1 4 — Jonathan Oldſtyle's Briefe. Aus dem Engliſchen des Waſhington Irving überſetzt von S. H. Spiker. Berlin, Im Verlage von Duncker und Humblot. Vorwort des Ueberſetzers. Da Ueberſetzer glaubt, bei dem deutſchen Publikum keiner Rechtfertigung wegen ſei⸗ ner Uebertragung der Briefe Jonathan Oldſtyle's zu beduͤrfen. Von einem Man⸗ ne, deſſen Namen bei uns ſo vortheilhaft bekannt iſt, wird man gern auch dasje⸗ nige leſen, worin ſich die erſten Spuren des Talents verrathen, das in ſpaͤteren Zeiten ſich ſo reich entfaltet hat. Dieſe Blaͤtter, im J. 1802 geſchrieben, erſchienen damals in dem New⸗Yorker Morning Chronicle, einer Zeitung, welche ihren Na⸗ men von dem des beruͤhmten Londoner Op⸗ * IV—— poſitions⸗Blattes entlehnt hatte. Der Bei⸗ fall, welchen Hrn. Irving's ſpaͤtere Schrif⸗ ten in ſeinem Vaterlande erhielten, veran⸗ laßte wahrſcheinlich den Wiederabdruck die⸗ ſer Blaͤtter in ſeiner Vaterſtadt, ſo wie der Ruf, den Jener in England ſich erworben hatte, ihre ſchleunige Bekanntmachung in England; und daß man ſie dort mit dem Beifall aufgenommen, den der Name des Verfaſſers ſich uͤberall geſichert hat, beweiſt wol vor Allem der Umſtand, daß ſie in kurzer Zeit drei Auflagen erlebt haben. Die Tendenz dieſer Blaͤtter iſt, wie man bald erſehen wird, durchaus ſatiriſch. Was der Verfaſſer von dem New⸗Yorker Theater ſagt, moͤchte vielleicht, wenn auch nicht hinſichtlich der Darſtellung, doch in Bezug auf das Publikum und das Be⸗ nehmen deſſelben in den Amerikaniſchen⸗ ——— -— Schauſpielerhaͤuſern, uͤberhaupt itzt noch, ſeine Anwendung finden, wenn man an⸗ ders ſich auf das Urtheil von Palmer, Fearon, Warden und andern Reiſenden ver⸗ laſſen kann.— Das Ueberhandnehmen der Duelle in den Vereinigten Staaten, und die Erbitterung, mit welcher man dabei zu Werke geht, iſt ſchon von vielen unpar⸗ teiiſchen Beobachtern geruͤgt worden und die Waffe der Satire vielleicht die einzige, womit dieſem Uebel wirkſam begegnet wer⸗ den duͤrfte. Bis itzt ſcheint jedoch das, was der Verfaſſern gegen dieſe grauſame Sitte geſagt hat, von ſeinen Landsleuten wenig beherzigt worden zu ſeyn. Der Vorbericht des Amerikaniſchen Herausgebers dieſer Blaͤtter enthaͤlt ei⸗ nige biographiſche Nachrichten uͤber den beruͤhmten Verfaſſer, welche zur Ergaͤnzung ᷑ 0 VI der fruͤher von mir, in meiner Vorrede zu Bracebridge⸗Hall, mitgetheilten die⸗ nen moͤgen, und die, wie ich hoffen darf, den Deutſchen Leſern nicht unangenehm ſeyn werden. 4 Hr. Waſhington Irving iſt in New⸗ York geboren, und ſtudirte im J. 1800 im Columbia College. Der wankende Zu⸗ ſtand ſeiner Geſundheit noͤthigte ihn in⸗ deſſen, die ernſthafteren Studien aufzuge⸗ ben, nach dem Rathe ſeiner Freunde ſich mit dem Zeichnen zu beſchaͤftigen und des⸗ wegen eine Zeichnen⸗Akademie in New⸗ York zu beſuchen, welche noch itzt in be⸗ deutendem Rufe ſteht. Dieſe Beſchaͤfti⸗ gung ſcheint ihn indeſſen nicht angeſprochen zu haben: ſein Arzt rieth ihm daher, eine Reiſe zu machen. Ehe dieß geſchah! er⸗ ſchienen die hier mitgetheilten Blaͤtter in ——y— — VII der Zeitung, welche Hrn. Irvingss aͤlterer, itzt in England lebender Bruder heraus⸗ gab, und erregten ſchon damals bei den Freunden aͤchten nationalen Witzes große Erwartungen von dem Verfaſſer. Hr. Ir⸗ ving ſchiffte ſich hierauf nach Frankreich ein, von wo er nach Italien ging und Rom und Neapel beſuchte. Inm J. 1805 oder 1806 kehrte unſer Verfaſſer nach Amerika zuruͤck; ſeine Ge⸗ ſundheit war feſter geworden, und er be⸗ gann itzt, unter einem ausgezeichneten Ad⸗ vokaten, in New⸗York das Studium des Rechts. Im J. 1807 erſchien ſein Sal⸗ magundi, das in einzelnen Nummern herauskam und vom Januar des erwaͤhnten Jahres bis zum Anfange des naͤchſten dauer⸗ te. Mehrere Nummern davon werden einem Schriftſteller beigelegt, der ſich ſeit der Zeit VIII durch mehrere proſaiſche und poetiſche Werke ausgezeichnet hat(Cooper);*) die poetiſchen Stuͤcke, mit denen Salmagundi ausgeſtat⸗ tet iſt, kamen aus der Feder des aͤlteſten Bruders unſers Verfaſſers, welcher ſeitdem geſtorben iſt. Im J. 1810 faßte man in Phila⸗ delphia den Gedanken, eine Ausgabe von Campbell's Gedichten zu veranſtalten, und Hr. Irving ward aufgefodert, ein Leben des Dichters dazu zu ſchreiben. Er ent⸗ ledigte ſich dieſes Auftrages auf eine mei⸗ ſterhafte Art, und ſo, daß man dieſe Ar⸗ beit fuͤr ſeine gelungenſte und uͤberhaupt *) Aus deſſen Feder namentlich auch der kuͤrzlich erſchienene Roman herruͤhren ſoll, der unter dem Titel Koningsmarke the long Finne erſchienen iſt und eine verſteckte Satire gegen den Besf⸗ von Wawerley enthaͤlt. 811 IX fuͤr das Vorzuͤglichſte halten will, was vielleicht je in engliſcher Proſa geſchrieben worden iſt.— Das naͤchſte Erzeugniß ſei⸗ ner Foder war Dietrich Knickerbocker's Geſchichte von New⸗York, ein Werk voller Witz und Laune, zu dem er ſich durch ein ſehr fleißiges Studium der Alterthuͤmer von Neu⸗Amſterdam(wie die Stadt genannt wurde, auf deren Stelle das heutige New⸗ York ſteht) vorbereitete und alle Biblio⸗ theken von New⸗York und Philadelphia durchſuchte, um Materialien dazu einzu⸗ ſammeln. Im J. 1812 begab ſich Hr. Irving nach England, und trat in eine Handlung, woran bereits zwei ſeiner Bruͤder Antheil hatten, waͤhrend ein dritter in Amerika zu⸗ ruͤckgeblieben war. Der ausgedehnte Brief⸗ wechſel des Hauſes wurde den Haͤnden un⸗ ſchaͤfte der Handlung ſielen ſo vortheilhaft aus, daß die Unternehmer nach dem J. 1815 die Ausſicht hatten, ihren Fleiß durch einen anſehnlichen Gewinn belohnt zu ſe⸗ hen. Das Mißgluͤcken einer Handelsſpe⸗ kulation vereitelte indeſſen dieſe Hoffnun⸗ gen, und mit ihnen auch die unſeres Ver⸗ faſſers, eine ſorgenfreie Unabhaͤngigkeit zu erlangen. Wahrſcheinlich wird indeß das Publikum bei dieſem Mißgeſchicke der ge⸗ winnende Theil ſeyn, denn wir werden viel⸗ leicht hoffen duͤrfen, dem Wiedereintritt des Verfaſſers in die ſchriftſtelleriſche Laufbahn noch manches geniale Erzeugniß ſeiner Feder zu danken zu haben. ſeres Verfaſſers uͤberlaſſen, und die Ge— ——— — — Erſter Brief. Nichts iſt fuͤr einen alten Mann unertraͤgli⸗ cher, als alte Sitten aͤndern zu muͤſſen. Die Gewohnheiten unſerer Jugend werden uns, je mehr wir an Jahren vorruͤcken, deſto theurer, und es iſt uns eben ſo unangenehm, wenn wir ſie aufgeben ſollen, als wenn wir die Baͤume faͤllen ſehen muͤßten, unter denen wir in den gluͤcklichen Tagen unſerer Kindheit ge⸗ ſpielt haben.. Ich ſelbſt, der ich den Strom des Lebens mit der Fluth hinabgeſchwommen bin, mich nach allen ſeinen Wendungen gerichtet, großen⸗ theils alle ſeine Eigenthuͤmlichkeiten angenom⸗ men habe, kann mich dieſes Vorurtheils nicht entſchlagen. Ich ſeufze ſehr oft, wenn ich ei⸗ nen Vergleich zwiſchen der Gegenwart und der Vergangenheit anſtelle, und obgleich ich wol A 2 einſehe, daß, im Ganzen, die Zeiten beſſer ge⸗ worden ſind, ſo liegt doch ſelbſt in den Maͤn⸗ geln der Sitten und Gewohnheiten, welche in meinen jungen Tagen herrſchten, etwas, das ſie mir unausſprechlich theuer macht. Nichts kommt mir ſonderbarer und ver⸗ kehrter vor, als die Art, wie bei den Heira⸗ then in neuerer Zeit zu Werke gegangen wird. Beide Theile halten die Sache ſo geheim, als ob etwas Schimpfliches in dem Verhaͤltniß laͤge. Die Dame laͤugnet es ganz entſchieden ab, daß irgend etwas der Art im Werke ſey, lacht, wenn man Den oder Jenen als ihren kuͤnftigen Gatten nennt, und wettet ſogar den Tag vorher, ehe die Hochzeit iſt, daß da⸗ von nicht die Rede ſey. Beide Theile ſchlei⸗ chen ſich ſo ſtill als moͤglich in das eheliche Leben hinein, und ſcheinen ordentlich ſtolz auf die liſtige und gewandte Art zu ſeyn, womit ſie dieß bewerkſtelligt haben. Wie verſchieden waren dagegen die Sit⸗ ten der fruͤheren Zeit! Ich erinnere mich noch, wie Squire Styliſh meiner Baſe Barbara den Hof machte. Waͤhrend dieſer ganzen Zeit 2 ——— ₰ hoͤrte man nichts, als von Berathungen und Unterhandlungen unter ihren Freunden und Verwandten; man uͤberlegte die Sache hin und her, und beraumte endlich eine Zeit an, wo das Jawort gegeben werden ſollte. Ich werde nie die erhabene Feierlichkeit dieſes Augenblicks vergeſſen. Die ganze Familie der Oldſtyles war verſammelt: meine Baſe Bar⸗ bara, ſo ſchoͤn herausgeputzt, als es Men⸗ ſchenhaͤnden nur moͤglich war— mit hohem Kiſſen, einer ungeheuren Haube, langen Talille, gewaltigem Reifrock, Manſchetten, die ihr bis auf die Fingerſpitzen reichten, und einem Kleide von feuerfarbnem Brokat, mit Mohn⸗ blumen, Roſen und Sonnenblumen darein gewirkt. Nie habe ich ſie ſo majeſtaͤtiſch ſchoͤn ge⸗ ſehen. Der Squire trat mit einer zu der Feierlichkeit des Augenblicks paſſenden Miene herein. Er war in ſcharlachrothen Sammet gekleidet, ſein Rock mit einer Menge von ſei⸗ denen Knoͤpfen verſehen, und die Aufſchlaͤge mit einer oder zwei Ellen Steifleinen aufge⸗ ſteift: eine wohlgepuderte Perucke mit langem A 2 4 Zopf ſchmuͤckte ſein Haupt, er trug Struͤmpfe von dunkelblauer Seide, uͤber die Kniee auf⸗ gewickelt, die Schoͤße ſeiner Weſte reichten bis auf ſeine Guͤrtelſchnallen, und die Enden ſei⸗ ner mit der groͤßten Zierlichkeit geknuͤpften Halskrauſe waren durch alle Knopfloͤcher ge⸗ zogen. So angethan, ſchritt er gemeſſen in das Zimmer, ſeinen ebenholzenen, mit einem elfenbeinenen Knopfe verſehenen Stock in der einen Hand, und mit der andern ſeinen drei⸗ eckigen Caſtorhut ſanft bewegend. Das ſtatt⸗ liche, modiſche Aeußere des Squire, die An⸗ nehmlichkeit und Wuͤrde ſeines Betragens, er⸗ 4 zeugten ein Laͤcheln des Beifalls auf allen 9 Geſichtern; meine Baſe Barbara verbarg ihr 4 Antlitz hinter ihren Faͤcher, aber ich ſah, wie ſie ihren Bewunderer mit großem Vergnuͤ⸗ gen zwiſchen den Staͤben hindurch beobach⸗ tete. Die Sache ward mit der groͤßten Feier⸗ lichkeit eroͤffnet, allein man kam bald zum Schluſſe. Die Oldſtyles waren genuͤgſam— machten nur wenige Bedingungen; der Squire war galant und willigte in alle. Kurz, die —.— — — . 8 7 — 5 erroͤthende Barbara ward mit gehoͤriger Feier⸗ lichkeit in ſeine Arme gefuͤhrt. Nun— nun ging die gluͤckliche Zeit an: ſolche Meere von Arrak— ſolche Berge von Roſinenkuchen— ſolche Gaſtmaͤhler und Gluͤckwuͤnſche— ein ſolches Fideln und Tanzen! Ach, wer kann an die Zeit denken, ohne zu ſeufzen, wenn er die Ausartung der itzigen mit anſieht: kein Braut⸗ kuchen*) wird mehr gegeſſen, kein Strumpf mehr geworfen*)— Niemand uͤberfuͤllt ſich mehr mit Wein bei der froͤhlichen Gelegen⸗ heit— keine Taſche wird dadurch bereichert, als die des Pfarrers. Mit großem Kummer ſehe ich dieſe Ge⸗ wohnheiten verſchwinden, welche die Gaſt⸗ *) Er wurde ausgetheilt, und wer davon aß, ſah in der Nacht das Maͤdchen oder den Mann, den er heirathen ſollte, im Traum. Sp.* **) Throwing oder flinging the stocking. Die Freunde und Freundinnen des Brautpaares ſetzten ſich an den Fuß des Bettes, die Maͤdchen warfen die Struͤmpfe des Braͤutigams, die Maͤnner die der Braut uͤber den Kopf, und wenn ſie den Braͤuti⸗ gam oder die Braut damit trafen, ſo war es ein Zeichen, daß ſie bald heirathen wuͤrden. Sp. 6 freiheit und Freundſchaft meiner alten Ge⸗ faͤhrten lebendig zu erhalten beitrugen, den Pfad zum Altar mit Blumen beſtreuten und einen Sonnenſtral auf den Beginn der ehe⸗ lichen Verbindung warfen. Das Benehmen meiner Baſe Barbara und ihres Gemahles gegen einander war nach der Hochzeit ſo ehrbar, als vorher; ihr Be⸗ tragen richtete ſich immer nach dem ſeini⸗ genz ihre Anſicht ſtimmte immer mit der ſei⸗ nigen uͤberein; ſie ſaͤumte nie, ihm am Mor⸗ gen ſeine Halskrauſe umzubinden, ihm bei Tiſche die Serviette unter das Kinn feſt zu ſtecken, ihn im Winter wohl einzuhuͤllen und ihn des Sonntags ſo ſchoͤn als moͤglich her⸗ auszuputzen. Der Squire war der aufmerk⸗ ſamſte und verbindlichſte Ehemann, den man finden kann: er fuͤhrte ſeine Frau mit der groͤßten Feierlichkeit in die Kirche und aus derſelben, trank ihre Geſundheit mit beſon⸗ derem Nachdruck bei Tiſche, und fragte ſie bei jeder Gelegenheit um Rath(obgleich er, wie ich geſtehen muß, immer ſeiner eigenen Anſicht folgte), und man hoͤrte nie etwas anderes von 7 beiden Seiten, als„mein Kind, meine Liebe, mein Taͤubchen u. ſ. w.