—— 2r araaar 2 Arhracarararr aTARHRANE SrarEErErETArBrHrarhrar Leihbibliothek von Eduard Ottmann in Gießen. Täglicher Leſepreis für ein deutſches Vich 1 Kr. „„ franz. od. engl.„ 2„„ Das Abonnement beträgt: für wöchentlich 6 Bücher: 4 Bücher: 2 Bücher: ——— auf 6 Monat: 1 fl. 30 Kr. 4 fl. S Kr. 1 fl. 12 Kr. rarar Uanhuhnar 8 1 E 5 ——⸗ꝛX:——j ꝛy—— 1——⸗ Q8 Me e 8 Sam mt EE dhnaeh. n! Aare Cea 2 8 K Ttrd ae 5 „f SI2N mit den Ruſsischen Besifan mdgen am Raukasus. Erote Abheilung. Nürnber§ Bei Hadbengtreeker uidd ubner fe,es. 1 22 n 91 Dſp Thäbhasts ee 4 Wrckerime Tarmerdan wuaso NT Wn a ( 99 SSeas 7 agruAlor — mm äscht d. Mlilsrlem- Lan 2 d. hu ine * G aAlualilld, 1 5,n Lan wduate iau gagaig e ſh iiuch Vd Sh⸗ velagmin WanuiRnae an 5 Zmuch” 0— 25 Müiii iuee eae 1una derreunlner 22 MI ir Hauvse Rorieh Jerwnnahehan madnen- ahlfiaabad-, e mmmum̃ .A S 2 d ℳℳ NaT unSW Hynae 88 Aramdschu K Theil 2. 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Verlegt von Haubenſtricker und von Ebner. 1828. — Perſien. — Die erſte Reiſe in dieſes Land, welche den Euro⸗ paͤern mitgetheilt wurde, verfaßte der beruͤhmte Ve⸗ nezianer Marco Paolo aus den J. 1272— 93; ſie wurde in viele Sprachen uͤberſetzt, und öfters aufge⸗ legt.(S. China Baͤndchen I. II. d. Taſch.⸗Bibl.) Nach ihm ſind uns die Berichte einiger ſeiner Lands⸗ leute, Eatarino Zeno 1471, als: Joh. Bar⸗ baro, Ambr. Contareni, und M. Aluvigi⸗ von 4473— 77 durch Ant. Manuz zugekommen, welche als Geſandte am perſiſchen Hofe im XV. und XVI. Jahrhunderte geweſen ſind.— In der Ramu⸗ ſiſchen Sammlung befindet ſich der Bericht eines ita⸗ liſchen Kaufmannes, welcher 1507— 20 Perſien durchreiſte; in jener von Purchas iſt die Reiſe der Englaͤnder J. Cartwright, dann Ant. Jenkin⸗ ſon 1562, Joh. Neuberie 1584, und der Bruͤder A. und R. Sheirley, welche 1599— 1604 am Hofe des Schaches Abbas verweilten.— Der geheime Sekretar Tectander, welcher den Geſandten K. Ru⸗ 6 dolph's II., Stephan Kakaſch 1602 an den per⸗ ſiſchen Hof begleitete, ließ zu Altenburg 1609. 8. ſeine Reiſe mit Kupfern erſcheinen.— Ein Unbekannter, Namens Johann von Perſien, machte die Merk⸗ wuͤrdigkeiten Perſien's zu Valladolid 1604. 4. be⸗ kannt.— Die Reiſe der Englaͤnder Joh. Salbank und Robert Covert aus Indien nach Perſien 41609 wurde von Joh. de Laet in die elzeviriſche Sammlung uͤber Perſien aufgenommen.— Schade iſt, daß der Venezianer Peter della Valle bei ſeinen Geſandtſchaften am tuͤrkiſchen, perſiſchen und indiſchen Hofe 1614— 26 zu leichtglaͤubig war, wie aus ſeinen vertrauten Briefen erhellt, welche zu Rom 1650, 58, 63. 4. in 4 Theilen erſchienen, weder durch die wiederholten Auflagen, noch durch die Ueberſetzun⸗ gen in das Franzoͤſiſche und Teutſche von dieſem Flecken gereinigt worden ſind. Merkwuͤrdig iſt die Reiſe des Englaͤnders RNich. Steele aus Indien nach Perſien bis Bagdad 16145.— Die Reiſe des ſpaniſchen Geſandten Ga re de Silva Figueroa von 1617— 24 wurde in das Franzoͤſiſche und Engliſche uͤbertragen.— Auch die Reiſe Th. Herbert's von 1626— 27 Rach Perſien und Oſtindien wurde aus dem Egliſchen in das Hollaͤndiſche und Franzoͤſiſche uͤber⸗ fetzt. Beruͤckſichtigung verdient die Reiſe von Nik. Hemm nach J spahan 1623.— Nie erhielt ſich eine Reiſe⸗Beſchreibung laͤngere Zeit, oder durch zuehre Sprachen und Auflagen in Achtung, als die 7 neue Orientaliſche des daͤniſchen Sekretaͤrs Ad. Olen⸗ rius an der Seite der Geſandten J. A. v. Man⸗ delsloe, J. Anderſens und V. Yverſens 1636— 38. Neben 6 teutſchen Auflagen zu Schles⸗ wig und Hamburg erhielt ſie eine hollaͤndiſche, itali⸗ ſche, franzoͤſiſche und engliſche Ueberſetzung, und wurde noch im Auszuge mitgetheilt.— Die Reiſe des Hollaͤnders Sam. Imbrecht blieb unbeachtet. Deſto mehr Ruhm erwarb die Reiſe J. B. Taver⸗ nier's, welcher 4636— 64 ſiebenmal am perſiſchen Hofe war, neben 4à franzoͤſiſchen Ausgaben noch durch die Ueberſetzung in das Franzoͤſiſche und Teutſche. Aber keine fruͤhere Reiſe⸗Beſchreibung kam jener J⸗ Chardin's an Wichtigkeit des Inhaltes in gedraͤng⸗ ter Kuͤrze gleich. Er war 1664— 70, und 1671— 17 in Perſien und Oſtindien, der tuͤrkiſchen, perſiſchen und arabiſchen Sprachen ſehr kundig, begleitet vom beruͤhmten Maler Gelot, und unterſtuͤtzt von Herb. Diager und einem guten Mathematiker Indiens.— A. Dauliers Deslandes ſchilderte die Vorzuͤge Perſiens, und ließ gute Abbildungen zu Paris 4673 beifuͤgen.— Fryeris Reiſe von 1676— 81 wurde aus dem Engliſchen in das Hollaͤndiſche uͤberſetzt.— Der Bericht des franzoͤſiſchen Miſſionaͤrs Sanſon von 1683— 8s wurde in das Deutſche uͤberſetzt, und wiedetholt aufgelegrt.— Der ſchwediſche Geſandt⸗ ſchafts⸗Sekretaͤr Eng. Kaͤmp fer machte nicht allein 1683— 85 hoͤchſt wichtige Beobachtungen, ſondern auch 8 reiche naturhiſtoriſche Sammlungen, welche jetzt großen⸗ theils im brittiſchen Muſeum zu London ſich befin⸗ den.— Die Reiſe Fr. K. Schillinger's aus Et⸗ tingen, des Dieners zweier Jeſuiten nach Perſien und Oſtindien 1699— 4702 iſt nicht einer, vielweniger dreier Auflagen wuͤrdig geweſen.— Ein Gleiches gilt von jener P. Lucas.— Le Brun's Reiſen nach Mos⸗ kau, Perſien und Oſtindien 1704— s haͤtten ſich im Anſehen erhalten, wenn ſie auch nicht oͤfters aufge⸗ legt worden waͤren.— Die RNeiſe des ſchottiſchen Arztes J. Bell 1745, wurde erſt 1768 in das Fran⸗ zoͤſiſche uͤberſetzt.— Bemerkenswerth iſt J. J. Kett⸗ Ter's und J. G. Worms Reiſe von Batavia nach Ispahan in den J. 1716— 18.— Was der Miſſionaͤr de la Maze berichtete, war nicht von Bedeutung; wohl aber die Geſchichte der letzten perſiſchen Revolu⸗ tion von 1709 bis 4730, welche vom Jeſuiten du Cerceau aus den hinterlaſſenen Handſchriften des Ordens⸗Genoſſen Kruſinsky 4172s herausgegeben, gleichzeitig in das Engliſche und Teutſche uͤberſetzt wurden.— Sehr ungeſchminkt iſt die Reiſe des Pa⸗ riſer Akademikers Otter, welche von Schad erſt 1784 verteutſcht wurde.— J, Hanway's Tagebuch durch Rußland und Perſien 1743— 45 wurde um⸗ ſo ſchneller von Bernoulli verteutſcht, als es zugleich Nachrichten uͤber die Revolution Perſiens enthielt, in das Hollaͤndiſche uͤberſetzt, und zu London wiederholt 4772. erſchienen war.— Auch S. G. Gmelin's 9 Reiſe 4770— 72 wurde von den Deutſchen beſonders deßwegen verſchlungen, weil ſie mehre Nachrichten vom Schach Nadir enthielt, welche jenen von Han⸗ way zum Theile widerſprachen.— In den neueſten Zeiten erregten beſonders Intereſſe die Reiſen von Olivier, Mottraye, Moginié, Ives, For⸗ ſter, Franklin, Lundou, Ker⸗Porter, Grandpré, Ferrières⸗Sauveboeuf, Jau⸗ bert, Morier, Waring, Kotzebue, Wahl, und Anderer. 2 I. Reiſe des venezianiſchen Patriziers Jo⸗ ſeph Barbaro im Namen ſeiner Re⸗ publik nach der Tartarei und Perſien 1473. Aus dem Lateiniſchen über etzt, und in ge⸗ draͤngter Kürze mitgetheilt von M ichael Fiedler aus Bamberg*). — Wir landeten zu Tarſus. Dieſe ſchoͤne Stadt ge⸗ horcht dem Daulgador, deſſen Bruder Seſſicar *) Der Verfaſſer dieſer Reiſe ſtarb im hohen Alter zu Venedig 1494. Dieſe wurde zuerſt daſelbſt von ihm ſelbſt in italiſcher Sprache verfaßt, der Sammlung von Ral 3.Ramuſio ſpaͤter einge⸗ reitet, vmter dem uberſetzten Titel:„linera- rium ad fanaim et n Persiami⸗ mit de Scriptoribus rerun um Persicarum zu Frankfurt 1601. Fol., und im Auszuge durch Iph. von 11 heißt. Obgleich die Landſchaft ein Theil von Klein⸗ Armenien iſt, ſo ſteht ſie doch unter der Bothmaͤ⸗ ßigkeit des Sultans. Nach der Bemerkung des Leonclavius heißt dieſe Landſchaft oder Provinz Dulgadir; bei uns fuͤhrt ſie theils den Namen Anadoule, theils Ala⸗ doule. Die tuͤrkiſchen Jahrbuͤcher nennen ſie Dul⸗ garidis, deren Beherrſcher Aladeule. Dieſe Land⸗ ſchaft, von den Gebirgen Kappadoziens einge⸗ ſchloſſen, graͤnzt gegen Syrien an Aleppoz gegen das perſiſche Reich an Klein⸗Armenien; ge⸗ gen das tuͤrkiſche Reich an Amaſien; gegen Car⸗ manien an Adana und Tarſus. Die Stadt hat 3 Meilen im Umfange; zu ihr fuͤhrt eine ſteiuerne Bruͤcke uͤber den Fluß, welcher ſie rings umfließt. Die Burg, ſchoͤn aus Steinen er⸗ baut, iſt groß; die Stadt ſelbſt liegt auf einer Anhoͤhe. Von da kommt man in einer Tagreiſe zur ſehr großen Stadt Aden, welche gleichfalls ein nicht un⸗ Laet zu Leyden 1633. 18. aus der elzeviriſchen Drucrkerei mitgetheilt, wie es vor uns liegt. (Ludewigs und Joͤchers Woͤrterb., dann Voss de hist. Lat. III. 8., und Lambec. prodrom.) Der urſoruͤnglich itauſche Titel in: Viagsio di Josabhat Barbaro, Ambasciatore di Vene- tia alla Tana, in Persia. Nuova edizione. Venetia 1543. 8.(Jäck.) 12 bedeutender Fluß beſpuͤhlt; uͤber denſelben fuͤhrt eine ſteinerne, 40 Fuß lange, in Bogen getheilte Bruͤcke. Adeu und die benachbarte Landſchaft hat Ueberfluß an Baumwolle. Sie gehorcht dem Sultan, ungeach⸗ tet ſie in Klein⸗Armenien liegt.. Leonclavius bemerkt, daß der Fluß, welcher beide Staͤdte beſpuͤhlt, der Eydnus der Alten ge⸗ weſen ſei, die Tuͤrken nennen ihn Caruſu, von der ſchwarzen Farbe ſeines ſehr tiefen Waſſers. Viele Schloͤſſer und verwuͤſtete Staͤdte ſieht man bis zu den Ufern des Eu phratz auf einem tuͤrkiſchen Schiffe, in welchem ſich 16 Pferde fuͤr den Kaiſer befanden, ſetzten wir uͤber dieſen Fluß. An dem ent⸗ gegengeſetzten Ufer des Fluſſes uͤbernachteten wir in den Doͤrfern der Armenier. Die naͤchſte Stadt, auf welche wir ſtießen, war Orpha, welche einige fuͤr das alte Edeſſa halten; ſie gehorcht dem Aſfſam⸗ beus und wird von ſeinem Bruder Balibeck ver⸗ waltet. Von ihrem fruͤheren Glanze verlor ſie ſehr viel durch die Verwuͤſtung der Tuͤrken, wuͤhrend Aſſambeus Bir belagerte. Von hier kamen wir zur Stadt Medina an dem Fuße der Berge; den Eingang zu ihr geſtatten nur Leitern, deren Stufen gehauene Steine, 4 Schuhe groß, uͤber eine italieniſche Meile betragen. An ih⸗ rem Ende fuͤhrt ein Thor durch eine lange Straße in die Stadt; der Berg iſt reichlich mit Quellen ſuͤßen Waſſers verſehen. Zu einem anderm ſteilen Berge in 138 der Stadt, mit einer ſehr feſten Burg, fuͤhren gleich⸗ falls Leitern und Stufen; die eingefallenen Waͤnde der Burg dienen als Mauer und Marktplatz fuͤr die zahlreichen Buͤrger, welche bier mit Seide und Baum⸗ wolle Handel treiben. Von Medina kamen wir in s Tagreiſen zus Stadt Aſſanchiph, welche dem Aſſambeus ge⸗ horcht. Wendet man ſich rechts, ſo ſieht man viels Hoͤhlen und Gemaͤcher in einen kleinen Berg gehauen, welche zum Aufenthaltsorte der Menſchen dienen, an der linken Seite des Berges liegt die Stadt mit ei⸗ nem beruͤhmten Marktplatze, welcher 4/½ Meile groß iſt, mit Palaͤſten und einigen Moſcheen. Ueber den See und Fluß Sert, dem alten Tigris, welcher bei der Stadt vorbei fließt, fuͤhrt eine hoͤlzerne Bruͤcke. Ueber dieſen Berg kommt man auf eine Ebene mit einigen Huͤgeln, und nach 2 Tagen gegen Oſt zur Stadt Sairt. Sie hat die Geſtalt eines Dreieckes, und wird durch ein Kaſtel mit vielen Vorwerken auf der einen Seite geſchuͤtzt; die Mauern deſſelben ſind theils eingefallen. Die Stadt hat 3 Meilen im Um⸗ fange, viele Einwohner ſehr ſchoͤne Gebaͤude und Tem⸗ vel, und vorzuͤgliche Quellen; 2 große und reiſends Fluͤſſe, deren einer Betelis, der andere Isan heißt, durchſtroͤmen ſie. So weit erſtreckt ſich Klein⸗ Armenien. Jetzt muͤſſen wir die Laͤnder an dem Taurus, welcher von ſchwarzem Meere nahe bei Trapezun.t 14 beginnt, und ſich gegen Oſt bis an den Perſiſchen Meer⸗ buſen ausbreitet, durchwandern. Zuerſt ſtoͤßt man auf ſehr hohe und rauhe Gebirge, welche Kurden bewoh⸗ nen, die eine von ihren Nachbarn verſchiedene Sprache reden, und ſehr grauſame Raͤuber ſind. Ihre Woh⸗ nungen ſind ſo auf Bergruͤcken und rauhe Abhaͤnge gebaut, daß kaum ein Reiſender ihren Haͤnden entflie⸗ hen kann. Mir ſelbſt begegnete dieſes Ungluͤck: Denn als wir am 4. April 1474 fruͤhe aus der Stadt Che⸗ ran, welche einem Vaſallen des Aſſambeus ge⸗ horcht, gegangen waren, und kaum die Haͤlfte unſe⸗ res Weges zuruͤckgelegt hatten, wurden wir auf einem ſteilen Abhange von den Kurden angefallen. Der Geſandte des Aſſambeus und einige meiner Leute ſielen, ich ſelbſt verwundet, rettete mich mit Muͤhe durch die Flucht. Am dritten Tage betraten wir die Stadt Vaſtan, welche beinahe gaͤnzlich zerſtoͤrt, mit wenigen Einwohnern kaum 300 Haͤuſer hat. 2 Tag⸗ reiſen davon liegt Choy, gleichfalls zerſtoͤrt, mit nur 400 Haͤuſern. Als wir an das Ende des Berges Tau⸗ rus gekommen waren, fuͤhrte mich ein anderer Weg⸗ weiſer in 3 Tagen nach Tauris, dem Sebatana der Alten, und der Hauptſtadt Medien's. Soltania, eine ehmals beruͤhmte Stadt, ohne Mauern mit einem Kaſtelle, deſſen Mauern damals eingefallen waren, iſt ziemlich groß, hat 4 Meilen im Umfange, viele Einwohner, und Ueberfluß an Quellen. Wenn man von Sultania gegen Schiras reiſt, 15 kommt man zuerſt in die kleine Stadt Culperchean, deren eingefallene Mauern auf ihre fruͤhere Groͤße ſchließen laſſen; ſie hat gegen 2500 Haͤuſer. Von da betraten wir die Stadt Spahan,(Js⸗ fahan), welche ringsum mit einem Walle aus Raſen und einem Graben umgeben, 4 Meilen im Umfange hat. Rechnet man noch die Vorſtaͤdte hinzu, welche ſo ſchoͤne Gebaͤude, wie die Stadt zieren, ſo mag ſie ſich auf 10 Meilen erſtrecken. Die fruͤher zahlreichen, kriegeriſchen und ſehr reichen Einwohner ſollen ſich oft gegen ihre Koͤnige empoͤrt haben, und als vor 20 Jahren Giauſa ſich der perſiſchen Herrſchaft bemaͤch⸗ tigte, ſoll er bei einem Aufſtande jedem ſeiner Soldg⸗ ten befohlen haben, ein Haupt zu bringen; dadurch ent⸗ ſtand ein ſo großes Morden in der Stadt, daß jetzt kaum der ſechſte Theil der fruͤhern Bevoͤlkerung uͤbrig iſt. In der Stadt ſieht man viele Alterthuͤmer und ſehr ſchoͤne Kunſtwerke. Unter dieſen zeichnet ſich ein viereckiger See mit ſehr klarem und ſchoͤnem Waſſer aus; um dieſen ſtehen verſchiedene Saͤulen und Kauf⸗ manns⸗Buden, welche Nachts zur Sicherheit der Waa⸗ ren mit einer Verzaͤunung umgeben werden. Andere bewunderungswuͤrdige Gebaͤude uͤbergehe ich; die Volks⸗ zahl belaͤuft ſich in der Stadt und den Vorſtaͤdten auf 160,000. Die volkreiche Stadt Caſſan, in welcher viele Gewaͤnder aus Seide und Baumwolle verfertigt wer⸗ den, iſt mit einer Mauer umgeben, und hat einen 16 Umfang von beilaͤufig 3 Meilen und uͤberdieß noch mehre und große Vorſtaͤdte. Von da begaben wir uns nach Com, einer Stadt mit ichlechten Gebaͤuden; ſie hat s Meilen im Umfange, und eine Mauer. Die Einwohner treiben weder Acker⸗ noch Weinbau; in mehren Gaͤrten werden die beſten Melonen erzeugt; einige wiegen 30 Pfund, ihr Fleiſch iſt weiß und ſchmeckt ſo ſuͤß wie Zucker; ſie zaͤhlt 20,000 Haͤuſer. Im Verfolge unſerer Reiſe kamen wir zur Stadt Jeisd; welche von Seiden⸗Wirkern bewohnt wird; der Umfang ihrer Mauer betraͤgt bei sooo Fuße. Ihre Vorſtaͤdte ſind groß; ihre meiſten Bewohner treiben Weberei; die beſte Seide wird hierher in reichlicher Menge aus Strava, Azi und den Provinzen gegen Zagatagus und das Kaſpiſche Meer gebracht. Soweit reiſte ich gegen Suͤd. Aus meiner Ruͤck⸗ reiſe gegen Oſt will ich zuerſt ſprechen von Schiras⸗ der letzten Stadt Perſiens gegen OÖſten. Sie iſt groß, betraͤgt mit ihren Vorſtaͤdten bei 20,000 Schritte, iſt ſehr volkreich, und hat ſehr viele Kaufleute, weil alle von Ere, Sarmakand und andern oͤſtlichen Provinzen nach Perſien Reiſenden durchgehen. Af⸗ fambeus umgab ſie mit einem ſehr hohen, und fe⸗ ſten Walle aus Raſen und mit einem Graben; ſie zeigt ſehr ſchoͤne Tempel und kuͤnſtliche Gebaͤude; ihre See⸗ lenzahl belaͤuft ſich uͤber 200,000. Von hier kommt man auſſerhalb Perſien tur Stadt Exe in der Provinz Zagatais ſie gehoͤrt dem 17 Sohne des Sultans Buſech; ſie iſt zwar groß, aber um ein Drittheil kleiner, als Schiras. Von da fuͤhrt noͤrdlich durch Wuͤſten, unfruchtbare und waſſer⸗ arme Gegenden, ein Weg von 40 Tagreiſen nach Sar⸗ macandz dieſe Stadt gleichfalls in der Provinz Za⸗ gatai iſt ſehr groß und bevoͤlkert. Durch ſie gehen und reiſen zuruͤck die Kaufleute von Cin i, Mazini und Cathaen; dieſe Provinzen habe ich nicht ſelbſt geſehen; die Bewohner der großen Provinzen Cini und Macini ſollen Goͤtzendiener ſeyn. Wer von Tauris nach dem Perſiſchen Meerbu⸗ ſen reiſt, muß uͤber Cuerch, einer kleinen aber an ei⸗ nem guͤnſtigen Orte gelegenen Stadt. Von Ormuz zuruͤck fuͤhrt der Weg uͤber Lar, einer ausgezeichneten und großen Stadt mit einem Handlungsplatze. Ihr Umfang betraͤgt 2000 Fuße. Von da kommt man auf Schiras; dann zum großen Dorfe Camara, bei welchem man einen runden, gegen 6 Fuße hohen Berg erblickt, auf deſſen ebenen Scheitel 40 Saͤulen ſtehen, welche Chilminar, d. i. 40 Saͤulen heiſſen. Jede der⸗ ſelben iſt 20 Ellen hoch und ſo dick, daß kaum 3 Maͤnner ſie um ſpannen koͤnnen; einige von ihnen ſind zuſam) mengeſtuͤrzt, hier mag ehemals ein praͤchtiges Gebaͤude geſtanden ſeyn. Der Boden iſt ein Stein, in den Ge⸗ ſtalten von Menſchen eingegraben ſind, von gigantiſcher Groͤße; vor allen ein Bildniß in einem Kreiſe, in der Art wie wir unſern Gott Vater abbilden, mit einem Kreiſe in der Hand; unter demſelben ſind kleinere Fi⸗ I8tes B. Perſien. I. 1. 2 18 guren; ferner die Abbildung eines Mannes, welcher ſich auf einen Bogen ſtuͤtzt; dieſen halten ſie fuͤr Sa⸗ lomo. Weiter unten ſtehen weit mehre, welche ein hoͤher ſtehender Mann mit einer paͤbſtlichen Infel und mit erhabener und offener Hand zu ſeguen ſcheint. Tie⸗ fer erblickt man das Bild eines ſtarken Reiters, welchen ſie für Samſon halten. Nach dieſen folgen mehre Maͤnner mit langen Haaren in fraͤnkiſcher Kleidung. In 2 Tagreiſen kommt man zur Stadt Thimar, in ebenſoviel Zeit zu einer zweiten, wo die Mutter Salomos begraben ſeyn ſoll. Zur Stadt Deheb eth fuͤhren 3 Tagreiſen, zur ehemals großen und ſchoͤnen Stadt Vargau zweiz; ſie zaͤhlt jetzt 1000 Haͤuſer. Zur Stadt Deſter fuͤhren 4, nach Taſter 3 Tagrei⸗ ſen; in einem Tage kommt man nach Nasden; von da zur kleinen Stadt Meruth, und in 2 Tagen nach Gnerden, wo die Abrainer wohnen, welche ent⸗ weder ihr Geſchlecht von Abraham leiten, oder deſ⸗ ſen Religion befolgen. In 2 Tagen kommt man zur Stadt Naim von 500 Haͤuſern, in zwei zur Stadt Naiſtan, und in ebenſovielen Tagen zur kleinen Stadt Hartiſtan mit 600 Haͤuſern. Nach Caſſan ſind 3 Tage, und ebenſoviele von Caſſan nach Com. Von Com reiſt man in 1 Tage nach Sava, welches 4000 Haͤufer enthaͤlt. 3 Tagreiſen von Sava negt die kleine Stadt Euchar, und ebenſoviele Tag⸗ reifen entfernt Soltanig. Von Tauris bis zu den Provinzen, welche ge⸗ 19 gen Öſt am Kaſpiſchen Meere liegen, und zu Zaga⸗ tai gerechnet werden, fuͤhrt folgender Weg. Von Tauris bis Soltania ſind 7 Tagreiſen, von Soltania bis Euchar 3, von Suchar bis Sava 4, von Sava bis zur kleinen Stadt Koim 4, von hier bis zur kleinen und wenig bewohnten Stadt Rhei 3, von hier bis zur kleinen Stadt Sarri, ebenſoviele, von hier bis zur kleinen Stadt Sinda 4, von hier bis zur kleinen Stadt Tremigat 4, und von hier bis Bilans Sagreiſen. Hierauf folgt Strava; von ihr hat die Sekte der Stravanier ihren Namen; die Stadt liegt am Kaſpiſchen Meere in einer ungeſunden und Getreidar⸗ men Gegend; deßwegen ißt man hier Reis. An die⸗ ſem Meere liegen noch andere Oerter, wie Lahazi⸗ bent und Mandradan; in dieſem wird die beſte Seide von ganz Perſien geſammelt. 