Taarararanat —ööö araaraArrarr 5 7 77 für wöchentlich auf 6 Monat⸗ 1 3. „ 3 A. 3 1 1 Arrrrrarrhrrarhrhnrarhrph Leihbibliothek Eduard Ottmann in Gießen. Täglicher Leſepreis für ein deutſches Buch 1 Kr. franz. od. engl.„ Das Abonnement beträgt: raranar acarananhr Ian ITTTnALTTnAATHATAnHERERRhT — aLaThnAEAATAEHERNhUHRühx [rwnn 37 W d e ei She wac. Lnaua wocige 3— vruoſ IB P deaes e nalul 2 Vnn 77 e hemraub dce naz, Se in JhillluValhnu emenmua 4 OCigfe eyßäſhyRit gͦne, Lo rdre 8 meh oder 2,. 2 Fabakel 3 A J LS e hlliunt Te 8* SWclus Gan= H vizd⸗ 2 SFeliuae o Jrlelaie ernn Aaiauelin 2e damdan 2 CrTo. it henuir 8— haumJh SCliarkie Daowin iplmun Aliop Idgllrit Ilviton o.- . luf aar 25 o, Ziarinain 2 Jadarea Murinak w, K 3 5 patbele Snb95 Jee eWheib 27 Mlcuriu⸗ violot e 073 auuhrrelbag N, 77„% ne Tabien un ine 3 5 Q‿ S nnnnermeng Snn awer 2 Gaeenie n dauar De, on, Vaseer N 4½ N 8 71⸗ eeuams Vlohlen 2 Taur Kerun 8 3 Ebene ron Bacara od Ruh Rbeue il=mue,e 9 vre inkaan Noche weluvarze Gelinge umn enntciluh znn, eoki Dhweee e.ahekelhen, Viq. facar — ————— mif dem asiatischen Ufer am mitftelländischen Meere bis Gaza, und dem steinigten Arabien. Nürnberg bei Eraaaeken ent Ebner 2 1412⁰.. anxägteehe letlen. Deucrelte Meilen. ——— 4 4—.— 7 2 70 5 20 INMMbercher*e XhG. 232 72 5— 2 35 35 8 29 -— — Taſchen⸗Bibliothek der wichtigſten und intereſſanteſten Ser⸗ und Land⸗Reiſen, . von der. 3 Erfindung der Buchdruckerkunſt bis auf unſere Zeiten. Mit Landkarten, Planen, Portraits und anderen 4 Abbildungen. Verfaßt von Mehren G elehrten, und herausgegeben von. Joachim Heinrich Jaͤck, Koͤnigl. Bibliothekar zu Bamberg. 9. Baͤndchen. Mit einer Karte. J. Theil. 2. Bändchen Reiſen durch Aegypten. Nürnberg. Verlegt von Haubenſtricker und von Ehner. 182 8. ——½ Taſchen⸗Bibliothek der wichtigſten und intereſſanteſten Reiſen durch AhAegypten. Mit Landkarten, Planen, Portraits und anderen Abbildungen. Verf aß 4 von Mehren SGelehrten, und herausgegeben 2 von Joachim Heinrich Jaͤck, Koͤnigl. Bibliothekar zu Bamberg⸗ I. Theil. 2. Bändchen. Nürnberg. Verlegt von Haubenſtricker und von Ebner⸗ 1828. — Zweite Reiſe von Johann Michgel Wansleben nach Aegypten, in den Jah⸗ ren 1672 und 1675*). Aus dem Franzö⸗ ſiſchen frei bearbeitet von Dr. Franz Schneidawind. W⸗ nsleben beſtimmt, eine Reiſe nach Aegypten zu unternehmen, befand ſich am 8. Mai 1674 eben zu *) Wansleben eignete dieſes Tagebuch dem Kardinal d'Eſtrees, Biſchof von Laoön, Herzog und Pair von Fra. kreich zu, und deutete an⸗ daß er Rom gals ſein z veites Vaterland anſehe. Dieſe i zweite Reiſe machte er unter dem Schußze Frankreichs, welche Macht im Orient das meiſte Auſeyen damals genoß. Deßwegen hatte er meyr Freiheit und Huͤlfsmittel als vorher; auch war er des arabiſchen Sprache maͤchtiger, und 9tes B. I. Th. 2. Aegypten. 1 126 Marſeille, als er ſo gluͤcklich war, ein Schiff: die b. 3 Koͤnige genaunt, vom Kapitaͤn Art aut komman⸗ dirt, zu treffen, welches nach Alexandrien ſeine Beſtimmung hatte, und am Bord deſſelben ging. Die Fahrt nahm ihren Lauf nach Malta, wo man s Tage blieb, und dann nach Lernica, einen Hafen auf der mittaͤglichen Kuͤſte der Inſel Cypern, wo man ſich bis zum 17. Juni aufhielt. Da Wansleben unwohl wurde, wie dies ge⸗ woͤhulich Seereiſenden zuſtoͤßt, ließ er ſich nach Ni⸗ coſia, der Hauptſtadt der Inſel bringen, wo ſich aber ſein Uebelbeſinden von Tag zu Tag mehrte. Da auch die Peſt in jener Gegend herrſchte, beſchloß er, ſich nach Tripolis zu begeben, wo die franzoͤſiſche Nation einen Konſul hatte. Er beſtieg ein anderes Fayrzeug, weil Capitaͤn Artaut, waͤhrend er in Nicoſtia war, ſeine Reiſe nach Alexandrien fortgeſetzt hatte; er ſtieß zu Lernica an 26. Junit vom Lande ab, und kam bei guͤnſtigem Winde bald zu Tripolis au. Seine Krankheit ſtieg ſo, daß er ſich fuͤr verbun⸗ verweilte laͤngere Zeit in Aegypten, als das— erſte Mal. Da er außer dieſen Vortheilen noch die meiſten neueſten und dieſch daies Beſchrei⸗ bungen geleſen hatte, ſo ging er mit groͤßter Gachkeuntnij in dieſes Land. ◻ ack. 9„ 2 —4— —,— — 12⁷ den hielt, nach den Gebraͤuchen ſeiner Religion ſich zum Tode vorzubereiten. Endlich nach 35 Tagen kehr⸗ ten allmaͤlig ſeine Kraͤfte zuruͤck, und ſobald er nur ein wenig im Stande war, zu reiſen, begab er ſich am 1. September nach Aleppo, wo er am 13ten ein⸗ traf. Er reiſte am Ende Dezembers nach Dam ask, wo er ſich einen Monat aufhielt. Von Damask reiſte er nach Sayda, blieb hier 2 Monate, wollte am 19. Februar 1672 von dieſer phoͤnziſchen Stadt nach Damiette in Aegypten ſich einſchiffen, allein ward durch ſtuͤrmiſches Wetter bis zum 18ten folgenden Monats aufgehalten, wo dann ein guͤnſtiger Wind ihn nach dem Hafen Bogas, bei letzterer Stadt, brachte, und er nun den zsten gluͤcklich an das aͤgyptiſche Land ſtieg. Damiette, im Arabiſchen Damiat, eine hi⸗ ſtoriſch beruͤhmte Stadt, liegt am oͤſtlichen Ufer des Nils, 3 franzoͤſiſche Meilen von ſeiner Einmuͤndung in das Meer, und iſt nach Kairo die groͤßte, ſchoͤnſte, reichſte, bevoͤlkertſte, handeltreibende Stadt von Aegyp⸗ ten. Sie iſt am Nil in Form eines halben Mondes gebaut. Die Menge der Moſcheen und Minarets in dieſer Stadt, die Wellen des Fluſſes, die mit Barken und Wimpfeln bedeckt ſind, und gleichſam die Haͤuſer an der Kuͤſte beſpuͤlen, kurz der ganze Anblick von Damiette praͤſentirt ſich aͤußerſt angenehm. Die Stadt hatte keine Befeſtigungen, die von Bedeutung geweſen waͤren. Hier traf Wausleben 128 großen Handel mit Reis, Kaffee, Leinen, gewebten Zeugen. Man ſagte ihm, daß alle Jahre fuͤr die Tuͤr⸗ kei beinghe s00 Segel mit Reis allein abgingen. Zu Damiette machte man beſonders ſehr ſchoͤne gewebte Zeuge von allen Farben und Formen, welche in alle Gegenden abgeſetzt wurden. Auch ſalzte man hier Meeraͤſchen und andere Seefiſche ein, womit man nach der Levante Handel trieb, wo dieſe Fiſche ſehr geſchaͤtzt werden. Der Gouverneur der Stadt war ein Aga, der vom Baſcha ernannt war, und der außer vielen andern Vortheilen, die ihm dieſe Stelle brachte, alle Tage nur s Paras von jedem Gaſthofe empfing, deren Zahl in der Stadt bedeutend war. Die Benatzung bildeten 200 Janitſcharen und 20 Spahis(Relter). Die grie⸗ chiſchen Chriſten bildeten die Mehrzahl der Einoh⸗ ner in der Stadt, und machten etwa 200 Familten aus; ihre Kirche iſt die Kathedrale. Die Kopten mach⸗ ten nur s Familien aus. Die Franken hatten bloß ein kleines Bethaus, wo Franziskauer den Gottesdienſt verri hteten. Am Sonntag den 8. April 1872 verließ Wans⸗ leben Damiette wieder, und teiſte nach Kairo. Auf dieſem Wege traf er viele Staͤdte und andere Ortſchaften. Die Stadt Manſ kune zeint t ſich als eine große und ſehr huͤbſche Stadt. Sie liegt am oöͤſt⸗ lichen Geſtade des Nils, aber nicht ſo nahe an dem Fluße gebaut, wie Damiarte. Eine lange Straße 129 diente zum Spatziergange. Hier fand man auch meh⸗ rere ſchoͤne Moſcheen. Semennt war eine große Stadt, weſtlich des Nils gelegen. Sie iſt in Form eines Dreiecks gebaut, deſſen Buſis laͤngs des Ufers hinlaͤuft. Die Barken, welche nach Kairo wollten, mußten hier am Zolle anhalten. Auf demſelben Wege von Damiette nach Kairo liegt Mitgamr, eine liehliche geraͤu⸗ mige Stadt am öſtlichen Ufer des Nils, die viele ſchoͤne Haͤuſer und einen ſchoͤnen Balzar(Markt) hatte. Die Kopten bildeten hier die Mehrzahl unter den Chriſten. Gegenuͤber von Mitgamr liegt die eben nicht weniger huͤbſche Stadt, Sitfe, wo Wansle⸗ ben Zuſchauer der traurigen Begedenbeit war, wie der Beamte der Provinz Mohelle Kebire auf eine Truppe ſeiner armen Bauern Jagd machte, die wegen Unterdruͤckung einen Aufſtand gewagt hatten. Auf dem Wege nach Kairo von Damiette, ſiel unſerm Reiſenden die ungeheure Menge Tauben auf, die un⸗ ter allerlei Geſieder ihm allenthalben aufſtießen. Am 12. April nach Miktag lief Wansleben in den Kanal von Boulae ein. Die Witterung war heiter; genau konnte man daher die Trennung der beiden Arme des Nits beohachten, Der Arm der nach Ro⸗ ſette kließt, zeigte ſich nordweſt, der aber, welcher⸗ von Damiette kommt, ordi ich; 41 b zeigte ſich gegen Suͤd⸗Suͤd; ſein Schlus gegen Suͤd. Wans⸗ leben ſah von dieſem Kanal zuerſt zwei großr Py⸗ 130 ramiden in der Richtung von Gizh, ſich faſt gleich an Groͤße. Am Mittwoch Morgens in der kheiligen Woche kam Wansleben in der Vorſtadt Boular an, blieb bis zum andern Morgen, und kam Mittags zu Kairo au. Dieſe Stadt baute der General des Kalifen Meez le din alla, Namens Giaucher, zur Reſidenz ſei⸗ ues Herren im Jahre 362 der Hegira. Ihren Na⸗ men ſol ſie von dem Planeten Mars, der auf Ara⸗ biſch il Kaher heißt, genommen haben, wie der arabiſche Hiſtoriker le Serriér ſagt, weil man den Grundſtein der Mauer legte, als dieſer Planet herrſchte. Die Stadt iſt maͤchtig, reich und ſeinem großen Handel anpaſſend, und hat deßwegen wohl unter den andern Staͤdten der Levante vor allen den Namen: Groß⸗Kairo, erhalten. Nicht leicht bot Wans⸗ leben, wie er ſagte, eine Stadt einen ſo herrlichen Anblick in ſeinem Umfange dar, als dieſe. Er ſah eine Menge Haͤuſer, eine Menge Moſcheen mit ihren bizarren Minarets, alles in der verſchiedenartigſten Form, und wieder Alles mit Palmbaͤumen untermiſeht, und mit Gaͤrten geſchmuͤckt. Eben ſo ſchreibt er, daß Kairo auf einer der reizendſten Ebenen der Welt ge⸗ baut ſey. Doch iſt fuͤr Kairo beſchwerlich, daß, da ſie an den Fus einer ſandigen Bergkuppe gelehnt iſt, welche gegen Oft liegt, dieſe alle Winde auffaͤngt, . * 131 welche von der Kuͤſte kommen, und Kaͤlte dadurch verbreitet. Eine andere Beſchwerlichkeit fuͤr Groß⸗ Kairo iſt, daß es ſelbſt vom Nil entfernt iſt. Sieben Thore fuͤhren nach Kairo, welche 4) Bab Zueile, 2) Bab innäßr, 3) Bab il fetuͤto, 4) Bab il Käntara, 5) Bab iſſeia arie, 6) Bab ißaade, 1) Bab il mahruk heißen. Kairo beſtehet eigentlich aus 3 Staͤdten: a) Bu⸗ lac, b) Alt⸗Kairo, c) Groß⸗Kairo. Bulac und Alt⸗Kairo ſind Haͤfen und Vor⸗ ſtaͤdte von Groß⸗Kairo. Hohe Mauern mit Thuͤr⸗ men umgeben die Stadt, welche von einer auf einer Anhoͤhe liegenden Eitadelle beherrſcht, und von einem Kanale durchſchnitten ward; ſie hat uͤber 3 Stunden in umfang. Die innere Bauart iſt ſchlecht. Die alte Stadt ſcheint an die Stelle des zerſtoͤrten Babylon's gekommen zu ſeyn, und hieß ſonſt Mesr, welches ein alter Name von Aegypten iſt. Der Kanal des Nils iſt in uralter Zeit ſchon ge⸗ gruͤndet geweſen. Alle Jahre mußten Kopten und Juden ihn oͤffnen, was eine Feierlichkeit iſt, von der der geneigte Leſer in der Reiſe des Daͤnen Norden eine Beſchreibung erhalten wird. Es befindet ſich auch eine Waſſerleitung von 347 Schwibbogen in der Naͤhe von Kairo. Wansleben fand, daß die Kopten nicht mehr als 2 Kirchen in Kairo halten, eine in der Griechen⸗ ſtraße, die andere in der Straße Haret Zueile. 13² Die erſtere, die der heiligen Barbara geweiht war, beſuchte er am 4. November 1612, und fand ſie ſinſter und unanſehnlich. Die zweite aber, welche der heil. Jungfrau Maria geweiht, war durch ihre großen Schaͤtze beruͤhmt. Ein beruͤhmter Arzt, Namen Za⸗ bulon, der 270 Jahre vor der Herrſchaft der Ara⸗ ber uͤber Aegypten gelebt harte, ſol ihr Stifter ge⸗ weſen ſeyn. Die Wohnung des koytiſchen Patriar⸗ chen war mit dieſer Kirche verbunden. Die Kooten beſaßen fruͤher noch mehrere Kirchen, welche aber meiſt zerſtoͤrt wurden. In Alt⸗Kairo war eine Kirche auch der h. Jungfrau geweiht, welche, nach der Sage der Kopten, die erſte geweſen war, die nach der Erſchein ung des Herrn auf Erde zu Kairo gebaut ward. Es gaͤb in und außerhalb Kairo derſ chiedene praͤch⸗ tige Moſcheen; die Moſchee des Sultans Haſfen aber, die am Fuße des Schloßberges ſtehet, hat vor allen anderen, was ſowohl die Feſtigkeit ihres Gebaͤu⸗ des, als eine gewiſſe bis zum Erſtaunen hervorleuch⸗ teude Hoheit und Pracht betrifft, den Vorzug. Sie iſt ſehr hoch, und ſieht aus wie ein laͤngliches Vier⸗ eck, weiches ganz umher mit einem weiluͤberſehenden Carnieße umgeben, und mit einer beſondern Art von Grotesep Bisdhauerwerke nach tuͤr eiſe ge⸗ ziert it. Der Eingang dalu iſt ſehr ſchon und mit verſchiedenen Arten von Marnor eingelegt, und oben gleichfals mit Bildhauerabeiten geſchmuͤckt. Man 133 mußte ſonſt auf verſchiedenen Stufen, die aber jetzt abgebrochen ſind, zu der nunmehr vetmauerten Thuͤr ſteigen. Es iſt aber dieſes Abbrechen und Zumauern darum geſchehen, weil die Rebellen in oͤffentlichen Emporungen oft ihre Zuflucht dahin genommen haben. Wansleben fand hier 4 Muftis(Prieſter erſter Klaſſe), und ihr Anſehen ſehr groß, indem ſie ſogar die Baſcha's exkommuniziren konnten. Zu Kairo und in deſſen Vorſtaͤdten traf unſer Reiſender auch o oͤffentliche Schlachthaͤuſer an, welche man die Schlachthaͤuſer des Großherrn nennt. Der Kopf und die Haut jedes geſchlachteten Thieres mit Ausnahme der Ziegen, gehoͤren dem Großherrn, was ein eintraͤgliches Einkommen abwirft. Merkwuͤrdigkeiten in und um Kairo, waren un⸗ ter andern nach Wansleben das Kaſtell oder Schloß von Kairo, das auf einem felſigen Huͤgel ſteht, welcher durch die Kunſt von dem Berge oder Huͤgel, Gebel Duiſe, abgeſondert zu ſeyn ſcheint, and mit Mauern umgeben iſt;— die Getreidehaͤuſer des Großherrn, die man auf Arabiſch il Seione nannte, wo nicht nur fuͤr das aͤgyptiſche Militaͤr, ſon⸗ dern auch fuͤr die Truppen anderer Provinzen Vor⸗ raͤthe aufgehaͤuft waren— und Carusfa, ein be⸗ ruͤhmter Todtenplat der Mahomedaner. Er war ei⸗ gentlich fruͤher eine wahre Todtenſtadt; die Wohnun⸗ gen der Verſtorbenen waren prachtvoll und unzaͤhlig, 134 eben ſo die Moſcheen hier. Im Laufe der Zeiten zer⸗ ſtoͤrte die Tyrannei des Baſcha's viel. Den 16. April 1672, am Samſtage in der heil. Woche, ging der franzoͤſiſche Konſul zum Baſcha, der ſich in einem Garten in dem Dorfe Beſeſtim be⸗ fand, um mit ihm uͤber eine Angelegenheit, die ſeine Nation betraf, zu ſprechen. Wansleben bediente ſich dieſer Gelegenheit, um dem Baſcha ein Empfeh⸗ lungsſchreiben vom Baſcha von Seide zu uͤberreichen, worauf er ihm ſeinen Schutz und ſeine Gunſt ver⸗ ſprach. Am zaten ſah er einen Ofen, worin die Eier der Huͤhner bei den Aegyptern ausgebruͤtet werden. In der untern Abtheilung deſſelben wird das Feuer zum Erhitzen eingelegt, und in der obern befinden ſich die Eier in kleinen Gruben. Durch die Waͤrme bildet das befruchtete Ei das Kuͤgelchen, das die Schaale zer⸗ ſtoßt, und an das Licht tritt. Dieſe Art, die Huͤhn⸗ chen auszubruͤten, wird bloß vom Dezember bis April deobachtet. Am 21. April beſuchte Wansleben mit dem franzoͤſiſchen Konſul, und in Begleitung deſſen Fa⸗ milie und mehrerer Kaufleute die Pyramiden. Drei Janitſcharen bildeten die Escorde der Geſellſchaft. Am 28. Dezember wiederholte er mit einigen Fremden den Beſuch bei den Pyramiden, und zum dritten Male ſtaunte er dieſe Rieſen⸗Denkmaͤler in Begleitung 135 des Vizekonſuls Sabatery von Alexandrien, am 26. Juni 1613 an. Zwei Stunden von Gizh, gegen Suͤdoſt, wenn man 3/4 Stunden in der Waͤſte zuruͤckgelegt hat, fin⸗ det man die großen Pyramiden. Es ſind ihrer vier, welche auf einer ſchraͤgen Linie, ungefaͤhr s00 Schritte von einander entfernt ſtehen, die Facen nach den 4 Himmelsgegenden gewendet. Ueberhaupt gibt es noch 5 Gruppen von Pyramiden, ſaͤmmtlich in Mit⸗ tel⸗Aegypten, welche zuſammen ungefaͤhr 40, an Groͤße ſehr verſchiedene Pyramiden enthalten. Um die a großen von Gizh, von welchen hier die Rede iſt, ſtehen ebenfalls noch kleinere. Dieſe Maſſen ſind an Groͤße verſchieden, die bei⸗ den noͤrdlichen Pyramiden bei Gizh ſind die erhaben⸗ ſten, und koͤnnen ohngefaͤhr 460 Fuß ſenkrechte Hoͤhe haben. Herodot gab die Hoͤhe zu 800 Fuß, und eine Seite der Grundflaͤche eben ſo lange, Strabo zu 625 und Diodor zu 600 Fuß an. Dieſe verſchie⸗ denen Hoͤhen, die Hiſtoriker und Reiſende angeben, moͤgen von dem angewehten Sande herruͤhren. Die Pyramiden waren viereckige, oben in eine Soitze oder kleines Viereck zulaufende Gebaͤude, mei⸗ ſteus von Kalkſteinen, ſeltener von Ziegeln und an⸗ dern Steinen, aͤußerlich aber mit großen Quaderſtei⸗ nen bekleidet. Das einzige dieſer Denkmale, in wel⸗ ches Wansleben und Jeder bis jetzt hat dringen koͤnnen, iſt unter dem Namen der Poramide des Cheops bekannt, weil es, wenn man dem Hero⸗ dot glauben darf, zum Begraͤbniſſe dieſes Koͤniges, der sso Jahre vor Chriſti Geburt lebte, beſtimmt wurde. Die Oeffuung, durch welche man in das Innere dringt, beüindet ſich auf der noͤrblichen Seite, auf einer Hoͤhe von 60 Fuß. Nachdem man mehreren, beinahe unzugaͤngiichen Gallerien gefoigt, und eine Fackel in der Hand, von Gang zu Gang, unter en⸗ gen und dunklen Gewoͤlben umher geirrt iſt, gelangt man in ein Zimmer von mittlerer Groͤße, welches man das Gemach der Koͤnisin nennt. Neue, noch erwickeltere Umwege fuͤhren zu einem oberen Zimmer, dem Gemache des Koͤnigs. Dieſe beiden Zimmer ſind von auberordentlicher Einfachbeit; nir zends Schmuck, nirgends Verzierungen; Alles von reinem Granit, das Gemach des Koͤnigs enthaͤlt den Sarko⸗ phag. Man erſtaunt uͤber das Mißverhaͤltniß, welches zwiſchen dieſer kieinen heiligen Staͤtte und dem kolof⸗ ſalen Gebaͤude hereſcht, welches doch wegen ihrer er⸗ richtet wurde. Die große Pyramide beßeht aus mehr als 200 Schichten von Steinen, weiche 2 bis 4 Fuß hoch ſind, und nach oben immer abnehmen. Auf dieſen Stufen erklettert der kuͤhne Reiſende aͤußerlich den Gipfel der Pyramide, und genießt oben eine entzuͤckende Ausſicht. Die Materlalten zu dieſen Rieſen⸗Gebaͤuden wur⸗ den in unbekannten Jahrhunderten aus Mokatam 5* 137 bezogen, einem Gebirge am rechten Ufer des Nils, von welchem ein Zweig Kairo beherrſcht. Man ſieht noch an demſelben die Stellen, wo die Steine ge⸗ brochen wurden. Die Koſten und Arbeiten, welche die Pyramiden veranlaſſen mußten, ſind gar nicht zu berechnen. Und was iſt der Nutzen dieſer Denkmaͤler? Kaum gewaͤhren ſie den Arabern der Wuͤſte ein wenig Schatten. Dieſe Berge, von menſchlicher Hand geſchaffen, wurden bloß darum errichtet, um einen Leichnam zu decken. Weſtlich von den beiden groͤßten Pyramiden ſieht man eine Art aus Marnor gehauenen Kanals, der in das Innere der groß n Pyramide des Cheops fuͤhrte, die ſonſt ganz geſchloſſen war, und wahr⸗ ſcheinlich mit Gewalt aͤußerlich geoͤffnet worden iſt und oͤſtlich die Ruinen eines Tempels. In einer Ent⸗ fernung von etwa 300 Schritten befindet ſich die be⸗ ruͤhmte Sphynx. Dieſes Denkmal beweiſet klar, daß die Kunſt im graueſten Alterthum ſchon einen ſehr hohen Grad von Vollkommenheit hatte. Dieſe Sphynx war, wie man ſagt, aus einem einzelnen Felsſtuͤck gehauen, 148 Fuß lang und vorne 62 Fuß hoch. Der Sand hat nun de⸗ ren Koͤrper leider! vergraben; allein deren koloſſales Haupt ragt noch ſtolz hervor. Das Antlitz iſt von ſanftem, ruhigem Ausdrucke. Am 6. Mai beſuchte Wansleben den griechi⸗ ſchen Erzbiſchof vom Berge Sinai, der eben wegen 9tes B. Aegypten I. 2, 5 2 138 Angelegenheiten ſeines Kloſters ſich in Kairo befand. Der Erzbiſchof erzaͤhlte unſerm Reiſenden unter an⸗ dern, von den großen Privilegien ſeines Kloſters, wel⸗ che ahomet felbſt ertheilt habe, und daß er eine Origenal⸗Handſchrift von dem Kirchenrathe zu Flo⸗ renz beſitze, deren Inhalt von jenem verſchieden fei, welchen man in Europa gedruckt beſitze. Die Zeit naͤherte ſich, wo die Kopten das Feſt der Erſcheinung der Heiligen zu Gemiane feierten, um daſſelbe bei dieſer Gelegenheit zu ſehen, ſchiffte ſich Wansleben am 9. Mai zu Boulac ein, er⸗ reichte die Stadt Manſaura am 12ten, ſah das Dorf Diaſt und andere Ortſchaften am Nil, und kam in der Nacht des 14ten nach Gemiane. Dieſe Waſſerreiſe war nicht angenehm, da der Capitaͤn der Barke ein ſchlechter Patron war. Gemiane iſt eine beruͤhmte Kirche der Kopten in der Provinz von Garbié auf dem Delta. Sie iſt in einer unangenehmen, oͤden Gegend erbaut, lvo einſt nicht weit davon die Stadt Tekebi ſtand. Die Kirche beſtund aus 25 Domen in ſchlechter Ordnung, war innen noch nicht ausgebaut, und zeigte bloß eine beſſere Einrichtung in der Kapelle, wo die Erſcheinung ſtatigefunden haben ſoll. Nicht nur Kopten, auch Franken, ſelbſt die Ara⸗ ber feierten das Feſt mit. Hierauf kehrte auf dem naͤmlichen Wege, wo er gekommen, Wansleben zuruͤck nach Kairo, nachdem er 44 Tage auf dieſem 139 Abſtecher zugebracht hatte. Am 27. Mai beſuchte Wansleben den Patriarchen der Kopten, der Mu⸗ allin Mattaos, oder Meiſter Mathaͤus hieß, der ihm ein Empfehlungsſchreiben an die Kloͤſter in der Wuͤſte des heiligen Makarius mitgab. Am 341ten begab er ſich von Kairo auf ſeine Reiſe nach Roſette in Begleitung des Bedienten Leo⸗ nard und eines Nubiſchen Bedienten. 