnig den Sir Anton, am Fenſter ihren Spielen zu Pferde zuzuſehen. Vor dem Hauſe befand ſich ein ſehr ſchoͤner, freier und ebener Platz von ohngefaͤhr zehn Morgen Landes, auf welchen der Koͤnig hinab ſtieg, und als er ſein Pferd genommen hatte, ertoͤnten Trommeln und Trompeten. Es wa⸗ ren in Allem zwoͤlf Reiter mit dem Koͤnige, die ſich zu ſechs und ſechs auf zwei Seiten verthelten. Sie trugen in ihren Haͤnden lange hoͤlzerne Ruthen, von der Dicke eines Mannsfingers, an deren Enden ein Stuͤck Holz in Geſtalt eines Hammers angena⸗ gelt war.. Nachdem ſie ſich ſo vertheilt, und die Geſichter gegen einander gekehrt hatten, kam einer in die Mitte geritten, und warf eine hoͤlzerne Kugel zwiſchen beide Theile, als ſie hierauf Stangen an beiden Enden der Bahn aufgerichtet hatten, fingen ſie an zu ſpielen, in⸗ dem einer dem Andern die Kugel mit ihren Nuthen, auf die Art zuſchlugen, wie in England der Fußball geſpielt wird. So oft die Kugel an dem Koͤnig vor⸗ bei kam, machten ſie mit ihren Trommeln und Trom⸗ peten einen Tuſch, und mehrere Male kam der Koͤnig zu Sir Anton an das Fenſter, um ihn zu fragen, wie ihm der Spaß gefalle. Als das Spiel zu Ende war, ſchickte mich Sir —— —,— 131 Anton einer Beſorgung wegen hinab, und als ich auf die Stiege kam, begegnete mir zufaͤllig der K Koͤnig, der, als er mich ſah, mich am Arme nahm, mich mit ihm umkehren hieß, und mich in das Zimmer brachte, worin ſich der tuͤrkiſche Geſandte befand. Er fuͤhrte mich an das obere Ende des Zimmers uͤber den tuͤrki⸗ ſchen Geſandten, und hieß mich, mich auf den Bo⸗ den nieder zu ſetzen; da ſie keine Stuͤhle haben, ſon⸗ dern auf Teppichen zu ſitzen pflegen. Ich konnte nicht nach ihrer Art mit unterſchlagenen Beinen ſitzen, ſon⸗ dern warf mich auf die Knie, worauf der Geſandte dem Koͤnig erzaͤhlte, daß Sitte in England ſei, auf Stuͤhlen zu ſitzen: denn er ſei oͤfters in den Haͤuſern der engliſchen Kaufleute zu Konſtantinopel ge⸗ weſen. Als der Koͤnig dieſes vernahm, ging er ſo⸗ gleich in das naͤchſte Zimmer, und ließ durch einen ſeiner Pagen eine kleine Bank heraus tragen, auf welche ſie ihre Weinflaſchen zu ſtellen pflegen, und hieß mich niederſitzen, nachdem er zuvor einen golde⸗ nen Teppich daruͤber gebreitet hatte. Er forderte als⸗ dann Wein, und trank meine Geſundheit mit dieſen Worten:„Ich ſchaͤtze die Fußſohle eines Chriſten hoͤher, als den beſten Tuͤrken in ſeinem Lande.“ Er fragte mich hierauf, ob ich ihm dienen wolle. Ich antwortete ihm, daß, da ich ein Unterthan in ſeinem Lande ſei, er mir zu gebieten habe, daß ich aber mei⸗ nen vormaligen Herrn nicht gerne verlaſſe, da er mich lieb habe; bei welchen Worten mich der Koͤnig um 132 den Hals nahm, mich drei bis viermal kuͤßte, und ſagte:„Ich achte deine Beſtaͤndigkeit hoͤchlich, deſſen ungeachtet will ich meinen Bruder, deinen Herrn bit⸗ ten, daß er dir erlaubt, mir ſo lange zu dienen, als ihr in meinem Lande bleibt. Nach einigen weiteren Worten ging er aus dem Zimmer zu Sir Anton, ihm zu ſagen, daß er durch⸗ aus einen von ſeinen Dienern haben muͤſſe, dieſer antwortete jedoch, daß es nicht in ſeiner Macht ſtehe, einen von ihnen wegzugeben, er aber uͤber die Dienſt⸗ leiſtungen von einem jeden derſelben gebieten koͤnne, wofuͤr ihm der Koͤnig herzlich dankte und ſagte: daß er ſeinen Dienern befehlen wuͤrde, das Gleiche zu thun. Der Koͤnig fuͤhrte hierauf den Sir Anton nach einer kurzen Unterredung nach Hauſe zuruͤck, und aͤutzerte ihm, daß er keinen Abſchied von ihm nehmen wolle, indem er ihn noch vor dem Schlafe zu ſehen gedaͤchte. Nachdem wir alſo in unſerer eigenen Woh⸗ nung zu Nacht geſpeißt hatten, beſchloß Sir Anton, nicht glaubend, daß er den Koͤnig noch dieſen Abend ſehen wuͤrde, da es ſchon ſpaͤt geworden war, ſich zur Ruhe zu begeben. Er irrte ſich jedoch: denn es kam der Haushofmeiſter mit ſechszehn Fackeltraͤgern und etlichen und zwanzig Edelleuten zu ihm, ihn und ſeine ganze Geſellſchaft zu dem Koͤnige abzuholen, um die Nacht bei ihm zuzubringen. Als wir bei dem Koͤnige aunlangten, fahen wir ein Schauſpiel, woruͤber wir faſt in Entzuͤcken geriethen. — 133 Es befindet ſich naͤmlich in der Mitte der Stadt Casbin ein Platz, den ſie Bazar nennen, und der auf die Art wie die Boͤrſe zu London eingerichtet, zwar nicht ſo ſchoͤn, aber dreimal groͤßer iſt, und wo alle moͤglichen Handels⸗Artikel in Buden feil geboten werden. Die Kaufleute hatten ihre Waaren auf die ſchoͤnſte Weiſe ausgelegt, und ſich ſelbſt ſehr geſchmack⸗ voll gekleidet. In der Mitte dieſes Platzes ſteht ein auf ſechs Pfeilern erbautes Rondel mit einem Sitze, wo Kleider und andere Waaren verkauft werden. Die⸗ ſes Rondel war mit koſtbaren goldenen, ſilbernen und ſeidenen Tapeten behaͤngt, und in deſſen Mitte ſtand des Koͤnigs Thronſtuhl. Der Stuhl war aus Silber reich mit Tuͤrkiſen, Rubinen und ſechs großen Dia⸗ manten beſetzt, welche letztere, wie die Sterne fun⸗ kelten. Der Sitz war von Scharlach mit Perlen⸗Stik⸗ kerey, und eine unzaͤhlige Menge Lampen waren rings aufgehaͤngt. Als Sir Anton ankam, ließ ihn der Koͤnig binaufſteigen zu dem königlichen Throne, mit ſeinem Vicekoͤnige und andern Großen ſeines Reiches bei dem Stuhle ſtehend, faßte er Sir Anton bei der Hand, und hieß ihn, ſich darauf zu ſetzen. Sir Anton aber fiel vor ihm auf die Knie, und bat den Koͤnig um Verzeihung, indem ihm kein ſolcher fuͤrſtlicher Platz zukomme, da er nur ein Unterthan von ihm ſei. Der Koͤnig verſchwur ſich jedoch hoch und theuer bei der Seele des Mortus⸗Ali, daß er ſich in den Stuhl ſetzen muͤſſe, und wenn der beſte Perſey ſich daruͤber 134 aͤrgern follte, ſo wolle er ihm ſogleich den Kopf ab⸗ hauen. Er faßte hierauf den Sir Anton bei der Hand, und hieß ihn, ſich ohne Furcht niederzuſetzen, was Sir Anton auch that. Als er ſaß, kuͤßte ihn der Koͤnig, und ſagte:„Bruder du fuͤllſt dieſen Pirzeſehr wuͤrdig aus. Er verlangte ſodann einen Stuhl fuͤr Herrn Robert Sherley, der ſogleich gebracht wurde, und ſetzte ihn dicht neben ſeinen Bruder An⸗ ton; uns Andere von ſeiner Begleitung aber, rings um den Thron herum, und zwar nach Landesſitte mit unterſchlagenen Beinen auf Teppichen. Es wurde dann unter Boraustritt von Trommeln und Trompeten ein koͤnigliches Mahl von vier und zwanzig Edelleuten auf⸗ getragen, und als die Trommeln und Trompeten ab⸗ gingen, tkat die Muſik ſpielend ein, welcher zwanzig praͤchtig gekleidete Frauen, ſingend und tanzend vor⸗ auskamen. Als das Banket beendigt war, ſtand der Koͤnig auf, nahm Sir Anton bei dem Arme, und ging Arm in Arm mit ihm durch alle Straßen der Stadt, waͤhrend die zwanzig Frauen vor ihnen her, ſangen und tanzten, und ſein Hofſtaat ihnen folgte, indem jeder einen der Unſerigen bei der Hand fuͤhrte. An jeder Ecke war Muſik aufgeſtellt, und zu beiden Seiten der Straße waren Lampen aufgehaͤngt, ſie⸗ ben, jedesmal uͤber einander, was ſich uͤberaus praͤch⸗ tig ausnahm. So brachten wir acht Tage und Naͤchte mit allen erdenklichen Feſtlichkeiten zu. Nach Verlauf des zehn⸗ 135. ten Tages ſchickte der Koͤnig dem Sir Anton zwoͤlf Kamele, drei ſehr große Zelte mit allem zur Haus⸗ dienerſchaft gehoͤrigen Geraͤthe; ſechszehn Maulthiere jedes mit vier Teppichen, von denen vier von Seide mit Gold, ſechs von bloſer Seide, die uͤbrigen aber ſchoͤne, aus Zwirn gewebene Tapeten waren. Er ſchickte ihm ebenfalls vierzehn Pferde, unter denen zwei Sattelpferde, fuͤr ihn ſelbſt, zwei fuͤr ſeinen Bru⸗ der, und zehn, fuͤr zehn Begleiter waren. Er ſchickte ihm ebenfalls vierzehn Saͤttel, von denen zwei mit Goldplatten uͤberlegt, und reich mit Tuͤrkiſen und Ru⸗ binen beſetzt waren. Zwei waren von einfachen Gold⸗ Platten, und die andern zehn von Sammet, mit einer koſtbaren Silberſtickerei und ſo viel Silber,(im Werth von ſechszehntauſend Dukaten) daß ſechszehn Mann daran zu tragen hatten, wobei er den Sir Anton bitten ließ, dieſe Kleinigkeit zur Beſtreitung ſeiner monatlichen Ausgaben anzunehmen, und ihn zugleich erſuchte, mit zehn ſeiner beſten Leute und ſeinem Bru⸗ der auf die Entfernung von etwa vier Tagereiſen zu ihm zu kommen. Sir Anton welcher glaubte, daß der Koͤnig unſern Muth pruͤfen wolle, ließ unſerer zehn zu ſich rufen, naͤmlich mich ſelbſt, John Norris, Thomas Davis, William Parry, Thomas Powell, John Ward, John Parrot, Gab⸗ riel Brookes, Arnold Rolderaft und Eduard Vantheivier einen Hollaͤnder, und erzaͤhlte uns, was er glaube, daß es des Koͤnigs Abſicht ſei, und wie er Willens ſei ihm zu zeigen, daß wir wahre Eng⸗ laͤnder ſeien, wenn es erforderlich ſeyn ſollte. Wir machten uns demnach am naͤchſten Morgen, begleitet von einem der koͤniglichen Stallmeiſter, der uns zum Wegweiſer diente, und uns, ohne einen Pfennig dafuͤr zu bezahlen, in jeder Stadt oder Orte, durch welche wir kamen, mit Lebensmitteln verſah, auf den Weg. Am Ende des vierten Tages ſtießen wir an einem Kreuzwege auf des Koͤnigs Maulthiere, die mit ſeinen Mundvorraͤthen beladen waren. Einer von des Koͤnigs Leuten erzaͤhlte uns, daß er in der Naͤhe ſey, der uns in einer halben Stunde einholte, und ein Gefolge von zweihundert Mann bei ſich hatte. Als er zu dem Sir Anton kam, faßte er ihn um den Leib, und kuͤßte ihn zwei bis dreimal, wobei er ſchwur, daß ihm jeder Dag wie ein Jahr vorgekommen ſei, bis er ihn wieder geſehen habe. An dieſem Abende aßen wir mit dem Koͤnig in einem großen Gebaͤude zu Nacht, welches derſelbe fuͤr Reiſende hatte erbauen laſſen; denn wo das Land nicht ſehr bevoͤlkert iſt, hat der Koͤnig große Gebaͤude auffuͤhren laſſen, die ſie Canns nennen, um Kaufleute und andere Reiſende darin aufzunehmen, und worin Menſchen und Pferde ihre Bewirthung finden. Der Koͤnig waͤr dieſen Abend bei der Mahlzeit un⸗ gemein ſpaßhaft mit uns, bis ihn einer von ſeinen Edelleuten einer kleinen Veranlaſſung wegen aͤrgerte, und wir begaben uns alsdann zur Rube. Am naͤchſen 137 Morgen ſtand der Koͤnig ſehr fruͤhzeitig auf, und ließ, da er zornig war, den Edelmann, der ihn beleidigt hatte mit Ketten an einen Pfahl binden, und von zehn ſeiner Edelleute ein hundert Quitten nach ihm werfen. Der Koͤnig warf ſelbſt die erſte nach ihm, und als jeder ihn mit einer Quitte geworfen hatte, trat Sir Anton zu dem Koͤnige, und bat, ihm zu verzeihen, und nicht mehr nach ihm werfen zu laſſen. Der Koͤ⸗ nig laͤchelte hierauf und ſagte:„Bruder es ſei, wie du verlangſt,“ und ließ ihn hierauf abbinden, weßwe⸗ gen der Edelmann kam, dem Sir Anton die Hand zu kuͤſſen. Au demſelbigen Abend gingen wir zwoͤlf Meilen weit nach einer ſchoͤnen Stadt, Kaſchan ge⸗ nannt, und vertrieben uns unterwegs die Zeit durch Reiherhetzen und Jagen. Wir langten am Abend in dieſer Stadt an, und wurden von den Buͤrgern koͤ⸗ niglich bewirthet. Der Koͤnig ſchlief in ſeinem eige⸗ nen Palaſte und wir logirten in dem Hauſe eines Edelmanns, wo wir von Seite der Buͤrger mit allen Arten von Leckerbiſſen bewirthet wurden. Gegen zeh Uhr des Nachts wurden wir zu dem Koͤnige in die Piazza ahbgeholt, welche ein großer ſchoͤner Platz in der Mitte der Stadt, gleich unſerm Smithfield iſt; wo wir den Koͤnig und ſeinen Adel von einer großen Menge Fackeln umgeben antrafen, und rings um, an den Seiten der unbeleuchteten Haͤuſer, war der Platz mit Lampen behaͤngt. Der Koͤnig nahm uns uf die Spitze eines Thurmes, und ließ uns von da 20tes B. Perſien. I. 2. 2 2 138 auf die Lampen niederblicken, welche alle in einem Augenblicke angezuͤndet wurden. Ebenſo waren oben auf den Hausdaͤchern Lampen angebracht, welche, dich⸗ ter wie die Sterne des Himmels, einen praͤchtigen Anblick gewaͤhrten. Es kam hierauf ein ſo praͤchtiges, von einem Tuͤrken verfertigtes Feuerwerk, daß es die Bewunderung von Sir Anton erregte, denn nebſt mehreren anderen Veraͤnderungen, die es darbot, ſchie⸗ nen ſich feuerige Drachen in der Luft mit einander zu ſtreiten. Vorzuͤglich merkwuͤrdig war ein Stuͤck. Es ſtiegen naͤmlich, wie aus der Tiefe eines auf der Piazza ſtehenden großen Springbrunnens, Geſtalten wie Fiſche in die Hohe, die aus ihren Maͤulern Feuer bis zu der Hoͤhe von ein Dutzend Ellen ausſpieen, wel⸗ ches wir fuͤr ein großes Wunder hielten. Nachdem dieſes Schauſpiel beendigt war, wurde ein herrliches Banket unter Trommeln und Trompetenſchall aufge⸗ tragen. 4 3. Nachdem wir hier drei Tage mit allen moͤglichen Beluſtigungen hingebracht hatten, wie z. B. Ringen nackter Menſchen, Kamel⸗Gefechten, Antellopen⸗ Treibjagen, Baͤrenhetzen, Stiergefechten und derglei⸗ chen, machten wir uns auf die Reiſe nach der beruͤhm⸗ ten Stadt Ispahan, auf welchem Wege wir durch viele Staͤdte ritten, von denen jedoch nur eine der Bemerkung werth war, naͤmlich Coome(Kom), wo uns die Stadtleute freundlich empfingen. Hier blieben wir einen Tag und eine Nacht, und ſetzten dann un⸗ 139 ſere Reiſe weiter fort, indem wir uns unterwegs mit Jagen und Hetzen beluſtigten, waͤhrend wir in drei Tagen bis auf drei Meilen von Ispahan kamen, wo wir die Nacht liegen blieben, ſowohl der Koͤnig, wie ſein ganzer Hofſtaat. Am naͤchſten Morgen gegen neun Uhr, machten wir uns fertig, den Koͤnig zu begleiten, und nachdem wir nur eine Viertelsmeile geritten wa⸗ ren, ſahen wir in einem Thale die koͤniglichen Trup⸗ pen aufgeſtellt, dreißigtauſend Mann ſtark, welche des Koͤnigs Ankunft erwarteten. Sobald ſie ſolche ver⸗ nahmen, fingen ſie einen Laͤrm mittels ihrer Trom⸗ meln und Trompeten an, als ob Himmel und Erde mit einander im Streite laͤgen. Auch von dieſen wur⸗ den Menſchenkoͤpfe auf Piken getragen, und nachdem der Koͤnig ſie angeredet hatte, bildeten ſie einen Halb⸗ mond, und folgten dem koͤniglichen Zuge. Als wir zwei Meilen vor die Stadt kamen, kamen ihm gegen zehntauſend Buͤrgen in praͤchtiger Kleidung entgegen. Sie belegten den Weg, auf welchem der Koͤnig ritt mit Taffet und Atlaß, wofuͤr ſich der Koͤnig, als er es ſah, ſehr bedaukte, was den Buͤrgern ungemein ge⸗ ſiel. Der Koͤuig nahm hierauf Sir Anton Sher⸗ ley bei der Hand, und bat ihn, auf ſeinem Pferde zu reiten, was derſelbe durchaus nicht thun wollte, und als der Koͤnig dieſes ſah, ließ er ſeine Garden zu ſich kommen, und uͤberließ ihnen alles Seidenzeug, das ſie unter einander vertheilten. Hier wurde ein Stillſtand gemacht, und der Koͤnig befahl ſeinem Ge⸗ neral⸗Lieutenant, ſeine Soldaten ſcharmutziren zu laſ⸗ ſen. Es befanden ſich jedoch einige Ofſiziere unter ih⸗ nen, die es dem Koͤnige nicht nach ſeinem Sinne machten, und da uͤberdies ſeine Soldaten nicht ſo ein⸗ geuͤbt waren, wie er es erwartet hatte, ſo ſprengte er auf einmal mit gezogenem Schwert, wie ein Herku⸗ les auf ſie ein, und verwundete vier von ihnen toͤd⸗ lich. Er wurde hierauf noch immer hitziger, ſo daß er keinen ſchonte; ſondern mehreren von ihnen die Arme abhieb. Einen der Offiziere, welcher ſich nur zu laͤcheln erlaubt hatte, verfolgte er unablaͤſſig, und da letzterer um Schutz zu ſuchen, ſich in unſere Ge⸗ ſellſchaft fluͤchtete; ſo verſetzte ihm der Koͤnig einen ſolchen Streich, daß er ihn von einander hieb, und beide Haͤlften ſeines Koͤrpers auseinander fielen. Hier brachten wir den Tag zu, und gegen ſechs Uhr des Abends marſchirten wir nach der Stadt. Waͤhrend der Gouverneur den Zug anfuͤhrte, kam der junge Prinz dicht neben ihn zu reiten, und zog ihn auf eine etwas derbe Weiſe mit ſeiner Frau auf, weil ſie ein ſchoͤnes Weib war. Der Gouverneur be⸗ diente ſich hierauf einiger unhoͤflicher Worte gegen den Prinzen, die ihn aufbrachten. Er ritt demnach ſo⸗ gleich zum Koͤnige, um es ihm zu erzaͤhlen, der ihm befahl, Bogen und Pfeil zu nehmen und ihn zu durch⸗ bohren, was er auch ſogleich that, und ihn durch ei⸗ nen ſeiner Schenkel ſchoß. Der Gouverneur ſtieg ſo⸗ gleich von ſeinem Pferd ab, und kam dem Prinzen den 1 141 Fuß zu kuͤßen. Als der Koͤnig dieſes ſah, kam er zu dem Gouverneur, kuͤßte ihn, erhob ihn zum Vicekoͤnig dieſer Provinz, und ſetzte nachgehends ein großes Ver⸗ trauen in ihn. So kamen wir in die Stadt, und zo⸗ gen durch alle Straßen. Der Koͤnig begleitete ſodann den Sir Anton Sherley nach dem Hauſe, welches zu ſeiner Aufnahme eingerichtet worden war, und bat ihn, ſich bis zum naͤchſten Morgen zu gedulden, wo er ihn wieder ſehen wollte. Der Koͤnig begab ſich hierauf nach ſeinem Palaſte, und wir legten uns zur Nuhe. An dieſem Tage kamen hundert und vierzig Mann um, die theils durch die große Hitze, theils von dem Koͤnig ſelbſt getoͤdet worden waren. Unter andern hatte der Koͤnig auch einen Bedienten von Sir Anton umgebracht, der ein Perſer war, was dem Koͤnig, als man es ihm erzaͤhlte, ſehr leid that, weil er in der Meinung ſtand, daß er ein Chriſt geweſen ſei. Er kam demnach am naͤchſten Morgen perſoͤnlich zu Sir Auton, um ihm zu ſagen, wie außerordent⸗ lich bekuͤmmert er daruͤber ſei, und wie er wuͤnſche, lieber ein Dutzend Perſer fuͤr ihn umgebracht zu haben. Auf Sir Anton's Bemerkung, daß er ein Perſer ge⸗ weſen ſei, war er jedoch außerordentlich froh, und bat denſelben, ſich einen andern Bedienten aus ſeinen ei⸗ geuen Leuten zu waͤhlen.. So viel mag hinreichen um die Aufnahme zu ſchildern, die uns in Perſien zu Theile ward. 142 IX. Hauptſtück. Von der Lebensweiſe, den Sitten und Gebraͤuchen der Perſer. Einem Fremden iſt weit angenehmer, in den per⸗ ſiſchen Laͤndern zu leben, als in der Tuͤrkei, da der gegenwaͤrtige Koͤnig ſeit ſeiner Thron⸗Beſteigung eine kolche Ordnung in dem Lande hergeſtellt hat, daß man es ohne Gefahr mit einem Stock in der Hand, und ohne andere Waffen, bereiſen kann. Das Volk iſt ge⸗ gen Fre nde hoͤflich und freundlich, und ſeine Tracht nett und anſtaͤndig. Die Maͤnner tragen lange Roͤcke, die ihnen bis auf das