3 Wenn man von Trapezunt bis Tauris gegen Suͤd reiſt, ſo muß man uͤber Berge und durch unbe⸗ wohnte Waͤlder, wo man auf einige Villen und kleine Schloͤſſer ſtoͤßt. Das erſte Baiburth, in einem Thale, ringsum von Bergen eingeſchloſſen, iſt mit guten Mauern umgeben und wohl befeſtigt; der Bo⸗ den iſt fruchtbar; es hat s00 Haͤufer; als ſeinen Herrn erkennt es den Aſſambeu s. In s Tagreiſen kommt man zur ehemals großen, jetzt faſt ganz zerſtoͤrten Stadt Arzinga. Von hier bis an den Fluß Euphrat ſind 2 Meilen, uͤber denſelben fuͤhrt eine ſteinerne 20 Bruͤcke von 17 Bogen. 5 Tagreiſen von Arzinga lebte damals in dem Schloße Carputh Deſpina⸗ eatun, die Gemahlin des Aſſambeus, die Doch⸗ ter des Beherrſchers von Trapezunt. Dann kom⸗ men die wohlbefeſtigten Schloͤſſer Moſchont, Hal⸗ la und Thene. Jedes hat bei 500 Haͤuſer, bei ih⸗ nen laͤuft ein großer Fluß vorbei, welcher nicht weit von Carputh entſpringt. Die Bewohner dieſes Di⸗ ſtrietes heiſſen Coinari, d. i. die Viehzuchttrei⸗ benden. Gegen Oſft liegt das Schloß Pallu auf ei⸗ nem Felſen, mit beilaͤufig 300 Haͤuſern an einem Fluſſe. Von da kommt man gegen denſelben Himmelsſtrich zum Schloße Amus auf einem ſchlecht bebauten Bo⸗ den. Der Weg fuͤhrt dann nach Turkomanien, dem ehemaligen Groß⸗Armenien; die Bewohner deſſelben heiſſen Caraculu, d. i. ſchwarze Wid⸗ der; wie die Bewohner Perſiens und von Zaga⸗ tey Accortu, d. i. weiße Widder. Hier zeigt ſich zuerſt das kleine und gut befeſtigte Schloß Mus auf einem Berge; unter demſelben liegt eine volkreiche Stadt mit einem Umfange von 3 Mei⸗ len. 3 Tagreiſen davon liegt das ſchoͤne befeſtigte Schloß Alhart, an einem See, welcher in der Laͤnge 150 in ſeiner groͤßten Breite 50 Meilen betraͤgt. 15 Meilen davon gegen Nord liegt ein anderer See mit einem Umfange von beilaͤufig 8o Meilen. Unter Alhart liegt eine Stadt mit 100 Haͤuſern. An dem zweiten See liegt die ziemlich ſchoͤne und bemauerte Stadt 21 Ceus. In einer Tagreiſe laͤngs der Meereskuͤſte kommt man zur Stadt Herzis, nicht weit von derſel⸗ ben fuͤhrt uͤber einen Fluß eine Bruͤcke. 5 Meilen von dem See ſieht man das befeſtigte Schloß Orias; der See breitet ſich eine halbe Tagreiſe gegen Oſt aus; an ihm liegt die Stadt Coi. s Tagreiſen von Coi iſt eine Ebene, auf welcher ehemals eine große Stadt ſtand, welche in der Folge von Tamer lan zerſtoͤrt wurde. Hier findet man viele Villen, und nach dieſen einen See, welcher in der Laͤnge 200,000 und in der Breite 30 Schritte be⸗ traͤgt. Endlich kommen die 2 Staͤdte Teſſu und Ze⸗ riſterz beide zaͤhlen beinahe 3000 Haͤuſer. Die Reiſe von Sauris gegen Oſt, und biswei⸗ len gegen Nord, wenn man einige Orte in der Mitte auſſer Acht laͤßt, hat keine Schwierigkeit. In beilaͤufig 12 Tagen kommt man nach Sam machi einer Stadt Medien's in der Provinz Thezichia; ihr Beherr⸗ ſcher heißt Siruanſcha, die Stadt kann, wenn es die Noth erfordert 10,000 Reiter in das Feld ſtellen. Vom Kaſpiſchen Meere, welches ihr zur Rechten liegt, iſt ſie s Tagreiſen entfernt. Zur Linken hat ſie Mengrelien, das ſchwarze Meer, und Caitac⸗ chos am Fuße des kaſpiſchen Berges. Die Stadt iſt groß und hat gegen 5000 Haͤuſer; ihre Bewohner, groͤßtentheils Armenier, beſchaͤftigen ſich mit der Ver⸗ fertigung von Seidenzeugen. Von da iſt eine Tagreiſe bis Derbent eine Stadt, welche Alexander der Große am Kaſpi⸗ ſchen Meere erbaut haben ſoll, ſie liegt eine Meile von dem Berge auf welchem ein Schloß ſteht, deſſen 2 Mauern bis an die Wogen des Meeres reichen. Der⸗ bent in unſerer Sprache Enge, Engpaß, heißt heut zu Tage Thamircapi, eiſerne Pforte. Es ſcheidet Nedien von Albanien, welches jetzt einen Theil der Tartarei ausmacht; ſo zwar, daß diejenigen, welche aus Syrien oder Perſien in die Tarta⸗ rei reiſen, nothwendig durch dieſe Stadt gehen muͤſ⸗ ſen. Denn zwiſchen dem ſchwarzen und kaſpiſchen Meere dehnen ſich in einem Zwiſchenraume von 500,000 Fußen ſehr hohe Berge und Thaͤler aus, welche kleine Zaunkoͤnige bewohnen; niemand getraut aus Furcht vor Naͤubern durch dieſe zu gehen. Am Kaſpiſchen Meere liegt die Stadt Bachu, nach welcher jetzt das Kaſpiſche Meer benannt wird. Nahe bei derſelben entquillt aus einem Berge ſchwarzes, ſtarkriechendes Oel, welches die Bewohner anzuͤnden, und ihre Ka⸗ mele mit demſelben gegen die Raͤude, welcher ſie ſehr ausgeſetzt ſind, einreiben. 23 — II. Auszug aus der Reiſebeſchreibung des venetianiſchen Patriziers Ambros Con⸗ tareni als Geſandten zu dem Könige Uſun Caſſam von Perſien 1475— 77. Aus dem Lateiniſchen übepſetzt von Michael Fiedler'“). Die Stadt Theodoſia loder Caffa) an den Ge⸗ ſtaden des ſchwarzen Meeres, iſt ein beſuchter und be⸗ 8 **) Viaggio di A, Contareni, Ambasciadore di Venctia, ad Ussun-Cassam, Rè di Persia. Nuova ediz. Ven. 1545. 38. Dieſe Reiſe wurde vom Nuͤrnbergiſchen Patrizier Jak. Geuder gus Heroluberg in das Lateiniſche uͤberſetzt, der Frankfurter Sammlung perſtſcher Gegenſtaͤnde 1601 einge eihet, von Peter van der Aa in das Franzoͤſiſche uͤberſetzt, und mit deſten 24 ruͤhmter Handelsplatz mit ſehr vielen Einwohnern, welche wie das Geruͤcht geht, reich und maͤchtig ſind. Am 15. Juni 1473 ſegelten wir von Caffa mit gutem Winde in das ſchwarze Meer, und ſteuerten in gerader Richtung auf Ting. Als wir ſchon bei 20 Meilen zuruͤckgelegt hatten, mußten wir, wegen der Gefaͤhrlichkeit dieſes Platzes auf Ermahnung der Schiffer, das Schiff gegen Liaſi und Phaſis rich⸗ ten. Am 29. Juni kam ich in den Ort Varti; die Pferde wurden an das Land gebracht, und nach Pha⸗ ſis, welches 60 Meilen entfernt liegt, gefuͤhrt. Varti iſt ein Schloß und kleines Dorf in Ming⸗ relien. Der Beherrſcher des Landes heißt Gor⸗ bola; ihm gehoͤrt auch Caltichea, ein unbedeu⸗ tender Ort am ſchwarzen Meer. Man findet da we⸗ der Seide, noch Hanf, noch Wachs; die Bewohner ſind ſehr armſelig. Am 1. Juli kamen wir in die Muͤndung des Pha⸗ ſis. Ich begab mich auf einen Kahn, und ſtieß auf eine Inſel, auf welcher Oetes, Medeg's Vater, Recueil de divxers. voyages curieux verbun⸗ den.(Joͤcher, Zedler, Meuſel, Geßner, Poſ⸗ ſevin, Miraeus. Voss hist. Lat. IV.) Wir benutzten: Jo. de Laet Persia. Lugd. Bat. 1055. 18. p. 209— 214., s. Excerpta quaedam ex ltincrario A. Contareni Ven. Reip. Legati ad Usun Cassanum.(Jacck.) 25 regiert haben ſoll. Hier uͤbernachteten wir, ſehr be⸗ unruhigt durch die Stiche der Muͤcken. Am folgenden Tage beſtieg ich einen Kahn, fuhr bei der Stadt Aſſo an dem Geſtade, das ringsum mit Waͤldern verſehen iſt, vorbei, hier iſt der Fluß nur zwei Stein⸗ wuͤrfe breit; ich ſtieg an das Land, und verweilte 2 Tage. Die Stadt Phaſis in Mingrelien gehoͤrt dem Fuͤrſten Bendian, welcher ein kleines Gebiet hat, das kaum 3 Tagreiſen groß, allenthalben mit Waͤl⸗ dern und Bergen umgeben iſt, ſeine Bewohner ſind roh, und kommen den Thieren gleich. Sie bereiten Bier, und haben wenig Korn und Wein. Ihre ge⸗ woͤhnliche Speiſe iſt Buchweitzen, welcher wie Brei gekocht wird. Nichts fehlt ihnen als Fleiß und Be⸗ triebſamkeit, um ſo viele Fiſche in dem Fluſſe zu fan⸗ gen, als zu ihrem Unterhalte noͤthig waͤren. Sie nen⸗ nen ſich Chriſten, und beobachten die Gebraͤuche der Griechen, welche ſie durch den graſſeſten Aberglauben entſtellt haben. Am 4. Juli verließ ich Phaſis, ſetzte uͤber den Fluß, legte in 2 Tagen, fortwaͤhrend durch Waͤlder und uͤber Berge, einen großen Theil von Mingre⸗ lien zuruͤck, und kam gegen Abend nach Mazus, wo Bendian mit ſeinem ganzen Hofe unter Baͤu⸗ men ruhte. Am 7. Juli fuͤhrte uns der Weg fortwaͤhrend uͤber Berge und durch Waͤlder; am folgenden Tage ſetzten 26 wir uͤber den Fluß, welcher ingrelien von Geor⸗ gien trennt. Am 11. Juli kamen wir auf Cota⸗ chis, einer kleinen Stadt, mit einer aus Steinen erbauten Feſtung auf einem Huͤgel, nebſt einem alten Tempel. Am 12ten brach ich auf, ging fortwaͤhrend uͤber Berge und durch Waͤlder, und uͤbernachtete am Fuße des Berges: zunaͤchſt liegt das Schloß Sean⸗ der, die Reſidenz des Koͤnigs Pangrates. Ich wur⸗ de zu ihm gefuͤhrt, und erhielt einen Wegweiſer. Am 15ten ſetzte ich die Reiſe durch Waͤlder und uͤber ſchreckliche Gebirge mit der groͤßten Beſchwerde fort. Am 11ten kamen wir zur Stadt Goriden, welche unter der Bothmaͤßigkeit des Koͤnigs von Georgien ſteht; ſie liegt in einer Ebene, hat ein feſtes Schloß; ein großer Fluß laͤuft an ihr vorbei. Die Provinz Georgien uͤbertrifft Mingre⸗ lien ein wenig an Fruchtbarkeit; die Einwohner ſind jedoch einander hinſichtlich der Sitten und Lebensart gleich. Am 2o. Juli verließen wir dieſen Platz, reiſten fortwaͤhrend uͤber Berge und durch Waͤlder; biswei⸗ len trafen wir einige Doͤrfer, wo wir uns Lebensmit⸗ tel verſchafften. Wir uͤbernachteten im Graſe an Quellen hingelagert; auf dieſe Art durchreiſten wir ganz Mingrelien und Georgien. Am 22. Juli beſtiegen wir einen Berg von unermeßlicher Hoͤhe, und erreichten kaum gegen Abend den Ginpfel deſſel⸗ ben, wo wir uͤbernachten mußten, obwohl wir Man⸗ 27 gel an Waſſer litten. Am folgenden uͤberſtiegen wir den Berg, und kamen zuerſt in das Gebiet des Uſun Caſſam, den Anfang Armeniens. Gegen Abend kamen wir in das Schloß Reo auf einer Ebene an einem ſehr tiefen Fluſſe; auf der anderen Seite um⸗ gibt ſie ein ſehr hoher Berg. An dem ufer deſſelben iſt ein von Armeniern bewohntes Dorf; in der Burg liegt eine Beſatzung von Uſun Caſſam. Am 26. Juli verließen wir Reo, kamen uͤber einem Berg in eine Ebene hinab, dann zum Berg Noaͤ, welcher wegen ſeiner Hoͤhe das ganze Jahr mit Schnee be⸗ deckt iſt. Dann zog ſich die Reiſe durch geraͤumige mit Huͤgeln beſetzte Ebenen. Am 30. Juli erreichten wir das Schloß Chiagri, welches den freien Ar⸗ meniern gehoͤrt. Am 1. Auguſt kamen wir gegen Abend auf ein armeniſches Dorf, am Fuße eines Ber⸗ ges. Am folgenden Tage ſetzten wir uͤber den vor⸗ bei laufenden Fluß. Zur linken Seite erblickt man 11 armeniſche Doͤrfer in einiger Entfernung von ein⸗ ander. Dieſe Gegend iſt die fruchtbarſte und ange⸗ nehmſte in ganz Perſien. Am 3. Auguſt erreichten wir Nachts die Stadt Marerichi, und ſetzten des anderen Tags darauf in der groͤßten Hitze uͤber Ebenen unſere Reiſe zu Pferd fort, ohne einen Trunk reinen Waſſers zu er⸗ halten. Am folgenden Tage betraten wir Tauris oder Eebatana: es liegt in einer Ebene, und wird 28 von einem ſchlechten Walle von Erde umgeben. In der Naͤhe erblickten wir die tauriſchen Berge. Am 22ten verließ ich SEebatana. Die Gegend, durch welche wir reiſten, war uͤberall eben, ſehr ſel⸗ ten mit Huͤgeln umgeben, duͤrr, und wegen Mangel der Fluͤſſe baumlos, mit Ausnahme der Ufer derſel⸗ ben. Wir ſtießen auf kleine Doͤrfer, ruhten Vormit⸗ tags auf dem Felde, welches uns auch zum Nachtla⸗ ger diente; in den Doͤrfern verſchafften wir uns die Lebensmittel. Auf dieſe Weiſe erreichten wir am 27. September die Stadt Soltania mit einer ge⸗ raͤumigen Burg und mit Mauern. In ihr erblickt man 3 eherne Thore, welche zu Damask verfertigt wurden. Die Stadt auf einer Ebene wird von be⸗ nachbarten Berghoͤhen umgeben; jeden Winter wan⸗ dern die Einwohner wegen der Kaͤlte aus. Den 253. September reiſten wir bald uͤber Ebenen, bald uͤber Huͤgel, und uͤbernachteten im Felde. Den 4. October landeten wir bei der Stadt Senaz ſie liegt ohne Mauern auf einer Ebene, und wird von einigen Baͤu⸗ men umgeben. Den 6. October erreichten wir fruͤhe die Stadt Kom. Die nicht ſehr große Stadt auf ei⸗ ner Ebene iſt mit einer aus Lehmen erbauten Mauer umgeben. Sie hat viele Einwohner und Ueberfluß an Allem. Den 1:. Oectober erreichten wir die Stadt Kaſſan, welche ſchoͤner als Kom iſt; am folgenden Tage die Stadt Nethas auf einer Ebene, welche Ueberfluß an Wein hat. Den 28. October ſetzten wir unſere Reiſe uͤber eine Ebene fort; den 3. November kam ich zur Stadt Spaan(Isfahan), wo ſich Uſſun Caſſan aufhielt. Die Stadt von einem Walle aus Erde um⸗ geben, liegt in einer Ebene, und hat Ueberfluß an allen Bequemlichkeiten des Lebens. III. Auszüge aus der Reiſebeſchreibung ei⸗ nes unbekannten italiſchen Kauf⸗ mannes vom Jahre 1507 bis 1520. Aus dem Lagteiniſchen überſetzt von Michael Fiedler'). Von Aleppo reiſte er ab, kam zuerſt uͤber den Eu⸗ phrat in die kleine Stadt Bir am Geſtade deſſel⸗ ben; der Sultan Carabeech umgab ſie mit einer Mauer; ſie hat ein ſchoͤnes und feſtes Schloß. Er 3 *) Excerpta ex itinerario Itali Mercatoris Ano- nymi, apud Ramusium, interpreto Jo. de Laet. Lugd. Bat. ex off. Elzevir. 1633. 18. p. 214— 220. Das Original betitelt ſich; Viag- gio d'un Mercante nella Persia, dall' anno 1507 sino all' anno 1520; nella Raccolta de' viaggi di Ramusio Vol. II. p. 78.(Jaeck.) 31 bemerkt auch, alle Staͤdte und Schloͤſſer jenſeits des Euphrats haͤtten immer unter der Herrſchaft des perſiſchen Koͤnigs geſtanden, ſo wie die Laͤn⸗ der dieſſeits des Fluſſes unter dem Sultanate von Aegypten. Von Bir kommt man in 2 Tagen nach Orfa, welches die Einwohner fuͤr ſehr alt ausgeben, und Nimrod erbaut haben ſoll. Der Umfang der Stadt betraͤgt 10,000 Fuße ohne dem Graben; in ihrer Mitte ſtehen 2 ſchoͤne und hohe Saͤulen, welche jenen vor dem Gebaͤude des h. Markus zu Venedig nicht nachſtehen. Eine ſchoͤne Quelle treibt in der Stadt 7 Muͤhlen, und bewaͤſſert die benachbarten Felder; man nennt ſie die Quelle Abraham's. Gegen 6000 Schritte außerhalb der Stadt iſt ein Brunnen, deſſen Waſſer den Ausſatz heilen ſoll. Die vorzuͤglich ſchoͤne Stadt hat viele Palaͤſte und 10— 12 Tempel, welche haͤuſig mit Marmor ausgelegt find. Ihr Ge⸗ biet iſt ſehr reitzend und fruchtbar; die Stadt ſelbſt iſt die Hauptſtadt der Provinz Diarbeck. Zwei Tagreiſen von Orfa liegt auf einem klei⸗ nen Berge das Schloß Jumilen mit einer ſchwa⸗ chen Mauer, und einem engen Graben aus Steinen. In ihrer Umgebung ſind viele Hoͤhlen in den Felſen, welche den Landleuten, vorzuͤglich den rohen, zum Aufenthalte dienen. Das Land iſt ſo duͤrr, daß in den Fruͤhlings⸗Monaten das Regenwaſſer in Ziſternen ge⸗ ſammelt werden muß. Drei Tagereiſen von dieſem 32 Schloſſe liegt die ſehr große Stadt Caramit, wel⸗ che Conſtantin erbaut haben ſoll; ſie hat im Um⸗ fange 10— 1200 Fuß, ſtarke Mauern aus natuͤrlichen Steinen mit 360 großen und kleinen Thuͤrmen von bewunderungswuͤrdiger Bauart. In der Stadt ſieht man viele prachtvolle Tempel und marmorte Palaͤſte mit griechiſchen Inſchriften. Sie hat Ueberfluß an Waſſer und Quellen; unter den Fluͤten, welche ſie beſpuͤhlen, iſt der Set merkwuͤrdig⸗ welcher in den Wintermonaten außerordentlich anſchwillt, reißend nach Aſſauchif ſich ſtuͤrzt, und bei Bagdad ſich in den Suphrat ergießt. Von Caramit ſſt eine Tagreiſe zum ſchoͤnen Schloſſe Dedu, welches mehre Doͤrfer unter ſich hat. Von Dedu kommt man in einem Tage zur ſchoͤnen Stadt Mirdin, mit einem Umfange von 4— 5000 Schritten auf einem hohen Berge; ſie hat ein Schloß mit ſtarken Mauern, praͤchtige Pglaͤſte und Tempel. Wenn ſie nicht an Waſſer, welches beinahe ſalzig iſt, Mangel litte, ſo wuͤrde ſie die ſchoͤnſte Stadt der Provinz Diarbeck ſeyn. Von Mirdin liegt zwei Tagreiſen entfernt ge⸗ gen Norden die Stadt Gizire auf einer Inſel; ſie wird von Armeniern, Curden und andern Voͤlkern bewöhnt; der Fluß Set, welcher an ihr vorbei laͤuft, beruͤhrt den benachbarten Berg, auf welchem ein ris Reiſenden zur Rechten gelaſſen. Schloß ſteht. Dieſe Stadt wird von den nach Tau⸗ 33 Vier Tagreiſen davon liegt Aſanchif, die Haupt⸗ ſtadt von Diarbeck; ſie hat 4— 5000 Fuß im Um⸗ fange, eine Mauer an dem Fuße eines Berges; an ihr laͤuft der Fluß Set vorbei. Sie iſt ein bevoͤlker⸗ ter Handelsplatz. In der Naͤhe der Stadt ſind 2 Schloͤſſer; außerhalb derſelben 4 Vorſtaͤdte; gegen Oſten ſind an dem Abhange eines Berges ſehr viele Hoͤhlen in die Felſen gehauen, welche einer mittel⸗ maͤßigen Stadt gleich kommen. Unter dieſen liegt eine andere Vorſtadt mit praͤchtigen Gebaͤuden; zen⸗ ſeits des Fluſſes befinden ſich an den ſchroffen Ufern deſſelben aͤhnliche Hoͤhlen und ausgezeichnete Palaͤſte mit ſehr ſchoͤnen Stufen, welche zu dem Fluſſe hin⸗ abfuͤhren. Von dieſer Vorſtadt fuͤhrt eine ſehr ſchoͤne und bewundernswuͤrdige Bruͤcke zur Stadt. Fuͤnf Tagreiſen von Aſanchif liegt auf einem rauhen Berge in einer gebirgigten und duͤrren Ge⸗ gend das Schloß Cafondeur. Ein wenig von der Strabe abwaͤrts werden bei der Stadt Sert Gall⸗ aͤpfel und Kaſtauien in reichlicher Menge erzeugt. Unter Aſanchif ſind die 3 ſehr ſchoͤnen Schloͤſ⸗ ſer Aixu, San ſon und Arcem. Bitlis, eine mittelmaͤßige Stadt, ohne Mauern, wird durch ein ziemlich großes Schloß auf einer An⸗ hoͤhe vertheidigt. Die Stadt liegt zwiſchen ſehr hohen Bergen in einem Thale. Dieſe Gegend iſt ſo lange dem Schnee ausgeſetzt, daß die Einwohner vor dem 186es B. Perſten. I. 1. 