4 * —“ LETraTrrrrrranhrarrdr Leihbibliothek von Eduard Ottmann in Gießen. Täͤgliher Leſepreis für ein deutſches Buch Kr. , franz. od. engl.„ 2„„ ¹Das Abonnement beträgt: für wöchentlich 6 Bücher: 4 Bücher: 2 Bücher: auf 6 Monat: 2 fl. 30 Kr. 2 fl. 5 Kr. 1 fl. 12 Kr. 1 Taraa aara Anananananhraranhahnanhnanhnhnhnhrhnhnhnhnhnhchnhnhnhehr arAnAnAranAnhnh ſſſ 8 77 e e, 22e.. oge 2 elnen 2 2r e. 70 S h, — Taſchen⸗Bibliothek der wichtigſten und intereſſanteſten See⸗ und La nd⸗Reiſen, Erfindung der Bunencketunſt bis auf unſere Zeiten. Mit Landkarten, Planen, Portraits und anderen Abbildungen. Berfa f 1. von Mehren Gelehrten, und sdedehen Joachit einrich Jäck, Koͤnigl. Bibliothekar zu Bamberg. 11. Baͤndchen. Mit einem Kupfer. I. Theil. 3. Bändchen von Aegypten. 3 Nürnberg. Verlegt von Haubenſtricker und von Ehner. 182 8. Taſchen⸗Bibliothek der wichtigſten und intereſſanteſten Reiſen durch Aegypten. Mit Landkarten, Planen, Portraits und anderen Abbildungen. Ber f 1 von Mehren Gelehrten, u rrausgegeben von Joachim Heinrich Jaͤck, Koͤnigl. Bibliothekar zu Bamberg. I. Theil. 3. Baͤndchen. Nürnberg. Verlegt von Haubenſtricker und von Ebner. 1828. — Zweites Buch. — I. Von Arcchemnnain, Gaue, und einigen anderen Oertern auf dem Wege nach Ack mim. (Fortſetzung.) 3 Zur Reiſe nach Ober⸗Aegypten verſchaffte mir der Kouful Briefe von dem großen Scheick Oſman Beg an den Scheik von Girge, an den Fuͤrſten von Ack⸗ mim, und an den großen Scheick zu Furshut. Ich verſah mich mit viel Kaffee, Reis, Tobak, Seife, ro⸗ then arabiſchen Schuhen, und anderen Gegenſtaͤnden fuͤr Geſchenke auf einer ſo weiten Reiſe, wie auch mit Gewehren zur Vertheidigung. Es gluͤckte mir, ein Boot des Fuͤrſten von Ack mim anzutreffen, und dem Maſim Soliman empfohlen zu werden, welcher ein ſehr ehrwuͤrdiger Koptiſcher Katholik war. Er war die erſte Perſon, durch welche der Fuͤrſt ſeine Geſchaͤfte trieb, obgleich er nie in deſſen Dienſte tretten wollte; dadurch beſeitigte er den Untergang ſeines Hauſes. Denn in der ganzen Kuͤrkei wird den verſtorbenen Be⸗ 254 dienſtigten das erworbene Vermoͤgen wieder abgenom⸗ men, unter dem Vorwande, daß die Fuͤrſten nur das Ihrige wieder nehmen. Man rieth mir zur Annahme eines beliebten Namens; ich waͤhlte Joſeph, und fuͤgte Malim, d. i. Herrbei. Ich hatte auch mei⸗ nen Barth wachſen, und mich ganz wie ein Kopte kleiden laſſen. Ich hatte einen ſchwarzen Ceremonien⸗ Rock, ein großes blauweiſſes Tuch um den Hals, wel⸗ ches vorne herab hing, und fuͤr andere Gelegenheiten noch ein ſolches Tuch, welches um den Leib und uͤber den Kopf geſchlagen war. Auch war ich mit einem blauen Hemde, wie die Schiffleute uͤberdeckt. So trat ich die Reiſe mit meinem Bedienten und Dol⸗ metſcher an. Am 6. Dez. 1737 Mittags ſetzten wir zeug, in welchem wir nach A im kommen wollten, den Hafen verlaſſen hatte, und ½ Tagreiſe voraus geeilt war. Denn ohne dieſe Vorſicht haͤtte man ſich unſeres Fahrzeuges mit Gewalt bedient, die Soldaten nach Roſetto zu fuͤhren, welche der Groß⸗Sultan nach Konſtantinopel gerufen hatte, um in den Krieg gegen die Moſkowiter zu marſchiren. Bei der Ausfahrt zeigte man mir auf der ſuͤdlichen Hoͤhe einen jerfallenen Thurm, welchen man den des Koͤnigs An⸗ tar nennt; ehe wir dahin kamen, hatten wir Oſman uns in ein kleines gemiethetes han⸗ indem das Fahr⸗ gegen Abend. Wir kamen gegen Nachtzeit an das große Schiff bei Turphaier, welches an der Juſel Hergeleopolis liegt. 25⁵ Die großen Boote, Marſches, wovon wir eines beſtiegen, haben in der Mitte einen Maſtbaum, und einen anderen an dem vorderen Theile. Man bedeckt das Schiff mit Matten, vermittelſt langer Stangen; unter dieſem Dache ruht das Volk die ganze Nacht. Am 7. Dez. kamen wir mit einem ſanften Winde an, nachdem wir die Pyramiden bei Sakkara und Das⸗ hur gegen Nordweſt von Turphaier im Angeſichte hatten. Wir reiſten verſchiedene Doͤrfer voruͤber, und kamen oſtwaͤrts nach Stalhiteh; zu Righah Nachts an. Die Reiſenden bleiben gewoͤhnlich in dem Schiffe liegen, und halten ſich eine Wache, welche ſie gegen einen Anfall vertheidigen, und das Volk am Stehlen hindern muß. Den 8. Dez. reiſten wir bei gutem Winde nach dem Kloſter des h. Anton, wo— wie in den meiſten aͤgyptiſchen Kloͤſtern— ſaͤkulariſirte Prieſter mit ihren Weibern und Kindern leben. Mehrere derſelben muß⸗ ten Steine zur Ausbeſſerung ihres Kloſter⸗Gebaͤudes herbei bringen. Auf unſere Frage nach der Zahl ihrer Glieder hielten ſie uns fuͤr Diener, welche die Steuer von ihnen erheben wollten, und wollten ſich nicht zahl⸗ reicher ausgeben, als wir ſie ſahen. Allein kaum hat⸗ ten wir ihren Irrthum geoffenbart, zeigten ſie uns ihr Kloſter mit vieler Demuth; ihre Armuth beruͤckſichtig⸗ ten wir mit einem Almoſen. Das Kloſter iſt durch eine Mauer gegen die Raͤuber geſichert. Man erzaͤhlte uns neben vielem Wunderlichen, daß der h. Anton 256 von hier in die Wuͤſte bei dem rothen Meere gewan⸗ dert, und daſelbſt der Stifter des Einfiedler⸗Lebens geworden ſei. Sie ſagten uns, daß ſie ihren Biſchof zur Feier des Gottesdienſtes in ihrer Kirche erwarte⸗ ten. Denn die Biſchoͤfe jener Gegend vertreiben ihre meiſte Zeit durch Reiſen in ihren Besirken zur Feier des Gottesdienſtes, und durch perſoͤnliches Sammeln der Einkuͤufte fuͤr ſich und den Patriarchen. Wir kamen bei der Inſel und Stadt Smeut herauf, und bald zu einer kleinen ſandigen Inſel, Be⸗ nadi gegenuͤber, wo ich einen Krokodill ſah. Wir kamen in die Stadt Buche am Kanale, welcher nach Fajume fuͤhrt; wahrſcheinlich iſt dies der Hafen von Arſinoe, deſſen Ptolomaͤus erwaͤhnt. Wir reis⸗ ten nach der Stadt Beuesuief, welche eine Meile im Umfange hat, und aus ſehr ſchlechten ungebrann⸗ ten Steinen aufgefuͤhrt iſt. Deſſen ungeachtet iſt ſie die Hauptſtadt einer Provinz, und wird von einem Bey bewohnt. Es giebt hier große Manufakturen von ei⸗ nem geſtreiften Zeuge zu Teppichen ohne Haare, wel⸗ cher aus Wolle und grobem Garne gefertigt wird. Das gemeine Volk bedient ſich derſelben zur Bedeckung der Kiſſen des Sopha; ſie fertigen auch aus dieſem Zeuge Kleider fuͤr Kinder ohne Aermel. Wir gingen Berg⸗ auhieh und Bibeh voruͤber, und kamen zu der großen Inſel mit fruchtbarem Erdreiche. Sie war mit Melonen und Kuͤrbiſſen bepflanzt, in Reihen, welche 6 Fuß von einander waren, und tuͤrkiſcher Wajz war 257 etwas ſchief uͤber ſie gepflanzt, um ſie gegen uͤble Wit⸗ terung zu ſchuͤtzen. An mauchen Orten war eine Art Gras, Namens Lefe, uͤber die jungen Pflanzen in einer Reihe geſetzt, aus welchent auch Seile gefertigt werden. Wir lagen dieſe Nacht ſtill; aus einem an⸗ deren Boot, welches auf der Morgenſeite angebunden war, wurde auf Jemanden geſchoſſen, welcher ver⸗ muchlich ſtehlen wollte. Gegen Morgen wohnen mei⸗ ſteus Araber, welche unter keiner Herrſchaft ſtehen; weßwegen auch die Schiffer bei meiner Ruͤckkehr einen ausdruͤcklichen Vergleich machten, daß ſie nicht ver⸗ bunden ſeien, ſich an einen anderen Ort gegen Mor⸗ gen zu begeben, als wohin es ihnen beliebt.. Am 9. hatten wir etwas Wind, und legten um Mittag bei dem Hafen von Fetne an; bei fortgeſetz⸗ ter Reiſe kamen wir nach Scharony gegen Morgen. Mehrere Ueberbleibſel von Gebaͤuden und einige Stein⸗ higel lieſſen mich ichließrn. daß daſelbſt ehemals eine Stadt geweſen war. Wir lagen die ganze Nacht uͤber der kleinen Stadt 3 n. Girge ſtill, welche ein Bi⸗ ſchofs⸗Sitz iſt, vielleicht Oxgrinchus nach dem Fi⸗ ſche gleiches Namens hieß, welcher hier verehrt wur⸗ de. Man ſagte uns, daß wir den dritten Theil des Weges nach Ackmim zuruͤckgelegt haͤtten, welches 3 1/2 Grad von Kairo liegt. Am 40. ſah ich verſchiedene Araber zu Pferde; da ich mich vom Schiffe etwas weſtlich fntfedi te, kam ſo⸗ gleich einer, dem ein anderer folgte. Ich ging in 258 das Schiff zuruͤck, und ſie naͤherten ſich unter ſteter Betrachtung. Wir fuhren bei Abuſagat⸗Beniſama gegen Morgen vorbei, woſelbſt ein großes Haus dem Sarakka⸗Schif gehoͤrte, welcher ſich, nach meuchel⸗ moͤrdiſcher Ermordung von 8. Beys zu Kairo, hier⸗ her gefluͤchtet hatte. Die Schiffer konnten nur mit vieler Muͤhe bei ſtillem Winde die Barke ziehen, weil ſie in dieſem Monate vom Aufgange bis zum Unter⸗ gange der Sonne weder eſſen, noch trinken, noch rau⸗ chen durften. Da nach der tuͤrkiſchen Zeit⸗Rechnung innerhalb 32— 33 Jahren dieſes Monat in jede Jahr⸗ reszeit faͤllt, ſo iſt fuͤr den armen Mann des Sommers ſehr beſchwerlich, ſeinen Mund blos mit Waſſer aus⸗ ſpuͤlen zu duͤrfen. Indeſſen bringen ſie die Naͤchte mit Schmauſen und Vergnuͤgungen zu, wenn ſie koͤnnen. Nach dem Verlaufe dieſer Faſten nehmen ſie zuerſt ei⸗ nen Schluck Waſſer; dann rauchen ſie, trinken Kaffee, und halten ein großes Gaſtmal. Nach Mitternacht halten ſie eine andere große Mahlzeit, ehe ſie ſich zu Bett begeben. Jene, welche nichts zu ſchmauſen ha⸗ ben, ſitzen wenigſtens die ganze Nacht auf, und ſchla⸗ fen den groͤßten Theil des Tages, damit ihnen die Fa⸗ ſten nicht zu beſchwerlich wird. Bei unſerem Voruͤbergehen riefen die Araber den Herrn des Schiffes an das Ufer, und forderten Tobak; dieſer erwiederte zu ihrer Einſchuͤchterung, die Janit⸗ ſcharen im Schiffe wuͤrden ihnen Tobak geben. Da aber der Rauch aus dem Schiffe die Zubereitung der —— 259 Speiſen verkuͤndigte, ſo antworteten ſie, daß ſie aus dem Rauche die Janitſcharen erkennten, d. i. ſie woll⸗ ten andeuten daß ſie uns fuͤr Chriſten hielten. Wir zeigten uns hierauf in mahometaniſchem Auzuge, wel⸗ cher ſie vertrieb. Am 11. machten wir eine ſehr kleine Reiſe; ich ſah das Ufer innerhalb des Flußbettes bis an das Waſſer beſaͤt. In der Nacht ſchwamm Jemand auf das Schiff zu, kehrte aber auf unſer Rufen zuruͤck. Viele pfle⸗ gen naͤmlich Nachts an die Seite des Schiffes ſich zu haͤngen, und waͤhrend des Schlafens der Schiffer zu ſtehlen, was ſie finden. Den 12. kamen wir an die oͤtlichen Huͤgel: da das Schiff mußte gezogen werden, ſo begab ich mich an das Ufer, und bemerkte verſchie⸗ dene Grotten uͤber die Berge, welche Graͤber fuͤr das Volk an der weſtlichen Seite des Fluſſes ſeyn mochten. Gegen Suͤd einiger Huͤgel iſt der arabiſche Flecken Ce⸗ reſiag; dann die Stadt Samalut, wo eine Mo⸗ ſchee mit einem tuͤrkiſchen Glocken⸗Thurme(Mina⸗ ret) iſt. Den 13. kamen wir an die Huͤgel Jebel⸗Ock⸗ ſeir, wo alle Arten von Voͤgeln ſich zahlreich aufhal⸗ ten. In demſelben befinden ſich verſchiedene Grotten und uͤber demſelben iſt ein Kloſter, welches zur pflicht⸗ maͤfſigen Aufnahme und Bewirthung der Reiſenden beſondere Laͤndereien beſitzt. Am 14. kamen wir bei gutem Winde Minis an der weſtlichen Seite vorbei, welches eine Stadt und Reſidenz fuͤr den Kaſchif der 260 Provinz iſt. Hoͤher herauf kamen wir nach der klei⸗ nen Stadt Suadi gegen Oſt. Wir gelangten zur verwuͤſteten Stadt Antinvo⸗ polis, jetzt Enſineh, welche 3—4 Meilen im Um⸗ kreife haben ſoll. Ich ſah einen großen Pfeiler mit einem korynthiſchen Kapital, woruͤber ein viereckiger Stein zur Aufſtellung einer Bildſaͤule lag; auch ein vortrefflich gearbeitetes Thor korinthiſcher Ordnung zu ſehen war. Ohnweit dieſes Ortes iſt ein Dorf mit Chriſten, deren groͤßte Sicherheit aus dem Wahne der Tuͤrken kommt, daß keiner daſelbſt wohnen koͤnne. Hoͤ⸗ ber hinauf iſt das Kloſter St. Johannes, Des⸗ Abu⸗Ennis, mit verſchiedenen Prieſtern; etwas weiter Melui faſt eine Meile gegen Weſt des Fluſ⸗ ſes, welche Stadt etwa eine Meile im Umfange und ziemlich gut gebaute Haͤuſer hat. Sie liegt am Ende von 9 Doͤrfern, welche zuſammen eine kleine Herr⸗ ſchaft bilden, und nach Mekka gehoͤren. Daher hat der Emir⸗Hadge, welcher gewoͤhnlich einer der groͤß⸗ ten Beys iſt, und die Karavanen uach Mekka fuͤhren muß, die Herrſchaft ausuͤbt, und einen Sardar dahin ſchickt, zu regieren, welcher eben ſoviel Aufwand macht, als die Kaſchifs und andere Befehlshaber. Gewoͤhn⸗ lich trifft dieſe eintraͤgliche und ehrenvolle Stelle einen der vornehmſten ſeiner Seclaven. Dieſer Ort verſieht Mekka jaͤhrlich mit 390,000 Saͤcken Korn, welches uͤber Kairo, Suez und das rothe Meer dahin ge⸗ fuͤhrt wird. Die Chriſten haben keine Kirche daſelbſt, 261 ſondern muͤſſen ſich nach dem gegenuͤber ſtehenden Klo⸗ ſter begeben. Ohngefaͤhr 3 Meilen nordwaͤrts von Melui iſt die Stadt Archemunain mit einer großen Ebene. Dieſe liegt an zerfallenen Haͤuſern der alten Stadt Hermopolis, oder der Stadt des Merkurs. Sie ſcheint unfoͤrmlich eine Meile von Oſt nach Weſt, und uͤber 1½ Meile von Nord nach Suͤd ſich gezogen zu haben, und iſt 2 Meilen vom Fluſſe entfernt. Mau ſieht noch ein großes Tempel⸗Portiko von 12 Pfeilern⸗ deren s in einer Reihe ſind, und 9 Fuß im Durch⸗ meſſer euthalten. Sowohl an den Pfeilern, als auf den uͤber ſie liegenden Steinen ſtehen hieroglyphiſche Figu⸗ ren; einige Ueberbleibſel von Malerei ſind auch zu ſe⸗ hen, wie die Decken mit Sternen geziert. Eine ſitzende Verſon, welcher eine andere opfert, iſt an verſchiedenen Orten eingehauen. Im weiteren Fortſchreiten bemerkte ich am gan⸗ zen Wege von Sudai nach Manfaluth eine große Meuge Grotten in den Bergen; auch viele zerfallene Gebaͤude aus ungebrannten Steinen, und ein in Fel⸗ ſen gehauenes Kloſter, deren Kirche ein Prieſter aus Manfaluth verſieht. Dieſe ziemlich gut gebaute Stadt liegt eine Meile vom Fluſſe, und hat mehr als eine Meile im Umkreiſe. Ein dieſe Provinz regierender Kaſchif wohnt daſelbſt, und ein Biſchof mit 200 Chriſten, deren Kirche in einiger Entfernung zu Nar⸗ 3 262 rach iſt. Der Nil iſt in dieſer Gegend ſehr tief, weh⸗ wegen wir die ganze Nacht fortſchifften. Am 15ten fuhren wir Seiut vorbei, welches etwa 2 Meilen vom Fluſſe an einer Anhoͤhe ſchoͤn ge⸗ legen. An der Stadt iſt ein großer See, wohin das Nilwaſſer durch einen großen Kanal geleitet wird, uͤber welchen eine Bruͤcke mit 3 hohen gothiſchen Bo⸗ gen geſprengt iſt. Die ziemlich gut gebaute Stadt erſtreckt ſich etwa zwei Meilen gegen Suͤdweſt, und iſt von ſchoͤnen Gaͤrten umgeben. Sie kann unter die beſten Staͤdte Aegypten's gerechnet werden; ſie wird von dem die Provinz regierenden Kaſchif bewohnt; ein Biſchof mit s00 Chriſten befindet ſich auch daſelbſt, deren Kirche eine Stunde entfernt iſt. Die oͤſtli⸗ chen Berge der Gegend ſind mit vielen Grotten aus⸗ geſtattet. Etwa eine Meile gegen Weſt von dem Fluſſe ſah ich die ziemlich große und von einem Biſchofe be⸗ wohnte Stadt Abutig, welche vielleicht das Hyp⸗ ſele der Alten iſt. Bei der Stadt beobachtete ich das Lager eines arabiſchen Scheicks, welcher dieſes Land regiert. Dieſe Statthalter ziehen oft im Lande berum, lagern ſich bei den Staͤdten und Doͤrfern, um den Zoll einzunehmen, welcher durch Vieh gezahlt werden muß. Ueber Abutig liegt der zur Stadt ge⸗ hoͤrige Hafen Nackele, und gegenuͤber iſt das Land Seling, welches aus verſchiedenen Doͤrfern beſteht. Gegen Nordoſt des am meiſten gegen Suͤd liegenden * 263 Dorfes ſind zwei kleine Berge, wo ehemals eine Stadt gelegen ſeyn mag. Des Abends kamen wir nach Gaua⸗Kiebre, wo ein ſehr ſchoͤnes Tempel⸗ Portiko von 18 Pfeilern in 3 Reihen iſt. Dieſe haben eine beſondere Art eines Kapitals, und die Saͤulen ſind mit mehr hieroglyphiſchen Figuren verziert, als irgendwo; an der Frieße iſt eine unvollkommene grie⸗ chiſche Inſchrift. Das Portiko und die großen herum liegenden Steine geben zu erkennen, daß dieſes Ge⸗ baͤude ſehr praͤchtig geweſen ſeyn muͤſſe. Hinter dem⸗ ſelben iſt in einiger Entfernung ein Stein in der Ge⸗ ſtalt der Spitze eines Obelisks, worin eine Aushoͤh⸗ lung mit hieroglyphiſchen Figuren iſt. Am 1sten be⸗ traten wir das Land des Fuͤrſten von Ackmim bei Raignyz bei dieſem Orte iſt die Grotte der beruͤhm⸗ ten Schlange Heredy, deren die Reiſenden erwaͤh⸗ nen. Am 17ten kamen wir nach Ackmim ſelbſt. II. Von Ackmim und deſſen Umgebung. Ackmim liegt etwa eine Meile gegen Oſt vom Fluſſe auf einer kleinen Hoͤhe; bei hohem Nile wird die ganze Stadt durch einen Kanal von Waſſer um⸗ geben. Ich glaube, dieſe war Panopolis, welche wegen der Leinwand⸗Manufakturen und Steinhauer⸗ arbeit in alten Zeiten beruͤhmt war. Hier iſt die Re⸗ ſidenz des Fuͤrſten von Ackkmim, unter dem Titel eines Emirs und Scheicks. Dieſe Familie kam vor 2— 3 Menſchenaltern aus der Berbexei, und pach⸗ 7 tete das Land vom tuͤrkiſchen Kaiſer. Die Straßen der Stadt ſind weiter, als in anderen arabiſchen Staͤdten; die Ecken der Haͤuſer ſind aus gebrannten, der uͤbrige Theil aus den von der Sonne getrockneten 3 Steinen. Ich begab mich in das Kloſter der franzoͤſi⸗ ſchen Miſſionaͤre, wo in ich empfohlen war; aß Mit⸗ tags und Abends mit ihnen in ihrer Halle, und am erſten Tage kamen mehre katholiſche Kopten, mich zu ſehen. In und außer der Stadt waren etwa 2000 Chriſten, wovon 200 zur katholiſchen Kirche gehoͤrten. Im Kloſter iſt ein Zimmer, wo Nachts ſo viele der⸗ ſelben, als wollen, ſich verſammeln duͤrfen; einer der Moͤnche iſt verbunden, ſich mit ihnen zu unterreden. Ich begab mich mit meinem Frennde zum Fuͤrſten Malim Soliman, um ihm ein Empfehlungs⸗ ſchreiben des Osman Bey mit verſchiedenen glaͤſer⸗ nen Gefaͤßen zu uͤbergeben. Er war nicht wie ein Araber, ſondern tuͤrkiſch gekleidet, und begegnete mir ſehr gnaͤdig. Die Unterthanen lieben ihn, beſonders die Chriſten, weil er ſie gut behandelt, ſeine Mutter eine ehriſtliche Selavin war, und ihre Anhaͤnglichkeit an die Religion durch ein woͤchentliches Geſchenk an das Kloſter ausdruͤckte. Man wollte auch an ihm bei dem Beſuche der Kirche eine gewiſſe Andacht wahrge⸗ nommen haben. Die Miſſionaͤre haben ſich unter der Maske der Aerzte eingeſchlichen, und wurden vom Fuͤrſten, wie von deſſen Vater, immer ſehr huldvoll aufgenommen. Derſelbe kam vor einigen Jahren —— 265 ſogar in den Verdacht, Chriſt geworden zu ſeyn. Da⸗ her wurden soo Soldaten beordert, ihn nach Kairo zu bringen; allein er eutfloh mit den 3 anweſenden Miſſionaͤren in die Gebirge. Durch ſeine Goͤnner zu Kaäro wurden die Soldaten bald zuruͤck beordert, und dann kehrte er in ſeine Reſidenz zuruͤck. Nach einem Jahre ſtarb er ploͤtzlich, und wurde von dem Volke ſehr beweint. Gegen Nord fand ich einige Ueberbleibſel eines alten Tempels mit einer griechiſchen Inſchrift, worin der Name Tiberius Claudius war, mit Thier⸗ geſtalten und Schnuͤtzwerk. Etwa 100 Ruthen hoͤher gegen Nordoſt iſt noch ein Haufen groͤßerer Steine mit hieroglyphiſchen Figuren und Sternen. Verſchie⸗ dene rothe Granitpfeiler ſtanden in einem Viertheile der Stadt, wo einige andere alte Gebaͤude moͤgen gewe⸗ ſen ſeyn. In einer Moſchee traf ich verſchiedene Pfei⸗ ler aus Granit und anderem Marmor an. An dem Portrko einer anderen Moſchee ſah ich ein graues Gra⸗ nitſtuͤck fuͤnf Fuß lang und faſt zwei Fuß breit mit einer faſt ganz ausgeloͤſchten, griechiſchen Inſchrift, welche ein Dekret oder Geſetz andeuten mag. Drei Meilen gegen Morgen liegt an einem nie⸗ drigen Huͤgel ein unbewohntes Maͤrtyrer⸗Kloſter nahe bei dem Fuße des Berges. Von da gingen wir zwi⸗ ſchen den hohen ſteilen Bergen in ein ſehr ſchmales Thal, und nach 2 Meilen kamen wir in das Kloſter Dermadud. Von dieſem iſt ein ſehr ſchmaler ge 2 Ses B. Argpplon. I. 3. 2 266 faͤhrlicher Weg an dem ſenkrechten Felſen gehauen, welcher zu einer Einſiedelei fuͤhrte. Jenſeits des Klo⸗ ſters fuͤhrt ein ſehr ſteiler Weg hinauf, welcher eine halbe Meile weit ſo voll herab gerollter Steine iſt, daß man zu Pferd nicht durchkommen konnte. Dieß mag eine Zuflucht in Verfolgungszeiten geweſen ſeyn, wo⸗ hin man ſich auch wegen des daſigen guten Waſſers begibt, welches groͤßtentheils tropfenweis aus dem Felſen herab faͤllt. Es iſt eine Art Brunnen da, wel⸗ cher Bir⸗Elaham heißt; vielleicht iſt hier das ein⸗ zige Waſſer Aegyptens, welches nicht vom Nile kommt. In der Naͤhe ſind verſchiedene Hoͤhlen und kleine Huͤtten, welche vermuthlich fuͤr die Andacht der Chriſten eingerichtet ſind. 6 Von dieſem Thale reiſten wir gegen Weſt nach dem Dorfe El⸗Gurney. In den Huͤgeln uͤber demſelben ſind Begraͤbniß⸗Grotten in verſchiedenen Stockwerken, deren einige nur einfache Zimmer ſind, andere 2— 3 Zimmer neben einander. Einige Zim⸗ mer waren bemalt, aber ohne Figuren, bis auf einen einzigen Ibis an der Decke, und einige andere ſchlechte Geſtalten an der Seite; ein menſchlicher Koͤr⸗ per ſchien am Leibe eines vierfuͤßigen Thieres befeſtigt. Ich begab mich auf der Abendſeite zu zwei alten praͤchtigen Kloͤſtern. Ich reiſte durch Suadgy, wo ein Kopte uns auf einen Kaffee, Datteln, Syrop und Brod einlud. Er wollte ſich gar nicht abweiſen laſſen, und deckte ſeinen Teppich vor die Thuͤre, worauf wir 267 uns wohl ſeyn ließen. Bei unſerer Abreiſe bat er uns, ruͤckwaͤrts wieder zu kommen, oder des anderen Tages mit ihm zu ſpeiſen. Als wir aus der Stadt gingen, ſahen wir ein junges Frauenzimmer ohne Schleier, mit kupfernen Zierrathen am Halſe, zur Seite des Weges ſitzen. Wir kamen bei verſchiedenen Suͤmpfen vorbei, welche aus den Ergießungen des Niles ent⸗ ſtanden waren, und ich habe nie ſo viele wilde Voͤgel beiſammen geſehen, als in dieſer Umgebung. Wir kamen an das Kloſter Embeshnuda am Rande der ſandigen Wuͤſte. Daſelbſt ſind noch verſchiedene Stuͤcke von alten Pfeilern und rothen Granitſteinen in und um die Kloͤſter; vielleicht war daſelbſt die Krokodil⸗ ſtadt, deren Ptolomaͤus erwaͤhnt. Das Kloſter iſt nach griechiſchem Geſchmacke aus Quadern gebaut, und in beiden Kirchen ſind Spuren großer Pracht. Da ich ein Bildhauerſtuͤck mit einem Adler, und vor demſelben ein Kreuz, wie auch einen anderen Adler auf einer Krone fand, ſo vermuthete ich, die Kaiſerin Helene habe das Kloſter geſtiftet. Die Kirchen bei⸗ der Kloͤſter ſind nach einem Muſter gebaut, mit Pfei⸗ lern nach korinthiſcher Ordnung; deren einige Kreuze, ſtatt der Roſe, auf dem Kapital haben. An einer je⸗ den Kirche muß auf der Suͤdſeite noch ein Gebaͤude angehaͤngt geweſen ſeyn. Die Kirche iſt mit rothem Granit gepflaſtert, und auf mancher Seite zeigen ſich noch Spuren von hieroglyphiſchen Geſtalten. Die . 