1 4 TAALATTT nnhGdnrhhhuhEREhREATALATA 11. ,1. 12 H 4 Leihbibliothek 1 3 von 3 8 Eduard Ottmann in Gießen. H —— Täglicher Leſepreis für ein deutſches Buch! Kr. ff 3 5„„„ ſfranz. od. engl.„ 2„ 4 Das Abonnement beträgt: 58. für wöchentlich 6 Bücher: 4 Bücher: 2 Bücher: 21—————— l auf 6 Monat: 2 fl. 30 Kr. 2 fl.— Kr. 1 fl. 12 Kr. [d, 3,„ 30„ 1„ 12„„ 45„ 8 ⸗= 6 8 ““ — — 1 4 EDISM'OIAS.O.EXEENDN SATRIaNITWSENHAIE (oOIVNMBVS. APnurm vIAimcanprrVz-Ten-. * 3 — — Taſchen⸗Bibliothek der wichtigſten und intereſſanteſten See⸗ und Land⸗Reiſen, von der Erfindung der Buchdruckerkunſt bis auf unſere Zeiten. Mit Landkarten, Planen, Portraits und anderen Abbildungen. Verf aß t von Mehren, und herausgegeben von. Joachim Heinrich Jaͤck, Koͤnigl. Bibliothekar zu Bamberg. 5. Baͤndchen. Mit Kolomb's Denkmal. I. Theil. 1. Bändchen von Oſt⸗, Weſt⸗ und Süd⸗Indien. Dritte Auflage. Nürnberg. Verlegt von Haubentricker und von Ebner. 1828. 4 Taſchen⸗Bibliothek 4 der wichtigſten und intereſſanteſten Reiſen durch DOſt⸗, Weſt⸗ und Suͤd⸗Indien. Mit Landkarten, Planen, Portraits und anderen 2 Abbildungen. Verfaß t von Meheren, und herausgegeben von Joachim Heinrich Jaͤck, Königl. Bibliothekar zu Bamberg. 3 I. Theil. 1. Baͤnochen. Dritte Auflage. Nürnberg. Verlegt von Haubenſtricker und von Ebner. 1 828. Literatur der Reiſen nach O ſt⸗ Indien. So ſchaͤtzbar die Sammlungen des Lehrers Cotard Arthus, der Bruͤder v. Bry und des Buchhaͤnd⸗ lers Levin Huls zu Frankfurt, auch des Jeſuiten A. Schott bleiben werden: ſo wollen wir doch nur vorzuͤglich die einzelnen Reiſen beruͤckſichtigen. Schon der Florentiner Poggio beſchrieb die Reiſe, welche der Venezianer Nick. v. Conti 1438 nach Oſt⸗In⸗ dien machte. Der Genues Hironymus da S. Ste⸗ fano wagte ſich 1499, der Portugies Th. Lopez 1502, der Florentiner Giovanni da Empoli 1503 dahin. Doch keiner dieſer Berichte fand ſo großen Beifall, als jener des Venezianers Ludwig v, Bar⸗ thema oder Vartomanni uͤber Aethiopien, Aegypten, Arabien, Perſien, Syrien und Indien dies⸗ und jenſeits des Ganges. Da um wurde er auch in das Lateiniſche ſogleich, dann in das Spaniſche zu Sevilla 4520— 16, in das Fren⸗ zoͤſiſche zu Lyon 1556, in das Teutſche zu Straßburg 1534, zu Leipzig 4608, 1610, 1645, in das Hol⸗ ländifche zu Utrecht 1615— 54, und in das Engliche uͤberſetzt.— Die Reiſe Od. Barbeſſa, oder Bar⸗ boſa, welche er als Begleiter Ferd. Magalan's 1519 um die Welt machte, verbreitete ſehr viel Licht uͤber die entfernteſten Inſeln von Oſt⸗Indien, wie jene Ceſ. Federici's von 1663, welche beide zu Ve⸗ nedig 1587— ss erſchienen.— Auch verdienen die Berichte einiger Hollaͤnder von 1595— 91, welche in der Urſprache und lateiniſch zu Amſterdam, Mittelburg und Arnheim 18598 erſchienen, beruͤckſichtigt zu wer⸗ den.— Noch weit mehr die Entdeckungsreiſe Jan Huygen vaninſchoten aus Harlem v. 1594 u. 95, welche nicht nur in der Urſprache zu Amſterdam 1598, 1614, 23, 44, 64, und zu Franecker 1601, ſondern auch teutſch zu Frankfurt 1598, lateiniſch zu Haag 1599, zu Frankfurt 1613 und zu Amſterdam 1614, franzoͤſiſch zu Amſterdam 1610, 49, 38 mit großen Kupfertafeln erſchien, und ſpaͤter auch in das Eng⸗ liſche uͤberſetzt wurde. Mehre dieſer Ausgaben ſind mit Bemerkungen des hollaͤndiſchen Arztes Bern. Paludan bereichert, welcher 1683 einen großen Theil von Europa, Aſia und Afrika durchreiſte.— Dem abenteuerlichen Berichte Fr. Pyrard de Le⸗ val's uͤber die Reiſen der Franzoſen 1604— 41 ge⸗ nügten kaum vier Pariſer Auflagen 1611, 1615, 1619, 1679. 8., noch eine engliſche Ueberſetzung.— Die Reiſe des portugieſiſchen Franziskaners Caſp. de S. Bernardino im J. 160s erſchien bloß zu Liſ⸗ 7 ſabon 1614. 4.— Der Kaufmann P. van den Broek war vier Mal in Afrika, 1643— 27 in Oſt⸗ Indien, und der erſte, welcher gruͤndliche Aufklaͤrung uͤber Batavia durch ſeine Briefe verbreitete. Deſſen ungeachtet erſchien ſeine hoͤchſt ſchaͤtzbare 28jaͤhrige Reiſebeſchreibung erſt 1147 zu Leuwarden.— Die Reiſe des engliſchen Theologen Ed. Terry von 1616 wurde in London 1655. 8. gedruckt, und noch zwei Sammlungen einverleibt.— Der engliſche Geſandte Th. Rhoe verfaßte 1615—17 ein ſo belehrendes Ta⸗ gebuch, daß es aus der hollaͤndiſchen Ausgabe zu Am⸗ ſterdam(4656. 8.) noch in eine Pariſer Sammlung auf⸗ genommen wurde.— So unintereſſant der Bericht W. J. Bontekoe'’s, von 16418— 2s war, ſo erſchien er doch in der Urſprache zu Utrecht 1615. 4., zu Am⸗ ſterdam 1656, 59, 62, 81 mit Kupfern, zwei Mal fran⸗ zoͤſiſch und zwei Mal teutſch in Sammlungen.— Die Reiſe des Englaͤnders Th. Herbert von 1626 u. 27 wurde aus der Urſprache, London 1634. 4., auch in die hollaͤndiſche, Dordrecht 1658. 4. uͤberſetzt.— We⸗ niger Gluͤck machten dir Berichte S. van Rechte⸗ ren, Zwoll 1639. 4., des franzoͤſiſchen Karmeliten Peter von derh. Dreifaltigkeit, Frankfurt 1611. 8., und des Nuͤrnberger Kaufmanns J. S. Wurfbain.— Sehr ſcharfſinnig waren die Beob⸗ achtungen des jungen daͤniſchen Ritters J. A. v. Man⸗ delslo von 1633— 42; daher ſie auch außer drei von A. Olearius beſorgten teutſchen Ausgaben, Schles⸗ 8 wig 41645— 58 und Hamburg 1696, durch Ad. v. Wie⸗ guefort in das Franzoſiſche uͤberſetzt, und aus die⸗ ſem noch auszugsweiſe in l'Europe savante 1719, T. XI. mitgetheilt wurden.— Sehr werthlos ſind die Berichte des hollaͤndiſchen Feldarztes Nik. v. Graaf, welcher 1638— 81 viele Schiffe nach Oſt⸗ Indien begleitete; ſie erſchienen franzoͤſiſch zu Am⸗ ſterdam 1149. 42.— Eben ſo das Tagebuch Joh. von der Behr's, welcher als Soldat 1642— 30 in Oſt⸗Indien diente, obſchon daſſelbe zu Jena und Breslau 1668. 4., und verbeſſert zu Frankfurt 1684. 4. mit Kupfern heraus kam.— Die orientaliſche Reiſe⸗ beſchreibung G. Anderſens 1644— 50, und V. Jver⸗ ſens 4655— 68, hat man eigentlich der Induſtrie A. Olears zu danken; ſie erſchien mit vielen Ku⸗ pfern teutſch zu Schleswig 1669 und zu Hamburg 1696. Fol⸗, und hollaͤndiſch zu Amſterdam 1640. 4.— Gleiches Gluͤck begegnete auch der Erzaͤhlung des Soldaten J. J. Saar, aus Nuͤrnberg, von ſeinen Abenteuern 1644— 59, beſonders auf der Inſel Ceylon.— Die Karmeliten Joſeph a. s. Ma⸗ ria und Vincenzio Maria dis. Caterina da Siena, welche als Miſſionaͤre 1655 in Oſt⸗Indien das paͤpſtliche Intereſſe ſichern ſollten, ließen ihre Beobachtungen zu Rom 1668— 13 erſcheinen.— Doch ſind dieſe weit weniger zu ſchaͤtzen, als die gleichzeitigen des Hollaͤnders J. Nieuhof, welche mit ſehr vielen Kupfern zu Amſterdam 1682 und 1693 9 heraus kamen.— Eben ſo die redliche Erzaͤhlung des Chirurgen Walter Schulzen aus Harlem von den wichtigſten Ereigniſſen 1658— 66; weßwegen dieſelbe nicht nur in der Urſprache und teutſch zu Am⸗ ſterdam 1676 und 1701. 4., ſondern auch franzoͤſiſch 1707, und zu Rouen 1725 in 2 Baͤnden mit Kupfern erſchien.— Niemand erwarb ſich um die genaue Kenntniß Perſtens und Indiens ſo viele Verdienſte, als der Franzos Joh. Chardin, welcher 1664— 77 dort verweilte; ſeine Werk iſt in mehre Sprachen uͤberſetzt, und noch als klaſſiſch zu betrachten.— Sehr ſachkundige und treue Mittheilungen machte Souchu de Rennefort, als Abgeordneter der franzoͤſiſchen Handelskammer, 1664— 66 aus der In⸗ ſel Madagaskar.— Vielſeitige Bildung, beſon⸗ ders in Sprachen, ſetzte den beruͤhmten Reiſenden Thevenot 1665 u. 67 in den Stand, gruͤndlichere Aufklaͤrung uͤber Indien zu verbreiten, als alle ſeine Vorgaͤnger. Sein Eifer koſtete ihm zwar im Nov. 1667 das Leben; allein die Nachwelt ſchaͤtzte noch ſeine Mittheilungen ſo hoch, daß zwei Auflagen zu Paris, 1684— 89, und drei zu Amſterdam 1705, 25, 27 kaum genuͤgten, und die faſt gleichzeitigen Berichte Oberbeke's Vermeulen's und Herports ver⸗ geſſen wurden. Gleich guͤnſtig wurde die Reiſe⸗Be⸗ ſchreibung Dr. Dellon's von 1668— 77 beurtheilt; deßwegen wurde ſie auch zu Paris 1685, zu Amſter⸗ dam 1699— 1709, und zu Koͤln 1709. 42. franzoͤſiſch, 10 zu London 4698. 8. engliſch, und zu Dresden 1700. 8. teutſch verlegt.— Aug. v. Beaulieu's Neiſe wurde aus der franzoͤſiſchen, zu Amſterdam 1669. 4. in die hollaͤndiſche Sprache uͤberſetzt, und ſpaͤter noch in die Sammlung der Reiſen Thevenots gerei⸗ het.— Die ofſiziellen Tagebuͤcher der franzoͤſiſchen Abgeordneten J. de la Haye und Fr. Caron vom Maͤrz 1670 bis zum Sept. 1674 wurden in drei Aus⸗ gaben zu Orleans und Paris 1697, 98, 99 verbrei⸗ tet.— Die Beſchreibung Ph. Baldes aus Delft wurde gleich nach ihrer Erſcheinung 1674 zu Amſterdam ſchon in das Teutſche uͤberſetzt.— Joh. Fryer s Bericht von 1672— 81 iſt aus der Urſprache, Lon⸗ don 4698. Fol., in das Hollaͤndiſche, Haag 1700. 4., uͤberſetzt worden.— Chr. Schweitzer's Tagebuch von 1675— 82 iſt weder in der hollaͤndiſchen, noch teutſchen Sprache anziehend; eben ſo jenes von Cl. Toſſi, D. Parthey, J. W. Vogel, J. Chr. Hoffmann, Chr. Frick, B. Olitzſch, Winter⸗ gerſt.— Deſto merkwuͤrdiger iſt der Bericht des Kapitains Al. Hamilton von 1688— 4123, welcher zu Edinburg 4721. 8. heraus kam, jeuer von Joh. Soington, welchem neben der engliſchen zu Lon⸗ don 1698. 8., drei franzoͤſiſche Ausgaben, Paris 41725, 35, 53. begegneten, und endlich der von de Chal⸗ les von 1690 u. 91, Rouen, 1721. 12., mit Kupfern in 3 Baͤnden.— Die Verdraͤngung aus Frankreich nach dem Ediet von Nantes bewog viele Proteſtan⸗ 11 ten, nach der hollaͤndiſchen Inſel Maſearegne ſich begeben zu wollen, welche ihnen du Quesne vor⸗ trefflich beſchrieb. Allein durch Betrug des Schiffs⸗ kapitaͤns kamen ſie 1690 auf die portugieſiſche Inſel Diego Nodrigo. Das Intereſſe der europaͤiſchen Glaubensgenoſſen am Schickſale dieſer Betrogenen gab der Reiſebeſchreibung Fr. Leg uats einen ſolchen Abſatz, daß neben drei franzoͤſiſchen Ausgaben in den Niederlanden 1708, 11, 20, noch eine hollaͤndiſche zu Utrecht 1708. 12., und eine teutſche zu Frankfurt 1709. 8., mit Kupfern erſchien. Im Anfange des XVIII. Jahrhunderts kamen fuͤnf Reiſe-⸗Sammlungen von 5— 12 Baͤnden mit Ku⸗ pfern zu Amſterdam und Rouen heraus, wovon ein großer Theil vorher unbekannt war.— Luillers Reiſe hat ungeachtet drei franzoͤſiſcher Ausgaben zu Paris 1705, zu Rotterdam und Haag 1706. 12. und zwei teutſcher von L. Fr. Viſcher zu Hamburg 1709. 12., keinen Werth; eben ſo jene von Chr. Laug⸗ hans, E. Chr. Barchewitz, J. G. Worms.— Intereſſauter und zuverlaͤſſiger iſt das zum Theile of⸗ fizielle Werk des hollaͤndiſchen Geiſtlichen Fr. Va⸗ lentyn, welches mit vielen Kupfern in s großen Baͤnden zu Amſterdam und Dortrecht 1724— 26 her⸗ aus kam.— Die Verdienſte des Portugieſen Inigo de Biervillas beſchraͤnken ſich bloß auf die Be⸗ ſchreibung von Goaga.— Unbedeutend ſind die Be⸗ richte von G. L. Schwarz, N. J. Camſtrup⸗ 42 J. H. Schroͤder, J. Bucquoi und J. H. Groſe, obgleich Letzterer aus dem Engliſchen in das Franzoͤſi⸗ ſche und Deutſche uͤberſetzt wurde.— Weit beſſer iſt jener von J. W. Heydt, wenn er auch nicht mit 115 Anſichten bereichert waͤre.— Die Mittheilung von Ol. Torreen und G. Fr. Gerbett haͤtte man entbehren koͤnnen.— Die Reiſe des engliſchen Feld⸗ arztes Ed. Jves 1755—51 hat durch die Ueberſetzung Blumenbach's und Chr. G. Dohm's die Wiſſen⸗ ſchaft eben ſo bereichert, wie jene von Anquetil du Perron 1755— 61 durch J. J. Purmann's Verteutſchung.— Was L. v. Dieshorn und de la Flotte lieferten, iſt nicht der Beruͤckſichtigung werth.— Die Reiſe des Pariſer Akademikers Le Gentil 4760—71 auf koͤnigl. Koſten war fuͤr die Stern⸗, Erd⸗ und Voͤlkerkunde zu vortheilhaft, als daß ſie nicht von Ebeling in die Hamburger Samm⸗ lung haͤtte aufgenommen werden ſollen.— Unbedeu⸗ tend ſind die Reiſen von Kindersly, Gren ier Zimmermann, Dupratz ohne bleibenden Werth jene von Nik. Fontana und Mae Intoſhz jene von K. G. Ekeberg hat ihren Ruf mehr der fran⸗ zoͤſiſchen und teutſchen Ueberſetzung, als dem Originale zu danken.— Deſto mehr Aufklaͤrung verbreitete der franzoͤſiſche Marine⸗Kommiſſaͤr Sonnerat uͤber Oſt⸗ Indten und China 1714— 813 weßwegen auch der Zuͤr⸗ cher Verleger der teutſchen neberſetzung, von J. Pezzl, die 144 Kupferſtiche und Landkarten beifuͤgen ließ.— 13 J. Rennel's Bericht und Karte trugen zur naͤhern Kenntniß von Hindooſtan viel bei; weßwegen er auch von Ebeling uͤberſetzt wurde.— Der Je⸗ ſuit Joſ. Tieffenthaler aus Botzen wanderte 1743 mit zu vielen mathematiſchen und Sprachen⸗ Kenntniſſen nach Indien, und war zu eifrig fuͤr die Bekehrung der Bewohner, als daß nicht ſeine Reiſe einen bleibenden Werth haben ſollte; ſie wurde von J. Bernoulli aus dem Lateiniſchen uͤberſetzt, und noch verbeſſert.— Die guten ſpaͤtern Beſchreibun⸗ gen ſind in die neueſten Sammlungen bereits aufge⸗ nommen, und noch ſo lebhaft im Andenken unſerer Zeitgenoſſen, daß wir ſie faſt uͤbergehen koͤnnten.— Wir erwaͤhnen alſo nur Fitzelarenee's, Struy, J. Splinter Stavorinus, Wurmb und Wol⸗ zogen, Beſt, A. M. Rochon, G. Forſter, Lund⸗ ſon, R. Ker⸗Porter, L. M. J. O, de Grand⸗ pré, Elmore, F. R. de St. Croix, Groſe, Hodge, Fra Paol de St. Bartolomeo, Per⸗ rin, Tombé, Bughanan, Gloyer, Coole⸗ brooke Innes Munro, Le Goux de Flaix, W. H. Tone, Th. Broughthon, M. Symes, H. Cor, de la Biſſachere. Th. Forreſt, J. Crawfurd, Wolf, Royd, Perceival, Haaf⸗ ner, Davy, Eſchels⸗Kroon, Marsden, Kruſenſtern, Woodard, G. Keate, Hockin und Wallace. 14 iteratur der Reiſen nach Weſt⸗ Indien. 3 Dem Englaͤnder Hackluyt iſt die Nachwelt fuͤr die erſte vollſtaͤndige Sammlung der Reiſen nach Weſt⸗Indien verbunden. Derſelbe theilte naͤmlich mit: Th. Pert's und Seb. Cabots Reiſe nach Braſilien, St. Domingo und St. Juan de Portorico vom J. 1526. An dieſe reihte er Th. Tiſon's Reiſe nach Weſt⸗Indien aus dem naͤmlichen Jahre.— Hierauf folgten die Reiſen des beruͤhmten Joh. Hawkin nach Weſt⸗Indien, an die Kuͤſten von Guinea, an die Inſel Dominika, laͤngs der Kuͤſte von Derra Firma nach Kuba, und durch den Kanal von Bahama in den J. 1562— 64.— Nicht unwichtig iſt Joh. Oxnams Reiſe nach Weſt⸗Indien in dem J. 1575, vorzuͤglicher die Fahrt Fr. Drake’s 1885 bis 1586.— Neue Aufſchluͤſſe verbreitete die Reiſe Chr. Newport's nach Dominika, Puerto⸗Rieo, Hiſpaniola und in die Bay von Honduras 1591.— Nicht unintereſſant iſt der Bericht von G. King nach Weſt⸗Indien 1592.— H. May kuhr 4694 u. 92 15 nach Oſt⸗Indien, und nahm im folgenden Jahre M. Lancaſter uͤber die Inſeln Trinidad, Mona, Hi⸗ ſpaniola, Bermuda und nach New⸗Foundland mit.— Robert Dudley begab ſich 1594 u. 9s nach Trinidad und an die Kuͤſte von Paria, und ruͤckwaͤrts nach Granada, St. Crux, St. Juan, Porto⸗Riev, Mona und Bermuda.— Beſondere Aufmerkſamkeit erregte A. Preston's und G. Somer's Reiſe nach Weſt⸗ Indien 1595.— Ein großer Gewinn fuͤr den Han⸗ del und die Wiſſenſchaft war die Verbindung Fr. Drake's und Joh. Hawkins 1595 zu einer ge⸗ meinſchaftlichen Reiſe nach Weſt⸗Indien.— Die Er⸗ fahrung der Vorgaͤnger benutzte Ant. Sherley 1596 fuͤr ſeine Reiſe nach St. Jago, Dominiea, Margue⸗ rita, Jamagica, in die Bay von Honduras und nach New⸗Foundland.— Beſondere Ruͤckſicht verdient der Bericht G. Parker's uͤber Marguerita, Jamaica, Truxillo, Puerto ꝛc. Die vielen Reſultate der Reiſen des erſten Jahr⸗ hunderts faßte der Dominikaner J. B. du Tertre als Miſſionaͤr ſchon vor ſeiner Abreiſe auf, darum wurde ſeine allgemeine Geſchichte von St. Chriſtoph, Guadeloupe, Martinique und andern von den Franzo⸗ ſen ehemals bewohnten Inſeln mit deſto mehr Gierde verſchlungen.— Caͤfar de Roche fort theilte die⸗ ſelbe, als Geſchichte der Antillen, in einer neuen Form mit, welche bald in das Hollaͤndiſche, Engli⸗ ſche und Teutſche uͤberſetzt wurde.— Das Tage⸗ 1 16 buch de la Barre's nach Cayenne und der um⸗ faſſende Bericht uͤber die Kriegs⸗Vorfaͤlle mit England 1666—67 haͤtten mehr Aufmerkſamkeit verdient, als ihnen gewidmet wurde.— Der Miſſions⸗Bericht von de la Borde uͤber die Karaiben in den Antillen, welche zu Paris 1684, 4. erſchien, wurde mit Labats Neiſe verbunden, von G. Fr. C. Schad in das Teutſche uͤberſetzt. Die Natur⸗Geſchichte erhielt ihren hoͤchſten Ge⸗ winn von dem Aufenthalte Hanns Sloane’s auf den Inſeln Madera, Barbados, Nieves, St. Chri⸗ ſtoph und Jamaica. Sein Bericht uͤber die Einwoh⸗ ner, Luft, Waſſer, Krankheiten, Handel ꝛc. anf die⸗ ſen und andern umliegenden Inſeln erſchien zu Lon⸗ don 1707— 4725 in zwei großen Baͤnden mit vielen Kupfern. Seine Verdienſte wurden erſt nach dem 47s3 erfolgten Tode von J. D. Michgelis in den Goͤttinger gelehrten Anzeigen von 1154, und 4758 von der Akamie der Wiſſenſchaften zu Paris gewuͤr⸗ digt.— Die Reiſe vom Dominikaner J. B. Labat nach die Inſeln von Amerika hat gleich nach ihrer Er⸗ ſcheinung zu große Aufmerkſamkeit erregt, als daß ſie nicht gleich zu Paris 1122, ungeachtet der von Le Breton geruͤgten Fehler, ungeachtet ihres Umfanges von ſechs Baͤnden, und ungeachtet der vielen Karten. Plane und andern Kupferſtiche, in das Engliſche, „Hollaͤndiſche und Teutſche haͤtte uͤbertragen, und bis auf unſere Zeiten geleſen werden ſollen.— Ein 17 unbekannter Englaͤunder, welcher unter dem Herzoge von Montague 1722 diente, verbreitete ſich uͤber die Inſein St. Lucia und St. Vincen: in Amerika, waͤhrend er nur den Krieg zwiſchen den Englaͤndern und Franzoſen beſchreiben wollte.— Der Bericht des Spaniers Do m. Gonz. Carranzana von Porto⸗ Bello, Cartagena und Kuba wurde 1740 in das Eng⸗ liſche uͤberſetzt.— Was ein unbekannter Franzoſe von den Antillen, vom noͤrdlichen Amerika, von St. Vin⸗ cent, St. Lueia, Dominiea und St. Thomas zu Paris 1769. 12. in vier Baͤnden heraus gab, iſt eine zu ro⸗ manhafte Reiſe⸗Beſchreibung, als daß die Nachwelt von ihr einigen Gewinn haͤtte ziehen koͤnnen.— Mehr Werth hatte der Bericht eines Schweizers, welcher zu Neufchatel franzoͤſiſch und zu Leipzig teutſch 1786 erſchien. Der Verfaſſer war 17824 auf der franzoͤſi⸗ ſchen Flotte, welche nach Martiniaue, Curaßao und vorzuͤglich St. Domingo beſtimmt war. In den neueſten Zeiten haben die meiſten Nach⸗ richten uͤber dieſe Laͤnder verbreitet Lafiteau, Char⸗ leroix, Ulloa, Bartram, Robin, Gilles⸗ pie, Keevor, Mac⸗Kinnen, Le⸗Blond, Wal⸗ ler, de la Caſas, Willyams, Bryan Sd⸗ wards, Dubroca, Dallas, Ilert, Beckford, Weſt, Euphraſen, Luffmann, Atwood, wel, che Werke groͤßtentheils verteutſcht ſind. ——— 5tes B. Indien. I. 1. 4 2 18 Literatur der Reiſen nach Süd⸗ Indien oder Auſtralien. Der portugieſiſche Edelmann Ferd. Magelhanes war der Erſte, welcher 1520— 21 den friedlichen Ozean durchſchiffte. In ſeinem Gefolge befand ſich der Mal⸗ teſer⸗Ritter Ant. Pigafetta aus Vieenza, welcher nach ſeiner Ruͤckkehr 1522 dem K. Karl. V. und der K. Ludovica ven Frankreich, feine Reiſe⸗Beſchrei⸗ bung uͤberreichte, deren Auszug in franzoͤſiſcher, itali⸗ ſcher und teutſcher Sprache ſehr oft erſchien.— Der Englaͤnder Fr. Drake nahm auf ſeiner Reiſe durch die Süd⸗See um den ganzen Erdball 4577— 80 den portugieſiſchen Kapitaͤn Nunno de Sylva gefan⸗ gen, deſſen Bericht unter ſeinem Namen in engliſcher, franzoͤſiſcher und teutſcher Sprache heraus kam.— Auch die Reiſe von Th. Cavendiſh oder Fr. Pretty 1586—ss wurde eugliſch, hollaͤndiſch und teutſch ausgegeben. Ihre Landsleute R. Withring⸗ ton und Leſtes verſuchten zwar 188s auch in die 19 Suͤdſee zu kommen, aber ſie erreichten nur 44 Grade fuͤdlicher Breite.— Lopez Vaz ſegelte 1587 nach Weſt⸗Indien und in die Suͤdſee; R. Hawkins 1593; Alv. de Mindana 15953 Seb. v. Weert und Sim. v. Cordes 1⁵98— 1600.— Doch keiner der⸗ ſelben erregte ſo großes Aufſehen, als Ol. van Noort 1598— 1601; daher auch ſeine Reiſe gleich nach ihrer Erſcheinung zu Amſterdam 1610, in das Teutſche, Franzoͤſiſche und Engliſche uͤberſetzt wur⸗ de.— Auch der Bericht P. Ferd. de Quiros 1606 an den Koͤnig von Spanien iſt in das Lateiniſche und Engliſche uͤbertragen worden.— J. Corn. v. Magye fertigte das Tagebuch der Reife, welche er mit G. v. Spilbergen und Jak. Le Mair 1814 bis 26418 nach Oſt⸗ und Weſt⸗Indien gemacht hat; es wurde in das Engliſche, Franzoͤſiſche und Teutſche uͤbertragen.— Der Vorzug der Reiſe W. C. Schou⸗ ten'’s 1645— 11 durch die magellaniſche Straße er⸗ probte ſich durch oͤftere Auflagen und durch Ueber⸗ ſetzungen in das Engliſche, Franzoͤſiſche und Lateini⸗ ſche.— Das Tagebuch A. Decker's aus Straßburg auf der naſſau, hollaͤndiſchen Flotte um die Welt 1623 bis 1626 wurde in das Lateiniſche und Hollaͤndtſche uͤbertragen.— Der hollaͤndiſche Admiral Fr. Pel⸗ fart ſchilderte ſeine Schickſale auf dem fiiedlichen Meere 1629 viel mehr, als die Laͤnder und Menſchen, welche er kennen lernte. Sein Kolleg N. J. Das⸗ man fuhr 1842 u. 43 von Batavia weiter gegen Mit⸗ 20 tag, und machte wichtigere Beobachtungen, als alle ſeine Vorgaͤnger; weswegen auch ſein Bericht in eng⸗ liſche und franzoͤſiſche Sammlungen aufgenommen wurde.