5 34 20. April nicht ſaͤen koͤnnen. Die Stadt durchſchnei⸗ det ein Fluß. Zwei Tagreiſen von Bitlis iſt das kleine Ka⸗ ſtell Totavan auf einem Berge, welcher an einen ſalzigen See graͤnzt; er hat 300,000 Fuß in der Laͤnge, und 150,000 in der Breite; in der Naͤhe wohnen vor⸗ zuͤglich Armenier auf ſehr vielen Doͤrfern. An der oͤſtlichen Seite deſſelben liegen 4 Schloͤſſer: Tota⸗ van, Vaſtan, Van und Belgari; an der weſtli⸗ chen 3, Argis, Abalgiris, und Kalata. Die⸗ ſes jetzt kleine Schloß zeigt aus ſeinen Ruinen, daß es fruͤher eine große Stadt war. Zwiſchen Tota⸗ van und Vaſtan liegt eine Inſel 2000 Fuß uͤber das Ufer erhoͤht, ein nackter Fels, welcher ganz von der Stadt, die 2000 Schritte im Umfange hat, um⸗ geben wird. Sie heißt Arming, und wird von vie⸗ len Armeniern bewohnt. Den See umgeben zwei ſehr hohe, mit Schnee bedeckte Berge. Zwei Tagreiſen entfernt liegt das Schloß Va⸗ ſtan, welches Ismael ſo zerſtoͤrte, daß nichts als ein Dorf mit einem Marktplatze uͤbrig blieb. In laͤnglicher Geſtalt liegt auf einem Felſen eine Tagreiſe entfernt, das Schloß Van; es hat 1000 Scehritte im Umfange, und iſt uͤber eine Meile von dem See entfernt. Drei Tagreiſen von Van wird das Schloß Ela⸗ 35 tamedia, von Turkomanen bewohnt; 3 Tagereiſen weiter Merent;(eine ehemals große Stadt, wie ihre alten Gebaͤude beweiſen) auf einer Ebene mit vielen kleinen Fluͤſſen und ſehr ſchoͤnen Gaͤrten. Drei Tagreiſen von Merent iſt eine ſehr ſchoͤne Ebene, rings von Bergen umgeben; in ihrer Mitte liegt die große Stadt Coi, deren fruͤhere Groͤße man aus den Truͤmmern der Gebaͤude ſieht. Der Koͤnig von Per⸗ ſien, Scha⸗Ismael, erbaute hier einen praͤchtigen Palaſt, Doulet Chana, d. i. ſchoͤnes Haus ge⸗ nannt. Von da kommt man uͤber die kleine Stadt So⸗ phian, und endlich zur ſehr beruͤhmten und alten Stadt Tauris, von der wir oben mehres erwaͤhnt haben. Ardevil iſt 4 Tagreiſen von Tauris entfernt. Maumutaga, ein ſehr feſtes Schloß am kaspiſchen Meere, hat einen Hafen, in welchem die Schiffe von Sara und Maſandran mit Waaren aller Art, welche nach Summachia und Dauris gefuͤhrt werden, landen. Von dieſem Schloſſe ſind zwei Tagreiſen nach Sum machig, einem großen und beruͤhmten Handelsplatze. Von Maumutaga fuͤhrt ein Weg zu? Lagrei⸗ ſen durch die Provinz Servan nach Derbent; ſie hat nicht weit vom kaspiſchen Meere 3 große Staͤdte, 36 und eben ſo viele Kaſtelle. Die Hauptſtadt iſt Sum⸗ machia, eine Tagreiſe vom Meere. Nicht weit davon liegt auf einem ſehr hohen und felſigten Berge das Schloß Culiſtan, mit einem ſehr beſchwerlichen Zugange. — V. Reiſebeſchreibung des Engländers An⸗ kon Jenkinſon von Rußland bis Boghar in der Tartarei im Jahre 1557. Aus dem Lateiniſchen überſetzt von Michael Fiedler). — Am 12. Mai 1557 verließ A. Jenkinſon als Ober⸗ befehlshaber einer Flotte von 4 Schiffen den Haven von Graveſand, und wurde Begleiter des ruſſiſchen ——— 385 Geſandten Oſey Nepea Gregorowich, welcher mit ſeinem Gefolge auf dem Schiffe, die Schluͤſſel⸗ Blume genannt, ſich befand. Sie ſegelten um Nor⸗ wegen, kamen am 12. Juni nach St. Nikolaus in Rußland, und fuhren dann nach Moskau. Von hier fuhr Jenkinſon in 24 Franzoͤſiſchen Meilen nach Kollom, ohngefaͤhr eine Meile von hier ergießt ſich der Fluß Moskau in die Okaz von ih⸗ * ſogar als Geſandter der Koͤnigin Eliſabeth, und 1562 noch eine in Handlungs⸗Angelegenhei⸗ ten nach Perſien. Er verfaßte ſorgfaͤltig alle ſeine Bemerkungen auf den Reiſen in Briefen an die Moskowitiſche Geſellſchaft und Private, welche Briefe nicht nur von Hackluyt und Purchas in ihre vaterlaͤndiſchen Sammlungen aufgenommen, ſondern auch in das Franzoͤſiſche ¹ 6 uͤberſetzt, und dem Recueil des Voyages au Nord eingerihet wurden. Sie ſind beſonders wegen der Breiten ſehr ſchaͤtzbar, welche er an den Orten ſeines Aufenthaltes nahm. Die Mos⸗ G kowitiſche Geſellſchaft veranſtaltete eine beſon⸗ dere Ausgabe derſelben unter dem Titel:„The voyages of Persia by the Merchants of Lon- don;“ Prevoſt uͤberſetzte ſie in das Franzoͤſi⸗ 3 ſche, aus welchem ſie auch in die Allgemeine Hiſtorie der Reiſen Theil VII. 8. 519— 55 üPber⸗ tragen wurden. Ein lateiniſcher Auszug aus den verſchiedenen Ausgaben findet ſich in: Jo. de Laet Perfia. Lugd. Bat. 1605. 18. p. 250— 268, welchen wir hier benutzten. (Jaeck). 39 rem Zuſammenßuſſe bis zum Schloſſe Terrevetisko ſind 8 Meilen. Wenn man dieſes zur Rechten laͤßt, fuͤhren 8 Meilen zum Schloſſe Peroslave; von da bis zu den Truͤmmern des alten Rezania ſind 6, bis zur Feſte Terrecov 12 Meilen, bis zum Schloſſe Caſſis mehre Meilen; zur Linken von dieſem bis Morom o, bis Nyse⸗Novogorod 25 Meilen. Hier ergießt ſich die Oeea in die Wolgaz bis Va⸗ ſiliogorod fuͤhren 28, bis zum Kaſtelle Sabow ſh a⸗ re 16; bis zum Schloſſe Sugaſtio 25, bis Cazan noch viele Meilen. Die Inſel, auf welcher die Stadt Aſtrachan liegt, iſt vom Aequator 47 Grade und 10 Minuten entfernt. Von dieſer Inſel ergießt ſich in verſchledenen Kruͤmmungen ein Fluß in das Kaspiſche Meer; ſeine oͤſtliche Muͤndung iſt von Aſtrachan 20 Meilen entfernt. Wenn man von dieſer Muͤndung laͤngs des Geſtades gegen Norden reiſt, erblickt man zuerſt die Inſel Accurgar mit einem hohen Berge, und 10 Meilen davon die Inſel Bawhiata, welche noch viel hoͤher als die erſtere liegt. Beide liegen an einem Meerbuſen„welcher ſich gegen Norden ausbrei⸗ tet, und das himmelblaue Meer heißt. Von dieſer Inſel kommt man zur Landſchaft Bauglea⸗ tan, welche von der Muͤndung der Wolga 74 Mei⸗ len, vom Aequator 46 Grade und 14 Minuten gegen Norden liegt. Hierauf reiſten ſie 10 Meilen laͤngs des Geſtades gegen Oſten, und ſetzten uͤber den Fluß Jaicz von der Muͤndung deſſelben liegt beinahe eine 40 Tagreiſe entfernt die Stadt Sera chick; ſie gehorcht dem Tartaren-Fuͤrſten; ihre Einwohner treiben Viehzucht, und ſind ſehr raͤuberiſch. 16 Meilen von Jaie fuhren ſie uͤber einen 6 Meilen breiten Meer⸗ buſen, und kamen an ein Vorgebirge; nach deſſen Ue⸗ berſteigung gegen Norden die Kuͤſte wieder erſcheint, und einen Buſen oͤffnet, in welchen ſich der Fluß Nem aus der Provinz Colmack ergießt. Nach 24 Meilen ſtoͤßt man auf eine Inſel mit vielen Sandbaͤnken, und binter dieſer gegen Norden auf einen Meerbuſen. Die Reiſenden um den Sandhaͤnken zu entgehen, wendeten ſich rechts gegen Oſten, und erblickten nach 30 Meilen die Meereskuͤſte mit hohen und ſteilen Bergen wieder. Als ſie laͤngs der Kuͤſte hinfuhren, kamen ſie zuerſt an einen Meerbuſen und eine hervorragende Landſpitze. Wegen unguͤnſtigen Windes warfen ſie in dem Hafen Manguslave Anker, und kauften ſich am 3. Sept. bei ihrer Landung fuͤr theures Geld Kamele. Hierauf betraten ſie das Gebiet des Tartaren Sultan Timor, und kamen uͤber waſſerloße Laͤnder am 5. Oktober wieder an einen Buſen des Kaspiſchen Meeres, in welchen ſich ehmals des Oxus ergoß; jetzt ergießt er ſich in den Fluß Ardock welcher gegen Nord fließt, und ſich unter der Erde verlieren, nach einem ungeheueren Zwiſchenraume wieder erſcheinen, und ſich in den See Kithay ergieſſen ſoll. In 1 Tagreiſen erreichten ſie das Schloß Selli⸗ zure, welches damals Asim Chan beherrſchte. Es — 41 liegt auf einem hohem Berge: die Wohnung des Chan iſt aus Lehm erbaut. Gegen Suͤden liegen niedrige und fruchtbare Laͤnder; die große und ſaftreiche Frucht Dy⸗ nie gebrauchen die Einwohner nach Tiſche als Ge⸗ traͤnke; die Frucht Carbuſe von der Groͤße einer ſtarken Gurke, hat eine gelbe Farbe und einen liebli⸗ chen Geſchmack; Tegur eine Art Korn, deſſen Halm ſo dick wie das Zuckerrohr iſt, wird hoch, das Korn iſt wie der Reis; an der Spitze des Rohres wie Wein⸗ trauben ſich ausbreitend. Zwei Tagreiſen ſind von Sellizure bis zur Stadt Urgenee, welche der Sultan Ali, Asims Bruder, beherrſchte. Er hatte vor kurzem die Stadt Coraſan an den Graͤnten Perſiens erobert. Die Stadt Urgence auf einer Ebene, mit einem Walle aus Lehm, hat im Umfange 4 Meilen; die Gebaͤude beſtehen aus angehaͤuften Naſenſtuͤcken; ſie hat eine bedeckte Straſſe, welche zum Handelsplatze dient. Die ganze Landſchaft vom Kaspiſchen Meere bis zur Stadt heißt Turkomanien„ und gehorcht dem Sultane Azim und deſſen Bruͤdern, welche unter ſich im Zwieſpalte leben, und von verſchiedenen Muͤttern geboren ſind. Die meiſten Einwohner leben auf dem Lande von großen und dickſchwaͤnzigen Schafen; ſie ge⸗ krauchen kein Geld, ſondern treiben Tauſchhandel, eſ⸗ ſen kein Brod, aber deſto mehr Fleiſch; ſauere Pferde⸗ Milch dient ihnen als Trank. 1 42 Von Urgence reiſten ſie 100 Meilen laͤngs des Fluſſes Oxus, ſetzten uͤber den großen und reiſenden Fluß Ardoe, und kamen am 7. Dezember zum Ka⸗ ſtelle Kait, welches der Sultan Saramet, der Bru⸗ der des Koͤnigs von Urgence beherrſcht. Am 13. September kamen ſie zur Stadt Boghar in Backtrien, ſie liegt auf einem niedrigen Boden, und iſt mit einem hohen, aus Lehm erbauten Walle umgeben; zwei Theile derſelben bewohnt der Koͤnig, in dem dritten wohnen die Kaufleute und Handwer⸗ ker getrennt. Die Haͤuſer ſind aus Raſen erbaut; nur wenige Haͤuſer, einige Tempel und ſehr pracht⸗ volle Baͤder ſind aus Steinen erbaut, durch die Mitte der Stadt laͤuft ein kleiner Fluß mit ungeſundem Waſſer, welches denjenigen, welche es zu trinken nicht gewohnt ſind, an den Schenkeln Wuͤrmer zwiſchen Hant und Fleiſch erzeugt. Niemand darf hier etwas anders trinken, als Waſſer oder Pferde⸗Milch. Strenge wird gegen diejenigen verfahren, welche Brantwein oder einen aͤhnlichen Trank zu ſich nehmen. Dieſe Landſchaft gehorchte ehemals den Perſern; ihre Bewohner reden heute noch die perſiſche Sprache, fuͤhren aber beſtaͤndig der Religion wegen mit den Per⸗ ſern Krieg, wiewohl ſie der Lehre Mahomets an⸗ haͤngen. Dieſe Tartaren ſcheeren die Oberlippe glatt, wie die Perſer, welche ſie Caphars d. i. Treuloſe nennen. — 43 Obgleich ihr Koͤnig Bogar, von allen verkaͤufli⸗ chen Gegenſtaͤnden den zehnten Theil erhaͤlt, ſo iſt er doch weder maͤchtig, noch reich. Im Falle der Noth entreißt er ſeinen Unterthanen mit Gewalt, ſo viel ihm beliebt, ihre Muͤnzen ſind theils von Silber, theils von Erz; eine ſilberne gilt 12 engliſche Denaren, 120 er⸗ zerne, deren eine Poole heißt, machen eine ſilberne aus. Der Koͤnig aͤndert nach Willkuͤhr den Werth beider Muͤnzen. Auf demſelben Wege kehrte Jen⸗ kinſon wieder nach Rußland zuruͤck. 27 VI. Anton Jenkinſons zweite Reiſe 1562. Aus dem Lateiniſchen uͤberſetzt von Michael Fiedler*). — Von der Wolga ſchiffte er in das Kaspiſche Meer, und vor jenen 3 Juſeln vorbei, welche 9 Mei⸗ len von der Muͤndung der Wolga entfernt ſind, ge⸗ gen Suͤd⸗Weſt ſegelnd, kam er 40 Meilen von dieſen zu den 4 Inſeln Challica Oſtriva. Am folgen⸗ den Tage ſahen ſie in derſelben Richtung die Stadt Tukem in der Provinz Tumen, dem Aufenthalts⸗ Orte ſehr vieler Seeraͤuber. Ohngefaͤhr 40 Meilen gegen Oſten ſteuernd, kamen ſie auf Sandbaͤnke; der Gefahr des Schiffbruches entgangen, erreichten ſie die ") Ttinerarium e Ruſsia in Persiam a. 4562. 7 von Rußland nach Perſien im Jahre ———y——— 45 ſchoͤne Inſel Chatalet, welche bei 100 Meilen von Chalica Oſtriva entfernt iſt. Hier ſchwebten ſis in der groͤßten Gefahr, Sturm zu leiden. Von da ge⸗ gen Suͤden ſegelnd, ſtießen ſie auf die Provinz Shy⸗ ruansha, warfen 150 Meilen von Chatalet An⸗ ker, und landeten gegen Oſt bei der Stadt, Derben 1, welche dem Koͤnige Hyrcaniens gehorcht. Die alte Stadt Derbent hat ein altes Schloß auf dem Berge Caſtow; es iſt nach Art der Euro⸗ paͤiſchen aus natuͤrlichen Steinen erbaut, hat hohe und dicke Mauern. Ihr Erbauer Alexander der Grohße fuͤhrte die ſehr hohe und dicke Mauer bis zur Geor⸗ giſchen Stadt Tiflis; ſie liegt am Meere, 41 Grade vom Aequator gegen Norden. Von da reiſten ſie gegen Oſten, und landeten nach 80 Meilen bei Shabronz von hier kam er zu Lande guf einem Kamele in 6 Tagen nach Sh amakig (Summachia) im Reiche Shirv an, dem alten Hyr⸗ eanien, deſſen Beherrſcher Obdolucan iſt. Hyrcanien, eine ehemals ſehr beruͤhmte Land⸗ ſchaft, hatte ſo viele Staͤdte, Doͤrfer und Schloͤſſer, daß ſie mit Perſiens Koͤnigen an Macht wetteifer⸗ te; jetzt aber ſind die meiſten Staͤdte zerſtoͤrt, und ihr Konig iſt den Perſern zinsbar. Die Stadt Summachi a, 7 Tagreiſen von Meere entfernt, iſt merkwuͤrdig wegen eines aus den Hirn⸗ ſchalen der Einwohner erbauten Thurmes, und wird jetzt vorzuͤglich von Armeniern bewohnt. Die Stadt 46 Arraſh in derſelben Provinz, an den Graͤnzen Ge⸗ orgiens, iſt jetzt ein ſehr beſuchter und reicher Han⸗ delsplatz, und hat die meiſten Seidenzeuge. Nicht weit von Summachia ſieht man das vor einigen Jahren von den Perſern zerſtoͤrte alte Kaſtell Gulliſtan. In dieſer Provinz liegt der ſehr hohe Berg Quiquifs. Am 6. Oktober brach Jenkinſon von Sum⸗ machia auf, und kam nach 36 Meilen zum Dorfe Tavaten, bei welchem der Fluß Cor, vorbeilaͤuft, welcher auf den Gebirgen Georgiens entſpringt, und ſich zwiſchen den 2 alten Staͤdten Shabraun und Back in das Kasſpiſche Meer ergießt. Ueber eine große, von rohen Voͤlkern bewohnte Ebene fuͤhr⸗ ten 10 Tagreiſen zur Stadt Ardovill. Dieſe ſehr alte Stadt der Provinz Aderraugan iſt 38 Grade vom Aequator entfernt. Vier Tagreiſen von Ardovil gegen Weſten liegt Tauris, die groͤßte Stadt Perſiens.— Von Ar⸗ dovil reiſte Jenkinſon in 10 Tagen nach Casbis, der Reſidenzſtadt Perſiens. Dieſelbe Reiſe machte im Jahre 1566 Arthur, Eduards Sohn, aus England. Als er den 31. Juli von Aſtrachan abgereiſt war, kam er 23. Au⸗ guſt in den Haven Nazauon, und von da in 6 Tagen nach Shammakia(Sammachiag). Daſelbſt ſtarb im Monate Oktober Shyryans Koͤnig Ob⸗ dolucgn. 47 Inm folgenden Jahre ſchiffte von Aſtrachan in 8 Tagen zur Stadt Gilan, und ging in 4 Tagen nach Casbis. Es war das Jahr 1679, wo wieder Reiſende aus Ruhland uͤber Aſtrachan bis zur Stadt B ildih in der Provinz Sirvan kamen. Damals beſaſſen ſie die Tuͤrken, nach Eroberung der Stadt De rbent. Bildih iſt vom Aequator gegen Mitternacht 40 Grade und 25 Minuten, und von B achu eine Tagreiſe oder 6 Meilen entfernt. Derbent liegt nach ihrer genauen Beobachtung vom Aequator gegen Norden 41 Grade und 52 Mi⸗ nuten. Von hier bis Bildih zaͤhlt man uͤber 48 Tagrei⸗ ſen. Von Summachia bis Bachu 10 Leuken oder zo engliſche Meiſen. Von Bachu bis B ildih reiſt man zu Lande in z oder 6 Meilen, zur See in 12. VII. Reiſe des Engländers Johann Newberie von Aleppo bis Ormuz im Jahre 1631— 32. A. d. Latein. überſ. durch Michael Fiedler*). Den 19. Maͤrz reiſte Newberie von Aleppo 4 weg, ging Nachmittags bei dem großen Thurme Boab auf einem hohen Berge vorbei, und erreichte gegen Abend das Dorf Halſe. Am 2oten kam er nach Bir an dem oͤſtlichen Ufer des Euphratz hier ſetzten ſie auf einem Kahne uͤber den Fluß, und fuhren am 26ten bei dem Dorfe 3 Raick gleichfalls am oͤſtlichen Euphrat⸗Ufer vorbei. *) Itinerarium Jo. Newberie Angli ab Aleppo ad Ormuzium a. 1084 interprete Jo. de Laet. Lugd. Bat. 1655. 18. p. 269— 273.„ 49 Den zrten ſegelten ſie bei dem zerſtoͤrten Schloſſe Baleſſen am weſtlichen Ufer vorbei, und bald dar⸗ auf bei der kleinen Stadt Gabbar auf einem Berge am oͤſtlichen Ufer; den 28ten bei der alten Stadt Racea mit einem zerſtoͤrten Schloſſe, gleichfalls ait demſelben Ufer, am zoten bei der Stadt und dem Schloſſe Ball,a dge; beide zerſoͤrt, liegen am weſtli⸗ chen Ufer; bald darauf, bei der Stadt Dier, welche rings mit einem Graben umgeben jt. S . Am 1. April ſahen ſie das Schloß Rab am weſt⸗ lichen Ufer; am 2ten die ieine Stadt Ashar, gleich⸗ falls weſtlich, am zten das gaͤnzlich zerſtoͤrte Suber⸗ ar am oͤſtlichen Ufer; am zten das Dorf Menalle weſtlich, und bald die ſehr lange Stadt Anna an beiden Ufern. Die groͤßte derſelben liegt am weſtli⸗ chen; in derſelben iſt ein von Waſſer umgebenes Schloß nebſt vielen waſſerreichen Inſeln. Am 9. und 10. war die Reiſe unbedeutend wegen des entgegenge⸗ ſetzten Windes. 1 Am zoten kamen ſie nach Addeta, und Abends nach Gebbar, am oͤſtlichen Ufer des Fluſſes; am gingen ſie von Heit weg, und kamen den t3ten zum Dorfe Ambar an dem oͤſtlichen Ufer. Bei Felu⸗ gia ſtiegen ſie den 14ken an das Land, ſetzten ihre 18tes B. Perſion. I, 1. 4 6 50 Reiſe zu Land fort, und kamen den 15ten nuch Bagdad. 1n Am 15ten reiſte Newberie von Bagdad ab, fuhr bei der zerſtoͤrten Stadt Bourae am Weſtufer, und bald darauf bei einem Thurme in der Mitte des Fluſſes vorbei. Am 16ten ſahen ſie die Stadt Me⸗ nil am oͤſtlichen Ufer, von der nur noch ein Thurm ſteht; und bald darauf den kleinen Flecken Amor an demſelben Ufer, am zoten die Stadt Sekia und das laͤngliche Dorf Keuedge, beide am oͤſtlichen Ufer. Abends landete er bei Gurt na auf einer Laudſpitze, wo der Furro und der Fluß, welcher bei Bagdad vorbei fließt, zuſammenſtroͤmen. Am ſuͤdlichen Ufer des Furro liegt ein anderes Schloß, und 3 Meilcit unter dieſem ein drittes. Am 1. Mai kamen ſie an die Stadt Balfara, welche weſtlich vom Fluſſe gegen Oſt liegt. Außerhalb der Stadt ſind ſehr verſchiedene Marktplaͤtze, und aus großen Rohren erbaute Haͤuſer; innerhalb ſind ſie aus Backſteinen, welche an der Sonne getrocknet ſind. Die Stadt hat 4 Thore; hier wird Ebbe und Fluth wahrgenommen. Die Tuͤrken eroberten dieſe Stadt 1650. Am asten beſtiegen ſie ein Schiff und fuhren den 24ten in den perſiſchen Meerbuſen. Am 2sten ſahen ſie die Gebirge Perſiens, die Inſel Carreghe, und landeten den 26ten bei derſelben. Sie hat Ueber⸗ 1¹ 1 51 fluß an Quellen, faſt 2 Meilen in der Laͤnge, und eben ſo viele in der Breite. Am 24ten nach ihrer Abreiſe von dieſer Inſel ſahen ſie die niedrig liegenden Laͤnder Perſiens, und ſchifften bei dem Kaſtelle Abo ufher vorbei. Den letzten Mai kamen ſie an eine felſige Land⸗ ſpitze, und ſtießen in die hohe See, um zur Juſel Baharen zu fahren. Den 6. Juni beruͤhrten ſie die den Portugieſen gehoͤrige, und⸗ beinahe den Wogen gleiche Inſel Seie oder Seche. Sie ſteuerten den oten nach Nechel, 4 Meilen von Seie, und ſtiegen hier an das Land. Die Wet⸗ ber tragen lange Kleider und Ringe in den Naſen. Den atten gingen ſie von Nechel weg, kamen nach Melgor, einem großen Flecken zwiſchen Bergen; am 18ten zu den Flecken Geſſer, den 19ten nach Bender, und beruͤhrten die Inſel Left; vor dem Lande Bender liegt die Inſel Baſſedor, beide gehoͤren den Portugieſen; Geſſer aber und Ben⸗ der auf dem Feſtlaude dem Abraham Chan, eh⸗ mals dem Koͤnige von Orm z, Den 22. Juni 1581 kam man nach Orm u z. Am 2. Auguſt kam er von Orm uz nach Beu⸗ der Gomrow, wo die Portugieſen eine Feſtung und Beſatzung haben. Am sten brachen ſie Nachts von Gomrow auf, kamen den sten zu dem Dorfe Cowrſtan, am 10ten nach Ourmangel„ und den 15ten zur Stadt Lar. 52 Am aaten ging er von Lar zu dem Dorfe De⸗ haceouw, und am folgenden Tage zum Fleeken Berren, den 217ten nach Olous, nicht weit von Gouen, wo die Provinz Lar endigt. Am 4. September kamen ſie zur Stadt Gaar⸗ rom, und bald hernach zum Flecken D emonder; aim 2ten nach Mecocal mit uͤbelriechendem Waſſer, am 3ten nach Cawger, am aten zur ſchoͤnen Her⸗ berge Cheſimon Moddafar, am sSten nach Co⸗ wel, und den öten fruͤhe nach Schiras. Zwiſchen Lar und Schiras halten ſich viele Woͤlfe auf. Der Weg von Lar bis Schiras wird gegen Nordweſt zurüͤckgelegt. Am 22ten kamen ſie von Schiras zur kleinen Stadt Sargom am Fuße eines Berges in einer ſchoͤnen Ebene; am 23ten zum Dorfe Augla⸗ mor. Bei dieſem liegt ein anderes Dorf, Namens Augalm; am 2 4ten paſſirten ſie fruͤhe eine Bruͤcke, und erreichten Moyſſe; am 2sten das Dorf Ses⸗ non Dermagl. Am 26ten uͤberſtiegen ſie den ſehr hohen Berg Augow, und kamen den z22ten nach Saser an einem Berge mit einem runden Schloſſe, auf einer benachbarten Anhoͤhe gegen Weſt der Stadt; am 28ten nach Cuskeſar, wo eine neue Herberge erban ut wurde, den 29ten nach Gerdoun, den zoten nach YVestacas auf einem Felſen in ei⸗ nem tiefen TChale. Am 2. October kamen ſie zu dem Getreidereichen Dorfe Boial, am zten nach Moydar; am ten 53 nach Hispahau. Am oten nach Jen, amt 10ten nach Sheſerr Chan, und bald zu dem großen Dorfe Calenda, am loten zur Stadt Shen mit vielen Fruͤchten, am 12 nach Garrattoy, und ge⸗ gen Abend zur Stadt Ca ſſan. Am 4. November gelangten ſie von Caſſan zum Flecken Senſen auf einem Huͤgel; nicht waeit da⸗ von liegt das Dorf Bed ra mit einem Schloſſe. Am sten erreichten ſie das kleine Dorf Casmova guf einer großen Ebene mit einem Schloſſe gegen Suͤd; am éten die große Stadt Com nit einer ſteinernen Bruͤcke gegen Mitternacht; am. 7ten die neue Herberge Gaffaraw, am Sten die Stadt Soww a; den oten Dangh; am 10oten das Dorf Arraſa nz am 41ten Kirra auf einem runden Huͤgel; am 12ten das wein⸗ und nuͤſſereiche P aſſen, am 13ten das Dorf Auf⸗ far, und bald die Herberge Deſfam. 