268 Thore des Kloſters ſcheinen nach der doriſchen Ord⸗ nung gemacht geweſen zu ſeyn. Etwa eine Meile gegen Nord iſt das andere Klo⸗ ſter Der⸗Embab ſchai, umgeben mit einem Gra⸗ ben von /½ Meile im Umkreiſe. Die Ecken und Thuͤ⸗ ren deſſelben ſind aus Quadern, das uͤbrige aus Back⸗ ſteinen. Das Thor gegen Nord iſt mit koriuthiſchen Saͤulen, und daruͤber ein Gebaͤlke; auf jeder Seite ſteht der h. Georg in erhabener Arbeit. Die Bau⸗ art dieſes Kloſters iſt koſtbarer, als des vorigen. Am weſtlichen Ende der groͤßsentheils verfallenen Kirche iſt ein großes Gefaͤß, welches zum Taufſteine gedient haben mag. Ich begab mich zuerſt in das Kloſter: da kein bequemer Ort zur Bewirthung der Fremden war, ſo bereitete man am weſtlichen Ende der Kirche eine Erfriſchung fuͤr uns zur beſonderen Auszeichnung. Wir reiſten zwei Meilen im Sande zu den weſt⸗ lichen Gebirgen, kamen uͤber einen großen Begraͤbniß⸗ platz der Chriſten, welche aus der ganzen Nachbar ſchaft dahin begraben wurden. Im Sande ſahen wir Spu⸗ ren der Woͤlfe, und man wollte uns auch Schlangen von 44— 45 Fuß in der Laͤnge zeigen. Wir gingen in das Kloſter bei ſchoͤner Abendzeit zur Erfriſchung zuruͤck, und ſetzten uns auf Matten an der Thuͤre einer Ka⸗ pelle. Man ſteckte Wachskerzen in Kuchen, ſtatt in Leuchter, und wir nahmen das Nachtlager in der Ka⸗ pelle daſelbſt. Des anderen Morgens ſahen wir das große Kloſter, wo uns die Moͤnche Kaffee vorſetzten⸗ 269 und ſich erboten, ein Schaf zu ſchlachten, wenn wir blieben, und das Mittagsmahl mit ihnen theilen wollten. Allein wir gingen durch Wolken von Staub bis nach Ackmim, waͤhrend ein Sturmwind tobte. Dieſe zwei Kloſter haben ihren Landesbezirk um billi⸗ gen Preis vom Fuͤrſten; aber ſie muͤſſen auch die Ara⸗ ber und den Bey von Girge bewirthen, wenn dieſe kommen. In dieſer Gegend ſah ich Dombaͤume, eine Art Palmbaͤume, welche am Laube den braſilia⸗ niſchen Palmen mit zuſammen gelegten Blaͤttern gleichen. 7 Ich war zu Ackmim in der Weihnachten, und blieb die ganze Nacht auf, um die Ceremonien der Kopten in der roͤmiſchen Kirche zu ſehen. Denn ſie haben ihre eigenen Gebraͤuche, und erwaͤhnen im Ge⸗ bete ſogar der Ketzer, nach der Gewohnheit der grie⸗ chiſchen, armeniſchen und aller morgenlaͤndiſchen Kir⸗ chen. Nach der Beendigung des Gottesdienſtes gegen Tages⸗Anbruch, ſchickte der Malim Solim an zu mir, ich moͤchte ihn beſuchen, und den ganzen Tag bei ihm bleiben, was ich befolgte. Nachdem wir den Kaffee getrunken hatten, hielten wir etwas Schlaf nach den Beſchwerden der Nacht fuͤr noͤthig. Mittags wurde in einem offenen Sommerhauſe ein Diſch von 25 Speiſen eroͤffnet, deren 8— in einer Reihe ſtan⸗ den, wovon mehre 3— 4 mal veraͤndert wurden. Die meiſten Speiſen beſtanden aus ſtarken Suppen, einer Art von Ragouts, gebratenem Lammfleiſch, Tauben, 270 mit Reis gefuͤlltem Gefluͤgel. Ich war der einzige Gaſt, welcher mit Teller, Meſſer und Gabel verſehen war. Seine Schwiegerſoͤhne oder andere Verwandte warteten bei dem Tiſche auf: denn Kinder dieſes Lan⸗ des ſetzen ſich nicht in Gegenwart ihrer Aeltern nie⸗ der, wenn es nicht 3— 4 mal verlangt wird. Im ganzen Morgenlande wird eine gewiſſe Unterwerfung nach den verſchiedenen Graden und Aemtern beobach⸗ tet. Zuerſt wurde mein geſchenkter Wein herum ge⸗ geben, welches eine außerordentliche Auszeichnung war. Nach dem Kaffee begaben wir uns außer der Stadt in ſeinen Garten, wo wir wieder Kaffee tran⸗ ken. Wir gingen nach Haus, und verzehrten eine Abendmahlzeit: dann fragte er mich, ob ich bei ihm ſchlafen, oder in das Kloſter zuruͤck kehren wollte? So wurde der ganze Tag mit einem tuͤrkiſchen Beſuche zugebracht. Ich beſuchte den Fuͤrſten zum zweiten Male: er wunderte ſich, daß er mich erſt einmal geſehen hatte, und bat mich, zu befehlen, wie in meinem Hauſe, was mir beliebte. Er verſprach die auf einer Inſchrift laſtende Erde wegſchaffen zu laſſen, damit ich ſie ab⸗ ſchreiben koͤnnte. Ich miethete ein Fahrzeug und 4 Leute, um mit denſelben nach dem Waſſerfalle zu wandern. Ich zahlte etwa taͤglich ſoviel, als eine halbe Krone, nebſt einer gewiſſen Menge Korn und Linſen des Monats, und verſah die Leute mit Kaffee. Ich fand aber bald, daß ſie alles gerne theilen wollten. 271 was ich hatte: denn der Araber will alles haben, was er ſieht. Als wir einig geworden waren, beteten die anweſenden Kopten nach ihrer Gewohnheit. Malim Soliman und einige andere Freunde begleiteten mich an das Fahrzeug, und ſeine Bediente brachten mir ein Geſchenk, welches aus einem Korbe Brod, einigen feinen Kuchen, und einem lebenden Schafe beſtand. Bei dem Abſchiede beteten die Kopten, und wuͤnſchten eine gluͤckliche Ruͤckkehr, damit wir wieder zuſammen beten koͤnnten. III. Von Ackmim nach Mensheeh, Girge, Foorshut Dendyra, Kena, Kept, Kus und Theben. Am 28. Dez. Mittags enfernte ich mich von A ck⸗ mim, um nach den Katarakten zu gehen. In einiger Zeit kamen wir an ein zerfallenes Kloſter von rothen ungebrannten Backſteinen, Der⸗El⸗Hadid und Mensheeh gegenuͤber, zu einem anderen Der⸗ Embabſag, worin 4 Prieſter waren, und wohin die Chriſten von Mensheeh in die Kirche gehen. Nachdem wir dieſe geſehen hatten, ſagte der Prieſter, nichts anderes ſei zu ſehen; ſobald er aber einige Stuͤcke Gelds empfangen hatte, brachte er uns uͤber eine Zugbruͤcke an eine Kapelle, wohin ſie ſich zuwei⸗ len fluͤchten. Wir begaben uns gegen Weſt nach Mensheeh, einer armſeligen Stadt von einer Meile im Umkreiſe. 972 Allein an der Suͤdſeite fanden wir noch Spuren einer großen Stadt, welcher Theil Em babſag heißt, und den Namen von dem h. Biſchof Sag haben ſoll. Hier ſcheint Ptolemais„ die groͤßte Stadt in The⸗ bais geweſen zu ſeyn. Da der Fuͤrſt von Ackmim an einen Offizier der Stadt geſchrieben hatte, er moͤge mir Briefe nach Aßuan geben, ſo wartete ich ihm mit Reis und Seiſe auf, worauf er mich ſehr hoͤſlich in ſeinem Hauſe behandelte. Ich begab mich zum Herrn des Schiffes, welcher uns von Kairo hieher gefuͤhrt, und hier eine andere Familie nebſt mir, auf den Abend in ſein Haus, ungeachtet der Faſten, ein⸗ geladen hatte. Er bewirthete mich mit Kaffee und mit einem heißen Sharab aus Zucker und Ingwer, ſtatt deſſen angeſehene Leute Zimmet nehmen, und es wie Thee trinken, welches eine Auszeichnung iſt. Wir ſaßen um eine Kohlpfanne herum, und 3 Mahometa⸗ ner ſangen arabiſche Lieder, ſchlugen den Takt mit ihren Haͤnden, und ſpielten auf einer Trommel. Am 29oten ſetzten wir unſere Reiſe fort, uͤnd hiel⸗ ten an einem Orte, um uns mit einem Vorrath von Holz zu verſehen. Ein Araber kam zu Pferde den Berg herab, und naͤherte ſich dem Schiffe. Mein Diener eilte zu uns in das Schiff, um nicht ausge⸗ zogen zu werden, was geſchehen ſeyn wuͤrde, wenn der Araber ihn erreicht haͤtte. Nach einiger Zeit ſa⸗ hen wir die hohen ſenkrechten Felſen mit Grotten vor uns. Win kamen zum kleinen armen Kloſter von 273 Girge an der oͤſtlichen Seite unter dem Felfen. Die Kopten aus Girge beſuchen die daſige Kirche, weil ſie dort keine errichten duͤrfen. Zwei Meilen weiter gegen Weſt kamen wir nach Girge, der Hauptſtadt von Ober⸗Aegypten. Sie liegt nicht 1/4 Meile von dem Fluſſe, hat 2 Meilen im Umkreiſe, iſt ſchoͤn ge⸗ baut, und meiſtens aus gebrannten Ziegelſteinen. Der Statthalter, einer der Beys, wohnt hier, und bleibt 3— 4 Jahre, je nachdem es dem Divan von Kairo, oder dem daſigen Volke beliebt. Ich begab mich in das Kloſter der Franziskaner⸗Miſſionaͤre, wel⸗ che ſich fuͤr Aerzte ausgeben, aber eine geheime Kirche, und gegen 150 Bekehrte haben. Sie ſind oft in großer Gefahr, denn die Soldaten ſind ſehr grob, weil im⸗ mer die unruhigſten Janitſcharen hieher von Kairo geſendet werden. Deßwegen mußten die Miſſionaͤre ſchon einige Male die Flucht ergreifen, und ihr Haus wurde gepluͤndert. Ich ging mit einem Moͤnche zu dem Kaimakan der Stadt, welcher in Abweſenheit der Bey das Oberkommando hat. Der Moͤnch mußte blei⸗ ben, weil der große Herr die Waſſerſucht hatte. Ich zeigte ihm den Brief des Osman Bey an den Sau⸗ giak von Girge, und beſchenkte ihn mit zwei Buͤch⸗ ſen franzoͤſtſcher Prunellen; er gab mir Briefe nach Aſſuan bei den Waſſerfaͤllen. Ich ging hierauf zum Aga der Janitſcharen, welcher nach der Gewohnheit unter dem Thore ſeines Hauſes ſaß. Er nahm uns mit vieler Hoͤflichkeit auf, und war ein Patient des 274 Moͤnches. Derſelbe verſah mich gleichfalls mit Brie⸗ fen, und ich machte ihm das naͤmliche Geſchenk der Prunellen. Wir beſuchten einen Tuͤrken, welcher uͤber die Janitſcharen des Schloſſes zu Aſſuan zu befeh⸗ len haben ſollte. Ich gab ihm einen Brief des Fuͤr⸗ ſten von Ackmim, und zu den Geſchenken, welche ich den anderen gegeben hatte, fuͤgte ich noch einen großen Korb Reis. Er empfing uns jedoch nicht ſehr hoͤflich, und aͤußerte ſeine Verwunderung, daß die Franken ſich nach den Waſſerfaͤllen umſehen wollten. Er fragte mich daun, ob ich nicht eine Sackuhr zu verkaufen haͤtte? Dadurch gab er zu verſtehen, wel⸗ ches Geſchenk er wuͤnſche. Sobald er jedoch ſah, was ich mitgebracht hatte, gab er ſogleich Befehl zu einem Briefe fuͤr mich, welcher nach ſeiner Aeußerung fuͤr den Bezirk der drei Kaſtelle ſchuͤtzen wuͤrde, d. i. fuͤr den ganzen Umfang der tuͤrkiſchen Herrſchaft. Ich ging etwa 3 Meilen gegen Abend zu dem Oorfe El Berbi, d. i. der Tempel. Es iſt zum Theil auf einem unebenen erhabenen Grunde gebaut, welcher ein Stuͤck einer alten Stadt geweſen zu ſeyn ſcheint. Vielleicht war hier das alte Abydus, die zweite Stadt in Thebais. Man geht von dieſem Orte nach dem obern oder großen Oaſis 71 Tage lang; der Weg iſt ſo ſandig, daß man kaum durch⸗ kommen kann. Der Ort ſelbſt hat Waſſer und Wein im Ueberfluſſe; vielleicht iſt er das Elovah. In den Verfolgungszeiten wurden die Chriſten oft dahin ver⸗ 275 bannt, wie auch ein Brief des h. Athanas beweiſet. Gegen Weſt des Sees Moͤris war das zweite Oaſis, etwa 100 Meilen vom vorigen; das dritte wird auch das Kleine genennt. Am 34. Dez. fuhr ich mit dem Schiffe von Girge in Geſellſchaft eines Aleppiner der roͤmiſch⸗griechiſchen Kirche ab, welcher im Kloſter zu Furshut ſich auf⸗ hilt, und ein Layenbruder du ſeyn ſchien. Wir fuhren bei der großen Domes⸗Inſel vorbei, welche nach dem dort wachſenden Holze ſo genannt wird. Ich ſah auf dieſer Reiſe zum erſten Male große Floͤſſe, von 30 Fuß Breite und 60 Fuß Laͤnge, mit irdenen Gefaͤßen; ſie haben die Geſtalt von 4 Fuß dicken, zuſammen ge⸗ bundenen Palmzweigen, worauf ſie die großen Toͤpfe mit dem Munde oben beetweiſe ſtellen. Ueber dieſes machen ſie wieder ein anderes Lager, und ſetzen die Toͤpfe beetweiſe darauf, und dann das Dritte zur Her⸗ ſtellung des Gleichgewichts des Schiffes; zwiſchen den Toͤpfen iſt Raum zum Durchgange. Der Floß geht quer uͤber den Fluß, und ein Ende geht niedriger, als das andere; am niedrigen haben ſie auf jeder Seite vier lange Stangen, womit ſie denſelben regieren. Man erzaͤhlt, die Krokodille haͤtten oͤfters Men⸗ ſchen von dieſen Floͤſſen herabgeriſſen. Wenige Mei⸗ len von Suͤd gegen Girge iſt Bardis, wo ein großer Scheick ſeinen Sitz hat, deſſen Gebiet gegen Oſt und Weſt nur klein, hoͤher und groͤßer aber gegen die andere Seite iſt, und ſich von Kena bis Eſne 276 erſtreckt; bisweilen wohnt der Scheick guch zu Kus. Wegen unguͤnſtigen Windes blieben wir den 3. Jaͤnner etwoa 3 Meilen von Furshut liegen. Wir ritten auf Eſeln ohne Zuͤgel, und bedienten uns nur einer groben Decke ſtatt des Sattels. Sobald der Oberaufſeher des Kloſters Nachricht von unſerer Ankunft erhalten hatte, kam er uns mit Pferden entgegen, und wir reiſten nach Furshut, einer ſchlechten, uͤbel gebauten, ver⸗ wuͤſteten Stadt von 1 Meile im Umkreiſe. Hier hat ein Groß⸗Scheick ſeinen Sitz, welcher uͤber das ganze Land gegen Weſt, faſt bis Aſſuan zu befehlen hat. Jedoch machen ſich die Bewohner der oberen Theile ziemlich unabhaͤngig von ihm, und er hat Muͤhe, ſeine Ein⸗ kuͤnfte zu erheben. Das allſeitige Land iſt angenehm, die Straſſen ſind mit Akazien⸗Baͤumen beſetzt. Die Miſſionaͤre der Franziſkaner haben hier ein Kloſter und werden fuͤr Aerzte gehalten; in demſelben iſt ein Ge⸗ ſellſchafts⸗Saal, welcher auch im Geheimen die Stelle einer Kapelle vertritt. Ich machte den Sekretaͤr des Scheicks meine Aufwartung; und ſchenkte ihm 5— 6 Pfund Kaffee, wofuͤr er mir ein lebendes Schaf in das Kloſter ſchickte. Er fuͤhrte mich ſpaͤter zum Scheick ſelbſt, welcher in der Ecke ſeines Zimmers, bei einer Kohlpfanne faß; dieſer erhob ſich, als ich kam und wegging; er war nach arabiſcher Art gekleidet. Ich gab ihm drei Briefe, und der Bediente uͤberreichte mein mitgebrachtes Geſchenk von zwei Buͤchſen Prunellen, von zwei Buͤchſen eingemachter Fruͤchte, und von ver⸗ 277 ſchiedenen glaͤſernen Gefaͤſſen. Auf ſeine Frage, wo⸗ bin ich reiſen wollte erwieder e ich: zu den Katarak⸗ ten. Er antwortete, neulich ſei ein Zug mit Franken angekommen, von welchen das Volk geſagt habe, ihr Zweck ſei, das Land vorerſt auszuforſchen, und dann zu deſſen Eroberung wieder zu kommen. Er fragte dann, was ich ſehen wollte? Ich erwiederte: die ver⸗ wuͤſteten Staͤdte. Er erwiederte: ob wir in England nicht auch ſolche Ueberbleibſel haͤtten, und ob wir den Aegyptern, wenn ſie in gleicher Abſicht zu uns kaͤmen, auch erlaubten, glles zu beſchauen? dieſe Fragen ſtellte er laͤchelnd, und er verſprach mir Briefe nebſt einem Begleiter, damit ich einer ruhigen Reiſe verſichert waͤre. Sein Garten war mit Weinſtoͤcken, Palm⸗ Akgzien⸗Orangen⸗ und Limonen⸗Baͤumen beſetzt. Unterdeſſen hatte mein arabiſcher Dolmetſcher, ein Armenier, einen boͤſen Fall gemacht; weßwegen ich zu Girge einen andern ſuchen laſſen mußte. Man hatte einen Kaufmann von Aleppo auskundſchaftet, wel⸗ cher zum Guͤter⸗Kaufe gekommen war. Am 8. Jaͤn⸗ ner fruͤh Morgens kam der Sekretaͤr, breitete ſeinen Teppich in das Kloſter, und ließ Kaffee und andere Erfriſchungen aus ſeinem Hauſe bringen. Wir fruͤh⸗ ſückten mit einander, und gegen 10 Uhr ſpeiſte ich mit den Moͤnchen. Der Sekretaͤr hatte fuͤr ſich das Eſſen in einem anderen Theile des Kloſters zubereiten laſſen, und ſchickte uns davon noch beſonders, indem er nicht gewohnt war, an einem Kiſche zu ſitzen. Wir alle gin⸗ 278 gen dann durch Batiura zu dem Schiffe. Der Se⸗ kretaͤr ſchickte mir ein großes lebendes Schaf, Brod und Zucker⸗Rohre zum Geſchenke. Um 2 Uhr nach Mittags ſegelten wir ab, und kamen bei Hu gegen Weſt vorbei. Dieſe iſt eine lange Stadt auf einer An⸗ doͤhe, welche kuͤnſtlich angelegt zu ſeyn ſcheint, und einen anſehnlichen Strich gegen Weſt ſich zieht; ich halte ſie fuͤr das kleine Diospolis des Ptole⸗ maͤus. Wir lagen die ganze Nacht bei Reiſere; am 9. um Mitternacht erreichten wir Dendera, etwa 1/½ Meile vom Fluſſe in der Mitte vieler Wal⸗ dung. Wir wollten uns der Stadt nicht ganz naͤhern, weil der erſte Tag des großen tuͤrkiſchen Feſtes Bei⸗ ram nach dem Schluſſe des Faſten⸗Monats war. Ei⸗ nige unſerer Leute begaben ſich in die tuͤrkiſche Mo⸗ ſchee in einem hier gewoͤhnlichen weiten Rocke von weiſſer Baumwolle in der Form eines maͤnnlichen Hemdes. Vermuthlich hat der weiſſe Ueberrock davon ſeinen Urſprung, deſſen ſie ſich bei vollem Luxus be⸗ dienen. Ich hatte Briefe an zwei daſige Mahometaner, welchen ich ein kleines Geſchenk machte, und welche mich dem Statthalter empfahlen. Dieſer ließ mich durch ſeinen Bruder auf drei Meilen gegen Suͤd nach Amara begleiten, wo noch Ueberbleibſel des alten Tentyra, etwa eine Meile vom Fluſſe und von den Gebirgen gegen Suͤd ſich befinden. Das Volk von Teutyra war beruͤhmt wegen ſeiner Feindſchaft ge⸗ 279 gegen die Krokodille, welche es auf alle Weiſe zu ver⸗ tilgen ſuchte, es zog oft in den Krieg gegen die Ver⸗ ehrer deſſelben, beſonders gegen das Volk von Om⸗ bos. Nachdem ich die Ueberbleibſel der einſtigen Stadt und des großen Tempels mit groͤßtem Vergnuͤgen ge⸗ ſehen hatte, kehrte ich in die Stadt zuruͤck. Bei der Abreiſe beehrten mich meine Freunde mit einem Lam⸗ me, und der Bruder des Statthalters kam zu dem Schiffe, um ſein Gegengeſchenk abzuholen, welches in ei⸗ nem Korb mit Reis, etwas Kaffee und Seife beſtand. Aus dem hier uͤberfluͤſſigen Holze wird der groͤßte Theil Aegyptens mit Kohlen verſehen. Unter guͤnſtigem Winde kamen wir in die kleine Stadt Keng, ohnge⸗ faͤhr eine Meile von dem Fluſſe, welche das alte Kaͤne oder Neapolis ſeyn mag. Etwas hoͤher gegen Abend kamen wir bei Etue⸗ rat vorbei, nach dem Flecken Kept nicht weit vom Fluſſe, endlich nach Nequade gegen Abend, wo viele Chriſten ſich befinden, auch ein Biſchofs⸗ Sitz iſt, deſſen Sprengel ſich bis an die Grenzen von Aegypten ausdehnt. Man ſagte, in der Naͤhe derſelben ſeien ei⸗ nige Kloͤſter. Wir kamen an den Hafen von Kus, und ritten zwei Meilen weit durch ebenes Land, wel⸗ ches mit Domholz ſtark bewachſen war, nach der Stadt, welche aus ungebrannten Steinen erbaut, und das kleine Apolinopolis heißt. Als ich die Ueberreſte des Tempels ſah, kam einer von den Bedienten des 280 Scheick, welcher als Tuͤrke bekleidet war, und lud mich ſehr zudringlich zum Kaßeetrinken ein, was ich ablehnte. Durch Vermittlung des chriſtlichen Sekre⸗ taͤrs, den ich beſchenkte, kam ich zum Groß⸗Scheick, welcher ſich gewoͤhnlich zu Bardis aufhaͤlt. Er war ein junger Mann, halber Mohr, mit großen, ſchwar⸗ zen Augen: da er ſich zur Ruhe begeben hatte, lag er auf dem Sopha, und hatte ein blaues Hemd uͤber ei⸗ nige Kleider; ein Bedienter ſaß neben ihm. Ich naͤ⸗ herte mich dem Sopha, uͤbergab meine Briefe des Fuͤr⸗ ſten von Ackmim und eines Offiziers der Janitſcha⸗ ren zu Girge, nebſt meinem Geſchenke eines Sackes Reis, Tabacksblaͤtter, joppeſche Seife, und ein Paar rothe Schuhe, welches ich zu deſſen Fuͤſſen legte. Ich bat ihn um einen Brief, um die Alterthuͤmer von Karnack und Luxurein zu ſehen. Er ver⸗ ſprach deſſen Ausfertigung; mnachdem ich mit dem Sekretaͤr Kaffee getrunken hatte, ſendete dieſer mir ein Schaf in mein Schiff. Mein zuruͤck ge⸗ bliebener Dolmetſcher kam erſt des andern Morgens⸗ und gab vor, der Brief ſei geſtern Abends ſchon ge⸗ ſendet worden. Doch ließ der Scheick wiſſen, ich moͤchte nur einſtweilen dahin reiſen, indem er ſelbſt dahin kommen wuͤrde. Am 12. reiſte ich mit dem vom Scheich mir gegebenen Begleiter gegen Zenieh, wo der Scheick von Karnak wohnt. Der Mann begab ſich zum Lager des Groß⸗Scheicks, welcher uns zwei Maͤnner ſchickte, die Nachts unſere Schiffe bewachen ſollten. III. Von Theben. Am 13. kam ich zum Scheick von Zenieh mit zwei Briefen, welche ich von ſeinem Obern und dem Scheick zu Furshut erhalten hatte. Ich beſchenkte ihn; er war ſehr artig, und ſchenkte mir ein Schaf. Ich reiſte nach Karnack, einem Theile des alten The⸗ beu, wo Druͤmmer eines ſehr praͤchtigen Tempels ſich finden. Ich fing an das erſte Thor zu meſſen, und eine Nachricht davon in mein Buch einzurragen. Mein Begleiter von Furshut wendete mir ein, daß dieſes nicht ohne Erlaubniß des Groß⸗Scheicks geſchehen duͤrfe, welcher nahe am Fluſſe auf der Nordſeite ge⸗ lagert ſei. Er begleitete mich zu ihm, welcher mir ei⸗ nen Begleiter zur Anſchaunng der Truͤmmer mitgab. Ich meßnete den Tempel 2— 3 Stunden, waͤhrend welcher das Volk ſich um mich verſammelte, aus Man⸗ gel an eigenen Lebensmitteln begnuͤgte ich mich mit dem geringen Brode, welches zu haben war. Mein Schiff ließ ich bei dem Lager des Scheick liegen, wel⸗ chen ich beſuchte. Er lud mich ein, mit ſeinem Se⸗ kretaͤr zu eſſen; allein ich begab mich wegen Muͤdig⸗ keit an mein Schiff. Die Lager waren ſo regelmaͤßig, wie bei einer Armee: in der Mitte war das große gruͤne Zelt des Scheicks, welcher in einer Ecke deſſel⸗ ben, und neben welchem 3— 4 Offiziere ſaßen. Die Scheicks pflegen auf ſolche Art durch das ganze Land zu ziehen, um den Tribut und die Renten einzuſam⸗ meln. Der Sekretaͤr kam in mein Schiff, und nahm Iites B. Aegypten. I. 3. 