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Verlegt von Haubenſtricker und von Ebner. 1828. 3 Taſchen⸗Bibliothek der. wichtigſten und intereſſanteſten Reiſen durch Palaͤſtina. Mit Landkarten, Planen, Portraits und anderen — Abbildungen. Ver f a ß t von M e h. d e n— und herausgegeben. von. Joachim Heinrich Jaͤ ck, Koͤnigl. Bibliothekar zu Bamberg. I. Theil. 2. Baͤndchen. Dritte Auflage. Nürnberg. Verlegt von Vn enſtricker und von Ebner. 1 8 2 8. V. K.r e u z u des Erzbiſch ofs Thiemo von Salzburg, mit dem bayeriſchen Herzoge Welf und anderen Großen Teutſchlands und Italiens 1101*). — Die Erſcheinung eines außerordentlichen Feuers, welches ſich am Himmel von Abend gegen Morgen Feigkes der Schwarm von unendlich vielen Pap eilionen *) Annalista Saxo ad a. 1101, in Eecardi corp. hist. med. aevi. Lips. 1723. f. T. I. 501.—5.— Gonradi an Licchtenay, Abh Ursherg. chra- nicon ad hunc annum. Aug. 1009. f. 210.— Fleury hist. eccl. T. FI. 75— 77.— Baronii arm. ecol. ad h. a. Antv. 1000 XI 20. ——— Ottonis, Episc. Tris., chror 3 3 4 132,— Mezger metropo f. 3550— 3560.— Hundii me Balish. 1710. f. 6.— Pantaleonis historia militaris ordinis Johannitorum, Rhodiorum etc. Bas. 1581. f. 190—51. 41. V. 126 und andern Inſekten, welcher drei Tage die Sonne verfinſterte, und von Sachſen nach Bayern zog„ wurde als ein Wink Gottes von den Deutſchen angeſehen, daß ſie nach dem Beiſpiele anderer Nationen in das gelobte Land wandern ſollten. Der durch Kaiſer Heinrich IV. ſo hoch geſteigerte Haß der Teutſchen gegen den roͤmiſchen Hof unter den Paͤpſten Urban II. und Paſchal II. verlor ſich allmaͤhlig, als die Nachrichten von den Siegen der Chriſten gegen die Sarazenen, von der Eroberung Jeruſalem's, von der Erhebung Balduin's I. zum Koͤnige des gelobten Landes,, und von deſſen Vertheilung mehrer Fuͤr⸗ ſten huͤmer unter ſeine Reiſegefaͤhrten, ſich verbrei⸗ tet hatten. Die ganze Chriſtenheit wurde von Bewun⸗ derung der heldenmaͤßigen Kreuzfahrer durchdrungen; deren Koſten, unſaͤgliche Leiden und vielen Todesfaͤlle wurden theils verheimlicht, theils nicht mehr beachtet, weil ſie ſchon uͤberſtanden waren. Wer fruͤher noch durch Furcht oder Armuth, durch Mißtrauen oder Schwaͤche zuruͤck gehalten war, ſchloß ſich jetzt im Traume der goldenen Berge, welche dort zu finden ſeyn koͤnnten, gerne an das neue Kreuzheer an. Man ſchenkte ſeine Guͤter gegen maͤßige Reiſegelder, oder Leibreuten, an Stifte und Kloͤſter; man verkaufte Aecker, Wieſen, Waldungen, Haͤuſer, Guͤter, Herr⸗ ſchaften um den gering ten Preis, um ſchnell die Reiſe⸗ koſten zu erhalten.— Der Papſt, die Biſchoͤfe von Italien und andere longobardiſche Große forderten — — 127— ihre Voͤlker kaum zu einer neuen Fahrt auf, als 60,000 Teutſche ſich verſammelten, um in dem Mor⸗ genlande himmliſchen Segen, oder Ruhm, irdiſche Guͤter und die ewige Seligkeit zu ernten. In Teutſch⸗ land war fuͤr dieſen Zweck vorzuͤglich der Erzbiſchof Thiemo(Cheodemar oder Dietmar) von Salzburg ſehr thaͤtig, waͤhrend auch in Frankreich ein neuer Zug ſich bereitete. Der Herzog Welf von Bayern ſtellte ſich an die Spitze ſeiner Landsleute; mit dieſen vereinigten ſich noch Hugo der Große, Graf von Vermandois, Bruder des Koͤnigs Philippi von Frankreich, welcher nach der Einnahme Antio⸗ chien's zuruͤckgekehrt war; Wilhelm Graf von Luſignau oder Poitou, Schwager Kaiſer Hein⸗ richs IN.; Itha, die Mutter des Markgrafen Leo⸗ pold's von Oeſterreich; der Biſchof Anſelm von Mailand mit ſeinem Bruder und Neffen; die Gra⸗ fen Albert von Blandras; Wigbert, oder Guibert von Parma; Stephan von Chartres und Bloisz Herzog Stephan von Burgund und andere Große, mit unglaublich vielen Weibsper⸗ ſonen, durch deren Ausſchweifungen der ſchlechte Er⸗ folg dieſes Kreuzzuges vorzuͤglich veranlaßt wurde. Sie zogen durch Ungarn, und hielten in der Bul⸗ garei ihre Winterquartiere, worin ſchon viele Kreuzfah⸗ rer ihren Tod fanden. Sie kamen uͤber Thrazien zur Zeit des Oſterfeſtes 4202 nach Konſtantinopel, wo der alte griechiſche Kaiſer Alexius ſich uͤber ihre ¹ 128 Erſcheinung ſehr verwunderte. Daſelbſt fanden ſie den Grafen Raimund von Toulouſe, welcher den Kaiſer Alex ius um Huͤlfstruppen gebeten hat⸗ te, um nach Syrien zuruͤck kehren zu koͤnnen, wo er ſich niederlaſſen wollte. Die Franzoſen waͤhlten ihn ſogleich zu ihrem Anfuͤhrer und zogen nach Nizaͤg. Die Tuͤrken hatten die Traͤgheit und Schwaͤche der Longobarden kaum wahrgenommen, ſo neckten ſie dieſe auf allen Seiten. Aus dieſem Grunde hatte Ale⸗ rius ſchon vom Eintritte in die erſte Stadt Bulga⸗ rien'’s bis Konſtantinopel ſogenannte Friedeusboten von Zeit zu Zeit ihnen entgegen geſchickt, welche, ſie mochten voraus— oder zur Seite gehen, unmerklich ſich wieder verloren. Seine leichten Truppen mußten Die Kreuzfahrer unmerklich bald von vorn, bald von hinten, bald von der Seite angreifen, und naͤchtlich Die Lager uͤberfallen, bis der Graf Wilhelm und der Herzog Welf ein Korps von 100,000 Mann zu⸗ Fimmen gezogen hatten. Die von dieſem Korys ge⸗ Fendeten Anfuͤhrer nahm Alexius freundlich auf, mannte ſie ihre Kinder, beſchenkte ſie, und verſprach ähnen, wie ihren Vorgaͤngern, unter Handgeloͤbniß und Schwur alle Unterſtuͤtzung; den aͤrmeren außer der Stadt ließ er Almoſen gehben, und Lebensmittel feil bieten. Deſſen ungeachtet laſtete ein allgemeiner Verdacht auf ihm, daß er heimlich durch ſein ganzes Reich den Zug zu erſchweren ſuchte. Darum ließ Graf Wilhelm von Poitou die 129 Vorſtaͤdte von Adrianoy el, durch welches die Hauptraße fuͤhrte, anzuͤnden, ſobald ihm der Durch⸗ gang erſchwert wurde. Zugleich ließ er die Griechen, welche ſein Korps beobachten mußten, angreifen und zuruͤck treiben. Da die große Armee ihren Weg durch das wuͤſte Romanien nahin, ſo mußte ſie ſich alles Noͤthige vorher ein aufen, ehe ſie den Meeresarm des h. Georg uͤberſchiffte. Bei der taͤglichen nterredung der chriſtlichen Anfaͤhrer uͤber die Beſchwerden und Hinderniſſe ihres Zuges, ergab ſich immer mehr der uͤberzeugende Beweis, daß der treuloſe Ahexius den Kuͤrken guͤnſtiger war, als den Chriſten. Dieſer habe einſt, ſagten ſie, die ſethlinge, durch welche er das Reich ſeinem Herrn Michge! entrieß, zuͤr Beloh⸗ nung verbannen und hinrichten laſſen, und jetzt ver⸗ hleiche er den Kampf der Franken und Tuͤrken mit Hunden, welche einander beißen. Damit nicht zufrie⸗ den habe er ſogar den Kreuzfahrern, welche Schiffe gedungen hatten, Schlingen legen, und viele Schiffe mit der darin befindlichen Mannſchaft zu Grunde ge⸗ hen laſſen. Unglaublich ſchrecklich iſt die Erinnerung an die Unruhe der Teutſchen, wie man den Vater vom Sohne, den Bruder vom Stiefbruder, den Ge⸗ ſellſchafter vom Freunde mit weit bittererm Schmerze, als im Augenblicke des Tode trennen ſah; wie Einer zu Land, der Andere zur See ſeine Rettung ſuchte; wie Maucher, welcher ſchon 4—2 Naͤchte auf dem Schiffe zugebracht hatte, ſeine Habe wieder zu ſich 130⁰ nahm, auf das Land ſich mit großem Schaden bringen ließ; Pferde, welche er unlaͤngſt um geringes Geld verkauft hatte, um großen Preis wider erwarb, um auf der ungewiſſen Flucht ſeinem Tode entgegen zu eilen. 4 Von ſolchen Gemuͤthsbewegungen Tag und Nacht beaͤngſtigt, zerreichte ein Korps endlich nach s Wochen den Hafen Joppe. Die Hauptarmee nahm unter Begleitung von 300 Tuͤrkopolen, welche tuͤrkiſche Vaͤ⸗ ter und griechiſche Muͤtter hatten, und den Kreuzfah⸗ rern die beſten Wege zeigen ſollten, aber ſie den Fein⸗ den ſo oft als moͤglich zufuͤhrten, ihre Richtung ge⸗ gen Nikomedien, und drang dann nach Roma⸗ nien gegen die türkiſche Stadt Chorozaim vor. Alexius war bereits den Tuͤrken eben ſo verdaͤchtig geworden, als den Franken: denn er hatte alle Ort⸗ ſchaften von Romanien auf beiden Seiten der Haupt⸗ ſtraße verheeren laſſen, obgleich er den zu Antio⸗ chien eingeſchloſſenen Chriſten Unterſtuͤtzung verſpro⸗ chen hatte. Die Tuͤrken wurden auch von dem eiteln Streben nach Großthatey beſeelt, und glaubten, daß ſie die Hauptarmee der Franken ſchlagen wuͤrden, weil ſie in ihrem Angriffe auf die muthloſen Longo⸗ barden gluͤcklich waren. Mehr als 4000 Tuͤrken, wel⸗ che beſtens beritten und vaffnet, und in der Wurf⸗ kunſt der Pfeile ſehr geuͤbt waren, wollten ihr Gluͤck, oder die Tapferkeit des ihnen noch unbekannten Chri⸗ ſtenheeres auf die Probe ſtellen;' doch vorerſt mehr ¹ 131 ausforſchen, als wirklich angreifen. Daher ſie nach Art der Straßenraͤuber zuerſt die Nachzuͤgler wegnah⸗ men oder toͤdeten; dann auf Kreuzwegen durch Brand oder auf andere Weiſe das Futter vernichteten; das uͤber große Heiden marſchirende Heer den ganzen Tag mit Rauch oder Feuer belaͤſtigten; naͤcht!ich bald die⸗ ſen, bald jenen Theil der Lager uͤberfielen; und ſo alle Kreu fahrer beunruhigten, oder gar beſchaͤdigten. Trotz aller dieſer Angriffe wagten ſie doch niemals ein förmliches Gefecht, ſondern wichen bei jedem Wider⸗ ſtande, flohen vor jedem Verfolger, und kamen nach deſſen Ruͤckkehr wieder. Es iſt nicht moͤglich, das bei⸗ ſpielloſe Elend des Kreuzheeres zu beſchreiben; es uͤberſtieg alle Vorſtellung. Auf die ſchaͤndlichſte Weiſe verloren ſehr viele Adelige, aus Mangel viele Reiche, und ohne Schwert viele Tapfere ihr Leben; waͤhrend dem Vornehmſten und Reichſten weder der treueſte Diener, noch die gefuͤllteſte Kaſſe helfen, noch der Tap⸗ ferſte kaͤmpfen konnte. Denn die Gegenden waren beengt, unwegſam, unbewohnt, den Feinden bekannt, den Franken unbekannt, und durch die verraͤtheriſchen Einleitungen des Alexius blieben letztere 20 Tage den Pfeilen der erſteren ſo ausgeſetzt, als waͤren ſie Schafe, zum Schlachten beſtimmt. In der groͤßten Noth fluͤchteten ſich die Meiſten in diekes Gehoͤlz, ih⸗ ren langſamen, aber gewiſſen Tod zu beſchleunigen; ſelbſt den Wenigen, welchen die Flucht etwas zu nu⸗ tzen ſchien, koſtete dieſe letzte Anſtrengung das Leben. 132 Denn von allen ſind kaum 1000 Mann, gand abgema⸗ gert, zu Rhodus, Paphus in Cypern, und in den uͤbrigen Haͤfen eingetroffen. Nur wenige kamen nach Joppe, von welchen die Grafen Bernard und Heinrich von Regensburg zu Jeruſalem ſtarben. Der Graf Hugo der Große, ſtarb zu Tarſus in Ci⸗ lieien. Der Herzog Welf aus Bayern warf die Waffen weg, verkleidete ſich, verirrte ſich in Waldun⸗ gen, und kam erſt durch Umtege nach Jeruſalem. Von Sehnſucht nach dem Vaterlande ergriffen, eilte er zuruͤck, erreichte aber nur die Inſel Eypern, wo er in graͤnzenloſem Kummer ſtarb, und begraben wurde. Thiemo⸗ der Erzbiſchof von Salzburg, wurde bei Cho⸗ rozaim gefangen, die Markgraͤfin Itha getoͤdtet, und die beiden Domherren Bruno vom Hunger und Durſt umgebracht, Blos die Grafen Wilhelm von Poitou, Stephaun von Blois und Raimund von Toulouſe erhielten ſich am Leben, und erreich⸗ ten mit 10e0 Kreuzfahrern, welche von mehr als 150,000 noch uͤbrig geblieben waren, die Stadt Jeru⸗ ſalem. Den Chriſten in Judaͤa ging es unterdeſſen nicht viel beſfer; ſie wurden von den Kriegern As kalons, Damaskus und Kairos uͤber fallen. Im Juni naͤmlich brach das Heer der Sarazenen von Ramula auf, gegen welches der Koͤnig Balduin 1. ſeine Truppen, durch die Erinnerung an ihren letzten Sieg gegen viele Araber ermunterte.„Je mehr wir, ſagte 133 er, unſere Feinde berauben und auf andere Weiſe be⸗ ſchaͤdigen, deſto ſicherer leben wir, oder wir gehen in der Gefahr zu Grund. Soldaten! wir haben den Krieg gewuͤnſcht; fuͤr ihn haben wir unſer Vater⸗ land, unſere Aeltern verlaſſen, Ruhe und Frieden außer Acht geſetzt. Es iſt hochſt ehrenvoll, fuͤr das Erbgut Chriſti die Feinde des heiligen Landes zu be⸗ kaͤmpfen; wir ſind unſeres Sieges uͤber ſie gewiß; opfern wir dabei unſer Leben, ſo ernten wir den hoͤch⸗ ſten Ruhm ein. Ihnen erleichtert ihr Vaterland die Flucht; uns bereitet die Auswanderung den Sieg. Beweiſen wir ihnen, daß die Franken den Tod Uicht ſcheuen, und fuͤr Chriſtus ſiegen oder ſterben wollen.“ Durch dieſe Anrede begeiſtert, brachte eine einzige Le⸗ gion der Franken das ganze Heer der Sarazenen in ſolche Unordnung, daß ſie nicht einmal anzugreifen wagten, ſondern ſich nach einigen Tagen ſchimpflichſt zuruͤck zogen. Erſt im September, als die Nachricht von der Ankunft neuer Chriſten die Sarazenen wieder erſchreckt hatte, beſchloßen ſie, die in Judaͤa und deſſen Umgebung befindlichen Chriſten anzugrei⸗ fen, und forderten dazu die Staͤdte Damask, Tri⸗ polis, Gibel und andere ſchriftlich auf. Vierzig tauſend Mann wollten nach Joppe ziehen, und ſetz⸗ ten ſich bei Askalon feſt. Balduin 1. davon un⸗ terrichtet, zog ſeine Truppen von Jeruſalem, Ni⸗ kopolis, Tabor, Hebron, Caͤſarea und Aſ⸗ ſur nach Joppe, wo damals ſehr viele Kreuzfahrer 134 verſammelt waren. Eines Morgens zogen ſie mit dem Kreuze Chriſti aus der Stadt; der Prieſter Ar⸗ nold hielt eine kraͤftige Anrede, und wurde im hoͤch⸗ ſten Affect von der ſchreienden Menge unterbrochen, daß ſie lieber ruhmvoll ſterben, als ſich ſchaͤndlich zu⸗ ruͤck ziehen wollten; wer die kecken Heiden nicht bekaͤm⸗ pfe, ſey weder des irdiſchen, noch des ewigen Lebens wuͤrdig. Nachdem ſie ſich ale vor dem Kreuze ge⸗ kniet, ihre Suͤnden bekannt, und deren Nachlaß vom paͤpſtlichen Geſandten erhalten hatten, ſchlugen ſie ihr Lager auf. Des andern Tages zogen ſie gegen ihre Feinde, und wurden bei deren Anblicke von ſo gro⸗ ßem Vertrauen auf ſich begeiſtert, daß ſie glaubten, jeder Einzelne werde eine ganze Legion derſelben ſchla⸗ gen. Sie warfen ſich in dieſem⸗ Wahne mit wilder Unordnung unter die Feinde, und wurden mit einem Hagel von Pfeilen uͤberſchuͤttet. Zwar behaupteten ſie durch die Kraft des Schwertes das Schlachtfeld; allein die Sterblichkeit der Chriſten wurde ſo groß, daß aus Jeruſalem allein taͤglich 300 Todte ausge⸗ fuͤhrt wurden, und die große Ebene um Joppe in wenigen Tagen mit Grabhuͤgeln uͤberſaͤet war. Bald nach dieſem Siege brachte ein Bote der Einwohner von Joppe die Nachricht, daß ſie zu Land auf der andern Seite von vielen Reitern— zur See vom 42 Schiffen belagert ſeyen. Nach eingeernteter Beute leiſteten ſie zwar den Belagerten Huͤlfe, allein durch die wiederholten Angriffe der Feinde, und durch die 8 — 135, fortdauern de Einengung entſtand ein ſolcher Mengel an Lebensmitteln, und die Peſt griff ſo ſehr um ſich, daß ſie die Weihnachten in großem Kummer zubrachten. Der geiſtliche Anfuͤhrer, Erzbiſchof Thiemo von Salzburg, war als Gefangener nach Chorozaim gerade zu der Zeit gebracht worden, als die drei Bruͤ⸗ der, welche dieſe Stadt beherrſchten, ihre Beute theil⸗ ten. Er wurde wie die andern chriſtlichen Selaven zum Laſttragen verurtheilt, und fuͤgte ſich willig in ſein Loos. Deſſen ungeachtet bewieſen die andern Chriſten ihm bei jeder Gelegenheit jene Verehrung, welche ſie ihm als ihrem Fuͤrſtbiſchofe ſchuldig zu ſeyn. glanbten. Dies erregte die Aufmerkſamkeit der Bar⸗ baren in ſo hohem Grade, daß die Chriſten ihn zu er⸗ kennen geben mußten. Kaum war der Sultan davon benachrichtigt, ſo ließ er ſogleich Thiemo zu ſich ru⸗ fen, und fragte ihn, wer er ſey, und in welchen Kuͤn⸗ ſten er geuͤbt ſey. Der Erzbiſchof erwiederte, er habe zwar in mehren einige Fertigkeit, doch ſey er vorzuͤg⸗ lich ein Baumeiſter, welcher im Inneren der Menſchen den chriſtlichen Glauben zu begruͤnden verſtehe. Auf wiederholte Frage erwiederte er, er habe gelernt, das Altte in Neues umzuſchaffen, das alte Geſetz und den alten Menſchen zu erneuern; auch uͤbe er die Maler⸗, Bildhauer⸗ und Goldſchmiedekunſt. Der Sultan freute ſich daruͤber, und ließ ſogleich ein an den Ar⸗ men verſtuͤmmeltes Bildnis Mahomed's bringen, 136 welches Thiemo herſeellen ſollte. Dieſer verlaugte einen Hammer, welcher ihm gereicht wurde; er vet⸗ reitete ſich dann uͤber die irrige Glaubenslehre der Sarazenen und uͤber die Vorzuͤge des chriſtlichen Glau⸗ bens. Da der Sultan letztere nicht anerkennen woll⸗ te, vielmehr ſchimpfte, ſo ſchlug Thiemo das Bild⸗ niß Mahomed's in Stuͤcken. Daruͤber wuͤrden die umſtehenden Sarazenen ſo aufgebracht, daß ſie ihn auch ſogleich in Stuͤcke zerreißen wollten. Doch der Sultan hielt ſie davon ab, ließ ihn in Ketten legen, und in einen finſtern Kerker werfen.— Des andern Tages ließ er ihn entkleiden, auf einen Eſel binden, aus der Stadt auf das ebene Land fuͤhren, und unterdeſſen ſtets durch Ruthen ſchlagen, welche in ſo ver⸗ giftetes Oel eingetaucht waren, daß Haut und Fleiſch ſchnell verzehrt wurden. Zugleich ließ er alle uͤbrigen Chri⸗ ſten⸗Selaven als Zuſchauer dahin rufen, wie ihr Verehrter zu Tode gemartert werde. Er ſelbſt er⸗ ſchien, und hielt ihm die gotteslaͤſteriſche Handlung vor, fur welche er geſtraft werden ſollte. Mit Muth ſuchte Thiemo ſich zu rechtfertigen, aber vergebens. Der Sultan ließ ihm Anfangs die Finger, dann die Haͤnde, endlich die Arme abhauen. Waͤhrend die Chri⸗ ſten heulten, und Stroͤme von Thraͤnen uͤber die Mar⸗ ter ihres Erzbiſchofes vergoßen, und dieſer ſchon aus⸗ zuhauchen ſchien, faßte er ſich noch, Muth zur Aus⸗ dauer ſeinen Mitchriſten einzufloͤßen, und die ewige Seligkeit fuͤr die vergaͤnglichen Leiden auf dieſer Erde — 137 zu empfehlen. Waͤhrend er ſprach, wurden ſeine Ze⸗ hen Fuͤße und Schenkel abgehauen, und dennoch lebte er. Der Tyrann, daruͤber erſtaunt, befahl, daß auch deſſen Leib aufgeſchnitten, die Gedaͤrme hervor gezogen, das Herz heraus geriſſen,„und der Rumpf den Pferden zur Zertretung vorgeworfen wurde. So endigte Thiemo ſein ruhmvolles Leben. Er war aus der graͤflichen Familie von Medlingen in Baiern, zuerſt Benediktiner in Niederaltaich, dann 1079 Abt zu St. Peter in Salzburg, 1090 zum Erz⸗ biſchofe gewaͤhlt und geſalbt, von dem durch K. Hein⸗ rich 1vV. eingeſetzten Erzbiſchofe Berthold aber ein⸗ gekerkert, und nach mehrjaͤhriger Gefangenſchaft durch die Liſt eines Moͤnches in Freiheit geſetzt, worauf er in ſchwaͤbiſchen Kloͤſtern ſeine geiſtige Bildung befoͤr⸗ derte, bis er den Kreuzzug nach Palaͤſtina anfuͤhrte. Spaͤtere Chriſten errichteten zum Andenken au ſeinen martervollen Tod eine Kirche auf dem naͤmlichen, Platze, wo er ſeinen Ruhm durch beiſpielloſe Aushar⸗ rung und Begeiſterung fuͤr ſeinen Glauben vollendete. Waͤhrend dieſer ſchrecklichen Ereigniſſe wurde Balduin I. von einer Florte der Genueſer mit Huͤlfstruppen und Lebensmitteln angenehm uͤberraſcht. Dadurch wurde er in den Stand geſetzt, Caͤſarea in Palaͤſtina zu beſetzen, und die aͤgyptiſchen Truppen vor der Stadt Ramula zu ſchlagen. Durch die An⸗ kunft der Abendlaͤnder ermuntert, zog er ihnen freu⸗ dig entgegen, und fuͤhrte ſie auf ſicheren Wegen hin⸗ 4tes B. Paläſtina. I. 2. 