Se 2e 23,9, d 9, oe 8 32,87 46,6, LTi da a wESA- JNDIEN entwdchen 2‿ᷣ 3 EM-Schnmttk heoſch, Geomele. 1 Niwnb er D 8 — bar Katebenatricken und v ibnen 7dσ Maas—Stab 5 elneen, Franzärirehen dee Mei lo LEII; R BI TA Mbaver ce Ahg — B N , 5,. 5 ä kwiann = — 24 6 Ge— — m unnuue Taſchen⸗ Bibliothek wichtigſten und intereſſinkeſten See⸗ und Land⸗Reiſen, von der. Erfindung der Buchdruckerkunſt bis auf unſere Zeiten. Mit Landkarten, Planen, Portraits und anderen Abbildungen. Berfaßt von Mehren, und herausgegeben — von Joachim Heinrich Jaͤck, Koͤnigl. Bibliothekar zu Bamberg. 6. Bändchen. Mit einer Karte. I. Theil. 2. Bändchen von Oſt⸗, Weſt⸗ und Süd⸗Indien. Dritte Auflage. Nürnberg. Verlegt von Haubenſtricker und von Ebner. 18 28. 8 Taſchen⸗Bibliothek der wichtigſten und intereſſanteſten Reiſen durch Oſt⸗, Weſt⸗ und Suͤd⸗Indien. Mit Landkarten, Planen, Portraits und anderen Abbildungen. Verfaßt von Mehren, und herausgegeben von Joachim Heinrich Jäck, Koͤnigl. Bibliothekar zu Bamberg. I. Theil. 2. Bäͤndchen. Dritte Auflage. Nürnberg. Verlegt von Haubenſtricker und von Ebner. 182 8. I. NRNei fe. Chriſtoph Kolomb's 1492. (Fortſetzung.) Waͤhrend dieſer Ereigniſſe meldeten die Indier auch dem Admirale, ſie haͤtten ein Schiff oſtwaͤrts an der Kuͤſte fahren ſehen. Er zweifelte nicht, dieß ſei die Pinta geweſen, deren Entfernung ihm ſeit dem Verluſte ſeines Schiffes um ſo ſchmerzlicher war. Er ſchickte alſo eine Schaluppe ab, ſie aufzuſuchen, und gab deren Offizier ein Schreiben an Alfons Pin⸗ zon mit, worin er dieſen zur Ruͤckkehr guͤtlich er⸗ mahnte, allein 20 Meiſen wurden vergeblich zuruͤck gelegt. Kolomb zweifelte nun nicht mehr, daß Pinzon nach Spanien zuruͤck geſegelt ſei, um die erſte Nachricht von ihren neuen Entdeckungen zu brin⸗ gen. Er hielt deßwegen fuͤr beſſer, auch ſeine Ruͤck⸗ kehr zu beſchleunigen, und die Unterſuchung der Gold⸗ bergwerke auf eine andere Zeit zu verſchieben. 134 Er rief ſeine Mannſchaft zuſammen, und waͤhlte 39 geſunde, ſtarke und muthige Leute zur Beſetzung des Forts unter Diego d'Arana von Kordua aus, welchem er ſo unumſchraͤnkte Gewalt verlieh, as er ſelbſt vom Koͤnige hatte. Fuͤr den Fall, daß dieſer durch Tod oder auf andere Weiſe der Mann⸗ Saaſt entuiſſen werden ſollte, ernaunte er Peter Guttierez, und dann Rodrigo d'Esvobedo zu deſſen Nachfolgern. Zur Beſtreitung ihrer B eduͤrf⸗ niſſe ließ er einen Schuſter, einen Schneider, ernein Zim mermann, allen entbehrlichen Vorrath von Wein, Zwieback und andern Lebensmitteln auf ein Jahr, und alle Saͤntereien zuruͤck, wodurch die Mannſchaft mit den Indiern in Handelsverbindungen bleiben koͤnnten. Da die ganze Mannſchaft aus freiem Willen zuruͤck blieb, ſo empfahl er ihnen nichts als Einigkeit unter ſich und mit der Einwohnern, deren Sprache und Eigenheiten ſie lernen ſollten. Bei dem Abſchiede von Guaranagari verſicherten ſich beide die aus⸗ dauerndſte Freundſchaft und Gewogenheit unter wech⸗ ſelſeitigen Geſchenken, wovon der Admiral bald mehre bringen wollte. Er empfahl ihm ſeine Mannſchaft, elche er er befohlen habe, ihm gegen die Kara iben eKanonen beizuſtehen. Der Koͤnig ve ſprach die Eun eraer wie ſeine Kinde er Pi ffege en, thanen zur geherrader anns Dannten 135 Am vierten Jaͤnner 1493 wurden die Auker ge⸗ lichtet; zur naͤhern Kenntniß der ganzen Inſel wurde zuerſt nach Oſt geſegelt. Als der Admiral das erſte Vorgebirge Punta Santa(Kap Francois) vorbei geſegelt war, erblickte er einen kahlen Berg, welchen er Monte Chriſto, und neben welchem er den gro⸗ ßen Fluß Rio d'Oro nannte, weil in deſſen Sande einige Goldfunken gefunden wurden. Bei deren er⸗ ſtem Anblicke wurde er noch in der Meinung beſtaͤrkt, die Inſel Hiſpaniola ſei das wahre Cipango des Mareo Paolo, ohne zu vermuthen, daß er den Goldbergwerken von Cibao ſo nahe ſei. Am 6. Jaͤn⸗ ner erblickte er bei der Ausfahrt aus dem Gold⸗Fluſſe die Pinta unter gleichem Winde, deren Anfuͤhrer⸗ Pinzon, ſich durch ſchlimmes Wetter entſchuldigte, als Kolomb ſie er eicht hatte; er verzieh ihm trotz der großen Anmaſſung und offenbaren Unwahrheit, er habe einen Hafen nach dem andern zur Vertauſchung ſeiner Waaren gegen Gold beſucht, wovon er eine Haͤlſte behalten, und eine unter die Mannſchaft ver⸗ theilt habe. Beide Schiffe vereint, erreichten bald das Vorgebirge Punta Rora, 30 Meilen hinter MNonte Chriſto, und fuhren in einen Hafen, worin Piu⸗ zon Tauſchgeſchaͤfte gemacht, und vier Indier weg⸗ genommen hatte, welche auf ſeinen Befehl wieder an das Land geſezt werden mußten. Wahrſcheinlich wurde dieſer Hafen deßwegen Puerto di Gratia genannt, obgleich manche Geſchichtſchreiber die Be⸗ 136 gnadigung Pinzon's als Veranlaſſung dieſer Benen⸗ nung angegeben. 1 Bei der Abfahrt erblickte man einen hohen Berg, deſſen Gipfel mit Schnee bedeckt oder uͤberſilbert zu ſein ſchien, weßwegen er Monte de Plata, wie der an deſſen Fuß befindliche Hafen Puerto de Pla⸗ ta genannt wurde. Der Admiral entdeckte auf dieſer Fahrt noch viele andere Vorgebirge an der Kuͤſte, z. B. Del Angel, La Punta del Yerro, El Re⸗ dondo, El Franzes, El Cabo de buon Tiem⸗ po, El Tojado, El Cabo de Padrey Hiſo, Puerto Sacro und Los Enamoradvs. Am 19. Jaͤnner wurde er von neuem Staunen uͤber den Umfang der Inſel erfuͤllt; nachdem er 30 Seemeilen zuruͤck gelegt hatte, traf er eine große Bay an, welche von der Halbinſel Samana gebildet wurde. Er ſchickte einige Matroſen in einer Barke an das uUfer, wo viele mit Pfeilen und Bogen bewaffnete Wilde waren; die Spanier ließen ſich dadurch von der Lan⸗ dung nicht abſchrecken. Sie wurden gut aufgenom⸗ men, machten einige Tauſchgeſchaͤfte mit ihnen, und beredeten einen derſelben auf das Schiff zu kommen. Der Admiral bewunderte deſſen verſtaͤnbige Antworten auf die an ihn geſtellten Fragen uͤber die Karaiben und Goldbergwerke, und ſchickte ihn mit Geſchenken zuruͤck. Bei dem Ausſteigen aber wurden die Matro⸗ ſen von vielen bewaffneten Wilden umringt, welche Mißtrauen gegen ſie zu erkennen gaben. Zwar be⸗ 137 muͤhte ſich der beſchenkte Indianer dieſes zu verſcheu⸗ chen, aber vergebens; weßwegen die Spanier ſich fluͤchteten. Da ſie aber vor dem Einſteigen in die Barke zwei Wilde durch Saͤbelhiebe verwundeten, ſo warfen die uͤbrigen Judianrr ihre Bogen und Pfeile weg, und liefen davon. Der Admiral war Anfangs unzufrieden uͤber dieſes Blutvergießen; doch des an⸗ dern Tages kam der Kazik dieſer Gegend auf ſein Schiff, und ſchenkte ihm wegen des Friedensſchluſſes eine goldene Krone. Kolomb's Eifer ermuͤdete endlich durch die lange Fahrt und den ſchlechten Zuſtand ſeiner beiden ziemlich lecken Schiffe; er entſchloß ſich zur Ruͤckkehr nach Europa. Am 16. Jaͤnner wurden die Segel ge⸗ gen Nordoſt gewendet, wo man verſchiedene kleinere Inſeln wahrnahm. Die Fahrt war bis zum 12. Feb⸗ ruar gluͤcklich; aber wegen der verſchiedenen Beobach⸗ tungen und Beſtimmungen der Entfernung ſehr un⸗ gewiß. Nachdem beide Schiffe gegen soo Meilen zu⸗ ruͤck gelegt hatten, wurden ſie von einem ſo großen Sturme uͤberfallen, daß der Schiffbruch unvermeidlich ſchien; weßwegen die ganze Mannſchaft allerlei Ge⸗ luͤbde*) machte. Ueber dieſes Ungluͤck druͤckte ſich *) Herrera ſagt:„Als der Admiral nichts mehr guzuordnen wußte, befahl er, daß durch das Loos beſtimmt werden ſollte, wer eine Wallfahrt zur Maria von Gugdeloupe mit einer fuͤuf⸗ 138 Kolomb in ſeinem dritten Briefe an den Koͤnig von Spanien auf folgende Art aus:„Ich haͤtte mein Un⸗ gluͤck gern ertragen, wenn ich allein in Gefahr ge⸗ weſen waͤre. Denn ich war ſchon ſo oft in Todesge⸗ fahr, daß mich keine mehr erſchuͤtterte; nur ſchmerzte mich, daß ſo viele Menſchen, welche Eue Majeſtaͤt mir zu meiner Unternehmung anvertraut hatten, erſt am Ende der Reiſe zu Guunde gehen ſollten. Auch war ich ſehr betruͤbt; daß ich nicht perſoͤnlich Eurer Majeſtaͤt von derſelben Bericht erſtatten, und meinen Gegnern offenbar beweiſen ſollte, wie ich die Reiſe ausfuͤhren konnte. Zugleich erinnerte ich mich der Jugend meiner beiden Soͤhne zu Kordua, welche ich ungluͤcklich zuruͤck laſen mußte, indem Lure Ma⸗ jeſtaͤt nach dem Mißlingen des Unternehmens weder pfuͤndigen Kerie machen muͤſſe; das Loos traf ihn ſelbſt. Man looste das zweite Mal zur Jungfrau von Loretto in der Mark Au ko⸗ na; das Loos traf den Matroſen Peter de Villa, wozu der Admiral die Koſten geben wollte. Das dritte Geluͤbde, eine Nacht zu Sauta Clara de Mogues zu wachen, und eine Meſſe leſen zu laſſen, traf wieder den Ad⸗ miral. Da der Sturm deſſen ungeachtet fort⸗ tohte, ſo gelobte die ganze Schiffomannſchaft⸗ ſie wolle an dem erſten Landungsorte im Hemde ausneigen, und in Prozeffton nach einer der h. Jungfrau geweihten Kirche ſich begeben. Aber ungeachtet der 4 Geluͤhde wuͤthete der Sturm noch fort.“ 3 139 an ſie, noch an meinen geleiſteten Dienſt denken wuͤr⸗ den, welcher unbekannt geblieben waͤre. Zuweilen beunruhigte mich auch der Gedanke, daß Gott mich zur Strafe fuͤr meine Suͤnden, des Ruhms der Ent⸗ derkung verluſtig machen wolle. Deſſen ungeachtet faßte ich noch Hoffnung, daß Eurer Majeſtaͤt meine Entdeckung zufaͤllig jemals bekannt werden koͤnnte; deßwegen ſchrieb ich waͤhrend des Sturmes in weni⸗ gen Zeilen auf Pergament die Namen der Laͤnder, welche ich fuͤr Ihre Krone entdeckt und in Beſitz ge⸗ nommen hatte, den Weg und die Zeit zur Fahrt in dieſelben, die Lebensart der dortigen Einwohner, die Fruchtbarkeit des Landes, und die Pflanzſtadt, welche ich daſelbſt angelegt hatte, um das Land fuͤr Eure Majeſtaͤt zu erhalten. Dieſes Pergament verſchloß ich mit meinem Siegel, wickelte es in Wachsleinwand vorerſt, und dann in Wachs, und verwahrte es in einem wohl verſchloſſenen Faͤßchen, worauf ch die Aufſchrift an Eure Majeſtaͤt machte. Das Faß warf ich in das Meer, voll Hoffnung, daß es doch irgend einen See⸗ fahrer, wenn wir alle auch zu Grunde gehen wuͤrden, zukommen, und derſelbe es Eurer Majeſtaͤt uͤberlie⸗ fern wuͤrde. Da ich beſorgte, der Sturm moͤchte das Faß zu weit verſchlagen, ſo legte ich ein zweites, eben ſo beſchriebenes Pergament auf gleiche Weiſe in ein anderes Faß, welches ich am Bord behlelt, damit nach unſerem Schiffbruche wenigſtens eines der beiden Faͤſ⸗ ſer Eurer Majeſtaͤt zukommen koͤnnte.“ b 140 Obwohl das in die See geworfene Faß in ganz andere Haͤnde haͤtte gelangen, und ein anderer Hof den Nutzen der Entdeckung ziehen koͤnnen, ſo bildeten doch die Matroſen ſich ein, dieſes Einwerfen deſſelben ſei ein ganz neues Religionsmittel zur Beſaͤnftigung des Zornes Gottes. Da der Sturm wirklich bald dar⸗ auf ſich legte, ſo rechnete die ganze Mannſchaft dieſe guͤnſtige Wendung des Schickſales nur der Froͤmmig⸗ keit Kolomb's zu. Gleich im Anfange des Sturmes war das zweite Schiff aus dem Geſichtskreiſe des erſten verſchwun⸗ den; man hielt es alſo fuͤr verloren, weil man es nach geendigtem Sturme nicht wieder ſah. Am 18. Februar ſah man wieder Land in Oſt⸗Nord⸗Oſt, welches einige fuͤr Madera, Andere fuͤr den Felſen Eintra bei Liſſabon hielten. Kolomb kam am 16. Februar Nachts an eine Inſel, ohne daß er wuß⸗ te, wo er war. Er ſchlief etwas, weil er drei Tage nicht geruht hatte. Bei dem Erwachen war er durch die feuchte Luft und große Abmattung faſt gelaͤhmt an den Fuͤßen. Am 48. Februar erfuhr er ſeine An⸗ naͤherung an der azoriſchen Inſel Santa Maxria, wo er Anker warf.. Der portugieſiſche Befehlshaber, Don Juan de Caſtaneda, ließ ihn ſogleich bewillkommen, und ſchickte ihm einige Erfriſchungen an Bord. Durch dieſe Artigkeit wurde er ſo vertrauensvoll, daß er, um zeitig nach den Geluͤbden Gott zu danken, des andern 141 Tages einen Theil ſeiner Leute an das Land ſetzen ließ, damit ſie die Prozeſſton in eine benachbarte Ma⸗ riakirche machen koͤunten, welche er mit der uͤbrigen Mannſchaft am folgenden Tage wiederholen wollte. Die Spanier waren ihrem Geluͤbde gemaͤß nicht nur ohne Waffen, ſonderu gquch im bloſen Hemde. Kaum hatten ſie das Ufer aus den Augen verloren, ſo wur⸗ den ſie von vielen Portugieſen umringt und gefangen. Der Admiral konnte nicht begreifen, warum ſeine ge⸗ landete Mannſchaft nicht auf das Schiff zuruͤck kom⸗ me; er legte ſich mit ſeinem Schiffe an die Landſpitze, von welcher man die Kapelle uͤberſehen konnte. Hier erblickte er zwar ſeine Barke, aber ſtatt ſeine Leute⸗ welche er aufnehmen wollte, einen Haufen bewaffne⸗ ter Reiter, welche abſtiegen, und in die Barke ſich be⸗ gaben. Sogleich bereitete er ſich zum Gefechte vorz jedoch wollte er die Feindſeligkeit nicht beginnen. Bei der Aunaͤherung der Portugieſen verlangten dieſe ein Zeichen zu ihrer Sicherheit, welches er ſogleich ertheil⸗ te. Da ſie noch immer in der Ferne blieben, aͤußerte er ſeine Verwunderung, daß er Niemand von ſeinen Leuten ſehe; er habe nicht vermuthen koͤnnen, daß man ihn bewillkomme, um ihn zu hintergehen. Er ſei ſpaniſcher Admiral im Weltmeere und Vieekoͤnig von Indien, und koͤnne ſich uͤber ſeine Anſtellung ausweiſen. Hierauf erwiederte ein portugieſtſcher Offizier: auf dieſer Inſel nehme man weder auf den Koͤnig von Spanien, noch auf deſſen Urkunden einige 14² Ruͤckſicht; wage er in den Hafen einzulaufen, ſo drohe ihm das naͤmliche Schickſal, wie der gelandeten Mannſchaſt. Durch dieſe feindſeligen Reden gerieth der Admi⸗ ral auf den Gedanden, die Kronen von Spanien und Portugal koͤnnten waͤhrend ſeiner Entfernung in einen Krieg gegen einander verwickelt worden ſeyn. Er forderte alle ſeine Leute zu Zeugen des Vorganges auf, ſprach dann ebenfalls in einem wuͤrdevollern Tone, und fuͤgte bei, daß er ohne angemeſſene Ge⸗ nugthuung ſich nicht von dieſem Orte entfernen wuͤr⸗ de. Es'erhob ſich ein Sturn, wodurch er einige An⸗ ker verlor, und in der Michaelis⸗Inſel Sicherheit ſu⸗ chen wollte. Da aber der Sturm die ganze Nacht fortdauerte, und er dahin nicht gelangen konnte, ſo kehrte er nach Santa Maria mit dem Ent⸗ ſchluſſe zuruͤck, dieſe Inſel anzugreifen, und ſich die moͤglichſte Genugthuung zu verſchaffen. Waͤhrend er mit Anſtalten zum Angriffe beſchaͤf⸗ tigt war, kamen ein Offizier, zwei Prieſter und fuͤnf Matroſen in einer Barke an das Schiff, und baten um Erlaubniß, an Bord zu gelangen. Sie gaben dann vor: ihr Befehlshaber wolle durch ſie ſich uͤber⸗ zeugen, ob wirklich ein ſpaniſcher Admiral auf dem Schiffe ſei, um ihn mit aller gebuͤhrender Ehre zu empfangen. Kolomb ſtellte ſich, als halte er dieſe Hoͤflichkeit fuͤr aufrichtig, zeigte ihnen ſein Anſtel⸗ lungs⸗Dekret und den eigenbaͤndigen Brief des Kuͤ⸗ 143 nigs, durch welchen er allen Maͤchten der ganzen Welt empfohlen war. Hierauf gab man ſeine Barke mit ſeinen Leuten unter vielen Entſchuldigungen zuruͤck, wogegen er die Miene machte, als ſei er zufrieden. Seine gefangen geweſene Mannſchaft verſicherte ihn aber, alle Unterthanen des Koͤnigs von Portugal ſeien beordert, ihn gefangen zu nehmen, wo ſie ihn faͤnden. Er wuͤrde auch dieſem Uugluͤcke nicht entgangen ſein, waͤre er mit der erſten Haͤlfte ſeiner Mannſchaft gelandet. Sobald das Wetter guͤnſtig wurde, ſegelte er ge⸗ gen Oſt dis zum 2. Maͤrz gluͤcklich fort. Ein ſehr großer Vogel, welchen er fuͤr einen Adler hielt, ſetzte ſich auf einen Maſt, und war gleichſam der Vorlaͤufer eines zweiten eben ſo ſchrecklichen Sturmes, in wel⸗ chem das Loos des Geluͤbdes wieder auf den Admiral fiel. Zwei Tage tobte der Sturm ſo fort, daß die ganze Mannſchaft bereits alle Hoffnung zur Rettung aufgegeben hatte. Endlich ſah man in ſehr dunkler Nacht Licht auf dem Lande, welches ſich als der Fel⸗ ſen Cintra des andern Tages offenbarte. Obgleich jetzt der Wind zur Fortſetzung der Reiſe nach Spa⸗ nien guͤnſtig war, ſo war doch die See noch ſo unru⸗ hig, daß Kolomb fuͤr noͤthig hielt, im Hafen von Liſſabon zu landen. Der Koͤnig von Portugal hielt ſich damals zu Valparaiſo auf. Solhald er einen reitenden Bo⸗ ten an den ſpaniſchen Hof abgeſchickt hatte, ließ er dieſen Fuͤrſten um Erlaubniß hier zu ankern erſuchen, 144 1 und fuͤgte zugleich bei, daß er nicht aus Guinea, ſondern aus Indien komme. Ungeachtet dieſer Erklaͤ⸗ rung durchſuchte ein portugieſiſcher Offizier das ganze Schiff, und forderte ihn auf, ſich mit ihm an das Land zu begeben, und dem Befehlshaber des Hafens Bericht von ſeiner Reiſe zu erſtatten. Er erwiederte, die Wuͤrde eines ſpaniſchen Admirals erfordere, dies nicht zu thun. Man verlangte dann wenigſtens die Abſendung eines Steuermannes; auch dieſes lehnte er unter Vorzeigung ſeiner Urkunden ab. Sobald der Offizier ſeinen Bericht im Hafen erſtattet hatte, naͤ⸗ herte ſich der Hauptmann Alvaro d'Acunna auf einer Galione unter Trompeten⸗ und Paukenſchalle dem Schiffe, beſtieg es, und erbot ſich, den Admiral mit Lebensmitteln und andern Beduͤrfniſſen zu un⸗ terſtuͤtzen. Sobald das Geruͤcht von Kolomb's NRuͤckkehr 1 durch Liſſabon verbreitet wan, ſtieg die Neugierde, den Entdecker einer neuen Welt zu ſehen, ſo ſehr, daß der Fluß Tajo in wenigen Stunden mit Bar⸗ ken bedeckt war. Des andern Tages wurde der Ad⸗ miral nach Hof eingeladen, durch ein beſonderes Schreiben des Koͤnigs der beſten Aufnahme zum Vor⸗ aus verſichert, und zugleich bevollmaͤchtigt, vorerſt zu Saeaben einige Dage ſich zu erholen. Er vertraute dem Worte eines Monarchen und guten Freundes ſei⸗ ues Koͤnigs, und begab ſich gleich des anderen Tages nach Valpargiſo, wo er von den Vornehmſten 145 empfangen, und in den Palaſt begleitet wurde. Der Koͤnig empfing ihn ſehr wohlwollend, ließ ihn nieder⸗ ſetzen und das Haupt bedecken, und hoͤrte auch der Erzaͤhlung von der Reiſe mit Aufmerkſamkeit zu. Dann wuͤnſchte er ihm Gluͤck zu dem erworbenen Ruhme, fuͤgte aber bei, daß die neu entdeckten Laͤnder nach den zwiſchen Spanien und Portugal beſtehenden Vertraͤgen nur ihm gehoͤren koͤnnten. Ko lomb er⸗ wiederte, er wiſſe nichts von dieſen Vertraͤgen; deſſen ungeachtet habe er ſich abſichtlich in weiter Entfer⸗ nung von Guinea und den portugieſtſchen Bergwer⸗ ken gehalten. Der Koͤnig antwortete ſcherzend:„Ich bin verſichert, daß wir zur Entſcheidung dieſer Ange⸗ legenheit keines Dritten noͤthig haben.“ Dieſe Auf⸗ wartung Kolom b's endigte ſich mit aller Hochach⸗ tung, welche ſelbſt der Neid nicht unterdruͤcken kann. Denn in ganz Portugal hatte man bereits den großen Fehler eingeſehen, daß man deſſen fruͤheres Anerbie⸗ ten zu Entdeckungen abgelehnt hatte. Der Koͤnig be⸗ fahl hierauf den Vornehmiſten ſeines Hofes, den Ad⸗ miral nach Stand und Wuͤrde zu beherbergen und zu bewirthen. Er ſprach noch zwei Mal mit ihm, und ließ ihn durch Don Martin de Nyronna nach Liſſabon begleiten. Kolomb wartete zu Villa⸗Franca auch der Koͤnigin auf, und wurde von ihr mit der groͤßten Auszeichnung empfangen. Bei ſeiner Ankunft in der Hauptſtadt wurde ihm die Freiheit zugeſtan⸗ den, zu Land zuruͤck zu kehren; in welchem Falle er Gtes B. Indien. I. 2. 2 146 mit Begleitung und allen Bequemlichkeiten verſehen werden wuͤrde. Er daukte fuͤr dieſe Beguͤnſtigung, ſe⸗ gelte am 13. Maͤrz unter guͤnſtigem Winde ab, und kam am 45. Mittags im Hafen Palos an. So hatte er alſo in 1 ¾ Monaten eine Unternehmung vollzogen, wozu er ſelbſt mehr als ein Jahr gerechnet hatte. Seine gluͤckliche Nuͤckkehr verbreitete in Spanien die graͤnzenloſeſte Freude. Zu Palos wurden ſogleich ohne Weiſung des Hofes alle Kramlaͤden geſchloſſen, alle Glocken gelaͤutet, und dem Admirale bei dem Ausſteigen aus dem Schiffe die naͤmliche Ehre erwie⸗ ſen, als einem gekroͤnten Haupte, ohne daß er deßwe⸗ gen ſeine Beſcheidenheit verlor. Er erſtattete ſogleich einen ſchriftlichen Bericht ſeiner Reiſe an den Koͤnig. Die Pinta, welche durch den letzten Sturm von ſei⸗ nem Schiffe getrennt worden, war zu Bayonne ein⸗ gelaufen, und deren Fuͤhrer Punzon eilte ſogleich an den Hof nach Barzelona, in der Hoffnung, er werde zuerſt dem Koͤnige Bericht erſtatten, und die Ehre des Muthes und der Geſchicklichkeit ſeines Ad⸗ mirals einernten. Allein der Koͤnig erlaubte ihm nicht, vor ihm zu erſcheinen; daruͤber graͤmte ſich Pinzon ſo ſehr, daß er bald darauf ſtarb. Oviedo und an⸗ dere Geſchichtſchreiber aber melden, er habe ſich von Bayonne nach Palos begeben, und ſei mit dem Admirale zugleich eingetroffen. Ueber dieſes unver⸗ 147 muthete Zuſammentreffen ſei er um ſo beſtuͤrzter ge⸗ weſen, als Kolomb bereits ſich uͤber deſſen leichtſin⸗ nige fruͤhere Entweichung beſchwert hatte, wodurch die Beſichtigung der Goldbergwerke zu Cibao ver⸗ hindert worden ſei, aus welchen er viel Gold nach Spanien haͤtte bringen koͤnnen. Pinzon gerieth in Furcht uͤber die ihm drohende Verhaftung, und ent⸗ fernte ſich ſogleich aus dem Hafen, kam zwar nach des Admirals Abreiſe wieder, wurde aber durch Ver⸗ druß und lange Anſtrengung endlich ſo ſchwach, daß er nach wenigen Tagen ſtarb. Kolomb reiſte mit den Schaͤtzen und 7 Indiern, welche er mitgebracht hatte, unverzuͤglich nach Se⸗ villa; ein Indier war unterwegs geſtorben, und zwei lagen krank im Hafen. Da man am Hofe eben ſo begierig war, ihn zu ſehen, als er ſich nach der Aufwartung bei den Koͤnigl. Majeſtaͤten ſehnte; ſo erhielt er ſchon zu Sevilla⸗ ein Schreiben deſſelben, mit der Aufſchrift:„An Don Chriſtoph Kolomb, unſeren Admiral guf dem Weltmeere, auch Unter⸗Koͤnig und⸗ Statthalter der neu entdeckten indiſchen Inſeln.“ Koͤnig Ferdi⸗ nand und deſſen Gemahlin Iſabella verſicherten ihn darin des gnaͤdigſten Wohlwolles, Vertrauens und Dankes, forderten ihn zur ſchnellen Erſcheinung auf, und erkundigten ſich ſchon, welche Anſtalten zur Vollendung ſeines Werkes getroffen werden ſollten. 