“ Der Squire verlies nie an einem Wintextage das Haus, ohne daß ihm ſeine Frau aus dem Fenſter nachgerufen haͤtte, er ſolle ſich ja die Weſte huͤbſch zuknoͤpfen. So ging denn alles ſehr gut und meine Ver⸗ wandte ſtanden in dem Rufe, den ſie auch, ſo viel ich weiß, verdienten, das gluͤcklichſte und eintraͤchtigſte Paar in der Welt zu ſeyn. Ehepaare der heutigen Zeit werden wahr⸗ ſcheinlich uͤber alles dieß lachen: ſie ſind ge⸗ wohnt, einander mit der groͤßten Gleichguͤl⸗ tigkeit und Vernachlaͤſſigung zu behandeln. Die Frau ſteckt dem Mann nicht mehr die Serviette unter das Kinn feſt, und der Mann legt ihr nicht mehr die beſten Biſſen auf den Teller; in Geſellſchaft ſieht man nicht mehr die kleinen unterhaltenden Schaͤkereien, wobei die Frau dem Manne die Backen zu klopfen und er ihr unter das Kinn zu faſſen pflegte: und wo man ſo viele„meine Liebe und meine Gute“ hoͤrte, als man itzt Kuchen am Neujahrtstage hat. Die Frau ſieht ſich itzt als vollkommen unabhaͤngig an— ſagt ihre 8—— Meinung ohne Zoͤgern herais wenn ſie auch der des Mannes ganz entgegengeſetzt iſt— fuͤhrt ihre Rechnung fuͤr ſich, und hat ſogar Geheimniſſe fuͤr ſich, die ſie ihm nicht anver⸗ trauen will. Wer kann alles dieß leſen, und nicht mit mir die Ausartung der itzigen Zeit beklagen! Welcher Mann wird nicht mit Bedauern auf die gluͤcklichen Tage der weiblichen Unterwuͤr⸗ figkeit zuruͤckblicken! Zweiter Brief. Es giebt keinen oͤffentlichen Vergnuͤgungsort, den ich ſo gern haͤtte, als das Theater. Um es jedoch mit groͤßerem Vergnuͤgen zu genie⸗ ßen, gehe ich nur ſelten dahin, und ich finde ſelten ein Schauſpiel, wie unbedeutend oder laͤcherlich es auch ſeyn mag, das mir nicht einige Unterhaltung gewaͤhrte. 1 Vergangene Woche ward ich von einem Komoͤdienzettel ſehr angezogen,*) der, mit großen Buchſtaben, die Auffuͤhrung der „Schlacht von Hexham,“) oder die *) Es iſt hier von einer Darſtellung auf dem Theater in New⸗York die Rede. Sp. **) Sie wurde im J. 1464 unter Eduad Regierung zwiſchen den Anhaͤngern der Haͤuſer York und Lancaſter geliefert, und die Le kteren gaͤnzlich da⸗ rin weſchlagen. Sp. 10 alte Zeit“ ankuͤndigte. Das, ſagte ich zu⸗ mir ſelbſt, wird etwas Außerordentliches ſeyn— die alte Zeit!— Meine Einbildungs⸗ kraft entflammte ſich bei den Worten. Ich ſtellte mir in Gedanken das Bild der ganzen alten Ritterlichkeit vor. Hier wird man, dachte ich, einmal Hofſitten und wahre Hoͤflichkeit ſehen, das Schauſpiel wird wahrſcheinlich mit Turnieren und Kaͤmpfen prangen, und was die Banditen betrifft, deren Namen ſich auf dem Zettel ſo furchtbar ausnehmen, ſo wer⸗ den die, zur Erbauung der Gallerie, wol ohne Ausnahme aufgehangen werden. Mit dieſem Glauben ſetzte ich mich auf meinen Platz im Parterre, und war ſo voller Ungeduld, daß ich kaum auf die Muſik hoͤrte, obgleich ich ſie ſehr gut fand. Der Vorhang erhob ſich— die Koͤnigin trat mit großer Majeſtaͤt hervor; ſie entſprach meinen Begriffen:— ſie war gut gekleidet, ſie ſah gut aus, und ſie ſpielte gut. Der Koͤ⸗ nigin folgte ein artiger Herr, den ich, nach ſeinem Nicken und Grinſen, fuͤr den Hofnar⸗ ren hielt; allein ich ward bald meines Irr⸗ 11 thums inne. Es war ein hochbetrauter Hof⸗ mann und entweder ein General, Obriſt, oder hatte ſonſt eine kriegeriſche Wuͤrde. Beide redeten eine Zeitlang; da ich indeſſen nicht verſtehen konnte, wo ihr Geſpraͤch hinaus wollte, ſo aß ich unterdeſſen Erdnuͤſſe. 1 In einem der Auftritte des Stuͤcks be⸗ luſtigte mich die Dummheit eines Corporals und ſeiner Leute ſehr, die ein ſehr langweili⸗ 2 ges Lied ſangen und ſehr viel Worte uͤber nichts machten, obgleich ich aus ihrem Lachen ſchließen mußte, daß die Bemerkungen des Corporals ſehr drollig ſeyn mußten. In wel⸗ cher Beziehung dieſer Auftritt mit dem uͤbri⸗ gen Stuͤck ſtand, konnte ich nicht begreifen: ich glaube indeſſen, es war ein Theil eines anderen Stuͤcks, der nur ſo durch Zufall hier hinein gekommen war.. Itzt kam eine Hoͤhle vor, worin mehrere verdaͤchtig ausſehende Kerle waren, die um einen Tiſch ſaßen und zechten. Sie erzaͤhlten den Zuhoͤrern, daß ſie Banditen waͤren. Hier⸗ auf ſangen ſie ein Lied fuͤr die Gallerie, wo⸗ von ich aber nur zwei Verſe verſtehen konnte. 4* „Der Welſchmann waͤr' beinah an'ner Maus erſtickt, Doch er zog ſte heraus bei dem Schwanze. Als ſie dieſen ſchoͤnen Geſang geendigt hatten, ward ihr Gelag durch den melodi⸗ ſchen Klang eines Horns unterbrochen, und herein trat ein ſtattlicher Mann, der, wie ich fand, ihr Hauptmann war. Nachdem dieſer wuͤrdige Mann eine Stunde lang geraſet, ein halbes dutzend Male ſich vor die Bruſt ge⸗ ſchlagen und ſein Schwert gezogen hatte, ſchloß der Aufzug. Ich erfuhr, daß in dem Stuͤcke eine Schlacht vorgekommen war, oder noch vor⸗ kommen ſollte; wie, wann oder wo, konnte ich aber nicht herausbringen. Die Banditen erſchienen abermals, und erſchreckten dadurch die Frau des ſtattlichen Mannes, die Manns⸗ kleider trug und ihren Gemahl ſuchte. Ich konnte die Wuͤrde ihrer Haltung, ihr liebli⸗ ches Geſicht und die ungezwungene Annehm⸗ lichkeit ihres Spiels nicht genug bewundern; wer aber der Hauptmann wirklich, oder war⸗ um er ſeiner Gattin entlaufen war, konnte — ——„— — —;öõö9]— —— 13 ich nicht herausbringen. Sie ſchienen indeſ⸗ ſen ſehr erfreut zu ſeyn, einander wiederzu⸗ finden, und ſo endigte ſich denn zuletzt das Stuͤck, indem der Vorhang fiel. Ich wuͤnſchte, der Schauſpieldirektor ließe am Schluſſe je— des Aufzugs einen Zwiſchenvorhang fallen, ſo daß man das Ende des ganzen Stuͤcks im⸗ mer am Fallen des gruͤnen Vorhangs erken⸗ nen koͤnnte. Bei dieſer Gelegenheit waren es nur die hoͤflichen Verbeugungen der Schau⸗ ſpieler, denen ich dieſe angenehme Nachricht zu danken hatte. Ich kann nicht ſagen, daß mir dieß Stuͤck ganz gefallen haͤtte: ſehr viel Unterhaltung verſprach ich mir dagegen von dem Nachſpiel, „die Tripolitaniſche Priſe“ genannt. Itzt, dachte ich, werden wir doch einmal Spaß fuͤr unſer Geld haben, und einige von dieſen tripolita⸗ niſchen Schurken wie Truthuͤhner zu unſerer Unterhaltung an den Spieß ſtecken ſehen. Der Vorhang erhob ſich alſo— Baͤume ſtanden vorn am Theater, das Meer waͤlzte ſeine Wo⸗ gen im Hintergrunde— Alles ſah ſehr ange⸗ nehm und lachend aus. Itzt hoͤrte ich ein Geraͤuſch hinter den Couliſſen— itzt, dacht' ich, wird ein Haufen wilder Tripolitaner kom⸗ men, mit Schnurbaͤrten, ſo lang wie mein Arm. Nicht alſo— es war nur ein Haufen von Bauerjungen und Bauermaͤdchen, die ſich einen Spaziergang machten; es waren recht anſtaͤndige junge Leute, nur war es hoͤchſt grauſam von dem Schauſpieldirektor, ſie in Steifleinen gekleidet zu haben, da dieß ſie gaͤnzlich des Gebrauches ihrer Glieder be⸗ raubte. Sie ſtellten ſich ganz ordentlich zu beiden Seiten der Buͤhne auf und ſangen etwas wahrſcheinlich ſehr Ruͤhrendes, denn ſie ſahen Alle ganz erbaͤrmlich dabei aus. All⸗ maͤhlig kam ein gewaltiges Ungewitter herauf. Blitze durchzuckten den Himmel, der Donner rollte und der Regen fiel in Stroͤmen: unſere artigen Landleute ſtanden indeß ruhig dabei, und ſahen einander an, bis ſie auf die Haut durchnaͤßt ſeyn mußten. Ich war uͤber dieſe Gefuͤhlloſigkeit nicht wenig erſtaunt, bis ich fand, daß Jeder ſich fuͤrchtete, zuerſt zu gehn, um nicht ſeiner Unbeholfenheit wegen ausge⸗ lacht zu werden. Wie ſie am Ende wegka⸗ — 15 men, weiß ich ſelber nicht mehr: allein ich wuͤrde dem Schauſpieldirektor rathen, in aͤhn⸗ lichen Faͤllen, unter Jedem eine Verſen⸗ kungs⸗Klappe anbringen zu laſſen. Dieß wuͤrde indeß die Zuſchauer um manche Un⸗ terhaltung bringen, denn es kann wirklich nichts Laͤcherlicheres geben, als eine Wache mit ihren Speeren, oder Hofleute mit ihren langen Kleidern, auf unſerem Theater uͤber die Buͤhne ſchreiten zu ſehen. Auftritt nach Auftritt ging voruͤber. Um⸗ ſonſt ſtrengte ich meine Augen an, eine Ma⸗ hometaniſche Phyſiognomie zu Geſicht zu be⸗ kommen. Einmal hoͤrte ich einen großen Laͤrm hinter den Couliſſen, und erwartete nun, einen gewaltigen Muſelmann hereinſchreiten zu ſe⸗ hen; allein ich ſah mich ſehr getaͤuſcht, denn als ich genauer zuhoͤrte, erkannte ich an dem Fluchen, daß es nur ein Chriſt ſey. Er kam herein— es war ein amerikaniſcher Seeoffizier. Er trug baumwollene Struͤmpfe, Beinkleider von olivenfarbenem Sammet, eine ſcharlachene Weſte, eine erbsfarbene Jacke, einen Hut mit einer goldenen Treſſe darum— * kurz er war ganz im Charakter der Rolle ge⸗ kleidet. Ich entdeckte bald, aus ſeinen Re⸗ den, daß er ein amerikaniſcher Caper⸗Capi⸗ tain war, den, auf ſeiner Ruͤckkehr aus dem mittellaͤndiſchen Meere, mit einer Tripolitani⸗ ſchen Priſe, ein Sturm an die Kuͤſte von Eng⸗ land verſchlagen hatte. Der ehrliche Mann ſchien, nach ſeinem Benehmen zu ſchließen, etwas betrunken zu ſeyn, was ich mir nicht anders erklaͤren konnte, als dadurch, daß— als er an das Land geſchwommen war, er eine große Menge Seewaſſer eingeſchluckt haben mußte. 42 Mehrere folgende Auftritte zwiſchen dem Capitain und ſeinen Matroſen wurden mit großem Halloh und Hurrah von der Gallerie aufgenommen, ſo wie auch mehrere unterhal⸗ tende Spaͤße des Capitains und ſeines Sohnes, eines ſehr drolligen neckiſchen kleinen Menſchen. Itzt kam aber das Wahre bei dem Spaße: der Capitain wollte gern in See gehen, und der junge Mann, der ſich ſterblich verliebt hatte, lieber am Lande bleiben. Nun ent⸗ ſtand ein Kampf zwiſchen Liebe und Ehre— da 17 da haͤtte man das Augenwiſchen, das Schnau⸗ ben, das Schlagen auf die Taſchen ſehn ſol⸗ len! aber der alte Mann war unerbittlich.— Wie! ein Amerikaniſcher Seemann ſollte ſeine Pflichten verletzen!(dreimaliger Freudenruf von der Gallerie) Unmoͤglich! Die Amerika⸗ niſchen Matroſen ſollen leben!! Das echte Blau*) bleibt unbefleckt u. ſ. w.(ein fort⸗ waͤhrender Donner vom Paradieſe herab). Dieß war ein ruͤhrender Auftritt, hier war einmal wirkliche poetiſche Tiefe. Der Verfaſ⸗ ſer ſchien eben ſo wenig zu wiſſen, was er mit dem jungen Menſchen anfangen ſollte, als der alte Capitain. Es ging nicht fuͤglich an, daß ein Amerikaniſcher Seemann auf fremdem Boden bleiben, noch daß man ihn von ſeiner Geliebten trennen konnte. Endlich kam der letzte Auftritt. Wie es ſchien, hatte ein zweiter Tripolitaniſcher Kreuzer ſich der Priſe genaͤhert, waͤhrend dieſe eine Meile von der Kuͤſte lag. Wie ein Barba⸗ resken⸗Korſar nach dieſem Theile der Welt *) Die amerikaniſche Nationalfarbe. Sp. B 18 gekommen— ob er durch denſelben Sturm hieher verſchlagen worden war, oder umher⸗ kreuzte, um einige Engliſche Schiffe vom er⸗ ſten Range wegzucapern, konnte ich nicht er⸗ gruͤnden. Genug, er war da. Wir ſahen uns nun abermals an der Seekuͤſte, wo wir die ganze Bevoͤlkerung des Dorfes, in ihren Steif⸗ leinen⸗Anzuͤgen, verſammelt fanden, um das ſeltene Schauſpiel zweier in voller Action begrif⸗ fenen und Bord an Bord liegenden Schiffe, ei⸗ nes Amerikaners und eines Tripolitaners zu ge⸗ nießen. Die Schlacht ward mit dem gehoͤrigen Anſtande und gehoͤriger Schicklichkeit geliefert, und der Tripolitaner ergab ſich hoͤflicherweiſe, da es denn doch unanſtaͤndig ſeyn wuͤrde, wenn er in Gegenwart eines Amerikaniſchen Publikums den Sieg davon getragen haͤtte. Nach der Schlacht kam die Mannſchaft an das Ufer, ließ, in Gemeinſchaft mit dem Capitain und der Gallerie, noch einige Hur⸗ rahs erſchallen, und der Vorhang fiel. Wie der alte Capitain, ſein Sohn und deſſen Ge⸗ liebte die Sache mit einander ausmachten, konnte ich nicht erfahren. —.,— 19 —.,.— Ich wußte mir den Sinn und die Noth⸗ wendigkeit der Schlacht zwiſchen den beiden Schiffen nicht recht zu erklaͤren, bis ein ehr⸗ licher alter Landmann, der neben mir ſtand, ſagte, er vermuthe, dieß ſey die Schlacht von Hexham geweſen, da er ſich nicht erinnere, in dem erſten Stuͤcke ein Gefecht geſehn zu ha⸗ ben. Mit dieſer Erklaͤrung war ich vollkom⸗ men zufrieden. Meine Bemerkungen uͤber das Publikum werde ich bei einer andern Gelegenheit mit⸗ theilen. — —:— 4 B 2 Dritter Brief. In meinem letzten Schreiben erwaͤhnte ich meines Beſuchs im Theater; meine Bemer⸗ kungen beſchraͤnkten ſich indeß namentlich auf das Schauſpiel und die Schauſpieler. Ich werde itzt die uͤber das Publikum mittheilen, das, wie ich verſichern kann, keinen unbedeu⸗ tenden Theil der ganzen Unterhaltung liefert. Da ich einige Zeit vorher, ehe der Vor⸗ hang aufgezogen wurde, in das Haus getreten war, ſo hatte ich Muße genug, Bemerkungen zu machen. Ganz beſonders beluſtigte mich die Leichtfertigkeit und Laune der Gallerie, welche, beilaͤufig geſagt, durch die dort aufgeſtellten Conſtables in vortrefflicher Ordnung ge⸗ halten wird. Der Laͤrm, welcher in dieſem Theile des Hauſes herrſcht, laͤßt ſich ungefaͤhr mit dem vergleichen, welcher in Noah's Ar⸗ 1— T Ö 1 che geweſen ſeyn mag: denn hier hoͤrt man das Pfeifen und Schreien aller Arten von Thieren nachahmen.