— bbi bli B er deutſcher, engliſcher und franzöſiſcher Literatur von— Eduard Oktmann in Gießen, Schloßgaſſe Lit. A. Nr. 256. Jeih- und Jeſebedingungen. 1. Offensein der Bibliothek. Die Bibliothek ſteht zur Em⸗ pfangnahme und Rückgabe der Bücher jeden Tag von Morgens 7 Uhr bis Abends 8 Uhr offen. 2. Lesepreis. Bei Rückgabe eines geliehenen Buches wird von jedem Tag 5 Pf. bezahlt. Die Zeit eines Tages iſt zu 24 Stun⸗ J den angenommen. 3.(aution. Unbekannte Perſonen müſſen, bei Entgegennahme eines Buches, eine dem Werthe deſſelben entſprechende Summe hinterlegen, welche bei deſſen Zurückgabe von mir zurückerſtattet wird. 4. Abonnement Daſſelbe muß voraus bezahlt werden und veträgt: — für wöchentlich“ 2 Bücher: 4 Bücher: 6 Bücher: ———— 1 auf 1 Monat: 1 Mt.— Pf. 1 Prr. 50 Pf. 2 Per.— Pf. 1„ 3„—„ 3„„—„ 5. Auswärtige Abonnenten baben für Hin⸗ und Zurückſendung der Bucher auf ihre eigenen Koſten und Gefahr ſelbſt zu ſorgen. 6. Schadenersatz. Für beſchmutzte, zerriſſene, verlorene und deferte Bücher(namentlich bei ſolchen mit Kupfern ꝛc.) muß der Ladenpreis erſetzt werden.— Iſt das zerriſſene beſchmutzte, ver⸗ lorene oder defecte Buch ein Theil eines größeren Werkes, ſo iſt der Leſer zum Erſatz des Ganzen verpflichtet. 7. Ausleihezeit, Dieſelbe iſt auf 14 Tage feſtgeſetzt und wir beſonders darauf aufmerkſam gemacht, daß das Weiterverleihen der Bücher nicht ſtattfinden darf, indem Diejenigen, welche die ſelben von mir geliehen, auch dafür zu ſtehen haben. —— Waſbhington Irving's ſaͤmmtliche Werke. Dreiundſechzig⸗ bis fünfundſechzigſtes Bändchen. A ſtoria. Dritter Theil. Frankfurt am Main, 1837. Druck und Verlag von J. D. Sauerländer. Von Waſhington Irving. Aus dem Engliſchen. Dritter Theil. Frankfurt am Main, 1837. Druck und Verkag von J. D. Sauerländer. Zweiundvierzigſtes Kapitel. Ausgedehnte Plane.— Aſtor will mit der ruſſiſchen Pelzhan⸗ delsgeſellſchaft in Verbindung treten.— Ein Agent wird nach St. Petersburg geſchickt.— Plan zu einem jährlich abgehen⸗ den Schiffe.— Der Biber wird ausgerüſtet.— Seine Befrach⸗ tung und Bemannung.— Inſtructionen für den Kapitän.— Die Sandwich⸗Inſeln.— Gerüchte von dem Schickſale des Tonquin.— Vorſicht bei der Ankunft an der Mündung des Kolumbia. Nachdem wir die Begebniſſe der zwei Reiſen zur See und zu Land bis an die Mündung des Kolumbia geſchil⸗ dert und den Stand der Dinge zu Aſtoria angedeutet haben, wollen wir einen Augenblick zu dem leitenden Geiſte des Unternehmers zurückkehren, welcher in ſeiner Wohnung zu New⸗York das Thun zu Aſtoria ordnete. Man wird ſich erinnern, daß es zu Aſtor's Plan gehörte, die ruſſiſche Pelzhandels⸗Geſellſchaft an der Nord⸗ weſtküſte regelmäßig mit Vorräthen zu verſorgen, ſo daß ſie von jenen gelegentlichen Schiffen, welche den Handel abſchnitten und die Eingebornen mit Waffen verſahen, unabhängig wäre. Dieſer Plan fand bei unſerer Regie⸗ rung zu Washington Billigung und Unterſtützung, und Graf Pahlen, der ruſſiſche Geſandte an dem Sitze der Regierung zeigte ſich ihm gleichfalls gewogen. Da Aſtor's Ausſichten aber bedeutſam und ausgedehnt waren und möglicherweiſe von umfaſſenden Folgen für den Handel werden konnten, wünſchte er eine vollſtändige Ueberein⸗ kunft über dieſe Angelegenheit mit der ruſſiſch⸗amerikani⸗ ſchen Pelzhandels⸗Geſellſchaft unter Genehmigung der ruſ⸗ ſiſchen Regierung herbeizuführen. Zu dieſem Zwecke ſchickte er im März 1811 einen Agenten, der mit allen Vollmachten zu den erforderlichen Verhandlungen verſehen war, nach St. Petersburg. Die Regierung der Vereinig⸗ ten Staaten ließ dieſem Agenten in dem John Adams, einem ihrer bewaffneten Schiffe, das in einen europäiſchen Hafen beſtimmt war, die Ueberfahrt bewerkſtelligen. Der nächſte Schritt Aſtor's war, das jährliche Schiff, welches in ſeinem Geſammtplan vorgeſehen war, abgehen zu laſſen. Er hatte bis jetzt nichts von dem Erfolge der frühern Expeditionen gehört und mußte in der Voraus⸗ ſetzung handeln, daß Alles ſeinen Vorſchriften gemäß geſchehen ſey. Er ließ demgemäß ein ſchönes Schiff, der Biber genannt, von vierhundert neunzig Tonnen ausrüſten und befrachtete daſſelbe mit einer werthvollen Ladung, welche für die Factorei an der Mündung des Kolumbia und für den Handel die Küſte entlang beſtimmt war und zugleich die neuen Vorräthe für die ruſſiſche Niederlaſſung enthielt. An Bord des Bibers war eine Verſtärkung, beſtehend aus einem Theilhaber, fünf Commis, fünfzehn amerikaniſchen Arbeitern und ſechs kanadiſchen Reiſenden. Als Aſtor ſeine Geſchäftsführer bei der erſten Ausrüſtung wählte, ſah er ſich genöthigt, zu britiſchen Unterthanen, welche in dem kanadiſchen Pelzhandel erfahren waren, ſeine Zuflucht zu nehmen; von nun an war es ſeine Abſicht, wenn möglich ausſchließlich Amerikaner zu wäh⸗ len, um in der Leitung der Geſellſchaft dem amerikani⸗ ſchen Einfluſſe das Uebergewicht zu ſichern und ſie entſchieden national zu machen. Demzufolge ward John Clarke, der Theilhaber, an die Spitze der jetzigen Expedition geſtellt; er war in den Vereinigten Staaten geboren, obgleich er den größten Theil ſeines Lebens in den nordweſtlichen Gebieten zugebracht hatte, da er ſeit ſeinem ſechszehnten Jahre ſich mit dem Pelzhandel beſchäftigte. Die meiſten Commis waren Män⸗ ner von guter Familie in den amerikaniſchen Städten; manche ſchifften ſich in der Hoffnung auf Gewinn ein, andere aus bloßer Sucht nach Abenteuern, die der Jugend oft inne wohnt. Die Inſtructionen, welche Aſtor dem Kommandanten des Bibers, Kapitän Sawle, gab, waren in mancher Hinſicht bedingungsweiſe eine natürliche Folge der Ungewißheit, in welche der bisherige Gang des Unternehmens gehüllt war. Er ſollte an den Sandwich⸗Inſeln anlegen, ſich nach dem Schickſale des Tonquin erkundigen und hören, ob eine Niederlaſſung an der Mündung des Kolumbia gegrün⸗ det worden ſei. Wäre dies, ſo ſollte er ſo viele Sandwich⸗Inſulaner aufnehmen, als ſein Schiff Raum böte, und weiter ſegeln. Bei der Ankunft an der Mün⸗ dung des Kolumbia ſollte er die größte Vorſicht anwenden, denn ſelbſt wenn eine Niederlaſſung gegründet worden, könnte ſie in feindliche Hande gefallen ſeyn. Er ſollte daher gleichſam zufällig oder in Folge der Noth einlaufen, ſich für einen Küſtenfahrer ausgeben und nichts davon ſagen, daß Aſtor der Eigenthümer ſeines Schiffes ſei, bis er ſich verſicherte, daß Alles in Ordnung wäre. In die⸗ ſem Falle ſollte er denjenigen Theil der Ladung an das Land ſetzen, welcher für die Niederlaſſung beſtimmt war und mit den Vorräthen, welche für den ruſſiſchen Handels⸗ poſten zu Neu⸗Archangel verladen waren, an dieſen Platz abgehen, wo er Pelzwerke an Zahlungsſtatt einzunehmen hatte. Mit dieſen ſollte er nach Aſtoria zurückkehren, die dort eingegangenen Pelzwerke an Bord nehmen und, wenn er durch Handel an den Küſten ſeine Ladung vervollſtän⸗ digt, ſeinen Cours nach Canton nehmen. Wie Kapitän Thorn vom Tonquin, wurde auch dem Kommandanten des Bibers große Vorſicht und Behut⸗ ſamkeit in ſeinem Verkehre mit den Eingebornen anem⸗ pfohlen; auch ſollte er nie mehr als einen oder zwei zu gleicher Zeit an Bord ſeines Schiffes laſſen. Am zehnten October 1811 ſegelte der Biber von New⸗York ab und erreichte ohne irgend ein bedeutſames Begebniß die Sandwich⸗Inſeln. Hier kamen den Reiſen⸗ den Gerüchte von dem ungluͤcklichen Schickſale des Tonquin zu Ohren. Jeder an Bord war in äangſtlicher Beſorgniß wegen des Looſes der beiden Expeditionen, der zur See ſo wie der zu Land. Man hegte Zweifel, ob irgend eine Niederlaſſung an der Mündung des Kolumbia gegründet worden und ob Jemand von der Geſellſchaft ſich dort vorfinden würde. Nach langer Erwägung nahm der Kapi⸗ tän zwölf Sandwich⸗Inſulaner für den Dienſt der Facto⸗ rei, wenn eine ſolche beſtände, an Bord und ſetzte ſeine Reiſe fort. Am ſechsten Mai 1812 erreichte er die Mündung des Kolumbia, hielt ſo nahe als möglich an das Land ab und ließ zwei Signalſchüſſe abfeuern. Man hörte keine Ant⸗ wort und nirgends war ein Signal zu entdecken. Da die Nacht einbrach, hielt das Schiff in die See aus, und Aller Nuth ſank, wie das Land ſich ihren Blicken entzog. Am kommenden Morgen näherten ſie ſich dem Ufer wieder auf ungefähr vier Meilen und gaben abermals Signalſchüſſe, aber ſtets ohne Erfolg. Jetzt wurde ein Boot abgeſendet, um das Bett zu lothen und den Eingang zu verſuchen; es kehrte aber unverrichteter Sache zurück, da eine furchtbare Deining*) dort ging und die Brandung zu ungeſtüm war. Am Abend wurden abermals Signalſchüſſe abgefeuert, aber gleich **) Heftige Bewegung der See— häufig gleichbedeutend mit Brandung. Ueberſ. — 10— vergeblich, und das Schiff wandte ſich für die Nacht wieder der offenen See zu. Der Kapitän gab jetzt alle Hoffnung auf, eine Nieder⸗ laſſung an dieſem Orte zu finden, und nährte die düſter⸗ ſten Beſorgniſſe. Er fürchtete, feine Vorgänger ſeien, noch ehe ſie ihren Beſtimmungsort erreicht, ermordet wor⸗ den; oder der Handelspoſten ſei, wenn ein ſolcher je zu Stande gekommen, von den Eingebornen überrumpelt und zerſtört worden. In dieſem Augenblicke des Zweifels und der Unge⸗ wißheit kündigte Clarke ſeinen feſten Entſchluß an, im ſchlimmſten Falle mit der jetzigen Geſellſchaft eine Nieder⸗ laſſung zu begründen, und Alle an Bord machten ſich muthvoll anheiſchig, ihm in dem Unternehmen beizuſtehen. Am nächſten Morgen hielt das Schiff zum dritten Male auf das Land ab und ließ drei Signalſchüſſe hören, aber mit geringer Hoffnung auf eine Antwort. Zur großen Freude der Mannſchaft hörte man beſtimmt drei Schüſſe als Antwort. Aller Beſorgniſſe waren nun beſchwichtigt, nur die des Kapitäns Sawle nicht. Dieſer vorſichtige Kommandant erinnerte ſich der Inſtructionen, die ihm Aſtor gegeben, und beſchloß, mit der größten Vorſicht zu Werke zu gehen. Er war mit der Liſt und Verrätherei der Indianer wohl bekannt. Seiner Bemerkung nach war es nicht unmöglich, daß dieſe Kanonen von den Wilden ſelbſt abgefeuert worden. Sie könnten das Fort überraſcht, ſeine Inſaſſen niedergemacht haben; dieſe Signalſchüſſe — 11— könnten nur der Köder ſein, womit man ihn über die Barre zu locken gedächte, um ihm dann den Weg abſchnei⸗ den zu können und ſich ſeines Schiffes zu bemächtigen. Endlich entdeckte man eine weiße Flagge, welche als Signal auf Cap Disappointment aufgehiſſt ward. Die Reiſenden deuteten triumphirend darauf, aber der Kapitän entſagte ſeinen Zweifeln noch nicht. Ein Signalfeuer flammte die Nacht hindurch an derſelben Stelle empor; aber der Kapitän bemerkte, alle dieſe Zeichen könnten verrätheriſch ſeyn. Am folgenden Morgen— den neunten Mai— legte ſich das Schiff vor Cap Disappointment, außerhalb der Barre, vor Anker. Gegen Mittag ſah man ein indiani⸗ ſches Kanoe auf das Schiff abhalten, und Alles an Bord des Schiffes erhielt Befehl, ſich fertig zu halten. Noch einige Augenblicke und man bemerkte eine Barke, die dem Kanoe folgte. Bei denen an Bord waren Hoff⸗ nung und Furcht in ſtürmiſchem Gedränge, als das Boot ſich näherte, von welchem ſie das Schickſal des Unternehmers und das Loos ihrer Vorgänger erfahren ſollten. Der Kapitän, in welchem der Gedanke an mögliche Verrätherei ſtets wach blieb, ließ ſeine Neugierde nicht Herr über ſeine Vorſicht werden; ſondern befahl einem Theil ſeiner Leute, unter die Waffen zu treten, um den Beſuch zu empfangen. Das Kanoe, in welchem Comcomly — 12— und ſechs Indianer waren, kam zuerſt an die Seite des Schiffes; in der Barke waren M'Dougal, W'Lellan und acht Kanadier. Eine kurze Unterhaltung mit dieſen Herren verſcheuchte alle Beſorgniſſe des Kapitäns, der Biber ging unter ihrem Geleite über die Barre und warf wohlbehalten in der Bakers⸗Bay Anker. Dreiundvierzigſtes Kapitel. Thätiges Leben zu Aſtoria.— Verſchiedene Expeditionen werden ausgerüſtet.— Robert Stuart und ein Geleite nach New⸗York beſtimmt.— Seltſames Benehmen des John Day. — Sein Schickſal.— Räuberpaß und gefährliche Tragſtelle.— Klapperſchlangen.— Ihr Widerwillen gegen Taback.— Ankunft bei den Wallah⸗Wallah's.— Ankauf von Pferden.— Stuart's und ſeiner Schaar Abreiſe nach dem Felſengebirge. Die Ankunft des Bibers mit einer Verſtärkung und neuen Vorräthen gab den Angelegenheiten zu Aſtoria neues Leben, und alles wurde wieder rührig und thätig. Man hatte nun Mittel, den Geſchäftskreis der Niederlaſſung auszudehnen und im Innern des Landes Handelspoſten zu gründen. Zwei Abtheilungen wurden augenblicklich in den Stand geſetzt, auf verſchiedenen Wegen über die Gabeln des Kolumbia zu gehen, um an ſolchen Punkten, wo am meiſten von der Eiferſucht und dem Widerſtande der Nordweſt⸗Compagnie zu fürchten war, Factoreien zu errichten. M'Kenzie und Clarke ſtanden an der Spitze dieſer zwei Züge. Eine dritte Abtheilung, von David Stuart befehligt, ſollte ſich mit friſchen Vorräthen zu der Factorei dieſes Mannes an dem Oakinagan verfügen. Außer dieſen — 11= Expeditionen war noch eine vierte nothwendig, welche Briefe an Aſtor nach New⸗York überbringen ſollte, da die von Reed unglücklicherweiſe verloren gegangen waren. Die ſichere Uebermachung dieſer Briefſchaften war von der höchſten Wichtigkeit, da Aſtor durch ſie Nachricht von dem Zuſtande der Niederlaſſung erhalten und demgemäß ſeine Verſtärkungen und Waarenſendungen einrichten ſollte. Die Sendung war gefahrvoll und mühſam und forderte einen Mann von Kraft und Muth. Sie wurde Robert Stuart übertragen, welcher, obgleich er nie die Gebirge bereiſt hatte und noch ſehr jung war, Beweiſe von ſeiner Befähigung zu dem Unternehmen gegeben hatte. Vier tüchtige und erprobte Männer, welche in Hunt's Geleite über das Felſengebirg gekommen waren, wurden ihm als Führer und Jäger beigegeben. Dieſe waren Ben Jones und John Day, die Kentuckier, und André Vallar und Francis Leclerec, die Kanadier. M'Lellan that abermals ſeinen Entſchluß kund, dieſe Gelegenheit zu benützen, um in die atlantiſchen Staaten zurückzukehren. Gleicher Anſicht war Crooks, der, ungeachtet alles deſſen, was er in dem vorigen Winter auf ſeiner unglücklichen Reiſe gelitten hatte, entſchloſſen war, auf demſelben Wege zurückzukehren und eher allen Mühſelig⸗ keiten und Gefahren zu trotzen, als zu Aſtoria zu bleiben. Dieſe kleine Schaar Abenteurer gedenken wir auf ihren langen und gefährlichen Wanderungen zu begleiten. Die verſchiedenen Abtheilungen, deren wir gedacht — B— haben, brachen am neunundzwanzigſten Juni unter dem Donner der Kanonen des Forts gemeinſchaftlich auf. Sie ſollten, um ſich gegenſeitig zu ſchützen, bis über die Raub⸗ päſſe des Kolumbia beiſammen bleiben und an den Gabeln dieſes Fluſſes ſich trennen und ihren verſchiedenen Beſtim⸗ mungen folgen. Ihre Geſammtzahl belief ſich beinahe auf ſechzig— Theilhaber und Commis, kanadiſche Reiſende, Sandwich⸗Inſulaner und amerikaniſche Jäger. Sie ſchiff⸗ ten ſich auf zwei Booten und zehn Kanoes ein. Sie hatten die Reiſe kaum angetreten, als John Day, der kentuckiſche Jäger, ruhelos und unbehaglich und in ſeinem Benehmen mürriſch und launiſch wurde. Dieſes erregte Staunen, denn er war allgemein wegen ſeines heitern, männlichen Betragen bekannt. Man nahm an, die Erinnerung an vergangenes Ungemach beunruhige ſeinen Geiſt in dem Augenblicke, wo er im Begriffe ſtehe, allen jenen Scenen ſeiner Leiden wieder entgegen zu ziehen. Wie der Zug vorrückte, wuchs ſeine Erregung. Er begann wild und unzuſammenhängend zu ſprechen und man bemerkte unverkennbare Symptome ſeiner Geiſteszerrüttung. Crooks theilte jetzt ſeinen Reiſegefährten mit, auf ſeinen wilden Wanderungen und Irrzügen durch das Snake⸗River⸗Gebiet während dem vergangenen Winter, auf welchem John Day ihn begleitete, ſei des armen Mannes Geiſt durch die Leiden und Schrecken, denen ſie blosgeſtellt geweſen, theilweiſe zerrüttet geweſen und er zweifle, ob derſelbe ſich ſeitdem je wieder vollſtändig erholt — 16— habe. Man hegte immer noch die Hoffnung, dieſe geiſtige Aufregung würde ſich verlieren, wenn man weiter gekom⸗ men; ſie wurde aber immer heftiger und heftiger. Seine Kameraden bemühten ſich, ihn zu zerſtreuen und ſeinen Geiſt mit vernünftigen Dingen z aber nur um ſo erbitterter und überließ ſich wildem, unzuſammenhängendem Faſeln. Der Anblick eines Ein⸗ gebornen brachte ihn zur grenzenloſeſten Wuth, und er über⸗ häufte die Indianer mit den furchtbarſten Schmähungen; ohne Zweifel erinnerte er ſich, was er von indianiſchen Räubern geduldet hatte. Am Abend des zweiten Juli wurde er ganz wahn⸗ ſinnig und verſuchte, ſich das Leben zu nehmen. Als er entwaffnet war, verſank er in Ruhe und gab die größte Reue wegen des Verbrechens, das er beabſichtigte, zu erkennen. Er ſtellte ſich dann, als ſchlief er und ſprang, als er jeden Argwohn eingeſchläfert, vor Anbruch des Tages auf, und ergriff ein Paar geladene Piſtolen, um ſich zwei Kugeln durch den Kopf zu jagen. In ſeiner Eile ſchoß er zu hoch und die Kugeln gingen über ſeinen Kopf weg. Er wurde augenblicklich gebunden und in einem der Boote ſtreng bewacht. 5 Die Frage entſtand nun, was mit ihm anzufangen ſei, denn es war unmöglich, ihn auf die Reiſe mitzuneh⸗ men. Glücklicherweiſe traf Stuart einige Indianer, welche öfter mit Aſtoria Handel trieben. Dieſe übernahmen es, John Day in die gactorei zurück zu begleiten und ihn u beſchäftigen; er wurde — 1— dort wohlbehalten abzuliefern. Nur mit der größten Betrübniß ſahen ſeine Kameraden den armen Mann weg⸗ bringen, denn, abgeſehen von ſeinen unſchätzbaren Dienſten als vollendeter Jäger, hatten ihn ſeine biedern, echt männ⸗ lichen Eigenſchaften zu dem Lieblinge Aller gemacht. Wir dürfen hinzuſetzen, daß die Indianer ihren Auftrag treulich erfüllten und John Day zu ſeinen Freunden nach Aſtoria brachten; die Müheſeligkeiten, welche er erduldete, hatten aber ſeine Geſundheit gänzlich untergraben, und er ſtarb, ehe ein Jahr verging. Am Abend des ſechsten Juli erreichte die Geſellſchaft den Raubpaß des Kolumbia und ſchlug ihr Lager am Fuße der erſten Stromſchnelle auf. Am nächſten Tage wurden vor dem Beginne des Traggeſchäftes die größten Vorſichtsmaßregeln getroffen, um ſich ſowohl gegen heim⸗ lichen Verrath, wie gegen offenen Angriff zu wahren. Jeder brachte ſeine Waffen in Ordnung und füllte ſeine Patrontaſche. Sie trugen ſämmtlich eine Art Ueberrock von Elenn⸗Haut, welcher vom Hals bis zu den Knieen reichte und als ein Panzerhemd dienen konnte, denn es widerſtand nicht nur den Pfeilen, ſondern einer Flinten⸗ kugel, die aus einer Entfernung von neunzig Schritten darauf abgefeuert wurde. So bewaffnet und gerüſtet, ſtellten ſie ſich in militäriſcher Weiſe auf. Die Tragſtelle war drei bis vier Meilen lang; an jedem Ende derſelben ſtellten ſich fünf Offiziere auf; auf den Höhen, welche den Fluß unmittelbar überſchauten, bezog eine Abtheilung der 63.— 65. 2. — 18— Leute in kurzen Entfernungen von einander Wachtpoſten, während die Uebrigen, welche auf dieſe Weiſe gegen Ueber⸗ rumpelung geſichert waren, ſich damit beſchäftigten, die Boote und Kanoes entlang zu ſchleifen und die Waaren an dem engen Rande der Stromſchnellen hinaufzutragen. Dieſe Vorſichtsmaßregeln ſicherten den glücklichſten Erfolg. Der einzige Unfall, welcher ſich ereignete, war das Umſchlagen eines der Kanoes, wodurch einige Waaren⸗ ballen verſanken, andere den Fluß hinabſchwammen. Augenblicklich zeigte ſich die Rüſtigkeit und Raubſucht der Horden, welche an dieſen Fallen wohnen. Mit dem Eifer regelmäßiger Wracker**) ſtürzten ſie ſich auf die ſchwim⸗ menden Waaren. Ein Waarenballen, der an einer Inſel landete, wurde ſogleich auseinandergeriſſen, die eine Hälfte ſeines Inhalts uͤnter den Erbeutern vertheilt und die andere verſtohlen in eine einſame Hütte in einer tiefen Schlucht gebracht. Robert Stuart brach aber mit fünf Mann und einem Dolmetſcher in einem Kanoe auf, verfolgte die Plünderer bei ihrem Rückzuge und war ſo glücklich, ihre Beute ihnen zu entreißen. Die Vorſi chtsmaßregeln, welche man hier anwendete, wurden in noch höherm Grade geltend gemacht, als man an den langen Engen und an den Fällen vorüber kam, wo die Räubereien der Ritterſchaft von Wish⸗ram und *½) Bewohner der Meeresküſten, welche geſtrandete Schiffe plündern. Ueberſ. — 19— ſeiner freibeuteriſchen Umgebung zu fürchten waren. Wirk⸗ lich hatten ſie einſt Nachts kaum die erſten Wachtpoſten ausgeſtellt, ſo wurde auch der Lärmruf„Indianer!“ gehört. „Zu den Waffen!“ hieß es, und in einem Augen⸗ blicke war jeder auf ſeinem Poſten. Die Urſache des Lärms erklärte ſich alsbald. Eine Kriegerſchaar der Scho⸗ ſchonies hatte grade unter dem Lager ein Kanoe der Ein⸗ gebornen überfallen, vier Männer und zwei Frauen getödtet, und man fürchtete, ſie würden das Lager angreifen. Die Boote und Kanoes wurden ſogleich herbei gebracht, ein Bollwerk damit und mit den Waarenballen gemacht, das drei Seiten eines Vierecks einnahm, während ſie den Fluß im Rücken hatten; ſo blieb die Geſellſchaft die Nacht hindurch verſchanzt. 4 Die Morgendämmerung verſcheuchte jedoch alle Beſorg⸗ niſſe; das Traggeſchäft wurde friedlich abgethan, und die vagabundirenden Krieger der Umgegend, welche ſich wäh⸗ rend der Arbeit da und dort zeigten, wurden in einer anſtändigen Entfernung gehalten. Lüſternen Auges ſahen ſie auf die Waarenlaſten; da ſie aber die„ Langbärt“ in ſo furchtbarer Anzahl und zum Kampfe ſo gut gerüſtet ſahen, machten ſie keinen Verſuch, ihren gewöhnlichen Zoll durch offene Gewalt oder ſchlaue Dieberei zu erheben, ſondern verhielten ſich ruhig und wurden hernach wegen ihres guten Benehmens mit Geſchenken von Taback belohnt. 2* — 20— Fünfzehn Tage hatten ſie gebraucht, um von dem Fuße der erſten Stromſchnelle bis über die Fälle zu kom⸗ men— eine Strecke von ungefähr achtzig Meilen, auf welcher ſich jedoch alle Arten Hinderniſſe häuften. Als ſie dieſe beſchwerlichen Tragſtellen glücklich hinter ſich hat⸗ ken, erreichte die Geſellſchaft am neunzehnten Juli einen ruhigern Theil des Fluſſes und verfolgte ihren Weg den Fluß hinauf mit mehr Eile und Leichtigkeit. Sie waren jetzt in der Gegend, wo Crooks und John Day vor wenigen Monaten auf ſo verrätheriſche Weiſe beraubt und geplündert worden waren, als ſie der ange⸗ botenen Gaſtfreiheit einer Gaunerhorde vertrauten. Daher wurde, als man Abends landete, das Lager mit einer ſtrengen Wache umgeben. Am nächſten Morgen erſchien ein Haufe Indianer und umſchwärmte, lüſtern nach Raub, die Geſellſchaft, die beim Frühſtücke ſaß. Zu ſeiner großen Freude erkannte Crooks unter ihnen zwei von den Gaunern, welche ihn ausgeplündert hatten. Sie wurden augenblicklich ergriffen, an Haͤnden und Füßen gebunden und in eines der Kanoes geworfen. Sie lagen hier in furchtbarer Angſt, eines ſchnellen Urtheils gewärtig. Crooks war aber nicht rachſüchtigen Charakters und bewil⸗ ligte den Frevlern die Freiheit, ſobald ſie alles, was ſie geraubt, herbeigeſchafft hätten. Mehrere Wilde eilten ſofort in verſchiedenen Richtungen davon, und noch vor Nacht wurden die Büchſen Crooks und John Day's her⸗ — 21— beigebracht; manche der kleinern Gegenſtände jedoch, welche ſie geſtohlen hatten, konnten nicht wieder erhalten werden. Man löſte jetzt die Bande der Verbrecher, die, noch unter dem Einfluſſe der niedrigſten Furcht, keine Zeit verloren, ſich davon zu machen und kaum ihren Sinnen trauten, daß ſie der verdienten Strafe für ihre Schurkerei entgangen. Die Gegend auf beiden Seiten des Fluſſes begann jetzt einen andern Charakter anzunehmen. Die Hügel, die Klippen, die Wälder verſchwanden; große Sandebenen, kaum da und dort mit kurzen Grasbüſchen bedeckt, erſtreck⸗ ten ſich weit nach Süden und nach Norden. Der Fluß war zuweilen durch Felſen und Stromſchnellen unter⸗ brochen, öfter aber fanden ſich ruhige ebene Strecken, wo die Fluth ſanft dahin gleitete und die Bootsleute im Stande waren, ſich durch Hülfe der Segel die Arbeit zu erleichtern. Die Eingebornen, welche dieſen Theil des Fluſſes bewohnten, hatten lediglich die nördliche Seite inne. Sie waren Jäger und Fiſcher und hatten Pferde in Ueberfluß. Die Geſellſchaft kaufte einige derſelben, um Vorräthe zu haben, ſchlachtete ſie auf der Stelle, obgleich ſie zuweilen Schwierigkeiten fand, ſich Feuerung zu verſchaffen, um das Fleiſch zu bereiten. Eine der größten Gefahren, welche die Reiſenden auf dieſem Theile ihres Zugs bedrohte, war die große Menge von Klapperſchlangen, welche die Felſen und Trag⸗ ſtellen unſicher machten, und auf welche die Leute zu treten 22 in Gefahr waren. Auch um die Lagerplätze fand man ſie oft haufenweiſe. Einmal ſah man einen Knäul derſel⸗ ben zuſammengeſchmiegt und ſich in der Sonne gütlich thuend. Man ſchoß mit Schrot nach ihnen und tödtete und verwundete ſiebenunddreihig. Um jeden unwillkom⸗ menen Beſuch dieſer Thiere zur Nachtzeit zu verhüten, ſtreute man Taback um die Zelte, ein Kraut, vor welchem ſie einen eigenthümlichen Widerwillen haben. Am achtundzwanzigſten Juli kamen unſere Reiſenden an die Mündung des Wallah⸗Wallah, eines ſchönen, klaren Fluſſes, gegen ſechs Fuß tief und fünfundfünfzig Schritte breit; er fließt raſch über ein Bett von Sand und Kies und ſtürzt ſich, wenige Meilen unter dem Lewis⸗River, in den Kolumbia. Hier ſollten ſich die Abtheilungen, welche bis hierher mit einander gezogen, trennen, und jede ihrer beſondern Beſtimmung folgen. 3 An den Ufern des Wallah⸗Wallah wohnte der gaſt⸗ freie Stamm gleiches Namens, welcher Crooks und John Day in der Zeit ihrer Noth ſo edel beigeſtanden. Sobald ſie von der Ankunft der Geſellſchaft hörten, eilten ſie⸗ herbei, ſie zu begrüßen. Sie zündeten ein großes Freu⸗ denfeuer an dem Ufer des Fluſſes an und tanzten um daſſelbe. Die Wallah⸗Wallah's ſind ein Reiterſtamm. Ihr Pferdgeſchirr iſt roh und unzweckmäßig. Hohe Sättel, aus Rehfell plump gearbeitet, mit Haaren ausgeſtopft, welche die Haut des Thieres wund reiben und roh laſſen; — 23— hölzerne Steigbügel und einen Gürtel von rohem Leder, um ſie geſchlungen; als Zügel Stricke von geflochtenem Pferdehaar, welches ſie um die untere Kinnlade befeſti⸗ gen. Wie die meiſten Indianer ſind ſie kühne, aber rück⸗ ſichtsloſe Reiter, und wenn ſie zu Pferde ſind, galoppiren ſie über die gefahrlichſten Stellen weg, ohne Furcht für ſich und ohne Mitleid für ihre Roſſe.** Von dieſen Leuten kaufte Stuart zwanzig Pferde für ſein Geleite, welche theils zum Reiten, theils zum Trans⸗ port des Gepäckes dienen ſollten. Er hatte das Glück, zu ſeinem eigenen Gebrauche ein edles Thier zu erwerben, welches die Indianer wegen ſeiner Flüchtigkeit und Kraft lobten, und für das ein hoher Preis gefordert wurde. Kein Volk iſt mit dem Werthe der Pferde beſſer bekannt, als dieſe berittenen Stämme; und nirgends iſt Raſchheit ein nothwendigeres Erforderniß, da ſie ſich häufig mit der Jagd der Antilope, des raſcheſten aller Thiere, beſchäftigen Selbſt nachdem der Indianer, welcher Stuart das geprie⸗ ſene Pferd verkauft, den Handel abgeſchloſſen hatte, zögerte und zauderte er bei dem Thiere, ſchien ſich ungern von ihm zu trennen und zu bereuen, was er gethan hatte. Einen oder zwei Tage brauchte Stuart, um das Gepäck und die Packſättel in Ordnung zu bringen und andere Vorbereitungen zu ſeiner langen, beſchwerlichen Reiſe zu treffen. Nach dem Verluſte John Day's beſtand ſein Geleite aus ſechs Mann— eine kleine Zahl für eine ſolche Reiſe; es waren aber ſämmtlich junge Männer, — 224— voller Muth, Geſundheit und Frohſinn, und eher geneigt, die Gefahr herauszufordern als vor ihr zu bangen. Am Morgen des einunddreißigſten Juli waren alle Vorbereitungen getroffen, Stuart und ſeine Gefährten beſtiegen ihre Roſſe und nahmen von ihren Freunden und Kameraden Abſchied, die ihnen ein dreifaches herzliches Hurrah zuriefen, als ſie ihre gefährliche Reiſe antraten. Sie nahmen eine ſüdöſtliche Richtung, dem wilden Gebiete des Snake⸗River entgegen. In einer unermeßlichen Entfernung erhob ſich eine Kette zerriſſener Berge, über welche ihr Weg führte; es waren die Berge, in welchen die Reiſenden während des vorigen Winters ſo viel von der Kälte erduldet hatten, und die von ihren Azurtinten, wenn man ſie aus der Ferne ſah, den Namen„die blauen Berge“ erhalten hatten. Vierundvierzigſtes Kapitel. Stuart's Weg.— Oede Wildniß.— Durſtvolles Reiſen.— Ein Wäldchen und ein Bächlein.— Die blauen Berge.— Eine fruchtbare Ebene mit Bächen.— Schwefelquelle.— Reiſe den Snake⸗River entlang.— Gerüchte von weißen Männern.— Der Schlangen⸗Indianer und ſein Pferd.— Ein Schlangen⸗ führer.— Ein mitternächtiger Aufbruch.— Unerwartetes Zuſammentreffen mit alten Kameraden.— Geſchichte von Trapper⸗Müheſeligkeiten.— Salmen.— Fülle.— Eine große Fiſcherei.— Art, den Lachs zu ſpießen.— Ankunft am Caldron⸗ Linn.— Zuſtand der Verſtecke.