2 138 ter Acra, Tyrus, Sidon und Beryth, welche die Bar⸗ baren beſetzt hatten, nach Jeruſalem. Nachdem ſie einige Zeit daſelbſt 1103 verweilt hatten, beſtieg Graf Wilhelm von Luſignan(von Poito u) zu Joppe ein Schiff zur Ruͤckkehr; die uͤbrigen Heerfuͤh⸗ rer verſuchten ein Gleiches, wurden aber durch wi⸗ drige Winde zuruͤck getrieben. Zur naͤmlichen Zeit uͤberſielen die Einwohner von Askalon, welche durch Araber und Aegyptier verſtaͤrkt waren, in der Umgebung von Ramula die Abend⸗ laͤnder, welche ganz unvorbereitet waren. Das Dref⸗ fen war ſehr hartnaͤckig, und blieb lange unent⸗ ſchieden. Die Grafen Stephan von Blois und Burgund fielen, und der Koͤnig wuͤrde gefangen worden ſeyn, waͤre er nicht durch P hilarchus ge⸗ rettet worden. Die Stadt Ramula wurde von den Feinden eingenommen, und aller Einwohner verluſtig, indem einige auf die grauſaniſte Weiſe gemordet, die meiſten uͤbrigen aber wie das Vieh verſammelt, und in lebenslaͤngliche Sklaverei abgefuͤhrt wurden. Nach tauſend Gefahren langte der Koͤnig gluͤcklich gegen Aller Erwartung in Joppe au: denn der Ruf von ſeiner Er⸗ mordung war bereits allgemein verbreitet. Sobald er ſich etwas erholt, und die Spitalbruͤder an ſeine Seite gezogen hatte, beſchloß er, dem Feinde von Neuem entgegen zu ziehen. Er uͤberſiel dieſen in der Be⸗ ſchaͤftigung mit Kriegsmaſchinen ſo unvermuthet und kraͤftig, daß derſelbe mit großem Verluſte die Flucht 8 139 ergriff, und viele Beute zuruͤck ließ. Dieſe wurde nach Joppe gebracht, und nach billigem Maße unter die Kriegsgefaͤhrten vertheilt; worauf der Koͤnig mit ſei⸗ nen Leuten nach Jeruſalem zuruͤck kehrte. Unterdeſſen waren auch die uͤbrigen Fuͤrſten Pa⸗ laͤſtinens nicht unthaͤtig, ſondern jeder bot alle Kraͤfte auf, ſein Gebiet zu erweitern. Tancred in Gali⸗ laͤen ruͤckte mit verſtaͤrkter Mannſchaft gegen die Staͤdte Agamea und Laodizea vor, und eroberte ſie nach vie⸗ ler Anſtrengung. Der Graf Balduin von Bourg war, als Herr von Edeſſa, auf jede Gelegenheit zur Erweiterung ſeines Gebietes ſo aufmerkſam, daß er ſich dadurch allen benachbarten Barbaren furchtbar machte. Es gelang ihm ſogar 1104, die bei Edeſſa liegende Stadt Carra in Meſopotamien nach langer Belagerung aus⸗ zuhungern und zur Uebergabe zu zwingen. Allein waͤhrend die abendlaͤndiſchen Fuͤrſten mit einander un⸗ einig waren, welcher als kuͤnftiger Beſitzer zuerſt ein⸗ ziehen ſollte, verging ſo viel Zeit, daß das Heer der Tuͤrken den Belagerten zur Huͤlfe herbei kam, mit „gezucktem Schwerte uͤber die Belagerer herfiel, und ſie theils nieder machte, theils zerſtreute, theils gefangen nahm. Der Graf Balduin von Edeſſa, der daſige Biſchof Benedikt, und ſein Blutsverwandter Joſf⸗ eelin geriethen dabei in feindliche Gefangenſchaft. Dagegen war der Graf Raimund von Toulouſe in der andern Gegend beeifert, neue Schloͤſſer anzule⸗ gen, ſie mit guter Beſatzung zu verſehen, und da⸗ 140 durch nicht nur den Angriffen der Feinde zu wi⸗ derſtreben, ſondern auch ſeine Herrſchaft feſter zu gruͤnden. Koͤnig Balduin l. hatte ſich kaum 7 Monate vom Kriege und von Neckereien der Sarazenen erholt, ſo kuͤndigte er ſelbſt ihnen den Krieg an. Er rief den Grafen Raimund, die Johanniterbruͤder und alle waffenfaͤhige Mannſchaft ſeines ganzen Reiches zuſammen, und brach nach Oſtern gegen Ptolemais (oder Accon) in Phoͤnizien auf. Allein er wurde ge⸗ noͤtigt, von der Belagerung abzuſtehen, ſich zuruͤck zu ziehen, und ſich mit der Zerſtorung der herrlichſten Gaͤrten in der allſeitigen Umgebung, und mit der Toͤdtung einiger Buͤrger zu begnuͤgen. Auf dem Ruͤck⸗ zuge gerieth er unter Straßenraͤuber und Moͤrder, mit denen er ſich in ein Gefecht einließ, worin er toͤdt⸗ lich verwundet wurde. Zwar wurde er durch Ein⸗ ſchritte der Wundaͤrzte wieder geheilt; allein er be⸗ hielt noch Schmerzen davon fuͤr ſein ganzes Leben. Im folgenden Jahre, nachdem er ſeine Kraͤfte wieder geſammelt hatte, und durch die Flotte der Genueſer wieder geſtaͤrkt worden war, ſchloß er die Stadt Ae⸗ con noch ein Mal eng ein, und hatte nach 20 Tagen das Gluͤck, ſich derſelben durch Vertrag zu bemeiſtern, wodurch er ſich ſehr beruͤhmt machte. Bald darauf uͤherſiel ein gewiſſer Rodoan, Fuͤrſt von Alapien, in Verbindung mit ſeinen Großen, das Fuͤrſtenthum Antiochien mit Feuer und Schwert; al⸗ 141 lein Tancred, welchem Boamund, bei ſeiner Abreiſe nach Frankreich, die Verwaltung deſſelben uͤbertragen hatte, jagte ſie in die Flucht. Dadurch wurde Kalyphas, der Sultan von Aegypten, ver⸗ gulaßt, ein groͤßeres Heer zu ſammeln, und gegen den Koͤnig von Jeruſalem marſchiren zu laſſen. Al⸗ lein faſt alle ſeine Truppen zu Land wurden nieder⸗ gemacht, und jene zur See ſind ein Opfer widriger Winde geworden. Unterdeſſen kam Boamund aus Frankreich zu⸗ ruͤck, und mit ihm ein neues Heer von 40,000 Fuß⸗ gaͤngern und 5000 Reitern, aus dieſem und anderen Laͤndern. Dieſe Truppen haben den Kaiſer Alexius, welcher ſine Treue ſchoͤn ſo oft gebrochen hatte, ge⸗ ſtraft. Denn ſie zerſtoͤrten Epyrus und die weite Umgebung von Dyrrach ſo lange, bis er mit ihnen einen foͤrmlichen Frieden ſchloß. Sie wendeten ſich dann gegen Jeruſalem; Boamund aber verweilte zu Antiochien, wurde krank und ſtarb. Der von ihm hinterlaſſene Sohn gleiches Namens war noch in der Wiege, als er das Fuͤrſtenthum Antiochien 1108 erbte. Die gegen Morgen wohnenden Duͤrken hatten die Gefangenſchaft des Grafen Balduin von Edeſſa und deſſen Verwandten Joſeelin benutzt, ganz Meſopo⸗ tamien zu verheeren, alle Doͤrfer, welche die Erpreſ⸗ ſungen nicht mehr leiſten konnten, zu verbrennen und die Einwohner theils nieder zu hauen, theils als Sklaven abzufuͤhren, ſo ſehr auch Tanered ſich ent⸗ 142 gegen ſtemmte. Als beide Gefangene nach fuͤnf Jah⸗ ren ſich loskauften, ließ dieſer ſie nicht mehr in die Stadt kommen, und ſuchte ſie ihres Rechtes auf das Fuͤrſtenthum zu berauben. Doch endlich erinnerte er ſich der Heiligkeit ſeines Eides, mit welchem er die Verwaltung deſſelben uͤbernommen hatte, und ſtand von ſeinem Vorhaben ab. Nachdem ſie in den vollen Beſitz wieder gekommen waren, bekriegten ſie ſelbſt ihren Landsmann Tancred. Er verband ſich ſogleich mit Tuͤrken, durch deren Huͤlfe er Joſcelin in die Flucht jagte. Die benachbarten chriſtlichen Fuͤrſten ſahen ein, daß aus Zwiſtigkeiten zwiſchen ihnen ſelbſt den Tuͤrken der groͤßte Vortheil entſpringen wuͤrde; ſie wareu alſo bemuͤht, den Frieden unter ihnen her⸗ zuſtellen. Nach dem Tode Raimunds von Toulouſe uͤber⸗ nahm Wilhelm Jordannes die Verwaltung ſeiner Herrſchaft, und es gelang ihm bald, durch das Schwert viele Oerter zu erobern. Unterdeſſen war Raim unds Sohn Bertrann mit 10 Genneſer Schiffen eingetrof⸗ fen und hatte Wilhelm bekriegt. Die Freunde Beider traten aber als Vermittler auf, und brachten es dahin, daß Wilhelm ſich mit dem Beſitze von Aere und Antaras begnuͤgte, und ſich als Vafall des zeitlichen Fuͤrſten von Antiochien erklaͤrte, deſſen uͤbri⸗ gen Theil Bertrann, als Vaſall des Koͤnigs von Jeruſalem beſitzen ſollte. Bald darauf wurden aber die Soldaten beider Theile uneinig; Wilhelm eilte 143 zur Herſtellung der Ruhe hinzu, und wurde durch ungluͤcklichen Zufall von einem Pfeile getroffen, wor⸗ auf er ſtarb. Waͤhrend die chriſtlichen Fuͤrſten mit einander ſtritten, oder mit den Unglaͤubigen uͤber die Graͤnzen kaͤmpften, kam nauch der Patriarch Gobelin von Jeruſalem, der Nachfolger des erſten lateiniſchen oder abendlaͤundiſchen Patriarchen Daybert oder Dago⸗ haot⸗ auf den Gedanken, ſein kirchliches Anſehen zu rhoͤhen. Er erhob die Kirche zu Bethlehem, welche usger nur ein kloͤſterliches Priorat geweſen war, 1140 zu einem Domſtifte, unter dem Vorwande, damit der Geburtsort Chriſti beruͤhmter werde. Der Koͤnig bewilligte, daß alle Kirchen, welche durch die Waffen der Chriſten erworben, ihm untergeordnet wuͤrden, wozu er die Einwilligung des Papſtes durch beſondere Abgeordnete gebeten und erhalten hat. Der Papſt erließ an den Koͤnig und Patriarchen zwei Schrei⸗ ben mit ſehr ausgedehnter Vollmacht, obgleich der Biſchof Bernard von Antiochien heftig widerſprach. K. Balduin I. beſchloß, unter Mitwirkung des Johannitermeiſters Raimund, die Stadt Beryth zu uͤberfallen; os gelang ihm unter großer Niederlage der Buͤrger. Zu gleicher Zeit kam eine Flotte aus Rorwegen, religioͤſer Zwecke wegen, an; durch deren Beihuͤlfe wurde es moͤglich, die Stadt Sidon einzu⸗ nehmen, deren Einwohner ſich gerne ergaben. Er be⸗ ſchenkte dann die Norweger ſehr reichlich fuͤr ihre 144 Dienſtbereitwilligkeit, und entließ ſie wieder; er ſelbſt kehrte mit den Johannitern und ſeinen Soldaten im Triumphzuge nach Jeruſalem zuruͤck. Die perſiſchen Tuͤrken, uͤber das Ungluͤck in Sidon erboſt, ſchnaup⸗ ten nach Nache; ſie durchzogen mit vielen Truppen ganz Meſopotamien, fuͤgten den Einwohnern großen Schaden zu, und ruͤckten bis Caͤſareä vor, welches ſie auch belagerten. Allein Tanered, unterſtuͤtzt vom K. Balduin 1I. und dem Fuͤrſten Bertrann aus Tripolis, hatte das Gluͤek, die Feinde bald zuruͤck zu draͤngen. Jetzt war nur noch Tyrus von den See⸗ ſtaͤdten zwiſchen Laodizea und Askalon uͤbrig, welches unter dem Joche der Tuͤrken ſeufzte. K. Balduinl. beſchloß, auch hier ſein Gluͤck zu verſuchen; er ließ die Stadt ſehr eng einſchließen, und blieb vier Mo⸗ nate vor ihr liegen; doch er wurde endlich genoͤthigt, wieder abzuziehen. Kaum hatte der Koͤnig einige Jahre ſich erholt, ſo zog ſchon 1113 wieder ein großes tuͤrkiſches Heer aus Perſien durch Syrien, und lagerte ſich an der Meereskuͤſte. K. Balduin I. rief den Fuͤrſten Ro⸗ ger aus Antiochien, welcher dem verſtorbenen Tan⸗ cred in der Regierung gefolgt war, und den Grafen Bertrann aus Tripolis zu Huͤlfe, zog mit ſeinen Truppen dem Feinde entgegen, und ſchlug ſeine Lager nicht weit von den ihrigen auf. Als der tuͤrkiſche Feldherr Mendur dieſes wahrgenommen hatte, ſchickte er einige Reiter zur Beunruhigung der Chri⸗ 145 ſten voraus, und behielt ſein groͤßeres Heer im Hin⸗ tergrunde. K. Balduin J. ſtuͤrmte gegen die Rei⸗ ter los, welche ſich dem Scheine nach fluͤchteten. Aber bald ruͤckte das tuͤrkiſche Hauptheer vor, und richtete eine große Niederlage unter den Chriſten an, ſo hartnaͤckig ſie auch kaͤmpften. Vorzuͤglich zeichneten ſich viele Johanniterritter durch Tapferkeit aus, ob⸗ ſchon die meiſten ihr Leben opfern mußten; ſelbſt K. Balduinl. und der Patriarch Gobelin(nicht Arnulph) konnten kaum ſich retten. Dieſe Gele⸗ genheit benutzten die Einwohner von Askalon, die von Soldaten ganz entbloͤßte Stadt Jeruſalem zu be⸗ lagern, und die in den Vorſtaͤdten angelegten und mit Getreid gefuͤllten Scheunen anzuzuͤnden; doch zo⸗ gen ſie ſich auf die erſte Nachricht von der Ankunft des Koͤnigs zuruͤck. Da der religioͤſe Eifer die abend⸗ laͤndiſchen Chriſten ſpornte, ihren leidenden Bruͤdern im gelobten Lande von Zeit zu Zeit neue Verſtaͤrknn⸗ gen auf dem Meere zu ſchicken, ſo ſetzte dieſe Ver⸗ mehrung des Chriſtenheeres dle Tuͤrken in ſolche Furcht, daß ſie ſich zuruͤck zogen. Zu Damask wurde der Perſerkoͤnig von Meuchel⸗ moͤrdern umgebracht, wozu der Koͤnig Doldequin von Damask ſelbſt, welcher jenen fuͤrchtete, einge⸗ willigt hatte. Im folgenden Jahre fiel ein perſiſches Heer unter dem Anfuͤhrer Borſequin ein, lagerte ſich in der Umgebung von Damask, und beunruhigte die Einwohner von Antiochien. Doldeauin, vom 146 boͤſen Gewiſſen uͤber den Meuchelmord gefoltert, ſuchte die Freundſchaft der benachbarten Chriſten durch Ge⸗ ſchenke und Geiſeln zu gewinnen. Von dieſen unter⸗ ſtuͤtzt, zog er dem Feinde entgegen, und trieb ihn zuruͤck. Zu gleicher Zeit belagerten aber die Bewoh⸗ ner von Askalon die Stadt Joppe; die Chriſten be⸗ gaben ſich dahin, und verdrungten ſie wieder. Kaum hatte Borſequin wahrgenommen, daß die gegen ihn aufgeſtellten Truppen verſchwunden ſind, ſo er⸗ neuerte er ſogleich ſeinen Feldzug, ließ die ganze Ge⸗ gend von Antiochien berauben und verheeren, und alle Doͤrfer ſchleifen, welche keine Beſatzung hatten. Allein der junge Fuͤrſt Boamund vereinigte ſeine Kraͤfte mit jenem von Edeſſa, ſchlug den Feind, und nahm ihm den ganzen Raub wieder ab. In dieſem Kampfe ſind mehr als 3000 Mann geblieben, die fruͤ⸗ her gefangenen Chriſten wurden wieder befreit, und kehrten in ihre Heimath zuruͤck. Unterdeſſen baute K. Balduin J. jenſeits des Jordans in Syrien das feſte Schloß Sobal, und nannte es den koͤnig lichen Berg. Er ließ es von vielen Reitern und Fußgaͤngern bewohnen, und raͤumte ihnen ſehr viele Felder und Wieſen zum Lebensunter⸗ halt ein, damit ſie dem Feinde Einhalt thun und den chriſtlichen Glauben vertheidigen koͤnnten. Da die Stadt Jeruſalem dadurch ganz entvoͤlkert, und den Heiden daſelbſt kein Aufenthalt bewilligt wurde, ſo rief er viele Chriſten aus Arabien jenſeits des Jor⸗ — 147 dans, und raͤumte ihnen beſtimmte Wohnſitze zu Je⸗ ruſalem ein, nachdem ſie lauge genug unter dem Tri⸗ bute der Tuͤrken geſchmachtet hatten. Im letzten Jahre ſeiner Regierung 14418 unternahm er, mit thaͤ⸗ tigſter Unterſtuͤtzung der Johanniterritter, noch einen Feldzug nach Aegypten, um die bisher veruͤbten vie⸗ len Unbilden der Chriſten feinde zu raͤchen. Es gelang ihm, ſich der Stadt Pharamia zu bemeiſtern, und ſie mit ſeinem Gebiete zu vereinigen. Nach dieſer Er⸗ oberung naͤherte er ſich dem Ufer des Nils, und lernte die wunderbaren Eigenheiten dieſes Fluſſes kennen. Er hielt eine Fiſchernte, kehrte mit einer reichen Ladung in die Stadt zuruͤck, und ließ ſich die⸗ ſelben bei einem frohen Mahle mit den Seiuigen recht gut ſchmecken. Allein bald erneuerten ſich die Schmer⸗ zen ſeiner alten Wunde; er wurde ſehr krank und be⸗ ſchloß, nach Jerufalem zuruͤck zu kehren; er verſchied aber ſchon unterwegs bei⸗der Stadt Laris, zur groͤß⸗ ten Beſtuͤrzung der Seinigen. Sein Leib wurde in die Hauptſtadt gebracht, und mit koͤniglicher Pracht neben jenem ſeines Bruders Gottfried feierlichſt beerdigt. So endigte ſich ſeine kaum 18jaͤhrige Re⸗ gierung mit eben der Thaͤtigkeit, welche er vor deren Antritte erprobt hatte. Er hatte keine Kinder, ob⸗ gleich drei Weiber; das erſte war aus England; das zweite aus Armenien; dieſes verließ er, und heira⸗ thete, zum groͤßten Aergerniſſe der Chriſten in Palaͤ⸗ ſtina, die Wittwe Adelais des Koͤnigs Roger von 148 Sizilien; von Gewiſſensbiſſen geaͤngſtigt, verließ er im dritten Jahre die letztere, und nahm die erſtere wieder zu ſich. Graf Balduin II. von Bourg zu Edeſſa, ein durch Religioſitaͤt und Tapferkeit gleich ausgezeichne⸗ ter Mann, Sohn des Grafen Hugo zu Rhetel, folgte ſeinem Oheim in der Regierung des Koͤnigreichs Je⸗ ruſalem, und wurde den 2. April 1149 mit vieler Feierlichkeit gekroͤnt. Er war ſchoͤn geſtaltet, von hagerer Statur, feinem Geſichte, rothweißem Haare, ſchmalem, jedoch bis zur Bruſt herab haͤngendem Barte, und lugendlich lebhafter Farbe. Man hegte allgemein die Hoffnung, der neue Chriſtenſtagt wuͤrde unter ihm maͤchtig aufbluͤhen. 3 Der Sultan von Aegypten hatte noch tiefen Schmerz uͤber den im vorigen Sonumer gelittenen Verluſt. Sich zu raͤchen erneuerte er den Krieg zur See, wie zu Land, und mit ihm verband ſich auch der Fuͤrſt von Damask. K. Balduin II. richtete ſich zwar zum Kriege, doch geſchah nichts Merkwuͤr⸗ diges von beiden Seiten: denn er fuͤrchtete die Menge der Feinde, und dieſe die Tapferkeit und das Gluͤck der Chriſten. Nachdem ſie in geſpannter Erwartung drei Monate einander gegenuͤber geſtanden waren, ſo hoben ſie die Lager von beiden Seiten auf, und kehr⸗ ten in ihre friedlichen Sitze zuruͤck. Bald darauf ſtarb der Patriarch Arnulph, und Gormund, oder Gugrimund, der vierte abendlaͤndiſche Patriarch 149 zu Jeruſalem, kam 1448 durch die Bemuͤhung der Spitalbruͤder daſelbſt an deſſen Stelle. Im naͤmlichen Jahre wurde der militaͤriſche Or⸗ den der Tempelherren zu Jeruſalem geſtiftet. Neun fromme Edelleute naͤmlich gelobten nach dem Willen des Patriarchen, ihr Leben in Keuſchheit und Gehorſam nach der Regel der regulirten Chorherren zu fuͤhren. An ihrer Spitze ſtanden Hugo de Paga⸗ nis und Ganfred von St. Omer. Ihre vor⸗ zuͤglichſte Pflicht außer den drei Ordensgeluͤbden war, die Pfade der frommen Pilger gegen die Nachſtellun⸗ gen der Straßenraͤuber und Unglaͤubigen nach allen Kraͤften zu ſichern. Da ſie weder eine eigene Woh⸗ nung, noch eine beſondere Kirche hatten, ſo raͤumte der Koͤnig in ſeinem Palaſte neben dem Tempel des Herrn gegen Morgen eine Wohnung auf einige Zeit ihnen ein, und bewilligte ihnen beſondere Einkuͤnfte fuͤr ihre Nahrung und Kleidung, bis ſie Gelegenheit zur bequemeren Lebensweiſe erhalten koͤnnten. Neun Jahre nach ihrer Stiftung trugen ſie keine andere Kleider, als die uͤbrigen Weltleute, welche ihnen die⸗ ſelben, zum Beſten des Seelenheiles, gerne reichten. Erſt unter P. Honorius II. erhielten ſie eine eigene DOrdensregel mit weißer Kleidung, uͤber welche erſt P. Eugen III.(1445— 53) noch ein rothes Kreuz legte, und ſie, weil ſie neben dem Tempel des Herrn wohnten, Tempelbruͤder nannte. Durch Bei⸗ traͤge frommer Chriſten breitete ſich der Orden in ſol⸗ 150 cher Wichtigkeit aus, daß die Mitglieder in Syrien und anderen Laͤndern der Chriſten an Macht den Fuͤr⸗ ſten gleich geachtet, dieſe oͤfters angriffen, und allen ſtets verdaͤchtig waren. In Verbindung mit den Jo⸗ hanniterrittern kaͤmpften ſie lange ſehr tapfer gegen die Tuͤrken und Sarazenen, vertheidigtan herrlich die Angelegenheiten der Chriſten, und erwarben ſich gro⸗ ßen Ruhm, bis ſie endlich vieler Verbrechen ſchul⸗ dig, uͤberall vertilgt, und der groͤßte Theil ihrer Guͤ⸗ ter und Rechte dem Orden der Johanniter uͤbergeben wurde. Um dieſe Zeit hielt ſich auch ein gewiſſer Teut⸗ ſcher mit ſeiner Familie zu Jeruſalem auf, und uͤbte ſehr große Wohlthaͤtigkeit gegen alle Landsleute aus, welche als Soldaten oder Pilger dahin gekommen wa⸗ ren. Denn er und ſeine Frau wohnten dem Kreuz⸗ zuge K. Gottfrieds bei, und wollten ihr Leben zu Jeruſalem beendigen. Da er ſehr reich und hoͤchſt empfindſam fuͤr die Leiden ſeiner Nebenmenſchen war, ſo ſchuf er ſeine eigene Wohnung in ein Wohnhaus oder Spital fuͤr alle Teutſche um, welche weder der orientaliſchen Sprachen maͤchtig waren, noch anderswo Unterkunft fanden. Er ließ mit Bewilli⸗ gung des Patriarchen eine Mariakapelle bauen, wo ſeine Landsleute zur Andacht ſich verſammeln, und an Arme Almoſen vertheilen ſollten. Dadurch ge⸗ wann er viele teutſche Edelleute zur freiwilligen Ver⸗ bindlichkeit, daß ſie Duͤrftige naͤhren, und fromme . 151 Pilger gegen Angriffe ſchuͤtzen wollten⸗ Bald nahmen dieſelben zu an Zahl, wie an Froͤmmigkeit, Wohl⸗ thaͤtigkeit und Vermoͤgen; doch hatten ſie noch keine feſte Lebensweiſe, ſondern verbanden ſich nur mit den Spital⸗ und Dempelbruͤdern, die Unglaͤubigen zu be⸗ kaͤmpfen, und Gaſtfreundſchaft auszuuͤben. Zu Haus pflegten die Sanftmuͤthigeren Duͤrftige und Kranke, und auswaͤrts fuͤhrten die Roheren Krieg. Erſt unter K. Heinrich VI. und P. Coͤleſtin ill.(4490— 92) wurde der teutſche Orden der h. Jungfrau Maria zwiſchen den Spital⸗ und Dempelbruͤdern geſoͤndert geſtiftet, und eine weiße Kleidung mit ſchmarzem Kreuze vorgeſchrieben. Waͤhrend dieſer Vorgaͤnge zu Jeruſalem ruͤckte der tuͤrkiſche Sultan Gazi„der Fuͤrſt von Damask, Dol⸗ dequin, und jener von Arabien, Debeis, gegen Halep 1120 mit einem großen Heere vor. Der Fuͤrſt Roger von Antiochien erwartete die Huͤlfstruppen nicht, welche K. Balduin II., der Graf Joſeelin von Edeſſa, und Pontius von Tripolis ſendeten, ließ ſich vor deren Ankunft in ein Gefecht ein, wel⸗ ches hoͤchſt ungluͤcklich ausſiel. Denn nicht nur ſein ganzes Korps wurde aufgerieben, ſondern er ſelbſt fiel als Schlachtopfer, weswegen in der Folge der Ort ſeiner Lager das heilige Schlachtfeld ge⸗ nannt wurde. Allein waͤhrend das feindliche Heer ganz ſorgenlos mit Beute ſich beſchaͤftigte, kam K. Balduin II. mit ſeinen Spitalbruͤdern und ande⸗ 152 ren Truppen eiligſt herbei, richtete ſich zur Schlacht⸗ ordnung, und ersoffnete einen hartnaͤckigen Kampf, in welchem die Chriſten Tags vor Maria⸗Himmelfahrt 11420 ſiegten, waͤhrend die Koͤnige nach dem Verluſte vieler Mannſchaft die Flucht ergriffen. Leider blieben auch 100 Reiter und 700 Fußgaͤnger aus dem Chri⸗ ſtenheere auf dem Schlachtfelde. K. Balduin II. zog im Triumph in die Stadt Antiochien, und ver⸗ einigte deren Gebiet mit ſeinem Reiche. Bald darauf ſchickte er das ſiegreiche Kreuz Chriſti mit einem an⸗ ſehnlichen Gefolge unter dem Erzbiſchofe von Caͤſarea nach Jerufalem zuruͤck, bis er zu Antiochien die noͤthi⸗ gen Einrichtungen getroffen hatte. Erſt dann kehrte er auch zuruͤck, und ließ ſich mit ſeiner Gemahlin an Weihnachten in der Kirche von Bethlehem zu Jeru⸗ ſalem unter großen Feierlichkeiten als Koͤnig kroͤnen. Im folgenden Jahre ruͤckte der Sultan Gazi mit einem erneuerten Heere auf das naͤmliche Schlacht⸗ feld vor, wurde aber, waͤhrend K. Balduin 11. mit dem Grafen Joſeelin und den Grafen von Antio⸗ chien gegen ihn auszog, vom Schlage getroffen, und ſtarb; wodurch dieſer Feldzug ploͤtzlich geendigt war. Hierauf bewilligte der Koͤnig den Buͤrgern von Jeru⸗ ſalem, vorzuͤglich den Tempelbruͤdern und Johanni⸗ tern, viele Privilegien. Unter dieſen war beſonders ſchaͤtzbar, daß alle abendlaͤndiſche Eingewanderte ohne alle Abgaben ganz frei kaufen und verkaufen durf⸗ ten. Auch den Surianern, Griechen und Armeniern 153 geſtattete er mehre Freiheiten. Eben ſo vergoͤnnte er den Sarazenen, daß ſie alle Getraide und Gemuͤſe ganz frei in die Stadt zum Verkaufe bringen durften; wodurch er ſich ſehr bellebt machte. 4 Im Jahr 1122 verband ſich der Fuͤrſt Dolde⸗ quin von Damask mit dem Köͤnige der Araber, uͤberfiel die Antiochter und die Graͤnzen der Tyberia⸗ ner. Denn ſeitdem Koͤnig Balduin II. die Stadt Antiochien mit ſeinem Reiche vereinigt hatte, und ſtets zu Jeruſalem beſchaͤftigt war, blieb jene den Einfaͤllen der Feinde mehr ausgeſetzt. Doch war er met ſeinem Heere ſchneller, als man es vermuthete, angeruͤckt, und ſetzte die Feinde in ſolchen Schrecken, daß ſie ſich eilends zurüͤck zogen. Da er nicht raͤthlich bielt, ſie weiter zu veifolgen, ſo wendete er ſich gegen Garaze, das feſteſte Schloß der Damaszeuer, wel⸗ ches ſie eiſt im vorigen Jahre erbant hatten, und zer⸗ ſtͤrte es bis auf den Grund. Denn ohle viele Ko⸗ ſten und Gefahr haͤtte er es nicht behaupten koͤnnen. Kaum hatten die Chriſten wieder einige Jahre Ruhe genoſſen, ſo ruͤckte der Emir Balack mit tuͤr⸗ kiſchen Truppen an, uͤberfiel die Bewohſter von An⸗ tiochien, nahm die unvorſichtigen Grafen Joſee⸗ lin und Galeram gefangen, und warf ſie in den Kerker. Koͤnig Balduin II. ſelbſt, welcher dieſen Bedraͤngten zu Huͤlfe gekommen war, durchforſchre mit wenigen Begleirern in einer Nacht die Plaͤtze, wurde gefangen, und in den namlichen Kerker auf ei⸗ 4tes B. Paläſtina. I. 2. 3 5 154 nem befeſtigten Schloſſe gebracht. Als die Nachricht davon ſich verbreitete, verkleideten ſich s0 kuͤhne und tapfere Armenier in Moͤnche, naͤherten ſich dem Schloſſe, und verlangten Audienz bei dem Komman⸗ danten, indem ſie eine große Beſchwerde zu fuͤhren haͤtten. Nachdem ihnen dieſes bewilligt worden war, zogen ſie ihre Dolche vor, ermordeten die auf der Wa⸗ che befindlichen Soldaten, und befreiten ihre Gefan⸗ genen. Joſeelin wurde ſogleich abgeſchickt und beordert, Druppen auszuheben, und zur Verſtaͤrkung berbei zu fuͤhren. Allein die benachbarten Tuͤrken wa⸗ ren kaum von der Ermordung ihrer Glaubensgenoſſen benachrichtigt, ſo eilten ſie auf das Schloß, und hin⸗ derten den Koͤnig und ſeine Untergebenen am Wieder⸗ genuſſe der Freiheit. Balak hatte in der naͤmlichen Nacht getraͤumt, daß Joſeelin ihm die Augen aus⸗ geſtochen habe; er erſchrack daruͤber ſo ſehr, daß er ſogleich durch Eilboten den Befehl zur Enthauptung deſſelben ſchickte. Als er die unmoͤgliche Vollziehung vernommen hatte, zog er ſogleich mit Truppen gegen das Schloß, belagerte und eroberte es. Dem Koͤnig Balduin und dem Grafen Galeram ſchenkte er zwar das Leben, aber die Armenier ließ er auf ver⸗ ſchiedene grauſame Weiſe ermorden. Joſeelin hatte unterdeſſen Truppen aus Jeruſalem herbei ge⸗ fuͤhrt, und erfuhr zu Antiochien den traurigen Vorgang. Mißtrauiſch auf ſeine Kraͤfte legte er die Waffen nieder, und ließ ſeine Truppen wieder in ihre 155 Heimath zuruͤck kehren, welche den Feinden beſonders bei Aleppo großen Schaden zufuͤgten. 1. Die Gefangenſchaft des Koͤnigs Balduin II. gab dem Sultan Balak Veranlaſſung, die Eroberung von ganz Palaͤſtina zu verſuchen. Er ſammelte Trup⸗ pen aus ganz Aegypten, ruͤckte dahin vor, und hielt bei Askalon, welches noch unter tuͤrkiſcher Herr⸗ ſchaft ſtand. Gleichzeitig war eine tuͤrkiſche Flotte bei Joppe gelandet, deren Truppen die Stadt eng ein⸗ ſchloß, und zur Uebergabe aufforderte. Suſtach Gre⸗ ner, welcher unterdeſſen die hoͤchſte Gewalt zu Jeru⸗ ſalem auszeuͤbt hatte, und der Johanniter⸗Meiſter Raimund kamen mit 1000 Truppen den Belagerten zu Huͤlfe. Die Feinde wurden durch deren Anblick ſo erſchreckt, daß ſie ſich ſogleich in ihre Schiffe zu⸗ ruͤck zogen. Darauf wendete ſich Suſtach Grener mit den Seinigen gegen Askalon, wo er den Feind zur Schlachtordnung bereit fand. Er griff dieſen mu⸗ thig an, beſiegte ihn, jagte ihn in die Flucht, und erbentete alle ihre Schaͤtze. Zu gleicher Zeit kam der Doge Michgel aus Venedig mit einer Flotte an die Kuͤſten Syrien's, griff die fluͤchtigen Aegyptier zur See an, bohrte viele Schiffe in Grund, und nahm mehre weg; nur wenige ſind ihm eutſchluͤpft. Dann griff er 10 Kauffahrthei⸗ Schiffe an, welche mit allerlei Waaren gefuͤllt waren, deren Beute ſeinen Soldalen willkommen war; er la dete in Pitolumais. 