5 Am 44ten ließen ſie gegen Suͤdweſt Soktanta, und kamen zur neuen von dem Koͤnige erbauten. Heꝛ⸗ berge; am 18ten zur Stadt Sangas; am a1ten zur Herberge Necpaw; am asten zur Herberge Sar⸗ cham; am 19ten zur Stadt Meyannaw; am 20ten zum Dorfe Turkem anz am 21ten zum Dorfe Hag⸗ gegaw; am 22ten zum Flecken Avaſpeng; und am 23ten nach Tauris. 11 3 Von hier kamen ſie am 1. Dezember ziu dem Dorfe Souffion, und am 3ten nach Merent; am 5ten auf die Stadt Jolfaus, bez welcher der 54 Araxes vorbeifließt, uͤber den eine ſteinerne, bau⸗ faͤllige Bruͤcke fuͤhrte. Die Stadt am Fuße eines Ber⸗ ges, hat faſt 3000 Haͤuſer und Tempel. Am sten Lingen ſie durch die getreidereiche Stadt Naxnan; am 7ten durch das Dorf Pottaz am zsten durch das Dorf Cambelloa, am oten durch Errevan oder Reyvan, dem Aufenthaltsorte vieler Chriſten; am 4oten durch das chriſtliche Dorf Schimaſſen; am aten durch Dagswaunz am 18teu durch den Flecken Serraffa; am 18ten durch Cappanar; am a7ten durch Comatſeur; am 18ten durch Shewbank; ſaͤmmtliche ſind Herbergen. Am ig8ten erreichten ſie gußer der Stadt Haſſan⸗Galauth mit einem ſehr feſten Schloſſe, welches eine dreifache Mauer umgibt, noch den Flecken Bellowaſch; am 21ten kamen ſie zur Stadt Arzerum, welche ausgezeichnet viel Ge⸗ treide und 3 Thore hat; am 29ten von Arzerum zum Flecken Pretton, am 30ten zum Flecken Shemar. Am 1. Januar 1582 zum Flecken Gotter und zur Herberge Gebeſſe; am 2ten zum großen Flecken Backeregge; am zten erreichten ſie den Flecken Bettareg, nicht weit von Arſingam, und an demſelben Tage dieſes, welches 4 Tagreiſen von Tra⸗ pezunt liegt. An der Ofſtſeite der Stadt befindet ſich ein ſehr feſtes Kaſtell, und gegen Suͤd fuͤhrt eine ſteinerne Bruͤcke uͤber den Fluß Ponnat; am 13ten die Herberge Serperron; am aaten den „,— 5⁵ Flecken Ardanſegh: an dieſem Tage ſtiegen ſie uͤber die mit Schnee und Eis bedeckten Berge Car⸗ dator. Am 1 ken reiſten ſie zum Dorfe Shew.a⸗ ning; am irten durch den großen Flecken Andre, welcher außerhalb der Straße in einem ſehr ſchoͤnen Thale an dem Fuße eines Berges liegt; am 18ten uͤber den Flecken Yeoltedder an dem Ufer eines Fluſſes mit einer großen, und auf einem ſehr hohen, gegen Nord liegenden Burg. Am 19ten kamen ſie uͤber hohe Berge zum Flecken Congo, am aoten zum Flecken Praſſa, und den 21tten nach To⸗ cat, von welchem gegen Nord der Fluß Pon⸗ nat fließt, uͤber den eine ſtarke, ſteinerne Bruͤcke geſchlagen iſt. Auf der Nordſeite der Stadt liegt in einiger Entfernung auf einem ſehr hohen Felſen ein wohlbefeſtigtes Schloß; gegen Mittag ſind beide von hohen Bergen umgeben; die Stadt wird von vielen Chriſten bewohnt. Am aoten fuͤhrte ſie eine ſteinerne Bruͤcke zu dem Flecken Ackelcon, am zoten kamen ſie uͤber den Flecken Bu rghearre zum Dorfe Da⸗ ckian, und den 34ten zum Flecken Dadow, von welchem nicht weit gegen Nord die Stadt Amaſia iſt. Am 1. Februar reiſten ſie zu dem in zwei Haͤlften getheilten Flecken Seardellaz am 2ten zum Flecken Chagannadel; am z3ten zur Stadt Ganom mit einem Schloſſe, das oͤſtlich von der Stadt liegt; am 4ten nach dem Flecken Lo at; am sten zu dem Flecken Mourt Larſarrete jenſeits des Fluſſes Caſal⸗ 56 mach, welcher ſich in das ſchwarze Meer ergießt; am 6ten zum Flecken Allagour auf einem Berge; am 7ten zum Dorfe Ennebean; am sten zum Flecken Sarracaſt; am 1oten zum kleinen Flecken Saddarz am ntten nach Erandrervan in einem ſchoͤnen Thale; die Stadt Angria iſt von ihr nur eine Tagreiſe entfernt; am 12ten zur Stadt Aaß in einem Thale; am a3ten zum Flecken Ahemet Shalla; am a3ten zum Dorfe Garacha zwiſchen Bergen. Am 15. ſtiegen ſie uͤber den Berg Chambelle zum Dorfe Gaye herab; am 16. kamen ſie zu dem Flecken Caralla; und am 11ten zu dem Flecken Sowde⸗ gan, nachdem ſie uͤber den Fluß geſetzt waren, wel⸗ cher gegen Oſt laͤuft; am 46ten zum Flecken Cou⸗ ſcherderom; am 19ten uͤber die Stadt Bouſeiuc, zur Stadt Bararich; am eoten uͤber einen hohen Berg zum Flecken Korsbonnoum; am 22ten zum Flecken Aetſau; am 28ten nach Burſa. 1* Am zten Maͤrz ſetzten ſie uͤber einen Fluß, deſſen Ufer eine ſteinerne Bruͤcke verbindet, und kamen zum chriſtlichen Flecken Peage; am 6ten uͤber den Meer⸗ buſen bei der Stadt Gamlech und den See Bour⸗ chi nach Samaldechi; am sten uͤber Pharus an das ſchwarze Meer nach Skell, und den 9ten nach Galata und Konſtantinopel. — 57 nas VIII Abentheuerliche Reiſen der drei Brüder, Anton, Robert und Tho⸗ mas Sherley aus England, am Ende des XVI. und im Anfange des XVII. Jahrhunderts, durch Teutſchland, Italien, Arabien, Perſien, Rußland, Spanien, Marokko und in die Türkei. A. d. Engl. frei überſetzt von J. L. Rhode, General⸗Poſt⸗Directions⸗ Sekretär zu Frankfurt a. M. Beitrag zur Literatur dieſer Reiſen und ihrer Ueberſetzung. Anton Sherley, geboren zu Wiſton, in der Grafſchaft Suſſer gegen das Jahr 1565, erhielt 1585 auf der Univerſitaͤt Orford das Bacealaureat, leiſtete dann unter den englichen Truppen, welche ſich damals in Holland befanden, Kriegsdienſte, begab ſich 1596 auf der engliſchen Flotte nach Amerika, wurde nach ſeiner Ruͤckkehr 1597 zum Ritter befoͤrdert, und 58 ſpaͤter von der K. Eliſabeth nach Italien geſchickt, um den wider den Papſt empoͤrenden Bewohnern des Gebietes Ferrara behuͤlſlich zu ſeyn. Da aber ſchon vor ſeiner Ankunft der Friede zwiſchen beiden Theilen hergeſtellt war, ſo begab er ſich uͤber Venedig 1598 nach Perſien. Welche Dienſte er am Hofe des Schach Abbas leiſtete, lehrt die hier mitgetheilte Reiſe, welche ein Edelmann ſeines Gefolges ſo beſchrieben haben ſoll, wie ſie in einer zu Paris bei Moriſot 1651 erſchienenen Sammlung unter dem irrigen Na⸗ men Stirley, ſatt Sherley, zu finden iſt. Von ſeiner Feder iſt bekannt: 1) Travel to America, by Hackluyt. Lond. 1000. 2) Account of Mp. Ha- met'’s rising in the Ringdom of Marocco, Fez etc. I.ond. 1609. 5) History of his travels into Persia. Lond. 1615. 4) Travel oser the Caspian sea and through Russia, by Sam. Purchas 1625. Fol. Von ſeinen 2 Bruͤdern iſt außer der in dieſen Rei⸗ ſen folgenden Mittheilung nichts beſonders bekannt. Der Ueberſetzer Rhode, geboren 1771 zu Wiesbaden, wurde zuerſt durch Hauslehrer, und ſpaͤ⸗ ter am Gymnaſium zu Weilburg unter Schellen⸗ berg, Muͤller und Eich hof gebildet, deren Vor⸗ liebe, im Vereine mit ſeiner Neigung, ihn zur Fort⸗ ſetzung der Studien auf einer Univerſitaͤt beſtimmten. Allein da ſein Vater als Beamter auf einem ein⸗ zeln gelegenen Schloſſe bei Naſſau waͤhrend des gleich⸗ zeitigen franzoͤſiſchen Ueberfalles oͤfteren Beraubungen, 59 Pluͤnderungen und Epidemien ausgeſetzt war, und ſich viel von einem ererbten Frankfurter Buͤrger ver⸗ ſprach, ſo mußte der Sohn nach deſſen Willen dem Handelsſtande ſich widmen. Die oͤfteren Stockungen der Geſchaͤfte, welche der Krieg nach ſich zog, boten ihm Zeit und Gelegenheit dar, ſich in der franzoͤſi⸗ ſchen Sprache, welche damals zur erſten Bildung je⸗ des Rheinbewohners gerechnet wurde, noch mehr zu vervollkommnen, mit der italiſchen ſich ebenfalls be⸗ kannt zu machen, und die engliſche aus Klaſſikern der Bluͤtezeit ihrer Literatur, z. B. Thomſon, Pope, Swift, Addiſon, Hume, Locke, und den beſten Dra⸗ matikern zu erlernen. So ausgeruͤſtet verſah er von 1800 bis 1812 in mehren der erſten Haͤuſer Frankfurts mit bohem Zutrauen die Stelle eines Korreſpondenten in 4 Sprachen, bis er in die fuͤrſtlich Taxiſchen Poſt⸗ dienſte uͤbertrat. Vom Streben nach hoͤherer Geiſtes⸗ bildung erfuͤllt, widmete er derſelben jede freie Stunde. Das erſte Reſultat davon war 18117 eine kleine Samm⸗ lung von Gedichten unter dem Titel: Poetiſche Wan⸗ derungen des Klauſners vom Taunus an der Berg⸗ ſtraße. Ihnen folgte in Trochaͤen das Trauerſpiel: die Maccabaͤer; dann Ueberſetzungen aus dem Franzoͤ⸗ ſiſchen und Italiſchen fuͤr mehre Opern; von demſelben wurde das Nothkaͤppchen, das Wunder⸗Gloͤckchen, das Hirten⸗Maͤdchen, Demetrius, Torwaldo und Dorliska und Mare Antonio auf mehren Buͤhnen mit Beifalle auf⸗ gefuͤhrt. Er uͤberſetzte ferner: Die Kunſt, Sprachen zu 60 lernen, a. d. Franz. des Prof. Weiß; die Wahrſa⸗ gerin in 3 Baͤnden; Denkwuͤrdigkeiten Indiens von Wallace; Ada Neis in 2 Baͤnden; Rothelan Noy in 3 Baͤnden; Vivian Grey in 3 Heften; Taſſonis geraubten Eimer ꝛe. Er verfaßte ein idylliſches Epos in Hexametern; ein Trauerſpiel in Verſen; den Win⸗ ternachts⸗Traum— eine Feen⸗Oper in 3 Aeten fuͤr einen Kompoſiteur zu London; ein Drama mit Choͤren in 3 Acten, und beſchaͤftigt ſich jetzt mit einem Cy⸗ elus der Reformations⸗Geſchichten Spaniens, Ita⸗ liens und Englands. 1 Vorliegende abentheuerliche Reiſen betiteln ſich: The three brothers; or the travels and adven- tures of Sir Antony, Sir Robert, and Sir Thomas Sherley, in Persia, Russia, Turkey, Spain etc. with three portraits. London. Printed for Hurst, Robinson et Co. etc. 1825. 8. IV. and 204. Price 0 Shillings Boards. 61 Vorrede des Verfaſſers. —õ Da die Biographie des Sir Anton und des Sir Robert Sherley in mehreren Baͤnden zerſtreut iſt, deren einige im Drucke heraus ſind, mehrere aber noch im Manuſcripte liegen, ſo ſind ihre Reiſen und Aben⸗ theuer im Ganzen wenig bekannt, und daher biswei⸗ len mit einander verwechſelt worden. Da indeſſen das Wenige, was von ihren ſo eigenen und außerordent⸗ lichen Schickſalen bekannt geworden, das Verlangen nach einer genaueren und umſtaͤndlicheren Erzaͤhlung erregt hat, ſo beſchloß ein neuerer Herausgeber alles zu ſammeln, was in Hinſicht ihrer aufgefunden wer⸗ den konnte. Zu dieſem Behufe ſind alle Quellen, aus denen zu ſchoͤpfen war, aufgeſucht, und die verſchie⸗ denen einzelnen Thatſachen nunmehr zuſammengeſtellt worden. Groͤßtentheils ſind die aus mehreren Werken gezogenen Bruchſtuͤcke in den Worten der Verfaſſer wieder gegeben worden. Und wenn auch hierdurch 62 der Styl nothwendig verſchiedenartig erſcheinen muß, ſo hofft man doch, daß ſie ein unterhaltendes Ganze bilden werden. Obſchon die Reiſen des Sir Thomas Sher⸗ ley, ſo weit man Nachrichten daruͤber hat, weit min⸗ der merkwuͤrdig ſind, ſo glaubte man dennoch, dieſes kleine Werk durch die Aufnahme deſſen, was davon in Erfahrung gebracht werden konnte, vollſtaͤndiger zu machen, was alſo geſchehen iſt. —— Reiſen und Abentheuer des Sir Anton, Sir Robert und des Sir Thomas 3 Sherley. E rſtes Buch. Reiſen und Abentheuer des Sir Anton Scherley. I. Hauptſtuͤck. Einleitung. Der Verfaſſer der„Genealogie der Familie Sher⸗ ley,“ ein lateiniſches Manuſeript in dem brittiſchen Muſeum, leitet in ſeiner enthuſiaſtiſchen Anhaͤnglich⸗ keit, dieſes Haus in maͤnnlicher Linie von den Zei⸗ ten Eduards des Bekenners, bis zu den be⸗ ruͤhmten, in dieſem Werke erwaͤhnten Zweigen deſſel⸗ ben ab, und verſichert, daß es die Ehre hatte, nicht 64 allein mit der koͤniglichen Familie in England, und den Angelſaͤchſiſchen und Normaͤnniſchen Koͤnigen, ſondern lauch mit jenen von Frankreich, Schottland, Daͤnemark, Aragonien, Leon, Kaſtilien, den Fuͤrſten des heiligen roͤmiſchen Reichs und faſt allen fuͤrſtlichen Haͤuſern des Chriſtenthums verwandt zu ſeyn. Unter dem engliſchen hohen Adel, ruͤhmte es ſich der Ver⸗ wandtſchaft mit den vornehmſten herzoglichen und graͤflichen Familien. 9 Die Thaten der drei Bruͤder dieſes Hauſes, deren Leben und Abentheuer der Gegenſtand dieſes Werkes ſind, verdienen denen der beruͤhmteſten ihrer Vorfah⸗ rer an die Seite geſetzt zu werden. Vielleicht haben noch keine drei Glieder einer Familie zu gleicher Zeit ſolche ungewoͤhnliche und merkwuͤrdige Schickſale er⸗ lebt. Sie waren die Soͤhne von Sir Thomas Sherley aus Wisneſton oder Wiſton in Suſſ⸗ ſey. Da Sir Thomas Sherley, obgleich der aͤlteſte in Jahren, ſich minder auszeichnete, ſo wer⸗ den wir die Zeitfolge ſoweit umkehren, daß wir, ſtatt mit ihm anzufangen, mit ihm endigen werden. Anton Sherley, der zweite Sohn wurde um das Jahr 1565 geboren. Er wurde in das Kollegium von Hart⸗Hall nach Orfort geſchickt, wo er 1579 immatrikulirt, 15881 zum Bacealaureus der ſchoͤnen Künſte ereirt und im November deſſelben Jahres zum Examinanten des Kollegiums aller Seelen ernannt wurde, weil er ein Verwandter muͤtterlicher Seits 65 von dem Stifter deſſelben war. Er verließ die Uni⸗ verſitaͤt, jedoch ohne den Grad eines Magiſters er⸗ langt zu haben. Ohne ihn fuͤr einen Beruf zu beſtim⸗ men, hatten ihn ſeine Eltern alles lernen laſſen, was zur Bildung eines Mannes vom Stande gehoͤrt, und er wendete ſeine Faͤhigkeiten auf eine ſolche Art an, daß ihn immer die anſehnlichſten Stellen anvertraut vwurden. In ſeiner grenzenloſen Ehrerbietung fuͤr dem Grafen von Eſſex, hatte er ſich ihm in allen ſeinen Handlungen zum Vorbilde gewaͤhlt, und ſich deſſen Liebe erworben. Sir Anton nahm zuerſt an den Feldzuͤgen in den Niederlanden Theil, wo er ein Kommando be⸗ kam, und 1586 der Schlacht von Zuͤtphen bei⸗ wohnte. Es erhellt ebenfalls, daß er in dem franzoͤſt⸗ ſchen Kriege verwendet wurde, und wahrſcheinlich den Grafen von Eſſer begleitete, als er mit einem Korps von 4000 Mann dem Koͤnig von Frankreich gegen die Verbuͤndeten der Ligue zur Huͤlfe geſchickt wurde. Zur Belohnung ſeiner Dienſte verlieh ihm Heinrich der Vierte den St. Michaels⸗Orden, zum großen Mißfallen der Koͤnigin Eliſabeth, welche ſagte, daß wie ein tugendhaftes Weib niemand anders an⸗ ſehen muͤſſe, als ihren Mann; ſo duͤrfe ein unterthan ſeine Blicke auf keinen andern Monarchen richten, als den Gott uͤber ihn geſetzt habe.„Ich will nicht,“ ſagte ſie,„meine Schaafe mit einem fremden Zeichen 18tes B. Perſien. I. 1. 5 66 gebrannt haben, noch dulden, daß ſie auf den Pfiff ei⸗ nes fremden Hirten hoͤren. Die Koͤnigin, welche die Annahme des Ordens als eine Verletzung ſeiner Pflich⸗ ten gegen ſeine Monarchin anſah, ließ ſogleich eine Unterſuchung gegen ihn anſtellen, in Folge welcher ihm, ob er gleich den Ordens⸗Eid, nur vorbehaltlich der gegen ſeine Monarchin auf ſich habende Verpflich⸗ tung, geleiſtet hatte, ihm der Orden wieder abgenom⸗ men wurde. Sir Anton blieb nicht lange in Unthaͤtigkeit; denn er beabſichtigte eine Expedition nach der Inſel St. Thomas unter dem Schutze des Grafen von Eſſex, welcher es uͤbernahm, ihm ein koͤnigliches Patent hierzu zu erwirken. Es iſt Urſache zu glauben, daß er zu dieſem Zuge durch haͤusliche Uneinigkeit eben ſo ſehr, als durch ſeinen Unternehmungsgeiſt an⸗ getrieben wurde: Er hatte Franziska, die Schwe⸗ ſter von Wernon aus Hotnet geheirathet; allein ſeine Ehe war ungluͤcklich, wie es aus einem Briefe des Sir Rowland Whyte an Sir Robert Sid⸗ ney erhellt, worin er ſagt:„Sir Anton Sher⸗ ley geht ſehr wohlgeruͤſtet auf die Reiſe, durch ſein ſonderbares Geſchick in der Ehe zu irgend einer Unternehmung getrieben, die ihn beſchaͤftigt und von dem Gedanken an die loſen Worte ſeiner Frau ab⸗ bringt.“ Sir Anton hatte ſich an Bacon geien⸗ det, um deſſen Verwendung wegen Ausfertigung ſei⸗ nes Patentes zuser alten, welches derſelbe nicht ohne 5 67 manche Schwierigkeit ſeinen Wuͤnſchen gemaͤß erhielt. Da er das noͤthige Anſehen verlangte um einen Hau⸗ fen roher Menſchen, die er zu ſeiner vorhabenden Ex⸗ pedition angeworben haste, im Zaume zu halten. Am 9. April wurde dem Sir Anton ein Patent von den beiden Generaͤlen, dem Grafen von Eſſex und dem Lord Admiral zugefertigt, das ihn er⸗ maͤchtigte ein Korps von nicht uͤber 1500 Mann Sol⸗ daten anzuwerben und zu bewaffnen, und ihn zum Ka⸗ pitain und Kommandanten aller Schiffe und Fahr⸗ zeuge ernannte, die unter Auftrag des Sir Thomas Sherley, Ihrer Majeſtaͤt Kriegsſchatzmeiſter, und des Sir Anton Sherley zu der bezeichneten Expe⸗ dition ausgeruͤſtet worden. Da die Ausruͤſtung endlich zu Stande gekommen war, ſo trat Sir Anton ſeine Reiſe an, wovon in dem Folgenden eine Erzaͤhlung aus Hackluyt gege⸗ ben wird⸗ II. Hauptſtuͤ ck. AUuternehmung Sir Anton Sherley’s 1596 nach der Inſel St. TChomas; Fahrt nach St. Jago, Dominca, Margaretha, und laͤngs der Kuͤſte des Feſt⸗ lands ꝛc. ꝛc.