duͤnne Theil ihrer Beine rei⸗ chen, mit großen Fallhuͤten auf ihren Koͤpfen, die von vielerlei Farben ſind, und Turbane genennt werden. Sie tragen ferner Maͤndel, welche mit koſtbarem Pelze gefuͤttert ſind: denn obgleich das Klima außerordent⸗ lich heiß iſt, ſo kleiden ſie ſich doch immer in Pelzroͤcke. Die Weiber ſind, was die vornehmere Klaſſe belangt, ſehr ſchoͤn, weil ſie verſchleiert gehen, ihnen die Sonne daher niemals in das Geſicht ſcheinen kann; ſie tragen Beinkleider wie die Maͤnner, und Struͤmpfe aus ro⸗ them Sammet. Der Mann hat nur ein Weib, aber ſo viele Beiſchlaͤferinnen, als er halten kann. Wird ein verheirathetes Weib uͤberwieſen, Ehebruch began⸗ gen zu haben, ſo wird ſie ſogleich verbrannt, auch iſt hier nicht erlaubt, wie in der Tuͤrkei, Knaben zu hal⸗ 1 143 ten, da dieſes Laſter von den Perſern ſtreug beſtraft wird, wovon ich ein merkwuͤrdiges Beiſpiel fah. Waͤhrend meines Aufenthaltes in dieſem Lande, war daſelbſt ein vornehmer Edelmann, Namens Peer Calliberg, ein Verwandter des Koͤnigs, welcher ei⸗ nen von des Koͤnigs Pagen zu dieſer Schaͤndlichkeit bereden wollte, und ihm ein großes Geſchenk dafuͤr bot; allein der Knabe benachrichtigte den Koͤnig da⸗ von, welcher, als er es vernahm, den Edelmann in ſeiner Wuth ſogleich holen⸗ und ihm von dem Knaben mit ſeinem eigenen Schwerte den Kopf abhauen ließ. Wenn ferner die Tuͤrken die Nachkommen Maho⸗ meds in hohen Ehren halten, ſo iſt bei den Perſern gerade das Gegentheil der Fall. Denn man ſieht alle Tage in jeder perſiſchen Stadt einen Mann mit einer Axt auf der Schulter durch die Straße ziehen, und mit lauter Stimme ausrufen:„daß, wenn Jemand Mahomeds Nachkommen fuͤr beſſer halte, als andere Menſchen, oder wenn einer ſage, daß er von ihm ab⸗ ſtamme, er augenblicklich ſeinen Kopf verlieren ſolle. Ich ſelbſt ſah einen Tuͤrken zu Ispahan auf den Kerl zukommen, und ihm betheuern, daß er von Mahomeds Geſchlechte ſei, und in dieſer Meinung ſterben wolle. So knieete er nieder, und legte ſeinen Kopf auf einen Block, den er ihm auch ſogleich abhieb. Sie glauben an Gott den Vater den Mortus Ali, und halten Mahomed fuͤr einen großen Pro⸗ pheten. Sie haben Kirchen und ſehr ſchoͤne Kirchhoͤfe, 144 welche ſie ſehr reinlich halten, in deren Mitte eine Kanzel ſteht, und ebenſo einen Springbrunnen, an welchem ſie ſich waſchen, ehe ſie zum Gebete gehen. Sie haben ebenfalls heilige Maͤnner, welche ſie San⸗ tons nennen, und worauf ſie ein großes Vertrauen, ſetzen, daß ſie ihnen ſagen koͤnnen„was ihnen auf ei⸗ ner zu unternehmenden Reiſe begegnen wird. Dieſe Heiligen gehen nackt, haben keine Hemden, ſondern nur einen blauen Pelzrock an; und alle Jahre an dem Tage, wo Mortus Ali ſtarb, zerfleiſchen ſie ſich die Bruſt und Arme mit Meſſern, auf eine ſo jaͤmmerliche Weiſe, daß ſie bisweilen daran ſterben. Ihre Prieſter gehen in Weiß gekleidet, und predigen alle Freitage, welcher Tag ihr Sabath iſt. Sie beten ſehr andaͤchtig, ich habe ſie ſelbſt mit ſolcher Inbrunſt beten ſehen, daß ſie dabei in Ohnmacht fielen. Sie halten ihre Faſten meiſt um die ſelbe Zeit, wie wir hier in Eng⸗ land, und dieß nennen ſie ihren Bairum*). Dieſe Faſten dauern acht und zwanzig Tage, wobei ſie den ganzen Tag nichts eſſen, bis der Stern des Suͤdens aufgeht; dann begeben ſie ſich zur Mahlzeit, und be⸗ luſtigen ſich die ganze Nacht. Die Beſſeren von ihnen trinken weder hier, noch zu einer andern Zeit Wein, mit Ausnahme, wenn ſie die Erlaubniß von dem Koͤ⸗ nige haben. Wenn dieſer in guter Laune bisweilen ——Q—— *) Bairam. 145 iſt; ſo laͤßt er eine Bekanntmachung ergehen, daß es drei Tage lang jedermann erlaubt ſeyn ſolle, nach Ge⸗ fallen Wein zu trinken. Man ſieht ſie bisweilen be⸗ trunken und dann findet der Koͤnig ſein großes Ver⸗ gnuͤgen daran, in den Straßen der Stadt herum zu gehen, und ſie zu ſehen. Allein wer berauſcht gefun⸗ den wird, wenn dieſe drei Tage voruͤber ſind, der ver⸗ liert ſeinen Kopf. Allen Chriſten iſt erlaubt, Wein zu trinken, und allen Dienern des Koͤnigs. Das Land liefert alle Gattungen von Fruͤchten, beſonders viel Waitzen ſo, daß das Brod ſehr wohl⸗ feil iſt, und die Lebensmittel in ſehr billigem Preiße ſtehen. Ihr Hauptnahrungsmittel iſt Reis, welcher auf verſchiedene Art zubereitet wird. Der Koͤnig geht heimlich auf ihre Maͤrkte, um zu ſehen, welche Ord⸗ nung gehalten wird. Denn zwei Jahre, ehe wir in das Land kamen, war der Koͤnig auf dem Markt zu Ispahan geweſen, und hatte ſich mit einem Bur⸗ ſchen in das Geſpraͤch eingelaſſen, welcher Milch ver⸗ kaufte. Er fragte ihn, wie ſich der Gouverneur*) ſeines Ortes benehme.„Nun“ ſagte der Burſche, der etwas vorlaut war,„wenn ich an ſeiner Stelle waͤre, ſo wuͤrde ich dem Koͤnig alle Woche ein Dutzend Koͤpfe von Spitzbuben bringen, welche das Land be⸗ ſtehlen. Wir duͤrfen uns kaum einen Steinwurf von *) Ortsvorſtand, Schulze. 146 unſern Haͤuſern entfernen, ohne beraubt zu werden, der Gouverneur haͤlt mit ihnen, und nimmt Geld von ihnen, damit ſie dieſe Lebensweiſe fortletben koͤnnen.“ Als der Koͤnig dieſes hoͤrte, gefiel Shm der Burſche ſehr, und hieß ihn den naͤchſten Morgen an den Hof kommen, wo er ihm des Koͤnigs Haus zeigen wolle, indem er ihn anwies, bei ſeiner Ankunft, bei einem von des Koͤnigs Garde, nach einem gewiſſen Abbas zu fragen, welches der Burſche auch zuſagte. Als der Koͤnig an den Hof zuruͤck kam, ließ er den Befehl an ſeine Garde ergehen, daß, wenn am folgenden Mor⸗ gen ein ſolcher Burſche kaͤme, und mit einem gewiſſen Abbas zu ſprechen verlange, ſie ihm vorfuͤhren ſoll⸗ ten. Seinem Verſprechen gemaͤß, ſtellte ſich der junge Menſch am naͤchſten Morgen ein, und fragte einen der Garden nach einem gewiſſen Abbas, worauf ſie ihn ſogleich nach des Koͤnigs Schlafzimmer fuͤhrten, der ihn, als er ſeine Ankunft vernahm, ſogleich zu ſich eintreten ließ. Als der Meuſch den Koͤnig wahr⸗ nahm; ſo fiel er vor ihm auf die Knie und bat um Vergebung; allein der Koͤnig hieß ihn aufſtehen, ließ ihm Kleider kommen, und gab ihm den Befehl uͤber fuͤnfzig Mann, mit dem Auftrage, ihm zuerſt den Gouverneur zu bringen, der, als dieſes innerhalb drei Tagen geſchah, ſogleich ſeinen Kopf verlor. Der Koͤnig beauftragte ihn hierauf, ihm die naͤchſte Woche die Koͤpfe derjenigen zwoͤlf Spitzbuben zu bringen, welche das Land beraubten, ſonſt wuͤrde ———— 147 er ſeinen eigenen verlieren. So beurlaubte er ſich dießmal von dem Koͤnig, und brachte ihm binnen vier Tagen zwanzig Koͤpfe. Als der Koͤnig dieſes ſah, gab er ihm den Befehl uͤber weitere fuͤnfzig Mann, und ernannte ihn zum Gouverneur dieſes Platzes, und er benahm ſich ſo wohl, daß er in dem Zeitraume eines Monats, eine ſolche Sicherheit im Lande hervorbrachte, daß man ohne Gefahr mit einem Stock in der Hand, darin reiſen konnte. Der Koͤnig fand bald ein ſolches Gefallen an ihm, daß er ihn zum Kapitaͤn ſeiner Garde ernannte, und ihm den Befehl uͤber tauſend Mann gab, um die Grenzen ſeines Landes zu be⸗ wachen. Einſt als der Koͤnig auf einer Reiſe war,(bei welchen Gelegenheiten er das Land nie mit Herbei⸗ ſchaffung von Wagen belaͤſtigte, da er und ſein ganzer Adel zu dieſem Endzwecke ihre eigenen Wagen bei ſich fuͤhrten,) holte der Koͤnig unter Wegs einige Wagen ſei⸗ nes neu ernannten Gouverneurs ein, von denen ſechs mit Maulthieren beſpannt waren. Das mittlere Maul⸗ thier hatte ſeinen Wagen mit einem Deppiche bedeckt, welcher aus Gold und Silber gewebt war, und der Koͤnig fragte die Leute, wem der Wagen gehoͤre, wor⸗ auf ihm einer zur Antwort gab, daß es der Wagen von Muſtriffa, Kapitaͤn ſeiner Garde ſei: denn ſo hatte ihn der Koͤnig betitelt. Der Koͤnig ſchlief dieſe Nacht in ſeinem Zelte, und der neue Gouverneur kam etwas ſpaͤt an den Hof; als aber der Koͤnig ſeine An⸗ 148 kunft vernahm, ließ er ihn ſogleich vorfordern, und erzaͤhlte ihm, daß er ſeine Wagen eingeholt habe, von welchen die Ladung des einen mit einem goldenen Teppiche bedeckt geweſen, welche Ladung, wie der Koͤnig ſagte, er haben muͤſſe. Er fiel hierauf zu den Fuͤßen des Koͤnigs, und bat, ihm eher alles Uebrige zu nehmen, da dieſes ſein ganzer Reichthum ſei. Der Koͤnig gerieth in große Wuth gegen ihn, ließ ihn in Ketten ſchlagen, und begab ſich ſogleich nach jenem Wagen. Hier fand er eine Kiſte, die er aufbrechen ließ, aber nichts darin fand, als ſeine alten Kleider und ſeine Milcheimer, die er ehedeſſen zum Verkaufe ſeiner Milch gebraucht hatte. Als der Koͤnig dieſes ſah, fing er an zu wei⸗ nen, weil er ihm ſo ſehr Unrecht gethan hatte. Er fragte ihn hierauf, warum er dieſes ſo wohl verwahrt habe, und er antwortete: Da die Gunſt der Fuͤrſten bisweilen wegen eines geringen Fehlers verloren ge⸗ hen, und ſein Schickſal dereinſt eine ſchlimme Wen⸗ dung nehmen koͤnne, und da ihm viele vom Hofe die erlangte Ehre mißgoͤnnten, und ihn um ſein Gluͤck beneideten, ſo habe er ſie zur Vorſorge aufbewahrt, damit er ſeinen Lebensunterhalt verdienen koͤnne, wenn einſt eine ſolche Veraͤnderung mit ihm vorgehe. Der Koͤnig ließ die Milcheimer ſogleich verbrennen, und ernannte ihn zum Herzoge, indem er ihm jaͤhrlich 4000 Tomans an ſeinem Gehalte zuſetzte, welches 8000 Pfund Sterlinge engliſchen Geldes gusmacht, 149 und er ſtand waͤhrend unſers Aufenthalts dort bei dem Koͤnig in großer Achtung. Er war durchaus ein Mann von dem braoſten Benehmen, der ſich gegen Sir Anton und deſſen ganzes Gefolge ſehr freund⸗ ſchaftlich benahm, und mir beſonders manche Freund⸗ ſchaft erwies. Auf dieſe Weiſe hat der Koͤnig ſeit ſeiner Thron⸗ Beſteigung manche arme Menſchen zu Ehrenſtellen er⸗ hoben. Man kann des Koͤnigs Stimmung an der Kleidung wahrnehmen, welche er denſelben Tag traͤgt: denn wenn ſolche ſchwarz iſt, ſo iſt er gewoͤhnlich me⸗ lancholiſch und hoͤflich; traͤgt er weiß, gruͤn, gelb oder eine andere lichte Farbe, ſo iſt er gewoͤhnlich heiter; wenn er aber roth anlegt, dann fuͤrchtet ſich der ganze Hof vor ihm: denn an dieſem Tage wird er ſicher Jemand umbringen, wie ich ſolches oft bemerkt habe. Sie haben ſtrenge Geſetze in dieſem Lande: denn wenn ein Menſch fuͤr ſechs Pfennige Werth ſtielt, ſo wird er auf Befehl des Gouverneurs des Platzes, worin er ergriffen worden iſt, ſogleich an den naͤchſten Baum aufgehangen. Jede kleine Stadt oder jedes Dorf hat ſeinen Gouverneur, oder wie ſie es nennen, ſeinen Kadi, und wo ſich der Koͤnig befindet, da uͤbt er ge⸗ woͤhnlich ſelbſt Gerechtigkeit aus. Der Koͤnig hat immer ein großes Gefolge bei ſich, bis zu fuͤnf oder ſechshundert Mann. Sie ſind ſehr auf ihre Feuerge⸗ wehre oder Musketen eingeuͤbt: denn obgleich einige neuerlich geſchrieben haben, daß ſie den Gebrauch der 150 Schießgewehre vor unſerer Ankunft nicht gekannt haͤt⸗ ten, ſo muß ich doch zu ihrem Lobe ſagen, daß ich nie beſſere Musketenlaͤufe ſah, als hier. Der Koͤnig hat in der Naͤhe ſeines Hofes zu Ispahan zweihun⸗ dert Menſchen in Arbeit, welche einzig damit beſchaͤf⸗ tigt ſind, Schießgewehre, Bogen und Pfeile, Schwer⸗ ter und Schilder zu verfertigen, wie ſolche nach der Mode und den Sitten der Perfer gebraͤuchlich ſind. Um hier wieder in unſere Erzaͤhlung einzulenken, habe ich vorher gezeigt, daß uns der Koͤnig zu Gas⸗ bin vierzehn Pferde und andere Vorraͤthe uͤberſchickt hatte, um ihn von da nach Ispahan zu begleiten; und daß wir den Reſt unſerer Geſellſchaft unter dem Be⸗ fehle des Abel Pimſon, welcher Hausmeiſter von Sir Anton Sherley war, in Casbin zuruͤck ließen. Dieſe aus vier und zwanzig Perſonen, Eng⸗ laͤndern, Franzoſen, Griechen und Perſern beſtehend, waren von dem Vice⸗Koͤnige ein jeder mit einem Pferde und Zugehoͤr ſeinem Stande gemaͤß praͤchtig ausgeſtattet, und von einem ſeiner eigenen Edeleute von Casbin nach Ispahan gefuͤhrt worden, wo wir nach ihrer Vereinigung mit uns ſechs Monate hinter einander verblieben, und uns die Zeit mit Hetzen, Jagen und andern Beluſtigungen vertrieben. Waͤhrend dieſer Zeit hatte ſich der Konig entſchloſſen, den Sir Robert Sherley mit koſtbaren Geſchen⸗ ken an die Koͤnigin von England abzuſchicken, um ihr zu zeigen, wie ſehr er ſie verehre. 151 Allein Sir Anton brachte den Koͤnig von die⸗ ſem Vorhaben ab, und uͤberredete ihn zu einer Sen⸗ dung an alle Fuͤrſten der Chriſtenheit. Da er uͤber⸗ zeugt ſei, daß der Koͤnigin wohl gefallen wuͤrde, wenn er mit ihnen allen ein Buͤndniß einginge; welche Ge⸗ ſandtſchaft er uͤber ſich nehmen wolle, und wenn er den Krieg gegen die Tuͤrken von ſeiner Seite unter⸗ hielte, ſo wolle er bei den ehriſtlichen Fuͤrſten zu be⸗ wirken ſuchen, daß ſie den Krieg auch auf ihrer Seite fortſetzten, um die Tuͤrken hierdurch zu uͤberwaͤltigen. Der Koͤnig freute ſich hieruͤber außerordentlich, dankte dem Sir Anton fuͤr ſeinen guten Plan, ſchickte den tuͤrkiſchen Geſandten, welcher gekommen war, das Buͤndniß zwiſchen dem Großſultan und dem Koͤnig von Perſien zu erneuern, ſogleich fort, und befahl ihm, ſeinem Herrn zu ſagen, daß er nicht eher ruhen wolle, als bis er gegen ihn im Felde ſtehe. Die Per⸗ ſer freuten ſich uͤber dieſe Antwort des Koͤnigs ſehr: denn es ging eine alte Sage in Perſien, daß ein Chriſt aus weiter Fremde in ihr Land kommen wuͤrde, durch deſſen Rathſchlaͤge ſie den Tuͤrken alles wieder abneh⸗ men wuͤrden, was die Perſer in fruͤheren Zeiten ver⸗ loren hatten. Nachdem jedoch dieſes alles verabredet war, that es dem Koͤnig ſehr leid, ſich von dem Sir Anton zu trennen, und erbot ſich, ihn zum General⸗ Lieutenant aller ſeiner Truppen gegen die Tuͤrken zu ernennen, welches Erbieten dem Sir Anton zwar hoͤchlich geſiel, der aber in Betracht des groͤßeren Ru⸗ 152 fes, den er vor ſeinem Bruder voraus hatte, vorzog, ſich auf ſeine Geſandtſchaftsreiſe zu begeben, und hier⸗ auf ſo ſchnell wieder zuruͤckzukehren, als es ihm moͤglich ſei; wenn ihn kein Mißgeſchick auf der Reiſe betroffen haͤtte. Sir Anton bat den Koͤnig hierauf, einen Perſer von hohem Range mit ihm zu ſchicken, um ihn zu bezeugen, wie ſehr der Koͤnig die Freund⸗ ſchaft der ehriſtlichen Fuͤrſten wuͤnſche. Dem Koͤnige geſiel dieſer Vorſchlag ſehr wohl, und waͤhlte einen, welcher lange in ſeinem Gefolge geweſen war, und ſich Selane Olibeg(oder Cuchin Allibi nach Sherley) nannte, dem er eine hohe Wuͤrde verlieh, und ihm erlaubte, ſechszehn Mann zu ſeiner Bedie⸗ nung mit zu nehmen. Ueberdieß verſprach der Koͤnig dem Sir Anton, allen Fuͤrſten Geſchenke von großem Werthe zu ſchicken. Nachdem dieſe Verhaͤltniſſe angeordnet waren, kam ein Franziskaner zu uns nach Ispahan, und er⸗ zaͤhlte dem Sir Anton, wie er es um ſo mehr wage, ſich an ihn zu wenden, als er ein Chriſt ſei, und daß noch ein anderer Moͤnch, ein Dominikaner komme, welcher Biſchof zu Ormus und ein gebor⸗ ner Portugieſe ſei, der ſich wegen wichtiger Geſchaͤfte u dem Koͤnige von Spanien begebe. Sein Verlangen war, daß Sir Anton fuͤr dieſen die Gnade beim Koͤ⸗ nig erwirken moͤchte, in ſeiner eigenen Kleidung oder ſeinem Habit erſcheinen zu duͤrfen, welche Gunſt Sir Anton von dem Koͤnig auch erhielt. Am folgenden — 8 153 Tage ritt ihm Sir Anton mit hundert Reitern vier Meilen weit von Jspahan entgegen, brachte ihn ſo nach der Stadt, und logirte ihn in ſeine Wohnung ein. Am nachſtfolgenden Tage ſtellte er ihn dem Koͤ⸗ nig vor, der ihn wegen Sir Anton koͤniglich em⸗ pfing, und ihm ein mit Diamanten, Tuͤrkiſen und Rubinen beſetztes goldnes Kruzifix gab, welches dem Koͤnig vom Presbiter Ihan(Johaun) uͤberſchickt worden war, wie uns der Koͤnig ſelbſt zeigte. Der Koͤnig fragte den Moͤnch, woher er komnte? Der Moͤnch antwortete, daß er vom Papſte zu den Chriſten in dieſe Laͤnder geſchickt ſei. Der Koͤnig fragte, wer der Papſt ſei: denn ob er es gleichwohl wußte, ſo ſtellte er ſich dennoch, als ob er nie von ihm gehaͤrt habe. Der Moͤnch antwortete, daß der Papſt Chriſti Statt⸗ halter auf der Erde ſei, um zu verzeihen, und die Suͤnden zu vergeben.„Dann,“ fuhr der Koͤnig fort, „muß er ein ſehr alter Mann ſeyn, wenn er ſeit der Zeit immer auf der Erde gewefen iſt, da Chriſtus von den Juden gekreuzigt wurde.“„Nein,“ ſagte der Moͤnch;„es hat ſeit jener Zeit viele Paͤpſte gegeben: denn wenn einer ſtirbt, ſo kommt ein Anderer ant deſſen Stelle.“„Wie,“ ſagte der Koͤnig,„ſind ſie denn irdiſche Menſchen, welche in Italien oder Rom geboren werden?“„Ja,“ ſagte der Moͤnch.„Allein haben ſie je mit Chriſtus oder Gott dem Vater geſpro⸗ chen?“ fragte der Koͤnig.„Nein t“ eutgegnete der Moͤuch. Der Koͤnig antwortete hierauf:„ich glaube 20fes B. Perſten. I. 2, 3 154 nicht, daß ein Menſch auf der Erde Suͤnden vergeben kann, ſondern allein Gott der Vater, und was Chri⸗ ſtus belangt, ſo halte ich ihn fuͤr einen großen Pro⸗ pheten, ja fuͤr den groͤßten, den es je gegeben hat, und ich glaube in der That, daß wenn ein Menſch Suͤnden vergeben koͤnne, er es ſeyn muͤſſe. Denn ich habe geleſen, daß er große Wunder verrichtete, als er auf der Erde wandelte. Er war von einem Weibe geboren, und ich habe geleſen, daß ein Eugel Gottes zu dieſem kam, es auhauchte, und daß es ſo empfing. Ich habe ebenfalls von ſeiner Kreuzigung durch die Juden geleſen, welches ſie mir ſehr verhaßt gemacht hat: denn von dieſer Stunde an wird keiner mehr in meinem Lande. geduldet.