156 Bald darauf ſtarb Euſtach Grener und Wil⸗ helm von Buris, der edle Fuͤrſt von Tyberias, folgte ihm in der Verwaltung des Koͤnigreichs Jeru⸗ ſalem. Deſſen Bewohner wurden durch die Ankunft der Venezianer Flotte ſo erfreut, daß ſie alle moͤgliche Gefaͤlligkeit den neuen Fremden bewieſen. Sie ver⸗ einigten ihre Kraͤfte, belagerten im Maͤrz 1423 die durch eine hohe Citadelle gedeckte und gut befeſtigte Stadt Tyrus, und ſetzten viele große Maſchinen an. Die Belagerten kaͤmpften ſehr hartnaͤckig, und lei⸗ ſteten kraͤftigen Widerſtand. Unterdeſſen hatte der Emir Balak die Stadt Hierapolis eingenom⸗ men, und deſſen Fuͤrſten ungeachtet ſeiner verſproche⸗ nen Sicherheit enthauoten laſſen. Da Joſeelin den Feind immer naͤher ſah, ſo zog er ſo viele Trup⸗ pen zuſammen, als er konnte, und machte einen un⸗ vermutheten Angriff auf Balak's Heer, traf dieſen ſelbſt zufaͤlliger Weiſe, durchbohrte ihn, und hieb ihm den Kopf vb. Dadurch wurden ſeine Soldaten, wel⸗ che Tyrus belagerten, ſo ermuntert, daß ſie alles verſuchten, beſonders weil die Spitalbruͤder die uͤbri⸗ gen durch ihr muthiges Beit el ufforderten. So wurden die Buͤrger endlich durch Hunger und Schwert zur Uebergabe im Juli 4424 gendoͤthigt, bei welcher kaum 5 Gemaͤße Getraid mehr uͤbrig waren. Nach einem ſchon vorher abgeſchloſſenen Vertrage wurden zwei Theile der Stadt dem Koͤnige, und der dritte den Venezianern eingeraͤumt. 157 Im naͤmlichen Jahre erlangte Koͤnig Balduin ll. nach 18 monatlicher Gefangenſchaft ſeine Freiheit wie⸗ der, welche er durch 100,000 Michgeliten(eine da⸗ mals gangbare Muͤnze mit dem Bilde der griechiſchen Kaiſer) erkaufte. Bald darauf verband ſich Borſe⸗ guin mit dem ßFuͤrſten Doldoquin von Da⸗ mask, um das Gebiet von Antiochien wieder zu verheeren. Als Koͤnig Balduin II. dieſes wahr⸗ nahm, zog er mit den Johannitern und ſeinen uͤbri⸗ gen Soldaten dem Feinde entgegen, ſchlug ihn, und machte ſo viel Beute, daß er damit ſogar die Geiſel, welche er fuͤr ſeine Befreiung uͤbergeben hatte, ausloͤſen konnte. Dann fiel er auch in das Gebiet des Fuͤrſten von Damask, und verheerte einige ſeiner Staͤdte; ſelbſt die Bewohner von Askalon, welche vor eini⸗ gen Jahren Jeruſalem zu beunruhigen wagten, machte er geſchmeidiger. Im Jahr 1126 ſammelte er wieder ſeine Truppen und uͤberfiel den Fuͤrſten von Damask, welchen er unter Zerſtoͤrung einiger Schloͤffer beſiegte. Bei die⸗ ſem Sturme wurde Borſeauin von ſeinen eigenen Leuten ermordet. Als der junge Boamund das 18te Jahr erreicht hatte, verlangte er vom Koͤnig Balduin II. fein ererbtes Fuͤrſtenthum Antiochten; er erhielt nicht nur dieſes, ſondern auch die Tochter Aliſa oder Halix zur Gemahlin. Seine erſte Probe von Muth und Tapferkeit legte er bei der Eroberung des Flek⸗ 158 kens Kapharnaum ab, welchen die Feinde ſeinen Voraͤltern abgenommen hatten. Spaͤter entwickelten ſich zwiſchen Boemund und Joſcelin dem Ael⸗ teren ſo große Zwiſtigkeiten, daß Koͤnig Balduin II. hinzu eilte, dieſelben zeitig noch durch den Beirath kluger Maͤnner zu unterdruͤcken. Bisher hatte Dyrus noch keinen Biſchof, un⸗ geachtet es bereits vier Jahre von Chriſten beſeſſen war. Dieſe ernannten Wilhelm aus England zum Erzbiſchofe, welchen der Patriarch Guaremund von Jeruſalem einſegnete, und P. Honorius II. beſtaͤtigte. Bald darauf ſtarb Guaremund, an deſ⸗ ſen Stelle der Abt Stephan und St. Johann de Valea aus Chartres ernannt wurde. Nachdem dieſer eingeſegnet war, erhob er ſehr ſchwierige Fra⸗ gen gegen den Koͤnig, und verlangte die Stadt Joppe zu einem Bisthum der Auferſtehung Jeſu. Nach der Einnahme von Askalon behauptete er ſogar, auch die Stadt Jeruſalem ſey dieſem Bisthum zuge⸗ fallen. Die durch dieſe Anmaßungen entſtandenen Streitigkeiten mit Koͤnig Balduin II. haͤtten ſehr uͤble Folgen haben koͤnnen, wenn der Patriarch nicht ſchon nach zwei Jahren geſtorben, oder vergiftet wor⸗ den waͤre. Im Jahr 1130 kam der Graf Hugo de Paga⸗ nis, erſter Meiſter der Dempelherren, mit vielen Menſchen aus Frankreich zuruͤck, wohin er ſich auf Befehl des Koͤnigs Balduin's II. wegen Huͤlfs⸗ 159 Truppen begeben hatte. Mit dieſen wagten die ver⸗ buͤndeten Fuͤrſten Paraͤſtinen's ſogleich die Stadt Da⸗ mask einzuſchließen; allein ſie wurden theils vom Feinde zuruͤck geſchlagen, theils litten ſie durch ein großes Ungewitter großen Schaden. Auch Boe⸗ mund wurde auf der Ruͤckkehr von Tuͤrken, welche die Bewohner Antiochieus uͤberfielen, getoͤdtet. Sobald Koͤnig Balduin II. dieſes vernommen hat⸗ te, eilte er mit ſeinen Truppen nach Antiochien, und wurde von den Buͤrgern, gegen den Willen ſeiner Cochter, freudig aufgenommen. Die verdraͤngte Wit⸗ we des Herzogs Boemund wmar froh, im Beſitze der Staͤdte Laodizea und Gabel zu bleiben. Erſt nachdem der Koͤnig einige Vormuͤnder und Regie⸗ rungsverweſer fuͤr deren unmuͤndige Tochter Kon⸗ ſtanz ernannt hatte, uͤbergab er dieſer das Fuͤrſten⸗ thum Antiochien. In der Hoffnung, alles beſtens geordnet zu haben, kehrte er dann mit ſeinen Truppen nach Jeruſalem zuruͤck. Waͤhrend dieſer Ereigniſſe in Syrien, bereitete ſich der s0jaͤhrige Graf Fulko le Rechin, Sohn des Grafen Gottfried von Chateau Landon, nach dem Tode ſeiner erſten Gemahlin Sibylla, einer gebornen Graͤfin von Maine, 1421 zur Reiſe in das gelobte Land. Als er ſchon ſeine Vermoͤgens⸗ Angelegenheiten ordnete, kamen Abgeordnete des Koͤ⸗ nigs Balduin II. mit dem Antrage, er moͤge deſſen aͤlteſte Tochter Meliſenda oder Meluſſing ehe⸗ 160 lichen, die Erbſchaft des Koͤnigreiches, im Falle er den Koͤnig uͤberleben ſollte, zur Mitgabe nehmen, bis dahin aber ſich mit dem Beſitze der Staͤdte Tyrus und Ptolomais begnuͤgen. Fulko nahm keinen An⸗ ſtand, in dieſe Bedingungen mit der Dochter einzuwil⸗ ligen. Nach 3 Jahren ſchon wurde Koͤnig Balduin II. gefaͤhrlich krank; da er ſelbſt fuͤhlte, daß ſein Tod herannahe, ſo ließ er ſich in die Wohnung des Pa⸗ triarchen Wilhelm bringen, weil ſie dem Tempel der Auferſtehung Jeſus naͤher war. Daſelbſt verſam⸗ melte er um ſich ſeinen Schwiegerſohn Fulko, und deſſen Gemahlin nebſt deren Sohn Balduin, den Patriarchen, einige Fuͤrſten, und die Ordens⸗Meiſter, uͤbertrug ihnen die volle Regierunsgewalt, ertheilte wie ein frommer Vater den Segen, und ernannte Fulko zu ſeinem Nachfolger. Er ſelbſt legte ein Moͤnchskleid an, und verlobte ſich dieſem Stande fuͤr den Fall, daß er laͤnger leben ſollte; allein ſeine Krankheit war unheilbar, und er verſchied im Sep⸗ tember 1131. Er wurde mit koͤniglicher Pracht an den Platz Golgatha unter dem Kalvariberge, neben ſeinen Vorgaͤngern, begraben. Er hinter.ieß 4 Toͤch⸗ ter, naͤmlich: Meluſſina, Halix, Aldeadra oder Hodierna, Gemahlin des Grafen Raim und von Toulouſe und Tripolis, und Lieſſa, wel⸗ che Nonne geworden iſt. Faſt gleichzeitig mit ihm ſtarb auch der Fuͤrſt Jo ſcelin von Antiochien, welcher jeinen Sohn als Erben des Fuͤrſtenthums hinterließ. 161 Nach der Leiche verſammelten ſich die Großen des Reiches, und ernannten Fulko einſtimmig zum Ko⸗ nige, worauf er auch im Oktober vom Patriarchen Wilhelm gekroͤnt wurde. Bald nach dem Antritte ſeiner Regierung kam er in eine Fehde mit dem ihm verwandten Grafen Pontius von Tripolis, wel⸗ cher die Wittwe Boamunds in ihrem Streben nach dem Fuͤrſtenthume, von welchem ſie wegen ihrer aͤußerſten Grobheit und Hartnaͤckigkeit durch ihren Vater ausgeſchloſſen war, unterſtuͤtzte. Denn als Koͤ⸗ nig Fulko ſich zu den Antiochiern begeben wollte, ſuchte jener mit bewaffneter Mannſchaft dieſes zu ver⸗ hindern. Allein er bemuͤhte ſich vergebens: denn der Koͤnig ſchlug ſeine Feinde in die Flucht, und uͤbergab die Verwaltung des Fuͤrſtenthumes einem gewiſſen Reinald. Unterdeſſen errichteten die Großen von Jeruſalem auf dem Wege nach Lidda ein befe⸗ ſtigtes Schloß aus guten Steinen, und nannten dieſe Schutzwehre der reiſenden Fremden das Schloß Ar⸗ nald's. Denn daſelbſt drangen die Bewohner von Askalon aus Bergſchluchten hervor, und machten den Durchzug ſehr gefaͤhrlich. Von nun an aber war der Weg nach Jeruſalem viel ſicherer ge⸗ worden. Nicht lange hernach hatte Fulko einen andern Kriegszug fuͤr die Antiochier, welcher viel gluͤcklicher war. Denn da ſie von perſiſchen Tuͤrken beunruhigt wurden, ſo zog der Koͤnig mit den Ordens⸗Meiſtern 1 162 und deren Truppen kraͤftig entgegen, und uͤberfiel ſie ſo unvermuthet, daß ſie fliehen, und ſogar ihre hoͤchſt koſtbaren Laer zuruͤck laſſen mußten. Zu jener Zeit 1134 rieth der Koͤnig und die Großen zur Vereheli⸗ chung des Grafen Raim und von Luſignan oder Poiton mit Konſtanz, der Tochter und Erbin des Fuͤrſten von Antiochien. Als Abgeordneter fuͤr dieſe wichtige Verbindung war der Johanniter⸗ Ritter Gerald Zebert nach Frankreich gereiſt. Die Vollziehung dieſes Wunſches gelang ſo gluͤcklich in der Heimlichkeit, daß weder die Mutter der Braut Konſtanz, noch der Hertog Roger von Apulien, welcher als Blutsverwandter Boamun d's ein Erb⸗ recht auf das Fuͤrſtenthum zu haben vorgab, etwas da⸗ von erfuhr, noch dem Raimund auf ſeiner Reiſe nach Antiochien ein Hinderniß ſetzen konnte. Nachdem dieſes Werk vollendet war, kehrte Koͤnig Fulko wieder in ſeine Reſidenz zuruͤck. Gegen das Jahr 113 ſtarb der erſte abendlaͤndiſche Erzbiſchof Beruard von Antiochien, welcher die⸗ ſes Amt 36 Jahre verſehen hatte. Ihm folgte Ra⸗ dolph der Normann, welcher durch ſeine aus⸗ ſchweifende Lebensweiſe viele Unruhen im Morgen⸗ lande veranlaßte, und die uͤbrigen Kirchenvorſteher mit großer Verachtung behandelte. Der gleichzeitige Tod P. Honoriusll., die Wahl P. Innocenz Il. deſſen Krieg mit dem Herzoge Wilhelm von Ka⸗ labrien, und deſſen Streit mit dem Afterpapſt 163 Anaclet, twar den Chriſten im Morgenlande ſehr nachtheilig. un bei dem Mangel frommer Biſchoͤfe und Merlhe aat Unterſluͤtzung, mußten ſie den Un⸗ glaͤubigen oͤfters weichen, und konnten ſich nur auf die Vertheidigung der befeſtigten Plaͤtze einſchraͤnken. 4. Dem Koͤnig Fulko wurde auch noch durch einheimiſche Unruhen das Leben verbittert. Der Graſ Hugo von Joppe naͤmlich machte ſich und ſeine Gefaͤhrten der Verſchwoͤrung und anderer Verbrechen ſchuldig. Da er ſich weigerte, ſich durch einen Zwei⸗ kampf mit ſeinem Stiefſohne zu reinigen, ſo wurde er abweſend nach einhaͤlliger Stimme verurtheilt. In dieſer Verlegenheit ließ Hugo ſich den uͤblen Nath ertheilen, ſich mit den Chriſten⸗Feinden zu As⸗ kalon zu vereinigen. Dieſe nahmen daraus Veran⸗ laſſung, die Bewohner von Jeruſalem zu beun⸗ ruhigen, und ihre Felder zu beſchaͤdigen. Koͤnig Fulko zog ſeine Truppen zuſammen, und belagerte Joppe, wo Hugo verſteckt war. Unterdeſſen ſchloß Tegel⸗ melud von Damask die Stadt Paneas ein, eroberte ſie, ehe der Koͤnig zur Huͤlfe kommen kannte, und vereinigte ſie mit ſeinem Gebiete, nachdem er viele Einwohner in die Selaverei abgefuͤhrt hatte. Da der Patriarch Wilhelm und die uͤbrigen Groſ⸗ ſen der Chriſten ſahen, daß aus ihrem perſoͤnlichen Zwiſte ihrem allgemeinen Beſten großer Abbruch ge⸗ ſchah, und ihre aͤußeren Feinde viele Vortheile zogen, ſo ſuchten ſie als Vermittler zwiſchen dem Koͤnige und 164 Grafen Hugo die Eintracht wieder herzuſtellen, wel⸗ che auch ſpaͤter erfolgte. Unter mehren Bedingungen war feſtgeſetzt, daß Hugo auf 3 Jahre auswanderte, und nach dieſen ſeine Grafſchaft wieder erhielte. Er begab ſich nach Apulien, wo Koͤnig Roger ihm die Grafſchaft Gargar verlieh; er kehrte aber nach Syrien nicht mehr zuruͤck, ſondern ſtarb bald in ſeiner neuen Grafſchaft. Bald darauf zog der Fuͤrſt Bezenges von Da, mask mit ſeinem Heere uͤber die Graͤnzen von Tri⸗ polis. Der Graf Pontius ging ihm zwar mit ſeinen Truppen entgegen, wurde aber bei dem Schloſ⸗ ſe, welches der Fremdenberg hieß, geſchlagen, gefan⸗ gen, und umgebracht, weil die Syrier ihn zu erken⸗ nen gaben. Er hinterließ einen Sohn Raim und, welcher ſein Erbe und Nachfolger in der Grafſchaft geworden iſt. Dieſer wollte eine Probe ſeiner Tapfer⸗ keit ablegen, und nahm ſich mit vielem Edelmuthe und beſonderem Gluͤcke Rache fuͤr den Tod ſeines Va⸗ ters. Er wurde vom Spitalbruder Gerald Zebert nach Antiochien gefuͤhrt, wo er Konſtauz als Erbin des Fuͤrſtenthumes, die Staèdt und das dazu gehoͤrige Gebiet in ſeine Gewalt nahm wodurch große Unruhen in jenem Theile Syrien's entſtanden. Denn der griechiſche Kaiſer Johann war eben mit Trup⸗ pen gegen Antiochien aufgebrochen, und behaup⸗ tete, dies ſey in ſeine Gerichtsbarkeit gefallen. Er nahm vorerſt Tarſus, die Hauptſtadt von Cili⸗ 165 eien gewaltſam hinweg, hatte bald deren ganzes Ge⸗ biet beſetzt, eilte gegen Antiochien, und ſchloß die Siadt ein. Da die Angelegenheiten der Chriſten in Syrien zu dieſer Zeit in der hoͤchſten Gefahr waren, ſo fanden die Großen ſehr raͤthlich und bemuͤhten ſich, daß zwiſchen dem Kaiſer der Griechen und dem Her⸗ zoge der Friede hergeſtelt wurde. Dieſer wurde auch unter der Bedingung genehmigt, daß der Herzog den Kaiſer demuͤthig bat, ihm ſein Gebiet als Lehen wie⸗ der zu uͤbergeben Nachdem dieſes alles vollzogen war, kehrte der Kaiſer nach Tarſus zuxuͤck, hielt Winter⸗ Quartier, und kam dann geſund nach Konſtan⸗ tinopel mit ſeinem Heere. Bald hernach zog der tuͤrkiſche Sultan San⸗ guin wieder in die Grafſchaft TCripolis, und ſchloß deren Burg enge ein. Koͤnig Fulko wollte den Be⸗ lagerten zu Huͤlfe kommen, ſchlug ſich aber ſehr un⸗ gluͤcklich mit dem Feinde: denn er verlor ſeine ganze Mannſchaft, und war froh, ſich noch in das Bergſchloß fluͤchten zu koͤnnen, nachdem der Graf von Tripo⸗ lis gefangen war. Die Barbaren belagerten das Schloß ſehr hartnaͤckig, und verſetzten deſſen Einwoh⸗ ner in die groͤßte Hungersnoth. Bereits war jeder genießbare Gegenſtand verſchlungen, auch alle Pferde, welche der Koͤnig und deſſen Gefaͤhrten in die Burg zuruͤck gebracht hatten, aufgezehrt. In dieſer Ver⸗ zweiflung forderte der Koͤnig die Großen von Jeruſa⸗ lem und die militaͤriſchen Ordens⸗Meiſter nebſt den 166 benachbarten chriſtlichen Fuͤrſten zur Huͤlfe auf. Man ſammelte ſchnell alle ſtreitbare Mannſchaft, nahm das Kreuz Chriſti, und zog auf dieſe Weiſe dem Feinde entgegen. Kaum hatte Sanguin von dieſer außer⸗ ordentlichen Anſtrengung der Chriſten Nachricht er⸗ halten, ſo bot er ſelbſt den Belagerten Frieden an, und verſprach, daß er gegen die Uebergabe der Burg nicht nur allen, welche darin ſich befaͤnden, das Leben ſchenken, ſondern auch den Grafen Raimund von Tripolis nebſt den uͤbrigen Gefangenen frei laſſen wollte. Die Belagerten freuten ſich uͤber dieſe unver⸗ muthete Großmuth ihres Feindes, nahmen die Bebin⸗ gung gerne an, und ſchloßen ſo den Frieden von bei⸗ den Seiten. Unterwegs begegnete der Koͤnig den Huͤlfstruppen der Chriſten; er dankte fuͤr ihre Bereit⸗ willigkeit, und kehrte mit ihnen nach Jerufalem zuruͤck. Leider hatte aber waͤhrend dieſer harten Be⸗ lagerung der tuͤrkiſche Sultan Bezenges oder Be⸗ zeuge von Damask die huͤlfloſe Stadt Neapel in Syrien mit Feuer und Schwert verheert. Im Jahr 1138 zog Koͤnig Fulko mit ſeinem Schwiegerſohne, dem Grafen Theoderich von Flan⸗ dern, welcher aus Religionseifer nach Jeruſalem gekommen war, und mit einigen Truppen aus, eine feindliche Burg an der Graͤnze der Ammoniten naͤchſt dem Berge Galaad zu belagern, wo Diebe und Raͤuber gewoͤhnlich ſich aufhielten. Waͤhrend das Heer der Chriſten daſelbſt verweilte, benutzten die Tuͤrken dieſe Gelegenheit, uͤber den Jordan zu ſetzen, die Stadt Toena zu benfe allen, und alle Einwohner der⸗ ſelben zu toͤdten oder gefangen abzufuͤhren. Der Or⸗ dens⸗Meiſter der Tempelbruͤder, Robert von Bur⸗ gund, welcher zu Jeruſalem geblieben war, vereinigte ſich mit einigen Bruͤdern und Johannitern, und eil⸗ te ſchnell auf die bedraͤngte Stadt zu, wobei Ber⸗ nard Vathel die Fahne trug. Ails die Feinde die⸗ ſes erfuhren, nahmen ſie die Flucht, und begaben ſich gegen Askalon. Die Chriſten waren unvorſichtiger Weiſe mehr auf die hinterlaſſene Beute bedacht, ſtatt daß ſie die Feinde verfolgen und toͤdten ſollten. So⸗ bald die Tuͤrken dies durch Spione vernahmen, ſam⸗ melten ſie ſich ſogleich, uͤberfielen die Chriſten ganz unvermuthet, toͤdeten die Zerſtreuten, richteten bei ge⸗ ringem Widerſtande ein ſchreckliches Blutbad an, und blieben Sieger. Die chriſtlichen Fluͤchtlinge zogen durch unwegſame enge Paͤße, und wurden theils durch die feindlichen Pfeile getoͤdtet, theils von hohen Fel⸗ ſen hinab geworfen. Nachdem die Tuͤrken einen ſo vollen Sieg mit vieler Beute errungen hauten⸗ kehr⸗ ten ſie nach Askalon zuruͤck. Als der Koͤnig und die uͤbrigen Großen, Welche bei der Belagerung der Burg verweilten, dieſen Ver⸗ luſt erfuhren, wurden ſie unendlich nieder geſchlagen. Doch ſtrengteu ſie ſich noch mehr an, eroberten dieſelbe nach einigen Tagen, und kehrten im Criumphe nach ihrer Heimath. 168 Der unruhige Fuͤrſt Sanguin belaͤſtigte nicht nur fortwaͤhrend die Chriſten, ſondern bekriegte auch, nachdem er immer gluͤcklicher war, den Fuͤrſten von Damask. Dieſer machte dem Koͤnig von Jeruſalem die anziehendſten Verſprechen, unter andern die mo⸗ natliche Verguͤtung von 20,000 Goldgulden, die Ruͤck⸗ gabe der Stadt Paneas, und die Ueberlieferung der Soͤhne ſeiner Großen als Geiſel fuͤr die treue Erfuͤl⸗ lung ſeiner Verſprechen, wenn er mit ſeinen Trup⸗ pen ihn gegen Sanguin unterſuͤtzen wuͤrde. Dieſe Stadt hatte zwar der Fuͤrſt Doldeauin vor einigen Jahren gewaltſam erobert; allein der von ihm er⸗ naunte Sultan wurde untren, und Anhaͤnger Sau⸗ guin's. Koͤ ig Fulko berathete ſich daruͤber mit ſeinen Großen, ſeudete nach deren Einnimmung Huͤlfs⸗ Truppen, welche vom Damaszener Befehlshaber Amard bei der Stadt Mara ſehr gut aufgenom⸗ men wurden. Der ſchlaue Sanguin ſah wohl ein, daß er gegen das verbandete Heer nichts ausrichten wuͤrde; er zog ſich alſo zuruͤck. Daſſelbe umſchloß die Stadt Paneas, und belagerte ſie mit vielen Ma⸗ ſchinen. Die Belagerten leiſteten kraͤftigen Wider⸗ ſtand, und ſuchten ihre Freiheit, ihre Weiber und Kinder beſtens zu vertheidigen. Da aber unterdeſſen auch der Fuͤrſt Raimund von Antiochien, und der Graf von Tripoli mit einem Truppenkorps zur Belagerung ſich anſchloßen, ſo geriethen die Einwohner in Verzweiflung, uͤbergaben die Stadt, 1690 und baten ſich blos einen freien Abzug mit ihren Haus⸗ geraͤthen aus. Die Stadt wurde dann wieder dem Rainer Bras zuruͤck gegeben, welchem ſie vor eini⸗ gen Jahren gewaltſam entriſſen ward. Waͤhrend die Chriſten mit dieſer Belagerung beſchaͤftigt waren, landete der paͤpſtliche Geſandte und Biſchof Amalrich 1140 bei Sydon in der Abſicht, den Zwiſt zwiſchen dem Patriarchen und den Stiftsherren von Antio⸗ chien beizulegen. Da dieſer von der Unternehmung der Chriſten bei Paneas hoͤrte, ſo begab er ſich 4, dahin; begleitete dann den Koͤnig Fulko nach J ruſalem, und reiſte nach Antiochien. Waten Patriarch Radolph war beſchuldigt, daß er ſeine Kirche ganz ſelbſtſtaͤndig und unabhaͤngig von der roͤ⸗ miſchen betrachtet wiſſen wollte, indem Petrus da⸗ ſelbſt fruͤher als zu Rom geweſen ſey. Da man ſich uͤber die wechſelſeitigen Forderungen nicht vereinigen konnte, ſo begab ſich Radolph nach Rom, fuͤgte ſich in den Willen des Papſtes, legte ſeinen Eid des Gehorſames ab, und kehrte auf ſeinen Sitz zu⸗ ruͤck. Spaͤter machte er neue Uuruhe, weßwegen er ſeines Amtes entſetzt wurde; er begab Ven wieder nach Rom, und erlangte die paͤpſtliche Gnade; allein auf der Ruͤckreiſe wurde ihm Gift beigebracht, woran er geſtorben iſt. 3 Nachdem der paͤpſtliche Geſandte Angelegenheiten des Papſtes u A ordnet hatte, begab er ſich nach Jer 4tes B. Paläſtina I. 2. Amalrich alle ntiochien ge⸗ Aſalm⸗ feierte 170 die Oſtern, und weihte zugleich den Tempel des Herrn feierlich ein. Hierauf hielt er mit den Kir⸗ chenvorſtehern von ganz Syrien eine Verſammlung zu Sion, welcher auch der Patriarch von Arme⸗ nien, Kappadozien, Medien, Perſien, mit dem Bei⸗ namen Catholicus,*) beiwohnte. Daſelbſt wurde uͤber viele Glaubensgegenſtaͤnde verhandelt, worin die armeniſche Kirche von der roͤmiſchen ſich unterſchei⸗ det. Sobald alle dieſe Angelegenheiten geordnet, und die drei militaͤriſchen Orden zu Jeruſalem beſtaͤtigt waren, kehrte der Geſandte nach Rom zuruͤck. Im Verlaufe von 4 Jahren hatte der griechiſche Kaiſer Johann ſeine Kraͤfte wieder geſammelt, drang in Syrien ein, und ruͤckte gegen Antiochien vor. Da die Buͤrger ihm den Einzug verſagten, ſo zog er ſich nach Cilicien zuruͤck, um an den Seekuͤſten von dem ungeſtuͤmmen Winter weniger zu leiden. Im Fruͤhlinge wohnte er einer Jagd bei, auf welcher ein Baͤr von Hunden ergriffen wurde. Er beeilte ſich, ihn durch einen vergifteten Pfeil zu toͤdten, ver⸗ wundete ſich ſelbſt, und mußte bald darauf ſterben. Deun den Aerzten, welche jhm das Abhauen der Hand riethen, antwortete er:„es ſey unanſtaͤndig⸗ das roͤmiſche Reich unr mit Einer Hand zu regieren.