—ö—ö Ararrr rrrrarrrrrrrhnrarrr rararanararanar anachnanahnhr Leihbibliothek von Eduard Ottmann in Gießen. Täglicher Leſepreis für ein deutſches Buch 1 Kr. „„„ franz. od. engl.,, 2„ Das Abonnement beträgt: für wöchentlich 6 Bücher: 4 Bücher: 2 Bücher: auf 6 Monat.. 2 fl. 30 Kr. 2 fl.— Kr. 1 fl. 12 Kr, „ 3„, 30„ 2 15 1„.— 36,., Auanananarananhanauhr Tararar Irr IEaCAEATAEAnhr aTarararararAnaranarhnrarharnanhnanhr ***. 7. *. 3 0 * .. .* 2 ☛ *⁸α 8.. .*- 9 2: 4 0 . 3. . 2* 3 -*. 2. „ 3. ¹ . 4 4 1 — 2 * 6 90 . 5 2 ** 3 4 8 3 3 8 5— ₰ 8 ..„. .— . 5 Vddn Saftostswtardrn aura — (— von—— —6(G6RIECHENLAND —— mit den LaND) Dar danellen. Dnrd aen Inseln KLEIN=AsSIEN. 3229 — p1 Suznbeetuaker* Seeeeee on ogart Rllenrg. ——— ——— Taſchen⸗Bibliothek der. wichtigſten und intereſſanteſten See⸗ und Land⸗Reiſen, — von der. Erfindung der Buchdruckerkunſt bis auf unſere Zeiten. Mit Landkarten, Planen, Portraits und anderen Abbildungen. Berfaß von Mehren Gelehrten, und herausgegeben von Joachim Heinrich Jaͤck, Koͤnigl. Bibliothekar zu Bamberg. 15. Bändchen. Mit einer Karte. I. Theil. 1. Bändchen von Griechenland. Nürnberg. Verlegt von Haubenſtricker und von Ebner. 1828. ☛ Taſchen⸗Bibliothek der wichtigſten und intereſſanteſten Reiſen durch Griechenland. Mit Landkarten, Planen, Portraits und anderen Abbildungen. Ver f g 6 von Mehren Gelehrten, und herausgegeben von Joachim Heinrich Jaͤck, Koͤnigl. Bibliothekar zu Bamberg. I. Theil. 1. Baͤndchen. Nürnberg. Verlegt von Haubenſtricker und von Ebner. 1828. Aiteratur der Reiſen durch Griechenland. Nach den griechiſchen und roͤmiſchen Klaſſikern bieten die meiſten Reiſen in die Tuͤrkei und in das gelobte Land reichen Stoff zur naͤheren Kenntniß von Grie⸗ chenland dar. Außer dieſen ſchon bekannten Quellen verdienen noch die Bemerkungen des 1563 geſtorbenen Pariſer Arztes und Philologen, Peter Belon, welcher auf Befehl des Kardinals von Tournon 1546— 50 dort verweilte, beſondere Ruͤckſicht, tbeils wegen ihrer wiederholten Auflagen zu Paris 1553, 55, 88, und zu Antwerpen 1555, 89, 1605, theils wegen ihrer Mannigfaltigkeit und Ueberſetzung in das Latei⸗ niſche.— Einiges Aufſehen machte auch der Bericht Fr. Savari de Breves von ſeiner 1604 unternom⸗ menen Reiſe, welcher 1628 und 1630 zu Paris er⸗ ſchien.— Nicht unbeachtet blieben die Mittheilungen des Jeſuiten Fr. Richard zu Paris 1657. 8.; des Venezianer Malers und Kupferſtechers Mare Bo⸗ M ſchini zu Venedig 16s88. 4., und des franzoͤſiſchen Geſandten Nointel zu Paris 1678. 8. Doch uͤber⸗ trafen alle ihre Wrafiegei der Leidner Arzt, Jak. Spon, und der engliſche Ritter, G. Wheler durch ihre gemeinſchaftliche Beniseerns aus den Jahren 1675— 16, wel he mit Kupfern zu Lyon 1678, zu Am⸗ ſterdam 1679 und 1697, zu Haag 1680 und 1724 in franzoͤſiſcher, zu Bononien 1688 von Kaſ. Freſchot in italiſcher, zu Nuͤrnberg 1690 von Joh. Menu⸗ dier in teutſcher Sprache erſchien, von Guillet 1679 zu Paris bekaͤmpft, und von Spon noch im naͤmlichen Jahre zu Lyon vertheidiget wurde. Nebſt⸗ dem gab noch G. Wheler ſein Tagebuch in engli⸗ ſcher Sprache mit Kupfern zu London 1682, franzoͤ⸗ ſiſch zu Utrecht 1882, zu Amſterdam 1682 und 1692, und zu Haag 1723. 8. heraus.— Was der Itgliener Vinc. Coronelli uͤber Morea, Negroponte und deren Umgebung zu Venedig 1685 und 1688 mittheilte, wurde 1686 ſchon zu Paris und Amſterdam in das Franzoͤſiſche, 4687 zu London in das Engliſche, und bald darauf auch in das Teutſche uͤberſetzt. Die Ehre der Ueberſetzung in das Teutſche, wel⸗ che den Berichten zweier Karmeliten 1687. 12. zu Nuͤrnberg begegnete, war unverdient im Vergleiche mit Dapper's hollaͤndiſchen Beſchreibungen im J. 1688, wovon eine in das Franzoͤſiſche uͤberſetzt 1703 zu Amſterdam und 1730 zu Hnag mit vielen Kupfern erſchien.— Mehr wiſſenſchaftlichen Werth „ 1 7 hatten die Mittheilungen von B. Nandolph zu Oxford 1689, von Paul Lucas und R. Pococke.— Die Briefe des Marſeiller Akademikers Guys haben weniger durch ihren Inhalt, als durch ihre leichtfer⸗ tige Schreibart drei Auflagen mit Kupfern zu Paris 1771, 76, 83, und eine Verteutſchung von Chr. F. Weiſſe zu Leipzig 4772 erhalten.— Zur genauen Kenntniß von Moreag trug N. Bellin zu Paris 1771 ſehr viel bei.— Der beruͤhmte Englaͤnder R. Chand⸗ ler begab ſich mit zu vielen Vorkenntniſſen der Alter⸗ thuͤmer und griechiſchen Sprache dahin, als daß nicht ſeine zu Oxford und London 1776.4. mit Kupfern er⸗ ſchienene Reiſebeſchreibung in das Teutſche durch H. C. Boje und J. H. Voß zu Leipzig 1777, und durch Winkelmann in das Hollaͤndiſche zu Utrecht 1779 uͤbertragen werden ſollte.— Auch die maleriſche Reiſe des franzoͤſiſchen Geſandten zu Konſtantinopel⸗ des Grafen Choiſeul⸗Gouffier, welche zu Pa⸗ ris 1779— 83 mit herrlichen Kupfern in 12 Abthei⸗ lungen heraus kam, wurde vom Gothaer Bibliothekar Reichard 1180— 82 verteutſcht.— Die Beſchrei⸗ bung Griechenlands und Aegyptens durch R. Dal⸗ ton erſchien erſt 1791 zu London, obſchon die 79 Ku⸗ pfer ſchon 4752 groͤßtentheils geſtochen waren. Doch alle dieſe Beſchreibungen Griechenlands werden durch Barthelemy's Reiſe des jungen Anacharſis an Umfang und Gruͤndlichkeit weit uͤbertroffen, wek⸗ 8 wegen ich mir deren Mittheilung in gedraͤngter Kuͤrze zur vorzuͤglichen Pflicht rechne. In neueren Zeiten empfahlen ſich die Werke von Hughes, Chateaubriand, Sonnini, Bat⸗ thiany, Pouqueville, Wittmann, Dalla⸗ way, Savary, Serofani, Bartholdy, Dod⸗ well, Muͤller, Vaudoneourr, Beaujour, Laſeldän⸗ Kinsbergen, Murhard, Sie⸗ ber, Voutier, Waddington, Stanhope und Broͤndſted in ihren Originalien, wie in Ueber⸗ ſetzungen. Obſchon die meiſten Leſer ihre erſte Bildung in der Jugend durch roͤmiſche und griechiſche Klaſſiker erhalten haben, ſo moͤgen doch ſogar dieſe eine kurze Beſchreibung des alren Griechenlandes, welche hier als Einleitung zu den Reiſen ſteht, nicht ungeeignet ſnden. Den uͤbrigen Leſern wird dadurch unſtreitig eine große Annehmlichkeit erzeigt werden, indem ſie wenigſtens eine oberflaͤchliche Kenntniß dieſes klaſſi⸗ ichen Landes erhalten, und kuͤnftig den Inhalt der Neiſen durch Griechenland leichter ſich aneignen kaͤnnen. I. Kurze Beſchreibung des alten Griechen⸗ landes, von einem Profeſſor der Geſchichte und Geographie zu Paris. Aus d. Franz. frei bearbeitet und mit vielen Zuſätzen bereichert vom Herausgeber*). Wenn wir erwaͤgen, daß die Griechen das ausge⸗ zeichnetſte Volk des Alterthumes waren, welche in **) Géographie abrégée de la Gréèéce ancienne, comprenant, 1) une description de la Grèce. 2) Un discours sur l'origine, le gouverne- ment, la religion ctc. des Grècs. 3) Quel- ques morceaus rélatifs à la chronologie, tels que les olympiades comparées aus années, qui ont précédé notre Ere; la liste des rois d'Argos, d'Athenes etc. Avec une Carte et queldlues tableaux géographique. Par un Professcur d'Histoire et de Géographie. Paris chez Barbou 1772. 3. jeder Hinſicht Vorzuͤge vor allen anderen hatten; ſo koͤnnten wir glauben, ihr Land ſei von außerordent⸗ lichem Umfange geweſen. Allein dieſes war nur mit Neapel zu vergleichen, wenn man Sizilien dazu rechnet, damit es dem Pelopones entſpricht. Zwar bat Griechenland von Creta an, einen Raum von s Graden in der Breite, welche faſt 200 Stunden ausmachen; allein man muß viel davon abrechnen, wenn man nur die Oberfaͤche ihres Landes in An⸗ ſchlag bringen will. Wie es jetzt einen Theil der eu⸗ ropaͤiſchen Tuͤrkei bildet, ſo erſtreckt es ſich gegen Suͤd des europaͤiſchen Orients wie eine Halbinſel. Der TCheil des mittellaͤndiſchen Meeres, welcher ſeine Kuͤſten gegen Morgen beſpuͤlt, wurde das aͤggeiſche Meer, wegen der darin befindlichen Huͤgel, Felſen und kleinen Inſeln oder verborgenen Klippen genannt. Nur durch Verunſtaltung des Wortes Egio⸗Pela⸗ gos iſt der Name Archi⸗Pelago entſtanden. Der andere Theil des mittellaͤndiſchen Meeres, welcher Griechenland gegen Abend beſpuͤlet, wird das jon i⸗ ſche Meer genannt. Dieſe beiden Meere bildeten ehemals um Griechenland ſehr viele Meerbuſen, de⸗ ren vorzuͤglichſte ſind: 1) Korinth oder Lepanto, 2) Cypariſſa oder Arkadien, 3) Meſſenuia oder Koron, 4) Lakonien oder Colochina, 5) Argolien oder Napoli, 6) Saron oder En⸗ gia, und 1) Saloniki gegen Mazedonien auf der nordoͤſtlichen Seite von Thefſalien. Gegen 11 Nordoſt von Griechenland war ehemals Thrazien, welches den Griechen erſt durch die Eroberungen der Koͤnige von Mazedonien bekanut wurde. Griechenland wird in die Inſeln und in das feſte Land abgetheilt. Letzteres enthaͤlt gegen Nord Ma⸗ zedonien, Albanien, und gegen Suͤd das ei⸗ gentliche Griechenland, dann den Pelopo⸗ nes oder Moreaz die Inſeln aber liegen theils ge⸗ gen Morgen im aͤggeiſchen— theils gegen Abend im joniſchen Meere. 1. Mazedonien war anfangs viel kleiner, als es erſt durch die Eroberungen mehrer Koͤnige gewor⸗ den iſt; auch wurde es lange Zeit gar nicht zu Grie⸗ chenland gerechnet. Das Klima war, wegen ſeiner vielen Berge und wegen ſeiner Lage zwiſchen 40— 42 Graden der Breite, mehr kalt als warm, obſchon manche Mineral⸗Quelle gefunden wird. In den Ebenen iſt herrliches Futter gediehen; die Berge wa⸗ ren durch Eiſen⸗, Silber⸗ und Gold⸗Minen wichtig. Die Pferdezucht war immer beruͤhmt. Die ehemalige Hauptſtadt Edeſſa verwahrte die Leichname der Koͤnige nach der Anordnung des alten Perdiccas. Die Geburtsſtadt Alexander's hieß Pella, war durch Suͤmpfe auf mehren Seiten gegen Angriffe befeſtigt, und verwahrte das Grab von Surripides. Die Stadt Olynth gehoͤrte zu Thrazien, bis ſie durch die Verraͤtherei der beiden Buͤrger Eythyerates und Laſthenes vom K. 12 Philiyp erobert wurde. Theſſalonik am Meer⸗ buſen gleiches Namens, hieß ehemals Therma, und jetzt durch Verunſtaltung Salo niki. Wer Mazedonien zuerſt bewohnte, iſt unbe⸗ kannt; nur weiß man, daß. die Argier durch Cara⸗ nus beilaͤufig 807 Jahre vor Chri ſtus eingefuͤhrt worden ſind. 4 In der Religion harmonirten die Mazedonier bei⸗ laͤufig mit den uͤbrigen Griechen. Sie verehrten vor⸗ zuͤglich Jupiter als ihren Beſchuͤtzer; Herkules als Schutzgott der Tapferen; Diana als Goͤttin der Jagd, mit welcher ſie ſich ſehr beſchaͤftigten. Sie waren dem Dienſte dieſer drei Gottheiten ſo ergeben, daß zuweilen ſogar die Koͤnige die Stellen der Prie⸗ ſter vertraten, und fuͤr ſich, wie fuͤr ihre Voͤlker opferten. Ihre buͤrgerliche Verfaſſung war monarchiſch, und der Fuͤrſt, welcher ſelbſt oͤfters richtete, ſprach ſich in den meiſten Faͤllen nur nach natuͤrlicher Billigkeit aus. Die wichtigſten Gegenſtaͤnde wurden vor der Armee, oder vor dem Volke verhandelt; waren die Schuldigen von der Verſammlung verurthetlt, ſs hatte der Koͤnig allein keine Gewalt mehr, ſie hin⸗ richten zu laſſen. Man hat viele Beweiſe, daß das Volk einer großen Freiheit gegen den Souverain ſich zu erfreuen hatte. Die urſpruͤngliche Gerichtsord⸗ nung erhielt ſich bis auf Perſeus, welcher auch uͤber die kleinſten Haͤndel entſchied. Die Koͤnige von 13 Mazedonien waren ſehr beſcheiden in ihrer K Kleidung, und geſtatteten Allen den leichteſten Zutritt. Ihre Weiber und Toͤchter fertigten oͤfters die ſchoͤnſten Kleider fuͤr ihre Bruͤder, Gatten oder Vaͤter. Die Großen des Reiches waren bloß durch den Titel der Freunde oder Naͤthe des Koͤnigs ausgezeichnet. Unter den Civil⸗Aemtern wurde jene des Sekretaͤrs des Koͤnigs vorzuͤglich hoch geachtet, obſchon dieſer das große Staats⸗Siegel am Ringe ſeines Fingers trug. Der Thron von Mazedonien war erblich; er blieb der Familie des Begruͤnders Caranus bis zur Vertilgung der Familie Alexanders; allein nicht immer kam der Aelteſte auf den Thron. In militaͤriſcher Hinſicht zeichneten ſich ſchon die aͤlteſen Mazedonier durch Tapferkeit aus; durch dieſe natuͤrliche Anlage, welche noch durch ſtrenge Zucht erhoͤht ward, wurden ſie die erſen Voͤlker, und ſelbſt die Unterjocher Griechenlands. Ihre Truppen waren theils aus Eingebornen, theils aus Verbuͤndeten, theils aus Soͤldlingen zuſammengeſetzt. Die Maze⸗ donier ſelbſt leiſteten Kriegsdienſte auf eigene Koſten, und begnuͤgten ſich mit zufaͤlliger Beute. Die Ver⸗ buͤndeten wurden durch die Theſſalier, Paͤonier und einige andere Nachbarn unterhalten, und beſtanden auch aus griechiſchen Huͤlfs⸗Truppen, ſobald die Koͤ⸗ nige General⸗Kapitaͤne vom ganzen Griechenland ge⸗ worden waren. Die, Soͤldlinge leiſteten Dienſte fuͤr den Kries, ohne Nuͤckſicht, ob dieſer gerecht oder un⸗ 14 gerecht war, wenn ſie nur richtig bezahlt wurden. Die Theſſalier ſtellten gewoͤhnlich die Reiterei. Nach ihrer Verbindung mit den Mazedoniern war je⸗ der Kapitaͤn, wenn ein Reiter ſein Pferd im Treffen oder durch Krankheit verloren hatte, verbunden, ihm ein anderes aus ſeinem eigenen Stalle zu geben, weil das allgemeine Wohl jenem der Privaten vorgezogen werden mußte. Die Infanterie war in 3 Klaſſen ge⸗ theilt, von welchen die ſogenannte Phalaux den Vorzug hatte. Dieſe beſtand aus einem Korps von 500 Mann auf der Front, und von 16 in der Tiefe, welche 3000 mit Piken bewaffnet waren. Sie ſchloßen ſich ſo eng an einander, als der Weg oder der Angriff erlaubte. Da der Koͤnig oberſter Befehlshaber der Armee in allen Kriegen war; ſo hatte er die Leitung aller Zweige ſowohl bei Schlachten, als Belagerun⸗ gen. Weibsperſonen und andere entbehrliche Men⸗ ſchen fand man ſelten bei den Heeren. Wer im Dienſte des Vaterlandes umkam, wurde durch ein oͤffentliches Erinnerungs⸗Zeichen geehrt; ſowohl ſeine Kinder, als die naͤchſten Verwandten waren von jeder Abgabe befreit. War die Zeit des Kriegsdienſtes vorbei, oder ſetzten Verwundungen ihn außer Stande, ferner zu dienen, ſo wurde er zu den Seinigen mit einer Un⸗ terſtuͤtzung zuruͤck geſchickt, von welcher er waͤhrend ſeines uͤbrigen Lebens ſich naͤhren konnte. Die Mazedonier rechneten ihre Zeit nach 12 Mo⸗ naten, 1 zu 30 und s zu 34 Tagen; in jedem vierten 15 Jahre hatte das letzte Monat 31 Tage, was mit un⸗ ſerem Schaltjahre uͤberein kommt. Der erſte Tag des Mazedoniſchen Jahres war unſer 2aſter September, wie Uſſerius bewies. Sie lebten einfach und maͤſſig, und zeigten keine Pracht, als bei großen Gaſtereten. Juͤnglinge durften ſich daſelbſt nicht niederlaſſen, wenn ſie nicht auf der Jagd ein wildes Schwein durch Lan⸗ zen⸗Stiche erlegt hatten; Frauenzimmer hatten keinen Zutritt. Nach der Tafel hatten ſie unter anderen Vergnuͤgen auch eine Art militaͤriſcher Taͤnze, welche ſich ſehr ſchoͤn zjeigten. Ihre Mundart war von jener der auderen Griechen ſehr verſchieden. Das Reich war von Caranus im J. 307 vor Chriſtus gegruͤndet, und hatte ſich unter 44 Koͤnigen bis auf den letzten Perſeus erhalten, welcher von den Roͤmern 168 Jahre vor Chriſtus unterjocht wurde; doch hat keiner eine weltgeſchichtliche Beruͤhmtheit er⸗ langt, als Philipp und Alexander. II. Die weſtliche Seite von Mazedonien war von einigen Illyriſchen Nationen bewohnt; unter den Roͤmern wurde dieſes Illyrien das neue Epirus genannt. Die vorzuͤglichſten Staͤdte waren: 1) Epidamnus, welche durch eine Kolonie der Coregraͤer geſtiftet, von den Roͤmern Dyrrachium genannt wurde. Doch behauptet Pauſanias und andere, dieſe Stadt ſei nicht auf dem naͤmlichen Platze errichtet worden, als erſtere. 2) Apollonia war eine Kolonie der Korinthier, 16 und wurde vorzuͤglich wegen ihrer eifrigen Pflege der heiligen, griechiſchen Literatur lange Zeit hoch geachtet. Deſſen ungeachtet waren die Einwohner Illyrien's mehre Jahrhunderte verwildert in ihren Sitten, und wurden erſt ſehr ſpaͤt durch Verkehr mit Griechen, welche ſich unter ihnen niederließen, etwas gebildeter. IIl. Der Name Spirus bedeutet im Griechi⸗ ſchen feſtes Land; man legte ihn dem Lande bei, von welchem wir jetzt ſyrechen wollen, im Gegenſatze zu jenen benachbarten Inſeln im Joniſchen Meere, welche von Griechen bewohnt wurden. Dieſes gebirgige Land enthielt geſegnete Felder und vortrefliche Weiden, auf welchen zahlreiche Herden von Rindern in erſtaunlicher Groͤße ſowohl, als von ſchuell laufenden Pferden ge⸗ naͤhrt wurden, welche letztere durch ihre Siege in den Olympiſchen Spielen einen ſo entſchiedenen Ruf er⸗ langten. Das regierende Haus in Epirus ſtammte von Pyrrhus, dem Sohne Achillen's. Einer die⸗ ſer Fuͤrſten, zu Athen erzogen, war ſo edel geſinnt, daß er ſelbſt ſeine Macht einſchraͤnkte. Die Dichter erwaͤhnen oft, des Landes Epirus und ſeiner 14 ver⸗ ſchiedenen Nationen. Die vorzuͤglichſten Staͤdte waren: 1) Buthrot, nicht weit von Coreyra, welche vom alten Helden Buthrot gegruͤndet worden ſeyn ſoll. 2) Nieopolis, deren Namen ſchon die Stadt des Sieges verkuͤndigt. Sie wurde ſehr ſpaͤt vom K. Auguſt, zur Erinnerung an die Schlacht von Ae⸗ 17 tium im 34. Jahre vor Chriſtus auf dem naͤmlichen Platze gebaut, und groͤßtentheils mit Bewohnern der in dieſem Kriege zerſtoͤrten Staͤdte bevoͤlkert. IV. TCheſſalien war in mehre Bezirke vertheilt, deren mittaͤgliche von jenen Dolopern und Myrmi⸗ donen bewohnt waren, welche Achilles zum Siege von Troja fuͤhrte. Theſſalien hatte ſehr viele Weiden, und war aͤuſſerſt fruchtbar an aͤrztlichen Kraͤu⸗ tern, welche uͤbernatuͤrliche Wirkungen in verſchiede⸗ nen Krankheiten hervor zu bringen ſchienen. Daſelbſt wurden die wilden Pferde zuerſt bezaͤhmt. Seine Och⸗ ſenhirten gaben die Veranlaſſung zur alten Fabel der Centaurer. Die vorzuͤglichſten Staͤdte waren: 1) Lariſſa, welche ihren Namen nach Pauſa⸗ nias von der Tochter des Pelaſgus— nach An⸗ deren von jener des Acriſius entlehnt haben ſoll, war mit ſchoͤnen Ebenen umgeben, und athmete ſehr reine und kalte Luft. 3 2) Pharſalia wuͤrde wenig bekannt ſeyn; waͤre nicht vor ihren Mauern zwiſchen den Truppen Caͤ⸗ ſar's und Pompejus jene beruͤhmte Schlacht geliefert worden in welcher letzterer 48 Jahre vor Chriſtus ſeine Niederlage fand. 3) Magneſia, an einem kleinen Meerbuſen, welche ebenfalls nur durch den Verluſt der Flotte des Terres, 480 Jahre vor Chriſtus, nach dem ſchreckli⸗ Wencetürun bei dem Vorgebirge Sepias, bekannt urde. 15tes B. Griechenland⸗ I. 4, 2 18 5) Lamia iſt dadurch merkwuͤrdig, daß ſie den Krieg veranlaßte, welchen die Griechen gegen Maze⸗ donien nach dem Tode Alexanders fuͤhrten. Ueb⸗ rigens hatten die Theſſalier viele Selaven, und ver⸗ kauften ſie an andere Voͤlker. Ihre Kinder erhielten eine ſehr ſchlechte Erziehung. Sie hatten beſondere Taͤnze, welche ſie eifrig pflegten. Sie waren beſon⸗ ders aufmerkſam auf den Zug der Stoͤrche. Auch hat⸗ ten ſie eine gute Kriegsmacht, und riefen den K. Phi⸗ lipp von Mazedonien zur Huͤlfe gegen ihre Tyran⸗ nen. Sie feierten ein Feſt zum Andenken des Erdbe⸗ bens, welches einen Gang fuͤr des Peneus Gewaͤſſer ſpaltete, und die ſchoͤne Ebene von Lariſſa ent⸗ deckte. V. Das eigentliche Griechenland ſchloß in ſich die wenig bekannte Provinz Akarnanien. Im zweiten Buche des Th ueydides wird gemeldet, daß der Fluß Achslous, welcher vom Pindus zwiſchen Akarnanien und Aetolien fließt, waͤhrend des Winters austrat, und gegen ſeine Muͤndung bedeu⸗ tende Suͤmpfe bildete. Nach dem Pauſanias wur⸗ den die Einwohner zuerſt Kureten genannt, und veraͤnderten dieſe Benennung erſt nach Akarnan, Sohn Alemeon's und Callirhoe. Die wichtig⸗ ſten Staͤdte waren: 1) Aetium, beruͤhmt durch Apollo's Tempel⸗ welchen die Argonauten gebaut haben ſollen, wurde 19 durch die oben gemeldete See⸗Schlacht an ihrem Meer⸗ buſen 31 Jahre vor Chriſtus unſterblich. 