' 700 — BrEEe wnun 9⁰ 8 8 3 8 8 40 30 20 S S. G vchell Zeee Shin A 7 22 . 1 — Jouhe 2 a A 8 Schiler Taſchen⸗Bibliothet der. wichtigſten und intereſſanteſten See⸗ und Land⸗Reiſen, von der Erfindung der Buchdruckerkunſt bis auf unſere Zeiten. Mit Landkarten, Planen, Portraits und anderen 3 Abbildungen, Perfaßt von Mehren Gelehrten, . und herausgegeben von 2 Joachim Heinrich Jaͤck, Koͤnigl. Bibliothekar zu Bamberg. —— 17. Baͤnͤchen. Mit einem Kupfer. I. Theil. 2. Bändchen von Griechenland. . Nürnberg. Vexlegt von Haubenſtricker und von Ehner. 1828. Taſchen⸗Bibliothek der wichtigſten und intereſſanteſten Reiſen durch Griechenland. Mit Landkarten, Planen, Portraits und anderen Abbildungen. Verfaßt von. Mehren Gelehrten, und herausgegeben von Joachim Heinrich Jaͤck, Koͤnigl. Bibliothekar zu Bamberg. I. Theil. 2. Baͤndchen. Nuͤrnber g⸗ Verlegt von Haubenſtricker und von Ebhner. 1 82 8. III. Jacob Spons Reiſe burch Italien, Dalmatien, Griechenland und den Orient in den Jahren 1675—„6. Aus d. Franz. überſ., und in gedraͤngter Kürze mitgetheilt vom Pfarr⸗Proviſor Karl Peter zu Bettſtadt bei Bamberg. — Vorrede. Jae, Spon war der Sohn eines beruͤhmten Arztes und Gelehrten zu Lyon, und 1647 daſelbſt ge⸗ boren. Den erſten Unterricht erhielt er von ſeinem Vater; mit gruͤndlichen philologiſchen Kenntniſfen aus⸗ geruͤſtet, begab er ſich auf die beruͤhmte aͤrztlich⸗chi⸗ rurgiſche Schule zu Montpellier, wo er das me⸗ diziniſche Dsetorat erkangte. Im Drange nach hoͤherer Wiſſenſchaft begab er ſich auch nach Straßburg, wo er ſich zwei Jahre an der Seite des beruͤhmten Boec⸗ ler und Karl Patin aufhielt, deren geiſtveicher 118.— Umgang ſeinen Forſchungsgeiſt nach Alterthuͤmern vor⸗ zuͤglich noch mehr anſpornte. Im J. 1669 wurde er in das Kolleg der Aerzte zu Lyon aufgenommen, wo er durch fortgeſetztes Studiren die Achtung der Ge⸗ lehrten, und durch gluͤckliche Behandlung der ihm an⸗ vertrauten Kranken, mit ſeinem Vater die Liebe der Mithuͤrger theilte. Im Oet. 4674 entdeckte er dem durchreiſenden koͤnigl. Alterthums⸗Forſcher Foy⸗ Vaillant ſein Vorhaben zu einer gleichzeitigen Reiſe nach Italien, wo er dann durch Verbindung mit Eng⸗ laͤndern, auch zur Reiſe nach Griechenland, in die Tuͤrkei und Klein⸗Aſien, ſich entſchloß. Nach ſeiner Ruͤckkehr 1671 ließ er ſich wieder zu Lyon nie⸗ der, widmete ſich ſeinen Studien, und der Ausuͤbung der Arznei⸗Wiſſenſchaft, wurde Mitglied der beruͤhm⸗ ten Recuperatoren zu Padua, und 1682 des koͤnigl. Kollegs der ſchoͤnen Geiſter zu Nimes, waͤhrend ſein Reiſe⸗Bericht in mehren Auflagen durch alle Laͤn⸗ der Europen's ſich verbreitete, und ſeine uͤbrigen Schriften die Bewunderung aller gruͤndlichen Gelehr⸗ ten feſſelten. Deſſen ungeachtet traf 168s auch ihn dis harte Lops, welches in Frankreich allen Prote⸗ ſtanten bereitet wurde, ihr Vaterland zu verlaſſen. Er begab ſich von Lyon nach Vevai am Genfer See, wo er ſchon 25. Dez. d. J. ſtarb, nachdem ſein Pater erſt 24. Febr. 1884 zuvor verblichen war. Iß gleichwohl ſeine irdiſche Huͤlle ſo fruͤhe von ſeinen 119 Zeitgenoſſen geſchieden, ſo hat er ſich doch durch ſeine Geiſteswerke die Unſterblichkeit errungen. 1) Voyage d'ltalie, de Dalmatie, de Gréèce et du Levant, fait aux années 1675 ct 1676. A Lyon 1678. 12. III. Vol.(Dieſe Ausgabe iſt die ſchoͤnſte vor den folgenden.) A Amsterd. 1679. 12. III. Vol. Ed. II. 1697. 12.— A la Haye 1680. 12. II. Vol. Ed. II. 1724. 12. In das Italiſche uͤberſetzt von Ca⸗ ſimir Freſchot zu Bononien 1688. 12. II. Vol. Verteutſcht von Joh. Menudier, Prof. am Gym⸗ naſium zu Baireuth. Erſte Auflage 1690. Fol. 2 Thle. Zweite Ausgabe 1713, mit Kupfern, einem Woͤrter⸗ buche und vielen Inſchriften, beſonders aus Athen, wie alle fruͤheren Ausgaben. Er hatte ſich vorgenom⸗ men, Gruter's Inſchriften zu berichtigen und nach Moͤglichkeit zu vermehren; ihm gelang nicht nur erſte⸗ res in vieler Hinſicht, ſondern er ſammelte auch mehr als 2000 unbekannte Inſchriften, wie beſonders das zu Orford erſchienene Buch: Marmora Osoniensia: beweiſet. Ex behauptete in der Vorrede zu ſeinem Reiſe⸗Berichte, nichts aufgenommen zu haben, was er ſelbſt nicht geſehen habe; er berief ſich auf das Zeugniß ſeiner Reiſegefaͤhrten, beſonders Foy⸗Vail⸗ lanut's, und des gelehrten Edelmannes Georg Wheler aus England, deſſen aufmerkſame Beobach⸗ tungen er mit der Ehre betohnte, ihn als Mitheraus⸗ geber auf dem Titel ſeines Werkes eiſcheinen zu laſſen. Dieſer gab heraus: Journey into Dalmatia, Grece 1 29 and Lavant. Lond. 1682. Fol. mit Kupf., welches in das Franzoͤſiſche uͤberſetzt, zu Utrecht 4682. 12., zu Amſterdam 1689 und 1692, und zu Haag 1725 in 2 Baͤnden heraus kam.. 2) Kaum hatte Guillet gegen ihn: Lettres écrites sur une dissertation d'un voyage de Gréèce bublié par Mr. Spon. Paris 1679. 12. erſcheinen kaſſen; ſo gab er heraus: Réponse à la critiquc, publiée par Mr. Guillet sur le voyage de Grèce de Jaques Spon. A Lyon 1670. 12., worin er ſich ſehr ehrenvoll vertheidigte. Deſſen ungeachtet wurde er noch vom Englaͤnder Thomas Smith, welcher zwiſchen 1664 und 1707 ſich beruͤhmt machte, in der Vorrede der Briefe von⸗ Kirchen Aſien's eines ſchrift⸗ ſtelleriſchen Diebſtahles beſchuldigt. Von Spon ſind noch bekannt: 5) Nouvelles de la republique des lettres. 4) Recherches des antiquités de Lyon. 5) Histoire de la ville et de l'étar de Géndève, welche 3 Werke 1730 in 2 Quart⸗ und 4 Duodez⸗ Baͤnden mit vielen Zuſaͤtzen vermehrt, wieder aufge⸗ legt wurden. 6) Ignotorum atque obscurorum Deorum arae, welche Schrift in Gronovfi thes. antiquit, graec. T. VII. ſteht. 7) Lettre au Pére la Chaise sur!' antiquité de la religion, tozu Mr. Arnanud eine Antwort lieferte⸗ 121 3) Recherches curieuses d'antiquité. 0) Misc. erud. antiquitatis, von welchen einige in Mich. Maittaire Marmor. Krundel, ſtehen. 10) Aphorismi novi ex Hippocratis operibus. 14) Observy. sur les fiévres, et sur les febri- fuges. 12) Obs. circa aquam Rhodani. 13) Polypus renis obs. 8 14) Curiosa autiquitatum investigatto. 15) Supplementum Gruterianum. 16) Rélation sur l'état present d'Kthène, avéc un abrégé de son histoire et de ses antiquités. 47) Suppl. ad J. Meursium sen. de populis et pagis Atticae, welche Gronov in T. 1V. antiq. gracc. qufnahm, wie 18) De origine strenarum, in T. IX. 19) Diss. de potu Caphec, Sinensium Tee, et de Chocolata, auch in das Franzoͤſiſche uͤberſetzt, und verteutſcht zu Budiſſin 1688. Wenn man in Erwaͤgung zieht, daß diefer prak⸗ tiſche Arzt ſich meiſtens uͤber Gegenſtaͤnde, welche ſei⸗ nem oͤffentlichen Berufe ganz fremd waren, mit ſo vieler Sachkenntniß verbreitete, und dieſelben in ei⸗ nem ganz neuen Lichte darſtellte, ſo wird man um ſo mehr bedauern, daß dieſes ſeltene Talent nur ein Ah⸗ ter von 38 Jahren erreichte. Jaͤck. Erſtes Buch. Im Oct. 1674 kam Foy⸗Vaillant, oͤnigl. franzoſiſcher Alterthums⸗Forſcher, welcher vom Mi⸗ niſter Colbert Befehl hatte, nach Italien zu rei⸗ ſen, um fuͤr die koͤnigl. Gemaͤcher Gemaͤlde und Sel⸗ tenheiten zu ſuchen, nach Lyon. Hier wurde ich mit ihm bekannt, und eroͤffnete ihm, daß ich dieſelbe Reiſe zu machen, geſonnen ſei. Er verſicherte mich, meine Geſellſchaft wuͤrde ihm ſehr angenehm ſeyn, weßwe⸗ gen ich ihm verſprach, da ich in Privatangelegenhei⸗ ten nach Chreſt im Delphinat reiſen mußte, ihn zu Marſeille wieder zu treffen, um mit ihm ge⸗ meinſchaftlich zu Schiffe zu gehen. 1) Um mich dort von ihm nicht lange erwarten zu laſſen, reiſte ich vor ihm von Lyon ab, und kam uͤber Vienne oder Tournon nach Valence, wo ich das Gemaͤlde eines Mamuth's, welches man in deſſen Naͤhe jenſeits des Fluſſes Rhone in einem Teiche gefunden hatte, ſah; auch zeigte man mir zwei Daumen dicke Zaͤhne deſſelben. Mit dergleichen Gebeinen, die man fuͤr Ueberxreſte eines Rieſengeſchlechtes haͤlt, welche aber nichts, als Gebeine von Elephanten oder andern großen Landthieren ſind, betrogen ſich auch die Leute zu Soyons und Charmes, zwei Doͤrfer nahe bei Vgleucejenſeits der Rhone. Nahe bei Charmes beſtieg ich die Spitze eines kleinen Ber⸗ r.- ges, um ein Grab mit einer Aufſchrift zu ſehen, wel⸗ — 123³ ches das gemeine Volk fuͤr das Grab eines unbekannten Heiligen haͤlt, und fleißig beſucht. Da es aber kein einziges chriſtliches Zeichen hatte, welches gewoͤhnlich Kreuz, Bibel, Alpha und Omega zu ſeyn pflegt, ſo war es nach den Verſen, die auf demſelben eingegra⸗ ben waren, heidniſchen Urſprunges. Chreſt, eine kleine Stadt, 4 Meilen von Va⸗ lenee, nach Inſchriften in der Mauer der Haupt⸗ kirche ehemals Chriſta, Chriſtum, und nach al⸗ ten geſchriebenen Urkunden Chriſta Arnaudi ge⸗ nannt, liegt am Fuße des Gebirges, welches ſich von Grenoble bis nach Chreſt wie eine Kette fort⸗ ſchlingt. Ueber dem Stadtthore iſt das Wappen des Fuͤrſten von Monaco, welchem der Koͤnig die Ein⸗ kuͤnfte von Chreſt, Valenre, Chabueil, Grane und Montelimar geſchenkt hatte. Montelimar, nach einer Inſchrift von 1488, Montilium, d. i. die Befreiung von Zoͤllen ge⸗ nannt, war die letzte Stadt, von der ich wieder auf den Weg nach Marſeille gelangte. Von ihr ging ich nach Orange. Dieſe Stadt hat ſehr merkwuͤrdige Alterthuͤmer, unter denen ein Triumphbogen, welchem an Groͤße und Pracht keiner zu Nom gleich kommt, und der ſelbſt die Triumphboͤgen des Titus, Trajaus und Galienus uͤbertrifft, ganz vorzuͤglich merkwuͤrdig iſt. Die Siegeszeichen auf demſelben werden ein ewiges Denkmal des herrlichen Sieges des Mariur und 124 Cgatu hus uͤber die Cimbrer bleiben, bei dem nach Eutropius 200, 0o fielen und 80,000 gefangen wur⸗ den. Auf der einen Seite des Triumphbogens, auf welchem ich noch zur Haͤlfte die Namen der Konſuln leſen konnte, iſt das triumphirende Nom, das Haupt mit Strahlen umgeben, um dadurch anzuzeigen, daß Rom's Gebiet ſich ſo weit erſtrecke, als die Sonne ſcheine, abgebildet; auf der anderen Bogenhaͤlfte die Wahrſagerin Martha mit dem Finger an dem Ohr, welche Marius ehrerbietigſt in ſeiner Armee herum⸗ fuͤhrte, um ſie zu bewegen, ihm den Ausgang ſeines Unternehmens vorherzuſagen. Nachdem ich Orange verlaſſen hatte, ging ich uͤber den Fluß Sorgue, welcher durch den hochge⸗ feierten Petrarcha, der in deſſen Naͤhe wohnte, beruͤhmt iſt. Von ihm kam ich durch Cavaillon, Fort, Lambeſe und S. Canal nach Air, der Hauptſtadt der Provence. Dieſe wurde vor Zeiten Aduae Sexliac genannt, weil ſie warme Baͤder hatte, und ein Roͤmer Namens Sextius hieher eine Ko⸗ lonie fuͤhrte. Von ihren Baͤdern berichtet Strabo, daß ſie ſchon zu ſeiner Zeit kalt geweſen ſeien. Ich fand ſie lauwarm, jedoch ſind ſie unbeachtet und werden bloß von Faͤrbern, in deren Wohnung ſie mir auch gezeigt wurden, benuͤtzt. Dieſe Stadt iſt eine der beſtens gebauten in Frankreich. Ihre Haͤuſer gleichen den Palaͤſten, za uͤbertreffen ſogar hinſichtlich der ge⸗ faͤlligen Bauart die am marſeilliſchen Hofe. In dieſer 125 Stadt beſaßen mehtere Private K Kunſtſammlungen, wel⸗ che ich durch die Gefaͤlligkeit derſelben beſuchte. Ich ſah Edelſteine in welche von Steinſchneidern herrliche Geſtal⸗ ten aufs wunderbarlichſte eingeaͤtzt zu ſeyn ſchienen. So ſah ich eine Faſtnachts⸗Mummerei in einen ſchoͤnen, ovalen, s Zoll großen Eliotrop, ein Kleinod, das nicht zu bezahlen iſt; dann einen vortrefflich geſchnittenen Carniol von der Groͤße eines Nagels, auf dem ſich 15 Vorſtellungen, und gegen 3s Figuren von Inſtrumen⸗ ten, Gefaͤten und anderen Sachen befinden; endlich Solon’s Haupt auf einem Amethiſt, welchen der kuͤnſtlichſte Steinſchneider, den Augsburg jemals be⸗ ſoldete, mit dem Namen Dioſevrides gegraben bat. Auch fand ich in einer ſolchen Privat⸗Kunſt⸗ Sammlung zwei Handſchriften, welche von alten Ju⸗ ſchriften bandelten, aus denen ich uͤber 30o noch nie gedruckte abſchrieb. Dieſes hielt mich gegen meinen Vorſatz lange zu Air auf; jedoch war der laͤngere Auf⸗ enthalt fuͤr mich gluͤcklicher, als ich haͤtte erwarten koͤnnen. Er war naͤmlich die Urſache, daß ich nicht zur beſtimmten Zeit zu Marſeille eintraf, und daher nicht gleiches Schickſal mit Vaillant haben konnte. Dieſer war, ohne mich zu erwarten, auf einer Baraue von Livorno abgeſegelt, und wurde nebſt einer Jacht voll Franzoſen, welche, um die Eroͤffnungs⸗Feier⸗ lichkeiten des Jubeljahrs zu ſehen, nach Rom gehen wollten, eine Beute Algieriſcher Seeraͤuber. Nachdem ich in Marſeille angekommen war, ſuchte ich verſchiedene Seltenheiten auf, fand auch wirklich einige Roͤmiſche Inſchriften, aber nicht ein altes Gebaͤude, obgleich die Stadt noch von den alten Phokeern erbaut iſt. Sie liegt in einer ſteinigten Gegend, und hat unten gegen Mittag einen in Felſen gehauenen Hafen, der die Geſtalt eines Amphitheaters bildet, 2 ſchoͤne Citadellen und ein reiches Zeughaus. Sie ſieht heute noch ſo aus, wie Strabo ſie beſchrie⸗ ben hat, und ſie kann ſich ruͤhmen, mehr als einige andere Staͤdte in baulichem Stande erhalten worden zu ſeyn. Ohne mich auf Einzelnheiten der Stadt ein⸗ zulaſſen, bemerke ich nur, daß ich daſelbſt eine Zucker⸗ Raffinerie, eine Seifen⸗Siederei, Mumien, Aegyptiſche Goͤtzenbilder mit Charakteren, und eine Korallen⸗Werk⸗ ſtaͤtte ſah. Auch zeigte man mir in einem Kloſter ei⸗ nen menſchlichen Schaͤdel, der 3 Schuhe im Umfange, und wenigſtens einen in der Hoͤhe maß. Wie man mich verſicherte, war er der Kopf eines daſelbſt im fuͤnfzigſten Jahre geſtorbenen Mannes, der nicht uͤber 4 Schuhe groß geweſen iſt. n Waͤhrend ich hier auf eine guͤnſtige Zeit, zu Schiffe zu gehen, wartete, beſah ich alles, was in der Umge⸗ gend von Marſeille ſehenswerth iſt. Auf dem Wege nach Arles liegt die kleine Stadt von Salon; hin⸗ ter ihr Crau, ein großes 5 bis 6 Meilen breites Land, ganz voll von Steinen, zwiſchen welchen. wenig aber gutes Gras hervorwaͤchſt, Ariſtoteles hielt dieſe Menge Steine fuͤr eine Folge eines Vulkaus, Poſi⸗ 12²27 donius dagegen glaubte, daß dieſe Gegend ehemals See⸗Grund geweſen ſei.— Arles, eine zwar nicht maͤchtige, aber doch ſchoͤne Stadt, iſt voll von alten eingefallenen Gemaͤuer, unter welchem man einen Theil eines ziemlich ſchoͤnen Amphitheaters ſieht. Im Rath⸗ hauſe daſelbſt wird ein marmornes Bildniß der Diana aufbewahrt, was den Bericht Strabo's, daß von den Marſeillern die Diana von Epheſus verehrt wor⸗ den ſei, beſtaͤtiget. Unter Arles auf einer Inſel, welche durch den Zuſammenfluß der Rhoue gebildet wird, ſtand ehedem der Tempel dieſer Goͤttin, aus dem auch wahrſcheinlich dieſes Bild iſt. Um ein Kloſter, welches auſſer der Stadt liegt, iſt eine große Anzahl alter Graͤber. Die Chriſtlichen haben Kreuze, oder bibliſche Geſchichten, die Heiͤniſchen aber Inſchriften, die ausgefreſſen ſind. In der Gruft dieſes Kloſters ſind die Epitaphien des h. Trophimus, Hilarius und anderer Biſchoͤfe von Arles mit vortrefflichen Verſen, welche aus dem V. Jahrhunderte, in welchem ſehr ſinnreiche Geiſter lebten, zu ſeyn ſcheinen. Merk⸗ wuͤrdig iſt in dieſem unterirdiſchen Gewoͤlbe ein Grab, welches immer zur Haͤfte voll Waſſer iſt; obgleich man in keinemn hoͤberen oder tieferen Grabe einen Tropfen ndet. 2) Von Arles reiſte ich nach Sainte Bau⸗ me, um die Hoͤhle, in der Magdalena ſich aufge⸗ halten haben ſoll, zu ſehen. Nachdem ich mich 3 bis 4 Stunden in dieſer unfreundlichen, wuͤſten Gegend auf⸗ 128 gehalten hatte, begab ich mich auf den Weg von Marſeille nach Toulon, auf dem ich bald nach Oliowe gelangte. Der Weg dahin, da er immer unter großen Pomeranzen⸗Baͤumen ſich fortzog, gevaͤhrte eine angenehme Augenweide. In drei Stunden kam ich nach Toulon, von welchem 3 Meilen extfernt Hieres liegt, wohin die Reiſe wegen der Verſchwen⸗ dung, welche die Natur mit Pomeranzen⸗ und Zit ro⸗ nen⸗Baͤumen zu treiben ſcheint, aͤußerſt anmuthig iſt. 3) Von Hieres kam ich wieder nach Mar⸗ feille. Ich wollte nach Lyon zuruͤckreiſen, als eben einer meiner Freunde in der Abſicht, nach Italien zu reiſen, um die Eroͤffnung des Jubel⸗Ablaſſes anzu⸗ ſehen, ankam. Ich ließ mich von ihm gerne bereden, die Reiſe zu machen, und beſtieg mit ihm ein Ham⸗ burgiſches Schiff, welches, um mit erſtem guten Winde nach Genua abzulaufen, ſegelfertig lag⸗ Nachdem wir 3 Wochen auf den guten Wind gewartet hatten, wurden die Anker gelichtet, und innerhalb 36 Stunden hatten wir ſchon Genua im Angeſichte. Jedoch konn⸗ ten wir, da kleine mit Waſſer bedeekte Felſen den Ha⸗ fen gefaͤhrlich machen, und wegen des N ordwindes, der ſich erhoben hatte, erſt nach 2 Tagen landen. Ge⸗ n ua liegt aͤußerſt mahleriſch, wie ein Amphitheater um den Hafen. So aumuthig ſeine Lage iſt, ſo reitzend iſt es auch ſelbt. Denn man ſieht in ihr nichts als Pglaͤſte aus Marmor, unter denen die in der neuen Straſſe ausnehmend praͤchtig ſind. Genua hat unter 129 allen Staͤdten Italiens den Vorzug, daß ſeine Pa⸗ laͤſte auf einander folgen, ohne durch andere gemeine Haͤuſer unterbrochen zu werden. Es hat auch ſehr ſchoͤne Kirchen, unter welchen die Jeſuiten⸗ und Thea⸗ tiner⸗Kirchen die ausgezeichnetſten ſind. 4) Von Geuuag nahmen wir eine Feluke(klei⸗ nes Ruderſchiff), und fuhren laͤngs der Kuͤſte des Mee⸗ res, welches die Alten das Liguſtiſche Meer nann⸗ ten nach Livorno, wo wir gluͤcklich anlangten. Livorno iſt eine beruͤhmte Handelsſtadt, hat aber nicht viel Sehenswuͤrdiges. Deßwegen und weil ſich die Eroͤffnung der h. Pforte zu Rom herannahte, ſetz⸗ ten wir uns ſchon an dem anderen Tage zu Schiffe, und fuhren auf dem Kanal nach Piſa. Piſa iſt eine große, ſehr ſchoͤne, aber nicht volk⸗ reiche Stadt. Ehemals war ſie ſehr beruͤhmt. In der Kirche zu St. Vietor fand ich ein Grabmal der Piſaner, welche 1444 bei einem Verſuche Majorka zu erobern, welches die Muhametaner beſaßen, umka⸗ men. Wunderbar iſt ein Thurm zu Piſa, der von oben vorgebeugt iſt. Man belehrte mich nicht, ob die⸗ ſes ein Meiſterſtuͤck der Baukunſt, oder Folge eines Erdbebens iſt. 5) Hier nah:nen wir Tags darauf Pferde, und rit⸗ ten uͤber Siena nach Rom, wo wir unſerem Wun⸗ ſche gemaͤß noch etliche Tage vor der Eroͤffnung des Jubel⸗Ablaſſes eintrafen. Die Eroͤffnung der h. Pforte ging mit der bekannten Feierlichkeit vor; ich will da⸗ 17tes B. Griechenland. I. 2. 2 5 130 her den Leſer mit den Merkwuͤrdigkeiten Roms unter⸗ halten, deren daſelbſt eine ſo große Menge iſt, daß je⸗ der, in welcher Abficht er auch immer reiſen mag, Ge⸗ nuͤge findet. Hat Jemand Luſt an Buͤchern, ſo findet er zu Rom Bibliotheken, worin er ganze Tage ſtudieren kann. Sucht Jemand Handſchriften, ſo ſteht ihm die Vatikaniſche Bibliothek offen, wo er dieſe und gedrukte Buͤcher findet, nach denen er anderswo vergeblich fra⸗ gen wird. Wer ein Freund der Muſik iſt, kann taͤg⸗ lich in den Kirchen, oder bei Kardinaͤlen Konzerte, von den lieblichſten Stimmen begleitet, hoͤren. Auch werden nirgends in der Welt die kirchlichen Verrichtungen mit mehr Feierlichkeit und groͤßerer Pracht, als hier ge⸗ halten. Iſt Jemand ein Kenner von ſchoͤnen Gemaͤl⸗ den, ſo kann er deren mehre nirgends, als zu Rom, und zwar von den beruͤhmteſten Meiſtern ſehen. Wer Geſchmack an Statuͤen hat, trifft eine außerordentliche Menge daſelbſt an: denn man kann von Rom, wie ehemals von Athen ſagen, daß daſelbſt nicht ſo viele Menſchen als Statuͤen ſind. Unter dieſen ſind jene von Michael Angelo, dann der Laokvon im Vatikan, der Farneſiſche Herkules, der An⸗ tinous und die Venus wahrhaf. Wunderwerke. Wenn ich alles dieſes betrachte, ſo muß ich mich wun⸗ dern, wie Rom, nachdem es ſo vielmal ganz ausge⸗ pluͤndert wurde, dennoch ſo viele ſchoͤne Werke habe erhalten koͤnnen. Es iſt wohl Niemand unter den Ge⸗ ——4— 131 bildeten, den nicht das Schoͤne der Baukunſt entzuͤckte, auch dieſe werden befriedigt. Denn ſie finden zu Rom das Pantheon, die Baͤder Diocletiaus, das Theater Marceell's, das Schauſpiel⸗Haus Veſpaſian's, dann die Peterskirche, welches die ſchoͤnſte Kirche der Welt iſt. So ſteht man auch daſelbſt vortrefflich ſchoͤne Brunnen, beſonders den de S. Pietro Monlorio, herrliche Basreliefs, ſehr reiche Sammlungen von Denkmuͤnzen und Alterthuͤmern. Wie die Bienen das Honig und den Thau ausſaugen, nicht aber das Gift, gleich den Spinnen; ſo muß man guch auf der Reiſe nur das gute, was man antrifft, ſich aneignen, und wer dieſes thut, der hat nicht von noͤthen, ſich uͤber die in Rom herrſchenden Laſter zu beklagen, welche man erſt durch Bekanntſchaft mit Ver⸗ brechern kennen lernt. Ehe ich Rom verließ, bereiſte ich die umliegen⸗ den Orte, wobei mir ein Englaͤnder von Adel, Na⸗ mens Wheler, welcher auch ſpaͤter mit mir in den Orient reiſte, Geſellſchaft leiſtete. Zuerſt erreichten wir Tivoli, welches eine halbe Tagreiſe von Rom eutfernt liegt, vortreffliche hydrauliſche Werke, ein altes Mauſoleum mit Inſchriften und zwei uͤberaus ſchoͤne Statuͤen aus herrlich rothgekoͤrnten Marmor mit ein⸗ geſprengten ſchwarzen Flecken, die Goͤttin Iſis ab⸗ bildend hat. Dieſes ruͤhmt man gewoͤhnlich von Ti⸗ voli; allein merkwürdiger iſt eine halbe Meile ab⸗ waͤrts ein kleiner, tiefer See von kaum oder 500 132 Schritten im Umfange, deſſen Waſſer ſehr viel Schwe⸗ fel enthaͤlt, und von den Noͤmern, als Heilbad gegen verſchiedene Beſchwerden und Krankheiten gebraucht wird. Die Luft in dieſer Gegend iſt ganz von Schwe⸗ felduͤnſten erfuͤllt, woher auch der Name dieſer Ge⸗ gend Solfatara ſich leiten mag. Das merkwuͤr⸗ digſte aber iſt ein See, von Kircher der See ſchwim⸗ mender Infeln genannt, in welchem wir mehr als 12 Inſeln, vom Winde getrieben, ſchwimmen ſahen. Die groͤßte mag 25 Schritte in der Laͤnge und 15 in der Breite gehabt haben. Sie ſind oben auf dem Waſſer, und mit Rohr und Schilf bewachſen, mit welchen wir eine ſo lange an uns zogen, bis einer von uns hinuͤber⸗ ſpringen konnte, was wir uͤbrigen hernach auch befolg⸗ tteu. Aus dieſem erkannten wir, daß ſie ziemlich dick und feſt ſind, beſonders da wir mit unſeren Degen nicht auf den Grund kommen konnten. Solche fah⸗ rende Inſeln, welche das Volk zu Tivoli Nachen nennt, weil ſie nach deren Art darin herumſchwim⸗ men, und wie Nachen regiert werden koͤnnen, er⸗ waͤhnt Plinius der Aeltere. Plinius der J Juͤn⸗ gere, des vorigen Neßfe, und Dionys von Halr carnas haben einige derſelben beſchrieben. 