“ In der Regierung folgte ihm Emanuel der Juͤngere, *) Catholieus, oder allgemein hieß er, weil mehr als 1000 Biſchoͤfe ihm untergeordnet waren 171 welcher ſeine Truppen nach Konſtantinopel zu⸗ ruͤck fuͤhrte, und die Chriſten dadurch von einer gro⸗ ßen Gefahr befreite. Da Koͤnig Fulko in den beiden Burgen Ber⸗ ſabea und Hipolis einen kraͤftigen Schutz gegen die ſtolzen Askaloniten erkannte, ſo beſchloß er die Errichtung einer dritten, damit er die feindliche Stadt einſchuͤchtern, und in Schrecken verſetzen koͤnnte. Nachdem er ſich mit den Großen des Reichs berathen hatte, bemuͤhten ſich im naͤchſten Fruͤhlinge alle Hand⸗ werksleute des Stammes Simeon, 8 Meilen von Simeon auf einem hohen Berge ein fehr feſtes Schloß aus Quadern zu errichten, von welchem eine herrliche Ausſicht auf die Stadt ſich eroͤffnete. Sie er⸗ hielt den Beinamen der weißen Hoͤhlen. Der Koͤnig verſah ſie mit Mannſchaft und Waffen, und uͤbergab ſie den kriegserfahrnen Johanniter⸗Bruͤdern zur Bewachung. Deswegen ermahnten anch die Be⸗ wohner von Askalon den Koͤnig von Aegypten, er moͤge ſeiner bedraͤngten Stadt zur Huͤlfe kommen. Die Koͤnigin Meluſſfina hielt in Bethania eine lange Berathung, in Folge welcher das Schloß Lazarus in ein Nonnenkloſter verwan delt wurde. Dieſem uͤbergab ſie den Flecken Jericho, auf der Ebene des Fluſſes Jordan, mit vielen andern Guͤ⸗ tern und Doͤrfern, und bewilligte ihm die Ehre, daß es keinem andern Manns⸗ oder Nonnenklaſter unter⸗ geordnet ſeyn ſollte. 172 — In jener friedlichen Zeit hielt ſich Koͤnig Fulko mit ſeiner Gemahlin im Fruͤhlinge zu Ptolemais auf. Letztere wollte eben in dem reich bewaͤßerten Wieſengrunde luſtwandeln; auch der Koͤnig nahm ſich vor, ſich mit ſeinen Hoͤflingen dahin zu begeben. Voruͤber gehende Knaben jagten eben einen Haſen aus dem Lager, welchen das einſtimmige Geſchrei aller Anweſenden verfolgte. Der Koͤnig ergriff ſeinen De⸗ gen, lief ihm haſtig nach, und ermuͤdete ſich ſo ſehr, daß er endlich zur Erde ſank, und ſich den Kopf ſo zerſchlug, daß das Gehirn und Blut durch die Naſe und Ohren drang. Seine Begleiter liefen zwar eilig hinzu; allein ſie fanden ihn faſt leblos, und jede Huͤlfe ſchien vergeblich. Unter vielen Thraͤnen lieferten ſie ihn zur Stadt, wo er ſtammelnd noch 3 Tage ſein Leben fortſchleppte, aber am 13. November 14142 im eilften Jahre ſeiner Regierung erbleichte. Sein Leich⸗ nam wurde nach Jeruſalem gebracht, und in der Kirche des Grabes des Herrn am Fuße des Kalvari⸗ Berges mit koͤniglicher Pracht neben ſeinen Vorgaͤn⸗ beerdigt. 1 ſeiner letzten Gemahlin M eluſſina hatte jaben gezeugt, wovon Balduin erſt 13, Amalrich Jahre zaͤhlte. Erſterer wurde alſo zum Nachfolger mit dem Namen Koͤnig Balduin III. ern annt, und nebſt ſeiner Mutter, als Reichs⸗Ver⸗ eſerin, an Weihnachten zu Jeruſa lem hoͤchſt teier ich gekroͤnt. In dieſer Zeit benutzte der Emir 1 K 727 173 Sanguin die Spannung zwiſchen den Fuͤrſten von Edeſſa und Antiochien, die beruͤhmte Chriſten⸗ ſtadt Edeſſa zu uͤberfallen, und eroberte ſie endlich durch unterirdiſche Gaͤnge mit großer Grauſamkeit gegen die Chriſten. Einige ſchrieben dieſes Ungluͤck den Spaltungen zwiſchen dem Fuͤrſten Raimund von Antiochien und dem gerade abweſenden Grafen Joſeelin zu, welche noch nicht gedaͤmpft waren; andere dem Erzbiſchofe Hugo zu Autio⸗ chien. Denn da dieſer große Schaͤtze aufgehaͤuft hatte, womit er die Soldaten haͤtte belohnen und die Stadt retten koͤnnen, ſo wollte er doch lieber ſein Geld erhalten, als den Untergang des Volkes hem⸗ men. Er wurde aber zur Flucht genoͤthigt, auf wel⸗ cher er von dem Flußwaſſer verſchlungen wurde. Durch dieſen Sieg wurde Sanguin ermuntert, auch Cologembat als die naͤchſte Stadt zu bela⸗ gern: allein Nachts war er einmal vom Weine be⸗ taͤubt, und wurde von ſeinen Verſchnittenen durch⸗ bohrt, wodurch die Belagerung ſich aufloͤßte; das vaͤ⸗ terliche Reich Aleppo ging an den Sohn Nora⸗ din uͤber, deſſen Bruder Kotebin erhielt Mofur und Aſſyrien. Koͤnig Balduin III. brachte im erſten Jahre ſeiner Regierung die Burg Zofal oder Sobal in Syrien jenſeits des Jordans, welche die Tuͤrken be⸗ ſetzt hatten, wieder in ſeine Gewalt, und befeſtigte ſie gut; dann zog er ſich in die Stadt Jeruſalem zu⸗ 124 ruͤck. Im folgenden Jahre wollte er einen gewiſſen Stantain, welcher als Gouverneur der Stadt Boſtra vom Fuͤrſten zu Damast verdraͤngt war, wieder in ſein Amt einſetzen; allein die Sache nahm einen ſchlimmen Ausgang. Denn die Truppen, wel⸗ che zur Eroberung der Stadt gekommen waren, ſind durch Hunger, Durſt und andere Beſchwerden einer langen Reiſe ganz erſchoͤpft geweſen; ſie konnten alſo die Stadt nicht erobern. Auch ſind ſo viele Duͤrken zu deren Vertheidigung herbei gekommen, daß die Chriſten ſich kaum mit heiler Haut zuruͤck ziehen konnten. Denn auf ihrer Ruͤckkehr hielt ſie Nora⸗ din, der Schwiegerſohn des Koͤnigs von Damask auf, und ſuchte ſie an der Fortſetzung ihres Weges zu hindern. Allein Koͤnig Balduin III. oͤffnete ſich und den Seinigen durch das Schwert den Weg, und ſo kamen ſie nach vielen Strapazen erſt in ihre Hei⸗ math. Alle bejahrte Chriſten verſicherten, daß ſie von der Zeit der Einnahme Jeruſalems keinen be⸗ ſchwerlicheren Feldzug im Morgenlande hatten. Unterdeſſen riefen die Chriſten zu Edeſſa, da die Beſatzungstruppen durch die von Noradin ſtets unterhaltenen inneren Unruhen ſich verminderten, und dafuͤr die Zahl der Buͤrger zunahm, den Grafen Joſce⸗ lin zuruͤck, und ließen ihn Nachts in die Stadt ein⸗ ruͤcken. Die Burgen innerhalb der Stadt wurden von dahin gefluͤchteten Tuͤrken beſetzt, als man alle ihre Glaubensgenoſſen in der Stadt nieder zu hauen ſuchte. ————— . 175 Norrdin hatte kaum die Verhaͤltniſſe wahrgenom⸗ men, ſo zog er ſo viele Truppen zuſammen, als er konnte, und ſchloß die Stadt ein. Die Buͤrger faßten in dieſer Verlegenheit den Entſchluß, eher das Aeußerſte zu wagen, als ihre Stadt an die gereizten Feinde zu uͤbergeben; beſonders da auch noch Be⸗ ſatzungttruppen in den inneren Burgen waren. Sie waͤhlten alſo die Entſcheidung durch das Schwert. Sie zogen haufenweiſe aus der Stadt, und griffen die Feinde an; allein dieſe empfingen ſie hoͤchſt unbarm⸗ herzig, and hieben ohne Ruͤckſicht auf Geſchlecht oder Alter, Ale nieder. Der Graf Joſeelin ſelbſt konn⸗ te ſich nur mit Wenigen uͤber den Euphrat durch die Flucht retien, und zog ſich nach Samoſate zuruͤck. Um dieſe Zeit 1445 ſtarb der Patriarch Wil⸗ helm von Jeruſalem*), an deſſen Stelle der Erzbiſchof Fulcher von Tyrus ernannt wurde. Am Feſte der drei Koͤnige war zu Jeruſalem ein fuͤrchterliches Gewitter, und der Blitz ſchlug in die Kirche der Begraͤbniß Jeſu und des Berges Sion. Auch wurde ein Komet viele Tage wahrgenommen; woraus man auf viel Ungluͤck ſchloß, welches den Chriſten drohte. *) Guilelmus Tyrius a. 1145. Lib. XVI. ˖— VI. Kreuzzug König Konrads III. von Teutſchland und Kaiſer Ludwigs VII. von Frankreich 1146*. Laͤngſt war die Nachricht von dem ſteten Kampfe der Chriſten mit den umliegenden Tuͤrken im Morgenland durch ganz Europa verbreitet, und hatte die innigſte Theilnahme erregt. Die beiſpielloſe Grauſamkeit, welche an den Buͤrgern von Sdeſſa veruͤbt worden war, hatte alle Bewohner der Abendlaͤnder erſchuͤt⸗ tert. Ju der verzweiflungsvollſten Lage ſandten die dortigen Ehriſten die dringendſten Bitten um Huͤlfe nach Europa; der Biſchof Hugo von Gabel machte zu Rom die jammervollſten Schilderungen. t *) Ottonis, Episc. Frising., chronicon ab orbe condito ad sua usque tempora. Basil. 4569. fol. Histoire de France par Daniel; Tome III.— Guilelmus Tyrius, Lib. 5— 16.— Ba- ronii annales ecclesiastici ad A. 1145— 48. 177 Koͤnig Ludwis VII. von Frankreich hegte laͤug⸗ ſtens die ſtille Sehnſucht, das Geluͤbde ſeines Bru⸗ ders Philipp, einen Kreuzzug nach Jeruſalem zu unternehmen? ſtatt deſſen zu erfuͤllen, weil dieſer durch zu fruͤhen Tod daran gehindert war. Die neue⸗ ſten Ereigniſſe im Morgenland bewogen ihn, dieſes nicht laͤnger zu verſchieben. Er rief mehre geiſtliche und weltliche Große zuſammen, und erdffnete ihnen ſein Vorhaben. Zu jener Zeit lebte in Frankreich der Ciſtereien⸗ ſer Abt Bernard zu Clairveaux, welcher durch ſei⸗ nen Wandel und feine Sitten gleich ehrwuͤrdig, als Ordensmann ſehr anſehulich, und in Wiſſenſchaften tief eingeweiht war. Die franzoͤſt iſchen Großen rie⸗ then ihrem Koͤnige, dieſen Mann uͤber ſein Vorhaben zu vernehmen, und deſſen Wunſch wie einen Orakel⸗ Spruch zu befolgen. Abt Bernard erklaͤrte, daß er nicht wage, eigeumaͤchtig uͤber einen ſo wichtigen Ge⸗ genſtand zu entſcheiden; er halte fuͤr das zweckmaͤßig⸗ ſte, die Stimme des roͤmiſchen Papſtes einzuholen, wohin ſogleich Abgeordnete folgten. P. Eugen III. berief ſich auf das edle Streben ſeines Vorgaͤngers P. Urban II., welcher die beiden Patriarchate zu Jeruſalem und Antiochien, welche ſich unab⸗ haͤngig vom roͤmiſchen Hofe gemacht hatten, dieſem wieder untergeordnet, und ſo den Frieden der Kirche wieder hergeſtellt habe. Er lobte daher den Entſchluß des Koͤnigs fuͤr die Verbreitung der chriſtlichen Reli⸗ 178 gion zu wirken, und bevollmaͤchtigte den Abt Ber⸗ nard, wie ein Prophet oder Apoſtel, durch ganz Frankreich und Deutſchland zum Kreuzzuge unter Er⸗ theilung der fruͤheren Ablaͤſſe aufzumuntern. Dieſer predigte mit ſolchem Eifer fuͤr den neuen Zug, daß Koͤnig Ludwig V.I., die Koͤnigin Eleonore, die Grafen Theoderich von Flandern, die Wil⸗ helme von Ponthieu und Varenne, Pvo von Soiſſons, Robert von Dreur, Heinrich— Sohn Theobalds— von Blois nnd Cham⸗ pagne, Veit und Reinald von Nevers, nebſt Gottfrid Racon, Hugo von Luſignan, Ar⸗ chambald von Bourbon, Reinhold von Mon⸗ targis, Eberhard von Breteuil, Anſelm von Trenel und vielen andern Edelleuten und Bi⸗ ſchoͤfen zu Vezelay in Burgund, wo ſie aus allen Provinzen auf freiem Felde, aus Mangel einer ſo großen Kirche, welche die faſt unzaͤhlige Volksmenge haͤtte faßen koͤnnen, zuſammen gekommen waren, vom Abte ſelbſt ſogleich das Kreuz uͤbernahmen, und ſich zum Zuge verpflichteten. Zugleich draͤngten ſich ſo viele gemeine Leute hinzu, daß er aus Mangel an vorraͤthigen Kreuzen ſeinen Rock zerſchneiden mußte, um dem Verlangen nach einem Kreute, als Zeichen der Verbindlichkeit zum Zuge zu entſprechen.*) Der *) Odo de Diogilo(Lib. I. A. 1145— 47), welcher 179 Abt Suger von St. Denis wurde zum Regenten des Reiches waͤhrend des Koͤnigs Abweſenheit er⸗ nannt; das Heer verſammelte ſich am Pfingſtfeſte 1147 zu Metz. Der eifrige Moͤnch Rudolph uͤbernahm ein glei⸗ ches Geſchaͤft in Deutſchland. Er begann ſeine Kreuz⸗ predigten im Gebiete von Straßburg, Mainz, Worms, Speier, Koͤln und deren Nachbarſchaft, und gewann viele tauſend Menſchen zur Bereitwilligkeit, ſich an⸗ zuſchließen. Unvorſichtiger Weiſe hatte er aber ge⸗ aͤußert, daß die Juden, welche als Chriſten⸗Feinde in den Staͤdten und Doͤrfern bleiben, umgebracht wer⸗ den wuͤrden. Dieſer boͤſe Same war kaum ausge⸗ ſtreut, als er auch in den meiſten Staͤdten Teutſch⸗ lands und Frankreichs ſo tiefe Wurzeln ſchlug, daß ſehr viele Juden umgebracht wurden, welche nicht ſchnell den Schutz des roͤmiſchen Kaiſers erkauft hat⸗ ten. Deßwegen fluͤchteten ſich ſehr viele nach Nuͤrn⸗ berg, wo Kaiſer Konrad III. ſein Hoflager hatte, und in deſſen Umgebung, um das Leben zu retten. Dieſe Unvorſichtigkeit Rudolphs wieder gut zu machen, erließ Abt Bernard ein Schreiben an alle Fuͤrſten Teutſchlands und Frankreichs, worin er nach paͤplicher Machtvollkommenheit erklaͤrte, die als geheimer Sekretaͤr den Koͤnig Lud w ig be⸗ gleitete. 3 1 80 Juden ſeyen wegen ihrer Laſter nicht umzubringen, ſondern bloß zu zerſtreuen. Dann begab er ſich nach Speier, wo Kaiſer Kourad III. auf 2 114s eine Verſammlung der Großen des N anſtaltet hatte; aber er fand noch kein ganz g Gehor. Denn der Kaiſer wollte Teutſchlands 2 nicht der Ungewißheit Preis geben. Er begab ſich nach Regensburg, wo er im Februar 114 ſein Hoflager hielt. In ſeinem Gefolge befand ſich der erſte Abt Adam von Ebrach, welcher die Schreiben P. Eugen III. und des Abtes Bernard nach dem „Hochamte vorlas, und eine ſo eindringende Rede hielt, daß die meiſten aunweſenden Großen ſich zum Kreuzzuge bereit erklaͤrten. Sogleich ergriffen die 3 Biſchoͤfe Heinrich von Regensburg, Otto von Freiſing, Reginbert von Paſſau, und des Kaiſers Bruder, Herzog Heinrich von Bayern, nebſt vielen Grafen, Edelleuten und andern anſehnlichen Maͤn⸗ nern das Kreuz. Bald hatte ſich eine zahlloſe Menge von Dieben und Straßenraͤubern aus angeblicher Buße angeſchloßen. Auch der Herzog Welf von Bayern legte das feierliche Geluͤbde zur Theilnahme am Kreuzzuge in ſeiner eigenen Kirche ab. Nicht lange hernach reihten ſich auch der Herzog Ladislaus von Boͤhmen, der Markgraf Odoaker von Steier⸗ mark, der Graf Bernard von Kaͤrnthen und ein ſehr zahlreiches Gefolge an die uͤbrigen Kreuzbruͤder. Bloß die Sachſen weigerten ſich, ſich der vermeintli⸗ 181 chen Seligkeit im Morgenlande theilhaftig zu machen. Durch die allgemeine Theilnahme in Frankreich, Eng⸗ land, Teutſchland und Ungarn wurde in dieſen Laͤn⸗ dern Alles ſo friedlich, daß das fernere Tragen der Waffen faſt unrecht ſchien. Kaiſer Konrad III. lud die Großen Teutſchlands zu einer Verſammlung nach Frankfurt ein, wo er ſei⸗ nen Sohn Heinrich zum Koͤnige kroͤnen ließ. Auch der Sohn des Herzogs Heinrich von Bayern er⸗ ſchien daſelbſt mit dem Anſpruche, um Wiedereinſe⸗ tzung in das ſeinem Vater mit Unrecht entzogene Be⸗ ſitzthum; welchem er aber den Beſcheid ertheilte, bis zu ſeiner Ruͤckkehr zu warten. Im ſchoͤnſten Fruͤhlin⸗ ge brach Kaiſer Konrad III, von Nuͤrnberg gegen Regensburg auf, wo er ſich mit den Seinigen auf der Donau um das Feſt der Himmelfahrt Chriſti einſchiff⸗ te, waͤhrend das ſchoͤnſte Kriegsheer von mehr als 100,000 Mann, unter welchen 70,000 Kuͤraſſire waren, zu Land fortzog. Zur Feier des Pfingſtfeſtes waren ſchon die Lager in Ungarn aufgeſchlagen. Ihm war eine ſolche Menſchenmenge gefolgt, daß weder das Land den Fußgaͤngern, noch das Waſſer den Schiff⸗ fahrern Raum genug darzubieten ſchien. Er hatte zu⸗ vor den Koͤnig Geiſa von Ungarn gebeten, ſeinem Heere ungehinderten Durchzug und alle Bequemlich⸗ keiten zu geſtatten, was dieſer auch verſprach und er⸗ fuͤllte. Koͤnig Ludwig VII. nahm vom P. Eugen 182 III. ſelbſt zu St. Denis die Kreusfahne, und folgte, ſo nachdruͤcklich auch die Geſandten des Koͤnigs Ro⸗ ger von Sieilien, wegen der Eiferſucht und Treu⸗ loſigkeit der Griechen fuͤr die Seereiſe, zu Etampes, ſich erklaͤrt hatten, mit ſeinem Heere auf dem naͤmli⸗ chen Wege, welchen Gottfrid von Bouillon genommen hatte, zu Land nach Konſtantinopel. An ihn hatten ſich die teutſchen Fuͤrſten von Loth ringen, die Biſchoͤfe Stephan von Metz, und Heinrich von Toul, die Grafen Reginald und— Hugo, und Amadeus von Piemont aus Ita⸗ lien, deſſen Bruder Markgraf Wilhelm von Mont⸗ ferrat und mehre mallaͤndiſche Fuͤrſten ange⸗ † ſchloſſen. Nachdem ſie Ungarn und Bulgarien bereits durch⸗ zogen hatten, und aus Ober⸗ nach Unterthrazien am 7. September gekommen waren, ſo lockte die ſchoͤne Gegend von Cherevach den Herzog Friedrich und deſſen Oheim Welf, ſich auf einem Huͤgel zu lagern, wo ſie die ſchoͤnſte Ausſicht nach Propontis hatten. In der Ebene beſchloßen die uͤbrigen Teutſchen bis zur Ankunft der Legion der Lothringer ſich zu la⸗ gern. Hier am Helleſpont ruhte der Blick auf einer reizenden Gegend, und ein Raſttag zur Feier des Geburtstages der Maria wurde angeordnet. Alle glaubten den angenehmſten Aufenthalt zu genieben, welcher ihnen waͤhrend der ganzen Reiſe zukam. Al⸗ 183 lein des andern Morgens erhob ſich ein ſo heftiger Sturmwind und Regen, daß ihre Zelte umgeworfen, und die ganze Ebene durch Austritt des Fluſſes ſchnell uͤberſchwemmt war. Man ſuchte ſein Heil jenſeits deſſelben; wer ein Pferd erhaſchen konnte, kam gluͤck⸗ lich davon; wer ſich nicht auf Zug⸗- und Reitpferde ſetzten konnte, hielt ſich an deren Schweife, oder ließ ſich durch Stricke hinuͤber ziehen, wenn er nicht ſchwimmen konnte; allein ſehr viele wurden von den Wellen fortgeriſſen und verſchlungen, und ſehr viele Mundvorraͤthe, Zelte, Gepaͤcke und Geraͤthe, welche zu einer ſo langen Reiſe unentbehrlich ſind, gingen zu Grund. Der unbeſchreibliche Verluſt an Menſchen und Waaren wurde erſt des anderen Tages ſichtbar, als man ſich an den gluͤcklich erhaltenen Zelten des Herzogs Friedrich wieder verſammelt hatte. Noch groͤßere Beſchwerden hatte das Heer der Kreugzfahrer vom griechiſchen Kaiſer Emanuel Kom⸗ nenus zu Konſtantinopel zu dulden. Dieſer war naͤmlich uͤber die Ankunft deſſelben ſo mißvergnuͤgt, als der Sultan Maſud von Ikonien; ſo gram beide einander vorher waren, ſo ſchnell vereinigte jetzt gemeinſchaftliches Intereſſe ſie beide in einen Bund. Maſud ſammelte ſeine Truppen auf allen Seiten, ließ ſeine Feſtungen ſchnell ausbeſſern, und beſetzte die engen Paͤffe. Der griechiſche Kaiſer wollte zwar ſich nicht oͤffentlich als Feind des Kreuzheeres erklaͤ⸗ ren; aber er war im Geheimen deſto thaͤtiger gegen 184 daſſelbe, und leiſtete den Sarazenen alle nur moͤgliche Hülfe zur Erreichung ihrer feindlichen Zwecke. Kaum hatte Emanuel Komnenus gehoͤrt, daß ein ſo fuͤrchterlicher Heerzug in Ungarn angelangt ſey, ſo ließ er ſich durch zwei Botſchafter um die Urſache dieſes Zuges erkundigen. Demetrius und Graf Alexander von Gravina, ſo hießen die Geſand⸗ ten, erklaͤrten den Haͤuptern des Kreuzheeres, man wuͤrde ihnen keinen freien Durchzug durch das grie⸗ chiſche Reich geſtatten, wenn ſie nicht die ſtrengſte Mannszucht hielten. K. Konrad III. und die an⸗ dern Fuͤrſten mußten hierauf einen Eid ablegen, daß ſie nicht im Geringſten den Griechen beſchwerlich fal⸗ len wollten. Jetzt erſt wurde die Mannſchaſt uͤber die Donau geſetzt; der griechiſche Kaiſer aber ließ am jen⸗ ſeitigen Ufer ein genaues Verzeichniß davon machen. Die Anzahl belief ſich uͤber neunzig tauſend. Nun wurde ihnen auch vom griechiſchen Statthalter zu Niſſa Alles angeſchaft, was ſie zum Unterhalte fuͤr Roß und Mann noͤthig hatten; ſie ruͤckten hierauf mit großer Behaglichkeit fort. Ju Sardika empfingen die griechiſchen Abgeordneten ſie auf's Liebreichſte; aber weiterhin fingen die Kreutfahrer an auszuſchwei⸗ fen, und nahmen Vieles, was ſie an griechiſchen Or⸗ ten fanden, mit Gewalt hinweg. Emanuel ſchickte ſeinen Feldherrn Proſuch mit einer ſtarken Mann⸗ ſchaft wider ſie ab, und dieſe zog von Adrianopel an beſtaͤndig dem Kreuzheere zur Seite, um deſſen Strei⸗ 185 fereien zu verhindern. Ein vornehmer Teutſcher war krank geworden, und ſuchte ſeine Wiedergeneſung in einem Kloſter bei Adrianopel abzuwarten. Einige griechiſche Fußknechte waren nach deſſen Eigenthume gierig, verbrannten das Nebengebaͤude mit dem kran⸗ ken Ritter und raubten ſeine Habe. Der zunge Her⸗ zog Friedrich, der mit ſeinen Schwaben ſchon zwei Tagreiſen voraus gegangen war, kailt eilends zuruͤck, und ſteckte das ganze Kloſter in Brand. Hierauf griff ber griechiſche Feldherr zu den Waffen, hieb dem Her⸗ oge Friedrich viele Leute nieder, und erregte da⸗ n einen grauſamen Haß. Andronikus, auch Opus genannt, ein Abgeordneter des griechiſchen Kai⸗ ſers, wollte die Mißhaͤlligkeiten wieder ausgleichen, und gab den Rath, von Seſto nach Abido uͤberzuſetzen, um kerner nicht groͤßern Gefgöron ausgeſetzt zu ſeyn; dieß wollte aber K. Konrad nicht. Er hielt Kriegs⸗ rath, und hierauf wurde beſchloſſen, den Weg uͤber Konſtantinopel zu nehmen. Auf dieſem Zuge trieb das Kreuzheer noch mehr Ausſchweifung; nahm alles Vieh⸗ hinweg und toͤdtete den, der ſich widerſetzte. Em a⸗ nuel zog nun eine ſtarke Beſatzung in Konſtanti⸗ nopel zuſammen, und machte Anſtalten zur tapferſten Gegenwehr. Dem Feldherrn Proſuch ertheilte er den Auftrag, ſich nach allen Kraͤften den Teutſchen zu widerſetzen; zu Kourad aber ſchickte er Geſandte, welche ihn nach Konſtantinopel einiuden. K. Kon⸗ rad kannte den griechiſchen Stolz, und erwiederte 4tes B. Paläſtina. I. 2. 