“ Der Moͤnch war zum Schweigen gebracht, und wir alle wunderten uns, den Koͤnig ausnehmend gut raiſoniren zu hoͤren, da er doch nur ein Heide war. Er erzaͤhlte dem Sir An⸗ ton, daß er in ſeinem Herzen beinahe ein Chriſt ge⸗ worden waͤre, ſeitdem er zu ihm gekommen ſei. Nach Verlauf von zwei weiteren Wochen waren des Koͤnigs Briefe an alle chriſtliche Fuͤrſten ausgefer⸗ tigt, welche dem Sir Anton von dem Koͤnige uͤber⸗ geben wurden. So nahmen wir alſo unſern Abſchied aus Ispahan, und der Koͤnig begleitete uns zwei Tage auf die Reiſe, worauf er mit ſchwerem Herzen von Sir Anton Abſchied nahm. Er faßte ſeinen Bruder, den Six Nobert Sherley, den wir zu⸗ 155 ruͤckließen, bei der Hand, und der Koͤnig ſagte dem Sir Auton, daß er ihn wie ſeinen eigenen Sohn behandeln wolle, und er nie Mangel leiden ſollte, ſo laͤnge er Koͤnig von Perſien ſei. Er gab hierauf dem Sir Anton ein goldnes Siegel und ſagte: Bruder, was du je unterſiegelſt, und wenn es den Werth mei⸗ nes Koͤntgreichs betraͤfe, ſo will ich es zahlen laſſen. Der Koͤnig koͤßte hierauf den Sir Anton drei bis viermal, und ſagte, daß wenn wir wiederkehren wuͤr⸗ den, wir große Ehre empfangen ſollten. So ſchieden wir alſo von dem Koͤnige, von dem falſchen Moͤnche begleitet, der am Ende, wie hernach berichker werden ſoll, uns ſchaͤndlich zu betruͤgen trachtete: allein Se⸗ ane Olibeg, der mit uns kommen ollte, war der Geſchenke wegen zuruͤck geblieben, weil ſolche noch nicht fertig waren, und er ſollte an dem Orte unſe⸗ rer Einſchiffung zu uns ſtoßen.“ Um jetzt in der Erzaͤhlung von Sir Antons Abentheuern fortzufahren, muͤſſen wir unſere Zuflucht zu Parry's Pamphlet nehmen. Nachdem er die Vor⸗ fallenheiten ſeiner Expedition bis zu dieſer Pexiode er⸗ zaͤhlt hat, faͤhrt er in folgender Art fort. X. Hauptſtü ck. 3 Reiſeuͤber Aſtrahan und Kaſan, nach Mos⸗ kau, Unannehmlichkeiten in Ruß⸗ land und Einſchiffung. „Wir brachten zwei Monate auf dem naspiſchen Meere, das wir zu uͤberſchiffen hatten, zu, ehe wir landeten, waͤhrend welcher Zeit wir vieles Ungemach und nicht weniger Furcht auszuſtehen hatten, da wir außerdem, daß dieſes Meer gewoͤhnlich ſehr ſtuͤrmiſch iſt, ſehr boͤſes und windiges Wetter hatten, wodurch wir beinahe Schiffbruch gelitten haͤtten, da nuſer Schiff zweimal liegen blieb, ſo, daß wir genoͤthigt waren, einen großen Theil unſerer Lebensmittel uͤber Bord zu werfen. Endlich erreichten wir nach Ver⸗ lauf von zwei Monaten den gewuͤnſchten Hafen, wo, als wir ankamen, der Gouverneur, we lcher bereits Bühercht von unſerer Landung hatte, einen Kapitaͤn mit einer Wache zu unſerem Empfang abſchickte, um uns nach dem Kaſtelle von Aſtrachan zu fuͤhren, wo erſt am vorhergehenden Tage ein Geſandter gelandet war, den der Koͤnig von Perſien ſchon vor einem Mo⸗ nate abgeſchickt hatte, um uns die Reiſe durch die Laͤnder des ruſſiſchen Kaiſers zu bewirken. Von die⸗ ſem Kaſtelle hatten wir zehn Wochen zu Waſſer und zu Land zu reiſen, bis wir nach der Stadt Moskau kamen; waͤhrend welcher Zeit Sir Anton und ſeine Begleiter, wie der andere Geſandte und ſein Gefolge, 157 alle auf Koſten des ruſſiſchen Kaiſers unterhalten wurden: denn die Sitte dieſes Landes iſt, daß alle Reiſende dieſer Art, ſo lange ſie durch das ruſſiſche Gebiet reiſen, ihre Speiſen, die man ihnen vorſetzt, umſonſt erhalten, und daß ſte uͤberdieß von einer Wache begleitet werden, ſo daß ſie fuͤr wenig beſſer, als Gefangene anzuſehen ſind, ſo lange ſie ſich. auf ruſſiſchem Gebiete befinden. 1 Von Aſtrachan fuhren wir zu Schiffe auf dem maͤchtigen Wolga⸗Strome, bis wir nach einer Reiſe von ſieben Wochen eine Stadt Namens N eg⸗ ſoon erreichten. Waͤhrend dieſer Zeit ſahen wer nichts der Bemerkung Werthes, außer drei oder vier hoͤlzerne Kaſtelle, oder Blockhaͤuſer, zu Bewachung des Stremes, auf welchem dem Kaiſer viele koſtbare Waaren zugeführt werden. Laͤngs dem Strome leben viele Tartaren, welche von Ort zu Ort ziehen, und in kleinen auf Naͤdern ſtehenden Haͤuſern wohnen, welche hin und her gefahren werden. Sie haben ei⸗ nen Heberfluß an Vieh, ſind dem Kaiſer unterwuͤrfig, und zahlen thren Tribut. Wir ſahen die ganze Zeit uͤber eine einzige ſchoͤne Stadt, Namens Kaſan, aus welcher wir nach dem vorgemeldeten Negſoon kamen. Hier entzweiete ſich Sir Anton mit dem andern Geſandten, weil er ſich erlaubt hatte, ihn wegen mehrmaligen uͤblen Betragens zur Unehre ſei⸗ nes Koͤnigs und ſeines Landes zur Rede zu ſtellen, ſo⸗ ndaß wir uns einander umgebracht haben wuͤrden, wenn wir nicht eine Wache bei uns gehabt haͤtten. Wir unterbrechen unſere Erzaͤhlung, um zu dem Moͤnche zuruͤck zu kehren, zwiſchen welchem und ſei⸗ nem Collegen ſich ein toͤdtlicher Haß entſponnen hatte. Sein Name war Alphonſo, und er ein Franziſka⸗ ner. Dieſer Moͤnch hatte Sir Anton benachrichtigt, daß Bruder Nieolao ſein Leben ſehr liederlich in Indien zugebracht habe, wovon er ihm alle Um⸗ ſtaͤndlichkeiten erzaͤhlte. Er benachrichtigte ihn eben⸗ fals, daß ihn der Koͤnig ſeines ausſchweifenden Le⸗ bens halber zuruͤck berufen habe, da er mehr Nachtheil als Gutes in dieſem Lande anſtifte, aber bis jetzt nicht habe dorthin zuruͤck gehen wollen. Er erzaͤhlte ihm ferner, daß das Geſchenk, welches er dem Koͤnig von Perſien in ſeinem eigenen Namen uͤberreicht habe, ihm von einem Freunde des Koͤnigs aus Ormus durch einen dritten mit einem Briefe an den ſelben uͤberſchickt worden ſei; daß der Moͤnch aber, der den Ueberbringer gekannt habe, ihn durch ſchoͤne Worte und ein Geſchenk von fuͤnfzig Kronen verlockt habe, ihm das Geſchenk mit dem Brief fuͤr den Koͤnig ein⸗ zuhaͤndigen, was ihm auch endlich gelungen ſei. Als er nach Perſien gekommen waͤre, habe er den Brief unterſchlagen, allein das Geſchenk in ſeinem eigenen Namen uͤbergeben. Bei der Entdeckung dieſer Schlech⸗ tigkeit nahm ihn Sir Anton gefangen, und fuͤhrte ihn mit ſich, als einen fruͤher der Freiheit Beraubten. 159 Als wir nach Negſvon kamen, blieben wir bei⸗ nahe einen Monat daſelbſt. Gegen Ende des Mo⸗ nats, ſchickte der Kaiſer einen Großen von ſeinem Hofe dorthin, um uns nach Moskau zu begleiten. Dieſer ließ dem perſiſchen Geſandten den Vorrang, weil er ein Geſandter von Perſten an den Kaiſer, und Sir Anton ſeiner Meinung nach nur ein Reiſender durch ſein Land war, und ihn daher auch, zu Sir Antons nicht geringem Mißfallen, ganz nach Will⸗ kuͤhr behandelte, bis wir nach Moskau kamen; wo wir auf die beſte, ihnen moͤgliche Weiſe in einer Ge⸗ ſellſchaft von Brandwein⸗Triukern, welche in Gold⸗ ſtoff gekleidet waren, gaſtirt wurden. Nachdem dieſe erſte Feſtlichkeit voruͤber war, wurden dieſe Kleider wieder in dem Schatz oder der Garderoöbe aufbewahrt, und wir zehn Tage lang in ein Gefaͤngniß geſperrt; ja, aller Zutritt von Fremden zu uns, oder wir zu ihnen, ward hierdurch gaͤnzlich abgeſchnitten. Waͤhrend dieſer Zeit ließen wir das Erſuchen ſtellen, daß es unſern Landsleuten, den engliſchen Kaufleuten, entweder erlaubt werden moͤchte, zu uns zu kommen, oder daß wir unſrer Beduͤrfniſſe halber, zu ihnen gehen oder ſchicken moͤchten, weil wir nicht mit den noͤthigen Kleidern verſehen ſeien, in welchen wir vor dem Kaiſer zu erſcheinen fuͤr ſchicklich hielten. Der Kanzler ſchickte hierauf zu den Kaufleuten, und ließ ſie fragen, wer Sir Anton Sherley ſei, und ob ſie ihm Kredit geben duͤrften, worauf ſie erwieder⸗ 160 ten, daß er von hoher Abkunft, und mit den vor⸗ nehmſten Famiuen in England verwandt fei, auch daß ſie ihm fuͤr ihr ganzes Vermoͤgen Kredit geben woll⸗ ten. Hierauf erhielten ſie die Erlaubniß, uns die ver⸗ langten Beduͤrfniſſe zugehen zu laſſenz ſie durften aber nicht zu uns, noch viel weniger wir zu ihnen kommen. Am zehnten Tage erhielten wir den Befehl, vor dem Kaiſer nach ihrer Anordnung zu erſcheinen, nach welcher einem Jeden ſein Platz in dem Zuge ange⸗ wieſen werden ſollte, wie wir, da wir zu Pferde waren, zu reiten hatten. Hierin ſollte, nach des Kai⸗ ſers Befehl, der perſiſche Geſandte den erſten und vornehmſten Platz, den zweiten zunaͤchſt jener Perſer einnehmen, welcher nur zur Begleitung des Sir An⸗ ton abgeſchickt war, und der Letzte von dieſen dreien ſollte Sir Anton ſelbſt ſeyn, der ſich gaͤnzlich in dieſer Ordnung zu gehen weigerte, da ihm eigentlich odie Leitung und Ausfuͤhrung des ganzen Geſch anvertraut war, durch welches Perſien eb falls einen unendlichen Vortheil ziehen follte; hauptſaͤchlich aber, weil er als Chriſt und als der Erſte hinter ſie, die nur Heiden waren, zuruͤckgeſetzt werden ſollte. Durch dieſe Weigerung zog er ſich des Kaiſers Miß⸗ fallen zu, welches er ihm dadurch zuerſt zu erkennen gab, daß er ihm den Moͤnch abnahm, und letzterem die Freiheit ſchenkte, hinzugehen, wohin er fuͤr gut faͤnde. Er ſchiekte bierauf taͤglich ſeine Großherzoge, um den Sir Anton uͤber verſchiedene gleichguͤltige ee — 161. Sachen zu fragen, und zu verſuchen, etwas aus ihm zu bringen, das gegen ihn ausgelegt werden koͤnne. Auf dieſe Weiſe wurde er taͤglich von dem Kaiſer au⸗ ßerordentlich belaͤſtigt und gequaͤlt. Der perſiſche Geſandte machte ſich indeſſen unter der Hand an den Moͤnch, um alle moͤgliche Boshei⸗ ten gegen den Sir Anton zu erſinnen, und hetzte ihn auf, zu ſagen, daß er den Sir Anton nur als einen Mann von geringer Herkunft kenne, und daß derſelbe nur als ein Spion und ſeines eigenen Vor⸗ theils wegen durch das Land komme, und nicht we⸗ gen des Beſtens von Perſien und der Chriſtenheit, wie er vorgaͤbe, worauf ſie ihm alle koͤnigliche Briefe ab⸗ nahmen und ſie eroͤffneten, um ihren Inhalt kennen zu lernen. Bald hierauf wurden Sir Anton und der Moͤnch zum weiteren Verhoͤre vor Commiſſaͤre ge⸗ ſtellt, wo Sir Anton vom Zoͤrn ergriffen, daß man ihn, ohngeachtet ſeiner gerechten Sache, ſo uͤbel be⸗⸗ handelte, fragte, ob der Kaiſer je einen Geſandten in fremde Laͤnder zu ſchicken, beabſichte; in welchem Falle, wie er betheuerte, er, wenn er je welche in ir⸗ gend einem Theile der Welt, außer ihrem Lande an⸗ treffen wuͤrde, ihnen zu wiſſen thun wolle, daß er in Rußland nicht halb ſo gut behandelt worden ſei, als die Veranlaſſung ſeiner Hinkunft mit Recht verdient haͤtte, und wie der Kaiſer nach goͤttlichen und meuſch⸗ lichen Geſetzen haͤtte handeln ſollen. Um ſo mehr, als ernein Chriſt ſei, wie er ſelbſt zu ſeyn vorgaͤbe, und 162 wie es einem Chriſten gezieme, des allgemeinen Be⸗ ſteus der Chriſtenheit wegen kaͤme; wozu die Perſer durch ihn allein aufgereitzt ſeien. Als hierauf der Moͤnch dem Sir Anton, deſſen Blut bereits im Uebermaaß ſeines Zornes kochte, widerſprach, und da er durch dieſen gottloſen und undankbaren Moͤnch noch weiter gereitzt wurde; ſo verſetzte er, unfaͤhig laͤnger ſich halten, wenn er auch auf der Stelle haͤtte ſterben muͤſſen, ihm eine ſolche derbe Ohrfeige, daß der Moͤnch von der Gewalt des Schlages, die der Zorn verdoppelt hatte, niederſtuͤrzte, als wenn ihn der Blitz getroffen haͤtte. Da dieſes mit jenem Muthe und jener Entſchloſſenheit geſchah, wie ſolche ſeinen Blicken, Worten und ſeiner uͤbrigen Handelsweiſe an⸗ gemeſſen war; ſo gaben ſie das weitere Verhoͤr, wo⸗ mit ſie des Sir Anton's Geduld nur zu ſehr auf die Probe geſtellt hatten, was ſie, wie ich denke, wohl nicht ohne Furcht ſahen, und der Moͤnch nur zu ſehr gefuͤhlt hatte, auf. Sie begaben ſich hierauf ſogleich zu dem Kaiſer, und benachrichtigten ihn von dem, was ſich zugetragen hatte, und wie entſchloſſen Sir Anton ſei; wofuͤr er, wie es der Ausgang erwies, nun beſſer behandelt wurde. Denn jetzt hatten wir die Fretheit, zu den Englaͤndern zu gehen, von denen wir hoͤflich aufgenommen, und zu koͤniglichen Gaſte⸗ reien eingeladen wurden. Deſſen ohngeachtet waren wir genoͤthigt, ſechs Monate hier zu bleiben, und alle Tage in Erwartung zu ſtehen, daß uns irgend ein Unheil widerfuͤhre, oder daß wir eilig in irgend einen entlegenen Theil dieſes Landes geſchickt, und gefan⸗ gen gehalten wuͤrden, woſelbſt wir nie wieder von un⸗ ſern Freunden hoͤren koͤnnten, was wir mehr als den Tod fuͤrchteten. Am Ende wurden wir jedoch einmal ploͤtzlich vor den geheimen Rath geladen, wo Sir An⸗ ton den Befehl erhielt, zu gehen, welches uns allen keine geringe Freude verurſachte. Allein den Tag, ehe wir Moskau verließen, hatte ich das Gluͤck, den Zaar und die Zaarin in ei⸗ nem feſtlichen Aufzuge zu ſehen, die aus der Stadt zogen, um einem gewiſſen, etliche dreißig Meilen ent⸗ fernten Moͤnchskloſter, ein großes Bild und eine un⸗ geheuere Glocke zu verehren. Dieſes geſchah alſo: Erſtlich zogen den ganzen Morgen die verſchiedenen Reitertruppen aus der Stadt, um ſich zu ihrem Lin⸗ pfange außerhalb des Thores aufzuſtellen. Gegen Mittag ließ der Kaiſer ſeine Garden aus⸗ ruͤcken, alle zu Pferd und fuͤnfhundert an der Zahl. Sie waren in kaſtanienbraune Roͤcke gekleidet, ritten zu drei und drei in-Reihe und Glied, hatten Bogen und Pfeile, waren mit einem Schwert umguͤrtet, und hatten unter dem einen Schenkel eine Streitaxt han⸗ gen. Nach der Garde kamen von zwanzig Maͤnnern gefuͤhrt, zwanzig praͤchtige Pferde, mit zwanzig koſt⸗ baren und ſchoͤn gearbeiteten Saͤtteln(fuͤr den Zaar); dann noch zehn Pferde weiter fuͤr ſeinen Sohn und muthmaßlichen Thronerben, welcher ein Kind von zwoͤlf Jahren war. Hierauf wurden in gleicher Weiſe zwanzig praͤchtige weiße Pferde, fuͤr die Wagen der Zaarin, gefuͤhrt, welche bloß ſchoͤne Decken aufliegen⸗ und Zaͤume von rothem Sammet hatten. Nach ihnen folgte eine große Anzahl von Moͤn⸗ chen, mit koſtbaren Kappen, welche ſangen, und viele emaͤlde und Kerzen trugen; und nach dieſen der groͤßte Theil der Kaufleute aus der Stadt. Zunaͤchſt ihnen wurde das fuͤr ſelbigen Tag erwaͤhlte Leibpferd des Zaars, ſammt jenem ſeines Sohnes gefuͤhrt. Der Sattel des Zaars und das Geſcherr war aͤußerſt pracht⸗ voll mit Steinen von großem Werth und großer Schoͤn⸗ heit beſetzt. Dann folgte der Patriarch mit allen Erz⸗ biſchoͤffen, Biſchoͤffen und Praͤlaten, in koſtbaren und praͤchtigen Ehormaͤnteln, welche ſangen, und große ſich gen ließen, die mit koſtbaren farbigen Steinen eingefast und von Kerzen umgeben waren. Nach ihnen kam der Zaar ſelbſt, welcher an ſeiner linken Hand ſeinen oben erwaͤhnten Sohn fuͤhr⸗ te, und in ſeiner Rechten ſeine Kapne hielt. Ihm zunaͤchſt die Zaarin, zu beiden Seiten von zwei alten Damen gefuͤhrt; ihr Geſicht war dier mit Farbe uͤber⸗ legt, wie das der andern Frauen nach der Sitte des Landes; ſie war wohl beleibt; hatte hohle, tief in dem Kopf liegende Augen, und ward von etwa ſechszig Frauen begleiter, welche ſehr ſchoͤn waren, wenn die Schminke, woran ſie wie an einem Heiligthum haͤn⸗ Lei, uicht mein Auge taͤuſchte. t hiſt —— —-—— 3 165 Die Kleider dieſer Aller waren ſehr koſtbar, reich mit Perlen geſtickt, und wunderbar ſchan gearbeitet; ſie hatten weiße Huͤte mit breiten runden Naͤndern, die mit Perlen uͤberladen waren. Wir haben außer ihnen in dieſem Lande keine Frauenzimmer mit Huͤ⸗ ten angetroffen. Ihnen zunaͤchſt fuhren drei große Wagen; der erſte wurde von zehn ſchoͤnen Pferden, zwei und zwei neben einander gezogen; der zweite von acht, und der dritte von ſechs Pferden in gleicher Ordnuung. Die Wagen waren ſehr koſtbar und von Innen und Außen ſchimmernd; hiernach kamen alle Edelleute in Kut⸗ ſchen. Alsdann wurde das vorerwaͤhnte Bild, unter der Aufſieht eines hohen Staats⸗Beamten, der fuͤnf⸗ hundert Mann zu ſeiner Bedeckung und Begleitung unter ſeinem Kommando hatte, in einer großen Kiſte getragen. Zuletzt von allem, kam die große Glocke, von zwanzig Tonnen Ge ewicht, und von dreitauſend fuͤnfhundert Maͤnnern gezogen, da ſie von Ochſen oder Pferden nicht fortgebracht werden konnte, und zwar auf folgende Weiſe. Sie befeſtigten ſechs außeror⸗ dentlich lange Anker⸗ oder Kappeltaue an die Schleife, worguf die Glocke lag. An dieſe Taue wurden die dreitauſend fuͤnthundert Mann geſtellt, die kleine Seilter um ihre Schultern hatten, welche an das große Tau befeſtigt waren, und ſo zogen ſie auf die Weiſe unſerer weſtlichen Bootsleute hier in England. Das Gewicht der Glocke war ſo groß, daß, als 166 ſie uͤber die Straßen von Moskau fuhr, welche mit großen hoͤlzernen, dicht in einander gefuͤgten Vier⸗ ecken gepflaſtert waren, das Holz dieſer Schleife, wor⸗ auf die Glocke lag, die Balken in den Straßen durch die Reibung beider Hoͤlzer an einander entzuͤndete; weßwegen einige dicht nachfolgen mußten, um Waſ⸗ ſer auf das Holz zu gießen, wenn es zu rauchen an⸗ fing, und ſo wurde die Glocke und das Heiligenbild nach dem Kloſter gebracht. Am naͤchſten Tage, naͤmlich in der Mitte des Monats Mai, gegen den St. Nikolai⸗Tag traten wir unſere Reiſe an, um uns einzuſchiffen, wohin wir ei⸗ nen Weg von ſechs Wochen zu Waſſer und zu Land zu machen hatten, und waͤhrend der ganzen Zeit ſa⸗ hen wir nichts, als Waͤlder und Waſſer. Als wir aber an die Seekuͤſte und den Ort, wo wir uns ein⸗ ſchiffen ſollten, gekommen waren, blieben wir einen Monat daſelbſt, um uns zu unſerer Reiſe zu provian⸗ tiren. In der Zwiſchenzeit wurden wir mehrere Male an Bord engliſcher Schiffe eingeladen, an denen wir auf Koſten der Agenten und der Kaufleute koͤniglich bewirthet wurden. Zur Feier des Bankets geſchahen dreihundert Schuͤſſe aus grobem Geſchuͤtze. Waͤh⸗ rend unſers Aufenthalts daſelbſt kam ein gewiſſer Megrich, ein Kaufmann von Moskau, und brachte uns die beiden Briefe des Moͤnchs mit der Nachricht, daß der Kanzler zur Genugth rechts und der uͤblen unng des Un⸗ Behandlung, die er dem Sir 167, Anton zugefuͤgt hatte, dem Moͤnch bis zur Grenze habe nachſetzen, ihm ſeine beiden Briefe und alle ſeine Habſeligkeiten abnehmen laſſen, welche er betruͤgeri⸗ ſcher und liederlicher Weiſe in Indien mehrere Jahre geſammelt hatte, und daß er ihm nicht ſo viel, als ſeinen Habit gelaſſen habe. Ob er ihm die Kehle abſchneiden ließ, iſt ungewiß, aber nicht unwahr⸗ ſcheinlich. Von hier nahmen wir Schiffe nach Stode(2), und waren ſechs Wochen auf der See, ehe wir es er⸗ reichen konnten, waͤhrend welcher Zeit wir beſtaͤndig von widrigen Winden hin und her getrieben