6) Von Tivoli reiſten wir auf den Weg von Frescati weiter, wendeten uns aber etwas links, um die Lage von Hadrigus V illa zu ſehen, welche die Landleute der dortigen Gegend das alte Tivoli nennen. Denn ſie wiſſen nicht, daß es ehemals bloß 133 ein Luſthaus des Kaiſers Hadrian gewefen iſt. Alte Beſchreibungen berichten, daß Kaiſer Hadrian bei ihm die beruͤhmteſten Gebaͤude der Welr nachgeahmt habe; was jedoch die Ruinen nicht beſtaͤtigen. Von hier ſetzten wir unſere Reiſe fort, ließen den See von Regilla zur Linken liegen, und kamen nach Fres⸗ egti. 3 Dieſes war ehedem des Lucullus Landhaus, iſt aber nun eine kleine Stadt mit Gaͤrten und Palaͤſten. Sehenswerth ſind einige Landhaͤuſer, beſonders Bor⸗ gheſe, Aldobrandini ꝛc. mit herrlichen Gaͤrten. Wir nahmen uns hier einen Wegweiſer, der uns die Ueberbleibſel des alten Tuse ulum, des Landhauſes Cicero's, das 2 Meilen oben an der Spitze eines Ge⸗ birges liegt, zeigen mußte. Um Rom hat man auf dieſem Landhauſe die ſchoͤnſte Ausſicht. Ohne uns von den Annehmlichkeiten und Luſtbarkeiten der Stadt Freseati hinhalten zu laſſen, reiſten wir durch das große Dorf Marini, das ehemalige Gut des Ma⸗ rius, zu dem 4 bis s Meilen entfernten Kaſtell Gan⸗ dolfe, wo die Paͤbſte einen Palaſt haben. Es hat eine ſehr ſchoͤne Ausſicht auf den See Albano laͤngs deſſen wir unſeren Weg nahmen, und dabei nach dem Orte, wo Alba Lon ga geſtanden haben ſoll, ſahen. Dieſer Ort an dem nun ein Kloſter ſteht, wo man bis⸗ weilen bei dem Nachgraben Ruinen dieſer beruͤhm⸗ 8 Stadt findet, liegt zwiſchen der See und dem Ge⸗ irge. 5 * 134 7) Albano, welches von Alba Longa den Na⸗ men hat, liegt nicht uͤber 2 oder 3 Meilen entfernt. Es iſt ein ſehr anmuthiges Dorf, und verdankt ſeinen Urſprung dem Luſthauſe Domitian's. Der Wein von Albano und Genzano ſind unter den vielen, welche zu Rom getrunken werden, die beruͤhmteſten. Von da kamen wir auf die Heerſtraſſe, welche naͤchſt der alten Appiſchen Straſſe, die noch auf beiden Seiten voll von Denkmaͤlern iſt, ſich hinzieht. Dieſe Appiſche Straſſe war ſehr ſchoͤn, und fuͤhrte in ge⸗ rader Richtung nach Rom. Sie war, wie andere Heerſtraſſen, mit großen Quader⸗Steinen gepflaſtert, von denen man noch Spuren auf dem ganzen Wege nach Neapel ſieht. Niemand iſt mehr der Veraͤnderung unterworfen, und von Verhaͤltniſſen abhaͤngig, als ein Reiſender: denn kaum faͤngt ein Ort an, ihm zu gefallen ſo muß er ihn ſchon wieder verlaſſen. So waͤre ich gern laͤn⸗ ger zu Rom geblieben: denn je laͤnger man ſich allda aufhaͤlt, deſto mehr Luſt bekommt man daſelbſt zu blei⸗ ben. Allein ich mußte mich trennen, um nach Vene⸗ dig zu gehen, welches ich und drei Englaͤnder von Adel zum Orte unſerer Zuſammenkunft erwaͤhlt hat⸗ ten, um in Geſellſchaft nach Griechenland zu ſe⸗ geln. Ich ritt auf Poſtpferden dahin, die man bei je⸗ der Station wechſelt, und welche ihren Weg ſo gut kennen, daß man weder zu fragen, noch ſie zu leiten braucht, um an den beſtimmten Ort zu kommen. — 135 Ich brauchte einen Tag nach Viterbo, wo ich auf dem Rathhauſe das Bildniß des Annius ſah, der ſich in der gelehrten Republik durch ſeinen Betrug einen Namen erworben hat. Heut zu Tag naͤmlich zweifelt Niemand mehr, daß er der Verfaſſer der Al⸗ terthuͤmer des Beroſus und des Chronikon's von Manetho iſt, welche Werke er verfaßte, und unter ihren Namen herausgab. Er ließ auch allerlei In⸗ ſchriften und Charaktere in Marmor hauen, und in die Erde vergraben. Als man ſie nach einigen Jahren fand, und die Alterthums⸗Forſcher vergebens verſuch⸗ ten, ſie zu leſen und zu entziffern, unternahm er es, und machte ſich dadurch beruͤhmt. Eine dieſer Mar⸗ mor⸗Tafeln, die ſich eingemauert daſelbſt noch vorfin⸗ det, enthaͤlt einen Widerruf der Geſetze Aiſtulph's durch den Lombarden Koͤnig Theodorich; die andere, in Griechiſcher Sprache, redet von einem Tempel der Goͤttin Zybele nahe bei Viterbo. Der Betruͤg wird ſehr begreiflich dadurch, daß beide Steine, die durch ein Jahrhundert von einander getrennt ſind, gleich gut erhalten, und mit gleichen Buchſtaben klar und nach einer Weiſe, wie man ſie ſonſt nicht leicht findet, beſchrieben ſind. 8. Hierauf reiſte ich uͤber Radicofani, eines der hoͤchſten Gebirge in Italien nach Florenz, welche den Beinamen der Schoͤnen nicht mit Unrecht fuͤhrt. Am meiſten entzuͤckte mich die Galerie des Großher⸗ zogs. In ihr ſah ich uͤber 130 Statuͤen, von denen et⸗ — 136 liche Inſchriften hatten. Da ich einige beſſer leſen konnte, als der ſehr gelehrte Abt Falconieri, der ſie oͤffent⸗ lich im Drucke herausgab, obwohl er im Abſchreiben einige Verſtoͤße machen konnte, hielt man mich fuͤr ei⸗ neu ausgezeichneten Gelehrten. Um dieſe Galerie ſind ſehr viele Gemaͤcher, welche des Großherzogs Schaͤtze enthalten. 4— s ſind voll von Gewehren, unter wel⸗ chen eine Buͤchſe mit einem Laufe von maſſivem Gold iſt. Lebte noch ein Heliogabalus, wahrlich es gaͤbe kein Inſtrument, durch das er vornehmer ſterben koͤnnte. Von dieſem wird erzaͤhlt, daß er ſich einen Doèch aus Gold habe verfertigen laſſen, um ſich damit zu erſtechen, und Geſaͤße von Smaragd, um das Gift daraus zu trinken, im Falle er gezwungen wuͤrde, ſich ſelbſt zu toͤdten. Die anderen Gemaͤcher ſind mit Gold⸗ und Silber⸗Geſchirren, mit Gemaͤhlden von Raphael, Titian und Carrache und mit vielen anderen al⸗ ten, wie neuen Werken der Kunſt angefuͤllt. Merk⸗ wuͤrdig war noch ein Magnetſtein im Hofe dieſes Pa⸗ laſtes, welcher uͤber so Zentner wiegt, aber im Ver⸗ haͤltniſſe zu ſeiner Groͤße wenig Kraft hat, da ihm dieſe eine Feuersbrunſt entzogen haben ſoll. Bei die⸗ ſer Gelegenheit will ich eines andern Magnets erwaͤh⸗ nen, den ich zu Avignon ſah. Dieſer, obwohl er beinahe eine Fauſt groß und wohlgefaßt war, zog doch nicht mehr, als einen kleinen Schluͤſſel an, waͤhrend ein Meſſer, oder ein anderes Stuͤck Eiſen, welches man mit ihm beſtrich, 4 mal ſo riel als dieſer Stein an 137 ſich zog, wovon ich mich durch einen Verſuch uͤber⸗ zeugte. Auch entzieht derſelbe, wenn ein anderer Mag⸗ net zu ihm gelegt wird, demſelben ſeine Kraft. Da⸗ ſelbſt beſuchte ich auch die Bibliothek bei St. Lau⸗ rentius, in der ein zur Zeit des Kaiſers Theodo⸗ ſius geſchriebener Virgil und eine andere große Grie⸗ chiſche Handſchrift aufbewahrt wird, welche von der Chirurgie der Alten handelt, und die dieſen Gegen⸗ ſtand behandelnden Werke des Hippokrates, Ga⸗ lenus, Aſkelepiades, Bithynus, Apollo⸗ nius, Archigenes, Nymphodorus, Helio⸗ dorus, Diokles, Rufinus von Epheſus und Apollodor enthaͤlt. Dieſes Manuſeript iſt ganz auf Pergament geſchrieben, und mit gemahlten Figuren geziert, welche zeigen, wie verenkte Glieder wieder einzurichten ſeyen. So praͤchtig es iſt, ſo wichtig iſt es auch fuͤr die Medizin und Chirurgie, da wir Afkle⸗ piades, Apollonius und Diokles nur aus Citaten von Plinius, und Archigenes durch Ga⸗ lenus, der ſeiner erwaͤhnt kennen; Bithynus, Nymphodorus und Heliodorus aber uns ganz unbekannt ſind. Die Kapelle zum h. Lorenz, wo die herzoglichen Begraͤbniſſe ſind, darf man billig unter die praͤchtigſten Werke Italie n's zaͤhlen; alles iſt darin aus Marmor, Phorphir, Laſur und Chalcedon. Nahe bei ihr iſt eine Kapelle, wo die fuͤrſtlichen Leichen ausgeſetzt werden. Sie beſitzt 2 Mauſeleen von der kuͤnſtlichen Hand des 138 Mich. Angelo, oon deſſen kuͤnſtlichem Meiſſel auch der Brunnen auf dem Markte, der den Neptun von 4 Meerpferden gezogen vorſtellt, ſeyn ſoll. So ſehr alles dieſes anſpricht, ſo wuͤrde ich doch unbefriedigt von Florenz gegangen ſeyn, wenn ich nicht einige 3 Iuſchriften gefunden haͤtte, deren ich aber ſehr viele in den Gaͤrten eines Grafen und eines Abtes fand. Von da ſetzte ich meinen Weg nach Bologna fort. An dieſer Stadt iſt nichts zu tadeln, als die Sprache, welche die ungeſchliffenſte und rauheſte von ganz Italien iſt. Man geht durch die ganze Stadt un⸗ ter bedeckten Gaͤngen; auch ſind die Kloͤſter wohl die ſchoͤnſten in der Welt. Ich ſah in ihnen Gemaͤlde von Carrache, Guido Reni, und P. Raphael, und fand verſchiedene alte Inſchriften, unter andern eine von Titus Aviaſius Servandus, welcher zur Unterhaltung eines oͤffentlichen Bades, welches —von Auguſt gebaut, und von Germanikus wieder hergeſtellt worden war, 400 Seſtertien vermachte. Aus dieſem kann man die Verſchwendung und Prachtliebe der Alten bei ihren Baͤdern erkennen. Zu Bolongna ſetzte ich mich auf das Schiff, und fuhr auf dem Kanal nach Ferrara, welche Stadt ziemlich ſchoͤn und groß; aber nicht ſehr volkreich, und ungeſund iſt. Von hier kommt man durch die Kanaͤle und den Fluß Po in die Venetianiſchen Suͤmpfe, wo ich etliche Tage vor Himmelfahrt anlangte. —— 139 5) Venedig hat eine ſo eigne Lage, daß man eine ihr gleiche, wohl vergeblich ſuchen wuͤrde. Hol⸗ land koͤnnte wegen ſeiner Kanale einen Vergleich ab⸗ geben; allein daſſelbe ſteht auf dem feſten Lande, wo⸗ gegen Venedig auf dem Meere, das hier ſehr ſeicht iſt, und einen Sumpf bildet, erbaut iſt. Seine mei⸗ ſten Haͤuſer ſind aus Lehm und Sand gebaut, ſtehen aber durch die Pfaͤhle auf denen ſie ruhen, nicht we⸗ niger feſt, als auf dem feſten Lande. Ein Beweis iſt der St. Markus Thurm, der ſo hoch iſt, daß man alle Staͤdte im Venetianiſchen Gebiete; alſo in einem Umkreiſe von 10— 12 Meilen, ſehen kann. Wollte ich von allen Seltenheiten und Merkwuͤrdigkeiten Vene⸗ dig's Erwaͤhnung machen, ſo muͤßte ich ein ganzes Buch ſchreiben. Was mich uͤberall am meiſten intereſ⸗ ſirte, waren die Bildſaͤulen und Tafeln mit Inſchrif⸗ ten. Unter denen befand ſich das Grabmal des Cyni⸗ kers Diogenes und des Dichters Anakreon, dem eine Roſinbeere quer im Halſe ſtecken blieb, woran er erſtickte, wie der Dichter Theokrit, und die Inſchrift berichtet. Da ich zur Zeit des Feſtes der Himmelfahrt hier war, ſo wohnte ich der Feierlichkeit der Vermaͤh⸗ lung des Herzogs mit dem Meere bei, dieſe geht auf folgende Weiſe vor ſich. Der Herzog faͤhrt am erwaͤhn⸗ ten Tage in Begleitung ſeiner Miniſter in dem Bu⸗ kentauer auf die offene See. Der Bukentauer iſt eine Art Galeere von 2 Stockwerken, die zu dieſem Feſte eigends gebant und mit vergoldetem Schnitzwerk ver⸗ 140 zieret iſt*). Waͤhrend der Feierlichkeit iſt ſie mit Ta⸗ peten von karmoſinrothen Sammet, mit breiten Boͤr⸗ ten und Franzen ſo behenkt, daß man nur weniges von den Rudern ſieht. Wenn er dort augekommen iſt, wirft er einen Ring in die See, welcher mit folgen⸗ den Worten in Lateiniſcher Sprache beſchrieben iſt⸗ wir vermaͤhlen uns mit dir Meer, als Zei⸗ chen der wahren und beſtaͤndigen Hexrr⸗ ſchaft. Iſt dieſes geſchehen, ſo gibt der Patriarch unter dem Donner der Kanonen den Segen, worauf ſich alles zur Kirche de Lielo verfuͤgt, um dem feier⸗ lichen Meß⸗Opfer beizuwohnen. Die Vermaͤhlung geht im Angeſichte einer großen Volksmenge vor, welche auf vielen 1000 Gondeln, die bei den Veuetianern die Stelle der Chaiſen vertreten, nachfaͤhrt. Die ſes gibt der Feierlichkeit ein ſehr großes Anſehen. Da⸗ mit dieſes Feſt einer vollkommenen Hochzeit gleiche, ſo endet es ſich mit einem Gaſtmahle, welches der Herzog gibt und dazu die Raͤthe und die Prokuratoren von S. Markus einladet. Zweites Buch. Nach Beendigung des Feſtes der Himmelfahrt Maria erfuhren wir, daß der Venetianiſche Geſandte *) Dieſes Prachtſchiff wurde unter der Regierung Napoleon’s in zwei getheilt, und zu anderen 441 in einigen Tagen nach Konſtantinopel reiſen wuͤrde. Einer von uns, ein adeliger Englaͤnd er kannte ihn, und wußte es dahin zu bringen, daß wir mit ihm reiſen durften. Den 20. Junius 1617s6 ließ er uns melden, daß er abreiſen muͤßte, weßwegen wir uns alle ſogleich auf einer ſeiner Galeeren einfanden. Um Mitternacht wur⸗ den die Segel aufgezogen; der Wind ging ſo leiſe, daß man kaum merkte, ob man fortfahre. Demohnge⸗ achtet kamen wir den andern Morgen an die Kuͤſte von Iſtrien, wo wir um 10 Uhr Vormittags vor dem Hafen S. Andreas, auf welchem ein Franzis⸗ kaner⸗Kloſter in einer aͤußerſt angenehmen Gegend ſteht, die Anker auswarfen. Von Venedig his hie⸗ her rechnet man gegen 24 Meilen. 1) Rovigo iſt eine kleine Stadt, welche nahe an der Inſel S. An dreas auf einer Halbinſel liegt. Ihre Umgegend iſt ſehr fruchtbar an Oliven und Wein, welcher ſehr gut iſt, was ich fuͤr die Urſache des Hin⸗ kens ſo vieler Leute dieſer Gegend halte. Denn der ſtarke Wein iſt der Vater und die Amme der Gicht und des Podagra. Feierlichkeiten des Vizekoͤnigs Eugen beſtimmt; im Herbſte 4821 waren ſie noch im Zeughauſe kunffden. S. Jgecks Beſchreibung von Ve⸗ 1* 142 2) Pola, wo wir den andern Tag Anker war⸗ fen, iſt eine der aͤlteſten Staͤdte in Iſtrien. Sie hat etwa 7— S00 Einwohner, und war ehemals eine Republik, was ich kaum wuͤrde geglaubt haben, wenn mich nicht Spuren der ehemaligen Groͤße dieſer Stadt, wie auch Inſchriften davon uͤberzeugt haͤtten. Nach dem Dichter Calimachus iſt Pola eine Kolonie der Kolchier, welche die Archonauten verfolgten. Dieſe ſollen auf der Donau, welche ehedem Iſtor hieß, dahin gekommen ſeyn, woher auch der Name des Landes Iſtrien ſich leiten ſoll. Am St. Johannes Abend hielten ſich unſere Galeeren ſegelfertig, weil ſie aber widrigen Wind hatten, wichen ſie ihm aus, und liefen mehr als 6 Meilen fruͤher in den Hafen von Veruda ein. Den andern Tag ſegelten wir durch den Golf von Guagr⸗ neret, welcher 18 Meilen breit iſt. In der Mitte deſſelben uͤberfiel uns ein Sturm, welcher uns in große Furcht ſetzte. Denn die Galeeren koͤnnen dem⸗ ſelben nicht ſowohl widerſtehen, wie andere Schiffe: er legte ſich jedoch bald wieder, und befreite uns von der Furcht. Wir erhielten aber dadurch noch nicht guͤnſtigen Wind, ſondern mußten noch 2 Tage zubrin⸗ gen, ehe wir nach Zara kommen konnten, welches von Pola 100 und von Venedig gegen 200 Mei⸗ len entfernt liegt. Auf dem Wege dahin ſahen wir viele Inſeln, Doͤrfer und Flecken von Dalmatien, unter andern Ulbo, Selva, eine niedliche Stadt, „— 143 welche von reichen Schiffern bewohnt wird, und S. Peter von Nembo. 3) Nach Zara kommt man durch einen großen und ſchoͤnen Meerkanal, welcher zwiſchen den Inſeln und dem feſten Lande iſt. Als unſere Galeeren anlangten, wurden ſie mit dem Donner der Kanonen und Mous⸗ queten begruͤßt, was zur Ehre des Geſandten geſchah, der, als er ausſtieg, auch ſogleich von Abgeordneten empfangen, und in den Palaſt des Generals von Dalmatien gefuͤhrt wurde. Dieſer bewirthete ihn herrlich, und fuͤhrte ihn nach der Tafel in der Stadt herum, wobei er ihn jedoch nicht zur Rechten gehen ließ, weil ein neuer Geſandter ſeine Wuͤrde nicht eher erhaͤlt, als bis er zu Adrianopel geweſen, und von ſeinem Vorfahrer eingeſetzt worden iſt. Wir ſtie⸗ gen in dem einzigen Wirthshauſe daſelbſt ab, wo wir aber gar keine Bequemlichkeit fanden, was in dieſen Gegenden uͤberhaupt der Fall iſt; weßwegen man wahr⸗ lich des Wohllebens wegen nicht hieher reiſen darf. Aus dieſer Noth half uns ein Empfehlungsſchreiben an den Kommandanten von Zara, einen venetiani⸗ ſchen Adeligen: denn dieſer empfing uns, als wir ihm daſſelbe einhaͤndigten, nicht nur ſehr hoͤflich, ſondern lud uns auch auf den Abend ein, ließ waͤhrend des Abendmales unſer Gepaͤcke aus dem Wirthshauſe ho⸗ len, und uns Zimmer in ſeinem Palaſte anweiſen. Die Stadt liegt eben, auf einer Halbinſel, wel⸗ che durch eine Erdzunge, die da ſie nur 24 oder 25 144 Schritte breit iſt, leicht durchgegraben werden koͤnnte, mit dem Lande zuſammenhaͤngt. Sie hat von dieſer Seite ein ſehr wohl befeſtigtes Kaſtell, nebſt 3 mi⸗ nierten und contreminierten Baſteien, die mit halben Monden und Contreſcarpen bedeckt ſind. Zara hieß vor Alters Zadera, und genoß das Recht einer roͤmiſchen Kolonje. In einer Inſchrift wird der Kaiſer Auguſ, Vater dieſer Kolonie, und Erbauer der Thuͤrme und Mauern der Stadt genaunt. Es hat leine Brunnen, ſondern wie zu Venedig bloß Ciſternen. Um den Mangel des Waſſers zu er⸗ ſetzen, ließ der Kaiſer Trajan, wie alte Inſchriften lehren, eine Waſſerleitung anlegen, durch welche 2 Meilen weit das Waſſer hergeleitet wurde, welche aber nun verfallen iſt. In den Kirchen zeigte man mir Bildniſſe von der Hand Tintorets, Palm a', Titians gezeichnet, und den Koͤrper des frommen Greiſen Simeon, der die Weiſſagung hatte, daß er nicht eher ſteröen wuͤrde, als bis er den Welterloͤſer geſehen haͤtte. Die Gegend um Zara iſt ziemlich angebaut, je⸗ doch ſind ſeit der Feindſeligkeit, welche Zara mit den Tuͤrken hatte, alle Baͤume abgehauen. Das Gebirge, welches durch Dalmatien laͤuft, iſt von Morlaquen bewohnt, welche ein kuͤhnes und abgehaͤrtetes Volk ſind, und nichts mehr lieben, als ſich im Kriege mit den Tuͤrken ſchlagen zu koͤnnen. Sie haben ein furchtbares Aeußere, kommen nie mit 145 ihren Waaren zu Markte, ohne Saͤbel und Piſtolen bei ſich zu fuͤhren, und verbinden ſich oͤfters, um Doͤrfer zu pluͤndern. Sie reden ſelgvoniſch, und ſind meiſtentheils der griechiſchen Religion ergeben. 4) Der Tag nach unſerer Abreiſe von Zara brachte uns in die Gegend von Sebeniko, der Feſtung von Dalmatien mit 4 Citadellen. Die Gegend um ihr iſt wohl angebaut; in der Stadt, die 7— 8000 Einwohner haben moͤchte, die aber vor der Peſt gegen 20,000 zaͤhlte, ſteht ein Thurm, welcher ganz aus Marmor, und ein herrliches Werk der Bau⸗ kunſt iſt. Die Goldinſel nahe bei der Stadt iſt uͤber⸗ aus annehmlich und ſehr volkreich. Man rechnet von Zara nach Sebeniko 50 Meilen, wohin wir bei Bibigne, S. Caſſian, Torrette, dem alten Zara und Mortaro, velches einen Ueberfluß an Muskaten und Oliven hat, vorbei reiſten. Von Se⸗ beniko kommt man durch einen Kanal zwiſchen dem feſten Lande und den Inſeln Girona und Brazza nach Trau. Die Inſel de Bua(Rebhuͤhner⸗Inſel) ſtoͤßt an Teau an. Man nennt ſie ſo wegen der Menge der Rebhuͤhner, die man allda autrifft, einſalzt, und wie die Heringe in Tonnen nach Venedig ſchickt. 5) Trau war den Alten unter dem Namen Tra⸗ gurium bekannt. Ptolomaͤus und Strabo erwaͤhnen ihrer als einer Inſel; ſie iſt jedoch nur eine Halbinſel, indem der Kanal, der ſie vom ſelten Lande I7tes B. Griechenland. I. 2 3 3 n 146 ſchneidet, nur ein Werk der Kunſt, nicht der Natur iſt. Wir waren um Mittag hier angekommen, und fragten nach einem Gaſthofe. Man antwortete uns, wir muͤßten uns anderswo nach einem Mittagsmahle erkundigen: denn Gaſthoͤfe ſeien in dieſem Lande nicht im Gebrauche. Dieß war ein ſchlechter Gruß fuͤr unſre hungerigen Maͤgen. Die Stadt, in der ohngefaͤhr 4000 Menſchen leben, gewaͤhrt einen ſehr ſchoͤnen An⸗ blick, beſonders die Vorſtadt, welche auf der Inſel Bua liegt. Unſere Galeeren fanden zu Trau keinen Grund; wir fuhren daher zu Spalatro auf einer Barque dahin, um ein Manuſcript zu ſehen, das die Frag⸗ mente aus dem 15. und 16. Buch des Betronius Arbiter enthielt, welche vor Kurzem gedruckt wur⸗ den, und großes Aufſehen erregten. 