2) Argos ſoll von Alemeon zum Andenken an die zaͤrtliche Freundſchaft zu ſeinem Bruder Amphi⸗ locus gebaut worden ſeyn; ſie war lange Zeit groß und wohlhabend. 3) Die ziemlich befeſtigte Stadt Stratus nahm viel Theil an den Kriegen der Roͤmer. Das Land Akarnanien beſtand uͤbrigens aus Voͤlkern verſchiedener Abkunft, welche mit einander verbuͤndet waren. Sie waren ſehr frei, und wurden von einem Magiſtrate regiert, welcher von der Natio⸗ nal⸗Verſammlung abhaͤngig war. Sie waren uner⸗ ſchuͤtterlich treu in ihren Vertraͤgen, und vorzuͤglich den mit ihnen verbundenen Koͤnigen von Mazedonien ergeben. VI. Auch die Bewohner von Aetolien hießen aufangs Kureten, und erhielten erſt durch die Flucht Aetolus, des Sohnes von Endimion, in ihr Land die neuere Benennung, wie Pauſanias verſichert. Das Land iſt ſehr unfruchtbar gegen das Meer, und blos gegen Nord etwas beſſer. Die vorzuͤglichſten Staͤdte waren: 1) Kalidon am Fluſſe Svenus, wo Herku⸗ les den Centaur Neſſus getoͤdet haben ſoll. 2) Thermus mag bei warmen Baͤdern gelegen ſeyn. Zuerſt hatten die Aetolier Koͤnige; dann eine Republik, welche gegen Mazedonien ſtets feindlich war. 20 Sie hatten einen oberſten Staatsrath unter dem Na⸗ men Panetholium, weil deſſen Glieder aus allen Provinzen gewaͤhlt worden waren. Nach Livins waren ſie eitel und undankbar; nach Strabo und Marximus von Dyrus auch See⸗Raͤuber; doch alle Schriftſteller halten ſie für tapfere und gewandte Krieger. Zwar wollten ſie auch den Roͤmern wider⸗ ſtehen; allein ſie wurden von Fulvius Nobilior beſiegt. 3 VII. Die Loereer ſtammen von Locrus, dem Sohne des Opus, und waren in 4 Nationen getheilt. Die Stadt Naupaktus war beruͤhmt durch die Ver⸗ ehrung Neptun's, und durch einen Tempel der Ve⸗ nus, wo die Wittwen ſich einen anderen Mann erba⸗ ten. Die Stadt Amphiſſa wurde vom K. Ph i⸗ lipp erobert, nachdem er die Einwohner beſiegt hatte. Sie erlangte einen Ruhm durch jene Bildſaͤule der Minerva welche Thous aus Troja gebracht haben ſoll. Die Loereer ſollen ſehr verdorbene Sitten gehabt haben. Die Vielweiberei war geſetzlich, auf den Graͤbern ihrer Verſtorbenen feierten ſie Gaſtmaͤler; jedem uͤberwieſenen Diebe gber ſtachen ſie die Au⸗ gen aus. 4 VIII. Der Bezirk Doris hatte ſeine Benennung von Dorus, dem Sohne Deukalion'’s des Ko⸗ nigs in Theſtalien, welcher mit ſeinem Bruder Aeod⸗ lus und dem Neffen Jon, ihre Namen drei großen Voͤlkerſchaften Griechenlandes mittheilten, woher nach⸗ 21 her die drei griechiſchen Dialekte ſich unterſchieden. Die Dorier machten ſich nicht allein durch die Eigen⸗ heiten ihrer Mundart beruͤhmt; ſondern ſie waren auch die Erfinder der aͤlteſten Bau⸗Ordnung, deren An⸗ denken ſich bis auf unſere Zeit erhielt. Sie ſollen die Stadt Korinth, Calceedon der Stadt Konſtau⸗ tinopel gegenuͤber, und Syrakus in Sizilien durch ihre Koloniſten gegruͤndet haben. Gewiß iſt, daß ſie auch einen großen Theil des Pelopones bis auf Achaia, welches die Jonier im Beſitze behielten, be⸗ voͤlkerten. Die eigentliche Landſchaft Doris liegt am Parnaß, und iſt ſehr gebirgig; daher auch nicht fruchtbar an Getraid. IXX. Die Landſchaft Phoecis, welche von Pho⸗ cea in Klein⸗Aſien verſchieden iſt, hat ihre Benen⸗ nung von zwei Fuͤrſten Phocus, welche nach einau⸗ der regierten. Die Gegend war ſehr fruchtbar, vor⸗ zuͤglich an Getraid, und belebt durch zahlreiche Heer⸗ den von Rindvieh und Schafen. Der daſelbſt befind⸗ liche Berg Parnaß ſoll einſt von Deukalion be⸗ wohnt geweſen ſeyn, nachdem er durch Ueberſchwem⸗ mungen genoͤthigt wurde, die Ebenen von Theſſa⸗ lien zu verlaſſen. Die vorzuͤglichſten Staͤdte waren: 1) Delphi, ſuͤdlich vom Parnaß, beruͤhmt durch einen Tempel, worin die Orakel der Erde des Nep⸗ tuns, der Themis und des Apoll's ſtatt fanden. Dieſer wurde wegen ſeiner vielen Reichthuͤmer von den Phoeaͤern ſelbſt ſchon gegen die Zeit K. Philipp's, dann durch die Gallier unter der Anfuͤhrung des Feld⸗ herrn Brennus 21s vor Chriſtus gerluͤndert, wovon Pauſanias ausfuͤhrlich handelt. Selbſt die Grie⸗ chen hatten, nach der Schlacht von Salamis auf einen gemeinſamen Beſchluß, Geſchenke in dieſen Tem⸗ pel geſendet. 3 2) Die Stadt Elatsa ſoll die groͤßte geweſen ſeyn; ſie wurde zwar von den Perſern verbrannt, al⸗ lein wieder ſo erbaut, daß ſie noch unter den Roͤmern anſehnlich war. 3) Criſſa, verſchieden von Cyrrha, uͤber welche fle lange Zeit herrſchte, gab den Namen zum Meer⸗ buſen von Korinth welcher jetzt Salone heißt. Von der Regierung der Phocaͤer weiß man nicht viel. Nach Deukalion trat eine Oligarchie ein. Sie verſammelten ſich in einem Tempel bei der Stadt Daulis, und ſtifteten allgemeine Verſammlungen, wozu jede Stadt ihre Abgeordneten befoͤrderte. Sie hatten viele Drangſale aus den Kaͤmpfen Griechenlands. Durch ihren gottloſen Raub am Tempel zu Delphi veranlaßten ſie den 10 jaͤhrigen heiligen Krieg, wel⸗ cher erſt 348 Jahre vor Chriſtus ſich endigte. Bekaͤmpft und beſiegt durch K. Philipp, verloren ſie das Recht, Abgeordnete in die allgemeinen Verſammlungen der Griechen zu ſenden, welche unter dem Namen der Amphietionen bekannt ſind.— X. Die Landſchaft Boeotien, einſt Aonien genannt, ſoll ihre Benennung von einem Boeotus, 23 Sohn der Nymphe Melampia und Enkel Am⸗ phiction’'s haben. Sie iſt voll Huͤgel und Berge, und wurde durch das gewoͤhnliche Austreten des Sees Copais ſehr beſchaͤdigt, bis deſſen Ausfluß in das Meer durch die Anſtrengung der Einwohner gebahnet wurde. Der beruͤhmteſte Berg iſt Helikon, auf wel⸗ chem nach Pauſanias die meiſten Baͤume jeder Art ohne irgend eine giftige Pflanze gediehen. Dieſer war den Muſen geweihet, und von Dichtern oft mit dem Parnaß in Phozien, wie mit dem Pindus verwech⸗ ſelt, welcher zwiſchen Epirus und Theſſalien liegt. In einiger Entfernung von einem heiligen Haine ſah man die Quelle Hippoerenes, welche auch den Muſen geweihet iſt, und welche Pegaſus durch ei⸗ nen Fußtritt ſpringen ließ. Auf dem Berge Cithe⸗ ron ſoll der junge Oedipus ausgeſetzt geweſen ſeyn; er war dem Jupiter mit dem Blitze wahrſcheinlich deßwegen gewidmet, weil ſich ſehr haͤu⸗ fige Ungewitter um ihn bildeten. Die vorzuͤglichſten Staͤdte waren.— 1¹1) Theben, einſt Cadma genannt: denn der Fuͤrſt Cadmus, ſoll 4519 Jahre vor Chriſtus aus Phoenizien hieher gekommen ſeyn, und dieſe Stadt begruͤndet haben. In der Folge bemaͤchtigten ſich der⸗ ſelben Amphion und Zethus, Soͤhne von An⸗ tiope, vereinigten ſie mit jenem Theile, welchen man die untere Stadt nennt, und nannten ſie The⸗ ben. Das muſtkaliſche Talent Amphion's hat ſich 8 24 in der Geſchichte verewigt. Dieſe Stadt wurde be⸗ ruͤchtigt durch das Verbrechen von Laius, und durch die Kriege gegen die Lazedemonier. Sie wurde zer⸗ ſoͤrt durch Alexander 338 Jahre vor Chriſtus, durch Caſſander wieder erbaut, und durch Sylla wie⸗ der vernichtet, welcher ſich fuͤr die Anhaͤnglichkeit der Thebaner an die Parthei des Mithridates zu raͤ⸗ chen ſuchte. Sie iſt der Geburtsort von Pindar⸗ Spaminondas, Pelopidas, und nach dem Zeugniße der Dichter auch des Bgeehus und Her⸗ kules. Von Cadmus bis Panthus im J. 1100 vor Chriſtus, zaͤhlte man 20 Koͤnige von Theben; ſpaͤter hatte eine repubtikaniſche Verfaſſung ſtatt. Im Winter iſt der Aufenthalt daſelbſt wegen der ſteten Rebel faſt unertraͤglich, deſto angenehmer im Sommer. 2) Cheronea, einſt Arna nach der Tochter von Aeolus genannt, erhielt die fpaͤtere Benennung nach Pauſanias von Cheron, dem Sohne von Thero und Apollo, und wurde durch den Sieg beruͤhmt, welchen K. Philipp an deren Mauern 338 Jahre vor Chriſtus errang. Sehr lange Zeit ſah man das Grab der tapferen Thebaner, welche daſelbſt ge⸗ fallen ſind. 3) Orchomenus, zuerſt Andreis genannt, er⸗ hielt dieſen Namen durch Orchomenes, den Sohn von Minyas. Dieſe Stadt mit ihren Umgebungen wurde von Phlegias unterjocht, welcher den Tem⸗ pei zu Delphi beraubt hatte, und von welchem die 25 Dichter ſo ſchoͤn die Verurtheilung zur Hoͤlle beſun⸗ gen haben. Man behauptete, daſelbſt ſeien die Aſchen des beruͤhmten Dichters Heſiod verwahrt. Die Stadt war bekannt durch Spiegel aus ſchwaͤrzlichtem Steine, welcher ſich in dieſer Gegend fand. 4) Leuctra, gegen Oſt von Plataͤa, beruͤhmt durch die ſiegreiche Schlacht der 6000 Thebaner mit 400 Reitern unter Epaminondas 374 Jahre vor Chriſtus, gegen 24,000 Spartaner und Lazedemonier zu Fuß mit 1600 Reitern, unter Pelopidas. 5) Plataͤa hatte ſeinen Namen von der Toch⸗ ter des Aſopus erhalten, und mag anfangs unter einer beſonderen Obrigkeit geſtanden ſeyn. In der Folge wurden die Einwohner von den Thebanern zwei Mal ſo verdraͤngt, daß ſie ſogar die Zerſtoͤrung der Stadt zuſehen mußten. Vor den Mauern dieſer Stadt wurde Macedonius nach Herodot mit 300,000 Mann, nach Diodor gar mit 500,000 durch die Athe⸗ nienſer und Lazedemonier unter Ariſtides und Pau⸗ ſanias 479 Jahre vor Chriſtus geſchlagen. 6) Aulis an einem kleinen Meerbuſen, wo die griechiſche Flotte Agamemnon's, welche zur Bela⸗ gerung Trojen'’s beſtimmt war, durch widrige Winde aufgehalten wurde. Die Einwohner erwarben ſich viel Geld durch Verfertigung der Toͤpfer⸗Geſchirre. Die Gewaͤſſer und Gebirge Boeotieu's moͤgen die neblichte und dichtere Luft veranlaſſen, welche Er⸗ ſcheinung ſogar zum Schluße auf gleichartigen Geiſt 26 der Einwohner veranlaßte. Man warf ihnen vor, daß ſie die Wiſſenſchaften veruachlaͤſſigten, dem Weine und Aberglauben ergeben ſeien; deſſen ungeachtet waren große Maͤnner in allen Zweigen aus ihnen gekommen. Durch ein ſehr weiſes Geſetz wurde verboten, ſich der unehelichen, oder von zu armen Aeltern gebornen Kin⸗ der zu entledigen; ſolche mußten vielmehr der Obrig⸗ keit uͤbergeben werden, welche ſie auf allgemeine Staats⸗ koſten erziehen ließ. Wer ſein Vermoͤgen ſo verſchleu⸗ derte, daß er endlich zahlungsunfaͤhig und banque⸗ route wurde, der wurde im Betretungs⸗Falle verhaf⸗ tet, und mit einem Schilde aus Weiden auf den Pran⸗ ger des oͤffentlichen Marktes geſtellt, durch welche Strafe er lebenslaͤnglich ehrlos geworden iſt. Die Braͤute wurden auf Wagen in die Wohnungen ihrer Braͤutigame gefuͤhrt; nachher wurden die Deichſeln zur Belehrung zerbrochen, daß die Braͤute nicht mehr zuruͤckkehren duͤrfen. Uebrigens ſo plump und dumm auch die Boeotier ausſahen, ſo hatten ſie doch viel Geſchmack fuͤr die Tonkunſt und ausgeſuchte Speiſen, und fuͤr ihre Tapferkeit gab Philipp von Mazedonien das ehrenvollſte Zeugniß. XI. Die Provinz Megara hatte ihre Benen⸗ nung von der Hauptſtadt gleiches Namens, und war in den eren Heten unter der Botmaͤßigkeit der Athe⸗ ner. Unter der Regierung des K. Co drus bemaͤchtigten ſich die Athener dieſer Landſchaft, und bevoͤlkerten ſie mit Doriern. Nach der Meinung Auswaͤrtiger 27 wurde ihr Name von Megareu s, dem Sohne Nep⸗ tun's abgeleitet; nach der Verſicherung Einheimiſcher aber kam er von den der Goͤttin Ceres geweihten Tempeln, Namens Megara. 3 1) Dieſe Stadt hatte eine beruͤhmte philoſophiſche Schule, neben anderen Denkmaͤlern eine ſehr ſchoͤne Waſſer⸗Leitung, mehre praͤchtige Tempel, verwahrte das Grab der Alemen e, Gemahlin Amphi⸗ trion'r, und war durch eine gute Citadelle geſchuͤtzt. 2) Die Stadt Niſaeag wurde oͤfters mit Me⸗ gara verwechſelt, und lag am Ufer des Saroniſchen Meerbu ens. Ihre Benennung wurde von Niſus, einem der Suͤhne Pandion's abgeleitet, welcher zu Megara regierte, nachdem er aus Athen vertrie⸗ ben worden war. Ein ſchmaler Pfad fuͤhrte von Me⸗ gara zur korinthiſchen Landenge. Die Megarer ver⸗ ehrten die Athener als ihre Lehrer in den Sitten, und die Korinthier als ihre Voraͤltern. Sie hatten nicht viele ruhige Zeiten: durch auswaͤrtige Kriege und in⸗ nere Zwiſte ſind ſie vom hoͤchſten Wohlſtande in die tiefſte Armuth verſetzt worden. um ſo ſchneller theil⸗ ten ſie das Schickſal der uͤbrigen Griechen, von den Roͤmern unterjocht zu werden. Ihre Landſchaft war ſehr frurchtbar an Salz, welches ſie, wie manche an⸗ dere Lebens⸗Mittel nach Athen lieferten. Man warf ihnen vor, daß ſie ſehr eitel geweſen ſeien. XII. Der Attiſche Stagt iſt der beruͤhm⸗ teſte von ganz Griechenland; er hieß anfangs Cecro⸗ 28 pia, weil die erſte Stadt auf dem Huͤgel ſtand, wo jetzt noch die obere Stadt oder die Burg Acropolis iſt. Die ſpaͤtere Benennung Attika wurde von ihrer Lage abgeleitet, indem ſie wie eine Art einer Halb⸗ inſel das Ufer einer gebirgigen, ſteinigen und wenig fruchtbaren Landſchaft bildet. Deßwegen konnten auch die erſten Beſitzer nach der Verſicherung des Thuey⸗ dides ſich um ſo leichter erhalten, indem Andere die⸗ ſelbe nicht der Muͤhe der Eroberung werth hielten. Die faſt einzigen Produkte ſind Honig, Feigen und Oel, dann guter Marmor aus dem Gebirge Pente⸗ likon. Da alies Getraid aus Aegypten und Sizilien bezogen werden mußte, und ſehr ſchoͤnes geliefert wurde, ſo war auch das Attiſche Brod ſehr beliebt. Die vorzuͤglichſten Staͤdte waren: ¹) Athen, welche Pauſanias bezaubernd be⸗ ſchrieb, und deren ſpaͤtere Denkmaͤler kaum ſchoͤner gewuͤrdigt werden koͤnnen, als es in dem großen Werke Le Ror's mit ſehr vielen Kupfern uͤber die Rui⸗ nen Griechenlands in zwei Auflagen ſchon lange geſchehen iſt. Mit dieſer Stadt war der bedeutendſte Hafen Pyraͤus durch zwei Mauern auf einen Raum von 3416 Toiſen verbunden. 2) Sleuſis ſoll nach dem Helden gleiches Na⸗ mens, dem Sohne von Ogyges, ſo bezeichnet wor⸗ den ſeyn. Dieſe ehemals freie Stadt wurde von den Athenern mit der Bedingung unterjocht, daß die Prie⸗ ſter der Ceres, deren Geheimniſſe mit der groͤßten 89 29 Pracht gefeiert wurden, immer aus der Familie von Sumolpes genommen werden muͤßten. Eine beſon⸗ dere Belehrung uͤber dieſe Myſterien theilte ſchon Ovid im IV. Buche trauriger Ereigniſſe mit. Der zweite Archont hatte den Vorſitz bei den Feſten, welche mehre Tage dauerten, unter welchen der ſechſte der glaͤn⸗ tendſte war. Die großen und kleinen Myſterien wur⸗ den alle Jahre gefeiert; letztere 8 Monate vor den er⸗ ſteren in einem kleinen Tempel bei Athen. Die Ein⸗ weihung in die Myſterien gewaͤhrte große Vortheile; ſie fand unter beſonderen Zeremonien ſtatt. Wer die Ordnung dabei ſtoͤrte, wurde mit dem Tode geſtraft, oder zu ſchweren Geld⸗Strafen verurtheilt. 3) Marathon, gegen Nord von Athen, lag in einer Ebene, welche ſich bis an das Meer erſtreckte. Hier wurden 100,000 Fußgaͤnger und 10,000 Reiter Perſien's von 10,000 Athenern unter der Anfuͤh⸗ rung des Miltiades 490 Jahre vor Chriſtus geſchla⸗ gen, zur Zeit des Pauſanias ſah man noch das Grab der Truppen, welche in dieſem Kampfe fielen; auch der Sieger wurde ſpaͤter dahin begraben. Deß⸗ wegen erhielt ſich lange der Glaube, daß die Seelen der daſelbſt Begrabenen jede Nacht ein großes Getoͤſe machten. Man behauptete auch, dem Herkules ſei hier der erſte Altar errichtet worden. Der attiſche Dialekt war jener der beliebteſten Schriftſteller, durch welche er ſich verewigte. Die Athener widmeten ſich faſt taͤglich dem Goͤtterdienſte. 30 Ueber ihre Verfaſſung verbreitete ſich vorzuͤglich Meur⸗ ſius. Sie hatten a) Staͤnde, welche nach Buͤrgern, Zuͤnften und Fremden abgetheilt waren, b) Ver⸗ ſammlungen, c) Gerichtshoͤfe, d) Magiſtrate, e) Staats⸗Beamten,) und oͤffentliche Sprecher, wel⸗ che entweder gegen mangelhafte Geſetze auftraten, oder die Angelegenheiten der Republik vertheidigten. Die Athener beherrſchten die uͤbrigen Griechen ſchon durch ihr ſanftes und zuvor kommendes Benehmen, durch ihren gebildeten Geſchmack in allen Gegenſtaͤn⸗ den, und durch ihre allſeitigen Kenntniſſe. Deßwe⸗ gen war ihre Stadt der angenehmſte Auſenthalt, wo die ausgezeichnetſten Perſonen ſich verſammelten. Sie 1 waren lebhaft, und faßten alles leicht auf; aber ſie waren auch hoͤchſt leichtſinnig. Faſt moͤchte man glau⸗ ben, daß ſie durch dieſen Fehler in der oͤffentlichen Meinung eben ſo viel verloren, als ſie durch ihre großen Talente und Kenntniſſe gewonnen hatten. Die Reinheit ihrer Sprache, welche noch durch ihre Redner ſehr vervollkommnet wurde, ihr feiner Ge⸗ ſchmack, und ihr geweckter und hervor ſtechender Geiſt ſpricht ſich noch in den Geiſteswerken aus, welche wir bewundern. Daher kommt das Sprichwort:„es iſt voll attiſchen Salzes.“ Allein ihr Hang zu Feſten, Schauſpielen und Vergnuͤgen eutfernte ſie zu ſehr von ernſtlichen und nuͤtzlechen Geſchaͤften, als daß fie nicht endlich dadurch haͤtten zu Grunde gehen, und ganz Griechenland in den Strudel ziehen ſollen. 