— Neuer Entſchluß der drei kentuckiſchen Trapper. Indem Stuart den Weg wieder einſchlug, welcher während des vergangenen Winters für Hunt's Geſellſchaft ſo unglücklich geweſen war, hoffte er, er werde in der jetzigen günſtigen Jahreszeit das Fortkommen leicht und Lebensmittel in Ueberfluß finden. In dieſen großen Wild⸗ niſſen und Oedungen hat aber jede Jahreszeit ihre eigen⸗ thümlichen Beſchwerden. Die Reiſenden waren noch nicht weit gekommen, ſo ſahen ſie ſich von nackten, kahlen Höhen umgeben, und der aus Sand und Lehm beſtehende Boden war ſo hart und ſpröde, daß es den Anſchein hatte, als ſei er nie von dem Thaue des Himmels heimgeſucht worden. — 26— Keine Quelle, kein Bach, kein Teich war zu ſehen; die ſonnenverbrannte Gegend war von trocknen Schluchten, den Betten von Winterbächen, welche nur da waren, um die Hoffnungen der Menſchen und Thiere mit dem Anblick ſandiger Rinnen, in welchen das Waſſer ſich einſt in Strömen ergoſſen hatte, zu täuſchen, geſpalten und auf⸗ geriſſen. Einen langen Sommertag ſetzten ſie, ohne anzuhalten, ihre Reiſe fort, einen brennenden Himmel über ihren Häuptern, eine ausgedörrte Wüſte unter ihren Füßen, und grade Wind genug, um den leichten Sand der Hügel aufzujagen und ſie in erſtickende Wolken zu hüllen. Die Qualen des Durſtes wurden unſäglich; ein ſchöner junger Hund, ihr einziger Gefährte dieſer Gattung, ſtürzte nieder und ſtarb. Der Ahend kam heran, ohne eine Ausſicht auf Hülfe, und ſie waren der Verzweiflung nahe, als ſie in der Ferne etwas entdeckten, das ſich wie ein Waldſaum den Horizont entlang zog. Neue Hoffnung begeiſterte die Reiſenden, denn ſie wußten, daß es auf dieſen nackten Oeden in der Nähe von Bäumen ſtets Waſſer gibt. Nun beſchleunigten ſie ihre Schritte; die Pferde ſchie⸗ nen ihre Beweggründe zu begreifen und ihre Erwartungen zu theilen, denn, obgleich ſie vorher faſt ſanken, bedurfte es jetzt weder der Peitſche noch des Sporens, um ſie anzutreiben. Aller Anſtrengungen ungeachtet war es aber doch ſchon ſpät am Abend, als ſie ſich den Bäumen —- 27— näherten. Wie ſie herankamen, hörten ſie mit Entzücken das Murmeln eines ſeichten Baches. Sobald der erquik⸗ kende Ton an die Ohren der Pferde ſchlug, ſogen die armen Thiere die Luft ein, brachen mit nicht zu meiſtern⸗ der Gier vorwärts, ſtreckten die Mäuler in das Waſſer und tranken bis ſie zu berſten drohten. Ihre Reiter zeig⸗ ten nur wenig mehr Vorſicht und ſie ſetzten wiederholt an, um ihren unmäßigen Durſt zu ſtillen. Sie hatten an dieſem ermüdenden Tage fünf und vierzig Meilen über einen Landſtrich zurückgelegt, der an Nacktheit und Oede mit den Wüſten Afrika's wetteifern konnte. In der That, die Beſchwerden der Reiſenden auf dieſen amerikaniſchen Oeden ſind häufig größer und herber, als die der afrika⸗ niſchen und aſiatiſchen Wüſten, weil man weniger daran gewöhnt und darauf vorbereitet iſt, es mit ihnen aufzu⸗ nehmen. An dem ufer dieſes ſegenreichen Baches ſchlugen die Reiſenden das Lager für die Nacht auf; und ſo groß war ihre Ermüdung, und ſo geſund und ſüß ihr Schlaf, daß ſie erſt ſpat am nächſten Morgen erwachten. Sie ſahen nun, daß der kleine Bach der Umatalla war,— derſelbe, an deſſen Ufer Hunt und ſeine Gefährten angekommen waren, nachdem ſie ſich mühſam durch die blauen Berge hindurchgearbeitet, und wo ſie in dem freundlichen Lager der Sciatogas ſo willkommenen Beiſtand gefunden hatten. Die Kette der blauen Berge dehnte ſich jetzt in der Ent⸗ fernung vor ihnen aus; in dieſem Gebirg war der arme Michel Carriere verunglückt. Sie bildet die ſüd⸗öſtliche Grenze der großen Ebenen den Kolumbia entlang, und ſcheidet die Gewäſſer ſeines Hauptſtroms von denen des Lewis⸗Fluſſes. Sie iſt ein Theil eines langen Gebirgs⸗ zugs, welcher ſich über eine große Strecke des Landes hindehnt und die Snake⸗River⸗Berge in ſeine Glieder mit⸗ einſchließt. Der Tag war bereits etwas vorgerückt, als die Rei⸗ ſenden die ſchattigen ufer des Umatalla verließen. Ihr Weg führte ſie allmählig in die blauen Berge ein, deren Ausſehen, als ſie ihnen näher kamen, immer wilder und zerriſſener wurde. Sie waren da und dort mit dichten, ſchwarzen Wäldern bedeckt, und von tiefen, ſteilen Schluch⸗ ten durchbrochen, die das Reiſen für die Pferde ſehr müh⸗ ſam machten. Manchmal mußten die Reiſenden dem Laufe irgend eines durch ein zerriſſenes Felſenbett dahin⸗ brauſenden Baches folgen, wo die hervortretenden Klippen unnd Bergvorſprünge ſie zwangen, häufig von einem Ufer auf das andere überzuſetzen. Einige Meilen arbeiteten ſie ſich durch dieſe wilden, ſchwarz bewaldeten Engpäſſe fort, als ſich plötzlich, wie durch Zauberei, die ganze Landſchaft änderte. Aus den rauhen Gebirgsſcheiden und den wilden Schluchten wurden ſchöne Hügel, an deren Fuß ſich grüne Matten hinzogen; durch die friſchen Kräuter wanden ſich muntere Bächlein, die funkelnd über ihr Sandbett dahin murmelten. Das Ganze bildete eine grüne idylliſche Scene, welche dadurch neue Reize erhielt, daß ſie in — 25— dem Buſen einer ſo wilden und rauhen Gegend einge⸗ ſchloſſen lag. Aus der Kette der blauen Berge tretend, ſtiegen ſie in eine ausgedehnte, faſt ganz wagerechte Ebene, die ſechs⸗ zig Meilen im Umfange und vortrefflichen Boden hatte, durch welche ſich ſchöne Bäche in jeder Richtung dahin⸗ ſchlängelten, deren Lauf in der weiten Landſchaft durch die Schlangenlinien von Pappeln*) und Weiden bezeichnet wurde, welche ihre Ufer einfaßten; eine Menge Biber und Ottern hatten hier ihren Aufenthalt. Als ſie dieſe Ebene durchſchnitten, kamen ſie, nahe an dem Saume der Hügel, zu einem großen, dreihundert Schritt im Umfange haltenden Waſſerteich mit einer Schwefelquelle, welche, gegen zehn Fuß im Durchmeſſer breit, an einem Ende deſſelben aufkochte. Der Dunſt, welcher aus dieſem Teiche aufſtieg, war ſehr widerlich und tränkte die Luft bis auf eine beträchtliche Entfernung hin Der Ort war ein Lieblingsaufenthalt der Elenn, die ſie auf den angrenzenden Bergen in großer Anzahl vorfanden; ihre Geweihe, die ſie im Frühling abgeworfen, waren nach allen Seiten um den Teich zerſtreut. Am zwanzigſten Auguſt erreichten ſie das Hauptwaſſer des Woodpile⸗(Holzhaufen⸗ Flüßchens, an welchem Hunt im vorigen Jahre, nach ſeiner Trennung von Crooks, hin⸗ aufgegangen war. **⁴) Der ſogenannte Baumwollen⸗Baum. Ueberſ. Geſichte. — 20.— An den ufern dieſes Waſſers ſahen ſie eine Heerde von neunzehn Antilopen— ein in dieſem Theile des Landes ſo ungewöhnlicher Anblick, daß ſie anfangs nicht wußten, ob ſie ihren Augen trauen ſollten. Sie verſuchten es auf alle mögliche Weiſe, ſich ihnen auf Schußweite zu nähern; die Thiere waren aber zu ſcheu und flüchtig; ſie flahen eine Strecke wie der Wind dahin, ſtanden dann wieder ſtill, um mit einer launenhaften Neugier nach dem Jäger umzuſchauen, und verloren ſich zuletzt aus dem Am einundzwanzigſten Auguſt kamen unſere Rei⸗ ſenden an die Ufer des Snake⸗River, für Alle aus der Geſellſchaft, Stuart ausgenommen, der Schauplatz ſo vie⸗ ler Leiden und Unfälle. Sie trafen grade an der Stelle auf den Fluß, wo er in die Gebirge eintritt, durch welche David Stuart und Crooks ſich vergeblich bemüht hatten, einen Weg zu finden. Der Fluß war hier ein reißendes Waſſer, vier hundert Schritte breit, die Ufer ſandig, ſehr hoch und da und dort mit ſpärlichem Weidenwuchs beklei⸗ det. Sie hielten ſich jetzt auf der Südſeite des Fluſſes, da ſie beabſichtigten, die Verſtecke(caches), welche Hunt am Caldron Linn gemacht hatte, zu beſuchen. Am zweiten Abend beſuchte ein einſamer Schlangen⸗ Indianer ſpät noch ihr Lager und benachrichtigte ſie, ein weißer Mann wohne in einem der Lager ſeines Stammes, ungefähr eine Tagereiſe weiter am Fluſſe hinauf. Man ſchloß augenblicklich, es müſſe einer der armen Burſche — 31— aus Hunt's Geleite ſeyn, welche auf der unglücklichen Reiſe des letzten Winters, durch Ermüdung und Hunger erſchöpft, liegen geblieben waren. Alle Anweſenden, welche ihren Theil an den Leiden jener Reiſe getragen hatten, wetteiferten nun, auf ſchnelle Fortſetzung zu dringen, und einem verloren geglaubten Kameraden Hülfe zu bringen. Mit ungewöhnlicher Leb⸗ haftigkeit wurde daher beim Anbruch des nächſten Tages die Reiſe angetreten; ſie reiſten jedoch zwei Tage lang, ohne im Stande zu ſeyn, von einem ſolchen Nachzügler die geringſte Spur zu finden. Am Abend bes zweiten Tages kamen ſie zu einer Stelle, wo ein ſtarkes Waſſer ſich von Oſten herzog; daſ⸗ ſelbe war bei allen wandernden Horden der Snake⸗Nation wegen ſeiner Lachsfiſcherei berühmt, da dieſer Fiſch in der Umgegend in unglaublicher Menge gefangen wird. Von nah und fern verſammeln ſich daher in der Frühlingszeit die Schlangen⸗Indianer hier, um ihren Bedarf an Lachs einzulegen, welcher nebſt eßbaren Wurzeln, die Hauptnah⸗ rung der Bewohner dieſer öden Gebiete abgibt. An dem ufer eines kleinen Baches, welcher ſich hier in den Snake⸗River ergießt, fand Stuart ein Lager der Schoſchonier. Auch bei ihnen ſtellte er Nachfragen nach dem weißen Manne an, von welchem er Nachricht erhalten hatte. Unter ihnen lebte kein ſolcher Mann; ſie ſagten aber aus, in einem Dorfe ihres Stammes an dem andern uUfer des Fluſſes wohnten weiße Männer. Dieſe Nachricht —-— b 3 b war noch erfreulicher. Crooks hoffte nun, es ſeien die Männer aus ſeinem Geleite, welche, durch Gefahren und Mißheſeligkeiten muthlos gemacht, es vorgezogen hatten, bei den Indianern zu bleiben. Andere glaubten, es ſeien Miller und die Jager, welche die Geſellſchaft auf Henry's Fort verlaſſen hatten, um an den Gebirgswaſſern zu trap⸗ pen. Stuart machte daher in der Nähe der Schoſchonie⸗ hütten Halt und ſchickte einen Indianer üher den Fluß, um die fraglichen weißen Männer zu ſuchen und ſie in ſein Lager zu führen. Die Reiſenden brachten eine ruheloſe, traurige Nacht hin. Der Platz ſchwärmte von Myriaden Mosquitos, welche mit ihrem trompetenartigen Summen und ihren *Stichen allen Schlaf verſcheuchten. Das Morgengrauen fand ſie in fieberiſcher, reizbarer Laune, und ihr Spleen wurde vollkommen erregt, als der Indianer ohne irgend eine Nachricht von den weißen Mannern zurückkehrte. Sie glaubten ſich jetzt durch indianiſche Lügen hinter⸗ gangen und wollten kein Vertrauen mehr auf Schlangen ſetzen. Sie vergaßen aber dieſen Entſchluß ſehr bald. Im Laufe des Morgens kam ein Indianer hinter ihnen her galoppirt; Stuart wartete auf ihn. Sobald er herange⸗ kommen war, ſtieg er ab und ſchlang ſeine Arme um Stuart's Pferd, und begann das Thier zu küſſen und zu liebkoſen, welches ſeinerſeits keineswegs erſtaunt oder unzufrieden ſchien, der Gegenſtand ſolcher Zaͤrtlichkeit geworden zu ſeyn. Stuart, der ſein Pferd ſehr hoch hielt, — 33— fand dieſe leidenſchaftlichen Ausbrüche der Liebe zuletzt langweilig und erfuhr nun den Zuſammenhang der Sache. Der Snake ſagte, das Pferd habe ihm gehört und ſei bas beſte geweſen, das er gehabt habe, und die Wallah⸗Wal⸗ lahs hätten es ihm geſtohlen. Stuart war weder erfreut über dieſes Wiedererkennen ſeines Roſſes, noch geneigt, Anſprüchen von Seiten ſeines alten Beſitzers Gehör zu geben. Es war in der That ein edles Thier, bewunderns⸗ würdig gebaut, freien, ſtolzen Geiſtes, anmuthig in jeder Bewegung und flüchtig wie eine Antilope. Es war ſeine Abſicht, das Thier, wenn möglich, mit nach New⸗York zu nehmen und Aſtor ein Geſchenk damit zu machen. Mittlerweile kamen einige aus der Geſellſchaft herzu zund erkannten in dem Snake ſogleich einen alten Freund und Bekannten. Wirklich war er einer der zwei Führer, welche Hunt's Geleite im vorigen Herbſte über das Mad⸗ River⸗Gebirg nach Fort Henry geführt hatten, und die dann mit Miller und ſeinen Trapp⸗Genoſſen abgegangen waren, um ihnen einen guten Trappgrund anzugeben. Der Leſer wird ſich erinnern, daß dieſen zwei betrauten Schlan⸗ gen⸗Indianern von Hunt aufgetragen worden war, nach Fort Henry zurückzukehren und für die Pferde zu ſorgen, welche die Geſellſchaft dort zu laſſen beabſichtigte, als ſie ſich in Kanoes einſchiffte. 8 Die Geſellſchaft ſammelte ſich jetzt um den Snake und begann, ihn eifrig mit Fragen zu drängen. Seine Antworten waren etwas unbeſtimmt und konnten nur 63.— 65. 3 * — 34— theilweiſe verſtanden werden. Er brachte eine lange Geſchichte von den Pferden vor, aus der hervorging, daß ſie von verſchiedenen wandernden Horden geſtohlen und nach allen Richtungen entführt worden. Auch das„cache⸗ ſei geplündert und die Sättel und anderes Geräthe mit⸗ genommen worden. Die Nachrichten, welche er von Miller und ſeinen Gefährten gab, waren nicht befriedigen⸗ der. Sie hatten eine Zeitlang an den obern Waſſern getrappt, waren aber in die Hände einer Diebesbande von Krähen gefallen, welche ſie ihrer Pferde, Waffen und aller ihrer Habe beraubten. Ferneres Nachfragen brachte fernere Nachrichten zum Vorſchein; ſie waren aber Alle unglücklicher Art. Vor ungefähr zehn Tagen war er mit drei andern weißen Männern zuſammengetroffen, welche in einem erbärm⸗ lichen Zuſtande waren; Jeder hatte ein Pferd und Alle zuſammen nur Eine Büchſe. Auch dieſe waren von den Kraͤhen, dieſen Allerweltsfreibeutern, geplündert und miß⸗ handelt worden. Der Snake bemühte ſich, die Namen dieſer drei Männer auszuſprechen, und ſo weit ſeine frei⸗ lich ſehr unvollkommenen Töne gedeutet werden konnten, vermuthete man, es ſeien drei jener Geſellſchaft von Jägern, welche am acht und zwanzigſten September von Hunt's Zuge abgingen, um an den Quell⸗Waſſern des Kolumbia Biber zu trappen. Es waren ihrer vier: nem⸗ lich Carſon, St. Michael, Detayé und Delaunay. Während der Ünterhaltung erfuhren ſie von dem — 85— Indianer, der Weg, auf welchem Hunt und ſeine Geſell⸗ ſchaft über das Felſengebirg gegangen, ſei ſehr ſchlecht und führe weit um; er ſelbſt kenne einen weit kürzern und bequemern. Stuart drang in ihn, ſie als Führer zu begleiten, und verſprach ihm als Lohn ein Piſtol mit Pul⸗ ver und Kugeln, eine Pfrieme, blaue Glasperlen, ein Blanket und einen Spiegel, Ein ſolches Regiſter von Schätzen war zu lockend, um ihm widerſtehen zu können; überdies ſeufzte der arme Snake nach den Prairien; er war, wie er ſagte, des Lachſes müde und ſehnte ſich nach Büffelfleiſch und nach einer großen Büffeljagd jenſeits der Berge. Er nahm daher in aller Eile Abſchied, um ſeine Waffen und, was er zur Reiſe brauchte, zu holen und verſprach, am nächſten Tage zu der Geſellſchaft zu ſtoßen. Er hielt ſein Wort, und da er Stuart kein ferneres Wort wegen ſeines Lieblingspferdes ſagte, ſetzten ſie in aller Eintracht ihre Reiſe fort; dann und wann warf aber doch der Snake einen ſehnſüchtigen Blick auf das Roß, das ehedem ſein geweſen. Sie waren nicht weit gekommen, als ſie den Fluß einen großen umweg machen ſahen. Der Snake ſagte ihnen, wenn ſie über die Hügel gingen, könnten ſie viele Meilen Wegs abſchneiden. Der Weg über dieſelben ſei aber eine ſtarke Tagereiſe. Er rieth ihnen daher, hier ihr Nachtlager aufzuſchlagen und früh am Morgen auf⸗ 3* + 36— zubrechen. Sie folgten ſeinem Rathe, obgleich ſie dieſen Tag nur neun Meilen zurückgelegt hatten. Am folgenden Morgen machten ſie ſich frühe auf, um uüber die Höhen zu gehen. Bei der Muſterung der klei⸗ nen Geſellſchaft wurde der Führer vermißt. Man glaubte, er ſei irgendwo in der Nachbarſchaft, und fuhr fort, die Pferde herbei zu führen. Stuart's geprieſenes Roß war nirgends zu finden. Ein Argwohn fuhr ihm durch den Sinn. Man ſah ſich nach dem Pferde des Snake um — es war gleichfalls verſchwunden— man fand die Spu⸗ ren der beiden Pferde— ſie führten, eine hinter der andern, abſeits vom Lager. Es ſchien, als wenn das eine Pferd geritten, das andere geführt worden wäre. Man ‚folgte der Spur einige Meilen jenſeits des Lagers, bis dahin, wo der Indianer über den Fluß gegangen war. Es war augenſcheinlich, daß er ſich einer indianiſchen Weiſe, zu ſeinem Pferde zu kommen, bedient hatte, indem er ſich heimlich, zur Nachtzeit, mit demſelben davon ſtahl. Nun wurden neue Betheuerungen gemacht, nie wieder Snakes oder irgend einem Indianer zu vertrauen. Auch wurde beſchloſſen, fortan die Pferde auf das ſtrengſte zu bewachen; die Nacht wurde in drei Wachen getheilt und Einer aus der Geſellſchaft ſollte ſtets Wache halten. Fer⸗ ner kamen ſie überein, ſich den Fluß entlang zu halten, ſtatt den kürzern Weg zu nehmen, welchen der flüchtige Snake empfohlen hatte, den ſie nun für einen Erzgauner und Betrüger anſahen. Die Hitze des Wetters war — 37— niederdrückend und die Stiche der Prairie⸗Schnaken mach⸗ ten die Pferde manchmal ganz wüthend. Die Näͤchte waren erſtickend, und es war, wegen der Schwärme von Mus⸗ quitos, faſt unmöglich zu ſchlafen. Am zwanzigſten Auguſt ſetzten ſie ihren Marſch wie⸗ der fort und hielten ſich die Prairie entlang, in grader Linie mit dem Fluſſe. Der Tag war ſchwül und einige der Leute, welche der Durſt quälte, verließen die Marſch⸗ linie und kletterten an das Ufer des Fluſſes nieder, um zu trinken. Das Ufer war mit Weiden überhangen, an denen ſie, zu ihrem Erſtaunen, einen Mann fiſchen ſahen. Er ward ſie kaum anſichtig, als er einen Freuderuf ausſtieß. Es war John Hoback, einer ihrer verlornen Kameraden. Sie hatten kaum Gruß und Willkomm ausgetauſcht, als drei andere Männer aus dem Weidengebüſche hervor⸗ traten. Es waren Joſeph Miller, Jakob Rixner, und Robinſon, der ſcalpirte Kentuckier, der Veteran aus dem „blutigen Lande.“ Der Leſer erinnert ſich vielleicht noch der kurzen und eigenwilligen Weiſe, mit welcher Miller auf ſeine Theil⸗ haberſchaft an der Geſellſchaft verzichtete und in Geſell⸗ ſchaft dieſer drei Trapper, und eines Vierten, Namens Caſſ, Fort Henry verließ. Gleicherweiſe dürfte er in Robinſon, Rixner und Hoback das Trio kentuckiſcher Jäger erkennen, welche urſprünglich in Henry's Dienſte geſtan⸗ den, und welche Hunt auf dem Miſſouri, der Heimath entgegen ziehend, gefunden und ſie vermocht hatte, noch —ÿÿ — 38— einmal die Reiſe über das Gebirg zu machen. Das abge⸗ hagerte Ausſehen und die entblößte Lage dieſer Männer bewies, wie viel ſie gelitten hatten. Nachdem ſie von Hunt's Geleite geſchieden, g gingen ſie ungefähr zweihundert Meilen in ſüdlicher Richtung, wo ſie Biber an einem Fluſſe trappten, welcher, ihrem Berichte zufolge, ſürlich von dem Kolumbia in das Meer ausmün⸗ dete, welcher aber, wie wir vermuthen, der Bear⸗River (Bärenfluß) iſt, ein Fluß, der ſich in den Bonneville⸗See ſtürzt, ein ausgedehntes Salzwaſſer⸗Becken, weſtlich von dem Felſengebirge. Nachdem ſie eine bedeutende Menge Biberfelle geſam⸗ melt hatten, packten ſie dieſelben zuſammen, beluden ihre Pferde damit und zogen zweihundert Meilen öſtlich. Hier kamen ſie zu einem Lager von ſechszig Zelten der Arapa⸗ hays, eine geächtete Horde der Arapahoes und berüchtigte Rauber. Sie waren froh, mit dem Leben davon gekom⸗ men und nicht ganz ausgezogen worden zu ſeyn. Nach⸗ dem ſie gegen fünfzig Meilen weiter gezogen waren, mach⸗ ten ſie für den Winter Halt. Mit dem Anfange des Frühlings ſetzten ſie ihre Irr⸗ fahrt fort, wurden aber unglücklicherweiſe von derſelben gaunerhaften Horde eingeholt, welche noch weitere Kon⸗ tributionen erhob und ihnen alle übrigen Pferde, zwei ausgenommen, wegnahm. Mit dieſen reiſten ſie, den größten Müheſeligkeiten hingegeben, weiter. Sie hat⸗ ten noch Büchſen und Munition, waren aber in einer — 30— oͤden Gegend, wo weder ein Vogel, noch ein vierfüſ⸗ ſiges Thier zu ſehen war. Sie hatten keine andere Wahl, als ſich den Fluſſen entlang zu halten und vom Fiſchfang ihr Leben zu friſten; zuweilen waren aber keine Fiſche zu finden, und dann waren ihre Leiden ſchrecklich. Eines ihrer Pferde wurde auf den Gebirgen von den Schlangen⸗Indianern geſtohlen; das andere, ſagten ſie, brachte Caſſ weg, welcher ſie, ihrem Berichte zufolge, „in ihrem Elende ſchmachvoll verließ.“ Gewiſſe dunkle Gerüchte und Vermuthungen gingen ſpäter in Betreff des Schickſals dieſes armen Menſchen, welche, wenn ſie wahr ſind, beweiſen, in welchen verzweifelten Zuſtand die Hun⸗ gersnoth ſeine Kameraden gebracht hatte. Da ſie nun ganz unberitten waren, wanderten Miller und ſeine drei Gefährten mehrere hundert Meilen zu Fuß weiter, und duldeten Hunger, Durſt und Beſchwerden jeder Art, während ſie die oͤden Wüſten durchirrten, die ſich jenſeits des Felſengebirgs ausdehnen. Als Stuart's Zug ſie fand, waren ſie faſt dem Hun⸗ gertode nahe und fiſchten, um ſich ein ſpärliches Mahl zu verſchaffen. Hätte Stuart den kürzern Weg über die Hügel genommen und den Umweg des Fluſſes vermieden, oder wären nicht zufällig einige von der Geſellſchaft an den Rand des Waſſers hinab gegangen, um zu trinken, ſo hätten dieſe armen Irrenden unentdeckt bleiben und in der Wildniß verhungern müſſen. Nichts ging über ihre Freude, als ſie auf dieſe Weiſe mit ihren alten Kameraden — 49— zuſammen trafen, und die Herzlichkeit, mit welcher ſie begrußt wurden, läßt ſich kaum beſchreiben. Augenblick⸗ lich wurde das Lager aufgeſchlagen und die beſten Vor⸗ räthe des Geleites wurden herbeigebracht, um einen ange⸗ meſſenen Schmaus abzugeben. Am nächſten Morgen brachen ſie Alle mit einander auf, denn Miller und ſeine Kameraden hatten beſchloſſen, das Trapperleben aufzugeben und Stuart nach St. Louis zurück zu begleiten. Mehrere Tage hielten ſie ſich an den Ufern des Snake⸗River und ſchlugen nur ſelten kürzere Wege über Höhen und Bergvorſprünge ein, wo der Fluß große Umwege machte. Ihr Weg führte an mehreren Lagern von Schoſchonies vorüber, von denen ſie ſich dann und waͤnn Lachs verſchafften; im Allgemeinen waren ſie aber zu arm und elend, als daß ſie ihnen irgend etwas hätten bieten können. Stuart hegte den Wunſch, für die neuen Mitglieder ſeines Geleites Pferde zu kaufen; es war aber nicht möglich, die Indianer zu bereden, ſich auch nur von einem einzigen zu trennen; ſie ſagten, ſie hätten deren zu ihrem eigenen Gebrauche nicht genug. Am fünf und zwanzigſten Auguſt erreichten ſie eine Stelle, wo der Fiſchfang bedeutend war; ſie gaben ihm den Namen Salmon⸗Falls— Lachsfälle.— Hier iſt ein ſenkrechter Fall von zwanzig Fuß auf der Nordſeite des Fluſſes, wahrend auf der ſüdlichen eine Reihe von Strom⸗ ſchnellen ſich befindet. Der Lachs wird hier in unglaublichen — 41— Quantitäten gefangen, wenn er verſucht, über die Fälle zu kommen. Die Jahreszeit war jetzt günſtig, und gegen hundert Schoſchonie⸗Familien waren emſig beſchäftigt, die Fiſche zu tödten und zu trocknen. Der Lachs beginnt kurz nach Sonnenaufgang ſich zu heben. Zu dieſer Zeit ſchwim⸗ men die Indianer in den Mittelpunkt der Fälle, wo manche ſich auf Felſen aufſtellen, andere bis zum Leib in dem Waſſer ſtehen, ſämmtlich mit Syeeren bewaffnet, mit wel⸗ chen ſie den Lachs angreifen, wenn er vorwärts ſpringt oder erſchöpft zurückfällt. Es iſt ein ſtetes Gemetzel, ſo groß iſt der Zudrang der Fiſche.. Die Art der dabei gebrauchten Speere iſt eigenthüm⸗ lich. Die Spitze beſteht aus einem graden Stück Elenn⸗ Geweih, ungefähr ſieben Zoll lang; oben hat ſie einen künſtlichen Bart, der mit gut gummirtem Faden feſtgemacht iſt. Die Spitze ſteckt auf dem Ende des Schafts, eine ſehr lange Weidenſtange, mit welcher ſie gleichfalls durch einen ſtarken, mehrere Zoll langen Faden befeſtigt iſt. Wird der Speer ſicher geführt, ſo geht die Spitze deſſel⸗ ben oft durch den Leib des Fiſches. Sie löſt ſich leicht ab, während der Lachs mit dem Faden, der durch ſeinen Leib geht, kämpft und der Speerträger die Stange noch in der Hand hält. Ohne den Faden, der natürlich ſehr ſtark iſt, würde der Weidenſchaft durch den Kampf und das Gewicht des Fiſches brechen müſſen. Miller war in dem Laufe ſeiner Wanderungen an dieſen Fällen geweſen und hatte während Eines Nachmittags mehrere tauſend Lachſe fangen ſehen. Er behauptete, einen Lachs eine Höhe von ungefähr dreißig Schritten, vom Anfange des Schaums am Fuß der Fälle bis ganz oben hin, ſpringen geſehen zu haben. Die Geſellſchaft kaufte ſich von den Fiſchern einen beträchtlichen Lachsvorrath, ſetzte ihre Reiſe fort und erreichte am neun und zwanzigſten Caldron⸗Linn— die begebnißreiche Scene des vergangenen Herbſtes. Das Erſte, was ihren Augen hier begegnete, war ein Andenken an die Verlegenheiten jener Zeit— das Wrack eines Kanoes, das zwiſchen zwei Klippen ſaß. Sie boten Alles auf, zu demſelben hinab zu gelangen; die Flußufer waren aber zu ſteil und zu hoch. Sie begaben ſich jetzt in die Gegend, wo Hunt und ſein Geleite die„caches“ gemacht hatte, in der Abſicht, aus denſelben die Gegenſtände zu nehmen, welche Crooks, M'Lellan und den Kanadiern gehörten. Als ſie zu der Stelle kamen, fanden ſie zu ihrem Erſtaunen ſechs Ver⸗ ſtecke offen und ihres Inhalts beraubt; nur einige Bücher lagen umher. Es hatte den Anſchein, als wenn ſie während des Sommers geplündert worden wären. Nach allen Richtungen von den Verſtecken her und zurück fand man Spuren von Wölfen, woraus Stuart ſchloß, dieſe Thiere mußten zuerſt durch den Geruch der Häute, welche in den„caches“ waren, herbeigezogen worden ſeyn, und nachdem ſie ſie aufgewühlt, hätte ihre Fährte den Indianern das Geheimniß verrathen. — 143— Die drei übrigen„caches“ waren nicht berühet wor⸗ den; ſie enthielten trockne Waaren, Munition, und eine Anzahl Biberfelle. Stuart nahm davon, was ſeinem Geleite nützlich werden konnte, brachte dann alles über⸗ flüſſige Gepäck hinein, ſo wie die ringsumher zerſtreuten Bücher und Papiere; die Höhlen wurden dann ſorgfältig geſchloſſen und jede Spur davon vertilgt. Und hier müſſen wir eines neuen Beiſpiels von dem unbezähmbaren Geiſte der weſtlichen Trapper gedenken. Das Trio der kentuckiſchen Jäger, Robinſon, Rixner und Hoback hatten kaum geſehen, daß ſie wieder zu einem Biberfang⸗Zuge ausgerüſtet werden konnten, ſo war auch Alles vergeſſen, was ſie gelitten hatten, und ſie beſchloſſen, ihr Glück noch einmal zu verſuchen; ſie wollten es lieber nochmals mit der Wüſte aufnehmen, als arm und zer⸗ lumpt nach Hauſe zurückkehren. Miller dagegen erklärte, ſeine Neugierde und ſein Verlangen, durch die indianiſchen Gebiete zu reiſen, ſeien vollſtändig befriedigt, und er bleibe daher ſeinem Entſchluſſe treu, mit der Geſellſchaft nach St. Louis zu gehen und in den Schoos des geſittigten Lebens zurückzukehren. Die drei Trapper, Robinſon, Rizner und Hoback wurden demnach, ſo weit es der Inhalt der Verſtecke und die Mittel Stuart's zuließen, mit der nöthigen Munition und der Ausrüſtung für eine„zweijährige Jagd“ verſe⸗ hen; da aber ihre Ausſtattung nicht ganz vollſtändig war, beſchloſſen ſie in der Gegend zu warten, bis Reed kommen würde. Die Ankunft dieſes Mannes war bald zu erwar⸗ ten, da er ungefähr zwanzig Tage, nachdem Stuart ihn an dem Wallah⸗Wallah⸗Fluſſe verlaſſen, aufbrechen wollte. Stuart gab Robinſon einen Brief an Reed, in wel⸗ chem er ihm den bisherigen glücklichen Fortgang ſeiner Reiſe und den Zuſtand meldete, in welchem er die „cachese gefunden hatte. Eine Abſchrift dieſes Briefes ſteckte er auf einen Pfahl und pflanzte denſelben in der Nähe der Verſtecke auf. Nachdem Alles auf dieſe Weiſe geordnet war, nah⸗ men Stuart und ſeine kleine Schaar, nun ſieben an der Zahl, Abſchied von den drei kühnen Trappern, welchen ſie alles mögliche Glück für ihren einſamen und gefährlichen Aufenth alt in der Wildniß wünſchten; und auch wir über⸗ laſſen ſi ſie ihrem Schickſale, verſprechen aber, ſie in einem ſpätern Kapitel wieder auf die Scene zu bringen und die Geſchichte ihres ausdauernden und unglücklichen Unter⸗ nehmens zu Ende zu führen. Fünfundvierzigſtes Kapitel. Die Snake⸗River⸗Oeden.— Spärliches Mahl.— Irre Wan⸗ derer.— Diebiſche Indianer.— Ein rieſenhafter Krähen⸗ Häuptling.— Ein Eiſenfreſſer zurecht gewieſen.— Indianiſche Signale.— Rauch auf den Bergen.— Mad⸗River.— Ein Lärm.— Ein indianiſcher Streifzug.— Eine Flucht.— Ein roher indtaniſcher Scherz.— Ein Scharfſchütze um ſeinen Schuß gebracht. Am erſten September traten Stuart und ſeine Gefähr⸗ ten ihre Reiſe wieder an und wendeten ſich nun öſtlich, dem Snake River entlang. Wie ſie weiter kamen, öffnete ſich die Gegend. Die Hügel, welche den Fluß bisher zuſammengedrängt hatten, wichen auf beiden Seiten zurück, und große Sandebenen breiteten ſich vor ihnen aus. Dann und wann ſahen ſie ſchöne Weideſtrecken, und die Ufer des Fluſſes waren mit Weiden und Baumwollenbäumen beſetzt, ſo daß man von den Gipfeln der Hügel ſeinen Lauf verfolgen konnte, wie er ſich unter einer ſchattigen Laubdecke durch eine weite, ſonnenverbrannte Landſchaft dahin wand. Der Boden war aber im Allgemeinen ſchlecht; an manchen Stellen fanden unſere Reiſenden verkümmer⸗ tes Wermuthgeſträuch und eine Pflanze, Salzkraut genannt, — 46— und dem Flöhkraute ähnlich. Die Sommerhitze hatte die Ebenen verſengt und nur ſpärliche Weideplätze gelaſſen. Auch das Wild war verſchwunden; vergeblich blickten die Jäger auf der lebloſen Landſchaft umher; dann und wann waren einige Antilopen zu ſehen, allein nicht auf Schußweite. Wir enthalten uns, den Wanderern eine Wochenreiſe auf dieſen öden Wüſten zu folgen, wo ſie viel vom Hunger zu leiden hatten; denn ſie waren auf die wenigen Fiſche aus den Bächen und dann und wann auf ein wenig getrockneten Lachs oder einen Hund verwieſen, den ſie ſich in einem einſamen Schoſchonie⸗Zelt verſchafften. Dieſer freudeloſer Oeden müde, verließen ſie am ſiebenten September die Ufer des Snake⸗River unter Leitung Miller's, welcher ſich während ſeiner Trapper⸗ Züge einige Kenntniß von dem Lande verſchafft hatte und es unternahm, ſie auf einem beſſern Wege, als der an Fort Henry vorbei, und zugleich ferner von dem Bereiche der Schwarzfüße über die Gebirge zu führen. Er erwies ſich jedoch nicht als ein ſehr guter Führer, und ſie hatten ſich bald auf rauhen Höhen und an unbekannten Waſſern und in verſengten, öden Prairien verirrt. Endlich kamen ſie an einen Fluß, an welchem Miller getrappt hatte, und dem ſie ſeinen Namen gaben, obgleich wir, wie vorher bemerkt, glauben, es ſei derſelbe, der Bärenfluß heißt und ſich in den See Bonneville ſtürzt. An dieſem Fluſſe und ſeinen Armen gingen ſie zwei bis drei Tage hinauf und nährten ſich kümmer! ich vom Fiſchfange. — 47— Bald gewahrten ſie, daß ſie in einen gefährlichen Revier waren. Am zwölften September bezogen ſie früh ſchon das Lager und eilten mit ihren Angelruthen fort, um zu fiſchen. Als ſie zurückkamen, ſahen ſie einen Hau⸗ fen Indianer das Lager durchſuchen. Zu ihrer großen Beſtürzung mußten ſie ſehen, daß es Upſarokas, oder Krähen waren. Ihr Häuptling kam mit zuverſichtlicher Miene heran. Er war ein dunkelfarbiger, herkuliſcher Burſche, volle ſechs Fuß vier Zoll hoch, und hatte halb das Anſehen eines Raufbold's, halb das eines Räubers. Er benahm ſich jedoch friedlich und entſandte einige ſeiner Leute in ihr Lager, das irgendwo in der Umgegend war; ſie kamen bald mit einem ſehr annehmbaren Vorrathe von Büffelfleiſch zurück. Er deutete Stuart nun an, er ſei auf dem Wege zu den Schlangen, welche an dem weſtlichen Fuße des Gebirges unter Henry's Fort woh⸗ nen, um mit ihnen Handel zu treiben. Dieſe bauten dort einen köſtlichen Taback, welcher bei den Bergſtämmen geſchätzt und von ihnen ſehr geſucht werde. In dem Ausſehen des Indianers war, bei all ſeiner Freundlichkeit, etwas düſteres, das Mißtrauen erregte. Allgemach wuchs die Zahl ſeiner Leute, bis gegen Mitter⸗ nacht einundzwanzig von ihnen in dem Lager waren und ſie ſtörend und unverſchämt wurden. Man war nun wegen der Pferde und des Gepäckes in der größten Unruhe, und jeder war während der Nacht auf ſeiner Huth. Der Morgen brach jedoch an, ohne daß eine Unan⸗ —— 48— 1 nehmlichkeit vorgefallen wäre, und Stuart machte, nachdem er alles Büffelfleiſch gekauft hatte, das die Krähen ent⸗ behren konnten, Anſtalten zum Aufbruch. Seine india⸗ niſchen Bekannten waren aber zu fernerem Austauſch geneigt und ſehnten ſich, vor allem, nach einer Quantität Pulver, für welches ſie Pferde anboten. Stuart lehnte es ab, ſie mit dieſer gefährlichen Waare zu verſehen. Sie wurden in ihren Bitten ungeſtümer, bis eine unbe⸗ dingte Weigerung erfolgte. Der rieſenhafte Häuptling trat nun vor, nahm ein aufgeblaſenes Weſen an, ſchlug ſich auf die Bruſt und gab Crooks zu verſtehen, er ſei ein Häuptling von großer Macht und Bedeutſamkeit. Er deutete ferner an, es ſei unter großen Häuptlingen herkömmlich, bei ihrem Zuſam⸗ mentreffen einander Geſchenke zu machen. Er bat daher, Stuart möchte abſteigen und ihm das Pferd geben, wel⸗ ches er reite. Dies war ein edles Thier, von einer wil⸗ den prairienraſe⸗ auf welches Stuart einen großen Werth legte; er ſchüttelte daher zu dem Begehren des Krähen⸗ Würdeträgers den Kopf. Darauf ſchritt der Letztere auf ihn zu, faßte ihn und bewegte ihn in ſeinem Sattel hin und her, als wenn er ihn fühlen laſſen wollte, er ſei unter ſeiner Fauſt ein bloßes Kind. Stuart behielt ſeine Ruhe bei und ſchüttelte wieder⸗ holt mit dem Kopfe. Der Häuptling ergriff jetzt den Zügel und zerrte daran, ſo daß das Pferd auffuhr und den Reiter beinahe bügellos gemacht hätte. Stuart zog — 49— augenblicklich ein Piſtol und hielt es dem Eiſenfreſſer vor die Stirne. Im Moment war es mit deſſen Prahlerei zu Ende, und er zog ſich hinter das Pferd zurück, um dem erwarteten Schuſſe zu entgehen. Da ſeine Krähen⸗Unter⸗ thanen aus einer kleinen Entfernung die Scene mit anſa⸗ hen, befahl Stuart ſeinen Leuten, ihre Büchſenläaufe auf ſie zu halten, aber nicht zu feuern. Der ganze Haufe verlor ſich eiligſt in die Büſche, kroch auf dem Boden fort und verſchwand aus den Blicken der Reiſenden. Der ſo allein gelaſſe ene Häuptling war einen Augen⸗ blick in Verwirrung; mit echt indianiſcher Verſchlagenheit brach er aber, als er ſich wieder erholt hatte, in ein lautes Gelaͤchter aus und ſchien der ganzen Sache den Charakter eines Scherzes geben zu wollen. Stuart hatte durchaus keinen Geſchmack an ſolchem zweideutigen Scherze; allein die Klugheit rieth ihm, einen Streit zu vermeiden, und ſo ſtimmte er, ſo gut es angehen wollte, in die Heiterkeit des ſcherzhaften Rieſen ein und machte ihm, um ihn über die Verweigerung des Pferdes zu tröſten, ein Geſchenk mit einer kleinen Quantität Pulver. Allen äußern Anzeichen nach ſchieden ſie als die beſten Freunde; es war jedoch augenſcheinlich, daß nur die kleine Zahl ſeiner Leute und die kriegeriſche Haltung und Wach⸗ ſamkeit der weißen Männer den Krähen⸗Häuptling abge⸗ halten hatte, zu offener Feindſeligkeit überzugehen. Indeſ⸗ ſen war es ſeinen würdigen Begleitern während des kurzen Beſuches gelungen, einen Sack auf die Seite zu bringen, 63.— 65. 