Taſchen⸗Bibliother 3 der wichtigſten und intereſſanteſten See⸗ und Land⸗Reiſen, von der Erfindung der Buchdruckerkunſt bis auf unſere Zeiten. Mit Landkarten, Planen, Portraits und anderen Abbildungen. Verfaßt von Mehren Gelehrten, und herausgegeben on Joachim Heinrich Jaͤck, Koͤnigl. Bibliothekar zu Bamberg. 10. Bändchen. Mit einem Kupfer. I. Theil. 1. Bändchen der Reiſen in die Türkei. Zweite Auflage. ——ñ—— Nürnberg. Verlegt von Haubenſtricker undsvon Ebner. 1 8 3 0. Taſchen⸗Bibliothek der 3 wichtigſten und intereſſanteſten Reiſen in die e„ Tuürkei. Mit Landkarten, Planen, Portraits und anderen Abbildungen. Berfaß t von Mehren Gelehrten, und herausgegeben von. Joachim Heinrich Jaͤck, Koͤnigl. Bibliothekar zu Bamberg. V I. Theil. 1. Baͤndͤchen. Zweite Auflage. 1 Nürnberg. Verlegt von Haubenſtricker und von Ebner. 1830. e „ Literatur der Reiſen in die Türkei. 8 Die Beobachtungen der Venezianer bis zum XVI. Jahrhundert ſind als Uräuelle zu betrachten; an jene ſchließen ſich die Erfahrungen eines gebildeten Sie⸗ benbuͤrgers, welcher bis 1458 zu Adrianopel in tuͤrkiſcher Gefangenſchaft war.— Bemerkenswerth iſt das zu Wien 4522. 4. erſchieuene Werkchen von Fel. Petantius uͤber die Reiſen in die Tuͤrkei.— Was der Genueſe J. A. Menavino von dem Leben und den Gebraͤuchen der Tuͤrken in zwei Auflagen zu Florenz 1548— 31 ſeinen Landsleuten erzaͤhlte, war der Ueberſetzung in das Teutſche durch den Liz. Muͤl⸗ ker zu Frankfurt 1577 mit Holzſchnitten nicht wuͤr⸗ dig.— Intereſſanter iſt die hoͤchſt gruͤndliche Be⸗ ſchreibung Konſtantinopels aus der Feder Peter Gylles, welcher vom franzoͤſiſchen K. Franz; I. gegen die Mitte des XVI. Jahrhunderts dahin ge⸗ ſendet war; dieſes in Leyden 1564 und 4632. 12. erſchie⸗ nene Werk wurde von Gronov und Bandur in ihre Sammlungen aufgenommen, und 1629. 8. zu 6 London auch in das Engliſche noch uͤberſetzt.— Die Reiſe Nic. v. Nicolai 1581 in Geſellſchaft des fran⸗ zoͤſiſchen Geſandten v. Armont, wurde nicht nur 1568 mit Kupfern zu Lyon, und verbeſſert zu Ant⸗ werpen 1576. 4. verlegt, ſondern auch in die teutſche 1572 zu Nuͤrnberg, 1576 in die hollaͤndiſche zu Ant⸗ werpen, und 1580 zu Venedig in die italiſche Sprache uͤberſetzt.— Die lateiniſchen Briefe des kaiſ. Ge⸗ ſandten A. G. v. Busbeck aus Flandern uͤber ſeinen Aufenthalt zu Konſtantinopel in den J. 1555/62 wur⸗ den nach rielen Ausgaben zu Antwerpen 1581, 89, 95. 8, zu Haunoyer, 1605, 1629, 1665, 3, zu Muͤn⸗ chen 1620. 12., zu Baſel 1740. 8., zu Dresden 1688. 12., zu Frankfurt 1595, 1629, 4. 1698. 3., zu Leyden vollſtaͤndig 1633 und 1660. 24., auch in das Teutſche zu Frankfurt 1566. 8., zu Paris 1636 und 1748 in das Franzoͤſiſche uͤberſetzt.— Minder gluͤcklich war die zu London 1565. 4. erſchienene Reiſe⸗Beſchrei⸗ bung M. A. Pigafetta's im Gefolge der kaiſerli⸗ chen Geſandtſchaft 1567 an K. Selim II.— Der hebraͤiſche Bericht des Nabbi Moyſes Almos⸗ nino aus Deſſalonien uͤber den tuͤrkiſchen Hof von 1567 iſt nur durch Jak. Canſino's ſpaniſche Ueber⸗ ſetzung, Madrid 1638. 4., bekannt geworden.— Der Aufenthalt des wuͤrtembergiſchen Predigers St. Ger⸗ lach im Gefolge des kaiſ. Geſandten David v. Un⸗ gnad zu Konſtantinopel 1573— 78, wovon zu Frank⸗ furt 1674. Fol. das Tagebuch mit 4 Kupfern erſchien, —ͤͤͤͤͤ— —, 7 4 und die zu Wittenberg 1584 heraus gekommenen Acta Belege liefern, hatte vielfachen Einfluß auf die phi⸗ lologiſchen Wiſſenſchaften, wie aus dem Leben des beruͤhmten Profeſſors Martin Cruſius zu Tuͤbin⸗ gen erhellt. Deſſen Freund Sal. Schweigger 64 Wuͤrtenberg erſtattete von ſeiner Wanderung im J 1577 nach Jeruſalem einen ſo anziehenden Benithr⸗ daß nach 7 Auflagen zu Nuͤrnberg 1608, 1644, 18, 39, 64, und zu Fraukfurt 1609 ꝛc. noch ein Auszug zu Nuͤrnberg 1665. 3. herausgegeben wurde.— We⸗ 4 niger empfahlen ſich die Reiſen Fr. Seidel's zu Goͤrlitz 1711 und zu Leipzig 4733. 8., und Heinrich v. Liechtenſtein s.— Die dreimalige Reife des engliſchen Kaufmanns Joh. Sanderſon von 1584 — 4602 nach Konſtantinopel, Palaͤſtina und Syrien bis Kairo und Tripolis, zeichnete ſich durch eine ge⸗ naue Beſchreibung jener Hauptſtadt aus, und wurde nebſt Smith's und Timberl's Dagebuͤchern aus dem Engliſchen in das Hollaͤndiſche zu Amſterdam 1678. 4. uͤberſetzt.— Der Philolog G. Douſa ſtarb iwar 41598 auf dem Wege nach Oſtindien, hinterließ aber doch einen lateiniſchen Brief uͤber Konſtantinopel, „ welcher wegen der griechiſchen Inſchriften 1699— 1700 zu udwerdin und Kebden dreimal aufgelent wurde. — Wichtiger ſind die⸗ Leiden⸗ als die Beabachtungen eines Chriſten waͤhrend ſeiner dreijaͤhrigen Selaverei von Alexandrien bis Konſtantinopel, welche von dem 8 Regiſtrator M. Heberer zu Heidelbergat610 heraus⸗ gegeben, und 41784 in die Erlanger Sammlung auf⸗ genommen wurden.— Anziehender iſt der(von Sal. Schweigger 1643 und 4623 mitgetheilte) Bericht des Nuͤrnberger Kaufntantis Joh. Wild, welcher als gefangener Chriſt; Male 1604— 1641 verkauft wurde, waͤhrend er von Ungarn uͤber Konſtantinopel nach Aegypten und Arabien wanderte; darum wurde der Bericht auch nach 2 Nuͤrnberger Auflagen von 1613— 23 noch im Auszuge 1761 mitgetheilt.— Das von 1610 an gefuͤhrte Tagebuch eines unbekannten Englaͤnders uͤber die Tuͤrkei, Aegypten, Palaͤſtina ꝛc. iſt zwar 1627 zu London erſchienen, aber nicht in an⸗ dere Sprachen uͤberſetzt worden.— Das Reiſebuch Ad. Wenners aus Crailsheim, welches 1626 und 1665. 4. zu Nuͤrnberg erſchien, hat weit weniger Werth fuͤr die Erd⸗ und Voͤlkerkunde, als der Bericht eines franzoͤſiſchen Abgeordneten D. C. von 1624, welcher mit Kupfern 4624, 29, 32. 4. zu Paris erſchien.— Der Geſandtſchafts⸗Bericht Th. Roe's 1624— 28 ver⸗ breitet ſich auch uͤber viele Handſchriften, Muͤnzen, Inſchriften ꝛc., und wurde deswegen erſt 41740 zu London in einem großen Foliobande ausgegeben.— Der Schleſter H. v. Poſer reiſte auf eigene Koſten 1621— 24 uͤber Konſtantinopel, Bulgarien, Armenien und Perſien nach Indien; aber erſt ſein Sohn ließ 2675. 4. deſſen Tagebuch zu Jena erſcheinen.— Was dem polniſchen Gefandten Sam, Kuſzewitz 1622 — —— = 9 6 auf der Reiſe begegnete, wurde zu Danzig 164s und 1653. 4. bekannt gemacht.— Hoͤchſt duͤrftig war das Tagebuch des Holſteiner Ritters H. Nantzow 1623 uͤber Jeruſalem, Kairo und Konſtantinopel, deſſen ungeachtet iſt es 1669. 4, zu Kopenhagen, und 1704. 3. zu Hamburg gedruckt worden.— Noch beſſere Aufnahme fand die Welt⸗Seſchauung G. Chr. v. Neitzſchuͤtz 1630— 37 durch, Europa, Aſia und Afri⸗ ka, welche Chr. Jaͤger 4763 zu Magdeburg, 1663 zu Budiſſin, und 1673. 4. zu Nuͤrnberg mit Kupfern erſcheinen ließ.— Der Bericht des ſchwediſchen Ge⸗ ſandten P. Straßburg 4633 verbreitet wenig Licht uͤber die Pforte.— Die Reiſe⸗Beſchreibung N. M. v. Thevenot von 1655— 56 iſt ein Echo der beſten Vorgaͤnger, darum wurde ſte auch zu Rouen und Paris 4665. 4., zu Amſterdam 1681 und 1727, und zu Frankfurt 1693 in franzoͤſiſcher, hollaͤndiſcher und teutſcher Sprache viermal aufgelegt.— Die Brieſe des Naturforſchers L. F. Marſigli an die Koͤnigin Chriſtina von Schweden uͤber den Kanal von Kon⸗ ſtantinopel ſind zu Rom 1681. 4. mit s Kupfern er⸗ ſchienen.— Der kurze Bericht des ſchwediſchen Ge⸗ ſandten Clas Ralams 1657—58, wurde wegen der genauen Schilderung des tuͤrkiſchen Reiches, worin er von ſeinem Landsmann Bubov als einem Rene⸗ gaten unterſtuͤtzt war, erſt 1679. 4. zu Stockholm ge⸗ druckd.— Quiclet’s Landreiſe von Frankreich nach Konſtantinopel 165 7, wurde zu Paris 1660, s- und 10 1664. 12. gedruckt.— Der Jeſuit Paul Taffer⸗ ner, welcher als Beichtvater den kaiſerl. Geſandten, Grafen Walter v. Leslie, 166s begleitete, gab ſeine Reiſe lateiniſch zu Wien 16e8 und 1672. 8, und teutſch zu Breslau 4680. 12. heraus.— Der Bericht des hollaͤndiſchen Geſandten Juſt. Collier 1368 wurde von V. Minutoli in das Franzoͤſiſche uͤberſetzt, und erſchien zu Paris 1672. 12.— Die 11 Brieſe des Franzoͤſiſchen Geſandtſchafts⸗Sekretaͤrs Fr. P. de la Croix 4670— 19, welche 4684. 42, zu Paris in 2 Baͤnden erſchienen, ſind mehr politiſchen als geographiſchen Inhaltes.— Brauchbarer ſind die 7 Briefe Corn. Magni's aus Parma von 1672, welche daſelbſt 1679, zu Venedig 1682, und zu Bo⸗ logna 1685. 42. erſchienen. Der Bericht des Ma⸗ lers J. Grelot uͤber ſeine Begleitung des franzoͤſi⸗ ſchen Geſandten, Grafen v. Chardin, durch die Tuͤrkei wurde nach den beiden Pariſer Auflagen 1680 — 84 zu London 1683 in das Engliſche uͤberſetzt.— Die Reiſe⸗Beſchreibung des Sekretaͤrs Joh. Benag⸗ lia von 1682 im Gefolge des kaiſ. Geſandten, Gr. A. v. Caprara, erſchien nicht nur in der Urſprache zu Rom, Mailand, Bologna 4684 und zu Venedig 16588. 12., ſondern auch verteutſcht zu Frankfurt 4687. 8.— Die zu Bourges 1684. 12. erſchienene Reiſe Jak. Gaßot's von Venedig nach Konſtantinopel hatte keine guͤnſtige Aufnahme; jene Mich. Ben⸗ venga's wurde 1688. 12. zu Venedig und Bologna 11 gedruckt.— Du Mont's neue Reiſe in die Levante von 1690— 91 erſchien zu Haag 1694, und verbeſſert 1599— 1700 in 4 Baͤnden franzoͤſiſch, und zu Utrecht 1695. 4. hollaͤndiſch. Das Tagebuch des Abtes Simpert zu Neres⸗ heim 1699— 1701 wurde zwar nach ſeiner Erſcheinung zu Augsburg 1701. 3. geruͤhmt; doch von der gleich⸗ zeitigen Reile des beruͤhmten Naturforſchers J. P. v. Tournefort, in Geſellſchaft des Arztes Gundels⸗ heimer und des Malers Aubrier, ſehr weit uͤber⸗ troffen; darum genuͤgten auch weder die wiederholten franzoͤſiſchen Ausgaben zu Paris, Lyon und Amſter⸗ dam 1717— 28. 4, noch die teutſche von W. Pan⸗ zer zu Nuͤrnberg 1776— 77. 8. den fortdauernden Wuͤnſchen der gebildeten Leſer.— Eben ſo mußten die intereſſanten Briefe der Lady Worthley Mon⸗ taigue, Gemah in des engliſchen Gefandten zu Kon⸗ ſtantinopel, uͤber ihre Reiſe 1746— 48 durch Teutſch⸗ land, Ungarn und das ganze tuͤrkiſche Reich in eng⸗ liſcher, franzoͤſiſcher und teutſcher Sprache ſchon vor 50— 60 Jahren zu London, Berlin, Leipzig, Mannheim, Amſterdam und Rotterdam ꝛc. ſehr oft aufgelegt wer⸗ den, und noch jetzt entſprechen kaum Stereotyp⸗Aus⸗ gaben den vielen Nachfragen des Publikums.— In ſo elegantem Latein G. C. van den Orieſch, als Geſandſchafts⸗Sekretuͤr des Grafen Hugo Da⸗ mian v. Virmond 1149, ſeinen mit Vorſicht zu 13 uͤber Smyrna nach Konſtantinopel 1768; ſeine ano⸗ nyme Reiſe⸗Beſchreibung iſt das Echo ſeiner beſten Vorgaͤnger, erſchien franzoͤſiſch zu Stuttgart unter dem Namen Amſterdam, und teutſch mit Anmerkungen von Chr. G. Dohm zu Leipzig 1774. 8.— Deſto wichtiger bleiben die Briefe des beruͤhmten ſchwedi⸗ ſchen Orientaliſten J. J. Bjoͤrnſtahl 4769— 19, welcher zu Deſſalonica ſtarb. Sie erſchienen in s Baͤn⸗ den zu Stockholm 1780. 8., verteutſcht v. Chr. H. Groskurd zu Leipzig 1777—83. 8. in 6 Baͤnden, und wurden noch auszugsweis im Bsprit des Jour- naux zu Paris 1780, und in Schloͤzer's Briefwechſel mitgetheilt.— Eben ſo bleibenden Werth haben die Nachrichten des B. v. Tott, welche in 4 Baͤnden zu Amſterdam 1784. 8. erſchienen, und dann oͤfters gedruckt wurden. Er verweilte 173s— s an der Seite des franzoͤſiſchen Geſandten v. Vergennes te. unter den Tuͤrken und Tataren, und machte viele neue Be⸗ obachtungen.— Die auch in das Teutſche uͤberſetz⸗ ten Reiſen von J. Mickoſcha, J. B. Lechevalier⸗ Sonnini und Pouqueville waren gute Vorlaͤufer der klaſſiſchen Werke unſeres Jahrhunderts. In neueren Zeiten empfahlen ſich die Reiſen von Lechevalier, Sonnini, Batthiany, Witt⸗ mann, Dallaway, Stuͤrmer, Hammer, Raez⸗ einſki, Behnont, Olivier, Chateaubriand⸗ Magyr, Hunter. 12 benutzenden Bericht mit Kupfern 1721. 8. zu Wien erſcheinen ließ; ſo ſehr iſt ſeine teutſche Ueberſetzung zu Nuͤrnberg 1723. 4. misrathen.— Die Reiſe des Franzoſen Tallot in die Levante 1731— 31 erſchien zu Paris 1742. 12.— Die Anſicht des Englaͤnders — K. Perry von Griechenland, Konſtantinepel, Aegyp⸗ ten und Syrien wurde zu London 1743 mit 33 großen Kupfertafeln heraus gegeben.— Der engliſche Ge⸗ ſandte J. Porter von 1760 verlor ſich in zu viele hiſtoriſche Bemerkungen uͤber die Tuͤrken; deſſen un⸗ geachtet wurden ſie gleich nach ihrer Erſcheinung zu London 4763. 12. in das Deutſche zu Leipzig, und in das Franzoͤſiſche zu Paris 1769, und zu Neuſchatel 1770 uͤberſetzt.— Erſchien gleichwohl das Tagebuch des Jeſuiten und Mathematikers R. J. Boſcovich von Konſtantinopel nach Pohlen 1761— 62 franzoͤſiſch’ zu Lauſanne 1772. 12., teutſch zu Leipzig 1779. 8., 3 und italieniſch original zu Baſſano 1784. 8., ſo waͤre es doch entbehrlich geweſen.— Eben ſo ſind die zu London 1767 3. erſchienenen Bemerkungen des Lord Baltimore von Konſtantinopel 4763— 64 teutſch zu Leipzig 4768. 8. und zu Augsburg 1770. 12. heraus gekommen, obgleich ſie ganz gehaltlos waren.— J. A. Flachat beſchraͤnkte ſeine Beobachtungen waͤhred des 18jaͤhrigen Aufenthaltes in der Tuͤrkei nach dem 4 4 Wilen des Koͤnigs von Frankreich nur auf den Hanu⸗ del und die Gewerbe.— Der preußiſche Geſandte J. H. v. Riedeſel machte ſeine Reiſe von Neapel 14 I. Peter Gylles topographiſche Beſchrei⸗ bung der Stadt Konſtantinopel, in den Jahren 1548— 49. Nach dem Geiſte der⸗ ſelben aus dem lateiniſchen Originale mit⸗ getheilt von einem Weltgeiſtlichen des Erzbisthumes Bamberg. Vorrede. Vorliegende Topographie von Konſtantinopel uͤbertrifft die meiſten aͤlteren Laͤnder⸗Beſchreibungen an wiſſenſchaftlichem Gehalte. Darum rechnete ich mir zur Pflicht, dieſelbe an die Spitze der jetzt vorzuͤglich intereſſanten Reiſen durch die Tuͤrkei zu ſtellen. Pe⸗ ter Gylles oder Gyllius, 1490 geboren in der Stadt Alby in Languedoc, Departement des Tarn, widmete ſich von fruͤheſter Jugend an mit allem Ernſte 1 dem Studium der Alterthuͤmer, lateiniſcher und grie⸗ chiſcher Sprache. Seine erſte Bildung ſuchte er durch 7 15 eine Reife nach Italien zu erhoͤhen. Er kehrte in ſein Vaterland zuruͤck, und erwarb ſich bald zu Paris ſo allgemeine Achtung, daß er vom K. Franzl. beordert wurde, ſich zur Bereicherung ſeiner ausge⸗ zeichneten Kenntniſſe in die Levante zu begeben, was er auch befolgte. Allein aus Mangel an fortdauern⸗ der Unterſtuͤtzung ſah er ſich genoͤthigt, 1541 der tuͤr⸗ kiſchen Armee ſich einreihen zu laſſen, welche damals gegen die Perſer zog. In einem Treffen verlor er ſein Gepaͤck und Pferd, und ſchaͤtzte ſich noch gluͤck⸗ lich, 18a8 zu Aleppo Winter⸗Quartier halten zu koͤnnen. Er benutzte dieſe Zeit zur Eroͤffnung ſeiner Verbindung mit Frankreich, woher er vom Neuen mit Geld unterſtuͤtzt wurde. Er begab ſich dann nach Konſtantinopel, wo er Andreas Thevet aus dem Franziskaner⸗Orden antraf, deſſen Reiſen durch die Levante, durch Braſilien und Frankreich beruͤhmt geworden ſind. Beide reiſten mit einander nach Chal⸗ cedon, wo ſie alte Medaillen kauften. Spaͤter ſoll Gylles auf einem Ausfluge von Seeraͤubern ergrif⸗ fen worden ſeyn. Er kehrte 1849 durch Romanien, Mazedonien, die Bulgarei, Servien ec. zuruͤck, und traf 1550 zu Rom ein, wo er vom franzoͤſiſchen Geſchaͤfts⸗Traͤger, Kardinal von Armagnae, in deſſen Palaſt aufgenommen wurde. Nachdem er ſich mehrere Jahre daſelbſt bemuͤht hatte, ſeine Forſchungen in einer ſtreng wiſſenſchaftlichen Form niederzuſchrei⸗ ben, wurde er von einem hitzigen Fieber ergriffen, 16 an welchem er im ssten Lebensjahre 1555 ſtarb. Gin⸗ gen auch mehrere ſeiner Werke verloren, oder unter dem Namen ſeines Schreibers und Begleiters P. Bel⸗ lon hervor; ſo ſind doch die von obigem Kardinale zum Drucke befoͤrderten Schriften ſchon ſo wichtig, daß ſein Andenken auf die ſpaͤteſte Nachwelt ſich er⸗ halten wird, waͤren ſie auch nicht in die beruͤhmten Sammlungen von Bandur, Gronov, Sirmond, Rigalt und anderen aufgenommen und wiederholt gedruckt worden. Denn ſie ſtehen in der vollſten Har⸗ monie mit den beſten roͤmiſchen und griechiſchen Klaſ⸗ ſikern.(S. Joͤcher's Gelehrten⸗Lextkon Band II. S. 1292. Meuselii bibl, hist. Vol. II. P. J. 245.) Ich benutzte zur Mittheilung: Banduni Imperi- um Orientale. Venetlis 1729. Fol., oder den XIX. Band der Byzantiner Schriftſteller. Mein beſchei⸗ dener Bearbeiter dieſes Werkes will aus politiſchen Gruͤnden unbekannt bleibenz ich hoffe aber nach ver⸗ aͤnderten Umſtaͤnden noch Gelegenheit zu erhalten, dem Publikum dieſen talentvollen Mann naͤher zu erken⸗ nen zu geben. Jüü ck. 17 I. Buch. I. Von den Gründern der Stadt Byzanz, und von deren früheren Verhältniſſen. Hietuͤber ſind die Nachrichten fruͤherer Geſchicht⸗ ſchreiber ſehr verſchieden. Nach Einigen erbaute B y⸗ zanz(ſo hieß Konſtantinopel in den aͤlteſten Zei⸗ ten) ein Sohn der Ceres und des Neptuns, Na⸗ mens Byzanz, nach Andern Byzes, der Anfuͤhrer einer Megarenſiſchen Koloniſten⸗Flotte, wel⸗ chem Byzanz etgentlich ſein Daſeyn verdankte. Noch Andere geben den Sparter Pauſanias als den Gruͤnder von Byzanz an, wiewohl er dieſen Na⸗ men nur dadurch verdient haben mag, daß er, durch Abfuͤhrung en er Kolonie dahin, Byzazz in neuen Flor verſetzte. Byzanz hieß auch Antonina, von Antoni⸗ nus Baſſianus, einem Sohne des Kaiſers Se⸗ verus, und viele Jahre ſpaͤter erhielt es durch Kon⸗ ſtantin den Großen die Namen: Neu⸗Rom— Konſtantinopel— Konſtantins⸗Stadt. Die erſten Bewohner der neuen Stadt ſollten nach einer Vorherſagung Appollo's zwar ein gluͤckli⸗ ches bluͤhendes Volk werden, doch erfuhren ſie nicht ſelten den Wechſel des Schickſals. Harte Bedraͤng⸗ niſſe von Seite der benechbarten Voͤlker; druͤckende lotes B. Türkei. I. 1. 2 18 Tribute und im Innern Partheien⸗Wuth, hemmten maͤchtig das Aufbluͤhen des jungen Staates. Nur als Republik war es lange gluͤcklich und kraͤftig, und beherrſchte eine große Strecke von Aſien und Europa. In politiſcher Hinſicht verband ſich die neue Re⸗ publik theils mit den Ptolemaͤern in Aegypten, theils mit den Roͤmern, welche bei verſchiedenen Gelegenheiten kraͤftig von ihr unterſtuͤtzt wurden, bis ſie endlich, die Parthei Niger's gegen Severus ergreifend, ihre Unabhaͤngigkeit verlor, den Perin⸗ thiern unterworfen, und aller ihrer Zierden, wie auch ihrer Mauern, deren beſondere Feſtigkeit und Brauchbarkeit an den zwei Haͤfen von den Alten ge⸗ ruͤhmt wird, beraubt wurde. In dierhm Kriege hat⸗ ten ſich die Byzantiner vorzuͤglich durch ihre Geſchick⸗ kichkeit im See⸗Kriege und durch eine hartnaͤckige Tapferkeit ausgezeichnet; daher auch ihre ſchwere Zuͤchtigung von Seite Sever's. II. Größe der Stadt Byzanz. uUnter den mancherlei Angaben, welche hieruͤber ſich ſinden, ſcheint jene des Dionys von Byzani, der wegen ſeines Alters die meiſte Glaubwuͤrdigkeit verdient, die richtigſte zu ſeyn. Dieſer ſagt, daß Byzanz vor ſeiner Zerſtoͤrung durch Sever einen umfang von 40 Stadien gehabt habe, Dieſer Angabe 4 x — 19 gemaͤß, nennt auch der Geſchichtſchreiber Herodian Byzanz zur Zeit Sever's die groͤßte aller Thra⸗ ziſchen Staͤdte. III. Erbauung von Konſtantinopel und ihre Größe. Konſtantin der Grohe gieng damift um, eine Stadt zu bauen, welche ſeinen Namen tragen ſollte. Lauge ſchwankte ſein Entſchluß, in welcher Gegend er die Konſtantins⸗Stadt erſtehen laſſen wollte, bis er endlich durch einen Zufall zu dem Entſchluſſe bewogen wurde, daß aus Byzanz Konſtantino⸗ pel werden ſollte. Adler ſollen naͤmlich an dem Orte, wo er vorher Konſtantinopel erbauen wollte, von Zeit zu Zeit den Bauleuten Steiuchen geraubt, und nach Byzanz getragen haben. Es war im 362ten Jahre von der Allein⸗Herrſchaft des Auguſt's an, als Konſtantin der Große Byzanz zur Welt⸗ Gebieterin erhob. Das alte ehrwuͤrdige Rom ge⸗ nuͤgte dem ſtolzen Herrſcher nicht mehr, und ein neues Rom Kounſtantin's erhob ſich. Furchtbare Mauern umzingelten es; herrliche Palaͤſte wuch⸗ ſen empor fuͤr das erlauchte Korps der Senatoren, welche er aus Rom mit ſich gebracht hatte, und in der neuen Kaiſerſtadt eben ſo geehrt wiſſen wollte, wie iu Rom. Hobe Tempel, Waſſerkuͤnſte, Saͤulengaͤnge, 20 die prachtvolle Rennbahn, zeichneten die Stadt aus, majeſtaͤtiſch ſtrahlte die Kaiſers⸗Wohnung. Kon⸗ ſtantinopel ward herrlicher, groͤßer, reicher, als Rom. Die Laſtſchiffe Aegyptens, die Speicher Aſiens, Phoͤniziens und Syriens, eeichten nicht hin zu ſaͤttigen der Voͤlker Schaaren, welche Kon⸗ ſtantin, andere Staͤdte entvoͤlkernd, zu Byzanz zuſammentrieb. Bereits umſaßte eine Mauer von 15 Stadien die Stadt und den Iſthmus von einem Meere bis zum anderen. Doch noch rieſiger ſollte es werden unter den folgenden Kaiſern. Ein Theil des die Stadt beſpielenden Meeres ward ausgetrocknet, und auf Pfaͤhlen erhoben ſich neue Quartiere. Dieſes war aber auch wegen der von allen Seiten in die Stadt ſtröͤmenden Menſchen⸗Maſſe, die entweder Kriegs⸗Dienſte oder Handelsſchaften oder andere Ver⸗ aulaſfungen dahinriefen, hoͤchſt nothwendig. Daher kam es auch, daß bei den ohnehin engen Straßen, und bei der Unzahl von Menſchen und Thieren, dis Stadt nur mit Gefahr durchwandelt werden konnte. So war Konſtantinopel zu den Zeiten der Kaiſer Arecadius und Theodoſius des Juͤngern. In den Zeiten des Kaiſers Juſtinian wurde beſonders der enge Zuſammenhang, das Fortlaufende der Ge⸗ baͤude der Stadt und ihre Aneinander⸗Schichtung be⸗ merkt, welche von der Art war, daß man nirgends einen ganz freien Platz traf. Wie groß zu eben dieſer Zeit Konſtantinopel 21 war, daruͤber ſagt eine ſehr glaubwuͤrdige Nachricht, daß ſeine Laͤnge von der goldenen Pforte bis an die Meereskuͤſte in einer geraden Linie 14,615, die Breite aber 6,150 Fuß betragen habe. Vor Juſtinian unter Theodos dem Juͤn⸗ gern, erbaute der Praͤfect der Stadt, Cyrus, auf des Kaiſers Geheiß eine Mauer, von einem Meere zum andern, mit ſo raſtloſer Thaͤtigkeit, daß das ganze, ungeheure Werk innerhalb 60 Tagen ſeine Vol⸗ lendung erreicht hatte. Erfreut hieruͤber und voll Verwunderung uͤber eine ſo ſchnelle Arbeit, rief das Volk laut im Theater in Gegenwart des Kaiſers Theodos:„Konſtantin erbaute die Stadt, Cyrus erneuerte ſie!