5 2 A lnmini. 8 — —;;— 5... 3 De Tp Zae, beu 2eaäeeee Kaune ⸗ ae, „ . wichtigſt ten und 9 See⸗ wun der Erfindung der Buch dru wkenennſt Zeite Mit Landkarten, Pl 3 Ab und herhnges ge Joachim H) e 1 nrich Jäck, Koͤnigl. Bibliotvekar zu Bamberg. 2. Bäͤndchen. Mit dem feierlichen Aufzuge bei einer chineſiſchen Hochzeit. I. Theil. 2. Bänd chen von China. Dritte Anflage. Nuͤrn 5 er g. Verlegt von Shubanture und von Ebner, 1 8 2 8. Taſchen⸗Bibliothek der wichtigſten und intereſſanteſten Reiſen durch China. Mit Landkarten, Planen, Portraits und anderen Abbildungen. Ver f aßt von Mehren, und herausgegeben von Joachim Heinrich Jaͤck, Koͤnigl. Bibliothekar zu Bamberg. I. Theil. 2. Bäͤndchen. Dritte Auflage. Nürnberg. Verlegt von Haubenſtricker und von Ebner. 1828. Dritte Abtheilung. Mareo⸗Paolo*) reiſte 1274 durch Klein⸗ und Groß⸗Armenien, Georgien, Bagdad, Basra, Tauris, Kerman und Kobinam(vielleicht Kunin oder Kobin bei Sageſtan), dann durch eine unfruchtbare Wuͤſte in das ehemalige Koͤnigreich Timokaim gegen Nordperſien, in deſſen vielen Staͤdten das weibliche Geſchlecht durch beſondere Schoͤnheit ſich auszeichner. Von hier wan⸗ *) Obgleich die Reiſe⸗Beſchreibung M. Pablo's von Gelehrten verſchiedener Laͤn der. und von Venezianern ſelbſt mehre Jahrhunderte hindurch nur fuͤr einen Roman gehalten wurde, weil die Orthographie der meiſten Staͤdte und Propin⸗ zen hoͤchſt unrichtig, die Breite der Orte hoͤchſt unbeſtimmt, und ſein Gedaͤchtniß auͤber die Zeit wichtiger Ereigniſſe ſehr oft untreu war, ſo hat man ſich doch bis auf die neueſten Zeiten uͤberzeugt, daß kein anderer Europaͤer ſo viele aſtinzſche Provinzen genau kennen gelernt hatte, als er. derte er durch das Land der Ketzer oder Molahedah unter dem Fuͤrſten Al⸗addin; durch eine große Wuͤſte nah Balk und Talkan, am Fluſſe Harrat, deſſen nahe Berge das feinſte Salz enthalten. Die anſtoßende Provinz Badakſchian war ſehr menſchenleer, obgleich reich an Edelſteinen, Getreide und guten Pferden. Der Weg fuͤhrte ihn nach Vakhan, in deſſen Umge⸗ bung ein ſehr hoher Berg iſt; durch eine unbewohnte Ebene in die Provinz Kaſhgar, deſſen Hauptſtadt Yar⸗ kien Einwohner mit geſchwollenen Beinen und dicken Haͤlſen hatte. Aus der menſchenleeren Provinz Peim gelangte er durch Serten nach Shatſcheu, am Ein⸗ gange der Provinz Tangut. Die Einwohner dieſer Provinzen hielt er fuͤr Mahometaner, vermiſcht mit wenigen neſtorianiſchen Chriſten und Goͤtzendienern. „Sie trieben nur geringen Tauſchhandel, und ernaͤhr⸗ ten ſichsvon der Fruchtbarkeit des Bodens; die Heiden verbrannten die Leiber der Verſtorbenen unter ſonder⸗ baren Zeremonien. Er ſchilderte die von zwei Wuͤſten begraͤnzte frucht⸗ bare Provinz Chamil oder Hami, welche ihre ei⸗ gene Sprache und Gebraͤuche hatte. Daſelbſt iſt merk⸗ wuͤrdig, daß jeder Familien⸗Vater bei der Ankunft eines Fremden ſein Haus verlaͤßt, und dieſem daſſelbe mit allen Bewohnern, alſo auch mit Frau und Toͤch⸗ tern zum beliebigen Gebrauche uͤberlaͤßt. Der Chan Meng ko verbot ihnen dieſes; allein die ſchoͤnen Wei⸗ ber und Toͤchter lebten nicht mehr ſo vertraͤglich mit 7 den Maͤnnern, daher baten dieſe ſelbſt um Widerru⸗ fung des kaiſerlichen Befehls. Der Chan erwiederte: „Wenn ihr eure Heraͤbwuͤrdigung mehr liebt, als „eure Ehre, ſo ſoll eurem Willen entſprochen wer⸗ „den.“ An dieſe Provinz graͤnzte jene von Kinkinta⸗ las, welche von Mahometanern, Heiden und einige i Neſtorianern bewohnt, und reich an Eiſen⸗ Bergwer⸗ ken mit Asbeſt war. Ein Aufſeher derſelben erzaͤhlte, es gebe gewiſſe Erdminen, aus welchen eine Art woll⸗ artiger Faͤden gewonnen werde. Nach deren Trock⸗ nung an der Sonne wuͤrden ſie in einem Moͤrſer ge⸗ ſtoßen, von den Erdtheilen befreit oder rein gewaſchen, hierauf verſponnen und endlich verwirkt; wollte man das Gewebe ſogleich, oder nach einigem Gebrauche vom Schmutze reinigen, ſo werde es auf mehre Stun⸗ den in das Feuer gelegt, und dadurch weißer als der Schnee. Aus dieſer Provinz gelangte man durch große faſt unbewohnte Wuͤſten nach Suchur oder Suchew⸗ deren Gebirge ſo viel Rhabarber enthalten, daß davon in die groͤßte Entfernung geliefert wurde. M. Paolo bezeichnete Champion als die Haupt⸗ ſtadt des Landes Tangut, worin er mit ſeinem Vater und Oheim durch Handels⸗Geſchaͤfte ein ganzes Jahr aufgehalten wurde. Die Einwohner beſtanden theils aus Chriſten, welche drei große Kirchen haben, theils aus Mahometanern, theils aus Heiden. Letztere ver⸗ ehrten fein vergoldete Goͤtzen aus Erde, Thon oder Holz, welche mit oder ohne Geſtell gewoͤhnlich zehn ſchen in ſehen, wenn man nicht manche Berghoͤhle 8 Fuß hoch, und fuͤr deren Dienſt beſondere Verehrer oder Prieſter ernannt waren, welche vor ihren uͤbrigen Glaubensgenoſſen ſehr ausgezeichnet wurden. Mehre derſelben hatten ſich freiwillig zur Keuſchheit verpflich⸗ tet, welche ſie ſtreng beobachteten. Sie berechneten ihre Zeit nach Monden⸗Jahren, nach welchen auch ihre Monate und Wochen eingetheilt waren. In je⸗ dem Monate enthielten ſie ſich 14 Tage aller Fleiſch⸗ ſpeiſen; ſie toͤdteten nicht einmal Thiere, und fuͤhr⸗ ten das ordentlichſte Leben. Jeder andere Heide konnte ſo viele Weiber, ſelbſt Verwandte, Blutsfreunde und fogar Stiefmuͤtter nehmen, als er zu. ernaͤhren im Stände war; doch nur eines war das rechtmaͤßige und geachteſte. Er erhielt von den Weibern kein Heiraths⸗ gut, ſondern er unterſtuͤtzte ſee mit Geld, Vieh und Dienſtleuten ſo gut, als die oͤfonomiſchen Verhaͤlt⸗ niſſe es erlaubten. Fand er an einem Weibe keine Luſt mehr, ſo konnte er es auf der Stelle entlaſſen, ohne ihm eine Entſchaͤdigung zukommen zu laſſen. Von Cham pion fuͤhrten zwei Straßen nach Nord und Nordoſt durch Karakorum, und nach Oſt durch Schantu; erſtere nach 12 Tagreiſen in die Stadt Echiga am Fluſſe gleiches Namens, wo mehre Land⸗ wirthe als Kraͤmer wohnten, und die Reiſenden mit Lebensmittel verſahen, welche die große Sandwuͤſte gegen Nord durchziehen wollten. Denn daſelbſt war weder gruͤnes Gras, noch eine Wohnung fuͤr Men⸗ 9 dafuͤr rechnen wolte, wohin Einzelne waͤhrend des Sommers auf der Wanderung ſich verkrochen. Deſto mehre wilde Eſel und andere Thiere waren ſichtbar. Außer der Wuͤſte war die große mit Erdwaͤllen verſe⸗ hene Stadt Karakoram oder Tarakorum, worin die vorher wild herum geirrten Tartaren ſich zuerſt zur gemein ſamen Anſiedelung verſammelt hatten. Von hier war der Berg Altay zu uͤberſteigen, wenn man in die 40— 60 Tagreiſen lange Ebene Bargu gelan⸗ gen wollte, welche von den wilden Mectiden oder Medriten bewohnt wurde. Dieſe hatten die Fertig⸗ keit, ihre zahlreichen Hirſche zu bezaͤhmen, und fuͤr haͤusliche Dienſte ſo gut abzurichten, als Pferde und Eſel. Im Sommer beſchaͤftigten ſie ſich mit der Jagd der Voͤgel und wilden Thiere, deren Fleiſch ſie zum Theile trockneten, und fuͤr den Winter aufbewahrten; ſie fingen auch viele Falken, um ſie an den Hof des Chaus zu liefern. Durch Mangel an Getreide und Wein ſowohl, als durch die unertraͤgliche Kaͤlte ihres noͤrdlichen Klima wurden ſie in jedem Winter genoͤ⸗ thigt, ihren Sommer⸗Aufenthalt zu verlaſſen, und ſich gegen Suͤden hinab zu ziehen. Der zweite Weg von Champion gegen Mor⸗ gen fuͤhrte in die Hauptſtadt Erigimul, der Pro⸗ vinz gleiches Namens, und dann nach Eerguth, zwi⸗ ſchen welchen beiden die Stadt Signi oder Sining lag. Daſelbſt gab es ſchoͤne und große wilde Ochſen, in der Groͤße der Elephanten, theils mit ſchwarzen, 310 theils mit weißen feinen Haaren wie Seide, welche bezaͤhmt als Laſtthiere, oder auch zum Bearbeiten der Felder dienten. Die zahlreichen Biſam⸗Thiere waren ſo groß wie Ziegen, hatten ſo grobe Haare wie die Hirſche, Schwaͤnze wie die arabiſchen Gemſen, aber keine Hoͤrner; ſie hatten 3 Zoll lange Zaͤhne, zwei oben und zwei unten, ſo weiß wie Elfenbein; ihr Fleiſch war ſchmackhaft. Die meiſten Bewohner die⸗ ſer Bezirke waren Heiden, und naͤhrten ſich vom Han⸗ del. Die Maͤnner waren fett geſtaltet, hatten kleine Naſen und kleine Schnurbaͤrte; die Frauenzimmer wa⸗ ren ſchoͤn und blendend weiß; weßwegen bei Verehe⸗ lichungen mehr auf die Schoͤnheit, als auf Geburt oder Reichthum Ruͤckſicht genommen wurde; die aͤrmſte Mutter empfing oͤfters den hoͤchſten Kaufpreis fuͤr ihre Tochter. Die groͤßte Fruchtbarkeit der weiteſten Umgebung befoͤrderte auch den Aufenthalt verſchiede⸗ ner Vogelarten des ſchoͤnſten Gefieders; die zahl⸗ reichen Faſanen hatten Schweife von 24— 30 Zoll in der Laͤnge. Von der Provinz Erigimul gegen Morgen, wa⸗ ren 8 Tagreiſen nach Egrigaria erforderlich, deren Hauptſtadt Kalachia oder Calaſia hieß, wo un⸗ ter den Heiden auch Neſtorianer wohnten, welche drei Kirchen hatten. Aus weißer Schaafwolle und Kamieel⸗ hagren wurde daſelbſt ein Zeug verfertigt, welcher den ſchoͤnſten Gamelott anderer Laͤnder uͤbertreffen ſollte. Aus Egrigara ſchritt man in die Provinz 11 Tenduk(Senduch), deren Einwohner, groͤßtentheils Neſtorianer, gute Gamelotte, Gold⸗ und Silberſtoffe verfertigten. Von Tenduk zaͤhlte man Tagreiſen bis zur Provinz Kathay, in welcher die Stadt Sin⸗ diſin von vielen Waffen⸗Fabrikanten bewohnt war. Drei Tagreiſen lag die Stadt Dſiangauor, wo der Chan einen großen Palaſt hatte, welchen er wegen der Jagd auf den benachbarten Teichen und Fluͤſſen oͤfters bewohnte. Es gab naͤmlich viele Schwaͤne, Faſanen, Rebhuͤhner und andere Voͤgel, deren fuͤnf⸗ artige Kraniche Federn wie die Pfauen, oder gelbe, andere roth und blau vermiſchte und ſchwarze Fluͤgel, andere rothe und ſchwarze Koͤpfe hatten. „Fuͤnf Tagreiſen gegen Nordoſt lag die Stadt Schonthu, welche Hupilai⸗han erbaut, mit einer Mauer, einem ſehr großen marmornen Palaſt, und einem Thiergarten von 46 Stunden im Umfange, verſehen hatte. Daſelbſt waren große Parks von Wie⸗ ſen, durch Fontainen und Baͤche befeuchtet, durch Hir⸗ ſche, Rehe, Falken und andere Thiere belebt, welche mehr zur angenehmen Augenweide, als zur Tafel des Chans beſtimmt waren. Das gewohnte Jagd⸗Ver⸗ gnuͤgen feſſelte ihn jaͤhrlich geraume Zeit an dieſe Ge⸗ gend; er jagte zu Pferd durch abgerich tete Leoparden, welche die Dammhirſchen fingen, und den Greiffalken uͤberlieferten. In der Mitte des Thiergartens war ein kleiner Hain, mit einem auf uͤberfirnißten Pfei⸗ lern ruhenden Luſthauſe, welches von Innen und 12 Außen reich verziert, mit 20o ſeidenen Schnuͤren wie ein Zelt befeſtigt war, und deßwezen auch verſetzt werden konnte. Das Dach war aus vergoldeten und uͤberſtrnißten Roͤhren gebaut, welche in einander la⸗ gen, damit kein Regen eindringen konnte. In dieſem Palaſte und Luſthauſe verweilte H u⸗ pilai⸗han gewoͤhnlich waͤhrend der Monate Juni, Juli und Auguſt. Am 28. Auguſt verließ er die Stadt, und begab ſich mit einer Heerde von vielen 1000 weiſ⸗ ſen Pferden an einem zum Dankopfer fuͤr die Ernte beſtimmten Onte, wo er dem unſichtbaren Gott fuͤr die Fortdauer ſeiner Geſundheit, wie fuͤr jene ſeiner Wei⸗ ber, Kinder, Voͤlker und aller Thiere gebeten hat. Waͤhrend dieſes Gebetes wurde durch die Prieſter Milch von weißen Stuten in ſehr ſchoͤnen Gefaͤßen gereicht, aus welchen er dieſelbe zur Verſoͤhnung der Schutzgeiſter auf die Erde goß, und dann auch mit ſeinen Verwandten trank. Den Prieſtern ließ er fuͤr ihre Feſttage Widder ſchenken, welche ſie unter dem Dampfe von Weihrauch und Aloeholz ihren verſchiede⸗ nen Goͤtzen opferten, kochten, und unter großem Ge⸗ ſchreie denſelben noch einmal vorſetzten, ehe ſie die⸗ ſelben verzehrten. Mit der davon errungenen Fluͤſſig⸗ keit befeuchteten ſie dann die Erde, um ihre Goͤtter fuͤr die Befruchtung der Felder zu gewinnen. Eine Klaſſe von etwa 2000 Moͤnche, welche verſchieden ge⸗ kleidet und geſchoren, dem Goͤtzendienſte ſich widme⸗ ten, bewohnten in der Naͤhe ein Kloſter, deſſen Um⸗ 43 fang jenem eines Dorfes glich. Im Tempel zuͤndeten ſie eine Menge Kerzen an, und veruͤbten viele bedeu⸗ tungsloſe Zeremonien unter wildem Geſange. Dieſe Moͤnche fuͤhrten ein keuſches Leben, und weihten ſich der haͤrteſten Entſagung alles Fleiſches und anderer Genuͤſſe; ſie genoßen nichts, als eine Art in Waſſer gekochter Kleien; ſie waren mit grobem Zeuge von dunkler Farbe bekleidet, und ſchliefen ohne Unterlage auf dem kaͤlteſten Fußboden. Dagegen gab es auch be⸗ weibte Moͤnche, welche die Enthaltſamkeit der Erſte⸗ ren nicht lobten, weniger ſtreng lebten, und ſogar behnupteten, durch deren Lebensweiſe wuͤrde den Göt. tern nicht gedient. Waͤhrend der Monate Dezember, Jaͤnner und Februar wohnte Hupilai in der Fuͤrſtenſtadt Kham⸗ balu an der Graͤnze von Katay naͤchſt einem großen Fluſſe. Als er von ſeinen Sternſehern erfuhr, daß dieſelbe ſich empoͤren wolle, baute er jenſeits des Fluſ⸗ ſes eine neue Stadt Tatu(Pecking), und befahl den Bewohnern der alten, dieſe zu beziehen. Sie ſtellte ein gleichſeitiges Viereck vor, und hatte 24 Meilen im Umfange. Die Mauern waren aus Erde 10 Fuß boch, unten auch zu 16 Fuß dick, und verjuͤngten ſich bis zur Dicke von 3 Fuß. Sie hatte 12 Thore, auf jeder Seite drei, uͤber welche praͤchtige Palaͤſte ſich er⸗ hoben; eben ſo uͤber die vier Winkel der Mauer, wo die Waffen der Beſatzung aufbewahrt wurden; an je⸗ dem Thore ſtanden 1000 Soldaten zur Wache. endlich der Palaſt des Chans, welcher auf der Nord⸗ 1 Die Straßen waren ganz gerade, und durchſchnit⸗ ten einander im rechten Winkel. Ertoͤnte Abends die Thurmalocke aus der Mitte der Stadt, ſo kehrte je⸗ dermann nach Haus, und durfte ſich nur aus drin⸗ genden Urſachen, z. B. bei Kindesnoͤthen eines Weibes, Nachts mit einem Lichte in der Hand daraus entfer⸗ nen: ſonſt wurde er von der Wache ergriffen, und grauſam auf die Fußſohle geſchlagen. Gegen Mittag ſtand der Palaſt des Chaus; die aͤußere Mauer war viereckigt, hatte 32 Meilen im Umfange einen tiefen Graben, und auf jeder Seite ein Thor. Innerhalb der Mauer war ein Platz von einer Meile. Umfangs, worauf die Soldaten gemuſtert wurden. Hinter dem⸗ ſelben war ein ummauerter viereckigter Platz von 6 Mei⸗ len Umfanges, welcher 3 Thore gegen Mittag und 3 gegen Mitternacht hatte, wovon die beiden mittle⸗ ren nur bei Ausfahrten des Chans geoͤffnet wurden. An jedem Ecke dieſer Mauer und in der Mitte ſtand ein ſchoͤner Palaſt; in dieſen s Palaͤſten wurden die Waffen, Kriegsgeraͤthe und Pferde verwahrt. Innerhalb dieſes Platzes war noch einer von 4 Meilen Umfanges mit 6 Thoren und 8. Palaͤſten zur Aufbewahrung der Lebensmittel und Koſtbarkeiten. Zwiſchen dieſen bei⸗ den Vierecken waren Parks von Dammhirſchen, Re⸗ hen, Biſam⸗ und andern Thieren belebt. Die Fuß⸗ ſteige waren 3 Schuhe hoch, zur Erhaltung des Gra⸗ ſes angelegt. Innerhalb dieſer letzten Einfaſſung war 15 und Suͤdſeite an die Mantr grenzte. Dieſer hatte keine getaͤfelte Decke, ſondern ein ſehr hohes Dach, woran man nichts als Gold und Silberſah; eben ſo glaͤnzten auch die Manern der innern Hoͤfe; ſchoͤne hi⸗ ſtoriſche Gèmaͤlde ſtellten die beruͤhmten Schlachten vor. Im groͤßten der Hoͤfe dieſes Palaſtes erblickte man eine Tafel, an welcher 6000 Menſchen ſpeiſen konn⸗ ten; nebſt dem war in jedem Viereck des Palaſtes ein marmorner Saal fuͤr viele Menſchen. Die Zimmern waren praͤchtig meublirt; die Waͤnde mit Drachen, Menſchen, Thieren ꝛc. verziert, geſchnitzt und vergol⸗ det. Hinter dem Palaſte waren große Zimmer und Vorraths⸗Haͤuſer fuͤr den Schatz, die Juwelen, das. Weib des Chanes und andere Gegenſtaͤnde. Dem Palaſte gegenuͤber ſtanden zwei aͤhnliche fuͤr den erſten und zweiten Prinzen; und gegen Mitternacht ein kuͤnſt⸗ licher Berg von einer Meile im Umfange, und mit Baͤumen beſetzt, weßwegen man ihn den gruͤnen Berg nannte. Auf dieſem ſtand ein ſchoͤnes Luſt⸗ ſchloß, in welchem der Chan ſeine von Staatsgeſchaͤf⸗ ten freien Stunden zubrachte. Zwei Deiche ſind reich an den ſchoͤnſten Fiſchen geweſen. 12,000 Reiter, wel⸗ che die treuen Soldaten des Herrn genannt werden, waren innerhalb des Hofes unter 4⸗Hauptleuten ver⸗ theilt, welche abwechſelnd 3 Tage nach einander die Wachen bezogen. Von der Stadt Khanbalu zogen Landſäraßen durch alle Provinzen bis an die Grenzen des Reiches. Am 4 46 Ziele aller Tagreiſen waren Poſthaͤuſer mit ſchoͤnen Zimmern angelegt, worin große Hetrren mit allen Beduͤrfniſſen verſehen werden konnten, und s00 Pferde fuͤr Boten und Geſandte ſtets bereit ſtanden. Man rechnete 10,000 ſolcher Gaſthaͤuſer im ganzen Reiche. Alle an Wuͤſten grenzende Staͤdte waren verbunden fuͤr Pferde und Lebensmittel durch dieſelben zu ſorgen; und die an Fluͤſſen und Seen liegenden Staͤdte muß⸗ ten fuͤr ſchnelle und ſichere Ueberfahrt wa ſam ſeyn. Die Poſten konnten 200— 250 Stunden in einem Tage zuruͤck legen; bei dem Mangel des Mondlichtes muß⸗ ten eigene Diener, welche nach gebundenem Kopfe und Bauche den Pferden an Schnelligkeit gleich ka⸗ men, mit Pechfackeln leuchten. Die gut beſoldeten und von Abgaben befreiten Poſtknechte zu Fuß, welche Guͤrtel tragen, und rund umher mit Gloͤckchen beſetzt waren, wohnten in kleinen Haͤuſern 3—4 Meilen von einander; daher konnte der Chan in 2 Tagen aus einer Entfernung von 10 Tagreiſen Fruͤchte und Nach⸗ richten erhalten. Außerhalb der eigentlichen Stadt Khanbalu ent⸗ ſprachen den 12 Thoren eben ſo viele Vorſtaͤdte, wo viele Kaufleute und alle Fremde wohnten. Denn der Aufenthalt des Hofes in der Stadt, und der Zuſam⸗ menfluß von Waaren lockte eine ſtets zuſtroͤmende Menge fremder Kaufleute herbei. Doch waren dieſe Vor⸗ ſtaͤdte ganz verſthieden, von andern in Europa: denn ſie unterſchieden ſich von der Haupiſtadt weder in ben 17 geradlinigten und beſtens gepflaſterten Straßen und deren Trottoirs, noch in den vielen Pracht⸗Gebaͤu⸗ den; bloß der dazwiſchen befindliche kaiſerliche Palaſt machte den Unterſchird. In den Vorſtaͤdten wurden die Todten ſo wenig verbrannt oder beerdigt, als in der Stadt; beides geſchah außerhalb der Vorſtaͤdte und zwar verbrannten die urſpruͤnglichen Heiden der Tartaren und Chineſen alle Todte, die eingewanderten Sekten aber begruben ſie. Da alle Fremde in den Vorſtaͤdten wohnten, ſo fanden ſich daſelbſt auch feile Dirnen, oder Maͤdchen der Qual, aus allen Glaubens⸗ formen, welche die Stadt nicht beſuchen durften; man rechnete damals ſchon ihre Zahl uͤber 28,000. Ueber jedes 100 und 1000 derſelben waren beſondere, einander untergeordnete Befehlshaber geſtellt, uͤber alle zuſammen ein Oberbefehlshaber, deſſen Amt war, die Geſandten in jeder Nacht von andern Maͤdchen bedienen zu laſſen. Mit der faſt zahlloſen Menge von Kaufmannswaaren, welche taͤglich aus allen Theilen der Welt aukamen, gelangten auch neue auswaͤrtige Dirnen an. Die fremden Kaufleute allein erhielten taͤglich wenigſtens 1000 Wagen voll Seide, aus wel⸗ cher man daſelbſt die vortrefflichſten Zeuge webte; noch mehr Wagen voll Sdelſteine, Perlen, Rauchwerk und anderer wohlriechender Gegenſtaͤnde nebſt den außeror⸗ dentlich vielen— zum Theile luxurioͤſen Lebensmit⸗ teln konzentrirten ſich hier aus den benachbarten Pro⸗ vinzen⸗ 3 tes B. China. I. 2. 2 18 Nicht weit von Khanbalu war der große Fluß Puli⸗Sangan, welcher ſich in den Ozean ergoß, und auf welchem ſtets Kauffarthei⸗Schiffe hin und her gleiteten. Ueber denſelben war eine Bruͤcke von 17 Bogen, aus 17 Pfeilern von Schlangen⸗Steinen geſprengt; zu beiden Seiten waren Tiger auf Pfeilern in einer Entfernung von 8 Fuß, zwiſchen welchen ſchoͤn geſchnitzte Platten geweſen ſind. Auf den bei⸗ den mittleren groͤßeren Pfeilern ſtand eine marmorne Schildkroͤte und ein Loͤwe. Hinter dieſer Bruͤcke fuͤhrte eine gerade Straße, neben vielen herrlichen Schloͤſſern und Oekonomie⸗Gebaͤuden, zwiſchen fchoͤnen Wein⸗ bergen und den fruchtbarſten Auen auf 30 Stunden fort, bis man an die ſehr große und ſchoͤne Stadt Gonza oder Cho⸗chew, oder Glogui gelangte. In dieſer fanden ſich mehre heidniſche Kloͤſter, ſehr viele Manufakturen der ſchoͤnſten ſeidenen und golde⸗ nen Stoffe, und der feinſten Leinwand, zahlreiche Kaufleute und Fremde. Außerhalb derſelben zielte ein Weg gegen den Ozean, der andere nach Kathay, ne⸗ ben vielen Schloͤſſern, Staͤdten, Obſtgaͤrten, thaͤtigſt bearbeiteten Landguͤtern und Weinbergen, deren ſaͤmmt⸗ liche Bewohner nur dem Handel und techniſchen Kuͤn⸗ ſten ſich widmeten, und hoͤchſt freundlich und geſellig gegen Fremde waren. Nach 10 Tagreiſen erreichte man die Provinz und Stadt Ta⸗ywen⸗fu in Schanſi, deren umfaſſender Weinbau auch das Land Kathay mit Wein beſorgte. 