3 282 einige Erfriſchung an. Ich beſchaute den Tempel, ſo lange ich wollte, und ließ mir das Eſſen aus dem Schiffe in den Tempel bringen. Waͤhrend das Ge⸗ folge des Scheicks voruͤber zog, kam ein großer Theil in den Tempel, und redete mit mir. Der Sohn des Scheieks begleitete mich in jenen Theil des Tempels, welchen die Weiber bewohnten. Er befahl, Platz zu machen, damit ich alles bequemer ſehen konnte. Die große Stadt Theben lag auf beiden Seiten des Fluſſes, und wurde Dioſpolis genannt. Drei Meilen ſuͤdwaͤrts liegt Luxerein, wo Ueberbleibſel eines großen Tempels ſich befinden. Von den ſoge⸗ nannten 100 Thoren Thebens findet man gar keine Spur. Der Theil davon, welcher auf der Weſtſeite des Fluſſes liegt, heißt jezt Gurn u. Als ich hieher kam, ſchickte ich zum Scheick den Brief des Groß⸗ Scheicks von Furſchut; er verſah mich mit Pfer⸗ den, und wir machten uns auf den Weg nach B iban oder Bab— El— Melucke, wo die Koͤnige von The⸗ ben begraben wurden. Diodor von Sizilien erwaͤhnt dieſer Graͤber als hoͤchſt wundervoller, welche von nichts in der Art uͤbertroffen werden koͤnnen. Er erwaͤhnt ihrer 41, wovon viele zerſtoͤrt worden ſeien; allein die⸗ ſer Unfall mag nur gebaute, nicht gehauene getroffen haben, welche auf beiden Seiten in den Felſen gehauen worden waren. Strabo erwaͤhnt 40 derſelben in gleicher Art, und laͤßt von ihnen Obeliſken mit klei⸗ nen Aufſchriften ſtehen, in welchen der Reichthum, 283 die Macht und Herrlichkeit derſelben angedeutet war. Das Thal dieſer Gruͤfte mag eine Weite von 100 Ellen haben; man findet noch Spuren von ohngefaͤhr 18 der⸗ ſelben. D. E. F. J. O. ſind verſtopfet; Nach Dio⸗ dor waren bis zur Zeit der Ptolemaͤer nur 17 zu ſe⸗ hen, wovon ich auch noch die Eingaͤnge fand. Schon zu ſeiner Zeit waren die meiſten zerſtaͤrt, und jetzt ſind nur noch 9 uͤbrig. Die beiderſeitigen Huͤgel ſind hohe, jaͤhe Felſen, und der ganze Platz iſt mit rauhen Steinen bedeckt, welche herab geſtuͤrzt zu ſeyn ſcheinen. Die Gruͤfte ſind wie lange Gemaͤcher, ſehr ſchoͤn unter den Bergen ausgehauen. Sie beſtehen aus einem dichten weißen Steine, welcher ſich wie Kreide ſchueiden laͤßt, und der ſchoͤnſten Stuckatur⸗Arbeit an Glaͤtte gleicht. Die Gemaͤcher ſind meiſtens 10 Fuß breit und 40 hoch; 4— an einander ſtoßende, 30— 50 Fuß lang und 10— 15 hoch, ziehen ſich in ein geraͤumiges Zimmer, worin das Grab des Koͤnigs zu ſehen iſt, mit deſſen auf dem Deckel in erhabenem Schnitzwerke befindlichen Abbildung, wie ich ſelbſt auf einem geſehen habe. In dem aͤußerſten Gemache einer anderen Gallerie iſt das Bild des Koͤnigs auf den Stein in Lebens⸗Groͤße ge⸗ malt. Sowohl in die Seiten, als die Decken der Ge⸗ maͤcher ſind hieroglyphiſche Figuren von Voͤgeln und anderen Thieren, gehauen oder gemalt, noch ſo friſch zu ſehen, als ſeien ſie erſt vollendet worden, obgleich ein Zeitraum von mehr als 2000 Jahren verlaufen iſt. Das Grabmal A. beſonders iſt ſehr ſchoͤn mit hiero⸗ 284 glyphiſchen Figuren theils in Stein gehauen, theils gemalt. Der Eingang zieht ſich abwaͤrts, und oben gegen 13 Fuß offen. Acht Fuß naͤher gegen die Thuͤre iſt die Decke eine abhaͤngige Flaͤche, wie der Weg darin. Ueber der Thuͤre iſt ein Kaͤfer in ein rundes Feld gehauen, und auf beiden Seiten ein ſitzender Menſch. An den inneren Gallerien ſind auf beiden Seiten hie⸗ roglyphiſche Bilder Fhauen, erſtlich in eine Art von einem Felbe, gleich an der Decke, wie eine Frieſe. Weiter abwaͤrts ſind Bilder ausgehauen, welche Mu⸗ mien vorſtellen. Unter dieſen, auf 7 Fuß von dem Fußboden, ſind an den Seiten ganz herab hieroglyphi⸗ ſche Figuren, welche durch Linien in verſchiedene Fel⸗ der abgetheilt ſind. In der Mitte der Decke ſind Ab⸗ bildungen von Menſchen, ohngefaͤhr 3 Fuß breit, mit Sternen auf jeder Seite. Unter den Bildern nahm ich viele Ziegen⸗Koͤpfe wahr. Dieſe Graͤber hatten wir mittelſt Wachs⸗Fackeln geſehen, und uns dabei ſehr ermuͤdet. Wir wollten uns deßwegen nach der befriedigten Neugierde nieder⸗ ſetzen, und uns bei dem Genuße unſerer mitgebrachten Erfriſchungen etwas erholen; allein wir hatten un⸗ gluͤcklicher Weiſe das Waſſer vergeſſen. Der Scheick eilte auch, wie es ſchien aus Furcht, das Volk moͤchte uͤber unſer zu langes Ausbleiben zuſammen laufen. Von Gurnu zieht ſich ein ſehr beſchwerlicher Fußſteig uͤber das Gebirge, wo wir durch den Poͤbel, ungeachtet des Schutzes vom Scheick, unangenehm haͤtten uͤber⸗ — raſcht werden koͤnnen. Auf dem Nuͤckwege bemerkte ich in der Ebene gegen Nord viele Eingaͤnge in die Felſen, welche vielleicht fruͤher eben ſo beſchaffen wa⸗ ren, wie die Gruͤfte, welche ich auf der Hinreiſe an beiden Seiten des Weges bemerkt hatte. Nachdem ich Karnack beſchaut hatte, ſchiffte ich am 17. Jaͤnner 1738 auch nach Luxerein, wo ich unter Begleitung des Sohnes von Scheick die Reſte des großen und praͤchtigen Tempels ſah. Die hier ſichtbare Bauart beweiſet den feinen Geſchmack der Aegyptier, welche auch eine vortheilhafte Vorſtellung des Lichts hatten, und auch bei anderen Gebaͤuden als Tempeln anwen⸗ deten. Denn dieſe hatten uͤberhaupt keine Fenſter, und beſtanden aus dicken Mauern mit hieroglyphiſchen Figuren. Theben wunde eher zerſtoͤrt, als die mei⸗ ſten Staͤdte gebaut. Deſſen ungeachtet ſind noch ſo prachtvolle und dauerhafte Ueberreſte zu ſehen, daß jeder Beſchauer bedauern muß, ſie ihrer Beſtimmung fuͤr ewige Zeiten entriſſen zu wiſſen. So alt dieſe Stadt iſt, ſo fruͤh bluͤhten in ihr die Wiſſenſchaften, beſonders Stern kunde und Philoſophie durch Prieſter, welche zuerſt die Zeit in Monate und Jahre abtheilten. IV. Von Theben nach Erment, Efne, Etfu, Ombus und Aſuan dem glten Syene bei den Katarakten. Ich verließ Luxerein am Abend, und wir ka⸗ 286 men nach Erment gegen Weſt, welches die alte Stadt Hermonthis im Umkreiſe von 3—4 Meilen war. Wir reiſten am 18. bei ſehr maͤſſigem Winde ab, und ſchoſſen nach einem Krokodille. Am 19. kamen wir nach Eſne auf der Abendſeite; wir gingen an das Ufer, und hielten beinahe eine Stunde ſtill. Wir brauchten einen großen Stein zur Herſtellung des Gleichgewichtes im Schiffe: da das Volk uns als Eu⸗ ropaͤer erkannte, ſo wollte es den Stein verweigern. Denn es auſſerte die Beſorgniß, die Franken moͤchten durch ihre magiſche Kunſt, wenn ſie den Stein zu ſich nehmen, auch die verborgenen Schaͤtze wegfuͤhren. Die daſigen Araber ſtehen unter dem Scheick zu Furs⸗ hutz unter demſelben zwei Scherifs, oder Verwandte Mahomeds, welche das meiſte zu befehlen haben. Auch befindet ſich noch ein Kadi und Kaſchif daſelbſt, welcher vom Bey zu Girge dahin beordert iſt. In der Stadt leben vielleicht 100 Chriſten mit 2 Prieſtern und einer großen Kirche. 3 Ich uͤbergab meine Briefe nebſt Geſchenk an einen Scherif, welcher mich begleitete, den Tempel an der Nordſeite der Stadt zu ſehen. Ich brachte auch Briefe und Geſchenke an einen anderen jungen Mann mit einem grüͤnen Turban; kaum war ich auf mein Schiff zuruͤck gekehrt, als er mir ein Geſchenk aus Brod, ei⸗ nem Boͤcklein und einigen anderen Beduͤrfniſſen mach⸗ te, und mein Schiff an ſeine Barke zur naͤchtlichen Sicherheit bringen ließ. Des anderen Dages beglei⸗ 287 tete er und die Dienerſchaft des Kaſchifs mich uͤber 3 Meilen nordweſtlich an einen alten Tempel. Da ich an verſchiedenen Stellen der Mauer ein ſitzendes Frauen⸗ zimmer in Stein ausgehauen fand; ſo vermuthete ich, daß dieſer Tempel der Pallas zu Latopolis ge⸗ hoͤrte, wo ſie und der Fiſch Latus verehrt wurden. Der ſchmale Weg an allen Seiten ſcheint wie bei an⸗ deren Tempeln zum Betruͤgen des Volkes gedient zu haben. Innerhalb des Tempels ſind drei Geſchoſſe gut gearbeiteter Hieroglyphen von Menſchen und Thie⸗ ren. Nach den koptiſchen Inſchriften an dem Ge⸗ maͤuer mit großen ſchwarzen Buchſtaben, ſcheint der Tempel zu einer Kirche verwendet geweſen zu ſeyn. Auf der Nordſeite der Stadt Eſne iſt noch ein Tem⸗ pel mit vielen Hieroglyphen; an mehren Stellen auch Krokodillen⸗Koͤpfe. Eine Meile gegen Suͤd von Eſue iſt das Maͤrtyrer od. Helenen⸗Kloſter, welches die h. Helene geſtiftet haben ſoll, nebſt ei⸗ nem Begraͤbniß⸗Platze von wenigſtens einer Meile im Umkreiſe. Manche Graͤber ſind praͤchtig mit 4 Bogen aus Backſteinen, uͤber welche eine Kuppel, wie bei dem h. Grabe geſprengt iſt. Auf einigen ſteht ein Kreuz, auf anderen ein Adler mit kurzen griechiſchen Inſchrif⸗ ten. Das Kloſter iſt ſehr mittelmaͤßig und die Kirche klein; die beiden darin befindlichen Moͤnche duͤrfen nicht heirathen, kher ihre verehelichten Verwandten mit Kindern und Weibern leben auch daſelbſt. Dieſe Kirche iſt die letzte Aegyptens. Ich ſchenkte ihnen ei⸗ 288 niges Rauchwerk, Meſſer, Scheeren, und ſie ſetzten uns von ihrem Vorrathe auf den Tiſch. Gegen Nord des Kloſters iſt etwas Wald und einige Baumwollen⸗ Stauden, welche den Winter dauern; auf der Oſt⸗Seite einiges Sennes⸗Kraut. Etwa 15 Meilen uͤber Eſue gegen Weſt ſah ich die Ueberbleibſel einer Mauer, gegen 10 Fuß dick und 40 Fuß lang, wovon noch 3 Reihen Steine uͤbrig wa⸗ ren; vielleicht war hier die Falken⸗Stadt. Wir hielten an einem Orte, wo mehrere andere Schiffe Nachts liegen blieben. Da man uns ſyrechen hoͤrte, fer antwortete dem Volke, wir ſeien tuͤrkiſche Solda⸗ ten: denn die tuͤrkiſche Sprache kann dort von ande⸗ ven nicht unterſchieden werden. Am 20. kamen wir nach Etfu oder Groß⸗Apollinopolis, deren Einwohner geſchworne Feinde der Krokodille waren. Ich uͤberreichte dem Scheick den Brief jenes zu Furs⸗ hut; ſobald er ihn erkaunte, kuͤßte er ihn, und legte ihn an ſeine Stirn zum Zeichen ſeiner großen Hoch⸗ achtung. Ich machte ihm ein artiges Geſchenk, und er benahm ſich ſehr freundlich und hoͤflich. Nachdem er den Brief geleſen hatte, bat ich um Erlaubniß, die Truͤmmer zu ſehen. Er legte ſeine Haud auf ſeigen Kopf, wodurch er ſeine Einwilligung und Beſchuͤtzung mir zu erkennen gab. Er ſelbſt begleitete mich zur Anſicht des Tempels; ehe ich mit deſſen Ausmeſſung fertig war, kam viel Volk herbei. Da ich mein 1 3 wurden wir gefragt, ob wir Franken ſeien? der Schif⸗ 289 Buch, als ich die Meſſung vollendet hatte, meinem Bedienten gab, riß ein junger Vetter des Scheicks daſ⸗ ſelbe aus ſeinen Haͤnden, und entlief damit. Da deſ⸗ ſen Bruder Anſpruch machte, uͤber das Dorf zu befeh⸗ len, ſo mißgoͤnnte man ihm die Geſchenke, welche er nach ihrer Meinung bekaͤme, und das ſchon beruͤhrte Vorurtheil von zauberiſchem Einfluſſe der Franken auf ihre Schaͤtze, beunruhigte wohl auch die Leute. Mein Bedieuter und der Scheick liefen ihm nach. Ich fuhr an der Meſſung fort, und ſchrieb auf ein anderes Pa⸗ pier, bis der Scheick mit ſeiner Pigue zuruͤck kehrte, welche er bei dem Nachjagen des Vetters aus ſeinem Oberkleide gezogen hatte, den er wuͤrde umgebracht haben, wenn er ihn erreicht haͤtte. Er nahm mich in ſein Haus und trieb die Sache ſo weit, daß ich fuͤrch⸗ tete, wir ſelbſt moͤchten unter dem Laͤrm leiden. Denn ſie ſchelteten einander, und der Bruder des Scheicks war bei einem Cheile des Volks beliebt. Ich wuͤnſchte auf mein Schiff zuruͤck zu kommen; allein man ſagte mir, der Scheick wuͤrde hoͤchſt unzufrieden ſeyn, wenn ich nicht zu ſeinem Tiſche kaͤme. Zugleich wurde ich benachrichtigt, daß ich mein Buch etwa gegen einen Kronenthaler wieder erhalten koͤnnte, welchen ich gerne bezahlte. Wir ſetzten uns zu Tiſche, und aßen aus einer ſehr großen hoͤlzernen Schuͤffel, welche mit duͤn⸗ nen Kuchen erfuͤllt war, die in kleine Stuͤcke gebro⸗ chen und mit Syrup befeuchtet waren. Der Scheick ſetzte ſich etwas fern, und aß nicht mit. Nach dem 290 Eſſen ſetzte er ſich zu Pferd, begleitete mich an mein Schiff, ſtieg in daſſelbe, ſchenkte mir ein Schaf, und ordnete einen Brief an den Groß⸗Scheick an. Wir ſegelten ab, und nach einer Stunde war des Scheick's Sohn an das ufer geritten, mit der Eroͤffnung, ſein Vater habe erſt nach meiner Entfernung erfahren, daß ich fuͤr den Empfang meines Buches ein Stuͤck Geld gezahlt haͤtte, was er weggenommen habe, um mir es nachzuſenden. So traf ich alſo bei dieſem edlen Ara⸗ ber eine außerordentliche Treue an! Ueber Eſne iſt das Land wenig bewohnt, und der Nil ſehr breit. Wir gingen auf Hajar Siley⸗ ly; kurz zuvor, ehe ich dahin kam, ſah ich eine im Felſen gehauene große Pforte, gegen Suͤd einige Ueber⸗ bleibſel von Saͤulen, und etwas weiter ſuͤdwaͤrts or⸗ dentliche Eingaͤnge in Grotten. Ueberhaupt ſind viele Felſen, welche an den Fluß ſtoßen, und großentheils, bald erhaben, bald vertieft, mit allerlei Verzierungen ausgearbeitet ſind. Das Dorf Phtonthis, deſſen Ptolemaͤus erwaͤhnt, mag hier gegen Weſt gelegen ſeyn. Wir hielten auf jenem Wege, wo der Nil ſehr breit iſt, ſtill. Das Feld iſt auf beiden Seiten ſandig, und hat eine ſanfte Anhoͤhe, die vom Waſſer wegge⸗ ſpuͤlt iſt. Wir kamen dann durch verſchiedene ſandige Inſeln, auf welchen wir viele Krokodille zu 15— 20 Fuß ſahen; wir ſchoßen, und uͤber die Haͤlfte zog ſich in das Waſſer; auf den zweiten Schuß folgten auch die uͤbrigen. In dieſer Gegend ſchienen die Krokodille 291 haͤuſiger, als in anderen, theils wegen der nahen Waſſerfaͤlle, theils weil die Ombiten dieſelben ver⸗ ehrten, und deren Toͤdtung nicht geſtatteten. Wir kamen zu einer großen Inſel, und gegenuͤber nach Kom⸗Ombo, wo große Steinhaufen, beſonders von einem alten Tempel ſind. Die Knaͤufe auf den Saͤulen ſind mit Laub geziert. Das Volk zu Om⸗ bus iſt durch die Verehrung der Krokodille bekannt, welche es nach Aelian's Zeugniſſe durch Fuͤtterung ganz zahm machte. Wir kamen an den Hafen Laſcherad, wo der Kaſchif von Eſne ſich gelagert hatte; wir wurden an⸗ gerufen, weil man aus der Bedeckung unſeres Schif⸗ fes vermuthete, daß wir Europaͤer ſeien. Ich hatte Briefe an den Kaſchif, ohne zu wiſſen, daß ſie an ihn gerichtet ſeien. Ich ſchenkte ihm Kaffee, Toback und einige andere Sachen, und bat um Exlaubniß, Alter⸗ thuͤmer zu ſehen und vorzuͤglich Kom⸗Ombo, wozu er gerne einwilligte. Als aber die arabiſchen Scheicks von Laſcherad es hoͤrten, ſchrien ſie ſogleich, ich moͤchte nicht auf die Huͤgel gehen, und redeten unter einander von den Schaͤtzen, welche die Europaͤer ſu⸗ chen wollten. Als ich abſegelte, kamen die Diener des Scheicks an das Schiff, und verlangten Pfeifen und andere ihnen ungewoͤhnliche Sachen; allein ſie waren mit wenigem nicht zufrieden. Darauf kamen wir zu den Inſeln Alakiah und Manſunah, welche beide ſehr fruchtbar waren. Auf der erſteren 8 292 iſt ein Thurm, welcher unten kleiner zu ſeyn ſcheint, als oben. Wir gelangten noch zu mehren ſandigen Inſeln, und Abends nach Aſſuan. V. Von Aſſuan, Syene unter dem Sonne⸗ Wendzirkel, Elephantine, den Granit⸗ gruben und Waſſerfaͤllen, Philaͤ und den Grenzen von Aethiopien. Aſuan iſt eine ſchlechte kleine Stadt mit einer Art Schanze fuͤr die Janitſcharen unter ihrem Befehls⸗ haber; die Soldaten haben das Kommando uͤber das Land. Nur 2 Chriſten wohnen hier, einer iſt Sekre⸗ taͤr des Kaimakam, der andere Diener des Agg. Ich uͤberreichte dieſem meine Briefe Mu ſtapha's, des Aga der Janitſcharen zu Girge, und des Scheicks von Furshut. Er ſetzte mir Kaffee vor, und ſchenkte mir ein Lamm, ich ſchickte ihm Reis, Kaffee, und einige andere Gegenſtaͤnde. Er war ſo hoͤflich, 2 Ja⸗ nitſcharen zur Bewachung meines Schiffes zu ſchicken, und noͤthigte mich, in ein von ſeinem Hauſe abgeſon⸗ dertes Zimmer einzukehren. Der ehriſtliche Sekretaͤr des Kaimakam(Civilrichters) rieth mir, ich moͤchte ſeinem Herrn Geſchenke machen; allein die Leute und Janit⸗ ſcharen in und um das Schiff, welchen er verdaͤchtig war, fragten nach ſeinem Antrage, und befahlen ihm, das Schiff zu verlaſſen: denn die buͤrgerliche und mi⸗ litaͤriſche Obrigkeit war gegen einander eiferſuͤchtig. Als Aga dieß erfuhr, ließ er mir wiſſen, es ſey un⸗ noͤthig, Jemanden ein Geſchenk zu machen; bei mei⸗ ner Aufwartung wiederholte er mir dieſes, und fuͤgte das Verſprechen bei, daß er mich in ſeinen Schutz nehmen wolle, und Niemand wuͤrde mich beleidigen. Ich begab mich alſo wieder in mein Zimmer. Ein Tuͤrke, welcher im Namen des Os man Bey Steuern einſammelte, kam an das Schiff, bot ſeine Dienſte fuͤr alle Faͤlle an, beſuchte mich, und brachte mir 12 Tauben nebſt einigen Datteln. Einige andere Tuͤrken kamen bloß, mich zu ſehen; und einer brachte mir zum Beweiſe ſeiner Achtung einen großen Bund Rettige. Auf der Hoͤhe uͤber Aſſuan ſind die Truͤmmer des alten Syene gerade unter dem Wendezirkel des Krebſes. Nachdem ich dieſelben geſehen hatte, begab ich mich zu den Granitgruben. Das ganze Land ge⸗ gen Morgen, die Inſel und das Nilbett iſt aus xo⸗ them Granit. Dieſer iſt der thebaiſche Stein, deſſen Herodot erwaͤhnt. Die Steinbruͤche ziehen ſich nicht in die Tiefe, ſondern an die Seiten der niedrigen Berge hin. Ich ſah in den Gruben einige ausgezeich⸗ nete, und auf zwei Seiten ausgebildete Saͤulen„ be⸗ ſonders eine lange viereckige, welche zu einem Obe⸗ lisk beſtimmt geweſen ſeyn mochte. Syene gegenuͤber iſt die Inſel Elephantine, worin eine Stadt gleiches Namens war. Hier war ein Nilmeſſer, und ein Tempel, dem Knuph ge⸗ weiht; noch ſind Ueberbleibſel eines großen Thores 294 mit Hieroglyphen, und einer hohen Mauer mit Fen⸗ ſtern; vielleicht war die ganze Inſel mit einer Mauer gegen die Anſchwellung des Fluſſes umgeben. Ich begab mich auf die lybiſche Seite gegen Suͤdweſt, wo ein ſandiges Thal iſt, welches vermuth⸗ lich auf der Abendſeite Aethiopien gegen Aegyp⸗ ten begrenzte. Da ich eine Meile in dieſem Thale fortgeſchritten war, kam ich an ein großes, zerſtoͤrtes und unbewohntes Kloſter, an deſſen Mauern das Bild⸗ niß des h. Georg in Lebensgroͤße ausgemalt war; auch andere ſchlechte Malereien und koptiſche Inſchrif⸗ ten waren daran zu ſehen. An der Morgenſeite des Niles waren Araber bis Meroe. Es ſcheint, daß Aegypten auf der Abendſeite bei Elephantis ſich geendigt, auf der Morgenſeite aber ſich weiter gegen Suͤd erſtreckt habe. Bei der Beſichtiguns der Al⸗ terthuͤmer von Aſſuan machte ich die traurige Er⸗ fahrung, daß Aga und ſein ganzer Anhang nurx auf Geſchenke fuͤr die Erlaubniß rechnete, Alterthuͤmer zu beſchauen. Von Aſſuan ritt ich nach Philaͤ; ich kam nahe an den Steinbruͤchen vorbei, und reiſte uͤber die Straße zwiſchen kleinen Huͤgeln und Felſen aus ro⸗ them Granit. Im Fortſchreiten bemerkte ich Ueber⸗ bleibſel einer dicken Mauer aus ungebrannten Steinen, auch einen Wachthurm auf einem hohen Granitfelſen. Die Inſel Philaͤ iſt hoch und ſehr klein; ſie wurde von Aethiopiern und Aegyptern bewohnt; die 295 Stadt ſelbſt ſcheint auf der Oſtſeite und die ganze Inſel mit einer hohen Mauer und einer Art Feſtung umgeben geweſen zu ſeyn. Die verſchiedenen Arten der aͤthiopiſchen Falken, welche hier verehrt wurden, ſah ich an verſchiedenen Stellen unter den Hierogly⸗ phen eingehauen. Der Tempel iſt nahe am Waſſer auf der Abendſeite der Inſel. Nachdem wir ohngefaͤhr eine halbe Meile den Weg unſerer Wanderung zuruͤckgekehrt waren, wende⸗ ten wir uns weſtwaͤrts, und kamen zum Nile bei dem Hafen jener Schiffe, welche aus Aethiopien kommen. Das Volk iſt hier meiſtentheils ſchwarz. Man hat hier keine Doͤrfer, ſondern nur ſchlechte Huͤtten, wel⸗ che aus Decken von Binſen und Schilfrohren gefertigt ſind. Hier werden die Guͤter nach und von Aſſuan aus und eingeladen. Die betraͤchtlichſte Einfuhr be⸗ ſteht in Datteln, welche die Einwohner von Aſſuan ſowohl zu ihrem eigenen Gebrauche, als auch zur Ver⸗ ſendung nach Nieder⸗Aegypten kaufen. Folglich en⸗ digt ſich die aͤgyptiſche und aͤthiopiſche Schifffahrt bei dem Waſſerfalle. Ich ſah nie eine ſo wuͤſte Gegend, als hier. Wir reiſten gegen Nord, und der Nil floß durch die Felſen; das Volk wußte, daß ich zur An⸗ ſicht der Waſſerfaͤlle kam, und ſtand ſtill. Die Gra⸗ nitfelſen gehen quer durch das Nilbett, und an 3 ver⸗ ſchiedenen Orten theilen ſie ſich in einiger Entfernung von einander, und den Fluß in 3 Theile, und verur⸗ ſachen an jedem einen Waſſerfall. 296 Hier ſah ich das Korn waͤhrend des Jaͤnners in Aehren; die wilden Kuͤrbiſſe in vollem Wachsthume, und der kleine Apfel Nabok faſt reif, welcher im Delta waͤhrend des Novembers reifte. Ich glaube, daß in Nieder⸗Aegypten dergleichen Fruͤchte im beſten Wachsthume nach dem Austritte des Niles ſind. Ich ſah die Kamele mit Seunesblaͤttern belaſtet gehen, und man ſagte, daß eine ſolche Ladung etwa 12 eng⸗ liſche Schillings und ſechs Pences koſte. Der Baſſa gibt gewoͤhnlich einem Juden die Erlaubniß, alle Sen⸗ nesblaͤtter zu kaufen, und dieſer iſt verbunden, alle zu nehmen, welche nach Kgiro gebracht werden. Niemand darf ſeinen Kauf ſtoͤren, und nur ein engli⸗ ſcher Kaufmann hat die Freiheit, ſie ihm abzuhan⸗ deln, wodurch ihr Preis ſehr geſteigert wird. Bei meiner Ankunft zu Aſſuan ſendeten mir die Verwandten des Soldaten, welchen jch vom Scheick zu Furshut mitgebracht hatte, ein wohl zubereitetes Abendeſſen. Dieß geſchah zwar aus Hoͤf⸗ lichkeit, aber in der Abſicht, ein Geſchenk von hoͤhe⸗ rem Werthe zu erhalten. Den letzten Abend ſchickte mir auch der Aga ein Abendeſſen von Pilau mit einer Suppe von Gerſten⸗Graupen, gekochtes und wohl gepfeffertes Ziegenfleiſch und warmes Brod. Er ver⸗ langte, daß die Ueberbleibſel nicht an ſein Volk, ſon⸗ dern an die Schiffer gegeben werden ſollten; deſſen ungeachtet meldeten ſich ſeine eigenen Diener. Aam 28. Jaͤnner hatte ich alle meine Guͤter eingeſchifft; ich 297 beurlaubte mich bei dem Aga, und einige ſeiner Ver⸗ wandten begleiteten mich an das Schiff; wegen ſtar⸗ ken Windes konnte ich nicht abſegeln; ich blieb den ganzen Tag in meinem Schiffe. Verſchiedene Leute kamen, mich zu ſehen, oder um etwvas zu bitten. Ein Bruder des Kaimakam von Girge, den ich bei dem Aga geſehen hatte, kam auch: in dieſem Lande glaubte ich einen Freund zu ſehen, wenn ich einen Tuͤrken, oder einen Bewohner des mittleren Aegyptens ſah. Er ſchien mir ein braver Mann zu ſeyn; er ſagte, daß es mir beſſer gegangen waͤre, wenn ich gleich anfangs zu ihm gekommen waͤre; er wuͤrde einen Mann mir au die Seite gegeben haben, der mir alles gezeigt haͤtte, obſchon ich wußte, daß er als Zolleinnehmer nicht viel Gewalt habe, mich zu beſchuͤtzen. Seine vornehmſte Abſicht war zu verſuchen, ob ich ihm ein Geſchenk anbieten wuͤrde. Der chriſtliche Sekretaͤr des Kaimakam gab mir nebſt einem Briefe eine Sum⸗ me Gelds von 3— 4 Pfund Shilling am Werthe zur Ueberbringung nach A ckmim; er beſchenkte mich zu⸗ gleich mit einem Schafe, und ich machte ihm ein Ge⸗ gengeſchenk. Kaum moͤchte er einem ſeiner Lands⸗ leute, welcher nach Kairo ging, eine in dieſem Lande und fuͤr einen ſolchen Mann große Summe Gelds anvertraut haben, obſchon ich im Begriffe war, Aegypten zu verlaſſen, und er nicht hoffen konnte, mich je wieder zu ſehen. a1fes B. Aegypten I. 3. 