4 — 50— welcher faſt das ganze Kochgeräthe der Geſellſchaft enthielt. unſere Reiſenden verfolgten ihren Weg in grader Richtung nach Oſten. Sie mußten über eine nicht bedeu⸗ tende Gebirgskette. Das Zuſammentreffen mit den Krähen ließ ſie gewahren, daß ſie jetzt in einem Lande der Gefahr waren, das ein raubgieriger Stamm nach allen Seiten durchſchwärmte; auch hatten ſie in der That erſt wenige Meilen hinter ſich, als ihnen Zeichen zu Geſicht kamen, die berechnet waren, in ihnen Unruhe und Beſorgniß zu erwecken. In verſchiedenen Richtungen ſah man auf den Gipfeln einiger der höchſten Berge Rauchſaulen aufſteigen. In dieſen erblickten ſie Signale, welche von den Läufern des Krahen⸗Häuptlings herrührten, der ſeine ganze Horde uin ſich ſammeln wollte, um ſie in größerer Anzahl zu verfolgen.. Larmzeichen dieſer Art, welche von einem Haupt⸗ punkte aus durch Boten gegeben werden, rufen in einem wunderbar kurzen Zeitraum die zerſtreuten Haufen eines ausgedehnten Gebietes zuſammen und führen die umher⸗ ſchwärmenden Jäger und Krieger auf das ſchnellſte unter das Feldzeichen ihres Häuptlings. Um dieſen Freibeutern ſo viel als möglich aus dem Wege zu bleiben, änderte Stuart ſeinen Weg und hielt ſich mehr nach Norden; er verließ das Hauptgewäſſer des Miller's⸗Fluſſes und folgte einem großen Arme deſſelben, der aus den Gebirgen kam. — 51— Nach einem ermüdenden Marſche von fünfundzwanzig Meilen lagerten ſie ſich an dieſem Bache. Als die Nacht einbrach, wurden die Pferde gefeſſelt und nahe an dem Lager angebunden; eine ſtrenge Wacht wurde angeordnet und die ganze Nacht hindurch beibehalten, und jeder ſchlief mit ſeiner Büchſe in dem Arme. Mit Tagesanbruch waren ſie wieder auf dem Marſche und hielten ſich ſtets nördlich. Bald begannen ſie, bergan zu ſteigen, und dann und wann boten ſich ihnen weite Ausſichten auf die Landſchaft ringsumher. Kein Zeichen von einem Krähen war zu ſehen; dies machte ſie aber nicht allzu ſicher, denn ſie kannten die Ausdauer dieſer Wilden in der Verfolgung eines jeden Zuges, den ſie zu berauben beabſichtigten, und die hinterliſtige Weiſe, mit welcher ſie ihre Bewegungen verdecken und ſich durch Schluch⸗ ten und Klüfte fortſchleichen, bereits zu genau. Nachdem ſie ſich einundzwanzig Meilen, faſt immer bergan, fort⸗ gearbeitet hatten, ſchlugen ſie ihr Lager an dem Rande eines Baches auf, der nach Norden floß. Während dem Abende hörte man den Lärmruf: „Indianer!“ und augenblicklich war alles auf der Hut. Es ergab ſich, daß es drei arme Schlangen waren, welche kaum hörten, daß eine Horde Krähen in der Nachbarſchaft auf Raub ausgehe, als ſie mit allen Zeichen der Beſtür⸗ zung davon eilten. Einige müheſelige Tage und beſorgliche Nächte mehr brachten ſie an ein ſtarles, reißendes Waſſer, das nord⸗ 4* — 52— 52 wärts floß und ihnen einer der obern Arme des Snake⸗ River zu ſein ſchien. Es war wahrſcheinlich der Fluß, welcher ſeitdem den Namen Salzfluß erhielt. Sie beſchloſ⸗ ſen, ſich an dieſem Fluſſe abwärts zu halten, da ſie ſo immer weiter aus der Nähe der gefürchteten Krähen zu kommen hofften. Dann wollten ſie den Pfad aufſuchen, welchen Hunt im letzten Herbſte verfolgt hatte und auf demſelben über das Gebirg gehen. Der Verſuch, unter Millers Leitung einen beſſern Weg zu finden, hatte ſie bereits einen großen Umweg nach Süden gekoſtet; wenn ſie Hunt's Fußſtapfen folgten, können ſie wenigſtens ihres Weges gewiß ſein. Sie wandten ſich demnach an dieſem Bache abwärts und kamen nach drei Tagereiſen an ſeine Einmündung in einen größern Fluß; er nahm hier einen ſtürmiſcheren Charakter an und brauſte und ſchäumte unter Klippen und Abhängen wild dahin. Es ergab ſich wirklich, daß dies der von Hunt's Reiſe her bereits bekannte Mad⸗ River(der tolle Fluß) war. Am achtzehnten September ſchlugen ſie noch bei guter Zeit ihr Lager am Ufer dieſes Fluſſes auf. Sechs Tage waren nun ſeit ihrem Zuſammentreffen mit den Krähen verfloſſen; während dieſen Tagen hatten ſie faſt hundertundfünfzig Meilen in nördlicher und weſt⸗ licher Richtung zurückgelegt, ohne die geringſte Spur von dieſen Freibeutern zu gewahren. Sie glaubten ſich daher außer dem Bereiche ihrer Beläſtigung und begannen in ihrer Wachſamkeit nachzulaſſen und dann und wann einen Theil des Tages auf guten Weideplätzen zu verweilen. Die armen Pferde bedurften der Ruhe ſehr. Sie hatten Eilmärſche über wilde Höhen, Klippen und mit gefallenen Bäumen bedeckte Schluchten, durch niedrige, ſumpfige und durch die Arbeiten des Bibers überſchwemmte Thäler gemacht. Dieſer fleißigen Thiere gibt es überall eine Menge an den Bergbächen und fließenden Waſſern, wo ſich Weiden zu ihrem Unterhalte finden. Sie hatten viele derſelben ſo vollſtändig aufgedammt, daß die niedern Gründe unter Waſſer ſtanden, und ſich flache Teiche, Seen und ausgedehnte Lachen bildeten, wodurch die Reiſe unſerer Freunde oft gehemmt und verzögert wurde. Am neunzehnten September ſtanden ſie früh auf; ein Theil begann das Frühſtück zu bereiten, andere das Gepäck zum Abmarſch in Bereitſchaft zu ſetzen. Man hatte die Pferde gefeſſelt, aber auf den umliegenden Weiden frei graſen laſſen. Stuart war an dem Ufer des Fluſſes, eine kleine Strecke vom Lager, als er den Lärmruf hörte: „Indianer! Indianer! Zu den Waffen! Zu den Waffen!“ Eine Krähe zu Pferd ſprengte am Lager vorbei. Er trug eine rothe Fahne. Auf dem Gipfel eines benach⸗ barten Hügels hielt er ſein Pferd an und ſchwenkte ſein glänzendes Banner. Ein teufliſches Geſchrei wurde jetzt auf der andern Seite des Lagers, jenſeits des Weide⸗ platzes der Pferde laut, und eine kleine Schaar Wilder kam, brüllend und ein furchtbares Geſchrei ausſtoßend, daher galoppirt. Die Pferde erſchracken und jagten über das Lager in der Richtung des Fahnenträgers, von dem wehenden Tuche angezogen. Augenblicklich gab er ſeinem Pferde die Sporen und jagte davon, von den ſchrecken⸗ ergriffenen Thieren gefolgt, deren Furcht durch das ſcheuß⸗ liche Gebrüll der Wilden in ihrem Rücken noch vermehrt wurde. Bei dem erſten Lärm hatten Stuart und ſeine Gefähr⸗ ten ihre Büchſen ergriffen und verſuchten es, die Indianer, welche die Pferde verfolgten, abzuſchneiden. Durch Geſchrei und Huhhuh von einer andern Richtung her wurde ihre Aufmerkſamkeit ſogleich abgelenkt. Sie beſorgten nun, eine andere Schaar im Rückhalt ſei im Begriff, ihr Gepäck zu ſtehlen. Sie liefen hin, daſſelbe zu ſchützen. Die hin⸗ tere Schaar galoppirte aber unter Triumph⸗ und Hohn⸗ gebrüll vorüber. Der letzte von ihnen war, wie ſie ſahen, ihr Befehlshaber, eben jener rieſenhafte, bereits erwahnte Scherzmacher. Er war nicht in die ernſte roetiſche Form des modiſchen indianiſchen Heroismus gegoſſen, ſondern, im Gegentheil, gemeiner Spaßhaftigkeit elendiglich ergeben. Als er an Stuart und ſeinen Gefährten vorüber kam, hielt er ſein Pferd an, richtete ſich im Sattel empor und ſchlug mit ſeinen Händen auf den beleidigendſten Theil ſeines Körpers, wobei er einige höhnende Worte hören ließ, welche ſie, zum Glück für ihr Zartgefühl, nicht verſtanden.. Augenblicklich war Ben Jones Büchſe in der Höhe — 55— und er war im Begriff, auf den ſo höhniſch gezeigten Schild eine Kugel pfeifen zu laſſen. „Um Eures Lebens willen nicht! Um Eures Lebens willen nicht!“ rief ihm Stuart zu:„Ihr bringt Verder⸗ ben über uns Alle!“ Es war ſchwer, den ehrlichen Ben zu zügeln, wenn ein ſolches Ziel ſich bot und die Beleidigung ſo groß war. „O, Mr. Stuart,“ rief er,„laßt mich nur einen Knall auf den hölliſchen Schurken thun, und Ihr mögt den ganzen Sold, welchen ich gut habe, behalten.“ „Beim Himmel, wenn Ihr feuert,“ ſchrie Stuart, „jage ich Euch eine Kugel durch den Kopf.“ Indeſſen war der Indianer weit aus dem Bereiche der Kugel, hatte ſeine Leute eingeholt, und die ganze Teufelsbande jagte mit den eingefangenen Pferden die Gebirgspäſſe entlang, während die rothe Fahne über ihren Häuptern flatterte und die Felſen ihr Geheul und Huhhuh und teufliſches Gelachter widerhallten. Die ihrer Pferde beraubten Reiſenden blickten ihnen in ſtummem Aerger und in Verzweiflung nach; doch konnte Stuart nicht umhin, die Geſchicklichkeit und den Muth, mit welchem dieſe ganze That vollbracht worden, zu bewundern, und nannte ſie eine der kühnſten und uner⸗ ſchrockenſten Wageſtücke, deren er je von Indianern gehört. Die ganze Anzahl der Krähen ging nicht über zwanzig. Auf dieſe Weiſe ſtiehlt eine kleine Horde Freibeuter die Pferde einer ganzen Kriegerſchaar; denn wenn ein Trupp Pferde einmal vom Schrecken ergriffen iſt, werden ſie wie wahnſinnig, und nichts kann ſie aufhalten, ſie müßten denn die Hälſe brechen. Niemand war über dieſes unglückliche Begebniß ärger⸗ licher als Ben Jones. Er erklärte, er hätte wirklich lieber ſeinen ganzen rückſtändigen Jahresſold hingegeben, als ſich um ſolch einen Kapital⸗Schuß bringen laſſen. Stuart ſtellte ihm dagegen vor, welches die Folgen einer ſo raſchen Handlung hätten ſein können.„Leben für Leben“ iſt des Indianers Grundſatz. Der ganze Stamm würde gemein⸗ ſchaftliche Sache gemacht haben, uw den Tod eines Krie⸗ gers zu rächen. Die Geſellſchaft beſtand blos aus ſieben unberittenen Männern; ſie hatte ein weites Gebirgsland zu durchziehen, das von dieſer Völkerſchaft durchſchwärmt war; durch Feuerſignale konnte leicht der ganze Stamm auf ſie losgelaſſen werden. In der That zeigte das Benehmen der erwähnten Freibeuterbande, die Beharrlichkeit der Wilden, wenn ſie einen Plan einmal in das Auge gefaßt haben. Dieſe Indianer hatten unſere Reiſenden ohne allen Zweifel heimlich und verſtohlen eine ganze Woche und eine Ent⸗ fernung von hundertundfünfzig Meilen verfolgt, ſich am Tage ihrem Anblicke entzogen, in der Nacht ſich in die Nähe des Lagers geſchlichen, jede ihrer Bewegungen bewacht und den günſtigen Augenblick erwartet, wo ihre Aufmerkſamkeit zu täuſchen wäre. Wahrſcheinlich hatte Stuarts Drohung bei ihrem — 57— erſten Zuſammentfeffen, den rieſigen Häuptling mit ſeiner Piſtole zu erſchießen, und die Angſt, welche das Anlegen der Büchſen unter den Kriegern verurſachte, ihrer gewöhn⸗ lichen Neigung zum Pferdediebſtahl auch noch gereizten Aerger hinzugeſellt, und in dieſer Gemüthsſtimmung wür⸗ den ſie ohne Zweifel der Geſellſchaft eher auf ihrem ganzen Wege über das Felſengebirg gefolgt ſein, als daß ſie ſich um ihren Plan hätten täuſchen laſſen. Sechsundvierzigſtes Kapitel. Unberittene Reiſende.— Vorbereitungen zur Fußreiſe.— Scharfblickende Kundſchafter.— Das Gepäck verbrannt.— Ein Marſch zu Fuß.— Uebergang über einen Fluß.— Das verwundete Elenn.— Indianiſche Pferde.— Eigenſinniges Benehmen M'Lellan's.— Große Ausſicht von einem Berge.— Ferne Krater von Vulkanen.— Crook's Krankheit. Auf dieſer wandelbaren Welt gibt es wohl nichts unſeligeres und entmuthigenderes für einen Reiſenden, als wenn er ſich inmitten der Wildniß plötzlich ſeines Pfendes beraubt ſieht. Unſere unglücklichen Reiſenden ſahen eine Zeitlang mit ſtarrer Verzweiflung auf ihre Lage. Eine lange Reiſe über rauhes Gebirg und uner⸗ meßliche Ebenen lag vor ihnen, und ſie mußten den Weg mühſelig zu Fuß zurücklegen, und Alles, was ſie zu ihrer Erhaltung und zu ihrem Schutze brauchten, mußten ſie auf ihren Schultern tragen. Ihre Niedergeſchlagenheit dauerte jedoch nur einen Augenblick, und mit jener Raſch⸗ heit des Geiſtes und der Hand, welche das Leben in der Wildniß gibt und ſchärft, begannen ſie ſogleich, ſich dem Wechſel ihrer Lage zu fügen und anzupaſſen. Ihre erſte Sorgfalt ging dahin, aus ihrem Gepäcke diejenigen Gegenſtände auszuwählen, welche auf ihrer — 59— Reiſe unentbehrlich waren, dieſelbe in paſſende Bündel zu bringen und das Uebrige in Verſtecken niederzulegen. Der ganze Tag wurde mit dieſen Beſchäftigungen hinge⸗ bracht; am Abend hielten ſie ein knappes Mahl von den noch übrigen Vorräthen und legten ſich ſchweren Herzens zum Schlummer nieder. Am Morgen erhoben ſie ſich bei guter Zeit und machten ihre Torniſter für den Marſch zurecht, während Ben Jones ſich zu einer alten Biberfalle begab, welche er an dem Ufer, nicht weit von dem Lager, geſtellt hatte. Er freute ſich, einen kleinen halbwüchſigen Biber dort zu fin⸗ den, welcher hinreichte, ſeinen hungrigen Kameraden ein Frühſtück abzugeben. Als er mit ſeiner Beute zurück⸗ kehrte, ſah er zwei Köpfe über den Rand einer vorſprin⸗ genden und einige hundert Fuß hohen Klippenwand lugen. Er glaubte, es ſeien ein paar Wölfe. Wahrend er ſeines Weges ging, warf er dann und wann einen Blick hinauf; die Köpfe waren noch dort und ſahen feſten, ſtarren Auges nieder. Jetzt flog der Gedanke, es möchten indianiſche Kundſchafter ſein, durch unſeres Trappers Kopf, und er würde, wenn ſie nicht zu weit außer dem Bereiche ſeiner Büchſe geweſen wären, ſie ohne Zweifel mit einer Kugel bedacht haben.. Als er in das Lager kam, richtete er die Aufmerk⸗ amkeit ſeiner Gefährten auf dieſe luftigen Beobachter. Anfangs war man allgemein der Anſicht, es ſeien Wölfe; ihre unbewegliche Wachſamkeit überzeugte aber bald einen ..— 60— Jeden, daß es Indianer ſeien. Man ſchloß ohne Zweifel nicht unrichtig, daß ſie auf die Bewegungen der Geſell⸗ ſchaft Acht gäben, um zu ſehen, wohin ſie diejenigen Gegenſtände, welche ſie zurückzulaſſen gezwungen wären, verſteckten. Es war keine Wahrſcheinlichkeit, daß die „caches’“ dem Nachſpuren ſo ſcharfer Augen und ſo geübter Mauſer entgehen könnten, und der Gedanke war unſern Reiſenden unerträglich, daß noch mehr Beute in ihre Hände fallen ſollte. Um ihre Hoffnungen daher zu vereiteln, nahmen die Reiſenden alle in den Verſtecken niedergelegten Gegenſtände wieder heraus, trugen Alles, was ſie nicht mit ſich fortnehmen konnten, zuſammen und verbrannten Alles, was brennbar war; das Uebrige war⸗ fen ſie in den Fluß. Es war wohl eine traurige Freude, die Krähen auf dieſe Weiſe um ihre Erwartungen zu bringen, und ihre eigene Habe zu vernichten. Als ſie ihrem Zorne dieſes Opfer gebracht hatten, nahmen ſie gegen zehn Uhr des Morgens ihre Bündel auf die Schultern und traten ihre Fußreiſe an. Der Weg, welchem ſie folgten, führte die Ufer des Mad⸗River entlang hinab. Dieſer Fluß bahnt ſich ſeinen Weg durch die Engpäſſe des Gebirgs und fließt in die Ebenen unter Henry's Fort, wo er ſich in den Snake⸗ River ſtürzt. Stuart hoffte, auf den Ebenen auf ein Lager von Schlangen⸗Indianern zu ſtoßen, und ſich dort einige Pferde zum Transporte des Gepäckes zu verſchaffen. — 6— In dieſem Falle war es ſeine Abſicht, die öſtliche Rich⸗ tung über das Gebirg wieder einzuſchlagen und ſich zu bemühen, vor Einbruch des Winters den Cheyenne⸗ River zu erreichen. Sollte es ihm aber nicht gelingen, Pferde zu bekommen, ſo mußte er wahrſcheinlich den Winter auf der Weſtſeite des Felſengebirgs hinbringen und wollte ſein Lager irgendwo an den Quellenflüſſen des ſpaniſchen oder Colorado⸗Fluſſes aufſchlagen. Aller Sorgfalt ungeachtet, welche man angewendet, nichts mitzunehmen, was nicht unumgänglich nöthig war, fühlten die Reiſenden ſich ſchwer beladen, und ihre Laſten vermehrten die Müheſeligkeiten dieſes rauhen Weges. Auch hatten ſie viel vom Hunger zu leiden. Die Forellen, welche ſie fingen, waren zu ärmlich, um viel Nahrung zu geben; ſie waren daher vorzüglich auf eine alte Biberfalle gewie⸗ ſen, welche ſie vorſichtig behalten hatten. So oft ſie das Glück hatten, einen Biber zu trappen, wurde er ſogleich zerhauen und vertheilt, damit Jeder ſeinen Antheil trüge. Nach zwei mühſamen Reiſetagen, während deren ſie nur achtzehn Meilen zurücklegten, machten ſie am ein und zwanzigſten Halt, um zwei Flöße zu bauen, auf welchen ſie auf die Nordſeite des Fluſſes hinüberfahren wollten. Am folgenden Morgen ſchifften ſie ſich auf ihnen ein, vier auf dem Einen, und drei auf dem Andern, und ſtießen kühn vom Ufer. Da ſie die Flöße hinreichend feſt und haltbar fanden, um dem wilden, reißenden Waſſer zu widerſtehen, änderten ſie ihren Sinn, und, ſtatt überzu⸗ — 62— ſetzen, wagten ſie es, mit der Strömung flußab zu gehen. Der Fluß war im Allgemeinen ſehr reißend und von hundert bis zu zweihundert Schritt breit; er wand ſich in jeder Richtung durch hartes, ſchwarzes Felsgebirg, das mit Fichten und Cedern bedeckt war. Die öſtlich vom Fluß aufſteigenden Berge waren Auslaufer der Felſenkette und ſehr hoch; die in Weſten waren mehr als Hügel, öde und nackt oder mit erbärmlichem Graſe mager bekleidet. Der Mad⸗River(tolle Fluß) verdiente dieſen Namen zwar wegen des Ungeſtüms ſeines Laufes, war aber doch frei von Stromſchnellen und Fällen, und floß in einem winzigen Bette zwiſchen Kiesufern dahin, die oft mit einer Menge Baumwollenbäumen und verkrüppelten Weiden beſetzt, waren. Dieſe boten einer zahlreichen Menge von Bibern Nahrung, ſo daß die Reiſenden es nicht ſchwer fanden, ſich Lebensmittel zu verſchaffen. Auch tödtete Ben Jones einen Dammhirſch und einen jungen Wolf, und da ſie die Beute ganz auf ihren Flößen mitnehmen konnten, ſo fehlte es ihnen nicht an Fleiſch. In der That hätten ſie oft Gelegenheit gehabt, auf ihrer Fahrt Biber, welche entlang ſchwammen, zu ſchießen, ſie ſchonten aber menſch⸗ lich ihres Lebens, da es ihnen zu dieſer Zeit nicht an Fleiſch fehlte. So ſchifften ſie drei Tage lang den Fluß hinab, die Strömung benützend und ſchlugen Nachts ihr Lager auf dem Lande auf, wo ſie ihre Flöße an das Ufer zogen. — 68= Gegen den Abend des dritten Tages kamen ſie an eine kleine Inſel, auf welcher ſie einen Rudel Elenn entdeckten. Ben Jones landete und war ſo glücklich, eines dieſer ſchö⸗ nen Thiere zu verwunden; es ſprang augenblicklich in das Waſſer, da es aber nicht im Stande war, ſich gegen die Strömung zu ſtemmen, trieb es eine kleine Meile fort und wurde eingeholt und an das uUfer gebracht. Da ein Sturm im Anzuge war, lagerten ſie ſich an dem Rande des Waſſers, wo ſie den ganzen folgenden Tag blieben und ſich, ſo gut es gehen wollte, gegen Regen, Hagel und Schnee— ein ſtarker Vorgeſchmack des herannahenden Winters— zu ſchützen ſuchten. Wah⸗ rend ſie hier gelagert waren, beſchäftigten ſie ſich, einen Theil des Elenn zu künftigem Gebrauche zuzurichten. Als ſie das Elenn öffneten, ſahen ſie, daß das Thier, ungefähr eine Woche vorher, verwundet worden, denn eine Pfeilſpitze und eine Bleikugel ſteckten noch in den Wunden. In der Wildniß iſt der unbedeutendſte Umſtand ein Gegenſtand beſorglichen Nachdenkens. Die Schlangen⸗ Indianer haben keine Feuergewehre; das Elenn konnte daher nicht von einem derſelben verwundet worden ſeyn. Sie waren an den Grenzen des Gebietes, welches die Schwarzfüße durchſchwärmten, die Gewehre haben. Man ſchloß daher, das Elenn müßte von Leuten dieſes wandern⸗ den, feindſeligen Stammes verwundet worden, dieſe alſo in der Umgegend ſeyn. Dieſer Gedanke endigte das vor⸗ übergehende Glück, deſſen ſie in der vergleichungsweiſen — 64— Ruhe und dem Ueberfluſſe des Mad⸗River genoſſen hatten.. Sie ſetzten ihre Fahrt auf den Flößen noch drei fer⸗ nere Tage fort. Der letzte Sturm hatte ungemein kaltes Wetter gebracht. Sie waren jetzt ein und neunzig Meilen den Fluß herab gefahren, und landeten nun, da ſie die Berge zu ihrer Rechten zu mäßiger Höhe geſenkt fanden. Sie ſchickten ſich jetzt an, ihre Reiſe wieder zu Fuß fort⸗ zuſetzen. Nachdem ſie einen Tag mit Vorbereitungen aller Art hingebracht, ſich Mocaſſins gemacht und das zerhauene Fleiſch in zwanzig Pfundtheile für Jeden zuſam⸗ mengebunden hatten, wandten ſie am neunundzwanzigſten September dem Fluſſe den Rücken und ſchlugen eine nord⸗ öſtliche Richtung ein, wobei ſie ſich dem ſüdlichen Saume des Gebirgs entlang hielten, an welchem Henry's Fort lag. Ihr Marſch war langſam und mühevoll; er führte theilweiſe über angeſchwemmten Boden, welcher mit Baum⸗ wollenbäumen, Hagedorn und Weiden dicht bewachſen war, und theilweiſe über rauhe Höhen. Drei Antilopen kamen in Schußweite heran, ſie wagten aber nicht auf ſie zu feuern, damit der Knall ihrer Büchſen ſte den Schwarz⸗ füßen nicht verriethe. Im Laufe des Tages kamen ſie auf eine ſtarke Pferdefährte, die augenſcheinlich gegen drei Wochen alt war, und am Abend lagerten ſie ſich an den Ufern eines kleinen Baches, an der Stelle, wo der Lager⸗ platz der Schaar geweſen war, auf deren Fährte ſie geſtoßen. — 65— Am folgenden Morgen ſahen ſie noch den indianiſchen Pfad, nach einiger Zeit aber lief er nach allen Richtungen aus einander und verlor ſich. Dies bewies, daß die Horde ſich in mehrere Jagdparthien getheilt hatte und aller Wahr⸗ ſcheinlichkeit nach noch in der Nähe war; es war daher nothwendig, mit der größten Vorſicht weiter zu gehen. Sie hielten auf ihrem Marſche ein wachſames Auge auf jede Höhe, wo ein Kundſchafter ſich aufgeſtellt haben konnte, und blickten ſorgfältig auf der einſamen Landſchaft und den fernen Klüften nach Rauchſäulen umher; nichts der Art war jedoch zu ſehen; Alles war unbeſchreiblich öde und leblos. Gegen Abend kamen ſie zu mehreren beißen Quellen, die mit Eiſen und Schwefel ſtark getränkt waren und Dunſtmaſſen empor ſandten, welche die Atmoſphäre umher anſteckten und in einer Entfernung von Uiahreren Meilen geſehen werden konnten. Nahe bei dieſen Quellen, in einer Schlucht, welche ſie einigermaßen verſteckte, ſchlugen ſie ihr Lager auf. Zu ihrer großen Beſtürzung bekam Crooks, welcher die zwei vorhergehenden Tage bereits unwohl geweſen, in der Nacht ein heftiges Fieber. Kurz nach Tagesanbruch ſetzten ſie ihren Weg fort. Als ſie aus dem Thale traten, wurde wegen des Weges, den ſie zu nehmen, Rath gepflogen. Wenn ſie an dem Saume des Gebirgs fort gingen, ſo waren ſie in Gefahr, mit den zerſtreuten Horden der Schwarzfüße zuſammen 63.— 65. 5 — 66— zu treffen, welche wahrſcheinlich in den Ebenen auf der Jagd waren. Es wurde daher für das rathſamſte gehal⸗ ten, gradezu über das Gebirg zu gehen, da dieſer Weg, obgleich rauh und mühevoll, doch der ſicherſte war. Die⸗ ſer Vorſchlag wurde von M'Lellan, als feig, mit Hohn behandelt. Ungeduldig und hitzig zu allen Zeiten, war er durch die Beſchwerden der Reiſe und den Zuſtand ſeiner Füße, die wund und geſchwollen waren, in hohem Grade reizbar geworden. Er konnte den Gedanken, den Mühen der Gebirgsreiſe zu begegnen, nicht ertragen und ſchwur, er würde lieber allen Schwarzfüßen in dem Lande trotzen. Er wurde jedoch überſtimmt, und die Geſellſchaft begann die Berge hinan zu ſteigen, wobei ſie mit dem Feuer und der Glut junger Leute wetteiferten, wer der erſte wäre. M'Lellan, der faſt noch einmal ſo alt war, als einige andere, verlor bald den Athem und blieb zurück. Nach der Vertheilung der Laſten war an ihm die Reihe, die alte Biberfalle zu tragen. Aergerlich und mißgeſtimmt machte er plötzlich Halt, ſchwur, er würde ſie nicht weiter tragen, und gab ihr einen Stoß, daß ſie halbwegs den Berg hinab rollte. Man trug ihm an, ſtatt derſelben ein Päckchen gedörrten Fleiſches zu tragen, er warf daſſelbe aber verächtlich zu Boden. Er ſagte, die, welche deſſen bedürften, möchten es tragen; er könne ſich ſeine tägliche Nahrung mit ſeiner Büchſe ſelbſt verſchaffen. Er ſchloß damit, daß er von der Geſellſchaft abging und ſich entlang des Saums der Berge hielt, inbem er, — 6— wie er ſagte, das Erklettern der Felſen denen überließ, welche ſich fürchteten, den Indianern entgegen zu treten. Es war ganz vergeblich, daß Stuart ihm das Uebereilte ſeines Benehmens und die Gefahren vorſtellte, welchen er ſich ausſetzte; er wies einen ſolchen Rath als feig von ſich. Eben ſo fruchtlos war es, daß er ihm die Gefahren aus⸗ einanderſetzte, welchen er ſeine Gefährten blosſtellte; da er auf dieſen nackten Ebenen in großer Entfernung geſe⸗ hen werden mußte, und die Indianer, welche ſeiner anſich⸗ tig wurden, ſchließen konnten, daß noch andere weiße Manner in dem Bereiche ſeien. Er hatte für alle Vor⸗ ſtellungen nur ein taubes Ohr und wich nicht von dem Wege ab, den er einmal eingeſchlagen. Es ſcheint ein auffallendes Beiſpiel von der Verkehrt⸗ heit dieſes Mannes, daß er ſich in einem wilden Gebiete, wo die Einſamkeit ſelbſt unheilbringend, jedes Zuſammen⸗ treffen mit ſeinen Mitmenſchen aber voller Gefahr war, ſo allein hinweg wagte. Der Art iſt jedoch die Kühnheit des Geiſtes und die Gefühlloſigkeit gegen Gefahr, welche der Menſch in der Wildniß ſich aneignet. MeLellan war überdieß ein Mann von eigenthümlichem Charakter, in ſeinem Willen nicht zu bewältigen, von einem Muthe, welcher durchaus nichts von Furcht wußte, und etwas hoch⸗ fahrenden Geiſtes, der ſeinen Stolz darin fand, verzwei⸗ felte und halsbrechende Thaten zu vollbringen. Stuart und ſeine Gefährten fanden die Wege über das Gebirg wegen des Schnees, der an manchen Stellen 5*† — 68— beträchtlich tiefer lag, obgleich es erſt der erſte October war, ziemlich beſchwerlich. Früh am Nachmittag kamen ſie über den höchſten Gipfel und ſahen unter ſich eine gegen zwanzig Meilen weite Ebene, welche auf der ent⸗ gegengeſetzten Seite von ihren alten Bekannten, den Pilot Knobs, jenen ſtolz aufſteigenden Bergen begrenzt wurden, welche Hunt auf einem Theile ſeines Wegs im vorher⸗ gehenden Jahre als Landmarken gedient hatten. Durch die dazwiſchen liegende Ebene ſchlängelte ſich ein, gegen fünfzig Schritte breiter Fluß, der zuweilen offen glänzend dahin⸗ floß, öfter aber durch weidenbewachſene Ufer gedeckt ward, die ſeinen Schlangenlauf in der Ebene bezeichneten. Die aus der Geſellſchaft, welche über das Gebirg gekommen waren, unterrichteten Stuart über die Lage eines Theils der Gegend. Sie zeigten ihm, in welcher Richtung der verlaſſene Poſten, Henry's Fort genannt, liegen müſſe, wo ſie ihre Pferde zurückließen und ſich in Kanoes einſchifften; auch ſagten ſie ihm, das Waſſer, wel⸗ ches durch die Ebene unter ihnen fließe, ergieße ſich halb⸗ wegs zwiſchen dem Fort und der Ausmündung des Mad⸗ oder Snake⸗River in den Henry⸗Fluß. Der Charakter dieſer ganzen Gebirgsgegend war ent⸗ ſchieden vulkaniſch, und im Nordweſten, zwiſchen Henry's Fort und den Quellen des Miſſouri ſah Stuart mehrere ſehr hohe Piks, welche mit Schnee bedeckt waren; zwei von ihnen ſandten Rauch in bedeutenden Maſſen augen⸗ — 69— ſcheinlich aus Kratern empor, welche eben in dem Zuſtande des Ausbruchs waren. Als ſie, beim Niederſteigen von den Bergen, den Saum erreichten, entdeckten ſie in einiger Entfernung vor ihnen M'Lellan, welcher die Ebene durchſchnitt. Entweder ſah er ſie nicht, oder er war nicht geneigt, wieder zu ihnen zu ſtoßen— kurz, er verfolgte mürriſch und einſam ſei⸗ nen Weg. Nachdem ſie in die Ebene herabgekommen, reiſten ſie noch ſechs Meilen weiter, bis ſie den kleinen Fluß erreich⸗ ten, welcher hier nur bis zum Knie ging und mit Weiden reich beſetzt war. Hier lagerten ſie ſich für die Nacht. In dieſem Lager erreichte Crook's Fieber einen ſo hohen Grad, daß es ihm unmöglich ward, die Reiſe fortzuſetzen. Einige der Leute lagen Stuart eifrig an, ohne ihn weiter zu gehen, indem ſie auf die große Gefahr hindeuteten, in welche ſie ein längerer Aufenthalt in dieſem unbekannten, öden Lande, von den verrätheriſcheſten, feindſeligſten Wil⸗ den durchſchwärmt, ausſetzen würde. Sie ſtellten ihm vor, daß die Jahreszeit raſch vorrücke, daß das Wetter ſeit einigen Tagen äußerſt kalt geworden, daß die Berge wegen des angehäuften Schnees bereits faſt unzugänglich ſeien und bald unbeſiegbare Hinderniſſe darbieten würden; ihre Vorräthe ſeien erſchöpft; es ſei kein Wild zu ſehen, und ſie dürften es, aus Furcht, die Schwarzfüße heran zu locken, nicht wagen, von ihren Büchſen Gebrauch zu machen. — 70— Das Gemälde, welches ſie entwarfen, war zu wahr, um Widerſpruch zuzulaſſen, und machte auf Stuart's Geiſt einen tiefen Eindruck; aber der Gedanke, ein Mitgeſchöpf, einen Kameraden in einer ſo troſtloſen Lage allein zu laſ⸗ ſen, widerſtrebte ſeinem Gefühle zu ſehr— als daß er ihm einen Augenblick Raum gegeben hätte. Er ſtellte den Leuten vor, Crook's Krankheit könne nicht von langer Dauer ſein, und aller Wahrſcheinlichkeit nach werde er in wenigen Tagen im Stande ſeyn, die Reiſe fortzuſetzen. Mit großer Mühe nur vermochte er es über die Leute, den Ausgang abzuwarten. —- 71— Siebenundvierzigſtes Kapitel. Ben Jones und ein grauer Bär.— Felſige Höhen.— Berg⸗ ſtröme.— Spuren von M'Lellan.— Vulkaniſche Reſte.— Mineraliſche Erdarten.— Eigenthümlicher Thon zu Töpfer⸗ waaren.— MeLellan's unglückliche Lage.— Hungersnoth.— Schauderhafter Vorſchlag eines Verzweifelten.— Ein matt gehetzter Büffelſtier.— Ein gieriges Mahl.— Indianiſche Gräber.— Gaſtfreie Snakes.— Ein trauriges Bündniß. Da die Reiſenden jetzt in einer gefährlichen Gegend waren, wo der Knall einer Büchſe die Wilden heranlocken konnte, mußten ſie ſich hinſichtlich ihrer Lebensmittel auf ihre alte Biberfalle verlaſſen. Der kleine Fluß, an welchem ſie gelagert waren, trug viele„Biberzeichen“, und Ben Jones brach mit dem Grauen des Tages auf, um an den mit Weiden beſetzten Ufern einen paſſenden Platz zum Trappen zu ſuchen. Als er ſich, mit ſeiner Falle auf der Schulter und der Büchſe in ſeiner Hand, durch das Gebüſch Bahn brach, hörte er ein Krachen, wandte ſich um und ſah einen großen grauen Bären mit furchtbarem Brummen auf ſich zukommen. Der kühne Kentuckier war weder durch Mann noch Ungeheuer zu verſchüchtern. Er hob die Büchſe und drückte los. Der Bär war ver⸗ — 272— wundet, aber nicht tödtlich; ſtatt ſich aber auf ſeinen Feind zu ſtürzen, wie dies bei dieſer Bärenart gewöhnlich iſt, zog er ſich in das Gebüſch zurück. Jones folgte ihm mit paſſender Vorſicht eine Strecke, und es gelang Braun, zu entkommen.