*) Dieß erſetzt einiger⸗ maßen den Mangel an Muſtk, da die Her⸗ ren von unſerem Orcheſter ſehr ſparſam mit den Proben ihrer Talente ſind. Der Zorn der Goͤtter**) ſchien indeß ploͤtzlich, durch ir⸗ gend eine Veranlaſſung, erregt zu werden, und nun begann ein Regen von Aepfeln, Nuͤſſen und Pfefferkuchen auf die Koͤpfe der ehrlichen Leute im Parterre, welche dieſer neuen Art von Donnerkeilen nicht zu entrinnen wußten. Ich muß geſtehen, daß es mich etwas aͤrgerte, als ich einen verfaulten Apfel an den Kopf erhielt, und ich war eben im Begriff, meinen Stock zu erheben und den Werfenden damit *) Wer den Laͤrmen einer Londoner Gallerie in Covent⸗Garden oder Drury⸗Lane gehoͤrt hat, kann ſich einen Begriff davon machen Sp. **) The gods; ſo nennen die Englaͤnder die Zu⸗ ſchauer auf der Gallerie, wegen der Hoͤhe, von der ſie herabſehen. Auf aͤhnliche Art nennt man dieſe Abtheilung des Zuſchauerraums bei uns das Para⸗ dies. Sp. 1 — 22 zu drohen, als mich ein ganz anſtaͤndi⸗ ger Mann hinter mir daran verhinderte, der mir ſagte, daß es ganz unnuͤtz ſey, zu drohen oder ſich zu beſchweren. Sie beluſti⸗ gen ſich nurtstwas auf unſere Unkoſten, ſagte er; ſitzen Sie ganz ruhig und halten Sie Ih⸗ ren Ruͤcken hin. Mein freundlicher Nachbar wurde durch einen Wurf mit einem harten gruͤ⸗ nen Apfel, der ihn zwiſchen die Schultern traf, unterbrochen— er machte ein ſauer Geſicht; da er indeſſen wußte, daß dieß alles nur ein Scherz war, ſo ertrug er den Wurf wie ein Philoſoph. Sehr bald ſah ich aber auch ein, wie weiſe dieß gehandelt ſey: ein einzelner Donnerkeil traf naͤmlich den Kopf eines klei⸗ nen ſpitzgeſichtigen Franzoſen, der einen wei⸗ ßen Rock und einen kleinen dreieckigen Hut trug, zwei oder drei Baͤnke von mir ſaß, und ein ſehr reizbares kleines Geſchoͤpf zu ſeyn ſchien. Monſieur gerieth in gewaltige Wuth, ſtieg auf die Bank, drohte der Gallerie mit der geballten Fauſt, und fluchte fuͤrchterlich in gebrochenem Engliſch. Dieß war eine will⸗ 7 —,— 7 23 kommene Gelegenheit*) fuͤr ſeine luſtigen Ver⸗ folger; ihre Aufmerkſamkeit richtete ſich itzt ganz allein auf ihn und er blieb den uͤbrigen Theil des Abends uͤber, ihre Zielſcheibe. Ich fand, daß die Damennin den Logen, wie gewoͤhnlich, gern gefallen wollten: ihre Reize waren auf das vortheilhafteſte zur Schau geſtellt, jede Loge bildete eine kleine Batterie, und Alle ſchienen es einander in der Verwuͤſtung, die ſie rund umher anrichteten, zuvorthun zu wollen. Neben einen leichtfer⸗ tigen Blick aus einer Loge, kam ein Laͤcheln aus einer andern, ein Seufzer aus einer drit⸗ ten, und ein ſchmachtendes Geſicht aus der vierten brachte Alles in ſeine Gewalt. Ich war ſehr uͤberraſcht, einige Leute die Zuſchauer durch Fernglaͤſer betrachten zu ſehn, und wußte nicht recht, ob dieſe Maſchine ei⸗ nem Fehler des Geſichts abhelfen ſollte, oder ob dieß eine abermalige Ausſchweifung der *) Im Original ſteht all nuts, oder wie wir mit einem gemeinen Ausdrucke ſagen wuͤrden, ein gefundenes Eſſen. Sp. 24 Mode ſey. Jack Styliſh hat mir indeſſen ſeitdem geſagt, daß Glaͤſer vor Kurzem noch allgemein getragen worden waͤren;„aber, ſagt Jack, das iſt itzt ganz voruͤber: wir pflegten ſonſt unſere Glaͤſer ſehr zu gebrauchen, ſeitdem aber ſo manche zaͤhe Geſellen*) dieß ebenfalls angenommen haben, haben die Leute von Ton den Gebrauch ganz gelaſſen.“ Ganz beſonderes Vergnuͤgen machten mir die Fragen des Landmannes, deſſen ich in mei⸗ nem letzten Schreiben erwaͤhnt habe und der zum erſten Male im Theater war. Er erkundigte ſich beſtaͤndig bei mir, was dieß oder jenes bedeuten ſollte, und ich erklaͤrte es ihm ſehr gern, ſo weit meine eigene Unwiſſenheit mir dieß moͤglich machte.— Waͤhrend dieſer ehr⸗ liche Mann ſeine Augen ſo im Hauſe rund umherwarf, ward ſeine Aufmerkſamkeit auf einmal durch etwas angezogen.„Und wer ſind Dieſe?“ ſagte er, indem er auf einen Haufen junger Leute wies:„Dieß ſind, glaub' ich bei⸗ nahe, die Kritiker, von denen ich ſo viel ge⸗ *) Wir wuͤrden etwa Philiſter ſagen. Sp⸗ —,— „— —,— 25 hoͤrt habe. Wahrſcheinlich haben ſie ſich ſo zuſammengeſtellt, um einander ihre Bemer⸗ kungen mitzutheilen und zu vergleichen; dieß ſiud die Leute, welche das Urtheil des Publi⸗ kums ausſprechen und von welchen dieſes es erfaͤhrt, wann Beifall klatſchen, oder zi— ſchen ſoll.“— Kritiker! he he, mein guter Herr, ſie bekuͤmmern ſich ſo wenig um die Grundlagen der Kritik, als um andere Zweige der Kuͤnſte und ſchoͤnen Wiſſenſchaften. Es ſind die Stutzer der itzigen Zeit, die hier zu⸗ ſammenkommen, um eine muͤßige Stunde zu verkuͤrzen und ihren kleinen Unverſchaͤmthei⸗ ten, zur Unterhaltung des Publikums, freien Lauf zu laſſen. Sie bekuͤmmern ſich eben ſo wenig um die Verdienſte des Stuͤckes oder der Schauſpieler, als um meinen Rock. Sie geben ſich ſogar alle Muͤhe, hoͤchſt unauf⸗ merkſam zu ſcheinen; ich habe einen von ih⸗ nen, an die Vorderwand der Loge, mit dem Ruͤcken gegen das Theater, gelehnt, den Knopf ſeines Stockes am Munde, auf das Publi⸗ kum hinſtarren ſehn, ohne ſich um die ſchoͤn⸗ ſten Augenblicke der ſceniſchen Darſtellung zu 26— kuͤmmern, waͤhrend die Augen Aller um ihn her von Thraͤnen der Empfindung glaͤnzten. Ich habe ſagen gehoͤrt, daß Einige ſo ſehr um Unterhaltung verlegen geweſen ſind, daß ſie vorgeſchlagen haben, waͤhrend der Darſtel⸗ lung im Theater Karten zu ſpielen.— Mei⸗ nes zweiten Nachbars Augen ſpruͤhten Feuer bei dieſen Worten; ſein Stock zitterte in ſeiner Hand, und das Wort Windbeutel ent⸗ ſchluͤpfte ſeiner Lippe.— Nun, fuhr ich fort, ich will dieß nicht fuͤr eine unbedingte Thatſache ausgeben, mein Vetter Jack hat mich wol nur zum Beſten haben wollen, daß er mir dieß ſagte.— Aber Sie ſcheinen ja ganz auf⸗ gebracht zu ſeyn, ſagte ich zu dem anſtaͤndig ausſehenden Mann hinter mir. Von ihm kam naͤmlich jener Ausruf, waͤhrend der ehrliche Landmann in ſtiller Verwunderung eine neue Erſcheinung anſtarrte. Glauben Sie mir, ſagte ich, wenn Sie ſie tagtaͤglich vor den Augen haͤtten, Sie wuͤrden ſich an ſie gewoͤhnen.„An ſie gewoͤhnen,“ erwie⸗ derte er:„wie iſt es moͤglich, daß vernuͤnf⸗ tige Leute an einem ſolchen Betragen Ge⸗. * L — — 64 — 27 fallen finden koͤnnen?“— Mein lieber Freund, vernuͤnftige Leute machen ſich damit nichts zu ſchaffen, ſie dulden es nur ſtillſchweigend; dieſe jungen Leute leben einmal in einer nach⸗ ſichtigen Zeit. Als ich ein junger Mann war, verachtete man dergleichen Streiche und Thor⸗ heiten.— Hier ging ich nun etwas zu weit, denn, wenn ich die Sache genau uͤberlege, ſo muß ich eingeſtehn, daß die Zeit eigentlich wenige Veraͤnderung in dieſem Zweige der Thorheit und Unverſchaͤmtheit hervorgebracht hat.„Aber bewundern denn die Damen dieſe Sitten?“— Nun, ich bin itzt in Damenkreiſen nicht mehr ſo bekannt, als ſonſt; allein ich wuͤrde es eben nicht fuͤr ſehr ſchmeichelhaft fuͤr meine ſchoͤnen Landsmaͤnninen finden, wenn ich glauben muͤßte, daß ſie an dem leeren Hinſtarren und den Modephraſen dieſer An⸗ beter der Mode Gefallen finden koͤnnten, wo⸗ durch dieſe neben ihrer wahren Unwiſſenheit, auch noch eine angenommene an den Tag legen wollen. Hier wurde unſere Unterhaltung durch den Ton einer Glocke unterbrochen.„Itzt geht wohl 28 das Stuͤck an,“ ſagte mein Gefaͤhrte. Nein, ſagte ich, das gilt nur den Muſikern. Dieſe wuͤrdigen Herrn kamen nun aus ihren Loͤchern hervorgekrochen und begannen mit ſehr feierli⸗ cher und wichtiger Miene ihre Inſtrumente, zur großen Unterhaltung des Publikums zu ſtimmen und zu verſuchen.„Was fuͤr eine Arie iſt das?“ fragte mein Nachbar, indem er ſich die Ohren zuhielt. Das iſt gar keine Arie, ſagte ich, es iſt nur eine angenehme Symphonie, die uns, als Vorbereitung auf⸗ getiſcht wird. Ich, meines Theils, daͤchte, ſo ſehr ich auch allen Contraſt liebe, ſie koͤnnten das eben ſo gut in ihrer Hoͤhle da unter dem Theater ſpielen. Itzt ertönte die Glocke zum zweiten Male, und nunbegann die Muſik wirk⸗ lich: allein ich konnte nicht umhin, die Be⸗ merkung zu machen, daß dem Landmann die ſonderbaren Geſichter und Verdrehungen der Muſiker ſelbſt, mehr Vergnuͤgen verurſachten, als ihre Melodien. Was ich von der Muſif hoͤrte, gefiel mir ganz gut(obgleich einer meiner Nachbarn mir ſagte, daß dieſelben Stuͤcke ſeit drei Jahren jeden Abend geſpielt —— 29 worden waͤren*)) allein ſie wurde oft von der Gallerie uͤberſtimmt, die ſehr laut„Molly im Stroh’ und„Luſtig ſind die Schleifers⸗ leute“ und mehrere andere Liedex verlangte, die ihrem Geſchmack angemeſſener waren. Jede Abtheilung des Hauſes hat, wie ich bemerkte, ihr verſchiedenes Geſchaͤft. So haben die guten Leute auf der Gallerie die Muͤhe, die Muſik anzuordnen(ohne daß je⸗ doch ihre Anordnungen mehr befolgt wuͤrden, als ſie verdienen). Die Art und Weiſe, auf welche ſie ihre Befehle ertheilen, iſt die, daß ſie mit den Fuͤßen ſtampfen, ziſchen, bruͤllen und pfeifen, und, wenn die Muſiker ſich nicht daran kehren, nach dem Takt brummen. So haben ſie auch das Vorrecht, eine Verbeugung von dem Johann zu fordern(ein Name, den ſie jedem Schauſpieler geben, der eine Bedientenrolle ſpielt, und hereintritt, einen Diſch wegzutragen, oder das Licht zu putzen) und auf die Schelme Acht zu geben, welche hinter dem Vorhang hervorkucken. *) Wem ſiele nicht 1824 dabei ein? Sp⸗ 30 Dieſer Vorhang ſelbſt machte uͤbrigens meinem ehrlichen Freunde ſehr viel zu ſchaf⸗ fen. Er wollte naͤmlich durchaus wiſſen, war⸗ um der Teppich im Theater aufgehangen waͤre? Ich verſicherte ihn, das ſey kein Tep⸗ pich, ſondern ein ſehr ſchoͤner Vorhang.„Und was mag denn der goldene Kopf, mit abge⸗ ſchlagener Naſe, zu thun haben, den ich dar⸗ uͤber ſehe?*ꝗ— Was der zu ſagen hat, ja, das kann ich wirklich nicht ſagen— obgleich mein Vetter Jack Styliſh behauptet, er habe ſehr viel zu bedeuten. Aber die Zeichnung**) des Vorhangs gefaͤllt Ihnen doch?„Die Zeich⸗ nung— ja ich kann weiter nichts dabei ſehn, als daß das Ganze durch das Gewicht der goldenen Koͤpfe und durch den ſchweren Kar⸗ nies, womit es verziert iſt, herunter und uns auf die Koͤpfe kommen ſolle.“ Itzt fing ich an, fuͤr den Ruf unſeres Vorhanges zu fuͤrch⸗ *) Wahrſcheinlich eine Verzierung am Proſcenium. Sp. **) Hier iſt ein unuͤberſetzbares Wortſpiel im Ori⸗ ginal mit den beiden Bedeutungen des Wortes de- sign, Zeichnung und Abſicht. Sp. 31 ten, und war ſchon beſorgt, er moͤchte den Mißgriff des Malers entdecken, der eine Harfe in die Mitte deſſelben gemalt und dieſe fuͤr einen Spiegel angeſehn wiſſen wollte; gluͤck⸗ licherweiſe ward eber hier ſeine Aufmerkſamkeit durch das Dalg abgelenkt, das von dem Kronleuchter uͤber dem Parterre auf ſeine Klei⸗ der herab tropfte. Daruͤber beklagte er ſich laut, und verſicherte, ſein Rock ſey funkelna⸗ gelneu. Ja, mein lieber Freund, ſagte ich, das iſt nicht anders: wir muͤſſen ſchon, des Vergnuͤgens willen, mit einigen kleinen Unbe⸗ auenlichkeiten vorlieb nehmen.„Ganz wahr“ ſagte er:„aber ich denke, ich habe die Sache doch ziemlich theuer bezahlt: erſt habe ich ſechs Schillinge am Eingange geben muͤſſen, dann hat man mir faule Aepfel an den Kopf ge⸗ worfen, dann habe ich mir den Rock mit Talg verdorben, und zuletzt werde ich mir noch die Kleider ſchmutzig machen, wenn ich mich ſetze, denn ich ſehe, jedermann ſteigt auf die Baͤnke. Und doch denke ich, koͤnnten ſie Alle recht gut ſehn, wenn ſie ruhig auf dem Boden blieben.“ Itzt konnte ich unſere Gebraͤuche nicht 2 32 4 laͤnger in Schutz nehmen, denn ich ſelbſt konnte kaum Athem holen, waͤhrend mich ſo ein Haufe baumſtarker Kerle umgab, die mit ihren ſchmutzigen Stiefeln auf den Baͤnken ſtan⸗ den. Der Ke⸗ der dabei gewann, war der kleine Franzos, der dadurch einen einſtweiligen Schutz gegen die fliegenden Begruͤßungen ſei⸗ ner Freunde von der Gallerie fand. Endlich ertoͤnte die Glocke abermals, und das Ge⸗ ſchrei: Niedergeſetzt, Niedergeſetzt! Huͤte herunter!