6) Spalatro iſt 12 italiſche Meilen von Trau, und ungefaͤhr 400 Meilen von Venedig entfernt. Es iſt nicht groͤßer, als der Ort, von dem wir abge⸗ reiſt waren; aber viel volkreicher, indem es ein Sta⸗ pelplatz der Karawanen aus der Tuͤrkei iſt, welche ihre Guͤter hier abladen, und nach Venedig fuͤhren laſſen. Sein Hafen iſt groß, und hat ſehr guten Grund; iſt jedoch dem Suͤd⸗ und Weſtwinde etwas gusgeſetzt. Unten an dem Hafen der Stadt, nahe an der Stadtmauer, iſt ein ſchoͤnes großes Lazareth, wo alle, welche aus Laͤndern kommen, die durch die Peſt angeſteckt ſind, die Quarantaine aushalten, oder 147 40 Tage von allen Menſchen abgeſondert leben muͤſſen. Wir hielten uns hier 10 bis 12 Tage auf: denn der Geſandte wollte zu Land nach Konſtautinopel reiſen, und mußte ſich dazu 5 Tagereiſen von hier die Pferde herbringen laſſen. Da die Galeere bis zu ſei⸗ ner Abreiſe warten mußte, ſo hatten wir Zeit, unſe⸗ rem Wunſche gemaͤß die Seltenheiten der Stadt zu ſehen. Die Stadt hat eine Meile im Umkreiſe, und liegt am Geſtade des Meeres, das einen halben Mond bil⸗ det. Beſonders gegen das Meer gewaͤhrt ſie einen ſehr angenehmen Anblick. In alten 3 bis 4 hundert⸗ jaͤhrigen Monumenten heißt ſie Spoletum, Spa⸗ latum und Aſpalatumz weswegen mir Spalato richtiger geſprochen ſcheint, als Spalatro, was jedoch mehr im Brauche iſt. Dieſen Namen kann es von Palatium(Palaſt) haben, weil der Kaiſer Diocle⸗ tian, der eine Meile von ihm zu Salone geboren wurde, einen Palaſt daſelbſt hatte. Einige halten es fuͤr die alte Stadt Spetium; allein deren Ueber⸗ reſte liegen s bis 7 Meilen weiter am Einfluſſe des kleinen Fluſſes Zarnoviſſa. Spalatro iſt mit guten Baſteien befeſtigt, deren ſie auf der Landſeite 3 ganze, auf der dem Meere zugekehrten Seite aber 2 halbe hat. Was ſie am ſchwaͤchſten macht, ſind die Huͤgel gegen Abend, wo die Vorſtadt liegt, von de⸗ nen man die ganze Stadt beſchießen kann. Einen Flintenſchuß vor dem Thore der Stadt gegen Morgen 1 448 liegt eine Feſtung auf einer Anhoͤhe. Sie gehoͤrt zur Stadt, und hat 4 Baſteien, welche aber weder vollen⸗ det, noch regelmaͤßig ſind. Dieſes Fort iſt unbedeu⸗ tend, dagegen iſt vorzuͤglich das Fort Cliſſa, vor welchem man vorbei ſegeln muß, wenn man aus der LTuͤrkei nach Spalatro gelangen will. Der Thurm von Spalatro war ehedem ein kleiner Tempel in der Mitte des Palaſtes Dioele⸗ tian's. Er iſt von Außen achteckig, von Innen rund, und ganz aus ſchoͤn gehauenen Steinen erbaut. In⸗ wendig zieht ſich unter dem Gewoͤlbe ein Gang her⸗ um, der auf s korinthiſchen Saͤulen aus Porphir ruht; eben ſo zieht ſich auch von Außen in der Mitte ſeiner Hoͤhe ein Gang herum, der mit gehauenen Steinen bedeckt iſt, und auf s korinthiſchen Marmor⸗ ſaͤulen ruht. Dieſe. Kirche, deren Gaͤnge mit verſchie⸗ denem Schnitzwerke verziert ſind, und mit mehren andern Tempeln in Verbindung ſtand, verraͤth einen guten Meiſter, jedoch iſt das Ganze nicht aus den Zeiten der erſten Kaifer. Nachdem dieſer heidniſche Tempel zu eiller ehriſtlichen Kirche verwendet worden iſt, hat man ihn, um einen Chor zu erhalten, durch⸗ gebrochen, und dadurch bewirkt, daß etwas Licht ein⸗ faͤllt. Denn zuvor hatte er kein Licht, außer das, weiches durch die Thuͤre einſiel. Die Heiden bauten üͤberhaupt faſt alle ihre Tempel finſter, damit die ſterb⸗ lichen Augen die Heiligthuͤmer der Goͤtter nicht ent⸗ 149 weihen konnten; daher kommt auch der Gebrauch, Lichter und Ampeln in denſelben anzuzuͤnden. Die Mauern von Diveletiau's Palaſte, wei⸗ che beinahe faſt zwei Drittheile der Stabzt umſchlie⸗ ßen, ſind noch ganz gut ethalten, und machen ein regelmaͤßiges Quadrat, auf deſſen 4 Seiten in der Mitte immer ein Thor iſt. Der gauze Bezirk der Stadt, welcher in dieſen Mauern eingeſchloſſen iſt, hat viele Zeichen hohen Alterthums. Ich fand in dieſem Stadtviertel 12 Juſchliften, und in dem Fran⸗ ziskanerkloſter gegen 25 Statäͤen, welche mir ſchienen, auf dean Sieg Konſtantins uͤber Maxentius, welcher ſich in der Tiber ertraͤnkte, zu deuten, und wahrſcheinlich von Salona hieher gebracht worden zu ſeyn. Nahe bei dem weſtlichen Thore der Stadt fallen 2 bis 3 kleine Baͤche, welche ſalzigtes und ſchwellichtes Waſſer fuͤhren, jedoch nicht benuͤtzt wer⸗ den, in das Meer. Die Zeit unſeres Aufenthaltes zu Spalatro kam uns kurz vor, indem wir jeden Tag durch Neues, das wir ſahen, unterhalten wurden. Es war auch bier ſehr wohlfeil und gut zu leben, beſonders aßen wir ſehr gute Forellen. Nach dieſen war Dioele⸗ tian ſo luͤſtern, daß er aus Beſorgniß daran Mangel zu leiden, einen Bach, worin ſie ſich aufhielten, in ſeinen Palaſt leiten ließ. Die Forellen hier ſind auch in Wahrheit ſehr gut; jedoch werden ſie durch jene, welche in dem Fluſſe Ascanias von Natolien „ 150 gefangen werden, hinſichtlich des Geſchmacks, als der Große uͤbertroffen.. ) Salona war eine ehemals beruͤhmte Stadt, ven welcher aber an dem Orte, wo ſie geſtanden war, keine weitere Spur, als eine Kirche und 4 Muͤhlen uͤbrig ſind; ein deutlicher Beweis, daß gleich den Meuſchen, auch die Staͤdte vergaͤnglich ſind. Sie lag auf einer ſehr ſchoͤnen Ebene, 2 Meilen von dem mor⸗ laguiſchen Gebirge, welches ſie gegen Nord hatte, und erſtreckte ſich bis an einen kleinen Meerbuſen, welcher ihr Hafen war. In ihm faͤllt ein kleiner Fo⸗ rellenbach. Von Cliſſa, wie von Spalatro liegt ſie gleich weit, 4 Meilen entfernt. Im Umfange ſoll ſie 8 oder 9 Meilen, und wie die Einwohner wollen, noch mehr gehabt haben. Unſere Wegweiſer, die uns hier herumfuͤhrten, waren 4. Morlaguen, welche uns recht gefaͤllig bedienten. Unter dem alten Gemaͤuer zeigten ſie uns auch das Grab des h. Dominiku 8, des erſten Biſchofs zu Salon a, welcher ein Schuͤ⸗ ler des h. Petrus geweſen ſeyn ſoll; ferner das Grab des h. Anaſſtas und Rainer. Der Weg von hier nach Cliſſa fuͤhrte, wie ich aus alten Inſchriften erkannte, ehedem den Namen gabinianiſche Strafe. 8) Cliſſa von Ptolomaͤns, der ihre Lage fehlerhaft angibt, Andecrium, von St rabo Andetrinum, nach einer Stein⸗Inſchrift aber Andetrium genannt, iſt ein Fort von großer Wich⸗ 151 tigkeit. Es liegt auf der Spitze eines Huͤgels zwi⸗ ſchen zwei hohen Bergen auf dem Wege, uͤber wel⸗ chen man aus der Tuͤrkei nach Dalmatien reiſen muß, hat aber weder Baſteien, noch Vorwerke, ſon⸗ dern bloß etliche Waͤlle. Statt der Mauern dient ihr der Fels, auf dem ſie ſteht. Sie hat Mangel an Waſſer, und iſt im Winter außerordentlich kalt. Ehe⸗ mals gehoͤrte Cliſſa den teutſchen Kaiſern, und ſoll von einer Koͤnigin in Ungarn erbaut worden ſeyn. Von Spalatro kamen wir laͤngſteus in 15 Stun⸗ den nach Lieſina. 9) Dieſe von Ptolomaͤus Pharia, von Strabo Pharos geuannt, iſt eine felſigte und rauhe Inſel von etwa 100 Meilen im Umkreiſe. Sie hat eine Stadt gleiches Namens mit einem Hafen, der von der einen Seite kuͤnſtlich durch eine Mauer, von der andern natuͤrlich durch Felſen verwahrt iſt. Ihre Lage gleicht jener von Genua; iſt jedoch nicht ſo ſchoͤn. Auf dieſer Inſel waͤchſt guter Wein; auch werden allda ſehr viele Sardellen gefangen, die den Appetit reitzen, nach Italien und ganz Griechen⸗ land verſendet werden. Der Sardellenfang, der ſehr unterhaltend iſt, geſchieht auf folgende Art: Sobald man weiß, daß die Sardellen angekommen ſind, was im Mai oder Juni der Fall iſt, fahren die Schiffer zu den Seeklippen Dalmatiens, wo ſich dieſelben wahrſcheinlich wegen groͤßerer Sicherheit vor den großen See⸗Fiſchen gerne aufhalten. Wenn ſie hier ange⸗ 152 langt ſind, bereiten ſie ſich am Tage zum Fange vor, worauf alsdann Nachts der Fang beginnt. Sie zuͤn⸗ den dazu am Hintertheile ihrer Barke ein Stuͤck Fich⸗ tenholz an, und fahren damit 2. oder 300 Schritte vom Lande, um ſie aufzuſuchen. Weun die Fiſcher, die ſehr langſam rudern, merken, daß ein ſehr großer Haufe ihrem Lichte nachfolge, ſo trennen ſie ſich und ergreifen ihre Netze, die ſie, ſobald ſie die Fiſche um ſich bemerken, hurtig auswerfen, und eben ſo ſchneil wieder herausziehen, und ſie dann in ihre Bargue gusleeren. Die beſten Sardellen werden bei der be⸗ nachbarten Inſel Liſſa gefangen. Die Tuͤrken, de⸗ nen geſunder Verſtand nicht fehlt, heilen ſich damft von mancher ihrer Krankheiten; weßwegen die Sar⸗ dellen in der Tuͤrkei auch ſehr geſucht ſind. Nachdem ſch hier unſere Galeere bis Chiurme mit? Zwieback verſehen hatte, bekam ſie einen guten Wind; der ſie in einem Nachmittag 50 Meilen weit, bis nach Cur⸗ zola brachte. 10) Dieſe alte Corzira nigra iſt eine kleine Stadt auf der Inſel gleichen Namens. Dieſe Inſel, da ſie ganz mit hohen Baͤumen und Gehoͤlz beſetzt iſt, und folglich als ein natuͤrliches Arſennl, Schiffe ſo⸗ wohl zu bauen, als auszubeſſern dient, iſt von großer Wichtigkeit. Sie hat„Ooͤrfer, deren jedes 14— 15000 Einwohne: zaͤhlt, die ſich von dem Sardellenfange und Weinbau ernaͤhren. Ihre Stadt dagegen, welche etwa eine Viertels Meile im Umfange hat, zaͤhlt ——.,— —;— r— 153— nicht viel uͤber 1060 Einwohner. Die Mauern der⸗ ſelben ſind von Divele tian erbaut, wie der Thurm St. Markus, welcher in ihrer Mitte auf einem Huͤgel ſteht, ſo daß alle Strabzen gegen ihn abhaͤngig ſind. Alle Gebaͤnde ſind beinahe ganz aus Marmor, welcher a oder s Meilen von ihr auf dieſer Inſel ge⸗ brochen wird; jedoch nehmen ſich die Einwohner nicht die Muͤhe, ihn zu ſchleifen. Wegen des vielen Hol⸗ zes gibt es auf dieſer Inſel auch viele wilde Tbiere, insbeſondere Chakäle. Auf unſerer weiteren Reiſe ſahen wir unterwegs die Inſeln Auguſta, Mezzo und Meleda, wor⸗ auf wir bei dem h. Kreus, einem guten Seehafen, welcher Raguſa gehoͤrte, ankerten. Den folgenden Tug ſegelten wir Raguſa vorbei, zu dem etwa 12 Meilen hinaus gelegenen Dorfe Rag uſa Veechia, welches die alte Stadt Epidaurus iſt. Hinter ihm ſind die Muͤndungen von Cattaro, in die wir einliefen. 11) Von hier ſegelten wir durch den Meerbuſen von Lodrin von etwa 180 Meilen in der Luͤnge. Dieſes it der beruͤhmte Meerbuſen von Apolonien, auf welchem Julius Caͤſar in Lebensgefahr gerathen war. Auf dieſer Fahrt ließen wir die Feſtung Bu⸗ dua, welche die letzte Beſitzung der Venetianer in Albanien iſt, liegen. Wenn man an dem Lande hinſchiffet, wie auf unſerer Ruͤckkehr, ſieht man Du l⸗ eegno, das alte Uleinium, eine ziemlich bedeu⸗ 154 tende Stadt mit 7 bis 8000 Seelen, wo die Fran⸗ ken, wie man alle Europaͤer im Morgenlande neunt, einen Konſul haben; dann Durazzo, das alte Dyr rachium der Roͤmer, ein Dorf mit einer eingefalle⸗ nen Feſtung, hierauf den Golf von Bojana nebſt einen kleinen in ihn fallenden Fluß, ehedem Drilo genannt. Laͤngs ſeines Ufers laͤuft der Fluß von Pol⸗ lona, welcher ſeinen Namen von dem benachbarten Apollonien hat. Dieſen Fluß ſieht man noch, aber nicht die Stadt; eben ſo iſt auch nicht mehr vorhan⸗ den Aulon, welches wir verdorben Vallona aus⸗ ſprechen. 30 Meilen von hier iſt auf einem Berge eine ſchon von den Alten gekannte Harz⸗ oder Pech⸗ Quelle, welche von großen Nutzen iſt, da ihr Harz vermiſcht mit Theer zum Verpichen der Schiffe ſehr tauglich iſt. 6 Meilen von Vallona ſind auch die Steinklippen von Saſeno, welche die ſüͤdliche Grenze des Meerbuſens von Lodrin bilden. 12) Als wir durch dieſen Golf ſegelten, ſahen wir eines Tags ein Schiff, welches„ als es uns gewahr wurde, ſogleich zuruͤck ruderte. Wir hielten es fuͤr ein Raubſchiff, beſonders, da es ſeinen Lauf gegen Vallona nahm, und ſegelten ihm in aller Eile nach. Durch die Anſtrengungen unſerer Ruderknechte gelang es uns, in einer Stunde demſelben auf eine Kanonenſchußweite nahe zu ſeyn. Wir begruͤßten es mit 3 oder 4 Kanonenſchuͤſſen, ſo daß es gezwungen war, ſeine Segel zu ſtreichen. Allein wir hatten uns 155 getaͤuſcht; es war nur eine Bargue von Cephalo⸗ nien, welche mit Oel und Getraide beladen, nach Venedig ſegeln wollte, und uns ebenfalls fuͤr See⸗ raͤuber gehalten hatte. Es verfolgte hierauf jeder wie⸗ der ſeinen Weg; die Cephalonier froh, von der Furcht befreit zu ſeyn; wir traurig, weil wir unſere Hoff⸗ nung eines Gewinſtes vereitelt ſahen. 8 Da uns der Wind ſehr guͤnſtig war, warfen wir vor Saſeno, in deſſen Gegend wir das Gebirge Chimera(montes Acroceraunios) erblickten, nicht die Anker. Saſeno hat gegen das Meer 5— 6 Doͤrſer, unter denen das vornehmſte Chimera auf einem ſtei⸗ len Felſen liegt. Hieher koͤnnen ſich die Laudleute im Falle der Noth fluͤchten. Ueberhaupt ſind die Ein⸗ wohner hier durch die Natur ſehr wohl gegen feind⸗ liche Macht geſchüͤtzt. Denn wollte man ſie zur See uͤberfallen, ſo wuͤrden ſie ſich gar leicht in das Ge⸗ birge zuruͤckziehen, wohin man unmoͤglich gelangen kann; und wollte man ſie zu Land aufſuchen, ſo ha⸗ ben ſie ſo enge Paͤſſe, daß ſie eine Armee bloß durch Steinwuͤrfe aufreiben koͤnnen. Sie ſind ſehr gute Soldaten, und der Religion nach Griechen; uͤbrigens aber im Stehlen ſo geſchickt, wie die Maynoten; ſie haben auch einen guten Seehafen, Namens Panor⸗ mo. Hier ſetzten wir den erſten Fuß in Griechenland, welches uns eine eigene Freude verurſachte. Denn wir ſahen in ihm das Vaterland, und in den Gric⸗ 156 chen die Nachkoͤmmlinge derienigen, welchen wir alle Kuͤnſte und Wiſſenſchaften zu danken haben. 43) Die Inſel Corfu, ehemals Phaͤacia, nachmals nach dem Namen einer Nymshe, welche allda eine Stadt baute, Coreyra genannt, iſt eine der vornehmſten griechiſchen Inſeln, wenn man aus dem Meerbuſen pon Venedig ſegelt. Safſopo, wo unſere erſte Anfahrt geſchah, ehe⸗ mals unter dem Namen Caſſiope bekannt, und wegen eines herrlichen Tempels des Jupiters(Jovis Cassinensis) beruͤhmt, war eine Stadt dieſer Inſel, iſt aber nun eine eingefallene Feſtuug. Den andern 1 Morgen legten wir in kurzer Zeit die 12 Meilen zu⸗ rüͤck, die wir bis Corfu, wohin man von Venedig 700 italieniſche Meilen rechnet, noch zu machen hatten. Corfu, elner der wichtigſten Plaͤtze jener Ge⸗ gend, hat 2 Feſtungen, wovon eine, die altere auf ꝛ ſteilen Felſenſpitzen, liegt, und unten mit guten Baſteien verſehen iſt. Kicht ſo feſt iſt die neuere, welche auf der anderen Seite der Stadt liegt, da ſte von dein Abrahamsberge beſtrichen werden kaun. Die Hauprkirche der Griechen daſelbſt, in welcher der Leichnam des h. Spiridiv n, dem ſie auch geweiht iſt, aufbebalten wird„ und die mit reichen ſilbernen Ampeln, ja ſogar einer goldenen ausgezieret, iſt ziem⸗ lich ſchoͤn. Noch kaum vor bundert Jahren beſtand die Stadt Corfu bloß aus der alten Feſtung und —.,— —y— 157 der Vorſtadt Caſtrati, welche ziemlich groß iſt, und mehre alte Inſchriften hat. Wir beſuchten hier meh⸗ rere Prieſter, die durch ihre gelehrten Werke beruͤhmt ſind und reiche Bibliotheken hatten. Bei einem ſol⸗ chen ſahen wir ein noch ungedrucktes Manuſeript, ei⸗ uen Commentar des Origines. uͤber das Evange⸗ lium des heil. Johannes, und die Reden des heil. Ephraͤm anhaltend. Der Beſitzer dioſer Manuſeripte war der Vorſteber einer Kirche, Namens Panagia 3 (Aberheiligen Kirche) von Pglaͤop oli, welche Kir⸗ che, wie wir aus Inſchriften uͤber dein großen Portale erſahen, von dem Kaiſer Jovian, welcher der chriſtlichen Religion zugethan war, erbaut wuͤrde. Dhen. Wanen Palaͤopoli, welchen dieſe Gegend führt, bedeutet alte Stadt. Ehemals ſtand wirk⸗ lich eine ſolche da, die groß und herrlich geweſen ſeyn muß, was der Marmor, der hier in großer Menge ausgegraben wird, beweiſet. Sie lag auf einer Halb⸗ inſel, woher ſie auch den andern Namen Cherſe⸗ polds erhalten haben mag; ſie hatte auch einen Ha⸗ fen, indem mau noch die Oeffnung ſieht, worin die Kette, mit welcher man den Hafen ſchloß, feſtgemacht war. Jetzt hat derſelbe nur fuͤr kleine Barguen Grund genug. Die Stadt Corfu hat uͤber 20000 Eintpoh⸗ ner, die Inſel, die an Wein, Oliven, Cedern und Limonien ſehr fruchtbar iſt, gegen 60,000. Am 4. Auguſt 161s lichteten wir die Anker vor Corfu, und ſegelten mit Suͤd⸗Oſt⸗Wind ab, wel⸗ 158 cher uns entgegen war. Dieſen und den folgenden Tag konnten wir nur bald nach der einen, bald nach der andeten Seite, ohne den beſtimmten Weg zu ver⸗ lieren, ſegeln(d. i. laviren), legten auch kaum 20 Meilen zuruͤck; ſpaͤter jedoch aͤnderte ſich der Wind. Im Voruͤberſegeln ſahen wir die Inſel Cephalo⸗ nig, welche zweimal groͤßer, als Corfu iſt. Denn ſie hat 140 Meilen im Umkreiſe, waͤhrend jene nur 1o Meilen hat. Sie liefert Oel, rothen Wein, vortreff⸗ liche Muskaten, und korinthiſche Roſinen, mit wel⸗ chen die Einwohner ſehr vortheilhaften Handel trei⸗ ben. Ihr Hafen iſt groß und faſt allſeitig geſchloſſen, jedoch ohne guten Ankergrund. Am Eingange des Hafens liegt das Dorf Luxuri, wo durch den Ro⸗ ſinen⸗Handel ſehr bereicherte Kaufleute wohnen. Gegen Morgen iſt noch ein anderer Hafen, wo wir landeten, als wir von Zante nach Venedig zuruͤckreiſten. Er heißt Pescarda, und taugt nur fuͤr kleine Schiffe. Man ſieht allda die Spuren eines Dorfes, von welchem aber nichts, als eine Kirche uͤbrig iſt, bei der ſich Caloier, oder griechiſche Moͤnche aufhalten. 14) Sehr nahe bei Pescarda liegt die Inſel Thiaki, welche von Cephalonien nur durch ei⸗ nen engen, 3 bis 4 Meilen breiten Arm des Meeres geſondert iſt; weswegen ſie auch das kleine Cepha⸗ lonien genannt wird. Wegen der Aehnlichkeit des Namens halten einige ſie fuͤr das alte Ithaka, wel⸗ — 159 ches im Reiche des Ulyſſes eine der vornehmſten Inſeln war. Ich moͤchte ſie fuͤr die Inſel Duli⸗ chium halten, weil man hier noch die Spuren einer Stadt antrifft, welche heute Dolicha heißt, und fuͤr Fthaka vielmehr die Inſel Ithako nehmen. Allijaͤhrlich kommen hierher zu der Inſel Thiaki zwei engliſche Schiffe, welche ſich mit Roſinen, die von den Einwohnern der drei Doͤrfer Onoi, Vathi und Oxia gebaut werden, beladen. Die Inſel Ithako iſt oͤde, jedoch verſuchen hin und wieder Einwohner von Thiaki, ſie anzubauen. Cephalo⸗ nia hieß, zu Homer's Zeiten, Samos, und hatte eine Stadt gleichen Namens. Dieſe Inſel, welche auch von Strabo und Plinius gekannt, aber nach ih⸗ rem Umfange unrichtig angegeben wurde, muß nicht weit von dem Port Pescarda gelegen ſeyn. Sie war eine der groͤßten Inſeln, in dem Gebiete des Ulyſſes. de wir uns in deſſen Reiche beſinden, ſo wollen wit daſſelbe nicht ſogleich verlaſſen; ſondern es ſei uns erlaubt, etwas von der Inſel Maura in erzaͤhlen. 3 15) Die hieß vor Alters Leucas, die Griechen nennen ſie noch immer Leucada; denn St. Maura heißt eigentlich die Feſtung, wegen des Kloſters, das einſt an ihrer Stelle ſtand. Auf unſerer Ruͤckkehr nach Venedig, mußten wir wegen unguͤn ſtigen Wetters in den Hafen dieſer Juſel, welcher Clime⸗ 160 allen Haͤfen dieſer Inſel der beſte iſt, einlaufen. Die Feſtung St. Maura, wohin wir von hier in 4—5 Stunden auf einem Monorylon fuhren, iſt durch einen kuͤnſtlichen Kanal von dem feſten Lande geſchnit⸗ ten. In Strabos Zeiten hieng ſie mit demſelben zuſammen. Sie iſt durch runde Baſteien, durch Graͤ⸗ ben von 40— 50 Schuhe Breite von 3 andern Inſeln, die im Moraſte liegen, und gleichſam ihre Vorſtaͤdte bilden, abgeſondert, und ſowohl zu Land, da ſie all⸗ ſeitig vom Waſſer umgeben iſt, als zu Waſſer unzu⸗ gaͤnglich, indem man uͤber den Kanal nur in kleinen Schiffen, die nicht uͤber einen Schuh in das Waſſen ſinken duͤrfen, ſetzen kann. Auf der Inſel moͤgen ſich gegen 30 Doͤrfer befinden, in denen arme Griechen vom Fiſchfange und Ackerbaue leben. Außerdem iſt die Inſel an Getraid, Zitronen, Pomeranzen, Man⸗ deln und Weide fuͤr das Vieh ſehr fruchtbar, und hat etwa 42— 43 Meilen im Umkreiſe. Die Feſtung St. Maura liegt nicht uͤber 13 Meilen vom Golfo d'Ambraecie, welcher jetzt Golf von Larta heißt⸗ nahe bei der ehemals beruͤhmten Stadt Aktium ſtand, die durch die Schlacht zwiſchen Auguſt und Mare Anton beruͤhmt iſt. Der Eingang dieſes Meerbuſens iſt nicht uͤber eine halbe Meile breit, ob⸗ wohl er uber 15 Meilen im Umfange hat. Ihm zur Linken iſt die Feſtung Prevenza, welche an der Stelle der alten Stadt Nikopolis ſteht, welche nos heißt, wegen des Grundes und ſeiner Lage unter —.,— 4 161 Auguſt zum Andenken ſeines Sieges uͤber Mare Anton erbaut hatte.. Arta oder Larta, wovon dieſer Meerbuſen ſei⸗ nen ueueren Namen erhalten hat, iſt nicht eins mit Ambracia. Denn dieſes liegt etwa eine Meile vom Meere, wo ſich der Meerbuſen endet, gerade in der Mitte. Wo Am bracia ſtand, iſt heute ein Dorf, welches noch denſelben Namen fuͤhrt; bei demſelben laͤuft der Fluß Vouro Potami, der bekannte Arachthus vorbei. Arta liegt auf der linken Seite des Meerbuſens an einem Fluſſe, der ſich nach 15 Mei⸗ len in das Meer ergießt. Wahrſcheinlich iſt dieſer Fluß der Acheron der Alten. Arta zaͤhlt gegen 7— gooo Seelen, und iſt ein Erzbisthum. Rogus iſt eine kleine Stadt mit einem Schloße, welches auf der andern Seite des Golfs liegt; Aetos auf dem feſten Lande, ziemlich groß, und 2 Tagreiſen von Arta entfernt; und Achelou, welches ſeinen Namen von dem Fluſſe Achelous erhielt, in ſich begreift. Der Biſchof von letzterer Stadt wohnt zu Angelo⸗Ca⸗ ſtro und hat Zapandi, Meſſalongi und Anatoliko un⸗ ter ſich. 8 16) Janina it eine Stadt, welche groͤßer, als Arta iſt, und von reichen griechiſchen Kaufleuten be⸗ wohnt wird. Es iſt ein Erzbisthum; die unter ihm ſtehenden Bisthuͤmer ſind: Argyro Caſtro, eine Stadt von mittelmaͤßiger Groͤße; Delbeno, Bu⸗ trinto und Glykeon, welches ſeinen Namen von 17tes B. Griechenland. I. 2. 