4 VI. Von den Waſſerfaͤllen herab nach Groß⸗Kairo und Damiate. Am 21. Jaͤnner verließen wir bei kaltem und un⸗ guͤnſtigem Winde Aſſuan; wir mußten etwa 3 Mei⸗ len von der Stadt ſtille liegen. Hier iſt uͤberall ein großer Mangel am Holz, und man bedient ſich ge⸗ woͤhnlich entweder des Strohes vom indiſchen Weitzen, oder des getrockneten Kuͤhkothes. Die Armen bedie⸗ nen ſich des letzteren uͤberhaupt zum Brennen; aber der fuͤhlbarſte Mangel an Allem iſt uͤber Kus. Wir legten dieſen und den folgenden Tag nur einen ſehr kleinen Weg zuruͤck. Ich ſah hier die Leute beſchaͤf⸗ tigt, wie ſie das Waſſer auf ihr Land durch 4 Eimer uͤber einander ziehen. Den zoſten kamen wir nach Kou⸗Ombo; ich ſah das Thier, welches man die wilde Ziege nennt, welches roͤthlicht und hinten weiß ſiſt, und hielt es fuͤr eine Antilope. Wir waren des Windes wegen geneigt zu halten; aber des Abends fuhren wir ein weuig weiter herab, um uns dem Ka⸗ ſchif zu unſerer Sicherheit mehr zu naͤhern, welcher ſich noch immer in dieſer Gegend aufhielt. Am 3iſten ſah ich Hajar Sileily; Abends ge⸗ laugte ich nach Erfu. Am 1. Febr. erfuhr ich die große Ehre und Treue des redlichen Scheicks daſelbſt. Ich bemerkte hier, daß man das Waſſer aus dem Fluſſe durch das ſogenannte perſiſche Rad zog. Den ꝛzten kam ich zu Mouern, welche ich der Falken⸗ ſtadt zurechnete; ich trat an das Ufer, und fand ——— 299 uͤber demſelben einen trocknen Kanal. Nach Mittags kamen wir nach Eſne; ich gab meine Briefe an die iwei Scherifs oder Verwandten des Mahomed ab, ſah die Kirche und den Tempel bei der Stadt. Am zten reiſte ich zu dem Tempel, welcher 3 Meilen ge⸗ gen Nord von der Stadt iſt, und zu dem Kloſter, welches eine Meile davon gegen Suͤd liegt. Wir reiſten die ganze Nacht fort, und des andern Mor⸗ gens waren wir Jebelin gegenuͤber. Der Scheick von Kus, welcher mir ſeinen Schutz auf der Oſtſeite von Theben verſprochen hatte, lag bei Selamia, und ich ſah eine große Reiterei ſeines Volkes gegen Morgen. Zu Erment traten wir an das Ufer, und ſahen die Alterthuͤmer. Am sten gingen wir bei Lu⸗ xerein vorbei, und hielten bei Gurnu an, wo wir bis zum 7ten gegen Abend ſtill hielten, und uns von der Nothwendigkeit uͤberzeugten, ein ſo unartiges Volk zu verlaffen. Rachdem wir die ganze Nacht ge⸗ fahren waren, kamen wir zu Kept an; wir biieben wegen der Alterthuͤmer zwei Tage hier; und ſuchten Schauſtuͤcke und andere Sachen zu erhalten, welche an das Schiff gebracht werden. Den letzten Tag kam einer der Mahometaner, an welchen ich Briefe hatte; er ſuchte mich auf noch mehre Gegenſtaͤnde aufmerk⸗ ſam zu machen, kehrte mit mir an das Schiff zuruͤck, und bat mich, noch ein wenig zu warten; bald darauf ſchickte er mir ein Boͤcklein und zwei Koͤrbe Brod. In der folgenden Nacht kamen wir nach Kena; ich 300 ging am oten in die Stadt, und ſah die Mannfaktu⸗ ren von irdenen Gefaͤßen. Ich brach nach Dendera auf, dann nach Amagra, und nahm die großen Al⸗ terthuͤmer von Tentyra in Augenſchein. Am auten kamen wir in den Hafen zu Badiura, und gingen in das Kloſter zu Furshut. Ich be⸗ ſuchte den Groß⸗Scheick, welcher mit einem maho⸗ metaniſchen Prieſter große Bohnen aß, welche in Huͤl⸗ ſen gekocht waren. Ich gab ihm meine Briefe des Scheicks zu Etfu; er fragte mich, ob ich nicht vom Volke geneckt worden ſei, ob man mir mein Buch nicht genommen habe, ob wir wohl Schaͤtze ſuchten. Ich kehrte in mein Schiff zuruͤck; wir ſegelten die ganze Nacht, am 12ten langten wir bei Girge au, und ich ging in das Kloſter. Der Bey lag an der Suͤdſeite der Stadt; als ich das erſte Mal an das Lager kam, war er in dem ſtaͤdtiſchen Harem, bei den Frauenzimmern; allein er kam bald geritten in Begleitung von 8 Selaven. Bei ſeiner Ankunft in dem Lager wurde faſt 1/4 Stunde Muſik gemacht. Ich ging in ſein praͤchtiges Zelt; er ſaß auf dem Sopha in der Ecke auf der rechten Hand, an einem Ein⸗ gange. Er war wohl gebildet, und hatte eine ſehr gefaͤllige Miene; er konnte ſich jedoch auch ſehr ernſt⸗ haft und majeſtaͤtiſch benehmen. Sein Betragen glich mehr jenem eines europaͤiſchen Großen, als eines Tuͤrken. Ich gab ihm die Briefe von Osman Bey; mein Bebienter legte das Geſchenk von 12 Buͤchſen 301 franzoͤſiſcher Prunellen, und ein ſchoͤn eingehuͤlltes glaͤſernes Gefaͤß zum Sorbet nieder. Er nahm mich ſehr hoͤflich auf, hieß mich fetzen, und ließ Kaffee bringen. Ich bat um die Gewogenheit, mir Briefe an ſeine untergeordneten Befehlshaber zu geben. Er fragte mich, wo ich geweſen ſei, und fuͤgte laͤchelnd hinzu, ob ich Schaͤtze gefunden haͤtte. Ich begab mich in das Zelt des Sekretaͤrs, welcher fuͤr mich Briefe ſchrieb, und trug ſie zum Bey, damit er ſein Siegel aufdruͤckte. Von Girge reiſte ich nach El⸗Berbiz als ich zum Schiffe zuruͤck kam, erfuhr ich, daß man die Ru⸗ der weggenommen, und etwa 45 Shillings gefordert hatte. Ich ſchickte zu dem Richter des Ortes, und fand, daß mir dreimal mehr, als ſich gebuͤhrre, ab⸗ gefordert worden war. Wir kamen nach Men⸗ ſchieſch, wo meine Leute bei ihren Familien gerne die ganze Nacht verweilten. Am 14ten langtan wir fruͤh Morgens zu Ackmim an, wo ich in das Klo⸗ ſter und zu dem Fuͤrſten ging, welcher mir einige Briefe gab, deren ich auf dem Wege nach Kairo bedurfte. Am 16ten ſah ich die Kloͤſter gegen Oſt, welche ich bereits beſchr eben habe. Ich hatte mit den Schiffern bis auf dieſen Tag gedungen, und hier dingte ich auf das Neue, daß ſie mich fuͤr etwa s Guineeu nach Kairo fuhren, und ich anhalten konnte, wo ich wollte; ausgenommen auf der Oſtſeite durften. wir nur an ſicheren Orten gusſteigen. Alle meine , 302 Freunde begleiteten mich an das Ufer, beſchenkten mich mit Schafen und Brod, und ich reiſte den 16ten nach Kairo ab. Des anderen Tages kamen wir fruͤh Morgens nach Roigny; der geiſtliche Scheick der beruͤhmten Schlange Heredy ſtand am Ufer zu unſerem Em⸗ pfange. Er hatte entweder unſer Schiff geſehen, oder vernommen, daß wir von Ackmim kaͤmen. Ich brachte die Briefe des Fuͤrſten von Ackmim an den Scheick des Fleckens, und er bewirthete mich mit einer feinen Erfriſchung. Er begleitete uns zur Grotte der Schlange, woran die Tuͤrken und Chriſten glauben. Die Thorheit, Leichtglaͤubigkeit und der Aberglauben des Volkes erhellt daraus hinlaͤnglich. Wir ſtiegen zwiſchen den felſigten Bergen gegen ½ Meile hinauf, und kamen an den Ort, wo das Thal weiter offen iſt. Auf der rechten Seite war eine Moſchee, welche einem Begraͤbniſſe eines Scheicks glich, mit einem runden Dache an den Felſen gebaut. In derſelben iſt am Feiſen eine große Spalte zu ſehen, durch welche die Schlange kommen ſoll; und in der Mitte iſt ein Grab nach tuͤrkiſcher Art, welches dem Heredy ſeyn ſoll. Das Volk mag glauben, die Seele dieſes Heiligen ſei in der Schlange; er kuͤßte das Grab mit groͤßter Andacht, und betste an dem⸗ ſelben. Dieſer Spalte gegenuͤber iſt eine andere, wel⸗ che dem Sohne des Heredy, d. i. dem Oghli⸗ Haſſan, gehoͤren ſoll. Noch zwei andere Spalten werden fuͤr Wohnungen der Engel und Heiligen ge⸗ halten. Der Scheick erzaͤhlte mir, daß hier zwei ſol⸗ cher Schlangen ſeien; allein nach der gemeinen Mei⸗ nung ſei es nur eine. Er ſagte, dieſelbe ſei ſeit Ma⸗ homets Zeiten hier beſtaͤndig geweſen; ſie ſei bald lang, bald kurz, roth und ſchwarzfaͤrbig, unſchaͤdlich im Umgange; ſie komme nur in den 8 Sommer⸗Mo⸗ naten hervor, und ihr werde geopfert. Allein der Scheick behauptete, daß nur Schafe, Laͤmmer und Geld zum Ankaufe des Oeles in die Lampen gebracht werden. Ich ſah jedoch viel Blut und Eingeweide von neu geſchlachteten Thieren vor der Thuͤre liegen. Ich begab mich nach Gava⸗Kiebir, wo ich an das Land ſtieg. Der Scheick, an welchen ich einen Brief hatte, war nicht zu Haus; wir kamen des an⸗ deren Dages zeitig nach Sciut, wo wir einige tuͤr⸗ kiſche Kaufleute mit ſchwarzen Selaven antrafen, wel⸗ che ſie in Aethiopien kaufen, und nach Ober⸗ Zegypten bringen, wo ſie zum Dienſte der Seraile verſchnitten werden, aber oft daran ſterben. Am z9ten ſah ich die Stadt Sciut; am 2oten kam ich nach Manfalut, wo ich einen Brief an ei⸗ nen Chriſten abgab. Zu Melui wartete ich dem Sardar mit einem Geſchenke engliſcher Meſſer und anderen Gegenſtaͤnden auf. Er war ſehr hoͤflich, und verſprach mich zum Tempel nach Archemunaim zu begleiten, und die zu findenden Schaͤtze zu theilen, oder er wollte wenigſtens ſeinen Sekretaͤr mir an die 304 Seite geben. Des andern Tages begab ich mich in die Stadt, und das Gefolge des Sardars zu Pferd ging nach Archemunaim mit dem Kaja, wozu eine große Menge Volkes mit Pauken und anderer Muſik nebenher folgte. Der Sekretaͤr wurde mit mir zur Anſicht des Tempels geſendet. Ich kehrte zum Kaja zuruͤck, deſſen Teppich und Polſter auf eine Hoͤhe ge⸗ legt waren. Ich ſaß auf demſelben, und die Stand⸗ arte lag neben ihm, welche in einem ſolchen Zuge vor ihm getragen zu werden pflegt. Ich ſetzte mich an ſeine Seite, worauf Kaffee gebracht wurde; der Sardar ſelbſt kam dann auch im Geheimen. Ich ging wieder zu meinem Schiffe, und kam den 24ſten nach Minio, wo wir ſoviel als einen Shilling zahlen mußten. Am 2sſteu kamen wir bei Samalut, Ga⸗ koſanag und Scharony, den 2sſten bei Bene⸗ ſuief, Buche oder dem Hafen Arſinoe vorbei. Man kommt hier gemeiniglich zu den Kloͤſtern des h. Anton und Paul, in die Wuͤſte am rothen Meere zu gehen; der Eingang zum erſteren findet durch ein Fenſter, wie auf dem Berge Sinai ſtatt; man ſieht im Inneren viele Palm⸗, Oliven⸗ und andere Baͤume. Der Patriarch iſt das Oberhaupt des Klo⸗ ſters; er laͤßt es durch einen Stellvertreter regieren, welchem noch 3 zur Seite ſtehen; das uͤbrige Konvent beſteht noch aus 3 Prieſtern und 23 Layenbruͤdern. Alle Beduͤrfniſſe werden im Inneren erzeugt; auch iſt — ein Thurm das Vorrathshaus mit einer Zugbruͤcke, 305 die Araber abzuhalten, wenn ſie einbrechen wollten. Eben ſo ſind 3 Quellen in demſelben, und das Waſſer iſt etwas geſalzen. Die Kirche hat Glocken, vielleicht die einzigen Aegyptens. In dem eine Tagreiſe entfernten Kloſter St. Paul ſind 25 Moͤnche; ſie koͤnnen ſich nicht verehelichen; doch werden auch Wittwer angenommen; einer Frau wird aber nicht erlaubt, in das Kloſter zu gehen. Die Moͤnche duͤrfen weder Toback rauchen, noch Fleiſch im Kloſter eſſen; außerhalb aber erlauben ſie es ſich. Ihre gewoͤhnliche Speiſe iſt Kaͤſe mit Oliven, und geſal⸗ zeue Fiſche aus dem rothen Meere. Am 27. Febr. Abends kam ich zu Alt⸗Kairo an, wo ich mich ſogleich in des Konſuls Wohnung begab. Ich hatte alſo dieſe Reiſe an die Waſſerfaͤlle, und zuruͤck, mit groͤßtem Gluͤcke in 3 Monaten zuruͤck gelegt. Da das Kloſter auf dem Berge Sinai mit den Arabern in keiner guten Harmonie ſtand, ſo be⸗ ſchloß ich gegen Oſtern zu Jeruſalem zu ſeyn, um das gelobte Land, Sorfen und Cypern zu ſehen, und nach Aegypten zuruͤck zu kehren. Nachdem ich mich zu Kairo drei Tage aufgehalten hatte, be⸗ gab ich mich am 3. Maͤrz in ein damiatiſches Schiff, um des anderen Morgens nach Joppe zu ſchiffen. Einen Theil deſſelben nahm ein Haͤndler mit ſchwar⸗ zen Selaven ein; unter dieſen war eine Frau mit 7, durch die Naſe geſtochenen Loͤchern. Den erſten Tag legten wir beilaͤufig den vierten Theil der Reiſe zu⸗ 306 ruͤck, und hielten bei Miſelkaſer. Den fuͤnften ſegelten wir bei Benalhaſſar vorbei, welches ich fuͤr das Bubaſtus und Philebeth der Bibel halte; des Abends hatten wir etwa den halben Weg zuruͤck⸗ gelegt. Den ſechſten lagen wir bei Abuſir wegen unguͤnſtigen Windes; Nachts warfen wir die Anker in den Fluß. Als wir Geſchuͤtz losbrennen hoͤrten, ſchoßen die Matroſen ihre Buͤchſen 2— 3 mal ab. Den ſiebenten kamen wir bei Mahalla, Manſura und Dioſt vorbei; weſtwaͤrts des letzteren Ortes etwa 4 Stunden liegt das Kloſter St. Geminiani, wo⸗ hin jaͤhrlich viele Chriſten zur Andacht kommen. Des anderen Tages langte ich zu Damiate an, wo ich Briefe abzugeben hatte. Mein Bart und meine Kleidung verſtellte mich ſo ſehr, daß man mich fuͤr keinen Englaͤnder halten wollte. Ich wurde zufaͤl⸗ lig von einigen griechiſchen Kaufleuten, welchen ich nicht empfohlen war, mit verſchiedenen Schellfiſchen und Fiſchroggen ſehr hoͤflich bedtent. Denn in der Faſten duͤrfen ſie nur allein die Roggen jener Fiſche genießen, welche Blut bei ſich haben. Des Abends begab ich mich zum Hafen an der Muͤndung des Fluſ⸗ ſes. Ein franzoͤſiſches Schiff wurde zur Abfuͤhrung der Pilgrime gemiethet, deren jeder etwa eine Guinee fuͤr die Ueberfahrt zahlte. Die meiſten verſammelten ſich auf dem ſchmalen ſandigen Theile, auf der weſt⸗ lichen Seite der Muͤndung des Fluſſes. Gegen Weſt iſt ein Meerbuſen ohngefaͤhr s Meilen jenſeits, und 1 307 auf der Weſtſeite lag ein großes tuͤrkiſches Schiff von Alexandrien, welches gegen Ende Novembers mit 100 darauf befindlichen Menſchen zu Grunde ging, und wovon nur der Schiffs⸗Hauptmann ſein Leben rettete. Der Bey, welcher den Dribut des tuͤrkiſchen Kaiſers aus Aegypten geholt hatte, kam zwar an das Land, ſtarb aber bald hernach aus Schrecken. Abends kehr⸗ ten wir wieder an den Hafen zuruͤck, und brachten die Nacht auf dem Schiffe zu. Am aoten ſtiegen wir mit andern Pilgrimen an Bord, und ſegelten nach Joppe. 308 Drittes Buch. [[— I. Von Groß⸗Kairo nach Suez und dem rothen Meere. Nachdem ich Palaͤſtina, Syrien, einen Theil von Meſopotamien und Cilicien, und die In⸗ ſel Cypern geſehen hatte, landete ich 25. Dec. 1738 wieder in Aegypten. Ich ſah zu Kairo den großen Zug der Karavane nach Mekka, und der Hasna, oder der Einkuͤnfte des tuͤrkiſchen Kaiſers, welche jaͤhr lich nach Konſtantinopel geliefert werden; und bereitete mich zur hoͤchſt beſchwerlichen Reiſe nach Sinai vor. Dazu iſt gewoͤhnlich, daß man ſich mit den Moͤnchen auf dem Berge Sinai, welche ein Kloſter zu Kairo haben, vereinigt; ſie liefern dann ſo viele Kamele, als man bedarf, und man bezahlt ohngefaͤhr fuͤr jedes 4 Guineen. Sie ſorgen auch fuͤr die noͤthigen Lebensmittel; Nachts vor der Abreiſe liegt man in ihrem Kloſier. —yõ y— 309 Am 28. Maͤrz kam ich an den Ort der Abreiſe der Karavane; dieſe beſtand aus 200 Kamelen, welche mit Korn beladen waren. Sie ging nach Muellah an der oͤſtlichen Seite des rothen Meeres jener Karavane entgegen, welche von Mekka zuruͤck kehrte, nachdem der Bey, welcher jedes Mal dem Em ir Hadge ent⸗ gegen gehen muß, ſchon voraus nach Adjerute ſich begeben hatte. Mein Bett auf das Kamel gepackt, ein Korb mit Lebensmitteln auf eine Seite, und ein Schlauch mit Waſſer auf die andere, nebſt einer hoͤl⸗ zernen Flaſche gebunden. Wir ſtiegen den Berg Je⸗ bel Makathum hinauf, und kamen gegen Oſt an die ſandigen Huͤgel. Bald kamen uns 4 Araber feind⸗ lich entgegen; weßwegen wir alle abſtiegen, und ſie verjagten. Nachdem wir 13 Stunden gereiſet waren, bielten wir, ließen die Kamele vorerſt graſen, ehe wir ihre Schenkel zuſammen banden, damit ſie weder auf⸗ ſtehen, noch einander beſchuͤdigen konnten. Die Güͤ⸗ ter werden zwiſchen die Menſchen und Thiere gelegt, dieſe mit Gerſten⸗Kloͤſſen geſtopft. Fremde bedecken ſich Nachts gewoͤhnlich mit einem Teppich; ich hatte zwar ein Zelt bei mir; allein unter dieſem hat man dis Ehre vornehm zu gelten, und die Gefahr gepluͤn⸗ dert zu werden. Am 30. brachen wir eine Stunde vor Tags auf, und kamen nach 11 Stunden in das enge Thal Thea⸗ roſaid. Nach einem noch engeren erreichten wir die freie Ebene, und ſahen Adjerute, wo wir hielten, 310 ren. Der Nachmittag war ſo heiß, daß mein der Sonne ſehr ausgeſetzter Fuß voll Blaſen war, weil ich nach der Gewohnheit des gemeinen Volkes barfuß ge⸗ weſen bin. Adjerute iſit ein viereckiges Kaſtell mit einer Beſatzung von Soldaten, wird fuͤr das alte Heropo⸗ lis gehalten, und iſt 29 Stunden von Kairo ent⸗ fernt. Am 31. brachen wir vor dem Aufgange der Sonne auf, und gingen ſuͤdwaͤrts durch eine kleine Tiefe nach Suez, welches von einem Kapitan(Ad⸗ miral) regiert wird, wie der Kapitan Baſchaw der Groß⸗Admiral iſt. Sein Amt erſtreckt ſich vorzuͤglich uͤber die Schiffe, und er hat einen Kaimakam unter ſich, welcher die buͤrgerlichen Angelegenheiten der Stadt verwaltet. Suez handelt ganz allein nach Jedda auf der Oſtſeite des rothen Merres nahe bei Mekka. Die Waaren werden mit einer Flotte von 30— 40 Schiffen gefahren, welche so Tage vor der Mitte des Mai's auslaͤuft, wenn die Suͤdwinde vor⸗ zuͤglich wehen; kommen dieſe zu ſpaͤt, ſo muͤſſen ſie das andere Jahr erwarten. Wenn dieſe Winde waͤh⸗ rend der Reiſe fehlen, ſo muͤſſen ſie oͤfters 12 Monate in einem ſchlechten Hafen halten. Im Oktober keh⸗ ren ſie mit Korn und Reis beladen zuruͤck. Die La⸗ dung von Jedda beſteht vorzuͤglich in Kaffee, Weih⸗ rauch, wenigen Indiſchen und Perſiſchen Guͤtern; die nachdem wir 16 Stunden ununterbrochen gereiſet wa⸗ — 311 reichſte wird zu Land durch die Karavane von Mekka gebracht. Es giebt noch andere Schiffe, welche den Kaffee von Fenſeka in Jemen, dem alten gluͤcklichen Ara⸗ bien bringen; unter denſelben ſind 8— 6 engliſche und franzoͤſiſche Schiffe; fuͤnf gehoͤren dem tuͤrkiſchen Kai⸗ ſer, die uͤbrigen den Kaufleuten. Jeder Sack Kaffee aus Jemen zu 3— 4 Zentuer koſtet zwei Schilling fuͤr die Ueberlieferung; zu Jedda wird der zehnte Sack genommen, wovon der Ba ſſa eine Haͤlfte, und der Kapitaͤn fuͤr die Fracht die andere empfaͤngt. Zu Suez aber wird fuͤr jedes Pfund ein Pence gezahlt. Die engliſchen Kaufleute reinigen ihn erſt, ehe er nach England geſendet wird. Doch liefert Weſt⸗Indien ſo wohlfeilen, daß der Arabiſche nachſteht, obſchon er zuweilen aus Betrug mit dieſem vermiſcht wird. Selbſt aus dem Vorgebirge der guten Hoffnung kann der Kaffee wohlfeiler bezogen werden. Die Schiffe, welche zwiſchen Jedda und Suez wechſeln, werden gewoͤhnlich in Indien auf gemeine hollaͤn⸗ diſche Art gebaut; vielleicht werden auch viele Schiffe in den hollaͤndiſchen Kolonien Oſt⸗Indiens gebaut. Die meiſten ſind groß; man verſicherte mich, das groͤßte ſei 48 Piken(von zwei Fuß) hoch; vermuthlich ſind ſie ſo hoch in zwei Verdecken, daß ſie an dem Hintertheile uͤber dem Mitteltheile des Schiffes, und vorne ein Verdeck uͤber den Mitteltheil haben. Auch iſt auf jeder Seite ein kleines Zimmer, welches die 312 Stelle einer Moſchee vertritt, worin ſte beten, an der Ecke eines jeden iſt ein kleiner Maſt mit einer Flagge aufgerichtet, worin ein halber Mond iſt. Am Ende des Bogſpriets vorne am Schiffe iſt ein kleiner kurzer Maſt, und eine Segelſtange mit einem Seile, wor⸗ uͤber eine kleine Gallerie iſt, worauf der Steuermann ſich umſieht, und das Steuer⸗Ruder kommandirt. Auf dieſen Schiffen bedient man ſich keiner Pumpe, ſon⸗ dern man zieht das Waſſer mittelſt einer Winde durch lederne Eimer in die Hohe. Auf jeder Seite des Rau⸗ mes, worin das eindringende Waſſer ſich ſammelt, iſt ein Behaͤlter von etwa 15 Fuß lang und 8 Fuß weit, welcher faſt bis auf den Boden geht, und aus Holz gemacht iſt. Aus dieſem wird das Waſſer herauf gezogen, und in große irdene Toͤpfe geſchuͤttet, um ſich deſſelben nach Belieben bedienen zu koͤnnen. Dieſe Gefaͤße halten Waſſer genug fuͤr 8 Monate, waͤhrend welcher man noch friſches Waſſer zu Tor fuͤllt. Die Reiſe nach Suez iſt ſehr gefaͤhrlich, beſon⸗ ders ſuͤdwaͤrts von Tor, wo viel Moraſt iſt; und die Madreporen(eine Art unvollkommener Korallen), welche um Tor herum und gegen Suͤd ſich befinden, ſind ſar die Schiſſe ſo gefaͤhrlich als Felſen; an ſolchen Plaͤtzen, wo das Waſſer nicht tief iſt, wird jede Nacht geau⸗ kert. Wenn die Schiffe bei Suez umgeladen werden, ſo entfernt ſich die ganze Mannſchaft von denſelben⸗ und befeſtigt ſie blos mit zwei Ankern, an deren jedem ſis mit 4—s großen Seilen aus Dattelholz angebunden 3¹3 werden. Die Zollbedienten verweilen hier nur waͤh⸗ rend der kurzen Zeit des Aus⸗ und Einladens der Schiffe, weßwegen die Stadt Suez auſſer dieſer Zeit nur von wenigen Menſchen belebt iſt. Der Hafen von Koſſeir ſoll auſſerordentlich gefaͤhrlich ſeyn, deſſen man ſich vermuthlich zu der Zeit bediente, als die Waaren von Oſt⸗Indien uͤber Kept und Alexan⸗ drien geliefert wurden. Nordwaͤrts deſſen ſoll noch ein anderer Hafen, Alt⸗Koſſeir, und nordwaͤrts deſſen der Hafen Hamromgos ſeyn, welcher einem runden Becken gleicht. Man ſagt, die Weſtſeite des rothen Meeres ſei viel tiefer, als die Oſtſeite gegen Aethiopienz al⸗ lein man wuͤßte die Straße daſelbſt nicht. Von Sue; iſt der Weg uͤber das Meer auf die oͤſtliche Seite hin⸗ uͤber etwa eine Meile. Die Schiffe wechſeln des Ta⸗ ges zweimal hin und her, zur Lieferung des Holzes, und des Waſſers, welches mit Kamelen bis an das Meer gebracht wird. Denn unter allen Orten leidet Suen den groͤßten Mangel an den dringendſten Be⸗ duͤrfniſſen. Es hat weder Waſſer, noch Gras, Korn, Kraͤuter, Baͤume und um die ganze Stadt iſt kein Garten. Aegypten ſcheint ſich bis an das rothe Meer ausgedehnt zu haben, und gerade von der Morgenſeite des Hervopoliſchen Meerbuſens nach Sihor, dem Fluſſe Aegyptens. Allem Anſehen nach waren die Berge gegen Morgen die Grenze zwiſchen ihm und IIies B. Aegypten. I. 3. 