— war das Zeichen zum Anfange des Stuͤcks. * 4 Vierter Brief. Ich werde, mit dem Folgenden, meine Bemer⸗ kungen uͤber das Theater ſchließen, von denen ich fuͤrchte, daß man ſie ungebuͤhrlich lang gedehnt finden wird, wofuͤr ich indeß keine an⸗ dere Entſchuldigung anfuͤhren kann, als, daß es das Vorrecht alter Leute iſt, langweilig zu ſeyn. Und ſo will ich denn fortfahren. Ich hatte einen Sitz im Parterre ge⸗ nommen, da man hier weniger von lautem Reden geſtoͤrt wird, einer Sitte, die ſich in neueren Zeiten in unſere Theater eingeſchlichen hat und namentlich in den Logen herrſcht. In alten Zeiten gingen die Leute in das Thea⸗ ter, um das Stuͤck und die Darſtellung zu ſehen; ich finde aber, daß es itzt die Stelle eines Kaffeehauſes oder Erholungsortes zu ver⸗ treten anfaͤngt, wo man eine laute Unterhaltung C 34— fuͤhren kann, ohne ſich darum zu bekuͤmmern, wie laͤſtig dieß den aufmerkſamen Nachbarn wird. Da dieſe Unterhaltung gewoͤhnlich ganz unbedeutende Gegenſtaͤnde betrifft, ſo entſchaͤ⸗ digt ſie ſelten die Letztern dafuͤr, daß ſie nur die Haͤlfte des Stuͤcks hoͤren.— Ich fand indeſſen, daß ich mich in meiner Lage nicht beſonders verbeſſert und daß jeder Theil des Hauſes ſein eigenes Uebel hatte. Außer de⸗ nen, die ich bereits erduldet, ſollte ich noch eine neue Qual empfinden. Ich war naͤm⸗ lich in die Naͤhe eines ſehr hoͤflichen Man⸗ nes gerathen, der das Stuͤck ſchon geſehen hatte, nun jeden Auftritt vorher erzaͤhlte, und Denen, welche um ihn her ſaßen, verkuͤn⸗ digte, was itzt kommen wuͤrde, wahrſcheinlich um alle unangenehme Ueberraſchungen zu vermeiden, denen ſie ſonſt haͤtten ausge⸗ ſetzt ſeyn koͤnnen. Waͤre irgend eine Art von Plan im Stuͤcke geweſen, ſo moͤchte dieß eine bedeutende Unannehmlichkeit geweſen ſeyn; da aber das Stuͤck von dergleichen vollkommen frei war, ſo lag eben nicht ſo viel daran. Da ich gewoͤhnlich aus Allem, was ſich zu- 3⁵ traͤgt, Unterhaltung zu ſchoͤpfen weiß, ſo belu⸗ ſtigte ich mich itzt mit Bemerkungen uͤber die wich⸗ tige Miene, mit der mein Nachbar ſeine Beleh⸗ rung vortrug, ſo wie uͤber die verzweiflungs⸗ vollen und ungeduldigen Blicke ſeiner gezwun⸗ genen Zuhoͤrer. So bemerkte ich auch, daß er mehrere Male ganz falſche Sachen mit⸗ theilte.„Itzt werden Sie,“ ſagte er:„die Koͤni⸗ gin in ihrem ganzen Glanze, von ihren Hof⸗ leuten umgeben, ſehen, und wie dieſe ſo ſchoͤn, wie die Geiger, und zu beiden Seiten des Thea⸗ ters, wie Reihen zinnerner Teller in der Kuͤche, daſtehen.“ Dagegen aber erſchien der ſtattliche Herr und ſein zerlumpter Haufe von Banditen. Ein anderes Mal verſprach er uns einen un⸗ terhaltenden Spaß des Narren, wogegen wir eine ſehr ſchoͤne Rede von dem grinzenden Rathgeber der Koͤnigin hoͤrten. Mein Nachbar vom Lande war uͤber die Darſtellung ganz entzuͤckt, ob er gleich von allem dem, was da vorging, nicht die Haͤlfte verſtand. Er ſaß mit offenem Munde da, und ſtarrte den ſtattlichen Mann an, wie die⸗ ℳ ſer uͤber das Theater ſchritt und in einer furcht⸗ C 2 36— baren Wuth ſein Schwert gegen den weißen Loͤwen zog.*) Wahrhaftig, das iſt ein braver Kerl, ſagte er, als der Aufzug voruͤber war, das nennen Sie doch gewiß gut agieren! Ja, ſagte ich, die heutigen Kritiker be⸗ wundern das allerdings, ich muß aber ſagen, daß ich das eben nicht beſonders leiden mag. Sie haͤtten einen Schauſpieler aus der alten Schule eine ſolche Rolle ſpielen ſehen ſollen, der wuͤrde ſie doch noch einigermaßen mit Nachdruck gegeben haben, den haͤtte man doch toben und bruͤllen, und ſtampfen und wuͤthen ſehen. Dieſer ehrliche Mann giebt uns aller⸗ dings dann und wann ſo einen Moment im guten, alten Stile; im Uebrigen aber ſcheint er lieber auf ebener Erde dahin gehen, als auf den Stelzen einherſchreiten zu wollen, welche bei den tragiſchen Helden zu meiner Zeit im Gebrauch waren. Dieß iſt ungefaͤhr das Hauptſaͤchlichſte, was zwiſchen mir und meinem Nachbar waͤh⸗ *) Dieß bezieht ſich wahrſcheinlich auf einen Miß⸗ griff in der Farbe des Lowen. Sp. — 37 rend des Stuͤckes und des Nachſpieles vor⸗ ging, außer daß er noch die Bemerkung machte, daß es nicht uͤbel ſeyn wuͤrde, wenn der Direktor zuweilen ſeine Edelleute und Leute vom Stande ein wenig exerciren ließe, damit ſie mehr Anſtand und Lebendigkeit in ihre Be⸗ wegungen braͤchten.— Dieß erinnerte mich an eine aͤhnliche Aeußerung meines Vetters Jack, wenn gleich dieſer in ſeinem Verbeſſerungs⸗ Eifer etwas zu weit ging. Er erklaͤrte naͤm⸗ lich:„er wuͤnſche, daß einer von den Kritikern des Tages, einmal die ſaͤmmtlichen Lumpen⸗ kerle vom Theater zuſammennaͤhme(wie Katzen in einen Sack) und das ganze Buͤndel etwas zurecht ruͤcken moͤchte. Mir gefaͤllt Jack's Ge⸗ danke ganz gut, aber er iſt denn doch etwas zu derb. So haͤtte er noch eine andere Unſchick⸗ lichkeit ruͤgen koͤnnen, die unter unſern Schau⸗ ſpielern eingeriſſen iſt(obgleich ich nicht weiß, ob ſie dieſen Abend bemerkbar wurde) ſich naͤmlich, zu demſelben Stuͤcke, in die Mode verſchiedener Zeitalter und Laͤnder zu kleiden, ſo daß, waͤhrend ein Schauſpieler in dem 38 Panzer und Helm Alexanders umherſchreitet, ein anderer, des einen Rock mit goldenen Treſ⸗ ſen und eine Beutelperuͤcke traͤgt und einen chapeau de bras unter dem Arm hat, Ta⸗ back nimmt, wie man es vor einem oder zwei Jahrhunderten gethan hat, und ein dritter viel⸗ leicht in Suwarow⸗Stiefeln einherſchreitet. „Aber fagen Sie mir(fragte mich der Landmann, als das Nachſpiel voruͤber war) was iſt aus dem edlen Marquis von Mon⸗ tague und dem Grafen von Warwick gewor⸗ den?*) Ihre Namen nehmen ſich auf dem Komoͤdienzettel ſehr ſtattlich aus, und doch ent⸗ ſinne ich mich nicht, ſie im Laufe des Abends geſehen zu haben.“— Sehr wahr— ich haͤtte dieſe ehrenwerthen Leute beinahe vergeſſen, aber ich vermuthe, ſie waren hinter den Cou⸗ liſſen, und haben dort mit unſern uͤbrigen un⸗ bekannten Freunden, den Tripolitanern, eine Pfeife Taback geraucht. Wir muͤſſen heuti⸗ ges Tages nicht ſo eigen ſeyn, mein Freund. *) Aus dem erſten Stuͤck, der Schlacht von Hex⸗ ham. Sp. —— 39 Wenn wir die Schlacht von Hexham ohne Gefecht, und ein Tripolitaniſches Nachſpiel ohne einen Mahomedaniſchen Schnautzbart vorſtellen ſehen koͤnnen, ſo muͤſſen wir uns nicht wundern, wenn wir noch einen oder zwei unſichtbare Marquis mit in den Kauf bekom⸗ men.— Aber was halten Sie von dem Hauſe? ſagte ich: meinen Sie nicht, daß es ein ſehr tuͤchtiges, von innen und außen ſolide⸗ aus⸗ ſehendes Gebaͤude iſt? Sehen Sie einmal, welch eine ſchoͤne Wirkung die dunkle Farbe der Mauer gegen die weißen Geſichter der Zuſchauer hervorbringt, die wie Sterne in ei⸗ ner finſtern Nacht glaͤnzen. Und dann, was kann es Artigeres geben, als die Malerei vorn an den Logen, die kleinen Mesſieurs und Mesdemoiſelles welche an den Fingern kauen, und den Zuſchauern Geſichter ſchneiden? „Sehr ſchoͤn, auf mein Wort. Und wozu iſt der Kronleuchter, wie Sie ihn nennen, der da oben in den Wolken haͤngt, und ſei⸗ nen Segen auf meinen Rock herabgeſchuͤt⸗ tet hat?“ 40 O, der dient dazu, den Himmel*) zu erleuchten und die kleinen peruckentragenden Cupidos, welche da uͤbereinanderfallen und womit der Maler die Kuppel verziert hat, in ein gutes Licht zu ſetzen. Sie ſehen, wir ha⸗ ben den Kronleuchter hier unten nicht noͤthig, da das Haus ſehr gut erleuchtet iſt, aber ich meine, man haͤtte viel Lichte ſparen koͤn⸗ nen, wenn der Schauſpieldirektor den Maler, neben ſeinen andern ſchoͤnen Sachen, auch dort einen Mond haͤtte malen, oder wenn er die Sonne haͤtte aufhaͤngen laſſen, deren ſtar⸗ kes Licht unſere Augen zu Anfange des Nachſpiels ſo ſehr blendete. „Aber, meinen Sie nicht, daß doch eine gewiſſe— Art von Schwere in dem Gebaͤude liegt? Meinen Sie nicht, daß es ſo eine Art von unterirdiſchem Anſehen hat?“ Darauf konnte ich nichts antworten. Ich muß geſtehen, es iſt mir oft ſo vorgekom⸗ *) So wie man die Zuſchauer auf der Gallerie, wie ſchon erwaͤhnt, ſpottweiſe ihe gods, die Götter, nennt, ſo nennt man ihren Platz che heavens, den Himmel. Sp.. — 41 men, als ob das Haus ein gefaͤngnißartiges Aeußere habe, und ich ſchlug dem Manne da⸗ her vor, hinauszugehn, da man ſchon die Lichte ausloͤſchte und wir bald im Dunkeln bleiben wuͤrden. Wir tappten alſo durch den trauri⸗ gen unterirdiſchen Gang, der vom Parterre ausfuͤhrt, hin, gingen auch den armſeligen, kerkerartigen Vorſaal hindurch und traten wiederum in die reinere Luft des Parks, wor⸗ auf ich meinem ehrlichen Landmann eine gute Nacht wuͤnſchte und mit der Unterhaltung des Abends ſehr zufrieden, nach Hauſe ging. So habe ich denn eine Nachricht von den Hauptvorfaͤllen gegeben, welche ſich bei meinem Beſuche im Theater zutrugen. Ich habe einige wenige von den Beguemlichkei⸗ ten und Unvollkommenheiten deſſelben an das Licht geſtellt; die, welche es oͤfter beſuchen, koͤnnen vielleicht eine beſſere Auskunft geben. Ich will mit einigen wenigen guten Rath⸗ ſchlaͤgen zum Beſten eines jeden einzelnen Zweiges deſſelben ſchließen. Ich wuͤrde naͤm⸗ lich folgendes wuͤnſchen. Den Schauſpielern weniger Foͤrmnlichkeit, weniger Bombaſt, we⸗ 42 niger Steifleinen; dem Orcheſter: neue Mu⸗ ſik und mehr; dem Parterre: Geduld, reine Baͤnke und Regenſchirme; den Logen: weni⸗ ger Ziererei, weniger Laͤrm, weniger Wind⸗ beutel; der Gallerie: weniger Grog und beſ⸗ ſere Conſtables, und dem ganzen Hauſe, von Außen und Innen, eine voͤllige Umwand⸗ lung. 42 43 Fuͤnfter Brief. Als ich eines Morgens ruhig bei meinem Kamine ſaß, mein zerſtoßenes Schienbein pflegte und meinem Vetter Jack Styliſh ein Paar Kapitel aus Cheſterfield's Briefen vor⸗ las, empfing ich ein Schreiben von meinem Freunde Andreas Quoz: der, da er gehoͤrt hatte, daß ich davon ſpraͤche, den Schau⸗ ſpielern einen Beſuch abzuſtatten und ihnen meinen Stock ein Paarmal um die Koͤpfe ſauſen zu laſſen, mir folgendes ſchrieb, wo⸗ von ein Theil eine angelegentliche Vertheidi⸗ gung derſelben enthaͤlt. An Jonathan Oldſtyle. Mein theurer Freund. Ich ſehe aus den neueſten Zeitungen, daß Sie die Stadt mit Bemerkungen uͤber das Theater unterhalten haben. Da Sie indeſſen nach Ihren Schriften zu urtheilen in die thes⸗ piſchen Geheimniſſe nicht ſehr tief eingedrun⸗ gen zu ſeyn ſcheinen, ſo werden Sie mir er⸗ lauben, Ihnen einige wenige Winke zu Ihrer Belehrung zu geben. Sie machen die Bemerkung, daß das Theater zu einem Kaffeehauſe zu werden ſchei⸗ ne.— Darin haben Sie Recht, es iſt ein Verſammlungsort fuͤr die feinere Welt, wohin die Muͤßiggaͤnger und Neugierigen gehen, um die Mode⸗Neuigkeiten zu hoͤren, ihre Bekannte zu finden, und ſich ſehen zu laſſen. Was die gewoͤhnlichen Leute betrifft, die des Schau— ſpiels ſelbſt willen in das Theater gehn, ſo muͤſſen ſie es mit Geduld ertragen, wenn ihre Aufmerkſamkeit durch die Unterhaltung ihrer Nachbarn unterbrochen wird: dieß iſt nun einmal eine Sitte, welche die Mode geheiligt hat. Man darf Leute, die in das Theater kommen, um mit ihren Freunden zu ſchwatzen, nicht in ihrem Vergnuͤgen ſtoͤren: ſie haben ihren Thaler bezahlt, und nun das Recht, ſich ſo gut zu unterhalten, als ſie koͤnnen. Was die betrifft, denen ihr Sprechen laͤſtig wird, * — 45 ſo brauchen ſie ja nur nicht darauf zu hoͤren: ſie moͤgen ſich um ihre Sachen bekuͤmmern. Sie wundern ſich daruͤber, ſo viele Leute Fernglaͤſer brauchen zu ſehen, und moͤchten gern wiſſen, ob dieſe Alle kurzſichtig waͤren. Ihr Vetter Jack Styliſh hat Ihnen die Sa⸗ che doch nicht recht erklaͤrt, denn wenn Man— che auch Glaͤſer brauchen, weil es einmal Mode iſt, ſo hoͤre ich doch, daß Manche es deswegen thun, um die Geſichtszuͤge ihrer Freunde in unſerem ſpaͤrlich beleuchteten Thea⸗ ter zu erkennen. Sehr viel Vergnuͤgen machte es mir vor einigen Abenden, einen ehrlichen Matroſen zu ſehen, der ſich vorn an die Gal— lerie hingeſtellt hatte, und mit allem Anſehen eines Modenmannes das Haus, durch ein Taſchen⸗Fernrohr recognoscirte. Ich konnte nicht umhin, ihm in Stillen Beifall zu geben, denn die Goͤtter ſitzen allerdings ſo hoch in den Wolken, daß, wenn ſie nicht ein unge⸗ woͤhnlich ſcharfes Geſicht haben, ich nicht fuͤg⸗ lich begreifen kann, wie ſie mit bloßem Auge das erkennen koͤnnen, was in der kleinen ge⸗ malten Welt unter ihnen vorgeht. ——— So beſchweren Sie ſich auch, wenn ich nicht irre, uͤber die Muͤſik, und ſagen, daß