Taſchen⸗Bibliothek 3 1 der wichtigſten und intereſſanteſten von, der. Erfindung der Buchdruckerkunſt bis auf unſere Zeiten. Mit Landkarten, Planen, Portraits und anderen Abbildungen.. 4 Berfaß t von Mehren Gelehrten, und herausgegeben — von Joachim Heinrich Jäck, Koͤnigl. Bibliothekar zu Bamberg. 12. Baͤndchen. Mit einem Kupfer. I. Theil. 3. Bändchen von Paläſtina. . Nürnberg. Verlegt von Haubenſtricker und von Ebner. See⸗ und Land⸗Reiſen, Caſchen⸗Bibliothek 5 der 3 wichtigſten und intereſſanteſten Reiſen durch . e&, 8 Palaͤſtina. Mit Landkarten, Planen, Portraits und anderen Abbildungen. Verf aß t von, Mehren Gelehrten, und herausgegeben von Joachim Heinrich Jaͤ ck, Koͤnigl. Bibliothekar zu Bamberg. I. Theil. 3. Baͤndchen. Nürnberg. Verlegt von Haubenſtricker und von Ebner. 18 28. VII. Kreuzzug des teutſchen Kaiſers, Fried⸗ rich des Rothbarts 1189. (Fortſetzung des zweiten Baͤndchens von Palaͤſtina)*). Waͤhrend der Zeit, als der Kaiſer Friedrich mit dem Kreuzheere vor P hilippopolis lagerte, ver⸗ nahm Friedrich Herzog von Schwaben, daß ein grie⸗ *) Historia de expeditione Priderici Imperato- ris ediita aquodam Austriensi Clerico, qui ei- dem interfuit, nomine Ansbertus. Nunc pri- mum e Gerlaci Chronico, cujus ea partem coustituit, typis epressa, curante Josepho Dobrowsky. Cum inclice bersonarum, po- pulorum regionum, locorum atque fluviorum. Pragae, apud Cajetanum de Maxregg. 1827. 8. b. 1— 138. A. d. Latein. frei uͤberſetzt von einem K. Baierſchen Staatsdiener(Es iſt auſ⸗ ſerordentlich Schade, daß der Polyhiſtor Oo⸗ 25⁴4 chiſches Heer faſt nur drei Meilen von ihm ſich ver weile, welches zwar nicht geſonnen zu ſeyn ſchien, of fene Feindſeligkeiten zu beginnen, jedoch das Kreuz⸗ heer ſcharf beobachte, Herzog Friedrich nahm alſo eeiinen auserleſenen Theil ſeiner Reiter zu ſich, brach zur Nachtzeit damit auf, und ſchickte ſich an, am ho⸗ hen Mittage unter voller Schlachtordnung in die Heinde einzufallen. Sicher haͤtte auch der Herzog ſei⸗ nen Vorſatz ausgefuͤhrt; allein die Griechen wurden heimlich davon unterrichtet, und hielten fuͤr beſſer, ſich durch ſchnelle Flucht der Gefahr des Todes zu entzie⸗ hen. Als ſie aber aus ihrem Lager entfliehen wollten, fielen die Kreuzfahrer ſie von der Seite an, und er⸗ ſchlugen ihrer wohl mehr als fuͤnfzig, ſammt einem Faͤhndrich. Mit genauer Muͤhe eutgiegen die uͤbri⸗ gen der Niederlage. Nach dieſem Siege ſollte der glopreiche Herzog, dem hohen Willen ſeines kalſerlichen Vaters zufolge, mit ſeinem Vetter Berchtold, dem Herzoge von Meran, und einem großen, auserleſenen Theile des Heeres, die feſte Stadt Veroy belagern, welche von Heiden und Kuͤrken, nach Konſtantinopel zine⸗ browesky dieſe Ausgabe weder kritiſch veran⸗ ſtaltere, noch mit hiſt. Leogr. ſtatiſt. Bemerkun⸗ gen gus ſeinem reichen Fuͤuhorne erlauterte, wo⸗ durch alle Irrthuͤmer und Mißverſtandniſſe be⸗ ſeitist worden waren.)(Jaͤck.) 8 ———— 1 1 3 25⁵ baren Leuten, beſetzt war. Als ſich aber die Teutſchen dem Thore naͤherten(es war ein Dienſttag), ihre Haufen ordneten, und ſich anſchickten, die Stadt zu beſtuͤrmen; erblickten ſie die Feinde vor den Thoren ſchon unter Waffen. Es hatte den Anſchein, als ob ſie ſich tapfer wehren wollten. Als aber des Herzogs Vortrapp und reiſiges Volk mit wildem Schlachtge⸗ ſchrei auf ſie losſtuͤrmte, kehrten ſie feig den Ruͤcken, und flohen durch das entgegengeſetzte Thor auf die Gebirge, um ihr elendes Leben in Sicherheit zu brin⸗ gen. Hierauf beſetzten die Kreuzſoldaten die Stadt: darin fanden ſie große Vorraͤthe von Fruͤchten, Wein, Nindern und Schafen, und ſo viele verſchiedene Klei⸗ dungs⸗Stoffe, daß man ſie faſt nicht viel mehr achtete. Man verweilte aber nur vier Tage in dieſer Stadt, und kehrte dann mit reicher Beute beladen zum Haupt⸗ heere zuruͤck. Des Kaiſers Marſchull, Heinrich von Kala⸗ tin, ein tapferer Krieger, wollte gleichfalls waͤhrend dieſer Ruhetage nicht muͤſſig ſeyn. Er naͤherte ſich dem beruͤchtigten, wohlbefeſtigten Kaſtelle Seben⸗ tion, uͤber welchem ein Moͤnchkloſter gelegen war, zwang die Einwohner durch Ueberrumpelung zur Ueber⸗ gabe, ließ dem Kaiſer der Teutſchen huldigen, und legte Beſatzung hinein. Den Abt deſſelben Kloſters aber, der aus Irland geboren war, fuͤhrte man zum Kaiſer, der ihn gnaͤdig empfing, und ihn ehrenvoll zu behandeln befahl. Auch wollten ſie alle verkaͤufliche Waaren dem Kreuz⸗ 256 Auch der Biſchof von Paſſau, und mit ihm des Herzogs von Meran Marſchall, zog mit einem Hau⸗ fen Gewaffneter vor eine Stadt, Bando uey ge⸗ nannt. Die Einwohner kamen ihnen jedoch hitzig ent⸗ gegen, und ſetzten ſich einige Zeit zur Wehre. Aber nach gewohnter Weiſe wandten ſie bald den Ruͤcken, und zogen ſich in die Stadt zuruͤck. Vor den Mauern auch ſchuͤtteten ſie nun einen Hagel von Steinen und Pfeilen uͤber die Kreuzbruͤder. Dieſe beſetzten hierauf alle Zugaͤnge zur Stadt, und ſandten zum Herzoge einen Boten, um Rath bittend, was ſie weiter unter⸗ nehmen ſollten? Allein bis ihr Gefandter wieder zu⸗ ruͤck kam, hatten die Einwohner, von Verzweiflung getrieben, die Stadt, worin viele Schaͤtze aufgehaͤuft waren, ſchon uͤbergeben, und mußten ſomit froh ſeyn, das nackte Leben davon zu tragen. Auch die Stadt, Pernis genannt, und wohl befeſtigt, ergab ſich auf Gnad und Ungnade den ſieggewohnten Kreuzfuͤrſten. Alſo unterjochte das Heer der Chriſten in kurzer Zeit 8 dieſe drei Staͤdte, und gegen zehn Schloͤger, mit den* umliegenden Gebieten. 4 Um dieſe Zeit kamen mehrere Armenier„ Uund ei⸗ nige zinsbare Bulgaren, zum Kaiſer der Teutſchen, und zu den Vornehmſten des Heeres, baten inſtaͤndig um Frieden fuͤr ſich, und um Schonung ihrer Ort⸗ ſchaften. Sie verſprachen ihre Unterwuͤrfigkeit, und beſtaͤtigten ihre treue Anhaͤnglichkeit mit einem Eide. 257 heere zufuͤhren, ſo lange daſſelbe bei Philippopo⸗ lis verweilte. Was ſie verſprochen, haben ſie ferner auch getreu gehalten. Inzwiſchen hatte der Kaiſer, der dem ganzen Kreuzheere immer treuer, wachſamer Fuͤrſorger war, Fuͤufmaͤnner aufgeſtellt, oder immer je fuͤnfzig Aufſeher der Soldaten, welche, unter den ihrigen gleichmaͤßig vertheilt, welche ſowohl in den Verhand⸗ lungen des Krieges, als in den beſondern Streitigkei⸗ ten der Gemeinen entſcheiden, und Recht ſprechen mußten, jedoch vorbehaͤltlich des Rechtes, an den Mar⸗ ſchall des kaiſerlichen Hofes zu appelliren. Der Kaiſer, immer noch beſorgt wegen der Ge⸗ fangenſchaft ſeiner erlauchten Geſandten, wollte zur Zeit den Hochmuth des griechiſchen Kaiſers, und die Beleidigung, welche der roͤmiſchen Geſandtſchaft zuge⸗ fuͤgt worden, ungeahnet laſſen, ſchickte auch abermals zwei Abgeordnete nach Konſtantinopel: den Stifts⸗ herrn Werner von St. Viktor zu Mainz, und den vortrefflichen Ritter Gottfried, nachdem er ſich jedoch zuvor von einigen griechiſchen Fuͤrſten die Verſicherung hatte geben laſſen, daß ſie auf ihrer Reiſe keine Gefahr laufen wuͤrden. Dieſe Maͤnner entledigten ſich auch ihres Auftrages bei dem griechi⸗ ſchen Kaiſer zur vollkommnen Zufriedenheit ſeiner teut⸗ ſchen Majeſtaͤt. Sie legten naͤmlich deutlich ai Tag, wie Kaiſer Friedrich niemals geſinnt geweſen ſey, eindlich gegen den Herrſcher von Konſtantino⸗ 258 pel außutreten, ſonſt wuͤrde er nicht die bulgari ſchen Edlen von ſich gewieſen haben, welche aihr grie⸗ chiſches Lehen dem teutſchen Scepter hatten unterwer⸗ fen wollen; ſonſt wuͤrde er ſich andern Großen und Maͤchtigen angeſchloſſen haben, welche ſich wider die griechiſche Herrſchaft verſchworen hatten. K. Jfaaks Ausreden, als ob er nur Nepreſſalien gebrauchen wolle, ſeien alſo eitel; damit koͤnnte er ſeine Schuld, des Kaiſers Geſandte, und das Kreuzheer beleidigt zu haben, nicht bemaͤnteln.— Ferner mußten die Geſandten dieſem griechiſchen Kaifer wohl in das Ge⸗ daͤchtniß zuruͤck fuͤhren, daß ſeine Abgeordneten auf dem Reichstage zu Nuͤrnberg ſich dem roͤmiſchen Kai⸗ ſer, und dem Krauzheere eidlich verbindlich gemacht haben, fuͤr ſicheres Geleit, und fuͤr die Ueberfahrt uͤber das Meer zu ſorgen, wovon aber bisher gar nichts erfuͤllt worden ſei. Unerhoͤrt aber ſei es ſeit Jahrhunderten, daß man Geſandte gefaͤnglich zuruͤck⸗ halte. Der griechiſche Monarch moͤchte dabei geden⸗ ken, wie ſehr ſein Ruf und ſeine Ehre vor der gan⸗ zen Welt dadurch befleckt werde, und wie ſehr er die „Wohlfahrt und⸗Ruhe ſeines Reiches gefaͤhrde.— Aber erſt nach langer Zeit, nach vielen nichtigen Ausreden, wurden die erſtern Geſandten, naͤmlich der Biſchof von Muͤnſter mit ſeinen Gefaͤhrten, freigelaſſen, und kamen mit der zweiten Geſandtſchaft in das Lager der Kreuzfahrer zuruͤck, wo ſie mit ungemeinem Jubel em⸗ pfangen worden ſind. Viele vergoßen Freudenthraͤnen, —— — 259. und mit lauter Stimme hoͤrte man die Worte des Evangeliums: Freuet euch, Bruͤder! denn ſehet, eure Bruͤder waren todt, und ſind wieder lebendig worden; ſie waren verloren, und haben ſich wieder gefunden. Selbſt der Kaiſer konnte ſich nicht der Thraͤnen enthalten, da er die Maͤnuer wieder erblickte, welche dem Kreuzheere ſo theuer waren, und von de⸗ nen er nur mehr ſchwache Hoffnung hatte, ſie aus den Schlingen des Todes„ und aus dem Rachen der Wolfe befreien zu koͤnnen. Mit dieſen Geſandten erſchienen aber zu gleicher Seit griechiſche Edle, naͤmlich der Kanzler des Kai⸗ ſers, und andere vier Vornehme, welche die Griechen Sebaſtier zu nennen pflegen. Sie entledigten ſich des Auftrages ihres Herrn dadurch, daß ſie die Ueber⸗ fahrt uͤber den Helleſpont, die lange verſprochene Ver⸗ ſorgung des Heeres mit Lebensmitteln, gegen billigen Preis auf der Stelle auszufuͤhren verſprachen. Allein auch hietin lag wieder eine Schlinge fuͤr das Kreuz⸗ heer. Er wollte es zur Winterszeit uͤber das Meer fuͤhren, um die Unerfahrenen, oder Unvorſichtigen, deſto leichter in die Haͤnde der Duͤrken, und ſeiner ei⸗ genen Leute zu liefern. Es waren der Fahrzeuge nur wenige. Dadurch waͤre geſchehen, daß nur einige der Kreusbruͤder zu gleicher Zeit uͤber den St. Georgen⸗ Arm geſetzt worden waͤren: die andern haͤtten ſich inzwiſchen noch am jenſeitigen Ufer, oder auf dem Meere befunden. Alſo getheilt, wuͤrden ſie eine ſichere 260 Beute ihrer Feinde geworden ſeyn. Das Vor⸗Meer, von dem die Sprache iſt, wird von den Einwohnern des Landes St. Georgen⸗Arm geheißen, und be⸗ findet ſich zwiſchen Siſton und Abydon. Auch nennt man es Helleſpont, welchen Namen ihm die alte, bekannte Fabel des Frigus und der Hellas giebt. Eben ſo heißt es Propontis(Vor⸗Meer), weil es gleichſam vor dem Meere liegt, und zwiſchen dem Einſturz zweier ſehr großer Fluͤſſe, der Tanais und der Donau. Langſam muͤndet es bei dem alten Troja in das tyreniſche, oder adriatiſche Meer.— Dieſe Meerenge zu uͤberſchreiten, war fuͤr die Kreuzfahrer immer gefaͤhrlich; man ſagt: ein ge⸗ branntes Kind fuͤrchte das Feuer. Auch die Teutſchen waren behutſamer geworden; die Hinterliſt der Grie⸗ chen hatte ſie gewitziget, und die getreuern Armenier waruten den Kaiſer auf allen Wegen, ſo daß dieſer beſchloß, auf keine Weiſe ſeine gegenwaͤrtige Stellung zu verlaſſen, ehe er nicht durch auserwaͤhlte C ſeln der Treue ſeines Gegners Iſaak verſichert wor⸗ den waͤre. Am zweiten Tage, nachdem die gefangenen Ge⸗ ſaudten wieder in das Lager der Ihrigen zuruͤckgekom⸗ men waren, erzaͤhlten ſie vor den verſammelten Fuͤr⸗ ſten, dem Clerus, und der Ritterſ aft ausfuͤhrlich, in welcher erbaͤrmlichen Lage ſie ſich befunden hatten. Ihre ſchaͤndliche Gefangenſchaft, ihre Pluͤnderung, den erlittenen Spott, und die Uubilden aller Art ſchil⸗ — 261 derten ſie mit den lebhafteſten Farben. um ſie recht zu kraͤnken, ſuchte der griechiſche Kaiſer die beſten ih⸗ rer Pferde aus, und gab ſie dem Geſandten des Sa⸗ razenen Sala⸗heddin zum Geſchenke. Ferner er⸗ zaͤhlten ſie(was auch hier ſchon einmal angefuͤhrt worden), daß der Patriarch von Konſtantinopel zum Volke geprediget, die Kreuzfahrer Hunde genannt, und verſichert habe: daß, wer hundert derſelben ums Leben braͤchte, fuͤr 10 andere Mordthaten, die er etwa an Griechen veruͤbt haͤtte, Verzeihung finde.— Nach dieſen ergreifenden Schilderungen wurden die griechi⸗ ſchen Abgeordneten zur Audienz gelaſſen; unter ihnen war des Kaiſers Kanzler. Nach den gewoͤhnlichen Empfangsformeln uͤberreichte er die Briefe ſeines Herrn, voll Falſchheit und Betrug, mit dem Ver⸗ ſprechen der freien Zufuhr, und der Ueberfahrt uͤber den Helleſpont zwiſchen den Staͤdten Abydon und Siſton. Allein weder in Schriften, noch in Worten war Wahrheit. Schon am Eingange, in den Begruͤßungsformeln des Briefes war eine Beleidigung fuͤr alle Ohren teut⸗ ſcher Maͤnner enthalten. Denn der griechiſche Uſur⸗ pator Iſaak nannte ſich darin einen Kaiſer der Roͤ⸗ mer; den teutſchen Kaiſer hingegen nicht anders, als einen Koͤnig.— Friedrich Barbaroſſa war aͤußerſt daruͤber entruͤſtet; er ſprach: Die ganze Welt weiß, daß es nur Einen roͤmiſchen Kaiſer giebt, wie es nur Einen Schoͤpfer der Welt, und nur Einen roͤ⸗ 262 miſchen. Papſt giebt. Mehr als dreifig⸗Jahre fuͤhre ich nun unangefochten den Seepter des roͤmiſchen Kai⸗ ſers; alle Koͤnige, alle Fuͤrſten wiſſen es, und zu Rom, aus den Haͤnden des Papſtes habe ich die Krone er⸗ halten. Mehr als dreihundert Jahre ſchon ſind die Vorgaͤnger meiner Herrſchaft eo miſche Kaiſer ge⸗ weſen. Wie mag ſich nun Euer Herr, Konſtanti⸗ nopels Kaiſer, dieſen Namen beilegen; er weiß doch, daß Ich es ſey, der ſich Friedrich, Kaiſer der Roͤ⸗ mer nennt.— Doch, hat er nicht des Uebels noch⸗ mehr gethan? Hat er nicht meine Geſandten, edle Maͤnner, bezeichnet mit dem Kreuze, in ſchmaͤhlicher Gefangenſchaft gehalten, ſie ihrer Habſeligkeiten be⸗ raubt, und mit unſaͤglichen Beſchimpfungen uͤberhaͤuft. Sagt daher eurem Gebieter: Wenn er den Meinigen nicht das Geraubte zuruͤck giebt, wenn er nicht die ihnen zugefuͤgten Unbilden verguͤtet, mie in ſeinen Briefen nicht die gebuͤhrende Ehre bezeuget, auser⸗ waͤhlte Geiſeln zur Beglaubigung ſeiner Treue ſtellt, uns Zufuhr und billigen Preis der Lebensmittel, wie ſichere Fahrt uͤber das Meer verbuͤrgt; ſo moͤge er uns fernerhin mit Geſandten ſowohl, als mit Briefen verſchonen. Wir aber werden, mit Gottes Huͤlfe, unſern ferneren Weg mit dem Schwerte in der Hand wohl zu finden wiſſen. Die Geſandten brauchten hierauf die Ausrede: daß es nicht bei ihnen ſtehe, die Majeſtaͤt der Teut⸗ ſchen vollkommen zu beruhigen; jedych ſuchten ſie den — 8 263⸗ Kaiſer durch verſchiedene Umſchweife, und ungewiſſe Verſprechungen zu hintergehen. Friedrich aber hoͤrte ſie wenig mehr an, und ſo mußten ſie unverrich⸗ teter Sache wieder nach Hauſe wandern. Nicht ohne Wirkung ſchien Friedrichs nach⸗ drucksvolle Rede geweſen zu ſeyn; denn im naͤchſten Briefe nannte der griechiſche Kaiſer den teutſchen Mo⸗ narchen wirklich einen Kaiſer der Roͤmer, ſetzte jedoch⸗ bei: und Koͤnig der Teutſchen. In einem zweiten. Briefe nannte er ihn einen großmaͤchtigſten teutſchen. Kaiſer, jedoch nur mit dem Beiſatze: Hoͤchſtberuͤhm⸗ ten Kaiſer des alten Roms. Sich ſelbſt aber nannte er in den Eingangsformeln:„Iſaak, in Chriſtus getreuer, von Gott gekroͤnter, himmliſch erhabener, maͤchtiger, großmaͤchtiger Erbe der Krone des großen Konſtantins, Erhalter, und Engel der Roͤmer“ ꝛc., dann fuhr er fort:„unſeren vielgeliebten Bruder, dem hoͤchſtberuͤhmten Kaiſer des alten Roms, dem Koͤnige Teutſchlands, unſern bruͤderlichen Gruß und Will⸗ komm“ ꝛc. Inzwiſchen war beſchloſſen, von Philippopolis aufzubrechen, und als man ſich hiezu bereitete, kam ein Geſandter des Koͤnigs Bella von Ungarn mit einem Briefe zum Kaiſer, aus welchem Jedermann leicht abnehmen konnte, daß dieſer Koͤnig weniger ein Freund des Kaifers, als vielmehr ein unermuͤdeter Anſtifter zum Untergange Aller war, ohne zu beden⸗ ken, das im Heere der Kreuzfahrer ein ihm theuerer 254 Verwandte, Schwabens erlauchter Herzog, lebte. Es ſtellte aber gedachter Koͤnig in ſeinem Briefe die Bitte, man moͤchte alle Ungarn, die ſich bei dem Kreuzheere befanden, auf ihr Verlangen wieder ungehindert nach Hauſe ziehen laſſen, weil es doch nicht ſcheine, daß man weiter gehen wolle. Dadurch glaubte er das Kreuzheer zu ſchwaͤchen; allein aus der bald erfolgten Nuͤckkehr der Ungarn war dieß keineswegs fuͤhlbar. Kaiſer Friedrich verſchob die Antwort fuͤr den Au⸗ genblick; er war zu ſehr beſchaͤftigt, den Abzug von Philippopolis zu ordnen, und zugleich fuͤr die Sicherung dieſer Stadt zu ſorgen. Denn wenn ſie von allen den Seinigen waͤre verlaſſen geweſen, ſo haͤtte ſie leicht wieder von den Feinden beſetzt werden, dieſem zum Schutze, ihm aber zum großen Nachtheile ſeyn koͤnnen. Er waͤhlte alſo fuͤnf Biſchoͤfe aus dem Heere, mit allen den Ihrigen. Dieſe waren: der Biſchof von Lorch, der Erzbiſchof von Tarent, die Biſchoͤfe von Luͤttich, Paſſau und Muͤnſter. Noch geſellte er ihnen andere, vortreffliche Ritter und auserleſenes Kriegsvolk bei; und ließ auch einen großen Theil des Feldzeuges zuruͤck. Nach dieſer Vorſorge verließ er im Novembermonate Philippopolis, und trat die Reiſe nach Adrignopel an. An der Graͤnze daſelbſt ſtand wieder das vereinte Heer der Griechen; die Kreuzfahrer hingegen zogen fort, und ka⸗ men am dritten Tage bei dem Staͤdtchen Bliſimos an, wo ſie ſieben Tage hielten, weil der Kaiſer 265 waͤhrend der Zeit den Fuͤrſten, die er in Philippo⸗ polis zuruͤck gelaſſen, heimliche Dinge mitzutheilen hatte. Als hierauf das Heer langſam vorwaͤrts ruͤckte, und ſchon nicht weit vor Ad rianopel war, erlaubte der Kaiſer den mitgezogenen Haufen der Ungarn, daß ſie wieder zuruͤckkehren koͤnnten in ihr Vaterland, zu ihrem Koͤnige, und ach! zu ihren aͤgyptiſchen Fleiſch⸗ toͤpfen, die ſie verlaſſen hatten, und nach welchen ſie ſich ſo ſehr ſehnten. Nur drei ungariſche Grafen, oder Barone, blieben ferner bei dem Kreuzheer; ſechs an⸗ dere mit ihrem Volke, und der Jazarenſer Biſchof ſind nach Hauſe gezogen. Mit ihnen ſchickte der Kai⸗ ſer 2 Boten: einen ſeinem Sohne, dem roͤmiſchen Koͤnig, und den Fuͤrſten des Reiches, damit ſie wuͤß⸗ ten, wo ſich jetzt das Kreuzheer befaͤnde; den andern aber an den Koͤnig von Ungarn, um ihn umſtaͤndlich darzuthun, wie falſch und hinterliſtig ſein Eidam, naͤmlich der Kaiſer von Konſtantinopel, bisher dem Kreuzheere zu ſchaden geſucht habe. Dieſe Boten ka⸗ men ohngefaͤhr um Weihnachten, nach einer gluͤckli⸗ chen Reiſe, bei der ungariſchen Stadt Czileburg an, und fanden daſelbſt auch den Koͤnig Bella. Noch im Dezember gelangte auch das Kreuzheer, nachdem es den Griechen auf dem Fuße nachgefolgt, und oft durch das Lager, welches ſie hin und her bereitet, und wieder verlaſſen hatten, gezogen war, endlich bei Adrignopel an. Auch dieſe Stadt war von den Einwohnern verlaſſen; die Teutſchen aber zo⸗ 12tes B. Paläſtina. I. 3. 2 gen mit Freude ein, um ſie zu bewohnen, und ſo den Winter verſtreichen zu laſſen. In der Zwiſchen⸗ zeit eroberte Biſchof Konrad von Regensburg, unter Leitung eines— bei dem Zuge befindlichen Regensbur⸗ ger Buͤrgers, welcher der griechiſchen Sprache, und des Landes kundig war, die Stadt Perbaton, mit bewaffneter Hand, von den fliehenden Griechen, und fand dort einen Ueberfluß von aller Nothdurft fuͤr ſich und die Seinigen. Der Herzog von Schwaben hin⸗ gegen zog vor Timoticon oder Demothiko, welches eine wohl befeſtigte Stadt war, und von den tapferſten und muthigſten der dumanen und Grie⸗ chen vertheidiget wurde. Allein ſeiner kriegeriſchen Tapferkeit vermochten ſie nicht zu widerſtehen. Ohn⸗ geachtet ſich die Beſatzung auf das tapferſte wehrte, indem es auf die Befeſtigung des Ortes trotzen zu duͤr⸗ fen glaubte, ſo ſtuͤrmten die Kreuzfahrer doch nur deſto heftiger wider ſie. Hugo, ein Ritter aus Worms, beſtieg zuerſt mit ſeinem Faͤhnlein auf einem der ſchwie⸗ rigſten Punkte die Mauern, und brach herzhaft unter die Feinde ein. Des Herzogs Panner⸗Traͤger, wie Marſchall Dittmar, denn die uͤbrigen Krieger erbra⸗ chen hierauf die Thore, drangen muthig und kaͤm⸗ pfend in die Stadt, obwohl ihrer viele von Pfeilen und Wurfſpießen verwundet, und drei der Krieger getoͤdtet worden ſind. Dagegen mußten alle Einwoh⸗ ner, Weiber und Kinder ausgenommen, uͤber die Klinge ſpringen; man hielt die Zahl der Getoͤdteten 267 uͤber eintauſend fuͤnfhundert. Unter der Beute, die ſich in der Stadt vorfand, erkannte ein Reitersmann auch ſeine drei Pferde, welche ihm auf dem Zuge durch Bulgarien waren geſtohlen worden. Doch wir wollen auch erzaͤhlen, wie gerecht Got⸗ tes Rathſchluß, und der Krieg gegen ungerechte Feinde iſt: denn es trug ſich etwas zu, was mit Stillſchwei⸗ geu nicht uͤbergangen werden darf. Es fand ſich in der vorbenannten Stadt ein ungeheuer großes Ge⸗ ſchirr voll Wein, der mit dem heftigſten Gifte gemiſcht war, damit die Kreuzfahrer, wenn ſie ihn finden wuͤr⸗ den, unwiſſend des Boͤſen davon trinken ſollten; allein dieſes Mal waltete Gottes Barmherzigkeit. Sie enthiel⸗ ten ſich davon, brachten aber dieſes Getraͤnke freudig zu ihren Kameraden. Schon wollten dieſe davon koſten, als man bemerkte, daß Einige aus dem Griechenvolke heimtuͦ⸗ ckiſch laͤchelten, als ob nun die letzte Stunde ihrer ungebe⸗ tenen Gaͤſte ſchon geſchlagen haͤtte. Dieſes erweckte bei den Kreuzbruͤdern ſogleich den Verdacht einer Vergiftung; ſte reichten alſo einen Becher dieſes Weines einem der voreiligen Spoͤtter hin. Allein dieſer ſtieß ihn ſogleich mit Schrecken zuruͤck, und konnte auf keine Weiſe zum Trinken bewogen werden, bis man ihm den Mund oͤffnete, und das toͤdtliche Getraͤnk mit Ge⸗ walt zum Verſchlingen hinein ſchuͤttete. Aber wun⸗ derbar iſt es! Kaum war der ſchaͤdliche Wein dem Ungluͤcklichen in die Kehle gedrungen, ſo trieb ihm die Gewalt des Giftes ſogleich die Augen hervor; er 268 fiel zur Erde, und wurde halb todt verlaſſen, waͤh⸗ rend einige der Kreuzfahrer, welche von dem naͤmli⸗ chen Getraͤnke auch gekoſtet hatten, weiter nichts, als berauſcht waren. 