— Von beſonderer Wichtigkeit war der Be⸗ richt der Englaͤnder J. Narborough und J. Wood aus den J. 1670 u. 11; derſelbe wurde in das Franzoͤ⸗ ſiſche und Teutſche uͤberſetzt.— Nicht ſo gluͤcklich waren die Tagebuͤcher ihrer Landsleute B. Sharp und Cowley 1683— 85. Letzterer war einige Zeit in der Geſellſchaft des beruͤhmten G. Dampier, wel⸗ cher 1683— 91, 1699— 4700, und 1703— 4 um die Welt, und dann nach Neuholland reiſte. Sein Bericht wurde im Engliſchen, Franzoͤſiſchen, Hollaͤndiſchen und Teutſchen bis auf die neueſte Zeit ſehr oft aufgelegt.— Sd. Cooke's und Woodes Rogers Reiſe in die Suͤdſee und um die Welt, 1708— 11, erſchien zu London mit ſchoͤnen Kupfern, und wurde in das Fran⸗ zoͤiſche und Teutſche uͤbertragen.— Zu den vorzuͤg⸗ lichſten Reiſen gehoͤrt jene von A. Fr. Frezier 1142 bis 1744; ſte wurde in teutſcher, hollaͤndiſcher und engliſcher Ueber ſetzung oͤfters ausgegeben, wie jene von Behrens unter dem hollaͤndiſchen Admiral Rog⸗ gewin 1721— 22.— Le Gentil de la Barbinais fuhr 1744— 18 durch Auſtralien; ſpaͤter J. Cockburn.— Der engliſche Admiral G. Anſon ließ durch ſeinen Sekretär R. Walter von ſeiner Reiſe um die Welt 1740—44 fuͤr die Erd⸗, Schiffs⸗, Natur⸗ und Men⸗ ſchenkunde einen ſo wichtigen Bericht erſtatten, daß 21 neben zehn Original⸗Auflagen viele teutſche, franzoͤ⸗ ſiſche, italiſche und hollaͤndiſche Ausgaben den Wuͤn⸗ ſchen der zahlreichen Leſer kaum entſprachen.— Aus allen bisherigen Reiſen ſtellte der Graf K. v. Broſ⸗ ſes das Weſentlichſte, als Geſchichte der Seefahrten nach Auſtralien, mit ſachkundigen Winken fuͤr kuͤnf⸗ tige Seefahrer meiſterhaft zuſammen. Deßwegen wurde dieſes Werk auch bald in das Teutſche und Engliſche uͤberſetzt. Die Englaͤnder J. Byron begann durch ſeine Reiſe um die Welt 1764— ss eine neue Periode fuͤr Auſtralien; indem er und ſeine folgenden Landsleute mehre neue Inſeln entdeckte. Sein Bericht, welchen ein unbekannter Schiffskapitaͤn verfaßte, ging deßwe⸗ gen bald in das Franzoͤſiſche, Teutſche und Spaniſche uͤber.— Aus gleichem Grunde wurde A. Dalrym⸗ ple'’s Sammlung der Reiſen und Entdeckungen im friedlichen Ozean zu Hamburg von Ebeling ver⸗ teutſcht.— Die fuͤr Schiffer bloß intereſſante Reiſe Bougainville's wurde in das Engliſche und Teutſche uͤbertragen.— J. Hawkesworth's Rei⸗ ſen um die Welt, und Entdeckungen im Suͤdmeer uͤberraſchten 1773 durch ihre Neuheit zu ſehr, und wa⸗ ren auch zu prachtvoll und koſtſpielig, als daß ſie nicht ſogleich in die teutſche und franzoͤſiſche Sprache uͤbergehen ſollen— Zu ihrer Erlaͤuterung und Ver⸗ vollſtaͤndigung trug S. Parkinſon's Tagebuch viel bei.— An dieſelben reihen ſich Cook's, Four⸗ 22 neaur's, Sparmann's, Clerke's, Goress, Zimmermann's, Forſter's und Hodge's Reiſen um die Welt 1772— 7s und 1776— so, deren Inhalt vorzuͤglich in Teutſchland weit verbreitet iſt.— Ne⸗ ben dieſen erſcheinen noch die Berichte v. Kergue⸗ len's und v. Pages uͤber die Fahrten 1767— 16, welche verteutſcht wurden, wie jene von Marion, Ducelesmeur, Crozet und Surville 4769 bis 712.— In den neueſten Zeiten empfahlen ſich noch die Werke von Walkenager, Watkin⸗Tench, Philipp, Hunter, Collins, Grant, Tuk⸗ key, Orley, Sonnerat, Nichola, Walther, Mariner und Kruſenſtern. 23 Entdeckungsreiſen der Portugieſen von dem Infanten Don Heinrich im J. 1405 an, bis auf Chriſtoph Kolomb 1492. Schon 1292 wollten die Genueſen Theodoſius Dorig und Ugolinus Viraldo in 2 Schiffen durch die Meerenge von Gibraltar fahren, um neue Laͤnder an den Kuͤſten von Afrika zu entdecken. 1344 wurde der Englaͤnder Eduard Macham mit einer Dame, welche er entfuͤhrt hatte, auf einem nach Spanien beſtimmten Schiffe von einem Sturme tief in das Meer getrieben, und endlich auf die Inſel Madeira geworfen, welche damals ganz wuͤſte und mit Holz bewachſen war. Er ſtieg mit ſeiner durch die See krank gewordenen Dame und einigen andern Perſonen an das Land, und pflegte ſie nach Moͤglich⸗ keit, waͤhrend das Schiff fuͤr ſie Beide nicht beſorgt war, und zuruͤck kehrte. Wie lange dieſe Leute auf der Inſel verweilten, iſt ungewiß; nach dem Kummer⸗ tode der Dame legte Macham ihren Koͤrper in eine 24 Art von Kapelle oder Einſiedelei, welche er zur Ehre Jeſus errichtet hatte, und nebenher ein Denkmal, in welches er den Namen der Dame und ſein Schick⸗ ſal eingrub. Dann hieb er mit ſeinen Gefaͤhrten ei⸗ nen großen Baum um, hoͤhlten ihn wie einen Kahn aus, ſetzten ſich in denſelben und erreichten mit vie⸗ ler Anſtrengung und Gefahr die gegenuͤber liegende Kuͤſte von Afrika. Daſelbſt wurden ſie als außeror⸗ dentliche Weſen von den Einwohnern ergriffen, und vor den Koͤnig gefuͤhrt, welcher ſie ausforſchte, und als Geſchenk dem Koͤnige von Kaſtilien zuruͤck ſendete. Dieſe Begebenheit machte ſo großes Aufſehen, daß jene Schiffe ausgeruͤſtet wurden, mit welchen die ka⸗ nariſchen Inſeln entdeckt worden ſind; allein die See⸗ fahrer fanden keine ſolche Inſel, wie Macham be⸗ ſchrieben hatte*). König Johann I., genannt Nothus, von Portugal hatte die Regierung zu einer Zeit uͤbernom⸗ men, in welcher viele unruhige und tapfere Menſchen auf ſeinem Boden lebten. Das Geruͤcht von großen Reichthuͤmern anderer Welttheile, und vom Schick⸗ ſale Macham's war ihm bekannt; er ſehnte ſich da⸗ her nach neuen Entdeckungen durch jene Menſchen. Er hatte s Soͤhne, unter welchen der zweite, Don *) Galvanos Ii goseries, translated by Hackluyt P. II. IL. I. C. 3.— Emanuel de Faria 5 Sousa. L. IV. C. 3. Pedro, wegen ſeiner vorzuͤglichen Munterkeit und Geiſteskraft in den meiſten Wiſſenſchaften unterrich⸗ tet, und dann durch Frankreich, England, Deutſch⸗ land und Italien, wie auch nach Aſien und Afrika, theils zur hoͤheren Ausbildung, theils fuͤr den Zweck neuer Entdeckungen geſendet wurde. Da dieſer aber nach dem fruͤhen Tode ſeines Vaters Johann und alteſten Bruders Eduard die Regentſchaft ſtatt ſei⸗ nes minderjaͤhrigen Neffen Alonzo fuͤhren mußte, ſo konnte er ſeiner liebſten Neigung zu Reiſen nicht folgen, ſondern ſeine Beobachtungen und Erfahrun⸗ gen derſelben, beſonders zu Venedig, ſeinem Bruder Heinrich bloß mittheilen. Auf ſeiner Ruͤckkehr aus Palaͤſtina naͤmlich war er uͤber Rom nach Venedig ge⸗ kommen, wo er ſehr viele gute Karten ſtudirte, auf welchen er Winke zu ſpaͤtern Entdeckungen fand. Don Heinrich, Herzog von Viſev, hatte ſich von fruͤheſter Jugend an der Mathematik gewidmet. Bei ſeinem ruhigen und anſpruchsloſen Charakter und hoͤchſt durchdringenden Verſtande war es ihm leicht, mit gelehrten Maͤnnern umgang zu pflegen, durch deren freundſchaftliche Belehrung er ſchnellere Fort⸗ ſchritte in ſeinem Wiſſen machen konnte. Unter die⸗ ſem waren ihm die in der Kosmographie und Aſtrono⸗ mie gleich hoch geachteten Maͤnner die willkommen⸗ ſten. Nachdem er im Kriege gegen die Mohren ſei⸗ nen Muth erprobt hatte, ſo ſuchte er ſeine Vorliebe nach neuen Entdeckungen zu befriedigen. Er entſchloß 1 26 ſich zuerſt, die kanariſchen Inſeln an ſich zu ziehen, welche damals dem Maciot von Bethancourt durch den Koͤnig von Kaſtilien uͤbergeben waren, und welcher ſie gegen eine Erkenntlichkeit 140s an den Prinzen Heinrich abtrat. Dieſer ließ ſie durch Ferdinand de Caſtro in Beſitz nehmen. Da er glaubte, daß ſie ihm zur Entdeckung der an den afri⸗ kaniſchen Kuͤſten liegenden Laͤnder und Inſeln ſehr nüͤtzlich ſeyn koͤunten, ſo ruͤſtete er 1410 mehre Schiffe aus, welche er mit unterrichteten Kapitaͤnen und Ma⸗ troſen aus Spanien und andern Laͤndern bemannte. Die Graͤnzen des ſuͤdweſtlichen Theiles von Afrika, welche damals den Portugieſen bekannt waren, beſtan⸗ den aus einem Kap, welches ſich vom Fuße des Ber⸗ ges Atlas, deſſen wahrer Name Chaunot war, welches von Seefahrern Capo Non genannt wurde, und nach damaliger Meinung unter dem 280 10“ der noͤrdlichen Breite liegen ſollte. Jene Schiffe ſegel⸗ ten um daſſelbe laͤngs des Ufers Capo Bojadere unter dem 260, hatten aber nicht den Muth, es zu umſchiffen. Im J. 1416 ͦberfiel K. Johaun IJ., in Beglei⸗ tung ſeines dritten Sohnes Heinrich, die Araber im Lande des Koͤnigs Bani Marin, wozu er durch teutſche Truppen und engliſche Kaufleute unterſtuͤtzt worden iſt. Er uͤberwand ſie, machte viele tauſend nieder, und eroberte die große und mit einem Walle befeſtigte Stadt Ceutg, wobei Don Heinrich in 27 ſeinem 24ſten Jahre ſich durch beſondern Muth und viele Geſchicklichkeit auszeichnete. Von dieſer Zeit an wuchs ſeine Sehnſucht nach der Entdeckung neuer Laͤnder ungemein bis zu ſeinem Tode. Er verwendete ſein Geld zur Anſtellung erfahrner Schiff⸗Bauer und Fahrer; er ließ beſonders einen gewiſſen James aus Majorea holen, welcher in der Verfertigung von Seekarten und andern See⸗Inſtrumenten ſehr ge⸗ ſchickt war, und durch ihn oͤffentlichen Unterricht dar⸗ uͤber in einer Schule ertheilen, welche Akademie genannt wurde. Aus ſeinen Unterredungen mit vielen Reiſenden durch die damals bekannte Welt, beſonders mit Mo⸗ ren von Fetz und Marokko, erlangte er einige Kenntniß von den Arabern, welche naͤchſt den Graͤn⸗ zen von Guinea, dem Koͤnigreiche Jalof und den Wuͤſten von Afrika und Aſſenhaji wohnten. Um ſeinen Forſchungen freiern Spielraum geben zu koͤnnen, ließ er ſich zu Ternacabal im Koͤnigreiche Algarbien am Vorgebirge Sagres nieder, wo die Ausſicht auf das Meer ſeine Hoffnungen belebte und ſeine Bemuͤhungen auſpornte. Er ließ vorerſt zwei Schiffe ausruͤſten, welche uͤber das Vorgebirge Bojador, Nam oder Non— die Graͤnze der ſpa⸗ niſchen Schifffahrt— hinaus ſegeln ſollten; allein dieſe Schiffe und mehre andere, welche ihnen folg⸗ ten, kamen nicht weiter, als 60 Meilen hinter das Vorgebirge. Daſelbſt iſt naͤmlich eine ſtarke Fluth, 28 welche ungefaͤhr 6 Meilen von demſelben abfließt, ſich auf den Sandbaͤnken bricht, und große Wel⸗ len macht. Durch dieſe wurden die Seefahrer er⸗ ſchreckt und eingeſchuͤchtert, welche damals noch nicht erwogen, daß ſie um die Spitze herum ſegeln koͤnn⸗ ten, wenn ſie weiter außen auf der hohen See fah⸗ ren wuͤrden. Der Prinz Heinrich, welcher die leichte Ueber⸗ windung dieſer Schwierigkeit einſah, ſchickte zwei Edelleute ſeiner Umgebung Juan Gonzales Zarco und Triſtan Vaz Deixeira, in einem kleinen Schiffe 1418 mit dem Befehle aus, laͤngs der barba⸗ riſchen Kuͤſte zu fahren, bis ſie uͤber jenes fuͤrch⸗ terliche Vorgebirge hinaus gekommen waͤren, und jenes Land entdeckt haͤtten, welches nach den Aus⸗ ſagen der Araber und nach den Vermuthungen der Gelehrten bis an die Linie reichte. Ehe ſie aber die afrikaniſchen Kuͤſten erlangten, uͤberfiel ſie ſchon ein ſo außerordentlicher Sturm, daß ſie beſorgten, von den Wellen verſchlungen zu werden. Sie wurden, ohne zu wiſſen, in welcher Gegend ſie ſich befanden, an ein kleines Eiland getrieben, welches ſie Porto Santo nannten, weil ſie es am Tage Aller⸗Heili⸗ gen erreichten. Sie fanden die Einwohner weder ganz eiviliſirt, noch ganz barbariſch, und das Erd⸗- reich ſehr fruchtbar. Bei ihrer Ruͤckkehr erfreuten ſie den Prinzen durch ihren Bericht ſo ſehr, daß er ſie ſogleich mit dem beruͤhmten Bartholomaͤo Pere⸗ 29 ſtrello und drei Schiffen, welche viel Samen zur Aussſaat, und allerlei Thiere zur Beſetzung des Lan⸗ des mitbrachten, wieder dahin ſendete. Sie hatten zwei Kauinchen bei ſich, welche ſich ſo ſchnell ver⸗ mehrten, daß das neue geſaͤte Korn und die Pflanzen von ihnen verheert wurden, weßwegen man ſehr viele wieder toͤdten mußte. Pereſtrello kehrte nach Por⸗ tugal zuruͤck. Juan Gonzalez Zareo und Triſtan Vaz Teireira machten 1419 eine andere Reiſe nach ei⸗ ner Inſel, welche ihnen von Ferne wie eine Wolke vorkam, weil ſie mit ſehr vielen Baͤumen beſetzt war; deßwegen nannten ſie dieſelbe Madeira, Madera. Dieſe liegt ſuͤdlich gegen Porto Santo, und iſt nach der geſunden Luft und der Menge von Lebens⸗ mitteln die vornehmſte im weſtlichen Meere. Jeder Entdecker war von Don Heinrich bevollmaͤchtigt, unter dem Titel eines Hauptmanns ſich einen Theil der gefundenen Inſeln zuzueignen. Triſtan legte ſeinen Namen der Landungs⸗Spitze bei, und Gon⸗ zales nannte ſeinen Theil die Wolfshoͤhle(Ca⸗ mara de Lobos), weil er eine ſolche daſelbſt zu finden glaubte. Sie fanden bald die von Macham errichtete Einſiedelei mit dem Grabmal, weßwegen ſie deſſen Landungsplatz Machico hießen. Da die ganze Inſel mit Holz bewachſen war, ſo ließen ſie ſogleich einen. Theil davon abbrennen, um Anlagen und Pflanzungen machen zu koͤnnen. Allein die 30 Flamme griff ſo ſehr um ſich, daß in ſpaͤtern Zeiten ein Mangel an Holz entſtand. Der Prinz Heinrich ließ auf die erſte Nachricht von der Entdeckung Zucker⸗ rohre aus Sizilien dahin bringen, welche ſo ſchnell gediehen, daß nach einigen Jahren ſchon in einem Umkreiſe von neun engliſchen Meilen der fuͤnfte Theil, welchen der Prinz fuͤr ſeinen Ritterorden vor⸗ behielt, uͤber 60,000 Aroben, jedes 25 Pfund, betrug. Bald wurden Kirchen fuͤr die vermehrte Zahl der Ein⸗ wohner errichtet, ſpaͤter eine Domkirche. K. Eduard (Duarte) ſchenkte ſeinem Bruder Heiurich die Inſel, wovon die geiſtlichen Einkuͤnfte ſpaͤter dem Ritter⸗Orden Chriſti zugetheilt wurden. Zwoͤlf Jahre hatte der Prinz bereits uͤber die moͤgliche Entdeckung von Guinea nachgedacht; der gute Erfolg mit den beideu entdeckten Inſeln ſpornte ſeinen Eifer vom Neuen, waͤhrend viele vorurtheils⸗ volle Menſchen ſeine Unternehmungen verdammten, und ihm die Verſchwendung des Geldes und die Ver⸗ nichtung vieler Menſchen vorwarfen. Viele hielten die Fluthen, Stuͤrme und Windwirbel fuͤr unbeſieg⸗ bare Hinderniſſe, erklaͤrten das Land, nach welchem er ſtrebte, fuͤr eine Wuͤſte Lybien's, welche wenige erreichen oder ertragen koͤnnten. Statt daß ſein Va⸗ ter Fremde zur Anſtedelung nach Portugal eingela⸗ den habe, fuͤhre er ſo viele aus, daß Mangel an Be⸗ wohnern entſtehe. Der Beweis, daß Gott jene Inſeln bloß den wilden Thieren angewieſen habe, 31 ergebe ſich ſchon daraus, daß die ſchnell vermehrten Kaninchen die Menſchen vertrieben. 3„ Es iſt nicht zu laͤugnen, daß die erſte Entdeckung beider Inſeln ein großes Opfer an Geld und Men⸗ ſchen erforderte; allein dieß ſchreckte den Prinzen nicht ab, ſeiner Nation eine reiche Ernte in der Zu⸗ kunft zu bereiten. Vielmehr veranlaßte ihn der Neid benachbarter Nationen, der Krone Portugal von dem 1431 geſtorbenen P. Martin V. eine Schenkung aller Laͤnder, welche vom Vorgebirge bis nach und mit Oſtindien liegen unter einem ewigen Ablaſſe fuͤr alle bei dieſem Unternehmen Sterbende ertheilen zu laſſen. Dieſe Schenkung wurde auf den Antrag des K. Alphons und deſſen Sohnes Johann I. von den P. Eugen lV., Nikolaus V. und SiytuslVv. beſtaͤtigt, damit das gemeine Volk zur Mitwirkung und Cheilnahme gereitzt, und andere Nationen ab⸗ gehalten wurden, Eingriffe zu machen. Gleich nach dieſer Urkunde ſendete der Prinz den Seefahrer Gi⸗ lianes in einem Schiffe ab, welcher 1432 das noch nicht umſegelte Vorgebirge Bojador umſchiffte, welche Unternehmung mit den Arbeiten Herkules verglichen wurde. 4434 wiederholte Gilianes die Fahrt mit Alonſo Gonzales Baldaya in ei⸗ nem groͤßeren Schiffe, und ſegelte 30 Meilen hinter das Vorgebirge. Bei der Landung fanden ſie viele Fußſtapfen von Menſchen und Vieh, worauf ſie ſo⸗ gleich der Kuͤſte den Namen Angra de Ruyvos, 32 oder Gurnets⸗Bay nach den daſelbſt gefundenen Fiſchen gaben und zuruͤck kehrten. 4435 wurde der Verſuch auf 12 Meilen weiter wiederholt; ſie ſetzten zwei Mann zu Pferd an das Uſer, welche vom fruͤ⸗ hen Morgen bis nach Mittag herum ritten, und und 49 Einwohner mit Wurfpfeilen beobachteten, welche flohen; ſie verfolgten und verwundeten ſie, wofuͤr auch ein Portugieſe Blut verlor. Bei ihrer Ruͤckkehr wurde Baldaya ſo neugierig, daß er an das Land ſtieg, die Moren oder Mauren zu ſehen; allein ſie waren entfernt, und hatten in ihren Hoͤh⸗ len nichts von Werth hinterlaſſen. Dann fuhren die Portugieſen laͤngs der Kuͤſte noch 12 Meilen weiter, wo ſie an der Muͤndung eines Fluſſes ſehr viele See⸗ woͤlfe ſahen, von welchen ſie manche toͤdteten und als koſtbare Seltenheit zuruͤck brachten. Bei ihrem Vorſchreiten in das Land fanden ſie zwar auch Fi⸗ ſchernetze, aber keine Menſchen, noch weniger Le⸗ bensmittel; deßwegen kehrten ſie zu ihrem Prinzen zuruͤck. 4 1440 wurde Anton Gonzalez wieder mit dem Auftrage dahin geſendet, ſein Schiff mit den Haͤuten von Seeſoͤ fen zu fuͤllen. Er ſchritt mit 10 Mann 3 Meilen weit in das Land vor, und entdeckte einen nackten Menſchen mit 2 Pfeilen in der Hand, wel⸗ cher ein Kamel trieb. Er naͤherte ſich ihm, und nahm ihn mit ſich; denn dieſer war ſo erſchrocken, daß er weder zu entfliehen, noch ſich zu vertheidigen wagte. Auf ihrem Nuͤckwege traf er eine Geſellſchaft von 40 Moren mit einer Weibsperſon, welche er auch ohne Widerſtand mitnehmen durfte. Dieſes Paar war alſo das erſte, welches an der Kuͤſte ge⸗ fangen wurde. Bei der Annaͤherung zu ihrem Schiffe ſahen ſie ein zweites, unter der Leitung von Nunno Triſtan, aus Portugal angekommen. Mit dieſer ver⸗ ſtaͤrkten Mannſchaft gingen ſie noch ein Mal in das Land hinein, und naͤherten ſich gegen dunkeln Abend einigen Menſchen ſo ſehr, daß ſie ihrer Waffen ſich nicht bedienen konnten, ſondern einander mit den Armen umfingen, und ſich blos durch ihre verſchie⸗ denen Sprachen, Nacktheit oder Bekleidung einander zu erkennen gaben. Sie toͤdteten drei, und fuͤhrten 10 Gefangene in ihre Schiffe. Dieſen Platz nannten ſie den Ritter⸗Hafen(Puerto del Cavallero), weil Anton Gonzalez daſelbſt von Nunno Tri⸗ ſtan zum Ritter geſchlagen wurde. Guuͤcklicher Weiſe hatten ſie einen Araber am Bord, durch welchen die Moren ſich verſtaͤndlich machen konnten; dieſen ſetz⸗ ten ſie mit der Weibsperſon auf das Land, um die Einwohner zur Ausloͤſung der Gefangenen zu bere⸗ den. Des andern Tages erſchienen gegen 150 Ein⸗ geborne, welche theils auf Pferden, theils auf Ka⸗ meelen die Portugieſen aufforderten an das Land zu ſteigen. Da dieſe nicht Folge leiſteten, ſo warfen die Moren eine Menge Steine auf die Schiffe, und entfernten ſich. Darauf kehrte Gonzalez nach Por⸗ 5tes B. Indien. I 1. 3 34 tugal zuruͤck; Triſtan aber fuhr nach ausgebeſſertem Schiffe auf 20 Grad der Breite bis an das weiße Vorgebirge(Cabo blanco), wo er zwar menſch⸗ liche Fußſtapfen, aber keine Menſchen antraf; er kehrte dann auch zuruͤck. 1442 ſchiffte Ant. Gonzalez an die naͤmliche Kuͤſte, und brachte das Haupt der weggenommenen Moren mit, welcher 7 Selaven fuͤr ſeine Befreiung vorſprochen hatte; allein er hielt nicht Wort. Dafuͤr kamen Andere an den Landungsplatz, baten um die Auspfaͤndung zweier Juͤnglinge, wofuͤr ſie 10 ſchwarze Maͤnner aus verſchiedenen Laͤndern und viel Gold⸗ ſtaub gaben, welcher der erſte aus dieſer Gegend war. Aus dieſem Grunde wurde der Fluß, welcher s Meilen innerhalb des Landes floß, Goldfluß (Rio del Oro) genannt. Nebſt dem brachte Gon⸗ zalez ein Schild von Bocks⸗Haͤuten und einige Strau⸗ ßen⸗Eier zuruͤck; die Farbe der Wilden wurde allge⸗ mein bewundert. Der Reiz des Goldes bewog Nunno Triſtan, dieſe Reiſe 1443 zu wiederholen. Er entdeckte die Inſel Adeget, eine von den Arguim's⸗Inſeln, und ſah 20 Boote, welche von dem feſten Lande her⸗ uͤber fuhren, deren jedes von 4 Mann beſetzt war, welche mit ihren Fuͤßen ruderten. Triſtan ſendete ſein Boot mit ſieben Mann aus, welche dieſelben verjagten, und 14 gefangen nahmen. Er begab ſich dann auf eine andere Inſel, welche er wegen der 3⁵ daſelbſt befindlichen Menge von Habichten de las Garzas nannte“, wovon er einige zuruͤck brachte. Je mehr Vortheile die Seefahrer errangen, deſto mehr wurde die Begierde nach ihnen erwekt. Aus verſchiedenen Laͤndern kamen Neugierige nach Por⸗ tugal, die Merkwuͤrdigkeiten zu bewundern, welche die Seefahrer mitbrachten. Im J. 1444 machte des Prinzen Kammerdiener Lancelot, Gilianes, wel⸗ cher zuerſt das Vorgebirge Bojador umſegelte, Ste⸗ phan Alonſo, Roderich Alvarez und Juan Diaz mit Erlaubniß des Prinzen in der Stadt La⸗ gos eine Verbindung zur Fortſetzung der bereits ge⸗ machten Entdeckungen. Sie fuhren mit s beſondern Schiffen(Caravellen) aus, von welchen Lancelot der Oberbefehlshaber geweſen iſt. Nach ihrer Landung auf der Inſel de la Garceas fuhren Martin Vincent und Giles Velasque;, jeder mit 44 Soldaten in ihren Booten nach der Inſel Nar, wo ſie einige Menſchen toͤdteten, und 155 Moren gefan⸗ gen wegfuͤhrten. Lancelot begab ſich nach Tider und andern Inſeln, wo er mehr als 40 Gefangene machte, welche er dem Prinzen vorſtellte, wofuͤr er anſehnlich belohnt wurde. Gonzalo de Cintra fuhr 1448 in einem Schiffe aus. Er kam an die Arguims Inſeln, lief gegen Abend in einen kleinen Meerbuſen ein, und wollte an das Ufer ſetzen; allein wegen des Eintretens der Ebhe mußte er aufſitzen. Des andern Morgens wurde 36 er von 200 Moren uͤberfallen, welche ihn nebſt* Ge⸗ faͤhrten umbrachten. Dieſer Platz eines mislungenen Verſuches liegt 14 Meilen hinter Rio del Oro, und wurde nach dem Hauptmann Angra de Gonzalo de Cintra genannt. Im J. 1446 fuhren Anton Gonzale;, Diego Alonzo und Gomez Perez in drei Caravellen nach dem Goldffuſſe mit dem Auftrage des Prinzen, die Bekehrung der Barbaren zu verſuchen, und Han⸗ dels⸗Verbindungen mit ihnen zu treffen. Allein ſie mußten unverrichteter Sache zuruͤck kehren; nur einen Moren brachten ſie nach deſſen freiem Willen mit. RNunno Triſtan machte eine andere Reiſe, und brachte 20 Selaven zuruͤck. Denis Ferdinand fuhr in einem anderen Schiffe uͤber die Muͤndung des Fluſſel Senegal hinaus, und nahm 4 Schwarze weg, 4 welche in einem Boote fiſchten. Als er etwas weiter ſegelte, entdeckte er das gruͤne Vorgebirge, er⸗ richtete ein hoͤlzernes Kreuz, und kehrte zuruͤck 4). Anton Gonzalez, Garcia Mendez und Jakob Alonzo wurden zwar durch einen Sturm von einander getrieben; ſie ſtießen aber 1447 in den Argiume⸗Inſeln wieder zuſammen. In einem Dorfe ergriffen ſie 25 Moren, welche fluͤchtig werden woll⸗ ten; nur gute Laͤufer konnten ſie einholen, wie Lo⸗— *) Maſfei hist. Ind. L. I. C. 3.