4 Tage brachte er auf dieſer Reiſe, ohne daß nur etwas Erhebliches ſich zugetragen haͤtte, zu. Mehrere anſehnliche Staͤdte und Ortſchaften nach der Laͤnge des Nils ſah Wansleben; vor Allem zog das ſehr alte und große Fuva,(Metelis⸗Me⸗ ßil) ſeine Aufmerkſamkeit auf ſich, das herrliche Gartengewaͤchſe und trefflichſte Fruͤchte hervorbrachte. Bei ſeiner Ankunft zu Roſette logirte er ſich bei dem Franz. Vizekonſul Reynaud ein. Roſette liegt an der Weſtſeite des Arms von dem Nilfluße, welcher vor Zeiten der boltiniſche Arm geheißen hat, und durch Kunſt gemacht ſeyn ſoll. Die Aegyptier pflegen dieſe Stadt Raſchid zu nen⸗ nen, und ſie wird fuͤr einen der anmuthigſten Orte in Aegypten gehalten. Sie iſt beinahe 2 Meſen lang, und hat etwa 2— 3 Straſſen. Man treibt Handel und hauptſaͤchlich Schifffahrt, um die Guͤter zwiſchen Kairo und Alexandrien zu uͤbermachen. Die Europaͤer hatten deßhalb ihre Vizekonſuls und Faktoren hier. Die Briefe werden — 140 ordentlicher Weiſe zu Lande von Alexandrien hie⸗ her verbracht, und von hier zu Waſſer durch Boten nach Kairo geſchickt, und zwar an den Tagen, da die Boote nach Kairo gehen. Briefe aber von groͤßerer Erheblich⸗ keit, die Eile erfordern, werden von Fußboten durch die Wuͤſte gerade nach Kairo geſchickt. Reikhe, iſt, daß der Nil bei Roſette nicht uͤber 3 Fuß ſteiget, weil ſeine Ufer niedrig ſind und das an den ufern getretene Waſſer ſich gleich uͤber das Laud ausbreitet. Etwa 2 Meilen weiter nordwaͤrts ging Wans⸗ leben zu den Kaſtellen von Roſette. Eines, wel⸗ ches an der Weſtſeite des Flußes liegt, iſt ein vier⸗ eckiges Gebaͤude, welches an ſeinen Ecken und Win⸗ keln runde Thuͤrme hat. In der unterſten Abtheilung iſt es mit Schießloͤchern verſehen. Dieſes Kaſtell iſt f aus Ziegelſteinen gebaut und mit Steinen gefuͤttert. Wansleben fand darin ohngefaͤhr 74 Kanonen, von deren? von auffallender Goͤße waren; 424 Janit⸗ ſcharen als Garniſon und einen ſpaniſchen Renegaten als Kommandanten.— Im andern Kaſtell komman⸗ dirte auch ein Aga mit einer Truppe Mauren. Die⸗ ſes Kaſtell iſt nichts, als eine in einigen Vertheidi⸗ ungszuſtand verſetzte, und mit 7 Kanonen bewaffnete Moſchee. Am 14. Juli gegen Abend reiſte Wansleben in Begleitung eines Mauren, welchen der Vizekonſul ihm zum Begleiter und Wegweiſer gegeben hatte, von 141 Roſette nach Alexandrien auf Maulthieren ab. Der Weg nach dieſer letztern Stadt von Roſette betraͤgt fuͤr einen Reiter nicht mehr als 10 Stunden. Es iſt eine herrliche Parthie, ſo am Meeresufer hinzureiten; da praͤchtiger Mondſchein eben war, reiſte Wansleben fort, und kam des andern Tages zwi⸗ ſchen s und 9 Uer nach Alexandrien. Die Ge⸗ gend fand er unfreundlich, aber eben. Alle Europaͤer, alſo auch Wansleben, waren ge⸗ halten, bei dem Thore von Alexandrien, wel⸗ ches das Thor von Roſette hieß, gleichſam als Ein⸗ trittsgeld 3 Paras zu erlegen, welches zur Haͤlfte die Janitſcharenwache, zur Haͤlfte die Beduinen erhielter. Er machte ſogleich ſeine Aufwartung bei dem Franz. Vizekonſul Laurens, der mit ſeiner geruͤhm⸗ ten Liebenswuͤrdigkeit und Artigkeit dem Reiſenden Diſch und Wohnung anbot; allein Wansleben machte nur vom erſteren Anerbieten Gebrauch, indem er ſchon ſich an Sabatery, einem Faktor, dem er von dem Faktor der Levante⸗Geſellſchaft, Breuſſon, empfohl n war, verſprochen hatte, bei ihm zu wohnen. 3 Auch andere Freunde und Bekannte beſuchte Wansleben, und ſah ſich zu xandrien ſo gut wie moͤglich um. Seine Aufme keit zog das Kon⸗ clave der 70 Ueberſetzer der hebraͤiſchen Bibel in die griechiſche Sprache an ſich. Dieſes Gebaͤude iſt noch am Eingange der Stadt ſammt den Zellen zu ſehen, worin die weißen Ueberſetzer wohnten; nur machten 142 die Moſlemins eine Moſchee daraus, die ſie Giama il garbie hießen. Dann beſuchte er am 19. Juni die Salzwerke des Großherren außer der Stadt, nahe an dem Kanal der Kleopatra gelegen, welcher das ſuͤße Waſſer in die Stadt fuͤhrt. Wansleben gibt an, daß der Nil ein treffliches Salz fuͤhre. Nicht minder ſcheint unſerm Reiſenden ein Bildniß in der Kirche des heiligen Markus, welche den Kopten ge⸗ hört, Intereſſe erregt zu haben. Es iſt dieſes eine Abbildung des Erzengels Michgel, die der h. Apo⸗ ſtel Lukas, der Sage nach, gemacht hat. Den 21. Juni ging Wansleben in Beglei⸗ tung des Franzoͤſ. Kaufmanns Truillard des Ael⸗ tern und eines Janitſcharen des Vizekonſuls durch das Thor Bab iſſidr, um die Saͤnle des Pompejus zu beſichtigen. Dieſe Saͤule ſtehet auf einer kleinen Anhoͤhe, et⸗ wa eine Viertelmeile gegen Suͤden der Mauern. Sie beſtehet aus einem rothen Granitſteine. Außer ihrem Fundamente oder Grundlage trifft man hier noch drei Arten von Steinen, woraus ſie zuſammengeſetzt iſt, an. Das Kapital, oder der Knauf, deßen Hoͤhe ſich wohl auf 8— 9 Fuß belaufen mag, iſt von Corinthi⸗ ſcher Ordnung. Das Laubwerk daran iſt ganz eben und platt, und nicht im geringſten ausgezackt. Es ſcheinet glattes Lorbeerlaub vorſtellen zu ſollen. Einige Schiffer haben Mittel gefunden, bis auf die Mitte des Knaufs hinaufzuſteigen und da wahrzunehmen, 143 daß ein Loch von oben hineingehe; woraus man ſchließt, daß ehedem oben auf der Spitze des Kapitals noch eine Bildſaͤule befeſtiget geweſen ſey. Der Saͤulenſchaft iſt mit dem oberſten Theile des Saͤulenfußes oder Schaftgeſimſes, worein er tritt, von einerlei Steine; das uͤbrige aber von dem Saͤu⸗ lenfuße beſtehet mit dem Saͤulenſtuhle wieder aus ei⸗ ner andern Steinart. Alles dieſes iſt auf einer Grund⸗ lage errichtet, die aus mehreren Steinen zuſammen⸗ geſetzt iſt und ausſieht, wie 2 Plinte oder Platten von zwei Reihen Steinen. Die unterſte Platte tritt 4 Zoll weiter heraus, als die obere; und dieſes iſt wieder einen Fuß laͤnger, als die Plint oder die Tafel, wel⸗ che als Decke daruͤber hinliegt. Dieſe Grundlage iſt 4 Fuß s Zoll hoch, die Hoͤhe des Saͤulenſtuhls aber⸗ und desjenigen Theils vom Saͤulenfuße, der mit dem Saͤulenſtuhle aus einem Steinſtuͤck iſt, betraͤgt 12 Fuß und einen halben. Mittels des Schattens, den die Saͤule warf, hat man gefunden, daß ſich ihre ganze Hoͤhe auf 114 Fuß belief. Alle andere reiſende Schrift⸗ ſteller kommen beinahe damit faſt uͤberein. Man will auch bemerkt haben, daß die Saͤule ſich ein wenig gegen Suͤd⸗Weſt neige und ſenke. Einen großen Theil von der Grundlage fand Wans⸗ leben von der Stelle geruͤckt oder geſprengt, ver⸗ muthlich in der Hoffnung, Schaͤtze unter ihr zu ſin⸗ den.— Jetzt ſcheint dieſes ganze Banwerk alſo ledig⸗ lich auf einem großen Stuͤcke von weißem Marmor 144 zu ruhen, welches kaum 4 Ruthen ins Gevierte be⸗ tragt, und wenn man mit einem Schluͤßel daran ſch wie eine Glocke klingt. Gegen Weſt, jenſeits des Kanals Caropus, beſuchte Wansleben die dort befindlichen Katakom⸗ ben. Mit Fakkeln verſehen ging er mit dem Janit⸗ ſcharen und ſeinem andern Begleiter hinein. Dieſe Begraͤbnißorte beſtehen aus einigen in Felſen gehaue⸗ nen Zimmern, und auf jeder Seite iſt eine offene Gal⸗ lerie. Auf beiden Seiten dieſer Zimmer ſind 3 Rei⸗ hen von Gewoͤlben neben einander, welche raͤumlich genug ſind, Leichname aufzunehmen. Die außeror⸗ dentlichſten Katakomben ſind am aͤußerſten Ende, und koͤnnen wohl fuͤr die ſchuͤnſten gehalten werden, die man je entdeckt hat. Es ſind ſchoͤne in Felſen gehauene raͤumliche Plaͤtze, und in einigen derſelben ſind Ni⸗ ſchen ausgehoͤhlt, Leichname hineinzuſetzen, und dieſe Niſchen ſind auf beiden Seiten durch eine Art dori⸗ ſcher Saͤulen geziert. Am Ufer hat der Reifende die kleinen Hoͤhlen zu betrachten; die Kunſt war den von der Natur in die⸗ ſen Felſen befindlichen Grotten zur Huͤlfe gekommen, indem man ſie vermittels des Meiſels ordentlich aus⸗ gewoͤlbt hat. Man findet da wahrlich noch ganze Zim⸗ mer, die im Felſen ausgehauenen Baͤnke, ſind ſo zum Sitzen zubereitet, daß man trocken in den Grotten ſitzen, und ſich doch in dem Seewaſſer baden kann, welches ihren ganzen Fußboden einnimmt. Alle dieſe 145 Grotten, meint Wansleben, wurden von den Chri⸗ ſten ur Zeit ihrer Verfolgung von den Ra ge⸗ braucht, um im Verborgenen ihren Gott a koͤnnen Am 22ten beſichtigte Wansleben beſonders die Befeſtigungswerke von Alemuͤdrien, als die Schlöſ⸗ ſer und Thuͤrme, und ſpricht aus, daß nicht Ale⸗ rander der Große, ſondern die Kalifen dieſe Mauern, wie er ſie ſah, erbaut haͤtten. Sechs Thore fuͤhrten in die Stadt, 3 aber fand er nur gesffnet. Der Kanal, der das Waſſer nach Alexandrien fuͤhrt, zog auch die Aufmerkſamkeit unſeres Reiſen⸗ den auf ſich. Dieſer Kanal Caropus geht nicht weit vom Roſette⸗Thor, an der Weſtſeite der Pompejus⸗Saͤule vorbei, und nahe bei ihr ſtoͤßt er an die Mauern, unter welchen er in die Stadt ge⸗ het. An der Stelle aber, wo er unter die Mauern geht, iſt in ihrer Außenſeite ein Graben gezogen, der an den Mauern bis zur See gehet. Denn das Waſ⸗ ſer wird nicht nur von dem Kanale, durch den es in die Stadt tritt, in die Ciſternen geleitet, ſondern anch ſchon vorher, von einigen Theilen des Kanals ab, durch unterirdiſche Gaͤnge zu den hoͤher gelege⸗ nen Theilen der Stadt gebracht. Man hat an einigen Stellen Eingaͤnge angelegt, wodurch man zu den Waſſergaͤngen hinabſteigen kann, um ſie zu reinigen. Die Ciſternen muͤſſen gleichfalls gereiniget werden. Man ſteigt zu ihnen durch runde 146 Brunnen hinab, in welchen auf beiden Seiten Loͤcher, etwa 2 Fuß weit von einander, eingehauen ſind, wor⸗ in man im Herabſteigen die Fuͤße ſetzen kann. Das Waſſer wird durch eine Winde in die Höͤhe gezogen, und in ledernen Schlaͤuchen auf Kamelen in die Haͤuſer gefuͤhret. Die Stadt hat 2 Haͤfen, welche der alte und der neue heißen, und eben die ſind, welche man vor Zeiten die Haͤfen von Afrika und Aſien nannte. Das jetzige Alexandrien ſteht nicht auf der Staͤtte der alten, von Alexander erbauten Welt⸗ Stadt; von deren großer Herrlichkeit nur noch wenige Ruinen uͤbrig ſind; es beſtand im Anfang unſeres Jahrhunderts meiſtens aus elenden Huͤten, und zaͤhlte kaum 20,000 Einwohner, ſtatt die alte, prachtvolle Koͤnigsſtadt eine Bevoͤlkerung von 300,000 Seelen hatte. Am Tage der Apoſtel Peter und Paul ſchiffte ſich Wansleben zu Alexandrien ein, und fuhr in 5 Stunden nach Roſette. Dieſe Stadt verließ er am 30. Junius abermals, um die 4 Kloͤſter in der Wuͤſte des h. Makarius aufzuſuchen. Er ſchiffte ſich auf der Barke eines Janitſcharen Alis Achmed il Curdi ein. In der kleinen Stadt Tarane oder Terenut beleidigten einige junge Tuͤrken unſeren Rei⸗ ſenden, weil ſie einen Weinflaſchen⸗Keller bei ihm angetroffen hatten, und der Streit und die Unbe⸗ ſcheidenheit vorzuͤglich der Muſelmaͤnner ging ſo weit, daß ſie den Reis Achmed il Curdi mit Schlaͤ⸗ 147 gen mißhandelten, und ihn zu verklagen drohten, daß er mit einem Franken Wein getrunken habe, und den Weinbehaͤlter uͤber Bord ſchleuderten, worauf Wans⸗ leben auf ſie Feuer zu geben drohte, und ſein nubi⸗ ſcher Bedienter einen der Muſelmaͤnner an dem Kleide erwiſchte und in die See tauchte. Nach dieſem Unfalle traf ihn ein anderer, der ihm noch empfindlicher war. Indem er nach Tarane uͤberſetzte, mußte er Leute haben, die ihm ſein Ge⸗ paͤcke in das Haus tragen ſollten, wo er zu wohnen beſchloſſen hatte, und er ließ durch ſeinen nubiſchen Diener einige Araber, die ſo eben aus der Wuͤſte des h. Makarius ankamen, zu ſich beſcheiden. Als derienige, der ſeinen Mantelſak trug, deſſen bedeu⸗ tende Laſt merkte, und nicht wußte, was es ſei, dachte er ſich, daß die Kiſte Geld enthalte, und er ſagte zu Allen, denen er auf dem Wege begegnete, er truͤge eine Kiſte Geld, die einem Franken gehoͤre, der ſo eben angekommen ſey, um die Kloͤſter zu be⸗ ſuchen. Dieſes falſche Geruͤcht verbreitete ſich in der ganzen Gegend, ward wirklich geglaubt, und ſetzte Wausleben in Gefahr. Denn man hoͤrte in der ganzen Gegend nur von dem reichen Franken reden, der angekommen ſei, und von den Mitteln ſeines Gel⸗ des ſich zu bemaͤchtigen. Die Einwohner dachten ſich, W. ſei ein Konſul, der als Unbekannter reiſen wollte, um die Gegend zu beſehen, und ſo beſchloßen ſie, ihm am Wege auftupaſſen, und ſich ſeiner eingebil⸗ deten Schaͤtze zu bemaͤchtigen. Mit dieſer praͤchtigen Ausſicht kam W. an einem Sonntag zu Tarane an. Er nahm ſeine Wohnung bei einem Zimmermann, dem einzigen Chriſten im Orte. Dieſer wies ihm ſtatt eines Zimmers, den Ort an, wo er fuͤr ſeine Thiere das Futter aufbewahrte, und der nur mit Reisbuͤndeln und Aeſten von Palm⸗ baͤumen bedeckt war, und welche er, um die Strah⸗ len der Sonne aufzuhalten, uͤber einander gehaͤuft hatte. Hier fand W. noch 2 fromme Laienbruͤder aus einem der Kloͤſter, wohin er zu gehen beſchloſſen hatte, und vertrieb ſich mit ihnen die Zeit, ſo gut er nur immer konnte. Als von allen Seiten neue Nachricht des von den Arabern gegen ihn gemachten Komplots einliefen, ge⸗ dachte er der Gefahr, in der er ſchwebte, und ging den folgenden Tag zum Oberhaupt des Ortes, um ihn zu bitten, ihm eine Eskorde mitzugeben, die ihn mit Sicherheit zu den Kloͤſtern fuͤhren ſollte; auch gab er dem arabiſchen Vorgeſetzten, um ſich ihn zu verbin⸗ den, und ſeiner Gunſt zu verſichern, einige Pferde, Kaffee und einige Zuckerhuͤte, die er in der Abſicht, ſie ihm zu ſchenken, mitgenommen hatte. Denn es iſt in der Tuͤrkei Sitte, wenn man eine Gunſt von ei⸗ nem Tuͤrken fordert, durch Geſchenke ſie zu gewin⸗ nen. Doch das Oberhaupt, der ſchon gehoͤrt hatte, was das Gericht uͤber W. ausgebreitet, antwortete 149 ihm: eine Bewachung von einigen Leuten ſei ihm ohne Nutzen, weil die Araber den Plan gemacht haͤt⸗ ten, ihm am Wege aufzupaſſen, und die Gurgel ab⸗ zuſchneiden, deßhalb wolle er ihn in Verſon einige Tage begleiten, ſo bald er mehrere Angelegenheiten, die er uͤbernommen hatte, wuͤrde vollendet haben. Noch nie war W. mehr uͤberraſcht, als durch das Anerbieten, was ihm das Oberhaupt machte. Ver⸗ geblich ſagte er ihm, daß er kein Konſul ſei, wie das Geruͤcht ihn genannt habe, ſondern im Gegentheile ein armer Franke, der in die Kloͤſter ging, um ſich in der arabiſchen Sprache auszubilden, und daß in jener Kiſte kein Geld, ſondern nur einige Flaſchen Wein ſich befaͤnden, die er mitgenommen habe, weil er nicht wohl Waſſer trinken koͤnne, oder nicht daran gewoͤhnt ſey. Vergeblich ſagte er ihm dieſes, des Oberhauptes Geiſt war ſo von dem falſchen Geruͤchte befangen, daß W. nichts daruͤber vermochte. Da er alſo ſah, daß er ſeine Zeit nur dadurch verloͤre, ging er in ſeine Wohnung zuruͤck, unentſchluͤßig ob er des vornehmen Arabers Anerbiethen annehmen ſollte, oder nicht. Unterdeſſen hoͤrte er, daß Naßr Alla einer je⸗ ner Moͤnche, die er ſehen wollte, zu Tuhineſſara einer andern Stadt an der anderen Seite des Nils, wenig entfernt von Tarane, ſich wegen Angelegen⸗ heiten ſeines Kloſters aufhieln.. Er ſchickte dem Moͤn⸗ che einen arabiſchen Brief durch einen jener Laienbruͤ⸗ 9 v 150 der, worin er ihm ſeinen Plan zu Wiſſen that, er⸗ zaͤhlte, was zwiſchen ihm und dem Oberhaupte der Araber vorgefallen ſey, und bat, ihm ſogleich ein Mit⸗ tel an die Hand zu geben, wie er ſich von dieſen Leu⸗ ten losmachen, und ſeine Reiſe in Sicherheit fortſe⸗ tzen koͤnnte. Er verſicherte ihm ferner ſeinen Dank voraus, und außerdem noch, daß er ſich dadurch ſeinem Patriarchen,(Wanslebens Freunde) ſehr angenehm machen wuͤrde. Aber weit entfernt zu antworten, hielt ſogar dieſer unbeſcheidene Mann den Bruder zu⸗ ruͤck, durch welchen dieſer Brief geſchiekt wurde. W. wollte dieſer uͤblen Sache und Schwierigkei⸗ ten ungeachtet, noch einmal zum Oberhaupte gehen, um eine Bedeckung zu erbitten; allein er gab ihm dieſelbe abſchlaͤgige Autwort, und meinte, er ſollte nur unter ſeinem Schutze abreiſen, denn er muͤſſe fuͤr ihn bei dem Baſcha mit ſeinem Kopfe haften.— Da W. ſehr uͤbel wohnte, bot er ihm ein Zimmer in ſei⸗ nem eigenen Hauſe an. 3 Man muß geſtehen, daß wenn jene erſte Anerbie⸗ tung Wansleben ſchon in ſolche Verlegenheit ſetzte, dieſe erſt ſeine Seele mit unglaublicher Unruhe erfuͤllte; denn der Ausdruck, daß er in eigener Perſon ihn be⸗ gleiten wolle, verſprach ihm nichts Gutes, und wenn er von des Arabers Seite auch nichts zu befuͤrchten, und dieſer keinen boͤſen Plan gegen ihn im Sinne hatte, ſo waren dech Re Ausgaben fuͤr ihn und ſein Gefolge, und die Geſchenke fuͤr ſeine doppelte Bemuͤ⸗ —— 151 hung unſrem Reiſenden zu bedeutend groß, und er wußte auch, daß ein Oberhaupt im Kriege oder auf Reiſen ſich mit vielen Leuten zu Pferd wie zu Fuß um⸗ gibt. Wansleben beſchloß daher dieſem zu entge⸗ hen, und nach Kairo zuruͤckzukehren. Wie er den Reſt des Tages damit zubrachte uͤber die Mittel zu denken, ſein Vorhaben auszufuͤhren, hoͤrte er in der Nacht(2 Uhr) ſolches Geraͤuſch an der Thuͤre, daß es ſchien, als wollte Jemand mit groͤßter Eile herein treten. Um nicht uͤberraſcht zu werden, weckte W. die Andern auf, ſetzte ſich in Vertheidigungszuſtand, fo gut er konnte, und ſchiekte ſeinen nubiſchen Die⸗ ner an das Thor, um zu ſehen, was es gaͤbe. Er kam zuruͤck und ſagte, es ſei ein Stallknecht vom Ober⸗ haupte, der mit Herrn Wansleben etwas von groͤßter Wichtigkeit ſprechen wollte. Dieſer ließ ihn hereintreten, und erkannte, daß es jener Diener ſei, „der ihn bei der Audienz eingefuͤhrt hatte“ Dieſer wor unſern Reiſenden bei ihren beiderſeitigen Re⸗ ligionen, ſogleich abzureiſen, und zwar ſo geheim, als moͤglich, weil ſein Herr ihn zu toͤdten beſchloſſen, hatte, indem dieſer glaubte, er durchreiſe dieſe Lande deßwegen, um die Schaͤtze der alten Aegyptier zu ſu⸗ chen. Ferner ſagte der Diener:„ſein Herr haͤtte, um ſein Vorhaben mit wentgerm Geraͤuſch auszufuͤh⸗ ten, beſchloſſen, in der Wuͤſte dem W. den Hals ab⸗ 1⁵2 zuſchneiden, und dann vorzugeben, er ſei von Kairo auf einem andern Weg zuruͤckgekehrt.“ Nach dieſer Nachricht hatte Wansleben keine Luſt zu ſchlafen mehr, ſondern, nachdem er dem Manne eine angemeſſene Belohnung gegeben hatte, bepackte er ein Kammel mit ſeinen Kleidungsſtuͤcken, und reiſte nach Gizey ab, einem Ort auf der andern Seite des Nils. Bei der Neige des Tages ließ er ſeine Sachen einſchiffen; kaum hatte er das Land ver⸗ laſſen, als er das Oberhaupt mit 30 Reitern daher⸗ ſprengen ſah; aber dieſer verfehlte ſeine Beute, und Wansleben entging ihm. Als Letzterer zu Gizey angekommen war, er⸗ „wartete er die Gelegenheit, ſich nach Kairo einzu⸗ ſchiffen; der Abt Naßr Alla kam und verſprach, ihn in das Kloſter zu fuͤhren, wenn er nach Tarane zuruͤckkehren wollte, aber die Luſt war W. vergan⸗ gen. Er kam am 1¹9. Juli in Kairo an, von wo er am 1. Juni abgereiſt war. Waͤhrend ſeines Aufent⸗ haltes erfuhr er, daß die Seen in 9 Monaten dem Großherrn 80,000 Centner Salz gegeben hatten, wel⸗ ches man in Kairo verkauft. Als beſondere Merk⸗ wuͤrdigkeiten ſah Wansleben den Engelsweg, eine lange Reihe kleiner Erdhaufen um den Weg zur Kirche zu finden; 2 Kloͤſter, einen wunderbaren Baum, der aus dem Stabe des h. Ephrem entſproſſen, und den Baum des Gehorſams, und das Bett eines ausge⸗ trockneten Flußes. Am 12. Juli ritt er nach dem ———— 153 Dorfe Statarea,(Ma⸗Tarea, wie Paulus meint) wo ſich die Ruinen einer vormaligen Kirche befinden, in der einige Reliquien des Heilands und ſeiner h. Mutter verehrt werden. In der Naͤhe befindet ſich der wundervolle Brunnen von gro ker. Tiefe und vor⸗ trefflichem Waſſer, mit dem ſich der Heiland ſoll ge⸗ waſchen haben. Seine Quelle ſoll durch ein Wunder entſtanden ſeyn; auch ſah man vormals einen Wun⸗ derbaum, der ſich ſoll geſpalten haben, um den Hei⸗ land und ſeine h. Mutter gegen Herodes zuſichern. Vor dem Orte zeigt man die Stelle des vormaligen Heliopolis, durch einen großen, viereckigen Stein, der das Fußgeſtell einer Saͤule mag geweſen ſeyn. Von hier reiſte er allein nach Miemied⸗ Sored, einem Dorfe, um das wunderreiche Bild der h. Jungfrau zu ſehen, und kehrte nach dem An⸗ ſehen des Kloſters des h. Michaels wieder zuruͤck. Um das Merkwuͤrdigſte nicht zu verſaͤumen, reiſte er am 21. Juli von Kairo nach Fium, und war genoͤthiget, eine 9 Stunden lange Einoͤde zu durch⸗ wandern. Zu Fium angekommen, beobachteten ihn die Tuͤrken ſcharf; das Geruͤcht verbreitete ſich, es ſei ein ſehr reicher Franke mit großem Gefolge angekom⸗ men. Der Kadi hielt Wansleben fuͤr einen Kauf⸗ mann, befahl dem Vorſtande des Ortes, des fremden Wuͤnſche zu erforſchen, und verſprach ihm den etwat⸗ gen Gewinn mit ihm zu theilen. Dieſer trat nun un⸗ vermuthet in Wansleben's Zimmer mit der Frage, 9tes B. Aegypten I. 2. 