31 Die Geſchichte von Athen beginnt mit Ce⸗ crops 1582 Jahre vor Chriſtus, und zieht ſich durch 17 Köoͤnige bis auf Codrus fort, welcher von den Doriern 1098 getoͤdtet wurde. Indeſſen iſt das Meiſte, was man aus jener Zeit wiſſen will, ſehr ungewiß und fabelhaft. Nach dem Dode des letzten Koͤnigs waͤhlten die Athener Obrigkeiten, welche ſie Ar⸗ chonten nannten, von welchen Medo n der erſte, Alemeon der dreizehnte und letzte war. Sie waren auf ihr ganzes Leben beſtimmt, ihre 7 Nachfolger aber nur auf 10 Jahre, von Charops 184 bis Erykias 687; nach deſſen Tode trat Anarchie auf 3 Jahre ein. Dann wurden zwar die Archonten wieder hergeſtellt, aber nur auf ein Jahr. Der erſte war Creon 684, der letzte bekannte Diphilus oder Philipp 293; von den uͤbrigen weiß man wenig Beſtimmtes. Doch glaubt man, die Archonten haͤtten ſich bis zur Ein⸗ nahme Athen's durch Sylla ss Jahre vor Chriſtus erhalten. Dieſer Feldherr gab der Stadt ihre Freiheit wieder. Von den Roͤmern ging die Abhaͤngigkeit auf die griechiſchen Kaiſer bis zum J. 1204 unſerer Zeit⸗ rechnung uͤber, in welchem die Gallier ſich der Stadt Konſtantin opel bemeiſterten, und Griechen⸗ land unter die Fuͤrſten vertheilten, welche ſich aus⸗ gezeichnet hatten. Vom Marquis von Bonifaz ging das Herzogthum Athen auf die Familien Roche und Brie une uͤber, nach ihnen folgten Herren aus Arragonien, Florenz, und endlich Venedig. 32 Letztere wurden wieder durch einen Fuͤrſten aus Ar⸗ ragonien verdraͤngt, und der letzte abendlaͤndiſche Beſitzer war Franz Aceiaoli, Herzog von Athen und Prinz von Achaja. Als er ſeine Beſitzungen von den Tuͤrken bedroht ſah, bat er die ehriſtlichen Monarchen um Huͤlfe. Dieſe wurde ihm auch ver⸗ ſprochen, aber unter der Bedingung, daß dem grie⸗ chiſchen Schiſma entſagt wuͤrde. Da er ſeine Unter⸗ thanen dazu nicht bewegen konnte, ſo ſah er ſich in die Nothwendigkeit verſetzt, ſeine Stadt an die Tuͤr⸗ ken 1455 gelangen zu laſſen. Von dieſer Zeit war das einſt ſo beruͤbmte Athen der Barbarei und Unwiſſen⸗ beit Preis gegeben. Nach 232 Jahren wurden zwar die Venetianer 1687 wieder Meiſter derſelben; aber nur auf kurze Zeit, nach welcher die Tuͤrken um ſo mehr verheerten. Doch erhielten ſich noch viele Chri⸗ ſten daſelbſt, und die Kapuziner hatten ſogar ein klei⸗ nes Kloſter in der Burg Aeropolis bis auf die neue⸗ ſten Zeiten bewahrt. XIII. Der Pelopones iſtt faſt eine Halbinſel im mittaͤglichen Griechenlande, und zwiſchen dem ko⸗ rinthiſchen und ſaroniſchen Meerbuſen durch einen ſchmalen Strich Landes, welcher 2 bis 6 Meilen breit iſt, mit dem feſten Lande verbunden. Dieſer kleine Theil Griechenlands ſchloß einſt*— 8 Staaten in ſich, deren mehre eine große Rolle ſpielten; doch die be⸗ deutendſte iſt uns von den Lazedemoniern bekannt. XIV. Der Name Achaja wurde zwar von den 33 Roͤmern dem ganzen Griechenlande beigelegt; doch ge⸗ hoͤrte er nur dem Theile des Pelopones, welcher vom korinthiſchen Meerbuſen beſpuͤlt war. Der ganze oͤſtliche Theil war ſehr fruchtbar, und beſtand aus ſchoͤnen Ebenen. Die vorzuͤglichſten Staͤdte waren: 1) Dyma, die einzige, welche ſich im Kriege gegen Achaia an Philipp, den Sohn des Deme⸗ trius anſchloß. Der roͤmiſche Feldherr Sulpiz ließ dieſelbe pluͤndern„ nachdem er ſie eingenommer hatte. K. Auguſt vereinigte ſie mit der Verwaltung von Patraͤg.⸗ 2) Dieſe Stadt wurde von der Begruͤndung durch Eumelus her, welchen Ceres oder Triptolem das Getraidſaͤen lehrte, Aroe genannt. Patraͤu 8, der Schwiegerſohn des Ageno r, hat ſie vergroͤßert, mit Mauern verſehen, und ihr ſeinen Namen beige⸗ legt. K. Augu ſt fand ihre Lage ſo vortheilhaft, daß er ſte allein wieder bevoͤlkerte, und im Genuſſe der Freiheit als eine roͤmiſche Kolonie erklaͤrte. ³) Tritaͤa ſoll von einer Prinzeſſin gleiches Na⸗ mens gegruͤnder worden ſeyn, welcher man opferte, weil man ſtie fuͤr eine Tochter des Huſſes Triton hielt. Auch dieſe Stadt wurde durch Auguſt mit Patraͤg vereingt. 4) Zu Algium wurden die allgemeinen Ver⸗ ſammlungen von Achaia lange Zeit gehalten. Auch wurde der ſchoͤnſte Knabe des Landes zum Prieſter 15G98 B. Griechenland. 4. 3 34 Jupiters gewaͤhlt; erſt nachdem er mannbar ge⸗ worden war, erhielt er einen Nachfolger. 5) Algira hieß einſt Hypereſia. In einem Kriege gegen die Sieyonier fuͤhlten ſich die Einwoh⸗ ner zu ſchwach, verſammelten viele Boͤcke, banden an deren Hoͤrner Weinreben, und zuͤndeten ſie in ei⸗ ner finſteren Nacht an. Ihre Gegner glaubten, ſie haͤtten Unterſtuͤtzung erhalten, und zogen ſich zuruͤck. Deßwegen wurde an dem Orte, wo der ſchoͤnſte Bock geſtanden war, der Goͤttin Diana ein Tempel er⸗ richtet, und der Stadt der Name Algira zum An⸗ denken dieſes Ereigniſſes beigelegt. 6) Pellene ſoll von dem Sohne des Phorbas gleiches Namens gegruͤndet worden ſeyn. Zur Zeit Alexander's vernichtete ein gewiſſer Cheron, be⸗ ruͤhmt durch mehre Siege in den olympiſchen Spielen, aber gewonnen durch den Koͤnig von Mazedonien, die Republik ſeines Vaterlandes, und ſchuf ſich zum Ty⸗ pannen deſſelben; doch erhielt ſich dieſe Umaͤnderung nicht lange. Die Achaͤer miſchten ſich lange Zeit nicht in dis Angelegenheiten der Griechen. Jede ihrer Staͤdte hatte das Recht, Abgeordnete zu der Jahres⸗Verſammlung, wie zu den außerordentlichen zu ſchicken, welche von den oberſten Magiſtraten zuſammen berufen werden konnten. Die kleine Landſchaft Sieyonien liegt gegen Morgen von Achaia, und hat ein eben ſo ſchoͤnes, 35 als fruchtbares Gebiet. Ihr wichtigſter Fluß iſt der Aſop, von welchem die Einwohner aus Unwiſſenheit behaupten, daß er in Aſien an eben dem Platze ent⸗ ſpringe, wo der große Maͤan der ſich in das Meer ergieße. Er ſollte unter der Erde fortlaufen, um ihr Land wieder zu befeuchten. Die Stadt Sieyon wurde durch Erdbeben oͤfters ſo erſchuͤttert, daß der groͤßte Theil der oͤffentlichen Gebaͤude einſtuͤrzte. Die Begraͤbniſſe waren außer der Stadt. Die Religion und Sitten der Einwohner waren von jenen der Grie⸗ chen nicht verſchieden. Die Kuͤnſte bluͤhten zu einem hohen Grade unter ihnen, beſonders die Bau⸗ und Bildhauerkunſt, welche beide durch die eigene Maler⸗ ſchule ſehr gehoben wurden. Unter den Koͤnigen, wel⸗ che daſelbſt herrſchten, verdiente Orthagoras we⸗ gen ſeiner Maͤßigung eine beſondere Belobung; ihre Regierung begann 1773 vor Chriſtus unter Egialeus, 1129 kam ſie an die Heracleer, und ſpaͤter uͤbten die Prieſter des Apollo die Gewalt aus. Von der Zeit Alexander's verlor Sieyon ihre Groͤße und ihren Wohlſtand, noch mehr unter den Roͤmern. Schon Pauſan ias ſchildert die Einwohner als ſehr arm und elend. XV. Nach dieſem Geſchichtſchreiber erhielt Ko⸗ rinth ſeine Benennung von dem Sohne Mara⸗ thons gleiches Namens; allein weit eher von den vielen Gebirgen der nicht fruchtbaren Landſchaft. Dieſe Stadt hante viel praͤchtige Denkmaͤler, und war ſehr 36 bald in der Gewalt der Dorier. Die auf einer An⸗ hoͤhe beſindliche Burg hieß Aero⸗Korinth. Nach⸗ dem die Stadt lange Zeit des hoͤchſten Flores ſich er⸗ freut hatte, wurde ſie 146 Jahre vor Chriſtus durch den rom ſchen Feldherrn Mumm ins eingenommen und verbrannt. Julius Caͤſar ließ ſie wieder er⸗ bauen. Die Landenge iſt nicht breit; deßwegen be⸗ muͤhten ſich Demetrius, Herodes Atticus, Zulius Caͤſar und Neyro ſie zu durchbrechen, um eine Verbindung der Meerbuſen herzuſtellen; allein Je⸗ dem ſtellten ſich unuͤberſteigliche Hinderniſſe entgegen. In dieſer Provinz herrſchten Koͤnige viel ſpaͤter, als in anderen; zuerſt wurde ſie von den Argiern unter⸗ jocht, dann von den Koͤnigen zu Mycen aͤ. Man nennt Siſyphus als den Begruͤnder der Mo⸗ narchie 4376 Jahre vor Chriſtus. Nach der Ariſtokra⸗ tie erhoben ſich die Tyrannen Cypſeles und Pe⸗ riander, obſchon der letzte unter die 7 Weiſen Grie⸗ chenlands gezaͤhlt wird. Endlich 582 wurde Korinth als Republik erklaͤrt, von welcher Zeit ſie in den An⸗ gelegenheiten Griechenlandes eine ſehr ehrenvolle Rolle behauptete. Sie iſt der Stapelort zwiſchen Aſien und Europa; weßwegen die Magazine ſtets mit Produkten aller Art gefuͤlt ſind. Die Frauenzimmer ſind ſebr ſchoͤn; daher auch die Fremden gewoͤhnlich von den Buhlerinnen zu Grunde gerichtet werden. Dieſe duͤr⸗ fen jedoch dem Feſte der Venus, welches die ehrba⸗ ren Frauen feiern, nicht beiwobnen. Philo, einer 37 der Geſetzgeber ließ zwar die Ungleichheit des Vermoͤ⸗ gens beſtehen, ſuchte aber die Zayl der Familien und Buͤrger zu beſtimmen. XVI. Nach Pauſanias iſt die Landſchaft Ar⸗ golis die Wiege der Griechen, und harte ihre Be⸗ nennung von dem Koͤnige Argus erhalten. Der ganze Bezirk war ſehr fruchtbar, und vorzuͤglich ge⸗ dieh die Zucht ſehr ſchoͤner Pferde. Der vorzuͤglichſte Fluß heißt Inachus. Im weßlichen Theil war der See Lerna, deſſen Grund Nero durch Ankertaue nicht erreichen konnte. Die vorzuͤglichſten Staͤdte waren: 1¹) Argos, welche, wie Strabo verſichert, nach Sparta die erſte Stadt des Pelopones geweſen ſeyn ſoll. Sie zeichnete ſich durch ſehr viele Gebaͤude aus, unter welchen das Denkmal an die Niederlage und den Tod des Pyrrhus, welcher 272 Jahre vor Chriſtus bei dem Verſuche der Eroberung der Stadt daſelbſt getoͤdtet wurde, beſonders merkwuͤrdig war. Eben ſo die Burg, der Tempel der Minerva, und eine ſonderbare Bildſaͤule Jupiters. Die Stadt war der Goͤrtin Juno geweihet. Die umliegenden Moraͤſte des Winters wurden durch die Hitze der Sonne im Fruͤhlinge ſchon ausgetrocknet. 2) Mycenaͤ wurde von Perſeu s, dem Schwie⸗ gerſohne und Moͤrder des Acriſius begruͤndet, und war die Hauptſtadt eines beruͤhmten Koͤnigreiches un⸗ ter der Regierung Agame mnons, wurde aber 7 — 38 bald darauf mit dem Koͤnigreiche Argos vereinigt. Die Argier zerſtoͤrten ſie aus Eiferſucht bloß deß⸗ wegen, weil die Einwohner den Lazedemoniern dei der Vertheidigung von Thermopyle halfen. 3) Tirynth lag ſehr ſchoͤn zwiſchen den Ber⸗ gen; daher iſt zu erklaͤren, daß die Mauern aus ſehr großen Felsſtuͤken von den Cyclopen erbaut worden ſeien. Sie ſoll von Tiryns, dem Sohne des Ar⸗ gus erbaut worden ſeyn. Allein die Argier zerſtoͤrten ſie, und nahmen die Einwohner mit ſich; daher ſie ſchon zur Zeit des Pauſanias nicht mehr exiſtirte. 4) Nauplia, deſſen Name von den griechiſchen Woͤrtern eines Schiffes und Schwimmen, oder von einem Hafen abzuleiten iſt, ſollte gar durch Nau⸗ plius, den Sohn Neptun's und Amymone ge⸗ ſtiftet worden ſeyn. Strabo behauptet, ihre Benen⸗ nung komme von ihrer Beſtimmung, und von den zahlreichen Schiffen, welche daſelbſt zuſammen treffen. 5) Epidaurus war die Hauptſtadt jenes Be⸗ zirkes, welcher dem Aeskulap geweihet war. Deſ⸗ ſen Tempel, und die ſchoͤne Aufſchrift uͤber die Pforte, die allgemeine Verehrung, welche ganz Griechenland dem Schutzgotte der Kranken gewaͤhrte, und die vie⸗ len auderen Tempel veranlaßten einen zahlreichen Be⸗ ſuch aus der Naͤhe und Ferne. Die Rotunde Aes⸗ kulaps war im heiligen Haine von Poliklet ge⸗ baut, von Pauſias verziert, und mit Saͤulen um⸗ geben, auf welchen die Namen der geheilten Kranken, 39 die Krankheiten und die Mittel zur Geneſung geſchrie⸗ ben ſtanden. Das beruͤhmte Theater war vom naͤm⸗ lichen Baumeiſter errichtet. 6) Tröozoͤne war ſehr alt, und ihre Bewohner ruͤhmten ſich, viele Goͤtter als Gaͤſte und Beſchuͤtzer gehabt zu haben. Sie war zwar reich an Kunſtwer⸗ ken; aber die Luft daſelbſt immer ungeſund, das Waſſer ſchlecht, und der Wein wenig geachtet. Im ſaroniſchen Meerbuſen befand ſich die Inſel Aegina. Ungeachtet ſie nach ihrem Namen voll Huͤ⸗ gel und Berge war, ſo wurde ſie doch ſehr bald von den Argiern bewohnt, welche ſich im Kriege gegen die Perſer ſehr auszeichneten. Nachdem ſie von den ehrgeitzigen und unruhigen Athenern verjagt waren, zogen ſie ſich nach der Inſel Thyraͤa, an der Graͤnze Lakonien'’s zuruͤck, wo die Lazedemonier damals herrſchten. Doch verließen ſie ſpaͤter dieſe Inſel wie⸗ der, und kehrten nach Aegina zuruͤck, welcher Name erſt von der Nachwelt in Engia verunſtaltet wurde. Die Argier waren im Rufe, gute Seeleute, aber ſchlechte Redner zu ſeyn. Sie waren ſehr tapfer, und pflegten mehr die Kuͤnſte und Gewerbe, als die Wiſ⸗ ſenſchaften. Ihr Koͤnigreich wurde durch Inachus begruͤndet, welcher mit einer Kolonie aus Aegyp⸗ ten gekommen ſeyn ſoll. Seiner Familie folgte jene des Danaus, welche auch aus Aegyyten gekommen war, in der Regierung. Unter Pretus und Aeri⸗ ſius, 1330 Jahre vor Chriſtus, wurde das Reich 40 getheilt. Der geſchickte Arzt Melamp erhielt einen Theil fuͤr ſich, und den anderen fuͤr ſeinen Bruder Bias, waͤhrend die Nachfolger von Pretus den dritten behaupteten. Sobald Perſaͤus die Stadt Myeaͤne geſtiftet hatte, veranlaßte er die Begruͤn⸗ dang eines neuen Koͤnigreiches. Nach der Ruͤckkehr der Herakliden der Abkoͤmmlinge des Herkules, 1129 vor Chriſtus bildete das ganze Land nur einen Staat, welcher dem Koͤnige Temenus, Sohne Ari⸗. ſtomak's uͤbertragen wurde. Nachdem aber der dritte Koͤnig Melta nach ihm vom wuͤthigen Volke getoͤd⸗ tet war, wurde eine demokratiſche Regierung ange⸗ nommen. Die Aggier hatten keinen beſondern Theil an den Angelegenheiten Griechenlandes, und fielen mit dieſem in die Gewalt der Roͤmer. XVII. Der Name der Landſchaft Lakonien wurde unter den griechiſchen Kaiſern in Tzaconien verwandelt. War ſie auch nicht uͤberall gleich frucht⸗ bar; ſo war ſie es doch nicht wenig. Sie wurde von Erdbeben ſo erſchuͤttert, daß ſogar der durch Gehoͤlz und Wild bekannte Berg Taygetes beſchaͤdigt wor⸗ den iſt, auf welchem die Lazedemonier ſich im Jagen uͤbten. Gegen das Vorgebirge Tenara fand man ſehr ſchoͤnen Marmor. Die vorzuͤglichſten Staͤdte waren: 1) Sparta, welche ihren Namen von der Gat⸗ tin Lazedemon'’'s, eines der aͤlteſten Koͤnige ablei⸗ ten ſoll; daher die Bewohner der Stadt, als Spar⸗ 41 taner, mit jenen des Landes Lakonien, als La⸗ zedemoniern, oͤfters verwechſelt werden. Dieſe Stadt war weit ſchoͤner gebaut und verziert, als man nach der Einfachheit, Strenge und Rohheit der Ein⸗ wohner vermuthen ſollte. Vorzuͤglich bewunderungs⸗ wuͤrdig war der Portikus der Perſer, welcher aus der an dieſer gemachten Beute bei ihrer allgemei⸗ nen Niederlage in Griechenland, errichtet wurde. Sehr ſonderbar war, daß ſie denſelben mit den Statuen ihrer Feinde Nardonius, Artemiſius und an⸗ derer perſiſchen Feldherren verherrlichten. Dieſer Por⸗ tikus war aber nicht, wie die Bogengaͤnge Italien's und England's, vor den Haͤuſern unter dem erſten Stockwerke, im Erdgeſchoße, ſondern ein viereckiger einfacher Saal, mit Saͤulen umgeben, zum Luſtwan⸗ deln bei uͤbler Witterung. Die Stadt hatte eigent⸗ lich keine Mauern, ſondern beſtand aus fuͤuf von ein⸗ ander geſonderten Doͤrfern, deren jedes von einem be⸗ ſonderen Volksſtamme bewohnt wurde. Auf dem Markte waren mehrere Denkmaͤler, auf dem hoͤchſten Huͤgel ein Tempel der Minerva aus Erz, die Haͤu⸗ ſer klein und plump gebaut, die Grabmaͤler ohne Verzierung, und bezeichneten keinen Unterſchied un⸗ ter den Buͤrgern.— 2) Gythium war eine feſte Stadt und ſchoͤner Hafen, und ſoll durch Herkules und Apoll ſelbſt begruͤndet worden ſehn. Unter den Roͤmern war ſie die vorzuͤglichſte der 18 Staͤdte, welche K. Auguſt 42 von der Regierung zu Sparta befreite, und deren meiſte am Ufer des Meeres gelegen waren. Die Religion der Lazedemonier war von jener der uͤbrigen Griechen nur darin verſchieden, daß manche Feſte mit den Athenern nicht getheilt, und Venus bewaffnet vorgeſtellt wurde. Durch die Weisheit der Geſetze, durch die eigene Regierungs⸗Form und durch die Unveraͤnderlichkeit derſelben, erhob ſich Lazedaͤ⸗ mon auf jene Stufe, auf welcher es einen ſo großen Ruhm einerndete, und ſo lange ſich erhalten konnte. Waren gleichwohl immer Koͤnige zu Sparta; ſo war doch die Regierung nur im Anfange monar⸗ 3 chiſch. Vor der Zeit Licurg's hatte man noch keine beſtimmten Begriffe und Staats⸗Formen. Sobald er aber ſeine Geſetze gegeben hatte, gewann der Staat eine ganz neue Form. Die Statuen der Gottheiten mußten bewaffnet vorgeſtellt werden, damit das Volk den Wehrſtand achtete. Ihre Opfer waren nicht theuer, damit die Armen wie die Reichen ſolche darbringen konnten, und damit dieſe ſich nicht durch Aufwand auszuzeich⸗ nen ſuchten, welcher nur dem Stolze ſchmeichelt, aber die Gottheit nicht ehrt. Sie hielten das Beerdigen der Todten und das Begleiten der Leichenzuͤge fuͤr keine herabwuͤrdigende Handlung. Jene, welche im Dienſte des Vaterlandes innerhalb des Bezirkes von Sparta geſtorben waren, wurden in die Stadt ge⸗ bracht, um ihren Familien⸗Gruften beigeſetzt zu 43 werden. Waren ſie im Auslande geſtorben, ſo wur⸗ den ſie daſelbſt beerdigt, und ihr Grab nur mit einer einfachen Inſchrift des Namens und der Urſache ihres Todes verſehen. Man gewoͤhnte die Kinder fruͤhzei⸗ tig, Hunger und Durſt zu ertragen. Die reicheren erhielten keine beſſere Koſt, als die aͤrmeren, ſie ſpei⸗ ſten mit einander. Bei dieſen oͤffentlichen Gaſtmaͤlern erzaͤhlten die Alten der Jugend merkwuͤrdige Ereigniſſe ihrer Zeit, und ſuchten ſo durch Vortrag und Beiſpiel ſie zu be⸗ lehren, wie man dem Vaterlande nuͤtzlich ſeyn ſoll. So einfach ihre Nahrung war, eben ſo kleideten ſie ſich auch. Die Knaben mußten bis zu einem gewiſſen Jahre barfuß gehen; nur bei dem Heere durfte man ſich etwas vornehmer kleiden. Sie ſetzten ſogar Kro⸗ nen auf, wenn ſie im Begriffe waren, eine Schlacht zu liefern. Auch die Frauenzimmer kleideten ſich ſehr einfach, ohne Gold und Borden; Verzierungen fand man nur an ganz verdienſtloſen Maͤdchen. Die Lazedaͤmonier waten ihren Koͤnigen und jeder untergeordneten Obrigkeit ſehr gehorſam; ſie waren voll Ehrfurcht gegen die Greiſe, beobachteten in ihrer Gegenwart eine große Stille, und nahmen jede Zu⸗ rechtweiſung an. Jeder Greis hatte nicht nur das Recht, ſondern war ſogar verpflichtet, jeden Juͤngling zu ahnden, welcher ſich ein es Fehlers ſchuldig machte. Das Stillſchweigen, die Geduld und Feſtigkeit waren die Tugenden, welche man den Kindern vorzuͤglich 44 einpraͤgte. Sie durften nicht ſagen, was ſie geſehen oder gehoͤrt hatten. Man zuͤchtigte ſie bis zum Ver⸗ gießen des Blutes, um ſie an das