— Emanuel de Faria y Sousa epitome de las historias Portu- guesas. L. IV. Tom. I. 37 renz Diagz ſieben, andere nur einen oder gar keinen fingen. Sie nannten dieſe Spitze das Vorgebirge der Loͤſung(Cabo del Rescate), weil einige Schwarze daſelbſt ausgeloͤſet wurden. Ihre Freude war um ſo groͤßer, als ſie Johaun Fernandez wirder fan⸗ den, welcher voriges Jahr daſelbſt zuruͤck geblieben war. Er war geſund, dick, und ſo rauh geworden, wie die Eingebornen. Er berichtete ihnen, daß dieſe in dem ebenen und offenen Lande den Weg oͤfters ver⸗ loͤren, und ſich von den Sternen, Winden und Voͤ⸗ geln zu Land, wie auf der See leiten ließen; ſie naͤhr⸗ en ſich von einem gewiſſen Kraute, welches die Erde ohne Saat hervor bringe, von einigen Kraͤutern, Ei⸗ dechſen und Heuſchrecken, welche in der heißen Sonne geroͤſtet werden, deren Strahlen unter dem Wende⸗ zirkel des Krebſes brennend heiß ſind. Sie bedienten ſich meiſtens der Milch zum Trinken und Kochen aus Mangel an Waſſer, weswegen ſie die Weibchen bei dem Schlachten fuͤr Speiſen ſchonten. Die naͤher am Ufer des Meeres ſich aufhielten, naͤhrten ſich auch von Siſchen; die ihnen durch Portugieſen gereichten Ge⸗ treidkoͤrner verſchluckten ſie, ohne ſie zu zermalmen. Das ganze Gebiet war noch unfruchtbar, ſehr ſand⸗ reich, trug wenige Palmen und viele Feigen. Die Eingebornen hatten keine Haͤuſer, ſondern nur Zel⸗ te, und kleideten ſich gewoͤhnlich mit Thierhaͤuten. Die Vornehmeren trugen Alharks, welches unſerem Krepp nicht unaͤhnlich iſt. Ihre Beſchaͤftigung be⸗ 38 ſchraͤnkte ſich auf Viehzucht; ihre Sprache glich jener an den barbariſchen Kuͤſten, und war von dieſer nicht mehr unterſchieden, als die kaſtiliſche und galliziſche von einander. Sie hatten keinen Koͤnig, ſondern leb⸗ ten nur in Staͤmmen. Auf dem Ruͤckwege toͤdteten die Portugieſen einige Woren auf dem weißen Vor⸗ gebirge, und nahmen ss Gefangene mit ſich. Zur naͤmlichen Zeit landeten Dinis⸗Danez de Gram, Alvaro Gil und Mafoldo de Setu⸗ bal, jeder in einer beſondern Caravelle, auf der Inſel Arguim, nahmen 7 Moren, und durch deren Mitwirkung noch 47. Sie fuhren laͤngs der Kuͤſte des feſten Landes so Meilen, nahmen nach und nach 0 Selaven weg, verloren aber 7 Portugieſen, welche auf der Inſel de las Garzas erſchlagen wurden, els ihr Boot bei der Ebbe auf dem Sande liegen blieb. Lancelot ſegelte von Lagos wieder nach Ar⸗ guim als Admiral von 14 Schiffen. Zu gleicher Zeit liefen Alvaro und Dinis Fernandez, Juan de Caſtilla und Andere nach Madeira mit 13 Schiffen aus. Neun der erſteren kamen nach Ar⸗ g uim, woſelbſt Dinis⸗Danez war, welcher ſie zur Verheerung der Inſel beredete, um den Tod der ¹ getoͤdteten Portugieſen zu raͤchen. Allein die Moren ſahen ihre Gefahr ein, und fluͤchteten ſich bis auf 12, von weichen nur 4 gefangen werden konnten; die uͤbri⸗ gen wurden getoͤdtet; wobei auch ein Portugieſe fiel. Alvaro de Freytas kehrte mit ſeinen drei Schiffen 39 zuruͤck. Lancelot ſegelte mit den ſeinigen nach der Inſel Tider, ſtieg an das Land, und ging ſo⸗ gleich wieder an Bord, weil er keine Menſchen fand. Die Moren ſpotteten die Portugieſen in ihren Schiffen: dieſe wurden dadurch gereizt, daß ſie an daß Ufer ſchwammen, mit ihnen kaͤmpften, viele toͤdteten, und 60 gefangen wegfuͤhrten. Hierauf kehrte Suerto da Coſta und nech drei Andere zuruͤck. Auf dem weißen Vorgebirge nahmen ſie 9 Moren gefan⸗ gen, von welchen ein Franenzimmer durch das Ver⸗ ſprechen eines großen Loͤſegeldes den Suerto taͤuſch⸗ te. Denn bei der Inſel Tider ſprang dieſe gewandte Schimmerin uͤber Bord, und gewann ihre Freiheit. Lancelot und Andere, unzufrieden ohne alle Beute zuruͤck kehren zu muͤſſen, faßten den Entſchluß, nach Sarrah und Guinea zu fahren, ſtatt deſſen ſie ſich nach der Inſel Palma begaben. Sie kamen nach Gomera, lund wurden von zwei Befehlshabern Piſte und Brucho, aus Erkenntlichkeit fuͤr die vom Prinzen Heinrich genoſſenen Beguͤnſtigungen, ſehr gut aufgenommen. Sie entdeckten dieſen ihr Vorha⸗ ben, beredeten ſie zur Begleitung, und landeten dann in Palma. Daſelbſt machten ſie 17 Gefangene, un⸗ ter welchen eine ſehr große Morin war, welche als die Koͤnigin dieſes Theiles der Inſel verehrt wurde. Sie kamen nach Gomera zuruͤce, wovon Juan de Caſtilla aus Unzufriedenheit uͤber ſeine Beute mehr als 20 Einwohner wegfuͤhrte, welche ihm freundſchaft⸗ 40. lichen Beiſtand geleiſtet hatten. Der Prinz Hein⸗ rich ließ ſie gut kleiden, und ſchickte ſie in ihr Vater⸗ land zuruͤck, um das Unrecht wieder gut zu machen. Gomera und Palma, Cheile der kanariſchen Inſeln, wurden 138s fuͤr den Koͤnig Heinrich all. in Spanien entdeckt, worauf Jean de Bethan⸗ court aus Frankreich von K. Johann II. in Ka⸗ ſtilien die Erlaubniß erhielt, ſie zu erobern. Nach⸗ dem er Lancelote, Fuerteventura und Ferro unterjocht hatte, ließ er ſeinen Neffen Maſiot von Bethancourt als Statthalter zuruͤck, welcher Go⸗ mera einnahm. Er vertauſchte ſie ſpaͤter an den Prinzen Heinrich fuͤr einige Beſitzungen in Ma⸗ deira, wohin er ſich begab. Da aber die uͤbrigen 8 Inſeln Gran Canaria, Palma, Gracioſa, In fierno, Alegranza, Santa Clara, Roche und Lobos nicht erobert wurden, ſo ſchickte der Prinz im naͤmlichen Jahre 1447 noch eine Flotte mit 2500 Fußgaͤngern und 120 Reitern mit Lanzen, unter der Anfuͤhrung Don Ferdinando de Caſtro aus, welcher daſelbſt landete, und viel Unglaͤubige bekehrte. Da aber der ſpaniſche Hof einige Anſpruͤche auf dieſe Inſeln machte, ſo wurde das Geſchaͤft der Unter⸗ jochung unterlaſſen. Spaͤter uͤbergab ſie K. Hein⸗ rich 1V. von Portugal an den Grafen Don Mar⸗ tin de Ataide von Antonguia. In dem Ver⸗ trage zwiſchen K. Alphons von Portugal und K. Ferdinand von Kaſtilien wurden ſie dem letzteren 41 Staate zugeſprochen. Die damaligen Einwohner wur⸗ den von gewiſſen Ariſtokraten regiert; ſie unterſchie⸗ den ſich von einander in der Art des Gotterdienſtes. Im Kampfe bedienten ſie ſich keiner andern Waffen, als der Stoͤcke und Steine. Ihr oberer Koͤrper war mit Thierhaͤuten, ihr unterer mit verſchiedenartigen Palmblaͤtern bedeckt. Ihre Baͤrte ſchoren ſie mit ſcharfen Steinen. Ihren Befehlshabern mußten alle Maͤdchen die Loͤſung des Hymens vor der Heirath uͤberlaſſen; dieſelben hatten auch die Fremden zu be⸗ dienen, iwie in China. Ihre Kinder ſogen die Milch der Ziegen⸗Muͤtter. Die gewoͤhnliche Nahrung der Erwachſenen war Weitzen, Gerſte, Milch, Kraͤuter, Maͤuſe, Eidechſen und Schlangen. Auf der Ruͤckkehr nach Portugal entdeckte Lan⸗ celot den Fluß Ovedeck, welchen er Senegal nannte, weil ein Schwarzer dieſes Stamm⸗Namens daſelbſt in Freiheit geſetzt wurde. Stephan Alfonſo fuhr in einem Boot den Fluß hinauf, und nahm zwei Schwarze nach hartnaͤckigem Widerſtande gefangen. Roderigo Anez und Dinis Diaz wurden hier durch einen großen Sturm von den Uebrigen getrennt, und langten in Portugal an. Lancelot ruderte gegen das gruͤne Vorgebirge, und landete auf einer Inſel, wo er nichts als Geiſe fand, und in der Rinde eines Baumes den Wahlſpruch Heinrichs: Talent de bien faire; woraus er auf die fruͤhere Anweſenheit von Portugieſen ſchloß, welche Alvaro —————ö—; ——— 42 Fernandez von Madeira dahin gebracht hatte. Lancelot hielt auf der hohen See, waͤhrend Go⸗ mez Perez in einem Boot dem Ufer ſich naͤherte, einen Spiegel und einen Bogen Papier, worauf ein Kreuz gezeichnet war, den Wilden zuwarf, welche Beides zerbrachen und zerriſſen, und dann eine Menge Pfeile auf ihn abſchoſſen. Die Portugieſen wolten ſich dafuͤr des andern Tages raͤchen; allein ſie wur⸗ den durch einen großen Sturm, welcher alle ihre Schiffe zerſtreute, daran verhindert. Lorenz Diaz kehrt⸗ zuerſt in ſein Vaterland zuruͤck; Gomez Perez lief in den Goldfluß ein, woher er einen Selaven und viele Haͤute von Seewoͤlfen brachte. Alvaro Frey⸗ tas und Vincent Diaz machten auf der Inſel Ti⸗ der 59 Selaven; Dinis Fernandez und Pala⸗ eano nahmen noch 9 hinweg, indem 12 Portugieſen deßwegen an das Ufer ſchwammen. Mit dieſen ge⸗ ringen Vortheilen kehrten ſie Alle wohlbehalten zuruͤck, und hatten nur den Verluſt eines kleinen Schiffes. Nunno Triſtan war von dem Streben erfuͤllt, ſich dem Prinzen Heinrich unvergeßlich zu machen; er fuhr daher so Meilen hinter das gruͤne Vorgebirge, warf an der Muͤndung des großen Flußes(Rio grande) Anker, und ſegelte in ſeinem Boote den Fluß hinauf. Er entdeckte 7o Schwarze, welche ihn um⸗ kreisten, und ſo zahlreiche vergiftete Pfeile abſchoßen, daß die meiſten ſeiner Begleiter ſtarben, ehe er wie⸗ der an Vord kommen konnte, wo er guch ſtarb. Nur 43 vier im Schiffe zuruͤck gebleibene Maͤnner kamen durch gluͤcklichen Zufall in ihr Vaterland, nachdem ſie zwei Monat⸗ beſtimmungslos auf dem Meere herum geirrt waren. AlvaroFernandez machhte die naͤmliche Reiſe, und ſegelte 40 Meilen weiter als Triſtan. Bei ſei⸗ ner Landung wurde er zwar auch von vielen Schwar⸗ zen hart angegriffen; allein er war ſo gluͤcklich, ihren Aufuͤhrer zu toͤdten; worauf die andern flohen. Er ſegelte dann an den Fluß Tubite, wo er auch von fuͤnf Haufen Schwarzen angegriffen und verwundet wurde. Gilianes und Andere liefen in zehn Caravellen aus, und hatten die Gefangenen bei ſich, welche Jo⸗ hann de Caſtilla unrechtmaͤßiger Weiſe geraubt hatte. Bei ihrer Landung am gruͤnen Vorgebirge wur⸗ den ſie ſo uͤbermannt, daß ſie s Mann verloren. Da ſie unter den Moren gluͤcklicher waren, ſo ſegelten ſie nach Arguim zuruͤck, wo ſie 48 Selaven machten. Auf ihrer Ruͤckkehr nach Palma nahmen ſie zwei Weiber weg, wobei ſie ſelbſt aber das Leben verleren haͤtten, wuͤrde nicht Diego Gonzales mit einer Armbruſt ſieben Inſulaner, und unter dieſen auch deren Koͤnig getoͤdtet haben, welcher ſie mit einer Palme in der Haud, zum? Beichen ſeiner Oberherrſchaft, anfuͤhrte. Gomez Perez wurde von einigen Moren am Goldfluſſe, durch das Verſprechen einer großen Aus⸗ 44 loͤſung getaͤuſcht; er nahm ſich aber durch die Abfuͤh⸗ rung von 60 Selaven hinlaͤngliche Genugthuung. Im J. 1448 lief Diego Gil Homen auf des Prinzen Befehl aus, mit dem Moren von Meza oder Meſſa— 12 Meilen hinter dem Vorgebirge Gue— einen Handels⸗Vertrag abzuſchließen. Er brachte ⸗ nebſt Selaven auch einen Loͤwen nach Liſſabon zuruͤck, deſſen Einwohner noch keinen geſehen hatten. Der Ruf von dieſen Unternehmungen hatte ſich nach Daͤnemark verbreitet, wo einer der kuͤhnſten Hoͤf⸗ linge, Namens Ballarte, ſich zur Reiſe nach Por⸗ tugal entſchloß. Er wurde von ſeinem Koͤnige Chri⸗ ſtian I. mit einem Empfehlungs⸗Schreiben an Don Heinxich verſehen, welcher ihn mit ſeinem G⸗ſand⸗ ten Fernando Alonſo an den Koͤnig des gruͤnen Vorgebirges ſchickte. Deſſen Landung wollten ſich die bewaffneten Eingebornen aufaugs widerſetzen; doch. zwei ſchwarze Selaven beſaͤnftigten ſie durch die Ver⸗ ſicherung, daß die Portugieſen bloß zu ihrer Bildung und Bekehrung gekommen ſeyen. Darauf erſchien der Farim oder Statthalter der Moren an dem Ufer, und theilte die Nachricht von ihrer Ankunft ſeinem Koͤnige mit. Bald eroͤffneten ſie einen wechſelſeitigen Tauſch⸗Handel. Einige Elephautenzaͤhne reitzten den Daͤnen Bollarte, den Wunſch zu aͤußern, er moͤchte einen lebendigen Elephanten ſehen; dieſe Neugierde zu befriedigen, bot ſich ein Schwarzer an; allein in der Entfernung wurde der Daͤne mit ſeinen Gefaͤhrten 45 umgebracht; worauf auch die Portugieſen die Ankunft des Konigs zu erwarten, nicht mehr raͤth ich fanden. Im J. 1448 ſtarb K. Eduard(Duarte) von Portugal, hinterließ einen ſechsjaͤhrigen Sohn, Alonſo oder Alfonſo V., waͤhrend deſſen Minderjaͤhrigkeit Don Pedro, Bruder Heinrichs die Regierung verwaltete. Nachdem Alfonſo dieſe 1459 uͤbernahm, wurden die Entdeckungen zwar auf Koſten des Staates fortgeſetzt, aber bei weitem nicht mit dem vorigen Eifer. Er gab dem Oheim Heinrich des Privile⸗ gium, daß ohne deſſen Vollmacht keiner uͤber das Vor⸗ gebirge Bojador hinaus ſegeln, und daß der fuͤnfte oder zehnte Theil aller zuruͤck gebrachten Gegenſtaͤnde ihm gehoͤren ſollte. Im J. 1460 wu de ihm noch die Erlaubniß ertheilet, die azoriſchen Inſeln zu bepflan⸗ zen, welche von Gonzalo Vello entdeckt waren. Sie heißen St. Michael, St. Maria, Jeſus oder Tercera, Pieo, Gratioſa, Fayal, Flo⸗ res, wovon die erſte gegen Oſt, die letzte gegen Weſt liegt. Sie haben mit Liſſabon faſt einerlei Breite, und wurden nach den vielen Habichten, welche man bei der Entdeckung wahrnahm, de las Garcias be⸗ nannt. In Cuervo wurde eines Mannes Bildſaͤule zu Pferd mit einem Mantel, ohne Hut, gefunden, deſ⸗ ſen linke Hand auf des Pferdes Maͤhne ruhte, deſſen rechte aber gegen Weſten deutete. Auf dem unterſten Steine waren einige unverſtaͤndliche Buchſtaben ein⸗ gegraben, welche Amerika anzuzeigen ſcheinen. Da 46 auf den Inſeln Argnuim mit Gold und den Schwar⸗ zen gehandelt wurde, ſo befahl der Koͤnig, auf einer derſelben ein Fort gleiches Namens zu bauen, wel⸗ ches 1461 von deſſen erſtem Kommandanten Suero Mendez geſchah. 1162 wurden die Inſein des gruͤ⸗ nen Vorgebirges durch den Genuſen Antonio de Noli entdeckt, welcher von ſeiner Republik nach Por⸗ tugal geſendet war. Er nannte die von ihm am 1. Mai entdeckte Inſel Majo; den naͤchſten Tag ſah er die beiden anderen, und nannte ſie St. Phi⸗ lipp und St. Jakob; die uͤbrigen 10 Fuego, Brava, Boaviſta, Sal, St. Nikolas, St. Lucia, St. Vincent und St. Anton. Da ſie nur 100 Meilen weſtwaͤrts vom gruͤnen Vorgebirge liegen, ſo werden ſie gewoͤhnlich deſſen Inſeln ge⸗ nannt. Pedro de Cintra und Suera de Coſta fuhren bis Sierra Leona unter dem achten Grade der Linie. Im J. 1463 ſtarb der Prinz Heinrich, der Ur⸗ heber aller planmaͤßigen Entdeckungen, beſonders nach Suͤd und Weſt*). Er war von mittlerer Groͤße, ſtar⸗ kem Koͤrper, ſchoͤner Geſtalt, dichten und harten Haa⸗ ren. Sein Antlitz kam allen, welche ihn ſelten ſahen, ſchrecklich vor, obſchon er in der groͤßten Anfwallung *) In den Beilagen zu„Historcal memoir of Chri- stoph Columbus by Spotorno“ iſt die erſte Ur⸗ kunde voll Beſtaͤtigungen unſerer hier aufgeſtellten Behauptungen fuͤr Don Heinrich von Portugal. 47 wehr durch Sanftmuth, als Leidenſcheft geleitet wurde. Er hatte ein eben ſo ernſthaftes als wohlwollendes Ausſehen, war ſehr bedachtſam im Reden, prunklos im Anzuge, geduldig bei Unruhen, muthig und tapfer in Gefahren, ſehr freigebig, ſehr wiſſenſchaftlich ge⸗ bildet, beſonders in der Mathematik, und ſehr eifrig in der Religion. Man kannte kein Laſter, dem er ergeben war; er blieb ledig, und gab keine Probe von Unenthaltſamkeit. Sein Gedaͤchtniß war ſehr gut, und ſeine Klugheit ſtimmte mit ſeinem Anſehen uͤberein. Dieß ſind nur einige der vielen Vorzuͤge, wodurch er ſich vor vielen 1000 andern Prinzen aus⸗ zeichnete. Er ſtarh im 61 Lebensjahre auf dem Vor⸗ gebirge Sagres, und wurde an die Seite ſeines Vaters in die Kirche Batalla begraben. Nach ſei⸗ ner Leitung wurden die Laͤnder vom Vorgebirge de Non unter dem 29 Grade noͤrdlicher Breite bis Sierra Leona unter dem achten entdeckt. Die Hoffnungen von den Handels⸗Vortheilen nach Guinea, und die dadurch erregte Habſucht, war zu dieſer Zeit ſchon ſo groß, daß der Koͤnig 1469 den jaͤhrlichen Gewinn auf 56 Jahre an Fernando Gomez um 500 Dukaten mit der Verbindlichkeit ver⸗ pachtete, daß innerhalb dieſer Zeit s00 Meilen wei⸗ ter die Entdeckungen fortgeſetzt werden muͤßten. 14741 wurde unter dem fuͤnften Grade der Handel mit dem Minengolde von Juan de Santeren und Pe⸗ dro de Eſcobar angeſponnen. Sie ſegelten bis 48 an das Vorgebirge St. Katharina, 37 Meilen hinter dem Vorgebirge Lopez Gonzalez unter 2 1 Graden ſuͤdlicher Breite; wegen dieſer Entdeckung wurde ihm der Adels⸗Titel unter dem Beinamen Mina verliehen. Fernando Po entdeckte eine Inſel, welche er die Schoͤne(Hermosa) nannte, und die ſpaͤter mit ſeinem Namen zur Verewigung ſeines Andenkens be⸗ zeichnet wurde. Nebſtdem wurde die Kuͤſte entdeckt, woher die erſte Cochenille gebracht wurde, welche die mit deren Werth noch unbekaunten Italiener Para⸗ dies⸗Scharlach(Grana del Paradiso) nannten. Sie bekamen dieſelbe von Moren der Gegend Gui⸗ nea, welche das Land Mandinga und die Wuͤſte Lybiens durchzogen, und die Frucht in den Hafen Mundibarea am mittellaͤndiſchen Meere brachten. Um dieſe Zeit wurden noch das Vorgebirge St. Ka⸗ tharina, wegen des Gluͤckes an deren Namenstage ſo genannt, ferner die Inſeln St. Thomas, Anno Bueno und Principe gefunden, welche verlaſſen wurden, weil der Koͤnig mit dem Kriege in Mauri⸗ tanien zu ſehr beſchaͤftigt war. Wie ſorglos man von dieſer Zeit an, bis zu dem Tode K. Alfonſo's V. um die Erhaltung oder Fortſetzung der Entdeckungen war, mag ſchon daraus erhellen, daß die vom Mal⸗ theſer Ritter Garceig de Loayſa angefuͤhrte ſpani⸗ ſche Flotte bei ihrer Ankunft auf den Molukki⸗ ſchen Inſeln 1525 vernahm, ehemals ſeyen ſchon Por⸗ 49 tugieſen daſelbſt geweſen, wovon man in Portugal nicht einmal etwas wußte. Eben ſo hat man die Inuſel Matthaͤus unter dem zweiten Grade der fuͤdlichen Breite unbewohnt gefunden, obgleich viele Spuren von fruͤherer Anw ſenheit der Portugieſen ſich zeigten. Denn außer dem zahmen Viehe und verſchiedenen Fruchtbaͤumen, war noch ein in die Rinde eines Baumes geſchnittenes Denkmal nebſt Prinz Heinrichs Spruche:„Talent de bien faire- uͤbrig nach welchem ſie 87 Jahre vorher anweſend waren. K. Johann II. folgte 1481 ſeinem Vater Al⸗ fonſo V. in der Regierung. Schon als Kronprinz erwog er den die Landes⸗Einkuͤnfte vermehrenden NReichthum, welcher aus den neu entdeckten Laͤndern von Guinea floß, und ſeinen Unterhalt bildete. Er befahl daher vorerſt die Anlegung des Forts del Mina zur Betreibung des Goldhandels, und ruͤſtete 12 Schiffe mit allen Baumaterialien, von den Grund⸗ ſteinen bis zu den Dachziegeln, und mit Lebensmit⸗ teln fuͤr 500 Soldaten und 100 Handwerker aus. Der Befehlshaber Diego de Azambuja beſtaͤtigte bei ſeiner Ankunft den Frieden, welcher einige Zeit vor⸗ her mit dieſem Volke geſchloſſen worden war. Vor⸗ erſt ließ er deſſen Fuͤrſten von ſeiner Abſicht benach⸗ richtigen; darauf ſtieg er an das Land, nahm Beſitz, und pflanzte die portugieſiſche Fahne auf einen Baum. Hierauf empfing er den Fuͤrſten der Schwarzen, wel⸗ cher in Begleitung vieler ſeiner nackten Unterthanen, ötes B. Indien, I, 1. 