3 154 bb er geſonnen ſei, Wein zu kaufen, die er verneinte. Auf des Duͤrken uͤbrige Fragen, aus welchem Theile der ehriſtlichen Welt er kaͤme, antwortete Wans le⸗ hen kurz, worauf jener ihm den Plan des Kadi er⸗ offnete. Wansleben machte nun hier die Bekanntſchaft des Biſchofs Am ba Michel, welchem er maunche Verbindlichkeit verdankte. Die Stadt Fium iſt ſehr volkreich; ein kuͤnſtli⸗ cher Kanal des Nils durchſchneidet ſie, und man fin⸗ det viele Reſte alterthuͤmlicher Kunſt daſelbſt. Der Boden iſt fruchtbar an Obſt und Weinen. Nahe bei Kium liegt die alte Stadt Arſinoe nun ganz zer⸗ ſört. Am ꝛaten reiſte er nach Fidimin, um den Biſchof zu ſprechen, welchen ſein Beſuch, da er als Tuͤrke gekleidet war, in großen Schrecken verſetzte. Nach ſeiner Erklaͤrung beruhigte ſich der geiſtliche Herr, und nachdem er den Reiſenden bewirthet hatte, zutließ er ihn freundlichſt. Am esoten beſuchte er das Dorf Biia oder Biiamuh in der Naͤhe von Fium, wo ſich ſeltene Alterthuͤmer befinden; unter andern der Obelisk von Bibig, der mit Fignren und Hieroglyphen geſchmuͤckt iſt, die durch die Laͤnge der Zeit ſehr unkenntlich ge⸗ worden. 4 Am 31. Juli wanderte er nach dem Dorfe Sen⸗ nuris oder Semuris, um andere merkwuͤrdige AMlterthuͤmer zu beſchauen. Er ſah die Kirche des heil. 155 Michael, eine ſehr alte Bruͤcke uͤber den Nil, die Jo⸗ ſeph gebaut haben ſoll, wovon 4 Bogen ſichthar ſind u. ſ. f. Jenſeits liegt eine weite Sandwuͤſte, in welcher man Spuren von Alterthuͤmern findet; auch will man das Labyrinth am Ende des dortigen Sees geſehen haben, von dem Plinius ſagt: Labyrin- thus in Moeridis lacu fuit, nulfo addito ligno ex- aediſicatus*). W. wurde durch die Furcht ſeines Be⸗ gleiters abgehalten, dieſe Merkwuͤrdigkeit zu betrach⸗ ten. Nachdem er 3 Tage in Sennuris verweilt hatte, kehrte er nach Fium zuruͤck.. Am 4. Auguſt reiſte er nach der Pyramfde von Haram Havara, die er aber wegen eines dazwi⸗ ſchen liegenden, mit Waſſer gefuͤllten Grabeus nicht ganz in der Naͤhe ſehen konnte. In Hoͤhe und Breite, kommt ſie der zweiten Pyramide von Gizh nahe. Die Laͤnge der Zeit hat ſie ſehr beſchaͤdiget. Auf der ſie umgebenden Einoͤde findet man manche Ueberbleib⸗ fel aus dem Alterthume. Da er ohne Fuͤhrer war, ſo mußte er eher, als er wuͤnſchte, den Ruͤckweg an⸗ treten. Noch eine andere Pyramide, die ebenfalls Jofeph erbaut haben ſoll, konnte er nicht in der Naͤhe betrachten. Am 19. Auguſt begab er ſich nach dem Kloſter *) Moeris, heißt Verbindung, alſo der mit dem Nil durch den Joſeyhs⸗Kanal verbundene See⸗ 156 Casciabe, das 2 Stunden von Fium entfernt, und gegen Suͤdweſt in der Wuͤſte liegt, die von den Arabern Gebel— Naklon genannt wird. An dem Wege nach dieſem Kloſter kam er uͤber mehrere feſt gebaute Bruͤcken der alten Aegyptier, die Ruinen ei⸗ ner alten Stadt und das Kloſter Deir al azeb links laſſend. Das Kloſter Casciabe iſt ſehr alt, und im In⸗ nern uͤbel zugerichtet, außer der Kirche, die dem En⸗ gel Gabriel geweiht, und ſchoͤn iſt. Ihr Portal iſt durch Saͤulen von buntfarbigen Steinen geſchmuͤckt. Dieſe Kirche ſoll ein Magier, Ur mit Namen, erbaut haben, nachdem er ſich zur Tugend wieder gewendet hatte. Die h. Jungfrau ſoll das Fundament, und Gabriel den Ort des Chors beſtimmt haben. Auf einem Berge hinter der Kirche ſieht man ein kleines zerfallenes Gebaͤude, welches der Patriarch Jakob ſoll bewohnt haben. Man heißt es heute noch Mod⸗ ſellet Jakob, oder Jakobs Tabernakel. Scteigt man etwas hoͤher, ſo finden ſich Hoͤhlen, die von Eremiten einſt bewohnt waren; ſie ſind klein; ſonſt fand er nichts Merkwuͤrdiges, und kehrte nach Fium zuruͤck. Wegen einer Nils⸗Ueberſchwemmung mußte er ſich von da wieder nach Kairo zuruͤck⸗ ziehen. Seit ſeiner Zuruͤckkunft nach Kairo begann er 157 ſeine alexandriniſche Kirche*), ein dem Pub⸗ likum ſehr nuͤtzliches Buch, und namentlich denen, die ſich mit Aufſuchung der Uebereinſtimmung der Glaubenslehren der orientaliſchen und roͤmiſchen Kir⸗ che beſchaͤftigen. Er hatte ſie aus ſehr alten, in Eu⸗ ropa unbekannten Handſchriften genommen, und ſehr viel Muͤhe daran gewendet, um ſeinen Namen da⸗ durch zu verewigen. Am 2. September ſah er einen Schwimmer, der auch die ganze Bewunderung der Stadt erregte. Er hatte die Haͤnde auf den Ruͤcken gebunden, ſeine Fuͤße waren gefeſſelt, und ſo ſchwamm er vom Kanal aus bis zum außerſten Ende der Stadt auf dem Ruͤcken, eine Laͤnge von ½ Stunden. 3 Am 12. September ließ der Baſcha den Schatz fuͤr den Großherrn unter vielem Pomp nach Konſtan⸗ tinopel abfuͤhren. Gewoͤhnlich enthaͤlt er 4200 Beu⸗ tel, jeden zu 500 Thaler. An demſelben Tage beſah W. die Moſchee des Kalifen Hakem⸗Be⸗Amr ille vor Kairo auf einem Berge. In ihrer Naͤhe befinden ſich mehrere in Felſen gehauene, in Gemein⸗ ſchaft ſtehende Grotten, in deren einer ein Krokodill damals lebte, obgleich man nicht wußte, wovon es ſich naͤhrte. Am 20. September ſah er die große ————— *) Histoire de l'Eglise d'Alexandrie, que nous apbellons celle des Jacobites, Coptes d'Egyp- te etc. Paris 1677. 12. 158— Waſſerleitung, Il Migre genannt, welche 341 ſehr hohe Bogen tragen, und deren Weite 14 ½ Fuß iſt. Auch den Patriarchen der Kopten beſuchte er, welche in Aegypten ſehr gedruͤckt werden. Am 18ten hatte er eine ſehr große Eidexe von einem Araber ge⸗ kauft, um ihre Haut nach Marſeille zu ſenden. Er verließ Kairo am 26. September in einer Barke, welche ihn zu Bene⸗Suef, zwei Tagreiſen von Kairo an das Land ſetzte, ohne daß ihm etwas Denkwuͤrdiges begegnet waͤre. Er ſetzte ſeinen Weg uͤber Beiah oder Beiha durch die Wuͤſte nach dem Kloſter des h. Antonius fort, welches auf dem Berge Calzim ſteht, mit einer hohen, aber ſehwachen Mauer umgeben, und groß vom Umfange iſt. Die Zellen deſſelben ſind ſehr klein, die Gaͤrten weitlaͤufig, und ihre Weinberge liefern vortrefflichen Wein. In der Mitte des Kloſters ſteht ein großer, feſter Thurm, worin die Moͤnche ihre Vorraͤthe und beſte Habe aufbewahren. Ihre Regel iſt ſehr ſtreng, wie ihre Kleidung ausgezeichnet; ſie leben meiſtens von Pflanzen, und duͤrfen nur auswaͤrts Fleiſch eſſen. Auch beſitzen ſie ziemlich viel rabiſche und koptiſche Handſchriften, deren einige dem Wansleben ſelten ſchienen. Das Kloſter muß jeden Ankoͤmmling, Freund wie Feind, bewirthen, und dieſe Beſuche ſind ſehr haͤufig. Eine aus 55 Kamelen heſtehende Kara⸗ wane, welche dem Kloſter Lebensmittel zufuͤhren wollte, wurde kurz vor Wausleben's Ankunft von einem Haufen Araber gepluͤndert. Dieſe Burſche drohten nun, vor das Kloſter gekommen, den Moͤn⸗ chen mit dem Tode, hielten Wansleben fuͤr einen reichen Franken, der ausgeliefert werden muͤffe, und beruhigten ſich nicht eher, bis ihnen die Moͤnche das Verlangte an Kleidern ꝛc. geliefert hatten. Am 17. Oktober ſetzte W. ſeine Reiſe fort, und kam am 22ten wieder zu Beiah an; allein keine ſei⸗ ner Reiſen waren mit groͤßeren Unkaͤllen verbunden, als dieſe. Hierauf ſetzte er ſeinen Weg auf Kairo wieder fort, wo er am 30. Oktober eintraf, als man das Feſt der oͤffentlichen Freude prachtvoll feierte. Hierauf beſuchte er das Schloß von Kairo, war dann bei einer koptiſchen Verlobung, welche mit ei⸗ genen Ceremonien verbunden iſt, und wohnte in der Nacht des 10. Januars 1673 dem Feſte der h. 3 Koͤ⸗ nige bei, welches ebenfalls mit vieler Feierlichkeit be⸗ gangen wurde. Am asten ließ der Paſcha(Baſcha) mit großer Pracht das ſchoͤn gezierte Tuch fuͤr das Grab des gro⸗ ßen Propheten(Mahomet) aus Kgiro, unter Be⸗ gleitung einer ungeheueren Menge mahometaniſcher Prieſter abfuͤhren, denen in s Tagen der Bey mit ei⸗ ner großen Karawane von Pilgern nach Mekka folgte. Am 24. Februar ging Wansleben von Kairo nach Ober⸗Aegypten ab. Heftige Regenguͤſſe verzo⸗ gerten ſeine Reiſe. Er ſah Bene⸗Suef, das Klo⸗ ſter Deir il Baccar, die Stadt Minie und mesz⸗ 160 rere Reſte alter Ortſchaften. Dann kam er den 3. Maͤrz nach M omfallot, einer Stadt von großer Ausdehnung, ſchoͤn gebaur zur Seite des Nils, dem Sitze des Gouverneurs der Provinz. Dann ſetzte er am 7ten ſeine Reiſe nach Siut fort, machte hier die Bekanntſchaft des Biſchofs, und beſichtigte die Stadt. Siut iſt groß, ſehr bevoͤlkert, hat eine ſchoͤne Lage, und in ſeiner Umgebung befinden ſich viele Kloͤſter. In der Naͤhe der Stadt ſah Wansleben eine in einen Felſen gehauene Grotte von ſolcher Groͤße, daß 1000 Reiter ſich darin aufſtellen koͤnnen. Von hier reiſte er nach Tahta oder Tatha, und ſetzte am 18ten ſeinen Weg nach dem heruͤhmten Klo⸗ ſter des heiligen Sennode fort, welches eine halbe Tagreiſe entfernt iſt. Es beſindet ſich bei den Ruinen der alten Stadt Atribis oder Adribe, und man trifft Ueberbleibſel von den ſchoͤnſten Gebaͤuden Aegyp⸗ tens. Von den s großen Granitthoren iſt nur eines zum Eintritt offen, das Innere iſt vielfach zerſtoͤrt, uͤberall ſindet man hieroglyphiſche Figuren; auf den Steinen und an der Mauer, die es umſchließt, befin⸗ det ſich ein ſehr ſchoͤnes Geſimſe aus weiſem Marmor. Am folgenden Tage ſah er das rothe Kloſter, von den Backſteinen alſo genannt. Sein Stifter ſoll Am⸗ ba Biscivi geweſen ſeyn, der das Handwerk ei⸗ nes Raͤubers mit einem gottſeligen Wandel vertauſcht haute. Das Kloſter bietet ſo wenig Merkwuͤrdiges dar, als jenes des h. Arhanas, oder der heil. Jungfrau .. 2 * 161 zu Daron oder Doronk(d. i. Kloſter der Un⸗ ſchuldigen). In der Naͤhe ſind auch die Reſte des Kloſters, d. h. Severus. Am 26. Maͤrz reiſte Wansleben nach Mom⸗ pfallor zuruͤck. Da man Befehl gegeben hatte; ihn zu Girge feſtzuhalten, ſo war er genoͤthiget, durch einen Umweg ſich zu ſchuͤtzen, und ſetzte den zsten ſei⸗ nen Weg nach Melave fort, wo er den Rath des Erzprieſters folgte, nach dem Kloſter des heil Jo⸗ hannes zu wandern, in deſſen Naͤhe ebenfalls meh⸗ rere Grotten alter Eremten ſich befanden, auch fah er hier ein Kloſter nebſt ſeiner Kirche in den Felſen eingehauen. 4 „Am 3. April beſuchte er die alte Stadt Inſine, woſelbſt er die Saͤnle von Mark⸗Aurel, den Tri⸗ umphbogen, welcher gut gehalten iſt, wie das Grab des Mahomet⸗Bey, und die Runnen eines vor⸗ mals ſehr praͤchtigen Palaſtes Abul⸗Kerum ſah. Am 4. April fuͤhrte ihn ſein Begleiter in ein ſehens⸗ werthes Thal, Vadi oder Stadigamus. Bei ſeiner Ruͤckkehr nach Infine ſah er noch die uͤbrigen Merkwuͤrdigkeiten, und beſonders die Saͤulen von dem Palaſte Abul⸗Kerum, deren jede 13 Fuß im um⸗ fange hat. Der Saͤule Mark⸗Aurels Durchmeſſer iſt 3 Fuß und 7 Soll; und ihr Fußgeſtell 13 Fuß hoch. Am 7. April ſah er die Grotten bei dem Kloſter Amba Biscioi, oor allen jene, welche man die hieroglyphiſche nenut. Sie iſt viereckig, in Felſen ge⸗ 162 hauen, 24 Fuß lang, 18 1/2 breit, 12 hoch. Sie iſt mit Hieroglyphen und Gemaͤlden angefuͤllt, deren Farbe ſich in groͤßter Friſche erhalten hatte, wie ſie Wanslebeu beſchaute. Nachdem dieſer ſich im Kloſter Abu⸗Hennis „ Tage verweilt hatte, kehrte er am 8. April nach Melave zuruͤck, und ſetzte ſeine Reiſe nach Minie fort. Dieſe Stadt iſt alt, groß, anſehnlich, am Ufer des Nils gelegen. Hier verfertigte man die in Kairo ſo geſchaͤtzten Kruͤge, um das Waſſer friſch zu er⸗ halten. 3 Am zg8ten ſchiffte er ſich bei gutem Winde ein, kam vor dem ſogenannten Fenſter, einer großen, in einem Felſen befindlichen, Oeffnung vorbei, uͤbernach⸗ tete zu Benem⸗Zaar, einem großen Dorfe am Nil, reiſte am 20ten bei guͤnſtigem Suͤd⸗Oſtwind ge⸗ gen Bene⸗Suefab, wo er am ꝛtten anlangte. Am 24ten war er wieder in Kairo, ohne ſeinen Plan, die Stadt Isne zu ſehen, erfuͤllt zu haben. Am 14. Juni ſah er zu Kairo den merkwuͤrdi⸗ gen Marmor in Form einer Traͤnke, deſſen Waſſer vormals die Kranken ſoll geheilet haben. Auch ſah er den merkwuͤrdigen Joſephs⸗Brunnen.„Ein Aufenthalt von 8 Monaten in einer ſo gefahrvollen Stadt, ließ Wansleben auf ſeine Sicherheit den⸗ ken, und er beſchloß nach Konſtantinopel zu rei⸗ ſen.“— Daher verließ er Kairo am 12. Oktober 1673. —— 163 Der guͤnſtige Wind, die Stroͤmung des Nils brachte ihn ſchnell nach Noſette. Hier reiſte er am 20ren uͤber Chios nach Smyrna, woſelbſt er bis zum 13. Maͤrz verweilte. Von hier ſegelte er mit dem brittiſchen Geſandten ab, und erreichte am 24ten d. M. Konſtantinopel, in welcher Stadt und deren Um⸗ gegend er ſich bis zum 28. Oktober verweilte. Endlich ſchiffte er ſich am 9. Januar auf einem franzoͤſiſchen Schiffe ein. Ein fuͤrchterlicher Sturm noͤthigte das⸗ ſelbe aber auf Candia zu landen, dann ſegelte er nach Milo, verweilte daſelbſt einige Zeit, und kam dann uͤber Genua(Gennes) nach Toulon. Am 22. April gelaugte Wansleben gluͤcklich zu Parisan. Tagebuch der Reiſe eines Präfekten der Franziskaner, aus dem Kloſter für die Verbreitung des Glaubens zu Groß⸗Kairo von dem Berge Sinai, vom 1. Sept. bis zum 16. Okt. 1722*). — Am. Sept. 1722 nach Mittags 2 Uhr verſammelte ſich die Reiſe⸗Geſellſchaft im Hauſe des Praͤfekten. Sie *) Aus dem Arabiſchen in das Engliſche uͤberſetzt vom irländiſchen Biſchofe Robert Clayton zu Clogher, d. i. A Journal from grand Vairo to mount Sinai andiback again written by the Prefetto of Egypt. London 1255, und mit Aumerkungen uͤber den Urſprung der Hie⸗ roglyphen, und uͤber die Mythologie der alten Heiden, der Geſellſchaft der Alterthuͤmer in Fondon zugeeignet. Aus der verb. eugl. Aus⸗ gabe verteutſcht von J. P. Caſſel. Mit Kupf. M 165 beſtand aus den Kaufleuten Choga Abrahim Moßaad, Jakob Uhabez Abdelazizz aus dem Sohne des franzoͤſiſchen Kaufmanns Beroué, und drei Bruͤdern, naͤmlich Jakob aus Boͤhmen, Ab⸗ Hannover 1154. 8.— R. Clayton machte ſich vorzuͤglich durch ſeine Beſtreitung der Lehre non der Gottheit Chriſtt, und durch die Aus⸗ ſetzung eines Preiſes von 3000 Thalern zu einer Reiſe nach dem wuͤſten Arabien, die daſigen Felſen⸗Inſchriften abzuzeichnen, bekannt; er ſtarb 25. Febr. 1758.— Er verfaßte noch: 1) The chronology of the hebrew Bible vindicated. London 1747. 4. 2) Introduction into the history of che. Jews. Lond. 1750. 4. 3) An essay on spirit, wherein the doctrine of the Trinity is considered. Lond. 1752. 8. 4) A vindication of the hi- stories of the old and new testament, in answer to the objections of the Lord Boling- broke etc. London and Dublin 1754. 8. 2 Vol.(Rezenſirt in den Goͤtting. Anzeigen von gelehrten Sachen 1753. Nr. 122. S. 1097; und in Baumgarten's merkw. Buͤchern Th. 1V. und IX.)— Joh. Phil. Caſſel war als Profeſſor der Beredſamkeit und freien Kuͤnſte zu Bremen, wo er 1707 geboren, und 17. Juli 1783 geſtorben iſt, ein ſehr thaͤtiger Schriffſtel⸗ ler.(Vgl. Adelung, Hamberger und Meuſel.) Vom Praͤ fekten ſelbſt konnte ich keine wei⸗ tere Nachrichten finden, als daß er aus Italien zu ſtammen ſcheint. Ein Braͤfekt iſt in Aegyp⸗ ten, was ein Guardian in Europa. Jeſniten Slias aus Aleppo, und dem Franziska⸗ ner Karl, welcher Superior der Kapuziner war. Nach bruͤderlicher Umarmung nahm der Praͤfekt Abſchied von den uͤbrigen Freunden und Hausgenoſſen. Wir begaben uns in das Kloſter des Berges Sinai zu Kairo, und dann an das beruͤhmte Thor Baabel Naaſar, wo wir uns in der Betrachtung dieſes al⸗ ten und herrlichen Bauwerkes verweilten, bis die ganze Karawane ſich verſammelt hatte. Unter Anfuͤhrung des Unter⸗Paſſa, und in Begleitung verſchiedener Morgenlaͤnder, welche Freunde der Kaufleute zu Kairo waren, reiſten wir ab. Wir richteten unſeren Weg gegen Oſt zwiſchen den Ruinen, welche von der Son⸗ neſtadt(Heliopolis) noch uͤbrig, und mit tuͤrkiſchen Graͤbern fetzt vermiſcht waren. In einer Entfernung 1„½ Stunde von dem Thore erreichten wir den Ort Ukalt el Bahaar, wohin die vom Zahne der Zeit zernagten Gebaͤude und Thuͤrme ſich erſtrecken. Hier hatten die Moͤnche des Kloſters rom Berge Sinai ein großes Steingebaͤude in grauer Vorzeit errichtet, welches ſich an die Ruinen zu reihen drohte. Daſelbſt brachten wir mit den Kamelen und anderen Thieren bei mirtelmaͤßiger Verpflegung die Nacht zu. Un ſere Ruhe wurde nur durch den Laͤrm und den unharmo⸗ niſchen Geſaug der Morgenlaͤnder geſtoͤrt, welche dadurch gleichſam die Bewillkommnung der Geſellſchaft aus⸗ druͤcken wollten. geordneter von der Verbreitung des Glaubens; dem 167 Bei dem Aubruche des 2. Sept. waren die s0 Ka⸗ mele kaum wieder beladen, ſo nahmen wir von den Freunden aus Kairo Abſchied, und zogen um 5 Uhr theils auf Pferden, theils auf Kamelen, theils auf Dromedaren ab. Der Praͤfekt ließ ſich theils aus Neu⸗ gierde, theils aus Bequemlichkeit nach tuͤrkiſcher Art in einer Art von Seufte(Mohie) tragen, wozu er ſich nach Landes⸗Art ſetzte. Zwei ſolche Sitze wer⸗ den auf einem Kamel befeſtigt, und haͤngen auf jeder Seite herab; ſie ſind fuͤr zwei Perſonen bequem ge⸗ nug, wenn man daran gewoͤhnt iſ*). Der junge Berous haͤtte auf ſeinem wilden, obgleich ſchoͤnen Pferde das Leben verloren, waͤre er nicht ſechnell ab⸗ geſtiegen und auf ein Kamel gekommen. In einer Stunde erreichten wir das Dorf Sibel glem, deſſen rechte Sefte eine mit Palm⸗Baͤumen umgebene Moſchee zierte, von welchen reife Tatteln herabhingen. Nach 34 Stunden zogen wir links vor dem Dorfe Matharea zwiſchen Baͤumen voruͤber. Eine halbe Stunde davon ſahen wir einen geraden Obe⸗ lisk von 6s Fuß in der Hoͤhe, und 1 F. 8 Zoll all⸗ *) Dieſe Abbildung und Beſchreibung lieferte ſchon Breuning von und zu Buochen bach in der orientaliſchen Reiſe. Strasburg, 1642. Fol.; und Braitenbach beregrinatio in Aegyp- tum, Arabiam etc. Studio Chr. Dopaueri Norimb. 1594., 4. 168 ſeitiger Breite, welcher ganz mit Hieroglyphen uͤber⸗ ſchrieben war; nicht weit davon hatte ſich ein gleich großer auf den Grund geneigt. Nach 5/4 Stunden zogen wir vor dem zur Rechten liegenden Flecken El Mange vorbei, welcher eben⸗ falls mit Palm⸗Baͤumen umgeben war. Gegen ³ Uhr erreichten wir Chanke, wo wir unſere Zelte auf⸗ ſchlagen, und uns erfriſchten, nachdem wir von der heißen Sonne ſchon viel gelitten hatten. Die Bewoh⸗ ner dieſes Dorfes heißen Bedwinen, und leben, wie die Araber, bloß unter Zelten aus einem ſchlech⸗ ten Stuͤcke Kanifas; dieſe ſind in drei Gemaͤcher ein⸗ getheilt, wovon das hinterſte bloß von Weibern, das mittlere von Maͤunern und Weibern unter einander, und das vordere von Huͤhnern, Ziegen, Rindvieh und anderen Thieren beſetzt iſt. Dieſe arme Einfachheit gab der Karawane eine Vorſtellung von den Wohnun⸗ gen der Patriarchen Abraham, Iſaak, Jakob ec. Am 3. Sept. 3 Uhr nach Mittags brachen wir von hier auf: kaum waren wir eine Stunde vorge⸗ ruͤckt, ſo verloren wir die Kette von Bergen aus dem Geſichte, welche wir gegen Suͤd in weiter Ferne ſa⸗ hen*). Bald ſahen wir gegen Nord Sandhuͤgel, 7 *) R. Clayton glaubt, hier ſei Moſes umge⸗ kehrt, und habe ſich vor Etham gelagert, als er im Lande, oder in der Reihe der gegen Suͤd —-—— —-——— 169 welche den mit Schnee bedeckten Huͤgeln Italien's ziemlich aͤhnlich waren, und welche wir 3 Stunden vor dem Auge behielten, bis es dunkel wurde. Ein⸗ geborne behaupteten, dieſe Huͤgel zoͤgen ſich bis Da⸗ mietta, wo wir um 8 4 Uhr ankamen. Wir la⸗ gerten dieſe Nacht unter freiem Himmel in der Naͤhe einer noch groͤßeren Karawane, welche vor uns ausge⸗ wandert, und hier gleichfalls ſich gelagert hatte. Am 4. Sept. fruͤh 44/2 Uhr richteten wir unſeren Zug nach Oſt, oder vielmehr nach Oſt⸗Nord⸗Oſt durch einer Reihe kleiner Huͤgel, bis wir um 10 1/2 Uhr in einem angenehmen und gruͤnen Thale zur Ein⸗ nahme unſeres Mahles hielten. Nachmittags 1 Uhr ſetzten wir unſeren Zug fort, und kamen um s Uhr bei rauhen, gegen Suͤd gelegenen Bergen an, neben welchen wir noch 3 Stunden fortwandelten. Am 3. Sept. ſtanden wir Nachts um 112 Uhr bei dem Scheine des Mondes auf, und gingen uͤber Huͤgel, welche gegen den Anbruch des Tages ſanft ſich verloren. Um 7 ⁄1 Uhr zogen wir bei Hagirut oder Agirut vorbei, auf deſſen linker Seite die Kamele getraͤnkt wurden. Bald entdeikten wir das rothe Meer und einige Schiffe im Hafen, zwelche nach liegenden Berge ſchien irre geworden zu ſeyn. 2. Moſ. 13, 20., und 14, 2— 3. Shaws tra- vels p. 545.. 9tes B. Aegypton. I. 2. 4 170 Gibda abfuhren. Um 10 3¼ Uhr erreichten wir die Stadt Sues; wir ſchlugen unſere Zelte vor den Mauern an der Seekuͤſte zum Schutze gegen die Hitze des Tages auf; die Stadt lag uns gegen Suͤd, das Meer gegen Nordoſt. Ddie Stadt Suez*) iſt klein und unanſehnlich, ihre Mauern ſind ſchon zur Haͤlfte eingefallen, und ſie hat nur 3 kleine Moſcheen. Sie liegt im 29. Grade 50 Minuten noͤrdlicher Breite an der Spitze des ro⸗ then Meeres, hat dieſes gegen Oſt und den Hafen gegen Suͤd, welcher an der Oſtſeite mit einer Inſel umgeben iſt. Bei unſerer Anweſenheit lagen 10 ſegel⸗ fertige Schiffe darin, deren Mannſchaft jetzt den groͤß⸗ ten Theil der Einwohner ausmacht. Nach deren Ab⸗ fahrt kehren die uͤbrigen Einwohner nach Kairo zuruͤck, und laſſen nur 1—2 Perſonen als Wache, wegen des zu großen Mangels an Lebensmitteln und Trinkwaſſer zuruͤck. Denn die ganze Umgebung iſt unfruchtbar, und das naͤchſte Waſſer iſt 68— 7 Stun⸗ den nordoͤſtlich entfernt. Zu deſſen Lieferung werden die Kamele um 4 Uhr nach Mittags abgeſendet; um Mitternacht treffen ſie dort ein, und kehren gleich nach der Fuͤllung ihrer Gefaͤße zuruͤck; gewoͤhnlich tref⸗ fen ſie Morgens 8 Uhr zu Suez wieder ein. Ein 6 ——— *) Beſchreibungen derſelben liefert 1 2 * Seſch and Wnlde. ferten bereits Breu — —— — — —— ſes“)(Ain el Muſa) zwiſchen kleinen Huͤgeln 171 kleines Gefaͤß Waſſer wird mit 3— 4 Medinas(etwa 3— 4 Kreuzern) bezahlt. 