Sie eine groͤßere Mannigfaltigkeit und mehr verlangen. Sie muͤſſen indeſſen wiſſen, daß, wenn gleich dieß in alten Zeiten, wo die Leute noch auf die Muſik hoͤrten, ein großer Gegenſtand der Beſchwerde geweſen ſeyn wuͤrde, dieß doch gegenwaͤrtig eine Sache von keiner Bedeu⸗ tung iſt, denn unſer Orcheſter wird nur der Form wegen beibehalten. Zwiſchen den Auf⸗ zuͤgen iſt ſo ein fortwaͤhrender Laͤrm und Ge⸗ toͤſe, daß man nicht eine Note hoͤren kann,*) und wenn die Muſiker auch ein neues Stuͤck voll der ſchoͤnſten Melodien ſpielen wuͤrden, ſo ſind die Ohren der Zuhoͤrer doch bereits ſo gut geſtimmt, daß ich glaube, daß unter zehn Zuhoͤrern neune, bei dem Herausgehen aus dem Hauſe ſich daruͤber beklagen wuͤrden, daß man ſie wieder mit denſelben alten Stuͤcken geplagt habe, die ſie vor zwei oder drei Jnh ren gehoͤrt. Viele, die in das Theater gehen, *) Das kommt in Deutſchen Theatern auch nicht ſelten vor! Sp. 374 bringen auch ihre eigene Muſik mit, und wir werden ſo oft mit Kindergeſchrei, aus Freude, und ſolchem Huſten und Rieſen aus verſchie⸗ denen Theilen des Hauſes, mit der Ergoͤtzlichkeit einer angenehmen Symphonie von einem oder zwei Schornſteinfegern auf der Gallerie, und gelegentlich mit einem Enſemble⸗Stuͤck, worin ſich alle Naſen-, Kehl⸗, Pfeif⸗ und Stampf⸗ Laute auf eine bewunderungswuͤrdige Weiſe vereinigen, unterhalten, daß wir gar keines Orcheſters beduͤrfen. Bei Ihren Bemerkungen uͤber die Schau⸗ ſpieler muß ich Sie, mein theurer Freund, doch bitten, etwas behutſam zu ſeyn. Ich moͤchte, um aller Welt willen, nicht, daß Sie ſo ſehr ausarteten, ein Kritiker zu wer⸗ den. Die Kritiker, mein theurer Jonathan, ſind die wahre Peſt der menſchlichen Geſell⸗ ſchaft; ſie bringen den Schauſpieler um ſei⸗ nen Ruf— das Publikum um ſein Ver⸗ gnuͤgen, ſie oͤffnen ihren Leſern die Augen, daß ſie die Fehler unſerer Schauſpieler ganz klar ſehen, ſie bringen unſer Gefuͤhl zu dem Zuſtaͤnd einer ungluͤcklichen Verfeinerung und 48 vernichten alle Genuͤſſe, woran unſere groͤ⸗ beren Sinne ſonſt Vergnuͤgen fanden. Ich kann mich der Zeit noch erinnern, wo ich vor Lachen uͤber die elende Poſſenreißerei, die naͤr⸗ riſchen Streiche und die unnatuͤrlichen Geſichts⸗ verzerrungen unſerer theatraliſchen Hanswurſte, kaum auf meinem Sitze bleiben konnte, wo mich das Gebruͤll und Toben eines auf dem Ko⸗ thurn daherſchreitenden Helden mit einer ban⸗ gen Bewunderung erfuͤllten und ich mit Ent⸗ zuͤcken an jedem ſeiner Worte hing„waͤhrend er die Leidenſchaften in Stuͤcke— ja in ein⸗ zelne Fetzen zerriß!“— Ich erinnere mich der Zeit, wo der, welcher den Mund am Beſten verzerren, die Augen im Kopfe umherrollen, und ſeinen Koͤrper auf die ſcheußlichſte Art verdrehen konnte, am ſicherſten auf Beifall rechnen durfte. Doch ach! wie haben die Zeiten, oder vielmehr wie hat der Geſchmack ſich geaͤn⸗ dert! Ich kann itzt mit dem ernſthafteſten Geſichte daſitzen und ohne zu laͤcheln allem die⸗ *) S. Hamlets Rath an die Schauſpieler, im dritten Aufzuge des Stuͤckes. Sp. — 49 dieſem Geberdenſpiel zuſehen: das Sprin⸗ gen, Schielen, die Zuckungen und das Schnauben der Schauſpieler ergoͤtzen mich nicht mehr, und was ihr Toben und Bruͤllen betrifft 3 Den ehr'nen Leuchter hoͤr“ 45 lieber drehn, Das trockne Rad auf ſeiner Are knarren, als ſolche bombaſtiſche Anſtrengungen, um den Beifall der Gallerie zu erlangen. Ob ich nun gleich gern eingeſtehen will, daß dieſe Kritiker dazu beigetragen haben moͤ⸗ gen, ſowol das Spiel der Schauſpieler, als auch den Geſchmack des Publikums zu ver⸗ beſſern, ſo daß jene Albernheiten faſt gaͤnz⸗ lich von dem New⸗Yorker Theater verbannt ſind, ſo bin ich doch der Meinung, daß Sie ſich eine ganz unverantwortliche Freiheit her⸗ ausgenommen haben. Ein Kritiker hat, mein theurer Herr, nicht mehr Recht, die Fehler eines Schauſpielers an das Licht zu bringen, als die Gaukeleien eines Taſchenſpielers oder die Betruͤgereien eines Quackſalbers. Alle Handwerker muͤſſen leben, und ſo lange das Publikum die Kunſtſtuͤcke des Gauklers gern D „ * 55— ſieht, die Arzneien des Quackſalbers hinun⸗ terſchluckt, oder dem Bombaſt des Schanſpie⸗ lers Beifall giebt, thut jeder, der das Erſtere zu enttaͤuſchen ſucht, nur dem Vergnuͤgen deſſel⸗ ben Abbruch und nimmt den Letzteren ihr Brot. Und wie? wenn ein Schauſpieler Augen hat, warum ſoll er damit nicht blinzeln? wenn er Zaͤhne hat, damit nicht grinſen? wenn er Fuͤße hat, damit nicht ſtampfen? wenn er eine Lunge hat, damit nicht bruͤllen? wenn er eine Bruſt hat, daran nicht ſchlagen? Haar und es nicht raufen duͤrfen? Wird er nicht mit Beifall von den Goͤttern genaͤhrt, durch Stampfen von den Irdiſchen ergoͤtzt, durch Ziſchen aus den Logen beunruhigt? Wenn Sie ſeine Thorheiten ruigen, wird er ſich nicht beklagen? Wenn Sie ihm ſein Brot nehmen, wird er nicht hungern muͤſſen? Wenn Sie ihn dem Hunger Preis geben, wird er nicht ſterben? Wenn Sie ihn umbringen, wird nicht ſein Weib und ſeine ſieben kleinen Kinder, von denen ſie ſechs ne⸗ ben ſich und eines an der Bruſt hat, auf⸗ ſtehn und Rache gegen Sie ſchreien? Be⸗ — 51 denken Sie das reiflich, Freund Oldſtyle, und Sie werden mir zugeben muͤſſen, daß, ſo wie der Schauſpieler das verdienſtvollſte und fehlerloſeſte Weſen, der Kritiker das grauſamſte und blutgierigſte in der Welt iſt, wie ich Ihnen das in meinem naͤchſten Schreiben noch weiter beweiſen will. Ihr Sie liebender Freund Andreas Quoz.“ Nach der ganzen Richtung und dem Schluſſe dieſer Bemerkungen meines Freun⸗ des, des Herrn Andreas Quoz, kann man ſie fuͤglich eine Vertheidigung„der Rechte des Schauſpielers“ nennen; ſeine Gruͤnde ſind al⸗ lerdings ſehr triftig, da ſie mir aber ganz neu ſind, ſo werde ich mich nicht uͤbereilen, einen Entſchluß zu faſſen. Unterdeſſen glaube ich, da mein Bein viel beſſer geworden iſt, daß ich Montag Abend nach dem Theater hinken, mir einen Sitz in einer Seitenloge nehmen, und nun beobachten werde, wie die Schauſpieler es machen. O 2 Sechster Brief. Ich erwaͤhnte in meinem Letzten meines Ent⸗ ſchluſſes, das Theater am Montag Abend zu beſuchen. Ich begab mich demnach dahin, mit Huͤlfe Jack Styliſh's, der mir in einer Loge einen unbequemen und ſchmutzigen Platz verſchaffte, den ich indeſſen nicht ſchlechter, als die aller meiner Nachbarn fand. In das Parterre wollte ich nie wieder gehen; der kleine Franzos, deſſen ich in meinen vorigen Be⸗ merkungen erwaͤhnt habe, hatte denſelben Ent⸗ ſchluß gefaßt, denn, als ich meine Augen im Theater umherwarf, entdeckte ich ſeine ſchar⸗ fen Zuͤge und ſeinen geknifften dreieckigen Hut, wie ſie uͤber den Rand des Shakeſpeare*) *) Vielleicht ein Rang Logen, der mit Sha⸗ kespeare's Bildniß geziert iſt. Sp. 53 hinüberblickten. Der arme kleine Kerl fand ſich indeſſen nicht ſehr verbeſſert: ein gewal⸗ tiger Irlaͤnder lag naͤmlich, mit beiden Armen in den Seiten, auf ſeinen Schultern, und uͤber⸗ ſah ganz kaltbluͤtig das Publikum, ohne ſich im Geringſten an das Kruͤmmen und die Ein⸗ wendungen des erboßten kleinen Galliers zu kehren, deſſen Kinn auf der Bruͤſtung der Loge lag und deſſen kleine ſchwarze Augen vor Wuth und Preſſung blitzten. Wie er ſich los⸗ gemacht haben mag, weiß ich nicht, denn mei⸗ ne Aufmerkſamkeit ward in dieſem Augenblick gerade von einem andern Gegenſtande ange⸗ zogen, und als ich mich, einige Zeit nachher, umdrehte, war Monſieur verſchwunden. Ich fand, daß Alles gerade noch ſo aus⸗ ſah, als ſonſt. Eben die Stille, die Ord. nung und Regelmaͤßigkeit herrſchte, wie ich ſie bei meinem fruͤhern Beſuche beobachtet. Der Kronleuchter hing noch ruhig am Him⸗ mel, beleuchtete die Malerei des ungenannten Meiſters, womit er verziert iſt, und warf ei⸗ nen truͤben Strahl auf die Hoͤhle, worin(nach den Lauten, die dort herauskommen, zu ſchlie⸗ ein, wo Mancher insgeheim ſeinen Mundvoll 54 ßen) ſo viele unruhige Geiſter eingeſchloſſen ſind.) 9 Ich war durch Reihen von Tiſchen, auf denen Leckerbiſſen aller Art aufgehaͤuft lagen, nach dem Theater gegangen; hier zog eine Pyramide von Aepfeln oder Apfelſinen den Gaumen der Leckermaͤuler an, waͤhrend dort ein Regiment von Fleiſchpaſteten und Eierkaͤſen ein derberes Mahl fuͤr die Hungrigen darbot. Ich trat in die Loge und blickte mit Erſtaunen um mich: nicht ein einziges Paar Kinnladen, das ſich nicht bewegt haͤtte. Das Knacken der Ruͤſſe und das Knirſchen der Aepfel begruͤßte meine Ohren von allen Seiten. Wahrhaftig, dachte ich bei mir ſelbſt, nichts wird doch ei⸗ friger betrieben, als die Leckerei: an jedem oͤffentlichen Vergnuͤgungsorte froͤhnt man ihr, ja ſie ſchleicht ſich ſogar in unſere Kirchen verſpeiſet, und wenige Leute ſich ein groͤßeres Bedenken daraus machen, insgeheim zu eſſen, als ins Faͤuſtchen zu lachen. *) Die Gallerie. Sp. 55 Die Eßſucht herrſcht in allen Klaſſen der buͤrgerlichen Geſellſchaft, und es iſt nie⸗ mand, der nicht davon angeſteckt waͤre. Eß⸗ geſellſchaften giebt es in jeder Straße und Gaſſe, und man kann ſich nicht um eine Ecke drehen, ohne das Ziſchen der Bratpfannen zu hoͤren, die gewuͤrzigen Daͤmpfe gekochter und gebratener Speiſen aufſteigen oder irgend ein hungriges Genie mitten auf der Straße rohe Auſtern aufſchlagen zu ſehen. Naͤchſtens wer⸗ den wir wohl unſere Gabeln und Meſſer, wie die Chineſen ihre Eßſtaͤbe, in der Taſche tragen! Hier wurde ich in meinen Betrachtungen durch Jack Styliſh unterbrochen, der mir den Vorſchlag machte, einen Blick in den Foyer zu thun, deſſen ſtattliches Anſehn mir Jack in hochtoͤnenden Ausdruͤcken beſchrieb; und ich nahm ſeinen Vorſchlag gern an. Das Zimmer entſprach meinen Erwartungen ganz, und ſtimmte mit dem uͤbrigen Aeußern des Theaters uͤberein: die Mauern waren hoͤchſt glaͤnzend, die Fenſter mit rothem Boy und bemalter Leinwand ſehr abenteuerlich ver⸗ 56 ziert, und die praͤchtigen hoͤlzernen Baͤn⸗ ke, welche an den Waͤnden umherſtanden, hat⸗ ten ein ſehr einladendes Anſehn. Ich zog das Ende einer derſelben nahe an einen zier⸗ lichen Ofen, welcher in der Mitte des Zim⸗ mers ſtand, ſetzte mich darauf, ſtreckte mein lahmes Bein auf einen Stuhl, legte meine Haͤnde auf meinen Stockknopf, ſtuͤtzte mein Kinn darauf, und begann nun, die Geſellſchaft genauer zu betrachten und den koͤſtlichen Weih⸗ rauch von Franzbranntwein, hollaͤndiſchem Wachholder und ſpaniſchen Cigarren einzu⸗ athmen. Ich ſah mich bald in einem Kreiſe jun⸗ ger Herren, welche, nach ihrem Zuwinken und Zunicken, etwas im Schilde zu fuͤhren ſchie⸗ nen; zu gleicher Zeit hoͤrte ich ein dumpfes Gefluͤſter um mich her und konnte nur die Worte unterſcheiden— ſeine Perucke zerzau⸗ ſen— ſeine ſilbernen Schnallen herunterrei⸗ ßen— alter Spoͤtter— Rohr— dreieckiger Hut— ſonderbare Phyſiognomie und meh⸗ rere andere Ausdruͤcke, woraus ich bald ſah, daß ich in uͤbele Haͤnde gerathen war. Jack Styliſh ſchien daruͤber eben ſo unruhig zu wer⸗ den, als ich; denn obgleich er ſelbſt ſehr gern einen Spaß hat, ſo glaube ich doch, daß der junge Menſch zu viel Liebe zu ſeinem alten Ver⸗ wandten hegt, als daß er ihn zum Gegenſtande ſeines Scherzes machen ſollte. Um mich von hier wegzubringen, ſagte er mir, mein Freund Quoz ſey am andern Ende des Saales und wuͤn⸗ ſche, ſeinen Blicken nach, mit mir zu reden; wir gingen alſo zu ihm und begaben uns, da wir fanden, daß der Vorhang ſo eben aufge⸗ zogen werden ſolle, zuſammen wieder in die Loge. Auf dem Wege zog ich auf die unanſtaͤn⸗ dige Art der jungen Leute heutiger Zeit los, auf die unverſchaͤmten Bemerkungen uͤber Andere, die ſie beſtaͤndig machen, und auf die beſondern Redensarten,*) womit ſie ihre ſeichte Unter⸗ haltung beſtaͤndig durchweben. Jack bemerkte, *) Das, was man im Engliſchen cant oder slang nennt, die Modeſprache der jungen Leute, in welcher oft Ausdruͤcke vorkommen, die jedem Uneingeweihten durchaus unverſtaͤndlich ſind. Sp. 4 ℳ☛ 58— daß ich gerade unter einen Schwarm ſchlim⸗ mer Jungen gerathen waͤre; und doch, Herr Styliſh, ſagte ich, indem ich mich ploͤtlich zu ihm wandte, bemerkte ich an eueren Win⸗ ken und euerem Laͤcheln, daß Ihr mit dieſen Leuten genauer bekannt zu ſeyn ſcheint, als mir lieb iſt. Ich will Euch nur ſagen, mein lieber Freund, daß, wenn ich Euch wieder auf ſo veraͤchtlichen Albernheiten betreffe und in der Geſellſchaft dieſer unverſchaͤmten jun⸗ 1 gen Herren ſehe, ich Euch