wurden; ſo, daß wir beinahe gaͤnzlich verſchlagen worden waͤ⸗ ren, und wir alle von Verzweiflung uͤberwaͤltigt wur⸗ den, da wir im Begriff ſtanden, unter zu gehen, al⸗ lein wir kamen uͤber alle Erwartung gluͤcklich davon, und begegneten der Fley. Da ich verſchiedene Briefe von Sir Anton an ſeine Freunde nach Eugland zur Beſorgung erhielt, ſo trennte ich mich von ihm, in⸗ dem er ſeinen Weg zu dem teutſchen Kaiſer nahm. So kam ich alſo nach dem Texel, und von da nach dem Haag, nach Fließingen, und endlich nach Dover, wo ich in der Mitte Septembers in dem drei und vierzigſten Jahre der Regierung Ihrer Ma⸗ jeſtaͤt der Koͤnigin, und im Jahre unſers Herrn ſechs⸗ zehn hundert uns Eins landete. XlI. Hauptſt ü ck. Sir Anton Sherleys Empfang zu Prag vom K. Rudolyh II. Da Sir Anton's Erwartungen in Rußland fehl⸗ goſchlagen waren, ſo eilte er, was er konnte, nach Teutſchland; allein aus Mangel an Nachrichten muſfen wir die Vorfallenheiten unterwegs uͤbergehen, und uns aus Nußland ſogleich nach Prag verſetzen. Der Kaiſer hoͤrte von ſeiner Ankunft: da, wo er hinkam, ein großer Ruf immer vor ihm herging, ſo befahl er, ihm, dem perſiſchen Geſandten und ihrem Gefolge dreizehn Kutſchen entgegegen zu ſchicken. Es kamen ebenfalls, um ihm entgegen zu gehen, und ihm ihre Ehre zu erweiſen, wenigſtens fuͤnftauſend Menſchen, von denen die meiſten Oberſte, Hauptleute, Lieute⸗ nants und Edelleute vom Range und Stande wareu, wie viele vom Adel. Er wurde feierlich eingeholt, mit ſeinem Gefolge und ſeiner Begleitung in einem pracht⸗ vollen Aufzuge nach der Stadt Prag gebracht, wo er an dem Hofe des Kaiſers eine koͤnigliche Aufnahme, und nachdem er ſich des Inhalts ſeiner Sendung ent⸗ ledigt hatte, alles ſeiner Wuͤrde und der Wichtigkeit ſeiner Geſchaͤfte entſprechend fand. Zu ſeiner Woh⸗ nung wurde ihm, zuſammen mit dem perſiſchen Ge⸗ fandten, nicht weit vom Hofe ein ſchoͤnes Haus ein⸗ geraͤumt. Beide wurden auf halb vergoldetem Silber nur nach den verſchiedenen Sitten ihrer Laͤnder auf verſchiedene Art bedient. Er blieb ein halbes Jahr zu Prag, waͤhrend welcher Zeit er nichts als Gelagen, Feſten und an⸗ deren Beluſtigungen am Hofe beizuwohnen hatte. So oft er ausging, hatte er auf Befehl des Kaiſers eine ſchoͤne Kutſche mit ſechs Pferden zu Gebot ſtehen. Der Perſer hatte daſſelbe; allein Sir Anton immer im Range und der Achtung, die man ihnen erwies, den Vorzug, welches die einzige Urſache der oͤfteren Zaͤnkereien und Entzweiungen war, die bisher zwi⸗ ſchen ihnen Statt gefunden hatten. Denn der Perſer, welcher ſtolz und ehrſuͤchtig war, ließ ſich in ſeiner uͤbermuͤthigen und beleidigenden Laune nicht allein bei⸗ gehen, ihn oͤffentlich durch Worte beſchaͤmen, und ſein Benehmen gegen ihn zu tadeln, als auch heim⸗ lich durch geſchmiedete Naͤnke und Kunſtgrißfe herab zu ſetzen, was jedoch entdeckt, und am Ende von ſei⸗ nem eigenen Fuͤrſten zu des Sir Antou's Ehre und des Perſers Beſchaͤmung in ſeinem eigenen Lande ge⸗ raͤcht wurde. Sir Anton ging, nachdem er von dem Kaiſer ehrerbietigſt und feierlichſt Abſchied genommen hatte, von Prag nach Nuͤrnberg, wo ihm die Buͤrger durch ihren Empfang und praͤchtige Feſte die Achtung bewieſen, welche ſie in ihn ſetzten, da ſie ihn außer den vielen praͤchtigen Gaſtereien und koſtbaren Ge⸗ ſchenken, welche ſie ihm gaben, vier Tage koſten frei 20tes B. Perſien. I. 2. 4 bewirtheten, und ihnen bei ſeiner Abreiſe zwei goldne Becher verehrten, einen dem Sir Anton und den andern dem Perſer. Der Inhalt von Sir Anton's Becher war jedoch beſſer als das Aeußere, da er mit Gold angefuͤllt war. Als er ſeinen Abfſchied von Nuͤrnberg genommen hatte, kam er nach Augs⸗ burg, wo er gut aufgenommen wurde, und von da nach Muͤnchen, wo ihm der Herzog von Baiern große Gaſtereien zu Ehren veranſtaltete. Von Muͤn⸗ chen kam er nach Inſpruck, und von da uͤber Trient nach Rom, an welchen Orten er wohl aufgenommen wurde. Zu Rom veruneinigte er ſich abermals mit dem Perſer, wegen des Rangſtreites, wo ihm Sir Anton offen erklaͤrte, daß er manchmal ſein ſtolzes und un⸗ verſchaͤmtes Benehmen, und mehr, als mit ſeiner Ehre und ſeiner Stellung vereinbar ſei, ertragen habe, blos um die ihnen aufgetragene Unterhandlung zu befoͤr⸗ dern.„Da Ihr iedoch,“ ſagte er,„alles gethan habt, was in Euern Kraͤften ſtand; um ſie zu hintertreiben, da ihr mehr Eurer uͤbermuͤthigen Laune Gehoͤr gege⸗ ben, als die Natur und die Eigenſchaft Eurer Ver⸗ wendung beruͤckſichtigt habt; ſo will ich Euch hierdurch zu verſtehen geben, daß ich Eure Worte, Mienen und Handlungen kuͤnftig genauer beobachten, und unter ſtrengere Aufſicht nehmen werde. Denn Ihr muͤßt wiſſen, daß ich Euer Oberer bin, und daß ich nichts thue, was mir nicht ziemt, ſowohl aus Achtung fuͤr . 171 mich ſelbſt, als in Gemaͤßheit des mir durch dieſe Sen⸗ dung verliehenen Anſehens.“ Der Perſer hieruͤber ſehr aufgebracht, war weder Willens ſich zu fuͤgen, noch hatte er den Muth ſich zu raͤchen. Er trennte ſich in uͤbler Laune, ohne ſich jedoch etwas von ſeinen boshaften Abſichten oder den falſchen Einlispelungen ſeines Gefolges merken zu laſſen, von Sir Anton, und machte ſich nach Perſien auf die Reiſe, indem er waͤhrend ſeines Weges auf alle erdenkliche Mittel ſann, den Sir Anton bei ſeinem Koͤnige zu ver⸗ kleinern. Allein wie Mancher eine Grube fuͤr Andere graͤbt, und ſelbſt hinein faͤllt; ſo brachte dieſer ungluͤckliche Perſer, indem er waͤhnte, Sir Anton das Gift zu ſeinem Verderben bereitet zu haben, ſich ſelbſt den toͤdlichen Trank bei. Denn als er an den perſiſchen Hof zuruͤck kam, und im Beiſeyn des Herrn Robert Sherley dem perſiſchen⸗Koͤnige den ganzen Vorgang ſeiner Reiſe erzaͤhlte, und dabei beſonders mit nei⸗ diſch giftiger Zunge ſeine faͤlſchlichen und erdichteten Anklagen gegen Sir Anton vorbrachte; ſo er uchte Sir Robert Sherley, als er es hoͤrte, mit ſolchen Mienen und Ausdruͤcken, wie ſie ihm ſelbſt und ſei⸗ nem gekraͤnkten Bruder angemeſſen waren, den Ko⸗ nig ehrerbietig, dieſem Vortrage nicht Gehoͤr zu ſchen⸗ ken, und ihm zu erlauben die Vertheidigung ſeines Bruders zu uͤbernehmen. Als ihm dieſes zugeſtanden wurde, ſo fing er den Perſer ſo in ſeinen Reden, und 172 theſchaͤmte ihn dermaßen, daß er fuͤr ſchuldig befun⸗ den wurde, wider ſeinen Auftrag gehandelt, ſich in dieſer wichtigen Sache mit Hinterliſt und auf eine die Ehre ſeines Koͤnigs ſchmaͤlende Weiſe benommen, und hierdurch die Ausfuͤhrung eines ſo wichtigen Ge⸗ ſchaͤftes gefaͤhrdet zu haben. Da uͤbrigens die gegen Sir Anton Sherley oorgebrachten Beſchuldigun⸗ gen von Bosheit und nicht von der Wahrheit zeugten; ſo wurde er am Ende von dem Koͤnig verurtheilt, daß thm in Gegenwart Robert Sherley's die Haͤnde abgehauen, und die Zunge aus dem Halſe geſchnitten werden ſollte. Als Letzterer gefragt wurde, was er noch mehr zur Genugthuung fuͤr ſeinen Bruder gethan haben wolle; ſo antwortete er, daß er kein Vergnuͤgen daran faͤnde, ihn zu martern, daß das bereits Geſche⸗ hene mehr ſei, als er ſelbſt zugeben moͤchte, und daß eer jetzt fuͤr den elenden Perſer bitten wolle, da ihm, wie er vermuthe, in ſeiner Lage kein groͤßerer Gefallen seſchehen koͤnne, als daß ſein Kopf das Schickſal ſei⸗ ner Zunge und ſeiner Haͤnde theile. So endigte auf einmal beides, der Sto; und das Leben dieſes un⸗ gluͤcklichen Perſers. XII. Haupft ſt ch. Sir Anton Sherley's Reiſe nach Spanien. Wenn ich das Zeitalter von Sir Anton Sher⸗ ley’s Abreiſe nach England mit ſeinen großen Un⸗ 27 473 ternehmungen vergleiche, ſo zieht es gich zur Ver⸗ wunderung hin, daß weder die natuͤrliche Anhaͤnglich⸗ keit, die ein jeder Menſch fuͤr ſein Vaterland hat, noch der frohe Willkomm und die ehrenvolle Aufnahme, welche ihn dort erwartete, ſeinen Sinn im mindeſten umaͤndern, und ihn von ſeinem vorgefaßten Lieblings⸗ Unternehmen gegen die Tuͤrken abziehen konnten; da es der Hauptzweck ſeiner Bemuͤhungen und Handlun⸗ gen war, die chriſtliche Verehrung zu zeigen, welche er fuͤr ſeine Religion hatte. Eben ſo wollte er ſein Verſpre⸗ chen gegen den Koͤnig von Perſien dadurch erfuͤllen, daß er die Gemuͤther und die Macht der angrenzenden gegen die ottomaniſche Pforte und den Alkoran feind⸗ lich geſinnten Koͤnige beharrlich gegen ſie beide aufzu⸗ regen ſuchte, ſo daß große Hoffnung, und die Erwar⸗ tung vorhanden war, in kurzer Zeit den Glanz des tuͤrkiſchen Reiches verdunkelt, und es in engere Gren⸗ 5 zen zuruͤck gewieſen zu ſehen. Begleiten wir ihn daher einſtweilen nach Spa⸗ nien, wo er am Hofe mit allen Ehrenbezeigungen aufgenommen ward, und nachdem er ſich ſeiner Bot⸗ ſchaft ſowohl, ruͤckſichtlich ſeiner eigenen Angelegen⸗ heit, als ruͤckſichtlich des neu geſchloſſenen und wahr⸗ ſcheinlich fortgeſetzt werdenden Buͤndnißes zwiſchen den beiden beruͤhmten Koͤnigen von Spanien und Eng⸗ land entledigt hatte, wurde ihm ſein Unterhalt vey⸗ doppelt, ihm und ſeinem Gefolge eine praͤchtige Woh⸗ nung angewieſen, und ſie auf das reichlichſte mit Le⸗⸗ 2 174 bensmitteln verſehen, Es fehlte nichts, was zum Ver⸗ gnuͤgen und zur Zufriedenheit des ehrbaren Gaſtes, oder zur Verherrlichung der Macht eines ſo großen Fuͤrſten gereichen konnte. Da Sir Anton aber nicht Willens war, ſich in den Beluſtigungen des Hofes zu vergraben, noch ſich durch die Vergnuͤgungen, die ihm dieſes bluͤhende Koͤ⸗ nigreich darbot; einſchlaͤfern zu laſſen, ſo richtete er ſeinen Sinn mit ſteter Aufmerkſamkeit auf die Erle⸗ digung ſeiner Geſchaͤfte, indem er jede Zeit fuͤr ver⸗ loren hielt, die er nicht in Ueberlegung, Berathung oder Abſchluß der ihm anvertrauten Unterhandlung ſo hinbrachte, daß ſein thaͤtiger Geiſt ſeinem Koͤrper kaum Zeit zur Ruhe ließ. So groß war ſein Verlan⸗ gen, ſowohl ſeinen Bruder auszuloͤſen, den er dem verſiſchen Koͤnige als Geiſel zuruͤckgelaſſen hatte; als und hauptſaͤchlich die chriſtliche Religion in den von den Duͤrken eroberten Laͤndern wieder herzuſtellen, wo jetzt die heiligen Kirchen und die geweiheten Tempel unſers Heilands in Guͤtzentempel und gotteslaͤſterliche Moſcheen Mahomed's verwandelt ſind. Nicht lange nach ſeiner Ankunft in Spanien, er⸗ nannte ihn der Koͤnig zum Ritter des Sankt Jago⸗ Ordens, und zum Kapitain ſeiner Kriegs⸗Galeeren gegen die Tuͤrken. Ein ſo großes Wohlgefallen ſchien er an ſeiner Perſon, wie an ſeinem Vorhaben zu finden, das Sir Auton bei allen ſchicklichen Gelegenheiten auf Das eifrigſte betrieb, und keine Gelegenheit verab⸗ — 175 ſaͤumte, den jungen Koͤnig in ſeiner ehrenvollen Ab⸗ ſicht zu beſtaͤrken, dieſen Krieg zu unternehmen. Waͤhrend ihm ſo viele Ehre von Seite des Ko⸗ nigs von Spanien, und von vielen ſeines hohen Adels erzeigt wurde, fand er ſich von einigen Anderen hin⸗ tergangen, die er aus der Gefangenſchaft befreit hatte. Denn da er durch ſein Verwenden drei Gefangenen gegen Loͤſegeld ihre Freiheit wieder verſchafft hatte⸗ und nun die Bezahlung des Loͤſegeldes erwartete; ſo wurde er zwar von zweien dankbar behandelt, allein der dritte undankbare Schurke brachte ihm, um das Loͤſegeld zu erſparen, einen Gifttrank bei, welcher ſo weit bei ihm wirkte, daß ihm die Haare vom Kopfe und die Naͤgel von den Fingern abfielen, allein doch die beabſichtigte teufliſche Wirkung nicht hatte. Denn er genas in kurzer Zeit, und Gott ſchenkte ihm ſeine vorige Geſundheit wieder. XIII. Hauptſtück. Sir Anton Sherleys Expedition nach der Tuͤrkei und die einem engliſchen Kauf⸗ mann zu Liſſabon erwieſene Freund⸗ ſchaft. Da Sir Anton Sherley's Expedition nach der Tuͤrkei beſchloſſen worden war; ſo wurden große Kriegsruͤſtungen gemacht, uͤberall Soldaten und Ma⸗ 276 troſen ausgehoben, Waffen und Artillerie angeſchafft, Kriegsſchiffe und Galeeren bemannt, und viele bewar⸗ gen ſich um Befehlshaber⸗ und audere wichtige Stel⸗ len. Viele Oberſte, Kapitains und Lieutenants wur⸗ den ernannt, und Sir Anton das Hauptkommando anvertraut. Denn er erhielt ein Patent unterzeichnet, worin er zum General⸗Kapitain der Seemacht er⸗ nannt wurde, die außer den Galeeren und vielen an⸗ dern kleinen Transport⸗Schiffen aus zweihundert groͤſ⸗ ſeren Schiffen beſtand, und dreißigtauſend Mann Sol⸗ daten an Bord hatte. NRachdem auf dieſe Weiſe alles vorbereitet war, begab ſich Sir Anton an den Hof, um Abſchied von dem Koͤnige zu nehmen, welcher unter vielen andern Zeichen und Merkmalen ſeiner Gnade ein Kleinod von großem Werthe, mit dem Gemaͤlde von ſenem Va⸗ ter K. Philipp II. und ſeinem eigenen auf der an⸗ dern Seite, von dem Halſe nahm, und es dem Sir Anton mit dieſen Worten uͤberreichte:„Wenn Ihr dieſes anſehet ſo denket an mich.““ Sir Anto n, der es auf die ehrerbietigſte und dankbarſte Weiſe entge⸗ gen nahm, betheuerte, daß er ſich nur in ſeinem Tode von ihm trennen wuͤrde. 3 Nachdem er ſich hierauf feierlichſt beurlaubt hatte, begab ſich Sir Anton in moͤglichſter Eile nach Liſ⸗ fabon, wo ſeine Armee ſeine Ankunft erwartete, und wo er eine uͤber Erwartung guͤnſtige Aufnahme fand. Alein, da ſich ein guͤnſtiger Wind zu dem Drang ſei⸗ 177 ner Geſchaͤfte geſellte; ſo hielten ihn die nothwendi⸗ gen Anordnungen nicht ſehr lange hier auf. Wir wuͤr⸗ den ihm aber Unrecht thun, wenn wir die große Wohlthat, und die guten Dienſte vergeſſen wollten, die er einem gewiſſen engliſchen Kaufmanne erwies, deſſen Namen und Credit in England hinlaͤnglich be⸗ kannt ſind. Denn Sir Anton war auf allen ſeinen Reiſen immer darauf bedacht, denjenigen zu helfen, die er im Ungluͤck fand, vorzuͤglich ſeinen Landsleuten, wie unter Andern folgendes Beiſpiel beweiſet. Dieſer Kaufmann hatte gegen die ſpaniſchen Zoll⸗ geſetze zwoͤlftauſend Dukaten in Spaniſchen Goldmuͤn⸗ zen eingeſchifft, um ſolche nach England zu ſchik⸗ ken. Da die Zollbeamten und andere koͤnigliche Be⸗ dienten hiervon Kundſchaft erhielten; ſo nahmen ſie ihm die ganze Summe in Beſchlag, weil es von Ob⸗ rigkeitswegen verboten war, und ihnen nach den Ge⸗ ſetzen des Landes der Betrag anheim ſiel. Der Kauf⸗ mann, der uͤber das ſo unerwartet ihn betroffene Un⸗ gluͤck ſehr beſtuͤrzt war, weil ſein Hauptvermoͤgen darin ſteckte, begab ſich mit ſchwerem Herzen zum Sir Anton, dem er ſeine ungluͤckliche, durch dieſen Zu⸗ fall herbeigefuͤhrte Lage vorſtellte, und ihn um die Gunſt erſuchte, ſich mit ſeinem Anſehen zu Wiederer⸗ haltung dieſer großen Summe fuͤr ihn zu verwenden, deren Verluſt wie er wohl wußte, ihn mit Weib und Kindern in das Verderben geſtuͤrzt haben wuͤrde, wo⸗ bei er ihm betheuerte, daß er hierfuͤr uͤber jeden ihm . 1” 178 beliebigen Antheil gebieten koͤnne, und daß er ſich ihm ſo verbunden fuͤhlen wuͤrde, daß er ihn als den Er⸗ halter ſeines Gluͤcks und ſeines Vermoͤgens betrachten werde. Sir Anton, der uͤber des Kaufmanns Ungluͤck vom Mitleiden ergriffen wurde, wußte die Arguswaͤch⸗ ter dieſes Schatzes ſo zu gewinnen, daß er, wie man zu ſeiner groͤßten Ehre und ſeinem Ruhme nach ſagen muß, dieſe große Summe, ohne ſich ſelbſt auch nur das Mindeſte davon zuzueignen bald wieder in den Beſitz des Kaufmanns brachte, welcher gleich Jaſon mit ſeinen Geſellen mit ſeinem goldnen Vließe froͤh⸗ lich heimſegelte. Kurz darauf lichtete Sir Anton bei guͤnſtigem Winde, mit ſeinem Geſchwader die An⸗ ker, und verlor bald die Kuͤſte von Spanien und Por⸗ tugal aus dem Geſicht. Allein wir muͤſſen ihn jetzt aus Mangel fernerer Nachrichten auf der Levantiſchen See ſeinem hoffnungsvollen guten Gluͤck uͤberlaſſen, welches ein ehrenvolles Unternehmen begleitete.