1 22 Ganz nahe an unſeren Zelten erhob ſich ein Huͤgel mit Nuinen von Gebaͤuden, welche Ueberbleibſel einer alten Stadt ſeyn ſollten. Auf dem Huͤgel, wie in der Stadt, lagen einige Kanonen ohne Laveten mit grabiſchen Charakteren, nach welchen ſie im XVI. Jahr⸗ hunderte gefertigt wurden. Am 6. Sept. fruͤh begaben wir uns, um einen großen Umweg um die noͤrdliche Spitze dieſes Armes des rothen Meeres zu vermeiden, zu Schiff, und fuh⸗ ren von der afrikaniſchen Kuͤſte in 4¼ Stunde an jene Aſien's, waͤhrend wir einigen kleinen Schiffen begeg⸗⸗ neten, welche zu Suez Waſſer holen ſollten. Nachdem wir das rothe Meer durchſchifft hatten, fuͤhlten wir wieder die Laſt zu großer Hitze der Sonne. Wir belaſteten unſere Kamele, und entfernten uns um 11 Uhr vom Landungsplatze. Nach 3 Stunden verließen wir gegen Oſt⸗Suͤd⸗Oſt die weit links ge⸗ legenen Berge, und hatten zur Rechten das rothe Meer; um 2 Uhr ruhten wir bei den Quellen Mo⸗ aus. Das Waſſer iſt ertraͤglich un, obgleich von ei⸗ *) Der Berge geſchieht Erwaͤhnung 1. Moſ. 15, 18., und öi Pococks Reiſen 1. 201, der Quellen, wie 2. Myſ. 16. 172 zem vorherrſchenden Salzgeſchmacke. Der Sand iſt aber ſo heiß, daß er das Waſſer ſchon im Hervorſpru⸗ deln verſchlingt; weswegen daſſelbe Nachts weitere Spuren zuruͤck laͤßt. Weſtſuͤdweſtlich von dieſen Quel⸗ len, wohin man zu Land von Suez aus erſt in 7—8 Stunden kommen wuͤrde, iſt die Oeffnung in den Ge⸗ birgen jenſeits des rothen Meeres zu ſehen, deren die h. Schrift bei dem Zuſammentreffen der Kinder Iſrael's mit Pharav's Heere erwaͤhnt*). Die Breite des Meeres daſelbſt mag 4—s Stunden betragen. Wir ruhten am Dorfe Sedur bis zum Untergange der Sonne aus. Um 6 1/4 Uhr ſetzten wir unſeren Zug durch die Wuͤſte Sedur ohne NRuͤckſicht auf die rechte Bahn fort, bis wir um Mitternacht Halt machten, um auf einem kleinen Sandhuͤgel etwas zu ſchlafen. Am 7. Sept. 6 3ſa Uhr fruͤh gingen wir weiter durch die Wuͤſte Ou ardan in allmaͤhliger Entfernung vom rothen Meere zu drei Meilen. Von 103ſ4 bis 3 Uhr ſuchten wir uns durch ein ſchmales Mittags⸗ mahl und einige Ruhe zu erquicken, und gingen dann auf der Ebene in großer Hitze bis 8 Uhr Abends fort. Am 8. Sept. 3 Uhr fruͤh richteten wir unſeren Weg uͤber verſchiedene Huͤgel und Thaͤler bis zum Berge Gebel Haman el Faran oder Paran. *) 2. Moſ. 14, 2. Philost. Lib. 3. C. 6. Breu⸗ ning S. 182. 3 4 3 173 Um? Uhr fanden wir verſchiedene Baͤume und einige gruͤne Gegenden von dem unfruchtbarſten Sande um⸗ geben. Von den Bergen wehte eine hoͤchſt erquickende Luft herab. In einem ſehr angenehmen Waͤldchen am Fuße jenes Berges ruhten wir bis 8 3ſ4 Uhr im Dorfe Garondou aus. Das daſige Thal iſt mit Palm⸗ und anderen hoͤchſt wohlriechenden Baͤumen beſetzt⸗ deren Ausduͤnſtung jenem des peruoianiſchen Balſams gleicht. Auch wird es von einem Bache, hellen und trinkbaren, obgleich bitteren Waſſers durchſchlaͤngelt, welcher ſich in das rothe Meer ergießt. Manche glauben, hier ſei der Ort, wovon 2. Mof. 15, 23. ge⸗ ſprochen wird. Am 9. Sept. 1 Uhr fruͤh brachen wir aus dieſem Thale auf; aber kaum hatten wir es verlaſſen„als un⸗ ſere Fuͤhrer den Abgang zweier Kamele merkten, wel⸗ che waͤhrend der Nacht waren geſtohlen worden. Die Karawane hielt ſtill, damit die Fuͤhrer dieſe ſuchten, aber vergebens; wir ſetzten alſo unſere Reiſe den gan⸗ zen Morgen bis 11 1ſ4 Uhr fort. Der Wechſel von Huͤgeln und Thaͤlern kam uns nicht beſchwerlich vor. Wir trafen verſchiedene gruͤne Buͤſche und ſtachelichte Baͤume an, welche die Araber Cha ſem uennen; zu beiden Seiten unſeres Weges thuͤrmten ſich hohe und rauhe Gebirge auf. Unter einem ſolchen marmorrei⸗ chen Huͤgel hielten wir Mittags. um 33ſ1 Uhr ſetz⸗ ten wir unſeren Zug uͤber einen ſandigen Boden fort, zu deſſen beiden Seiten Huͤgel und Berge waren. Bei 174 dem Untergange der Sonne kamen wir auf eine breite, von Bergen eingeſchloſſene Ebene, welche ſich allmaͤlig erhoͤhte, bis wir um 9 Uhr das Thal Neſo erreicht bacten, in welchem ein Dorf gleiches Namens von einer Quelle ſehr angenehmen Waſſers begluͤckt iſt. Waͤhrend wir hier bis zum 10. September Abends 4 Uhr verweilten, verſahen wir uns mit Waſſer. Wir ſetzten unſere Wanderung uͤber Huͤgel und Berge bis zum Orte Chamil fort, wo wir ſchliefen. Am 11. Sept. 51ſ4 Uhr wanderten wir uͤber einen rauhen Berg von Marmorſtuͤcken, und gelangten nach vielen Beſchwerden endlich auf einen ſehr hohen Berg. Waͤhrend dieſes Zuges waren zu beiden Seiten ſehr hohe Gebirge des ſchoͤnſten und bunteſten Granits, de⸗ ren Spitze wir erſt um 11 3ſu Uhr muͤhſam erſtiegen, wo wir den Berg der h. Katharine ſahen. Ohne Anſtrengung kamen wir in das Thal hinab, in deſſen ausgebreiteter Ebene wir an dem Orte Gl Barah um 13ſ4 Uhr hielten. Nach einem kurzen Mittags⸗ mahle erſtiegen wir einen weder ſteilen noch rauhen Berg, von deſſen Hoͤhe wir durch eine Mormorſchlucht bis zum Untergange der Sonne in ein Thal hinab kamen. Von hier wendeten wir uns links in ein an⸗ deres auf beiden Seiten mit hohen Bergen eingeſchloſ⸗ ſenes Thal. Auf einem Huͤgel machten wir um 71ſ2 Uhr bei dem Dorfe Marah Nachtauartier, wo wir von einer ſehr ſcharfen und durchdringenden Kaͤlte 175 gequaͤlt wurden. Von hier bis zum Berge Sinai iſt der Weg ganz eben zwiſchen Granit⸗Gebirgen. Am 12. Sept. 21ſ2 Uhr fruͤh wanderten wir uͤber einen ſandigen Thalweg zwiſchen Bergen, und kamen bis zum Aufgange der Sonne ſchon an den angeneh⸗ men und luſtigen Ort Barak. Der daſige Hain ſchien uns um ſo reitzender, als wir bisher uͤber ſo viele Schauer erregende Felſen, Huͤgel und Berge ge⸗ ſtiegen waren. Sobald wir uns im Haine eine Stunde erquickt hatten, ſetzten wir unſeren Weg fort, welcher bald gegen Oſt, bald gegen Nord, bald gegen Suͤd durch verſchiedene Kruͤmmungen fuͤhrte, weil wir den rechten Weg mauchmal verfehlten. Um s Uhr ſtießen wir auf einen einzeln ſtehenden Felſen, welcher den Tuͤrken heilig iſt. Denn der Prophet Mahomet ſoll hier ausgeruht, und bei jeder Niederlaſſung dem Felſen, wie weichem Wachſe, eine Vertiefung einge⸗ druͤckt haben, welche noch ſichtbar iſt. Aus dieſem Grunde naͤhern ſich alle Tuͤrken dieſem Felſen mit be⸗ ſonderer Ehrfurcht; ſie beſtreichen ihn mit Haͤnden, und kuͤſſen ihn. Um den beſten Weg nach dem Berge Sinai zu gewinnen, nahmen wir auf der linken Seite einen großen Umweg, was auch unſeren Kamelen ſehr dien⸗ lich war. Um 9 3/4 Uhr gingen wir an einer Moſchee voruͤber, wo ein gewiſſer Shiach Saleh begraben liegt, welchen die Tuͤrken hoch verehren. Deßwegen gingen mehre unſerer Fuͤhrer dahin, Seegen zu holen; 176 damit aber alle unſere Thiere daran Theil nahmen, brachten ſie viel kleinen Sand zuruͤck, womit ſie dieſe beſtreuten. Gegen Mittag ſahen wir einige viereckige Gebaͤude in der Naͤhe des Berges Sinai, welcher die Araber als Kornſcheunen ſich bedienen. Auf der linken Seite ſahen wir den mit Baͤumen dicht beſetzten Garten des Kloſters am Fuße des Berges. In ſuͤdlicher Richtung, dieſem Garten gegenuͤber, ſahen wir ein anderes offe⸗ nes Thal gegen Suͤdoſt, in deſſen Mitte das Kloſter des h. Berges Sinai ſteht, welches von grfechiſchen Moöoͤnchen bewohnt wird. Wir erſtiegen daſſelbe zu Fuß, theils aus Ehrfurcht, theils wegen des beſchwer⸗ lichen Weges zwiſchen zwei ſehr hohen Bergen, deren nordoͤſtlicher nach dem h. Spiſtem(Beſtin) genannt wird, der andere zur Rechten aber Horeb(Choreb) heißt. In der Mitte beider liegt das Kloſter, 28 Grad noͤrdlicher Breite, in laͤnglichter Geſtalt mit einem großen Thore gegen Nordweſt. Die nordweſtliche und ſuͤdecliche Seite des Kloſters haben eine Laͤnge von 204 Fuß; die nordoͤſtliche und fuͤdweſtliche 215. Das Ganze iſt aus 63ſ4 Fuß breiten viereckigen Quadern aufgefuͤhrt, aber die Seiten ſind wegen der abhaͤngi⸗ gen Lage von ungleicher Hoͤhe; die weſtliche Ecke war 45 Fuß hoch.— Zur Beſeitigung der Einfaͤlle der Araber iſt das große Thor ſtets zugemauert, und wird nur fuͤr den Einzug eines neuen Erzbiſchofs geoͤffnet. Jeder andere, 177 welcher dahin zu kommen wuͤnſcht; wird aus einer Tiefe von 30 Fuß durch ein großes Fenſter auf der nordoͤſtlichen Seite mittelſt eines Seiles in die Hoͤhe gezogen. Im Kloſter iſt nichts merkwuͤrdiges; alle Gebaͤude und Wohnungen der Moͤnche, wie die klei⸗ nen Kapellen, ſind aus rauhen Ziegelſteinen unregel⸗ maͤßig und ordnungswidrig aufgefuͤhrt, und bilden zum Theile krumme und finſtere Gaͤnge mit verſchie⸗ denen Auf⸗ und Abſtufungen. Das Gebaͤude der Kirche von der Verklaͤrung des Heilaudes aber, welches vom K. Juſtinian gebaut ſeyn ſoll, iſt 8o Fuß lang und 35 breit, und har noch auf beiden Seiten mehre kleine Kapellen. Drei Reihen Pfeiler bilden drei Vorkirchen; der Fußboden iſt mit Figuren verſchiedenen Marmors belegt; der Hochaltar iſt nach griechiſcher Art ganz vergoldet. Der Chor iſt von Innen und Außen oval geſtaltet, und die Verklaͤrung Jeſu in Moſaik dargeſtellt; außen iſt die Statue des K. Juſtinian. Vor dem Presbyterium ſind 4 Leuchter aus Bronze, deren zwei praͤchtig gearbeitete 6 Fuß hoch ſind, zwei andere in der Mitte der Kirche herab haͤngen. Mehre Lampen von Gold 5 Silber haͤngen theils im Schiffe, theils im Chore, und eine reich mit Edelſteinen beſetzte vor dem großen Altare Naͤchſt der Hauptkirche iſt die kleine Kapelle des Buſches(Senne) an dem Orte, wo Gott dem Mo⸗ ſes in einem brennenden Buſche erſchienen ſeyn ſoll, unmittelbar mit der Mauer des Presbyteriums ver⸗ , 178 bunden. Ihre innere Verzierung und Bereicherung iſt ganz uͤbereinſtimmend mit der großen Kirche. Sie ſoll von der Koͤnigin Helene gebaut ſeyn; der Platz des Buſches unter dem Altare iſt mit ſilbernen Plat⸗ ten bedeckt, auf welchen zwei s Fuß hohe Leuchter aus Silber ſtehen. Auf der anderen Seite iſt die fuͤd⸗ liche Kapelle den 70 Maͤrtyrern, und die noͤrdliche dem b. Jakob gewidmet. Bei dem Eintritte in die große Kirche ſind auf der Suͤdſeite drei Kapellen, wie auf der noͤrdlichen. Die ganze Kirche iſt mit Blei gedeckt. Außer dieſen fud noch 11 andere kleine Kirchen in der Umgebung, und eine Moſchee mit einem kleinen Thurme fuͤr die Tuͤrken, zu deren Erhaltung ihnen von Mahomet ſelbſt große Freiheiten bewilliget wurden.. Die Zeit der Erbauung des Kloſters iſt ungewiß, auf jeden Fall nicht vor der Regierung des K. Juſti⸗ nian. Bei unſerem Eintritte wurden wir mit großer Hoͤflichkeit, Freundlichkeit und Achtung empfangen, beſonders vom Erzbiſchofe Jganikins als Vorſteher deſſelben, welcher uns ein ſehr gutes Abendeſſen und begueme fuͤnf Gemaͤcher im neu gebauten Theile des Kloſters bereitete. Zu unſerer Erheiterung erlaubte er uns auch, im Garten zu luſtwandeln, was den Moͤnchen nicht erlaubt iſt. Wir haben daſelbſt ein Zelt aufgeſchlagen, und taͤglich Mittags und Abends darin geſpeiſet. Dieſer Garten liegt außerhalb der Mauer des Kloſters gegen Nordweſt, iſt groß und 179 weitlaͤufig, und mit Waſſer hinlaͤnglich verſehen. Da⸗ ber ſahen wir auch Mandel⸗, Aepfel⸗, Pfirſich⸗, Birn⸗, Granat-, Feigen⸗ und Dlivenbaͤume, zum Theil mit ganz reifen Fruͤchten, ſehr koͤſtliche rothe und weiße Trauben, von welchen wir mit Luſt genoſ⸗ ſen haben, weil die Atmosphaͤre aͤußerſt fein und er⸗ auickend war. Es kam uns vor, als ſeien wir in Frankreich waͤhrend eines hoͤchſt gelinden Septembers; die Hitze des Tages war außerordentlich groß, und die naͤchtliche Kaͤlte ſehr maͤßig. Deſſen ungeachtet ſoll waͤhrend des Winters hier ſehr viel Schnee fallen, und die Kaͤlte eben ſo unertraͤglich ſeyn, als im Som⸗ mer die Hitze. 4 Am 13. Sept. wurden wir zur feierlichen Meſſe eingeladen, welche der Erzbiſchof in prieſterlichem An⸗ zuge mit einer koſtbaren kaiſerlichen Krone aus Silber auf dem Haupte, umgeben von mehreren Prieſtern, hielt. Mittags ſpeiſten wir mit dem Erzbiſchofe und uͤbrigen Moͤnchen, welche an einem beſondern Tiſche ſaßen, im Refectorium. Nach dem Mittagsmahle nahm jeder ein Stuͤckchen Brod, ſchnitt etwas davon ab, und trank aus einem gemeinſchaftlichen Becher, wozu der Erzbiſchof den Anfang machte; dann gingen wir aus einander. Durch dieſe Zeremonie wird die wechſelſeitige Liebe und Wohlthaͤtigkeit ausgedruͤckt. Am 16. Sept. 2 Uhr nach Mittags fingen wir an die Umgebung zu beſchauen. Vorerſt erſtiegen wir den Berg Sinai, wozu 15000 Tritte in die Felſen ge⸗ 180 hauen ſind, wodurch die Anſtrengung ſehr vermindert wird. Der Weg fuͤhrt gegen die ſuͤdliche Seite; kaum hatten wir 1⁄½ Stunde davon zuruͤck gelegt, ſo wur⸗ den wir von einer Quelle ſehr kalten Waſſers uͤber⸗ raſcht, welches aus dem Felſen ſpringt, und eine Grotte daſelbſt bildet. Nach einer zweiten 1ſ2 Stunde ſtießen wir an eine Maria⸗Kavelle, wovon der ſei⸗ nerne Fußſteig bis zum engen und verſchloſſenen Wege fuͤhrt, an welcher Stelle einſt die Pilger von Beicht⸗ vaͤtern angehalten wurden, den 24. Pfalm zu ſprechen. Sobald wir durch dieſe Thuͤre gegangen waren, ſtellte ſich ein ſehr ſteiler, faſt ſenkrecht hoher Berg gegen Weſt entgegen. Nahe an der Spitze des Felſen wuchs ein ſchoͤner Baum, wie aus einer Maner. Nach 1ſ4 Stunde gingen wir durch eine zweite Thuͤre auf eine ſchoͤne Ebene, wo zwei ſchoͤne Cypreſſen⸗ und drei Oelbaͤume ſtanden. Nicht weit davon war fuͤßes Waſſer, welches ſich aus Regen und geſchmolzenem Schnee waͤhrend des Winters geſammelt hatte. Dieſe „Ebene war ganz von Bergen umgeben, welche zwei Chaͤler bilden, wovon eines nach Nordweſt, das an⸗ dere nach Suͤdweſt gerade in das Kloſter der 40 Maͤr⸗ tyrer fuͤhrt. Am 16. Sept. fruͤh vor dem Anbruche des Tages fingen wir an den Berg Singi zu erſteigen. Wir begannen bei der Kirche des h. Elias; waͤre nicht eine Stufenleiter durch breite Steine, welche uͤber einander liegen, bereitet geweſen; ſo waͤre uns der — 181 ſteile gegen Suͤden gerichtete Weg noch beſchwerlicher geweſen, als am vorigen Tage. Nachdem wir 3/4 Stunde hinauf geſtiegen waren, wurde uns ein Ort zur Linken gezeigt, Lou weichem die Mahemeguer glauben, daß ihr Prophet mit ſeinem Kamel daſelbſt vom Erzengel Gabriel in den Himmel gezogen wor⸗ den ſei. Dieſes Kamel ſei ſo groß geweſen, daß es mit einem Fuße zu Mekka, mit dem andern zu Dam ask, mit dem dritten zu Kahiro, und mit dem vierten auf dem Berge Singi geſtanden ſei, wobei ſein Fuß im harten Marmorfelſen daſelbſt eine Vertiefung eingedruͤckt habe. Dieſe Erdichtung wird von allen Mahometanern als die unerſchuͤtterlichſte Wahrheit geglaubt, obſchon die griechiſchen Moͤnche geſtehen, daß ihre Vorgaͤnger ſelbſt dieſe Vertiefung gemacht haben, um den Kuͤrken mehr Ehrfurcht gegen den Berg Sinai einzupragen. 1 Nach 1⁄4 Stunde erreichten wir endlich den Berg Sinai, auf deſſen Ebene wir eine Kirche und Mo⸗ ſchee ſahen. Ehemals ſoll ein ſehr großer Tempel da⸗ ſelbſt geſtanden ſeyn, welchen die Mahometaner zer⸗ ſtoͤrten, und dann einen Theil der Ebene gegen Nord den Chriſten uͤberließen, den anderen gegen Suͤd ſich vorbehielten. Vor der Kirche iſt eine Hoͤhle in dem nahen Felſen, wodurch der Eingang ſehr verengt iſt; von dieſer Hoͤhle hat man den Chriſten, nach 2. Moſ. 33, 21., eben ſo abentheuerliche Bilder gegeben, wiß die Tuͤrken vom Fuße des Kamels erhalten haben. 182 Schreitet man auf dieſer Ebene vorwaͤrts, ſo kommt man in eine Kirche mit zwei Kapellen, fuͤr die Griechen und Roͤmiſch⸗Katholiſchen, worauf die bib⸗ liſche Stelle, 2. Moſ. 31, 18., Bezug haben ſoll. Die tuͤrkiſche Moſchee auf der anderen Seite gegen Suͤd⸗ Suͤdweſt hat eine laͤnglichte Geſtalt; man findet in ihr verſchiedene Gefaͤße mit Myrthen und andern Opfer⸗ ſtoffen gefuͤllt. Unter dem oͤſtlichen Theile derſelben iſt eine Hoͤhle, groͤßer als jene des Elias, in wel⸗ cher Moſes nach der Meinung der Tuͤrken ſich auf⸗ hielt, ſo oft er die Spitze des Berges erſtiegen hatte. Der Eingang zu dieſer Hoͤhle eroͤffnet einen Blick in das fuͤdweſtliche Thal, wo RNaphidim ſteht, und die Iſraeliten, nach 2. Moſ. 17, 1., wegen Mangels an Waſſer gemurrt haben. Von dieſem Berge hat man noch eine ſchoͤne Ausſicht nach dem Berge der h. Katharina gegen Suͤdweſt, und auf das rothe Meer gegen Suͤd und Weſt. Nach vollbrachtem Ge⸗ bete ſtiegen wir wieder zu dem Brunnen des Berges Horeb hinab, wo wir unſer Mittagsmahl verzehrten. Um 14 Uhr zogen wir durch das Thal, welches ſich gegen Nordweſt ausdehnt, aber wie im Kreiſe uns gegen Suͤd fuͤhrte. Waͤhrend dieſer Tagreiſe ſtießen wir auf ehemals bewohnte Oerter und auf Kirchen; die merkwuͤrdigſte der letzteren iſt jene des h. Panta⸗ leons. Ueber dieſe iſt naͤmlich zur Linken gegen Suͤdoſt an der Spitze des Berges eine Hoͤhle, in wel⸗ * cher zwei Koͤnigsſohne ihr Leben unter ſrenger Bubße 183 zubrachten. Von dieſer Kirche kamen wir uͤber einen ſteilen Berg in das Thal, in deſſen Mitte das Klo⸗ ſter der 40 Maͤrtyrer ſich befindet. Dieſes hat den Berg Sinai gegen Oſt, jenen der h. Katharina gegen Weſt, eine kleine Kirche, wenig Gelegenheit zur Beherbergung der Reifenden. Der Garten iſt groß und ſchoͤn, mit allen Fruͤchten gut verſehen, mit ſehr vielen Oelbaͤumen umgeben, und wird wie das ganze Thal befeuchtet aus einem Behaͤlter guten Regenwaſſers und aus einer Quelle. Am 11. Sept. reiſten die geſunden und ſtarken Mitglieder unſerer Geſellſchaft auf den Katharina⸗ Berg. Vorerſt gingen ſie gegen Suͤdweſt; nach 1⁄½ Stunde hatten ſie einen ranhen Berg muͤhſam ohne Stuffen uͤber kleine bewegliche Steine zu er⸗ ſteigen. Auf dieſer Wanderung ſahen ſie zu beiden Seiten ſehr ſchoͤn geaderte Steine, wovon ſie viele zuruͤck brachten. Nach einer Stunde erreichten ſie ei⸗ nen Waſſerbehaͤlter, das Rebhuͤhner⸗Waſſer genannt, welches aus einem ſchwarzen Marmorfelſen entſpringt, und von einer Fabel uͤber das Begraͤbniß der h. Katharina ſeinen Namen hat. Nach wei⸗ teren 3⁄4 Stunden kamen ſie auf eine Ebene, auf wel⸗ cher ſie die Spitze des Katharina⸗Berges ſahen, wohin ſie noch 1½ Stunde mit vieler Beſchwerde zu gehen hatten. Auf dieſem Berge bietet ſich die ent⸗ zuͤckendſte Ausſicht uͤber die weiteſte Umgebung dar. Der Bers Sinai liegt gegen Nordoſt; das rothe 184 Meer gegen Weſt, wie die zwei Tagereiſen entfernte Stadt Torz gegen Suͤd iſt jener Arm des rothen Meeres, welcher der aͤlanitiſche Meerbuſen heißt, weil der ehemals bexuͤhmte Hafen Aelana hieß. Im 18. Sept. reiſten wir vom Kloſter der 40 Maͤr⸗ tyrer um 7 ⁄¼ Uhr durch ein Thal gegen Nordweſt. Nachdem wir vom Garten des Kloſters 1ſ4 Stunde hinab geſtiegen waren, kamen wir durch einen Wald von Oelbaͤumen zur Kirche und Hoͤhle des h. Onu⸗ phrius, worin er 40 Jahre gelebt haben ſoll. Wir ſetzten unſere Reiſe nach Nordweſt fort, und in einer hatben Stunde erreichten wir das Ende dieſes Thales, wo ein anderes gegen Nordoſt ſich eroͤfnet. In dieſen großen Ebene gegen Suͤdweſt liegt der Garten des Kloſters der Moͤnche, welcher durch eine kleine fuͤße Quelle befeuchtet, und von den Arabern beſchuͤtzt wird. In demſelben befinden ſich 9 anſehnliche Ce⸗ dern, viel Aepfel⸗ und Birubaͤume, Weinſtoͤcke ꝛc. Naͤchſt dem Garten iſt eine Kapelle des h. Peter und Paul, und ein kleines Haus, welches die den Garten bewachenden Araber bewohnen. Nachdem wir eine halbe Stunde uͤber eine große Ebene gegangen waren⸗ kamen wir in eine Hoͤhle in Granit, wo die Iſrae⸗ liten das goldene Kalb ſollen verehrt baben. Wir wanderten dann gegen Suͤdoſt, und kamen in das Kloſter auf dem Berge Sinai zuruͤck. Am 49. Sept. feierten die Griechen das Feſt der geſegneten Marig durch den Erꝛbiſchof. Nach der 185 Meſſe wurden wir in das Refektorium gefuͤhrt, wo einige Moͤnche unſere Fuͤße wuſchen, waͤhrend die uͤbrigen ſangen. Nach dieſer Zeremonie ſchenkte jeder nach ſeinem Vermoͤgen dem Kloſter 1—2 Zechinen. Waͤhrend der folgenden Tage ſahen wir alle Merk⸗ wuͤrdigkeiten. Am 1. Oet. zeigte man uns in einem Kaſten ne⸗ ben dem Presbyterium die Hirnſchale und linke Hand der h. Katharina, welche mit getrocknetem Fleiſche und Haut, wie mit ſchoͤnen Ringen verſehen war. Nittags nahmen wir Abſchied vom Erzbiſchofe und von den Moͤnchen, und gingen unter lautem Geſchreie der Araber aus dem Kloſter durch den naͤmlichen Weg, auf welchem wir gekommen waren. Nach einigem Marſche ſchlugen wir unſere Zelte auf, und erbaten uns von den Arabern, ſie moͤchten uns uͤber einen beſſeren Weg nach der Stadt Dor fuͤhren, als fruͤher. Am 2. Oct. reiſten wir um 2 Uhr fruͤh ab, und ruhten nach 5 Uhr am Steine Mahomets neben einer guten Quelle aus. Nachdem wir uns daraus reichlich verſehen hatten, brachen wir um 14 Uhr durch die ſchattige Gegend Barak auf. Um 3 Uhr gingen wir an einem links liegenden Felſen vorbei, welcher der zweite ſeyn ſoll, wo Moſes zweimal anſchlug, ehe Waſſer floß(4. Moſ. 20.). Wir machten dann auf einer Ebene Halt, wo wir uͤbernachteten. Am 3. Oct. 3 3/4 Uhr brachen wir auf, ließen das nach Marah fuͤhrende Thal zur Rechten, gingen zwi⸗ 9tes B. Aegppten. I. 2. 