148 Er antworte ſogleich mit Beſcheidenheit, und fuͤgte ein Verzeichniß der Schiffe, Kriegsgeraͤthe und Mann⸗ ſchaft bei, welche ſeinen Plauen entſprechen koͤnnten. Da ſeine Nuͤckkehr und ſeine Reiſe nach Hof be⸗ reits allgemein bekannt war, ſo glich ſeine Fahrt nach Barzelona einem Siegeszuge; alle Straßen und Auen ertoͤnten vom Freudenrufe. Bei dem Eintritte eines bewohnten Ortes lief ihm Jedermann entgegen, ſeine Bewunderung dem Manne zu zollen, welcher die Fahrt in die neue Welt durch einen bisher unbe⸗ kannten Weg entdeckt hatte. Auch wurden die ihn begleitenden Indier, Papageien, und die von ihm vor⸗ gezeigten andern Seltenheiten ſehr bewundert. Bis zur Mitte Aprils kam er nach Barzelona. Er wurde nach dem Verdienſte, welches er ſich um die Krone Spaniens erworben hatte, nach dem Mu⸗ ſter eines Siegeszuges der alten Roͤmer empfangen⸗ Alle Hoͤflinge kamen ihm mit einer außerordentlichen Volksmenge ſehr weit entgegen, und eroͤffneten ihm den Gruß des Koͤnigs und der Koͤnigin. Voraus gin⸗ gen die 7 Indianer; dann folgten Kronen und Gold⸗ bleche, welche von neu unterjochten Fuͤrſten freiwillig ihm uͤbergeben, nicht die Frucht von der Raubſucht und Gewaltthaͤtigkeit eines ſiegenden Soldaten waren, viele Ballen Baumwolle und mehre Kiſten ſehr ſchar⸗ fen Pfeffers, welcher dem morgenlaͤndiſchen nicht uach⸗ ſtand, Papageien, welche man auf Rohren von 26 . —ᷣ-ο—.— — 149 Fuß trug, ausgeſtopfte Kaymane und Lamantine, wel⸗ che fuͤr die wahren Sirenen der Alten gehalten wur⸗ den, verſchiedene unbekannte Gattungen von Voͤgeln und vierfuͤßigen Thieren, nebſt vielen andern ſehr ſel⸗ tenen Gegenſtaͤnden. Die gemeinen Leute wurden bei dem Anblicke dieſer gleichſam in die neue Landſchaft ſelbſt verſetzt, und hofften ſchon auf die Reichthuͤmer, welche ſich bald uͤber ganz Spanien ergießen wuͤrden. Deßwegen nahm das Jauchzen in jedem Augenblicke zu, und vielleicht iſt nie einem Helden ein gleich ruhmvoller Tag unter den groͤßten Schmeicheleien be⸗ gegnet, beſonders wenn der Admiral dieſes Gepraͤnge mit ſeiner traurigen Lage vor wenigen Monaten ver⸗ glich. In dieſer Pracht wurde er durch die meiſten Straben der Stadt zu den Majeſtaͤten gefuͤhrt, welche außer ihrem Palaſte im koͤnigl. Schmucke unter einem koſtbaren Thronhimmel, mit dem Kronprinzen und ganzen Hofſtaat zur Seite, ihn lange erwarteten. Er ſiel zu deren Fuͤßen, um zum Haudkuße zu gelangen; allein Ferdinand ließ ihn ſogleich aufheben, auf einen für ihn beſtimmten Stuhl ſetzen, und das Merkwuͤr⸗ digſte ſeine Reiſe laut erzaͤhlen, Sein Vortrag war ſo edel, daß alle Zuhoͤrer davon entzuͤckt wurden. Dann fiel der Koͤnig, die Koͤnigin und alle Anweſen⸗ den um Gott zu danken, auf die Knie, und ließ durch die Hofkapelle Lobgeſaͤnge ertoͤnen. Von dieſem Tage an ließ ſich der Koͤnig in der Stadt nicht mehr ſehen, ohne den Kronprinzen zur 150 Rechten, und Kolomb zur Linken zu haben. Alle Vornehme folgten dem Muſter des Koͤnigs, dem Ad⸗ miral alle moͤgliche Ehren zu erweiſen. Der Kardi⸗ nal Peter Gonzalez von Mendoza, ein durch perſoͤnliche Eigenſchaften, wie durch Geburt und Amt gleich erhabener Mann, war der erſte, welcher ihn als Gaſt einlud, und ihm dabei nicht nur den erſten Platz einraͤumte, ſondern auch bedeckte Schuͤſſeln vorſetzte, und alle Speiſen und Getraͤnke, welche vorgelegt wur⸗ den, vorher eredenziren ließ. Nach dieſem Beiſpiele handelten auch die uͤbrigen Großen, welche der Reihe nach ihn als Gaſt einluden. Die gute Geſinnung des. Koͤnigs theilten auch deſſen Bruͤder, Bartholomaͤ und Diegoz ungeachtet ſie nicht in Spanien anwe⸗ ſend waren. Zu dem bereits empfangenen Titel Don erhielt Kolomb bald auch ein praͤchtiges Wap⸗ pen fuͤr ſein ganzes Geſchlecht und neue Privi⸗ legien*). Ohngeachtet der Koͤnig nichts mit mehr Aufmerk⸗ ſamkeit und Nachdruck betrieb, als die baldige Abſen⸗ dung des Admirals zur Fortſetzung ſeiner neuen Ent⸗ deckungen; ſo war er doch auch von zu großer Ehr⸗ furcht fuͤr den roͤmiſchen Stuhl durchdrungen, als daß **) Sieh die dritte Urkunde in Spotorno's Werke, S. 57— 3, welche zu Barzelong, 28. Mai 1493 ausgefertigt wurde, 5 151 er nicht dahin Nachricht von dem gluͤcklichen Fort⸗ gange des Unternehmens ertheilen ſollte. Zwar hatte er nicht die Bedenklichkeit, als ſei ſein Beſitz in der neuen Welt ohne paͤpſtliche Erlaubniß nicht rechtmaͤ⸗ ßig. Auch waren die zu Rath gezogenen Gelehrten einhaͤllig der Meinung, die Formalitaͤt ſei unnoͤthig. Man war daruͤber um ſo weniger bedenklich, als P. Alexander VI. aus dem Hauſe Borgia ein Unterthan der arragoniſchen Krone war. Doch des Wohlſtandes wegen ließ K. Ferdinand durch ſei⸗ nen Geſandten zu Rom den Papſt verſichern, die von ihm befohlene Unternehmung Kolomb's ſei den Rechten Portugal's nicht im geringſten nachtheilig⸗ und derſelbe habe der Weiſung, ſich auf 100 Meilen von deſſen neuen Laͤndern entfernt zu halten, genau entſprochen. Bloß zum Beſten der chriſtlichen Reli⸗ gion erbitte er ſich eine Bulle, nach welcher er dieſe eben ſo weit als ſein Reich verbreiten duͤrfe. Der Papſt ließ am 2. und 3. Mai zwei Bullen uͤber Spa⸗ nien mit den naͤmlichen Beſchraͤnkungen ausfertigen, welche die vorigen Paͤpſte der Krone Portugals er⸗ theilt hatten. Um zugleich moͤgliche Streitigkeiten zwiſchen beiden Kronen zu beſeitigen, beſtimmte er die Graͤnze fuͤr die ſchon entdeckten und noch zu entdecken⸗ den Laͤnder, welche kein anderer chriſtlicher Fuͤrſt vor dem 25. Dezember 1492 in Beſitz genommen hatte. Dieſe Linie erſtreckte ſich von einem Pole zum an⸗ dern, und theilte den Raum zwiſchen den azoriſchen 152 Inſeln und jenen des gruͤnen Vorgebirges in zwei gleiche Haͤlften. Alles naͤmlich, was gegen Mittag und Abend liegt, ſollte der Krone Spaniens gehoͤren, und was gegen Morgen liegt, ſollte jener von Por⸗ tugal bleiben. Beide Bullen trafen in Spanien gerade zu der Zeit ein, als der Admiral ſeine Verhaltungs⸗ befehle und alle uͤbrigen Beduͤrfniſſe zur Reiſe nach Weſt⸗ und Suͤd⸗Indien empfangen hatte. Er erhielt eine beſondere Weiſung, nach welcher ihm der Befehl uͤber die Flotte bis zur Inſel Hiſpa⸗ niola uͤbertragen war; von hier ſollte Anton Dorrez dieſelbe nach Spanien zuruͤck fuͤhren. Auch wurden ihm neue Urkunden zugefertigt, worin dis fruͤhern beſtaͤtigt waren. Waͤhrend der 7 Monate, welche er zu Barzelona verweilte, ließ er ſeine 7 Indier im Chriſtenthume unterrichten; nachdem dieſe ſelbſt die Taufe verlangt hatten, wurde ſie ihnen un⸗ ter großer Feierlichkeit ertheilt. Der Koͤnig, die Koͤ⸗ nigin und der Kronprinz vertraten die Pathenſtelle; der Verwandte von Guacanagari wurde Don Ferdinand dArragon, ein anderer Don Juan von Kaſtilien genannt. Die uͤbrigen Indier wur⸗ den in ihr Vaterland zuruͤck gefendet, damit ſie ihre Landsleute von den in Spanien empfangenen Wohl⸗ thaten belehrten. Zur Verbreitung der Religion gah der Koͤnig dem Kolomb s weltliche und 6 geiſtliche Prieſter unter der Leitung des kataloniſchen Benedie⸗ 153 tiners Buyl mit, welcher nebſt einem paͤpſtlichen Breve auch eine ausgedehnte Vollmacht erhielt, die Indier mit Sanftmuth zu bekehren. Zur Verherrli⸗ chung des katholiſchen Gottesdienſtes unter den Wil⸗ den verlieh die Koͤnigin Jſabella die noͤthigen Ge⸗ raͤthe aus ihrer eigenen Kapelle. 1 II. R e i ſ e Chriſtoph Kolomb's; 1492—95. I. Bei dem Abſchiede von beiden Majeſtaͤten wurde ihm bewilligt, ſeine beiden Soͤhne als Edelknaben am Hofe zuruͤck zu laſſen, damit ſie nach des Vaters Wuͤrde und ihrem kuͤnftigen Gluͤcke erzogen und gebil⸗ det werden koͤnnten. Er begab ſich nach Sevilla, wo bereits die Flotte von 17 Schiffen, welche er leiten ſollte, mit Lebensmitteln und andern Beduͤrfniſſen eiligſt verſehen wurde. Die Luͤſternheit nach Gold und uͤberirdiſcher Gluͤckſeligkeit hatte ſo viele Edel⸗ leute, Bauern und Handwerksmaͤnner als Begleiter her⸗ bei gelockt, daß er deren Zahl auf 1500 zu beſchraͤnken, und die uͤbrigen fuͤr dieſes Mal noch zuruͤck zu weiſen fuͤr gut fand. Außer dem Anton von Torres, 155 den beiden Hauptmaͤnnern Franz von Penaloſa und Alfons von Pallejo, dem Schatzmeiſter Indien's Bernard von Piſa und deſſen Gegen⸗ ſchreiber Diego Marca, wanen die vornehmſten Freiwilligen: die beiden Ordens⸗Commandeurs Se⸗ baſtian von Campo und Roderich von Abar⸗ ca, Micer von Girao, Johann von Luxan, Peter von Navarro, Peter Fernandes von Koronel, welcher zum Major von Hiſpaniola ernannt war, Moſes Peter von Margarita, Alfons Sanchez von Cardajal, von Gor⸗ balan, Ludwig von Arriaga, Alfons Pe⸗ rez von Martel, Franz von Zuniga, Al⸗ fons von Ortez, Franz von Villalabos, Perafan von Ribera, Melchior von Mal⸗ donado, und Alfons von Malavera. Eine große Menge Pferde, Eſel und andere Thiere, Eiſen⸗ werk, Inſtrumente zum Bergbau und Goldſchmelzen, Waaren zum Vertauſchen und Verſchenken, Weitzen, Reiß, Saͤmereien und andere Gegenſtaͤnde, welche zur Begruͤndung und Unterhaltung einer neuen Kolonie noͤthig ſchienen, waren eingeſchifft worden. Waͤhrend ſeines Aufenthaltes zu Sevilla er⸗ regte der Ruf dieſer Zuruͤſtung und der bereits mitge⸗ brachten Schaͤtze eine groͤßere Reue im Koͤnige von Portugal, Johann II., als vorher. Zwar war er ſo vorſichtig, dieſelbe nicht oͤffentlich zu aͤußern; doch ließ er mehre Schiffe fuͤr Entdeckungen in die naͤmliche 156 Weltgegend ausruͤſten. Auch ließ er durch Ruy von Sande den ſpaniſchen Hof von ſeiner guͤnſtigen Aufnahme des Admirals Kolomb benachrichtigen, und die Hoffunng beifuͤgen, Spanien wuͤrde die zufaͤl⸗ lig entdeckten Inſeln ihm eben ſo wenig entziehen, als er es in aͤhnlichen Faͤllen thun wuͤrde. Aus die⸗ ſem Grunde wurde die ſpaniſche Flotte in den beſten Vertheidigungsſta: d gegen jeden Angriff der Portugie⸗ ſen geſetzt, und dieſen die Abſchrift der paͤpſtlichen Bul⸗ len mit der Erklaͤrung mitgetheilt, daß jeder Theil, zur Befoͤrderung der Religion und der wechſelſeitigen Eintracht, ſich in ſeinen Schranken halten moͤge. Da der portugieſiſche Hof keine befriedigende Antwort er⸗ theilte, ſo wurde P. Alexander VI. zu einer kraͤf⸗ tigern Bulle veranlaßt, wie die Portugieſen zur Er⸗ weiterung ihrer Graͤnzen auf der Oſtſeite; obſchon die molukkiſchen und andern Inſeln nebſt dem uͤbrigen Welttheile, welcher uͤber Oſten zuruͤck bis an die erſte Durchſchnittslinie ſich ausdehnt, in der erſten fuͤr Spanien ertheilten Bulle enthalten waren. Am 30. Maͤrz, 23. 24. Mai und 5. Sept. 1493 unterzeichneten beide Majeſtaͤten zu Barzelona mehre große Beguͤnſtigungen fuͤr die indiſche Unternehmung. Am 25. Sept, 1493 lief Kolomb mit ſeiner Flotte aus der Bay von Kadix; am 2. Oktober naͤherte er ſich den Kauarien⸗Inſeln, unter dem Ge⸗ ſange vieler Turteltauben und anderer Voͤgel, welche dort uͤberwintern. Am s. Oktober ankerte er vor 157 Gomera, um ſich mit Kaͤlbern, Ziegen, Schafen, Schweinen und Juͤhnern zu verſehen, welche ſich in Weſtindien fortpflanzen ſollten. Hier ertheilte er jedem Schiffshauptmann eine verſiegelte Weiſung, worin die Bahn fuͤr das Schiff vorgezeichnet war, wenn es durch Sturm oder andere Zufaͤlle von der Flotte ge⸗ trennt werden ſollte. Am 7. Oktober ſegelte er wei⸗ ter; nachdem er am 24. Oktober 450 Seemeilen zu⸗ ruͤck gelegt hatte, neigte er ſich mehr gegen Suͤ⸗ den, als im vorigen Jahre. Bei dem Aublicke eines dien Gewoͤlkes und einer Schwalbe ſchloß er auf die Naͤhe des Landes; am 13. Novemb. Sountags fruͤh erblickte die ganze Schiffsmannſchaft eine hohe und bergige Inſel, welche er deßwegen Dominika nandte. Man ſah in Nord und Nordweſt noch einige audere Inſeln, und hatte den Geruch von Blumen und Kraͤutern. um nicht zu weit oͤſtlich zu kommen, ſteuerte er gegen die zweite Inſel, welche er mit dem Namen ſeines Admiralſchiffes Maria⸗Galante bezeichnete, und durch einige Offiziere in Beſitz neh⸗ men ließ. Am 4. Nov. naͤherte er ſich einer andern Inſel, welche er Guadalupa nannte; wie er in Spanien den Moͤnchen des Kloſters gleiches Namens verſpro⸗ chen hatte. In einer Entfernung von etwa 3 Meilen bemerkte er einen hohen Felſen, welcher auf eine Spitze hinaus lief, von welcher ein großer Strom mit ent⸗ ſetzlichem Getoͤſe herab ſuͤrzte. Er ſchickte einige Sol⸗ 158 daten in einer Barke dahin; dieſe fanden einige un⸗ bewohnte Huͤtten, und ein Stuͤck eines geſtrandeten in Europa gebauten Schiffes. In den Huͤtten trafen ſie Gaͤnſe, Papageien, vortreffliche Fruͤchte, unbekannte Kraͤuter, Haͤngmatten, viele Pfeile, einen großen Ei⸗ ſenſtein, welcher die Stelle des Heerdes erſetzte, und einige Kinder, an deren Arme die Spanier einige Sppielereien zum Zeichen der Freundſchaft banden, ehe ſie zur Flotte zuruͤck kehrten. Des andern Tages ſen⸗ dete er mehre Menſchen in zwei Barken dahin„ damit ſie einige Einwohner ſingen, durch welche er Nach⸗ richten von den andern Inſeln erhalten wollte. Die⸗ ſelben brachten zwei Juͤnglinge, welche ihre Inſel Borriquen nannten, wohin ſie von den Karaiben auf der Inſel Guadalupa entfuͤhrt worden ſeien. Die zuruͤck gebliebenenen Leute fanden s Weibsperſo⸗ nen, welche gerne mit ihnen in die Barken ſtiegen, und zu verſtehen gaben, unter den vielen nahen In⸗ ſeln ſeien einige bewohnt, andere nicht; ſie hießen Guiaramachi, Cairoaco, Huino, Buriani, Arubeira, Sixibei, und feſtes Land Quarica. Sie zeigten auch die Gegend von Hayti oder Hi⸗ ſpaniola, wohin der Admiral ſegelte, ſobald er die auf der Inſel mit dem Kapitaͤn Mark ohne Urlaub zerſtreute Mannſchaft durch den Hauptmann Hojeda und 40 Abgeordnete hatte zuſammen ſuchen laſſen. Sie hatten in einer Strecke von 6 Meilen 26 Mal die Buͤche durchwadet, und Maſtix, Aloe, Iugwer, San⸗ delholz, Weihrauch, Baumwolle und einige Pflanzen zuruͤck gebracht, welche dem Zimmet an Geruch und Geſchmack glichen. Die Verirrten fanden ihre Ent⸗ 3 ſchuldigung in dem undurchſichtigen Gehoͤlze, und hat⸗ ten Falken, Habichte, Reiger, Dohlen, Turteltauben, Rebhuͤhner, Gaͤnſe und Nachtigallen geſehen. Der Admiral ließ die Vornehmſten der Verirrten ſchließen, und den Gemeinern weniger Lebensmittel auf einige Zeit geben, um ſolche eigenmaͤchtige Schritte fuͤr die Folge zu beſeitigen. Waͤhrend der Straßzeit ſtieg er ſelbſt an das Land, deſſen Huͤtten mit vielen Schaͤdeln und andern menſchlichen Gebeinen gefuͤllt waren, woraus er ſchloß, daß deren Einwohner ihre Feinde ſpeiſten. Am 10. November ſegelte er gegen Nordweſt, wo er eine ziemlich hohe Inſel entdeckte, welche er we⸗ gen des aͤhnlichen Felſens mit Montferrat in Katalonien auch ſo bezeichnete. Er wurde von In⸗ diern belehrt, daß deren Einwohner von den Karai⸗ ben ganz verzehrt wurden. Bald ſah er eine andere ſteile Inſel, welche er Santa Maria della. Ro⸗ donda nannte. Au dieſe reihete ſich eine andere von wenigſtens 28 Meilen im Umfange, welcher er den Namen Santa Maria la Antigua beilegte. Gegen Nord und Suͤd⸗Oſt ſah er noch andere mit 3 hohen Waͤldern bewachſene Inſeln. Am 18. Nov. ankerte er vor San⸗Martino, und am 19. vor Santa Cruz, wie er ſie bezeichnete. Eine ſehr 160 ſchoͤne Inſel hieß er St. Chriſtoph, und die vielen kleinen die 11,000 Jungfrauen, und die groͤßte derſel⸗ ben St. Urſula. Er legte in einer Bay Anker, auf deren Weſtſeite er die Inſel St. Johann bezeichnete, welche ſpaͤter Porto Rices genannt wurde. Die Spanier fingen daſelbſt Rochen, Sartellen, Alſen und Falken; auch gab es Geſtraͤuche wie wilde Weinſtoͤcke. Auf der Weſtkuͤſte der Bay ſahen ſie einige gut ge⸗ bhaute Haͤuſer mit viereckigen Vorplaͤtzen, welche ge⸗ gen die See hin durch Rohrthuͤrme vertheidigt wur⸗ den; an deren Ende war ein hoher Gang oder Erker (Altan) fuͤr 10—42 Perſonen. Die Einwohner ſind bei der Ankunft der Flotte fluͤchtig geword n. Bereits war er der Inſel Hiſpaniola mehr genaͤhert, als er glaubte. Am 22. Nov. war er 16 Meilen von Puerto Rieco, in der Bay von Sa⸗ mana, ankerte, und ſendete einen aus Spanien zu⸗ ruͤck gebrachten Indier an das Land, welcher die Ein⸗ wohner von der Macht und Herrlichkeit des Koͤnigs von Spanien benachrichtigen ſollte; alfein er ſchien bald nach ſeiner Ankunft daſelbſt geſtorben zu ſein: denn alles ſpaͤtere Forſchen nach ihm war vergebens. Der Admiral ſetzte ſeinen Lauf nach der Kolonie Nia⸗ tividad fort, und vertauſchte am Vorgebirge An⸗ gelo einige Waaren an die Indier gegen Lebeusmit⸗ tel. Am 25. Nov. ankerte er vor Monte Chriſto, und ſchickte ſeine Schaluppe in die Muͤndung des Fluſſes. Bei dem Ausſteigen nahmen ſeine Leute 161 zwei Leichname wahr, wovon einer mit einer Schnur aus Baſt am Halſe umſchlungen war; man konnte nicht unterſcheiden, ob ſie Indier oder Spanier wa⸗ ren. Am 26. Nov. ſendete er einige Soldaten in eine andere Gegend, um den Zuſtand der Schanze zu un⸗ terſuchen. Dieſen kamen viele Indier ganz dreiſt ent⸗ gegen, kuͤßten deren Kleider und wiederbolten die Worte Camiſa, Jubon ꝛc. Ungeachtet man nichts weiter von ihnen verſtehen konnte, ſo glaubte doch der Admiral, dieſe Worte ſeien Folge des Umganges mit ſeinen zuruͤck gelaſſenen Leuten. Am 27. Nov. Abends ankerte er im Hafen Puerto Real, wo ei⸗ nige Indier gleich in einem Nachen entgegen fuhren, und riefen: Almirante! Als er ſich ſehen ließ, ſo beſtiegen ſie ſein Schiff, brachten zwei Larven mit einem koſtbaren Gomgeſchenke und Gruße des Kaziken Guacanagari. Auf die Frage nach ſeinen Leuten, erhielt er die traurige Nachricht, daß die meiſten ge⸗ ſtorben ſeien, einige ſich mit indiſchen Weibsperſonen verbunden, und in andere Gegenden zerſtreut haͤtten. Obgleich er auf dieſen Bericht heimlich mißtrauiſch war, ſo entließ er doch die Indier mit Geſchenken von Atlaß und andern Kleinigkeiten. Als er des andern Tages in den Natividad's⸗ Hafen tiefer einfuhr, ſah er leider ſein Fort zerſtoͤrt; es ſchien, als ſei es durch Feuer geſchehen. Der Admiral befahl ſogleich, den von ihm eingerichteten Schoͤpfbrunnen zu reinigen, wohin die Offiziere nach 6tes B. Indien. I. 2. 83 162 ſeinem Rathe, im Falle einer dringenden Noth, ihr Gold und andere Koſtbarkeiten werfen ſollten; allein auch davon war keine Spur vorhanden. Unter einem benachbarten Aufwurfe von Erde fand man mehre Spanier, welche vielleicht erſt ſeit einem Monate todt waren. Waͤhrend er kummervoll uͤber dieſes Ereigniß nachdachte, erſchien der Bruder von Gua⸗ canagari mit einem zahlreichen Gefolge, und verlangte ihn zu ſprechen. Dieſer erzaͤhlte, daß bald nach der Entfernung des Admirals Mihhelligkeiten unter den zuruͤck gebliebenen Spaniern ausgebrochen ſeien; jeder habe ſo viel Gold zuſammen zu bringen, ſich ſo viele eingeborene Weibsperſonen an die Seite zu bringen geſucht, als moͤglich war, und die ſchaͤnd⸗ lichſten Gewaltthaͤtigkeiten ausgeuͤbt. Deſſen un⸗ geachtet habe Guacanagari die Eingeborenen durch die Hoffnung auf die baldige Ruͤckkehr des Admirals beruhigt, welcher alles wieder gut machen wuͤrde. Peter Guttierez und Escovedo haͤtten den Indier Jago ermordet, und ſeien mit neun anderen Spaniern in das Gebiet des Kaziken Caunabo, welchem die Bergwerke gehoͤrten, gezogen. Dieſer habe aber aus Furcht ſeine Schaͤtze zu verlieren, alle Auslaͤnder umbringen laſſen, und ſich dann mit vie⸗ jen Leuten an ihr Fort begeben. Um dieſe Zeit ſei Diego oder Jakob von Arana mit 10 Mann zwar als Beſatzung noch daſelbſt geweſen, waͤhrend die uͤbrigen auf der Inſel zerſtreut waren. Jene habe 163 Caunabo Nachts uͤberfallen, und daun das ganze Fort in Brand geſteckt. Die Spanier haͤtten zwar geſucht, ſich auf die See zu retten, allein s ſeien ertrunken, und die 3 uͤbrigen am Ufer erſchlagen wor⸗ ben. Der Koͤnig von Marien, Guacanagari, ſei zwar ſeinen Bundesgenoſſen zu Huͤlfe geeilt; allein er habe ſich ſelbſt vor der Wuth der Zerſtoͤrer fluͤchten muͤſſen, und ſei dabei ſo verwundet worden, daß er jetzt nicht ein Mal dem Admirale verſoͤnlich aufwar⸗ ten koͤnne. Dafuͤr bitte er ſich von ihm einen Beſuch in ſeinem Hauſe aus, um den Bund der Freundſchaft noch mehr zu befeſtigen. Obſchon Kolomb mißtrauiſch war, und dem Guacanagari ſelbſt das zutraute, was dieſer dem Kaziken Caunabo außbuͤrdete; ſo hielt er doch fuͤr kluͤger, dieſes Mißtrauen zu verheimlichen, und den Schein der Freundſchaft ſo lange zu behalten, bis man ſich gehoͤrig wieder verſchanzt, und ſichere Nach⸗ richten uͤber dieſen Vorfall eingezogen haͤtte. Unter allgemeinem Beifalle machte alſo der Admiral dem Koͤnige einen Beſuch, welcher ihm das Ungluͤck der Spanier mit allen Zeichen des redlichen Mitleidens vortrug. Das wechſelſeitige Zutrauen ſchlug bald neue und tiefere Wurzeln, nachdem auch die Wunden geſehen waren. Guacanagari ſchenkte ihm 890 kleine Muſcheln oder Perlen, welche die Indier Ci⸗ bas nennen, 100 Goldplatten, eine goldene NKrone, und drei kleine Kuͤrbiſſe voll Goldkoͤrner. Der Admi⸗ 164 ral erwſederte das Geſchenk mit vielen kleinen irde⸗ nen Gefaͤßen, Taſchenſpiegeln, Meſſern, Scheeren, Steck⸗ und Naͤhnadeln, und hing ihm das Bild der Maria um den Hals. Ungeachtet der Wunden ließ er ſich nicht abhalten, den Admiral bis an die Flotte zu begleiten, wo er beſonders die Pferde ſehr be⸗ wunderte, als ſie in ſeiner Gegenwart ihre Schule machten. Da der Platz des alten Forts mit ttehendem Waſ⸗ ſer umgeben war, Mangel an Steinen zum Bauen litt, und an das Ungluͤck der Landsleute erinnerte; ſo beſchloß er die Erbauung eines neuen Forts an ei⸗ nem anderen Orte. Am 1. De;z. lief er mit der gan⸗ zen Flotte aus Puerto Real aus, um bei Puerto di Plata, wo die Gegend angenehmer und frucht⸗ barer ſchien, eine neue Kolonie anzulegen. Allein waͤhrend dieſer kurzen Fahrt wurde er von einem