5 314 dem ſteinigen Arabien. Denn Hervopo lis findet ſich an oder nahe am rothen Meere, als die Hauptſtadt der letztern aͤgyptiſchen Provinz. Die Provinz Kaſiotis war an dem Meere, und Phagroriopolis lag zwiſchen denſelben. II. Vom ſteinigen Arabien. Von Suez nach Tor, und vom Berge Sinai. Arabien wurde in drei Theile getheilt. Das gluͤckliche liegt zwiſchen dem rothen Meere nnd per⸗ ſiſchen Meerbuſen. Ein Theil davon iſt das Gebiet von Mekka, der andere gegen Oſt⸗ und Suͤd⸗Oſt heißt JFemen. Das ſteinige beſteht aus dem Striche Landes zwiſchen den zwei Meerbuſen des ro⸗ then Meeres, und erſtreckt ſich gegen Morgen deſſel⸗ ben und gegen den Fluß Jordau. Oſtwaͤrts davon und einem großen Theile Syriens, war das wuͤſte Ara⸗ bien, welches gegen Morgen an den Suphrat grenzte. Im ſteinigen Axrabien ſind wir nach Aſien ge⸗ kommen. Die erſte Landſchaft auf der Seite war das alte Sarrazena, welches Araber(Sarazener) be⸗ ſaßen, und wo ſie ſich bis nach Elana ausdehnten. Von dieſen haben alle jene Araber, welche unter Ma⸗ honed und deſſen Nachfolgern dieſe Gegenden uͤber⸗ fielen, von den Europaͤiſchen Schriftſtellern Namen bekommen; im Orient aber und von Morgenlaͤndiſchen Schriftſtellern konnte ich davon keine Spur finden. 315 Dieſer Theil des ſteinigen Arabiens beſteht aus Bergen, engen Thaͤlern zwiſchen dieſen, und aus ſandigen Ebenen. Gegen Weſt iſt eine ſolche an der See, 6— s Meilen breit, welche ſich etwa 30 Meilen in die Laͤnge, nach jenen weiſſen Fluͤſſen erſtreckt, welche das Thal Korondel umkreiſen. Dieſe Huͤ⸗ gel ziehen ſich uͤber 20 Meilen, ſuͤdwaͤrts der See, her⸗ auf nach dem 5—s Meilen langen Thale Baharum. An der Weßſeite ſind gegen die See die Huͤgel Ga h, und auf der Morgenſeite die Granitberge welche faſt die ganze Breite des Vorgebirges ſo einnehmen, daß der Berg Sinai ohngefaͤhr den Mittelpunkt bildet. Dieſe Ebene geht ſüdwaͤrts uͤber Tor hinaus auf das „Ende des Vorgebirges. Auf der oͤſtlichen Seite der Gebirge von Korondel und Pharaone zieht eine lange Kette hoher Berge gegen Oſt, bei 30 Meilen von Accabah hinan, welches das alte Elana iſt, an der Nordſeite des oͤſtlichen Meerbuſens des rothen Meeres, welcher um einen Grad weniger gegen Nor⸗ den geht, als der weſtliche. Dieſe Berge heiſſen Jebel Te, von welchen etwa 12 Meilen ſuͤdwaͤrts die ſan⸗ dige Wuͤſte Nembla(der Sand) liegt; ſuͤdwaͤrts von derſelben fangen die Granitberge an, welche ſich Oſt und ſuͤdwaͤrts auf das Meer erſtrecken. In die⸗ ſem ganzen Lande ſind nicht mehr als 4 Doͤrfer, naͤm⸗ lich Tor, Jebele und Gedheieh auf der Suͤd⸗ ſeite von dieſem, und Scharme gegen Morgen. Die ganie Landſchaft wird von Arabern, als er⸗ 316 ſten Bewohnern beſetzt. Sie leben unter Zelten, und verweilen uͤberall ſo lange, als ſie Waſſer, junge Stau⸗ den und Gras zum Futter der Kamele haben. Feld⸗ bau giebt es nicht; ihr ganzes Vermoͤgen beſteht in einigen Kamelen, Ziegen, und zuweilen Schafen; ſie leben folglich in Armuth. Sie haben nichts, als et⸗ was Datteln und Ziegenmilch; ihr Korn muͤſſen ſie 8— 10 Dagereiſen weit von Kairo holen. Die Ara⸗ ber ſind in verſchiedene Geſchlechter getheilt, deren je⸗ des unter einem Groß⸗Scheick, und jedes Lager unter einem Scheik ſteht. Um das Meer herum befinden ſich die Miſenides oder Penuagſi, welche gutmuͤthig ſind. Auf den Bergen ſuͤd⸗oſtwaͤrts von Suez leben die Aiadi, ein ungeſittetes Volk, welches Meiſter vom Waſſer iſt, womit die Einwohner von Suez verſehen werden. Daſelbſt heißen die Araber Beni⸗ Soliman, deren auch zu Tor ſind. Ihr Scheick iſt der maͤchtigſte von allen, und hat uͤber alle andere viel zu ſagen. Um das Kloſter herum wohnen drei⸗ Geſchlechter, welche deſſen Schutz genießen; unter den rauhen ſind die Elecat die beſten. Nebeu ihnen ſind die Sualli, und die ſchlimmſten ſind die We⸗ eeleadiſaid, welche aus Ober⸗Aegypten ſiammen moͤgen. Ich bemerkte unter den Arabern des Kloſters jene Muſik, welche ich daſelbſt vernahm. Alle dieſe ſind durch eine Art eines Buͤndniſſes vereinigt; ſie ge⸗ hen mit einander ruͤckſichtlich des Eisenthums gantz redlich um, und giebt ihnen Jemand zu eſſen, ſo hat 317 er keine Beleidigung zu fuͤrchten. Sie ſind gegen einan⸗ der ſehr freigebig; ſchlachten ſie ein Schaf, ſo wird es auf einmal verzehrt, ſollten ſie auch des anderen Ta⸗ ges nichts als Brod haben. Jeder Araber ſchuͤtzt den andern zum allgemeinen Beſten. Die Araber um Accaba heiſſen Allauni, find boͤsartig, wegen ih⸗ rer Raͤuberei berüͤchtigt, und mit allen uͤbrigen in Feindſchaft. Ohngeachtet die Araber dieſer Gegend nicht in Haͤuſern wohnen, ſo bauen ſie doch kleine zur Aufbewahrung ihres Kornes. Zu Sue beſuchte ich einen griechiſchen Prieſter; des anderen Tages benahm ich mich mit einem ſehr boͤflichen tuͤrkiſchen Schiffskapitaͤn, welcher uͤber ver⸗ ſchiedene Verhaͤltniſſe der Schiffahrt auf dem rothen Meere mich belehrte. Ehe ich mich vom Prieſter ent⸗ fernte, fragte er nach meinem Namen, damit er in der Kirche fuͤr meine gluͤkliche Reiſe bitten koͤnnte. Dies iſt nur ein Mittel, ein Geſchenk zu erhalten. Gegen Mittag des erſten Aprils gingen wir uͤber den Meerbuſen gegen Oſt, nachdem die Kamele ſchon vor⸗ voraus geſchickt waren. Es kam eine Nachricht, daß die Flotte von Gedda eintreffen wuͤrde. Des Nach⸗ mittags und anderen Tages ſahen wir einige Schiffe. Drei oder vier Stunden ſuͤdwaͤrts von der An⸗ fahrt bei Suei giebt es verſchiedene Quellen Moſes⸗ Brunnen genannt; wo man auf dieſen Huͤgeln graͤbt, findet man Waſſer; 4— s ſind ſtets offen. Doch habe ich wenigſtens 12 Stellen gefunden, wo Waſſer gequol⸗ 318 3 len iſt. Aus der Quelle rinnt zugleich Sand, welcher wie Schlamm rund herum ſo weich iſt, daß man ſich ohne Gefahr nicht naͤhern kann. Ich konnte mit ei⸗ ner Schiffs⸗Stange den Boden nicht erreichen, und man erzaͤhlte mir, daß Kamele bisweilen ganz darin verſinken. Das Waſſer iſt warm, ſalzig, und vielleicht etwas ſchwefelig; doch iſt eines auch ziemlich gut. Ei⸗ nige Quellen ſind eingefaßt; alle ſcheinen aus den na⸗ hen Gebirgen zu entſpringen. Von hier geht eine Erdſpitze ziemlich weit in die See, ſuͤdoſtwaͤrts von der Straſſe herein, und bricht die Flut, wenn Suͤd⸗ Oſtwinde wehen; hier ſollen die Iſraeliten uͤber das rothe Meer gegangen ſeyn. Wir fuͤnf lagen, wie im⸗ mer, unter freiem Himmel, und hatten Nachts kein Feuer aus Mangel der Sicherheit. Ich ſah auf der Ebene viel Talk, und des anderen Tages mehre Huͤ⸗ gel ganz damit gefuͤllt. 4 t Am zweiten reiſten wir durch die ſandige Wuͤſte zu einer kleinen Anhoͤhe dem Berge Gewonbee ge⸗ genuͤber, wo wir nach s Stunden hielten. Ich wagte zum Schutze gegen die heiſſe Sonne mein Zelt aufzu⸗ ſchlagen. Nach weiteren drei Stunden kamen wir auf die Ebene, wo der Buſen Korondel beginnt. Wir wurden beſtürzt, als wir von Oſt drei Maͤnner auf uns zueilen ſahen. Die Araber zogen einen Theil ih⸗ rer Kleider aus, entbloͤßten ihre Arme, um mit dem Saͤbel zu fechten, und bereiteten ihre Schieß⸗Gewehre. Jene waren zwei Perſonen von Suez, welche ſich hier 319 mit ihren Kamelen aufhielten, aber uns doch wuͤrden gepluͤndert haben, wenn wir nicht ſo maͤchtig geweſen waͤren. Wir kamen dann in die Wuͤſte Schur oder Schedur, und nach einer Stunde zu einem ganz buſchigen Plaze, wo wir zur Fuͤtterung der Kamele hielten. Vier Schiffe von der Geddiſchen Flotte ankerten in der Naͤhe, und wir lagerten uns gegen das Kaſtel Schedur an den Huͤgeln der Oftſeite. Am dritten reiſten wir weiter, und nach einer Stunde kamen wir zu dem Bette des Winterſtromes, welcher Ouardan heißt, und etwa ⁄¼4 Meile weſt⸗ lich von der Straſſe liegt. Wenn man daſelbſt ein Loch drei Fuß tief graͤbt, ſo ſchießt das Waſſer, wel⸗ ches vermuthlich aus dem Meere kommt, im Ueber⸗ fluße hinein. Das Waſſer ſcheint ſcharf, aber nicht geſalzen zu ſeyn. In der Umgebung find etliche Palm⸗ baͤume. Die Araber machten ein ſeichtes Loch in die Erde, legten ein rundes Stuͤck Leder hinein, und nach⸗ dem das Waſſer aus dem tiefen Loche vermittelſt eines Gefaͤßes heraus gezogen war, goſſen ſie daſſelbe in die⸗ ſes Leder zum Traͤnken ihrer Kamele. Nach zwei Stun⸗ den kamen wir auf eine ſandige Ebene, und nach an⸗ deren 3 Stunden an einen Huͤgel, welcher ganz aus Talk beſtand. Da die weitere Gegend voll Gebuͤſche und Tamarinden iſt, ſo blieben wir die ganze Nacht, fanden aber kein Waſſer. Waͤhrend des Tages war es kuͤhl und windig; gegen Abend erhob der Wind 320 den Staub ſo ſehr, daß wir nichts vor uns erkennen konnten.. Jenſeits des Thales von Korondel liegt der Berg Jebel⸗Haman⸗Pharaone; neben dieſem iſt eine Hoͤhle mit zwei Oeffnungen. Eine fuͤhrt durch einen ſchmalen niedrigen Gang zu einer ſehr heiſſen Quelle, welche vielleicht das Bad zu Abauo bei Pa⸗ dua uͤbertrifft. Je tiefer man eintritt, deſto mehr muß man ſchwitzen; loͤſchen die Duͤnſte das Licht aus, ſo ſterben auch die Menſchen. Das Waſſer fließt durch den Felſen und die Sandbaͤnke in vielen kleinen Baͤ⸗ chen zum Meere etwa ½¼ Meile, und ſelbſt dort ſind die mit Salz und Schwefel weiß uͤberzogenen Steine noch ſehr beiß. Das Waſſer iſt ſalzig, ich nahm ein Glas voll nach Kairo, und fand daß es viel erdigen groben Schwefel, ein Mittelſalz, etwas Alaun, aber keinen Vitriol enthaͤlt. Es ſchmeckt ſo widrig, daß es nur zum Baden, aber nicht innerlich gebraucht werden kann. Man haͤlt dieſes Waſſer ſehr wirkſam gegen die Unfruchtbarkeit der Weiber, und gegen das Un⸗ vermoͤgen der Maͤnner; auch ſoll es ſehr gut in Haut⸗ und Nerven⸗Krankheiten dienen. Aufangs goß man es nur auſſer der Hoͤhle uͤber die Patienten, hernach aber im Gange, um den Schweiß deſto mehr zu befoͤrdern. Dieſes geſchieht taͤglich einmal; waͤhrend der 40 taͤgi⸗ gen Kur ißt man nichts als Oel, Honig und unge⸗ ſalzenen Kuchen, und trinkt Waſſer bei eingelegten Datteln. 321 Am 4. kamen wir in 3 Stunden zum Bergſtrome Wuſet, wo mehre Palmbaͤume und eine Salzauelle ſich befindet, welche auch Stahylſtoff mit ſich fuͤhrt. In 3 Stunden erreichten wir Taldi, wo Dattel⸗ Baͤume, und auch eine Salzauelle ſind. In 1½ Stunde gingen wir Reiſimah vorbei, welches nach einem daſelbſt begrabenen Scheick ſo genannt wird, auf deſ⸗ ſen Grab die Mahometaner im Voruͤbergehen ein Stuͤckchen Brod legen. Nach 1 Stunde kamen wir in den kleinen Grund Menetfah, wo die Straſſe ſuͤdwaͤrts nach Tor, oſtwaͤrts nach Sinai ſich zteht. Allein mein Araber fuͤhrte mich zum Gewinne groͤße⸗ rer Leutſeligkeit durch einen Umweg; wir betraten ein langes Thal gegen Oſt, wo wir liegen blieben. Am 5. reiſten wir ſuͤdwaͤrts uͤber einen kleinen Huͤgel. Ge⸗ gen Suͤd⸗Weſt uͤberſchritten wir den Huͤgel Pharaos⸗ Haus, und kamen nicht weit von dem Orte, wo un⸗ ſere Araber lagerten. Einer war in Zwiſt mit einem Geſellſchafter gekommen, und uͤberreichte dieſem, als er in ſeinem Lande angekommen war, eine Blume zum Zeichen der Vergebung. Von hier ſetzte ich am 6. mit meinem einzigen Araber meine Reiſe fort. Ich begab mich weſtlich von der Straße nach Si⸗ nai hinweg, und wendete mich gegen Tor. Ich kam in ein ſchmales Thal, das Bett eines ausgetrockneten Baches. Auf beiden Seiten waren ſehr hohe Berge von ſehr mannigfaltig geflecktem, grauen und rothen Granit; nach einigen Stunden hielten wir. Abends 322 kamen wir an ein arabiſches Lager, wo man uns noͤ⸗ thigte zu halten, und man wollte ein Boͤcklein ſchlach⸗ ten. Allein da unſer arabiſcher Fuͤhrer wußte, daß es uns hier nicht wohl gelegen ſei, ſo gab er vor, daß wir Eile noͤthig haͤtten. Wir erreichten einen Baum, an welchem Kleidung hing, ohne daß Jemand in der Naͤhe war. Der Araber beruhigte uns, daß gar keine Gefahr ſei: denn das Volk dieſer Gegend ſei ſehr ehr⸗ lich; ging etwas zu Grund, ſo müßte das naͤchſte La⸗ ger den Erſatz leiſten. Wir kamen dann in eine ebe⸗ nere Gegend und auf die verfehlte Straße, dann zum Strome Pharan, deſſen Bett 1/4 Meile breit iſt. Am zten leukten wir uns ſuͤdlich uͤber einen Huͤgel in die Ebene Baharum gegen s Meilen weit, und hatten das Gebirge Gah zwiſchen uns und dem ro⸗ then Meere. An dieſem Tage legten wir eine Strecke von 13 Stunden zuruͤck. Am sten kamen wir in das Thal von Tor, und in 3 Stunden an deſſen Palm⸗ Waͤldchen. An deſſen Eingange iſt eine Salzquelle; das Waſſer ſpringt uͤber die Erde, und das Salz uͤber⸗ zieht die Oberflaͤche, welche wie trockner Boden aus⸗ ſieht. Das Kamel ging auf dieſen Ort, glitſchte, fiel nieder, und ich ſtuͤrzte herab. Gluͤcklicherweiſe war der Boden weich: denn ein Kamel iſt verloren, wenn es auf Steine faͤllt. Dor iſt ein kleiner Flecken auf der oͤſtlichen Seite des rothen Meeres, und liegt erwa eine Tagreiſe ge⸗ 323 gen Weſt vom Berge Sinai; weßwegen man uͤber Tor einen Tag umgeht. In der Naͤhe iſt ein ver⸗ wuͤſtetes Kaſtel, welches von Arabern bewohnt wird. Die Griechen nennen dieſen Ort Raithoz deſſen Einwohner ſind Araber, und 20 Familien Griechen. Die Moͤnche des Berges Sinai haben hier ein Ho⸗ ſpiz, wohin ſie ſich in jeder großen Verlegenheit be⸗ geben; daſſelbe iſt nur von einem Prieſter beſetzt. Da⸗ ſelbſt befindet ſich eine Seate mahometaniſcher Ara⸗ ber, Namens Seleminites, welche fuür Salomo und Abraham gleich große Achtung hegen. Da ſie die vorzuͤglichſte Moſchee haben, und Salomo’s, wie Mahomed's in ihrem Gebete erwaͤhnen; ſo ſcheinen ſie noch Ureinwohner zu ſeyn, und von Je⸗ thro, dem Schwiegervater Moſes abzuſtammen. Etwa 3 Meilen noͤrdlich von Tor iſt ein Brunnen mit gutem Waſſer; ringsherum gibt es viele Dattel⸗ baͤume und verſchiedene warme Salzquellen, beſon⸗ ders gegen Suͤdoſt, wo die Moͤnche ihre Gaͤrten ha⸗ ben. In der Naͤhe ſind noch mehre Quellen und ei⸗ nige Baͤder, Namens Moſes⸗Baͤder. Das Merl⸗ wuͤrdigſte zu Tor kommt aus dem rothen Meere. Die Schelfiſche ſind von jenen in Meeren gegen Nord verſchieden; es gibt Madreporen(eine Art Korallen), und See⸗Schwaͤmme. Ich begab mich in das Haus, welches dem Kloſter des Berges Sinai gehoͤrte, wo mich der Prieſter bewirthete. Ich hatte ein Empfeh⸗ lungsſchreiben an den Rentmeiſter des Kloſters; in 4 324 deſſen Abweſenheit brachte mir ſein Sohn ein Geſchenk von Fruͤchten und Muſcheln, und ſchickte mir Eſſen, weil ich ihm abſchlug, mit ihm zu ſpeiſen. Auf der Suͤdſeite der Stadt iſt ein verwuͤſtetes Kaſtel unter der Botmaͤßigkeit der Araber, und 3—4 Meilen gegen Suͤd iſt das Dorf Jebelee. Jenſeits deſſelben iſt der Meerbuſen Raie, wo die Schiffe auf der Fahrt nach Suez bei widrigem Winde oft liegen bleiben. Gegen Tor hinuͤber iſt Jebel Ga⸗ rib, und ſuͤdwaͤrts von dieſem Jebel⸗Zeit, d. i. der Oelberg. Ich ſchwamm zweimal mit Gefahr in das rothe Meer uͤber die kleinen Waͤldchen von Ma⸗ dreporen, deren ich einige abriß. Bei dem erſten Be⸗ fuͤhlen konnte ich nicht unterſcheiden, ob ſie etwas weicher geweſen waren, als ſpaͤter; wohl aber veraͤn⸗ derten ſie ihre Farbe. Die roͤthlichen wurden hoch⸗ gelb, die meiſten blaßgelb. Ich ſah keine Schwaͤmme, noch roͤhrige Korallen; letztere ſind um 1 ⁄½ Tagrei⸗ ſen entfernter. 1 84 Am 9ten nahmen wir unſere Reiſe nach dem Berge Sinai vor. Wir gingen uͤber die Ebene ge⸗ gen Oſt, und nach 6 Stunden legten wir uns am Eingange eines engen Thales nieder, indem wir eine Geſellſchaft antrafen, welche den naͤmlichen Weg ma⸗ chen wollte. Zu Tor forderte man von mir ein klei⸗ nes Kaphar, aber ich bezahlte es nicht. Ein Scheick unſerer Geſellſchaft erhielt 4 Medinen Weggelds, und noch 4 wegen des Berges Sinagi. Denn ſein Vor⸗ 4* 325 gaͤnger hatte einem Kaufmann geholfen, welcher das Unglück hatte, auf dem Berge gefaͤhrlich zu fallen, weßwegen man dieſe Abgabe von jedem ſpaͤteren Wan⸗ derer forderte. Hieraus folgt, daß es gefaͤhrlich iſt, Arabern aus irgend einem Grunde Geld zu geben. Wir ſahen einen Huͤgel, welcher Jebel Meſeka hieß, wo ehemals ein Kloſter geweſen feyn ſoll. Am 10ten kamen wir zum Strome Waad⸗He⸗ bran zwiſchen den hohen Granithuͤgeln. Ich bemerkte an den großen Felſen im Thale einige Inſchriften, wie ſpaͤter auf dem Berge; dort waren auch Palm⸗ haͤume. Wir reiſten uͤber die Quelle Hebran, und eine andere durch die Landſchaft Diar Frangi, oder das Land der Franken. Auf der linken Seite batten wir Jebel Moſinewen, d. i. den Huͤgel, auf welchem Moſes ſchlief. Das Kloſter Pharan hatten wir gegen Nord gelaſſen..hn enn u. Am ꝛiten wendeten wir uns gegen Suͤdoſt, und kamen zu dem engen Thale Negeb⸗Houah, in welchem an einer ſanften Anhoͤhe Waſſer und Palm⸗ baͤume zu finden ſind. Zur Linken war das Bett eines Winterſtromes. Wir reiſten uͤber ein viereckiges, mitz loſen Steinen beſetztes Feld, und kamen zum Katha⸗ rine⸗Kloſter am Fuße des Berges Sinai. Ich wurde in einer Maſchine, mittels einer Winde, etwa 30 Fuß hoch gezogen, und durch ein Fenſter in das Kloſter gebracht. Der Stellvertreter des abweſenden Erzbi⸗ ſchofes und der Vorſteher des Kloſters empfingen mich . 326 bei dem Fenſter mit der Frage, ob ich vorerſt in mein Zimmer, oder in die Kirche gebracht werden wollte; ich zog letzteres vor. Daſelbſt wurde ein Lied geſun⸗ gen, mir das Behaͤltniß, worin der Leichnam der h. Katharine beigeſezt war, und endlich mein Zimmer gezeigt. Die Glieder des Kloſters ſind Prieſter, Dinkonen und Layenbruͤder; letztere haben alle haͤuslichen Ange⸗ legenheiten zu beſorgen. Sie leben ſtrenger, als in irgend einem Kloſter; ſie eſſen nie Fleiſch, und zur Faſtenzeit nichts, was vom Fleiſche kommt, z. B. Kaͤſe. Oel und Schelfiſche duͤrfen ſie nur an Sonn⸗ abenden, Sonn⸗ und Feſttagen waͤhrend der Faſten. eſſen. Ich ſah nichts als Reis, Oel, Eſſig und Zwie⸗ beln, gedoͤrrte Fiſche und Suppe aus und mit den⸗ ſelben, gedoͤrrte große Bohnen in Waſſer gekocht, Salat und Kaͤſe. Sie eſſen gar nichts vom Sonn⸗ tage Abends der Faſtnacht bis zum Nachmittage des Aſcher⸗Mittwochen; dann vom gruͤnen Donnerſtage bis zum Nachmittage des Sonnabends. Wenn Pilgrimme in das Kloſter kommen, ſo wer⸗ den ſie von einem Layenbruder bedient, welcher ihr Eſſen an einem beſonderen Orte zubereitet, und ihnen in ihrer Kammer reicht. Denſelben werden auch alle Kapellen und Zellen, die Sammlung weniger Hand⸗ ſchriften und verſchiedene Druckwerke der aͤlteſten Zeit gezeigt. Die Pilgrimme wohnen zweimal des Tages der Meſſe in der Kirche bei, und an gewiſſen Tagen 327 eſſen ſie mit den Moͤnchen im Refektorium. Bald nach ihrer Ankunft werden ſie aus der Kirche in das Nefektorium zur Fußwaſchung gefuͤhrt; iſt einer Or⸗ dens⸗Geiſtlicher, ſo verrichtet ein Prieſter dieſe Cere⸗ monie; ich hatte die Ehre, vom Superior gewaſchen zu werden. Nach den Fuͤßen werden die Haͤnde der Pilger in einem Topfe gewaſchen, welchen ein Moͤnch herum traͤgt, und dann werden alle Fremde mit Ro⸗ ſeuwaſſer beſprengt. Iſt der Pilger ein Laye, ſo wird er von einem Layenbruder behandelt, waͤhrend die ganze Geſellſchaft in der Halle ſitzend ſingt. Am Palmſonntage ſtellten ſie die Reliquien aus; Mittags wanderte ich mit meinem Layenbruder um den Berg Sinai herum. Nachdem wir in der Winde durch das Fenſter herab gelaſſen waren, begaben wir uns auf die Ebene des h. Elias, welche die Spitzen der zwei Berge von einander theilt. Wir beſuchten alle Theile des Berges Horeb, und gingen auf die Spitze des Berges Sinai, dann wieder herab in die Ebene des h. Elias, in deſſen Kapelle wir uns leg⸗ ten. Des anderen Tages beſtiegen wir in 4 Stunden den ſteilen Berg der h. Katharina, zum Kloſter der Maͤrryrer, wo wir uͤbernachteten. Den naͤch⸗ ſten Tag wanderten wir durch das Thal Rephidim, jum Kloſter der Apoſtel im Thale M elg ahz von hier üͤber den Huͤgel gegen Weſt. Wir langten bei dem Kloſter des h. Kosmas und Damian an, wo wir alle Ueberbleibſel der Kloͤſter und Wohnungen der Ein⸗ 328 ſiedler ſahen. Des andern Tages kam ich nach Jebel Moſeh, und wurde dann in das Kloſter wieder hin⸗ auf gezogen. Am Charfreitage wurden die Reliquien wieder ausgeſtellt; den Samſtag ſtand ich nach Mitternacht auf, um die Kirchengebraͤuche anzuſehen, wie am Oſterſonntage. Bei Anbruche dieſes Tages gingen wir in die erzbiſchoͤflichen Zimmer, wo das ſtreuge Faſten gebrochen wurde; die Moͤnche aben hart geſottene Sier und Kaͤſe; der Kaffee wurde herum gereicht. Sie ſchienen ſich uͤber das Ende ihrer Faſten ſehr zu freuen, waren ganz munter nnd freundlich, ſangen Loblieder in ihren Kammern, und legten ſich nieder. Um 10 Uhr aßen wir ale zuſammen im Refektorium, und tranken dann auf dem Gange Kaffee. In naturgeſchichtlicher Hinſicht habe ich nichts Merkwuͤrdiges in dieſer Gegend gefunden, als die ver⸗ ſchiedenen Granitformen; Akazienbaͤume und deren Gummi; wenige Voͤgel, weil ſie nicht viel zu freſſen haben; einige Heerden großer Stoͤrche mit ſchwarien Fluͤgeln, wenige Tieger oder Leoparden, Antilo⸗ pen oder wilde Ziegen, Haaſen, Woͤlfe und wilde Mauleſel.. Am Oſter⸗Sonntage Abends verlangten die Vaͤ⸗ ter, ich moͤchte ſie in die große Kirche des Kloſters vom Berge Sinai begleiten. Ich folgte; ſie fingen hier an zu ſingen und zu beten fuͤr meine gluͤckliche Reiſe nach Kairo, was dann in allen Kapellen des . Kloſters wiederholt wurde. Der Superior lud mich zum Diſche in ſein Zimmer, und gab mir Abriſſe des Kloſters, wie andern Fremden. Ich machte ihm ein Geſchenk in Geld, auch den Prieſtern und Diakonen, welche ich beſuchte, eben ſo dem ganzen Kloſter. Mehre ſcheukten mir Naturſeltenheiten aus dem rothen Meere und denen Umgebung. Am 223. April begleitete der Superior mit Anderen mich, nachdem ich noch in der Kirche und Kapelle des h. Buſches geweſen war, zu dem Fenſter, durch welches ich in der Winde herab gelaſſen wurde. Dieſen Tag reiſten wir nur zwei Stunden, weil die Araber noch nicht alle Vorberei⸗ tungen fuͤr ihre Kamele gemacht hatten. Am 24ſten erreichten wir die naͤmliche Straße, auf welcher wir ankamen. 