Ertragen des Schmerzes zu gewoͤhnen, uͤber welchen ſie nicht ſchreien durften; mancher Knabe gab freilich dabei den Geiſt auf. Merkwuͤrdig iſt, daß ihnen auch das heimliche Stehlen gelehrt wurde; Diebſtaͤhle wurden nur ge⸗ ſtraft, wenn man auf der That ergriffen war. Jagd und Tanz waren ſehr gewoͤhnliche Vergnuͤgen der La⸗ zedaͤmonier beiden Geſchlechtes.. Von der Zeit Lykurg's gab es nur eine ſehr dicke Kupfermuͤnze; man durfte kein Silber dafuͤr ein⸗ tauſchen, damit man nicht verſucht wuͤrde, ſich zu bereichern, oder ſich von Fremden beſtechen zu laſſen. Die Juͤnglinge wurden erſt im 30. Jahre als Maͤnner erkannt; nach dieſem durften ſie ſich in Staats⸗Ange⸗ legenheiten miſchen, und Waffen tragen. Sie kaͤm⸗ pfeten nur auf Ebenen, von Belagerungen wußten ſie nichts. Sie hatten die Regel, nichts oͤfters den naͤmlichen Feind zu befehden, und nicht lange Zeit an dem naͤmlichen Platze ſich zu lagern. War mau im Begriffe, eine Schlacht zu eroͤffnen, ſo brachte der Koͤnig den Muſen ein Opfer, damit dieſelbe zur Ehre der Kaͤmpfer und zur Ermunterung der Nach⸗ kommen gelinge. Sobald der Kampf begonnen hatte, f ſo wurde er mit Kraft und Hartnaͤckigkeit fortgeſetzt, damit man nicht die Schande erlebte, beſiegt zu wer⸗ den. Die Muͤtter umarmten ihre Soͤhne vor dem * 45 Zuge in das Schlachtfeld, und empfahlen ihnen, end⸗ weder zu ſiege oder zu ſterben. Waren die Feinde in die Flucht gejagt, ſo wurden ſie nur ſo weit verfolgt, als nothwendig ſchien. Hatte man 4 Jahre Kriegs⸗ Diene geleiſtet, ſo war man derſelben uͤberhoben. Man hielt alle Lazedaͤmonier fuͤr lebhaft und ſpoͤttiſch, ihre gedraͤngte und beſtimmte Schreibart war der Ausdruck ihrer gleichartigen Gedanken; daher noch der Name des Lakoniſchen Styles bis auf unſere Zeiten ſich erhielt. Die Lazedaͤmonier hatten anfangs 13 Koͤnige, welche von Lelex im J. 1516 vor Chriſtus bis Tiſa⸗ menes allein herrſchten; letzterer wurde nach einer *80 jaͤhrigen Regierung durch die Herakliden vernichtet. Der Anfuͤhrer dieſer Unternehmung, Ariſtodemes, vertheilte dann die höchſte Gewalt unter ſeine beiden Soͤhne Euryſthenes und Proeles. Die Herakli⸗ den heriſchten bis 249; einige Tyrannen folgten ihnen; und nachdem Nabis 492 Jahre vor Chriſtus getoͤdet war, trat die Regierung der Roͤmer ein. XVIII. Die Landſchaft Meſſenien hatte ihren Namen von Meſſene aus Argos, der Tochter von Triopas, und der Enkelin von Phorbas. Die Hauptſtadt Meſſene wurde von Spaminondas, nach dem Siege bei Leuktra, mit ſehr ſtarken und dicken Mauern und praͤchtigen Tempeln am Fuße des Berges Ithomes erbaut. Der Name der Stadt Epaeg wurde von Epimelides, aus Corona in „ 46 : Boeotien, in Corona verwandelt, nachdem die The⸗ baner die Meſſenier in den Pelopones zuruͤck keh⸗ ren ließen, aus welchem ſie durch die Lazedaͤmonier ver⸗ draͤngt waren. Die Stadt Pilos war gegründet von Pylas, dem Sohne Cleſon's, deſſen Grab Pau⸗ ſanias noch ſah. Ihm folgten Naͤlaͤus und Ne⸗ ſtor in der Regterung. Nachz der koͤniglichen Regie⸗ rung folgte jene der Herakliden unter einem Chef; der letzte und beruͤhmteſte war Ariſtomenes, welcher ſich durch unbegreiflichen Muth, Tapferkeit und Gluͤck in der Geſchichte verewigte. Nach ihm bemaͤchtigten ſich die Lazedaͤmonier der Regierung. Die 3 Kriege der Meſſenier gegen dieſe ſind in 3 beſonderen Elegien beſchrieben. Ein Haufe der vertriebenen Meſſenier be⸗ gab ſich nach Sizilien, bemaͤchtigte ſich der Stadt Zankle, und veraͤnderte deren Namen in Meſſina. XIX. Die Provinz Elis hieß anfangs SEpea nach dem Sohne Endimion's, welcher ſeinem Va⸗ ter in dieſem Koͤnigreiche folgte. Cleus regierte nach⸗ her, und verlieh ſeinen Namen der Landſchaft und dem Volke. Dieſelbe war ſehr fruchtbar an Vieh⸗ Futter, Fruͤchten, Hanf ꝛc.; ihr Hauptfluß hieß Al⸗ phaͤus, welchen die Dichter unter der Erde nach Sizilien flieſſen, und mit der Quelle Arethuſa vereinigen lieſſen. Die vorzuͤglichſten Staͤdte waren: 1) Olympia, beruͤhmt durch die alle s Jahre gefeierten Spiele, welche von Herkules erfunden. Zwar wurden ſie nicht immer genau zur gehoͤrigen Zeit 47 sefeiert, auch zuweilen unterbrochen; doch durch den Regenten Iphitus 19. Juli 776 vor Chriſtus er⸗ neuert, und s Tage fortgeſetzt. Mit den Spielen, worin Koroͤbus gekroͤnt wurde, faͤngt die Zeitrech⸗ nung an. Keine Stadt von ganz Griechenland hatte ſo vielfache Verzierungen. 2) Sehr unrichtig wurde die Stadt Piſa von einigen Geographen mit Olympia verwechſelt; ihr Gruͤnder war Piſus, Enkel von Aeolus. Ibre Ein⸗ wohner hatten heftige Kaͤmpfe mit den uͤbrigen Be⸗ wohnern der Landſchaft, weil ſie die Olympiſchen Spiele auf eigene Rechnung ſeiern wollten. 3) Slis, die Hauptſtadt des Landes, hatte den Vorſitz in den Spielen. Auch ſie hatte viele ſchoͤne Denkmaͤler, und beſondets ein Gymnaſium, wo die Kaͤmpfer ſich uͤbten, ehe ſie in den Spielen er⸗ ſchienen. Nach der Regierung der Koͤnige, von welchen nur 12 bekannt ſind, trat die republikaniſche, und Theil⸗ nahme an den Angelegenheiten Griechenlands ein. In einigen Fehden mit den Lazedaͤmoniern blieben die Eli⸗ den Sieger. Waren ſie gleichwohl Anhaͤnger des K. Philipp, ſo wollten ſie doch bei der Schlacht von Cheronea nicht fuͤr ihn fechten. Nachdem ſie ſich mit den Achaiern verbunden hatten, wurden ſie ge⸗ meinſchaftlich von den Roͤmern unterjocht. XX. Arkadien liegt in der Mitte des Pelo⸗ pones. Von den Herrſchern iſt bekannt, daß Pe⸗ Cagliſto folgte, und welcher die Landſchaft mit ſei⸗ nem Namen bezeichnete. Sie war fruchtbar an Vieh⸗ Futter; man erzog viele Pferde und Eſel, welche we⸗ gen ihrer Ausdauer in Strapatzen hoch geachtet wa⸗ ren. Da die Provinz fuͤr den See⸗Handel keine Ver⸗ lasgus der erſte war, welchem Arceas, Sohn des bindung mit dem Meere hatte, ſo blieben die Arkadier viel laͤngere Zeit verwildert, als die uͤbrigen Griechen. Sie widmeten ſich dann vorzuͤglich dem Hirten⸗Leben. da ſie in der Politik keine beſondere Rolle ſpielten, ſo dienten ihre Juͤnglinge als Soͤldlinge anderer Voͤlker, wie in neueren Zeiten die Schweitzer. Ihre Berge waren beruͤhmt: Menalus durch ſeine Hirten; Exy⸗ manthus durch das außerordentlich große Schwein, mit welchem Herkules daſelbſt ſich befaßte; und Lyzaͤus durch den Tempel Jupiter's, wo dieſer ſogar gezeugt worden ſeyn ſoll. Auſſer dem Flune Alphaͤus eichnete ſich noch Ladon durch ſein ſchoͤnes Waſſer, und durch die Abentheuer der Daphnis aus, welche ſich darin badete, al⸗ Apollo in ſie ver⸗ liebt war. Die wichtigſten Staͤdte waren: 1) Mantinaͤa, beruͤhmt durch zwei Schlachten; die erſte war zwiſchen den Thebanern und Lazedaͤmo⸗ niern 363 J. vor Chriſtus, in welcher Epaminon⸗ das zwar ſiegte, aber das Leben verlor. Die zweite hatte zwiſchen den Achaiern und Lazedaͤmoniern 206 J. ſtatt; erſtere waren unter der Anfuͤhrung Philope⸗ 49 menes, letztere unter ihrem Tyrann Machani⸗ das, welcher dabei umkam. 2) Tegea's Bewohner nahmen an allen ehren⸗ vollen Unternehmungen Arkadien's Theil; vorzuͤg⸗ lich in der Schlacht bei Plataͤa, und zeichneten ſich in den Fehden gegen die Mantineer und Lazedaͤmo⸗ nier aus. 3) Megalopolis war die neueſte dieſer Pro⸗ vinz, erbaut nach dem Rathe des Epaminondas, welcher den Arkadiern begrei ich machte, wie wichtig ein Vereinigungs⸗Punkt und eine ſehr feſte Stadt ſei, um den Lazedaͤmoniern zu widerſtehen. 4) Herda ſoll vom Sohne Lykaons gegruͤn⸗ det ſeyn, hatte eine ſchoͤne Allee von Ahorn⸗ Baͤumen und Myrthen laͤngs des Fluſſes Alphaͤus, worin die Einwohner ſich im Laufen uͤbten. Die Arkadier verehrten die Feld⸗Goͤtter, vorzuͤglich Pan, und opferten dem Sturme und Donner. Ihre Geſetze waren ſo einfach wie ihre Sitten. Anfangs wurden ſie nach Willkuͤhr beherrſcht, dann hatte die monarchiſche Verfaſſung ſtatt; doch behielt das Volk noch ſo viel Gewalt, daß der Koͤnig nicht alles, was er wollte, ausfuͤhren konnte. Sie ſollen zuerſt die Lein⸗ wand, die Kaͤſe, das Oel, Honig ꝛe. in Griechenland bereitet haben. Sie waren in Wiſſenſchaften und Kuͤn⸗ ſten wohl unterrichtet; Dichtkunſt, Geſang, Tanz and Feſte hatten ihren Charakter ſehr bald gemildert. Sie 15fes B. Griechenland. I. x. 4 50⁰ waren menſchenfreundlich, wohlthaͤtig, tapfer und ſehr eiferſuͤchtig auf ihre Freiheit. Ihr Jahr theilten ſie lange Zeit nur nach 3 Monaten ein. Ihre Waffen waren ſehr einfach; ſie hatten nur ein Bund Wurf⸗ ſpieſſe und eine Lanze, welche ſie ſehr geſchickt zu wen⸗ den wußten. Die Weiber theilten die Ehre der Maͤn⸗ ner, dem Vaterlande zu dienen: in dem Zuge der La⸗ zedaͤmonier gegen Tegea, wurde dieſe Stadt blos durch die Tapferkeit der Weiber erhakten. Ihr erſter Koͤnig war Pelasgus in der graueſten Vorzeit, der letzte hieß Ariſtokrates II, mehr als 600 J. vor Chriſtus. Dieſer wurde von ſeinen Unterthanen um⸗ gebracht, weil er treulos gegen die mit ihnen verbuͤn⸗ deten Meſſenier ſich bewies. Von dieſer Zeit bildeten ſie kein beſonderes Volk mehr, wurden als Achaier betrachtet, und von den Roͤmern unterjocht. XXI. Unter den Inſeln des Joniſchen Meeres gegen Nord, verdient die erſte Erwaͤhnung Coreyra, jetzt Korfu genannt. Nach Diodor erhielt ſie jenen Ramen von einer Nymphe gleicher Benennung, welche durch Neptun in das Reer getaucht worden war. Homer nennt ſie die Inſel der Pheazier. Sie hat etwa 12 Meilen in der Laͤnge, und s in der hoͤchgen Breite. Der Boden iſt guͤt, und wurde durch die Anſtrengung der Einwohner ſehr fruchtbar gemacht. Die Sitten waren gleich jenen der Mazedonier. Durch ihre Fertigkeit und Gluͤck in der Schiffahrt datten ſie * 3 1 51 ſich ehemals große Reichthuͤmer erworben, durch welche ſie eitel wurden, und ſich viele Neider und Feinde zuzogen. Anfangs hatten ſie Koͤnige, unter welchen der Garten⸗Freund Aleinous ſehr beruͤhmt iſt; ſpaͤ⸗ ter waͤhlten ſie die republikaniſche Verfaſſung. Gegen die Zeit, in welcher N uma zu Rom regierte, ſende⸗ ten die Korinthier eine Kolonie nach Korfu; durch welche(nach Thucydides) unter der Leitung des Phalias die Stadt Spidamnuus wieder bepflanzt wurde. So glaͤnzend ihre Verhaͤltniße in der Vorzeit waren, ſo ſanken ſie doch auch, bis zur Unmerklichkeit herab, als die ſchoͤne Zeit Griechenlands ſich endigte. XXII. Leukadia, einſt Neritus genannt, war urſpruͤnglich nur eine Halbinſel, welche mit dem feſten Lande verbunden war. Die Korinthier ſtachen durch die Landenge, um eine Inſel herzußtellen. Gegen Nord war die Hauptſtadt Leukate; gegen Suͤd ſtaud ein Tempel Apollo's und ein Vorgebirge, welches durch die Thorheit un gluͤcklicher Liebhaber bekannt wurde, die ſich hier in das Meer ſtuͤrzten. Von der Hoͤhe dieſes Felſens warfen die Leukadier jahrlich ei⸗ nen Verbrecher in das Waſſer, um die Uehel abi wen⸗ den, mit welchen ſie ihr Land bedroht waͤhnten. Sis um wickelten ſeinen Leib mit vielen Federn, um ſeinen Sturz weniger gewaltſam zu machen. Konnte er ſich retten, ſo war ihm zwar das Leben geſchenkt, allein er war fuͤr ſein Leben verbannt. 52 XXIII. Cephalonien hieß einſt Samos, nach der Stadt gleiches Namens an einem kleinen Meerbuſen, welche viele Handels⸗Geſchaͤfte trieb. Zwar iſt dieſe Inſel nicht ſo lang als Korfu, aber doch groͤßer. Sie war lange Zeit von den Thebanern abhaͤngig, dann von den Aetoliern, ehe der Roͤmer M. Fulvius Nahiio kam, welcher die Einwohner an die Meiſtbietenden verkaufte. Man glaubt, Ulyſ⸗ ſes habe daſebſt geherrſcht. XXIV. Dulichium wird fuͤr Ithaka gehal⸗ ten, welches als Sitz des Ulyſſes durch Homer und Virgil ſo beruͤhmt wurde. XXV. Die Inſel Zaeynthus mag ihren Na⸗ nen vom Sohne des D Dardanus ableiten, welcher ſich daſelbſt mit einer Kolonie niederließ⸗ XXVI. Die Strop haden wurden von akten Ceihiern die ſchwimmenden gen 4 weil man ſie bald ſah, bald nicht, und weil ſie ihren Stand im Meere zu aͤndern ſchienen. Erſt ſeit der Fa del, von Ze⸗ thus und Calais, den Soͤhnen des Boreas, wur⸗ den ſie die Strophaden igenannt. Auf ihn en iſt eine Quelle ſehr guten Waſſers. XXVII. Unter den dſe n des Aegaͤiſchen Mee⸗ ves gegen Nord verdient die erſte Erwaͤhnung: Tha⸗ ſos naͤchſt Thrazien. Dieſe durch ihre reichen Gold⸗Minen beruͤhmte Inſel, erhielt ihre Benennung von Thaſus, dem Bruder des Cadmus, welcher ſt 53 daſelbſt ſich nieder gelaſſen, und eine Stadt gebaut hatte. Ihre Fruchtbarkeit wurde zum Sprichworte, wenn man ein Land bezeichnen wollte, welches an Al⸗ lem Ueberfluß hatte. Vorzuͤglich ſchaͤtzbar war der Wein und Marmor. Die erſten Pflauzer waren Phoͤnizier, bis Griechen aus Paros kamen. Die Perſer hatten ſich unter Darius dieſer Inſel bemaͤchtigt; allein ſie wurden von den Griechen wieder verjagt. Die Inſel war vielen Angriffen der Atheuer ausgeſetzt, und wurde von den Lazedaͤmoniern vertheidigt. Zur Zeit A lexan⸗ ders unterwarfen ſich die Thazier den Mazedoniern; nachher erlangten ſie ihre Freiheit nicht mehr bis zum Vertrage mit den Roͤmern unter dem Konſul Fla⸗ minius. XXVIII. Scyros leitete ſeinen Namen von den ſchoͤnen Felſen der Inſel ab, hatte vortreflichen Wein, und herrliche Ziegen. Allein alle anderen Lebensmit⸗ tel waren ſo ſelten, daß man ihren Namen zum Sprichworte waͤhlte, um ein recht armes Land auszu⸗ druͤcken. Vorerſt war ſie von Pelasgern und Kariern, dann von Chaleidiern bewohnt. Mehre ihrer Koͤnige hießen Ly comedes; bei einem hielt ſich Achilles als verkleidetes Maͤdchen auf, waͤhrend man ihn ſuch⸗ te, um ihn zum Trojaniſchen Kriege zu fuͤhren. Auch Cheſeus wurde, nachdem er ſich aus Athen auf dieſe Inſel gefluͤchtet hatte, durch einen Fuͤrſten Lyco⸗ medes in das Meer geſtuͤrzt. Die Perſer hatten die⸗ ſelbe den Griechen abgenommen; ſie wurde dieſen aber bei dem Frieden von Antaleidas 387 J. vor Chri⸗ ſtus zuruͤck gegeben. Spaͤter gab ihr Demetrius Poliorceetes ihre ganze Freiheit wieder, die ſie erſt unter den Roͤmern wieder verlor. XXIX. Euboͤa, eine ſchmale aber zwei Meilen lange Inſel iſt vom feſten Laude des eigentlichen Grie⸗ chenlandes, bei Chaleis gegenuͤber, durch eine ſo ſchmale Zunge getrennt, daß kaum ein Schiff durch⸗ fahren kann. Die daſelbſt herrſchende Ebbe und Flut iſt ſehr gewaltſam, und hat die Alten ſehr erſchreekt. Sein aͤuſſerſt fruchtbarer Boden bringt Getraid, Oel, Wein und alle ſchmackhafte Fruͤchte hervor. Ihre Vieh⸗ Weiden ſind ſehr hoch geſchaͤtzt worden. Die zwei Staͤdte waren Chaleis und Eretria. Die Be⸗ wohner waren beruͤhmt durch ihre Tapferkeit; aber ihre Sitten ſehr verrufen. Bis zum K. Veſpaſian hatten ſie ihren Wohlſtand erhalten, weil K. A u⸗ g uſt die Freiheit wieder gegeben hatte. XXX. Die Cyeladen haben iyre Benennung von der Kreisfoͤrmigen Geſtalt, in welcher ſie zuſam⸗ men liegen. Die erſte iſt: 1) Andros, welche ihren Namen von einem der Generale des Rhadamantes erhalten haben ſoll, der ihn beſtimmte, alle dieſe Inſeln zu beherrſchen, Ihr Boden iſt ſehr fruchtbar, er hat ſuͤße Fruͤchte im Ueberfluße, und eben ſo belle, als friſche Quellen. ——— 5⁵ Von einer behauptete man ſogar, daß ſie waͤhrend des Baechus⸗Feſtes weinartig ſchmecke. Die Androſer ver⸗ banden ſich zuerſt mit den Perſern nach deren Einfalle. Aus Ehrgeitz, oder um ſich fuͤr die allgemeine Ange⸗ legenheit zu raͤchen, nahmen die Athener dieſe Inſel in Beſitz; allein die Perſer bemaͤchtigten ſich derſelben vom Neuen. Sie gerieth ſpaͤter in die Gewalt Ale⸗ rander's, Antigone's, Ptolomaͤus, Attalus als Koͤnig von Pergamus, und endlich der Ruͤmer, welche ſich auf eine letzte Willens⸗Verfuͤgung dieſes „Fuͤrſten beriefen. 2) Tenos, nordweſtlich von Telos, hatte einen heiligen Hein, einen herrlichen Tempel Neptun's, welcher von mehren großen Gebaͤuden umgeben war, viele herrliche Quellen, welche aus den Gebirgen ſpru⸗ deln, und vortrefflichen Wein. Die Einwohner waren zwar ſehr maͤchtig und tapfer auf dem Meere: doch getrauten ſie nicht, ſich der Macht der Perſer zu wi⸗ derſetzen; ſie ergaben ſich dem Terxes, ohne den ge⸗ ringſten Widerſtand zu leiſten. Sie theilten zuletzt das Schickſal der Bewohner von Andros. 3) Mykonos, oſtwaͤrts von Delos, wenig fruchtbar, nur beruͤhmt durch ſeine Feigen, Ziegen und Weinberge. Die Einwohner werden entweder durch Eigenheit des Waſſers, oder durch die Rauheit des Clima's ſchon im 20— 25 Jahre ganz kahl. Pli⸗ 56 nius behauptete ſogar, daß die Kinder haarlos gebo⸗ ren werden. 4) Obgleich die Inſel Delos weniger groß iſt, ſo war ſie doch die beruͤhmteſte des Archipels theils wegen des Alters ihres Tempels, theils wegen des Orakels von Apollo ‚welcher, wie ſeine Schweſter Diaua, daſelbſt geboren ſeyn ſoll. Die allgemeine Verehrung fuͤr dieſen Ort war ſo groß, daß ſelbſt die Perſer unter dem Feldherrn Datis weder als Waf⸗ fentraͤger⸗ noch als Naͤuber etwas zu unternehmen wagten. Man hegte die Thorheit, die Inſel muͤſſe in gewiſſen Umſtaͤnden gereinigt werden; deßwegen wurden einmal die Koͤrper und Beine der Verſtorbe⸗ uen aus ihren Graͤben genommen, und auf die Inſel Rhenaa gebracht. Zugleich wurde befohlen, man ſollte kuͤnftig Niemand mehr daſelbſt ſterben laſſen. Eben ſo wurde den Weibern verboten, ihre ferneren Entbindungen daſelbſt zu halten. So hoch geachtet indeſſen die Inſel ſchien, ſo hatte ſie doch das Un⸗ gluͤck, von Mithridates ausgepluͤndert zu werden⸗ nach welchem die Roͤmer folgten. Dieſe neuen Her⸗ ren ertheilten den Bewohnern von Delos große Freiheiten. Sehr auffallend iſt, daß dieſe einſt ſo be⸗ ruͤhmte Inſel jetzt nur noch ein Haufen von Felſen, und ein Schlupfwinkel der Seeraͤuber iſt. 5) Ceos, ganz nahe an Attika, war ſehr be⸗ rähmt durch ſeine fruchtbaren und reichen Viehwei⸗ 57 den, und durch viele Feigen geworden. Von den 4 beruͤhmten Staͤdten daſelbſt waren, zur Zeit Stra⸗ bo's, nur noch zwei uͤbrig; die beiden anderen ſchon vom Erdbeben verſchlungen. Nach ſeiner Verſicherung wurde jeder, welcher das ſechszigſte Jahr erreicht hatte, vergiftet, damit er den uͤbrigen Gliedern ſeiner Familie etwas zum Leben uͤbrig ließ. Als ſie einſt von den Athenern ſo enge eingeſchloſ⸗ ſen waren, daß ſie, wenn ſie laͤnger widerſtanden haͤt⸗ ten, vor Hunger geſtorben waͤren; ſo beſchloßen ſie, daß alle, welche nicht zur gemeinſamen Vertheidigung des Vaterlandes mitwirken koͤnnten, oder ein gewiſſes Alter erreicht haͤtten, erwuͤrgt werden ſollten. Kaum hatten die Athener dieſen ſchrecklichen Beſchluß ver⸗ nommen, ſo hoben ſie die Einſchließung auf, und zo⸗ gen ſich zuruͤkk. Mark Anton eroherte ſie, und Veſpaſian verwandelte ſie in eine roͤmiſche Provinz. 