Sturme— von den Franzoſen Nords genannt— uͤberfallen, wodurch faſt alle ſeine Schiffe geſcheitert waͤren, wenn ſie nicht zwei Meilen hinter Monte Chriſto noch auf einem Fluſſe ihre Zuflucht gefun⸗ den haͤtten. Iſt gleichwohl dieſer Fluß nicht uͤber 100 Schritte breit, ſo diente er doch zu einem bequemen Hafen. Der Admiral ſtieg nahe bei einem Dorfe der Indier an das Land, erkannte die leichte Ausfuͤhrung einer Waßſerleitung durch daſſelbe fuͤr Muͤhlen und andere Bequemlichkeiten zu einer neu anzulegenden Stadt, 165 fand die Ebene ſchoͤn und fruchtbar, mit Steinen zum Bauen und Kalkbrennen verſehen. Er ſetzte ſogleich die Mannſchaft mit den Lebensmitteln und Werkzeu⸗ gen aus, und ließ die Erbauung der Stadt Iſa⸗ bella— zur Ehre der Koͤnigin von Spanien— mit einer Kirche und einem Vorrathshauſe beginnen. So⸗ bald die Bezirke und Gaſſen abgeſtochen waren, ſo ließ er auch oͤffentliche Gebaͤude aus Steinen und private aus Holz, Stroh und Palmblaͤttern errichten, wodurch alle Spanier bald beherbergt waren. Dieſe neue Stadt war auch durch einen Felſen gedeckt, auf welchem man eine kleine Feſtung errichten konnte, und nicht weit von den Bergwerken Cibao's. Ungluͤcklicher Weiſe ſind ſo viele Lebensmittel bald verzehrt worden, oder zu Grunde gegangen, daß ein Mangel daran eintrat. Dieſer, vereint mit vielfachen ungewohnten Arbeiten waͤhrend einer langen Reiſe, mit einer neuen Lebensweiſe und unertraͤglichen Hitze, erzeugte viele Krankheiten, wovon der Admiral ſelbſt ſelbſt auf das Bett geworfen wurde. Er ließ ſich da⸗ durch nicht entmuthen, alle noͤthigen Befehle zu ge⸗ ben, und auf deren ſtrenge Vollziehung zu halten. Er hatte wahrgenommen, daß ſeine Leute durch die Hoff⸗ nung auf große Schaͤtze angefeuert wurden, Hunger und alle andere Ungemache zu ertragen; er machte ih⸗ nen alſo ſtets große Verſprechen. Da er aber glaubte, ein zu langes Zoͤgern in der Entdeckung der Goldmi⸗ nen moͤge den Muth benehmen, ſo ſchickte er 1s Mann 27 166 unter Anfuͤhrung des muthigen und ſtarken Laufers Alonzo von Hojeda dahin. Dieſer zog 8— 40 Meilen ſuͤdlich durch eine unbe⸗ wohnte Gegend. Am Fule des Berges fand er einen ſehr engen Hohlweg, durch welchen er auf eine große, ſchoͤne Cbene kam, weiche zu ſeiner großen Bewun⸗ derung mit Daͤrfern beſetzt, und von Baͤchen durch⸗ ſchlaͤngelt war, welche ſich meiſtens in den Fluß Paqui ergießen. Von hier bis Cibao war zwar noch ein Zwiſchenraum von 10 Meilen; allein die freundliche Aufnahme in jedem Dorfe, und die vie⸗ len Baͤche, welche er durchwaden mußte, hemmten ſeine Wa derung um s Tage, waͤhrend welcher er auf jedem Schritte die außerordentlichen Reichthuͤmer des Laudes zu bewundern Gelegenheit hatte. Seine indiſchen Wegweiſer zeigten ihm genug Goldflaͤmm⸗ chen und Koͤrner im Sande, woraus er auf die Menge dieſes edlen Metalles im Gebirge ſchloß. Um dieſe freudige Nachricht ſeinen Landsleuten unverzuͤg⸗ lich zu bringen, eilte er mit der anſehnlichen Menge Goldes, welche er bloß unterwegs geſammelt hatte, nach Iſabella zuruͤck. Seine Ausſage und deren Beweiſe floͤßten den Spaniern, obgleich ſie von Krank⸗ heit und Hunger ſchon halb abgemagert waren, neuen Muth ein. Dadurch ſah Kolomb ſich zur Ruͤckſendung ſei⸗ ner Flotte unter Anton von Torrez mit dem ge⸗ fundenen Golde und den neuen Geſchenken des Koͤ⸗ 167 nigs Guacanagari veranlaßt. Er behielt von den 17 Schiffen nur 2 mittlerer Groͤße und 3 Karavellen zuruͤck. Kaum waren jene abgeſegelt, ſo benutzte der Gegenſchreiber Bernal oder Bernard von Piſa die Unpaͤflichkeit des Admirals, mehre Andere aufzu⸗ reizen, welche, wie er, das zu findende Gold ohne weitere Muͤhe unter ſich theilen, und damit auch in das Vaterland zuruͤck kehren wollten. Die Arbeiten fuͤr die neue Pflanzſtadt waren ihnen auch laͤngſtens zuwider; ſie beſchloßen alſo, ſich der s Schiffe zu be⸗ maͤchtigen. Allein Kolomb, zeitig davon unterrichtet⸗ ließ den Naͤdelsfuͤhrer ſogleich enge verhaften, und mit den Beweiſen ſeines Verbrechens nach dem Be⸗ fehle ſeiner Majeſtaͤten aus Medina del Campo vom 13. Apr. 1494,(wie Spotorno's 21. Urkunde Seite 157— 159 beweiſet,) in einem der s Schiffe nach Spanien bringen; die uͤbrigen Theilnehmer aber im Augeſichte der Stadt Iſabella verhaͤltnißmaͤßig ſtrafen. Einige Geſchichtſchreiber behaupten, Ko⸗ lomb habe dieſen Aufruhr nicht mit der in ſolchen Faͤllen noͤthigen Schaͤrfe geſtraft; andere aber beſchul⸗ digen ihn einer zu großen Grauſamkeit ungeachtet der Beobachtung aller gerichtlichen Formen; und dieſer Vorwurf wurde ihm und allen ſeinen Angehoͤrigen in der Folge ſehr nachtheilig. Nach hergeſtellter Ruhe beſchloß er, die Goldgru⸗ ben von Cibao perſoͤnlich zu unterſuchen, und den noͤthigen Bauzeug zur Auffuͤhrung einer Schanze da⸗ 168 hin bringen zu laſſen. Er nahm ſeine beſten Solda⸗ ten nebſt einer großen Zahl Freiwilli iger zu Pferd mit ſich, und uͤberließ ſeinem Bruder Diego die Aufſicht in Iſabella. Um den Indiern des Landes mehr Furcht einzupraͤgen, und ſeine Leute deſto mehr im Zaume zu halten, ließ er ſeine Leute, in Reihe und Gliedern wohl geordnet und bewaffnet, unter klingen⸗ dem Spiele und mit fliegenden Fahnen, am 12. Maͤrz 1494 mit ſich abziehen. Am erſten Tage kam er nur 3 Meilen weit bis an den Fuß eines ſehr ſteilen Ber⸗ ges, und ſchickte die Schanzgraͤber unter Anfuͤhrung einiger Edelleute(Hidalgos) zur Erweiterung des Hohlweges, durch welchen Hojeda gedrungen war, voraus. Als er des andern Tages an dieſen engen, fuͤr ſeine Reiter bereits zugaͤnglichen Paß kam, nannte er ihn Puerto de los Hidalgos, beſtieg den Gipfel des Berges, weidete zu deſſen Fuße ſeine Au⸗ gen an der ſchoͤnen Ebene von wenigſtens 20 Meilen in der Laͤnge, und bezeichnete ſie mit dem Namen Vega Real oder Koͤnigsfeld. Er durchwan⸗ derte ſie nach ihrer Breite von s Meilen, und wurde von den Bewohnern der vielen Doͤrfer beſtens em⸗ pfangen. Er kam an den großen Fluß Naqui, wel⸗ cher ſo breit iſt, als der Ebro bei Tortoſa. Da er nicht wußte, daß er dieſen bei Monte Chriſto in das Meer fallenden Fluß auf ſeiner erſten Reiſe Gold⸗ fluß(Rio d'Oro) genannt hatte, ſo bezeichnete er ihn jetzt Rio de las Canas, an deſſen Ufer die 169 Nacht zugebracht wurde. Die aus Iſabella mitge⸗ gangenen Indier beſuchten alle mit Stroh oder Rohr gedeckten Haͤuſer, nahmen alles Beliebige ohne Wi⸗ derſpruch der Einwohner aus denſelben weg, und wun⸗ derten ſich, daß die Spanier nicht gleiche Guͤterge⸗ meinſchaft ausuͤbten, oder an ſich ausuͤben ließen. Des andern Tages, 14. Maͤrz, ſetzte er in Nachen uͤber dieſen Fluß, und kam nach 11⁄½ Meilen an den Fluß Nieayaga, welchen er, weil man einige Gold⸗ koͤrner darin fand, Oro nannte. Dieſer nahm 3 Baͤ⸗ che in ſich auf, wovon der erſte Buenieum, ſpaͤter Rieo ſeco, der zweite Coatenieu und der dritte Eiba hieß. Jenſeits des Fluſſes war ein großer Flecken, deſſen meiſte Einwohner bei der Ankunft der Spanier ſich fluͤchteten, oder ihre niedrigen Hausthuͤ⸗ ren, bei deren Durchgange man ſich beugen mußte, durch Rohrſtaͤbe verriegelten. Er ſetzte uͤber den drit⸗ ten Fluß, welchen er wegen des friſchen Waſſers Rio verde nanute, und deſſen Umgebung mit glaͤnzenden runden Steinen bedeckt war. Am 15. Maͤrz durchzo⸗ gen ſie wieder viele Doͤrfer, deren Einwohner ſich gleichfalls durch Rohrſtaͤbe hinter ihren Hausthuͤren geſichert hielten. Des Abends gelangten ſie an den Fuß eines hohen Berges, welcher die bisherige Land⸗ ſchaft von Cibao ſchied, und durch die Schanzgraͤ⸗ ber erſt zugaͤnglich gemacht werden mußte. Auf deſ⸗ ſen Gipfel uͤberſah er die ganze Inſel zum Lohne des muͤhſamen Erſteigens. 170 Die Landſchaft Cibao leitet ihre Benennung von der Beſchaffenheit des Bodens, von den ſteinigen Bergen, von den Kieſeln und Felſen, welche die In⸗ dier Ciba heißen. So widrig außer den wenigen Wieſen der Anblick des Landes war, ſo herrſchte doch eine ſaufte und geſunde Luft, wozu die vielen Baͤche und Fluͤſſe von dem reinſten Waſſer viel beitragen. Die Berge bieten ſelten einigen Schatten dar; die Thaͤler und Ufer ſind deſto mehr mit ſehr hohen Fich⸗ ten bewachſen, welche zwar nicht dicht an einander ſtehen, aber in der Ferne doch das Bild großer und ſchoͤner Waͤlder geben. Nach der Behauptung Her⸗ rera's und anderer Geſchichtſchreiber iſt der Umfang von Cibao jenem von Portugal gleich. Die ge⸗ diegenen Goldkoͤrner, welche die Baͤche und Fluͤſſe mit ſich fuͤhrten, waren den Spaniern ſehr zutraͤglich. Bei dem Anblicke dieſes reichen Landes war Ko⸗ lomb auf deſſen Erwerb um ſo ernſtlicher bedacht, als er in einer Entfernung von 18 Meilen ſeit Iſa⸗ bella viele Goldgruben, ein Kupferwerk und zwei Bernſtein⸗ und Laſurbruͤche gefunden hatte. Das be⸗ ſchwerliche Hin⸗ und Herreiſen zu Pferd, wie das Fahren mit Wagen, in dieſem ſteinigen und bergi⸗ gen Lande war ſchon allein ein hinreichender Beweg⸗ grund zur Anlegung eines befeſtigten Sitzes. Er ſteckte die Schanze auf einem Berge ab, welchen der Fluß Tanjaue zu einer Halbinſel voll Erzgruben 171 umſchuf. Die Schanze wurde aus Stein und Holz aufgefuͤhrt, und auf der Seite, wo der Fluß einen Zugang zu Land offen ließ, mit einem Graben verſe⸗ hen. Zum Spotte der Unglaͤubigen, welche die Ge⸗ gend von Cibao erſt nach geuommener Einſicht me⸗ tallreich halten wollten, naunte er die Schanze St. Thomas. Die Aufſicht vertraute er dem Ordens⸗ Kommandeur Don Petro de Margarita mit 56 Mann, theils Soldaten, theils Handwerksleuten, damit das Fort bald vollendet wurde. Die Beſorgniß, ſeine laͤugere Abweſenheit von Iſabella moͤchte nachtheilige Folgen haben, bewog ihn, bald auf dem naͤmlichen Wege zuruͤck zu kehren. Da es mehre Tage geregnet hatte, ſo ſchwollen die Baͤche und Fluͤſſe ſo an, daß er nicht ſo ſchnell uͤber⸗ ſetzen konnte, ſondern einige Male bei den Wohnun⸗ gen der Indier, welche er durch Schmeicheleien und Geſchenke gewann, unter freiem Himmel uͤbernachten mußte. Als er am 29. Maͤrz nach Haus kam, konnte er das Gedeihen der vor zwei Monaten geſaͤten Fruͤchte nicht genug bewundern. Die wilden Weinſtoͤcke, welche beſchnitten worden waren, trugen große und vortreffliche Trauben. Die Melonen waren vortreff⸗ lich, die Kerne von hartem Obſte keimten in 7 Tagen, die Gurken waren in 20 Tagen gewachſen, Wicken 25 Tage nach der Saat reif, und das erſt am Ende Jaͤnners geſaͤte Getreid hatte bereits Aehren. Alles keimte in 3 Tagen, und in 3 Wochen waren die mei⸗ 172 ſten Fruͤchte reif. Dieſe ungemeine Fruchtbarkeit wurde durch die nnvergleichlich maͤßige Waͤrme des Waſſers und der Luft bewirkt, welche in die Keime drangen und den Wurzeln Nahrung zufuͤhrten. Ko⸗ lomb freute ſich graͤnzenlos uͤber die Gegend des Himmels, uͤber den Boden und uͤber das eben ſo helle und kuͤhle, als geſunde und ſchmackhafte Waſſer. Deſſen ungeachtet drohte der Mannſchaft eine Hungersnoth, indem die dem Wachsthume der Pflan⸗ zen ſo gedeihliche Waͤrme und Naͤſſe die aus Europa mitgebrachten Lebensmittel zur Verweſung befoͤrderte. Dem dringenden Mehlbeduͤrfniſſe zu ſteuern, war die Erbauung einiger Mahlmuͤhlen noͤthig. Da aber die meiſten gemeinen Soldaten durch die Erbauung der Stadt Iſabella abgemagert oder gar krank gewor⸗ den waren; ſo ſah Kolomb ſich zur Verwendung der Edelleute genothigt, welche das Arbeiten fuͤr ent⸗ ehrend hielten, weil ſie nur in der Abſicht, Gold und Ruhm zu erwerben, freiwillig gekommen waren. Die Unzufriedenheit wurde bald oͤffentlich, und die ſtren⸗ gen Mittel, ſie zu unterdruͤcken, vermehrten dieſelbe um ſo ſchneller, als ſelbſt Boyl, der Obere der Geiſtlichkeit, den Admiral der Willkuͤhr und Grau⸗ ſamkeit beſchuldigte. Man glaubte deſſen Unzufrie⸗ denheit vorzuͤglich darin ſuchen zu muͤſſen, daß ſeine taͤgliche Mundportion nicht weniger, abs die der uͤbri⸗ gen beſchraͤnkt wurde, und ſein geringſtes Vergehen ſo wenig, als jenes der uͤbrigen ungeahndet bliel⸗ 173 Boyl aab nicht nur dem Admirale mehre Verweiſe, ſondern verſchloß ſogar die Kirche mehrmals. Gegen Letzteres wirkte nichts ſicherer, als die gaͤnzliche Ent⸗ ziehung der Lebensmittel und gleiche Strenge gegen Alle. Waͤhrend dieſer Ereigniſſe brachte eine Bote aus dem Fort St. Thomas die Nachricht, daß die be⸗ nachbarten Indier ihre Wohnungen verließen, und der Kazik Caunabo Anſtalten treffe, die Spanier zu verjagen. Sogleich ſchickte der Admiral den Haupt⸗ mann Hojeda mit 400 Mann zur Bewachung des. Forts ab, und befahl dem Don de Margarita, das Land zu durchſtreifen, und die Einwohner im Ge⸗ horſame zu erhalten. Dadurch gewann er zu Iſa⸗ bella ein bedeutendes Erſparniß an Lebensmittein, und gewoͤhnte zugleich die Mannſchaft an die Spei⸗ ſen der Indier. Hojeda erwarb ſich bald die Ach⸗ tung und Furcht der Indier durch ſtrenge Maßregeln. So ließ er einem, welcher mit dem ihm anvertrauten Geraͤthe, fluͤchtig geworden war, nacheilen, und die Ohren abſchneiden; mehre andere Verbrecher ſchiekte er dem Admiral zur Beſtrafung. Dieſer ließ unter Trompetenſchall bekannt machen, daß ſie gekoͤpft wer⸗ den ſollten. Da aber am Tage der Vollziehung dieſes Urtheiles ein der neuen Stadt ſehr gefaͤlliger Kazik um die Erhaltung ihres Lebens hat, ſo ſtellte ſich Kolomb, als begnadige er bloß deßwegen. Da er zu gleicher Zeit aus dem Fort St. Thomas erfuhr, ein einziger Reiter habe durch die Wendungen ſeines 174 Pfendes mehr als 400 Indier verjagt, ſo hegte er keine weitere Beſorgniſſe. Zugleich war ihm angelegen, dem Willen der k. Majeſtaͤten, durch neue Entdeckungen ihr Gebiet und ihren Ruhm zu erweitern, moͤglichſt zu entſpre⸗ chen. Er errichtete alſo eine Regierungskammer oder ein Stadtgericht, deſſen Mitglieder Boyl, Pedro Fernandez Coronel, Alfonſo Sanchez von Cardagjal und Johann von Luxan unter dem Vorſitze ſeines Bruders Don Diego waren. Er verordnete die Anlage regelmaͤßiger Gaſſen und eines Marktplatzes, und die Verſorgung der Stadt mit Flußwaſſer durch eine Leitung. Nachdem er fuͤr die Verbeſſerung der Kommunikationsſtraße zwiſchen Iſa⸗ bella und St. Thomas, und fuͤr das Aufſuchen einer Fahrt durch einen Fluß die noͤthigen Befehle er⸗ theilt, und alle Anſtalten zur Schifffahrt gegeben hatte, ſegelte er am 24. April mit einem Schiffe und zwei Karavellen ab. . II. Zuerſt fuhr er uͤber Monte Chriſto und Puerto de Natividad gegen Weſt nach der Schildkroͤteninſel, wurde aber durch widrigen Wind genoͤthigt, in einen Fluß zu fahren, welchen er Guadalquivir nannte. Am 29. April 4494 fuhr er in den Hafen St. Nikolaus, erblickte die Spitze der Inſel Cuba, welche die Indier Bayatiquiri, er aber Alpha und Omega nannte. Er ſegelte 5 uͤber den Seebuſen, welcher beide Inſeln von einan⸗ 175 der trennt, und von einer Endſpitze zur andern gegen 18 Meilen betraͤgt. Er kam in eine geraͤumige Bai, welche er wegen ihres Umfanges und tiefen Waſſers Puerto Grande nannte. Am 1. Mai verließ er dieſen Hafen, und fuhr vor mehren andern voruͤber, welche er wegen ihrer Schoͤnheit bewunderte. Am 3. Mai kam er an der Suͤd⸗Suͤd⸗Oſt⸗Kuͤſte nach der Inſel Jamaika, wo er nach den Berichten der Indier viel Gold zu finden hoffte. Sie ſchien ihm ſchon bei der erſten Annaͤherung die ſchoͤuſte die⸗ ſes Meeres, und nach den vielen Nachen auch die be⸗ voͤlkertſte. Als er ſeine Barken den 6. Mai zur Erfor⸗ ſchung des Grundes am Ufer abſchickte, ſammelten ſich ſogleich viele Indier, und verweigerten den Zu⸗ gang. Der naͤmliche Widerſtand wurde auch im naͤch⸗ ſten Hafen Puerto Bono geleiſtet. Als er aber ſeine Armbruſtſchuͤtzen auf die Indier feuern ließ, und 5— 6 zu Boden ſuuͤrzten, zogen ſie ſich zuruͤck. Da⸗ durch wurde er in den Stand geſetzt, ſein Schiff aus⸗ zubeſſern. Am 14. oder 18. Mai ſegelte er laͤngs der Kuͤſte gegen Weſt, wurde aber durch widrige Winde genoͤthigt, nach Cuba zuruͤck zu kehren, deren na⸗ tuͤrliche Beſchaffenheit er zu unterſuchen beſchloß. m Vorgebirge dieſer Inſel hatte er einen ſchwe⸗ ren Sturm, in welchem ſeine Leute das heilige Kreuz ſehr oft anriefen, weßwegen er daſſelbe Santa Cruz nannte. Waͤhrend er an der Kuͤſte fort ſegelte, ſah er eine Menge kleiner Inſeln, welche 3— 4 Meilen von 176 einander entfernt, bald ſandig, bald mit Baͤumen be⸗ ſetzt, und immer hoͤher und gruͤner waren, je naͤher er an Cuba gelangte. Da die Zahl derſelben immer zunahm, verlor er die Hoffnung und Geduld, ſie alle zu zaͤhlen, und legte ihnen den allgemeinen Namen Garten der Koͤnigin bei. Man beobachtete aller⸗ lei, und zwar groͤßtentheils rothe Voͤgel, welche ſich vom Meere naͤhren; man fing Fiſche von der Groͤße der Haͤringe mit ſehr bittern Eingeweiden, welche man Reves nannte. Werden dieſe Kaulbaͤrſche bei den Schwaͤnzen angebunden, wieder in das Waſſer geworfen, und an langen Schnuͤren gehalten, ſo naͤ⸗ hern ſie ſich andern Fiſchen, und beſonders Schild⸗ kroͤten, und haͤngen ſich durch ihre klebriche Haut an deren Unterſchale ſo feſt, daß man beide zugleich her⸗ aus ziehen kann, wie die Indier dem Admirale be⸗ wieſen. Die Luft war ſo wohlriechend, als waͤre ſie mit Roſen und andern dergleichen Pflanzen ge⸗ ſchwaͤngert. Ungeachtet ſeiner fortdauernden Unpaͤßlichkeit aus Mangel an Schlaf, deſſen er ſich wegen der Gefahr, bei den taͤglichen Gewittern und naͤchtlichen Nebeln auf eine Sandbank zu laufen, oder an der Kuͤſte zu ſcheitern, enthalten mußte, ſegelte er doch gegen Weſt zwiſchen den Inſeln fort. Am 22. Mai landete er auf einer etwas groͤßern Inſel, welche er St. Mar⸗ tha bezeichnete. Hier fand er ein Dorf, deſſen Ein⸗ wohner wegliefen, viele Fiſche, ſtumme Hunde, eine 177 groffe Menge rother Kraniche, Papageien und andere Voͤgel. Er richtete ſeine Fahrt gegen Nord⸗Oſt, wo er nur mit groͤßter Muͤhe und unter ſtetem Senken des Bleies zwiſchen den Inſeln durchſchluͤpfen konnte. Er gab daher ſein Vorhaben auf, ſo lange gegen Oſt fortzuſegeln, bis er den Ruͤckweg nach Spanten faͤnde. Mangel an Waſſer auf den drei Schiffen bewog ihn endlich, die kleinen Inſelu zu verlaſſen, und an das Vorgebirge de la Cruz zuruͤck zu fahren. Ein Matroſe landete, um etwas Wildpret zu erlegen; er bemerkte 30 Maͤnner mit Lanzen und platten Kolben, wolche die Indier Makanas nannten. Einer der⸗ ſelben trug einen langen Rock von Baum wolle bis an die Knie, welcher von zwei gleichartig gekleideten ge⸗ tragen wurde; alle drei waren ſo weiß, wie die Spa⸗ nier. Sobald der Matroſe ſeine Kameraden herbei riet, zerſtreute ſich der ganze Haufe ſo, daß man gar gar keine Spur mehr von ihnen fand, als man ihnen nacheilte, Ungefaͤhr 10 Meilen von dieſem Platze er⸗ blickten ſie Haͤuſer, aus welchen die Einwohner in Nachen mit Waſſer und ihren Lebensmitteln an die Schiffe fuhren. Der Admiral erfuhr durch ſeine Dol⸗ metſcher, Cuba ſei eine große Inſel unter einem Koͤ⸗ nige, welcher mit ſeinen Unterthanen nie rede, ſon⸗ dern ſeine Befehle nur durch Winke ertheile. ittrieben die Stiome ſeine Schiffe aſeln auf eine Sandbank, von welcher 4 Am 11. Jun zwiſchen zwei . Indien. I. 2. 178 er ſie wegziehen laſſen mußte. Je naͤher er an Cuba kam, ſah er die ganze See voll Schildkroͤten, und Schaaren von Voͤgeln, welche gleiche Richtung nah⸗ men und die Sonne verfinſterten. Am 12. Juni ſchwaͤrmten ſo viele Schmetterlinge um die Schiffe herum, daß es ganz dunkel blieb vom Morgen bis Abends, an welchem ſie durch einen Platzregen ver⸗ ſcheucht wurden. Mangel an Waſſer veranlaßte ihn, an einer Inſel zu ankern, welche vielleicht 3o Meilen im Umfange hatte, 700 Meilen von Dominika entfernt war, und von ihm der Evangeliſt genannt wurde. Hier machte er die Berechnung, daß er 75 Grade der Laͤnge ſeit Kadix durchſtrichen habe. Am 13. Juni ließ er ſuͤdlich ſteuern; nach einigen Meilen glaubte er ſich in einem ſicheren Kanale zu befinden; allein er war nur in einem Meerbuſen, wel⸗ chen er nicht durchfahren konnte; er mußte alſo zu⸗ ruͤck kehren. Obgleich er im Stillen die laute Unzu⸗ friedenheit ſeiner Mannſchaft theilte, ſo verlor er doch ſeinen Muth nicht. Er ſegelte alſo an die Evange⸗ liſten⸗Inſel zuruͤck, dann gegen Nord, wo er bald eine gruͤn⸗ und weiß gefleckte See antraf, deren Tiefe kaum zwei Faden betrug. Sieben Meilen weiter wurde die See ſo ſchwarz wie Tinte, welches Farben⸗ wechſels die erfahrenſten Seeleute ſich nicht erinner⸗ ten, obſchon derſelbe wahrſcheinlich nur Durchſchein des ſeichten Bodeus war. Ploͤtzlich lag er, waͤhrend er ſein Tagebuch abfaßte, ſo gefaͤhrlich auf, daß er 179 nur durch die groͤßte Geſchicklichkeit, und nicht ohne eigene Beſchaͤdigung ſich retten konnte. Am 30. Juni naͤherte er ſich wieder der Inſel Cubu an der naͤm⸗ lichen Kuͤſte, von welcher er gegen Oſt gefahren war. Hier verbreitete ſich ein hoͤchſt angenehmer Geruch, indem die Einwohner nichts als gewuͤrzartige Kraͤuter und wohlriechende Baͤume brennen. Am 7. Juli wurde am Ufer eben Meſſe geleſen, als ein alter Kazik erſchien, und der Zeremonie auf⸗ merkſam beiwohnte. Da er den Admiral fuͤr das Oberhaupt der Fremden anſah, ſo reichte er ihm ei⸗ nige Fruͤchte, und ſprach etwas uͤber das hoͤchſte We⸗ ſen, welches die Tugend im kuͤnftigen Leben belohnt, und das Laſter ſtraft. Er war mit den Oberhaͤuptern in Hiſpaniola und Jamaika bekannt, und auch am weſtlichen Ende von Cuba geweſen, wo der Ka⸗ zik ſich wie ein Prieſter kleidete. Der Admiral machte ihm durch ſeinen indiſchen Dolmetſcher zu wiſſen, daß er bloß gekommen ſei, die Karaiben und andere Ruhe⸗ ſtoͤrer zu zuͤchtigen, und alle Einwohner in den Genuß des Friedens zu verſetzen. Am 16. Juli ſegelte er ungeachtet eines ſtarken Windes und Regens weiter. Bei der Annaͤherung zum Vorgebirge La Cruz erhob ſich ein ſo ſtarker Sturm, daß die Rettung nur einer beſondern Gnade Gottes zugerechnet wurde. Die Schiffe waren bei⸗ nahe umgeworfen, ehe die Segel eingebunden werden konnten; ſie ſchoͤpften ſo viel Waſſer, daß dieß nicht 180 ganz ausgepumpt werden konnte. Zu der anſtrengen⸗ den Arbeit kam noch der Mangel an andern Lebeus⸗ mitteln als Fiſchen; der Admiral ſelbſt, wie jeder an⸗ dere Mann, mußte ſich taͤglich mit einer halben Kanne Wein und einem Pfund verdorbenen Zwieback begnü⸗ gen. So erreichte er am 48. Juli das Vorgebirge, wo er von den Einwohnern mit Brod(Kaza bi) aus geduͤrrten Wurzeln, mit Fiſchen und wohlriechen⸗ den Fruͤchten verſehen wurde. Nach dreitaͤgiger Ruhe naͤherte er ſich am 22. Juli der Inſel Jamaika, welche er zwar St. Jago bezeichnete, welchen Na⸗ men aber ſie nicht behielt. Er ſegelte gegen Weſt an der Kuͤſte voruͤber und bemerkte vieie Einwohner, guten Boden und vortreffliche Haͤfen, Er berechnete dabet die Laͤnge der Inſel auf 50, und die Breite auf 20 Meilen.. 