4 4 162 dem Fluß Glyki hat. Letztere Gegend erſtreckt ſich von Paramythia bis Parga, einer Feſtung uaum Ufer des Meeres. Ich habe weiter oben Monoyxyla genannt; un⸗ ter dieſen hat man zu verſtehen kleine Nachen, die von einem ausgehauenen Baume gefertigt ſind, und in der Laͤnge 15— 20, in der Breite gegen 11½ Schuhe und eben ſo viel in der Dicke haben. Man gebraucht ſolche zu Auatoliko, Miſſolungi und St. Mauro, weil man hier wegen der Seichtigkeit des Meeres mit einem Boote, das uͤber ein Fuß tief in das Waſſer geht, Gefahr liefe, auf dem Kies ſitzen zu bleiben. Der Name druͤckt den Stoff, ſo wie die Art ihrer Beſchaf⸗ fenheit aus: denn Monoxylon heißt im Griechi⸗ ſchen, ſoviel als aus einem Stuͤcke Holz verfertigt. Man ſetzt ſich in demſelben auf den Boden, und treibt ſie mit einem Ruder, bisweilen auch durch kleine Se⸗ gel fort. Was mich einmal ſehr in Erſtaunen ſetzte, waren 2 Pferde, die ich in einem ſolchen ausgehoͤhl⸗ ten Baumſtamme uͤberfahren ſah, bei deren geringſter Bewegung das 3 rylon haͤtte umſchlagen muͤſſen. 417) Nun wollen wir auf unſeren vorigen Weg zuruͤckkommen, auf dem wir den 4. Auguſt bei Zante anlangten, wo wir 3— 4 Tage blieben. Zante wurde ehemals von Boterus die Gold⸗Juſel genannt, wel⸗ chen Namen ſie wegen ihrer Weinpflanzungen, welche die Korinthiſchen Roſinen tragen, und ihnen großen Gewinuſt erwerben, verdient. Dieſe Roſinen haben 163 ihren Namen von Corinth, woher ſie ſtammen; wer⸗ den aber allda aus Mangel an Abſatz nicht mehr ge⸗ baut. Nebſt dieſen Roſinen, die geduͤrrt, und in Faͤſ⸗ ſer getreten, verſchickt, und guch in Angtoliko, ei⸗ nem Dorfe, welches wie Venedig auf einem Sum⸗ pfe erbaut iſt, dann auf den Inſeln: Cephalonia und Thiaki erzielt werden, hat Zante noch vortreſf⸗ lichen Wein, Pfirſiche, Gurken, Feigen und Oel. Ihr Getraid bekommt dieſe Inſel aus dem Golf von Lepanto; ihr Vieh aus Moreag. Sie iſt ein wahres irdiſches Paradies; nur Schade, daß ſie wenig Holz hat, was ſie aber ſonſt in Ueberfluß gehabt haben muß, da Homer und Virgil ſie die waldige nennen. Zante iſt der italieniſche Name der Stadt wie der Inſel: denn die Griechen nennen ſie Zakinthos. Sie hat etwa 20— 25,000 Einwohner, keine Mauern, wohl aber eine Feſtung auf einer Anhoͤhe. Ihre Haͤn⸗ ſer ſind ſehr niedrig: denn es vergeht kein Jahr, daß man nicht daſelbſt Erdbeben verſpuͤrt, welche aber kei⸗ nen großen Schaden verurſachen. 18) Donnerstag den 8. Augkt in der Fruͤhe ſe⸗ gelte unſere Flotte nach Konſtantinopel ab. Sie beſtand aus 8 Schiffen, 5 Kriegs⸗ und 3 Handels⸗Schif⸗ fen. Der Schiffskapitain, welcher bei den Venetianern eine hohe Perſon iſt, und den Auftrag hatte, einen Geſchaͤftstraͤger nach Tine zu bringen, und das Schiff, welches die Sachen und Geſchenke des Geſandten ge⸗ 164 laden hatte, zu begleiten, war bei der Flotte ſelbſt anweſend. 3 4 Wir hatten ſehr guͤnſtigen Wind, Weſtwind, wo⸗ durch wir die Strophatiſchen Inſeln, welche die Alten als den Aufenthaltsort der Harpyen, die Men⸗ ſchen⸗Geſichter und Geierskoͤrper hatten, dichteten, bald hinter uns hatten. Es ſind 2 niedrig gelegene In⸗ ſeln, die aber vortreffliche Fruͤchte im reichlichen Maße bervorbringen. Sie haben ſo viele Quellen, daß man keinen Stock in die Erde ſchlagen kann, ohne daß dann aus der Oeffnung Waſſer hervorſprudle. Man ſagt, daß man in den Quellen dieſer Inſeln oͤfters Ahorn⸗ Blaͤtter finde, obgleich dieſer Baum auf dieſer Inſe! nicht waͤchſt, ſondern auf dem gegen 30 Meilen entfern⸗ ten Morea, was auf eine Verbindung beider Inſeln durch einen unterirdiſchen Kanal ſchlieſſen laſſen moͤchte. Die groͤßte dieſer Jaſeln hat nicht uͤber 4 Meilen im Umfange, und wird von Griechiſchen Moͤnchen, die daſelbſt ein nach Art einer Feſtung befeſtigtes Kloſter haben, bewohnt. Die Italiener und Griechen nennen dieſe Inſel Strofadi oder Strivali. 19. Freitags den 9. Auguſt fuhren wir vor dem Gebirge Arcadiens und dem Eilande die Weis⸗ heit, vorbei. Dieſe iſt eine kleine Inſel, welche ehe⸗ mals Sphagia und Sapientia hieß. Sie iſt ge⸗ faͤhrlich, weil die Korſaren hinter derſelben gerne den Kaufſchiffen auflauern. Wir hatten faſt die ganze Nacht hindurch Windſtille, wodurch es kam, daß wir —.— —.,— 165 den anderen Morgen nicht weiter, als nahe bei dem Meerbuſen von Coxron waren. Da wir nicht weit von Brazzodi Mayna waren, ließen wir uns zum Vertreibe der Langenweile von Maynoten auf unſern Schiffen etwas von den Diebereien ihrer Landsleute erzaͤhlen. Unter vielen fuͤhrten ſie auch folgende Anek⸗ dote an. Einſt ſeien Kaufleute bei ihnen angelandet, und haͤtten ihre Guͤter in das Haus eines ſehr betag⸗ ten Mannes geſchafft, worauf derſelbe zu weinen an⸗ fing. Dieß fiel ihnen auf, und ſie fragten den Greis, warum er weine, da ihm doch Niemand etwas Unan⸗ genehmes zugefuͤgt habe. Ach! ſeufzte er: weil mein Sohn abweſend iſt, der euch beſtehlen und einen gu⸗ ten Fang machen koͤnnte! 20. Den vierten Tag nach unſerer Abreiſe von Zante gelangten wir zur Inſel Cerigo, ehemals Cythera genannt, dem Vaterlande der Veuus und Helena. Es iſt eine gebirgigte Inſel mit ſandigem duͤrren Erdreiche. Sie hat eine Citadelle, welche ge⸗ gen die Meeres⸗Seite, wo es ganz abſchuͤſſig iſt, ſehr feſt iſt. Auf ihm kann man die 40 Meilen entfernte Inſel Cand ia ſehen, und die Inſel Cerigotto, welche halb ſo weit entfernt iſt, und außerordentlich viele Gemſen hat. Man lebt hier ſehr wohlfeil, und trifft daſelbſt ſehr viele Haſen, Wachteln und Turtel⸗ tauben an, welche der Venus geheiligt waren. Vor dem Hafen der Citadelle iſt eine kleine Klippe, welche man wegen ihrer Geſtalt das Ey nennt. Der Haen 166 iſt unbedeutend, da er den mittaͤgigen Winden aus⸗ geſetzt, und fuͤr ⸗— 8 Schiffe nur Naum hat. Dieſer Ort kann alſo nicht derjenige ſeyn, von dem Strabo berichtet, daß er einen guten Hafen habe, unter wel⸗ Dem er ohne Zweifel den Hafen St. Nikolaus, wo wir laudeten, um unſere Schiffe mit Waſſer zu verſehen, verſtanden haben mag. Dieſer Hafen, wel⸗ cher von der Natur in einen Felſen gehoͤhlt wurde, iſt nicht nur vor den Winden geſchuͤtzt, ſondern auch fuͤr 40 Galeeren geraͤumig genug, und kann ohne ſon⸗ derliche Muͤhe durch eine Kette geſchloſſen werden. Des andern Morgens fuhren wir mit gutem Winde, 1 4 bei Faleoniera, Falken⸗Inſel, welche unbe⸗ wohnt iſt, vorbei. Zur Rechten ſahen wir Bella⸗Pola, oder Iſola Brugiata, und etwas weiter Milo und Antimilo. Die erſte hat den ſchoͤnſten Hafen von der Welt. Zu unſerer Linken hatten wir das Ei⸗ land Caravi und noch weiter Argentiere, wel⸗ ches etliche Einwohner und eine Silbergrube hat, und S von den Einwohnern Himo lo genannt wird. Dieſe 4 iſt wahrſcheinlich die Inſel Cimol us der Alten, eine der Cykladiſchen Inſeln, deren ſchon Strabo and Ptolomaͤus gedenken. Hierauf bekommt man Sifanto zu Geſicht, welches gegen 9— 10 Dor⸗ fer hat, und durch vortrefliche Fruͤchte, und die Schoͤn⸗ heit ſeines weiblichen Geſchlechtes beruͤhmt iſt. Auch ſahen wir, jedoch nur von der Ferne, Paris oder Pa⸗ os, welches durch ſeinen Marmor beruͤhmt iſt. Den ————— * 167 urten Abends hatten wir Serifos zu unſerer Rech⸗ ten, welches ein Dorf und einen Hafen gegen Suͤd hat. Dieſe Inſel hat auch Magnet⸗Gruben, welche aber den Schiffs⸗Kompaß bei der Ankunft eines Schif⸗ fes nicht allzeit veraͤndern; der Magnet⸗Stein, der hier gefunden wird, ſoll auch nicht ſo gut ſeyn, als der in andern Gruben. Weil ſich dieſe Nacht der Wind ge⸗ gen Weſt wendete, mußten wir unſeren Lauf aͤndern, und ſuhren zwiſchen den Inſeln Zea und Thermia, welche ihren Namen von den warmen Baͤdern haben. Folgenden Tages reiſten wir ſehr nahe bei der Inſel Seyra, ehedem Seyros vorbei, auch in der Naͤhe von Gyaros oder Joura, wohin die vornehmſten Roͤmer in die Verbannung geſchickt wurden. 21) Endlich gelangten wir zur Inſel Teno s, heut zu Tag Tine, welche die beſtgebaute und bevoͤlkertſte unter den Cykladen ſſt. Sie hat keinen Hafen, ſon⸗ dern nur die Schiff⸗Laͤnde St. Nikolaus, wo die Schiffe Anker auswerfen. Nahe dabei ſtand die Stadt, von der aber nur 3 oder 4 Haͤuſer uͤbrig ſind. Von hier geht man zur Feſtung hinan, welche 4— 6 Mei⸗ len vom Meere auf dem hoͤchſten Orte der Inſel liegt, wegen welcher vortheilhaften Lage ſie aller Beachtung werth iſt. Die Inſel traͤgt Getraid, Feigen und Ro⸗ ſinen, und mag gegen 24 Doͤrfer zaͤhlen, deren Ein⸗ wohner die Seide verarbeiten. Unſere Schiffe mußt n ſich hier einige Zeit aufhalten; wir benutzten die Zeit, um De los zu ſehen, welches 12 Meilen von hier ent⸗ 168 fernt gelegen iſt. Wir machten zu dieſer Reiſe eine Geſellſchaft zuſammen, unter der ſich auch ein Arzt von Tine befand. Jeder hatte zum Unterhalte etwas beizuſchaffen, wozu der Arzt 5— 6 große Zwiebeln bei⸗ trug. Manchen mag dieß ſonderbar vorkommen; allein die Zwiebeln und der Knoblauch, welche fuͤß ſind, roh gegeſſen werden, und gauz vorzuͤglich zur leichtern Ver⸗ dauung dienen, ſind wie man hieraus abnehmen kann, ganz anderer Art, und werden ſehr hoch geſchaͤzt. Ich bin uͤberzeugt, daß der feinſte Gaume in Fraukreich ſie zu eſſen ſich nicht weigern wuͤrde, ſo bald er ſie ver⸗ koſtet haͤtte. Dieſes machte mir auch begreiflich, wie die Iſraeliten ſich ſo ſehr nach den Zwiebeln von Aegypten ſehnen konnten. Leute, die jene Gegend durchreiſt haben, verſicherten mich, daß ſie dort noch ſchmackhafter, als in Griechenland wuͤchſen. Wir nahmen nun eine Bargue von Tine, und ka⸗ men mit guͤnſtigem Winde innerhalb 2 Stunden nach Delos. 22) Delos hieß bei den Alten Deloi, weil ſie zu ihr die nahe Inſel Rheneg, die mit ihr aus der Weiten vereint zu ſeyn ſcheint, rechneten. Rhenagea hießen ſie das große Deloss die andere das kleine Delos. Letztere, welche eigentlich das rechte Delos iſt, hat auch den Namen Lagia, wegen der vielen Haſen und Kaninchen, die man aldda antrifft; dann Ortygia, Wachtel⸗Inſel. Herodot berichtet, daß dieſe Inſel viele Palmbaͤume hatte, von denen aber ͤooooö—ö—ö—ͤ 169 nicht einer mehr zu ſehen iſt. Nur Maſtixſtauden fſin⸗ det man noch daſelbſt, welche aber den Harz, wie auf der Inſel Chio, wahrſcheinlich, weil ſie nicht dazu behandelt werden, nicht ſchwitzen. Auf dieſer Inſel ſieht man eine ſo große Menge von zerbrochenen Saͤu⸗ len und Bildhauer⸗Arbeit, daß man leicht damit eine ganze Stadt bauen koͤnnte. Nachdem wir dieſe Inſel beſehen hatten, wollten wir Abends wieder zu unſern Schiffen zuruͤckkehren, woran uns aber der heftige Wind, und das Meer, welches Wellen warf, hinderte. Nachdem wir eine Nacht unter Entbehrung aller Be⸗ quemlichkeiten zugebracht hatten, wollten wir unſer Vorhaben am anderen Morgen ausfuͤhren; allein der Wind war noch immer unguͤnſtig, und wir hielten nicht fuͤr raͤthlich, uns dem Meere anzuvertrauen. Wir warteten daher auf guͤnſtigeres Wetter, wobei uns aber das uͤbel zu ſtatten kam, daß wir uns nicht reichlich mit Lebensmitteln verſehen hatten. Denn das Wenige, das wir mitgenommen hatten, war ſchon den vorigen Tag verzehrt. Zum Vortheile gereichte uns, daß ei⸗ ner aus unſerer Geſellſchaft eine Flinte hatte, mit welcher er einige Kaninchen ſchoß, die wir zubereite⸗ ten, ſo wie es uns moͤglich war, und ohne Zwieback senoßen. Allein noch druͤckender war der Durſt, beſon⸗ ders, da es ſehr heiß war. Lange ſuchten wir nach Waſſer, aber vergebens; endlich aber fand einer unſe⸗ rer Gefaͤhrten eine mit Schwibboͤgen erbaute, alte Eiſterne, in der wir außerſt gutes Waſſer antrafen. 170„ 3 Nachdem wir ſo ein Mittagmahl gehalten hatten, gingen wir an die aͤußerſte Spitze der Inſel, um zu ſehen, ob unſere Schiffe noch vor Anker laͤgen. Allein wie wurden wir betroffen, als wir ſie ſegelfertig, um ihren Weg nach Konſtantinopel fortzuſetzen, und endlich wirklich abſegeln ſahen! Sie hatten widrigen Wind; dieſes machte uns einige Hoffnung, daß ſie ent⸗ weder nach Tine umkehren, oder wenigſtens ſich in den Hafen der Inſel Mykone vor Anker legen moͤchten. Dieſes geſchah in der That zu unſerer großen Freude. Wir hatten waͤhrend der Nacht wegen unſeres Ungluͤk⸗ kes ſehr unruhig geſchlafen, und waren daher alle ſehr fruͤh wachſam. Kaum war die Morgenroͤthe angebro⸗ chen, ſo waren wir auch ſogleich, weil die Matroſen uns ſagten, der Wind haͤtte ſich etwas gelegt, ent⸗ ſchloſſen, zu Schiffe zu gehen, und nach Mykone uͤberzuſetzen, was uns auch in einer Stunde gluͤckte. Wir waren ſchon ſehr nahe daran, als ſich der Wind vom Neuen mit groͤßerem Ungeſtuͤme, als fruͤher er⸗ hob, wodurch unſer Boot ganz voll Waſſer, und wir ſo naß wurden, als waͤren wir in das Meer gefallen. Schwer wurde uns anzulanden, wobei wir immer in der Gefahr waren, in die offene See hinausgelvorfen zu werden. 23) Mykone(Myeonos) liegt von Delos 3 Mei⸗ len entfernt, hat im Umkreiſe 25— 30 Meilen und traͤgt viel Gerſte und Wein, der aber nicht ſehr gut iſt. Zwiſchen dieſer Inſel und Delos liegt das Ei⸗ 7 171 3 land Dragonera, wie es die Franken, oder Trapo⸗ uiſi, wie es die Griechen nennen. Sie hat keine Fe⸗ ſtung, ſondern nur ein Dorf mit etwa 2000 Einwoh⸗ nern. Da die Einwohner groͤßtentheils Fiſcher oder Seeraͤuber ſind, wovon die Haͤlfte bei ihrem Fahren auf gutes Gluͤck umkommt, ſo iſt das weibliche Ge⸗ ſchlecht, welches ſehr ſchoͤn und leicht verfuͤhrbar iſt, bier weit zahlreicher, als jenes der Maͤnner. Unſer Kapitain kaufte ſich hier eine Jungfrau von ihrem eig⸗ nen Vater, welche ſich aber dagegen ſtraͤubte; wie uͤber⸗ haupt alle Weiber gegen dieſe That einen Abſcheu zu beweiſen ſchienen. Die Kleidung der Frauenzimmer iſt hier von eigener Art. Der Mieder iſt von rothen oder braunen Sammet, die Aermel, welche eine Elle weit und lang ſind, beſtehen aus Zeug; der Rock, welcher in viele Falten gelegt iſt, geht ihnen nicht uͤber die Knie, unter ihm reicht aber ein weiſſes Unterkieid her⸗ vor, welches aus Seide gewirkt und gefaltet iſt, und bis an die Schuhe geht. Sie beſchaͤftigen ſich mit dem Spinnen der Baumwolle welche auf dieſer Inſel waͤchſt, oder mit dem Verarbeiten der Seide, welche ſie von Ambros erhalten, aus welcher ſie Sacktuͤcher wirken. Man brennt auf dieſer Inſel beinahe nichts als geduͤrrte Kraͤuter: denn das Holz iſt aͤußerſt ſelten, weil es daſelbſt gar uicht gedeihet. So verhaͤlt es ſich guch mit dem Waffer; ein einziger großer Brunnen muß das ganze Dorf mit Waſſer verſehen. 24) Freitags den 23. Auguſt lichteten wir die An⸗ 172 ker, und fuhren zwiſchen den Inſeln Tine und My. kone welche nicht mehr als 4— 5 Meilen von einan⸗ der entfernt liegen. Da erhob ſich ploͤtzlich ein Nord⸗ wind, durch welchen wir nns am anderen Morgen auf die Seite von Nikarea und Samos, welche wir gegen 30 Meilen zur Rechten liegen gelaſſen hatten, verſchlagen ſahen. Gegen Abend befanden wir uns an der Muͤndung des Kanals, der zwiſchen Chio und dem feſten Lande von Natolien iſt. Da dieſer Weg der unſerige nicht war, ſo nahmen wir einen großen Umweg, um von dem Eylande Venetiko vorbei zu kommen, bei welchem wir auch nahe vorbeifuhren. Sonntags war Windſtille, wobei wir die Inſel Seyros nebſt Calocero, welche von der Ferne ein Schiff⸗Segel zu ſeyn ſcheint, zur Rechten liegen lieſ⸗ ſen. Nachts wendete ſich der Wind gegen Suͤdoſt; wir fuhren daher zwiſchen den Inſeln Pſara, welche nur ein einziges Dorf hat, und Chio hin. Da wir fortwaͤhrend guͤnſtigen Wind hatten, ſo ließen wir Metelin, das alte Lesbos zur Rechten, und ka⸗ men am 268ſten Abends zwiſchen die Inſel Tenedos und das Land von Troja, oder Troas, wo uns eine ganz unerwartet eingetretene Windſtille veranlaß⸗ te, Anker zu werfen. 25) Ehe ich den Archipel verlaſſe, ſei es mir er⸗ laubt, den Leſer noch uͤber Einzelheiten deſſelben zu unterrichten. Chio iſt eine ſchoͤne Inſel mit einer guten Stadt und 12— 15 Doͤrfern, welche den Maſtix — 173 3 und Therebinthenſtrauch bauen, um daraus den Ma⸗ ſtix und Therebinth zu erzielen, weil damit nach Eu⸗ ropa ſtark gehandelt wird. Man verfertigt auch Sei⸗ denzeuge und ziemlich dicken Damaſt allda, welcher in die Barbarei verfuͤhrt wird. Die Inſel hat etwa gegen 60 Meilen im Umkreiſe, einen guten Hafen und ſtarke Feſtung. 3 26) Metelin iſt doppelt ſo groß, als Chio, ſteht ihr aber hinſichtlich des Handels nach. Alle ihre Einkuͤnfte beſtehen in Getraide, Fruͤchten, Butter und Kaͤſe. Dieſe wie alle Inſeln unter tuͤrkiſchem Schutz, zahlen der Pforte den Caraſch oder die Kopfſteuer, welche ſehr bedeutend iſt, und mit vieler Haͤrte erho⸗ ben wird. Maxia, welche ehedem dem Bachus geheiliget war, traͤgt im Ueberfluße vortrefflichen Wein, der da⸗ ſelbſt ſehr wohlfeil iſt. 3 Zwei Tage mußten wir zwiſchen Tenedos und Troja vor Anker liegen, bis die Windſtille und der entgegengeſetzte Wind ſich unſerer Reiſe nicht mehr widerſetzte. Um dieſe Zeit nicht unnuͤtz verſtreichen zu laſſen, ſetzten wir auf einem Boote nach Troja uͤber, um die Ruinen deſſelben zu ſehen. Wir fanden hier eine Menge Saͤulen und Figuren, groͤßtentheils aus Aegyptiſchen Marmor, beſonders aber 2 Meilen vom Meere auf einem Huͤgel, wo wahrſcheinlich der Haupt⸗ theil der Stadt Troja geſtanden iſt, Spuren von Tempeln, Gewoͤlbern, Theatern und Palaͤſten. Nicht — 174 alle Ruinen ſcheinen aus den Zeiten der Zerſtoͤrung von Troja zu ſeyn, manche ſind viel juͤnger, haben auch lateiniſche Inſchriften, und ſtammen wahrſchein⸗ lich aus den Zeiten der erſten roͤmiſchen Kaiſer, beſon⸗ ders Auguſts, der eine Kolonie dahin ſchickte. Ihr Hafen, welcher ſonſt ſehr beruͤhmt war, iſt verſtopft, und mit Sand angeſchwemmt, auch muß die Rhede daſelbſt ſtatt eines Hafens gedient haben, was aus Pfeilern und Saͤulen, die noch uͤbrig ſind, einleuchtet. Um Troja herum iſt alles oͤde, bis einige Plaͤtze, wo Baumwolle waͤchſt. 27) Sonnabends den 31. Auguſt fuhren unſre Schiffe einige Meilen weiter, um in der Naͤhe der Fe⸗ ſtung Tenedos, welche nichts, als ein mit Bollwer⸗ ken umgebener Thurm iſt, zu ankern. Die Inſel traͤgt ſehr guten Wein, womit ſie Konſtantinopel ver⸗ ſieht; auch ſind die Muſcaten, welche allda wachſen, ganz vortrefflich. Den 3. September verſahen wir uns im Dorfe Troja, welches am Vorgebirge Janiſſeni liegt, und die alte Stadt Sigea war, mit Waſſer, und da ſich unſere Reiſe verlaͤngerte, auch mit Eiern und Huͤhnern. Die Matroſen kauften ſich Bohnen. Das Dorf mag etwa gegen 300 Heerdſtaͤtten haben, in de⸗ nen Griechen leben, welche ſich von dem Verkaufe ih; res Getraides, Weines, Saffrans, Melonen und au⸗ derer Fruͤchte naͤhren. Nach 4 Tagen ſegelten wir von hier nach der In-. 175 ſel Imbros, um da uns das benoͤthigte Getraid zu kaufen. Die Inſel iſt etwas groͤßer als Teuedos, und hat 4 Doͤrfer, unter denen Imbros, bei welchem ein Schloß liegt, das vornehmſte iſt. Wir beſtiegen hier den hoͤchſten Punkt der Inſel, welcher aus klei⸗ nen, mit Holz bewachſenen Bergen beſteht. Den oten Tag kamen wir in den Hellespont, welcher Europa von Aſien ſcheidet; beſonders Phrygien von Thracien. Dieſe Meerenge, welche Ferres mit Schiffen uͤberbruͤckte, um ſeine Armee von 300,000 Menſchen nach Griechenland uͤberzu⸗ ſetzen, hat 2 alte und 2 neue Namen. Man nennt ſie Hellespont, Meer der Helle einer Tochter Atha⸗ mas, Koͤnigs der Thebaner, die, um den Nach⸗ ſtellungen ihrer Stiefmutter Ino zu entgehen ſich mit ihrem Bruder Phryxus fuͤchtete, aber bei der Ue⸗ berfahrt uͤber dieſes Meer ertrank. Dann auch Meer⸗ enge von Seſtos und Abydos welche beide Staͤdte auf beiden Ufern ſtanden, und durch die ungluͤckliche Liebe der Leandra und des Hero beruͤhmt ſind. Ihre heutigen Namen ſind Dardanellen, und Meerenge von Gallipoli.. 