4 50⁰ deren Lenden mit Affenhaͤuten oder Decken von Palm⸗ laube bedeckt waren, aufzog. Alle waren theils mit Schilden und Wurfſpieſen, theils mit Bogen und Pfei⸗ len bewaffnet; einige waren mit Haͤuten ſo behelmt, daß ſie mehr Lachen, als Furcht erregten. Die Beine und Arme des Fuͤrſten waren mit Gold⸗Platten um⸗ ſchlungen; am Halſe hing eine Kette mit vielen Glok⸗ ken und Stiften bis an den Bart. Vor ihm zogen viele Inſtrumenten⸗Spieler, doch mehr zum Geraͤu⸗ ſche, als Wohlklang, beſonders durch Glocken, Trom⸗ meln und Hoͤrner. Der Befehlshaber kam dem Fuͤr⸗ ſten mit einer ernſthaften und freundlichen Miene entgegen, und reichte ihm zum Zeichen des Friedens die Hand; auf gleiche Art wurde auch dem Oberſten begegnet. Nach der erſten ceremonioͤſen Bewillkom⸗ mung trug Azambuja die religioͤſe Veranlaſfung ſeiner Ankunft vor, und verbarg unter dieſer Maske die Habſuchs der Portugieſen. Er erbot ſich vorerſt nur, die Afrikaner in der Religion zu unterrichten, und ein Wohnhaus fuͤr ſeine Mannſchaft zu bauen; daß er ein Fort zur Sicherung ihrer Handels⸗Ge⸗ ſchaͤfte errichten wollte, verſchwieg er weislich. Letzteres wurde zuerſt abgelehnt, doch endlich gab der Fuͤrſt der Schwarzen nach. Sogleich fingen die Portugieſen an, einen Felſen fuͤr ihr Bauwerk abzu⸗ brechen. Die Schwarzen hatten aber denſelben bis⸗ ber angebetet, ſie wurden daruͤber erzuͤrnt und ver⸗ trieben die Fremden. Hierauf machte Azambuja 51 den Schwarzen mehre unbedeutende Geſchenke, durch welche ſie, ungeachtet ihres geringen Werthes, beſaͤnz⸗ tigt wurden. Nach vollendeter aͤußerer Arbeit wurde das Fort St. Georg genannt, weil K. Johann 11. dieſen Heiligen vorzuͤglich verehrte. Azambuja vei⸗ weilte daſelbſt mit 60 Mann, und ſchickte die uͤbri gen auf der mit Gold beladenen Flotte zuruͤtk. Er verwaltete die Regierung 3 Jahre ſehr ehrenvoll, was der portugieſiſche Geſchichtſchreiber de Faria unter ſeinen Landsleuten hoͤchſt ſelten findet; deßwegen wurde er auch auſehnlich belohnt. K. Johann II. wollte den neuen Spezerei⸗Han⸗ del fuͤr ſich allein behalten, und andere Fuͤrſten, wel⸗ che nicht gleichen Koſten⸗Aufwand hatten, davon ab⸗ halten. Er lud daher mehre chriſtliche Fuͤrſten ein, ſie moͤchten Leute zur Eroberung einiger Laͤnder der Unglaͤubigen ſenden, wofuͤr er ihnen ſo viel Land anbot, als auf ihren Antheil kommen wuͤrde. Allein man ſah ſolche Unternehmungen damals noch fuͤr zu gefaͤhrlich, ungewiß und abenteuerlich an, als daß man ſie haͤtte unterſtuͤtzen wollen; es erfolgte alſo uͤberall eine abſchlaͤgige Antwort. Hierauf bat K. Johann II. den Papſt um Beſtaͤtigung der fruͤ⸗ heren Schenkung; dieſer beſtaͤtigte nicht nur die Schen⸗ kung aller zu entdeckenden Laͤnder von Weſt nach Of, ſondern ertheilte auch den Machtſpruch, daß kein an⸗ derer Fuͤrſt, als der Koͤnig von Portugal Entdeckun⸗ gen machen duͤrfte. Damals dachte K. Johann II. 8 52 noch nicht daran, daß auch von Oſt gegen Weſt Ent⸗ deckungen gemacht werden koͤnnten, wodurch ſeine Beſitzungen in Oſtindien geſtoͤrt wuͤrden. Von dieſer Zeit an legte er ſich den Beinamen eines Herrn von Guinea bei. Bis dahin war man gewohnt, neu entdeckte Laͤn⸗ der durch hoͤlzerne Kreuze zu bezeichnen; jetzt aber befahl der Koͤnig, daß ſteinerne mit ſeinem und des Hauptmannes Namen, mit der Jahreszahl, Verau⸗ laſſung und dem Namen des Befehlshabers errichtet werden ſollten. Der Hauptmann Diego Cam war der erſte, welcher 1484 das unter dem K. Alfonſo V. zuletzt entdeckte Vorgebirge St. Katharine vorbei fuhr, den Fluß Kongo hinauf ſegelte, und auf bei⸗ den Ufern Schwarze ſah, welchen jene, die er mit⸗ gebracht hatte, ſich nicht verſtaͤndlich machen konnten. Er glaubte bloß aus ihren Zeichen zu erkennen, daß ſie einen weit entfernten Koͤnig hatten, fuͤr welchen er ihnen Geſchenke gab. Da aber die Ueberbringer zu lange ausblieben, ſo ſegelte er zuruͤck, nachdem er einige Schwarze gegen einige Portugieſen als Geiſel in ſein Schiff genommen hatte. K. Johannll. freute ſich uͤber deren Ankunft, beſchenkte ſie vielfach, und ſchickte ſie durch den naͤmlichen Hauptmann Diego Cam zuruͤck. Bei deſſen Ankunft wurden die Geiſel gegen die mitgebrachten Schwarzen ſogleich zuruͤck ge⸗ geben. Zur Fortſetzung der Entdeckung ſegelte er wezter, und errichtete ein Kreuz unter dem 43ſten, 53 und ein zweites unter dem 22ſten Grade der fuͤdli⸗ chen Breite. Bei ſeiner Nuͤckkehr nach Kongo fand er den Fuͤrſten ſo geneigt fuͤr die Portugieſen und ihre Religion, daß er die Soͤhne einiger ſeiner Vor⸗ nehmſten mit ihrem Hauptmanne nach Portugal zur Unterweiſung ſchickte, und verlangte, daß dieſe nach der Taufe mit einigen Prieſtern zur Bekehrung der uͤbrigen Schwarzen zuruͤck kommen ſollten. Sie wur⸗ den auch zu Beja getauft, wo der Koͤnig ſelbſt dem vornehmſten Schwarzen, welcher Zakuta hieß, unter Beilegung ſeines Namens Don Juan als Gevatter, beiſtand; den naͤmlichen Dienſt leiſteten dir Adrlichen den uͤbrigen Schwarzen. 3 Zwiſchen dem Fort St. Georg und Kongo liegt das Koͤnigreich Benin, deſſen Vorſteher, be⸗ gierig nach den Handels⸗ Vortheilen, welche ander von den Portugieſen zogen, auch Neigung fuͤr dieſe und ihre Religion heuchelte, und Prieſter zur Be⸗ kehrung verlangte. Allein bald gab er zu erkennen, daß er nur von Habſucht beſeelt war. Denn die Schwarzen ſelbſt kauften die getauften Bruͤder wie⸗ der, und die Portugieſen machten den Verkauf der getauften Schwarzen zu einem Handelszweige. Die⸗ ſes ſchimpfliche Geſchaͤft dauerte bis zum frommen K. Johann III., welcher es ſtreng verbot, obgleich es ihm ſehr nachtheilig war. Der Geſandte des Koͤnigs von Benin, welcher um Prieſter zur Bekehrung gebeten hatte, erzaͤhlte 4 1 dem K. Johann II., daß 250 Meilen von Benin der maͤchtigſte Fuͤrſt des ganzen Landes, Namens Ogane ſei, von welchem ihre Koͤnige zur Sicher⸗ heit des Ditels beſtaͤtigt wuͤrden, und einen metal⸗ lenen Stab mit einem Kopfe, nebſt einem Kreuze nach der Form des Maltheſerkreuzes erhielten. Zum Em⸗ pfang der Zeichen der koͤniglichen Wuͤrde werde immer ein Geſandter mit reichen Geſchenken geſchickt; dieſer könne aber niemals den hinter einem Vorhange ver⸗ borgenen Ogane ſehen, ſondern muͤſſe ſich bei dem Weggehen mit der Anſicht des Fußes begnuͤgen, wo⸗ durch er ſeine Einwilligung ausdruͤcke. K. Johann 1.1. bildete ſich ein, dieſer Ogane ſei der Prieſter Johann, von welchem aͤhnliche Foͤrmlichkeiten bekannt waren. Er ließ alſo drei Schiffe unter dem Befehle von Bartholomaͤus Digz zur Ausforſchung deſſelben 1486 ausruͤſten, Dieſer richtete unter dem 24ſten Grade der ſuͤdlichen Breite, 120 Meilen hinter den fruͤheren Entdeckun⸗ gen, in Sierra Parda ein Kreuz auf, ſegelte dann die Bay der Hirten(de los Vaqueros) vorbei, wo ſie viele Kuͤhe ſahen, beruͤhrte die kleine Inſel oder den Felſen Santa Cruz, oder El Pen⸗ Nol de la Cruz, und kam 25 Meilen weiter in die Muͤndung des Flußes del Infante, welchen ſie nach dem zweiten Hauptmann ſo benannten, der ſie zuerſt ſah. Von hier kehrten ſie ohne weitere 55⁵ Kenntniß von Indien zuruͤck, welches laͤngs der Kuͤſte nur von Wilden bewohnt war. Auf dem Nuͤckwege entdeckten ſie das beruͤhmte Vorgebirge am ſuͤdweſt⸗ lichen Ende von Afrika, welches ſie wegen des da⸗ ſelbſt erlittenen Sturmes Tormentoſo, oder das Stuͤrmiſche, K. Johann II. aber wegen der um 140 Meilen fortgeſchrittenen Entdeckungen ſowohl, als wegen der Hoffnung zur Entdeckung von ganz Indien das Vorgebirge der guten Hoffnung nannten. Waͤhrend die beiden erſten Schiffe der Kuͤſte ſich naͤ⸗ herten, ſtießen ſie auf ihr verlornes drittes wieder, welches ebenfalls mit 9 Mann beſetzt war, wovon 6 durch die Wilden getoͤdtet wurden, und einer bei dem Wiederſehen der uͤbrigen vor Freude ploͤtzlich tarb; die uͤbrigen trafen gluͤcklich in Portugal ein.— So war alſo bereits eine Strecke von 750 Meilen neu entdeckter Laͤnder den Portugieſen bis auf das Jahr 1486 bekannt!*) Noch ehe Barth. Diaz abgeſegelt war, hatte K. Johann II. den Prieſter Anton von Liſſa⸗ bon mit einem Laienbruder aus dem Franziskaner⸗ Orden abgeſendet, daß ſie zu Land einen Weg nach Indien finden ſollten. Da ſie aber nicht einmal der grabiſchen Sprache maͤchtig varen, ſo gingen ſie nur *) Walitene hist, de conquetes des Portugais. Vol. I. 56 bis Jeruſalem, und kehrten dann zuruͤck. Die Entdeckung des Vorgebirges der guten Hoffnung ſpornte den Koͤnig, zwei ſeiner gebildeten Diener, Pedro de Covillam und Alfonſo de Payva, welche der arabiſchen Sprache kundig waren, in gleicher Ab⸗ ſicht abgehen zu laſſen. Sie hatten den beſondern 2 Auftrag, ſowohl das Land des Prieſters Johann, als jenes zu entdecken, woher die Veneziauer ihre Gewuͤrze und Spezereien bezogen. Sie ſollten auch unterſuchen, ob man vom Vorgebirge der guten Hoff⸗ nung nach Indien ſegle, und ſich um alle Verhaͤlt⸗ niſſe dieſer Schifffahrt erkundigen. Zur Befoͤrderung ihrer Reiſe erhielten ſie so0 Kronen Goldes nebſt einem Creditbriefe, und eine vom beruͤhmten Aſtronomen und Biſchofe Caſaldilla zu Viſen verfertigte Welt⸗ karte. Sie reiſten im Mai 1487 uͤber Neapel nach der Inſel Rhodus, woſelbſt portugieſiſche Ritter des Ordens von Jeruſalem waren. Von hier ſe⸗ gelten ſie als Kaufleute uͤber Alexandria uach Kai⸗ ro, und ſchloſſen ſich an eine Karavane von Moren aus Fetz und Tremeſen nach Tor oder al Tur am rothen Meere, neben dem Fuße des Berges Sinai im ſteinigen Arabien, wo ſie von Handels⸗Geſchaͤf⸗ ten nach Kalekut Nachricht erhielten. Sie ſchifften. außer dem Meerbuſen nach Aden, wo ſie ſich trenn⸗ ten: Covillam begab ſich nach Indien, und Payva nach Aethiopien oder Abeſſinienz ſie verabredeten ſich, zu gleicher Zeit wieder in Kairo —.— zuſammen zu treffen. Covillam fuhr in einem Schiffe der Moren nach Kananor, und dann nach Goaz er war der erſte Portugieſe, welcher dieſe Gewaͤſſer befuhr. Von hier begab er ſich nach Sofala an die oͤſtlichen Kuͤſten von Afrika, die Goldminen zu ſehen, wo er auch Nachricht von der Inſel St. Lorenz erhielt, welche die Moren die Nond-Inſel nann⸗ ten. Von Sofala kehrte er uͤber Aden nach Aegypten in die Stadt Kairo zuruͤck, wo er durch K. Johann II. vom Tode ſeines Reiſe⸗Gefaͤhrten benachrichtigt wurde. Dieſe Briefe wurden ihm von zwei Juden, Rabbi Abraham aus Beja und Joſeph von Lamego uͤberbracht, welche ihm nachgeſchickt waren. Covillam ſchickte letzteren mit der Nachricht von ſeiner vollendeten Reiſe an den Koͤnig zuruͤck; mit dem erſteren reiſte er wieder nach Tor und Aden. Daſelbſt hoͤrte er ſo viel Merk⸗ wuͤrdiges von der Stadt Ormaz, daß er ſich nicht enthalten konnte, dahin zu ſegeln; nach genommener Einſicht ließ er den Juden daſelbſt verweilen, bis dieſer mit einer Karavane nach Aleppo wandern konnte. Er ſelbſt kehrte nach dem rothen Meere zuruͤck, um nach den ſchriftlich erneuerten Befehle den Hof des Prieſters Johann zu ſuchen, wie der Koͤnig von Aethiopien damals genannt wurde. Er verweilte daſelbſt als Geſandteer bis 1520, in welchem Jahre er durch Don Rodrigo de Lima abgeloͤſet wurde. Waͤhrend ſeines Aufenthaltes wurde der aͤthiopiſche 58 Prieſter Lukas Markus vom athiopiſchen Koͤnig uͤber Rom nach Portugal geſendet. Durch deſſen Aufklaͤrung wurde K. Johann I. vom Neuen an⸗ geſpornt, eine Verbindung zwiſchen beiden Voͤlkern herzuſtellen; weßwegen auch Lukas Markus eine ſchriftliche Erklaͤrung uͤber die Mittel und Wege zu dieſem Zwecke erhielt. Noch vor deſſen Nuͤckkehr aus Portugal langte der Fuͤrſt Bemoi von Jalof mit großem Prunke an, und wurde eben ſo feierlich empfangen. Die Veranlaſſung zu dieſer Reiſe war, daß Biran, wel⸗ cher in Jalof regierte, das Koͤnigreich ſeinem Bru⸗ der Bemoi als dem wuͤrdigern uͤbergab; woruͤber deren aͤlterer Bruder ſo aufgebracht wurde, daß er Biran toͤdtete, ſich der Herrſchaft bemaͤchtigte, und Bemoi bekriegte, welcher nach der Leitung des Hauptmanns Gonzalo Coello einigen Widerſtand geleiſtet hatte. Dieſen hatte K. Johann II. zur Bekehrung der Schwarzen an ihn geſchiekt; da aber dem Antrage, dem chriſtlichen Glauben ſich zu naͤhern, nicht entſprochen wurde, ſo iſt der Hauptmann zuꝛuͤck gerufen worden, woruͤber Bemoi ſich ſehr betruͤbte. Er entſchuldigte ſich uͤber die noch nicht uͤbernommene Taufe; bald darauf verlor er eine Schlacht, wodurch er zur Reiſe nach Portugal bewogen wurde. Da⸗ ſelbſt erklaͤrte er ſich mit den 24 Vornehmſten ſeines Gefolges fuͤr das Chriſtenthum; K. Johann II. —————— 59 leiſtete ihm die Stelle eines Taufpathen, und verlich ihm des andern Tages ein goldenes Kreuz im rothen Felde mit einer Einfaſſung des vortugieſiſchen Wap⸗ pens. Dafuͤr huldigte Bemoi dem Koͤnige unter großen Feierlichkeiten wegen aler Laͤnder, welche er beſitzen ſollte; waͤhrend die Portugieſen bei dieſer Ge⸗ legenheit allen ihren Prunk zeigten, beluſtigte Be⸗ moi ſie durch allerlei Geſchicklichkeiten, z. B. ſchnel⸗ les Reiten, eitiges Auf- und Abſteigen, ſtehen im Sattel waͤhrend des Galoppirens; andere nahmen Steine von der Erde weg, waͤhrend ihre Pferde im vollſten Laufe waren. Fuͤr ihre Nuͤckkehr gab ihnen der Koͤnig 20 gut beſetzte Caravellen, um Bemoi wieder einzuſetzen, und ein Fort am§luſſe Sene⸗ gal anzulegen. Die Landſchaft Jalof liegt zwiſchen den Fluͤſſen Gambea, oder Rio Graude, und Senegal oder Sanagaz; letzterer bildet viele Juſeln, welche blos von wilden Thieren bewohnt werden. Er iſt 150 Meilen aufwaͤrts ſchiffbar; dann wird er von einer Reihe ſenkrechter Felſen ſo durchſchnitten, daß das herabfallende Waſſer einen großen Bogen bildet, unter welchem die Reiſenden trocken voruͤber gehen koͤnnen. So angenehm dieſes denſelben iſt, ſo ſchrecklich be⸗ taͤubt es die Ohren. Der Fluß Gambea iſt waſſer⸗ reicher als der Sanaga und laͤuft 180 Meilen langſa⸗ mer als dieſer, obſchon er viele kleinere Fluͤſſe, welche 60 die Landſchaft Nandinga bewaͤffern, in ſich auf⸗ nimmt; er iſt auch nicht uͤberall ſchiffbar. In beiden Fluͤſſen gibt es außer Krokodillen, Wallroßen, gefluͤ⸗ gelten Schlangen, noch viele andere ungewoͤhnliche Fiſche. Die Ufer ſind mit Elephanten, Luchſen, wil⸗ den Baͤren, und andern durch ihre Groͤße und Geſtalt merkwuͤrdigen Thieren beſetzt. So angenehm das Waſſer jedes Fluſſes allein ſchmeckt, ſo bewirken beide doch Erbrechen, ſobald man ſie vermiſcht trinkt. Das Vorgebirge der guten Hoffnung erſtreckt ſich 170 Meilen gegen Oſt, und ſſt ſehr fruchtbar. Zu Tombuktu oder Tomboto, wo mit Man⸗ dinga Gold gehandelt wird, finden ſich die Kauf⸗ leute von Groß Kairo, Tunis, Oran, Tre⸗ mizan, Fetz, Marokko und andern Orten ein. Dieſer bekannte Handel bewog den K. Johann zur Anlegung des Forts am Sanaga. Die 20 Cara⸗ vellen wurden von Pedro Vaz de Cunna befeh⸗ ligt, welcher das Fort zu bauen begann, ſobald er mit Don Johann Bemoi an das Land geſtiegen war. Da aber der Kommandant mißtrauiſch gegen Bemoi war, oder ſich vor ihm fuͤrchtete, ſo toͤdtete er ihn auf die niedertraͤchtigſte Weiſe, und kehrte nach Portugal zuruͤck, ohne ſein Werk zu voltenden. Der Geſandte des Koͤnigs von Kongo wurde, nachdem er im römiſchen Glauben gut unterrichtet —— 61 war, im J. 1490 mit 3 Schiffen in ſein Vaterland zuruͤck geſchickt. Das erſte Land, welches ſie ſahen, war Sono, und ſie langten gluͤcklich zu Kongo an. Sie wurden von einem alten Mann, Mani Sono, freudigſt empfangen, welcher getauft zu werden ver⸗ langte, und in der Taufe den Namen Marmel empfing; ſein Sohn, Antonio, wurde in Gegen⸗ wart von mehr als 25,000 nackten Unterthanen ge⸗ tauft. Als der Koͤnig von Kongo, ein Neffe Mani Sono's, dieſes erfuhr, ſo ſchenkte er ihm vieles; ſein Sitz war s0 Meilen weiter zu Ambaſſe Kongo. Er empfing auf einem elfenbeinernen Stuhle, wel⸗ cher auf einem praͤchtigen Throne ruhte, den portu⸗ gieſiſchen Befehlshaber Ruy de Souſa. Er war vom Kopfe bis an die Huͤfte nackend; dieſe waren mit himmelblauem Damaſt und ſein Arm mit einem Band aus Erz umwunden. Von ſeinen Schultern hing ein ſehr ſchoͤner Roßſchweif, wodurch die koͤnig⸗ liche Wuͤrde unter den Seinigen angedeutet war. Sein Haupt war mit einem feinen Palmgewebe be⸗ deckt, welches gewirktem Sammet glich. Er ertheilte die Erlaubniß zur Erbauung einer Kirche, vor wel⸗ cher er nebſt noch einigen Andern vor mehr als 100,000 Menſchen, welche ſich wegen eines neuen Krieges verſammelt hatten, feierlichſt getauft wurde. Der Koͤnig von Kongo erhielt in der Taufe den Namen Johann, und ſeine Gemahlin ESleonor⸗, zur Ehre des Koͤnigs und der Koͤnigin von Portugal. 62 Hierauf zog er mit 80,000 Mann gegen ſeine Feinde, welche er beſiegte. Der Prinz, welcher bei dieſer Feierlichkeit nicht zugegen war, wurde nach ſeiner Ruͤckkehr vom Kriege ebenfalls getauft, und Al fonſo genannt. Nur Vanſo Aquitino, des Koͤnigs zweiter Sohn, wollte ſeine Religion nicht veraͤndern; und der Vater, wel⸗ cher ihr wieder untreu wurde, weil er nur eine Ge⸗ mahlin haben ſollte„entſchloß ſich, ihn als Nachfol⸗ ger zum Nachtheile des ausharrenden erſten Sohnes Alfonſo zu erklaͤren. Dieſer wurde ſogar nach des Vaters Tode verbannt; als er aber wieder nach Hof kam, wurde er als Koͤnig von den Chriſten aus⸗ gerufen. Sein Bruder griff zu den Waffen und uͤber⸗ fiel ihn mit einer großen Menge, waͤhrend dieſer nur 37 portugteſiſche und ſchwarze Chriſten zu ſeiner un⸗ terſtuͤzung hatte. Dennoch wurde der Maͤchtigere geſchlagen, gefangen und hingerichtet, weil der Schwaͤ⸗ chere durch ſeinen Uebertritt zum katholiſchen Glauben nicht menſchlicher geworden war. Sobald Alfon ſo Alleinherrſcher war, ließ er ſogleich alle Goͤtzendiener aus dem ganzen Lande ent⸗ fernen, um andern Blatz zu machen, und ſuchte ſei⸗ nem neuen Glauben bei ſeinen Unterthanen immer mehr Eingang zu verſchaffen. Bald darauf ſchickte er ſeine Soͤhne, Enkel und Vettern nach Portugal, um ihneu wiſſen ſchaftliche Bildung ertheilen zu laſſen; — 63 zwei derſelben haben ſpaͤter Bisthuͤmer in ihrem Va⸗ terlande verwaltet. Zum Andenken an den uͤber ſeinen Bruder Panſo Aquitino erfochtenen Sieg legte er ſich ein Wappen bei, welches ein ſilbernes Lilienkreuz im rothen Felde, zwiſchen zwei mit dem portugieſiſchen Wappen verſehenen Tatzenkreuzen vor⸗ ſtellte. Beitrag zur Literatur von Chri⸗ ſtoph Kolomb. — Die Ehre, Amerika entdeckt zu haben, wurde dem großen Manne bis auf die letzten Jahre ſtreitig ge⸗ macht. Aus der Behauptung des Geſchichtſchreibers Adam von Bremen, die Friſen ſeien auf eine wun⸗ derbare Art in ein goldreiches Land gekommen, ſchloß Joh. Ph. Caſſel auf Amerika, und ſtellte dieſe Ver⸗ muthung in zwei lateiniſchen Abhandlungen dar, welche zu Magdeburg 1741/42. 4., zu Eiſenach 1742. 3., und verteutſcht im Bremiſchen Magazin, Band VI. S. 241 erſchienen. Da einige Nabiner des Mittelal⸗ ters von braſilianiſchem Holze ſprechen, ſo ſchloß S. L. Hadelich, dieſes ſei von Phoͤnitiern aus Braſilien gebracht worden, und legte ſeine Meinung in den Abhandlungen der Mainzer Akademie zu Erfurt 1764. 8. Band II. S 649. nieder. Der koͤn. norwegſche Ge⸗ ſchichtſchreiber Chorm. Torfaeus wagte in ſeiner lateiniſchen Geſchichte des alten Finnlands 1704. 8. die — 65 Vermuthung, Groͤnlaͤnder und Islaͤnder ſeien ſchon 1020 nach Amerika gekommen. Noch 1844 glaubte der Profeſſor Fr. J. A. Deuber aus Bamberg zu be⸗ werſen, daß Amerika ſchon lange vor Kolomb ent⸗ deckt worden ſei. Je hoͤheres Intereſſe die Zeit der Ent⸗ deckung fuͤr die allgemeine Geſchichte der Menſchheit hat, deſto eifriger forſchten ſcharfſinnige Maͤnner nach, deren Reſultate die Nachwelt noch ehren wird. Wir er⸗ waͤhnen nur jene von Corn. de Pau w, Rufſel, Munno,, Fritſch, Robertſon und Murfinna, Schon 1483 erſchien der erſte Brief oder Bericht Kolomb'san den Schatzmeiſter Sanxis des K. Fer⸗ dinand von Spanien uͤber die von ihm gemachten Entdeckungen in ſpaniſcher und lateiniſcher Sprache, welcher Bericht 4497 zu Straßburg verteutſcht wurde. Seine Geſchichte wurde von dem außerehelichen Sohne Ferd. Kolomb, als Prieſter, in ſpaniſcher Sprache heraus gegeben, durch A. Ulloa in das Italiſche, durch Cotolendy in das Franzoͤſiſche und durch Churchill in das Engliſche uͤberſetzt. Der durch Madrignan uͤberſetzte Bericht von der Schifffahrt Kolomb's und deſſen Gefaͤhrten Vine. Pinzoni⸗ in undekannte Laͤnder, welcher in der Herwagiſchen Sammlung von Neiſe⸗Beſchreibungen ſteht, iſt nur ein Auszug aus mehren, wie jeuer des genueſer Se⸗ kretaͤrs Ant. Gallus im 23. Bande italiſcher Ge⸗ ſchichtſchreiber von Muratori. Warme Vaterlands⸗ Stes B. Indien. I, 1. 