5 186 ſchen ſehr rauhen Gebirgen in dem großen Thale Ge⸗ bel Faran nach Nordweſt. Je weiter wir vorſchrit⸗ ten, deſto angenehmer war das Thal mit Baͤumen und Datteln auf beiden Seiten geziert, und zuweilen mit Wohnungen der Araber unterbrochen, welche viele Voͤgel unterhielten, deren Geſang bezaubernd war. Um 8 /4 Uhr gingen wir auf einem Berge vor dem zerſtoͤrten Orte Kabegin, und nach einer weitern 1/ Stunde dem gleichfalls zerſtoͤrten Orte El Pa⸗ ran zur Rechten vorbei. Dieſe biſchoͤfliche Stadt war einſt groß, mit vielen griechiſchen Kloͤſtern verſehen, unter der Herrſchaft des Berges Sinai, und hatte den beruͤhmten Biſchof Theodor, welcher gegen die Monotheliten ſchrieb. Aber jetzt ſind nur noch Ruinen zu ſehen, unter welchen wir halten mußten, weil unſere arabiſchen Fuͤhrer in Streit mit einander gerathen waren. Nach 3 Uhr brachen wir auf, und gegen 4 Uhr kamen wir an den Ort Magai, wo wir uns wieder mit gutem Waſſer verſehen konnten. Am 4a. Oct. fruͤh 43/4 Uhr wanderten wir durch eine angenehme Gegend ſteiler Gebirge von El Pa⸗ ran in eine breite Ebene, wo wir am Fuße eines Huͤgels unter unſeren Zelten um 11 Uhr ausruhten. Die um die Ebene ſich herum ziehenden Berge heißen die beſchriebenen(Gebel el Mokatab): denn die meiſten waren mit alter unbekannter Schrift im Mar⸗ mor 12— 14 Fuß hoch uͤber den Boden uͤberſchrieben. Obſchon wir in unſerer Geſellſchaft Maͤnner hatten, 187 welche die arabiſche, griechiſche, hebraͤiſche, ſyriſche, koptiſche, armeniſche, tuͤrkiſche, lateiniſche, engliſche, italieniſche, teutſche und boͤhmiſche Sprache verſtan⸗ den, ſo hatte doch keiner die geringſte Kenntniß von dieſen Charakteren, welche mit groͤßter Genauigkeit in die Felſen gegraben waren*). Von dieſem Platze fuͤhrte ein Weg weſtlich durch ein Thal nach Tor, der andere gegen Nordweſt nach Suez. Da die Ara⸗ ber ſich weigerten, uns nach Tor zu fuͤhren, ſo folg⸗ ten wir wider unſeren Willen nach Suez. Am 71. Oet. um 6 ½ Uhr ſetzten wir unſere Wan⸗ derung zwiſchen gleichfauls uͤberſchriebenen Gebirgen nach den Baͤdern Pharav's fort, und hielten um 9 ½ Uhr in einer von Bergen eingeſchloſſenen Ebene unſer Mittagsmal. Nach dieſem kamen wir durch das weſtliche Thal Megena, wo eine Grotte mit aͤußer⸗ ſter Anſtrengung aus dem Marmorfelſen gehauen iſt, deren Eingang verſchuͤttet war. Mittelſt Lichter und Lampen kamen wir in einen großen Saal, welcher auf allen Seiten durch unvollendete Pfeiler unterſtuͤtzt war. Die Bewohner der Gegend, wie die Araber, waͤhnen, ein gewiſſer Schiech, Namens Abuzelime, trinke —.. 4 6 *) Einige hielten dieſe Zuͤge fuͤr chaldaͤiſche, an⸗ dere fuͤr alt⸗hebraiſche, welche die Ifraeliten waͤhrend des 4ojaͤhrigen Aufenthaltes in der Wuͤnte eingruben, und deren Kenntniß waͤhren? dar babvloniſchen Gefangenſchaft ſich verlsr. 188 daſelbſt Kaffee, welchen die Engel zu Mekka in Moͤrſern ſtoßen, und dahin bringen. Andere hielten dieſe Hoͤhle gar fuͤr einen Begraͤbnißort der alten Aegyptier. Am 6. Oet. brachen wir um 43/4 Uhr gegen die Spitze des Berges auf, und ſahen um 13/1 Uhr gegen Weſt das rothe Meer. Wir ſtiegen den ſteilen Berg hinab, wanderten durch ein von Huͤgeln eingeſchloſſe⸗ nes Thal, und naͤherten uns gegen 10 Uhr dem Ufer des Meeres, wo wir um 11 /½ Uhr wegen der gefun⸗ denen friſchen Quelle ausruhten. Wir verſahen uns uet Waſſer zu unſerer Reiſe uͤber die naͤchſten Berge gegen Oſt. Wir verweilten an der See bis zum Un⸗ tergange der Sonne am 1. Oct. Ein ertraͤglicher Weg zwiſchen Bergſchluchten fuͤhrte uns uͤber den ſchwar⸗ zen Berg Gebelel Scheitan, welcher von den Arabern der Berg des Teufels genannt wird, in ein Thal, wo wir um 6 3⁄ Uhr unter ſchattigen B Baͤu⸗ men unſere Ruhe ſuchten. Am s. Oct. brachen wir gegen den Aufgang der Sonne auf; nach 3 Stunden mußten wir ſchon wieder Halt machen, weil die Araber uns nicht vertragsmaͤ⸗ ßig nach den Baͤdern Pharao's fuͤhren wollten. Nach einem ſehr heftigen Zanke mit ihnen kamen wir jedoch mit unſeren Dromedaren dahin. Der Ort iſt am Fuße eines ſehr hohen Berges, welcher ſich von Oſt nach Weſt ausdehnt. Ganz nahe an der See quellen die mineraliſchen Waͤſſer mit Blaſen ſo heiß ———— 189 in 3 Stroͤmen hervor, daß man Hand oder Fuß nicht darin halten kann. Das Waſſer hat einen ſalzichten und ſchwefelichten Geſchmack, und hinterlaͤßt einen gelblichten Satz, obſchon es hell durchſichtig iſt. Ne⸗ ben der Hauptauene ſind zwei Hoͤhlen, deren groͤßte jedem Eintretenden einen ſo großen Schweiß ab⸗ zwingt, als ſaͤße er in einem heißen Bade. Hieher begeben ſich viele Kranke auf 6 Wochen: ſchwitzen ſie gehoͤrig, beobachten ſie ſtrenge Diaͤt, und trinken von dieſer Quelle, ſo werden ſie wieder geſund. Die gute Wirkung dieſes Waſſers gibt Veranlaſ⸗ ſung, daß große Quantitaͤten nach Kairo fuͤr jene geſendet werden, welche nicht an der Quelle trinken koͤnnen. Man will wiſſen, daß Pharao einſt dieſe Baͤder beſuchte, daher auch die anſtoßende See glei⸗ chen Namen fuͤhrt. Hier iſt ein guter Stand fuͤr an⸗ kernde Schiffe; bei unſerer Ankunft lag eines da, wel⸗ ches auf guten Wind wartete, um nach Gidda zu ſegeln. Nach genauer Unterſuchung der Umgebung des Bades wanderten wir neben dem Ufer in das Thal Garandu, wo ein ſehr bitteres, ſalzichtes und unſchmackhaftes Waſſer in die See ſich ergießt. Wir hielten daſelbſt Nachtquartier, aber eines der beſchwerlichſten, theils wegen des heftigen Windes, theils wegen des Flugſandes, welcher in großer Menge uns entgegen kam. Sobald daher die erſten Strahlen der Sonne am 9. Oct. leuchteten, brachen wir laͤngs der Seeküſte 190 auf, wo wir vom Winde noch immer beunruhigt wurden. Nach s Stunden hatten wir alle Gebirge binter uns, wanderten uͤber verſchiedene kleine Au⸗ hoͤhen, und ruhten manchmal aus, wenn gruͤner Bo⸗ den uns dazu einlud. Wir erquickten uns mit einer maͤßigen Mahlzeit, wanderten dann neben einem Orte an der See, wo herrliches und ſuͤßes Waſſer floß, noch 4 Stunden weiter, bis wir Nachtquartier nahmen. Um jenſeits Suez zu kommen, zogen wir am 10. Oct. gleich nach Mitternacht von hier ab. Allein in zwei Stunden wurde es ſo finſter, daß wir aus Beſorgniß, die Kamele moͤchten ſluͤrzen„ halten muß⸗ ten. Gegen a Uhr wurde es wieder hell, worauf wir ununterbrochen bis 12 Uhr fortgingen, um den Brunnen Moſes Ain el Muſa zu erreichen. Gleich bei un⸗ ſerer Aukunft ritten alle unſre Pferde⸗Beſitzer voran, um fuͤr ein Schiff zu ſorgen, welches uns jenſeits des Meerbuſens fuͤhren ſollte. um 5 Uhr war das Schiff bereit, uns mit allen Waaren außunehmen; bei der Landung bezogen wir unſer fruͤheres Lager vor der Stadt Suez. Hier fanden wir nur zwei Schiffe, welche innerhalb zwei Tagen abſegeln wollten. Wir verweilten unter unſern Zelten am 11. Oct. und wur⸗ den von den Chriſten der Stadt beſucht, welche uns ein herrliches Mahl bereiteten. Waͤhrend des andern Tages ſahen wir jene Araber voruͤber gehen, welche 191 denen des Berges Sinai hoͤchſt gram waren. Wir verweilten daſelbſt, um ihnen nicht zu begegnen. Am 13. Oet. zogen wir von Suez ab, und nach einer Stunde hielten wir zu Bir el Suez, wo wir eine maͤßige Mahlzeit nahmen. Wir hatten uns auf unſerer weiteren Wanderung dem Orte Agirut kaum genaͤhert, ſo wahrnahmen wir eine Karawane unſerer Feinde gerade gegenuͤber, welche wir laͤngſt abgegangen zu ſeyn glaubten. Waren dieſe gleichwohl noch in der Entfernung eines Kanouenſchuſſes, ſo be⸗ reiteten ſich dennoch unſere Araber zum Kampfe, ſtie⸗ gen van den Kamelen ab, und gingen mit Lanzen, Degen und Flinten geruͤſtet, zu Fuß. Vier der Vor⸗ nehmſten gallopirten unterdeſſen zwiſchen der feindli⸗ chen und unſerer Karawane, und ſuchten entweder ihre Furchtlofigkeit zu beweiſen, oder die Gesner zum Handgemenge heraus zu fordern, indem ſie dieſelben auf die trotzigſte Art beſchimpften. Denn obgleich die feindliche Karawane an Kamelen und Perſonen weit zahlreicher war, als die unſerige, ſo waren wir ihr doch an bewaffneter Mannſchaft uͤberlegen. Jene faßten daher auch den Muth nicht, uns anzugreifen, ſondern eilten, vor uns zu wandern, damit ſie nicht gefangen wurden. Darauf wendeten wir uns auf die von den Feinden verlaſſene Straße zu Rechten, zogen vor Agirut zu unſerer Linken vorbei, und ſetzten unſeren Weg zwiſchen Huͤgeln und Thaͤlern fort. Das hier 192 und da ſich zeigende Graß fraßen unſere Kamele mit Gierde weg. Nachdem wir 7 ⁄½ Stunde von Suez entfernt waren, zeigten ſich die Gebirge von Hu⸗ bebi, eine Meile von uns gegen Norden. Am 14. October 4 1½ Uhr fruͤh begaben wir uns weiter. Bei dem Aufgange der Sonne ſahen wir 7 Chiere, Gaſell genannt, und ſehr viele Haaſen auf den gruͤnen Plaͤtzen weiden. Um 11 ½ Uhr mach⸗ ten wir unſer Mittagsmahl; um 1 Uhr ſetzten wir unſere Reiſe bis 5 12 Uhr fort, worauf wir an einem Huͤgel ausruhten. Am 16. October von 51 ½ bis 9 /½ Uhr wan⸗ derten wir zwiſchen Huͤgeln und Anhoͤhen fort; nach einer kurzen Ruhe richteten wir unſeren Zug ge⸗ rade nach Kairo. Deßwegen ließen wir die ſan⸗ digen Huͤgel zur Rechten liegen, welche wir fruͤher betreten hatten. Kurz vor dem Untergange der Sonne beſtiegen wir den kleinen Huͤgel) Daher el Homar, d. i. Eſels⸗Ruͤcken, wo wir die 4 ⁄½2 Stunden entfernte Stadt Kairo mit ihrer ganzen Umgebung uͤberſehen konnten. Wir ſetzten unſere Reiſe zwiſchen der Daͤmmerung und dem Scheine des Mondes fort, und kamen endlich um 9 Uhr bei der letzten Station Ukalt el Bahaar an, wo unſere Freunde uns erwarteten. Sie em⸗ pfingen uns ſehr gemuͤthlich unter Singen, Huͤpfen und Umarmungen, und brachten nach Gewohnheit 193 der Morgenlaͤnder die Nacht mit lautem Geſchrei und Haͤnde⸗Klatſchen zu. Am 16. October trafen wir durch das Thor Baab el Naaſar in der Stadt wieder geſund ein.— 194 Reiſe Dr. Richard Pococke's durch Aegypten vom 7. Sept. 1757 bis 24. Juli 1759. Aus dem Engliſchen frei bearbeiter vom Herausgeber*). ⸗ 1 Sinleitung. Von Livorno nach Alexandrien. Am 7. Sept. 1737 fuhr ich in einem engliſchen Schiffe aus Livorno durch das toskaniſche Meer, wel⸗ *) R. Pococke wurde 1704 geboren und unter⸗ richtet zu Southampton, ſtudirte zu Orford, wo er 1731 Baccalaureus— 1733 Doctor der Rechte wurde, 1737— 42 war er im Morgenlande, 1744 Praͤceptor zu Waterford, 1745 begleitete er den Grafen von Cheſterfield nach Irland. Er wurde zum Archidiakon in Dublin befoͤrdent, 195 ches zwiſchen Korſika, Sardinien, Sizilien, und einem Stuͤcke von Italien, ſuͤdwaͤrts des alten 1756 zum Biſchofe von Oſſory, 1765 zu Meath, wo er bald darauf am Schlagfluſſe ſtarb, als er eben ſeinen Sprengel beſuchen wollte.(S. Bam⸗ berger's Auekdoten Bd. I. 259.— Saxii ono- masticon. P. VII. 67.—. Meusel bibl., hist. V. III. P. II. 338 ct 377 V. I. E. II. 92. V. II. P. I. 243 et 394, Rotermund Bd. VI.) Seine Werke ſind: 1) Travels of the East, and some other coun- tries, with 300 cuts and maps. 4 vol. Lond. 1743— 70. Fol.— Verteutſcht v. Mosheim. Erlangen 1754— 55 4. 3 Bde. Verm. u. verb. v. Breyer, m. Anmerk. v. Schreber. 1771. 4, und 1790— 91. In das Franzoͤſiſche uͤberſ. v. M. A. Eudous. Paris. 1772. 12. 6 Vol., und in das Hollaͤndiſche v. E. W. Cramer. Utrecht. 1780. 8. 2) Inscriptiones ant. gr. et lat,, cum catalogo numismatum Ptolemaeorum, Impereratorum Augustorum et Caesarum in Aegypto cusorum. Lond. 4752. Fl. 3) Nachricht von einigen in Irland gefundenen Alterthuͤmern, in der Archaeologig V. II. 32, und in Philoſ. Transact. N. 486. V. 48.. 4) Beſchreibung eines Felſens auf der Abendſeite des Hafens Dunbar in Schottland, in Phil. Trans. V. 52. 6) Remarks upon a petriſied Echinus of a sin- gular Rind. Lond. 1755.. (Unter den Meilen hat der Leſer dieſer Reiſe nur eugliſche zu verſtehen.) 196 Ligurien's liegt. Wir fuhren ohngefaͤhr zwei fran⸗ zoͤſiſche Meilen vor der Inſel Gorgona vorbei, wel⸗ che einem hohen felſigten Berge gleicht, deſſen Klip⸗ pen faſt rings herum ſenkrecht ſind, bis auf einen Ort gegen Morgen, bei dem kleinen Hafen Gor⸗ gona, welcher die einzige Anfuhr zu dieſer Inſel, und die Zuflucht kleiner Boote iſt. Ueber dieſem Ha⸗ fen hat der Großherzog ein feſtes Schloß, und darin etwa 20 Soldaten, welche nach der guten Lage die Landung einer anſehnlichen Maunſchaft hindern koͤn⸗ nen. Mehre Fiſcher liegen an dieſem Hafen, und be⸗ ſchaͤftigen ſich mit Fangen der Anchoien. Wir ſegelten oſtwaͤrts der Inſel Kapraia, welche 2 Stunden lang, eine breit, ſehr bergig und felſig iſt. Wir konnten die einzige Stadt dieſer Inſel glei⸗ ches Namens gut ſehen; ſie liegt auf der Anhoͤhe uͤber der See gegen Oſt, und ſuͤdwaͤrts davon iſt auf einem Felſen ein großes Kaſtell. Die Stadt erſtreckt ſich nordwaͤrts nach einem kleinen Meerbuſen, au welchem ein Fiſcherdorf liegt. Die vornehmſte Nahrung be⸗ ſteht im Handel mit Fiſchen, welche nach Livorno gefuͤhrt werden. Ju der Stadt iſt ein Franziskaner⸗ kloſter, welches zur Provinz Korſika gehoͤrt; die Inſel ſelbſt aber ſteht unter genueſiſcher Botmaßigkeit. Wir kamen bei der Inſel Elba vorbei, welche s Stunden lang und drei breit iſt. Ihr nör dlicher Theil, nebſt dem Hafen Ferrajo und dem Kaſtell Kosmopoli, gehoͤrt dem Großberzoge von Tos⸗ — 197 kana; der ſuͤdliche dem Herzoge von Piombino, bis auf den Hafen Longone und das unter den Ka⸗ nonen dieſer Feſtung gelegene Gebiet, welches dem Koͤnige beider Sizilien unterworfen iſt. Im Gebiete des Herzoges iſt eine Eiſengrube; man gab vor, ſie ſei ganz ausgeleert; nachdem man ſie aber 30 Jahre vernachlaͤffigt hatte, ſo fand man wieder Eiſenerz darin. Drei Stunden ſuͤdweſtwaͤrts von Elba ſahen wir die flache Inſel Planoſa, ehemals Planaſia; de⸗ ren Land ſo niedrig iſt, daß es nur 4— s franzoͤſiſche Meilen weit geſehen werden kann. Man ſagte mir, daß von dem Meere Truͤmmer der Haͤuſer und Kaſtelle auf derſelben geſehen wuͤrden, wenn man nahe vorbei ſegelte; daß zwar Fiſcher und andere dieſelbe waͤhrend des Tages beſuchten, daß ſie aber aus Furcht vor Kor⸗ ſaren nicht bewohnt werde. Vier Stunden ſuͤdwaͤrts von Elba, ſahen wir die Inſel Monte Chriſto, welche einem hohen Berge aͤhnlich, und nicht bewohnt iſt. Drei Stunden weſtwaͤrts von Argentato ſahen wir die Inſel Giglio; wir konnten auch noch die flache Inſel Gianuti A engliſche Meilen ſuͤdweſtwaͤrts von Gi⸗ glio entdecken. Wir hatten die Inſel Korſika lange im Geſicht, und ſahen die Staädt Baſtia an dem flachen Ufer auf der Oſtſeite derſelben. Wir ver⸗ weilten einige Tage oſtwaͤrts von Sardinien, und ſahen es oͤfters, weil wir bald Meeresſtille, bald wi⸗ S 198 drige Winde hatten. Wir erblickten Sizilien nicht eher, als am 13. Tage nach unſerer Abreiſe, waͤhrend welcher Zeit wir ſehr heiteres Wetter hatten. Wir ſegelten nicht weit weſtwaͤrts von der lipariſchen Inſel Uſtika, wo die Roͤmer die erſte ſiegreiche See⸗ Schlacht mit der Flotte von Kartha go unter der Anfuͤhrung des Konſuls Duilius erfochten. Dieſer wurde nicht allein deßwegen auf eine feierliche Ark geehrt, ſondern ihm wurde auch eine Art von Triumph fuͤr ſein ganzes Leben zugetheilt, und zu ſeiner Ehre die beruͤhmte Columna Rostrata errichtet, welche mit der Inſchrift zu Rom noch zu ſehen„ folglich mehr als 2000 Jahre alt iſt. Ich ſah das Vorgebirge Gallo nahe bei dem Hafen von Palermo; und da wir weſtwaͤrts von Sizilien fuhren, ſo ſegelten wir zwiſchen den In⸗ ſeln Aegates. Die Iuſel gegen Nordoſt, welche Trapano gegenuͤber, und 10 Meilen davon entfernt iſt, wird jetzt Levanzo genennt. Suͤdlicher liegt die Inſel Favagnana von 10 Meilen im Umfange. Sie hat ein ſchoͤnes, fruchtbares Erdreich, iſt meiſtens eben, hat aber auf der mitternaͤchtlichen Seite einen hohen Berg, auf welchem drei Kaſtelle ſtehen, welche der Koͤnig beider Sizilien beſitzt. In einem dieſer Ka⸗ ſtele wohnt der Statthalter; dieſer Ort war die al⸗ gemeine Zuflucht der Korſaren; ſie machten hier oͤf⸗ ters Ausfaͤlle, und beunruhigten die Meere, bis Kai⸗ ſer Karl V. ſein Kriegsheer nach Afrika fuͤhrte. 4 — 199 Die dritte Inſel liegt 30 Meilen gegen Abend von Trapano, und wird Maritimo genannt; ſie ſieht einem hohen Berge aͤhnlich. An der Nordoſt⸗Kuͤſte derſelben iſt ein felſichtes Vorgebirge, weiches eine Halbinſel iſt, und viel niedriger, als der uͤbrige Theil der Inſel liegt. Auf demſelben iſt ein Kaſtell, worin Beſatzung ſich befindet. Die Inſeln Aegates ſind wegen der zweiten Haupt⸗Seeſchlacht beruͤhmt, wel⸗ che die Roͤmer unter der Anfuͤhrung des Konſuls Lu⸗ tatius Katullus wider die karthaginiſche Flotte erfochten. Die Geſchichtſchreiber ſagen, daß nach dem Treffen das ganze Meer zwiſchen Sizilien und Sar⸗ dinien mit Stuͤcken von zerbrochenen Schiffen und Truͤmmern der feindlichen Flotte bedeckt gewefen ſei. Durch dieſe Niederlage wurde der erſte puniſche Krieg beendigt. Der Berg Trapano faͤllt weſtwaͤrts von Sizi⸗ lien zuerſt in die Augen. Auf dem Gipfel deſſelben liegt ein Kaſtell, und an dem Fuße dieſes Berges auf der Abendſeite iſt ein flaches Vorgebirge, welches ſich in die See erſtreckt. Dieſes Vorgebirge nennt Vir⸗ agil illaetabilis ora, weil, dafelbſt Aeneas ſeinen Vater Anchiſes verlor, und nach der Ruͤckkehr von Karthago ſeinem Andenken goͤttliche Ehre erwies. Dieſe Stadt iſt ſowohl wegen einiger Treffen in den puniſchen Kriegen, ais auch wegen der gegenuͤber lie⸗ genden kleinen Iuſel Kolumbaria beruͤhmt. Weſt⸗ waͤrts rom Berge Lrapano iſt der Berg Eror⸗ welcher wegen des Dienſtes der Venus beruͤhmt war, die deßwegen Eryeiniag hieß. Nach Virgil war der Tempel dieſer Gottheit von Aeneas und ſeinen Mitgenoſſen erbaut, als er im Begriffe war, die Weiber und Invaliden zuruͤck zu laſten, welche dieſe Inſel bewohnen ſollten. Gegen Mittag von Trapano hatte ch eine ſchoͤne Ausſicht von der Stadt Marzala, welche an dem Platze, wo Lilibaͤum geſtanden war, gebaut wurde. Hier war der Hafen, von welchem die nach Kar⸗ thago beſtimmten Schiffe gewoͤhnlich abfuhren. Er ſoll von den Roͤmern zerſtoͤrt worden ſeyn, um die Verbindung zwiſchen derſelben und Karthago abzu. ſchneiden, im Falle dieſes ihn wieder eroberte. Er wurde durch Don Johann aus Oeſterreich 1567 ganz verſchuͤttet. Auguſt hatte Pflanzvoͤlker dahin ge⸗ bracht. Zwiſchen Sizilien und Afrika ſah ich die In⸗ ſel Pantelera, arabiſch Koſra, deren man ſich in Sizilien als eines Verbaunungs⸗Ortes bedient. Suͤdoßwaͤrts iſt die Inſel Limo ſa, und wenige fran⸗ zoͤſiſche Meilen ſuͤdwaͤrts Lampidoſa, welche einem tuͤrkiſchen und chriſtlichen Einſiedler gehoͤrt. Hier pfle⸗ gen ſich ſowohl Chriſten, als Tuͤrken zu proviantiren, und ſie haben einen Vertrag, daß weder ein Chriſt ei⸗ nem Tuͤrken, noch ein Tuͤrk einem Chriſten zu nahe treten darf. Da der tuͤrkiſche Einſiedler ohnlaͤngſt ſtarb, ſo fielen die mahomedaniſchen Korſaren alles an, was 201 auf der Inſel war, und nahmen den Chriſten gefan⸗ gen, weßwegen der franzoͤſiſche Konſul ſich ſtark be⸗ ſchwerte, und den Gefangenen zuruͤk forderte. Wir glaubten Capo Bono zu ſehen, welches das nordoͤſtliche Vorgebirge des großen Meerbuſens von Karthago iſt. Das Meex gegen Mittag von Sizilien hieß bei den Alten das Lybiſche, oder Afrikaniſche, von dem Eingange in daſſelbe bei den Saͤulen des Herkules, oder bei der Straße von Gibraltar bis gn die oͤſtlichen Grenzen von Cyre⸗ naika, wo das Aegyptiſche Meer beginnt. Letz⸗ teres wird heute gewoͤhnlich das der Berberei genannt, und auf der Seite von Sizilien der Kanal von Maltha, Als wir uns Sizilien naͤherten, erinnerte ich mich, daß wir laͤngs der Kuͤſte geſegelt waren, wo Aeneas gereiſet war. Als ich die am Ufer gelegenen Staͤdte und Oerter ſah, mußte ich nothwendig die Richtigkeit und poetiſchen Schoͤnheiten in den Be⸗ ſchreibungen des großen Meiſters der lateiniſchen epi⸗ ſchen Dichtkunſt bewundern. Sobald wir bei dem ſuͤd⸗ weſtlichen Vorgebirge von Sizilien vorbei geſegelt waren, ſahen wir die Stadt Mazra, nach welcher jetzt ein Drittheil von Sizilien Valle die Ma⸗ zara genennt wird. Etwas oſtwaͤrts lag die beruͤhmte Stadt Selinus, welche ſchon vor Strabo zerſtoͤrt war. Bald ſahen wir die Stadt Piakka an der Seite eines hohen Huͤgels; etwas weiter an der Seite eines 9tes B. Aegypten I. 2, 6 — 202 Berges die Stadt Girgenti, welche bis an deſſen Spitze ſich erſtreckt. Sie liegt etwa 4 Meilen vom Meere, und iſt die alte Stadt Agrigentum, wo der Tyrann Phalaris ſich aufhielt. Sie blieb uͤbrig, waͤhrend die meiſten uͤbrigen Staͤdte Siziliens in den karthagiſchen Kriegen zerſtoͤrt wurden. Sie war anfangs eine Pflanzſtadt der Jonier; ſpaͤter wurden Pflanzvoͤlker aus den ſiziliſchen Sraͤdten unter dem Praͤtor T. Manlius dahin befoͤrdert. Zu gleicher Zeit ſah ich auch ſehr deutlich den Berg Aetna, jetzt Gibello, von deſſen Spize wenig Rauch aufſtieg. Bald ſah ich das Capo Leocate an der Muͤndung des Fluſſes Salſo, des alten Himera, bei welchem das Kaſtell Phalarium ſtand, wo der metallene Ochs ſoll aufbewahrt worden ſeyn. Der Fluß No⸗ eella, welcher an der Nordſeite Siziliens in die See laͤuft, deſſen Quelle ohnweit des Brunnens von Salzo iſt, wurde ehemals auch Himera genannt. Vitruv erklaͤrt, warum einer dieſer Fluͤſſe auf ſeinem Laufe durch ſalzichte Oerter wieder Salz abgeſetzt habe. Weiter gegen Morgen ſah ich eine Stadt, Namens Derra Nova, ohnweit des Fluſſes gleiches Na⸗ mens. Wir hatten in einer ziemlichen Entfernung Maltha geſehen, und kamen endlich zum Capo Paſ⸗ faro, dem alten Vorgebirge Pachinum. Da es eine Halbinſel, und das Land weſtwaͤrts derſelben ſehr niedrig iſt, ſo gleicht ſie in der Ferne einer Inſel. Auf ihr befindet ſich ein Kaſtell, in welchem die ein⸗ 203 laufenden Schiffe beobachtet, oder an der Einfahrt ge⸗ bindert werden. Der Boden dieſes Kaps iſt ſehr ſchlammig, und die Schiffe koͤnnen nicht, ohne Gefahr ihre Seile zu zerreiſſen, hier ankern. Ueber dieſem Vorgebirge ſahen wir jene von Syrakus. Gegen Morgen von Sizilien iſt jenes Meer, welches bei den Alten anfangs das Auſoniſche hieß. Es erſtreckt ſich von der ſiziliſchen Meerenge, jetzt Faro di Meſſina genannt, bis an das Vorgebirge Japygia in Italien, die Muͤndung des Adriati⸗ ſchen Meeres, den Meerbuſen Am bracius in Griechenland, und bis nach Creta, und hat gegen Mittag das afrikaniſche Meer. Die Schiffleute nennen alle Meere bis an das Adriatiſche nur das Mittellaͤndiſche, ſo wie jene weiter gegen Oſt die Levante. 