5 18 ihn mit teutſcher Hoheit. Er begehrte, mit der groͤß⸗ ten Feierlichkeit und dem praͤchtigſten Hofprunk, als roͤmiſcher Kaiſer, empfangen zu werden; er verlangte, daß i*hm Emanuel entgegen kommen ſollte, und be⸗ hielt ſich vor, wegen ſeiner Angelegenheit mit dem Kaiſer in Konſtantinopel zu ſprechen. Hierauf ruͤckte Kourad mit ſeinem ganzen Heere gegen Konſtantinopel. Als er aber jeden Zugang und alle Thuͤrme mit bewaffneter Maunſchaft wohl beſetzt ſah, traute er ſich nicht hinein, ſondern ging in die Vorſtadt. Proſuch hatte inzwiſchen eine gewaltige Mannſchaft zuſammen gezogen. Kaum hatte dieſe die Teutſchen erblickt, als ſie mit Wuth auf dieſelben ſtuͤrzte, und ein hitziges Gefecht entſtand zwiſchen bei⸗ den Schaaren. Man kam zuletzt auf dem Wege der Unterhandlung zu einigem Frieden, beſonders, da ſich Kourad ent⸗ ſchloſſen hatte, uͤber die Meerenge zu ſetzen. Der grie⸗ chiſche Kaiſer gab ihm hierauf einen Wegweiſer, und verſprach noch, daß er von den Griechen ferner die nachdruͤcklichſte Huͤlfe zu erwarten haͤtte. Die Kreuz⸗ fahrer erwaͤhlten hierauf den Weg nach Philomelium, an den phroͤgiſchen Graͤnzen von Piſidien, und kamen wohlbehalten uͤber Melangia in Dorilaͤum an. Hier waren ſie dem Gebiete des Sultans Maſud von Jko⸗ nien nahe, welcher ſchon lange die fuͤrchterlichſten Zu⸗ ruͤſtungen zum Empfange der abendlaͤndiſchen Truppen gemacht hatte. Die griechiſchen Wegweiſer waren nch — 187 Verraͤther. Sie erinnerten die Anfuͤhrer der Teut⸗ ſchen wohl, ſich auf einige Zeit mit Lebensmitteln zu verſehen, weil ſie zur Abkuͤrzung des Weges nun durch eine Wuͤſte ziehen muͤßten, um nach Ikonien zu ge⸗ langen, wo ſie dann eine fruchtbarere Gegend antref⸗ fen wuͤrden. Allein dieſe Gegend fand ſich nicht, ob⸗ wohl man ſchon durch die engen Paͤſſe gezogen war, wo die Feinde mit Bequemlichkeit und Vortheil an⸗ greifen konnten. Auch ſchlichen die Wegweiſer bei der Nacht davon und hinterließen das Heer in der traurigſten Lage im Gebiete des Feindes. Die Ver⸗ raͤther aber brachten dem Koͤnig Ludwig VII. von Frankreich die boshaft erſonnene Nachricht:„K. Kon⸗ rad hatte nach einem gluͤcklichen Siege uͤber die Sa⸗ razenen die Stadt IJkonium erobert,“ ſtatt daß dieſer in der aͤngſtlichſten Verlegenheit ſich befand. Er fragte ſeine Fuͤrſten um Rath; einige wollten umkehren, andere vorruͤcken; großer Mangel zeigte ſich uͤberall, und die niederſchlagende Botſchaft wurde kund, daß eine zahlreiche Macht wider ſie im Anzuge ſei. Des Weges unkundig, verirrten ſie ſich bald in die kappa⸗ doziſchen Wuͤſteneien. Nun brachen die Tuͤrken mit aller kriegeriſchen Furchtbarkeit hervor; ihre leichten Roſſe, ihre Kenntniß der Gegend, ihr Wohlſtand verſchafften ihnen alle Ueberlegenheit uͤber die ausge⸗ hungerte Chriſtenſchaar. Sie umringten dieſelbe und richteteten durch wiederholte Angriffe ſie dergeſtalt zu Grunde, daß von ſiebenzig tauſend geharniſchten 188 Kreuzfahrern kaum der zehnte Theil uͤbrig blieb. Die Sieger erbeuteten das ganze chriſtliche Lager, und K. Konrad, mit genauer Noth der Gefangenſchaft eutflohen, begab ſich verwundet nach Nizaͤa in By⸗ thinien, im Wintermonate 1447. Frankreichs Koͤnig war inzwiſchen auch in Kon⸗ ſtautinopel angelangt, und von Emanuel mit ausgezeichneten Ehrenbezengungen aufgenommen wor⸗ den. Darauf hatte er eine freundliche Unterredung mn dem griechiſchen Kaiſer; dieſer verſprach treue dſchaft und ein beſtaͤndiges Buͤndniß. Auch alle 6 mußten ihm einen Eid der Treue uder des Koͤnigs, Robert, Graf von Dreuy, konnte ſich dazu nicht entſchließen; ſon⸗ dern verließ in der Stile mit ſeiner Mannſchaft das Heer und ging nach ikomedien. Die uͤbrigen 1 im Wintermonat 4447 uͤber die Meer⸗ Konſtanrinopel, und richteten ihren Zug gegen Nizaͤn. Dort, wo Koͤnig Ludwig ſein La⸗ ger ſchlug, erfuhr er die Ungluͤcksfaͤlle der Teutſchen. Herzog Friedrich, vom teutſchen Kaiſer geſandt, kam dahin, und lud den Koͤnig zu einer Unterredung ein; diefer ging alſo in das Lager zu ihm. Beide ka⸗ men uͤberein, auf ihrem Vorhaben zu beharren, ihre Heere mit einander zu verbinden, und hierauf mit 2 n Kraͤften vorzuruͤcken. Es war ihnen ſehr , von den Herzogen von Boͤhmen und Po⸗ bvoͤlker anzutreffen; doch viele, beſonders „ 4 1 189 von den Teutſchen, kehrten auch nach ihrem Vater⸗ lande zuruͤck.— Die Kreusfahrer nahmen nun einen andern Weg durch Bythinien nach Kleinaſien; ſie zogen uͤber Smirna nach Spheſus, fanden aber auch hier wieder mancherlei Schwierigkeiten. Die Teutſchen, welche ſtets voran gingen, waren den Spoͤttereien der Franzoſen ausgeſetzt. Der Name Landskuecht kam ihnen veraͤchtlich vor, und ihre Scherze daruͤber zogen eine heftige Erbitterung nach ſich. Kaiſer Kourad ſelbſt hielt es ſeiner Hoheit zu⸗ wider, von den meiſten Fuͤrſten verlaſſen, ohne faͤn⸗ desmaͤßige Begleitung, allein mit dem Koͤnige von Frankreich zu reiſen. Daher entſchloß er ſich, bei Epheſus von dem Hrere zu ſcheiden, und wieder nach Konſtantinopel zu gehen. Wirklich nahm ihn jetzt der griechiſche Kaiſer beſſer auf, weil ſeine Macht keine Furcht mehr erregte, und die geheime Abſicht, beide Monarchen zu trennen, erreicht war. Gerne ließ Kourad zuletzt den Reſt ſeines Heeres zu Lande zu⸗ ruͤck gegen den Helleſpont ziehen, und verweilte dann ſelbſt den ganzen Winter am Hoſlager zu Kon⸗ ſtantinopel, wo man die Zeit mit Schauſpiele und andern kurzweiligen Ergoͤtzlichkeiten zubrachte. Die Franzoſen ſetzten indeß ihren Zug weiter fort, und kamen am Anfange des Jahres 1148 bis an den Fluß Meander. In dieſer Gegend trafen ſie die Tuͤrken an, welche alle den Teutſchen abgenommene Beute in Sicherheit gebracht hatten, und den Fran⸗ 190 zoſen den Uebergang uͤber den Fluß wehren wollten. Sie wurden aber mit einigem Verluſte von dem ge⸗ genſeitigen Ufer weggetrieben, und das Heer kam nach Laodizeg.— Man hatte auf dem ganzen Zuge bie Einrichtung getroffen, daß vor und hinter dem Haupt⸗ heere beſondere Haufen ziehen ſollten, welche alle Be⸗ wegungen des Feindes genau beobachten, und im Falle eines Angriffes es mit ihm aufnehmen mußten. Man ſetzte ordentlich feſt, ehe man aufbrach, an wel⸗ cher Stelle man ſich wieder lagern wollte. Eines Ta⸗ ges, da Gottfried von Rakon den Vorderzug an⸗ fuͤhrte, hatte man einen hohen Berg zum Lager be⸗ ſtimmt. Rakon kam bei demſelben ſehr bald an, und ging, weil es noch nicht Abend war, weiter auf einen bequemern, aber ziemlich entfernten Ort zu, ohne den andern Fuͤhrern Nachricht davon zu geben. Der Koͤnig hingegen zog langſam im Jaͤnner 1448 dem nahen Berge zu, und ſo geſchah es, daß beide Hau⸗ fen ſich ſehr weit von einander entfernt ſahen. Kaum wurden die Tuͤrken dieſe Stellung gewahr, ſo ſpreng⸗ ten ſie auf den Haupthaufen ein, und bald kam es zu einer blutigen Schlacht, welche die Franzoſen gaͤnz⸗ lich verloren. Bloß die Nacht verhinderte die Duͤrken, ſte gaͤnzlich nieder zu hauen. Selbſt der Koͤnig war in der aͤußerſten Lebensgefahr, und mußte ſich, da er ganz allein auf einem Felſen war, durch ſeine eigene Tapferkeit retten. Er erreichte endlich mit Wenigen den Vortrab, der von dieſer grauſamen Niederlage 191 nichts wußte. Nur mit vielen Schwierigkeiten ge⸗ langte das geſchlagene Heer nach Pamphylien. Zu Allolia entſchloß ſich der Koͤnig, um den wei⸗ ten Weg zu erſparen; auf Schiffen, welche die Grie⸗ chen ihm anboten, nach Antiochien zu ſegeln; er mußte aber laͤnger, als einen Monut warten, ehe einige kleine Nachen herbei kamen, auf denen er mit ſeinen Rittern abfuhr. Das uͤbrige Volk ſollte ſo lange war⸗ ten, bis mehrere Schiffe aulanden wuͤrden. Aber dieſe blieben aus, und die Franzoſen ſahen ſich genoͤ⸗ thigt, einen andern Weg zu Land zu ſuchen. Sie mußten aber bald wieder umkehren, weil ein großes tuͤrkiſches Heer ihnen auflauerte. Die Tuͤrken fuͤgten ihnen viel Schaden zu, und boͤſe Seuchen raften eine Menge gemeinen Volkes hinweg, ſo daß endlich nur ſehr wenige nach Antiochien kamen. Graf Rai⸗ mund hatte damals die Herrſchaft uͤber dieſe Stadt, und hoffte nun, durch franzoͤſiſche Huͤlfe ſein Gebiet zu erweitern. Schon war er mit der wohl geſtalteten Koͤnigin Eleonora in das vertraulichſte Einverſtaͤnd⸗ niß gekommen, ſchon hatte er ſie zum Antrag auf Eheſcheidung gewonnen; ſchon hatte er ſich die tap⸗ fern Ritter erſehen, mit welchen er auf Alep und Caͤſarea losgehen wollte. Allein der erboßte Koͤnig gab hiezu ſchlechterdings die Erlaubniß nicht, und da er bemerkte, daß Raimund geſonnen war, Rache zu nehmen, ſo benuͤtzte Koͤnig Ludwig eine Gele⸗ genheit, bei Nacht zu entweichen. Er fuͤhrte ſeine 192 A Franzoſen, welche ſich vor der Stadt gelagert hatten, ohne laͤngern Verzug nach Jeruſalem, und noͤthigte zugleich auch die treuloſe Eleonora, welche aus Andacht dieſe beſchwerliche Reiſe gemacht hatte, ihm zu folgen. Inzwiſchen hatte ſich auch Kaiſer Kon⸗ rad zu Konſtantinopel wieder ziemlich erholt. Emanuel war nun gegen ihn viel guͤnſtiger geſinnt, und befahl ſeinem Schiffshauptmanne Nicephorus, eine Flotte auszuruͤſten, auf welcher Konrad mit ſeinen Reichsfuͤrſten nach Ptolemais(Akra) uͤber⸗ ſchiffte; die Herzoge Friedrich und Wel f begleite⸗ ten ihn. Sie erreichten bald darauf Jeruſalem, wo B. Friedrich von Regensburg im Kirchhofe der Tempelherren bereits beigeſetzt wurde, in deren Palaſt Kaiſer Konrad einige Tage wohnte. Nachdem die beiden abendlaͤndiſchen gekroͤnten Haͤupter alle heiligen Ort beſucht, und ihrer Andacht nun Genuͤge gethan hatten, beſchloßen ſie, zu Ptole⸗ mais eine allgemeine Verſammlung der Kreuzfahrer und Chriſten in Aſien zu halten. Es waren alſo zugegen: Der Koͤnig von Frankreich und die Großen ſeines Reiches; Markgraf Herrmann von Verona: Der Kardinal Guido von Florenz; Der Koͤnig Balduin lll. von Jeruſalem mit ſeiner Mutter Meluſſina; 4 Der Patriarch und die Biſchoͤfe von Syrien und Palaͤſtina. 193 8 Kaiſer Konrad von Teutſchland. Die Biſchoͤfe von Toul, Metz und Freyſin⸗ gen; Der apoſtoliſche Geſandte Theoduin; Die Herzoge Welf und Heinrich von Bayern; Herzog Friedrich von Schwaben; Brechtold Graf von Andechs, und Hert⸗ mann, Markgraf von Baden; Ortlieb Biſchof von Baſel, und des Kaiſers Kanzler, Arnald. In dieſer hohen Verſammlung wurde beſchloſſen, die feindliche Macht zu beſchraͤnken und Damask zu erobern. Damask war damals eine ſehr reiche und feſte Stadt, immer in feindlicher Stellung gegen die Chri⸗ ſten, obwohl ſie denſelben auch hin und wieder we⸗ ſentliche Dienſte leiſtete, um ſich ihrer Freundſchaft zu bedienen wider den Sultan von Alep und Mo⸗ ſul. Balduin III., Koͤnig von Jeruſalem, und alle Großen ſeines Reiches ließen ihre Krieger zu dem Ueberreſte von Konrads und Ludwigs Heeren ſtoßen, und zogen mit vereinigter Macht gegen Da⸗ mask. Der Patriarch von Jeruſalem trug voraus das Kreuz. Sie zogen uͤber den Berg Libanus, und kamen nach Daria, einem kleinen Orte, etliche Meilen von Damask. Hier theilten ſie ihr Heer in drei Haufen; der erſte davon beſtand aus ſyriſchen Chriſten, welche des Landes am beſten kundig waren, 194 und deßwegen unter der Anfuͤhrung des Koͤnigs von Jeruſalem voraus ziehen mußten. Der zweite Haufe beſtand, unter dem Befehl ihres Koͤuigs, aus Franzoſen. Konrad verhuͤtete mit ſeinen Teut⸗ ſchen, daß das Heer nicht von hinten konnte uͤber⸗ rumpelt werden, und machte alſo den Schluß. Ge⸗ gen Abend und Mitternacht von Damask war eine große Ebene, die ſich auf den Umfang von 5 Meilen erſtreckte. Auf dieſem ſegenreichen Gefilde hatte man lauter Baumgaͤrten a gepflanzt, die einen dichten Wald in der Ferne vorſtellten. Schlechte Einfaſſungen vom aufgeworfenen Staubkoth u. dgl. waren die Graͤnzſcheiden des Eigenthums eines jeden Beſitzers, und man hatte allenthalben nur ſchmale Fußpfade of⸗ fen gelaſſen. Dieſe Baumgaͤrten wurden von dieſer Seite als die beſten Vertheidiger von Damask an⸗ geſehen; nichts deſto weniger beſchloß das Kreuzheer, von da den Angriff zu machen, ſowohl der Fruͤchte wegen, als auch, um den Einwohnern einen unver⸗ hofften Schrecken einzujagen. Der König von Jeru⸗ ſalem brannte vor Begierde, ſeinen Muth vor den Teutſchen und Franzoſen ſehen zu laſſen; den⸗ noch koſtete es ſehr viele Anſtrengung, in dieſen Wald einzudringen. Die ringsum zerſtreuten Tuͤrken ver⸗ theidigten jeden Fußſteig, und lauerten hinter den Mauern, welche ſie durchloͤchert hatten. Durch die Oeffnungen ſchoßen ſie Pfeile auf die Chriſten ab, die ihre Feinde nicht einmal ſehen konnten. Andere ſtie⸗ 195 gen auf die Landhaͤuſer und ſuchten von da aus Scha⸗ den anzurichten. Dieſer außerordentlichen Gegenwehr ungeachtet, wurden doch alle Gaͤrten eingenommen. Die Tuͤrken raften hierauf am Fluße(Chryſor⸗ rhoas) ihre Staͤrke zuſammen und hinderten die Franken, daß ſie kein Waſſer holen konnten; die Teutſchen waren noch im Hinterzuge. Ihr Kaiſer Konrad, uͤber die Verzoͤgerung ungeduldig, ritt nun voll ſtuͤrmiſchen Eifers durch die vorſtehende Armee, in Begleitung einiger teutſcher Fuͤrſten und Herren, ſtieg nach alter teutſcher Sitte vom Pferde, und drang, das Schwert in der Fauſt, uͤber den Fluß in das Ge⸗ tuͤmmel der Schlacht. Einem Sarazeuen, der ſeiner Unaufhalt ſamkeit in den Weg trat, hieb er mit einem Streiche den Kopf, Schuiter und Arm ab.— Die Tuͤrken wichen in die Stadt zuruͤck. Nunmehr lagerten ſich die Chriſten, den Fluß entlang, in einem ſehr angenehmen Wieſenthale. In der Stadt war alles voll Schrecken und Jammer. Anar, der Befehlshaber darin, ſuchte Huͤlfe bei dem Koͤnige von Moſul, welcher ſogleich mit einer aus⸗ erleſenen Mannſchaft nach Hemeſſa ruͤckte. Zu⸗ gleich gelang es ihm, einige Anfuͤhrer, und ſelbſt Voruehme des chriſtlichen Heeres, vorzuͤglich die Chri⸗ ſten aus Syrien, zu beſtechen. Dieſe Verraͤther brach⸗ ten es durch Raͤnke dahin, daß Kaiſer Konrad und die Koͤnige von Frankreich und Jeruſalem, die Gaͤrten und ihr bisheriges, vortheilhaftes Lager ver⸗ ließen, und auf der andern Seite die Belagerung vor⸗ nahmen. Da waren ſie nun der Lage des Örtes nicht kundig. Man hatte ſie verſichert, die Feſtungswerke der Stadt ſollten auf dieſer Seite am ſchwaͤchſten ſeyn; allein ſie fanden dagegen in dieſer Stellung Mangel au Waſſer und aller Zufuhr. Die Feinde be⸗ maͤchtigten ſich des Standortes der Chriſten im Wie⸗ ſenthal, und ſchnitten ihnen alle Zugaͤnge dergeſtalt ab, daß eine Nuͤckkehr dahin unmoͤglich war. Jetzt ſahen die europaͤiſchen Fuͤrſten wohl ein, daß ſie waren hintergangen worden. Sie dachten mit Wehmuth an das, was ſie verloren hatten, und blick⸗ ten mit Grimm an die unbezwingbarſten Theile der Stadt hinauf. Der Mangel an allen Huͤlfsmitteln noͤthigte ſie, die Belagerung der Stadt aufzuheben. Ueber die Treuloſigkeit der chriſtlichen Fuͤrſten in Pa⸗ laͤſtina, die nichts anderes ſuchten, als mit fremder Huͤlfe ihre Graͤnten zu erweitern, war ſowohl der Kaiſer Konrad, als der Koͤnig Ludwig ſo ver⸗ druͤßlich, daß ſie auf nichts mehr, als anf thre Heim⸗ reiſe nach Europa dachten. Vergebens ſchlug man ih⸗ nen eine Belagerung von Askalon vor. Der Kai⸗ ſer machte ſich zuerſt auf die Reiſe und wurde durch die griechiſche Flotte nach Theſſalonich gebracht. Hier mußte er, Krankheit wegen, einige Zeit verwei⸗ len, ſegelte aber ſodann durch das joniſche und adria⸗ tiſche Meer, und ſtieg bei Pola in Iſtrien an das Land. Von hier begab er ſich nach Aquileja, ward 8 197 aber bald zu Reichsgeſchaͤften nach Teutſchland gerufen. Herzog Welf von Bayern hatte gleichfalls, jedoch fruͤher ſchon, ſeinen Weg nach Apulien und Kalabrien genommen; Herzog Friedrich hinge⸗ gen war von Theſſalonich durch Bulgarien und Ungarn nach Teutſchland gegangen. Kar⸗ dinal Theoduni begab ſich nach Rom; bei ihm waren noch, Herzog Heinrich aus Bayern, Otto von Wittelsbach und andere Grafen und Herren. Der Koͤnig von Frankreich blieb noch einige Zeit. zu Jeruſalem, und feierte das Oſterfeſt 1448 da⸗ ſelbſt; da er aber ſah, daß ſein Aufenthalt nichts mehr nuͤtze, und ſein Bruder Robert, Graf von Dreux, mit den meiſten Rittern und Edlen des Reiches voran gegangen war, ſo entſchloß er ſich zur ſchleunigen Abreiſe. Er ſchiffte ſich zu Ptolemais ein, gelangte(den 29. Heumonats) in Kalabrien an, verfuͤgte ſich hierauf nach Rom, und nach eini⸗ ger Zeit wieder in ſein Reich zuruͤck. Der Kaiſer hatte auf dieſem Zuge, und nach und nach in Allem eine Heeresmacht von dreimal hun⸗ dert und achtzig tauſeud Menſchen, und Lud⸗ wig uͤber hundert und achtzig tauſend ge⸗ habt; kaum der zehnte Theil kehrte wieder in ſein Vaterland zuruͤck. Im Ganzen hatte dieſer ungluͤckliche Kreuzzug zwei Jahre gedauert. Nach demſelben kamen die Angelegenheiten der Chri⸗ ſten in Palaͤſtina gaͤnzlich in Verfall. Der furcht⸗ 198. bare Sultan Noradin hreitete ſeine Macht immer weiter aus, brachte die ganze Landſchaft Edeſſa unter ſeine Botmaͤßigkeit, ſchlug den Fuͤrſten Rai⸗ mund von Antiochien, und eroberte die Stadt Damask im Jahr 1154. Koͤnig Balduin III. von Jeruſalem eroberte Askalvon und mehrere Plaͤtze, hielt durch Klugheit und Muth ſeinen wan⸗ kenden Thron immer noch aufrecht, wurde aber durch ſeinen eigenen Leibarzt vergiftet, und ſtarb im z2ſten Jahre ſeines Lebens, im Jahr 1163. Sein Beuder Almarich folgte ihm, ein Mann von 27 Jahren. Gleichzeitig ergaben ſich auch in den muhameda⸗ niſchen Reichen des Morgenlandes große Veraͤnderun⸗ gen. Das alte Geſchlecht der Chalifen in Aegyp⸗ ten wurde 11s geſtuͤrzt, und nicht lange darauf kam Sala⸗heddin zur Regierung, ein großer Eroberer, ein Held, der allen aſiatiſchen Beherrſchern den Un⸗ tergang drohte. Doch war er auch tapferer, kluͤger, großmuͤthiger und edler, als alle ſeine Zeitgenoſſen. Seine Bruͤder ließ er im Innern und Meſopo⸗ tamien Eroberungen machen; er ſelbſt machte ſich außer Aegypten zum Herrn von Damask, und nahm den Chriſten in Syrien 1114 viele Orte weg. Dieſe widerſetzten ſich zwar ſeinen Unternehmungen muthig, wurden aber von ihm ſo ſehr in die Enge getrieben, daß ſie unter einander ſelbſt keine Rettung mehr zu hoffen hatten. Unter dieſen grauſamen Be⸗ draͤngniſſen ſtaib Almarich im ssſten Lebensjabre. 199 Sein einziger Sohn Balduin IV., ein wackerer Juͤngling von 13 Jahren, war ſein Nachfolger. Graf Raimund von Tripoli verwaltete das Reich waͤh⸗ rend deſſen Minderjaͤhrigkeit mit Ehre, und als Bal⸗ duin IV. ſelbſt zur Regierung kam, zeigte er eine be⸗ wundernswuͤrdige Klugheit und Tapferkeit. Aber Sala⸗heddin ward nun immer mehr dem ſinken⸗ den Reiche Jeruſalems furchtbar. Balduin IV. ſah ſich genoͤthiget, eine Geſandtſchaft nach Eurova zu ſchicken, und um Huͤlfe zu flehen. Heraklius, Patriarch von Jeruſalem, Roger und Arnold, die Großmeiſter des Johanniter⸗Ordens und der Tempel⸗ herren, waren die Abgeordneten. Sie durchreiſten faſt ganz Italien, und kamen endlich nach Verona, wo eben Papſt Lucius III., und Kaiſer Fried⸗ rich l. beiſammen waren. Der Kaiſer nahm ſie guͤ⸗ tig auf, gab ihnen die ſchoͤnſten Verheiſſungen, vor der Hand jedoch keine Zuſage augenblicklicher Huͤlfe. Der Papſt hingegen gab ihnen Empfehlungsſchreiben an die Koͤnige von Frankreich und England, worin er ſie auf das Nachdruͤcklichſte zu einem drit⸗ ten Kreuzzuge ermahnte. 4 In Frankreich wurden die Abgeſandten praͤch⸗ tig empfangen. Der Koͤnig, Philipp Auguſt, war damals 18 Jahre alt, und ſein jugendliches Herz zeigte ſich gleich bereit zu dieſem Unternehmen; allein ſeine Raͤthe mißriethen es ihm auf das Nachdruͤcklichſte. Die Geſandten gingen nach England; deſſen Koͤ⸗ 200 nig, Heinrich II., war mit dem Koͤnige Bal⸗ duin IV. von Jeruſalem nahe verwandt; auch hatte er vom Papſte bereits vor zehn Jahren ſchon die Buſe auferlegt erhalten, das Kreuz zu nehmen und ſeine Kriegsvoͤlker nach dem gelobten Lande zu fuͤhren. Nun ermahnte ihn der Papſt abermals, ſeine Geluͤbde zu erfuͤllen. Doch auch dieſen Koͤnig hielten die Baro⸗ nen und die Geiſtlichkeit zuruͤkk. Man verſprach je⸗ doch, bald ein ordentliches Heer nachzuſchicken, und der Koͤnig wollte auf der Stelle achtzig tauſend Mark Silbers bezahlen. Allein der Patriarch von Jeruſalem wurde daruͤber aͤußerſt aufgebracht, nahm das Geld nicht, und ging nach Hauſe, ohne andere Hoffnung, als dem Verſprechen baldiger Huͤlfe. Wehmuth und Beſtuͤrzung beſiel nun die Chriſten in Palaͤſtina; alles ſchrie nach Rettung; Noth und Verzweiflung hatte den hoͤchſten Grad erreicht. Robert von St. Alban, ein Tempelherr, ging zu den Sarazenen uͤber. Er nahm die Lehren und Satzungen des Koraus an, und gelobte, wider die Chriſten zu ſtreiten; ja, er machte ſich ſogar ver⸗ bindlich, Jeruſalem zu erobern. Wirklich kam er mit einem Heere gegen die heilige Stadt, wurde aber von Balduin IV. gluͤcklich geſchlagen und in die Flucht getrieben. Inzwiſchen war Balduin lange ſchon ein Opfer des Siechthums; nun ward er auch mit einem Ausſatze uͤberfallen, der ihm alle Kraft benahm, zu Schwert und Scepter. Er befuͤrchtete, Graf Rai⸗ 201 mund von Tripoli noͤchte ihn vom Throne ent⸗ fernen. Dieſes war ein einſichtsvoller in allen Un⸗ rernehmungen ſchneller, aber verſchlagener Mann. Sich wider ihn eines getreuen Gehuͤlfen zu verſichern, vermaͤhlte der Koͤnig ſeine Schweſter Sybille mit einem jungen Franzoſen, Guy von Luſignan, ei⸗ nem Sohne des Grafen Hugo von la Marche. Dieſe unerwartete Wahl, wodurch Luſignan ſo gut als Thronfolger, und, jetzt ſchon Reichsverweſer war, erregte die Eiferſucht der Großen, und vorzuͤg⸗ lich des Grafen von Tripoli. Balduin wurde bald gezwungen, ſeinen Entſchluß zu aͤndern; er ließ ſei⸗ nen Neffen und Schwiegerſohn, Balduin v., zum Koͤnige kroͤnen, und uͤbertrug die Vormundſchaft waͤh⸗ rend der Minderjaͤhrigkeit deſſelben dem Grafen Rai⸗ mund. Aber dadurch glaubte ſich Luſignan auf das Empfindlichſte beleidigt. Er griff zu den Waffen, und da in kurzer Zeit Balduin IV., ſo wie ſein Sohn, Letzterer durch Gift gemeuchelmordet, ſtarben, ſo gelang es dem Guy von Luſignan, vom Pa⸗ triarchen ſelbſt unterſtuͤtzt, daß er zum Koͤnige gekroͤnt wurde. Alle inlaͤndiſchen Fuͤrſten waren mißvergnuͤgt daruͤber. Graf Raimund wurde ſo ſehr erbittert, daß er mit Sala⸗hedd in ein Buͤndniß wider die Chriſten ſchloß, und Muhameds Glaubenslehre an⸗ nahm. Allein bald ſtellte er ſich wieder, als ſey er mit dem Koͤnige von Jeruſalem ausgeſoͤhnt. Dieſem hatte der kluge Sala⸗heddin den Krieg angekuͤndi⸗ 4tes B. Paläſtina. I. 2. 