14 Sobald der Sturm ausgetobt hatte, wendete er ſich gegen Oſt nach Hiſpaniola, deſſen erſtes Vor⸗ gebirge, von welchem er die Inſel uͤberſehen konnte, El Cabo de Farol nannte. Am 20. Auguſt er⸗ blickte er das weſtliche Vorgebirge, welches er St. Mi⸗ chael nannte, und ſpaͤter Tiburon geheißen wurde, 30 Meilen zu der öſtlichen Spitze von Jamaika. Am 23. Auguſt wurde er auf dem Schiffe von einem Kaziken beſucht, welcher ſeinen Namen und mehre ſpaniſche Worte ausſprach. Gegen das Ende Auguſt's ankerte er an der kleinen und hohen Inſel Alto Veloz eine andere, 12 Meilen entferntere, nannte 181 er La Beata. Da er durch einen Sturm von den beiden andern Schiffen ploͤtzlich getrennt wurde, ſo ließ er einige ſeiner Leute auf den Gipfel der Alto Velo zur Beobachtung derſelben ſteigen; beide kamen erſt nach 6 Tagen von der Inſel Beata zu ſeinem Schiffe zuruͤck. Seine Matroſen toͤdte⸗ ten 8 Seekaͤlber oder Seewoͤlſe, welche am Ufer ſchliefen; auch fingen ſie durch die Haͤnde viele Vo⸗ gel, welche bei dem Anblicke der Menſchen nicht ſcheu wurden. Der Admiral ſegelte am Ufer der Hiſpaniola fort. deren Ebene ſich ſo angenehm zeigte, daß man glaubte, eine Stadt von einer Meile im Umfange ſei daſelbſt, neben welcher ein fuͤnf Meilen langer See von Oſt gegen Weſt befindlich war. Bald ruderten Indier in Nachen an das Admiralſchiff, und brach⸗ ten die Nachricht, etliche Spanier aus Iſabella ſeien bei ihnen geweſen. Er ſchickte ſogleich Mann quer durch die Inſel nach der Pflanzſtadt, um ſeine gluͤckliche Ruͤckkehr zu melden; worauf er oſtwaͤrts fortſegelte. Er ſah einen großen bewohnten Platz, wohin er ſeine Barken ſchickte, um Waſſer und Le⸗ bensmittel einzunehmen; dieſe erhielten ſie zwar durch Friedens⸗ und Freundſchaftszeichen; allein die Indier erſchienen mit Bogen und Pfeilen, deren Spitzen durch einen gewiſſen Kraͤuterſaft vergiftet waren. 182 Nahe bei dieſem Orte ſah man einen Fiſch vom Umfange eines Wallſiſches, welcher auf dem Ruͤcken eine muſchelartige Schale hatte, deſſen Kopf wie eine See⸗Tonne uͤber das Waſſer empor ragte, der einen ſo langen Schwanz wie ein Thunfiſch, und an beiden Seiten zwei große Floßfedern hatte. Der Admiral ſchloß aus der Erſcheinung dieſes Ungeheuers auf ei⸗ nen baldigen Sturm, gegen welchen er ſich auf einer nahen Inſel zu ſichern ſuchte, welche die Indier Adamanay, er aber Saona nannte; ſie iſt durch eine Meerenge zu zHei Meilen in der Laͤnge und einer in der Breite von Hiſpaniola getrennt. Kaum war er zwiſchen beiden gluͤcklich eingelaufen, ſo erhob ſich ein ſehr ſtarker Wirbelwind, durch welchen ſeine beiden Schiffe in die hohe See verſchlagen wurden. Erſt nach achttaͤgigem Sturme vereinigten ſich dieſe wieder mit ihm, worauf er am 24. September nach der oͤſtlichen Spitze von Hiſpaniola ſegelte. Sie erreichten vorerſt das Vorgebirge, welches von ihm St. Raphael, ſpaͤter Del Engana genannt wurde, dann die kleine Inſel Mono, S Meilen von Puerto Rieco. Auf dem Wege nach St. Johaun von Borriguen uͤberfiel ihn eine ſehr gefaͤhrliche Krank⸗ heit, in welcher er ſeiner Sinne beraubt war. Deß⸗ wegen entſchloßen ſich ſeine Leute, von dem Vorha⸗ ben, die Karaiben zu beſuchen, abzugehen, und nuach Iſabella ſchnell zuruͤck zu kehren, wo ſie nach fuͤnf Tagen eintrafen. Am 29. September kehrte der 183 1 Gebrauch der Sinne wieder, und das Fieber ver⸗ ließ ihn auch, obſchon ſeine Mattigkeit noch fuͤnf Mo⸗ nate dauerte. Obſchon er bei ſeiner Ankunft noch ſehr unpaͤßlich war, ſo wurde doch ſeine Geneſung durch die Freude ſehr befoͤrdert, daß er von ſeinem Bruder Bartho⸗ lomaͤ daſelbſt uͤberraſcht wude. Dieſer hatte naͤm⸗ lich auf ſeiner Ruͤckkehr vom engliſchen Hofe durch K. Karl VIII. von Frankreich Nachricht vom beſten Gelingen der erſten Unternehmung ſeines Bruders Chriſtoph, und zugleich 100 Thaler Reiſegeld er⸗ halten; er eilte alſo ſogleich zu ihm. Allein bei ſeiner Ankunft zu Sevilla war dieſer ſchon das zweite Mal auf Entdeckungen abgeſegelt; er erbat ſich alſo vom Koͤnige Ferdinand in Spauien noch drei Schiffe, ihm nachzuſegeln, welche er auch ſogleich mit einer reichen Ladung von Lebensmitteln fuͤr den Ad⸗ miral erhielt. Im April 4494, wenige Tage nach deſſen Abreiſe, hatte er ſchou im Hafen von Iſa⸗ bella geankert. 9 Dieſe Lebensmittel waren zwar zu der gelegen⸗ ſten Zeit eingetroffen, allein ſie waren fuͤr die große Zahl der Mannſchaft nicht lange zureichend. Zu die⸗ ſem Mangel geſellte ſich die Ausgelaſſenheit der 360 Mann zu Fuß und 14 zu Pferde, welche Kolomb dem Pedro de Margarita mit der Weiſung uͤber⸗ geben hatte, unter der ſtrengſten Mannszucht die ganze Gegend auszuforſchen. Statt deſſen lagerte ſich 184 dieter auf der großen Ebne Vega Real, 10 Meilen von Iſabella, und ſchrieb ungebuͤhrliche Briefe— ſogar Befehle an die von Kolomb ernannte Regie⸗ rungskammer, ließ den Eingeborenen die Weiber und Habſeligkeiten wegnehmen, und mißhandelte ſie ſo ſehr, daß dieſe zur Ausuͤbung der Rache gereitzt wur⸗ den. Deßwegen vereinigten ſich alle Regenten der Inſel, bis auf Guacauari, gegen die Spanier zur Erſchwerung der Lebensmittel. Der Statthalter Don Diego ließ zwar dem Petro de Margarita durch die Regierungskammer einen Verweis ertheilen; allein dadurch wurde er noch mehr erbittert. Denn er war ſehr ſtolz auf ſeine adelige Geburt, und konnte ſich nur mit dem groͤßten Aerger nach dem Befehle der beiden Kolombe fuͤgen; er begab ſich mit ſei⸗ ner Mannſchaft in die TCh omasſchanze, und er⸗ laubte ihr alle Mittel zur Befriedigung des Hungers. Eo ſehr dieſer ihn quaͤlte, ſo litt er doch noch weit mehr Schmerzen an ſeinem Zeugungsgliede, was er dem Genuſſe ungeſunder Speiſen, ſtatt der graͤnzenlo⸗ ſen Ausſchweifung zuſchrieb. Beſorgnißvoll, nach der Ruͤckkehr des Admirales zur Rechenſchaft gezogen zu werden, begab er ſich nach Iſabella, verband ſich mit dem beruͤchtigten Prieſter Boyl und anderen zur Ruͤckkehr nach Spanien, und beſtieg, ohne nur von dem neu geadelten und deßwegen ihm veraͤchtlichen Statthalter Don Diego Kolomb Urlaub zu neh⸗ men, mit ſeinen Verbuͤndeten die naͤmlichen Schiffe⸗ 1 auf welchen Don Bartholomaͤ angekommen war. Bei der Ankunft im Vaterlande ergoßen Boyl und und Mar garita den bitterſten Haß gegen die Ko⸗ lombe, und ſuchten der Unwahrheit Eingang zu verſchaffen, daß der von den Entdeckungen zu hoffende Gewinn weder die großen Unkoſten, noch die Opfer ſo vieler Menſchen aufwiege. Als der Admiral nach ſeiner Nuͤckkehr von dieſen unangenehmen Vorgaͤngen unterrichtet wurde, betruͤbte er ſich zwar uͤber die Verkennung ſeines beſten Wil⸗ lens; doch faßte er ſich uͤber die nicht zu aͤndernden Uebel. Guacanagari beſuchte ihn und bezeigte ſein Leidweſen uͤber die Ermordung einiger Spanier durch ihre Feinde, was er nicht habe verhindern koͤn⸗ nen; er erbot ſich jedoch zur Rache behuͤlflich zu ſein. Der Admiral beſchloß, die Kaziken zu bekriegen, er⸗ theilte aber ſeinem Bruder Bartholomaͤ noch vor der Abreiſe die Wuͤrde eines General⸗Lieutenants (Adelantate) von Indien, deren Beſtaͤtigung der ſpa⸗ niſche Hof zwar Anfangs verweigerte, ſpaͤter aber doch verlieh. Dieſer war im Seeweſen beſtens unter⸗ richtet, und ſehr tapfer; er haͤtte der Krone Spaniens ohne Zweifel ſehr wichtige Dienſte geleiſtet, waͤre nicht manche gute Anſtalt durch Neider ſowohl, als durch ſein jaͤhzorniges Weſen vereitelt worden. Der Admiral erwog die Unzulaͤnglichkeit ſeiner Mannſchaft gegen die ſaͤmmtlichen Indier, und be⸗ 186 ſchloß, ſich durch Liſt Vortheil zu verſchaffen. Da der Kazik Caunabo, als Fuͤrſt von Maguana, der fuͤrchterlichſte Gegner war, ſo verſuchte er, denſelben aus ſeinem Lande wegzunehmen. Er wußte, daß die⸗ ſer weit groͤßeren Werth auf Kupfer und Meſſing, als auf Gold legte, und daß er eine beſondere Gierde nach der Glocke zu Iſabella aus dem Wahne hatte, ſie koͤnne reden. Der Hauptmann Hojeda war noch immer in der Cibgo'ſchen Schanze; dieſer verbreitete das Geruͤcht, die Spanier wuͤnſchten einen dauerhaf⸗ ten Frieden, hegten fuͤr Caunabo die groͤßte Hoch⸗ achtung, und wollten ihn zur Beſtaͤtigung reichlich beſchenken. Hojeda reiſte mit 9 gut berittenen Spa⸗ niern unter dem leeren Vorgeben ab, er uͤberbringe die Geſchenke. Da ihre geringe Zahl keinen Verdacht erregte, ſo wurden ſie zu Maguana, als dem or⸗ dentlichen Wohnſitze des Kaziken, ſehr hoͤflich empfan⸗ gen. Nach einiger Unterredung zeigte Hojeda die Geſchenke, naͤmlich Hand⸗ und Fußſchellen, welche man den Ruder⸗Seclaven anlegte; ſie waren aus Meſ⸗ üng, ſo fein polirt, daß ſie wie Siülber glaͤnzten. Zugleich gab er vor, dieſe duͤrfe Niemand als die ſpaniſchen Koͤnige tragen; da jedoch der Admiral ihm die groͤßte Ehre erzeigen wolle, ſo ſchicke er ihm den Schmuck ſeiner eigenen Obrigkeit. Caunabo moͤge ſich alſo ein wenig mit ihnen entfernen, damit man ihm den Schmuck anlege, womit er vor ſeinen Unter⸗ thanen mit gleicher Majeſtaͤt, wie die ſpaniſchen Koͤ⸗ 187 nige, erſcheinen koͤnne. Kaum hatte er ſeiner Umge⸗ bung geboten, ſich von ihm zu zu entfernen, ſo legte die ſpaniſche Mannſchaft ihm die Feſſeln an, und ſetzte ihn hinter Hojeda auf das Pferd. Dieſer ließ ihn feſt an ſich binden, und rennte mit vollem Zuͤgel nach Iſabella. Der Admiral hatte eine graͤnzeu⸗ loſe Freude, daß er den Zerſtoͤrer ſeiner erſten Schanze, und ſeinen kuͤhnſten Feind in der Gewalt hatte; er be⸗ hielt ihn gefeſſelt bei ſich, ohne deſſen Gemuͤth bezaͤh⸗ men zu koͤnnen. Denn ſtatt daß dieſer ihm Ehrfurcht und Unterthaͤnigkeit bezeigen ſollte, begegnete er dem Hauptmann Hojeda mit mehr Hoͤflichkeit als ihm, weil jener mehr Kuͤhnheit bewies, als er. Auch be⸗ kannte er, 20 Spanier unter der Leitung Pedros von Arna bei der Schanze Natividad getoͤdtet, und gleiche Abſichten auch gegen Iſabella gehegt zu haben. Ein ſo unerſchrockener Gegner ſchien ſelbſt in den Ketten noch gefaͤhrlich; darum wurde er wider ſeitken Willen auf ein nach Spanien zuruͤck gekehrtes Schiff gebracht; allein dieſes wurde in einem Sturme von den Wellen verſchlungen, und die ganze darauf befindliche Mannſchaft ging mit dem Caunabo zu Grunde. 1 Bald darauf lief Anton von Torrez mit vier großen Schiffen voll Lebensmittel und Kriegsmunition im Hafen Iſabella ein, und uͤberreichte dem Ad⸗ miral ein Schreiben der beiden Maſeſtaͤten, worin ſie ihre hoͤchſte Zufriedenheit mit ſeiner Dienſtleiſtung ausdruͤckten, baldigen Bericht uͤber alle weitere Ent⸗ deckungen, die Sendung einiger Stuͤcke aller in Spa⸗ nien unbekannter Voͤgelgattungen, und die monatliche Sendung eines Schiffes zur Unterhaltung des Brief⸗ wechſels verlangten, indem demſelben von Seite Por⸗ tugals, ſeit der Beilegung aller Zwiſtigkeiten durch Beſtimmung einer genaueren Graͤnzlinie, nicht die ge⸗ ringſte Gefahr drohe. Sie fuͤgten eine Abſchrift des ge⸗ ſchloſſenen Vergleiches bei, und praͤgten ihm, wie ſeinem Bruder Bartholomaͤ, die genaueſte Erfuͤl⸗ lung deſſelben ein. Uebrigens genehmigten ſie die An⸗ lage der Stadt Iſabella, der Thomas⸗Schanze, Wohnungen und alle uͤbrigen Einrichtungen, wie die Verwendung der ſpaniſchen Truppen im vollſten Maße. Durch dieſe Merkmale hoͤchſter Gnade wurde ſein an⸗ haltender Verdruß verſuͤßt, und ſein Auſehen bei der Mannſchaft jehr erhoͤht. Gegen das Ende des Jahres 1494 erfuhr man, daß die Entfuͤhrung Caunabo's alle Bewohner der Inſel gereitzt, und deſſen drei Bruͤder veranlaßt habe, in der Ebene von Viga Real ein ſtarkes Heer zu⸗ ſammen zu ziehen. Kolomb gerieth daruͤber in große Verlegenheit, und erſuchte den Koͤnig Gugcana⸗ gari, ihm mit ſeinen Leuten beizuſtehen. Alle dienſt⸗ faͤhige Spanier beliefen ſich nur auf 200 Fußgaͤnger und 20 Reiter; dieſe vermehrte er mit 20 Kettenhun⸗ den, und hoffte, deren Bellen und Beißen werde auf 189 die nackten Indier ſo vortheilhaft wirken, als die Saͤ⸗ bel und Flinten.. Am 24. Maͤrz 1495 zog er mit Bartholomaͤ und Guacanagari aus Iſabella. Kaum war er in die Ebene von Viga Real vorgeruͤckt, fand er gegen 45,000 Feinde, unter Anführung des Kaziken Manicate, eines Bruders des Caunabo. Er ließ dieſe von zwei Seiten zugleich angreifen, damit der Schrecken und die Verwirrung unter den Indiern deſto allgemeiner wurde. Als die ſpaniſchen Flinten ganze Reihen Indier zu Boden warfen, die langen Degen 2— 3 nach einander durchbohrten, die fluͤchti⸗ gen Pferde viele nieder rennten, die gereiten Hunde andere unter graͤglichem Gebelle bei der Kehle ergrif⸗ fen, und ſogleich erwuͤrgten, oder wenigſtens zu Bo⸗ den warfen, und an ihren nackten Leibern ſehr ver⸗ wundeten; ſo wurden die uͤbrigen bei dem Anblicke ihrer todten oder verwundeten Bruͤder ſo erſchrocken, daß ſie eilig die Flucht zu nehmen ſuchten, wenn ſie nicht ſchnell geung verfolgt und gefangen wurden. Der Admiral ſetzte ſeine Streifereien 10. Monate auf der ganzen Inſel fort, und erhielt unter ſtetem Siege alle Bewohner in ſolcher Furcht,, daß die drei verbruͤ⸗ derten Kaziken nebſt Guarinoer ſich zur vollen Un⸗ terwerfung vereinigten. Bei dieſer beſtimmte der Adt niral, daß die Nach⸗ barn der Erzgruben von Cibao alle drei Monate ein Maͤßchen Gold fuͤr jeden Kopf bezahlen, und alie uͤb⸗ 190 rigen 25 Pfund Baumwolle liefern ſollten. Der Ka⸗ zik Guarinoer im Gebiete von Vega Real erbot ſich zur Bearbeitung des Landes durch ſeine Unter⸗ thanen, und zur Beſaͤmung deſſelben mit dem Getreide, welches ihm die Spanier anvertrauen wuͤrden, welche wichtige Dienſte bisher nur Guacanagari gelei⸗ ſtet hatte. Allein ſo nothwendig auch die Lebensmit⸗ tel waren, ſo verwarf doch der Admiral die Dienſte im Ackerbaue, und beſtand auf der Lieferung des Gol⸗ des. Den Kaziken Manicater, als vorzuͤglichſten Stifter der Unruhe, noͤthigte er zur monatlichen Lie⸗ ferung eines gewiſſen Maßes Gold. Zugleich ließ er Muͤnzen von Meſſing und Kupfer praͤgen, und den Indiern bei Entrichtung der Abgaben an den Hals baͤngen, welche Auszeichnung bei jeder Zahlung ver⸗ aͤndert wurde. Der maͤchtige Kazik Bohechio, deſſen Schwe⸗ ſter Anacaona, die Witwe des Caunabo's, nach Rache ſchnaubte, war am weiteſten von Iſabella entfernt, und deßwegen am wenigſten zur Unterwer⸗ fung geneigt. Die uͤbrigen Indier waren bald ihres Joches uͤberdruͤſſig, und fragten oft, ob die Spanier nicht bald wieder in ihr Vaterland zuruͤck kehren wuͤr⸗ den. Als ſie ihre Hoffnung immer mehr vereitelt ſahen, vernachlaͤſſigten ſie den Maisbau, und verbar⸗ gen ſich im Gebirge, damit die Auslaͤnder Hungers ſterben oder abziehen muͤßten, waͤhrend ſie ſich von na⸗ tuͤrlichen Fruͤchten ernaͤhrten. Selbſt Gugegnagari⸗ * 191 welcher tur Befriedigung des Geitzes ſeiner Bundesge⸗ noſſen die haͤrteſten und veraͤchtlichſten Dienſte leiſten laſſen mußte, folgte dem Beiſpiele ſeiner Landskeute. Dieſer verzweifelte Entſchluß ſetzte die Spanier in ſolche Hungersnoth wieder, daß ſie ſich von den eckel⸗ hafteſten Gegenſtaͤnden naͤhren mußten, wofuͤr die In⸗ dier in allen Winkeln geſucht und erwuͤrgt wurden. Sie durften nicht einmal aus dem Gebirge vortreten, um ſich Nahrungsmittel zu ſuchen; ſo ging in weni⸗ gen Monaten ein Drittheil derſelben, und auch Gua⸗ canagari, welcher von ſpaniſchen Schriftſtellern der vipernartigen Luͤſte mit Weibsperſonen beſchuldigt wurde, durch Hunger, Krankheiten und die Waffen der Spanier zu Grunde⸗ Waͤhrend dieſer ſchrecklichen Ereigniſſe in der neuen Welt erhoben die nach Spanien zuruͤck gekehrten Miß⸗ vergnuͤgten Boyl und Margarita die bitterſten Klagen am Hofe uͤber den Admiral und ſeine Bruͤder. Sie wuͤrdigten die Entdeckung der Goldbergwerke zum unbedeutendſten Werthe herab, und beſchuldigten ihn zugleich des Geitzes, der hoͤchſten Unbeſonnenheit und Grauſamkeit. Er habe das Leben der Spanier gar nicht geſchont, die Vornehmſten zu den gemeinſten Arbeiten verwendet, neue Laͤnder und Schaͤtze zu ſei⸗ nem Vortheile geſucht, und damit vier Monate ohne Nutzen fuͤr den Konig zugebracht. Auch Anton von Torrez hatte bei ſeiner erſten Ankunft mehre Briefe mißvergnuͤgter Edelleute mitgebracht, worin der Ad⸗ miral ſehr herab geſetzt war. So ſehr der Koͤnig und die Koͤnigen dieſem gewogen waren; ſo mußte doch ihre Vorliebe durch ſo viele nachtheilige Zeugniſſe ge⸗ ſchmaͤlert werden. Die reine Wahrheit zu erfahren, ſendeten ſie einen Bevollmaͤchtigten mit einem einfa⸗ chen Beglaubigungsſchreiben dahin, allein ungluͤckli⸗ cher Weiſe machten ſie einen großen Mißgriff in der Wahl der Perſon. Sie ſetzten naͤmlich ihr unbegraͤnztes Vertrauen auf einen der Haushofmeiſter der Koͤnigin, Johann von Aguado, ein erbaͤrmlicher Hofſehtang welcher wegen dieſer hoͤchſt unerwarteten Auszeichnung vor Stolz faſt den Verſtand verlor. Er reiſte im April ab, und traf zu Iſabella am Ende Oktobers 1495 ein, in welcher Zeit der Admiral eben beſchaͤftigt war, einige Unruhen in dem Bezirke Maguana zu daͤmpfen. Dem ihn vertletenden Bruder Bartho⸗ lomaͤ begegnete Agugdo mit groͤßtem Hochmuthe, machte Drohungen, und uͤberſchritt weit die Graͤnzen ſeiner Vollmacht, waͤhrend er vorgab, nur die Be⸗ ſchwerden gegen die Regierung zu vernehmen. Er reiſte dann dem Admiral entgegen und verbreitete un⸗ terwegs das Geruͤcht, der Zweck ſeiner Auweſenheit ſei, die Bruͤder Kolomb zu verurtheilen, und ſie von der Kolonie zu entfernen. Seine Leute erlaubten ſich, ihn fuͤr den neuen Admiral auszupoſaunen, wel⸗ cher den alten umbringen ſollre. Dieſes Geruͤcht wurde ſo allſeitig verbreitett, daß die unterjochten Kaziken ſchon ſich beratheten, wie ſie dieſe Veraͤnde⸗ rung zu ihrem Vortheile benutzen koͤnnten. Aguado hatte noch keine bedeutende Strecke Wegs zuruͤck gelegt, als er ſchon vernahm, der Admiral ſei durch einen reitenden Boten von ſeinem Bruder zuruͤck ge⸗ rufen worden, und befinde ſich bereits zu IJſabella. Er kehrte ſogleich dahin zuruͤck; da ſein Gefolge durch die zerſtreuten Mißvergnuͤgten verſtaͤrkt worden war, ſo glich ſein Einzug einem Siegesgepraͤnge. Seine Vollmacht wurde unter Trompetenſchall ausgerufen. Der Admiral ſelbſt ſuchte dieſe Feierlichkeit zu erhoͤ⸗ ben, ſtellte ſich vor den Bevollmaͤchtigten, und verſi⸗ cherte ihn ſeines vollſten Gehorſames gegen die Be⸗ fehle der beiden Majeſtaͤten. Sogleich wurde die Un⸗ terſuchung begonnen; die Indier, wie die Spanier ergriffen dieſe Gelegenheit mit Freude, die ihnen ver⸗ haßten Auslaͤnder, welche der Hof ſelbſt nicht mehr zu achten ſchien, zu verdraͤngen. Alle Klagen wurden angehoͤrt: je bedeutender ſie ſchienen, deſto mehr ge⸗ fielen ſie dem Bevollmaͤchtigten. Der Admiral fuͤgte ſich in dieſe Widerwaͤrtigkeit weit beſſer, als man vor⸗ her geglaubt hatte; er begegnete ſeinem Geguer mit der groͤßten Ehrfurcht, und ertrug deſſen uͤbermaͤthige Vorwuͤrfe mit der groͤßten Geduld. Er ſtellte ſich— dergeſchlagen, ſorgte weder fuͤr die Ordnung der Kopf noch Kinnhaare, ging in einem Trauerk eide nnger, und verehrte, ſtatt dem Ag uado die Ueberſchreitung ſeiner Gewalt vorzuwerfen, blos die Quelle derſelben; étes B. Indien. I. 3. 5 194 N obſchon ſie im Beglaubigungsſchreiben nicht deutlich ausgedruckt war. Dieſes lautete naͤmlich:„Edle, Edel⸗ knechte und andere, die ihr euch nach unſerem Be⸗ fehle in Indien befindet. Wir ſenden unſeren Haus⸗ hofmeiſter, Johann von Agnado, zu euch„ wel⸗ cher in unſerem Namen mit euch reden wird, und wir befehlen euch, ſeinen Worten zu glauben. Na⸗ drid, 9. April 1495.