29) Als wir bei den Dardanellen ankamen, feuerten die neuen Kaſtelle, welche auf beiden Seiten der Einfahrt ſtehen, ihre ungeheuer großen Kanonen ab, mit denen ſie das Waſſer des Meeres uͤberall beſtrei⸗ chen koͤnnen, worauf wir ſie mit 1 Kanonenſchuͤſſen begruͤßten. Sie antworteten uns nach ihrer Gewohn⸗ 176 heit mit einem Kanonenſchuße, worauf wir ihnen mit s dankten: denn die Salven auf dem Meere ſind wie die Pillen, welche die Aerzte zu verordnen pflegen, im⸗ mer von ungerader Zahl. Der Strom des Hellespont, welcher immer von Nord gegen Suͤd geht, und in den Archipel faͤllt, wie ſchon Plinius bemerkte, dann der Nordwind, der im Sommer oft 2 Monate dauert, verhinderte uns weiter zu ſegeln. Verdrießlich daruͤber, ſo lange vor Anker liegen bleiben zu muͤſſen, entſchloſ⸗ ſen wir uns auf dem Lande bis zu den alten Schloͤſ⸗ ſern zu gehen, um von da auf einer Bargue nach Konſtantinopel zu fahren. Wir gingen wegen dieſes Vorhabens in das nahe Dorf Kainouiro Chorio, d. h. Neudorf, um Pferde zu erhalten. Ich herbergte bei dieſer Gelegenheit mit dem Bi⸗ ſchofe von Serifo und Mykone, der mit uns in Geſellſchaft nach Konſtantinopel reiſen wollte, bei einem Griechen, der uns ſo gut, als ihm moͤglich war, bewirthete. Der Biſchof durfte nach ſeiner Ordens⸗ Regel kein Fleiſch eſſen; er bereitete uns daher eine Mahlzeit von Roſinen, Feigen, Honigſeim, Eiern, Kaͤſe und Waſſer⸗Melonen, von den Griechen A ugon⸗ rie genannt, eine Frucht, welche in dieſem Lande ſehr 4 . gemein iſt, und am beſten zu Galliopoli vaͤchft⸗ Dieſer Ort hat gegen 100 Haͤuſer, und wird von Griechen bewohnt, welche eine kleine Kirche haben. Wir gingen in dieſe, um die Veſper zu hoͤren die ein Prieſter auterſt elend ſang. Wir konnten kein Wort .. ——jj 177 verſtehen; vielleicht verſtand er ſelbſt nicht, was er ſang, wie bei den Geiſtlichen auf dem Lande, die ſehr un⸗ wiſſend ſind, ſehr haͤufig der Fall iſt. Denn die Sprache, worinn der Gottesdienſt gehalten wird, iſt. altgriechiſch, welches von dem neugriechiſchen, wie das lateiniſche von den italieniſchen unterſchieden iſt. 30) Den folgenden Tag, am 15. September, ding⸗ ten wir uns, weil wir keine Pferde erhalten konn⸗ ten, 4 mit Buͤffel beſpannte Wagen, um unſere Sa⸗ chen auf die Schloͤſſer zu bringen. Wir langten unter Fuͤhrung eines Dolmetſchers, der unter Wegs gluͤck⸗ lich zu uns gekommen war, dort Nachts an, wo wir bei einem Juden uͤbernachteten. Hier merkten wir, daß wir in der Tuͤrkei ſeyen: denn wir mußten, mit un⸗ ſerem Wirthe auf einer Decke ſitzend, mit uͤbereinan⸗ dergeſchlagenen Beinen in einer Stellung wie wir ſie bei unſeren Schneidern ſehen, ſpeiſen. Dieſes Dorf, welches auf der Aſiatiſchen Seite an dem Schloße iſt, hat gegen 3— 4000 Seelen, unter welchen wenige Chri⸗ ſten ſind. Ich fand die Kaſtelle nicht ſo feſt, als ich ſie mir vorgeſtellt hatte; auch ſind ſie beide nicht an dem Hrte, wo Seſtos und Abydos ſtanden, erbaut, indem man von dieſen gar keine Spur findet, auch dieſes nicht der Ort iſt, wo der Hellespont am ſchmaͤl⸗ ſten iſt. Drei Meilen entfernt wird dieſer enger; man findet auch am Meeresſtrande Spuren, welche zu der Meinung berechtigen moͤchten, daß dieſer der Ort der wahren Lage Lenhntet Orte ſei, da zudem die 17tes B. Griechenland. I. 5 178 Namen der beiden Dardanellen⸗Feſtungen von den Einwohnern ganz anders, naͤmlich Romelie und Anatolie, genannt werden. Die Breite des Hel⸗ lesponts an dem Orte der Dardanellen⸗Feſtun⸗ gen betraͤgt etwa 2 Meilen; man kann daher mit ei⸗ ner Kanone die andere Seite leicht beſtreichen. Den andern Morgen mietheten wir ein Schiff von 5 Rudern, welches uns zu dem wenigſtens noch 60 Mei⸗ len entfernten Konſtantinopel fuͤhren ſollte. Wir ſegelten die ganze Nacht, und kamen 2 Stunden vor Tages⸗Anbruche zu Galliopoli an, welches wir beſahen, obgleich die Peſt darin wuͤthete. Denn da wir nach Konſtantinopel ſegelten, wo die Peſt beſtaͤndig herrſcht, mußten wir uns zeitlich daran ge⸗ woͤhnen. 31) Galiopoli iſt eine große Stadt von 5— 6 Meilen im Umkreiſe, doch nach Verhaͤltniß ihrer Groͤße nicht ſehr volkreich. Beinahe jedes Haus hat hier ei⸗ nen Garten. Der Bezeſtein, oder der Ort, wo die Kaufleute ihre Waare feil bieten, iſt ein großes wohl⸗ verwa rtes Gebaͤude, und hat etliche Thuͤrme. Man glaubt, daß in dieſer Stadt, welche eine ſehr elende Feſtung hat, 12000 Tuͤrken, 5000 Griechen und eben ſo viele Juden wohnen. Wir waren abgereiſt, und uͤbernachteten in der Meinung, unſere Reiſe fortzuſez⸗ zen, eine Meile von da unter einem Baume, als ein Nordwind entſtand, unſer Vorhaben vereitelte, und uns zwang, in die Stadt zuruͤckzukehren. Wir benuͤtz⸗ 179 ten dieſe Zeit, um Lampſako zu ſehen, wohin wir auf einer Barque bei ſehr heftigem Winde unter der Gefahr fuhren, daß dieſer ſie umſchlagen moͤchte. Es iſt ein mittelmaͤßiger Flecken, und wird von Tuͤrken und Griechen bewohnt. Hier muß ich bemerken, daß die Tuͤrken Konſtantinopel, Adrianopel und etliche Grenzſtaͤdte ausgenommen, ihre Sraͤdte nicht mit Mauern umgeben; weßwegen man unter Staͤdte, Flecken, Doͤrfer nur Orte von verſchiedener Groͤße zu denken hat. Die Orte, die von einiger Bedeutung ſind, haben groͤßtentheils eine kleine Feſtung, welche von einem Aga, etlichen Ofſizieren und Soldaten kom⸗ mandirt wird, die auſſer ihrem Dienſte aber keine Saͤbel tragen, was in dieſen Gegenden boͤſe Abſichten verrathen, und in Ungelegen heit verſeten wuͤrde. 32) Lampſako iſt eines der 3 Doͤrfer, welche Derrxes dem Themiſtoeles zu ſeinem Unterhalte verehrte. Magneſia ſollte ihm Brod geben, My⸗ uns Fleiſch, und deſes Wein. Wir bemerkten auch wirklich daſeibſt ſehr ſchoͤne Weinberge. Es hatte ehe⸗ dem einen ſtattlichen Hafen, welcher, wie Strabo bezeugt, Pityuſa hieß, und 170 Stadien von Aby⸗ dos lag. Hier als ſeiner Geburtsſtadt wurde der Gott Priapus verehrt. Es befindet ſich allda eine fuͤr die⸗ ſen ziemlich ſchoͤne Moſchee, welche ehedem eine chriß⸗ liche Kirche geweſen ſeyn ſoll, was auch die Kreuze auf den Kapitaͤlern der 4 Saͤulen, auf welchen der Gang ruht, beſtaͤtigen. Abends kehrten wir wieder nach. Galli⸗ 180 poli zuruͤck, welches am Eingange des weißen Mee⸗ res, vormals Propontis genannt, liegt. Die Ue⸗ berfahrt dahin betraͤgt nicht uͤber 8 Meilen. Da des andern Abends das Meer ruhig zu werden angefangen hatte, ſo reiſten wir mit einbrechender Nacht ab, und hatten bis Morgens gegen 30 Meilen zuruͤckge⸗ legt. Unſere Schiffleute waren ſehr ermuͤdet, und bedurf⸗ ten der Ruhe; wir kehrten daher in dem Dorfe Pera⸗ ſte ein. Sechs Meilen von hier raſteten wir zum zweiten Nale in dem Dorfe Herakliſſa, und 3 Stunden von hier bei Nyriofyton, einem Dorfe von 200 Feuerſtaͤt⸗ ten. Wir wollten hier durch die Gaſſen ſpatziren; allein da wir in unſerer franzoͤſiſchen Kleidung waren, ſo liefen uns die Kinder ſchaarenweiſe nach, was uns zwang, zu unſerer Barke zuruͤckzukehren. Hier beſuchte uns der Obere des Ortes, welcher ſich mit uns ſch freund⸗ ſchaftlich unterhielt, und uns ſogar einen Korb Roſi⸗ nen ſchickte, welche ſo groß wie Taubeneier, und von ausgezeichnetem Geſchmacke waren. Der Wein iſt, wie auf en ganzen Kuͤſte des weißen Meeres, aͤußerſt wohlfeil. Wir ſchliefen in unſerer Chaluppe, und ſe⸗ gelten boch vor Tags ab, um den Meerbuſen Rodeſto uruͤckzulegen. Gegen Ende deſſelben liegt an einem Felſen die Stadt gleiches Namens, we lche gegen das Meer einen entzuͤckenden Anblick gewaͤhrt. An Groͤße gleicht ſie der Stadt Gallipoli, hinſichtlich der Ein⸗ wohner⸗Zahl aber uͤbertrifft ſie dieſelbe noch. Wir ſahen da 10— 12 Moſcheen mit ihren Minarets oder 181 kleinen Thuͤrmen, von denen zur Zeit des Gebetes durch Schreien ein Zeichen gegeben wird, damit das Volk in der Moſchee ſich verſammle. Auch haben die Griechen etliche Kirchen allda. 33) Drei Stunden vor dem Anbruche der Nacht gelangten wir nach Heraklea, welches einen ſchoͤnen Hafen von 3 Meilen im Umkreiſe hat, deſſen Einfahrt gegen Nord⸗Oſt liegt. Wir hatten Zeit, uns hier um⸗ zuſehen. Unſerer Zeit gemaͤß ſuchten wir Alterthuͤmer, waren auch ſo gluͤcklich mehrere zu finden, beſonders einige Inſchriften, die wir abſchrieben. Aus dieſen ging hervor, daß die Stadt zu einer Zeit Perinthus geheiſſen hat. Den andern Morgen vor dem Aufgang der Sonne griffen unſere Seeleute raſch zu den Rudern, und fuh⸗ ren uns bei Selymbria, welches eine alte Stadt mit vielen Moſcheen, einem Bezeſtein, und vielen grie⸗ chiſchen Kirchen iſt; dann vor Pivades Sſcheſch⸗ mehe, und 3 bis 4 anderen großen Flecken vorbei. Wir ankerten vor dem Hafen der Stadt St. Ste⸗ phans, von welcher man noch 9— 10 Meilen nach Konſtantinopel zaͤhlt. 34) Montags fruͤh den 23. September langten wir bei dieſer großen und beruͤhmten Stadt an, welche, ob⸗ wohl ſie mehrentheils aus Holz gebaut iſt, doch ihre Schoͤnheiten hat. Als wir an der Stadtmauer hin⸗ ſchifften, las ich die Namen der griechiſchen Kaiſer Theophilus, Michael, Baſilius, Conſtan⸗ 182 tin, Porphyrogennetus, Emanuel, Comne⸗ nus und Johannes Palaͤologus, aus welchen bervorgeht, daß dieſe dieſelbe gebaut haben, und daß man ſeit ihnen an ihr wenig gebeſſert hat. Das alte Byzanz, welches nun Konſtantino⸗ pel iſt, lag an dem Orte, wo heute das Serail ſteht. Es hat ſeinen Namen von dem Anfuͤhrer einer Kolo⸗ nie, Byzas, und liegt nicht nur wunderſchoͤn, ſon⸗ dern auch außerordentlich vortheilhaft, da es nur 2 Winden, dem Nord⸗ und Suͤd⸗Winde ausgeſetzt iſt, welches auch die 2 Schluͤſſel der Stadt ſind, indem ſie die Fahrt zu ihr entweder oͤffnen, oder verſchlieſſen. Wehet der Nord⸗Wind, ſo kann nichts durch den Pro⸗ vontis oder Bosphorus fahren; wehet der letzte, ſo iſt den Schiffen der Lauf zur Stadt aus dem Pon⸗ tus Euxinus verſperrt. Die beiden Meerengen, von denen man aus dem weißen in das ſchwarze Meer, und von dieſem in jenes kommt, laufen zwiſchen Konſtantinopel und Ga⸗ lata zuſammen, und breiten ſich in einem kleinen Golf von 10 dder 12 Meilen im Umkreiſe aus, was den herrlichſten Seehafen bildet, indem auch die groͤßten Schiffe noch ganz nahe am Lande Waſſer genug ſin⸗ den. Um ihm herum liegen gegen Mittag und Abend Konſtantinopel, gegen Mitternacht Galata, Fondukli, und Tophana, gegen Nergen Sku⸗ tari. Alle dieſe Orte liegen auf Huͤgeln, wie ein Amphitheater in der Runde herum, und gewaͤhren den 183 berrlichſten Aublick, welchen man ſich denken kann, deſſen Entzuͤcken durch viele Cypreſſen⸗Baͤume und die vielen Moſcheen noch um vieles verſtaͤrkt wird. Je⸗ doch iſt Konſtautinopel mehr von Auſſen, als Innen ſchoͤn: denn die Straſſen ſind hier ſehr enge; auch muß man beſtaͤndig die Berge hinauf oder herab gehen. Nur eine einzige Straße, welche vor dem Tho⸗ re, durch welches man nach Adrianopel geht, bis zum Serail ſich hinzieht, darf man noch ziemlich ſchoͤn nennen. Da viele Reiſende meiner Zeit und der beruͤhmteſte derſelben Tavernier, eine Beſchreibung von Kon⸗ ſtantinopel geliefert haben, ſo glaube ich derſelben uͤberhoben zu ſeyn. Am vollſtaͤndigſten hat Petrus Gyllius daſſelbe beſchrieben, der die Saͤule des Kaiſers Marcianus nicht kannte, welche auf dem Janitſcharen⸗Platze in dem Vorhofe eines Privathaufes 15 Schuhe hoch, und aus geſprengten Marmor gefer⸗ tigt iſt, da dieſelbe damals noch verloren war. Ihr Kapital iſt Korinthiſch. Auf ihm ſitzt ein zugehaue⸗ ner Quaderſtein, an deſſen Ecken Adler ſich beſinden. Da dieſer Kaiſer Chriſt, und den Chriſten, ihre Koͤr⸗ per zu verbrennen, nicht erlaubt war, ſo ſchloß, daß darin das Herz deſſelben aufbewahrt ſeyn moͤchte, was auch die unten ſtehenden Zerſe zu beſtaͤtigen ſchie⸗ den⸗ Sein Koͤrper mag unter der Saͤule begraben iegen. 184 Eine andere Saͤule, die mit Geſchichten von halb, erhabener Arbeit beſchrieben, und zur Ehre der Kaiſer Honorius und Arcodius errichtet iſt, ſteht in der Mitte der Stadt. Dieſe Saͤule iſt ganz aus Mar⸗ mor, aͤhnlich der Saͤule Trajan's zu Rom, jedoch nicht ſo kuͤnſtlich obwohl ſie viel hoͤher iſt: denn waͤh⸗ rend dieſe 123 Schuhe hoch iſt, mißt jene 147 Schuhe. Beide Saͤulen uͤbertrifft jene des Antonius, welche 177 Schuhe hoch iſt. Dieſe hat in ſich eine Treppe, welche aber zu beſteigen die Tuͤrken mir nicht erlaub⸗ ten. An ihr find viele Figuren von Meuſchen und Thieren bemerklich, die aber durch den Aberglauben der Tuͤrken ſehr zerſtoͤrt ſind. Die Muhametaner gkauben naͤmlich daß alle Bilder von Menſchen und Thieren, ſeien ſie gemalt, oder gemeiſelt, am Tage des Gerichts lebendig wuͤrden, und den Meuſchen verklagen, daß er ſie gefertiget, und des Schoͤpfers Allmacht nachzu⸗ ahmen ſich unterfangen haͤtte. Noch eine Saͤule ſteht zur Seite der großen Straſ⸗ ſe, die nach Adrianopel fuͤhrt; ſie iſt ohne erha⸗ beue Arbeit; aber die koſtbarſte unter allen, da ſie aus Porphyr gefertigt iſt. Aus ihrer Inſchrift geht hervor, daß ſie vom Kaiſer Emanuel Comnenus erneuert warden ſei. Dieſe Saͤule ſoll diejenige ſeyn, in deren Nahe Arius geſtorben iſt. Um die ſogenannte Saͤule des Pompelus, welche am Eingange in das ſchwwarze Meer auf einem Fel⸗ ſen, nahe bei dem Dorfe Fanari ſteht, zu ſehen, 185 fuhren wir in einer Felougue mit 6 Rudern dahin. Sie beſteht aus Marmor, hat etwa 12 Schuhe in der Hoͤhe, und ſteht auf einer runden Grundlage, welche die Inſchrift zur Ehre Auguſts traͤgt, und ein Theil eines Opfer⸗Altars zu ſeyn ſcheinte Ihre Kapitaͤler ſind Korinthiſcher Art. Wenn man zu ihr faͤhrt, laͤßt man zur Linken folgende Doͤrfer, deren erſtere in Ga⸗ lata anſtoſſen, liegen, als: Tophana, Fondukli, Bechiktaſch, Ortakioi, Coroutſcheſne, Ar⸗ naudkioi, Bebekbarkchefi, Cſkihiſſa,, deren altes Kaſtell, Bartoliman, Tegna, Segnirai, Therapia, Bojukdere, Saryer. Zur Rechten dagegen gegen Aufgang bleiben liegen: Skutari, Couſchcougiuk, Stauros, Tchenghelkioi, Caulabakeheſi, Candil⸗Baldeheſi, Eski⸗ hiſſar; ferner Tehi⸗Boukli, Inghirlikioi, Onkiar⸗Skeloſi, Beicos, Salibouroun, Loro, das alte Fanum, welche ſehe nahe an Eu⸗ ropa liegen. 3. Auf dem Ameydan, einem Platze von 550 Schrit⸗ ten in der Laͤnge, und 120 in der Breite, welcher zur Zeit der orientaliſchen Kaiſer die Rennbahn war, wo die Pferde liefen, und die Spiele angeſtellt wurden, ſteht ein Obeliſk. Dieſer Obeliſt, welcher eine 4 eckigte aus einem Stuͤcke gehauene Spitzſaͤule iſt, beſteht aus geſprengten Aegyptiſchen Marmor, und hat eine große Anzahl von Charakteren und hieroglyphiſchen Bildern, welche meiſtens der Baſis eingehauen ſind. Nebſt die⸗ 14 186 ſem Obeliſken, welcher so Schuhe hoch iſt, in der Mitte dieſes Platzes ſteht, und unter dem Kaiſer Dheo⸗ dorikus aufgerichtet wurde, ſind da noch 4 andere Saͤulen, welche ehemals die Ziele beim Rennen an⸗ zeigten. Auf dieſem Platze ſieht man auch 3 eherne Schlan⸗ gen, die in einander gewunden, gleichſam eine Saͤule bilden, doch ſo, daß ihre Koͤpfe oben auseinander ſte⸗ hen, und ein Dreieck bilden. Einige halten dieſes Al⸗ terthum fuͤr einen Dreifuß des Apollo, andere fuͤr einen Talismann der Stadt gegen Schlangen. Die⸗ ſen Platz verſchoͤnerte noch auf einer Seite das alte Serail, welches jedoch nicht praͤchtig iſt, auf der an⸗ dern die neue Moſchee des Sultans Achmets, welche eine der ſchoͤnſten zu Kon ſtantinopel iſt. Schoͤ⸗ ner als dieſe iſt die neue Moſchee der Sultanin. Sie iſt eines der ſchoͤnſten Gebaͤude, die man irgendwo ſe⸗ hen kann, man mag ſie von Innen, oder Auſſen be⸗ trachten; wenn auch ihre Baukunſt der unſtigen nicht gleich kommt, ſo ſteht ſie doch den hoͤchſten Kirchen Italien's nicht nach. Sie beſteht aus einem großen und 4 halben Thuͤrmen, die auf den Seiten ſtehen, nebſt 4 kleinen Thuͤrmen, welche auf jeder Ecke ſich befinden, wodurch alſo dieſes Gebaͤude 4 eckig wird. In die Moſchee iſt den Chriſten zur Zeit ihres Gebets nicht erlaubt zu gehen, wohl aber zu anderer Zeit. Die Turken halten dieſelbe ſehr reinlich; es tritt kein Tuͤrke ein, der nicht ſeine Schuhe entweder am Ein⸗ 187 gange ſtehen ließe, oder ſie in der Hand truͤge. Da man dieſes auch bei Beſuchen von Privatperſonen auf deren Zimmer beobachtet, indem dieſe mit Fußteppi⸗ chen belegt ſind, wie die Moſcheen; ſo ſcheint mir, daß dieſes fuͤr ein beſonderes Zeichen der Ehrfurcht nicht zu halten ſey. Dieſe beiden Moſcheen, wie die des Sultans Se⸗ lim, Mahomet und Bajazet, ſind nach dem Mo⸗ delle der Sophien⸗Moſchee erbaut, welche unter den 7 Hauptkirchen der Stadt noch immer die ſchoͤnſte iſt. Dieſe Moſchee ſteht naͤchſt dem Serail, und war zu⸗ vor eine chriſtliche Kirche; dann iſt ſie erſt in eine Mo⸗ ſchee umgewandelt worden. Sie iſt ein uͤberaus wei⸗ ter und heller Thurm, der auf den Seiten mit ſchoͤnen Marmorſaͤulen unterſtuͤtzt wird und an den Mauern guch ganz mit ſolchen angefuͤllt iſt. Wenn ſie auch der Peterskirche an Groͤße und kuͤnſtlicherem Baue nicht gleich kommt; ſo bleibt ſie doch immer ein wunder⸗ ſchoͤnes Gebaͤude. Um dieſe Sophienkirche ſtehen 4 Mauſoleen, Begraͤbniſſe, die nach Art der Thuͤrme er⸗ baut, und von Innen mit Marmorſaͤulen, Lampen und Wachskerzen, die unten außerordentlich dick ſind, gegen oben aber ſich ſpitzen, geziert ſind. Etwas wei⸗ ter davon in der großen Straße ſteht das Mauſo⸗ leum des Großveziers Mahomet Coprogli Bachg. Wir wuͤnſchten ſehr, Adrianopel zu ſehen, und hatten großes Verlangen dahin zu reiſen; allein wir hoͤrten, daß dort die Peſt wuͤthete, und taͤglich 188 gegen 1000 Perſonen ſtuͤrben; weßwegen wir gerne dieß Vorhaben aufgaben. Gewiß iſt, daß zu Konſtanti⸗ nopel taͤglich gegen 2— 300 an dieſer Seuche ſterben, und daß ſie daſelbſt ohne Unterbrechung wuͤthe. da die Stadt ſehr groß und nebſt den Vorſtaͤdten uͤber 7⁰0,000 Menſchen zaͤhlt, ſo achtet man dieſe kleine An⸗ zahl nicht, und faͤngt auch nicht eher an, oͤffentliche Ge⸗ bete wegen dieſes Uebels anzuſtellen, bis taͤglich gegen 1000 ſterben. Wir ſahen ſolche an der Peſt Verſtorbe⸗ ne taͤglich mit unbedecktem Angeſichte, welche ihre Prie⸗ ſter waſchen, begraben. Die Leiche wird ohne Furcht von vielem Volke begleitet; auch geht man bei ſolchen Kranken aus und ein, und kauft ohne Beſorgniß ihre Geraͤthe, wie jene anderer Kranken. Gerne waͤre ich auch in das Serail, welches in der anmuthigſten Ge⸗ gend der Stadt liegt, gegangen, um den Obeliſk, der in ihm ſteht, wie in ſeiner Bibliothek ein Manuſeript des Titus Livius, worin er ganz enthalten ſeyn ſoll, zu ſehen; leider aber iſt dahin jedem der Eingang verſperrt. Konſtantinopel hat auf der aͤußerſten Seite gegen Mittag 7 Thuͤrme, welche eine Art Feſtung bil⸗ den, in welchen des Großherrn Schatz aufbewahrt wird. Auf der Landſeite iſt ſie mit 3 Mauern, gegen das Meer nur mit einer Mauer umgeben. Seine Mauern moͤgen im Umkreiſe 15 Meilen haben; jedoch ſind ſeine Vorſtaͤdte, oder vielmehr die Staͤdte, die an ſie gebaut ſind nicht viel kleiner, und auch nicht 189 minder volkreich. Obwohl Konſtantinopel ſo be⸗ feſtiget iſt; ſo kann man es doch nicht fuͤr feſt halten. Zwiſchen Konſtantinopel und Skutari iſt in der Mitte des Kanals ein Thurm auf einem Felſen, welcher mit etlichen Kanonen beſetzt iſt. Man nennt ihn Leander⸗Thurm, wovon ich die Urſache nicht anzugeben weiß, da dieſer Thurm vor Alters zu Aby⸗ dos nahe bei den Dardanellen geſtanden. Wir fanden in ihm heißes Waſſer, welches nicht Folge einer Ci⸗ ſterne, ſondern einer Quelle ſeyn ſoll. Von da reiſten wir noch 3 Meilen uͤber Skutari hinaus, um Chaleedonien zu ſehen, welches noch aͤlter als Byzan; iſt. Die Tuͤrken nennen es Cal⸗ lekioi, die Griechen Chalcedona. Hier ſoll die chaleedoniſche Verſammlung in der Hauptkirche, die wir deswegen beſuchten, gehalten worden ſeyn. Es iſt jetzt nichts, als ein großes Dorf, mit etlichen Gaͤrten, die von den Bewohnern Konſtantinopels zum Vergnuͤgen beſucht werden. Die Umgegend von Konſtantinopel iſt ſehr fruchtbar; es waͤchſt daſelbſt alles im Ueberfluſſe, und von vorzuͤglicher Guͤte, mit Ausnahme des Weines, der nicht angebaut wird, und daher auch zu Kon⸗ ſtantinopel unter allen Natur⸗Erzeugniſſen am theuerſten iſt. Die Tuͤrken trinken keinen Wein; ihr gewoͤhnliches Getraͤnk iſt Kaffee, oder Sorbet, welcher aus Waſſer, das man uͤber klein geſtoſſene Roſinen 190 gießt, gefertiget iſt; die Reichen verwenden dazu auch noch Zitronen, Zucker und Biſam. Gerne wollte ich den Leſern von den Gebraͤuches und Gewohnheiten der Tuͤrken etwas mittheilen, al⸗ lein da hieruͤber viele ſchon geſchrieben haben, ſo be⸗ gnuͤge ich mich das angegeben zu haben, was Einer oder der Andere unbeachtet gelaſſen hat. 3 Wir hatten uns lange zu Konſtantinopel auf⸗ gehalten, unſer Wunſch war nun, Athen zu ſehen. Drittes Buch. ¹) Wir konnten lange uͤber den Weg, welchen wir nach Athen einſchlagen wollten, nicht einig werden. Zu Waſſer dahin zu ſchiffen, war wegen der Seeraͤuber nicht raͤthlich, und zu Land dahin zu rei⸗ ſen, war nicht minder gefaͤhrlich, da durch ganz Thrazien die Peſt wuͤthete. Endlich entſchloſſen wir uns mit engliſchen Kaufleuten, einſtweilen nach Smirna zu gehen, und dort erſt uͤber den Weg, welchen wir nach Athen betreten wollten, zu berath⸗ ſchlagen. Am 16. Oetober 1675 reiſten wir von Kon⸗ ſtantinopel auf einer Barque ab, ließen zur Lin⸗ ken Chalcedonien und den Meerbuſen Nikome⸗ dien mit der Stadt Iſchmit, welche an ſeinem Ende liegt; dann zur Rechten die Inſel Prote lie⸗ gen, fuͤhren bei den beiden Seeklippen Oxya und Platy, und der kleinen Inſel Antigone vorbei, und kamen zur Inſel Chalois, wo wir in einem 191 Kloſter von Calojern(Layenbrüdern), die uns ſehr gaſtfreundlich aufnahmen, uͤbernachteten. Am ande⸗ ren Tage reiſten wir ſehr fruͤhe ab, und kamen in den Meerbuſen Montagnia, welcher von der Stadt Cium, vor Alters Sinus Cianus genannt wurde. Wir ſegelten hier recht vor dem Dorfe Trichlia, und eine Meile weiter vor dem Dorfe Siky, wel⸗ ches ziemlich groß iſt, und ſeinen Namen von den vielen wilden Feigen, die in ſeiner Umgegend wach⸗ ſen, hat, vorbei. 4 oder s Meilen von hier liegt Montagnia, wo wir an das Land ſtiegen. Dieſes iſt, nach den alten eingefallenen Mauern zu urtheilen, ein ſehr alter Ort, und ſoll das ehemalige Nikopo⸗ lis von Bythinien ſeyn. Von hier ritten wir den andern Tag nach dem 10— 12 Meilen entfernten Pruſa. Auf dem halben Wege dahin liegt das Dorf Muſſanpula. 