6 202 get; gewaltig und ungehindert ruͤckte er in das Land ein. Zuerſt belagerte er Tiberias. Guy von Lu⸗ ſignan wollte die Stadt entſetzen, und vereinigte ſich gluͤcklicher Weiſe mit den Soldaten des Grafen. Es kam zur Schlacht; aber gleich nach dem erſten An⸗ griffe entfernte ſich der Verraͤther Raimund mit allen ſeinen Leuten vom Schlachtfelde. Der Großmei⸗ ſter der Tempelherren kaͤmpfte mit unbeſchreiblichem Muthe, und verurſachte, nebſt andern unerſchrockenen Nittern, daß die Schlacht zwei Tage lang dauerte. Endlich ſiegte Sala⸗heddin. Alle Befehishaber der Chriſten wurden entweder niedergemacht, oder gefangen; nur der Religionslaͤugner Raimund entkam. Sala⸗heddin batte die praͤchtigſten Geraͤth⸗ ſchaften der vielen Fuͤrſten und Ritter zur Beute ge⸗ macht. Der Koͤnig von Jeruſalem und der Großmei⸗ ſter der Tempelherren geriethen in ſeine Gewalt. Er war mild gegen die Gefangenen; doch dem ehrwuͤrdi⸗ gen Grafen NReginald von Chatillon, Fuͤrſten von Antiochien, uͤber den er erzuͤrnte, ſchlug er mit eigener Hand den Kopf ab, und Tiberias ging in den Flammen 1187 zu Grunde. Die meiſten Staͤdte von Palaͤſtina waren ohne Beſatzung. Sala⸗heddin wußte es, ging gerade auf Ptolemais zu, und brachte die Stadt, welche mit vortrefflichen Feſtungwerken verſehen war, ſchon am zweiten Tage zur Uebergabe. Auch Askalon fiel ihm zu, und nach drei Monaten die ganze ſyriſche Chri⸗ ſtenheit unter ſeinem Gebote, nur nicht Tyrus und Jeruſalem. Er ruͤckte aber ſchon im Herbſtmonate vor die hei⸗ lige Stadt. Sein Heer war maͤchtig, reich, und ſtolz auf die erfochtenen Siege. Er verachtete den gerin⸗ gen Reſt der Chriſten, und ſah Jeruſalem als das Ziel ſeiner Unternehmung, und als Gegenſtand eines neuen Sieges an. Die Koͤnigin Sybille, der Pa⸗ triarch Heraklius, und Rainald, Herr von Sai⸗ da(Sidon) waren die Vornehmſten in der Stadt. Die Beſatzung beſtand aus lauter Fluͤchtlingen, die der Schlacht entronnen waren, und aus den Einwohnern der benachbarten Ortſchaften. Aber der Muth, gegen eine ſo ſiegprangende Heerſchaar zu ſtreiten, war aus Aller Herzen gewichen. Sala⸗heddin bot ihnen jedoch die vortheilhafteſten Bedingniſſe zur Uebergabe an; er verſprach ihnen Freiheiten, Ehren und Wuͤrden, wie ſie ſolche unter den Koͤnigen hatten; allein ſie ergaben ſich nicht. Erſt nach einer drei und dreißigtaͤgigen Be⸗ lagerung eroberte der Sultan Jeruſalem mit Gawalt. Als Sala⸗heddin ſeinen Einzug hielt in der heiligen Stadt, befahl er zuerſt allen Chriſten, welche vom Abendlande gekommen waren, Jeruſalem zu raͤu⸗ men; ſie durften jedoch mit ſich nehmen, was ſie tra⸗ gen konnten. Welche Jammernacht! welch ein entſetzlicher Tag, der darauf folgte, voll von Wehklagen, und Gewim⸗ 204 mer der Kinder, Weiber und Prieſter! Bitterlich weinten die Greiſe uͤber Jeruſalem! Auf dem Staube ſollten ſie nicht mehr wandeln, wo des Heilands Blut gefloſſen; den Todeshuͤgel nicht mehr ſehen, wo er ſtarb! Sie nahmen mit den fuͤrchterlichſten Bewegun⸗ gen ihres Herzens Abſchied; die Starken trugen die Schwaͤcheren auf den Schultern, die Muͤtter ihre Kinder und etwas von ihrer Habe. Ach, ihr Herz brach, und ihr Fuß bebte bei den Thoren von Jeruſa⸗ lem!— Sala⸗heddin ſelbſt war Zuſchauer bei die⸗ ſem Aufzuge menſchlichen Elendes. Voran zog der Patriach mit der ganzen Geiſtlichkeit; ihm folgte die Koͤnigin Sybille, mit ihren zwei Doͤchtern und al⸗ len Vornehmen. Als der Sultan die Koͤnigin iſah, ſtieg er von ſeiner thronartigen Erhoͤhung, und em⸗ pfing ſie mit greßer Leutſeligkeit. Er troſtete ſie in dieſem Ungluͤcke, und machte ihr Hoffnung, bald ih⸗ ren Gemahl in Freiheit zu ſehen. Dann gab er ihr hinlaͤngliche Bedeckung bis Askalon. Ferner ruͤhrte das Elend der andern Frauen maͤchtig des Sultaus Herz. Er ließ ſie fragen, womit er ihnen dienen könnte? Alle baten einmuͤthig um ihre Vaͤter, Raͤn⸗ ner und Bruͤder, welche bei Diberias gefangen wor⸗ den waren. Sogleich wurden Alle, welche noch vor⸗ handen waren losgegeben; ja der edle Sieger, der Tuͤrke Sala⸗heddin, ließ ſogar anſehnliche Ge⸗ ſchenke vertheilen, Jedem nach ſeinem Stande.— Was that hiugegen Raimund, der abtruͤnnige Chriſt von Tripoli?— Er nahm dieſen Verbannten Alles wieder ab, und brachte ſie in eine ſolche Verzweiflung, daß eine Frau, der man Alles weggeraubt hatte, bis auf ihr kleines Kind, das ſie auf den Armen trug, daſſelbe in Gegenwart des Grafen mit graͤßlichem Fluchen der Verzweiflung ins Meer ſchleuderte!— Der nachfol⸗ gende Fluch ereilte bald den abſcheulichen Raimund. Er wurde ſeinen Unterthanen zum Graͤuel, und da er nicht Koͤnig von Jeruſalem wurde, wie ihm fruͤher Sala⸗heddin ſoll verſprochen haben, kam er von Sinnen, und ſtarb in ſchrecklicher Raſerei. Das chriſtliche Koͤnigreich Jeruſalem nahm alſo ein Ende, im Jahre 1187, nachdem es acht und achtzig Jahre lang gedauert hatte. Die vertriebe⸗ nen Chriſten ſuchten theils in Antiochien und Tyrus, theils in Europa ihre Zuflucht. Zwanzig Tauſend blieben gefangen zu Jeruſalem; der Exkoͤnig Guy von Luſignan, und der Großmeiſter der Tempel⸗ herren wurden gegen die feſte Stadt Askalon, die noch in den Haͤnden der Koͤnigin war, ausgetauſcht, und ins Freiheit geſetzt. Zu Jeruſalem ſelbſt ließ Sala⸗heddin alle Zeichen des chriſtlichen Gottesdienſtes vertilgen. Den Tempel Salomons ließ er mit Roſenwaſſer beſpren⸗ gen, und nach Mahomeds Vorſchrift reinigen. Seine Soldaten entheiligten und zerſtoͤrten Altaͤre und Kreuze in den andern Bethaͤuſern; nur die Kirche des heiligen Grabes blieb verſchont, weil man glaubte, von 206 den dahin wallenden Pilgern Nutzen ziehen zu koͤn⸗ nen. Auch ließ der Sultan in dem beruͤhmten Hoſ⸗ pital die Kranken wie bisher pflegen, und bewiligte den Bruͤdern und Rittern einen ungehinderten Auf⸗ enthalt. Sala⸗-heddin ſuchte nun ſeine Herrſchaft in Palaͤſtina vollſtaͤndig zu begruͤnden. Noch war Ty⸗ rus, die beruͤhmte Stadt, nicht in ſeinen Haͤnden. Konrad, Markgraf von Montferrat, ein helden⸗ muͤthiger Ritter, zog von Europa aus in den heiligen Krieg. Zu Konſtantinopel hatte er bereits den Ruf vernommen vom Gluͤcke der Tuͤrken, vom Un⸗ gluͤcke der Chriſten. Er eilte, ſo ſchnell er konnte, nach dem heiligen Lande. Als er aber vor Ptolo⸗ mais kam, und den Glockenſchall, der ſonſt ertoͤnte bei Annaͤherung eines chriſtlichen Schiffes, nicht hoͤr⸗ te; ward er beſtuͤrzt. Als er endlich, ſtatt des Kreu⸗ es, ſarazeniſche Fahnen auf den Thuͤmen wehen ſab, ſegelte er ſogleich nach Dyrus. Dieſe Stadt war damals ohne Vertheidigung, und in Gefahr, wie Ptolemais, in die Gewalt des Sultans zu gera⸗ then. Konrads Geiſt entbrannte von entſchloſſe⸗ nem Muthe. Er ſah die Gelegenheit, Ehre einzule⸗ gen, unter den Voͤlkern, und eine Landſchaft in Sy⸗ rien fuͤr ſich zu gewinnen. Er erbot ſich, die Stadt wider die Sarazenen zu vertheidigen, verlangte aber dafuͤr die Oberherrſchaft. Man bewilligte ſie ihm.— Nun ließ Konrad die Rotte des verraͤtheriſchen 207 Raimund's von Tripoli ausforſchen, und in Ver⸗ haft nehmen, wie auch die Feſtungswerke in vortreff⸗ lichen Stand ſetzen.. Als nun Sala⸗heddin vor die Stadt ruͤckte, ſah er wohl ein, daß er hier mit großen Vertheidi⸗ gungswerken, mit Staͤrke und Entſchloſſenheit zu kaͤmpfen hatte. Er bot dem Markgrafen die Freiheit ſeines Vaters Wilhelm an, den er in Jeruſalem gefangen hatte, wenn er ihm die Stadt uͤbergeben wollte. Aber Konrad beharrte ſtandhaft auf ſeiner Entſchließung, die Stadt bis auf den letzten Blut.⸗ tropfen zu vertheidigen; denn Lebensmittel waren im Ueberfluſſe darin. Sala⸗heddin belagerte ſie zu Waſſer mit einer wohl ausgeruͤſteten Flotte, und ver⸗ hinderte ſorgfaͤltig, daß die Einwohner von genneſiſchen und ſiziliſchen Schiffen keine Zufuhr erhalten moͤch⸗ ten. Allein Konrad's Wachſamkeit und gute Maß⸗ regeln vereitelten jede Bemuͤhung des Sultans. Er wagte ſogar einige Ausfaͤlle, und trieb die Sarazenen weit von der Stadt weg. Endlich bewaffnete er alle Schiffe, die im Hafen lagen, vereinigte ſie mit der ſiziliſchen Flotte, und noͤthigte den Sultan ſo gluͤcklich zum Weichen, daß faſt alle Schiffe deſſel⸗ ben am ufer ſcheiterten, oder in Grund geſenkt und weggekapert wurden. Auch konnte Sala⸗heddin nicht verhindern, daß immer mehr Huͤlfe in die Stadt kam, wodurch ſie ſich in den Stand ſetzte, mit ſtaͤrkerm Nachdruck die Feinde zu bekriegen, und 6 208— eine große Anzahl von ihnen gefangen zu nehmen. Unter dieſen war auch ein Tuͤrke von großem Rauge, den Konrad gegen ſeinen Vater auswechſelte, dem es ein ruͤhrendes Vergnuͤgen war, durch die Tapfer⸗ keit ſeines Sohnes in Freiheit zu kommen. Der Markgraf Konrad blieb nun Fuͤrſt von Tyrus, der einzigen Chriſtenſtadt in Aſien. Denn Sala⸗ heddin war von Tyrus weg nach Antiochien gezogen, und in kurzer Zeit fiel ihm ſowohl die Hauptſtadt dieſer Gegend, als auch ungefaͤhr zwanzig Ortſchaften zu. Dieß war, nach den erſten großen Kreuzzuͤgen der Stand der Dinge in Palaͤſtina, nach dem Verlaufe von beinahe einem Jahrhunderte. Europa trauerte uͤber das Elend ſeiner Kinder in Aſien, und Papſt Urban III. war daruͤber ſo betruͤbt, daß er aus Kummer erkrankte, und den 19. des Weinmonats 1187 ſtarb. Sein Nachfolger, Papſt Gregor VIII. beweinte nicht minder den Verluſt Jeruſalems; ihm war es vorbehalten, zu einem dritten Zuge in das heilige Land Kaiſer, Koͤnige und Fuͤrſten aufzu⸗ fordern, wie wir in der folgenden Erzaͤhlung verneh⸗ men werden. VII. Kreuzzug des teutſchen Kaiſers, Friedrich des Roth⸗ barts 1189. Aus Böhmiſchen Urquellen beſchrieben von Dobrowsky 1827. Das Land Gotes, die Stadt des Koͤnigs aller Koͤnige lag unter der Knechtſchaft der Unglaͤubigen. Die ganze Chriſteuheit zerfloß in Thraͤnen, bei der Nach⸗ richt ſo vieler Graͤuel, welche der Patriarch von Je⸗ ruſalem, welche andere fromme Pilger aus dem Theile Aſtens brachten, wo der Urſprung unſers Heiles, der Anfang unſerer heiligen Kirche war. Papſt Urban III. war uͤber den bejammernswuͤrdigen Zuſtand der uͤbrig geliebenen Chriſten im Morgenlande ſo be⸗ ſtuͤrzt, daß er aus Kummer zu Ferrara ſchnell er⸗ krankte, und den 19. Weinmonats 1187 ſtarb. Jetzt geriethen Teutſchland, Frankreich und England in all⸗ gemeine Gaͤhrung. Ueberall predigte man, daß die⸗ jenigen unwuͤrdig waͤren ein Erbtheil im Himmel zu 210 haben, welche das Erbtheil Gottes auf Erden nicht von der Herrſchaft der Unglaͤubigen befreiten. 3 Die Koͤnige von Frankreich und England, Phi⸗ lipp Augu t, und Heinrich II. wurden bewogen, ihre gegenſeitigen Streitigkeiten, worin ſie verwiekelt waren, bei Seite zu ſetzen; ſie kamen am 13. Jaͤnner 1188 zwiſchen Giſors und Trie zuſammen, wo ſie bis zum 21. dieſes Monats in Unterhandlung mit einander traten. Die Fuͤrſten und Biſchoͤfe beider Reiche wa⸗ ren dabei gegenwaͤrtig. Erzbiſchof Wilhelm von Dyrus, Abgeordneter der Chriſten im Morgenlande, ſprach von der Verwuͤſtung in Palaͤſtina, von dem noch bevorſtehenden Ungluͤcke mit ſolchem Nachdrucke, daß die Koͤnige ſogleich das Kreuz nahmen, und viele von ihren angeſehenſten Lehensmaͤnnern ihrem Bei⸗ ſpiele folgten.— Folgende ſind die Maͤnner, welche ſich zum Kreuzzuge entſchloſſen haben: Walther⸗ Erzbiſchof zu Rouen; Balduin, Erzbiſchof zu Kanterbury; die Biſchoͤfe von Bennvais und Chartres; Hugo I1I., Herzog von Burgund; Richard, Graf von Poiton; Philipp, Graf von Flandern; Theobald, Graf von Blois; Rot⸗ raud, Graf von Perche; Wilhelm von Barras, Graf von Rochefort; Heinrich, Graf von Champagne; Stephan, Graf von Sancere; Robert, Graf von Dreux(Bruder Ludwigs VII. und Stammvater der Herzoge von Bretagne); die Grafen von Clermont, Roiſſous, Nevers, 211 Vendome und Bar. Ferner Bernhard von St. Valeri; Jakob von Avenes, die beiden Bruͤder Joſeelin und Mathaͤus von Montmo⸗ renei; Wilhelm und Drogo von Merlon, Aubri von Boulogne, u. a.— Zum Unterſchied der Nationen nahmen ſie verſchiedene Kreuze, die Franzoſen ein rothes, die Englaͤnder ein weißes, die Flammlaͤnder ein gruͤnes. Der Platz, wo die Ver⸗ ſammlung gehalten wurde, bekam den Namen: das beilige Feld. Die beiden Koͤnige ließen ein hoͤl⸗ zernes Kreuz daſelbſt aufrichten, und ſifteten eine Kirche zum Andenken ihrer Verbindung wider die Un⸗ glaͤubigen. Hierauf machten ſie Anſtalten, und in ih⸗ ren Laͤndern Verordnungen zum Feldzuge in das hei⸗ lige Land. Allein verſchiedene Hinderuiſſe, und be⸗ ſonders die Streitigkeiten, in welche Koͤnig Hein⸗ rich von England, ſelbſt mit ſeinen eigenen Soͤhnen, Richard und Johann, verwickelt war, verzoͤger⸗ ten den Vollzug des Vorhabens. Ja, Heiurich, von Betruͤbniß uͤberladen, daß die eigenen Soͤhne nach ſeinem Herzen zielten, ſtarb auf der Veſte Chinon di Saumur, den 6. Heumonats 1189, und ward in der Abtey⸗Kirche des Kloſters Foutevrault zur Schau ausgeſtellt. Den Tag darauf kam Ri⸗ chard dahin. Sein Aublick ſtarrte, ſein Herz pochte fuͤrchterlich, kalter Schauer bebte durch ſein Nark und Gebein, ſein Gewiſſen ward erſchuͤttert. Man bemerkte, daß im Augenblicke ſeiner Glutangſt aus 212 Mund und Naſe des vaͤterlichen Leichnams Blut raun; er rief in der graͤßlichſten Beklemnung der Bruſt aus: Ich bin Moͤrder meines Vater!— Nun fuͤhlte auch Er den ſtaͤrkſten Trieb zum Kreuzzuge.— Die alte Verfaſſung von Engiand, wo das Volk we⸗ nig Reichthum und keinen Kredit beſaß, machte es den Koͤnigen unmoͤglich,, die Koſten eines auhaltenden Krieges zu tragen, weun er auch nur an den Gran⸗ zen gefuͤhrt wurde; viel weniger konnte man ordent⸗ liche Mittel finden, in einer ſo großen Entfernung, als Palaͤſtina war. Richard wußte demnach, daß er alle zu ſeinem Unternehmen noͤthige Schaͤtze mitueh⸗ men mußte, weil die Armuth ſein Land außer Stand ſetzte, ihn mit allen Erſorderniſfen zu einem ſo gefaͤhr⸗ lichen Kriege zu verſehen. Sein Vater hatte ihm ei⸗ nen Schatz von mehr als hundert tauſeud Mark Sil⸗ bers hinterlaſſen, und Richard bemuͤhte ſich, dieſe Summe durch alle Mittel zu vergroͤßern. Er verkaufte die Einkuͤnfte und Kronguͤter. Die Wuͤrde eines Oberſcherifs, in deſſen Ausuͤbung die ganze Vollzie⸗ hung der Geſetze ruhte, wurde dem Biſchofe von Durhan, Hugh de Pugas, fuͤr tauſend Maxk uͤberlaſſen; ferner dieſem die Shire Northumberland auf Lebenszeit verkauft; dann ihm, und dem Bi⸗ ſchofe Longihamp von Ely wahrend der Abweſen⸗ heit des Koͤnigs die Regierung des Reichs uͤberlaſſen. Die Lehensherrlichkeit von Schottland wurde um iehntauſend Mark verkauft. Die Englaͤnder von allen 213 Staͤnden mußten eine Menge von Abgaben entrichten, die Reichen wurden durch Drohungen gezwungen, un⸗ geheure Darleihen zu machen, die Richard nie wie⸗ der zu bezahlen gedachte.— Nach dieſen Vorbereitun⸗ gen verſammelten fich alle unruhigen und kriegeriſchen Koͤpfe um den Koͤnig, und gluͤhten vor Begierde, ſich wider die Unglaͤubigen in Aſien hervor zu thun, und dorthin zu folgen, wohin ihn ſeine Neigungen, und die Bothſchaften des Koͤnigs von Frankreich trieben, der inzwiſchen auch ſein Reich beſtellt, und endlich alle Hinderniſſe uͤberwunden hatte, welche ſeiner Reiſe nach Palaͤſina noch entgegen ſtanden. Die wiederholten Ungluͤcksfaͤlle, welche die Kreut⸗ fahrer Lisher begleitet hatten, uͤberzeugten die Koͤnige von Frankreich und England von der Nothwendigkeit, einen andern Weg nach dem heiligen Lande zu neh⸗ men. Sie entſchloſſen ſich, ihre Heere zu Waſſer da⸗ hin zu ſenden, hinlaͤnglichen Mund⸗ und Kriegsvor⸗ rath mitzunehmen, und durch Huͤlfe ihrer Seemacht mit ihren Laͤndern in Europa, und mit den chriſtlichen Wohnſitzen in Aſten eine Verbindung zu erhalten. Der erſte Sammelplatz war das Gefild von Ve⸗ zelay an den Graͤnzen von Burgund; und die Koͤ⸗ nige fanden daſelbſt ihre Heerſchaaren(am 29. Brachmonat 1480) gegen hundert tauſend Mann ſtark, eine faſt unuͤberwindliche Macht’, welche von Volks⸗ ehre und Religionseifer beſeelt, von zwei heldenmuͤ⸗ thigen Monarchen gefuͤhrt, mit allem verſehen war, 214 was ihre Laͤnder herzugeben vermochten, und ſich den Kaͤmpfen mit der Natur, und den Sarazenen⸗ Schlachten muthig entgegen waͤlzen konnte. Die beiden Koͤnige erneuerten hier das Verſpre⸗ chen einer wechſelſeitigen Freundſchaft, gelobten auf das Feierlichſte, daß ſie waͤhrend des Kreuzzuges keine Fehden und Kriege anfangen wollten, ließen ſich da⸗ ruͤber von ihrem geſammten Adel und der Geiſtlich⸗ keit Eide ablegen, und ſetzten ſich dem Fluche des Kir⸗ chenbannes aus, wenn ſie dieſe oͤffentliche und feierli⸗ che Verpflichtung jemals kraͤnken wuͤrden. Hierauf ſchieden ſie bei Lyon von einander. Philipp nahm den Weg nach Genua. Er hatte am Johannistage zu St. Denis das Oriflamen, den Pilgerſtab, die Pilgertaſche und manche andere ge⸗ ſegnete Sachen erhalten, welche ihn vor Unfaͤllen be⸗ wahren ſollten; allein ein Sturm im mittellaͤndiſchen Neere richtete ſeine Flotte ſehr uͤbel zu, und ſo kam er in Meſſina an. Was man vorher bei dem uͤber⸗ wogenden Sturme uͤber Bord geworfen hatte, das mußte man in Sizilien wieder um einen ſehr ho⸗ hen Preis anſchaffen. Der Koͤnig ließ hiebei eine edelmuͤthige Freigebigkeit blicken, indem er aus ſeinem Schatze allen Jenen, welche das Ihrige verloren ha⸗ ben, eine anſehnliche Beiſteuer gab. Der Koͤnig von England zeigte ſich gegen ſeine verun⸗ gluͤckten Gefaͤhrten nicht ſo großmuͤthig. Er hatte ſeinen Weg nach Marſeille genommen, in der Erwaxtung, 215 dort ſeine Flotte zu finden. Er ſeselte auch, wie Phi⸗ lipp von Frankreich, am 14. des Herbſtmonates ab; ſie blieben dann, ſich von dem erlittenen Sturme zu erholen, den ganzen Winter in Meſſina. Auch die Teutſchen wurden inzwiſchen in allge⸗ meine Bewegung geſetzt, dem Zuge wider die Tuͤrken beizuwohnen. Papſt Gregor VIII.(vormals Kardi⸗ nal Albert aus dem Hauſe Moro von Benevento, noch vor Urbans III. Begraͤbniß erwaͤhlt), ein gut⸗ meinender Greis, weinte uͤber den Verluſt von Jeruſa⸗ lem. Er ſchickte auch an den Kaiſer der Teutſchen, wie an die Koͤnige, den Kardinal Heinrich von Al⸗ bano ab, welcher ihm vorweinen, und ihn durch Thraͤnen. zum Zuge nach Palaͤſtina bewegen ſollte. Er ſelbſt ging nach Piſa, um die Piſaner und Ge⸗ nueſer, welche mit einander in Streit verwickelt wa⸗ ren, dahin zu vermoͤgen, daß ſie ihre Haͤndel beile⸗ gen, und ſich zu einem allgemeinen Zuge wider die Tuͤrken mit den uͤbrigen europaͤiſchen Fuͤrſten vereini⸗ gen moͤchten. Allein Gregor ſtarb(im Wintermo⸗ nat 1187), ehe er ſeinen Entwurf zur Ausfuͤhrung ge⸗ bracht ſah. Ihm folgte ein geborner Roͤmer, Paul, Biſchof von Palaͤſtina, unter dem Namen Kle⸗ mens III. Dieſer Papſt hatte gleichen Geſchmack an den Kreuzzuͤgen, wie ſein Vorgaͤnger, und befoͤrderte das Unternehmen auf das Eifrigſte. Er ſtellte den Frieden zwiſchen Genna und Piſa vollends her, fuͤhrte zu Rom eine beſſere Verfaſſung ein, und be⸗ 216 friedigte auch den Kaiſer uͤber Mancherlei, was Zwi⸗ ſtigkeiten veranlaßt hatte zwiſchen dieſem und dem roͤ⸗ miſchen Hofe. Kaiſer Friedrich, genannt der Rothbart, war vergnuͤgt uͤber dieſe Ausgleichung; er hielt es fuͤr ein Verdienſt, ſeine Laufbahn der Ehre—(er war ſchon in einem ziemlichen Alter), mit dem naͤmlichen Zuge zu endigen, mit welchem er ſie unter ſeinem Oheim, Kourad III., in ſeiner Jugend angefangen hatte. Deßwegen machte er mit groͤßtem Eifer ſeine Anſtalten zur Reiſe. Seine vornehmſte Bemuͤhung war die Befeſtigung des Landfriedens, der auch in ſeiner Abweſenheit die Ruhe von Teutſchland erhal⸗ ten ſollte. Denn hier gab es, ungeachtet ſeiner vie⸗ len, edlen Beſtrebungen, immer noch Friedensſoͤrer; Gerechtigkeit und Geſetze waren noch nicht ſo beſchaf⸗ fen, daß man ſich gute Folgen davon verſorechen konnte. Nun hielt er an Whnachten 1187 zu Nuͤrn⸗ berg eine Verſammlung der Räſchsfuͤrſten, wo er we⸗ gen der innern Ruhe des Reiches einige Verfuͤgun⸗ gen traf. Hierauf ſchrieb der Kaiſer einen Reichstag nach Mainz aus. Es war im Jahre der Menſchwerdung Chriſti. 1188, den 21. Maͤrz, als ſich daſelbſt viele Fuͤrſten, Biſchoͤfe, Herzoge, Grafen, und andere Edle ver⸗ ſammelt hatten. Auch der Kardinal Heinrich von Albano und der Erzbiſchof Wilhelm von Tyrus 217 waren gegenwaͤrtig. Dieſe Beiden vereinigten ſich, die allgemeine Noth der paläſtiniſchen Chriſten ſo dringend und lebhaft vorzuſtellen, daß der Kaiſer von ſeinem Throne ſtieg, ſich zur heiligen Reiſe bereit er⸗ klaͤrte, und aus den Haͤnden des Biſchofs Gott⸗ fried von Wuͤrzburg das Zeichen des Kreuzes em⸗ pfing, waͤhrend Viele in der Verſammlung haͤuſige Thraͤnen der Freude vergoßen.— Dieſem erhabenen Beiſpiele folgten auch bald die vornehmſten der Fuͤr⸗ ſten, der Biſchoͤfe, Herzoge und Grafen, ſo wie die auserleſenen Ritter, viele Prieſter, auf gleiche Weiſe mit dem Kreuze ſich bezeichnend, dann zahlreiche Edle, von Begierde brennend, den allgemeinen Feind der Chriſtenheit zu vertilgen. Die Churfuͤrſten verſpra⸗ chen ihre bewaffnete Macht beizufuͤhren, ja, in ganz Teutſchland kennte Niemand mehr auf Anſehen und Ehre rechuen, empfing er nicht das heilverkuͤndende Zeichen, und ſchloß er ſich nicht dem Heere der mit dem Kreuze Bezeichneten an. Noch im naͤmlichen Jahre hielt der Kaiſer zu Nuͤrnberg Hof, wo viele Fuͤrſten verſammelt waren. Da erſchienen ploͤtzlich die Geſandten IJſaaks, des Kaiſers von Konſtantinopel, naͤmlich deſſen Kanzler, Johannes, und andere vornehme Griechen; ferner die Botſchafter des Sultans von Ikonien, eines tuͤr⸗ kiſchen Fuͤrſten. Sie brachten feierliche Freundſchafts⸗ Verſicherungen von Seite ihrer Herren.— Die Ruͤ⸗ ſtung der Europaͤer nach Jeruſalem hatte bereits 4tes B. Paläſtina. I. 2. 