“ Nachdem er ſeine Unterſuchung beendigt hatte, und nach Spanien zuruͤck kehren wollte, zerſchmetterte ein heftiger Sturm im Hafen von Iſabella die Schiffe, auf welchen er angekommen war. Da keine andere Schiffe mehr zu finden waren, als die beiden, welche der Admiral erſt vor Kurzen hatte bauen laſ⸗ ſen, ſo bot dieſer ſeinem Gegner eines mit dem Bei⸗ ſatze an, daß er ſelbſt das andere gleichzeitig beſteigen wuͤrde, um ſich vor ſeiner unpartheiiſchen Obrigkeit zu verantworten, ihr ſeine Entdeckungen zu eroͤffnen, und nach ihrem Verlangen ſein Gutachten uͤber die Theilungslinie zwiſchen Spanien und Portugal zu ge⸗ ben. Aguado wagte nicht die geringſte Einwendung, obſchon ihm der Admiral den Schein einer großen Gewalt ließ, und die weſentlichen Rechte ſeiner Wuͤr⸗ de ausuͤbte. Er uͤbertrug die Regierung waͤhrend ſei⸗ ner Abweſen heit ſeinen beiden Bruͤdern, und ernannte den gepruͤften Geſchaͤftsmann Roland zum Ober⸗ baupte der Gerichtskammer. Auch beſetzte er die Schanzen gegen die Indier mit Befehlshabern, welche 195 ſeines Vertrauens ſich wuͤrdig bewieſen hatten, beſon⸗ ders Konzeption in der Ebene Vega, welche ſich ſpaͤter zu einer anſehnlichen Stadt erheb. Da er vor ſeiner Abreiſe noch die wichtige Nachricht von der Entdeckung eines ſehr reichen Goldbergwerkes im fſuͤd⸗ lichen Theile der Inſel erhielt; ſo verſchob er dieſel⸗ be, bis er ſich davon vergewiſſert hatte; er ſchickte Garay und Diaz mit Wegweiſern und einer Bedek⸗ kung dahin. Man fuͤhrte ſie vorerſt durch Vega Real, dann uͤber das Gebirge in eine andere Ebene, bis an den ſehr fiſchreichen Fluß Hayna, in wel⸗ chen viele Baͤche goldhaltigen Sand fuͤhren. So oft ſie die Erde aufgruben, fanden ſie viele Goldkoͤrner. Auf die erſte Nachricht davon, befahl der Admiral die Auffuͤhrung einer Schanze daſelbſt, und nannte ſie St. Chriſtophz die ſpaͤter gemachten Gruben, wel⸗ che lange Zeit unermeßliche Schaͤtze lieferten, bezeich⸗ nete er auf gleiche Art. Dem Admiral haͤtte vor ſei⸗ ner Abreiſe kein gluͤcklicherer Zufall begegnen koͤnnen: denn durch dieſe neue Entdeckung vereitelte er die vorzuͤglichſten Beſchwerden und Vorwaͤnde ſeiner Geg⸗ ner uͤber die Geringfuͤgigkeit ſeines Unternehmens, und er konnte, ſelbſt wenn einige Schuld der un⸗ menſchlichen Strenge auf ihm gelaſtet haͤtte, auf Ver⸗ gebung der beiden Majeſtaͤten um ſo mehr rech⸗ nen, als er gewiß war, ihre Macht, Schaͤtze und An⸗ ſeben zu vermehren. I1II. Beide Schiffe, Santa Cruz und Nina, * 196 ſegelten am 10. Maͤrz 1496 von Iſabella ab. Der Admiral hatte 220 der aͤrmſten und gebrechlichſten Spanier, deren Weiber oder Verwandte bei Hof den Abſchied bewirkt hatten, auf ſein Schiff genommen, und ſie auf der ganzen Fahrt ſo gut behandelt, daß ſie gegen Aguado eingenommen wurden. Seinen Bru⸗ der Bartholoma hatte er bis Puerto de Plata mitgenommen, um dieſen Platz zur Erbauung einer Stadt mit ihm in Augenſchein zu nehmen. Hierauf ließ er ihn zu Land nach Iſabella zuruͤck kehren, ſteuerte oͤſtlich am 22. Maͤrz vor dem Vorgebirge Engano voruͤber, und ankerte am 29. Maͤrz bei Marie Ga⸗ lante, wovon er ſich wegen Mangels an Holz und Waſſer des andern Tages nach Guadeloupe be⸗ gab. Zu ſeinem groͤßten Staunen war das ganze Ufer von Weibsperſonen mit Pfeilen und Bogen be⸗ ſetzt, welche ſeinen Nachen warnten, ſich nicht zu naͤhern. Zwei der 36 Indier, welche er aus Hi⸗ ſpaniola mitgenommen hatte, ſchwammen zu die⸗ ſen Amazonen, und verſicherten, daß nur Lebensmittel ihnen noͤthig waͤren, und Niemand ſie beleidigen wuͤrde. Sie weigerten ſich und erwiederten, man muͤſſe ſich an ihre Maͤunner auf der Nordſeite wenden, und ſchoßen einen ganzen Hagel von Pfeilen auf die fortruͤk⸗ kenden Barken ab, wovon gluͤcklicher Weiſe Niemand getroffen wurde. Kaum hatte man dieſes durch einige Kanonenſchuͤſſe erwiedert, ſo ergriffen ſie die Flucht. Als die Spanier ausgeſtiegen waren, zweifelten ſie, ob ſie nicht gar auf feſtes Land gekommen waͤren. Sie fanden viele ſehr große Papageien, Honig, Wachs und Pflanzen, welche die Indier zu Brod verwende⸗ ten, was ſie Cazabi, und ſpaͤter die Franzoſen Caſ⸗ ſave nannten. Ein Theil ging tiefer in das Land, und brachte viele Weibsperſonen zuruͤck, unter wel⸗ chen auch die Gattin eines Kaziken geweſen iſt, welche muͤhſam einzuholen war. Als ihr Verfolger ganz nahe gekommen war, drehte ſie ſich ploͤtzlich um, ergriff ihn und warf ihn ſo ſchnell auf den Boden, daß ſie ihn erdroſſelt haben wuͤrde, wenn er nicht Huͤlfe bekommen haͤtte. Unterdeſſen wurden alle Weibsperſonen durch Geſchenke und guͤtiges Benehmen des Admirals bald wieder freundlich und vertraulich, verſorgten die Spa⸗ nier waͤhrend ihres gtaͤgigen Aufenthaltes mit Lebens⸗ mitteln, und bei der Abreiſe erbot ſich ſogar die Frau des Kaziken nebſt ihrer Tochter, den Admiral nach Spanien zu begleiten. Sie war außerordentlich dick und fett, ihre Fuͤße vom Knoͤchel bis an die Knie mit baumwollenem Zeuge umwickelt, ihre Haare lang, ungebunden und um die Schultern herum fliegend⸗ Sie hatte einige Kenntuiß der Sternkunſt, und be⸗ rechnete die Zeit nach dem Aufgange und Untergange der Sonne. Sie hatte faſt maͤnnliche Staͤrke, großen Verſtand und behauptete, ihr Mann naͤhere ſich ihr nur zu gewiſſen Zeiten des Jahres fuͤr die Fortpflan⸗ zung des Geſchlechtes. Er ſteuerte innerhalb der Breite von 22 Graden 1098 ſtets gegen Oſt, indem er noch nicht wußte, daß man, zur Vermeidung der ſehr heftigen Oſtwinde, uͤber 32 Grade hinaus ſicherer und kuͤrzer fahre. Der ganzen MWannſchaft wurde die Reiſe um ſo langweiliger, als auch vem 20. Mai an der Mangel an Lebensmitteln immer fuͤhlbarer wurde, indem jeder Mann nur 6 Un⸗ zen Brod und 1 Kanne Waſſer erhie’t. 100 Melen ven den azoriſchen Inſeln gegen Weſt fand der Admi⸗ ral, daß die hollaͤndiſchen Kompaſſe um einen Punkt, die genueer aber nur ſehr wenig abwichen. Bei der erſten Entdeckung des Landes erkannte der Admiral ſogleich das Vorgebirge St. Vincent; des andern Tages lief er im Hafen von Kadix ein, wo eben drei zur Abfahrt bereitete Schiffe mit Lebensmitteln und Munition fuͤr Hiſpaniola verſehen waren. Obſchon er dieſe, als ihm der koͤnigl. Befehl gezeigt wurde, nicht mehr aufhalten konnte; ſo gewann er doch noch Zeit, ſeine Bruͤder zum Muthe und zur Standhaftigkeit brieflich zu ermahnen. Er reiſte ſogleich nach Burgos, dem damaligen Sitze beider Majeſtaͤten; allein der Koͤnig war in Roufillon mit einem Kriege gegen Fronkreich, und die Koͤnigin zu Loretto mit der Abreiſe ihrer Tochter Johauna zum Beilager mit dem Herzoge Philipp von Flandern, Sohn des K. Maximi⸗ lian. beſchaͤftigt. Nach der Nuͤckkehr aber verfuͤg⸗ ten ſich beide nach Burgos, um die Prinzeſſin Mar⸗ gareth, Schweſter des Erzherzoges, als Braut des ſpaniſchen Vrinzen zu erwarten. Der Admiral erſchien vor ihnen mit eben ſo viel Unerſchrockenheit, als Be⸗ ſcheidenheit. Er beſchenkte ſie mit vielen Goldſtufen, welche gediegene Koͤrner wie eine Erbſe, Bohne oder Lallnuß enthielten; mit einer Goldſtange von 20 Unzen, einem aͤußerſt ſchweren Stuͤcke Ambra, mit ſeltenen Gewaͤchſen, Voͤgeln, vierfuͤßigen Thieren, Baͤu⸗ men, Pflanzen, Hausgeraͤthen, Werkzeugen, Guͤrteln und Larven, welche mit Goldblech verziert waten. Statt daß er ſich verantworten ſollte, wurde weder von Aguado's Unterſuchung, noch von Boyls und Margareta's Anklagen geſprochen; vielmehr wurde er wegen ſeiner treuen Dienſte mit Lob und Dank uͤberhaͤutt. Machdem er einen ausfuͤhrlichen Bericht uͤber ſeine bieherigen Entdeckungen und Eroberungen erſtat⸗ tet hatte, machte er den Vorſchlag zur kraͤſtigen Fort⸗ ſetzung der Unternehmung mit acht Schiffen, wovon zwei mit Lebensmitteln und Kriegsvorrath gefuͤllt, und zwei ſeiner perſoͤnlichen Anfuͤhrung uͤberlaſſen werden ſollten. Nicht nur dieſes wurde genehmigt, ſondern auch 300 Mann Verſtaͤrkung, welche aus Reitern, Fußgaͤugern, Matroſen, Bauern, Handwer⸗ kern und Goldarbeitern beſteyen ſollten, für Hiſpa⸗ niola angeordnet. Moͤnche, Aerzte, Chirurgen, Apotheker, Saͤnger und Schauſpieler ſollten das Le⸗ ben der Koloniſten erhalten und erheitern. Dem Ad⸗ mirale wurde erlaubt, noch 500 Mann auf ſeine Rech⸗ 200 nung außer der koͤniglichen Mannſchaft mitzunehmen. Wer ohne Beſoldung bloß aus Geitz mitfahren wollte, mußte verſprechen, daß er mit dem dritten Theil des Goldes, welches er außer den bereits beſetzten Gruben finden wuͤrde, ſich begnuͤgen wolle. Da ſo viele Menſchen in der neuen Welt geſtor⸗ ben, und die zuruͤck gekehrten theils krank, theils ſiech waren, oder wenigſtens ſehr ſchlechtes Ausſehen hat⸗ ten, ſo meldeten ſich nur wenige Freiwillige. Deßwe⸗ gen machte der Admiral den Vorſchlag, man moͤchte kuͤnftig alle Verbrecher, welche ſich weder der Ketzeret, noch des Hochverraths, Meuchelmords, Mordbrennens, falſchen Muͤnzens, der Sodomiteret und des Silber⸗ und Goldausfuͤhrens ſchuldig gemacht haͤtten, auf ihre ganze Lebenszeit in die neue Pflanzſtadt ſchicken. Die⸗ ſer Vorſchlag fand Beifall, und es wurde verfuͤgt, daß jeder des Todes ſchuldige Verbrecher auf zwei Jahre— jeder andere auf ein Jahr ohne Beſoldung dort dienen, und nach dem Verlaufe dieſer Zeit von aller gerichtlichen Strafe befreit ſeyn ſollte, ohne jedoch nach ESuropa zuruͤck kehren zu koͤnnen. Nebſtdem wurden allen Gerichtshoͤfen aufgetragen, alle aͤhnliche Verbrecher zum Arbeiten in den Berzwerken zu ver⸗ urtheilen. Auch wurde der Admiral bevollmaͤchtigt, jedem, welcher ſich haͤuslich niederlaſſen wollte, das noͤthige Land anzuweiſen, und nichts als die Abgaben von Gold, Silber und andern Metallen an den Koͤ⸗ nig vorzubehalten. Da die Koͤnigin die erſte Reiſe 201 Kolomb's veranlaßt hatte, ſo erbot ſie allen nicht eingebornen Unterthanen Spanieus eine Theilnahme an der Fahrt nach Indien; was ihm die ſchoͤnſte Genug⸗ thuung gegen Boyl als Katalonier, und gegen Margarita als Arragonier geweſen iſt. Waͤhrend des Admirals Aufenthalte in Spanien kamen die 3 Schiffe, welche bei ſeiner Nuͤckkehr aus Kadix ausliefen, im Juli zu Iſabella gluͤcklich an. Sein Bruder Bartholoma faßte neuen Muth, und ſendete die Schiffe mit neuen Schaͤtzen und 300 aufruͤhreriſchen Indiern ſogleich zuruͤck, weil beide Majeſtaͤten deren Leibeigenſchaft fuͤr die zweckmaͤßigſte Strafe hielten. Zugleich machte er den Admiral auf die ungluͤckliche Wahl der Gegend der Pflanzſtadt merkſam, und rieth zur Anlage eines andern Wohn⸗ platzes, wenn er dauerhaft ſeyn ſollte. Da der Hof dieſe Angelegenheit dem Ermeſſen des Admirals uͤber⸗ laſſen hatte, ſo erinnerte er ſich der guten Haͤfen, vortrefflichen Weideplaͤtze und des fruchtbaren Boden, welche er auf ſeiner letzten Reiſe an der ſuͤdlichen Kuͤſte wahrgenommen hatte, und zugleich deren Naͤhe zum Bergwerke St. Chriſtoph. Er ſchickte alſo ſo⸗ gleich ein Schiff an ſeinen Bruder mit der Weiſung, die Pflanzſtadt eheſtens in dieſe Gegend zu verſetzen. Das Schiff kam zur naͤmlichen Zeit an, als Bar⸗ tholholoma nach andern eingezogenen Nachrichten das Naͤmliche vornehmen wollte, was ſein Buuder an⸗ geordnet hatte. 202 Ein junger Arragonier naͤmlich, Namens Mi⸗ chael Diaz, welcher nebſt Garay die neuen Berg⸗ werke entdeckt hatte, hatte einen Zweikampf mit ei⸗ nem andern Spanier, worin er dieſen ſehr verwun⸗ dete. Obſchon er in Bartholomaͤs perſönlichen Dienſten war, ſo ergriff er doch aus Furcht vor Strafe die Flucht nebſt noch 5— guten Freunden, und zwar vorerſt nach dem oͤſtlichen Theile der Inſel, und ging dann an dem ſuͤdlichen Ufer bis an die Muͤndung des Fluſſes Ozama, wo ein großes Dorf der Indier war. Da dieſen von den Spaniern noch gar kein Leid zugefuͤgt worden war, ſo wurden dieſe ſehr gut aufgenommen. Die Gebieterin Katalina verliebte ſich bald in ihn, und ſuchte ihn durch ſo viele Lieb⸗ koſungen und Wohlthaten zu feſſeln, daß aus dieſen Zaͤrtlichkeiten ſpaͤter zwei Kinder hervor gingen. So⸗ bald ihr Vertrauen feſte Wurzeln geſchlagen hatte, ſo zeigte ſie ihm einige, nur 7 Meilen entfernte Berg⸗ werke, und rieth ihm, die Spanier moͤchten ſich in dieſer angenehmen Gegend niederlaſſen. Diaz ergriff dieſe Gelegenheit zur Beſeitigung ſeiner Strafe; Ka⸗ talina gab ihm ſichere Wegweiſer auf die Entfer⸗ nung von s0 Meilen zur Stadt Iſabella, und er erfuhr bei ſeiner Aukunft, daß die Wunden ſeines Gegners geheilt ſeien. Da er jetzt ſich oͤffentlich zeigen durfte, ſo erſchien er ſogleich vor Bartholomaͤ, welcher ihn ungerne verloren hatte, deßwegen mit Freuden aufnahm, und ſeinen Vorſchlag gerne hoͤrte. Dieſer ſann ſogleich auf die Errichtung einer Pflanzſtadt auf der Suͤdſeite, und brach, da er gleich⸗ zeitig die Winke ſeines Bruders erhalten hatte, ſo⸗ gleich mit Diaz und den ſtaͤrkſten Leuten dahin auf. Er fand die beiden Ufer des Fluſſes Ozama dewohnt, den Hafen ſicher, und fuͤr Schiffe von mehr als 300 Tonnen geraͤumig. Er machte unverzuͤglich den Pran zu einer Stadt an der Muͤndung deſſelben und an dem oͤſtlichen Ufer, verſetzte bald die Einwohner von Iſabella dahin, und ließ daſelbſt nur wenige Hand⸗ werksleute zuruͤck. Er nannte die neue Stadt St. Domingo, nach dem Namen ſeines Vaters, Do⸗ minikus, und dem Patron der erſten Kirche, nach welchem vorerſt der ganze Sprengel, und ſpaͤter von den Franzoſen die ganze Inſel geuannt wurde. Der Admiral aber wollte ſie Neu⸗Iſabella genannt haben, was nicht gefiel. Don Bartholoma ließ ſogleich auch den Grund zu einer neuen Schanze legen, traf fuͤr deren Vollendung in ſeiner Abweſenheit die noͤthige An⸗ ſtalt, und unternahm einen Zug an die weſtliche Kuͤſte in die Landſchaft aragua unter dem Kaziken Behechio oder Bohechio, welcner ſich noch nicht unterworfen hatte, weil er ſich in ſeiner großen Ent⸗ fernung vor den Spaniern geſichert hielt. Da dieſer aber ſeit der Anlegung der Stadt Sa n⸗Domingo ſich uͤberzeugt hatte, wie leicht die Spauier von einem Ende der Inſel zum andern kommen koͤnnten, ſo traf 204 er Anſtalten zur Gegenwehr. Um dieſe im Keime zu erſtieken, beſchlos Bartholomaͤ um ſo mehr in deſ⸗ ſen Gebiet vorzuruͤcken, als er erfahren hatte, deſſen Schweſter, Anacoana, die Wittwe des Kaziken Kannabo, ſei gegen die Spanier nicht mehr ſo er⸗ bittert; er hoffte alſo deren Zuneigung durch Schmei⸗ cheleien zund Geſchenke zu gewinnen. Auf jeden Fall fand er die Uuteriochung dieſer Landſchaft nothwen⸗ dig, ſie mochte durch Zaͤrtlichkeit oder Gewalt geſche⸗ hen. Er zog mit 300 Mann unter dem Vorwande ab, als wolle er dem Kaziken Bohechio einen freund⸗ ſchaftlichen Beſuch machen. Von San Domingo nach aragua zaͤhlte man 60 Meilen; bei der An⸗ kunft am Fluſſe Nayva ſendete er einige Offiziere an den Kaziken zur Eroͤffnung, er wolle mit einem Fuͤrſten und einer Fuͤrſtin, von welchen er viel Ruͤhm⸗ liches gehoͤrt habe, in freundſchaftliche Verhaͤltniſſe treten. Bohechio freute ſich, wie alle ſeine Trup⸗ pen, uͤber dieſen unvermutheten Gruß; dieſe waren ohnehin ungerne zum Kampfe mit ſo fuͤrchterlichen Feinden erſchienen, und hielten die Geſahr jetzt ſo be⸗ ſeitigt, daß ſie ſelbſt ihnen bis zum Fluſſe Nayva entgegen kamen, wo wechſelſeitige Verſicherungen der Freundſchaft folgten. Die Indier beluden ſich mit dem Geraͤche der neuen Bundesgenoſſen, erzeigten ih⸗ nen alle moͤglichen Gefaͤlligkeiten, und trugen ſie ſo⸗ gar auf den Ruͤcken uͤber den Fluß. Als man ſich dem Dorfe araguag, dem Sitze des Kaziken, naͤher⸗ 3 205 te; ſo kamen die vornehmſten Einwohner tanzend und ſingend entgegen, Die 35 Weiber deſſelben trugen Palmzwe ge in den Haͤnden, waren vom Guͤrtel bis an die Waden mit ſchneeweißem Zeuge(Pagnes) be⸗ kleidet, tanzten ehrfurchtsvoll ſingend, beugten die Kniee vor dem Generale, und uͤberreichten ihm die Palmzweige. Hinter ihnen folgten andere Indier, welche allen uͤbrigen Spaniern dieſe Ehren bezeigten. In dieſer Herrlichkeit ging der ganze Zug an die Wohnung des Kaziken, wo dieſer Kazabi, Utias und verſchiedene Fiſche den Spaniern vorſetzen ließ. Bald wurde auch einem Jeden eine eigene Wohnung angewieſen, welche eine mit Baumwolle belegte und koſtbar verzierte Haͤngmatte hatte. Des andern Ta⸗ ges beſuchte Bohechio mit ſeiner Schweſter den General, und machte ihm hoͤflichſt den Vorſchlag, daß er nach ſeiner Landesart eine große Luſtbarkeit veran⸗ ſtalten wolle. Zwei mit Pfeil und Bogen bewaffnets Haufen Indier zogen dann iu Schlachtordnung gegen einander, und zeigten, wie nach ihrer Art ein Treffen geliefert werde. Aufangs ſchien dieſe Luſtbarkeit dem in Spanien gebraͤuchlichen Rennen aͤhnlich; dann aber wurden die Kaͤmpfenden ſo hitzig gegen einander, daß vier todt auf dem Platze blieben. Die Zahl der Ver⸗ wundeten nahm ſo zu, daß der General ſelbſt um Be⸗ endigung des Schauſpieles bat. Hierauf ſtellte dieſer dem Kaziken und ſeiner Schweſter vor, daß ſie allein ſich noch nicht dem 206 Schutze Spanieus unterworfen haͤtten. Da ſein Bru⸗ der dahin gereiſet ſei, ſo wuͤrde er ohne Zweifrl die Weiſung zum feindlichen Ueberfalle der Provinz R a⸗ ragua mitbringen. Die bisherigen Erfahrungen haͤt⸗ ten bewieſen, daß ſaͤmmtliche Bewohner der Inſel den Waßfen der Spanier nicht mehr widerſtehen koͤnn⸗ ten; Bohechio wuͤrde alſo klug handeln, ſich vor⸗ her noch zu unterwerfen. Dieſer ſtimmte nicht nur bei, ſondern auch ſeine Schweſter drang aus ſteigen⸗ der Vorliebe fuͤr die Chriſten in ihn; nur ſtellte er die Unmoͤglichkeit einer Abgabe bei gaͤnzlichem Mangel an Gold vor. Der General erwiederte, die Spauier ſeien zu billig, als daß ſie ſich nicht mit Baumwolle und Lebensmitteln begnuͤgen ſollten, wozu der Kazik ſich ſogleich verbindlich machte. Nach dieſer gluͤcklichen Unternehmung kehrte er auf Iſabella zuruͤck, wo unterdeſſen die meiſten Einwohner von Hunger und Krankheiten ihr Leben verloren hatten. Voll Verdruß, daß keine Schiffe aus Spanien kamen, beſchloß er, einige zu bauen, und durch dieſe die noͤthigen Lebensmitteln holen zu laſſen. Auch ließ er die noch uͤbrigen kranken oder abgema⸗ gerten Spanier in die den Schanzen zunaͤchſt gelege⸗ nen Doͤrfer vertheilen; allein die Einwohner wurden dieſer zu hungrigen und groben Fremdlinge bald uͤber⸗ druͤſſig. Da die Unterthanen des Kaziken Guari⸗ noexr oder Gerarioner die meiſten Unbilden aus⸗ ſtehen mußten; ſo faßten ſie auch zuerſt den Muth⸗ 207 das unertraͤgliche Joch abzuſchuͤtteln. Zwar liebte ihr Kazik den Frieden, allein ſie noͤthigten ihn zum Auf⸗ ſtande durch die Drohung, daß ſie bei ſeiner Weige⸗ rung einen andern Kaziken zu ihrem Anfuͤhrer auffor⸗ dern wuͤrden. Der General hatte bereits ſeinen Sitz nach San⸗Domingo verlegt, als er die Nachricht von dem bevorſtehenden Aufruhre erhielt. Er ließ weder dem Kaziken Zeit, ſeine Indier zu verſammeln, noch den uͤbrigen Kaziken, ſeinem Beiſpiele zu folgen, ſondern er brach in groͤßter Eile gegen ſeine Feinde auf. Er uͤberfiel in einer Nacht unvermuthet die vie⸗ len 1000 Indier, welche ſich um Guarinoerx ver⸗ ſammelt hatten, hieb viele nieder, und nahm ihn ſelbſt gefangen. Zwar ließ er ihn auf dringendes Bitten von deſſen Unterthanen wieder frei, aber erſt nach ge⸗ hoͤriger Beſtrafung derjenigen, welche ihn zum Er⸗ greifen der Waffen gereizt hatten. Zu gleicher Zeit machten ihm Bohechio und Anacvoana zu wiſſen, ihre Abgabe ſei zur Uebergabe bereit. Hierauf befahl er ſeinem Bruder Don Die⸗ go, er moͤge ſich zu Waſſer nach der Kuͤſte von Pa⸗ ragna begeben, waͤhrend er ſich zu Land dahin ver⸗ fuͤge, um perſoͤnlich das erſte Zeichen der Unterthaͤnig⸗ keit von den Kaziken zu empfangen. Dieſe gingen ihm mit 32 ihrer Vornehmſten entgegen; hinter ihnen folgten ſehr viele Indier, welche theils rohe— theils geſponnene Baumwolle und eine Menge Lebensmittel trugen. Bei der Ankunft des Schiffes im Hafen von 208 Paragua, welcher kaum 2 Meilen von Bohe⸗ chio's Wohnſitze entfernt war, begab ſich dieſer und Anacoana ohne Bedenken dahin. Dieſe hatte nicht weit vom Ufer eine zierliche Wohnung fuͤr den Gene⸗ ral eingerichtet, worin er zu ſeiner groͤßten Verwunde⸗ rung unter andern Geraͤthen auch hoͤlzerne ſo zierlich ausgearbeitete Stuͤhle fand, daß er glaubte, ſie ſeien mit Seide uͤberzogen. Ungeachtet die Fuͤrſtin auch ſchoͤne Nachen beſaß, ſo beſtieg ſie doch des andern Tages ohne Bedeaken die ſpaniſche Barke, deren Schiff das erſte europaͤiſche an dieſer Kuͤſte geweſen iſt. Die Spanier feuerten ihr grobes Gefchuͤtz zum groͤßten Schrecken der Indier ab; je mehr der Gene⸗ ral daruͤber lachte, deſto mehr munterte Anacvana bei dem Schalle der Muſik ihr Gefolge auf. Sie und ihr Bruder nahmen von allen Theilen des Schiffes Einſicht, und wurden in die groͤßte Verwunderung ge⸗ ſetzt, woruͤber der General ſich ſehr freute. Waͤhrend der Adelantade Don Bartholoma ſehr eifrig 1496 das allgemeine Beſte zu befoͤrdern ſuchte, ſchmiedete der vom Admirale ernannte Ober⸗ richter Roldan Pimenes einen Plan, wo⸗ durch die ſpantſche Herrſchaft auf der ganzen Inſel haͤtte zerſtoͤrt werden koͤnnen. Wahrſcheinlich war er ſchon durch Aguado zum Streben nach Unabhaͤngig⸗ keit verleitet worden. So lange der General anwe⸗ ſend war, wurde er durch dieſen im Zaume gehalten; ſobald aber dieſer in der Ferne geraume Zeit beſchaͤftigt 209 war, und der Admiral durch die Naͤnke ſeiner Feinde fo geſtuͤrzt ſchten, daß er nicht wieder kommen koͤnnte, ſo entſchloß ſich Roldan, die Regierung an ſich zu ziehen. Den Handwerksleuten, welche er ſeit Ko⸗ lom b's zweiter Ruͤckkehr fuͤr ſich zu gewinnen wußte, gab er vor, die Kolombe ſtrebten nach unumſchraͤnk⸗ ter Herrſchaft, ſie behandelten die Spanier ſelbſt wie Leibeigene, und ſuchten ſie durch Hunger und Elend in Unterthaͤnigkeit zu erhalten. Darin liege auch der Grund, daß ſo lange Zeit keine Schiffe mit Lebens⸗ mitteln angekommen ſeien; der fuͤr Hiſpaniola beſtimmte Vorrath ſei ohne Zweifel auf eine liſtige Art unterſchlagen worden. Durch dieſe Einfluͤſterungen reitzte er die kuͤhnſten Spanier zu der Forderung, daß man die ſchlechte im Hafen noch befindliche Karavelle ſegelfertig machen, und dem Koͤnige Ferdinand den ſchlechten Zuſtand der Inſel berichten moͤge. Don Diego durchſchaute zwar, als ſie mit großem Ungeſtuͤmme das Schiff ver⸗ langten, den ganzen Plan um ſo mehr, als ſie ſogar den General, wenn ſie ihm begegnen wuͤrden, ermor⸗ den wollten. Doch glaubte er, die Zahl der Aufruͤh⸗ rer moͤchte nicht groß ſeyn, ſobald er den Roldan unter ſchicklichem Vorwande entfernt haͤtte; er uͤber⸗ trug ihm alſo die Anfuͤhrung einiger Mannſchaft zur Erhebung der Abgaben von den Kaziken. Sobald aber dieſer einen Haufen auserleſener Soldaten unter ſei⸗ 6tes B. Indien. I. 2. 