3 2) Pruſa oder Burſia, oder Burſa(Prusa ad Olympum) hat die angenehmſten Landungsplaͤtze. Seine Umgegend iſt von Waͤſſern durchſchnitten, und von Kaſtanien und Maulbeerbaͤumen beſchattet; rechts hat es ſchoͤne Gaͤrten, und links einen etwas bergigten, aber ſchoͤnen und breiten Weg. Es liegt am Bergé Olymp, welches der hoͤchſte Berg in Klein⸗Aſien iſt. Dieſer Berg, der zu Konſtantinopel, ob⸗ wohl es 100 Meilen entfernt iſt, geſehen wird, iſt oben beſtaͤndig mit Schuee bedeckt, hat aber unterhalb ſeiner Schneelinie ſehr angenehme Orte, an denen 2 192 Fichten, Tannen und Zedern wachſen; auch einige kleine Baͤche, in denen Lachs⸗Forellen gefangen wer⸗ den. Die Stadt, welche vor der Eroberung von Konſtantinopel die Reſidenz des ottomanniſchen Reiches war, hat noch immer Mauern, welche bei Eroberung der Staͤdte von den Tuͤrken gewoͤhnlich niedergeriſſen werden, im Umkreiſe etwa 6 Meilen, ein Schloß, und an Einwohnern gegen 50000 Tuͤrken und 12000 Juden. Einen ſchoͤnen Anblick gewaͤhren die vielen Brunnen in ihr, 8— Moſcheen, ein Se⸗ ratl, und der Bazeſtan, wo die Waaren verkauft wer⸗ den. Denn Pruſa iſt ein bedeutender Handels⸗ platz und der Stapelplatz der Karawanen, welche von Alepo oder Smirna nach Konſtantinopel ziehen. Von hier kamen wir zu Pferd, auf deuen wir, wie Mark Aurel vom Kapitol, ohne Zaum, Buͤgel und Sattel ritten, zu dem Dorfe Capligi⸗ welches eine Meile entlegen iſt, und ſiedend heiße Schwefelbaͤder hat, in denen wir, nachdem wir ſie durch kaltes Waſſer lau gemacht harten, Nachmittags badeten. Dieſe Baͤder ſind von den Tuͤrken ſtark be⸗ ſucht, und im ganzen Land beruͤhmt. Den andern Tag, am 24. October, reiſten wir uͤber Grees, ein kleines Dorf, wo wir zum Mitragmale Eier und Milch aßen, aber unſern Pferden kein Futter vorwarfen, weil die Tuͤrken die Gewohnheit haben, ihre Pferde auf der Reiſe erſt am Abende zu fuͤttern, nach Lo⸗ padi(Lopadium, Apollonia), einer kleinen und 193. faſt oͤden Stadt, an einem Fluſſe, welcher etwa 3 Meilen von hier in dem See und Fluß Askanius, welcher vom Meere etwa eine Tagreiſe entfernt iſt, faͤllt. Es iſt, nach den marmornen Denkmaͤlern und Saͤulen zu urtheilen, eine ſehr alte Stadt. Wir her⸗ bergten hier bei einem Griechen, der uns mit herrli⸗ chen Forellen erquickte. 3) Den andern Tag ſetzten wir unſere Reiſe bis auf den Abend in den ſchoͤnen Ebenen Myſiens fort. Gegend Abend kamen wir zu dem Fluſſe Gra⸗ nikus, der durch Alexander den Grohen be⸗ ruͤhmt iſt. Er iſt ganz mit Sand und Kies ange⸗ ſchwemmt, hat ſehr wenig Waſſer, ja iſt im Sommer ganz ausgetrocknet und tritt nur durch anhaltenden Regen manchmal aus ſeinen Ufern. Nachdem wir 2 Stunden laͤngs deſſelben hingereiſt waren, erreichten wir das Dorf Suſigirli(Buͤffels⸗Dorf), welches eine Schußweite von ihm entfernt liegt, in dem wir eine große Kan oder Kirvanſera, d. i. ein Gaſthaus nach jenes Landes Weiſe antrafen. Den andern Tag nachteten wir zu Mandragoia, einem ſchlechten Dorfe, und die beiden foölgende Tage in dem Dorfe Curuquil und dem Flecken Baſkulim Bei. Von hier hatten wir nicht mehr, als 2 kleine Tagrei⸗ ſen noch Smyrnaz aber wir wendeten uns s Mei⸗ len von dem geraden Weg ab, um Tyatire von den ſrirten Ak⸗hiſſar, vweißes Schloß genannt, zu ehen.. 17tes B. Sriochenland. I. 2. 6 1 194 4) Thyatire iſt eine der Kirchen der Johannei⸗ ſchen Offenbarung. Sie iſt auf einer ſchoͤnen, bebau⸗ ten und uͤber 20 Meilen breiten Ebene, hat niedrige von Lehm erbaute Haͤuſer, gegen 7 Moſcheen und 4— 5000 Einwohner, welche ſich mit dem Baumwol⸗ lenbau beſchaͤftigen. Nachdem wir den andern Tag zu Ende der Ebene gekommen waren, fuͤhrte unſer Weg uͤber einen Huͤgel, und brachte uns in eine an⸗ dere Ebene, von 20 Meilen in der Laͤnge und 4—5 Meilen in der Breite, wo ehedem Seipio der Afri⸗ kaner den Antiochus toͤdete. Als wir dieſe zu⸗ ruͤckgelegt hatten, gelangten wir uͤber den kleinen Fluß Hermus, welcher ſich mit dem Fluße Paktolus in den Meerbuſen von Smyrna ergießt. Dieſe bei⸗ den Fluͤſſe fuͤhrten vor Alters Goldſand, obwohl man jetzt keine Spuren mehr davon findet. 5) Eine Meile von da iſt der Berg Sypilus, an deſſen Fuße die Stadt Magneſia, jetzt Mag⸗ neſa liegt. Sie iſt groß, und hat uͤber 12,000 Ein⸗ wohner. Den 31. Oktober beſtiegen wir in 3 Stunden den Berg Sypilus, welcher gegen Suͤd⸗Oſt liegt, und kamen in 5 Stunden zu Smyrna an. 6) Smyrna, nach der Sage der Griechen von einer Amazone Namens Smyrne erbaut, iſt eine ſehr alte Stadt an einem großen Meerbuſen von 8 Meilen im Umfange und hat guten Ankergrunde. Nordoͤſtlich von ihren Mauern laͤuft der Fluß Meles, an dem man 195 Homer, der den Beinamen Meleſigenes fuͤhrt, geboren glaubt. Man haͤlt dafuͤr daß ſie mehr als 30,000 Tuͤrken, 12— 15,000 Juden, und 9— 10,000 Griechen zu Einwohnern zaͤhle. Die Chriſten litten in den erſten Jahrhunderten des Chriſtenthums daſelbſt große Verfolgung, bei welcher der h. Polykarp, nebſt vielen andern den Maͤrtyrer⸗Tod ſich errang. Wir blieben ein Monat zu Smyrna, ehe wir uns nach Epheſus begaben, welches von heer nur 1 ½ Tagreiſe entfernt liegt. Auf dem Wege dahin ka⸗ men wir 4 Meilen von Smyrna zu dem Dorfe Sa⸗ muaki. Von da nahmen wir nach Epheſus nicht den naͤchſten Weg, der durch einen Felſen fuͤhrt, weil er durch Naͤuber unſicher war; ſondern ſuchten durch einen Umweg, welcher uͤber eine große Ebene ſich hin⸗ zog, dahin zu gelangen. Auf dieſem Wege kamen wir über den Fluße Halys, welcher gegen Kolophon laͤuft. 7) Um 10 Uhr Morgens ſahen wir das Dorf Tur⸗ bale, welches der Lage nach die Stadt Metr opolis ſeyn koͤnnte; wahrſcheinlicher iſt aber, daß dieſe Stadt, welche zwiſchen Epheſus und Smyrna auf der Haͤlfte des Weges etwas naͤher bei Epheſus lag, die Ruinen eine Meile von dem Dorfe Cabagea ſind, auf welche wir gegen Mittag ſtießen. Zu ihnen fuͤhrt ein großer mit 4 eckigen Steinen gepflaſterter Weg, wahrſcheinlich die Heerſtraſſe zwiſchen ESphe⸗ ſus und Smyrna. Genannte Ruinen liegen an dem Berge Mimas, und gewaͤhren eine reitzende Ausſicht in die Ebene. 2— 3 Meilen von ihnen laͤuft der Fluß Caiſtre, der außerordentlich viele und große Kruͤmmungen macht, weßwegen man auf dem Wege nach Epheſus einige Male uͤber ihn ſetzen muß. Seine Kruͤmmungen ſind auch Urſache, daß einige ihn als 2 Fluͤſſe verkannt und einen Caiſtre, den andern Meander genannt haben. Alleein letzterer iſt von hier 1 1⁄½ Dagreiſen entfernt, und ſtuͤrzt ſich bei den Ruinen von Mileto in das Meer. Die Tuͤrken nen⸗ nen den Fluß Kayſtros, das ſchwarze Waſſer,(Ka⸗ raſu); den kleinen oder ſchwarzen Meander(Cout⸗ chouk⸗Mintre Minderſkare) wegen der Aehn⸗ lichkeit, welche er mit dem waheen Meander hat, welchen ſie ſchlechthin Mindre oder Buͤjouk⸗Min⸗ dre, den großen Meander, nennen. Er kömmt aus den Lydiſchen Gebirgen, und fließt in der Epheſi⸗ ſchen Ebene eine Meile von der Stadt gegen Weft. 8) Zwei Stunden vor einbrechender Nacht kamen wir nach Spheſus, welches die Tuͤrken Ajaſa luk nennen. Ich glaube nicht, daß irgend eine Stadt ſo viele große und traurige Merkmale ihrer alten Herrlich⸗ keit behalten hat, als ſie. Wohin man nur immer ſeine Augen wendet, ſiehr man Haufen von Marmor, um⸗ geworfene Mauern, Saͤulen, Kapitaͤle und Truͤmmer von Bildſaͤulen. Sie hat eine Feſtung, welche auf einer Anhoͤhe liegt, und wahrſcheinlich das Werk grie⸗ ch iſcher Feldherren iſt. Ehemals hatte ſie viele, oft uͤber 197 z Meilen weit gefuͤhrte Waſſerleitungen, von denen man noch zur Linken der Heerſtraſſe auf dem Wege nach Skala Nuova die Schwibbogen ſieht mit den Aufſchriften: zur Ehre der Diana von Epheſus und zur Ehre der Kaiſer Auguſt und Tiberius. 9) Den folgenden Tag ritten wir herum, die Al⸗ terthuͤmer am Fuße des Berges zur Seite des Tem⸗ pels der Diana zu ſehen. Mir gingen in die Hoͤhle der Siebenſchlaͤfer, von denen die Legende erzaͤhlt, daß ſie ſich bei der Verfolgung des Kaiſers Diokletian hierher gefluͤchtet, eingeſchlafen, und erſt nach 200 Jah⸗ ren wieder erwacht ſeyn ſollten. Die Froͤmmigkeit hat daraus einen Tempel gemacht. Wir ſahen auch hier den Taufſtein des h. Johaunes. Er iſt nicht gar tief, hat etwa 1s Schuhe im Durchmeſſer, und iſt aus Marmor, welcher wie Jaſpis ſtrahlt, gearbeitet. Nach ſeiner Pracht zu urtheilen, iſt er viel ſpaͤtern Ur⸗ ſprungs: denn die erſten Zeiten des Chriſtenthums kannten die Pracht des Gottesdienſtes und der gottes⸗ dienſtlichen Geraͤthe heutiger Tage nicht. Auf der Spitze eines angraͤnzenden Huͤgels hat ſich noch etwas von einem 4 eckigen Thurm erhalten, welchen man das Gefaͤngniß Paulus nennt. Wir ritten auch zu dem Orte des Tempels der Diana, welcher am Fuße des Berges iſt, der, weun man von Smyrna nach Ephe⸗ ſus reiſet, der großen Ebene bei dieſer Stadt zur lin⸗ ken liegt. Er ſteht auf einem feuchten und ſumpfigen Grund, was die Urſache war, daß der Grund mehr 198 als der uͤbrige Tempel gekoſtet hat, da man denſelben durch Kohlen, Baumwolle und anderere Materialien trocken machen mußte. Eine kleine Stiege fuͤhrte uns unter die Erde in Gewoͤlbe, welche wahrſcheinlich die Cyſternen des Tempels waren. Wir waren einen groſ⸗ ſen Theil derſelben theils durchgangen, theils durch⸗ krochen, als uns der viele Schlamm das weitere Ein⸗ dringen unmoͤglich machte. Wir verließen daher wie⸗ der dieſelben, und betrachteten lieber die alten einge⸗ fallenen Mauern, um uns den Grundriß des Tempels vorzuſtellen. So viel wir aus dieſen ſchließen konnten, war der Tempel 4 eckig und noch einmal ſo lang als breit. Die Fronte deſſelben ſtand der Feſtung und dem Dorfe Epheſus entgegen. Die Mauern waren theils aus Quadern theils aus Ziegelſteinen, in welchen man noch viele regelmaͤßig gemachte Oeffnungen ſieht, was mich zu der Vermuthung brachte, daß die Mauer mit Blech uͤberzogen geweſen ſeyn moͤchte. Dieſer Tempel wurde zu den 7 Wunderwerken der Welt ge⸗ rechnet, und von Heroſtrat, um ſich zu verewigen, angezuͤndet. 10) Nachdem wir alles dieſes geſehen hatten, ver⸗ lieſſen wir Epheſus und kehrten nach Smyrna zu⸗ ruͤck, wo wir uns nach den uͤbrigen, in der Offenbarung genannten Kirchen erkundigten, die wir aber nicht ſa⸗ ben, ſondern blos aus angefertigten Manuſkripten, von einigen, welche die Reiſe dahin ſeit s oder 6 Jahren gemacht batten, uͤber ſie nachſtehendes erfuhren. 199 Pergamus, nun Pergamo iſt 34 Meilen von Smyrna, und 20 von Thyatire entlegen. Es liegt am Fuße eines Berges in einer ſchoͤnen an Korn ſehr fruchtbaren Ebene, in welcher die Fluͤße Tita⸗ nus und Caicus, die in den Fluß Hermus ſich ergießen, fließen, und hat gegen 2— 3000 Einwohner. An der Seite der Stadt laͤuft ein kleiner Fluß, ehe⸗ dem Selinus genannt, vorbei. Dieſer laͤuft gegen Suͤd⸗Suͤd⸗Oſt, und faͤllt in den Caieus. An ihm iſt eine ſchoͤne Kirche der h. Sophia erbaut, welche aber zu einer Moſchee umgewandelt worden iſt. Eine andere Kirche zum h. Johannes, welche so Schritte lang und 32 breit war, iſt ganz zerſtoͤrt. In dem oͤſt⸗ lichen Theile der Stadt ſieht man die Ueberreſte eines Palaſtes; auch befinden ſich hier, wie in dem weſtlichen Theile auf den beiden Seiten der Heersſtraſſe 2 kleine kuͤnſtliche Berge, auf denen Feſtungen ſind, um den Eingang zu bewahren. 11) Laodicea, von den umwohnenden Tuͤrken Efkihiſſar, d. i. altes Schloß, genannt, iſt ganz geſchleift, und nur eine Muͤhle uͤbrig. Es liegt 24 Meilen von der, durch einen Brief Paulus bekannten Stadt Coloſſus, welche die Griechen Chanos heiſſen. Nord⸗Oeſtlich von ihr laͤuft der Fluß Lykus, welcher in den Meander faͤllt. Er wird von Titus Livius Marſyas genannt, und von Curtius unter dieſem Namen beſchrieben. Von ihm hat die Stadt den Namen Laodicea nahe bei dem Lykus 200 Von der ehemals daſelbſt geſtandenen chriſtlichen Kirche findet man keine Spur mehr. 12) Sardes nun Sardo, vor Alters der Sitz des reichſten Koͤnigs ſeiner Zeit, Croͤſus, liegt am Fuße des Berges Tmolus, welcher gegen Nord eine Benſi mit vielen kleinen Baͤchen bewaͤſſerte Ebene hat. lie dieſe Baͤche entſpringen theils aus dieſem Berge, ane aus benachbarten ſuͤdoͤſtlich von der Stadt gele⸗ genen Huͤgeln. Aus dieſem Berge entſpringt auch der Fluß Paktolus. So reich dieſe Stadt ehemals war, ſo arm ſieht ſie jetzt aus: denn auſſer einem großen Kan, da der gemeine Weg der von Smyrna nach Alepo oder Perſien ziehenden Karavanen durch⸗ fuͤhrt, ſtehen allda nur einige elende Huͤtten. In dem oͤſtlichen Theile der Stadt ſieht man noch ein altes Schloß nebſt verfallenen Mauern einer Kirche, und ge⸗ gen Mittag und Mitternacht die Truͤmmer einer Kirche. Eine andere Kirche, an deren Thuͤren viele Saͤulen aus geſchliffenen Marmor ſtehen, haben die Tuͤrken in eine Moſchee umgewandelt. 13) Philadelphis, von den Tuͤrken Alla⸗ ſcheyr, d. i. Gottes⸗Stadt genannt, hat a Kirchen und 7— 8000 Einwohner. Es liegt 27 Meilen ſuͤdoͤſt⸗ lich von dem Berge Omolus, auf dem man eine ſchoͤne Ausſicht in die Ebene hat. 14) Ehe wir dieſes Land verlaſſen, muͤſſen wir auch einiges von jenem den 7 Kirchen benachbarten Staͤdten ſagen. Hierapolis iſt eine ganz oͤde Stadt, 201 G ihre Ruinen heiſſen die Tuͤrken Bambouk⸗Kale, Baumwollen⸗Thurn, wegen der weißen Felſen, die umher zu ſehen ſind. Sie liegt am Fuße eines Huͤ⸗ gels, welcher beinahe Laodicea gegenuͤber iſt, und gegen Suͤd eine 5 Meilen breite Ebene hat. Zwiſchen beiden Staͤdten, doch etwas naͤher bei Hierapolis, fließt der Lykus. Man ſieht hier eine ſo außeror⸗ dentliche Menge eingefallener Kirchen und Mineral⸗ Quellen, daß man ſich nicht wundert, warum die Al⸗ ten ſie die heilige Stadt genannt haben. Ein ſolches Mineralbad, in dem ſich ſein Waſſer uͤber den Nand ergießt, macht eine Rinde von grauer Erde, de⸗ ren Oberflaͤche dem Topas der Farbe nach gleicht. Auch iſt allda ein großes Theater aus Marmor mit 40 Stu⸗ fen, welches wirklich ſehenswerth iſt. 15) Milet, welches nicht weniger als Ephe⸗ ſus beruͤhmt war, iſt ein Haufe von ſchoͤnen, aber al⸗ ten Mauern, unter denen einige Schaͤferhuͤtten ſtehen. Sie liegt 11⁄½ Tagreiſe von Epheſus, etliche Mei⸗ len vom Meere, nahe an dem Mean der welcher die Grenze zwiſchen Carien und Jonien macht, war die Vaterſtadt eines der 7 Weiſen Griechenlands, Thales, und wird wegen der von einem ſchoͤnen Pa⸗ laſte uͤbriggebliebenen Mauern nun Palatſchia ge⸗ nannt. 3 1 ½ Tagreiſen von Milet liegt die zerſtoͤrte Stadt Aſkemkaleſi(Schloß von Aſkem). Waͤh⸗ rend Milet noch in Jonien liegt, befindet dieſe ſich 202 ſchon in Carien, und hat einen Seehafen. Aus Stein⸗Inſchriften ſah ich, daß ſie die alte Stadt Ja⸗ ſus ſei. 16) Melaſſo, von welcher 60 Stadien entfernt der Tempel Jupiters noch ganz erhalten ſteht, iſt die alte Stadt Mylaſa, wovon mich auch Stein⸗Inſchrif⸗ ten und ihre Lage, welche ich mit der Beſchreibung der⸗ ſelben durch Strabo zufammenhielt, uͤberzeugten. 17) Halikarnaſſus iſt ſchon eine geraume Zeit zerſtoͤrt, und von ihr nichts, als Ruinen uͤbrig, welche nahe bei dem bewohnten Orte Budron, welcher der Inſel Cos gegenuͤber iſt, liegen. Alle dieſe hier beſchriebenen Staͤdte liegen in Jo⸗ nien, Carien und Lydien, welche 3 aneinander⸗ ſtoßende und aͤußerſt fruchtbare Laͤnder ſind. Wir haͤt⸗ ten gerne noch viele andere Staͤdte, welche ehedem da⸗ ſelbſt beruͤhmt waren, geſehen; allein wir gaben unſern Entſchluß gerne auf, als man uns mehrere Betruͤge⸗ reien der Tuͤrken gegen Fremde erzaͤhlte wodurch das Reiſen durch dieſe Gegenden, wie durch die Naͤuber, welche allda hauſen, lebensgefaͤhrlich wird: Jonien hat 12 Staͤdte: Epheſus, Milet, Myuns wel⸗ ches ſchon lange zerſtoͤrt iſt; Lebedos, welches nicht mehr ſteht; Teos, nun das Dorf Sigeſiz Colo⸗ phon, was verwuͤſtet iſt; Priene, von dem keine Spur mehr zu ſehen; Phokea, nun Palaͤa Fojaz Erythraͤ, das Dorf Geſmez Klapomene, das Dorf Vurla oder Keliſam; Chios und Samos. 3 2⁰3 Die 13. Stadt iſt Smyrna, denn ſie liegt noch in Jo⸗ nien. So lange wir uns hier aufhielten, hatten wir 2 lebendige durch die Veraͤnderung ihrer Farbe wunder⸗ bare Chameleone Bei jeder Veraͤnderung nahmen ſie eine andere Farbe an, was ich fuͤr eine Folge ihrer Affekte, ih⸗ rer Anſtrengung und der Temperatur halte. Hier ent⸗ ſchloſſen wir uns auf einem engliſchen Schiffe nach Zante zu fahren, und von da nach Athen zu reiſen. 18) Den 28. November ſegelten wir mit gutem Winde ſchon vor dem Anbruche des Tages ab, um aus dem Meerbuſen von Smyrna zu kommen. Bei die⸗ ſer Fahrt ließen wir gegen 15 Meilen zur Linken das Dorf Vurla, und 5 Meilen weiter das Dorf Ke⸗ liſman auf einer Spitze nahe bei etlichen Inſeln und dem Eilande Calaburun liegen. Den folgenden Tag kamen wir zwiſchen Chio und Pſara, da wir entgegengeſetzten Wind hatten, nur von einem Ufer zum andern. Am 1. Dezember aber ſchifften wir vor dieſen In ſeln vorbei, und wendeten uns gegen Ne⸗ gropont, dem wir auch immer naͤher kamen. Al⸗ lein Tags darauf wurden wir nahe bei Pſara von einem Sturme, welcher 2 Tage dauerte, und mit Ge⸗ witter und Winds⸗Braͤuten ſich endigte, weit hinweg⸗ getrieben. Wir irrten bei entgegengeſetztem Winde noch 4— s Tage herum, bis endlich am 9. Dezember wieder guͤnſtiger Wind eintrat, bei dem wir zwiſchen den Inſeln Negropont und Andros haͤtten durch⸗ ſegeln koͤnnen, was wir aber nicht wagten, da die 204 Nacht uns uͤberfallen hatte, der Wind etwas ſtaͤrker geworden war, und dieſe Inſeln nur 4—5 Meilen von einander liegen. Am folgenden Morgen befanden wir uns nahe bei Tine und Mykone, wo uns, da wir zwiſchen ſie hindurch zu ſchiffen Willens waren, gerade eine Meeres⸗Stille uͤberraſchte. Dieſe Wind⸗ ſtille hielt uns hier einige Zeit auf, bis Nachts ploͤtz⸗ lich ein tobender Nordwind ſich erhob, der uns noͤthig⸗ te, um nicht zwiſchen die beiden Inſeln getrieben zu werden, an das ufer zuruͤckzukehren. Hier widerſtan⸗ den wir dem Winde, ſo gut wir konnten, bis er end⸗ lich um Mitternacht ſo ſtark wurde, daß er das Segel des vorderſten Maſtbaums zerriß. Den andern Tag Morgens befanden wir uns, nachdem wir in Gefahr waren, Schiffbruch zu leiden, 30 Meilen von Tina bei der Inſel Fkaria. Der Wind wurde uns nun guͤnſtig, und blieb es auch den ganzen Tag, war aber ſo ſtark, das die Wellen ſo hoch als das Hintertheil des Schiffes ſchlugen. Deſſen ohngeachtet legten wir mit ihm gegen 100 italieniſche Meilen zuruͤck. Auf dem Abende ſahen wir uns zur Rechten der Inſel Stampalia, fuhren aber die ganze Nacht gegen Skarpanto fort, welche Inſel gegen 30 italieniſche Meilen im Umfange hat, ſehr gebirgig, jedoch frucht⸗ bar iſt. Von hier ſteuerten wir wegen des boͤſen Wet⸗ ters nach Candia, von da wir, nachdem wir noch 18— 20 Tage auf dem Meere herumgeirrt waren, end⸗ lich nach Zante kamen. 3 205 Viertes Buch. 1) Am 3. Januar 1676 warfen wir vor Zante die Anker. Nachdem wir uns hier 3 Tage aufgehal⸗ ten fuhren wir am 6. Januar auf einer Barque nach Lepanto, um von da nach Athen zu ſegeln. Al⸗ lein wir mußten wegen widrigen Windes auf halbem Wege wieder nach der Inſel zuruͤckkehren, wo wir nahe bei Zante in dem Kloſter Sancta Vene⸗ randa uͤbernachteten. Am andern Morgen reiſten wir ſchon vor Tags ab, und hatten 30 italieniſche Meilen zuruͤckgelegt, als wir fruͤhe 10 Uhr bei Chiarenza, der alten Stadt Cyllene, dem Vaterlande Mer⸗ kurs, landeten. Chiarenza liegt 6 Meilen von dem Kaſtell Torneſe, von den Tuͤrken Clemutzi genannt, und 15 italieniſche Meilen von Gaſtuni, einer Stadt mittterer Groͤße, welche 5 Meilen vom Meere an einem Fluſſe, wahrſcheinlich dem Peneus ſich beſindet. Sie hatte ehemals einen Hafen, der aber ganz verſandet iſt. Von ihm hat ſich noch ein Strand erhalten, der wohl guten Grund hat, aber gegen den Nord und Nordoſt⸗Wind, welchen die Griechen Bo⸗ reas nennen, nicht Sicherheit gewaͤhrt. Wir trafen allda 3 franzoͤſiſche Schiffe, welche ſich mit Lebensmit⸗ teln zur Fahrt nach Sizilien verſahen. Ehe wir bei Chiarenza landeten, waren wir zwiſchen dem Vorgebirge gleichen Namens, das ein Theil des Vorgebirges Chelonates und der Klippe Caucalida, in deren Naͤhe ſehr viele Sandbaͤnke ſind, hindurchgefahren. Von Chiaranza ſteuerten wir immer laͤngſt der Kuͤſte von Morea hin, auf wel⸗ cher Fahrt wir den andern Tag fruͤh 9 Uhr zu dem Vorgebirge Coſihet, kamen. Aus dem Felſen, der das Vorgebirge bildet, laͤuft ganz unten eine warme Quelle von ſchwefligtem und ſalzigtem Waſſer: oben hat der Felſen eine ſchoͤne Ebene, welche mit Fichten⸗ holz bewachſen iſt. Von hier kamen wir zu dem Vor⸗ gebirge Calogria, von den Tuͤrken Maurovuni, (ſchwarzer Berg) genannt; hierauf von dem Vorgebirge Mauromiti, und dem Marktflecken Caminitza, welcher ohne Zweifel die alte Stadt Olenus iſt, vor⸗ bei nach Patras. 2) Patras auf einer Anhoͤhe, 1¼ Meile vom Meere, nahe an einem ziemlich hohen Berge, hat an dem hoͤchſten Orte ihrer Lage eine Feſtung. Sie hieß bei ihrem erſten Entſtehen Aroa, ſpaͤter Patraͤ, end⸗ lich unter Auguſt Colonia Auguſta Aroe Pa⸗ trenſis. Sie hat einen Erzbiſchof, welcher auf den Kirchen⸗Verſammlungen ehemals der z2ſte war, meh⸗ rere chriſtliche Kirchen und Moſcheen 4— 5000 Ein⸗ wohner, und iſt eine nicht unbedeutende Handelsſtadt. Ihr Handel beſteht in Seide, Leder, Karduan, Wachs, Wolle und Kaͤſe. Vorzuͤglich, ſowohl wegen ihrer Groͤße, als Suͤße, ſind die Zitronen, Pomeranzen und Granat⸗Aepfel, die in ihren Gaͤrten wachſen. Sie ſcheint ehemals groͤßer geweſen zu ſeyn, und bis au das Meer gereicht zu haben, was Ruinen auf den Fel⸗ 207 dern gegen das Meer unzweideutig beweiſen. Sie hat auch noch alte Denkmaͤler. Wir nahmen nns hier bei dem Venetiani⸗ ſchen Konſul einen Paß, um in den Meerbuſen von Lepanto einlaufen zu koͤnnen. Dieſer Meerbuſen hat an feinem Eingange 2 Schloͤſſer, von denen man mit dem Geſchuͤtze alle Seiten derſelben beſtreichen kann. Eines heißt Schloß von Morea, das andere von Romelien. 