3 Der Truchſeß, und der Mundſchenk des Kaiſers hatten mit ihren Gefaͤhrten den feſten Platz Nikiz eingenommen. Auf Veranlaſſung des Kaiſers von Konſtantinopel war auch hier uͤberall Gift ver⸗ theilt, und einige Wegweiſer oder Dolmetſcher warn⸗ ten die Teutſchen, nicht von dem Weine dieſes Lan⸗ des zu trinken: denn ſie wuͤßten, daß er vergiftet ſey. Man machte dieſes allgemein bekannt; allein deſſen ungeachtet tranken die Diener, ja ſelbſt die Soldaten und Geiſtlichen, auf Gottes Barmherzigkeit vertrauend, ſtandhaft dieſen Wein, brachten ihn ihren Herren, und ſiehe! obſchon dieſe davon genoſſen hatten, ſo nahmen doch weder die Einen, noch die Andern den geringſten Schaden davon. Hingegen, wenn man zur Erfor⸗ ſchung der Wahrheit einem Griechen den Trank mit Gewalt einſchuͤttete, ſo erbleichten dieſe augenblick⸗ lich; ein dichter Schaum draͤngte ſich vor ihre Lippen, die Augen verdrehten ſich fuͤrchterlich, und bald gaben ſie ihren Geiſt auf⸗ Es war nun ganz ſicher, daß die Kreuzfahrer mit Gift verfolgt wurden, ſeit ſie Bulgarien betreten hatten; doch mit Gottes Hilfe ldar ihnen dieſe Ge⸗ fahr zum Heil. In der Zeit, als die Beſatzuns von Philippo⸗ I 269 polis waͤhrend des Aufenthaltes einiger Wochen da⸗ ſelbſt, rings von Feinden umgeben„ die Stellung der Griechen und des Kreuzheeres nicht mit Gewißheit erkundſchaften konnte, ſchickte der Kaiſer nach gehal⸗ tenem Kriegsrathe Berthulf, den Herzog von Dalmatien, ferner den Grafen von Holland, und an⸗ dere auserleſene Ritter, mit zwoͤlfhundert wohl be⸗ waffneten Gefaͤhrten nach Philippopolis, um Mannſchaft und Gepaͤck ſicher zum Hauptheere zu be⸗ gleiten. Ehe dieſer Streifzug an den Ort ſeiner Be⸗ ſtimmung kam, hatte der Biſchof von Paſſau ſich bei Bacon mit einem Haufen von Griechen in einen Kampf eingelaſſen, und mehrere von ihnen getoͤdtet. Allein auch von den Teutſchen gingen hier vier Ritter, und vierzehn an dere Maͤnner, die ſich nicht behutſam genug vor den Nachſtellungen der Feinde zu huͤten wußten, elend zu Grunde. Bald aber kam der Her⸗ zos von Dalmatien und ſeine Begleiter herbei, um das Blut der Bruͤder zu raͤchen. Sie ſuchten die Hoy⸗ den dieſer Griechen auf, fanden ſie gluͤcklich bei Ba⸗ Lou, trieben ſie bis Philippopolis vor ſich er, wo die Beſatzung ihnen in den Ruͤcken ſtel, und mehr als Dreihunderten die Kehle abſchnitt. In der Ge⸗ gend von Gradhicz fanden die mit bewaßneter Hand Herumſtreifenden mehrere Gemaͤlde, ſowohl in Kirchen, als in Privathaͤuſern, welche Kreuzbruͤder vorſtellten, denen Griechen auf dem Nacken ſaßen, von welchen ſie dann feindlich durchbohrt wurden. Die 270 Kreuzfahrer nahmen dieſe bildliche Vorſtellung ſo uͤbel auf, daß ſie dergleichen Kirchen und Haͤuſer in Brand ſteckten, viele Einwohner toͤdteten, und das Land umher pluͤnderten und verwuͤſteten. Friedrich von Berg war mit einer auserleſe⸗ uen Schaar vorausgegangen, und fand einen Gebirgs⸗ Paß von Feinden wohl beſetzt. Ohngeachtet man Steine und Felſen auf die Teutſchen herab rollen ließ, ſo machten ſich dieſe doch bald zum Weiſter der An⸗ hoͤhe, und fielen dann in eine reiche Gegend ein, Fla⸗ chien genannt, nicht weit von Theſſalonien. Wer ſich hier widerſetzte, wurde umgebracht; auch fand man hier einen ſolchen Ueberfluß von allen Le⸗ bensbeduͤrfniſſen, daß man nicht einmal alles weg⸗ ſchleppen konnte. Zum Gluͤcke kamen der Biſchof von Paſſau, und der Herzog von Dalmatien nach, und leerten das Land vollends aus. Man begegnete hier auch einem vornehmen bul⸗ gariſchen Edelmann, der aber fuͤr ſich und ſeine Laͤn⸗ dereien um Schonung und Frieden bat, was ihm ge⸗ ſtattet worden iſt. Aber auch einige der Kreuzbruͤder kamen hier in große Gefahr: dieß waren Arnold von Hornberg, edel von Geſchlecht, edler noch durch die Standhaftigkeit ſeines Geiſtes; ferner, ſechs⸗ zehn ſeiner Gefaͤhrten, Maͤnner von ausgezeichnetem Ruhm, z. B. Germanus von Luͤttich und an⸗ dere. Sie ruͤſteten ſich zum Kampfe gegen Griechen und Kumanen gar wohl; allein ploͤtzlich ſahen ſie ſich ——————Bn———y 271 von mehr als dreihundert feindlichen Reitern umzuͤn⸗ gelt, und keine Huͤlfe oder Zuflucht um ſich weit und breit. Doch der tapfere Arnold erhob ſeine Stimme, und ermahnte alle: lieber im Kampfe ruͤhmlich unter⸗ zugehen, als ſchaͤndlich zu fliehen. Da erhoben die wackern Kaͤmpfer ihre Augen vertrauungsvoll zum ge⸗ heiligten Zeichen des Kreuzes, und nun war wohl wunderbarlich, zu ſehen, wie ſich ſiebzehn Maͤnner mit dreihunderten der Feinde gußerordentlich tapfer ſchlugen, drei der feindlichen Anfuͤhrer toͤdteten, drei zur Erde ſtreckten, viele verwundeten, und die uͤbri⸗ gen in die Flucht jagten. Dieß alles geſchah bei Philippopolis. Der teutſche Kaiſer, obwohl er an Kriegsmacht den Griechen weit uͤberlegen war, verlor doch niemals den Zweck ſeines Zuges aus den Augen. Er war ge⸗ kommen, das heilige Grab den Haͤnden der Unglaͤu⸗ bigen zu entreißen; ihm war alſo jede Zoͤgerung zu⸗ wider, welche ihn von Erreichung ſeines Endzweckes zuruͤck hielt. Sein langer Aufenthalt im griechiſchen Reiche war ihm unangenehm; Chriſtenblut zu ver⸗ gießen, ſchien ihm ein Greuel; nur gezwungen hatte er die haͤufigen Gefahren, die ſich ihm bisher entgegen ſtellten, mit bewaffneter Hand abzuwenden geſucht. Friedrich Barbaroſſus ſendete daher noch einmal Botſchafter nach Konſtantinopel, mit dem Verlangen, die vorigen Unbilden dadurch gut zu machen, daß man nunmehr ſeine Geſandten mit Frie⸗ 272 den und Freundſchaft behandle: denn ſie waͤren ge⸗ kommen, alle Zwiſtigkeiten auszugleichen, ſo wie Friede und Freundſchaft zwiſchen den beiden Kaiſern herzu⸗ ſtellen. Gerne wolle er mit ſeinem Heer das griechi⸗ ſche Reich verlaſſen, nach Aushaͤndigung der verlang⸗ ten Geißeln den Helleſpont uͤberſchiffen, und mit aller Macht nach dem gelobten Lande dringen, um es zu befreien. Es muͤſſe dieß dem griechiſchen Kaiſer felbſt erwuͤnſcht ſeyn, da er wohl einſehe, wie er der Gewalt der Fremdlinge nicht widerſtehen koͤnne, und muͤſſig zuſchauen muͤſſe, wie manches ſchoͤne Stuͤck ſeines Landes verheert werde.— Allein der griechiſche Hof war immer noch nicht geneigt, ſich in den Wil⸗ len der Teutſchen zu fuͤgen; die Geißeln blieben aus, und andere, weſentlich nothwendige Dinge wurden verweigert. Friedrich und die Fuͤrſten des Kreus⸗ heeres aber glaubten ſich nun auch an keine Vertraͤge mehr gebunden, und die griechiſchen Geſandten wur⸗ den entlaſſen, indem man ihnen eine foͤrmliche Kriegs⸗ Erklaͤrung auf den Heimweg mitgab. Der Haß ge⸗ gen die Griechen nahm immer mehr zu. Ein gewiſſer Kalopeter hatte ſich in dem groͤß⸗ ten Theile von Bulgarien, und in den aͤußerſten Graͤnzen von Thrazien, die Oberherrſchaft angemaßt, und verlangte ſogar, daß man ihn zum Kaiſer er⸗ nennen, und Griechenland's Krone aufſetzen ſollte. Er verſprach dann dem Kaiſer Friedrich, mit der beginnenden Fruͤhlingszeit vierzig tauſend Mann Bla⸗ 2 273 zier und Kumanen, mit Bogen und Pfeilen wohl bewaffnet, gegen Konſtantinopel zu ſchicken. Dem Kaiſer war dieſe Nachricht zur Zeit nicht unangenehm; er bezeugte daruͤber denn Kalopeter ſogar ſein Wohlgefallen. Der ruhmwuͤrdige Herzog von Schwaben war in dieſen Zeiten dem Kreuzheere ein beſonderer Troͤſter. Er zog naͤmlich beſtaͤndig aus, Fuͤtterung und Mund⸗ vorrath, wie alles Nothduͤrftige herbei zu ſchaffen; ja er ſorgte unermuͤdet fuͤr die Wohlfahrt des Heeres. Deßwegen gab man ihm ſcherzweiſe, jedoch gut ge⸗ meint, den Namen Brodvater, oder Verwalter der Kreuzzuͤgler. Er zog mit faſt dreihundert Mann von Adrianopel weg, gelaugte nach Mazedonien, und zur Stadt Kulos. Er bemaͤchtigte ſich derſelben, wie noch zweier anderer Plaͤtze. Alle Griechen flohen vor ihm; und ſo ſchritt er denn auch immer weiter fort, unerſchrocken, bis er an das Meer kam, und zur befeſtigten Stadt Menas, beruͤhmt durch den ehema⸗ ligen Wohnſitz des Menelaus und der Helena, in grauer Vorzeit. Dieſe Stadt war vom Meere, bis auf einen einzigen Punkt, ganz umfloſſen. Der Her⸗ zog griff ſie herzhaft an, ließ den Einwohnern kaum ſo viel Zeit, auf Schiffen zu entfliehen, und fuͤhrte daun ſelbſt große Beute davon. So ſchnell als er die Staͤdte eroberte, ſo ſchnell verließ er ſie wieder: denn es war den Kreuzfahrern, welche nur nach dem Beſitze des himmliſchen Jeruſalems ſtrebten, nicht darum zu 274 thun, ſich in Griechenland eine bleibende Staͤtte zu ſuchen. Kaum war dieſer Herzog wieder nach Adrian⸗ opel zuruͤck gekommen, als er ſegleich aufbrach, und ſich nach einem ausgedehnten Walde wandte. Darin waren viele Berge und ein Ort, welchen die Natur außerordentlich befeſtiget hatte. Von hier hatten die Kreuzfahrer bereits manches Unbild zu leiden gehabt: ein Hagel von Wurfſpießen kam uͤber ſie, und wenn ſie ſich unſahen, waren die Urheber ſchon wieder in die Waͤlder entflohen. Der Herzog kaͤmpfte auch da⸗ gegen gluͤcklich, baid mit dem Schwerte, bald mit Pfeilen, verjagte die Einwohner, und trug große Beute davon. So wohl bei dieſer, als bei aͤhnlichen Streife⸗ reien that ſich Konrad, Graf von Dornberg, ein beherzter, und guter Kriegsmann, immer vortheilhaft hervor. Dieſe Bergbewohner, und jene, welche ſich in den genannten Waldungen aufhielten, ſchickten ſpaͤter zum Kaiſer, baten um Frieden und Schonung, verſprachen, Lebensmittel herbei zu fuͤhren, und den Kreuzbruͤdern in allen Wegen, wo dieſe, etwa von anderen ihrer Landsleute beunruhiget wuͤrden, beizuſtehen. Zum Zeichen ihrer Unterwuͤrfigkeit brachten ſie 18 Pferde mit, welche fruͤher einige der Ihrigen dem teutſchen Heere abgenommen hatten. Dem Kaiſer war daran gelegen, die verſprochene Zufuhr von ihnen zu erhalten, er be⸗ ruhigte ſie alſo durch Bewilligung ihrer Bitte, und 275 gab ihnen, um ſich ihres gegebenen Wortes mehr zu verſichern, einen gewiſſen griechiſchen Abt aus Adrian⸗ opel mit, wie von ſeinen eigenen Leuten einen be⸗ rittenen Boten. Allein dieſe wurden ſchon in der er⸗ ſten Nacht, da ſte im tiefen Schlafe lagen, von herum⸗ ſtreifenden Feinden uͤberfallen, gliederweiſe zerriſſen, alſo auf das grauſamſte getoͤdtet. Die Waldbewohner batten bald hierauf einen Anfuͤhrer dieſer grauſamen Menſchen zum Gefangenen gemacht, und hingen ihn ſogleich am Galgen auf, um zu zeigen, daß ſie und die Ihrigen an dem graͤßlichen Morde der kaiſerlichen Abgeordneten nicht Schuld ſeien. Alſo wurde der Haß des Kreuzheeres gegen die Griechen immer gluͤhender, und die Lebensmittel, die man den Deutſchen verweigerte, holten ſie ſich nun⸗ mehr mit Gewalt von ihren Feinden, ja ſelbſt bis zum Ueberfluſſe. Dieſes fuͤhrte bald zum Wohlleben; Aus⸗ ſchweifung und Muͤſſiggang oͤffneten zuletzt auch allen Laſtern Thuͤr und Thor. Der Glanz des erbeuteten Goldes erregte einen foͤrmlichen Durſt nach ihm im ganzen Kreuzheere. Die Erlaubniß, ſich Lebensmittel, die man ihnen zum Kaufe verweigerte, ſelbſt und mit — Gewalt ſuchen zu duͤrfen, dehnten ſie nunmehr zu weit aus, und Raͤubereien aller Art wurden begangen. Geitz und Habſucht verſcheuchte bald alle Menſchen⸗ liebe und Gerechtigkeit unter den Bruͤdern des Kreu⸗ ies, ſie mochten zu Adrianopel, im Kaiſerlichen Lager, oder zu Philippopolis ſeyn. Des Geitzes 276 Schweſterkind, der Neid, ſpaltete die Herzen Vieler, und ⸗die Einigkeit fing zu weichen an. Schwelgereien und Trunkenheit riſſen ſelbſt unter dem gemeinen Volke ſchaͤndlich ein. Der Kaiſer, und andere, in de⸗ ren Herzen noch Gottesfurcht wohnte, waren hoch dar⸗ uͤber entruͤſtet, und beſtraften die Laſterhaften, welche frech genug waren, ihr Weſen ungeſcheut vor ihren Augen zu treiben. Auch gab es mehrere, welche, von Gottes Geiſt, und fuͤr die Ehre ſeines Reiches getrie⸗ ben, die Unzuchttreibenden, deren ſie habhaft werden konnten, wuͤrdig beſtraften. Maͤnnern und Weibern, oͤffentlich entkleidet, wurden die Haͤnde auf den Nuͤk⸗ ken, und die Geſchlechtstheile zuſammen gebunden. Dann fuͤhrte man ſie zum abſchreckenden Beiſpiele durch die ganze Stadt, tauchte einen um den andern bei der ſtrengen Winterzeit, welche eben herrſchte, in die eiskalten Wellen des vorbeifließenden Stromes, und jagte ſie dann unter wohlverdientem Spotte davon. Inzwiſchen war auch der griechiſche Kaiſer etwas zur Beſinnung gekommen. Die Verheerungen ſeines Reiches, die Pluͤnderung ſeiner Staͤdte konnte ihm natuͤrlich nicht gleichguͤltig ſeyn. Da fing er dann an, ſich mit vielen Umſchweifen und ſchriftlichen Un⸗ terhandlungen zu naͤhern. Zuletzt ſchickte er ſeine zwei, ehemals ſchon abgeordaete, Geſandte wieder, weiche um Frieden bitten mußten. Sie brachten ihre alten Verſprechungen zum Markte: Zufuhr der Lebensmit⸗ tel, und eine binlaͤngliche Anzahl von Schiffen zur 277 Ueberfahrt uͤber den Helleſpont. Auch wollten ſie, zur Bekraͤftigung des Verſprechens, und zur Sicherung ihrer Treue die verlangten Geiſeln ſtellen., Friedrich nahm die Gefandtſchaft ſehr gut auf, und ordnete nun von ſeiner Seite auch wieder anſehn⸗ liche Maͤnner ab, z. B. Berchtolden, Edlen von Koͤnigsberg, Marquard von Neuburg ee. welche ſich von der Wahrheit des Verſprechens uͤber⸗ zengen, und dann die Bedingniſſe feſtſetzen ſollten, un⸗ ter welchen es nicht zu fernern Feindſeligkeiten zwi⸗ ſchen den beiden Kaiſenn kommen ſollte. 1: es B; In denſelben Tagen kam auch der kaiſerliche Bote Eberhard aus Ungarn zuruͤck, und brachte Briefe vom Koͤnige Bela, um ſie an ſeinen Schwager, den Kaiſer von Konſtantinopel zu befoͤrdern. Darin beklagte er ſich, uͤber deſſen Eigenſinn, der ihm allein vorzuͤglich zum großen Schaden gereiche: denn das ſieghafte Heer der Kreuzfahrer verwuͤſte ſein Land. Als König Bela die Zerſtoͤrung der Stadt Tymo⸗ ticon vernahm, anderte ſich ſeine gute Miene au⸗ genblicklich gegen den Geſandten, und ihm wurden ferner, nicht mehr wie vorher, vom koͤniglichen Hofe, die taͤglichen Beduͤrfniſſe verabreicht. Auch brachte Eberhard die Nachricht von der Abreiſe der Koͤnige von Frankreich und England, womit ſie den verſpro⸗ chenen Kreuzzug nach dem gelobten Lande bereits be⸗ gonnen haͤtten, und ſchilderte ferner das Erbarmungs⸗ wuͤrdige, das er auf ſeiner Reiſe durch Bulgarien 278 geſehen hatte. Die Einwohner hatten naͤmlich alle Leichname der Kreuzfahrer, zur Schmach des ganzen chriſtlichen Heeres, wieder ausgegraben. Indeſſeu rief der Kaiſer ſeine Streithaufen, welche noch immer bei Philippopolis gelagert waren, zuruͤck. Dieſe, von bitterem Haſſe gegen die Griechen getrieben, zuͤu⸗ deten die Stadt an, verheerten auf ihrem Wege, nach hinlaͤnglich genommener Beute, das Staͤdtchen Verot, und verweilten einige Tage vor Konſtan⸗ tia, um die Ankunft des Herzoges von Schwaben zu erwarten, welcher dem Fuͤrſten von Servien einen Beſuch abgeſtattet hatte. Zuletzt traf das ganze Kreut⸗ beer, behutſam vorwaͤrts ſchreitend, in der Umgegend von Adriauopel zuſammen. Allein auch hier konnte des Kaiſers Sohn keinen Augenblick muͤſſig liegen; er brach zum vierten Mal auf, und zog nach Archa⸗ dinopolis, einer Stadt, welche einſt Kaiſer Archa⸗ dius erbaut hatte. Von den Einwohnern wird ſie Argionopel genannt. Die Kreuzfahrer fanden den Ort unbeſetzt, ohne Vorrath und Lebensmittel; nur etwas Wein und Getreide brachten ſie mit ſich zuruͤck⸗ Auf dieſem Zuge will man eine merkwuͤrdige Erſchei⸗ nung geſehen haben. Es war naͤm ich in den erſten Stunden der Nacht der ganze Himmel ploͤtzlich er⸗ leuchtet, und ein ungeheuer großes Kreuz von blut⸗ rother Farbe ſchwebte laͤngere Zeit uͤber den erſtaunten Chriſten, welche freudig an ihre Bruſt ſchlugen, und: Herr Gott erbarme dich unſer! mit lauter 279 Stimme, dann andere fromme Geſaͤnge durch die ganze Nacht ertoͤnen ließen. 7 Bald nachher kamen auch die Geſandten aus Kon⸗ ſtantinopel wieder zuruͤck. Durch ſie erfuhr man, daß der griechiſche Kaiſer einen Tag vor der Kreuz⸗ Erſcheinung alle Gefangene, welche ſeit zwey und fuͤnf Jahren in ihren Ketten geſchmachtet hatten, freige⸗ geben habe. Gleich am folgenden Tage ſtieß das Kreuzheer auf einen großen, ſtreitbaren Haufen von Blaciern, und Kumanen, welche der griechiſche Kaiſer in Sold senommen hatte. Ihr Anfuͤhrer war abweſend, und ſo geſchah es, daß ſie ſogleich die Flucht nahmen, als die Teutſchen ſich genaͤhert hatten. Es wurden jedoch mehrere von ihnen, und auch einige Kreuzfahrer ge⸗ fangen, von welchen letztern fuͤnfzehn Mann ſogar das Leben verloren, unter dieſen ein Ritter, Namens Hugo von Fiſchbach. Der feindliche Anfuͤhrer ſchickte die gefangenen Chriſten mit der Bitte an den Herzog von Schwaben, daß man eine gleiche Zahl der Seinigen freigeben moͤchte, was auch geſchehen iſt. Auch Pferde, gleich Anfangs der Schlacht zuruͤck ge⸗ laſſen, gab man ihnen wieder, und empfing dagegen einige, die man ſelbſt verloren hatte. Hierauf ging der Herzog wieder nach Adrianopel zuruͤck. Es war aber auch ein Haufe von Boͤhmen ausgezogen, Beute zu ſuchen, wozu ſie vor allem anden Volke im Kreuz⸗ beere beſonders geſchickt waren. Sie geriethen in eine 280 Stadt am Ufer des Meeres, und fuͤhrten ſo ziemlich alles, was ſie dort fanden, mit ſich fort: Pferde, Mauleſel, Wein, Getraide, kurz alles, was ihrer Hab⸗ ſucht angemeſſen war. Dieſe Boͤhmen verſuchten es auch, eine faſt un⸗ zugaͤngliche, ganz mit Sumpf umgebene Stelle, wohin ſich viele Feinde mit all den Ihrigen verſteckt hatten, zu erobern. Nach vielen, uͤberwundenen Gefahren, ge⸗ lang es ihnen auch; ſie trugen große Beute davon. Zwei andere Abtheilungen des Kreuzheeres durchſtreif⸗ ten verſchiedene Theile Griechenlands. Die Eine, un⸗ ter der Anfuͤhrung des Biſchofs von Wuͤrzburg, kam gegen Blaconien in zwei von den Feinden verlaſ⸗ ſene Staͤdte, dieſe wurden mit bewaffneter Fauſt, und unter vielem Blut⸗Vergießen erobert. Hier allein ſol⸗ len uͤber fuͤnftauſend Menſchen getoͤdtet worden ſeyn. Eine andexe Stadt wurde den Flammen preis ge⸗ geben. Der andere Haufen, unter der Leitung des Gra⸗ fen von Abensberg, wandte ſich gegen Mittag, richtete unter den Feinden gleichfalls großen Schaden, und manche fuͤrchterliche Niederlage an. Man kam reichlich mit Beute beladen zuruͤck. Gerne beſchleunigte bei ſolchen Unfaͤllen der grie⸗ chiſche Kaiſer ſeine Friedens⸗Unterhandlungen. Faſt gleichzeitig mit unſern Geſandten, die wir ſchon ge⸗ nannt haben, erſchienen auch Konſtantinopels fruͤhere Abgeordnete wieder: Panſevaſtus n. Jakob. —— 281 Sie brachten dieſes Mal gute Botſchaft, und nahten ſich dem teutſchen Kaiſer unter ſchmeichelhaften Gluͤck⸗ wuͤnſchen, wegen Friede und Eintracht, die nunmehr unter beiden Monarchen herrſchen ſollten. Alle Unbilde, welche Griechenland durch das Kreut⸗ heer erlitten hatte: die Zerſtoͤrung der Staͤdte, die Niederlage von ſo vielen Tauſenden, ſollte vergeſſen werden, als ob Nichts geſchehen waͤre. Eine hinlaͤng⸗ liche Anzahl von Schiffen ſtehe bereit, ſie nach Gal⸗ lipolis und Syſtoy zu fuͤhren. Alle Krenzfahrer, ihre Habe, und ihre Pferde, ſollten auf zo großen, und 150 kleinen, wohlbemannten Schiffen*) uͤber das Meer kommen. Sie ſollten dem Kaiſer Friedrich zur voͤl⸗ ligen Verfuͤgung, mit allem Andern, was noch noͤthig iſt, uͤberlaſſen ſeyn, damit er ſich, und ſein ganzes Heer auf alle moͤgliche Weiſe ſichern koͤnnte. So lange er auf griechiſchem Boden ſei, ſollte ihm kein Leid mehr wiederfahren, und kein Hinderniß mehr obwal⸗ ten, die Schiffe ſogleich zu beſteigen. Gleichzeitig ſoll⸗ ten alle andern griechiſchen Fahrzeuge, von Abydus bis Konſtantinop el, unbeweglich am Ufer bleiben, und keine Fahrt unternehmen, bis das Kreuzheer am Ort ſeiner Beſtimmung angelangt ſeyn wuͤrde. Da⸗ durch ſollte jeder Verdacht einer Hinterliſt beſeitiget werden. Die griechiſche Landmacht ſollte, ſo lange *) nach Andern 1800 Schife. 12tes B. Paläſtinn. I. 3. 