“ Doch dieſes Beiifall⸗ Jauchzen erwirkte dem Cyrus die Tonſur und ein Bisthum. 5 Ueber die Urſachen, warum Konſtantin der Große, Byzanz zur Koͤnigin des roͤmiſchen Welt⸗ reiches erhob, melden Sozomenus und andere, daß Konſtantin in einem naͤchtlichen Traum⸗Geſicht von Gott den Auftrag erhalten habe, Byzanz zu einer ſeines Namens wuͤrdigen Stadt zu machen. Andere berichten, daß er wie Julius Caͤſar, dem Haſſe der Roͤmer auszuweichen, das ohnehin erſchoͤpfte Rom verlaſſen, und nach Byzanz ſich begeben habe. An⸗ dere Nachrichten hieruͤber fließen aus parthei'ſchen und falſchen Quellen, und verdienen daher keinen Glauben 22 IV. Ueber die jetzige Geſtalt, den Umfang, die Breite und Länge von Konſtantinopel. Konſtantinopel wird auf drei Seiten vom Meere umgeben, gegen Nord von dem Meerbuſen, welchen der Bosporus bildet, genannt das Horn, gegen Oſt wird es eingeſchloſſen von den auſſerſten Muͤndungen des Bosporus, gegen Suͤd begraͤnzt es der Propontis, und gegen Weſt das Feſtland Thratiens. Die Geſtalt betreffend, dehnt ſich Konſtantino⸗ pel landeinwaͤrts immer mehr in die Breite aus, und hat ungefaͤhr die Geſtalt eines Dreieckes mit ge⸗ bogenen Seiten und ſtumpfen Winkeln; von den drei Winkeln iſt einer gelagert gegen den Propontis, der zweite gegen das Feſtland Thrazien's— beide haben gleiche Laͤnge— der dritte am Meerbuſen lie⸗ gend, iſt allenfalls um eine Meile kuͤrzer. Im Umfange hat die Stadt 2 ½ geographiſche Meilen, nach aͤlteren Geſchichtſchreibern 114 Stadien. Ihre Laͤnge erſtreckt ſich uͤber den Ruͤcken des Vorge⸗ birges, welches aus 6 Huͤgeln beſteht, und wird nicht viel uͤber 3o Stadien ausmachen. Die Breite der Stadt iſt verſchieden, und betraͤgt nie unter einer Meile; aber auch nirgends mehr als 12 Stadien; nur da, wo die Stadt ſich in zwei Fluͤgel ausbreitet, iſt ſie ſo breit als lang. Man koͤnnte das Ganze mit — 23 einem Adler von ausgeſpannten Fluͤgeln, welcher ſchief zur Linken blicket, vergleichen; auf ſeinem Schnabel laͤge der erſte Huͤgel des Vorgebirgs und der kaiſer⸗ liche Palaſt, auf dem Auge die Sophien Kirche⸗ auf dem Hinterkopfe die Rennbahn; auf dem Halſe der zweite und dritte Huͤgel, den uͤbrigen Theil der Stadt machten die Fluͤgel und der uͤbrige Koͤrper aus. V. Beſchreibung von Konſtantinopel im All⸗ gemeinen. Nach dem Muſter des alten Rom's iſt auch das neue Rom— Konſtantinopel— auf 7 Huͤgeln erbaut, welche die Halbinſel, auf der es liegt, bilden. Einer von dieſen Huͤgeln macht den oͤſtlichen Winkel der Stadt aus, und mit ihm beginnt das Vorgebirge Bos⸗ porium. Dieſer erſte Huͤgel iſt von dem zweiten durch ein weites Thal getrennt. Aus den uͤbrigen 6 Huͤgeln beſteht das genannte Vorgebirge Bosporium, deſſen fortlaufender, ſanft gewoͤlbter Ruͤcken vom oͤſtlichen Anfange der Halbinſel ſo gegen Weſt ſich erſtrecket, . daß die 6 Huͤgel von der rechten Seite des Vorgebir⸗ ges gegen den Meerbuſen hervorſpringen, und 5 Thaͤ⸗ ler ſich eroͤffnen, welche aber, das zweite und dritte gusgenommen, den Ruͤcken des Berges nicht durch⸗ ſchneiden. Von der linken Seite laͤuft das Vorge⸗ birge in gleicher Anhoͤhe fort— ohne Huͤgel, ſondern nur mit leichten Erhoͤhungen und Vertiefungen. 24 VI. Lage der einzelnen Theile. Herrlich iſt der Anblick dieſer Huͤgel und Thaͤler: denn ſie ſind ſo gelagert, daß der eine die Ausſicht auf den andern nicht raubet, und daß, wer durch den Meerbuſen ſteuert, aus drei Standpunkten im⸗ mer zwei Seiten der einzelnen Huͤgel im Auge hat. Die Sache verhaͤlt ſich naͤmlich ſo: der erſte Huͤgel liegt gegen Aufgang und ſchließt den Meerbuſen; der zweite und dritte beugen ſich mehr einwaͤrts gegen Mittag; die uͤbrigen laufen gegen Nord, und zwar ſo allmaͤhlig, daß man mit einem Blicke immer die beiden Seiten aller dieſer Huͤgel uͤberſehen kann. Trotz der Hoͤhe des einen iſt den durch den Buſen Schiffenden, die Ausſicht auf die Höoͤhe des andern frei, da immer einer etwas niedriger, als der andere wird,— Den erſten Huͤgel zeichnet eine Waſſerleitung aus, die das Waſſer uͤber so Fuß in die Hoͤhe treibt. Um die ganze Lage von Konſtantinopel deut⸗ licher und anſchaulicher zu machen, ſo ſollen die Huͤgel und Thaͤler noch einzeln der Reihe nach, durchwandert werden. VII. Erſter Hügel. Palaſt des Kaiſers. So⸗ phien⸗Kirche. Rennbahn. Der erſte Huͤgel dehnt der Laͤnge nach ſich aus von Oſt gegen Weſt— hat Anfangs eine Breite von 25 30 Schritten, wird ploͤtzlich breiter, und zwar ſo, daß ſeine Breite der Laͤnge nicht viel nachgiebt. Er er⸗ hebt ſich an der Spitze des Dreieckes, das die Halb⸗ inſel bildet, und aus ihm laͤuft eine kleine Erdzunge heraus, die bis zur Ebene ſich vertiefend, den Bos⸗ porus in den Kanal und in den Meerbuſen theilet. Er iſt uͤber die uͤbrigen Huͤgel erhaben, und gegen den Meerbuſen hinlaufend, ſchließet er zugleich denſel⸗ ben. Wuͤrde man von ſeiner Spitze bis zum weſtli⸗ chen Winkel der Stadt eine gerade Linie ziehen, ſo wuͤrde man innerhalb dieſer Linie den ganzen Meer⸗ bufen, und den ganzen an der Kuͤſte gelegenen Theil der Vorſtadt Galata einſchließen. Dieſer Huͤgel ſchuͤtzet zugleich den Meerbuſen gegen den Anfall der Sturmwinde, und macht ihn zum Hafen tauglicher. Seine fernere Beſchaffenheit betreffend iſt er auf allen Seiten abhaͤngig; doch iſt ſein Gipfel ziemlich eben, und hat eine Flaͤche von allenfalls 700 Fuß in der Laͤnge. Die Kuͤſten⸗Ebene, welche den Fuß die⸗ ſes Huͤgels umzieht, iſt nach ihrenn Flaͤchen⸗Inhalte verſchieden. Da, wo ſie ſich gegen Aufgang ausbrei⸗ tet, wird ſie breiter durch das Ufer, welches hier eine ſichelförmige Kruͤmmung gegen das Meer hat; da aber, wo ſie gegen Mitternacht und Niedergang ſich hinzieht, erhaͤlt ſie einen Breiten⸗Zuwachs durch das Thal, welches den erſten Huͤgel vom zweiten trennt. Zur Befeſtigung dieſes Huͤgels hat Natur und Kunſt beigetragen. Oeſtlich umſchließt ihn der Bos⸗ 26 8 porus, noͤrdlich der Meerbuſen, weſtlich decket ihn eine Thal⸗Schlucht: aber auch durch die Mauern des kaiſerlichen Schloſſes iſt er uͤberall umgeben. Durch dieſe Mauern, die wegen ihrer vielen Zinnen und Thuͤrme ſich von der Geſtalt der Stadtmauern gar nicht unterſcheiden, wird er auch von der uͤbrigen Stadt geſondent. Die Kuͤſten⸗Ebene und die unterſten Anhoͤhen neh⸗ men die kaiſerlichen Gaͤrten ein. Doch von des Huͦ⸗ gels hoͤchſter Hoͤhe beherrſcht weit und breit hin des Meeres unabſehbare Flaͤche und die herrlichſten Ge⸗ filde des Sultans Palaſt, der theils auf den ober⸗ ſten Gipfeln, theils auf der Ebene des Huͤgels liegt. Auf dieſer Ebene unter den Umgebungen des Palaſtes finden ſich zwei ringsum verſchloſſene Hoͤfe. Der erſte iſt allenfalls 700 Schritte lang, 200 breit. An ihm ſtoͤßt der zweite innere Hof von dem erſten durch Mauern und Thore getrennt. Er hat im Quadrate 200 Schritte, und iſt umgeben von einer Gallerie, welche auf viele marmorne Saͤulen ſich ſtuͤtzet. In der Mitte dieſes Hofes ſtehen einige Platanen und Cypreſſen, welche den Haufen der vor Gericht Er⸗ ſchienenen einen kuͤhlenden Schatten gewaͤhren: denn im noͤrdlichen Winkel des Platzes ſicht der Divan der Tuͤrken— ihr Gerichts⸗ und Raths⸗Kolle⸗ gium. Auf der Sommer⸗Seite deſſelben Platzes er⸗ bebt ſich glanzvoll des Kaiſer's Wohnung. Auf der 27 Winter⸗Seite befinden ſich Baͤder und die kaiſerlichen Küchen, aus s ofenartigen Halbkugeln beſtehend. Jede dieſer Halbkugeln iſt gewoͤlbt, ſieht einem Haͤuschen nicht unaͤhnlich, und iſt nichts weiter, als ein ſchoͤner Kamin, der in der Form einer Laterne ſich endiget. Doppelt eiſerne Thore fuͤhren zu dem erſten Hofe. Sie haben einen Zwiſchen⸗Raum von 20 Schritten, in⸗ nerhalb welcher ſich die Thor⸗Waͤchter aufhalten. Auf⸗ gehangene Waffen ſchimmern auf beiden Seiten, und die Thor⸗Schwellen und Pfeiler glaͤnzen von Mar⸗ mor. Obarhalb der Thore ſtehen viereckigte Gebaͤude mit Blei gedeckt, wie alle uͤbrigen kaiſerlichen Ge⸗ baͤude. Von dem erſten Hofe fuͤhret ein Zugang zu dem zweiten innern Hofe durch zwei doppelte Thore, zwi⸗ ſchen welchen ein Poſten von Haus⸗Waͤchtern ſteht, und aufgehangene Waffen blitzen. Auſſerhalb dieſer Thore iſt kein Vorhof; wohl aber innerhalb derſelben iſt eine Art Vorhof, welcher von 10 marmornen Saͤu⸗ len getragen, und mit Gold und den reichſten, nach Verſiſcher Art zubereiteten Farben geſchmuͤcket iſt. Bei dem dritten Thore, welches zum kaiſerlichen Pa⸗ laſte fuͤhrt, ſtehen die innerſten Thor-Wachen nebſt ihrem Befehlshaber, welcher zugleich Bewacher des kaiſerlichen Schlafgemaches iſt. Hieher kann auſſer der dienenden Klaſſe ohne beſondere Erlaubniß Nie⸗ mand kommen; nur dann, wenn der Sultan ſich 28 wuͤrdiget, ſeine Satrapen zum Gruße, und aus⸗ waͤrtige Geſandte zum Handkuſſe zu laßen. Bei ſol⸗ chen Gelegenheiten ſitzt er auf einem zwar niedrigen, aber praͤchtigen Ruhebette in einem kleinen Gebaͤnde, welches von Gold, Silber und Edelſteinen pranget, und mit einem Saͤulen⸗Gange umgeben iſt, welchen Saͤulen vom haltbarſten Marmor gewunden, und mit goldenen Kapitaͤlern tragen.— Auſſerdem zaͤhlt man noch 10 eiſerne Thore, welche theils nur dem Sultan und ſeinen vertrauteſten Dienern zugaͤnglich ſind, theils in die Stadt, theils gegen die See hin fuͤhren, und durch welche der Sultan bald zur Jagd, bald zur Fi⸗ ſcherei ſich begiebt. Obgleich uͤbrigens alle Byzantiniſchen Huͤgel die augenehmſte Ausſicht gewaͤhren, ſo iſt ſie doch bei wei⸗ tem am prachtvollſten und anziehendſten von dem er⸗ ſten Huͤgel, auf welchem der Sultan ſo ganz frei und uneingeſchraͤnkt reſidirt. Dieſer mag in den Gaͤrten oder in dem Palaſte ſich beſinden, ſo uͤberblickt er von vorne den Bosporus; uͤberblickt deſſen beide bluͤ⸗ hende Kuͤſten, beſaͤet mit den Landhaͤuſern der Stadt⸗ Bewohner; uͤberblicket zur Rechten das mit Gaͤrten prangende Chalzedonenſiſche Gefilde; uͤberblickt den Propontis, die haͤufigen Inſeln und die wal⸗ digen Gebirge Afiens; uͤberblicket weiter ruͤckwaͤrts den Goͤtter⸗Berg Olymp— ſeinen mit ewigem Schnee bedeckten Scheitel, uͤberblicket endlich in der 29 Naͤhe den ſchoͤnſten Theil der Stadt— die Sophien⸗ Kirche und die Rennbahn. Von der linken Hand weilet ſein Auge auf den 8 Huͤgeln der Stadt, auf den weit und breit ſich aus⸗ dehnenden Fluren Thrazien's— auf den unzaͤhligen Schiſfen und Fahrzeugen, die vom Pontus, Helles⸗ vont und von den ſaͤmmtlichen Kuͤſten des Propontis herſegeln, und den Meerbuſen auf⸗ und abſchiffen. Laͤßt er das Auge weiter hinabgleiten auf die 3 Sei⸗ ten des Huͤgels, ſo bietet ſich ihm der bunteſte Schmuck von Blumen, Baͤumen und Kraͤutern dar. Doch nicht blos von den kaiſerlichen Palaͤſten er⸗ offnet ſich dieſe vortreffliche Ausſicht. Auch von den Höoͤhen der Gaͤrten ergoͤtzt ſie das Auge, welchem hier uͤberdieß eine Menge Warten zur Huͤlfe kommen. Will der Sultan das Meer in der Naͤhe beſehen, ſo ſteht zu dieſem Behufe auf der den Bosporus in zwei Theile theilenden Erdzunge eine kaiſerliche Halle, ge⸗ tiert mit Marmor und Saͤulen, gewaͤhrend den köͤſt⸗ lichſten Anblick. Sanfte Zephyre hauchen ihn hier zu jeder Zeit des Sommers an, von Ruthen gefloch⸗ tene Gitter entziehen ihn dem Auge eines jeden, waͤh⸗ rend er ſeldſt die Vorbeiſchiffenden ganz in der Naͤhe betrachten und erkennen kann.— Dieß alſo die Be⸗ ſchaffenheit des kaiſerlichen Palaſtes im Algemeinen, dieß ſeine Lage— ſeine Ausſichten. 30 Auſſerhals der Umgebungen des kaiſerlichen Pa⸗ laſtes raget hervor die Sophien⸗Kirche. Sie iſt von den Thoren des grohßherrlichen Schloſſes gegen 700 Schritte entfernt, liegt ebenfalls auf den Anhoͤ⸗ hen des erſten Huͤgels, und erhaben uͤber die Gaͤr⸗ ten des erſten Thales, aus welchen Stiegen in den Palaſt und in die Sophien⸗Kirche fuͤhren. Dieſe hat oͤſtlich ſaufte Erhoͤhungen, welche ſich jedoch nach und nach in eine untere und okere Ebene ausbilden. Von der Sophien⸗Kirche erſtrecket ſich zwi⸗ ſchen Suͤd und Weſt eine 700 Schritte lange Ebene bis zur Rennbahn, Die Laͤnge dieſer betraͤgt uͤber 2 Stadien— die Breite eine Stadie. Ihre Flaͤche iſt ſchnureben; aber von 3 Seiten mit Anhoͤhen ein⸗ geſchloſſen, die oͤſtlich zwar unbedeutend, aber weſt⸗ lich ſchon ſehr abhaͤngig und ſteil, doch von der Seite des Propontis ganz ſenkrecht abſchuͤſſig, und oft uͤber 5“0 Schuhe hoch ſind. Die Ebene der Renn⸗ bahn iſt uͤbrigens nur kuͤnſtlich, und durch eigene Schwibboͤgen und Woͤlbungen veranſtaltet, von denen man die herrlichſte Ausſicht auf den Propontis hat, ſo, daß man von der Rennbahn nicht nur die Schif⸗ fenden, ſondern ſogar tanzende Delphine bemerket. Zwiſchen der Rennbahn und dem Propontis iſt eine 400 Schritte breite Ebene, auf welcher der Tem⸗ pel des Bacchus und des Sergius, nebſt der Pforte des Leo Marcellus ſich befindet, welche Gegenſtaͤnde wir noch beruͤhren werden. 31 VIII. Erſtes Thal. Von jener Ebene des Vorgebirges, auf welcher die Sophien⸗Kirche und die Rennbahn ſteht, ſteigt man den zweiten Huͤgel gegen 1000 Schritte ganz leicht aufwaͤrts bis zur ſogenaunten Purpur⸗Saͤule, welche auf dem hoͤchſten Gipfel des zweiten Hügels ſteht. Das erſte Thal nun fchließt oͤſtlich den zweiten Huͤgel, und trennt ihn zugleich von dem erſten. Es faͤngt an von der Ebene der Sophien Kirche, erſtrecket ſich von Mittag gegen Mitternacht, und hat Aehnlichkeit mit einem offenen Zirkel, deſſen einer Schenkel oͤſtlich, der andere noͤrdlich zeiget. Durch die Mitte dieſes Thales zieht ſich die Mauer des kaiſerlichen Schloſſes, welches durch ſie von der uͤbrigen Stadt getrennt wird. Die untere Ebene des Vorgebirges verliert ſich in dieſes Thal, und beide machen gegen die Sophien⸗ Kirche eine Ebene von 1000 Schritten in der Laͤnge aus, welche nur durch ganz ſanfte Erhoͤhungen und Vertiefungen unterbrochen wird. IX. Zweiter Hügel. Den zweiten Huͤgel bilden der leicht ſich erhoͤhende „ Ruͤcken des Vorgebirges und zwei Thaͤler. Das erſte trennt oͤſtlich den erſten Huͤgel vom zweiten; das andere trennt weſtlich den zweiten vom dritten. Noͤrd⸗ lich begraͤnzt ihn die Kuͤſten⸗Ebene, ſuͤdlich erſtreckt ſich ſein ſauft abhaͤngiger Ruͤcken in eine Laͤnge von 1000, und in eine Breite von 400 Schritten gegen Nord. Die Breite des ganzen Huͤgels richtet ſich nach der groͤßeren oder geringern Breite der Thaͤler, wel⸗ che ihn begraͤnzen. Da, wo dieſe Thaͤler enge ſind, iſt der Huͤgel breit, und umgekehrt, wo die Thaler ſich erweitern, wird der Huͤgel ſchmaͤler. Seine Laͤnge vergroͤßern einige Anhoͤhen, welche gegen den Meerbuſen hervorſpringen. Seine Hohe beſtimmen drei Anhoͤhen, von denen die oͤſtlichſte etwa 1000 Schritte hoch iſt, bald hoͤher, bald niedriger wird, je nachdem das Thal ſich erweitert oder nicht. Wie verſchteden die Hoͤhe der gegen den Buſen her⸗ vorſpringenden Anhoͤhen ſei, beweiſen fuͤnf Wege, die vom Fuße bis an den Gipfel derſelben fuͤhren, und von denen der erſte 500, der zweite 600, und die uͤbrigen zwiſchen 100— 400 Schritte zum Aufſteigen erfordern, und von denen einige ſo abſchuͤſſig ſind, daß man nur mittelſt Stufen hinauf gelangen kann. Die Seitenwaͤnde dieſes Huͤgels betreffend, ſo find dieſe nicht ſonderlich ſteil: denn ihre hoͤchſte Hoͤhe betraͤgt nicht uͤber eine Stadie. Im Gegentheile ver⸗ liert ſich der Ruͤcken des Huͤgels nach und nach ganz in die Ebene. Die Kuͤſten⸗Ebene zwiſchen dem Meer⸗ buſen und dem Huͤgel betragt gegen Nord, wo ſie am beſchraͤnkteſten iſt, in der Breite 300 Schritte, wird aber auf einmal, da wo ſie mit den Thaͤlern 33 zuſammenfaͤllt, bis auf 400 Schritte erweitert.— Die linke Seite des Huͤgels hat außer einigen Anhoͤ⸗ hen gegen den Propontis, und außer einigen klei⸗ nen Vertiefungen nichts Ausgezeichnetes. X. Zweites Thal. Dieſes Thal, welches den zweiten Huͤgel vom dritten trennt, hat ſeinen Anfang vom Ruͤcken des Vorgebirges, und verliert ſich in jenem Theile der Kuͤſten⸗Ebene, auf dem der Fiſcher⸗ Markt, und die Syzeniſche Ueberfahrt ſich befindet. Von da bis zu den erſten Muͤndungen des Thales dehnt ſich eine Ebene von 400 Schritten in der Breite aus, die bald bis zu 200, und bald bis zu s0 Schritten ab⸗ nimmt, und endlich ſich ſo verenget, daß nur fuͤr eine Straße noch Raum genug iſt. Die Laͤnge deſ⸗ ſelben zieht ſich uͤber 600 Schritte, wovon man uͤber die Haͤlfte ebenen Weges gehen kann. Durch den unterſten Theil des Thales fuͤhret eine Straße gegen die Vorſtadt Galata. Auf beiden Seiten dieſer Straße ſtehen ſchlechte Krambuden mit Schindeln ge⸗ deckt, und mit elenden Fenſterchen verſehen, den Galatiniſchen Kaufleuten gehoͤrig, welche den von den Tuͤrken ſo genannten Markt Bezeſtein beſuchen, der im J. 154s ganz ein Raub der Flam⸗ men wurde, ausgenommen zwei große Moſcheen, die mit Backſteinen gewoͤlbt waren, und des Nachts totes B., Türkei, J. 1. mit eiſernen Thoren und Feunſtern zugeſchloſſen zu werden pflegten.