19 Die Einwohner beſchaͤftigten ſich mit Kuͤnſten, allen Zweigen des Handels und mit Verfertigung der Waf⸗ fen und Kriegsgeraͤthe fuͤr den großen Chan. Wen⸗ dete man ſich von hier gegen Abend, ſo durchſtrich man eine herrliche Landſchaft, deren Schloͤſſer und Staͤdte mit thaͤtigen Gewerbs⸗ und Handels⸗Leuten beſetzt waren. Aus dieſer kam man nach Tagreiſen in die große Handelsſtadt Pin g⸗yang⸗fu, wo mei⸗ ſtens Seidenwaaren fabrizirt wurden. In einer Ent⸗ fernung von 2 Tagreiſen lag das vom alten Koͤnige Dor erbaute Schloß Tay⸗jin oder Chinkui, worin er ſich nur von jungen Schoͤnen bedienen ließ, wel⸗ che manchmal ſogar ſeinen leichten Wagen um daſſelbe herumzogen. Darin war ein ſchoͤner Saal mit den Portraits aller fruͤheren Koͤnige ausgeſchmuͤckt. Zwanzig Stunden uͤber Tay⸗jen hinaus war der ſehr breite, tiefe und bruͤckenloſe Fluß Muren oder Karomoran, deſſen Ufer mit vielen Handels⸗ Staͤdten gegen das Meer beſetzt waren, und deſſen Umgebung an Ingwer, Seide und Voͤgeln, beſonders Faſanen, wovon drei um einen Venezianer Groſchen zu haben waren, ſehr fruchtbar geweſen iſt. Zwei Tagreiſen jenſeits des Fluſſes lag die Stadt Tſian⸗ fu oder Kariam⸗fu, wo die heidniſchen Einwohner ſich mit Seiden⸗ und Goldſtoffen, und mit dem Han⸗ del der haͤufig daſelbſt wachſenden Ingwer, Galgant und Spikanard beſchaͤftigten. Gegen Abend kam man 1 Tagreiſen durch fruchtbare Gefilde, ſchoͤne Doͤrfer und Staͤdte, zum Theile von Mahometaneru und Neſtorianern, zum Theile von Heiden bewohnt. Nach 8 Tagreiſen weiter lag die Hauptſtadt Quen⸗ quina⸗fu oder Si⸗ngan⸗fu der jetzigen Provinz Schenſi, wo einſt viele Koͤnige, und zur Zeit M. Paolo's Hupilai's Sohn, Mangala, als Statt⸗ halter wohnte. Durch die Thaͤtigkeit der heidniſchen Bewohner war dieſe Landſchaft fruchtbar und vortheil⸗ haft fuͤr den Handel. Einige Stunden von der Stadt war der vornehme Palaſt des Statthalters mit Waſſer⸗ Graͤben, und einer Mauer auf fuͤnf Stunden im Um⸗ fange umzogen. Noch 3 Tagreiſen zog man durch eine ſehr ſeiden⸗ reiche ſchoͤne Ebene; dann folgten gegen Abend 20 Tagreiſen gebirgigten Landes, von zahlreichen Lö⸗ wen, Baͤren, Hirſchen, Rehen und Woͤlfen belebt, deſſen Einwohner ſich dem Feldbaue und der Jagd widmeten. An daſſelbe ſchloß ſich die gut bevoͤlkerte und ebene Stadt Ak⸗baluk, hinter welcher 20 Tag⸗ reiſen gebirgigter und waldigter Gegend folgten, wel⸗ che ſich durch Ingwer, Korn, Reis und Biſamthiere auszeichnete. Alsdann eroͤffnete ſich in einer ſchoͤnen Ebene die reiche Stadt(und Provinz) Ching⸗tu⸗ fu oder Sindinfu von 20 Stunden im Umfange, von vielen theils breiten Fluͤſſen durchſtroͤmt, deren eine uc durch eine ſehr lange mit Handelsbuden be⸗ ſetzte Bruͤcke auszeichnete. Nach s Tagreiſen durch eine mit Staͤdten, Schloͤſ⸗ 21 ſern und Doͤrfern gefuͤllte und thierreiche Ebene, wo viel Leinwand fabrizirt wurde, erreichte man die durch Hupilai ganz verwuͤſtete Provinz Thebet oder Thibet, fuͤr welche alle Reiſende auf 20 Tage mit Lebensmitteln verſehen ſeyn mußten. Außer derſelben traf man zwar wieder Staͤdte und Doͤrfer, aber eine ſehr veraͤchtliche Gewohnheit. Daſelbſt durfte naͤmlich kein Maͤdchen als Jungfrau ſich verehelichen: deswe⸗ gen fuͤhrten die Muͤtter ihre mannbaren Toͤchter den Fremden fuͤr die Zeit ihres Aufenthaltes zu, bei de⸗ ren Abreiſe ſie ſich ein Erinnerungszeichen ausbaten. Mit je mehr ſolchen Andenken der Hals eines Maͤd⸗ chens geſchmuͤckt war, deſto mehr ward es geachtet, und konnte auf die vortheilhafteſte Heirath Anſpruch machen. Doch nach der Verehelichung ſollten ſie ih⸗ ren Maͤnnern treu ſeyn, und jeder war vorſichtig, ſeinen Nachbar hierin nicht zu beleidigen. Mit dieſer ſcheinbaren Liberalitaͤt ihrer Toͤchter ſtand ihre vorherr⸗ ſchende Neigung zum Betruge, Diebſtahle, Raube und zur Grauſamkeit im grellſten Widerſpruche. Sie lebten von der Jagd und den freien Erzeugniſſen der Erde, und verfolgten durch ſehr große Hunde die zahl⸗ reichen Biſamthiere und wilden Ochſen. Sie waren mit Thierfellen oder grober Leinwand bekleidet, hatten ihre eigene Mundart, und bedienten ſich der Korallen ſtatt des Goldes zum Verkehre und Halsſchmuck der Weibsperſonen. Weſtlich von Thebet lag die Stadt und Provinz der Staatskaſſa. 22 Kaindu, durch einen großen ſehr fiſchreichen und ſalzichten See voll Perlen ausgezeichnet, welche durch ihre Ueberzahl laͤngſt werthlos geworden waͤren, wenn deren Fiſcherei ohne des Chans beſondere Erlaubniß geſtattet waͤre. Eben ſo war ein naher Berg reich an Tuͤrkiſſen, deren Ausfuhr gleichfalls mit der Todes⸗ ſtrafe bedroht war. Die heidniſchen Einwohner dieſer Provinz waren mit ihren Toͤchtern und Weibern noch zuvorkommender gegen die Fremden, als in Thebet. Vogel und wilde Thiere gab es im Ueberfluſſe, wie Zimmet, Ingwer, Gewuͤrznelken; den Mangel an Wein erſetzten ſie durch ein herrliches Getraͤnk aus Korn, Reis und Gewuͤrzen in Waſſer gekocht. Fuͤnfzehn Tagreiſen fuͤhrten noch durch Doͤrfer und Schloͤſſer, deren Bewohner den vorigen ganz gli⸗ chen, bis man an der Grenze der Provinz Kaindu den Goldſandfluß Brius erreichte, deſſen Ufer mit Zim⸗ metbaͤumen beſetzt waren. Jenſeits deſſelben lag die große und pferdereiche Provinz, Karayan, in wel⸗ cher Hupilai's Sohn, Eſentemur, als Statthalter war. Die bedeutende Hauptſtadt Nachi beſchaͤftigte ſich vorzuͤglich mit Handel, welcher von daſigen Ma⸗ hometanern und Neſtorianern ſehr belebt war. Ge⸗ traid und Reis gab es im Ueberfluſſe; aus letzterem wurde das Brod gebacken, aus erſterem ein Getraͤnke bereitet, welches mehr als Wein berauſchte. Mehre Brunnen enthielten ſalzreiches Waſſer zum Vortheile Das Fleiſch verſchiedener Thiere —— —— 23 wurde roh, klein gehackt, mit Gewuͤrzen und Oelen vermiſcht genoſſen. Statt des Geldes bediente man ſich gewiſſer im Meere befindlicher Steine oder Scha⸗ len. Die Maͤdchen und Weiber waren den Fremden faſt ſo zugaͤnglich, wie in den vorigen Provinzen. Ein ſehr fiſchreicher See hatte einen Umfang von mehr als 100 Stunden.— Zehn Tagreiſen weſtwaͤrts von Nachi lag die Hauptſtadt und Provinz Karazan, wo Hupilai's juͤngſter Sohn Statthalter war. In den Fluͤſſen fand ſich Goldſand, in den Bergen Golderz, welches ſie fuͤr ſechsfaches Silbergewicht vertauſchten. Ihre Muͤnze beſtand aus Indien's Porzellain, wohin ihre ſehr großen Pferde als Stutzſchweife vertauſcht wurden. Es gab Schlangen von 10 Fuß in der Laͤuge, und 10 Zoll in der Dicke, deren Fleiſch ſehr ſchmackhaft gefunden, und deren Galle gegen die Hundswuth und fuͤr leichtere Eutbindung der Schwangeren wirkſam gehalten wurde. In Kriegen bediente man ſich der vergifteten Pfeile, Lanzen, Panzer und Schilder aus Buͤffelhaͤuten. Ehe der Chan dieſe Provinz unterjocht hatte, wurden alle ſchoͤne und vernuͤnftige Fremde in ihren Herbergen aus dem Wahne umgebracht, damit ihre Vorzuͤge des Koͤrpers oder Geiſtes ein Erbtheil des Hauſes wuͤrden. Die Provinz YNong⸗tſchang⸗ fu, 5 Tagreiſen weiter, machte ehemals einen Theil des Fuͤrſtenthu⸗ mes Ngai⸗lao aus; die Hauptſtadt gleiches Na⸗ mens iſt dieſelbe, welche M. Paolo Unchiam in der vermeintlichen Provinz Arceladam*) nannte. Sie war groß und volkreich, beherrſchte 3 Staͤdte und 3 Feſtungen, und hatte aus ihrem Bezirke viel Gold, Wachs, Honig, Marmor, Ambra, Leinwand und Seide. Im Handel bedienten die Einwohner ſich des Goldes und Porzellains nach dem Gewichte, ſtatt des ihnen unbekannten Geldes. Die Maͤnner und Weiber uͤberzogen ihre Zaͤhne mit feinen Goldplaͤttchen; die Maͤnner machten auch mit einer Nadel und Tinte um ihre Arme und Beine eine Einfaſſung, waren nur mit Krieg und der Jagd nach wilden Thieren und Voͤgeln beſchaͤftigt, und uͤberließen alle haͤuslichen Angelegen⸗ heiten den Weibern und Leibeigenen oder Sklaven. Sobald ein Weib entbunden war, verließ es ſein Bett, wuſch ſein Kind, wickelte es ein, reichte ihm taͤglich die Bruſt, und widmete ſich wieder dem Hausweſen. Dagegen legte der Ehemann ſich mit dem Kinde bei guter Nahrung 40 Tage in das Bett, und nahm die Beſuche von Maͤnnern an, wie eine europaͤiſche Woͤch⸗ nerin von Weibern; dieſe maͤnnliche Pflege des Kin⸗ des ſollte das Weib fuͤr die Geburtsſchmerzen entſchaͤ⸗ digen. Die meiſten Einwohner hielten ſich in wilden oder gebirgigten Gegenden auf, deren Luft den Frem⸗ den ſchaͤdlich war. Ihre vorzuͤglichſte Nahrung beſtand — *) De Mailla hist. de la Chine. Vol. IX. p. 419. note 2; et V. XII. p. 107. 25 aus Reis, rohem Fleiſche, und Reisweine. Das aͤl⸗ teſte Glied ihrer Familie wurde angebetet, wie eine koͤrperliche Gottheit. Eine Buchſtabenſchrift war ih⸗ nen noch unbekannt; ihre Vertraͤge ſchloßen ſie durch ein Kerbholz ab, wovon jeder Theil die Haͤlfte bei ſich behielt. In dieſer Provinz, wie in den vorigen, vertraten die Prieſter oder Zauberer die Stelle der Aerzte. Wurde Jemand krank, ſo wurde ein Prieſter ge⸗ rufen, der unter dem Ertoͤnen gewiſſer Juſtrumente tanzte und ſo heftig ſchrie, bis einer der Anweſenden waͤhnte, von einem Daͤmon beſeſſen zu ſeyn. Jetzt erſt wurde vom Prieſter nach der Entſtehung und Ausbildung der Krankheit gefragt, und angedeutet, was fuͤr die Geneſung zu thun ſey. Da erhob ſich der Beſeſſene, und antwontete ſtatt des Kranken, daß er glaube, dieſe oder jene Gottheit beleidigt zu haben; weswegen er durch eine Krankheit beſtraft worden ſey. Hierauf flehten die Zauberer die Goͤtter um Verge⸗ bung an, und verſprachen fuͤr die Geneſung ein Opfer von ſeinem eigenen Blute. War aber der Be⸗ ſeſſene vom nahen Tode des Kranken uͤberzeugt, ſo⸗ antwortete er, der Kranke habe die Gottheit bis zur Unverſoͤhnlichkeit beleidigt. Indeſſen wurde doch dem Kranken gerathen, die Zauberer mit deren Weibern zu einem Schmauße als Opfer einzuladen. Darauf toͤdteten ſie die ihnen bezeichneten Stiere, verſpritzten das Blut derſelben in die Luft gegen den Himmel, 26 durchraͤucherten das ganze Haus mit Aloeholz und an⸗ deren Geruchsmitteln, und ſpritzten Fleiſchbruͤhe und wohlriechende Waͤſſer in die Luͤfte. Bei Erſcheinung der geladenen Gaͤſte erhoben ſie einen Lobgeſang fuͤr den Goͤtzen der Geſundheit, welchen der Beſeſſene vor⸗ ſtellte: war dieſer befriedigt, ſo ſetzten die Zauberer mit ihren Weibern ſich zu Tiſche, und verzehrten freu⸗ dig uͤber die gute Wirkung ihrer Gebete die den Goͤtzen dargebrachten Speiſen und Getraͤnke. Wurde der Kranke wirklich geſund, ſo glaubte er feſt, daß ſeine Geneſung blos durch dieſes Opfer bewirkt wor⸗ den ſey. 3 Im Jahr 1282 brach zwiſchen den Provinzen Nunnan*) und Bot iam ein heftiger Krieg aus. Hupilai ſendete einen ſeiner vornehmſten Feldhermn Nalaſuting oder Naſulating*) mit 12,000 Reitern zur Deckung der Provinz Yunnan. Die Koͤ⸗ nige von Mien und Bengale beſorgten einen Ueber⸗ fall, ſammelten Truppen und ruͤckten damit bis zur Stadt Vocia vor, wo die Tartaren mit 60,000 Mann und 2000 Elephanten gelagent hatten. Ralaſuting. ſtellte ſich am Eingange eines Waldes auf, um ſich 23 *) M. Paolo nannte die Provinz Yunnan un⸗ richtig Kargim, und den Feldherrn Nalaſuting eben ſo unrichtig Neſcardin. Man vergleiche de Mailla hist. de la Chine vol. IX. P. 411. note 7. 1⁴ 4 41 7015 1 1 27 unter dem Schutze dey Baͤume gegen die anruͤckenden Elephanten mit kleinen auf den Ruͤcken befeſtigten Haͤuſern zu ſichern, in deren jedem 10— 12 der tapfer⸗ ſten Krieger ſich verbargen. Die tartariſchen Pferde wurden bei dem Anruͤcken der Elephanten ſo ſchuͤch⸗ tern, daß ſie nicht vorwaͤrts zu bringen waren; daher ſtiegen die Reiter ab, banden ihre Pferde an die Baͤu⸗ me, gingen auf die Feinde los, und ſetzten ihnen theils durch ihre Maſchinen zum Steinwerfen, theils durch ihre Pfeile ſo zu, daß die verwundeten Elephan⸗ ten in das Gehoͤlz flohen, daſelbſt ihre Thuͤrme zer⸗ brachen, und die darin befindlichen Soldaten herab warfen. Die Tartaren nahmen dieſen Unfall kaum wahr, ſo eilten ſie wieder auf ihre Pferde und be⸗ ſtuͤrmten das Heer des Koͤnigs von Mien, welches durch den Angriff von zwei Seiten bald in die Flucht geſchlagen war. Nach dieſem Siege kehrten erſt noch einmal die Tartaren in den Wald zuruͤck, und bekamen mit Huͤlfe ihrer Gefangenen mehr als 200 Elephanten in ihre Gewalt. Von dieſer Zeit an bediente ſich Hupilai auch ſolcher Thiere in den folgenden Krie⸗ gen; ſeine Truppen verfolgten ihr gutes Gluͤck, und unterwarfen ihm bald das ganze Land Mten. Außerhalb Nunnan eroͤffnete ſich auf 2 4 ½ Tagrei⸗ ſen ein menſchenleeres Thal, in welchem jaͤhrlich von fremden Kaufleuten 3 Tage Meſſe fuͤr die einſamen Gebirgebewohner gehalten wurde, welche herabſtiegen, eine Unze Gold fuͤr 6 Unzen Silber umzutauſchen. 28 Die Gebirge waren ſo ſteil, daß ein Fremder ohne Lebensgefahr weder ſie erſteigen, noch die Hoͤhlen der Einwohner dort finden konnte. Außerhalb dieſer Ebene mußte man 15 Tagreiſen durch Waldungen und menſchenleere Landſchaften wandern, welche die mittaͤgliche Graͤnze Indiens bil⸗ deten, nur von Elephanten, Einhoͤrnern und andern wilden Thieren bewohnt waren, ehe man die Stadt Mien erreichte. Daſelbſt hatte einſt ein reicher Koͤ⸗ nig ſchon im Leben ein marmornes Grabmahl, mit 10 Fuß hohen Thuͤrmchen auf jedem Ecke, ſetzen laſ⸗ ſen, deren eines eine goldene, das andere eine ſilberne Kugel mit gleichartigen Gloͤckchen hatte, welche bei jedem Winde ertoͤnten. Bei der Eroberung der Stadt wurde den Tartaren ſtreng verboten, dieſes Denk⸗ mahl zu beruͤhren. Die heidniſchen Einwohner der Provinz hatten ihre eigene Sprache, und waren reich in ihrer Umgebung an Elephanten, Hirſchen und wilden Ochſen. In der von Hupilai unterjochten Provinz Ben⸗ galen gegen das ſuͤdliche Indien, war auch eine be⸗ ſondere Sprache; die Zauberkunſt und der Prieſter⸗ dienſt wurde methodiſch gelehrt. Die Einwohner naͤhrten ſich von Fleiſch, Reis und Milch, vom Han⸗ del mit Verſchnittenen, Seide, Baumwolle, Zucker, Gewuͤrzen, Galant, Ingwer und anderen wohlriechen⸗ den Gegenſtaͤnden. Die zahlreichen Ochſen waren ſo groß, wie Elephanten. —— —— 29 Gegen Morgen lag das dem Chane tributbare Koͤ⸗ nigreich Kanjigu, deſſen Beherrſcher 300 Weiber hatte. Die guͤnſtige Lage an der See erleichterte den Einwohnern, ungeachtet ihrer eigenen Mundart, den Abſatz ihrer Goldſtufen, Raͤucherwerke und Spezereien. Letztere vermiſchten ſie mit Reis zum durſtloͤſchenden Erſatze des Weines. Viele Elephanten und andere wilde Thiere gaben ihnen Veranlaſſung zur eifrigen Pflege der Jagd. Sie bemalten ihre Geſichter, Haͤlſe, Haͤnde, Baͤuche und Fuͤße mit unausloͤſchlichen Thier⸗ bildern; wer ſich auf dieſe Art hinten wie vorn aus⸗ zeichnete, wurde fuͤr ſchoͤn und reitzend gehalten. Fuͤnf und zwanzig Tagreiſen gegen Morgen lag die dem Chan unterworfene Provinz Amu, welche, außer ihren großen Viehheerden, noch einen Ueber⸗ fluß an den gewoͤhnlichen Lebensmitteln hatte, und viele Pferde nach Indien verhandelte. Die Einwoh⸗ ner hatten ihre eigene Sprache, und trugen goldene und ſilberne Baͤnder an den Armen und Beinen. Acht Tagreiſen weiter gegen Morgen lag die frucht⸗ bare und bevoͤlkerte Provinz Tholoman oder Lolo⸗ man, dem Chan untergeordnet. Die Einwohner wa⸗ ren braun, wohl geſtaltet, und hatten ihre beſondere Mundart; die Maͤnner waren auch in den Waffen gut geuͤbt. Sie verbrannten ihre Todten, ſammelten de⸗ ren Aſche, und vergruben ſie in Berghoͤhlen. Zwar gab es viele Goldſtufen; doch bedienten ſie ſich nur 30 der aus dem Meere gefiſchten Goldkoͤrner zur Muͤnze, wie in den beiden vorigen Provinzen.; Gegen Morgen wanderte man neben einem Fluſſe nach 12 Tagreiſen in die große Provinzialſtadt Chin⸗ tigui, wo ſchoͤne Sommerzeuge aus Baumbaſt und Seite verfertigt wurden. Die zahlreichen Loͤwen mach⸗ ten das Ausgehen bei Nacht ſehr unſicher, konnten nur durch zwei große Hunde bei Tags in die Enge ge⸗ trieben, und durch die Pfeilte des Eigenthuͤmers der⸗ ſelben erlegt werden, waͤhrend ſie ſich an Baͤume an⸗ lehnten. Man bediente ſich des Papiergeldes. In 10 Tagen erreichte man die Stadt Siding⸗ fu; nach 20 andern Gingui oder Jingui, nach 4 an⸗ deren gegen Mittag Pazan⸗fu, in deren Umgebung der reiche Seidenbau die Fabrikation der von Gold durchwirkten und leinenen Stoffe befoͤrderte, welche theils auf dem Hauptfluſſe, theils auf deſſen Kanaͤlen nach Khambalu verkauft wurden. Unter den heidni⸗ ſchen Einwohnern gab es auch Chriſten mit einer Kirche, aber Neſtorianer. Nach 3 Tagreiſen gegen Mittag erreichte man die Stadt Changlu, welche viele Salzwerke hatte. Man haͤufte die ſalzreiche Erde auf, goß Waſſer darauf, damit die Salztheile ſich zu Boden ſetzten, und kochte dann die Salzmaſſe ſo lange, bis ſie ſich verdickt und weiß kryſtallirt hatte. Nach s Tagreiſen weiter gegen Mittag erreichte man die große Handelsſtadt Changli am ſchiffbaren Fluſſe; nach andern s Tagreiſen die uͤber 31 viele Handelsſtaͤdte gebietende Stadt Tadin fu oder Dudin fu in fruchtbarer Umgebung; und nach noch 3 Tagreiſen durch einen ſehr bevoͤlkerten Bezirk die Stadt Singui⸗matu an einem großen Fluſſe, wel⸗ chen die Einwohner zur Belebung des Handels in zwei Arme theilten, und nach Morgen und Abend leiteten. Von hier zog man 12 Tage durch Handelsſtaͤdte und Doͤrfer. Sechszehn Tagreiſen fuͤhrten an den eine Meile breiten Strom Karamoran, vor deſſen Ergießung in die See mehr als 18,000 Schiffe des Chans fuͤr je⸗ den Bedarf des Krieges bereit ſtanden, deren viele 15 Pferde mit den Reitern und Lebensmitteln außer 20 Matroſen aufnahmen. Naͤchſt der Flotte war zwi⸗ ſchen den beiderſeitigen Staͤdten Koyganzu und Quanzu der Weg uͤber den Fluß in die Provinz Mangi gebahnt. Wie hier, ſo war auch in den uͤbri⸗ gen Theilen des Landes Kathay, der Gebrauch der Steinzohlen zussFeuerung eben ſo allgemein, als je⸗ ner des Reiſes mit Gewuͤrzen, ſtatt des natuͤrlichen Weiesrzum Loͤſchen des Durſtes. Das ſuͤdliche China bildete einſt 9 Koͤnigreiche, wovon M. Paolo nur King⸗ßé(Quinſay) und Kougiu beſuchte, welche jetzt die Bezirke Hang⸗ tſcheu⸗fu und Kiu⸗tſcheu⸗fu, und einen Theil der Provinz Fukien ausmachen. Von Kathay kam er in die ſuͤdlicher gelegenen Staͤdte Koyganzu, Paughin oder Pauinhyen, Kaim, wo nebſt 32 vielen Fiſchen, Jagdvoͤgeln und Thieren auch ſehr wohlfeile Faſane zu haben waren; in die ſalzreichen See⸗Handelsſtaͤdte Tingui(vielleicht Tſin⸗Kyang⸗ hven) und Chinguiz gegen Suͤdoſt nach Nang ui, wo M. Paolo 3 Jahre Provinz⸗Vorſteher in Hu⸗ pila i's Namen geweſen iſt. Die Provinz Nanghin gegen Abend war reich durch den Handel mit Getreide und von Gold durch⸗ webten Zeugen, und hatte Siang fu oder Siang⸗ vang zur Hauptſtadt. Dieſe von Suͤmpfen umge⸗ bene Stadt hatten die Tartaren bereits 3 Jahre bela⸗ gert, als die drei Paoli am Hofe Hupilai's ein⸗ trafen, deren Begleiter, zum Theile arabiſche Zim⸗ merleute, ſchnell drei neue Maſchinen zum Steinwer⸗ fen verfertigten. Die Wirkung derſelben auf die Haͤu⸗ ſer was ſo groß, daß die Uebergabe der Stadt bald erfolgte“). Von hier kam er in 15 Stunden in die kleine Stadt Singui am Fluſſe Kiang, welcher mehr als 100 Tagreiſen lang, oͤfters 6— 8 Stunden breit, und ſo tief iſt, daß die groͤßten Meeresſchiffe darauf einlaufen koͤnnen. Er durchſtroͤmt mehr als 16 Provinzen und 200 große Staͤdte vorbei, iſt mit auſ⸗ ſerordentlich vielen Schiffen, deren meiſte Salz fahren, von einem Maſte und einem Segel bedeckt. Paolo *) Groſier herichtiat⸗ M. Paolo in ſeiner Histoire de la Chine Vol. 9. p. 329, daber ich auch von ihm abt veiche e .* — 8 33 ſah zu Singni etwa 5000, in anderen Staͤdten noch mehre Schiffe mit einer Laſt von 4— 12000 venezia⸗ niſchen Zentnern, und die groͤßten Schiffe nur mit einem Verdecke verſehen. Man bediente ſich damals bloß zum Maſte und Segel der hanfenen Taue, uͤbri⸗ geus duͤnn geſpaltener und zuſammen gedrehter Rohre von einer Laͤnge zu 400 Klaftern, womit die Schiffe 1 durch 10— 42 Pferde den Fluß aufwaͤrts gezogen wur⸗ den. Die Ufer waren an mehren Plaͤtzen felſigt, und mit Kloͤſtern— uͤbrigens mit volkreichen Doͤrfern be ſetzt. Kaingui war eine kleine Stadt auf dem ſuͤdoͤſt⸗ lichen Ufer des Kiang, in deren Umgebung viel Ge⸗ treide und Reis wuchs, welche meiſtens an den Hof des Chaus zu Khanbalu auf den dazwiſchen liegenden Seen geliefert wurden, welche derſelbe mittelſt eines Kanals, auf deſſen Daͤmmen Fußgaͤnger nach Kathay reiſen konnten, verbinden ließ. Nicht weit von Kain⸗ gui war auf einer Inſel in der Mitte des Fluſſes das aͤlteſte und vorzuͤglichſte Kloſter heidniſcher Moͤnche. Ching⸗Kyang⸗fu war eine reiche Handels⸗ ſtadt, worin viel Seide und Gold verwebt, und fuͤr die Neſtorianer zwei Kirchen durch Maſakus oder Nariarchis erbaut wurden, welchen der Chan als Statthalter 4288 dahin geſetzt hatte. 3 Nach drei Tagreiſen gegen Suͤdoſt, zwiſchen vie⸗ len Staͤdten und Doͤrfern, erreichte man die mit dop⸗ pelter Mauer umgebene Stadt Tinguigui oder ates B. China. I. 2. 5 34 Changschew, welche an Allem Ueberfluß hatte. Als der tartariſche General Ehinſam Bayan die Provinz Mangi eroberte, ſchickte er ein Korps Alanen oder Marer gegen dieſe Stadt voraus. Da die Ein⸗ wohner ſich dem Chan unterwarfen, von der aͤubern „Stadtmauer auf die innere ſich zuruͤck zogen, und viel Wein in jener zuruͤck ließen, ſo uͤberließen die Krieger ſich dem Trunke bis zum nebermaaße, ſchliefen Nachts⸗ ohne die noͤthigen Wachen ausgeſtellt zu haben, und⸗ wurden von den Buͤrgern uͤberfallen und umgebracht. Auf die erſte Nach zricht ließ Bayan ein anderes Korps vorruͤcken, die Stadt Aohfen, und alle Einwohner niederhauen. Singui oder Su⸗chew(Stadt der Erde) war eine reiche Handelsſtadt von etwa 20 Meilen im Um⸗ fange, von vielen Seiden⸗Webern und andern Hand⸗ werkern, Aerzten, Zauberern und Weltweiſen be⸗ wohnt, mit etwa 6000 ſteinernen Bruͤcken verſehen, durch deren hohe Bogen die groͤßten Schiffe, ohne ihre Maſte niederzulaſſen, beauem durchfahren konn⸗ ten. Sie uͤbte uͤber 16 andere Staͤdte, worin viel Handels⸗ und Handwerks⸗Verkehr iſt, die Gerichts⸗ barkeit aus. Die umliegenden Berge boten viel Rha⸗ barber und Ingwer dar, und die vielen Seiden⸗Ma⸗ nufakturen veranlaßten die C Einwohner, ſich in Seide zu kleiden. Hang⸗tſchén war M. Paolo's Himmelsſtadt, King⸗be oder Quinſay, von 100 Stunden im Um⸗ . 