“ Im Jahr 4604 wurde dieſer außerordentliche Mann, von dem deutſchen Kaiſer, als Geſandter an den Koͤnig von Maroceo abgeſchickt. Eine kurze Nachricht von dieſer Geſandtſchaftsreiſe iſt in Purchas's Pilgrimme auf⸗ bewahrt und bietet verſchiedene auffallende Zuͤge von Sir Antons Charakter dar:„Um dieſe Zeit Anfangs Oetober,“ ſagt derſelbe,„langte Sir Anton Sher⸗ ley als Geſandter des deutſchen Kaiſers an den Kö⸗ nig von Maroceo iu Saffi an. Sein Gefolge war 179 etwas beſſer, wie das eines Privatmanns, obgleich dem Charakter der Perſon, von welcher er abgeſchickt war, nicht ganz entſprechend. Es waren wenige be⸗ deutende Maͤnner in ſeiner Begleitung, die aus ohn⸗ gefaͤhr 12 Perſonen beſtand. Von jeder chriſtlichen Sprache einen, weil er ſich ruͤckſichtlich der Doll⸗ metſchung vorſehen wollte. Unter dieſen war Edwin Nich, der ſich ſehr vortrefflich benahm, und von dem an allen Orten, wo er hinkam, geſprochen wurde; da er ſeinen Credit nicht in Anſpruch nahm, um Geld aufzuheben und fuͤr ſeine Beduͤrfniſſe auf eine, ſeiner Geburt, ſeinem Stande und ſeinen damaligen Ausga⸗ ben entſprechende Weiſe wohl verſehen war. Sir An⸗ ton, der damals waͤhrend eines Aufenthaltes von vier Monaten zu Saffi den Titel eines Geſandten an⸗ nahm, hielt ein offenes Haus, und lud alle chriſtli⸗ chen Kaufleute taͤglich zum Mittag⸗ und Abendeſſen ein. Um ſeinen eigenen Geldbeduͤrfniſſen zu entſpre⸗ chen, verſchaffte er ſich Kredit bei Juden, Geld fuͤr ihn aufzunehmen, um die Marokkaner zu bezahlen; allein zu fuͤrchterlich hohen Zinſen, faſt fuͤnfzig vom Hundert. Er kaufte auf gleiche Weiſe vom Factor eines Engliſchen Kaufmanns, der mit ihm zu Mittag ſpeiſte, mit zwei oder drei Worten ein Schiff von 160 Tonnen mit ſeiner Ladung aus Waizen beſtehend, in⸗ dem er ihm zweitauſend Unzen in die Hand zaͤhlte, und verſprach, daß, wenn er den Reſt ſeines Geldes binnen 10 Tagen nach ſeiner Ankunft in Marokko nicht erhalten haͤtte, der Kaͤufer ſein Handgeld verlieren ſollte. Allein ehe er hinkam, war Abdelmelech, der einen Kriegszug nach Fetz unternommen hatte, we⸗ gen eines Aufſtandes ſeiner Soldaten zuruͤckgekehrt, und der Koͤnig von Fetz auf Marokko marſchirt, wel⸗ ches etwa vier Tagreiſen davon entfernt iſt, und be⸗ lagerte den Hafen Salen,(Sali*) den er wegnahm, konnte aber das Kaſtell nicht einnehmen. Der Alkade des Schloſſes ſchrieb hierauf dem Muley Boferes, daß, obgleich die Stadt verloren ſei, er doch das Schloß fuͤr ihn erhalten wolle, wenn er ihm dreihun⸗ dert Scheffel Korn ſchicke, um ſeine Leute zu provian⸗ tiren, und eine Verſtaͤrkung von Fuͤufzig Mann Sol⸗ daten. Boferes, der den Platz ungern verlor, und hoͤrte, daß Sir Anton ein Schiff mit Korn gekauft habe, ſchrieb nach Saffi, und bat ihn, das Schiff nach Salen /(Sali) zu ſenden, und dort das Korn fuͤr den Schloß⸗Kommandanten und ſeine Soldaten auszuſchiffen. Sir Anton Willens, dem Koͤnige ei⸗ nen Gefallen zu erzeigen, ſchickte nach dem Kapitain nd dem Kaufmann des Schiffes, bat ſie nach dem Hafen zu fahren, und vermochte ſte, indem er ihnen die Zahlung fuͤr dreihundert Scheßel leiſtete, dorthin zu ſchiffen. Da aber das Kaſtell uͤbergeben war, als ſie hinkamen, ſo ſchiffton der Kapitain und der Kauf⸗ mann, weder das Korn noch die Leute aus, und kehr⸗ ten nach Saffi zuruͤck. Um dieſe Zeit wurden dem Geſandten fuͤnfhundert —— 181 Mann unter dem Kommando von zwei Alkeyden zu ſeiner Bederkung zugeſchickt, und Sir Anton gab jedem der Soldaten einen Turbith(Turban?) zur Auszeichnung; weßwegen ſie ihn ſo verehrten und achteten, daß, als einer der beiden Alkeyden ſich nicht eilen wollte, um den Geſandten nach Marokko zu begleiten, und Sir Anton ſich gerne auf den. Weg gemacht haͤtte, die Soldaten ſich, ihm zu gefallen, uͤber die Langſamkeit des Alkeyden empoͤrten, und zwei ſeiner Bedienten toͤdeten, um ihren Vorgeſetzten anzutreiben. Nach einem viermonatlichen Aufenthalts zu Saffi, wo er ſich ſowohl gegen ſeine Landsleute, als auch gegen die Flammlaͤnder, Franzoſen und Spa⸗ nier außevordentlich freigebig bewies, und von ſeinen Soldaten bewundert wurde, ward er zu Marokko mit großem Pompe empfangen, und erhielt unterwegs, wie auch waͤhrend ſeines Aufenthaltes zu Saffi ge⸗ ſchehen war, mehrere Briefe von dem Koͤnig, der ſeins ehrenvolle Muͤhen, ſeine, durch weltberuͤhmte Aben⸗ theuer zu See und Land gepruͤfte Tapferkeit heraus hob, und keine Arkigkeit unterließ, ſich ſeiner Liebe zu ſichern oder ihm allen Zweifel an einem freundli⸗ chen Empfange zu benehmen. Nach einem zweitaͤgigen Aufenthalte in der Stadt, ließ der Koͤnig Anſtalten zu ſeinem Empfange bei Hofe treffen, zu welchem er ſein Gefolge ſo gut aus⸗ ſtattete, als es die Kuͤrze der Zeit erlaubte, und es ſein Kredit bei den chriſtlichen Kaufleuten, der uͤbri⸗ 182 gens anſehnlich war, zulleß. Denn zwei Spanier wa⸗ ren ſo von ſeinen Verdienſten eingenommen, und durch ſeine Reden mit ſo ſettener Hoffnung von ihm erfuͤllt, daß ſie mit einander wetteiferten, ihm ihre Dienſte anzubieten, und ihn mit Geld zu verſehen. In anſtaͤndiger Begleitung ſeines Gefolges, ritt er nach dem Hof, indem er nicht von ſeinem Pferde ab⸗ ſtieg, wie ſolches ſelbſt die Soͤhne des Koͤnigs gewoͤhn⸗ lich thun; ſondern ritt durch den Mu ſchward, wel⸗ ches die koͤnigliche große Halle iſt, worin ihm die Großen, Edeln und Haͤupter des Volks ihre Aufwar⸗ tung machen, wenn ſie an den Hof kommen, und wohin der Koͤnig nur allein reiten darf. Als er bis zum Koͤnige gekommen war, wurden ſeine Beglaubi⸗ gungs⸗Schreiben mit den Beweiſen des groͤßten Wohl⸗ wollens aufgenommen; und ihm mit aller moͤglichen Achtung nicht allein von dem Koͤnige ſelbſt, ſondern auch von den vornehmſten Beamten und Guͤnſtlingen am Hofe begegnet. Als er aus dieſer Andien; entlaſſen wurde, ward er von den vornehmſten Maͤnnern wieder. zuruͤck nach dem Platze gefuͤhrt, wo er wieder auf ſein Pferd ſtieg. Ohngefaͤhr fuͤnf Tage darauf, als Sir Anton Sher⸗ ley wieder zur Audienz kam, und wieder wie zuvor einreiten wolte, war eine Kette quer uͤber den Ein⸗ gang des Muſchwards geſpannt. Da er merkte, daß dieſes bios geſchehen ſei, um ihm den Weg zu ver⸗ ſperren, ſo wollte er nicht abſteigen, und kehrte un⸗ 183 zufrieden zuruͤck. Da dieſes Boferes hinterbracht wurde, ſo ſchickte er drei ſeiner vornehmſten Alkeyden ab, um die Sache beizulegen. Allein Sir Anton nahm die Beleidigung nicht ſowohl, als ihm ſelbſt, ſondern als der Perſon widerfahren auf, welche er vorſtellte, indem er dem Alkeyden bemerklich machte, daß ſein Herr, der Kaiſer, die ihm augethanene Be⸗ leidigung zu raͤchen im Stande waͤre, und zu raͤchen wiſſen wuͤrde, und daß er ſich nicht fuͤrchte, obgleich er ſich jetzt in Boferes Gewalt befaͤnde. Denn er wiſſe, daß der, in deſſen Dienſte er verwendet waͤre, dem Koͤuig von Marokko ſo weit uͤberlegen ſei, daß er, trotz ſeines Stolzes, von da abgeholt werden koͤnne und fuͤr die geringſte Beleidigung, die ihm wider⸗ fuͤhre, volle Genugthuung erhalten wuͤrde. Die drei Alkeyden ſchoben die Schuld auf des Koͤnigs Thuͤrſte⸗ her, und boten Sir Anton den Kopf deſſelben an, wenn er ihn haben wolle. Nachdem ſie ſo eine Stunde bei ihm zugebracht hatten, um ihn zu beſaͤnftigen und ihn zuruͤckzubringen, ſo wurde der Thuͤrſteher vor ſei⸗ nen Augen derb gepruͤgelt und eingeſteckt, und er nie wieder verhindert, durch den Muſchward einzu⸗ reiten. Waͤhrend ſeines Aufenthaltes zu Marokko, wel⸗ cher fuͤnf Monate dauerte, hatte Boferes und er verſchiedene Privat⸗Konferenzen mit einander, deren Zweck, wie allgemein geglaubt wurde, die Berathung war, wie er ſich gegen ſeine beiden Bruͤder Scheck 184 den Plan, dem tuͤrkiſchen Kaiſer einen großen Streich iu ſpielen, und ihn aus Algier und Tunis zu ver⸗ treiben. Von Marokko reiſ'te Sir Anton Sher⸗ ley ſelbſt außerſt befriedigt, und von dem Wohlwol⸗ len des Boferes begleitet, ab, von dem er zwei portugieſiſche Edelleute fuͤr 150,000 Unzen Silber, welches gegen 40 000 Pfund Sterling betraͤgt, aus der „Gefangenſchaft loskaufte. Dieſe beiden waren beinahe 16 Jahre lang zu Marokko gefangen gehalten wor⸗ den; Einer war der Sohn des Vicekoͤnigs in Oſtin⸗ dien, der Andere aus einem edlen portugjeſiſchen Hauſe. Der Eine erhielt ſein Loͤſegeld dreimal aus Oſtindien geſchickt, um ihn loszukaufen, es wurde aber zweimal von den Englaͤndern, und einmal von den Flammlaͤndern waͤhrend des letzten Krieges weg⸗ genommen. Die andern Bruͤder ließen ihn im Stiche, entweder um das Geld zu ſparen, oder weil ſie ein ſo⸗ großes Loͤſegeld nicht bezahlen konnten. Um ihn von dem Hofe nach Saffi zu begleiten, wurde einer von des Koͤnigs Zeremonienmeiſtern abgeſchickt, dem er bei der Abreiſe den Hut, den er trug, mit einem Ju⸗ welen großen Werthes von ſeinem Kopfe zuwarf, und das Gefolge des Zeremonienmeiſters reichlich beſchenkte. Zu ſeiner Bewachung wurden, da die Wege damals ſehr gefaͤhrlich waren, vierhundert Schuͤtzen unter Kommando des Alkeyden Abdela Sinko, einem vortugieſiſchen Renegaten mit ihm abgeſchickt, welcher und Sidan in der Regierung erhalten ſollte; ſo wie 185 Letztere ehedem ein Chriſt, und ſpaͤterhin ein Maure geworden war. Dieſer Mann begab ſich, aus Ueberredung oder aus dem freiwilligen Wunſche, ſein Vaterland wieder zu ſehen, an Bord des Schiffes, worauf ſich Sir Ed⸗ win Rich befand, und nicht in jenes des Sir An⸗ tons. Das Schiff lichtete ſogleich die Anker und ſe⸗ gelte nach Spanien abz allein der Andere blieb bei Sir Anton im Hafen. Dieſes Verfahren wurde ſo uͤbel aufgenommen, daß fuͤnf von Sir Anton's Leuten, welche wegen einiger Beduͤrfniſſe an das Land geſtiegen waren, in das Gefaͤngniß geworfen, und in Ketten nach Ma⸗ rokko geſchickt, allein nachher doch wieder losgelaſ⸗ ſen wurden. Sir Anton ſchrieb an den Koͤnig, um ſich wegen dieſes Vorganges zu entſchuldigen, da er dieſe neuen Beſchwerden zu beſeitigen wuͤnſchte, ſo gab er der Sache einen Anſtrich, und warrete noch vier Tage auf das andere Schiff, auf welchem der Alkeyde abgefahren war, und wuͤrde hier auf ſeine fuͤnf Leute gewartet haben, wenn er nicht durch einen beſondern Freund am Lande ſchriftlich gewarnt wor⸗ den waͤre, der ihm rieth, nicht ſo lange im Hafen zu verweilen. Denn verſchiedene flaͤmmtſche Kriegs⸗ ſchiffe kreuzten vor demſelben, und wenn eines ein⸗ laufen wuͤrde, wie es oͤfter geſchaͤhe, und dieſe bei⸗ den Edelleute faͤnde, ſie ſich ihrer als guter Priſe be⸗ maͤchtigten, und dann 35,000 Unzen Silber fuͤr ihn zotes B. Perſien. I. 2. 5 verloren ſeyn wuͤrden. Dieſe hatte der Faetor eines Handelsmann dem Sir Anton Sherley geliehen, damit er aus dem Lande kommen konnte, und fuͤr welche die beiden Portugieſen dem Factor dieſe Schuld bei ihrer Ankunft zu Liſſabon bezahlen ſollten. Auf dieſe Nachricht reiſte er ab, und am naͤch⸗ ſten Tage ſchickte ihm Boferes einen Brief mit der Nachricht von der Befreiung ſeiner Leute.„Die nach⸗ folgenden Unternehmungen des Sir Anton Sher⸗ ley ſind nicht aufgezeichnet; allein es erhellt aus Wadsworthsengliſchem und ſpaniſchem Pilgrimme, der im Jahr 1830 heraus kam, daß gegen das Jahr 1625 unter den engliſchen Reſidenten an dem Hofe von Spanien der erſte und vorzuͤglichſte dieſer Sir Anton Sherley war, der ſich ſelbſt einen Grafen des heiligen roͤmiſchen Reichs betitelte, und von ſei⸗ ner katholiſchen Majeſtaͤt eine jaͤhrliche Penſion von zweitauſend Dukaten bezog, was ruͤckſichtlich ſeiner Freigebigkeit ſo viel, als nichts war.“ „Dieſer Sir Anton Sherley,“ ſagt er,„iſt ein großer Raͤnkeſchmied und Projektenmacher in po⸗ litiſchen Angelegenheiten, und unterfaͤngt ſich durch Kriegeliſten zur See ſein eigenes Vaterland in das Verderben zu ſtuͤrzen. Eine genaue Er aͤhlung ſeiner Thaten wuͤrde einen ganzen Band ausfuͤllen.“ Auf was Sir Wadsworth in der letzten Stelle anſpielt, können wir nicht errathen. Allein eine ſo aubeſtimmte Beſchuldigung verdient keine Beachtung, 187 1 da ſie von einem Manne herkommt, der ſelbſt nur ein bigotter Menſch war, deſſen Anſehen in Wuͤrdigung der Motive und des Beuehmens eines Mannes von ſolchem heroiſchen Schlage, wie Sir Auton Sher⸗ ley war, nur von geringem Gewichte ſeyn kann. Die Ehre, welche dem Sir Anton erwieſen wurde, und die Wichtigkeit, die man außer Landes auf ſeine Perſon legte, erregten das Mißvergnuͤgen, oder viel⸗ mehr den Neid K. Jacob l. zu Hauſe, der ihm be⸗ fahl, nach England zuruͤck zu kehren— ein Befehl, dem Sherley nicht nachzukommen f?e gut fand. Nach Graininger ſtarb er 1630 in Spanien. So lautet die Geſchichte dieſes fuͤrſtlich geſiunten Edelmanns, ſo weit wir ſolche zu ſammeln im Stande geweſen ſind. Er ſcheint beſonders zu heldenmuͤthigen Abentheuern geſchaffen geweſen zu ſeyn. Geboren in einer Periode, in welcher der Geiſt des Ritterthums noch nicht in dem Lande ausgeſtorben war, verband er kuͤhnen Muth mit politiſchen Kenntniſſen und den Eigenſchaften eines Staatsmauns. Bei einem eruſten imponirenden Aeußern, und einem wuͤrdevollen gebie⸗ tenden Beuehmen, beſaß er ein beſonderes Vermogen, ſich die Liebe der Menſchen zuzueignen. —— Zweites Buch. Sir Robert Sherley. I. Hauptſtück. Kurze Nachrichten uͤber Sir Robert, bis zu Sir Antons Abreiſe von Ispahan. Der naͤchſte Sproſſe des alten Hauſes der Sher⸗ ley's, mit deren Schickſalen wir uns hier beſchaͤfti⸗ gen, iſt Sir Robert Sherley ein Edelmann, deſ⸗ ſen Begebenheiten nur von weniger außerordentlicher Art, als die ſeines Bruders des Sir Anton'’s ſind. Deßwegen, und weil ſie in einer innigeren Verbin⸗ dung mit der vorhergehenden Erzaͤhlung, als die ſei⸗ nes aͤlteren Bruders, des Sir Thomas Sherley ſtehen, beſtimmten wir uns, ihn, obgleich er der füngſte der Geburt nach iſt, nach ſeinem aͤlteren Bru⸗ der in hiſtoriſcher Ordnung folgen zu laſſen. Nigolls ſetzt, in ſeinem Stammbaume der Sherleys, deſſen Geburt auf das Jahr 1864 feſt, 189 welcher Datum jedoch als irrig anzunehmen iſt. Denn nach der Inſchrift eines Kupferſtichs von Sir Ro⸗ bert Sherley ſcheint es, daß er am 28. Septem⸗ ber 1609 in ſeinem 28. Lebensjahre nach Rom kam, welches ſein Geburtsjahr auf 1584 ſetzen wuͤrde; was ſich auch durch die Aeußerungen des Sir Anton's in der Beſchreibung ſeiner Reiſe nach Perſien beſtaͤti⸗ get findet. In der That behandelt Sir Anton den Sir Ro⸗ bert durchaus als einen Juͤngling, dem ſein Bruder bei ſeiner Abreiſe aus Perſien beſondere Verhaltungs⸗ Vorſchriften, ruͤckſichtlich ſeiner Studien und ſeines Benehmens gab. Auch Sir Robert, wenn er von ſich in dieſem Zeitpunkte ſpricht, ſagt, daß ſeiner Jahre nur wenige geweſen ſeien. Auf der andern Seite fuͤhrt Herbert, der, als er 1627 ſtarb, bei ihm war, in ſeiner Reiſebeſchreibung an, daß er alt, und zu ferneren Dienſtleiſtungen unfaͤhig, auch zur Zeit ſeines Todes nicht uͤber ſein letztes Stufenjahr hinaus geweſen waͤre. Es iſt ſchwer, Herbert's Bemerkung mit unſern Muthmaßungen in Ueberein⸗ ſtiamung zu bringen, wenn wir nicht annehmen, daß ihn das morgenlaͤndiſche Klima fruͤhzeitig gealtert habe. Wenn die Inſchrift auf dem Kupferdruck ei⸗ nige Glaubenswuͤrdigkeit verdient, ſo iſt die Frage entſchieden; allein angenommen, ſie ſei irrig, ſo iſt doch auch hin aͤnglicher Grund vorhanden, einen ſpaͤ⸗ tern Datum fuͤr ſein Geburtsjahr anzunehmen als 1564. 8 190 Es iſt außer Zweifel, daß er mit ſeinem Bruder 1599 nach Perſien ging, und daß er nicht zum Reichsgrafen ernaunt wurde, ebe er nach Perſien ging, da das Deeret dieſer Ernennung von 1609 datirt iſt. Der Irrlhum liegt, wie wir glauben, darin, daß Sir Anton und Sir Robert mit einander verwechſelt wurden, da der Erſte ſeine oͤffentliche Laufbahn um die Zeit be⸗ ginnt, die dem Sir Robert angewieſen wird, wo er ſich auf Reiſen begeben haben ſoll, und wirklich im Jahre 1604 von dem Kaiſer als Geſandter ver⸗ zvendet wurde. Es kann daher wenig Zweifel uͤbrig bleiben, daß die Reiſe nach Perſien das erſte Unternehmen war, an welchem Sir Robert Sberley Cheil nahm. Der Leſer wird ſich erinnern, daß Sir Anton ſeinen Bruder dem Schach Abbas, welcher ihn, wie zuvor gemeldet wurde, bat, daß er bei ihm bleiben inoͤchte, als Geiſel zuruͤck ließ. Als dieſes Erſuchen an den Sir Anton geſtellt wurde, hielt er fuͤr noth⸗ wendig, etwas zu Gunſten ſeines Bruders zu ſagen, wovon er in ſeinem Reiſeberichte Nachricht gibt. Sir Anton haͤlt hier den guten Eigenſchaften ſeines Bruders eine Lobrede, wie er empfaͤnglich fuͤr jegliches Gute geweſen, ſich von fruͤher Jugend an guszubilden, und gegen die Stuͤrme des Schickſals auszuruͤſten geſtrebt habe, und einen ehrenvollen Ruf dem Ueberfluſſe und den Reichthuͤmern vorgezogen; 191 daß er von dem Glanben beſeelt geweſen ſei, ſeinem Bruder durch ſein Verweilen bei dem Koͤnige von Perſien gute Dienſte zu leiſten, und den letztern in ſeinem Vorhaben zu beſtaͤrken, und etwaige Vorgaͤnge, welche ſich in ſeiner Abweſenheit zutragen koͤnnten, dazu zu benutzen, ihn hierin beharrlicher zu machen⸗ oder den Einfluß ſolcher abzuwenden, die ihn in ſei⸗ nen Entſchluͤſſen erkaͤlten konnten. Er habe ſich dem⸗ nach mehr aus Liebe zu ihm, und um den Ausgang der Dinge zu ſehen, als aus andern Gruͤnden zu blei⸗ ben entſchloſſen. Er aͤußerte ſich demnach in dem Sinne gegen den Koͤnig, daß er es zwar als ein Ungluͤck betrachte, ſich von ſeinem Bruder trennen zu muͤſſen, da er aber ſei⸗ nen Bruder bei ſich zu behalten wuͤnſche, ſo wolle er ihm noch eine fernere Veranlaſſung geben, ſie zu lie⸗ ben. Er bliebe im Bewußtfeyn, recht zu handeln und nicht der ihm verheißenen koniglichen Freigebig⸗ keit halber, daß er vielmehr keine hoͤhere Gunſt ver⸗ langen werde, als er ſich durch ſeine Verdienſte er⸗ wuͤrbe. Da er ihn allein zuruͤck laſſe, ſo traue er Sei⸗ ner Majeſaͤt zu, daß er nie vergeſſen werde, ihn als Edelmaunn zu behandeln, der ſich freiwillig in ſeine Dienſte begeben habe. Fuͤnf Leute von dem Gefolge des Sir Anton blieben bei ſeinem Bruder an dem perſiſchen Hofe⸗ wo ſie ſich einer hohen Gunſt zu erfreuen hatten. 