— Die Flaͤche dieſes abgebrannten Marktes iſt eben, und nur von Weſt gegen Öſt, und von Suͤd gegen Nord etwas abhaͤngig. Sein Um⸗ fang betraͤgt gegen 5 Stadien, und da, wo er am hoͤchſten liegt, iſt weſtlich ein Bad mit 40 marmor⸗ nen Saͤulen geſchmuͤckt. Die beiden Moſcheen haben eine Art Neben⸗Gebaͤude, die im Grunde nichts als Gewoͤlbe ſind, mit Blei gedeckt, die zu Buden und Werkſtaͤtten verwendet werden. XI. Dritter Hügel. Dieſen bilden zwei Thaͤler. Das eine, oͤſtlich lie⸗ gend, trennt ihn vom zweiten, das andere weſtliche vom vierten Huͤgel. Sein Nuͤcken hat eine Laͤnge von mehr als 1000 Schritten. Er erſtreckt ſich vom Gipfel des Vorgebirges— von Suͤd gegen den noͤrdlichen Theil des Meerbuſens, mit faſt immer gleicher Hoͤhe. Der Ruͤcken des Huͤgels iſt ziemlich eben, aber ſein Fuß dehnt ſich um mohr als 300 Schritte weiter ge⸗ gen Nord aus, als der des zweiten Huͤgels. Auf der Ebene ſeines Ruͤckens, deren Flaͤche nach allen Rich⸗ tungen gegen 80o Schritte ausmacht, ſteht das Serailz auf dem oͤſtlichen Theile der Kraͤmer⸗Markt, das Hoſpital und das Grabmal des Sultans Paja⸗ zet. Auf dem ſuͤdlichen Theile iſt ein freier Platz, und um ihn her die Bibliothek⸗Gebaͤude. Der 35 uͤbrige noͤrdliche Theil des Huͤgel⸗Nuͤckens, deſſen Ebene nicht ſowohl Werk der Natur, als der Kunſt iſt, faßt in ſich des Sultaus Grabmal, ein Hoſpi⸗ tal, und einen praͤchtigen, muhamedaniſchen Tempel. Auf einer der noͤrdlichen Anhoͤhen des Huͤgels iſt der Thurm der Kaiſerin Irene, und auf einer weſtlichen der Tempel des heiligen Theodor. Uebrigens hat der Huͤgel noch mehrere Erhoͤhungen und Vertiefungen Gemahlinnen. Die linke Seite des Huͤgels hat ſuͤdlich und weſt⸗ lich zwei Anhoͤhen, von denen die ſuͤdliche 700 Schritte hoch iſt. Die Flaͤche des Huͤgels ſelbſt dehnt ſich gegen die Ebene hinaus bis an das dritte Thal. XII. Drittes Thal. Dieſes liegt zwiſchen dem dritten und vierten Huͤgel mitten inne, und ſcheint in gewiſſer Art ein gedoppeltes zu ſeyn. Denn es erhebt ſich in ſeiner Mitte ſo, daß man zweifelhaft bleibt, ob dieſe Er⸗ boͤhung ein Theil des Thales, oder des Vorgebirges ſei. Daß dieſe Erhoͤhung zum Thale gehoͤre, zeigt die Tiefe der Woͤlbungen— gehend von einer Seite des Thales bis zur andern; daß ſie zum Ruͤcken des „Vorgebirges zu gehoͤren ſcheint, ergibt ſich daraus, daß die aͤußerſten Theile des Thales von der Mitte auf die entgegengeſetzten Seiten hin— links und rechts ſich erniedrigen. Durch dieſe Erhoͤhung des Thales fuͤhren in gerader Linie Waſſer⸗Leitungen vom dritten bis zum vierten Huͤgel. Der linke Theil des Thales betraͤgt in ſeiner Flaͤche 700 Schritte, und er⸗ ſtreckt ſich bis zur Ebene, die das ſechshuͤgelichte Vor⸗ gebirge vom ſiebenten Huͤgel trennt— gegen den Propontis hin. Der Theil der Stadt vom Meer⸗ buſen bis zum Propontis durchſchneidet das dritte Thal, und betraͤgt in der Breite uͤber 10 Stadien. XIII. Vierter Hügel. Auf deſſen Ruͤcken iſt das Mauſoleum des Sul⸗ tans Muhamed, welcher Konſtantinopel ein⸗ nahm, ſichtbar, nebſt einem großen muhamedaniſchen Tempel, Hoſpitaͤlern und Baͤdern. Er wird umgeben von zwei Thaͤlern, dem Ruͤcken des Vorgebirges und der Kuͤſten⸗Ebene am Meerbuſen. Sein Umfang be⸗ traͤgt uͤber 3600 Schritte; ſeine Laͤnge erſtreckt ſich von ſeinem hoͤchſten Gipfel noͤrdlich gegen den Buſen hin bis auf 1000 Schritte, ſeine Breite dehnt ſich von Oſt gegen Weſt bis auf 800 Schritte aus. Er nimmt ſeine Richtung gegen den Meerbuſen, und theilt ſich in zwei ungleiche Fluͤgel, von denen der noͤrdliche ſich 37 in einen fortlaufenden, und auf beiben Seiten ab⸗ haͤngigen Ruͤcken erſtrecket; der oͤſtliche aber ſich ſo vertiefet, daß er gleichſam eine Stufe auf den andern Fluͤgel zu bilden ſcheint. Dieſer vierte Huͤgel ſteht mit dem fuͤnften in der naͤchſten Verbindung, und obgleich er den uͤbrigen an Hoͤhe nichts nachgiebt, ſo iſt er doch weit leichter zu beſteigen, weil ſeine Flaͤche nur nach und nach gegen die Ebene ſich neiget und von drei Seiten ziemliche Vertiefungen hat. Die Kuͤſten⸗Flaͤche zwiſchen dem Meerbuſen und dem vier⸗ ten Huͤgel iſt ganz eben, und hat eine verſchiedene Breite von 200 bis 400 Schritten. 1 XIV. Fünfter Hügel. Dieſer ſtoͤßt mit ſeinem aͤußerßen Fuße theils an den Meerbuſen, theils an zwei Thaͤler, die den Huͤ⸗ gel ſchließen, und von denen jedes, das eine oͤſtlich, das andere weſtlich einen Umfaug von 4000 Schritten hat. Auf ſeinem oberſten Gipfel prangt das Mau⸗ ſoleum des Sultans Selim. Dadurch, daß ſein Nuͤcken ſich gegen Nord erſtrecket, und daß die noͤrd⸗ liche Seite des vierten Huͤgels ſehr abhaͤngig iſt, er⸗ ſcheint der vierte Huͤgel gleichſam als Thal zwiſchen dem dritten und fuͤnften Huͤgel. Dieſer iſt von drei Seiten abhaͤngig. Der noͤrdliche Abhang iſt ſehr ſteil und faſt ſenkrecht, ſo daß man nur uͤber ſteinerne Stufen zu dem Hoſpitale des Sultans Selim ge⸗ 38 langen kann. Der oͤſtliche Abhang hat 1400 Schritte in der Laͤnge und 200 in der Breite. Die Tiefe des weſtlichen Abhanges richtet ſich nach der kleineren oder groͤßeren Vertiefung des Thales, und betraͤgt von 500— 300 Schritte. Der hintere Theil des fuͤnften Huͤgels macht die fuͤdliche Seite des Vorgebirges aus, und verliert ſich in die Ebene jenes Thales, welches die ſechs Huͤgel des Vorgebirges von dem ſiebenten Huͤgel trennt. Die Kuͤſten⸗Ebene betreffend, ſo iſt dieſe nirgends kleiner, als am Fuße dieſes fuͤnften Huͤgels. Denn ihre Laͤnge geht nicht uͤber 1000, ihre Breite nicht uͤber 100, manchmal nicht uͤber so Schritte. XV. Fünftes Thal. Dieſes trennt den fuͤnften Huͤgel von dem ſech⸗ ſten, erſtreckt ſich noͤrdlich vom Meerbuſen gegen Suͤd, und iſt ſo lang, als das Vorgebirge breit, naͤmlich ohngefaͤhr 1200 Schritte, deren erſte Soo von der Kuͤſte her ganz eben ſind. Die erſte Oeffnung des Thales betraͤgt wohl 400 Schritte in der Breite, die ſich aber bis auf 200 vermindert. Dieſes Thal bildet die linke Seite des Vorgebirges, und faͤllt endlich mit dem Thale zuſammen, welches die ſechs Huͤgel des Vor⸗ gebirges vom ſiebenten Huͤgel trennt. XVI. Sechſter Hügel. Durch deſſen Nuͤcken und die noͤrdliche Seite lau⸗ fen die Mauern der Stadt bis zur Kuͤſte. Er iſt ſo — 39 lang, als das Vorgebirge hier breit iſt, demnach 2400 Schritte; ſeine Breite jedoch betraͤgt nirgends uͤber 800, aber auch nicht unter 400 Schritte. Er hat auf drei Seiten Abhaͤnge, der ſuͤdweſtliche und ſanfteſte Abhang iſt auf dem linken Theile des Vorgebirges; auf dem rechten Cheile iſt der zweite Abhang— gegen den Meerbuſen noͤrdlich, dieſer zieht ſich in eine Laͤnge von 1500 Schritten, und aus ihm ſpringen zwei klei⸗ nere Huͤgel hervor, von denen in dem den Mauern der Stadt naͤher liegenden, eine Waſſerleitung ange⸗ bracht iſt, durch welche das Waſſer mittels Roͤhren in die Stadt gefuͤhrt wird, und dort in ein marmor⸗ nes Becken ſich ergießt. Auf eben dieſem Huͤgel mit der Waſſer⸗Leitung, ſtand ehemals der hochgefeierte Tempel der Blachernas— geweiht der heiligen Got⸗ tesgebaͤhrerin, und erbaut von dem Kaiſer Marcian und der Kaiſerin Pulcheria. Die öſtliche Seite des Hügels iſt ſo lang, als der Huͤgel ſelbſt; aber nicht ſo abhaͤngig, wie die uͤbrigen Seiten. Sie richtet ſich in dieſer Hinſicht nach den verſchiedenen Vertiefungen des Thales.— Die Kuͤſten⸗Ebene, zwiſchen dem Fuße des Huͤgels und dem Meerbuſen iſt wenigſtens 80o Schritte breit, da naͤmlich, wo der Tempel der Blachernas ſtand. 40 XVII. Von dem Thale, welches das ſechs⸗ hüglichte Vorgebirge vom ſiebenten Hügel trennt. Durch dieſes wird der ſiebente Huͤgel von den uͤbrigen ſechs getrennt. Er hat eine unbedeutende Hoͤhlung, breitet ſich aber mit der an daſſelbe ſtoßen⸗ den Kuͤſten⸗Ebene auf 4000 Schritte aus; ohne die⸗ ſelbe hat er eine Laͤnge von 3300 Schritten. Seine Breite geht auf 500— 600 Schritte. Das Thal iſt faſt ganz eben, und die Erhoͤhungen und Vertiefungen in demſelben unmerklich.— Es umfaſſet Gaͤrten und Wieſen, und dient zum Uebungs⸗Platze der Truppen. XVIII. Siebenter Hügel. Auf dieſem befindet ſich die beruͤhmte Saͤule des Kaiſers Arcadius. Der Huͤgel ſelbſt wird Bero⸗ lophos genannt, hat einen Umfang von ohngefaͤhr 12,000 Schritten, und umfaßt uͤber ein Drittheil der Stadt. Die uͤbrigen zwei Theile gehen auf die s Huͤ⸗ gel des Vorgebirges, welche einen Umfang von 20,000 Schritten haben. Der ſiebente Huͤgel bildet im Dreiecke das Konſtantinopel vorſtellet, den dritten Winkel. Er hat zwei ſehr ſanfte Abhange, den einen gegen erſt genanntes Thal, das ihn von den z uͤbrigen Huͤgeln ſondert; den andern gegen den Propontis. Dieſer letzte iſt theils oͤſtlich, theils ſuͤdlich, und hat eine 41 verſchiedene Hoͤhe. Dieſe nimmt ab, je mehr der Abhang ſelbſt ſich gegen den dritten Winkel der Stadt hinzieht, wo er ſich in die Kuͤſten⸗Ebene verliert, deren Breite von da an zunimmt, je mehr ſie ſich von dem dritten Winkel der Stadt entfernet. Seinen langen und breiten Ruͤcken begraͤnzt weſtlich die ſchon erwaͤhnte Mauer des Cyrus, und auf ihm befindet ſich auch die ſchon eingegangene Ciſterne Moziſia, deren Umfang 970 Schritte ausmacht. Jetzt iſt ſie zu Gaͤrten verwendet. XIX. Von den Mauern der Stadt. Die Mauer von Konſtantinopel iſt theils aus Quader⸗-, theils Bruch⸗, theils Ziegelſteinen gebaut. Der nicht vom Meere umgebene Theil der Mauern iſt doppelt, und mit einem 25 Schritte breiten Graben umgeben, der von Innen und Außen gemauert iſt. Der Naum zwiſchen der doppelten Mauer betraͤgt 18 Fuß in der Breite. Die innere Mauer iſt ſehr hoch, uͤber 20 Schuhe breit, und mit mehr als 250 Thuͤrmen verſehen, auf welche ſteinerne Stufen fuͤh⸗ ren. Die aͤußere Mauer iſt um die Haͤlfte kleiner, aber mit eben ſo viel Thuͤrmen befeſtiget. Was die eigentliche Befeſtigung betrifft, ſo iſt der Raum zwi⸗ ſchen der aͤußern und dem Graben tiefer, als die an⸗ dere Seite jenſeits des Grabens. Die Gegend um die Mauern iſt ganz kahl und ſo eben, daß man ge⸗ 42 gen jede Richtung die weiteſte Ausſicht hat, und Kon⸗ ſtantinopel koͤnnte ohne Zweifel eine der feſteſten Staͤdte werden. Die Mauern an der Kuͤſte ſind zwar niedriger als die anderen; aber mit Zinnen und Thuͤr⸗ men wohl verſehen. Auf der Seite des Meerbuſens ſind ſie gegen s0 Schritte von der Kuͤſte entfernt; aber auf Seite des Bosporus und des Propont is ſind ſie gerade oberhalb des Ufers; außer da, wo der Ha⸗ fen einen Raum zwiſchen dem Ufer und der Mauer nothwendig macht. Die Mauern von Konſtantinopel wurden von verſchiedenen Kaiſern, von Konſta ntin, Theophi⸗ lus, Theodos dem Juͤngern, Ju ſtinian und Andern ausgebeſſert und wieder hergeſtellt. Uebrigens waren ſchon, wie bereits beregt wurde, die Mauern des alten Byzanz nach dem Zeugniſſe des Pauſantas feſt und gewaltig.— Ob die doppelte Mauer von Konſtantinopel, von welcher oben geſprochen wurde, die naͤmliche noch ſey, wie ſie heute zu Tage ſiehet, oder diejenige, welche Theodos der Juͤngere er⸗ baute, iſt ungewit. XX. Von Konſtantinopel's Thoren und den 7 Thürmen des alten Byzanz. Konſtantinopel hat eine Menge und einige ſehr prachtvolle Thore. So haben die nicht vom Meere umſpuͤlten Mauern s Thore, eines unterhalb des Kon⸗ 43 ſtantiniſchen Palaſtes, ein zweites, genannt das Adria⸗ nopolitaniſche, und ein drittes auf der Hoͤhe des ſiebenten Huͤgels, die uͤbrigen drei ſind die goldene Pforte, das Selymbriſche Thor, und jenes der 1 Thuͤr⸗ me. Auf der Seite des Meerbuſens iſt das erſte das Blachernaſiſche, heut zu Tage Holz⸗Chor ge⸗ nannt, liegt nahe am dritten Winkel der Stadt. Dann folgt Porta Palatina— Phanariaga— Agia— Jubalica(Mehlthor)— Urcapi— Farina— Lignaria— Semiänaria— Riscaria— Porta Neorii, dann die Porta Demetrii auf der Hoͤhe des erſten Huͤgels gelegen. Auf der Seite des Pro⸗ pontis ſind s Thore, die mit Stufen zum Meere verſehen ſind, da naͤmlich, wo der Stappelplatz ſich befindet. Von dieſen iſt das erſte Porta Leonina— das zweite Porta Sterconaxia und das dritte Condescalaz die zwei uͤbrigen ſind unten am ſie⸗ benten Huͤgel. Auf dieſe Seite gehoͤren noch die Thore der kaiſerlichen Burg. Im alten Byzanz iſt noch das Thraziſche Thor zu bemerken, und neben demſelben die 1 Thuͤrme, beruͤhmt durch das Echo, welches ſie hervorbringen, und von welchem ſchon Plinius Meldung thut. XXI. Von der langen Mauer. Dieſe erbaute Kaiſer Anaſtas gegen die An⸗ faͤlle der Bulgaren und Seythen. Sie ward von 44 ten zerſtoͤrt; aber vom Kaiſer Juſt in ian wieder her⸗ geſtellt. Um den Soldaten die Vertheidigung zu er⸗ leichtern, ließ er alle Ausgaͤnge der Thuͤrme, die wie⸗ der in andere Thuͤrme fuͤhrten, verbauen, ſo daß jeder Thurm nur einen Eingang hatte. Dieſe lauge Mauer ſchließt alle Landguͤter in der Nachbarſchaft der Stadt ein; iſt von ihr 50,000 Schritte entfernt, und 20 roͤmiſche Fuß breit.. II. B uch. I. Von den Gebänden und Alterthümern des alten Byzanz und des neuen Konſtantinopel. Bereits haben wir Geſtalt, Groͤße und natuͤrliche Lage von Konſtantinopel dargeſtellt; jetzt iſt noch uͤbrig anzufuͤhren merkwuͤrdige Gebaͤude und andere Denkmaͤler, welche Konſtantinopel einſt hatte oder noch hat; und in wie viele Quartiere es ge⸗ theilt wurde bei ſeiner zweiten Gruͤndung durch Kon⸗ ſtautin den Großen. Aber es iſt ſchwer, nur noch von Denkmaͤlern, Alterthuͤmern und jenen herrli hen Zierden der Vorzeit uͤberhaupt ſprechen zu wollen. Denn blinde barbariſche Wuth und die Roheit und Wildheit der Tuͤrken hat mit Feuer und Schwerdt vertilget alle jene erhabenen Syuren alter Herrlichkeit, den Barbaren oͤfters eingenommen und an vielen Hr⸗. — — 4 45 Kunſt und Groͤße. Dabei nehme man noch Nuͤckſicht auf die Unwiſſenheit der Griechen, welche nicht die geringſte Kenntniß der Denkmaͤler der Alten haben; man erwaͤge auch die unerklaͤrbare Gleichguͤltigkeit der Prieſter, wenn jemand nur nach dergleichen fragt, und man wird es zu gut halten, wenn die folgenden Bemerkungen und Darſtellungen nicht ſo reichhaltig ſind, als ſie ſeyn koͤnnten. Das wenige, was mir von Alterthuͤmern zu er⸗ forſchen und zu beſchauen noch vergoͤnnt und moͤglich war, will ich nach der alten Ordnung der Huͤgel und der 14 Quartiere der Stadt darzuſtellen verſuchen. II. Von den Denkmälern des erſten Hügels und dem erſten Quartiere der Stadt. Der Geſchichtſchreiber Dionys von Byzanz zaͤhlt in Beziehung auf den erſten Huͤgel, den Pli⸗ nius Chryſokeras(Goldhorn) er ſelbſt aber Bos⸗ poriſches Vorgebirge im Allgemeinen nennt, folgende Alterthuͤmer auf: Er ſpricht von einem Altare der Diana, von einem alten Tempel Neptun's— beide oberhalb des Posporiſchen Vorgebirgesz ferner von Saͤulen, unter dieſen Neptuns⸗ Tempel, von Gymnaſien und einer Rennbahn fuͤr Juͤnglinge auf der Ebene gelegen. Er erzaͤhlt von 3 Haͤfen im Meerbuſen, genannt das Horn, mit Thuͤrmen und K. 7 ungeheueren Werken befeſtiget; von der Burg von Byzanz, welche auf dem Gipfel des Bosporiſchen Vorgebirges lag, und von der ſchon Senophon Meldung thut. Doch nicht blos die alten Byzan⸗ tiner, auch die griechiſchen Kaiſer hatten hier eine Burg, und noch jetzt haben die tuͤrkiſchen Sultane hier ein Schloß mit einer ungeheueren Mauer um⸗ geben, die zugleich die weitſchichtigen kaiſerlichen Gaͤr⸗ ten ganz umſchließt. Der Hiſtoriker Dion fuͤhrt die 7 Thuͤrme des alten Byzanz an, als am Thra⸗ ziſchen Thore gegen das noͤrdliche Meer, alſo gegen den Meerbuſen gelegen.— Herodot ſchreibt von einem Altare der Diana Orthoſia und von einem Tempel des Bacchus, der im alten Byzanz ſich befunden haben ſoll.— Dieſes und anderes fand ſich vor der Zerſtoͤrung von Byzanz durch Seve⸗ rus auf dem erſten Huͤgel und im erſten Thale. Nach ſeiner Wieder⸗Erbauung durch Konſtantin und nach der Gruͤndung von Konſtantinopel ward die Stadt in 44 Quartiere(regiones) getheilt. Die⸗ ſer Eintheilung gemaͤß nahm der erſte Huͤgel das erſte Quartier ein, das nun als merkwuͤrdige Gebaͤude in ſich faßte: den Palaſt der Kaiſerin Placidia, den Palaſt der gefeierten Marina, und die Baͤder des Arcadius. Wo aber eigentlich dieſes erſte Quartier der Stadt ſeinen Anfang gehabt habe, davon melden aͤltere Hi⸗ ſtoriker nichts. Nur aus Procop ſcheint hexvorzu⸗ 47 gehen, daß es am oͤſtlichen Theile der Stadt begon⸗ nen habe; denn er ſagt, daß, wenn man vom Pro⸗ pontis auf den oͤſtlichen Theil der Stadt zuſteuere, man auf die oͤffentlichen, oder Arcadiſchen Baͤder treffe, die, wie oben geſagt wurde, zum erſten Quar⸗ tiere gehoͤrten.— In dieſer Gegend ſoll nach Pro⸗ eop der Kaiſer Juſtinian eine praͤchtige Halle er⸗ baut haben, mit vortrefflicher Ausſicht und herrlichen marmornen Saͤulen, dazu ganz in der Naͤhe des Mee⸗ res, ſo daß man mit den Schiffenden ſprechen konnte. Das Ganze gewaͤhrte einen glanz⸗ und wuͤrdevollen Anblick; was aber dem Werke das meiſte Intereſſe gab, waren die vorzuͤglichen ehernen und marmornen Statuen, den Meiſterwerken des Phidias, Praxi⸗ teles und Lyſippus nicht nachſtehend. Unter ihnen ſoll die Statue der Kaiſerin Theodora eine uͤber alle Beſchreibung erhabene Vortrefflichkeit gehabt haben. Dem erſten Quartiere folgt nach der Ordnung und Lage derjenige Theil des zweiten Quartiers, wel⸗ cher vom kaiſerlichen Schloß umgeben iſt. Dieſer Theil war nach einer alten Beſchreibung gegen das Meer ungemein abſchuͤſſig. Dieſes mag auch da ge⸗ weſen ſeyn, wo die großherrlichen Kuͤchen und Baͤder ſich befinden. Außerdem muͤßten jene Abſchuͤſſe ge⸗ ebnet, oder wenigſtens unmerklicher gemacht worden ſeyn, und das vielleicht da, wo heut zu Tage 48 innerhalb des Schloß⸗Bezirkes ein alter Tempel ſtebt, gewoͤhnlich— zur kleinen Sophia— genannt. Der andere Theil des zweiten Quartieres iſt auſ⸗ ſerhalb des Bezirkes des kaiſerlichen Schloſſes. Er enthaͤlt mehrere Moſcheen, die Baͤder des Zeu⸗ tippus und die Sophien⸗Kirche. II. Von der Sophien⸗Kirche. Dieſer Tempel der Griechen wurde nach neue⸗ ren Hiſtorikern von Konſtanz, dem Sohne Kon⸗ ſtantinus des Großen, aus Holz erbaut.— In den Zeiten Theodos des Großen wurde er bei einem Aufruhre von den Arianern in Aſche gelegt, von Theodos wieder erbaut— aber aus Ziegelſteinen— und von den Arianern unter Kaiſer Theodos dem Juͤngern bei Gelegenheit des Aufſtandes ge⸗ gen den damaligen Patriarchen von Konſtantino⸗ pel, den H. Johannes Chryſoſtomus, wieder angezuͤndet, in der Abſicht, die im Temyel einge⸗ ſchloſſenen Anhaͤnger des h. Johannes Chryſoſto⸗ mus zugleich mit dem Tempel zu verbrennen. Nach Procop wurde er auch unter der Regierung Ju ſti⸗ nian's ein Raub der Flammen; dieſer ſtellte ihn aber weit groͤßer, herrlicher und maſſiver wieder her, ſo daß er gegen Feuersgefahren hinlaͤnglich geſichert war. Juſtinian ſoll auch, um die Kirche erweitern zu koͤnnen, mehrere benachbarte Haͤuſer gekauft 49 haben. Aber nachdem er ſie mit ungeheuerem Auf⸗ wande erbaut hatte, wurde ſie in ihren noͤrdlichen Boͤgen durch ein Erdbeben wieder bedeutend beſchaͤ⸗ diget, von Juſtinian ſelbſt hergeſtellt, und zugleich das Mangelhafte der fruͤheren Bauart immer mehr verbeſſert. Solche Beſchaͤdigungen und Ausbeſſerun⸗ gen der Sophien⸗Kirche fielen in der Folge noch mehrere vor, bis ſie endlich die Geſtalt erhielt, welche ſie heut zu Tage hat. Die Laͤnge der Sophien⸗Kirche betraͤgt vom Tabernakel bis zu dem ihm gegenuͤber ſtehenden Thore 190 Fuß, die Breite von Nord gegen Suͤd 115, und die Hoͤhe vom Boden bis zum Mittelpunkte der Halbkugel, welche das Dach vorſtellt, 180 Fuß.— Nach einer Meſſung, welche Gyles durch einen Tuͤr⸗ ken vornehmen ließ, betrug die Laͤnge der Sophien⸗ Kirche von Oſt gegen Weſt 240, die Breite 243, und die hoͤchſte Hoͤhe 142 Schuhe. Wer uͤber die ehemalige innere und aͤußere Ge⸗ ſtalt der Sophien⸗Kirche recht viel ſchoͤnes und genaues wiſſen will, der leſe die Geſchichtſchreiber Procop, Agath, Paul Florus und Evagriusz uns genuͤgt es noch uͤber die jetzige Beſchaffenheit der Sophien⸗Kirche die beſt moͤglichſte Auskunft zu geben. lotes B. Türkei, J. 1. 4 50 III. Beſchreibung der jetzigen Geſtalt der Sophien⸗Kirche. Der Eintritt in die Sophien⸗Kirche iſt uͤberra⸗ ſchend und hoͤchſt eindrucksvoll. Hohe Pracht und blendender Glanz leuchten dem ſtaunenden Auge ent⸗ gegen. Das Innere der Waͤnde mit koſtbarem und verſchiedenfarbigem Marmor uͤberzogen, verbreitet in Verbindung mit kleinen gewuͤrfelten, mit Gold uͤber⸗ zogenen Glasſteinchen, mit welchen die Waͤnde eben⸗ falls verziert ſind, wie in der Markus⸗Kirche von Venedig*), einen wunderſchoͤnen Schimmer, und ſelbſt Barbaren beſtaunen die kuͤnſtliche Arbeit. Das ganze ungeheuere Gewoͤlbe der Kirche wird von s großen Pfeilern getragen. Die 4 groͤßeren und hoͤheren derſelben tragen, im Gevierte ſtehend, vier große Schwibboͤgen, welche die gewoͤlbte Decke eine Halbkugel bildend, ſtuͤtzen. Der noͤrdliche und ſuͤd⸗ liche dieſer Schwibboͤgen werden mittelſt einer doppel⸗ ten Reihe von Saͤulen getragen, dagegen der oͤſtliche und weſtliche haben und beduͤrfen keine Saͤulen, wo⸗ durch die Kirche um ſo geraͤumiger wird. Die oben bemerkten 4 Pfeiler unterſtuͤtzen nicht nur die a großen Schwibboͤgen, ſondern jeder einzelne von ihnen traͤgt auch zwei kleinere Pfeiler, von denen einer nach der 3 *) Siehe Jaͤck's Beſch. 