8 Am 22. Sept. Abends verloren wir Sitilien aus dem Geſichte, und nachdem wir am 24, ſchon ziemlich weit geſegelt waren, ſahen wir des Morgens nordwaͤrts von uns das hohe Gebirge von Kan dien, dem alten durch Fabeln beruͤhmten Creta. Oftwaͤrts nahe bei Cypern wird das Meer Aegyptiſch ge⸗ nannt; es erſtreckt ſich weſtwaͤrts an die aſrikaniſchen Kuͤſten, nach Cyrenaika, wo das Afrikaniſche beginnt. Am 27. Sep entdeckten wir die Afrira⸗ uiſchen Kuͤſten um das Kapo Soliman, im Ko⸗ nigreiche Barcan an den Aegyptiſchen Grenzen. Die⸗ ſes bildete einen Theil von Marmarika um das 2. 204 kleine Katabatmus, wo der beruͤhmte Tempel des Jupiter Ammon ſtand, wohin Alexander der Große eine beſchwerliche Reiſe zum Orakel machte. Nahe war ein beruͤhmter Brunnen, welcher Mittags kalt, gegen Abend warm, und um Mitternacht heiß geweſen ſeyn ſoll. Des anderen Tages erblickten wir den arabiſchen Thurm, und des folgenden auch Alexandrien. Waͤhrend wir uns dieſer Stadt naͤ⸗ herteu, hatten wir eine herrliche Anſicht von der be⸗ ruͤhmten Saͤule, und von dem herrlichen, mit Palmen⸗ Baͤumen gleichſam bedeckten Lande, welche ſich uͤber die Gebaͤude der Stadt erheben. Am 29. langten wir im Hafen von Alexandrien an, nachdem wir den Weg in 23 Tagen angenehm zuruͤckgelegt hatten. „ Erſtes Buch. I. Von Aegypten uͤberhaupt. Aegypten wird in das Delta und Heptano⸗ mis, welche beide das Nieder⸗Aegypten bedeuten, und in Ober⸗Aegypten(Thebais od. Said) einge⸗ theilt, und hat 560 engliſche Meilen in der Laͤnge. Ein 9 Meilen weiter ſich ziehender Meer⸗Buſen und die Inſel Pharos bilden die Hafen von Alexan⸗ drien, welche Stadt mit Mauern und Thuͤrmen um⸗ geben iſt. Das wichtigſte alte Denkmal iſt die Pom⸗ pejus⸗Saͤule, welche zur Ehre Titus oder Adrians errichtet wurde. Sie beſteht aus drei Stuͤk⸗ ken rothem Granits außer dem unterſten Grunde; ihr 8— 9 Fuß hoher Knauff iſt von korinthiſcher Ordnung. Das Laubwerk, welches ganz platt und gar nicht ein⸗ gezackt iſt, ſcheint blos von Lorbeeren zu ſeyn. Der Schaft oder Stamm der Saͤule iſt, wie das uͤbrige des Fußes und Saͤulen⸗Stuhles aus einem Stuͤcke; ihre Hoͤhe mag 144 Fuß ſeyn⸗ 206 Gegen Weſt, jenſeits des Kangles Kanopus, ſind einige Katakomben, welche aus einigen in Felſen gehauenen Zimmern beſtehen, Auf jeder Seite iſt eire offene Gallerie; auf beiden Seiten dieſer Zimmer ſind 3 Reihen Gewoͤlbe neben einander, welche zum Beiſetzen der Koͤrper Raum genug darbieten. Der große See Mareotis, welcher ehemals ſchiffbar war, iſt jetzt nur bei anhaltendem Regen mit Waſſer gefuͤllt. Vielleicht ſind die Kanaͤle, welche das Waſſer aus dem Nile dahin fuͤhrten, verſtopft. Der Kanal Kanopus wuͤrde immer verſtopft ſeyn, wenn er nicht oͤfters mit großen Koſten gereinigt wuͤrde. Das gemeine Volk der Alexandriner hat einen haͤßlichen Charakter, beſonders die Janitſcharen. Sie erregen Aufſtand, pluͤndern, begehen Meuchelmorde, und es iſt ſchwer, Gerechtigkeit wider ſie zu erhalten, Nikopolis liegt 33¼, Abukir oder Bikiere 12 Meilen von Alexandrien; letzteres hat auf der Weſt⸗Seite einen weiten Meer⸗Buſen, welcher auf der oͤſtlichen Seite jenes Vorgebirge hat, welches ſich bis an die Nord⸗Seite von Roſetta erſtreckt. Daſelbſt iſt auf der Abend⸗Seite des Buſens ein mit Garniſon verſehenes Kaſtell, und die Schiffe liegen ziemlich ſicher vor Anker, Eine ganze Kette Felſen dehnt ſich uͤber 3 Meilen Weges von Abukir nach einer kleinen In⸗ ſel, von welcher man nichts Gewiſſes weiß. Ohnge⸗ faͤhr 2 Meilen naͤher gegen Alexandrien ſind im 207 Waſſer noch Reſte eines alten Tempels zu ſehen; in deſſen Naͤhe manche andere merkwuͤrdige Bruchſtuͤcke. II. Von Alexandrien nach Roſetto und Groß⸗Kairo. Auf dem Wege von Alexandrien nach Ro⸗ ſetto, 24. Oct. 1737, ließen wir Abukir ohngefaͤhr 3 Meilen links liegen, und kamen etwa s Meilen davon zur Ueberfahrt. Der Weg zieht ſich uͤber dem Aus⸗ laufe eines Sees, welchen man fuͤr den unteren Theil des kanopi ſchen Armes des Nils haͤlt. Heracleum lag ohne Zweifel naͤher; weßwegen man auch dieſen Arm den Heracleontiſchen genennt hat. Kano⸗ pus mag noch hoͤher am Fluſſe in der Gegend, wo der Kanal hervor tritt, gelegen ſeyn. Auf der andern Seite dieſer Ueberfahrt iſt eine Herberge zum Ausru⸗ hen der Reiſenden, wo ſie ſich vor den Arabern ſicher halten. Das ganze umliegende Land iſt eine ſandige Wuͤſte, deſſen ungeachtet wurden wir auf Anordnang des engl ſchen Konſuls mit einem praͤchtigen Zelte und Erfriſchungen daſelbſt uͤberraſcht. Nach deren Genuſſe ſetzten wir uns auf ſchoͤne Pferde, welche der Statt⸗ halter von Alexandrien uns, mit Reitknechten zu Fuß, geſendet hatte, und auf welchen wir nach Ro⸗ ſetto ritten. Dieſe Stadt liegt an der weſtlichen Seite jenes Nil⸗Armes, welcher vor Zeiten die Bolbitiniſche hieß. Sie wird von den Aegyptiern Raſchid ge⸗ 208 nennt, und fuͤr einen der luſtigſten Plaͤtze gehal⸗ ten. Sie iſt faſt 2 Meilen lang, und hat nur 3— 4 Straßen. Das ſchoͤne Land von Delta auf der anderen Seite des Nils und zwei anmuthige Inſeln, welche etwas unter der Stadt liegen, gewaͤhren eine ſehr angenehme Ausſicht. Das Land iſt nordwaͤrts mit den ſchoͤnſten Gaͤrten von Orangen, Limonen, Ci⸗ tronen, und anderen Fruͤchten; mit vielen Palm⸗Baͤu⸗ men, und an einigen Orten mit kleinen Deichen ver⸗ ſehen. Wenn der hier haͤufig gebaute Reis auf dem Felde gruͤnet, ſo zeigt ſich die Landſchaft noch reitzen⸗ der. Ein großer Theil des Feldes von Roſetto ge⸗ hoͤrt nach Mekka; man ſagt, ein Verwandter Ma⸗ homets habe hier gewohnt, und ſich auf der Nord⸗ Seite eine Moſchee gebaut. Man bildet ſich ſogar ein, daß nach dem Untergange Mekka's die Wallfahrten hierher verlegt werden wuͤrden. Obſchon hier viel geſtreifte und grobe Leinwand fabrizirt wird, ſo iſt doch die vorzuͤglichſte Beſchaͤfti⸗ gung nur der Handel mit Kaufmanns⸗Guͤtern zwiſchen Roſetto und Kairo. Denn alle europaͤiſche Waa⸗ ren werden auf der See von Alexandrien nach Roſetto gebracht, und auf anderen Booten nach Kairo geliefert. Eben ſo werden auch die von da auf dem Nile eintreffenden Waaren in groͤßere Schiffe geladen, und nach Alexandrien befuaͤrdert; weß⸗ wegen hier viele europaͤiſche Faktore ſich befinden. Die Briefe kommen zu Land durch Boten von Alexan⸗ 209 drien uͤber Roſetto nach Kairo; blos jene drin⸗ gende von groͤßerer Wichtigkeit werden mittels Boten zu Fuß quer durch die Wuͤſte geraden Weges nach Kairo gebracht. Ungeachtet Roſetto ſehr nahe am Meere liegt, ſo iſt doch das Waſſer gut, und nicht zu ſalzig, wenn der Nil nicht ſehr ſeicht iſt, und der Nordwind ſtark wehet. Hier kann der Nil uͤber 3— 4 Fuß ſteigen, weil die ufer zu ſeicht ſind; dann breitet ſich das Waſſer uͤber die ganze Ebene aus. Zwei Meilen nordwaͤrts an der weſtlichen Seite des Fluſſes iſt das Kaſtell von Roſettoz ein vier⸗ eckichtes Gebaͤude mit runden Thuͤrmen auf den Ecken, und mit Schießloͤchern am unterſten Theile. In dem⸗ ſelben ſind verſchiedene Stuͤcke gelben Marmors mit hieroglyphiſchen Figuren, welche Stuͤcke von zerbroche⸗ nen Obelisken zu ſeyn ſcheinen. Verſchiedene eiſerne Kanonen waren noch mit Riegeln und Ringen verſe⸗ hen, und beſtanden aus 2— 3 in einander gefuͤgten Stuͤcken. Auf den 3 meſſingen war ein Baum mit zwei Buchſtaben ſtatt des Wappens, auf der anderen Seite eine Verzierung von Lilien. Das Kaſtell iſt von Außen mit Ziegelſteinen gemauert, und mit anderen Steinen ausgefuͤllt. Keyk Bey ſoll es im XV. Jahr⸗ hunderte errichtet haben; allein wahrſcheinlicher ſtammt es aus der Zeit der Kreuzzuͤge, wurde von jenem nur verbeſſert, und mit Schießloͤchern verſehen. Tiefer herab jenſeits des Fluſſes iſt eine erhabene Batterie mit Geſchuͤtz, und gegen Morgen ſind ſalzichte Seen, 210 wo man ſehr viel Salz ſammelt. An der Muͤndung des Fluſſes iſt die dreieckichte Inſel Latomia mit einem Kanale, welcher bei Nord⸗Weſt⸗Wind uͤber⸗ fließt, und dann zwei Inſeln bildet. Ihr Umfang iſt etwa eine Meile, und auer durch dieſelbe von Oſt nach Weſt ziehen ſich Sandhuͤgel; gegen Suͤd iſt ſie mora⸗ ſig, gegen Nord ſandig. 4. Zu Roſetto wurde ich durch den Dolmetſcher des engliſchen Konſuls zur Audienz des griechiſchen Patriarchen Koſmas gebracht, welcher gewoͤhnlich zu Kairo wohnt. Zuerſt reichte mir der Bediente eine Pfeife, dann ein Becken voll Zuckerwerk, wovon jede Perſon etwas in einem kleinen Loͤffel bekommt. Nachdem der Kaffe aufgetragen iſt, wird einem Jeden eine Schale mit Sorbet gereicht welches ein kuͤhlender Trank der Tuͤrken iſt. Die Bedienten ha⸗ ben uͤber den Arm ein Handtuch woran der Gaſt ſich abwiſcht, wenn ſie etwas Roſenwaſſer in ſeine Haͤnde geſchuͤttet haben, womit er ſein Geſicht reibt. Dar⸗ auf wird das Rauchwerk gebracht, welches der Gaſt mit vorwaͤrts geneigtem Haupte, und mit ausgebrei⸗ teten Kleidern annimmt, um den Rauch außzufangen. Dieſe Hoͤflichkeiten werden nur jenen erwieſen, gegen welche man eine beſondere Achtung hegt; wenn der Herr oder der Gaſt glaubt, es ſei Zeit, den Beſuch abzubrechen, ſo gibt jener ein Zeichen, wenn dieſer nicht ein Vornehmer iſt. Bei einem ſolchen Beſuche wird alles mit groͤßtem Anſtande und tiefſtem Still⸗ 7 211 ſchweigen behandelt. Die Bedienten(Selaven) ſtehen am Ende des Zimmers, haben die Haͤnde vor ſich uͤber⸗ einander geſchlagen, und ſind hoͤchſt aufmerkſam auf jeden Wink ihres Herrn. Am 4. Nov. 1737 ſetzte ich mich mit dem Konſul auf eine der Galeeren, welche flachen Boden und drei Maſte haben, und deren Haͤlfte fuͤr ein groͤßeres Zim⸗ mer der Maͤnner und fuͤr ein kleineres der Weiber im Hintergrunde gedeckt iſt. Sie haben runde Gitter⸗ Fenſter, und kleine Kanonen, welche vorne befeſtigt ſind. Bei guͤnſtigem Winde ſegeln ſie gut gegen den Strom; bei ſchwachem oder widrigem Winde werden ſie durch ein Seil von Menſchen gezogen; bei Stuͤr⸗ men oder ganz entgegen geſetztem Winde muͤſſen ſie, wie jede Nacht, ſtill halten, damit ſie nicht ſtranden. Die lange Weile wird dann durch arabiſche Erzaͤhlun⸗ gen, oder geringe Komoͤdien der Schiffer vertrieben. Da das Land zu beiden Seiten eben und hoͤchſt frucht⸗ bar iſt, ſo bleibt auch die Nilſchiffahrt das ganze Jahr angenehm. Die Doͤrfer, um welche Palmbaͤume gepflanzt ſind, ſcheinen niedliche Luſtwaͤldchen, und bei dem Austritte des Fluſſes kleine Inſeln zu ſeyn. Im Dezember iſt Aegypten in der hoͤchſten Fruͤhlings⸗Pracht, das ganze Land mit gruͤnem Korne oder Steinklee be⸗ legt und verſchiedene Pflanzen ſtehen ſchon in voller Bluͤte. Au, unſerer Fahrt gegen Kairo kamen wir uͤber 20 Meilen von Roſetto nach Foug, und hatten 212 gegenuͤber ſtets einen Kanal, welcher vielleicht einſt zu dem Kanopiſchen gehoͤrte. Er ſoll mit dem Alexan⸗ driniſchen verbunden geweſen ſeyn, worauf vermuth⸗ lich die Waaren, als die Europaͤer noch Faktoren in Foua hielten, nach Alexandria gebracht wurden. Allein die Boote wurden von den Arabern ſo oft ge⸗ pluͤndert, daß man ſeit 6o— 60 Jahren die Seefahrt uͤber Roſetto vorzog. Ohngefaͤhr auf dem vierten Theile des Weges nach Kairo iſt das Grab des Scheik Achmed Be⸗ doni, welcher ein Sohn eines Vetters Mahomeds war. Da wir an einem Dorfe aus Mangel des Win⸗ des halten mußten, ſo gingen wir zu dem Orts⸗Vor⸗ ſteher, wo wir mit Kaffee bedient wurden. Bei un⸗ ſerem Weggehen ſchickte er uns ein kleines Geſchenk von 50 Eiern zur Bezeigung unſerer Hochachtung nach. In dieſem Lande wird der blaue Indigo von dem Kraute Nil gefertigt. Bei unſerer Ankunft zu Ouar⸗ den begaben wir uns zum Statthalter, welcher uns zum Tiſche einlud. Er ſchickte 100 Eier und ein Lamm, kam dann zu Pferd an das Schiff, und machte ſeinen Gegenbeſuch. Da wir ihm bei dieſer Gelegenheit die gewoͤhnlichen Ehren erwieſen, ſo gab uns die Umge⸗ bung des Konſuls den Wink, daß ihm ein Geſchenk von Wein ſehr angenehm ſeyn wuͤrde, welches ihm geſchickt wurde, aber erſt in der Dunkelheit, um ihm keinen Anſtoß zu geben. Die Wuͤſte des heil. Makarius iſt etwa eine 213 Tagreiſe gegen Weſt dieſer Stadt. Dort ſind 4 kop⸗ tiſche Kloͤſter, wohin die koptiſchen Chriſten oft wan⸗ dern. Den naͤchſten Abend kamen wir an ein Dorf Hele bei Kairo, welches ein Ueberbleibſel des alten Heliopolis von 5 Meilen im Umfange war. Am 11. Nov. Nachts kamen dem Konſul ſehr viele Men⸗ ſchen entgegen; er ſetzte ſich auf ein vortreffliches Pferd, und s Janitſcharen gingen voraus. Nach morgenlaͤn⸗ diſcher Art ging noch ein Mann voraus, und beſprengte die Erde mit Waſſer, um den Staub zu loͤſchen. So zog er in die Stadt; ſeine Freunde und Untergebene folgten ihm auf kleinen Eſeln. Außer ihm durfte kein Chriſt in der Stadt auf einem Pferde reiten. III. Von der Landſchaft zwiſchen Damiate und Groß⸗Kairo⸗ Die Landſchaft von Damiate bis Gaza wird meiſtens von Arabern bewohnt, welche unter keiner ordentlichen Regierung ſtehen. Die Rhede, wo die Schiffe bei dieſer Muͤndung des Nils vor Anker lie⸗ gen, iſt ohngefaͤhr 6 Meilen vom Lande, und ſo ge⸗ faͤhrlich, daß ſie oͤfters bei heftigem Winde die Segel fahren laſſen, und in das Meer ſtechen muͤſſen. Zwei Sandbaͤnke an der Muͤndung erſchweren die Einfahrt auch fuͤr kleine Schiffe. Indeſſen erwarten dieſe(von 30— 40 Tonnen) die Gelegenheit, unbeladen einzulau⸗ fen; man beladet ſie dann zur Winterzeit, oder wann 214 nichts zu thun iſt, bei der Stadt. Da die Einwoh⸗ ner hier ſehr une ngeſchraͤnkt ſind, ſo geben ſie, um die Fahrt ihrer eigenen Schiffe zu befoͤrdern, nicht zu, baß ein fremder Schiffer an die Stadt komme, ſon⸗ dern alle Guͤter muͤſſen zwei See⸗Meilen von der Stadt in kleine Schiffe umgeladen werden. Am ſan⸗ digen Orte gegen Weſt der Einfahrt, etwa /¼ Meile vom Ende derſelben, iſt ein kleines rundes Kaſtell, und eine Meile hoͤher jenſeits bei der Zollhaus⸗Wache ein verfallenes Kaſtell, welches K. Ludwig IX. von Frankreich erbaut haben ſoll; noch hoͤher auf der an⸗ dern Seite ein ſchmales achteckiges Kaſtell aus Back⸗ ſteinen. Damiate liegt an der oͤſtlichen Seite des Ni⸗ les, 4—s Meilen von der Muͤndung des Fluſſes; der See Menzale iſt 2— 3 Meilen entfernt. Auf der weſtlichen Seite zwiſchen dem Fluße und Meere, liegt ein ſchmaler Strich Landes, welcher keine Meile breit iſt. Am noͤrdlichen Ende von Damiate iſt ein breiter runder Thurm aus ſehr feinen gehauenen Steinen. Die Stadt iſt zwar breit, aber uͤbel gebaut, und groͤß⸗ tentheils von Fiſchern und Janitſcharen bewohnt. Das Volk von Damiate iſt das ſchlimmſte in der Tuͤrkei; Fremde koͤnnen in unbeſuchten Straßen der Stadt nicht fortkommen, ohne angefallen zu werden. Die Einwohner haben vor den Europaͤern noch einen aus den Kreuzzuͤgen angeerbten Abſcheu, indem die Chri⸗ ſten Oamiate weggenonmen haben, und es erſt 215 als keinen Theil des Loͤſegeldes zuruͤck gaden, nachdem K. Ludwig[X. gefangen war. Kein Menſch darf ſich in europaͤiſcher Kleidung blicken laſſen, und da der Chriſt aus ſeinem Geſichte zu erkennen iſt, ſo darf kein Fremder aus ſeinen zewoͤhnlichen Gaſſen ſich ent⸗ ferten. Ich ſelbſt wurde 2— 3 mal angefallen; und da ich, wie manche Janitſcharen, eine ſchwarzſeidene Binde um meinen Turban hatte, ſo wurde dieſer mir im Vorbeigehen von dem Kopf geſtoßen, weßwegen ich nicht mehr in die Stadt ging. Manche, welche als europaͤiſche Konſuls dienten, wurden theils um⸗ gebracht, theils aus der Stadt vertrieben. Der groͤßte Handel beſteht hier in dem Reiſe und Kaffee, welcher in alle Theile der Duͤrkei geliefert wird. Sie fuͤhren auch Tobak von Laticheg, und Seife von den Syri⸗ ſchen Kuͤſten ein. Wir kamen bei der großen Stadt Manſura an der oͤſtlichen Seite des Niles vorbei, wo die Kreutz⸗ fahrer zweimal geſchlagen wurden. Im erſten Treffen wurde der Graf von Artvis in das Waſſer gewor⸗ fen, und der tapfere Graf von Salisbury ſtarb fechtend auf den Knien; die ganze Armee wurde nie⸗ dergehauen, und K. Ludwig IX. gefangen. Man kann ſich nichts ſchoͤneres vorſtellen, als das Land auf beiden Seiten des Fluſſes. Die Doͤrfer liegen nahe an einander, und ſind von anmuthigen Palm⸗Waͤld⸗ chen umgeben. Die Felder ſind ſehr fruchtbar: iſt es im Fruͤhhnge gruͤn, und bluͤhen viele Gewaͤchſe, ſo . 216. gewaͤhren ſie den bezauberndſten Anblick, und uͤbertref⸗ fen weit das Land am anderen Arme des Fluſſes. Wir lagen bei dem Hafen von Groß⸗Mahalla auf der weſtlichen Seite ſtill, und ritten auf gemietheten Eſeln etwa 4 Meilen in die Stadt. Dieſe iſt ziemlich gut aus gebrannten Steinen gebaut, und die Hauptſtadt der Provinz Ga rbieh, wo ein Bey wohnt, und eine Abtheilung von 7 Regimentern unter einem Haupt⸗ mann(Sardar) liegt. Daſelbſt wohnen auch 500 koptiſche Chriſten, welche eine kleine ſchlechte Kirche haben. Ich war einem ſehr ehrlichen und ehrwuͤrdi⸗ gen Kaufmanne empfohlen, welcher in den Gegenden von Marokko geboren war, und als Muſelmann ſchon 14 Wallfahrten nach Mekka gemacht hatte. Er geſellte mir einen Begleiter bei, welcher die fraͤnkiſche (d. i⸗ eine verdorben italiſche) Sprache redete, und gab mir ein gutes Zimmer in einer ihm gehoͤrigen Her⸗ berge. Des Morgens ſchickte er uns ein ſchoͤnes Fruͤh⸗ ſtuͤkk, indem ich die Butter Aegyptens im Dezember, als zur beſten Zeit, das erſte Mal koſtete; ich fand ſie ſehr ſchmakhaft. Des Abends wurden wir mit einem ſehr reichlichen Abendeſſen bedient, und der Kaufmann ſelbſt beſuchte uns, ohne mit uns zu eſſen, wie alle Morgenlaͤnder, wenn ſie nicht hoͤheren Ran⸗ ges ſind. Am folgenden Tage brach ich nach Baalboit 4—5 Meilen nord⸗oſtwaͤrts auf, welches einer jener kuͤnſt⸗ lichen Huͤgel iſt, worauf vermuthlich das wegen des 217 Tempels der Iſis beruͤhmte Buſiris gebaut war, deſſen Ueberbleibſel die koſtbarſten von ganz Aegypten ſind. Sie ſind aus Granit, und die hieroglyphiſchen Figuren und Saͤulen⸗Knaͤuffe geben den Tempel der Iſis zu erkennen. Die Steinhaufen ſind auf dem niedrigen Grunde gegen Suͤd⸗Oſt. Der Grund ſcheint 200 Fuß lang, und 100 breit geweſen zu ſeyn; es liegt alles uͤber einander. Ohngefaͤhr 100 Fuß davon iſt ein Damm, rund um denſelben erhaben, den Nil abzu⸗ halten; auf jeder Seite bildet eine Oeffnung den Ein⸗ gang. Die Mauern des Tempels ſcheinen 10 Fuß dick, und nach Auſſen von grauem Granit geweſen zu ſeyn, welcher ſehr klein geſprengelt, und mit rothem ver⸗ miſcht iſt Die innere Seite beſtand aus feinem ro⸗ then Granit; die meiſten Steine ſind 10 Fuß lang, s hoch und dick. Die Saͤulen waren alle zerbrochen; ſie waren aus rohem Granit, 4 Fuß im Durchmeſſer. Der Knauf war der Iſis⸗Kopf. Dieſe koſtbaren Stuͤcke des Alterthumes werden taͤglich mehr verwuͤſtet, und ich ſah einige Saͤulen in Muͤhl⸗Steine verwandeln. Vermuthlich ſtanden 4 Reihen, jede von 12 Saͤulen im Tempel. Unſere hoͤchſte Aufmerkſamkeit erweckten die vortrefflichen Hieroglyphen; ſind gleichwohl die Fi⸗ guren von etwa 4 Fuß in der Hoͤhe nach aͤgyptiſchem Geſchmacke; ſo iſt doch in der Geſtalt der Gottheiten und Prieſter etwas Feines und Goͤttliches wie man ſie ſonſt auf dieſem Wege nicht ſieht.. Auf unſerem Wege nach Kairo ſegelten wir bei 9tes B. Aegypten I. 2. 