35 fange, auf einer Seite mit einem See, auf der an⸗ dern mit einem Fluße umgeben, welcher 25 Stunden gegen Oſtnordoſt in das Meer faͤllt. Waͤhrend ſeines laugen Aufenthaltes bemerkte er mehr als 12,000 ſtei⸗ nerne Bruͤcken mit hohen Bogen, eben ſo viele Kanaͤle, breite Straßen und große Maͤrkte. Jeder der letzte⸗ ren hatte zwei Stunden im umfange, war 4 Stun⸗ den vom naͤchſten entfernt, und alle Maͤrkte ſtanden mit der Hauptſtraße in Verbindung, welche 40 Schritte breit war, die ganze Stadt in gerader Richtung durch⸗ ſchnitt. Dieſe war ſtets von ſo vielen Meuſchen be⸗ lebt, daß man ſich uͤber den zu ihrem Unterhalte noͤ⸗ thigen Vorrath an Lebensmitteln wundern mußte. Sie hatte auf jeder Seite 10 Schuh breite Fußwege Trottoirs) gepflaſtert, der mittlere Fuhrweg war be⸗ kieſt und beſandet, und mit vielen sſitzigen Lohnkut⸗ ſchen verſehen; alle uͤbrigen Straßen waren ganz ge⸗ pflaſtert. Hinter jedem großen Markte erleichterte ein Kanal die Zu⸗ und Abfuhr der Waaren, welche auf deſſen beiden Seiten in großen ſteinernen Vorraths haͤuſern von Indianern und anderen fremden Kaufleu⸗ ten angehaͤuft waren. Jeder Markt war woͤchentlich dreimal von 40— 30,000 Menſchen beſucht. Fleiſch, Pflanzen und Voͤgel waren in ſolcher Menge zu ſehen, daß man um 2— 3 Groſchen 2 Gaͤnſe oder 4 Enten kaufen konnte; auch gab es 10 Pfund ſchwete vortreff⸗ liche Birne, unzaͤhliche und mannigfaltige aus dem See und Meere. Jeder Marktolatz war mit! 587 36 hen Haͤuſern umgeben, in deren Erdgeſchoßen Kauf⸗ mannsgewoͤlbe und einige theils warme Baͤder fuͤr Fremde, theils kalte fuͤr Eingeborne ſich befanden; welche ſich von ihrer Kndheit an taͤglich badeten. Auf jedem Ecke deſſelben ſtand ein Palaſt fuͤr die Woh⸗ nung der Gerichtsperſon, welche die auf dem Markte entſtehenden Streitigkeiten ſchnell zu entſcheiden, und zugleich die auf den Bruͤcken befindlichen Wachen zu beobachten hatte. Wie auf allen Straßen, ſo fand man vorzuͤglich auf Maͤrkten zahlreiche Sterndeuter, Aerzte und buhlende Dirne. Die Einwohner hatten ein gutes Ausſehen, ge⸗ woͤhnlich ſeidenen Anzug, in ihren reinlichen Woh⸗ nungen koſtbare Meubles und ſchoͤne Gemaͤlde, und lebten ſo friedlich neben einander, daß ſie zu einer Familie zu gehoͤren ſchienen. Der Eheſtand wurde ſo hoch geachtet, daß nie Eiferſucht eintrat, und jede un⸗ beſcheidene Rede an ein Weib die Verachtung nach ſich zog. Sie waren Frenden ſehr hoͤflich und gefaͤl⸗ lig; dem Kriege ſo abgeneigt, daß ſie nicht einmal Waffen in ihren Wohnungen gufbewahrten. Ihre Handwerker waren in 12 Hauptzuͤufte eingetheilt; jede Zunft hat 1000 Gewoͤlbe als Werkſtaͤtte, und in je⸗ dem 10— 40 Arbeiter unter einem Meiſter. Jeder Sohn war verbunden, das vaͤterliche Handwerk fort⸗ zuſetzen; doch konnte der reichere ſich des Arbeitens enthalten, und mit ſeiner Frau koſtbar kleiden. In je⸗ der Straße waren ſteinerne Thuͤrme zur Aufbewahrung 37 der Waaren bei Feuersbraͤnſten, welchen die boͤlzernen Haͤuſer ſehr ausgeſetzt waren. Der See war mit Palaͤſten der Großen, mit Tempeln und heidniſchen Kloͤſtern umgeben. In deſ⸗ ſen Mitte erhoben ſich zwei Inſeln, auf jeder ein Pa⸗ laſt mit vielen großen Zimmern zur Feier der buͤrger⸗ lichen Hochzeiten, andern Luſtbarkeiten und Zuſam⸗ menkuͤnfte. Jedes der zahlreichen Luſtſchiffe bot den Familien, welche des Abends nicht durch die Stadt im Miethwagen ſpatzieren fahren wollten, ein Ver⸗ gnuͤgen dar. Viele allgemeine Krankenhaͤuſer, von alten Koͤni⸗ gen mit großen Einkuͤnften verſehen, nahmen die kran⸗ ken Arbeiter unentgeldlich auf, welche nach der Gene⸗ ſung wieder zur Arbeit augehalten wurden. Die auf allen Maͤrkten befindlichen Sterndeuter wurden beſonders bei Verehelichungen und Geburten um Rath gefragt. Bei der Leiche einer angeſehenen Perſon waren alle Verwandten in Kanevas gekleidet, und ſangen unter Begleitung muſikaliſcher Werkzeuge bis zum Platze, wo der Koͤrper verbrennt wurde; dann warfen ſie papierne Bilder in das Feuer. Jede Bruͤcke war von s Mann bei Tage, und von 5 bei Nacht bewacht; jeder Waͤchter ſtand in einem Kaſten, in welchem ein duͤrres Brett zum Auſchlage der Stunden des Tages ſich befand, welcher mit Auf⸗ gang der Sonne began in, und mit deren Untergang endigte. Die Waͤchter beobachteten Nachts die uner⸗ 38 laubten Wanderer auf den Straßen, und wer Licht hatte: bei dem Ausbruche eines Feuers eilten ſie zum Loͤſchen, und zur Verſicherung der Hausgeraͤthe in Thuͤrmen, Schiffen und Inſeln; Niemand, deſſen Wohnung nicht in Gefahr war, durfte ſich auf der Gaſſe ſehen laſſen. An vielen Orten gab es kuͤnſtliche Berge aus Erde und Holz, welche eine Stunde von einander entfernt waren, und auf deren Spitze die Waͤchter, durch Haͤmmer auf ihre Bretter in den Kaͤſten, bei dem Ausbruche eines Feuers oder Auf⸗ ſtandes ſchlugen. Der praͤchtige Palaſt, worin ehemals der Koͤnig von Manjt Facfur oder Fan fur ſich guf)ielt, war viereckigt, auf 10 Stunden im Umfange mit hohen Mauern umgeben, und in 3 Theile getheilt. In den mittler itt man durch ein Chor, auf deſſen bei⸗ den Seiten bedeckte Gaͤ e folgten, deren Dach von blau bemalten und vergoldeten Pfeilern getragen wurde, welche nach einander ſtets groͤßer waren. Das Dach war ver det, und an den Waͤnden ſchoͤne Ge⸗ maͤlde mit Vo aus der Geſchichte der Koͤ⸗ nige. Unter dieſen Gaͤngen hatte Fagaefur manchmal Hoͤflinge, Doetoren und reiche Buͤrger 10— 12 einander mit unglaublicher Pracht bewir⸗ 1 Hiuter dem mittleren Theile des Palaſtes war eine Ant eine it Z ZBimmern fuͤr den Koͤnig und die Koͤ deckten Schritte breiten Gang, welcher ſich bis. an den maͤnnlichen und weiblichen Perſonen, wie de 39 See erſtreckte. Ad ſeder Selt⸗ deſſelben waren 10 Hoͤfe, wie Kloͤſter, mit Gaͤrten und s0 Zimmern, worin 1000 Maͤdchen als Beiſchlaͤferin önigs wohn⸗ ten, weicher manchmal mit ihnen und f ner Gemah⸗ lin auf dem See fuhr. Die beiden uͤbrigen Theile des mit Man iern umgebenen zes waren in Luſtwaͤlder, Seen und Gaͤrten eingetheilt, wo unter gepflanzten Baͤumen die Hirſchen, Rehe, Haaſen und Kaninchen gehegt wurden. ud durfte dahir kommen, als der münen und ſeine Maͤdchen, welche das Wild jagte h in Gebuͤſchen entkleideten, und im Teiche herum htunen ea waͤhrend derſelbe in dieſen anmuthigen Schatten ſpeiſte. M. Paolo fand nur noch die Ruinen dieſer einſt wohluuͤſtigen Einrich⸗ tungen. Nach einem bei ſeiner Anweſenheit gefertigten ße gab es 160 Toman oder Stadtbezirke, de⸗ ren jeder 10,000 Haͤuſer in ſich faßte, und unter die⸗ ſen 1,600,000 Feuerſtaͤtten, welche beilaͤnſig von eben ſo vielen Familien, zu 7 Perſouen gerechnet, bewohnt wurden. Jeder. Hauswirth mußte die Zahl felder ferde, neu gebornen, oder adoptirten Kinder, jeder Gaſ⸗ wirth die Zahl ſeiner Gaͤſte, die Zeit ihrer Ankunf⸗, und den Zweck ihrer weiteren Reiſe an ſeine Thuͤre ſchreiben, ihre Zehrung in das Buch eintrage nd dieſes taͤglich der O brigkeit am naͤchſten ſenden. 40 Die Einkuͤnfte des Chans aus dem Salze, wel⸗ ches im Bezirke dieſer Stadt fabrizirt wurde, betru⸗ gen So Myriaden Gold, welches 6,400,000 Goldgul⸗ den ausmachte. Dieß wuͤrde unbegteiflich geweſen ſeyn, wenn nicht das ſalzigte Waſſer der umliegenden Seen im Sommer ſich ſo⸗ verdickt haͤtte, daß fuͤnf an⸗ ſtoßende Provinzen damit haͤtten verſehen werden koͤn⸗ nen. Nebſt dem bezog der Chan noch von jedem Hun⸗ dert des uͤberfluͤſſtg gedeihenden Zuckers,⸗ Gewuͤrzes, Reiſes ꝛc. 34/2 Theile, wie von den 12,000 Werk⸗ ſtaͤtten der 12 Zuͤnfte, und von allen zur See aus⸗ oder eingefuͤhrten Waaren. Indier und andere fremde Kaufleute mußten den zehnten Theil entrichten: guch von allen Thieren, Pflanzen, Seidenwaaren ꝛe. fiel ein gleicher Theil dem Chan zu, welches zufammen— ohne das Salz— wieder 15,600,000 Goldgulden im Durchſchnitte nach Paolos Ueberzeugung betrug. Und doch war dieß alles nur der neunte Theil der⸗ Einkuͤnfte des Koͤnigreichs Manji., Verfolgte man den Lauf des Kyang gegen Suͤd⸗ oſt durch die ſchoͤnſten Anlagen, ſo erreichte man nach einer Tagreiſe die große und ſchoͤne Stadt Tah⸗ ing⸗fu oder Tapinzu. Auf den 3 naͤchſten Tag⸗ reiſen ſchritt man durch ſo viele Staͤdte und⸗ Doͤrfer bei dem groͤßten Ueberfluſſe an Lebensmitteln, daß man glauben konnte, dieſelben bilden nur eine große Stadt. Nach 3 anderen Tagreiſen kam man in die Stadt. Gengui oder Yen⸗chew⸗fu, in deren 41 Nachbarſchaft zwar keine Schaafe, aber Loͤwen, Ochſen, Pferde, Boͤcke, San eine zu finden waren; nach noch 4 Tagreiſen in die Bergſtadt Cingiam oder Che⸗ kyang, nach 4 andern in die Stadt Kyu⸗chew⸗fu oder Cugui. Hier betrat man die ſuͤdoͤſtliche Provinz Fukien, bekannt durch hohe Berge und enge Thaͤler, viele Loͤ⸗ wen, Voͤgel, Galgant, Jugwer, und eine ſafran⸗ artige Pflanze. Die Einwohner waren ſehr kriege⸗ riſch, zogen zu Fuß mit Schwert und Lanze, nach beſchorenem Kopfe und blau gemaltem Geſichte unter ihrem reitenden Feldherrn aus, ſogen das Blut der getoͤdteten Feinde aus, und verzehrten ihr Fleiſch als eine koſtbare Speiſe. Nach s Tagreiſen erreichte man die Stadt Quelinfu sder Kyen⸗ning⸗fu, wo 3 große ſteinerne Bruͤcken, ſchoͤne Maͤdchen, viel Seide, Ingwer, Galgant und Huͤhner ohne Federn mit ſchwarzen Haaren zu ſehen waren. In 18 Mei⸗ len ſah man die an Zucker reiche Stadt Unquem, welcher an den Hof des Chaus zu Khambalu gebracht wurde⸗ Nach 13 Tagreiſen kanr man in die Grenzſtadt Fu chew oder Fugui des Koͤnigreiches Konka, wo eine große Beſatzung und viel Zucker zu finden war. Der eine Stunde breite Fluß am Ozean befoͤrderte die Zuͤfuhr an Perlen und anderer koſtbarer Steine aus Indien zur jaͤhrlichen Meſſe. Fuͤnf Tagreiſen durch menſchenleere Gebirge und Waldungen jenſeits des⸗ . 42 Fluſſes war die Seeſtadt Zarten oder Zaytum, wo die Indier großen Handel mi⸗ Abfuͤhrung der Ge⸗ wuͤrze trieben, und die Fertigung koſtbarer Zeuge, Taveten und Stickereien ſo eintraͤglich war, als die porzelanenen Schuͤſſeln zu Figui oder Tingui, oder Tin⸗chew⸗fu. 4 Dieſes kurze Bild, welches M. Paolo vor 600 Jahren von den tartariſchen und chit ſiſchen Laͤndern entwarf, wurde im Ganzen durch alle ſpaͤtere Relſende beſtaͤtigt, weswegen die Nachwelt ihm den groͤßten Dank ſchuldig iſt. Die Tartaren hatten obgleich ſie die Schriftzuͤge deten. Sie berechneten anfat den von 42 Jahren, wovon ſie das erſte einen L das zweite einen Ochſen, das dritte einen Di das vierte einen Hund ꝛc. nannten; auf die Frage nach ihrer Geburtszeit antworten ſie daber: an dieſem Tage des Loͤwen⸗ oder Ochſen⸗Jahres. Starb ein unver⸗ ehelichter Sohn und die Tochter verſchiedener Aels tern, ſo ließen dieſe dieſelben im Geiſte zuſammen heirathen, den Ehevertrag ſchriftlich verfaſſen, dieſe Urkunde mit Abbildungen von Hausthieren und Ge⸗ raͤthen verbrennen, und durch den Nauch in die an⸗ dere Welt ihnen nachſenden. Ihr Glaube, daß dieſe Ehe im Himmel noch beſtaͤtigt werde, war der Aus⸗ druck der Unſterblichkeit der Menſchen. Ein guter eine angenehme Mundart, en Chineſen erſt nachbil⸗ angs ihre Zeit nach 43 armer Meunſch ſollte jenſeits ein reicher, ein Edel⸗ mann, ein Fuͤrſt, und endlich ein Gott, dagegen ein Boͤſer noch aͤrmer, dann ein Hund, und endlich das niedertraͤchtigſte Weſen werden. Die Pflicht der kindlichen Liebe, deren ich ſchon am Ei oene erwaͤ aͤhnte, wurde auf das ſtre obſchor on die Soͤhne des Chans nur 2 Skl aven ſind, heirathen konnten, ſo hre Schwiegervaͤter und Schwieger⸗ chen„Venläbr niß ein, und begaben ſich zum Empfange ihrer Braͤute in zu fuͤhren. Eben ſo verhiele es ah mit den pei nnefſinen, wenn ſie ſich an den Sohn irgend eines G Großen verheiratheten. Der Va⸗ ter, die Oheime und uͤbrigen nahen Verwandten des kuͤnftigen Eidam's wurden als 2 Verwan dte zum Wein und Thee in der Gegenwart des Kai ſobald die Zeremonie der Verlobung ndiar war. Auch die Mutter, Baaſen und uͤbres Verwandten des Braͤutiga ms empfingen die naͤmlichen Cnren von Seite der Kaiſerin. Bei den Heirathen der Privaten, auch der hoͤch⸗ ſten Standesperſonen, zielte düentat das ganze Zere⸗ nd moniel nur dahin, die s Eheſt andes zu er⸗ heben, und die Pfiicht der kindlic iche Liebe einzuſchaͤr⸗ fen. 1) Am V tage wurde der Toe Dfera naun anfangs nur als Gaſt vom Schwiegervater pfan⸗ 44 gen; alsdann feierlich in einen Saal gefuͤhrt, wo er ſich vor dieſem und der Schwiegermutter, welche auf einer Anhoͤhe ſitzen, dann vor den Oheimen, Baaſen und uͤbrigen Verwandten mehrmals auf das Geſicht zu Boden wark. Kam er nach Haus, ſo dankte er auch ſeinem Vater, ſeiner Mutter, und allen uͤbrigen Ver⸗ wandten und Freunden ſeines Hauſes auf gleiche Weiſe. 2) Am Vermaͤhlungstage ſuchte er ſeine Braut in großer Galla auf und warf ſich vor ſeinen Schwie⸗ geraͤlten auf das Geſicht zu Boden; auch die Dochter nahm von ihren Aeltern einen gleichartigen Abſchied. Ihr Gemahl ging anfangs einige Zeit neben ihrem Wagen; alsdann verließ er ſie, um ſie am Thore ſei⸗ nes Hauſes zu erwarten, und zu ſeinem Vater und ſeiner Mutter zu fuͤhren, vor welchen, wie vor den uͤbrigen Verwandten, ſie beide ſich dann auf das Ge⸗ ſicht zu Boden warfen. Noch gab es andere Zeremo⸗ nien fuͤr die Bkautleute an der Tafel bei dem Glaͤſer⸗ und Dellerwechſel. 3) Wo Ahnenſaͤle waren, mußten die Brautleute ſich auch noch vor den einzelnen Por⸗ traits niederwerfen, und einige Tage nach der Hoch⸗ zeit begaben ſie ſich auch an des Mannes Grab, und gaben die naͤmlichen Zeichen der Ehrfurcht. 4) Vier Wochen nach der Hochzeit kehrte die neu Verehelichte zu ihren Eltern in Begleitung ihres Gemahles zuruͤck, welcher ſie daſelbſt auf 4—5 Wochent zuruͤck ließ. Waͤhrend dieſer Zeit wurde ſie wieder als Tochter des Hauſes behandelt, und⸗ mußte ſich döbenehnnan, 45 ſo beſchaͤftigen, und am Hausweſen ſo thaͤtigen An⸗ theil nehmen, als waͤre ſie noch ledige Tochter im Hauſe. Nachher wurde ſie als Gaſt im aͤlterlichen Hauſe immer behandelt. Die Ehe wird auch als eine der wichtigſten Pflich⸗ ten der gemein⸗buͤrgerlichen Chineſen betrachtet, ſie wird durch Unterhaͤndler eingeleitet, worauf den Ver⸗ wandten Geſchenke von Seidenzengen, Kaliko, Speiſen, Weinen und Fruͤchten folgen. Am Hochzeittage wird die Braut in einen Tragſeſſel geſetzt, praͤchtig ge⸗ ſchmuͤckt, und von denjenigen begleitet, welche ihre Mitgabe tragen; dieſe beſteht in ſchoͤnen Kleidern und im Hausrath. Neben der Braut geht ein Zug von gemietheten Leuten mit Kerzen und Fackeln bei dem heliſten Tage. Vor dem Tragſeſſel wandern Pfeiffer, Trompeter und Trommelſchlaͤger; hinter demſelben folgen die Verwandte und Freunde. Ein treuer Diener hat den Schluͤſſel zur Thuͤre des Trag⸗ ſeſſels, welchen er Niemanden aushaͤndigen darf als dem neuen Ehemanne; dieſer wartete in koſtbarer Klei⸗ dung an ſeiner Thuͤre auf den Empfang ſeiner Braut. Bei deren Ankunft oͤffnet er geſchwind die Saͤnfte, und urtheilt, im Fall er ſie vorher noch gar nicht ge⸗ ſehen hat, uͤber ſein kuͤnftiges Gluͤck oder Ungluͤck. Iſt er mit ſeinem Looſe nicht zufrieden, ſo verſchließt er die Saͤnfte wieder, ſchickt die Braut mit den Verwand⸗ ten zuruͤck, und thut eher Verzicht auf die Geſchenke. Im gluͤcklichen Falle ſteigt die Braut ſogleich aus der 46 Saͤnfte, und geht mit dem Braͤutigam in den Saal, wo ſie 4 Verbeugungen gegen den Tyen, Gott des Himmels, und dann eben ſo gegen die Verwandten des Braͤutigams macht. Dann verliert ſie ſich unter den eingeladenen Frauenzimmern, und verlebt den Tag mit ihnen in Schmaus und Luſtbarkeit, waͤhrend der Braͤutigam ſeine Freunde in einem anderen Zimmer bewirthete. 3 Hochzeiten, Leichen und gewiſſe feierliche Einla⸗ dungen boten in ganz China Gelegenheiten zur groͤß⸗ ten Verſchwendung in allen Staͤnden dar. Es iſt nicht zu zweifeln, daß Eitelkeit und Luxus die Grenzen uͤberſchritten, ſo genau dieſe auch durch Staatsgeſetze beſtimmt ſind. Indeſſen da dieſe Verſchwendung, we⸗ nigſtens nach dem herrſchenden Vorurtheile, nur aus kiudlicher Liebe geſchah, welche die große Wirkſamkeit und der Stuͤtzpunkt des Anſehens der Regterung war, ſo begnuͤgte ſich die Polizei mit dem Verbote alles deſſen, was die Standesunterſchiede vereitelt haben wuͤrde, welche zwiſchen den Vornehmſten, Gelehrten und Gemeinen ſatt fanden. Vor Alters fuͤhrten die Gelehrten und Staatsdie⸗ ner weder ihr eigenes Hausweſen, noch verehelichten ſie ſich, vor dem zoſten Jahre. Das Zeichen der Ver⸗ einigung des Mannes mit dem Weibe war, daß er ſeiner Gemahlin Wein reichte, und von ihr annahm. Sonſt hieß es, ein Gelehrter muͤſſe bis zum zoſten Jahre die Beſcheidenheit und Scuͤchternheit einer 47 unſchuldigen Jungfrau; vom 30 bis zum zoſten die Fruchtbarkeit einer verehelichten Frau, und nach dem soſten den Eifer und die Weisheit einer Hebamme ha⸗ ben. Jetzt ſind die Sitten in ganz China, und be⸗ tonders zu Peking geaͤndert. Alle Perſonen von Rang. und Auſehen glauben ihre Kinder nicht bald genug zum Eheſtande befoͤrdern zu koͤnnen. Die Vielweiberei war in China ganz anders, als man 3 dieſelbe in Europa vorſtellte. Nach dem Ge⸗ ſetze konnte ein Privatmann nicht eher eine Beiſchlaͤferin ſetgtter als bis ſeine Frau emdiefn unfruchtbar, oder ſo alt war, daß keine Kinder mehr von ihr zu hoffen waren. Dann war die Reihe an ihr ſelbſt,, ihrem Manne eine Beiſchlaͤferin zu ſuchen, faſt ſo wie Sara dem Abraham die Agar beilegte. Die Kinder der Bei⸗ ſchlaͤferin gehoͤrten jener; ſie hatte alle Mutterrechte Aber dieſelben, und die Beiſchlaͤferin war in ihrer Ge⸗ genwart nichts als eine Dienerin. Nach der Gewohn⸗ heit warteten freilich die reichen und bequemen Leute nicht mehr ſo lange, und die rechtmaͤßigen Weiber ſelbſt ſuchen ſich zuerſt Gerechtigkeit zu verſchaffen, wenn ſie unfruchtbar ſind. Die Liebe zur Ruhe und zu den Kindern hinderte viele Chineſen, ſich Bei⸗ ſchlaͤferinnen zu nehmen; die ſich an ſtrenge Sitten hielten, hatten nicht mehr als eine rechtmaͤßige Frau; allein fuͤr dieſe war auch die eheliche Eintracht das boͤchſte Gut auf der Erde. Eine Beiſchlaͤferin wurde immer gering angeſeben, und ſie ſah ſich ſchon da⸗ 48 1 durch ſehr gedemuͤthigt, daß ihre Kinder ſich vor der rechtmaͤßigen Ehefrau und ihrem Vater ſetzen durf⸗ ten, waͤhrend ſie als gehorſame Dienerin im fernen Hiutergrunde ſtand*). *) Mémoires concernant l'histoire, les sciences, les arts, les mocurs, les usages etc. des Chi- nois. Paxis. 1777. 4. Vol. IV. 444 et 579. V. 1X. 326. 7 49 Vierte Abtheilung. — Die Indier verfertigten ihre groͤßten Fahrzeuge aus Tannenholz, mit einem Verdecke, auf welchem nach Verhaͤltniß des Raumes 40— 80 Kajuͤten oder Kaͤm⸗ merchen fuͤr die reiſenden Kaufleute ſich befanden. Je⸗ des Schiff hatte ein Steuerruder, 4 Maſte und 4 Se⸗ gel. Die Bretter waren durch eiſerne Naͤgel befe⸗ ſtigt, und die Spalten durch Moos gut verſtopft. Da das Pech oder der Theer der Europaͤer in dieſen Laͤn⸗ dern nicht zu haben war, ſo bediente man ſich zur Vertheerung der Schiffe des Oeles eines gewiſſen Bau⸗ mes, wozu Kalch und klein geſtampfter Hanf gemiſcht wurde. Große Schiffe waren manchmal mit 200 Men⸗ ſchen angefuͤllt, und hatten auch große Ruder, durch welche ſie uͤber das Meer geleitet wurden; an jedem Ruder waren 4 Mann beſchaͤftigt. An jedem großen Schiffe, welches wenigſtens sooo Pfund Pfeffer auf⸗ ates B. China. I. 2. 4 50 nahm, hingen noch zwei Barken, eine groͤßere und eine kleinere, deren jede wieder 1000 Pfund Pfeffer mit 40 Ruderern faßte, welche oͤfters das große Schiff durch die Barke fortrißen. Zur Befoͤrderung dieſes Zweckes waren auch Segel auf den Barken. Zum Fiſchfange und Werfen der Anker waren noch einige kleine Nachen angehaͤngt. Die große Inſel Zipangri oder Japan lag ge⸗ gen Morgen in dem hohen Meere wenigſtens 1300 Meilen von der Kuͤſte Manji oder Mangi. Die weißen Bewohner derſelben waren ſchoͤn geſtaltet, Goͤtzendiener, und hatten ihren eigenen Koͤnig, wel⸗ cher Niemand Tribut zu entrichten hatte. Gold war zwar daſelbſt im Ueberfluſſe; allein da der Koͤnig die Ausfuhr deſſelben nicht geſtattete, ſo ſind wenige fremde Kaufleute dahin gelangt. Der koͤnigliche Pa⸗ laſt war mit goldenen Platten eben ſo bedacht, wie in Europa mit bleiernen oder kupfernen die großen Haͤu⸗ ſer bedeckt ſind; ſogar die Waͤnde der Hoͤfe und Zim⸗ mer waren von dieſem edlen Metalle uͤberzogen. Auch die Fenſter waren mit Gold verziert, und die Fußboͤ⸗ den der Zimmer mit 2 Finger dicken Rahmen von Gold ausgelegt. Man fand dort eine außerordentliche Menge von Perlen; ſie waren rund, groß und von rother Farbe, und wurden weit hoͤher geſchaͤtzt, als die weißen. Auch andere Edelſteine gab es, welche im Vereine mit dem Golde und Perlen, dieſe Inſel ſehr Feich machten. 51 Der Ruf der Reichthuͤmer dieſer Inſel veranlaßte den großen Chan Hupilai zum Plane, wie er ſie unter ſeine Herrſchaft bringen koͤnnte. Er waͤhlte zwei geſchickte Feldherren, Alahan und Atahai, und uͤbergab ihnen eine große Armee, womit ſie die Inſel erobern ſollten. Sie ſchifften ſich ein, lande⸗ ten und verheerten das ebene Land; entzweiten ſich jedoch uͤber den Oberbefehl ſchon vor vollendeter Er⸗ oberung. Gleichzeitig erhob ſich ein großer Sturm, welcher viele Schiffe zerſtoͤrte, und deren uͤbrig geblie⸗ bene Mannſchaft zur Landung noͤthigte. Allein der Koͤnig von Japan uͤberfiel die ganze Armee ſo gluͤck⸗ lich, daß nur drei Soldaten entwiſchten, und die Nach⸗ richt von ihrer gaͤnzlichen Niederlage nach Khanbalu uͤberbringen konnten. Der Chau wurde daruͤber ſo entruͤſtet, daß er an fangs beſchloſſen hatte, eine zweite Armee zur Eroberung von Japan mit mehren Huͤlfo⸗ mitteln abzuſenden; er wurde aber durch ſeine Kriegs⸗ raͤthe von der Ausfuͤhrung dieſes Vorhabens abge⸗ halten*). Die Japaneſen verehrten mehrere Goͤtzen; einige hatten einen Ochſen⸗, Schweins⸗ oder Hundskopf; andere waren anders geſtaltert. Sie verehrten einige mit 4 Geſichtern an einem Kopfe, einige mit 3, wo⸗ — 8* *) Groſier berichtigt in einer Note der Hist. de la Chine Vol. IX. p. 410. die Irrthuͤmer M. Paolos. 