gaͤnzlich aus meinem Herzen verbannen werde. Mittlerweile wa⸗ h ren wir vor unſerer Loge angekommen, und der . Vetter Jack mochte nun verdauen, was ich ihm ſo eben geſagt hatte. Ich hoffe, es wird einigen Eindruck auf ihn gemacht haben, ob⸗ gleich die unbeſonnene Munterkeit, die ihm eigen iſt, und das Bewußtſeyn der Anhaͤng⸗ lichkeit, die in meinem thoͤrigen alten Herzen einmal fuͤr ihn lebt, mich nicht glauben laſſen, daß jener Eindruck ſehr tief ſeyn werde. Das Stuͤck war bereits angegangen. Ganz beſonders gefiel mir das Aeußere und das Benehmen einer der Schauſpielerin⸗ 59 nen. Welche Ungezwungenheit, welche An⸗ nehmlichkeit, welche Zierlichkeit des Anſtan⸗ des— das iſt nicht Spiel, Vetter Jack, ſagte ich— das iſt Wirklichkeit. Nach dem Stuͤcke kam dieſe Dame her⸗ aus und hielt eine komiſche Nachrede. Es that mir ſehr leid zu ſehen, daß ſie die Grenzlinie des Angenehmen, innerhalb welcher ſie zu glaͤnzen beſtimmt iſt, ſo weit uͤberſchritt: und ich ſah an dem Ausdruck, der auf den Geſich⸗ tern meiner Nachbarn ſich zeigte, daß dieß die allgemeine Meinung war. Ach! ſagte ich, wie ſehr vergißt ſie, was ſie ihrer eigenen Wuͤrde ſchuldig iſt! Dieß liebliche Geſicht iſt nicht dazu gemacht, ſich ſo unwuͤrdig zu verzerren, noch dieſe angenehme Geſtalt und Haltung dazu, die unbehuͤlflichen Bewegungen des lah⸗ men Alters nachzuahmen.) Nimm dieſen Rath, ſchoͤne Dame, von einem alten Manne und deinem Freunde an; erniedrige Dich nie, *) Der Epilog wurde wahrſcheinlich von der Schauſpielerin in irgend einer Verkleidung geſpro⸗ chen, wie dieß fruͤher auf dem Engliſchen Theater haͤufig Sitte war. Sp. 60— wenn Du den Ruf der Zierlichkeit, der Dir mit Recht gebuͤhrt, behaupten willſt— da⸗ durch, daß Du Dich zu einer Vermummung hergiebſt. Itzt erhob ſich der Vorhang, und das Nachſpiel begann. Ein luſtiger Harlekin ſprang hervor. Ah! ſagte ich, da iſt der Hans⸗ wurſt. Ich ſehe, er hat ſeinen Beſenſtiel und ſeinen Roſt zu Hauſe gelaſſen, aber ich hoffe, er wird dieſen Mangel durch ſeinen Witz und ſeine Laune zu erſetzen ſuchen. Aber wo iſt ſein Herr, der Marktſchreier? Er wird gleich erſcheinen, ſagte Jack Styliſh; es iſt ein ſonderbarer alter Kerl*) er heißt Puff⸗ away;**) wir werden hier Jemanden nach al⸗ len Regeln braten ſehn und der komiſche Kerl hier wird den Bratſpieß drehen.— Der Har⸗ lekin fing nun an, ſehr ſchnell mit Redensar⸗ ten um ſich zu werfen: auf einmal aber zog *) Im Original ſteht codger, woͤrtlich, ein Mann der allerlei Weggeworfenes ſammelt ein Geizhals. — Sp. **) Woͤrtlich: Poſaune aus! Sp. — 64 er die ſchwarze Kappe, die ſein Geſicht be⸗ deckte, herunter und ich erkannte— meinen alten Freund, den ſtattlichen Herrn! Erſtaunt fuhr ich zuruͤck. Sic transit gloria mundi! rief ich aus, indem ich trau⸗ rig den Kopf ſchuͤttelte. Dieß iſt ein trauri⸗ ges, aber wahres Bild des Wechſels im menſchlichen Leben;— einen Abend erſcheint der Menſch in koͤniglichen Gewaͤnden, von ei⸗ nem glaͤnzenden Gefolge ſeiner Edeln umgeben; am naͤchſten, zu einem armen Hanswurſt her⸗ abgewuͤrdigt, der nicht einmal einen Roſt hat, um ſich zu helfen. Was meinen Sie dazu, Freund Quoz? ſagte ich: glauben Sie, daß ein Schauſpieler das Recht habe, ſo mit den Gefuͤhlen des Publikums Scherz zu treiben, indem er ihnen ſo traurige Gegenſaͤtze vor die Augen ſtellt?— Der ehrliche Quoz, der von weicher Art iſt, ſchuͤttelte wehmuͤthig den Kopf und ſagte nichts. Ich ſah indeſſen die Thraͤne des Mitgefuͤhls in ſeinen Augen glaͤnzen, und wußte ihm fuͤr ſeine Empfaͤnglich⸗ keit Dank. Der Harlekin ſpielte unterdeſſen ſeine 62 Rolle fort, und mein Bedauern wuchs waͤhrend ſeines Spiels, als er auf einmal ausrief: und Oldſtyle— den wuͤnſch' ich zum Henker! ⸗Das Blut ſtieg mir in die Wangen bei dieſem unverſchaͤmten Gebrauche meines Namens. Was ſagen Sie aber dazu, Freund Quoz? rief ich heftig aus: das iſt wahrſcheinlich auch eins von Ihren„Rechten der Schauſpieler.“ Wahrſcheinlich wird nun das Theater das Huͤlfsmittel zur Verbreitung aller Pasquille und Verlaͤumdungen werden, und unſere Mitbuͤrger ſich als Karikaturen von der plumpen Hand eines jeden Sudlers, der nur einen Pinſel halten kann, dargeſtellt ſehen muͤſſen! Mein Herr Andreas Quoz, ich weiß eine Zeit, wo man eine ſolche Unverſchaͤmt⸗ heit auf dem Theater mit lautem Geziſch be⸗ gruͤßt haben wuͤrde. Nach einigem Zureden nahm ich indeß meinen Platz wieder ein und ſuchte den uͤbri⸗ gen Theil des Nachſpiels ruhig mit anzuhd⸗ ren: der Harlekin war mir jedoch ſo zuwider geworden, daß er mir, all' ſeinem Huͤpfen, — 63 Springen und auf den Abſaͤtzen Herumdrehen zum Drotze, kein Laͤcheln abgewinnen konnte. Unter den Rollen in dem Schauſpiel war auch die einer alten Jungfer, und man hoͤrte Scherze und Bemerkungen von dem Poſſen⸗ reißer und ſeinen Gefaͤhrten daruͤber, welche eben ſo witzig als neu waren. Scherz bei Seite, halte ich aber dieſe Angriffe auf weib⸗ liches Gluͤck fuͤr eben ſo grauſam als un⸗ maͤnnlich. Ich bin, in meiner Anhaͤnglichkeit an das ſchoͤne Geſchlecht, immer ſehr leiden⸗ ſchaftlich geweſen und habe immer die Ueber⸗ zeugung gehabt, daß die Frauen die ſtaͤrkſten Anſpruͤche auf unſere Bewunderung, unſere Zaͤrtlichkeit und unſeren Schutz haben. Wenn aber zu dieſen noch ſtaͤrkere Anfoderungen kommen— wenn wir ſie alt und gebrechlich, einſam und vernachlaͤſſigt, ohne eine Hand ſehen, ſie auf dem Hinabwege des Lebens zu unterſtuͤtzen— ſo muß, in der That, Deſſen Herz ganz erkaltet, ſein Geiſt ganz unmaͤnn⸗ lich geworden ſeyn, der die Waffe des Spot⸗ tes gegen ihre vertheidigungsloſe Bruſt zu kehren im Stande iſt, und die wenigen Tro⸗ Shakeſpeare im Maebeth vom Duncan ſagt. Sp. 64 pfen der Freude, welche der Himmel ihrem Kelch beſchieden hat, vergaͤllen kann. Die Geſtalt meiner Schweſter Dorothea ſchwebte mir in dieſem Augenblicke vor: ihr Haar iſt durch die Zeit ſilberweiß geworden, doch ihr Geſicht durch keine Runzeln des Kummers oder der Sorgen entſtellt. Sie iſt immer„ſo milder Art geweſen“*) daß das Alter keine Spuren auf ihrer Stirn zuruͤckge⸗ laſſen hat. Theure Schweſter meines Her⸗ zens! rief ich aus, die du dich mit mir ſo manches Jahr des Lebens durchgequaͤlt haſt, iſt dieß der Lohn aller deiner Tugenden? Sollſt du, die du nie, weder durch Worte, noch durch Thaten, das Gefuͤhl eines Andern verwundet haſt, das deinige durch die ſchreienden Belei⸗ digungen derer, von denen du Ehre und Schutz erwarten duͤrfteſt, ſo verletzt ſehen? Fort mit dieſem veraͤchtlichen Poſſeu⸗ ſpiel— ſolchen elenden, abgenutzten Kunſt⸗ griffen, *) Hath borne her faculties so meekly, wie 65 griffen, den Beifall der Fuͤhlloſen zu errin⸗ gen. Ich will nichts mehr davon ſehen: komm mit mir, Freund Quoz. Denn wenn wir noch laͤnger verweilen, ſo werden wir auch unſere Gerichtshoͤfe beleidigen und den Cha⸗ rakter von Privatperſonen laͤcherlich machen ſehen!— Jack Styliſh bat mich, zu bleiben, und die Vermehrung des lebendigen Perſonals durch einen Eſel, einem Gans und einen Af⸗ fen, welche von dem Director ausgegangen ſey, noch mit anzuſehen; allein ich ſagte: Nein, nein, ich will nichts mehr ſehen, und damit hinkte ich mit meinem Freunde Andreas Quoz fort. Jack ſagte, er wolle bleiben und doch das Ende des Spaßes mit abwarten.— Auf dem Heimwege fragte ich den Freund Quoz, wie er denn eine ſolche plumpe perſoͤnliche Satire zu rechtfertigen ſich getraue: er ſchien indeſſen mit ſeinen Antworten ſehr zuruͤckhaltend zu ſeyn, und ſagte mir, er wuͤrde ſeine Meinung dar⸗ uͤber ſchriftlich zu erkennen geben. Am naͤchſten Morgen erzaͤhlte mir Jack Styliſh den Schluß des Stuͤckes. Mehrere Schauſpieler waͤren nach einander in ein Rad E 8 566*.“ gekrochen, und nachdem ſie etwas gemahlen worden, als Eſel, Gaͤnſe und Affen wieder herausgekommen, der Harlekin ausgenommen, der ſo zaͤhe geweſen, daß das Rad ihn nicht verarbeiten koͤnnen, und ſo ſey er denn wie⸗ der als Hanswurſt heransgercbchens wie er deſgelen fey. Nr— Siebenter Brie f. Ich hatte ſo eben meine Brille aufgeſetzt, und ſchnitt meine Feder, um Ihnen pon ei⸗ nem Balle Bericht abzuſtatten, den ich vor einiger Zeit mit Freund Quoz und meiner Schweſter Dorothea beſucht hatte, als ich durch folgenden Brief des Letzteren unterbro⸗ chen wurde. 3 Mein Freund Ouoz, der, was man im ge⸗ meinen Leben nennh ein gewiegter Mann iſt, ſagt gern uͤber jeden Gegenſtand ſeine Meinung. Er entfaltet in dieſem Briefe eine mehr als gewoͤhnliche Kenntniß ſeines Gegenſtandes, und ſcheint ſein ganzes Talent aufzubieten, um durch Gruͤnde die Wichtigkeit ſeines Raths anſchaulich zu machen. Ich theile Ihnen hier ſeinen Brief ohne weitere Eroͤrterungen mit, E 2 68 und verſpare meine Beſchreibung des Balls bis auf eine andere Gelegenheit. * An Jonathan Oldſtyle. Mein theurer Freund! Ich ſchreibe Ihnen abermals uͤber einen Gegenſtand) von dem ich fuͤrchte, daß Sie ſeiner am Ende uͤberdruͤſſig werden und daß er die muͤrriſche Gemuͤthsſtimmung, die(Sie verzeihen meine Freimuͤthigkeit!) Ihnen einmal eigen iſt, noch verſchlimmern duͤrfte. Bieten Sie indeß die gute Laune auf, von der Sie, wie ich weiß, im Grunde doch einen reichen Vorrath beſitzen, und hoͤren Sie mich ruhig aus. Die lebhafte Furcht, welche ich hege, daß Sie in den finſtern Abgrund der Kritik ſinken moͤ⸗ gen, an deſſen Rande Sie itzt ſtehen, iſt die Urſach, daß ich Ihnen ſchreibe. Meine Abſicht iſt, Ihnen die Rechte und Laſten eines Schauſpielers auseinander zu ſetzen und dadurch, daß ich Ihnen in grellen Farben das Eigenthuͤmliche ſeiner Lage ſchil⸗ dere, Ihr gutes Herz in Anſpruch zu nehmen.— Die Welt iſt, mein Freund Oldſtyle, von je⸗ 69 her geneigt geweſen, den Beruf des Schau⸗ ſpielers als etwas Herabwuͤrdigendes anzu⸗ ſehen. Was zuerſt zu dieſer Anſicht Geſeaen⸗ heit gegeben hat, kann ich nicht begreifen! ich halte ſie indeſſen fuͤr das Ueberbleibſel eines jener alten Vorurtheile, welche der natuͤrliche Verſtand der Welt mit jedem Tage ablegt, und ich hoffe, daß es in Kurzem, ganz ver⸗ ſchwunden ſeyn wird. Warum der Schau⸗ ſpieler weniger geachtet ſeyn ſoll, als der Dichter, der Maler, oder irgend Jemand, der ſein Talent dazu verwendet, Charaktere darzu⸗ ſtellen, oder ein Bild der verſchiedenen Thaͤtigkei⸗ ten des menſchlichen Geiſtes zu liefern, kann ich nicht begreifen. Ich weiß, daß Sie, mein Freund Oldſtyle, ein zu freiſinniger Mann ſind, als daß Sie ſich nicht uͤber ſo kleinliche Vorurtheile erheben ſollten, und daß Sie ei⸗ nen Schauſpieler, wenn anders ſein Charak⸗ ter an und fuͤr ſich nur gut iſt, eben ſo ſehr achten, als den, der irgend einen andern Beruf hat. Und doch wiſſen Sie gar nicht, welche wichtige Vorrechte dem darſtellenden Kuͤnſt⸗ 70— ler eigenthumlih ſind. I will ſie Ihnen nennen. Die Werke eines Dichters oder Malers moͤgen Sie frei beurtheilen—(ſie ſtellen ſie ja eben deswegen aus)— ſie werden auf⸗ merkſam auf Ihre Bemerkungen hoͤren und Ihren Tadel zu ihrem Beſten benutzen. So koͤnnen Sie aber nicht gegen einen Schau⸗ ſpieler verfahren; dieſer bedarf keiner Beleh⸗ rung mehr— ſein eigenes unparteyi⸗ ſches Urtheil reicht hin, alfe ſeine Unvollkom⸗ menheiten aufzufinden und zu verbeſſern. Ver⸗ ſuchen Sie es, ihn uͤber ſeine Irrthuͤmer zu belehren, und Sie richten ihn zu Grunde— er wird lieber, Ihnen zum Trotz, Hungers ſter⸗ ben: er iſt wie etwas laͤngſt Abgeſtorbenes, das in Staub zuſammenfällt, ſobalde man es beruͤhrt. Nein— wenn ein Schauſpieler auf der Buͤhne ſteht, ſo iſt er in ſeinem Hauſe, es iſt ſeine Feſtung*) er hat Sie dann in ſeiner *) Eine Anſpielung auf den beruͤhmten Rechts⸗ grundſatz des Englaͤnders, wonach Niemand ihm in ſeinem Hauſe etwas anhaben kann. Sp. 71 Gewalt, und kann Sie, von dort aus, unge⸗ ſtraft mit ſeinen Poſſen zu Tode langweilen, oder Sie mit ſeinen ſpitzen Bemerkungen an⸗ greifen. Sie, mein Freund, der Sie ſich leicht beleidigt fuͤhlen, moͤgen immerhin es hart nennen, ſich ſo belaͤſtigt zu ſehen, und noch dazu den, von dem dieß ausgeht, dafuͤr belohnen zu muͤſſen. Sie koͤnnen ſagen, daß, da Sie fuͤr ihr Vergnuͤgen bezahlen, Sie bil⸗ lig auch die Freiheit haben ſollten, dem Schau⸗ ſpieler bei ſeinen Beſtrebungen Vorſchriften zu geben, wie es der Chineſe mit ſeinem Oh⸗ rrenkitzler macht, dem er ſagt, wenn ſein Werk⸗ zeug ihm Schmerz verurſacht, daß er des Gu⸗ ten zu viel thue. Darin aber irren Sie ſich ſehr: Sie ſind ihm dagegen fuͤr die Herab⸗ laſſung, womit Er ſeine Talente, zu Ih⸗ rer Belehrung anwendet, Dank ſchuldig, und was Ihr Geld betrifft, ſo nimmt er es nur, zum Ihre Verpflichtung etwas den iger druͤckend zu machen. Ein Schauſpieler iſt, wie ich ſchon vor⸗ her bemerkt habe, vollkommen zulaͤſſiger Rich⸗ ter uͤber ſeine eigenen Faͤhigkeiten, und kann 72 im Allem ſpielen, worin er will, im Trauer⸗ ſpiel, Luſtſpiel oder in der Pantomime, fuͤr ſo wenig geſchickt ihn auch das Publikum hal⸗ ten mag, darin aufzutreten. Er kann, waͤh⸗ rend er auf der Buͤhne iſt, toben und bruͤllen, Geſichter ſchneiden und grinſen, wuͤthen und ſchaͤumen; wer kann etwas dagegen einwen⸗ den? Er wird von dem Direktor dafuͤr be⸗ zahlt, ſeine Lunge und ſeine Glieder zu brau⸗ chen, und je mehr er beide anſtrengt, deſto treuer kommt er ſeinen Verpflichtungen nach, deſto eifriger arbeitet er fuͤr ſeinen Unter⸗ halt— und wer wuͤrde ihn ſeines ſauer er⸗ worbenen Brotes wegen beneiden wollen? Wie mancher ehrliche, traͤge Geiſt iſt von dieſen fuͤhlloſen Kritikern mit Gewalt zur Aus⸗ bildung ſeiner Talente und zur Aufmerkſam⸗ keit auf ſeinen Beruf gezwungen worden! Wie haben ſie ihn zu fortwaͤhrendem Studium und zu unablaͤſſiger Anſtrengung verdammt! Wie haben ſie die oͤffentliche Meinung ſo zu leiten gewußt, daß das, was ſonſt ein Publikum zu einem krampfhaften Lachen gebracht haben wuͤrde, itzt weiter nichts als ein mattes Haͤn⸗ 73 deklatſchen der kleinen Herumlaͤufer zu Wege bringt, welche dafuͤr, daß ſie die Logen auf⸗ ſchließen, Plaͤtze auf der Gallerie erhalten. O! Herr Oldſtyle, es geht mir innig nahe, wenn ich ſehe, wie ſo ein armer Schauſpie⸗ ler ſtampft und tobt, und ſich vor die Stirn, vor die Bruſt, auf die Taſche ſchlaͤgt, und das Alles vergebens; wie er ſich in irgend eine verzweiflungsvolle Stellung wirft und ſo in fruchtloſer Erwartung des Beifalls ſeiner Freunde auf der Gallerie harrt.*) In ſol⸗ chen Faͤllen pftege ich immer ſelbſt zu klat⸗ ſchen, damit der Mann nur ſeine Stellung verlaſſen und ſeine Rolle ruhig weiter ſpielen koͤnne. Sie waren neulich Abends ſo ſehr uͤber den ungroßmuͤthigen und unmaͤnnlichen Ge⸗ danken(wie Sie ihn nannten), eine alte Jungfer auf eine laͤcherliche Art auf die Buͤhne *) Die gewaltſamen Bewegungen, gegen welche dieſe Satire gerichtet iſt, machen auf der engliſchen Buͤhne ſelbſt das Spiel der erſten und ausgezeich⸗ neteſten Schauſpieler, namentlich Kean's, ungemein widrig. Sp. 3 74 zu bringen, erbittert. Ich kann indeſſen micht einſehen, was daran auszuſetzen ſey. Iſt das nicht von jeher geſchehen? Iſt die Sache nicht durch die taͤgliche Gewohnheit im buͤrgerli⸗ chen Leben gutgeheißen? Haben wir nicht die Rolle der Baſe Tabitha, in der Poſſe, in hun⸗ dert andern Stuͤcken geſehn und belacht? Da alſo der Verfaſſer nur in dem gewoͤ huli⸗ chen Geleiſergeblieben iſt, worin, vor ihm, ſo manche gewandelt haben, ſo ſehe ich nicht ein, warum man ihn ſo ſehr tadeln ſoll, als ob er die ganze Schuld der Originalitaͤt truͤge. Sie werden vielleicht ſagen, daß es grau⸗ ſam ſey, mit den Gefuͤhlen irgend einer Klaſſe der buͤrgerlichen Geſellſchaft Spott zu trei⸗ ben, daß die Thorheit ſchon ein hinlaͤnglich weites Feld fuͤr den Witz und die Sative dar⸗ biete, ohne daß man udthig habe, dem Un⸗ gluͤck eine laͤcherliche Seite abgewinnen zu ſu⸗ chen, daß das weibliche Zartgefuͤhl immer mit der Geiſel des Spottes verſchont bleiben ſolle u. ſ. w. doch das ſind Redeusarten, bloße Worte. Wenn ein Schriftſteller zu traͤge oder zu beſchraͤnkt iſt, neue Quellen zu Bemerkungen 75 aufzufinden, ſo muß man ihn entſchuldigen, wenn er die Gedanken Anderer zu ſeinem ei⸗ genen Gebrauche und Vortheile anwendet. Doch ich finde, daß ich unvermerkt auf die Rechte der Schriftſteller gekommen bin, und ſo wollen wir zu unſerem Gegenſtande zuruͤckkehren. 1 Ein Schauſpieler kann, wenn er, der Natur den Spiegel vorhaͤlt,“ durch ſeine Kuͤn⸗ ſte ihn ſo drehn und wenden, daß er den Ge⸗ genſtand in jeder beliebigen Geſtalt darſtellt, ja, er kann ſogar eine Karikatur liefern, wo der Verfaſſer nur ein Bild zu geben be⸗ abſichtigte: er kann es mit ſeinem Athem ver⸗ wiſchen, mit ſeinen ſchmuzigen Fingern ver⸗ unreinigen, ſo daß der Gegenſtand durch das Glas, worin er geſehn wird, eine von ſeinem natuͤrlichen Anſehen ganz verſchiedene Geſtalt erhaͤlt. Gerade heraus geſagt, mein Freund, hat ein Schauſpieler das Recht, ſeinen Schrift⸗ ſteller, ſobald er glaubt, daß dieſer ſich nicht gehoͤrig deutlich ausgeſprochen habe, mit ſei⸗ nem eigenen Witz und ſeinen Talenten beizuſtehn, und ſollte, in dieſem Falle, der 76 Charakter von dem, was er urſpruͤnglich zu ſeyn beſtimmt war, ganz verſchieden ausfallen, und, in dieſer Geſtalt mehr dem Schauſpieler, als dem Verfaſſer des Stuͤcks angehoͤren, ſo verdient der Erſtere allen Dank fuͤr ſeine Erfin⸗ dungskraft. Und ſollten ſeine Zuſaͤtze wirklich ſonderbar und widrig ſeyn, ſo iſt doch ſeine Abſicht hoͤchſt lobenswerth und verdient volle Aufmunterung. Bedenken Sie nur, mein theurer Herr, wie viele angenehme kleine haͤusliche Anord⸗ nungen durch dieſe ewig unzufriedenen Kriti⸗ ker zerſtoͤrt werden! Der ehrliche Koͤnig von Schottland), welcher ſo gekleidet erſchien, daß er, zu gleicher Zeit, auf den Markt und auf die Buͤhne gehen konnte, und neben dem Schurz und Mantel ſeine Halbſtiefeln und ſchwarzen Beinkleider trug, ſo daß er halb wie ein Koͤnig, halb wie ein Schuhflicker aus⸗ ſah, hat itzt die Stiefeln durchaus ſeines koͤ⸗ niglichen Dienſtes entlaſſen muͤſſen: doch macht *) Wahrſcheinlich Duncan in Shakesſpeare's Macbeth. Sp. 77 es mir ſehr viel Vergnuͤgen, ihn ſeinen alten Gewohnheiten ſo treu geblieben zu ſehen, daß alle Beſtrebungen der Kritiker es nicht dahin zu bringen vermocht haben, daß er von den letzteren gelaſſen hat. Die Stiefeln moͤ⸗ gen ſie ihm ausziehen— nichts in der Welt wird ihn aber aus den Beinkleidern bringen.*) Erwaͤgen Sie nur, mein Freund, wie kindiſch alle dieſe Bemerkungen ſind. Heißt es nicht, den hohen Standpunkt, auf welchem ein Kritiker ſteht, geradezu herabwuͤrdigen, wenn er ſich um Beutelperucken, rothe Roͤcke, ſchwarze Beinkleider und Halbſtiefeln bekuͤmmert! Pfui, pfui, ich erroͤthe im Namen der Kritiker un⸗ ſerer Zeit, die es fuͤr eine wichtige Angele⸗ genheit halten, ob ein Hochlaͤnder in Bein⸗ kleidern und Stiefeln oder ein Otaheitier in *) Dieſe Nichtbeachtung der Wahrheit des Ko⸗ ſtumes wird noch itzt den amerikaniſchen Schauſpie⸗ lern zum Vorwurfe gemacht. Warden ſagt in ſei⸗ nem Account of ihe united states. Edinb. 1813. im 3. Bande S. 469:„In Hinſicht der Decora⸗ tionen und des Koſtuͤmes laſſen die Amerikaner noch Vieles zu wuͤnſchen uͤbrig; ihre Kleidungen ſind ſehr glaͤnzend, aber ſelten richtig. Sp. nige von unſeren neueren Kritikern haben ge⸗ ſie eine Siddons geſehen? Iſt dieß der Fall, 78 dem Anzuge eines New⸗Yorker Stutzers er⸗ ſcheinen ſoll. Glauben Sie nur, Freund Oldſtyle, wir ſollen das Spiel und nicht das Anſehen eines Schauſpielers beachten, und ſo lange er ſeine Rolle gut ſpielt(um mit meinem Freunde Sterne zu reden)„nicht dar⸗ auf ſehen, ob er in einem ſchwarzen, oder in einem rothen Rocke ſpielt.“ Glauben Sie mir, Freund Oldſtyle, we⸗ gruͤndete Anſpruͤche auf den Rang, den ſie annehmen. Sie moͤgen mir eine Frage be⸗ antworten— ſind ſie je in Europa geweſen? haben ſie Garrick, haben ſie Kemble, haben ſo kann ich Sie(auf das Wort zweier oder dreier meiner Freunde, die Schauſpieler ſind) verſichern, daß ſie kein Recht auf den Namen Kritiker haben. Sie mögen, ſo viel ſie wollen, uͤber Urtheil, Geſchmack und Ge⸗ fuͤhle reden, das iſt Alles Unſinn. Es iſt noch erſt kuͤrzlich im Theater) entſchieden worden, daß wer nach ſo laͤcherlichen Grund⸗ 79 ſaͤtzen urtheilt, eine arge Gans iſt, und des⸗ wegen recht ordentlich gerupft werden muß. Nachdem ich ſo, mein Freund Oldſtyle, geſucht habe, Ihnen, wiewohl auf eine ganz ſchwache Weiſe, einige von den Rechten und Laſten eines Schauſpielers auseinanderzu⸗ ſetzen und ſeine unausgeſetzten und uneigen⸗ nützigen Bemuͤhungen, dem Publikum zu ge⸗ fallen und wie er es beſſer wiſſen muß, was dieſem gefaͤllt, als das Publikum ſelbſt, zu zeigen, Ihnen auch den grauſamen und rach⸗ ſuͤchtigen Charakter eines Kritikers, den be⸗ ſtaͤndigen Zwang, den er der harmloſen Un⸗ regelmaͤßigkeit des Schauſpielers auferlegt und die ſchonungsloſe Art, womit er ihn zwingt, aus Furcht vor Tadel, beſtaͤndig ſeinem Be⸗ ruf nachzuleben, anſchaulich zu machen— laſſen Sie ſich erbitten, einzuhalten! Oeff⸗ nen Sie die Augen; ſehen Sie, wie Sie am Rande eines Abgrundes ſtehn, und hoͤren Sie auf die ernſtliche Warnung Ihres Sie liebenden Freundes, Andreas Quoz. 80 Mein Freund Quoz ſchreibt allerdings mit Empfindung, und jede Zeile von ihm zeugt von dem feinen Gefuͤhl, wodurch er ſich im⸗ mer ausgezeichnet hat. Ich weiß indeſſen durchaus nicht, auf welchen Grund hin er mich fuͤr dazu geneigt haͤlt, Kritiker zu wer⸗ en. Meine Bemerkungen ſind, bis itzt, im⸗ mer mehr das Ergebniß eines unmittelbaren Eindruckes, als kritiſcher Pruͤfung geweſen. Eben ſo wie mein Freund, Hr. Andreas Quoz, fange ich indeſſen an, in die Beweggruͤnde unſerer Kritiker in New⸗York Mißtrauen zu ſetzen, namentlich ſeitdem ich, außer ſeinen Gruͤnden, noch die Verſicherung zweier oder dreier, unbezweifelt parteiloſer Schauſpieler und eines Schriftſtellers fuͤr mich habe, der, wie Hr. Quoz mir ſagt, ſeiner Aufrichtigkeit und Wahrhaftigkeit wegen beruͤhmt iſt; daß naͤmlich die Kritiker„die alleranmaßendſten, hochmuͤthigſten, uͤbelwollendſten, ungroßmuͤ⸗ thigſten, unartigſten, boshafteſten, rachſuͤch⸗ tigſten, widerwaͤrtigſten, undankbarſten, ver⸗ kruͤppelteſten, neidiſchſten, abguͤnſtigſten, bos⸗ haft⸗erfinderiſchſten, nach Perſoͤnlichkeit ge⸗ henden — 81 henden, pedantiſchſten, unrechtmaͤßigſten, ty⸗ ranniſchſten, verdrehteſten, duͤrrſchenkeligſten Puppen, raͤnkevollſten Boͤſewichte und aufge⸗ blaſenſten Ignoranten ſind.“ Dieſe und manche andere eben ſo feine Benennungen haben in meinem Gemuͤthe ge⸗ rechte Zweifel uͤber die Aufrichtigkeit und Ge⸗ rechtigkeitsliebe der Kritiker erregt, und da⸗ mit meine Feder nicht unwillkuͤhrlich mir den Verdacht zuziehen moͤge, daß ich eine Sehn⸗ ſucht nach allem Kritikenmachen haͤtte, ſo will ich ſie itzt ſorgfaͤltig auswiſchen, ſie einſchlie⸗ ßen, und verſprechen, ſie nicht eher wieder zum . Vorſchein zu bringen, als bis ein neues Feld der Thorheit meine Aufmerkſamkeit auf ſich zieht. Achter Brief. Vor einigen Morgen ſaß ich ganz ruhig, mit meiner Schweſter Dorothea und Jack Sty⸗ liſh, und nahm meinen Kaffee mit geroͤſtetem Brode ein, als ploͤtzlich mein Freund, Herr An⸗ dreas Quoz, hereintrat. An dem beſonderen Ausdrucke, der in ſeiner liſtigen Miene, wie ſie Vetter Jack nennt, lag, erkannte ich ſo⸗ gleich, daß er mit irgend einer wichtigen Nachricht ſchwanger ginge. In einer Hand hielt er den Morning Chronicle, und mit dem Zeigefinger der an⸗ dern wies er auf einen beſonderen Abſchnitt hin. Ich ſetzte eilig meine Brille auf und ergriff das Blatt mit lebendiger Neugierde. Denken Sie ſich mein Erſtaunen, als ich eine Verordnung unſerer*) geſetzgebenden Macht *) Der Nordamerikaniſchen. Sp. 83 fand, wonach ein jeder Buͤrger dieſes Staats, der eine entweder geſchriebene oder muͤndliche Ausforderung zuſchickt, uͤberbringt, oder an⸗ immt, fuͤr unfaͤhig erklaͤrt wird, irgend ein Chren⸗ oder anderes wichtiges Amt zu be⸗ kleiden, bei einer Wahl im Staate mitzu⸗ ſtimmen u. ſ. w.