3 282 der roͤmiſche teutſche Kaſſer bei Konſtantinopel verweilte, vier Tag⸗Reiſen von dieſen Voͤlkern ent⸗ fernt ſeyn. Zwei Staͤdte, am Geſtade des Meeres gelegen, ſollten ihm zur Niederlage, und ſichern An⸗ haltspunkt eingeraͤumt werden; doch ſollten dieſe Staͤdte, und deren Einwohner nicht beſchaͤdiget werden. Achtzehn Geißeln, aus dem koͤniglichen Gebluͤte, ſoll⸗ ten dieſen Bund der Treue verſiegeln. Iſaak werde ſeines Bruders Sohn, Johann Angelikus An⸗ dronikus, ſechs oberſte Richter, und andere Edle ſenden; jedoch ſollten ſie unbeſchaͤdigt wiederkehren, ſobald die Ueberfahrt vollendet ſeyn wird. Uederdieß ſeien beordert, die teutſche Majeſtaͤt zu begleiten, und ihm ergeben zu ſeyn: der Sohn ſeines Vetters, Jo⸗ hannis Duka, der Sohn ſeiner Schweſter Tochter Manuel, mit noch einigen andern theuern Ver⸗ wandten. Auch dieſe ſollten unverletzt wiederkehren, wenn ſie den Kaiſer mit aller Sicherheit bis Phila⸗ delphia geleitet haͤtten. Sollten die Einwohner des Landes ſo unverſchaͤmt ſeyn, die Beifuhr der Lebens⸗ mittel zu verweigern; ſo moͤchten die Kreuzfahrer aus ihrer Mitte Gewalt⸗Haufen abſenden, und ſich auf alle Weiſe das Noͤthige ohne Verguͤtung verſchaffen. Pan ſevaſton, des Kaiſers Geſandte, werde indeſſen fuͤr die Verpflegung des Heeres auf das Beſte ſor⸗ gen. Der griechiſche Kaiſer verſpreche volle Verzeih⸗ ung allen ſeinen Unterthanen, welche dem teutſchen Kaiſer Dienſte geleiſtet haben, oder ſich noch bei ihm — ———’—’—ꝛ—— 283 befinden. Der Unterſchied aͤlterer und neuerer Muͤn⸗ zen ſollte aufhoͤren, ja, alles Moͤgliche geſchehen, um den Markt zu erleichtern, ſowohl waͤhrend der Ueber⸗ fahrt, als nachher, in den Gegenden von Klein⸗Aſten. Nach Zeit und Gelegenheit ſollte alles auf das Bit⸗ ligſte, ohne den gerieſten Betrug oder Vortheil ver⸗ kauft werden, ſo, wie es J ſaak, der Kaiſer ſelbſt kaufen wuͤrde, wenn er nach Aſien ſchiffte. Selbſt den ehemaligen Geſandten, z. B. dem Biſchofe von Muͤn⸗ ſter, und ſeinen Begleitern, ſoll aller Schaden, den ſie noch anzuſprechen haben, vollends verguͤtet werden, nach dem ausdruͤcklichen Verlangen des roͤmiſchen Kaiſers. Dieß alles ſei beſchworen worden von fuͤnfhundert Edlen des Reiches, oͤffentlich in der Kirche St. So⸗ phiaͤ, in Gegenwart des Haupt⸗Patriarchen Doſy⸗ theon. Dieſer habe auch die Vertraͤge unterzeichnet, den gegenwaͤrtigen Frieden herbei zu fuͤhren.— Fer⸗ ner ſollten alle Gefangene frei gegeben werden, welche der roͤmiſchen Majeſtaͤt angehoͤrten, ſie mochten wann immer in die Haͤnde der Griechen gerathen, Solda⸗ ten, Kaufleute, oder andere Reiſende ſeyn. Dagegen auf ſeinem fernern Zuge aller Verheerung, oder Ver⸗ brennung von Staͤdten und Doͤrfern enthalten. Auch moͤchte man das Leben der Einwohner ſchonen, weder 3 284 Thiere noch Kleider rauben. Zur gegenſeitigen Si⸗ cherheit mußten dieſen Friedens⸗Vertrag fuͤnfhundert Ritter mit einem Eide beſtaͤtigen, und— wie dieß zu Konſtantinopel geſchehen iſt, nunmehr auch zu Adrianopel, in Gegenwart der griechiſchen Ge⸗ ſandten, offen bekraͤftigen. Mit den Geſandten aus Konſtantinopel traf gleichzeitig ein Bote des Sultans Melich von Iko⸗ nien ein, Namens Tokili. Dieſer hatte mit dem kaiſerlichen Nuntius, Gottfried von Wiesbach oder Wiſinbach, ſechs Wochen in griechiſcher Ge⸗ fangenſchaft geſchmachtet. Nunmehr uͤbergab er der roͤmiſchen Majeſtaͤt den Brief ſeines Herrn, wo ſich derſelbe den Oberlehens⸗Herrn aller Tuͤrken, Armenier und Syrier nannte. Nebſtdem entbot er dem Kaiſer Friedrich ſeinen freundlichen Gruß, mit dem ange⸗ haͤngten Verſprechen, ihn mit Rath und That zu un⸗ terſtuͤtzen, gegen alle Feinde treuen Beiſtand zu leiſten, und ſein Heer mit hinlaͤnglichen Lebensmitteln ver⸗ ſehen zu laſſ ſſen, ſoweit ſein Gebiet reichte.— Dieſen großen Verheiſſungen, hatte der Sultan einige Ge⸗ ſchenke fuͤr den teutſchen Kaiſer beigefuͤgt; allein Iſaak hatte ſie bei der Gelegenheit, wo er die Ge⸗ ſandten feſtgeſetzt hatte, an ſich gezogen, verſprach aber jetzt hiulaͤngliche Entſchaͤdigung dafuͤr. Drei Tage nachher kam ſogar der Sohn des Sul⸗ tans, Et hnie, mit Briefen von gleichem freundſchaftli⸗ chen Inhalte; und bald darauf erſchienen die verſpro⸗ —— ₰ 285 chenen griechiſchen Geißeln, nebſt den Wegweiſern, welche das Kreuzheer durch die unwegſamen Gegenden von Natolien fuͤhren follten. Auf eine ſolche Weiſe war alſo Konſtantino⸗ pel's Kaiſer von den teutſchen Helden gedemuͤthiget worden. Er mußte ſich zu Allem verſtehen, wollte er anders nicht laͤnger ſeine Laͤnder unausgeſetzten Ver⸗ wuͤſtungen Preis geben. Das Kreuzheer hingegen war froh, aus einer Gegend fortziehen zu koͤnnen, wo es ſo vielen gefaͤhrlichen Nachſtellungen ausgeſetzt war, und ſo vieles Ungemach erlitten hatte. Dem Kaiſer aber erfreute noch oͤberdieß die Ankunft zahlreicher Huͤlfstruppen aus Italien und Apulien, um welche er fruͤher ſchon nach Teutſchland geſchrieben hatte. Zu⸗ dem ſtanden, ihm zur Unterſtuͤtzung, uͤber ſechszigtau⸗ fend Servier und Blakonier bereit. Kaiſer Friedrich ließ nun noch einmal ein Ver⸗ zeichniß aller ſeiner Streirkraͤfte verfaſſen; jeder, wel⸗ cher dieſem Kreuzzuge gefolgt war, wurde aufgeſchrie⸗ ben. Auch verſicherte er ſich des unerſchuͤtterlichen Beiſtandes ſeiner Ritter durch Abnahme eines Eides, das ſie die gemeinſame Sache treu unterſtuͤtzen, und davon nicht weichen wollten, bis man nach An⸗ tiochien gekommen„ und ſechs Wochen daſelbſt ver⸗ weilt haͤtte. Zu dieſer Zeit kamen zwei Abgeordnete in das La⸗ ger der Kreuzfahrer. Den Einen hatte der Truchſeß des Kaiſers von Konſtantin opel gefandt, der mit 286 einem großen, griechiſchen Heere gegen die aufruͤhri⸗ ſchen Bachonier ausgezogen war; der Andere kam von dem eingedrungenen Oberherrn derſelben, dem Kalopeter, mit dem gleich autenden Verlangen, ihm Huͤlfe wider die Griechen zu leiſten. K. Fried⸗ rich war weit entfernt, weder einen, noch den an⸗ dern Theil zu beguͤnſtigen, daher mußten die Geſand⸗ ten unverrichteter Sache wieder zu den Ihrigen zuruͤck kehren. Waͤhrend des Aufenthaltes vor Adrianopel hatte das Kreuzheer den Tod dreier vortrefflicher Rit⸗ ter zu betrauern: Gubert von Aſpirmont, Si⸗ mon Graf von Spanheim, und Reinold von Riffenberg. Der Monat Maͤrz brachte endlich ge⸗ lindere Witterung, und ſomit war es Zeit, das Ver⸗ ſprechen in Hinſicht des Abzuges von Adrianopel, das man dem griechiſchen Kaiſer gegelen hatte, zu erfuͤllen. Herzog Friedrich mit ſeinen Schwaben und den Baiern brach zuerſt auf; ihm folgte das ganze Kreuzheer, und in deſſen Mitte der Kaiſer. Im Gan⸗ zen hatte man vierzehen Winterwochen zu Adriano⸗ pel verweilt. Gleich am Anfange des Marſches wurden die frommen Kreuzbruͤder mit außerordentlichen Regenſtroͤ⸗ men uͤberſchwemmt, daß ſowohl ſie, als ihre Laſt⸗ thiere, und Fuhrwaͤgen nur mit großer Muͤhe weiter kommen konnten. Ein Ritter, Poto von Maßing, erkrankte dabei, und gab ſeinen Geiſt auf. Am Palm⸗ 8 —2 1 287 ſonntag gelangte man nach der Stadt Roßa. Der heftige Regen dauerte noch immer fort, ſo, daß der groͤßte Theil des Heeres gezwungen war, die Waͤgen zuruͤck zu laſſen, und das Gepaͤck auf Saumroſſen wei⸗ ter zu ſchleppen. Man kam hierauf am Staͤdtchen Brachol voruͤber, und im Anfange Aprils nach Gal⸗ lipoli. Dort ſammelte ſich das ganze Heer wieder zuſammen. Zuerſt vor allen andern ſchiffte hierauf der Her⸗ zog von Schwaben mit einem faſt feierlichen Gepraͤnge L uͤber das Meer, und am Abende vor dem Oſterfeſte ſtanden bereits ſchon die Schwaben und Baiern auf aſiatiſchem Boden. Man war nun ſelbſt unter dem unaufhoͤrlichen Schauerregen froh und zufrieden, und das ganze Heer feierte Gott preiſend die Oſtern. Das naͤmliche ungeſtuͤmme Wetter, welches die Kreuzfahrer ſo hart mitgenommen hatte, verſchaffte ihnen gleichzeitig einigen Vortheil: denn es wurden an das Geſtade von Gallipoli einige venetianiſche Schiffe verſchlagen, welche mit Getraid und andern Lebensmitteln beladen waren. Sie hatten ihre eigent⸗ liche Beſtimmung nach Konſtantinopel; allein die Kreuzfahrer behielten nunmehr dieſe Zufuhr fuͤr ſich. Auch erſchienen hier einige Geſandte von Piſa, mit der Verſicherung ihrer Ergebenheit und Treue, vor dem Kaiſer, und boten viele Schiffe an, deren der Kaiſer ſich bedienen koͤnnte. Gleich am zweiten Feiertage wurde der Zug uͤber 288 das Meer wieder fortgeſetzt, und ſo geſchah es, daß in ſechs Tagen das ganze Heer, ohne einen widrigen Zufall, uͤber den Helleſpont kam. Der Kaiſer hatte es im Nuͤcken gedeckt, und war auf alle Be⸗ wegungen der Griechen aufmerkſam geweſen. Nun⸗ mehr ſtieg er ſelbſt zu Schiffe, und bald begruͤßte er, mit ihm alle Soldaten und Pilgrimme, das Land der Verheißungen mit Entzuͤcken. Die Griechen, und ihr Kaiſer freuten ſich uͤber den Abzug des Kreuzheeres nicht minder; ſie ſagten dieſen laͤſtigen Gaͤſten zu Waſſer und zu Lande mit Trompeten und anderem luſtigen Laͤrmen ein rauſchen⸗ des Lebewohl. K. Friedrich aber, als er ſich und alle die Seinigen ſo gluͤcklich an Aſiens Ufer ſah, ſchickte ſogleich dreizehen der mitgenommenen Geiſeln zuruͤck; fuͤnf aber behielt er, und fuͤhrte ſie mit ſich nach Philadelphia. Neun und dreißig Wochen waren die Teutſchen auf griechiſchem Boden geſtanden, naͤmlich vom Uebergang uͤber die Saw, bis zur An⸗ kunft in Aſten, oder bis zum Abzuge von Gallipoli. Allmaͤhlig ruͤckte das Heer in den Gefilden von Klein⸗ Aſien vorwaͤrts, voruͤber an den Ruinen des alten Troja. Doch die zwei⸗ und vierſpaͤnnigen Wagen mußten bald zuruͤck bleiben und alles Gepaͤck auf Laſt⸗ thieren fortgeſchleppt werden. Denn die Erde war durch den anhaltenden Regen beinahe bodenlos geworden, und die Gegend ſelbſt wurde immer gebirgiger. Bald be⸗ ruͤhrte man die Graͤnzen der Romanei. Dieſe Land⸗ 289 ſchaft, ein Theil von Klein⸗Aſien, war fruͤher in zwei Prooinzen getheilt, genaunt Phrigen und Bi⸗ thynien. Acht Tage nach dem Oſterfeſte erreichte das Kreuz⸗ heer die Stadt Spigaſt„ welche die Lateiner be⸗ wohnten; und ſteckte ſein Lager am Ufer des Fluſſes Diga ab; denn es war ein Ruhetag noͤthig, um zu⸗ gleich die erforderlichen Lebensmittel an ſich zu ziehen. Nach einigen Tagen wurde der Fluß Arelogiea, nicht ohne viele Schwierigkeit uͤberſchritten; denn ein Ritter und ein Landskuecht, wie auch einige Pferde und Eſel buͤßten in den reiſenden Fluthen das Leben ein. 3 Die Griechen vergaßen bald wieder ihr gegebenes Wort, und verſielen in ihre gewohnte Treuloſigkeit. Denn wer unvorſichtig genug war, ſich vom großen Haufen zu entfernen, wurde von ihnen angefallen; ja einige Wehrloſe ſogar gemeuchelmordet, und ihrer Habſeligkeiten beraubt. Die Kreuzfahrer, als ſie die⸗ ſes gewahrten, wurden vorſichtiger, lauerten den Raͤu⸗ bern mit gewohnter Standhaftigkeit auf, und toͤdteten ſie, wo ſie konnten. Friedri ch von Berg bielt unter andern ihre Anfaͤlle tapfer zuruͤck, fieng, und toͤdtete deren mehr als vierzig, und da er nach einigen Tagen zu ihren Schlupfwinkeln gelangte, ſiel er wuͤ⸗ thend uͤber ſie. Doch auf ausdruͤcklichen Befehl des Kaiſers, welcher den Frieden erhalten wollte, mußten 290 die Feindſeligkeiten gegen die unwuͤrdigen Einwohner des Landes eingeſtellt werden. Zwiſchen Archanget und einem gewiſſen Ka⸗ ſtelle hielt das Heer wieder einige Lagerung, kam als⸗ dann nach Sicheron, in das Thal Ascaratana, wo man den folgenden Tag verweilte. Hier fiengen die Kreuzfahrer zu murren an, weil man ihnen nicht genug Lebensmittel zufuͤhrte; denn der Buͤrgermeiſter der Stadt hatte ſich vor dem Kaiſer treulos aus dem Staube gemacht. Ehe man hierauf nach Kalamon gekommen, hatte man zwei Ritter verloren, welche vermuthlich den lauernden Gebirgsbewohnern in die Haͤnde gefallen ſind. Ferner fuͤhrte der Weg durch die zerſtoͤrte Stadt Meleos, wo man glaubt, daß die Kirche des h. Hermas geſtanden habe; ferner zur Stadt Ayos, ao die heil. Maͤrtyrer Kosmas und und Damian gekroͤnt worden ſind. Daſelbſt wurde wieder Raſt gehalten, und K. Friedrich empfieng hier Geſchenke vom Kaiſer aus Konſtantinopel. Die Stadt Alos voruͤber, langte man endlich nach vielen, uͤberſtandenen Muͤhſeligkeiten, zu Philadel⸗ phia an. Der Fuͤrſt oder Befehlshaber, ſchickte dem Kaiſer einen Abgeordneten entgegen, und ließ ihn bit⸗ ten, er moͤchte mit dem Heere außer der Stadt blei⸗ ben, uͤbrigens aber verſichert ſeyn, daß man alles Be⸗ noͤthigte zufuͤhren wuͤrde. Die Teutſchen, welche ausritten, Futter zu holen, naͤherten ſich der Stadt zu ſehr. Der Befchlshaber glaubte, ſie haͤtten Ab⸗ 291 ſichten wider ſie, ließ zu den Waffen greifen und ſie uruͤcktreiben. Die Boͤhmen und der Biſchof von Re⸗ gensburg, mit den Seinigen, wollten ſich eines Tho⸗ res bemaͤchtigen, und rannten mit Ungeſtuͤmm darauf los. Dabei geſchah, daß ſowohl mehrere Buͤrger, als auch einige Kreuzfahrer verwundet und getoͤdtet wor⸗ den. Als dieß der Kaiſer ſah, befahl er, daß man augenblicklich vom Kampfe abſtehen ſollte, was auch geſchehen iſt: denn ihm war jetzt nicht an der Erobe⸗ rung einer Stadt, ſondern daran gelegen, mit aller Macht in das Gebiet der Sarazenen vorzuruͤcken. Auch den griechiſchen Geiſeln, die er mit ſich fuͤhrte, ließ er dieſen unangenehmen Vorfall nicht entgelten, ſon⸗ dern uͤberhaͤufte ſie vielmehr mit Wohlthaten und Ehrenbezeugungen, unter welchen er ſie auch nach Hauſe zuruͤck kehren ließ. Waͤhrend des Aufenthaltes vor Philadelphia geſellte ſich ein Haufe lateiniſchen Volkes, wohl be⸗ waffnet, und zur Ausforſchung ſowohl, als zum An⸗ greifen der tuͤrkiſchen Streifparthieen ſehr geſchickt, zum Kreuzheere, dem deren Gegenwart nachhin auch oͤfters zum großen Nutzen war. Der Abzug von dieſer Stadt war durch einige Ausfaͤlle der Beſatzung gleich⸗ falls beunruhigt worden, und in den folgenden Ta⸗ gesreiſen ließen ſich zuerſt viele Tuͤrken ſehen, welche die Fluͤgel des Zuges beſtuͤrmten. Doch der Kaiſer ſchlug ſie uͤberall tapfer zuruͤck, und toͤdtete bei dem eiſten Anfalle fuͤnfzig der Feinde. 292 Die Kreuzfahrer uͤberſtiegen bierauf ein ſehr rau⸗ bes Gebirge, wo ſie die Pferde meiſtens zuruͤck laſſen mußten. Dazu geſellte ſich der Mangel an Brod und andern Lebensbeduͤrfniſſen. Sie kamen zu einer zer⸗ ſoͤrten Stadt, welche Neu⸗Tripolis, nach au⸗ dern Tyatira hieß, und bald hierauf zu einer gleich⸗ falls verwuͤſteten Stadt Terapolis, welcher Ort ſchon in der Landſchaft Groß⸗Lytanien lag. Se⸗ dann ſetzten ſie uͤber den kleinen Meander, und kamen in ein angenehmes Thal, voll von Feigen, Datteln und andern koͤſtlichen Fruͤchten. Hierauf wendeten ſie ſich nach Laodicea, wo ſie große Vor⸗ raͤthe an Lebensmitteln fanden, und ſich einige Tage erlabten. Laodicea, die Stadt, liegt am Fuße eines hohen Berges, jenſeits welches Spheſus ſich befindet, wo Koͤnig Ludwig aus Frankreich, wie man erzaͤhlte, und Otto, Biſchof von Freyſing bereits beſiegt worden ſeien. Hier war auch die Graͤnze des griechiſchen Gebietes. Man gerieth nun in tuͤrkiſche Orte, welche von den Einwohnern gaͤnzlich verlaſſen waren, und ſtieg, neben dem See Salina an rauhen, unwirthſamen Gebirgen hinauf, wo alle Vegetation erſtorben ſchien. Hier erblickte man eine große Heerde von Pferden, Rindern, Schafen, Kamelen und Eſeln, wohl au fuͤnftauſend Stuͤcke, welche die tuͤrkiſchen Bauern im erſten Anfalle großer Furcht verlaſſen, und ſich auf die boͤchſten Gipfel der Berge gefluͤchtet hatten. Der f Kaiſer befahl, daß man nichts davon, auch wenn es zur Stillung mancher Nothdurft diente, entfremden ſonlte. Er wollte dadurch die Einwohner von ſeinen friedlichen Geſinnungen uͤberzeugen, und ſich dieſel⸗ ben zu Freunde machen. Als eines Tages, und eine Nacht lang, auf dem Ruͤcken des Gebirges, weder Gras, noch Kraͤuter zu finden waren„ verſchmachtete ein großer Theil der Laſtthiere. Hierauf folgten zwan⸗ zig ſchreckensvolle Tage fuͤr die ermatteten Kreuzfahrer. Ueberall, wo ihr Zug hinging, wurden ſie von Rotten tuͤrkiſcher Soldaten, zu Fuß und zu Pferde, um⸗ ſchwaͤrmt und angegriffen. Dieſes war fuͤr ſie um ſo auffallender, als ſie glaubten, ſich auf die Freund⸗ ſchaft dieſer Tuͤrken verlaſſen zu koͤnnen: denn ſie waren Unterthanen des Sultans von Ikonien, wel⸗ cher den Kaiſer durch Geſandte und Geſchenke freund⸗ lich angeſprochen, und Wegweiſer geſendet hatte. Al⸗ lein eben dieſe fuͤhrten das Kreuzheer in dieſe fuͤrch⸗ terliche Gegenden, wo alles Leben erſtorben ſchien. Ueberhaupt ſpielte dieſer Sultau eine ſonderbare Rolle. Er wurde vor zehen Jahren durch ſeinen Bru⸗ der vom Throne geſtoßen, vom griechiſchen Kaiſer aber wieder eingeſetzt. Auf einer Seite ſuchte er die Freund⸗ ſchaft der Chriſten, auf der andern ſuchte er dieſe zu Grunde zu richten. Er vermaͤhlte ſeinen Sohn, Me⸗ lie, mit einer Tochter Salaheddins, und ver⸗ band ſich alſo mit dieſem auf das Innigſte. Dieſem Buͤndniſſe zu Folge machte er ſich anheiſchig, den 294 Sultan Sala— heodin in ſeinem Beſitze zu befe⸗ ſtigen, und die Teutſchen durch ſich ſelbſt aufzureiben. Heimlich naͤhrte er deßwegen den Haß der Griechen gegen die Lateiner, und zu gleicher Zeit beehrte er den Kaiſer mit Geſandtſchaften ꝛe. K. Friedrich freute ſich uͤber dieſe Freundſchaft der Tuͤrken; allein er be⸗ trog ſich ſehr. Ueberall fand er in ihnen grauſame Feinde; die Seinigen durften es nicht im mindeſten wagen, ſich vom großen Haufen zu trennen, nur um einiges Gras zur Fuͤtterung zu ſuchen. Zwanzig Tage lang mußten alle Kreuzbruͤder, welche Waffen tragen konnten, mit entbloͤßtem Schwerte weiter ziehen, und gleichſam jeden Schritt, jede Strecke Weges, die ſie zuruͤck legen wollten, erkaͤmpfen. Das ganze Heer war durch den muhevollen Marſch, und durch heftigen Hunger, unbeſchreiblich ermuͤdet; ſtatt der ſtreifenden Rotten ſah man zuletzt ein ganzes Heer der Tuͤrken gegen ſich zu Felde ziehen. Auf die Tapferkeit ſeines Volkes konnte ſich der Kaiſer im Augenblicke nicht mehr vertaſſen, deßwegen nahm er ſeine Zuflucht zu einer Kriegsliſt. Er zog bei Nacht aus ſeinem Lager hinweg, ſtellte ſich, als naͤhme er die Flucht, ließ aber doch einige Mannſchaft zuruͤck, welche ihm durch ei⸗ nen Rauch ein Zeichen geben ſollte. Bei fruͤhem Mor⸗ gen ſielen die Tuͤrken in das Lager ein und fiengen an zu pluͤndern. Friedricheilte herbei, ſchlug ihrer drei⸗ hundert todt, und zwang die andern, nach Cuſopo⸗ lis zu fliehen. Ein eite Ler angeſehener Ritter, den 295 das Heer verlor, Friedrich von Hauſen, wurde von den Deutſchen allgemein beklagt, und in einem Fruchtbaum⸗Haine begraben. Nach einigen Tagen gelang es ihnen zwar, noch einige hundert Tuͤrken zu erlegen; allein die Noth, und das Elend der Kreuz⸗ bruͤder hatte gleichzeitig die hoͤchſte Stufe erreicht. Doch die Haupthelden des Zuges blieben unerſchuͤt⸗ tert: der Herzog von Schwaben, und der Her⸗ zog von Merxan leiſteten Wunder der Tapferkeit; der Graf von Kiburg erlegte ſiebenzehn Tuͤrken, in einem Tage mit eigener Hand; die Boͤhmen ſtan⸗ den wider den allgemeinen Feind wie unerſchuͤtterliche Mauern. Sechs derſelben zogen uͤber ihren Panzer, Hemden, und gingen aus, als ob ſie Gras ſammeln wollten. Sogleich fielen ſechs Tuͤrken, blutduͤrſtigen Woͤlfen gleich, uͤber ſie her; allein die Boͤhmen warfen nun die verſtellte Furcht von ſich, und wehrten ſich mit dem Schwerte ploͤtzlich ſo tapfer, daß ihre ſechs Feinde ſogleich mit ihrem Blute die Erde traͤnken muß⸗ ten. Triumphirend brachten die Sieger deren Pferde in das Lager zuruͤck. Ein Kreuzſoldat hatte ſeinen ganzen Vorrath aufgezehrt, und nur mehr ein einzi⸗ ges Brod. Ploͤtzlich ſchoß ein Duͤrke nach ihm; allein deſſen Pfeil traf den vorgehaltenen Schild, und nach⸗ dem dieſer durchſchoſſen war, blieb er in dem Stuͤck⸗ chen Brode ſtecken. Soögleich zog ihn der Teutſche heraus, ſpannte ihn auf den eigenen Bogen, und traf damit den Tuͤrken gluͤcklich durch das Herz. Als er 296 nun den zum Boden hingeſtreckten pluͤndern wollte, fand er bei ihm neun Brode, wodurch er alſo in den Stand geſetzt war, zehn Tage lang ſein Leben zu fri⸗ ſten. K. Friedrich kam an den engen Paß, wo einſt Kaiſer Smanuel von den Tuͤrken geſchlagen worden war. Er achtete es am kluͤgſten, denſelben zu umge⸗ hen, und ſchlug deßwegen den Weg uͤber ein noch rauheres Gebire ein, wo nur mehr Steindoͤcke ihren Aufenthalt hatten. Zum Gluͤcke bekam Friedrich ein Paar Tuͤrken gefangen, wovon er den Einen ſo⸗ gleich toͤdten ließ; dem Andern aber ſchenkte er das Leben, weil er ihm einen Weg zu zeigen, und das Heer aus dieſer Wuͤſte in ein Land voll Ueberfiuß zu Sfuͤhren verſprach. Allein auch hier lagen die Feinde in Hoͤhlen verſteckt, und ſchon mit Pfeilen, oder waͤlz⸗ ten Steine herab aus ihrem Hinterhalte. Von letzte⸗ ren wurde der Herzog von Schwaben hart verwundet, mit ohngefaͤhr noch zehn andern Rittern; und ein gewiſſer Wernherr buͤßte dadurch ſein Leben ein. Auf das Aeußerſte gereitzt, ſtuͤrmten zuletzt einige Kreuzfahrer ſelbſt die ſteilſten Hoͤhen hinan, erreichten ſie gluͤcklich, und jagten die Tuͤrken dem Heere des Kaiſers zu, wo dann mehr als vierzig getoͤdtet wor⸗ den ſind. Sie trafen auch einige Kamele, Schaſe und Ochſen auf den Gipfeln der Berge, die man ſich freudig zueignete. 53 Endlich kam man wieder gluͤcklich auf eine ebne, angebaute Erde, traf dort einige Tuͤrken mit Weibern 297 und Kindern, welche— ohne Vorwiſſen des Kaiſers, erbaͤrmlich gemordet worden ſind. 8 5 Nun war auch nur zu gewiß, daß die Freundſchaft des Sultans von Jconien nur geheichelt, ſein Ge⸗ ſchenk nur eine Lockſpeiſe war. Er, und mit ihm die Griechen, hatten, was ganz klar zu ſehen war, keine andere Abſicht, als das ganze Heer der Kreuzfahrer, ſammt dem Kaiſer, durch Liſt und verſteckte Anfaͤlle zu Grunde zu richten. Ueberall lauerten die Duͤrken; die Geſandten des Sultaus, welche das Heer ſeit Adria⸗ nopel begleitet hatten, ſchlichen ſich heimlich davon, und nahmen den Dolmetſcher des Kaiſers mit ſich. Bei dem Staͤdtchen Vinimil wurde das Kreuzheer von den Duͤrken im Lager uͤberfallen; denn dieſe glaub⸗ ten, ſie wuͤrden ſich vor Hunger und Elend nicht mehr wehren koͤnnen; allein die Teutſchen Helden ermahn⸗ ten ſich unter allen Verhaͤltniſſen. Zuerſt rannten den grimmigen Feinden die Landsknechte, und dann vie Ritter entgegen. Sie fochten ſo tapfer, daß mehr als zehn tauſend Sarazenen vor ihren Schwertern ent⸗ flohen, von welchen ſie alle waͤren vernichtet worden, haͤtte nicht die Dunkelheit der Nacht, und die nahen Gebirge das Nachſetzen verhindert. Die Herzoge von Schwaben und Meran hatten wieder das Treffen geleitet. Nach der Ausſage der Tuͤrken ſelbſt, waren viertauſend zweihundert Mann von ihrer Seite todt geblieben, und uͤber fuͤnftauſend vermißt worden. Als man hierauf an Vinimil voruͤberzog, war 12fes B. Paläſtina. I. 3. 