5 66 liebe bewog den genueſer Patrizier M. G iuſtiniani, ſich in dem I. Band der Sammlung liguriſcher Schrift⸗ ſteller zu Rom 1667, 4. ſehr ausfuͤhrlich uͤber Cher. Ko⸗ lomb und deſſen Sohn zu verbreiten. Aus gleich edlem Grunde bemuͤhten ſich mehre Nuͤrnberger, den Ruhm des Entdeckers zu ſehmaͤlern, um ihn dem Rit⸗ ter Martin Behaim aus Nuͤrnberg zu erwerben. Ihre Namen ſind J. Chr. Wagenſeil, J. Wuͤlfer, M. D. Omeis, J. S. Fuͤrer von Haimendorf, Ebhr. G. Schwarz und Chr. G. v. Murr, deren Abhandlungen ihre grundloſen Vorurtheile beweiſen. Gegen alle dieſe trat der Univerſitaͤts„Sekretaͤr E. Toze zu Goͤttingen ſchon 1761 mit ſo vielen Gruͤnden auf, daß er nicht widerlegt werden konnte. In gleichem Geiſte hat Spoterno die Ehre Chr. Kolombs gerettet; deſſen Vertheidigung wurde 1825 von A. Wag⸗ ner verteuſcht. Die Erſcheinung von Kolombs Tagebuch war ſeit 200 Jahren der allgemeine Wunſch aller Gebildeten; allein die ſpaniſche Regierung ließ ihn unerfuͤllt; erſt im Jahr 4827 ſollte die Welt damit begluͤckt werden. Noch kecker hatte der ſlorentiner Aſtronom Amerigo Vespucci in ſeinem Reiſeberichte von vier Fahrten aus den neuen Laͤndern an den Fuͤrſten Lor. Peter von Medieis 4501 ſich einen Vorzug, vor Kolomb anmaßen wollen. Sein Brief wurde zwar in das Lateiniſche, Franzoͤſiſche und Teutſche uͤberſetzt, und in mehre Sammlungen aufgenommen; —— — 67 allein da er, nachdem Kolomb 128s ſchon die dritte Reiſe vollendet hatte, 1499 zum erſten Male abreiſte, ſo ſind Veſpucei's Vertheidiger ſchon durch dieſen einzigen Umſtand widerlegt; wenn auch zu Genua nicht unbeſtreitbare Urkunden gefunden worden waͤren. Bandini und San⸗Severino haͤtten daher die außerordentlichen Lobreden auf ihren Landsmann in der Mitte des vorigen Jahrhunderts unterlaſſen koͤnnen. Die vorzuͤglichſte Verbreitung der erſten Nachrich⸗ richten uͤber Kolomb, Veſpucei und Amerika dankt die Nachwelt den vielen Briefen des apoſtoli⸗ ſchen Protonotars, Peter Martyr Anglerius aus Mailand, geheimen Sekretaͤrs von Ferdinand und Iſabella, vertrauten Freundes und Korreſpon⸗ deuten des beruhmten Reiſenden. Dieſe Briefe ſind in verſchiedener Geſtalt oft aufgelegt worden. Der Bericht des Abtes Buelli aus Katalonien, welcher als Bevollmaͤchtigter P. Alexanders VI. 1492 mit⸗ reiſte, wurde erſt 1624 durch Philobon bekannt. Skizze des Lebens und Charakters von Chriſtoph Kolomb. Auszugsweiſe aus dem Engliſchen überſetzt von J. Leut⸗ becher zu Erlangen*). Die Athener beſchloßen einſt, um das Andenken an ihren Milthiades zu ehren, kein zu koſtſpieliges Mar⸗ mor⸗ oder Bronee⸗Denkmal, ſondern nur ein Ge⸗ malde in dem Poikilea aufſtellen zu laſſen, welches *) Memorials ofk Columbus; or a collection of authentic documents of that celebrated Na- vigator, now first published from the original manuscripts, by order of the Decurions of Genua; preceded by a memoir of his life and decoveries. Translated from the Spanish by G. B. Spotorno, Professor of eloquence, Di- rector of the public schools and Doctor in philosophy and the arts in the royal Univer- sity of Genua. Translated from the Italian. London: Treuttel Würtz and Richter. 1825. 3, —— 69 ſowohl ihren Enkeln, als jedem Fremdlinge den Hel⸗ den in derjenigen Stellung und Handlung zeigte, in welcher er wenige Hellenen auf den marathoniſchen Gefilden einem ungeheuren Feinde, dem gleich einem wilden Strome heran wogenden Heere der Perſer, ent⸗ gegen ſchreiten und daſſelbe vernichten heißt. Gleich ſchoͤn war der Gedanke des Magiſtrats von Genua, zur Ehre des unſterblichen Euntdeckers von Amerika die uͤber ſeine wichtigſten Lebens⸗ Verhaͤlt⸗ niſſe gefertigten oͤffentlichen Urkunden, welche er ei⸗ nem ſeiner genueſiſchen Freunde zur Aufbewahrung fuͤr ſein Vaterland uͤberſendet hatte, oͤffentlich bekannt zu machen; damit endlich die ganze gebildete Welt das kuͤhne Unternehmen des muthigſten Seemannes nach Gebuͤhr wuͤrdigen koͤnnte. Ohne vorher hier zu unterſuchen, aus welchen Beweggruͤnden Kolumbus jene unſchaͤtzbare Urkun⸗ den⸗Sammlung ſeinen Landsleuten zukommen ließ, oder wie die Beſitzer derſelben gewechſelt haben, oder warum ſie erſt jetzt bekannt wird, wollen wir moͤg⸗ lichſt kurz und dennoch genauer, als es von andern Schriftſellern geſchehen iſt, das Leben dieſes großen Mannes erzaͤhlen. Bevor wir jedoch unſers Helden Thaten berich⸗ ten, erwaͤhnen wir noch, daß verſchiedene Orte um den Ruhm ſeiner Heimath, verſchiedene Familien Kolumbus um die Ehre ſtritten, ihn zu ihren Ah⸗ 70 nen zaͤhlen zu koͤnnen; bis zu unſerer Zeit unwider⸗ ſprechlich erwieſen wurde, daß er weder aus Mo⸗ dena, noch aus Coſſeria, weder aus Pradello noch aus Cuccaro, ſondern aus Genuag gehbuͤr⸗ tig war. Zu Genua alſo ſtand die Wiege unſers Helden, und dadurch iſt der Ruhm dieſer Stadt jenem von Athen in ſeinen ſchoͤnſten Tagen gleich. Weniger ge⸗ wiß iſt, in welchem Theile der Stadt Kolumbus geboren ſei; ob in dem Hauſe ſeines Vaters Do⸗ menico vor dem St. Andreas⸗Thore, oder in deſſen zweitem an der Mleento⸗Gaſſe. Das Geburtsjahr des Kolumbus iſt entweder 1˙46 oder 1447. Seine Mutter hieß Suſanna, mit dem Beinamen von Fontanaroſſa, und war gebuͤrtig aus Sauli oder Sori, einem kleinen Orte an der Kuͤſte des mittellaͤndiſchen Meeres. Nach einem 1440 zu Genua lebenden Chriſtoph Ko⸗ lumbus wurde unſer Kolumbus, der aͤlteſte Sohn, ebenfalls Chriſtoph genannt. Der zweite Sohn dieſer Familie hieß Bartholomaͤ und der dritte Giacomo, ſpaͤter in Spanien Diego genannt. Von einer au einen Kaͤſehaͤndler, Gigeomo Ba⸗ varello, verheiratheten Schweſter iſt uns keine naͤ⸗ here Nachricht erhalten. Chriſtoph Kolumbus wurde wie der Sohn eines Wolle⸗Kaͤmmers, der ſein Vater war, erzo⸗ -———— 71 gen, lernte, wie ſein Bruder Bartholomaͤ, neben dem Wolle⸗Kaͤmmen auch Leſen, Schreiben und die Anfangsgruͤnde der Rechenkunſt, und verlebte ſo ſeine erſten Jugendtage in Dunkelheit. Vierzehn Jahre alt ging er zur See, und blieb von nun an Seemann. Auf dem mittellaͤndiſchen Meere machte er ſeine erſten Reiſen; er kam 1472 nach Savona, wohin zwei Jahre vorher ſein Vater ſeine Wollen⸗Manu⸗ faktur verlegt hatte; blieb aber nicht lange hier, ſon⸗ dern ſegelte, als Kapitaͤn eines Kriegsſchiffes, in den Dienſten Rénés von Antou, des Herrn von Provence und Koͤnigs von Neapel, 1473 nach Tunis, um dort die Galeere Fernandina wegzunehmen. Gegen das Jahr 1475 befehligte er ein ganzes genueſi⸗ ſches Geſchwader im mittellaͤndiſchen Meere, mit dem er vor der venetianiſchen Flotte, welche zum Schutze der Inſel Cypern beordert war, unangetaſtet voruͤber ſegeite. Wir folgen ihm von hier aus in das große Weltmeer! Unſer Held verließ ſein Vaterland 14176, hoͤchſt wahrſcheinlich aus Verdruß uͤber die zu Genua herr⸗ ſchend gewordene Unzufriedenheit aller Volksklaſſen, unter dem gefuͤrchteten Herzoge Galeazzo von Mai⸗ land, und wendete ſich nach dem damals durch Schif⸗ fahrt ſo beruͤhmten Portugal, nach Liſſabon, wo be⸗ reits ſein Bruder Bartholomaͤ, als ein geſchickter 72 Kosmographelebte, und Seelarten fertigte, wo uͤber⸗ haupt alle nach Ruhm und Gluͤcksguͤtern duͤrſtenden Italier, beſonders aber alle talentvollen, reichen und fuͤr den Seedienſt beſonders geneigten Genueſen ver⸗ diente Auerkennung fanden. Eine, gleich nach ſeiner Ankunft zu Liſſabon un⸗ ternommen e, ſehr gefahrvolle Reiſe, auf welcher er bis au die Kuͤſte von Groͤnland kam, und noch an⸗ dere Reiſen nach Guinea, England, und nach den portugieſiſchen und ſpaniſchen Beſitzungen im Weſtmeere, bildeten ihn immer mehr zum großen Seemanne, und machten gleichſam die Einleitung zu ſeiner ſpaͤtern großen Fahrt, zu welcher er ſich neben⸗ bei duich eruſtes Studium kosmographiſcher, mathe⸗ mathiſcher, hiſtoriſcher, philoſophiſcher und religioͤſer Schriften immer geſchickter machte. Denn immer, auch wenn er nur Karten und Globen zeichnete, ſchien ihm die alte Hemiſphaͤre zu enge; immer ſchienen ihm die Scefahrer ſeiner Zeit zu verzagt; ſtets duͤrſtete er nach dem Ruhme einer großen That. Waͤhrend dieſer eifrigen Forſchungen beſuchte er oft die Kirche aller Heiligen zu Liſſabon, wo er die edle Donna Philippa kennen lexnte, welche er ſpaͤ⸗ ter heirathete. Sie war die Tochter eines durch Rei⸗ ſen beruͤhmt gewordenen Seemannes, Pedro Pe⸗ leſtrello, welcher im Gefolge des Infanten Don Johann von Portugal war, und wegen feiner Dienſte bei der zufaͤlligen Entdeckung der Inſel Porto Santo 1420 beauftragt war, dieſe zu koloniſiren, und in deſſen Namen zu beherrſchen. Durch die Ver⸗ bindung mit der adelichen Familie Peleſtrello kam unſer Held mit dem hoͤhern Adel Liſfabous, nament⸗ lich mit ſeinem Schwager, Pedro Correa, in ge⸗ nauere Beruͤhrung, und zu den Papieren ſeines Schwiegervaters, wodurch ſeine geographiſchen und zum Seeweſen nuͤtzlichen Kenntniſſe ungemein beför⸗ dert wurden. Unablaͤßig beſchaͤftigte ihn jetzt der Plan der Ge⸗ nueſen, durch Umſchiffen der Erdkugel einen Weg nach Aſiens Weſtkuͤſte zu entdecken, oder ſelbſt neue Laͤnder zu finden. Allmaͤhlig entwickelte ſich, unter dem Beirathe ſeines Bruders Bartholoma und Paolo Toſcanelli's, eines Naturforſchers aus Florenz, das große Gewebe ſeines Planes. Da er von der ſphaͤriſchen Geſtalt der Erde uͤber⸗ „ zeugt war, und die Zahl der zu durchſchiffenden Grade aus der ihm bekannten Zahl der Grade von China bis zum Meridian von Groͤnland kannte; ſo be⸗ durfte es, um den erſten Theil ſeines Planes zu ver⸗ wirklichen, nichts weiter, als ſich ſelbſt den Wogen anzuvertrauen. Was den zweiten Theil ſeines Plaues, die Ent⸗ deckung neuer Laͤnder, betraf; ſo wußte er von Pe⸗ dro Correag und andern Seefahrern, daß ſtarke 74 Weſtwinde den Europaͤern gan; fremde Produkte, auch Stuͤcke Holz, welche zwar kuͤnſtlich, aber nicht durch eiſerne Werkzeuge bearbeitet waren, an die Kuͤſten der Azoren, Madeira's und Porto Santo's trieben; es mußte alſo nach Weſt ein von Menſchen bewohntes Land geben. Dieſes Land zu entdecken,. war ſein gluͤhendſter Wunſch; allein auf weſſen Staa⸗ tes Koſten ſollte das geſchehen?— Er wendete ſich zuerſt, wahrſcheinlich im Jahr 1477, gleich nach ſeiner Zuruͤckkunft von Island, an ſein Vaterland mit ſeinem Plane; allein die Genue⸗ ſer dachten: ein armer Pilot und Verſprecher von Koͤnigreichen! und zogen keinen Vortheil von Ko⸗ lumbus Vaterlands⸗Liebe. Er wendete ſich an die Veuezianer, aber nicht mit mehr Gluͤck. In Frank⸗ reich nahm man ſeine Idee mit Gleichguͤltigkeit auf; in England lachte man ihn gar aus. Endlich trat er mit Portugal daruͤber in Unterhandlung; Koͤnig Jo⸗ haun l1I. aber beachtete die Sache zu wenig, und der Rath, welcher zur Pruͤfung des Projektes beru⸗ fen ward, entſchied gegen Kolumbus. Doch ließ der Koͤnig, auf Aurathen eines Doktor Kalſadiglia, heimlich ein Schiff rüſten, und nach der von Ko⸗ * lumbus angedeuteten Richtung in See gehen; allein Mangel an Kenntniſſen, Ausdauer, und an einem— geſchickten Admiral vereitelten das Unternehmen. Ueber dieſe Hinterliſt ungehalten, verließ Ko⸗ lumbus gegen das Ende des Jahres 1484 mit ſei⸗ 75 * 4 nem Sohne Diego(ſeine Gattin Philippa war ſchon todt) Portugal, vertraute denſelben zu Palos den Moͤnchen des Kloſters Rabida, und reiſte nach Kordova, wo damals der Koͤnig und die Koͤnigin von Spanien, Ferdinand und Iſabella, ihr Hoflager hatten. Hier legte er unter dem Schutze zweier Maͤnner, deren Achtung und Zuneigung er bald erwarb, naͤmlich des paͤpſtlichen Nunzius An⸗ ton Geraldini von Ameria und Ludwig San⸗ tangel, Rechnungs⸗Reviſors zu Valencia, doch mit mehr Vorſicht als in Portugal, ſeinen Plan vor. Allein Unwiſſenheit und Mißtrauen hinderten einen ſchnellen Entſchluß; der darauf folgende Tod Geral⸗ dinis, der fortdauernde Widerſpruch des Miniſte⸗ riums, der Krieg endlich mit den Mauren bewog Kolumbus, die von Portugal, England und Frank⸗ reich indeſſen erhaltenen ſchriftlichen Einladungen zur Entwicklung ſeines Planes zu bedenken. Das un⸗ dankbare Portugal verſchmaͤhend, ſchickte er ſeinen Bruder Bartholomaͤ, weil er ſelbſt nach Frank⸗ reich reiſen wollte, nach England. Ungluͤcklicher Weiſe aber gerieth Bartholoma in die Haͤnde der See⸗ raͤuber, und als dieſer endlich, daraus befreit, zu London es dahin gebracht hatte, ſeinen Bruder Chri⸗ ſtoph herbei zu holen, hatten ſchon die ſpaniſchen Fahr⸗ zeuge unter ihrem liguriſchen Fuͤhrer die neue Welt begruͤßt. Kolumbus hatte aber mit Spanien nicht mehr 76 abbrechen koͤnnen; ſei es aus Hoffnung, er werde doch endlich noch bei der Koͤnigin Iſabella durch⸗ dringen, oder ſei es aus Liebe zu Beatrice En⸗ riquez, mit welcher er zu Kor dova bekannt ge⸗ worden war, und welche ihm ſeinen Biographen Fer⸗ dinand gebar. Der Prior des Kloſters Rabida, welcher den Kolumbus, als er ſeinen Sohn abho⸗ len wollte, um nach Frankreich zu gehen, zum Ver⸗ weilen bewog, konnte den Gedanken nicht ertragen, daß Spanien eine fuͤr die Kirche und den Staat ſo erſprießliche Unternehmung aufgebe. Dieſer ehemalige Beichtvater der Koͤnigm Iſabella, Juan Perez von Marzena, betrieb dieſe Angelegenheit mit dem Rechnungs⸗Ratte Santangel und dem ge⸗ lehrten Bruder des verſtorbenen paͤpſtlichen Nunzius Alexander Geraldini, welche beide, wie er, bei der Koͤnigin viel galten. Kolumbus wurde endlich nach ſiebenjaͤhrigen Bemuͤhungen, unter den vortheil⸗ hafteſten Bedingungen zum Admiral Kaſtiliens und des Ozeaus, zum Vicekoͤnig, Statthalter und Ober⸗ richter aller zu entdeckenden Laͤnder ernannt, und konnte gegen Uebernahme des Achtels der auf 3000 Kronen laufenden Koſten der Schiffsruͤſtung, als Ei⸗ n. genthuͤmer des achten Theils des Geſchwaders, und als Herr des Zehnten von allen Produkten der neuen— Welt, Freitags den 3. Auguſt 1492 mit drei Schiffen und 220 Mann Begleitung den Hafen von Palos verlaſſen. 1 77 2 Gerne haͤtte Kolumbus auf den kanariſchen Inſeln zu Gomera, ſtatt des von Martin Alonzo Pinzon kommandirten Schiffes Pint a, deſſen Steuerruder gleich im Anfange der Fahrt, zum un⸗ gluͤcklichen Vorzeichen fuͤr die Schiffsleute, zerbrochen und nur nothduͤrftig hergeſtellt war, ein anderes Schiff gekauft. Allein er bekam keines, und mußte ſich be⸗ gnuͤgen, daſſelbe aus einem Beſanſegler in einen Raa⸗ ſegler verwandelt zu ſehen. Am 6. September ſetzte er die Fahrt fort, um auf unbekannten Pfaden Unbe⸗ kanntes zu ſuchen. Unter Thraͤnen und von Furcht erfuͤllt uͤber die ſchreckliche Weite des Ozeans, ver⸗ loren ſie am 9. die Inſel Ferro aus dem Geſichte. Ueber 200 Meilen waren zuruͤck gelegt, und noch war kein Unfall weiter geſchehen; vielmehr hatte die von Kolumbus Abends und Morgens bemerkte Abwei⸗ chung der Magnetnadel den fuͤr die Schifffahrt unge⸗ mein wichtigen Gebrauch des Aſtrolabiums herbei ge⸗ fuͤhrt. Dennoch fing das Schiffsvolk an, aͤngſtlich zu werden, und nur die Voͤgel, Bachkrebſe, das minder ſalzige Waſſer, und das Meermoos, welches ſie bemerkten, naͤhrten die Hoffnung, man werde bald Land ſehen. Als aber der Wind unaufhoͤrlich eilf Tage hindurch in ihren Ruͤcken bließ, und die Fahrenden, trotz der Land verkuͤndenden Zeichen, nur immer in das Graͤnzenloſe hinaus trieb: da ſchwand ihnen die Hoffnung, je wieder ihre Heimath zu ſehen; ſie fingen an, ernſt und finſter vor ſichehin zu bruͤ⸗ ten, zu murren und zu verzweifeln. Endlich droh⸗ ten ſie gar unſern Helden, dieſen genueſiſchen, vorher ſchon von allen einſichtigen Spaniern verlachten Prah⸗ ler, dieſen Abenteurer, wie ſie ihn nannten, todt zu ſchlagen, uͤber Bord zu werfen, und nach Hauſe zuruͤck zu kehren. Kolumbus, von dem Gelingen ſeiner Unternehmung feſt uͤberzeugt, ermahnte ſie ruhig und ernſt zu einer nur noch kleinen Geduld. Der Wind drehte ſich und wurde ſtaͤrker; man ſah gruͤne Binſen, friſch gepfluͤckte Fruͤchte, gekerbte Staͤbchen, Schellfiſche und andere Gegenſtaͤnde. Am 11. Oktober hatte Kolumbus alle Leute zur Wachſamkeit er⸗ muntert, als er gegen Mitternacht ein Licht in der Ferne, von Ort zu Ort wandelnd, wie eine Leuchte eines ſpaͤten Wanderers, wahrnahm. Am 12. Oktober mit Tagesanbruch ſetzte Kolumbus, wie er auf den kanariſchen Inſeln vorher ſchon angekuͤndigt hatte, nach einer 0 Meilen langen Fahrt ſeinen Fuß in die neue Welt, auf die Inſel Guanahani, von ihm San Salvador genannt. Unter den ruͤhrendſten Ergießungen des Dankes und der Freude wurde die Inſel fuͤr Spanien in Be⸗ ſitz genommen, und Kolum bus auf das Feierlichſte als Admiral des Ozeans, als Vicekoͤnig und Statt⸗ halter der entdeckten und noch zu entdeckenden Laͤnder begruͤßt, waͤhrend die herbei gekommenen nackten In⸗ dier erſtaunt, die Fremdlinge fuͤr himmliſche Weſen bielten. 79 Am 14. Oktober verließ der Admiral die Inſel Gugnahani, nahm ſieben Indier als Dolmetſcher mit ſich, kam den folgenden Dag an Santa Maria del Conception, entdeckte den 16. Fernandina, den 19. Iſabella und den 28. Cuba, deren Groͤße ihn ungewiß machte, ob es eine Juſel oder ein Feſtland ſei; am 6. Dezember erreichte er Hatti, von ihm Hispaniola genaunt. Hier erhielt er nach Verlauf von 10 Tagen am Bord ſeines Schiffes den Beſuch eines Kaziken, der Soͤhne deſſelben, deſſen Bru⸗ ders und noch mehr als 100 Perſonen, von welchen er einen reichen Guͤrtel und zwei Goldplatten empfing; wogegen Kolumbus eine Krone von Agatſtein und andere Geſchenke gab. Freundlich ſtand eben dieſer Kazike etwas ſpaͤter unſerm Helden bei, als gerade am Weihnachtsabende,(Kolumbus und alles Schiffs⸗ volk ſchlief), das Admiralſchiff durch die Nachlaͤſſigkeit und Sorgloſigkeit des Steuermannes, der, um auch zu ſchlafen, gegen des Admirals ausdruͤcklichen Befehl das Steuer einem unerfahrnen Schiffsjungen anver⸗ traute, auf einer Sandbank zerborſt. Nachdem der Kazike die geretteten Guͤter unter Dach hatte brin⸗ gen, und ſtreng befehlen laſſen, daß Niemand es wageu ſolle, auch das Geringſte nur anzutaſten; ſo nutzte Kolumbus den ungluͤcklichen Vorfall, die gute Geſinnung des Kaziken und ſeiner Leute, wel⸗ chen dieſes Eiland wohl gefiel, und baute aus den Truͤmmern des Schiffs ein kleines Fort, beſetzte es mit 36 Mann, drei Kapitaͤns, einem Arzte, einem Konſtabler und einigen Zimmerleuten, verſah ſie mit Munition und Proviaut auf ein Jahr, und nannte die Gruͤndung Villa de Navidad. Am 4. Januar 1493 verließ Kolumbus Hiſpa⸗ niolg wieder, traf zwei Tage ſpaͤter mit dem Schiffe Pinta wieder zuſammen, deren Anfuͤhrer ihn heim⸗ lich und boͤslich, um Gold zu ſuchen, verlaſſen hatte, hoͤrte klaͤglich deſſen nichtswuͤrdigen Entſchuldigungen an, und richtete am 16. ſeinen Lauf nach Spanien zuruͤck. Schon war er den Azoren nahe, als am 14. Februar ein fuͤrchterlicher Sturm entſtand, und ihn und ſeine Entdeckung zu vernichten drohte. Waͤhrend die See aber bergehoch rann, die Blitze den Himmel in Flammen ſetzten, Wind und Wogen ſein Schiff auf und nieder warfen, das Schiffsvolk zitterte, Ge⸗ luͤbde machte und arbeitete, ſchrieb Kolumbus den gefundenen Weg in die neue Welt zwei Mal auf Per⸗ gament, rollte dieſes in Wachstuch, machte einen Wachskuchen um jedes, und: verwahrte ſie in kleinen Tonnen, von dieſen warf er eine in die See, die andere befeſtigte er am Schiffs⸗Hintertheile, in der Hoffnung, daß, wenn er nun auch untergehen ſollte, doch ſeine Entdeckung, irgendiyo an das Land getrie⸗ ben, nicht fuͤr immer verloren gehen wuͤrde. Am 48. Februar erreichte man indeſſen St. Ma⸗ rig, einer der Azoren, wo das Schiffsvolk, als es 81 ſich daſelbſt in einer Marien⸗Kirche ſeiner Geluͤbde entbinden wollte, von dem portngieſiſchen Statthalter gefangen gemacht, aber wieder frei gegeben wurde, ſobald der Admiral Kolum bus, welcher durch ſchlafloſe Naͤchte, Strapatzen und ſchmale Nahrung erkrankt war, drohte, daß er als Vizekoͤnig der neuen Welt dieſe Inſel in eine Wuͤſte verwandeln wuͤrde. Am 4. Maͤrz lief Kolumbus, beſtaunt von einer Menge Volks, und begruͤßt von den verſchiedenſten Empfindungen deſſelben, in dem Tajo bei Liſſa⸗ bon ein, und ſendete ſogleich Eilboten nach Spanien und an den Koͤnig von Portugal, welcher ihn hatte einladen laſſen, und ihn auch ſehr freundlich und mit großer Auszeichnung empfing. Am 15. Maͤrz traf er in dem Hafen von Palos ein, und von da glich ſeine Reiſe an den ſpaniſchen Hof in Barcellona einem wahren Triumphzuge. Der Koͤnig und die Koͤnigin, auf ihrem Throne ſitzend, erhoben ſich, als er nahte, nahmen ihn bei der Hand, und befahlen ihm, ſitzend zu erzaͤhlen, und Jeder mann durfte zuhoͤren. Von ihm ſelbſt, nicht von dem treulos voraus geeilten, aber auch vom Hofe abgewieſenen Pinzoa, wollte man die Eutdeckung hoͤren. Nach den Tagen des Jubels und Gluͤckwuͤnſchens wurden dem Helden die fruͤheren Privilegien feierlichſt 5tes B. Indien. I. 1. 6 82 beſtaͤtigt. Daun ſuchte man, Krieg zu vermeiden, die Graͤnze zu beſtimmen zwiſchen Spaniens und Por⸗ tugals Beſitzungen im Weſtmeere: denn Portugal hielt ſich ſchon fuͤr verletzt. Der Papſt Alexander VI. zog aber,(die Paͤpſte vertheilten damals die Welt), eine Linie von Pol zu Pol, 100 Meilen von den Azoren und von dem gruͤnen Vorgebirge, und er⸗ kannte alles innerhalb dieſer Linie Gelegene Spanien zu. Damit war die politiſche Frage entſchieden. Mitt⸗ lerweile hatte Kolumbus zu einer zweiten Expedi⸗ tion 12 große und z kleinere Schiffe geruͤſtet, Pferde, Schafe und Rindvieh an Bord bringen laſſen, um dieſe Thiere in die neue Welt zu verpflanzen, und ſich endlich mit 1800 Mann eingeſchifft. Mit ihm ging jetzt auch ſein Brnder Diego. Am 25. September 1493 wurden im Kanal von Kadiz die Anker gelichtet. Den 2. Oktober erreich⸗ ten ſie die Kanarien, und am z. waren ſie in Go⸗ mera, woſelbſt ſie Erfriſchung einnahmen, um dann ſogleich in einer mehr fuͤdweſtlichen Richtung gegen die neue Welt zu ſteuern. Dieſe zweite Reiſe war ſehr gluͤcklich.