— Da man vorausſehen konnte, daß der Aufenthalt an dieſer Stelle mehrere Tage dauern würde, und da die Lebensmittel, welche man durch die Biberfalle bezog, in keinem Falle ausreichend ſein konnten, ſo wurde es durch⸗ aus nothwendig, ſelbſt auf Gefahr der Entdeckung hin, in der Umgegend zu jagen. Ben Jones erhielt daher Erlaub⸗ niß, mit ſeiner Büchſe in einer Entfernung von dem Lager zu revieren und brach, trotz Bären und Schwarzfüßen, auf, die Ufer des Fluſſes zu durchſtreifen. Nach wenigen Stunden kam er in ſehr heiterer Laune zurück, denn er war, ungefähr ſechs Meilen vom Lager auf einen Rudel Elenn geſtoßen und hatte fünf geſchoſſen. Dies waren wonnige Nachrichten und die Geſellſchaft brach alsbald auf, um ſich an den Ort zu begeben, wo die Thiere lagen. Sie mußten Crooks auf dem ganzen Wege unterſtützen, denn er war nicht im Stande zu gehen. Hier blieben ſie zwei oder drei Tage, ſchmauſten glücklich von dem Elennfleiſch und dörrten ſich ſo viel, als ſie mit ſich forttragen konnten. Am fünften October war Crooks durch Hülfe einiger einfachen Mittel und eines„indianiſchen Schweißes“ ſo weit hergeſtellt, daß er ſich wieder bewegen konnte; ſie — 73— vertheilten daher ſein Gepäck und ſeine Habe unter ſich und ſetzten ihre Reiſe langſam fort; ſie legten an dieſem Tage nur acht Meilen in ſüdlicher Richtung zurück. Ihr Weg führte größtentheils durch Sümpfe, welche die emſi⸗ gen Arbeiten des Bibers verurſacht hatten; denn dieſes kleine Thier hatte zahlloſe kleine Bäche, die aus den Pilot⸗Knob⸗Bergen kamen, aufgedämmt, ſo daß die Nie⸗ derungen an ihren Grenzen vollkommen überſchwemmt waren. Während ihrem Marſche tödteten ſie einen grauen Bären, deſſen Fett an den Seiten gegen drei Zoll dick war. Es war dies eine ſehr annehmliche Zugabe zu ihrem Elennfleiſch⸗Vorrath. Am nächſten Tage war Crooks wieder kräftig genug, um ſeine Büchſe und ſeine Piſtolen zu tragen, und ſie legten ſiebzehn Meilen dem Saume der Ebenen entlang zurück. Ihre Reiſen wurden täglich beſchwerlicher und ihre Leiden herber, je weiter ſie vorſchritten. Sich an dem Bett eines Baches haltend, gingen ſie über den rauhen Gipfel des Pilot⸗Knob, der neun Zoll hoch mit Schnee bedeckt war. Mehrere Tage hielten ſie fortwährend, ſo viel dies möglich war, eine öſtliche Richtung ein und kamen über eine Reihe klippiger Höhen, tiefer Thäler und reißender Bäche. Manchmal führte ihr ſchwindelnder Pfad an dem Rande ſenkrechter, mehrere hundert Fuß hoher Felſen hin, wo ein einziger falſcher Tritt ſie in die furchtbare Tiefe ſtürzen konnte, in welcher ein Waldbach ſchäumte. Nicht der kleinſte Theil ihrer großen Mühen — 74— war das Ueberſchreiten zahlloſer ſich windender Bergbäche, welche ungeſtüm und reißend dahinſchoſſen und eiskalt waren. Der Hunger kam zu ihren übrigen Leiden und wurde bald das Herbſte derſelben. Der kleine Vorrath von Bären⸗ und Elenn⸗Sleiſch, welchen ſie nebſt ihren übrigen Laſten mit ſich fortzutragen im Stande geweſen, reichte nur für ſehr kurze Zeit aus. In ihrem Eifer, ſich fort⸗ zuarbeiten, blieb ihnen nur wenig Zeit zur Jagd, und Wild war nur ſelten zu ſehen. Drei Tage hatten ſie nichts zu eſſen, als eine kleine Ente und einige aͤrmliche Forellen. Sie ſahen dann und wann Heerden von Anti⸗ lopen und verſuchten jede Kunſt, um ſie in Schußweite zu bringen; dieſe ſchüchternen Thiere waren aber noch wilder als gewöhnlich und ſprangen, wann ſie die hunger⸗ gequälten Jäger eine Zeitlang geneckt hatten, in Windes⸗ eile davon, jeder Verfolgung ſpottend. Endlich waren ſie ſo glücklich, eines derſelben zu tödten; es war ungemein mager und gab nur ein ſpärliches Mahl ab; doch vertheil⸗ ten ſie es ſo, daß ſie mehrere Tage davon lebten. Am eilften lagerten ſie ſich an einem kleinen Bache, an dem Fuße des Colorado⸗Gebirgs. Hier fanden ſie Spuren jenes eigenwilligen und einſamen Weſens, Meellan's, welcher in dieſen einſamen Gebirgen immer noch vor ihnen herreiſte. Er hatte ſich die Nacht vorher an dieſem Bache gelagert; ſie fanden die heiße Aſche des Feuers, an welchem er geſchlafen hatte, und die Reſte — 5— eines kleinen Wolfs, der ihm das Abendeſſen geliefert. Es war augenſcheinlich, daß er, wie ſie, an den Qualen des Hungers gelitten hatte, obgleich es ihm in dieſem Lager beſſer geworden war, denn ſie hatten keinen Biſſen zu eſſen. Am nächſten Tage erhoben ſie ſich hungrig und emſig und brachen mit dem Morgengrauen auf, um den Berg zu erklimmen, der ſteil und ſchwierig war. Spuren von vulkaniſchen Wirkungen waren in allen Richtungen zu ſehen. Auch fanden ſie hier eine Thonart, aus welcher die Indianer Töpfe, Krüge und Teller machen. Sie iſt ſehr ſchön, leicht, von angenehmem Geruche, von brauner, gelbgefleckter Farbe und löſt ſich leicht in dem Munde auf. Gefäße, welche davon gemacht werden, ſollen jeder Flüſ⸗ ſigkeit einen angenehmen Geruch und Geſchmack mittheilen. Dieſe Gebirge haben auch eine Menge mineraliſcher Erd⸗ arten oder Kreiden von verſchiedenen Farben; beſonders zwei Arten Oker, die eine blaß, die andere von glänzen⸗ dem Roth, wie Scharlach; die Indianer bedienen ſich derſelben häufig zum Bemahlen ihres Körpers. Mittags erreichten unſere Reiſenden die Bäche und „Rinnen“, welche die Quellenwaſſer des Fluſſes bilden, und ſpater ſtiegen ſie bis dahin nieder, wo das Geſammt⸗ waſſer, ein ſeichter, gegen hundertſechszig Schritte breiter Fluß durch ſein Bergthal ſich dahin ergoß. Hier hatten die armen hungernden Wanderer Büf⸗ felfleiſch in Fülle zu finden gehofft, und während des ermüdenden Weges hatte ihre gierige Erwartung ſie bereits mit den Gedanken an geröſtete Rippchen, ſaftige Rückenſtücke und andere auserleſene Biſſen genährt. Zu ihrer größten Beſtürzung waren die Ufer des Fluſſes ver⸗ laſſen; eine alte Fährte zeigte, daß vor langer Zeit hier eine Heerde Büffel vorübergekommen; aber kein Horn und kein Haar war in dieſer öden Landſchaft zu ſehen. Einige Antilopen ſahen von der Spitze einer Klippe auf ſie herab, verſchwanden aber mit der Eile des Gedankens, ſobald ein Jäger ſich zu nähern ſuchte. In dem Zuſtande der größten Niedergeſchlagenheit gingen ſie noch mehrere Meilen weiter das Ufer des Fluſſes entlang, und ſuchten „Biberzeichen.“ Da ſie keine fanden, lagerten ſie ſich in der Nähe, und Ben Jones brach ſogleich auf, um die Falle zu ſtellen. Sie waren kaum zum Halt gekommen, als ſie in einiger Entfernung nach Südweſten einen ſtarken Rauch entdeckten. Dieſer Anblick wurde mit einem Freude⸗ ruf begrüßt, denn ſie hofften, der Rauch ſteige aus einem indianiſchen Lager empor, wo ſie ſich etwas zu eſſen ver⸗ ſchaffen könnten, und die Furcht vor dem Hungertode hatte jetzt ſelbſt den Schrecken vor den Schwarzfüßen beſiegt.* Stuart ſchickte ſogleich Leclerc, einen der Kanadier, ab, um zu recognosciren; und die Reiſenden blieben bis ſpät am Abend auf, auf ſeine Rückkehr wartend und har⸗ rend, und der Hoffnung hingegeben, er werde ihnen etwas zu eſſen bringen. Die Mitternacht kam heran, ohne daß 7 — 44— Leclerc zurückkehrte, und ſie legten ſich abermals ohne Nachteſſen zum Schlafe nieder; ſie tröſteten ſich mit der Hoffnung, ihre alte Biberfalle würde ſie mit einem Früh⸗ ſtücke verſorgen. Bei Tagesanbruch eilten ſie mit der Gier des Hun⸗ gers zu der Falle— ſie fanden in ihr die Vorderpfote eines Bibers, deren Anblick ihren Hunger nur erhöhte und ihre Niedergeſchlagenheit vermehrte. Mit gebeugtem Herzen traten ſie ihre Reiſe wieder an, waren aber noch nicht weit gegangen, als ſie Leclerc von ferne auf ſich zukommen ſahen. Sie eilten ihm entgegen und hofften von ihm Nachrichten von einem guten Mahle zu erhalten. Er konnte ihnen keine dieſer Art geben, wohl aber hatte er Kunde von ihrem wunderlichen Gefährten, M'ellan. Der Rauch bam von ſeinem Lager, das Feuer gefangen hatte, während er in einer kleinen Entfernung davon fiſchte. Leclerc fand ihn in einer traurigen Lage. Sein Fiſchen war unergiebig geblieben. Seit zwölf Tagen, die er nun allein in dieſen widen Bergen umher irrte, hatte er kaum irgend etwas zu eſſen gefunden. Er war unwohl, müde, niedergeſchlagen geweſen, war aber immer vorwärts geeilt; nun aber waren ſeine Kraft und ſein Eigenſinn erſchöpft. Er drückte ſeine Freude über die Nachricht aus, daß Stuart und ſein Geleite in der Nähe ſei und ſagte, er würde ihre Ankunſt in ſeinem Lager erwarten, in der Hoffnung, daß ſie ihm etwas zu eſſen geben könnten, denn 3 — 78— ohne Nahrung, erklärte er, ſei er nicht im Stande, einen Schritt weiter zu gehen. Als ſie zur Stelle kamen, fanden ſie den armen Mann auf einem Bündel welken Graſes liegen; er war zu einem vollkommenen Gerippe zuſammen geſchrumpft und ſo ſchwach, daß er den Kopf kaum heben oder ein Wort hervorbringen konnte. Die Gegenwart ſeiner alten Kameraden ſchien ihn wieder zu beleben; ſie konnten ihm aber nichts zu eſſen geben, da ſie ſelbſt vor Hunger faſt vergingen. Sie drangen in ihn, ſich zu erheben und ſie zu begleiten; aber er ſchüttelte den Kopf. Es ſei alles vergeblich, ſagte er; ſie hätten keine Hoffnung, bald Hülfe zu finden, und ohne dieſe würde er auf dem Wege ſter⸗ ben; es ſei daher eben ſo gut, wenn er bleibe und ſterbe, wo er ſei. Nach vieler Ueberredung erhob er ſich endlich; ſeine Büchſe und andere Habe wurde unter die Leute vertheilt; man ſprach ihm Muth ein und half ihm vor⸗ wärts. Auf dieſe Weiſe legten ſie an dieſem Tage ſieben⸗ zehn Meilen zurück; ihr Weg führte über eine ganz ebene Sandfläche; als ſie einige Antilopen in der Entfernung ſahen, ſchlugen ſie ihr Lager an einem kleinen Bache auf. Wer ſich nur rühren und regen konnte, brach nun auf und ging auf die Jagd, um etwas in den Topf zu ſchaffen. Ihre Anſtrengungen waren vergeblich und ſie kehrten, bis zur Verzweiflung ausgehungert, in das Lager zurück. Als ſie ſich anſchickten, zum dritten Male ſich, ohne einen Biſſen zu eſſen, zur Ruhe zu legen, näherte ſich — 79— Leclere, einer der Kanadier, außer ſich vor Hunger, Stuart mit ſeiner Büchſe in ſeiner Hand.„Es ſei alles vergeblich,“ ſagte er,„und an ein Weiterreiſen nicht zu denken, wenn ſie nichts zu eſſen bekamen. Sie hätten eine öde Ebene vor ſich, welche ſich noch zwei bis drei Tagereiſen ausdehnte und auf der nichts zu haben ſei. Sie müßten alle Hungers ſterben, ehe ſie das Ende der⸗ ſelben erreichten. Es ſei darum beſſer, daß Einer von ihnen ſterbe, um die Uebrigen zu retten.“ Er ſchlug daher vor, ſie ſollten looſen, und, um Stuart zu vermögen, in den Vorſchlag einzuwilligen, ſetzte er hinzu, er(Stuart), als der Anführer der Geſellſchaft, ſollte ausgenommen ſein. Stuart ſchauderte bei dieſem furchtbaren Vorſchlag und bemühte ſich, den Mann zur Vernunft zu bringen; ſeine Worte waren aber in den Wind geſprochen. Endlich ergriff er ſeine Büchſe und drohte, ihn auf der Stelle zu erſchießen, wenn er auf ſeinem Vorſchlage beſtünde. Der ausgehungerte Menſch ſiel auf ſeine Kniee und bat ihn in den demüthigſten Ausdrücken um Verzeihung; er ver⸗ ſprach, ihn nie wieder mit einer ähnlichen Anmuthung zu beleidigen. 3 Als die Ruhe in dem traurigen Lager wieder her⸗ geſtellt war, ſuchte jeder den Schlaf. Die Erregung, in welche der eben erzählte Vorfall Stuart verſetzt hatte, war ſo groß und wirkte ſo ſehr auf ſeinen erſchöpften Körper, daß er kaum zu ſeiner ärmlichen Ruheſtätte kriechen konnte, wo er, ſeiner großen Ermüdung ungeachtet, eine ſchlafloſe Nacht hinbrachte und über ihrer traurigen Lage und der verzweifelten Ausſicht, welche ſie vor ſich hatten, brütete. Am nächſten Morgen waren ſie ſchon vor Tagesan⸗ bruch auf und unterwegs; ſie hatten nichts, das ſie auf⸗ halten konnte; kein Frühſtück war zu bereiten und Zaudern war gewiſſer Tod. Der Marſch ging aber nur langſam vor ſich, denn ſie waren alle ſchwach und matt. Dann und wann kamen ſie an Schädeln und Gerivpen von Büffeln vorüber, woraus ſie ſahen, daß man auf dieſe Thiere in dem letzten Frühjahre hier Jagd gemacht hatte. Der Anblick dieſer Knochen diente nur, ihres Elendes zu ſpotten.. Nachdem ſie gegen neun Meilen über die Ebene zurückgelegt hatten, ſtiegen ſie einen Hügelabhang hinan und waren raum zwei Meilen weiter gegangen, als ſie, zu ihrer größten Freude, einen„alten abgehetzten Büffel⸗ ſtier“ erblickten,— wahrſcheinlich ein Nachzügler von einer Heerde, welche durch die Berge gejagt und verfolgt worden war. Sie umgingen nun alle das einſame Thier, um es in die Mitte zu bekommen und ſich ſeiner zu verſichern, denn ihr Leben hing von deſſen Habhaftwerdung ab. Nach bedeutenden Anſtrengungen und unſäglicher Angſt gelang es ihnen endlich, den Büffel zu tödten. Er wurde augenblicklich abgehäutet und ausgenommen und ihr Hun⸗ ger war ſo ſchrecklich, daß ſie einen Theil des Fleiſches roh verzehrten. Das Uebrige trugen ſie zu einer nahen — 81— Quelle, wo ſie ſich lagerten, Feuer machten und zu kochen anfingen. Stuart fürchtete ſehr, in ihrem ausgehungerten Zu⸗ ſtande möchten ſie bis zum Uebermaße eſſen und ſich ſchaden. Er ließ von einem Theile des Fleiſches eine Suppe machen und befahl, daß jeder als Vorſpiel zu dem Abendeſſen davon genieße. Dies mag von heilſamer Wir⸗ kung geweſen ſein, denn obgleich ſie bis tief in die Nacht aufblieben und ſchwelgten, ſo klagte doch keiner über Unbehaglichkeit. 3 Am nächſten Morgen begann das S mauſen von neuem, und gegen Mittag, als ſie ſich etw s erholt und erquickt fühlten, ſetzten ſie mit friſch belebtem Muthe ihre Reiſe fort. Sie wendeten ſich einem Berge zu, deſſen Gipfel ſich öſtlich ſtolz in die Lüfte erhob und in deſſen Nähe ſie die Quellenwaſſer des Miſſouri zu finden hofften Fortwährend ſahen ſie auf ihrem Wege Gerippe von Büffeln auf der Ebene nach allen Richtungen zerſtreut— ein Beweis, daß die Indianer in der letzten Jagdzeit hier bedeutende Beute geſammelt haben mußten. Sodann kamen ſie über eine ſtarke indianiſche Fährte, welche einen tiefen Pfad bildete, gegen vierzehn Tage alt ſein mochte und ſich gen Norden wendete. Sie ſchloſſen, ſie müſſe von einer zahlreichen Horde Krähen herrühren, welche den größern Theil des Sommers hier gejagt hatten. Anm folgenden Tage ſetzten ſie über einen ziemlich bedeutenden Bach, deſſen Ufer mit Fichten beſetzt waren. 63.— 65. 6„ — 82— Unter dieſen fanden ſie die Spuren eines großen india⸗ niſchen Lagers; wahrſcheinlich war hier das Haupt⸗ quartier des Jagdzuges geweſen, denn in der Umgegend war eine Menge Büffelknochen zerſtreut. Das Lager war augenſcheinlich ſeit einem Monat ungefähr verlaſſen worden. In der Mitte war eine ſeltſame Hütte, hundertfünfzig Fuß im Umfang und von den Stämmen von zwanzig Bäumen getragen, die zwölf Zoll im Durchmeſſer hatten und vierundvierzig Fuß lang waren. Ueber dieſe waren Aeſte von Fichten und Weiden gelegt, ſo daß ſie einen erträglichen Schatten gaben. An dem weſtlichen Ende, unmittelbar dem Eingange gegenüber, waren drei Leichen, die Füße gegen Oſten gewendet, begraben. Zu den Häup⸗ ten eines jeden Grabes war ein rother Cedernaſt feſt in den Boden gerammt. Zu den Füßen war ein großer, ſchwarz gemalter Büffelſchädel. In manchfachen Theilen des Gebäudes waren wilde Zierrathen und eine große Menge von Kinder⸗Mocaſſins aufgehängt. Nach der Größe dieſes Baues und der zu deſſen Aufführung ver⸗ wendeten Zeit und Mühe waren die Leichen, welche er enthielt, wahrſcheinlich die von berühmten Kriegern und Jägern. Am nächſten Tag— den ſiebenzehnten October— kamen ſie an zwei großen Quellenwaſſern des ſpaniſchen Fluſſes vorüber. Sie entſprangen in dem Wind⸗River⸗ Gebirg, das ſich, furchtbar hoch und wild, aus ungeheuern — 83— ſchwarzen Felſenmaſſen beſtehend, faſt ganz ohne Waldung, und an vielen Stellen mit Schnee bedeckt, in öſtlicher Richtung hinzog. Dieſen Tag ſahen ſie einige Büffelſtiere und Antilopen, konnten aber nicht zum Schuſſe kommen, und ihr Mundvorrath begann wieder ſpärlich und arm zu werden. Am achtzehnten October zogen ſie über eine gebirgige Höhe und durchſchnitten eine Ebene, worauf ſie durch einen der Arme des ſpaniſchen Fluſſes wateten und, als ſie an deſſen Ufer hinauf gingen, auf hundertdreißig Schlangen⸗Indianer ſtießen. Sie waren freundlich in ihrem Benehmen und führten ſie in ihr Lager, das unge⸗ fähr drei Meilen entfernt war. Es beſtand aus vierzig Wigwams, die hauptſächlich aus Fichtenäſten erbaut waren. Die Snakes waren, wie die Mehrzahl dieſes Stammes, ungemein arm; die diebiſchen Krähen hatten auf ihrem letzten Zuge durch die Gegend dieſe unglückliche Horde bis auf das Blut ausgeſaugt, und ihre Pferde, mehrere ihrer Squaws und ihre meiſte Habe mitgenommen. Trotz ihrer Armuth waren ſie ungemein gaſtfrei und hießen die hun⸗ gernden Fremden in ihren Hütten willkommen. Einige Kleinigkeiten verſchafften ihnen einen Vorrath von Büffel⸗ fleiſch, ſo wie Leder zu Mocaſſins, deren die Geſellſchaft ſehr bedürftig war. Das Schätzbarſte aber, was ſie von ihnen erhielten, war ein Pferd; es war allerdings ein klägliches, altes Thier, aber es war das einzige, das den armen Indianern geblieben, nachdem die wilden Krähen 6* — 34— ſie geplündert hatten; eine Piſtole, ein Beil, ein Meſſer und einige andere unbedeutende Gegenſtande vermochten ſie, es ihren Gäſten abzutreten. Sie hatten traurige Geſchichten von den Krähen zu erzählen, welche an einem Bache in nicht großer Entfer⸗ nung nach Oſten hin gelagert und ſo zahlreich waren, daß ſte, die Snakes, es nicht wagen konnten, ihre Unbilden zu rächen oder ein Pferd oder eine Squaw zurückzufor⸗ dern. Sie bemühten ſich, den Unwillen ihrer Beſucher durch die Erzählungen von Räubereien und Mordthaten zu erregen, welche Krähen und Schwarzfüße an einſamen weißen Jäͤgern und Trappern verübt hatten. Einige der⸗ ſelben waren Uebertreibungen der bereits erwähnten Unbil⸗ den, welche einige der zerſtreuten Glieder von Hunt's Expedition erfazren hatten; andere waren aller Wahr⸗ ſcheinlichkeit nach reine Erfindungen, welchen die Snakes, wie es ſchien, ein wenig zugethan waren. Stuart verſicherte ſie, der Tag ſei nicht mehr ſehr fern wo die Weißen ihre Macht in dem ganzen Gebiete darthun und an den Vollbringern ſolcher Uebelthaten die ſchrecklichſte Rache nehmen würden. Die Schlangen drück⸗ ten ihre große Freude über dieſe Nachrichten aus und boten ihre Dienſte zur Unterſtützung der gerechten Sache an, jubelnd bei dem Gedanken, mit ſo mächtigen Verbün⸗ deten in das Feld zu ziehen, und ohne Zweifel ſich freuend, daß dann die Reihe an ſie komme, Pferde zu ſtehlen und — 85— Squaw's zu entführen. Ihre Anerbietungen wurden natürlich angenommen; das Friedens⸗Calumet wurde her⸗ beigebracht, und die zwei kläglichen Mächte rauchten auf ewige Freundſchaft unter ſich und auf Rache an ihren gemeinſchaftlichen Feinden, den diebiſchen Krähen. Achtundvierzigſtes Kapitel. Landſchaft am ſpaniſchen Fluſſe.— Fährte von Krähen⸗India⸗ nern.— Ein Schneeſturm.— Ein ermunterndes Feuer und ein Büffelmahl.— Eine Salzebene.— Erklettern eines Berges.— Vulkaniſcher Gipfel.— Verlöſchter Krater.— Seemuſcheln.— Lager auf einer Prairie.— Glückliche Jagd.— Gutes Mahl. — Romantiſche Scenerie.— Felspaß.— Schäumende Schnel⸗ len.— Die feurigen Engen. Mit dem Sonnenaufgang des folgenden Tages— den neunzehnten October— hatten die Reifenden ihr altes Pferd mit Büffelfleiſch, das für fünf Tage hinreichte, bela⸗ den, nahmen Abſchied von ihren neuen Verbündeten, den armen, aber gaſtfreien Snakes, und brachen etwas heiterer und wohlgemuther auf, obgleich die geſteigerte Kälte des Wetters und der Anblick der ſchneebedeckten Berge, über welche ſie noch wandern mußten, hinreichten, das Herz in der Bruſt zu vereiſen. 1 Die Gegend entlang dieſes Armes des ſpaniſchen Fluſſes war, ſo weit ſie ſehen konnten, ganz eben und öſtlich und weſtlich von hohen Bergketten begrenzt. Sie zogen gegen drei Meilen nach Süden zut, wo ſie wieder — 82— auf die ſtarke Fährte der Krähen⸗Indianer kamen, welche ſie am vorigen Tage durchſchnitten hatten, und die ohne Zweifel derſelben freibeuteriſchen Horde angehörte, welche die armen Schlangen geplündert und, den Nachrichten der letztern zu Folge, an einem Bache nach Oſten hin ihr Lager aufgeſchlagen hatte. Die Fährte zog ſich ſüdöſtlich fort und war von Pferden und Menſchen ſo zerſtampft, daß mehrere hundert Familien, wie man annahm, vor⸗ übergekommen ſein mußten. Da ſie in dieſer Weiſe eine vollkommene Heerſtraße abgab und in einer paſſenden Richtung hinzog, folgten ſie ihr und beſchloſſen, ſo lange auf ihr zu bleiben, als es ſich irgend mit ihrer Sicherheit vertrüge, da das Krähenlager eine bedeutende Strecke ent⸗ fernt ſein mußte und es nicht wahrſcheinlich war, daß dieſe Wilden auf demſelben Wege zurückkehrten. Sie zogen daher den ganzen Tag auf der Faͤhrte ihrer gefährlichen Vorgänger weiter und kamen über Bergbäche und ſteile Höhen entlang und durch enge Thäler— ſtets einer ſüd⸗ öſtlichen Richtung folgend. Der Wind wehte kalt aus Nordoſten, und dann und wann kam Schneegeſtöber, ſo daß ſie frühe ihr Lager an dem geſchützten Ufer eines Baches bezogen. Die zwei Kanadier, Vallée und Leclerc, tödteten am Abend einen jungen Büffelſtier, der ſehr fett war und ihnen einen trefflichen Vorrath friſchen Fleiſches bot. Sie beluden daher ihre Bratſpieße und pfropften ihre Lagerkeſſel voll Fleiſch, und während der Wind heulile und der Schnee um ſie wirbelte, waren ſie um ein bele 4 — 88— bendes Feuer geſchäftig, thaten ſich an der Waͤrme gütlich und ſtärkten Seele und Leib mit einem tüchtigen, kräftigen Mahle. Keine Freuden ſind ſo erregend und belebend, wie die, welche man inmitten von Gefahren und Beſchwer⸗ den haſcht; und es iſt wahrſcheinlich, daß dieſe armen wegesmüden und wettergeſchlagenen Reiſenden dieſe bele⸗ benden Genüſſe um ſo höher empfanden, als ſie ringsum von Oeden umgeben und die gefährlichen Krähen in der Nähe waren. Der Schnee, welcher in der Nacht gefallen war, wurde Urſache, daß die Geſellſchaft erſt ſpaät am Morgen ihr ein⸗ ſames Packpferd belud und ihren Weg antrat. Sie waren noch nicht weit, als der Krähen⸗Pfad, welchem ſie folgten, ſeine Richtung änderte und nordöſtlich hinzog. Sie hat⸗ ten bereits angefangen, ſich auf gefährlichem Grunde zu fühlen, als ſie demſelben folgten, da ſie durch einen der Kundſchafter und Spione dieſer Raſſe von Freibeutern, deren diebiſches Leben es nothwendig machte, daß ſie ſtets auf dem Lugaus waren, entdeckt werden konnten. Als ſie daher ſahen, daß die Fährte ſich ſo ſehr gegen Norden wendete, verließen ſie ſie und zogen achtzehn Mei⸗ len weit in ſüdöſtlicher Richtung durch eine ſchöne wellige Gegend fort, wo ſie die Hauptgebirgskette zur Linken und einen bedeutenden Höhenzug auf ihrer Rechten hatten. Die Bergkette, welche den Windfluß von den Quellen⸗ waſſern des Kolumbia und des Kolorado(des ſpaniſchen — 89— Fluſſes) ſcheidet, fällt hier plötzlich ab und wird, ſich nord⸗ öſtlich wendend, die Scheidebarre zwiſchen einem Arm des Großhorn⸗ und Cheyenne⸗Fluſſes und der Quellen⸗ waſſer, welche unter dem Sioux⸗ Geblete in den Miſſouri fließen. Da die Höhen, welche zur Rechten der Reiſenden hinzogen, ſich ſehr ſenkten, überſtiegen ſie dieſelben und kamen in eine ganz wagerechte Ebene, welche zehn Meilen im Umfange haben mochte und bis zur Tiefe eines Fußes oder achtzehn Zoll mit Salz, ſo weiß wie Schnee, bedeckt war. Dies rührt von zahlloſen Salzquellen her, welche unaufhörlich emporwallen, ihre Ufer überſtrömen und ſchöne Cryſtalliſationen bilden. Die indianiſchen Stämme des Innern haben dieſes Salz ſehr gern und begeben ſich in das Thal, es zu ſammeln; die Stämme der Seeküſte aber mögen es nicht und eſſen nichts, das damit eingeſal⸗ zen oder gewürzt iſt..4* Dieſen Abend lagerten ſie ſich an den Ufern eines kleinen Baches in der offenen Prairie. Der Nordwind war ſcharf und ſchneidend; ſie hatten nichts, um Feuer anzumachen, als ein ärmliches Geniſte von Salbei oder Wermuth, und waren froh, ſich bei guter Zeit in ihre Blankets hüllen und in ihren„Neſtern“ zuſammendrücken zu können. Während dem Abend tödtete MeLellan, der jetzt wieder vollkommen bei Kraft war, einen Büffel; da das Thier aber in einiger Entfernung vom Lager gefallen — 95— war, mußten ſie es bis zum folgenden Morgen aufſparen, die Beute zu zerlegen und die Vorräthe zu dörren. Am nächſten Tag— den einundzwanzigſten October dauerten Kälte und Schneegeſtöber fort. Sie wanderten ihren öden, müheſeligen Weg fort und hielten ſich oſtnord⸗ öſtlich, dem hohen Gipfel eines Berges entgegen ziehend, welchen ſie überſteigen mußten. Ehe ſie ſeinen Fuß erreich⸗ ten, kamen ſie über einen andern breiten Pfad, welcher ſich ein wenig rechts von der Spitze des Berges hinzog. Ihrer Anſicht nach rührte dieſer Pfad von einer andern Schaar Krähen her, welche wahrſcheinlich weiter unten an dem ſpaniſchen Fluſſe gejagt hatten. Die Strenge des Wetters zwang ſie, nachdem ſie fünfzehn Meilen gegangen, an dem Saume des Berges ſich zu lagern, wo ſie hinreichend trockne Espenbäume fan⸗ den, um ihr Feuer zu unterhalten; vergebens aber ſahen ſie ſich in der Gegend nach einer Quelle oder einer Waſ⸗ ſerrinne um. Mit Tagesanbruch waren ſie auf und unterwegs, acht qualvolle Meilen an der Seite des Berges emporkletternd. Nach den zufälligen Andeutungen, welche ſich in Stuart's Reiſebemerbungen finden, ſcheint dieſes Gebirg ein reiches Feld für den Geognoſten darzubieten. Hier war eine Ebene, die drei Meilen im Durchmeſſer hatte, welche mit Bimsſtein und andern vulkaniſchen Reſten bedeckt, und in deren Mitte ein See war, welcher wahrſcheinlich den ehe⸗ maligen Krater einnahm. Auch waren hier an manchen — 91— Stellen Seemuſcheln zu ſehen,— ein Beweis, daß dieſer Gebirgskamm ehedem von Wellen beſpült geweſen. Nachdem ſie ausgeruht und ihr Auge an dieſen großen, aber wilden und grauſenhaften Scenen gewendet hatten, begannen ſie auf der öſtlichen Seite des Gebirgs hinab zu ſteigen. Dieſer Weg war rauh, wild, romantiſch— entlang tiefer Schluchten und Engpäſſe, von Klippen und Klüftungen überhangen, wo ſie eine Menge Ahſahtas oder Großhörner ſahen, welche furchtlos von Fels zu Fels ſprangen. Es gelang ihnen, zwei derſelben mit ihren Büchſen zu ſchießen, wie ſie furchtlos von den Kuppen nieder ſahen. Am Fuße des Berges angekommen, fanden ſie eine Quelle, die aus der Erde hervorquoll und an Farbe und Geſchmack dem Waſſer des Miſſouri glich. Hier ſchlugen ſie ihr Nachtlager auf und ſchmauſten mit Behagen von ihrem Ahſahta, das fett war und ihnen trefflich mundete. Der Morgen war hell und ungemein kalt. Früh am Tage kamen ſie an einen Bach, der nach Oſten zwiſchen niedrigen Hügeln von bläulicher Erde, die ſtark mit Vitriol getränkt war, dahinfloß. Dies war nach Stuart's Annahme eines der Quellenwaſſer des Miſſouri, und man beſchloß, ihm zu folgen. Nach einem Marſche von ſechs und zwan⸗ zig Meilen aber kamen ſie an den Gipfel eines Hügels, wo die Ausſicht ihn veranlaßte, ſeinen Entſchluß zu ändern. Er ſah hier in jeder Richtung nach Südoſten hin eine ausgedehnte, nur vom Horizonte begrenzte Ebene, durch welche der erwähnte Bach in ſüdſüdöſtlicher Richtung hin floß. Es konnte daher kein Arm des Miſſouri ſeyn. Er gab nun jeden Gedanken auf, den Bach zu ſeinem Führer zu nehmen, und ging einer Bergkette in Oſten, gegen ſechszig Meilen entfernt, entgegen, in deren Nähe er ein anderes Waſſer zu finden hoffte. Das Wetter ward nun ſo kalt und die Beſchwerden der Reiſe ſo groß, daß er beſchloß, auf den erſten paſſen⸗ den Platz für den Winter Halt zu machen. Sie mußten die Nacht auf einer offenen Prairie, in der Nähe eines ſeichten Teiches, ihr Lager aufſchlagen; nirgends war Holz, um Feuer anzumachen. Der Nordwind blies ſcharf über die nackte Wüſte, und ſie freuten ſich, vor Tagesanbruch ihren unbehaglichen Bivouac zu verlaſſen. Zwei Tage zogen ſie in öſtlicher Richtung fort, den winterlichen Winden und gelegentlichen Schneeſtürmen ent⸗ gegen. Auch litten ſie durch Mangel an Waſſer und muß⸗ ten dann und wann ſich des geſchmolzenen Schnees bedie⸗ nen; dies und der Mangel an Weide brachte ihr altes Packpferd ungemein herab. Sie ſahen viele Büffelſpuren, auch einige Stiere, die aber Witterung von ihnen bekamen und davon gallopirten. Am ſechs und zwanzigſten October ſtrebten ſie nach Oſt⸗Nord⸗Oſt einer Waldſchlucht an einem Berge in gerin⸗ ger Entfernung zu, an deſſen Fuße ſie, zu ihrer großen — 93— Freude, einen reichlichen Bach fanden, welcher zwiſchen weidebeſetzten Ufern dahin floß. Hier machten ſie für die Nacht Halt, und da Ben Jones glücklicherweiſe einen Biber ſgetrappt und zwei Büffelſtiere getödtet hatte, ſo blieben ſie den ganzen folgenden Tag hier gelagert, ſchmau⸗ ſten und pflegten der Ruhe und ließen ihr abgetriebenes Pferd ſich von den Beſchwerden der Reiſe erholen. Der kleine Bach, an welchem ſie ſich gelagert hatten, war eines der Quellenwaſſer des Laplatte⸗Fluſſes, der in den Miſſouri fließt; er war wirklich die nördliche Gabel dieſes Fluſſes, obgleich unſere Reiſenden dies erſt lange nachher entdeckten. Dem Laufe dieſes Baches ungefähr zwanzig Meilen folgend, kamen ſie zu einer Stelle, wo er ſich durch eine hohe Hügelkette, die mit Cedern bedeckt war, in eine ausgedehnte Niederung Bahn bricht, welche zahlloſen Heerden von Buffeln treffliche Weide bot. Hier tödteten ſie drei Kühe— die erſten, deren ſie habhaft werden konnten, denn bisher hatten ſie ſich mit dem Fleiſch von Stieren begnügen müſſen, das in dieſer Zeit des Jahres ungemein zähe iſt. Das feiſte Fleiſch des Rückens gab einen Braten ab, welcher einem Epikuräer gemunde hätte. Spät am Nachmittag kamen ſie zu einer Stelle, wo der Bach, welcher nun ſchon eine bedeutende Tiefe hatte, zwiſchen Felſen von rothem Geſtein, zweihundert Fuß hoch, dahinbrauſte. Eine Strecke ſchoß er über unge⸗ heure Felſenmaſſen, mit ſchäumendem uUngeſtüm dahin, — 94— als zürnte er, ſich in ein ſo enges Bett eingedämmt zu ſehen und ſtürzte ſich endlich in eine Klüftung hinab, welche in dem wachſenden Dämmerlichte düſter und furcht⸗ bar ausſah. Einen Theil des nächſten Tages leitete ſie der wilde Fluß in ſeinen launiſchen Irrgängen durch viele anziehende Scenerien. Manchmal waren ſie auf hohen Ebenen, Terraſ⸗ ſen auf Bergen ähnlich, wo Heerden von Büffeln um ſie ſchwärmten; dann wieder in rauhen, felſigen Engpäſſen und zerklüfftetem Geklipp und hohen Abhängen, wo das ſchwarzgeblümte Reh auf den Felſen umher ſprang und das Großhorn ſich an der ſonnigen Kuppe eines Abhangs gütlich that. Später am Tage kamen ſie zu einer andern Scene, welche die bereits beſchriebenen an wilder Größe noch übertraf. Sie waren eine Strecke durch einen Gebirgs⸗ paß gekommen und hielten ſich in gleicher Linie mit dem Fluſſe, welcher ungeſehen durch eine tiefe Schluͤcht hin⸗ brauſte. Manchmal näherte ſich ihr irrer Pfad dem Rande der Klippen, unter denen der Fluß ſchäumte und über die Felſenmaſſen, welche in ſein Bett geſtürzt waren, ſpru⸗ delnd und kochend dahin tobte. Als ſie vorſichtig weiter zogen und ihr armes Pack⸗ pferd dieſe ſchwindelnden Höhen entlang führten, kamen ſie plötzlich zu einer Stelle, wo der Fluß eine Reihe von Felſenabhängen hinab donnerte, Waſſerſtaubwolken empor — 95— warf und furchtbar gohr und brauſte. Die Reiſenden weilten eine Zeitlang mit einem gemiſchten Gefühle von Schrecken und Entzücken vor dieſem Waſſerfalle, welchem Stuart wegen der Farbe der überhängenden Felſen den Namen„die feurigen Engen“ gab. Neunundvierzigſtes Kapitel. Winterſtürme.— Ein Halt und eine Berathung.— Winter⸗ Cantonirung.— Schönes Jagdrevier.— Wild der Berge und der Ebenen.— Glückliche Jagd.— Crooks und ein grauer Bär.— Das Wigwam.— Großhorn und Schwarzblume.— Büffelfleiſch und Wildpret.— Gutes Quartier und gute Laune. — Ein Allarm.— Eindringlinge.— Unwillkommene Gäſte.— Verwüſtungen der Speiſekammer.— Feinſchmeckerthaten hung⸗ riger Wilden.— Das gute Quartier aufgegeben. Die Reiſenden lagerten ſich die Nacht an den Ufern des Fluſſes unter dem Waſſerfall. Die Nacht war kalt und es regnete und ſchneite. Der Morgen brach düſter an; der Himmel war trüb und umzogen und drohte mit ferneren Stürmen; trotz des Wetters aber trat die kleine Schaar ihre Reiſe an. Die wachſende Strenge der Jah⸗ reszeit aber, welche ſich in den gebirgigen Gegenden und auf jenen nackten Hochebenen früher fühlbar macht, veran⸗ laßten einen Halt und eine ernſte Berathung, nachdem ſie gegen dreißig Meilen weiter an dem Fluſſe herabgegangen waren. Alle waren überzeugt, daß es 3 vergellſh ſei; in dieſer unwirthlichen Jahreszeit das Ziel ihrer Reiſe erreichen zu — 97— wollen. Sie hatten noch viele hundert Meilen zurückzu⸗ legen, ehe ſie an das Hauptgewäſſer des Miſſouri kamen, und ihr Weg führte über weite, nackte, öde und holzloſe Prairien. Die Frage war alſo, wo ſie ihr Winterquartier aufſchlagen ſollten, und ob es räthlich ſei, noch weiter am Fluſſe hinabzugehen, oder nicht. Sie hatten anfangs geglaubt, er ſei einer der Quellenwaſſer des Miſſouri. Nachher gaben ſie ſich der Anſicht hin, er ſei der Rapid⸗ oder der Quicourt⸗River— eine Meinung, in welcher ſie der Wahrheit nicht näher gekommen waren; jetzt aber waren ſie überzeugt— und ſie irrten ſich abermals— er ſei der Cheyenne, weil er ſich ein wenig nach Nordoſten wandte. In dieſem Falle, ſagten ſie, mußte ein ferneres Verfolgen ſeines Laufes ſie zu den Indianern führen, von welchen der Fluß ſeinen Namen hat. Unter dieſen würden ſie ohne Zweifel Leute von dem Sioux⸗Stamme treffen. Dieſe würden ihre Verwandten, die Piraten⸗ Sioux des Miſſouri von der Annäherung einer Geſellſchaft weißer Kaufleute in Kenntniß ſetzen, ſo daß ſie im Früh⸗ ling, wenn ſie den Miſſouri hinab wollten, ohne Zweifel von einer an den Ufern im Hinterhalt liegenden Schaar überfallen und beraubt werden würden. Ergäb' es ſich aber auch, daß dies der Quicourt⸗ oder Rapid⸗River ſei, ſo würde es nicht klug ſein, weiter an ſeinen Ufern hinabzugehen, denn wenn ſie ſich auf dieſe Weiſe aus dem Bereiche der Sioux entfernten, ſo kämen ſie in die Naͤhe der Poncas, eines faſt eben ſo gefährlichen 63.— 65. 7 Stammes. Da ſie nun irgendwo auf dieſer Seite des Miſſouri überwintern mußten, ſo wurde beſchloſſen, nicht weiter abwärts zu gehen, ſondern in dieſen einſamen Bezirken zu bleiben, wo ſie nicht in Gefahr wären, belä⸗ ſtigt zu werden. 