6) Naxos war immer eine der fruchtbarſten In⸗ ſeln des Archipels, daher nannte man ſie auch ge⸗ woͤhnlich das kleine Sizilien. Ihre Weine wa⸗ ren ganz vortrefflich; deßwegen mag auch gedichtet worden ſeyn, Bacchus habe hier gewohnt, und mit Ariadne Liebe gepflogen. Sie hatte alle Fruͤchte im Ueberfluſſe, weißen und gruͤnen Marmor. Die Urgeſchichte iſt ſehr fabelhaft; Baechus ſpielt darin die vorzuͤglichſte Rolle. Sobald ſich ein geſchloſſenes Reich gebildet hatte, wurde die republikaniſche Ver⸗ 58 faffung angenommen; die Freiheit behauptete ſich bis zur Zeit des Piſiſtratus. Als dieſer Tyrann Na⸗ ros unterworfen batte, uͤberließ er die Oberherrſchaft einem ſeiner reichſten Unterthanen Lygdamis. Von dieſer Zeit war die Inſel durch Faktionen und den Ehrgeitz jener ſtets beunruhigt, welche nach der hoͤch⸗ ſten Gewalt ſtrebten. Bald waren ſie von den Per⸗ ſern unterjocht, bald mit den Athenern verbunden; faſt immer in einem Zuſtande der Selaverei, bis ſie durch Mark Anton den Einwohnern von Rhodus uͤbergeben waren. K. Veſp aſian ſchenkte ihnen ihre Freiheit wieder. 7) Paros, noch kleiner als Naxos, aber rei⸗ cher, beſonders an Marmor. Vielleicht hat der vor⸗ treffliche Boden eben ſo, wie die Schwaͤche der Ein⸗ wohner beigetragen, daß die Fremden ſich ſobald nie⸗ derließen, und Herren wurden. Die Inſel kam von den Phoͤniziern an die Karier, Arkadier, und Creter zur Zeit des großen Minos. Zur Expedition des Darius lieferten die Bewohner von Paros eine betraͤchtliche Eskadre. Sie wuͤrden dafuͤr von Mil⸗ tiades nach dem Tage von Marathon ſtrenge ge⸗ ſtraft worden ſeyn, wenn er nicht vor ihrer Haupt⸗ ſtadt geſtrandet haͤtte. Th emiſtokles, welcher gluͤcklicher war, nahm ihnen betraͤchtliche Summen fuͤr ihre Untreue agb. Nachdem Paros von den Pto⸗ lemaͤern unterjocht war, kam es an die Athener, als 59 ſe durch den großen Miltiades ss Jahre vor Chri⸗ ſtus vertrieben wurden. Zuletzt erſchienen die Roͤmer auch hier, wie im uͤbrigen Griechenland. 8) Thera war von Phoͤniziern bewohnt, als der Lazedaͤmonier Theras ſeine Pllanzer dahin verſetzte, weßwegen auch der erſte Name Egliſto in letzteren verwandelt wurde. Sie hatte viele Erſchuͤtterungen durch Erdbeben gelitten. Waͤhrend des peloponeſiſchen Krieges war fie ſtets den Lazedaͤmoniern ergeben. XXXI. Von den Inſeln des mittaͤglichen Grie⸗ chenlandes erwaͤhnen wir: 4) Cythera, welche faſt au Lakonien grenzt, und durch die Verehrung der Venus beruͤhmt war, welcher der Name Cythera gewoͤhnlich beigelegt wurde, als ſie aus dem Meere ſtieg. Von den Lazedaͤmoniern kam ſie in die Herrſchaft der Athener unter der Anfuͤhrung von Nicias. ²) Creta iſt die groͤßte aller Inſeln des Archi⸗ pels. Ihr vorzuͤglichſter Berg hieß Ida, auf welchem Jupiter Lenaͤhrt wurde. Sie hatte gute Seehaͤ⸗ fen, auch ſehr fruchtbaren Boden fuͤr Getraid, Fruͤchte und Reben; der Wein war ſehr ſtark, obgleich boͤchſt ſchmackhaft. In der Mitte der Inſel, gegen Gortyna, ſtand ein großer Ahornbaum, deſſen alte Blaͤtter nicht eher abfielen, bis neue hervor drangen. Die Bewohner von Creta behaupteten, unter dieſem Baume ſei Jupiter mit der Erde das erſte Mal zu⸗ ſammen gekommen. 60 Die Luft der ganzen Inſel iſt rein und helle und gegen die Gebirge ziemlich friſch. Vor Alters ſoll man mehr als 100 Staͤdte gezaͤhlt haben; zur Zeit des Ptolemaͤus gab es nur noch vierzig; die bedeutend⸗ ſten waren Gnoſſus, wo Minos wohnte, und Cydonia, welche die anſehnlichſte und reichſte ge⸗ weſen iſt. Unter Minos I. 1432 Jahre vor Chriſtus wurde am Berge Ida das Eiſen entdeckt; und unter Minos II. 1295 brach ein Krieg mit den Athenern aus. Dieſer Regent, eben ſo beruͤhmt durch ſeine weiſen Geſetze, als durch den Umfang ſeiner Macht, hatte einen großen Theil der Inſeln des Archipels unter ſich. Nach ihm bewarben ſich die Einwohner fuͤr die republikaniſche Verfaſſung. Ein oberſtes Raths⸗ Kollegium von 30 Gliedern erwog die Angelegenheiten der Nation, und die Volks⸗Verſammlung beſtaͤtigte deſſen Entſcheidungen, um ihnen Geſetzeskraft zu er⸗ theilen. Indeſſen mehre große Staͤdte befehdeten ſich ſtets, wodurch die ſaͤmmtlichen Bewohner eine krie⸗ geriſche Fertigkeit ſich aneigneten. Man fand ſie bald in den Heeren der Griechen, bald in jenen der Per⸗ ſer; uͤberall waren ſie als ſehr geſchickte Schleuderer geſchaͤtzt; eben ſo gewandt auch im Seeweſen. So große Rolle ſie als Krieger lange Zeit geſpielt hatten; ſo wurden ſie doch endlich den Roͤmern durch Coͤci⸗ lius Metellus unterworfen, welcher bei dieſer Gelegenheit mit Pompejus ſich entzweite. Nach 61 zwei Jahren aber hatte er die Ehre, den Sieg zu er⸗ ringen, und den Beinamen des Cretenſers zu 5 erhalten*). *) Wollte ich mich in die Entwicklung der Hypo⸗ theſen uͤber die erſten Griechen, uͤber ihre Schreibſorm und Sprache, Religion, buͤrgerli⸗ che und militaͤriſche Verfaſſung, Seeweſen, philoſophiſche ulen, Arznei⸗Wiſſenſchaft, ſchoͤne Kuͤnſte und Wiſſenſchaften, Gewoh ten und Gebraͤuche, Muͤnzen, oͤffentlich Heirathen und Kinderzucht auch nych erklaͤren, ſo wuͤrde ich die Grenzen die 1 leitung zu den Reiſen durch Griechenland weit uͤberſchreiten. Eben deßwegen uͤbergehe ich auch die Eroͤrterung der 4 Zeikalter, deren erſtes vom unbekannten F. bis 1320 Jahre vor Ehri⸗ ſtus, in welchem Jahre der Pe bos ſeine Benennung er in welchem Jahre die 7 Weiſen leb dritte bis 324; das vierte bis zur Zerſoͤrun Korinth’s, im Jahr 146 vor Chriſtus, ſich er⸗ ſtreckte. Noch mehr kann ich mich der Berech⸗ nung der Olympiaden von 776 bis Chriſtus, und der Namen der Koͤnige von Argos, Si⸗ chona, Athen, Theben, Korinth, Lazedaͤmo⸗ nien und Mazedonien uͤberheben. —— 62 II. Peter Belon's Reiſebeobachtungen in Griechenland, Aſien, Judaͤa, Aegypten, Arabien und andern fremden Ländern wäh⸗ rend der Jahre 1546— 49. Aus dem Franz. uͤberſetzt, und durch Anmerkungen erlaͤutert von Dr. Leutbecher za Erlangen*). Vorbemerkung. Les observations de plusieurs singularitez et cho- ses memorables, trouvées en Grèce, Asie, Judée, *) Belon wurde zu Sourletiere, in einem Dorfe in der Provinz; Maine geboren, Doctor der Arznei⸗Wiſſenſchaft an der Fakultaͤt zu Paris, vorher Begleiter und Sekretaͤr des beruͤhmten Golles auf deſſen Reiſe in die Tuͤrkei, deſſen 3 63 Egypte, Arabie et autres pays éstranges, redigées en trois livres, par Pierre Belon du Mans„ reveuz de nouveau et augmentez de ſigures, dediées à Monscigneur le Cardinal de Tournon, à Paris chez Guill. Cavellat. 1555. 8. Dieß iſt der Titel eines Werkes, aus dem Nach⸗ ſeehendes mitgetheilt wird. Daſſelbe gehaͤrt unſtreitig zu den vortrefflichſten und reichhaltigſten, aber auch zu den ſeltenen Werken uͤber Reiſen in dieſe Laͤnder. Der wichtige Schriften er zum Theile entwendet und nach deſſen Tode unter ſeinem Namen heraus gegeben haben ſoll, 1564 ermordet. Außer ſei⸗ nem franzoͤſiſchen Reiſeberichte, welcher von Karl Cluſtus in das Lateiniſche üͤberſetzt, und ſpaͤter auch verteutſcht wurde, gab er noch eine Erlaͤuterung uͤber Dioſcorides heraus, welchen, nebſt Theophraſt, er in das Fran⸗ zoͤſiſche uͤberſetzte; ferner Portraits d'oisseaux, sérpens, animaux etc.; P'Histoire nat. des étrangers poissons marins; de la nature ek diversité des poissons; Theomeria s. de ani- ma; Eibri II. de aquatilibus; de arboribus coniferis, resiniferis, aliisque sempiterna fronde virentibus; de neglecta stirpium cul- tura; de onerum anliq. êt rerum suscipien- darum admirabili Praestantia, cum libro de medicato funcre s. cadavere condito, in Gro- novii thes. Antiq. graec. T. VIII.; de admi- randa veterum fabricarum structura; Liber de agricultura etc. 1(Jaeck.) * 64 Verfaſſer war Arzt, und beſaß bei vielem Scharfſinne, bei einem treffenden Urtheile und einer großen Beobach⸗ tungsgabe einen hohen Grad von gelehrter Bildung. Beſondern Hang hatte er zur Naturgeſchichte, die er meiſtens aus den Werken der Alten lieb gewonnen hatte. Dieſen Hang zu befriedigen, in Ort und Stelle das Geleſene, das Gelernte zu beobachten, vor⸗ zuͤglich entſchloß er ſich, zu einer Reiſe in die oben angegebenen Laͤnder. Seinen Entſchluß zur That zu foͤrdern, war das Werk ſeines Maͤcens, des Kardinals de Tournon, der ein geſchworner Feind aller Unwiſ⸗ ſenheit und Halbgelehrtheit war, und in deſſen Hauſe (in der Abtey von Saint⸗Germain zu Paris), ſpaͤ⸗ ter Belon auch die gemachten Beobachtungen nie⸗ derzuſchreiben, Muße fand.— Als Belon ſeine Reiſen machte, war er noch nicht 36 Jahre alt; und dennoch hat er auf jeder Seite ſeines 442 Quartfeiten ſtarken Werkes bewieſen, wie ſehr er zum Reiſenden geeignet war, mehr als mancher andere Mann, der ſchon fuͤnfzig Jahre lang Kenntniſſe aller Art geſammelt hatte. Denn er hat nicht bloß Naturgeſchichtliches hemerkt; er beybachtete auch noch vieles andere, was fuͤr jeden Gebildeten ſein Intereſſe ſo gut hat, wie fuͤr jeden andern Ge⸗ lehrten. 4 Die Beobachtungen, welche B elon machte, hat er nach einer nicht ungefaͤlligen Methode zu ſchreiben⸗ 65 uns in drei Buͤchern vertheilt, vorgelegt. In dem erſten Buche, und— will man ſtrenge ſeyn— noch in den 14 erſten Kapiteln des zweiten Buches, ſind ſeine Beobachtungen von Griechenland, den griechi⸗ ſchen Inſeln, vom Archipelagos, uͤberhaupt von je⸗ nen Orten enthalten, wo jetzt die Griechen im Kampfe 1 um die hoͤchſten Guͤter einer eiviliſirten Menſchheit, die Bewunderung und das Mitleid von ganz Europa auf ſich ziehen. Die Beobachtungen des zweiten Bu⸗ ) ches beziehen ſich dann auf das vordere Aſten, Ae⸗ ghpten, Palaͤſtina und Syrien. Das dritte Buch enthaͤlt meiſt Bemerkungen uͤber Lebensart und Sitten der Einwohner des tuͤrkiſchen Gebietes. 4 . Was die hinzugefuͤgten Anmerkungen und Zufaͤtze betrifft, ſo ſollen dieſelben nur zur Vervollſtaͤndigung unſerer Kenntniſſe von dieſen Laͤndern und ihren Voͤl⸗ b kern dienen. Erſtes Buch. Nash einigen Andeutungen uͤber die Art und Weiſe, wie Belon reiſete und beobachtete, wie er ſich beſonders uͤber die oft falſch benaun ſchichtlichen Gegenſtaͤnde Belehrung zu 2 ten naturges verſchaffen wußte, fuͤhrt er uns zuerſt auf die Inſel Crera, jetzt Candia genannt, woſelbſt er ſich einige Zeit auf⸗ gehalten hat. Ehe Belon uns jedoch dieſe Inſel genau kentzen lehrt, ſchickt er als Einleitung Einiges uͤber Griechen und griechiſche Sitten voraus. „ötes B. Griechenland. J. 4. 5 3 66 Die meiſten Kuͤuſte und Wiſſenſchaften(ſagt er), wie wir ſie haben und pflegen, verdanken wir jenen hochbegeiſterten Griechen, deren Tugenden lange un⸗ ter ihren Fackeln bluͤhten, aber endlich ſchmaͤlig unter dem Joche der Tuͤrken und Venetianer einer morali⸗ ſcheu Schlechtheit Platz machen mußten; deren Liebe zu den Wiſſenſchaften und Kuͤnſten endlich gar erkal⸗ tete und ausſtarb. Deun es herrſcht unter dieſen Voͤlkern jetzt eine ſolche Barbarei, daß ihre Kinder meiſt ohne Zucht und Lehre aufwachſen*). Die Sprache der Griechen iſt zwar nicht mehr die alte, reine der Griechen, gber dennoch immer noch eine Volksſprache, gemiſcht aus Altgriechiſchen und Itali⸗ ſchen, auch aus Tuͤrkiſchen Worten, je nachdem eben der Grieche in dieſer oder jener Gegend mehr oder weniger von der Sprache ſeiner Unterdruͤcker ſich an⸗ geeignet hat. Will man die Sitten der Griechen beſchreiben, ſo muß man dabei nothwendig den Landbewohner vom Staͤdter unterſcheiden. Die Kleidung richtet ſich nach Reichthum und Titeln, und nach den Oberherren. ——ÿ———— *) Dieß iſt jetzt anders, denn ſowohl Tuͤrken als Griechen haben einen ſo großen Fortſchritt in der Civiliſation gemacht, als ihre Schuͤler, wo⸗ zu beſonders aus England freilich mehr durch einzelne reiche Privaie, als durch den Staat, huͤlfreiche Hand geboten worden iſt. 67 Die den Venetianern Unterworfenen kleiden ſich wie dieſe; die Unterthanen der Tuͤrken wie dieſe. Das Antike im Koſtuͤm der Griechen findet man weder auf dem Feſtlande, noch auf den Juſeln mehr. Ju der Religionsuͤbung haben die Inſelbewohner, beſonders die auf Cypern, Rhodos, Lemno 8, Chios, Imbros, Thaſos, Pathmos, Cos, Lesbos, Koreyrea, Zakyuth, Naxos, Cre⸗ ta, wie auch andere Chriſten, die unter tuͤrkiſcher Hoheit ſtehen, dieſelben Ceremonien beibehalten, wel⸗ che die uͤbrigen Bewohner des europaͤiſchen und aſia⸗ tiſchen Feſtlandes haben. Im Hauſe der Griechen findet man ſo wenige Geraͤthe, als bei den Tuͤrken. Man ſitzt, wie dieſe, auf ebener Erde, auf Teppichen, und ſchlaͤft, wie dieſe, auf baumwollenen Decken. Den Wein trinkt der Grieche gerne, und ohne ihn mit Waſſer zu ver⸗ duͤnnen. Daher gibt es oft, beſonders in Crera, Trinkgelage unter ihnen, wobei jedoch alle aus Einem Becher trinken. Wer den Wein dann am geſchickteſten einzugießen verſteht, der iſt Weinſchenker fuͤr alle Ze⸗ ſchieht es mit Umarmungen und Kuͤſſen. Die Tiſche, an welchen ſie bei ſolchen Gelagen liegen, ſind nied⸗ rig, und ſchon von Alters her ſind die Griechinnen davon ausgeſchloſſen. ie Griechinnen duͤrfen ſich uͤberhaupt nicht oͤf⸗ feutlich zeigen; ihr Reich iſt das Haus. Nur in einem — 68 einzigen Falle iſt ihnen vergoͤnnt, in einem Schleier einherzugehen auf oͤffentlichen Plaͤtzen. Es beſteht naͤmlich in Griechenland, Epirus, Bulgarien, Croa⸗ tien, Seruta, Wallachien, Jlyrien, Dalmatien und andern griechiſchen Provinzen die alte Sitte, die Todten zu beklagen. Zu dem Ende verſammeln ſich die Frauen an einem beſtimmten Orte, und weinen dann von fruͤher Morgendämmerung bis ſpaͤt zur Nacht einem Verwandten die Thraͤnen der Klage, ſingen ihm Wehelieder, zerraufen ſich die Hagre und zerkratzen ſich Antlitz, Wangen und Bruͤſte, um in dem Zu⸗ ſchauer eines Leichenzuges Mitleid zu erwecken. In den Pauſen, die ein ſolcher Klagezug macht, wird des Todten Lebens⸗ Geſchichte lobend verkuͤndet. Ein ſolcher Zug lockt dann, wie leicht zu denken, Maͤn⸗ ner und Juͤnglinge herbei, um einmal wenigſtens des Nachbars Gattinnen und Toͤchter zu erblicken †). Die Inſel Creta hat drei Berge, einſt Leukoi genannt, jetzt Madara oder Spadhia. Einer iſt der Pſiloriti(einſt Ida), der andre Sethia (einſt Diete), der dritte Laſti. Sie ſind hoch, und zur Winters⸗Zeit mit Schnee bedeckt; dennoch wachſen unter ihren Felſen in den Thaͤlen Cypreſſen. Die In⸗ ſel iſt groß, hat viel unbebaute Striche, wenige Ebe⸗ — *) Hiermit gimmen auch die Beobachtungen neue⸗ rer Neilenden uͤberein. 69 nen, dennoch gute Vieh⸗Zucht. Die Bewohner der⸗ ſelben ſind gewandt, ſtark und treffliche Bogenſchuͤtzen. Obgleich die Inſel Hafenplaͤtze hat, als: Canea, Candia, Sethia, Voulismeni, Chiſamo, Selino und Spa chia; ſo ſind dennoch die Schiffe ſehr ſchwer in dieſelben zu fuͤhren. Die vorzuͤglichtten Staͤdte der Inſel ſind: Can dia, einſt Natium,— Canea, einſt Cydon,— Rhetymo, einſt Rhe⸗ thymna. Dieſe Staͤdte haben ziemlich gute und ſichere Haͤfen gegen die Winde. Außerdem liegen zer⸗ ſtreut auf der Inſel dieſe Caſtele: Volismeni (einſt Panormos) auf einer Anhoͤhe am Meer zwi⸗ ſchen Citia und Candiaz dann Citea(einſt Cy⸗ teon), an der aͤußerſten Spitze des Eilands, Rho⸗ dos gerade gegenuͤber; Chyſamo,(einſt Chiſa⸗ mon) faſt ganz zerſtoͤrt, einen Pfleilſchuß vom Ge⸗ ſtade, nach dem Aegaͤiſchen Meere zu. Eine halbe Meile von Chy ſamo, nach Capoſpada hin, ſind die Ruinen der einſt maͤchtigen Stadt Palaion He⸗ lenikon. Chyſamo gegenuͤber auf einer Anhoͤhe am Meere iſt das Kaſtell Selino; nicht fern davon die mauernloſe Stadt Spachia, am Fuße des La ſpachia.— Von den Fluͤſſen der Inſel iſt nicht Ei⸗ ner ſchiffbar. An ihren Ufern waͤchſt viel Colocaſ⸗ ſia“); auſſerdem ſind ſie reich an Krebſen.— Das *) Hier iſt wohl das Arum Colpcaſia, nicht Nym⸗ phaͤg Lotus zu verſtehen.* 70 Elima der Inſel iſt mild. Dieſes und ihre Fluͤſſe ma⸗ chen aber auch die Inſel zu einem Garten voll Oliven⸗, Granaten⸗ Feigen⸗Baͤume und Palmen. Von deu Granaten wird ein Cyder bereitet, und nach Kon⸗ ſtantinopel an die Tuͤrken verkauft.—— Ein La⸗ byrinth gab es in Creta nicht, wie Belon berichtet. Man bezeichnete mit dieſem Worte nur die großen Steinbruͤche, aus welchen die Mauern der jetzt in Rui⸗ nen liegenden, einſt ſo beruͤhmten Hauptſtadt der In⸗ ſel, Gnoſſus, und dann noch, die eben auch nur in Truͤmmern vorhandenen Staͤdte Cortina und Me⸗ taria gebaut worden.. Sich nun zunaͤchſt mit den Naturproducten der Inſel beſchaͤftigend, Pflanzen, Fiſche, Voͤgel und Thiere betrachtend, knuͤpft Belon an die Erwaͤhnung des Daectylus Idaͤus, eines Steines, die Beſchrei⸗ bung des Berges Ida oder Philoriti, die auch hier mit kurzen Worten ſtehen mag. Der Gipfel des Berges Ida hat die Form eines Pinien⸗Apfels, und ragt ſehr hoch uͤber die andern Berge der Inſel hervor. Nach unten iſt ſein Umfang ſo groß, daß er von zwei Seiten an das Meer ſtoͤßt. Der Madara iſt wohl im Umfang groͤßer; doch bei weitem nicht ſo hoch. Etwas unterhalb ſeines Gi⸗ pfels ſind Weiden fuͤr Ziegen, Widder, u. ſ. w. Stellt man ſich auf den Gipfel, ſo kann man faſt die ganze Inſel Creta uͤberblicken, auch die be⸗ nachbarten Inſeln Milo, Cerigo oder Cythe⸗ 71 rea, und noch andere im Archipel. Doch iſt die Luft auf demſelben, ſelbſt in den heiſſeſten Hundsta⸗ gen, ſchneidend kalt. Gegen Oſten hat er vom Gipfel abwaͤrts große anmuthige Plaͤnen und Quellen. Ge⸗ gen die Stadt Candia ſſt er waldig; ſuͤdwaͤrts iſt er unbewaldet, doch nicht ganz Baͤume los. Beſonders wachſen hier Andrachnen*), Elaͤprinen und Ciſten. Gegen Meſſaria oder Gortina traͤgt er Cypreſſen und Pinien**). Auf dieſer Seite iſt das faͤlſchlich ſogenannte Labyrinth. Unter vielen Kraͤutern, die um den Ida herum, oder auf demſelben wachſen, bemerkte Belon folgende: Mandragora, Paͤonien, Tragium, Leontopetalon, Heliotrop, Me⸗ lilochus, Matherina, Heliochryſon, Dri⸗ ganum, Dietymas, Heracleuticum und andre. Von Stauden und Baͤumen deſſelben nennt er unter andern das Ladann m, Glyzirrhyzon, den Aſoolimbrus, Halamatia, Derebinthen, Lorber, Lentiſrus, Cedern, Aſpalathen und Fichten.