*) Das Blatt entfiel meinen Haͤnden; ich blickte meinen Freund Andreas in ſtummem Erſtaunen an. Quoz legte den Finger an die Naſe, nickte mir bedeutſam zu, und rief aus: was ſagen Sie dazu, Freund Jonathan? Das iſt ein boͤſes Ereigniß, ſagte ich mit betruͤbtem Tone: das wird den Muth der kecken Jugend unſeres Zeitalters ſehr daͤm⸗ pfen. Geiſt des Ritterthums, wohin biſt du entwichen! Schatten Don Quixote's, blickſt du nicht mit Verachtung auf die Ausartung der Zeit herab? Meine Schweſter Dorothea ward von dem Funken meines Enthuſiasmus ebenfalls ent⸗ *) Dieſe Anordnung wurde fuͤr den Staat von New⸗York am 5. November 1816 wiederum tenei⸗ und geſchaͤrft. Sy. F 2 zuͤndet: in allen alten Ritterbuͤchern wohlbe⸗ leſen, und entzuͤckt uͤber die darin enthaltenen lebendigen Beſchreibungen der Heldenzeit, hatte ſie den Waffenruhm fruͤherer Tage bewundern gelernt, und trauerte daruͤber, den letzten Fun⸗ ken ritterlichen Feuers mit ſo rauher Hand erſticken ſehen zu muͤſſen. Ach, Bruder! ſagte ſie, zu welch' einem bejammernswerthen Zu⸗ ſtande wuͤrdigt man unſere jungen Maͤnner herab! wie bedauernswuͤrdig muß nicht ihre Lage ſeyn— bei einer ſo leicht reizbaren Empfindlichkeit und ſo ſehr empfaͤng⸗ lichem Gemuͤth fuͤr den Ruf der Ehre und der hergebrachten Sitte! Ja, meine theure Dorothea, ſagte ich, ihre traurige Lage geht mir von Herzen nahe. In dieſer langweiligen, einfoͤrmigen, friedli⸗ chen Zeit aller Gelegenheiten beraubt, im Kampfe auf offenem Felde, der Heldenflamme, welche in ihrer Bruſt lodert, freien Lauf zu laſſen, konnten ſie bisher den erhabenen Ge⸗ fuͤhlen ihrer Seele in dem haͤuslichen und we⸗ niger gefaͤhrlichen Zweikampfe Luft ma⸗ chen, wie der Krieger in der Fabel, der, da er 8⁵ nicht mehr Heere niedermetzeln konnte, ſich da⸗ mit begnuͤgte, Kohlkoͤpfe herunterzuſchlagen. Itzt folgte eine feierliche Pauſe. Ich rief mir alle die Erzaͤhlungen von alten Rittern, die ich gehoͤrt oder geleſen, ihre Liebesaben⸗ teuer, ihre Zwiſtigkeiten und ihre Kaͤmpfe in das Gedaͤchtniß zuruͤck: wie, an einem ſchoͤ⸗ nen Sommermorgen, der Ritter von der gol⸗ denen Gans dem Ritter von der feurigen Fie⸗ del begegnete; wie der Ritter von der feuri⸗ gen Fiedel ſtolz ausrief:„wer da laͤugnet, daß Fraͤulein Fidlioſa die unvergleichlichſte Schoͤn⸗ heit in der ganzen Welt ſey, der ſoll die Staͤrke dieſes Armes fuͤhlen!“ wie ſie beide mit gewaltiger Wuth auf einander losſtuͤrz⸗ ten, und, nachdem ſie bis Sonnenuntergang gefochten, der Ritter von der feurigen Fiedel als Opfer ſeiner Beſtaͤndigkeit fiel, und in melodiſchen Toͤnen, mit ſeinen letzten Athem⸗ zuge, den geliebten Namen„Fidlioſa“ aus⸗ hauchte. Von dieſen alken Kaͤmpfen ging ich, in Gedanken, zu andern uͤber, die, obgleich aus neuerer Zeit, doch eben ſo wichtig in Hinſicht 86— ihres Urſprungs ſind. Ich erinnerte mich an die wahre Hoͤflichkeit und die wahre Abge⸗ meſſenheit, womit in meiner Jugend Duelle betrieben wurden, als noch die wahre An⸗ ſtandswaffe, der Degen, an der Tagesord⸗ nung war. Ausfoderungen waren auf die allerhoͤflichſte Weiſe abgefaßt, und eine, die ich noch beſitze, endigt ſich mit den Worten: „Ihr Freund und ergebenſter Diener, Nikolaus Stubbs.“ Wenn die Par⸗ teien ſich auf dem Kampfplatze trafen, ſo wurde dieſelbe Foͤrmlichkeit beobachtet; ſie zo⸗ gen die Huͤte ab, wuͤnſchten einander guten Morgen und halfen ſich, mit der ehrerbietig⸗ ſten Hoͤflichkeit, die Roͤcke und Stiefeln aus⸗ ziehen. Auch der Kampf ſelbſt ging mit der gehoͤrigen Art vor ſich: da ſah man keine un⸗ beholfenen Bewegungen, keine hitzigen und un⸗ beſonnenen Stoͤße; alles ging kaltbluͤtig, zier⸗ lich, mit Anſtand zu. Jeder Stoß war mit ſeinem Sa⸗ſa begleitet, und mit einem Lah⸗ lah wurde man unvermerkt durch und durch geſtoßen. Nichts ging uͤber die Zaͤrtlichkeit und Aufmerkſamkeit, womit der verwundete Geg⸗ — — — — — 87 ner behandelt wurde: der Ueberwinder nahm ihn, nachdem er wohlbedaͤchtig ſeinen Degen abgewiſcht, in ſeine Arme, fuͤhlte ihm an den Puls, und fragte ihn, mit der groͤßten Theil⸗ nahme, wie er ſich itzt befaͤnde? Und ſo ging Alles auf eine feine, wohlanſtaͤndige Weiſe zu. Ich kann aber nicht ſagen, daß ich un⸗ ſere itzigen Sitten ſehr bewundere: ein ge⸗ zogenes Piſtol von zwoͤlf Joll und eine Kugel von einer Unze iſt eine Sa⸗ che ohne ſehr viele Umſtaͤnde, und laͤßt den Anſtand und die Zierlichkeit, welche der De⸗ gen geſtattet, nicht zu; uͤberdieß liegt etwas ſo Unangenehmes darin, wenn man die Muͤn⸗ dung einer Piſtole ſich ſo gegenuͤber ſieht, daß ich glauben moͤchte, manche unſerer jungen Heelden duͤrften ſich bei dem Anblick nicht ganz wohl befinden, wenn man nicht, wie dieß zu⸗ weilen der Fall ſeyn ſoll, ſich in der Daͤm⸗ merung ſchießt. Das Geſchaͤft des Ladens, Pulver auf die Pfanne⸗Schuͤttens, Spannens des Hahns u. ſ. w. dient eben nicht dazu, Jemanden ſehr zu beruhigen, und man will behaupten, daß 88— einige von unſern Kriegern, waͤhrend dieſen Vorbereitungen zu zittern und ſchiefe Geſich⸗ ter zu machen angefangen haben, obgleich man dieß, und gewiß richtiger, der Heftigkeit ihres Zornes und ihren gewaltigen Muth bei⸗ gemeſſen hat. Ich hatte ſo eine Zeit lang nachgedacht, als ich mein Stillſchweigen brach, und mei⸗ nem Freunde Quoz einige von meinen Ein⸗ wendungen gegen die Art, ſich auf Piſtolen zu ſchlagen, mittheilte. Wahrhaftig, Freund Oldſtyle, ſagte Quoz, ich erſtaune uͤber Ihre Unbekanntſchaft mit der neueren Sitte; glauben Sie mir, ich kenne keine Vergnuͤgung, die, im Ganzen genom⸗ men, harmloſer waͤre. Allerdings moͤgen zu⸗ weilen ein Paar entſchloſſene Leute zuſam⸗ menkommen, die entſchieden ſind, die Sache alles Ernſtes auszufechten; unſere Mode⸗ Duellauten ſind indeſſen gewoͤhnlich mit einem Schuß zufrieden, und dann ſind ſie entweder ſchlechte Schuͤtzen, oder die Haͤhne gehen ſchwer, oder ſie druͤcken das unrechte Auge zu, oder es kommt ſonſt etwas Anderes da⸗ ——— 89 zwiſchen, ſo daß Zehn, ja Zwanzig gegen Eins zu wetten iſt, daß ſie unbeſchaͤdigt bleiben. Darin war ich nun nicht Freund An⸗ dreas' Meinung. Ich bin, ſagte ich, von der Tapferkeit unſerer jungen Leute uͤberzeugt, und daß, wenn ſie einmal auf den Kampfplatz treten, ſie entſchloſſen ſind, zu ſiegen oder zu ſterben, allein gewoͤhnlich iſt es der Fall, daß ihre Sekundanten friedliebenderer Art ſind und nach dem erſten Schuſſe dazwiſchen tre⸗ ten; aber man ſagt mir auch, daß ſie oft nahe daran ſind, zu bleiben, und daß ihre Huͤte und Roͤcke Loͤcher von den Kugeln haben, was, wie Falſtaffs zerhacktes Schwert, ein deutlicher Beweis daran iſt, wie eunſtzaſt der Kampf geweſen ſey. Meine Schweſter Dorothea, die von ſehr leutſeliger und wohlwollender Gemuͤthsart iſt, wuͤrde ohne Zweifel den Gedanken an Duelle ganz verabſcheuen, wenn ſie ſie nicht als die letzten Funken der Tage des Ritterthums an⸗ ſaͤhe, auf welche ſie mit einer Art von romanti⸗ ſchem Enthuſiasmus zuruͤckblickt. Sie meint, daß ſie itzt den Todesſtreich empfangen ha⸗ 90 ben; denn, ſagte ſie, wie koͤnnen nun die Aus⸗ foderungen zugeſchickt werden, wenn man ſogar die Ueberbringer derſelben ebenfalls als Hauptſchuldige betrachtet? Das iſt ſehr leicht zu machen, ſagte Freund Quoz: ein Mann ſchilt mich einen Luͤgner; ſehr wohl: ich trete ihm auf die Ze⸗ hen, zum Zeichen, daß ich ihn herausfodere: er nimmt mich bei der Naſe, als Zeichen, daß er die Herausfoderung annimmt: und ſo wird die Ausfoderung, ohne Huͤlfe eines Drit⸗ ten, richtig beſtellt. Hierauf einigen wir uns uͤber die Art, auf welche die Genugthuung gegeben werden ſoll: wir ziehen z. B., Looſe, wer von uns fallen muß, um die Geſetze der Ehre zu befriedigen. Herr A oder B, mein Gegner, ſoll fallen: nun gut; er ſteht unten auf der Straße, ich laufe die Treppe des Hauſes bis zum Boden hinauf und werfe ihm aus dem Bodenfenſter einen Dachziegel auf den Kopf: kommt er mit dem Leben davon, ſo iſt es gut— wird er erſchlagen, nun ſo hat Niemand die Schuld: es war ein bloßer Zu⸗ fall. Und ſo iſt die Angelegenheit zu unſerer 91 beiderſeitigen Zufriedenheit, wie man zu ſagen pflegt, in das Reine gebracht. Jack Styliſh machte die Bemerkung, daß, was Hrn. Quoz's Gedanken, den Leuten Dach⸗ ziegel auf die Koͤpfe zu werfen, betraͤfe, er dieß fuͤr eine ſehr gemeine Aushuͤlfe halte. Er, ſeinestheils, meine, es werde am beſten ſeyn, wenn die geſetzgebende Macht das Ge⸗ ſetz hinſichtlich der Duelle abaͤnderte, und ſie, unter gewiſſen Einſchraͤnkungen, erlaubte: z. B. daß Niemand ſich ſchlagen duͤrfe, ehe er ſich nicht dazu einen regelmaͤßigen Schein von dem ſogenannten Blut⸗ und Donner⸗Amt geloͤſt habe; daß zwei Duellanten, zwei oder drei Wochen vor dem zu erfolgenden Duell, es in allen Zeitungen anzeigen muͤßten; daß die beiden Parteien ſich ſchlagen muͤßten, bis Einer fiele, und daß endlich das Publikum zuſehen duͤrfe. Dieß, meinte er, wuͤrde ge⸗ wiſſermaßen eine Wiederherſtellung der Schau⸗ gefechte des Alterthums ſeyn, wo das Volk mit Gladiatorenkaͤmpfen ergoͤtzt wurde. Wir haben itzt keine Spiele mehr, wie die Alten, ausgenommen dann und wann eine Stier⸗ 92— oder Baͤren⸗Hetze, und dieß wuͤrde eine ſehr bedeutende Vermehrung unſerer gebildeten Ver⸗ gnuͤgungen gewaͤhren. Ich hoͤrte ihrem Geſpraͤch ſtillſchweigend zu, aber ich muß geſtehn, daß mir der Plau nicht ganz verwerflich zu ſeyn ſcheint. Unſere jungen Leute ſchlagen ſich, in neun und neun⸗ zig Faͤllen unter Hundert, aus Furcht, mit dem Beinamen einer feigen Memme ge⸗ brandmarkt zu werden: und da ſie demnach ſich der Welt willen ſchlagen, ſo ſollte man dieſe auch, da ſie einen ſo nahen Antheil an ihren Kaͤmpfen hat, gegenwaͤrtig ſeyn und perſoͤnlich uͤber ihr Benehmen den Ausſpruch thun laſſen. Da ich den Gegenſtand fuͤr wichtig halte, ſo nehme ich mir die Freiheit, mir ein Plaͤtz⸗ chen im Morning Chronicle auszubitten, um ihn dem Publikum zur Exrwaͤgung vorlegen zu koͤnnen. Jonathan Oldſtyle. Gedruckt bei Johann Friedrich Starcke. ——— Nachricht. Folgende Schriften deſſelben Verfaſſers, nemlich: The Sketchbook of Geoffrey Crayon. Tales of a Traveller. werden in Kurzem in Ueberſetzungen von S. H. Spiker in demſelben Verlage erſcheinen. Romane von Walter Scott, welche in gleichförmiger Ausgabe in demſelben Verlage erſchienen ſind. Robin der Rothe; überſetzt von W. A. Lindau. 3 Theile. Zweite verbeſſerte Auflage. 12. geh. 3&ℛ Thlr. Das Kloſter; überſetzt von K. L. Methuſ. Müller. 3 Theile. 12 geh... 3 Thlr. Der Alterthümler; überſetzt von W. A. Lindau und M. M. 3 Bde. 12. geh.. 3 Thlr. Der Pirat; überſetzt(vollſtändig und mit Anmerk.) von S. H. Spiker. 3 Bde. 12. mit einer Charte. geh. 3$ Thlr. Quintin Durward; überſetzt(mit hiſtoriſchen Anmer⸗ kungen) von S. H. Spiker. 3 Bde. 12. geh. 3 Thlr. Kenilworth, a romance. 3 Vol. 12. 4 Thlr. Ferner: Blum(Carl) Vaudevilles für deutſche Bühnen und geſellige Zirkel; nach dem Franz bearbeitet.(Enthaltend: Der Schiffskapitain.— André.— Die Heirath im zwölf⸗ ten Jahr.— Gänſerich und Gänschen.— Der Bär und der Baſſa.) 12. Nebſt Muſikbeilagen, geh. 1 † Thlr. Byron(Lord), hebräiſche Geſängez das engliſche Ori⸗ ginal, mit deutſcher Ueberſetzung von Fr. Theremin. 12. geh... 15 Sgr. Heer⸗ und Querſtraßen, oder Erzählungen, geſammelt auf einer Fußreiſe durch Frankreich, von einem fußreiſen⸗ den Gentleman. Al. d. Engl.(High-ways and By- ways, or Tales on the roadside) überſetzt von Willi⸗ bald Alexis, 2 Bde. 12. geh.. 2 2* Thlr. Heinſius(Theod.) der Redner und Dichter, oder Anleitung zur Rede⸗ und Dichtkunſt.(Teut. Bd. 3.) Dritte verbeſſerte Auflage. 8. 22 ½ Sgr. — Geſchichte der Sprach⸗ Dicht⸗ und Redekunſt der Deutſchen bis auf die neueſten Zeiten.(Teut. Bd. A.) Dritte verbeſſerte Ausgabe. 8. 1 Thlr. Irving(Waſhington) Bracebridge⸗Hall, oder die Charaktere. A. d. Engl. überſetzt von S. H. Spiker. 2 Bde. gr. 12. Geh... 3 Thlr. Lamartine(Alph. de) ¹ ations poétiques. Nou- velle édition, augmentée des Nouvelles Maditatrons et de la Mort de Socrate. 2 Vol. 12. br. 1 ½ Thlr. Les mémes, pap. fin. grand format. 2 Thlr. Menzel(K. A.) Geſchichte unſerer Zeit ſeit dem Tode Friedrichs II., in zwei Bänden. Band I., bis zum Frieden von Campo Formio. 8.. 2 ½ Thlr. Napoleon's Feldzug in Rußland im Jahre 1812. Aus dem Franz. der Histoire de J'expédinon de Russie par M***(von Chambray) überſetzt und mit neuen Planen, Charten und Erläuterungen verſehen von L. Bleſſon. 2 Bde. gr. 8. und 1 Heft Kupfer und Tabellen... 4& Thlr. Oſſian's Gedichte; rhythmiſch überſetzt von J. G. Rhode. 3 Theile, mit Kupfern. zweht desheſſets Ausgabe, gr. 12. geheftet.. 4 Thlr. Ourika(par Mad. la Düchasse de Duras) in 12 br. 20 Sgr. Rellſtab, L. Karl der Kühne, Trauerſpiel in fünf Aufzü⸗ gen. 8. geh... 20 Sgr. Romanzen(Spaniſche); überſetzt von Beauregard Pandin. 12. geh... 20 Sgr. Shakſpeare's(Will.) Troilus und Creſſida; überſetzt von Beauregard Pandin. 12. geh. 22& Sgr. Wuf G. A.) dramatiſche Spiele. 1r Vand.(Ent⸗ * Pflicht um Pflicht.— Precidſa.— Cäſario.— don Budoy.) gr. 12, cart.. 1 ½ Thlr. * — ffffffffffffff 13 14 15 16 17 18 19