5² von einer uͤber dem Halſe, die beiden uͤbrigen gegen die Schultern ſtanden. Manche Goͤtzen waren mit a, andere mit 10, 20, 100 Haͤnden verſehen, wodurch das Anſehen derſelben erhoͤht war. Auf die Frage uͤber die Herkunft dieſer Meinungen erwiederten die Einwohner, ſie ahmten hierin bloß ihre Vaͤter nach, und duͤrften nichts anders glauben, als was ſie von dieſen belehrt worden ſeyen. Die Japaneſen hatten noch eine ſonderbare Gewohnheit: machten ſie einen Fremden zum Gefangenen, ſo gaben ſie ihm die Frei⸗ heit wieder, wenn er ſich loskaufen konnte. Hatte er aber die Loskaufsſumme nicht; ſo toͤdteten, kochten und ſpeiſten ſie ihn, wozu ſie ihre Verwandte und Freunde noch einluden. Denn ſie glaubten, das Menſchen⸗ fleiſch ſei beſſer, als jedes andere. In der oͤſtlichen Gegend des Ozeaus, Chin ge⸗ nannt, wo die Provinz Manji ſich endigte, waren ge⸗ gen die Inſel Japan ſehr viele kleine Inſeln, deren Zahl auf 7448 von Seeleuten angegeben wurde. Die neiſten derſelben waren bewohnt, hatten wohlrie⸗ chende Baͤume, und einen Neberfluß an Alve, Pfeffer, beſonders weißen, und andern Gewuͤrzen, wurden aber nicht von fremden Kaufleuten, ſondern bloß von jenen Einwohnern der Provinz Manji beſucht, welche das ganze Jahr auf dem Meere beſchaͤftigt waren, im Winter auf die Inſeln kamen, und im Sommer zuruͤ üͤck kehrten. Fuhr man aus dem Hafen Zavtum gegen Suͤd⸗ 53 weſt 1500 Meilen, ſo kam man in das reiche Land Ziampa oder Champa, deſſen Koͤnig dem Chan Hupilai 2o der ſchoͤnſten Elephanten jaͤhrlich zu ſen⸗ den verſprach. Er hatte ſo viele Weiber, daß er bei der Anweſenheit M. Paolo's 326 Kinder zaͤhlte, wo⸗ von 150 Soͤhne bereits waffenfaͤhig waren. Das Land hatte nicht nur Ueberfluß an Aloeholz, ſondern auch ganze Waldungen von Ebenholz. Von Champa ſchiffte man in 1500 Meilen ge⸗ gen Suͤdoſt auf die große Inſel Java(oder B or⸗ neo?), welche mehr als 3000 Meilen im Umfange hatte. Sie hatte einen Koͤnig, welcher keinem audern unterthaͤnig war, viel Pfeffer, Galgant, Muskatnuͤſſe und andere Gewuͤrze, weswegen ſie von vielen Kauf⸗ leuten beſucht wurde. Noch 700 Meilen weiter gegen Mittag ſtieß man auf die beiden Inſeln Sondur und Kondur; noch so Meilen weiter auf das gold⸗ reiche Gebirgsland Loͤach oder Lokak, welches ſei⸗ nen eigenen Koͤnig, eine beſondere Mundart, viele Elephanten und zahme Baͤren, und ſtatt des Geldes Goldkoͤrner oder indiſches Porzellain hatte. Die Ein⸗ wohner waren ſehr roh, darum wurden ſie ſelten von Fremden beſucht. Noch s00 Meilen ſuͤdlicher lag die waldige In⸗ ſel Pentan, deren wohlriechende Baͤume ſehr nuͤtz⸗ lich ſind. 60 Meilen weiter, zwiſchen Lokak und Pentan, war das Meer ſo ſeicht, daß die Ruder aufgezogen werden mußten, ehe man das gewuͤrzreiche 54 Land Maletur(oder Malaya?) erlangte. Noch 100 Meilen gegen Suͤdoſt kag das kleinere Java von etwa 200 Meilen im Umfange, wo der Nordſtern nie geſehen wurde, und mehre in Europa unbekannte Ge⸗ wuͤrze gediehen. Dieſe Inſel war in 8 Provinzen ein⸗ getheilt, wovon M. Paolo ſechs beſuchte, naͤmlich Felekh, Baſina, Samara, Dragojan, Lam⸗ bri und Fanfur. Die Bewohner von Felekh lebten geſetzlos in Gebirgen, wie wildes Vieh, beteten den erſten Gegen⸗ ſtand an, welcher ihnen des Morgens begegnete, aßen jedes Thier⸗ auch Menſchenfleiſch, und hatten ihre eigene Sprache, wie jene von Baſina. Dieſe er⸗ kanuten den großen Chan als ihren Oberherrn; wes⸗ wegen ſie ihm manchmal wilde Thiere ſendeten. Es gab viele Elephanten und Einhoͤrner, welche letztere wie die Buͤffel behaaret, wie die Elephanten befußt waren, am haͤngenden Kopfe den Schweinen glichen, und eben ſo im Kothe ſich waͤlzten. Auf der Mitte der Stirne ragte ein dickes Horn hervor; ihre Zunge war ſo rauh, daß ſie Menſchen und Thiere leicht da⸗ mit verletzten. Auch gab es viele kleine und große Affen, welche die Jaͤger fingen, bis auf den Bart und die Schaamtheile enthaarten, toͤdteten, mit gut rie⸗ chenden Kraͤutern wuͤrzten, trockneten und an Kauf⸗ leute verhandelten, welche dieſelben, als menſchliche Zwerge, in andern Laͤndern verkauften. Aus Mangel an gutem Winde mußte M. Paolo 55 in der Provinz Samara s Monate verweilen. Die Einwohner waren ſehr wild, aßen Menſchenfleiſch, und waren Goͤtzendiener. Es gab viele Fiſche, aber kein Getraid, das Brod wurde aus Reis gebacken. Statt des Weines bereitete man ſich ein Getraͤnk aus Baͤumen von 4 Aeſten, aus deren Einſchnitt mehr Saft floß, als man in einem Tage bedurfte. Waren die abgeſchnittenen Zweige nicht ergiebig genug, ſo wurden die Baͤume mit Waſſer begoſſen. Kokusnuͤſſe waren im Ueberfluſſe zu finden; ihr Saft diente zum Löſchen des Durſtes. Uebrigens war dieſe Provinz ſo fuͤblich gelegen, daß weder der große, noch der kleine Baͤr am Himmel geſehen werden konnte. Die Bewohner der Provinz Dragojan lebten ſo viehartig wie die vorigen; auch ſie aßen das Fleiſch der Menſchen, welche ſich nicht loskaufen konnten, und verſcharrten deren Knochen in Bergkluͤften. Jene der Provinz Lambri war gar zum Cheile wie die Hunde beſchweift(?), obgleich ohne Haare, Es gab viele Einhoͤrner, andere Thiere, und wohlrie⸗ chende Baͤume, von deren Saamen Paolo nach Ve⸗ nedig zwar brachte, aber vergebens ſaͤte. In der Provinz Fanfur gedieh vortrefflicher Kampfer, deſſen Werth dem Golde gleich geachtet war. Es gab viele große Baͤume, deren inneres Mark getrocknet, und als Mehl(Sagor) in ferne Laͤnder geſendet wurde. Getraid gab es nicht; dafuͤr wurde Brod aus Reis gebacken. 56 Nordwaͤrts, 150 Meilen von Java, erreichte man die Inſeln Nokueran(vielleicht Nikobor) und An⸗ gaujam(Aniaman), deren ganz nackte Einwohner wild lebten. Man traf daſelbſt viele Gewuͤrze. Von hier rechnete man 1000 italiſche Meilen nach der Inſel Ceylon, deren Umfang durch ungeſtuͤmme Meereswogen um die Haͤlfte verkleinert worden ſeyn ſoll. Die heidniſchen Einwohner waren blos an den Schaamtheilen mit einem Stuͤckchen Zeug bedeckt. Aus Mangel an Getraid naͤhrten ſie ſich vorzuͤglich mit Reis und Milch, und loͤſchten ihren Durſt durch Baumſaft. Sie handelten ſtark mit wohlriechendem Holze, den ſchoͤnſten Rubinen, Saphiren, Topaſen, Amethyſten und anderen Edelſteinen. Der Koͤnig Sendernaz war keinem andern unterthan; er beſaß einen Rubin, welcher ohne Flecken, wie Feuer glaͤnzte, eine Spanne lang, und ſo dick war, wie ein Arm; daher war er von unſchaͤtzbarem Werthe. Die Ein⸗ wohuer liebteu den Krieg nicht, ſondern bekaͤmpften ihre Feine durch gedungene Sarazenen. Segelte man 60 Meilen von Ceylon gegen Abend, ſo erreichte man die Kuͤſte von Malabar als feſtes Land, Groß⸗Indien genannt, ins ſehr reiche Pro⸗ vinzen getheilt. Die erſte, Namens Var, oder Vaar, bot eine Menge Perlenfiſcherei in der Meerenge, welche faſt trocken und bloßer Schlamm, an einigen Orten 2— 3, an andern 10 Fuß tief war, bis Ceylon dar. Säit undenklicher Zeit trafen hier Kaufleute bald mit 3 57 groͤßeren, bald mit kleineren Schiffen ein, ließen Taucher in die See ſtechen, und Perlenmuſcheln fiſchen. Konnten die Taucher unter dem Waſſer nicht laͤnger aushalten, ſo erhoben ſie ſich, um durch fri⸗ ſche Luft ſich zu ſtaͤrken, und wieder unterzutauchen; ſo ſetzten ſie dieſes Geſchaͤft mehre Tage fort. Da in dieſer Meerenge manchmal auch große Fiſche zu ſehen waren, welche die Taucher beſchaͤdigen konnten, ſo nahmen die Kaufleute Braminen mit ſich, welche dieſelben bei Tage wegzaubern, oder unſchaͤdlich ma⸗ chen, manche Nacht aber ihren Zauber unterbrechen ſollten, damit nicht andere Taucher, von der Unſchaͤd⸗ lichkeit der großen Filche verſichert, ſich dieſes Vor⸗ theiles bedienen, und die Perlenmuſcheln entwenden moͤchten. Außer den Braminen hielten ſie Niemand faͤhig, eine wirkſame Beſchwoͤrung der Thiere zu ma⸗ chen. Dafuͤr bezahlten ſie dieſen den zwanzigſten, wie dem Koͤnige den zehnten Theil, und entſchaͤdigten die Fiſcher noch beſonders. Die reichſte Perlenfiſcherei fand bloß in den Monaten April und Mai, wie an anderen Orten im September und October ſtatt, ob⸗ ſchon man waͤhrend des ganzen Jahres einige Ernte machen konnte. 4 Der Koͤnig dieſer Provinz ging ſo nackend, wie die uͤbrigen Einwohner; er unterſchied ſich bloß durch ein koſtbares Halsband, in deſſen Gold die ſchoͤnſten Saphire, Smaragde, Rubine und andere Edelſteine eingeſetzt waren. Auch eine ſeidene Schnur hing um 58 ſeinen Hals, an welcher 104 Sdelſteine mittlerer Groͤße befeſtigt waren, deren er ſich wie der Zeichen des Ro⸗ ſenkranzes taͤglich bediente, um 104 Gebete, welche in der Wiederholung des Wortes Pakkauka beſtan⸗ den, zu ſeinen Goͤttern des Morgens und Abends aus⸗ zuſprechen. Er trug auch an jedem Arme und Fuße 3 goldene, mit Edelſteinen beſetzte Ringe; ſogar alle ſeine Fußzehen, wie ſeine Finger, waren mit goldenen Ringen und den edelſten Steinen bereichert. Er hatte 500 Weiber, und durfte ungeahndet dazu auch noch die erſte Frau ſeines verſtorbenen Bruders geſellen. Seine zahlreiche Leibwache zu Pferd folste ihm nicht unr auf allen Schritten, ſondern ließ ſich auch zum Theile nach ſeinem Tode mit ihm verbrennen, um ihm jen⸗ ſeits des Grabes noch treue Dienſte zu leiſten. Alle Einwohner dieſer Provinz waren der hoͤchſten Wolluſt ergeben, und Heiden; viele verehrten einen Ochſen als ihren Gott; darum wagten ſie nie, einen zu toͤdten: ging einer zu Grunde, ſo ſalbten ſie ihre Wohnungen mit deſſen Fette, doch waren manche in der Aufklaͤrung ſo weit vorgeſchritten, daß ſie das Fleiſch der Ochſen aßen, wenn andere ſie toͤdteten. Man behauptete, hier ſei der Apoſtel Thomas ge⸗ martert worden, und ſeine Gebeine wuͤrden in einer Kirche aufbewahrt. Die Provinz hatte viele Zaube⸗ rer, welche ſich mit Vorherſagung der Zukunft und mit Deutung der Gegenwart befaßten. Es gab viele maͤnnliche und weibliche Kioͤſter fuͤr den heidniſchen 59 Gottesdienſt; doch behielten die Vaͤter ihre Toͤchter, welche ſie zu Nonnen beſtimmt hatten, zu Haus, ließen ſie nur an Opfertagen in die Kloͤſter wandern, und ihre Speiſen mitbringen, welche ſie den Goͤtzen darboten. Sie und ihre Prieſter ließen dann die gel⸗ lendſten Geſaͤnge unter ſtetem Tanze ertoͤnen, und waͤhnten, die Goͤtter liehen ſich wirklich die dargebo⸗ tenen Speiſen gut ſchmecken. Dabei verſpritzten ſie ihre Fleiſchbruͤhe, in der Meinung, ſich dadurch ihnen beſonders zu empfehlen. Nach Beendigung dieſes Got⸗ tesdienſtes kehrten die Maͤdchen immer in ihre aͤlterli⸗ chen Wohnungen, bis zur Verehelichung, zuruͤck. Wie nach des Koͤnigs Tode die Soldaten ſich mit feinem Koͤrper in das Feuer geworfen haben, ſo ver⸗ brannten ſich auch treue Weiber mit ihren Maͤnnern, um jenſelts mit ihnen fortzuleben; unterließen ſie es, ſo waren ſie der Verachtung Preis gegeben. Wurde ein Verbrecher zum Tode verurtheilt, ſo konnte die⸗ ſem keine groͤßere Gnade vom Koͤnige erwieſen werden, als daß er ſich ſelbſt zur Ehre eines Goͤtzen ermorden durſte. Nach der Ertheilung dieſer Erlaubniß verſam⸗ melten ſich die Verwandten und Freunde des Verbre⸗ chers, 10— 12 ſetzten ihm das Meſſer an die Kehle, fuhren auf einem Wagen mit ihm durch alle Straßen, und ſchrien:„Dieſer Menſch toͤdtet ſich ſelbſt zur Ehre dieſes oder jenes Gottes.“ Dann verwundete der Verbrecher ſich etwas, und rief:„Ja, ich toͤdte mich zur Ehre dieſes Gottes.“ Endlich verwundete er ſich 60 ſo oft und durch ſo vielfache Werkzeuge, bis er den Geiſt aufgab. Die Verwandten legten hierauf ſeinen Koͤrper unter großem Jubel in das Feuer. Der Koͤnig, wie die Unterthanen, waren gewohnt, auf der Erde zu ſitzen. Wurden ſie daruͤber getadelt, ſo erwiederten ſie:„Wir ſind aus der Erde geboren, und werden wieder in Staub verwandelt werden; dar⸗ um wollen wir die Erde ehren.“ Sie waren nicht gewohnt, die Waffen zu fuͤhren: wurden ſie zum Kriege gezwungen, ſo ſuchten ſie ſich blos durch Schilder und Lanzen zu vertheidigen. Sie toͤdteten kein Thier: wollten ſie Fleiſch genießen, ſo bemuͤhten ſie ſich, Menſchen einer andern Nation zu finden, welche die Thiere ſchlachteten. Sowohl die Manns⸗ als Weibs⸗ perſonen wuſchen ſich taͤglich zweimal am ganzen Leibe: wer es unterließ, wurde fuͤr einen Abtruͤnnigen oder Schwaͤrmer gehalten. Morde und Diebſtaͤhle wurden ſehr ſtreng geahndet; der Genuß des Weines war ihnen ſo ſtreng verboten, daß jeder Ueberteter als ehrlos betrachtet wurde, und unfaͤhig war, ein gerichtliches Zeugniß abzugeben. Eine gleiche Strafe drohte den Verwegenen, welche das Meer zu befah⸗ ren wagten: denn man hielt dieſen Schritt fuͤr eine Handlung der Verzweiflung. Da die Einwohner der Pferdezucht ſich nicht wid⸗ meten, ſo verſchwendeten die 5 Koͤnige von Groß⸗ Indien deſto groͤßere Summen fuͤr den Ankauf der Pferde. Man rechnete, daß ſie jaͤhrlich 10,000 Stuͤcke 61 gekauft haben. Die Kaufleute fuͤhrten ſie aus den Provinzen Kurmes, Chiſi, Durſar, Sar und Aden herab, und gewannen dabei um ſo mehr, als Niemand ihre Untugenden bezaͤhmen, oder ihre Krank⸗ heiten heilen konnten; weswegen ſie gewoͤhnlich bald zu Grunde gingen. Hatten auch manche Stuten ge⸗ fohlet, ſo geſchah es ſelten gluͤcklich, und dio Jungen hatten Maͤngel. Da kein Getraid in der Provinz Vaar wuchs, ſo konnten auch die Pferde nicht re⸗ gelmaͤßig gefuͤttert werden; man gab ihnen gewoͤhn⸗ lich gekochten Reis mit Fleiſch vermiſcht. Das Klima 4 war ſo warm, daß Europaͤer es nicht leicht ertragen konnten; bloß waͤhrend der Monate Juni, Juli und Auguſt war es durch die haͤufigen Regen ertraͤglich. Es gab daſelbſt einige Arten von Voͤgeln, welche den Europaͤern noch ganz unbekannt geweſen ſiind. Der Apoſtel Thomas war in einer kleinen Stadt begraben, welche von Chriſten und Mahomedanern bewohnt, und von fremden Kauflenten wegen des ge⸗. ringen Abſatzes ſelten befucht wurde. Die Eingebor⸗/ nen hielten ihn fuͤr einen großen Propheten, und nannten ihn Avoryam oder Avornam, d. i. hei⸗ ligen Mann. Chriſten wanderten aus weiter Ferne an das Grab, nahmen bei ihrer Ruͤckkehr etwas Erde aus der Gegend, wo er ſich fuͤr ſeinen Glauben mar⸗ tern ließ, vermiſchten dieſelbe mit ihren Getraͤnken und waͤhnten, dadurch ihre Kranken geſund zu machen, und ſich gegen Anfechtungen zu ſichern. Im Jahr 62 1277 ſoll folgendes Ereigniß die allgemeine Verehrung des Apoſtel TChomas ſehr erhoͤht haben. Der Koͤnig hatte naͤmlich eine ſo große Reisernte, daß ſeine Scheunen dieſe nicht faſſen konnten; er fuͤllte alſo die Kirche und Nebengebaͤude des Apoſtel Thomas da⸗ mit, ſo ſehr auch die Aufſeher derfelben ſich dagegen auflehnten. Nach einiger Zeit traͤumte er, der Apo⸗ ſtel Thomas ſei ihm erſchienen, habe eine eiſerne Nuthe uͤber ihn geſchwungen, und gedroht, ihn zu toͤdten, wenn er nicht ſchleunigſt die Fruͤchte aus dem Tempel raͤumen laſſen wuͤrde. Dieſer Traum bewog den Fuͤrſten, den Reis ſogleich wegſchaffen zu laſſen, woruͤber die Chriſten hoͤchſt erfreut, ihren Eifer im Gottesdienſte verdoppelten. Alle maͤnnlichen und weiblichen Bewohner von Malabar waren ſchwarz; da ſie glaubten, je ſchwaͤrzer, deſto ſchoͤner ſei man; ſo ſuchten ſie ihre natuͤrliche Schwaͤrze noch durch kuͤnſtliche Mittel zu erhoͤhen. Gewoͤhnlich beſchmieren ſie ihre Kinder woͤchentlich dreimal mit Seſaminoͤl. Aus gleichem Grunde mach⸗ ten ſie ihre Goͤtzen ſchwarz, ihre Teufel aber weiß. Da ſie die Ochſen vergoͤtterten, ſo trugen ſie Haare derſelben waͤhrend des Krieges bei ſich, und zierten damit die Maͤhnen und Schweife ihrer Pferde; die Fußgaͤnger banden jene Haare an ihre eigenen, oder an die Schilde, in der feſten Meinung, dadurch ge⸗ gen die Feinde geſichert zu ſeyn. Sobald die Knaben das 13te Jahr erreicht hatten, 63 wurden ſie mit etwas Geld und Waaren aus dem aͤlterlichen Hauſe entlaſſen, und mußten ſich ſelbſt er⸗ naͤhren. Sie liefen damit hin und her, und ſuchten Tauſchgeſchaͤfte zu machen. Zur Zeit der Perlenfi⸗ ſcherei verweilten ſie am Hafen, kauften einige Per⸗ len, verhandelten ſie gegen geringen Gewinn an an⸗ dere Kaufleute, welche wegen der zu großen Hitze ihre Wohnungen nicht verließen. Den Erwerb verwende⸗ ten ſie zum Theile auf den Einkauf von Speiswaa⸗ ren, welche ſie den Muͤttern zur Bereitung uͤber⸗ brachten; denn auf Koſten des Vaters durften ſie nichts genießen. Tauſend italiſche Meilen von Malabar gegen Nord lag das unabhaͤngige Koͤnigreich Murfili oder Monful, deſſen Einwohner ſich von Milch, Reis und Fleiſch naͤhrten, und Goͤtzendiener waren. Die Gebirge waren reich an Diamanten, weliche ſich nach jedem großen Regen vorzuͤglich am beiderſeitigen RKande der herabfließenden Baͤche zeigten. Waͤhrend des Som⸗ mers erſtiegen die Einwohner die Berxgkluͤfte ſelbſt, ungeachtet der groͤßten Hitze und vielen toͤdtlichen Schlangen, und wurden fuͤr ihre Muͤhe und Lebens⸗ gefahr nicht ſelten reichlich belohnt. Konnten ſie in die tiefen Schluchten nicht eindringen, ſo bedienten ſie ſich einer Liſt. Es gibt naͤmlich daſelbſt viele weiße Adler, welche Schlangen freſſen; konnten die Diamantenſucher gewiſſe Tiefen nicht erſteigen, ſo warfen ſie einige Stuͤcke friſchen Fleiſches hinab; ſo⸗ 64 bald die Adler dieſes erblickten, flogen ſie nach, faß⸗ ten es mit mehren Diamanten auf, und flogen da⸗ von. Die Einwohnen eilten ihnen dann nach, ſuch⸗ ten derſelben ſich zu bemaͤchtigen, und ſammelten aus deren Neſtern die kleinen Steine. Verzehrten die Ad⸗ ler das Fleiſch ſogleich, ſo ſuchten die Einwohner den Ort kennen zu lernen, wo jene waͤhrend der Nacht niſteten; daſelbſt fanden ſie dann die Diamanten im friſchen Kothe der Voͤgel. Die vornehmſten Steine wurden von den Koͤnigen und Großen der Prooinz ge⸗ kauft; nur die kleinern kamen in die Haͤnde fremder Handelsleute zum Verſchleiße in ferne Laͤnder. Außer⸗ dem war die Provinz Vaar reich an allen andern Lebensbeduͤrfniſſen, beſonders an Stieren, welche nir⸗ gends ſo zahlreich gefunden werden. Von Malabar kam man gegen Abend in die Provinz Lae, oder Lar, oder La k, wovon die Bra⸗ minen ſtammen. Daſelbſt wohnten die aufrichtigſten Men ſchen; ſie verabſcheuten Betrug, Luͤge, Dieberei und Vielweiberei, toͤdteten kein Thier, aben kein Fleiſch, und tranken keinen Wein. Sie dienten den Goͤtzen, und waren der Deutung und Wahrſagerei ergeben. Bei jedem Einkaufe betrachteten ſie ihren Schatten in der Sonne, nach welchem ſie den Preis beſtimmten. Sie aßen nur wenig, und hatten viele Faſttage. Mit dem Eſſen vermiſchten ſie ein Kraut, welches der Verdauung ſehr dienlich war. Manche ließen ſich zur Ehre ihrer Goͤtter die haͤrteſten Enrſagungen 65 gefallen. Sie ließen ſich nie durch Oeffnung der Adern Blut abzapfen. Sie waren ganz nackend, ſelbſt an ihren Schaamtheilen, und ſagten, ſie haͤtten ſich ihrer Suͤndloſigkeit nicht zu ſchaͤmen. Sie vergoͤtter⸗ ten die Ochſen, und rieben ſich am ganzen Koͤrper mit einer aus Ochſenfett bereiteten Salbe. Sie hat⸗ ten keine Meſſer und Teller zum Speiſen, ſondern ſie legten dieſe auf duͤrre Baumblaͤtter, beſonders vom Paradiesbaume. Auf gruͤnen Blaͤttetn durften ſie ſo wenig ſpeiſen, als gruͤne Pflanzen oder friſche Fruͤchte verzehren. Denn ſie glaubten, daß alle Produkte, ſo lange ſie gruͤnen, leben und eine Seele haben; des⸗ wegen durften ſie ihnen das Leben nicht nehmen. Ir⸗ gend ein Weſen ſeines Lebens berauben, war in ihren Augen eine große Suͤnde. Sie ſchliefen auf bloßer Erde und verbrannten die Koͤrper der Todten. Die Provinz Koulam oder Coilum lag 500 italiſche Meilen gegen Nordweſt von Malabar, ſtand unter einem unabhaͤngigen Koͤnige, und ihre Bewoh⸗ ner hatten eine eigene Mundart. Unter den Heiden waren auch Juden und Chriſten, welche den Handel mit dem zahlreichen Pfeffer, wohlriechenden Holze und Indigo ſehr befoͤrderten. Die Waͤlder und Fel⸗ der waren mit Pfefferbaͤumen uͤberfuͤllt, deren Frucht in den Monaten Mai, Juni und Juli eingeerntet wurde. Auch gab es ein Kraut, womit man ſehr ſchoͤn gelb faͤrben konnte. Daſſelbe wurde in Waſſer getaucht, an der Sonne getrocknet, zuſammen gebun⸗ ates B. China. I. 2. 5 66 den, und ſo nach Europa geſendet. Die Hitze daſelbſt war den Europaͤern faſt unertraͤglich; ſelbſt das Fluß⸗ waſſer war ſo heiß, daß man Eier ſchnell darin ſieden konnte. Man fertigte viele Kunſtwagren, welche von fremden Kaufleuten ſehr geſucht und theuer bezahlt wurden. Auch lebten dort mehre Thiere, welche man in andern Laͤndern vergebens ſuchen duͤrfte. Es gab ſchwarze Loͤwen, weiße, blaue und rothe Papageien und Pfaue, deren Verſchiedenheit nur von der außer⸗ ordentlichen Hitze kommen mag. Der Mangel des Ge⸗ traides wurde durch Reis erſetzt; ihr Getraͤnk bereite⸗ ten ſie aus Zucker, ſtatt des Weines; alle andere Le⸗ bensmittel aber hatten ſie im Ueberfluſſe. Es gab viele Sterndeuter, Andere waren Gauckler und Aerzte. Die Weiber und Maͤnner waren von der Sonne ſchwari gebrannt und erſchienen nackend; bloß die Schaam⸗ theile hatten ſie mit einem Baumblatte bedeckt; deſſen ungeachtet waren ſie hoͤchſt geil. Sie verehelichten ſich mit Blutsverwandten im dritten Grade; nach dem Tode des Vaters mit der Stiefmutter, nach des Bru⸗ ders Tode mit deſſen Witwe. In der Provinz Komari ſah M. Paolo erſt den Nordſtern wieder, was von Java an nicht moͤg⸗ lich war, indem die dazwiſchen gelegenen Laͤnder dem Aequator zunaͤchſt waren. Er fand daſelbſt viele unbe⸗ kannte Thiere, beſonders Affen, welche Menſchen ſehr aͤhnlich waren, auch große Loͤwen und Leoparden. Drei hundert Meilen gegen Abend erreichte er die 67 Provinz Eli oder Delli, deren heidniſche Einwoh⸗ ner ſich ihres eigenen Koͤnigs und einer beſondern Mundart erfreuten. Der Fuͤrſt hatte große Schaͤtze, allein kein volkreiches Land, obgleich es von Natur ſehr befeſtigt war. Man fand daſelbſt viel Pfeffer, Ingwer und andere Gewuͤrze. Wurde ein Schiff ge⸗ noͤthigt, an den Kuͤſten zu landen, ſo bemaͤchtigten ſich die Einwohner der ganzen Ladung, und ſagten zum Befehlshaber:„Ihr waret entſchloſſen, mit die⸗ ſen Waaren in ein anderes Land zu fahren, allein Gott und das Gluͤck haben euch zu uns gefuͤhrt; wir muͤſſen alſo das nehmen, was uns zugeſchickt iſt.( Es gab daſelbſt viele Loͤwen und andere wilde Thiere, kei⸗ nen Hafen, aber einen großen Fluß mit einer guten Muͤndung. 