3 Dieſer Entſchluß fand um ſo raſchere und allgemei⸗ nere Beiſtimmung, als ſie eine vortreffliche Oertlichkeit für den Winteraufenthalt erreicht hatten, wo ſich alles fand, was zu einem behaglichen Lager erforderlich war. Dieſe Stelle lag an einer ſchönen Ausbeugung des Fluſſes, grade unter ſeinem Austritte aus einem Bergpaſſe, wo er ſich nach Nordoſten wendete. Hier war eine hübſche Niederung, von Baumwollenbäumen bedeckt und von einem dichten Anwuchs von Weiden umgeben, ſo daß ſie Schutz und Brennſtoff und auch Materialien zur Erbauung von Blockhäuſern hatten. Der Fluß brauſte in einer ſtarken Strömung vorbei und war ungefähr hundertfünfzig Schritte breit. Süd⸗ öſtlich erhoben ſich Berge von mäßiger Höhe; der nächſte war gegen zwei Meilen entfernt, aber die ganze Kette zog ſich, ſo weit das Auge reichen konnte, nach Oſten, Süden und Südweſten hin. Ihre Gipfel waren auf weite Strecken mit Fichten bedeckt; auch fanden ſich klei⸗ nere Stellen, die mit Zitterpappeln beſetzt waren. Weiter abwärts waren dichte Wälder von Tannen und rothen Cedern, welche da und dort ſelbſt aus den Ritzen der Zelſen hervorwuchſen. Dieſe Berge waren zerriſſen und — 99— klippig, und ſtarke Felſenblöcke traten aus den Wäldern hervor. Ihre klippigen Schluchten und ſteilen Felsklüfte boten unzähligen Großhorn⸗Heerden eine Zuflucht, wahrend auf den waldigen Kuppen und in den Höhlungen eine Menge Bären und ſchwarzgeblümte Rehe wohnten. Dieſe und die vielen Büffelheerden, welche die tiefern Reviere den Fluß entlang durchſchwärmten, verſprachen den Rei⸗ ſenden reichliche Nahrung in ihrem Winterquartiere. Am zweiten November ſchlugen ſie daher auf dem umwaldeten Punkte ihr Winterlager auf, und ihr erſter Gedanke war, ſich Vorrathe von Lebensmitteln zu ver⸗ 3 ſchaffen. Ben Jones und die beiden Kanadier, nebſt zwei andern von der Geſellſchaft brachen daher auf; ein Ein⸗ ziger blieb nur zur Bewachung des Lagers zurück. Ihre Jagd war ungemein glücklich. Während zwei Tagen tödte⸗ ten ſie zweiunddreißig Büffel und ſammelten das Fleiſch an dem Rande eines kleinen Vaches ungefähr eine Meile vor dem Lager. Glücklicherweiſe feſſelte ein ſtarker Froſt den Fluß, ſo daß ſie das Fleiſch leicht in das Lager brin⸗ gen konnten. An einem der folgenden Tage zog eine Heerde Büffel durch die waldige Niederung an dem Ufer des Fluſſes hin, und ſie tödteten noch fünfzehn dieſer Thiere. Es ergab ſich jedoch bald, daß ſich in dieſer Gegend ein Wild gefährlicherer Art aufhielt. Crooks war eines Tages gegen eine Meile von dem Lager entfernt und ſtieg eine kleine Höhe hinauf, wo man die Ausſicht auf den Fluß hatte. Er war ohne ſeine Büchſe— ein ſeltner — 100— Fall, denn es iſt in dieſen wilden Gegenden, wo man bei jedem Schritt auf ein wildes Thier, oder einen wilden Indianer ſtoßen kann, herkömmlich, das Lager nie unbe⸗ waffnet zu verlaſſen. Der Hügel, auf welchem er ſtand, überſchaute den Grund, auf welchem ſie die vielen Büffel geſchoſſen hatten. Als er ſein Auge an der Ausſicht wei⸗ dete, ſah er etwas in der Niederung, das gradenwegs auf ihn zukam. Zu ſeinem Schrecken entdeckte er, daß es ein grauer Bär mit zwei Jungen ſei. Es war kein Baum in der Nähe, auf welchen er klettern konnte; Davonlau⸗ fen hätte nur zur Verfolgung gereizt, und er würde bald eingeholt worden ſein. Er warf ſich daher auf den Boden und blieb regungslos liegen, auf die Bewegungen des Thieres mit Angſt und Beben wachend⸗ Es kam bis an den Fuß der Höhe heran, wo es umkehrte und in die Wälder ging, da es ſich wahrſcheinlich mit Büffelfleiſch geſättigt hatte. Crooks eilte in das Lager zurück, freute ſich ſeiner Rettung und beſchloß, nie wieder ohne ſeine Büchſe auszugehen. Wenige Tage nach dieſem Vorfalle ſchoß Miller einen grauen Bären in der Umgegend. Da die unter den Büffeln angerichtete Niederlage die Geſellſchaft für den ganzen Winter mit Fleiſch verſah, wenn ſie keine andern Lebensmittel finden ſollten, ſo bega⸗ ben ſie ſich nun mit allem Eifer an die Erbauung eines behaglichen Wigwam. Bald hallte der waldige Bergvor⸗ ſprung von dem ungewohnten Klange ihrer Aexte wider. Einige ſeiner hohen Bäume wurden gefällt und am zweiten — 101— Abend war die Hütte fertig. Sie war achtzehn Fuß lang und acht Fuß tief. Die Wände waren ſechs Fuß hoch, und das Ganze wurde mit Büffelhäuten gedeckt. Der Heerd war in der Mitte, und der Rauch zog durch ein Loch im Dache hinaus. Nun wurden die Jäger ausgeſandt, um Felle für Kleider, Mocaſſins und andere Zwecke herbeizuſchaffen. Das Echo der Berge hallte von dem Knalle ihrer Büchſen wider, und nach zweitägiger Jagd hatten ſie achtundzwanzig Großhörner und ſchwarzgeblumte Rehe erlegt. Die Geſellſchaft ſchwelgte nun in Ueberfluß. Nach allem, was ſie durch Hunger, Kälte, Müdigkeit und Nachtwachen gelitten hatten; nach allen Gefahren, welchen ſie durch verrätheriſche Wilde blosgeſtellt geweſen, freuten ſie ſich innig über die Behaglichkeit und Sicherheit ihrer einſamen Hütte, welche, wie ſie glaubten, ſelbſt vor dem ſpähenden Auge indianiſcher Kundſchafter geborgen war, und in der ſich ein erfreulicher Vorrath fand, und ſie ſahen einem friedlichen, ruhigen Winter entgegen und gedachten Wildpret und Gebirgsrehe und Bärenfleiſch und Mark⸗ knochen und Büffelrücken und andere Leckerbiſſen der Jäger zu röſten, zu ſchmoren, zu braten und zu kochen, und ſich um ihr Feuer gutlich zu thun, zu ſchlafen und zu ruhen, und von beſtandenen Gefahren und Abenteuern zu plaudern und ſich lange Jagdgeſchichten zu erzählen, bis der Frühling heran kame; dann wollten ſie ſich Kanoes von Büffelhäuten machen und den Fluß hinabſchwimmen. — 102— Aus dieſen Glücksträumen wurden ſie eines Morgens bei Tagesanbruch durch ein wildes Geſchrei aufgeſchreckt. Sie ſprangen auf und griffen nach ihren Büchſen. Zwei oder drei Stimmen wiederholten das Geſchrei. Sie ſahen vorſichtig hinaus und erblickten zu ihrem Schrecken meh⸗ rere indianiſche Krieger unter den Bäumen, ſaͤmmtlich bewaffnet und in kriegeriſcher Weiſe bemalt; ſie hegten augenſcheinlich feindliche Abſichten. Miller entfärbte ſich, als er ſie ſah. „Wir ſind verloren,“ ſagte er,„die Wilden gehören dem Stamme der ſchurkiſchen Arapahays an, welche mich voriges Jahr geplündert haben.“ Die Uebrigen ſprachen kein Wort; ſie hängten ſtill ihre Pulverhörner und Kugelbeutel um und ſchickten ſich zum Kampfe an. M'Lellan, der ſein Gewehr am vergan⸗ genen Abend auseinander genommen hatte, ſetzte es in aller Eile wieder zuſammen. Er ſchlug vor, den Lehm zwiſchen den Balken auszuſchlagen, um auf den Feind feuern zu können. „Noch nicht,“ verſetzte Stuart:„wir dürfen weder Furcht noch Mißtrauen zeigen; wir müſſen zuerſt mit ihnen reden. Einer von uns geht hinaus und empfängt ſie ais Freunde.“ Wer ſollte dieſes Wagſtück unternehmen? Es war voller Gefahr— der Entſandte konnte auf der Schwelle der Hütte erſchoſſen werden. — 103— „Der Anführer eines Zugs,“ ſagte Miller,„hat ſtets den Vortritt.“ „Gut!“ erwiederte Stuart—„ich bin bereit.“ Augenblicklich ſchritt er hinaus; einer der Kanadier folgte ihm; die Uebrigen blieben als Beſatzung in der Hütte, um die Wilden im Schach zu halten. Stuart ging hinaus, hielt ſeine Büchſe in der einen Hand und die andere ſtreckte er dem Wilden entgegen, welcher der Häuptling zu ſein ſchien. Der Letztere trat heran und nahm ſie; ſeine Leute folgten ſeinem Beiſpiele und alle ſchüttelten Stuart, zum Zeichen der Freundſchaft, die Hand. Sie erklärten nun die Urſache ihrer Erſchei⸗ nung. Sie waren ein Kriegszug von Arapahay⸗Tapfern. Ihr Dorf lag an einem Bache, mehrere Tagereiſen nach Oſten. Während ihrer Abweſenheit war es von einer Horde Krähen angegriffen und verwüſtet worden; ſie hat⸗ ten mehrere ihrer Frauen und ihre meiſten Pferde ent⸗ führt. Sie wollten ſich nun rächen. Seit ſechszehn Tagen verfolgten ſie die Krähen in den Bergen, hatten ſie bis jetzt aber nicht erreichen können. Mittlerweile hatten ſie faſt gar kein Wild angetroffen und waren halb verhungert. Zwei Tage vorher hatten ſie in den Bergen den Knall eines Feuergewehrs gehört und waren, als ſie der Rich⸗ tung des Tones folgten, zu der Stelle gekommen, wo Wild geſchoſſen worden war. Sie waren augenblicklich der Fährte der Jäger gefolgt, und dieſe Spur hatte ſie in die Nähe der Hütte geführt. — 104— Stuart lud nun den Häuptling und einen andern, welcher ſein Lieutenant zu ſein ſchien, in die Hütte ein, gab aber durch Winke zu verſtehen, daß außer ihnen Niemand eintreten dürfe. Die Uebrigen blieben an der Thüre; andere kamen nach und nach herzu, bis die ganze Schaar, dreiundzwanzig an der Zahl, ſich vor der Hütte geſammelt hatte. Sie waren mit Bogen und Pfeilen, Tomahawks und Scalpirmeſſern, und einige auch mit Flinten bewaffnet. Alle waren zum Kampfe gemahlt und gekleidet und hatten ein wildes, furchtbares Ausſehen. Miller erkannte unter ihnen einige von denſelben Geſellen, welche ihn in dem verfloſſenen Jahre beraubt hatten, und warnte ſeine Kameraden. Jeder war bereit, ſich dem erſten feindſeligen Akte zu widerſetzen; die Wil⸗ den benahmen ſich aber friedlich und zeigten keine Spur jener prahlexiſchen Anmaßung, welche ein Kriegszug der Wilden ſo gern annimmt. Der Häuptling und ſein Lieutenant warfen, als ſie in die Hütte traten, einen lüſternen Blick auf die Queer⸗ balken, welche mit Wildpret und Büffelfleiſch beladen waren. Stuart machte aus der Noth eine Tugend und lud ſie ein, zuzugreifen. Sie warteten nicht darauf, daß man ſie nöthige. Die Queerbalken hatten bald nicht mehr ſo ſchwer zu tragen; Wildpret und Büffelfleiſch wurde den Leuten vor die Thüre gereicht und eine Scene üppiger Schmau⸗ ſerei erfolgte, von welcher ſchwerlich Jemand eine Vor⸗ ſtellung hat, der nicht von der gaſtronomiſchen Befahigung eines Indianers, nach mehrtägigem Faſten, Zeuge gewe⸗ ſen iſt. Die Schwelgerei dauerte den ganzen Tag fort; dann und wann machten ſie allerdings eine Pauſe; ſie war aber ſehr kurz und diente nur, um mit friſchem Eifer und erneuter Kraft wieder zu dem Angriff zurückzukehren. Der Häuptling und ſein Lieutenant übertrafen alle Andern an Kraft und Ausdauer bei ihren Angriffen; gleichſam als wären ſie, ihrer Stellung wegen, verpflichtet, bei jeder Art Scharmützel ſich auszuzeichnen. Stuart ſorgte dafür, daß ſie ſtets mit ausgeſuchten Biſſen verſehen waren, denn es war ſeine Abſicht, ſie zu überfüttern und abzuhalten, die Hütte zu verlaſſen, wo ſie als Geiſeln für das gute Betragen ihres Geleites dienen konnten. Nur Ein Mal während des ganzen Tages ging der Häuptling hinaus. Stuart und einer der Leute begleiteten ihnze mit ihren Büchſen bewaffnet, ohne jedoch Mißtrauen zu verrathen. Der Häuptling kehrte bald zurück und erneuerte ſeinen Angriff auf den Mundvorrath. Mit einem Worte, er und ſein würdiger Genoſſe, der Lieutenant, aßen bis ſie nichts mehr ſahen und hörten. Gegen Abend machten die Indianer ihre Zurüſtungen für die Nacht, wie es bei Kriegszügen üblich iſt. Die außerhalb der Hütte warfen zwei Bruſtwehren auf, hinter welche ſie ſich zu ziemlich früher Stunde zurückzogen und wie überfütterte Jagdhunde ſchliefen. Der Häuptling und ſein Lieutenant brachten die Nacht in der Hütte zu; ſie — 196— ſtanden während derſelben zwei oder dreimal auf, um zu eſſen, während unſere Reiſenden abwechſelnd bis zum Morgen Wache hielten. Kaum graute der Tag, ſo begann die ganze Bande die Schmauſerei wieder und ſetzte ſie mit erſtaunlicher Kraft bis um zehn Uhr fort, wo ſich alle zur Abreiſe anſchickten. Sie ſagten, ſie hätten noch ſechs Tagereiſen zu machen, ehe ſie die Krähen erreichen könnten, welche, wie ſie vernommen, an einem Fluſſe nach Norden gela⸗ gert ſeien; ihr Weg führe durch ein kahles, ödes Land hin, wo kein Wild zu finden; ſie würden überdieß zur Jagd nur wenig Zeit übrig haben und baten daher um einen kleinen Vorrath von Lebensmitteln auf die Reiſe. Stuart lud ſie abermals ein, ſelbſt zuzulangen. Sie thaten dies mit der größten Vorſicht, indem ſie ſich mit den auserleſenſten Stücken beluden und die Vorraths⸗ kammer in einem weit vorgerückten Zuſtande der Sähmwinde ſucht zurückließen. Ihre nächſte Bitte betraf ein Geſchenk von Munition — denn, ſagten ſie, ſie hätten Gewehre, aber kein Pulver und Blei. „Wir ſind arm,“ ſetzten ſie hinzu,—„und müſſen zu Fuß gehen; aber wir werden bald mit Beute beladen und alle wohlberitten, mit Kopfhäuten an unſern Zügeln, zurückkehren. Wir werden dann jedem von euch ein Pferd geben, damit ihr auf eurer Reiſe nicht müde werdet.“ — 107— „Gut,“ ſagte Stuart,„wenn ihr die Pferde bringt, ſollt ihr Pulver und Blei bekommen, aber nicht eher.“ Die Indianer merkten an ſeinem entſchiedenen Tone, daß alles fernere Bitten vergeblich wäre, ſtanden daher mit einem gutmüthigen Lachen ab, brachen ſämmtlich ſehr gut, ſowohl äußerlich als innerlich, befrachtet auf und ver⸗ ſprachen, im Laufe von vierzehn Tagen zurückzukehren. Kaum waren ſie außer dem Bereiche des Gehörs, ſo hielten unſere armen Reiſenden von neuem Rath. Die Sicherheit ihrer Hütte war zu Ende und damit alle ihre Träume von einem ruhigen, behaglichen Winter. Sie waren zwiſchen zwei Feuern. Auf der einen Seite waren ihre alten Feinde, die Krähen; auf der andern die Ara⸗ pahays, nicht minder gefährliche Freibeuter. Das fügſame Benehmen dieſer Kriegerſchaar angehend, ſo hielten ſie daſſelbe für erkünſtelt, um ſie ſicher zu machen und ſie bei einer günſtigern Gelegenheit zu überfallen. Man faßte demnach den Entſchluß, ihre Rückkehr nicht abzuwarten, ſondern dieſe gefährliche Gegend in aller Eiſe zu verlaſſen. Nach dem Ausſagen ihrer Beſucher mußten ſie annehmen, ſie ſeien an dem Quicourt⸗ oder Rapid⸗River, obgleich ſie darin irrten. Sie nahmen ſich daher vor, derſelben bis zu ſeiner Einmündung in den Miſſouri zu folgen; ſollte die rauhe Jahreszeit ſie aber hindern, ſo weit vorzurücken, ſo wollten ſie wenigſtens ſo weit gehen, bis ſie einen Theil des Fluſſes erreicht hätten, — 108— wo ſie ſich ſtärkere und dauerhaftere Kanoes bauen konn⸗ ten, als die von Büffelhäuten. Am dreizehnten December ſagten ſie daher ihrem behaglichen Winterquartiere, wo ſie fünf Wochen lang den Annehmlichkeiten der Ruhe, des Ueberfluſſes und einer geträumten Sicherheit gelebt hatten, unter großem Leid⸗ weſen Lebewohl. Sie hatten noch ihr altes Packpferd zum Begleiter; die Arapahays hatten vergeſſen, es zu ſtehlen, entweder weil ſie beabſichtigten, ſich deſſelben bei ihrer Rückkehr zu bemächtigen, oder weil ſie es des Stehlens nicht werth erachteten. Fünfzigſtes Kapitel. Rauhe Winterreiſe.— Hügel und Ebenen.— Schnee und Eis. — Das Wild verſchwindet.— Eine große öde Ebene.— Ein zweiter Halt für den Winter.— Ein neues Wigwam.— Neu⸗ jahrsfeſt.— Büffelrücken, Zungen und Markknochen.— Rück⸗ kehr des Frühlings.— Kanoes werden in das Waſſeer gelaſſen. — Schlechte Schifffahrt.— Marſch zu Fuß.— Große Prairien. — Verlaſſene Lager.— Pawnee⸗Frauen.— Ein Otto⸗Indianer. — Kriegsneuigkeiten.— Reiſe den Laplatte und Miſſouri hinab. — Empfang zu Fort⸗Oſage.— Ankunft zu St. Louis. Die kurze Zeit der Behaglichkeit und Ruhe, deren ſich die Geſellſchaft in ihrem Wigwam erfreut hatte, machte in den erſten zwei oder drei Tagen die Erneuerung ihrer Müheſeligkeiten unerträglich. Der Schnee lag tief und war auf der Oberfläche leicht gefroren, aber doch nicht ſo, daß ſie darüber hatten weggehen können. Durch das Ein⸗ brechen in dieſe leichte Eiskruſte wurden ihre Füße wund, und ihre Glieder ermüdeten durch das lange Fortſchlep⸗ pen auf dem Boden ohne feſten Halt. Sie waren ſo erſchöpft und muthlos, daß ſie allgemach dem Gedanken Raum gaben, es ſei beſſer zu bleiben und ſich der Gefahr bloszuſtellen, von den Indianern getödtet zu werden, als — 110— ſich ſo mühſam fortzuſchleppen und ſtets fürchten zu müſ⸗ ſen, unterwegs zu Grunde zu gehen. Ihrem elenden Pferde erging es nicht deſſer als ihnen ſelbſt, denn es hatte die erſten Tage kein anderes Jutter, als die Spitzen von Weidenzweigen und die Rinde der Baumwollenbäume. Bei Allen jedoch ſchien Geduld und Muth wieder einzukehren, wie ſie weiter kamen, und ſie ſetzten ihre Reiſe vierzehn Tage lang rüſtig fort, in welcher Zeit ſie eine Strecke von ungefähr dreihundert dreißig Meilen zurück⸗ legten. Einige Tage lief die Bergkette, welche ihrem Wigwam ſo nahe geweſen war, in nicht großer Entfer nung mit dem Fluſſe in gleicher Linie fort, flachte ſich dann aber in kleinen Höhen ab. Manchmal fanden ſie den Fluß von angeſchwemmtem Boden begrenzt und mit Weiden⸗ und Baumwollenbäumen beſetzt; manchmal war die umliegende Gegend nackt und öde. Bald floß er eine bedeutende Strecke zwiſchen klippigen Höhen und Berg⸗ vorſprüngen, die mit Cedern und Pechtannen bedeckt waren, und wo das Großhorn und das Bergroß in Menge angetroffen wurden, dahin; bald irrte er durch Prairien, die von Büffeln und Antilopen belebt waren. Als ſie, dem Laufe des Fluſſes folgend, in niedrigere Gegenden kamen, ſahen ſie dann und wann die Eſche und die weiße Eiche ſich der Weide und dem Baumwollen⸗ daume zugeſellen, und endlich kamen ihnen auch einige wilde Pferde auf einer entfernten Prairie zu Geſicht. Das Wetter wechſelte häufig; zuweilen lag der Schnee — 111— tief; dann hatten ſie einen oder zwei heitere Tage, an denen die Milde und Klarheit des Herbſtes herrſchte; dann war aber die Kälte wieder ſo ſtreng, daß der Fluß ſtark genug zufror, um ſie auf dem Eiſe zu tragen. Während der letzten drei Tage ihrer zweiwöchigen Reiſe änderte ſich jedoch der Charakter der Gegend. Die ſtarken Baͤume wurden ſeltner und ſeltner, und endlich fanden ſie kaum Holz genug, um ihr Eſſen zu kochen. Auch das Wild wurde ſpärlich geſehen, und zuletzt kam ihnen nur dann und wann ein elender abgejagter Büffel⸗ ſtier zu Geſicht, welcher des Schuſſes nicht werth war. Der Schnee lag fünfzehn Zoll tief und machte das Reiſen ſehr angreifend und beſchwerlich. Endlich erreichten ſie eine ausgedehnte Ebene, wo keine Spur von Waldung mehr zu ſehen war, und kein einziges vierfüßiges Thier die öde, nackte Landſchaft belebte. Hier verloren ſie wieder allen Muth und eine neue Bera⸗ thung fand ſtatt. Die Breite des Fluſſes, welche hier faſt eine Meile betrug, das ſehr flache Waſſer, der häufige Triebſand und manche andere charakteriſtiſche Merkmale überzeugten ſie endlich, daß ſie hinſichtlich ſeiner im Irr⸗ thume geweſen, und es drang ſich ihnen nun die Gewiß⸗ heit auf, daß ſie an den Ufern des Laplatte⸗ oder Shallow⸗ (ſeichten) Fluſſes waren. Was ſollten ſie nun thun? Sollten ſie ihm bis zum Miſſouri folgen? In dieſer Jahreszeit weiter zu gehen, chien ihnen ſehr gefährlich. Es war keine Ausſicht, Nahrung und Feuerung zu finden. Die Gegend war der Bäume baar, und obgleich ſie den Fluß entlang Treibholz finden konnten, ſo lag es zu tief unter dem Schnee, als daß ſie es hätten ſuchen können. Das Wetter drohte zu wechſeln, und ein Schneeſturm auf dieſen ausgedehnten Wüſten konnte ſich eben ſo gefähr⸗ lich erweiſen, als ein Staubwirbel in den Steppen Ara⸗ biens. Nach vielem nutzloſen Hin⸗ und Herreden wurde end⸗ lich beſchloſſen, die letzten drei Tagemärſche, gegen ſiebzig Meilen wegs, wieder zurückzugehen und einen Platz auf⸗ zuſuchen, welcher ihnen aufgefallen war, wo ein Anwuchs von Waldbäumen ihnen Schutz verſprach und Wild in Ueberfluß war. Hier wollten ſie nochmals ihr Winter⸗ quartier aufſchlagen und die Zeit erwarten, wo ſie Kanoes in den Fluß laſſen könnten, um auf ihnen hinab zu fahren. Am ſieben und zwanzigſten Dezember kehrten ſie daher um, ſchlugen ihren frühern Weg wieder ein und erreich⸗ ten am dreißigſten den erwähnten Theil des Fluſſes. Hier war der angeſchwemmte Boden eine bis zwei Meilen breit und mit einem Walde von Baumwollenbäumen dicht bedeckt, während Heerden von Büffeln auf der benachbar⸗ ten Prairie zerſtreut waren, deren mehrere bald von ihren Büchſen fielen.. Sie lagerten ſich an dem Ufer des Fluſſes, in einem Gehölz, wo ſich Bäume von hinreichender Größe fanden, um Kanoes daraus zu machen. Hier errichteten ſie für — 113— den augenblicklichen Schutz ein Wetterdach, und begannen unmittelbar, an die Erbauung einer Hütte zu gehen. Der Neujahrstag brach an, aber noch war nicht mehr als eine Wand ihrer Hütte fertig; der heitere, feſtliche Tag ſollte jedoch ſelbſt bei dieſer wetterzerſchlagenen Schaar nicht ungefeiert vorüber gehen. Alle Arbeit wurde einge⸗ ſtellt, das Braten und Kochen ausgenommen. Die aus⸗ erleſenſten Biſſen des Büffelfleiſches, nebſt Zungen, Rückenſtücken und Markknochen wurden in einer Menge verzehrt, welche jeden in Erſtaunen ſetzen würde, der nicht bei Jägern und Indianern gelebt hat; als ein ganz beſonderer Genuß wurde, da die Leute keinen Tabak mehr hatten, ein alter Tabaksbeutel, den man als Reſerve auf⸗ bewahrt hatten, und welcher von dem anziehenden Kraute duftete, geöffnet, und zur Ehre des Tages ſtieg der wür⸗ zige Rauch empor. So vergaßen ſie eine Zeitlang in augenblicklichem, wenn auch nicht allzu üppigem Genuſſe aller vergangenen Leiden und aller Beſorgniſſe wegen der Zukunft, und ihr einſames Wigwam hallte von den Tönen der Freude wider. Den nächſten Tag gingen ſie wieder an ihre Arbei⸗ ten, und am ſechsten dieſes Monats waren ſie fertig. Nun ſchoſſen ſie eine Menge Büffel und ſammelten wieder Vorräthe für den Winter. Die Geſellſchaft war in ihrem zweiten Winterquar⸗ tiere glücklicher. Der Winter verſtrich, ohne daß ein Indianer zum Beſuche erſchienen wäre, und an Wild hatten 63.— 65. 8 — 114— ſie in der Gegend ſtets Ueberfluß. Sie fällten zwei ſtarke Bäume und höhlten ſie zu Kanoes aus; und mit dem Anfange des Frühlings, wo ein mehrere Tage anhaltendes Thauwetter das Eis in dem Fluſſe ſchmolz, machten ſie alle Vorbereitungen, um zu Waſſer weiter zu reiſen. Am achten März ſchwammen ſie in ihren Kanoes den Fluß hinab, fanden aber bald, daß der Fluß, ſelbſt für dieſe flachen Barken, nicht Tiefe genug hatte. Er dehnte ſich ſehr in die Breite aus, war aber ungemein ſeicht und hatte eine Menge Sandbänke und zuweilen mehrere Bet⸗ ten. Sie brachten mit der größten Mühe eines ihrer Kanoes eine Strecke hinab, wobei ſie zuweilen in das Waſſer gehen und es über Sandbanke ſchleifen mußten; endlich ſahen ſie ſich genöthigt, den Verſuch aufzugeben und ihre Fußreiſe wieder anzutreten, wobei ihr altes, treues Packpferd ihnen ſehr zu ſtatten kam, das während der Winterruhe Kräfte geſammelt hatte. Das Wetter, das plötzlich wieder rauher ward, als es den ganzen Winter geweſen, hielt ſie einige Tage auf; am zwanzigſten März aber waren ſie abermals auf dem Marſche. Nach zwei Tagen erreichten ſie die großen nackten Prai⸗ rien, deren winterliches Ausſehen ſie im Dezember gezwun⸗ gen hatte, Halt zu machen und umzukehren. Sie waren nun in das junge Grün des Frühlings gekleidet und hat⸗ ten einen Ueberfluß an Wild. Dennoch fanden ſie, wenn ſie auf ihren kahlen Flächen ohne irgend einen Schutz und — 115— an dem ärmlichen Feuer des trocknen Büffeldüngers bivoua⸗ kiren mußten, die Rachtwinde ſchneidend kalt. Als eines Abends eine Heerde Büffel an ihrem Lager vorüber trabte, tödteten ſie drei derſelben blos ihrer Häute wegen, um ſich damit des Rachts zu ſchützen. Sie ſetzten ihre Reiſe über hundert Meilen weiter fort; große Prairien dehnten ſich vor ihnen aus, wie ſie weiter kamen, und dann und wann erhoben ſich wellige Hügel, die aber ganz baumlos waren. Einmal ſahen ſie einen Trupp von fünf und ſechszig wilden Pferden; aber der Büffel gab es ſo viele, daß die ganze Gegend davon hedeckt ſchien. Wilde Gäaͤnſe ſahen ſie in Menge, und ein großer Sumpf, an welchem ſie vorüber kamen, ſchwarmte von zahlloſen Flügen von Waſſervögeln, unter denen ſie einige Schwäne und eine unendliche Mannigfaltigkeit von— Enten bemerkten. Der Fluß ſchlängelte ſich fortwährend nach Oſt⸗ Nord⸗Oſt hin; er war faſt eine Meile breit, aber zu ſeicht, um nur ein leeres Kanoe zu tragen. Die Gegend dehnte ſich zu einer großen, wagerechten Ebene aus, die nur vom Horizont begrenzt ward, nach Norden ausge⸗ nommen, wo eine Hügellinie einem langen Vorgebirge glich, das ſich in die See hinaus dehnt. Die öde Ein⸗ förmigkeit der Prairien⸗Wüſten begann ungemein ermü⸗ dend zu werden. Die Reiſenden ſehnten ſich nach dem Anblick eines Waldes, eines Gebüſches, eines einzigen Baumes, um dieſer ewigen Einförmigkeit überhoben zu 8* — 116— werden, und begannen auf Alles Acht zu geben, was Grund zu der Hoffnung abgab, ſie näherten ſich dem Ende dieſer ſchrecklichen Wildniß. In dieſer Weiſe wurde das Vorkommen einer beſon⸗ dern Grasart als ein Beweis, daß ſie den Niederungen des Miſſouri nicht mehr fern ſein könnten, freudig begrüßt, und ſie waren entzückt, als ſie einige Prairie⸗Hennen*) aufjagten, eine Hühnerart, die in dem Innern des Lan⸗ des ſelten gefunden wird. Auch bemerkten ſie, als ſie Holz zum Brennen zuſammenlaſen, an einigen Stücken die Spuren einer Axt, was zu vielen Vermuthungen Veranlaſſung gab, wann und von wem die Bäume gefällt worden ſein möchten. So zogen ſie dahin, Seeleuten ähnlich, welche in jedem Grashalme, der auf dem Waſſer ſchwimmt und in jedem vorüberziehenden Vogel Vorboten des erſehnten Landes erblicken. Gegen das Ende des Monats wurde das Wetter ſehr mild, und ſchwerbeladen, wie ſie waren, fanden ſie die Temperatur des Mittags unbehaglich warm. Am Mittag des dreißigſten kamen ſie zu drei verlaſ⸗ ſenen Jagdlagern von Pawnees oder Ottoes, wo nach allen Richtungen Büffelknochen zerſtreut umher lagen; auch fanden ſie die Geſtelle, auf welchen die Häute *) Eine ſchöne Hühnerart, von den Kreolen oft mit dem Faſan verwechſelt. Tetrao cupido. Ueberſ. — 117— ausgeſpannt und getrocknet worden. Die Indianer mußten augenſcheinlich im vergangenen Herbſte hier geweſen ſein. Mehrere Tage wanderten ſie geduldig fort, auf jedes Zeichen ſorgfältig wachend, das ihnen andeuten konnte, wo und wie weit ſie noch von dem Miſſouri wären. Obgleich ſich zahlloſe Spuren von Jagdparthien und Lagern fanden, ſo waren ſie doch ſämmtlich nicht mehr friſch. Die Gegend ſchien verlaſſen. Die einzigen menſch⸗ lichen Weſen, welche ihnen begegneten, waren drei Paw⸗ nee Squaws in einer Hütte, inmitten eines verlaſſenen Lagers. Ihre Männer waren nach Süden hinabhgezogen, um die Büffel zu verfolgen, und hatten dieſe armen Frauen, die zu krank und ſchwach waren, um die Reiſe mitzumachen, hier zurückgelaſſen. 8 Es iſt eine gewöhnliche Sitte bei den Pawnees und wahrſcheinlich auch bei andern umſtreifenden Stämmen, daß ſie, wenn ſie einen Zug in entfernte Gegenden unter⸗ nehmen, welcher keine Hinderniſſe und keine Zögerung zuläßt, die Alten und Kranken mit einem Vorrathe von Lebensmitteln zurücklaſſen, welcher für ihre zeitliche Erhal⸗ tung hinreicht. Iſt dieſer erſchöpft, ſo müſſen ſie zu Grunde gehen, obgleich ihre Leiden manchmal durch feindliche Umzügler abgekürzt werden, welche in das verlaſſene Lager eindringen. Die armen Squaws, deren wir gedachten, mochten etwas dieſer Art von den weißen Fremden erwarten, und obgleich die letztern ſich ihnen auf das wohlwollendſte und — 118— freundlichſte nahten und ihnen mit gedörrtem Büffelfleiſch ein Geſchenk machten, ſo konnten ſie ihre Angſt doch nicht verſcheuchen, noch irgend eine Kunde aus ihnen heraus⸗ bringen. Die erſte Landmarke, welche die Reiſenden in den Stand ſetzte, über ihre Lage mit einiger Gewißheit zu urtheilen, war eine gegen ſiebzig Meilen lange Inſel, nach ihrer Vermuthung Grand⸗Isle(die große Inſel.). War dem ſo, ſo hatten ſie noch hundert vierzig Meilen bis zu dem Miſſouri. Sie ſetzten daher mit erneutem Muthe ihre Reiſe fort und trafen am dritten Tage einen Ottoe⸗ Indianer, welcher ſie in ihrer Vermuthung beſtärkte. Zu gleicher Zeit erhielten ſie eine andere Art Nachricht, welche nicht ſehr tröſtlich war. Seiner Erzählung zufolge war zwiſchen den Vereinigten Staaten und England ein Krieg ausgebrochen, und wirklich dauerte derſelbe ſchon das ganze Jahr, wahrend dem ſie außerhalb des Bereichs aller Nach⸗ richten von den Vorgängen in der civiliſirten Welt gewe⸗ ſen waren.— Der Ottoe⸗Indianer führte unſere Reiſenden in ſein Dorf, das in kleiner Entfernung von den Ufern des Laplatte lag. Hier hatten ſie die Freude, zwei weiße Män⸗ ner zu treffen, Dornin und Roi, indianiſche Handelsleute, welche kürzlich von St. Louis gekommen waren. An dieſe hatten ſie tauſend Fragen in Bereitſchaft, über Alles, was ſich im Inlande und Auslande während des Jahres, das — 119— ſie in der Wildniß begraben geweſen, zugetragen, beſonders aber über die Ereigniſſe des jetzigen Kriegs. Siei ſchickten ſich nun an, ihre beſchwerliche Reiſe zu Land aufzugeben und ſich einzuſchiffen. Ein Handel wurde mit Dornin abgeſchloſſen, welcher ihnen ein Kanoe und Lebensmittel für die Reiſe liefern wollte, während ſie ihm ihren alten, ehrwürdigen und viel geprüften Reiſegefähr⸗ ten, das Snake⸗Pferd, zu überlaſſen verſprachen. Demzufolge fertigten die Indianer, welche in dem Dienſte dieſes Herrn waren, in wenigen Tagen ein Kanoe, das zwanzig Fuß lang, einen Fuß breit und achtzehn Zoll tief war. Das Geſtell war von Pfählen und Weiden⸗ äſten; es wurde mit fünf Elenn- und Büffelhäuten, die mit Sehnen zuſammengenäht waren, überzogen und die Nähte mit einem klebrigen Lehm überſtrichen. Früh am ſechszehnten April ſchifften ſie ſich in dieſem Kanoe ein und trieben zehn Meilen flußabwärts; als der Wind zu ſtark wurde, landeten ſie und lagerten ſich; hier begannen ſie alsbald ſich Ruder zu machen, welche ſie ſich in dem indianiſchen Dorfe nicht hatten verſchaffen können. Als ſie wieder in ihrem Fahrzeuge waren, ging es fröhlich den Fluß hinab, und als ſie fünf und dreißig Meilen hinter ſich hatten, fuhren ſie in die breite, reißende Strömung des Miſſouri ein. Das ungeſtüme Waſſer trug ſie pfeilſchnell davon, obgleich ihr gebrechliches Kanoe, das nun einige hundert Meilen auf dem Waſſer geſchwommen, — 120— die Wirkungen der Reiſe zu fühlen anfing. Glücklicherweiſe kamen ſie an das verlaſſene Winterlager einer Jagdpar⸗ thie, wo ſie zwei alte hölzerne Kanoes fanden. Sie nah⸗ men das größte in Beſchlag, überließen ſich abermals der Stroömung des Fluſſes und kamen, nachdem ſie abermals fünfundfünfzig Meilen zurückgelegt, wohlbehalten zu Fort⸗ Oſage an. Hier fanden ſie Lieutenant Brownſon noch als Kom⸗ mandanten, denſelben Offizier, welcher vor achtzehn Mona⸗ ten auf ihrer Reiſe flußaufwärts der Reiſegeſellſchaft eine ſo gaſtfreie Aufnahme bereitet hatte. Er empfing dieſe Trümmer der Expedition mit herzlichem Willkomm und bemühte ſich auf alle Weiſe, ihnen den kurzen Aufenthalt auf dem Fort ſo angenehm und unterhaltend als möglich zu machen. Die größte Ueppigkeit, welche ſie bei ihrer Rückkehr zu den Wohnungen crviliſirter Menſchen fanden, war Brod, das ſie faſt ſeit einem Jahre nicht gegeſſen hatten. Ihr Aufenthalt auf Fort⸗Oſage konnte nicht lange dauern. Als ſie ſich wieder einſchifften, verſorgte ſie die Güte des Lieutenant Brownſon mit einem reichlichen Vor⸗ rathe von Lebensmitteln; ohne irgend einen Unfall legten ſie den Reſt ihres Weges zurück. Am dreißigſten April kamen ſie in vollkommener Geſundheit und in der heiter⸗ ſten Laune zu St. Louis an, nachdem ſie zehn Monate auf ihrer gefährlichen Reiſe von Aſtoria bis hierher hin⸗ gebracht hatten. Ihre Rückkehr machte ein bedeutendes Aufſehen zu St. Louis, da ſie die erſte Nachricht von dem Schickſale Hunt's und ſeines Geleites auf ihrer abenteuerlichen Reiſe über das Felſengebirg und von der neuen Niederlaſſung an den Küſten des ſtillen Meeres brachten. Einundfünfzigſtes Kapitel. Abkommen zwiſchen Aſtor und der ruſſiſchen Pelzhandels⸗ Geſellſchaft.— Krieg zwiſchen den Vereinigten Staaten und England.— Inſtructionen für Kapitän Sowle, den Komman⸗ danten des Bibers.— Ausrüſtung der Lerche.