— Am dritten November,(ein Sonntag war es,) ent⸗ deckte man die gebirgige Inſel Dominica, das Ei⸗ land Maria galante, ſo genannt nach dem Ad⸗ miralſchißfe, und am 4. St. Maria de Guade⸗ loupe, zur Ehre der Moͤnche in Spanien zu Un⸗ ferer L. Frau von Guadeloupe, nach einem 83 Verſprechen des Admirals, ſo genannt, von Karaiben oder Kanibalen bewohnt. Am 10. November ver⸗ ließen ſie Guadeloupe, entdeckten darauf Mont⸗ ferrat, St. Maria Rotonda, die St. Mar⸗ tins⸗Inſel, wo man Korallen fand, Jamaika (St. Maria de Antigua), und die Inſel Ayay oder Santa Cruz.— Als hier die Spanier anle⸗ gen wollten, wurden ſie von einer in Kaͤhnen Ka⸗ noës) fahrenden, von Frauen und Maͤnnern beglei⸗ teten Karaiben⸗Koͤnigin mit einem Hagel giftiger Pfeile begruͤßt; worauf Kolumbus Verſchiedene zu Gefangenen machen ließ, der Koͤnigin ſelbſt jedoch, weil ſie ſich ſchwimmend an das Land rettete, nicht habhaft werden konnte. Darauf ſegelte man vor den Inſeln St. Urſula und der Eilftauſend Jungfrauen, vor dem reichen und fruchtbaren, ſchoͤnen und regelmaͤßig bewohnten Bo rriquen, und traf am 21. an der Nordſeite von Hiſpaniola ein. Man nahm hier Waſſer, und fuhr dann landwaͤrts in s Tagen nach Villa de Navidad. Hier fand Kolumbus zu ſeinem groͤßten Er⸗ ſtaunen nur noch einige Leichen von den zuruͤck gelaſ⸗ ſenen Spaniern und Alles in Veroͤdung. Durch Gold⸗ Erpreſſungen, Frauen⸗Raub und andere Unbilden, welche die Spanier gegen die Indier ſich erlaubt hat⸗ ten, waren die Kaziken und Indier aufgebracht, be⸗ ſonders die Indier des Kaziken Kaunaboa, wel⸗ cher alsdann in Gemeinſchaft mit Kolumbus Freunde, 4 84* (dem Kaziken, welcher einſt die Begruͤndung Navi⸗ dad’s beguͤnſtigte), die Spanier vertilgte, von deren Sterblichkeit der Tod eines Einzigen die Ueberzeu⸗ gung gegeben hatte. Ohne Nache zu nehmen, vielmehr kluͤglich und freundlich mit beiden erwaͤhnten Kaziken ſich beneh⸗ mend und vertragend, legte Kolumbus eine neue Kolonie, doch nicht auf demſelben Platze, ſondern auf einem durch die Natur dazu guͤnſtigerem, nicht ſo weit von den Gold⸗Minen entfernten Orte an. Am 14. Dezember begann der Bau des Forts, am Ende Maͤrz 1494 ward es vollendet, und zur Ehre der Koͤnigin von Kaſtilien Iſabella genannt. Waͤhrend dieſes geſchah, erforſchte ein Theil der Spanier, unter eines gewiſſen Fojeda Leitung, nach Kolumbus Befehl das Land, und ſuchte Gold in den Fluͤſſen und auf Bergen, wo es oft vor den Au⸗ gen lag. Eine zweite Abtheilung der Spanier ſen⸗ dete Kolumbus auf 12 mit Landes⸗Erzeugniſſen beladenen Schifſen, unter der Anfuͤhrung eines ge⸗ wiſſen Antonio Torres, des Bruders der Amme des koͤnigl. Prinzen, an das koͤnigl. Haus nach Spa⸗ nien zuruͤck. Die uͤbrigen Leute des Kolumb us, zur Arbeit traͤge, nach Gold begierig, den Beſchwer⸗ den des Klimas gram, und muͤrriſch uͤber die Ent⸗ behrung europaiſcher Bequemlichkeiten und Lebens⸗ mittet, naͤhrten einen Geiſt des Aufruhrs gegen ihn. — — 85 Ein gewiſſer Bernal aus Piſa, oͤniglicher Re⸗ chenmeiſter bei der Expedition, unterſtuͤtzte dieſe Meu⸗ terei, und verfaßte allerlei Klagen gegen Kolum⸗ bus, um ſie dem Hoſe vorzutragen. Dieſe Klag⸗ ſchrift kam in die Haͤnde des Admirals. Um die Inſurrektion zu unterdruͤcken, ließ er ſogleich Berual verhaften, vertraute ſeinem Bruder Diego das Kommando uͤber die Schiffe, uͤber den Kriegsvorrath und das Schiffsvolk, und zog dann mit der Infanterte und Reiterei, die er bei ſich hatte, in die goldreichen Gebirge von Cibao, wo er ein Fort anlegte, und es unter dem Befehl des Pedro Margarita mit z6 Mann beſetzte. Kaum war dieſes angelegt, ſo wurde es von Kannaboa auge⸗ griffen, und Kolumbus ſah ſich bald genoͤthigt, mit ſeiner Wunder wirkenden Reitereit den Feind zu zer⸗ ſtreuen und eine Verſtaͤrkung unter Fojeda in das Fort zu legen. Hierauf ſegelte er am 24. April nach Kuba, um ſich zu uͤberzeugen, ob es Inſel oder Feſtland ſey. Er beſuchte am 2. Mai das herrliche Eiland Jamai⸗ ka, und durchſchiffte den 14. die zahlloſe Menge der kleinen Inſeln um Kuba, wo er ſich nur unter vielen Beſchwerlichkeiten an der Kuͤſte halten konnte. Von den Indiern, welche er hier zum erſten Male mit einer bis auf die Knie gehenden wollenen Kleidung bedeckt gefunden hatte, erfuhr er, daß Kuba eine 86 Juſel ſey, und einem ſtolzen, herviſchen Kaziken ge⸗ hoͤre, der nicht ſpreche, nur winke, wenn etwas geſchehen ſollte. Obgleich Kolumbus auf dieſer Reiſe durch die haͤrteſten Strapatzen, durch Entbehrung guter und gehoͤriger Nahrung und des Schlafes, augenkrank geworden und an fuͤrchterlichem gichtiſchen Glieder⸗ ſchmerzen litt; ſo kehrte er doch vor dem 29. Sep⸗ tember nicht nach Iſabella zuruͤck. Hier aber ge⸗ nas er dann auch um ſo ſchneller wieder; beſonders weil er einmal eine rechte Freude erlebte. Sein Bru⸗ der, der lang erſehnte Bartholomaͤ naͤmlich, war augekommen, welchen Kolumbus auch ſogleich zum Adelantado oder Praͤfekten der Indier machte. Ungeſtoͤrte Freude ward aber nie unſerm Helden gegoͤnnt; denn bald kraͤnkte ihn die Auffuͤhrung ſeines juͤngern Bruders Diego, welche nicht immer die beſte war, bald hatte er einen Hader mit den Moͤnchen, welche zur Ausbreitung des katholiſchen Gliaubens aus Spanien mit gekommen waren; unter dieſen beſonders mit dem Franziskaner Bernard Buyl, welcher, als Kolumbus die von Spanien an Indiern veruͤbten Exeeſſe nicht gleichguͤltig anſe⸗ hen wollte, ſogar frech genug war, unſern Helden mit dem Banne zu belegen. Hiefuͤr entzog ihm indeß Kolumbus alen Lebensunterbalt, und ſchickte ihn nach Spanien zuruͤck. 5 8 — — 87 Erſt nachdem er die von den Spaniern dis zur Verzweiflung gereizten und unter die Waffen getre⸗ tenen Indier, beſonders die Einwohner Cibao's und deren Kaziken Kannaboa, im offenen Felde geſchlagen hat e, konnte er ſeine Reiſe nach Spanien vornehmen, um dahin 30 Indier, Gold und Erzeug⸗ niſſe weſtindiſcher Laͤnder, zugleich aber auch 225 Europaͤer zuruͤck zu bringen. Dieſe am 10. Maͤrz 1497 begonnene Reiſe war außerordentlich beſchwerlich; eine auhaltende Windſtille wieß die Segeinden zuletzt auf ſehr geringe Nahrung an, und erſt am 14. Juni landete man in der Heimath. Der Hof war gerade in Burgos, die Vermaͤh⸗ lung des Prinzen Don Juan mit der. Erzherzogin Margaretha von Oeſtreich zu feiern. Kolumbus eilte mit den Indiern und Produkten dahin, ſtattete Bericht ab und bat, ihn bald wieder zu expediren, damit die in der Kolonie herrſchenden Unordnungen nicht groͤßer wuͤrden. Allein dieſe Bitte war umſonſt, und ſelbſt der Empfang des Helden war kaͤlter; Miß⸗ vergnuͤgte, welche zuruͤckgekehrt waren, hatten ihn angeklagt, und er hatte ſogar noͤthig, ſich zu ver⸗ theidigen, was er auch mit vieler Kraft und Wuͤrde that. Als er endlich noch einige Geſuche zum Beſten der Kolonie, deren Verwaltung, des Handels und der noͤthigen Kultur, auch zum Beſten ſeiner Familie durch⸗ geſetzt hatte, und es ſich gefallen laſſen mußte, Spa⸗ niens Verbrecher dorthin zu verpflanzen, ſegelte er, 88 freilich noch zu fruͤh gegen den Wunſch ſeiner Feinde, befonders gegen die Plaͤne eines Fon feca, am 30. Mai 14e8 aus dem Hafen von San Lucar de Barrameda zum dritten Male nach der neuen Welt ab. 3 In Porto Santon hm man Erfriſchungen ein, weilte einige Dage in Ma deira, befreite bei Go⸗ mera ein ſpaniſches Schiff von einem franzoͤſiſchen Kaper, und rrennte ſich dann bei den Ferve⸗In⸗ feln. Von hier gingen drei Schiffe gerade nach Hi⸗ ſpaniola; Kolumbus ſelbſt aber verfolgte, in der Richtung nach dem Arguator, mit den drei uͤbri⸗ gen ſeinen Weg nach der neuen Welt. Die fuͤrchter⸗ liche Hitze jedoch in der heißen Zone, welche Fleiſch und Mehl verdarb, die Faͤſſer ſprengte un d das Schiffs⸗ volk vor Ermattung dem Tode nahe brachte, noͤthig⸗ ten ihn zu einer noͤrdlicheren Fahrt gegen Trinidad. Am erſten Auguſt 1498 landete Kolumbus zum erſten Mal auf dem Continente der neuen Welt. Erſtaunt und ſchuͤchtern kamen ungefaͤhr 25 Indier in einem Kahne heran, bezeigten aber keine Luſt zu den von Kolumbus auf dem Verdecke ausgeſtellten Geſchenken. Als er ſie mit Muſik erfreuen laſſen wollte, hielten ſie dieſe Toͤne fuͤr Zauber⸗Stimmen, und waren kuͤhn genug, einen Pfeilregen auf die Spanier abzuſchicken. Die Spanier erwiederten ihn mit ihren Ar ubruͤſten, und die Indier flohen davon. Nun ſegelte Kolumbus 104 Meilen in den Oro⸗ — 89 noko, verließ jedoch am 13. Auguſt die Kuͤſte von Paria, wo man Gold, Perlen und gebildetere Men⸗ ſchen, als auf den Juſeln antraf, und kam den 30. Auguſt, unter vielen Leiden an Gicht und Augen⸗ Entzuͤndung, an die neue Stadt St. Domin go, welche Bartholoma in der Abweſenheit ſeines Bru⸗ ders auf koͤniglichen Befehl angelegt, und zur Ehre ſeines Vaters Domingo genanut hatte. Obgleich Bartholoma, ein geſchickter, thaͤti⸗ ger, ernſter und unerſchuͤtterlicher Mann, waͤhrend Kolumbus Abweſenheit vieles Wichtige noch außer dem Baue geleiſtet, aufruͤhreriſch geſinnte Kaziken gezuͤchtigt, zwei derſelben fuͤr Spanien zinsbar ge⸗ macht, einige Inſulaner zum warnenden Beiſpiele fuͤr andere zum Tode verurtheilt, auf Raub amher⸗ ziehendes Geſindel gezuͤchtigt, Schiffe ausgeruͤſtet und mehre Forts auf der Straße von Domingo nach Iſabella angelegt hatte, ſo fand dennoch Kolum⸗ bus ſelbſt noch viel zu thun. Denn waͤhrend ſeiner Abweſenheit war einer ſeiner Guͤnſtlinge, Fraucesco Roldan von Eimenes, welcher ſich vom Kam⸗ merdiener des Admirals zum Hauptmann empor ge⸗ ſchwungen hatte, auf den Wahn verfallen, der ſo lange ausbleibende Admiral ſey entweder todt; oder in Spanien in Ungnade gefallen. Er hatte alſo alle Arten von Uebertretung der goͤttlichen und menſchli⸗ chen Geſetze befoͤrdert und dadurch einen foͤrmlichen Aufruhr eingeleitet. Es waren beſonders drei Punkte, 90 woruͤber die Syanier ſich beſchwerten; einmal: daß ſie keine Indianerinnen heirathen durften; dann: daß ſie mit den Indiern nicht nach ihrer Wihkuͤhr verfahren ſollten; und endlich: daß man ſie hindere, reich zu werden, und daß man die Schaͤtze der Inſel nicht ihnen allein uͤberließ. Die Flamme dieſes Aufruhrs wurde taͤglich ſtaͤr⸗ ker, und beſonders gut verſtand ein gewiſſer Alonzo Sauche; von Carvajal, ein Kapitaͤn von An⸗ ſehen, dieſelbe liſtig zu naͤhren, waͤhrend er ſich den Schein gab, ſie allmaͤhlig erſticken zu wollen. Die Folge davon war, daß der Name Kolumbus immer ver⸗ haßter wurde, und unſer Held ſelbſt die Unordnun⸗ es. ht ſogleich hemmen konnte. Man wußte naͤm⸗ lich, das Kolumbus dem Biſchof von 2 Bajados, dem Fonſeca verhaßt war, und kannte deſſen An⸗ ſehen bei Hofe. Hierauf trotzend wurden die Rebellen ſtets nur frecher und zuͤgelloſer. Doch nach Verdienſt folgte ihren Aurſchweifungen und Ungerechtigkeiten die Strafe auf der Ferſe nach. Demn 300 ſtarben elendiglich, 160 andere rieb veneriſches Siechthum auf, und die Inſel⸗Bewohner ſchlugen einen Spanier nach dem andern todt, Von ſo vielem Ungluͤcke erweicht, beſchloß endlich der Admiral, den Inſurgenten ihren ruͤckſtaͤndigen Sold zu zahlen und ſie nach Spanien zuruͤck zu ſchicken. Roldan aber wurde zum Ober⸗ richter auf Hiſpaniola ernannt. Auf dieſe Weiſe wurde dem Schlimmſten ein ſtrenger Richter, naͤm⸗ 91 lich die Verpflichtung, auf ſeiner Hut zu ſeyn, und dem Eilande wieder Ruhe gegeben, ehe noch Alonzo Fojeda am s. September 1499 von Braſiliens Kuͤſten eintraf, um ſich an die Spitze der Meuterer zu ſtellen. 3 Ein noch furchtbareres Ungewitter brach jedoch in Spanien ſelbſt uͤber unſern Helden durch die dort⸗ hin zuruͤck gekehrten Mißvergnuͤgten aus. Dieſe klag⸗ ten laut uͤber Kolumbus uͤberall, wo ſich nur der Koͤnig und die Koͤnigin ſehen ließen; ja ſie begegne⸗ teun ſogarrden Pagen der koͤniglichen Majeſtuͤten, den Soͤhnen des Kolumbus, mit den ehrenruͤhrigſten Inſulten. Daruͤber aufgebracht, geſtimmt von Fon⸗ ſeca, ſendete man, weil beſonders Kolumbus ſelbſt ſchon mehrmals darum gebeten, einen außer⸗ ordentlichen Oberrichter in die neue Welt, den Franu⸗ eiseo Bovadilla, der zwar Commandeur des Or⸗ dens von Kalatrava, aber der werthloſeſte Menſch war. Dieſer erbaͤrmliche Mann, eine Maſchine Fonſe⸗ ea's, voll Begier, auf den Truͤmmern des Gtuͤcks unſers Helden ſich zum Anſehen zu bringen, bemaͤchtigte ſich ſogleich bei ſeiner Ankunft auf Hiſpaniola des Hauſes unſers Kolumbus, der eben, in Konception mit Tilgung einer zwiſchen Indiern und Spaniern entſtandenen Feindſeligkeit beſchaͤftigt, abweſend war, ſeines Vermoͤgens, ſeiner Papiere, war freundlich gegen Alle, welche auf Kolumbus ſchmaͤhten, ver⸗ ſchenkte Land, Gold und Indier an die Meuterer, „ 92 und ließ zuletzt, weder den Ei hoͤrend, Kolumbus mit deſſen lomaͤ und Diego, in Feſſeln nach Aus Kadiz meldete am 20. 8 mit dem Denkmal ſpan ſſjen noch den Andern Bartho⸗ anien fuͤhren. 92 vember 4509 der Brsnen Brude Ankunft dem zwar, um de Gefeſſelten ſogleich die Ketten abnehmen, ſie an den Hof kommen, und nahmen ſie mit groß und feinen Worten auf; allein ſie ſchmaͤlerten dem großen Manne dennoch ſeine Privilegien. Bova⸗ dilla wurde ſreilich abgeſetzt, und augehalten, dem Admiral wieder das Sei ige zuruͤck zu geben; allein man erkanute dieſen Letzteren doch nicht mehr als Vize⸗ koͤnig und Statthalter Indiens an. Der große Mann, durch welchen Spanien Macht und Anſehen gewann, mußte in ſolcher Duͤrftigkeit leben, daß er jetzt oft nicht Platz hatte, wohin er ſein Haupt legen, nicht ſo viel Geld, wovon er in der Herberge, wo er blieb, ſeine Zeche zahlen konnte. Endlich ſendete man ihn zum vie Weſtindien, doch mit der ausdrut eiſung, nur im Falle der Noth auf ſeiner kreiſe in Hiſpa⸗ niola anzuhalten. Er ging gelne; mit ihm ſein Sohn Ferdinand, fein Bruder Bartholomaͤ und noch ein muthiger Edler von Genug, Bartho⸗ loma Fieschi. Mit vier ſchlechten Fahrzeugen, leßen en Mal nach ſchleiern, den 150 Mann an Bord, verließen ſie Kadiz am 9. Mai 1502, und gelangten in 16 Tagen von den Kanarien an die weſtlichen Inſeln. In St. Domingo wollte er einen ſeiner ſchlech⸗ ten Segler gegen einen beſſern tauſchen, und einen heran⸗ nahenden Sturm abwarten; allein der jetzige Komman⸗ dant de Lares, auch einer ſeiner Feinde, wehrte ihm den Hafen, und verſchmaͤhte die ihm gegebene Warnung vor einem Orkane, der ſeinen 28 nach Eu⸗ ropa gehenden, eben zur Abfahrt bereiten Schiffen gefaͤhrlich werden koͤnnte. Der Orkan kam, und Ko⸗ lumbus ſchwebte mit ſeinen vier ſchlechten Schiffen in der aͤußerſten Gefahr; dennoch verlor er nicht ein einziges, indeſſen von den 28 des de Lares nicht weniger als vier und zwanzig zu Grunde gingen, mit dieſen Bovadilla und andere Verſchworne, auch der groͤßte Theil der dem Kolumbus und den armen Indiern geraubten Schaͤtze. Bei fortgeſetzter Reiſe beruͤhrte Kolumbus Braſilien, die Pozo⸗Eilande und Guanari, auf welcher Bartholoma landete, und die Frauen der Indier mit Kotton⸗Schuͤrzen bekleidet, gleich den Maurinnen von Granada, die Maͤnner aber mit ehernen Meſſern bewaffnet fand. Darauf hielten ſie an die Kuͤſte laͤngs des Feſtlandes Mexiko hin, wel⸗ ches am 47. Auguſt 1802 Bartholomaͤ mit den ge⸗ woͤhnlichen Feierlichkeiten in Beſitz nahm. Ein neuer Sturm ſteoͤrte jetzt die Zufriedenheit 94 der Schiffenden. Mehre Tage und Naͤchte hindurch ſah man weder Sonne noch Sterne. Die Segel zer⸗ riſſen, die Anker gingen verloren, und die Schiffe waren ſo ſehr in Gefahr, daß ſelbſt der kuͤhnſte See⸗ mann bebte. Kolumbus ſelbſt war gichtkrank, und voll Sorge fuͤr ſeinen Sohn und Bruder, welche in dem ſchlechteſten Schiffe ihn begleiteten. Endlich doch der Gefahr entronnen, beſſerte man die Schiffe am Lande von Cariagi aus, beruͤhrte dann die Kuͤſte von Carambaru, wo die Einwohner goldene runde Plaͤttchen um ihre Nacken trugen, kam darauf nach Veragua, und am 28. Oktober, vom Winde dahin getrieben, nach Porto de los Baſtimentos. Ein anderer neuntaͤgiger Sturm drohte neues Ver⸗ derben. Am Tage der h. drei Koͤnige kamen ſie in⸗ deß nach Veragua zuruͤck, und nun ſuchten ſie eine Zufluchtsſtaͤtte in einem Strome; denn ihre Schiffe waren ſehr ſchadhaft geworden. Das Land an dem Strome hinauf ward von Bartholomaͤ goldreich gefunden. Kolumbus ſchloß ſogleich mit deſſen Fuͤr⸗ ſten Quibian einen Vertrag wegen einer ſpaniſchen Niederlaſſung ab, welche zwar ausgefuͤhrt, aber we⸗ gen der Bosheit der Indier und wegen der Wortbruͤ⸗ chigkeit QOuibians hlntige Kaͤmpfe veranlaßte, und endlich wieder aufgegeben wurde. Mit faſt verfaul⸗ ten 3 Schiffen(bis in die Mitte des Februars 1503 war unaufhoͤrliches Regenwetter), indem man eines ſogar ganz zuruͤck ließ, begab man ſich wieder auf die * . 95 Reiſe, ließ in Porto Bello ein zweites Schiff als ganz unbrauchbar zuruͤck, und ſuchte ſo mit zweien Hiſpaniola zu erreichen; aber Wind lund Wetter trieben die ungluͤcklichen Reiſenden gegen das Ende des Monats Juni 1503 nach Jamaika. Nach einigen Ruhe⸗Tagen ſchifften Diego Men⸗ dez und Bartholomaͤ Fieschi, zwei wackere Maͤn⸗ ner, in Kaͤhnen, welche mit indianiſchen Ruderern bemannt waren, nach Hiſpaniola, um dort Lebens⸗ mittel und die zur Heimreiſe noͤthigen Schiffe zu ho⸗ len; denn mit den ihrigen konnten ſie es nicht weiter wagen. Kurz nach der Abreiſe des Fieschi und Mendez erregten zwei Bruͤder, Porras, eine Meuterei unter den Spaniern gegen den Admiral, der gewiß nicht an ihrer ungluͤcklichen Lage Schuld war, und auf dem Krankenbette lag. Sie nahmen Kaͤhne, indiſche Ruderer, und verließen mit faſt allen Spa⸗ niern den edlen Mann, um nach Haiti zu ſegeln; doch widrige Winde trieben die Schaͤndlichen wieder zuruͤck. Zu dieſem Ungemach kam noch, daß die von ihnen taͤglich mehr gereizten und erbitterten Indier keine Lebensmittel mehr bringen wollten, und nur da⸗ durch, daß Kolumbus, eine heran nahende Mon⸗ des⸗Finſterniß benutzend, ihnen mit dem ſichtbar wer⸗ denden Zorne der Gottheit drohte, zur Fortſetzung ihrer Lieferungen von Nahrungsmittel bewogen wer⸗ den konnten.— Mittlerweile kam von dem Statt⸗ halter Hiſpaniola's, von de Lares, ein Schiff, 8 A 96 welches dem Kolumbus ein Faß Wein, etwas duͤr⸗ res Schweinefleiſch brachte, und die faſt ſchon be⸗ zweifelte Ankunft des Mendez und Fieschi in Hi⸗ ſpaniola meldete, darauf aber ſogleich wieder ab⸗ ſegelte. Dieſe ſchmerzlich verhoͤhnende Handlung ſetzte das Schiffsvolk in den Wahn, Kolum bus ſey von dem Hofe Spaniens verbannt, und eine neue Meu⸗ terei gegen den großen Mann war die Folge. Man wollte ſogar Hand an ihn legen; allein Bartholo⸗ ma und wenige Getreue toͤdteten mit den Waffen in der Hand einige Rebellen, ſchuͤtzten dadurch des Ad⸗ mirals Leben, und ſtillten ſo kaͤmpfend und ſiegend den gefaͤhrlichen Aufſtand⸗ 3 Zu Ende des Maimonats 1504 kam endlich Men⸗ dez mit einem fuͤr des Admirals Geld gekauften Schiffe an, und am 28. Juni ſchifften ſich Alle, Freunde und Feinde, ein, um uͤber Domingo in die Heimath zu ſegeln. Kolumbus mußte, ſiets gichtkrank, faſt immer das Bett huͤten. Gelandet im Hafen von San Lucar de Bar⸗ rameda, erholte ſich Kolumbus einige Tage von ſeinen Muͤhen und Beſchwerden. Dann betruͤbte ihn die Nachricht von dem Tode Iſabella's, ſeiner Beſchuͤtzerin. Hierauf erlitt er von dem Koͤnige Fer⸗ dinand die Kraͤnkung, daß ſeine Privilegien, ſchon laͤngſt ihm thaͤtlich entzogen, jetzt ſogar oͤffentlich und woͤrtlich widerrufen werden ſollten. So endete der große Mann, das Opfer des ſchaͤndlichſtes Undankes, mit 8 — 97 großer Ergebenheit in den Willen des Ewigen und Gerechteſten, am 20. Mai 1506 zu Valladolid ſein thaͤtiges, ſorgen⸗ und beſchwerdenvolles Leben. Sein Leichnam ward in der Domkirche Sevilla's feierlichſt beerdigt, und auf des Koͤnigs Befehl ihm ein marmornes Denkmal mit der Grabſchrift geſetzt: A Castilla y a Leon Nuevo mondo dio Colon. (An Kaſtilien und Leon Gab Kolomdb eine neue Welt.) Kolumbus hinterließ zwei Soͤhne, Diego, welcher die ihm zuſtehenden Rechte und Wuͤrden erbte, und Ferdinand, welcher als Gelehrter lebte, und nach großen Reiſen im Jahre 1540 oder 4344 bei den Dominikauern zu Sevilla ſtarb. Den Nachkommen Diego's handelte man ihre Rechte auf das Vize⸗Koͤnigthum, und auf die Statt⸗ halterſchaft gegen Herzogs⸗ und Grafen⸗Titel, den Zehnten der Erzeugniſſe der neuen Welt aber gegen jaͤhrliche 40,000— 12,000 Gold⸗Dublonen ab. Die maͤnnliche Nachkommenſchaft unſeres Helden in gerader Linie ſtarb im Jahr 4578 aus. Aus der weiblichen Nachkommenſchaft aber, von den Toͤchtern Diego's, erwaͤhlte Maria den Nonnenſtand; Juanna hingegen verheirathete ſich in das Haus von Toledo, und Iſabella ward an den Grafen 5tes B. Indien. I. x. 7 Georgio Gelves, von der Familie von Porto⸗ gallo vermaͤhlt. Wer die Wichtigkeit der Entdeckung Amerika's nach allen ihren Bezichungen hin, beſonders fuͤr Eu ropa, kennt, wer aus der hier gegebenen kurzen, doch vollſtaͤndigen Geſchichte derſelben das kuͤhne Un⸗ ternehmen, wie den großen und muthigen Unterneh⸗ mer ſelbſt ehren lernte, der wird ſich freuen, daß die Stadt Genua dem aus ihren Mauern hervor gegan⸗ genen Mann, mit welchem kein anderer Held ſich mehr vergleichen kann, da es keine neue Welt mehr zu entdecken gibt, die von ihm hinterlaſſenen Urkunden gut verwahrte, und ihm ein marmornes Denkmal mit ſeiner Buͤſte noch am 31. Jult 1824 ſetzen ließ, welches die Nachwelt dem kuͤnſtlichen Meiſel des Ge⸗ nueſers Peſchiera verdankt. Genua hat die, theils in ihrem Archive, theils im Beſitze einiger Privaten befindlichen urkunden, welche fuͤr die Geſchichte der Entdeckung Amerika's hoͤchſt wichtig ſind, durch Ab⸗ druck bekannt gemacht, und durch Kupferſtiche zugleich ſein wahres Bruſtbildniß, ſſein Wappen, das neu ge⸗ ſetzte Denkmal und zwei Proben ſeiner Handſchrift verherrlicht. Erſte Neiſe Chriſtoph Kolomb's 1492 9. Q˖—ꝑq Als Chr. Kolomb aus Grauada gbreiſte, er⸗ hielt er in einem offenen Empfehlungsbriefe an alle Fuͤrſten der Welt die Weiſung, ſich ſtets in einer Ent⸗ *) Decades Oceanes Por Pedro Martyre d'Angle- ria. Alcala, 1510—1550. Basil. 