4 8 298 der Hunger ſo groß, daß man das Fleiſch von Pfer⸗ den und Eſeln fuͤr Leckerbiſſen hielt; Brod„ und an⸗ dere Lebensmittel hingegen kaum fuͤr vieles Geld er⸗ hielt. Ja viele liefen zu den Feinden uͤber, und ſuch⸗ teu ihr Leben zu retten durch Abſchwoͤrung eines Glau⸗ beus, fuͤx deſſen Ruhm zu ſtreiten ſie hieher gekom⸗ men waren. Die eines ſtandhafteren Sinnes waren, verabſcheuten zwar dieſe, auf eine ſo treuloſe Weiſe erkaufte Lebensfriſt; allein ſie blieben vor Ermattung an den Straſſen liegen, und die Tuͤrken, welche dem vorruͤckenden Kreuzheer auf dem Fuße folgten, ſchnit⸗ ten ihnen die Koͤpfe ab. Eine Nacht geriethen die Kreuzfahrer auf die ganze Heeresmacht der Tuͤrken; Berge und Thaͤler waren wie uͤberſaͤt. Da ſtellten ſie ſich, als ob ſie vor Schwaͤche ſich nicht mehr bewegen koͤnnten, um ihre Feinde deſto mehr zu reitzen. Dieſe fielen auch nach ein Paar Tagen mit einem ungeheuern Geſchrei uͤber das Heer der Chriſten, welches ſich aber, wie von neuen Kraͤften erſtanden erhob, und ſogleich uͤber zwei⸗ hundert toͤdtete. Neben dem Berge Firmin, wohin die Sarazenen eiligſt wieder fluͤhteten, mußten auch viele ihr Leben einbuͤßen, und ſelbſt in den folgenden Tagen hatte das Morden noch kein Ende. Die Teut⸗ ſchen eroberten viele Pferde, und machten allerlei Beute. Doch mußten ſie unter beſtaͤndigen Kaͤmpfen mit den Tuͤrken vorwaͤrts ſchreiten, und zu wundern iſt, wie ſie eine ſehr enge Bruͤcke, uͤber welche kaum zwei und 299 zwei zu gleicher Zeit gehen konnten, ohne einen Mann zu verlieren, voruͤber kamen. Waͤren die Tuͤrken vor⸗ ſichtiger geweſen, hier haͤtten ſie das ganze Heer ver⸗ nichten koͤnnen. Allein die Teutſchen waren ſo von Muth erfuͤllt, ſo voll Zuverſicht auf ihre ſieghafte Ta⸗ pferkeit, daß ſie unter den ſie untſchwaͤrmenden Tuͤr⸗ ken ſo froͤhlich, und behaglich als moͤglich, das Pfngſt⸗ feſt feierten. Aber— leider! ihre vorzuͤglichſte Mahl⸗ jeit beſtand in nicht viel mehr, als in gekochtem Pterd⸗ und Rindsleder; ſelbſt den Reichen ward Pferde⸗ Fleiſch nur ſparſam zugemeſſen. War irgend noch eine Haudvoll Mehl im Heer, ſo wurde ſie mehr, als Gold bewacht und verborgen. Die kleinſte Portion dayon war auch nur zu ungeheuern Preiſen feil.. Als dreitauſend Tuͤrken zu Pferde, unter welchen die Soͤhne des Sultans waren, das Heer uͤberfelen, warf ſich ihnen der Kaiſer mit ſeinem Schlacht haufen kelbſt entgegen, ſo tapfer, daß die Feinde Klgenblick⸗ lich die Flucht nahmen. Mit eben dieſer Abtheilung kam er auch dem Vortrapp zur Huͤlfe, der bei Ueber⸗ ſteigung eines Berges zuruͤck gedraͤngt worden wax. Ein Sohn des Sultans wurde bei dieſen Angriffen vom Pferde geworfen; einen vornehmen Kuͤrken aber der rechte Arm ſammt dem Panzer Hemd mit einem Schwertſtreich vom Rumpfe getreunt. Ueberhaupt be⸗ wieſen die Teutſchen auf dieſem Zuge oft eine unge⸗ meine Staͤrke. Man erzaͤhlt unter andern von einem Ritter folgendes. Er konnte ſich, nach dem Beiſpiele 3⁰0 der meiſten Gefaͤhrten, nicht entſchließen, ſein Pferd zur Speiſe herzugeben, ob es ihn gleich nicht mehr tragen konnte. Mit langſamen Schritten folgte er dem Heere zu Fuße nach, und fuͤhrte ſein Roß. Ploͤtzlich ſah er ſich von fuͤnfzig Tuͤrken umrungen, welche alle zugleich ihre Pfeile auf ihn abdruͤckten. Er bedeckte ſich mit ſeinem Schilde, hielt in der rechten Hand ſein Schwert, und wandelte fort, ohne von ſeinem Wege abzuweichen. Ein Tuͤrke ritt auf ihn zu, und ſchwung ſeinen Saͤbel auf das Leben des Teutſchen.. Dieſer wich dem Streiche aus, hieb dem Pferde ſeines ſchrecklichen Gegners die vordern Fuͤſſe ab, und ſpal⸗ tete, ohne dem Tuͤrken Zeit zur Gegenwehr zu laſſen, ihn und noch den Sattel in der Mitte von einander. Die uͤbrigen glaubten, ſie haͤtten es mit einem Be⸗ zauberten zu thun, und bezeugten keine Luſt weiter, handgemein zu werden. Ueberhaupt war das ganze Kreuzheer jetzt zu auf⸗ ſerordentlichen Thaten gereitzt— durch außerordent⸗ liche Drangſale. Nach des Tages unertraͤglicher Hitze und Muͤhſeligkeit, kam es in eine ſandige Oede, wo vor dichtem Nebel ein Theil den andern nicht mehr ſehen konnte. Dabei waren ſie wie zerſtreute, irrende Schafe ron herumſchwaͤrmenden Feinden bedroht, alle Augenblicke die Beute unausloͤſchlicher Rachgierde zu werden. Als man ſich zuletzt doch wieder gluͤcklich zu⸗ ſammen gefunden hatte, ſchlug man das Lager weit von Waſſer und Weide auf. Auf dieſer Staͤtte gin⸗ gen ungemein viele Laſtthiere verloren, und ein un⸗ ausſtehlicher Durſt quaͤlte die Menſchen; am andern Morgen wandelte man weiter, nicht wie Lebende, ſon⸗ dern Schatten abgeſchiedener Seelen. Manche tran⸗ ken ihren eigenen Unrath; andere ſaugten am Kothe der Pferde, oder tranken deren Blut; die meiſten aber ſuchten ihre graͤßliche Marter zu ſtillen, indem ſie die Raſen des hier ſparſam wachſenden Graſes kauten. Endlich ſtillte ein ſumpfiger Ort das außerordentliche Elend, allein nun gebrach es an allem Holze, als Rohr, oder Halmen, um das Pferde⸗Fleiſch— die einzige Nahrung— zu kochen. Da ſchleppte man die Sattel der Roße zuſammen, verſchiedene Kleider, Gezelte, ſelbſt die Roͤcke vom Leibe, und bereitete damit Feuer. In dieſen Suͤmpfen weilte man einige Tage, bis die noch lebenden Pferde nur einigermaſſen ſich erholt hat⸗ ten; allein vierzig Futterknechte buͤtßten auch hier durch einen Ueberfall der Tuͤrken, ihr Leben ein. Nun ließen der Sultan, und ſeine Großen, dem Kaiſer ſagen: wenn er ihnen dreihundert Zentner Gold geben, und zur Eroberung von Armenien behuͤlf⸗ lich ſeyn wollte, ſo ſollten ſie in Frieden fernerhin voruͤberziehen, und nach drei Tagen Zufuhr an Lebens⸗ mitteln erhalten. Allein der Kaiſer— ſonſt gewohnt, in allen Dingen das Wohl der Menſchen zu beachten, auntwortete:„Sein kaiſerliches Anſehen wolle er nicht durch Gold, oder Silber erkaufen, ſondern ſeine Er⸗ haltung allein von Gott erwarten, und durch ſeine 30²2 Huͤlfe ſich den Weg bahnen, mit dem Schwerte, durch die Haufen ſeiner zahlloſen Feinde.“— Als der Bote auf dieſe Weiſe unbefriedigt zuruͤck kehrte, ſagte er: Wenn ich dieſe Nacht nicht wieder komme, ſo erwartet Morgen, nach der dritten Stunde, nichts anders, als die ganze Macht der Tuͤrken.— Von ſo vielen Unfaͤllen war das ganze Heer, und alſo auch der Kern deſſelben, die Ritterſchaft, gaͤnzlich erſchoͤpft — zum Kampfe faſt nicht mehr zu brauchen. Deßwe⸗ gen gerieth alles in ungemein großen Schrecken, und die ganze Nacht durch beſtuͤrmte man den Himmel und ſeine Heiligen, um Huͤlfe und Rettung. Dem Kaiſer ſelbſt war nicht wohl bei der Sache. Er war Willens geweſen am folgenden Tage, da man nun doch ſchon ſo weit gegen Jeonien vorgeruͤckt war, ſein Lager bis in die Gaͤrten des Sultans zu erſtrecken; deßwegen ſagte er zu einigen ſeiner Diener: Koͤnnen wir Morgen, mit Gottes Huͤlfe, Lager ſchlagen, ſo haben wir ferner keinen Kummer— keine Drangſal mehr zu befuͤrchten.— Vorſichtig ließ er dann ſem Heer langſam vorwaͤrts ſchreiten; eine unzaͤhlbare Menge von Tuͤrken ſiel dort und da uͤber die lebens⸗ matten Krauzfahrer, und umzuͤngelten ſie, wie Hoͤr⸗ ner des Mondes. Dennoch, als man am Abend ſich wieder zur Lagerung anſchickte, war keiner aus ihnen verletzt; dagegen waren vierzig Sarazenen in ihre Gefangenſchaft gerathen. Endlich am andern Tage, gelangte man zu den Gaͤrten des Sultans. Dort war 303 Ueberfluß an Graͤſerei, und Waſſer. Aber ſchoen die erſte Nacht wurden die muͤden Wanderer von einem fuͤrchterlichen Ungewitter, von Donner und Regenguͤſ⸗ ſen, ſehr beunruhiget. Am Morgen theilte der Kaiſer ſein Heer in zwei Treffen: Eines uͤbergab er ſeinem Sohne, dem Herzoge von Schwaben, das zweite wollte er ſelbſt fuͤhren. In der Mitte waren die Prie⸗ ſter, die wehrlos gewordenen Soldaten, und das Volk mit dem Gepaͤcke und den Laſtthieren. Zugleich ließ er den kaiſerlichen Befehl ergehen, daß keiner ſich un⸗ terſtehen ſollte, im Falle Gott den Seinigen Leben und Sieg verleihen wuͤrde, ſich der Pluͤnderung zu uͤberlaſſen, ehe nicht alle Feinde den Boden bedekten, und die Stadt gaͤnzlich in ihrer Gewalt waͤre. Die Stadt war von den Deutſchen bereits umzuͤn⸗ gelt, als abermals die Boten des Sultans erſchienen, und Frieden verlangten. Der Kaiſer antwortete: wenn man ihm ſeinen Dolmetſcher ausliefere, und mehrere verſtaͤndige, kluge Maͤnner ſchickte, welche wegen einer ſo wichtigen Sache mit ihm handeln koͤnn⸗ ten, ſo wollte er ihre Bitte gewaͤhren. Allein, als die Boten zuruͤck ge yrt waren, ſah K. Friedrich wohl ein, daß die Lurken nichts weiter ſuchten, als ihn durch Hinterliſt aufzuhalten. Er gab alſo ſei⸗ nem Sohne, dem Herzoge von Schwaben, Be⸗ fehl, vorzuruͤcken, und die Belagerung anzufangen. Als dieſer, ſogleich mit kuͤhnem Muthe vorwaͤrts ſchrei⸗ tend, bereits zum Thore der Stadt Jconien ge⸗ 304 kommen war, begegnete ihm der Dolmetſcher Gott⸗ fried, dem es gelungen war, ſeiner Gefangenſchaft zu entwiſchen. Er ſprach ſeinen Freunden Muth ein, und verſicherte ſie, daß die Stadt ſchon ſo gut, als in ihren Haͤnden ſei. Wirklich, als der Sultan mit Sechshundenten ſeiner beſten Soldaten, dem Herzoge auf gut Gluͤck entgegen kam, und deſſen wohlgeordne⸗ tes Heer erblickte, nahm er augenblicklich die Flucht, und rettete ſich mit allen ſeinen Schaͤtzen, und den meiſten Einwohnern in das nahe gelegene Berg⸗Ka⸗ ſtell. Gold und Silber, koſtbares Geſchmeide, ein Ueberfluß an Lebensmitteln, an Pferden und Eſeln wurden dorthin geſchleppt, und mit vieler Mann⸗ ſchaft beſetzt. Der Herzog beſtuͤrmte indeſſen das Thor, und war bald ſo gluͤcklich, ſich den Beſitz der ganzen Stadt zu ſichern. Mit dem Schwerte in der Fauſt, trieb er die Tuͤrken vor ſich her, bis zu den Mauern des Berg⸗ ſchloßes, das er aber ſeiner Feſtigkeit wegen, nicht zu uͤberrumpeln im Stande war. Auch waren ſeine Leute zu geſchwaͤcht, um einen nachdruͤcklichen Sturm zu unternehmen; ſie begnuͤgten ſich alſo, alles, was ſie unter den Waffen fanden, in der Stadt, uͤber die Klinge ſpringen zu laſſen, ja ſelbſt die Einwohner zu ermorden. Hiezu reitzte ſie wohl auch das unerhoͤrte Elend, und der Hunger, mit dem ſie fuͤnfzehn Tage lang gekaͤmpft hatten. Waͤhrend der Schwaben Herzog obſiegte, war auch 305 das Heer des Kaiſers, das noch in den Gaͤrten des Sultans verweilte, und vom ganzen Vorgange in der Stadt nichts wußte, nicht minder gluͤcklich und ſieg⸗ haft. Eine unzaͤhlbare Menge von Tuͤrken um⸗ ſchwaͤrmte es; hier und da fielen dieſelben mit einem Ungeſtuͤmme auf die Teutſchen, daß ſie alle glauben mochten, ihr letztes Stuͤndlein habe geſchlagen. Die Prieſter vertheilten das Abendmal; alle Soldaten und anderes Volk bereitete ſich zum Tode. Doch alle brannten auch, ihren letzten Tropfen Blut fuͤr den heiligen Zweck, fuͤr welchen ſie gekommen waren, fuͤr die Ehre der Chriſten zu vergieſſen. Die auserleſen⸗ ſten Nitter hatten ſich zuſammen gethan; in ihrer Mitte ſtand der Kaiſer, Friedrich der Roth⸗ bart, deſſen Namen die Welt und Nachweit keinen andern vergleichen kann. Italien hatte vor ihm ge⸗ zittert; Tauſende der Menſchen hatte er beſiegt; hier aber— man ſagt es, ſoll ein Angenblick ſein Ver⸗ trauen auf ſich gewankt haben, und mit Thraͤnen ſagte er:„Wenn dieſe Chriſten, welche heute hier auf die⸗ ſer Stelle, aus Liebe zum himmliſchen Vaterlande kaͤm⸗ pfen, unbeſchaͤdigt nach Antiochien gelangen, ſo wollte ich gerne Buße thun, auch wenn dieſe meiner kaiſerlichen Wuͤrde zuwider ſeyn ſollte.“ Viele um⸗ ſtehende, welche dieſes hoͤrten, weinten mit ihm. Da ſagte er ferner:„Was zaudern wir? Der Herr be⸗ fiehlt es; er wird ſiegen mit uns. Wahr iſt es, unſer„ Leib iſt ſchwach; aber unſer Muth ſoll es nicht ſeyn.*— 1 306 Und nach dieſen Worten war er ſelbſt der erſte, welcher in die Haufen der zahllnſen Feinde ſtuͤrmte. Alle andern folgten ihm. Das Treffen war hartnaͤckig und blutig; doch Friedrich ſiegte. Er jagte alle ſeine Feinde in die Flucht; gegen dreitaufend derſelben toͤdtete er. Nur die Schwaͤche der Ritter war gleich⸗ falls wieder das Hinderniß, daß ſie nicht ſchon in der naͤmlichen Nacht das Kaſtell erſtuͤrmten; denn auch ſie hatte der fuͤrchterlichſte Hunger durch ſo viele Tage heimgeſucht. Nach dieſem zog der Kaiſer mit feinem ganzen Heere in die Stadt. Unter der Bente, die ſie dem Feinde abgekaͤmpft hatten, fanden ſie ſogleich etwas, was ihren wuͤthenſten Hunger ſtillte. Es wurden viele Gruben mit Getreide entdeckt, den Menſchen und den Thieren zum Labſale. An Gold, Silber, ed⸗ len Steinen und Purpur ſoll hier das Kreuzheer eine Beute von zehntauſend Mark im Werthe, gemacht ha⸗ ben; denn es ſoll hier in dem Palaſte des Melek, des Sohnes des Sultans, auch der Schatz geweſen ſeyn, welchen Sala⸗heddin ſeiner Tochter zur Morgengabe geſchenkt hatte. Dem Sultan blieb bei dieſer Lage der Dinge nichts mehr uͤbrig, als um Frieden zu bitten. Er ſchickte Bothſchafter, und ließ dem Kaiſer wiſſen, daß er alle Bedingungen eingehen wollte. Friedrich wiederholte den Geſandten noch einmal das treuloſe Verfahren ihres Herrn, willigte jedoch in den Frie⸗ 307 den, unter der Bedingniß, daß man ihm hinlaͤngliche Geiſeln ſtellen, und ſein Heer ſo lange mit Lebensmit⸗ teln verſehen wollte, als ſich daſſelbe im Lande des Sultaus aufhalten wuͤrde. Voll Freude uͤber dieſe großmuͤthigen Bedingniſſe kehrten die Abgeordneten zu ihrem Heere zuruͤck; denn dieſes ſtand jetzt in der groͤßten Gefahr, in ſeinem Ka⸗ ſtelle ausgehungert zu werden. Er ſchickte ſogleich zwanzig Geiſeln, worauf der Kaiſer Jeonium zu⸗ ruͤck gab, und ſich mit ſeinem Heere wieder in die Gaͤrten vor der Stadt lagerte, wie er es vorhin ge⸗ than hatte. Nun brachte man den Teutſchen Lebensmittel im Ueberfluſſe; nur etwas zu theuer. Sie kauften ſich wieder mehr als ſechs tauſend Pferde und Mauleſel, die gemeinen Eſel gar nicht gerechnet. Brod, Fleiſch, Butter und Kaͤſe war den ausgehungerten Kreuzfah⸗ rern ein ungemein troͤſtendes Labſal. Es war noch im Monate Mai. Der Kaiſer brach ſchon in einigen Tagen von Jeonium auf; denn ein laͤngerer Auf⸗ enthalt in dieſen Gegenden war wider ſeine Abſicht. Er kam hierauf in eine weite, ebene Gegend, von vierzig Quellen bewaͤſfert, und am andern Tage zu einem maͤchtigen Strome. Schon bis hieher machte man die unangenehme Erfahrung, daß die Tuͤrken nicht aufhoͤrten, das Heer zu beunruhigen. K. Fried⸗ rich machte deßwegen den Geiſeln die ernſtlichſten Vorſtellungen, und ſagte: wenn ihre Landsleute dieſe 308 Feindſeligkeiten nicht einſtellten, und wenn man ihm die verſprochene Zufuhr nicht lieferte, ſo wollte er ſie ohne Barmherzigkeit aufknuͤpfen laſſen. Dieſe Drohung hatte die gute Wirkung, daß die Kreuzfah⸗ rer ferner uͤber aͤhnliche Beunruhigungen wenig mehr ſich zu beklagen hatten. In weiterem Zuge kam das Heer einen großen Flecken voruͤber, wo man viele Weinberge ſah, aber wenig Waſſer; dann zu einem andern Orte, Pirgus genannt. Dort fanden die Teutſchen einen trefflichen Vorrath an Lebensmitteln, und ruhten deßwegen gerne einen Tag aus. Am 30. Mai 1490 erreichten ſie Laranda, eine anſehnliche Stadt an der Graͤnze von Cilicien, am Fuße des Taurus, wo auch der Scheidepunkt zwi⸗ ſchen Armenien und Licaonien war. Man ſchlug ein Lager, und erholte ſich ein wenig; zog aber bald wieder weiter, und kam zu einem armeniſchen Dorfe, wo man auf den Feldern das geheiligte Zei⸗ chen der Chriſten— aufgerichtete Kreuze erblickte. Hieruͤber gerieth das Kreuzheer in eine ungemein große Freude: denn ſchon lange hatten ſie dieſe Frie⸗ dens⸗Palmen nicht mehr geſehen. Nun war das Ge⸗ biet der treuloſen Tuͤrken zuruͤckgelegt. Die Geiſeln baten deßwegen ſogleich um ihre Entlaſſung; ſie wur⸗ den aber noch genauer bewacht, je anhaltender ihr Streben nach Freiheit war. Der Fuͤrſt von Armenien, Livon, deſſen Land der Sultan von Jeonien mit Huͤlfe der Teutſchen 3 309 gerne erobert haͤtte, war ſo gefaͤllig, dem Kaiſer ſelbſt entgegen zu kommen, und durch ſeine Leute den Zug uͤber die Gebirge zu erleichtern. Nachdem dieſe uͤber⸗ ſtiegen waren, gelangten ſie in ein Thal, wo ſie ſich am Waſſer Saleph lagerten. Dieſer Fluß iſt ſehr tief und grundlos; beinahe waͤre die Reiterei darin umgekommen. Hier kamen die Geſandten des Be⸗ herrſchers der Gebirge, und boten ihre treuen Dien⸗ ſte an. 3 Dieſer kleine Fuͤrſt, gemeiniglich der Alte des Berges genannt, hatte uͤber ſeine aberglaͤubiſchen Unterthanen eine ſolche Gewalt erworben, daß ſie blindlings allen ſeinen Befehlen gehorchten. Dieſes moslemiſche Voͤlkchen beſtand urſpruͤnglich aus Ara⸗ bern, unter welche ſich in der Folge die Perſer miſch⸗ ten. Hoſſan, der Stifter dieſer Dynaſtie, war zu⸗ gleich der Urheber einer neuen Religion, welche von Chriſten und Muhametanern verabſcheut wurde. Ihre Verfaffuns beruhte auf dem ſtrengſten Deſpotismus. Einen Meuchelmord hielten ſie fuͤr ein verdienſtliches Werk*), wenn des Fuͤrſten Gebot ihn geheiliget hatte. Die aͤrgſten Gefahren und ſelbſt den gewiſſen Tod ſcheutten ſie nicht, wenn ſie nur ſeinen Willen *) Man nannte dieſes Banditen⸗Volk, die Aſſa⸗ ſinen, daher nachhin das Wort Aſſaſin in den meiſten europaͤtſchen Sprachen aufgenom⸗ men iſt. 310 ansfuͤhren konnten. Sie bildeten ſich ein, wenn ſie ihr Leben fuͤr ihn opferten, ſo wuͤrden die wohlluͤſtig⸗ ſten Freuden des Paradieſes eine unausbleibliche Be⸗ lohnung fuͤr ihren Gehorſam ſeyn*). Der Alte vom Berge hatte die Gewohunheit, wenn er ſich fuͤr beleidigt hielt, heimlich einige ſeiner Bauditen gegen ſeine Beleidiger abzufenden, ihnen die Ausfuͤh⸗ rung ſeiner Rache aufzutragen, ſie auf alle Art zu unterrichten, wie ſie ihr Vorhaben verbergen ſollen, und keine Vorſicht war faͤhig, Jemand gegen die An⸗ ſchlaͤge dieſer feinen, und verwegenen Meuchelmoͤrder zu ſichern. Dießmal aber leiſteten die abgeordneten Aſſaſſinen dem Kaiſer die erſprießlichſten Dienſte; er bediente ſich ihrer als Wegweiſer. Sie meldeten ihm, daß er noch einen ſehr rauhen Weg zu machen haͤtte, welches aber Friedrich ſeinen Mitſtreitern forgfaͤltig verbarg, damit ſie den Muth nicht ſinken ließen. Den andern Tag fanden die Kreuzzieher ſchon die Erfuͤllung deſſen, was die Bergbewohner geſagt hatten. Sie konnten *) S. des eiſterzienſer Abts von Jorval, Joh. Bromptons, Chronik in Heinrich Savilles ammlung ꝛc. London 1596 und Rymers Ak⸗ ten, 1. B. S. 71.— Die Ermordung des Markgrafen Konrad in Sidon liefert ei.'n traurigen Beweis von der Schwaͤrmerei dieſer Aſſaſſinen, 311 unmoͤglich in der Ordnung einherziehen, ſondern ein jeder half ſich ſo gut, als er vermochte. Selbſt waͤh⸗ rend der Nacht ging ein Theil des Heeres uͤber einen ſehr hohen Berg, am Ufer des Saleph, lange Zeit bin. Die Dunkelheit der Nacht verhinderte, daß man die große Gefahr nicht bemerken konnte, in welche die ſteilſten Abhaͤnge gefuͤhrt hatten. Die Nachruͤcken⸗ den entſetzten ſich daruͤber, als inzwiſchen Tag ge⸗ worden war, außerordentlich, und geriethen in eine ſehr große Furcht. Biſchoͤfe und vornehme Ritter, auch wenn ſie krank und bis zur Hinfaͤlligkeit ſchwach waren, mußten hier die Lagerſtaͤtte(ſie wurden in Decken zwiſchen zwei Pferden getragen) verlaſſen, und hiuter ihren Laſtthieren zu Fuße in der ungeheuern Hoͤhe der ſteilſten Pfade ſich fortſchleppen, mit jedem Augenblicke bedroht, den Tod in der endloſen Tiefe gaͤhnender Abgruͤnde zu finden. Lobenswerth iſt der Eifer mancher Schildtraͤger, welche hier ihre ſchwachen Herren, im Schweiße des Angeſichtes, durch die au⸗ genſcheinlichſte Gefahren, uͤber die ganze Hoͤhe des Berges trugen. Im Herabſteigen gerieth man an ei⸗ nen grasreichen Ort, ließ ſich dort nieder, und nahm das Mittagsmahl ein. Die Fuͤhrer des Kaiſers, die ihn keiner Gefahr ausſetzen wollten, ſtiegen an das 4 Ufer des Fluſſes mit ihm und andern ſeiner Begleiter binab, und zogen daſelbſt fort; allein auch hier war die Gefahr nicht minder groß. Auch hier mußten Bi⸗ ſchoͤfe und Edle die Pferde zuruͤck laſſen, und uͤber 312 die ſteilſten Fußpfade, das brauſende Gewaͤſſer zur Rechten, die in gerader Linie aufſteigenden Felſen zur Linken, auf den Haͤnden klettern. Endlich gelangte man in ein kleines Thal am ufer dieſes Fluſſes, und lagerte ſich. Das ganze Heer, Arme wie Reiche, Ge⸗ ſunde wie Kranke, hatten außerordentlich gelitten, durch die Beſchwerlichkeit des Weges in den ſteilen Berghoͤhen ſowohl, kaum von Gemſen und Steinad⸗ lern bevoͤlkert, als auch durch die druͤckende Hitze der Sonne und des Sommers. Der Kaiſer hielt Tafel am Ufer des Saleph, und freute ſich jetzt uͤber das ſpiegelnde Waſſer recht ſehr. Er wollte ſich darin eine kuͤhlende Erquickung ſchaffen; und ſchwamm in die Mitte des Fluſſes. Da ſchlugen die Wellen ſeine natuͤrliche Hitze ſo gewaltig zuruͤck, daß ihn eine Ohnmacht anwandelte. Er ſank, und man zog ihn ſtarrend wieder heraus. Des andern Tages ſtarb er. Die Beſtuͤrzung uͤber den ploͤtzlichen Verluſt die⸗ ſes Oberhauptes war allgemein. Viele waren ſo er⸗ ſchrocken, daß ſie augenblicklich ſelbſt ſterben wollten. Die Fuͤrſten ſowohl, als das Volk, waren in unge⸗ heuern Schmerz verſenkt uͤber den unerſetzlichen Ver⸗ luſt. Doch als die erſten Tage der Trauer voruͤber waren, verſammelten ſich die Vornehmſten und waͤhl⸗ ten fuͤr die Zukunft zu ihrem gemeinſchaftlichen An⸗ fuͤhrer den Erben der vaͤterlichen Tugenden, den Sohn des Kaiſers Friedrich, den He rzog von Schwaben. 