*). — 4 Wir langten den 29. April in Plymuth an, wo wir den Grafen von Eſſex bereits mit ſeiner Expedition *) IVoyage to S. Jago, Dominica, Marguerita, 68 nach Cadix beſchaͤftigt fanden, dem unſer General drei Schiffe und s00 Soldaten, alle wohl verproviantirt und ausgeruͤſtet, abgab. Am 28. Mai fuhren wir von Plymouth ab, mit dem Bevis, dem Gallion, dem George, dem George Noble, dem Wolf und der Ga⸗ leere. Am 27. Mai bekamen wir die Spaniſche Kuͤſte zu Geſicht, und fuhren von da an der Kuͤſte der Bar⸗ barei vorbei nach Magaſant, wo die Spanier eine Beſatzung haben. Hierauf ihren Lauf nach den Ka⸗ nariſchen Inſeln richtend, verlor die Galeere ihr Ruder. Nachdem wir hier Waſſer eingenommen hat⸗ ten, ſegelten wir nach den Inſeln des gruͤnen Vor⸗ gebirgs, wo wir die Flotte von St. Thomaszu tref⸗ ſen hofften. Waͤhrend wir an der Kuͤſte von Guinea lagen, wurde der Regen ſtinkig, und verwandelte ſich, wo er hinſiel, auf Kleidung oder Tauwerk binnen ſechs Stunden in Maden*). Nachdem die Stadt St. Jago von Sir Anton Sherley genommen worden war, ſegelte er nach der Feuer⸗Inſel, einer ſehr kleinen In⸗ Jamaica, to the Bay of Honduras and homo- ward by New-Foundland in the year 1506. *) Dieß ſagt Fuller, ließ ihn ſeine Richtung nach Amerika nehmen, wo er die Stadt St. Jago, die von 3000 Portugieſen beſetzt war, wegnahm, und waͤhrend zweier Tage und Naͤchte mit 280 Mann beſetzt hielt, von denen so verwundet worden waren. y-—— 69 ſel mit einem hohen Berg in der Mitte, welcher be⸗ ſtaͤndig raucht, und von Natur unerſteiglich iſt. Wir hatten eines Nachts einen Aſchen⸗Regen, welcher von dieſem Feuerſpeienden Berge ſo dick auf unſere Schiffe fiel, daß man den Namen mit dem Finger auf das Verdeck ſchreiben konnte. Auf der Inſel St. Domi⸗ niea fanden wir herrliche warme Baͤder, welche un⸗ ſere Leute ſehr erquickten, und ſegelten von da nach St. Margaretha, wo wir Auſtern⸗Fiſcher zu tref⸗ fen hofften, ſie aber nicht fanden. Von da ſchifften wir nach dem Cap de la Vela, auf welchem Wege uns ein Boot verſchlagen wurde, und einige unſerer Leute umkamen. Wir nahmen Santa M arta, der Wolf verließ uns wieder mit einer kleinen zu St. Jago ge⸗ nommenen Barke, und kehrte mit ſchlimmen Nach⸗ richten uͤber unſern Zuſtand nach England zuruͤck. Al⸗ lein wir gelangten am 29. Januar in die Straße von Jamaica, deren Eingang durch die Sandbaͤnke und Felſen⸗Riffe, welche vor derſelben liegen, ſehr gefaͤhn⸗ lich iſt. Hier landeten wir, und marſchirten ſechs Mei⸗ len in das Land nach der Stadt. Das Volk, alle zu Pferde, machte Miene, ſich uns entgegen zu ſtellen, that aber nichts. Da wir jetzt Herr der ganzen In⸗ ſel waren, ſo unterwarf ſich uns das Volk auf Gnade und Ungnade, und lieferte uns reiche Vorraͤthe von geduͤrrtem Rindfleiſch und Caſſava⸗Mehl, eine ſchlechte Speiſe, aber das Beſte, was das Land hervorbringt. Dieſe Inſel iſt uͤberaus fruchtbar, und ein Gar⸗ 70 ten oder eine Vorrathskammer fuͤr verſchiedene See⸗ Gegenden zu nennen. Sie hat große Ebenen, wie wir ſolche in dem uͤbrigen Indien nicht angetroffen ha⸗ ben, einen Ueberſtuß an Rindvieh und Caſava, wie verſchiedene Gattungen ſehr wohl ſchmeckenden Obſtes. Wir haben in Indien keinen angenehmeren und ge⸗ ſunderen Platz angetroffen. Das Vorhaben unſers Generals war nach Neu⸗Fundland und von hier nach der Magellaniſchen Meerenge zu ſegeln, und ſo uͤber Oſt⸗Indien zuruͤckzukehren. Allein bei H a⸗ vannah verließen ihn am 43. Mai alle ſeine Schiffe. Unſer Mißtrauen in den Admiral war in der That ſehr groß, da keiner auf dem Schiffe je zuvor in In⸗ dien geweſen war, wir großen Mangel an Lebensmit⸗ tel litten, und uͤberdieß die Gekahren der Nation und die wuͤthende Stroͤmung des Kanals zu beſtehen hat⸗ ten. Deſſenohngeachtet waren wir genoͤthiget, ohne Verzug aus dem Kanal zu ſchiffen. Nachdem ſolches gluͤcklich vollbracht war, richteten wir unſeren Lauf nach Neu⸗Fundland, wo wir den 15, Juni anlande⸗ ten; da wir nicht fuͤr eine Stunde laͤnger Lebensmit⸗ tel hatten. Hier wurden wir durch unſere Landsleute erfriſcht und verſehen, und blieben bis zum 24. Juni, immer die Gallone erwartend; da ſie aber nicht an⸗ kam, und unſer Vorhaben aufgegeben wurde, ſo kehr⸗ ten wir nach England zuruͤck, wo wir dem Grafen von Eſſex in See fanden, und uns ſogleich auf ſein Schiff begaben, um ihm unſere ergebenſte Dienſte zu leiſten. — 71 III. Hauptſtu ck. Veranlaſſung von Sir Anton Shexley’s Reiſe nach Italien⸗ — Sir Anton Sherley kehrte im Juni 1397 von ſeiner Reiſe zuruͤck, und begab ſich mit einem zahl⸗ reichen Gefolge nach London. Als der Graf zum Lord Lieutenant von Irland ernannt wurde, begab ſich Sir Anton mit ihm dorthin, und wurde von ſeinem Patrone zum Ritter ernannt. Im Winter von 1598 auf 1599 wurde Sir An⸗ on in Begleitung mehrerer Kriegsleute gepruͤfter Ta⸗ pferkeit von dem Grafen dem Don Caͤſar von Eſte, dem illegitimen Sohne des Herzogs von Ferrara, wel⸗ ſcher Letztere kuͤrzlich verſtorben war, gegen den Pabſt zu Huͤlfe geſchiekt, welcher letztere Anſpruͤche auf das Herzogthum machte. Allein vor ſeiner Ankunft hatte die Unterwerfung des Herzogs unter den Pabſt dem Kriege ein Ende gemacht.„Nachdem ich“ ſagt Sir Anton,“ den Grafen davon benachrichtigte, der ſei⸗ nem gerechten und ehrbaren Ehrgeitze keine Grenzen ſetzte, ſo wuͤnſchte er auch diejenigen, auf welche er ſein Zutrauen geſetzt hatte, in der Meinung der Welt gerechtfertigt zu ſehen. Da er alſo nicht der Meinung war, daß ich zuruͤck⸗ kehren und mich dem Gerede ausſetzen ſollte, als ob ich planlos gegangen ſei und wegen des Verluſtes mei⸗ 72 ner Zeit, meines Geldes und meiner Hoffnung zum Geſpoͤtte ſeiner und meiner Feinde werden ſollte; ſo ſchlug er mir nach einem kurzen Derfohe, d en ich ihm aus Venedig abſtattete, vor, eine 9 Rei ſe nach Per ſien zu unternehmen, welche er auf zweierlei Nuͤckſichten gruͤndete. Erſtlich, daß ich mich bemuͤhen follte, den Koͤnig von Perſien zu uͤberreden, ſich mit den chriſt⸗ lichen Fuͤrſten gegen die Tuͤrken zu verbinden, und zweitens einen Handels⸗Verkehr zwiſchen dieſem Lande und Oſtindien anzuknuͤpfen. Außer dieſen Haupt⸗Ge⸗ ſichtspunkten hatte Sir Anton ebenfalls ſeine eigene Abſichten.“ Da ich„ſagt er,“ vermoͤge dieſer Auf⸗ traͤge in der Ausfuͤhrung eigener Plaͤne beſtaͤrkt wur⸗ de, zu denen ich hier durch hinlaͤngliche Mittel und Credit⸗Briefe an die Geſellſchaft der Handelsleute zu Aleppo erhielt, ſo ſchiffte ich mich, ohne meine ge⸗ heimen Plaͤne jemand mitzutheilen, da ich eher eine ſchiefe, als eine guͤnſtige Beurtheilung meiner Unter⸗ nehmung zu fuͤrchten hatte, und mich im Falle des Mißgluͤckens nicht dem Geſpoͤtte ausſetzen wollte, mir im Gegentheile im Falle des Gelingens jede Art von Ruhm ſicherte, den 24. Mai 1599 mit einem Ge⸗ folge von 25 Leuten, meiſtens vom Stande, auf einem italiſchen Kauffahrer, Morizell genannt, von Ve⸗ nedig nach Aleppo ein.“ Wir geben hier die Erzaͤhlung Manwarings, einer ſeiner Begleiter, wie ſolche groͤßtentheils in deſ⸗ 73 ſen Ruͤckblicke absedruckt ſteht und deren Reſt hier zum erſtenmal oͤffentlich erſcheint. IV. Hauptſtuͤck. Reiſe Sir Anton Sherley's, uͤber Deutſch⸗ land nach Venedig, Zante, Candia, Cypern und Tri⸗ polis nach dem Orontes, beſchrieben von Georg Manwaring. Die erſte Veranlaſſung zu Sir Anton Sher⸗ ley's Reiſe war die Nachricht eines zwiſchen dem Herzog von Ferrara und dem Pabſte wahrſcheinlich ausbrechenden Krieges und weil er vernahm, daß der Herzog ein tapferer Mann ſei, und dieſer ferner den Koͤnig von Frankreich um einige gute General⸗Offitiere gebeten hatte, ſo daß er alſo glaubte ſeine Zeit nicht beſſer verwenden zu koͤnnen, als ſich dorthin zu bege⸗ ben und dem Herzoge ſeine Dienſte im Kriege anzu⸗ bieten; deßwegen verließ er England auf einige Zeit. Wir wurden zuerſt in einem kleinen Hafen zu Eſſex eingeſchifft, und landeten zu Flieſſingen in den Niederlanden, wo wir am folgenden Tage von Lord Sydney, dem Gouverneur, und eben ſo in Mid⸗ delburg von den engliſchen Kaufleuten trefflich be⸗ wirthet wurden. Von da ſchlugen wir unſern Weg nach Douay ein, wo Graf Morit ſeinen Hof hielt, der uns ebenfalls koͤniglich bewirthete, und des Sir 74 Nieolas Parker’ Neitertruppe, die damals in Duisburg lag, mit zu ſchicken befahl, welche uns durch des Feindes Land bis nach Koͤln begleitete, wo ſie uns verließ. Von Koͤln nahmen wir Wagen und Pferde bis Nuͤrnberg und Augsburg, wo wir die Nach⸗ richt erhielten, daß ſich der Herzog von Ferraxa dem Pabſte unterworfen habe, und der Krieg geendigt ſei. Sir Anton munterte uns jedoch mit der Ver⸗ ſicherung, ihm zu folgen, auf, daß, wenn wir ihn auf ſeinem Zuge begleiten wollten, wir alle Ehre einern⸗ ten, und uns ſehr bereichern ſollten. Von Augsburg nahmen wir Poſtpferde nach Venedig, wo wir uns beinahe drei Monate guͤtlich thaten, waͤhrend wel⸗ cher Zeit Sir Anton ſeinen Bruder, Robert Shexr ley, wegen eines Anliegens zu dem Herzog von Florenz ſchickte, der ihn ſehr ehrenvoll aufnahm, und ihn mit einer goldenen Kette beſchenkte, deren Werth auf 4600 franzoͤſiſche Kronen geſchaͤtzt ward. Zu der Zeit, daß wir in Venedig lagen, kam Sir Anton mit einem Perfiſchen Kaufmann zu ſprechen, welcher zu Venedig fuͤr den Koͤnig von Perſien Waaren einhandelte, die in ſeinem eigenen Lande fehlten, naͤm⸗ lich engliſches Tuch, ſowohl wollenes als leinenes. Dieſer Kaufmann erzaͤhlte dem Sir Anton von Sophi, ſeinem Koͤnige, zum großen Wohlgefallen Sir Anton's. Er war jedoch noch nicht entſchloſſen, dorthin zu gehen, ſondern einen andern Weg fuͤr ſeine Reiſe einzuſchlagen; allein in derſelben Stadt Vene⸗ —— 7⁵ dig hoͤrte er zu ſeinem Gluͤck von einem großen Rei⸗ ſenden, der neulich erſt von dem Hofe Sophi's nach Venedig gekommen war. Er hieß Angelo, und war in der Tuͤrkey geboren, jedoch ein guter Chriſt, der 16 Jahre gereiſt und 24 Sprachen ſich zur Fer⸗ tigkeit aungeeignet hatte. Dieſer Angelo benachrich⸗ tigte den Sir Anton ebenfalls, welch trefflicher Mann der Koͤnig von Perſien ſei, daß er ein tapferer Sol⸗ dat, und ſehr wohlwollend gegen Fremde, und wie guͤtig er von demſelben an ſeinem Hofe aufgenommen worden ſei. Er verſicherte den Sir Anton zugleich, daß es ſehr zu ſeinem Vortheil gereichen werde, wenn er ſich dorthin begeben, daß er ihn dahin begleiten wolle, worin Sir Anton Sherley willigte; es jedoch ſehr geheim hielt, damit es nicht in der Tuͤr⸗ key lautbar werde, weil wir durch dieſes Land rei⸗ ſen mußten, und der tuͤrkiſche Kaiſer und der Koͤnig von Perſien nicht auf dem freundſchaftlichſten Fuße mit einander ſtanden; ſondern blos einen Friedens⸗ Vertrag auf drei Jahre mit einander abgeſchloſſen hat⸗ ten, welcher jetzt abgelaufen war. So verließen wir Venedig, und gingen nach Malamoco, etwa fuͤnf Meilen von Venedig, wo wir mehrere Schiffe fanden, unter andern auch ei⸗ nen Kauffahrer, welcher nach Skanderum beſtimmt war, auf dem wir uns einſchifften, und ein ſchweres Geld fuͤr unſere Ueberfahrt bezahlen mußten. Der Wind war uns jedoch ſo ſehr entgegen, daß wir 24 76 Tage brauchten, um nach Zante zu ſegeln, welches nicht der halbe Weg war, waͤhrend, wenn wir guͤnſti⸗ gen Wind gehabt haͤtten, wir in dieſer Zeit zu Skan⸗ derun haͤtten ſeyn koͤnnen. Es befand ſich jedoch auf unſerm Schiffe, waͤhrend der Ueberfahrt ein Rei⸗ ſender, der, ehe wir Zante erreichten, ſich mehrer unanſtaͤndiger Ausdruͤcke gegen unſere verſtorbene Koͤ⸗ nigin bediente. Sir Anton ließ ihm daher die Ba⸗ ſtonade von einem der unterſten ſeiner Leute geben, der ihm ſolche derb aufzaͤhlte, worauf er ein ſo fuͤrch⸗ terliches Geſchrei erhob, daß der Schiffs⸗Kapitain, die Paſſagiere und die Matroſeu, ihrer 250 an der Zahl, die Waffen gegen uns ergriffen, waͤhrend unſere ganze Geſellſchaft nicht uͤber 2s Mann ſtark war. Dennoch leiſteten wir Widerſtand, wobei jedoch niemand beſchaͤ⸗ digt wurde, da ſich drei armeniſche Kaufleute zwiſchen uns warfen, um Friede zu ſtiften, wozu die Italiener am erſten einwilligten. Wir langten endlich in Zante an, wo Sir Anton und wir alle, die wir im Gefol⸗ ge des Sir Anton Sherley waren, an das Land ſtiegen, um Lebensmittel einzunehmen, weil unſer gan⸗ zer Vorrath aufgezehrt war. Nachdem wir das Schiff verlaſſen hatten, ſchickten ſie uns unſere darin geblie⸗ benen Habſeligkeiten nach, und richteten das Geſchuͤtz gegen uns, indem ſie ſchwuren, uns in den Grund bohren zu wollen, wenn wir es wagten, an Bord zu⸗ ruͤck zu kehren. Sir Anton beſchwerte ſich hieruͤber bei dem Gouverneur des Platzes, konnte jedoch keine 77 Abhuͤlfe erhalten; wir verloren demnach unſern Paſ⸗ ſagierslöohn, und wurden zu unſerm großen Aufent⸗ halte und mit ſchweren Koſten genoͤthiget 10 Tage in Zante liegen zu bleiben, ehe wir uns einſchiffen konn⸗ ten; nur daß die engliſchen Kaufleute uns mit eini⸗ gem Wohlwollen aufnahmen. Dieſes Zante iſt eins den Venezianern gehoͤrige Inſel; die Stadt liegt an dem Abhange eines Berges, und es iſt ſehr heiß darin. Das Land liefert eine große Menge von Corinthen; die Einwohner ſind meiſtens Griechen; doch befinden ſich auch Italiener, Venezianer und ebenfalls Juden hier. Der Platz iſt unſeren engliſchen Kaufleuten ſehr wohl bekannt, ich brauche daher nicht, noch etwas Weiteres zuzufuͤgen. Nach Verlaufe dieſer 10 Tage nahmen wir von Zante Abſchied, und beſtiegen ein kleines Schiff. Da wir nicht hinlaͤnglich mit friſchem Waſſer verſehen waren, ſo legten wir den naͤchſten Tag an einer Inſel an, um unſere Faͤſſer zu fuͤllen, indem das Waſſer auf der Inſel Zante ſehr theuer war. Denn als ich mich, um ein Beiſpiel anzufuͤh⸗ ren, eines Tages zu Zante in dem Hauſe eines Kauf⸗ manns befand, und von einem ſeiner Dienſtboten ei⸗ nen Trunk Waſſer forderte, weil ich ſehr ausgetrock⸗ net war, ſagte mir der Kaufmann, der es hoͤrte, zu meiner großen Verwunderung, daß ich Wein trinken moͤchte, ſo viel ich wollte, da ihm ſein Waſſer theue⸗ rer zu ſtehen komme, als ſein Wein. Die Inſel, wo wir angelegt hatten, um friſches 78 Waſſer einzunehmen, iſt ein Platz, welcher der Be⸗ merkung werth iſt. Sie iſt ein kleines Inſelchen, worauf ſich jedoch ein recht artiges Doͤrschen befindet. Sie zieht nicht viel Koͤrnerfrucht, iſt jedoch ſehr frucht⸗ bar an Erzeugniſſen anderer Art, wie Aprikoſen, Orangen, Limonen, Granataͤpfeln, allen Gattungen von Trauben und vielen anderen Fruͤchten. Es iſt nur ein Kaſtell auf der Inſel, das jedoch von keinem an⸗ deren Menſchen, als von Prieſtern und Moͤnchen, welche alle Griechen ſind, bewohnt wird. Sie bewir⸗ theten uns freundlich, indem ſie uns von ihren Fruͤch⸗ ten gaben, fuͤr welche wir ihnen Geld anboten, das ſie jedoch nicht annehmen wollten. Ich habe auf unſerer ganzen Reiſe keinen angenehmeren Ort angetroffen, und haͤtte von Herzen wuͤnſchen moͤgen, immer dort zu bleiben. Man nennt ſie die Prieſter⸗Inſel. Von hier fuhren wir ab, und ſegelten nach der Inſel Kandia, wo wir nur drei Tage in dem Hafen lie⸗ gen bleiben wollten; da wir keine Geſchaͤfte hier hat⸗ ten, als bloß die Stadt zu beſehen. Wir waren alle an das Land geſtiegen, und gedachten uns nicht laͤn⸗ ger, als uͤber Nacht darin aufzuhalten, wenn unſerm Schiffe nicht ein beſonderer Unfall zugeſtoßen waͤre. Denn wir halten es noch nicht zwei Stunden verlaſ⸗ ſen, als eine der Galeeren von Kandia, welche aus See kam, in einem ſtuͤrmiſchen Winde gegen das Ruder unſeres Schiffes anrannte, und es mit ſich fortnahm. Ueberdieß bekam das Schiff an zwei Steu⸗ 3 79 len einen Leck, welches uns einen Aufenthalt von 9 Tagen verurſachte, ehe es wieder in ſegelfertigen Stand geſetzt werden konnte. Hier fanden wir eine koͤnigliche Aufnahme, vorzuͤglich von Seite eines der Gouverneurs, deren einer ein Grieche, und der an⸗ dere ein Italiener war. Die Stadt Kandia iſt eine Garniſonsſtadt, und beſtaͤndig liegen bei 1800 Mann Soldaten daſelbſt. Der griechiſche Gouverneur ließ vier Befehle ergehen, des Inhalts, daß wir bei Tag und Nacht die Freiheit haben ſollten, ruhig und un⸗ gehindert bei der Haupt⸗ und den Schildwachen vor⸗ beigehen zu duͤrfen, was eine beſondere Verguͤnſtigung war. Beſonders freundlich behandelten uns die Buͤr⸗ ger, vorzuͤglich die Frauen vom Stande, welche uns oͤf⸗ ters Feſte mit Muſik und Tanz in ihren Gaͤrten gaben. Man kann ſie wohl die luſtigen Griechen nennen; denn wenn ſie Abends von ihrer Arbeit gehen, pflegen Maͤnner und Weiber in den Straßen auf und ab zu tanzen. Ohngefaͤhr eine halbe Meile von der Stadt, ſteht noch jetzt die Kapelle, in welcher der h. Paul predigte, die bis zu dieſer Stunde die St. Pauls⸗ Kapelle genennt, und von den Griechen in großer Ehre gehalten wird. Von Kandia ſegelten wir nach Cypern, ein meiſt zerſtoͤrter Ort, welcher jetzt unter der tuͤrkiſchen Oberherrſchaft ſteht. Wir verweilten uns hier nicht uͤber zwei Stunden, waͤhrend welcher der Gouverneur des Platzes, ein Tuͤrke, an Bord unſeres Schiffes kam, und uns mit Trauben und andern Fruͤchten be⸗ ſchenkte. Er begegnete uns ſehr wohlwollend, wel⸗ ches uns die Meinung beibrachte, daß alle Tuͤrken ſo geſinnt ſeien, allein wir fanden das Gegentheil. Von Cypern ſegelten wir nach Tripolis, wo wir an das Land ſtiegen, und unſer Schiff, das wir nicht weiter miethen wollten, verließen. Als wir in den Hafen kamen, fanden wir den Kauffahrer daſelbſt, in welchem wir von Venedig nach Zante gefahren waren. Seine Beſatzung hatte uns nicht ſobald er⸗ kannt, als der Kapitaͤn und der Schiffsmeiſter ſogleich zum Gouverneur gingen, und ihm erzaͤhlten, daß wir Banditen und Seeraͤuber ſeien, und daß ſie dem Gou⸗ verneur riethen, uns alle aufzuhaͤngen; worin er auch willigte. Da Sir Anton Sherley durch einen Griechen, welcher auf dem Kauffahrer diente, hiervon Nachricht erhielt, ſo ſchickte er ſogleich den Angelo, ſeinen Begleiter, zu dem Gouverneur, um ihn zu melden, daß wir Englaͤnder ſeien, welche nach Kon⸗ ſtantinopel an den Hof des Großfultans gingen; allein dieſe Botſchaft wurde nicht angehoͤrt, weil die Venezianer uns ſo ſehr entgegen arbeiteten. Der Gouverneur behielt Angelo, den er in Feſſeln ſchla⸗ gen ließ, bei ſich, und ſchickte einen Kapitaͤn mit drei Soldaten, die ſie Janitſcharen nennen, nach uns aus, Sie kamen in einem Boot, welches ſie Fregatte nen⸗ nen, und legten ſich an die Seite unſeres Schiffes. Der Kapitaͤn kam zu uns an Bord, nachdem er den 81 Janitſcharen befohlen hatte, auf der Fregatte zu blei⸗ ben. Er unterhielt ſich mit Sir Anton Sherley eine Stunde lang, in welcher Zeit die armeniſchen Kaufleute, welche in dem Kauffahrer waren, zu dem Gouverneur gingen und ihn beredeten, ein Loͤſegeld von uns anzunehmen, und uns gehen zu laſſen, was er auch zu Sir Antons großen Koſten that, und uns Angelo wieder zuruͤck ſchickte. Hierdurch wurden wir aber in große Noth getrieben, weil wir kein Schiff finden konnten, was uns noͤthigte, auf einem kleinen Fiſcherboot nach Skanderun zu fahren, da man uns zwang, in die See zu ſtechen, auf der wir ſechs Tage lang durch Sturm und widrige Winde ohne alle Lebensmittel, außer ein wenig friſches Waſſer und et⸗ was Tabak, hin und her getrieben wurden. Endlich entdeckten wir Land, und da uns der Wind hin fuͤhrte; ſo ſegelten wir auf Geradewohl darauf los. Als wir in Angeſicht des Platzes waren, benachrichtigte uns der Schiffsmeiſter, daß wir uns ganz in der Naͤhe des Fluſſes Orontes befaͤnden, und wenn es Sir Anton geſiele, wir dieſen Fluß hinaufſchiffen, und in Palaͤſtina landen koͤnnten; welchen Vorſchlag Sir Anton ſehr gerne annahm. So ſtiegen wir am ſiebenten Tage, nachdem wir aus Mangel an Lebensmitteln beinahe gaͤnzlich erſchoͤpft waren, an das Land. 1364s B. Peoften. l.. 6 82 v. Hauptſtuͤ ck. Aufenthalt und uͤble Behandlung in der Tuͤrkei; Reiſe uͤber Antiochus nach Aleppo. — Nachdem wir am Ufer des Fluſſes Orontes ausgeſtiegen waren, begab ſich Angelo unſer Wegfuͤh⸗ rer einige Meilen weit in das Land, um uns Lebens⸗ mittel