1 mar. 1823. 8. ſchreibung von Venedig. Wei⸗ 51 Laͤnge, der andere nach der Breite gelegt iſt, wodurch mehrere groͤßere Pfeiler unnoͤthig werden, und wo⸗ durch alſo der Tempel ſowohl an Laͤnge als an Breite ungemein gewinnt. Durch die Stellung der Saͤulen und durch die Lage der Schwibboͤgen bilden ſich auf beiden Seiten des Tempels innerhalb der Pfeiler 6 große Naͤume oder Hallen, 3 obere und 3 untere. Dieſe Hallen erſcheinen von 3 Seiten viereckigt, nur auf der Seite, wo man in das Innere, in das eigentliche Schiff des Tempels hinein ſieht, haben ſie die Geſtalt des Tempels ſelbſt— da ſind ſie naͤmlich eirund. Wir wollen 3 dieſer Hallen, und zwar die oben auf der noͤrdlichen Seite des Tempels beſchreiben, die uͤbrigen ſind dieſen ziemlich aͤhnlich. Die erſte dieſer Hallen iſt in dem nordoͤſtlichen Winkel des Tempels. Ihre 2 aͤuſſeren Seiten begin⸗ nen von dem Gemaͤuer, und endigen in einem der Schwibboͤgen. Zwiſchen dieſen Seiten ſtehen 3 vier⸗ eckigte Saͤulen ſtatt einer Wand, und als Pfeiler an den Fenſtern mit s Fuß im Umfange. Oberhalb dieſer ſind noch 3 andere viereckigte Saͤulen, alle aus weiſ⸗ ſem in das blaͤulichte ſich verlierenden Marmor. Die an das Innere des Tempels ſtoßende Seite hat 6 gruͤne Saͤulen, welche ⸗ Fuß und s Zoll im Umfange haben. In den Zwiſchen⸗Raͤumen der Saͤulen von 8 Fuß Breite, ſind 4 Schuh hohe Staffeleien ange⸗ — 2 bracht, von welchen man ganz in das Innere des Tempels, ſowohl nach oben, als nach unten ſehen kann.— Die Seite, welche die erſte Halle von der zweiten ſondert, zieht ſich von der aͤuſſeren Wand gegen Nord bis zu dem großen Pfeiler, der einen der Schwibboͤgen der Halbkugel traͤgt, und hat eine Laͤnge von 44 Fuß. Durch eine Oeffnung von 20 Fuß in der Breite gelangt man von der erſten Halle in die zweite. Die Woͤlbung der zweiten Halle ruht auf Schwib⸗ boͤgen und Mauern, in der Mitte aber auf 4 blaͤu⸗ lichten Saͤulen mit:/ Fuß Perimeter. Ihre aͤuſſere Seite hat ſtatt einer Wand 8 Saͤulen mit s Fuß im Umfange. Zwiſchen dieſen Saͤulen ſind Fenſter an⸗ gebracht, die ſowohl oben als unten 16 an der Zahl, dieſe mittlere Halle erhellen. Diejenige Seite der⸗ ſelben, welche gegen das Innere des Dempels ſich zieht, wird von 6 gruͤnen Saͤulen geziert, zwiſchen welchen aͤhnliche Staffeleien ſind, wie bei der erſten Halle. Aus dieſer mittleren fuͤhrt ein aͤhnlicher Zu⸗ gang, wie zur zweiten, zur dritten Halle. Dieſe iſt der erſten aͤhnlich an Laͤnge, Fenſtern, Pfeilern, Saͤulen; 4 Saͤulen naͤmlich tragen eben⸗ falls ſeine Decke, und 6 gruͤne ſchmuͤcken ſeine innere Seite. Nur hat dieſe dritte Halle zwiſchen den? Pfei⸗ iern, welche den oͤſtlichen Theil der Halbkugel tra⸗ gen, und welche an dieſer Halle ſtehen, 4 gruͤne Das groͤßte und wahrhaft majeſtaͤtiſche Thor iſt aber 53 Saͤulen, von denen immer 2 beiſammen ſtehen. Zwi⸗ ſchen dieſen ſind wieder 6 dun ere gruͤne Joniſche Saͤulen. Ueber die Eingaͤnge und Thore des Tempels iſt zu bemerken: das weſtliche Thor hat ſtatt eines ge⸗ woͤhnlichen Einganges zwei bedeckte Gaͤnge; einen untern, durch welchen man zur ebenen Erde den Tempel betritt, und einen oberen, welcher zu jenen den Frauen beſtimmten Plaͤtzen fuͤhret; beide ſind ſo lang, als der Tempel breit iſt, und ſelbſt 28 Fuß breit. Von der oͤſtlichen Seite des untern Ganges fuͤhren 9 Thore zu der Kirche, und von der weſtli⸗ chen Seite geht man durch s eherne Thore von dem untern inneren Gange in den aͤußern. Denn der un⸗ tere Gang iſt doppelt, und der innere gewaͤhrt durch den ihn verzierenden verſchiedenartigen Marmor, und durch vergoldete Glas⸗Steinchen, die in ihm ange⸗ bracht ſind, einen glaͤnzenden Anblick. Von dem aͤuſ⸗ ſeren Gange kommt man auf einen freien Platz mit herrlichen Spring⸗Quellen verſehen, von welchem man uͤber viele Stufen weiter abwaͤrts ſteiget. In beide Gaͤnge fuͤhren auch noͤrdlich und ſuͤdlich Zugaͤnge mit s ehemals eiſernen Thoren von ſehr kunſtvoller Arbeit, von denen jetzt nur noch 3 uͤbrig ſind. Oeſt⸗ lich hat die Sophien⸗Kirche noch 2 doppelte Thore, auſſer denen noch, die gewoͤhnlich verſchloſſen bleiben. 54 das oben genannte weſtliche. Uebrigens iſt das In⸗ nere der Kirche prachtvoll erleuchtet, theils durch eine ungewoͤhnliche Menge von Lichtern, theils durch eine Anzahl von ungefaͤhr 120 Fenſtern, die in derſelben angebracht ſind. Betrachtet man jetzt, wie viel dieſe Sophien⸗Kirche in der Folge der Zeiten gelitten durch Erdbeben und die Wuth barbariſcher Voͤlker; wirft man nur einen fluͤhhtigen Blick auf die fuͤrchterlichen Zerſtoͤrungen, welche der wilde Fanatismus der Bilder⸗Stuͤrmer in dieſem Tempel anrichtete; bedenkt man, daß von dem ungeheuren Schatze an Edelſteinen, von den ehe⸗ mals das prachtvolle Presbyterium der Kirche ſtrahlte, nichts mehr uͤbrig iſt, da ſie die Beute ſieg⸗ reicher Feinde wurden; erinnert man ſich an jenen unuͤbertrefflichen und unnachahmlichen Altar, welcher eine Zuſammenſetzung von Gold, Silber, jeder Art von Holz und Edelſteinen war, und der ein Raub der Barbaren wurde; bedenkt man ferner alle jenen reichen Schenkungen, welche die Kaiſer, Patriarchen und Vornehmen von Konſtantinopel in den Tem⸗ pel geopfert hatten, und von denen nichts mehr zu finden iſt— betrachtet man alles dieſes nur fluͤchtig, ſo kann man ſich vielleicht einen ſchwachen Begriff von der ſeltenen Pracht, von der unvergleichlichen Schoͤn⸗ heit, von dem unſchaͤtzbaren Schatze, und von der bohen Kunſt machen, die zuſammen die Sophien⸗ Kirche in Konſtantinopel ſo hoch beruͤhmt machen. 5⁵ IV. Vom Leuchtthurme Pharus, und von dem Palaſte Mongana. Der Leuchtthurm wurde auf dem Vorgebirge zu Gunſten der Schiffenden erbauet, und koͤnnte nirgends mehr am rechten Platze ſtehen, als neben der So⸗ phien⸗Kirche. Denn in welcher andern Gegend koͤnnte er den vom Bosporus und Propontis Berſchif⸗ fenden mehr leuchten? Mongana hieß fruͤher der Ort, wo die Kriegs⸗ Maſchinen aufbewahrt wurden, war alſo eine Art Zeughaus, und zwar in oder neben dem kaiſerlichen Schloſſe. Der Kaiſer Konſtantin Monomachus erbaute ſpaͤter an dieſem Platze ein praͤchtiges und großes Kloſter zur Ehre und auf den Namen des h. Maͤrtyrers Georg— ebenfalls Mongana genannt. Der mit dem Podagra behaftete Kaiſer Alexius Comenus hielt ſich gewoͤhnlich in dem großen oͤſttich gelegenen Palaſte auf, wechſelte aber, da ihm die Luft hier nicht als heilſam geſchildert wurde, mit dem Kloſter Mongana. V. Von den Bädern des Zeuxippus und deren Statuen. Die ſogenannten Baͤder des Zeuxippus wur⸗ den nach Zedrin und Euſeb von Jupiter Zeu⸗ rippus in ſeinem Tempel erbaut. Sie waren in der 56 Nachbarſchaft der Sophien⸗Kirche. Dieſes erhellt aus einer alten Beſchreibung, welche die Sophien⸗Kirche und die Baͤder des Zenxippus in ein und daſſelbe Quartier ſetzt, und dann aus einem unter Juſti⸗ nian vorgefallenen Brande, durch welchen nach dem Zeugniſſe Procop's die Sophien⸗Kirche und die benachbarten Gebaͤude, nie das ſogenannte Bad des Zeuxippus und die Vorgebaͤude des kaiſerlichen Palaſtes Chabkas— ein Raub der Flammen wurden. 1 Nach Zedrin beſaßen dieſe Baͤder einen großen Schmuck an kunſtvollen Ardeiten„ marmornen Gebil⸗ den, ehernen Statuen und Bildern der Alten mit taͤu⸗ ſchender Aehnlichkeit. Unter dieſen zeichnete ſich be⸗ ſonders das Bildniß Homers aus. Auſſerdem wa⸗ ren noch die Statuen der beruͤhmteſten Weiſen„Red⸗ ner, Dichter und Helden in dieſen Baͤdern, theils aus Erz, theils aus Marmor enthalten, welche alle der oben angefuͤhrte Brand zerſtaͤrte. Jetzt ſind gar keine Spuren der Baͤder des Zeuxrippus mehr uͤbrig, auſſer einigen Epigrammaten, die fruͤher unter einigen Statuen ſtanden. VI. Die Hoſpitäler Sampſon's und Eubulus, und die Statue der Kaiſerin Eudoxia. Die Hoſpitaͤler Sampfon's und Eubulus wa⸗ ren nach Procop und Zedrin in der Gegend des 57 Sophien⸗Tempels, was ſchon daraus erhellet, weil ſie bei demſelben Brand, durch welchen die Sophien⸗ Kirche in Aſche gelegt wurde, ebenfalls eingeaͤſchert wurden. Eine andere Nachricht Procop's ſetzt dieſe Hoſpitaͤler Alüthen die Sohixne Kirche und den Tempel der h. Irene. Die Statue der Kaiſerin Eudoxig iſt nach den Kirchen⸗Geſchichtſchreibern Soerates und Sozo⸗ menus aus Silber, und aufgeſtellt an der mittaͤgi⸗ gen Seite der Sophien⸗Kirche. Man erwies ihr, wie gewoͤhnlich den kaiſerlichen Bildniſſen, verſchie⸗ dene Ehrenbezeugungen, hielt zu ihrer Ehre oͤffent⸗ liche Schauſpiele, Taͤnze ꝛe., wogegen der h. Jo⸗ bannes Chryſoſtomus gewaltig eiferte. Dieß war auch die Urſache ſeiner Verweiſung aus Kon⸗ ſtantinopel. VII. Drittes Quartier. Dieſes umfaßte jene Gegend, wo die Renn⸗ bahn, das Haus des Ibrahim Paſcha und die Pforte Leos ꝛc., und gepen das Meer hin das Tri⸗ bunal Konſtantin's, der Circus Maximus, der Palaſt der Kaiſerin Pulcheria ꝛc. ſtanden. Wir wollen dieſe Merkwuͤrdigkeiten naͤher kenuen lernen. 58 VIII. Von der Rennbahn und dem Obelisk in ¹derſelben. Die Erbauer der Rennbahn waren nach neueren Geſchichtſchreibern, z. B. Zonaras und andern, der Kaiſer Severus, nachdem er ſich mit den Byzan⸗ tinern wieder ausgeſoͤhnt hatte; und nach dem aͤl⸗ teren Zoſimus— Konſtantin der Große, der ſie mit aller Pracht ausgeſtattet, und einen Cheil der⸗ ſelben zu einem Tempel Kaſtors und Pollux ein⸗ gerichtet haben ſoll. In der Mitte der Rennbahn ſteht ein Obelisk von Thebaiſchem Stein, wel⸗ chen eine Beſchreibung von Konſtantinopel in das fuͤnfte Quartier ſetzt, der aber wahrſcheinlich in der Folge in die Rennbahn geſtellt wurde. Auſſer⸗ dem gibt es auch noch im kaiſerlichen Schloſſe einen viereckigten, ebenfalls aus Dheb giſchem Stein ver⸗ fertigten Obelisk neben den kaiſerlichen Glasfabri⸗ ken. Er wurde ſpaͤter umgeworfen, von einem ange⸗ ſehenen Venetianer gekauft, und auf dem St. Mar⸗ kusplatz zu Venedig aufgeſtellt. Der Obelisk in der Rennbahn aber ſteht noch bis auf den heutigen Tag. Er ruht auf a eiſernen, Wuͤrfeln, und dieſe auf einem Fußgeſtelle zu dem 2 Stufen hinauf fuͤhren. Dieſes Fußgeſtell iſt auf allen Seiten 12 Schuh breit, und 4 Schuh s Zoll hoch, und 1 ½ Schuh uͤber die Baſis des Obelissen hervorſtehend. Als dieſer fertig war, war man in der groͤßten — 59 Verlegenheit, wie man ihn aufrichten koͤnne. Nur mit der groͤßten Gefahr, und nach der aͤuſſerſten An⸗ ſtrengung gelang es, und zwar unter TCheodos dem Juͤngern, durch die Leitung und den Rath eines gewiſſen Proclus, worauf einige Spigrammata zielen, die auf den Seiten des Fußgeſtells des Obe⸗ lisken zu leſen ſind. Uebrigens ſind an alle Seiten des Fußgeſtells eine Menge Bilder, Statuen und Vorſtellungen eingegraben, deren manche ſehr inter⸗ eſſant ſind. Nebſt dem beſchriebenen Obelisk ſteht in der Mitte der Rennbahn ein hoher aus Quaderſteinen zuſammen⸗ geſetzter Koloß, der ehemals nach einigen, aber faͤlſch⸗ lich mit Marmor-Platten, nach andern mit ehernen Tafeln uͤberzogen war, die mit eiſernen Klammern zuſammen gehalten wurden, wie dieß die Spuren noch zeigten. Den ganzen Koloß kaufte ein Jude⸗ Namens Emeſerus, welcher das abgeſchlagene Erz auf 000 Kameelen wegfuͤhrte.— An ſeinem Fußge⸗ ſtelle, welches aus Marmor und 7 Fuß hoch iſt, be⸗ finden ſich 3 Stufen von 4— 2 Fuß Hoͤhe. Der Ko⸗ loß ſelbſt iſt weit hoͤher als der Obelisk. IX. Von den Säulen der Rennbahn. Eine Anzahl von beinahe 30 Saͤulen verherrlichte ehemals die Rennbahn, deren viele leider! dem Zahne der Zeit und dem Zerſtoͤrungsgeiſte unterlegen ſind. 60 In der Mitte der Laͤnge der Rennbahn ſteht eine Reihe von* Saͤulen, unter denen eine aus Arabi⸗ ſchem Marmor von 17 Fuß und s Zoll im Umfange iſt, auf welche Ibrahim Paſcha eine Statue des Herkules aus der Ungariſchen Beute aufgeſtellt hatte, die jedoch nach deſſen Tode von den unwiſſen⸗ den, fuͤr alles Schoͤne unempfindlichen Tuͤrken, als eine unnuͤtze Sache den Flammen uͤbergeben wurde.— In derſelben Saͤulen⸗Reihe iſt noch eine andere Saͤule, an welcher in vielen Kruͤmmungen 3 Schlaugen in einander gewunden ſich emporſchlaͤngeln, die mit ihren 3 Köpfen in gleicher Hoͤhe uͤber die Saͤule hervorra⸗ gen.— Warum dieſe Saͤule hier aufgeſtellt wurde, daruͤber erzaͤhlen die Konſtantinopolitaner viel Fabel⸗ haftes. Das Wahrſcheinlichſte iſt, daß Konſtantin im Kriege mit den Perſern den beruͤhmten Delphi⸗ ſchen Dreifuß erbeutet, in der Rennbahn aufgeſtellt, und auf eine dreikoͤpfige eherne Schlange geſetzt habe, wie dieſes auch wirklich zu Delphi der Fall war. Hierauf folgen in der naͤmlichen Ordnung, wie der Obelisk, der oben beſchriebene Koloß, und die erſt genannte eherne Saͤule— naͤmlich nach der Laͤnge der Rennbahn, und s andere Saͤulen.— Am vorde⸗ ren Theile der Rennbahn fſuͤdweſtlich gegen den Pro⸗ pontis ſtanden, als Gyles noch zu Konſtanti⸗ nopel war, 11 aus weißem Marmor gefertigte Saͤu⸗ len— gewunden— mit Kapitaͤlern und Kronen, und 61 mit 2 Schuh 10 Zoll hohen Fußgeſtellen. Die Saͤu⸗ len ſelbſt hatten 28 Fuß Hoͤhe. Gegenwaͤrtig ſtehen ſie nicht mehr in der Rennbahn, da ſie zu dem Baue des Hoſpitals des Sultans Soliman verwen⸗ det wurden. Oberhalb dieſer Saͤulen Reihe ſtanden vor der Eroberung der Stadt durch die Osmanen noch einige andere Saͤulen gleichfalls, wie die ſchon ge⸗ nannten von Korinthiſcher Arbeit in der Renn⸗ bahn, und ehe die Franzoſen und Venetianer ſich der Stadt bemaͤchtigten, waren daſelbſt noch ſtei⸗ nerne, eherne, zum Cheil vergoldete Saͤulen, und wahre Kunſtwerke, und dieſe ſollen alle aus Kon⸗ ſtantinopel gewandert ſeyn. Dabei wollen wir nicht gedenken der großen Anzahl von Statuen der Kaiſer, Fuͤrſten, Verſchnittenen, Fauſtkaͤmpfer, Rin⸗ ger und Wettrenner; die meiſten liegen in Truͤmmern umher, und nur hie und da anzutreffende Epigramme rufen die Namen derer, welche ſie vorſtellten, wie⸗ der in das Andenken zuruͤck. Ein trauriges Bild der Barbarei. Bereits hat man angefangen die Renn⸗ bahn ſelbſt, dieſes ehrwuͤrdige Denkmahl alter Kunſt und Schoͤnheit— voͤllig abzubrechen; die Rennbahn, in welcher der große Beliſar, der Stolz und die Zierde der Roͤmer, ſeinen Triumph uͤber die Vanda⸗ len feierte, wird endlich ſelbſt dem Vandalismus erliegen! In dieſer Gegend, naͤmlich zwiſchen der Renn⸗ bahn und dem Propontis, ſind noch zu bemerken, der Tempel des Bacchus, der Hof des Hormis⸗ das, eines Perſiſchen Prinzen und der Palaſt Juſtinian's Der Hof des Hormisdas wurde nach Procop mit dem Palaſte Juſtinian's, welcher durch ſeine Verzierungen mit Marmor, Saͤulen, Ver⸗ goldungen ꝛc. einen prachtvollen Anblick gewaͤhrt ha⸗ ben ſoll, vereiniget und beſtand mit ihm als ein Ge⸗ baͤude. Der Tempel des Petrus und Paulus iſt mehr unter dem Namen des Dempels des Bajus und Bacchus bekannt, und jetzt eine Moſchee der Tuͤrken. Sie iſt rund gebaut auf 3 Pfeilern, und zwiſchen dieſen eine doppelte Reihe Joniſcher Saͤu⸗ len. Die untere Reihe machen 16, die obere 18, theils weiß und roth gefleckte, theils gruͤne Saͤulen aus. X. Vom Hafen Julian's und der Sophia. Vom ſogenannten Säulen⸗Gange Sigma, und von dem Sophianiſchen Palaſte. Der Hafen Julian's— ſpaͤter Hafen der So⸗ phia(Gemahlin Juſtinian's) genannt, lag neben dem Tempel des Sergius und Baechus. Kaiſer Anaſtas verſchoͤnerte und befeſtigte ihn. Dieſer iſt der naͤmliche Hafen, welchen eine alte Beſchreibung der Quartiere den neuen Hafen nennt, welcher aber jetzt nichts weiter mehr iſt, als ein kleiner See. Der Sophianiſche Palaſt war neben dieſem Hafen, aller — 63 Wahrſcheinlichkeit nach, vom Kaiſer Juſtinian er⸗ baut, und nach dem Namen ſeiner Gemahlin So⸗ phia benannt. Doch wollen einige Geſchichtſchreiber ihn nicht neben dem Sophien⸗Hafen, ſondern ne⸗ ben dem Bosporus, und auſſer der Stadt geſtellt wiſſen. In Beziehung auf das oben genannte Sigma ſagen einige, daß der Tempel des heiligen P olyclet ſo geheißen habe, der zur Zeit des Kaiſers Baſi⸗ lius durch ein Erdbeben eingeſtuͤrzt ſey, und alle in demſelben eben befindlichen Perſonen erſchlagen habe, daher Sigma oder richtiger Segma. Nach Andern hieß ein bedeckter Gang in der Gegend der Renn⸗ bahn, wegen ſeiner Aehnlichkeit mit dem griechiſchen Buchſtaben gleichen Namens— Sigma. Zedrin erzaͤhlt auch, daß Kaiſer Baſilius Macedonius den Tempel der Jungfrau Maria genannt Sigma — von Grund aus habe wieder herſtellen laſſen. Ue⸗ berhaupt kann man hieruͤber nicht mehr mit Gewiß⸗ heit ſagen, als daß es einen Ort in Konſtantino⸗ pel gab, den man Sigma nannte. XI. Viertes Quartier. Vom Auguſtus⸗Platze, von der Säule Juſtinian's, und vom Senats⸗ Gebäude. Das vierte Quartier umfaſſet das erſte Thal und ſeine Seiten, und den an die Sophien⸗Kirche ſtoßen⸗ 64 den Huͤgel. In demſelben war der Auguſtus⸗Platz, und zwar nach Procop von der kaiſerlichen Burg, und mit Saͤulen umgeben. Man kennt ihn jetzt kaum mehr dem Namen nach, indem er gaͤnzlich ver⸗ baut iſt. Nach Andern war der Aug uſtus⸗Platz der Hof vor der Sophien⸗Kirche, welchen Juſti⸗ nian, nachdem er die Sophien⸗Kirche gebaut hatte, reinigen, und mit Marmor habe pflaſtern laſſen, und welchen Hof man fruͤher den Auguſtu s⸗Platz hieß. Hier habe Juſtinian auch ſeine Bildſaͤule aufge⸗ ſtellt. Procop wenigſtens laͤßt eine große Saͤule da ſtehen, aus ungeheueren Steinen zuſammengeſetzt, und mit nicht viel ſchlechterem Metall als Silber uͤber⸗ zogen. Auf derſelben ſoll eine herrliche Statue eines im Laufen begriffenen Roſſes geſtanden haben, auf welchem dieſe Bildſaͤule des vollkommen wie Achil⸗ les geruͤſteten Juſtinian's zu ſehen war.— Die⸗ ſer errichtete wahrſcheinlich dieſe Saͤule da, wo vor⸗ her jene des Theodos des Großen ſtand, mit der Statue dieſes Kaiſers, welche 7400 Pfund Silbers ſchwer war, und die ihm ſein Sohn Arecadius ſetzen ließ. Barbaren beraubten die Saͤule Juſtinian's ihres metallenen Ueberzuges, des Pferdes und der Statue des Kaiſers, und ſo ſtand ſie lange Zeit ganz nackt da, bis ſie endlich vor 30 Jahren ganz zu Grunde ging. Jetzt iſt an ihrer Stelle ein Springbrunnen. Die Reiter⸗Statue Juſtinian's ſeibſt, welche auf 4 65 der Saͤule aufgeſtellt war, erhielt ſich lange Zeit im kaiſerlichen Schloſſe, wurde aber vor nicht gar langer Zeit zu Kanonen umgegoſſen. Auguſtus⸗Platz hieß dieſer deßwegen, weil am 15. October immer zur Ehre des Kaiſers Auguſt da getanzt wurde, oder weil auf dem ſelben die Bild⸗ ſaͤulen Konſtantin's des Grohen und ſeiner Ge⸗ mahlin Helena aufgeſtellt waren. Vom Auguſtus⸗Platze oͤſtlich liegt das Senats⸗ Gebaͤude. Vor demſelben ſtehen 6 Saͤulen auf deren 2 der weſtliche Theil der Mauer ruht, die an⸗ dern 4 mehr auswaͤrts ſtehen. Alle dieſe Saͤulen ſind weiß, und vielleicht die groͤßten in der Welt.— Juſtinian hat dieſes Senats⸗Gebaͤude wahrſchein⸗ lich nur wieder hergeſtellt, nicht aufgebaut, was nach Sozomenus Konſtantin der Große in das Werk geſetzt hatte. XII. Palaſt Konſtantin's, genannt Chaleas. Er iſt nicht weit vom Auguſtus⸗Platze, vier⸗ eckigt gebaut, und zeichnet ſich beſonders durch die herrlichen Malereien aus, welche an demſelben an⸗ gebracht ſind. Krieg und Schlachten und die einge⸗ nommenen Staͤdte Italien's und Afrika's er⸗ blickt man an demſelben, und einige andere ſchoͤne Scenen. So z. B. wird vorgeſtellt, der unter ſeinem rotes B. Türkei. I, 1. 5 Umfange. Aus allem dieſen geht der ungebeuere Auf⸗ 66 Feldherrn Beliſar ſiegende Kaiſer Juſtinian: der Feldherr kehrt zuruͤck mit ſeinem ſiegestrunkenen Heere, das ſeine Beute, Koͤnige und Koͤnigreiche und andere Koſtbarkeiten zu den Fuͤßen des Kaiſers legt. In der Mitte ſtehen mit freudigem Antlitze der Kaiſer und die Kaiſerin, den Sieg feiernd uͤber die Herrſcher der Vandalen und Gothen, um ſie in frohen Gruppen der geſammte Senat.