— Nachrichten von Stuarts Ankunft. Um die Theile dieſer abſchweifenden Darſtellung eini⸗ germaßen zu verbinden, iſt es nöthig, der Schritte, welche Aſtor zur Förderung ſeines großen uUnternehmens that, zu gedenken. Sein Plan hinſichtlich der ruſſiſchen Nieder⸗ laſſungen der Nordweſtküſte entlang war eifrig verfolgt worden. Der Geſchäftsführer, welchen er nach St. Peters⸗ burg geſchickt hatte, um in ſeinem Namen als Präſident der amerikaniſchen Pelzhandelsgeſellſchaft zu unterhandeln, hatte mit Genehmigung der ruſſiſchen Regierung ein vor⸗ läufiges Abkommen mit der ruſſiſchen Geſellſchaft getroffen. Durch dieſen Vertrag, welchen Aſtor im Jahre 1813 beſtätigte, machten ſich die zwei Geſellſchaften anheiſchig, ihre gegenſeitigen Handels⸗ und Jagdbezirke nicht zu über⸗ ſchreiten, noch den Indianern Waffen oder Munition zu liefern. Auch wollten ſie gegen alle Schleichhändler gemein⸗ ſchaftlich handeln und im Falle drohender Gefahr einander Unterſtützung leiſten. Die amerikaniſche Geſellfchaft ſollte das ausſchließliche Recht haben, die ruſſiſchen Factoreien mit Waaren und dem Bedarf jeder Art zu verſehen, und dagegen Pelzwerk zu feſtgeſetzten Preiſen annehmen. Ferner ſollte ſie, wenn der ruſſiſche Statthalter es verlangte, die Pelzwerke der ruſſiſchen Geſellſchaft nach Canton verfüh⸗ ren, ſie in Commiſſion verkaufen und den Erlös um ein ſolches Frachtgeld zurückbringen, wie es zur Zeit feſtgeſetzt werden würde. Dieſer Vertrag ſollte vier Jahr in Kraft bleiben und auf eine gleiche Zahl Jahre wieder erneuert werden können, wenn nicht ein unvorgeſehenes Begebniß eine Aenderung nothwendig machte. Dieſe Uebereinkunft war ganz geeignet, der jungen Niederlaſſung zu Aſtoria von Nutzen zu werden, da ſie die Furcht vor feindſeliger Nebenbuhlerſchaft von Seiten der fremden Handelsgeſellſchaften in ihrer Nähe ver⸗ ſcheuchte und dem unregelmäßigen Handel die Küſten ent⸗ lang einen furchtbaren Schlag beibrachte. Es war auch Aſtor's Abſicht, zu Aſtoria eigene Küſten⸗ fahrzeuge von kleinem Tonnengehalte und Waſſerdragt zu halten, um damit die Küſten zu befahren. Dieſe konnten, da ſie einen ſichern Hafen und eine Niederlage hatten, bei günſtigem Wetter auf kurzen Reiſen die Küſtenplätze befahren und hatten einen großen Vortheil über die gewöhn⸗ lichen Kauffahrer, die lange Reiſen machen, eine zahlreiche Schiffsmannſchaft unterhalten mußten und ſich nur in gewiſſen Jahreszeiten der Küſte nahern konnten. Er hoffte demnach, Aſtoria allmählig zum großen Stapelplatze des amerikaniſchen Pelzhandels in dem ſtillen Meere und zum Kern eines maächtigen amerikaniſchen Staates zu machen. Zum Unglück für dieſe feurigen Hoffiungen brach der Krieg zwiſchen den Vereinigten Staaten und Großbritanien aus, ehe Aſtor noch den oben erwähnten Vertrag geneh⸗ migt hatte. Er ſah ſogleich das Gefährliche der Sachlage ein. Ohne Zweifel wurde der Hafen von New⸗York blockirt und der Abgang des jährlichen Zufuhrſchiffes im Herbſte gehindert; gelang es ihm auch, in die See hinaus zu kommen, ſo konnte es auf der Reiſe weggenommen werden. In dieſer Verlegenheit ſchrieb er an Kapitän Sawle, den Kommandanten des Bibers. Der Brief, welcher unter ſeiner Adreſſe nach Canton ging, befahl ihm, mit den Gegenſtänden, deren die Niederlaſſung zu Aſtoria bedürfe, an die Mündung des Kolumbig zu gehen, und dort zu bleiben und dem Befehle Hunt's gewärtig zu ſein, ſo fern dieſer Herr dort noch an der Spitze der Geſchäfte ſtünde. Der Krieg dauerte fort. Man hatte keine Nachrich⸗ ten von Aſtoria erhalten; denn durch den Unfall Reed's an den Fällen des Kolumbia und dadurch, daß die Krähen Stuart's Pferde in den Bergen ſtahlen, war die Ankunft von Briefen verzögert worden. Auch herrſchte eine qual⸗ volle Ungewisheit hinſichtlich Hunt's und ſeiner Gefährten. Seit ihrer Abreiſe von dem Aricara⸗Dorfe hatte man nichts mehr von ihnen gehört; Liſa, welcher ſich dort von ihnen trennte, hatte ihren Untergang prophezeiht, und einige Kaufleute der Nordweſt⸗Geſellſchaft hatten bereits das Gerücht verbreitet, ſie ſeien von den Indianern nieder⸗ gemetzelt worden. Es war eine harte Prüfung für den Muth und die Mittel eines Privatmannes, abermals eine Expedition ausrüſten zu ſollen, während bereits ſo bedeutende Aus⸗ lagen gemacht worden, eine ſo große Ungewißheit herrſchte, und die Gefahr des Verluſtes ſo ſehr geſteigert wurde, daß eine Verſicherung des Schiffes nicht zu erlangen war. Trotz aller dieſer entmuthigenden Nachrichten, beſchloß Aſtor, ein neues Schiff für die Unterſtützung der Nieder⸗ laſſung abgehen zu laſſen. Er wählte zu dieſem Behufe ein Schiff, das die Lerche hieß und als ein Schnellſegler bekannt war. Der ungeordnete Zuſtand der Zeit verur⸗ ſachte aber ſo viel Zögerung, daß der Februar herankam und das Schiff immer noch im Hafen lag. Unter dieſen Umſtänden kam es zu Aſtor's Ohren, daß die Nordweſt⸗Compagnie ein bewaffnetes Schiff von zwanzig Kanonen, Iſaac Todd genannt, auslaufen zu laſſen beabſichtige, um eine Niederlaſſung an der Mündung des Kolumbia zu gründen. Dieſe Nachricht machte ihn ſehr verſtimmt. Ein großer Theil der Perſonen in ſeinem Dienſte waren Schottländer und Kanadier, und manche von ihnen waren in dem Dienſte der Nordweſt⸗Compagnie geweſen. Sollte es Hunt nicht geglückt ſein, Aſtoria zu — 126— erreichen, ſo war die ganze Anſtalt unter der Leitung MDougal', über deſſen Treue er von Kapitän Thorn ziemlich zweideutige Nachrichten erhalten hatte. Auch mochte es die britiſche Regierung wohl der Mühe werth finden, gegen die Factorei an dem Kolumbia feindſelig zu verfahren, da ſie ſchon früher von der Nordweſt⸗Com⸗ pagnie gedrängt worden war, dies zu thun. Unter allen dieſen Umſtänden ſchrieb Aſtor an den damaligen Staatsſekretär Monroe und ſuchte um den Schutz der Regierung der Vereinigten Staaten nach. Er ſchilderte die Bedeutſamkeit der Niederlaſſung von dem Geſichtspunkte des Handels aus, und welchen Schutz ſie in jenen Meeren den amerikaniſchen Schiffen gewähren könne. Seine ganze Bitte ging dahin, die amerikaniſche Regierung möchte in das Fort der Niederlaffung vierzig bis fünfzig Mann legen, welche zu ſeiner Verth eidigung hinreichen würden, bis er zu Lande Verſäreungen hinſen⸗ den könne. Vergeblich wartete er a eine Antwort auf dieſes Schreiben, da die Regierung wahrſcheinlich zu jener Zeit mit einer bewältigenden Maſſe von Geſchäften überhäuft war. Der Marzmonat rückte heran und Aſtor befahl der Lerche, in die See zu ſtechen. Der Offizier, welcher ſie befehligen ſollte, trat zurück und in der Verlegenheit des Augenblicks wurde das Kommando Northrop, dem Steuer⸗ manne, übertragen. Nicolas G. Ogden, ein Mann, auf deſſen Talente und Rechtlichkeit man das größte Vertrauen — 127— ſetzte, ging als Supercargo mit. 1813 ſtach die Lerche in See. Aſtor benützte dieſe Gelegenheit, an Hunt, als den Hauptgeſchäftsführer in der Factorei an der Mündung des Kolumbia, zu ſchreiben; denn er konnte es nicht über ſich gewinnen, an deſſen Wohlergehen zu zweifeln. „Ich denke immer,“ ſagte er,„daß es gut mit Euch ſteht und daß ich Euch wieder ſehen werde, was der Him⸗ mel, wie ich hoffe, zugeſtehen wird.“ Er ermahnte ihn, gegen jeden Verſuch, den Poſten zu überrumpeln, auf ſeiner Hut zu ſein, ſtellte ihm die Wahr⸗ ſcheinlichkeit vor, daß die Nordweſt⸗Compagnie ſich feind⸗ ſelig gegen die Factorei waffne, und drückte ſeinen Unwil⸗ len über die Undankbarkeit aus, mit welcher dieſe Geſell⸗ ſchaft ſein offenes und biederes Benehmen und ſeine vor⸗ theilhaften Anerbietungen lohne. „Waͤr' ich an Ort und Stelle,“ fuhr er fort,„und könnte die Geſchafte leiten, ſo würde ich allem trotzen; wie die Dinge aber ſtehen, hängt alles von Euch und den Freunden ab, die Euch umgeben. Unſer Unter⸗ nehmen iſt groß und verdient einen glücklichen Erfolg, und ich hoffe zu Gott, es wird denſel⸗ ben finden. Wenn mein Zweck blos Geldgewinnſt wäre, ſo würde ich ſagen, denkt daran, ob es nicht das Beſte ſei, zu retten, was zu retten iſt, und den Platz zu verlaſſen; aber ſchon der Gedanke daran iſt ein Dolchſtich in mein Herz.“ Am Anfange des März ——— — 128— Dieſer Auszug reicht hin, den Geiſt und die Anſich⸗ ten ſehen zu laſſen, welche Aſtor bei dieſem großen Unter⸗ nehmen beſeelten. Woche um Woche, und Monat um Monat vergingen, ohne daß irgend eine Nachricht die peinliche Ungewißheit aufgehoben hätte, welche alles umgab, was auf dieſes Unternehmen Bezug hatte. Obgleich Aſtor ein Mann von entſchloſſenem Geiſte, und nicht leicht zu beugen war, ſo hatten doch die Gefahren, welche dem Lieblingsgegenſtande ſeines Ehrgeizes drohten, endlich einen bedeutenden Einfluß auf ſeinen Geiſt. An einem trüben Abende ſaß er an ſeinem Fenſter und dachte über den Verluſt des Tonquin und das Schickſal der unglücklichen Bemannung deſſelben nach, wobei ihn die Furcht beſchlich, ein gleich trauriges Loos möchte die Abenteurer befallen haben, welche über das Felſengebirg gezogen waren, als man ihm die Abendzeitung brachte. Die erſte Stelle, auf welche ſein Auge fiel, zeigte die Ankunft Stuarts und ſeines Geleites zu St. Louis an und verkündigte ferner, daß Hunt und ſeine Gefährten die gefährliche Reiſe zur Mündung des Kolumbia bewerkſtel⸗ ligt hätten. Dies war ein glänzender Sonnenſtrahl, welcher für einige Zeit alle Wolken verſcheuchte, und mit ſanguiniſchen Hoffnungen ſah er jetzt der Verwirklichung aller ſeiner Plane entgegen. Zweinndfünfzigſtes Kapitel. Ufer des Wallah⸗Wallah.— David Stuart geht an den Oaki⸗ nagan ab.— Clarke's Weg den Lewis⸗Fluß hinauf.— Chipunniſh oder Indianer mit durchbohrten Naſen.— Ihr Charakter, ihr Ausſehen, ihre Sitten.— Diebiſches Volk.— Zurückhaltung der Boote.— Die Poſten am Pointed⸗Heart und Spokanfluß. — MKenzie, ſein Weg, den Cocmocnumfluß hinauf.— Horden wandernder Indianer.— Reed's Reiſe zu den Verſtecken.— Abenteuer wandernder Voyageurs und Biberfänger. Der Gang unſerer Erzählung führt uns jetzt auf die Weſtſeite des Felſengebirgs zurück, um die Schickſale der Abtheilungen zu erfahren, welche in Robert Stuart's Geſellſchaft von Aſtoria aufbrachen, und die er an den Ufern des Wallah⸗Wallah verließ. Kurz nach ſeiner Abreiſe trennten ſich auch dieſe Abtheilungen, um ſich zu ihren wechſelſeitigen Beſtimmungsorten zu begeben, verabredeten aber, in der Mitte des Juni des folgenden Jahres mit den Pelzwerken, welche ſie in dem Innern des Lan⸗ des geſammelt, an der Mündung des Wallah⸗Wallah wieder zuſammen zu treffen und ſich dann gegenſeitig das Geleite durch die gefährlichen Päſſe des Kolumbin zu geben. 63.— 65. 9 — 7980— David Stuart und ſeine Leute, die eine dieſer Abthei⸗ lungen ausmachten, begaben ſich an den von jenem bereits gegründeten Handelspoſten an der Mündung des Oakina⸗ nagan; nachdem er dieſe Factorei mit Waaren und Muni⸗ tion verſehen, ging er dreihundert Meilen weiter an dem Fluſſe hinauf, wo er in einer dem Handel günſtigen Gegend einen zweiten Handelspoſten gründete. Clarke, ein anderer Theilhaber, führte ſeine kleine Schaar den Lewisfluß hinauf bis zur Mündung eines kleinen Fluſſes, welche von Norden herkam und dem die Kanadier den Namen Pavion gaben. Hier fand er ein Dorf oder eine Lagerſtelle von vierzig Hütten oder Zelten, welche mit Matten gedeckt und von den Nez-percés oder durchbohrten Naſen⸗Indianern(Pierced-nose Indians), wie ſie von den Kaufleuten genannt werden— denn ſie ſelbſt nennen ſich Chipunniſh— bewohnt waren. Sie ſind eine kräftige, arbeitſame und etwas ſpitzbübiſche Raſſe, die ein unſicheres Leben führt, im Sommer und Herbſt fiſcht und Wurzeln gräbt, während des Winters den Hirſch in Schneeſchuhen jagt und im Frühling über das Felſen⸗ gebirg geht, um von den jagenden Stämmen am Miſſouri Büffelfelle zu erhandeln. Bei dieſen Wanderungen werden ſie häufig von den Schwarzfüßen und andern kriegeriſchen und räuberiſchen Stammen überfallen und ausgeplündert, und mit Verluſt ihrer Pferde und vieler ihrer Gefährten über die Berge zurückgetrieben. Eine ſo umziehende und unſichere Lebensart macht — 131— den Menſchen leicht ſelbſtſüchtig, und ſo fand Clarke auch die Einwohner dieſes Dorfes, denen die gewöhnliche Gaſt⸗ freiheit der Indianer fehlte; ſie entfernten ſich von Allem mit dem größten Widerwillen und zeigten ſich gegen alle Güte, die man ihnen bewies, unempfindlich. Zur Zeit der Ankunft Clarke's waren ſie alle beſchäftigt, Lachs ein⸗ zufangen und aufzubewahren. Die Männer waren ſtark, kräftig, thätig und von gutem Ausſehen; die Frauen hüb⸗ ſcher als die bei den der Küſte näher wohnenden Stämmen. Es war Clarke's Abſicht, ſeine Boote hier auf das Trockne zu bringen und zu Land an ſeinen Beſtimmungs⸗ ort abzugehen, der bei dem Spokan⸗Stamme der India⸗ ner und noch gegen hundert und fünfzig Meilen entfernt war. Er ſuchte daher Pferde für die Reiſe zu erhalten, bekam es aber hier mit dem ſchmutzigen Charakter dieſer Leute zu thun. Sie forderten für ihre Pferde, hohe Preiſe und es war ſo ſchwer, mit ihnen fertig zu werden, daß Clarke ſieben Tage bei ihnen aufgehalten wurde, ehe er die nöthige Anzahl Pferde erhielt. Wäͤhrend dieſer Zeit wurde er auch durch wiederholte Diebereien geärgert, wofür er keine Entſchädigung erhalten konnte. Der Häupt⸗ ling verſprach, die geſtohlenen Gegenſtände wieder herbei⸗ zuſchaffen; dies gelang ihm aber nicht, da die Diebe, wie er ſagte, einem ferner wohnenden Stamme angehörten und ſich mit ihrer Beute davon gemacht hätten. Mit die⸗ ſer Entſchuldigung mußte Clarke ſich zufrieden geben; aber er faßte in ſeinem Herzen einen bittern Groll gegen die 9* — 132— ganze naſendurchbohrte Raſſe, den er, wie ſich zeigen wird, ſpäter Gelegenheit fand, auf eine ausgezeichnete Weiſe auszulaſſen. 1 Nachdem Clarke mit ſeinen Anordnungen zur Abreiſe fertig war, brachte er ſeine Barke und die Kanoes an einen geſchützten Ort, an den ufern einer kleinen Bai, die mit Gebüſch und Weiden überwachſen waren, und vertraute ſie der Sorgfalt des Nez-percés-Häuptlings an, welcher ſich, auf das Verſprechen einer reichen Belohnung hin, anheiſchig machte, ſie zu überwachen und zu ſchützen. Clarke beſtieg nun ſein Pferd, ſtellte ſich an die Spitze ſeiner kleinen Karawane und ſchüttelte den Staub von ſeinen Füßen, als er dieſem Schurken⸗ und Knauſer⸗ Dorfe den Rücken wandte. Wir wollen ihm nicht Schritt vor Schritt auf ſeinem Wege folgen, der zuweilen über ſteile, klippige Höhen, Schluchten und Abhänge hinan und hinab, zuweilen über große, nackte, ſonnenverbrannte Ebenen führte, wo es Klapperſchlangen in Menge gab, und auf welchen Menſchen und Pferde von Hitze und Durſt auf das unerträglichſte gequält wurden. Die Stelle, welche ſie zu einem Han⸗ delspoſten auserſahen, war eine ſchöne Landſpitze, an dem Vereinigungspunkte des Pointeb⸗Heart und Spokanfluſſes. Die Gründung eines Handelspoſtens hier ſollte eine Fac⸗ torei der Nordweſt⸗Compagnie, die in nicht großer Ent⸗ fernung lag, im Schach halten und ihr im Handel mit den Spokan⸗Indianern, ſo wie mit den Cootenais und — 133— Flachköpfen die Spitze bieten. In dieſer Gegend wollen wir ihn für dieſen Augenblick verlaſſen. M'Kenzie, welcher vom Wallah⸗Wallah aus die dritte Abtheilung führte, ſchiffte mehrere Tage den ſüdlichen Arm des Kolumbia, Cocmocnum von den Eingebornen geheiſ⸗ ſen, zur Ehre des erſten Entdeckers aber gewöhnlich Lewis⸗ Fluß genannt, hinauf. Entlang dieſes Fluſſes ſahen ſie wandernde Horden verſchiedener Stämme„ die in manch⸗ fachen Richtungen reiſten, denn die Indianer ſind allge⸗ mein raſtlos umherſchweifende Weſen, welche ſtets auf Krieg, Handel und Jagd ausgehen. Manche dieſer wilden Wanderer führten eine große Menge von Pferden, als bezögen ſie einen fernen Markt, und in der That waren dieſe Thiere beſtimmt, gegen andere Gegenſtände des Bedarfs ausgetauſcht zu werden. 4 Als M'Kenzie die Mündung des Shahaptan erreicht hatte, ging er noch eine Strecke an dieſem Fluſſe hinauf und gründete eine Factorei an ſeinen ufern. Hier ſchien eine große Durchfahrt für die Stämme aus der Nähe der Fälle des Kolumbia zu ſeyn, wenn ſie die Stämme des Felſengebirgs mit Krieg überzogen, oder auf den Ebenen jenſeits der Berge Büffel jagten, oder Büffelkleider und Wurzeln zu erhandeln ſuchten. Es war jetzt die Wander⸗ zeit, und die Indianer zogen in großen Haufen aus manch⸗ fachen entlegenen Theilen des Landes hin und her. M'Kenzie ſandte nun eine kleine Schaar ab, welche John Reed anführte, und die die Verſtecke, welche Hunt — 134— am Caldron⸗Linn gemacht hatte, beſuchen und deren Inhalt zu der Factorei bringen ſollte, denn er war hinſichtlich der Waaren und Güter gewiſſermaßen darauf angewieſen. Sie waren noch keine Woche fort, als zwei Indianer von dem Pallatapalla⸗Stamme ankamen, welche an einem Fluſſe gleiches Namens wohnen. Dieſe brachten die unwill⸗ kommene Nachricht, daß die„caches“ geplündert worden ſeien. Ste ſagten, Leute ihres Stammes ſeien im Laufe des vorigen Frühlings über den Berg geweſen, welche ſie von dem Snake⸗River trennten, und hätten bei den Snake⸗ Indianern Pferde gegen Blankets, Kleider und Waaren manchfacher Art eingetauſcht. Dieſe Gegenſtände hatten ſich die Snakes aus Verſtecken verſchafft, zu welchen ſie von weißen Männern geführt worden, die bei ihnen wohn⸗ ten, und ſie dann über die Berge begleiteten. Dieſe Nachricht ſetzte Hunt in große Verlegenheit; die Wahrheit eines Theils derſelben wurde aber von den zwei Indianern beſtätigt, welche ihnen einen engliſchen Sattel und Zaum brachten, die man als Crook's Eigenthum erkannte. Die Verrätherei der weißen Männer, welche das Geheimniß der„caches“ entdeckt hatten, war jedoch ganz unerklärlich. Wir werden ſogleich Rechenſchaft davon geben, indem wir die Reiſe Reed's erzählen. Dieſer wackere Ireländer verfolgte ſeine Sendung mit ſeiner gewöhnlichen Munterkeit. Seine einſamen Züge in dem vergangenen Winter hatten ihn mit der Lage der Gegenden bekannt gemacht, und er erreichte den Snake⸗ — 135— River ohne ſehr große Beſchwerde. Hier fand er in einem Lagerplatze der Eingebornen ſechs weiße Männer, die von dem Zuge Hunt's abgekommen waren, und nachdem Jeder ſeinen Theil Leiden und Unfälle getragen, ſich glücklicher⸗ weiſe hier wieder zuſammen gefunden hatten. Drei dieſer Manner hießen Tureotte, La Chapelle und Franzis Lan⸗ dry— jene drei kanadiſchen Reiſenden, welche, wie man ſich erinnern wird, Crooks im Februar, in der Nähe des Snake⸗River verlaſſen hatten, da die wachſenden Beſchwer⸗ den der Reiſe ſie muthlos gemacht hatten, und ſie fürchteten, Hungers zu ſterben. Sie waren zu einem Lager der Schlangen⸗Indianer zurückgekehrt, wo ſie den Reſt des Winters hinbrachten. Da ſie das Nothdürftigſte entbehrten, Mangel jeder Art litten und die Gaſtfreiheit der Schlangen erſchöpft hatten, beſchloſſen ſie, ſich der verborgenen Schätze zu bemächtigen, deren Verſtecke ihnen bekannt waren. Sie benachrichtigten daher die Häuptlinge der Snakes, ſie wüß⸗ ten, wo eine große Menge von Waaren in„caches“ lägen, die hinreichten, den ganzen Stamm zu bereichern; ſie erboten ſich, die Wilden zur Stelle zu führen, wenn ſie ihnen Pferde und Lebensmittel dafür geben wollten. Die Häuptlinge verpfändeten ihr Wort und ihre Chre als große Männer und Schlangen, und die drei Kanadier führten ſie zu den„caches« an dem Caldron⸗Linn. Auf dieſe Weiſe wurden die Wilden mit dem Platze dekannt, wo die Verſtecke waren, nicht aber, indem ſie den — 136— Spuren der Wölfe folgten, wie Stuart gemuthmaßt hatte. Nie haben Schatzgraber die Goldtruhe eines Geizhalſes mit mehr Freude und Haſt ausgegraben, als die Wilden die Schätze der Verſtecke an das Tageslicht brachten. Blankets und Kleider, Bronze⸗Zierrathen und blaue Glas⸗ perlen wurden mit lautem Frohlocken hervorgebracht, und lange Streifen von hochrothem Tuche erzeugten begeiſter⸗ tes Jubelgeheul. Die Plünderung der Verſtecke brachte eine Verände⸗ rung in dem Schickſale und dem Benehmen der ganzen Geſellſchaft hervor. Die Snakes waren jetzt beſſer geklei⸗ det und ausgerüſtet, als dies je vorher bei Snakes der Fall geweſen, und die drei Kanadier, welche ſich plötzlich mit Pferden und Waffen verſehen erblickten, waren, wie Bettler zu Pferd, bereit, jeden wilden Ritt mttzumachen. Bald bot ſich eine Gelegenheit dazu. Die Snakes beſchloſſen, einen Jagdzug nach den Büffel⸗Prairien zu unternehmen, um Fleiſchvorräthe einzulegen, damit ſie in Ueberfluß leben könnten, wie es Leuten von geſteigertem Wohlſtande zukäme. Die drei neu berittenen Kavaliere zogen gern mit ihnen aus. Wohlbehalten kamen ſie Alle über das Felſengebirg, ſtiegen zu den Quellenwaſſern des Miſſouri hinab und richteten eine große Niederlage unter den Büffeln an. Ihr Jagdlager war mit Fleiſch gepfropft; wie ächte Indianer ſchwelgten ſie in ihrem zeitlichen Ueberfluſſe und dörrten und beizten eine Maſſe Fleiſch für den nächſten — 137— Winter. Inmitten ihrer Schwelgerci und ihrer heitern Laune wurde das Lager von den Schwarzfüßen überfallen. Mehrere der Schlangen wurden auf der Stelle erſchlagen; die Uebrigen flohen mit ihren drei kanadiſchen Bundes⸗ genoſſen, der Pferde, des Büfefelfleiſches, aller ibrer Habe beraubt, in die Gebirge und kehrten ärmer als jemals, aber ſich doch glücklich preiſend, daß ſie mit dem Leben davon gekommen, in das Lager an den Snake⸗River zurück. 4 Sie waren noch nicht lange hier, als die Kanadier durch den Anblick eines ihrer Unglücksgefährten erfreut wurden. Es war Dubreuil, der arme voyageur, welcher Crooks im März verlaſſen hatte, da er zu erſchöpft war, um bei ihm auszuhalten. Nicht lange hernach erſchienen noch drei andere irrende Glieder des großen Reiſezugs. Dieſe waren Carſon, St. Michael und Pierre Delaunay, drei Trapper, welche im verfloſſenen September mit Pierre Detayé von Hunt in den Bergen gelaſſen worden waren, um Biber zu trappen. Gut bewaffnet und mit Pferden zum Reiten, ſo wie mit Pferden, welche die von ihnen zu ſammelnden Pelz⸗ werke tragen ſollten, verſehen, hatten ſie den Hauptzug verlaſſen. Zerlumpt und bloß, wie ihre Vorgänger, kamen ſie in das Lager der Schlangen. Nachdem ſie mit dem Trappen fertig und in dem Frühling auf dem Wege nach dem Miſſouri waren, ſtießen ſie, wie es ſcheint, auf eine mächtige Horde der allumſchweifenden Krähen und wurden — 138— von ihr angegriffen. Widerſtand und tödteten ſieben Wilde, wurden aber durch die große Zahl der Feinde überwältigt. Pierre Detayé wurde erſchlagen, die Uebrigen wurden ihrer Pferde und Habe beraubt und gezwungen, umzukehren, wo ſie, wie wir bereits gemeldet, mit ihren alten Gefährten zuſam⸗ mentrafen. Wir müſſen bemerken, daß eine indianiſche Frau Pierre Delaunay's Ferſen folgte; er hatte ſie auf ſeinen Irrfahrten irgendwo gefunden und mitgenommen, da er unter den Wilden des eheloſen Standes überdrüſſig gewor⸗ den war. Dieſe ganze einſame Brüderſchaft von ſieben Aben⸗ teurern, welche ſich ſo zufällig an den Ufern des Snake⸗ River zuſammen gefunden hatten, ſchickten ſich nun an, wieder über die Gebirge zu ziehen, als einige indianiſche Kundſchafter die Nachricht von der Annäherung der klei⸗ nen von John Reed geführten Schaar einbrachten. Nachdem der Letztere ſich ihre verſchiedenen Schick⸗ ſale hatte erzählen laſſen, hieß er ſie ſeinem Geleite ſich anſchließen, und brach nach dem Caldron⸗Linn auf, um die zwei oder drei„caches⸗ aufzudecken, welche den India⸗ nern noch nicht angedeutet worden waren. An dieſem Orte traf er mit Robinſon, dem alten kentuckiſchen Jäger, zuſammen, welcher mit ſeinen zwei Gefährten, Rixner und Hoback dort geblieben war, nach⸗ dem Stuart weiter gegangen. Dieſes abenteuernde Trio Sie leiſteten einen verzweifelten hatte weiter am Fluſſe hinauf getrappt; Robinſon kam aber in einem Kanoe herab, um der gehofften Ankunft der Geſellſchaft zu harren und ſich Pferde und Vorräthe jeder Art zu verſchaffen. Er erzählte Reed die Geſchichte von der Beraubung ſeiner Geſellſchaft durch die Arapahays, ſie wich aber in manchen Einzelnheiten von dem Berichte ab, den er Stuart abgeſtattet. Dort hatte er von Caſſ ausgeſagt, er habe ſeine Gefährten in ihrer Noth auf das treuloſeſte verlaſſen und ein Pferd mitgenommen; jetzt erzählte er, er ſei in dem Kampfe mit den Arapahays getödtet worden. Dieſes Abweichen in den Ausſagen Robinſon's, welches Reed damals natürlich nicht bekannt ſeyn konnte, ward in Ver⸗ bindung mit andern Umſtänden ſpäter die Veranlaſſung zu geheimnißvollen Vermuthungen und düſtern Gerüchten hinſichtlich des wirklichen Schickſals des armen Caſſ; da aber niemals weſentliche Beweiſe dafür beigebracht werden konnten, enthalten wir uns, auf dieſe Geſchichte der Leiden in der Wildniß noch tiefern Schatten zu werfen. Reed ſammelte die Ueberbleibſel der in den„caches⸗ einnenen Waaren, ſtellte ſich an die Spitze des Zugs, ellcher nun durch die ſo zufällig gefundenen ſieben Män⸗ ner und Pierre Delaunay's Squaw vermehrt worden war, und erreichte glücklich M'Kenzie's Handelspoſten an den Waſſern des Shahaptan. — Dreiundfünfzigſtes Kapitel. Hunt's Abreiſe in dem Biber.— Vorſichtsmaßregeln in der Factorei.— Streifzug an der Wollamut.— Düſtere Beſorg⸗ niſſe.— M'Kenzie's Ankunft.— Zuſtand am Shahaptan.— Kriegsnachrichten.— M'Dougal's Niedergeſchlagenheit.— Entſchluß, Aſioria zu verlaſſen.— M'Kenzie's Abreiſe in das Innere.— Abenteuer an den Stromſchnellen.— Beſuch bei den Freibeutern zu Wiſhram.— Eine gefahrvolle Lage.— Zuſammentreffen mit M'Taviſh und ſeinem Geleite.— Ankunft an dem Shahaptan.— Geplünderte Verſtecke.— Beſchluß der Winter⸗Theilhaber, Aſtoria nicht zu verlaſſen.— Clarke's Ankunft bei den Nez-percés.— Der Handel mit dem ſilbernen Becher.— Ein Indianer gehängt.— Ankunft der Winter⸗ Theilhaber zu Aſtoria. Nach der Abreiſe der verſchiedenen Abtheilungen oder Brigaden, wie ſie von den Pelzhändlern genannt wer⸗ den, ſchickte ſich der Biber zu ſeiner Reiſe die Küſte ent⸗ lang und zu dem Beſuche der ruſſiſchen Niederlaſſung zu Neu⸗Archangel an, wohin er Vorräthe zu überbringen hatte. In dem Rathe der Theilhaber zu Aſtoria war beſchloſſen worden, daß Hunt dieſes Schiff begleiten ſollte, um ſich mit dem Küſtenhandel bekannt zu machen und um Verabredung mit dem ruſſiſchen Kommandanten des Handelspoſtens zu treffen; im October ſollte ihn der Biber — 141— auf ſeiner Reiſe zu den Sandwich⸗Inſeln und nach Can⸗ ton, zu Aſtoria wieder an's Land ſetzen. Der Biber ging im Auguſt in See. Durch ſeine Ahreiſe und den Abgang der verſchiedenen Brigaden blieb die kleine Feſtung Aſtoria nur ſchwach beſetzt. Einige indianiſche Stämme bemerkten dies ſehr bald, und eine größere Anmaßung in ihrem Benehmen und eine Neigung zu Feindſeligkeiten war die Folge davon. Die Zeit des Fiſchfangs war nun gekommen, und die Stämme von den nördlichen Küſten kamen in die Gegend des Kolumbia. Dieſe waren kriegeriſchen, treuloſen Charakters und berüch⸗ tigt wegen ihrer Verſuche, Handelsſchiffe zu überfallen. Unter ihnen waren viele Neweetees,— ſo hieß der grau⸗ ſame Stamm, welcher die Bemannung des Tonquin nie⸗ dergemetzelt hatte. ſ In der Factorei fanden daher große Vorſichtsmaß⸗ regeln ſtatt, um gegen jeden Ueberfall auf der Huth zu ſein, ſo lange dieſe gefährlichen Freibeuter in der Nahe waren. Gallerien wurden innerhalb der Palliſaden ange⸗ legt; man erhöhte die Baſtionen, und Tag und Nacht wurden Wachen ausgeſtellt. Glücklicherweiſe zeigten die Chinooks und andere Stämme, die in der Gegend wohn⸗ ten, den friedfertigſten Charakter. Der alte Comcomly, welcher den Scepter über ſie führte, war ein verſchlagener Rechenmeiſter. Er ſah die Vortheile, die Weißen zu Nachbarn und Bundesgenoſſen zu haben, und die Folgen wohl ein, welche für ihn und ſein Volk daraus erwuchſen, daß ſie zwiſchen den fernen Stämmen und ihren weißen Freunden die Zwiſchenhändler machten. Er war ſonach jetzt ein tüchtiger Freund der Aſtorier geworden und bildete eine Art Schranke zwiſchen ihnen und den feindlichen Stämmen des Nordens. Der Sommer des Jahres 1812 verging ohne irgend eine Feindſeligkeit, wie man ſie beſorgen zu müſſen geglaubt hatte; die Neweetees und andere gefährliche Beſucher aus der Umgegend, endigten ihren Fiſchfang und kehrten nach Haus zurück, und die Inſaſſen der Factorei fühlten ſich abermals gegen jeden Angriff geſichert. Es wurde jetzt nothwendig, ſich gegen andere Uebel zu waffnen. Die Jahreszeit des Mangels nahte heran— ſie beginnt im October und dauert bis zum Ende des Januars. Um Lebensmittel für die Beſatzung herbeizu⸗ ſchaffen, wurde die Schaluppe bemannt und machte Aus⸗ flüge an die Ufer des Fluſſes. Auch wurde eine Anzahl Leute unter der Leitung von einigen Commis ausgeſendet, um ſich an den Ufern des Wollamut(der Mulnomah von Lewis und Clarke) eines ſchönen Fluſſes, der ſich gegen ſechszig Meilen über Aſtoria in den Kolumbia ausmündet, feſtzuſetzen. Das an den Fluß ſtoßende Gelände beſteht abwechſelnd aus Hügeln und Prairien und Wäldern, die mit Eichen, Eſchen, Ahorn und Cedern beſetzt ſind. Es fanden ſich damals eine Menge Elenn und Rehe dort und die Bäche waren mit Bibern gut beſetzt. Hier war die Geſellſchaft, nachdem ſie für ihre eigenen Bedürfniſſe — 143— geſorgt hatte, in den Stand geſetzt, eine Maſſe gedorrten Fleiſches zu ſammeln und es in Kanoes nach Aſtoria zu ſchicken. Der October verſtrich, ohne daß der Biber zurück⸗ kehrte. November— Dezember— Januar vergingen, und immer noch hörte und ſah man nichts von ihm. Man begann, ſich düſtern Beſorgniſſen hinzugeben; er konnte während ſeiner Küſtenreiſe Schiffbruch gelitten haben, oder, wie der Tonquin, von einem der verrüüheriſchen Stämme des Nordens überfallen worden ſein. Niemand gab ſich dieſen Beſorgniſſen ernſtlicher hin, als M⸗Dougal, welcher nun den Befehl über die Nieder⸗ laſſung hatte. Er zeigte jetzt nicht mehr jene geſchäftige Lebendigkeit und Zuverſicht, welche ihn einſt auszeichnete. Der Oberbefehl ſchien keinen Reiz mehr für ihn zu haben; vielmehr gab er ſich der größten Niedergeſchlagenheit hin, ließ ſich gegen das ganze Unternehmen aus, vergrößerte jeden ungünſtigen Umſtand und prophezeihte nichts als Unglück. Während er in dieſem düſtern Gemüthszuſtande war, wurde er am ſechszehnten Januar durch die plötzliche Ankunft M'Kenzie's überraſcht, welcher müde und wetter⸗ zerſchlagen von einer langen Winterreiſe von ſeinem Poſten am Shahaptan und mit einem Geſichte anlangte, welches das Titelblatt eines ganzen Buches voll Unglück war. MKenzie war ſeines Poſtens herzlich müde und alle ſeine Erwartungen waren getäuſcht. Er lag in der Mitte der — 144— Tuſhepaws, einer mächtigen und kriegeriſchen Völkerſchaft, die in viele Stämme unter verſchiedenen Häuptlingen getheilt war, unzählbare Pferde beſaß, aber keine Pelze zu bieten hatte, da ſie ſich mit dem Biberfange nicht befaßte. Nach M⸗Kenzie's Ausſage waren ſie nur eine „ſchurkiſche Raſſe,“ woraus wir ſchließen können, daß ſie geneigt waren, ihren eigenen Vortheil mehr in das Auge zu faſſen, als ſich dieß mit dem Vortheil eines habſüch⸗ tigen Pelzhändlers vertrug. Da es wenig Wild gab, war er hinſichtlich ſeines Unterhalts hauptſächlich auf Pferdefleiſch angewieſen, und die Indianer, welche ſeine Noth bemerkten, folgten einer im civiliſirten Handel ganz gewöhnlichen Politik und ſtei⸗ gerten die Preiſe der Pferde auf eine bedeutende Weiſe; denn ſie wußten, daß er und ſeine Leute eſſen oder ſter⸗ ben mußten. Auf dieſe Weiſe blieb nichts übrig, als die Waaren, welche er mitgebracht hatte, um Biberfelle dage⸗ gen einzutauſchen, für Pferdefleiſch hinzugeben und den ganzen Erlös auf der Stelle zu verzehren. Er hatte Biberfänger nach allen Richtungen ausge⸗ ſchickt; die Umgegend bot aber nicht mehr Biber als ſein eigener Poſten. In dieſer Verlegenheit begann er darauf zu denken, dieſen unergiebigen Poſten zu verlaſſen, ſeine Waaren zu den Poſten Clarke's und David Stuart zu ſenden, welche beſſern Gebrauch davon machen konnten, da ſie in einer guten Bibergegend waren, und mit ſeinen Leuten nach Aſtoria zurückzukehren, um ſich nach einer — 145— beſſern Beſtimmung umzuthun. Zu dieſem Zwecke begab er ſich zu dem Poſten Clarke's, um mit ihm Rath zu pflegen. Während die zwei Theilhaber in Elarke's Wig⸗ wam ſich beriethen, wurden ſie durch einen unerwarteten Beſuch behelligt. Dieſer Beſucher war John George M'Taviſh, ein Theilhaber der Nordweſt⸗Compagnie, welcher den Befehl über die nebenbuhleriſchen Handelspoſten hatte, welche in dieſer Gegend gegründet worden waren. M'Taviſh war der entzückte Ueberbringer ſchlechter Nachrichten. Er war am See Winnipeg, wo er einen Eilboten aus Kanada erhielt, welcher die Kriegserklärung und die Proclamation des Präſidenten Madiſon brachte, die MTaviſh mit geſchäf⸗ tiger Gefälligkeit in Clarke's und M'Kenzie's Hände gab. Er ſagte ihnen überdies, er habe eine neue Sendung Güter und Waaren von den nordiſchen Factoreien jenſeits des Felſengebirgs erhalten und ſie zu einem kräftigen Widerſtande gegen die Niederlaſſungen der amerikaniſchen Geſellſchaft gerüſtet. Er ſetzte dieſer verbindlichen, aber kriegeriſchen Nachricht die Krone auf, indem er ihnen ankundigte, daß das bewaffnete Schiff, Iſaac Todd, mit dem Anfange des März an der Mündung des Kolumbia erſcheinen würde, um ſich in den Beſitz des Handels an dieſem Fluſſe zu ſetzen, und daß er Befehl habe, ſich um jene Zeit dort mit ihm zu vereinigen. Den Empfang dieſer Nachrichten beſtimmte M'Ken⸗ zie's Entſchluß. Er kehrte augenblicklich an den Shahaptan 63.