7 313 Diefer nahm die irdiſchen Reſte ſeines Vaters mit ſich nach Tarſum, einer Stadt in Cilicien, und ließ dort deſſen Eingeweide mit aller Feierlichkeit begraben. Nun wurde das Heer der Kreuzfahrer abgetheilt: ein Theil ging nach Tripoli, welches noch in den Haͤnden der Griechen war, der andere unter Anfuͤh⸗ rung des Herzogs von Schwaben nach Antiochien. Sie kamen zum Hafen St. Simeon; zu Antio⸗ chien aber ließ Friedrich die Gebeine ſeines Va⸗ ters in der Kathedral⸗Kirche des h. Peters vor dem Al⸗ tare beiſetzen. Auch kamen hier wieder einige Ge⸗ ſandte des Alten vom Berge, den Kaiſer— von deſſen Tode ſie noch nicht unterrichtet waren, zu be⸗ gruͤßen. Sie erſchracken uͤber die unvermuthete Nach⸗ richt mehr, als andere.. Nach ſo vielen Muͤhſeligkeiten, nach uͤberſtandenem Durſte, Hunger und Elende, kam unter die Kreuz⸗ fahrer das hoͤchſte aller Uebel— die Sterblichkeit der Peſt. Edle und Unedle, Greiſe und Juͤnglinge wur⸗ den eine ſchnelle Beute des Todes. Es ſtarben der Biſchof Gottfried von Wuͤrzb urg, viele andere Biſchoͤfe, Vornehme und Ritter, welche namentlich anzufuͤhren hier der Raum mangeln wuͤrde. Gott⸗ fried befahl denjenigen, welche bei ſeinem Tode ge⸗ genwaͤrtig waren, daß man ihm nach ſeinem Hin ſchei⸗ den die rechte Hand abhauen, und dieſelbe nach Wuͤrz⸗ burg, in das geliebte Vaterland uͤberſchicken ſollte, um in der Hauptkirche daſelbſt zum immerwaͤhrenden I2tes B. Paläſtina. I. 3. 5 314 Gedäͤchtniße aufbewahrt zu werden.— Dieſe Hand iſt jedoch auf der Heimreiſe von denjenigen, welchen ſie anvertraut war, verloren worden. Sein Leib wurde, wie alle uͤbrigen der Kreuzfahrer, zu Antiochien be⸗ graben. Diejenigen aber, welche hier der Sichel des Todes gluͤcklich entgangen waren, zogen mit dem Her⸗ zoge von Schwaben nach Ptolemais,(Acon,) wo ſich das ganze Heer der Kreuzbruͤder wieder zuſam⸗ menfand. Allein— an dieſem Orte gingen zuletzt faſt alle zu Grunde, ſowohl die, welche gekommen waren, als jene, welche ſchon vor der Stadt lagen, um ſie zu belagern; denn ſie war in den Haͤnden der Tuͤrken, und wurde auf das Hartnaͤckigſte vertheidiget. Die Peſt fieng abermals zu wuͤthen an, und ſchonte keinen mehr, auch von denen, welche zu Antiochien frei aus⸗ gegangen waren. Hier ſtarb auch der vorzuͤglichſte Held— der beſte Streiter fuͤr die Chriſtenheit, der Schrecken der Sarazenen: Friedrich ſtarb, der Her⸗ zog von Schwaben, 20. Jaͤnner 1194*). Ihm folg⸗ **) Eine ſeltene Fuͤrſten⸗Tugend war ſeine Lieblin⸗ gin— die Keuſchheit. Die morgenlaͤndiſchen Aerzte riethen dem kraftvollen teutſchen Manne den Umgang mit buhlenden Frauenzimmern zum Genelungsmittel an.„Lieber ſterben will ich, war ſeine Antwort, als Leib und Seelebeflecken. Ich hab ein Geluͤb⸗ de gethau, und bin hiehergekommen, ten, ſchnell oder langſamer, noch viele Andere nach: Diepold, Biſchof von Paſſau,(er war aus kaiſer⸗ lichem Gebluͤte) mit vielen ſeiner— ihn begleitenden Kanonikern; er ward zu Akra begraben. Wegen ihrer Schwaͤche konnten die Chriſten we⸗ der den Sultan angreifen, noch Ptolemais ein⸗ nehmen. Sie wuͤrden alſo in Kurzem durch Hunger und Schwert aufgerieben worden ſeyn, wenn nicht ganz unvermuthet eine Flotte von fuͤnfzig Schiffen ge⸗ landet waͤre. Dieſe waren mit Franzoſen, Englaͤn⸗ dern, Daͤnen und Frieelaͤndern beſetzt, welche die Ab⸗ reiſe ihrer Landesfuͤrſten nicht erwarten wollten, ſon⸗ dern ſich zum Voraus eingeſchifft hatten. Zu eben der Zeit, als dieſe Flotte aus der hohen See dem Hafen zueilte, ſah man eine andere, viel ſtaͤrkere, laͤngs der Kuͤſte hinſegeln. Dieſe war mit Deutſchen beſetzt, welche unter dem Landgrafen von Thuͤringen, Ludwig V. der ſich ſchon auf der Reichs⸗Verſammlung in Mainz zum Kreuzzuge ent⸗ ſchloſſen hatte, zur Verſtaͤrkung des kaiſerlichen Hee⸗ res war abgeſchickt worden. Sie hatten ſich im Hafen von Tyrus verweilt, und einige Erfriſchungen ein⸗ genommen. die Stadt zu gewinnen, worin das Grab Jeſu iſt. Warum ſollte ich die Krone der Reinigkeit hier nun ent⸗ heiligen?“ 316 Durch dieſen Zuwachs war das Kreuzheer viel zahlreicher, als die Sarazenen. Hingegen konnte Sa⸗ la— heddin ſich taͤglich mit friſchen Voͤlkern ver⸗ ſtaͤrken, daß alſo doch die Chriſten keine Ueberlegen⸗ heit uͤber ihn gewannen. Das Kaͤmpfen ging taͤglich fort, und indeß die Landſoldaten untereinander ſich aufrieben, ſuchten die Flotten, ſich gegenſeitig Abbruch zu thun, und das Meer frei zu behalten. Anfangs hatten die Chriſten zur See die Oberhand; aber Sa⸗ la— heddin kam mit ſeiner maͤchtigen Flotte, die er in Aepypten hatte ausruͤſten laſſen, und behauptete endlich dieſe Herrſchaft. Nach dieſem gelang es ihm, die Beſatzung von Ptolemais zu verflaͤrken, und den Belagerern alle Zufuhr abzuſchneiden. Er wuͤrde dadurch das Maß ihres Elendes voll gemacht haben, wenn nicht der Markgraf von Montferat mit ſei⸗ ner Huͤlfsflotte von Ty vus angekommen waͤre. Seine Klugheit, und der Muth der Seinigen erkaͤmpfte uͤber die ſultaniſche Seemacht die betraͤchtlichſten Vortheile, und es gluͤckte den Chriſten wieder ſo weit, daß man ihnen Lebensmittel zufuͤhren konnte.. Was halfen aber dieſe wenigen Tage der Er⸗ friſchung! Das Heer war einmal ſo ſehr geſchwaͤcht, daß es ſeinem gaͤnzlichen Untergange, oder der Ver⸗ zweiflung nahe kam. Der Verluſt des zweiten Ober⸗ hauptes machte einen zu tiefen Eindruck auf die Mei⸗ ſten, daß ſie nicht mehr in dem Lande der Verwuͤſtung, und des Todes bleiben wollten. Sie zerſtreuten ſich 317 alle, und ein jeder ſuchte, ſo gut er konnte, wieder nach Hauſe zu kommen. Viele erreichten nicht einmal mehr die lang erſehnte Heimath. Unter dieſen Umſtaͤnden erwarteten die Chriſten in Palaͤſtina mit Schmerzen die Ankunft der Koͤ⸗ nige von Frankreich und England, welche den Winter des Jahres 1180 in Sizilien zugebracht hatten,(wie wir bereits ſchon erzaͤhlt haben)*) und daſelbſt den Grund zu ihren nachmaligen Feindſelig⸗ keiten fanden. Koöoͤnig Wilhelm von Sizilien war geſtor⸗ ben, und dieſer hatte des Koͤniges, Richards von England Schweſter, Johanna, zur Gemahlin gehabt. Er ſtarb ohne Erben, und vermachte ſeine Laͤnder ſeiner Muhme Konſtantia, als der einzigen recht⸗ maͤſſigen Erbin Rogers, des erſten Normaͤnniſchen Fuͤrſten dieſer Reiche. Dieſe Prinzeſſin war, auf Hoff⸗ nung wegen dieſer reichen Erbſchaft, mit dem Kaiſer, Heinrich VlI. vermaͤhlt. Tankred, Konſtanti⸗ nus nnaͤchter Bruder, hatte ſich unter den Großen ein ſolches Anſehen erworben, daß er ſich die Entfernung des Kaiſers Friedrich zu Nutzen machte, ſich auf den Thron ſetzen, und ſeinen Anſpruch durch die Ge⸗ walt der Waffen wider die Bemuͤhungen der Teut⸗ ſchen behaupten konnte. 3 Dieſer Taſchenbibl. 4s Baͤndchen. Seite 2416. 318 Die Ankunft der Kreuzzieher mußte natuͤrlicher Weiſe Beſorgniſſe wegen ſeiner unbeſtaͤndigen Herr⸗ ſchaft erregen. Inzwiſchen wußte er den beiden Koͤ⸗ nigen, von Frankreich und von England, ſo zu ſchmei⸗ cheln, daß beide im Begriffe waren, Freundſchafts⸗ Verbindungen mit ihm abzuſchließen. Auch hatte ſich Philipp mit ſeinem Kriegsvolke in die Stadt Meſ⸗ ſina gelagert, Richard aber in die Vorſtaͤdte. Ungluͤcklicher Weife geriethen die Meſſenier und die Englaͤnder mit einander in Streit, und in einem hef⸗ tigen Handgemenge draͤngten ſich letztere in die Stadt, wo Richard gleichſam wie zum Zeichen des Sieges, ſeine Fahne aufgeſteckt wiſſen wollte. Philipp, als in der Stadt wohnend, ſah dieſes fuͤr eine oͤffentliche Beſchimpfung an, und befahl ſeinem Volke, die Fahne wieder wegzunehmen. Dieſer Streit wurde zwar fuͤr die Gegewart wieder beigelegt; allein von nun an blieb Groll und Eiferſucht in den Herzen der beiden Koͤnige. Tankred ſuchte von nun an, zu ſeiner eigenen Sicherheit, ſie noch gehaͤſſiger gegen einander zu ma⸗ chen, und uͤbte allerlei ſchaͤndliche Kunſtgriffe aus. In einer ſolchen Stimmung ſegelte der Koͤnig von Frankreich 30. Maͤrz 1194 von Sizilien ab, und landete nach einer eben ſo gluͤcklichen, als geſchwin⸗ den Fahrt, mit ſeiner ganzen Flotte am 12. April vor Ptolemais. Indeß wartetes Richard noch zu Meſſina auf 319 ſeine Braut, Berengaria, die Tochter des Königs Sancho von Navarra. Als ſte gekommen war, theilte er ſeine Flotte in drei Geſchwader, und brach am 10. April zu ſeiner Unternehmung im heiligen Lande auf. Die engliſche Flotte hatte, ſobald ſie vom Hafen Meſſina entfernt war, einen wuͤthenden Sturm auszuſtehen. Das Geſchwader, auf welchem die junge Gemahlin des Koͤnigs ſich befand, wurde an die Kuͤſte von Cypern verſchlagen, und einige von den Schif⸗ fen litten bei Limiſſo, einem feſten Orte auf dieſer Inſel, Schiffbruch. Jſaak, der Beherrſcher von Cy⸗ pern, der ſich den erhabenen Titel eines Kaiſers an⸗ maßte, pluͤnderte die geſtrandeten Schiffe, warf die Seeleute und die Fremdlinge in das Gefaͤngniß, und verſagte ſogar der angſtvollen Koͤnigin die Freiheit, in dem gefaͤhrlichſten Zuſtande ihres Schiffes in den Hafen von Limiſſo einzulaufen. Aber Richard, der bald darnach anlangte, raͤchte ſich wegen dieſer Beleidigung ſattſam an ihm. Er ſetzte ſein Kriegs⸗ volk an das Land, ſchlug den Tyrannen, der ſich ſei⸗ ner Landung widerſetzen wollte, nahm Limiſſo mit Sturm ein, gewann den andern Tag noch einen Sieg, zwang den trotzigen Iſaak, ſich auf Gnade und Un⸗ gnade zu ergeben, und ſetzte Statthalter uͤber ganz Cypern ein*). Da der griechiſche Prinz in das *) Richard verkaufte nachher Cypern, weil ſie 7 320 Gefaͤugniß geſetzt, und mit eiſernen Ketten beladen wurde, ſo beſchwerte er ſich uͤber die ſchlechte Achtung, womit man ihm begegnete. Hierauf ließ Richard ſilberne Ketten fuͤr ihn machen, und der gefeſſelte Kaiſer freute ſich uͤber dieſe ehrenvolle Unterſcheidung ſo, daß er dem Sieger ſeine Erkenntlichkeit fuͤr dieſe Großmuth zu erkennen gab. Bald darauf reiſte Richard wieder von Cy⸗ pern ab. Als er ſich der Stadt Ptolemais naͤ⸗ herte, wurde er eines außerordentlichen großen Schif⸗ fes, mit franzoͤſiſchen Flaggen gewahr. Er hielt es aber fuͤr eine feindliches, und betrog ſich nicht. Man fand, daß es von Salaheddins Flotte war, und fuͤnfzehnhundert Mann, nebſt einer großen Menge von Lebensmitteln und Kriegsbeduͤrfniſſen fuͤr die Belager⸗ ten an Bord hatte. Der Koͤnig ließ es herzhaft an⸗ greifen, und in den Grund bohren. Am 8. Juni kam Richard in dem Lager der Chriſten, und zwar noch zur rechten Zeit an, um die ihm zu weit entlegen war, an die Tempelherren fuͤr dreimal hundert tauſend Livres. Dieſe uͤberlie⸗ hen ſie wieder an Richard, weil ſie ſich nicht grauf zu erhalten wußten, und er trat ſie mit gller oberherrlichen Hoheit an Guido von Luſignan ab, mit der Bedingung, den Tem⸗ pelherren eine gewiſſe Summe hinaus zu bezah⸗ len. Das Geſchlecht der Luſignane heirſchte * in Cypern dreihundert Jahre⸗ 321 Ehre der Belagerung von Ptolemais zu theilen. Der Koͤnig von Frankreich hatte ohne dem Koͤnige von England bisher gegen die Sarazenen nichts wa⸗ gen wollen, weil ſich beide dahin vereiniget hatten, alle Eroberungen im heiligen Lande mit einander ge⸗ meinſchaftlich zu machen, und in Beſitz zu nehmen. Es ward nun beſchloſſen, daß jeden Tag mit dem Angriffe und mit der Bedeckung deſſelben zwiſchen bei⸗ den Voͤlkern ſollte abgewechſelt werden. Der Wett⸗fer zwiſchen dieſen ehrbegierigen Koͤnigen und Volkern, erzeugte außerordentliche Thaten; und Richard ins Beſondere, der von einem hitzigeren Muthe, als Ph i⸗ lipp, beſeelt war, und dem romantiſchen Geiſte der damaligen Zeit naͤher kam, jog die Aufmerkſamkeit al⸗ ler ehriſtlichen Streiter, und ſelbſt ihrer tuͤrkiſchen Feinde auf ſich. Er errang ſich einen großen und glaͤn⸗ zenden Ruhm. Die Kreuzfahrer bekamen alſo ein neues Leben, und eine gewiſſere Hoffnung, daß ſie endlich uͤber die Unglaͤubigen ſiegen wuͤrden. Allein es entſtand waͤh⸗ rend dieſer Belagerung ein neuer Zwiſt unter den bei⸗ den Koͤnigen. Konrad von Montferat wurde, nach dem Tode der Koͤnigin Sybilla, allgemein als Koͤnig von Jeruſalem anerkannt, nur Richard verſtand ſich nicht dazu. Er hatte ſich mit ſeinen Eng⸗ laͤndern, den Piſanen und Johanniter⸗Rittern fuͤr den Gemahl der verſtorbenen Koͤnigin, Guido von Lu⸗ ſignan erklaͤrt. Dieſer Zwiſt brachte ſelbſt Meute⸗ 322 reyen in das ehriſtliche Heer, und hielt den Gang der Unternehmungen auf. Oft waren die Partheien be⸗ reit, ihre Streitigkeiten durch ein foͤrmliches Gefecht auszumachen. Ohngeachtet deſſen ſahen ſich die Tuͤr⸗ ken durch die anhaltende Belagerung gezwungen, die Stadt Ptolomais, am 13. Heumonats 4491, unten folgenden Bedingniſſen zu uͤbergeben: Den Saraze⸗ en ſollte nicht erlaubt ſeyn, etwas anders, als ihre Kleder mitzunehmen. Gold und Silber, und alle Le⸗ bensmuel ſollten dem Kreuzheer uͤberlaſſen werden. Sala⸗heddin ſollte alle gefangene Chriſten, und das heil. Kreuz ausliefern, ferner den beiden Koͤnigen fuͤr die Kriegskoſton zweimal hundert tauſend goldene Byzantinen auszahlen, bis zur Erfuͤllung dieſer Be⸗ dingungen aber die ganze Beſatzung als Kriegsgefangene zuruͤck laſſen. Der Befehlshaber von Ptolomaͤis willigte zwar in dieſe Bedingniß; Sala⸗heddin aber wollte ſie nicht unterzeichnen, und am wenigſten die auferlegte Geldſumme entrichten. Ri chard ließ deßwegen in der erſten Hitze ſechstauſend Gefangene niederſaͤbeln. Herzog Leopold von Oeſterreich, welcher mit vielen ſeiner Adelichen, S iegfried Grafen von Niederl, Hugo von Puchberg, Heinrich von Medlingen, Albert von Horn, und anderen, faſt gleichzeitig mit den beiden Koͤnigen aus Dalmatien in Palaͤſtina angekommen war, und bei der Bela⸗ gerung der Stadt ſein Moͤglichſtes gethan hatte, ließ 4 323 nach der Einnahme derſelben ſeine Fahne auf einen Thurm pflanzen. Dieſes hielt Richard fuͤr eine Anmaſſung, welche beiden Koͤnigen hoͤchſt nachtheilig werden koͤnnte. Er ließ deßwegen die Fahne herab⸗ reißen, und mit Fuͤßen treten. Die Teutſchen griffen ſogleich zu den Waffen; allein Leopold wollte es jetzt nicht zum offenen Bruche kommen laſſen, verließ jedoch, hoͤchſt aufgebracht, mit den Seinigen das Kreutheer. Zehn Tage nach der Einnahme von Ptolomais erklaͤrte ſich auch der Koͤnig von Frankreich, daß er entſchloſſen ſey, nach Europa zuruͤck zu kehren, und dieſes hauptſaͤchlich wegen des ſchwachen Zuſtan⸗ des ſeiner Geſundheit. Eine Krankheit waͤhrend der Belagerung, hatte ihm hart zugeſetzt: Haare und Naͤgel ſielen ihm aus, und ſeine aͤußere Haut ſchaͤlte ſich ganz ab. Er war jetzt wieder heigeſtellt, aber noch ſchwaͤchlich, und wollte nicht in Aſien ſterben. Richard widerſetzte ſich zwar dieſer Abreiſe, weil ſie ihrem gemachten Vertrage zuwider waͤre; allein Philipp Auguſt beharrte auf ſeinem Entſchluſſe, und der Koͤnig von England mußte endlich auch dar⸗ ein willigen. Jener ließ unter der Anfuͤhrung des Herzogs Otto von Burgu nd zehntauſend Mann zu Fuß, und fuͤnfhundert Reuter von ſeinem Kriegsvolke zuruͤck, und ſchiffte ſich den 1. Auguſt 1194 zu Tyrus ein. Er ſegelte mit dreizehn Schiffen an den Kuͤſten von Syrien und Kleinaſien hin, und landete endlich 324 in Italien. Manchmal war er ausgeſtiegen, um ſeine ſchwachen Kraͤfte zu ſtaͤrken, und ſeinen Gefaͤhrten Erholung zu verſchaffen. Die ganze Fahrt war gluͤck⸗ lich, und Philipp kam froͤhlich und wohlbehalten zu Rom an, wo er von dem Papſte Coͤleſtin III. mit den praͤchtigſten Ehrenbezeugungen empfangen wurde. 4 Der h. Vater genehmigte ſeine Zuruͤckkunft, und rechte ihm und ſeinem Gefolge, nach der damaligen Gewohnheit, zum Zeichen ihres erfuͤllten Geluͤbdes, die geweihten Palmen. Zu Mailand fand er den teutſchen Kaiſer Hei nrich, glich einige Irrun⸗ gen aus, die ſich ſchon unter deſſen Vater angeſpon⸗ nen hatten, und gelaugte dann gluͤcklich in ſeinem Reiche an. Indeß zeichnete ſich Richard durch ſeine Tha⸗ ten in Aſien aus. Das Kreuzheer war noch hundert tauſend Mann ſtark, und alle entſchloſſen ſich, unter ſeiner Anfuͤhrung die Belagerung von Askalon zu verſuchen, um ſich dadurch den Weg zur Eroberung von Jeruſalem zu bahnen. In dieſem Entſchluſſe zogen ſie die Seekuͤſte hinab; Sala⸗heddin aber wollte ihnen den Weg verlegen, und ſtellte ſich mit einem Heere von dreimal hundert tauſend Mann ent⸗ gegen. Trotz dieſer Ueberlegenheit faßte Richard den Muth, die Feinde anzugreifen. Hierauf wurde eine der groͤßten, hartnaͤckigſten und blutigſten Schlach⸗ ten des damaligen Zeitalters geliefert. Im Anfauge 325 wurde ſowohl der rechte Fluͤgel, welchen der unuͤber⸗ windliche Held, Jakob d'Avenes, anfuͤhrte, als der linke, unter dem Befehle des Herzoges Odo von Burgund, getrennt, und zuruͤck geſchlagen. Als d'Avenes den dritten Angriff mit unbeſchreiblichem Muthe wagte, ward ihm ein Bein abgehauen. Da ſank er auf ſeine Knie, ſchwang rings herum ſein ſchwer treffendes Schwert durch die pfeifende Luft, daß, wer ihm nahe kam, nieder fiel. Haufen von Sarazenen ſtuͤrmen auf ihn ſeine tapfere Hand trennt ein Tuͤrkenſaͤbel vom Arme; mit der andern ergreift er die Lanze, und— ſtirbt!— Richard ſah den Schwall der Feinde ſiegpran⸗ gend am zerſtuͤmmelten Leichname des großen Todten. Da pochte das Loͤwenherz in ſeiner Bruſt; er ſtellte das Treffen wieder her, griff den Feind mit unver⸗ gleichlicher Unerſchrockenheit und Gegenwart des Gei⸗ ſtes an, verrichtete die Dienſte eines klugen Feldherrn und mannhaften Soldaten mit vollkommener Herrlich⸗ keit, und verſchaffte nicht nur ſeinen beiden Fluͤgeln Zeit, ſich wieder zu ſammeln, ſondern erhielt auch, nach einem fuͤrchterlich anhaltenden Schlachtgewuͤhle, den vollſtaͤndigſten Sieg uͤber die Sarazenen, von wel⸗ chen wenigſtens vierzig tauſend Mann auf dem Felde geblieben ſind⸗ Sala⸗heodin bebte vor Helden„Grimm; er wollte nicht ruhen, und doch empfand er Abſchen vor dem Vergießen des Menſchenblutes. Da gab ihm K 3²26 ſeine Großmuth den Gedanken ein, ſich ſelbſt fuͤr ſein Volk in einem Zweikampfe zu wagen. Da Richard und Sala⸗heddin gleiche Hoheit des Geiſtes und des Ranges beſaßen, ſo ſuchten beide durch ihren Kampf das Kriegsgluͤck vollends zu entſcheiden. Die Waſfen klirrten, die Lanzen zielten, ſie rann⸗ ten mit gleichem Ritter⸗Ernſte ſchnell auf einander los. Sie kaͤmpften nach ihrem ganzen Vermoͤgen. Richard ward durch einen heftigen Stoß zuruͤckge⸗ ſchuͤttert; ſein flammender Muth loderte neu angefocht auf,— er warf den Sultan zu Boden!