9n Im Weſten von Groß„Indien folgte das Land Malabar unter einem unabhaͤngigen Koͤnige und mit einer eigenen Sprache der Heiden. Hier wie im anſtoßenden Lande Guz erath gab es ſehr viele See⸗ raͤuber, welche alle Gewaͤſſer unſicher machten, und ſich jedes Kauffarthei⸗ Schiffes, welches ſie erringen konn⸗ ten, mit deſſen Waaren bemaͤchtigten. Sie hatten ihre Weiber und Kinder bei ſich, lebten waͤhrend des gan⸗ zen Sommers auf dem Meere„ und verſchloßen den Kaufleuten den Weg ſo ſehr, daß nur wenige Fahr⸗ zeuge ihnen entwiſchen konnten. Mit 20 Schiffen hat⸗ ten ſie die ganze Meerenge von 100 Meilen beſetzt, indem von s zu s Meilen eines auf den Raub ausge⸗ 68 ſtellt war. Erblickten ſie ein mit Kaufmannswaaren beladeneß Schiff, ſo gaben ſie einander ſchnell durch „Nauch ein Zeichen, worauf ſo viele Schiffe zuſammen eilten, als zur Auspluͤnderung des fremden erforder⸗ lich ſeyn mochten. Den Seefahrern fuͤgten ſie zwar kein Leid zu, ſondern ſie ſetzten dieſelben am naͤchſten Lande aus, und baten ſie, mit andern Waaren bald wieder zu kommen. Man traf daſelbſt viel Pfeffer, Kubeben und Kokusnuͤſſe an, und die Schiffe von Manji brachten ſeidene, mit Gold durchwirkte Zeuge und andere Waaren, welche nebſt den einheimiſchen nach Aegypten und Griechenland gefuͤhrt wurden. Das anſtoßende Land Guzerath auf der weſtli⸗ chen Seite von Klein⸗Indien wurde ebeufalls von einem eigenen Koͤnige beherrſcht, und hatte ſeine be⸗ ſondere Mundart. M. Paolo ſah daſelbſt den Nord⸗ ſtern ſchon in einer Entfernung von 6—7 Graden. Wurden Kaufleute von Seefahrern angegriffen, ſo verſchluekten ſie ſchnell ihre Perlen, um ſie dieſen zu entreißen. Allein die Seeraͤuber noͤthigten ſie, Meer⸗ waſſer mit Tamarinden vermiſcht, zu trinken, worauf ſogleich der ſtaͤrkſte Durchfall erfolgte, und die Perlen den Seeraͤubern zukamen. Ingwer, Pfeffer, Indigo, Seide und Baumwolle waren hier im Ueberfluſſe; die Baͤume der letztern wuchſen gewoͤhnlich 6 Fuß hoch, und trugen 20 Jahre gute Fruͤchte; ſpaͤter war die Wolle nur zu Polſtern, nicht mehr zum Spinnen brauchbar. Daſelbſt wurde auch eine Sorte Leders, —,— 69 beſſer als irgendwo zubereitet; Einhoͤrner waren in Menge zu ſehen. Weiter gegen Abend lag die Provinz Ka nam oder Tana, ausgezeichnet durch viel Rauchwerk und ſtar⸗ ken Pferdehandel; die an Indigo, Bukram und Baum⸗ wolle fruchtbare Provinz Kambaya; das Land Ser⸗ venath und Kheſimakoran oder Makran an der Graͤnze Groß⸗Indiens gegen Perſien. Fuͤnfhun⸗ dert Meilen gegen Mittag von Makran aus wollte M. Paolo zwei Inſeln auf der hohen See wiſſen, welche 30 Meilen von einander entfernt lagen, wovon eine von maͤnnlichen, die andere von weiblichen Chriſten bewohnt ſeyn ſollte. Die Weiber kamen nie auf die Inſel der Maͤnner; dieſe aber im Maͤrz, April und Mai zu jenen, wohnten als Eheleute beiſammen, kehr⸗ ten auf ihre Inſel zuruͤck, und brachten den Reſt des Jahres allein zu. Die Weiber erzogen die Soͤhne bis zum 44. Jahre, und ſchickten ſie dann den Vaͤtern zu;z die Toͤchter behielten ſie bei ſich bis zur Verehelichung; ſie hatten keine andere Beſchaͤftigung, als die Erzie⸗ hung der Kinder und die Einſammlung der Fruͤchte. Die Maͤnner arbeiteten fuͤr die Nahrung der Weiber und Kinder, beſchaͤftigten ſich mit dem reichen Fange der Fiſche und verkauften dieſe um theures Geld. Die gewoͤhnlichen Nahrungsmittel waren Fleiſch, Fiſche Milch und Reis; im Meere waren Wallfiſche und an⸗ dere große Seethiere zu ſehen. Die Einwohner hatten keinen Koͤnig, ſondern verehrten einen Biſchof als ihr 70 Oberhaupt, welcher vom Erzbiſchofe in Sokkotora er⸗ nannt war. Die große Inſel Sokkotora, 00 Meilen ge⸗ gen Mittag, war von Chriſten bewohnt, und hatte einen Erzbiſchof, welcher nicht dem Papſte, ſondern dem Katholikus oder neſtorianiſchen Patriarchen zu Bagdad untergeordnet war. Die große Menge Seide und Fiſche gaben den Manufakturen Thaͤtigkeit. Der Mangel an Getraid wurde durch Reis erſetzt. Die Einwohner waren bis auf die Schaamtheile nackend und naͤhrten ſich von Milch, Fleiſch und Fiſchen. Die Seeraͤuber fanden daſelbſt guten Abſatz ihrer ge⸗ raubten Waaren, um ſo eher, wenn dieſe nicht Chri⸗ ſten, ſondern Sarazenen und Heiden gehoͤrten. Auch waren unter den Chriſten viele Zauberer, welche vor⸗ gaben, die Schiffe auf dem Meere nach ihrem Belie⸗ ben leiten zu koͤnnen; ſelbſt dem guͤnſtigſten Winde koͤnnten ſie den unguͤnſtigſten entgegen ſchicken. Die Inſel Madagaſear galt damals fuͤr eine der groͤßten und wichtigſten; man ſchaͤtzte ihren Um⸗ fang auf 4000 Meilen. Ihre Bewohner waren Maho⸗ medaner, hatten keinen Koͤnig, und wurden von den 4 Aelteſten regiert. Man traf daſelbſt mehr Elephan⸗ ten als irgendwo, und die Einwohner trieben ſtarken Handel mit deren Zaͤhnen. Sie aßen gewoͤhnlich Ka⸗ meelfleiſch, und hielten es fuͤr das ſchmackhafteſte und zutraͤglichſte; auch die Zahl der Kameele war daſelbſt ſehr groß; ſo wie es an Loͤwen, Leoparden, Hirſchen, 71 Rehen, Giraffen, wilden Eſeln und andern Thieren nicht fehlte. Ganze Waͤlder von Sandelholz ſetzten die Manufakturen in große Thaͤtigkeit. Die Ufer ſtie⸗ ßen viel Ambergries aus. Die Jagd war durch viele in Europa unbekannte Voͤgel intereſſant. Die zahlrei⸗ chen Kaufleute, welche dahin kamen, benutzten gewoͤhn⸗ lich die 3 Monate dauernde Flut, welche mit Heftig⸗ keit gegen Mittag ſtroͤmte; deſto ſchwerer war ihre Ruͤckkehr. Man rechnete nur 20 Tage zur Seefahrt von Malabar nach Madagaſear, uͤber welche hinaus noch verſchiedene andere Inſeln liegen. Die Inſel Zenzibar hatte einen Umfang von etwa 2000 Meilen, einen eigenen Fuͤrſten, und eine beſondere Mundart. Die heidniſchen Einwohner wa⸗ ren ſchwarz, nackend bis auf die Schaamtheile, dick und kurz, aber zugleich ſo ſtark, daß einer die Laſt von 4— Zentnern bequem tragen konnte. Waͤren ſie eben ſo groß geweſen als breit, ſo wuͤrden ſie wah⸗ ren Rieſen gleich gekommen ſeyn. Dagegen hatte auch Jeder gewoͤhnlich mehr Appetit, als 4 Europaͤer. Ihre Haare waren ſo dick gekrauſet, daß ſie kaum durch Waſſer in die Laͤnge gezogen werden konnten. Auch hatten ſie ſehr große Ohren, ſchreckliche Augen, gro⸗ ßen Mund, und breit aufgeſtuͤlpte Naſenloͤcher. Das weibliche Geſchlecht war eben ſo haͤßlich durch vorſte⸗ hende Augen, großen Mund und ſtumpfe Naſe. Sie ernaͤhrten ſich von Milch, Reis, Fleiſch und Datteln. Den Mangel an Wein erſetzten ſie durch ein Getraͤnk 72 aus Reis, Zucker und Gewuͤrzen. Die Menge der Elephanten und Wallfiſche lockte immer viele Handels⸗ leute, Elfenbein und Ambergries daſelbſt zu holen. Die Maͤnner waren ſehr ſtark und muthig; ſtatt der Pferde bedienten ſie ſich im Kriege der Elephanten und Kamele, auf deren Ruͤcken ſie hoͤlzerne mit Haͤu⸗ ten bedeckte Thuͤrmchen ſetzten, worin 15— 20 bewaff⸗ nete Maͤnner ſich aufhielten. Ihre Waffen beſtauden aus Lanzen, Dolchen und Steinen. Ehe ſie dem Feinde entgegen 9eu reichten ſie den Elephanten einen Zaubertrank, welchen ſie ſelbſt genoßen, um ihre Kuͤhnheit anzufeuern. Es gab ſehr viele Loͤwen, Leoparden und andere wilde Thiere, welche man in anderen Laͤndern ſelten findet. Auch gab es Giraffen; dieſe hatten einen langen Hals, kleinen Kopf, vorn viel laͤngere Fuͤße als hinten, und eine weiß oder roth getiegerte Hant; uͤbrigens waren ſie ſehr fanft und beſchaͤdigten Niemanden. M. Paplo ließ ſich durch norgenlaändiſche See⸗ leute belehren, daß außer den von ihm genannten In⸗ ſeln noch 12,700 kleinere im indiſchen Meere ſeien, welche unter der Herrſchaft der groͤßeren ſtanden. Im innern Indien war das in 7 Provinzen ge⸗ theilte Land Abaſcha oder Abaſia merkwuͤrdig; es hatte 4 chriſtliche und 3 mohamedaniſche Fuͤrſten, welche letztere den erſteren unterthaͤnig waren. Die ehriſtlichen trugen zum Zeichen der empfangenen Taufe ein goldenes Kreuz auf der Stirne. Ihre Unterthanen 73 brannten ſich durch heißes Eiſen drei Kreuzzeichen auf das Geſicht, naͤmlich auf die Stirne und die beiden Wangen. Die Mohamedaner hatten ein Zeichen von der Stirne herab bis zur Mitte der Naſe. Den unter beiden Glaubensgenoſſen lebenden Juden wurde auf beide Wangenknochen ein Zeichen eingebrannt. Der vornehmnſte chriſtliche Koͤnig wohnte in der Mitte des Landes; der vornehmſte. mahomedauiſche, aber an der Graͤnze gegen das heilige Land Adem oder Aden, wo der Apoſtel Thomas gepredigt, und viele Hei⸗ den bekehrt haben ſoll, als er aus Nubien nach Ma⸗ labar ſich begab. Im Jahre 4258(oder 1288) entſchloß ſich der erſte chriſtliche Fuͤrſt von Abaſcha, das heilige Grab in Jeruſalem zu beſuchen. Da er ſeinen Hoͤflingen dieſes Vorhaben eroͤffnete, ſo riethen ſie es ihm ab, theils weil er eine ſehr gefahrvolle und beſchwerliche Reiſe unternehme, theils weil er durch verſchiedene mohamedaniſche Laͤnder reiſen muͤſſe; ſtatt ſeiner koͤnnte ein Biſchof reiſen, der mit Geſchenken auszuſtatten ſei. Dieſer Abgeordnete wurde auf ſeinem Zuge durch die Provinz Aden von den Mohamedanern gefangen, und vor deren Fuͤrſten gefuͤhrt. Als dieſer vernahm, daß derſelbe im Namen des Koͤnigs von Abaſcha zum heiligen Grabe reiſen wollte, ſo ſuchte er ihn durch Drohungen vom Chriſtenthume abzuwenden, und zum mohamedaniſchen Glauben zu bewegen. Der Biſchof erwiederte, daß er eher ſterben, als ſeinen Glauben 74 verlaͤgnen und die Lehre Mohameds annehmen wuͤrde. Daruͤber gerieth der Sultan in ſolchen Zorn, daß er befahl, man ſollte den Biſchof, zur Herabwuͤrdigung der Lehre Chriſti und des Koͤnigs von Abaſcha, ge⸗ waltſam beſchneiden, und an dieſen zuruͤck ſchicken⸗ Kaum hatte Letzterer die ihm zugefuͤgte Beleidi⸗ gung vernommen, ſo beſchloß er, ſich Genugthuung zu verſchaffen. Er ſammelte ein großes Heer von Fußgaͤngern, Reitern und Elephanten mit Thuͤrmchen auf den Ruͤcken, und zog gegen das Land Aden. Der Sultan verband ſich zwar ſogleich mit den beiden andern mohamedaniſchen Fuͤrſten, und ging mit einem großen Heere ſeinem Feinde entgegen. Allein das Gluͤck der Waffen entſchied fuͤr den Koͤnig von Aba⸗ ſcha, welcher in das Land Aden vorruͤckte, es ver⸗ wuͤſtete und alle Mohamedaner niederhauen ließ, wel⸗ che ſich ſeinen Truppen zu widerſetzen wagten. Als Sieger verweilte er ein ganzes Monat im Lande Aden, und kehrte erſt nach deſſen gaͤnzlicher Verhee⸗ rung mit Ruhm und dem ſtolzen Bewußtſeyn in ſei⸗ nen Staat zuruͤck, daß er ſich fuͤr die Bosheit des Sultans hinlaͤngliche Genugthuung verſchafft habe. Die Linwohner von Abaſcha lebten uͤbrigens von Fleiſch, Milch und Reis. Sie hatten viele Staͤdte und Doͤrfer, worin ſeidene und andere Stoffe verar⸗ beitet wurden. Es gab viele Giraffen, Loͤwen, Leo⸗ parden, große Hunde und ganz beſondere Arten von BVoͤgeln, ſchoͤne Huͤhner, Strauße, die den Eſeln an 75 Groͤße gleichen, und ſviele andere wilde und zahme Thiere; nur keine Elephanten, welche aus andern Laͤndern eingefuͤhrt wurden. Die Provinz Aden im ſuͤdlichen Arabien hatte ihren eigenen Sultan, deſſen ſarazeniſche Unterthauen einen graͤnzenloſen Haß gegen die Chriſten hatten. Man fand daſelbſt viele Staͤdte und Schloͤſſer mit einem ſehr guten Hafen, in welchen viele Schiffe aus Indien mit Gewuͤrzen einliefen, welche die Kaufleute von Alexandrien gegen Pferde eintauſchten, in kleinen Fahrzeugen waͤhrend 7 Tagen auf einem Fluſſe weg⸗ fuͤhrten, dann auf Kamelen 30 Tage bis nach Kairo, und endlich wieder auf Barken durch einen Kanal nach Alexandrien bringen ließen. Der Sultan von Aden erhob ſehr große Zoͤlle waͤhrend des Zuges die⸗ ſer Kaufleute durch ſeine Provinz, und erwarb ſich da⸗ von einen großen Reichthum, weil die Stadt Aden der groͤßte Marktplatz der weiteſten Umgebung war, und den kuͤrzeſten Weg darbot, Waaren aus Indien nach Europa zu befoͤrdern. Vierzig Meilen von Aden gegen Mitternacht lag die Stadt Eſcher oder Eſeyer, vieleicht Schahr⸗ zu deren Bezirke noch viele andere Staͤdte und Schloͤſ⸗ ſer gehoͤrten. Auch hier war ein ſehr guter Hafen, durch welchen ein haͤufiger Pferdehandel nach Indien Statt fand. In der Umgebung gab es viel weißes Rauchwerk, welches aus kleinen, wie Tanuen ge⸗ ſtalteten Baͤumen hervordrang, ſobald man die Rinde 76 eingeſchnitten hatte, wenn es nicht durch die natuͤr⸗ liche Hitze ſchon ausſchwitzte. Auch Palm⸗ und Dat⸗ telbaͤume ſah man viele, dagegen wenig Reis, und gar kein Getraide; welches aus der Ferne herbei ge⸗ bracht wurde. Aus Datteln, Zucker und Reis wurde ein durſtloͤſchendes Getraͤnke bereitet. An den Kuͤſten zeigten ſich viele Thun⸗ und andere Fiſche, welche beſonders in den Monaten Maͤrz, April und Mai ge⸗ fangen, getrocknet und den Pferden, Ochſen, Kamee⸗ len und Schafen gereicht wurden, weil es gar kein Gras in dieſem Lande gab. Ein Theil der getrockne⸗ ten Fiſche wurde auch zu Mehl gerieben, mit Reis vermiſcht, und zu Brod gebacken. Die Schafe waren ſehr klein, und hatten an der Stelle der Ohren zwei Hoͤrner, unter welchen zwei Loͤcher ſich befanden. 77 W RM. e i fe einer Geſandtſchaft des perſiſchen Schachs Rokbh und anderer Fürſten an den Kaiſer in Kathay oder China, 1419— 21 9)f. Im Jahre der Heſirah 822, oder nach der chriſtlichen Zeitrechnung 1449, ſchickte der perſiſche Schach Rokh Abgeordnete nach Kathay, unter welchen Schadi Khoja der vornehmſte geweſen iſt. Sein Sohn, „Mirza Bayſanga r, ſendete gleichzeitig den Sul⸗ tan Achmed und den Maler Khojg Gajath⸗ad⸗ *) Dieſe Reiſe wurde zuerſt im IV. Bande der franzoͤſiſchen Sammlung, nach der Ueberſetzung eines Unbekannten aus dem Perſiſchen, von Thevenot geliefert; daraus in die Samm⸗ lung von Prevoſt auszugsweiſe aufgenommen, und eben ſo in der teutſchen Ueberſetzung, B. VII. Leipzig, bei Arkſee und Merkus 1750, 4. gelie⸗ fert, wie ſie in die engliſche Sprache uͤberging. 78 din mit der Weiſung dahin, in einem genauen Ta⸗ gebuche alle Merkwuͤrdigkeiten des platten Landes und der Staͤdte, die Sitten und Gewohnheiten der Ein⸗ wohner, die Verwaltung und Pracht der Fuͤrſten zu verzeichnen. Dieſe Geſandten verließen im November 1419 Herat, die Hauptſtadt von Khoraſan und die Reſidenz des Schachs Rokh, wurden zu Balkh durch Regen lang aufgehalten, und kamen endlich nach Samarkand im Jaͤnner 1420. Daſelbſt uͤberzeug⸗ ten ſie ſich, daßs Mirza ulug Beg, der Sohn und Nachfolger des Schach Rokh, welcher wegen ſeiner aſtronomiſchen Tafeln beruͤhmt iſt, bereits ſeine Ge⸗ ſandten, Soltan Schars und Mehemmed Bakhſchi mit allen ſeinen Kathayern abgeſchickt hatte. Da die Geſandten von Khoraſan, Badakſchan und andern Fuͤrſten zuſammen gekommen waren; ſo reiſten ſte mit den Kathayern durch die Staͤdte Taſch⸗ kend, Sayram und Aſch in das Land der Mon⸗ golen. Nach kurzer Zoͤgerung vernahmen ſie vom Be⸗ fehlshaber Amir Khudadad, daß ſie ihre Reiſe ſicher fortſetzen koͤnnten. Zu Bilgotu, im Gebiete des Mehemmed Beg, ſtießen ſie auf die Dejis oder Dagkis und das Gefolge des Schachs von Badakſchau, mit welchen ſie uͤber den Fluß Kenker gingen. Bald kamen ſie zu dem Fuͤrſten Mehemmed Beg, deſſen Sohn, Soltan Schadi Karhan, Tochtermann des Schachs Nokh war; dann in die Landſchaft Il⸗ — 79 duz, oder Nulduz, oder Chialis in der Bucharei an dem Fluſſe Cheldos, und nach Schir Beh⸗ ram. Sie ſtaunten, in diefer großen Wuͤſte noch 2 Zoll dickes Eis zu finden, ungeachtet die Sonne ſchon im Sommer⸗Stillſtande war. Nachdem ſie unter vielem Regen und Hagel die engen Paͤſſe und Gebirge durchdrungen hatten, erreichten ſie Tarkan oder Tarfan, wo ein großer Tempel mit einem un⸗ geheuren Goͤtzenbilde ſich befand, welches die Einwoh⸗ ner fuͤr jenes der Schakmami hielten. Nachdem ſie uͤber Karakoja(oder Aramuth, oder Oram⸗ ch i) hinaus waren, erſchienen ihnen einige Kathayer, welche die Namen des Geſandten und des ganzen Ge⸗ folges verzeichneten. Dann kamen ſie durch die Stadt Ata Sufi, und nach Kabul oder Khamul, wo Amir Fakraddin neben einem heidniſchen Tem⸗ pel eine ſchoͤne Moſchee gebaut hatte, welche mit Bildniſſen verſchiedener Art umgeben war, und an deren zwei Thuͤren zwei rieſenmaͤßige Fechter⸗Bild⸗ niſſe ſtanden. Von hier zogen ſie durch eine große Wuͤſte, in welcher ſie nur alle zwei Tage Waſſer, deſto mehr Loͤwen, Ochſen und andere wilde Thiere an⸗ trafen. Als ſie nur noch 12 Tagreiſen von Sekju, vielleicht Sochew, nahe bei dem Eingange durch die große Mauer nach Schenſi, entfernt waren, erſchie⸗ nen ſchon taͤglich Kathayer, welche in der Wuͤſte Zelte aufſchlugen, die Tafeln mit Voͤgeln, Fruͤchten und andern Lebensmitteln in porzellaͤnenen Geſchir⸗ ren verſahen, ſtarke Getraͤnke und andere Nothwen⸗ digkeiten darreichten. Nach dem Verzeichniſſe der Kathayer betrugen die Geſandten mit ihren Gefolgen und Kaufleuten 860 Perſonen, welche auf die Gefahr der Verdammung ſchwoͤren mußten, daß außer den Verzeichneten Niemand mehr vorhanden ſey. An der Graͤnze hatte der Statthalter Dankiji in . der Wuͤſte ſich zu ihrem Empfange gelagert. Sie fan⸗ den einen Morgen Feld im Vierecke mit Zelten um⸗ geben, in deren Mitte eine hohe, mit Tuch bedeckte Schuppe auf hoͤlzernen Saͤulen ruhte, in deren Hin⸗ tergrunde ein Thronhimmel auf lackirten Pfeilern ſtand. Auf die linke Seite wurden die Geſandten, auf die rechte die Kathayer verwieſen; vor Erſteren ſtanden zwei— vor Letzteren ein Tiſch mit Speiſen. Fruͤchten, Kuchen und wohlriechendem Gebaͤcke, welches mit Blumen aus Papier und Seide verziert war. Getraͤnke wurden in ſilbernen und porzellaͤnenen Ge⸗ ſchirren gereicht. Muſikanten und Gnuckler, deren ein Theil mit Thierkoͤpfen verlarvt war, ſuchten die Geſellſchaft zu erheitern. Nach langem Zuge durch die Wuͤſte erreichten ſie die Graͤnz⸗Feſtung Karaul, wo ſie nach ihren Na⸗ men wieder gezaͤhlt wurden, dann die Stadt Sekju, wo ſie in einem oͤffentlichen Gebaͤude uͤber dem Thore beherbergt wurden. Hier, wie in allen folgenden Quartieren fanden ſie Lebensmittel, Pferde, Ma⸗ tratzen und wollene Decken fuͤr das ganze Gefolge. 81 Sekju oder Sochew war eine große und vier⸗ eckige Feſtung am Eingange von K athay, mit 16 reinlich erhaltenen Marktplaͤtzen von 30 Ellen im Vier⸗ eck, wo bedeckte Gaͤnge mit Handels⸗ Gewoͤlben zu beiden Seiten ſich befanden, wozu eine mit Gemaͤlden ausgeſchmuͤckte Halle den Eingang bildete. Schweins⸗ und Schafsfleiſch wurde zum Aerger der Mohameda⸗ ner uͤberall von den Metzgern verkauft. Die Stadt⸗ mauer war mit vielen Thuͤrmen verſehen, deren jeder 20 Schritte vom andern entfernt war. Auf jeder Seite war ein Thor, unter deſſen Bogen man das gegenuͤber ſtehende Thor, den Mittelpunkt der Stadt und deren vier Abtheilungen ſehen konnte; uͤber jedem Thore ſtand ein 2 Stockwerk hohes Gebaͤude mit por⸗ zellaͤnenem Dache. Jeder Tempel hatte 10 Morgen im Umfange, war ſchoͤn im Innern und mit Ziegel⸗ ſteinen ſo glatt geeſtricht, als ſeien ſie aus polirtem Glaſe. An den Thuͤren ſtanden gefaͤllige Juͤnglinge, welche die Fremden bewirtheten und in den Tempeln herum fuͤhrten. Von Sekju bis Khanbalu(oder Pecking) waren 99 Tagreiſen durch eine ſehr bevoͤlkerte Gegend, wo jede Nacht in einem großen Flecken verweilt wurde, ungeachtet viele Kargu und Kidifu noch unterweges waren. Letztere waren 60 Ellen hohe Ge⸗ baͤude mit Wache, welche in 24 Stunden durch Feuer die Nachricht eines Auflaufs oder andern Unfalles uͤber einen drei monatlichen Weg verbreiten konnten 8 2tes B. China. I. 2. 6 82 indem ſie nur 11 ½2 deutſche Meilen von einander ent⸗ fernt waren. Die Wachen der Kargu wurden alle 10 Tage abgeloͤſet, jene der Kadifu aber blieben in ihren umliegenden Wohnungen und bauten das an⸗ ſtoßende Erdreich*). Von Sekju bis Kamju oder Kan⸗chew, wel⸗ ches M. Paolo Kampion nannte, waren 9 Tag⸗ reiſen; der daſige Statthalter war uͤber alle andere an den Kuͤſten geſetzt. An jedem mit Lebensmitteln ſchon verſehenen Beherbergungsorte wurden die Geſandten mit 450 andern Pferden, Mauleſeln und Eſeln, dann 56 Kutſchen verſehen, an deren jeder 12 Juͤng⸗ linge mit den Seilen auf den Schultern zogen. Die Ba⸗fu oder Bedienten der Pferde gingen als Weg⸗ weiſer voraus. In jeder Stadt wurden die Geſand⸗ ten auf einem dazu beſtimmten Sagle herrlich bewir⸗ thet, in deſſen Mitte ein kaiſerlicher Thron mit Vor⸗ baͤngen gegen die Hauptſtadt des Reiches gerichtet war. An deſſen Fuße lag ein großer Teppich, wor⸗ guf die Geſandten und Staatsdiener ſaßen, hinter welchen die Bedienten in Gliedern ſtanden, wie die Muſelmaͤnner bei dem Gebete. Auf den Ruf der zur Seite des Thrones geſtandenen Wache beugten ſich die kathay'ſchen Beamten, wie die Geſandten, mit *) Die vortreffliche Idee der ruſſiſchen Militaͤr⸗ Kolonten war alſo ſchon vor 400 Jahren bei den Chineſen ausgefuͤhrt. 83 vem Kopfe zur Erde, und dann ſetzte ſich Jeder an ſeinen Tiſch. Am 25ſten des neunten Monats Na⸗ mazan ließ der Danji oder Statthalter zu Kam⸗ ju die Geſandten zu einem kaiſerlichen Gaſtmahle ein⸗ laden: da dieſe ſich mit der ihnen gebotenen Faſten⸗ zeit entſchuldigten, ſo ſchickte er die fuͤr ſie bereiteten Speiſen in ihr Quartier. 9 Zu Kam j u ſahen ſie einen Tempel von s00 El⸗ len im Viereck, in deſſen Mitte ein s0 Schuh langes Goͤtzenbild zu ſchlafen ſchien, deſſen Haͤnde und Fuͤße 9 Schuh lang waren, und deſſen Kopf 20 Schuh im Umfange hatte. Hinter und uͤber demſelben waren mehre eine Elle hohe Goͤtzen, welche zu leben ſchie⸗ nen. Das große Bild war ganz vergoldet und hatte eine Hand unter dem Kopfe liegen, die andere an dem Schenkel ausgeſtreckt. Die Chineſen nannten es Samonifu, liefen oft zu ihm, und beugten ſich. Auch die Waͤnde waren mit Bildern verziert. um den großen Tempel ſtanden mehre kleine, wie Kam⸗ mern der Karawan ſeraien„ mit Vorhaͤngen von Borkade, mit Baͤnken, vergoldeten Lehnſtuͤhlen, Leuch⸗ tern und Geſchirren, welche zur Verzierung dienten. Solcher Tempel waren noch 10 in der Stadt, und ein Gebaͤude, welches die Mohamedaner S eherki⸗ Felek nannten. Dieſes thurmartige Gebaͤude hatte 20 Ellen im Umfange, acht Seiten und 15 Stock⸗ werke. Jedes derſelben war 12 Ellen hoch, hatte ſchoͤn lack rte Zimmer nebſt einem rund ſich herum. 