und andere Beduͤrfniſſe zu verſchaffen. In der⸗ ſelben Stadt wohnte ein Spahi, welcher ein Krieger des Großſultans war, und den Platz unter ihm befeh⸗ ligte. Denn diejenigen, welche zu Pferde dienen, werden gewoͤhnlich Spahis oder Chorſen genannt. Dieſer Spahi kam mit einigen Janitſcharen und an⸗ deren Leuten zu uns, welche uns anfaͤnglich freund⸗ lich behandelten, am Ende aber ihr freundliches Be⸗ nehmen aͤnderten, Schmaͤhworte gegen uns ausſtie⸗ zen, und uns mehrere Sachen wegzunehmen verſuch⸗ ten, indem ſie einigen von unſeren Leuten Schlaͤge austheilten, gegen die wir uns nicht vertheidigen durften, ſondern uns in Geduld fuͤgen mußten. Denn in der Tuͤrkei beſteht ein Geſetz, daß, wenn ein Chriſt einen Tuͤrken ſchlaͤgt, er entweder ein Tuͤrke werden, oder ſeinen rechten Arm verlieren muß; wegen welchen Geſetzes wir manche Streiche mit Geduld ertrugen. Allein dieſe Burſche begnuͤgten ſich nicht damit, uns zu ſchlagen, und uns mehrere Sachen wegzunehmen, 83 ſondern ſie wollten auch mit Gewalt einen Knaben von uns haben, welcher Sir Antons Page war. Sir Anton aber ſchwur, daß er lieber ſein eigenes Leben einbuͤßen, als zugeben wolle, ihn oder einen ſeines Gefolges auf dieſe Weiſe zu verlieren. Allein da wir am Ende dieſer unhoͤflichen Gaͤſte gerne los ſeyn wollten; ſo ſuchten wir ſie mit 12 Goldſtuͤcken, welche man zu Venedig Zechinen nennt, zu befrie⸗ digen, und ſo ließen ſie uns gehen. Von hier ſetzten wir unſere Reiſe nach Antiochia fort, welches zwei und eine halbe Tagreiſe von Orontes liegt, wohin wir ritten, und unſer Gepaͤcke auf Kamelen und Eſeln, die wir zum Gluͤcke von den Tuͤrken gemiethet hatten, fortbringen ließen. Als wir nach Antiochia kamen, logirten wir in einem Hauſe, das von zwei Janit⸗ ſcharen, gebornen Ungarn bewohnt war, die beide Bruͤder, und Tuͤrken eidrden waren. Sie begegne⸗ ten uns freundlicher, als die uͤbrigen, und da ſie eine Art von Befehlshaberſtelle auf dem Platze bekleideten, ſo gaben ſie uns die Erlaubniß, frei in der Stadt herum zu gehen, indem ſie uns Jemand zur Beglei⸗ tung mitgaben, um uns zu beſchuͤtzen. Antiochia liegt an dem Abhange eines Huͤgels; die Stadt iſt ſehr in Verfall gerathen; zu dieſer Stunde ſtehen al⸗ lein noch die Stadtmauern feſt. Hier liegt der heilige Lorenz begraben, welcher von Como hierher ge⸗ bracht wurde. Die Chriſten, welche in der Tuͤrkei wohnen, bezahlen iaͤhrlich einen Tribut an die Tuͤr⸗ 84 ken, um immer eine Lampe auf ſeinem Grabe bren⸗ nend unterhalten zu duͤrfen. Zu Antiochia, wo wir drei Tage blieben, mietheten wir Kamele und Eſel, um uns mit einer Bedeckung nach Aleppo zu bringen, weil wir benachrichtiget waren, daß un⸗ terwegs eine Bande von zweihundert NRaͤubern oder Renegaten laͤge. Von Antiochig nach Aleppo ſind ſechs Tagreiſen. Nachdem wir zwei unterwegs geweſen waren, erzaͤhlte der Kapitaͤn der Bedeckung dem Sir Anton Sherley, daß wir noch 16 Mann weiter in einem Dorfe miethen muͤßten, welches wir zu paſſizen haͤtten, weil er fuͤrchte, daß wir den naͤch⸗ ſten Tag auf jene Raͤuber ſtoßen moͤchten. Sir An⸗ ton fragte ihn, was er verlange, er antwortete, nicht weniger als ſechs Kronen, und als er das Geld em⸗ pfangen hatte, ging er nach der Stadt, und kehrte in einer halben Stunde mit nur einem einſigen Manne zuxuͤck. Sir Anton fragte ihn, wo die Uebrigen ſeien; hier ſind ſie alle in Einem, ſagte der Tuͤrke, Denn dieſer Mann hat ſich mit 16 Menſchen auf ein⸗ mal herum geſchlagen, und ſie uͤberwaͤltigt, deßhalb iſt er ſeither immer fuͤr ſechszehn Mann bezahlt wor⸗ den. Sir Anton, der uͤber ihr hinterliſtiges Ver⸗ fahren ein wenig aufgebracht war, antwortete, daß er einige in ſeiner eigenen Begleitung habe, gegen wel⸗ che ein weit beſſerer, als er, nur ein Knabe waͤre. Um jedoch weiteren Unannehmlichkeiten zu entgehen, waffnete er ſich mit Geduld, und begnuͤgte ſich, 1 8⁵ ſich mit dieſem Manne auf ſolche Weiſe abzu⸗ finden. Am Ende des ſechſten Tages erreichten wir gluͤck⸗ lich Aleppo, wo wir von einem Herrn Colthurſt, der damals Konſul der engliſchen Kaufleute war, wie von den Kaufleuten ſelbſt, freundlich aufgenommen wurden; da ſie uns in ihre Haͤuſer einlogirten, und uns mit allem verſahen, was wir nothwendig hatten. Die Tuͤrken begegneteu uns jedoch ziemlich ſchlecht, denn wir durften uns nicht in den Straßen ſehen laſſen, ohne daß ſie uns Ohrfeigen verſetzten, und uns ſchmaͤhlig mißhandelten, wenn wir keinen Janit⸗ ſcharen bei uns hatten: denn es iſt der Gebrauch hier, daß alle Fremde gewoͤhulich einen Janitſcharen zu ih⸗ rer Sicherheit ins Haus nehmen. Eines Tages traf es ſich, daß ich allein auf der Straße ging, und das Ungluͤck hatte, einem Tuͤrken zu begegnen, der ſeinem Kleide nach zu urtheilen ein anſehnlicher Mann war, und mich auf nachfolgen de Weiſe behandelte. Er faßte mich mit der Hand feſt an einem meiner Ohren, und⸗ fuͤhrte mich ſo die Straßen auf und ab, und wenn ich ihn ſauer daruͤber anſah, ſo zaußte er mich der⸗ maßen, daß ich glaubte, er wolle mir das Ohr abrei⸗ ßen, und auf dieſe Weiſe fuhr er eine ganze Stunde lang mit mir fort; wobei uns eine Menge Volkes⸗ folgte, von denen einige Steine nach mir warfen, andere mich anſpieen. Endlich ließ er mich los, da⸗ ich aber, als ich weg ging, nicht lachen wollte, ſo⸗ 86 verſetzte er mir einen ſolchen Schlag mit einem Stocke, daß er mich damit zu Boden ſchlug. Als ich nach dem Hauſe des Konſuls zuruͤckkam, und der Janit⸗ ſchar deſſelben mich uͤber und uͤber blutig ſah, fragte er mich, auf welche Weiſe ich ſo zugerichtet worden ſey, da ich es ihm erzaͤhlte, ſo griff er gleich zornig nach ſeinem Stocke, hieß mich mit ihm gehen, und ihm den Tuͤrken zu zeigen, der mich ſo behandelt habe. Wir fanden ihn bald bei ſeinem Vater und andern vornehmen Tuͤrken ſitzend, wo ich ihn dem Janitſcha⸗ ren bezeichnete, der wild auf ihn zuſprang, ihn ruͤck⸗ lings niederwarf, und ihm zwanzig Streiche auf Schenkel und Fußſohlen ſo verſetzte, daß er weder gehen, noch ſtehen konnte. Er war mit einem Unter⸗ kleide aus Goldſtoff, und mit einem ſcharlach farbe⸗ nen ſammtenen Oberkleide bedeckt, allein ſeine koſtba⸗ ren Kleider konnten ihn nicht vor der ſtrengen Wuth des Janitſcharen ſchuͤtzen, und auf dieſe Weiſe erhiel⸗ ten unſere Leute einige Zeit Ruhe. Ich will hier Einiges von den Sitten der Tuͤrken anfuͤhren: denn ob ſie gleich unſeren Kaufleuten ſehr bekannt ſind, ſo ſind ſie es doch nicht im Allgemei⸗ nen. Was naͤmlich die Freiheit belangt, welche die vornehmen Duͤrken ihren Soldaten, Janitſcharen ge⸗ nannt, zugeſtehen: So iſt letztern erlaubt, Lebensmit⸗ tel fuͤr ſich und ihre Pferde zu nehmen, ohne je einen Pfennig dafuͤr zu bezahlen, in welche Stadt unter tuͤrkiſcher Oberherrſchaft ſie auch kommen; und wenn 87 ſie die Tuͤrken nicht zu ihrer Zufriedenheit bedienen, ſo ſchlagen dieſe ſie wie die Hunde. Wenn ſie ſich zu widerſetzen wagen; ſo fallen alle ihre Guͤter dem Großſultan anheim. Ich will hier ein Beiſpiel von einem bedauernswuͤrdigen Vorfalle erzaͤhlen, der ſich waͤhrend meines Aufenthalts in der Tuͤrkei mit den Janitſcharen zutrug. Sechs von ihnen, welche durch das Land reiſten, kamen nach einer Stadt, wo ſie ſich mehrern Ungebuͤhrlichkeiten gegen die Frauen zur Schuld kommen ließen. Als die Maͤnner in der Stadt ihre ſchaͤndliche Auffuͤhrung ſahen, widerſetzten ſie ſich ihnen ſo, daß am Ende einer der Janitſcharen erſchla⸗ gen wurde. Die andern fuͤnf verließen ſogleich die Stadt und kamen nach Aleppo, welches nur zwan⸗ zig Meilen von dem Orte eutfernt lag, und erzaͤhlten den Janitſcharen, deren immer 300 in dortiger Feſte liegen, was ſich zugetragen hatte. Am folgenden Tage zogen ihrer zweihundert aus der Feſte nach der Stadt, wo der Janitſchar getoͤdtet worden war, und brachten Maͤnner, Weiber und Kinder um, riſſen ihre Haͤuſer nieder und trugen ihr Haabe und Gut als Beute davon. Ich ſah die Stadt ſelbſt acht Tage, nachdem ſich dieſes zugetragen hatte, und ſie bot mir einen trauri⸗ gen Anblick dar. Viele Chriſten wohnen unter den Tuͤrken, welche von Letztern auf eine unmenſchliche Weiſe gebrandſchatzt werden. Denn wenn ihnen ein Chriſt oder ein Jude in den Weg kommt, und Letz⸗ 885 texer nur einen Stein aufhebt und wegwirft, oder ſich nur ein Tuͤrke in der Ferne ſehen laͤßt, ſo wird er ihn augenblicklich verklagen und ſchwoͤren, daß er einen Stein nach ihm geworfen habe, und ſo, wie ſie es in dieſem Lande nennen, Nache an ihm nehmen. Er muß dann entweder ein Tuͤrke werden, oder alle ſeine Haabſeligkeiten verlieren, wovon die eine Haͤlfte der Großſultan, und die Andere der Anklaͤger erhaͤlt. So gehen ſie auch in ihren Staͤdten, wo viele Chriſten wohnen, wenn ſie ſolche fuͤr reich halten, bei der Nacht hin und toͤdten ihrer zwei oder drei, einen Juden, den ſie einem Chriſten vor ſeine Hausthuͤre⸗legen, und auf ihn Acht geben, bis es Tage wird, dann rufen ſie einen Offizier, zeigen ihm den Aublick und⸗ ſchwoͤren, daß ſie geſehen haͤtten, wie ihn der Chriſt umgebracht habe, und ſo nehmen ſie, wie ſie es nennen, ihre Rache an ihm, Er muß dann entweder eine Duͤrke werden, oder er wird gehaͤngt und verliert ſein gan⸗ zes Vermoͤgen und ſein Geld. Sie bedienen ſich ſol⸗ cher boshaften Streiche, um die Chriſten zu quaͤten. Was ihre Moſcheen belangt, ſo ſind ſie ſehr ſchoͤn und haben hohe Thuͤrme, jedoch keine Glocken darin; allein Maͤnner, welche viermal des Tages auf die Spitzen der Thuͤrme ſteigen, und ſie mit ſo lauter Stimme, daß man ſtie in der ganzen Stadt⸗ hoͤren kann, ſingend an die ihnen von Mahomed hinter⸗ laſſenen Gebote ermahnen. Sie haben auf den Hoͤfen hter⸗Moſcheen meiſtens einen 8Leainsbemnaen. uͤber 1. 89 welchen ein kleines Haus gebaut iſt, das zwei Ab⸗ theilungen, eine fuͤr die Maͤnner und die andere fuͤr die Frauen hat. Hier pflegen ſis, ehe ſie nach der Moſchee gehen, um ihr Gebet zu verrichten, ſowohl Maͤnner als Weiber, den Wirbel des Kopfs, die Haͤnde und Arme bis an den Ellenbogen, ihre Fuͤße und Schaamtheile zu waſchen. Sie haben die Geſetze Mahomets auf große Pergament⸗Rollen geſchrie⸗ ben, welche ihre Prieſter zwei und dreimal die Woche durch die Straßen tragen. Vor ihnen her traͤgt einer ein Becken, in welches das Volk Geld wirft, das, wie ſie ſagen, zur Unterhaltung ihrer Moſcheen und zur Anſchaffung des Oels fuͤr ihre Ampeln verwendet wird. Ihr Feiertag, den ſie in fruͤheren Zeiten verloren hatten, faͤllt auf den Freitag. Da ſie ihn wieder er⸗ hielten; ſo pflegen ſie am Donnerſtag Abends die Thuͤrme ihrer Moſcheen mit Lampen zu behaͤngen, um das Volk an ſeinen Sabbath zu erinnern, damit ſie ihn nicht wieder verloͤren. Sie haben eine gewiſſe Art von Getraͤnk, welches ſie Kaffee nennen. Es wird aus einem italieniſchen Saamen bereitet, und ſehr heiß getrunken; es iſt weder ſchmackhaft, noch wohlriechend; allein ſehr geſund. So wie wir in England in die Schenke gehen, um die Zeit in freund⸗ ſchaftlicher Geſellſchaft hinzubringen, ſo haben ſie ſehr ſchoͤne Haͤuſer, worin dieſer Kaffee ausgeſchenkt wird, taͤglich begeben ſich die Vornehmeren in dieſe Haͤuſer, deren Eigenthuͤmer junge Knaben unterhalten; in 90 manchen bis auf ein Dutzend und mehr oder weniger. Dieſe Knaben werden Pardaſches genennt, ſehr koſtbar in Kleidung unterhalten, und von ihnen auf eine viehiſche Weiſe ſtatt der Weiber gemißbraucht. Denn waͤhrend des ganzen Sommers halten ſie ihre Weiber in ihren Haͤuſern eingeſchloſſen, und bedienen ſich dieſer Knaben. Man ſieht ebenfalls auf ihren Maͤrkten Chriſten verkaufen, Maͤnner, Weiber und Kinder, als wenn ſie Schaafe oder Vieh waͤren, wel⸗ ches ich ſehr beherzigte. Es ſind auch noch bis zu dieſer Stunde einige von Mahomets Nachkommen vorhanden, die von ihnen in großen Ehren gehalten werden. Denn ein Wort von ihnen gilt eben ſo viel, wie das von ſieben andern Menſchen. Sie ſind leicht iu erkennen: denn ſie tragen immer gruͤne Turbane. Es befand ſich ebenfalls waͤhrend unſeres Aufenthaltes zu Aleppo ein Tuͤrke, ein ſehr fetter und außeror⸗ dentlich kurzer Mann daſelbſt, der immer nackt an der Ecke der Straße mit einem kleinen Spieße in der Hand, ſaß, und den ſie fuͤr einen großen Propheten hielten. Er hatte den ganzen Tag großen Zulauf, und ſie hegten eine ſo hohe Meinunz von ihm, daß ſie denjenigen fuͤr ſelig achteten, der von ſeinem Spieße getoͤdtet wuͤrde. Denn waͤhrend der kurzen Zeit un⸗ ſers Aufenthaltes daſelbſt, erſtach er ihrer drei. Die Tuͤrkei iſt nicht ſehr bevoͤlkert, ausgenommen, in ih⸗ ren großen Staͤdten: denn ein Mann kann drei oder vier Tage hinter einander reiſen, ohne ein Haus oder — eine Stadt anzutreffen; uͤberdieß iſt das Land außer⸗ ordentlich unfruchtbar. Wir wunderten uns wie der tuͤrkiſche Kaiſer ſo viele Soldaten in das Feld ſtellen kann, da das Land ſo ſchlecht bevoͤlkert iſt. VI. Hauptſtuͤ ck. Reiſe von Aleppo, durch die arabiſche Wuͤſie uͤber Babylon nach Perſien. Nachdem wir uns fuͤnf Wochen lang zu Aleppo bei den engliſchen Kaufleuten aufgehalten hatten, ver⸗ ſah ſich Sir Anton Sherley mit einigen Waaren, wie z. B. mit Stuͤcken von Goldſtoff, zwoͤlf Bechern mit Smaragd und Juwelen von großem Werth, die er dem Sophi von Perſien zu uͤberbringen beab⸗ ſichtigt hatte, wenn ihn nicht ſein Mißgeſchick daran verhindert haͤtte. Zu Aleppo mietheten wir Kame⸗ le, Eſel, Maulthiere und Pferde, um uns von da nach einer Stadt zu bringen, die von den Tuͤrken Beer, ſonſt auch Berſada genannt wird, und wo⸗ hin uns ein Tuͤrke begleitete, den ſie Cadi nannten, und der ſich als Geſandter des Großſultans zu dem Paſcha oder Vizekoͤnig von Bagdad, ſonſt auch Ba⸗ bylon genannt, begab. Auch begleiteten uns vier engliſche Kaufleute von Aleppo nach Beer, wohin wir vier Tagereiſen hatten. In Beer angekommen ſchifften wir uns nach einem Aufenthalte von fuͤnf 92 oder ſechs Tagen nicht ohne einige Schwierigkeiten in einem Boote auf dem beruͤhmten Fluſſe Suphrat ein, und wurden von eilf anderen tuͤrkiſchen Booten begleitet, welche mit Kaufmanns⸗Guͤtern nach Baby⸗ lon fuhren. Nachdem wir zwei Tage dem Fluß hinab geſegelt waren, kamen wir an einen Platz, wo ein großer Haufen Steine aufgeſchichtet war, und die Ju⸗ den, welche ſich in unſerer Geſellſchaft befanden, er⸗ zaͤhlten uns, daß dieſes der Ort ſei an welchem Ab⸗ raham ſeine Zelte aufgeſchlagen habe, und bezeigten ihm ihre Ehrfurcht. Wir ſahen gewoͤhnlich jeden Mor⸗ gen große Loͤwen an das Ufer des Fluſſes kommen, und die wilden Araber verfolgten uns faſt den ganzen Tag laͤngs der⸗Anhoͤhen des Ufers, bisweilen zu hun⸗ derten und oͤfters zu zweihunderten mit Schleudern, aus welchen ſie Steine nach uns warfen; die uns aber ruͤckſtchtlich unſerer Schießgewehre wenig ſchadeten, obgleich ſie uns einigermaßen beſchwerlich fielen. So den Strom hinab fahrend, kamen wir nach ei⸗ ner⸗Stadt, Auna genannt, welche von den Tuͤrken regiert, aber von vielen Arabern, bewohnt wurde, und ohngefaͤhr zwei Meilen von der Stadt an dem Ufer des Stromes, hatte der Koͤnig von Arabien ſeine Zelte aufgeſchlagen. Denn wie erzaͤhlt wurde, hatte er ein Geluͤbde gethan, nie ein Haus zu betre⸗ ten, bis er alle Tuͤrken aus ſeinem Lande gejagt habe. Alle Boote hatten den Befehl, eine Salve zu geben, ſo oft wir an einem bedeutenden Orte vorbei kaͤmen, 93 und da wir das Gleiche an dieſem Platze thaten, als wir mit unſeren Booten dicht vor die Stadt gekom⸗ men waren, ſo toͤdete einer der Tuͤrken, der ſein Ge⸗ wehr mit einer Kugel geladen hatte, einen von des Koͤnigs Garde, welcher mit einigen Fuͤnfzig ſeiner Kameraden am ufer ſpatzieren ging. Als ihn dieſe ploͤtzlich fallen ſahen, ſo zogen ſie in der Wuth ihre Schwerter, nicht wiſſend, an wem ſie ſich raͤchen ſoll⸗ ten. Allein der Tuͤrke, der ihn getoͤdet hatte, ſtand auf und rief mit lauter Stimme, daß ein Chriſt ihn erſchoſſen habe, worauf ſie alle auf unſer Boot zuſtuͤrm⸗ ten, und ſchwuren, uns alle umzubringen. Allein Gott beſchuͤtzte uns: denn es befand ſich ein Tuͤrke aus Mahomeds Stamme in demſelben Bopte, mit demjenigen, welcher den Menſchen getoͤdet hatte, der ſogleich in das Waſſer ſprang, und den Garden zurief: „Hier iſt der Menſch, der euern Kammeraden erſchoſ⸗ ſen hat: denn ich ſah ihn die Kugel in ſein Gewehr laden.“ Sie machten hierauf Hakt, und fuͤgten uns kein Leid zu. Allein ploͤtzlich ſprangen ſie alle auf die⸗ ſen Tuͤrken los, und hieben ihn in tauſend Stuͤcke, welche ſie aufrafften und hin und her ſtreuten. Dis Rachricht hiervon kam ſogleich vor den Koͤnig, und ex ließ einen Befehl an alle Boote ergehen, an den Platz zu kommen, wo die Zelte aufgeſchlagen ſeien, welches wir ſogleich thaten. 