3) Lepanto, vor Alters Naupactum, heißt nun bei den Einwohnern Epactos. Es liegt ziem⸗ lich vortheilhaft um einen kleinen, zuckerhutfoͤrmigen Berg, auf deſſen oberſter Spitze der ſtaͤrkſte Theil der Feſtung ſich befindet, iſt feſt, und hat den Roͤmern in ihren Kriegen mit den Aetoliern, welche ſich hierher fuͤchteten, immer viel zu ſchaffen gemacht. Sein Ha⸗ fen iſt klein, hat im Um kreiſe etwa s00 Schuhe, und kann, da die Einfahrt nicht uͤber 50 Schuhe breit iſt, mit einer Kette geſchlo en werden. Es fahren daher auch nur zuweilen kleine Barquen in denſelben, die oft wegen Mangels an Waſſer nicht wieder aus dem⸗ ſelben laufen koͤnnen, und die Ebbe abwarten muͤſſen; denn in dieſem Golf iſt Ebbe und Fluth. Morgens kommt das Waſſer an, und verliert ſich Nachmittags wieder. Außerhalb Lepanto gegen Oſten befinden ſich naͤchſt dem Meere einige große Quellen, die gleich bei ihrem Urſprunge einige Pulvermuͤhlen treiben, und auch ſehr vortheilhaft zur Bereitung des Korduans, 208 welches hier ein vorzuͤglicher Erwerbs⸗Zweig iſt, die nen. In der Umgegend wachſen Zitronen, Pomeran⸗ zen und Cederbaͤume; auch Wein, welcher der beſte von ganz Griechenland iſt, und in gepichten Faͤſſern aufbehalten wird. Der Wein bekoͤmmt dadurch einen Pechgeſchmack, den man aber bald gewoͤhnt. Lepanto treibt Handel mit Leder, Oel, Tabak, Korn und Gerſte, welche hier geladen und verfuͤhrt werden. Da wir hier nichts Merkwuͤrdiges zu ſehen bekamen, ſo wurde uns die Zeit ziemlich lange, beſonders da Win⸗ ter war, und uns vom weiteren Reiſen widriger Wind hinderte. Nach langem Harren erſchien endlich Weſt⸗ Wind. Da dieſer uns guͤnſtig war, ſo begaben wir uns ſogleich auf das Schloß am Eingange des Golfs, von welchem wir den 27. Januar 1676 abſchifften. Wir fuhren bei der Ruine des Dorfes Drepano, zunaͤchſt dem Vorgebirge, welches die Alten Trepanum hießen, und bei dem Vorgebirge Rhium vorbei. Da wir die ganze Nacht bei gutem Winde fortſegelten; ſo befanden wir uns ſchon des andern Tages gegen Morgen bei der Einfahrt des Meerbuſens Salona (Sinus Criſſaeus) in der Naͤhe einer kleinen in Ruine gelegten Stadt, welche die Griechen Pentagioi nennen, und wahrſcheinlich die Stadt Oeanthes der Alten iſt. In weniger als 2 Stunden hatten wir den andern Morgen das Ende dieſes Meerbuſens er⸗ reicht, wo wir Pferde, die nach Salona zuruͤckkehn ten, antrafen. Es konnte fuͤr uns nicht leicht etwas 209 erwuͤnſchter ſeyn, wir mietheten ſie daher und kamen nachdem wir 2 Meilen zuruͤckgelegt hatten, in eine ſchoͤne 7— s ital. Meilen lange, mit Korn und Oliven bewachſene Ebene, an deren Ende Salona lag, wo wir Nachmittags um 2 Uhr anlangten. 4) Die Stadt Salona, welche einige fuͤr Del⸗ phis halten,(welches aber die alte Stadt Amphiſſa iſt, wie uns eine Stein⸗Inſchrift lehrte), iſt zur Haͤlfte von Tuͤrken, und zur Haͤlfte von Griechen bewohnt. Beide haben hier Moſcheen und Kirchen, und letztere einen Biſchof. Gegen Oſt von ihr fließt ein Bach, durch welchen man die Oliven⸗Baͤume befeuchtet, in⸗ dem man um ſie eine Grube oͤffnet und das Waſſer in dieſe leitet; auch gibt es zu Salona etliche Quellen. Da dieſes nicht Delphis war, ſo erkundigten wir uns, ob man in der Naͤhe keine Alterthuͤmer wahr⸗ naͤhme. Unſer Wirth berichtete uns, daß man eine Menge derſelben in dem Dorfe Ca ſtri antreffe. Wir ritten in Begleitung von Janitſcharen dahin, und wa⸗ ren kaum angekommen, als uns kein Zweifel mehr uͤbrig blieb, daß allda die beruͤhmte Stadt Delphis geſtauden habe. Der Weg dahin iſt 4—5 Stunden lang, und zieht ſich immer neben dem Berge Parnaſ⸗ ſus hin. 5 5) Del p his iſt die Stadt, zu deſſen Orackel man aus allen Theilen der Welt reiſte. Es liegt auf der Ebene eines Berges, iſt aber nun ſo verwuͤſtet, daß es uns Muͤhe machte, nur zu errathen, wo der Tem⸗ 17es B. Griechenland. I. 2. 7 210; pel des Orakels geſtanden ſeyn mochte. Wir fanden hier einige Steine, welche unter ihrer Inſchrift auch das Wort Del phis enthielten, beſuchten die Kaſta⸗ liſchen Quellen, welche zwiſchen 2. Felſen hervor⸗ kommen, und beſtiegen den Parnas, welcher der höchſte Berg in Griechenland iſt, ſchon zu Korinth, welches doch 80 italieuiſche Meilen davon entfernt, geſehen wird. Er iſt auf ſeiner Spitze beinahe das ganze Jahr mit Schnee bedeckt, duͤrr und kalt, und⸗ wird daher nur in ſeinem untern Theile bewohnt. Im Umkreiſe mag er eine ſtarke Tagreiſe haben. Gegen⸗ Suͤd iſt ihm am naͤchſten der Berg Cyrphis, wel⸗ chen die Griechen wegen des Dorfes Stira heißen, Oeſtlich hat er den Berg Helikon und das Dorf Daulis, gegen Nord die um das Dorf Turkochori befindliche Ebene, wo ehemals Elatea und der Fluß Cepihiſſuswaren. 6) Nachdem wir alles ſehenswerthe hier aufgeſucht hatten, ritten wir zur alten Stadt Ambriſſus, nun Brachooag, einem Dorfe von 2—300 Familien, oͤſt⸗ lich von Egſtri, von welchem es nur 4 italieniſche Meilen entfernt iſt. Das Frauen⸗Geſchlecht ziert ſich hier mit frauzoͤſiſchen ſilbernen Muͤnzen, welche ſie durchloͤchern, an einander ketten, und damit Kopf Mieder und Arme behaͤngen. Manches Frauenzimmet ſab ich mit so Thalern dergleichen Muͤnzen geziert. 7) Am Morgen des andern Tages reiſten wir von hier ab, und kamen gegen Mittag zum Kloſter St. 211 Lukas, welches der Sohn des Kaiſers Konſtan⸗ tin VII. erbauk hat. Es iſt von Moͤnchen, welche nach der Regel des h. Baſilius leben, bewohnt, und das groͤßte Kloſter in ganz Romanien, welchen Namen Griechenland ſeit der Verlegung des Sitzes des Kaiſerthums uach Konſtantinopel hat. 1 s) Erſt gegen Mittag des andern Tages verließen wir dieſes Kloſter. Wir ließen den Berg Helikon zur Rechten, reiſten durch das Dorf Syrba, und kamen gegen Abend in Livadia an, wo wir in dem Kan bei dem Eingange der Stadt, logierten. Livad ig treibt Handel mit Wollen⸗Zeugen, welche allda ver⸗ fertigt werden, und mit Korn und Reis, mit welchem: es ganz Griechenland verſieht. Es hat mehrere Mo⸗⸗ ſcheen und Kirchen, wird von Tuͤrken, Griechen und Juden bewohnt, und war einſt wegen des Orakels des Trophonius beruͤhmt. Aus dem Felſen, an dem: es liegt, entſpringt ein Bach, der durch Livadia ſließt, und gleich an der Quelle ſo ſtark iſt, daß er⸗ Muͤhlen treiben kann. In der Entfernung eines Flin⸗ tenſchuſſos von dieſer Stadt faͤllt er in den Bäch, der luͤngs des Weges, den wir gewaͤhlt hatten, fließt, und in den See Livadia, oder den alten Copaidiſchen Sumpf ſich verliert.—. Den andern Tag ließen wir dieſen See, welcher 8 von der Stadt Copa ſeinen Namen hat, zur Linken liegen, kamen in dem Dorfe Deuirna, 2 Monate⸗ genaunt, weil das Korn allda nach der Saut in 2 Mo⸗ 212 naten reif iſt, hierauf zu dem Dorfe Megalo Mulei, wo wir uͤbernachteten. Den andern Morgen reiſten wir nach Theben, wohin 3 Stunden ſind. 9) Theben von den Eingebornen Thiva ge⸗ nannt, nicht Stiva, wie Einige ſchreiben: denn das S., welches ſie von den Griechen vor Thiva ſauſen hoͤren, iſt nichts als das Fuͤgewort in, zu oder nach. Aus einer ſolchen Unkenntniß der Sprache entſtand auch Stampol oder Stimpol, ein Name ven Kon⸗ ſtantinopel, welches eigentlich stin polin, nach der Stadt heißt; daher ſchreibt ſich auch die andere Benennung von Athinag, naͤmlich Setines. Sie war vor Zeiten die Hauptſtadt von Boͤotien, und hat ſich in dem Kriege mit den Lazedaͤmoniern un⸗ ter Examinondas beruͤhmt gemacht. Ihr Erbauer iſt Kadmus. Amphion, Koͤnig von Theben hat ſie mit einer Mauer umgeben, und Alexander der Große lietz ſie auf Antrag ihrer benachbarten Voͤlker, mit de⸗ nen ſie immer in Krieg lebte, ſchleifen. Seitdem iſt ſte ein ſchlechtes Dorf geworden, was ſie noch heute iſt. Sie hat einige Moſcheen und einige chriſtliche Kirchen und gegen 3— 4000 Seelen, unter welchen die Einwohner der Vorſtaͤdte ſich auszeichnen, unter denen die Vorſtadt S. Theodor mit einer herrlichen Quelle, wahrſcheinlich die alte Quelle Diree, die beruͤhmteſte iſt. In der Naͤhe von Theben auf dem Wege nach Negropout wird 45— 20 Schuh tief in der erde der Meerſchaum gegraben, welches eine weiße 213 Erde iſt, welche anfangs weich, wie Wachs mit dem Meſſer geſchnitten werden kann, an der Luft aber nach und nach trocken und hart wird. Man verwendet ſie Tabaks⸗Koͤpfen. 10) Den fokgenden Morgen reiſten wir über eine 7— s ital. Meilen lange Ebene; hierauf fuͤhrte uns der Weg gegen 2 Stunden uͤber ein ungebautes gebir⸗ gigtes Land; wornach wir gegen Mittag das Dorf Vlaghi erreichten, welches von Albaneſern oder Vlagnern, wie ſie ſich nennen bewohnt iſt. Von da fuͤhrte uns der Weg durch eine kleine Ebene von 3— 4 Meilen an deren Ende wir zu dem Berge Ozia, dem alten Parnes oder Parnethes, welcher Boͤo⸗ tien und Attika von einander ſcheidet, kamen. Auf ihm nahmen wir unſer Nachtlager in einem klei⸗ nen, ungedeckten Kan. Da auf 2 Meilen weit ein der Umgegend kein Bauer wohnt, ſo trifft man hier keine Lebensmittel an, als die man ſelbſt mitbringt. Das Einzige was man haben kann, iſt Waſſer aus einem nahen Springbrunnen, der auch von Woͤlfen und Baͤ⸗ ren oͤfters beſucht wird, weßwegen wir das Thor auf das ſorgfaͤltigſte durch Fichtenſtaͤmme zu verwah⸗ ren ſuchten. Nachdem wir den andern Tng in der Fruͤhe 2 Stun⸗ den abwaͤrts gereiſt waren, befanden wir uns auf ein⸗ mal auf einer Ebene, auf der wir durch das Dorf Ka⸗ ſchia, welches 3 Meilen von Atheu liegt, kamen. Je naͤher wir nun Athen kamen, deſto ſchoͤner wurde⸗ 214 der Weg, welcher ſich auf einem flachen Lande voll Olivenbaͤume, zwiſchen welchen die Athener etliche Luſt⸗ baͤuſer haben, fortzieht. Die Leute, denen wir hier begegneten, ſchienen uns viel hoͤflicher, als jene in dem Lande, aus dem wir kamen. Denn ſie redeten uns alle an mit dem Gruße: Herren, ſeyd willkom⸗ men, worauf wir ihnen nach Landesſitte mit„Behuͤt euch Gott“ dankten. Es war 10 Uhr, als wir zu Athen anlangten. Fuͤnftes Baucch. Athen, von deren Einwohnern Cicero ſchreibt, daß ſie die feinen Sitten, den Gottesdienſt, die Ge⸗ ſetze und den Ackerbau zuerſt erfunden und der ganzen Welt mitgetheilt haͤtten, heißt nun Athing. Es giebt 8 Athen in eben ſo vielen. Landſchaften, unter welchen aber dieſes in Attika das beruͤhmteſte und vorzuͤglichſte iſt. Attika, welches gegen Oſt den Euripus, gegen Weſt das Land Megaris und den Berg Citheron, gegen Nord Boͤotien, und ge⸗ gen Suͤd den Meerbuſen Aegina zur Grenze hat, iſt ein theils ebenes, theils gebirgigtes Land, und er⸗ freut ſich ſehr reiner und geſunder Luft, beſonders Athen. Daher kommt es auch, daß Krankheiten da⸗ ſelbſt ungewoͤhnlich ſind, und daß die Peſt, wenn auch in der Umgegend, doch ſehr ſelten in Athen wuͤ⸗ thet. Dieſes geſunde K Klima traͤgt auch ſehr viel zur Geiſtesfaͤhigkeit der Einwohner bei, welche man noch 215 heut zu Tag an ihnen wahrnimmt, obgleich ſie ſich nicht metr auf Wiſſenſchaften verlegen. 1) Athen hatte aͤußerſt bequeme Seehaͤfen, wel⸗ che ihm Fluͤſſe entbehrlich machten. Seine Fluͤſſe, der Hyſſus, welcher faſt beſtaͤndig ohne Waſſer iſt, wie der Eridan und Cephiſſus, ſind auch nur Baͤche. Es hat in ſeiner Naͤhe mehrere Berge, von denen die Berge Briteſſus und Lyeabettu s bei uns nicht bekannt ſind, wohl aber der Berg Parnes, auf dem ehemals die parneth ienſiſche Jupi⸗ ters⸗Saͤuke ſiand, noͤrdlich von der Stadt. Gegen Oſt von ihr liegt der Berg Pentelikus; ſuͤdoͤſtlich der Hymettusz; nordoͤſtlich der A nchesmus, die⸗ ſei letzte iſt von der Stadt nur eine Kanonenſchuß⸗ weite entfernt, und hat auf ſeinem Gipfel eine Ka⸗ pele, welche dem h. Georg gewidmet iſt. Auf ei⸗ nem Felſen, der von allen Seiten abſchuͤſſig iſt, aus⸗ genommen gegen Weſt, wo er leicht zu beſteigen, liegt die Zitadelle, von den alten Akropolis, und vor⸗ her Ceeropia genannt, welchen Namen ſie von dem erſen Koͤnige zu Athen Ceerops hat, der aus ihr eine kleine Stadt machte. Sie hat gegen 12,000 Schritte im Umfange, iſt auf ihrer weſtlichen ſchwa⸗ chen Seite mit dicken Mauern befeſtiget, und hatte einſt unten am Fuße des Huͤgels, auf dem ſie ſteht, eine Mauer, von welcher man noch das Fundament ſieht. Nur mit Muͤhe konnten wir es erlangen, in die Feſtung zu kommen, welche von zwei Anhoͤhen 216 gleichweit abſteht. Eine dieſer Anhoͤhen gegen Weſt, iſt der Berg Muſaͤum; die andere gegen Nord⸗Oſt iſt der Anchesmus, welcher unwegſam und oben nicht eben iſt, ſondern in ſpitzige Felſen auslaͤuft. Wenn man in die Feſtung durch den Vorhof geht, ſieht man rechts den Tempel des Pauſanias. Dieſer iſt nach joniſcher Art gebaut und etwa 15 Schub breit. Zur Zeit iſt er in einen Pulverthurm verwen⸗ det. Ihm gegenuͤber zur Linken des Weges ſteht ein anderes ſchoͤnes Gebaͤude, welches einige fuͤr das Zeug⸗ haus Lykurgs, ich aber fuͤr einen Tempel halte⸗ Es iſt nach doriſcher Art aufgefuͤhrt, hat aber inwen⸗ dig joniſche Saͤulen, und dient als Zeughaus. Nach⸗ dem wir auch die 3 Thore, die Figuren und Mar⸗ mor⸗Inſchriften uͤber ſie geſehen hatten, gingen nir, die große Moſchee zu betrachten, welche ehedem der TDempel der Minerva war, und von Pauſanias Parthenon genannt wird. Dieſes wunderſchoͤre Gebaͤude, welches bezaubert und Ehrfurcht gebietet, war, bevor es eine Moſchee wurde, eine ehriſtliche Kirche. An ſeinen Frontſpitzen hat es herrliche⸗ Bas⸗Relifs, deren Darſtellungen ſich auf den Streit Minerva's und Neptun's wegen der Benennung der Stadt, und auf Kaiſer Hadrian beziehen. Sie ſind groͤßtentheils verſtuͤmmelt, jedoch einige Pferde noch zu ſehen, die denen des Phidias und Pra⸗ ritites, welche wegen der Pferde ſo beruͤhmt ſind, nichts nachgeben. Der Tempel, welchen Jetinus 217 gebaut hat, iſt zweimal ſo lang als breit, und hat einen von 46 Saͤulen getragenen Gang um ſich. Nach⸗ dem wir den Tempel von Auſſen beſehen hatten, die Figuren ſowohl an den Frontſpitzen, wie an den Saͤu⸗ len, traten wir in ihn hinein. Er iſt von Innen ganz finſter, und erhaͤlt, wie die meiſten heidniſchen Tempel, ſein Licht nur durch die Thuͤre. Dieſes mag auch der Grund ſeyn, daß man in ihm keine Bildhauer⸗Arbeit antrifft. Ehemals war er, wie ſchon gemeldet wurde, eine ehriſtliche Kirche, wovon noch ein Himmel uͤber einen Altar, ein Predigtſtuhl, und am Gewoͤlbe das Gemaͤhlde der h. Jungfrau uͤbrig iſt. Er iſt ganz aus Marmor, welcher auf dem Berge Pentelieus gebrochen wurde, gebaut, den aber die Tuͤrken ganz aus unverzeihlicher Thorheit mit weiſſer⸗Farbe uͤbertuͤnchen ließen. 2) Wir verließen den Tempel der Minerva, und ſuchten andere Alterthuͤmer auf. Wir waren noch nicht weit zwiſchen den alten Mauern und den Woh⸗ nungen der Soldaten fortgegangen, ſo fanden wir auf der Seite, welche der Stadt zugewendet iſt, den ereceteiſchen Tempel. Man kennt ihn an zwei Merkmalen, welcher Pauſanias gedenkt; zum er⸗ ſten, daß er doppelt iſt, oder daß zwei Tempel an einander gefuͤgt ſind; zum andern, weil man hier den Salz⸗Brunnen trifft, den wir aber nicht ſehen konn⸗ ten, weil er von den Mauern des Serails, in das gußer dem Verwalter Niemand gehen darf, einge⸗ 2218 ſchloſſen iſt. Pauſanias ſtaunt nicht ſowohl uͤber den Salzgehalt dieſer Quelle, als uͤber eine andere Eigenheit derſelben, daß ſie naͤmlich, wenn der Suͤd⸗ wind weht, ein Geraͤuſche gleich den Meereswogen von ſich gibt. Dieſe beiden Tempel ſind nach joni⸗ ſcher Art gebaut, mit ausgehoͤhlten Saͤulen„ und wie der Tempel der Minerva, ganz aus Marmor. Der groͤßere hat der Laͤnge nach 601 ⁄½ Schuh, der Breite nach 36 12; der kleinere mißt dagegen in die Laͤnge 29, in die Breite 24 3/42 Schuhe.— „Auf der andern Seite des Dempels der Minerva, fuͤdwaͤrts von ihm, ſieht man alte eingefallene Mauern, und etliche Statuͤen von Frauen in der Wand, wahr⸗ ſcheinlich die Grazien, welche Socrates allda aus⸗ gehauen. Es koͤnnen dieſe die Ueberreſte der Tempel der voliadriſchen Minerva, und der Nymphe Pandroſa ſeyn. Als wir das Schloß verlaſſen hatten, begaben wir uns zum Theater des Bac chus, worin die Athe⸗ ner den Schau⸗ und Trauerſpielen ihrer beruͤhmten Dichter zuſahen. Es liegt unten an der Feſtung, und ſteht mit einer Mauer derſelben, die Pauſanias Auſtrat nennt, weil ſie gegen Suͤd liegt, in Ver⸗ bindung. Das Meiſte hat ſich von der Mauer hinter der Schaubuͤhne erhalten, in der man 3 Reihen Fen⸗ ſter uͤber einander ſieht. Die Zuſchauer ſaßen hier auf etwas mehr als halbrunden Stufen, und waren mit Ausnahme des Suͤdwindes, der jedoch auf die Ge⸗ 1 219 ſundheit nachtheilig wirkt, gegen alle Winde geſchuͤtzt. Ehemals ſah man in dieſem Theater die Bildſaͤulen verſchiedener großer Maͤnner, unter denen man die Bildſaͤule des Aeſchylus, Euripides und So⸗ phoecles fuͤr die beruͤhmteſten hielt. Die Denk⸗ ſaͤulen der Tugend dieſer großen Geiſter ſind zerfal⸗ len, nicht aber ihr Ruhm, der unſterblich iſt. Die naͤchſt dieſem Baue ſtehenden Schwibboͤgen ſind ver⸗ muthlich noch von der Wandelbahn Eumenicus⸗ welches der vornehmſte Spazierort der Athener war. Man kam hieher nicht nur, um zu ſpatzieren, ſondern auch ſich mit Gelehrten zu beſprechen. Von dieſer Gewohnheit haben die Anhaͤnger des Ariſtoteles den Namen Peripatetiker, und die Schuͤler Ze⸗ no's den Namen Stoiker, von Stoa, welches Gang bedeutet. Man ſieht in dieſer Gegend weder⸗ einen Baum, noch eine Spur einer ehemaligen Waſſerleitung, weß⸗ wegen ich das Lycaͤum zwiſchen der Stadt und dem Berge Anchesmus in der Gegend der Kirche Sotira Locodemon, d. i. Kirche der h. Jung⸗ frau bei dem Lycaͤum, ſuche. Ich komme nun wieder zur Suͤdſeite des unter⸗ ſten Theiles der Feſtung zuruͤck. Unten an der Mauer iſt die Kirche Panagia Spiliotissa, die Kirche der Jungfrau Maria in der Hoͤhle. Man haͤlt dafuͤr, hier ſei die Hoͤhle, in welcher Apollo, des Koͤnigs Erectbaͤus Tochter, Namens Creuſa, genoth⸗ 220 zuͤchtiget habe, welcher Meinung aber alte Beſchrei⸗ bungen, die ſie auf der Nordſeite der Feſtung ſetzen, widerſprechen. 3) Wenn man auf dieſer Seite in die Stadt geht, kann⸗man die Laterne des Demoſthenes ſehen; ſie iſt ein kleiner marmorner Thurm. Man glaubt, De⸗ moſthenes habe ſich darin in der Beredſamkeit ge⸗ uͤbt; allein wahrſcheinlich iſt ſie nichts, als ein Denk⸗ mal, das man einem Schaulſpieler widmete, der viel⸗ leicht in dem Stuͤcke der wuͤthende Herkules, der ſich auf dem Berge Oeta verbrannte, welches die Figuren von Außen ſchließen laſſen, den Sieg davon trug. Pauſanias hat dieſer Laterne nicht erwaͤhnt, ſo auch nicht des Thurms der Winde⸗ Dieſer iſt seckigt, ohne Licht, und hat auf ſeinem obern Kranie an jeder Seite einen Wind abgebildet. Der Curus, Suͤd⸗Oſt⸗Wind, Siroeo, iſt in Geſtalt eines jungen Mannes abgebildet; der Oſt⸗Wind (Abeliotes Subsolanus) iſt ebenfalls jung dargeſtellt, und traͤgt in den Falten ſeines Mantels, Aepfel, Zi⸗ tronen und Granat⸗Aepfel, deren Wachsthum er wahrſcheinlich ſehr beguͤnſtigt; er wehet nicht heftig. Der Nord⸗Oſt⸗Wind(Caecias), auf dem mittellaͤn⸗ diſchen Meere der griechiſche Wind, und im Golf von Venedig Burino genannt, iſt ein Greis, er bringt fliegend eine Schuͤſſel voll Oliven, deren Aernte die Athener bereichert. Der Nordwind(Boreas) oder Tramontana folgt auf dieſem. Er traͤgt nichts weiten, 221 iſt ein unfruchtbarer Wind, fiiegt ſchnell, iſt mit Stiefeln und mit einem Mantel verſehen, in den er ſeine Naſe, gleichſam um ſie vor den Froſt zu bewah⸗ ren, verhuͤllt. Der Nord⸗Weſt⸗Wind(Sciron;, Ar- gestes, Thraskias) iſt am Kiene bartig, und wie der Nordwind mit Stiefeln und Mantel verſehen; er traͤgt ein umgekehrtes Waſſergefaͤß in der Hand, wahr⸗ ſcheinlich hat er alſo Regen herbeigefuͤhrt. Der Ze⸗ phir, Favonius, oder Weſtwind iſt jung, ſeine Bruſt und Schenkel ſind bloß, er hat in ſeinem Mantel Blumen, und ſcheint gar nicht zu fliegen; ſondern ruhig zu ſitzen, wodurch man offenbar das Sanfte und Angenehme dieſes Windes andeuten wollte. Die 2 noch uͤbrigen Winde ſind in das Gebaͤude hinein ge⸗ macht, und waren wahrſcheinlich der Suͤdwind, No- tus, bei dem regnet und truͤber Himmel iſt; und der Südweſtwind, Lips oder Akricus. Jeder dieſer Winde hat große Fluͤgel, aber keine aufgeblaſene Wangen, wie ſie Mahler und Bildhauer gewoͤhnlich darzuſtellen pflegen. 4) Nicht weit von dieſem Thurme iſt der Bazar oder Markt, welcher aber nicht der alte Ceramicus iſ: denn dieſer lag außerhalb der Stadt zunaͤchſt dem Thore Dipylon. Auf dieſem Platze ſteht eine Mo⸗ ſchee, welche ehemals die Hauptkirche der Griechen war, aber weder alt, noch ſchoͤn iſt. Die dermalige Hauptkirche der Griechen liegt etwas niedriger, und heißt Catholieo. Dieſe kann der Tempel des Vul⸗ 222 cans, der hier ſtand, ſeyn, welche Meinung man jedoch mit nichts begruͤnden kann, indem wir bei ihr wie bei der nahe gelegenen Moſchee; welche man fuͤr den Tempel der Venus- Uraniarhaͤlt, weder ein Fundament, noch eingefallene Mauern fanden, welche uns haͤtten vergewiſſern koͤnnen. Suͤd⸗weſtwaͤrts ge⸗ gen den Bazar ſteht die vordere Seite eines Tem⸗ pels, welcher nach der Aufſchrift, der Stadt Rom und dem K. Auguſt gewidmet war. Jenſeits des Bazar' gegen das Thor Eleuſis geht man durch den Schwibbogen eines Gebaͤudes, welches das praͤch⸗ tigſte in Athen iſt, und nach meinem Erachten der Tempel des olympiſchen Jupiter war. Naͤchſt dieſem Tempel gegen Suͤdweſt iſt der ſerapiſche Tempel, welcher allem Anſcheine nach ein großes und hohes Gebaͤude geweſen iſt. Mehr gegen Weſt ſteht der Tempel des Theſeusz er liegt außer der Stadt, ſtand aber ehemals in ihrer Mitte, da die Stadt⸗ mauern eine Viertels Meile weiter hinausgingen. Er iſt 100 Schuhe laug, 40 breit, und nun die chriſtliche Kirche zum h. Georg,— die jedoch, weil ſie außer der Stadt gelegen iſt, wenig beſucht wird. Zweihundert Schritte jenſeits auf dem Wege nach Lepſina oder Eleuſis beſindet ſich ein Loͤwe aus Maͤrmor, der wahrſcheinlich zu einem Born gedient hat, was eine Oeffnung, die in ſeinen Kopf geht, anzeigt. Auf dieſem Wege findet man eine große Menge von verfallenen Alterthuͤmern, weßwegen ich 2232 ihn fuͤr den Weg nach der Akademie halte, wo ſich die Graͤber um den Staat verdienter Maͤnner be⸗ fanden. 