84 ziehenden Gange mit Gemaͤlden, wovon eines den ſitzenden Kaiſer von Kathay mit ſeinem Hofſtabe, mit Juͤnglingen und Maͤdchen zu beiden Seiten vorſtellte. Unten am Thurme ſtanden Bildniſſe von Rieſen, wel⸗ che denſelben zu tragen ſchienen. Derſelbe war aus Holz gebaut, ſchoͤn polirt, und ſo reich vergoldet, daß er aus gediegenem Golde zu ſeyn ſchien. Im Gewoͤlbe des Thurmes war ein eiſerner Pfeiler(oder eine Axe), auf einer eiſernen Platte ruhend, welcher ſich vom Boden bis zum hoͤchſten Punkte hinauf zog. Dieſer Pfeiler war beweglich und drehte ſich mit dem ganzen Thurme ſehr leicht herum. Ehe ſie Kamju oder Kan⸗chew verließen, wur⸗ den ſie mit Pferden und Wagen verſehen, welche ſie erſt auf der Ruͤckkehr zuruͤck geben ſollten. Hier uͤber⸗ reichten ſie die Geſchenke fuͤr den Kaiſer, bis auf ei⸗ nen Loͤwen, welcher an den Hof gefuͤhrt wurde. Je naͤher ſie der Hauptſtadt kamen, deſto mehr uahm die chineſiſche Pracht zu; jeden Abend kamen ſie in eine Herberge, und jede Woche in eine Stadt. Endlich erreichten ſie den großen Fluß Karamuran, uͤber welchen 26 mit Brettern belegte Barken eine Bruͤcke bildeten. Dieſelben waren durch eiſerne Klammern und Ketten zuſammen gehalten, und auf beiden Ufern au 6— Zoll dicken eiſernen Saͤulen befeſtigt. Dieſſeits des Fluſſes war ein noch praͤchtigerer Tem⸗ pel, als irgend einer der fruͤher geſehenen. Jenſeits des Fluſſes fanden die Geſandten eine große Stadt, 8⁵ in welcher ſie beſſer bewirthet wurden, als vorher; ſie nannte ſich Stadt der Schoͤnheit, weil hier die ſchoͤnſten Frauenzimmer von ganz Kathay waren. Auch gab es drei oͤffentliche, von den herrlichſten Maͤdchen bewohnte Haͤuſer. Nachdem ſie durch mehre andere Staͤdte und uͤber mehre Schiffbruͤcken gewandert waren, kamen ſie in die große und volkreiche Stadt Sadin⸗fu. Hier fanden ſie in einem Tempel ein 30 Ellen hohes, ver⸗ goldetes Bildniß aus Kupfer, das Bild mit 1000 Haͤnden genannt, welches 10 Ellen lange Fuͤße, ſehr viele Haͤnde und auf der flachen Hand ein Auge hatte. Um daſſelbe ſtanden verſchiedene andere Bildniſſe ver⸗ ſchiedener Hoͤhe. Man rechnete, daß man zur Verfer⸗ tigung aller Bildniſſe 10,000 Laſten Kupfer noͤthig hatte. Die Spitze des Tempels endigte ſich mit einem offenen Balkon. Hier fand man auch kuͤnſtliche Berge, welche man ſowohl von Innen, als von Außen be⸗ ſteigen konnte, in deren Grotten Goͤtzen, Prieſter und Einſiedler, wie an den Waͤnden Tiger, Leoparden, Schlangen und Baͤume gemalt ſind. Auch ſah man verſchiedene kleinere uͤbermalte Bilder, welche wie die Berge und Bogen, uns Gyps verfertigt zu ſeyn ſchie⸗ nen. In der Umgebung des Tempels war unter ver⸗ ſchiedenen ſchoͤnen Gebaͤuden auch ein um die Axe ſich drehender Thurm, aber hoͤher und ſchoͤner, als jener zu Kamju. Endlich erreichten ſie Khanbalik oder Khan⸗ 86 balu(den Palaſt oder die Stadt des Chans). Die Stadt war groß und auf 4 Seiten von einer fortlau⸗ fenden Mauer umgeben, außerhalb welcher Ruinen von vielleicht noch 100,000 Haͤuſern waren, welche man nicht wieder aufbauen wollte. Die Geſandten wurden uͤber einen 700 Schuh langen, gebahnten Weg zu Fuß bis an das aͤußere Thor des Palaſtes gefuͤhrt, auf deſſen beiden Seiten fuͤnf Elephanten ſtanden. Dann betraten ſie einen ſchoͤn gepflaſterten Hof, wor⸗ in vielleicht 100,000 Menſchen vor des Kaiſers Thuͤre warteten, obſchon der Tag noch nicht angebrochen war. Dem Hofe gegenuͤber ſtand ein Thurm(Kiosk), welcher unten 30 Ellen im Durchmeſſer, und 60 El⸗ len hohe Pfeiler hatte, auf welchen ein so Ellen lan⸗ ger und 40 Ellen breiter Gang ruhte. Dieſer Hof hatte 3 große und mehre kleinere Thore, durch deren mitt⸗ leres der Weg zum Kaiſer fuͤhrte. Ueber dem Thurm und uͤber den Thoren zur Rechten und Linken ſtand eine große Trommel mit einer Glocke, neben welcher zwei Perſonen Zeichen geben mußten, ſobald der Kai⸗ ſer ſich auf dem Throne zeigte. Unter den vielen anweſenden Menſchen waren 2000 Saͤnger fuͤr das Wohl deſſelben; 2000 Bewaff⸗ nete mit Hellebarden, Stoöͤcken, Wurfſpießen, Pfeilen,⸗ Lanzen, Schwertern und Keulen hatten bloß die vor⸗ waͤrts draͤngenden Menſchen zuruͤck zu halten; noch viele andere hielten Faͤcher und Sonnenſchirme. Um den Bof herum zogen ſich bedeckte und umgitterte Gaͤnge 87 mit Zimmern, worauf Sopha aufgeſtellt waren. Bei dem Anbruche des Tages ertoͤnten Trompeten, Floͤten und die Glocke. Kaum waren die 3 Thore geoͤffnet, ſo draͤngte ſich das Volk zur Anſicht des Kaiſers hinein. Nachdem die Geſandten aus dem erſten Hofe in den zweiten gekommen waren, erblickten ſie einen ngch groͤßern Kiosk, als vorher. Neben demſelben war ein 4 Ellen hohes Sopha, mit gelbem, durchſtick⸗ ten Atlaſſe und Gold bedeckt, einen Phoͤnix vorſtel⸗ lend, von den Kathayern der Koͤnigsvogel ge⸗ nannt. Auf dieſem Sopha war der Sitz von gediege⸗ nem Golde. Zu deſſen beiden Seiten ſtanden Befehls⸗ haber uͤber 100, 1000, 10 000 Mann in Gliedern, mit goldenen Taͤfelchen in der Hand, welche eine Elle lang und 1/4 Elle breit waren, und von ihnen ſtets angeſchaut wurden. Hinter ihnen ſtanden außeror⸗ dentlich viele Soldaten in tiefſter Stille. Endlich trat der Kaiſer Dong⸗la aus ſeinem Zimmer hervor und beſtieg uͤber 9 ſilberne Stufen ſeinen Chron. Er war von mittlerer Groͤße, und hatte einen langen Bart. Auf beiden Seiten des Thrones ſtanden zwei ſehr ſchoͤne Maͤdchen mit entbloͤßtem Halſe, deren Haare auf dem Wirbel des Kopfes zuſammen gebun⸗ den waren, und an deren Ohren große Perlen hin⸗ gen. Jedes hielt eine pinſelartige Feder und Papier in der Hand, ſchrieb alle Reden des Kaiſers genau nieder, und uͤberreichte es ihm bei dem Weggehen zur Durchſicht, ob keiner ſeiner Befehle geaͤndert werden 88 ſollte; erſt dann wurden dieſe dem Staatsrathe zur Vollziehung uͤbergeben. Nachdem der Kaiſer ſich geſetzt hatte, wurden die Geſandten nebſt 700 Verbrechern gegenuͤber geſtellt. Einige der Letzteren waren bei dem Halſe an einander gebunden, andere— manchmal s— hatten Kopf und beide Haͤnde in einem Brette ſtecken, und Jeder hatte einen Waͤchter hinter ſich, welcher ihn bei den Haaren hielt, bis der Kaiſer das Urtheil ſprach. Die Meiſten wurden zur langen Gefangenſchaft, nur Wenige zum Tode verurtheilt, welche Strafe der Kaiſer ſich vor⸗ behielt. Alle Verbrecher des ganzen Reiches mußten ummer nach Khanbalik geſendet werden, um dem Kaiſer vorgeſtellt zu werden. Das Verbrechen eines Jeden war an das Ende des Brettes geſchrieben, wel⸗ ches er nebſt den Feſſeln am Halſe trug. Verbrechen gegen die Religion wurden am haͤrteſten geſtraft. In der Unterſuchung eines Jeden wurde ſehr vorſichtig gehandelt; ſelbſt der Kaiſer hielt 12 Berathungen, ehe er Jemanden zum Dode verurtheilte. Daher traf es ſich zuweilen, daß Mancher in 14 Sitzungen ſchon zum Tode verurtheilt war, und in der zwoͤlften frei⸗ geſprochen worden iſt. Nachdem die Verbrecher verurtheilt und wegge⸗ fuͤhrt waren, wurden die Geſandten durch einen kai⸗ ſerlichen Bedienten bis auf eine Entfernung von 15 Ellen an den Thron gefuͤhrt. Der Bediente las knieend aus einem Papiere die Veranlaſſung zur Geſandt⸗ 89 ſchaft vor, fuͤgte bei, daß die Geſandten dem Kaiſer einige Geſchenke uͤberbringen, und ihre Verbeugung mit dem Kopfe bis auf den Boden machen wollten. Der Kadhi Mulana Haji Nuſof, ein Befehls⸗ haber uͤber 10,000 Mann, ein Guͤnſtling des Kaiſers, und einer von ſeinen 12 Staatsraͤthen, nahte ſich, nebſt einigen Muſelmaͤnnern als Dolmetſchern den Zeſandten und befahl ihnen, ſich zu knieen und mit der Stirne dreimal den Boden zu beruͤhren; ſie beug⸗ ten aber nur dreimal das Haupt. Hierauf uͤbergaben ſie die von gelbem Atlaſſe umwundenen Briefe des Schach Rokh und der uͤbrigen Fuͤrſten dem Kadhi Mulanaz dieſer uͤbergab ſie dem am Fuße des Thro⸗ nes ſtehenden Palaſt⸗Miniſter(Khoja), welcher ſie dem Kaiſer uͤberreichte. Dieſer oͤffnete, beſchaute und gab ſie dem Khoja zuruͤck; er ſtieg dann vom Throne herab, und ſetzte ſich auf einen tiefern Stuhl. Zu⸗ gleich brachte man 3000 Weſten von feinem— und 2000 von grobem Duche zur Bekleidung ſeiner Kinder und Bedienten. Hierauf ließ er die Geſandten naͤher treten; nachdem ſie gekniet waren, ſtellte er an ſie verſchiedene Fragen uͤber das Befinden des Schachs Rokh und andere Gegenſtaͤnde. Nach empfangener Antwort ließ er ſie aufſtehen und zur Tafel bringen, weil ſie eine ſo große Reiſe gemacht haͤtten, worauf ſie in den erſten Hof zuruͤck gefuͤhrt, geſpeiſet und in ihre Wohnung gebracht wurden. In dem großen Zimmer fanden ſie ein Bett, eine Erhoͤhung von ſei⸗ 90 denen Kiſſen, ein großes Becken und eine Feuer⸗ pfanne. Zu beiden Seiten waren andere Zimmer mit Betten, ſeidenen Kiſſen, Fuß⸗Teppichen oder feinen Matten, worin jeder Geſandte abgeſondert wohnen konnte. Ein Jeder fand einen Keſſel, eine Schuͤſſel, einen Loͤffel und einen Tiſch. Zur Nahrung erhielten ſie taͤglich auf 6 Perſonen ein Schaf, eine Gans und 2 Voͤgel, 2 Maß weißes Mehl, eine große Schuͤſſel voll Reis, 2 große Becken voll Zuckereien, einen Topf Honig, etwas Knoblauch, Zwiebeln, Salz, verſchiedene Kraͤuter, eine Flaſche beſondere. Fluͤfſigkeiten, und ein Becken mit welſchen und ande⸗ S ren Nuͤſſen, Kaſtanien und getrockneten Fruͤchten, nebſt Bedienung vom fruͤhen Morgen bis zum ſpaͤten Abende. 5 Eines Morgens weckte ſie der Sekiin, oder der bei Hof fuͤr ſie ſorgende Beamte auf, und eroͤffnete ihnen den Willen des Kaiſers, daß dieſer ſie heute bewirthen wollte. Er brachte ſie auf Pferden, welche dazu beſonders angeordnet waren, in den Palaſt, und ſtellte ſie in den aͤußern Hof, wo vielleicht 20,000 Menſchen auf den Kaiſer warteten. Nach dem Auf⸗ gange der Sonne wurden ſie an den Thron gefuͤhrt, wo ſie nach fuͤnfmaliger Neigung des Hauptes auf den Boden vom Kaiſer gegruͤßt wurden. Nachdem er vom Throne herab geſtiegen war, wurden ſie in den erſten Hof zuruͤck gefuͤhrt, damit ſie auf der Seite ihrer Nothdurft pflegen koͤnnten, indem ſie ſich waͤh⸗ 91 rend des Gaſtmahls unter keinem Vorwande entfer⸗ nen duͤrften. Hierauf wurden ſie durch den Hof des Thrones der Gerechtigkeit in den dritten, ganz offe⸗ nen und ſchoͤn geplatteten Hof gefuͤhrt. Vorn war ein s0 Elien langer Saal, hinter welchem mehre Zim⸗ mer ſich befanden. Im Saale war ein großes Sopha in Mannshoͤhe, zu welchem drei ſilberne Stufen fuͤhr⸗ ten, wovon eine vorn und zwei zu beiden Seiten wa⸗ ren. Hier ſtanden zwei Khoja des Palaſtes, an de⸗ ren Ohren ein den Mund deckender Lappe befeſtigt war. Auf dem großen Sopha ſtand noch ein kleine⸗ res in Geſtalt eines Bettes mit Kopf⸗ und Fußkiſſen, aus Holz, ſchoͤn lackirt und vergoldet. Auf beiden Seiten waren Feuer⸗ und Raͤucherpfannen; die vor⸗ nehmſten Dakji ſtanden bewaffnet, und hinter ihnen die kaiſerlichen Leib⸗Gardiſten mit bloßen Saͤbeln. Die Geſandten waren auf der linken, als der vor⸗ nehmſten Seite. Fuͤr die Armiren oder oberſten Befehlshaber am Hofe, und fuͤr andere der angeſehen⸗ ſten Perſonen waren 3, fuͤr audere 2, und fuͤr die uͤbrigen nur ein Tiſch aufgeſtellt. Bei dem ganzen Gaſtmahle waren wenigſtens 1000 Tiſche. Vor dem Throne, nahe bei einem Fenſter des Saales ſtand eine große Trommel mit 2 Maͤnnern auf einer Buͤhne, und neben ihnen viele Muſikanten. Durch einen Theil des Saales waren Vorhaͤnge ge⸗ zogen, damit die Frauenzimmer die uͤbrige Geſellſchaft ſehen konnten, ohne von ihr bemerkt zu werden. 92 Nachdem alle Speiſen und Getraͤnke aufgetragen wa⸗ ren, ſo zogen die beiden Khoja die vor einer Thuͤre hinter dem Throne befindlichen Vorhaͤnge auf: ſogleich erſchien der Kaiſer unter dem Klange der Muſik, und ſetzte ſich unter eine Himmelsdecke von gelbem, mit 4 Drachen geſticktem Atlaſſe. Die Geſandten beugten ſich, wie alle uͤbrigen, fünfmal zur Erde, und ſetzten ſich zum Tiſche. Zugleich wurde ein Luſtſpiel aufgefuͤhrt. Die er⸗ ſten Spieler waren weiß und roth bemalt wie Maͤd⸗ chen, hatten Perlen in den Ohren, waren mit golde⸗ nem Stoffe bekleidet, und trugen Straͤuße von kuͤnſt⸗ lichen Blumen. Dann legte ſich Jemand auf den Ruͤcken, und ſtellte ſich ſchlafend, nachdem er ſeine Fuͤße in die Hoͤhe gehoben hatte. Einer ſteckte ver⸗ ſchiedene dicke und 7 Ellen lange Roͤhren zwiſchen ſeine Beine, ein Anderer hielt ſie mit der Hand; ein Knabe von 10— 12 Jahren erſtieg ſie mit erſtaunlicher Schnelligkeit, und machte Poſſen, bis er abglitſchte und herab zu fallen drohte; allein der Liegende ſtand ſo⸗ gleich auf und ergriff ihn noch vor dem Falle. Ein Anderer machte Muſik nach den 12 Arten der Ka⸗ thayer; zwei Andere eben ſo, aber gleichzeitig mit beiden Haͤnden auf den wechſelſeitigen Inſtrumenten. Im Hofe des Palaſtes waren mehre 1000 verſchiedene Voͤgel, welche ungeſcheut unter der Menge Gaͤſte und Bedienten herum fiogen, und Alles wegfraßen, was ſie auf dem Boden fanden. 93 Waͤhrend des fuͤnfmonatlichen Aufenthaltes wur⸗ den die Geſandten noch oͤfters und vornehmer, als dießmal hewirthet. Am 2sten Tage des erſten Mo⸗ nats Moharram ließ Mulana ihnen eroͤffnen, daß der Kaiſer morgen am Neujahrstage ſeinen neuen Palaſt beziehen wuͤrde, weßwegen Niemand weiße Kleider, als das Zeichen der Trauer, tragen duͤrfte. In der Mitternacht des 28ſten kam der Sejin, um ſie in den neuen Palaſt zu fuͤhren, zu deſſen Erbauung 19 Jahre erforderlich waren. Unterwegs waren alle Haͤuſer und Kramlaͤden ſo erleuchtet, daß man glaubte, es ſei heller Mittag. Vor dem Palaſte waren viel⸗ leicht 100,000 Menſchen verſammelt, welche aus allen Theilen von Kathay, aus den Laͤndern Tachin, Machin, Kalmak, Thebet, Kabul, Kara⸗ koja, Jurga und von den Seekuͤſten gekommen waren. An dieſem Tage wurden die Tiſche der Ge⸗ ſandten außerhalb des Thron⸗Saales, jene der Ami⸗ ren aber innerhalb aufgeſtellt. Man ſah vielleicht 200,000 Bewaffnete mit Sonnen⸗Schirmen und Schil⸗ dern. Waͤhrend der Muſik wurden Lieder zum Lobe des neuen Palaſtes geſungen; das Feſt dauerte bis nach Mittag. Wer ſich einen Begriff von dem praͤchtigen Pa⸗ laſte machen will, der erwaͤge, daß von der Thuͤre des Saales bis an die erſte Mauer 1925 Schritte wa⸗ ren. Auf jeder Seite ſah man eine Reihe Gebaͤude und Gaͤrten; jene waren aus Quadern und Porzellan 94 oder Marmor ſo genau mit einander verbunden, daß man glaubte, alles ſei aus einem Stuͤcke aufgefuͤhrt. Der gepflaſterte Boden war auf einige 100 Ellen ſo regelmaͤßig geglaͤttet, wie die gewuͤrfelten Linien in Buͤchern. Die Geſandten waren bei dem Anblicke die⸗ ſes Gebaͤudes ſo bezaubert, daß ſie glaubten, in Mau⸗ rer⸗ und Schreiner⸗Arbeit, in erhabenen Bildern aus Gyps und in Malereien moͤge kein anderes Land den Kathayern gleich kommen. Der Kaiſer hatte die Gewohnheit, faͤhrlich einige Tage in der groͤßten Einſamkeit zu leben, ohne etwas zu eſſen, ohne ſich Frauenzimmern oder Maͤnnern zu naͤhern. In dieſer Einſamkeit hatte er weder ein Gemaͤlde, noch ein Goͤtzenbild bei ſich: denn er betete nur den Gott des Himmels an. Am gten Sa⸗ far(Februar) ließ ſich der Kaiſer nach achttaͤgiger Ein ſamkeit wieder ſehen; die Geſandten wurden zum Verhoͤre gerufen. Die Elephanten waren mit unbe⸗ ſchreiblicher Pracht bedeckt: ſie trugen auf den Ruͤcken ſilberne Sitze wie runde Senften, nebſt 7 farbigen Fahnen und bewaffneten Maͤnnern; 30 derſelben tru⸗ gen die Muſikanten. Vor und hinter denſelben waren 50,000 Soldaten in ſchoͤnſter Ordnung und tiefſtem Stillſchweigen. Mit dieſem Gepraͤnge zog der Kaiſer in den weiblichen Palaſt, worauf Jedermann nach Hauſe ging. Da die Sterndeuter verkuͤndigten, daß der Pa⸗ laſt in dieſem Jahre durch Feuer leiden wuͤrde, ſo 95⁵ wurde eine Beleuchtung veranſtaltet, welche 7 Tage dauerte. Im kaiſerlichen Hofe war ein kuͤnſtlicher Berg aus Holz errichtet, mit Cypreſſen⸗Zweigen be⸗ deckt, und mit 100,000 Fackeln beſetzt, welche durch Lauffeuer von einander gleichzeitig entzuͤndet wurden. Eben ſo ſah man in allen Theilen der Stadt ſehr viele Lichter. Waͤhrend dieſer 7 Tage wurde kein Verbre⸗ cher ergriffen, alle verhafteten Schuldner entlaſſen, die Gefaͤngniſſe geöffnet, ſelbſt alle Todſchlaͤger in Freiheit geſetzt, und vom Kaiſer viele große Geſchenke vertheilt. Dieſes alles wurde am 13ten Safar im Palaſte vor mehr als 100,000 Fremden bekannt ge⸗ macht. Der Kaiſer ſaß im erſten Thurme des erſten Hofes auf dem Throne. Zugleich wurde verkuͤndigt, daß der Kaiſer in den folgenden 3 Jahren keine Ge⸗ ſandten in irgend ein Land werde abgehen laſſen. Nachdem dieſe Weiſung von 3. Befehlshabern, welche vor dem Kaiſer auf einer Bank ſtanden, abgeleſen war, ſo wurde ſie durch gelbe, ſeidene Stricke, wel⸗ che an einem Ringe befeſtigt waren, vom Thurme herab gelaſſen, auf einen mit goldenem Rande verſe⸗ henen Tiſch gelegt, und unter Begleitung des Vol⸗ kes und der Muſikanten in die aͤußere Stadt bis die Wohnungen der Geſandten getragen, welche wie ſonſt bewirthet wurden, nachdem der Kaiſer den Kiosk oder Thurm verlaſſen hatte. Am erſten Tage des Rabiya al Awal(oder Maͤrz) wurden die Geſandten wieder in den Palaſt 96 nach Hof gerufen. Der Kaiſer hatte verſchiedene Stoßvoͤgel hinein bringen laſſen, um ſie Jenen zu ge⸗ ben, weiche ihm gute Pferde gebracht hatten Zu gleicher Zeit ließ er einem Jeden der 3 Geſandten des Mirza Ulug Beg, Mirza Bayſaugar, und des Schachs Rokh 3 derſelben geben. Den folgen⸗ den Tag ließ er ſie noch einmal rufen, und ſagte ih⸗ nen:„Das Kriegsheer ſoll an die Graͤnzen meines Reiches ſich begeben. Bereitet euch, daß ihr mit ihm in euer Land zuruͤck kehren koͤnnt.“ Dann wendete er ſich zu Arjak oder Argdak, dem Geſandten des Siurgatmiſch Mirza mit den Worten:„Ich habe keinen Stoßvogel, den ich euch geben koͤnnte; und haͤtte ich auch einen, ſo wuͤrde ich ihn euch doch nicht geben, damtt er euch nicht eben ſo genommen werden moͤchte, wie er dem Ardeſchir, eurem Vor⸗ gaͤnger, genommen wurde.“ Arjak verſetzte:„Wenn eure Majeſtaͤt mir die Ehre erzeugen wollten, einen Stoßvogel zu geben, ſo buͤrge ich, daß Niemand mir ihn nehmen ſoll.“ Der Kaiſer erwiederte:„Nur un⸗ ter dieſer Bedingung will ich euch zwei geben, welche ſogleich folgen werden.“ Am 8. Rabiya wurden die Geſandten Soltan Schach und Bakſchi Malek zum Empfang der Geſchenke des Kaiſers gerufen. Jener bekam 8 Ba⸗ liſch Silber, 30 kaiſerliche mit Pelz gefuͤtterte We⸗ ſten, 24 Unterrscke, 2 Pferde, wovon eines ganz ge⸗ ſattelt war, 100 Buͤnde von Rohrpfeilen, 26 porzellaͤ⸗ 97 nene Gefaͤße und sooo kleine; dieſer bekam Baliſch Silber und alle uͤbrige Gegenſtaͤnde. Die Gemahlin⸗ nen erhielten zwar kein Silber, aber die Haͤlfte der uͤbrigen Gegenſtaͤnde. Am 13. wurden die Geſandten wieder gerufen, und der Kaiſer ſprach:„Ich will auf die Jagd gehen. Nehmet unterdeſfen die Stobvoͤgel zum Zeitvertreib zu euch; ſie ſind gut; aber die mir uͤberbrachten Pferde taugen nichts.“ Als der kaiſer⸗ liche Erbprinz aus dem Lande Nemeray zuruͤck kam, erſtatteten die Geſandten auf der Morgenſeite des kai⸗ lerlichen Palaſtes ihm ihre Gluͤckwuͤnſche ab. Sie fanden ihn von ſeinen Bedienten umgeben, und ſeine Tafel wie die kaiſerliche eingerichtet. Am 1. Tage des Nabiygal Akher(oder April) wurde ihnen bei der Ruͤckkehr des Kaiſers von der Jagd der Wink gegeben, ihm entgegen zu kommen. Sie ſetzten ſich vor Anbruch des Tages zu Pferde; als ſie den Mulana ſehr niedergeſchlagen an ihrer Haus⸗ thuͤre fanden, und um die Urſache fragten, wurden ſte von der Nachricht uͤberraſcht, daß der Kaiſer auf der Jagd von dem Pferde geſtuͤrzt ſei, welches Schach Rokh ihm uͤberſchickt hatte. Er habe deswegen befoh⸗ len, ſie ſollten gefeſſelt, und in die gegen Morgen gele⸗ genen Staͤdte von Kathay gefuͤhrt werden. Die Geſand⸗ ten wurden ſehr betruͤbt, und eilten dem Kaiſer ent⸗ gegen; nach 20 Meilen naͤherten ſie ſich dem kaiſerli⸗ chen Lager. Die Kathayer hatten waͤhrend der Nacht 500 Schritte im Vierecke einen 10 Ellen hohen Erd⸗ ztes B. China. I. 2. 7 98 wall zwiſchen Brettern aufgeworfen, und zwei Thore angebracht. Daſelbſt ſtand Wache, und die uͤbrigen Soldaten an dem Platze, aus welchem die Wallerde gegraben war. Innerhalb dieſer aͤußern Ein faſſung waren noch zwei andere Waͤnde von gelbem Atlaße, jede 28 Ellen hoch, von viereckigen Pfoſten unterſüuͤtzt; und rings herum ſtanden Zelte von gelbem Atlaße. Als die Geſandten noch 500 Schritte vom Auf⸗ enthalte des Kaiſers entfernt waren; ſo befahl ihnen Mulana, von den Pferden zu ſteigen, und die An⸗ kunft des Kaiſers zu erwarten; er wolle voraus gehen. Der Kaiſer war eben im Begriffe ſie verhaften zu laſ⸗ ſen, allein Mulana⸗ Lidaji und Jandaji war⸗ fen ſich vor ihm nieder und baten um Nachſicht: „denn durch ihre Hinrichtung wuͤrde der Kaiſer ſich dem Vorwurfe Preis geben, daß er das Voͤlker⸗Recht an den Perſonen der Geſandten verletze.“ Der Kai⸗ ſer ließ ſich erweichen, und Mulana genoß das Ver⸗ gnägen, dieſen die erfreuliche Nachricht ſeiner Ver⸗ gebung zuruͤck bringen zu koͤnnen. Der Kaiſer ſchickte ihnen ſogar auch Lebensmittel: allein da ſie mit Schweinfleiſch vermiſcht waren, ſo durften ſie dieſel⸗ ben nicht genießen. Hierauf beſtieg der Kaiſer ein ſchwarzes Pferd mit weißen Fuͤßen, welches er von Mirza Ulug Beg erhalten hazte. Die Satteldecke war von Bro⸗ eade, und auf beiden Seiten gingen zwei Perſonen langſamen Schrittes. Er trug eine Weſte von golde⸗ 99 nem Brocad auf rothem Grunde; ſein Bart ſteckte in einem Beutel von ſchwarzem Atlaße. Seine Gemah⸗ lin folgte ihm in einer von 7 Maͤnnern getragenen Seufte, hinter welcher eine groͤßere von 0 Maͤnnern getragen wurde. Vor dem Kaiſer zog ein Korps Rei⸗ ter, welches in kleinern Abtheilungen ꝛ0 Schritte on einander bis zur Stadt entfernt war. In der Mitte befand ſich der Kaiſer mit Mulana, Lidaji⸗ Jandaji, und 10 Daji; erſterer ließ die Geſandten abſteigen und zur Erde fallen; ſobald ſie dieſes ge⸗ than hatten, befahl ihnen der Kaiſer ihre Pferde wie⸗ der zu beſteigen, und ihn zu besleiten. Dann wen⸗ dete er ſich zu ihnen, und ſagte zu dem Schadi Khoja:„Die Geſchenke, Seltenheiten, Pferde und wilden Thiere, welche man mir kuͤnftig ſchicken will, ſollen beſſer ausgewaͤhlt ſein, wenn die Freundſchaft zunehmen ſoll, welche ich fuͤr eure Fuͤrſten hege. Ich beſtieg auf der Jagd das Pferd, welches ihr mir ge⸗ bracht habt; es hat aber ſo viele Fehler, daß es mich bei meinem hohen Alter herab werfen konnte, wodurch ich verwundet wurde. Ich habe meine Hand zu mei⸗ nem groͤßten Schmerzen verprellt, welcher nur durch das Einlegen vielen Goldes vermindert wurde.