— Beſonders vortrefflich waͤchſt auf der Inſel Creta der ſuͤße Malvaſier⸗Wein, welcher weit und breit verſchickt, und deßhalb meiſtens vorher, damit er nicht ſaͤure, gut deſtillirt wird. *⁴) Unter dieſem verſteht Belon den Arbutus An⸗ drachne Linn. **α) Pinus Abies L. 72 In einem Dorfe der Inſel Creta ſah Belon oͤfters, die maͤnnlichen Bewohner in weißen weiten Unterkleidern, geguͤrtet, eine Art Schnuͤrſtiefel tragend, mit einem Kocher voller Pfeile auf dem wuͤr en, einen tuͤchtigen Bogen in der Hand, ein Schwerdt an der Seite, einen Waffen⸗Tanz auffuͤhren, den ſogenannten Danz der Eureten, oder die Pyrehiſchen Spruͤnge, wobei ſie zu ſingen pflegten. Dfe weiblichen Bewohner dieſes Dorfes trugen freiſlatternde Schleyer uͤber dem Haußt. Bruſt und Schultern waren nackt, und von der Sonne gebraͤunt. Dieſer Braͤunung ſind die Staͤdte⸗Bewohner nicht ſo fehr ausgeſetzt, weil ſie gewoͤhnlich erſt nach dem Un⸗ tergang der Sonne auszugehen pflegen. Nach einigen Bemerkungen fuͤr Botaniker, Mate⸗ rialiſten und Apotheker, uͤber die beſte Art und Weiſe, die Pflanzen⸗Produete fremder Laͤnder kennen zu ler⸗ nen, fuͤhrt uns Belon auf die Inſel Lemnos, oder Stalimene im Aegaͤiſchen Meere. Die Reiſe dahin machte er auf einem nach Salonichi beſtimm⸗ ten Schnellſegler durch den Propontis an Galli⸗ polis vorbet. Unterwegs wurden ſie, außerhalb des Helleſponts⸗ von Seeraͤubern verfolgt, und nach dem Hafen der Inſel Imbros genoͤthigt. Nach zwei Tagen kamen ſie jedoch von da auf Lemnos au. Die Stadt der Inſel, Lemnos(einſt M yrina) in wenig beruͤhmt, liegt auf einem Vorberge, und S 73 wird ſo auf zwei Seiten vom Meere umſpuͤlt. Die Anhoͤhe, auf welcher ſie liegt, iſt mit alten Mauern umgeben, und auf der hoͤchſten Spitze derſelben ſteht ein kleines Kaſtell gegen Seeraͤuber, oder vielmehr⸗ damit die Einwohner derſelben von der tuͤrkiſchen Be⸗ ſatzung im Zaume gehalten, und zu keinem Aufruhre gelangen konnten. Die Stadt Hephaiſtia, jetzt Co⸗ chyno, iſt oͤde. Die Inſel ſelbſt iſt voller kahler Huͤgel, iwiſchen denen jedoch gut gebaute Felder angetroffen werden. Der Hafen der Iuſel iſt nicht ſehr ſicher ge⸗ gen die Winde, und beſindet ſich auf der Seite, wo das Kaſtell von Lemnos liegt. Die Inſel iſt wenig bevoͤlkert. Die Einwohner ſind Griechen, und ſpre⸗ chen ihre eigene Sprache, wie alle die griechiſchen Be⸗ wohner der Inſel im Mittellaͤndiſchen Meere, die mei⸗ ſteus die Staͤdte den Tuͤrken laſſen, und ihre Religion und Sitten auf dem Lande bewahren. Die Inſel Lemnos iſt laͤnger als breit, und zwar zieht ihre Laͤnge von Oſt nach Weſt. Mehr als 75 Doͤrfer befinden ſich nach Belons Berichte auf derſelben. Der 8 Meilen entfernte, freilich ſehr hohe Berg Athos virft bei Sonnen⸗Untergang ſeinen Schatten auf den Hafen der Inſel. Auf der Inſel fand Belon viel Aſphode⸗ lon, Cotyledon, Ehryſanthemus, Cicho⸗ rien, Dracunculus, Lgaetuca, Braſſica, Nerion, Hippoſelinon, Pimpinella, an Stauden und Baͤumen, welche bei uns nur in Treib⸗ baͤuſern geſehen werden. Beſonders richtete er ſein X 74 Augenmerk auf das Hauptproduct der Inſel, auf die bekannte Siegelerde, welche hoͤchſtwahrſcheinlich das Erzeugniß eines Vulkans iſt, welcher hier auf dem Berge Sotira bei Cochyno ſeinen Krater hatte.— Die Erde gehoͤrt dem Sultan, wird von Janitſcha⸗ rer bewacht, und jaͤhrlich nur einmal, den 6. Auguſt gegraben von den griechiſchen Moͤnchen. Denn ſie ver⸗ liert nach altem Wahne ihre wirkſame und heilende Kraft, wird ſie nicht von einem keuſchen Volke, und an dieſem Tage, gegraben. Doch findet ſich dieſe Er⸗ de, auch anderorts auf der Inſel noch, nicht blos in den Gruben von Sotiraz; auch bei dem Dorfe Ra⸗ panidi, nahe bei Cochino. Auf der Inſel Lemnos iſt uͤbrigens, wie auf allen Inſeln, im Archipel ein griechiſches Kloſter fuͤr die Moͤnche, nicht weit vom Dorfe Lynadon, und heißt Hagio Paulitikon. Die Inſel hat auch warme Baͤder, in welchen man baden kann, ohne daß nur einen Augenblick die Hitze derſelben es hinderte. Von der Inſel Lemnos machte Belon in Be⸗ gleitung zweier Moͤnche vor der Morgenroͤthe abſegelnd, die Fahrt nach der Inſel Thaſos, wurde aber durch unerwartet eintretenden, widrigen Wind genoͤthigt, an der 50 Meilen unter Lemnos gelegenen Inſel Sky⸗ ros zu landen. Auf dieſer kamen ſie vor Nachts noch an. Den folgenden Tag fuͤhrte guͤnſtiger Wind ſie nach Thaſos zuruͤck. Hier ſah unſer Reiſender den 75 beruͤhmten, ſchimmerndweißen Marmor, in ganzen Fel⸗ ſenmaſſen, ſelbſt zu Tage liegend. Auf den Bergen der Inſel fand er Tannen, Fichten, Thapſia und Fe⸗ rula. Einſt unter dem Makedoniſchen Philipp und Alexander hatte die Inſel Thaſos Gold⸗ und Silber⸗Bergwerke; dieſe fand Belon aber leer. Von Thaſos ſegelte er nach einer vierſtuͤndigen Fahrt an den damals beruͤhmteſten griechiſchen Moͤnchs⸗ kloſter Liatopodi vorbei nach dem Berge Athos, auch Monteſanto genannt. Dieſer Berg, von je⸗ her den Religioſen geweiht, hat 24 Kloͤſter fuͤr Moͤnche, die wegen ihrer Heiligkeit im ganzen Griechenlande und Oriente außerordentlich hoch geachtet werden, ſelbſt von den Tuͤrken. Ja, ſie ſtehen in einem groͤſ⸗ ſern Anſehen faſt, als die Moͤnche auf Sinai, Liba⸗ non, in den Einoͤden des heiligen Antonius, im Taurus, in Antiochien, Alexandrien, Jeruſalem, Pruſa, Damask und anderen Or⸗ ten, welche letztere gewoͤhnlich an Anſehen gewinnen, wenn ſie zuvor auf dem Berge Athos waren. Die Moͤnche auf Athos, deren Zahl auf 6000 angegeben wird, ſind uͤbrigens, keine Faulbaͤuche; ſie arbeiteten vom Morgen bis in die Nacht, machten Holz, hackten Weinſtoͤcke, beſchnitten Baͤume, zimmerten Schiffe, und trieben noch andere nuͤtzliche Geſchaͤfte zum Be⸗ ſten der Kloͤſter. Was die Geſtalt des Berges Athos betrifft, ſo denke man ſich einen Menſchen, der mit dem Ruͤcken 76 von Weſt nach Suͤd ſich auf das Ufer des Meeres aus⸗ geſtreckt habe. Wie bei dieſem dann Stirne, Naſen, Kinn, Bruſt, Bauch und Fußſpitzen vor den uͤbrigen Koͤrpertheilen hervorragen; eben ſo geſtalten ſich ab⸗ weſelnd Huͤgel und Vertlefungen auf dem Berge Athos, welcher drei Tagereiſen lang iſt. Der Zu⸗ gang des Berges iſt fuͤr Fußgaͤnger, wie fuͤr Reiter ſchwierig. Jedes einzelne Kloſter deſſelben, deren kei⸗ nes uͤber 280 Moͤnche aufnimmt, iſt gut ummauert gegen feindliche Angriffe von den Seeraͤubern, die nicht ſelten nach den Schaͤtzen der Mönche ſtreben, aber von dieſen gut bewaffneten Leuten gewoͤhnlich ſehr tapfer und uͤbel empfangen werden. Auch hat jedes Kloſter ſeinen Namen. Dem Fefſtlande zunaͤchſt liegt das Kloſter Hierizos, nach dem Geſtade hin Ala⸗ diefna, u. ſ. f.— Die Kirchen der Kloͤſter ſind ſchoͤn und vortrefflich gebaut. Die Bibliotheken derſelben enthielten nur theologiſche Schriften, weder Hiſtori⸗ ker noch Philoſophen, noch Dichter. Die Moͤnche be⸗ ſitzen ſelten Gelehrſamkeit. Von ſechs rauſend koͤnnen kaum ſechs leſen oder ſchreiben. Nur wenige unter ihnen ſind im Stande, eine Meſſe zu halten. Sie ver⸗ ſtehen ſich durchaus auf nichts beſſer, als auf die Oe⸗ konomie ihrer Klöſter, und leben ſo unbeluͤmmert ne⸗ ben einander, daß ſie, da ſie einerlei Kleidung tragen, einander oft gar nicht einmal dem Namen nach ken⸗ nen. Die Vegrtation auf dem Berge Atbos iſt ſehr reich, und ſeine Baͤume, Platanen, Fichten, Cedern u. ſ. f. wachſen zu einer bedeutenden Hoͤhe in ver⸗ ſchiedenen Gegenden des Bergs. In den Baͤchen des Berges gab es Krebſe und andere kleine Fiſche. Vom Berge Athos begab ſich Belon nach Sa⸗ lonichi, wo er nach einer zweitaͤgigen Reiſe ankam. Dieſe Stadt einſt Theſſalonich genannt, liegt in Theſſalien, nahe an Macedonien und iſt groß, reich und beruͤhmt. Belon reiſte in zwei Tagen von da nach Syderocapſa in Macedonien, um daſelbſt die Silber⸗ und Gold⸗Gruben des Sultans zu ſehen. 4 Syderocapſa liegt, wie Ivachimsthal in Boͤhmen, in einem Thale am Fuße eines hohen Berges, in deſſen Gruben die meiſten Einwohner der Stadt, Illyrier, Bulgaren, Griechen und Dalmatier, arbeiteten. Um die Stadt ſind bewaͤſſerte Gaͤrten und Wein⸗Gelaͤnder. Der Berg bei Syderocapſa ge⸗ waͤhrt eine ſchoͤne Ausſicht nach Lemnos, auf den Athos hinuͤber, und auf die gebirgigen und unglei⸗ chen Gefilde Macedoniens, wie auch auf einige Seen, Couos oder Couios genannt, welche eine halbe Tagreiſe entfernt ſind.. Von Syderocapſa reiſte Belon nach Ca⸗ valla, einſt Bucephala genanunt. Zu Meer kann dieſe Reiſe in einem halben Tage vollendet werden. Er brauchte zu Lande zwei Tage an dem Geſtade des Buſens von Chalkis und Strimonium hin⸗ welches wie ein Bogen geſtaltet iſt. Auf dieſem Wege 78 fand unſer Reiſender viel Joldanella, Tithy⸗ malus, dann Terebinthen, Aria, Phylica und mehre andere Pflanzen, Stauden und Baͤume. Der dem Berg Athos zunaͤchſt gelegene Buſen iſt der Strimonio, an welchem man einen ganzen Tag reiſte. Von dieſem wendete ſich Belon nach Tri⸗ cala, einſt Trica, wo der Sitz des Sanſabegs oder Statthalters von Macedonien war. Dis Stadt iſt ziemlich anſehnlich, und bedeutenden Wai⸗ zenhandel treibend, welche durch die nicht ſehr ferne, ſchiffbare Muͤndung des Fluſſes Strimon ſehr erleichtert wird. Die Einwohner Tricalas, meiſtens Griechen und Juden, redeten, wie die von Ceres, einſt Cranon(eine Stadt in den Ebenen Thraciens) griechiſch. Die Juden ſprachen auch das Spaniſche oder Teutſche. Die Landleute ſprachen Griechiſch und Serviſch. Von Cranon wanderte Belon uͤber die Blei⸗ Gruben von Caſtagna nach den Ruinen der Stadt Philippi in zwei Tagen. Dieſe Stadt liegt auf der Koͤnigsſtraße nach Konſtantinopel, nicht fern vom Meere, und iſt nicht zu verwechſeln mit Philip⸗ popolis. Sie liegt in einer Ebene am Fuße eines Berges. In ihrer Umgebung waͤchſt der Cythiſus ſehr haͤufig. Auch werden in ihrer Naͤhe ſehr viele und große Graͤber gefunden, woraus man auf ihre ehe⸗ malige Groͤße und Bedeutenheit ſchlieſſen will. Den Berg von Philippi umziehend, kam er nach einer Wanderung von anderthalb Tagen nach Cavalla. Dieſe Stadt hieß einſt, ehe ſie von Alexander dem Großen nach ſeinem Leibpferde dem Bucephalus den Namen Bucephala erhielt, Chalaſtraͤa. Sie hat viel aͤhnliches mit der Stadt Lemnos auf Lemnos hinſichtlich ihrer Lage am Meere, hat einen zwar großen, doch nicht ſehr ſicheren Hafen, und iſt wie die Stadt Magneſia ein Schluͤſſel zu Ma⸗ cedonien. Belon ging nach Konſtantinopel. Zwei Meilen von Cavalla kam er uͤber Berghoͤhen aus Macedonien nach Thrazien, ſtieg in eine weite Ebene hinab, nahe an das Meer, die Inſel Thaſos kechts, den Bergruͤcken des Haͤmus zur Linken laſ⸗ ſend. Er ging uͤber den Fluß Meſtro, von den Tuͤr⸗ ken Charaſon genannt, welcher auf dem Haͤmus entſpringt, und bemerkte bei dieſer Gelegenheit, daß der Melaniſche Buſen nicht, wie einige Neiſende geglaubt haben von dem Meſtro gebildet werde, ſon⸗ dern vielmehr von dem ebenfalls auf den Haͤmus ent⸗ ſpringenden Fluſſe Neſos. In der Ebene, welche er durchwanderte, fand er mancherlei Kraͤuter und Stau⸗ den, die bei uns in Treibhaͤuſern gezogen werden, als Cytiſus, Halimus*), Rhamnus gltera**), 4₰ *) Iſt der Atripler Halimus. Linn. ** Iſt der Rhamnus Zizyphus. Linn. 80 u. d. m.— An dem fiſchereichen See Bonron oder Biſtonis hinziehend gelangte er eine halbe Tagreiſe weiter in ein kleines Flecken Commereinaͤ, wo ein großer Speiſe⸗ und Gemuͤſe⸗Markt war, viele Grie⸗ chen und wenige Tuͤrken wohnten. Nun fuͤhrte der Weg uͤber den Flecken Kypſella, insgemein auch Chapſfylar genaunt. Daſelbſt wohnten groͤßtentheils Tuͤrken, wenige Griechen, noch weniger Juden. Von dem See bis hieher war der Weg beſchwerlich. Nun aber kam Belon auf die von den Roͤmern einſt er⸗ baute Koͤnigsſtraße nach Konſtautinopel, nachdem er zuvor den ſtei en Berg Serrias beſtiegen hatte. Das erſte Dorf, in das er kam, und welches von Grie⸗ chen bewohnt war, hieß Tragoriganon. In der Raͤhe deſſelben ſetzte er gegen theures Faͤhrgeld an ei⸗ nen Tuͤrken, der die Habſucht ſeiner Nation nicht verlaͤugnete, auf einem kleinen Nachen uͤber den bruͤk⸗ kenloſen Fluß Mariſa. Dieſer iſt der ungeſtuͤm AHlieſſende, Goldſand fuͤhrende Hebrus der Alten. An ſeinem vielfach gekruͤmmten Geſtade ſind reiche Wai⸗ den und Wieſen.— Weiter reiſend ſtieß Belon auf ganze Schaaren von Landleuten aus Epirus, welche aus Armuth von Ort zu Ort wanderten, um den fau⸗ len Tuͤrken ihre Aernten fuͤr Lohn einzubringen, und davon den Winter leben zu koͤnnen. Sie ſind Chri⸗ ſten und wurden ſonſt auch Albaner genannt. Auf den Aeckern, uͤber welche Belon hier kam, fand er Jaspis und Chalzedoniſche Steine.— Zwiſchen der 81 Stadt Perinthos und Gallipolis ſetzte er ͤber den Fluß Anzos, von den Duͤrken Chiauerlik ge⸗ nannt. Dieſer fließt zwiſchen Gallipolis und Ro⸗ doſto in das Gewaͤſſer des Propontis. Weiter wandernd ließ der Reiſende nun die alte durch gifti⸗ ges Honig**) beruͤhmte Stadt Heraclea links liegen, und kam ſo nach Selimbria, wovon er noch eine Tagreiſe nach der Hauptſtadt des tuͤrkiſchen Reiches zu machen hatte. Selimbriag liegt in offener baum⸗ loſer Gegend. Ein allgemeines Reſultat aller Beobachtungen Be⸗ lons uͤber das nun durchzogene Thrazien ſpricht er in folgenden Worten aus: Thrazien hat große Aehn⸗ lichkeit mit der Picardie; iſt eben ſo baumlos, ſo eben und von aͤhnlichen Anhoͤhen durchſchnitten. Pera und Konſtantinopel. Dieſe beiden Staͤdte, als eine betrachtet, liegen einander gegenuͤber, getrennt durch Gewaͤſſer, wie mehrere Staͤdte an den Ufern eines Fluſſes gegeneinander uͤber liegen, z. B. Beaucaire und Tarraſcon. So muß, wer von Konſtantinopel nach Pera kommen will, uͤber **) Dieſes Honig heißt wohl deßhalb giftiges, weil es Uebelkeiten verurſacht und Erbrechen. Die Urſache davon liegt wohl an dem hier ſehr haͤu⸗ figen Chamaleonskraut, von welchem die Bie⸗ nen oft ſammeln. 15 es B. Griechenland. I. 1. 6 82 den Hafen: denn dieſes liegt auf einer Anhoͤhe.— Zu Konſtantinopel, oder auch zu Pera, kommt man entweder zu Lande, oder zu Meere an. Iſt das erſtere, ſo hat man hier für alle Muͤhſeligkeiten der Reiſe(denn unterwegs ſind außer den Caravan⸗ ſerais*) keine Herbergen wie in andern Laͤndern) zuerſt ein Ruhequartier zu erwarten⸗ mit dem man zu⸗ frieden iſt, zwar in keinem Wirthshauſe, aber fuͤr Geld und gute Worte bei den Bewohnern der Stadt, welche aus allen Laͤndern hier zuſammengeſtoſſen ſind, ſo daß der Ruße wie der Franzoſe, der Teutſche wie der Eng⸗ laͤnder ſeine Landsleute hier hat und aufſucht. Keine Reſidenz in der Welt liegt bequemer, keine iſt groͤßer, und hat mehr Antiquitaͤten⸗Schaͤtze. Die Stadt liegt wie Rom auf ſieben Huͤgeln, und hat *) Dieſe Herbergen ſind meiſt in dem ganzen Ori⸗ ente einander gleich, haben 80— 120 Fuß ins Gevierte, ſind innen gepflaſtert, und oben uͤber⸗ dacht. Ein großes Thor fuͤhrt hinein. Innen find an allen Seiten einige Erhoͤhungen ange⸗ bracht, worauf die Reiſenden zu liegen und zu ruhen pſtegen. Tiſche, Baͤnke und dergleichen giebt es nicht darin. Auch ſelten kaun man Speiſen oder Matratzen haben. Das bringt der Reiſende mit. Die Pferde der Reiſenden oder ihre Neiſethiere auderer Gattung, bleiben auf dem Raum in der Mitte, wo ſie an Ringe, die im Pflaſter angebracht ſind, angebunden werden. Eigentliche Wirthshauler giebt es nicht. 83 ringsum dreifache Mauern. Unter das vorzuͤglich Se⸗ henswerthe derſelben gehoͤrt der Hippo dromus, ein großes und koſtſpieliges Gebaͤude mit zwei Obelis⸗ ken; ferner die Porphyr⸗Saͤule neben der Sophien⸗ Kirche, dieſem herrlichſten Kunſtwerke, welches Roms Pantheon weit uͤbertrifft; dann die Menagerie des Sultans, und noch anderes, das wir hier uͤbergehen, weil es ſpaͤter wieder erwaͤhnt wird⸗ Von Konſtantinopel beſuchte Belon die Ruinen des alten beruͤhmten Nieomedia, welches auf einem auellenreichen, jetzt von Tuͤrken bewohnten Huͤgel lag, und einen Buſen hat. In dieſem Buſen ſah er die Juſeln Protys, Bergus und Ifula del Corbo. Andere Inſeln im Buſen von Nico⸗ media und im Propontis fand er namenlos und klein. Die Inſeln im He lleſpont, anderten ihrs Namen; ſo heißt die Inſel P roconeſus jetzt Mar⸗ mora und die Inſel Besbikos hat den Namen Calomino.— Zweites Buch. Mit Ende des Monats Auguſt(allem Vermuthen nach, da Belon das Jahr nicht nennt, 1547) ſchiffts er von Konſtantinopel nach Alexandrien ab. Guͤnſtiger Nordwind wehte das Schiff in einer einzi⸗ gen Nacht durch den ganzen Propontis. Phry⸗ gien blieb links, und Thrazien rechts. Am drit⸗ ten Tage nach der Abfahrt wurde im Buſen von Gal⸗ lipolis geankert. Bei dieſer Stadt ſah er in einer Ebene Grabhuͤgel thraziſcher Koͤnige und Herrſcher. Nach einem zweitaͤgigen Verweilen ward die Reiſe ge⸗ gen die Kaſtelle des Bosphorus, nach Lestos und Aby dos fortgeſetzt*), um dort zum zweitenmal zu ankern. Der Kanal bei den Kaſtellen iſt etwa 4 Meilen breit. Die Kaſtelle, nicht auzufeſt, ſind die Schluͤſſel zur Durchfahrt in das Mittellaͤndiſche Meer. Die Steine zu dem Schloße Seſtos ſind aus den Ruinen einer alten Stadt Skamandria, eine halbe Tagreiſe unter Seſtos einſt gelegen.— Mit gutem Winde, maͤſtrotramontauo von den Schiffern genannt, kam er bald nun in das Mit⸗ tellaͤndiſche Meer, 3 Meilen unter Abydos, Cher⸗ rones rechts und die Ausſicht auf das thraziſche Ge⸗ ſtade, wie nach der Inſel Lemnos. Links von da, an Aſten's Kuͤſte hinziehend, erblickte man bei dem Vor⸗ berge Sigaͤum, auch das Janitſcharen⸗Cap ge⸗ nannt; die Truͤmmer von einem alten Schloſſe Gym⸗ neſion, und in deſſen Naͤhe große Ciſternen fuͤr die nach Troja Reiſenden. Hierauf hatte Belon die Inſel Senedos zur Linken und rechts die Ruinen von Troja. Die Gegend von Troja wurde von Griechen, Tuͤrken, und Arabern bewohnt, und *) An den beiden genannten Orten muͤſſen alle Schiffe auhgttem, um ihre Paͤße vorzuweiſen oder ſich welche ausfertigen zu laſſen. 