— Der Schrecken fuhr durch alle Glieder der Sara⸗ zenen, todtbleichen Angeſichtes ſtarrten ſie mit graͤßli⸗ chen Blicken auf dieſen letzten Auftritt des Trauer⸗ ſpieles; ſie waͤhnten, der niedergeſtuͤrzte Sultan ſei getoͤdtet. Die Beherzteſten eilten herbei, ihn hinweg zu ſchaffen. Richard ſchaute mit funkelnden Augen dem Schwarme ruhig zu; ſeine Krieger richteten ein grauſames Blutbad an; des Sultans Ruͤſtung hatte ihm ſein Leben erhalten; er ſtand wieder auf, er⸗ haſchte von den Seinigen ein arabiſches Roß, und flog davon. Bald darauf ſiel Aſealon in die Haͤnde der Chriſten, man nahm den Tuͤrken wieder andere, be⸗ traͤchtliche Eroberungen ab; Richard hatte ſchon Jeruſalem, das letzte Ziel ſeiner Unternehmungen im Geſichte. Die Belagerung ward bis auf den Feldzug im kuͤnftigen Fruͤhlinge verſchoben, weil man 327 in der Gegend von Salem den noͤthigen Unterhalt nicht anzutreffen hoffte. Allein, als dieſe Zeit gekom⸗ men war, bezeugte Jedermann, außer dem Koͤnige von Lugmnd⸗ das Verlangen, in ſein Vaterland zu⸗ ruͤck zu kehren. Die Teutſchen und Italier erklaͤrten ſich, daß ſie von dem Unternehmen abſtehen wollten; die Franzoſen beſtanden aber noch hartnaͤckiger auf die Nuͤckkehr. Der Herzog von Burgund wider⸗ ſetzte ſich allen Unternehmungen des Koͤnigs; auf den Markgrafen von Montferrat konnte er ſich gleich⸗ falls nicht verlaſſen. Da gab er alle Hoffnungen zu fernern Eroberungen auf, war jedoch darauf bedacht, den Chriſten durch einen Vergleich mit Sala⸗ hed⸗ din dasjenige zu ſichern, was ſie bisher erobert hatten. Richard ſchloß demnach mit dem Sultane einen Waffen⸗Stillſtand, und ſetzte darin feſt, daß Ptole⸗ mais, Joppe, und andere Seeſtaͤdte in Palaͤ⸗ ſtina ungehindert im Beſitze der Chriſten bleiben, und daß dieſe die Freiheit haben ſoliten, ungeſtoͤrt ihre Pilgrimmſchaft nach Je ruſalem zu thun. Der Stillſtand war auf drei Monate, drei Wochen, drei Tage und drei Stunden geſchloſſen. Bei ſolchen Umſtaͤnden war nun auch Richard auf ſeine Ruͤckkehr bedacht. Als er aber hiezu die An⸗ ſtalten zu Ptolomais vorkehren ließ, erfuhr er, daß Sala⸗heddin mit einer ſtarken Macht Joppe belagere. Nun hielt er es ſeinem bereits erworbe⸗ 328 nen Ruhme fuͤr nachtheilig, daß ſein furchtbarſter Feind waͤhrend ſeiner Abweſenheit in Palaͤſtina ſie⸗ gen ſollte; er eilte alſo der belagerten Stadr zu Huͤlfe. Die Haͤlfte ſeines Heeres ging zu Lande nach Jaffa, und mit der andern folgte er ſelbſt zur See nach. Die Sarazenen hielten das Ufer ſtark beſetzt, um das Anlanden zu verhindern. Richard, der hier mehr ſeiner Unerſchrockenheit, als ſeinem Kriegsrathe folgte, ließ die Schiffe an das Ufer anlaufen, ſprang zuerſt in die See, und zerſtreute mit dem Saͤbel in der Fauſt, die Feinde, welche ihn umringen wollten, Die Haupt⸗ leute folgten ſeinem ſo tapfern, kuͤhnen Beiſpiele. Die Sarazenen erſchracken uͤber eine That, die bis zur Verwegenheit ging, nahmen in groͤßter Verwor⸗ renheit die Flucht, und zerſtreuten ſich rings umher, Richard Loͤwenher:, der ihnen keine Zeit ließ, ſich wieder zu ſammeln, oder nur zu erholen, entriß auf dieſe Weiſe dem Sultane die Stadt, die er ſchon beſetzt hatte, und noͤthigte ihn, ſich hinwes zu begeben, 6 un Nach dieſem erhoben ſich zwiſchen Guido von Lufignan, und dem Markgrafen Konrad von Montferrat neue Streitigkeiten; Richard ver⸗ theidigte die Sache des erſtern, Ehe es aber zu of⸗ fenen Feindſeligkeiten kam, wurde Konrad von zwei Banditen auf Anſtiften ihres Fuͤrſten, auf oͤffenn licher Straße ermordet. Anfangs ſiel aller Verdacht auf den Koͤnig von England; allein man erfuhr nach⸗ 329 her Folgendes: Konrad hatte ſich eines reichen, ſa⸗ razeniſchen Schiffes bemaͤchtiget, deſſen Ladung dem Alten vom Berge zugehoͤrte. Es war durch einen Sturm genoͤthiget worden, in den Hafen von Ty⸗ rus einzulaufen, und hier wurde der Steuermann, der ſein Mißfallen uͤber die Gewaltthaͤtigkeit der Dy⸗ rier nicht bergen konnte, getoͤdtet. Dieß erfuhr der Alte, und ſtracks verlangte er Genugthuung. Kon⸗ rad ſpottete deſſen Gefandten, und wollte ſogar einen davon in das Meer ſtuͤrzen laſſen. Der Fuͤrſt der Meu⸗ chelmoͤrder fand ſich aͤußerſt beleidigt, und ſchickte zwei ſeiner Vertrauten nach Dyrus, um fuͤr dieſe Begegnung Rache zuenehmen. Dieſe ließen ſich ver⸗ ſtellter Weiſe taufen, begaben ſich in die Dienſte des Markgrafen, und fanden einmal Gelegenheit, ſich un⸗ ter die Wache deſſelben zu ſchleichen, und ihn am hel⸗ len Tage zu ermorden. Sie wurden ergriffen, und zu den grauſamſten Martern verurtheilt; ſie frohlockten aber unter ihren Qualen, und freuten ſich, daß ſie vom Himmel beſtimmt ſeien, in einer ſo gerechten und verdienſtlichen Sache zu leiden. Nun hielt den Koͤnig von England nichts mehr zuruͤck, in ſein Vaterland zuruͤck zu kehren. Er ſegelte durch das adriatiſche Meer, und da er bei Aquileja Schiffbruch litt, ſo legte er eine Pilgrims⸗Kleldung an, in der Abſicht, ſeinen Weg heimlich durch Teutſch⸗ land zu nehmen. Da er von dem Statthalter Iſtrig verfolgt 12126 B. Paläſtina. I. 3. 6 — 330 wurde, ſo ſah er ſich gezwungen, den geraden Weg nach Englaud zu verlaſſen, und⸗ durch Wien zu gehen. Hier verrieth ſein freigebiger Aufwand den Koͤnig im Gewand des Pilgers, und er wurde auf Befehl des Herzoges Leopold von Oeſterreich Ffeſtgeſetzt. Dieſer teutſche Fuͤrſt hatte bei der Belagerung von Ptolomais unter Richard gedient; wir ha⸗ ben auch gehoͤrt, auf welche Weiſe er von demſelben beleidiget worden iſt. Jetzt fand es Leopold an der Zeit, ſich fuͤr die Unbild des Fahn enabreiſſens em⸗ pfindlich zu raͤchen; er ließ den Loͤwenherz in das Gefaͤngniß werfen. Kalſer Heinrich VI. ſah R i⸗ chard gleichfalls fuͤr einen Feind an, weil er mit dem ſizilianiſchen Koͤnige Tanukred ſich vormals in Pertraͤge eingelaſſen hatte, und ſendete Botſchafter au den Herzog von Oeſterreich, mit dem Begehren, daß der koͤnigliche Gefangene ihm ausgeliekert wuͤrde. Dafuͤr bot er zugleich eine große Geldſumme an. Die Maͤnner des Rathes von England gerie⸗ then in Beſtuͤrzung, als ſie die Nachricht hievon er⸗ hielten. Die verwittwete Koͤnigin ſchrieb oft an den Papſi Coͤleſtin, wie unverantwortlich es ſei, den be⸗ ruͤhmteſten Fuͤrſten im Gefaͤngniſſe au halten, welcher doch die Fahnen der Chriſten ſo wacker im heiligen Lande vertheidiget haͤtte. Sie ſprach den apoſtoliſchen Stuhl um den Schutz an, den er ſeit Urbans Zei⸗ ten auch dem Geringſten der Kreuzzieher ſchuldig waͤre. 331 Coͤleſtin entſprach den Wuͤnſchen der Koͤnigin nicht; die Regierung von England mußte einige Zeit fuͤr ſich ſelbſt mit allen innerlichen, und auswaͤrtigen Feinden kaͤmpfen, und am heftigſen mit Johaun, dem Bruder Richards, der mit dem Koͤnige von Frankreich in ein Buͤndniß wider ſein Vaterland ge⸗ treten war. Unterdeſſen mußte Richards Stolz in Teutſch⸗ land alle Arten von Beleidigungen und Schmach dul⸗ den. Die franzoͤſiſchen Geſandten erklaͤrten ihn im Namen ihres Gebieters fuͤr einen Vaſallen der Krone von Frankreich; der Kaiſer begegnete ihm mit unge⸗ meiner Haͤrte, und ſetzte ihn in einen elendern Zu⸗ ſtand, als den ruchloſeſten Verbrecher. Er wurde ſo⸗ gar zu Worms an einem Reichstage vorgefuͤhrt, und von Heinrich VI. wegen ſchwerer Verbrechen ange⸗ klagt. Aber Richard verlor unter allen Stuͤrmen des Schickſales ſeinen Muth nicht. Er rechtfertigte ſich mit Erhabenheit, und wahrhaft koͤniglicher Wuͤrde. Dann aber brach er in Zorn uͤber die grauſamen Be⸗ handlungen aus. Sein Geiſt, ſeine Beredſamkeit, machten einen ſolchen Eindruck auf die teutſchen Fuͤr⸗ ſten, daß ſie ſich empfindlich uͤber das Verfahren des Kaiſers beklagten. Der Papſt drohte ihm endlich mit dem Banne. Heinrich VI. ſchloß alſo mit dem Koͤ⸗ nige von England wegen ſeiner Loslaſſung einen Vertrag, und verſprach, ihm fuͤr die Summe von 150,000 Mark ſeine Freiheit zu geben. Hundert tau⸗ 3 332 ſend Mark ſollten davon bezahlt werden, ehe er ſeine Freiheit bekäme; und fuͤr den Reſt ſollten ſieben und ſechszig Geiſeln geliefert werden.— Hierauf wurde in England die Beitreibung dieſer Summe auf das Eifrigſte betrieben; freiwillig, und mit zufriedenem Herzen ſteuerte das Volk; die Kirchen und Kloͤſter ſchmolzen ihr Silbergeſchirr zuſammen; die Biſchoͤfe, Aebte und Edelleute erlegten den vierten Theil ihres jaͤhrlichen Einkommens. Als die erforderliche Summe geſammelt war, reiſte der Erzbiſchof Walter von Rouen mit der Koͤnigin Eleonore, am 4. Febr. 1194, nach Teutſchland. Man bezahlte dem Kai⸗ ſer, und dem Herzoge von Oeſterreich das Geld, man ließ fuͤr den Nuͤckſtand Geiſeln zuruͤck, und ſo— ward Richard aus ſeiner Gefangenſchaft befreit. Die Freude der Englaͤnder war ſehr groß, als ſie ihren Koͤnig wieder ſahen, der ſo viel Ungluͤck aus⸗ geſtanden, und der ſich ſo viel Ruhm erworben hatte. Richard ließ ſich bald darauf zu Wincheſter noch einmal kroͤnen, als wenn er ſich durch dieſe Feierlich⸗ keit wieder auf den Thron erheben laſſen, und die Schmach ſeiner Gefangenſchaft voͤllig abloͤſchen wollte. Im Morgenlande ſtarb, bald nach dem geſchloſſe⸗ nen Waffenſtillſtande mit den Kreuzfahrern, der große Sala— heddin, zu Damask. Kurz vor ſeinem Tode gab er Befehl, ſeinen Sterbe⸗Kittel als eine Fahne durch alle Straſſen der Stadt zu tragen. Ein Herold ging voran, und rief mit ſtarker Stimme: „Dies iſt alles, was der großmaͤchtige Sa⸗ la⸗heddin, der Ueberwinder der Morgen⸗ und Abendlaͤnder, behalten hat! Jetzt ſtirbt erl“— In dieſem Gewande ward er begraben.— In ſeinem letzten Willen befahl er, den Armen, ohne Unterſchied, ſie mochten Juden, Chriſten, oder Mu⸗ hamedaner ſeyn, Almoſen auszutheilen.*) Nach dem Tode dieſes großen Mannes wurden ſeine Laͤnder unter ſeine Soͤhne getheilt, deren er zwoͤlf hinterlaſſen haben ſoll. Aber nun entſtanden innerliche Kriege; das meiſte dabei gewann der Bru⸗ der des großen Sultans, Saphaddin. Inzwiſchen hatte der Kaiſer Siei hien erobert, und die vornehmſten Geſchlechter, beſonders aber den Koͤnig Tanered, mit Gemahlin und Kindern, gefan⸗ gen, mit ſich nach Teutſchland gefuͤhrt, um fuͤr im⸗ mer den Keim zu allen Unruhen in dieſem Theile zu Bamberg ſteht:. Der Spitalmeiſter Gottfrid meldete 1193 dem Ordens⸗Prior und Kapitel zu Jerufalem die Todten⸗Liſte vom September: 1) Ein be⸗ ruͤhmter Waffentraͤger Meſtoch, 2) der Fuͤrſt der Aſſyrier, 3) der Bruder Saladins, Herr des Bezirks von Leeman, 4) der Sultan von Jeonien, unter deſſen Soͤhnen große Zwie⸗ tracht entſtandt, 5) in der erſten Maͤrz⸗Woch Saladin ſelbſt. *) In Liner Handſchrift der oͤffentlichen Bibliothek 3 334 Italiens zu tilgen. Auch der Herzog von Oeſterreich, Leopold, war geſtorben, nach einem ungluͤcklichen Sturze mit dem Pferde, in welchem Falle er ſich das Bein gebrochen hatte. In Pa laͤſtina aber ſtand nunmehr Heinrich, Graf von Champagne, allein auf dem Schlacht⸗ felde. Aber er war ſo von Leuten entbloͤſt, daß er aufing, gleichfalls auf ſeine Ruͤckkehr nach Suropa bedacht zu ſeyn. Es regte ſich aber gleichzeitig in den teutſchen Gauen ein neuer Geiſt zu Abentheuern und Kreuzzuͤgen. Kon⸗ rad, Erzbiſchof von Main; ließ es nicht an Bered⸗ ſamkeit, und Ermahnungen fehlen, um alles Volk zum neuen Kampfe aufzuwecken. Es gelang ihm, ſelbſt den Kaiſer, alle Fuͤrſten und die Biſchoͤfe, die Reichs⸗ grafen und den Adel zur Annahme des Kreuzes zu be⸗ wegen. Wie bei den fruͤhern Zuͤgen, war auch hier kein irdiſches Band, weder eheliche Liebe, noch ein reiz⸗ zender Beſitz im Stande, von der allgemeinen Unter⸗ nehmung abzuſtehen. Vater und Sohn, Gatte und Freund, alle ruͤſteten ſich. Die Herzoge, die Großen des Reiches gedachten ihres Landes, ihrer Guͤter nicht mehr, Biſchoͤfe, Aebte, Prioren und Cleriker, Laien⸗ bruͤder und Bettler, alle verließen die Heimath, den ſtillen, haͤuslichen Frieden— manches behagliche Wohl⸗ leben, um das Land des Heiles aus den Haͤnden der Unglaͤubigen zu befreien. Kaiſer Heinrich, obwohl von neuen Unruhen in Europa gedraͤngt, ſtellte mit allem Eifer ſich zu dem 335 heiligen Zuge. Dieſem ſchloſſen ſich an: der Erzbiſchof von Mainz, die Biſchoͤfe von Bremen und Hil⸗ desheim. Dieſer war kaiſerlicher Kanzler, und hatte die Statthalterſchaft in Apulien, Sieilien und Calabrien mit Klugheit gefuͤhrt. Ferner: die Biſchoͤfe von Halberſtadt, Verdun, Zeiz, Re⸗ gensburg, Paſfſau, mit großem Gefolge; Herzoge, Fuͤrſten und Grafen, kaiſerliches und anderes Volk be⸗ gleiteten ſie. Unter andern: der Herzog Heinrich von Brabant und Lothriugen; der Herzog Heinrich von Sachſen, Pfalzgraf am Rhein; Herzog Friedrich von Heſterreich, Leopolds Sohn; der Herzog von Meran, der Landgraf von Thuͤringen, der Markgraf von Maͤhren, und noch viele andere, die wir hier nicht mehr aufzaͤhlen wollen. Den Koͤnig von Boͤh men konnte nur der Tod von ſeinem Beitritte zuruͤck halten. Viele Un⸗ garn ſchloßen ſich gleichfalls an, und ſogar ihre K Koͤ⸗ nigin, Margaretha, fand ſich dabei ein. Ueberhaupt war diesmal der Zulauf ſo groß, daß die Stadt Luͤbeck allein vierhundert Mann zu dieſem Zuge lieferte. Wegen der Menge der Kreuzfahrer mußte man ſie in drei Daufen theilen, wovon der erſte, unter der Anfuͤhrung des Erzbiſchofes von Mainz, des Herzoges von Lokyringen, und ei⸗ niger kriegeriſcher Fuͤrſten durch Ungarn zog. Das zweite Heer begriff meiſtens die Nieder⸗ laͤnder und mitternaͤchtlichen Teutſchen, welche 336 durch die Nordſee, zwiſchen Eugland und Frankreich hindurch an Spaniens Kuͤſten vorbeiſegelten, und im Voruͤberfahren die Stadt Sylves in Portugal, welche kurz vorher von den Sarazenen bezwungen wor⸗ den war, eroberten, und ſchleiften. Den dritten, und groͤßten Theil des Kreuzheeres, von ſechszigtaufend Mann, fuͤhrte der Kaiſer ſelbſt nach Italien.— Von den drei Heeres⸗Abtheilungen benuͤtzte Kai⸗ ſer Heinrich ſeine Teutſchen vorerſt dazu, ſeine Eroberungen von Neapel und Sizilien zu befe⸗ ſtigen. Erſt im folgenden Jahre ſchiffte er ſie uͤber das Meer; er ſelbſt aber blieb zu ſeinem Ungluͤcke in Meſ⸗ ſina, wo Er durch Gift getoͤdtet wurde. Es war aber bereits der Erzbiſchof von Mainz mit ſeinem Haufen durch Ungarn gezogen, und da dieſe Kreuzfahrer diesmal ſelbſt von den Griechen nichts zu befuͤrchten hatten, vielmehr vom Kaiſer Alexius Angelus, einem Bruder von der Ge⸗ mahlin Philipps in Schwaben*), mit Waffen *) Frene, die Dochter des griechiſchen Kgiſers Ifaak Angelus, wurde auf Veranſtaltung He riuhs VI. 1195 mit Philipp, dem juͤng⸗ ſten Sohne K. Friedrichs I. verlobt, und hernach zu Guͤnzenlech bei Augsburg vermaͤhlt. Sie gerieth uͤber die Nachricht, von der Er⸗ mordung ihres ſanften, geliebten Philipp, des damaligen Kaiſers, welcher den 21 Brach⸗ 337 unterſtuͤtzt, mit Lebensmitteln, und allen andern Be⸗ duͤrfniſſen verſehen wurden, ſo gelangten ſie auf ei⸗ ner griechiſchen Flotte ohne alle Hinderniß nach An⸗ tiochien, wo ſie ihre Reiſe zu Land nach Tyrus fortſetzten. Dies war der eigentliche Sammelplatz des ganzen Heeres, und nachdem daſelbſt die drei Abthei⸗ lungen ſich eingefunden, auch einige Zeit der Erho⸗ lung gewidmet hatten, ſo fuͤhrte ſie Erzbiſchof Kon⸗ rad von Ptolemais nach Joppe. Dieſe Stadt hatte Richard von England wieder gut herge⸗ ſtellt, und den Teutſchen zu bewachen uͤbergeben. Aber gleich nach der Abreiſe dieſes Koͤniges waren die Sa⸗ razenen wieder erſchienen, den Ort zu belagern. Ob ſie wohl von den Teutſchen mit großer Tapferkeit zu⸗ ruͤckgetrieben wurden, ſo hatten doch dieſe das Ungluͤck, durch die Verraͤtherei der Einwohner von der Stadt abgeſchnitten, und niedergehauen zu werden. Die Stadt ergab ſich nachher auf Bedingungen, wurde aber gaͤnzlich zerſtoͤrt. Graf Heinrich von Champagne hatte den monats 1208 durch den hitzigen Qtto von Wittelsbach zu Bamberg ausgefuͤhrt wurde, als eine ſchwangere Frau, in einen ſolchen Schrek⸗ ken, daß ſie nach einer ungluͤcklichen Nieder⸗ kunft 5 Hohenſtaufen in Wirtemberg ſtarb. Im Kloſter Lorch, zwiſchen Goͤppingen und Schorn⸗ dorſ. iſt ihr zu fruͤh verwelkter Leichnam be⸗ graben. 338 Namen eines Koͤniges von Jeruſalem angenom⸗ men. Er hatte dem belagerten Platze zu Huͤlfe kom⸗ men wollen; als er aber aus dem Fenſter ſeine Sol⸗ daten vor dem Schloſſe vorbeiziehen ſah, da brach das Fenſter, und er ſtuͤrzte mit demſelben herab; bald dar⸗ auf gab er ſeinen Geiſt auf. Als die Kreuzfahrer bei dem veroͤdeten Joppe keinen Feind antrafen, ſo ruͤckten ſie uach Sidon, fanden aber auch hier alles verlaſſen. Dann ging ihr Zug uͤber Sarepta nach Beryt, welchen Ort Sala— heddin tark hatte befeſtigen laſſen. Die Kreuzfahrer belagerten die Stadt, ſchlugen die Sara⸗ zenen bei einem Ausfalle, drangen ein, pluͤnderten, und verſcha Ften einigen Tauſend Chriſten die Freiheit. Mit Waffen und Lebensmitteln konnten ſich hier die Kreuzfahrer hinlaͤnglich verſehen; die Beute war reich. Aus den Uneinigkeiten der Tuͤrken in Syrien, welche dem großen Gebaͤude, das Sala⸗heddin aufgefuͤhrt hatte, den Umſturz drohten, wollten die Europaͤe r uͤberhaupt Vortheile gewinnen. Auch den Fuͤrſten von Antiochien war es gelungen, den Sa⸗ razenen viele Plaͤtze zu entreiſſen, hingegen verheerten auch dieſe alles, wohin ſie kamen, mit Feuer und Schwert. Schon berathſchlagte man ſich, ob man nach Je⸗ ruſalem ziehen, oder die Feſtung Torone, den maͤchtigſten Platz in Palaͤſtina, belagern wollte. Vielleicht waͤre Erſteres von beſtem Erfolge geweſen; 8 339 es geſchah jedoch das Letztere. Man erfuhr aber gar bald, daß alle Gewalt gegen einen Platz von dieſer Beſchaffenheit nichts ausrichten konnte, und man mußte ſich auf andere Mittel verlaſſen. Sie ſuchten eine unterirdiſche Oeffnung, um ſich in die Stadt einzuſchleichen; allein es gelang ihnen nicht. Sultan Saphaddin gewann indeſſen auch eine ſo zahlreiche Macht, daß er im Stande war, die Chri⸗ ſten in ihrem Lager einzuſchließen. Dennoch wuͤrde Torone, das keine Lebensmittel mehr hatte, ſich nach einer dreimonatlichen Belagerung ergeben haben, wenn nicht Geldgielde und Verraͤtherei der Belagerer ſelbſt den Ort gerettet haͤtte. 3 Unter dem Chriſtenheere dienten auch die Tem⸗ pelherren; dieſe ließen ſich von Saphaddin beſtechen, und gaben ſich Muͤhe bei den Kreuzfuͤr⸗ ſten, daß die Belagerung aufgehoben wuͤrde, un⸗ ter dem Vorwande, daß Saphaddin im Begriffe ſei, mit ſeiner ſehr verſtaͤrkten Macht auf Beryt loszugehen. Man brach alſo ſchleunig auf, um dieſer Stadt zu Huͤlfe zu kommen, und Torone bekam wieder Luft. Der Sultan gedachte aber keineswegs an Be⸗ ryt, und die Kreuzfuͤrſten ſahen ein, daß ſie waren hintergangen worden. Es entſtand Uneinigkeit und Mißtrauen zwiſchen den abend⸗ und morgenlaͤndiſchen Chriſten, und man fing an, die Tempelherren und Johanniter⸗Ritter als feile Verraͤther zu betrachten. 340 Nach dieſen ungluͤcklichen Aeußerungen von Zwie⸗ tracht zogen die Kreuzfahrer gegen Jaffa⸗ weil der Sultan Bewegungen gemacht hatte, dieſe Stadt zu belagern. Sie trafen ihn auch wirklich ſchon an, und merkten an ſeinem Betragen, daß er aus ihren Miß⸗ verſtaͤndniſſen den groͤßten Nutzen zu ziehen hoffte. Die Teutſchen waren durch die lange Belagerung, und den Abzug der morgenlaͤnd ſchen Chriſten, von denen ſie ſich getrennt hatten, ſehr geſchwaͤcht, und getrauten ſich nicht, ein entſcheidendes Treffen mit Saphaddin zu verſuchen. Sie begnuͤgten ſich, ihn durch kleine Scharmuͤtzel zu beunruhigen. Einmal gelang es ihnen, eine große Anzahl der Feinde in den Hinterhalt zu locken, und uͤber dieſel⸗ ben zu ſiegen. Allein die Herzoge von Sachſen und Oeſterreich buͤßten bei dieſem Vorfalle das Leben ein. Man glaubte, durch dieſe Vortheile bei Jaffa wuͤrde die gute Sache der Chriſten bald wieder hergeſtellt ſeyn: aber die traurige Nachricht, die man aus Meſ⸗ ſina von dem Tode des Kaiſers erhielt, verei⸗ telte alle weitern Ausſichten. Im Abendlande hatten ſich wegen der Kaiſerkrone viele Streitigkeiten erho⸗ ben. Da dieß die Kreuzfuͤrſten, welche dabei nicht ohne Intereſſe waren, erfuhren, kehrten ſich nach Teutſchland im Jahre 1488 zuruͤck. So war auch dießmal die unbeſchreibliche Muͤhe, die man ſich we⸗ gen Palaͤſtina gab, verloren. 341 Mit Saphaddin wurde noch vor der Abreiſe des Kreuzfuͤrſten ein Stillſtand auf zehn Jahre ge⸗ ſchloſſen, und ſobald die Kreuzfahrer Aſien verlaſſen hatten, ſo befeſtigten die Tuͤrken ihre Beſitzungen, und machten uͤberall eine gute Verfaſſung. VIII. Reiſe des Rabiners Petachias aus Regensburg*) im XII. Jahrhundert. Aus dem Hebraͤiſchen verteutſcht. Petachias reiſte uͤber Prag, Polen, Kiew, in die Tatarei; aus welcher er zuruͤck nach Turko⸗ manien und Armenien kam. In der Stadt Ni⸗ ſibin traf er viele Juden, und eine Synagoge, wel⸗ che der Rabiner Jehuda, Sohn Betira's, geſtif⸗ tet hatte, nebſt 2 andern von Eſra Archigram⸗ mateus erbauten. Von hier begab er ſich nach Ni⸗ nive, Babylon und Bagdad, wo der große Ka⸗ liph ſeinen Sitz hat. Daſelbſt wohnten auch 1000 Ju⸗ den, deren Weiber die Geſichter verſchleiern, damit *) Rabb. Petachiae itinerarium, a Jo. Chr. Wa- Fenscilis ex hebraico latine redditum, in Ugo- lini thesauro antiquit. hebr. Venctiis 1746. fol. Tom. VI. 1159— 1212. 343 kein Mann ſie beſchauen kann; weswegen keiner in ein Haus gehen, ſondern nur den Herrn deſſelben durch Anklopfen heraus rufen durfte. Von Bagdad begab er ſich nach Polos, dann nach Nahardaͤa, Suſan, Babylouien, wo er außer der Synagoge Daniel“s noch 30 andere fand; weswegen viele Zoͤglinge aus Aegypten dahin kamen. Er kehrte nach Ninive, Niſibin, Chg⸗ mat, Chalab, Dia mask, unter deſfen Einwoh⸗ nern 10,000 Juden des fruchtbarſten Bodens, der ſchoͤn⸗ ſten Gaͤrten und Wieſen, großer Kanaͤle, Fiſchteich und geſunden Waſſers ſich erfreuten. Daher ſagten die Iſmaeliten: wenn das Paradies auf der Erde waͤre, ſo muͤßte es Damask ſeyn. Er kam hierauf nach Tiberias⸗ Zippora, und Aeco im untern, dann auf den Berg Gaaſch bei Arbela im obern Galilaͤen. Er behauptete, man koͤnnte ganz Ju⸗ daͤg in 3 Tagen durchwandern. Er begab ſich nach Jeruſalem, auf den Berg Hebron, und endlich zuruͤck in ſein Vaterland. 344 IX. Kreuzzug der Franzoſen unter Anfüh⸗ rung des Markgrafen Bonifaz von Montferrat 1200— 1204. Von einem K. Baier'ſchen Staatsdiener. Ohngeachtet des Waffenſtillſtandes mit den Tuͤrken in Syrien, wurde noch im Jahre 1198 ein neuer Kreuzzug geprediget. Papſt Innocens III. be⸗ diente ſich hiezu in Frankreich eines Prieſters, Na⸗ mens Fulko von Nueilli, der ein gewaltiger Pre⸗ diger war, und durch ſeine Heiligkeit im Wandel, wie auch durch ſeine ungemeine Beredſamkeit, den Ei⸗ fer vieler Vornehmen erregte. Zu eben dieſem Zwecke ſchickte der Papſt den Kardinal Peter von Kapua als Legaten nach Frankreich. 1 Dieſer hatte die Vollmacht, allen denen, welche das Kreuz nehmen wuͤrden, vollkommene Vergebung 345 aller ihrer Suͤnden zu verſichern. Schon dadurch wa⸗— ren viele von dem gemeinen Volke angelockt worden; und als im folgenden Jahre 1198 zu Eskrice, einem Schloſſe zwiſchen Brai und Korvey, ein Turnier gehalten wurde, gins Fulko auch dahin, und brachte es durch ſeine redſeligen und eindringenden Vorſtel⸗ lungen ſo weit, daß die Vornehmſten der verfammel⸗ ten Ritter das Kreuz nahmen, vorzuͤglich Theo⸗ bald V., Graf von Champagne und Briez und Ludwig, Graf von Blois und Chartres. Dieſen beiden Grafen, Neffen des Koͤnigs, folg⸗ ten ſogleich zwei andere der angeſehenſten Baronen, Si⸗⸗ mon von Montfort, und Nainald von Mont⸗ merail. Das Beiſpiel ſo maͤchtiger Herren ermun⸗ terte zu gleichem Entſchluſſe den Biſchof Garnier von Troyes; Nevelon, Biſchof zu Soiſſons; Ma⸗ thaͤus von Montmorenei, Guido von Couei, Walther, Grafen von Brienne, Gottfried von Joinoille, den Seneſchal von Champagne, und ſeinen Bruder Robert, Walther von Vig⸗ norey; Euſtach von Konſtans, Guido von Pleſſie, und ſeinen Bruder Heinrich von Ar⸗ dillters, Oger von Saintcheron, Villain von Nueilli, Gottfried von Villeharduin, den Marſchalk von Champagne Gottfried und ſeinen Neffen; Walther von Juilimes; Eber⸗ hard von Montigni, Manaſſe von Isle, Ma⸗ chaire von St. Menehould u. a. 12tes B. Paläſtina. I. 3. 