1533. EFol.— La hisloria gencral y natural de las Indias por el Capitan Gonzalo Ilernande⸗ d'Oviedlo y Val- des. Sevilla, 1555. Salamanca, 41540, 10l.— Historia general de las Indias, y todo lo acaes- eido en ellas, dencdle que se ganaron hasta el anno 1551, por Franc. 1 obez de Gomara. Ant- verp. 1554, 8.— Historia general de los 1le- ehios de los Castella: nos cH las Islas v. Lierra- ſirma del Mar Oceano, bor Anton ddu Her desse el anno 4402 hasia el de 455 4. M. 1604. Fol. 4 Tomi.— Relacion de la dest eion de las Indias Oecidentales por los C lanos, por Barthol. de las Casas, Sevilla, 1552.— Histoire génerale de l'Amerique de- puis sa decouverte, par le R. L. Tournon. Paris, 4708, 8. Vol. 1. „ fernung von 100 Meilen zu den portugfeſiſchen Be⸗ ſitzungen zu halten. Er begab ſich nach Kordug zur Ordnung ſeiner haͤuslichen Angelegenheiten, und dann in den Hafen von Palos, wo immer die beſten ſpa⸗ niſchen Matroſen ſich befanden, und Anſtalten zu ſei⸗ ner Ausruͤſtung bereits gemacht wurden. Der Klo⸗ ſter⸗Geiſtliche Marchena hatte die daſigen Seeleute fuͤr ihn gewonnen, uunter welchen die drei Bruͤder Pinzoni als die reichſten und geſchickteſten Seefahrer anerkannt waren, und fuͤr Kolomb's Unternehmung ihre Perſonen, wie ihr Eigenthum auf das Spiel ſetzen mußten, indem ſie die Reihe der Ordnung nach traf. Die Stadt Palos hatte damals die Verbindlich⸗ keit, durch zwei Karavellen(oder Schiffe) jaͤhrlich drei Monate die See zu beſchuͤtzen; nach einem koͤnigli⸗ chen Befehle mußten dieſe Schiffe dem Kolomb uͤber⸗ geben werden. Dazu ruͤſtete dieſer noch ein drittes Schiff, Namens Santa Maria, aus, welches er ſelbſt beſtieg. Das zweite Schiff, La Pinta, uͤber⸗ gab er dem Martin Alfons Pinzon als Haupt⸗ mann, welcher ſeinen juͤngſten Bruder, Franz Mar⸗ tin Pinzon, zum Steuermanne waͤhlte. Das dritte, La Nina, wurde von Vinecent YNanes Pinzon uͤbernommen. Alle drei Schiffe waren mit nicht mehr als 90 Mann, theils Freiwilligen— theils Seeleu⸗ ren, beſetzt; einige hatten am koͤniglichen Hofe be⸗ reits ehren volle Dienſte geleiſtet; andere waren dem 101 Admiral ſehr ergeben. Sobald die Schiffe auf ein Jahr mit Lebensmitteln verſehen waren, erfolgte die Abfahrt am 3. Auguſt 1492, wie er ſchon am 17 und 30. April dieſes Jahres privilegirt war 4). Schon des andern Tages zeigte ſich eine Beſchaͤ⸗ digung des Steuer⸗Ruders der Pinta, welche von deren Eigenthuͤmern veruͤbt zu ſeyn ſchien; denn ſie ſchloßen ſich ungern an die Unternehmung. Zwar ſuchte Alfons Pinzon den Schaden durch Seile wieder gut zu machen, allein dieſe wurden nach we⸗ nigen Tagen von dem Meere wieder abgeloͤſet. Die aberglaͤubiſchen Seeleute wurden dadurch ſehr beun⸗ ruhigt; aber Kolomb hauchte ihnen Muth und Ver⸗ trauen ein. Am 14. Auguſt erlangten ſie die große Kanarien⸗Inſel, wo ſie der Pinta ein neues Ruder gaben, und auch jenes der Nina mit einem runden verwechſelten. Am 1. September ſegelten ſie wieder ab, am 5. landeten ſie vor Gomera, um Waſſer, Holz und Lebensmittel einzunehmen. Da aber Kolomb daſelbſt benachrichtigt wurde, K. Jo⸗ hann II. von Portugal habe aus Verdruß uͤber ſeinen mit Spanien abgeſchloſſenen Vertrag 3 Kaper⸗Schiffe gegen ihn ausgeſendet, ſo ſegelte er bald wieder ab. *) Dieſe Urfunden finden ſich in Spotorno's Werke .35— 57, unterzeichnet vom Staats⸗Sekretaͤr Idhann von Koloma. 1 Am 1. Sept. verlor er die Kanarien aus dem Geſichte, und ſteuerte ſtets gegen die weſtliche Gegend ſeiner Hoffnungen. Daruͤber verloren ſeine Seeleute wegen des ihnen noch unbekannten Meeres ihren Muth, weinten und heulten. Er beſchaͤmte ſie we⸗ gen dieſes Mißtrauens, und ſuchte ſie durch die Hoff⸗ nung auf angenehme Gegenden zu ermuntern. Er legte noch bis zur Nacht 18 Meilen zuruͤck; war jedoch ſo klug, taͤglich einen Theil des zuruͤck gelegten We⸗ ges zu verheimlichen, damit nicht alle ſeine Seeleute uͤber die zu große Entfernung von Spanien den Muth verlörrn. Am 11. Sept. ſah er 150 Meilen von der Inſel Ferro einen Maſt treiben, welchen nur die Stroͤme dahin gebracht haben konnten. Bald darauf beobachtete er, daß die Stroͤme mit vieler Gewalt gegen Nord trieben, und am 14. September Abends 5) Meilen weiter gegen Weſt bemerkte er, daß die Magnet⸗Nadel um einen Grad, und des andern Tages noch um Grad gegen Nord⸗Weſt abwich. Allein die folgenden Tage war die Abweichung ſehr veraͤnderlich, und der Admiral gerieth uͤber dieſe neue Erſcheinung ſehr in Staunen. Am 15. Sept. Nachts, drei Meilen von Ferro, ſah er bei ſehr ſtillem Wet⸗ ter in Suͤd⸗Oſt eine große Flamme, dem Scheine nach 5-6 Meilen von den Schiſfen, in die See fal⸗ len. Die Seelente auf der Nina beobachteten vor Anbruch des Tages einen Rohrſchwanz(Rabo de jonco), welcher einen ſehr langen und duͤnnen Schweif 103 hatte. Des anderen Tages erſchrack die ganze Mann⸗ ſchaft uͤber die Menge gruͤn und gelb vermiſchten Graſes auf der Oberflaͤche des Meeres, welches von einer Inſel oder einem Felfen abgeſchwemmt zu ſeyn ſchien. Des folgenden Tages beobachtete man noch eine groͤßere Menge Gras, auf welchem eine kleine lebendige Heuſchrecke war. Daraus ſchloßen Einige auf die Naͤhe des feſten Landes, Andere auf eine nahe Klippe oder ein verſunkenes Land, wel⸗ ches Angſt verbreitete. Auch ſchmeckte das Meer nur halb ſo ſalzig als gewoͤhnlich, und in der Nacht ka⸗ men einige Thunſiſche den Karavellen ſo nahe, daß die Matroſen der Ning einen ergriffen. Die Luft war ſo gemaͤßig, wie in Andaluſien waͤhrend des Aprils. Faſt 370 Meilen von Ferro erblickten ſie wieder einen Rohrſchwanz. Am 18. Sept. erwartete Alphonus Pinzon, welcher voraus geſegelt war, den Admiral, um ihm zu melden, daß er eine große Menge Voͤgel gegen Weſt ziehen geſehen. Daher koͤnne das feſte Land nicht uͤber 15 Meilen entfernt ſeyn, indem er ſogar waͤhnte, es geſehen zu haben. Allein Kolomb belehrte ihn, daß er nur durch dickes Ge⸗ woͤlk getaͤuſcht worden ſey, welches ſich durch den ſcharfen Wind bald verlieren wuͤrde. Mit vollen Segeln fuhren ſie vielmehr noch 12 Tage fort, woruͤber die Seeleute, welche nichts als Himmel und Waſſer ſahen. neues Wehklagen erho⸗ ben. Der Admiral blieb auf alle Erſcheinungen hoͤchſt 104 aufmerkſam, unter ſteter Beobachtung des Aſtrola⸗ biums mit dem Senkblei in der Hand. Am 19. Sept. ſahen die Seeleute einen Vogel, welchen die Portu⸗ gieſen Aleatras nannten, und gegen Abend flogen viele ſolche Voͤgel um ihre Schiffe herum, was alle troͤſtete. In der Hoffnung auf die Naͤhe des feſten Landes wurde das Senkblei mit ungemeiner Freude in das Meer geworfen; allein 200 Faden reichten noch nicht zum Boden. Man bemerkte ſtets, daß die Stroͤme nach Suͤd⸗Oſt ſich zogen. Am 20. Sept. naͤherten ſich zwei Alcatras dem Schiffe des Admirals; gegen Abend fing man einen ſchwarzen Vogel mit Enten⸗Fuͤßen und einem weißen Flecken auf dem Kopfe. Man ſah wieder viel friſches Gras, ohne daß man ſich weiter fuͤrchtete. Des an⸗ dern Tages ſchwebten drei kleine Voͤgel unter ſtetem Singen um die Schiffe herum bis zum ſpaͤten Abende, woraus man auf die Naͤhe ihres Aufenthaltes ſchloß. Bald wurde das Gras dichter, und mit Thon ſo ver⸗ miſcht, daß die Schiffe manchmal nur mit Muͤhe fort⸗ kommen konnten. Erregte dieß gleichwohl einige Be⸗ ſorgniſſe, ſo hoffte man doch auch bald wieder Land zu finden. Am 21. Sept. ſah man einen Wallfiſch, am 22. einige Voͤgel. An den drei naͤchſten Tagen verurſachte ein Suͤdweſt⸗Wind dem Admirale großen Kummer, waͤhrend er ſich ſtellte, als waͤre dieſer eine holde Gabe des Himmels. Denn ſeine Leute wurden ſteis unzufriedener und mißtrauiſcher auf ſeine 105 Verſprechen; er mußte ſich alſo kluger Mittel zu ihrer Beruhigung bedienen. Gluͤcklicher Weiſe erhob ſich am 23. Sept. Oſt⸗Nord⸗Oſt, durch welchen ſie wieder auf die von ihm gewuͤnſchte Bahn getrieben wurden. Man ſah ſtets verſchiedene Gattungen von Voͤgeln, ſogar Turtel⸗Tauben, welche von Weſt her ſtrichen. 4 Nachdem die Reiſe bereits faſt drei Wochen unter faſt gleichen Erſcheinungen gedauert hatte, ſo erhielt ſich auch das Mißtrauen gegen ihn. Zu dieſem ge⸗ ſellte ſich die Beſorgniß, der zur Weſtfahrt ſtets guͤn⸗ ſtige Wind moͤge die Nuͤckkehr nach Spanien ganz vereiteln. Alle Seeleute der drei Schiffe wurden von der Angſt erfuͤllt, daß ein unermeßlicher Abgrund ohne Ufer und Graͤnzen unter ihnen ſey, welcher ſie jeden Augenblick zu verſchlingen drohe; bald redeten ſie von nichts, als von gewaltſamen Mitteln zum Ruͤckzuge nach Europa. Selbſt die Beſcheidenſten meinten, der Koͤnig wuͤrde nicht verargen, daß ſie nach einer weit laͤngeren Fahrt, als jemals, nicht den Muth, aber die Hoffnung verloren, und dem thoͤrichten Ehrgeize eines Abenteurers ſich nicht laͤnger opfern wollten. Andere machten den Vorſchlag, den Admiral in das Waſſer zu werfen, und zu Haus vorzugeben, er ſey bei unvorſichtiger Beobachtung der Sterne hinein ge⸗ fallen. Der Admiral erwog, beobachtete und hoͤrte Alles; aber er verlor den Muth nicht, ermannte ſich vielmehr zur heiteren Miene, und ſuchte die Unruhe 106 zu erſticken, theils durch gute Worte und Ermahnungen an ihre Pflicht, theils durch neue geoͤffnete Perſpek⸗ tive auf die ihnen bevorſehenden Voertheile, bald durch Drohungen mit der ihm vom Koͤnig verliehenen unumſchraͤnkten Gewalt. Am 26. Sept. Abends ſchrie Pinzon: Land! Land! und ſeigte in einer Entfernung von etwa 20 Seemeilen gegen Suͤd⸗Oſt etwas Dunkles, welches einer Inſel aͤhnlich ſchien. Dieſe mit dem Admiral verabredete Taͤuſchung ſtillte den Aufruhr ſo gut, daß ſie vor Freude dem Himmel Dank erſtatteten, und Kolomb ließ das Schiff die gauze Nacht in gleicher Richtung, um ihre gute Stimmung zu erhalten. Des andern Tages uͤberzeugten ſie ſich zwar von ihrem Irrthume; allein neue Zeichen des nahen Landes, viele Fiſche und Voͤgel, verſcheuchten den Kummer. Die Portugieſen trafen auf ihrer Fahrt nach Oſt⸗Indien oͤfters ſolche fliegende Schiffe, und nannten ſie Do⸗ rados und Empereurs. Bereits beobachtete man auch, daß die Heftigkeit der Stroͤme ſich verminderte. Dieſe Zeichen ermunterten Kolomb ſelbſt, und ſporn⸗ ten ihn zur genanueren Beobachtung des Himmels. Er bemerkte, daß die Magnet⸗Nadel waͤhrend der Nacht mehr als einen ganzen Strich abwich, bei Tage aber unbeweglich gegen Nord ſtehen blieb. Die bei⸗ den Sterne, welche man die Waͤchter(Boca de la Bozina) nennt, waren waͤhrend der Nacht in Weſten 107 beiſammen, ſtanden aber bei Tages⸗Anbruch in Nord⸗ Oſt. Dieſe Erſcheinungen erklaͤrte Kolomb den Steuermaͤnnern auf die natuͤrlichſte Art, erſtickte dadurch ihre Beſorgniſſe, und hauchte ihnen Muth ein, welcher ſich dem ganzen Schiffsvolke mittheilte. Am 1. October berechnete ein Steuermann den bis⸗ her zuruͤck gelegten Weg von den kanariſchen Inſeln an auf 588 Seemeilen, der zweite auf 634, der dritte auf 650. Kolomb war zwar von 70s uͤberzeugt; um aber den Schrecken zu vermindern, erwiederte er ganz kaltbluͤtig, daß ſeine Rechnung nur 584 abwerfe. Am 1. October glaubte man bei dem Aufgange der Sonne auch Land wahrzunehmen; das kleine voraus eilende Schiff ließ eine Kauone donnern, und gab andere Zeichen froͤhlicher Ereigniffe; allein bald uͤber⸗ zeugte man ſich allgemein wieder, daß man durch ein Gewoͤlk getaͤuſcht worden ſey. Darauf wurde das Murren ſo laut, daß es einem Aufruhr gleich kam. Die Angſt vor dem Hungertode oder Schiffbruche ar⸗ tete in Verzweiflung aus, welche alle Geſetze der Ehre und Pflicht untergrub; der Admiral ſchwebte in der groͤßten Gefahr, ſeitdem auch die Pinzoni den Aufruͤhrern beiſtimmten. Nachdem der Aufruhr we⸗ der durch gelinde, noch durch ſcharfe Mittel oder Dro⸗ hungen zu daͤmpfen war, machte er den wildeſten Em⸗ poͤrern den Vorſchlag, daß er, wenn in 3 Tagen kein Land angetroffen wuͤrde, ſeinen Irrthum offen 108 bekennen, und ſich ihrer Rache Preis geben wolle. So tiefen Eindruck dieſe Erklaͤrung machte, ſo verſchwo⸗ ren ſie ſich doch zur Ruͤckkehr nach Europa, wenn in 3 Tagen kein Land entdeckt ſey. Allgemein glaubte man, Kolomb habe ſich ohne beſondere Gefahr ein ſo kurzes Ziel geſetzt; denn er hatte ſeit einigen Tagen durch das Senkblei Grund ge⸗ funden, und aus der Beſchaffenheit des Schlammes oder Sandes auf Annaͤherung zum feſten Lande geſchloſſen. Er haͤtte auch ganz gewiß vor dem Ablaufe des Zie⸗ les Land entdecken koͤnnen, wenn er ſich gegen Suͤd, wohin alle Voͤgel zogen, gewendet haͤtte. Denn man ſah ſtets neue Schaaren, man konnte ſie nach der Farbe unterſcheiden, und hoͤrte ſie auch ſingen; ſelbſt die Thunfiſche erſchienen in groͤßerer Zahl. Gluͤcklicher Weiſe folgten an den beiden naͤchſten Tagen ſolche Erſcheinungen, welche auch dem Furcht⸗ ſamſten Muth einfloͤßten. Die Matroſen des Admi⸗ ral⸗Schiffes naͤmlich ſahen einen großen gruͤnen Fiſch jener Gattung, welche ſich nie weit von den Klippen entfernt halten. Jene der Vinta ſahen ein neu ab⸗ geſchnittenes Rohr treiben; ſie ſiſchten auch ein be⸗ arbeitetes Stuͤck Holz nebſt einem Bunde Gras; letz⸗ teres ſchien erſt vor Kurzem am Ufer eines Fluſſes ausgeriſſen zu ſeyn. Jene der Nina ſahen den Zweig eines Dornbuſches nebſt deſſen Frucht; man ſchoͤpfte friſche Luft, und fuͤhlte ungleichen Wind, he⸗ 109 ſonders Nachts; was der erfahrne Kolomb nur von der Naͤhe des Landes erklaͤren konnte. Er machte daher ſchon vor dem Ablaufe des dritten Tages zu wiſſen, daß er dieſe Nacht noch Land zu erblicken hoffe. Er ordnete Gebete an, ermahnte die Steuer⸗ maͤnner zur Wachſamkeit, und ließ alle Segel bis auf ein unteres am Fockmaſt aufziehen. Aus Beſorg⸗ niß, die Schiffe moͤchten durch irgend einen Wind⸗ ſtoß zerſtreut werden, verordnete er auch deren Zu⸗ ſammenziehen. Endlich erhoͤhte er noch die vom Koͤ⸗ nige beſtimmte Belohnung jaͤhrlicher Einkuͤnfte von 2000 Maravedis*) fuͤr den erſten Entdecker des Landes, mit einem Sammet⸗Mantel. Abends um 10 Uhr erblickte er Licht, als er ſich im hintern Kaſtelle befand. Sogleich ließ er den Kam⸗ merdiener der Koͤnigin, Peter Guttierez, rufen, welcher gleiche Meinung hegte. Der Gegenſchreiber der Flotte, Rodrigo Salzedo, glaubte anfangs nichts wahrzunehmen; doch bald ſahen alle drei, daß das Licht ſeinen Standort veraͤnderte. Zwei Stuun⸗ den nach Mitternacht riefen zwei Matroſen der Pin⸗ ta, welche voraus eilte: Land! Land! und gaben noch andere Freude⸗Zeichen. Sie hatten auch die Kuͤſte in der That entdeckt, und waren nur noch *) Ungefaͤhr soo Thaler: denn 32 Maravedis ma⸗ chen 6 ſpaniſche Stuͤber. 110 zwei Meilen davon eutfernt. Der erſte Matroſe, Rodrigo Triana, hielt ſich nun fuͤr lebenslaͤnglich gluͤcklich; allein nach der Ausſage Guttierez und Salzedoss wurden 10,000 Maravedis dem Kolomb ſpaͤter zugeſprochen, welche er auch fuͤr ſein ganzes Leben von dem Fleiſch⸗Aufſchlage zu Sevilla be⸗ zog. Triana ſoll uͤber die Verkennung ſeines ver⸗ meintlichen Dienſtes ſo unzufrieden geworden ſeyn, daß er ſpaͤter nach Afrika wanderte, und Mahome⸗ daner wurde*). Bei Tages⸗Anbruche ſah man eine ebene, mit 3 Gras bewachſene Inſel von vielleicht 20 Meilen in der Laͤnge. Die voraus geeilte Pinta erwartete die beiden uͤbrigen Schiffe; dann fiel die ganze Mann⸗ ſchaft vor die Fuͤße Kolomb's, und außerte das hoͤchſte Entzuͤcken, verbunden mit tiefſter Bewunde⸗ rung und Ehrfurcht. Der von ihnen bisher verach⸗ tete Auslaͤnder wurde nun zu den groͤßten Menſchen gezaͤhlt und faſt angebetet! d Er nannte die Inſel San⸗Salvador. Als er ihr ſich naͤherte, wurde das ganze Ufer mit nackten Menſchen beſetzt, welche verſchiedene Zeichen der Ver⸗ wunderung gaben. Erſt ſpaͤter erfuhr man, daß ſie *) Benzone, Buch I. Kap. VI. Geſthichte der neuen Welt, welche viele Original⸗Auflagen und mehre Ueberſetzungen erhielt. — 111 die 3 Schiffe fuͤr Ungeheuer hielten. Der Admiral landete, mit bloßem Degen und fliegender Fahne in den Haͤuden, aus einer bewaffneten Barke. Die Hauptmaͤnner der beiden andern Schiffe folgten ſei⸗ nem Beiſpiele mit ihren Fahnen, auf deren einer Seite ein gruͤnes Kreuz mit F, auf der andern viele gekroͤnte F F(Ferdinand) geſtickt waren. Bald eilte die ganze Mannſchaft an das Land, kuͤßte die Erde und dankte Gott fuͤr das gluͤckliche Ende der Reiſe. Jeder erneuerte zu Kolombs Fuͤßen ſeine Dankbarkeit und Unterthaͤnigkeit, und ſchwur ihm als Unterkoͤnig und Admiral den Eid der Treue. Er ließ ſogleich ein Kreuz an das Ufer pflanzen, das fpaniſche Wappen hinein graben, und nahm im Na⸗ men des Koͤnigs und fuͤr ihn Beſitz von der Inſel. Die Einwohner rechneten dieſen Ceremonien daͤ⸗ moniſche Wirkung zu, wurden ſehr beſtuͤrzt, und liefen weg. Der Admiral ließ ihnen nachjagen; man ergriff einige, beſchenkte ſie und ließ ſie zu ihren Bruͤdern zuruͤck kehren. Dadurch wurden ſie bald vertraulich; einige ſchwammen an die Schiffe, an⸗ dere naͤherten ſich in Nachen(Canoas). Sie hatten ſchwarze, buſchichte Haare, welche theils wie Zoͤpfe durch eine Schnur um den Kopf gebunden waren, theils um die Schultern flogen. Die meiſten waren ſchlank, von angeuehmem Geſichte mit breiter Stirne, und olivenfarbig. Einige waren im Geſichte, andere 112 theils an der Naſe, theils an den Augen, andere am ganzen Leibe bemalet. Waͤhrend die Spanier ſich verwunderten, ſtaunten auch die Wilden uͤber deren Bekleidung und lange Baͤrte. Das Eiſen war ihnen ſo unbekannt, daß ſie den Saͤbel bei der Schneide ergriffen, und ihre Verwundung dadurch ſich nicht erklaͤren konnten. Ihre Wurfſpieſe waren aus Holz, am Feuer gehaͤrtet, geſpitzt und niedlich mit einem Fiſchzahne verſehen. Ihre Nachen waren ausgehohlte Baͤume, deren mancher nur einen— andere so Mann faßten; ſie leiteten dieſelben durch ein einziges ſchau⸗ felfoͤrmiges Ruder. Auch die groͤßten Nachen waren ſo leicht, daß ſie dieſelben leicht wieder aufrichten konnten, wenn ſie uinſtuͤrzten. Sie ſchwammen neben den Nachen, ſchoͤpften das Waſſer heraus, ſchwangen ſich mit ungemeiner Fertigkeit hinein, und fuhren ohne die geringſte Furcht weg. Die geringſten Ge⸗ ſchenke der Spanier waren Koͤſtharkeiten fuͤr die Wil⸗ den. Auf der Inſel waren Waſſer, Baͤume, Pflanzen genug; aber keine andere Thiere kamen zum Vor⸗ ſchein, als Papageien. Noch am naͤmlichen Tage ließ der Admiral ſeine Mannſchaft auf die Schiffe zuruͤck kehren, wohin auch viele Wilde mitgingen. Dieſe benaunten ihre Inſel Guanahani, und ſprachen von mehren herum liegen⸗ den Inſeln, deren ſaͤmmtliche Einwohner Lucgyos hießzen, welcher Name fuͤr die ſaͤmmtlichen Inſeln bis 113 an die bahamiſche Meerenge ſich exhalten hat. Des andern Dages erſchienen die Wilden zahlreicher, brachten Papageien und Baumwolle mit, und ver⸗ tauſchten ſie gegen kleine Glocken, welche man ihnen um den Hals oder die Beine hing, oder gegen Truͤm⸗ mer von irdenen oder porzellainenen Gefaͤßen. Sehr gerne gaben ſie 25 Pfund Baumwolle fuͤr ein Stuͤck⸗ chen Glas. Viele hatten goldene Plaͤttchen an den Naſen; auf die Frage nach dem Orte derſelben zeig⸗ ten ſie nach Suͤd, und deuteten durch Zeichen an, daß in jener Gegend einige große Inſeln ſeien. So⸗ bald der Admiral dieſe ganze Inſel durchforſcht hatte, fuhr er an dem nordweſtlichen Ufer weiter, und fand, einen fuͤr die groͤßten Schiffe brauchbaren Hafen. Die Wilden folgten ihm theils zu Land, theils in ihren Nachen, und gaben ihren Landsleuten, welche ſie herbei riefen, durch Deutung gegen den Himmel zu verſtehen, dieſe Fremdlinge ſchienen vom Himmel ge⸗ kommen zu ſeyn. In dem Hafen fanden die drei Schiffe eine Halbinſel, welche man ohne große An⸗ ſtrengung zu einer Inſel umſtalten und gut befeſtigen konnte. Man erblickte ſechs Haͤuſer und einige Baͤu⸗ me, welche zur. Verzicrung dienten Da aber der Admiral einen Ort fuͤr Lebensmittel ſuchte, ſo ließ er die Wilden bis auf ſieben vom Borde ſteigen, wel⸗ chen er die ſpaniſche Sprache lehren ließ. Am 15. Ok⸗ tober erblickte er mehre bewohnte und gruͤnende Inſeln; er naͤherte ſich einer, welche 7 Meilen von „ 5tes B. Indien. I. 1. 