5 Bei unſerer Ankunft ſchickte der Koͤnig eine Ab⸗ theilung ſeiner Leute nach uns, welche die Ruder un⸗ 94 ſerer Boote wegnahmen, und befahl, daß die Oberen der Reiſegeſellſchaft vor ihm erſcheinen ſollten, wel⸗ ches ſie thaten. Sir Anton ging zuerſt, von drei ſeiner Leute außer mir ſelbſt begleitet. Wir hatten den vollen vierten Theil einer engliſchen Meile zu ge⸗ hen, ehe wir nach Eintritt in das Koͤnigliche Zelt, in welchem zu beiden Seiten Wachen mit Schießgeweh⸗ ren und Piken aufgeſtellt waren, vor den Koͤnig kamen. Als wir vor ihm erſchienen, ſtand er auf, und nahm den Sir Anton bei der Hand. Dieſer wollte ſie kuͤſ⸗ ſen, was er ihm jedoch nicht zugeben wollte, wir aber thaten. Er fragte hierauf den Sir Anton Sher⸗ ley, wer er ſei, und nachdem ihm dieſer den Zweck unſerer Reiſe treulich angegeben hatte, ſo lobte er ihn deßhalb ſehr, und ließ eine Mahlzeit von Fruͤchten auftragen, wie ſolche dort wachſen. Es gibt ſehr we⸗ nig Brod in dieſem Lande, und die Einwohner leben gewoͤhnlich von Biſam⸗Melonen, Rettigen und Reis; ihre Kleidung iſt ſehr einfach, und beſteht blos aus ei⸗ nem Rocke, der wie ein Chorhemd mit weiten Aer⸗ meln aus einem blauen halbſeidenen Zeuge gemacht iſt. Die Aermel binden ſie mittelſt einer Ecke derſel⸗ ben auf dem Ruͤcken ſo zuſammen, daß die Arme ſelbſt nackt gelaſſen werden. Um den Leib tragen ſie einen Guͤrtel von Pferde⸗Leder, ohngefaͤhr fuͤnf Finger breit, worin ein Dolch mit einem hoͤlzernen Griſfe ſteckt, und auf dem Kopfe eine Filzmuͤtze, die wie ein Helm oder ein Casauet geſtaltet iſt, und unter dem Kinn mit ei⸗ 7 95 ner Art von ſchwarzem Florzeuge zuſammengebunden wird. 5 Auf dieſe Weiſe war auch der Koͤnig gekleidet, nur mit dem Unterſchiede, daß er einen ſeidenen Oberrock ohne Aermel trug. Er war ein ziemlich gutmuͤthiger Mann, außerordentlich ſchwarz, und hatte ein ſehr grimmiges Anſehen. Die Koͤnigin, ſeine Frau, war eine Negerin, und der Zug, welcher ihm folgte, be⸗ ſtand aus 20,000 Mann: denn er fuͤhrte ohngefaͤhr 10,000 Kamele bei ſich. Waͤhrend des Sommers hielt er ſich immer in der Naͤhe Euphrat's; allein im Winter weiter oben in der Wuͤſte auf. Als Sir Anton ſah, wie er gekleidet war, liet er ein Stuͤck Goldſtoff aus den Fahrzeugen bringen, und uͤberreichte es dem Koͤnige fuͤr ein Oberkleid wel⸗ ches dieſer ſehr hoch aufnahm, wofuͤr er ſich ſehr bei ihm bedankte, ihm auch von ſeiner eigenen Hand ei⸗ nen Paß gab, um ohne ferneren Aufenthalt unbe⸗ ſchwert durch ſein Land reiſen zu koͤnnen. Allein die Tuͤrken mußten ihm den Tod ſeines Dieners theuer bezahlen. Nachdem wir einen Tag und eine Nacht hier verweilt hatten, reiſten wir ab, und kamen in wenigen Tagen an einen merkwuͤrdigen Platz, der wie Pech und Schwefel brannte, und einen ſolchen Rauch von ſich gab, daß er die Gegend beinahe verfinſterte, und das Pech, welches in haushohen Flammen auflo⸗ derte, verurſachte ein fuͤrchterliches Gepraſſel. Dieſer Platz war, wie die Juden uns eriaͤhlten, der Ort, an 96 welchem Sodom und Gomorra geſtanden hatten, der aber von den Kuͤrken der Eingang zur Hoͤlle ge⸗ nannt wird. Von da kamen wir nach einer ſchoͤnen Stadt, einem ſehr alten Orte, Rarea genannt, welche von Tuürken und Arabern bewohnt wird. Der Su⸗ phrat fließt durch die Stadt, und ſie haben weder eine Bruͤcke noch Boͤte, um von einem Ufer an das andere zu gelangen; ſondern bedienen ſich der Ziegen⸗ felle, welche ſie wie eine Blaſe aufblaſen, ſich auf ſie werfen und uͤberſchwimmen. Man ſieht ſie ſo haͤufig wie die Boͤte auf der Themſe hin⸗ und herfahren. Von da kamen wir nach Feleugo, einem Orte der in den Vorſtuͤdten von Babylon liegt, wo wir unſere Fahr⸗ zeuge verließen und Kamele und Eſel mietheten, um uns nach der jetzigen Stadt Babylon zu bringen, welche eine Tag⸗ und Nachtreiſe von dieſem Platze entfernt war. Allein ehe wir nach Babylon kamen, erzahlte der Kadi; der als Geſandter des tuͤrkiſchen Kaiſers an den Viee⸗Koͤnig von B Kbylon abgeſchickt war, dem Sir Anton, daß ſein Gepaͤcke durchſucht werden wuͤrde; da er fuͤrchte, daß man ihm ſeine Wag⸗ ren nehmen wuͤrde, ſo wollte er ihm rathen., ihm ei⸗ nige derſelben zuzuſteleen, die er ihm ſicher verwahren und ſie ihm bei ſeiner Abreiſe von Babylon wieder zuſtellen wolle, was er denn auch redlich that, da Sir Anton ihm, mehrere Juwelen und andere Waaren in Verwahrung gab; die Smaragden Becher aber hielt er fuͤr den Vicekoͤnig von Babylon zuruͤck. Ehe —-—-– 97 wir jedoch in die Stadt kamen, wurden wir viſitirt und aller unſerer Haabſeligkeiten, im Wert e von 600 Kronen beraubt, von denen wir nie etwas wieder ſahen. Haͤtten wir jene Waaren nicht dem Geſandten anvertraut, ſo wuͤrden wir von allem entbloͤst wor⸗ den ſeyn⸗ Da Babylon den Englaͤndern gewoͤhnlich unbe⸗ kannt iſt; ſo will ich hier einiges daruͤber ſagen. Von dem durch Nimrod erbauten Thurme ſteht noch ein Theil; er iſt von betraͤchtlicher Hoͤhe und eine Tagreiſe oder etwas weiter von der jetzigen Stadt Babylon entfernt. Er ſteht in einer Wildniß, und es beſinden ſich ſo viele wilde Thiere in ſeiner Umgebung, daß ihm kein Menſch auf zwei Meilen zu nahe kommen kann, man ſieht ihn aber deutlich. Hier iſt noch ein anderer Thurm, der etwas weniger, als eine Viertels Meile von der Stadt ſteht, und den ſie den Nebucadne⸗ zars, oder den falſchen Thurm nennen. Der Ti⸗ gris fließt durch die Stadt; er iſt der reiſſendſte Strom. Sie haben eine Bruͤcke daruͤber gebaut, die aus großen Boͤten und quer daruͤber gelegten Brettern zuſammen geſetzt iſt. Es wird hier ein großer Handel mit Oſtindiſchen, Armeniſchen, Perſiſchen und Veue⸗ tianiſchen Kaufleuten und vielen Juden getrieben. Ebeuſo iſt die Prophezeihung der Pſalmen in Erfuͤllung gegangen, daß Babylon in Staub verwandelt wer⸗ den ſollte. Denn die jetzige, wie die alte Stadt hat eine ſolche Fuͤlle von Sand, daß ein Mann kaum darin 18tes B. Perſien. I, 1. 7 98 gehen kann; an einigen Stellen iſt er ſo tief, daß er bis an das halbe Bein reicht. Die Stadt iſt reichlich mit Lebensmitteln verſehen, welche ſehr wohlſeil ſind, was uns um ſo mehr Wunder nahm, als das Land ſo unfruchtbar iſt. Es regnet dort ſehr wenig, allein ſie bedienen ſich des folgenden Mittels, ihre Korn felder zu bewaͤſſenn, wie ich ſowohl am Euphrat als am Tigris geſehen habe. Sie jochen vier Ochſen au einander, und haben eine Radmaſchine, welche ſie dicht 8 das Ufer des Fluſſes und vermittelſt zweier Seile Bewegung ſetzen. Am Ende eines jeden Seils be⸗ be ſich zwei aus Buͤſfel Leder verfertigte Eimer, ſobald ein Eimer herabgeht, ſo kommt der andere mii⸗ Waſſer gefuͤllt herauf, welches in kleinen Kendeln an einigen Plaͤtzen zehn Meilen weit, oder noch weiter geleitet wird, und den Boden bewaͤſſert, was eine ſehr ſchoͤne Erfindung iſt. Man fieht die Ruinen von Babylon noch bis zur heutigen Stunde. Ich ſelbſt, zaͤhlte neun Thore, und ſah noch viele unterirdiſche Gewoͤlbe und Funda⸗ mente zerſtoͤrter Haͤuſer, als ich durchreiſte. Die Ein⸗ wohner von Babylon, ſind Tuͤrken, Araber, Arme⸗ nier und Juden. Die Waaren, welche dem Sir Anton weggenom⸗ men worden waren, wurden nach ihrer Beſchlagnahme, dem Paſcha uͤberbracht, welcher ſo großen Gefallen an den Bechern fand, daß er ſie kuͤr ſeinen eigenen Ge⸗ o,— 99 brauch behielt, und dem Sir Anton Sherley nicht einen Pfennig dafuͤr verguͤtete; ſondern ihn zu ſich rufen ließ. Als Sir Anton vor ihm erſchien, er⸗ wartete der Paſcha, daß er ihm große Ehren erweiſen follte; allein Sir Anton, der wie immer, einen hohen Geiſt hatte, wollte ſich ihm durchaus nicht unterthaͤnig bezeigen. Denn als er mit einem ſtattlichen Gefolge zu ihm kam, trat er keck in das Zimmer, und buͤckte ſich nicht einmal, ſondern ſetzte ſich ungeheißen zu ihm nieder. Der Vieekoͤnig ſah ihn hierauf ſehr ergrimmt an, und ſagte ihm, daß er ihn in Ketten nach Kon⸗ ſtantinopel an den Großſultan ſchicken wolle, daß ſeiner ganzen Begleitung die Koͤpfe abgeſchlagen, und ſolche auf den Thoren von Babylon aufgeſteckt wer⸗ den ſollten. Sir Anton erwiederte hierauf, daß, was ſein eigenes Leben anbelange, er keinen Werth darauf lege, ſondern er beruͤckſichtige blos ſein Gefolge, und wolle ſelbſt alle Qualen erdulden, wenn nur die Sei⸗ nigen ungehindert ihrer Wege ziehen koͤnnten, worauf er ihn dießmal in ſeine Wohnung entließ. Hier befand ſich ein Armenier, ein geborner Chriſt. in dem Gefolge des Paſchas, der ihn ſehr lieb hatte. Sein Name war Margevelo. Dieſer Chaiſt ver⸗ wendete ſich ſehr fuͤr Sir Anton, und erlangte am Ende fuͤr ihn die Erlaubniß, ruhig abreiſen zu duͤrfen, konnte ihm aber ſeine Waaren nicht wieder verſchaffen; ſsndern ſuchte dem Sir Anton Sherley zu 80⸗ Kronen durch einen Venetianiſchen Kaufmann zu ver⸗ belfen, welcher ſich dort befand*). Nachdem wir einen Monat hior verweilt hatten, fand ſich eine Karavane Perſiſcher Kaufleute, welche auf der Ruͤckreiſe nach Perſien begriffen, froh wa⸗ ren, unſere Begleitung zu erhalten. Denn man muß wiſſen, daß die Kaufleute in dieſen Laͤndern in ſehr großer Anzahl, und bis zu zweitauſend Mann und *) Sherleys eigene Nachricht uͤber dieſe Vor⸗ fallenheit, welche daſſelbe ſonderbare und roman⸗ tiſche Intereſſe, wie ſeine uͤbrigen Abentheuer gewaͤhrt, iſt ſehr verſchieden von jener des Man⸗ waring, dem wie es ſcheint die damit verknuͤpf⸗ ten Umſtaͤnde unbekannt waren. Sherley hatte, um allen Argwohn zu vermeiden, ſich fuͤr einen Kaufmann gusgegeben, der jeine Guͤter mit der naͤchſten Karavane erwarte; allein die Zahl ſeines Gefolges machte einen gegenſeitigen Eindruck, und er wurde genau beobachtet. Ein Kaufmann aus Florenz, Namens Vietorio Spieiera, welcher mit Sherley von Aley⸗ 8 gereiſt war, und dem ſein Benehmen auf⸗ el, nahm mehrmals Gelegenheit, ihm ſeine gefaͤhrliche Lage vorzuſtellen. Sherley aber, welcher ihn fuͤr einen Spion hielt, der die Ab⸗ ſicht ſeiner Reiſe ausforſchen wollte, achtete deſ⸗ ſen Warnung nicht, wurde jedoch endlich von deſſen wohlwollenden Abſichten dabei uͤberzeugt. Speciera beſtellte ihn fuͤr eine Zuſammen⸗ kunft mit ihm zur Zeit als eine Karavane nach Perſien zu gehen im Begriff ſtand.„Als ich, faͤhrt Sir Anton fort, an den beſtimmten 101 mehr reiſen, weil es hier ſehr viele Diebe giebt, welche in großer Menge die Wege belagern; und eine ſolche Geſellſchaft von Kaufleuten nennt man eine Karavans. Uunſere Behandlung in Babylon war von Seite der Buͤrger weit beſſer, als an andern Orten: denn man ließ uns frei umher gehen, ohne uns zu behelli⸗ gen; vielmehr begegneten uns alle Menſchen freund⸗ lich, mit Ausnahme des Vicekoͤnigs. Endlich nahmen Platz kam, fuͤhrte er mich zu einem gewiſſen Vitturin, von welchem er bereits Pferde, Ka⸗ mele und Mgulthiere fuͤr mich gemiethet hattez ich fand ein Zelt, welches er durch ſeine Diener hatte aufſchlagen laſſen: hier oͤffnete er ſeinen Rock, und uͤbergab mir einen Beutel mit Zechi⸗ nen, mit den Worten: der Gott des Himmels ſegne Euch, Eure Begleiter und Euer Unter⸗ nehmen deſſen Zweck ich nicht weiter erforſchen will, der aber, wie ich die Hoffunung hege, gut ſeyn mag. Ich ſelbſt gehe nach Ching, wo, wenn ich wiederkehre, mir die Wiedervergeltung dieſer Euch aus gutem Herzen erwieſenen Freund⸗ ſchaft unnöthig wird, und wenn ich auf dem Wege ſterbe, brauche ich es noch weniger. Wenz aber Gott uns beide ſicher geleitet; ſo bin ich verſichert, daß Ihr Euch meiner als eines Freun⸗ des erinnern werdet; dieſes iſt alles, was ich ei⸗ nem Manne von Euerm Schlage zu ſagen brau⸗ che“. Ohne mir faſt Zeit zu laſſen, ihm gehoͤ⸗ rig zu danken, wenn Dank hinreichend ſeyn koͤnnte, fuͤr eine ſo große und edle Wohlthat, trennte er ſich von mir, und wie ich nachher durch Briefe aus Ormus von ihm erfuhr, 102 wir unſern Abſchied aus Babylon, und wir waren noch nicht uͤber fuͤnf bis ſechs Meilen entfernt, als der Armenier, welcher dem Sir Antou ſo viele Freund⸗ ſchaft erwieſen hatte, ihm ein praͤchtiges arabiſches Reitpferd mit einem Sattel von Sammet nachſchickte. Ich kann die große Liebe, die er uns erwies, nicht genug 8 ruͤhmen, denn was geſchah? Als wir einige Tagreiſen von Babylon entfernt waren, kam ein Befehl von —— hatte er nach meiner Abreiſe ſehr viele Unan⸗ nehmlichkeiten zu beſtehen, weil er ſein gegen mich bewieſenes Wohlwollen noch fortzuſetzen ſtrebte. Denn da er meine Flucht nicht hinlaͤng⸗ lich geheim gehalten glaubte, weil meine Woh⸗ nung beſtaͤndig von Spionen umgeben war, ſo hatte er mich nicht ſobald in der Kgravane zu⸗ ruͤckgelaſſen, als er ſeine Wohnung fuͤr die Mei⸗ nige umtauſchte,(ivelches, wie er ſagte, ich eben ſo gethau haben würde) zu dem Cadi ging, und ihm erzaͤhlte, daß ich krank ſei, und daß er ihn um einen Arzt baͤte, wohl wiſſend, daß der Cadi keinen hatte; ſondern blos um mein Nicht⸗ erſcheinen in der Stadt dadurch zu bemaͤnteln. Der Cadi antwortete, daß ihm meine Krank⸗ heit leid thue, und er den Paſcha um ſeinen Arzt bitten wolle, welches Signor Victo⸗ rio Spieciera, unſer edler Florentiner, kei⸗ neswegs zu thun gemeint war; er hoffe ſagte er, daß meine Krankheit nicht von ſolcher Be⸗ deutung ſeyn werde, um Seine Hoheit den Pa⸗ ſcha damit zu behelligen.“ Hierdurch verſtrichen fuͤnf Tage, ehe Sir Anton Sherley ver⸗ mißt wurde, und die Janitſcharen, welche ihm 103 dem Großſultan an den Paſcha, uns in aller Eile nach Konſtantinopel zu ſchicken. Auf dieſe Nach⸗ richt befahl der Paſcha, uns mit zweihundert Reitern nachſetzen zu laſſen, und da der Armenier dieſes hoͤrte, ging er zu dem Kapitain, der dieſe Reiter befehligte, und gab ihm hundert Dukaten, ſeine Reiter⸗Truppe einen andern Weg zu fuͤhren, und zu ſehen, daß er uns verfehle, welches er auch that; er hatte, wie wir erfuhren, einmal noch nicht drei Meilen von uns uͤber nachgeſchickt wurden, kehrten, da ſie die Kara⸗ vaue nicht mehr einholen zu koͤnnen glaubten, unverrichteter Sache zuruͤck, weßhalb der edel⸗ geſiunte Florentiner genoͤthigt wurde, fuͤnfhun⸗ dert Kronen zu erlegen, um ſich mit dem Paſcha abzufinden.. „Ich gebe,“ ſagte Sherley,„die ge⸗ naue Summe welche ich von dem Florentiner erhielt, nicht an, damit ſich andere nicht auf⸗ halten, die, eines jeden Menſchen Geſinnung nach ihrer eigenen Engherzigkeit ermeſſend, ei⸗ ner Handlung keinen Glauben beimeſſen werden⸗ die den ihrigen nicht entſpricht. Allein die Summe war ſo bedeutend, daß ſie nicht allein waͤhrend der dreißig Tage, die wir bis an die Grenze, und der fuͤnfzehn von der Grenie bis nach Casbin, wo wir einen Monat auf die Ankunft des Koͤnigs warteten, zubrachten, hin⸗ laͤnglich ausreichte, ſondern uns auch Mittel ver⸗ ſchaffte, uns in koſtbare Kleider zu ſtecken, um uns jedem Fuͤrſten vorſtellen laſſen zu koͤnnen⸗ und noch außergewoͤhnliche Ausgaben und Ge⸗ ſchenke zu beſtreiten, 104 Nacht gelegen; allein er kehrte am anderen Morgen zuruͤck, und verlor zum Empfang in Babylon ſeinen Kopf. Der Armenier aber entging der Gefahr, und lebt noch in der Gunſt des Paſcha's, welcher ihn ſehr lobte, daß er ſeinen eigenen Glaubensgenoſſen ſo treu⸗ lich beigeſtanden habe. So ſetzten wir alſo unſere Reiſe fort, und kamen in wenigen Tagen an einen Ort, der von den Tuͤrken Samara genannt wurde, der aber wie uns die Juden erzaͤhlten, die uns noch immer begleiteten, das alte Samaria war. Es iſt ein alter, meiſtens in Ruinen liegender Ort; die Ring⸗ mauern ſtehen bis dieſe Stunde noch, und in der Mitte der ehemaligen Stadt haben die Tuͤrken und Araber einen kleinen Flecken erbaut, der von einer aus Lehm erbauten, ſo ungeheuer hohen Mauer umgeben iſt, daß man nicht einmal eine Thunmſpitze der Stadt ſehen kann. Es ſteht ebenfalls bei der alten Stadt ein Churm, von der ohngefaͤhren Hoͤhe des St. Pauls Churms zu London, welcher in Geſtalt des B abylo⸗ niſchen Thurmes erbaut iſt. Der Gang hinauf iſt ſo breit, daß drei Karren gemaͤchlich neben einander fahren koͤnnen. Sir Robert Sherley und ich ſelbſt ſtiegen bis auf die Spitze; ehe wir aber hinauf kommen konnten, wurden wir von der außerordentlichen Sonnenhitze bei⸗ nahe verbrannt. Wir fanden es auf der Spitze weit kaͤlter, als unten. Es gibt auch um die Stadtthore viele Hirſche, ſo groß wie die Ochſen. Hier liegt 105 ebenfalls einer ihrer Heiligen begraben, zu deſſen Gra⸗ be ſowohl Perſer als Tuͤrken alljaͤhrlich Pilgerfahrten an⸗ ſtellen. Von hier zogen wir fuͤnf oder ſechs Tage durch die Wuͤſte, bis wir an eine ſogenannte Wildniß kamen, welche ein dickes Gehoͤlz war, durch welches ein klei⸗ ner Strom fließt, wo wir ruͤckſichtlich des Waſſers unſere Zelte aufſchlugen: denn wir hatten zwei Tage lang kein Waſſer zum Trinken. Ohngefaͤhr zwei Meilen von uns lagen 10,000 Tuͤrken, welche aus dieſen Gegenden, wie uns erzaͤhlt wurde, nach Ungarn marſchirten. Als ihr General erfuhr, daß wir in ſeiner Naͤhe ſeien, kam er zu uns, und wir waren ſehr bange fuͤr unſer Leben; allein er hatte die Geſinnungen eines Soldaten, und ließ uns ruhig und ohne Beſchwerde unſere Straße ziehen. Nachdem wir einen Tag und eine Nacht hier verweilt hatten, ſetzten wir unſere Reiſe fort, und kamen bei einem tuͤrkiſchen Kaſtell vorbei, mit Namen Tartange. Es liegen in dieſem Schloſſe immer zweihundert Sol⸗ daten, und es iſt wohl mit Geſchuͤtz verſehen. Wie waren nicht entſchloſſen hier zu bleiben; allein als ſie uns vorbeiziehen ſahen, ließen ſie uns durch zwei Or⸗ donanz⸗Stuͤcke, Halt zu machen, befehlen. Um uns alſo keiner Gefahr auszuſetzen, hielten wir ſtille, und ſchlugen unſere Zelte unter den Mauern des Kaſtells auf. Der Gouverneur war ſehr neugierig uns zu fra⸗ gen, wer wir ſeien, indem er uns befahl, ihm unſere Gewebre, Pulver und Kugeln auszuliefern. Wir er⸗ 106 zaͤhlten ihm aber, daß wir Kauffeute ſeien, welche nach DOrmus reiſten, woran er jedoch nicht glauben wollte, ſondern ſeinen Soldaten befahl, uns feſt zu nehmen. Da ſie uns jedoch mit geladenem Gewehr auf unſerer Huth, und Willens ſahen, eher zu ſterben, als uns an ſolche unhoͤfliche Heiden zu ergeben; ſo waren ſie nicht ſehr zudringlich, ſondern begnuͤgten ſich, ein klei⸗ nes Geſchenk anzunehmen, wogegen ſie uns erlaubten, die Nacht dort zu bleiben, und uns fuͤr unſer Geld die noͤthigen Beduͤrfniſſe, die wir bei ihnen haben konn⸗ ten, zu verſchaffen. Am folgenden Morgen reiſten wir ſehr fruͤhzeitig weiter und kamen nach Curdia, ein Land, welches von einer ſehr diebiſchen und viehiſchen Nation bewohnt wird. Sie haben keine Haͤufer, ſondern leben in Zel⸗ ten und Hoͤhlen; beſtellen ihre Fruchtfelder zweimal des Jahres, und ziehen mit ihren Zelten von Ort zu Ort; ſie reiten gewoͤhnlich auf Kuͤhen und Ochſen, und ſchlagen ihre Wohnung meiſtentheils in der Naͤhe eines kleinen Fluſſes, Namens Hadno auf. Ihre Kleidung iſt ſebr ſchlecht: denn ſie tragen nur ein Hemd, und uͤber dieſes einen Rock von rohen Fellen, und auf ihrem Kopf einen zuſammen gebundenen Lap⸗ pen. Sie kamen oͤfters zu Vierzigen, bisweilen mehr oder weniger, zu uns, und wenn wir nicht genau auf ſie Acht hatten, dann pflegten ſie zu ſtehlen, was ih⸗ nen unter die Finger kam. Bei Nacht waren wir genoͤthigt gut aufzupaſſen: — 107 denn da die Abende etwas dunkel waren, ſo pflegten dieſe Menſchen auf dem Bauch unter die Perſer zu kriechen, welche in unſerer Geſellſchaft waren, und ih⸗ nen die Turbane von ihren Koͤpfen zu ſtehlen. Bis⸗ weilen fingen ſie einen ſolchen Laͤrm an, als wenn zwanzig Armeen beiſammen waͤren. So uͤberfielen ſie unter andern eines Abends, da wir etwas ſpaͤt reiſten, drei der vornehmſten Kaufleute, welche als Nachzuͤg⸗ ler hinter der uͤbrigen Geſellſchaft geblieben waren, und ſchleppten ſie mit ſich fort. Dieſe erhoben aber ein ſolches Geſchrei, daß uns Sir Anton ſehnell zu⸗ ruͤckreiten ließ. Wir befreiten ſie dann, wobei aber viele von ihnen ihr Leben einbuͤßten, welche ergriffen wurden, obgleich fie gut beritten waren. Dieſe waren die erſten Reiter, welche wir in dieſem Lande ſahen. In dieſer Nacht hatten wir uns in die Naͤhe einer Stadt gelagert, was wir jedoch erſt am folgenden Morgen gewahr wurden, als das Volk in großer Men⸗ ge zu uns herab geſtroͤmt kam, was uns veranlaßte, zu den Waſſen zu greifen. Wir nahmen am Ende je⸗ doch wahr, daß ſie unbewaſſuet kamen, und uns Brod, Reis, Ziegen, Kaͤſe und andere Lebensmittel brachten, wofuͤr wir ihnen Silber und Gold anboten, das ſie aber ausſchlugen, da ſie hiervon weder Gebrauch zu machen wußten, noch Geld kannten. Sie nahmen aber alte Schuhe, kupferne Ringe und kleine Spiegel, welche wir auf den Rath von Angelo, unſerm Weg⸗ weiſer, zu dieſem Zwecke gekauft hatten. Hier blie⸗ ben wir zwei Tage liegen, um auszuruhen, weil der Platz ſo angenehm war, und das Volk ſich ſo freund⸗ lich gegen uns benahm; allein den Namen von dem Ort habe ich vergeſſen, weil er nicht aus alten Zeiten ſtammte. Von da zogen wir weiter durch das Land, das wir jetzt weit beauemer und angenehmer zu unſerer Reiſe, als zuvor, und das Volk weit beſcheidener und freund⸗ licher fanden, ſo, daß wir uns freuten, nach ſo viel⸗ faͤltig beſtandenen Gefahren eine ſo große Veraͤnderung zu finden. Auf unſerem Zuge durch dieſes Land ſahen wir viele zerſtoͤrte Orte, welche, wie uns von Juden und Tuͤrken erzaͤhlt wurde, Tamerlan erobert hatte. Denn ſein Name iſt noch bis auf den heutigen Tag in gutem Andenken unter ihnen. Wir hatten vier oder fuͤnf Tage zu reiſen, bis wir an einen Platz kamen, welcher der Bemerkung werth iſt, dieſes war Hither⸗ bagg, wo ein Koͤnig wohnte, der ſich Koͤnig von Hitherbagg nennt. Er hat nur dieſe Stadt, welche rings von einem Felſenwalle umgeben, und auf dieſe Weiſe unuͤberwindlich iſt. Der Koͤnig lebt hier auf ſtattlichem Fuße, und iſt ein ſo wohl beleibter Mann, als wir irgend einen auf unſerer ganzen Reiſe antrafen. Er ſteht immer im Buͤndniſſe mit dem Koͤnige von Perſien, und bietet dem tuͤrkiſchen Kaiſer Trotz: denn die Tuͤrken moͤch⸗ ten dieſen Platz gerne erobern, koͤnnen aber nicht. 