85 alle dieſe Bewohner nannten die Ruinen, wie die Gegend um dieſelben Droada. Dieß iſt kein unwichtiger Bew iß, daß hier Troja wirklich lag. Noch mehr aber beweiſen dieſes die praͤchti⸗ gen und herrlichen Ruinen theils uͤber, theils unter der Erde. Die Umgegend von Troja iſt ſandig und unfruchtbar. Von Baͤumen wird der Exculus am haͤufigſten angetroffen; doch gibt's auch Seſ am, und eine Art Melonen, welche nicht viel Feuchtigkeit noͤthig hat zu jihrem Gedeihen; denn die Gegend iſt waſſerleer. Fortgeſetzte Fahrt brachte Belon zu der Inſel Lesbos(Mitylen e) mit der Hauptſtadt Mete⸗ lino. Die Einwohner dieſer Inſel in der Stadt ſind Tuͤrken, guf dem Lande Griechen. Die Inſel giebt Wein und Getraide in Ueberfluß. Die Ausfuhr davon geht nach Ko nſtantinopel.— Unguͤnſti⸗ ger Wind hielt nun das Schiff unſers Reiſenden eine Weile zwiſchen Chios und Tenodos; dann fuhr er mit guͤnſtigerem Winde, die Inſel Lesbos links, ſpaͤter die Inſel Pſara rechts habend, nach Chio 8, nachdem er von dem Helleſpont bis dahin einige Tage gebraucht hatte. Die Inſel Chios hat einen Kanal und Hafen; iſt reich an Maſtixbaͤumen, Oliven und gruͤner Erde, welche von den Einwohnern Theodotion genannt wird. Dieſe ſind meiſtens Griechen und Franken. Eben ſo gemiſcht iſt ihre Lebensweiſe, halb fraͤnki ſch und halb griechiſch. Auch die Sprache iſt gemiſcht, halb griechiſch und halb genueſiſch. Die Kleidung der Einwohner glich jener der Bewohner von Genua. Vpon hier fuͤhrte guͤnſtiger Wind das Schiff wei⸗ ter. Die kleine, laͤngliche, waldleere, aber waide⸗ und getraidreiche, nur huͤgelige Juſel IJkaria, die erſte, die man von hier ſah, blieb rechts. Dann ſah man zwiſchen Ikaria und Naxos die Juſel Jon und die an hohen Bergen reiche rundfoͤrmige Inſel Samos, deren Umfang Belon bedeutend fand. Sie war oͤde, aus Furcht vor Seeraͤubern von Men⸗ ſchen leer. Mit Nordwind ließ man die Inſel Samos lnks, ſchiffte durch die Enge zwiſchen Samos und Karia uͤber beruͤchtigte Klippen nach der Inſel Gai⸗ derouiſo, welche ebenfalls oͤde war, und kam von da nach der Inſel Patmos, insgemein Palmoſa genannt, von Griechen bewohnt, beruͤhmt durch den Verfaſſer der Offenbarung im neuen Teſtamente. Palmoſa hat einen raͤumigen Hafen, iſt reich an Waizen, hat ein Moͤnchenkloſter, und iſt ziemlich fern von Ikaria. Widrigen Wind von Thrazien her habend,— die Schiffer nannten ihn Thrazias,— kam man in den Kanal der Inſel Cos, welche von den Tuͤr⸗ ken Stankou genannt wird, und ſo hohe Berge wie Creta hat. In der Stadt Cos wohnten Tuͤr⸗ ken, in den beiden Doͤrfern der Inſel Griechen. 87 Die Inſel Cos ließ man zur Rechten. Schon ſah man die Stadt Rhodos mit ihren hohen Thuͤr⸗ men und Seeleuchten von ferne, und doch war man noch weit davon. Als man naͤher kam und landete, fand man die Stadt auf einem runden Huͤgel am Meere liegend, mit ſchoͤnen Gebaͤnden, gut befeſtigt, von Tuͤrken beſetzt. In den Doͤrfern der Inſel wohn⸗ ten Griechen. Die Inſel ſelbſt fand Belon frucht⸗ bar an Wein, Obſt, Feigen, Oliven u. ſ. f. Unter den Voͤgeln nennet er beſonders den Onocrota⸗ lus*),(die Loͤffelgans) unter den Schlangen die Igette, welche von den Tuͤrken Ochilanne ge⸗ nannt wurde. NKach einigen Tagen reiſte man von Rhodus wieder ab. Der Wind wechſelte. Bald hemmte der Nordweſt, bald beguͤnſtigte der Nordwind ſo, daß man die Inſel in einer Nacht aus dem Geſichte ver⸗ lor. Dann ſtuͤrmte wieder hinderlich ein Siroe, hemmte nochmals der Weſt, bis endlich wieder Nordwind ein⸗ ſiel, und das Schiff in wenigen Tagen in die Gegend von Damiate trieb. In der Nuͤhe dieſer Stadt ſtroͤmt der Nil durch eine ſeiner ſchiffbaren Muͤndun⸗ gen in das Meer, und truͤbt ſo das letztere eine ganze Strecke weit, ob man gleich Aegypten ſchon ziem⸗ lich nahe war, ſo konnte man es doch von hier noch *) Nach Linné der Pelecanus Onoerotalus. 88 nicht ſehen, weil es tief liegt. Unterweges bemerkte Belon, daß Sakerfalken*), Wachteln**), Loͤffel⸗ gaͤnſe von Nord nach Suͤd zogen, und weil er dieſe Voͤgel fruͤher hatte nordwaͤrts ziehen ſehen, ſo ſchloß er, daß ſie Zugvoͤgel ſeien. Weil die Nacht einfiel, ehe man Alexandrien, das Ziel dieſer Reiſe, er⸗ reichte, ſo ward auf offenem Meere geankert, um durch Nachtſegeln den Ort der Landung nicht zu ver⸗ fehlen. Den andern Tag kam man zeitig au den zweiten ſchiffbaren Arm des Nilſtroms, an die Muͤndung von Roſette, welche das Meer gelb faͤrbte. Das erſte, was man von Aegypten ſah, war das Schloß von Roſette, von wo man noch anderthalb Tagereiſen nach Alexandrien hatte. Ehe man zu dieſer Stadt kam, ſah man von ferne nichts als Palmen, Sycomoren**), und die hohe Pompejus⸗Saͤule auf dem Vorberg von Ale⸗ randrien. Das Schiff lief ſpaͤt in den Hafen, und ſo kounnten die Reiſenden erſt an dem andern Morgen ausſteigen. Die Reiſe von Konſtantinopel bis Alexan⸗ *) Vielleicht der Falco Aegyptius- 2*) Bieleicht der Wieſenknarrer, der Rallus Crex Inn. *z Wilde Feigenbaͤume. 89 drien kann, mit gutem Wind und ohne allen Auf⸗ 3 enthalt unterweges, in acht Tagen gemacht werden. Drittes Buch. Alexandria iſt wohl zu unterſcheiden von einem anderen Alexandria, welches die Roͤmer auf den Truͤmmern von Troja erbauten, und jetzt ebenfalls wieder zertruͤmmert iſt. Alexandrien in Aegypten, liegt auf einer Landſpitze, auf ſehr ſandigem Boden, und hat guf der einen Seite das mittellaͤndiſche Meer, auf der andern den See Ma⸗ reotis. Die meiſten Lebensmittel fuͤr die in alten Gebaͤu⸗ den, doch hinter guten Mauern wohnenden Menſchen, kommen aus nahen Orten, oder uͤber das Meer, und be⸗ ſtehen in Wein von allen Sorten, Fleiſch von Haͤmmeln, Gazellen, Kaͤlbern, Ochſen, Huͤhnern, Eiern, Fiſchen, beſonders Meerbremen, Barſen, Maigres, Zahnfiſchen, Meerbarben, Nochen, Seehunden und Gourneaux*), denn in Granaten, Mouſee*“*), Citronen, Pomeranzen, lahmen und wilden Feigen, Reis, Gerſte und Dinkel. Auf dem eine halbe Meile von der Stadt ent⸗ 4 fernten Huͤgel, wo die Po mpejus⸗Saͤule ſteht, die viel groͤßer und dicker als die Saͤule des Agrip⸗ pa im Pantheon zu Rom, hat man eine weite *) Der graue Seehahn oder Trigla Gurnardus Linn. *) Musa paradisiaca, Piſang. 90⁰ Ausſicht auf das Meer und auch in das Land hinein, auf der mit Palmen umgebenen, eine halbe Meile fernen See Mareotis. Das Feld um die Stadt iſt groͤßtentheils Flugſand, und traͤgt nur Hermala⸗ kraut, Capernbaͤume und Tamarisken. Die Gebaͤnde der Stadt hatten teraſſenfoͤrmige Daͤ⸗ cher, wie alle griechiſchen, tuͤrkiſchen und arabiſchen Haͤuſer. Auf dieſen pflegen die Einwohner Sommers⸗ und Winterrzeit ohne Betten in freier Luft zu ſchla⸗ fen. Die Hauptſprache in Alexandrien war, nach Belons Ausſage, arabiſch oder mohriſch. Doch hoͤrte er auch die dort wohnenden Tuͤrken, Juden, Griechen und Italiener ihre beſonderen Sprachen reden. Einige Dage blieb er zu Alexandrien, dann ward auf Kamelen die Reiſe nach Kairo begonnen. Zunaͤchſt ging es uͤber Sandfeld, wo unter anderen Kraͤutern Anthillis oder Kali wuchs. Dieſes Krautes bedienen ſich die Einwohner zum Feuern. Die Aſche davon wird als Handels⸗Artikel nach Frankreich, und anderwaͤrts verſchifft, und dient zu Verfertigung des Kriſtallglaſes. Auf dieſen Sandfel⸗ dern wuchs auch Hermala oder wilde Raute. Zwei Meilen von Alexandrien ſah Belon wie⸗ der Sandfeld mit Capernbaͤumen und Kali bewach⸗ ſen zur rechten Seite, links viele und große Doͤrfer unter Palmenſchatten. Nach drei Tagen kam man an das mittellaͤndiſche Meer, laͤngs dieſem uͤber Sand⸗ Gefilde mit Tamarisken, kleinen ſchwarzen Myrthen, 91 gegen Abend nach Roſette, Raſchit genannt von den Moren, am Ufer einer große Nilmuͤndung gelegen, wo man aͤgyptiſche Feigen, Papyrus, Zuckerrohr, Colo⸗ caſſen und Sykomoren und den Rhamnus altera fand. Die Stadt Roſette war mauernlos und ſchoͤn. Ihre Einwohner, unter welchen auch Iuden, ſpra⸗ chen arabiſch. Palmwaͤlder beſchatten die Stadt, welche alle Lebensmittel hatte, die man zu Alexandrien fand. Zu Roſette ſetzte man ſich in Nilſchiffe, um mit gutem Weſtwinde nach Kairo zu kommen, deſto beſſer die Ufer dieſes Fluſſes beobachten zu koͤnnen. Die ſchoͤnſten Doͤrfer lagen an dem Nil zu beiden Seiten; minderbedeutende und meiſt waſſerleere Ort⸗ ſchaften lagen zur Seite tiefer in das Land.. Eine halbe Tagreiſe von Roſette kam man an die kleine Stadt Nantubes, welche auf beiden Rilufern liegt. Weiter kam man uͤber das Dorf El⸗ minie, unterwegs Colocaſſen, Lotus 2), Rhamnus, und Palmen ſehend, dann uͤber das Dorf Berimbal. Die meiſten Haͤuſer der Orte, die man hier ſah, waren auf Erderhoͤhungen gebaut, wegen der Ueberſchwemmungen des Niles. Sie hat⸗ ten das Anſehen der Bienenkoͤrbe und waren oben platt und offen. Man kam uͤber das Dorf Sindon, zur Rechten Diuruth laſſend, dann in die große Stadt Fua, welche viel groͤßer war als Roſette. *) Wohl Nymphaea Lotus. 92 Ihr gegenuͤber lag eine Inſel mit Zuckerrohr, Syko⸗ moren, Palmen und Colocaſſen, Gartengewaͤchſen, Getraide, beſonders Gerſte und Reis. Hier war der Nil ſtellenweis ſo reiſſend, wie die Loire in Frank⸗ reich iſt. Unterhalb Sindon ſah man den Alexan⸗ ders⸗Kanal zur Rechten, fruchtbares Land zur Linken, am ufer oft Geier, Sakerfalken, Meerfalken, den Haͤmatopus(eine Art ſchwarzer Ibis), den Hip⸗ popotamus(Nilpferd), Buͤffelochſen, das Krokodil, den Oxyrinchus(eine Art Hecht), dann Heuſchrecken, Fliegen mancher Art und ſchon oft genannte Hoͤlzer. Noch waren die Reiſenden 40 Meilen von Kairo entfernt; dennoch ſahen ſie ſchon die Obelisken und Pyramiden dieſer großen Stadt. Vier Meilen unter ihr ſah man den Nil in zwei Arme ſich theilen, wo⸗ von einer rechts nach Damiette laͤuft, und dort die peluſiakiſche Muͤndung macht; der andere Arm aber links nach Roſette zieht, und da die ea⸗ nopiſche Muͤndung bildet. Am Dorfe Bulak, wo alle Nilſchiffe landen, ward auch jetzt angelegt. Von hier macht man die Reiſe nach Kairo gewoͤhnlich auf Laſtthie en. Ehe dieſe ankamen, machte Belon die Beobachtung, daß die Aegypterinnen alle verſchleiert gingen, lange Klei⸗ der trugen, ſehr verſchieden von denen der Duͤrkinnen, und daß nur des Turbans Farbe den Unterſchied zwi⸗ ſchen Glaubensgenoſſen machte. Dieſen Turban naͤm⸗ lich trugen die Chriſten bunt, die Juden gelb, die 93 Mohren, Aegypter und Tuͤrken weiß oder gruͤn; das letztere war beſonders bei denen der Fall, welche in gerader Linie von Mohamed ſelbſt abſtammten. Außerdem ſah Belon bei den Einwohnern hohe Ab⸗ ſaͤtzſchuhe, oder auch Stiefelchen unten mit Eiſen be⸗ legt, wie bei den Tuͤrken. Von Bulak hatte man nur noch eine halbe Meile nach Kairo. Der Weg fuͤhrte durch Gemuͤſe⸗ Gaͤrten und fruchtbare Gegend, wo man unter andern Gewaͤchſen auch wilde Limonen, hohe Sebeſten, Caſ⸗ ſien und Sykomoren fand. Die Stadt Kairo iſt groß und geraͤumig, nicht ganz ummauert, weil ſie an mehreren Orten von dem voruͤberfließenden Nil geſchuͤtzt iſt. Sie iſt mehr lang als breit, und meiſtens von Kaufleuten bewohnt, wel⸗ che in das ganze tuͤrkiſche Gebiet umher handeln. Die Hitze des Himmelsſtriches, unter dem ſie liegt, iſt ſehr groß; daher werden ſowohl in den Gaͤrten der Stadt, als auch an andern Orten, beſonders bei den Haͤuſern viele wilde Feigenbaͤume gepflanzt, um hin⸗ laͤnglich unter Schatten ſeyn zu koͤnnen. Der Markt der Stadt, oder der Bezeſtan, war voll Laͤden und Buden fuͤr Silber, Gold, Spezerei u. dgl. Kleine Luſtreiſen in die Umgegend der Stadt Kairo. Auf dieſen ſah Belon die nahen Ruinen Babylons, welches wohl zu unterſcheiden iſt von dem aſſvriſchen Babylon in Meſopotamien, und jetzt Bagdad heißt. Die Mohren, die unſer Reiſender bei dieſen Wan⸗ derungen kennen lernte, fand er als luſtige, immer frohe Leute, die den ganzen Tag huͤpften und tanzten und muſieirten*). Beſonders gerne pielten die Moh⸗ rinnen auf ihrer kleinen Harfe Cinghi genannt, und ſangen dazu. Ueberhaupt,— bemerkt Belon,— moͤgen die Tuͤrken ihre Kenntniſſe, inſofern dieſelben von einigem Belang ſind, von den Mohren erhalten haben. Eine andere Luſtwanderung fuͤhrte Belon in die Gaͤrten des nahen Dorfes Materea, wo er die Bal⸗ ſamſtauden e) beſah, die beſonders an dieſem Orte gut und in Menge gepflegt werden, und den theueren koͤſtlichen Balſam liefern, von dem ein einziger Tro⸗ ofen in Konſtantinopel ſchon mit einem Ducaten bezahlt wird. Noch eine andere Wallfahrt ſtellte Belon nach der Wuͤſte oberhalb des Dorkes Buſiris an, um dort die beruͤhmten Pyramiden oder Grabdenkmaͤler großer Aegypter zu beſehen. Auf dieſer Wanderung begegnete er oft Zigeunern, einem wahren Landſtrei⸗ chergeſindel. Er beſtieg eine der großen Pyramiden, *) Man ſagt gewoͤhnlich; der Charakter der Moh⸗ ren ſei der melancholiſche. 8 *) Balsamea meccanensis, oder Amxris Opo- balsamum.— 3 95 von welcher er eine herrliche Ausſicht uͤber den groͤß⸗ ten Theil des Aegyptenlandes hatte, und ſah, wie dieſes die Form eines Triangels habe. Auf ſeinem Ruͤckwege von den Pyramiden, die er als erhabene Denkmale bewunderte und deren Entſtehung er der Lehre der Aegypter uͤber die Auferſtehung der Todten zuſchreibt, beſah er das koloſſale Haupt der Andro⸗ ſphinx, eines Kunſtwerkes, das jeden Archaͤologen in⸗ tereſſirt, erzaͤhlt uns aber nichts Bedeutendes und Wichtiges von demſelben. Beiher bemerkt uns Be⸗ lon, in dem Kapitel, wo er uns dieſe Wanderung erzaͤhlt, daß die alten Aegypter ihre Todten mit einer Miſchung von Catran und Salpeter in Mu⸗ mien verwandelt haͤtten, ebenfalls weil ſie ſo feſt an die Auferſtehung des Menſchen vom Tode geglaubt und darum fuͤr die Erhaltung des Leibes eines Todten Sorge tragen zu muͤſſen glaubten. In einigen nachfolgenden Kapiteln erzaͤhlt uns der Reiſende von einer Art Geige mit Roßhaaren be⸗ ſpannt, welche er hier in der Gegend von Kairo ofters geſehen, von einer Giraffe, welches Thier jetzt bekannt genug iſt, von einem Ochſen, Bubalus genannt, dann von einer Art Dammhirſchen, vom Oris und Orix, Thiere, welche in der Menagerie zu Kairo waren, und endlich von einem Affen Kal⸗ litrix, welcher zum Geſchlechte der Meerkatzen ge⸗ hoͤrte.— Von Kairo reiſte Belon mit einer Karawane, 96 welche von 20 Janitſcharen begleitet wurde, nach dem Berge Sinai. Weil dieſe Gegend ſo heiß iſt, ſo benuͤtzte man groͤßtentheils die kuͤhleren Naͤchte zum Reiſen, waͤhrend man des Tags die meiſten druͤcken⸗ den Mittagsſtunden unter Zelten zubrachte. In drei Reiſe⸗Stationen ging die Reiſe den Nil hinauf und an den Brunnen von Suez, mit deſſen ſalzigem Waſſer ſich die Einwohner der nahen Stadt Suez eben ſo gut, als die Reiſenden begnuͤgen laſſen muͤſ⸗ ſen, wenn die letzteren kein beſſeres Getraͤnke auf ih⸗ ren Thieren mitbringen. Bemerken muß ich hier, daß in dieſen Gegenden, wie uͤberhaupt im Driente oft ganze Strecken von mehreren Tagereiſen ohne Quel⸗ len ſind, daß die Bewohner dieſer Strecken dann Ci⸗ ſternen anlegen, und Waſſer darein ſammeln, wovon ſie oft das ganze Jahr trinken. In Aegypten fuͤllt ſolche Eiſternen der uͤbertretende Nil, an andern Or⸗ ten der Regen.— Als Belon die Produete der Gegend um Suez etwas genau unterſuchte, ſo fand er unter andern Ambroſia, Senesbaͤume, Je⸗ richo⸗Roſen, Coloquinten, Acacien, Gen⸗ ſter, Kreutzbeerſtauden oder Rhamnus.— Nicht weit von Suez kamen die Reiſenden an das ſogenannte rothe Meer, welches bei der Stadt Suez nur ein enger Kanal, nicht viel breiter iſt als die Seine zwiſchen Havrefleur und Honde⸗ fleur, klippenreich, und ſchwer zu beſchiffen, von Nord nach Suͤd ſich zieht, und unterhalb der zwoͤlf —,— 97 4 Quellen ſich weſtwaͤrts kruͤmmt. An der Kuͤſte hin fand man nichts als Rhamnu s(Kreußbeerſtaude) und wilde Gazellen, welche von den nahen Bergen herabkamen. Durch eine baͤumeloſe, nur mit Pfriemkraut bewachſene Gegend ward unter großer Hitze der Weg fortgeſetzt bis an kleine, mit Capernſtauden beſetzte Gebirge. Hier ruhte man, und verließ die Meeresſeite und das wuͤſte Arabien, um in das noch unfruchtbarere ſteinigte zu ziehen. Der Weg ging zwiſchen Sand⸗ gebiegen hin, wo es wieder nichts als Capern⸗ und Wollenbaͤume und Gazellen gab. Dann kam man uͤber beſchwerliche Felſen in das ſteinigte Ara⸗ bien. Das erſte Dorf, auf welches man ſtieß, war von Arabern bewohnt, lag in einem von einem Bache bewaͤſſerten Thale, und hiet Pharangu. Hier gab es Granaten, Palmen, Oliven und andere Frucht⸗ baͤume, und ſuͤßes Waſſer, Ziegen und Schaafe, Eſel, Pferde, Kamele, Ochſen, Kuͤhe und Huͤhner. Alle dieſe Thiere waren jedoch kleiner als in Ae gyp⸗ ten. Außerdem fand Belon in dieſer Gegend zwi⸗ ſchen Felſen die birkenaͤhnliche Balanus Mirepsica*), an Baͤchen die Balſamite, Pauliot, Moronkreſſe und Binſen. 4 Die Reiſenden durchzogen ein Thal mit Palmen⸗ wualdung hinwaͤrts nach dem Fuße der hohen Gebirge *) Guilandina Moringa oder Bennußbaum. 15:es B. Griechenland. I. 1. 