7 218 Semenud gegen Weft, und bald darauf bei Abou⸗ ſiris vorbei, welche zwei anſehnliche Staͤdte ſind. Der Kanal zwiſchen Eſhbon und Motrody mag der Koͤnigs⸗Kanal nach dem rothen Meere ſeyn, in welchem Falle Phakuſa hier gelegen ſeyn muͤßte. Der Koͤnig Seſoſtris von Aegypten unternahm dieſes wichtige Werk, welches vermuthlich ſeine Nachfolger Neko und Darius fortſetzten. Aber K. Ptole⸗ maͤus II. vollendete das Werk ſo, daß man nach Gefallen das Waſſer in denſelben inläufens laſſen kounte. Auf der oͤſtlichen Seiten kamen wir weiter nach Benalhaſſar, wo große Spuren einer alten Stadt angetroffen werden. Hoͤher hinauf am Fluße lag die Stadt Onias, woſelbſt ein hebraͤiſcher Prieſter einen Tempel baute, welcher— nach Joſephs Verſiche⸗ rung— jenem zu Jeruſalem entgegen geſetzt ſeyn ſollte. Wir verließen das Delta, und ſegelten gegen Kairo, wo der Nil in einem Strome fließt. An der oͤſtlichen Seite des Flußes, etwa drei Meilen vom Ufer, war die alte Stadt Heliopolis, in der Bi⸗ bel On genannt, welche jetzt Matarea heißt, und wegen des ehemaligen Sonnen⸗Dienſtes ſehr beruͤhmt iſt. Die Prieſter derſelben haben in der Weltweisheit und Sternkunde Aegyptens den hoͤchſten Ruhm erwor⸗ ben; ſie haben zuerſt die Jahres⸗Rechnung nach 365 Tagen eingefuͤhrt. Sie hatten hier ein gemeinſchaftli⸗ ches Studien⸗Haus mit vielen Zimmern. Herodo 1 219 kam hieher, ſich unterrichten zu laſſen; dem Strabo wurden die Zimmer des Plato und Eudorus an⸗ gewieſen; letzterer war ein großer Sternkundiger, und beide ſtudirten gegen 13 Jahre mit einander. Eine beruͤhmte Sternwarte bei Heliopolis traͤgt den Namen Eudvrus. Das Dorf Matarea liegt etwas gegen Abend; 4 Fuß unter der Erde laͤßt ſich vortreffliches Waſſer daſelbſt uͤberall graben. Man vermuthet aus wichtigen Gruͤnden, daß das Land um Heliopolis das Land Goſen od. Rameſes ſei, indem die Ifraeliten daſelbſt die erſte Station nach ihrem Abzuge aus Ae⸗ gypten hielten. Dieſes Land iſt nicht entfernt von Memphis, wo vermuthlich Pbarao zu jener Zeit gewohnt hat. 1 IV. Von Groß⸗Kairo. Das alte Kairo ſcheint ſich bis zur Stadt und Feſtung Babylon erſtreckt zu haben, welche vermuth⸗ lich auf dem Berge Jehuſi an der weſtlichen Seile Kahiro’s gelegen iſt von deſſen noͤrdlichem Ende der Fuß des Berges nach dem Fluße ſich ausdehnt. Die⸗ ſes ſtimmt auch mit der alten Beſchreibung uͤberein, daß von dem Fuße des an den Fluß ſtoßenden Berges das Waſſer auf deſſen Spitze mittels Maſchinen durch 150 Maͤnner geleitet wurde. Einige Gefangene von Babylon am Enphrat haben ſich nach ihrer Flucht auf dieſen Berg begeben, Ausfaͤlle gemacht, und das 220 Land gepluͤndert. Nachdem ſie Vergebung erhalten, und ſich der Regierung unterworfen hatten, raͤumte man ihnen dieſen Platz zur Wohnung ein, und nannte ihn nach ihrer Vaterſtadt Neu⸗Babylon. Auf dem Gipfel des Huͤgels iſt das unbewohnte Kloſter des h. Michgel, wohin ein Prieſter alle Sonn⸗ tag zur Verrichtung des Gottesdienſtes ſich begiebt. Groß⸗Kairo beſteht eigentlich aus Alt⸗Kairo, dem eigentlichen Kairo, und dem Hafen Bulak; jede dieſer drei Staͤdte iſt eine Meile groß. Nach ih⸗ ren Geſchichtſchreibern wurde ſie von einem Generale des erſten Kalifen der Fathmiten 973 erbaut; Sala⸗ din ſoll die Mauern herum gefuͤhrt haben. Alt⸗ Kairo betraͤgt nicht uͤber zwei Meilen im Umfange, und hat einen Hafen fuͤr die aus Ober⸗Aegypten kom⸗ menden Boote. Einige Beys haben hier ihre Land⸗ haͤuſer, wohin ſie ſich bei dem Austritte des Niles be⸗ geben. Daſelbſt ſind die ſogenannten Kornhaͤuſer Jo⸗ ſephs, innerhalb runder Thuͤrme durch Mauern mit einander verbundene viereckigte Hoͤfe. Dieſe ſind mit Korn gefuͤllt, uͤber welchem Strohdecken liegenz auf der Mauer iſt ein kleiner Zaun von Rohr; die Schloͤſ⸗ ſer an den Thuͤren ſind mit Thon beſiegelt. Da die Voͤgel zuweilen am Korne nagen, ſo wird deſſen Auf⸗ ſehern ein gewiſſer Abgang(Schwand) zugeſtanden. Sonſt ſollen 7 Kornboͤden geweſen ſeyn, jetzt wird nur einer fuͤr die Soldaten benuͤtzt; 6 Plaͤtze deſſelben ſind mit Waizen, und einer mit Gerſte fuͤr die Pferde belegt. 1 221 Auf der noͤrdlichen Seite von Alt⸗Kairo ſteht das Gebaͤude, wodurch das Waſſer aus dem Nil in die Waſſer⸗Leitung befoͤrdert wird. Es iſt ein ſehr praͤch⸗ tiges flaches Gebaͤube, welches Koͤnig Kampion er⸗ baut haben ſoll; es iſt ſechseckigt, auf jeder Seite 80— 90 Fuß laug, und eben ſo hoch. Die Waſſer⸗ leitung ruht auf 289 od. 320 Schwibbogen; das Waſ⸗ ſer laͤuft in ein Behaͤltniß, und wird durch verſchie⸗ dene Raͤder uͤber einander in das Kaſtell geleitet. Die⸗ ſem Waſſer⸗Behaͤlter am Nil gegenuͤber iſt der Kanal, welcher das Waſſer nach Kairo befoͤrdert, und vielleicht ſchon von K. Trafan erbaut iſt. An deſſen Muͤndung wird die feierliche Kanal⸗Eroͤffnung vorgenommen. In Alt⸗Kairo ſind ohngefaͤhr 12 Kirchen, welche den Kopten gehoͤren, meiſtens in den von Chriſten be⸗ wohnten Bezirken. Doch haben dieſe in Kairo ſelbſt auch Kirchen, wovon eine dem Patriarchen gehoͤrt; ſeine eigentliche Kirche ſcheint jene des K. Maka⸗ rius in der Patriarchen⸗Straße von Alt⸗Kairo zu feyn, wo er gewaͤhlt und eingeſetzt wird. Die meiſten dieſer Kirchen ſind auf aͤlteren gebaut; ſie beſtehen meiſtens aus einem Schiffe und zwei Seitengaͤngen mit Gallerien uͤber denſelben. Der Chor des Hoch⸗ altars iſt geſondert, mit Bildhauer⸗Arbeiten verziert, mit Elfenbein und Schildkrot ausgelegt. Die Juden haben auch eine Synagoge, welche im 2— 3. Jahrhun⸗ dert ſchon gebaut ſeyn ſoll. Die Franziſkaner des Kon⸗ vents zu Jeruſalem haben fuͤr 2— 3 Ordens⸗Bruͤder 222 ein Hoſpiz. Die Moſchee Amrah, nord⸗oſtwaͤrts von Alt⸗Kairo, ſoll eine Kirche geweſen ſeyn. Man zaͤhlt darin 400 Pfeiler, welche mit ihren Knaͤu⸗ fen vermuthlich aus verſchiedenen alten Gebaͤuden zu⸗ ſammen getragen ſind. An der Nordſeite von Alt⸗ Kairo iſt eine Moſchee von dauerhafter Bauart, wel⸗ che Omar, der Eroberer Aegyptens und erſte Kalif aus Mahomed's Geſchlechte, gebaut haben ſoll. Ddie Inſel Roida, oder Raudah liegt Alt⸗ Kairo gegenuͤber; der dazwiſchen liegende Kanal des Nils iſt bei niedrigem Waſſer ausgetrocknet. Die ganze Gegend iſt angenehm; die weſtliche Seite iſt mit großen Baͤumen bepflanzt, welche man Pha⸗ raons⸗Feigen nennt. Gegen Nord iſt das kleine Dorf Roida, und die Inſel eine Meile lang. Suͤd⸗ waͤrts liegt der Mikias, oder das Haus mit der Saͤule, woran man die Hoͤhe des Niles mißt, mit einem Becken, deſſen Boden mit jenem des Fluſſes vermuthlich parallel iſt. Auf dieſer Seite der Inſel ſind große Ueberbleibſel von Gebaͤuden und dicken Mauern aus Ziegelſteinen. Eine halbe Meile von Alt⸗Kairo nordwaͤrts iſt der Ort Kaſſaraline, wo verſchiedene Gaͤrten von Orangen, Limonen, Zitronen und Kaßiabaͤumen ſich beſinden, und ein Kloſter von 30— 40 tuͤrkiſchen MNoͤnchen oder Derviſchen, welche zur Erhaltung ih⸗ res Rufes der Heiligkeit den groͤßten Theil ihres Le⸗ beus in der Moſchee zubringen. Dieſe iſt ein breiter 223 viereckigter Saal, mit einer ſehr ſchoͤnen Kuppel. Bei unſerem Eintritte fuͤhrte man uns zum Vorſteher, welcher eben las, und uns auf tuͤrkiſche Art ſehr hoͤf⸗ lich begegnete. Ich ſah daſelbſt einige alte Gefaͤße, wovon eines aus weißem orientaliſchen Alabaſter war. Der Vorſteher hatte zwei Staͤbe mit arabiſcher In⸗ ſchrift neben ſich, und auf jeder Seite der Plinte war gleichfalls ein ſolcher Stab. In dieſem Saale und am Eingange des Konvents ſind verſchiedene Merk⸗ wuͤrdigkeiten aufgehaͤngt, welche die Derviſche auf ihren Reiſen geſammelt haben. Eine Meile weiter nordwaͤrts am Fluſſe liegt der Hafen Bulac, ohn⸗ gefaͤhr eine Meile von Neu⸗Kairo, hat zwei Mei⸗ len im Umfange, und nimmt alle Schiffe auf, welche aus den Theilen des Delta kommen. Hier iſt ein Zollhaus, mehre Packhaͤuſer und Herbergen fuͤr Rei⸗ ſende, auch ein ſchoͤnes Bad. Neu⸗Kairo liegt etwa eine Meile vom Fluſſe, und dehnt ſich oſtwaͤrts auf zwei Meilen gegen den Berg aus. Sie hat ohngefaͤhr 7 Meilen im Umfange: denn ich brauchte etwas mehr als 2 3⁄1 Stunden zum Umreiten. Sie ſoll zur Zeit, als ſie der Mittelpunkt des oſtindiſchen Handels war, noch groͤßer geweſen ſeyn. Sie war auf allen Seiten mit Mauern und halbzirke⸗ lichten Thuͤrmen umgeben. Drei oder vier ſehr große Thore ſind von den Mamelucken erbaut, und bei aller Einfachheit ſehr bewundernswuͤrdig. Gegen Suͤd iſt Babel der Vorſtadt Zuile, oder das Zuileſche; 224 das zweite heißt Babel Naſſer, nach dem Namen eines Kalifen, durch welches Selim ſeinen Einzug gehalten haben ſoll. Etwas ſuͤdwaͤrts iſt das praͤchtige Babel Futuh, d. i. das Thor der Siege, aus Quadern ſehr hoch, mit einem viereckigen Thurme auf jeder Seite, und die Waſſertafeln deſſelben ſind mit Bildhauerei reichlich geziert. Der Kanal des Nils, welcher von Alt⸗Kairo kommt, geht durch die ganze Stadt, und dient zur Zeit der Austrocknung als Spatziergang des Volkes, obſchon der davon ſich erhebende Geſtank den naͤchſten Bewohnern hoͤchſt wi⸗ drig und ungeſund ſcheint. Verſchiedene Plaͤtze von 1/4 bis 3⁄4 Meilen im Umkreiſe dienen als Teiche waͤhrend des Austrittes des Niles, auf welchen des Abends in Gondeln und Barken, unter Muſik, und zuweilen auch Feuerwer⸗ ken gefahren wird, waͤhrend die Fenſter mit Zuſchauern beſetzt, und zum Theile erleuchtet ſind. Nach dem Nuͤcktritte des Waßſers bleibt ein Schlamm zuruͤck, aus welchem Korn bald bluͤhet und geerntet wird. Die daſigen Straßen ſind, wie in allen tuͤrkiſchen Staͤdten, ſehr enge; die weiteſte zieht ſich durch die Mitte der Stadt vom Thore Naſſer bis Zuile, aber ſie iſt nur ein Gaͤßlein von Europa. Die uͤbri⸗ gen ſind ſo enge, daß zwiſchen den beiderſeitigen Daͤ⸗ chern nur eine leichte Decke zum Schutze gegen die Sonne gezogen wird. Die Sicherheitsanſtalten ſind deſſen ungeachtet, beſonders Nachts, ſehr gut. Denn 4 225 die meiſten Straßen, oder wenigſtens jedes Ende eines jeden Theiles der Stadt, haben ein Thor mit einem Waͤchter, welcher es zur Zeit der Finſterniß verſchlie⸗ ßet; bei manchem ſteht eine Wache von 2—3 Janit⸗ ſcharen, welche das liederliche Geſindel Nachts von den Straßen abhaͤlt. Einige kleine Straßen beſtehen aus Krambuden ohne Wohnungen, welche Nachts ver⸗ ſchloſſen werden. Es gibt auch beſondere Handels⸗ plaͤtze, Bezeſtaus, welche unſeren Boͤrſen gleichen, und Nachts auch verſchloſſen ſind. Kramlaͤden von einerlei Waaren ſtehen gewoͤhnlich beiſammen. Die tuͤrkiſchen Haͤuſer ſind nicht ſchoͤn, und mei⸗ ſtens rund um einen Hof gebaut; und zwar unten aus Steinen, oben aus Holzfaͤchern, welche mit un⸗ gebrannten Steinen ausgefuͤllt ſind, und wenige oder gar keine Fenſter gegen die Straße haben. So praͤch⸗ tig verſchiedene Moſcheen ſind, ſo iſt doch jene des Sultans Haſſan am Fuße des Schloßberges durch Feſtigkeit des Gebaͤudes und durch innere Pracht uͤber alle erhaben. Sie iſt ſehr hoch, laͤnglicht viereckig, mit einem weit vortretenden Karnieß umgeben, und mit einem beſonders grotesken Bildhnuerwerk nach tuͤr⸗ kiſcher Art geziert. Ehemals ging man durch verſchie⸗ dene Dreppen, welche jetzt abgeworfen ſind, und die Thuͤre iſt zugemauert, weil die Empoͤrer ſich gewoͤhn⸗ lich dahin gefluͤchtet hatten. Der Platz iſt ſehr feſt, weßwegen jetzt immer eine Garniſon von Janitſcharen in den an die Moſchee ſtoßenden Zimmern ſich auf⸗ 226 haͤlt. Nordoſtwaͤrts der Stadt iſt eine ſchoͤne Mo⸗ ſchee Namens Kubbeel Azaab, d. i. die runde Decke, oder die Kuppel des Azaabſchen Korps. Dieſe iſt ein ſehr ſchoͤner Saal von 60 Fuß in der Vierung, ringsherum mit 8 Fuß hohem Tafelwerk des koſtbar⸗ ſten Marmors belegt, mit feinen Adern, rothen und gruͤnen Porphyrs. Die Rande ſind ausgeſchweift und vergoldet, mit kuphiſchen Spruͤchen befrieſet. Die Mauern uͤber dem Tafelwerke ſind mit arabiſchen Inſchriften geziert; die ganze Kuppel iſt auf das Feinſte gemalt und vergoldet, von welcher viele glaͤ⸗ ſerne Lampen und Strauſen⸗Eier herab haͤngen. Ne⸗ ben der Moſchee ſind mehre Zimmer fuͤr die Prieſter, und einige fuͤr vornehme Reſidenten, welche zuweilen kommen. Ein Theil der Stadt gegen Suͤd heißt Tailun, nach dem erſten, von Kalifen unabhaͤngigen Beherr⸗ ſcher Aegyptens Tholun. Die ehemalige Reſidenz und Moſchee hat kaum Spuren mehr hinterlaſſen. An einem natuͤrlichen Felſen iſt eine Art eines kleinen Thurmes, welchen man den Sitz des Pharago nennt. Nahe unter einem Schwibbogen iſt ein alter Sarkophag aus ſchwarzem Marmor, in welchen das Waſſer durch eine Roͤhre laͤuft, und welchen man Schatz⸗ oder Liebesbrunnen nennt. Er iſt von Innen und Außen mit vielen hieroglyphiſchen Bildern verziert. Ein Mann ſcheint ein Krokodilshaupt zu haben, und auf einer Art eines viereckig ausgehaue⸗ 227 nen Altars ſcheinen zwei Pferdekoͤpfe eingehauen zu ſeyn. Außer jenem ſind noch andere halbzirkelichte Thuͤrme, welche vielleicht zur Einfaſſung des Palaſtes dienten. In dieſem Quartier iſt eine große Moſchee, welche jener zu Mekka gleichen ſoll. Oſtwaͤrts von Tailun benfindet ſich das Kaſtell von Kairo auf einem felſigen Huͤgel, und ſcheint durch Kunſt von dem Huͤgel Jebel Duiſe getrennt zu ſeyn; man ſagt, Saladin ſey der Erbauer. Auf der Nordſeite ſind zwei Thore; jenes gegen Weſt traͤgt den Namen der Azaaber, jenes gegen Oſt den der Janitſcharen. Es iſt zwar mit Mauern umge⸗ ben; da es aber niedriger, als der oͤſtliche Huͤgel iſt; ſo dient es ſeit der Erfindung der Geſchuͤtzkunſt zu keiner Schanze nrehr. An der Weſtſeite des Kaſtells ſind Ueberbleibſel ſehr großer Gemaͤcher, deren einige gewoͤlbt, und mit moſaiſchen Gemaͤlden von Baͤumen und Haͤuſern geziert. Man bedient ſich jetzt dieſes Theiles des Kaſtelles zum Weben, Goldwirken, und zur Bereitung der Teppiche und Decken, welche jaͤhr⸗ lich nach Mekka geſendet werden. Ueber dem Kaſtell liegt oſtwaͤrts ein erhoͤhter Bo⸗ den nahe bei dem großen Saale, Joſephs⸗Halle genannt, wo man eine entzuͤckende Ausſicht nach Kairo, auf die Pyramiden und deren Umgebung hat. Vermuthlich fuͤhrte eine offene Gallerie zu dem praͤchtigen Zimmer, welches jetzt, außer der ſuͤdlichen Seite, uͤberall offen, und mit ſehr großen und ſchoͤ⸗ 228 nen Saͤulen von Granit geziert iſt. Einige Kapitaͤler der Pfeiler ſind gut korinthiſch, andere ganz platt, und andere nur mit Linien wie Laubwerk gezeichnet. Manche derſelben beſtehen nur aus glatten Steinen mit geringer Verzierung, und haben nur ein hohes Fußgeſtell nach alt⸗aͤgyptiſcher Art; auf jedem Pfeiler iſt eine arabiſche Zeile eingegraben. Ueber den Pfei⸗ lern und Bogen iſt eine Art hoͤlzerner Frieſe mit ara⸗ biſcher Inſchrift. Die Saͤulen ſcheinen von alten Ge⸗ baͤuden aus Alexandrien hieher gebracht zu ſeyn. Gegen die weſtliche Seite des Kaſtelles iſt ein Kerker, worin Joſeph verwahrt geweſen ſeyn ſoll. In der Mitte des Kaſtelles iſt ein geraͤumiger Hof, an deſſen ſuͤdlicher Seite die Gemaͤcher der Baßen, wie auch der große Divan uͤber dem ſchwar⸗ zen Platze gegen Suͤd iſt. In dieſem ſah ich die le⸗ dernen ½ Zoll dicken Schilde und Wurfpfeile, wel⸗ che Sultan Amurath eingeſchoſſen hat. Auch iſt hier der Divan der Beys, welche ſich unter dem erſten Miniſter(Kaia) des Baßen woͤchentlich dreimal ver⸗ ſammeln. Beliebt es dem Baßa, ſo ſitzt er in ei⸗ nem Zimmer des Hintergrundes, aus welchem er durch eiſerne Gitter die Verhandlungen des Divans beobachten kann. Ein Fremder darf in Begleitung des Dolmetſchers eines Konſuls hinein gehen; er wird dann in das Kaffeezimmer des Baßa gefuͤhrt, wo er mit Zuckerwerk und Kaffee von der Dienerſchaft be⸗ wirthet wird. Nahe iſt die Muͤnzſtette fuͤr Gold und 229 kleine Medinen, welche letztere aus Eiſen, und mit Silber uͤberſtrichen ſind, indem die kleine Muͤnze von Konſtantinopel in Aegypten nicht gangbar iſt. Hier war ein Stuͤck eines ſchmalen Obelisk aus ſchwar⸗ zem Marmor mit hieroglyphiſchen Figuren zur Bank eines Fenſters verwendet. Der Joſephs⸗Brunnen wurde von einem Großvezir dieſesn Namens unter der Regierung des Sultans Mahomet vor 700 Jahren errichtet; er iſt 120 Fuß tief. Der Boden, wohin Stuffen fuͤhren, iſt vermuthlich mit dem Bette des Niles gleich, oder noch tiefer, daher fehlt es nie an ſalzichtem Waſſer. Aus jenem wird es in den obern Brunnen durch ein Rad mittels zweier Ochſen befoͤrdert; dieſes zieht 73 Gefaͤße von 3 Maßen in die Hohe. Die Gefaͤße ſind durch Stricke am Rade befeſtigt. Sobald das Waſſer in ein Becken gebracht iſt, ſo wird es aus dieſem durch ein Rad und ein anderes Paar Ochſen wieder in die Hoͤhe gebracht. Gegen Suͤdoſt des Kaſtelles iſt die Vorſtadt Ka⸗ raraffa, an deren Thore einige koſtbar gewoͤlbte Graͤber ſind, welche aͤgyptiſchen Koͤnigen gehoͤren ſol⸗ len, vom Volke fuͤr jene der Freunde Mahomeds gehalten werden, welche dieſes Land eroberten. Man haͤlt dieſen Ort ſo heilig, daß Chriſten und Juden im Voruͤberreiten von ihren Eſeln ſteigen muͤſſen, um ihre Hochachtung auszudruͤcken. Karaffa ſcheint die alte Uniyverſitaͤt der Rechts⸗ und Gottesgelehrtheit ge⸗ 7 230 weſen zu ſeyn; man findet noch Spuren von Studien⸗ haͤuſern der Derviſche, deren Zahl ſo groß geweſen ſeyn ſoll, daß ein Fremder jeden Tag des Jahres in einem anderen frei zehren konnte. Zur Rechten auf der Hoͤhe iſt die große Moſchee del El Iman Schafei, einer der 4 großen hier begrabenen Doctoren oder Lehrer des Geſetzes, wel⸗ cher von den Tuͤrken hoch geehrt wird. Sie heißt La⸗Salehiah, weil Saladimtſte mit einem Spi⸗ tal und Studienhauſe erbaut hat. Dieſer hat auch alle aͤgyptiſchen Lehrer zur Annahme der Lehre des Verwandten Mahomed's bewogen. Gegen die oͤſt⸗ liche Seite des Huͤgels Jehuſi, wo vermuthlich Babylon ſtand, ſind viele Ueberbleiſel von den Schwibbogen einer anſehnlichen Waſſerleitung, durch welche das Waſſer wahrſcheinlich in dieſe und andere anſehnliche Moſcheen gebracht wurden. Drei oder vier Meilen von der Stadt iſt Baſe⸗ tin, welches ſeinen Namen von den hier befindlichen Gaͤrten hat; ohngefaͤhr zwei Meilen weiter iſt auf dieſer Seite der Begraͤbnißplatz der Juden. Jeder Leichnam wird unter Bedeckung von Arabern, welche ungeachtet der Bezahlung ſehr uͤbel mit denfelben um⸗ gehen, dahin gebracht. Auf der Spitze des Berges Jb.el Duiſe gegen Nord iſt neben Grotten die bezauberndſte Ausſicht auf die weiteſte Umgebung. Oſtwaͤrts uͤber die ſuͤdli⸗ che Klippe iſt die Moſchee, worin der Scheik Duiſe 231 begraben iſt, wie neben derſelben ſeine Kinder und die Soͤhne einiger Baßen. Die innere Moſchee iſt ganz mit Blumen auf rothem Grunde ausgemalt. Wir hatten uͤberall freien Zutritt; der Scheik ließ außer der Moſchee einen Teppich ausbreiten, und einige Erfriſchungen bringen. Jenſeits dieſer Moſchee iſt auf ei⸗ nem Huͤgel eine 3 Fuß dicke Mauer, auf welcher der Scheik bei dem Anfange eines Krieges, bei nicht hoffnungsvollem Austreten des Niles, und bei ande⸗ ren außerordentlichen Gelegenheiten waͤhrend des Volksauszuges zu beten pflegt. Unter den Huͤgeln gegen Nord ſind die Begraͤb⸗ niſſe, welche man Keick⸗Bey nennt. Daſelbſt ſind viele pruͤchtige Graͤber mit Kuppeln bedeckt, und ver⸗ ſchiedene große Moſcheen uͤber die Grabſtaͤtten großer Maͤnner errichtet. In einigen liegen Verwandte Ma⸗ homed’s. Dieſe Graͤber werden ſo heilig gehalten, daß kein Chriſt ſie beſuchen darf. Ueber dieſen Gruä⸗ bern und den Quartieren der Azaaber liegt die Pro⸗ vinz Adalig, worin ein einziges Zollhaus fuͤr die oͤffentliche Prozeſſion des Bey iſt. Auch muß ein Bey mit einer Garde monatlich dieſen Landes⸗Bezirk, wie ein anderer Alt⸗ Kairo und deſſen Umgebung bewachen. MNanche Baͤder Kairos ſind ſehr ſchoͤn und ſtark beſucht, weil man ſich eben ſowohl zum Vergnuͤ⸗ gen, als zur religioͤſen Reinigung einfindet. Beſon⸗ ders verweilen die Frauenzimmer woͤchentlich 1— 2 mal 232 daſelbſt; ſte bedienen ſich des Bades gerne, damit ſie aus ihrer ſchaͤndlichen Gefangenſchaft kommen. Man⸗ che Baͤder ſind bloß Frauenzimmern zugaͤnglich, auch wird ihnen in anderen Baͤdern eine beſondere Zeit be⸗ ſtimmt. Die vornehmen Frauenzimmer muͤſſen leider auf dieſe Gelegenheit zum Ausgehen verzichten, indem ſie ihre Baͤder in ihren Wohnungen haben. Die Herbergen, Okelos, zu Kairo, ſind ge⸗ vinge Gebaͤude zum einen Hofraume, welche gewoͤhn⸗ lich Kaufleuten einer beſondern Landsmannſchaft fuͤr ihre Waaren zugleich bewilligt werden. So haben die Nubiſchen ein ſolches Haus fuͤr ihre Waaren und ſchwarzen Selaven. Die Fremden erhalten aber um geringen Preis nichts als Zimmer; alle anderen Be⸗ duͤrfniſſe muß man ſelbſt zu befriedigen⸗ ſuchen. Die vornehmen Leute haben in den beſten Haͤu⸗ ſern zu Kauro einen Saal zum allgemeinen Gebrau⸗ sche, und ein Stnatszimmer. Haben ſie 4 Weiber, ſo iſt jedes mit einem Saale und einigen dazu gehoͤrigen Gemaͤchern verſehen, welche mit dem uͤbrigen Hauſe keine Verbindung haben. Sie haben zwar eine ge⸗ meine Thuͤre fuͤr die Knechte, allein dieſe wird ſtets verſchloſſen gehalten, und fuͤr die beſondere Thuͤre hat der Herr allein den Schluͤſſel. Auch iſt in jeder Abtheilung eine Trommel nach Art der Nonnen, und Karthaͤuſer⸗Kloͤſter angebracht, durch welche man abnehmen und geben kann, ohne geſehen zu werden. Im Hauſe des Osman Bey iſt ein ſchoͤner Saal 233 mit Vorgemache; das große Zimmer iſt ein laͤnglichtes Viereck, in der Mitte ein achteckiger Pfeiler aus Mar⸗ mor; die Waͤnde ſind auf zwei Seiten etwa 8 Fuß boch mit grauem Marmor belegt, woran ein Nand von moſaiſcher Arbeit iſt. Das Sopha lauft um die 42 Seiten des Zimmers herum, iſt mit den reichſten Polſtern aus Sammt belegt, und der Boden mit ſchoͤnen Teppichen bedeckt. Noch praͤchtiger war das Haus, welches der Sultan Naſin Iben Calahun oder Calaun um 1279 erbaute. Die Einwohner ſind ſehr vermiſcht aus Aegyp⸗ tiern, koptiſchen Chriſten„Arabern, theils aus dem Volke, welches aus Weſtafrika, Berberei und Nubien ſich zur Bedienung verbindet. Jede Art dieſer Voͤlker waͤhlt ſich einen Scheick oder Oberhaupt, welches allen Ankoͤmmlingen einen Platz anzeigt, und aus ei⸗ ner Gemeindekaſſa mit Geld unterſtuͤtzen muß, wenn Krankheit oder Dienſtloſigkeit eintritt. Sind die Un⸗ terſtuͤtzten vermoͤgend, ſo erſtatten ſie die Gabe treu der Kaſſa zuruͤck. Man findet auch Tuͤrken, welche theils von Konſtantinopel geſendet, theils von den Baßen mitgebracht werden. Jedoch iſt wahrſchein⸗ lich, daß der groͤßte Theil des Volkes aus Mamelucken beſteht, und die meiſten von Selaven aus Geo rgien und deſſen Nachbarſchaft ſtammen. Es giebt guch ei⸗ nige Griechen, viele Juden und wenige Armenier, 9tes B. Aegypten. I. 2. 