109 Hier ſchlugen wir, zwei Tage lang unſere Zelte in ei⸗ nem ſehr angenehmen Thale unterhalb der Stadt auf, wohin uns der Koͤnig und ſein Gefolge begleitete, welcher mit uns ſcherzte, uns ſehr freundlich begegnete, uns auch erlaubte, zu zwei und zwei in ſeine Stadt zu gehen, was eine ſehr große Beguͤnſtigung von ihm war, da er keinem Fremden den Eingang in die Stadt zu erlauben pflegt. Die Stadt hat nur ein Thor, peelches nicht weiter iſt, als daß ein einzelnes Pferd durchgehen kann. In der Mitte der Stadt befindet ſich ein ſehr feſtes Kaſtell mit Geſchuͤtz bepflanzt, wo, rin der Koͤnig ſich ſelbſt aufhaͤlt. Dieſes Kaſtell be⸗ herrſcht die ganze Umgegend ſo, daß kein Geſchuͤtz zur Errichtung einer Batterie aufpeſtellt werden kann, ohns den Verluſt von vielen Tauſenden. Denn der tuͤr⸗ kiſche Kaiſer ſchickte einſt eine große Armee dagegen aus, allein nach einem Tage und einer Nacht Dienſt, waren die Tuͤrken genoͤthigt zu entfliehen, nachdem ſis mehr als die Haͤlfte ihrer Leute auf dem Platze gelaſ⸗ ſen hatten. Dieſer Koͤnig ſprach uns vielen Muth zu⸗ indem er uns verſicherte, daß wir an dem Sophi von Perſten den beruͤhmteſten Fuͤrſten der Weit, ſo⸗ wohl in Ruͤckſicht ſeiner Guͤte, als Tapferkeit finden wuͤrden, und daß er ein großer Freund der Chriſten ſey. So nahmen wir denn Abſchied von ihm, ſetzten unſere Reiſe fort und langten wenige Tage nachher gluͤcklich in dem Koͤnigreiche Perſien an, ohne ei⸗ nen eintigen Mann von unſerer Begleitung vorloren 110 zu haben, Wir fanden hier auf einmal Land und Einwohner ſo veraͤndert, daß wir daruͤber außerordent⸗ lich erfreut waren. 3 VII. Hauptſtu ck. Ankunft und Aufnahme in Perſien. Nachdem wir zwei bis drei Meilen uͤber die Grenze in das Land gekommen waren, rief uns Sir Anton Sherley zuſammen; wir fielen auf die Knie, und dankten Gott, daß wir ſo gluͤcklich unſer Ziel erreicht hatten, obgleich wir mehrmals zuvor alle Hoffnung unſers Lebens haͤtten aufgeben muͤſſen, wenn wir nicht einen ſo wuͤrdigen Fuͤhrer gehabt haͤtten, der ſelbſt in unſern groͤßten Noͤthen nie ein Zeichen von Verzweif⸗ lung von ſich gab, ſondern uns muthig zuſprach, uns keine Furcht anwandeln zu laſſen, da er mit ſeinem Leben fuͤr uns einſtehen wuͤrde. Die erſte Stadt hatte eine ſehr befeſtigte Lage: denn wir konnten ganz und gar kein Haus entdecken, ſondern der Platz glich einem großen Berge, aus wel⸗ chem hier und dort Rauch aufſtieg; da ihre Haͤuſer, ohngefaͤhr dreihundert an der Zahl⸗ auf eine ſehr ſon⸗ ngegraben waren. wie ein Tiſch, und erges waren große Schachten ge⸗ derbare Weiſe unten in den Berg ei Die Straßen waren ſehr ſchoͤn und von der Spitze des B 111 graben, dieſen Straßen und Haͤuſern Licht zu ver⸗ ſchaffen. Wir fanden hier einen großen Vorrath von Lebensmitteln aller Art; die Leute waren ſehr hoͤflich, und zu jeder Art Dienſte bereitwillig. Es lagen eben⸗ falls ein hundert Soldaten hier: denn der Koͤnig hatte rings an allen Eingaͤngen in ſein Land Wachen auf⸗ geſtellt. Sie ſind alle beritten, gehen roth gekleidet mit rothen Federn, und haben Bogen und Pfeile, Schwerte und Schilder und kurze Schießgewehre. Dieſe Soldaten begegneten uns ſehr ehrerbietig, und verſicherten uns, daß ihr Koͤnig ſehr erfreut ſeyn werde, wenn er von unſerer Ankunft hoͤre. Nachdem wir einen Tag und eine Nacht hier ſtill gelegen hat⸗ ten, ſetzten wir unſere Reiſe nach Casbin, eine be⸗ ruͤhmte Stadt von hohem Alterthume fort. Wir ka⸗ men an vielen Staͤdten voruͤber, deren jedoch keine von beſonderer Wichtigkeit war, und je weiter wir kamen, deſto freundlicher waren die Leute. In jedem Dorfe, wo wir einkehrten, pflegte das Oberhaupt zu uns zu kommen, uns jeden Abend dieſes oder jenes zu unſerer Erfriſchung anzubieten, und gluͤcklich war der, welcher das ſchoͤnſte Haus zu unſerer Aufnahme hatte. Eben ſo kamen ihre Weiber und bewillkomm⸗ ten uns, woruͤber wir uns um ſo mehr verwunderten, da ſeit einer geraumen Zeit kein Weib mit uns ge⸗ ſprochen hatte.. Auf unſerem Wege nach Casbin ſahen wir ein großes Wunderwerk, das durch den dermaligen Koͤnig zu Stande gebracht worden war. Da naͤmlich in meh⸗ reren Theilen des Koͤnigreichs das Waſſer ſehr theuer iſt, ſo batte er durch eine Menge von Arbeitern einen Thalweg graben laſſen, welcher zwanzig Tagreiſen weit von dem Strome geleitet war, und wodurch dem Lande hinlaͤngliches Waſſer zugefuͤhrt wurde. Er war ſo gegraben, daß er alle ſechszig Ellen eine Oeffnung nach Oben hatte*). Indem wir ſo durch das Land togen, und nunmehr in Sicherheit waren, ſchickte Sir Anton Sherloy den Angelo, unſern Fuͤh⸗ rer, in Begleitung eines Englaͤnders Namens John Wart, vier Tagreiſen vor uns heimlich nach Cas⸗ bin ab, um uns eine Wohnung zu verſchaffen, und zwei oder drei Meilen von der Stadt, etwas ſpaͤt am Abend unſere Ankunft zu erwarten, um uns von da nach unſerer gemietheten Wohnung zu begleiten, ohne daß die Einwohner ſolches gewahr wuͤrden, da wir unſerer weiten Reiſe halber mit den erforderlichen Kleidungsſtuͤcken und andern Beduͤrfniſſen nicht verſe⸗ ben waren. Sie konnten jedoch ihr Vorhaben nicht ſo heimlich in das Werk ſetzen, da es dem Haushof⸗ meiſter des Koͤnigs, ſo wie dem Gouverneur der Stadt verrathen wurde, welche beide nach ihnen ſchick⸗ ten, um zu erfahren, wer es ſey, der ihren Koͤnig *) Es ſcheint alſo eine durch den Berg gegrabene Waſſerleitung geweſen zu ſeyn. 2 113 zu beſuchen, komme. Sie erzaͤhlten ihnen die Wahr⸗ heit, beſtimmten ihnen jedoch den Tag unſers Ein⸗ treffens nicht genau, woruͤber ſie und die Buͤrger ſehr unzufrieden waren, da ſie große Vorbereitungen trafen, uns feierlichſt zu empfangen. Allein un⸗ ſerem Vorhaben gemaͤß, langten wir bei der Nacht an, und taͤuſchten ſie auf dieſe Weiſe. Dem folgenden Tag nach unſerer Ankunft, kam der köͤ⸗ nigliche Haushofmeiſter“) mit einem großen Gefolge vornehmer Herren, zu uns⸗ und hegruͤßte dem Siu Anton Sherley auf folgende Weiſe:„Im Na⸗ men meines Koͤnigs, der ſich jetzt gegen die Sartaren im Felde befindet, wollte ich Euch bitten, dieſe klaine Verehrung von uns anzunehmen, da Ihr eine ſo lange und beſchwerliche Reiſe gemacht habt; und da Ihr Fremde hier in dieſem Lande ſeydz ſo möchten die Anſtalten zu Eurer Verſehung, vielleicht nicht o ſchnell getroffen werden koͤnnen. Ich bitte mir da⸗ her zu verzeihen, wenn ich mit meinem Erbiaten un⸗ recht thun ſollte.“ Indem er mit dieſen Wortan zwanzig Pfunde zu Sir Antons Fuͤßen niedenlage, fuhr er fort:„ſoviel ſollt Ihr alle Tage außer dam andern Beduͤrfniſſen zu Eurem Unterhalte empfangem. Dieſes thue ich aus eigenen Ermaͤchtigung, ſo lange, bis wir von unſerm Koͤnige Befehl einholen koͤnzrem, der, wie ich mich verſichert halte, dieſe Summe beũ *) Lord Steward nach unſerm Original. 18tes B. Perſien. I. 1. 8 114 ſeiner Ruͤckkehr um das dreifache vermehren wird.“ Sir Anton ſtieß jedoch nach ſeiner fuͤrſtlichen Geſin⸗ nung das Geld mit dem Fuße von ſich, und gab dieſe Antwort:„Wiſſe, braver Perſer, daß ich nicht komme, um von deinem Koͤnige zu betteln; ſondern, daß ich, als ich von ſeinem großen Ruhme und ſeinen trefflichen Eigenſchaften vernahm, meine Zeit nicht beſſer anwenden zu koͤnnen glaubte, als wenn ich kaͤme, ihn zu ſehen, ſeine Hand zu kuͤſſen, und mit Gefahr meines Lebens ihm in ſeinen fuͤrſtlichen Krie⸗ gen beizuſtehen.“ Der Perſer trat, als er dieſe Ant⸗ wort hoͤrte, ploͤtzlich zuruͤck, verbeugte ſich tief und erwiederte:„Verzeihe mir, edler Fremde: denn jetzt ſehe ich, daß du ſelbſt ein Fuͤrſt biſt, wie es aus deiner fuͤrſtlichen Antwort erhellt.“ Sir Anton Sherley erwiederte hierauf:„Nein, ich bin nur der zweite Sohn eines engliſchen Edelmanns; allein ich bin im Kriege erzogen worden, und an dem Hofe meines Koͤnigs geachtet; deßhalb komme ich, deinem Koͤnig meine beſten Dienſte anzubieten, wenn es Sr. Hoheit gefaͤllt, ſie von mir anzunehmen.“— „Ich weiß“, ſagte der Perſer,„daß mein Koͤnig ei⸗ nen hohen Werth auf deine Ankunft legen, und ſich gluͤcklich ſchaͤtzen wird, einen ſo wuͤrdigen Mann an ſeinem Hofe aufzunehmen“; und nachdem er uns ſo alle begruͤßt hatte, empfahl er ſich. Sobald er weg⸗ gegangen war, kam der Gouverneur der Stadt mit einem praͤchtigen Zuge ſehr ſchoͤn berittener Edelleute, 115 um Sir Anton Sherley ſeine Aufwartung zu ma⸗ chen. Er war ein ſehr artiger beredter Mann, der ſich ſehr gut zu beuehmen wußte, den Sir Anton— und uns alle ſehr freundlich bewillkommte, und erſte⸗ rem alles, was er vermoͤge, zu ſeinen Dienſten an⸗ bot. Dieſer dankte ihm ſehr freundlich, bemerkte ihm jedoch, daß er hoffe, von ſeinen Erbietungen keinen Gebrauch machen zu duͤrfen. So verließ er uns dieß⸗ mal, und denſelben Abend uͤberſchickte der Haushof⸗ meiſter und der Gouverneur dem Sir Anton eine ſolche Menge von Geſchenken, daß wir daruͤber er⸗ ſtaunt waren, und ſo alle Tage, da ſie mit einander wetteiferten, wer von ihnen beiden, uns am zuvor⸗ kommenſten begegnen wuͤrde. NRach Verlauf von fuͤnf bis ſechs Tagen wurden wir mit Kleidung und Pferden verſehen, und der Haushofmeiſter lud den Sir Anton und uns alle, die wir in ſeiner Begleitung waren, zu einem großen Banket in des Koͤnigs Palaſt ein, welche Einladung Sir Anton nicht ablehnte. Der Haushofmeiſter empfing uns koͤntglich, und kam uns mit vierzig wohl⸗ berittenen Edelleuten auf halbem Wege entgegen. Als wir an den Palaſt gekommen waren, bot ſich uns ein praͤchtiges Schauſpiel dar, naͤmlich das Thor des Pa⸗ laſtes, welches wunderbar gearbeitet, und mit koſtba⸗ ren, funkelnden Steinen eingelegt war, dergleichen wie ich glaube, die Welt nicht mehr aufzuweiſen hat. Zu dem Thore fuͤhrten ſieben Treppen, welche etwa 116 ein halb Dutzend Ellen breit, und von ſehr feſter Steinart waren. Als wir von unſern Pferden abge⸗ ſtiegen, und an das Thor gekommen waren, bemerkte der Hanshofmeiſter dem Sir Anton, es ſey Sitte, daß diejenigen, welche zum Thore eingingen, vorzuͤg⸗ lich Fremdlinge, die erſte Stufe kuͤſſen muͤßten, daß er aber das Vorrecht haben ſollte, zu thun, was ihm beliele. Sir Anton Sherley erwiederte: dieſes will ich thun zur Ehre des Sophi, deines Koͤnigs, ſo machte er einen tiefen Buͤckling, ebenſo ſein Bru⸗ der RNobert Sherley und kuͤßten, wie wir alle, die Stufe, woruͤber ſich der Haushofmeiſter und ſeine Begleitung hoͤchlich freuten. So kamen wir denn in den Palaſt, worin jedes Zimmer mit koſtharen gold⸗ men Tapeten behuͤngt, und deren Fuſboͤden mit koͤſt⸗ lichen gewirkten Fußteppichen belegt waren; beſchrei⸗ ben kann ich aber nicht, wie vielerlei Gerichte wir hatten. Alle dieſe waren mit Reis zubereitet, und von allen Arten der Farben. Wir hatten ebenfalls die koͤnigliche Muſik zur Bedienung, ſowohl hier als zu Hauſe, und wohin wir ſolche beſtellen wollten. Auch fanden ſich ſehr ſchoͤne und praͤchtig geſchmuͤckte Maͤd⸗ chen bei der Mahlzeit ein, die nach der Sitte ihres Landes, waͤhrend wir ſchmaußten, tanzten und ſangen. So brachten wir einen ganzen Tag hin, und bei unſerer Nuͤckkehr nach Hauſe wurden wir unter dem Klange von Trommeln und Trompeten auf eine wahr⸗ haft koͤnigliche Weiſe von den vornehmſten Buͤrgern 7„ 117 der Stadt begleitet. Der Gouverneur bewirthete uns in gleicher Art, und alle Menſchen beeiferten ſich, uns alles moͤgliche Vergnuͤgen zu bereiten. Endlich langte eine Nachricht von dem Koͤnige aus der Tarta⸗ rei, mit einer von des Koͤnigs eigener Hand geſchrie⸗ bener Bekanntmachung an, welche durch einen Edel⸗ mann in Casbin ausgerufen ward, und zu deren Anhoͤrung wir alle eingeladen wurden. Der Inhalt derſelben war, daß wir Pferde und Leute zu unſern Dienſten ſollten fordern koͤnnen, bei Todesſtrafe fuͤr diejenigen, welche ſich uns widerſetzen wuͤrden. Desgleichen ſollte derjenige ſeinen Kopf ver⸗ lieren, welcher die Hand aufhebe, um dem Gering⸗ ſten unter uns etwas Leides zuzufuͤgen, welche Be⸗ kanntmachung bei allen Buͤrgern einen ſehr guͤnſtigen Eindruck machte. 1 Ich unterbreche hier die Erzaͤhlung der uns gewor⸗ denen Aufnahme, um von der Weiſe Nachricht zu geben, wie der jetzige Koͤnig zu der Regierung ge⸗ langte, und wie wir bei ſeiner Ruͤckkehr aus dem Kriege von ihm aufgenommen wurden. Ihr muͤßt wiſſen, es iſt Geſetz und Sitte in Per⸗ ſien, daß, wenn ein Koͤnig ſtirbt, der aͤlteſte Sohn oder Nachfolger ſeines Vaters ſeinen Bruͤdern, weun ihrer auch noch ſo viele ſind, die Augen ausſtechen laͤßt, aus Furcht, daß ſie ſich Anhang im Lande ver⸗ ſchaffen und Empoͤrung anſtiften moͤchten. Dieſer Koͤnig, der jetzt in Perſien regiert, und deſſen Na⸗ me Schach Abbas, d. h. Koͤnig Abbas iſt,(denn 118 das Wort Schach iſt die perſiſche Benennung eines Koͤnigs) war ein nachgeborner Sohn, der bei der Nachricht von dem Tode ſeines Vaters aus dem Lande nach Curdia oder Kurdiſtan floh, und ſich bis⸗ weilen an der Grenze oder in den benachbarten Pro⸗ vinzen von Perſien aufhielt, wo er ohngefaͤhr 1000 Mann bei ſich hatte. Sein aͤlteſter Bruder, der als Koͤnig gekroͤnt wurde, ſchrieb ihm viele ſchmeichel⸗ hafte Einladungsbriefe, daß, wenn er kommen, und ſich ihm unterwerfen wolle, er ſein Leben und ſein Geſicht behalten, und einen hohen Poſten im Lande begleiten ſollte. Er trauete jedoch dem Koͤnig nicht, ſondern lebte wie zuvor, und ſein Anhang vergroͤßerte ſich taͤglich. Nun befand ſich ein Großer in der nahen umgebung des Koͤnigs, welcher an Abbas heimlich einen Brief des Inhalts ſchrieb, wenn er ihm ein ge⸗ wiſſes Herzogthum verleihen wolle, welches eine der hoͤchſten Wuͤrden in dem Koͤnigreich Perſien war, er veranlaſſen wolle, daß ſein Bruder der Koͤnig, um⸗ gebracht, und er ſelbſt zum Koͤnige erwaͤhlt wuͤrde. Darauf erwiederte er ihm, daß, wenn er bewirken wolle, daß ein ſo geliebter Herr, wie der Koͤnig ſein Bruder ihm ſey, umgebracht wuͤrde, er gerne ſeinen Bruder verlieren wolle, um ihm in der Regierung zu folgen, und daß er alsdann zur Belohnung ſeiner Dienſte zum groͤßten Herzog in Perſien ernannt werden ſollte. Er unterſchrieb hierauf ſeinen Brief mit ſeinem Blut, welches bei ihnen Sitte iſt, wenn ſie ſich zu etwas verbindlich machen. Dießer Große 119 empfing ſeinen Brief mit vielem Vergnuͤgen, und ſann auf Anſchlaͤge dem Leben ſeines geliebten Herrn und Gebieters, der ihn, wie ich viele Perſer habe er⸗ zaͤhlen hoͤren, uͤber alles liebte, der aber bei ſeinen Unterthanen nicht beliebt war, ein Ende zu machen. Er beſtach daher den Barbier des Koͤnigs mit einer großen Summe Geldes, daß er ſeinem Herrn bei dem Raſiren die Kehle abſchnitt, und nach vollzogener That entfloh dieſer Große ſogleich zu ſeinem neuen Herrn. Das ganze Land gerieth hieruͤber in Aufſtand, und es wurden ein halb Dutzend Koͤnige ausgerufen; einige geblendete Bruͤder des Verſtorbenen und einige ſeiner Oheime, die ebenfalls blind waren; da das Volk ſei⸗ nen Neigungen nach waͤhlte. Allein dieſer Abbas kam mit ſeiner Macht, und belagerte Casbin, weil ihn die Buͤrger nicht aufnehmen wollten. Er kam je⸗ doch in wenigen Tagen hinein, und ließ viele durch das Schwert hinrichten, weil ſie ihm Widerſtand ge⸗ leiſtet hatten. So nahm ſeine Macht mit jedem Tage zu, und er marſchirte auf Ispahan los, welches die Hauptſtadt des Koͤnigreichs, und ohngefaͤhr zehn Tag⸗ reiſen von Casbin entſernt iſt, indem er ſich das Land unterwarf, und ſich die Menge mit ihm verei⸗ nigte. Die koͤniglichen Raͤthe brachten zwar ein be⸗ deutendes Heer zuſammen, um ſich ihm entgegen zu ſetzen, als ſie aber vernahmen, wie ſtark er bereits ge⸗ worden war, aͤnderten ſie ihre Geſinnungen, und em⸗ pfingen ihn fußfaͤllig unter großen Freudensbezeigun⸗ gen. Am folgenden Morgen ward er zum Koͤnige in 12⁰ Ispahan ausgerufen, und zwei Tage nachher un⸗ ter großem Jubel gekroͤnt. Nach der Kroͤnung kam jener Große, welcher ſei⸗ nen Bruder hatte umbringen laſſen, zu dem Koͤnig, und verlangte das Herzogthum, welches er ihm ver⸗ ſprochen hatte. Der Koͤnig antwortete ihm:„Du biſt deſſen wuͤrdig.“ Er hieß ihn darauf niederzu⸗ knieen, ernannte ihn zum Herzog, und ſtellte ihn zu⸗ naͤchſt ſich ſo an, daß er nach dem Koͤnige der vor⸗ nehmſte Mann in Perſien wurde. Am folgenden Tage, als der Koͤnig mit ſeinen Großen zu Rathe ſaß, legte er dieſe Frage vor: Was derjenige verdiene, der einen Herrn habe, welcher ihn faſt mehr, als ſich ſelbſt liebe, und ihn dennoch umbringen ließe. Nun will die Landesſitte, daß, wenn der Koͤnig eine Frage vorlegt, der Naͤchſte im Range nach ihm Antwort geben muß, und da dieſer neue Herzog gegenwaͤrtig war, ſo gab er endlich nach langem Zoͤgern unwillig zur Antwort, daß ein ſolcher Diener die groͤßte Strafe verdiene. Der Koͤnig ſtand dann auf, zog ploͤtzlich ſein Schwert aus der Scheide und ſagte:„Schurke, der biſt du, du ſollſt deinen verdienten Lohn ha⸗ ben, denn da du einen Herrn verrietheſt, der dich ſo ſehr liebte, ſo wuͤrdeſt du daſſelbe auch an mir thun. Nimm alſo hin deinen Lohn!“ Hiermit hieb er ihm mit eigenen Haͤnden den Kopf ab, und ließ ſeinen Leichnam den Kraͤhen im Felde vorwerfen. (Die Fortſetzung im naͤchſten Baͤndchen.) ———