4 3 Nach dem Zuge durch das erſte Thal wendeten wir uns gegen Weſt, und gelangten in einer Meile durch ein anderes. Wir drehten uns gegen Nord, und ſchritten durch die ſandigen Thaͤler zwiſchen den kleinen Huͤgeln Jebel Leſany. Ich ſah die Korn⸗ haͤuſer der Araber, welche der Mangel an Waſſer von hier verdraͤngt hatte. Wir kamen auf die große Ebene Waad Aie, wovon die Straße nach dem Kloſter Paran fuͤhrt. Man erzaͤhlte mir, daß der Theil der Wuͤſte gegen das Kloſter mit ſehr vielen und großer. „gelblichen Horniſſen gefuͤllt ſei, welche durch ihre Stiche den Menſchen und Thieren eine ſchmerzliche, 6 Tage dauernde Geſchwulſt verurſachen, wenn man I1tes B. Aegupten. I. 3. 3 6 330 nicht fogleich Weineſſig und weiße Erde anwendet. Nahe dabei iſt der kleine Huͤgel Paran; in dieſem Vorgebirge zwiſchen den zwei Meerbuſen mag Sara⸗ zene gegen Weſt, Pharamitaͤ gegen Suͤdoſt, und vermuthlich Munichiatis zwiſchen beiden gelegen feyn. Wir kamen uͤber den Huͤgel Laiſch, und des Abends begegnete uns ein nach Kairo wandernder Prieſter. Am z8ſten gingen wir durch das Thal Bareach, wo ich einige Inſchriften und etwas Waſſer in Ciſter⸗ nen fand. Hier gelangten wir wieder auf die Straße, von welcher wir auf unſerer Reiſe nach Tor abgewi⸗ chen waren. Einige Araber ſchloßen ſich au uns an; einer helaͤſtigte uns mit Geldforderungen aus dem Wahne, unſerer drei ſeien aus dem Kloſter gekommen. Die Araber haben naͤmlich das Geſetz, daß, wenn drei Kamele zugleich abgehen, das Kloſter 30 Piaſter zahlen ſoll. Der Grund davon mag ſeyn, zu verhindern, daß kein Araber allein mit vielen Kamelen die Liefe⸗ rung fuͤr die Moͤnche an ſich ziehe. Wir hatten dieſen Tag Hamſeeuwind, aber nicht ſehr heiß, weil er nicht aus Suͤdweſt kam. Am 26ſten gelangten wir nach Jebel Te, wel⸗ ches ich fuͤr den Berg Hor halte, wo Aaron ſtarb. Da ich laͤngs des Thales, ſuͤdwaͤrts vom Berge Te, weſtwaͤrts ging, ſah ich nichts Merkwuͤrdiges. Am auſten kamen wir nach Korondel; ſobald die Ka⸗ mele daſelbſt abgeladen waren, ſetzte ich mich auf 331 eines, begab mich mit zwei Arabern nach den Baͤdern Pharao's, und kehrte noch vor Abend zur Kara⸗. vane zuruͤck. Am zoſten fruͤh Morgens war ein großer Nebel, wie ich in dieſem Lande noch keinen bemerkt habe. Ich kam fruͤh bei dem Moſes⸗Brunnen vorbei, deſſen Waſſer warm war. Wir langten bei der Fahrt zu Suez an; da es ſehr heiß war, ſo ſchlug ich mein Zelt auf; der Scheick von Naba ſetzte ſich in deſſen Schatten, trau Kaffee und rauchte Tabak. Ein Tartar des Baſſa, welcher ſich daſelbſt wegen des Zollhauſes aufhielt, und meinen Dol⸗ metſcher kannte, kam in einem Boot zu uns heruͤber, und fuͤhrte uns auf die andere Seite. Ich ſah mich geztvungen, einige Tage in S ue zu verweilen, und eine Karavane zu erwarten; ich wurde vom Ungezie⸗ fer ſo geplagt, daß ich mich uͤber das Haus auf die Terraſſe zum Schlafen legte, obſchon ein ſtarker Thau ßzel. Allein dabei blieb es nicht; ich ſah mich ſogar geiwungen, des Nachmittags ſehr bald mein Zimmer zu verlaſſen, und mich ebenfalls auf die Terraſſe zu ſetzen um nicht beunruhigt zu werden. Denn ſtatt daß die Wanzen ſonſt erſt bei Nacht ſich melden, fingen ſie hier ſchon bei Tags an, herum zu ziehen. Da ich ſelbſt zu Suez fuͤr mich ſorgen mußte, ſo nahm mich der Kaimakam in ſeinen Schutz, an den ich mich zu wenden Urſache hatte. Bei dem Abzuge der Kara⸗ vane ſchloß ich mich an ihn af; er war ſo artig, mir Kamele zu verſchaffen, und mich zu erſuchen, ich 3 332 moͤchte meine Waaren in ſein Haus ſchicken, was mir ſehr willkommen war. Am s. Mai Abends zogen wir mit der Karavane aus der Stadt; am oten brachen wir eine Stunde vor Tags auf. Gleich bei dem erſten Eingange in die Pilgrimmsſtraße, zur Rechten des ſchmalen Weges, zwiſchen den kleinen Huͤgeln, ſah ich einen Graben ge⸗ gen Suͤd⸗Oſt⸗Öſt, welcher vermuthlich noch ein Ueberbleibſel des Kanais war, der in das rothe Meer lief. Wir lagen um Mittag 4 Stunden ſtill, und ka⸗ men bei Der⸗El⸗Hammer vorbei, wo ein ganz mit Lumpen behaͤngter Baum ſtand, welche die Pilger von Mekka aus Aberglauben dahin haͤngen. Hier iſt das erſte Nachtlager der Mekka'ſchen Karavane. Wir hielten am 10ten nicht vor 2 Uhr fruͤh, und ge⸗ gen Aufgang der Sonne brachen wir wieder auf. Zwei Stunden vor unſerer Ankunft am Pilgrimms⸗See gingen wir Bir⸗El⸗Hammer vorbei, wo ein neuer Brunnen ſtatt des verſchuͤtteten alten gegraben wurde. Die Karavane von Mekka war das letzte Mal auf ihrem Ruͤckwwvege nach Kairo hier vorbei gezogen, wovon wir einige ausgezogene Todte auf der Straße liegen fanden. Dieſe Leute waren wegen Krankheit oder Ermuͤdung zuruͤck geblieben, und auf der Straße geſtorben; die Voruͤbergehenden zogen dann dieſe aus Geiz zwar aus, aber ſie zu begraben, hatten ſie die Liebe nicht. Um Mittag kamen wir bei dem See an, von welchem die Karavane von Mekka abzieht. Ich ließ 333 meinen Dolmetſcher uͤber meine Waaren wachen, ver⸗ ſchaffte mir einen Eſel, und ritt mit dem Kaimakam und deſſen Vater nach Kairo. Als wir bei Sibil⸗ lallam vorbei kamen, brachten kleine Kinder Becher mit Waſſer, um unſeren Durſt zu loͤſchen, und ein Almoſen zu empfangen. Ich kam ſehr ermuͤdet und unpaͤßlich zu Kairo an, ſowohl wegen der Laͤnge der Reiſe, als wegen der Menge Waſſers, welches ich getrunken hatte, um in dieſer ſehr heißen Zeit meinen Durſt zu loͤſchen. Ich blieb faſt 3 Wochen zu Kairo, mich zu erholen; dann nahm ich Abſchied von meinen Freunden, von welchen ich in Aegypten viele Aufmerkſamkeit genoſſen hatte. Denn ich war daſelbſt von meiner erſten Landung bis zu meiner Abreiſe alle Monate des Jahres— den Au⸗ guſt ausgenommen— geweſen. Am 4. Juni Abends waren mehre meiner Freunde ſo artig, mich zum Schiffe zu begleiten„ auf welchem ich nach Roſetto abreiſte. Als wir in dieſen Arm kamen, ſtrandete unſer Schiff oͤfters: denn der Nil war damals am ſeichteſten, und man erwartete alle Tage deſſen Wachsthum. Ich habe auf dieſer Fahrt nichts Beſonderes bemerkt, als zwei Kanaͤle, von deren Laufe ich mich ſo gut unterrichtete, als ich konnte. Der erſte heißt Towrat Nadir, welcher durch das kand Habib gegen Nord, und Menufieh gegen Sud ſich zieht. Die Stadt Menuf liegt auf der Nord⸗ ſeite dieſes Kanals. Der zweite Kanal iſt El⸗Fo⸗ 334 vaſtae, welcher durch das Delta, gegen Nord von Mahalla gehen, und in den Damiatiſchen Arm laufen ſoll, welches man von deſſen Verbindung mit anderen Kanaͤlen verſtehen muß. Ich erfuhr, daß um Faſara ein See ſei, wo man viel Salz ſammle. Wir kamen am dten fruͤhzeitig nach Roſetto, und ich ging zum Vise⸗Konſul, wo ich bis zum 22ſten auf Nachricht wartete, ob die Haͤuſer in Alerxandrien wieder geoͤffnet ſeien, nachdem die Peſt voruͤber war. Ich ſetzte mich Abends in einen Wagen, und fuhr zur Madeg oder Fuhrt. Wir ruhten ein wenig in ei⸗ ner Herberge; um Mitternacht fuhren wir uͤber die Fuhrt, und uͤber die Muͤndung des alten kanopiſchen Armes. Ich vernahm, daß das Waſſer zur Zeit des hohen Niles friſch ſei, da es ſich ohne Zweifel in die Kanale ergießt und ſie erfuͤllt. Dieſer See hat mit dem Alexandriniſchen Kanale keine Verbindung. Ich begab mich nach Alexandrien, und ſah noch ein⸗ mal alle Merkwuͤrdigkeiten; am 3ten Juli ſchiffte ich mich in ein engliſches Schiff nach Kandig, dem gl⸗ ten Creta ein. Reiſe durch Aegypten und Nubien im Jahre 1737— 33 von dem K. däniſchen Schiffskapitän Friedrich Ludwig Norden*). Erſter Theil. I. Alexandrien. F. L. Norden wurde am 22. Oktober 1708 zu Glücksſtadt im Holſtein geboren. Sich dem Seedienſte widmend trat er im Jahre 4722 in die See⸗ Kadeten⸗Schule von Kopenhagen, erwarb ſich durch *) Geboren zu Gluͤckſtadt, wo ſein Vater Artillerie⸗ Oberlieutenant war, 22. Oct. 1703, wurde K. Kadet 4722 zu Kopenhagen, ſpaͤter Lieutenant, reiſte auf Koſten des K. Chriſtian VI. im J. 1732 nach Holland, 1734 nach Marſeille und Livornv, verweilte 3 Jahre in Italien, und er⸗ hielt zu Florenz, wo er zum Mitgliede der Ma⸗ 336 Fleiß und Kenntniſſe bald die Liebe des Ober⸗Zeremo⸗ nien⸗Meiſters von Lerche, ward von demſelben dem Koͤnige vorgeſtellt, und auf koͤnigl. Koſten, mit dem Nange eines Lieutenant, auf Reiſen in Bezug auf Marine, geſchickt. Norden gieng zuerſt nach Holland, ler⸗Akademie aufgenommen wurde, 1737 von ſei⸗ nem Koͤnige den Beſehl, nach Aegypten zu rei⸗ ſen, die alten Gebaͤnde abzuzeichnen, und zu be⸗ ſchreiben. Er entſprach der Weiſung nach Moͤg⸗ lichkeit, und gelangte, nach Derri in Nubien; da er hier nicht unterſtuͤtzt wurde, weiter zu dringen, ſo kehrte er 6. Jan. 1138 um. Er ſtieg zu Kairo aus dem Schifſe, ſegelte ſpaͤter von Alexandrien nach Livorno, und reiſte zu Land uͤber Venedig nach Daͤnemark, wo er von ſeinem Koͤnige zum Kapitaͤn erhoben wurde. Bald darauf wohnte er mit anderen Daͤniſchen Offizieren einigen Seezuͤgen auf der engliſchen Flotte bei, kam 1741 nach London, und wurde Mitglied der Geſellſchaft der Wiſſenſchaften. Zur Befoͤrderung ſeiner Geſundheit wollte er eine Reiſe in das mittaͤgliche Frankreich machen; gllein er ſtarb 22. Sept. 1742. Seine Schriften ſind: 1) Ruins et colossal staaues at Thebes. Lond. 1741: Mit Kupf. 2) Voyage d'Egypte et de Nubie. Copenhaguce. 1755 gr. Fol. 328 S. u. 159. Kupf. außer den Viguetten und Lild⸗ niſſen des Verf. Auf K. Koſten von der Ge⸗ ſellſchaft aus ſeinen Handſchriften heraus gege⸗ ben. Dieſes Werk wurde von D. Fr. Ch. Stef⸗ fens in das Teutſche uͤberſetzt, und mit Anmei⸗ ungen von Dr. Templemann nach der eugli⸗ 337 beſuchte dann im Jahre 1134 Marſeille und reiſte darnuf nach Livorno. Hier und an andern Orten Italiens blieb er drei Jahre. 2 Zu Floren; machte er die Bekanntſchaft des Baron Stoſch, eines leidenſchaftlichen Alterthums⸗ freundes, der gar bald, namentlich fuͤr die aͤgyptifchen Alterthuͤmer unſerm Norden eine ſolche Vorliebe ein⸗ floͤßte, daß dieſer vor Begierde brannte, einmal nur an den Ufern des Nil ſeyn zu koͤnnen. Da kam auf einmal zu ſeiner Freude der Befehl ſeines Mo⸗ narchen, Koͤnig Chriſtian VI., nach Aegnpten zu reiſen. In der Kuͤrze belehrte ſich Norden bei ſachkun⸗ digen Maͤnnern noch uͤber das Nothwendige zu einer ſolchen Reiſe, ging nach Livorno, ſchiffte ſich hier ein, und ſtieg, nach einer Seereiſe von 30 Tagen, im Monate Jul ius des Jahres 1737 zu Alexandrien an das Land. Den Seefahrenden bietet Alerandrien 2 Haͤ⸗ fen dar, den alten und den neuen; in letzteren einzu⸗ ſchen Ausgabe des erſteres Werkes bereichert. Breslau u. Lpzg. 1779 8. 2 Theile. Zugleich erſchien eine engliche Ueberſetzung zu London 17713. 8. 2 Baͤnde; und noch eine franz. Aus⸗ gabe zu Paris von Langlés in 3 großen Quart⸗ banden mit so Kupfern.(Vergl. Nachr. v. d. Zuſtande d. Wiſſerſch. in Taͤnemark St. 19. S. 343. Rotermund's Gel. Lex. VI. 812. 338 laufen, iſt Chriſten nur erlaubt. Die Muſelmaͤnner ha⸗ ben ſich den alten, beſſeren und ſicheren Hafen vorbe⸗ halten. Den Eingang in den neuen Hafen ſah Nor⸗ den durch 2 ſchlechte Kaſtelle verwahrt und von da beſtreichen, welche den Namen des großen und kleinen Pharillon fuͤhren. In der Mitte des erſten Ka⸗ ſtells ſteht ein Thurm, worauf eine Leuchte Nachts ausgeſteckt wird, deren Licht aber ganz elend iſt. Hier war hochberuͤhmt im Alterthume Pharos. Dieſe beiden Pharillons ſind durch einen Damm mit dem feſten Lande verbunden. Vom Hafen bot ſich Alexandria mit ſeinen Minarets, Denkſaͤulen und Obelisken in einem anziehenden Bilde dar. Wie man an das Land geſtiegen war, begab man ſich zum Zollhauſe ſogleich, und bezahlte fuͤr ſeine Sachen eine maͤßige Abgabe. Kein Gut eines Reiſen⸗ den wird als Kontrebande betrachtet. Die Kaufmanns⸗ Waaren entrichten eine Abgabe nach der Tarxe, welche der Großherr ſeinen Unterthanen auferlegt hat, oder vielmehr nach dem feſtgeſetzten Zollgelde, woruͤber der Großherr mit den Europaͤiſchen Maͤchten, deren Un⸗ terthanen nach Alex audrien Handel treiben, und der guten Ordnung wegen daſelbſt Konſuls haben, ſich verglichen hat. Der Baſſa von Kairo verpachtet alle 2 Jahre dieſes Zollhaus. Gemeinlich ſind Juden die Paͤchter. Ein ſolcher wird aber oft mißhandelt, ſogar von den Tuͤrken erſchlagen, wie es kurz vor Norden's Aukunft geſchehen war. 339 Der Kaufmann, dem der Reiſende empfohlen iſt,. pflegt ihn meiſtens nicht alein der Unterſuchung der Zollbeamten zu uͤberheben, ſondern ihn auch mit Woh⸗ nung und Verkoͤſtigung zu verſehen. Alexandrien, welches vor Zeiten den Welthan⸗ del trieb, fand Norden nur als einen Ort, wo Schiffe anlanden koͤnnen. Die praͤchtigſten Tempel / ſind in ſchlechte Moſcheen, die herrlichſten Palaͤſte in ſchlecht gebaute Wohnhaͤuſer verwandelt worden. Die Stadt iſt in Alt⸗ und Neu⸗Alexandrien ein⸗ getheilt. Namentlich im erſteren Stadttheile fand Norden lauter Schutt und Truͤmmer, und nichts kann die Aufmerkſamkeit auf ſich ziehen, als eine kleine Anzahl Moſcheen, Kirchen, Gaͤrten und Ciſter⸗ 4 nen. Letztere ſind im beſten Zuſtande erhalten, damit man die neue Stadt mit Waſſer verſorgen koͤnne. Die* jetzige Mauer von Alexandrien iſt wohl von den Sarazenen erbaut; ihr Geſchmack iſt kenntlich daran. Zudem koͤnnen es keine, als dieſe Horden geweſen ſeyn, die von ſo koſtbaren Stuͤcken fremden Marmors, der in Aegypten einen ſo großen Werth hat, oder aus den Reſten von Alterthuͤmern Mauern auffuͤhrten. Der weite Umfang des alten beruͤhmten Alexandriens iſt in dem neuen auf einen kleinen Strich Landes, zwwiſchen den beiden Hafen in die Enge getrieben.* An der Stelle eines vormals wohlhabenden und zahlreichen Volkes iſt eine kleine Anzahl fremder Han⸗ dels⸗ und Handwerks⸗Leute, und eine Menge elen⸗ 340 1 der armſeliger Menſchen gekommen, die lauter Knechte ihrer Herren ſind, von denen ſie abhaͤngen. Die Bewohner Alexandriens ſind Tuͤrken, Chriſten verſchiedener Meinungen, und Juden. Die meiſten Muſelmaͤnner, die in der Stadt woh⸗ nen, ſind Handwerker, Kuͤnſtler, Kraͤmer; Kaufleute vom Range gibt es ſelten unter ihnen. Chriſten, koptiſche, griechiſche und armeniſche, ſind in großer Anzahl vorhanden. Sie behelfen ſich genau, oft kuͤmmerlich, auf eben dem Fuße wie die Tuͤrken; doch mit dem Unterſchiede, daß ſie ſehr in Verachtung ſtehen. Der koptiſche Patriarch dieſer Stadt(mei⸗ ſteus in Kairo ſich aufhaltend) nannte ſich den Nach⸗ folger der Apoſtel und Evangeliſten, und in dieſer Wuͤrde duͤnkte er ſich dem Pabſte gleich zu ſeyn. Die Juden hatten Mittel, ihre Handlung weit auszubreiten. Durch ihre Beſtechungen und Raͤnke verſtehen ſie ſich bei den Machthabern in große Gunſt zu ſtellen und viel auszuwirken, obgleich ſie eigentlich weder beſondere Freibriefe, noch einen oͤffentlichen ver⸗ ſprochenen Schutz haben. Ihre Reichen(und das ſind die Juden in Alexandrien faſt allein) gehen des⸗ potiſch mit dem unteren Volke um. Norden be⸗ merkt, daß eigentlich die Juden von Alexandria, Kairo⸗ Aleppo, Konſtantinopel, Junis u. ſ. w. nur Zweige der großen Familien ſeien, die in Livorno gemeinlich ihre Sitze haͤtten. 1 Auch Fremdlinge von anderen chriſtlichen Konfeſ⸗ 341 ſionen, meiſtens Kaufleute und Faktoren„wohnen zu Alexandrien, und alle ſind in dem allgemeinen Namen: Franken, eingeſchloſſen. Norden fand in der Stadt nur 12 franzoͤſiſche, und 2 engliſche Han⸗ delsleute. England und Frankreich hatten, bei Nor⸗ dens Anweſenheit, Konſuln hier; fruͤher hatten auch die Venetianer und Teutſchen welche hier; allein große Bankerotte hatten ihre Handlung und ihren Kredit gaͤnzlich zu Grunde gerichtet. Die Franzoſen begegneten ihrem Konſul mit ausgezeichneter Hoch⸗ achtung. Sonſt war der Handel bluͤhend. Norden ſab wohl mehrere engliſche und tuͤrkiſche Schiffe hier, auch einige franzoͤſiſche, von andern Nationen aber nur ein einziges, ein ſchwediſches. Das hohe Gericht zu Alexandrien bildet ein Kadi. Eine kleine Anzahl Janitſcharen und Aſſafs bilden die Beſatzung der beiden Phanillons und der Stadt. Ein Aga iſt ihr Befehlshaber, der in ei⸗ nem der alten Bollwerke wohnte. 4 Seinen Aufenthalt in Alexandrien benuzte Norden, die Merkwuͤrdigkeiten zu beſuchen, zu un⸗ terſuchen, und abzuzeichnen. 4 Kaum hatte er ſeinen Fuß an das Land geſetzt, ging er durch die neue Stadt nach den Obelisken, den er im Hafen geſehen hatte, bei welchem er aber doch nicht eher anlangen konnte, bis er uͤber eine ein⸗ gefallene Mauer hingeklettert war. Als er hinuͤber 342 war, konnte er durch einen ſteinernen Thurm einen freien Fortgang bis zu dem Fuß dieſes alten Denk⸗ mals nehmen. Dieſer Obelisk wird mit dem Namen der Kleopatra bezeichnet. Er zeigt den Ort, wo der Palaſt dieſer koͤniglichen Buhlerin ſtand, in deren Schoos die roͤmiſchen Welteroberer wie Sklaven ruh⸗ ten. Sonſt aber ſind keine Spuren von dieſem Pracht⸗ gebaͤude, das man auch Caͤſar's Palaſt zu nennen pflegte, mehr uͤbrig. Dieſer Obelisk, der ſich faſt zwiſchen der Mitte auf dem Wege zwiſchen der neuen Stadt und dem kleinen Pharillon befindet, beſtehet aus einem einzigen ganzen Stuͤcke von Granitmarmor. Von ſeinen 4 Sei⸗ ten ſind nur 2 unverletzt geblieben. Die Witterung hatte die meiſte Schuld daran. Die Fußgeſtelle des Obelisken, deren ein Theil verſunken war, ſtehet doch 20 Fuß hoͤher als die Oberflaͤche des Meeres. An der Seite dieſes Obelisken liegt ein anderer, umgeſtuͤrzt, im Verfall gerathen, und faſt ganz in die Erde ver⸗ ſunken. Ueberhaupt fand Norden um dieſe Obelisken herum viele Ueberbleibſel beſchaͤdigter Saͤulen, Bild⸗ hauer⸗Arbeiten anderer Art, und Stuͤckwerke der Bau⸗ kunſt von Marmor, Granit u. d. gl. Solche Obelisken giebt es auch in allen Theilen Aegypten'’s. Ihrer Geſtalt und Bekleidung wegen werden ſie unter die Zahl der Koſtbarkeiten und maje⸗ ſtaͤtiſchen Zierrathen geſetzt. Gemeiniglich ſind ſie aus Granit; und eben dieß erhoͤht ihren Werth. Man kang leicht denken, daß es ſchwer geweſen ſeyn muß, dergleichen Granit zu fin⸗ den. Sie machen ein laͤngliches Viereck aus, das in der Geſtalt einer Pyramide bis zu einer gewiſſen Hoͤhe aufſteigt, nachher aber faſt kegelfoͤrmig ſpitzig zulaͤuft, und ganz oben wie eine rechte Pyramide ausſicht. Eine jede ihrer 4 Seiten iſt meiſtens mit hieroglyphiſchen Figuren geziert; die man eines Theiles, ihrer Schöͤn⸗ heit wegen, mit Verwunderung betrachten, aber auch andern Theils dabei bedauern muß, daß man außer Staunde iſt, ſie zu erklaͤren, und nicht einmal die Hoff⸗ nung uͤbrig hat, daß man jemals wieder in den Stand gerathen werde, ſie verſtehen zu koͤnnen. Nicht alle Obelisken ſind von gleicher Hoͤhe; in Anſehung ihrer Geſtalt aber ſind ſie einander alle gleich. Doch fehlet zuweilen an einigen die Spitze. Ihrer beſonderen Abſicht ſcheinet man ſie, wie Norden ſchreibt, zur Zierath der Thore an den Tempeln, oder Palaͤſten, oder guch zu einem deſto praͤchtigern Anſehen des außerſten Endes der Saͤulen⸗ gaͤuge gebraucht zu haben. Außer dem Obelisken der Kleopatra und den andern umgeſtuͤrzten zu Alexandrien, ſieht man ſolche in allen Theilen Aegyptens, und guch Norden ſah unter andern 2 Obelisken noch auf der Inſel Gieſiret⸗ell⸗peiff, einen aus Granit, den au⸗ dern aus weißem Marmor, dann 2 andere zu Lukoreen 344 am Eingange der praͤchtigen Ruinen des wahrſchein⸗ lich alten Theben, einen andern, ſo groß wie der Obelisk der Kleopatra, zu Matareen, einem Dorfe nahe bei Groß⸗Kairo u. d. gl. m. Nor⸗ den haͤlt die Obelisken zu Lukoreen ohne Zweifel fuͤr das groͤßte Meiſterſuͤck, welches die Kunſt, in An⸗ ſehung dieſer Obelisken, jemals liefern konnte. Beim Beſchauen des Innern der Stadt, beſuchte Norden vor Allem die Kirchen. Die beiden chriſtli⸗ chen, dem h. Markus und der h. Katharinag geweiht, ſind ſo finſter, ſo ſchmutzig, ſo voll Lampen, daß man ſie eher fuͤr Pagoden, als Tempel zur Verehrung des wahren Gottes halten ſolte. In beiden Kirchen ver⸗ richten ſowohl die griechiſchen als koptiſchen Prieſter mit ihren Gemeinden das Gebet. In der Kirche des h. Markus zeigte man Norden den Stuhl, deſſen ſich der Heilise bedient hatte, und in der Katharinen⸗ Kirche ein Stuͤck von dem Blocke, auf welchem die ſchoͤne Heilige enthauptet ward; ja man wollte ihre Blutstropfen daran noch ſehen. Nicht weit vom alten Hafen fand Norden Be⸗ graͤbnißorte, deren kein einziger verſchloſſen war. Sie waren in verſchiedener Form in Felſen eingehauen, und Habſucht und Geiz hatte ſie alle geoͤffnet, um vielleicht etwas Koſtbares darin zu ſinden. Ohngefaͤhr 30— 40 Schritte vom Ufer des Meeres beſuchte er den unterirdiſchen, ſogenannten Tempel. Nur durch eine kleine Oeffnung, mit Fackeln in der 345 Hand, einſchreitend, muß man einen niedern Gang von etwa 20 Schritten gebeugt gehen, kommt nun in einen großen viereckigen Saal, deſſen Decke aus ge⸗ glaͤtteten Tafelwerke war, muß wieder einen Gang durchſchreiten, und tritt endlich in ein unterirdiſches rundes Gebaͤude, welches oben in der Geſtalt eines Bogens und Gewoͤlbes ausgehauen war. Es hatte 4 Thuͤren, eine der andern gegenuͤber. Wohl war das Gebaͤude aus den da befindlichen ſargartig gehauenen Steinen in den Niſchen zu ſchließen, das Begraͤbniß⸗ ort eines Vornehmen, gar eines Koͤniges. Auch bei den Hafen fand Norden in Felſen ausgehauene Grotten, die wegen der Kuͤhle einen Beluſtigungsort darbieten, und wo man, ungeſehen, alles genau, was im Hafen vorgeht, beſchauen kann. Nach dem Grabe Alexand ers, und nach dem beruͤhmten Serapian ſuchte Norden umſonſt. Ueber Ueberbleibſel von ehemaligen bedeckten Spaziergaͤn⸗ gen durch das Roſette⸗Thor geſchritten, kam Norden an die ſchoͤne Saͤule, insgemein die Saͤule des Pom pe⸗ ius genannt.