192 4 Allein da zwei Jahre verfloſſen, und noch immer keine Nachricht von der wichtigen Geſandtſchaft anlangte; ſo begann Schach Abbas den Sir Robert mit min⸗ der guͤnſtigen Blicken anzuſehen, als vorher. Die Kaͤlte des perſiſchen Koͤnigs war jedoch nur voruͤber⸗ gehend, da es Sir Robert nicht allein gelungen war, ſich bei ſeiner Majeſtaͤt wieder in Gunſt zu ſetzen; ſondern auch Gewiſſensfreiheit fuͤr alle Chriſten im perſiſchen Reiche zu erwirken. Die erſte oͤffentliche Verwendung, womit Schach Abbas den Sir Ro⸗ bert beehrte, geſchah in ſeinen Kriegen mit den Tuͤr⸗ ken, wovon uns einige Umſtaͤnde in einem Bruchſtuͤcke einer Handſchrift aufbewahrt ſind, welche wir hier anfuͤhren wollen. II. Hauptſtück. Von des Sir Robert Sherley's Verwen⸗ dung in dem Kriege der Perſer gegen die Tuͤrken nach des Sir Antons Abreiſe; von ſeinen Siegen und ſeiner Heirathmit einer Baſe des perſiſchen Koͤnigs. Nach ſeines Bruders Abreiſe wurde Sir Robert Sherley General, und nahm die erſte Stelle in der perſiſchen Armee gegen die Duͤrken ein, worin er ſich ſo tapfer benahm, daß ihm die Perſer eine Lorbeer⸗ Krone fuͤr den Sieg zuerkannten. Denn nachdem er 193 ſich bewaffnet, und zum Gefecht fertig gemacht hatte, nahm er eine Streitaxt, machte ſelbſt einen ſo furcht⸗ baren Angriff, und trieb die beſtuͤrzten Feinde ſo zu⸗ ruͤck, daß ſeine Soldaten ſeinen Muth nachahmend, alle Feinde niedermetzelten, und nur einige dreißig der Haupt⸗Anfuͤhrer am Leben ließen. Dieſe fuͤhrte er, nachdem er ſie gefangen genommen hatte, im Triumph zum Koͤnige, und ſchickte gleich dem Tuͤrken einen Botſchafter mit einem Briefe des Inhalts; daß er uͤber das Leben dieſer dreißig gebieten koͤnne, und ſie ohne Gefahr und Loͤſegeld ſicher ausgeliefert haben ſollte, wenn er einen, den er gefangen halte, los⸗ laſſe. Er meinte naͤmlich den Sir Thomas, ſeinen Bruder, der damals von ihnen gefangen gehalten wurde. Allein der Neid, der an der Spitze des tuͤr⸗ kiſchen Schwertes haͤngt, fachte ſie ſo zur Rache an, daß ſie ſein Anerbieten nicht annahmen, und ihm ſa— gen ließen, daß er mit den Gefangenen machen koͤnne, was er wolle. Nebſtdem ihm auch trotzige Worte zu⸗ ſchickten, und ihm droheten, daß die Sonne nicht zweimal uͤber ihn aufgehen ſollte, daß ſie ihn nicht mit Schrecken aufwecken, und ihn mit ſeiner ganzen Sippſchaft in Staunen und Beſtuͤrzung ſetzen wuͤrden. Es haͤtte Sir Robert Sherley wohl ab⸗ ſchrecken koͤnnen, ſo ploͤtzlich wieder zu den Waffen gerufen zu werden, da er wohl wußte, daß ſeine Leute ſchwach, muͤde, und von dem letzten ſiegreichen Ge⸗ fecht abgemattet waren, und in Betracht der gerin⸗ 194 geren Staͤrke ſeiner Armee, indem die Duͤrken immer dreimal hundert tauſend Mann in Bereitſchaft hatten. Allein jener Ehrgeitz, den er ſich bei allen ſeinen Handlungen zum Ziele ſetzte, ließ ihn alle Furcht und Verzagtheit bei Seite ſetzen. Denn er hatte nicht ſo⸗ bald die Nachricht von den Drohungen der Duͤrken vernommen, und die Weigerung ſeines freundlichen Auerbietens, als er dieſen dreißig tuͤrkiſchen Anfuͤh⸗ rern die Koͤpfe abſchlagen, und ſie nach der perſiſchen Sitte auf den Piken ſeiner Soldaten im Triumph an dem Marktplatz herum tragen ließ, und in ſeinem Zorne ſchwur, daß dieſer Tag dem Feinde verderblich werden ſollte, indem er entſchloſſen ſei, als Sieger wiederzukehren, oder im Felde zu bleiben. Er ordnete demnach ſeine Soldaten in aller Eile zur Schlacht, die, als ſie den Feind erblickten, wohl muthmaßen konnten, daß ihrer zehen gegen Einen ſeien, was ſei⸗ nen Leuten ſehr den Muth benahm. Als er dieſes gewahr wurde; ſo fing er an, ſie auf folgende Weiſe zu ermuthigen: „Wuͤrdige Krieger und Soldaten Perſiens! ich brauche Euch nicht in einer langen Rede erſt Muth einzufloͤßen, und ſo Oel in die Flammen zu gießen, oder ein ungezuͤgeltes Roß zu ſpornen. Eure fruͤhere tapfere Entſchloſſenheit, die Ihr ſowohl in der letz⸗ ten, als in vielen andern Schlachten bewieſen habt, gibt mir die Verſicherung, daß, wenn die Feinde noch um vieles ſtaͤrker waͤren, wir doch bei der guten und gerech⸗ — 195 ten Sache unſeres Kampfs, und bei dem wahren Muthe, mit welchem wir beſeelt ſind, ohngeachtet der Ungleichheit an Staͤrke, wie wir bisher gethan haben, obſiegen werden. Da es vorzuͤglich meine Ehre be⸗ trifft; ſo will ich der Vorderſte in der Schlacht ſeyn, wenn mir der Tod nicht ein ehrenvolles Ende berei⸗ tet. Ich werde heute Eurer Hochherzigkeit zum Vor⸗ bild dienen, und meine Thaten ſollen ein Beiſpiel fuͤr Euch abgeben. Draͤngt Euch nur ſo weit vorwaͤrts, wie Euer General, und dann, muthige Krieger, wird der Sieg unſer ſetn.“ Hiermit ergriff er ſeine Streit⸗Axt, machte ſein Viſir herab, gab ſeinem Pferde die Sporne, und ſtuͤrzte alſo wuͤthend auf den Feind ein. Seine Sol⸗ daten folgten mit ſolcher verzweifelten Entſchloſſenheit, daß die Tuͤrken uͤber ſeine Tapferkeit beſtuͤrzt wurden. Denn er ſprengte wie ein Loͤwe durch die Truppen, und machte alles nieder, was ſich ihm entgegen ſetzte. Als dieſes die Feinde wahrnahmen, und welches Ge⸗ metzel er unter ihnen anrichtete, entflohen viele; viele warfen die Waffen weg, und ergaben ſich; die Uebri⸗ gen aber wurden ohne Unterſchied niedergemacht. Bei dieſer zweiten Niederlage der Tuͤrken erhielt er aber⸗ mals ihrer dreißig der vornehmſten am Leben, und machte den Tuͤrken das gleiche Ausloͤſungs⸗Aner⸗ bieten. (Hier endigt die Handſchrift.) 196 III. Hauptſtück. Geſandtſchaftsreiſe nach England. In einem ſeiner Gefechte mit den Duͤrken erhielt Sir Robert drei Wunden. Seine Dienſte blieben nicht unbeachtet. Er ſetzte ſich immer mehr und mehr bei Schach Abbas in Gunſt, und deſſen Gnaden⸗ Bezeigungen vermehrten ſich immer mehr und mehr. In einem von dem perſiſchen Monarchen zu ſeinen Gunſten erlaſſenen Gnadenbriefe heißt es:„Das Brod dieſes Mannes iſt fuͤr ſechszig Jahre gebacken.“ Als einen weitern Beweis ſeines Zutrauens, und ohn⸗ geachtet des uͤblen Erfolgs der fruͤheren Geſandtſchaft, entſchloß ſich Schach Abbas, ihn mit dem Charakter eines Geſandten zu bekleiden, und ihn an mehrere Fuͤrſten der Chriſtenheit abzuſchicken, wahrſcheinlich in der Abſicht, ſie zu einem Buͤndniß gegen die uͤr⸗ ken zu vereinigen. Ueber den Erfolg dieſer Geſandt⸗ ſchaft des Sir Robert beſitzen wir nur unvollſtaͤn⸗ dige Nachrichten. Wahrſcheinlich verließ er Perſien in der letzteren Haͤlfte des Jahrs 1608, oder im Fruͤh⸗ linge 1609. Er ging zuerſt nach Polen, wo er vom K. Sigismund Ill. ſehr ehrenvoll aufgenommen wurde, wie aus einer kleinen Flugſchrift zu ſehen iſt, welche 1609 erſchien, und Nachricht von ſeiner Auf⸗ nahme daſelbſt gibt. Im Juni deſſelben Jahres war er in Teutſchland, und erhielt den Titel eines Pfalzgrafen, nachdem er ——— 197 zuvor die Ehre gehabt hatte, von Paul V. zum Grafen des heiligen Palaſtes im Lateran und zum Kammerherrn eernannt zu werden, mit einer ſonderbaren, und wie es ſcheint, ſehr eintraͤglichen Gewalt, alle Baſtarde zu legitimiren, woruͤber Purchas die Bulle geſehen zu haben vorgibt. Das Patent iſt vom 2. Juni 1609 datirt, und vom K. Rudolph Il. untergefertigt. Es ſagt, daß Sir Anton Sherley und andere als Geſandte von Perſien an den Kaiſer abgeſchickt worden ſeien, und ſchließt damit, den Sir Robert zum Ritter des roͤmiſchen Reichs zu ernennen, und ihn mit dem Titel eines Pfalzgrafen zu beehren, mit gleicher Gewalt und Vorrechten, wie die eines Sou⸗ verains, mit der Gewalt oͤffentlicher Notarien zu er⸗ nennen, Baſtarde(die Kinder großer Fuͤrſten, Grafen und Barone allein ausgenommen) zu legitimiren, und unehrliche, durch Geſetz und Faetum wieder ehrlich zu machen. 4 Aus erwaͤhnter Druckſchrift erhellt, daß Sir Ro⸗ bert ſeinen offentlichen Einzug zu Rom zuerſt in nachfolgendem September hielt. In der Folge ging er nach Spanien. Erſt 1611 kam er nach England, und wir muͤſſen aus Mangel an Nachrichten uͤber die Zwiſchenzeit hinweggehen. Unſer ehrlicher John Stow muß hier den Faden der Erzaͤhlung wieder auffaſſen. Nachdem er das Erwaͤhnte angefuͤhrt und erzaͤhlt hat, daß Schach Abbas den Sir Robert mit Thereſia, der Tochter von Ismi Hawn, Fuͤrſten der Stadt von Hireaſſia⸗Major vermaͤhlt habe, faͤhrt er in der Erzaͤhlung deſſen fort, wovon er wahrſcheinlich beſſer unterrichtet war, als von den Umſtaͤnden, womit er ſeine Erzaͤhlung beginnt.„Die Perſer“, faͤhrt er fort, verwendeten ihn bei verſchie⸗ denen Fuͤrſten Europas, und ſchickten ihn auf einer beſondern Geſandtſchaft nach England unter dem Koͤnig Jakob, wo er im Sommer 4641 anlangte, und am zweiten naͤchſtfolgenden Oktober eine Audienz zu Hampton⸗Court erhielt, in welcher er ſeine Be⸗ glaubigungsſchreiben uͤberreichte, und ſein Creditiv zeigte, in welchem des perſiſchen Schachs große Liebe und Ergebenheit zu Seiner Majeſtaͤt, ſein herzliches Verlangen, Freundſchaft mit dem Koͤnig von Groß⸗ britanien zu halten, und das Erbieten eines freien Handels aller engliſchen Unterthanen, durch das ganze perſiſche Reich ausgedruͤckt waren. Graf Sherley wurde mit der, einem Geſandten gebuͤhrenden Achtung aufgenommen und geehrt. Er brachte ſein Weib Thereſe mit, welche damals ſchwanger war, und kurz darauf einen Sohn gebar, deſſen Gothe die Koͤnigin, und deſſen Taufpathe Prinz Heinrich war, der das Kind nach ſeinem ei⸗ genen Namen benannte. Der Geſandte blieb uͤber ein Jahr in England, und nachdem er von dem Koͤnige huldreiche Briefe an den Schach von Per⸗ ſien erhalten hatte, wurde ihm zu gleicher Zeit auf ſeiner Majeſtaͤt Befehl ein gut geruͤſtetes Schiff an⸗ 1⁰9 gewieſen, um ihn, ſein Weib und ſeine Dienerſchaft nach Oſtindien zu bringen, und ihn ſo nahe, als moͤg⸗ lich, der perſiſchen Grenze an das Land zu ſetzen. Da⸗ ſelbſt ſollten ſie dem Geſandten, wenn er das Schiiff verließe, fuͤnf hundert Pfund Sterling baares Geld, um die Unkoſten ſeiner Reiſe zu Lande zu beſtreiten, zuſtellen, und ihm ferner alle moͤgliche Freundſchaft erweiſen. IV. Hauptſtück. Ruͤckkehr nach Perſien. Sir Robert Sherley ſchiffte ſich im Monat Januar 1612 zu Dover ein, und ließ ſeinen Sohn Heinrich in England zuruͤck. Kapitaͤn⸗Thomas Powel von Hertfordſhire, den der Koͤnig jetzt zum Ritter ergaunte, begleitete den Geſandten auf ſeiner Her⸗ und Hinreiſe. Er war Oberſt von 700 Reitern unter den Perſern, und heirathete damals eine Englaͤnderin, die mit ihm ging. Kapitaͤn New⸗ port wurde zum Schiffskapitaͤn uͤber das Trausport⸗ ſchiff des Geſandten und ſeines Gefolges erwaͤhlt, und da ſeine Reiſe ſich vor andern ausgezeichnet, ſo habe ich ihrer in der Kuͤrze erwaͤhnt. Sie fuhren an den, Kanariſchen Inſeln vorbei, und langten im April an dem Vorgebirge der guten Hoffnung, wo ſie friſches Waſſer und 200 Lebensmittel einnahmen. Von dort ſegelten ſie nach der großen Inſel St. Laurenz, ehedem Madagas⸗ men, und fuhren nach der Inſel Mohelia, wo ſie ſich mit allen Arten von koſtbarem Fleiſche und deli⸗ katen Fruͤchten verſahen. Dieſes iſt einer der ange⸗ nehmſten und fruchtbarſten Plaͤtze der Welt. Sie ſe⸗ gelten hierauf nach der Stadt Dophar in dem gluͤck⸗ lichen Arabien, wo ſie wegen des außerordentlich ſchlechten Wetters gezwungen wurden, acht und zwan⸗ zig Tage liegen zu bleiben, und von hier dann nach der Muündung des perſiſchen Meerbuſens, wo ſie den Geſandten zu landen beabſichtigten. Da ſie aber den Platz ſehr unbequem hierzu fanden„ ſegelten ſie nach Godel, wo ein aufwiegleriſcher Herzog*), der Per⸗ ſer mit ſeiner Armee lag, verraͤtheriſcher Weiſe den Geſandten uͤberfallen, und das Schiff mit den Kauf⸗ leuten, ihren Gutern und Allem wegnehmen wollte. Allein des Herzogs Verraͤtherei wurde durch einen per⸗ ſiſchen Eremiten entdeckt, und die Englaͤnder hier⸗ durch auf eine wunderbare Weiſe aus einer außeror⸗ „dentlichen Gefahr gerettet. Hier ſchifften ſie ſich aber⸗ mals ein, und kamen zu dem Fluſſe Synde, wo Kapitän Newport den Geſandten und den Sir Thomas Powel mit ihren Weibern und ihrem kar genannt, wo ſie wieder friſches Waſſer einnah⸗ —— 201 ganzen Gefolge, das ſich in England mit ihm einge⸗ ſchifft hatte, wohlbehalten an das Land ſezte, und wo ſie von dem Gouverneur und den Einwohnern des Lan⸗ des bewillkommt wurden, welches Land jetzt dem Groß⸗Mogul an der Grenze von Perſien ge⸗ hoͤrt.“ V. Haup ſe u ck. Zweite Reiſe nach England. Im Jahr 1628 kam Sir Robert Sherley abermals als Geſandter des Schachs Abbas nach Eng⸗ land. Sir John Finnet, Zeremonien⸗Meiſter K. Jakob's I., macht eine unterhaltende Beſchreibung von ſeiner Aufnahme an dem engliſchen Hofe und von der Veranlaſſung ſeiner Abreiſe.„Am 19. Jauuar 1623— 4. nachdem ich den Befehl des Lords⸗Kammer⸗ herrn empfangen hatte, begab ich mich nach New⸗ market, um den Sir Robert Sherley der als Geſandter des Koͤnigs von Perſien gekommen war, zur Audienz zu begleiten, welche er auf Befehl ſeiner Majeſtaͤt dort haben ſollte, als ſeiner Wohnung zu Saxham, dem Orte, wo er nach ſeiner Landung und langen Reiſe ſeine erſte Ruheſtation hatte„ nahe gele⸗ gen, und von wo mich ſeine Schweſter, Lady Crofts erſuchen ließ, ihm Zutritt bei Seiner Majeſtaͤt zu ver⸗ ſchaffen. Sobald er an den Hof gekommen war, ſchickte ich ihm meinen Bedienten, mit der Nachricht z0tes B. Peeſten. I.. 6 von meiner Ankunft, um ihm zu dienen, und nachdem ich ſeine Antwort erhalten hatte, worin er mir ſein Verlangen ausdruͤckte, befoͤrdert zu werden, um baldigſt zuruͤckkehren zu koͤnnen, benachrichtigte ich den Her⸗ zog von Buckingham und den Sekretaͤr Conway, von der Urſache meiner Ankunft und der Empfehlung, welche ich vom Lord Kammerherrn an ihn hatte, mit dem Erſuchen mir ferner Verhaltungsbefehle zu geben. Den 21. Januar wurde ich mit des Koͤnigs Kutſche, und nur fuͤnf Gentlemens(koͤnigliche Diener) nach Saxham geſchickt, und da ich nach Mitternacht eine Staffette vom Herzog erhielt, daß der Koͤnig die Au⸗ dienz auf den Nachmittag des naͤchſtfolgenden Tases anberaumt habe, und wuͤnſche, daß ich den Geſandten gegen zehn Uhr Vormittags hinbringe, ſo langten wir dieſem Befehl zufolge mit drei Kutſchen, außer der Koͤniglichen am Hofe an, wo, nachdem ich ihn ſo⸗ gleich in des Koͤnigs geheimes Kabinet gefuͤhrt hatte, welches in Abweſenheit Seiner Hoheit ausdruͤcklich fuͤr den Geſandten behangen worden war, er durch den Grafen von Angleſea abgeholt, durch das Privat⸗ zimmer und ein anderes Zimmer, wo er den Herzog traf, in des Koͤnigs Schlafzimmer gefuͤhrt wurde. Nachdem er hier ſeine erſten Verbeugungen mit dem Turban auf dem Kopfe gemacht hatte, da ſeine Kleidung ganz perſiſch war, nahm er ihn hierauf bei der dritten ganz ab, und legte ihn zu des Koͤnigs Fuͤſſen nieder, worauf er ſeine Anrede knieend hielt, 203 bis ihn der Koͤnig bat, auftzuſtehen und ſich zu bedek⸗ ken, was er that, und ſeine Beglaubigungs⸗Schreiben uͤberreichte, die in xerſiſcher Sprache geſchrieben wa⸗ ren, und daher aus Mangel eines Dolmetſchers, de⸗ ren man keine in England fand, nicht verſtanden wer⸗ den konnten. Nachdem ihm der Koͤnig hierauf in huldvollen Ausdruͤcken und Mienen geant vortet hatte, kehrte er in derſelben Begleitung, wie er gekommen war, nach der, ihm vom Koͤnig angewieſenen Woh⸗ nung zuruͤck, worauf ſich der Sekretaͤr Conway zu ihm begab, und ſich eine Stunde lang mit ihm uͤber ſeine zu machenden Antraͤge unterhielt,(die er ein wenig zuvor ihm und dem Hexrzog ſchriftlich mitge⸗ theilt hatte) und hierauf kehrte er nach Saxham zuruͤck. Sir Robert erhielt unter dem 14. Februar eine abermalige Audienz bei dem Koͤnig in St. James, zu welcher er durch die Koͤniglichen Kutſchen einge⸗ holt worden war. Als er in die Naͤhe des Koͤnigs kam, der mit un⸗ bedecktem Haupte da ſtand, fiel er auf die Knie, wurde aber ſogleich von Seiner Majeſtaͤt aufgehoben, wo er auf den Inhalt ſeiner Botſ aft zu ſprechen kam. Nachdem er denſelben dem Koͤnig zur Erwagung ſchriftlich uͤberreicht hatte, zog er ſich zuruͤck, wie er eingetreten war, und begab ſich dann nach Hauſe. Ebenſo erhielt er am 13. April 1628 eine feierliche Audienz bei dem Koͤnige in Towerhill. * 204 Gegen die Mitte des Februars 1625— 6, nachdem die Kaufleute der Oſtindiſchen Kompagnie Seiner Majeſtaͤt die Anzeige gemacht hatten, daß ein lang fuͤr verloren gehaltenes, und zu Portsmouth ange⸗ langtes Schiff, einen Geſandten des Koͤnigs von Per⸗ fien mitgebracht habe, erhielten ſie die Koͤnigliche Kut⸗ ſche, worin ſich der Graf von Warwick als Zere⸗ monienmeiſter und andere koͤnigliche Diener befanden, um ihn zu Kingſton zu bewillkommen, und nach London zu bringen. Mit affeetirten Ehrenbezeigun⸗ gen, die weit uͤber das gingen, was man dem andern perſiſchen Geſandten Sir Robert Sherley erwie⸗ ſen hatte, hatten dieſe Kaufleute es dahin gebracht, daß die verſchaffte Kutſche zur Herabſetzung des Letztern vorzugsweiſe mit acht Pferden beſpannt wurde. Er kam den 19. Februar nach London, und ward auf Koſten der Kaufleute in die Wohnung des Aldermans Holliday einlogirt. Nach Verlauf von zwei Tagen hielt er um eine Audienz an, und es wurde ihm der folgende Faſtnachts⸗Dienſtag hierzu anberaumt. Da Sir Robert Sherley und ſeine Freunde ein Kom⸗ plot der Kaufleute vermutheten, weil ſie ſich ſo ſehr mit der Audienz beeilten, um ſeine Wiedererſcheinung bei Hof dadurch zu beſeitigen, und den Koͤnig mit den Nachrichten des neuen Geſandten gegen ihn einzuneh⸗ men, ſo bat er den Grafen von Cleveland, wel⸗ cher eine ſeiner Nichte geheirathet hatte, ihn auf ei⸗ nem Bewillkommungs⸗Beſuch zu begleiten, den er 205 dem Geſandten abſtatten wolle, um ſich ihm wegen ſeiner eigenen Eigenſchaft als Geſandter von demſel⸗ ben Koͤnig, fuͤr den er unter dieſem Titel hier ſo lange unterhandelt hatte, zu verſtaͤndigen. In dieſer Abſicht wendete ſich der Graf von Cle⸗ veland an den Lord⸗Kammerherrn, um durch ſeine Verwendung vom Lord Conway, dem erſten Sekre⸗ taͤr die Beglaubigungs⸗Briefe an den Koͤnig Jakob fuͤr den Sir Robert Sherley zu erhalten, welches der Lord Kammerherr jedoch zu thun ſich weigerte, da es wie er ſagte, nicht zu ſeinem Amte gehoͤre. Von ihm ging der Graf von Cleveland zum Herzoge von Buckingham, und erwirkte fuͤr den Lord Conway durch ſeine Verwendung von Seiner Ma⸗ jeſtaͤt die Erlaubniß, ſolche dem Geſandten Sher⸗ ley zu ſeinem Gebrauch und zur Einſicht mitzutheilen, damit er den andern Geſandten dadurch uͤberzeugen koͤnne. Nachdem Lord Cleveland ſie erhalten hatte, begab er ſich den Morgen des Tages, an dem der neuangekommene Geſandte Nachmittags mit der kö⸗ niglichen Kutſche und ſieben oder neun Bedienten zur Audienz fahren ſollte, zu Sir Robert Sher⸗ ley in ſeine Wohnung in Towerhill, wo ich im Augenblick, als wir uns zu dem neuen Geſandten auf den Weg machen wollten, um die Unhoͤflichkeit eines ſcheinbaren Ueberfalles zu vermeiden, vorſchlug, ihm zuvor unſern baldigen Beſuch anzumelden. Wir er⸗ hielten ſeine Antwort unterwegs mit keinem andern 4 1 „ 206 Komplimente, als daß wir kommen moͤchten. Bei dem Eintritte in den Saal, in welchem er nach perſiſcher Manier mit zuſammengeſchlagenen Beinen auf einem Stuhle ſaß, und keine Bewegung machte, um irgend einem von uns ſeine Achtung zu bezeigen, begruͤßte ihn Sir Robert Sherley, und ſetztte ſich auf ei⸗ nen Stuhl neben ihm, waͤhrend der Graf von Cle⸗ veland mittelſt eines Dolmetſchers in wenigen Wor⸗ ten ihn von der Veranlaſſung benachrichtigte, welche den Geſandten Sherley, ihn ſelbſt, und uns zu ihm fuͤhrten. Darauf ſchien er aber wenig Acht zu geben, bis ich dem Dolmetſcher des neuen Geſandten