3 114 der vorigen entfernt war, und nannte ſie Konzep⸗ tion. Sie ſchien aber zu wenig Lebensmittel dar⸗ zubieten, weßwegen er nur eine Nacht vor Anker lag. Am 11. nahm er aus einer dritten, deren Ein⸗ wohner gebildeter zu ſeyn ſchienen, Waſſer ein; die Weibsperſonen waren theils mit Kattun, theils mit Laub vom Kopfe bis zum Fuße bekleidet; er nannte dieſelbe Fernandine. Die Spanter ſahen mehre Gattungen von Voͤgeln und Fiſchen, welche von den ihrigen verſchieden waren; ſehr große Eidechſen, vor welchen ſie ſich jetzt fuͤrchteten, ſpaͤter aber ihre Un⸗ wiſſenheit ſehr bedauerten, da deren Fleiſch hoͤchſt ſchmackhaft iſt. Sie ſahen viele Papageien, einige kleine und ſtumme Hunde, und Kaninchen in der Groͤße von Ratten, aber kein vierfuͤßiges Thier, wel⸗ ches ſie zu eßen wagten, auch mehre Haͤuſer als vor⸗ her. Dieſe hatten die Form der Zelte mit einer Art von Portal, waren gegen Regen und Wind mit Zwei⸗ gen gedeckt, und zur Ableitung des Rauches mit vie⸗ len Roͤhren verſehen. Das ganze Hausgeraͤth beſtand in einigen geringen Gefaͤßen und Stuͤcken von Baum⸗ wollenzeuge; ihre Betten waren Netze, welche an zwei Pfaͤhlen hingen, von den Indianern Haͤngmat⸗ ten(Hamacken) genannt. Einer der Einwohner trug ein Goldſtuͤckchen an der Naſe, welches mit ver⸗ ſchiedenen Zuͤgen bezeichnet war. Der Admiral hielt dieſe fuͤr Buchſtaben ſo lange, bis er ſich uͤberzeugte, daß die Schreibekunſt den Indiern unbekannt iſt. 115 Er ſegelte zur vierten Inſel, welche von den Einwohnern Saamoto, von ihm aber Iſabella genannt wurde, und ihn eben ſo wenig befriedigte; weßwegen er gegen Oſt⸗ Suͤd⸗Oſt fuhr. An den zwei naͤchſten Tagen ſah er zwiſchen Nord und Suͤd acht neue Inſeln, welche’er, weil die Schiffe wenig Grund fanden, Sand⸗Inſeln(Arena) nannte. Am 21. Oktober entdeckte er die Inſel Cuba, welche er Juana nennen wollte; allein dieſe Benennung er⸗ hielt ſich ſo wenig, als jene der Fernandine. Am 28. fuhr er in einen großen Fluß, welchen er San Salvador nannte. Die Waͤlder dafelbſt waren ſehr dick, die Baͤume ſehr hoch, die Voͤgel hoͤchſt zahl⸗ reich, und die Fruͤchte von den unſrigen ganz ver⸗ ſchieden. Der Admiral ließ die zwei einzigen Haͤuſer, welche er ſah, unterſuchen„aber ſie waren menſchen⸗ leer. Er ſegelte an zwei andere Fluͤſſe, welche er Luna und Mares nannte; deren Ufer ſchienen zwar bewohnt; allein die Indier fluͤchteten ſich bei dem erſten Anblicke drr Schiffe. Die 7 Indier, welche er an Bord hatte, gaben ihm zu verſtehen, daß er Gold auf dieſer Inſel finden wuͤrde, was er bald aus verſchiedenen Erſcheinungen wahrſcheinlich fand. um die Einwohner nicht zu erſchrecken, verbot er ſeiner Mannſchaft zu landen; blos Rodrigo Re res und Ludwig von Sorre s als zwei verſtaͤndige Maͤnner, wovon einer Jude und in alten Sprachen eingeweiht war, nebſt zwei Indiern, ließ er auf einem Nachen 116 landen, damit ſie das Land in den naͤchſten 6 Tagen ausforſchten, waͤhrend welcher er die Schiffe kalfa⸗ tern, d. i. die Ritze und Loͤcher mit Hauf, Talg, Pech ꝛc. verſtopfen ließ. Man beobachtete bald, daß jedes Holz waͤhrend des Brennens eine Art von Gum⸗ mi oder Maſtix ausſchwitzte, und daß deſſen Laub dem des Linſen⸗Baumes glich. Der Fluß war an der Muͤndung 7— s, weiter oben s Faden tief; gegen Suͤd⸗Oſt war er von zwei Bergen, auf der Oſt⸗ Nord⸗Oſt⸗Seite von einem ſehr ſchoͤnen Vorgebirge eingeſchloſſen, welches er Baracva— aber Diego Velgſquez ſpaͤter Aſſumtion nannte. Die zuruͤck gekehrten zwei Spanier nebſt 3 Indiern erzaͤhlten, ſie ſeien 22 Meilen weit in das innere Land gegangen, und haͤtten ein Dorf von 50 Haͤu⸗ ſern und vielleicht 1000 Einwohnern getroffen, wel⸗ che ganz nackt und ſo guter Gemuͤthsart ſeien, daß ſie ihnen entgegen liefen, ihre Fuͤße kuͤßten, ſie auf den Armen herum trngen, und ſie auf zierliche, zum Theile vergoldete Stuͤhle von ſonderbarer Geſtalt ſetz⸗ ten. Zum Eſſen habe man ihnen gekochte Wurzeln vorgelegt, deren Geſchmack jenem der Kaſtanien glei⸗ che; man habe ſie erſucht, einige Tage zu verweilen. Da ſie durch Bitten und Liebkoſungen dazu nicht zu bewegen waren, ſo hatte man ihnen 3 Indier zur Begleitung an das Ufer beigeſellt. Unterwegs ſeien ſie au einige andere Doͤrfer gekommen, deren Ein⸗ , † 117 wohner auf gleiche Weiſe verfuhren; ſie haͤtten auch viele Indier mit einem Feuerbrand in der Hand ge⸗ ſehen, um ihre Wurzeln und Kraͤuter, deren ſie ſich zur Beraͤucherung bedienten, zu kochen. Durch das Anreiben zweier Holzſtoͤcke entſtehe eine Flaume, wo⸗ mit ſie ihr Feuer anzuͤnden. Das Land enthalte un⸗ zaͤhlig viele Voͤgel, wovon nur Feldhuͤhner und Nach⸗ tigallen ihnen bekannt geweſen ſeien; auch die inne⸗ ren Baͤume ſeien ganz anderer Natur, als an den Kuͤſten des Meeres. Keine vierfuͤßigen Thiere ſeien ihnen begegnet, als ſtumme Hunde. Das haͤufig wach⸗ ſende Getraid habe einen ſehr angenehmen Geſchmack und werde Mais genannt. Auf die Frage, wo Gold zu finden ſei, habe man ihnen im Oſten Bohio und Cubanacan angedeutet. Der Admiral erfuhr bald, daß Nacan die Mitte des Landes anzeige, und Bohio jedes Land mit vielen Haͤuſern und Einwohnern bedeute. Die Hoff⸗ nung, das goldreiche Land zu finden, bewog ihn zur Abreiſe; einige Indier von Cuba erboten ſich als Wegweiſer. Er nahm deren Erbieten um ſo lieber an, als er hoffte, daß einige deſto eher mit der ſpa⸗ niſchen Sprache bekannt wuͤrden. Auch wuͤnſchte er 12 Einwohner verſchiedener Landſchaften, maͤnnliche und weibliche, als Zeugen ſeiner Entdeckungen nach Spanien zu bringen. Da er bei dem Auslaufen aus dem Vorgebirge Baracoa einen widrigen Wind fuͤhlte, ſo mußte er im naͤchten Hafen der Inſei, 118 welchen er den Fuͤrſten⸗Hafen nannte, Schutz ſuchen. Die umliegende See nannte er Nueſtra Seunora, weil die gruͤnenden Ufer die Spanier ſo ſehr ergoͤtzten. Ungeachtet die kleineren Inſeln nicht bewohnt waren, ſo ſah man ſie doch durch Feuer der Fiſcher belebt. Die Matroſen fuhren in ihren Na⸗ chen an das Land, und wurden bei dem Anblicke der Indier, welche große Spinnen, ſogar Wuͤrmer im verfaulten Holze, rohe Fiſchaugen und dann halb⸗ gekochte Fiſche aßen, zuerſt in das groͤßte Staunen geſetzt, bald aber folgten ſie dem naͤmlichen Beiſpiele. Sie erlegten durch ihre Degen Thiere, welche wil⸗ den europaͤiſchen Schweinen glichen; ſie fingen durch Netze fremdartige Fiſche, wovon einer die Geſtalt eines Ferkens hatte, aber mit einer ſehr harten Schale bedeckt war. Auch ſanden ſie uͤberall Perlenmutter. Das ſtarke Ab⸗ und Zunehmen des Waſſets in die⸗ ſem Meere rechnete der Admiral der großen Menge der Inſeln zu; die Ebbe und Flut, welche der in ſpaniſchen Meeren gewoͤhnlichen ganz entgegen war, konnte er ſich nicht erklaͤren; er glaubte das Meer liege in dieſem Welttheile niedriger, als bei Spanien. Der Mond ſtand daſelbſt in Suͤd⸗Suͤd⸗Oſt. Nachdem er an der Muͤndung des Fuͤrſten⸗Ha⸗ fens ein großes Kreuz hatte aufrichten laſſen, ſegelte er am 19. Nov. ab, um die ſogenannte Inſel Bohio zu entdecken. Allein waͤhrend er mit widrigem Winde kaͤmpfte, vernahm er am 21. Oktober, daß die Pinta 119 ſich freiwillig von den beiden andern Schiffen trennte. Die Gold⸗Gierde naͤmlich hatte deren Hauptmann, Martin Alfons Pinzon verleitet, ſich des Vor⸗ theites ſeines ſchneller ſegelnden Swiffes zu bedienen; er wollte die Inſel zuerſt entdecken, von deren Reich⸗ thuͤmern die Indier ſo viel erzaͤhlten. Vergebens wurde er an die Pflicht des Gehorſams durch verſchiedene Loſungs⸗Zeichen erinnert. Obſchon der Admiral deſ⸗ ſen Abſichten vermuthete, ſo wartete er doch in einem andern Hafen der Inſel Cuba drei Tage auf ihn. Dieſer war eben ſo ſicher als raͤumlich, und wurde nach dem Tage der Ankunft St. Katharine ge⸗ nannt. Als er Holz und Waſſer an Bord bringen ließ, ſah er mehre Steine, welche Goldſtoff zu ent⸗ halten ſchienen. Einige auslaͤndiſche Indier, welche er in dieſem Hafen traf, belehrten ihn, daß die von ihm geſuchte Inſel Bohio ihr Vaterland Hayti ſei. Sie beſtaͤtigten, daß er daſelbſt, beſonders in der Gegend Cibao, aͤhnliche Metallſtufen in Menge fin⸗ den wuͤrde. Der Name dieſer Gegend erinnerte ihn an das Cipango, welches Marco Paolo in ſeinem Reiſeberichte ſo ſehr geruͤhmt hatte. Er ſegelte ohne Verzug nach der ſuͤdoͤſtlichen Gegend von Cuba zuruͤck, wo er mehre neue gute Hafen fand. Das helle Waſſer eines Fluſſes, deſſen Cinz fahrt ſehr bequem ſchien, die am Uſer ſtehenden ſchoͤ⸗ nen Baͤume, und der Geſang unzaͤhliger Voͤgel reizte ihn, ziemlich tief in das Land hinein zu gehen. Er 1 120 fand in einem Gebuͤſche eine zwoͤlfruderige Fuſte, und in einem nicht weit davon gelegenen Hauſe, welches bei ſeiner Annaͤherung von den Bewohnern verlaſſen wurde, einen Menſchenkopf und einen Wachskuchen. Da ſeine Mannſchaft auf der ganzen Inſel kein Wachs angetroffen hatte, ſo nahm er den Kuchen mit nach Spanien, wo man glaubte, daß er bei irgend einer beſondern Gelegenheit aus Nucatan dahin gebracht worden ſei. Waͤhrend der Admiral an der Kuͤſte von Cu ba fortſegelte, befand er ſich am 3. Dezember auf deren oͤſtlichen Spitze. Von hier fuhr er gegen Öſt nach der nur 18 Meilen entfernten Inſel Hayti, welche er aber wegen der widrigen Stroͤme erſt am 4. Dezember erreichen konnte. Er lief in einen Hafen ein, wel⸗ chen er St. Nikolaus nannte, weil deſſen Feſt des andern Tages gefeiert wurde; das Ankern ging bequem und mit Sicherheit vor ſich. Derſelbe wurde von einem ſanft laufenden Fluſſe gefuͤllt, deſſen Ufer mit ſehr vielen Nachen beſetzt waren. Deſſen ungeachtet begab er ſich aus billiger Sorgfalt fuͤr die Pinta, und nach dem Rathe einiger Indier, er moͤge ſich den Goldbergwerken von Cibao mehr naͤhern, noch weiter gegen Nord in einen kleinen Hafen, welchen er Konzeption*) zur Feier des *) die Franzoſen nannten ſpaͤter dieſen Hafen Port eu. . 121 Tages nannte. Er lag im Suͤden der kleinen nur etwa 10 Meilen entfernten Schildkroͤten⸗Inſel. Die Inſel Hayti kam dem Admiral ſehr groß por, ihr Boden und ihre Baͤume erinnerten ſo oft an Spanten, die von ſeinen Matroſen gefangenen vielen Fiſche glichen den europaͤiſchen Kuſtenſchiffen ſo ſehr, daß er ihr den Namen Hiſpaniola aus Dankbarkeit gegen Spanien beilegte. Deſſen unge⸗ achtet wurde er ſpaͤter getadelt, daß er ſie nicht Ca⸗ ſtiliana nannte. Die erſten Einwohner, welche die Schiffe ſahen, liefen davon, und ſchuͤchterten alle uͤbrige ein. Selbſt jene Indier, welche er mitgebracht hatte, ſprangen uͤber Bord, ſchwammen an das Land, und erregten Mißtrauen. Man ſah daher auf allen Seiten nichts als oͤdes Land ohne Bewohner. Einige Matroſen fanden einen Haufen Indier mit Weibern und Kin⸗ dern in einem Walde, wohin die Furcht ſie gejagt hatte; ſie nahmen eine Weibsperſon, und fuͤhrten ſie zum Admiral, welcher ihr auf das freundlichſte be⸗ gegnete. Er ließ ſie ſchoͤn kleiden, und durch die naͤmlichen Matroſen und drei aus San⸗Salvador gebuͤrtige Wilden, welche ihre Sprache verſtanden, zu den Ihrigen zuruͤck fuͤhren. Des andern Tages ſchickte er neun andere Spanier in die naͤmliche Ge⸗ gend, wo ſie das Weib in einem 4 Meilen weiter gegen Suͤd⸗Oſt gelegenen Dorfe von etwa 1000 Hüt⸗ 122 1 ten antrafen. Bei ihrer Erſcheinung verſchwanden zwar ſogleich alle Indier; aber einer der Wilden aus San Salvador machte eine ſo vortzeilhafte Schil⸗ derung von den Fremden, daß ſie wieder Muth zur Ruͤckkehr faßten, und vor Nachts in ihre Wohnungen zuruͤck kamen. Man druͤckte die wechſelſeitige Erge⸗ benheit durch Geſchenke aus, und ſo brachten die Spanier ohne alle Beſorgniſſe dieſe Nacht unter ihnen zu. Des andern Tages begaben ſich ſehr viele Ein⸗ wohner aus freiem Antriebe an den Hafen. Einige trugen das angekleidete Weib auf Schultern, deſſen Mann nebenher wandelte, um dem Admiral fuͤr dieſe Auszeichnung zu danken. Dieſe Indier waren zwar etwas weißer, als jene der uͤbrigen Inſeln, aber kleiner und ſchwaͤcher, ziemlich haͤßlich vom Geſichte, ruhigen und ſanften Charakters. Da ſie ſtets mit entbloͤßtem Haupte gingen, ſo war dadurch ihre Hirn⸗ ſchale ſo hart geworden, daß die Spanier in ſpaͤtern Kriegen dieſelbe nicht einmal mit dem Saͤbel durch⸗ hauen konnten. Als der Admiral uͤber die Gegend von Cipango, welche ſie fuͤr Cibao hielten, mit ihnen ſprach; zeigten ſie ihm die Seite ihrer Lage, und deuteten thm zugleich an, daß er daſelbſt mehr Gold, als in einer andern Inſel finden wuͤrde. Vor ſeiner Abreiſe wurde er noch von einem vor⸗ nehmen jungen Mann des Landes in Begleitung von — 123 etwa 200 Perſonen uͤberraſcht, welcher auf den Schultern getragen, und Kazik genannt wurde; er war aus Neugierde gekommen, die Schiffe zu ſehen. Ein In⸗ dier von dem Admiralsſchiffe ging ihm mit der Nachricht entgegen, die Fremden ſeien vom Himmel gekommen. Darauf beſtieg er in Begleitung zweier Bedienten daſſelbe mit Ernſt und Wuͤrde, und gab ſeiner uͤͤbrigen Mannſchaft einen Wink, zuruͤck zu bleiben. Der Admiral ſetzte ihm Speiſen vor, wovon er genoß; das Getrraͤnk aber hielt er blos an den Mund. Ein anderer Indier von San⸗Salvador, welcher bereits die Stelle eines Dolmetſchers verſah, erzaͤhlte ihm, der Admiral ſei ein Hauptmann des Koͤnigs von Kaſtilien und Leon, des groͤßten Mo⸗ narchen der Welt. Dies glaubte er weniger, als die erſte Nachricht, die Fremden ſeien Bewohner des Himmels. Des andenn Tages kam er mit ſeinem Gefolge wieder im Augenblicke, als 40 Indier der Schildkroͤten⸗Inſel in einem Nachen erſchienen. Dieſen befahl er ſogleich ſich zu entfernen, und warf mit Steinen und Waſſer auf ſie, um ſeinen Unwillen auszudruͤcken. Unter großer Ehrfurcht entfernten ſie ſich auch ſogleich. Die Spanier beſchaͤftigten ſich un⸗ terdeſſen den ganzen Tag mit Vertauſchung glaͤſerner Korallen gegen Goldbleche. Nach einiger Zeit gingen beide Schiffe wieder unter Segel, und ankerten am Abende vor dem Tage 7 124 des h. Andreas in einem Hafen, welchem ſie den Namen dieſes Apoſtels, die Franzoſen aber ſpaͤter Du Can de Louiſe, oder die Hun dsbay, oder auch Aecul beilegten, und in deſſen Naͤhe ſie einige Wohnungen ſahen. Am 22. Dez. waren ſie im Hafen St. Thomas, wo eine Geſandtſchaft des Koͤnigs Guacanagari dem Admirale ein Geſchenk machte, und ihn zu demſelben einlud. Daſſelbe beſtand aus einer Larve, deren Ohren, Naſe und Zunge von geſchlagenem Golde waren, und aus einem 4 Finger breiten Guͤrtel, welcher mit ſehr zarten und wie Per⸗ len abgerundeten Fiſchknochen beſetzt war. Der Ad⸗ miral verſprach zwar einen baldigen Beſuch, ſchickte aber doch vorher einige Offiziere an den Koͤnig, wel⸗ che einen ſo befriedigenden Bericht erſtatteten, daß er ſelbſt bald ſich zu ihm begab. Guacanagari hatte ſeinen Wohnſitz gewoͤhnlich 4— 56 Meilen vom Hafen; der erſte Erfolg dieſer Unterredung war eine Handelsverbindung. Bald zeigten ſich viele Indier beiderlei Geſchlechtes und jeden Alters in der Naͤhe der Schiffe, und brachten viel Gold, Baumwolle und Papageien. Jeder Spanier, welcher in ein Dorf kam, wurde wie ein Bewohner des Himmels verrhrt; die Indier kuͤßten die Erde, uͤber welche derſelbe ge⸗ ſchritten war, und alle Reichthuͤmer der Inſel ſtan⸗ den ihm zu Gebote. Unterdeſſen erhob ſich ein Sturm; als er ſich etwas legte, beſchloz der Admiral, ſich nach einem 125 Orte zu begeben, welchen er Vunta Santa nannte, wozu ihm eine kuͤhle Luft behuͤlflich war. Da er die beiden Tage des Sturmes nicht geſchlafen hatte, ſo konnte er die Ruhe nicht laͤnger entbehren; er praͤgte jedoch den Steuermaͤnnern ſehr nachdruͤcklich ein, ſie ſollten ſich keinen Augenbiick vom Ruder ent⸗ fernen. Allein dieſe hatten den Schlaf eben ſo noͤthig, und vertrauten ihr Geſchaͤft einem jungen unerfahr⸗ nen Mann, bei deſſen Ungeſchicklichkeit das Schiff durch die Stroͤme auf eine Sandbank gefuͤhrt wurde, worauf es ſitzen blieb. Das allgemeine Geſchrei er⸗ weckte den Admiral aus dem Schlafe; allein zu ſpaͤt; denn obgleich er die zweckmaͤßigſten Befehle ſogleich ertheilte, ſo wurden ſie doch nicht befolgt; indem Jeder nur auf die Rettung ſeines Lebens ſann, um ſich durch die Barke zu fluͤchten, ſtatt daß ſie das Schiff in dieſelbe lichten ſollten. So mußte er ſein Schiff durch die Schuld ſeiner Leute vor ſeinen Au⸗ gen zu Grunde gehen ſehen, ohne es verhindern zu koͤnnen. Die Ninna, welche von Nanes Pin⸗ zon gefuͤhrt wurde, war eine Meile entfernt, und wollte keinen, welcher den Admiral verlaſſen hatte, an Bord nehmen. Konnte ſie gleichwohl nicht zeitig genug zur Rettung des Schiffes herbei kommen, ſo rettete ſie doch wenigſtens den Admiral und die We⸗ nigen, welche die aͤußerſte Gefahr mit ihm theilten. 3 Sobald Guacaunagari Nachricht von dem Un⸗ gluͤcke ſeines neuen Bundesgenoſſen erhielt, eilte er 126 mit der groͤßten Bereitwihigkeit zur Huͤlfe bei, und ließ durch ſeine Leute noch Einiges aus dem Schiff⸗ bruche retten. Er beſuchte den Admiral oͤfters, ſein Leidweſen auszudruͤcken, und erbot ſich zu deſſen Troſte und Eutſchaͤdigung mit ſeinem ganzen Vermoͤgen. Alle Einwohner dieſes Theiles der Inſel beeiferten ſich gleiche Geſinnung zu bethaͤtigen, und brachten alle ihre Gold⸗ ſtufen und Goldbleche herbei, nach denen ſie die Spa⸗ nier luͤſten ſahen, waͤhrend ſie nach den eingetauſchten europaͤiſchen Kleinigkeiten, beſonders Glocken, begie⸗ rig waren. Sie draͤngten ſich in das Schiff, und hielten ihre Goldbleche uͤber dem Kopfe empor, damit man mit ihnen handle. Unter andern brachte einer ein Stuͤck Gold von* Mark in der Hand, und ließ ſich in die andere eine Schelle legen, worauf er ha⸗ ſtig davon eilte, damit der Spanier ihn nicht zuruͤck rufen konnte. Die große Gutmuͤthigkeit, welche Gua⸗ eanagari und alle ſeine Leute bei jeder Beruͤhrung bewieſen, bewog den Admiral, einen beſtaͤndigen Sitz daſelbſt zu errichten, womit ſeine Mannſchaft ganz einverſtanden war. Er bemuͤhte ſich, deſſen Ge⸗ wogenheit durch anhaltende Schmeicheleien und Ge⸗ ſchenke zu ſteigern, und ließ zugleich die Kanonen oͤfters abfeuern, um ihm Furcht einzujagen. Dar⸗ uͤber geriethen die Einwohner in ſo großen Schreecken, als waͤren ſie vom Blitze getroffen; ſie warfen ſich auf die Erde, und bedeckten den Kopf mit beiden Haͤnden. Da Guaranagari ſelbſt in Furcht kam, 127 ſo ſprach ihm Kolomb Muth zu, und verſprach, durch dieſe Waffen ihn gegen ſeine Feinde, die Ka⸗ raiben auf deu benachbarten Inſeln, zu ſchuͤtzen, von deren ſteter Beunruhigung derſelbe bereits geſprochen hatte. Zur Ueberzeugung ließ er eine Kugel auf das geſtrandete Schiff abfeuern; ſie durchbohrte dieſes, und fiel in das Waſſer. Dadurch wurde Guacana⸗ gari in den Wahn verſetzt, die Fremden ſeien Kin⸗ der des Donners. In dieſer Stimmung bewilligte er ihnen ſehr gerne die Erbauung einer Schanze, welche in 10 Tagen aus den Truͤmmern des geſcheiterten Schiffes verfertigt, mit Kanonen beſetzt, und Natividad genannt ward, weil man an dieſem Tage in den Hafen eingelaufen war. Zugleich wurde auch ein ziemlich tiefer Gra⸗ ben herum ausgehoben, wodurch die nackten und ein⸗ geſchuͤchterten Einwohner bei dem Anblicke der Kano⸗ nen um ſo mehr in Ehrfurcht gehalten wurden. Waͤh⸗ rend der Arbeiten begab ſich der Admiral taͤglich an das Land, bei welcher Gelegenheit Guacanagari ihm beſondere Ehren erweiſen ließ. Einmal nahm ihn deſſen Bruder bei der Hand, und fuͤhrte ihn in ein ſchoͤnes Haus, wohin er ſelbſt bald kam, und wo er ihm ein Goldblech um den Hals hing. Ein anderes Mal machten fuͤnf dem Koͤnige unterworfene Kaziken, mit goldenen Kronen auf ihren Haͤuptern, dem Koͤ⸗ nige die Aufwartung; als der Admiral landete, ſo ging er mit einer goldenen Krone auf dem Haupte und in Begleitung dieſer Kaziken ihm entgegen, fuͤörte ihn in jenes Haus, ließ ihn nieder ſetzen, und ſetzte ihm auch eine Krone auf. Der Admiral nahm ſo⸗ gleich ſeine Halskette von kleinen Perlen ab, hing ſie um den Hals des Koͤnigs, zog ſeine Kleider aus und dieſem nebſt einem Paar rothen Halbſtiefeln an, und ſteckte einen ſilbernen Ring an deſſen Finger. Dadurch wurde der Bund mit den Spaniern ſehr be feſtigt; zwei Kaziken, welche den Admiral bis an ſeine Barke begleiteten, ſchenkten ihm ihre eigenen aus vielen Goldkoͤruern zuſammen geſetzten Goldble⸗ che. Denn die Indier konnten das Gold noch nicht bearbeiten, ſondern klopften blos die in Gruben ge⸗ fundenen Goldſtuͤckchen breit.— (Die Fortſetzung im naͤchſten Baͤndchen.)