5) Als wir etwa eine italiſche Meile von der Stadt uns entfernt und den Weg von Eleuſis links liegen gelaſſen hatten, kamen wir zu den ſchoͤnen ſe⸗ pollianiſchen Luſthaͤuſern und Gaͤrten, welches wir wegen der Annehmlichkeit des Ortes und des gu⸗ ten Bodens, der ohne viele Pflege Zitronen und Po⸗ meranzen traͤgt, fuͤr den Ort der Akadem ie hielten. Mir iſt nicht unbekannt, daß die Akgdemie in der Vorſtadt Ceramicus lag; welche dem eleuſi⸗ ſchen Wege zur Linken iſt; allein dem ſteht eutgegen, 8 daß der Ceramicus auf einer Ebene liegt, und weit und breit keine Anhoͤhe hat, auf der die Akademie doch geſtanden haben ſoll. Beide Meinungen, wie. noch andere Vermuthungen, haben ihre Gruͤnde fuͤr ſich; dem mag daher ſeyn, wie ihm wolle, ich denke, man koͤnne den Ort der Akademie nicht beſtimmt mehr bezeichnen, vielleicht daß auch obige Vermuthun⸗ gen dadurch ſich vereinigen laſſen, daß man anmmmt, die Akademie habe ſich bis Spollia ausgedehnt. Sie hat ihren Namen von einem gewiſſen Akade⸗ mus, der ſeine Beſitzungen dem atheniſchen Volke vermachte, welches ſie dann zur Stiftung eines Kol⸗ legiums verwendete. Bei ihr befanden ſich die Graͤ⸗ ber mehrer ausgezeichneten Perſonen, 3. B. eines N 224 Theſeus, Oepidus, Platos, ja man hielt ſie fuͤr den vornehmſten Begraͤbnißplas. 6) Ich kehre wieder zur Beſchreibung der Stadt zuruͤck, die ich wegen eines Spatziergauges zur Aka⸗ demie unterbrochen habe. Suͤdwaͤrts von dem Tem⸗ pel des Theſeus ſind die verfallenen Mauern des Areopag's, deſſen Fundament halbrund iſt, und aus ſehr großen, in Form eines ſpitzigen Diamants gehaue⸗ nen Felſenſteinen beſteht. Es ſtand auf denſelben eine Ebene von etwa 140 Schuh in der Laͤnge, welches der Saal war: denn die Gerechtigkeit wurde hier immer oͤffentlich gepflegt. Man ſieht auch noch jetzt, daß die⸗ ſes Gebaͤude nicht hoͤher, als die Erde geweſen. In der Mitte befindet ſich ein aus Felſen gehauener Rich⸗ ter⸗Stuhl, der an ſeinem Nuͤcken eine Mauer von eben ſolchen Felſen, und an den Seiten ſteinerne Baͤnke zu Sitzen fuͤr die Mitglieder des Areopags hatte. 7) Zwiſchen dem Areopag und dem Tempel des Theſeus iſt die Kirche des Areopagiten Dionyſius. Hier befindet ſich auch die Wohnung des Erzbiſchofs, welchen wir beſuchten: wir fanden ihn als einen recht artigen und gebildeten Mann, wurden von ihm recht gut aufgenommen, und erfuh⸗ ren, daß zu Athen 52 Kirchen, deren iede einen Prieſter hat, ſeien, außerhalb der Stadt aber gegen 200, in denen zuweilen Gottesdienſt gehalten werde. Die Urſache ſo vieler Kirchen liegt in der Relision der 225 Griechen, die in einer Kirche des Tags nur eine Meſſe zu leſen, erlaubt. 8) Gegen Suͤd, auf der Suͤd⸗Weſt⸗Seite der Feſtung, befindet ſich der Berg Muſaͤum, der ſei⸗ nen Namen von dem Dichter Muſaͤus hat, welcher ſeine Gedichte hier vorzutragen pflegte. Unten laͤuft der Bach Ilyſſus vorbei, der, ſo lange wir uns zu Athen befanden, kein Waſſer hatte, wie dieß uͤber⸗ haupt beſtaͤndig bei ihm der Fall iſt, wenn ihm nicht Regenwetter, oder das Schmelzen des Schnees auf dem Hymettus, einiges Waſter mittheilt, da er nichts als ein Berg⸗Bach iſt. Wenn man laͤngs des Ilyſſus hoͤher hinaufſteigt, findet man eine Bruͤcke, welche auf großen zugehauenen Steinen ohne Kalk gebaut iſt, und 2 Joche hat. Ueber ſie ging man zum Stadium, einen Orte, wo die oͤffentlichen Spiele gehalten wurden. 50 Schritte uͤberhalb der Bruͤcke ſteht ein runder Tempel, der wahrſcheinlich den ilyſ⸗ ſiſchen Muſen geweiht war. Nicht weit von da iſt der Ort, wo Boreas die orythiiſche Nymphe entfuͤhrte. Wenn man auf die andere Seite des Ilyſſus kommt, findet man den Tempel der Dia⸗ na Agrotera, welcher nun eine kleine Kirche iſt. Dieſes war die Gegend, wo Diana, nach ihrer Ab⸗ reiſe von Delos, ſich zuerſt mit der Jagd ergoͤtzte. Von da kehrten wir zu unſerer Wohnung zuruͤck, wo⸗ bei wir unterwegs mehre Inſchritten laſſen, und ſo⸗ gar an Privat⸗Wohnungen fa den. a7tes B. Griechenland. I. 2. 8 2 226 9) Nachdem wir faſt einen Monat die Alterthuͤmer der Stadt betrachtet hatten, wollten wir auch die Um⸗ gebung derſelben kennen lernen. Der Berg Hymet⸗ tus ſchien uns eines Spatzier⸗Rittes werth; wir mie⸗ theten uns daher Pferde, und ritten dahin. Er liegt eine kleine Meile von Athen, hat 7—8 Meilen im Umkreiß, uund iſt oben weder bewohnt, noch bebaut. Als wir zu ihm gekommen waren, ſiel gerade Schnee; wir mußten ihn deswegen fruͤher verlaſſen, als zu ei⸗ ner andern Jahrs⸗Zeit haͤtte geſchehen muͤſſen. Die Alten glaubten, daß auf ihm die Bienen ihren Ur⸗ prung genoammen haͤtten. Wenn auch dieß nicht die Probe der Wahrheit aushaͤlt, ſo iſt doch ſo viel gewiß⸗ daß dieſer Berg voll von Kraͤutern iſt, welche die Bie⸗ nen aufſuchen, und daß er voll von Bieuen iſt, die das koͤſtlichſte Honig, das man trift, bereiten. Es iſt ſchoͤn goldfaͤrbig, ziemlich dick, und vertraͤgt mehr Waſſer, gls anderes Honig; weßwegen es auch zur Bereitung des Sorbets oder Meths vorzuͤglich geeignet iſt. Auf ahm ſtehen viele Griechiſche Moͤnchs⸗Kloͤſter, welche ſich von der Bienen⸗Zucht ernaͤhren. 10) Wir rirten auch herum, um die Haͤfen von Athen zu ſehen. Der erſte, war der Phalereiſche, welcher 2 italiſche Meilen von der Stadt entfernt iſt. Auf dem Wege zu ihm ſtand ehemals der Tem⸗ pel des Jupiters welchen Mardorius, der Feld⸗ herr der Perſer, in Aſche gelegt hat. Er war ſehr groß, und hatte uͤber 3 italiſche Meilen im Umkreiſe/ 227 war aber nicht geſchloſſen, wie der Pyraͤeus, hatte auch nicht ſo tiefen Anker⸗Grund. Suͤdwaͤrts ſteht er ganz offen, weßwegen man ihn nicht achtet. An ſei⸗ ner Weſt⸗Spitze iſt ein kleiner, gutgeſchloſſener Hafen, wo Barquen und Galeeren geſtanden ſeyn moͤgen. Die Griechen nennen dieſen Porto. Zunaͤchſt ſieht man auf einer Hoͤhe die verfallenen Mauern einer Feſtung aus welchen man ihn beſchießen, und den Eingang deſſelben beſchuͤtzen konnte. Als wir weſtwaͤrts weiter ritten, gelangten wir nach einer halben Meile Wegs zu den Hafen Munychia, er war klein, aber ſehr gut, und ganz umfangen; nun iſt er ganz angeſchwemmt, und nichts geachtet. Von da bis zum Pyraeus iſt zu Lande kaum eine Entfernung von zwei Flinten ſchuͤſ⸗ ſen, zu Waſſer aber wegen der Umſchweife, und wegen der in das Meer reichenden Striche Landes uͤber zwei italiſche Meilen. 11) Der Pyraͤeus wird von den heutigen Grie⸗ chen Porto⸗Draco genannt, von den Euroyaͤern aber Porto Lione, wegen eines ſchoͤnen großen mar⸗ mornen Loͤwen, der an ſeinem Ufer ſteht und ehemals iu einem Springbrunnen diente. Seine Einfahrt iſt ſo enge, daß 2 Galeeren auf einmal nebeneinander nicht einfahren koͤnnen. Er hat guten Auker⸗Grund, iſt rein und ſorgfaͤltig umfangen. Die Schiffe, deren bei den Alten gegen 400 in ihm Raum hatten, von den unfrigen aber, da dieſe große Gebaͤnde ſind, kaum 10 oder 50, ſind in ihm wohl verwahrt, indem ſie auch, — 228 wenn ſie bei einem Sturme ankerlos wuͤrden, nicht Gefahr liefen, zertruͤmmert zu werden, da er ohne Feh ſen iſt, und auch noch nahe an den Ufern Tiefe ge⸗ nug hat. Von der kleinen Pyraͤeiſchen Stadt iſt nichts mehr uͤbrig; noch weniger von den ſchoͤnen Gaͤn⸗ gen, deren Pauſanias gedenket. Das einzige Ge⸗ baͤude, das ſich allda befindet, iſt ein Kaffee⸗ und Zoll⸗ Haus. Wenn man von hier nach Athen, zuruͤckkehrt, ſieht man noch den Grund der Mauer, welche den Pyraͤeus mit der Stadt verband. Sie heißt die lange Mauer, und zieht ſich sMeilen fort bis nach Athen, welches in dieſer Entfernung vom Hafen iſt. Die Straße, die von dem Pyraͤeus nach Athen fuͤhrte, hieß die Pyraͤeiſche, und war auf beiden Seiten mit Haͤuſern verſehen; jetzt ſieht man nichts als Felder und Oliven⸗Baͤume. 12) Zu Athen koͤnnen 8— 9000 Seelen wohnen, von welchen 3 Viertheile Griechen, die uͤbrigen Tůr⸗ ken ſind; Juden werden in ihr nicht geduldet. Sie hat 4 Moſcheen, und eine fuͤnfte auf der Feſtung. Die Tuͤrken reden ihre Sprache, jedoch nicht ſo zien⸗ lich, wie zu Konſtantinopel, voerſtehen auch Griechiſch, wie auch einige Griechen das Tuͤrktſche ver⸗ ſtehen. Das Griechiſche, weiches hier geredet wird, iſt reiner, als auf den uͤbrigen Inſeln des Archi⸗ pels, welches viel Italieniſche Worte aufgenemmen hat. Griechen und Duͤrken ſind durch die Dracht vel ſchieden. Die Griechen tiagen enge, ſchüvarze odet 229 dunkle Kleider und Stiefel; dagegen die Tuͤrken weite bunte Kleider, und nie Stiefel außer bei ſchlechtem Wetter, und dann aus gelbem Leder. Das Frauen⸗ Geſchlecht, das ſelten auskoͤmmt, traͤgt einen aus Baumwolle gewebten Schleier, und uͤber ihre Kleider einen Karmoiſin oder Violblauen ſammeten Mantel, mit großen ſilbernen Knoͤpfen von der Groͤße einer Nuß, welche aber inwendig hohl ſind. 13) Athen iſt ins Theile abgetheilt, die folgend⸗ Benennung fuͤhren: Placa, oſtwaͤrts gegen den Fa⸗ nari; Sotiras tou Cotaki, die Gegend der Kirche Licodemon; Monucaluftis, in der Mitte der Stadt. gegen die neue Moſchee tis Beynas zu; Rouombi in der Gegend der Kirche Panagia Camoucariaz Boreas Platama, an der Nordſeite der Stadt; Pſiri, an der Weſtſeite derſelben; Agioi bolim⸗ boi oder Olimpoi an der Seite des Cheſeiſchen Tempels. Es treibt Handel mit Oel, Anis, Kuͤm⸗ mel, Wolle, Schafkaͤſen, Honig, gelbem Wachs, Kor⸗ duan, Faͤrbe⸗Koͤrnern,(Pernokoki), grober und ſeiner Seide und Seife, welche aus der Aſche des Maſtix⸗ Baumes bereitet iſt, und hat Ueberfluß an Eßwaaren, Vieh und Fiſchen, welche man Nachts mit Huͤlfe ei⸗ nes Lichts im Meere mit einer dreiſpitzigen langen Ga⸗ bel faͤggt. Sein Wein, der auf Pech liegt, iſt vor⸗ trefflich, ſo auch ſeine Oliven, deren es hier eine Gat⸗ tung gibt, die kein Oel geben, aber aͤußerſt ſchmack⸗ baft ſind, und Colymbades genannt werden. 230 Ehe wir Athen verließen, beſuchten wir auch die Inſel Salamina. Dieſe wird nun Colouri ge⸗ naunt, hat ein großes Dorf gleiches Namens, und ei⸗ nen vorzuͤglichen Seehafen. Dieſer iſt 1— italiſche Meilen lang, und 3 Meilen breit, hat ſehr guten An⸗ ker⸗Grund, und eine etwas gekruͤmmte Einfahrt, ſo daß, wenn man in dem Hafen iſt, es ſcheint, als be⸗ faͤnde man ſich in einem rings mit Daͤmmen und Huͤ⸗ geln verwahrten See. An dem ſuͤdlichen Ende dieſes Hafens liegt das ſchon genannte Dorf Salamina, deſſen Lage jedoch nicht die der alten Stadt Sala⸗ mina iſt, welche von hier 4—s italiſche Meilen ent⸗ fernt, bei einem kleinem Dorfe Namens Ambaki, was uns die Steinhaufen daſelbſt und der Name Sa⸗ lamina, auf einem Stein deſſelben bewieſen. Dieſe Inſel hat 15 Meilen im Umkreiſe, und nicht mehr, als die beiden genannten Doͤrfer. Sechſtes Buch. Als wir nach Athen izuruͤckgekommen waren, wuͤnſchten wir Eleuſis, Megara, und Korinth zu ſehen. Da wir alle Merkwuͤrdigkeiten von Athen geſehen hatten, ſo verließen wir es 1676 am 15. Febr., und kamen nach Eleuſis auf dem heiligen Weg; denn ſo nannte man wegen der Eleuſiniſchen Myſterien den Weg, der dahin fuͤhrte. Auf dieſem Wege ſetzten wir uͤber den Cephiſſus, und ſahen eine 231 Meile von der Stadt Sleuſis die verfallenen Mauern eines Tempels, welchen wir fuͤr den Tempel der Ve⸗ nus hielten. Am Eingange der verfallenen Mauern dieſer Stadt ſteht eine kleine Kirche zum h. Georg, an deren Stelle ohne Zweifel ehemals der Tempel der Diang Propylaͤa geſtanden iſt. 1) Eleuſis, nun Lepſina, war in den Zeiten der Bluͤthe Athens eine beruͤhmte Stadt; ſie iſt nun ganz von Menſchen verlaſſen; weßwegen wir bei ſei⸗ nem alten Gemaͤuer abſtiegen, und uns ſelbſt kochten. Waͤhrend dieſer Zeit ſchrieben wir viele Inſchriften ab, und fanden auch einen Theil einer Bildſaͤule der Ce⸗ res, aus weißem Marmor, welche nach ihrer Schoͤn⸗ heit zu urtheilen, ein Werk des Praxiteles iſt. Merkwuͤrdig war an dieſer Bildſaͤule, die wirklich aͤuſ⸗ ſerſt kuͤnſtlich gearbeitet iſt, eine Prozeſſion, die auf ihrer Baſis gehauen war. Die Figuren waren ſehr verſtuͤmmelt, doch erkannte man, daß ſie Paarweiſe gingen, und Fackeln in der Hand trugen. Die Stadt hatte 2 italiſche Meilen im Umfange, und lag zur Haͤlfte nahe am Meer, zur Haͤlfte auf einem Huͤgel, an deſſen Fuße der Tempel der Ceres ſtand. Die Rheede, an der eine Ebene von 7— s Meilen in der Laͤnge, und 3— 4 Meilen in der Breite ſtoͤßt, kann als Hafen die⸗ nen, da ſie durch die Inſel Coulouri gedeckt iſt. 2) Eleuſis iſt von Athen 12 italiſche Meilen entfernt, Megara, wo wir mit einbrechender Nacht ankamen, 26 Meilen. Es fuͤhrt noch heute ſeinen al⸗ 234 thuͤmer; alles, was wir antrafen, war beinahe durch⸗ gehends neuern Urſprungs, die Inſchriften waren alle in lateiniſcher Sprache abgefaßt und ſtammten aus der Zeit, wo die Roͤmer hier eine Kolonie anlegten. 4) Von Korinth bis nach Sycion, nun Vaſi⸗ liea, ſind nur 3 italiſche Meilen. Unter der Herr⸗ ſchaft der Venetianer war es ein kleine Stadt; nun hat es nur einige ſcheechte Haͤuſer, in denen 3 tuͤr⸗ kiſche und eben ſo viele griechiſche Familien wohnen. Es liegt auf einer Anhoͤhe, 3— 4 Meilen vom Meere. Ehe man zu ihr hinauf kommt, muß man uͤber einen Bach treten, der meines Erachtens der alte Aſopus iſt. Es befinden ſich hier noch 2 andere Baͤche, wel⸗ che das an Oliven reiche Land bewaͤſſern. Wir woll⸗ ten nicht nach Korinth zuruͤckkehren, und uͤber⸗ nachteten daher in einem kleinen Dorfe, etwa 2 Mei⸗ len von dem nun ganz verſandeten korinthiſchen See⸗ hafen Lechaͤus. Den folgenden Tag uͤbernachteten wir zu Megara, den dritten zu Athen, wo wir von unſern Bekannten und den ſchoͤnen Alterthuͤmern Abſchied nahmen. 5) Wir hatten uns entſchloſſen, zu Lande durch Theſſalonien nach Wien in Oeſterreich zu reiſen. Wir brachen daher den 9. Maͤrz 4676 auf, und uͤbernachteten am naͤmlichen Tage in dem penteli⸗ ſchen Kloſter, welches eines der groͤßten in Griechen⸗ land iſt, und gegen 100 Moͤnche zaͤhlt. Es zahlt dem Sultan jaͤhrlich 6000 Pfund Honig Caraſch oder 235 Schutz, welchen es von 5000 Bienenſtoͤcken ſammelt. Die Moͤnche bewirtheten uns ſehr gaſtfreundlich, heiz⸗ ten uns auch recht warm ein, was uns das ange⸗ nehmſte war: denn obgleich es in dieſem Lande ſelten Eis gefriert, ſo iſt doch manchmal eine durchdringende Kaͤlte, beſonders wenn es windig iſt, und der Wind von den Schnee⸗Gebirgen weht. Wir waren mit doppelten Kleidern bedeckt, mit Pelzwerk und einem Reiſerocke, und doch fuͤhlten wir die Kaͤlte, als wenn wir nackt waͤren. 5) Von da begaben wir uns auf den Weg nach Marathon, auf dem wir zuerſt nach Cephiſſia, 2 Meilen von Penteli kamen. Es iſt ein ziemlich großes Dorf, und war ehemals eine von den kleinen Staͤd⸗ ten Atticas. Wir kamen durch das verfallene Dorf Stamati, dann auf die Ebene von Marathon, das 7— s Meilen von Cephiſſia entfernt iſt. Eine Meile von Marathon liegt ein ſchlechtes Dorf, mit Namen Urano, welches die kleine Stadt Brauron war. Wir gingen nicht nach Marathon, ſondern ließen es links liegen, und uͤbernachteten in einem Flecken, der nahe am Geſtad des Moraſtes der mara⸗ thoniſchen Felder lag. In dieſem Sumpfe, in wel⸗ chem zur Nachtzeit die nach der Schlacht fluͤchtigen Perſer umkamen, verlieren ſich etliche Baͤche, welche ſich in ihn ergießen. Er iſt ganz mit Gras und Bim⸗ ſen bewachſen, weßwegen man ihn von der Ferne fuͤr eine Wieſe haͤlt. Die Moͤnche von Penteli, die 236 ſich auch der Buͤffelzucht widmen, weiden hier Buͤffel, welche feuchte Orte ſehr lieben. Das ebene Land um Marathon, welches noch immer die maratho⸗ niſche Ebene genannt wird, hat etwa 12 Meilen im Umfange, iſt ganz angebaut, und erſtreckt ſich vom naͤchſten Gebirge bis zum Meere. Durch ſie laͤuft ein kleiner Fluß, wahrſcheinlich der Macariaz er kommt vom Berge Parnes, fließt durch das Dorf Mara⸗ thon, und faͤllt in den Euripus. Marathon, welches wir den andern Tag ſahen, war vor Alters hochberuͤhmt, iſt aber heutigen Dages ein kleiner Ort von etwa 15— 20 Haͤuſern mit 150 Einwohnern. Es liegt 3 Meilen vom Meere, und gegen 8 Meilen von einem der kleinen Kaſtelle von Korinth. Dieſes Dorf, wenn man ſeinen Namen wegrechnet, hat nicht eine Spur mehr von ſeinem Alterthume. Ven da kamen wir am folgenden Tage durch die Doͤrfer Ro⸗ po, die ehemalige Stadt Oropus Marcopoulo, Seamino durch die alte kleine Stadt Boͤotien’'s, Syeaminon, endlich durch Dramiſch nach Ne⸗ grepont. 6) Negrepont(Chaleis) iſt eine Stadt v. 2 Meil. im Umfange. Sie hat gegen 15,000 Einwohner, unter denen ſich gegen 8000 europaͤiſche Chriſten befinden, wel⸗ che in den Vorſtaͤdten wohnen. Die Stadt, die von Juden und Muhametanern bewohnt iſt, hat 2 Mo⸗ ſcheen, und alle Sonntage einen ſehr beſuchten Markt⸗ Sie iſt die Hauptſtadt der Inſel gleichen Namens, 237 welche die groͤßte in dem Archipel iſt, und vom feſten Lande nur durch eine ſchmale Meerenge, der Euri⸗ pus genannt, getreunnt wird, welche bei der Stadt ſo eng iſt, daß ſie allda durch eine Bruͤcke mit dem feſten Lande verbunden iſt. Merkwuͤrdig und wahr⸗ haft wunderbar iſt dieſe Meerenge wegen der Ebbe und Fluth; man erzaͤhlt, Ariſtoteles habe, weil er die Urſache der Ebbe und Fluth nicht habe ergruͤn⸗ den koͤnnen, ſich in ihr erſaͤuft. Dieſe Meerenge des Archipels, der ſonſt keine Ebbe und Fluth leidet, hat wie der Ocean manchen Tag 2mal Ebbe und Fluth, manchmal aber auch des Tages 14 mal. Hiebei richtet er ſich nach dem Mondes⸗Wechſel. Vom Neulichte bis zum erſten Viertel geht ſeine Ebbe und Fluth, wie die des Oceaus, regelmaͤßig vor ſich; vom erſten Viertel bis 2 Tage vor dem Vollmonde iſt dieſelbe unrichtig, und oft 12, 13— 14 Mal in einem Tage Ebbe und Fluth. Hierauf wird ſie waͤhrend des Voll⸗ mondes wieder richtig; dann aber wieder bis 3 Tage vor dem Neumonde unrichtig. Im Ganzen geht die⸗ ſelbe 11 Tage unrichtig, 18— 19 Tage aber richtig vor ſich. 7) Den 16. Maͤrz reiſten wir von hier nach The⸗ ben, den 117ten kamen wir auf den Weg, den wir fruͤher auf unſerer Reiſe nach Athen eingeſchlagen hatten, wo wir auf der Nordſeite des Berges Par⸗ nas in dem Dorfe Turcochoriuͤbernachteten. Wir wollten von da nach Boudonitza, Zeython und 238 Lariſſa gehen; erfuhren aber, daß der Schnee ſo hoch liege, daß man unmoͤglich dahin kom men koͤnne. Wirklich mußte ein Fuhrwerk, welches mit Seifen nach Zeython beladen war, wieder umkehren, und wartete ſchon 8 Tage auf das Schmelzen des Schnees. Wir aͤnderten daher unſern fruͤher gefaßten Reiſeplan. Ich beſchloß, auf dem lepantiſchen Meerbuſen mich einzuſchiffen, und nach Venedig zu gehen, womit aber mein Reiſe⸗Gefaͤhrte nicht uͤbereinſtimm⸗ te, den Fruͤhling erwartete, und dann zu Land nach Hauſe reiſte. Ich mußte meine Reiſe daher allein antreten. Ich und mein Reiſegefaͤhrte, Dr. Wehler hat⸗ ten laͤngere Zeit mit einander zuſammengelebt, und das Angenehme wie Widrige der Reiſe gemeinſchaft⸗ lich empfunden; wir hatten uns wie Bruͤder an ein⸗ ander gewoͤhnt, unſere Trennung ging daher nicht ohne Herzlichkeit und Ruͤhrung vor ſich. Nachdem ich mich von ihm losgeriſſen, und ihn gutem Gluͤcke empfoh⸗ len hatte, ſuchte ich das Ufer des Golfs von Le⸗ vanto zu erreichen; wo ich bald in dem Dorfe Di⸗ ſtomo anlangte, und erfuhr, daß in dem Hafen Aſproſpitia eine Barque liege, die noch dieſen Abend nach Venedig abſegle. Ich verſaͤumte keine Zeit, eine gute Gelegenheit zu benutzen, verſah mich in der Eile mit dem zur Fahrt nothwendigen Weine, und traf noch das Schiff vor Anker liegen, welches ich etwas ſpaͤt Abends beſtieg, dabei aber das Ungluͤck 239 hatte, in das Waſſer zu fallen, was bei dieſer ſtrengen Jahreszeit wahrlich kein angenehmes Gefuͤhl iſt. Die⸗ ſes hatte fuͤr mich keine nachtheiligen Folgen, und ich kam deſſen ohngeachtet zu Schiff wohlerhalten nach Venedig. Von da reiſte ich durch das Graubuͤnd⸗ ner Land nach Lyon, wo ich nach 22 monatlicher Reiſe anlangte, und ſogleich Gott ein Dankopfer brachte, daß er mich vor jedem Unfalle, denen ſonſt Reiſende ausgeſetzt ſind, behuͤtete. Ich uͤberſah hier nochmal mit Luſt die Ausbeute meiner Reiſe, die in mehr denn 20oo noch nie gedruckten Inſchriften ſo⸗ wohl aus Italien, als Griechenland, uͤber 30 griechi⸗ ſchen Manuſeripten, und gegen 600 alten Muͤnzen, ſowohl hiſtoriſchen als geographiſchen Inhalts, welche zur Aufhellung der von mir beſchriebenen Staͤdte dien⸗ ten, beſtanden. lddaaan Fffſfnnffffffffffffffffffſſſſi 12 13 14 15 16 17 18