bemerklich machte, in welcher Eigenſchaft Sir Robert Sherley hier ſei, worauf er ſeine zuſammen geſchlagenen Beine vom Stuhle herabließ, und eine Art Verbeugung vor ihm machte. Sir Robertentfaltete hierauf ſeine Be⸗ glaubigungs⸗Briefe, und nachdem er ſie, wie die Perſer aus Ehrfurcht gegen ihren Koͤnig zu thun pflegen, zuerſt mit ſeinen Augen beruͤhrt, dann uͤber ſeinen Kopf gehal⸗ ten, und hernach gekuͤßtihatte reichte erſie dem Geſand⸗ ten hin, damiterbei dem Empfange die gleiche Zeremonie beobachten moͤchte; als Letzterer ploͤtzlich von ſeinem Stuhle aufſprang, zu Sir Robert Sherley trat, ihm die Briefe aus der Hand riß, ſolche in Stuͤcken zer⸗ riß, und ihm mit der Fauſt einen Schlag in das Ge⸗ ſicht verſetzte. Waͤhrend der Graf von Cleveland ſich dazwiſchen warf, um weitere Gewaltthaͤtigkeiten abzuwehren, ſprang der Sohn des Perſers, der zunaͤchſt war, auf Sir Robert zu, und ſtreckte ihn mit zwei oder drei weiteren Schlaͤgen zu Boden. Indem Max⸗ well, Kammerdiener, und der Graf von Clere⸗ land, der zunaͤchſt bei ihm ſtand, ihn zuruͤck zogen, wobei unſere ganze Geſellſchaft die Hand an ihre Schwerter legte, aber ſolche nicht entbloͤßten, weil keiner der Perſer ſein Schwert oder ſeinen Dolch ge⸗ zogen hatte, machte Lord Cleveland dem Geſand⸗ ten uͤber die Gefahr und Unverſchaͤmtheit ſeines thaͤt⸗ lichen Angriffs Vorwuͤrfe, indem er ihn bedeutete, daß, wenn er und der Herr, der bei ihm ſei, nicht mehr Achtung vor dem Koͤnige haͤtten, den er vorſtelle, als er, der Geſandte den Briefen bewieſen habe, die ihm zum Beweiſe des Ranges des Andern gezeigt wor⸗ den ſeyen, weder er, noch diejenigen bei ihm, die ſich einer Unverſchaͤmtheit haͤtten zur Schuld kommen laſ⸗ ſen, lebendig von dem Platze wuͤrde gekommen ſeyn. Nach dieſen Worten ſagte er, daß es ihm leid ſeye, den Herrn und uns durch dieſe Handlung be⸗ leidigt zu haben, da er außer ſich vor Wuth geweſen ſei, daß ſich Jemand habe unterſt hen koͤnnen, des Koͤ⸗ nigs Schriftzuͤge nachzuahmen, welche er, wie er ſaste, immer an die Spitze ſeiner Briefe ſetzte, waͤhrend die Briefe, die er ihm gezeigt habe, ſolche auf der. Ruͤck⸗ ſeite truͤgen, und ferner zu hoͤren, wie er gethan habe, daß ein ſo gemeiner Kerl und ein Betruͤger ſich her⸗ ausnehme zu ſagen, daß er des Koͤnigs ſeines Herrn 208 Nichte geheirathet habe. Hierauf trat Sir Robert Sherley, der ſich uͤber den erhaltenen Schlag und die erlittene Behandlung erſchrocken und beſchaͤmt hin⸗ ter die andern zuruͤckgezogen hatte, hervor, und ant⸗ wortete, er habe nie geſagt, daß er des Koͤnigs Nichte geheirathet haͤtte, ſondern nur die Baſe der Koͤnigin. Was die Weiſe belange, wie der Koͤnig ſeine Briefe zeich⸗ ne, ſo ſey wohl wahr, daß derſelbe bei allen Verwendun⸗ gen ſeiner eigenen Unterthanen an fremde Fuͤrſten, oder wenn er ihnen ſchreibe, ſeinen Namen oben an den Kopf ſeiner Briefe zu ſetzen pflege. Wenn er aber Fremde bei auslaͤndiſchen Fuͤrſten verwende, ſo zeichne er ſich gewoͤhnlich auf die Ruͤckſeite ſeiner Briefe, da⸗ mit man vor deren Eroͤffnung ſehen koͤnne, wer ſie ſende. Hierauf antwortete ihm der Geſandte nur mit zornigen Blicken. Wir alle, die wir wenig oder keine Achtung fuͤr ihn hatten gingen weg, fuͤhrten den Sir Robert Sherley nach ſeiner Wohnung, und be⸗ gleiteten den Grafen Cleveland nach Hofe, wo, da er den Herzog von Buckingham, im Audienzzim⸗ mer fand, wohin der Koͤnig eben zum Eſſen gekommen war, der Lord Seine Majeſtaͤt von unſerem Aben⸗ theuer unterrichtete. Ich erhielt ſogleich Befehl, dem Sir Lewis Lewkner wiſſen zu laſſen, daß er ſich augenblicklich zu dem neu angekommenen perſiſchen Geſandten zu verfuͤgen, und ihn zu benachrichtigen habe, daß man bewogen worden ſei, die auf den Nach⸗ mittag beſtimmte Audienz zu verſchieben, und auf ei⸗ 209 nen andern Tag zu verlegen, damit Seine Majeſaͤt uͤber die vorgefallenen Unannehmlichkeiten und Unord⸗ nungen naͤhere Erkundigungen einziehen koͤnnten. Der groͤßte Tadel dieſes Vorfalls wurde auf den Sir Robert Sherley geſchoben, weil es ihm an Entſchloſſenheit gefehlt habe, die ihm angethaus Beſchimpfung mit Schlaͤgen, oder mindeſtens mit Wor⸗ ten zu erwiedern, wodurch er wenigſtens die Wirklich⸗ keit ſeiner Eigenſchaft als Geſandter beſtaͤtigt, und den Kaufleuten durch ſeine Schwaͤche und Mangel an Muth keine Veranlaſſung gegeben haben wuͤrde, ſeine Sendung, wie ſie zuverſichtlich thaten, in Abrede zu ſtellen, und ſeinen eigenen Freunden Gelegenheit dar⸗ geboten deren Wahrhaftigkeit zu bezweifeln. Endlich jedoch, als er Seiner Majeſtaͤt ſchrieb, und bat, ihn mit den beiden Briefen an ſeinen Hals gebunden nach Perſien zu ſchicken, um zu pruͤfen, ob ſie wahr oder falſch ſeien, fing man an zu glau⸗ ben, daß ihm Unrecht geſchehen ſei. Der Koͤnig gab den Kaufleuten ernſtlich auf, und befahl ihnen bei ſeiner Ungnade, ihn auf ihrer Flotte, die damals nach Oſt⸗Indien zu ſegeln in Bereitſchaft lag, mitzu⸗ nehmen, und in Perſien an das Land zu ſetzen, um ſich dort auszuweiſen. Ungerne willigten ſie ein, und drangen auf die Audienz des andern Gefandten, welche ihm nach acht oder zehen Tagen anberaumt, unter dem 6. Maͤrz gegeben und wozu er durch den Grafen von Warwick abgeholt wurde. 21 Nachdem er in das Bankethaus gekommen war, wo der Koͤnig unter einem Thron⸗Himmel ſtand, um ihn zu empfangen, trat er, ohne ihm auch nur durch einen Blick oder eine Geberde ſeine Ehrfurcht zu be⸗ zeugen, nahe vor den Koͤnig, beruͤhrte die Briefe mit ſeinen Augen, kuͤßte einen nach dem andern, und druͤckte ſie Seiner Majeſtaͤt in die Haͤnde, wobei er ſich nicht einmal bei der Uebergabe verbeugte. Als er, nach Beendigung ſeiner kurzen Zeremonie, ſich im Weggehen mit dem Ruͤcken gegen den Koͤnig gekehrt, auf zwanzig Schritte zuruͤckgezogen hatte, drehte er ſich um, indem er rechts und links ein gebieteriſches Zeichen mit der Hand gab, als ob er der Menge, die ſich zwiſchen ihm und dem Koͤnig gedraͤngt hatte, be⸗ fehlen wolle, Platz zu machen, machte eine Art von Buͤckling, hierauf noch einen zweiten und dritten, und entfernte ſich dann. Als er vernahm, daß die Koͤni⸗ gin, welcher er einen Beſuch zu machen beabſichtigt batte, nicht zu Hauſe ſei, brachte er die Zwiſchenzeit damit hin, mit all ſeinen Kutſchen eine Spazierfahrt im St. James⸗Park zu machen, und ſah Ihro Maje⸗ ſtaͤt erſt bei ihrer Ruͤckkehr. VI. Haupl ſt w Cb. Ruͤck kehr nach Perſien. Am folgenden Tage fuͤhrte ich den andern Geſand⸗ ten, Sir Robert Sherley zu einer Audienz bei dem Koͤnige in ſeinem Geſellſchaftszimmer ein. Nach 1 * 2 nach ihnen ein Ende nahm. 211 mancherlei Zwiſtigkeiten, die zwiſchen den Kaufleuten und dem Geſanden Sherley, oorfielen, ob er von Dihnen, wie es der Koͤnig verlangte, oder von Seite des Koͤnigs ſelbſt frei gehalten werden ſollte, da ihnen Seine Majeſtaͤt den Befehl hatte zugehen laſſen, ihn mit der Flotte, welche im Anfange des Monats Mai nach Oſt⸗Indien abſegeln ſollte, mit dem andern Gefandten nach Perſien zu uͤberfuͤhren, war endlich die Zeit zu ihrer Abreiſe angeruͤckt. Sie langten aber beide zu ſpaͤt an dem Ort ihrer Einſchiffung, den Duͤnen an, um die Reiſe noch in demſelben Jahre machen zu koͤnnen, da die Flotte, welche nicht laͤn⸗ ger auf ſie hatte warten koͤnnen, bereits abgeſegt war. Sir Robert, der dem Andern den Vorſprung abge⸗ wonnen hatte, ſchiffte ſich war mit Sir Dormer Cotton, der zu gleicher Zeit als Geſandter Seiner Majeſtaͤt an den Koͤnig abgeſchiekt wurde, um ſowohl zu bewahrheiten, ob Sir Sherley ein Betruͤger ſei oder nicht, als um einen Handels⸗Verkehr einzu⸗ leiten, welchen der andere Geſandte zu unterhandeln gekommen war; auf einem Jachtſchiffe der Flotte ein. Sie wurden aber gezwungen, nach Lon don zuruͤck⸗ zukehren, und dort eine neue Gelegenheit, in dem fol⸗ genden Maͤrz, zehn Monate ſpaͤter abzuwarten, wo ſie alle drei im Anfange ihrer Reiſe, welche beide Ge⸗ ſandten in verſchiedenen Schiffen machten, geſtorben ſeyn ſollten, und mit ihnen der Streit und die Frage 212 Finnett iſt in ſeiner Angabe, daß ſie alle drei auf dem Wege ſtarben, ſehr unrichtig, in welchem Irthu⸗ me ihm Fuller folgte⸗ Man findet die Geſchichte des Sir Robert Sher⸗ ley von dieſer Periode bis zu ſeinem Tode, in den Reiſen des Sir Thomas Herbert, der die Par⸗ thien auf ihrer Reiſe nach Perſien begleitete. Wir ziehen alſo aus Herbert die Nachricht der Schluß⸗ ſeene von Sir Robert Sherleys Leben aus. „Den 29. November 1626 legten wir in Indien vor Anker. Nogdibey, der Geſandte des Koͤnigs von Perſien, gab ſeinen Geiſt auf, nachdem er ſich aus freien Stuͤcken ſelbſt vergiftet hatte, indem er vier Tage lang nichts, als Hpium zu ſich nahm. Die Wahrheit iſt, daß er ſich nicht getraute, vor ſeinem Herrn zu erſcheinen, noch ſich in unſerer Gegenwart wider ſeinen Gegner Sir Robert Sherley zu ver⸗ theidigen, um ſeine Ehre zu reinigen. Den 10. Ja⸗ nuar zog Sir Robert Sherley, nachdem wir auf dem perſiſchen Meerbuſen dort angekommen waren in Gambroon(Gomron?) ein. Als unſere Au⸗ kunft bekannt wurde, kam der Sultan der Stadt ihm ſeine Aufwartung zu machen. Da Sir Robert Sherloy perſiſcher Geſandter war, und die tuͤrkiſche Sprache ſprach, ſo verlangte er von ihm, daß er den Sir Dormer Cotton, als Geſandten unſeres Mo⸗ narchen, zu ſeiner Reiſe an den Hof mit dem noͤthi⸗ gen Aufwande und Unterhalte verſehen, und ihm 5 213 Pferde, Kamele und Maulthiere verſchaffen moͤge. Dies wollte er aber, da der Koͤnig ſich an dem Cas⸗ piſchen Meere befand, zu thun ſich weigern, bis er den Firman oder Empfehlungs⸗Brief zu Geſicht bekam, wo⸗ rauf er denn gerne einwilligte, und ihn mit Allem verſah.“. „Bei ſeiner Landung gaben ihm die Kapitaͤne der engliſchen Schiffe, welche daſelbſt vor Anker lagen, eine Salve von hundert Schuͤſſen aus ſchwerem Geſchuͤtze zum Abſchiede. Als er zur Stadt ging, kamen ihm der Sultan, der Schach⸗Bender oder Hafeu⸗Koͤnig, und viele Cuzel⸗Paſchas oder Reiterei⸗Ofſiziere vom erſten Range entgegen, und begleiteten ihn nach der Stadt, und von der Feſte Gambrvon wurde eine Salve aus zehn Stuͤck Geſchuͤtz gegeben. Den ganzen Weg von der Kuͤſte bis nach der Woh⸗ nung des Sultans ritten wir zwiſchen zwei Reihen perſiſcher Bogenſchuͤtzen und Musketire, und der Ge⸗ ſandte, die angeſeheneren ſeines Gefolges, und die Seekapitaͤne wurden hier zu einem artigen Mahle ein⸗ geladen, wobei wir die Muſik von den Schiffen hat⸗ ten. Von da ritten wir nach dem Hauſe des engli⸗ ſchen Agenten, der uns zum zweiten Male bewirthete. Nach vierzehntaͤgigem Lager traten wir unſere Land⸗ reiſe nach Perſien an, wozu wir mit neun und zwan⸗ zig Kamelen, und zwanzig Pferden von dem Sultan verſehen wurden, der nachdem er uns fuͤnf Meilen be⸗ 1 gleitet hatte, nach Erhalt eines Geſchenkes(Piskaſch genannt,) zuruͤckkehrte. Bei unſerer Ankunft in Shiras, der Haupt⸗ ſtadt des Herzogs, befand er ſich zwei Tagreiſen von da in einem Luſtſchloſfſe. Sir Robert Sherley ritt zu ihm, um ihn von der Ankunft unſers Geſand⸗ ten zu benachrichtigen. Er wußte dieſe ſehr wohl, und meinte, daß wir warten muͤßten, bis ihm gelegen ſei. Nachdem wir alſo ſechs Tage in der Stadt ausgeruht hatten, benachrichtigte unſer Geſandter den Shake— Aly— Bey, daß er wieder abzureiſen wuͤnſchte. „Wie,“ erwiederte er,„wollt ihr gehen, ehe Ihr den Herzog geſehen habt?“ Er antwortete, daß ihm ſeine Geſchaͤfte anders wohin riefen, indem er ſich zu ſei⸗ nem Herrn zu begeben komme. Am naͤchſten Tage kam nun der Herzog nach Shiras mit zweitauſend Rei⸗ tern, und blieb zwei Tage daſelbſt, ohne uns zu be⸗ ſchicken, oder Notiz von uns zu nehmen. Endlich ſchickte er einen Herrn an unſern Geſandten ab, um ihn zu bewillkommen, und ihn zu bitten, daß er ihn beſuchen moͤge. Unſer Geſandter ließ ihm ſagen, er habe eine ſo große Reiſe gemacht, daß er hierdur lrch entſchuldigt ſeyn; wenn es aber dem Herzog gefaͤl⸗ lig ſeyn wolle, zu ihm zu kommen, ihm ſolches an⸗ genehm ſeyn werde. Der Herzog tobte außerordentlich, ſich ſo gering geſchaͤtzt zu ſehen; da er ihn jedoch zu beleidigen fuͤrch⸗ tete, indem der Koͤnig von Perſien ihm und andeln 2 215 vorher geſchrieben hatte, daß man uns auf unſerer Reiſe durch das Koͤnigreich auszeichnen ſolle, ſo ließ er ihm nach einer Weile ſagen, daß er am naͤchſten Tag kommen, und ihn beſuchen wolle. Dies that er jedoch nicht, indem ſein Sohn, ein Menſch von acht⸗ zehn Jahren, ſeinen Vater zu entſchuldigen kam, und auch ohne ſich aufzuhalten, wieder weg ging. Am naͤchſten Tage ließ der Geſandte dem Sohne des Her⸗ zogs durch Schake—Aly—Bey ſagen, daß er ihn mit ſeinem Beſuch beſchweren wolle. Der Herzog war damit nicht ſehr zufrieden, daß ſeinem Sohn der Beſuch zugedacht werden ſolle, ſo daß, als unſer Geſandter abſtieg, wir zu dem Herzog in den Saal eingefuͤhrt wurden, welcher lang, ſehr reich mit Sil⸗ berwerk und koſtbaren Tapeten ausgeſtattet war, und worin wir viele Taͤnzerinnen und Ganimede antrafen. Der Herzog ſaß oben am Ende krummbeinig wie ein Schneider, welcher Benennung jedoch ſein ſtolzer Blick keineswegs entſprach. Er bewegte kein Bein, la unſer Geſandter bei ihm war, dann ſtand er auf, und umarmte ihn. Wir hatten hier Wein, Weiber und eine Mahlzeit zu unſerer Unterhaltung, und be⸗ gaben uns nach einem zweiſtuͤndigen Aufenthalte wie⸗ der weg. Am naͤchſten Tage, den 22. Maͤrz, wurden wir zu einem feierlichen⸗ Bankete eingeladen. Wir wurden hiertu in eine grobe offene Halle eingefuͤhrt, deren Decke auf zwanzig, reich vergoldeten Pfeileru ruhte, 21¹6 und von getriebener Arbeit in Golde, der Fußboden aber mit koſtbaren ſeidenen Teppichen belegt war. Dieſe Halle oͤffnete ſich in einem großen viereckigten Hof, in welchem rings umher die vornehmſten Ein⸗ wohner der Stadt, und in einem zweiten Hofe fuͤnf⸗ hundert gemeine Leute aufgeſtellt waren, welche der Herzog ſaͤmtlich eingeladen hatte, um hierdurch ſeine Groͤße zu zeigen. Am obern Ende des Saals befand ſich ein Thron⸗ himmel von ſcharlachfarbenem Atlas, der mit Perlen und geſtickt war, unter dem der Herzog mit unter⸗ ſchlagenen Beinen auf bloßem Teppiche ſaß. Zu ſei⸗ ner Rechten befand ſich der Fuͤrſt von der Tartarei; zu ſeiner Linken unſer Geſandter; naͤchſt ihm des Her⸗ zogs aͤlteſter Sohn oder Beglerbeggen, deſſen Kopf drei Jahre ſpaͤter, naͤmlich 1632 auf Befehl des jungen Koͤnigs einer geringfuͤgigen Urſache halber abge⸗ ſchlagen wurde. Nach dieſem kam der gefangene Koͤ⸗ nig von Ormus, welcher taͤglich fuͤnf Mark zu ſei⸗ nem Unterhalte erhielt, und ihm zunaͤchſt waren die zwei ungluͤcklichen Prinzen, ſeine Soͤhne, in deren Geſellſchaft wir uͤbrigen Gentlemens unſere Sitze au⸗ gewieſen erhielten. Auf der andern Seite neben dem Fuͤrſten von der Tartarey, ſaß der Fuͤrſt von Geor⸗ gien, ein Herr von tapferem Anſehen, und nicht min⸗ der brav in Waffenthaten. Er war ſeines Glaubens ein Chriſt. 217 Waͤhrend ihres Verweilens hier waren ſie traurig und niedergeſchlagen, und ich konnte an ihnen mer⸗ ken, daß ſie mehr anderen zu Gefallen, als zu ihrem eigenen Vergnuͤgen hier waren. Der uͤbrige Theil der Halle war mit Sultanen, großen Kaufleuten und Cu⸗ zel⸗Paſchg's angefuͤllt. Das Banket war ſehr koͤſtlich; getrocknete, uͤberzuckerte Fruͤchte, als Datteln, Birnen, Piſtazien, Mandeln, Quitten, Aprikoſen, Myrobala⸗ nen, hunderterlei andere Fruͤchte und Gewuͤrze wur⸗ den dabei in Menge aufgetragen. Die Ganymede oder jungen Knaben, welche ſehr wolluͤſtig angezogen wa⸗ ren, ſchenkten den Liebhabern Wein ein. Am Ende des Bankets erhob das Volk von Außen ein großes Geſchrei, und rief Nough Ally Whod⸗ daw Bashat, welches ſo viel heißt, als: Gott ſei Dank. Der Herzog trat alsdann ſelbſt in Beglei⸗ tung von dreißig Sklaven, welche ſcharlachfarbene ge⸗ ſteppte ſeidene Roͤcke und Turbane trugen, ein. Je⸗ der Turban war mit einer Kette von Rubinen, Tuͤr⸗ kiſen, Smaragden und dergleichen vom ſchoͤnſten Glanze und großem Werthe umwunden. Der Herzog ſelbſt hatte einen mit Silber geſtickten Rock, und hier⸗ uͤber ein Oberkleid von großer Laͤnge, das ſo dicht mit ſchimmernden orientaliſchen Steinen beſetzt war, daß man die Grundfarbe kaum erkennen konnte. Es war von unſchaͤtzbarem Werthe, und ſein Turban und ſeine Sandalen eben ſo praͤchtig. Daß er nicht fruͤher kam, bis das Banket beendigt war, ſchmerzte unſern Ge⸗ otes B. Perſien. I. 2. 