6 210 nem Befehle hatte, reitzte er ſie zur Untreue; wer ihm nicht anhaͤngen wollte, den entfernte er, und ſatt die Kaziken zum Gehorſame zu bewegen, ſuchte er die Kolombe bei ihnen verhaßt zu machen, und die Indier gegen deren Befehle zu reitzen. Bei ſeiner Nuͤckkehr nach Jſabella nahm er die Schluͤſfel zum königl. Vorrathshauſe mit Gewalt weg, und verſicherte in des Koͤnigs Namen, ſie duͤrften nicht laͤnger dem Don Diego anvertraut bleiben. Er nahm mit Unterſtuͤtzung ſeiner Soldaten ſo viele Flinten und Lebensmittel heraus, als er zu ſeiner Un⸗ ternehmung noͤthig zu haben glaubte. Ein Gleiches veruͤbte er an den koͤnſgl. Meiereien; er eignete ſich die beſten Heerden zu, noͤthigte Diego, ſich zur Rettung ſeines Lebens in das Schloß zu verſchließen, und zog mit 10 Mann vor die Schanze Konzep⸗ tion, welche er zu uͤberfallen hoffte. Allein der da⸗ ſige Befehlshaber Balleſter verſperrte ihm den Zu⸗ gang. Als der General auf die erſte Nachricht von dieſem Unweſen mit Truppen herbei eilte, hatten die Empoͤrer nicht ein Mal den Muth, ihn zu erwarten⸗ Deſto mehr ſtaunte er uͤber den ſchnellen Fortgang der Empoͤrung, und uͤber den Beitritt einiger anſehnlicher Befehlshaber, z. B. Sscodar's in den Schanzen Magdalene, Moxika und Baldivieſſe; er richtete ſei⸗ nen Marſch aus Bangigkeit fuͤr Don Diego nach Iſabella. Ehe er dahin kam, wurde er ſchon von 211 Balleſter uͤber die Unſicherheit ſeines Lebens ge⸗ warnt; und weil er der Ueberzahl ſeiner Feinde nicht gewachſen zu ſeyn glaubte, ſo kehrte er wieder nach Konzeption zuruͤck, und hoffte den Sturm durch Sanftmuth zu bekaͤmpfen. Er ließ dem Roldan durch Malabar ſo beherzigungswerthe Vorſtellun⸗ gen machen, daß eine Unterredung beider Oberhaͤup⸗ ter in Konzeption ſelbſt, nach beiderſeitiger Ueber⸗ gabe einiger Geiſeln, aus gegenuͤber ſtehenden Feu⸗ ſtern Statt fand; allein durch dieſelbe wurde die Er⸗ bitterung noch groͤßer. Denn Roldan hatte ſich eingebildet, er werde ſich nicht nur der Schanze, ſon⸗ dern auch der Perſon Bartholomaͤs bemaͤchtigen. Als er dieſes vereitelt ſah, begab er ſich zum Kaziken Manicaotex, und erhob die Auflage in Gold. Da er ſeinen Leuten alle Ausſchweifungen geſtattete, ſo vermehrte ſich taͤglich die Zahl ſeiner Anhaͤnger um ſo mehr, als die Beſatzungstruppen immer mehr Hun⸗ ger litten.. Don Bartholoma beſorgte ſchon, daß er bald ganz uͤbermannt werden wuͤrde, als zwei mit Lebens⸗ mitteln beladene Schiffe ankamen, und ihm wieder Muth machten. Dieſe waren die Vorlaͤufer der vom Koͤnige dem Admirale bewilligten acht Schiffe, wel⸗ chen die Flotte bald folgen ſollte. Sie ankerten am 3. Febr. 1498 unter Anfuͤhrung des Oberſtwachtmeiſters Pedro Fernandez von Koronel bei St. Do⸗ 212 mingo. Da der General die ruͤhmlichen Eigenſchaf⸗ ten dieſes Kriegers, und deſſen Ergebenheit fuͤr ſeinen Bruder ſchon kannte, ſo begab er ſich unverzuͤglich zu ihm. Deſſen ungeachtet war Roldan ſo verwegen, gleichfalls gegen San⸗Domingo vorzuruͤcken, in der Hoffuung, die eben angekommene Mannſchaft der Schiffe fuͤr ſich zu gewinnen. Als er ſich von der fruͤ⸗ heren Ankunft des Generales uͤberzeugte, und von den Einwohnern nicht unterſtuͤtzt wurde, ſo lagerte er ſich einige Meilen von der Stadt. Der General aber machte die neuen Beſtaͤtigungs⸗Urkunden der beiden Majeſtaͤten in ſeinem Amte bekannt, woraus zugleich die hohe koͤnigl. Gunſt ſeines Bruders erhellte, wel⸗ cher mit ſechs Schiffen bald wieder kommen wuͤrde. Da er die Herſtellung der Ruhe vor deſſen Ankunft wuͤnſchte, ſo ſchickte er den Oberſtwachtmeiſter Ko⸗ ronel ſelbſt an Roldan, daß er ihn unter voller Vergebung ſeiner Vergehen zum Gehorſam ermahnte. Bei der Annaͤherung wollten die Aufruͤhrer ihn er⸗ ſchießen, ſchimpften ihn Boͤſewicht, und machten ihm Vortwuͤrfe, daß er zur gluͤcklichen Ausfuͤhrung ihrer Plaͤne acht Tage zu fruͤh gekommen ſei. Koronel ließ ſich dadurch nicht abſchrecken, den Anfuͤhrer Rol⸗ dan auf die große Verantwortlichkeit aufmerkſam zu machen, welcher er ſich durch ſeine Empoͤrung ſchul⸗ dig machte. Fuͤr dieſe ſchonenden Aeußerungen ern⸗ kete er von der ganzen Rotte nichts als ott und Verachtung ein. Nach einigen Tagen verbreitete ſich 213 das Geruͤcht, dieſe ſei nach Parag ua gezogen, und hoffe bei dem Ueberfluſſe an Lebensmitteln daſellſt nach Belieben ſchwaͤrmen zu koͤnnen. Roldan eroͤf⸗ nete bei ſeiner Aukunft in dieſer Landſchaft dem Ka⸗ ziken, er ſei gekommen, ihn von der Abgabe loszuſpre⸗ chen, welche man ihm ohne des Koͤnigs Wiſſen auf⸗ gelegt habe. Allein kaum hatte er ſich feſtgeſetzt, ſo erpreßte er weit mehr, als die beſtimmten Abgaben be⸗ tragen haͤtten. Der General aber ließ ihn nach meh⸗ ren vergeblichen Aufforderungen den ſpaniſchen Geſetzen gemaͤß als Aufruͤhrer erklaͤren, und zur gewoͤhnlichen Strafe verurtheilen. Waͤhrend dieſer Ereigniſſe erfuhr man zu St. Domingo, daß die Unterthanen des Kaziken Gua⸗ rinoer, welche von einer Partei wie von der an⸗ dern gedruͤckt wurden, ihn aufforderten, er moͤge die guͤnſtige Uneinigkeit der Spanier zur Abwerfung des Joches benuͤtzen. Allein da dieſer friedfertige Kazik durch ſein Ungluͤck kluͤger geworden war, ſo fluͤchtete er ſich mit einer Menge ſeiner Leute zu den kriegeri⸗ ſchen Cigugyos im noͤrdlichen Gebirge bei dem Cap del Cabron, und wurde oon deren Kaziken Mayobaner ſehr gut aufgenommen. Durch dieſe Flucht verloren die Spanier die Abgabe, wozu er ſich verbindlich gemacht hatte, wofuͤr der General ihn ſtrafen wollte. Er mußte uͤber ein ſteiles Gebirge zie⸗ hen, kam dann in eine von einem großen Fiuſſe be⸗ 214 waͤfferte Ebene, und erblickte bald ein ſtehendes Heer, welches ihn zu erwarten ſchien. Als er ſich ihm naͤherte, wurde er von einem Pfeilhagel der Feinde— jedoch ohne Schaden— uͤberſchuͤttet, wor⸗ auf dieſe in das Gebirge ſich zogen. Ungeachtet er anfangs dieſe nicht verfolgen wollte, ſo faßte er doch nach dem Verluſte einiger Leute, welche zu weit vor⸗ geruͤckt waren, den Entſchluß, ſie zu verfolgan. Bald töͤdtete er einige, und nahm mehre gefangen, von welchen er vernahm, Mayobaner habe ſich mit dem beſten Theile ſeiner Mannſchaft in einem Dorfe verſchanzt, wohin der General ſogleich vorruͤckte. Da er aber unter gegenwaͤrtigen Verhaͤltniſſen die Guͤte der Strenge vorzog, ſo ließ er dem Kaziken die Er⸗ neuerung ſeiner Freundſchaft unter der Bedingung anbieten, daß er den Kaziken Guarinoex auslie⸗ fere. Der ſtolze Kazik erwiederte:„ſein Bundes⸗ genoſſe ſei ein braver Mann, welcher nie Jemanden beleidigt habe, die Spanier aber ſeien Spitzbuben und Straßenraͤuber, mit welchen er keine Freundſchaft ha⸗ ben wolle.“ Mit gleichem Unwillen wies er auch die Antraͤge ſeiner uͤber den Ausgang beſorgten Unterge⸗ benen ab; vielmehr ließ er den Kaziken Guarinver ſogleich zu ſich kommen, und verſprach ihm, eher mit thm zu ſterben, als ihn den Feinden auszuliefern. Er Uieß alle Zugaͤnge des Gebirges beſetzen, und befahl, alle Spanier zu toͤdten. Ungeachtet dieſer Hartnaͤckigkeit ſchickte doch d 215 Don Bartholomaͤ drei gefangene Indier an die Kaziken mit neuen Friedensvorſchlaͤgen zuruͤck, und ruͤckte in der Hoffnung auf Gewaͤhrung naͤher hinzu. Allein, ſtatt eine erwuͤnſchte Antwort zu ertheilen, ließ Mayobaner jene hinrichten, welche die Friedens⸗ Antraͤge uͤbernommen hatten. Daruͤber wurden die Spanier aͤußerſt aufgebracht, und bereiteten ſich zum Angriffe. Auf den erſten Kanonenſchuß liefen alle In⸗ dier in die Gebirge. ungeachtet der General aus Mangel an Lebensmitteln nicht mit allen ſeinen Leu⸗ ten dieſelben verfolgen konnte, ſo drang er doch mit 30 der entſchloſſenſten in die Wildniß, von einem Berge zum andern. Nach zwei Tagen nahm er einige Indier gefangen, welche ihm den Berg verriethen, wohin Mayobaner ſich gefluͤchtet hatte. Sogleich entkleideten ſich 42 Spanier, und bemalten ſich mit rother und ſchwarzer Farbe(vielleicht Rocou), welche aus der Frucht gewiſſer Baͤume(Bixa) genommen wird. Sie nahmen keine andere Waffen zu ſich, als ihre Degen, welche ſie in Palmblaͤtter einwickelten, und erreichten ſo unter Anfuͤhrung der Gefangenen den Zufluchtsort des Kaziken, wo er von feiner Frau und den Kindern umgeben war. Kaum zegen ſie ihre Degen vor ſeinem Angeſichte aus den Palmblaͤttern, ſo erſchrak der Kazik ſo ſehr, daß er nicht den gering⸗ ſten Widerſtand leiſtete, ſondern ſich zum Gene⸗ rale fuͤhren ließ, welcher ihn nach Konzeption be⸗ foͤrderte. 216 Auf dieſem Wege trafen die Spanier eine ſehr ſchoͤne Indierin, welche die Gemahlin eines der Vor⸗ nehmſten, und die Muhme von Mayobaner war. Ihr Mann, welcher ſich ebenfalls in das Gebirge ge⸗ fluͤchtet hatte, wurde uͤber ihre Entfuͤhrung ſoraſend, daß er dem Generale ſogleich nacheilte, und mit Thraͤnen im Auge um die Ruͤckgabe ſeiner Frau bat, fuͤr welche er ſein Leben zu opfern bereit ſei. Der General wurde durch die unerwartete Empfindſamkeit des Indiers ſo geruͤhrt, daß er ihm ſeine Gemahlin ohne Loͤſegeld ſogleich zuruͤck geben ließ; doch dieſes wurde bald reichlich erſetzt. Der gutmuͤthige Indier kam naͤmlich mit einigen 400 ſeiner Untergebenen bald wieder, deren jeder einen im Feuer gehaͤrteten Pfahl (Caos) trug, womit ſie die Erde umgruben. Er bat um die Anweiſung eines Stuͤck Landes, welches ſie ſogleich umgruben, worauf der General dann Ge⸗ treide ſaͤen ließ. Dieſes Beiſpiel ermunterte die Un⸗ tergebenen von Mayobaner fuͤr deſſen Freiheit ein Gleiches zu verſuchen. Sie erſchienen zahlreich, mit vielen Geſchenken, und verſprachen, der Krone Spa⸗ niens zu gehorchen. Allein der General fand die Schaͤrfe noͤthig, um die uͤbrigen Kaziken im Zaume zu halten; er gab alſo den Ciguayos alle Fami⸗ lienglieder des Kaziken zuruͤck, ihn ſelbſt aber behielt er. Dieſe ſcheinbare Haͤrte reitzte ſie ſo ſehr, daß ſie den Kaziken Guarinoer, als die Quelle ih⸗ res Ungluͤcks, den Spaniern uͤbergaben. Letzterer ließ ſich im Chriſtenthume unterrichten, weßwegen ſein Leben geſchont wurde; aber Mayobaner wurde mit allen bei einem ſpaniſchen Blutgerichte gewoͤhn⸗ lichen Umſtaͤnden verurtheilt, und auf die grauſamſte Art als gemeinſchaftliches Opfer gehenkt. 93 218 II. Rei ſe Chriſtoph Kolomb's; 1498. J. Der Admiral hatte bisher mit dem innigſten Schmerzgefuͤhle vernommen, wie das Gedeihen der neuen Kolonie durch innern Zwiſt gehemmt wurde; er drang alſo um ſo mehr auf die baldige Ausruͤſtung der neuen Flotte in den ſpaniſchen Haͤfen. Allein die⸗ ſelbe wurde durch fortdauernde Naͤnke der naͤmli⸗ chen Maͤnner verhindert, welche ſeine erſte Unterneh⸗ mung am meiſten zu unterſtuͤtzen ſchienen. Bloß der Koͤnig und die Koͤnigin blieben ihm ununterbrochen ergeben, und beſtaͤtigten nicht nur alles, was ſie fruͤ⸗ her ihm bewilligt hatten, ſondern geſtatteten ihm auch die Auszeichnung einer Landſchaft von s0 Meilen in der Laͤnge, und 2s in der Breite auf der Inſel Hi⸗ ſpaniola, welche er als Herzog oder Marquis be⸗ ſitzen koͤnnte. Doch dieſe Gnade lehnte er ab, um den Neid der Großen nicht noch mehr zu reitzen. Deß⸗ wegen wurde er durch beide Majeſtaͤten von der Ver⸗ bindlichkeit losgeſprochen, den achten Theil der Aus⸗ ruͤſtungskoſten zu tragen, indem die Entdeckung der Inſeln Cuba und Jamaika keinen Vortheil ge⸗ waͤhrte. Auch bewilligten ſie ihm in ſeiner Admiral⸗ ſchaft alle Rechte und Vorzuͤge der ſpaniſchen im Va⸗ terlande. Auf die vielen Klagen und Beſchuldigungen ſeiner Feinde empfahlen ſie ihm bloß ſanfte Mahre⸗ geln ſtatt der ſtrengen, ſo lange dieſelben ſich mit der Gerechtigkeit vereinbaren ließen. Die drei Schiffe, welche er bei ſeiner Ruͤckkehr nach Kadix unter Segel gehen ſah, waren am 20. Okt. 1496 zuruͤck gekommen, und hatten jene 300 Indier mitgebracht, welche ſein Bruder nach Spanien ſchickte. Der Kommandant derſelben, Alfonſo Nigno, hatte aus boͤſer Abſicht nach Hof geſchrieben, daß er viel Gold mitbringe; nachdem man dieſes mit Unge⸗ duld erwartet hatte, erſchienen die 300 Letbeigenen. Kolom's Feinde benutzten Nigno's Vorgeben zur ſchnellen Verwendung der zur Ausruͤſtung der Flotte beſtimmten Gelder fuͤr einen andeen Zweck, indem dieſe durch deſſen Gold erſetzt wuͤrden. Da aber kei⸗ nes mitgebracht wurde, ſo iſt die Ausruͤſtung gehemmt, und das Geruͤcht veranlaßt worden, alle Hoffnungen auf Indien feien ungegruͤndet. So wurden die Ma⸗ 220 jeſtaͤten ſelbſt ſo verſtiumt, daß ſie oͤffentlich ſagten: die Empoͤrung der 300 Indier ſei nur Folge zu großer Haͤrte geweſen. Dadurch wurde der Admiral gen ö⸗ thigt, ſeinen Bruder zu tadeln, und einſtweilen, bis wieder Geld augewieſen wuͤrde, die fruͤher erwaͤhnten beiden Schiffe unter Pedro Fernandez von Ko⸗ ronel au zuruͤſteu. Gluͤcklicher Weiſe wurde gleich⸗ zeitig der Dechant von Sevilla, Joh. Rodri⸗ guez von Fonſeka, welchem Erzfeinde Ko⸗ lomb's bisher die Sorge fuͤr die Aus Bruͤſtung der Schiffe anvertraut war, zum Biſchofe von Bada⸗ joz befoͤrdert, und deſſen Amt dem Anton von Torres, welcher die Flotte der zweiten Fahrt nach Spanien zuruͤck gebracht hatte, uͤbertragen. Dieſe Veraͤnderuug war den Anſtalten einige Zeit guͤnſtig, welche neue Hinderniſſe fanden, als der Tod des Koͤ⸗ nigs Johann von Portugal und des Kronprinzen von Spanien eintrat. Da Torres zugleich einige dem Hofe mißfaͤllige Vorſchlaͤge gemacht hatte, ſo wurde der Biſchof von Fonſeka zu Badajoz zum Gutachten aufgefordert, welcher aus alter Mifgunſt die ganze indiſche Unternehmung zu vereiteln ſuchte. Doch hatte Kolomb ſich noch immer in der Gunſt der Koͤnigin erhalten, welche endlich dringende Be⸗ fehle ertheilte, daß die Flotte in ſegelfertigen Stand geſetzt werden ſollte. So konnte alſo der Admiral am 30. Mai 1498 mit 6 Schiffen abſegeln, und 1. Juni nach Porto⸗Santo — 221 kommen, ohne der portugieſiſchen Flotte zu begegnen, welche er am Vorgebirge St. Vincent zu treffen vermuthete. Nachdem er dort ſich mit Waſſer wieder verſehen hatte, ſegelte er nach Madeira. Am 19. ankerte er bei der Inſel Gomeraz da er daſelbſt er⸗ fuhr, ein frantoͤſiſches Kriegsſchiff habe zwei ſpauiſche Karavellen weggenommen, ſo ſegelte er demſelben entgegen, und nahm eine wieder weg. In der Naͤhe der Inſel Ferro kam er auf den Entſchluß, neue Entdeckungen zu machen; weßwegen er nur drei Schiffe geraden Weges nach Hiſpaniola ſendete. Das erſte unter der Leitung Alfonſo Sauche; von Karvajal, eines hochgeachteten Offiziers; das zweite unter Pedro d'Arana, eines Verwandten des Befehlshabers in der von Caunaboa zerſtoͤrten Schanze Natividad; und das dritte unter Joh. -Anton Kolomb, einem Verwandten des Admi⸗ rals aus Genua. Dieſe drei Hauptleute ſollten die Stelle des oberſten Befehlshabers unter ſich wechſeln laſſen. Er gab ihnen die Weiſung, ungefaͤhr 800 Meilen von Oſt nach Suͤd, dann auf Weſt⸗Nord⸗Weſt zu ſegeln, um die Inſel Porto⸗Ricco zu finden, wovon ſie leicht nach San⸗Domingo kommen wuͤrden. Er verſah ſich mit alem Noͤthigen fuͤr eine weite Neiſe, und fuhr vorerſt nach Ferro, der weſtlichſten unter den kanariſchen Inſeln. Er wollte bis an die Linie nach Suͤd, dann bis nach Suͤd⸗Oſt weſtlich von 222 Hiſpaniola ſegeln, und hegte die Hoffnung, In⸗ ſeln oder feſtes Land zu finden. Zwar war ihm dieſe Gegend nach ganz unbekannt; allein er hatte von den Einwohnern dieſer Inſel vernommen, daß ſie einſtens von ſchwarzen Menſchen beſucht worden ſeien, welche mit Spießen bewaffnet waren, und dieſe ſeien mit ſchoͤnem Metalle(Guanin) beſchlagen geweſen. Sol⸗ che Lanzenſpieße hatte er auch als eine Seltenheit nach Spanien geſendet, wo man 5—s Mal ſo viel Gold, als Silber und Kupfer darin finden wollte. Er hegte die Meinung, die weite Reiſe von Afrika bis an die antilliſchen Inſeln ſei nicht auf den ge⸗ ringen Fahrzeugen der Afrikaner zu machen; folglich muͤßten die ſchwarzen Menſchen viel naͤher wohnen. Von der Inſel Ferro wendete er ſich gegen das gruͤne Vorgebirge; am 27. Juni ſah er die Juſel Sal, dann Bueno⸗Viſta, und am 30 ankerte er bei St. Jago, damit er einiges Vieh aufnehmen, und nach Hiſpaniola befoͤrdern koͤnnte. Da einige ſeiner Leute krank wurden, ſo hielt er die ſchlechte Luft dieſer Inſel gefaͤhrlich; er ſegelte alſo bald wieder ab. Am 4. Juli ließ er bis auf fuͤnf Grade noͤrdlicher Breite gegen Suͤd⸗Oſt ſteuern. m 13. war bei hoͤchſt truͤbem Himmel eine ſolche Hitze, daß das Theer ſchmolz, daß Waſſer uͤberall in das Schiff drang, und die Lebensmittel verdorben ſiud. Das Getreid branute ganz hell, der Speck vertroͤfelte, und der Wein wallte kochend aus den zerſprungenen Faͤſſern. Obſchon der Admiral gleichzeitig vom Gichte an dem Fuße gequaͤlt, und von der Auſtrengung ſehr ermattet war, ſo wollte er doch noch weiter gegen Suͤd ſegeln, ehe er ſich nach Weſt wendete. Bis zum 21. Juli blieb er ſeinem Vorſatze getreu; allein Mangel an Waſ⸗ ſer noͤthigte ihn, auf Nord gegen Oſt zu ſegeln, um an die karaibiſchen Inſeln zu kommen. Am 22. Juli ſah er ſehr viele Voͤgel von Oſt⸗Suͤd⸗Oſt nach Nord⸗Oſt ziehen, woraus er auf ein nahes Land ſchloß. Deſſen ungeachtet aͤnderte er ſeinen Lauf, und am 31. Juli entdeckte der Matroſe Perez aus Huelva im Maſtkorbe drei Berge auf 15 Meilen. Bei der Annaͤherung erblickte der Admiral am 1. Auguſt ein Vorgebirge Coſta im Weſten, an deſſen Fuße ein Hafen ſich oͤffnete, welcher von einem Felſen, in Ge⸗ ſtalt einer Galeere, gebildet wurde, weßwegen er ihn Galera nannte. Da er aber nicht einlaufen konnte, ſo drehte er ſich · Meilen weiter gegen Suͤd, wo er zwar keinen Hafen, aber die Kuͤſte bis an das Meer mit Baͤumen bewachſen ſah. Nach der dreiſpitzigen Form nannte er die Inſel Drefaltigkeit(Trinidad)*). Am paͤchſten Tage *) Neiſe nach den Inſeln Trinidad, Tabago und Margaretha, wie in verſchiedene Theile von Venezuela in Suͤd⸗Amerika von J. J. Dau⸗ rion Lavayſſe, uͤberſetzt und mit Noten verſe⸗ den, von Zimmermann. Mit einer Karte. eimar, 1816. 8. Ein vortreffliches Werk! 224 ſegelte er s Meilen weſtlich an der Kuͤſte bis zu einer Landzunge, welche Waſſer darbot, und Punta de la Plaga genaunt wurde. Bei der Landung fanden die Spanier menſchliche Fußſtapfen und verſchiedene Ge⸗ raͤthe. Zwanzig Meilen gegen Suͤd glaubten ſie⸗ eine Inſel zu ſehen, welche ſie Isla Santa nannten. Das Beduͤrfniß eines Hafens trieb ſie des andern Tages nach einem im Weſten gelegenen Vorgebirge Punta del Arenal, worauf ſie ſich unvermuthet in einem großen Buſen la Vallena befanden. Die Laͤnge der Inſel von Galera bis Punta del Are⸗ nal betrug wenigſtens 4s Meilen. Er ließ vorerſt ei⸗ nige Leute an das Land ſetzen, deren Beiſpiele er aus Unpaͤßlichkeit folgte. Bald trat ein Indier ganz arg⸗ los ihm entgegen, nahm ſein Baret aus karmoiſinro⸗ them Sammet vom Kopfe, bedeckte ſich ſelbet damit, und ſetzte dafuͤr dem Admirale eine goldene Krone auf, welche er getragen harte. Man hielt ihn fuͤr den Kaziken der Inſel, ungeachtet er allein war. Am naͤmlichen Tage naͤherte ſich den Schiffen ein großer Nachen mit 25 jungen und ſchoͤn gewachſenen In⸗ diern, welche weißer, als die Bewohner der antil⸗ liſchen Inſeln waren. Ihre Haupter waren mit buntem baumwollenen Tuche umwunden, und der vordere Koͤrper vom Guͤrtel bis an die Knie mit einem aͤhnlichen Tuche bedeckt. Sie hatten lange und auf ſpaniſche Art geſchnirtene Haare, u d waren mit Bo⸗ gen, Pfeil und Schild bewaffnet. Zur Einſchuͤchterung der Indier ließ er einige Kanonen abfeuern, uͤber de⸗ ren Knall ſie ſo ſehr erſchracken, daß die Ruder ihren Haͤnden entſtelen. Aus ihrem eifrigen Geſpraͤche ſchloß man auf ihren Streit uͤber die Fremden. Man zeigte ihnen verſchiedene europaͤiſche Taͤndeleien, wodurch ſie angelockt werden ſollten. Da ſie noch immer be⸗ ſtuͤrzt blieben, ſo ließ der Admiral einige Juͤnglinge unter dem Schalle von Trompeten und Pfeifen tan⸗ zen. Allein die Indier hielten dieſen Laͤrm fuͤr eine Aufforderung zum Kampfe, bedeckten ſich mit Schil⸗ den, und ſchoßen ſehr viele Pfeile ab. Erſt nachdem man zu ihrer wiederholten Einſchuͤchterung einige Schuͤſſe gemacht hatte, legten ſie die Waffen nieder, und naͤherten ſich dem hintern Theile der Flotte. Der Steuermann ſtieg in ihren Nachen hinab, und machte ihnen einige Geſchenke; ſie luden ihn zwar zur Begleitung an das Land ein, allein waͤhrend er dazu ſich Erlaubniß erbat, ruderten ſie eilig hinweg. Keine Erſcheinung ſetzte den Admiral in groͤßere Verwunderung, als die große Kaͤlte an dieſer Kuͤſte, welche er in den Hundstagen bis 10 Grade von der Linie beobachtete. Auch bemerkte er einen ſehr reißen⸗ den Lauf der Stroͤme gegen Weſt, und daß die Ebbe und Fluth einen Raum von 60 Schritten mehr brauch⸗ te, als zu St. Lukar de Barameda. Da er im Meerbuſen Vallena weit und breit nichts als Waſ⸗ ſer vor ſich ſah, ſo hielt er einige vor ihm befindliche Landſpitzen fuͤr kleine Inſeln, ungeachtet ſie zum fe⸗ 6tes B. Indien I. 2. 