— 65. 10 — 146— zurück, brachte ſeine Waaren in Verſtecke und eilte mit allen ſeinen Leuten nach Aſtoria. Dieſe Nachricht ſchlug M'Dougal's Muth vollends nieder und ſchien eine vollſtändige Geiſtesverwirrung bei ihm hervorzubringen. Er hielt mit M'Kenzie einen Kriegs⸗ rath, zu welchem auch einige der Commis zugezogen wur⸗ den, die aber natürlich keine Stimmen hatten. Sie gaben alle Hoffnung auf, den Handelspoſten zu Aſtoria behaupten zu können. Der Biber war wahrſcheinlich verloren; von den Vereinigten Staaten konnten ſie keine Unterſtützung erhalten, da alle Häfen blockirt waren. Von England war nur Feindſeliges zu erwarten. Es wurde demnach beſchloſſen, im folgenden Frühling die Niederlaſſung auf⸗ zugeben und über das Felſengebirg zurückzukehren. In Folge dieſes Entſchluſſes hoben ſie allen Handel, den um Lebensmittet ausgenommen, mit den Eingebornen auf; denn ſie hatten bereits mehr Pelzwerk, als ſie mit ſich nehmen konnten, und was ſie an Waaren noch hatten, brauchten ſie zur Bekleidung und Unterhaltung ihrer Leute während der noch übrigen Zeit ihres Aufenthaltes und auf ihrer Reiſe über die Gebirge. Dieſer Entſchluß, Aſtoria aufzugeben, wurde jedoch vor den Leuten noch geheim gehalten, damit ſie nicht plöͤtzlich aller Thätigkeit entſagten und ruhelos und unlenkſam würden. Mittlerweile brach M'Kenzie nach ſeinem Poſten am Shahaptan auf, um die Waaren aus den Verſtecken zu nehmen und dafür Pferde und Lebensmittel für die Kara⸗ — 147— wane über das Gebirge zu kaufen. M'Dougal gab ihm Briefe an Stuart und Clarke mit, worin er ſie von der beabſichtigten Wanderung benachrichtigte, damit ſie bei Zeiten ihre Vorbereitungen treffen könnten. M'Kenzie hatte zwei Commis bei ſich, John Kew, den Irländer und Alfred Seton von New⸗York. Sie ſchifften ſich in zwei Kanoes ein, welche mit ſiebzehn Mann bemannt waren, und fuhren ohne irgend ein Begebniß von Wichtigkeit den Fluß hinauf, bis ſie in die berüchtigte Gegend der Stromſchnellen kamen. Früh des Nachmittags ſahen ſie die Tragſtellen an den Engen und an den Fäͤllen hinter ſich und hatten, nachdem ſie ein ſpärliches Mahl eingenommen, einen langen Abend zu ihrer Verfügung. Auf der andern Seite des Fluſſes lag das Dorf Wiſhram, freibeuteriſchen Andenkens. Hier wohnten die Wilden, welche Reed beraubt und mißhandelt hatten, als er ſeine Blechbüchſe mit den Briefſchaften trug. Es war bekannt, daß die Büchſe, die man ihm genommen hatte, in dem Dorfe als ein Siegeszeichen aufbewahrt wurde. M'Kenzie erbot ſich, über den Fluß zu ſetzen und die Büchſe zurückzufordern, wenn ihn Jemand begleiten wollte, Es war ein Wageſtück, denn das Dorf war wegen des ſpitzbübiſchen Charabters ſeiner Bewohner bekannt; den⸗ noch traten augenblicklich zwei Freiwillige vor— Alfred Seton, der Commis, und Joe de la Pierre, der Koch. Dieſes Kleeblatt erreichte bald das andere Ufer des Fluſſes. Als ſie landeten, ſchütteten ſie friſches Pulver 10* 1 — 148— auf die Pfannen ihrer Büchſen und Piſtolen. Ein Pfad, der ſich eine kleine Strecke durch Felſen und Geklüft wand, führte in das Dorf. Ihre Annäherung ſchien ganz unbemerkt geblieben zu ſein. Nicht ein einziges Weſen— weder Mann, noch Frau, noch Kind grüßte ſie. Selbſt die Hunde, die lärmvolle Qual eines indianiſchen Dorfes, waren ſtumm. Als ſie in das Dorf traten, erſchien ein Knabe und deutete auf ein Haus von großerem Umfang als die übri⸗ gen. Sie mußten ſich bücken, um hinein zu kommen. Sobald ſie über der Schwelle waren, füllte ſich der enge Gang hinter ihnen durch den plötzlichen Andrang von Indianern, welche bisher unſichtbar geweſen waren. MKenzie und ſeine Gefährten ſahen ſich in einem rohen Gemache von ungefähr fünfundzwanzig Fuß Länge und zwanzig Fuß Tiefe. Ein helles Feuer flammte an dem einen Ende empor, an welchem der gegen ſechszig Jahr alte Häuptling ſaß. Eine große Menge in Büffel⸗ kleider gehüllter Indianer waren in drei Mann hohen Reihen niedergekauert und bildeten um die drei Seiten des Gemaches einen Halbkreis. Ein einziger Blick rund umher reichte hin, ihnen das Wilde und Gefährliche der Verſammlung zu zeigen, in welche ſie gerathen waren, und ſie von der Unmöglichkeit zu überzeugen, die Maſſe zu durchdringen, welche den Eingang beſetzt hielt. Der Häuptling deutete auf die leere Seite des Gema⸗ ches, der Thüre gegenüber und winkte ihnen, ihre Sitze — 149— einzunehmen. Sie thaten es. Eine düſtere Pauſe folgte. Die wilden Krieger ſaßen wie Statüen umher— alle in ihre Gewänder gehüllt und die grimmen Augen auf die Eindringlinge gerichtet. Die letztern fühlten, daß ſie in einer gefährlichen Lage waren. „Richtet Eure Augen auf den Häuptling, während ich ihn anrede,“ ſagte M'Kenzie zu ſeinen Gefährten. „Sollte er ſeiner Horde irgend ein Zeichen geben, ſo erſchießt ihn und eilt auf die Thüre zu.“ M'Kenzie trat vor und bot dem Häuptling die Frie⸗ denspfeife an; ſie wurde aber nicht angenommen. Er hielt nun eine regelmäßige Rede, ſetzte den Zweck ihres Beſuches auseinander und machte den Vorſchlag, für die Büchſe zwei Blankets, eine Axt, Glasperlen und Taback zu geben. Als er fertig war, erhob ſich der Häuptling und begann ihn mit leiſer Stimme anzureden; er wurde aber bald laut und heftig und endigte damit, daß er in eine wüthende Leidenſchaft gerieth. Er ſchalt die Weißen wegen ihres ſchmutzigen Benehmens bei ihren Reiſen durch ihr Gebiet, in welchem ſie hin und herzögen, ohne ihnen ein Blanket oder irgend etwas anderes zu geben, blos weil ſie keine Pelze hätten, welche ſie zum Austauſche bieten könnten; auch deutete er, unter Androhung von Rache, auf den Tod des Indianers hin, welchen die Weißen bei dem Scharmützel an den Fällen getödtet hatten. Die Sache neigte ſich der Kriſis entgegen. Es war — 150— augenſcheinlich, daß die Wilden umher nur auf ein Zeichen von ihrem Häuptling warteten, um ſich auf ihre Beute zu ſtürzen. M'Kenzie und ſeine Gefährten waren wäh⸗ rend der Rede allgemach aufgeſtanden und hatten ihre Büchſen in eine horizontale Lage gebracht, ſo daß die Läufe in ihrer linken Hand ruhten; die Mündung von M'Kenzie's Büchſe war nur drei Fuß von des Redners Herzen entfernt. Sie ſpannten die Hähne; das Knappen der Schlöſſer färbte einen Augenblick die dunkle Wange des Wilden, und es entſtand eine Pauſe. Kalt, aber raſch ſchritten ſie auf die Thüre zu; die Indianer wichen ſcheu und bang zurück und ließen ſie durch. Die Sonne ging eben unter, als ſie aus dieſer gefähr⸗ lichen Höhle traten. Sie haften die Vorſicht, ſich auf ihrem Rückwege zu dem Kanoe ſo viel als möglich die Höhen der Felſen entlang zu halten und erreichten ihr Lager wohlbehalten; ſie wünſchten ſich Glück zu ihrem Entkommen und fühlten keine Luſt, den grimmen Krie⸗ gern von Wiſhram einen zweiten Beſuch abzuſtatten. Am nächſten Morgen ſetzten M'Kenzie und ſein Geleite ihre Reiſe fort. In einiger Entfernung über den Fällen des Kolumbia ſahen ſie zwei Rinde⸗Kandes, welche mit weißen Männern angefüllt waren, die bei dem vollen Chore einer Schaar kanadiſcher Reiſenden den Fluß herab⸗ kamen. Eine Unterredung folgte. Es war eine Abthei⸗ lung Nordweſter unter dem Befehle von John George M'Taviſh, die, ganz Luſt und Geſang, der Mündung des Kolumbia entgegen fuhren, um dort die Ankunft des Iſaac Todd zu erwarten.. M'Kenzie und M'Taviſh machten Halt, landeten und ſchlugen für die Nacht ihr Lager zuſammen auf. Die Kanadier beider Abtheilungen begrüßten ſich freudig als Brüder und alte Kameraden und verkehrten untereinan⸗ der, als wenn die gleichen Intereſſen ſie verbänden und ſie nicht zu nebenbuhleriſchen Geſellſchaften gehörten und unter feindlichen Flaggen Handel trieben. Am Morgen ſetzten ſie ihre Reiſe nach entgegenge⸗ ſetzten Richtungen fort, in einer Weiſe, welche ihrem verſchiedenen Schickſale entſprach; die Einen arbeiteten mühſam dem Fluſſe entgegen, die Andern flogen luſtig mit der Strömung dahin. MKenzie erreichte wohlbehalten ſeinen verlaſſenen Poſten am Shahaptan, fand aber zu ſeinem Kummer, daß die„caches“ von den Indianern entdeckt und geplündert worden. Dieſer Vorfall ſetzte ihn in Verlegenheit, denn mit den geſtohlenen Waaren hatte er Pferde von den Indianern kaufen wollen. Er ſandte Leute nach allen Richtungen aus, um wo möglich die Diebe zu entdecken; Reed ſchickte er zu den Poſten von Clarke und David Stuart, welchen er M⸗Dougals Briefe brachte. Sowohl Clarke wie Stuart verwarfen den in dieſen Briefen angekündigten Entſchluß, Aſtoria aufzugeben und die Rückreiſe anzutreten. Dieſe zwei Herrn waren auf — 152— ihren Handelspoſten ſehr glücklich geweſen und hielten es für feig und voreilig, bei der erſten Schwierigkeit ein Unternehmen aufzugeben, das ſo großen Koſtenaufwand verurſacht und ſo große Erwartungen erregt hatte. Sie trafen daher keine Anſtalten zur Abreiſe aus der Gegend, ſondern handelten der Hoffnung gemäß, ſich in ihren neuen gedeihlichen Niederlaſſungen zu halten. Die Zeit kam heran, wo die Theilhaber der innern Handelspoſten verabredetermaßen auf ihrer Reiſe nach Aſtoria mit dem Pelzwerke, das ſie geſammelt, an der Mündung des Wallah⸗Wallah zuſammentreffen ſollten. Clarke belud daher achtundzwanzig Pferde mit allen von ihm geſammelten Pelzen, ließ einen Commis und vier Mann zur Bewachung des Poſtens zurück und reiſte am fünfundzwanzigſten Mai mit dem Reſte ſeiner Leute ab. Am dreißigſten kam er an den Zuſammenfluß des Pavion⸗ und Lewis⸗Fluſſes, wo er unter dem Schutze des alten naſendurchbohrten Häuptlings ſeine Barke und Kanves zurückgelaſſen hatte. Dieſer Würdenträger hatte ſich ſeines Auftrages gewiſſenhafter entledigt, als Clarke erwartet hatte; er fand die Kanoes in ziemlicher Ordnung. Einige Ausbeſſerungen waren nothwendig, und während ſie vor⸗ genommen wurden, ſchlug die Geſellſchaft ihr Lager nahe bei dem Dorfe auf. Da Clarke bei ſeinem frühern Beſuche wiederholte und ärgerliche Beweiſe von der Neigung dieſes Stammes zum Diebſtahl erhalten hatte, befahl er, die Wilden ſorgfältig im Auge zu behalten. — 153— Es war ein großer, gutausſehender Mann, ein wenig pomphaft und zeremoniös in ſeiner Erſcheinung, was ihn in den Augen der ſtaunenden Wilden zu einem Gegen⸗ ſtande von Bedeutung machte. Er war auch in ſeiner Einrichtung ſtataich und hatte einen Becher oder eine Trinkſchale von Silber, aus welcher er mit vornehmer Miene zu trinken und ſie dann in einem großen Flaſchen⸗ futter aufzubewahren pflegte, welches ihn auf ſeinen Reiſen begleitete und in ſeinem Zelte ſtand. Dieſer Becher war urſprünglich von Aſtor als Geſchenk an M'Kay geſandt worden, der Theilhaber, welcher unglücklicherweiſe mit dem Tonquin in die Luft geflogen war. Da er nach der Abreiſe dieſes Herrn zu Aſtoria eintraf, blieb er in Clar⸗ ke's Beſitz. Ein Silberbecher war ein zu glänzender Gegenſtand, um die Augen eines Nez- percé nicht auf ſich zu ziehen. Es war damit, wie mit Reed's ſchimmerndem Blechkiſt⸗ chen. Ein ſolches Wunder war nie vorher in dem Lande geſehen worden. Die Indianer ſprachen miteinander davon. Sie bemerkten die Sorgfalt, mit welcher der Schatz, wie eine Reliquie in ihrem Schreine, in dem Flaſchenfutter aufgehoben wurde, und ſchloſſen, es müßte eine„große Medicin“ ſein. Dieſe Nacht verſäumte es Clarke, ſeinen Schatz einzuſchließen— am Morgen war das heilige Kiſtchen geöffnet— das böſtliche Silbergefäß war ver⸗ ſchwunden! Clarke war nun wüthend. Der ganze ehemalige — 154— Aerger, welcher ihm dieſe diebiſche Gemeinde verurſacht hatte, erwachte in ſeinem Geiſte, und er drohte, er würde, wenn man den Becher nicht ſchnell zurückgebe, den Dieb hängen, ſobald er ihn ausfindig mache. Der Tag verging jedoch, ohne daß der Becher zurückgegeben wurde. In der Nacht wurden Wachen heimlich um das Lager geſtellt. Bei all ihrer Wachſamkeit gelang es einem der Indianer, unbemerkt in das Lager zu kommen und ſich mit Beute zu beladen; erſt auf ſeinem Rückwege wurde er ertappt und feſtgenommen. Bei Tagesanbruch wurde der Frevler verhört und augenblicklich überführt. Er wurde für alles aus dem Lager Geraubte, mit Einſchluß des koſtbaren Bechers, verantwortlich gemacht, und Clarke ſprach das Todesurtheil über ihn aus. Ein Galgen wurde ſofort von Rudern errichtet, der Häuptling des Dorfes und ſeine Gemeinde herbeigerufen und der Verbrecher, an Händen und Füßen gebunden, vorgeführt. Clarke hielt ihnen eine Standrede. Er erin⸗ nerte den Stamm an die Wohlthaten, welche er ihm während ſeinem erſten Beſuche erzeigt, und an die vielen Diebereien und den Unfug, mit welchen er Nachſicht geübt. Vorzüglich ſei der Gefangene, ſagte er, ſtets von den weißen Männern gut behandelt worden, habe ſich aber wiederholt des Diebſtahls ſchuldig gemacht. Er ſollte wegen ſeiner eigenen Verbrechen und als eine Warnung fird den Stamm geſtraft werden. — 155— Die Indianer ſammelten ſich jetzt um Clarke und baten für den Schuldigen. Sie wollten, daß er ſtreng geſtraft würde, baten aber, ſein Leben zu ſchonen. Auch Clarke's Gefahrten hielten das Urtheil für zu ſtreng und riethen ihm, es zu mildern; er war aber unerbittlich. Er war von Natur nicht ſtreng und grauſam; er hatte aber von Jugend auf in dem indianiſchen Lande unter india⸗ niſchen Kaufleuten gelebt und legte geringen Werth auf das Leben eines Wilden. Ueberdies war er der Lehre von der Einſchüchterung ſehr gläubig zugethan. Farnham, ein ſchlanker Commis aus den„grünen Bergen“ von Vermont, übernahm die Rolle des Henkers. Das Zeichen wurde gegeben, und der widerſtrebende, ſich ſträubende und auf die furchtbarſte Weiſe ſchreiende Naſen⸗ durchbohrte in die Ewigkeit befördert. In Schweigen und lautloſem Schrecken ſtanden die Indianer umher, machten aber keinen Verſuch, ſich der urtheilsvollſtreckung zu widerſetzen, noch ließen ſie irgend eine Erregung gewahren, als ſie vorüber war. Sie ver⸗ ſchloſſen ihre Gefühle in ihre Bruſt, bis ſich irgend eine Gelegenheit böte, ſich durch eine blutige That zu rächen. Das unkluge dieſer That ſpringt grell in die Augen, wenn man auch von ihrer nutzloſen Strenge nichts ſagen will. M'Lean und drei der Leute mußten mit den Pfer⸗ den zu dem Handelspoſten zurückkehren, nachdem ihre Fracht in die Kanoes gebracht worden; ihr Weg führte unausweichlich durch einen Landesſtrich, welcher im Beſitze dieſes Stammes war,— lauter treffliche, mit guten Pferden verſehene Reiter, welche ſie verfolgen konn⸗ ten, um den Tod ihres Kameraden zu rächen. M'Lean war aber ein entſchloſſener Menſch und lachte aller Gefah⸗ ren. Er und ſeine Leute waren bei der Hinrichtung gegenwärtig und brachen auf, ſobald der Indianer den Geiſt aufgab; aber, um uns der Worte eines ihrer Gefährten zu bedienen—„ſie ließen das Gras nicht unter den Hufen ihrer Pferde wachſen,“ wie ſie aus dem Gebiete der Naſendurchbohrten hinaus klepperten, und freuten ſich, als ſie wohlbehalten in der Factorei angekommen waren. Zur ſelben Zeit ſchifften ſich Clarke und ſein Geleite in ihren Kanoes ein und erreichten fruͤh am folgenden Tage die Mündung des Wallah⸗ Wallah, wo ſie Stuart und MKenzie fanden, die ihrer harrten; der Letztere hatte einen Theil der Waaren wieder erhalten, die aus den Verſtecken geſtohlen worden. Clarke unterrichtete ſte von der ſtrengen Strafe, welche er dem naſendurchbohrten Indianer hatte angedei⸗ hen laſſen, und war augenſcheinlich gewärtig, ihre Bewun⸗ derung über einen ſo kühnen Akt der Gerechtigkeit, inmit⸗ ten des indianiſchen Gebietes verübt, auf ſich zu ziehen, hatte aber die Demüthigung, daß ſein Benehmen als unmenſchlich, nutzlos und wahrſcheinlich zu Feindſeligkeiten reizend, ſtreng getadelt wurde. Die ſo vereinigten Abtheilungen bildeten ein kleines Geſchwader von zwei Booten und ſechs Kanoes, in welchen — 157— ſie ihre Reiſe den Fluß hinab wohlbehalten vollbrachten und am zwölften Juni mit einem werthvollen Vorrathe von Pelzwerken zu Aſtoria ankamen. Zehn Tage vorher war die„Brigade,“ welche ſich an den Ufern des Wollamutt aufgehalten hatte, mit zahl⸗ loſen Ballen von Biberfellen— das Ergebniß eines Auf⸗ enthaltes von wenigen Monaten an den Ufern dieſes Fluſſes— angelangt. Es waren dies die erſten Früchte des Unternehmens, von Leuten geſammelt, die bis jetzt in dem Lande noch ganz fremd waren; ſie waren aber der Art, daß ſie weſentliche Gründe zu lebhaften Erwartun⸗ gen abgaben, wenn das Land erſt mehr erſchloſſen und der Handel geregelter ſein würde. Q Vierundfünfzigſtes Kapitel. Unzufriedenheit der Theilhaber mit M'Dougal.— Zweideutiges Benehmen dieſes Mannes.— Die Theilhaber kommen überein, Aſtoria zu verlaſſen.— Verkauf der Waaren an M'Tavish.— Unordnungen für ein Jahr.— Unterzeichnung eines Manifeſtes durch die Theilhaber.— M'Tavish's Abreiſe in das Innere. Die Theilhaber fanden M'Dougal in dem ganzen Gewirre der Vorbereitungen, da er ſeit neun Tagen in der Factorei ſeine Abſicht, die Niederlaſſung zu räumen, ange⸗ kündigt und den erſten Juli als den Tag der Abreiſe feſt⸗ geſetzt hatte. Stuart und Clarke zeigten ſich ſehr unzu⸗ frieden, daß er einen ſo voreiligen Schritt gethan, ohne ihre Zuſtimmung zu erwarten, da er doch wiſſen mußte, daß ihre Ankunft nicht mehr ſehr fern ſein konnte. Wirklich war das ganze Benehmen M⸗Oougal's der Art, daß es ſtarke Zweifel an ſeiner treuen Anhänglichkeit an die Sache zuließ. Seine alte Liebe zu der Nordweſt⸗ Compagnie ſchien wieder geweckt worden zu ſein. Er hatte M'Tavish und ſein Geleite mit einer ganz uner⸗ warteten Gaſtfreiheit aufgenommen, als wären ſie Freunde und Verbündete, da ſie doch als Kundſchafter kamen, um den Zuſtand der Angelegenheiten zu Aſtoria zu erforſchen — 159— und die Ankunft des feindlichen Schiffes zu erwarten. Hätte man ſie ſich ſelbſt überlaſſen, ſo mußten ſie aus Mangel an Lebensmitteln verhungern, oder ſie wären von den Chinooks verjagt worden, die nur eines Zeichens aus der Factorei bedurft hätten, um ſie als Eindringlinge und. Feinde zu behandeln. M'Dougal dagegen verſorgte ſie aus den Vorrathskammern der Factorei und erwarb ihnen die Gunſt der Indianer, indem er ſie als Freunde behandelte. 1 Da MDougal den feſten Entſchluß gefaßt hatte, die Niederlaſſung zu Aſtoria in dem laufenden Jahre zu räu⸗ men, fand er ſich äußerſt getäuſcht, als er ſah, daß Stuart und Clarke es unterlaſſen hatten, ſeinen Wunſch zu erfül⸗ len und Pferde und Lebensmittel für die Karawane, die über das Felſengebirg gehen ſollte, einzutauſchen. Es war jetzt zu ſpät, um noch die nöthigen Vorbereitungen zu dem Uebergange über das Gebirg vor dem Winter zu machen, und der Plan mußte zurückgeſetzt werden. Mittlerweilen blieben die Nichtankunft des jährlichen Schiffes und die Beſorgniſſe, welche man hinſichtlich des Verluſtes des⸗Bibers und Hunt's hegte, nicht ohne Ein⸗ fluß auf Clarke's und Stuart's Geiſt. Allgemach hörten ſte auf die entmuthigenden Darſtellungen M'Dougals, den M'Kenzie unterſtützte, welcher ihre Lage als troſtlos und verzweifelt ſchilderte, indem ſie für ſich ſelbſt ſorgen oder an einer wilden Küſte zu Grunde gehen müßten, und indem ſie von denen, welche ſie hierher geſandt, verlaſſen — 160— und mit Gefahren jeder Art bedroht ſeien. Auf dieſe Weiſe wurden ſie vermocht, ihre Beiſtimmung zu dem Plane zu geben, das kommende Jahr die Gegend zu verlaſſen. Um dieſe Zeit wandte ſich M'Tavish an die Fartorei, um einen kleinen Vorrath von Waaren zu kaufen, mit welchen er auf ſeinem Rückwege nach ſeinem Handels⸗ delspoſten an den obern Waſſern des Kolumbia Handel treiben wollte, da er umſonſt auf die Ankunft des Iſaac Todd gewartet hatte. Seine Bitte hatte eine Berathung unter den Theilhabern zur Folge. M'Dougal drang dar⸗ auf, daß man ſie ihm gewähre. Er ſchlug ferner vor, man ſollte M'Tavish, gegen eine geeignete Vergütung, die Fac⸗ torei an dem Spokanfluſſe mit allem ihrem Zubehör über⸗ geben, da ſie nicht Waaren genug zur Hand hätten, dieſen Poſten ſelbſt zu verſorgen und in dem Handel mit den umwohnenden Indianern der Nordweſt⸗Compagnie die Wage zu halten. Der letztere Grund hat ſich ſeitdem als unrichtig ausgewieſen. Durch die Inventarien ſtellte es ſich heraus, daß ihr Vorrath zur Verſorgung der Poſten im Binnenlende weit bedeutender war, als der der Nord⸗ weſt⸗Compagnie, ſo daß ſie von einer Mitbewerbung nichts zu fürchten hatten. Durch den Einfluß von M'Oougal und M'Kenzie wurde dieſer Vorſchlag angenommen, und M'Tavish wil⸗ ligte ſofort ein. Der Werth der an ihn verkauften Waa⸗ ren belief ſich auf achthundert und achtundfünfzig Dollars, — 161— welche im nächſten Frühjahr an Pferden oder auf eine andere zu dieſer Zeit für die Theilhaber wünſchenswerthe Weiſe bezahlt werden ſollten. Nachdem dieſe Uebereinkunft getroffen, entwarfen die Theilhaber ihre Plane für das Jahr, welches ſie noch in der Gegend hinzubringen hatten. Ihr Hauptaugenmerk ging auf den gegenwärtigen Lebensunterhalt und auf den Ankauf der Pferde für die beabſichtigte Reiſe, obſchon ſie auch ſo viel Pelzwerk einzuſammeln beſchloſſen, als ihre geringeren Mittel es noch erlaubten. Demzufolge wurde feſtgeſetzt, daß David Stuart zu ſeinem frühern Poſten an dem Oakinagan zurückkehren, Clarke aber ſich bei den Flachköpfen niederlaſſen ſollte. John Reed, der rüſtige Ireländer, nahm das Gebiet des Snake⸗River über ſich; in ſeinem Geleite waren Pierre Dorion und Pierre Delaunay als Jäger, und Franzis Landry, John Baptiſte Tureotte, André la Chapelle und Gilles Leclerc, kanadiſche Reiſende. Aſtoria war jedoch der Punkt, wegen deſſen ſie in der größten Beſorgniß waren und von dem ſie Alle mehr oder weniger abhingen. Denſelben für das folgende Jahr zu behaupten und zu ſichern, war daher ihre Hauptaufgabe. MDougal ſollte dieſer Factorei mit vierzig Mann fort⸗ während vorſtehen. Ihres Unterhalts wegen waren ſie vorzüglich auf die Wilden in der Umgegend verwieſen. Dieſe waren jetzt freundlich; es war aber zu fürchten, ſie möchten, wenn ſie die Noth des Poſtens und ſeine wirkliche 63.— 65. 11 — 162— Schwäche entdeckten, zu Feindſeligkeiten ſchreiten, in jedem Falle aber aufhören, ihnen die gewöhnlichen Vorräthe zu liefern. Dieſer Umſtand machte es wichtig, den Platz hinſicht⸗ lich des Unterhalts von den umwohnenden Indianern ſo unabhängig als möglich zu machen und es wurde daher beſchloſſen, daß M'Kenzie mit vier Jägern und acht andern Leuten in dem ergiebigen Lande am Wollamut wohnen ſollten, von wo ſie im Stande ſeyn würden, ſtets Vor⸗ räthe von Lebensmitteln nach Aſtoria zu ſenden. Da die Zahl der Commis im Verhältniß zu der dienſtthuenden Mannſchaft zu groß war, erhielten drei Commis, Roſſ Cox, Roſſ und M'Lellan die Erlaubniß⸗ den Dienſt zu verlaſſen und ließen ſich augenblicklich in die Dienſte der Nordweſt⸗Compagnie aufnehmen, ohne Zweifel froh, aus einem ihrer Anſicht nach ſinkenden Schiffe ſich zu retten. Als alle dieſe Anordnungen getroffen waren, unter⸗ zeichneten die vier Theilhaber ein förmliches Manifeſt, in welchem ſie den beunruhigenden Zuſtand ihrer Angelegen⸗ heiten durch das Ausbleiben des jährlichen Schiffes und durch die Abweſenheit und den gefürchteten Verluſt des Bibers, ihren Mangel an Waaren, ihre Verzweiflung an dem Empfange fernerer Vorräthe, ihre Unbekanntheit mit der Kuſte und die Fehlſchlagung ihrer Erwartungen hin⸗ ſichtlich des Binnenhandels auseinander ſetzten, welchen — 163— ſie mit den Koſten, die er verurſachte, als nicht im Verhaltniß ſtehend und unzureichend ſchilderten, um dem mächtigen Widerſtande der Nordweſt⸗Compagnie die Spitze zu bieten. Und da ſie durch den ſechszehnten Artikel des Kontraktes der Geſellſchaft befugt ſeien, ihr Unternehmen aufzugeben und das Geſchäft aufzulöſen, wenn es vor dem Ablaufe von fünf Jahren ſich unvortheilhaft erweiſen ſollte, ſo kündigten ſie hierdurch ihre Abſicht an, am erſten Tage des Juni des folgenden Jahres dies zu thun, wenn ſie nicht mittlerweile von Aſtor oder den Actionären mit dem Befehle, auszuhalten, die nöthigen Unterſtützungen und Vorräthe erhielten. Dieſe Urkunde wurde mit Privatbriefen ähnlichen Inhalts an M'Tavish abgegeben, welcher am fünften Juli ſeine Rückreiſe antrat. Er machte ſich anheiſchig, die Briefe durch den gewöhnlichen Winterexpreſſen, welchen die Nordweſt⸗Compagnie über Land ſchickte, an Aſtor über⸗ liefern zu laſſen. MNit großem Widerwillen wurde das Manifeſt von Clarke und David Stuart unterzeichnet, deren Erfahrung keineswegs die entmuthigende Schilderung, welche darin von dem Binnenhandel entworfen war, rechtfertigte, und nach deren Anſicht die Hauptſchwierigkeiten, ein unbe⸗ kanntes, wildes Land zu erſchließen und die beſten Gegenden zuw Handel und zum Biberfange aufzuſuchen, bereits größtentheils beſiegt waren. Sie wurden aber 11* — 164— durch die dringenden Einreden M'Dougals und M Ken⸗ zie's überſtimmt, welche, nachdem ſie beſchloſſen hatten, das Unternehmen aufzugeben, die Sache ſo kräftig als möglich hinzuſtellen wünſchten, um ihr Benehmen vor Aſtor und vor der Welt zu entſchuldigen. — Fünfundfünfzigſtes Kapitel. Aſtor's Beſorgniſſe.— Ausſchreiben der Nordweſt⸗Compagnie. — Nachricht von einer kritiſchen Schiffs⸗Eypedition gegen Aſtoria.— Aſtor wendet ſich an die Regierung, um Uunter⸗ ſtützung zu erhalten.— Die Fregatte Adams erhält Befehl zur Ausrüſtung.— Glänzende Nachrichten von Aſtoria.— Der Sonnenſchein wird plötzlich durch Wolken bedeckt. Während ſich Schwierigkeiten und Unfälle über der jungen Niederlaſſung von Aſtoria ſammelten, war das Gemüth des Lenkers der Unternehmung zu New⸗York eine Beute großer Beſorgniſſe. Das Schiff, die Lerche, welches er mit Vorräthen für die Factorei abgeſendet, war am ſechsten März 1813 unter Segel gegangen. Vier⸗ zehn Tage ſpäter erhielt er Nachrichten, welche alle ſeine Beſorgniſſe wegen Feindſeligkeiten von Seiten der Eng⸗ länder rechtfertigten. Die Nordweſt⸗Compagnie hatte eine zweite Denkſchrift an die britiſche Regierung gerichtet, worin ſie Aſtoria als eine amerikaniſche Niederlaſſung ſchilderte, die große Ausdehnung des beabſichtigten Wir⸗ kungskreiſes dieſes Poſtens darlegte, die Stärke der Befe⸗ ſtigungswerke dieſes Platzes vergrößerte und ihre Beſorgniß ausſprach, ſie möchte, wenn ſie nicht im Keime unterdrückt würde, den Sturz des Handels der Nordweſt⸗Compagnie herbeiführen. Durch dieſe Darſtellungen bewogen, befahl die britiſche Regierung, die Fregatte Phoebe dem bewaffneten Schiffe Iſaac Todd als Geleit beizugeben, der bereit lag, mit Mannſchaft und Vorräthen aller Art unter Segel zu gehen, um die neue Niederlaſſung zu gründen. Sie ſoll⸗ ten miteinander bis zur Mündung des Kolumbia gehen, jede amerikaniſche Feſtung, welche ſie dort finden möchten, wegnehmen und zerſtören und auf ihren Trümmern die britiſche Flagge aufpflanzen. Aſtor, der von dieſen Bewegungen unterrichtet wurde, verlor keine Zeit, einen zweiten Brief an den Staats⸗ ſekretär zu richten, ihm obige Nachricht mitzutheilen und ihn zu bitten, ſie dem Präſidenten vorzulegen; er begnügte ſich jedoch mit dieſer einfachen Mittheilung und enthielt ſich, eine Bitte um Unterſtützung hinzuzufügen, da ſein erſtes Schreiben unbeachtet geblieben war. Die amerikaniſche Regierung, welche nun die Gefahr einſah, die der Niederlaſſung zu Aſtoria drohte, und wel⸗ cher es nicht entging, wie wichtig es ſei, dieſen Anhalt⸗ punkt des Handels und der Herrſchaft Amerika's an den Küſten des ſtillen Meeres zu ſchützen, beſchloß, die Fre⸗ gatte Adams, Kapitän Crane, dorthin zu ſchicken. Als Aſtor die Nachricht von dieſem Beſchluſſe erhielt, ließ er augenblicklich ein Schiff,„Entrepriſe“(Unternehmung) genannt, ausrüſten und mit Verſtärkungen und neuen — 167— Vorräthen für Aſtoria verſehen, um mit dem Adams die Reiſe zu machen. In der Mitte des Juni und in dem Gedränge dieſer Vorbereitungen erhielt Aſtor von R. Stuart aus St. Louis vom erſten Mai einen Brief, welcher die Beſtätigung der bereits durch die öffentlichen Blätter erhaltenen Kunde von ſeiner glücklichen Rückkehr und von der Ankunft Hunt's und ſeines Geleites zu Aſtoria enthielt und den erfreulichſten Bericht von dem Gedeihen des Unterneh⸗ mens gab. 4 So groß waren Aſtor's Beſorgniſſe wegen des Erfolgs dieſes wichtigen Gegenſtandes ſeines Ehrgeizes geweſen, daß dieſer neue Hoffnungsſtrahl faſt überwältigend wirkte. „Ich war,“ ſagte er,„nahe daran, von Dankbarkeit hingeriſſen auf meine Knie zu fallen.“ Zu gleicher Zeit hörte er, daß der Biber ſeine Reiſe von New⸗York nach Kolumbia glücklich zurückgelegt hatte. Dies war ein Grund mehr, das Erblühen der kleinen Kolonie zu hoffen. Da die Factorei auf dieſe Weiſe Hülfe und Verſtärkung hatte, ein Amerikaner an ihrer Spitze ſtand, und ein Kriegsſchiff im Begriffe war, zu ihrem Schutze unter Segel zu gehen, ſo ſchienen die Aus⸗ ſichten auf die Zukunft durchaus ermuthigend, und Aſtor ging mit neuem Eifer daran, ſein Kauffartheiſchiff in Stand zu ſetzen, die Anker zu lichten.. Zum Unglück für Aſtoria wurde dieſer helle Sonnen⸗ ſtrahl bald überwölkt. Als der Adams eben vollſtändig — 168— bemannt war und die beiden Schiffe ſich anſchickten, die Anker zu lichten, kamen Nachrichten von dem Commodore Chauncey, der den Oberbefehl auf dem Ontario⸗See hatte, daß eine Verſtärkung von Matroſen dort nothwen⸗ dig ſei; die Forderung war dringend, die Mannſchaft des Adams wurde augenblicklich zu dieſem Dienſte beordert und das Schiff abgetackelt. Dies war ein höchſt ungelegener, entmuthigender Schlag, aber Aſtor ließ ſich dadurch nicht abhalten, ſein Unterneh⸗ men zu fördern. Er beſchloß, die Entrepriſe allein abge⸗ hen zu laſſen und es ihr anheim zu geben, unbeſchützt ihren Weg über das Meer zu ſuchen. Um dieſe Zeit jedoch erſchien eine britiſche Flotte jenſeits des Hook, und der Hafen von New⸗York wurde wirklich blokirt. Unter dieſen Umſtänden ein Schiff abſenden, würde geheißen haben, es der faſt gewiſſen Wegnahme preisgeben. Die Entrepriſe wurde daher entfrachtet und abgetakelt, und Aſtor mußte ſich mit der Hoffnung begnügen, daß die Lerche Aſtoria wohlbehalten erreicht haben könnte, und daß mit Hülfe der Zufuhr dieſes Schiffes und durch die gute Verwaltung Hunt's und ſeiner Gefährten die kleine Kolo⸗ nie im Stande ſein dürfte, ſich bis zur Rückkehr des Friedens zu halten. Sechsundfünfzigſtes Kapitel. Staatsangelegenheiten zu Aſtoria.— M'Dougal hält um die Hand einer indianiſchen Prinzeſſin an.