— Vortrefflich ſind die hei⸗ teren Zuͤge der Gebilde ausgedruͤckt. Dieſen Palaſt nennen Einige Regia— kaiſer⸗ liche Burg, andere Baſilica, was im Griechiſchen das naͤmliche bedeutet, andere Chalcas von dem griechiſchen Xaxuos— eiſern— vermuthlich wegen des eiſernen Daches uͤber dieſen Palaſt Konſtan⸗ rin's. Einige wollen unter allen dieſen Benennungen ein Gebaͤude verſtehen, andere damit verſchiedene Abtheilungen deſſelben bezeichnen.— Den Palaſt Chaleas ſoll Konſtantin erbauet haben, an ihm zugleich das eiſerne und vergoldete Dach des roͤmi⸗ ſchen Capitoliums nachahmend. Wenigſtens ſtehen neben dieſem Palaſte gegen die ſuͤdweſtliche Seite der Sophien⸗Kirche 7 korinthiſche Saͤulen, deren einer der Name Konſtantin eingegraben iſt, mit dem Zeichen und der Schrift, die er am Himmel ge⸗ ſehen haben ſoll„in dieſem(dem Kreuze) ſiege.“ Jede dieſer Saͤulen iſt mit den gewundenen Fuͤßen und Kapitaͤlern 4s Fuß hoch, und hat 19 Fuß im 67 wand hervor, welchen Konſtantin der Große verſchwendete, ſein neues Rom recht glaͤnzend zu machen. Der heil. Hieronymus ſagt: das er faſt alle Staͤdte entbloͤßte, um ſein neues Rom zu ver⸗ ſchoͤnern. So ſtellte er auch die Heliconiſch en Muſen in ſeinem Palaſte auf; ſo ließ er alle beruͤhm⸗ ten Bildſaͤulen der Alten nach K onſtantinopel bringen, und ſo pluͤnderten alle andern griechiſchen Kaiſer den Erdkreis, um ihr Neu⸗Rom zu erheben. Unter ihnen war beſonders Konſtantin III., der das alte Rom aller ſeiner ehernen und marmornen Sta⸗ tuen, und des Schmuckes aller ſeiner Tempel beraubte, und nach Konſtantinopel bringen ließ. Noch ſind hier anzufuͤhren die Bibliothek im kaiſerlichen Schloſſe, eine kaiſerliche Halle, eine kai⸗ ſerliche Ciſterne, und die ſogenannten Chalco⸗ pratien. Dieſe Bibliothek war 600,005 Baͤnde ſtark, wo⸗ ſelbſt merkwuͤrdig iſt das Eingeweide einer Schlange von 420 Fuß in der Laͤnge, auf welchem mit goldenen Buchſtaben die Odyſſee und Iliade von Homer zu leſen war. In demſelben Gebaͤude wohnte auch der Aufſeher uͤber die Bibliothek, welcher zugleich Lehrer der Dialeetik war, und immer 10— 12 Schuͤ⸗ ler bei ſich hatte. Die kaiſerliche Halle iſt zu vergleichen mit den Saͤulen⸗Gaͤngen der alten Griechen, in welchen ihre Pbiloſophen Vorleſungen bielten. Sie war ein 68 ſehr langer und breiter Saal mit Saͤulen umſtellt, in welchem junge Redner unterrichtet und geuͤbt zu werden pflegten. Die kaiſerliche Ciſterne nahm fruͤher den Platz dieſer Halle ein. Sie war ungemein tief, und ganz gemauert, und gewaͤhrte, wenn die Kaͤlte die unter⸗ irdiſchen Waſſer⸗Roͤhxen ſtocken machte, Ueberfluß an Waſſer. Dieſe Ciſterne war 338 Fuß lang, 128 Fuß breit, und hatte 224 römiſche Schritte im Umfange. Die Woͤlbung, welche die Ciſterne deckte, wurde von 336 marmornen Saͤulen getragen, in Zwiſchen⸗Raͤu⸗ men von 12 Fuß von einander ſtehend und von 40 Schuh in der Hoͤhe. Die Chalcopratien waren nichts anders, als die Werkſtaͤtte fuͤr alle Eiſen⸗Arbeiter; wiewohl ei⸗ nige der Meinung ſind, daß ſie ein Tempel der h. Jungfrau Maria waren, und andere, daß ſie eine Juden⸗Synagoge geweſen ſeyen. Jetzt ſind die Schmidt⸗Werkſtaͤtten in einen Aan deren Theil der Stadt verlegt. XIII. Von den Hallen oder bedeckten Gängen zwiſchen dem Palaſte und dem Platze Konſtantin's. Auſſer der ſchon beregten kaiſerlichen Halle neben der Bibliothek gab es nicht ferne von dieſer noch an⸗ dere Hallen oder bedeckte Gaͤnge, die ſich vom Palaſte 69 bis zum Platze Konſtantin's erſtreckten. Sie wur⸗ den eine Beute der Flammen, von Juſtin ian aber wieder hergeſteltt. Zur Zeit Konſtantin's des Großen erbaute ein gewiſſer Eubulus 4 doppelte Saͤulen⸗Gaͤnge, und bald ſoll man in Konſtanti⸗ nopel s2 ſolcher Gaͤnge gezaͤhlt haben. Davon waren angeblich s, im vierten Quartiere, ohngefaͤhr in der Gegend der oben beſprochenen Baſilica; 4, und zwar groͤßere Gaͤnge imr ſechſten Quartiere, 1 rechts von dem Platze Konſtantin's gegen den Theodo⸗ fius⸗Platz hin ꝛc., und ſo waren dieſe Saͤulen⸗ gaͤnge durch die meiſten Quartiere der Stadt vertheilt, beſonders traf man im ſiebenten ſolche in Einem fort⸗ laufende Saͤulen⸗Gaͤnge. Hier verdient auch eine Erinnerung die goldene Meile, und die Fortuna der Stabt.— Erſtere war eine vergoldete Saͤule, welche den Weg zu allen Thoren zeigte. Nach Plinius war dieſe Saͤule einſt auf dem Forum des alten Roms; doch hat man hieruͤber keine naͤheren Nachrichten. Einer alten Beſchreibung von Konſtantinopel zu Folge ſtand dieſe Saͤule in der Gegend des Auguſtus⸗Platzes und des kaiſerlichen Palaſtes. 3 Die Bildſaͤule der Fortuna der Stadt wurde, wie einige erzaͤhlen, durch Konſtantin den G ro⸗ ben von Rom nach Konſtantinopel gebracht, und da an feſtlichen Tagen öffentlich verehrt.— Weil dieſe Bildfaͤule auf dem Haupte ein Kreuz hatte, 70 mit welchem Konſtantin ſie hatte ſchmuͤcken laſſen; ſo ließ ſie der vom Chriſtenthum abtruͤnnige Kaiſer Julian in einem Graben verſchuͤtten, nicht weit vom Senats⸗Gebaͤude. Sie war mit einem weiblichen Ge⸗ ſichte aus Erz gegoſſen, und mit einem Fuße in einem Schiffe ſtehend abgebildet. XIV. Vom ſogenannten Lauſus. Im Vorbeigehen gedenken wir zuvor noch des Tempels des h. Men as, der ehemals ein Tempel Neptuns war, in der Nachbarſchaft der Burg der Stadt Byzanz, oder des jetzigen großherrlichen Schloſſes; ferner innerhalb deſſen Mauern eines Renn⸗ und Ring„Platzes und der Leiter des Timaſius. Und nun von dem Lauſus. Es war dieſes ein be⸗ ruͤhmtes Gebaͤude in Kon ſtantinopel, das einem maͤchtigen und angeſehenen Patrieier gehoͤrte, welcher es mit den vortrefflichſten Kunſtwerken ausſchmuͤckte. Beſonders zeichnen es eine Menge Statuen aus; un⸗ ter ihnen eine Minerva von Smaragd, ein Apollo, eine Diana, ein Hercules; am vorzuͤglichſten aber unter ihnen war die Bildſaͤule der Venus Cnidia aus weißem Marmor, ein Kunſtwerk des P raxite⸗ les; nicht minder ſchoͤn waren eine Juno von Ly⸗ ſippus, ein gefluͤgelter Amor, ſammt den Abbil⸗ dungen verſchiedener Thiere; als: Einhoͤrner, Giraffen, Tieger, Geier ec.. 71 Schließlich beruͤhren wir noch die beruͤhmte Ci⸗ ſterne des Philoxenus, deren Woͤlbung auf 424 marmornen Saͤulen ruhte; und den von vielen Schrift⸗ ſtellern gefeierten Speiſe⸗Saal Juſtinian's, der wegen ſeiner glaͤnzenden Verſchoͤnerung durch den Kaiſer Tiberius der goldene Speiſe⸗Saal ge⸗ nannt wurde. III. Buch. I. Fünftes Quartier. Bosporiſcher Hafen. Haupt⸗OQuartier. Theodoſius⸗Platz. Das fuͤnfte Quartier liegt auf der noͤrdlichen Seite des zweiten Huͤgels, und auf der an ihn ſtoßen⸗ den Ebene, und erſtreckt ſich zugleich mit dem vierten Quartiere vom Ruͤcken des Vorgebirges aus gegen den Meerbuſen— genannt das Horn.— Dieſe Lage des fuͤnften Quartiers ergiebt ſich, wenn man auf die Chalzedon enſiſche Leiter und den Bos⸗ poriſchen Hafen, die ſich in demſelben befinden, Ruͤckſicht nimmt: denn beide liegen ebenfalls noͤrdlich. Vom Bosporiſchen Hafen iſt dieß zwar nicht aus⸗ druͤcklich geſagt, aber doch ſo viel, daß die noͤrdlich ge⸗ legene Chalzedonenſiſche Leiter in ſeiner Naͤhe geweſen ſey. Zudem konnte der Bo sporus nur in noͤrdlicher Richtung von Chalzedon aus eine ſichere 72 See⸗Straße haben, da er oͤſtlich und fuͤdlich viel zu reißend iſt.— Der Bosporiſche Hafen ſoll fruͤher der Phosphoriſche geheißen haben. Bei Gelegen⸗ heit der Belagerung von Byzanz durch Philipp den Mazedonier, ſollen deſſen Soldaten eine Mine gegen die Stadt gegraben haben, was die Goͤttin Diana Phosphoras(Diana als Goͤttin des Mondes) den Buͤrgern zur Nachts⸗Zeit entdeckte, und daher der Name: Phosphoriſcher Hafen.— Die noͤrdliche Lage des fuͤnften Quartiers bezeugen auch mehrere aͤltere Schriftſteller. So z. B. erzaͤhlt Geor⸗ gius Cedrinus, daß der Brand, der unter der Regierung des Kaiſers Leo im noͤrdlichen Theile der Stadt ausbrach, von dem Neo rium(Rhede) angefangen, und ſich bis an den Tempel des h. Jo⸗ hannes Catybita in der Naͤhe des Bospori⸗ ſchen Hafens erſtreckt habe, woraus erhellet, daß dieſer nicht weit von der Rhede und gleich dieſer noͤrdlich lag. Dieſe Rhede befand ſich nach Zoſimus neben dem Thore Si phont(Tſiphau t), zwiſchen welchem und dem Meere ein großer Platz, gleichſam ein Seemarkt iſt, an welchem die Chalzedonen⸗ ſi ſche Leiter ſich befindet, die auch die Seutariſche heißt, weil von da aus eine ſtarke Ueberfahrt nach dem Seutariſchen Handels⸗Platze, und nach dem Ha⸗ fen der Chalzedonier geht. Nahe an der Chal⸗ zedonenſiſchen Leiter iſt auch die ſchon einmal erwaͤhnte Ueberfahrt nach der Vorſtadt Galgta. Außer dem genannten B osporiſchen Hafen und der Chalzedonen ſiſchen Leiter verdienen noch in jenem Theile des fuͤnften Quartiers, welcher auf der noͤrdlichen Seite des zweiten Huͤgels, und auf der an ihn ſtoßenden Ebene liegt, einer Erwaͤhnung: die Baͤder des Honorius, das Prytaneum, die Baͤder der Eudoxia, die Scheunen Valeutinian's und Konſtanz, der Thebaiſche Obelisk, die Ciſterne des Theodos, das Hauptquartier, bei welchem auch der Theodoſius⸗Platz. Das Ha uptgquartier(Strategiumſ) iſt nichts anders als das Praͤtorium der Roͤmer, wie es ſpaͤter auch die Griechen nannten. In demſelben ſteht neben der Reiter⸗Statue Konſtantin's des Großen eine Saͤule, in welche eingegraben iſt, daß Konſtan⸗ tinopel denſelben Rang, wie das alte Rom behaup⸗ ten ſolle.— Den Platz des Theodos betreffend, ſo findet man 3 Plaͤtze dieſes Namens: einen im fuͤnften Quartier, einen andern im ſechſten und einen im zwoͤlften Quartier. II. Vom fechſten Quartier, und von den übri⸗ gen alten Gebäuden des zweiten Hügels. Nach einer alten Beſchreibung erſtreckte ſich das ſechſte Quartier vom Platze Konſtantin's bis zur Syreniſchen Ueberfahrt zu der Vorſtadt Galata 74 (ſonſt auch Syea genannt, daher der Name der Ueberfahrt). Deswegen lag auch das ſechſte Quartier mehr noͤrdlich als ſuͤdlich, da es uͤberdieß mit dem noͤrdlich gelagerten fuͤnften in Verbindung ſtand, wie wir im vorigen Abſchnitte zeigten. In dieſes Quartier gehoͤrten und lagen am Fuße des zweiten Huͤgels, auf der Ebene: die Purpur⸗ Saͤule, der Platz Konſtantin's und auf deſſen noͤrdlicher Seite das Sen ats⸗Gebaͤude.— Ueberhaupt lag dieſes Quartier theils auf dem Ruͤcken des zwei⸗ ten Huͤgels, wo man heut zu Tage die Purpur⸗ Saͤule, den Huͤhner⸗Markt, den Taubaſar der Tuͤrken, die Wurf⸗Waffen⸗ Werkſtaͤtte, das Haus des Admirals, und die Moſchee des Ali Baſcha ſieht, theils in dem zweiten Thale, und auf deſſen rechter Seite, theils auf der an dieſes Thal, und an den Fuß des zweiten Huͤgels graͤnzenden Kuͤſten⸗Ebene, wo vorzuͤglich viele Juden wohnen. 1 III. Von der Purpur⸗Säule, dem Konſtantin's⸗ Platze, und dem Bildniſſe der Göttin Pallas. In den Biographien Konſtantin's des Gro⸗ ßen lieſt man, daß dieſe Saͤule, die eine Beſchrei⸗ bung der Stadt P urpur⸗Saͤule nennt, purpurfaͤr⸗ big, rund und mit Lorbeerkraͤnzen umwunden gewe⸗ ſen ſey. Sie ſoll von Rom nach Konſtantinopel V 75 gebracht und auf dem ſogenannten Placotus⸗Platze (wegen der großen breiten Steine, mit denen er ge⸗ pflaſtert war, und welche die Griechen △αας nennen) aufgeſtellt worden ſeyn. Ueber dieſer Saͤule habe Konſtantin eine eherne Statue errichtet, die wegen ihrer Kunſt und ihrer ungewoͤhnlichen Groͤße gleich bewunderungswuͤrdig war. Sie war nach altem Style, aber mit ſo vollendeter Kunſt gearbeitet, daß ſie wahrhaftig zu leben ſchien. Man erzaͤhlt, daß ſie das Bildniß des Trojaniſchen Apollo geweſen ſey, welches der große Kaiſer ſeinem Namen geweiht habe. In den Kopf dieſer Statue habe er einige Naͤgel aus dem Kreuze Chriſti einſchlagen laſſen. Nach Zonaras fiel dieſe Statue Konſtantin's bei einem heftigen Sturmwinde von der Saͤule, und ging in Truͤmmer, und zwar erſt in den Zeiten des Kaiſers Alexius Comenus. Die Saͤule ſelbſt ſteht noch auf dem Gipfel des zweiten Huͤgels, und iſt nicht ſowohl wegen ihres hohen Alters, als durch Brand, Sturmwind und Erdbeben ziemlich verdor⸗ ben. Sie war mit vielen Kreiſen umwunden, welche, wie Gylles meint, nichts anders, als die Lorbeer⸗ Kraͤnze andeuten ſollen, die Apollo beſonders liebte. Trotz deſſen, daß Ko nſtantin ſonſt alle Bildniſſe der Goͤtter zerſtoͤrte, ließ er doch die Statue des Apollo auf obiger Saͤule ſtehen. Er ſcheint uͤberhaupt fuͤr den Apollo eine Art Vorliebe gehabt zu haben, da er auch das Bild des Delphiſchen 76 Apollo und ſeinen Dreifuß in der Rennbahn auf⸗ ſtellte.— Nach einer Meſſung, die ein uͤrke an der Saͤule vornahm, war ſie im Ganzen, mit der Statue, gegen 100 Fuß hoch. Der Platz Placotus, auf dem dieſe Saͤule ſtand, war nach aͤlteren und neueren Geſchichtſchreibern vereint mit dem Platze Konſtantin's; zudem iſt es ohnehin wahrſcheinlich, daß er das ihm dedicirte Bildniß nur auf ſeinem Platze aufſtellte. 1 Das oben erwaͤhnte Bild der Pallas ſoll eben dasjenige geweſen ſeyn, welches Diomedes und Ulyſſes aus Troja hinwegſtahlen, und welches erſterer dem Aeneas auf eine goͤttliche Eingebung wieder uͤbergab, durch welchen es dann wahrſcheinlich nach Italien, und von da nach Konſtantino⸗ pel kam. Jedoch wußten die Roͤmer nichts davon; nur zeigten ſie ein aus Stein gehauenes Bildniß, das im oͤſtlichen Theile des Tempels der Fortuna vor der Statue der Minerva aufgeſtellt war, und welches die Stellung eines Kaͤmpfenden und das Geſchoß Abſchleudernden mit einem langen Kleide vorſtellet, jedoch mit einem Geſichte, das dem der Minerva, wie ſie die Griechen abbildeten, gar nicht aͤhnlich ſah. Wie uͤbrigens dieſe Pallas⸗Statue aus dem mehrere Jahrhunderte zuvor zerſtoͤrten Troja und aus dem ſo oft eingeaͤſcherten Rom dennoch nach Kon⸗ 77 ſtantinopel kam, ob ſie ferner aus Holz, Stein oder Erz geweſen, das alles bleibt zweifelhaft. IWV. Vom Senats⸗Gebäude, dem Hochzeit⸗ Hauſe und anderem. Das Senats⸗Gebaͤude ſtand nach einer aͤlteren Beſchreibung von Konſtantinopel an dem noͤrd⸗ lichen Cheile des Konſtantin's⸗ Platzes. Es war ein ſehr großes Gebaͤude mit ehernen Statuen und rothgeſprengeltem Marmor geziert, und in ihm eine Pforte der Epheſiſchen Dianaz ein Geſchenk des Kaiſers Drajan aus der Beute des Scytiſchen Krieges. Dieſe Pforte enthielt die Vorſtellungen der Käampfe der Giganten, des Blitze ſchleudernden Jupiters, des Dreizack fuͤhrenden Neptuns, des Koͤcher tragenden Apollo's. Am untern Theile der Vforte ſind zu ſehen die Giganten, wie ſie die Schlangen bekaͤmpfen, und mit grimmig blickenden Augen Erdſchollen gegen ſie ſchleudern. In der Gegend des Senats⸗ Gebaͤndes befand ſich ein anderer praͤchtiger Bau— das Hochzeit⸗ Haus, deßwegen ſo genannt, weil in demſelben die Hochzeiten derjenigen gefeiert wurden, die ſie wegen Menge der Gaͤſte nicht in ihren eigenen Haͤuſern feiern konnten.. Auf der weſtlichen Seite des Konſtantin's⸗ Platzes ſtanden mehrere Statuen; unter andern die 78 einer Minerva mit dem Helme und dem Medu⸗ ſen-Haupte. Auf der oͤſtlichen Seite ſtand die Amphitrite, eine von den Sirenen mit der Krebs⸗ ſcheere an den Schlaͤfen, nebſt andern Sirenen als Seepferden geſtaltet; auf der noͤrdlichen Seite jenes große Kreuz, welches Konſta utin auf einer hohen Saͤule errichten ließ zur Erinnerung jenes Kreuzes, welches Kouſtantin auf ſeinem Zuge gegen Ma⸗ xentius am Himmel erblickte. Von dieſer wunder⸗ baren Begebenheit ſchreibt ſich auch die Hauptfahne in dem Heere Konſtantin's her. Als dieſem naͤm⸗ lich in ſeinem Kriege gegen Maxentius am Himmel jenes Kreuz erſchienen war, mit den Worten:„In dieſem ſiege!“ ließ er wirklich ein Kreuz von 2 ver⸗ goldeten Speeren fertigen, oben mit einer Krone und daran eine Purpurfahne, die er dem Heere vor⸗ tragen, und von ſeinen Kerntruppen begleiten ließ. Die religioͤſe Begeiſterung feuerte ſeine Sruppen auch dergeſtalt an, daß Konſtantin einen vollſtaͤndigen Sieg uͤber Maxentius davon trug. Von dieſer Zeit an wurde dieſe Art Fahne die Hauptfahne in ſeinem Heere, der die Truppen die tiefſte Ehrfurcht hezeigen mußten. Prudentius ſchreibt hieruͤber: „Christus purpureum gemmanti textus in auro, „Signabat Labarum; clypeorum insignia Chri- stus „Scripserat; ardebat summis crux addita ori- stis.« 79 . In der Folge hatten alle Auszeichnungen, alle Trophaͤen der roͤmiſchen Truppen die Form des Kreuzes. In der Nachbarſchaft des Ortes, wo Konſtan⸗ tin das Kreuz auf einer vergoldeten Saͤule errichten ließ, war auch das Philadelphium oder Mu⸗ ſaͤum, das Kolleg derjenigen, die ſich den Wiſſen⸗ ſchaften und den Muſen uͤberhaupt widmeten. Hier ſoll es geweſen ſeyn, wo jener beruͤchtigte Ketzer Arius ſeinen Tod fand. Als er naͤmlich von einer Unterredung mit dem Kaiſer aus deſſen Palaſte ging, kam er, durch die Stadt gehend, auch an jene Saͤule mit dem Kreuze. Ploͤtzlich beſiel ihn hier eine arge Ge⸗ wiſſensangſt— fuͤrchterliche Schmerzen peinigten ihn, und er ſtarb eines ſchnellen und entſetzlichen Todes. Auf den Hoͤhen des zweiten Huͤgels und auf der an ihn ſtoßenden Ebene liegen die zum Theile ſehr praͤchtigen Tempel der Tellus, der Ceres, der Proſerpina, Juno und des Pluto, uͤber welche mehreres in dem Tractate von dem Bosporus zu leſen iſt. V. Vom ſiebenten Quartiere. In dieſem waren die Kirchen der h. Hirene, der h. Anaſtaſia und des h. Paulus, nebſt einer Saͤule des K. Theodos, die von Innen bhis an ihren Gipfel beſteigbar war. Aus den Spuren dieſer Bau⸗ 80 werke ergibt ſich nun die Lage des ſiebenten Quartiers. Es erſtreckt ſich naͤmlich von dem hoͤchſten Ruͤcken des Vorgebirges gegen den Meerbuſen hin, von Oſt ge⸗ gen Weſt, von der Saͤule Konſtantin's bis zu dem Platze des K. Theodos in fortlaufenden Saͤulen⸗ Gaͤngen. In dieſem Quartiere lagen auch alle jene Plaͤtze, die jetzt den großen Waaren⸗Markt der Tuͤrken, Bezeſtein, bilden, auf welchem beſonders Pretioſen von den Kaufleuten ausgeboten werden, wie zur Zeit der chriſtlichen Kaiſer in dem Hauſe Lampterum, wo die Kaufleute ihre Waaren⸗Lager hatten. VI. Von dem ſogenannten Stiere, dem Platze des K. Theodos und von deſſen Säule ꝛc. Dieſe Saͤule des K. Theodos, die man inwendig mittels einer Schnecken⸗Stiege bis zu ihrem Gipfel beſteigen konnte, ſtand auf der hoͤchſten Anhoͤhe des dritten Huͤgels gegen Weſt in der Naͤhe des neuen Bades, welches der Sultan Pajazeth baute, der auch dieſe Saͤule zur leichteren Erbauung ſeines Ba⸗ des 40 Jahre fruͤher, als Gylles nach Konſtanti⸗ nopel kam, hatte zerſtoͤren laſſen. Dieſe Saͤule ſoll nach Zedrin in allem der Saͤule des Arcadius aͤhnlich ſeyn, die noch bis auf den heutigen Dag ſteht, und die wir ſpaͤter beſchreiben werden. Der ſogenannte Stier war nichts anders, als eine Saͤule, welche Theodos der Grohe errich⸗ 1 81 tete, und welche die Abbildungen der Trophaͤen und gluͤcklichen Schlachten des K. Theodos gegen die Seythen und uͤbrigen Barbaren zeigte. Sie hatte von Innen eine Stiege, und auf ihrem Gipfel die Statue des K. Theodos. In demſelben Jahre, in welchem das alte Rom fiel, wurde ſie durch ein Erdbeben zertruͤmmert. Der Kaiſer Anaſtas ließ ſie hierauf nebſt andern ehernen Kunſtwerken ſchmel⸗ zen, ſein eigenes Bild als eine Reiter⸗Statue daraus gießen, und ſtatt der Statue des K. Dheodos auf die Saͤule des Stieres ſtellen. Aus allen dem ſcheint hervor zu gehen, daß die Saͤule des K. Theodos eines mit der Saͤule des Stieres geweſen, und daß der Platz, wo dieſe ſtand, Theodoſius⸗Platz genannt worden ſey. In dieſer Gegend ſoll auch das Tetrapylum geweſen ſeyn, das heißt— vier Thore in der Form eines Vierecks gebaut, mit 4 Saͤulten⸗Gaͤngen, die eben falls ein Viereck bildeten. Dieſes Tetrapylum ſoll nach Einigen vergoldet, nach Andern aus Erz geweſen ſeyn. Am wahrſcheinlichſten war es ein Tem⸗ pel des Janus, den man mit 4 Geſichtern ab⸗ bildete, und der auch zu Rom einen mit 4 Thoren geſchmuͤckten Tempel hatte, die 4 Jahreszeiten be zeichnend. Hieher gehoͤren ferner die Statuen der K. Ar⸗ eadius und Honorius, ein Nymp haͤum, wel⸗ ches Einige fuͤr eine Waſſer⸗Leitung, Andere fuͤr ein totes B. Türkei. I. 1. 