7 218 ſowohl das ganze Ihyrien, als auch viele Landſchaf⸗ ten des Orients in Bewegung gebracht. Es war aber der abendlaͤndiſche Kaiſer dem Wil⸗ len der teutſchen Majeſtaͤt gerade entgegen. Er hatte . naͤmlich die Meinung, ſowohl die Teutſchen, als auch die Franzoſen mit ihrem Koͤnige, wuͤrden— unter dem Vorwande eines Zuges nach Jeruſalem— nur kommen, um feindlich in ſein eigenes Land einzufal⸗ len. So lange Friedrich ihn hieruͤber nicht ſicher ſtellen wuͤrde, wollte er ihm und den Seinigen den Eintritt in Bulgarien keineswegs geſtatten, und ihn auf alle moͤgliche Weiſe daran hindern. Der Kaiſer, aus Liebe zum Frieden, ſuchte die ſchaͤdliche Meinung des abendlaͤndiſchen Herrſchers zu entktaͤften, indem er ſich zu einem friedfertigen Betragen eidlich verbin⸗ den wollte. Der griechiſche Kanzler und ſeine Be⸗ gleiter nahmen dieſe Handlung des Kaiſers, ſo wie die Buͤrgſchaft des Biſchofes von Wuͤrzburg, des Her⸗ zoges von Schwaben und des von Oeſterreich mit Wohl⸗ gefallen auf; ſie ſchwuren nun auch, ſtellvertretend ihren Herrſcher, ſo wie fuͤr alle Fuͤrſten Griechen⸗ lands, einen Eid auf das heilige Evangelium, daß ſie Alle wahre und unwandelbare Freundſchaft halten, einen ſichern Durchtug und Fuͤhrung durch ihr Land, dann die Zufuhr an Lebensmitteln beſtellen, wie fuͤr beaueme Fahrt uͤber das Meer ſorgen wollten. Allein ihr Eid, und ihre Worte waren Luͤge und Trug; Honig auf den Lippen, verbargen ſie darunter das 4 219 Gift der Schlangen. Denn ſpaͤter erſuͤllten ſie von allen dem, was ſie verſprochen hatten, nicht das Geringſte. Auf Befehl des Kaiſers aber mußten drei der teutſchen Fuͤrſten ſchwoͤren, daß der Uebertritt der Teutſchen in das Land der Griechen vollkommen fried⸗ lich und ruhig ſeyn werde. Ja, der fromme Kai⸗ ſer, vertrauend dem Eide der Griechen, beſtimmte ſogleich angeſehene und verſtaͤndige Geſandte, den Bi⸗ ſchof von Muͤnſter, Rupert, den Grafen von Naſ⸗ ſau und Andere; ſie mußten ſich vor ſeinen Augen und vor den Augen des verſammelten Kreuzheeres von ihren Sitzen erheben, um zu beweiſen, daß auch die Teutſchen Allem nachkommen wollten, zu was ſie das Verſprechen der Griechen verbunden hatte. Aber leider! dem klugen Kaiſer blieb es doch verborgen, daß ſeine redlichen und getreuen Geſandten abge⸗ ſchickt wurden, gleichſam wie die Schafe in die Mitte der Woͤlfe, Zu gleicher Zeit loderte aber auch in al⸗ len tapfern Streitern das ruhmvolle Feuer hoͤher und heißer auf: zu kaͤmpfen wider die Feinde, welche die beilige Stadt und das Grab des Erloͤſers raͤuberiſch an ſich geriſſen hatten, ohne zu achten, ob ſie auch mit einer unzaͤhligen Menge zu ſtreiten haͤtten; denn alle hielten fuͤr hoͤchſten Gewinn: zu leben, oder zu ſterben fuͤr Chriſtus den Herrn. Im Jahre 1489, den 9. Mai, im 38. ſeiner Regierung, ging Friedrich, der unuͤberwi liche Kaiſer der Teutſchen und Roͤmer, mit dem teutſchen troffen, und die Regentſchaft ſeinem Sohne, dem roͤ⸗ 220 Kreuzheere zu Regensburg zu Schiff, nachdem er vorher fuͤr die Verwaltung des Reiches, waͤhrend ſeiner Fahrt uͤber das Meer, die beſte Vorſorge ge⸗ miſchen Koͤnige Heinrch uͤbertragen hatte. Er fuhr auf der Donau abwaͤrts bis Wien, wohin fruͤher 4 ſchon ein großer Theil des Heeres landwaͤrts gezo⸗ gen war. Waͤhrend dieſer Fahrt ließ er im gerechten Zorne einen Flecken, Muͤhlhauſen genannt, am Ufer der Donau, in Beand ſtecken, weil die Ein⸗ wohner des Ortes einen ungewoͤhnlichen Zoll, hoch⸗ muͤthig und ſtolz, von den voruͤber wallenden Pilgern, wenn ſie auch mit dem Kreuze bezeichnet waren, ge⸗ fordert hatten. Von Wien wurde die Reiſe fortge⸗ ſetzt nach dem Lande Ungarn, und den 23. Juni war das Heer bei dem ſogenannten Eiſenthor, lagerte ſich dort in den Ebenen herum, und verweilte vier Tage, bis ſich alle, welche dem Kreuzzuge beiwohnen wollten, daſelbſt verſammelt hatten. Inzwiſchen aber war der Kaiſer keineswegs muͤßig; er ordnete den Zug des Heeres, and ſchlichtete mauche Streitigkeiten feindlicher Gegner. Unter andern befahl er, von frommer Milde und von Mitleiden befangen, zweien, vor ſeinem Angeſichte Kaͤmpfenden, ſie zu trennen,* ehe einer derſelben gaͤnzlich unterlegen waͤre. Dort feierte er auch mit dem Heere das Pfingſtfeſt, und nun waren auch zu ihm gekommen die Biſchoͤfe von Bam⸗ berg und von Freiſing, wie der Herzog von Oeſterreich. 221 Es erſchienen auch die Geſandten des glorreichen Koͤnigs Bela von Ungarn, den Kaiſer zu bewillkom⸗ men, und zu ſich zu laden. Ueberhaupt waren im ganzen, weiten Lager, wel⸗ ches ſich uͤber die beſagte Ebene erſtreckte, folgende Haͤupter und Edle, zum Kreuzheere gehoͤrig, zu aͤh⸗ len, als: Friedrich Barbaroſſus, der roͤ⸗ miſch⸗teutſche Kaiſer; deſſen Sohn, Fried⸗ rich, Herzog von Schwaben; die Biſchoͤfe: Ru⸗ dolph von Luͤttich, Gottfried von Wuͤrz⸗ burg. Leopold von Paſſau, Konrad von Negensburg, Heinrich von Baſel, Martin von Meiſen, Arnold von Osnamburg, und jene zwei, welche ſpaͤter dazu gekommen ſind, naͤm⸗ lich Heumo, Erzbiſchof von Tarmit, und Hein⸗ rich von Toul. Wir ſollen beizaͤhlen auch Her⸗ mann von Muͤnſter; allein dieſer war jetzt nicht beim Heere, ſondern voraus gegangen mit ſeinen Be⸗ gleitern, zum Kaiſer nach Konſtantinopel, als Ge⸗ ſandter des Herrſchers der Teutſchen. Weltliche Fuͤr⸗ ſten: Berthold, Herzog von Dalmatien und Markgraf von Iſtrien; Berthold, Markgraf von Voburg; Hermann Markgraf von Baden; der Graf von Holland, mit ſeinem Sohne und ſei⸗ nem Bruder; Otto, Graf von Pentheim; Hein⸗ rich Graf von Seien; Heinrich Graf von Span⸗ heim und deſſen aͤlterer Bruder; Heinrich, Graf von Gich, Dietrich Graf von Widen, Engel⸗ 222 bert, Graf von Berg, welcher auf der Reiſe, bei Gowin, an der Graͤnze Ungarns geſtorben iſt. Friedrich, Graf von Abbach; Poppo, Graf von Hermbach. Aus Schwaben waren dabei: Kon⸗ rad, Graf von Oettingen; Ulrich, Graf von Kuͤhbach und deſſen Bruder Adalbert, Graf von Dilingen; Berthold, Graf von Neu⸗ bach; Heinrich, Graf von Vergen. Aus Baiern: Gebhard, Graf von Traunſtein; Siegfried, Graf von Leibelfing; Konrad, Graf von Dornberg; Kourad, Graf von Wal⸗ lenſtein. Aus Sachſen: Adolph, Graf von Schombach; Chriſtian, Graf von Altenbach; Leupold, Graf von Holmund und deſſen Bru⸗ der Willibrand; Bunhard, Graf von Wal⸗ dinrode. Ferner: Rupert, Graf von Naſſau und deſſen Vetter, Graf Walrob; Heinrich der juͤngere, Graf von Chieſt, welcher mit dem Biſchofe von Mainz als kaiſerl. Geſandter nach Griechenland gegangen war. Ueberdieß der Graf von Salm, mit ſeinem Bruder, Grafen von Mant, welche bei Brandiez zum Heere geſtoßen ſind, und mit ihnen viele Buͤrger aus Metz. Dann: Gabpert von Aspermont, mit ſeinen Geſellen, welche mit dem Tullenſer⸗Biſchofe an der Graͤnze von Bul⸗ garien dazu kamen.— Ueberdieß waren noch von dem beſſern Adel dabei. Aus Sachſen: der Praͤ⸗ fekt von Magdeburg, und Windihied von 223 Schwolmseck, dann Lothar von Wadilbach. Aus Kaͤrnthen und der Mark: Leopold von Waldſtein; Adalbert von Wiesbach. Aus Heſterreich: Friedrich, Furſprecher von Perg; Otto von Romsbach. Aus Baiern: Diepold Laikach, Heinrich Gruͤnbach, Hobrand von Arnbach, Potto von Maſſing, Konrad von HaarbachArnold von Hornbach, Beringer von Gambach, Adalbert von Piekbach. Aus Schwaben: Konrad von Schwarzbach, Herr⸗ mann von Hirſchbach, Berthold von Koͤ⸗ nigsbach, Heinrich von Sirbach. Aus Fran⸗ ken: Adalbert von Hiltenbach, Adal⸗ bert von Grumbach, Adalbert von Ho⸗ henloh, Sberhar d und Reinhold von Rietenbach, Heinrich von Hagen. Allein, wann wuͤrden wir zu Ende kommen, wollten wir alle die vornehmen Beamten, und andere auserleſene Krieger auch noch benennen, welche im Begriffe wa⸗ ren, in den heiligen Kampf zu ziehen? Viele der⸗ ſelben hatten, wie die Koͤnige von Frankreich und England, ihre Privat⸗ Streitigkeiten bei Seite geſetzt, um den Weg des Heiles zu betreten. Viele aber traten, weltlicher Vortheile, oder Bequemlichkeit wegen, auch davon zuruͤck. Die gleichzeitigen Ge⸗ ſchichtſchreiber glaubten, daß es beſſer iſt, ihre Na⸗ men nicht zu nennen.— Viele waͤhlten auch den Zug zu Schiff uͤber das Meer, um die Beſchwerlichkeit * 224 des Weges zu Lande zu vermeiden; wie der Biſchof von Bremen, der Landgraf von Thuͤringen, der Graf von Tekkenbach ꝛc. Auf ſolcher Fahrt kamen ſie zwar ſchneller, ohne Gefahr vor feindlichen Orten, an das Ziel der Beſtimmung, mußten aber doch auf die Uebrigen wieder warten, bis ſie ſich zu ihnen ver⸗ ſammelt hatten. Von der ausgezeichneten Tapferkeit mancher, wie z. B. des Landgrafen, werden wir noch in der Folge ſprechen. Erwaͤhnen muͤſſen wir aber die merkwuͤrdige Standhaftigkeit des Erz iſchofes von Tarent, des Biſchofes von Toul und der Ihri⸗ gen, welche dem Heere der Chriſten von Burgund und Lothringen gefolgt waren, oft durch falſche Geruͤchte in Angſt und Verlegenheit, oft durch gro⸗ ßen Mangel und Hunger in Noth gerathen waren. Als endlich beinahe alle Leute des Erzbiſchofes von Tarent zu Grunde gegangen waren, und ſeine Wenigen ſich noch zuruͤck an das Meer begeben hat⸗ ten, kam er ſelbſt dennoch unerſchrocken bei dem Kreuzheere an, wie der Biſchof von Toul, und Beide ſahen nun kluͤglich ein, daß ſie nur mit falſchen Ge⸗ ruͤchten geneckt worden ſeien. Noch im naͤmlichen Lager vernahm der Kaiſer den Rath der Fuͤrſten, und gab hiernach dem Heere die noͤthigen Geſetze, zu deren ſtrengen Beobachtung ſich Alle— ſelbſt durch einen Eid verbinden mußten. Er beſtellte beſondere Richter durch alle einzelne Abtheilun⸗ gen, welche die Uebertreter augenblicklich ſtrafen mußten. 225 Es war hierauf wahrlich zu bewundern, wie un⸗ ter einem Haufen von Menſchen, welche ſich doch ſonſt ſo gerne ihrem Hange zum Leichtſiun, oder zur Streitſucht, und andern Ausſchweifungen uͤberließen, jetzt nur Friede, Treue, Eintracht und die groͤßte Ruhe herrſchte. Ja, wenn Jemanden ein Beutel mit Geld, entweder von einem Andern genommen, oder durch Zufall verloren wurde; ſo trug ihn der Finder, und zeigte ihn oͤffentlich herum. War derjenige, der ihn verloren hatte, ausgemittelt, ſo wurde ihm das Geld in voller Zahl, oder das Silber nach vollem Ge⸗ wichte wieder zugeſtellt. Ein Gleiches geſchah bei Pferden, oder andern verlornen Sachen. Einigen der Kreuzzuͤgler, welche, der ſtrengen Geſetze ungeachtet, ſich ſo weit vergaßen, daß ſie ihre Gefaͤhrten verwun⸗ deten, wurde die Hand abgehauen, wie es das Ge⸗ ſetz verordnete. Zweien Edelleuten aus Elſaß wurden wegen einigen Unruhen, die ſie verurſacht hatten, die Koͤpfe abgeſchlagen. Kaiſer Friedrich und ſein ganzes Heer wurde hierauf von dem Koͤnige Bela von Ungarn auf das Freundſchaftlichſte empfangen. Dieſer kam ihm bei Gran, einer der vornehmſten Staͤdte in Ungarn, mit ſeiner Gemahlin und einer griechiſchen Prinzeſſin entgegen(den 4. Juni, in der Pfingſt⸗Oktav), um ſich gegenſeitig zu beſprechen. Die Voͤlker der Beiden üͤberließen ſich inzwiſchen großen Ergoͤtzlichkeiten. Margaretha, die Koͤnigin von Ungarn, war 226 eine Schweſter des Koͤnigs von Frankreich. Ihr Gezelt war bewundernswuͤrdig ſchoͤn und groß, vier⸗ fach abgetheilt, mit rothem Tuche anſtaͤndig bedeckt. Dem Kaiſer brachte der Koͤnig anſehnliche Ge⸗ ſchenke. Ihm und dem Kreuzheere ſtanden nun bela⸗ dene Schiffe, viele Waͤgen mit Brod und Wein, mit Futter fuͤr die Pferde, ferner eine Menge von Scha⸗ fen und Rindern, ſo wie auch drei Kameele zu Dien⸗ ſten. Auch unterhielt er den Kaiſer zwei Tage lang mit Feſten und Jagden, wozu die Ufer der Donau ſo herrliche Gelegenheit darboten. Das Heer ſelbſt ließ er waͤhrend des ganzen Zuges durch ſein Land in die fruchtbarſten, grasreicheſten Gegenden fuͤhren, und in der Hauptſtadt Gran wurden aus zwei Vorraths⸗ Haͤuſern, eines voll Mehl, das andere voll Haber, den aͤrmern Kreuzziehern die Beduͤrſniſſe zugetheilt. Auch befahl er, daß der Kaiſer, wohin er immer komme, in allen Staͤdten, beſonders wo Biſchoͤfe waren, mit feierlichem Gepraͤnge, in Prozeſſion ꝛe. empfangen werde. Ob dies aus wahrer Zuneigung— oder vielleicht auch nur aus Furcht geſchehen ſei, war ſchwer zu unterſcheiden. Denn nachhin, in den Streitigkeiten des Kaiſers mit dem griechiſchen Hofe, erregte er manchmal ziemlichen Verdacht. Schon in Annahme und Verwechslung der Muͤnzen uͤbervor⸗ theilten die Ungarn ihre Gaͤſte ſehr; ihr Geld war viel geringhaltiger, und doch gaben ſie fuͤr regens⸗ burger und anderes, kaum die Haͤlfte des ihrigen. 227 1 Als man den Fluß Trau voruͤber kam, kam das ganze Heer in Noͤthen; ja, einige Menſchen gingen in dem Wirbel des Fluſſes mit den Pferden zu Grunde. Das Geburtsfeſt St. Johannes des Taͤufers feierte man in der March, einer Landſchaft an der Graͤnze von Ungarn und Griechen land, bei dem Flecken, St. Georg genaunt. Als man hierauf Syrmium, eine ehemals beruͤhmte Stadt, voruͤber kam, ſetzte man am Feſte der Apoſtel Petrus und Paulus, viel gluͤckticher uͤber den Fuß Saw, wo ſie in die Donau fließt, als kuͤrzlich uͤber die Trau. Bald darauf betrat auch das Kreuzheer den griechi⸗ ſchen Boden. Nun waren es gerade fuͤnf Wochen, ſeit es zu Preßburg nach Ungarn kam. Es verweilte am Ufer des Fluſſes Saw, in der halb zerſtoͤrten Stadt Weiſſenburg,(auch Belgrad genannt), welche Gowin gegenuͤber liegt. Dieſe Ruhe kam dem Kreuzheere ſehr wohl zu Statten; Alles labte ſich in der gelinden, angenehmen Luft. Sonſt trift man zur Sommerszeit im Ungar⸗ lande viel quaͤlendes Ungeziefer an, welche Menſchen und Thiere plagen, als Schnacken, Bremſen, Fliegen Schlangen. Die Kreuzfahrer bingegen hatten auf ih⸗ rem ganzen Zuge durch Ungarn wenig davon geſehen, und nichts zu leiden.. Hierauf zog man durch die Waͤlder bei Bran⸗ diz, wo alle Schiffe verlaſſen, und man ſich der Wa⸗ gen fuͤr ſich und die Bagagen bedienen mußte. Alle 228 Schiffe, deren viele gar kuͤnſtlich und fleißig gemacht waren, uͤberließ der Kaiſer dem Koͤnige von Ungarn, um demſelben gleichſam wieder zu vergelten, was er dem teutſchen Volke Gutes gethan hatte. Hier wurde Friedrich, Graf von Abenberg, ein Juͤngling von herrlichen Anlagen, hier wurden jene Grafen mit dem Schwerte umguͤrtet(wehrhaft gemacht, nach alter, teutſcher Sitte), welche mit dem Erzbiſchofe von Tarent und den Buͤrgern von Meten zum Heere geſtoßen waren.— Es ſtarb aber hier, bei Go⸗ win, waͤhrend des Lagers, Graf Engelbert von Perg; der Ungarn Koͤnig aber ließ hier den glorrei⸗ chen Kaiſer der Teutſchen durch ſeine Geſandten noch⸗ mal mit Geſchenken beehren. Der Herzog von Servien empfing den Kaiſer gleichfalls mit großen Ehrenbezeig agen. Allein, wir werden in der Folge hoͤren, wie wenig redlich es die⸗ ſer Fuͤrſt gemeint hat, wie ſchlimm er ſich, wie alle Griechen, ſowohl gegen den Kaiſer, als gegen das ganze Heer benahm. Nach einigen Tagereiſen kamen ſie nach Bulga⸗ rien; auf Befehl des Kaiſers von Konſtantinopel wurden ſie aber nicht durch die Ebenen, ſondern durch außerſt gefaͤhrliche, felſige Gegenden gefuͤhrt. Die Ungarn, welche doch der Wege kundig waren, und dem Heere voran gingen, hatten gleichfalls mit den Beſchwerlichkeiten des Weges zu kaͤmpfen, und konn⸗ ten kaum den Nachſtellungen der Griechen entgehen. 3 229 Allein noch war ihrer Argliſt kein Ende. Denn in den weiten Waͤldern Bulgariens lagen Griechen, Bulgarier und Servier, ſaͤmmtlich wilde, barbariſche Voͤlkerſchaften, im Hinterhalte, fielen aus Felſen⸗ Winkeln hervor, und pluͤnderten Alle, welche ſich vom Hauptheere etwas entfernten. Diejenigen reiſigen Kuechte, welche voraus gegangen, oder ausgeſchickt waren, Fuͤtterung fuͤr die Pferde bei nſchaffen, wur⸗ den von den giftigen Pfeilen derſelben umſchwaͤrmt; und als man viele dieſer Buſchgeſellen gefangen be⸗ kam, ſagten ſie, daß ſie ihre Feindſeligkeiten auf Be⸗ fehl ihres Herrn, des Herzogs von Servien veruͤb⸗ ten. Auch haͤtte ſie vorzuͤglich der griechiſche Kaiſer zu ihren Streifereien veranlaßt. Allein dieß hinderte nicht, daß ſie fuͤr ihr Vergehen beſtraft— oft an den nachſten Baum aufgeknuͤpft wurden; und dieß wohl mit Recht. Denn in den Waͤldern Bulgariens litt das Heer der Kreuzzieher mehr, als ſpaͤter in den Schlachten oder Niederlagen, theils durch dieſe raͤu⸗ beriſchen Anfaͤlle von Seite des griechiſchen Volkes⸗ theils durch Diebſtahl, ſelbſt der Pferde, wenn ſie nicht in der Mitte des Heeres fortgefuͤhrt wurden. Durch die Beſchwerlichkeiten des Weges ſowohl, als durch ſchlechte, verdorbene Nahrung, von deren Ge⸗ nuſſe Viele, beſonders die Armen, ſich nicht zu ent⸗ halten vermochten, riß auch eine große Sterblichkeit ein. Und doch— in allen dieſen Gefahren waren die 3 230 teutſchen Maͤnner immer muthiger; und unerſchrocken ſchritten ſie vorwaͤrts, die Waffen in der Hand. In den bulgariſchen Waͤldern, von denen wir ſprachen, trafen ſie eine faſt verlaſſene Stadt, in der Landesſprache Rabnel genannt. Dort kam wieder ein Geſandter des Koͤnigs von Ungarn zum Kaiſer, ihm anzuzeigen, daß abermals ein Haufe Kreuzfahrer aus Teutſchland zum Hauptzuge kommen werde, und die Graͤnze ſeines Landes betreten haͤtte. Auch ſei ſein Schwager, der griechiſche Kaiſer, uͤber die Meer⸗ enge geſchifft, und verweile ſich bei Philadelphia. Inzwiſchen langte auch ein Abgeſandter aus Konſtan⸗ tinopel an, mit Briefen, worin ſich ſein Herrſcher hoͤchlich verwunderte, daß ihm des teutſchen Kaiſers und ſeines Heeres Ankunft nicht durch ſichere Boten berichtet wuͤrde. Waͤre dieſes geſchehen, ſetzte er mit faͤlſchlicher Schlauheit bei, ſo haͤtte er ja gerne dafuͤr geſorgt, daß ſowohl der Kaiſer, als ſein Volk, auf ſeinem Zuge von den Seinigen genauer und beſſer bedient worden waͤre. Da er indeß nun einmal von der Ankunft in ſeinem Reiche unterrichtet waͤre, ſo habe er ihm wollen entgegen ſchicken, um ihn zu begruͤ⸗ ßen.— Deutſchlands Kaiſer wollte kluͤglich dieſe Worte wieder mit Worten vergelten, und gab ganz kurz zur Ant⸗ wort:„Er haͤtte ja ſchon lange vornehme Maͤnner, naͤm⸗ lich den Biſchof von Mainz, den Grafen von Naſſau, und ſeinen eigenen Kaͤmmerer abgeſendet; ſein jetziger Vor⸗ wand ſcheine alſo ziemlich ohne Grund zu ſeyn.“ . 4 231 3 Nun mochte ſich des Koͤnigs Friedrich von Ungarn Brief und Nachricht wohl erklaͤren, warum der griechiſche Kaiſer ſich von ſeinem Lande entfernt haͤtte. Selbſt wenn er nach vielen Beſchwerden Kon⸗ ſtantinopel erreicht haͤtte, konnte er ſich noch nichts Gutes verſprechen. Das Kreuzheer gelangte inzwiſchen nach Niſa. Dieß war einſt eine befeſtigte Stadt; Bella, der Ungarn Koͤnig, hatte ſie aber, unter dem griechiſchen Tyrannen Antronikus, groͤßtentheils zerſtoͤrt. Hier verweilte das Heer einige Zeit, um das Nothduͤrftige einzukaufen. Auch hier erſchienen zwei vornehme Her⸗ ren des Landes, Neaman und deſſen Bruder Cra⸗ zimer, begruͤßten den Kaiſer mit großem Gepraͤnge, und wurden von ihm und den Fuͤrſten des Heeres mit Ehren empfangen. Zum Zeichen ihrer Unterwuͤr⸗ figkeit hatten ſie Wein, Gerſte, Schafe und Rinder in Menge mitgebracht, unter welchen auch jene Gattung war, welche ſie Meerkaͤlber nennen. Ferner gaben ſie dem Kaiſer zum Geſchenke ein zahmes Schwein, ſechs lebendige Hirſche, welche gleichfalls zahm gemacht waren. Sie ſelbſt, wie alle ihre Bewaffneten, boten ſich zur Mithuͤlfe beim gegenwaͤrtigen Zuge, und beſon⸗ ders gegen die Griechen an, im Falle ſie ſich etwa feindlich gegen das Kreuzheer benehmen wuͤrden. Denn auch ſie hatten die Vermuthung, man habe bereits uͤberall Raͤuber aufgeſtellt, welche die Teutſchen, wie ſie koͤnnten, necken ſollten, was auch bereits ge⸗ ſchehen war. Es hatten aber dieſe Landes⸗Edlen mit dem Schwert in der Hand ſich der Stadt Niſa be⸗ maͤchtiget, und ſich alles Land, bis Straliz, was fruͤher zum griechiſchen Gebiete gehoͤrte, unterworfen. Sie waren nun wohl darauf bedacht, wie ſie ſich die⸗ ſes Land erhalten moͤchten, und boten es als Lehen dem Kaiſer Friedrich an, und dieß nicht deßwegen, als ob ſie die Furcht dazu getrieben haͤtte, ſondern aus reiner Vorliebe fuͤr den teutſchen Kaiſer. Allein dieſer ſchiug dieſes Anerbieten ab, indem er ſagte: er ſei aus keiner andern Abſicht gekommen, als um das heilige Land aus den Haͤnden der Unglaͤubigen zu befreien. Dieß allein ſei die Urſache, warum er ſich dieſer beſchwerlichen Reiſe unterzoegen haͤtte; deßwe⸗ gen wolle er auch ſeine Streitkraͤfte keinem fremdarti⸗ gen Zwecke widmen, keinen chriſtlichen Fuͤrſten bekrie⸗ gen, alſo auch den grischiſchen Karſer nicht, wenn dieſer ja ſichern Durchzug durch ſein Land, wie er es oft verſprochen hatte, geſtatten, und das Heer mit dem Noͤthigen verſehen wonte; gegen diejenigen falſchen Chriſten aber, welche ſeinem Kreuzzuge hinterliſtig nachſtellen wollten, werde er ſich mit eigenen Waf⸗ fen zu ſchuͤtzen, und ſich den Weg nach dem Ziele ſei⸗ ner Beſtimmung zu bahnen wiſſen. Warum aber dieſe Herren des griechiſchen Kai⸗ ſers Feinde waren, und ihm zu widerſtehen ſuchten, iſt Folgendes die Urſache. Als Emanuel, vormals Kaiſer zu Konſtantinopel, geſtorben war, und ſein 233 Sohn, Alexius, noch in den Juͤnglingsjahren, den Scepter ergriffen hatte, ſtand ein Blutsverwandter von ihin, Namens Andronikus, auf, ein boͤſer, heimtuͤckiſcher Tyrann, welcher fruͤher von Emanuel aus dem griechiſchen Reiche vertrieben worden, nun aber mit Huͤlfe der Tuͤrken und anderer Voͤlker nach Konſtantinopel gedrungen war, und den kaiſerlichen Prinzen mit ſeinem Anhange ermorden ließ. Hierauf beherrſchte er faſt ſechs Jahre lang das griechiſche Reich unter vielen Grauſamkeiten. Dieſes wurde aber zur Zeit auf vielfache Weiſe zerſtuͤckelt; denn nicht allein der Koͤnig von Ungarn, auch andere Fuͤrſten und Großen eigneten ſich verſchiedene Laͤndereien zu, und das Heer des Koͤnigs von Apu lien verheerte die Staͤdte, welche an dem Geſtade des Meeres la⸗ gen. Zuletzt aber wurde er ſelbſt wieder vom Throne geſtoßen, ermordet, und ſtatt ſeiner ſchwang ſich ein anderer, Iſaak Anglikus, durch Empoͤrung zur hoͤchſten Wuͤrde des abendlaͤndiſchen Reiches empor. Allein auch dieſer war gleich niedertraͤchtig, geizig, treulos und dumm. Um ſeine Herrſchaft einigermaſ⸗ ſen zu befeſtigen, nahm er die Tochter des Koͤniges Bela von Ungarn zur Ehe; obwohl ſie bereits ſchon mit Atakir, dem Herzoge von Steyermark verlobt war. Das apuliſche Heer wußte er durch Verrath, indem er Einige aus ſeinem eigenen Heere beſtach, gaͤnzlich unſchaͤdlich zu machen. Allein deſſen ungeach⸗ tet ſank die Macht des abendlaͤndiſchen Kaiſerthums 4tes B. Paläſtina. I. 2. 