7 226 ſten Lande gehoͤrten; eine derſelben nannte er Grat ia. Endlich ſegelte er unter ſteter Gefahr wegen der reiſ⸗ ſenden Stroͤme durch den nur zwei Meilen breiten Kaual, nannte ihn Schlangen⸗Rachen(Bocca di Serpente), und kam, ohne es zu ahnen, an das feſte Land. Die Kuͤſte kam ihm ſehr aumuthig vor; er nannte ſie Paria; die Fruͤchte glichen jenen auf Hiſpaniolaz es gab ſehr viele und große Auſtern und Fiſche. Bald bevbachtete er, daß das Ein ſtuͤrzen des Fluſſes Orinoko*), Oronveo, Orenoco, welcher in dieſer Gegend damals auch Nuyapari oder Affenfluß genaunt wurde, in dem Meerbuſen die außerordentliche Bewegung der See bewirkte. An einer andern Muͤndung, welche durch ein Vorge⸗ birge gebildet wird, das er, weil es nicht weit in die See geht, Boto oder das Stumpfe nannte, ſah er zwei kleine Inſeln, die Schnecke und das Meer⸗Schwein(El Coracol und El Delſin), wie er das ſpaͤter entdeckte Lapa(Schimmel oder Kahn) eteichnete. Von der Spiitze deſſelben ſah er in einer Entfernung von 26 Meilen gegen Nord⸗Oſt ein ſehr hohes Land, Bella Forma. Die vielen Vertiefun⸗ gen dieſer Gegend, welche er fuͤr eben ſo viele Kanaͤle oder Durchfahrten hielt, taͤuſchten ihn bis zum Irr⸗ *) Die vom Jeſuiten Gumilla 1721 unter dem Titel„Orinoco illustrado“ erſchienene Beſchrei⸗ bung enthaͤlt ſehr viele Unrichtigkeiten. thume, die ganze Umgebung beſtehe aus Inſeln. Vom Vorgebirge Lapa ruͤckte er noch etwa fuͤnf Mei⸗ len fort, und bemerkte mehre ſchoͤne, und nicht weit von einander entfernte Haͤfen. Er ſchickte einige Ma⸗ troſen an das Land, wo ſie Feuer, Fußtritte und eine unbedachte Huͤtte fanden. Auf der weitern Fahrt von acht Meilen bemerkte er wieder mehre gute Haͤ⸗ fen, bebautes Land, viele Baͤche und Fluͤſſe, vortreff⸗ liche Trauben und andere Fruͤchte. Nachdem er noch fuͤnf Meilen zuruͤck gelegt hatte, ſah er am 6. Auguſt einen Nachen mit fuͤnf Indiern, welche ſich auf die Winke ſeiner Leute naͤhern woll⸗ ten. Allein ein Windſtoß warf den Nachen um, und die Indier mußten durch Schwimmen ſich zu retten ſuchen. Vier derſelben wurden aufgefangen; ſie wa⸗ ren gleichfaͤrbig mit den uͤbrigen. Er beſchenkte ſie mit Schellen und Glaskorallen, welche ſie freudetrun⸗ ken an das Ufer brachten. Bald kamen ſie in Beglei⸗ tung vieler anderer wieder, und brachten Schilde, Bogen, Pfeile, Brod, Waſſer, verſchiedene Speiſen nebſt einem weißen und gruͤnen Getraͤnke. Der Ein⸗ ladung, in die Barke zu kommen, folgten ſie, ſobald ſie dieſe und die Matroſen angeblaſen hatten. Man ſchenkte ihnen verſchiedene Gegenſtaͤnde, von welchen ſie nur Schellen und Stuͤckchen von Meſſing achteten. Ihre Koͤpfe und Huͤften waren mit baumwollenen ſchoͤn gearbeiteten Duͤchern von verſchiedener Farbe umwunden. Bei dem Anbruche der Nacht ſchwam⸗ 228 men ſie eilig zuruͤck, ſo gerne auch der Admiral einige bei ſich behalten haͤtte. Erſt des andern Tages ſchloſ⸗ ſen ſich ſechs zur weitern Reiſe nach dem Vorgebirge Punta del Aguja an, welches eine ſchoͤne Gegend darbot, weßwegen er ſeinen Landungsplatz, die Gaͤr⸗ ten(Los Jardinos) nannte. Er genoß eine unvergleich⸗ lich ſchoͤne Ausſicht, nahm auch viele Haͤuſer mit Ein⸗ wohnern wahr, welche aber keine Goldbleche um den Hals trugen. Von der Punta del Aguja gegen Suͤd ſah er noch eine Spitze, welche er irrig fuͤr eine Inſel hielt, und Sabeta nannte; auch gegen Abend wurde er von einem Stuͤckchen des feſten Landes auf gleiche Art getaͤuſcht. Kaum hatte er bei Los Jardinos geankert, ſo wurden ſeine Schiffe von ſehr vielen Nachen mit Ju⸗ diern umgeben, welche Goldbleche in der Form eines Hufeiſens am Halſe trugen, die ſie ſehr willig gegen eine Schelle vertauſchten. Er haͤtte gerne dieſen Tauſch lange fortgeſetzt, allein er hatte keine Schellen mehr, und mußte auf andere Mittel denken, die In⸗ dier an ſich zu feſſeln, welche immer zahlreicher in Nachen herbei kamen, und Gold theils in Koͤrnern, theils in Halsgehaͤngen brachten, wovon ein Stuͤck ſo groß wie ein Apfel war. Auch erſchienen Weiber mit Perlenſchnuͤren auf den Armen belaſtet; auf des Ad⸗ mirals Frage nach dem Orte, woher ſie dieſe Schaͤtze hslten, zeigten ſie ihm Muſcheln, worin Perlen ſich bilden, und machten durch Zeichen verſtaͤndlich, daß dieſe an der Weſtſeite, hinter dem Vorgebirge Lapa, zwiſchen der Spitze und dem feſten Lande, in großer Menge zu finden ſind. Dieſe Indier benahmen ſich ſehr beſcheiden, waren ſchoͤn gewachſen, und weißer als andere, ihre Haare zierlich geſchnitten, und ihre Koͤpfe mit Tuͤchern umwunden. Als er am 10. Auguſt weiter ſegelte, benannte er zwei andere Stuͤcke Landes, welche er wieder fuͤr In⸗ ſeln hielt, IJfabella und Tramontana. Am 11. fuhr er gegen OÖſt, und zwar in der Hoffnung, zwiſchen die Spitze Paria und die gegenuͤber liegen⸗ den Kuͤſte zu kommen, quer uͤber den Seebuſen. Am 13. lief er in einen ſehr ſchoͤnen Hafen, welchen er, weil er viele Affen fuͤr Katzen in der Ferne anſah, Puerto de Gatos nannte. Dieſer liegt an der Muͤndung Nuyapari des Fluſſes Orinoko, worin die Inſeln El Caracol und El Delfin ſich beſin⸗ den. Nicht weit davon ſah er wieder einen Hafen, welchen er wegen der vielen daran befindlichen Huͤtten Puerto de las Cabanas nannte. Am 14. lief er am Vorgebirge Lapa voruͤber, um den Buſen auf der Kordſeite zu verlaſſen. Von der aͤußerſten Spitze der Kuͤſte Paria bis zum Vorgebirge Boto, welches im Nord⸗Weſt von Trinidad liegt, iſt nur eine Entfernung von zwei, weiter oben aber von fuͤnf Meilen. Als die drei Schiffe einliefen, tobten und ſchaͤum⸗ ten die Wellen durch den gleichzeitigen Kampf des 230 Stromes und der Fluth ſo ſehr, daß große Gefahr drohte; denn die Wellen rißen die ausgeworfenen Anker fort. Zwar hatte die See, bei der Fahrt durch den Schlangenrachen in den Buſen, nicht weniger als hier getobet; alleim damals war der Wind guͤnſtig, hier aber legte ſich der Wind ploͤtzlich, und man wußte kein Mittel, vorwaͤrts oder ruͤckwaͤrts zu kommen. Der Admiral, von der großen Gefahr uͤberzeugt, wuͤnſchte ſich die Beguͤnſtigung des Himmels, dieſem Schlunde eines Drachen zu entkommen, welche Benennung ſich erhielt. Endlich verlor die Fluth ihre Gewalt, und der Strom des ſuͤßen Flußwaſſers trieb die drei Schiffe auf die hohe See. Von dem zuerſt entdeckten Lande der Dreifal⸗ tigkeit bis an den Meerbuſen, welcher Perlen⸗ Bucht genannt wurde, zaͤhlte der Admiral 30 See⸗ meilen. Er folgte dem Lande, welches er fuͤr die Ju⸗ ſel Gratia hielt, und umſegelte den Buſen auf der Nord⸗ und Suͤdſeite, um ſich zu uͤberzeugen, ob die Meinung ſeiner Steuermaͤnner, daß die große Menge Waſſer aus mehren Fluͤſſen ſich vereinige, gegruͤndet ſei. Denn er glaubte, weder fuͤhre irgend ein Fluß der Welt ſo viel Waſſer mit ſich, noch koͤnnten die kleinen von ihm geſehenen Landſchaften ſo viel Waſ⸗ ſer liefern, wenn dieſe nicht zum feſten Lande gehoͤr⸗ ten. Er fand viele vortreffliche Seehaͤfen an der Kuͤſte, anch viele Vorgebirge, welche er alle bezeichnete, z. B. Cabo de Conchas(das Vorgebirge der Muſcheln), 231 Cabo Luengo(das Vorzuͤgliche), Cabo de Sa⸗ bor(des Vergnuͤgens), Cabo Rieco das reiche). Gleich bei dem Auslaufen aus dem Kauale entdeckte er in einer Entfernung von 26 Meilen noͤrdlich eine Inſel, welche er Aſſomption(Himmelfahrt) nann⸗ te; eine andere Konception(Empfaͤngniß), drei andere Los Teſtigos(die Zeugen), eine andere Cabellos el Romero, vier kleine Inſeln Las Guardas(die Aufſeher), und die naͤchſte derſelben Margaretha. An dieſe graͤnzen gegen Oſt⸗Suͤd⸗ O drei kleine, und im Nord gegen Suͤd noch zwei, deren drei groͤßte er zwar El M artinete(den Eis⸗ vogel), Cubagua(eine Kufe Waſſer), und Coche (eine Kutſche) nannte, welche aber ihre Namen nicht behielten. Waͤhrend er etwa 40 Meilen dieſſeits des Drachen⸗Schlundes fortſegelte, und die Laͤnge der Kuͤſte gegen Weſt in Erwaͤgung zog, ſteigerte ſich ſeine Vermuthung zur Ueberzeugung, dieſer große Strich Landes ſei keine Inſel, ſondern feſtes Land. Am 1. Auguſt ſprach er dieſelbe aus; folglich bleibt ihm die Ehre der erſten Entdeckung Amerika’s unge⸗ ſchmaͤlert. Er konnte ſich nicht genng wundern, daß er in einer ſo großen Entfernung vom feſten Lande noch ſuͤ ſ⸗ ſes Waſſer fand, und eine ſehr maͤßige Luft nahe bei der Linie empfand, welche man damals fuͤr unbewohn⸗ bar gehalten hatte. Nach ſeiner bisherigen Erfahrung wich die Magnetnadel etwa 100 Meilen von den azo⸗ 232 riſchen Inſeln, und auf eben dieſer Hoͤhe von Nord gegen Suͤd, um einen Kompaßſtrich gegen Nord⸗ Weſt ab. Die Luft wurde immer milder und heite⸗ rer, und das Land ſchoͤner und fruchtbarer, je weiter er gegen Weſt fortſegelte. Er kam daher auf den Wahn, das irdiſche Paradies ſei nahe, das Meer er⸗ hebe ſich unmerklich gegen den Himmel, die Erde ſei nicht rund, und bei weiterem Fortſegeln wuͤrde er den Gipfel einer Hoͤhe erreichen, wo das Ende der Welt ſei und das Parad s ſich eroͤffne. Er bildete ſich ein, die Erde gleice einem weiblichen Buſen, und einer halben Birne, die Spitze ihres Poles ſtehe gerade in die Höohe, und dieſe Spitze ſei erhabener, der Luft und dem Himmel naͤher, die er beginne unter der Linie, und oben auf dieſer Spiitze ſei das irdiſche Paradies. Er glaubte ſogar, das ſuͤße Waſſer, wel⸗ ches er in einer Entfernung von 50 Seemeilen ſo uͤberfluͤſſg und mit ſo gewaltigen Stroͤmen antraf, fließe aus der Quelle, deren die Bibel erwaͤhnt, daß ſie den Ort des Vergnuͤgens bewaͤſſert habe. Er waͤhnte, daſſelbe verſenke ſich in den Meerbuſen, und erzeuge unter der Erde und unter dem Boden des Meeres jene vier großen Fluͤſſe, wovon die Buͤcher Moſes ſprechen. Er wurde unterdeſſen ſo unpaͤßlich, daß er ſelbſt ſein Tagebuch nicht einmal fortſetzen konnte, ſondern dieſes den Steuermaͤnnern uͤbertragen mußte. Er entſchloß ſich nach Hiſpaniola zu ſegeln, und ließ 7 233 8 deßwegen nordoͤſtlich gegen Nord ſteuern. Nach ſei⸗ ner ſteten Aufmerkſamkeit auf alle Erſcheinungen be⸗ merkte er, daß auf ſeiner Fahrt zu 300 Meilen gegen Oſt von den Kanarien⸗In ſeln nach Hiſpa⸗ niola die Magnetnadel nordoͤſtlich war, und der Nordſtern nur fuͤnf Grade uͤber dem Geſichtskreiſe ſtand; dagegen auf der jetzigen Fahrt die Nadel an⸗ fangs gar nicht abgewichen war, dann ploͤtzlich um 1½ bis 2 Striche, d. i. um 3 Wind, nordoͤſtich ſich ge⸗ wendet hatte. Eben ſo nahm er tahr, daß der Nord⸗ ſtern auf dem 14. Grade ſtand, wenn die ſogenannten Waͤchter 2½ Stunden langz jenſeits ſeines Kopfes wa⸗ ren. In ſeinem erſten Schreiben an die koͤnigl. Maje⸗ ſtaͤten bat er, dieſe neuen Beobachtungen der Forſchung der Gelehrten vorzuͤglich zu empfehlen. Er verſicherte zugleich, er habe Gegenden getroffen, wo gediegene Goldſtuͤcke von 20 Unzen, Kupfer von 150 Pfunden, Laſur, Ambra, Baumwolle, Pfeffer, Zimmet, Storax, Citrin, Aloe, Ingwer, Weihrauch, verſchiedene Gat⸗ tungen von Mirabolanen, Cabuya und Rippenkraut, aus welchem ſehr feine Leinwand gewebt werden koͤnnte, in Menge gefunden habe. Da er aber nicht auch der ſo zahlreichen Perlen in dieſem Schreiben erwaͤhnte, ſo zogen ſeine Gegner daraus den Verdacht, daß er dieſe Koſtbarkeit dem Hofe habe entziehen, und ſich allein zueignen wollen. Bei ſeiner Ausfahrt aus dem kleinern Meerbu⸗ ſen bei der Inſel Margaretha am 1s. Auguſt ſah 234 er die Indier ſehr ſchoͤne Perlen fiſchen. Durch ſehr guͤnſtigen Wind war er am 19. Aug. ſchon der Inſel Beata, aus Unvorſichtigkeit ſeiner Steuermaͤnner, auf 25 Meilen jenſeits San⸗Domingo genahert. So gerecht ſeine Unzufriedenheit uͤber dieſes Verſehen ſeiner Leute war; ſo ſah er doch auch die hinlaͤngli⸗ che Entſchuldigung durch die noch unbekannten Sand⸗ baͤnke ſowohl, als durch die Stroͤme gegen Weſt ein, wodurch die Schiffe ſehr weit von ihrer guten Bahn abgeleitet wurden. Als er in einer Entfernung von zwei Meilen zwiſchen Beata und Hiſpaniola ſegelte, ließ er einige Barken, zur Befoͤrderung eines Schreibens durch einige Indier an ſeinen Bruder Bartholoma landen. Da er in den Haͤnden der Indier ſpauiſche Flinten ſah, ſo wurde er aͤngſtig durch die Erinnerung an das fruͤhere Ungluͤck der er⸗ ſten Pflanzſtadt. Doch gluͤcklicher Weiſe hatte der Adelantade drei Schiffe ſchon unterhalb San⸗ Domingo geſehen, und deßwegen ſogleich ein Schiff entgegen geſendet. Am 22. Aug.(nach Spotorno 30.) zog der Admi⸗ ral unter großem Freudengeſchrei und vielen Ehren⸗ bezeigungen in San⸗Domingo ein; doch ſeine Freude wurde bald durch die traurigen Nachrichten von der langwierigen Noth und innerlichen Uneinig⸗ keit ſowohl, als von dem Tode des groͤßten Theiles ſeiner zuruͤck gelaſſenen Mannſchaft, von dem ſchreck⸗ lichſten Zuſtande 4150 ſyphilitiſcher Kranken, und 235 von der noch nicht erfolgten Ankunft der drei Schiffe, welche er voraus geſchickt hatte, ſehr verbittert. Die Stroͤme naͤmlich, deren Gewalt den Steuermaͤnnern noch nicht bekannt war, hatten die Schiffe uͤber 170 Meilen weit vor dem Hafen von San⸗Domingo voruͤber gefuͤhrt. Da ſie den Weg nicht zuruͤck neh⸗ men konnten, ſo befanden ſie ſich an der Kuͤſte von Paragua, nicht weit von dem Aufenthaltsorte der Rotte Roldan's. Bei der Landung erſchracken die Empoͤrer uͤber die Ankunft der Schiffe, in der Mei⸗ nung, dieſe haͤtten feindliche Abſichten gegen ſie; ſo⸗ bald ſie von dem wahren Zwecke derſelben unter⸗ richtet waren, kamen ſie an Bord, ohne von ihrem Aufſtande das Geringſte zu erwaͤhnen. Zwar erkun⸗ digten ſie ſich nach dem Admirale, erquickten ſich mit den aus Spanien geſendeten Lebensmitteln, und ga⸗ ben den drei Schiffshauptleuten vor, es ſei hoͤchſt be⸗ ſchwerlich, gegen den Wind und die von Weſten trei⸗ benden Stroͤme auf San⸗Domingo zu ſegeln; deßwegen ſei nichts raͤthlicher, als einen Theil der Kranken und Handwerksleute zu Land dahin iu ſchicken. Der ganz argloſe Hauptmann, Joh. Anton Kolomb, wurde daher von ſeinen beiden Kollegen erſucht, die 40 an das Land geſetzten Leute anzufuͤh⸗ ren. Aber kaum waren ſie ausgeſtiegen, ſo machte Roldan eine ſo ſchreckliche Beſchreibung von der Laͤnge und den Beſchwerden des Weges, ſtellte die — ² muͤhſame Arbeit in den Berswerken, den drohenden Hunger und das in den Schanzen herrſchende Elend ſo ſchrecklich vor, ſchilderte den Uebermuth und die Hartherzigkeit der Kolombe ſo abenteuerlich, und ſchmeichelte ihnen mit einer ſo glaͤnzenden Zukunft, wenn ſie in ſeiner mit Allem uͤberfluͤſſig verſehenen Landſchaft bleiben wollten, daß er keiner weitern Kunſtgriffe zur Verfuͤhrung dieſer Menſchen bedurfte, deren groͤßter Theil zum Dode oder zu ſehr harten Strafen in Spanen verurtheilt war. Doch acht blie⸗ ben ihrem Anfuͤhrer treu, und kehrten mit ihm auf die Schiffe zuruͤck. Erſt aus dieſem Vorgange wurde der Schiffsrath von Roldans Untreue uͤberzeugt. Nachdem er die Irregefuͤhrten wieder zu gewinnen vergebens ſich bemuͤht hatte, ſo beſchloß er, den Hauptmann Karvajal mit einer beſſer ausgeſuchten und tapferern Mannſchaft zu Lande nach San⸗Do⸗ mingo zu ſenden, waͤhrend Araua und Kolomb mit den Schiffen dahin ſich begeben ſollten. Karva⸗ jal erklaͤrte ſich bereit, die Anfuͤhrer durch alle moͤg⸗ liche Mittel wieder zur Pllicht zuruͤck zu fuͤhren. Da Adelantade auf die erſte Nachricht einiger Indier, drei Schiffe an der Kuͤſte geſehen zu habn ,„ ſogleich ein Schiff als Wegweiſer abgeſchickt hatte, ſo be⸗ gegneten dieſe einander, und kamen zweinge Tage nach Kolombs Ankunft im Hafen von San⸗Do⸗ mingo an. Allein durch den laͤngern Aufenthalt auf der See waren ihre Leben smittel aufgezehrt, und 237 deßwegen war deren Mangel fuͤr die jetzt groͤßere Volksmenge um ſo druͤckender daſelbſt. Nachdem Karvajal die Hoffnung, ſich guͤtlich mit Roldan zu vereinigen, aufgegeben hatte, traf er bald nach der Ankunft der Schiffe auch ein. Der Ad⸗ miral wollte das einzige Mittel der Gewalt nicht er⸗ greifen; er ließ ſich von dem gerichtlichen Verfahren des Adelantade gegen die Empoͤrer unterrichten⸗ vernahm die Ausſagen der geachtetſten Maͤnner, und hoffte den beſten Erfolg von einer guͤtlichen Ausglei⸗ chung in eigener Perſon. Da verſchob er dieſe, bis er die wahre Geſinnung der Verdaͤchtigen kennen ge⸗ lernt hatte. Da er die Sehnſucht Vieler zur Ruͤck⸗ kehr nach Spanien wußte, und in der ſchwierigen Er⸗ laubniß die Veranlaffung zur Vergroͤßerung der Zahl der Empoͤrer zu finden glaubte; ſo ließ er am 12. Sept. verkuͤndigen, daß alle, welchen der laͤngere Auf⸗ enthalt auf der Inſel unangenehm ſei, nach Spa⸗ nien zuruͤck kehren duͤrften, und mit Schiffen und Le⸗ bensmitteln verſehen werden ſollten. Dieſer Einla⸗ dung ſind Viele gefolgt. Roldan hatte kaum die Ankunft des Admirals vernommen, ſo brach er aus der Schanze Bongo auf, und zog uͤber eine angnehme und fruchtbare Ebene bis auf 20 Meilen von Sau⸗Domingo. Die Beſorgniß Einiger, er werde ſie mit Gewalt ſeiner Rotte gar wegnehmen, vereitelte der Admiral durch das Anerbieten ſeiner Freundſchaft. Er ſchickte den 23 Karvajal und Balleſter an ihn ab, welche ihn in der Umgebung von Escobar, Mexica, Ga⸗ mitz und Niguelme antrafen. Sie boten alle Be⸗ redſamkeit auf, ihm begreiflich zu machen, daß ſein eigener Vortheil ihn zur Verſoͤhnung mit dem Admi⸗ rale bewegen ſollte, welcher ihn noch immer einen guten Freund nenne, und ſeinen Gehorſam mit neuen Beguͤnſtisungen zu belohnen bereit ſei. Waͤhrend der Verhandlungen von mehren Wochen wurden ſehr ſchonende Briefe wechſelſeitig geſchrieben, allein der Abſchluß war noch ferne, ſo lange Roldaus Anhaͤn⸗ ger aus Furcht, der Rache der Kolombe geopfert zu werden, eine muͤndliche Verhandlung ihres Anfuͤh⸗ rers mit dem Admirale vereitelten. Balleſter machte dieſen auf die Gefahr der laͤngeren Zoͤgerung auf⸗ merkſam: denn die Zahl der Empoͤrer wachſe taͤglich, welche bereits einige Soldaten von des Admirals Be⸗ deckung verfuͤhrt haͤtten und die Hoffnung hegten, durch dieſes boͤſe Beiſpiel noch mehre zu verfuͤhren, wodurch ſie zu kuͤhneren Unternehmungen zu ſchreiten in den Stand geſetzt wuͤrden. Dieſes Schreiben Bal⸗ leſters beunruhigte den Admiral ſehr; er ſah ein, wie noͤthig ein kraͤftiger Schritt ſei. Denn die Abga⸗ ben wurden theils gar nicht entrichtet, theils von den Empoͤrern geraubt; die Eingebornen freuten ſich, daß ihre Unterjocher ſich ſelbſt vernichten wuͤrden, und vernachlaͤſſigten abſichtlich den Ackerbau, um die uͤbri⸗ gen Spanier durch Hunger aufzureiben. Man be⸗ 239 fuͤrchtete ſogar, ſie moͤchten dieſe guͤnſige Gelegenheit benutzen, und die Waffen ergreifen. Jeder dieſer Gruͤnde machte ernſtliche Maßregeln dringender. Allein ihr Befehl, gegen das Fort Bonao euf⸗ zubrechen, wurde von den wenigſten ihrer Leute gut 8 aufgenommen. Der Eine entſchuldigte ſich durch Krankheit, der Andere durch Schmerzen am Fuße; einige durch ihre guten Freunde oder Verwandte in der Rotte Roldans. Nur ſiebenzig erklaͤrten ſich zum Zuge bereit; allein ſelbſt vielen unter dieſen ſchenkte der Admiral ſo wenig Vertrauen, daß er eine oͤffentliche Erklaͤrung zur Vergebung fuͤr das Vergan⸗ geue vorzog, nach welcher jedem Empoͤrer innerhalb 3 1 16 Tagen, oder im Falle zu weiter Entfernung inner⸗ halb eines Monats dieſelbe zukommen ſollte, wenn er ſich ſeinem Koͤnige, als rechtmaͤßigem Herrn, zum neuen Gehorſame verpflichte. Zugleich verſprach Ko⸗ lomb die Bezahlung des ruͤckſtaͤndigen Soldes, eine milde Behandlung, und die beliebige Ruͤckfahrt nach Spanien. Dieſe Vergebungsurkunde wurde am 9. Okt. zu San⸗Domingo oͤffentlich angeſchlagen. Zugleich wurde an Roldan ein ſicherer Geleitsbrief fuͤl ihn und ſeine Anhaͤnger unter den kraͤftigſten Verſicherun⸗ gen der Aufrichtigkeit und Treue in folgender Art zu⸗ geſchickt.„Da zur aufrichtigen Beſeitigung der Un⸗ einigkeit, welche waͤhrend meiner Abweſenheit zwi⸗ ſchen dem Adelantade, meinem Bruder, und dem 240 Alcalde Franz Noldan und deſſen Geſellſchaft entſtand, nothwendig iſt, daß letzterer zu mir komme, und mich von allem, was in Beziehung auf erſteren vorgirg, in Kenntniß ſetze; ſo ertheile ich ihm alle moͤgliche Verſicherung ſowohl fuͤr ſeine Perſon, als fuͤr alle, welche ihn in dieſe Stadt begleiten wollen, und verſpreche, daß ihnen weder auf ihrer Reiſe hie⸗ ber, noch⸗waͤhrend ihres Aufenthaltes dahier, noch auf, ihrer Ruͤckkehr nach Bonao die geringſte Unannehm⸗ lichkeit zugefuͤgt werde. Ich verpfaͤnde dafuͤr meine Redlichkeit und mein Wort als Edelmann nach ſpa⸗ niſchem Gebrauche mit eigener Unterſchrift.“. Waͤhrend der zur allgemeinen Vergebung beſtimm⸗ ten Zeit vernahm er, daß die Schiffe ihre Nuͤckkehr nach Spanien nicht laͤnger verſchieben koͤnnten, nach⸗ dem ſchon drei Wochen ſeit der vorgeſchriebenen Friſt voruͤber gegangen waren. Viels Indier ſtarben bereits. auf den Schiffen, ohne daß man ihnen helfen konnte, und die Mannſchaft derſelben drang auf baldige Ab⸗ ſegelung, wenn nicht Mangel an Lebensmitteln eintre⸗ ten ſollte. Auf ſolche Weiſe wurde er genoͤthigt, ſie abfghren zu laſſen, und dem Hofe Nachricht von dem Unweſen zu geben, welches er nicht abſchaffen koͤnnte. Er bat zugleich um einige Moͤnche zur Verbreitung des Chriſtenthums, und um eine ausgezeichnete Per⸗ ſon zur Verwaltung der Gerechtigkeit; indem er ſonſt von dem Eifer der Bekehrer der Heiden ſehr geringen Nutzen ziehen wuͤrde. Er berichtete auch, daß die zu reine Luft, die zu große Hitze und das ſchlechte Waſ⸗ ſer anfangs verſchiedene Krankheiten zur Folge gehabt habe, doch allmaͤhlig gewoͤhnten die Spaͤnier ſich an die Landesart und an die Lebensmittel der Indier. An Schweinen und Federvieh fehle es ihnen zwar nicht, aber deſto mehr an Wein und Kleidern. Die ganze Inſel ſei jetzt von Muͤſſiggaͤngern, Ungehorſamen und Liederlichen beſetzt, welche er allmaͤhlig nach Spanien zuruͤck ſchicken muͤſſe. Dieſe Strafe ſei die haͤrteſte ſeit der durch den Aufruhr erſchwerten Ver⸗ waltung der Gerechtigkeit, durch welchen Mangel auch die Zahl der Mißvergnuͤgten zunehme. In Be⸗ treff des Empoͤrers Roldan uͤberlaſſe er die Ent⸗ ſcheidung den beiden Majeſtaͤten, und beſonders ob er und der Adelantade nach Spanien zuruͤck gefor⸗ dert, oder durch unbefangene Bevollmoͤchtigte neue Nachrichten uͤber ſie eingezogen werden ſollten. Er wolle gerne zugeben, daß die Schuldigen ſich Sach⸗ walter annehmen, und dieſen die Beſorgung ihrer Angelegenheiten uͤbertragen moͤchten, wenn ſie nur bis zur Entſcheidung Ihrer Majeſtaͤten pflichtmaͤßig handelten, oder zur Beſeitigung des Aergerniſſes ſich auf die Inſel Porto⸗Ricco begeben wollten. Soll⸗ ten ſie aber ihre Gewaltthaͤtigkeiten noch ferner fort⸗ ſetzen, ſo ſei er zur Rettung der Pflanzſtadt endlich genoͤthigt, die ihm verliehene Macht anzuwenden. Bloß deren hartnaͤckiger Aufruhr habe ihn bisher gehindert, ſeinen Bruder Bartholomaͤ mit drei 5tes B. Indien. I. 1. 