6 82 Hochzeit⸗Haus ausgaben(dem Worte nach bedeutet es beides), die Caroſianiſchen Baͤder, von Ca⸗ roſa einer Tochter des Kaiſers Valens. Ferner ſtanden noch auf dem dritten Huͤgel der Tempel der h. Irene und Anaſtaſia, und das Serail der kai⸗ ſerlichen Gemahlinen. Kirchen der h. Irene ſollen drei zu Konſtantinopel geweſen ſeyn. Eine von Konſtantin erbaut, zur Ehre der Kaiſerin Irene neben der Sophien⸗Kirche; eine auf dem dritten Huͤgel im ſiebenten Quartiere; eine erbauet vom Kai⸗ ſer Juſtinian an der Muͤndung des Meerbuſens, geweiht der heiligen Maͤrtyrerin Hirene.— Der Tempel der h. Anaſtaſia lag an dem Mauſoleum und dem Hoſpitale des Sultans Pajazeth, und war einer der am reichſten und koſtbarſten ausſtaffirten. Er ſoll unter K. Leo abgebrannt ſeyn. Auf dem dritten Huͤgel ſind noch als merkwuͤrdig anzufuͤhren: das Grabmal des Sultans Pajazeth mit ſeinem Hoſpitale, ſammt einem praͤchtigen muha⸗ medaniſchen Tempel, der nach Art der Sophien⸗Kirche gebaut iſt— aus Ziegelſteinen gewoͤlbt, mit Blei ge⸗ deckt, mit weißem Marmor gepflaſtert, und mit 4 von den vortrefflichſten Saͤulen prangenden Gaͤngen, und mit einer herrlichen Fontaine in der Mitte; ferner das Serail mit einer mehr als 2000 Schritte im Umfange habenden Mauer. Im ſiebenten Quartier befanden ſich noch 3 alte Eiſternen; eine auf dem Platze des ſchon genannten 83 Stieres, eine andere zwiſchen dem Grabmale Paja⸗ zeths und dem Bezeſtein— beide mit marmor⸗ nen Saͤulen; und die dritte auf einer noͤrdlichen des dritten Huͤgels, bei welcher noch 6 kunſtvolle aus Arabiſchem Marmor gearbeitete maſſive Corinthiſche Saͤulen ſich befinden.— Zwiſchen dem Serail und dem Grabmale Pajazeths befindet ſich eine Mo⸗ ſchee; ehemals war ſie ein chriſtlicher Tempel, wel⸗ chen Sultan Solimaun ſeinem Sohne Muhamet welhte.— VII. Vom achten Quartier und dem hintern Theile des dritten Hügels. Das achte Quartier umfaßte die hinteren Par⸗ thien des dritten Huͤgels gegen Suͤd, und zwar einen Theil des Konſtantin⸗Platzes, und die linke Seite des Vorgebirges bis gegen den Stier hin, die vom Meere bis zum Meere ſich ausdehnt, und zwiſchen der Purpurſaͤule und dem Stiere gelegen iſt.— In dieſem Quartiere lag auch ein Kapitol oder das Haus, das K. Theodos zu Raths Verſammlungen beſtimmte. Daſſelbe ſchmuͤckten 12 Saͤulen aus Tro⸗ janiſchem Marmor, 4 Schwibboͤgen trugen das Dach, und das ganze Haus ſoll gegen 240 Schuh lang, und 140 Schuh breit geweſen ſeyn. Es wurde in der Folge der Zeiten eine Beute des Feuers, und aus ſeinen Ruinen erhob ſich ſpaͤter ein Pallaſt des 84 Sultans Muhamed, welcher Konſtantinopel eroberte. VIII. Vom neunten Quartier. Dieſes lag ebenfalls auf dem hintern Theile des dritten Huͤgels, und zwar theils auf den Hoͤhen ober⸗ halb ſeines Ruͤckens, theils auf denen unterhalb des⸗ ſelben: theils auf der Ebene der Kuͤſte des Pro⸗ pontis bis gegen die Gaͤrten— Blanche— hin, wo ehemals der Theodoſianiſche Hafen war.— In dieſem Quartier befand ſich ein Tempel der Con⸗ cordia, von dem aber, wie von dem Tempel des h. Thomas, der neben jenem ſtand, keine Spur mehr uͤbrig iſt. Ferner waren in demſelben die Scheune des K. Theodos neben ſeinem Hafen, der ſoge⸗ nannte eherne Metze vor dem Hauſe des berühmten Sophiſten Cvalerus(wer dieſen Metzen nicht einhielt, dem wurden die Haͤnde abgehauen), ein Tem⸗ pel der Sonne und des Mondes, in welchem der Sol als auf weißem Wagen ſitzend, und die Luna als Braut auf dem Viergeſpann ihres Gatten fahrend, abgebildet iſt— ein Werk des Phidias. Endlich waren noch in dieſem Quartiere die Anaſtaſiani⸗ ſchen Baͤder, ſo genannt von Anaſtaſia, einer Schweſter Konſtantin's. 85 IX. Vom zehnten Quartiere. Dieſes lag gegen Nord im dritten Thale, auf deſſen oͤſtlicher Seite, und auf dem uͤber das Thal hervorragenden Ruͤcken des Vorgebirges, durch wel⸗ chen von Weſt gegen Oſt Waſſer⸗Leitungen mittelſt ober und unter der Erde angebrachter Roͤhren gehen. Das zehnte Quartier wurde von dem neunten durch eine breite Straße geſchieden, und iſt weit ebener, als dieſes. Es faßte in ſich den Tempel des heiligen Achaz, die Konſtantiſchen Baͤder(nicht Kon⸗ ſtantinianiſchen, deren gar keine in Konſtan⸗ tinopel waren), das Haus der Kaiſerin Placidia, ein großes Hochzeit⸗Haus und Anderes, von dem Allen auch die kleinſte Spur verwiſcht iſt. IV. Buch. I. Vom eilften Quartiere, vierten und fuͤnften Hügel. Das eilfte Quartier liegt auf dem Ruͤcken des vierten Huͤgels, und auf ſeiner noͤrdlichen und hin⸗ teren Seite. Es ſtieß an die von Cyrus unter K. Theodos dem Juͤngern erbaute Erdmauer, wel⸗ che das eilfte Quartier vom vierzehnten trennte. An der Graͤnze des vierten und fuͤnſten Huͤgels liefen die 86 Mauern Konſtantin's hin, welche ſich vom E u⸗ genius⸗Thurme his zu dem Tempel des heiligen Antonius eund der Marien⸗Kirche— Rhabdos genannt— erſtreckten, dann aufwaͤrts bis zu dem Sxacionion— einer Saͤule mit Konſtantin's des Großen Statue, ſo genannt, weil ſie außer⸗ halb der Erdmauer ſtand— und von da bis zur Erd⸗ mauer gingen. Nach neuern Geſchichtſchreibern ſoll Konſtantin auf dem Platze des Exacionions eine Kirche der h. Dreieinigkeit erbaut haben, welche jetzt die Apoſtel⸗Kirche waͤre. Nach Georgius Cedrinus litt dieſer Theil der Stadt, in der Ge⸗ gend des Exacionions auf eine fuͤrchterliche Weiſe durch Erdbeben. Die oben genannte Saͤule, nach welcher der Platz, auf dem ſie ſtand, Exacionion geheißen wurde, ſtand auf dem Nuͤcken des fuͤnften Huͤgels, und ragte hoch uͤber alle Haͤuſer hervor: denn ſie hatte gegen 0 Fuß Hoͤhe, im Perimeter 18 Schuh, und war uͤbrigens aus weißem Marmor. Die Griechen und Tuͤrken nannten ſie die Saͤule der Jungfrau. II. Von der Apoſtel⸗Kirche, dem Grabmal Konſtantin's und anderen. Der Erbauer der Apoſtel⸗Kirche war Konſta n⸗ tin der Große. Mit ihrer ungeheuern Hoͤhe, mit allen Gattungen von Marmor ausgeſchmuͤckt, mit 87 ihrem blendenden Glanze vom Boden bis zur Decke— denn ſelbſt die Waͤnde waren mit vergoldeten ehernen Platten uͤberzogen— gewaͤhrte ſie einen impoſanten Anblick. Der obere Theil derſelben war aus Erz und Gold vortrefflich gearbeitet, und ihre Umgebungen waren ein ſchoͤner freier Platz und die ſaͤmmtlichen kaiſerlichen Gebaͤude.— Im Tempel hatte Kon⸗ ſtantin 12 kleine Saͤrge den Apoſteln geweiht, und zwiſchen ihnen ſeinen eigenen Sarg aufgeſtellt, in welchen er auch wirklich nach ſeinem Tode gelegt wurde. Heut zu Tage ſteht noch auf dem Platze, wo ehe⸗ dem die Apoſtel⸗Kirche war, ein Todten⸗Sarg, ohne Deckel, aus rothem Marmor, 10 Schuhe lang und 5 Schuh breit, welchen Griechen und Tuͤrken fuͤr das Grabmal des großen Konſtantin halten. Einige laſſen die Kaiſerin Theodora, andere den Kaiſer Juſtinian die Apoſtel Kirche aus dem Grunde neu gebaut haben, und zwar weit prachtvoller als vorher. Jetzt iſt keine Spur mehr davon vorhanden. An ihrer Stelle ſind gegen 200 S attler⸗Buden, oder eigentlich ein Markt, wo alle Arten Reitzeug verkauft werden, und ein muhamedaniſcher Sempel von Sul⸗ tan Muhamed nach der Form der Sophien⸗Kirche aus Quaderſteinen erbaut, mit Blei gedeckt, mit herr⸗ lichen Vorhoͤfen, mit marmornem Fußboden, mit Schwibboͤgen und koloſſalen Saͤulen von ausgeſuch⸗ teſtem Marmor. In der Mitte des Vorhofes ſpringt eine Quelle in ein marmornes Becken: um die Mo⸗ 88 ſchee ſelbſt wohnen Prieſter und tuͤrkiſche Literaten. Oeſtlich befinden ſich ſchoͤne mit Mauern umgebene Gaͤrten, in denen das Grabmal des Sultans M u⸗ hamed zu ſehen iſt. Es iſt gefertiget in der Form eines Cylinders aus glaͤnzend weißem Marmor, hat ein mit Blei gedecktes Dach, vergitterte Fenſter, und ein Thor mit einem Vorplatze. Der Sarg Mu⸗ hameds iſt mit Sammet uͤberzogen, und ihn bewa⸗ chen Tag und Nacht abwechfelnd die tuͤrkiſchen Mufti. In der Nachbarſchaft ſind mehrere ummauerte Gaͤrten, und das Hoſpital Muhameds. Der Umfang dieſer Moſchee mit ihren naͤchſten Umgebungen betraͤgt 8 Stadien. Daneben hat Mu⸗ hamed auch noch ſehr große Baͤder fuͤr die ganze Stadt erbauen laſſen, welche fuͤr das maͤnnliche und weibliche Geſchlecht ſehr zweckmaͤßig eingerichtet ſind. Sie ſind die ehemaligen Arcadiſchen und Mode⸗ ſtia' ſchen Baͤder. Im eilften Quartier iſt ferner aufzufuͤhren der Plazillianiſche Pallaſt. Der Kaiſer Theodos erbaute ihn zur Ehre ſeiner Gemahlin Placilla, wie Juſtinian ſeine Gemahlin So phia durch die So⸗ phianiſchen Palaͤſte verherrlichte. Ueberhaupt ſoll Theodos ſeine Gemahlin ſo uͤberaus zaͤrtlich geliebt haben, daß er in furchtbarem Grimme gegen die An⸗ tiochener wuͤthete, welche wegen einer neuen Auf⸗ lage die Bildſaͤulen ſeiner Placilla auf ihrem Markte umgeworfen hatten. 89 Im eilften Quartiere neben der Apoſtel⸗Kirche befand ſich auch der eherne Ochs. Nach neueren Schriftſtellern wurde er von Nizetas, einem Ver⸗ ſchnittenen des Kaiſers Theophilus verfertiget; an⸗ dere laſſen ihn aus Pergamus herbei gefuͤhrt ſeyn; andere lieber aus Sizilien oder Italien. Viel⸗ leicht war es gar jener beruͤchtigte Stier des Pha⸗ lareus, des Tyrannen der Agrigentiner, in dem er die Opfer ſeiner Wuth laugſam braten ließ. Man weiß von dieſem ehernen Ochſen wenig mehr in Konſtantinopel, außer einigen Orakeln und Maͤhrchen, welche auf ihn Bezug haben, und woruͤber man ſich umſonſt die Koͤpfe zerbrach. Noch verdient hier der von neuern Geſchichtſchrei⸗ bern beſonders geruͤhmte Tempel des Pantaenator Erwaͤhnung. Er liegt auf der oͤſtlichen Hoͤhe des vier⸗ ten Huͤgels. Seine inneren Waͤnde ſind mit verſchie⸗ denfarbigem Marmor uͤberzogen; er ſelbſt mit mehreren halbkugelfoͤrmigen mit Blei gedeckten Daͤchern ver⸗ ſehen, deren hoͤchſtes von 4 rothgetuͤpfelten Marmor⸗ Saͤulen getragen wird, deren umfang* Fuß betraͤgt. Eine zweite Halbkugel der Art tragen 4 Schwibboͤgen, und dieſe wieder 4 Saͤulen aus Thebaiſchem Marmor. Auf der ſuͤdlichen Seite des vierten Huͤgels iſt noch eine Saͤule, aͤhnlich der auf dem Exacionion, und am Fuße des fuͤnften Huͤgels eine doppelte Mauer, zwiſchen welcher eine Straße voll Haͤuſer— Pha⸗ 90 narius genannt, weil ſie bei dem Scheine der La⸗ ternen in einer Nacht waͤbrend einer Belagerung erbaut wurden. III. Vom ſechſten Hügel und dem vierzehnten Quartiere. Eine Beſchreibung der Quartiere der Stadt ſagt hieruͤber folgendes: Obgleich das vierzehnte Quartier unter die Theile der Stadt gerechnet wuͤrde, ſo ſcheine es doch eigentlich eine zweite Stadt zu ſeyn, weil es von der uͤbrigen Stadt durch einen ziemlichen Zwi⸗ ſchenraum getrennet, und mit einer eigenen Mauer umgeben ſey. Obige Beſchreibung ſagt ferner uͤber dieſes Quartier: Vom Thore an ſey es ziemlich eben, auf der rechten Seite aber gehe es bergauf bis an die Mauer. Es faſſe in ſich eine Kirche, ein Palais, ein Hochzeit⸗Haus, Baͤder, ein Theater, und eine hoͤlzerne Bruͤcke. Allein trotz dieſer Beſchreibung und trotz der Kenntniß der eilf anderen Quartiere, wuͤrde man dieſes vierzehnte Quartier ſchwerlich ſo leicht finden, da in obiger Beſchreibung weder das genannte Thor, noch die aufgefuͤhrte rechte Seite des Quar⸗ tiers genau bezeichnet iſt, und da ferner von allen dem, was es umfaßte, gar nichts mehr zu finden iſt. Uebrigens ſcheint der ſechſte Huͤgel vorzuͤglich be⸗ wohnt worden zu ſeyn, wegen der Bequemlichkeit der Straßen nach Thrazien. Auch ſcheint dieſes Quar⸗ 91 tier von der uͤbrigen Stadt nicht ſo gar ferne geweſen zu ſeyn, beſonders da laut vieler Nachrichten der ſechſte Huͤgel eine Vorſtadt— Hebdomum— ent⸗ hielt, welche, ſo wie noch andere Gebaͤude an der eigentlichen Stadt, Theodos den Juͤngern be⸗ wogen, die Mauern der Stadt zu vergroͤßern, um jene Vorſtadt und jene Gebaͤude in die Stadt einzu⸗ ſchließen. VI. Vorſtadt Hebdomum. Saal des Mag⸗ nauras, und anderes. Daß die Vorſtadt Hebdomum auf dem ſechſten Huͤgel gelegen war, geht hervor aus der Kirche des h. Johannes des Taͤufers, welche in derſelben Vorſtadt ſich befand. Dieſe Kirche war auf der oͤſt⸗ lichen Seite der Vorſtadt, und von ihr hat der Zer⸗ ſtoͤrungsgeiſt der Tuͤrken nur noch einige Saͤulen uͤbrig gelaſſen. Aus allen Spuren geht hervor, daß dieſe Kirche mit dem groͤßten Aufwande erbaut war. Theo⸗ dos der Aeltere ſoll das Haupt des h. Johannes aus dem Dorfe Coslaus bei Chalcedon geholt, in der Vorſtadt Hebdomum niedergeſetzt, und zu deſſen Ehre den praͤchtigen Tempel erbaut haben. Der Saal Magnauras iſt wahrſcheinlich eines mit dem Palaſte Cyelobion; weuigſtens deutet die Bedeutung des Wortes Cyelobion darauf hin, da der Saal Magnauras genannt, in die Runde 92 gebaut war, entweder von Kaiſer Philippieus, der im Vorhaufe ſeine Bildſaͤule aufſtellte, und ein Zeughaus errichtete, oder von Kaiſer Mauritius. Die Ciſterne des Magnauras, welche ſich im Cyelobion befand, verſchuͤttete der Kaiſer Hera⸗ elius; Kaiſer Macedonius ahber ſetzte ſie wieder in guten Stand. Der Name Magnauras ſoll daher kommen: Kaiſer Anaſtas befand ſich waͤhrend eines ſchrecklichen Donnerwetters in dieſem Saale. Die Furcht vor dem gewaltigen Donner, Sturm und Blitz ſoll ihn getoͤdtet, und zuvor ſoll er mit lauter Stimme ausgerufen haben:„Magna primu- aura.“ Hebdomum hieß dieſe Vorſtadt vielleicht deß⸗ wegen, weil ſie der Zahl nach die ſiebente der Vor⸗ ſtaͤbte war, die aber ihre Namen auch nach ihrer Einreihung in die Stadt beibehielten⸗ Auf der Kuͤſten⸗Ebene am öſtlichen Fuße des ſechſten Huͤgels beſindet ſich das Hynegion— vielleicht eine Menagerie wilder Thiere. Denn nach Suidas wurden hier zum Tode verurtheilte Ver⸗ brecher den wilden Thieren vorgeworfen; vielleicht auch ein Thier⸗Garten, oder eine Hetze der Art, wie man ſie in neuern Zeiten hie und da in Eu⸗ ro pa antraf. 93 8 V. Von den Blachernen; dem Blachernäiſchen Saale, Palaſte und der Blachernäiſchen Waſſerleitung u. a. Die Blachernaͤ waren ein Tempel der h. Jung⸗ frau Maria vor den Mauern der Stadt, alſo außer⸗ halb derſelben. Bei dem Eintritte in denſelben wurde man von Bewunderung hingeriſſen(denn groß und herrlich war er zu beſchauen). Pulcheria, die Gattin Marcian's ſoll dieſe Kirche erbaut, und der h. Maria geweiht, Juſtiuian ſie wieder hergeſtellt haben. Von dem oberſten Gipfel des ſechſten Huͤgels, der uͤber die Kirche Blachernaͤ hervorragt, ſtroͤmte eine Waſſer⸗Leitung herab in zwei Roͤhren, von denen eine geſchloſſen werden kann, die andere fuͤr immer fließt. Der Kaiſer Andronteus leitete ſie aus dem Fluſſe Hydrales in dieſes Quartier, wo zuvor kein fließendes Waſſer war. Der Kaiſer Anaſtas baute bei den Blacher⸗ nen einen großen Saal, der Anaſtaſianiſche ge⸗ nannt, und der Kaiſer Tiberius die oͤffentlichen Baͤder der Blachernaͤ. Auch ſoll auf dem Platze Blacherna ein kaiſerlicher Palaſt geweſen ſeyn. Ueber den Namen Blacher na kann man nichts mit Be⸗ ſtimmtheit angeben; nur ſo viel ſcheint gewiß zu ſeyn, daß er barbariſchen Urſprunges iſt. 94 VI. Von der Brücke bei dem h. Mamas u. a. Am Blachernas befand ſich ein Tempel des h. Mamas, eines Maͤrtyrers— neben derſelben eine Bruͤcke mit 12 Boͤgen, weil hier das Waſſer ſtark vorbeiſtroͤmte. Auf der Bruͤcke ſteht ein eherner Drache zum Andenken einer großen Schlange, die hier geweſen ſeyn ſoll. Von dieſer Bruͤcke ſieht man nur einſelne Pfloͤcke noch im Waſſer, und vielleicht iſt es eben die hoͤlzerne Bruͤcke, die im vierzehnten DQuartier bemerkt wurde. Daneben iſt auch die Rennbahn des h. Mamas, ein vom Kaiſer Konſtantin gereinigter, mit hoͤlzer⸗ nen Mauern umgebener und zur Rennbahn eingerich⸗ teter Platz.— In dieſer Rennbahn ſelbſt war ein eherner Loͤwe, ein Baͤr und andere Alterthuͤmer aus Marmor, was alles der Bulgaren Koͤnig Crunnas geraubt und fortgefuͤhrt haben ſoll.— In der Kirche des h. Mamas befand ſich das Grabmal des Kaiſers Mauritius. VII. Vom zwolften Quartiere und von der Säule des K. Arcadius. An eben dieſer Saͤule des K. Arcadius, die noch gegenwaͤrtig auf dem ſiebenten Huͤgel, genannt Terolophus— der duͤrre Huͤgel— zu ſehen iſt, zeigt es ſich, daß das zwoͤlfte Quartier jenen Bezirk 95 ausmache, der von der goldenen Pforte ziemlich eben anfaͤngt, nur auf ſeiner linken Seite in ſauften Anhoͤhen ſich erhebt, und am Meere ſich endiget. In dieſem Quartiere ſind— aufzufuͤhren: die gol⸗ dene Pforte, die Troasiſchen Saͤulen⸗Gaͤnge, der Platz und der Hafen des K. Theodoſius, eine Saͤule, die von Innen beſtiegen werden kann, und die Kaiſer Arcadius auf dem erolophus errichtete. Noch heut zu Tage fuͤhrt ſie den Namen Arcadius⸗ Saͤule, weil auf ihr die Statue des K. Arcadius ſichtbar war, welche unter der Regierung des Kaiſers Leo Conon durch ein Erdbeben, von welchem ganz Konſtantinopel erſchuͤttert, viele Tempel und Haͤuſer zerſtoͤrt und eine Menge Menſchen getoͤdtet wurden, zertruͤmmert worden iſt. Die Saͤule iſt nach Zedrin derjenigen aͤhnlich, welche Theodos auf dem Stiere ſich errichtete. Wenn man die Hoͤhe der einzelnen Steine, deren gegen 27 die ganze Saͤule bilden, zuſammen nimmt; ſo ergibt ſich eine Hoͤhe von beinahe 150 Schuh. Dieß iſt auch einleuchtend, und dieſe Hoͤhe eher zu geringe als zu hoch angege⸗ ben, wenn man erwaͤget, daß 218 Stufen die Saͤule aufwaͤrts fuͤhren. Bei dieſer koloſſalen Groͤße fehlt dieſer Saͤnle nichts an der eigenthuͤmlichen Form ge⸗ woͤhnlicher Saͤulen. Sie hat ein Fußgeſtell, ein Ka⸗ pitol ꝛc. alles auf Toskaniſche Art gearbeitet, weswegen man wohl die Saͤule eine Toskaniſche nennen koͤnnte. 96 VIII. Der Ferolophus mit ſeinen Statuen, dem Dreifuß des Apollo u. a. Das Merkwuͤrdigſte, was noch auf dem Pero⸗ lophus ſich vorfindet, ſind folgende Bildſaͤulen: Eine Statue der Diana, eine Stotue des K. Severus, der erſtere ſetzen ließ, das Dhemation oder ein Dreifuß, wo Severus den Goͤttern opferte, und wo ſogar einſt eine Jungfrau geſchlachtet wurde; fer⸗ ner neben der Saͤule des K. Arcadius, die Saͤulen Theodos des Juͤngern, Valentinians und Mareians, die aber ſaͤmmtlich durch Erdbcben zer⸗ truͤmmert wurden. Nach Zonaras ſtand auch noch die Bildſaͤule des kriegeriſchen und wilden Bulga⸗ ren⸗Fuͤrſten Symeon daſelbſt. Oeſtlich am Fuße des ſiebenten Huͤgels war der Haſen des K. Theodos in den an der Kuͤſten⸗Ebene des Propontis gelegenen Gaͤrten. Er iſt jetzt ver⸗ ſchuͤttet, und an ſeiner Stelle ſind— Gemuͤßgaͤrten. An der ehemaligen Einfahrt in den Hafen iſt noch ein alter uͤberall vom Meere umgebener Thurm, nebſt Stein⸗Maſſen und Ruinen. Naͤchſt dem Hafen des K. Theodos iſt auch der Theodoſius⸗Platz. Der Hafen heißt auch der des Eleutheriu s, da ihn einige durch Konſtantin den Großen unter der Aufſicht des Patriziers Eleutherius erbaut wor⸗ den ſeyn laſſen, und deſſen eherne Bildſaͤule am Hafen errichtet war. 97 Die goldene Pforte, die neben dem Pe rolophus ebenfalls ſich findet, hat dieſen Namen noch heut zu Tage von einer vorbeifließenden Quelle, Goldquelle genannt, welche man ehedem heilig gehalten hat. Auf dem Ruͤcken des ſiebenten Huͤgels ſind ferner zu erwaͤhnen die Ruinen des großen Tempels des heiligen Maͤrtyrers Mocius, errichtet wahrſcheinlich von Juſtinian. In der Naͤhe des ſiebenten Huͤgels iſt auch das Schloß der 7 Thuͤrme. IX. Von der Kirche und dem Kloſter Studios. Heut zu Tage iſt noch auf dem Per olophus vorhanden eine Kirche, genannt nach ihrem buͤrgerlichen Erbauer Studios, der mit ihr zugleich ein Kloſter baute; die Kirche ſelbſt iſt jetzt eine Moſchee. In ihrem Vorhofe ſind 4 vortrefflich gearbeitete Purpur⸗ Saͤulen, im inneren Tempel auf beiden Seiten ſieben gruͤne mit ſchwarzen Flecken mit s Schuh s Zoll Um⸗ fang. Kapitaͤler und Aufſatze ſind Korinthiſch, wie bei denen des Vorhofes. In dem obern Theile der Mo⸗ ſchee ſteht eine gleiche Anzahl Saͤulen, und auf dem Platze vor derſelben iſt ein Brunnen, deſſen Gewoͤlbe 23 praͤchtige korinthifche Saͤulen tragen.