„Niemand aber kann uns, wie ich glaube, „ſchreibt Norde n, ſagen, woher dieſe Benennung zu „leiten ſei. Man weiß, daß Caͤſar Thraͤnen bei dem „Tode dieſes großen Feldherrn vergoſſen hat. Wer aber „kann behaupten, daß er auch ihm zur Ehre dieſes „praͤchtige Denkmal errichtet habe? Billig wundert „man ſich, daß die alten Schriftſteller uͤber dieſen „Punkt ein tiefes Stiliſchweigen beobachten. Ich will I1tes B. Aegppten. I. 3. 2 „mich nicht unterfangen, die Geſchichte dieſer Saͤule „zu geben, bemerke aber, daß ſie wohl zur Zeit der „Ptolomaer errichtet worden ſei.“ 2 Ohne Zweifel iſt die Pompejus⸗ Saͤule die praͤchtigſte, groͤßte, welche jemals nach den Feseln der. korinthiſchen Ordnung gearbeitet worden iſt. Dieſer Saͤuleſchaft beſtehet aus einem einzigen Stuͤcke von roͤthlichen Granit, und das Kapital auch aus einem Stuͤcke von einer andern Marmorart; der Saͤulenſtuhl⸗ aber aus einem grauen Steine, der feiner Haͤrte und fouſtigen Beſtandtheile wegen einem Kieſel⸗ oder Feuerſteine aͤhnlich zu ſeyn ſch Die Saͤule ſoll 144 Fuß hoch ſeyn. Sie iſt ſonſt 9 U eint. noch im guten Staunde er! klein wenig gegen Suͤd, e oſt abgewittert und beſchaͤdigt iſt. e ſehet auf einer kleinen Anhoͤhe, von welcher man 2 angenehme Aus⸗ ſichten at; ein e gegen Alexandrien, die andere aber Gegenden, die Kaual, welcher iſt, um das Nilwaffer Nach iten, umgeben. Ein Araber usie di ſe S tis einmal durch ein Faͤßchen Pulver, das er in die Grundlage eingrub, in die Luft ſyrengen, um ſich des eingebildeten Schatzes darin zu bemaͤchtigen. Zum Gluͤcke, da er ein ſchlech⸗ ter Mineur war, gelang ihm dieß nicht. Nicht weit von der Pompeius⸗Saänſe beſucht⸗ 347 Norden die Todtengewoͤlbe oder ſogenannten Kata⸗ eomben; fand aber nichts mehr als einen laugen un⸗ terirdiſchen Gang, wo gar nichts zu ſehen und zu be⸗ merken war. 4 Bei dem Kanal, auch der Kanal der Kleo⸗ batra genaunt, welcher jaͤhrlich friſches Waſſer aus dem Nil nach Alexandrien bringt, aber recht. ſchlecht gehalten war, traf unſer Reiſende ein Bedui⸗ uen⸗Lager. Die Beduinen(Bedewi, Bedami, Bewohner der Wuͤſte) ſchwaͤrmen als Nomaden herum. Raub iſt ihr Hang, aber auch paart ſich Grauſamkeit dazu. Doch halten ſie die Rechte der Gaſtfr undſchaft fuͤr heilig, und der wehrloſe Feind iſt ihres Schutzes gewiß, wenn ihm einmal Zuflucht geſtattet war. Sie ſind ſchlank, von mittlerer Groͤße, nervig, grob von Knochen, ſehr braun von Farbe, braunroth, faſt ſchwarzbraun. Ihre Zuͤge ſind regelmaͤßig, ſtark; ihre Augen liegen tief, ſind aber groß, hell, ſchwarz und lebhaft, ohne heiter zu ſeyn. Das Haupthaar laſſen viele wachſen, und zwanglos herabhaͤngen, au⸗ dere ſcheeren den Kopf bis auf eine ſtarke Locke auf dem Wirbel. Der Bart uͤber der Lippe wird geſcho⸗ ten, der Bart am Unterkinn aber mit Sorgfalt ge⸗ pflegt, mit großer Ehrfurcht bewahrt, im Ge ſpraͤche oft ſelbſtgefaͤlig geſtreichelt, beim Gruße ſogar gekuͤßt. Was aber von Haupt⸗ und Barthaaren zu ſehen iſt, wird mit einer glaͤnzend rothen Farbe angenrichen. — Die Frauen haben eine weißere Hautfarbe. Ein Maͤdchen, das ſchoͤn heißen ſoll, muß ſich durch große hervorſtechende ſchwarze Augen, den Gazellen oder An⸗ tilopen aͤhnlich, auszeichnen. Weiber wie Maͤnner geben ihren Lippen und Armen eine violette Farbe, aus Fiſchgalle zubereitet, Useiam genannt, welche in die Haut eindringt. Die Tracht iſt nach den Vermoͤ⸗ gens⸗Umſtaͤnden verſchieden. Weder Maͤnner noch Weiber tragen aber Beinkleider. Von allen Nachbarvoͤlkern bedroht, lebt der raͤu⸗ beriſche Beduine in ſteter Wachſamkeit, arm, un⸗ wiſſend, wild und roh, aber frei und auf ſeine Frei⸗ heit ſtolz. Als Norden einmal durch das Roſette⸗Thor ging, nahten ihm 20 ſolcher Maͤnner, ihre Luſt, ihn zu pluͤndern, nicht verbergend; allein der unſern Daͤ⸗ nen begleitende Janitſchar hielt ſie doch gluͤcklich ab. Man thut wohl, bei den Reiſen durch Aegypten einen Janitſcharen in ſeine Dienſte zu nehmen; man kann fuͤr wenige Koſten einen haben. In ſeiner Ge⸗ ſellſchaft wird Niemand ſich unterfangen, dem Reiſen⸗ 1 den Leid zuzufuͤgen. Auch iſt es raͤthlich, tuͤrkiſch ſich zu kleiden. Ein Knebelbart und eine ernſthaft anſehn⸗ liche Miene, meint Norden, ſei in dieſem Lande gut angebracht. Keinem Fremden aber iſt raͤthlich, und Gefahr droht ihm, wenn er die Schwachheit begehet, ſich in Liebeshaͤndeln zu verwickeln. Oft ſind junge Euro⸗ 349 paͤer in Alexand rien und anderen aͤgyptiſchen Orten umgekommen, oder beim groͤßten Aufwand des Geldes doch ſo betrogen worden, daß ſie feile Dirnen ſtatt Damen vom Stande umarmt haben. Waͤhrend ſich Norden zu Alexandrien auf⸗ hielt, kam auch ein tuͤrki ſches Geſchwader nach dieſer Stadt, welches zum damaligen Kriege zwiſchen der Pforte und Deſtreich die 3000 Janitſcharen und Aſſafs abholt, welche Aegypten ſtellen mußte. Waͤh⸗ rend der 2 Monate, wo dieſe Soldaten hier lagen, betrugen ſie ſich aber aͤußerſt ſchlecht, begingen die fuͤrchterlichſten Unordnungen und Ausſchweifungen, beraubten um die Stadt herum vorzuͤglich die Reiſen⸗ den, und geriethen endlich, die beiden Abtheilungen der Janitſcharen und Aſſafs, die einander haſſen, ſelbſt feindlich hinter einander. II. Kairo. Alexandrien verlaſſend, reiſte Norden nach Kairo, und es war der 1. Julius 1737, als er in dieſer Stadt eintraf. Dieſe Hauptſtadt von Aegypten, die groͤßte in Afrika, wichtig am Handel, wird auch Groß⸗Kaj⸗ ro, Kahira, oder im Arabiſchen Maffer genannt. Sie liegt an der Oſtſeite des Nils, eine halbe Stunde entfernt, am rechten Ufer„ein wenig uͤber der Stelle, wo ſich dieſer Fluß in 2 Arme ſo theilt, daß er das ſogenannre Delta macht. 4 Da Kairo die Hauptſtadt Aegyptens iſt, und 3 Norden dieſes Land bereiſte, duͤrfte es nuͤtzlich ſeyn, einen ſchnellen Blick auf dieſes Land zu werfen. Das eigentliche Aegypten beſtehet bloß aus den Ufern des Nils und denen der Kanaͤle und Seen, welche von dieſem Fluſſe ausgehen. Hier allein findet — man Felder von erſtaunungswuͤrdiger Fruchtbarkeit, zahlreiche Staͤdte und Doͤrfer. Hier bluͤhten einſt die ſo beruͤhmten Staͤdte Memphis, Theben, Hermopolis, Antinan, Apolinopolis und mehrere andere, deren Ruinen noch den ehema⸗ ligen Glanz beurkunden. Die lachenden Fluren, die Wohnſtaͤtten, die in Ober⸗Aegypten ſo haͤufigen alten Truͤmmer, bilden rechts und links des Nils, auf eine Breite von 4—5 Stunden, ein lebendiges Ge⸗ maͤlde, welches dieſen ſchoͤnen Strom einfaßt. Das fruchtbare Thal Aegyptens, welches der Nil bewaͤſſert, iſt 2v0 Stunden lang. Dieſer Strom, deſſen Lauf Soo Stunden betraͤgt, tritt bei der In⸗ lel Elephantine in Aegypten ein, welches er durch ſeine regelmaͤßigen Ueberſchwemmungen, die durch viele Kanaͤle befoͤrdert werden, ſo ſehr befruch⸗ tet. Er durchſtroͤmt ruhig und majeſtaͤtiſch das 450 Stunden lange, und im Durchſchnitte Stunden breite Thal von Ober⸗ und Mittel⸗Aegypten (Sad und Weſtanich) bei Kairo, wo er 3000 Fuß hreit iſt, tritt er in Nieder⸗Aegypten(Bahire) eiin, und theilt ſich bald hernach in 2 Arme, die das 1— — — 351 durch ſeine Ueberſchwemmungen ſo fruchtbare Dreieck, Delta genannt, bilden, deſſen Bahn an der Mee⸗ reskuͤſte, von Bluſium his an den Thurm der Ara⸗ ber bei Alexandrien 60 Stunden betraͤgt. Der weſtliche Arm faͤllt bei Roſette, der oͤſtliche bei Damiette in das mittellaͤndiſche Meer. Im Alter⸗ thume hatte der Nil 7 Muͤndungen. In den obern Gegenden unterhaͤlt der Nil eine große Anzahl Kanaͤle und Seeu, welche ſich nicht weit von ſeinen tte erſtrecken. Bei ſeiner Annaͤhe⸗ 9 6 rung an das Mittelmeer theilt er ſich und ſtroͤmt in mehreren Muͤndungen und vielen Leitungen in die See, ſo daß er auf den Charten einem Baume gleicht, deſſen zahlreiche Wurzeln ſich in das Meer ſenken, und deſſen hoher Stamm ein dichtes, allein nicht weit ausgebreitetes Laubwerk erzeugt. Der Flugſand der Wuͤſte verengt taͤglich dieſen fruchtbaren Landſtrich, welchen ein Selaven⸗Geſchlecht zum Vortheile eines Tyrannenſtammes bebaut.— Das Nilthal iſt auf beiden Seiten von einer felſigen Bergkette begrenzt. Um die Mitte Juni(ur Zeit der Sonnenwende) faͤngt der Nil an zu ſteigen; in der erſten Haͤlfte des Auguſts tritt er uͤber ſeine hohen Ufer, und das Thal des eigentlichen Aegyptens iſt dann bis zum Ok⸗ tober uͤberſchwemmt; die 3 folgenden Monate iſt es gruͤnend und kothig, den uͤbrigen Theil des Jahres trocken und ſtaubig. Denkt man ſich auf dieſem Bo⸗ den Doͤrfer von Koth und zerbrochenen Ziegelſteinen 35² erbaut, Minarets, ungeheure Ruinen, zerlumpte und nackte, eckelhafte menſchliche Geſtalten, Buͤffel, Ka⸗ mele, Feigen⸗ und Dattelbaͤume, Seen, Felder von außerordentlicher Fruchtbarkeit, und wieder ganz wuͤſte Strecken, ferner eine brennende Sonunenhitze, welche nie durch Regen oder Wolken gemildert wird— ſo hat man ein Bild der phyſiſchen Beſchaffenheit des Landes. 3 Aegypten, einſt die Kornkammer Rom's, ſpaͤter Konſtantinopels, bringt Getraide, Reis, Gemuͤfe, Flachs, Hanf, Zucker, Indigo, edle Fruͤchte und Gewuͤrze, Marmor, Salpeter, Natrum ꝛc. in Menge; allein an Brennholz fehlt es ganz. Außer den europaͤiſchen Hausthieren und dem ſo nuͤtzlichen Ka⸗ mele, giebt es reißende Thiere, Flußpferde, Kroko⸗ dille und Schlangen in dieſem Lande, beſonders auch viel Gefluͤgel— in der Wuͤſte ganze Heerden von Straußen. Jenſeit dieſer oben beſchriebenen ſchoͤnen Landſchaft iſt die Wuͤſte, ein Sandmeer, deſſen Einfoͤrmigkeit nur von einigen Zelten der Beduinen, und von einzelnen, auf weite Strecken von einander entfernte Brunnen unterbrochen wird. Aegypten, die Wiege der Wiſſenſchaften und Kuͤnſte, dieß klaſſiſche Land, welches die beruͤhmteſten Denkmaͤler des Alterthums enthaͤlt, war bekanntlich unter den Phargonen und Ptolomaͤern ein un⸗ abhaͤngiges Koͤnigreich, und beſonders unter den letz⸗ 353 teren durch Wiſſenſchaften, Kuͤnſte, Handel und Reichthum ausgezeichnet. Mit der ſtolzen, prachtlie⸗ benden und buhleriſchen Kleopatra endete das Ge⸗ ſchlecht der Ptolomaͤer, und Aegypten ward 30 Jahre vor Chriſti Geburt eine Provinz der Noͤmer, welche die groͤßte Wichtigkeit auf deſſen Beſitz, ſowohl in mi⸗ likaͤriſcher Hinſicht, als ſeiner großen Fruchtbarkeit wegen, ſetzten. Ohne daß wir hier die vielen merk⸗ wuͤrdigen, nachherigen Begebenheiten anfuͤhren, was zu weit fuͤhren muͤßte, erwaͤhnen wir bloß, daß das Land unter der Herrſchaft der morgenlaͤndiſchen Kai⸗ ſer blieb, bis es im 7. Jahrhunderte(640 n. Chr.) von Amru, Feldherrn des Kalifen Omar, erobert wurde. Aegypten blieb nun unter der Herrſchaft der Kalifen und der Nachkommen des großen S aladin, im 12. Jahrhundert Sultan von Aegypten und Sy⸗ rien, bis im 13. Jahrhundert die Dynaſtie dieſes letz⸗ ten Helden durch die Mamelucken verdraͤngt wurde. Die Mamelucken(von dem arabiſchen Mem glik, ein Selav) kamen zuerſt nach Aegypten, als im 13. Jahrhundert der Monarch dieſes Reiches, Nodſch⸗ maddin, 12,000 von den Selaven kaufte, als welche der aſiatiſche Eroberer Oſchingiſchan bei ſeiner Verheerung Aſiens die Einwohner(hier meiſtens Geor⸗ gier) verkaufte, und aus ſolchen ein Korps bildete, welches aber bald rebelliſch ward, den Sultan Turan Schah ermordete, und im Jahre 1254 aus ſeiner 354 Mitte den Mamelucken Hegh zum Sultan Aegyp⸗ 5 tens erhob. So her Mamelucken 263 Jahre in Aegypten, und furchtbaren Despoten vernichteten alle Uebe er ehemaligen Groͤße und Kultur des Landes vollends. Selim l. tuͤrkiſcher Kai⸗ i d ſee eroberte 1547 Aegypten, und das Land ward uͤrkiſche Provinz. Seitdem wird 3 von Paſchas re⸗ en denen der Sultan 24 Bey's oder Fuͤrſten zu⸗ gab, die aus den vunige 3 Sjern ſchern dieſes Landes, Ihr Wirkungskreis hh ſchraͤnken, den tuͤrkiſches 1 geuld eben in der einen Verwaltung des Landes iu auch ſollte dieſer Mamelucken⸗Divan eine Art Gegengewalt gegen den Paſcha bilden, damit ſich dieſer nicht etwa die Alleinherr chaft anmaſſe, und von der Pforte unabhaͤngig mache; allein nach und nach wußten die Bey's ihr ganzes Anſehen wieder zu ei ngen, und bald hatten die Baſchas(Paſe chas) nur noch einen Schatten von Gewalt. Empoͤrungen und Auflehnungen gegen die Pforte und deren Stel⸗ vertreter waren oft wie an der Tagesordnung. Als Korden zu Kairo war, war eine Empoͤrung im Lande, welche allgemeine Unordnung erzielte, und un⸗ terhielt. Der Anfuͤhrer Salem Cachef, hatte die Tochter eines Scheicks geheirathet, und unter dem Schirme dieſes Beſchuͤtzers that er, was er wollte, pluͤnderte namentlich, und ermordete alles, was von Kairo kam.— Erſt in der neueſten Zeit gelang es 355 dem jetzigen Baſcha von Aegypten, Mehmed Ali, die Beys niederzudruͤcken, und die Mamel ucken aus dem Lande groͤßtentheils zu ve erdraͤngen, oder auch zu vertilgen, wozn er ſchlechte Mittel gebrauchte. Durch die Selaverei Thiere herabgeſunken, ſind die Aegyotier feige, habſuͤchtig und aberglaͤubiſch. Sie wenden alle Mittel an, um Geld zu gewinnen, allein die Furcht, von den Mamelucken und Tuͤrken beraubt zu werden, macht, daß ſelbſt die Reichſten den Schein der Armuth annehmen. Die Kuͤnſte, die nur unter der Freiheit gedeihen, ſind ihnen unbe⸗ kannt. a wird nicht leicht ein fruchtbareres Land, und ein elenderes Volk antreffen. Die Haͤuſer ſind von Koth, oder Bruchſtuͤcken anderer Ge ebäude gebaut; eine Strohmatte und 2— 3 irdene fe ſind das gunze Hausgeraͤthe. Unaufhoͤrlich beraubt und gemiß⸗ handelt, dulden die Aegypter die peinlichſte und un⸗ gerechteſte Behandlung mit einer auffallenden Gleich⸗ guͤltigkeit: gelaſſen beruhigen ſie ſich mit den Worten: Allah Kerim!(wie Gott will). Der Mamelucken Erziehung beſchraͤnkt ſich darauf, den Koran auswendig zu wiſſen, die wichtigſten mor⸗ genlaͤndiſchen Sprachen zu ſprechen und treffliche Rei⸗ ter zu ſeyn. Sie ſind Selaven von allen Nationen, namentlich aus Georgien und Circaſſien, wel⸗ che die Bey's erkauften, deren Truppen ſie bilden, und von denen ſelbß die meiſten einſt Mamelucken waren. Sie unterſcheiden ſich durch ihr blondes Haar 3⁵⁷ oon den uͤbrigen Bewohnern des Landes. Sobald ſie alt genug ſind, die Waffen zu fuͤhren, empfangen ſie zu ihrem Unterhalte irgend ein Dorf, nebſt ſeinen Bewohnern, als Eigenthum, welche ſie durch man⸗ cherlei Mißhandlungen druͤcken, um die Einkuͤnfte zu vermehren, die ſie aus deren Arbeiten ziehen. Zuwei⸗ len ereignet es ſich, daß dieſe ungluͤcklichen F ellahs (leibeigene Bauern) zur Verzweiflung gebracht, in Maſſe ihre Huͤtten verlaſſen, und in die Wuͤſte ent⸗ fliehen. Von Hunger zuruͤckgetrieben, greifen ſie die Wohnungen an, welche ſie erreichen koͤnnen, und be⸗ rauben ſolche; hierauf ziehen ſie ſich von Neuem zu⸗ ruͤck, um wieder zu kommen„ ſobald ſie ihre Beute verzehrt haben. Dieſer Urſache ſchreibt man beſonders die zunehmende Entvoͤlkerung Aegyptens zu. Die Ma⸗ melucken ſind unerſchrocken, ſtets bewaffnet und treff⸗ lich beritten. Die Araber ſind unter allen bekannten Voͤlkern die unabhaͤngigſten, und am meiſten zum Raube ge⸗ neigten. Sie, vorzuͤglich die Beduinen, wohnen in der Wuͤſte unter Zelten, welche ſie ſchnell von ei⸗ nem Punkte zum andern bringen, je nach ihren Be⸗ duͤrfniſſen oder Launen. Sie theilen ſich in Horden oder Staͤmme, welche keine Ueberlegenheit unter ein⸗ ander anerkennen. Beim Schluſſe des vorigen Jahr hunderts zaͤhlte man ohngefaͤhr 60 ſolcher Staͤmme, welche 120,000 Koͤpfe zaͤhlten, und 18— 20,000 Reiten ſtellen konnten. Wer nicht zu ihrem Stamme gehoͤrt, 357 und irgend etwas beſitzt, was ihhen gefaͤllt, iſt gebor⸗ ner Feind der Araber. Aegypter, Mamelucken, Rei⸗ ſende, ſelbſt Araber von andern Staͤmmen, haben ihr Begegnen und ihre Unternehmungen gleich ſehr zu be⸗ fuͤrchten. Stets umherirrend, die Bedeutung des Wortes Vaterland nicht kennend, ſtuͤrzt ſich der Beduine ploͤtzlich auf die Wohnſtaͤtte, auf die Kg⸗ ravanen, greift ſie an, beraubt ſie und verſchwindet ſo ſchnell, als er kann, um einige Stunden weiter ſeine Naͤubereten von Neuem zu beginnen. Sie lie⸗ ben dieſe herumirrende abentheuerliche Lebensweiſe ſo ſehr, daß man ſie niemals dahin bringen konnte, Staͤdte oder die Ufer des Nils zu bewohnen, an wel⸗ chen man zhnen haͤufig Wohnungen und fruchtbare Felder anbot. Sie verachten ſogar im hoͤchſten Grade die Aegypter, welche das Land bebauen. Die Kuͤhn⸗ heit der Araber laͤßt ſich nur mit ihrer außerordentli⸗ chen Maͤßigkeit vergleichen. Ihr Reichthum beſteht in Heerden, in Kamelen, Dromedaren und beſonders in Pferden, deren Behendigkeit die Neigungen ihrer Herren wunderbar unterſtuͤtzt. Man kann ſich leicht eine Idee von dem Schick⸗ ſale der ackerbauenden Aegypter machen, welche zwi⸗ ſchen die Unterdruͤckung der Mamelucken, der Tyran⸗ iei des Baſcha und der Raubſucht der Araber geſtellt ſind.— So bilden alſo die Bewohner Aegyptens keine Nation, ſondern ein Gemiſch von Arabern, Otto⸗ nanen, Kopten, Griechen u. ſ. w. alle gleich un⸗ 358 wiſſend, aberglaͤubiſch und feig, und von wenigen Mamelucken lange beherrſcht: denn der Baſcha von Kairo hatte bis zu unſern Zeiten kaum noch den Schatten von Gewalt. 1 Kairo beſteht eigentlich⸗ aus drei Stadttheilen, 1) dem Alt⸗Kairo, 2) Groß⸗ yder Neu⸗Kairo und 3) Bulak.— Bulak und Alt⸗Kairo ſind Haͤfen und Vorfſtaͤdte eigentlich vom Groß⸗Kairo. Letzteres iſt auf dem Platze des alten Babylon, oder Meſr von den Moslemins im Jahre 973 erbaut, und iſt jetzt in die Enge ſo gezogen, daß ihr Umfang nicht uͤber 2 engliſche Meilen betraͤgt. Hier iſt ein Hafen fuͤr die Fahrzeuge, welche aus Ober⸗ Aegypten anlangen. Der Hafen und ſeine Haͤuſerumgebung Bulak, kann Aaeneliih als dritte Stadt angeſehen werden. Sie liegt an der Oftſeite des Nils, und hat gegen Norden den Kanal, welcher das Nilwaſſer nach Groß⸗Kairo fuͤhrt. Groß⸗ vder Neu⸗Kairo liegt etwa eine Meile vom Fluſſe, und erſtreckt ſich oſtwaͤrts faſt ⸗ Meilen nach dem Gebirge zu. Dieſe Stadt hat etloae 2 Meilen im Umfange. Mauern und Thuͤrme umgeben die Stadt, in der 4 Thore von den Mamelucken angelegt ſind. Ein Ka⸗ nal durchſchneidet Kairo; eine Citadelle beherrſcht ſie, auf einer Anhoͤhe angelegt, die aber bei Norden's Zeit keinen Angriff aushalten konnte. Die Straſſen ſind wie in allen tuͤrkiſchen Staͤdten enge, und nicht gepflaltert, die Haͤuſer zwar hoch, aber von Erde und Ziegelſteinen, wie uͤberhaupt in Aegunte en, und meiſt rund um einen Hof her gebaut, die Fenſt er nach In⸗ nen. Die Bauart der. Straſten ſoll den Zwek habe u, vor der So Es moͤgen ein halbes Dutzend Noſcheen mit Mi ngretten ſeyn. Die Juden haben ſine Synagoge. ie koptiſchen Chriſten beſitzen eine Kontrade oder eine Art Kloſter, mit ver⸗ ſchiedenen eemnen Eine bher Kirchen iſt beſonders merkwuͤrdig wegen der Grotte darin, wo die h. Jung⸗ frau Maria auf ihrer Flucht nach Aegypten geruhet haben ſoll. Die, Katholiken haben ein Hospital mit einer Betſtube, welches mit aus dem ge⸗ lohten Lande beſetzt iſt. Sie duͤrfen aber auch jaͤhrlich, gegen Tribut an die Kopten, eine h. Meſſe in Ma⸗ rien's Grotte leſen. Joſeph'’s Kornhaus nimmt einen großen vier⸗ eckigen Raum ein, und iſt mit einer Mauer umgeben. In den inneren verſchiedenen Abtheilungen liegt das Zinskorn, fuͤr den Großheerrn aufgeſchuͤttet, hier faſt unbedeckt. Hinter dem Schloſſe beüindet ſich der Joſephs⸗ Brunnen, ein ſchoͤnes, ſeltenes Stuͤckk. Man nennt dieſen Brunnen alſo, entweder, weil die Aegyptier einen Gefallen daran finden, dieſem großen Mann das Merkwuͤrdigſte immer nzuſchreiben, oder weil vielleicht dieſes eine Erzaͤhlung und Meinung iſ, di 19 ihrem Lande fortgepflanzt wurde, Zum wenigen 360 iſt es ein Beweis, daß dieſes Werk an ſich ſehr alt iſt. Dieſer Brunnen iſt zweifach uͤbereinander in lebendi⸗ gen Felſen eingehauen, und von einer entſetzlichen Tiefe. Man ſteigt zu dem Waſſer⸗Behaͤlter, der zwi⸗ ſchen beiden Brunnen iſt, eine Treppe hinab, die 220 Stufen hat, und ohngefaͤhr 7— s Fuß breit iſt. Man kann gut hinabkommen; ſogar die Ochſen koͤnnen leicht hinzukommen, welche gebraucht werden, um Waſſer herauf zu ziehen. Dieſes kommt aus einer Quelle, welches faſt die einzige im Lande iſt. Die Ochſen zie⸗ hen beſtaͤndig ein Rad herum, woran ein Seil haͤngt, an welchem verſchiedene Waſſer⸗Eimer angebracht ſind. Wenn das Waſſer auf ſolche Weiſe aus der erſteren, als dem tiefſten Brunnen gezogen iſt, ſo laͤuft es durch eine kleine Rinne in einen Haͤlter, welcher den Boden des zweiten Brunnens ausmacht, woraus es auf gleiche Weiſe gezogen wird. Und von da vertheilet es ſich in dem ganzen Schloſſe durch verſchiedene Roͤh⸗ ren. Das Waſſer ſchmeckt etwas ſalzig, und wird nur etwa bei Belagerungen getrunken. Es giebt auch zu Kairo noch verſchiedene Baͤder und einige davon ſehen inwendig ganz artig aus. An dieſen Orten pflegen ſich die Tuͤrken zu verſammeln, theils aus dem Grunde ihrer Religion, um ſich zu rei⸗ nigen, theils ſich zu erfriſchen und zu vergnuͤgen. Den groͤßten Theil der Gebaͤude in Alt⸗Kairo machen die Luſthaͤuſer der Vornehmen aus. Norden traf aber in ihnen nichts ſonſt, als weitlaͤufige oder 361 ſchlecht eingerichtete Saͤle nebſt 3— 4 Divans, dieſe ſind aber weiter nichts, als kleine Hoͤlen, die eine Art von Labyrinth vorſtellten. Sie dienten nur dazu, daß der Hausherr ſeine Weiber und Odaliken nach Belieben ſehen, aber doch keine von dieſen in das Be⸗ haͤltniß der andern ſehen, noch wiſſen konnte, was darin vorging.