8 von Tag zu Tage mehr. Deun es bleibt ewig wahr: ein Reich, das in ſich getheilt iſt, loͤßt ſich endlich gaͤnzlich auf. Auf welche Weiſe aber dieſes Reich ge⸗ ſchmaͤlert worden war, iſt hier nicht der Ort, vollſtaͤn⸗ dig aufzuzaͤhlen. In Cypern hatte ſich ein Mann von koͤniglichem Gebluͤte— auch Iſaak genaunt, die Herrſchaft angemaßt; uͤber dem Helleſpont(vor Alters St. Georgen⸗Arm geheißen) in der Gegend von Phi⸗ ladelphia, rebellirte ein gewiſſer Theodorus; im groͤßten Theile von Bulgarien, und gegen die Do⸗ nau zu, wo dieſer Fluß in das ſchwarze Meer muͤndet, hatten ſich ein ſicherer Kalopeterflachus und ſein Bruder Craſſian zu Tyrannen aufgeworfen. Als ſich nun der griechiſche Staat ſo im Gedraͤnge befand, und eben das Kreuzheer ſeinen Durchzug durch daſſelbe nahm; da erſahen ſich auch vorgenannte Edle von Servien und Kroatien die Gelegenheit, und un⸗ terwarfen ſich einen Theil von Bulgarien. Noch zur Zeit, da der Kaiſer vor Niſa lag, kam ein griechiſcher Prinz, mit Namen Alexius, ein Bruder⸗Sohn Iſaaks, als Geſandter aus Konſtan⸗ tinopel. Dieſer brachte endlich das Verſprechen ſichern Durchzuges und der Beifuhr des Nothduͤrftigen, ſo lange ſich das Kreuzheer in Griechenland aufhalten wuͤrde; jedoch ſollte ſich daſſelbe friedlich und ordent⸗ lich betragen. Uebrigens haͤtten die Griechen bei Straliz ein Heer aufzuſtellen fuͤr nothwendig gefun⸗ den, nicht— wie es etwa ſcheinen moͤchte, das Kreut⸗ 235 heer zu bekriegen, ſondern um jenen aufruͤhreriſchen Grafen zu begegnen, welche den Staat angefallen, und die bulgariſchen Laͤnder ſich angeeignet hatten.— Es bemerken aber die Schriftſteller der damaligen Zeit, daß die Worte dieſes Abgeſandten— keineswegs den Stempel der Wahrheit trugen. 3 Inzwiſchen war es dem teutſchen Kaiſer vollkom⸗ men Ernſt, Friede und Freundſchaft unter den Seini⸗ gen und den Landes⸗Einwohnern zu erhalten; und da es ihm nicht entgangen war, daß zuweilen der Troß des Heeres, wenn er ausging, Futter zu ſammeln, ſich manche Raͤubereien erlaube, welche gegen das Buͤndniß anſtießen, welches mit den Griechen der feindlichen Haltung wegen gemacht worden war. Nach⸗ dem er ſich mit ſeinen Edlen berathen hatte, ſo mußte ſich das ganze Heer verſammeln, und der Biſchof von Wuͤrzburg, ein Mann von Anſehen und Beredſamkeit, jeden Frevel ſcharf verweiſend ahnden. Er brach un, ter andern in folgende Worte aus:„Verworfen von der Kirche ſei, wer ſich mit Blut befleckt; nicht mehr ziehe mit uns, wer ſich nicht reinigen will, damit ſich nicht der Fluch des Achaz wiederhole, und das ganze Heer zu Grunde gehe, wegen des Verbrechens Einzelner.“ Dieſe Rede war keineswegs ohne Erfolg, beſon⸗ ders da auch einige der Ausſchweifenden geſtraft wor⸗ den ſind. Man hoͤrte ferner weniger mehr vo Velei⸗ digung friedlicher Einwohner durch die Kreuzfahrer. Um aber auch dieſe wider die unvermutheten Auſalle 236 3 ihrer Feinde zu ſchuͤtzen, theilte der Kaiſer das Heer in geſonderte Haufen, und traf folgende kluge Ein⸗ richtung: In den Vortrapp ſtellte er ſeinen Sohn, Friedrich, den Herzog von Schwaben, mit dem Konrad von Regensburg, den Markgrafen Bert⸗ hold von Vohburg, den Markgrafen Herrmann von Baden. Dazu ſtellte er noch fuͤnf ſchwaͤbiſche und vier bayeriſche Grafen. Zum Panner⸗Herin wurde einannt Graf Berthold von Neunburg. Nun kam das zweite Treffen, welches aus Boͤhmen und Ungarn beſtand; beide Voͤlker hatten ihre beſondern Abzeichen. Berthold, der Herzog von Dalma⸗ tien, fuͤhrte die dritte Reihe. Mit ihm waren ſechs ehrwuͤrdige Biſchoͤfe: der von Wuͤrzburg und des oͤſtlichen Frankens, Herzog Gottfried; Rudolph⸗ Biſchof von Luͤttich; Diepold von Paſſau; Heinrich von Baſel; Herrmann von Muͤn⸗ ſter; Arnold von Osnambruck. Ihr Pannerherr war Poppyo, Graf von Henneberg. Nun kam der vierte Zug; er beſtand meiſt aus Kaiſerlichen. Jedoch waren noch dabei: der Erzbiſchof von Tarent, der Biſchof von Meiſſen, der Graf von Holland mit ſeinem Bruder, und ungefaͤhr ſechzehn andere Grafen, dann die uͤbrigen Tapfern des Heeres. Den Panner trug Rupert, Graf von Na ſſau, ein Mann, im Kriege hochberuͤhmt, ein verlaͤſſiger Held, welcher lauge Zeit zu Konſtantinopel, mit andern Geſandten es, als Gefangener zuruͤck behalten wurde. n;, des Khül 237 Endlich im Nachtrapp war das Fußvolk und das rei⸗ ſige Volk unter einander; jedoch befand ſich unter ih⸗ nen wohl auch mancher tapfere Degen. Nachdem dieſe Eintheilung geſchehen war!, wurde das Lager vor Niſſa aufgehoben. Man nahm von den Freunden des Ortes, und beſonders von jenen gutgeſinnten Herren des Landes freundlichen Abſchied, und ruͤckte dann fort durch die rauhen und beſchwerli⸗ chen Wege der ungeheuern Waldungen, durch welche das Kreuzheer abermals ziehen mußte. Abermals wurden hier die Teutſchen von griechiſchen Raͤubern, wo es nur ſeyn konnte, aus manchem Hinterhalte uͤberfallen, beſonders Unbewaffnete, oder ſolche, wel⸗ che ſich etwas vom Hauptzuge entfernten. Selbſt wenn Mehrere zuſammen auf Futterſammlung auszo⸗ gen, blieben ſie nicht von Nachſtellungen verſchont. Das ganze Heer war alſo gedrungen, ſehr behutſam, und ſo geſchloſſen, als moͤglich, vorwaͤrts zu ruͤrken; auch fing man wieder an, alle dieſe feindlichen Geg⸗ ner, wo man ihrer habhaft werden konnte, zu ihrer wohlverdienten Strafe ſogleich am naͤchſten Baume aufzuhenken. So ergab es ſich unter andern, daß jene Naͤuber den Biſchof von Paſſau und ſeinen Vetter, den Herzog von Meran, uͤberfielen. Allein, da dieſe die Vorſicht gebraucht hatten, mit allen den Ihrigen, welche das Gepaͤck fuͤhrten, mit den Waffen in der Hand einher zu ziehen; ſo waren ſie augenblicklich im Stande einer tapfern Gegenwehr, empfingen auch dieſe 238 Naͤuber mit ſolchem Nachdrucke, daß ihrer vierzig todt zur Erde hingeſtreckt, etliche zwanzig aber mit den Fuͤßen uͤberwaͤrts, wie man die Woͤlfe aufbenkt, an den Galgen gebunden wurden. Gleich tapfer gegen ſie bewies ſich Friedrich von Berg. Einſt erblickte er einen ſolchen Schnapphahn, wie er aus der Hoͤhe eines Baumes auf ihn und ſeine Begleiter herab ſchie⸗ ßen wollte. Zur rechten Vergeltung wurde er mit Pfeilen herab getrieben, und ſodann dem Baume, wel⸗ chem er ſo anhaͤnglich war, auf immer zum Eigenthu⸗ me gegeben, das heißt, an demſelben aufgebunden. Dieſes Schickſal hatten ſpaͤterhin noch mehrere, zum abſchreckenden Beiſpiel ihrer Gefaͤhrten, beſonders unter dem Befehle des Herzogs Friedrich von Schwaben, welcher mit ſeinem Streithaufen ſeinem Vater, dem Kaiſer, voran ging. Denn auch hier galt die uralte Sitte, gemaͤß welcher die Schwaben— vor Alters Alemannen genannt, und die Bayern— ſonſt Noriker geheißen, in gemeinſamen teutſchen Kriegen das vordere Treffen uͤbernehmen, und die un⸗ vermutheten Anfaͤlle der herum ſchwaͤrmenden Feinde abwehren mußten. Der Graf von Sein war mit den Seinigen, weil die Wege gar ſo beſchwerlich wa⸗ ren, vom kaiſerlichen Zuge etwas zuruͤck geblieben. Sogleich ſi len die Auflauerer uͤber ihn her; allein ſie wurden ebenfalls ſo ſtandhaft empfangen, daß zwoͤlf ſogleich todt zur Erde geſtreckt wurden. Unter andern uͤberfielen die Raͤuber einen Ritter, der krank war, 239 und ſo hinfaͤllig, daß er ſchon laͤngere Zeit auf einem Wagen mitgefahren werden mußte. Bei dem Aublicke der ungebetenen Gaͤſte regte ſich in ihm gewaltig auf der Geiſt der Ritterlichkeit.„Der Loͤwe muß allein auf ſich vertranen,“ dachte er, ſammelte ſeine letzten Kraͤfte, hob ſich vom Lager auf, ſtieß einem der Moͤr⸗ der ſein Schwert in den Mund, und wehrte ſich ſo tapfer, daß auch den andern nichts uͤbrig blieb, als die Flucht zu ergreifen. Darauf ſank der Heldenmann wieder auf ſein Lager zuruͤck, gab aber bald, von Schmerzen und der ploͤtzlichen Auſtrengung vernichtet, den Geiſt auf. Solche Auftritte erlebte das Kreuzheer von Tag zu Tage, ſo lange es durch Bulgarien zog; uͤberall mußte man ſich der Feinde— in der Naͤhe mit dem Schwerte, in der Ferne mit Pfeilen erweh⸗ ren. Keine Schmach, mit der man ſie beſtrafte, konnte ſie zuruͤck halten; immer wieder, von den Hoͤhen der Berge herab, oder naͤchtlicher Weile aus ihren Raub⸗ winkeln, ſtuͤrmten ſie auf die Teutſchen los. Es war nunmehr der 14. Tag, ſeitdem das Kreuz⸗ heer von Niſſa aufgebrochen war; da gelangte es im Auguſt 1188 nach Straliz; allein es fand dieſe Stadt ganz menſchenleer. Der Meineid des griechi⸗ ſchen Kaiſers begann hier wieder ſich zu offenbaren. Anſtatt die verſprochenen Lebensmittel beiſchaffen zu laſſen, wozu er ſich doch eidlich verbunden hatte, be⸗ fahl er, unter Androhung grauſamer Strafen, alle Zufuhr abzuſchneiden. Alle Vorrathshaͤuſer, auf welche 240 die Kreuzfahrer ſtießen, waren ausgeleert, die Wege mit abgehauenen Baͤumen und mit einer Menge gro⸗ ßer Steine verrammelt. Das alte Kloſter St. Ba⸗ ſilius wurde, der Ehre Gottes zuwider, in eine Veſte verwandelt, um den fuͤr Chriſtus Reiſenden dar⸗ in den Untergang zu bereiten. Doch der ſchuͤtzende Himmel wachte uͤber ſie; durch ihre Tapferkeit ward dieſer Ort in Schutt und Aſche verwandelt. Als man ſich Tags darauf einen bequemern Platz zur Lagerung ausgeſucht hatte, wurde der Kaiſer durch die Ankunft eines neuen, anſehnlichen Haufens von Kreuzfahrern erfreut. Sie waren dem Hauptheere durch Ungarn und Bulgarien, unter gleich großen Beſchwerlich⸗ keiten, nachgefolgt. Unter ihnen waren Heinrich, Biſchof von Toul, Hubert, Edler von Asperg, dann viele andere auserleſene Ritter. Sowohl der Kaiſer, als das ganze Heer der Kreuzbruͤder empfing ſie mit großem Frohlocken. Man brach bald wieder auf und ſchritt vorwaͤrts mit bewaffneter Hand. So gelangte man endlich zu den letzten feſten Plaͤtzen Bul⸗ gariens, und zu den Wegen, welche ſo liſtig ver⸗ legt waren. Der Kaiſer war der Meinung, die Grie⸗ chen wuͤrden ihm hier den Uebergang ſtreitig machen wollen. Er nahm ein Geſchwader wohl bewaffneter Ritter zu ſich, und ſetzte uͤber den Verhau, indem er einen andern Theil ſeines Heeres im Lager zuruͤck ließ. Er war auf jeden Fall bereit, den Griechen auf jede Weiſe mit einem tapfern Angriff entgegen zu kommen; 241 allein ſie ffohen davon. Niemals wieder erwarteten ſie auch fernerhin die Ankunft der Kreuzbruͤder. Nachdem der Kaiſer wieder in das Lager zuruͤck gekommen war, ordnete er ſogleich das Heer, um es uͤber den großen Verhau zu fuͤhren. Man ſteckte hier alles, was brennbar war, mit Feuer an, und zog dann weiter, in eine Ebene hin, wo Weinſtoͤcke und andere Fruͤchte im Ueberfluſſe vorhanden waren. Man nannte die Gegend Cirkuiz, und in dieſer labte ſich nun das ermuͤdete Heer. Darauf kam es nach Philippopolis, einer— von Natur und durch Kunſt ſehr befeſtigten Stadt. Allein auch dieſe war von den Griechen, wahrſcheinlich aus Furcht, verlaſ⸗ ſen worden. Am folgenden Tage kamen wieder Briefe von Iſaak, dem griechiſchen Kaiſer an. Sie waren voll Hochmuth und griechiſchen Stolz, und befahlen gleichſam den Teutſchen, nicht vorwaͤrts zu ſchreiten. Allein Friedrich, der Kaiſer, vernahm ihren Inhalt mit gewohnter Sanftmuth und ſetzte der ungeheuern Aufgeblaſenheit nichts— als kluge Maͤßigung entge⸗ gen. Allein— hier erfuhr er eine Kraͤnkung, die ihm bisher verborgen war, und woruͤber er ſich im Herzen ſehr bei mmerte. Seine Geſandten, die er ſchon vor⸗ laͤngſt abgeordnet hatte, und unter welchen ſich auch der Biſchof von Mainz befand, waren zu Konſtan⸗ tinopel in Gefangenſchaft geſetzt, und bisher nicht los⸗ gegeben worden; Geſandte, welche doch fuͤr die Er⸗ haltung des Friedens und fuͤr die Begruͤndung treuer Freundſchaft abgeordnet waren. Dieß war gewiß wi⸗ der alle Billigkeit, wider alle Get ohnheit und wider das Voͤlkerrecht, ſowohl unter Chriſten, als ſelbſt un⸗ ter den wilden Voͤlkern. Mit Recht war nicht alein das Kreuzheer, ſondern die ganze Chriſtenheit daruͤber aufgebracht; denn es leuchtete deutlich ein: der grie⸗ chiſche Kaiſer wolle, durch die Unbilden, welche er den Chriſten, und vorzuͤglich den Geſandten des teut⸗ ſchen Kaiſers zufuͤgte, ſich in die Freundſchaft und in das gute Benehmen des ſarazeniſchen Herrſchers Sala⸗heddin einſchmeicheln, der doch als der aͤrgſte Feind der Chriſten bekannt war. Man kann ſich leicht vorſtellen, wie ſehr dieſe, und beſonders das Kreuzheer daruͤber aufgebracht waren; das Eigenthum der Griechen blieb nun⸗ auch von ihrer Seite weniger verſchont, und was man nicht genießen, oder gebrau⸗ chen konnte, wurde zu Boden getreten. Nach einigen Tagen zogen die Kreuzfahrer froh⸗ lockend in Philippopolis ein, und ließen ſich dort bei manchen vorgefundenen Nahrungsmitteln und Bequem⸗ lichkeiten, recht wohl ſeyn. Sie ſahen dieſe Stadt, ſo lange ihnen der Kaiſer von Konſtantinopel die Ueberfahrt uͤber das Meer verſagen wollte, gleich ſam als ihr Eigenthum und als ihre Heimath an; auch verweilten ſie beinahe eilf Wochen daſelbſt. Inzwi⸗ ſchen waͤre es dem teutſchen Kaiſer ein Leichtes ge— weſen, ganz Mazedonien zu erobern; denn die Falſchheit und die Nachſtellungen der Griechen hatten 243 ſeinen ſtarken Geiſt noch lange nicht gebeugt, und wohl gerne haͤtte er ſeine argliſtigen Feinde gezuͤchti⸗ get; allein die Vorſtellung, daß er nur der Eroberung des gelobten Landes wegen gekommen ſei, hielt ihn von zjedem fremdartigen Unternehmen zuruͤck. Um dieſe Zeit war es auch, daß Kaiſer Fried⸗ rich Geſandte nach Teutſchland ſchickte, um ſeinem Sohne, dem roͤmiſchen Koͤnig Heinrich, folgenden Brief zu uͤberbringen: Friedrich, von Gottes Guaden, roͤmiſcher Kai⸗ ſer ꝛc. Unſern vaͤterlichen Gruß, vielgeliebter Sohn, roͤmiſcher Koͤnig ꝛc. ꝛc. Unterrichtet von deinem Wohl⸗ ſeyn, freuen wir uns deſſen mit vaͤterlicher Liebe, und berichten dir ein Gleiches von uns, von deinem Bru⸗ der, dem Herzoge, und von dem Heere des Kreuzes, mit welchem wir nunmehr die Graͤnzen des griechi⸗ ſchen Reiches uͤberſchritten haben. Beizufuͤgen haben wir, daß dieſes nicht ohne außerordentliche Schwie⸗ rigkeiten geſchehen iſt, beſonders durch das Land der Bulgaren, wo die Unſerigen großen Schaden geduldet, und ſogar an Mannſchaft vieles verloren haben. Vor⸗ genanntes Land wimmelt von Raͤubern, welche ſich im Hinterhalte gelegt, und viele der Unſrigen uͤber⸗ fallen haben, wenn ſie unvorſichtig genug waren, ſich von unſerm Zuge zu entfernen. Doch wir lohnten dieſe Keckheit und Schmach mit mit gebuͤhrender Strafe. Das auf der That gefangene Raubgeſindel bezahlte uns den veruͤbten Frevel mit dem Leben, und, 244 wie man Woͤlfe aufhenkt, verhauchten auch dieſe ihre ſchwarzen Seelen am Galgen. Au einem derſelben allein zaͤhlte man eines Tages zwei und dreißig. Doch ſelbſt dieſe Maßregel war nicht im Stande, ſie gaͤnz⸗ lich zuruͤck zu halten, und immerfort neckten ſie das Heer aus ihren Raubneſtern, beſonders in naͤchtlicher Dunkelheit. Durch ganz Bulgarien war unſer Zug ein wahrer Kreuz⸗Zug; obwohl die Unſrigen nicht ermangelten, dieſe laͤſtigen Quaͤlgeiſter ſelbſt mit den ausgeſuchteſten Martern zu kreuzigen.— Zu allem dieſen geſellte ſich auch der Treubruch des griechiſchen Kaiſers; denn alles, was er vor unſerm Throne zu Nuͤrnberg durch ſeine Abgeordnete verſprechen, und dieſes Verſprochene ſogar eidlich bekraͤftigen ließ, hat er unerfuͤllt gelaſſen; ja, er gebot ſeinem Volke, unter Androhung von gemeſſenen Strafen, uns die noͤthigen Lebensmittel weder zuzufuͤhren, noch zu verkaufen. Ueberdieß traf er Anſtalten, daß uns alle Wege un⸗ gangbar gemacht wurden. Sie wurden mit umge⸗ hauenen Baͤumen und ungeheuern Felſen⸗Stuͤcken be⸗ legt. Aue verfallenen Schloͤſſer und feſten Plaͤtze des Landes wurden wieder ausgebeſſert und vom neuen befeſtiget, um uns durch feindliche Einlagerungen den Marſch zu erſchweren, oder, wenn es moͤglich waͤre, uns und der ganzen Chriſtenheit den Untergang zu be⸗ reiten. Mit Gottes Huͤlfe haben wir dieſe graͤßliche Hin⸗ terliſt uͤberwunden, nachdem es uns gelungen iſt, der Griechen boͤsliche Werke in Schutt und Aſche zu legen. 245 Nunmehr ſind wir gluͤcklich und ſiegreich allen dieſen drohenden Gefahren entgangen, und wir haben bereits die ſchoͤne Ebene betreten, welche in der Lan⸗ desſprache Cirkuwiz genannt wird. Hierin finden wir alles Noͤthige im Ueberfluß, und entſchaͤdigen uns einigermaſſen fuͤr die Drangſale, welche wir waͤhrend ſechs Wochen, als dem Durchzuge durch Bulgarien, erduldet haben. Als wir nun eben von Philippo⸗ polis Beſitz genommen haben, einer Stadt, welche von Natur und Kunſt ſehr befeſtigt iſt, welche jedoch von allen Menſchen verlaſſen war, ſiehe, da gelangten wieder Briefe an von Seiner Majeſtaͤt, dem konſtan⸗ tinopolitaniſchen Kaiſer. Sie athmeten von großem Hochmuthe, gepaart mit Forderungen, Schmeicheleien und Hinterliſt. Es war uns aber bereits ſchon be⸗ kannt, daß jener Kaiſer unfere Geſandten, den Bi⸗ ſchof von Muͤnſter, den Grafen von Rupert, und unſern Kaͤmmerer Marquard, welche wir waͤhrend unſeres Aufenthaltes in Ungarn an ihn abgeſchickt hat⸗ ten, zur Schmach des Weltheilandes und ſeines Kreu⸗ zes, fuͤr welches ſie ſtritten, in Gefangenſchaft hatte ſetzen laſſen, was nicht allein ſeinen Ruhm befleckt, ſondern auch gegen alles Voͤlkerrecht ſtreitet. Unſer ganzes Heer entbrannte uͤber dieſe Nachricht im ge⸗ rechten Zorne und ermangelte nicht, Staͤdte, Schloͤſ⸗ ſer und Flecken zu pluͤndern und zu zerſtoͤren, bis un⸗ ſere Majeſtaͤt durch obigen Brief benachrichtet worden iſt, daß unſere Geſandten nunmehr wieder in Freiheit 246 geſetzt worden ſind, und unter großen Ehreubezeugun⸗ gen zu uns zuruͤck kehren werden. Auch dadurch gab der griechiſche Monarch ſeine boͤſe Abſicht wohl zu er⸗ kennen, die er unſerer Gutmuͤthigkeit beſtaͤndig ent⸗ gegen zu ſetzen gewohnt war. Nachdem wir ſo oft zu ihm geſandt; nachdem ſich unſere Abgeordneten ſo vie⸗ faͤltig bemuͤht hatten, verlaͤngert er durch boͤsliches Da⸗ hinhalten unſern Marſch bis zur rauhen Winterszeit, und ſchickt endlich unſere Geſandten mit einer Miene zuruͤck, als ob lauter Gutes von ſeiner Seite geſche⸗ hen waͤre, indeß er von ihnen mehr als zweitaufend Mark am Gelde genommen hat. Er verſprach hinge⸗ gen neuerdings ſicheren Durchzug durch ſein Land, Schiffe mehr, als wir brauchen ſollten, und Zufuhr an Lebensmitteln, um billigen Preis.— Allein wir erinnern uns des Spruches: wer gebrennt worden, fuͤrchtet das Feuer, und vertrauen deßwegen den Eid⸗ ſchwuͤren und Schmeicheleien der Griechen nicht im geringſten mehr, ſind daher auch entſchloſſen, bei Philippopolis zu verharren waͤhrend der ganzen Winterszeit. Unſer Sohn aber, der Schwaben Herzog, Euer Liebden Bruder wird in einer andern Stadt verweilen, mit Namen Veroi. Er hat einen großen Theil des Heeres bei ſich, und uͤberwintert demnach, zehn Meilen von uns, bis die waͤrmere Jah⸗ reszeit wieder zum Aufbruche lockt. Auf keinen Fall iſt es uns jedoch moͤglich, die Meerenge zu uͤberſchif⸗ fen, wenn wir vom griechiſchen Kaiſer fuͤr die ſichere 247 Fahrt nicht durch vornehme Geißel, die wir uns ſelbſt erwaͤhlen wuͤrden, ſicher geſtellt ſind. Auch wol⸗ len wir die ganze Romaney in unſere Gewalt bringen, und deßwegen entbieten wir unſerm vielgeliebten Sohn, roͤmiſchen Koͤnige, daß er uns zur Huͤlfe allenthalben friſche Truppen ſammle, und dafuͤr ſorge, daß dieſel⸗ ben ungefahr auf den kuͤnftigen Monat Maͤrz vom Meere aus bei Konſtantinopel angelaugen, wogegen wir nicht ermangeln werden, zu gleicher Zeit auf der Landſeite bei dieſer Stadt einzutreffen. Auch wuͤnſchen wir, daß alle an uns ausſtaͤndigen Gefaͤlle, welche in den verſchiedenen Orten zu entrichten ſind, fleißig ge⸗ ſammelt und durch meinen Kanzler an das Haus Ber⸗ nardi zu Venedig, der unſer Gaſtfreund iſt, abge⸗ liefert werden. Ferner ſoll man vorſichtig dafuͤr ſor⸗ gen, daß dieſe Gelder ſicher nach Dyrus gelangen.— Obwohl wir uns hinreichender Kraͤfte gegen unſere Feinde wohl bewußt ſind, und uns des Muthes und der Staͤrke freuen, welche unſerem Heere eigen ſind, und wovon der Erſte wie der Letzte in demſelben be⸗ geiſtert iſt; ſo wiſſen wir doch recht wohl, daß in der Welt ohne goͤttlichen Beiſtand alles eitel und jede Hoffnung vergebens iſt. Deßwegen laſſen wir allen frommen Glaͤubigen unſeres Vaterlandes, und der ganzen abendlaͤndiſchen Chriſtenheit entbieten, ihr Fle⸗ hen zum Allerhoͤchſten um Schutz und Beiſtand mit dem unſrigen zu vereinigen. Auch muͤſſen wir wuͤn⸗ ſchen, daß an den Papſt freundſchaftliche Briefe ge⸗ 248 langen, mit der Bitte, einige fromme und begeiſterte. Maͤnner in alle Provinzen zu ſchicken, damit ſie das Volk Gottes wider den Erzfeind des Kreuzes, und vorzuͤglich auch zum Beiſtande wider die Griechen er⸗ wecken, da denenſelben, in Gegenwart unſerer Ge⸗ ſandten, naͤmlich des Biſchofes von Muͤnſter und ſeiner Kollegen, durch den Patriarchen zu Konſtan⸗ tinopel, oͤffentlich in der St. Sophienkirche gepre⸗ diget worden iſt: daß, wer immer von den Griechen hundert der Kreuzbruͤder ermorden koͤnnte, Ablaß be⸗ komme fuͤr zehn andere Morde unter den ihrigen. So haben wir mehr als Hunderte der Unſrigen verloren und auch großen Schaden an Pferden erlitten. Viele aus unſerm Reiche haben wir auch getroffen, welche fruͤher zu Konſtantinopel, als argloſe Reiſende, in ſchmaͤhlicher Gefangenſchaft gehalten worden ſind. Nun lagern wir ſchon 12 Wochen bei Philippopo⸗ lis. Wir werden von hier bis Konſtantinopel oder bis Vinipopolis keinen einzigen Einwohner, weder in Staͤdten, noch in Schloͤſſern finden.“— (Die Fortſetzung folget im naͤchſten Baͤndchen.) — ffffffffffffffnnnſſiſſ 14 15 16 17 18 19