— Das Kloſter Studios, ſonſt außerhalb der Stadt, iſt jetzt innerhalb derſelben, und zwar an der Straße von der Saͤule des K. Arcadius bis zum Schloſſe der 7 Chuͤrme, au welche die Stadtmauer ſich ſchliett. lotes B. Türkei. I. 1. 2 98 die hier ein ſehr ſchoͤnes Thor mit Saͤulen und Ge⸗ maͤlden hat, das ehemals offen war, jetzt aber ver⸗ baut iſt. Außerdem ſind auf dem ſiebenten Huͤgel noch an⸗ dere muhamedaniſche Tempel, unter denen 4 mit Vor⸗ hoͤfen auf marmornen Saͤulen ſich auszeichnen. Zwei befinden ſich auf der oͤſtlichen Seite des Huͤgels mit 6 großen und dicken Saͤulen in den Vorhoͤfen, von denen 2 von Thebaiſchem, à oon gruͤnlichtem Marmor gefertiget ſind. Eine dritte Moſchee iſt neben der Saͤule des K. Arcadius, und noch nicht gar lange von der Gemahlin des Sultans Soliman erbaut, mit einem herrlichen Hoſpitale, und einem Gymnaſtum fuͤr die tuͤrktſchen und arabiſchen Wiſ⸗ ſenſchaften. In dieſen ſaͤmmtlichen Gebaͤuden zaͤhlt man uͤber 60 verſchiedene marmorne Saͤulen; und ſo findet man auf dem Perolophus noch gegen 3 Moſcheen mit Baͤdern und wiſſenſchaftlichen Anſtalten, ſaͤmmtlich mit koͤſtlichen Saͤulen verſehen. X. Dreizehntes Quartier, oder die Vorſtadt Syca, oder Galata oder Pera. Die heutige Vorſtadt Galata hieß fruͤher Sy⸗ eena und Peraea. Den Namen Galata hat ſie wohl am wahrſcheinlichſten daher, weil Brennus, der Gallier Heerfuͤhrer(Gallier waren den Grie⸗ chen Galater) von Byzanz nach Italien uͤberſetzte, 99 woher es denn auch den Namen Pergea(⁊soxoμα Ueberfahrt) gehabt haben mag. Daß Galata von der Menge Feigen⸗Baͤume, die in demſelben gezogen wurden, Sycena fruͤher geheißen habe, ſcheint nicht ſo ganz wahr zu ſeyn; doch ſteht Dionys von Byzanz dafuͤr. Galata liegt zum Theile auf der Ebene unte: dem Huͤgel, die aus einem oͤſtlichen und weſtlichen Thale beſtehend, ohngefaͤhr eine Meile lang iſt. Die ſe Ebene nebſt der ſuͤdlichen Seite des ſiebenten Huͤgels welche Ga lata ebenfalis in ſich faßt, ſind vom Meer⸗ buſen, genannt das H orn, umzogen, der hier den Iſthmus, und eine halbzirkelfoͤrmige Halbinſel bil⸗ det. Der Umfang von Galata betraͤgt 4s00 Schritte. Seine Breite iſt verſchieden; in der Mitte betraͤgt ſie 600 Schritte. Die oͤſtliche Seite von Galata dehnt ſich anfangs in eine Breite von 400, dann aber nur auf 260 Schritte aus. Die weſtliche Seite, die außer dem alten Galata liegt, hat eine leichte An⸗ höͤhe, die beinahe ganz ſuͤdlich laͤuft, außer einem kleinen Abhange gegen Weſt neben den Mauern des alten Galata. Die Anhoͤhen des galatiniſchen Huͤgels haben auf 2 Seiten Vertiefungen, naͤmlich gegen die Thaͤler und gegen den Meerbuſen, und daher kommt es, daß die Stadt von 3 Seiten abhaͤngig iſt, juͤdlich, weſtlich und oͤſtlich. Der ebene Theil der Stadt laͤuft zwiſchen dem Huͤgel und dem Meer⸗ 100 buſen fort, iſt nirgends enger als 200, wohl aber manchmal 400 Schritte breit. Die Stadt iſt 3 mal laͤnger, als breit. Die Breite geht von Nord gegen Suͤd, und die Laͤnge von Oſt gegen Weſt. Die weſtliche Seite iſt breiter, als die oͤſtliche, und beinahe ſo breit, als die mittlere Stadt. Die ganze Kuͤſte von Galata iſt ſehr befahrbar, und zum Hafen tauglich; daher in dem Raume zwiſchen der Mauer und dem Meerbuſen eine Menge Werkſtaͤtten, Buden und Wirthehaͤufer ſind. Kuͤſten⸗ thore hat es e, von denen 3 eine ſtarke Durchfuhr nach Konſtantinopel haben. Galata liegt naͤm⸗ lich dem erſten, zweiten und dritten Huͤgel von Kon⸗ ſtantinopel gegenuͤber; es hat alſo vor ſich Kon⸗ ſtantinopel und den Meerbuſen, und hinter ſich vorſtaͤdtiſche Gebaͤude, deren viele auf dem Ruͤcken des Huͤgels und auf ſeinen 3 Seiten liegen. Denn Galata ſelbſt erſtrecket ſich bei weiten nicht bis auf den Gipfel des Huͤgels, indem von dem Ende der Stadt, einem ſehr hohen Thurme, bis auf den Gip⸗ fel des Huͤgels, man noch 300 Schritte zu ſteigen hat, welcher Weg aber deſſen ohngeachtet ganz mit Haͤuſern beſetzt iſt. Oben laͤuft der Ruͤcken ziemlich eben von Suͤd gegen Nord fort, mit einer Breite von 200 und mit einer Laͤnge von 2000 Schritten. Dieſer Laͤnge nach zieht ſich eine breite Gaſſe hin auf beiden Seiten von Gaͤrten, Haͤuſern und Weinbergen eingeſchloſſen, und hier iſt es, wo man eine der 101. ſchoͤnſten Ausſichten genießt. Der Meerbuſen, der Bosporus, der Propontis, der ewig beſchneete Olymp und ganz Bythinien fallen hier von beiden Seiten in die Augen. Uebrigens hat Galata auf allen benachbarten Huͤgeln und Thaͤlern Haͤuſer, die ſich jaͤhrlich vermehren; und Galata erreicht vielleicht noch einſt bei gluͤcklichen Umſtaͤnden die Groͤße von Konſtantinopel ſelbſt. Hiemit haͤtten wir denn die merkwuͤrdigſten Al⸗ terthuͤmer von Konſtantinopel dargelegt. Es wa⸗ ren ihrer wohl bei weitem mehrere, aber auch von den aufgezaͤhlten iſt nichts mehr uͤbrig, als die Saͤule des K. Arcadius, die Purpur⸗Saͤule, die Sophien⸗ Kirche, die ausgepluͤnderte Rennbahn und einige Ciſternen. Welche herrliche Denkmaͤler mußten nicht die erſten bluͤhenden Zeiten des alten freien Byzanz aufzuweiſen haben, wenn ihrer ein Schriktſteller ge⸗ daͤchte? Doch haben Konſtantin der Große, und andere Kaiſer nach ihm, das ihrige redlich gethan, die noch uͤbrigen Denkmaͤler des alten Byzanz zu erhalten, und wieder in guten Stand zu ſetzen. 102 Peter Gylles Thraziſcher Boſporus. Frei bearbeitet aus dem lateiniſchen Origi⸗ nal*) von Dr. Leutbecher zu Erlangen. [—qł— Ohne den Boſporus waͤre niemals ein B yzanz von einem gewiſſen B vzas, nie ein Konſtantino⸗ pel von einem Konſtantin gegruͤndet worden. Denn dieſe Meeresenge, uͤber welche ſchon Phineus, der Koͤnig des Boſporus, einſt dem Phryxos den Weg zeigte, uͤber welche ſpaͤter Jaſon ſchiffte,— iſt ganz dazu geeignet, Staͤdte groß und beruͤhmt zu machen. Sie iſt nur vier Stadien weit, und erleichtert ſo den Verkehr zwiſchen zwei Feſtlanden ungemein. Sie veerbinnet und ſchließt zwei Meere, die ohne ſie nicht verbunden waͤren. Eben aber, weil ſie zwei Meere verbindet, und außerdem viel Zufluß an ſuͤßem Waſſer hat, iſt ſie auch fiſchreicher, als die Gewaͤſſer um **) P. Gyllii de Bosporo Thracio Libri III. Lug- uni Bat, apud Elzeviros. 1652. 18. 103 Marſeille, Tarent und Venedig. Aus dem Bosporus werden taͤglich alle byzantiniſchen Maͤrkte zum Ueberfluſſe gefuͤllt, beſonders auch mit Auſtern, und noch gibt derſelbe eine reichliche Ausfuhr in fremde Laͤnder. Deßwegen heißt der Bosporus mit Recht wohl ein Goldgewaͤſſer. Zu dem iſt das Klima des Bosporus nicht unfreundlich, wie es aus der Ferne her erſcheint, und neblig, vielmehr recht heiter. Denn ſeine Geſtade haben alles Angenehme der ſchoͤn⸗ ſten Meeresufer und der Geſtade der beruͤhmteſten Fluͤſſe der Welt. Auf beiden Seiten des Bosporus erheben ſich maͤßige Anhoͤhen mit waldreichen Thaͤlern. Rebenſtoͤcke, Suͤdfruchtbaͤume, Blumen und Kraͤuter ſtehen da in herrlicher Vermiſchung. Und von dieſen Huͤgeln herab rinnen dieſſeits und jenſeits an dreißig klare Quellenbaͤche. Dieß und die vielen Buſen, wel⸗ che der Bosporus bildet, machen die Gegend um denſelben nicht bloß zu einer der wohnlichſten, ſon⸗ dern auch zu einer der ſchoͤnſten. Sonach aber darf man eben ſich nicht wundern, daß Jaſon ſchon dieſe Geſtade fuͤr einen Goͤtter⸗Aufenthalt erklaͤrte, und zu den ſchon vorhandenen Tempeln und Aitaͤren noch andere gruͤndete. Mit Recht opferte er damals dem Apollo, der Here, der Aphrodite, der Pallas, dem Zeus, dem Poſeidon, dem Baechus, der Demeter und der Artemis hier; denn alle dieſe Goͤtter haben ihrer Gaben Fuͤlle uͤber die Geſtade des Bosporus ausgeſchuͤttet⸗ 104 Der Urſprung des Thraziſchen Bosporus iſt der Pontus Euxinus, uͤber welchem die Maͤo⸗ tiſche See, gewoͤhnlich Mutter des Bosporus genaunt, mit der Tanais die Graͤnzen zwiſchen Aſien und Europa bildet. Der Pontus, vom An⸗ fang enge, in der Mitte weit, am Ende wieder enge, muͤndet wie ein ſehr großer Fluß in das Aegaͤer⸗ Meer. Das Ende des Pontus wird Helleſpon⸗ tos, die einer See gleichende Mitte deſſelben Pr o⸗ vontis, und der Anfang deſſelben Bosporus ge⸗ nannt. Die alten Griechen gaben dem Bosporus verſchiedene Namen, die jetzigen nennen ihn abwech⸗ felnd Steuon oder Laimon; die Tuͤrken nennen ihn Bogazin. Woher dieſer Meeresenge der Name Bosporus geworden, daruͤber ſind die Meinungen verſchieden. Die beiden wahrſcheinlichſten Sagen in dieſer Beziehung ſind dieſe. Die Kuͤſten-Bewohner follen Ochſen oder Kuͤhe vor ihre Fahrzeuge geſpannt haben, um ſo von einer Kuͤſte zur anderen uͤberzuſetzen. Oder: das erſte Schiff, welches von einer Kuͤſte zur andern ſegelte, ſoll einen Öchſenkopf an ſeinem Vor⸗. dertheile gehabt haben. Nach den Dichtern verdankt der Bosporus ſeinen Namen der Jo, der Tochter des Koͤnigs Inachus. Dieſe ſey als Geliebte des Zeus von der eiferſuͤchtigen Here in eine Kuh ver⸗ wandelt, und uͤber den Bosporus getrieben wor⸗ den. Die Stelle, wo ſie landete, in der Gegend von Chroſopolis, beißt Damalis. 105 Die Laͤnge des Bosporus betraͤgt nach den Angaben des Herodot, des Polybius, Menip⸗ pus und Anderer alten Geographen und Hi⸗ ſtoriographen 120 Stadien. In dieſe Angabe muß man einſtimmen, wenn man die Laͤnge von dem 12 Stadien von Europa entfernten Tempel des Jupiter Urius bis nach Chalcedon mißt. Dieſer Jupi⸗ der⸗Urius⸗Tempel ſtand naͤmlich auf dem Vor⸗ gebirge, welches noch heute das Hieron genannt wird. Einſt hatte es den Namen der Cyanen⸗Fel⸗ ſen, welche oft mit den Cyanen⸗Inſeln, mit den fogenannten Symplegaden, verwechſelt wurden. Rechnet man hingegen die Laͤnge des Bosporus von den Cyanen⸗Inſeln an, was wohl auch ge⸗ ſchehen kann, indem ſich da der Bosporus ſo gut öffnet, wie bei dem Tempel des Jupiter⸗Urius; ſo betraͤgt ſie 4o Stadien mehr, denn von den Cya⸗ nen⸗Inſeln bis zum Tempel ſind a0 Stadien. Am beſten rechnet man jedoch vom Tempel an. Von hier beſtimmten ſchon die Alten die Laͤnge des Bosporus. Hier iſt der Bosporus am engſten, und noch heute die Ruine des Tempels zu ſehen; weßwegen noch heute dort eine tuͤrkiſche Wache unterhalten wird. Auch ſollen dort noch jetzt die Ketten zu ſehen ſeyn, mit welchen man einſt den Bosporus hier ver⸗ ſchloß. Der Anfang des Bosporus iſt, nach Euſta⸗ thius und den mit ihm uͤbereinſtimmenden Geogra⸗ 106 phen und Hiſtoriographen, bei der Enge von An a⸗ plon, nahe bei dem Vorgebirge Heſtiaͤ uͤberhalb Chalcedon. Nach anderen Berichten beginnt er bei dem Vorgebirge des Pharos, in der Gegend, welche jetzt noch von den Griechen die Heiligth uͤ⸗ mer oder Hiera genannt wird. Das Ende des Bosporus aber iſt bei Byzanz und Chalcedon. Was die Breite des Bosporus anlangt, ſo iſt er, wie ſchon Strabo und Arrian verſichern, bei dem Jupiter⸗Urius⸗Tempel am engſten. Die An⸗ gaben dieſer Breite, wie wir aus Herodot, Phi⸗ loſtratus und Dionyſius Byzantius verneh⸗ men, 4 bis 56 Stadien. Hiemit ſtimmt Pomponius Mela uͤberein. Die Fiſchersleute unſerer Zeit vergleichen die Breiten des Bosporus ſo: von dem Vorgebirge Heſtiaͤ bis an die aſiatiſche Kuͤſte nach Kekrion iſt der Bosperus eben ſo enge, als bei dem Vorgebirge Hermaion, welches die ſchon an⸗ gegebene Breite bezeichnet. Zwiſchen dem Vorgebirge Argyronion und Milton iſt er nicht weiter, als bei dem Jupiter⸗Urius⸗Tempel. Hieraus er⸗ hellt, daß die Weiten des Bosporus an mehreren Orten gemeſſen wurden. Man kann indeß dahin entſcheiden, daß er, ſelten uͤber 12 Stadien breit iſt. Nur an zwei Orten iſt er breiter. Bei Byzanz mißt die Breite naͤmlich uͤber 14 Stadien und bei den Symplegaden oder Cyanen⸗Inſeln 20. 107 Die Kruͤmmungen, die der Bosvorus macht, ſind durch die Gewalt ſeiner Stroͤmung oder durch den Aufenthalt derſelben bedingt. Meiſt ſind ſie an beiden Geſtaden einander parallel, je nachdem die Vorgebirge auf den beiden Seiten eben den Lauf hemmen oder foͤrdern. Dadurch aber iſt der Bos⸗ porus eben ſo hafenreich und fuͤr die Schifffahrt ſo bequem. Von Anfang bis dahin, wo er aufhoͤrt, macht er ſieben Biegungen. Zuerſt wendet er ſeinen Lauf nach Europa gegen den Felſen Dikaͤa. Dann ſtroͤmt er gegen Aſien hin nach Glarion. Die dritte Biegung macht er gegen Europa am Vorgebirge Her⸗ maion, die vierte gegen Aſien am Vorgebirge Mo⸗ letrino, die fuͤnfte gegen Europa am Vorgebirge Heſtia. Von da wird er, ſonſt iſt ſeine Stroͤmung ruhiger, mit Gewalt gegen Aſien zuruͤckgetrieben bei dem Dorfe Chryſokeramon. Zuletzt ſtroͤmt er gegen das Vorgebirge Damalis, und wird nun zum ſiebenten Male nach dem Geſtade geworfen am Vor⸗ gebirge Bosporion oder bei Byzanz. An der Spitze dieſes Vorgebirges zerſpaltet, fließt die eine Haͤlfte des Bosporus nach dem Propontis, in reißender Stroͤmung; die audere Haͤlfte aber ſtroͤmt matter in den Buſen, Horn genannt. An manchen dieſer genannten Orte iſt die Stroͤmung des Bos⸗ porus ſo, daß ſie Muͤhlen treibt; oft auch die Schiff⸗ fahrt etwas aufhaͤlt. Uebrigens aber iſt ſeine Stroͤ⸗ mung meiſt ruhig und gleich, weil die Geſtade ein⸗ 108 ander gleich und aͤhnlich laufen. Die ſtarke Stroͤmung an den genannten ſieben Puneten kommt wahrſchein⸗ lich von den Vorgebirgen her: denn wo das Fluß⸗ bette des Bosporus gerade iſt, da ſtroͤmt er ruhig und ſanft. Die Buſen, welche der Bosporus durch ſein ſiebenmaliges heftiges Anſtroͤmen bildet, ſind fol⸗ gende. Bei dem Fels Dikaͤa macht er den Bathy⸗ colpo, und wieder den Skletrino. Durch die zweite Anſtroͤmung entſtehen der Dionyſius O xyr⸗ rum und der Dionyſins Perirrun, der Buſen Soltanicho. Die dritte Stroͤmung bildet den Bu⸗ ſen Phidaliaͤ, die vierte den Buſen Anaploi, die fuͤnfte den Buſen Den Chelon, die ſechſte und ſiebente die Buſen Damalikon und Bosporion. An allen dieſen Orten ſcheint der Bosporus zu verweilen, daher die ſicheren Haͤfen. Nach der Ausſage derer, die im Bosporus Fiſchfang treben, ſoll es uͤbrigens in demſelben un⸗ zaͤhlige Schluͤnde und Wirbel geben. Auch ſoll der obere Theil des Waſſers in demſelben oft eine andere Stroͤmung haben, als das darunter befindliche. Die⸗ fes letztere mag zum Theil den Windzuͤgen, welche durch die an den Kuͤſten befindlichen Berge vielfach getrieben oder aufgehalten werden, zuzuſchreiben ſeyn; zum Theil mag dazu das tiefere Flußbette bei⸗ tragen.— Durch die Spitze des Vorgebirges Bosporion bei Byzanz ſpaltet ſich der Bosporus. Der groͤſ⸗ 109 ſere Theil wendet ſich ſuͤdlich zwiſchen Chalcedon und Byzanz, der andere ſchwaͤchere Theil richtet ſich weſtlich in einen Buſen, den der Bospor us zwiſchen Konſtantinopel und Galata macht. Dieſer Buſen heißt Keras oder das Horn, entweder weil die mei⸗ ſten Vorgebirge Horn heißen, oder nach Keroeſſa, der Mutter des Byzas, welcher Byzanz gruͤndete. Wahrſcheinlicher aber iſt, daß dieſer Buſen wegen ſei⸗ ner Aehnlichkeit mit einem Horne und zwar mit ei⸗ nem Hir ſchhorn ſo genannt worden iſt. Er bildet naͤmlich ſo viele kleine Buchten, daß er dadurch an die Enden eines Geweihes erinnert. Dieſer Buſen hat manches Angenehme. Er iſt erſtlich von allen Seiten vor den Landwinden und faſt von den meiſten vor den Seewinden geſchuͤtzt durch Berge, die ihn rings umgeben, und eine zuſammenhaͤngende Reihe bilden, und deren weſtlichſter Huͤgel das Kap von Galata genannt wird. Die Thaͤler dieſer Berg⸗ kette ſind klein, und durchſchneiden den Ruͤcken der⸗ ſelben nicht. Das Ende des Hornes bilden die Muͤn⸗ dungen des Kidaros und Barbiſa.— Dann iſt aber der Buſen auch nicht gar klein an Umfang; denn er haͤlt nach der richtigen Meſſung Strabo's gegen 60 Stadien. Auch iſt er tief genug fuͤr Schiffe man⸗ cherlei Groͤße; er hat naͤmlich 20, 30, 4o und mehr Fuß Tiefe. Iſt er gleich an manchen Stellen ſumpfig, ſo iſt der ſchiffbare Theil ſeines Gewaͤſſers doch mit Pfaͤh⸗ len angezeigt, und dahin laufen die Schiffe, ohne Ru⸗ 110 der und Wind, nur mit der Stroͤmung des Bos porus von ſelbſt ein, als in einen Hafen, wofuͤr der ganze Buſen gelten kann. Die Europaͤiſche Seite des Bosporus endet in dem Winkel, wo ſich die oͤſtliche Seite von Konſtan⸗ tinopel weſtwaͤrts wendet, und der Pro pontis die Mittagsſeite der Stadt zu bilden beginnt. Dort, wo der Bosporus von Suͤd ſich nach Nord wendet, am Vorgebirge Bosporium, wo er ſich in zwei Theile ſpaltet, daſelbſt umguͤrtet der eine Theil die Stadt von der oͤſtlichen Seite, und den erſten Theil des halbin⸗ ſeligen Vorgebirges. Hier ſtanden einſt die beruͤhmten Orte: Mangana, die Arcadiſchen Thermen. Hier war einſt das erſte Stadtviertel, wo das Haus der Placidia Auguſta, der Mari na, und andere Gebaͤude ſtanden. Hier lag einſt das alte Byzanz. Hier war der Ort, wo die Megarer Byzanz gruͤnde⸗ ten, auf dem Vorgebirge Bosporium. Da ſtand nach Dionyſius Bericht, der Altar der Minerva Eebaſia, die auch Eebateria heißen kann:; denn ſo nannten die Syphnaͤer die Diana. Von dem Propontis bis zur Spitze des Bos⸗ porus werden die Mauern Konſtantinopels von den Fluten beſpuͤlt. Von dem Bosporium aber beginnt der Keratiniſche Buſen auf der Nordſeite der Stadt, und die Mauern derſelben ſtehen nicht mehr unmittelbar am Meer, ſondern es iſt von denſelben 111 bis zu dieſem ein verſchieden breiter Raum. In der Naͤhe ſind die Gaͤrten des Koͤnigs oder Sultans, ein Platz zum Ausladen der Schiffe. Fruͤher waren hier ein Fiſchmarkt und Fiſcherhaͤuſer. Dieſe befinden ſich jetzt aber mehr gegen Galata hin, vor dem ſoge⸗ nannten Fiſcherthore, durch welches man auf den von den Tuͤrken Bezeſtan genannten Hauptmarkt gehen kann. Von dieſem Thore 5o Schritte weiter iſt das Fruchtthor, tuͤrkiſch Gemikapi genannt; vor die⸗ ſem iſt ein Obſt⸗ und Speiſen⸗Markt. Das naͤchſte Thor heißt dann Holzthor; vor demſelben iſt ein Holzmarkt. Weiter kommt man zu der Straße Eſcharidas, und von da zum Mehlthore, muͤr⸗ kiſch Unkapi genannt, vor welchen ein Mehlmarkt iſt. An dem Geſtade hin von dem Bosporion bis ans Mehlthor ſtanden einſt folgende Tempel und Gebaͤude, die Tempel des Neptun, der Tellus, der Ceres, der Proſerpina, des Pluto, der Juno, dann Stadien und Gymnaſien. Dieß alles ward von den Perſern zerſtoͤrt. Von dem Thore Unkapi bis zum Blachernaͤ⸗ thore und von da wieder bis zum Jubalikathore ſind meiſt Fiſcherwohnungen. Von da kommt man zum Thore Agia, vor welchem die Kapelle der heili⸗ gen Theodoſia ſtand. Sechshundert Schritte weiter iſt das Thor Phanarion, und noch weiter das Thor Balat. 120 Schritte uͤber dieſes letztere hinaus ſieht — 1.12 man in der Stadtmauer die großen Boͤgen, durch welche die Feldherrn einſt ihre Dreiruderer in einen kuͤnſtlich angelegten, jetzt in Gaͤrten verwandelten Hafen zogen. Nicht weit von dem Phanarion ſind zwei ſehr fiſchreiche Orte, Ingenidas und Pirai⸗ kus. Nordwaͤrts befinden ſich die ſchilf⸗ und fiſch⸗ reichen Inſelchen des Euripus, wo es einſt viele Hirſche gab, als die Stadt noch nicht ſo nahe heran⸗ gebaut war. Denn die dieſen Inſeln zunaͤchſt gelege⸗ nen Menſchen ſind jetzt von Mahomedanern be⸗ wohnt und bebaut. Noch noͤrdlicher, am Geſtade des keratiniſchen Buſens ſind Gaͤrten mit den Ruinen der Kapelle des heiligen Kosmas und Damian, des Maͤrtyrers Anthymas, und der Nymphe Pho⸗ tina. Unfern von den Ruinen des Tempels dieſer Nym⸗ phe Photina ſind die Fluͤſſe Kydaris und Barby⸗ ſas. Der Kydaris kommt von Weſt, der Barbyſas, bei ſeiner Quelle Pektinakorton, bei ſeiner Muͤn⸗ dung Chartarikon genannt, von Nord. Beim Vor⸗ berge Semyſtra gehen beide Fluͤſſe zuſammen in das Meer. Der auf ſeinem Gipfel kaum 30 Schritte breite Semyſtra hat zwei Thaͤler, eines auf der Suͤd⸗, das andere auf der Nordſeite; beide ſind ſehr angenehm; in dem Letztern iſt eine heilige Quelle, Hagiasma genannt.