7 216 ſandten ſo ſehr, daß er ſtill und mißvergnuͤgt daſaß, waͤhrend die ganze Geſellſchaft bei ſeinem Eintrttte ſich mit dem Kopfe bis auf die Erde beugte. Die Wahrheit iſt, daß der Herzog mit Fleiß vermied, ſeine Hoheit der Bewunderung des Volks blos zu ſtellen. Sir Robert Sherley nahm ſich die Freiheit, ihm mit einem tiefen Buͤcklinge aus einem Becher von Golde zuzutrinken, den der Herzog ihn fuͤr ſeine Muͤhe anzunehmen bat. Da leßzterer unſeren Geſand⸗ ten ſo ſtill erblickte, laͤchelte er ihm zu, trank auf ſein Wohlſeyn, und begab ſich nach einigen wenigen Kom⸗ plimenten weg. VII. Hauptſtuck. Einzug der engliſchen Geſandten in Ispa⸗ hau, und Tod Sir Robert Sherleus. Wir kamen den 10. April nach Jöp ahan, und ich werde hier unſern Empfang nach der Ordnung treu erzaͤhten. Drei Meilen vor dieſer großen Stadt wur⸗ den wir erſucht, in einem Garten des Koͤnigs auszu⸗ ruhen, wo uns ein Feſt gegeben wurde. Hierher kam der engliſche Agent, nebſt einigen engliſchen Factoren, um unſerm Geſandten ihre Aufwartung zu machen. Dann kamen uns ferner in praͤchtigen Equipagen, der Sultan von Ispahan, Meloymbeg, der Schat⸗ 219 meiſter, Hodgee⸗Nazarr, der Fuͤrtt der armeniſchen Chriſten mit allen Begler⸗Begs und Cuzel⸗Paſchas der Stadt, in Begleitung von viertauſend Reitern entgegen, um uns zu bewillkommen. Ueberall auf unſerm Wege, waren Felder und Straßen, auf zwei Meilen weit, mit Schlafroͤcken und Weibern aus der Stadt, angefuͤllt, wenigſtens ihrer 10,000, die, als wir voruͤber gingen, laut jubel⸗ ten und„willkomm“ ſchrie'n; unter den Reitern be⸗ fanden ſich uͤber vierzig Paukenſchlaͤger und Hand⸗ trommeln. Auch fehlte es nicht an Freudenmaͤdchen und Knaben, welche durch ihre antiken Taͤnze die Feierlichkeit erhoͤhten. Bei unſerer Ankunft in der Stadt ſtiegen wir an dem koͤniglichen Palaſte ab, welcher ſich auf dem großen Mydan oder Marktplatz befindet. Meloym⸗ Bey und Sir Robert Sherley knieeten dreimal nieder, und kuͤßten die Thuͤrſchwelle, oder den Bo⸗ den bei ihrem erſten Eintritte. Als dieſes geſchehen war, hielt ein Soldat eine Anrede, und dann bega⸗ ben wir uns nach unſerer Wohnung, welche eines von des Koͤnigs ſchoͤnſten Haͤuſern war, und nahe am Strome lag. Der Kaiſer oder Pot⸗ſchaugh von Perſien befand ſich damals an der Kuͤſte des kaspiſchen Meeres. Vier Tage nach unſerer Ankunft, den 14. April, lud uns der Agent der engliſchen Kaufleute zu einem Feſte ein, wo wir eine freundliche Aufnahme und Bewirthung fanden, und um das Feſt noch mehr 200 zu verherrlichen, ließ er bei Nacht einen Teich mit Wachslichtern umſtellen, und ein Feuerwerk abbrennen, deſſen hoch aufſteigende Raketen die ganze Stadt in Verwunderung ſetzten. Am naͤchſten Tage luden wir uns ſelbſt zu Hod⸗ gee⸗Nazarr ein, einem armeniſchen Fuͤrſten, der allein die Regierung uͤber eine kleine Stadt, Namens Jelphea hatte, deren Einwohner alle Chriſten wa⸗ ren, Jelphea beſindet ſich auf der andern Seite des Stromes, auf dieſelbe Weiſe wie Southwark London gegenuͤber liegt. Hodgee⸗Nazarr kreute ſich, uns bei ſich zu ſehen, und empfing uns auf eine fuͤrſtliche Weiſe. Unter andern Speiſen hatten wir ein gebratenes Schwein, ein Gericht, das ſonſt von den Mahomedanern und Juden verabſcheut wird. Die Weinflaſchen und flachen Schaalen, aus welchen wir tranken, waren von gediegenem Golde. Nachdem unſer Geſandter vier Tage zu Aſcha⸗ raff ausgeruht hatte, ſchickte der Koͤnig einen Cuzel⸗ Paſcha mit Empfehlungen und der Nachricht an ihn ab, daß er ihm am naͤchſten Tage eine Audienz erthei⸗ len wolle. Am naͤchſten Tage, welches unſer Sonn⸗ tag, und bei ihnen ein Feſttag, naͤmlich der Anfang ihrer großen Faſten war(denn an dieſem Tage iſt nicht erlaubt zu eſſen, noch zu trinken, bis die Sonne untergegangen iſt, welches beides ſie ſehr ſtreng hal⸗ ten, und welches Feſt Ramazan, Ramdam oder Ramadan genannt wird), begaben wir uns, unſer Geſandter mit Sir Robert Sherley und ſieben oder acht Englaͤndern vom Stande, die in ſeinem Ge⸗ folge waren, an den Hof. Ich erinnere mich, unſer Geſandter nahm uͤbel, daß Niemand ihn abzuholen, oder ihm den Weg zu zeigen kam. Denn als er den⸗ ſelben Morgen deßhalb zu M ahomed⸗Aly⸗Bey, einem großen Guͤnſtlinge des Schachs ſchickte, ſendete uns der Unglaͤubige einen ſeiner Bedienten, den un⸗ ſer Geſandter aufgebracht zuruͤck wies, und blos in Begleitung ſeiner eigenen Leute ging. Als wir an dem Hofthore abſtiegen, fuͤhrte uns ein Offiziant an einen kleinen Platz, der ein praͤchti⸗ ges marmornes Waſſer⸗Behaͤltniß, oder einen Teich in der Mitte hatte, und deſſen uͤbriger Theil mit ſeid⸗ nen Teppichen belegt war. Unſer Geſandter und wir Uebrigen verweilten zwei Stunden, und wurden hier⸗ auf mit Pelo bewirthet, welche Speiſe aus Reis be⸗ ſteht, der mit Huͤhnern, Hammelsfleiſch, Butter, Mandeln und Kurkuma abgekocht iſt. So ſchlecht in⸗ deſſen das Eſſen war, ſo praͤchtig war das Geſchirr. Es beſtand aus geſchlagenem Golde, ſowohl Schuͤſ⸗ ſeln als Stuͤrzen, Flaſchen, Becher und alles Uebrige. Hier wurden wir von mehreren Sultanen durch einen großen praͤchtigen und wohlriechenden Garten nach einem Luſthauſe gefuͤhrt, deſſen Zimmer die Aus⸗ ſicht auf den Taurus, und die kaspiſche See ge⸗ 222 waͤhrten. Wir gingen in dieſes Haus, deſſen unteres Zimmer rund und geraͤumig, und der Boden mit ſei⸗ denen Teppichen belegt war. In der Mitte befand ſich ein marmornes Waſſer⸗Behaͤltniß, voll kriſtall⸗ hellen Waſſers, ein Element, das in dieſen heißen Sonen von nicht geringem Werthe iſt. Rund um den Teich waren Gefaͤße von gediegenem Gold aufgeſtellt, deren einige mit Wein, andere mit angenehm duf⸗ tenden Blumen angefuͤllt waren. Von hier traten wir in ein Gemach, welches auf dieſelbe Weiſe, wie das Erſtere ausgeſtattet war, worin ſich aber dreimal mehr goldene Gefaͤße befanden, die hier zum Prunk und zur Schau ausgeſtellt waren. Am Ende deſſelben ſaß der Pot⸗Schaugh oder der große Koͤnig mit un⸗ terſchlagenen Beinen, etwas hoͤher als die Andern, da ſein Sitz aus drei weißen Polſtern beſtand, die uͤber die Teppiche gelegt waren. Sein Turban war nicht uͤber vierzig Schillinge werth. Sein Anzug be⸗ ſtand aus rothem Calico, mit Baumwolle gefuͤttert, und war von ſehr geringem Werthe. Sein Schwert bing au einem ledernen Wehrgehaͤnge, und der Griff war aus Gold. Da der Koͤnig ſo einfach angezogen war, ſo hatten die meiſten Hofleute an dieſem Tase einen aͤhnlichen Anzug gewaͤhlt. Allein das Silber⸗ zeug und die Koſtbarkeiten in dieſem Hauſe lieferten einen Beweis, daß hier keine Armuth wohne. Ein Kaufmann, welcher zugegen war, ſchaͤtzte ſolche auf zwanzig Millionen Pfunde. 223 Sobald unſer Geſandter vor ihm kam, erlaͤuterte er ihm in der Kuͤrze die Veranlaſſung ſeiner Reiſe, welche den Zweck hatte, ihm zu ſeinen Siegen uͤber die Tuͤrken Gluͤck zu wuͤnſchen, den Seidenhandel zu erneuern, und dergleichen mehr zum Beſten der Kauf⸗ leute. Auch wollte er ſehen, daß Sir Robert Sherley von den Beſchuldigungen ſich reinige, welche Nogdibeg, des Koͤnigs von Perſien letzter Geſandter, wider ihn vorgebracht hatte. Der Koͤnig antwortete ihm ſehr gnaͤdig. Wenn er dem uͤrkiſchen Geſandten Ehre genug zu erweiſen glaubt, daß er ihm den Saum ſeines Rockes, und bisweilen ſeinen Fuß zu kuͤſſen gibt; ſo reichte er un⸗ ſerm Geſandten ſebr edelmuͤthig die Hand, zog ihn zu ſich nieder, und ſetzte ihn mit unterſchlagenen Bei⸗ nen neben ſich. Er forderte hierauf einen Becher Weins, und trank auf das Wohl ſeines Herrn, un⸗ ſers beruͤhmten Koͤnigs, wobei unſer Geſandter den Hut abnahm. Als der Koͤnig dieſes ſah, zog er ſei⸗ nen Turban ab, und trank den Becher aus, was unſer Geſandter dankbar erwiederte. Es kam den Leuten ſehr ſonderbar vor, ihren Koͤnig ſo hoͤflich zu ſehen, nnt ſie fuͤr eine Schande halten, den Kopf zu ent⸗ oͤſen.. Das Zimmer, worin er empfangen wurde, war an beiden Seiten ſehr ſchoͤn gemalt und vergoldet. Nings umher ſaßen fuͤnfzig bis ſechszig Beglerbeys, ¹ Sultane und Chane mit dem Ruͤcken gegen die Wand gekehrt, eher Statuen als lebenden Weſen aͤhnlich. Ganymede gingen mit Weinflaſchen auf und ab, und ſchenkten denen ein, welche es verlangten. Nach einigem Aufenthalte zu Casbin beſuchte unſer Geſandter, welcher gerne befoͤrdert ſeyn wollte, den Mahamed Aly⸗Bey, und ließ durch ihn um eine Antwort auf ſeine Briefe bitten. Der Heide ant⸗ wortete ihm kurz, daß wenn er noch etwas weiter bei dem Koͤnige zu thun habe, er es ihm zuerſt zu wiſſen thun ſolle, worauf er dann eine Antwort erhalten wuͤrde. Unſer Geſandter erwiederte wenig, aber war ſehr mißvergnuͤgt, indem er wahrnahm, daß er keinen fernern Zutritt bei dem Koͤnige haben ſollte. Da er aber Willens war zu gehen, und auch bei dem Guͤnſt⸗ linge keine Muthloſigkeit blicken laſſen wollte; ſo trug er ihm die Erledigung ſeines Anliegens auf, welches theils darin beſtand, um die Fortſetzung der freund⸗ ſchaftlichen Verhaͤltniſſe zwiſchen ihren Herren nach⸗ zuſuchen, in einigen Worten im Betreff des Handels unſerer Kaufleute, und ruͤckſichtlich der Anerkennung es Sir Robert Sherley, als wirklichen Geſand⸗ ten des Koͤnigs in Europa. In Betreff der beiden er⸗ ſten Punkte ließ ſich Mahomed Aly⸗Bey unver⸗ holen heraus, daß er wiſſe, daß ſein Herr der Koͤnig von Perſien oder Pot⸗Schaugh keinem F Fuͤrſten der Welt mehr zugethan ſei, als unſerm Koͤnige, und 22⁵ daß der Handel und Austauſch zwifchen ihren Kauf⸗ leuten, ſeinem Koͤnig eben ſo angenehm, als nuͤtzlich ſei. Was Sir Robert Sherley belange,(deſſen Feind Mahomed immer war), ſo wiſſe er und haͤtte es den Koͤnig ſelbſt ſagen hoͤren, daß er nichts mit ihm zu ſchaffen habe, und ſeine Geſandtſchaften und Botſchaften an die ehriſtlichen Koͤnige nichtig und geſchmiedet ſeien. Es iſt wahr, fuͤgte er hinzu, der Koͤnig gab ihm, als ein Zeichen ſeiner Gunſt an dem kaspiſchen Meere ein Pferd und einen. Anzug; allein mehr wegen der andern Geſandten, als aus Ach⸗ tung, welche der Koͤnig fuͤr ihn hegte. Als ihm hier⸗ auf unſer Geſandter bemerkte, daß Sir Robert zur Beſtaͤtigung der Wahrheit, einen koͤniglichen Beglau⸗ bigungs⸗Brief, oder Firman haben, und, daß, wenn er ein Betruͤger ſei, er in Wahrheit der groͤßte Thor geweſen ſeyn muͤſſe, eine Reiſe von ſolcher Laͤnge und Gefahr zu unternehmen, da er des Koͤnigs Strenge kenne. Der Heide antwortete ihm hierauf nicht; ſon⸗ dern bemerkte ihm, daß er bei ihrem erſten Zuſam⸗ mentreffen ſich ihm ausfuͤhrlicher erklaͤren wolle, wo⸗ bei er ihn bat, ihm das von ſeinem Koͤnige Schach⸗ Abbas zu Ispahan unterzeichnete Creditiv fuͤr Sir Robert ſehen zu laſſen. Der Geſandte bat ihn hierauf, es zu betrachten, und ihm zu ſagen, ob es einem geſchmiedeten aͤhnlich ſaͤhe. Der tuͤckiſche Guͤnſt⸗ ling glaubte zwar, daß es dieſes Anſehen habe, da er jedoch hieruͤber in Ungewißheit ſei; erbitte er ſich ſol⸗ ches, um es dem Koͤnig zu zeigen, was er auch, wenn wir ihm, als ſeinem Feinde und einem Unglaͤubigen Glauben beimeſſen duͤrfen, drei Tage nachher that. Der Koͤnig,(wie Sir Dormer Cotton erzaͤhlt) ſah es an, laͤugnete, daß es aͤcht ſei, und verbrannte ſolches in der Wuth, mit dem Wunſche, daß Sir Robert Sherley als alt und ihm laͤſtig, das Koͤ⸗ nigreich verlaſſen moͤge. Letzterer war hieruͤber beſtuͤrtt, konnte aber nichts dagegen einwenden. Ich fuͤr meinen Theil bin uͤberzeugt, daß der Fir⸗ man und des Koͤnigs Siegel aͤcht waren, und daß Mahomed Aly⸗Bey entweder einen Betrug mit ihm ſpielte, da wir nur hoͤrten, was er zu uns ſagte, und nicht wieder vor den Koͤnig kamen; oder auch, daß er andere Briefe ſchmiedete, um ſie dem Koͤnige zu zeigen. Deun warum behielt er ſolche zwei Tage, ohne ſie zu uͤbergeben? oder er verlaͤumdete den Koͤ⸗ nig, daß er ſagte, er habe ſie verbrannt, indem es eine, eines ſo gerechten Fuͤrſten, wie Koͤnig Abbas beruͤhmt war, unwuͤrdige Handlung geweſen waͤre. Dieſes mag uns zum Beweis dienen, daß er wirkli⸗ cher Geſandter war, daß der Koͤnig, da er hoͤrte, das derſelbe ſich deßwegen zu rechtfertigen, und ſeine Ehre von den ihm durch Nogdibeg in England auf⸗ gehefteten Beſchuldigungen zu reinigen komme, wenn er ihm auch keine offenbare Genugthuung gab, doch auch die ihm widerfahrne Beleidigung keineswegs ahu⸗ dete, wie es eine ſolche wirklich geweſen waͤre, wenn er den Betruͤger gemacht haͤtte. Hieraus folgt, daß er die Unſchuld und die Wahrheit fuͤr ſich hatte. Und warum, wenn Nogdibeg dem Sir Robert Sher⸗ ley nicht Unrecht that, ließ ſich Schach Abbas ver⸗ lauten, es ſei gut fuͤr ihn, daß er ſich vergiftet habe, weil er ſonſt, wenn er an den Hof von Perſien gekommen waͤre, ſeinen Koͤrper in ſo viele Theile, als Tage im Jahr ſind, zerhackt, und ſie mit Hundekoth auf offnem Marktplatze verbrannt haben wuͤrde. Eben⸗ ſo durfte ſein Sohn, der ſich in unſerer Geſellſchaft befand, nicht an den Hof kommen, um ſeinen un⸗ gluͤrklichen Vater zu vertheidigen, bis Zenall Chan, Herzog von Tyroan, ſein Vetter, ſich fuͤr ihn ver⸗ wendet und durch Beſtechungen Friede und Zutritt bei Hofe fuͤr ihn ausgewirkt hatte, Die Wahrheit iſt, daß Sir Robert Sherley ſich um den Koͤnig von Perſien wohl verdient ge⸗ macht hatte. Da er aber alt und zu weiteren Dien⸗ ſten unfaͤhig war, wurde er damit belohnt, an ſeiner Ehre in dem Augenblicke gekraͤnkt zu werden, wo er auf Dank und Anerkennung glaubte Anſpruch machen zu koͤnnen. Dieſe und andere aͤhnliche Urſachen zum Mißvergnuͤgen, denen jeder Sterbliche unterworfen iſt, betruͤbten ihn ſo ſehr, daß er bald hierauf einem Fieber⸗Anfalle und Schlagfluſſe unterlag, daß er den 13. Juni der Welt entſagte, und aus Mangel eines 228 beſſeren Begraͤbniß⸗Platzes vor der Thuͤr ſeines eige⸗ nen Hauſes zu Casbin, wo er ſtarb, begraben wurde. Er war der Bruder zweier wuͤrdiger Edelleute des Sir Anton und Sir Thomas Sherley, nicht uͤber ſein großes Stufenjahr hinaus, und hatte einen offenen, edelmuͤthigen, aber unbeſtaͤndigen Charakter. Er war der groͤßte Reiſende ſeiner Zeit, und hatte ſich der Gunſt vieler großer Fuͤrſten in reichem Maaße zu erfreuen. Von dem Papſte war er mit der Gewalt beklei⸗ det, Indier zu legitimiren; und von dem Kaiſer er⸗ hielt er den Ehrentitel eines Reichs⸗Pfalzgrafen. Seine Beharrlichkeit war groͤßer als fein Verſtand. Auch war er nicht ſehr mit den Muſen befreundet. Was ihm aber an Philoſophie abging, erſetzte er durch ſeine Sprachen⸗Kenntniſſe. Er hatte dem Perſer bei dreißig Jahren gedient, und ſich um einen beſſern Dank verdient gemacht, als er in dem Augenblicke erhielt, wo er denſelben am meiſten erwartete. VIII. Haupt ſt u ck. Schickſal der Frau Thereſe Sherley. So wenig es auch hierher zu gehoͤren ſcheint, ſo kann ich doch, ohne ungerecht zu ſeyn, ſie nicht mit 229 Stillſchweigen übergehen, die ich ſo ſehr ehrte, die hochwerthe, unerſchrockene Frau Tyereſia, ſein treues Weib, welches waͤhrend dieſer traurigen Zeit immer in unſerer Geſellſchaft war. Sie war, wie ihre Aeltern, ehriſtlicher Religion, und von edler Her⸗ kunft. Ihr Vaterland war Cireaſſia, welches an Georgien und Zinria, nahe an Pontus Eu⸗ rinus und das kaspiſche Meer grenzt. Zu die⸗ ſer Zeit, als ihr Mann todt bei ihr, und ſie ſelbſt krank und ſchwach nieder lag, verband ſich ein hollaͤn⸗ diſcher Maler, welcher dem Koͤnige von Perſien zwan⸗ zig Jahre gedient hatte, mit Nahomed Aly⸗Bey gegen ſie, unter dem Vorgeben einer Verbindlichkeit, welche Sherley gegen einen gewiſſen Crole, einen Flammlaͤnder eingegangen habe, von dem vor langer Zeit Sir Robert Sherley Geld geborgt haͤtte. Da ihm Glauben geſchenkt wurde, ſo erhielt er eine Vollmacht von dem Cawſen(Cadi?) oder Richter, ſich der Habſeligkeiten der Frau zu bemaͤchtigen. Die⸗ ſer verworfene Anſchlag konnte nicht ſo heimlich ge⸗ halten werden, daß er nicht einem ehrlichen Englaͤn⸗ der, Mr. Hedges, der im Gefolge unſers Geſand⸗ ten war, mitgetheilt worden waͤre, der die Frau Sherley ſogleich davon unterrichtete. Da ſie wohl wußte, daß dieſe Klage falſch ſei, ſo war ſie daruͤber zwar erſtaunt, jedoch ſie faßte Beſinnung, zog mit ſchwachen Haͤnden eine ſeidene Decke von einem Kaͤſt⸗ chen herab und vertraute ihm ihre Schaͤtze, in einigen 230 Juwelen, koſtbaren Steinen und dergleichen beſtehend. Kaum war er weggegangen, als die heidniſchen Haͤ⸗ ſcher mit John, dem Flammlaͤnder, in das Haus traten, Un wegbrachten, was irgend einen Werth hatte oder verkaufbar war, als: Pferde, Kamele, Kleider, Turbane, einen koſtbaxen perſiſchen Dolch und mehrere andere Gegenſtaͤnde. Da ſie aber nach genauer Durchſuchung keine Juwelen fanden, da ſie ihn welche hatten tragen ſehen, die ihre Raubgier ge⸗ reizt batte, ſo gingen ſie zornig, beſchaͤmt und unbe⸗ friedigt weg. 5 Als der Sturm voruͤber war, gab ihr Hedges ihre Juwelen wieder, die ihr ſetzt von doppeltem Werthe waren. Denn, wenn ſie ſolche nicht erhalten haͤtté, wuͤrde ihr Vermoͤgen nicht auf fuͤnfzig Pfund ſich belaufen haben, was ein ſehr geringes Einkom⸗ men fuͤr eine ſo verdiente Dame geweſen waͤre. Es war ihr in dieſen fuͤr das zweite Geſchlecht ſo un⸗ wirthlichen Gegenden aͤußerſt nuͤtzlich, da die Frauen, obgleich von den Perſern verehrt, hier doch eher fuͤr die Sklaverei und die Launen der Maͤnner geſchaffen ſcheinen, als zum Genuſſe der Freiheit oder Huldi⸗ gungen, nach denen von unſern ſchwachen Schoͤnen doch ſo ſehr geſtrebt wird. Nach einigen Verdrießlichkeiten und einer vier⸗ zehntaͤgigen Unpaͤßlichkeit an einer, entweder durch 231 deen Genuß zu vieler Fruͤchte, oder durch die Kaͤlte am Taurus ſich zugezogeuen Ruhr, ſtarb unſer frommer Geſandter Sir Dormer Cotton zu Cas⸗ bin, den 23. Juli 1628. Wir erhielten die Erlaub⸗ niß, ihn auf dem Gottesacker der dortigen armeniſchen Chriſten zu begraben, welche mit ihren Prieſtern dem Begraͤbniſſe beiwohnten. Sein Pferd, welches einen Trauerſattel auf ſich hatte, wurde vor ſeinem Sarge gefuͤhrt, uͤber welchen ein carmoiſinrothes, mit pur⸗ purfarbener Seide gefuͤttertes Leichentuch gedeckt war. Ueber dem Sarge lagen ſeine Bibel, ſein Schwert und ſein Hut. Diejenigen von ſeinem Gefolge, welche abkommen konnten, gingen hinter demſelben und Doktor Gough, ein ehrbuͤrdiger Mann, ſenkte ihn in die Gruft, auf der ich ihm, obgleich ſeine Tugen⸗ den und ſein Andenken niemals ausſterben koͤnnen, ein wuͤrdigeres Denkmal wuͤnſche. Nach einem monatlichen Aufenthalte zu Casbin, woſelbſt wir unſere beiden Geſandten begruben, ſchickte der Koͤnig einem jeden von uns zwei lange Kleider oder Roͤcke, als eine Gnaden⸗Bezeisung, Nachdem wir Mahomed Aly⸗Bey mehrmals un⸗ ſere Aufwartung gemacht hatten, erhielten wir die Erlaubniß, mit Briefen von Potſchaugh zur Si⸗ cherheit unſerer Reiſe verſehen, abreiſen zu duͤrfen. (Er uͤbergab uns uͤbrigens einen Brief von dem Koͤnige 232 in Perſien, an unſeren Koͤnig, der in ein Stuͤck Goldſtoff eingenaͤht, mit einer ſeidenen Schnur um⸗ wunden, und mit einem Chiffer⸗Stempel nach ihrer Weiſe verſehen war*). *) Siehe Sir Thomas Herbe ts Reiſen. *