— Es gibt da eine Menge Gaͤrten auch, und die Palmen und Weinſtoͤcke nehmen viel Land ein. In der Mitte des Nils zwiſchen Alt⸗Kairo und dem Orte Gize(Gizeh) liegt die Inſel Rodda (Roudah), auf welcher der Mokkias(Mikkias), oder Megyas ſtehet, und merkwuͤrdig iſt. Man bemerkte dann mittels dieſer errichteten und nach Graden ab⸗ getheilten Saͤule hier alle Tage das Steigen und Fal⸗ len des Nilwaſſers. Nach dieſem richten ſich dann die oͤffentlick en Ausrufer, welche es in verſchiedenen Stunden durch die ganze Stadt uͤberlaut verkuͤnden, wie es in beiden Faͤllen mit dem Waſſer ſteht. Nach arabiſchen Geſchmack iſt dieſer Thurm angelegt. Ne⸗ ben ihm ſteht eine große Moſchee. Auf dieſer Inſel ſoll Moſes von der Tochter des Pharao gefunden worden ſeyn. 4 Nahe an Kairo findet man die ſogenannte Stadt der Todten oder Graͤber, welche groͤßer iſt, als Kairo felbſt; hier haben alle Familien ihre Begraͤbniſſe, und eine Menge Moſcheen, Minarets und Kuppeln bewah⸗ ren das Andenken der hier ruhenden Großen. Selbſt l1tes B. Aegypten. I. 3. 8 362 das Volk hat ſſeine Grabmale, welche ſich nach den Quartieren unterſcheiden. In der Nachbarſchaft, namentlich von Alt⸗ Kairo, beſonders aber gegen Oſt zu, iſt nichts An⸗ genehmes und Reizendes fuͤr das Geſicht. Man hat nur kahle Huͤgel vor ſich, die aus Schutt und Aſche zu beſtehen ſcheinen. Eine halbe Meile von Alt⸗Kairo gegen Suͤd trifft man die große Moſchee des Atter⸗Ennaby, die auf einer Landſpitze an dem oͤſtlichen Ufer des Nils gebaut iſt. Sie ſtehet in hohen Ehren bei den Mos⸗ lemins, denn der erſte Chalife Omar ſoll den Ein⸗ druck ſeiner Fuͤße in Marmor hier hinterlaſfen haben. Suͤdlich von der Moſchee beſuchte Norden das Ort Deiir Stin, wo eine Moſchee und ein koptiſches Klloſter ſind. Merkwuͤrdig iſt auch noch bei Kairo das am weſt⸗ lichen Ufer des Nils gelegene Ort Gize, gerade Alt⸗ Kairo und der Inſel Rodda gegenuͤber, weil es auf der Stelle der alten hochberuͤhmten Stadt Menphis gebaut ſeyn ſoll. Zwei Stunden von Gize(Gizeh), gegen Suͤdoſt hin, wenn man 3/4 Stunden in der Wuͤſte zuruͤckge⸗ legt hat, findet man die großen Pyramiden. . III. Pyramiden dieſe rieſenmaͤßigen Begraͤbniſſe. Der ſo kleine, chwache Meuſch ſcheint ſein Nichts an die Swig⸗ —. 383 keit haben knuͤpfen wollen. Von ſo vielen Staͤdten, von ſo vielen Veſten ſend nur noch Truͤmmer uͤbrig ge⸗ blieben; Alles iſt verſchwunden, dieſe ungeheuren Grabmaͤler aber ſtehen noch aufrecht. Es ſcheint, als habe der Tod ſeinen Thron gerade auf dem einzigen Werke von Menſchenhaͤnden aufſchlagen wollen, wel⸗ ches beſtimmt war, Jahrtauſenden zu trotzen. Dieſe Pyramiden trifft man iu der Strecke von Kairo bis Meduun an. Außer der Gruppe der Pyramiden bei Gize, gibt es noch 5 Gruppen, welche uſammen ohngefuͤhr 40, au Groͤße ſehr verſchiedene, Pyramiden enthalten. Sie find viereckige, oben in eine Spitze oder ein kleines Viereck zulaufende, Ge⸗ baͤude, meiſteus von Kalkſteinen, ſeltener von Ziegeln und andern Steinen errichtet, aͤußerlich aber mit groſ⸗ fen Quaderſteinen bekleidet. Man findet dieſe praͤchtigen Denkmaͤler ſonſt nir⸗ gends als in Aegypteu. Die vornehmſten Pyra⸗ miden ſtehen bei Gize. Da verſchiedene Schriftſtel⸗ ler behauptet haben, daß die Stadt Memphis auf der Stelle, wo dieſes Dorf iſt, vordem geſtanden habe, ſo iſt dieſes die Urſache, warum man dieſe die Nyra⸗ miden von Memphis neunt. Vier derſelben ſind der Aufmerkſamkeit der Reiſenden am wuͤrdigſten; 7—s andere ſteht man zwar Uor ch nicht weit davon; allein ſie find wie nichts, in Vergleichung mit den 4 erſten, beſonders, ſeitdem ſie geoͤffnet, und faſt gaͤnz⸗ lich umgeriſſen worden ſind. 8 3 Norden'’s Augenmerk richtete ſich auch auf dieſe 4 Pyramiden. Sie ſtehen auf einer ſchiefen Linie, ohn⸗ gefaͤhr 500 Schritte von einander entfernt, die Facen nach den 4 Himmels⸗Gegenden gewendet. Dieſe Maſ⸗ ſen ſind an Groͤße verſchieden. Die beiden noͤrdlichen Pyramiden ſind die erhabenſten, und Norden be⸗ ſtimmte ihre Groͤße auf 800 Fuß ſenkrechter Hoͤhe. Herodot gab ihre Hoͤhe auch zu so0 Fuß an, und eine Seite der Grundflaͤche eben ſo lang; Strabo gibt ihre Hoͤhe zu 625, Diodor zu 600 Fuß, Savary (wenigſtens die groͤßte) auch zu 600 Fuß, Ader zu 150 Metres(460 Fuß) an, u. ſ. w. Dieſe verſchiedene An⸗ gabe der Hoͤhe mag auf den angewehten Sand ſich gruͤnden. Die Lage der Pyramiden mit threr anſtoßenden Gegend weiſet aus, wie ſie auf Felſen, am Fuße der Gebirge, errichtet worden ſind. Der Felſen, worauf ſie ſtehen, iſt anfangs nicht durchgehens eben gewe⸗ ſen: man hat ihn aber durch Meiſel und andere Werk⸗ zeuge eben gemacht, wie Norden noch an verſchie⸗ denen Stellen, wahrgenommen haben will. Dieſe durch Kunſt gemachte Ebene iſt an der Nord⸗ und Oſt⸗ feite etwas abhaͤngig, wie ſchon geſagt, und dieſes war den Erbauern endlich dazu menlich, daß ſie verſchie⸗ dene breite Wege anlegen konnten, worauf ſie die zu den Pyramiden noͤthigen Bau⸗Materialien zufuͤhren kotnten. Dieſe auf den Felſen gemachte Ebene iſt etwa 8o ſenkrechte Fuß hoͤher, als die Oberflaͤche des 365 Erdbodens, welcher allezeit von dem Nil uͤberſchwemmt wird. In ihrem Umfange aber betraͤgt ſie eine daͤniſche Meile. Obgleich dieſe Ebeue ein aueinander haͤngen⸗ der Felſen⸗Grund iſt, ſo iſt er doch faſt uͤber und uͤber mit leichtem fluͤchtigen Sande bedeckt, welchen der Wind von den hohen daran ſtoßenden Gebirgen wehet. Das einzige dieſer Denkmale, in welches man biß jetzt hat idringen koͤnnen, iſt unter dem Namen der Pyramide des Ch eops bekannt, weil es, wenn man dem Herodot glauben darf, zum Begraͤbniſſe dieſes Koͤniges, der 850 Jahr vor Chriſti Geburt lebte, be⸗ ſtimmt wurde. Die Deffuung, durch welche mau in das Innere dringt, befindet ſich auf der noͤrdlichen Seite, auf einer Hoͤhe von 60 Fuß. Norden beſuchte nun dieſe Pyramide und be⸗ ſchreibt ſie auf folgende Art. Am Eingange angelangt, jagt man einige Piſtolenſchuͤſſe hinein, um die Fleder⸗ maͤuſe zu verjagen. Dann bis auf das Hemd entklei⸗ det, weil es in den Pyramiden immer unert raͤglich heiß zu ſeyn pflegt, trat Norden vorwaͤpts. Dieſe Oeffnung fuͤhrt zu verſchiedenen Gaͤngen, welche, ob ſie gleich auf⸗ und niederwaͤrts, und zwar horizontal, fortgehen, ſich doch alle gegen Suͤd lenken, und end⸗ lich zu 2 Zimmern fuͤhren deren eines unten, das an⸗ dere aber in der Mitte der Pyramide iſt. Mit einem Wachslicht in der Hand muß man in den Gang tre⸗ ten, die Fackeln aber nicht eher auſtecken, bis mau in die Zimmer kommt, weil ztt befuͤrchten ſteht, daß ſie 366 zu viel Rauch und Dampf, und ſomit noch mehr Un⸗ annehmlichkeiten verurſachen moͤchten. Alle dieſe Gaͤnge, den vierten ausgenommen, ſind von einer Groͤße, naͤmlich 31⁄½ Fuß ins Gevierte breit. Sie ſind auch alle auf gleiche Art eingerichtet und an ih⸗ ren 4 Seiten mit großen Steinen von weißem Marmor gefuͤttert, welche ſo glatt ſind, daß man darauf nicht wuͤrde fortgehen koͤnnen, wenn man nicht ein Mittel erfunden haͤtte, darauf fortzukommen. Man hat naͤm⸗ lich von Schritt zu Schritt kleine Loͤcher eingehauen, worein man die Fuͤſſe ſetzen kaun. Und dennoch ko⸗ ſtet es Muͤhe vorwaͤrts zu kommen. Wer einen fal⸗ ſchen Tritt hier thut, der wuͤrde nicht verhuͤten koͤn⸗ nen, daß er zuruͤckſchlaͤge und bis an der Stelle, wo er zu gehen angefangen hat, zuruͤck glitſchte. Wenn man an das Ende der Gallerie, wo ein Weg mit Gewalt durchbrochen iſt, kommt, ſo linder der Be⸗ ſichtiger da eine Oeffnung, die kaum ½ Fuß hoch und 2 Fuß breit iſt. Gleichwohl muß man durch dieſe Oeffnung kriechen. Viele Reiſende pflegen ſich daher auf die Erde zu legen, und zwei, der ſie begleitenden, Araber, welche ſich vor ihnen durch die Oeffnung be⸗ geben hatten, faſſen ſie dann an beide Fuͤſſe, und ſchleppen ſie durch dieſen unbequemen Durchgang, uͤber Sand und Staub hin. Zum Gluͤcke iſt dieſer Durchgaug nicht laͤnger, als 2 Ellen. Iſt man durch dieſen zwar kurzen, aber engen Gang durchgekommen, ſo trifft man gleich einen geraͤumigen Platz an, wo — . 367 man wieder Luft ſchoͤpfen, und ſich erholen kann. Und dieſes macht dann neuen Muth, durch den zweiten Gang zu gehen. Am Ende des zweiten Ganges iſt ein Ruheplatz, und zu deſſen rechter Seite die Oeffnung, durch welche man bis an den Brunnen kommt, doch nicht auf einer Treppe, ſondern vermittels einer ſenkrecht ſtehenden weiten Roͤhre, durch welche man faſt auf die Art, wie der Schornſteinfeger in einen Schornſtein faͤhrt, hinab kommt. Hier findet man weiter nichts, als noch ei⸗ nen andern kleinen Ruheplatz und eine Menge Fle⸗ dermaͤuſe. Am Ende des Ruheplatzes nimmt der dritte Gang, der zum unterſten Zimmer fuͤhrt, ſeinen Anfang. Er geht aber in einer geraden Linie fort. Vor dem Zim⸗ mer liegen einige Steine, welche den Zugang dazu etwas beſchwerlich machen, vielleicht ſonſt den Gang verſperrten. Das Zimmer iſt ſpitzig gewoͤlbt, und ganz mit Granit bekleidet, der anfangs ſehr glatt und helle polirt geweſen ſeyn muß, jetzt aber von dem Dampfe der Fackeln, geſchwaͤrzt iſt. Das Zimmer iſt inwen⸗ dig gleichfalls mit Steinen bedeckt. Wer ſich die Muͤhe nehmen wollte, es zu unterſuchen, wie und woher ſie dahin gekommen ſind, der wuͤrde ſich eben der Be⸗ ſchwerlichkeit, ſo gezerrt und fortgeſchleppt zu werden, als bei dem Uebergange vom erſten zum zweiten Gange geſchehen mußte, blos ſtellen; denn es iſt auch hier eine gewaltſam durchbrochene enge Oeffnung, durch 368 welche noch wenige zu kriechen gewagt haben. Die Wenigen, welche große Neugierde getrieben hat, hin⸗ einzugehen, verſichern, daß der Gang, wozu man durch dieſe Oeffnung kommt, ſich nicht weit erſtrecke und weiter nichts als eine Niſche, oder Vertiefung in der Wand, darin zu ſehen ſei. Hat man das unterſte Zimmer in Augenſchein ge⸗ nommen, ſo geht man wieder durch den geraden Gang zuruͤck, bis man an den Ruheplatz gelangt, welcher dem vierten Gange ſeinen ſchiefen Winkel benimmt, wo⸗ durch er mit dem zweiten verbunden iſt. Der vierte Gang hat auf beiden Seiten aufwaͤrtsgehende Stie⸗ gen, womit er gleichſam eingefaßt iſt. Der Gang ſelbſt iſt ſehr hoch und ſo gewoͤlbt, wie ein ſpitzig zu⸗ gehender Bogen. Der fuͤnfte Gang fuͤhrt zu dem oberſten Zimmer. Ehe man dahin kommt, findet man in der Mitte des Ganges ein kleines Behaͤltniß, das zwar etwas hoͤher, aber nicht breiter, als der Gang iſt. Auf deſſen beiden Seiten ſindet man eine ausgehauene Deffnung in den Steinen, welche vermuthlich dazu beſtimmt war, daß man diejenigen Steine, womit man den Eingang in das Zimmer verſchließen wollte, dahin zog und hineinlegte. Dieſes Zimmer iſt, wie das vo⸗ rige, mit großen Granitſteinen bekleidet und belegt. Das untere Zimmer nennt man das Gemach der Koͤnigin; das obere aber das Gemach des Koͤnigs. Dieſe beiden Zimmer ſind von außerordentlicher Ein⸗ fachheit; nirgends Schmuck, nirgends Verzierungen. * Das Gemach des Koͤnigs entzoͤlt den Sarkophag. Man erſtaunt uͤber das Mißverhaͤltniß, welches zwi⸗ ſchen dieſer kleinen heilgen Staͤtte und dem koloſſalen Gebaͤude herrſcht, welches doch wegen ihrer errichtet wurde. Der Sarkophag iſt aus Granit, wie ein Pa⸗ r llelepipedum geſtaltet, ſonſt aber ohne Verzierung. Korden ſagt, daß dieſes Granitſtuͤck ſehr gut ausge⸗ hoͤhlt iſt, und wie eine Glocke klingt, wenn man mit einem Schluͤſſel daran ſchlaͤgt. Sonſt iſt in dieſem Zimmer nichts zu ſehen, als ein Loch, deſſen Entſte⸗ hung Norden nicht entzifferte; und 2 kleine Gaͤnge, einer nach Nord, der andere aber nach Suͤd. Er meint, es ſei unmoͤglich, jetzt zu fagen„ wozu ſie ge⸗ braucht worden, und wie tief ſie hineingehen, weil ſie mit Steinen und anderen Dingen angefuͤllt ſind, wel⸗ che neug erige Reifende hineingeworfen haben, um zu erfahren, wie weit ſie ſich erſtreckten.— Auch pflegt man in dieſem Gemache einige Piſtolen los zu ſchieſ⸗ ſen, um ſich an dem Kualle, der einem Donnerſchlage gleich koͤmmt, zu vergnuͤgen. 3 Den Ruͤckweg muß man nun auf gleiche Weiſe, hie den Hineinweg, nehmen, und ſich gleichen Be⸗ ſoöwerlichkeiten wieder unterziehen, hauptſaͤchlich, was die vielen Steine und die Menge Sandes betrifft, welhe den Ein⸗ und Ausgang beſchwerlich machen. Kun ermahnt Norden, der Reiſende, ſolle, ſo⸗ bald v aus der Pyramide wieder getreten, ſeine Klei⸗ der ſoweich wieder anlegen, und ſich warm halten. 370 Auch thue er wohl, wemn er gleich ein Glas voll Brantwein oder ſonſt ein ſtarkes Getraͤnke zu ſich neh⸗ me, um dem Seitenſtechen vorzubeugen, welches er ſonſt empfinden moͤchte, wenn er ſich der ſchnellen Veraͤnderung der Luft bloß ſtellte, und aus einer grof⸗ ſen Hitze in eine gemaͤßigtere Luft auf einmal kaͤme. Die große Pyramide beſteht aus mehr als 200 Schichten von Steinen, welche 2— 4 Fuß hoch ſind, und nach oben zu in der Hoͤhe immer abnehmen. Auf dieſen Stufen kann man aͤußerlich den Gipfel der Pyramide erklettern, was viele Reiſende gethan, und oben ihren Namen durch Eingraben verewiget haben; man genießt eine entzuͤckende Ausſicht. Die drei uͤbrigen beruͤhmten Pyramiden ſind faſt von gleicher Groͤße, und ſonſt einander voͤllig gleich; doch mit dem einzigen Unterſchiede, daß die zweite ſo feſt geſchloſſen und verſchloſſen iſt, daß man nicht das geringſte Merkmal an ihr findet, aus welchem man abnehmen knte, daß ſie jemals geoͤffnet worden ſei. Ihre Spitze iſt auf allen 4 Seiten mit Granit⸗ ſteinen bekleidet, welche ſo genau zuſammen befeſtiget, unnd ſo glatt polirt ſind, daß auch der kuͤhnſte Menſch nicht wagen wird, hinauf zu ſteigen. Auf der Oe ſeite ſieht man die Truͤmmer eines Tempels, deſfn Steine von ungeheurer Groͤße ſind; und an der Wſt⸗ ſeite iſt in dem Felſen, auf welchem die Pyrauide ſteht, ein etwa 30 Fuß tiefer Graben eingehaue und ausgehoͤhlet worden. Dieſes zeigt deutlich au daß —— 2* 371 man ſich genoͤthiget gefunden, den Felſen um ſo viel niedriger zu machen, damit ein ebener Grundplatz dar⸗ aus werden moͤchte. Die dritte Pyramide iſt auch verſchloſſen, aber nicht mit andern Steinen bekleidet. Die vierte iſt gleichfalls unbekleidet, verſchloſſen, den vorigen an Bauart gleich, aber hatte, nicht wie ſie, einen Tempel neben ſich. Um dieſe 4 Pyramiden ſte⸗ hen noch viele andere kleinere und groͤßtentheils ge⸗ oͤfnete Pyramiden. Ihrer drei ſtehen bei der erſten großen Pyramide gegen Oſt; zwei aber ſind ſo zu Grunde gerichtet, daß man in ihnen kaum die Zim⸗ mer unterſcheiden kann. Gegen Weſt bei der erſten Pyramide findet man noch ſehr viele andere, die alle aber gleichfalls niedergeriſſen ſind. Gerade der zwei⸗ ten großen Pyramide gegenuͤber ſtehen noch 5— 6, die auch alle geoͤffnet ſind. In einer davon hat Norden einen viereckigen Brunnen, der 30 Fuß tief war, be⸗ merkt. Alles uͤbrige iſt mit Sand und Steinen aus⸗ gefuͤllt. Die uͤbrigen Pyramiden bei Dagjour, Me⸗ duun, Sa⸗Harxra ec.„gleich denen bei Gize, und ſind großentheils nicht geoͤffnet, oder wenig unterſucht. Eine Pyramide bei Meduun iſt aus Ziegelſteinen, die ſich, weil ſie ſich nur in der Ferne zeigt, von den Tuͤrken und Arabern die falſche Pyramide ge⸗ nennt wird; ſie iſt auch nicht geoͤffnet. Aber genannte Pyramiden, meint Norden, ſeien doch nicht ſo ſchoͤn und kuͤnſtlich gebaut, wie die von Gize. Die Materialien zu dieſen rieſenhaften Gebaͤuden wurden in unbekannten Jahrhunderten aus dem Mo⸗ katom gezogen, einem Gebirge am rechten Ufer des Nils, von welchem ein Zweig Kairo beherrſchet. Man ſieht noch an demſelben die Stellen, wie die Steine gebrochen wurden, ſchreibt Ader. Moͤris war der erſte Erbauer einer Pyramide; der ſchaͤndliche Koͤnig Cheops erbaute die groͤßte. Die Koſten und Arbeiten, welche die Pyramiden veranlaſſen mußten, ſind gar nicht zu berechnen. Nach Herodot arbei⸗ teten an der großen Pyramide des Cheops 100,000 Menſchen 20 Jahre lang. Alle 3 Monate wurden ſie von andern 100,000 Mann abgeloͤſt. Cheops, als es ihm an Gelde fehlte, hat, den Bau ſeiner Pyramide zu vollenden, ſeine Tochter Jedermann fuͤr reiche Spende zur Unzucht preis gegeben. Dieſe hat ſich auch nach des Vaters Willen ergeben, iſt aber hernach ſo ſtolz geworden, daß ſie fuͤr ſich ſelbſt ein Denkmal hat errichten laſſen. Zu dem Ende iſt ſie mit jedem, der in ihren Armen gelegen, einig geworden, einen Stein zur Errichtung dieſes Denkmals herzugeben. Aus dieſen geſammelten Steinen, ſagt Herodot weiter, iſt diejenige Pyramide erbaut worden, die faſt in der Mitte ſteht, und ihre Vorderſeite nach der großen Pyramide kehrt. Dieſe Berge, von menſchlicher Hand geſchaffen, wurden alſo bloß dazu errichtet, um einen Leichnam zu decken. Die Koͤnige, von welchen jede Pyramide 373 die unbekaunte Aſche eines derſelben einſchließt, traͤum⸗ ten wohl Unſterblichkeit.— Und was iſt der Nutzen dieſer Denkmale? Kaum gewaͤhren ſie den Arabern der Wuͤſte ein wenig Schatten. Weſtlich von den beiden groͤßten Pyramiden, ſieht man eine Art aus Marmor gehauenen Kanals, der in das Innere der großen Pyramide fuͤhrt, die gewalt⸗ lam geoͤffnet worden war, wie Savary behauptet. In einer Entfernung von 300 Schritten gegen Oſt, vor der zweiten Pyramide befindet ſich die beruͤhmte Sphynx, deren Koͤrper(die Vereinigung des Kopfs und der Bruſt einer Jungfrau mit dem Koͤrper eines Loͤwen) unter dem Sande begraben iſt, allein deren koloſſales Haupt und Hals noch zu ſehen iſt; das Antlitz iſt von ſanftem, ruhigen Ausdrucke. Nor⸗ den konnte ſich aber dabei des Unwillens uͤber dieje⸗ nigen nicht erwehren, die ſo vandaliſch geweſen, die Naſe dieſer Sphynx zu beſchaͤdigen.— Dieſe ſoll aus einem einzigen Felsſtuͤcke gehauen, 148 Fuß lang, und vorne 62 Fuß hoch ſeyn; allein jetzt nur noch 27 Fuß au dem Sande hervorragen. Dieſes Denk⸗ mal(nach Einigen Amgſis Grabmahl) beweiſet klar, daß die Kunſt im graueſten Alterthume ſchon einen ſehr hohen Grad von Vollkommenheit erlangt hatte. Auch entdeckt man in der Naͤhe von dieſen Pyra⸗ miden einige Begraͤbnißgrotten. Auf einigen derſel⸗ ben hat Norden Hieroglyphen gefunden, welches zum Beweiſe dient, daß dieſe Grabſtaͤtten lange nach — 374 der Zeit, als die Pyramiden ſchon erbaut geweſen ſind, gemacht wurden. Denn an den Pyramiden fand er keine ſolche Zeichen. Dieſe Grabmaͤler waren alle offen und beraubt. Er ging in einige, fand aber nichts darin, als die Haͤlfte von einem kleinen aus Toͤpfer⸗ erde beſtehenden Goͤtzenbilde. Endlich beſichtigte er 2 alte Bruͤcken, die nicht weit von Gize ſtehen, und zwar dieſem Orte, nach dem Kompaſſe zu reden, gegen Oſt ein Viertel nach Nord, und in Anſehung der Pyramiden gegen Nord ein Viertel nach Weſt zu. Sie ſind auf einer Ebene errichtet, die alle Jahre zur Zeit des Nilaustrittes uͤberſchwemmt wird. Von den Bergen ſtehen ſie eine halbe Meile, und von der erſten Pyramide eben ſo weit entfernt. Die erſte dieſer Bruͤcken erſtreckt ſich von Nord zum Suͤd, und die zweite von Oſt zum Weſt. Man verwundert ſich billig uͤber jhre Lage in einem Striche Landes, welches der Ueberſchwemmung nicht mehr, als audere Ebenen bloß geſtellt iſt. Es laͤßt 17 ſich keine andere Urſache ihrer Anlegung vorſtellen, als daß an dieſer Stelie vor Zeiten ein Ka al geweſen ſeyn muß. Ihre Bauart ſowohl, als die Aufſchriften, welche Norden daran las, zeigten ihm an, daß ſie ein Werk der Sarazenen ſeien. Beide Bruͤcken ſtehen 400 Schritte von einander ab. Daneben iſt eine Mauer von Ziegelſteinen, nach Art eines ſteinernen Dammes aufgefuͤhrt, die an jedem aͤußerſten Ende beider Bruͤcken ihren Anfang nimmt, aber doch nicht einſchraͤnkt. * 375 Die Bruͤcke, welche in einer Strecke von Nord nach Suͤd liegt, ruhet auf 10 Bogen, und iſt 244 Fuß lang, 20 Fuß hoch und 4 Zoll breit. Ihre Hoͤhe von und uͤber der Erdflaͤche betraͤgt 22 Fuß. Beide Bruͤcken ſind aus großen Quaderſteinen gebaut. Zu Kairo hatte Norden in einem ſolchen Hauſe ſeine Wohnung nehmen muͤſſen, welches dafuͤr bekanut war, daß Schwelgerei und Ueppigkeit darin herrſch⸗ ten, und ihm daher empfindlich, unangenehm und beunruhigend war. Er wohnte einem Feſte daſelbſt bei, naͤmlich der Gewohnheit, welche man alle Jahre beobachtet, wenn man den Damm des Calish, oder Kanals, der das Nilwaſſer zu der Zeit, wenn dieſer Fluß ſteiget, nach Groß⸗Kairo fuͤhret, niederreißet. Dieſer Kanat, durch den der Damm hingezogen iſt, ſieht, ſolange er auf dem Lande fortgeht, einem ver⸗ nachlaͤßigten Graben gleich: denn er iſt weder mit Steinen gefuͤttert, noch ordentlich hergerichter. Wenn f. er aber in die Stadt eintritt, ſo bekommt er ein beſfe⸗ res Anſehen. An der Stelle, wo das Waſſer aus dem Nil in ihn tritt, mag er etwa 45— 20 Fuß breit ſeyn. Sobald der Nil anfaͤngt zu ſteigen, verſperrt man die Muͤndung des Kanals durch einen aus Erde aufge⸗ worfenen Damm. Auf dieſem ſteckt nun die tuͤrkiſche Landesgewalt ein Zeichen, um die Zeit anzuzeigen, in welcher er dieſen und alle andern Kanaͤle im gan⸗ zen Lande wieder oͤffnen wolle. An dem beſtimmten Tage ging der Baſcha mit 376 ſeinen Bey's und einem anſehnlichen Gefolge hin, um der feierlichen Eroͤffnung des Kanals beizuwohnen. Er begab ſich unter einem eben nicht ſehr praͤchtigen Gezelte am Kanal. Kopten und Juden mußten und muͤſſen den Damm durchſchneiden. Man wirft Nuͤſſe, Melonen und andere dergleichen Dinge in das einge⸗ tretene Nilwaſſer;— der Baſcha wohl auch einige kleine Meünzen Ein armſeliges Feuerwerk, das aus 20 Raketen beſtand, ward nun angezuͤndet. Der Poö⸗ bel beging bei dieſer Gelegenheit taufend alberne 4 Poſ⸗ ſen, in Hoffnung, das Anwachſen des Nilſtromes gebe eine reiche Erndte, und zeigte in den uͤppigſten Taͤnzen ſeine wilde Freude. (Die Fortſetzung im naͤchſten Baͤndchen.) 8 *