— Der Barbyſas fließt tief, und treibt 16 Muͤhlen; er fließt durch ein ebenes Wieſenthal, welches dem Sultan gehoͤrt, und muͤndet, nachdem 113 er noch zwei Baͤche aufgenommen hat, in den Kera⸗ tiniſchen Buſen. Der Kydaris, insgemein Mach⸗ lenan genannt, iſt kleiner als der Barbyſos, kruͤmmt ſich erſt oͤſtlich, dann ſuͤdwaͤrts, und muͤn⸗ det ebenfalls in den Keratiniſchen Buſen. Ein wenig oberhalb der Muͤndung dieſer Fluͤſſe erhebt ſich der Vorberg Bukolon, hinter welchem die Orte Mandraͤ und Drys. Drys hat einen Apollo⸗Hain, nahe dabei den 1700 Schritte langen Buſen Auleona, der zum Theil ausgetrocknet und Waldung iſt. In der Naͤhe des Auleona war die Bruͤcke Philipps von Makedonien. Unfern Mandraͤ ſtand einſt ein Altar des Keros Nikeus. In der Naͤhe, beſonders bei dem Orte Neosbulos, iſt er⸗ giebiger Fiſchfang, Nicht weit von da war einſt das Kypria Kanopikon, auch Hagion Paraſkeve genannt, ein Erholungsort fuͤr Konſtantinopel's Einwohner. Hier ſieht man Ruinen von den Kapel⸗ len des h. Laurentius, und der h. Maria, des h. Priſeus, und des h. Nikolaus. Wo einſt das Kanopon war, iſt jetzt zum Theil Waldung. Der ganze Platz hat 10 Stadien Umfang und nach dem WMeere hin die Form einer Zunge. Hier befinden ſich kleine Pavillons der Tuͤrken, Sar⸗ daka genannt, in verſchiedenen Formen, theils auf Huͤgeln, theils auf offenen waldfreien Ebenen, mei⸗ ſtens mit perſiſcher Malerei verziert. Unfern von da am Vorberg Si ka iſt der koͤnigliche Marineſtand, 10tes B. Türkei, I. 1. 8 114 wo 413 Dreiruderer jeder in einer beſondern be⸗ dachten und bewaͤndeten Halle untergebracht ſind. Von 4 3 da noͤrdlich iſt in einem anmuthigen Thale der kleine Ort Kaſſia Baſſa, mit warmen Baͤdern, Wieſen 1 und Weinbergen. An der Seite des Thales iſt der Vorberg Sikaͤ mit Zypreſſenbuſchwerk und tuͤrkiſchen Grabhuͤgeln. Auf der Oſtſeite des Thales ſind juäͤ diſche Begraͤbnißplaͤtze.— 3 . Gegen den Propontis hin iſt der Vorberg Iſt⸗ 3 hmikon mit dem Grabmal des Megarerhelden Hip⸗ poſthenes, mit dem Hain des Amphiaraus, und dem Flecken Galata, fruͤher Sykena und Pena geheißen. Etwas weiter iſt der durch vortreffliche Feigen beruͤhmte Ort Sykodes. 5 Hinter dem Hain des Amphiaraus iſt der auch Auletes genaunte Ort Kyaphas mit der Kapelle der h. Klara, daun der zum Winterfiſchfang be⸗ queme Ort Bolos, in deſſen Naͤhe die Tempel der Diana Lucifera, der Photina, und der Venus Placida waren. Zwiſchen den Ruinen des Tempels und dem Vorberg Spandonini liegt der wegen Auſternfiſcherei beruͤhmte Ort Oſterodes. Der Vor⸗ berg Spandonini heißt jetzt Metopon, liegt nach den Bosporion zu, und iſt auf zwei Seiten vorn Meere beſpuͤlt. Seine Weſtſeite hat ein Thal mit Weingaͤrten und Gebaͤuden; die Suͤdſeite iſt ſteil und klippig. Auf dieſer Seite in der Ebene ſtand einſt die Kapelle des h. Konſtantin. ———— — ———* 115 Oberhalb Metopon iſt der von Megarern einſt bebaute Huͤgel Palino rmikon, hiebei der Tempel des Ptolomaͤus Philadelphus. Von hier kommt man zu dem Orte Delphinus und Charondas, ſogenannt zum Gedaͤchtniß eines Zi⸗ therſpielers Chalkis, der mit ſeinem Sang und Spiel einen Delphin aus dem Meere lockte, woruͤber ein Hirte Charondas neidiſch den Delphin ermor⸗ dete. Weiter iſt hier ein Vorberg, deſſen Grund⸗ fels Thermaſtis und deſſen Geſtade Pentakon⸗ torikon heißt. Von hier ſchiffte einſt Taurus nach Kreta, mit Minois Tochter zu buhlen; von bier fuhr Jaſon zur Kolchiſchen Medeg. Hier iſt ein Apollo⸗Altar, ein von Jaſon gegruͤndeter Flecken Diplokion, ruͤrkiſch Biſitas genannt, wo einſt die oͤffentlichen Baͤder des Mammianus waren. In dem nahen Thale, welches das Metopikon von der Vorſtadt des Afas Baſſa trennt, iſt Zypreſſenwal⸗ dung, eine nie frierende Quelle, alte Ruinen, von den Fiſchern Karidata genannt, ein Garten des Sultans, auch die Gaͤrten des Ru ſtan Baſſa mit dem Mauſoleum des foͤniglichen Flottepraͤfekten Ae⸗ nobarbus, umſchattet von Platanen und Pappeln. Von dem Grabmal des Aenoba rbus 600 Schritte weit iſt das Peribolon der Rbodier, auch Rho⸗ dakinion von den Fiſchern geheißen, nichts weiter als eine Ruine von dem alten Hafen⸗Damme, hin⸗ ter welchem das ſchoͤne Weinfeld, nach ſeinem Be⸗ 116 ſitzer Archias Thaſias, Archion genannt, lag. An dieſem Platze ſteht jetzt der Flecken Hagion Pho⸗ kas, mit viel Gaͤrten und Fiſchfang, an das Meer ſtreifend. 400 Schritte uͤber Archion hinaus iſt das Kap Clidion, auf deſſen Gipfel die Statue des Meer⸗ greiſes, wahrſcheinlich von Megarern errichtet, von einigen Nereus, von andern Phorkys, von andern Proteu s, von andern wieder Phineus ge⸗ nannt. An dieſem Vorberg brechen ſich die Wogen ſehr heftig. In der Naͤhe iſt wegen der Wildheit des Meeres der Ort des ungewiſſen Fiſchfangs, Pa⸗ rabolus,— der Lorbeer der Medea, ein kleiner Hafen mit felſigen Inſelchen, gegenuͤber ein Huͤgel der Ifis. Noͤrdlich davon iſt das Thal der Deme⸗ ter, mit dem Demetriſchen und Michaels⸗Bu⸗ ſen, und dem Orte Calam us, wo einſt Evager und Vitalinus kaͤmpften. Etwa ſechshundert Schritte ven dieſem Vorberg iſt das einſt Nichaelion, jetzt Aſomaton genannte Dorf, auf einer Ebene am Meere. Hier erbaute einſt Konſtantin der Große dem ihm erſchiene⸗ nen Erzengel Michael eine koͤſtliche Kapelle, die nur noch in Ruinen ſichtbar iſt. Unfern iſt der Vor⸗ berg Heſtiaͤ, Megarheuma von den Griechen auch genannt, mit einem kleinen Hafen, reich an Meer⸗ krebſen. Hier iſt der Bosporus ſehr ungeſtuͤm. 117 Ueber Heſtiaͤ hinaus ſind zwei Haͤfen, ihrer Form wegen Chelaͤ, oder Scheeren genannt. Sie heißen auch Bathro und Skalaͤ, und dienen nur zur Aufnahme kleiner Fahrzeuge, mit denen man in den koͤniglichen Gaͤrten und Zypreſſenhainen faͤhrt. In der Nuͤhe— ein Tempel der Diana Dietynna. Hinter dieſem Tempel, zwiſchen Byzanz und dem Jupiter⸗Urius, iſt der Bosporus um die Felshoͤhen Pyrrhias Kyon ſehr ſtuͤrmiſch. Hier uͤberſah man, von einem jetzt nicht mehr vorhande⸗ nen Felſenthrone Darius, den Bosporus. Hier ſchlug einſt der Samier Androkles eine Schiffbruͤcke auf. Hier iſt das Heraion oder Hermaion, da wo jetzt das von Mechmet Amuraths Sohn er⸗ baute dreithuͤrmige Fort Neon, das ſogenaunte Laimokopion, das heißt, die Bosporuswache, von Duͤrken bewohnt iſt. Dauſend Schritte von dem Pyrrhias Kyon iſt das wellentoͤnende Geſtade des Bosporus einſt Nhoͤodes, jetzt Phonaͤa oder Phonaͤma genannt. 100d Schritte davon iſt der Buſen Phi⸗ dalia, ſo genannt nach Phidaliao die, ein verbre⸗ cheriſches Liebesverſtaͤndniß mit Byzas bereuend, hier ſich erſaͤufte. Der Hafen im Buſen Phidalia heißt der Weiberhafen oder auch Sarantakopa. Seine beiden Seiten ſind Weinberge. In der Naͤhe iſt ein Zyoreſſeuwaͤldchen, wo einſt ein Tempel der 118 Hekate war. Jetzt heißt dieſe Gegend Trivia, das iſt Hekate. Zweihundert Schritte vom Thale des Saranta⸗ kopa zieht ſich, von Oſt nach Weſt 1400 Schritte lang, der von drei Anhoͤhen umgebene und dadurch wind⸗ ſichere Leo ſtheniſche Buſen; er iſ gehoͤrig tief. Thaͤler und Halden der Hoͤhen ſind Wieſen, Gaͤrten, Weinberge und Gebaͤnde, welche theils Tuͤrken theils Griechen gehoͤren. An einem kleinen Fluſſe in der Naͤhe iſt der Flecken Keochorion. Noͤrdlich von Neoch orion iſt der von den Mee⸗ reswellen ſtark gepeitſchte Landwinkel Komm grodes. Wegen des Tobens der Flut heißen die hier befind⸗ lichen ſteilen Felſen die Bacchiſchen. Nahe iſt der Hafen Pitheki, der Buſen Eydion Kalon, der Buſen Vharmak ia, zwiſchen Kommaro des und Pharmakia das Libadiſche Thal mit den Rui⸗ nen eines alten Fleckens, und mit gleichen Ruinen das Thal Li mon. Am Hafen Pharmakia braute einſt Nedea ihre Zaubertraͤnke, und dort iſt ihre Kiſte verborgen. Damit dieſer Hafen nicht als ein verwuͤnſchter deßhalb gemieden wuͤrde, hat man ihn Therapia genannt. Die ſteilen Felſen des Geſtades hinter Therapia beißen die Schluͤſſel des Pontus. Der aͤußerſte dieſer Felſen heißt der Fels der Gerechtigkeit; er iſt da, wo das jetzt mit Wein bepflanzte, einſt be⸗ — 119 wohnte Thal Dillithra an das Meer herab laͤuft Ueber dieſem Thale an dem Platze Brologenes ſteht man an der eigentlichen Pforte des Pontus. In dem Winkel des Felſens der Gerechtig⸗ keit iſt der ſehr ſchoͤne, raͤumige und tiefe Hafen Bathykolpon, in den ſich ein Fluß ergießt. Nach dem Altar eines Megarer⸗Helden Saron heißt er auch der Saroniſche Hafen. In der Naͤhe iſt reicher Fiſchfang und der Felſen Trapeza, nach ſeiner Form ſo genannt, das iſt, der Tiſch. An dieſem „ Buſen war einſt ein Eichenhain, worin ſich die Sarodiniſchen Philoſophen, d. h. die Druiden der alten Gallier gebildet haben kollen. Dieſer Ort heißt jetzt tuͤrkiſch Biutere, griechiſch Kalos agros⸗ das ſchoͤne Feld. Das Thal des Bathykolpos⸗ fluſſes iſt rebenreich, hat Wie en und Schatten, Schluchten und Wild. Hinter demſelben ſind Koͤnigs⸗ gaͤrten. Kein Ort am ganzen Bosporuͤs iſt fiſch⸗ reicher als der Bathykolpiſche Buſen. An der Mittagſeite des Buſens liegt der Flecken Scletrina an dem Buſen eines Vorberges, welcher durch eine Megariſche, von Alkibiades verehrte, durch Ariſtophaniſche Verſe beruͤhmte Hure Simaͤthaͤ ſeinen Namen bekam. Dieſe wohnte hier, und zog Gewinn von den Voruͤberſchiffenden. Das nahe Thal von Seletrina gehoͤrt zu den angenehmſten. Von hier uͤber das mit Rebenſtoͤcken bepflanzte keraſiſche Thal, gelangt man zu dem Vorbers 120 Amilton, Milton und auch Tripition genannt. Dieſer Vorberg iſt ſehr felſig und ſteil, faſt weglos. Am Fuße deſſelben iſt ein Thal, worin einſt der Flecken Polychnion oder Serapion lag. Jetzt heißt der Ort Hieron Romalias. In der Naͤhe war das Heiligthum der Byzantiner, auch der Hafen Maura, von wo aus der Bosporus mit Ketten geſchloſſen wurde. Hier opferte einſt Jaſon, nach ſeiner Heim⸗ kehr von Kolchis, zwoͤlf Gottheiten. Sechshundert Schritte von dem europaͤtſchen Hei⸗ ligthum iſt das Kaſtanienthal mit einer Ma⸗ rienkapelle, einer heiligen Quelle und den Chry⸗ ſorrhoas, d. i. Goldfluß, ſo genannt, weil er Goldſand fuͤhrt. In der Naͤhe waren die Erzgru⸗ ben von Chalkaͤa und auf einer Anhoͤhe der weit⸗ geſehene, in Ruinen zerfallene Leuchtthurm Timaͤa. Nicht weit von hier iſt der Epheſierbuſen, welcher als einer der erſten am europaͤiſchen Geſtade des Bosporus zu betrachten und hafenreich iſt. Die Griechen nennen denſelben jetzt Aphoſiatis oder auch Myrileion. Ein kleiner Vorberg theilt den Buſen in zwei Haͤlften, und ſo entſtehen der große und kleine Hafen Aphoſiatis. Am Abhange der buſchigen Huͤgel und ſelbſt auf dem Vorberg ſtan⸗ den einſt Gebaͤude, zuerſt von Thrakern, Unter⸗ thanen des Koͤnigs Phineus, dann von Lykern, und zuletzt von Myrleern bewohnt. Der Bu⸗ ſen iſt tief genug fuͤr große Schiffe und windſicher · 121 Hier hatten die Lyker einſt einen Tempel der Aphrodite. Den Myrleiſchen Buſen ſchließt von der Nord⸗ ſeite her ein felſiger und ſchmaler, an Quellwaſſer reicher Vorberg, deſſen aͤußerſte Spitze, ſehr felſen⸗ und hoͤhlenreich, ein Raͤuberaufenthalt war, und zu⸗ weilen noch iſt. Die alten Thraker lebten naͤmlich von Raub. Der Vorberg ragt an 1000 Schritte in das Meer. Hier hauſete in der Mitte des Bos⸗ porus und der Kyanen Phineus in ſeinen Bur⸗ gen. Hier ſtand das beruͤchtigte Gypopolis oder die Stadt der Geier. Gegenuͤber war die Burg des Bebrykiſchen Koͤnigs Amykus. Ueber Gypopolis iſt der Dotiniſche Fels, wo einſt ein Pharus ſtand. Er iſt ſelten ſichtbar außer dem Waſſer, und daher den Schiffern gefaͤhr⸗ lich. Hinter dem Dotiniſchen Fels iſt, den Kya⸗ nen parallel, der Vorberg Panion, ganz Felſen, nichts anders als der halbinſelige Iſthmus, im Oſten vom Bosporus, im Norden von dem klippenrei⸗ chen und hafenloſen 4200 Schritte breiten Buſen des Pontus umgeben. Auf dem Panon iſt ein acht⸗ eckiger Pharus, Phanarion genannt. Dieſer Vor⸗ berg und der Ankyraͤiſche enden den Pontus, und fangen den Bosporus an. Denn neben dem Ankyraion ſind die aſiatiſchen, neben dem Pa⸗ nion die europaͤiſchen Kyanen, die nur 70 roͤ⸗ miſche Schritte von einander abſtehen. So breit .. 122 iſt der die Kynnen vom Feſtlan de abtrennende Euripus. Die Kyanen ſelbſt ſind nur Felſen, die auch Symplegaden heißen, weil ſie den Schiffen⸗ den bald zuſammen, bald aus einander zu gehen ſchei⸗ nen, was durch die Stroͤmung des Pontus und des Bosporus verurſacht wird. Von einem auf den Kwanen dem Apollo durch die Roͤmer errichteten Altare ſind keine Spuren mehr vor⸗ handen. Von den Europaͤiſchen Kyanen ſetzen wir nunmehr an die aſiatiſche Kuͤſte des Bosporus uͤber⸗ Hier beſteigen wir zuerſt das Koloniſche Gektipp mit dem Fluſſe Rhebas auch Rhebeus und Rhe⸗ banus genannt. Dieß Geklipp wird von den Fi⸗ ſchern auch Atroporion und Krommyon ge⸗ nannt. Um daſſelbe iſt ergiebiger Fiſchfang. Auf ſeinem Gipfel ſtanden einſt Gebaͤude. An dem 90 Stadien vom Jupiter Urius entfernten ſuͤßwaͤſſeri⸗ gen Fluſſe Rhebas waren einſt die Gaͤrten des Sultans Othman. Unfern dem Atroporion iſt der Vorberg Ankyraion, wo Jaſon einſt Anker werfen ließ. Der Bufen dieſes Vorberges heißt Ha⸗ gion Sideron. Dahinein muͤndet ein Fluß. Ehe⸗ mals hieß dieſer Vorberg auch Pſomion. Er ſchließt von Oſt nach Suͤd die Muͤndung des Pontus, und zwingt aus der offenen See das Gewaͤffer ſo in den engen Kanal. Zunaͤchſt dem Ankyraion iſt der Grabhuͤgel der Kolchiſchen Medea, ein runder 123 erhabener Fels. Ueber dieſen hinaus iſt eine nur bei ganz ruhigem Meere ſichtbare Inſel, deren kel⸗ ſige Gipfel die Kyanen heißen. Zwei dieſer Gipfel befinden ſich in dem von dem genannten Vorberge noͤrdlich begrenzten Buſen Ampelodasz einer da⸗ von heißt die Nonne, der Geſtalt nach. Die ganze Nordſeite des den Buſen umgebenden Vorberges wird das Heiligthum der Goͤtter genannt, weil ebemals viele Altaͤre daſelbſt ſtanden. Das Heiligthum der Goͤtter iſt allenthalben ſehr ſteil, felſig und mehrere hundert Schritte lang. Der Ruͤcken des Berges iſt ſchmal, und hatte einſt einen Altar, entweder des Zeus oder des Her⸗ mes. Die Mittagſeite des an dieſem Vorberge ge⸗ legenen Buſens, iſt durchaus von einem felſigen Vor⸗ berge, Namens Korakion, gerade dem Epheſier⸗ Hafen gegenuͤber, umgeben. Das breite Ufer hier hat wegen ſeiner Graͤben, die den Ort umziehen, den Namen Panteichion. Hier hatte Beli ſar ein Landgut. Ueber das Panteichion hinaus lie⸗ gen die aſiatiſchen Chelaͤ, d. i. Scheeren, welche nichts als faſt pfadloſe Klippen ſind. Hinter den Chelen iſt das aſiatiſche Hie⸗ ron, von Phryxus erbaut, als er nach Kolchis ſchiffte; allgemeiner Anhaltsort der Schiffer. Die⸗ ſes Hieron war meiſt im Beſitz der Byzantiner, ſeltener in dem der Chalkedoner. Es iſt ein von 124 Natur und Mauerwerk feſtes Bergſchloß, von wo aus man den Bosporus üuͤberſchauen kann. Es iſt von Tuͤrken bewohnt. Am Ausgange des Thales, welches von der Mittagſeite den Vorberg des gſiati⸗ ſchen Hieron umſchließt, iſt ein vortrefflicher, hin⸗ laͤnglich tiefer, vor Nord⸗ und Oſtwind geſchuͤtzter Hafen, der ſelten leer iſt von Schiffen. In der Naͤhe iſt Lorbeer⸗Waldung.— Von dem Hafen des Hieron nach dem Vorberge Argyronion haͤngen ſteile und unwegſame Hoͤhen an das Geſtade herab. Das Argyronion iſt etwa 900 Schritte breit, um⸗ ſchließt auf der Suͤdſeite den vom Volke Mono⸗ kolon genannten Buſen, hat auf der Nordſeite ein Thal mit einem Bache, an welchem die Ruinen eines alten Kloſters liegen. Auf dem Gipfel des Argyronion ſtand einſt ein von Soliman er⸗ bauter mahomedaniſcher Tempel des Pantaleë⸗ mon. Hiernaͤchſt im Thale war das Bette des Herakles und das Nymphaͤum, der Lorbeer des Wahnſinns, bei welchem der rieſengroße und ſtarke Bebrykerkoͤnig Armykus durch den Ar⸗ gonauten Pollux erſchlagen ward. Grabmal und Hafen nach dieſem Erſchlagenen benannt. Die Tuͤr⸗ ken nennen die Gegend Bekouſſi. In der Naͤhe iſt der tuͤrkiſche Buſen auch Soltanion und Monokolon genannt, woran Gaͤrten des Sultaus ſtoßen. Dieſe Gaͤrten ſind da, wo einſt Suͤmpfe waren. 125 Von den erwaͤhnten Suͤmpfen kommt man, an dem Cap Stridion zu dem, heutigen Tags Kaſta⸗ kion, ſonſt Katangeion genannten Buſen, wo am ganzen Chalkedoniſchen Geſtade die groͤßten Fiſche gefangen werden. Suͤdlich am Buſen ſind Kiöͤſter⸗Ruinen. Nahe dabei iſt der Vorberg Oxyr⸗ rhoon und der zirkelrunde Huͤgel Phiela. Nicht weit davon iſt der Vorberg Lembos, an deſſen Fuß die Inſel Blabaͤ. Von da kommt man nach Pon⸗ tamonion und Nauſiklea. Die Suͤdſeite des Katangeion umſchließt mit einem der Hoͤrner deſſelben den Buſen Blaka. Der naͤchſte Buſen iſt der Manoliſche, dem Her⸗ maion gerade gegenuͤber, mit einem ausgezeichne⸗ ten und ſiſchreichen Hafen, und einem waidereichen Thale. Unweit iſt der von den Fiſchern Kormion ſonſt Kionion genannte Ort. In der Naͤhe deſ⸗ ſelben iſt Neokaſtion mit dem von Oſt nach Weſt laufenden Fluſſe Aretaͤ, tuͤrkiſch Jokſou. Rechts ſeiner Muͤndung ſind Koͤnigs⸗Gaͤrten, Waldungen und Fruchtbaͤume. Er durchſtroͤmt uͤber⸗ haupt ein ſehr ſchoͤnes Thal und muͤndet dann mit noch einem Fluſſe, der bei Napli fließt, und Na⸗ plitikos heißt, in den Neokaſtriſchen Buſen. Nahe bei der Muͤndung dieſes fiſchreichen Fluſſes iſt der Vorberg Akra Rhoizuſa. Dieſer Akra Rhoizuſa laͤuft in zwei Vor⸗ fpitzen aus, die Diskos heißen. Hinter dieſen iſt 426 ein großerr und ruhiger Hafen. Auf deſſen ſich all⸗ maͤhlig erhebendem Ufer liegt Chryſopolis, d. i. die Goldſtadt, ſo genannt von den Goldhaufen, welche die Perſer hier einſt als Dribut von den beſiegten Voͤlkern zuſammenhaͤuften„ nach andern Sagen Chryſes, dem Sohne der Chryſeis und des Agamemnon, welcher aus Furcht vor Ai⸗ giſthus und Klytaͤmneſtra hieher geflohen ſeyn ſoll. Dieſe Stadt, einſt weltberuͤhmt, iſt jetzt ein ziemlich armſeliger Flecken. Fruͤher wohnten Chal⸗ kedonier daſelbſt, jetzt iſt es von Tuͤrken bewohnt. In der Naͤhe iſt der Skutariſche Vorberg, einſt Damalis genannt, wo eine Ueberfahrt uͤber den Bosporus iſt. Hier ſtand eine Saͤule zum Andenken an Damglis, die Gemahlin des Athenienſiſchen Koͤnigs Chares, der ſie hier begraben ließ, als er gegen Philipp den Makedoner hier zur See gluͤcklich kaͤmpfte. Von dem Orte Damalis gelangt man uͤber Felſen zu der Quelle Hermagoras, und zu dem Hain des Helden Euroſtus. Von der Quelle des Hermagoras bis zu der Ebene der Vorſtadt von Chalkedon iſt das Geſtade des Bosporus ſteil und felſig. Chalkedon hat ſeinen Namen entwe⸗ der von dem Fluſſe Chalkedon, oder von dem Seher Chalkas, der aus Homer's Ilias bekannt iſt. Chalkedon war einſt eine große und beruͤhmte SEStadt⸗ Geburtsort großer Maͤnner, z. B. des Thra⸗ 127 ſimachusz jetzt iſt es wie Chryſopolis unbe⸗ ruͤhmt. Seine Haͤfen ſind Ruinen. Der Ehalkedoniſche Vorberg, eine Seite nach Mittag, die andere nach Norden wendend, macht einen Buſen, Kalamata. Das Ufer deſſelbeu iſt ſehr ſchilfig und graſig. In der Naͤhe von Chalkedon, vor dem Vor⸗ berge Heuron ſind die Inſeln Pytiodes, Chal⸗ kis und Prota. Dieſe letztere iſt ſechzig Stadien von Byzanz entfernt, und liegt ihrer Laͤnge nach von Nord nach Suͤd. An ihrer Oftſeite befinden ſich Ci⸗ ſternen, wovon die groͤßte den byzantiniſchen großen Baͤdern gleicht. Auf der Suͤdſeite liegt die Inſel Antigonaz im Weſten ſind die Inſeln Pla⸗ tys und Oxia. Beide ſind reich an Lorbeer und Blumen; außerdem iſt um dieſelben reicher Au⸗ ſternfang. Die Inſel Antigona hieß ehedem Zo⸗ naraſait und Panormon. Sie iſt allenthalben ſteil zugaͤngig. Die Inſel Chalkis liegt vier Sta⸗ dien von der Antigona, hieß zuweilen auch De⸗ moneſos, und hat Metalle. Sie beſteht eigentlich aus drei Huͤgeln, wovon einer noͤrdlich, der andere oͤſtlich, der dritte aber weſtlich liegt, und iſt von Suͤ⸗ den her ſteil und abſchuͤſſig am ganzen Ufer, aus⸗ genommen einem kleinen, windſicheren Hafen. An der Oſtſeite iſt der Flecken Chalkis, unterhalb deſſelben iſt ein Schiffplatz. Von Chalkis fuͤnf Sta⸗ 3 128 dien iſt die Prinzeſſinninſel, ſogenannt, weil die Prinzeſſinnen des tuͤrkiſchen Herrſcherhauſes da in einem Kloſter ihre Jungfrauſchaft zu bewahren pflegten. Dem Kloſter gegenuͤber iſt die Inſel An⸗ teronitos, in deren Naͤhe das Geſtade und Flecken Karya. Die Inſel hat ſechzig Stadien Umfang. Hiemit ſchließen wir die Beſchreibung der beiden Geſtade des Bosporus.