7 346 Im Jahre 1200 kamen noch dazu: Balduin X., Graf von Flandern und Hennegau; Gott⸗ fried III. Geaf von Perche, und ſein Bruder Stephan; Hugo Graf von St. Paul, und ſein Neffe Peter von Amiens; Jakob von Avenes, der Sohn jenes Helden, der im ſchrecklichſten Tref⸗ fen mit Sala⸗heddin ſein Leben verlor*), Bal⸗ duin von Beauvoir, Matthaͤus von Valin⸗ court, Hugo von Beliner, Otto von Hamm, und Roger von Marche. Dieſe Herren hielten hierauf eine Verſammlung zu Soiſſons, auf welcher ſie ſich wegen der Zeit ihrer Abreiſe, und wegen ihrer Marſchroute mit ein⸗ ander unterredeten. Sie konnten aber hier nicht einig werden, und kamen zwei Monate nachher noch ein⸗ mal in Compiegne zuſammen. Hier wurde ausge⸗ macht, daß man ſechs geſchickte Ritter auswaͤhlen ſollte, welche alle Angelegenheiten des ganzen Kreuz⸗ zuges beſorgen ſollten, mit der Vollmacht, alles zu beſchließen, was zu dieſem Zwecke dienlich waͤre. Ein Vorfall zu Konſtantinopel machte, daß man einig wurde, den Zug dahin zur See zu neh⸗ men. Der griechiſche Kaiſer, Iſaak Angelus, wurde von ſeinem Bruder Alexius III., vom Throne *) Der Taſchenbibliothek XII. Baͤndchen, S. 325. 347 geſtoßen, ſeiner Augen beraubt, und nebſt ſeinem Sohne Alexius gefangen geſetzt. Dieſer bekam Ge⸗ legenheit, aus dem Gefaͤngniſte zu entwiſchen, fluͤch⸗ tete ſich nach Europa, und ſuchte Schutz und Huͤlfe bei dem römiſchen Kaiſer. Man empfahl ihn ſofort den Rittern, welche zum Kreuzzuge geruͤſtet waren, und dieſe verſprachen ihm ihren Beiſtand unter fol⸗ genden Bedingungen: Alexius ſollte zweimal hun⸗ dert tauſend Mark Silbers zu den Koſten des Kreuz⸗ zuges bezahlen, ſobald ſie ihn wieder auf den Thron erhoben haben; er ſollte zehntau ſend Mann zum Dienſte der Europaͤer ein Jahr lang, wie auch fuͤnfhundert wohl geruͤſtete Reiter, zur Vertheidigung der ervber⸗ ten Plaͤtze in Palaͤſtina, unterhalten, ferner dem Heere, ſo lang es wegen ſeiner in Waffen ſeyn wuͤrde, Lebensmittel genug reichen, und das griechiſche Reich in geiſtlichen Sachen dem Papſt unterwerfen. Das franzoͤſiſche Seeweſen war damals von keiner Bedeutung, das ſtolze und reiche Venedig beherrſehte das Meer. Darum gingen die ſechs auserwaͤhlten Ritter nach Veitedig, und erſuchten den damaligen Doge, Heinrich Dandalo, um eine hinreichende Anzahl Schiffe zur Ueberfahrt nach Konſtanti⸗ nopel.— Die durchlauchtigſte Republik willigte ein, und es ward ein Vertrag geſchloſſen, worin die Kreuzritter für die Ueberfahrt von viertauſend fuͤnfhundert Mann zu Pferd, zwanzig tauſend Mann zu Kuß, und neun⸗ 348 tauſend Schildknappen, und andern Kreuzfahrern, fuͤnf und achtzig tauſend Mark Silbers verſprachen. Venedig wollte noch uͤberdieß fuͤnfzig Galeeren ausruͤſten, die mit dem Kreuzheere gemeinſchaftlich wider die Sarazenen ſtreiten ſollten. Alle Schiffe ſollten bereit ſtehen auf dem Brachmonat des Jah⸗ res 1201, und ein Jahr lang den Kreuzfayrern dienen. Dafuͤr bedungen ſich die Venediger die Haͤlfte aller Eroberungen. Beide Theile gelobten einander die ſtrengſte Erfuͤllung dieſes Vertrages auf dem Evan⸗ geliumbuch. Nachdem nun die abgeordneten Ritter zwei tauſend Mark voraus bezahlt hatten, ſo gingen ſie theils nach Frankreich zuruͤck, theils nach Piſa und Genua, um auch von dieſen Seemaͤchten Un⸗ terſtuͤtzung zu erlangen. Graf Theobald von Champagne ſtiarb gleich nach ihrer Zuruͤckkunft, verordnete aber in ſeinem letz⸗ ten Willen, daß ſtatt ſeiner der Graf Renard von Dampier in das h. Land ziehen, und die— zum Kreuzzuge geſammelten Schaͤtze unter die Vaſallen austheilen ſollte, welche das Kreuz genommen haͤtten. Nach dem Verluſte dieſes allgemeinen Oberhauptes, waͤhlte man den Markgrafen Bonifaz von Mont⸗ ferrat, deſſen Bruder in Tyrus ermordet worden war, einen ſehr edelmuͤthigen und kriegserfahrenen Mann. Er verfuͤgte ſich ſogleich nach Soiſſons, wo ihn die Fuͤrſten als das Haupt des Kreuzzuges vor⸗ 349 ſtelten, und zwar zum Vergnuͤgen des ganzen Volkes, beſonders des Koͤniges Philipp Auguſt, deſſen Verwandter er war. Das Zeichen des Kreuzes erhielt er aus den Haͤnden des Biſchofes von Soiſſous, und des Kreuzpredigers Fulko, der bald nach⸗ her ſtarb. 6 Waͤhrend der Anſtalten zu dieſem Kreuzzuge ſtarb auch der Graf Gottfried von Perche, ein ange⸗ ſehener und reicher Ritter. Er vermachte ſeinem Bru⸗ der Stephan alles, was er zu dem bevorſtehenden Zuge angeſchafft hatte. Nach dem Oſterfeſte 1202 gin⸗ gen die Kreuzbruͤder durch Bourgogne, uͤber den Berg Senis, und durch die Lombardei nach Ve⸗ nedig ab, wo ihnen einſtweilen die Inſel des heik. Niklas zu ihrem Aufenthalte angewiefen wurde. Auch die Flotte, welche Graf Balduin von Flan⸗ dern ausgersſtet hatte, ſegelte zu gleicher Zeit nach Marſeille ab, und von da im naͤchſten Fruͤhlinge nach Syrien. Der Graf ſelbſt aber begab ſich mit ſeinem Bruder zu Lande nach Venedig. 6 Daſelbſt war das Heer der Kreuzfahrer nunmehr groͤßtentheils verſammelt, und ſah mit Vergnuͤgen, daß nediger auf das Genaueſte alle Erforderniſſe des Vertrages erfuͤllt hatten. Allein den Kreuzbruͤdern fehlte bei der Einſchiffung nur noch die Summe von vier und dreißig tauſend Mark, um auch von ihrer Seite Wort zu halten, und das verſprochene Huͤlfs⸗ geld zu bezahlen. Der Doge war ein kluger Greis, 350 4 und wußte dieſe Verlegenheit auf eine vortheilhafte Art zu benutzen. Er machte den Fuͤrſten des Kreushee⸗ res den Vorſchlag, ſich mit Venuedig zu vereinigen, und Zara, eine maͤchtige Stadt in Oalmatien, er⸗ obern zu helfen. Anfangs waren die ſaͤmmtlichen Kreuz⸗ fahrer dagegen; denn ſie wollten keinen chriſtlichen Fuͤrſen bekriegen, vorzuͤglich nicht den Koͤnig von Un⸗ garn, welcher Zara beſetzt hielt, ebenfalls das Kreuz genommen, und eben Anſtalten gemacht hatte, nach Palaͤſtiua zu reiſen. Allein die Franzoſen, denen das Geld zuerſt ausgegangen war, ließen ſich uͤberre⸗ den, und verſprachen, nicht allein den Dogen zu fol⸗ gen, ſondern auch, nach der Eroberung von Zara, mit den Venedigern nach Aegypten zu reiſen. Dandalo hatte nun ſeine Abſicht nach Wunſch erreicht. Er war ein ſchwaͤchlicher Greis, und faſt ganz blind, jedoch muthig genug, daß er ſich ſelbſt zum Kreuzzuge entſchloß. Er beſtieg einſt ganz uner⸗ wartet, in einer vollen Verſammlung der Rathsherren, Kreuzfuͤrſten, und des Volkes, in der St. Markus⸗ Kirche die Kanzel, und bat die Republick inſtaͤndig, ſie moͤchte ihm die Erlaubniß zum Kreuzzuge geben, und den Oberbefehl uͤber die Venediger anvertrauen. Jedermann erſtaunte uͤber den ehrwuͤrdigen Graukopf, und ſein Verlangen wurde mit Zufriedenheit, und Freuden⸗Thraͤnen aufgenommen. Er empfing hierauf mit vielen Edlen der Republick, die ſeinem anziehen⸗ den Beiſpiele folgten, das Kreux. Seinem Sohne 351 uͤbergab aber der vier und achtzigjaͤhrige Mann die Re⸗ gierungs⸗Geſchaͤfte, und ſetzte ſeine Reiſe auf den Herbſt feſt. Durch die Ankunft vieler Brabanter und Teutſcher wurde das Heer noch verſtaͤrkt, und die vor⸗ trefflich ausgeruͤſtete Flotte beſtand aus dreihundert Schiffen. Gluͤcklich ſegelten mit dieſen die Kreuzfahrer durch das Adriatiſche Meer hin, und landeten am 10. Tage des Wintermonats 1202 vor Zara in Dalmatien. — Dieſe Stadt war mit hohen, und dicken Mauern, feſten Thuͤrmen, und einer ſtarken Beſatzung verſehen. Man haͤtte ſie in der Ferne leicht fuͤr unuͤberwindlich halten koͤnnen; aber der Muth ergriff die Franzoſen, ud die Venediger wuͤtheten vor Rache. Mit aller Entſchloſſenheit ſtießen ſie wieder vom Lande, fuhren dem Hafen zu, trieben durch unablaͤſ⸗ ſiges Wfeilſchießen und Steinwerfen die Vertheidiger desſelben zuruͤck, zerbrachen die Sperr⸗Ketten, und bemaͤchtigten ſich des Hafens. Dann ſtiegen ſie aus, um ein Lager zu ſchlagen, und die Stadt auf der Landſeite anzugreifen. Ueber dieſe lebhafte Unterneh⸗ mung geriethen die Belagerten in ſolchen Schrecken, daß ſie ſchon am folgenden Tage darauf bedacht wa⸗ ren, einige Verordnete in das Lager abzuſchicken, und ſich zur Uebergabe, im Fall ſie gnaͤdig behandelt wuͤr⸗ den, zu bequemen. Alein es entſtanden Unruhen un⸗ ter den Kreuzfuͤrſten, welche das ganze Unternehmen bald vereitelt haͤtten. 3⁵² Ein Ciſtercienſer⸗Moͤnch, Abt Guido von Vaux de Lernay, ging voll Eifers zum Doge Dandalo, und forderte ihn im Namen des Papſtes auf, alle Feindſeligkeiten gegen Zara einzuſtellen, weil der Koͤnig von Ungarn das Kreuz ergriffen haͤtte. Aber der Doge antwortete, daß ihn nichts hindern follte, Aufruͤhrer(denn die Stadt Zara war von Ve⸗ nedig abgefallen) zu zuͤchtigen. Der Abt mußte ſich ſchleunig zuruͤck ziehen, um nicht den Grimm des al⸗ ten Helden zu empfinden. Da trat auch Simon, Graf von Montfort herbei, und bekannte, daß er nicht weiter gegen chriſt⸗ liche Mitbruͤder ſtreiten wolle. Er nahm Urlaub vom Kreuzheere und ging nach Palaͤſtina. Die Fran⸗ zoſen aber wollten den Venedigern Wort halten. Man ſtuͤrmte demnach mit vereinigten Kraͤften zu Land und zu Waſſer fuͤnf Tage lang ſo heftig auf die Stadt los, daß ſie ſich endlich auf Gnade und Ungnade ergab. Da das Heer wegen des nahen Winters nicht laͤnger im Felde bleiben konnte, ſo wurde man einig, in den Gegenden von Zara den Fruͤhling zu erwar⸗ ten. Nach einiger Zeit traf auch der Markgraf Bo⸗ nifaz von Montferrat bei dem Heere ein, der bisher noch in ſeinem Lande ſich verweilt hatte, ſeine Geſchaͤfte zu ordnen. Es war im Fruͤhlinge des Jahres 4203, als die Fahrt von Zara nach Konſtantinopel begann. Der griechiſche Thron⸗Erbe, Alexius, ſchiffte mit ei⸗ 353 nem TCheile der Flotte nach Epirus(Albanien). Die Stadt Durazzo nahm ihn als ihren rechtmaͤſſigen Herrn auf, und als er an Korfu landete, verſprachen die Bewohner dieſes Eilandes, ſich ebenfalls ihm zu unterwerfen, wenn er Konſtantnopel wuͤrde er⸗ obert haben. 8 Hier aber tyranniſirte Alexius III, aus dem Stamme der Komnener. Er hatte ſeinem Bruder, Iſaak Augelus, die Krone vom Haupte geriſſen, und ihm die Augen ausſtechen laſſen, damit er die Ketten nicht ſehen moͤchte, an welche er im Kerker ge⸗ feſſelt wurde. Sein Neffe, der junge Alexius, mußte im gleichen Elende, allein mit offenen Augen, ſchmachten. Seine Grauſamkeit zu bemaͤnteln, und die lau⸗ ten Klagen der gefangenen Fuͤrſten zu mildern, ließ er ſie manchmal duxch das Wehen der freien Luft er⸗ quicken. Dadurch bekam Iſaak Gelegenheit, ſeiner Tochter Irene, der roͤmiſchen Kaiſerin, ſeinen Jam⸗ mer zu ſchildern, und ſein Schmerzens⸗Zeuge, Alexius, entwiſchte durch Huͤlfe eines Kaufmanns von Piſa, der den Sohn des Kaiſers in eine Matroſen⸗Klei⸗ dung verßeckte, und mit ſich auf ſein Schiff nahm. Der Tyrann, welcher alsbald die Flucht desſelben er⸗ fuhr, ließ die Schiffe, die noch im Hafen lagen, ſorg⸗ faͤltig durchſuchen; aber Alexius konute ſich ſo ſehr verſtellen, daß er ſelbſt alle Winkel entdeckte, und ver⸗ — 35⁵4 mittelſt dieſer unerſchrockenen Liſt aller fernern Nach⸗ ſtellung entging. Er landete gluͤcklich in Sizilien, gewann, wie wir gehoͤrt haben, die Kreuzfuͤrſten, und befand ſich im Chriſtmonate 1202 zu Zara. Allein auch in dieſer Sache drohte von Rom eine Staoͤrung einzutreten; denn der Papſt befahl den Kreuzfahrern durch ſeinen Legaten, an keine Eroberung der griechiſchen Haupt⸗ ſtadt zu denken, indem nicht Konſtantinopel, ſon⸗ dern Jeruſalem, und das heilige Land, das Ziel ihrer Unternehmungen ſei. Die Maͤnner aus Frankreich und Venedig, achte⸗ ten hierauf nicht, ſondern nahmen uͤber ſich, den jun⸗ gen Aleyius auf den Thron ſeines blinden Vaters, (des naͤmlichen, der einſt den Kreuzfahrern ſo viel Un⸗ bilsen und Schaden zugefugt hatte) zu ſetzen. Die Grafen Ludwig von Blois, Balduin von Flandern, Hugo von St. Paul, der Mark⸗ graf Bonifaz, und der Doge Dandalo, nebſt acht andern der vornehmſten Ritter, unterzeichneten dieſen Vertrag, und auf beiden Seiten wurden die feierlich⸗ ſten Eidſchwuͤre abgelegt. Indeſſen wurde das Kreuzheer nach und nach ſehr geſchwaͤcht: einige kehrten in ihre Heimath zuruͤck, andere wollten den Papſt nicht wider ſich aufbringen, und zogen verdruͤßlich nach Palaͤſtina. 34 Theils von Moren, und Negroponte, theils von Abydus her, liefen nach und nach die Schiffe der Kreuzfahrer in dem Hafen von Chalcedon ein. Am Tage Johannes des Taͤufers waren ſie alle ver⸗ ſammelt, und ſegelten nun mit einander gegen das Vorgebirge des Bosphorus. Raͤchſt der Spitze von Wkropolis ſtiegen ſte gluͤcklich an das Land, und zogen in herrlicher Schlachtordnung, vierzig tauſend Mann ſtark, gegen Konſtantinopel. Alexius Komnenus hatte alle Anſtalten ver⸗ ſaͤumt, welche ihn aus einer ſolchen Verlegenheit haͤt⸗ ten erretten koͤnnen. Seit er den Thron an ſich ge⸗ riſſen hatte, war er feig, und wohlluͤſtig geworden. Als nun eine ſo furchtbare Macht vor ſeinen Thoren ſtand, da lief ihm ſieberhafter Schauer durch Mark und Gebein. Konſtantinopel war mit einer ſehr zahlreichen Beſatzung verſehen, und außerordentlich ſtark befe⸗ ſtiget; aber kaum zwanzig bewaffnete Galeeren konnte man aufbringen, und an Kriegsvorrath war auch Mangel. 1 Indeſſen ſchickte der Kaiſer ſeiner beſten Reiter, ohngefaͤhr fechstauſend Mann aus, um hin und her zu ſtreifen, daß die Abendlaͤnder ſich nicht ſo ſehr aus⸗ breiten, noch Futter holen koͤnnten. Vierzig franzoͤ⸗ ſiſche Reiter kamen ihnen entgegen, verjagten dieſe uͤberlegene Mannſchaft, und machten vortreffliche Beute. 1 Der Kaiſer, den ein ſo widerwaͤrtiger Anfang kraͤnkte, hielt es fuͤr das Beſte, Frieden zu begehren. 6 3⁵6 Er ſchickte demnach am folgenden Tage einen lombar⸗ diſchen Edelmann, Niklas Roſſi, an die Befehls⸗ haber des Kreuzheeres, mit dem Bedeuten: ihm, dem Kaiſer, ſeien ihre Verdienſte nicht unbekannt; er wiſſe auch, daß ſie das Kreuz und die Waffen, wider die Saratenen ergriffen haͤtten, um ihnen das Grab Jeſu aus den Haͤnden zu reißen. Aber eben deßwegen komme es ihm fremd vor, daß ſie auf das Gebiet ei⸗ nes ehriſtlichen Fuͤrſten ſich begeben; waͤre dieſes nur in der Abſicht geſchehen, ſich Lebensmittel zu ver⸗ ſchaffen, ſo wollte er ihnen alle Gattungen derſelben im Ueberfluſſe reichen laſſen, damit er auch etwas zu ihrem h. Vorhaben beitruͤge. Sobald aber dieſes ge⸗ ſchehen waͤre, moͤchten ſie ſich aus ſeinem Reiche zie⸗ hen, damit er nicht gezwungen wuͤrde, wider Willen ſeine Macht außubieten, welcher ſie dann, wenn ih⸗ rer noch zwanzigmal ſo viel waͤren, nicht widerſtehen koͤnnten.. Konon von Bethune nahm hierauf das Wort, und erwiederte dem Geſandten: Sagt euerm Herrn, im Namen der Fuͤrſten, daß ſeine Verwunderung we⸗ der vernuͤnftig, noch aufrichtig ſei; er wiſſe ſowohl als wir, daß dieſes Gebiet nicht ihm, ſondern hier gegenwaͤrtigem Prinzen Alexius, ſeinem Neffen zu⸗ ſtehe, daß dieſer der einzige und rechtmaͤßige Erbe des Kaiſers Iſaak ſei, dem ſein Bruder, nun Herr, hoͤchſt unbillig und grauſam das Reich abgenommen habe. Im Falle aber, daß derſelbe das Vergangene 357 bereuen, um Gnade ſlehen, und dem Fuͤrſten, wel⸗ cher die Waffen zu ſeiner verdienten Beſtrafung in Haͤnden hat, die geraubte Krone zu Fuͤßen legen wuͤrde, ſo hofften die abendlaͤndiſchen Fuͤrſten, daß dieſer mißhandelte Thronbeſitzer ihm verzeihen, und ſo viel verſchaffen werde, daß er die uͤbrigen Tage ſeines Lebens ruhig und vergnuͤgt zubringen moͤge. Weigerte er ſich, ſo erkuͤhnet ihr euch nicht mehr, zu uns zu kommen! Um den Weg der Guͤte auf eine andere Art ein⸗ zuſchlagen, wurde beſchloſſen, die Stadt auf der Seite von Propontis zu umfahren, den jungen Alexius dem Volke, das ſich haufenweiſe auf den Mauern ver⸗ ſammelt hatte, zu zeigen, und daſſelbe zu bewegen, daß es ſich fuͤr den geſetzlichen Kaiſer erklaͤre. Allein es fuͤrchtete ſich noch vor der Gewalt ſeines Beherr⸗ ſchers, und der Haß der Griechen gegen die Lateiner miſchte ſich auch mit in das Spiel. Nun hielt man Kriegsrath. Die Franzoſen ſollten den Uebergang uͤber den Bosphorus wagen, und zwar im Ange⸗ ſichte des ganzen griechiſchen Heeres, und hernach Galata angreifen, um den Hafen daſelbſt zu gewin⸗ nen. Die Venediger ſtuͤrmten indeſſen auf die Galee⸗ ren los, welche ſich an der Kette und dem Eingange des Haſens ihnen entgegen ſtellten. Der Graf von Flandern, und ſein Bruder, der Graf von St. Paulz der Graf von Blois; Montmorenci, und der Markgraf Bonifa:z, waren die Anfuͤhrer des franzoͤ⸗ ſiſchen Heeres. Um zu zeigen, daß ihnen Ernſt ſei, mit Entſchloſſenheit zu ſiegen, oder zu ſterben, ſetzten ſie ihren letzten Willen auf, und empfingen die Los⸗ ſprechung ihrer Suͤnden, und den Seegen von ihren Geiſtlichen, deren Anzahl ſich auf 200 belief. Nun war das ganze Heer eingeſchifft, und in zwei Haufen, nach der ſchoͤnſten Schlachtordnung, gereiht. Auch die Feinde ſtanden gegenuͤber am Geſtade, in der ſchoͤnſten Verfaſſung. Der Auftritt war ſchoͤn, und erſchrecklich, als das Morgenroth uͤber die Schilde, Waffen und Lanzen ſtrahlte, und der Wiederglanz in den Wellen des Bosphorus ſich ſpiegelte; die Sonne ſtieg braunroth herauf. Die Franzoſen hatten den Vortheil, daß ſie ihnen auf den Ruͤcken ſchien, und den Feinden in das Auge ſtach. Es war der 8. Tag des Heumonats 1203.. An der Spitze der Griechen ſtand der Kaiſer ſelbſt, der nichts unterließ, ſie mit Wort und That aufzu⸗ muntern. Auf Land und Meer ertoͤnte Trompeten⸗ klang und Kriegsgeſchrei fuͤrchterlich durch einander; das ſchnelle Rudern, das Wellengetoͤß, das Hineilen an das uUfer jagte den Feinden noch keinen Schrecken ein; aber als die geharrsiſchten Ritter nahe am Ge⸗ ſtade ſich in das Meer warfen, mit dem Schilde be⸗ deckt, und das Schwert in der Fauſt, durch einen Hagel von Pfeilen vordrangen, au das Land ſtiegen, und in den Gliedern der Griechen zu raſen begannen, da nahmen ſie, dem Beiſpiele ihres Kaiſers zu Fol⸗ ge, die ſchleunigſte Flucht. Man konnte ſie nicht mehr mit den Pfeilen er⸗ reichen, ſo vogelſchnell machten ſie ſich aus dem Staube. Die Verwirrung war ſo groß, daß einige, die auf den Schiffen Rettung ſuchten, vor lauter Be⸗ haͤndigkeit in das Meer ſtuͤrzten. Andere wollten im Schloſſe von Galata ſich in Sicherheit bringen, und wurden im Gedraͤnge unter den Thoren erdruͤckt, oder von den Franzoſen nieder gemacht. Ein gleiches Gluͤck hatten die Venediger an dem Eingange des Hafens. Sie ſchoßen die Mannſchaft der Galeeren nieder, zerſchmetterten ihre Schiffe, und zerſprengten die Kette, mittels einer kunſtreichen Scheere von Stahl, die durch Gewichte, und ein Haſpelwerk regiert wurde. Nun war es um die Eroberung der Stadt zu thun, worin uͤber hunderttauſend ſtreitbare Maͤnner waren. Die Venediger griffen dieſelbe zur See, und die Franzoſen auf der Landſeite an. Theodor Las⸗ karis, der Eidam des Kaiſers, der tapferſte Mann unter allen Griechen, nahm die Vertheidigung der Stadt uͤber ſich. Am ſiebenten des Heumonats wag⸗ ten die Kreuzfahrer einen Sturm von beiden Seiten. Die Venediger thaten Wunder der Tapferkeit, und der graue Dandalo zeichnete ſich aus durch jugendlichen Muth. Er hielt die Hauptfahne Vene⸗ digs, und ſprang an das Ufer. Alle Zagheit ſchwand, 15 360 alle folgten ihm nach, der Sturm war entſetzlich. Auf einmal flatterte die Fahne von Venedig auf einem Thurme in Konſtantinopel! Die Belagerten, welche dieſes Zeichen des Sie⸗ ges ſahen, glaubten, die Stadt ſei erobert, und ver⸗ ließen die Mauern, um ſich in ihre Haͤuſer einzu⸗ ſchließen. Nun wurden die Mauern ungehindert er⸗ ſtiegen, und acht und zwanzig Thuͤrme geriethen in die Gewalt der Veuediger. Auch die Franzoſen zeigten unter der Anfuͤhrung des Markgrafen von Montferrat, und des ta⸗ pfern Montmorenei die herrlichſten Thaten des Muthes. Sie waren eben im Begriffe, ihre Fahne aufuſtecken, als ſie eine neue Botſchaft vernahmen, welche ſie ihres Sieges gewiß machte, ihre Herzen mit Frenden und Eiferſucht erfuͤllte. Der Vortheil, welchen die Venediger errungen hatten, das Geſchrei und Murren des Volkes, und der Soldaten, die Furcht, von ſeinen eigenen Unter⸗ thanen ermordet zu werden,— dieß feuerte den Kai⸗ ſer an, ſich mit ſeiner ganzen Reiterei aus Kon⸗ ſtantinopel zu wagen, und die Belagerer von Außen anzugreifen, indem ſich die Einwohner von Innen vertheidigten. Die Franzoſen reiheten, ſobald ſie dieſe Abſicht merkten, ihre Pfeilſchuͤtzen mit zweihundert der herz⸗ Macht, ſchneller, als Alexius ſich beſinnen konnte, hafteſten Ritter vorne an, und ſtellten ihre uͤbrige in Schlachtordnung. Zu ihrer unbeſchreiblichen Freude langte der ſiegreiche Dandalo mit einer Verſtaͤrkung an, und die Griechen waren weiter nicht mehr furcht⸗ bar. Es war Abend; beide Heere waren zur Schlacht bereit; aber Alexius, der ſeinen Eidam Laska⸗ ris aus Eitelkeit entfernt hatte, ließ zum Abzuge blaſen. Er wollte ſeine ſchandvolle Zaghaftigkeit bemaͤn⸗ teln, und ließ nach ſeinem Ruͤckzuge in die Stadt dem murrenden Volke zu wiſſen thun: daß er den Au⸗ griff nur wegen der bald einbrechenden Nacht verſcho⸗ ben haͤtte.