“ Scha⸗ di Khoja entſchuldigte ſich: dieß ſei das Pferd, worauf der große Amir Themur Karkan(oder Tamerlan) geritten ſei, und Schach Rokh habe es als eine Seltenheit, und als das koſtbarſte Pferd ſei⸗ nes Reiches, dem Kaiſer geſchickt. Der Kaiſer war 2 100 mit dieſer Antwort zufrieden, ließ einen Stoßvogel beibringen, und ihn auf einen Kranich reitzen; allein der Stoßvogel kam zuruͤck, ohne ſich des Raubes be⸗ moͤchtigt zu haben. Der Kaiſer ſchlug den Vogel des⸗ wegen drei Mal auf den Kopf, ſtieg vom Pferde, ſetzte ſich auf einen Stuhl, und ſchlug die Beine uͤber ein⸗ ander. Dann gab er dem Soltan Schach und dem Soltan Achmed zwei Stoßpvoͤgel, aber dem Schadi Khoja keinen. Er ſtieg wieder zu Pferd und ritt fort; bei der Annaͤherung zur Stadt wurde er von einer jubelnden Volksmenge empfangen. Am a. des letztern Rabiya(oder April⸗Monates) wurden die Geſandten zum Empfang der Geſchenke nach Hof gefuͤhrt. Der Kaiſer ſaß auf einem Throne, und ließ die auf Tiſchen liegenden Geſchenke zur Ver⸗ theilung vor ſich ſtellen; die meiſten waren die naͤmli⸗ chen, welche er zuvor dem Soltan Schach und dem Bakſchi Malek gegeben hatte. Unterdeſſen ſtarb die liebſte Gemahlin des Kaiſers; ihr Tod wurde den 8. des erſteren Jomada(Mai) bekannt gemacht, und zugleich der Tag ihrer Beerdi⸗ gung beſtimmt. Allein in der folgenden Nacht gerieth der neue Palaſt in Flammen, und der Verdacht fiel auf die Sterndeuter. Dabei wurde der vornehmſte Saal verbrannt, welcher s0 Ellen laug, 30 breit, und mit lakirten und blau gemalten ſo breiten Saͤu⸗ len verziert war, daß dieſe von drei Maͤnnern kaum um ſpannt werden konnten. Zugleich wurde ein Kiosk 101 von 20 Klaftern, ein hoͤchſt praͤchtiges Zimmer der Gemahlin, und 250 Haͤufer nebſt mehren Maͤnnern und Weibern verbrannt. Der Kaiſer begab ſich mit ſeinen Amiren in den Goͤtzentempel, kniete nieder und ſprach:„Der Gott des Himmels iſt zornig gegen mich, und hat meinen Palaſt verbrennett laffen, ob⸗ ſchon ich nichts Boͤſes gethan habe. Ich habe weder meinen Vater, noch meine Mutter beleidigt, noch habe ich mir eine tyranniſche Handlung vorzuwerfen.“ Er iſt von dem doppelten Ungluͤcke ſo tief ergriffen wor⸗ den, daß er krank wurde, Seine Gemahlin wurde auf einem Berge begraben, wo man die ihr gehoͤrigen Pferde zuruͤck ließ, damit ſie den dazu beſtimmten Platz ab⸗ freſſen moͤchten. Mehre Maͤdchen und einige Khoja ihres Palaſtes wurden mit Lebensmitteln auf me hre Jahre auch dahin geſendet, in der Abſicht, daß ſie nach deren Verzehrung auch dort ſterben moͤchten. Wegen der fortdauern en Krankheit des Kaiſers, welcher er im naͤmlichen Jahre noch unterlegen iſt, vertrat ſein Prinz im Palaſte die Stelle, und ertheilte den Geſandten die Abſchieds Audien;. Sie e jehen Khambalik am 15. des erſteren Jomada unter De⸗ gleitung der Daji, erhielten das Nothwendigſte und wurden auf der Nuͤckkehr frei bewirthet, wie auf ih⸗ rer Herreiſe. Zu Nikian ging ihnen der Magiſtrat entsegen, ohne ihre Geraͤthe zu unterſuchen, wie es ſonſt daſelbſt geſchah. Zu Karamuran(oder Kan⸗ checo in Schanſi verweilten ſie 10 1/2 Mon te 102 wegen der unſichern Reiſe durch das Land der Mon⸗ golen. Zu Sokju(So⸗chew oder Su⸗chew am weſtlichen Ende der großen Mauer) trafen ſie Geſand⸗ te aus Iſpahan und Schiraz in Perſien an, von welchen ſie die großen Beſchwerden der Reiſe dahin vernahmen. Nachdem ſie daſelbſt einige Zeit verweilt hatten, reiſten ſie im Vollmonde s. Dez. 1421 an ei⸗ nem Donnerſtage ab. In wenigen Tagen kamen ſie nach Karaul, wo ihr Gepaͤcke unterſucht wurde. Von hier nahmen ſie ihren Weg durch die Wuͤſte, wo ſie viel Mangel an Waſſer litten, bis ſie dieſelbe in der Mitte des Maͤrz verließen. Sie reiſten dann durch die Staͤdte Kboten oder Hotom, Kaſchgar und Endkojen oder Anghien am Fluſſe Sir, wo ſie ſich nach Samarkand und Badakſchan vertheil⸗ ten. Die Geſandten des Schachs Rokh ſind gluͤck⸗ lich zu Heret an ſeinem Hofe angekommen*). *) Durch dieſe kurze Reiſe⸗Beſchreibung wurden mehre dunkle Stellen jener von M. Paolo auf⸗ geklaͤrt, beſonders uͤber die kleine Buchgrei und Kam pion oder Champion, welches hier Kanju war. Dahin fuͤhrte auch aus Perſien eein anderer Weg in folgend der Art: Von Tau⸗ ris nach Soldanja 6 Tagreiſen, nach Kasbin 4, nach Veremi 6, nach Eri 15, nach Boghara 20 nach Samarkand s, nach Kaſygar 25, na Akſu 20, nach Kukhi 20, nach Khialis 10, nach Turfon 10, nach Kamul 13, nach Sukquir 18, Liach Gauta s, nach Kampion 6. 103 VI. Reiſe des portugieſiſchen Jeſuiten Benedikt Göz, von Lahor, im Reiche Mogols, nach. China, 1602*). Seit M. Paolo war der Name des Landes Ka⸗ thay den Europaͤern ſo fremd geworden, daß dieſe *) Goz, geboren in Portugal auf der Inſel St. Mi⸗ chael, kam als ausſchweifender Soldat nach Indien, wo er ſich zu einem beſſern Lebens⸗ wandel entſchloß, und im 26ſten Lebensjahre 4588 Laienbruder der Geſellſchaft Jeſu zu Goa wurde. Da er ausgezeichnete Talente verrieth, ſo wollte man ihn den Geiſtlichen einreihen, damit er ſich den Wiſſenſchaften widmen und Prieſter werden koͤnnte; allein er hielt ſich nicht fuͤr wuͤrdig, und blieb Laienbruder. Als ſolcher begleitete er den Miſſionär Hieron. Tavier nach Lahor, wo er die perſiſche Sprache ſo gut erlernte, daß er fuͤr den Brauchbarſten ge⸗ halten wurde, nach dem Befehle des portugie⸗ uilchen Vizekonigs die Ueberzeugung zu gewin⸗ 104 noch zweifelten, ob ein ſolches Land wirklich beſtehe. Aus dieſer Ungewißheit wurden die Jeſuiten zu Lo⸗ hor erſt 1598 durch einen Brief ihres Ordens⸗Ge⸗ noſſen, Hieronimus Ravier, geriſſen, welchen ein alter mohamedaniſcher Kaufmann mitbrachte, der als Geſandter des Koͤnigs von Kaſgar 13 Jahre zu Khanbalu geweſen war. Dieſer erzaͤhlte, die Ka⸗ thayer ſeien ſchoͤne und beſſer geſtaltete Menſchen, als die Tuͤrken; ſie ſeien Chriſten, weil ſie Tempel mit geſchnitzten Bildniſſen und Gemaͤlden haͤtten. Sie ſeien eifrige Anbeter der Erueifixe, verehrten hoch ihre Prieſter, und beſcheukten ſie reich; ſie haͤtten Kloͤſter, Altaͤre, Lampen, Prozeſſionen und chriſtliche Zeremo⸗ nien. Unter ihnen bofaͤnden ſich viele Juden und Mo⸗ hamedaner, und Letztere hegten ſogar die Hoffnung, den chriſtlichen Koͤnig fuͤr ihre Religion zu gewinnen. Der portugieſiſche Viſitator, Nieolaus Pi⸗ menta zu Goa, wurde auf dieſe Nachricht von ſei⸗ nem Amtseifer ſo ergriffen, daß er ſogleich beſchloß⸗ uen, daß China das bis dahin bekannte Ka⸗ thay ſei. Er ſtarb aber ſchon an der Graͤnze zu Sochew den 18. Maͤrz 1607, und zwar, wie die Jeſuiten vorgaben, durch Vergiftung der Sarazenen. Sein Leben iſt beſchrieben von Trigault im V. Buche der chriſtlichen Un⸗ ternehmung bei den Sineſen. Das hier Ange⸗ zeigte beſtaͤtigt Llegambe bibl. scriptor. Soc. Jesu. Ed. II. Romae. 1076. Fol. 109. 105 eine Miſſton abgehen zu laſſen. Dieſe ſollte das ver⸗ meintlich chriſtliche Bolt ncerrf ten; damit es nicht bei ſeiner großen Entfernung vom Oberhaupte der Kirche in Irrthuͤmer verfalle. Er gab dem Papſte und dem Koͤnige von Spanien davon Machricht; Letzterer befahl ſogleich dem Statthalter von Indien Arias Saldauua, dieſe Unternehmung nach Pimen⸗ ka's Gutachten auf Staatskoſten zu unterſtuͤtzen. Be⸗ nediet Goz, Gehuͤlfe des Superiors Hieroni⸗ mus Savier im mogoliſchen Reiche zu Lahor, in der perſiſchen Sprache und in den mohamedaniſchen Gewohnheiten gleich gewandt, befand ſich als Abge⸗ ordneter des großen Mogols Akbar eben zu Goa; daher vertraute ihm Pimenta den wichtigen Auf⸗ trag einer neuen Miſſion. Obſchon die Jefuiten durch die Briefe ihres M at⸗ thaͤus Rieei aus Peking belehrt waren, Kathay und China ſei das naͤmliche Land; ſo war doch Pi⸗ menta durch die Ausſage des Mohamedaners in Verwirrung gebracht. Er ſchickte alfo Benedict Goͤz nach Labor mit der Weiſang zuruͤck, die Kauf⸗ leute zu begleiten, welche, nach der Erzaͤhlung des Mohamedaners, alle fuͤnf Jahre in der Eigenſchaft als Geſandte des Koͤnigs von Perſien nach China rei⸗ ſen. Er kam 1602 nach Agra, wo der Koͤnig Ak⸗ bar ſein Vorhaben lobte und ihm 400 Kronen Reiſe⸗ geld nebſt mehren Briefen an verſchiedene kleine Koͤ⸗ nige mitgab, welche ihm entweder Tribut zahlten, 106 X ober Freunde waren. Goz kleidete ſich wie ein ar⸗ meniſcher Kaufmann, ließ die Haare ſeines Hauptes und Bartes wachſen, nannte ſich nach der Gewohn⸗ heit des Volkes Abdallah Iſay zum Zeichen ſeiner chriſtlichen Religion, und erhielt auf dieſe Art freien Durchzug, welchen er als Portugieſe nicht bekommen haͤtte. Durch Unterſtuͤtzung des Statthalters bekam er Geld zum Kaufe verſchiedener indiſcher Waaren, welche er mit ſich nahm, um ſich dadurch mehr zu verſtellen. Er traf den 13. Dez. 1502 zu Lahor ein, wo ihm zwei mit dem Wege ſehr bekannte Griechen, naͤmlich der Prieſter Leo Grimani und der Kauf⸗ mann Demetrius, und der armeniſche Diener Iſaac beigeſellt wurden. Letzterem iſt unſere Nach⸗ richt zu danken: denn Goͤz ſtarb am Eingange von China zu Se⸗chewz Iſaac aber ging nach Peking fort, wo Rieci ihre Reiſe theils aus deſſen muͤnd⸗ licher Erzaͤhlung, theils aus der von Goͤz hinterlaſſe⸗ nen Handſchrift verfaßte*). Nachdem alſo Goͤz zu Lahor mit verſchiedenen Schriften und einer Tafel der beweglichen Feſte bis *) Nic. Trigautii comm. de christiana expedi- tione apud Sinas suscepta a Societate Jesu e Matth. Ricci commentariis. Commentarius rei christianae apud Japanros. Litterae an- nure Societatis Jesu e regno Sinarum a 1504, 1600, 1607. Zu Augsburgu. Köln, 1015—17; lat. und deutsch. München, 1625. 4. 107 8* um Jahr 1610 verſehen war, reiſte er in der Faſten 1603 mit einer Karawane von 500 Kaufleuten ab, wel⸗ che jaͤhrlich mit vielen Pferden und Wagen nach dem Koͤnigreiche Kaſhgar abzureiſen gewohnt waren. Innerhalb eines Monats kamen ſie zur Stadt Ather in der Provinz Lahor; 15 Tage ſpaͤter ſetzten ſie uͤber einen Fluß, welcher einen Bogenſchuß breit war, und verweilten am jenſeitigen Ufer, aus Furcht vor einer nahen Raͤuberbande, Tage. Nach 2 Monaten kamen ſie in die Stadt Paſſaur, wo ſie 20 Tage verweil⸗ ten. Im naͤchſten Staͤdtchen erfuhren ſie durch einen Pilger, nach 30 Tagereiſen wuͤrden ſie die Stadt der Unglaͤubigen, Kafreſtan oder Capherſtam, errei⸗ chen, welche kein Mohamedaner zu betreten wage. Zwar ſei den Heiden freier Zutritt geſtattet; aber ſie duͤrften ſich keine Tempel bauen. Die Einwohner ſeien bei jedem Beſuche ihrer Kirchen ſchwarz geklei⸗ det, der Boden fruchtbar, und beſonders an Trauben. Zum Beweiſe des Letzteren reichte er dem Goͤz einen Becher guten Weines, woraus dieſer ſchloß, ſie moͤch⸗ ten Chriſten ſeyn. Nachdem ſie 20 Tage daſelbſt ſich verweilt hatten, erhielten ſie vom Platz⸗Kommandan⸗ ten 400 Soldaten als Sicherheits⸗Wache gegen die herrſchenden Raͤuber. Nach einer Reiſe von 25 Tagen laͤngs des Fußes eines Gebirges kamen ſie an den Ort Ghideli, wo die Kaufleute Zoll entrichteten. Die auf der Anhoͤhe befindlichen Raͤuber warfen vlele Steine herab, wo⸗ 108 durch die Reiſenden verwun idet wurden, welche nur durch Flucht ſich retten konnten. In 20 andern Ta⸗ gen kamen ſie auf Kabul, eine beruͤhmte Handels⸗ ſtadt im Reiche Mogols, wo ſie 8 Tage verweilten. Waͤhrend einige Kauſteute ihre Unluſt zur weitern Reiſe aͤnßerten, und die andern wegen zu geringer Zahl icht zu reiſen wagten, fanden ſie eine Prinzeſ⸗ ſin, welche Schweſter des Koͤnigs Mahamed Khan von Kaſhgar, und Mutter des Koͤnigs von Ko⸗ than war. Sie hieß Haji(oder Pilgerin) Hanem, und kam von der Pilgerſchaft nach Mekka. Da ſie verſchiedene Beduͤrfuiſſe hatte, ſo erſuchte ſie die Kauf⸗ leute, ihr Geld zu lehnen. Goͤz ſah dieſe Gelegen⸗ heit fuͤr guͤnſtig an, die Freundſchaft eines andern Koͤnigs zu gewinnen, als an welchen er Briefe hatte. Er lieh ihr alſo 600 Kronen unverzinslich, wofuͤr ſie ihn mit einer hinlaͤnglichen Zahl von Marmor⸗Stuͤcken bezahlte, welche in China am leichteſten verwerthet werden koͤnnen. Der Prieſter Grimani war der Reiſe⸗Beſchwerden uͤberdruͤſſig und ODemetrius blieb des Handels wegen zu Kabul. Die Karawane hatte durch Andere ſich unterdeſſen ſo vermehrt, daß ſie die Reiſe mit Sicherheit fort⸗ ſetzen konnte; Goͤz aber hatte nur noch ſeinen Arme⸗ nier Iſaae als vertrauten Begleiter. Als ſie in der naͤchſten Stadt Charakar(oder Ciarac ar), wo eine große Menge Eiſen ſich beſindet, ankamen, fanden ſie, daß Akbar's Siegel, wodurch ſie bisher zollfrei wa⸗ 109 ren, nicht mehr geachtet wurde. Zehn Tage ſpaͤter erreichten ſie das Staͤdtchen Darwam, welches an der aͤußerſten Graͤnze der Herrſchaften des großen Mo⸗ gols lag. Nach einem Aufenthalte von s Tagen ka⸗ men ſie aͤber hohe Berge, erſt in 20 Tagen zur Land⸗ ſchaft Aingharan; nach 15 Dagen in die Stadt Kolcha oder Caleia, deren Einwohner ſo ſchoͤne Haare wie die Niederlaͤnder hatten; nach noch 10 Ta gen in die Stadt Jalalabadh, wo Bramine mit Bewilligung des Koͤnig Brurate Zoll erhoben. RNach 15 Tagen erreichten ſie die Stadt Talk⸗ han, wo ein gleichzeitiger Aufruhr der Kalchane ihre weitere Reiſe um einen Monat hemmte; dann die kleine mit Mauern verſehene Stadt Kheman, welche dem Abdallah, Chan von Samarkand, Bur⸗ ganig und Bucharei, unterthaͤnig war. Da die Kal⸗ chane in der Naͤhe waren, ſo ließ der Ortsvorſtand den Kaufleuten rathen, ſie moͤchten ihre Reiſe nicht bei Nacht fortſetzen, damit ſie nicht von den Rebellen uͤberfallen, und ihrer Pkerde beraubt wuͤrden; ſondern ſie moͤchten ſich in die Stadt begeben, und ſich mit ihm zu ihrer Vertreibung vereinigen. Kaum hatten ſie ſich aber den Mauern genaͤhert, ſo floh der Orts⸗ vorſtand mit ſeinen Leuten auf die erſte Nachricht von dem Vorruͤcken der Rebellen. Die Kaufleute warfen eiligſt eine Verſchanzung auf, und ſchleppten viele Steine hinter dieſelbe, um ſich ihrer zu bedienen, wenn ſie keine Pfeile mehr haͤtten. Als die Rebellen d 110 dieſes wahrnahmen, ließen ſie die Kaufleute durch ei⸗ nen Boten benac hrichtigen, ſie wollen dieſe ſogar be⸗ gleiten und beſchuͤtzen. Allein die Kaufleute verloren dadurch das Vertrauen auf ſich ſelbſt in dem Grade, daß ſie in den naͤchſten Wald flohen, und den Raͤu⸗ bern alle ihre Gepaͤcke Preis gaben, welche von den Letztern auch ausgeleert wurden Nach einiger Zeit kehrte Gdz, dem ein geraubtes Pferd ſpaͤter durch Kattunſtuͤcke erſetzt wurde, mit den Kaufleuten nach Kheman zuruͤck, wo ſie in großer Furcht lebten, bis der Befehlshaber Olobet Ebadaskan ſeinen Bru⸗ der ſchickte, welcher die Rebellen durch Drohungen noͤthigte, die Kaufleute ungeſtoͤrt reiſen zu laſſen. Deſſen ungeachtet wurde ihr Nachzug von Raͤubern uͤberfallen; vier wollten ſich des Goͤz bemaͤchtigen, der ihnen ſeinen perſiſchen Turban zuwarf, ſein Pferd ſpornte, und die uͤbrige Geſellſchaft bald erreichte. Nachdem ſie s Tage einen ſehr beſchwerlichen Weg zuruͤck gelegt hatten, kamen ſie nach Tenga Ba⸗ dakshan, wo ſie nur einzeln hinter einander, am Ufer eines großen Fluſſes(Jihun oder Amu) gehen konnten. Sie wurden von den Einwohnern, in Ver⸗ bindung mit Soldaten, uͤberfallen und gepluͤndert; Goz verlor drei Pferde, welche er wieder loskaufte. Daſelbſt verweilten ſie 10 Tage; am eilften kamen ſie nach Ciareiunar oder Charchunar, wo ſie auf freiem Felde s Tage unter ſtetem Ueberfalle der Raͤu⸗ ber balten mußten. Nach 10 Tagen kamen ſie durch 111 den ganz verlaſſenen Ort Serpanil uͤber den hohen Berg Sakrithma, welchen die wenigſten ihrer Pferde erſteigen konnten, daher die uͤbrigen nur durch große Umwege die Karawane einzuholen ver⸗ mochten. In 20 Tagen erreichten ſie die Provinz Sarchil, in welcher die Doͤrfer ziemlich nahe bei einander la⸗ gen. Nach 2 Ruhe⸗Tagen ſtrengten ſie ſich die 2 fol⸗ genden ſehr an, den mit Schnee bedeckten hohen Berg Ciceialith oder Chechalith zu erſteigen, wobei Go; und die meiſten Andern ſich ſehr erkaͤlteten, ehe ſie das zum Koͤnigreiche Kaſhgar noch gehoͤrige Tanghetar erreichten. Hier fiel Iſaae vom Ufer in einen großen Fluß, worauf er s Stunden ſehr ohnmaͤchtig blieb. In den naͤchſten 15 Tagen war der Weg ſo ſchlimm, daß Goͤz 6 Pferde verlor, ehe ſie in die Stadt Nakonith kamen. Von hier eilte Goͤz der Karawane bis Hiarkan voraus, wo er ei⸗ nige Beduͤrfniſſe den Uebrigen zuruͤck ſchickte. Dieſe Hauptſtadt des Koͤnigreiches Kafhgar war ein großer Marktplatz fuͤr allerlei Waaren, wodurch die Karawane getheilt wurde. Unter den eingefuͤhrten Waaren iſt glaͤnzender Marmor die beliebteſte geweſen. Der Koͤnig von Kathay ließ ihn theuer kaufen, und deſſen Unterthanen wurden zur Nachahmung gereitzt. Man verwendete den Marmor zu Gefaͤßen, Verzie⸗ rungen auf Kleidern, Guͤrteln und andern Gegen⸗ ſtaͤnden, indem man Blaͤtter, Blumen und andere 112 Figuren darauf eingrub; der Koſtbarſte wurde von Tauchern im Fluſſe Khoton gefunden; der ge⸗ ringere wurde aus Steinbruͤchen gewonnen. Goz beſchenkte den Koͤnig Mahamet Khau mit einer Uhr, einem Spiegel und andern europaͤiſchen Waa⸗ ren, wodurch er deſſen Paß in das Koͤnigreich Chia⸗ lis erhielt. Nachdem er bereits 6 Monate daſelbſt ſich aufgehalten hatte, traf auch Demetrius aus „Kavul ein. Soͤtz begab ſich nach Khotan oder Hotom zur Mutter des Koͤnigs wegen ſeines Geld⸗ darlehens, und kehrte nach geraumer Zeit mit einer Menge koſtbaren Marmors zuruͤck. Hier gerieth er in verſchiedene Streitigkeiten mit Mohamedanern wegen ſeines Glaubens. Einmal ließ der König von Kaſh⸗ gar ihn vor ſeinen Prieſtern und Mullas(oder Ge⸗ lehrten) fragen, ob er dem Geſetze Moſes, Davids oder Mohameds folge? Er erwiederte, daß er ſich zum Geſetze Iſay oder Jeſus bekenne, und nach dem Glauben, daß Gott uͤberall ſei, bei ſeinem Gebete ſich auch uͤberall hinwende. Daruͤber erhob ſich ein heftiger Streit, denn die Mohamedaner wendeten ſich weſtlich oder ſuͤdweſtlich nach der Lage von Mekka zu Kaſhgar. Waͤhrend eines Jahres war es erſt moͤglich, eine neue Karawane nach Kathay zu bilden. Agiaſi oder Haji Aſi kaufte die Stelle des Hauptmannes derſel⸗ ben, mit der unbegraͤnzten Macht uͤber die Kaufleute, ſehr theuer vom Koͤnige. Er lud einmal Goͤz zu 1113 einem mit Muſik beſetzten Gaſtmahle, und nach dem⸗ ſelben auch zur Begleitung fuͤr die Reiſe ein, wozu der anweſende Koͤnig ſelbſt aufforderte. Goͤz erklaͤrte ſich ſogleich dazu unter der Bedingung bereit, wenn der Koͤnig ihm offene Briefe mitgeben wuͤrde. Die Warnung eines Cheiles der Karawane von Kabul vor Todesgefahr hielt den Prieſter Demetrius zuruͤck; allein Goͤz, von einer hoͤheren Beſtimmung, und vom Gehorſame gegen ſeine Oberen durchdrungen, war durch nichts von ſeiner Reiſe nach Kathay abzu⸗ halten. Er kaufte fuͤr ſich und ſeinen Begleiter Jſaak 10 Pferde, und machte ſich zur Reiſe bereit. Der Hauptmann(Baſha) der Karawane eilte einſtweilen 5 Tage voraus in ſeine Heimath, und forderte Goz auf, ihm bald zu folgen, damit die Kaufleute dadurch ermuntert wuͤrden, den Zug zu beſchleunigen. In der Mitte des Dezembers 1601 kamen ſie an den Ort Volchi, wo Zoll entrichtet, und die Paͤſſe unterſucht wurden. Von hier kamen ſie in 25 Tagen auf ſehr be⸗ ſchwerlichen Wegen von Sand oder Stein durch 14 Ortſchaften und eine Wuͤſte nach Akſa, welche Stadt des Koͤnigreiches Kaſhgar einem zwoͤlfjaͤhrigen Vet⸗ ter des Koͤnigs untergeordnet war, deſſen Stelle der Lehrmeiſter verſah. Denſelben beſchenkte Goͤz mit Zuckerwaaren und anderen Spielereien, wofuͤr er zum Tanze auf einem feierlichen Balle eingeladen, und von der koͤniglichen Mutter ſehr guͤtig aufgenommen wurde, ates B. China. I. 2. 8 — 114 welcher er ein Kryſtallglas, ein Stuͤck indiſchen Calico. und andere Gegenſtaͤnde uͤberreichte. Nach vergeblicher Erwartung anderer Kaufleute in 15 Tagen reiſten ſie durch 8 Ortſchaften nach Kucha in welcher Stadt ſie wieder einen Monat verweilten damit ihre Thiere, welche theils durch die ſchlechte Wege, theils durch den Mangel an koͤrnigem Futir ſehr abgemattet waren, ſich etwas erholten. Hie wollten die heidniſchen Prieſter den Goͤz zwingen gleiche Faſten mit ihnen zu bebbachten, damit er ſich durch Geſchenke von ihnen loskaufe. In 25 ferneren Tagen erreichten ſie die kleine, befeſtigte Stadt Cia⸗ lis oder Chalis in einer Provinz, welche ein na⸗ tuͤrlicher Sohn des Koͤnigs von Kaſhgar beherrſcht. Dieſer fand das Unternehmen Goͤzens, mit ſeiner Religion in ſolche Laͤnder zu kommen, ſehr verwegen, und hielt ſich fuͤr berechtigt, ihn ſeiner Waaren und ſeines Lebens zu berauben; allein er begnuͤgte ſich bei der Anſicht des Paſſes mit einem Geſchenke. Waͤh⸗ rend ſeines Aufenthaltes wurde er einmal Nachts in den Pulaſt gerufen, woruͤber Jſaak weinte, in dem Wahne, derſelbe werde zum Tode gefuͤhrt. Goͤz ach⸗ tete die Gefahr nicht, ſoöndern folgte muthig dem Rufe. Seine Erſcheinung hatte den Zwerk, mit Prie⸗ ſtern und Gelehrten uͤber Religions⸗Angelegenheiten zu ſprechen, wobei er die Oberhand gewann. Der Un⸗ erkonig ſelbſt billigte ſeine Behauptungen, und ſagte: dies Cyriſten, als Anbeter des Fo, haͤuen den rechten . 