7 1 98 von Sinai. Auf kuͤnſtlich von Moͤnchen angelegten Wegen ſtieg man endlich eine halbe Meile hinauf, zwiſchen Gipfeln nach einem Maroniten⸗Klo⸗ ſter, welches ſich dort fand. Dieſes Kloſter, von deſſen Moͤnchen die Reiſenden ſehr wohl und gut auf⸗ genommen wurden, lag am Fuße des Berges Horeb, hatte hohe Mauern und außer einer ehriſtlichen Kirche auch eine Moſchee fuͤr die Tuͤrken, ohne welche kein Reiſender hieher gelangen kann. Im Kloſtergarten ſah Belon Kohl, Lattich, Salat, Mangold, Zwie⸗ beln, Knoblauch, Dattelbaͤume. Auf dem Berge Horeb, wo einſt Eltas ſich aufhielt, ſtand eine Kirche; an verſchiedenen Orten des Berges waren Be⸗ guemlichkeiten aller Art und Ciſternen angebracht. An der Abendſeite des Berges lag das Kloſter Sarauda Pateres.. he Der Berg Sinai, auf deſſen Gipfel ein eiſen⸗ farbiger Fels ſteht, iſt hoͤher als der Horeb, und beſchattet bei Sonnenaufgang den Letzteren. Er iſt hoͤher, als der Oeta in Griechenland⸗ und auf allen Seiten mit Baͤumen und niedrigen Bergen umgeben; doch iſt er nicht ſo hoch, als der Olymp in Phrygien. Er gewaͤhrt eine Ausſicht auf die beiden Kuͤſten des grabiſchen Meerbuſens(rothes Meer), und auf die gegen Aethiopien liegenden Einoͤden des heili⸗ nen Antonius, gegen Oſt auf das ſteinigte Arabien, welches an den Berg Sinai grenzt, und auf die Berge Jeruſalems, welche mit dem Si⸗ 5 99 3 nai zuſammenhaͤngen, gegen Weſt auf das wuͤſte und ſandige Arabien, und auf die fuͤnf Tagereiſe ferne Gegend des mittellaͤndiſchen Meers. Wo der Berg am hoͤchſten iſt, betraͤgt ſeine Breite nicht uͤber 4 Schritte. Am Fuße des Sinai liegen ver⸗ ſchiedene Kloͤſter. Unter den Kraͤutern des Sinai bemerkte Belon viel Absynthium, Seriphium*. Panacea Asclepia**), Conisa und arabi ſches Alp⸗ kraut. Die Gegend um den Sinai iſt gemaͤßigt; die Berge derſelben aber meiſtens unfruchtbar und trocken, bis auf wenige Orte, wo Quellen ſind, z. B. in der Naͤhe des Katharinen⸗Kloſters um den Waßfer⸗ fels des Moſes. Getraide und Huͤlſenfruͤchte ethal⸗ ten die hier lebenden Moͤnche von ihren Patriarchen aus Kairo; andere Beduͤrfniſſe ſuchen ſie dem Bo⸗ den abzugewinnen. Vom Berge Sinai fuͤhrte die Reiſe uͤber Tor wieder nach Kairo zuruͤck. In der Stadt Dor kam man, durch Gebirge ziehend, nach zwei Tagen an. Eine halbe Meile von Dor ſah Belon die in der Bibel erwaͤhnten o ierzig Palmbaͤume, bei wel⸗ chen ein warmes Bad war. Die Stadt Do r, welche im Grunde nur ein Dorf iſt, hat Mangel an Holz — *) Absynthium seriphium iſt wohl die Artemisia judaica L. **) Iſt wohl Thapsia Asclepium L. — 100 und Trinkwaſſer, und ihr Hafen am rothen Meer iſt nicht beſonders gegen die Winde geſichert. Die Bewohner derſelben, Juden, Griechen, Araber und Armenier, trieben bedeutenden Fiſchhandel. Bei Tor ruhen gewoͤhnlich die Karawanen aus, welche von Mecca und aus dem gluͤcklichen Arabien kom⸗ men, und mit allerlei koſtbaren Spezereien beladen ſind. Mit einer ſelchen Karawane reiſte Belon, den Berg Sinai rechts, das rothe Meer links ha⸗ bend, von hier durch ſchoͤne Gaͤrten mit Weinbau, dann durch ſandige und ſteinigte Begenden, von dem Kanal des rothen Meers in das feſte Land hinein⸗ ziehend nach Suez, wo man in 5 ½ Tagen ankam. Von Suez fuͤhrt der gerade Weg durch unfruchtbare Wuͤſten nach Kairo. Viertes Buch. Zu einer neuen Reiſe hinlaͤnglich ausgeruͤſtet, brach Belon bald wieder von Kairo auf, folgte eine gute Strecke dem Kanal nach Damiate, ließ dann Aegypten links, zog durch Sandgefilde, wo nur Kuͤrbiſſe gezogen wurden, und kam zum Dorfe Caucg. Hier wurden wieder Lebensmittel auf die Maulthiere gepackt. Von da ging es nach dem Dorfe Cataro, welches nicht ſehr weit vom Nil, und ſehr hervorragend liegt, und mit Palmen und ſehoͤnen Gaͤrten umgeben iſt. Nun vom naͤchſten Dorfe Bil .. 101 bei zwiſchen Morgen und Mitternacht hinziehend, ſah man rechts nur unfruchtbare Felder, links das frucht⸗ bare vom Nil bewaͤſſerte Land mit Doͤrfern, Waͤl⸗ dern von Feigen und Palmenbaͤumen. Mau kam in das Dorf Salatia. Hier fand man Ziegen, Huͤh⸗ ner, Gerſte, Wein und andere Lebensbeduͤrfniſſe. Weil die Gegend, welche man nunmehr durchziehen mußte, von Raͤubern ſehr unſicher war, ſo nahmen die Rei⸗ ſenden zu ihrer Janitſcharen⸗Eskorte noch bewaffnete Araber, und ſo zog man weiter fuͤnf Stunden durch unfruchtbares Feld; daun durch ſchlechte Wege nach dem Dorfe Belba, nicht weit vom mittellaͤndiſchen Meere, in der Gegend von Palmira zwiſchen Aegypten und Syrien, zwei Tagereiſen von Sa⸗ latia. Von Belba zogen die Reiſenden laͤugs dem mittellaͤndiſchen Meere hin, dann oͤſtlich, rechts die Gebirge von Sinai laſſend, am Meere wieder, an die Grenze des fruchtbaren Theils von Palaͤſtin g.— Zwiſchen Belba und Gazaro, der erſten judaͤi⸗ ſchen Stadt, fand man Brach felder, ſah mancher⸗ lei Voͤget, Sakerfalken, aͤgyptiſche Habichte, Bon⸗ drons, mancherlei Pflanzen, z. B. Meerzwiebeln, Thabsia, Bergpoley und Hastula regia. Manj kam auch durch Waͤlder, welche mit Getraide und Huͤlſen⸗ fruͤchten gut angebaut waren. Gaza ro, mauernlos, liegt fruchtbar. Es gibt daſelbſt Feigen, Oliven, Aepfel, Granaten, 102 Wein. Die Einwohner, Griechen, Tuͤrken und Ara⸗ ber, ſind fleißige Landbaner. 1831 Bei ſtarkem Siroewind, wodurch man die nicht ſehr fernen Meereswellen brauſen hoͤren konnte, zogen die Reiſenden nordwaͤrts, die Mittagsſeite ganz im Ruͤcken, unterwegs Oinoplien und Napecabaͤume), Colocaſſen und Zuckerrohr treffend, nach Rama. Von dieſer einſt ſo großen und beruͤhmten Stadt iſt faſt alles in Ruinen; kaum zwoͤlf Haͤuſer waren noch, und von Ackerbau treibenden Griechen, bewohnt. Belon kam durch reiche und fette, nur durch Traͤgheit der Einwohner nicht gebaute, Geſilde in das Thal zwiſchen den ſteilen Bergen von Jeruſalem. Dieſe Berge tragen alle Baumarten, und ſind ſo reich an wilden und wohltiechenden Kraͤutern wie der Ida auf Candia. Auch findet man uͤberall noch Spuren von dem Fleiße, mit welchem einſt die Ju⸗ den hier Land und Bergruͤcken bebauten. Wild wach⸗ ſende Baͤume dieſer Berge ſind: Andrachnen, Fich⸗ ten, Aria, gruͤne Eichen, Terebinthen, Maſtix. Wild wachſende Kraͤuter auf denſelben ſind Ciſtus, Rosma⸗ rin, Thymbra, Maron, Salbey, Cyela minus, Frauennabel, Thymian, Yſop. Weſtwaͤrts tragen dieſe Berge Wein, Obſt, Feigen, Oliven und Granaten. *) Iſt R. spina Christi L. 103 Nach einem vier franzoͤſiſche Meilen langen Marſch uler die Berge, kam man zu den Ruinen eines alten lateiniſchen Kloſters. Belon fand die Gegend um Jeruſalem, wo ſie jetzt waren, ſehr wohl angebaut, Weinberge, Aepfel⸗, Mandel⸗, Feigen⸗ und Oliven⸗ baͤume. Von einem Franziskaner begleitet, ſab man zuerſt den Ort, wo Jeſus mit ſeinen Schuͤlern das Nachtmahl hielt, und eine tuͤrkiſche Moſchee ſtand, dann den Tempel der Jungfrau nahe bei der Stadt, ebenfalls eine Moſchee. Nun ſtiegen ſie in das Thal Joſaphat, uͤber den nur einen Steinwurf von der Stadt entfernten Bach Kidron, um die Begraͤbniſſe des Jeremias und Jeſaias zu ſehen. Weiter kam man in die unebene und ſteinigte Gegend von Bet⸗ phage, rechts uͤber den Oelberg, oon deſſen Gi⸗ pfel man ganz Jeru ſalem, die Ebene von Je⸗ richo und das todte, ſonſt asphaltiſche Meer ſah. Abermals uͤber den Bach Kidron gehend, ſah man das Grab der h. Jungfrau Maria und das der heil. Anna, dann das gold ene Thor, wo unter Titus die Roͤmer die Mauern durchbrachen. Von hier wandte man ſich nach dem Berge Sion, ſah dann zunaͤchſt den Schaa fteich im Thal Joſa⸗ phat, das heil. Grab, welches allein, ſeit der Zeit der Piſanen, jaͤhrlich an den Sultan achttauſend Du⸗ caten eintraͤgt. Denn jeder Fremde, der nicht Moͤnch iſt, muß 9 Ducaten erlegen, bevor man es ihm ſe⸗ hen laͤßt. 104 Jeruſalem ſelbſt hatte ſchlechte Mauern, Haͤuſer mit Altanen. Die Buden der Kaufleute waren wie in Alexandrien. Die Einwohner ſprachen verſchiedene Sprachen, wie die zu Kairo, die Sprache der Fran⸗ ken, die hier ſehr zahlreich, griechiſch, armeniſch u. ſ. f. — Dieß kommt daher, weil die Einwohner aus allen Himmelsgegenden her zuſammen kamen. Von Jeruſalem zogen die Reiſenden nach Suͤdoſt, den Nordpol zur linken Hand habend, in die Ebene von Jericho, wo man ganze Heerden von Kamelen antraf, welche die Blaͤtter von den Myrabolanen⸗Baͤu⸗ men fraſſen. Der Bezirk von Jericho iſt mit Ber⸗ gen eingeſchloſſen, und grenzt ſuͤdwaͤrts an das todte Meer, welches hier ſich in die Erde verliert. Gegen Ford iſt die Gegend des Jordan, gegen Oſt ſah man die Gebuͤrge vom ſteinigten Arabien, ge⸗ gen Weſt die Berge von Jeruſalem. Von der ehemaligen Stadt Jericho ſah man nur noch einen viereckigen ſchlechten Thurm und we⸗ nige Haͤuſer worin Landleute wohnten. In der Ebene ſelbſt fand Belon den Jordan nicht uͤber acht Klaf⸗ ter breit, auch nicht tief, ſchwarze Weiden, Tamaris⸗ ken, Agnus castus(Schaafmilbe) und Schilfrohr. Das letztere gebrauchen Tuͤrken und Araber, Perſer, Griechen und Armenier zum Schreiben, wie die Gaͤn⸗ ſekiele. zun wandte ſich Belon nach der Quelle Kal⸗ lirhoe, oder nach der Sonnena uel le, wie ſie an⸗ 105 ders genunnt wird, in deren Umgebung Kreße, Bal⸗ ſamite, Myrabolanen und Feigenbaͤume wuchſen, dann zu dem Ort, wo Jeſus faſtete, durch die Einoͤde, wo Johannes der Taͤufer lehrte, und ſich von einer Art Heuſchrecken(Onys oder Aphros) naͤhrte, wieder zuruͤck nach Jeruſalem. Von hier beſuchte man das zwei Meilen ferne Bethlehem, ein kleines Dorf mit ſchoͤner Kirche und ſchoͤnem Franziskanerkloſter. Von Bethlehem, deſſen Umgebung ſehr frucht⸗ bar war, ſetzte man auf beſchwerlichem Wege die Reiſe nach Ebron fort, und wieder zuruͤck nach Jeru⸗ ſalem. Mit allem Bedarf verſehen ward von da aber die Neiſe nach Damas unternommen, welche Stadt man ohngefaͤhr in fuͤnf kleinen Tagreiſen erreichen kann. Dritthalb Meilen von Jeruſalem kam man an das Dorf Slpire, wovon einſt die Mutter Jeſus zuruͤck⸗ gieng, um den bei den Schriftgelehrten gelaſſenen Knaben zu ſuchen. Aufangs fuͤhrte der Weg nordwaͤrts, dann ſuͤdlich durch Gegenden welche mit Seſam und Baumwolle beſaͤet waren. Auf den Bergen ſah man Hageeichen, Steineichen, und Cocusbaͤume. Unweit Sychemod Naploſa, welches man bald erreichte, ſah man den Brunnen, wo Jeſus von einer Samarita⸗ nerin zu trinken begehrte, daſelbſt Ruinen einer alten Kirche. Nach einer kleinen Ruhe zog man uͤber Berge und Thaͤler nach dem Doͤrſchen Nazareth, welches von Arabern bewohnt war. Von da wanderte man 4106 nicht ſehr weit, nach dem See Tiberias, wo man Karpfen, Schleien, Hechte, u. ſ. w. fing. Am Fuße des Berges hinziehend, wo Jeſus fuͤnftauſend Mann ſpeiſte, zog man in das Dorf Kapharnaon, welches ſchoͤne Quellen hat. Um den nicht großen See herum ſah man die von Juden bewohnten Doͤrfer Beth⸗ faida, Chornozaim Weiter ging die Reiſe durch ſteinigtes Land, Trachonitis genannt, wo der Co⸗ cus⸗ und Aeſeulusbaum wuchs; dann wieder durch gut gebautes Gefild, die Berge von Tripolis, und Phoͤnieien links laſſend, in die Ebene von Damas, welche Stadt wie in Waͤldern zu liegen ſchien, wegen der vielen wilden und hohen, ſchwarzen und weiſſen Pappeln, die daſelbſt gedeihen. Die Stadt Damas hat hinreichend ſuͤßes Waſſer durch den Fluß Chryſorhoas. Die Straſſen fand man zwar ens und krumm, doch die Haͤuſer artig und ſo eingerichtet, wie zu Kairo. Die Einwohner be⸗ ſtanden aus Juden, Griechen und Armeniern, die aller⸗ lei Gewerbe und Handel trieben. Um die Stadt ſah man ſchoͤne Gaͤrten, von einem Kanale des genannten Fluffes bewaͤſſert, welchen Einige faͤlſchlich fuͤr den Anfang des Jordan gehalten haben. Von Damas ging die Reiſe nordwaͤrts bis zum Fuße des Berges, von welchem der Fluß in die Stadt ſtroͤmt, nach dem Dorfe Caleus. Von hier uͤber den Libanon, den Antilibanus, und das mit Syrien vereinigte Phoͤnizien zur Linken laſſend, 107 nach Tripolis fort. Nun wandten ſich die Reiſen⸗ den nach Balbec, einer alten ſehr beruͤhmten Stadt am Fuße des Libanon, wie ihre Ruinen zeigten. Die Lage derſelben koͤnnte nicht ſchoͤner ſeyn, und die Stadt war, nach der Sage der Einwohner, von dem Koͤnige Salomo erbaut worden. Dieß iſt aber das ehemalige Ceſaria Philippi. Die Mauern der Stadt waren ſchoͤn und reich an Antiquitaͤten. Nach⸗ dem aber von da die Reiſenden das Dorf Lubon im Ruͤcken hatten, kamen ſie in eine große, wenig be⸗ baute, doch fruchtbare Ebene, dann an Bergen hin, den Libanon links habend, in die Stadt Ham ſaeinſt Emeſa), wo ein ſtarker Seidenhandel getrieben wurde. Dieſe gewerbreiche Stadt, von Griechen, Ju⸗ den und Armeniern bewohnt, war ziemlich zerfallen. Von den Tuͤrken wurde die Stadt Haman oder auch Hamuz genannt. Von hier gelangten die Reiſenden bald in die Naͤhe der Ruinen von der einſt beruͤhmten Stadt Se⸗ baſtonopolis, und weiter in das Sabaͤiſche Feld, eine breite und eine Tagreiſe lange baumloſe Ebene. Eine halbe Tagreiſe von Hamuz traf man in der Stadt Hama ein. Der Fluß Cidnus fließt durch dieſelbe. Das Land, worin dieſe Stadt, der einſt ige Aufenthaltsort des Apoſtels Paulus liegt, heißt Cilieien, und hat viel Aehnliches mit Beauſe, ob⸗ gleich dort der Ackerbau nicht ſo ſehr, wie hier betrie⸗ ben wird.— Ueber Thonboden zogen von Hama die 108 Reiſenden nach der verwuͤſteten Stadt Marat leinſt vielleicht Maronias), welche ſehr ſchoͤn geweſen ſeyn mochte, und Waſſer hatte, dennoch aber ſehr we⸗ nig bewohnt war. Marat liegt auf halbem Wege von der Stadt Tarſon(Hama) und Aleppo. In der Umgebung derſelben wurde Getraide gebaut, Gerſte, Baumwolle und Seſam. Nun, einen Tag lang durch einfoͤrmige ſtrauchloſe Gegend ziehend, ge⸗ langte man an einen Bach, der nach Aleppo floß⸗ jen ſeits deſſelben uͤber ſteinigtes Bergland, nach einer Wanderung von drei Meilen in die Stadt Halep, der Mittelpunkt alles orientaliſchen Handels⸗Verkehrs. Ddie Stadt Halep, von manchen auch fuͤr das alte Hierapolis gehalten, iſt groß und gewerbſam, wie Orleaus. Beſonders ſtarker Handel wird mit der aus Meſopotamien dahin kommenden Rhabar⸗ ber, die der alten Griechen Rhapountica vielleicht iſt, getrieben. In der Mitte der Stadt auf einem Huͤgel war ein ummauertes und umwalltes Kaſtell fuͤr den tuͤrkiſchen Statthalter. Die Einwohner der Stadt ſprachen Arabiſch, die allgemeine Sprache in Aegypy⸗ ten, Syrien, Cilieien, Arabien und andern Nachbarlaͤndern. Von Halep kam Belon zundichſt in das Dorf Farru, dann durch bebaute Felder, durch ſteinigte Gegenden uͤber Berge und Huͤgel, wo man zuweilen Andrachnen fand, uͤber den Amanus oder ſchwar⸗ zen Berg, endlich uͤber den nach Antiochien flieſ⸗ Aℳ tiochien, welche an einem großen See, wahrſchein⸗ lich an dem ehemaligen Meandriopolitiſchen See, liegt. Die Stadt fand Belon groß wie Kon⸗ ſtantinopel und ſchoͤn, von Griechen, Armeniern, Inden und Tuͤrken bewohnt, und mit reichlichem Quellwaſſer verſehen. Die Berge in der Naͤhe der Stadt trugen Eichen, Alinternus, Andrachnen, Sta⸗ chaiden, und Scharlach⸗Stauden. Vor den Thoren der Stadt waren viele Platanen. Als man Antiochien verlaſſen, zogen die Rei⸗ ſenden eine Strecke uͤber den Orus an Bergen hin, durch fettes Land nach dem Dorfe Sarameli, wel⸗ ches am Fuße eines zum Amanus gehoͤrigen Berges liest. Nun fuͤhrte der Weg nordoͤſtlich an der Seite der Berge hin, auf den hoͤchſten Gipfel des Amanus wo man nach einem ſechsſtuͤndigen Steigen ankam. Der Amanus traͤgt Cedern wie der Libanon, Erd⸗ beerbaͤume, Alaternus*), Lorbeer, Myrrhen, Thyme⸗ lea**), Chamelega, und Kellerkraut. Vom Ama⸗ nus wendeten ſich die Reiſenden nach dem Ufer des Iſſiſchen Meerbuſens(des Meers von Pam⸗ philien) zuruͤck, welches an den Fuß des Amanus anſpuͤlt, und Cilieien begrenizt. Man umzog den *) Ramnus Alaternus L. **α) Thymelaea ciliata L. ſenden Orus nach zwei Tagereiſen in die Stadt An⸗ 110 genannten Buſen, ſetzte uͤber manchen ſchoͤnen Bach, ſtieg dann uͤber einen mit Fichten bedeckten unwegſa⸗ men kleinen Berg, nachher an einem tuͤrkiſchen Ka⸗ ſtell voruͤber, bis an den IJfus⸗Fluß. Nun fuͤhrte der Weg durch angenehme Gegenden, oft unter Lor⸗ ber⸗ und Platonenſchatten hin, rechts die Berge, links das Meer habend, in die Ebene, wo einſt Alexan⸗ der mit Darius ſchlug; dann uͤber die Portaͤ Cilieiaͤ,(ein alter Bruͤcken⸗Bogen), durch ſchlecht bevolkte, doch gut bewaͤſſerte Landſchaft, ſodann durch ſteinigte Geſilde, uͤber einen Arm des Fluſſes Pyra⸗ mus, zu den Ruinen der alten Stadt Caͤſarea Ci⸗ lioig. Hier war einſt die Grenze des Sultaniſchen Gebietes. Hier hoͤrte einſt die arabiſche Sprache auf, und ſing die Tuͤrkiſche an. Hier ward die erſte Schlacht zwiſchen Arabern und Tuͤrken geſchlagen. Am genannten Fluſſe hinab, unter hohen Tere⸗ binthen⸗Baͤumen, zioiſchen großen Schaaf⸗ und Zie⸗ gen⸗Heerden, und nomadiſch lebenden tuͤrkiſchen Land⸗ leuten, kam man endlich nach Adena. Dieſer ſtarke Flecken liegt an einem Fluſſe, welchen die Tuͤrken Schelikmark nannten“, und welcher durch Lydien und Cilieien unter Rhodus in das Mittellaͤn⸗ diſche Meer fließt. Die Einwohner des Fleckens waren Juden, Griechen, Tuͤrken und Armenier, und beſchaͤftigten ſich viel mit Fertigung der Deppiche. Von Adena hielten die Reiſenden die Richtung nach Nordweſt, und ſtiegen dann nach einer halben 111 Tage⸗Reiſe den Taurus hinan, auf welchem Berge ſie Platanen, Andrachnen, Nerions*), Erdbeer⸗Straͤu⸗ che, Wachholder⸗Baͤume, Styrax⸗Baͤume, Fichten, Sevenholz und Cedern fanden. Bergab zogen ſie in eine Carbaſara oder Caravan ſerai, nahe bei einem na⸗ tuͤrlich warmen Bade, welches gut, eingerichtet war, dann tiefer noch in die fruchtbaren und wohlbehauten, an Fluͤſſen und Doͤrfern reiche E beue von Hera⸗ elea, welche zwei Tagreiſen lang iſt. Die Stadt Heraeclea ſelbſt iſt nicht ſehr bedeutend. Auf Reitthieren ward die Reiſe nach Conien (Jeonium) fortgeſetzt. Auf dem Wege dahin kam man nach Ismil einem Dorfe. Die Stadt Conien iſt nicht weit von den Gebirgen entfernt, und in die Runde gebaut. Im Oſten derſelben iſt Flachfeld. Sie wurde von Griechen, Tuͤrken, Arabern und Armeniern bewohnt, hatte Moſcheen, Baͤder, artige Haͤuſer, gu⸗ ten Weinbau, und viele Goldarbeiter, die uͤberhaupt da in großer Anzahl zu finden ſind, wo es Armenier gibt. Die Umgegend iſt volkreich und hat viele Doͤrfer.. Von Jeonium kamen die Reiſenden innerhalb einer Tagereiſe aus dem Gebirge heraus in die Flaͤchen von Pamphylien oder Caramanien, welcher letztere Namen Pamphylien und Ciliecien zu⸗ ſammenfaßt. Der Weg fuͤhrte unter Fruchtbaͤumen *) Nerium Oleander, 112 hin. Rechts ließ man die Stadt Anguri, einſt Enkyra, einen beruͤhmten Ort wegen ſeines Han⸗ dels mit Cameloten; dann kam man auf die Straße nach Achara. Achara war, obgleich Hauptſtadt Klein⸗Arme⸗ niens, mauernlos, wie die meiſten tuͤrkiſchen Staͤdte. Nahebei war ein See, reich an Karpfen, Schleien, Hechten und Braſſen. Von Achara, rechts und links Doͤrfer laſſend, ging es nun nach Caracha ra, wo die Reiſenden den Winter und einen guten Theil des Fruͤhiahres verlebten.. lddaaan Fffſfnnffffffffffffffffffſſſſi 12 13 14 15 16 17 18