8 ——— —— zur Abfahrt bereiten Schiffen auf neue Entdeckung3en auszuſchicken. Allein unter den gegenwaͤrtigen Um⸗« ſtaͤnden ſei er kaum in der Hauptſtadt ſeines Lebens 1 ſicher; er koͤnne ſich daher weder der Schiffe, dieſes ⁸ einzigen Nothmittels, noch der Unterſtuͤtzung eines ſo tapferen Mannes, als ſein Bruder iſt, berauben. Ohne Zweifel haͤtte ſein Bruder unterdeſſen Neu⸗ Spanien entdeckt, wenn dieſe Hinderniſſe nicht ein⸗ getreten waͤren. Der Admiral ſchickte mit dieſen Schiffen 170 koſt⸗ bare Perlen, einige Goldklumpen, eine Menge Sack⸗ tuͤcher von allerlei Farben, und dem feinſten Gewebe, eine Beſchreibung der entdeckten Laͤnder, eine Zeich⸗ nung der Inſeln, und einen umſtaͤndlichen Bericht von ſeiner Reiſe. Doch der Werth ſeiner Briefe wurde ſehr gemindart durch die gleichzeitigen hoͤchſt boshaften Briefe und Aufſaͤtze, welche Roldan und deſſen Anhaͤnger an den Biſchof von Fonſeka zu Badajoz ſendeten, und welche als unerſchoͤpfliche Quelle fuͤr die ſtete Verlaͤumdung der Kolombe dieſem dienten. Wenigſtens iſt gewiß, daß der Ad⸗ miral ſeine hoͤchſten Leiden nur ihm zurechnen konnte. Da Roldan nach dem Abſegeln der Schiffe kei⸗ nen Vorwand mehr hatte, warum er von dem ſiche⸗ ren Geleitsbriefe keinen Gebrauch machen wollte, ſo beſchloß er mit eben ſo großer Argliſt, als Verwegen⸗ deit nach San⸗Domingo zu kommen, aber nicht zur Verſoͤhnung mit dem Admirale, ſondern zur , 243 Verfuͤhrung der Mannſchaft deſſelben. Er verweilte eeinige Tage unter dem Scheine, als wollte er in die ihm gemachten Vorſchlaͤge eingehen. Endlich aber erklaͤrte er, daß er ohne Wiſſen ſeiner Freunde keinen Entſchluß faſſen koͤnne, und kehrte unter dieſem Vor⸗ wande nach Bonao zuruͤck. Ungeachtet der Admiral daruͤber hoͤchſt unzufrieden war, ſo ließ er ihn doch durch den ernſthaften und ſcharfſinnigen Diego aus Salamanka begleiten, um die Geſinnungen der Raͤdelsfuͤhrer zu vernehmen. Allein dieſe machten ſehr außerordentliche Forderungen, welche den Rech⸗ ten des Koͤnigs, wie dem Anſehen und der Ehre des Admirals in gleichem Grade widerſtrebten. Rol dau war ſelbſt uͤberzeugt, daß dieſe Bedingungen nicht an⸗ genommen werden koͤnnten; er wartete alſo nicht ein⸗ mal die Antwort ab, ſondern ruͤckte ſogleich vor die Schanze Konzeption in der Hoffnung, ſie ſchnell einzunehmen. Allein unter Balleſter's Wachſam⸗ keit war dieſes Vorhaben nicht mit ſtuͤrmender Hand auszufuͤhren. Die Empoͤrer ſuchten alſo, ſie durch Hunger zu beſiegen; weßwegen ſie auch das Waſſer ableiteten. Waͤhrend ſie mit dieſer Zerſtoͤrung eifrig beſchaͤt⸗ tigt waren, ſchickte der Admiral den von den Empoͤ⸗ rern immer beſonders geachteten Karvajal mit un⸗ bedingter Vollmacht, ſich mit ihnen auf jede Bedin⸗ gung zu vergleichen, welche mit Ehre und Billigkeit heſtehen koͤnnte. Dieſer erneuerte alſo bei ſeiner Au⸗ kunft die fruͤhere Unterhandlung, und verglich ſich mit ihnen in der Art, daß ſie alle nach Spanien zu⸗ ruͤck kehren ſollten, wozu ihnen der Admiral zwei gut ausgeruͤſtete Schiffe im Hafen Paragua bewilligen wuͤrde, auf welchen ſie mit ihren indiſchen Maͤdchen oder Weibern zuruͤck kehren koͤnnten. Der Admiral wuͤrde ihnen ihre treu geleiſteten Dienſte beſcheinigen, und alles erſetzen, was ihnen angeblich genommen wurde. Roldan unterzeichnete dieſe Bedingungen mit dem Zuſatze, daß ihre Genehmigung in 10 Tagen folgen muͤßte. Der Admiral unterſchrieb ſie ſchon nach wenigen Tagen mit dem Anhange, daß die Em⸗ poͤrer in so0 Tagen abreiſen ſollten; wozu e. ſogleich Anſtalten machte, waͤhrend Roldan nach Fara⸗ gua zuruͤck kehrte. Da ein Theil von deſſen Anhaͤn⸗ gern keine Luſt mehr hatte nach Spanien zuruͤck zu kehren, ſo ließ ihnen der Admiral die freie Wahl, ſich haͤuslich auf der Inſel nieder zu laſſen, und ſogar wieder in ſeine Dienſte zu treten, wenn ſie die ſchul⸗ dige Ehrfurcht und den Gehor ſam beobachten wollten. Ddiie verſprochenen Schiffe ſegelten nach Tara⸗ gua ab, wurden aber durch einen heftigen Sturm verhindert, zur rechten Zeit einzutreffen. Dieſes wid⸗ rige Ereigniß diente dem Roldan zum Vorwande, den Vergleich unbeachtet zu laſſen, weil der Admiral vhn zu hintergehen geſucht habe. Karvajal fuͤhrte zwar daruͤber die bizterſten Klagen, und forderte die Empoͤrer durch einen oͤffentlichen Anſchlag zur Erfuͤl⸗ 245 lung des Vergleichs auf, wofuͤr er Buͤrge geworden ſei, aber vergebens. Dieſe Treuloſigkeit verdroß noch weit mehr den Admiral ſelbſt, welcher ſeine beiden Schiffe fuͤr das Wohl der Pflanzſtadt aufgeopfert hatte; er dachte ſtets an die Perleninſel und die Entdeckung des fe⸗ ſten Landes. Je mehr er die redlichſte Erfuͤllung ſei⸗ ner Pflicht der Hoffnung großer Reichthuͤmer vorge⸗ zogen hatte; deſto mehr ſchmerzte ihn die Vereitlung ſeiner beſten Abſichten. Denn er hatte noch ein hoͤchſt ſchonendes Schreiben vom 20. Okt. 1498*) an Rol⸗ dan erlaſſen, worauf er eine ſehr beleidigende Ant⸗ wort erhielt. Erſt als Karvajal ſeine Verhandlun⸗ gen erneuerte, drang deſſen Standhaftigkeit bei den Empoͤrern durch. Er ſchloß einen neuen Vergleich ab, nach welchem Roldan durch ein neues känigl. Dekret zum Oberrichter ernannt, und zugleich bevoll⸗ maͤchtiget werden ſollte, fuͤnfzehn ſeiner Anhaͤnger nach freier Wahl nach Spanien zuruͤck zu ſenden. Die uͤbri⸗ gen, welche auf der Inſel bleiben wollten, ſollten ein Grundeigenthum zur Anſaͤßigmachung, und Anwei⸗ ſung zur Erhebung ihres Soldes erhalten. Nebſtdem ſollte der Admiral unter Trompeten⸗ und Pauken⸗ ſchall oͤffentlich verkuͤndigen, alle Beſchuldigungen Roldan's und ſeiner Anhaͤnger ſei Erdichtung jener 1*) Dieſes befindet ſich in der Histoire gén. de PAmérique, Tom. I. p. 30. 246 Perſonen, welche ihm abgeneigt ſeien, und das wahre Intereſſe des Staatsdienſtes verkennen. Nachdem alle Punkte ſchon genehmigt waren, begab ſich Rol⸗ dan zu ſeinen Anhaͤngern, welche ein ihnen erwuͤnſch⸗ tes koͤnigl. Dekret voll Unverſchaͤmtheiten mit dem Zuſatze entwarfen, daß ſie ſich, wenn der Admiral et⸗ was unerfuͤllt ließe, verſammeln duͤrften, um ihn mit bewaffneter Hand dazu zu noͤthigen. So bitter ihn ale dieſe Antraͤge ſchmerzten, ſo unterdruͤckte er doch ſeinen gerechten Unwillen, und genehmigee dieſelben. Denn er erwog die Gefahr des Aufruhrs der dazu bereiten Indier und den Neid ſeiner treueſten Anhaͤnger um den Reichthum der Empoͤrer. Schon hatten manche den Entſchluß ge⸗ faßt, in die Landſchaft Higuey am Vorgebirge Ra⸗ phael'’s ſich zu begeben, wo fie hofften, viel Gold zu finden, und ihre eigenen Herren zu ſeyn. Zu gleicher Zeit hatte der Admiral Briefe von dem Biſchofe von. Fonſeca zu Badajoz erhalten, welcher ihm ſogar den Vorwurf machte, daß er die Geſchicklichkeit nicht beſitze, die Ruhe in ſeinem Amtsbezirke zu erhalten. Nach wechſelſeitiger Unterzeichnung der Vergleichsur⸗ kunden zog Roldan wie ſiegestrunken in die Haupt⸗ ſtadt, trat wieder in ſein Oberrichteramt, machte mehre andere graͤnzenloſe Forderungen, und fuͤhrte auch ei⸗ nen Theil derſelben ohne Jemands Widerſpruch aus. Bei der Abfahrt der beiden Schiffe nach Spanien hatte Kolomb grohe Luſt, ſich ſelbſt einiuſchiffen, 247 und dem Hofe perſoͤnlichen Bericht von allen Ereig⸗ niſſen abzuſtatten, welche man dort anders ausgelegt hatte, als er ſie verantworten kounte. Da aber die Landfchaft Ciguayos bereits Spuren von Empoͤ⸗ rung merken ließ, ſo hielt er ſeine Gegenwart auf der Inſel noͤthig, und opferte lieber ſich ſelbſt, als das allgemeine Wohl. Doch ſchickte er Balleſter und Garcias de Barantes mit den gerichtlichen Ver⸗ handlungen und Zeugniſſen uͤber die Aufruͤhrer ab. In ſeinem Berichte erzaͤhlte er die traurigen Folgen der Empoͤrung, die dadurch entſtandene Noth der Pflanzſtadt, den tiefen Schmerz, uͤber die erzwungene Genehmigung ſolcher Bedingungen, welche ſein In⸗ nerſtes empoͤrten, und ſtellte die Gefahr vor, welche aus deren koͤnigl. Genehmigung fuͤr alle Rechte der Landeshoheit entſtehen wuͤrden.. Er berichtete ferner, die Aufruͤhrer betruͤgen ſich ſeit dem geſchloſſenen Vergleiche ſo ordnungswidrig, daß der Hof ſchon deßwegen alle in deſſen Namen bewilligten Punkte verwerfen duͤrfte. Auch ſeien ſie verbunden, ſich uͤber die von den Kaziken empfange⸗ nen und unterſchlagenen Abgaben zu verantworten. Es ſei ihm nicht moͤglich geweſen, hieruͤber einen Empfangſchein auszuſtellen, noch habe er zwei vollguͤltige urtheilsſpruͤche widerrufen koͤnnen, durch welche ſie als offenbare Aufruͤhrer des Hochverraths ſchuldig er⸗ kannt, und zur geſetzlichen Strafe verurtheilt wor⸗ den ſeien. Er bat von Neuem um einen geſchickten Rech'egelehrten, einen Kammer⸗Praͤſidenten und koͤnigl. Schatzmeiſter. Er fuͤgte bei, daß vor Allem verhaͤltnißmaͤßige Belohnungen und Auszeichnungen von den Majeſtaͤten bewilligt werden muͤßten, wenn ihr Intereſſe von redlichen Staatsdienern bewacht werden ſollte. Endlich machte er noch den Koͤnig und die Koͤnigin auf ſein Alter und ſeine Gebrechlichkeit, wie auf die Brauchbarkeit ſeines Sohnes Don Diego aufmerkſam. Da dieſer zu ſeinem Nachfolger be⸗ reits beſtimmt ſei, ſo moͤchten ſie erlauben, daß er jetzt ſchon nach Indien komme, damit er von ihm ſelbſt noch in allen Regierungs⸗Angelegenheiten un⸗ terwieſen., und ſich des allerhoͤchſten Vertrauens als Admiral und Vizekoͤnig wuͤrdig machen koͤnne. Kaum waren die Schiffe abgeſegelt, ſo uͤbergab Roldan im Namen von 10o ſeiner Anhaͤnger ein Geſuch um Ueberweiſung vieler Grundſtuͤcke in der Landſchaft aragua. Da es unvorſichtig geweſen waͤre, ſo viele gleich geſinnte Menſchen in der naͤmli⸗ chen Gegend nieder zu laſſen, wo ſie einen nnunter⸗ brochenen Aufruhr leicht unterhalten koͤnnten, ſo ver⸗ zoͤgerte er die Antwort ſo lange, daß ein Theil der Aufruͤhrer Luſt bekam, ſich einſtweilen in andern Gegenden der Inſel nieder zu laſſen. Einige waͤhl⸗ ten Bonao, andere das Ufer des gruͤnen Fluſſes(Rio Verde) in der Mitte von Viga⸗Real(des Koͤnigsfel⸗ des); einige zogen ſich bis 6 Meilen hinter San Jago auf der naͤmlichen Ebene, oder gegen Norden. 249 Der Admiral wies ihnen beſtimmte Strecken Landes an, theilte ungefaͤhr 20,000 Manioc⸗Stauden*) unter ſie aus, und bezeichnete in jeder Uebergabsur⸗ kunde die Kaziken jeder Gegend, welche verbunden waren, die Laͤndereien durch ihre Unterthanen anbauen zu laſſen. Dies war die erſte Grundlage der ſpaniſchen Repartimientos(Abtheilungen), welche ſich ſpaͤ⸗ ter ſehr vervielfaͤltigten. Roldau ſelbſt verlangte einen großen Strich Landes in der Naͤhe von Iſa⸗ bella nebſt vielen Vorrechten, welche alle genehmigt wurden. So wenig deſſen Betragen ſich beſſerte, ſo ertrug der Admiral doch alle Widrigkeiten mit Ruhe, in der Hoffnung, daß der Hof ihm dafuͤr volle Ge⸗ nugthuung verſchaffen werde. II. Die Flotte, welche er gleich nach ſeiner An⸗ kunft in Indien nach Spanien zuruͤck gehen ließ, hatte die Nachricht von der Entdeckung des feſten Landes und der Perleninſel uͤberbracht. So ſehr die beiden Majeſtaͤten ſich daruͤber freuten, eben ſo vermehrten ſich die Neider uͤber des Admirals ſteigenden Ruhm. Der Biſchof von Fonſeca zu Badajoz, welcher gleichſam Staatsrath von Indien durch die Leitung *) Auf dieſen Staͤmmen waͤchſt Brod, wie Trau⸗ ben. Sie unterſcheiden ſich von Weinſtoͤcken voͤrzuͤglich dadurch, daß ſie nur drei Jahre danern⸗ und durch neue Pflanzen erſetzt werden muͤſſen. 250 dieſer neuen Staatsverhaͤltniſſe geworden war, ergriff dieſe guͤnſtige Gelegenheit zu deſſen Herabwuͤrdigung. Er machte Alfonſo von Ojeda, welcher vor Kur⸗ zem zuruͤck gekommen war, zu ſeinem Vertrauten. Als dieſer ſchlaue und kuͤhne Krieger den graͤnzenlo⸗ ſen Haß des Biſchofs gegen Kolomb wahrnahm, verfiel er auf den Gedanken, gleichen Ruhm durch neue Entdeckungen zu erwerben. Sobald ihm die Karten und Berichte des Admirals mitgetheilt waren, ſo bat er um Erlaubniß, Schiffe auszuruͤſten, und eine Unternehmung fortzuſetzen, wozu nur Muth und Standhaftigkeit erforderlich war. Der Biſchof er⸗ theilte ihm die Erlaubniß, und unterzeichnete ſie auch; aber die Majeſtaͤten erfuhren entweder gar nichts davon, oder unterzeichneten ſie wenigſtens nicht. Der Inhalt der Bevollmaͤchtigung war offen⸗ bar gegen die dem Admirale fruͤher geſchehenen Be⸗ willigungen: denn er ſollte jedes ihm vorkommende feſte Land entdecken, und ſich blos der portugieſiſchen, und der fuͤr Spanien vor 149s in Beſitz genommenen Laͤnder enthalten.. Dieſe Erlaubniß des indiſchen Miniſters war zu verfuͤhreriſch, als daß nicht viele Spanier und Aus⸗ laͤnder, theils aus Ruhm⸗ theils aus Geldgierde ſich ſogleich bereit ſinden ſolten, Ojeda's Begleiter auf abenteuerliche Reiſen zu werden. Bald hatte dieſer ſo viel Geld als Anſehen erhalten, daß er vier Schiffe ausruͤſten konnte. Er waͤhlte Johann de la' Coſa 251 aus Biscaya als Oberſteuermaun, einen muthigen und erfahrnen Seemann. Amerigo Vespucci*) aus Florenz, ein reicher, in der Schifffahrt, Himmels⸗ und Erdkunde erfahrner Mann, gab nicht nur große Summen Geldes zur Ausruͤſtung, ſondern wollte auch ſelbſt Theil nehmen. Am 20. Mai 1499 waren die Schiffe ſegelfertig und liefen auch ſogleich aus dem Hafen. *) Vespucci, Sohn eines reichen Kauſmanns, geboren 1451 zu Florenz, wanderte als unter⸗ nehmender Kaufmann durch Spanien, ſegelte zwei Mal 1499— 1500 bis an den mexikantſchen Meerbuſen, dann mit drei portugieſiſchen Schif⸗ fen 13. Mai 1501 von Liffabon an die Kuͤſten von Afrika bis Sierra⸗Leona und Angola, und an die Kuͤſten von Braſilien, wovon er an jene von Guinea, und 1. Sept. 1502 nach Portugal kam. Er fuhr am 10. Mai 1503. noch ein Mal an die gfrikaniſchen und braſiliſchen Kuͤſten, kam in die Bat von Aller⸗Heiligen, bis au den Fluß Kurabado, müßte aber aus Mangel an Lebensmitteln nach Portugal zuruͤck kehren, wo er am 18. Juni 1504 freudig empfangen wurde. Er beſchrieb ſeine vier Reiſen in ſpaniſcher Sprache;, ſie wurden in das Italiſche und La⸗ teiniſche uͤberſetzt, wovon die Baſeler Ausgabe von 1555 vor uns liegt. Ihm begegnete die unverdiente Ehre, daß ganze Welttheile nach ſeinem Vornamen Amerigo in den drei letz⸗ ten Jahrhunderten bezeichnet wurden, ſtatt daß ſie nach Kolomb haͤtten genannt werden ſol⸗ len. Er ſtarb 1516. 252 Man fuhr anfangs gegen Weſt, dann gegen Suͤd, und entdeckte ſchon am 27. Tage ein Land, welches man bald fuͤr feſtes erkannte. Nur aus Furcht vor den Klippen wurden in einiger Entfernung vom Ufer die Anker geworfen. Da einige Matroſen in Barken ſich dieſem naͤherten, ſahen ſie viele nackte Indier, welche bei dem Anblicke der Spanier Zeichen großer Bewunderung gaben, aber ſich entfernten, ſobald man ſie durch Winke herbei zu locken ſuchte. Die Lage der Flotte in einer offenen Rhede war bei dem geringſten Windſtoße gefaͤhrlich; deßwegen beſchloß Alonſo Ojeda, Hojeda oder Fojeda neben der Kuͤſte fortzuſegeln, und einen bequemern Hafen zu ſuchen, welchen er ſchon nach zwei Tagen fand. Ungeachtet hier viele Indier ſich verſammelten, ſo ſetzte er doch 40 Mann mit Schellen an das Land, deren Klang die Wilden mehr feſſelte, als alle Zei⸗ chen von Friede und Freundſchaft. Des Abends fanden die Spanier raͤthlich, auf ihre Schiffe zuruͤck zu kehren; deßwegen konnte die durch Schellen ein⸗ geleitete Vertraulichkeit erſt des andern Tages voll⸗ endet werden. Dieſe Indier waren von mittlerer Groͤße, gut geſtaltet, hatten breite Geſichter und Stirnen, eine Farbe wie die Haare eines Loͤwen und ſchienen ſehr ſanften Charakters zu ſeyn. Ojeda ſetzte in ihre Menſchenfreundlichkeit das Vertrauen, daß ſie ſeine Flotte mit Lebensmitteln verſehen wuͤrden. Er ließ einige ſeiner Leute auf das 253* Land ſteigen, um es auszukundſchaften. Die Indier lebten vorzuͤglich von Kraͤutern und Fiſchen; doch bereiteten ſie ſich auch eine Art Brod, uca, aus einer gewiſſen Wurzel. Der Mangel manches ge⸗ wohnten Lebensmittels wurde aber reichlich erſetzt durch wilde Thiere, welchen die Spanier eifrig nach⸗ jagten. Auch war das Waſſeer ſehr hell und goſund. Die Einwohner waren gewohnt, ihre Fieberkranken in kaltes Waſſer zu tauchen, und ſie dann an ein großes Feuer zu legen, wodurch ſie nach einem Schlafe von wenigen Stunden geſund wurden. Das Land war wegen ſeiner Lage und angenehmen Luft ſehr einladend; allein von Gold zeigte ſich nicht die ge⸗ ringſte Spur. Es iſt etwa 200 Meilen uͤber dem Orinoko gelegen. Waͤhrend des 2-taͤgigen Aufenthaltes wurden die Spanier mit den Indiern ſo vertraut, daß ſie viele ihrer Gebraͤuche und Gewohnheiten kennen lernten. Damit ſie ſich von unvernuͤnſtigen Thieren under⸗ ſchieden, ſchnitten ſie ihre Haare am ganten Leibe ab, außer an dem Kopfe. Sie liefen ungemein ſchnell, und konnten ſehr gut ſchwimmen. Sic hat⸗ ten wahrſcheinlich kein Oberhaupt, welchem ſie Ge⸗ horſam ſchuldig waren. Sie aßen alles, was ſie fan⸗ den, zu jeder beliebigen Stunde, ſitzend, wenig, und aus irdenen Gefaͤßen, welche ſie ſeibſt verfertigten. Sie ſchliefen in Haͤngematten von Baumwolle, wel⸗ che durch vier Spitzen an Baͤume befeſtigt waren. 254 Ungeachtet ſie dem weiblichen Geſchlecht mit einer gewiſſen Ehrbarkeit begegneten, ſo traten ſie doch bei der Verrichtung ihrer natuͤrlichen Nothdurft niemals auf die Seite. Ihre Verehelichungen waren ſehr frei und ohne Foͤrmlichkeiten; ſie gaben weder Zeichen beſonderer Liebe, noch großer Eiferſucht, noch raͤum⸗ ten ſie dem Ehemanne ein beſonderes Recht ein. Sie vermehrten ſich ſtark, ungeachtet die Schwanger⸗ ſchaft von keiner Arbeit befreite. Das Gebaͤren war den Weibern weder muͤhſam noch ſchmerzlich; ſie ba⸗ deten ſich dann in einem Fluſſe, und waren gleich ſo munter und geſund, wie vorher. Sohbald ſie aber waͤhrend der Schwangerſchaft vom Vater des Kindes zur geringſten Beſchwerde oder Unzufriedenheit veran⸗ laßt worden waren, ſo trieben ſie daſſelbe durch den Saft einiger Kraͤuter von ſich ab; weßwegen die Maͤnner mit großer Beſcheidenheit und Zaͤrtlichkeit waͤh⸗ rend derſelben ihnen gewoͤhnlich begegneten. Maͤnner und Weiber waren nackend bis an die Lenden, welche von einem Guͤrtel aus Laub oder Baumwolle umwun⸗ den waren. Deſſen ungeachtet waren ſie durch ihr oͤfteres Waſchen und Baden ſehr reinlich. Ihre Wohnungen waren gemeinſchaftlich, und gewoͤhnlich fuͤr so Perſonen geraͤumig genug; doch dienten die⸗ ſelben nur zum Schutze gegen unmaͤßige Hitze oder Stuͤrme. Ungeachtet dieſes großen Umfanges hatten die Wohnungen die Geſtalt einer Glocke, und waren mit Palmblaͤttern und Palmzweigen bedacht⸗ und 255 mit ſo dichten Waͤnden verſehen, daß man die hef⸗ tigſten Winde nicht fuͤhlte. Nach ihren Zeichen ſchloßen die Spanier, daß ſie zur Vermeidung der Krankheiten, welche Folge unreiners Luft ſind, alle acht Jahre laͤngſtens ihre Wohnſitze veraͤndern. Ihre Reichthuͤmer beſtanden blos in dem Schmucke ihrer Koͤrper, z. B. bunten Federn, kleinen Kugeln von Fiſchgraͤthen, oder gruͤnen und weißen Steinen, welche ſie an die Lippen und Ohren hingen. Sie konnten folglich ohne beſondere Beſchwerden von einem Orte zum andern ziehen; weßwegen ſie ver⸗ muthlich auch die Wohnungen gemeinſchaftlich hat⸗ ten. Jeder Begriff eines Tauſchgeſchaͤftes war ihnen fremd. Sie ſehnten ſich nach nichts als Lebensmit⸗ teln, welche die Natur ihnen durch eine große Menge von Kraͤutern, Wurzeln und Fiſchen im reichlichſten Maße darbot. Deßwegen weigerten ſie ſich nie, al⸗ les, was man von ihnen verlangte, ſogleich abzuge⸗ ben, wie auch ſie alles ganz frei zu ſich nahmen, was ihnen gefiel. Doch war ihre Begierde nach allen Gegenſtaͤnden ſchon in wenigen Augenblicken des Be⸗ ſitzes oder Genuſſes befriedigt. Sie ſchienen fuͤr Freundſchaft empfaͤnglich zu ſeyn: denn je freundli⸗ cher ihnen die Spanier begegneten, deſto mehr gaben ſie ihnen Vorzuͤge; ſie fuͤhrten ihnen ſogar ihre Wei⸗ ber und Toͤchter zu, und baten, ſich damit zu belu⸗ ſtigen; wie ſie auch ihre Lebensmittel jedem darboten, welchem darnach geluͤſtete. N Man bemerkte, daß die Indier um ihre Todten nie betruͤbt wurden; ja uͤber deren Verluſt ganz ſorg⸗ los und gleichguͤltig zu ſeyn ſchienen. Wurde einer ihrer Verwandten ſo krank, daß ſie den Tod nicht ferne glaubten, ſo trugen ſie ihn auf den naͤchſten Berg, legten ihn in ein an Baͤumen befeſtigtes Haͤng⸗ bett, ſangen und tanzten den ganzen Tag um ihn herum, ſetzten ihm Nahrung auf einige Tage vor, und kehrten zu den uͤbrigen zuruͤck, ohne ſich unter⸗ deſſen oͤfters nach deſſen Zuſtande zu erkundigen. Er⸗ holte er ſich ſo gut, daß er auch zur Familie zuruͤck kehren konnte, ſo wurde er mit großer Freude und vielem Gepraͤnge wieder empfangen. Kam er in eini⸗ gen Tagen nicht wieder, und blieb noch krank, ſo verſah man ihn vom Neuen mit Speiſen und Waſſer. Fand man ihn aber todt, ſo wurde er ſogleich auf dem naͤmlichen Platze, mit der Speiſe und dem Waſ⸗ ſer, tief in die Erde begraben. Nebſtdem, daß ſie die Kranken anfangs in kaltes Waſſer tauchten, war das Hungerleiden eines der wirkſamſten Arzneimittel; weßwegen ſie bei der geringſten Unpaͤßlichkeit ſich des Eſſens und Trinkens auf 3—4 Tage enthielten. Auch zapften ſie ſich haͤufig Blut aus den Huͤften und der weichen Seite ab. Ihre uͤbrigen Arzneien beſtanden nur aus verſchiedenen Brechmitteln durch gewiſſe Kranter. (Die Fortſetzung im naͤchſten Baͤndchen.)