115 Glauben, in welchem auch ſeine Voraͤltern geleb⸗ haͤtten. Er ließ dann Goͤz gut bewirthen und im Palaſte ſchlafen. Nach einem Aufenthalte von drei Monaten wollte der Hauptmann der Karawane, aus Privatvortheilen, ohne zahlreichere Geſellſchaft nicht weiter reiſen, noch zugeben, daß Jemand vorher abgehe. Goͤz wurde der Zoͤgerung und Koſten muͤde, und erhielt vom Unter⸗ konige durch ein Geſchenk die Erlaubniß zur weitern Reiſe. Als er dieſe antreten wollte⸗ kamen die Kauf⸗ leute der vorigen Karawane von Kathay zuruͤck. Dieſe hatten naͤmlich, wie manche ihrer Vorgaͤnger, an der Graͤnze vorgegeben, ſie ſeien von ihren Fuͤrſten geſendet und waren dadurch bis in die Hauptſtadt Peking gekommen, wo ſie drei Monate im Palaſte der Fremden mit den Jeſuiten zuſammen gewohnt hatten. Sie erfreuten Goͤz mit ſichern Nachrichten von Matthaͤus Ricei und andern Jeſuiten, und be⸗ wieſen ihm, zu ſeinem groͤßten Staunen, daß Kathay einerlei mit China, und Khanbalu mit Peking ſei. Zur Probe der Wahrheit ihrer Ausſagen zeigten ſie ihm ein Stuͤck Papier, welches in portugieſtſcher Sprache uͤberſchrieben, aus dem Kehrichte ihres Zim⸗ mers mitgenommen war, um es nach der Ruͤckkehr in ihr Vaterland zu zeigen. Nachdem Gs; zu ſeiner Sicherheit ein Schreiben vom Unterkoͤnige erhalten hatte, reiſte er mit Iſaage und einigen Kaufteuten ab, und kam in 20 Tagen nach, 116 der Stadt Puchan, deren Befehlshaber allen ſeinen Beduͤrfniſſen ſteuerte. Von hier reiſten ſie nach der befeſtigten Stadt Turfan, wo ſie einen ganzen Mo⸗ nat verweilten. Dann kamen ſie nach Aramuth, und endlich nach der gleichfalls befeſtigten Stadt Ka⸗ mul, wo ſie einen Monat ſich aufhielten. Denn hier war die Graͤnze des Koͤnigreiches Chalis, in wel⸗ chem ſie an jedem Standorte mit allen Beduͤrfniſſen beſtens unterſtuͤtzt wurden. Von Kamul erreichten ſie in 9 Tagen die Feſtung Khiaicuan oder Chya⸗ yu⸗quan, am Eingange der großen noͤrdlichen Mauer von China, wo ſie auf die Antwort des Statthalters der Provinz Schenſi 2s Tage warteten. Bald nach dem Durchgange der Mauer kamen ſie in einem Tage nach der Stadt Sochew, oder So⸗ eien, wo ſie ſo viel von Peking und andern ihnen dekannten Orten hoͤrten, daß Goͤz nun voͤllig uͤber⸗ zeugt war, Kathay ſei China. Der ganze Weg von Chalis bis China war durch die Streifereien der Tartaren ſehr unſicher ge⸗ macht, daher die Kaufleute Tag und Nacht in der groͤßten Angſt lebten. Waͤhrend des Tages ſahen dieſe ſich auf den Anhoͤhen um, ob keine Naͤuber in der Naͤhe ſich fanden; hielten ſie ſich geſichert, ſo ſetzten ſie erſt Nachts ihre Wanderung durch die Ebenen fort. Goͤz fiel in einer Nacht vom Pferde, die uͤbrigen rit⸗ ten fort und vermißten ihn erſt bei der Ankunft im Luxrtiere. Iſaak kehrte zuruͤck, und fand ihn durch 117 den Ruf Jeſus, als derſelbe ſchon verzweifelt hatte, daß er zu ſeiner Geſellſchaft wieder kommen wuͤrde. Waͤhrend ihres langen Zuges fanden ſie viele ermor⸗ dete Mohamedaner, welche gewagt hatten, allein zu reiſen, obſchon die Tartaren die Eingebornen ſelten toͤdteten. Sie aßen weder Weitzen noch Gerſte, noch Huͤlſenfruͤchte, welches alles nur Futter fuͤr Thiere, keine Nahrung fuͤr Menſchen nach ihrer Anſicht war. Sie naͤhrten ſich blos vom Fleiſche der Pferde, Maul⸗ thiere und Kameele, und ſollten doch ein Leben von 100 Jahren nicht ſelten erreichen. Die große Mauer endigte ſich im weſtlichen Theile von China, welcher ſich gegen Nord erſtreckte. Von dieſem Ende an durchſtreiften die Tartaren einen Raum von beinahe 200 Meilen, und wurden erſt dann weniger gefaͤhrlich, nachdem die Chineſen die zwei feſten Plaͤtze, Kan⸗ chew und So⸗chew, in der Provinz Cheuſi ange⸗ legt, und mit vielen Soldataten beſetzt hatten, welche dem Befehle zweier Statthalter zu gehorchen hatten. So⸗chew war in zwei Cheile getheilt; davon war einer von Chineſen, welche die Mahomedaner Ki⸗ thajer nennen, der andere von Mahomedanern be⸗ wohnt, welche wegen des Handels aus dem Koͤn g⸗ reiche Kaſhgar und andern weſtlichen Laͤndern ka⸗ men. Viele der Letzteren waren daſelbſt mit Weibern und Kindern anſaͤſſig, hatten aber keine Obrigkeit außer den Chineſen, welche ſie alle Nacht in den Mauern ihrer eigenen⸗Stadt einſchloſſen. Nach einem⸗ 118 Landesgeſetze durfte Niemand in ſein Vaterland zu- ruͤck kehren, welcher nicht neun Jahre ſich aufgehal⸗ ten hatte. Die Kaufleute, welche von Abend gewoͤhnlich ka⸗ men, hatten durch einen Vertrag das Recht, alle 6 Jahre 12 Geſandte mit Tribut an den Kaiſer zu ſchicken. Dieſer beſtand in glaͤnzendem Marmor, Felsdiamant, Azur und andern ſolchen Gegenſtaͤnden. Unter dem erdichteten Namen der Gefandtſchaft reiſten ſie nach Hof, und kamen auf oͤffentliche Koſten zuruͤck. Ihr Tri⸗ buut, welchen ſie mitbrachten, koſtete ihnen ſehr wenig; denn Niemand bezahlte den Marmor theuerer, als der Kaiſer ſelbſt, welcher ſich's zur Schande rechnete, von Fremden etwas umſonſt zu nehmen. Rechnete man mur thie freie Verpflegung durch das ganze Reich, auf jeden Mann taͤglich zu einer Dukate, ſo war der Ge⸗ tyinn ſchon uͤberwiegend. Daher bemuͤhten ſich viele, an der Geſandtſchaft Theil zu nehmen, und kauften dieſe Freiheit vom Hauptmanne der Karawane mit kyſtbaren Geſchenken. Zur beſſeren Erreichung ihres Zweckes erdichteten Viele im Namen ihrer Koͤnige als Vaſallen beſondere Briefe an den Chan als ihren Herrn. Solche Geſandtſchaften verurfachten immer große Koſten, und obgleich die Chineſen nicht ſelten den Betrug erkannten, ſo ſchmeichelten ſie doch immer ihren Kaiſern mit der Einbildung, daß alle Voͤlker ihm unterthaͤnig ſeien, und Tribut braͤchten, waͤhrend ſie nur den Fremden Opfer machten. 119 G dz kam am Ende des Jahres 1805 zu So⸗chew mit vielen Reichthuͤmern an. Er hatte 43 Pferde, s gemiethete Knechte, zwei gekaufte Knaben und viel Marmor, deſſen Werth das Andere uͤberſtieg. Er ſchaͤtzte alles zuſammen auf 2,300 Dukaten. Daſelbſt traf er andere von Peking zuruͤck gekommene Ma⸗ homedaner, welche die Ausſagen der Vorigen beſtaͤtig⸗ ten. Er ſchrieb nun an Rieci; allein da die Chine⸗ ſen, welche den Brief mitnahmen, der eurspaͤiſchen Schrift nicht kundig waren, und weder den Wohnort Riceci's zu Peking, noch ihren eigenen wußten, ſo kam dieſem das erſte Schreiben kaum zu. Gegen Oſtern 1606 ſchickte Goͤz andere Briefe durch einen Maho⸗ medaner, welcher aus So⸗ chew entfloh, obſchon Kiemand ohne obrigkeitliche Erlaubniß heraus oder hinein kommen konnte. Darin berichtete er ſeine Reiſe, und aͤußerte den Wunſch, Ricei moͤge ſich fuͤr die Befreiung aus ſeiner Stadtgefangenſchaft verwen⸗ den, damit er mit Portugieſen uͤber das Meer nach Indien zuruͤck kehren koͤnnte. Die Jeſuiten zu Peking, welche von ſeiner Reiſe aus Goa ſchon benachrichtigt waren, hatten ihn laͤngſtens erwartet, und zur Auskundſchaftung dieſes angeblichen Geſandten verſchiedene Einleitungen ver⸗ gebens gemacht. Als ſie daher im Dezember 1606 ſeine Briefe endlich erhielten, waren ſie hoͤchſt erfreut, und ſchickten ſogleich einen Eingebornen und tugendhaf⸗ ten Novizen, Job. Ferdinand, deſſen Mutter 120 eine Chineſin war, nebſt einem Neubekehrten, wel⸗ cher im Lande ſehr gut bekannt war, mit der Weiſung entgegen, bei Goͤz, wenn ſie ihn mit der Erlaubniß der Obrigkeit oder auf andere Weiſe nicht nach Hof bringen koͤnnen, zu verweilen, und der Geſellſchaft Jeſu davon N achricht zu ertheilen, damit dieſe durch ihre Goͤnner und Freunde zu Peking das Moͤglichſte fuͤr ihn bewirke. Dieſe beiden Abgseordneten reiſten im Dezember 1606 ab, und kamen erſt nach 4 Mona⸗ ten eines ſehr ſtrengen Winters an den Ort ihrer Beſtimmung. Goͤz hatte unterdeſſen zu So⸗chew von den Mahomedanern weit mehr zu ertragen, als ihm auf der ganzen ſo beſchwerlichen Reiſe begegnet war. Er⸗ mußte ſeinen Marmor um 1200 Dukaten verkaufen, um ſeine Leute zu unterhalten, und ſeine Schulden zu bezahlen. Bei der Ankunft der Karawane folgte zwar der Reſt ſeiner Kaſſe, allein dieſer wurde um ſo ſchneller verzehrt, je oͤfter er den Hauptmann bewir⸗ then mußte. Er wurde ſogar ſchon zur Erhebung eines Darleihens genoͤthigt. Da er unter die 72 Ab⸗ geſandten gewaͤhlt war, ſo kaufte er etliche Stuͤcke Marmor, und vergrub 100 Pfunde davon in die Erde, um ſie vor den Mahomedanern zu ſichern. Denn ohne Marmor haͤtte er keine Erlaubniß bekommen, nach Peking zu reiſen. Auch der Noviz Joh. Ferdinand hatte viele Reiſebeſchwerden zu Si⸗ngan fu; in der Haupt⸗ 121 ſtadt der Provinz Schauſi entlief ihm ſogar ſein Diener und beraubte ihn der Haͤlfte, womit er die Reiſekoſten beſtreiten ſe te. Nachdem er von hier in zwei Monaten mit vieler Auftrengung nach So⸗chew am 7. Maͤr; 160 kam, fand er Goͤz toͤdtlich krank. So ſehr dieſer durch die Briefe ſeiner Mitglieder er⸗ freut war, ſo konnte er doch ſein Leben nur noch 11 Pae friſten. Er ſtarb mit edelſter Ergebenheit den 18. Maͤrz— nach Akegambe den 11. April— nachdem er durch Ferdinand ſeinen Mitbruͤdern gerathen hatte, hoͤchſt mißtrauiſch gegen die Mahomedauer zu ſeyn, und ſeinen Weg nach China nie mehr zu verfolgen, indem er ganz fruchtlos und hoͤchſt gefaͤhrlich ſei. Aus dem Grunde, daß die Mohamedaner ſich ſo⸗ gleich der ganzen Hinterlaſſenſchaft bemaͤchtigten, ſchöpf⸗ ten die Jeſuiten den Verdacht der Vergiftung; allein es iſt eben ſo wahrſcheinlich, daß er in Folge der ent⸗ kraͤftenden Reife geſtorben iſt. Unter den geraubten Gegenſanden war ſein Tagebuch der koſtbarſte. Nach diefem ſtrebten die Mohamedaner um ſo mehr, als ſie dadurch von der Bezahlung der darin verzei hneten Schulden befreit wurden. Sie wollten ihn auch als Mohantedaner beerdigen; allein Iſaak und Ferdi⸗ nand widerſetzten ſich noch mit hinlaͤnglicher Kraft. Nach einer unter den Mohamedanern damals herr⸗ ſchenden Gewohnheit vertheilten ſie unter ſich die Hin⸗ terlaſſenſchaft aller, welche jemals mit ihnen reiſten und ſtarben. Sie banden Iſaak und drohten ihm mit dem Tode, wenn er ſich nicht fuͤr ihre Religion erklaͤren wollte. Ferdinand uͤberreichte hierauf dem Unterkoͤnige zu Kan⸗chew eine Bittſchrift, er moͤge dem Statthalter zu So⸗chew einen Auftrag zur un⸗ partheiiſchen Unterſuchung ihrer Angelegenheit geben. Dieſer wurde auch anfangs guͤnſtig, dann aber beſto⸗ chen, worauf er drohte, den Klaͤger geißeln zu laſſen; bereits ließ er ihn 3 Tage einſperren. Ferdinand wurde dadurch nicht eingeſchuͤchtert; vielmehr verkaufte er aus Geldmangel einen Theil ſeiner Kleider, und ſetzte den Prozeß fuͤnf Monate fort*). Waͤhrend die⸗ ſer Zeit konnte er, weil er nicht perſiſch verſtand, mit Iſaak, welcher weder lateiniſch, noch portugieſiſch redete, gar nichts ſprechen. Bei Gericht konnten ſie nur in der Ausſprache des Namens von Benediet Goz harmoniren, und keiner wurde von den Richtern verſtanden, bis endlich Kerdinand von Iſgak in zwei Monaten etwas perſiſch ſprechen lernte. Daraus hellt alſo, daß auch Ferdinand weder rartariſch, noch chineſiſch(prechen konnte. Zu den gerichtlichen Vorwuͤrfen der Mohamedaner gehoͤrt, Ferdinand ſei allem Anſehen nach ein Chi⸗ neſe, und IJſaak ein Mohamedaner. Dagegen er⸗ wiederte Erſterer, er haſſe die mohamedaniſche Reli⸗ gion: bekennte er ſich zu ihr, ſo wuͤrde er auch des Schweinfleiſches ſich enthalten. Sogleich zog er ein Stuͤck aus dem Aermel und verzehrte es mit Iſagak ſehr gierig. Alle Anweſende fingen an zu lachen, und die beſchaͤnten Mohamedaner ſchimpften auf den Ar⸗ menier, welcher vom chineſiſchen Betruͤger ſei hinter⸗ tergangen worden. Denn Benediet und Iſaak haͤt⸗ ten ſich auf der ganzen Reiſe des Schſweinfleiſches enthalten. Hierauf wurde die Hinterlaſſenſchaft des Goͤz dem Ferdinand zuerkannt; aber er fand nichts mehr als die unter der Erde vergrabenen Stuͤcke Mar⸗ mor, welche verkauft, zur Beiahlung der Schulden, und zur Beſtreitung der Reiſekoſten nach Peking ver⸗ wendet wurden. Beide trafen daſelbſt gluͤcklich ein, uͤberbrachten ein auf Goldpapier ſchoͤn gemaltes Kreuz und die Paͤſſe der Koͤnige von Kaſhgar, Khotam und Chalis, nebſt einigen andern Papieren. *) Alſo war auch in Ching ſchon vor 200 Jahren die Gerechtigkeit im Schneckengange! 123 Iſaak erzaͤhlte dem Ricei alles, deſſen er ſich von der ganzen Reiſe erinnern konnte. Als Ungebilde⸗ ter mag er weder die Entfernung der Orte von einan⸗ der, noch ihre Lage richtig bemerkt haben; daher auch Rieei dieſelben nicht anders wieder mittheilen konnte. Iſaak verweilteeinen Monat zu Peking, und wurde dann uͤber Makao nach Indien zuruͤck geſendet. Zwar wurde er unterwegs von den Hollaͤndern gefangen:; allein die Portugieſen kauften ihn zu Malakka wie⸗ der los, und er ſetzte dann ſeine Reiſe in ſein Vater⸗ land fort. Als er den Tod ſeiner Frau vernahm, ſo zog er ſich in das Land des Mogols und ließ ſich zu Chaul nieder, wo er, nach Trigaultss Verſiche⸗ rung, noch 1615 lebte. Da wir alle dieſe Nachrichten nur dem Miſſionseifer der gelehrten Jeſuiten Mi⸗ chgael Rugger und Mathaͤus Ricei zu Peking zu verdanken haben, ſo moͤgen zugleich einige von die⸗ ſen Beiden nicht unangenehm ſeyn: Miichael Rugger, aus Gravina in Neapel, war bereits Doctor der Rechte, und hatte als Staats⸗ diener ſeinem Vaterlande ſchon wichtige Dienſte ge⸗ leiſtet, als er ſich im 29ten Lebensjahre 1512 in die Geſellſchaft Jeſu aufnehmen ließ. Aus Eifer für die Verbreitung des Chriſtenthums ſchiffte er 1577 mit ſeinen Ordensgenoſſen Rudolph Aqu gaviva, Matthaͤus Ricei; Nikolaus Spinola und Franz Paſt, nach Oſtindien. Im folgenden Jahre wurde er vom Ordensviſitator Alexander Valignan mit dem Auftrage geſchickt, ſich dem Erlernen der chi⸗ neſiſchen Sprache mit allem Eifer zu widmen, und die erſte Gelegenheit zum Eingange nach China zu be⸗ nutzen. Er traf im Juli 1518 zu Makao ein, und widmete ſich ſeiner Beſtimmung mit ſolchem Eifer, daß er bald mit dem gemeinen Volke ſich benehmen konnte. Er ſchiffte dann jaͤhrlich zweimal mit den por⸗ tugieſiſchen Kaufleuten auf die Meſſe zu Kanton, und 124 gab ſich waͤhrend derſelben alle Muͤhe, die Obrigkeit fuͤr die Erlaubniß zur Niederlaſſung zu gewinnen. Er fand bei einigen Staatsdienern Zutritt durch ſeine Ge⸗ ſchmeidigkeit; er benahm ſich ſo ernſt und fromm, und war ſo thaͤtig in der Erforſchung chineſiſcher Buͤcher, daß er ſich dadurch ſehr beliebt machte. Die erſte Folge davon war die Erlaubniß, im Palaſt der Geſandten von Siam ſeinen Gotkesdienſt zu halten. Durch ſeine wiederholten Beſuche der Jahresmeſſen, und durch die vervielfaͤltigten Geſchenke europaͤiſcher Waaren an die Magiſtratsperſonen, gewann er 1583 zu Seiangquin einen Platz zur Erbauung eines Wohnhauſes und einer Kirche: Er ſtellte beide ſchnell her, und richtete ſie auf bequeme Art ein. Da ſie eurbpaͤiſchen Geſchmack verriethen, ſo lockte dieſer viele Neugierige zur An⸗ ſchaunng, welchen Rugger bei dieſer Gelegenheit Verſchiedenes von der chriſtlichen Religion erzaͤhlte. ünterdeſſen hatte er viele Beſchwerden, Unbilden und Verfolgungen bis zur angedrohten Einkerkerung zu⸗ gleich zu erdulden. So wurde er von einem Betruͤger des Ehebruches vor der Obrigkeit beſchuldigt, welchen er zur Zeit veruͤbt haben ſollte, in welcher er erweis⸗ lich auf einer laugen Reiſe abweſend war. Die Ver⸗ laͤumdung wurde daher abgewieſen, ſeine Unſchuld offentlich erklaͤrt, und der Betruͤger mit Schlaͤgen und auf andere Weiſe hart geſtraft. 8 4 Zur Befeſtigung des Aufenthaltes in China rieth der Viſitator Alexander Valignan, im Namen des Papſtes eine Geſandtſchaft an den Kaiſer von China zu befoͤrdern. Er ſchickte deswegen Rugger nach Eu⸗ royag, welcher als erſter Eingeweihter Alles genauer erklaͤren und anordnen koͤnnte. Er hatte eine ſehr beſchwerliche Reiſe, litt beinahe Schiffbruch, landete 1588 zu Liſſabon, und begab ſich nach Madrid zum Koͤnige Philipp 1I., welcher ihn ſehr guͤtig aufnahm. Er reiſte nach Rom, wo ſein Geſchaͤft unter der Re⸗ 125 gierung von 2— 3 Paͤpſten waͤhrend einer Reihe von Jahren ſehr gehemmt und zuletzt als ganz werthlos betrachtet wurde. Dieſe Verkennung ſeiner beſten Ab⸗ eßten kraͤntte in ſo tief, daß er Ruhe und Erholung edurfte. Er begab ſich nach Salerno, wo er am 11. Mai 1607 geſtorben iſt. Er hatte in chineſiſcher Sprache folgende Schriften beraus gegeben:. 1) Eine chriſtliche Lehre, in Verbindung mit Matth. Rieci, in welcher er, geſpraͤchsweiſe zwi⸗ ſchen einem Heiden und einem europacſchen Jeſuiten, die Glaubensgeheimuiſſe aus einander ſetzte, und die chineſiſchen Lehren widerlegte.— 2) Wahrer Bericht vom heiligſten Geſetze des Himmelskoͤnigs 1581.— 3) Die Leben der Heiligen, in Geſpraͤchen 1581. 4) Einige Briefe aus China an die Geſellſchaft Jeſu vom Jahre 1583 an, welche in der Sammlung der indiſchen Bri fe ſich beſinden*). Matthaͤus Ricci, geboren zu Macerate in Italien am 6 Oktober 1552, nammte aus einer ade⸗ lichen Familie. Er ließ ſich 1371 zu Rom der Geſell⸗ ſchaft Jeſu einverleiben, nachdem er ſich 3 Jahre ſchon der Rechtswiſſenſchaft gewidmet hatte. Sein Novizen⸗ meiſter war Alexander Valignan, nach deſſen Leitung er den hoͤchſten Ruhm erwarb. Denn ſobald er, als Schuͤler des beruͤhmten Chriſtoph Clavius aus Bamberg, zu Nom die phlloſophiſchen und thev⸗ logiſchen Studien vollendet hatte, wurde er als Miß⸗ ſionar 1577 nach Oſtindien geſchickt; in Geſellſchaft des indiſchen Prokurgtors P. Martin de Silva, traf am 12. September zu Goa ein. Nachdem er 4 Jahre theils mit Wiederholung ſeiner theologiſchen Wiſſenſchaft, theils mit Ertheilung des rhetoriſchen Unterrichts daſelbſt beſchaͤftigt war, wurde er vom in⸗ *) Alegambe bibliotheca scriptorum Societatis Jesu. Ed. II. Romae, 1076. p. 601 et 597. 126 diſchen Viſirator, Alerander Valignan, beauf⸗ tragt, ſich nach Makao, und bei erſter Gelegenheit nach China zu begeben. Er kam im Auguſt 1582 nach Makao, und im September 1583 mit ſeinem Beglei⸗ ter, P. Michgel Rugger nach China. Durch ſei⸗ nen feinen Umgang mit Jedermann, und durch das kluͤgſte Betragen erwarb er ſich bald die Gewogenheit aller Behoͤrden. Er mußte viele Unbilden ertragen und viele Beſchwerden beſiegen. Der Poͤbel von Kanton, wo er ſich nieder gelaſſen hatte, war wied gegen alle Fremde; er erzeigte dem Rieci nicht nur allen Hohn, fondern ſteinigte auch oͤfters ſein Haus, und beſchul⸗ digte ihn ſogar ſolcher Vergetzen, daß der Magiß rat ihm Undankbarkeit vorwarf, und ihn ſo lange einker⸗ kerte, bis er ſich gan; unſchuldig bewieſen hatte. Um die Einwohner fuͤr ſich zu gewinnen, fertigte er eine Weltkarte, Sonnenuhr und andere mathematiſche Werkzeuge. Er ließ dieſe durch die Obrigkeit im gan⸗ zen Reiche vertheilen, und erwarb ſich dadurch eine ſo allgemeine Achtung, daß er als der erſte Sterndeu⸗ ter angeſehen wurde. Nachdem ſein Anſehen, unge⸗ achtet vieler Raͤnke, ſich almaͤhlig ganz befeſtiget hatie, wurde er von der Hbrigkeit ſelbſt aufgefordert, ſich in der koͤnigli en Reſiden; nieder zu laſten. Er kam den 24. Jaͤnner 1604 mit eurvpaͤiſchen Geſchenten für den Chan dahin. Er gewann daſelbſt bei dem ganzen Volke eine hoͤhere Meinung von ſich, als je ein anderer Fremder wuͤnſchen, viel weniger hoffen konnte. Wah⸗ rend ſeines zehnjaͤhrigen Aufenthaltes in der Reſidenz war er ununterbrochen mit Fremden beſchaͤftiget, wel⸗ che aus allen Theilen der Welt dahin kamen, ihm ihre aufrichrige Verehrung zu beweiſen. Er kam in ſchrift⸗ liche Verbindung mit bekaunten und undbekannten Chi⸗ neſen aller Provinzen. Da durch ſeinen Einſluß die Zayl des Jeſuiten in China ſich jaͤhrlich vermehrte, und et oberßer Leiter der Miſſionaͤre war, welche er innigſt Uebte, ſo nahm ihm das Beaniworten der 127 Briefe derſelben viel Zeit. Deſſen ungeachtet widmete er ſich auch mit Eifer der. vertraulichen Belehrung der Novizen, ſchrieb viele Buͤcher; und hielt bis zu ſei⸗ nem Tode Vorleſungen. Im Jahre 16 10 kehrte er einmal von einem Beſuche der Fremden ganz ermuͤdet nach Haus, legte ſich, und fuͤhlte ſeine Krankheit bald toͤdtlich. Er ermahnte ſeine Mitbruͤder zum Ausharren an der Pforte des Ruhmes, welche er ihnen eroͤffnet habe, und zum Ertragen der Beſchwerden und Gefah⸗ ren, welche ihnen kuͤnftig begegnen wuͤrden. Er ſtarb am 11. Mai mit edelſter Ergebenheit und mit dem Aus⸗ ſpruche der hoͤchſten Liebe zu ſeinen Ordensgenoſſen, beſonders„beſonders zu dem ihm unbekannten koͤnigli⸗ chen Beichtvater, Peter Cotton zu Palis. Seine Mitbruder ſuchten ſein Andenken durch Vervielfaͤlti⸗ gung ſeines Portraits zu erhalten. Da er nicht ver⸗ brannt werden ſollte, ſo ließen ſie ihn 112 Jahr lie⸗ gen; bis nach einem koͤniglichen Befehle ein Begraͤb⸗ nißplatz fuͤr ihn angewieſen wurde, wohin ſpaͤter auch die uͤbrigen Jeſuiten begraben wurden. Valerian Regnart ließ zu Rom 1618 ſein Bildniß im Kupfer⸗ ahdrucke mit der Lebensgeſchichte erſcheinen, worin er als erſter Verbreiter der chriſtlichen Religion durch das chineſiſche Neich, und als Erbauer von s katholiſchen Kirchen daſelbſt, geruͤhmt iſt. Er gab in chineſtſcher Sprache heraus: 1) Kosmographiſche und aſtrologiſche Vorſchriften. 2) Allgemeine Erdbeſchreibung, welche oͤfters auf⸗ gelegt wurde, nebſt Erlaͤuterungen derſelben. 3) Die 6 erſten Buͤcher Euelid's, mit Anmerkun⸗ gen von Chr. Clavius. 4) Deſſen praktiſche Arithmetik. 5) Deſſen Lehre von Uhren ꝛc. 6) Eine Erlauterung uͤber die Elemente. 7) Eine wiederholt gedruchte Glaubenslehre oder Katechismus. 428 8) Eine oͤfters aufgelegte kurze Abhandlung von der Freundſchaft. 9) leber die Befoͤrderung des Gedachtniſſes durch Oerter und Bilder.. 10) Acht Anleitun agen zur Tugend und zu guten Sitten, in Verſen, welche dem Chan auf dem Cla⸗ vier vorgeſungen, und in europaͤlſcher und chineſiſcher M undart ug eich gedruckt wurdeu. 11) Mopaliſche Vorſchriſten, in Uuterredungen mit höchſten Perſonen. 12) Sentenzen, oder 25 Abhandlungen von ſittli⸗ chen Gegenſtaͤnden, und von der Bezaͤhmung des Ge⸗ muͤthes in böſen Begierden. 13) Z wei und zwanzig Abſchnitte von der Selig⸗ keit, dem Tode und andern Gegenſtaͤnden. 44) Ein chineſiſches Sittenbuch, mit ateiniſcher Erlaͤuterung. 15) Eine Ueberſetzung des chineſiſchen Buches Sus⸗ ein in das Lateiniſche. 16) Eine Ueberſetzung des lateiniſchen Woͤrterbu⸗ ches von Calepin in das Chineſiſche. 17) Briefe. aus China an den Ordeusgeneral zu Rom von den Jahren, 1594, 1606, 1607, welche beide letztere die rhetoriſchen Profeſſoreit zu Antwerpen in 1 das Lateiniſche uͤ erſetzten und 1611 heraus gaben. 48) Beitraͤge zur Geſchichte der chriſtlichen Unter⸗ nehmung bei den Chineſen, welche Frigault verar⸗ beiten und drucken ließ. 19) Aus dieſen chineſiſchen Schriften ſind 3 Folio⸗ baͤnde vom wahren Gott, von der Freundſchaft und an⸗ dern Gegenſtaͤnden, mit chineſiſchen Lettern gedruckt, zu Rom im Hauptarchive der Geſellſchaft Jeſu aufbewahrt worden. Auch erſtattete Georg Cardoſus im portugieſi⸗ chen Heiligenbuche auf den 11. Mai, und der Carmelit r. Clias de S. Thereſia im II. Theil 31. Kapitel de lega- none Eccleslad eine große Lobrede von M. Rieei. 8) Eine öfters au der Freundſchaft 9) Ueber di 10) Acht A leitun ige Sitten, in Verſen, we vier vorgeſu ngen, und in Mundart zug eich gedruck. 11) Moaliſche Vorſo mit hoͤchſt ien Perſonen. 12) Sentenzen, oder chen Gegenſtaͤnden, und muͤthes in boͤſen Begierde 13) Zwei und zwanz keit, dem Tode und ande 44) Ein chineſiſches Erlaͤuterung. 15) Eine: Ueberſetzung ein in das Lateiniſche. 16) Eine Ueberſetzung ches von Ealeyin in das C 17) Briefe. aus Chinc Nom von den Jahren, 159 letztere die rhetoriſchen P. das Lateiniſche uͤ erſetzten 48) Beitraͤge zur Geſ⸗ nehmung bei den Chine: beiten und drucken ließ 19) Aus dieſen che baͤnde vom wahren Got dern Gegenſtaͤnden, mit Rom im Hauptarchive worden. Auch erſtart⸗ chen Heiligenbuche 0 r. Clias de S. There tione Ecclesiad eine