8 Von Europaͤern haben ſich nur Franzoſen, Englaͤnder, Li⸗ vorneſer und Venezianer angeſiedelt. Die Franziskaner aus dem Konvente zu Jeruſalem mußten ihr Kloſter zwei⸗ mal vom Poͤbel vor der Vollendung niederreißen laſſen, bis ſie ſich durch Geſchenke den Schutz der Großen erkauften. Der Guardian heißt hier Vize⸗Praͤfekt von Aegypten, weil jener zu Jeruſalem Praͤfekt genannt wird. Das andere Franziskaner⸗Kloſter fuͤr roͤmiſche Miſſionaͤre hat einen Praͤfekten, welcher 3 aͤgyptiſche Klöͤſter regiert; es unterhaͤlt ſich von we⸗ nigen Gaben ihrer Schuͤler und aus Rom, und ſteht unter dem Schutze der Englaͤnder, welche ſich fuͤr alle Chriſten in Aegypten verwenden. Die uͤbrigen Franziskaner, ein Kapuziner⸗Kloſter, und ein Jeſui⸗ ten⸗Kolleg haben ſich des franzoͤſiſchen Schutzes zu erfreuen. Sterben Englaͤnder in der Levante ohne einen Geiſtlichen ihrer Konfeſſion, ſo werden ſie von Griechen nach deren Kirchen⸗Gebrauche begraben. Die daſigen Eurvpaͤer leben, ungeachtet der großen Ein⸗ ſchraͤnkung, ziemlich vergnuͤgt; ſie ſind einander ſehr geſellig, und leiden deswegen in dieſem fruchtbaren Lande keinen Mangel an Annehmlichkeiten des Lebens. Des Morgens widmen ſie ſich ihren Gewerben; die uͤbrige Tagszeit vertreiben ſie ſich oft mit Spatzieren⸗ gehen in die Felder und Gaͤrten auf der Nordſeite von Kgiro, wo auf eine Meile Wegs wenig Gefahr iſt. Bisweilen wird der ganze Tag dem Vergnuͤgen 235 geopfert; ſie erholen ſich von ihrem Geſchaͤfte am Sab⸗ bathe der Juden, und am Sonntage der Chriſten. Iſt der Nil angelaufen, ſo gibt es wenige Geſchaͤfte, weßwegen ſie ſich in ihren Haͤuſern zu Alt⸗Kairo und Gize aufhalten. Alle Auslaͤnder bringen ihre Zeit ſo angenehm zu, als die Jahreszeit und das Land es geſtattet. Denn die Vornehmen beweiſen ih⸗ nen alle Hoͤflichkeit, beſonders den Fremden, welche ſich bloß aus Neugierde hier aufhalten. Dieſen fehlt nie der liebreichſte Zutritt in die Haͤu⸗ ger, welche ihnen zur Herberge angeboten werden, weil ſonſt die Unter⸗ kunft und Bewirthung ſehr ſchwer waͤre. Der meiſte Handel von Kairo beſeht in der Einfuhr breiter Leinwand, Zinn, Blei, in der Aus⸗ fuhr von Kaffee, Sennsblaͤttern, Safran zum Faͤrben, Flachs und verſchiedenen anderen Gegenſtaͤnden, wel⸗ che aus Perſien kommen. Man hat auch Einfuhr von roher Seide aus Aſien, welche in Atlas und an⸗ deren Zeugen nach dem Muſter der Indier verarbeitet wird. An einigen benachbarten Orten ſind auch Ma⸗ nufakturen von grober Leinwand. Aus inlaͤndiſchen Gewaͤchſen wird Zucker bereitet, welcher weder wohl⸗ feil, noch fein, aber ſehr thener iſt. Einige Manu⸗ fakturen haben einen ziemlichen Grad von Vollkom⸗ menheit erlangt, z. B. alles Pferdegeſchirr; hoͤlzerne, eiſerne und kupferne Fenſtergitter; feine Decken ven 236 gefaͤrbten Binſen, welche nicht nur in die ganze Tuͤr⸗ kei, ſondern auch in die meiſten Theile von Europa geliefert werden. Man arbeitet auch ſehr ſchoͤn im Silber zum Schmucke der Weiber und Pferde. Die Bequemlichkeit der Schiffahrt macht Kairo zu einem großen Handlungsplatze: denn aus Mangel einiger Fertigkeit in mechaniſchen Kuͤnſten muͤſſen die meiſten Einwohner dies⸗ und jenſeits des Niles mit den mei⸗ ſten Gegenſtaͤnden aus Kairo verſehen werden. Da die Tuͤrken einander wenig Kredit geben, und ſehr mißtrauiſch ſind, auf Borg oder Darlehen Geſchaͤfte zu machen, ſo werden dadurch viele Menſchen nach Groß⸗Kairo gezogen. Daher kommt es auch, daß kaum der vierte Theil der daſelbſt befindlichen Men⸗ ſchen beſtaͤndige Einwohner ſind. V. Von Memphis und den Pyramiden bei Kairo. Obgleich Memphis, dieſe ehemalige Hauptſtadt Aegyptens und Reſidenz der alten Koͤnige, 18 Meilen im Umkreiſe gehabt haben ſoll, obſchon Alexan⸗ drien und Kairo mit deren aͤlteſten Denkmaͤlern noch geſchmuͤckt ſeyn mag; ſo iſt doch die Ausmittlung ihres wahren Standortes erſt unſeren Zeiten vorbehal⸗ ten geblieben. Denn die Andeutungen von Strabo, Diodor, Herodot und Plinius fuͤhren nur zur * 237 Wahrſcheinlichkeit, daß ſie ſich bei Nokanan und Metrahenni befunden habe. Die merkwuͤrdigſten Pyramiden von Gitze moͤgen gegen Nordweſt bei Memp his geſtanden ſeyn, und zu Begraͤbniſſen der Koͤnige und ihrer Verwandten gedient haben. Da die meiſten bereits zerfallen ſind, ſo haben die Ausſagen der alten Schriftſteller uͤber ihre Hoͤhe, Breite, Tiefe und innere Einrichtung ihren hoͤchſten Werth verloren. VI. Von den Katakomben und Pyramiden bei Saceara. Von Faiume fuͤhrte uns der Nuͤckweg nach Sagecara. Sobald wir die ſandigen Wuͤſten zuruͤck⸗ gelegt hatten, ging ich die gerade Straße nach Kairo. Da wir s Meilen gegen Nordweſt gereiſt waren, ka⸗ men wir auf Dashur, einer Herberge gemeiner ma⸗ hometaniſcher Hedaͤren. Laͤngs des weſtlichen Kanals kamen wir in zwei Meilen zum Dorfe Elmenſchieh Dashur, welches ſuͤdwaͤrts der großen Pyramide gegenuͤber liegt. Bald kamen wir in die ſandige Wuͤſte, und hatten den breiten Kanal immer gegen Morgen neben uns. Dann fuͤhrte uns der Weg durch den Melonen⸗Garten an einen Akazienwald, welcher ſich eine Meile nordwaͤrts an die Palmblaͤtter bei Saccara erſtreckt. Dieſes geringe Dorf liegt am 238 Fuße der Huͤgel. Der daſige Scheick nahm uns in Folge unſerer Empfehlungsſchreiben gut auf, ließ uns Eſſen vorſetzen, und verſprach, daß er uns an die be⸗ nachbarten Pyramiden gleich nach ſeinem Austritte aus der Moſchee— es war Freitag— begleiten wollte. Wir gingen dann eine halbe Meile gegen Suͤd, auf welcher Seite der Stadt ein kleiner Teich war. Von da kamen wir an einen Damm, welcher gus großen Steinen, 3s5 Schuhe breit iſt, und weſtwaͤrts zu den Huͤgeln fuͤhrte. In der Umgebung der hier folgenden Pyramiden iſt das Feld mit vielen Knochen und Hirn⸗ ſchalen bedeckt, unter welchen die Katakomben der Mumien ſind, welche nahe an dieſe Pyramiden rei⸗ chen. Der Boden des Landes iſt felſigt, und 56— 6 Fuß hoch mit Sand bedeckt. Die Pyramide mit Stu⸗ fen hat 300 Fuß gegen Nord, und 215 gegen Oſt, iſt 150 Fuß hoch und beſteht aus ſechs Abſaͤtzen, welche 11 F. breit und 25 ſenkrecht tief ſind; auf der Spitze iſt ſie 22 Fuß 5 Zoll gegen Oſt, und 50 Fuß s Zoll gegen Nord. Die aͤußere Bedeckung iſt aus gehauenen Stei⸗ nen, 20 Lagen auf jedem Abſatz, jede Lage iſt einen Fuß drei Zoll dick. Es iſt wahrſcheinlich, daß man Hau⸗ fen Steine, welche man zum Gedaͤchtniſſe der Todten aufgeworfen hatte, ſpaͤter mit Steinen belegte, wor⸗ aus Pyramiden entſtanden. Aus der inneren Einrichtung der Katakomben iſt zu ſchließen, daß anfangs jede Familie inren eigenen 239 Begraͤbnißplatz hatte, und erſt nach deren Vermehrung die Grotten ſo getheilt wurden, daß jeder Nachkoͤmm⸗ ling ſeine eigene Stellung erhielt. Ich ſah noch ver⸗ ſchiedene Windeln liegen; einige waren noch ganz; nur die Leiber waren wegen der Mumien heraus ge⸗ nommen. Ich bemerkte auch, daß einige Koͤrper in Palmzweige eingelegt wurden, welche an den Enden zuſammen gebunden waren. Einige hatten das Aus⸗ ſeben der Binſen wegen eingetretener Faͤulniß; an⸗ dere waren in jenes ſchoͤne Schilfrohr eingewickelt, deſſen die Morgenlaͤnder zum Schreiben ſich bedienen. Auch erblickte ich verſchiedene irdene Gefaͤße mit ſchwarzer fetter Erde, worin vermuthlich die Eingewei⸗ de verwahrt waren. Ich begab mich eine halbe Meile gegen Nord von der Pyramide mit Stufen zu der Katakombe der Voͤ⸗ gel welche der Vogelbrunn heißt, deren Eingang gegen 30 Fuß tief iſt. Der Gang iſt voll Sand, und s Fuß weit, wie alle uͤbrigen Gaͤnge. Dieſe Katakom⸗ ben ſind weit praͤchtiger, als die uͤbrigen, indem ſie die Grabſtaͤtten aller Voͤgel und anderen Thiere ent⸗ halten, welche goͤttlich verehrt wurden. Denn ſobald man diſelben todt fand, pflegte man ſie einzubalſami⸗ ren, und in irdenen Gefaͤßen zu begraben, welche be⸗ deckt und Moͤrtel beſchmiert wurden⸗ 240 VII. Von Fajume, dem alten Arſinoe, dem Labyrinthe, und dem See Roͤris. Die Karavannen begeben ſich woͤchentlich von Kairo, nach Fajume: da der Befehlshaber der Pro⸗ vinz dahin gehen wollte, ſo glaubte ich, mich ihm an⸗ ſchließen zu muͤſſen. Da ich demſelben empfohlen war, ſo kam ich einige Zeit vor unſerer Abreiſe im Hauſe des Osmann⸗Bey mit ihm zuſammen. Sogleich wurde mir ein Zimmer angewieſen, und der Kaſchif bat mich, mit ihm zu eſſen. Ich hatte einige Nbgezo⸗ gene Waſſer mitgebracht, ihn zu beſchenken, und ich traf Anſtalt, daß dieſelben ihm bei dem Eſſen gereicht wurden, worauf er ganz froͤhlich zu werden anfing; er war beilaͤufig 35 Jahre alt. Ich reiſte des Mor⸗ gens mit ihm ab; wir gingen ſuͤdwaͤrts von Alt⸗ Kairo, und kamen die Moſchee Saranebi, wo⸗ ſelbſt ein Bild von Mahomeds Fuß ſeyn ſoll, dann das Dorf Dertin vorbei, und in das Kloſter St. Georgen ohngefaͤhr s Meilen von Alt⸗Kairo. Es iſt unbewohnt aber Prieſter begeben ſich an Soun⸗ und Feier⸗Tagen zur Verrichtung des Gottesdieuſtes dahin. Wir fuhren quer uͤber den Fluß, und gelang⸗ ten zu dem großen Dorfe Mokanan, um welches einige Palmbaͤume gepflanzt, und auf deſſen noͤrdlicher Seite Schutthaufen waren. Etwa zwei Meilen ge⸗ gen Suͤd⸗Weſt kamen wir nach M etrahenny. In dieſer Gegend ſind verſchiedene Grabhuͤgel, und ein —,— 241 Wall, welcher eine Meile ſuͤdlich und nordwaͤrts, und dann nord⸗ und weſtwaͤrts gegen die Pyramiden bei Sgecara ſich hinzieht. Vielleicht diente er zur Ver⸗ theidigung der alten Stadt Memphis. Suͤdwaͤrts bei Metrohenny gingen wir uͤber den Pyramiden⸗ Kanal(Chalig— El— Cheram). Wir hielten hier ein wenig und ich breitete meinen Teppich in einiger Entfernung auf die Erde. Allein der Kaſchif bat mich zu ſich, und ich nahm Theil an dem Eſſen, welches aus Brod, rohen Zwiebeln, und einer Art geſalzener Kaͤſe beſtand. In einiger Entfernung kamen wir an den Kanal Deſchur, uͤber welchen eine große ſtei⸗ nerne Bruͤcke mit 4 Bogen fuͤhrt. Wir ſetzten unſere Reiſe meiſtens an dem Kanale fort, und kamen nahe zu den ſuͤdlichen Huͤgeln von Bateriſchihe gegen Morgen des Kanals. Wir brachten daſelbſt die Nacht in einem kleinen Walde von Palmbaͤumen zu. Der Kaſchif ließ mich zu ſich kommen; ich reichte ihm et⸗ was Brandwein, und blieb einige Zeit bei ihm. Da ein großer Scheick zu ihm kam, ſo begab ich mich an meinen Platz, und der Kaſchif ſendete mir von ſeinem Eſſen, welches fuͤr ihn im jenſeitigen Dorfe war zu⸗ bereitet worden. Des anderen Dages ſetzten wir un⸗ ſere Reiſe fort uͤber einen kleinen Sandhuͤgel gegen Suͤd⸗Weſt, durch eine unebene Sand⸗Wuͤſte, und durch ein Thal voll Auſter⸗Schalen. Nach weiterem Fortſchreiten uͤber Sand trafen wir zu Tamika am . 242 Ende der Wuͤſte ein, wo ein Kanal des Nils vorbei, in die See Moͤris ſich ergießt. Die Araber kamen dem Kaſchif entgegen uͤbten ſich den ganzen Weg in Pferde und jagten mit Piken auf einander. Wir kamen in das große Dorf Sennurs, und kehrten im Hauſe des Orts⸗Vorſtehers ein, wo eine große Mahlzeit fuͤr den Kaſchif zubereitet war. Ein grobes braunwollenes Duch wurde uͤber das ganze Zim⸗ mer ausgebreitet, ein Haufen Kuchen herumgelegt, und etwa 10 Schuſſeln waren vertheilt, welche 7 Male beſetzt wurden, naͤmlich mit Reis, einem gebratenen kleinen Schafe, einem geroͤſt eten Lamme, geroͤſteten Voͤgeln. Manche Schuͤſſeln waren mit Suppe, diek gekochtem Hafer, oder kleinen Stuͤcken geroͤſteten Flei⸗ ſches ꝛc. beſetzt, welche ohne weiteres Zerſchneiden konnten genoſſen werden. Der Kaſchif ſaß oben, und die Vornehmeren neben ihm. Ich nahm meinen Platz am Sopha, bis der Kaſchif mich unter großer Hoͤflich⸗ keit zu ſich rief. Jeder iſt gewohnt, gleich nach dem Speiſen aufzuſtehen die Haͤnde zu waſchen, und einen Trunk Waſſer zu nehmen, bis die Armen herein kamen, um die Ueberbleibſel zu verzehren. Des anderen Mor⸗ gens hatten wir ein praͤchtiges eben ſo aufgetragenes Fruͤhſtuͤck; es beſtand aus dem ſchoͤnſten Brode mit Butter zubereitet, gebackenen Eiern, Honig, gruͤnem geſalzenen Kaͤſe, Oliven und anderen Gegenſtaͤnden. 243 Wir waren jetzt in der fruchtbaren Provinz Ar⸗ ſinoe, der Zierde Aegyptens. In dieſer allein wach⸗ ſen die Oliven wild, welche zu Alexandrien durch Kunſt in den Gaͤrten gezogen werden; dann Wein, Korn und Huͤlſenfruͤchte im Ueberfluße. Bei fortgeſetzter Reiſe kamen wir nach Baja⸗ mut, auf deſſen noͤrdlicher Seite Ruinen von Pyra⸗ miden ſind. Hier ſiebt das Volk den Sand, um Sie⸗ gel und Schauſtuͤcke zu finden. Wir gelangten durch ein tiefes Bett eines Kanals, und durch die Ueber⸗ bleibſel von Arſinoe nach Fajume. Dieſe Stadt haͤlt etwa zwei Meilen im Umfange, iſt ſehr ſchlecht, und meiſtens aus gebrannten Steinen gebaut; der Kaſchif oder Statthalter wohnt daſelbſt, auch verſchie⸗ dene reiche Beſitzer naher Doͤrfer. Sechzig angeſehene arabiſche Einwohner fuͤhren den Titel Scheick; einer iſt ihr Vorſtand alle zuſammen bilden den Divan des Kadi, welcher woͤchentlich zweimal gehalten wird; der Kadi wird jaͤhrlich einmal von Konſtantinopel geſen⸗ det. Er hat aber einen daſelbſt wohnhaften Stellver⸗ treter. Der Divan wird auf beſondere Veranlaſſungen vom Kadi immer erſt angeordnet. Hier iſt eine große Manufaktur der Decken, womit die Boden der Zim⸗ mer belegt werden. Auch bereiten ſie viel Roſenwaſſer fuͤr die Speiſen und zur Benetzung der Gaͤſte, ehe dieſe geraͤuchert werden. Eben ſo verfertigen ſie grobe Klei⸗ 244 dung, wohlfeile, wollene Zeuge, und Leder fuͤr die Saͤ⸗ cke, worin das Waſſer auf den Kamelen getragen wird. Die Franziſkaner des Kloſters zu Jeruſalem haben hier ein Hoſpiz, und den Ruf, Aerzte zu ſeyn. Die Koptiſche Kirche iſt vier Meilen entfernt, obſchon viele Chriſten in der Stadt wohnen. Aus den zwei Stunden entfernten Weingarten bereiten dieſe einen guten franzoͤſiſchen Wein und gute Roſinen. Die Ma⸗ hometaner machen aus dem Safte der Weinbeere einen Syrup, welchen ſie kochen, Beemes heißen, und als Zucker verwenden. Er wird bei Tiſch aufgeſetzt und Brod eingetaucht. Das Waſſer der Kanaͤle iſt im Februar etwas ſalzig und unſchmackhaft. Zu Fajume erhielt ich ein Zimmer im Hauſe des Kaſchifs, ſeine Diener beredeten mich zur Nuͤck⸗ ſendung meiner Pferde, welche ſie durch gleich gute erſetzen wollten; allein ich wurde genoͤthigt, recht ſchlechte um theuren Preis zu dingen. Auf meinem Zimmer wurde taͤglich fuͤr mich gedeckt; zuweilen mußte ich bei dem Kaſchif ſpeiſen, wobei er viel trank, und ſich Neckereien gegen ſeine Diener erlaubte. Das alte Arſinoe liegt gegen Norden der Stadt 12 1½ Meile von dem See. Es hieß zuerſt Kroko⸗ dillen⸗Stadt, weil man daſelbſt den Krokodill au⸗ — —— 245 betete, welchen man zahm in dem See erzog. Sie mag etwa 4 Meilen im Umfange, und auf jeder Seite einen Kanal gehabt haben; die Ueberbleibſel ſind ge⸗ ringe. Die Gegend wird durch viele Kanaͤle bewaͤſ⸗ ſert, uͤber welche Bruͤcken von Backſteinen geworfen ſind. Etwa 3 Meilen gegen Suͤd⸗Weſt ſteht ein Obe⸗ liſk aus rothem Granit. Nicht weit davon iſt der Ort Gerot, wo wir den hoͤflichen Scheick beſuchten. Wir gingen dann meiſtens durch Waͤlder von jungen Palm⸗ baͤumen nach Tobar, in welcher Gegend viele Wein⸗ gaͤrten ſind. Auſſer den Waͤldern kamen wir durch Getraid⸗Felder, dann durch oͤdes Land, uͤber den trocknen Grund eines Kanals, zu dem breiten Boden des Bahr Joſeph, welcher in die See Moͤris fließt. Dieſer Fluß iſt ohngefaͤhr 100 engliſche Ru⸗ then breit, hat Klippen, welche an der oͤſtlichen Seite nicht unter 40, an der Abend⸗Seite etwa 30 Fuß hoch ſind. Gegen Morgen gibt es ſchwarze Erde, welche 6— 20 Fuß hoch iſt, was nur aus fruͤheren Ueber⸗ ſchwemmungen erklaͤrbar iſt. Weiter hinab iſt ſandi⸗ ger Thon von hellgelber Farbe, unter welchem Felſen gefunden wird. Das Land gegen Weſt heißt Nesle, und iſt auf 3— Meilen gut angebaut. Hier mag man am fruͤheſten unter allen Orten Aegyptens ern⸗ ten: denn am 16. Februar ſah ich die Gerſte bereits sgeſchnitten und gedroſchen. Der große Flecken Nesle liest ganz nahe bei dem 246 Fluße. Das Haus des Scheicks iſt rund um einen Hof gebaut, und an der nordweſtlichen Ecke mit einem rune Thurm, worin Kanonen geſtanden, befeſtigt, indem man gegen die benachbarten Araber immer auf guter Hut ſtehen muß. In Abweſenheit des Scheick wendeten wir uns an den Kaimakan, welcher ohne beſondere Gewalt iſt, und in Beſorgnißen lebt. Nach genommener Abrede mit einem Haupte der Araber gab er mir 4 Araber zu Pferde, und 1 Kamel zum Tragen des Waſſers und anderer Lebens⸗Mittel fuͤr ein Stuͤck Geld, welches den Werth von drei Guineen aufwie⸗ gen mag. Um 4 Uhr des anderen Morgens brachen 4 wir auf; nachdem wir zwei Stunden nordweſtwaͤrts gegangen waren, verſahen wir uns auf das neue mit Waſſer, und hielten, um unſere Thiere mit Gras zu fuͤttern. Hier beginnt die ſandige Ebene; bei weite⸗ rem Fortſchreiten ſahen wir in der Ferne gegen Oſt zwei zerſtoͤrte Schloͤßer, und trafen einen ebenen felſt⸗ gen Boden, welcher groͤßtentheils mit Sand bedeckt iſt⸗ In weiter Ferne erblickten wir ſchon den Tem⸗ pel des Labyrinthes, und naͤher verſchiedene Haufen von Schutt und Steinen, als Ueberbleibſeln großer Ge⸗ baͤude. Hier ſtand ohne Zweifel das beruͤhmte Labpy⸗ rinth, welches die 12 Koͤnige Aegyptens in eben ſo⸗ vielen Palaͤſten erbaut haben ſollen, um Staats⸗ und Religions⸗Sachen mit einander zu uͤberlegen. Alle 247 Schriftſteller kommen uͤberein, daß darin 30,000 Zim⸗ mer waren, wovon die Haͤlfte unter der Erde ohne Zweifel in Stein, wie zu Theben gehauen waren. Am ganzen Gebaͤude war kein Holz, und die Eingaͤnge und Zimmer waren auf eine ſolche Art vertheilt, daß ein Fremder weder den Ein⸗ noch den Ausgang wuͤrde gefunden haben. Herodot hat den oberſten Stock geſehen; es war ihm aber nicht erlaubt, ſich in die un- terirdiſchen Zimmer zu begeben, weil daſelbſt die Grab⸗ maͤler der Koͤnige, welche ſie erbaut haben, und der angebeteten Krokodille waren. Der See Moͤris liegt ohnfaͤhr zwei Meilen von dieſem Gebaͤude, auch wenn der See nicht groͤßer als jetzt war, das iſt s0 Meilen lang, und 10 breit. Fi⸗ ſche finden ſich darin zum Ueberfluße, welche zu Fa⸗ jume ſehr wohlfeil verkauft werden. Gegen Suͤd kamen wir in 3 Stunden auf einen Berg, wo wir ein verfallenes Kloſter aus ungebrann⸗ ten Steinen und Schutt⸗Haufen antrafen, als wenn ehemals eine Stadt hier geſtanden ſei. Nach zwei au⸗ deren Stunden kamen wir in ein bebautes Land, wo wir unſer Vieh erfriſchten; nach 1 ½ Stunden trafen wir wieder zu Nesle ein, wo der Kaimakan uns in ſein Haus einlud. Er war in der Erwartung eines Geſchenkes von Kafee, welches ich ihm aus Fajume 248 ſenden ſollte. Des anderen Tages begleitete er mich noch einige Meilen mit ſeinen Arabern und Selaven, welche unterwegs in einander rennten, und ihm da⸗ durch Vergnuͤgen machten. Nachdem wir Topan voruͤber waren, neigten wir uns gegen die Straße nach Suͤd auf Sambur und Fajume; dann nach Ta⸗ mika, Daſchur, Sakkara, und endlich Groß⸗ Kairo. (Die Fortſetzung im naͤchſten Baͤndchen.)