— Aber in dieſer Nacht ließ Er ſich an dem Hafen bei ſeinem Palaſte mit wenigen Vertran⸗ ten, mit allem Golde, Silber, und den kaiſerlichen Kleinodien einſchiffen, und entwich uͤber den Bos⸗ phorus nach Adrianopel, und von da nach Za⸗ gora in Thrazien.— Verachtung und Schande folgte dem abſcheulichen Fluͤchtlinge vach! Kaum hatten die Einwohner von Konſtanti⸗ nopel dieſe That vernommen, ſo eilten ſie zu dem Gefaͤngniſſe, wo der alte Iſaak ſchmachtete, und des entflohenen Tyrannen eigene Gemahlin Suphro⸗ ſine mit ihren Kindern war. Sie wurde fuͤr ihren verhaßten Gatten ein Schlachtopfer des rafenden Poͤ⸗ bels. Iſaak aber wurde nun blind wieder auf den Thron erhoben, den er vor acht Jahren mit ſehenden Augen hatte verlaſſen muͤſſen. Alle Große von Konſtantinspel ſchickten nun 12fes B. Paläſtina. I. 3. 8 362 mit Iſaaks Ein willigung an die Fuͤrſten von Frank⸗ reich und Italien, und ließen die Nachricht kund thun, daß Iſaak wieder eingeſetzt ſei. Sein Sohn ſollte jetzt kommen, ſeinem armen, blinden Vater Gluͤck zu wuͤnſchen. Man bat zugleich die Belageter, den jungen Alexius als Mitregenten ſeines Va⸗ ters zu erkennen. Sie frohlockten uͤber dieſe unver⸗ muthete Begebenheit; allein den Griechen, die ihnen immer verdaͤchtig waren, wollten ſie nicht trauen; ſie ſtellten daher gleich nach dieſer Botſchaft ihr Heer, ſo wie des Tages zuvor, in Schlachtordnung. Den jungen Prinzen wollten ſie nicht eher aus ihrer Aufſicht laſſen, bis ſein Vater den geſchloſſenen Vertrag beſtaͤtiget, und erfuͤllt haben wuͤrde. Man eroͤffnete dieſe Forderung dem alten Iſaak, welcher ſich aber daruͤber ſehr entſetzte; denn er hielt die Er⸗ fuͤllung fuͤr unmoͤglich. Aus Furcht, das Reich moͤchte ihm noch einmal entriſſen werden, wenn er ſich ſeine großen Wohlthaͤter zu Feinden machte, verpflichtete er ſich mit einem Eide, alle feltgeſetten Punkte mit Genauigkeit zu befolgen. Die Kreuzritter begleiteten hierauf den Prinzen Alexius im froͤhlichſten Triumphe in die Stadt, worauf er in der Sophien⸗Kirche am 1. Auguſt auf das Feierlichſte gekroͤnt wurde. Es war nun an Alexius, die Bedingungen zu erfuͤllen, welche er den Kreuzfahrern geſchworen hatte. Er kam in das Lager der Franzoſen und Venediger, 363 jenſeits des Bosphorus, und bekannte vor allem Volke, daß er dieſen Fuͤrſten ſein Leben und ſein Reich zu verdanken habe; daß er ſich nichts mehr wuͤn⸗ ſche, als ſeine Erkenntlichkeit zu bezeugen, welche alle Verpflichtungen des Vertrages noch uͤberſteigen ſollte: wenn ſie aber zur Eroberung des h. Landes abziehen wollten, ſo ſei es ihm unmoͤglich, ihnen wegen des Geldes, wegen der Lebensmittek und Schiffe in ſo⸗ kurzer Zeit Genuͤge zu leiſten. Die Fuͤrſten koͤnnten ſelbſt einſehen, daß er in ſeinem Reiche noch nicht be⸗ feſtiget ſei, daß ſein Oheim ſich mit einem großen Anhange in Thrazien befinde, daß die Griechen ihn wegen des Umganges mit den Lateinern ſehr haſſen, und er außer Stande ſei, das Nothduͤrftige von ihnen abzufordern. Ig, er ſchwebe in augenſcheinlicher Ge⸗ fahr, Reich und Leben zu verlieren, wenn ſie erfahren ſollten, daß ſeine Bundesgenoſſen und Beſchuͤtzer ihn ſo eilfertig verlaſſen haͤtten. Die Fuͤrſten moͤchten alſo jetzt ihr Werk vollenden, und ihre Reiſe verſchie⸗ ben, welche ohnehin hoͤchſt ungluͤcklich ausfallen wuͤrde⸗ weil der Winter nahe ſei. Wuͤrden ſie aber erſt im Fruͤhjahre abreiſen, ſo wollte er alle Punkte des Ver⸗ trages erfuͤllen, und mit ſeinem Heere die Fürſten in das h. Land begleiten. Die Kreuzfuͤrſten verſchoben hierauß ihre Unter⸗ nehmung gegen die Tuͤrken bis Oſtern des kuͤnftigen Jahres; die Vereinigung der Griechen mit den Latei⸗ nern erweckte große Freude, und den Winter uͤber 364 hatten die Kreuzfahrer keine Trauer, als uͤber ihren tapfern Montmorenei, der zu Konſtantino⸗ pel ſein Pilgerleben endigte.. Dieſe Stadt war nun der Schauplatz graͤulicher Zerruͤttungen. Der errettete Kaiſer Iſaak wollte ſein Verſprechen erfuͤllen, und die verheißene Summe fuͤr die Kreuzzieher auftreiben. Zu dieſem Ende griff er die Kirchenſchaͤtze an. Weil er auch fuͤr die Sicher⸗ heit ſeines Lebens ſorgen wollte, ſo behielt er einen Theil der europäiſchen Voͤlker in der Stadt. Unbe⸗ dachtſamer konnte er nicht handeln, als daß er ſich Lenten anvertraute, die ſeinen Unterthanen verhaßt waren. Zu dem pluͤnderten einige Flamlaͤnder, Pi⸗ faner und Venediger eine Moſchee, welche der vorige Kaiſer den Tuͤrken in der Stadt zu bauen erlaubt hatte. Dieſe rotteten ſich zuſammen, und ſchlugen die Fremdlinge in die Flucht, auf welcher ſie noch ei⸗ nige Haͤuſer in Brand ſteckten. Das Feuer griff mit unausſprechlicher Gefraͤßigkeit um ſich, die Winde fachten die Flammen immer entſetzlicher an, und nach ſieben Tagen lag der groͤßte Theil der Stadt, nebſt den praͤchtigſten Kirchen und Palaͤſten, auf eine fran⸗ zoͤſiſche Meile lang in Aſche.— Die Fuͤrſten des Kreuzheeres ſahen die ſer Flammenwuth, ohnmaͤchtig ihr Einhalt zu thun, auf der Hoͤhe von Galata zu. Dieſes Ungluͤck erbitterte die Einwohner gegen ihren neuen Kaiſer, und gegen die Kreuzfahrer auf das 365 ſtaͤrkſte, und bald ereigneten ſich andere, nicht minder gefaͤhrliche Vorfaͤlle. Alexius Murzuphlus, aus dem kaiſerlicl eu Geſchlechte der Ducas, trat auf den Schauplatz. Er war ein hochmuͤthiger, grauſamer Verraͤther, ſchwarz⸗ braun mit aufgeworfenen Lippen und wollichten Au⸗ genwimpern. Er hatte dem entflohnen Tyrannen un⸗ ter die Arme gegriffen, als er auf den Thron ſeines Bruders ſtieg; er wollte nun auch in dem Sturme, welcher Konſtantinopel hin und her bewegte, ſelbſt das ſchwankende Rohr eines Szepters uͤber die Griechen erhaſchen. Auf dem Wege zu Iſaaks Throne war kein großer Stein des Anſtoßes; der blinde Mann hatte bereits ſeinen Verſtand verloren. Sein hoffnungsvoller Sohn Alexius hatte die Zu⸗ neigung des Volkes in unverſoͤhnlichen Haß verwan⸗ delt, weil er es mit den Abendlaͤndern hielt, welche die Griechen immer als ihre Todfeinde zu betrachten gewohnt waren. Murzupblus war bei dieſen guͤnſtigen Unfaͤllen bemuͤht, ſich in die Gewogenheit des Volkes einzu⸗ ſchleichen. Er erklaͤrte ſich zuerſt als einen geſchwor⸗ nen Feind der Kreuzfahrer, dann ſann er auf Mittel, den jungen Alexius wider dieſe, ſeine Bundesge⸗ noſſen, aufzuhetzen, und ſo benahm er ihm ſeine Be⸗ ſchuͤtzer, und das Volk haßte ihn dennoch, wie zuvor. Er wußte das Vertrauen dieſes unerfahrenen Regie⸗ rers ſo zu gewinnen, das er Oberkleider⸗Verwahrer 366 wurde, und demnach faſt immer am Hofe ſeyn mußte. Nun ſuchte er bei Alexius allen Dank gegen ſeine Gutthaͤter zu erſticken, ſich in die Falten ſeines Her⸗ zens einzuſchleichen, und ſeinem Stolze vorzuſpiegeln. Er ſollte ſich von dieſen wenigen Lateinern losreiſſen, die ſchmaͤhlichen Bedingungen, die man von ihm nur erzwungen haͤtte, nicht erfuͤllen, u. dgl. Der ſchwa⸗ che Alexius entſchloß ſich endlich, die enigen zu Grunde zu richten, denen er Leben und Ehre zu ver⸗ danken hatte. Den Kreuzfuͤrſten konnte der Kaltſinn, womit ih⸗ nen der Kaiſer begegnete, nicht entgehen; der Auf⸗ ſchub der Erfuͤllung ſeines Eides war ihnen uner⸗ traͤglich. Sie ſchickten zu ihm, und forderten die Erfuͤllung aller Bedingniſſe unbedingt, und mit ſtolzer Zuverſicht. Ihr freimuͤthiger Vortrag wurde am Hofe ſehr uͤbel aufgenommen; man hielt die kaiſerliche Hoheit fuͤr beleidiget; die Geſandten gingen, nicht ohne Gefahr fuͤr ihr Leben, in das La⸗ ger zuruͤck. Nun fing der oͤffentliche Bruch mit kleinen Schar⸗ muüͤtzeln an, worin die Kreuzzieher immer ſiegten. Weil aber die Griechen glaubten, daß alle Haͤndel von der venezinaniſchen Flotte abhingen, ſo waren ſie Darauf bedacht, dieſelbe zu Grunde zu richten. Sie nahmen ſiebenzehn Schiffe, fuͤllten ſie mit feuerfan⸗ genden Materien an, und ſteckten ſie bei der Nacht in Brand. Ein guͤnſtiger Wind ſollte dieſe verderbli⸗ 367 lichen Schiffe an die Flotte der Venediger treiben, und die Griechen frohlockten uͤber den hochflammenden Brand. Aber die Haͤnde der Venediger waren behend, ihre Flotte zu retten; die ſiebenzehn Brander gingen zu Grunde, u. hatten den ſchrecklichen Entzweck nicht erreicht. Aus dieſem Vorfalle nahm der abſcheuliche Mur⸗ zuphlus den Anlaß, ſeinen argwohnloſen Alerius gaͤnzlich zu verderben. Er brachte dem Kaiſer bei, er muͤßte jetzt, um nicht das Schickſal ſeines Oheims zu erfahren, ſich mit den Fuͤrſten zum Schein in Un⸗ terhandlungen einlaſſen, ſie laͤnger aufzuhalten ſuchen, und ihnen zu wiſſen thun, daß aller bisherige Unfug aus Zwang geſchehen ſey, und daß er ihnen noch uͤber ſein Verſprechen zugethan ſeyn wolle, wenn ſie ihn wider ſein aufruͤhreriſches Volk unterſtuͤtzten.— Alexius folgte dieſem ſchlauen Rathe, und ſchickte geheime Unterhaͤndler au die Fuͤrſten. Indeſſen ließ der Verraͤther Nurzuphlus durch ſeine Vertraute die ganze Unterhandlung in der Stadt ausſtreuen, und das Volk brach in die entſetzlichſten Fluͤche uͤber ſeinen nichtswuͤrdigen Kaiſer aus, und die Empoͤrung waͤlzte ſich weiter. Man kam in die Sophien⸗Kirche, um ei⸗ nen neuen Kaiſer zu waͤhlen. Das Volk hatte keine Vernuuft, keine Billigkeit mehr, und weil ſich die wuͤrdigſten, und kluͤgſten zuruͤck zogen, ſo ſetzte man einem jungen Menſchen von gutem Hauſe, Niko⸗ laus Kanabus, die Krone mit Gewalt den 25. Jaͤnner 1204 auf. 368 Alexius erſtaunte uͤber dieſe niederſchlagende Nach⸗ richt, und berathſchlagte ſich mit ſeinem Verraͤther. Dieſer ging zu dem Markgrafen Bonifaz in das Lager, und bat ihn im Namen des ungluͤcklichen Alexius um Huͤlfe. Man wollte ihm den Pallaſt des Kaiſers, die Feſtungen und Thuͤrme einraͤumen, wofern er ihm in ſo dringenden Umſtaͤnden an die Hand ginge. Der Markgraf nahm die Bedingungen an, und wollte nur noch die uͤbrigen Fuͤrſten zu Ra⸗ the ziehen. Inzwiſchen war der treuloſe Murzuph⸗ lus wieder nach Konſtautinopel entwichen, wo er ſeine ganze Unterredung mit Bonifaz nach ſeiner Art entdekte. Einen großen Auhang erwarb er ſich durch dieſe abſcheuliche Niedertraͤchtigkeit. In der folgenden Nacht bediente er ſich der Voll⸗ macht, die er hatte, in das Schlafgemach des Kaiſers nach Belieben zu gehen, weckte den jungen Mann auf, und berichtete mit Seufzern: daß Jedermann in der Stadt zu den Waffen gegriffen haͤtte, und auf ihn los⸗ gehen wollte. Der arme, geaͤngſtigte Fuͤrſt ließ ſich hierauf von dem Boͤſewichte an einen entlegenen Ort fuͤhren, wo ſich ſchon vieles Volk befand, welches der Verraͤther dahin beſtellt hatte. Der Kaiſer ward an Haͤnden und Fuͤſſen gefeſſelt, und in ein ſchreckliches Gefaͤnguiß gebracht.— Nun trat M urzuphlus vor das Volk, ruͤhmte ſeine Verdienſte um die Ehre der Griechen, und ward vom Poͤbel als Kaiſer ausgerufen. Jammervolle Schickſale brachte der abſcheuliche Thron⸗ 369 Raͤuber jetzt uͤber Konſtantinopel. Der elende Iſaak ſchmachtete waͤhrend dieſer Empoͤrung im Ker⸗ ker, ſein Leben neigte ſich zum Tode. Murzu⸗ phlus hatte Mittleiden mit ihm, und machte, man weiß nicht wie, daß er ſtarb. Zu ſeiner Sicherheit auf dem Throne ſchien ihm eine zweite Grauſamkeit nothwendig. Er wollte auch den Gefangenen, der ihm Einſpruch machen koͤnnte, aus dem Wege raͤumen. Das Gift, deſſen Kraft er ſchon etliche Male verſucht hatte, that keine Wirkung. Nun warf er alle Be⸗ denklichkeit von ſich, ging ſelbſt in das Gefaͤngniß, und erdroßelte mit eigenen Haͤnden ſeinen Fuͤrſten, und Wohlthaͤter Alexius. Deſſen Herrſchaft hatte nur ſechs Monate gedauert. Die Fuͤrſten des Kreuzheeres uͤbernahmen die Rache; ſie wollten Konſtantinopel, und das ganze grie⸗ chiſche Reich erobern. Ein Krieg mit dem Verraͤther, und Kaiſer⸗Moͤrder Murzuphlus war dehßwegen unvermeidlich. Vergebens ſuchte dieſer durch ſeine ab⸗ ſcheulichen Raͤnke die Venediger zu gewinnen, denn der ehrliche Dandalo ließ ſich in keine Unterhand⸗ lung ein. Die Feindſeeligkeiten fingen nun wieder an, und Konſtantinopel ward von der Seeſeite ein⸗ geſchloſſen. Unterdeſſen aber, daß das Kreutheer An⸗ ſtalten zu einem allgemeinen Sturme machte, hielten die Vornehmſten einen Rath, wobei folgende Punkte feſtgeſetzt wurden: Alle Beute, die man in der zu er⸗ obernden Stadt machen wuͤrde, ſolte gemeinſchaftlich 370 getheilt werden; ſechs Bevollmaͤchtigte ſollten ernannt werden von Seite der Franzoſen, und ebenſoviel Ve⸗ nediger, welche nach abgelegtem Eide auf das Evan⸗ gelien⸗Buch denjenigen zum Kaiſer waͤhlen ſollten, den ſie nach ihren Gewiſſen fuͤr den faͤhigſten, und wuͤrdigſten hielten. Der neue Kaiſer ſollte den vier⸗ ten Theil aller Eroberungen bekommen, nebſt den Pa⸗ laͤſten und Feſtungswerken von Konſtantinopel. Das Uebrige ſollte unter die Franzoſen und Venediger in zwei gleiche Theile getheilt werden. Hierauf ſollte man zwoͤlf der einſichtsvollſten Fran⸗ zoſen, und eben ſoviel Venediger waͤhlen, welche die Lehenguͤter und Ehrenaͤmter den tapferſten und ge⸗ ſchickteſten Hauptleuten des Heeres zuerkennen muͤß⸗ ten. Endlich ſollte das Kreuzheer noch ein Jahr zu Konſtantinopel bleiben, um das Anſehen und die Sicherheit des neuerwaͤhlten Kaiſers zu befeſtigen. Der hierauf unternommene, hartnaͤckige Sturm gegen Konſtantinopel wurde von den Griechen muthig und gluͤcklich ausgehalten. Die Kreuzritter erſchracken uͤber dieſe verungluͤckte Unternehmung, lieſ⸗ ſen aber den Muth nicht ſinken. Man beſchloß viel⸗ mehr, nach einer Raſt von zwei Tagen, auf der naͤm⸗ lichen Seite der Stadt mit einem Sturme zuzuſetzen. Die Griechen hatten die zwei Vorbereitungs⸗Tage des Kreuzheeres mit Feierlichkeiten und Ergoͤtzungen uͤber ihr gluͤckliches Aushalten zugebracht, und nah⸗ men ſich keine Zeit, auf ihre fernere Vertheidigung zu 371 denken. Sie konnten ſich auch nicht vorſtellen, daß das zuruͤckgeſchlagene Kreuzheer eine neue Unterneh⸗ mung wagen wuͤrde. Allein am eilften April wurde die Stadt wieder mit einem ſolchen Ungeſtuͤmme an⸗ gefallen, daß man haͤtte glauben ſollen, der Erdkreis wuͤrde beſtuͤrmt. Das Gefecht war langwierig, und ſehr blutig; die Griechen hatten bis auf den Mittag allen Vortheil fuͤr ſich. Nun aber erhob ſich ein guͤn⸗ ſtiger Wind, der alle Schiffe naͤher zur Mauer trieb. Man legte die Keirene an, und ſogleich erſtiegen zwei Ritter, Andreas d'Urboiſe, ein Franzoſe, und Peter Ader aus Venedig, einen Thurm, wo⸗ rauf alsbald, nach gegebenen Zeichen, die Beherzte⸗ ſten nachfolgten. Durch dieſen muthigen Streich wurde die Einnahme der ganzen Stadt befoͤrdert. Hau⸗ fenweiſe ſah man die Kreuzſoldaten auf den Mauern; das Blutvergießen war unbeſchreiblich, die Beute un⸗ ermeßlich. Aus Bettlern wurden nun beguͤterte Leute; keine Kitche blieb uͤbrig, die man nicht rein auspluͤnderte, und der Werth der zuſammen geraften Beute belief ſich auf viermalhun dert Tauſend Mark Silbers. Viele hatten noch ihren Raub verſteckt gehalten. Murzuphlus hatte voll Verzweiflung gefochten; er konnte des Niederhauens nicht ſatt werden. End⸗ lich begab er ſich auf die Flucht, nachdem er große Schaͤtze mit ſich genommen hatte. Die Griechen er⸗ waͤhlten darauf ihren tapfern Theodor Laskaris zu ihrem Kaiſer, welcher aber, ſeines Muthes, und 372 ſeiner Erfahrenheit ungeachtet, mit der Flucht ſich retten muſte. Die Eroberung von Konſtantinopel war fuͤr die Lateiner ſo nuͤtzlich, als die Einnahme von Jeru⸗ ſalem wichtig war. Die Kreuzfuͤrſten empfanden dar⸗ uͤber eine unausſprechliche Freude, und waren auf nichts mehr bedacht, als auf die Wahl eines lateini⸗ ſchen Kaiſers. Der Doge von Veuedig, der Mark⸗ graf von Montferrat, und der Graf von Flan⸗ dern kamen in Vorſchlag. Letzterer wurde endlich beſtaͤtiget, und in der Sophien⸗Kirche feierlich gekroͤnt. Dann nahm er alle Ditel, und Ehrenzeichen der Mor⸗ genlaͤndiſchen Kaiſer an. Dieſe neue Herrſchaft, welche nur ſieben und funfzig Jahre dauerte, wurde das Kai⸗ ſerthum der Lateiner genannt*). Die Kreuzritter waren nun vor Allem darauf bedacht, das griechiſche Reich in kirchlichen Dingen dem Papſte zu unterwer⸗ fen; jedoch beſchloßen ſie auch, daß der Kaiſer, und der Patriarch nicht von einerlei Nation ſeyn ſollten. *) Unter Balduin II, dem Bruder R obert'’s von Kourtenai, empörten ſich die Griechen mit neu auffebenden Kraͤften, und verjagten die La⸗ teiner. Der Kaiſer, Michgel Pala ologus ruͤckte ſich auf den Thuon, und ſeine Nachfolger herrſchten in einer voͤlligen Erſchlaſfung von Tugend und Ehre fort bis zum Jahre 1453, da Konſtantinopel von dem großen Sultan, Mohumed II. erobert, und dem griechiſchen Kaiſerthum ein Ende gemacht wurde. 79 19 Dieſe Wuͤrde erhielt deßwegen zum erſten Male der Unterdiakon des h. Stuhles, Thomas Moroſini, ein Nobile di Venezia vom erſten Range. Die an⸗ dern, vornehmen Ritter unter dem Heere bekamen hier⸗ auf von den Landſchaften des Kaiſerthums eigene Herrſchaften. Kraft des Vergleiches, welchen die Kreuzfahrer waͤhrend der Belagerung von Konſtantinopel unter ſich getroffen hatten, belehnte der neue Kaiſer Balduin ſogleich nach der Einnahme der griechiſchen Hauptſtadt den Markgrafen Bonifaz von Mont⸗ ferrat mit den Laͤndern jenſeits des Bosphorus und der Infel Kandia. Allein der Markgraf war mit Margaretha von Ungern, der Wittwe des Kgai⸗ ſers Iſa ak Angelus, verheirathet, und wuͤnſchte fuͤr ſeinen Antheil lieber das Koͤnigreich Theſſalo⸗ nich zu erhalten, weil es nahe an den Landſchaften ſeines Schwagers, des Koͤnigs von Ungern, lag, und weil es Muͤhe wuͤrde gekoſtet haben, diejenigen Ge⸗ genden Aſiens zu erobern, in deren wirklichem Beſitz Laskaris war*). Balduin willigte gern, in dieſen Tauſch, der Markgraf leiſtete ſogleich die Hul⸗ digung, und nahm den Ditel eines Herrn des Koͤnig⸗ reichs Theſſalonich und der Inſel Kandia an. *) Man vergleiche hiemit B nrignys Geſchichte von Konſtantinopel II. Theil. 374 Well er aber keine Schiffe hatte, ohne welchen es ihm nicht moͤglich war, Kandien unter ſeiner Herrſchaft zu behalten, ſo ſchloß er(12. Auguſt 1204) einen Ver⸗ trag mit den Venedigern, nach welchem er ihnen Kandia abtrat, wofuͤr ſie ihm aber acht tauſend Mark Silbers, und alle, in dem weſtlichen Theile Macedoniens liegende Laͤnder als ein kaiſerliches Lehen gaben. Dazu eroberte Bonifaz noch Serka, Beroͤa, Lariſſa, Boͤotien, Argos, Achaia, und Lakonien, und machte auch mit dem Kaiſer gemeinſchaftliche Zuruͤſtungen gegen den Fuͤrſten in der Bulgarei. Bei der Eroͤffnung des Feldzuges aber bekam er einen toͤdtlichen Pfeilſchuß in die Schul⸗ ter, und ward von den Bulgaren gefangen. Dieſe ſchlugen ihm den Kopf ab, und ſchickten denſelben ihrem Fuͤrſten*). Der Graf von Blois nahm Beſitz von Bythi⸗ nien; Jakob von Avenes erhielt die Inſel Eu⸗ baͤg oder Negroponte; la Roche, ein burgun⸗ diſcher Edelmann, bemaͤchtigte ſich eines großen Thei⸗ les von Griechenland, wo er das Herzogthum Athen und die Herrſchaft Theben ſtiftete. Wilhelm von *) Endlich kam dieſes Koͤnigreich wieder an die Griechen, und der Kaiſer Andronikus Pa⸗ laologus verkaufte es im Jahre 1413 an die Venediger, denen es Murad II. im J. 1432 wieder abnahm. . x375 Champelite, ein Baron aus der Champagne, wurde Fuͤrſt von Achaia. Die Nenediger nahmen fuͤr ſich die meiſten In⸗ ſeln des Archipelagus— Morea, und einige See⸗ ſtaͤdte auf der phrygiſchen Kuͤſte. Auf dieſe Art be⸗ hielt der Kaiſer für ſich nicht viel mehr, als Thra⸗ zien und Moͤſien, nebſt einer Art von Oberherr⸗ ſchaft uͤber die— den Griechen entriſſenen, und noch zu entreiſſenden Laͤnder. Das ſogenannte K Keiſertzum rar ezunt, ein gar kleines Reich, entſtand auch aus den Truͤmmern des grie⸗ chiſchen Kaiſerthums, und zwei griechiſche Printen, wel⸗ che die Verwirrung benutzten, ſetzten ſich ſelbſt dort auf den Thron. Einer derſelben, Alexius Kom⸗ nenus, nahm Trapezunt und Kolchis, der an⸗ dere, David Komnenus, bemaͤchtigte ſich Pa⸗ phlagoniens. Theodor Lascaris, der bei der Eroberung von Konſtantinopel nach Bythinien entfloh, berrſchte zu Nicaͤg anfangs nur als Deſpot; nach zwei Jahren unter dem praͤchtigen Titel eines K Kaiſers uͤber Bythinien, Phryogien, Myſien, Jo⸗ nien und Lydien, von dem Maͤander his in das ſchwarze Meer. Er iſt der Stifter des Kaiſerthums Nicaͤg. Um ſich in ſeinem Beſitze zu befeſtigen, ſchloß er ein enges Buͤndniß mit dem Sultan von Fkonien. 376, 4 Ueber den Eroberungen am Helleſponte wurde der vorgehabte Zug nach Palaͤſtina vernachlaͤſſiget. Es trennten ſich zwar einige von dem Heere, und gingen nach Ptolomais, wo ſie den Grafen Si⸗ mon von Montfort, nebſt andern Nittern antra⸗ fen, welche bei Venedig, oder bei Zara, die ver⸗ eintgten Kreutzieher verlaſſen hatten. Allein ſie wur⸗ den theils durch die Peſt hingerafft, theils von dem Sultan zu Alepp niedergehauen, theils kehrten ſie, unter der Anfuͤhrung des Grafen von Montfort zuruͤck nach Suropa. (Die Fortſetzung im naͤchſten Baͤndchen.) Druckfehler. Seeite 286 Zeile 7 Von — 257— S vertheilt, ſowohl — 266— 22 dann — 296— 15 ſchoſſen. —— 8 *