— Heirathsgeſandtſchaft an Comcomly.— Heirathsgebräuche bei den Chinvoks.— Uebereinkunft und Nadelgeld.— Die Heimfahrt der Braut.— Ein kluger Schwiegervater.— Hunt'’s Ankunft zu Aſtoria. Wir haben bisher ſo viel Trauriges und Düſteres erzählen müſſen, daß wir uns mit einem Gefühle augen⸗ blicklichen Genuſſes zu etwas Erheiterndem wenden und der erſten und in der That einzigen vornehmen Hochzeit gedenken, welche in der jungen Niederlaſſung zu Aſtoria ſtatt fand. M'Dougal, der, wie es ſcheint, ein Mann von tau⸗ ſend Planen und von großem, obgleich etwas ungeregel⸗ tem Ehrgeize war, gab plötzlich dem Gedanken Raum, um die Hand einer der eingebornen Prinzeſſinnen, einer Tochter des einäugigen Potentaten Comcomly zu werben, welcher den Fiſcher⸗Stamm der Chinooks beherrſchte und die Factorei ſeit langer Zeit mit Stören und Stinten verſorgte. 5 Einige Nachrichten geben dieſer Sache eine ziemlich romanhafte Entſtehung, indem ſie auf die ſtürmiſche Nacht — 170— zurückführen, in welcher M'Dougal auf einen Ausflug durch ſchlechtes Wetter gezwungen ward,„in der königlichen Wohnung Comcomly's“ Schutz zu ſuchen. Bei dieſer Gelegenheit ſollen ihm die Reize der Fiſcherprinzeſſin zuerſt gerührt haben, als ſie ſich bemühte, ihres Vaters Gaſt zu unterhalten. Das„Tagebuch von Aſtoria“ jedoch, das unter ſei⸗ nen eigenen Augen geſchrieben wurde, erwähnt dieſer Verbindung als einer hohen Staatsallianz, und als eines großen politiſchen Schrittes. Die Factorei war wegen ihres Lebensunterhalts gewiſſermaßen von den Chinooks abhängig. Bis jetzt war ihr Benehmen freundlich; man mußte aber das Gegentheil fürchten, wenn ſie die Noth und Schwäche des Poſtens erfuhren und von der Abſicht hörten, ihn zu räumen. Dieſe Verbindung mußte daher unfehlbar Comcomly und ſomit auch den mächtigen Stamm der Chinooks für die Intereſſen der Aſtorier gewinnen. Dem ſei nun wie ihm wolle— ſo iſt es doch ſchwer, die wirkliche Politik von Statthaltern und Fürſten zu durchdringen,— kurz, M'Dougal entſandte zwei Commis als außerordentliche Botſchafter, um dem einäugigen Herr⸗ ſcher aufzuwarten und um die Hand ſeiner Prinzeſſin Tochter zu werben. Okgleich die Chinooks keine ſehr verfeinerte Völker⸗ ſchaft ſind, ſo haben ſie doch Anſichten von Heirathsver⸗ trägen, welche den ſachkundigſten Vertretern der Mitgabe und des Nadelgeldes keine Schande machen würde. Der — 171— Bewerber begibt ſich nicht in die Laube ſeiner Geliebten, ſondern in die Wohnung ihres Vaters und legt ihm ein Geſchenk zu Füßen. Ein kluger Freund, welchen er zu dieſem Geſchäfte braucht, läßt nun ſeine Wünſche laut werden. Findet der Werber und ſein Geſchenk Gnade vor des Vaters Augen, ſo ſpricht er mit ſeiner Tochter von der Sache und erkundigt ſich nach dem Zuſtande ihres Herzens. Iſt ihre Antwort günſtig, ſo wird die Bewer⸗ bung angenommen, und der Liebende muß dem Vater weitere Gefchenke an Pferden, Kanoes und anderm Werth⸗ vollen machen, je nach den Reizen und Verdienſten der Braut, wobei er ähnliche Gegenſtände erwartet, wenn er an die Einrichtung ſeines Hausſtandes kömmt. Wir haben mehr denn ein Mal Gelegenheit gehabt, von der Verſchlagenheit Comcomly's zu ſprechen; ſie zeigte ſich nie in einem vortheilhafteren Lichte als bei dieſer Gele⸗ genheit. Er war ein großer Freund M'Dougal's und gefiel ſich in dem Gedanken, einen ſo ausgezeichneten Schwiegerſohn zu haben; aber eine ſo günſtige Gelegen⸗ heit, ſein eigenes Glück zu fördern, kam wahrſcheinlich nicht zum zweiten Male, und er beſchloß, ſie nach Kräften zu benützen. Die Verhandlung wurde demzufolge mit echt diplo⸗ matiſcher Geſchicklichkeit hinausgezogen. Eine Beredung nach der andern fand mit den beiden Botſchaftern ſtatt; Comcomly's Anforderungen überſchritten alles Maaß, denn er ſchlug die Reize ſeiner Tochter um den höchſten Preis — 122— an, und wirklich hatte ſie nach den Schilderungen einen der flachſten und ariſtokratiſcheſten Köpfe in dem ganzen Stamme.— Endlich war man mit den Präliminarien glücklich zu Ende. Am zwanzigſten Juli kam, frühe am Nachmittag, ein Geſchwader von Kanoes von dem Dorfe der Chinooks herüber; in dieſen Kanves war die königliche Familie des Comcomly und ſein ganzer Hofſtaat. Dieſer würdige Sachem landete in fürſtlichem Prunke; er war in ein hellblaues Blanket und in ein rothes Schürztuch gekleidet und hatte eine Extra⸗Menge von Federn und Malerei an ſich, und ein Gefolge von halb⸗ nackten Kriegern und Edeln umſchwärmte ihn. Für die Prinzeſſin ſtand ein Pferd bereit, das ſie hinter einem der Commis beſtieg; ſo wurde ſie, blöde aber doch willig, in das Fort gebracht, wo ſie mit inniger, obgleich beſcheidener Freude von dem harrenden Bräuti⸗ gam empfangen wurde. 3 Allerdings verurſachte die Art, wie die Braut ſich geſchmückt hatte, anfangs einigen Schrecken, denn ſie hatte ſich für dieſe Gelegenheit ganz nach der Sitte der Chinooks gemalt und geſalbt; mittelſt häufiger Abwaſchungen jedoch wurde ſich von allen„wildländiſchen“ Farbenton und Duft befreit, und trat als die reinlichſte aller je bekannt gewordenen Prinzeſſinnen aus dem etwas„ſalbungsreichen“ Stamme der Chinooks in den Eheſtand. Von dieſer Zeit an war Comcomly ein täglicher — 173— Beſucher der Factorei und wurde zu den geheimſten Bera⸗ thungen ſeines Schwiegerſohnes zugelaſſen. Er zeigte für das geringſte, das vorging, ungemeine Theilnahme; beſon⸗ ders gerne aber beſuchte er die Schmiedewerkſtätte ſehr häufig und machte ſich die Geſchicklichkeit des Eiſenkünſtlers für jede dem wilden Leben anzupaſſende Waffe und Geräth⸗ ſchaft zu Nutze, ſo daß die nothwendigen Arbeiten der Factorei oft hintangeſetzt werden mußten, um ſeinen Wün⸗ ſchen zu entſprechen. 3 Die Flitterwochen waren kaum vorüber, und M'Dou⸗ gal war mit ſeiner jungen Gemahlin in dem Fort einge⸗ richtet, als gegen Mittag des zwanzigſten Auguſts Gaſſacop, Comcomly's Sohn, in großer Erregung zu ihm kam und ihm ankündigte, ein Schiff ſei an der Mündung des Fluſ⸗ ſes angelangt. Dieſe Neuigkeit brachte Alles in Aufruhr. War es ein Friedens⸗ oder Kriegsſchiff? War es ein amerikaniſches oder ein britiſches Schiff? War es der Biber oder der Iſaac Todd? M'Dougal eilte an das Waſſer, warf ſich in ein Boot, und befahl den Ruderern, in aller Eile auf die Mündung des Hafens abzuhalten. Die in dem Fort bewachten den Eingang des Fluſſes, und ſchauten ängſtlich aus, ob ſie ſich anſchicken ſollten, einen Freund zu begrüßen, oder einen Feind anzugreifen. Endlich ſah man das Schiff über die Barre gegen und auf Aſtoria abhalten. Schweigend, forſchend hing jeder Blick an ihm— endlich erkannte man die amerikaniſche Flagge. Ein allgemeines Jubelgeſchrei war der erſte Freude⸗ ausdruck, und dann donnerte das Geſchütz einen Willkom⸗ mensgruß. Das Schiff legte ſich auf der entgegengeſetzten Seite des Fluſſes vor Anker, und gab den Gruß zurück. Das Boot M'Dougal's ging an Bord, und fuhr erſt ſpät am Nachmittage wieder ab. Die Aſtorier blickten ſcharfen Auges hin, um zu ſehen, wer an Bord wäre, aber die Sonne ging unter und der Abend brach herein, ehe es nahe genug gekommen. Endlich erreichte es das Land und— Hunt betrat das Ufer. Er wurde wie ein von den Todten Erſtandener bewillkommt, und ſeine Rückkehr war das Zeichen zu einer. Heiterkeit, welche faſt jener glich, die bei der Hochzeit MDougals geherrſcht hatte.. Wir haben nun die urſachen der langen Abweſenheit dieſes Herrn anzugeben, welche zu ſo düſtern und nieder⸗ ſchlagenden Vermuthungen Anlaß gegeben hatten. Siebenundfünfzigſtes Kapitel. Reiſe des Bibers nach Neu⸗Archangel.— Ein ruſſiſcher Gou⸗ verneur.— Tolle Herrſchaft.— Tiſch⸗Tyrannei.— Handel bei den Flaſchen.— Reiſe nach Kamtſchatka.— Robbenfang.— Niederlaſſung zu St. Paul.— Seeſtürme.— Hunt bleibt auf den Sandwich⸗Inſeln.— Geſchäfte des Bibers zu Canton.— Hunt's Rückkehr nach Aſtorig. Man wird ſich erinnern, daß der Biber, als er am vierten Auguſt 1812 Aſtoria verließ, die Beſtimmung hatte, nordwärts die Küſte entlang nach Sitka oder Neu⸗Archan⸗ gel zu gehen, dort den Theil ſeiner Befrachtung abzugeben, welcher für die ruſſiſche Niederlaſſung an dieſem Platze als Zufuhr beſtimmt war, und dann nach Aſtoria zurück⸗ zukehren, wo er im October wieder erwartet wurde. Neu⸗Archangel, auf der Inſel Sitka im Norfolk Sund, liegt im 570 2⸗ N. B. 135⁰° 50⸗ W. L.* Es war der Hauptſitz der verſchiedenen Kolonien der ruſſiſchen Pelzhandelsgeſellſchaft und der gemeinſchaftliche Sammel⸗ platz der amerikaniſchen Schiffe, welche dieſe Küſte entlang Handel trieben. *¼) Genauer: 560 46, Br. 2420 24/ L. — 176— Dem Biber begegnete auf ſeiner Reiſe nichts Bemer⸗ kenswerthes, und er erreichte Reu⸗Archangel am neun⸗ zehnten Auguſt. Dieſer Ort war damals der Sitz des Grafen Barannoff, des Gouverneurs der verſchiedenen Kolonien— eines rauhen, wilden, gaſtfreien, ſtark trin⸗ kenden alten Ruſſen,— halb Soldat und halb Kaufmann, vor allem aber ein gutes Mitglied der alten windmachenden Schule, mit einem bedeutenden Anſtrich vom Bären. Hunt fand dieſen hyperboräiſchen Veteran in eine Feſte eingepfercht, welche den ganzen Kamm eines hohen felſigen Vorgebirgs einnahm. Sie war mit hundert Kanonen von größerm und kleinerm Kaliber garnirt und gegen jeden indianiſchen Angriff, dem keine Artillerie zur Seite ſtand, geſchützt. Hier führte der alte Gouverneur den Scepter über ſechszig Ruſſen, welche das ſtehende Heer dieſes Handelspoſtens ausmachten, ohne eine unzahl⸗ bare Menge indianiſcher Jäger von dem Kodiak⸗Stamme zu rechnen, welche ſtets auf dem Hin⸗ und Herwege waren oder um das Fort lungerten und lagerten, wie eine Meute Jagdhunde um die Wohnung eines Waidmanns. Obgleich der Gouverneur ein lockerer Vogel unter ſeinen Gäſten war, ſo war er doch ein ſtrenger Zuchtmeiſter unter ſeinen Leuten, hielt ſie in Ordnung und Reſpekt, und ſieben derſelben mußten Tag und Nacht Wache ſtehen. Außer dieſen eben erwähnten Dienern und Abhän⸗ gigen beherrſchte der alte ruſſiſche Machthaber noch eine zahlreiche, unregelmaßige Klaſſe von Küſtenhändlern, welche — 177— von ihm Schutz und Munition erhielten und durch welche er wirklich gewiſſermaßen ſeine Herrſchaft über die ganze Nordweſtküſte ausdehnte. Dies waren amerikaniſche Schiffskapitäne, welche einen beſondern Handelszweig betrieben. So konnte einer dieſer Kapitäne ſo zu ſagen mit leeren Händen nach Neu⸗Archangel kommen. Hier wurde ſein Schiff mit ungefähr fünfzig Kanoes und hundert Kodiak⸗Jägern verſehen und mit Lebensmitteln und allem ausgeſtattet, was zum Fange der Seeottern auf der Küſte von Californien, wo die Ruſſen eine andere Niederlaſſung hatten, erforderlich war. Das Schiff ſegelte nun die cali⸗ forniſche Küſte entlang, von Platz zu Platz, ſetzte in den Kanoes Abtheilungen von Otter⸗Jägern an das Land, verſah ſie lediglich mit Waſſer und überließ es ihnen, ſich durch ihre Geſchicklichkeit ihren Unterhalt zu verſchaffen. War eine hinreichende Ladung beiſammen, ſo nahm das Schiff ſeine Kanoes und Jäger wieder ein und kehrte mit ihnen nach Neu⸗Archangel zurück, wo der Kapitän den Er⸗ werb ſeiner Reiſe ablieferte und die eine Hälfte der Felle zu ſeinem Antheil erhielt. Ueber dieſe küſtenfahrenden Kapitäne übte, wie wir angedeutet haben, der alte Gouverneur eine Art Herr⸗ ſchaft aus, ſie war aber eigenthümlich und charakteriſch; es war die Tiſch⸗Tyrannei. Sie waren genöthigt, an ſeinen„ Prasdniks“ oder Gelagen Theil zu nehmen und bis auf die Neige mit ihm 63.— 65. 12 — 178— zu trinken. Auch waren ſeine Gelage nicht immer der freundlichſten Art und ſeine Getränke nicht ſtets ſüß wie Necktar. „Er gibt ſtets,“ ſagte Hunt,„Gaſtereien und Schmäuſe, um Prunk zu machen; und wenn man ſeinen herben Rum und ſeinen ſiedenden Punſch, der ſtark iſt wie Schwefel, nicht trinkt, ſo ſchreitet er, wenn er betrunken wird,— und das geſchieht bald, nachdem er ſich geſetzt hat— zu Beleidigungen.“ Ein„Kapitän, der Mäßigkeit gelobt hatte“ und ſtreng bei ſeinem Gelübde blieb und ſich weigerte, der Nüchtern⸗ heit zu entſagen, konnte immerhin einen andern Markt aufſuchen, denn ihm glückte es mit dem Gouverneur nicht. Selten jedoch ließ ſich ein ſolcher„Kaltwaſſer Lump“ an den Thüren des alten Gouverneurs ſehen; die Kapitäne der Küſtenſchiffe kannten ſeine Launen und ihren Vortheil zu gut; ſie nahmen an ſeinen Gelagen Theil, und tranken und ſangen und brüllten und aßen, bis ſie alle„halb See über“ waren, und dann ging der Handel ſchwimmend ſeinen Weg. Eine ſchreckliche Warnung ward allen„Ungehorſamen“ kurz vor Hunt's Ankunft. Ein junger See⸗Offizier war nicht lange vorher ausgeſandt worden, um das Kommando über eines der Schiffe der Compagnie zu übernehmen. Der Gouverneur lud ihn, wie gewöhnlich, zu ſeinen „Prasdniks“ und ſetzte ihm mit feurigen Getränken zu. Der junge Mann hielt ſich auf der Defenſive, bis des — 179— Grafen Zorn in vollen Flammen ausbrach; er beſtand auf ſeinem Willen und machte den Gelbſchnabel betrunken, er mochte wollen oder nicht. Je mehr ſie dem Glaſe zuſetz⸗ ten, deſto lärmender wurden ſie; ſie kamen beim Trinken in Streit; der junge Mann bezahlte den alten Barannoff in ſeiner eigenen Münze, indem er ihn tüchtig ausſchalt; zum Lohne dafür mußte er, als er wieder nüchtern gewor⸗ den, auf vier Pikets Wache ſtehen und erhielt neunund⸗ ſiebzig Hiebe, die mit der Pünktlichkeit ruſſiſcher Strafen verabfolgt wurden. Der Art war der alte graue Bär, mit welchem Hunt zu verkehren hatte. Wie er es anfing, ſich in ſeine Lau⸗ nen zu finden, und ob er ihm bei herbem Rum und heißem Punſch Geſellſchaft leiſtete und, waͤhrend ſie ihren Handel abſchloſſen, den Becher klingen ließ, wird nicht weiter erzählt; aus ſeinen allgemeinen Bemerkungen über die Gewaltsherrſchaft dieſes Zech⸗Potentaten jedoch geht her⸗ vor, daß er ſich den Sitten ſeines Hofes fügen mußte, und daß ihre Geſchäftsverhandlungen ein buntes Gemiſch von Punſch und Pelzwerk darboten. Am verdrießlichſten für Hunt war jedoch die Zöge⸗ rung, welche er bei der Verfügung über die Ladung ſeines Schiffes und bei der Habhaftwerdung der bedungenen Gegenladung erfuhr. Bei aller Zuneigung des Gouver⸗ neurs zu der Flaſche, war ſein Geiſt doch nie ſo ſehr betäubt, daß er ſein Intereſſe aus dem Auge verloren hätte, und Hunt ſchildert ihn als einen eben ſo genauen, 124 — 180— um nicht zu ſagen liſtigen Kaufmann, wie den durchtrie⸗ benſten Waſſertrinker. Lange Zeit wurde in Unterhandlungen mit ihm ver⸗ geudet, und bis der Handel vollſtändig abgeſchloſſen war, war der October herangekommen. Die Zögerung wurde dadurch noch vermehrt, daß er für ſeine Ladung in See⸗ kalbfellen bezahlt werden ſollte. Nun traf es ſich, daß dieſe Pelzwaare eben auf dem Fort des alten Barannoff ganzlich fehlte. Hunt mußte daher zu einer Niederlaſſung ſchiffen, wo Seekalber gefangen wurden; eine ſolche hatte die ruſſiſche Geſellſchaft auf der Inſel St. Paul, im Meere von Kamtſchatka. Er ging daher am vierten Oeto⸗ ber unter Segel, nachdem er fünfundvierzig Tage zu Neu⸗ Archangel bei deſſen lärmenden Gouverneur, zechend und handelnd, hingebracht hatte; und er war froh, den Krallen dieſes„alten Mannes von der See“ endlich entgangen zu ſein. Am einunddreißigſten Oktober kam der Biber auf St. Paul an— die Zeit, zu welcher er, der Verabredung zufolge, wieder zu Aſtoria hätte zurück ſein ſollen. Die Inſel St. Paul liegt 57°9 N. Br. und 170 oder 171 W. L. Ihre Küſten ſind an gewiſſen Stellen und in gewiſſen Jahreszeiten mit Seekälbern bedeckt, während andere ſich auf dem Waſſer ringsumhertreiben. Von dieſen nehmen die Ruſſen nur die kleinen, von ſieben bis zehn Monate alten und wählen ſorgfältig die Männchen aus; den Weibchen geben ſie die Freiheit wieder, damit die Brut — 181— nicht gemindert werde. Die Inſelbewohner tödten jedoch die größeren des Fleiſches und der Häute wegen, womit ſie ihre Kanoes decken. Sie jagen ſie vom Geſtade land⸗ einwärts über die Felſen bis in die Nahe ihrer Wohnun⸗ gen, und dann tödten ſie ſie. Dadurch ſparen ſie ſich die Mühe, die Häute weit tragen zu müſſen, und haben das Jleiſch ſogleich zur Hand. Das letztere wird in Haufen gelegt, und wenn die Jagdzeit vorüber iſt, nehmen ſie die Eingeweide aus und haufen das Fett auf. Dieſes dient nebſt dem Treibholz zur Feuerung, denn die Inſel hat gar keine Bäume. Das Fleiſch wird abgeſondert angehäuft und nebſt den Eiern von Seevögeln in Oel aufbewahrt und gibt mit einem dann und wann vorkommenden See⸗ löwen, wenigen Enten im Winter, und wilden Wurzeln ihre Nahrung ab. Hunt fand auf der Inſel ſieben Ruſſen und hundert Jäger, Eingeborne von Unalaſhka, mit ihren Familien. Sie wohnten in Hütten, welche wie Kanoes ausſahen; ſie beſtanden größtentheils aus den Kinnbacken eines Wall⸗ fiſches, die als Sparrwerk dienten, über welche Stücke Treibholz gelegt wurden, die man mit langem Graſe, den Häuten großer Seethiere und Erde deckte, ſo daß man ſich, trotz der großen Strenge des Klima's, darin ganz behaglich fand; obgleich ſie, wie man erzählt, einen alten, fiſchähnlichen Geruch haben,„wie die Wohnung des Pro⸗ pheten Jonas, als er in dem Walffſch hauſte.“ In einer dieſer duftreichen Wohnungen nahm Hunt gelegentlich ſein Abſteigequartier, um bei der Befrachtung des Schiffes zur Hand zu ſein. Damit ging es jedoch ziemlich langſam, denn jeder Ballen mußte durchgeſehen und ſein Inhalt gezählt werden, um Betrug zu verhüten; darauf wurden die Pelzwaaren in großen, aus Häuten gemachten Barken zu dem Schiffe gebracht, das in einiger Entfernung von dem Ufer vor Anker lag. Als Hunt einſt Nachts mit einigen andern von der Bemannung an dem Geſtade war, erhob ſich ein furcht⸗ barer Sturm. Als der Tag anbrach, war das Schiff nirgends zu ſehen. Er blickte ängſtlich bis zum Abend nach ihm aus, jedoch vergeblich. Tag um Tag dauerte der wilde Sturm und das furchtbarſte Winterwetter fort, und die Beſorgniſſe unſeres Reiſenden wurden zur größten Angſt geſteigert. Man ſah nichts als die ſchwarze, zür⸗ nende See und einen wolkigen, nördlichen Himmel; mit der Nacht zog Hunt ſich in den Kinnbacken des Wallfiſches zurück und hüllte ſich troſtlos in Seekalbfelle. Am dreizehnten November ließ ſich der Biber endlich wieder ſehen, von dem Sturme, mit dem er in dieſen hyperboräiſchen Meeren gekämpft hatte, arg mitgenommen. Er hatte im heftigen Winde alle Segel beiſetzen müſſen, um im Stande zu ſein, Grund zu halten, und hatte daher an Segeln und Takelage großen Schaden gelitten. Hunt verlor keine Zeit, den übrigen Theil der Ladung ſchnell an Bord zu bringen, ſagte dann ſeinen ſeekalb⸗ — 183— fiſchenden Freunden und ſeiner Wallfiſchwohnung Lebewohl und ſtach wieder in See. Er beeilte nun ſeine Rückfahrt nach Aſtoria nach Kräften, und glücklich wäre es für die Intereſſen dieſes Platzes und für die Intereſſen Aſtors geweſen, hätte er ſeinen Entſchluß ausgeführt; leider aber warf ſich in ihm eine ſchwierige Frage auf. Segel und Tabelage des Bibers waren in dem letzten Sturme vielfach beſchädigt worden; ſollte das Schiff im Stande ſein, ſich gegen die heftigen Winde zu halten, welche bei der Einfahrt in den Kolumbia zu erwarten waren? Dieſe Zweifel wurden wahrſcheinlich durch Kapitän Sowle herbeigeführt oder geſteigert, welcher, wie wir bereits geſehen haben, ein übervorſichtiger, oder vielmehr ein furchtſamer Seemann war, und ſie mögen auf Hunt nicht geringen Einfluß gehabt haben; aber es gab noch andere Bedenklichkeiten, welche ſtärker auf ihn einwirkten. Die ſpäte Jahreszeit und die unvorhergeſehene Zöge⸗ rung, welche das Schiff zu Neu⸗Archangel und dadurch erfahren hatte, daß es nach St. Paul zu ſegeln gezwungen war, hatten es in der berechneten Zeit ſo weit zurück⸗ gebracht, daß man fürchten mußte, es käme zu ſpät nach Canton, und finde ſowohl hinſichtlich des Verkaufs der Pelzwerke, als des Einkaufs der Rückfracht einen ſchlech⸗ ten Markt. Er glaubte demnach, es ſei in dem Intereſſe der Geſellſchaft, daß er ſofort nach den Sandwich⸗Inſeln ſegle, dort die Ankunft des jährlichen Schiffes von New⸗ — 184— York erwarte, ſich in ihm nach Aſtoria einſchiffe und den Biber ſeine Reiſe nach Canton fortſetzen laſſe. Auf der andern Seite ſprachen für den andern Cours ſeine Pflichten, der für den Biber von Aſtor vorgeſchrie⸗ bene Reiſeplan, ſeine eigene Neigung und die Möglichkeit, daß die Niederlaſſung ſeiner Anweſenheit bedürftig ſei⸗ ſo wie der Gedanke, daß bereits eine große Menge Pelz⸗ waaren zu Aſtoria geſammelt ſein müſſe und der Rückkehr des Bibers harre, um auf den Marktverfahren zu werden. Die widerſtrebenden Fragen verwirrten und beunru⸗ higten ſeinen Geiſt und gaben ihm Grund zu beſorglichem Nachdenken, denn er war ein gewiſſenhafter Mann, wel⸗ cher, wie es ſcheint, ſtets nach treuer Erfüllung ſeiner Pflichten ſtrebte und ſich die Intereſſen der Geſellſchaft ernſtlich zu Herzen nahm. In dem vorliegenden Falle war ſeine Entſcheidung unrichtig und erwies ſich unglück⸗ lich; ſie war, nach den Sandwich⸗Inſeln zu ſegeln. Er überredete ſich, dieſe Reiſe ſei nothwendig, und der traurige Zuſtand des Schiffes laſſe ihm keine andere Wahl; wir vermuthen aber, daß die Vorſtellungen des furchtſamen Kapitäns ihn eher dazu überredet haben. Sie hielten ſonach auf die Sandwich-Inſeln ab, erreichten Woahoo, wo das Schiff die nöthigen Ausbeſſerungen erhielt, und gingen am erſten Januar 1813 wieder unter Segel. Hunt blieb auf der Inſel. Wir wollen dem Bider nach Canton folgen, da ſeine Schickſale in nicht geringem Grade die übeln Folgen dar⸗ — thun, welche Schiffsbefehlshaber treffen, die ihren Inſtruc⸗ tionen entgegen handeln; und da ſie einen Theil des Gewebes von Unfällen ausmachen, welche das große Han⸗ delsunternehmen, deſſen Geſchichte wir mitzutheilen unter⸗ nommen haben, ſcheitern ließen. Der Biber kam wohlbehalten zu Canton an, wo Kapitän Sowle Aſtor's Brief fand, welcher ihn von dem Ausbruche des Kriegs benachrichtigte und ihm auftrug, dieſe Botſchaft nach Aſtoria zu bringen. Er ſchrieb eine Antwort, welche entweder von der Furcht oder von Eigen⸗ ſinn dictirt war, und worin er ſich weigerte, den Befehlen Aſtor's nachzukommen, hinzufügend, er würde die Rückkehr des Friedens erwarten und dann in die Heimath zurück⸗ kehren. Das übrige Benehmen des Kapitän Sowle war eben ſo unvernünftig und unſelig. Man bot ihm hundertfünf⸗ zigtauſend Dollars für die Pelzwaaren, welche er auf St. Paul an Bord genommen hatte. Die Waaren, für welche man ſich dieſelben verſchafft hatte, koſteten zu New⸗ York nur fünfunbzwanzigtauſend Dollars. Hätte er dieſes Anerbieten angenommen und die Summe in Nanking umgeſetzt, der zu jener Zeit in Folge der Unterbrechung alles Handels durch den Krieg, um zwei Drittheile ſeines gewöhnlichen Preiſes geſunken war, ſo würde das Ganze zu New⸗York dreimalhunderttauſend Dollars eingebracht haben. Es iſt wahr, der Krieg würde die Heimfahrt der — 186— Ladung unſicher gemacht haben; aber er hätte die Waaren zu Canton bis nach dem Frieden niederlegen, ohne Gefahr, gekapert zu werden, nach Aſtoria zurückkehren und den Theilhabern von dem großen Gewinne, welchen die Ladung auswärts abgeworfen, und von dem noch größern, der von dem Erlös zu erwarten war, Nachricht geben können. Die Kunde von einem ſo glänzenden Beginn ihres Unter⸗ nehmens würde den düſtern Kriegsnachrichten die Waage gehalten haben; ſie häͤtte Allen neuen Muth gegeben und ſte mit Luſt und Liebe und Beharrlichkeit in dem Unter⸗ nehmen erfüllt. Kapitän Sowle weigerte ſich aber, das Anerbieten der hundertfünfzigtauſend Dollars anzunehmen, und ſchwankte und makelte um höhere Preiſe. Die Pelzpreiſe begannen zu ſinken; dadurch wuchs nur ſeine Unentſchloſ⸗ ſenheit; ſie fielen ſo ſtark, daß er fürchtete, überhaupt einen Verkauf abzuſchließen; er nahm auf Aſtor's Rech⸗ nung Geld gegen Achtzehn vom Hundert auf und takelte ſein Schiff ab, um die Rückkehr des Friedens zu erwarten.. Mittlerweile hatte Hunt bald Urſache, den Entſchluß zu bereuen, in deſſen Folge er ſeinem Schiffe einen andern Cours gegeben hatte. Sein Aufenthalt auf den Sand⸗ wich-Inſeln zog ſich über alle Erwartung iin die Länge. Vergeblich erwartete er das jaͤhrliche Schiff in dem Früh⸗ jahr. Monat um Monat verſtrich, und immer noch war keine Spur davon zu ſehen. — 187— Auch er lernte die Gefahr, von den Inſtructionen abzuweichen, kennen. Wäre er von der St. Paul's Inſel nach Aſtoria zurückgekehrt, ſo wäre alb die Beſorgniß und Verzagtheit wegen ſeines Schickſals und wegen des ganzen Ganges der Unternehmung verhütet worden. Der Biber hätte die in der Factorei aufgeſtapelten Pelzwaaren an Bord genommen und nach Canton verführt, und großer Gewinnſt würde, ſtatt großen Verluſtes, der Erfolg geweſen ſein. Der größte Fehler war jedoch der, den Kapitän Sowle begangen. Am zwanzigſten Juni kam endlich das Schiff Alba⸗ tros(Sturmvogel), Kapitän Smith, von China und brachte die erſte Nachricht von dem Kriege nach den Sandwich⸗ Inſeln. Hunt war nun nicht länger in Zweifel und Ver⸗ legenheit hinſichtlich des Grundes des Ausbleibens des jährlichen Schiffes. Er dachte zuerſt an das Schickſal der jungen Anſiedlung zu Aſtoria, und da er ahnte, die Bewoh⸗ ner dürften Mangel an Lebensmittel haben, miethete er den Sturmvogel für zweitauſend Dollars, um ihn mit Vorräthen an der Mündung des Kolumbia an das Land zu ſetzen, wo er, wie wir geſehen haben, am zwanzigſten Auguſt, nach einer Seefahrt von einem Jahre, welche ein Kapitel in Sinbad's Reiſen hätte abgeben können, anlangte. Achtundfünfzigſtes Kapitel. Uebereinkommen unter den Theilhabern.— Hunt ſegelt in den Sturmvogel ab.— Kömmt an den Marqueſas⸗Inſeln an.— Nachricht von der Fregatte Phöbe.— Hunt ſchifft nach den Sandwich⸗Inſeln.— Reiſe der Lerche.— Ihr Schiffbruch.— Verhandlungen mit den Eingevornen der Sandwich⸗Inſeln.— Tamagahmaah's Benehmen. Hunt war außer ſich vor Staunen, als er den Ent⸗ ſchluß der Theilhaber, Aſtoria zu räumen, erfuhr. Er überzeugte ſich jedoch bald, daß die Sache zu weit gediehen, und daß ſeiner Collegen Entſchluß bereits zu feſt in ihrem Geiſte gewurzelt war, um ſich ihnen mit Erfolg zu wider⸗ ſetzen. Auch er wurde mit denſelben entmuthigenden Berichten von dem Binnenhandel und dem ganzen Gange und den Ausſichten der Geſellſchaft, wie ſie an Aſtor abge⸗ gangen waren, bedrängt. Seine eigenen Erfahrungen waren eine Reihe von Verlegenheiten und Fehlſchlagungen. Er war für die Intereſſen Aſtor's gewiſſenhaft beſorgt und war von Anfang her, da er die ausgedehnten Plane dieſes Mannes und ſeine Gewohnheit, mit großen Sum⸗ men umzugehen, nicht kannte, durch die ungeheuern Aus⸗ gaben, die das Unternehmen forderte, eingeſchüchtert, und 6 — 189— durch die ſpäteren Verluſte, deren Größe ihm verderblich vorkam, ganz entmuthigt worden. Er wurde demnach allmahlig dahin gebracht, den Schritt, welchen ſeine Collegen gethan, als das Räthlichſte bei der bedränglichen Lage der Dinge, zu billigen; ſeine einzige Sorge ging dahin, das Geſchäft mit ſo wenig Ver⸗ luſt als möglich für Aſtor zu Ende zu bringen. Ein großer Vorrath koſtbarer Pelzwaaren lag in der Factorei aufgeſtapelt, und es war nothwendig, ſie auf einen Markt zu bringen. Auch waren fünf und zwanzig Sandwich⸗Inſulaner in den Dienſten der Geſellſchaft, welche ſie durch beſondere Uebereinkunft gehalten waren, in ihre Heimath zurückzubringen. Zu dieſen Zwecken war ein Schiff nöthig. Der Sturmvogel war nach den Marqueſas⸗Inſeln ², und von da nach den Sandwich⸗ Inſeln beſtimmt. Es wurde ausgemacht, Hunt ſollte die Reiſe mit ihm machen, um ein Schiff zu ſuchen, und wo möglich, bis zum erſten Januar zurückkehren, und einen Vorrath von Lebensmit⸗ teln mitbringen. Wenn ihm jedoch etwas begegnete, das ſeine Rückkehr verzögerte, ſo ſollte MeTavish eine Ueber⸗ einkunft hinſichtlich der Leute vorgeſchlagen werden, der⸗ zufolge diejenigen, welche es wünſchten, aus dem Dienſte der amerikaniſchen Pelzhandelsgeſellſchaft in die der Nord⸗ weſt⸗Compagnie übertraten, welche Letztere den ihnen **½) Auſtralgruppe zwiſchen 70 48, bis 10° 27/ ſüdl. Br. — 199— ſchuldigen Sold zu zahlen übernähmen, und dafür aus dem Waarenlager der Factorei den gleichen Werth an Gütern erhielten. Als ein Mittel, die Ausgleichung des Geſchäftes zu erleichtern und zu beſchleunigen, ſchlug MDougal vor, daß im Falle Hunt nicht zurückkehren ſollte, die ganze Ver⸗ handlung mit M'Tavish ihm allein überlaſſen werde. Man ſtimmte dem bei, da der Fall zwar als möglich, aber nicht als wahrſcheinlich erachtet wurde. Wir müſſen bemerken, daß, als M'Dougal zuerſt ſeine Abſicht kund that, die Niederlaſſung aufzugeben, drei der Commis, britiſche Unterthanen, mit ſeiner Einwilligung in die Dienſte der Nordweſt⸗Compagnie übergegangen, und mit M'Tavish nach ſeinem Handelspoſten im Innern des Landes gereiſt waren. 8 Nachdem Hunt während ſeines ſechstägigen Aufent⸗ haltes zu Aſtoria alle dieſe Gegenſtände in Ordnung gebracht hatte, ſegelte er am ſechsundzwanzigſten Auguſt in dem Sturmvogel ab, und langte ohne Gefäͤhrdung auf den Marqueſa Inſeln an. Er war noch nicht lange hier, als Parker in der Fregatte Eſſex eintraf, und eine Anzahl tüchtiger Londner Wallfiſchfänger als Priſen einbrachte, die ihm auf einem raſchen Kreuzzuge im ſtillen Meere in die Hände gefallen waren. Vom Commodore Parker erhielt er die traurige Nach⸗ richt, daß die britiſche Fregatte Phöbe mit einem bewaff⸗ neten und zur Einnahme von Forts beſtimmten Reſerveſchiff — 191— zu Rio⸗Janeiro angekommen ſei, wo die Kriegs⸗Schalup⸗ pen Cherub und Racoon zu ihnen ſtießen, und daß ſie am ſechſten Juli gemeinſchaftlich den Weg in das ſtille Meer genommen hätten, und, wie man annähme, an die Mün⸗ dung des Kolumbia beſtimmt ſeien. Dies war alſo der Todesſtoß für das unglückliche Aſtoria! Hunt's bekümmerte Seele war in größerer Be⸗ drängniß als je. Er hatte darauf gedacht, bei einem Fehl⸗ ſchlage ſo viel als möglich von Aſtor's Vermögen zu ret⸗ ten; jetzt drohte der Verluſt des Ganzen! Wie konnte es dieſem Abgrunde noch entriſſen werden? Jetzt, da ein britiſches Geſchwader auf dem Wege zu dem Fluſſe war, war es unmöglich, ein Schiff zu dieſem Zwecke zu miethen. Er ſuchte eines der Wallfiſchfang⸗ Schiffe zu kaufen, welche Commodore Parker eingebracht hatte. Der Commodore forderte fünf und zwanzig tauſend Dollars dafür. Der Preis ſchien übertrieben, und der Kauf mußte unterbleiben. Hunt drang jetzt in den Com⸗ modore, eine der Priſen ausrüſten zu laſſen und ſie nach Aſtoria zu ſchicken, um das Eigenthum der Geſellſchaft und einen Theil der Leute wegzubringen; er lehnte dies jedoch ab,„weil er nicht dazu ermächtigt ſei.“ Dennoch verſicherte er Hunt, er würde ſich bemühen, mit dem Feinde zuſammen zu kommen, oder, wenn er hörte, daß er gewiß an den Kolumbia geſegelt, ihm entweder zu fol⸗ gen oder zuvorzukommen, wenn die Umſtände zu einem ſolchen Schritte berechtigten. 1 — 192— In dieſem furchtbar qualvollen Zuſtande des Zweifels und der Ungewißheit mußte Hunt auf den Marqueſas bis zum dreiundzwanzigſten October bleiben, wo er auf dem Sturmvogel nach den Sandwich⸗Inſeln abging. Noch gab er einer ſchwachen Hoffnung Raum, trotz des Krieges und aller entmuthigenden Umſtände hätte Aſtor das jährliche Schiff abgehen laſſen, und es könnte an den Inſeln ange⸗ legt und ſeinen Weg an die Mündung des Kolumbia fort⸗ geſetzt haben. Er kannte den Stolz dieſes Herrn auf das Unternehmen, den Umfang ſeiner Betheiligung daran, und wußte, daß Schwierigkeiten und Gefahren ihn nicht abſchreckten, ſeinen Plan zu verfolgen; daß er alſo um ſo weniger in der Zeit ſolcher Unruhe die junge Nieder⸗ laſſung ohne Hülfe und Unterſtützung laſſen würde. Darin ließ er, wie wir wohl geſehen haben, Aſtor nur Gerechtigkeit widerfahren, und wir haben jetzt der Urſache zu erwähnen, warum das Schiff, welches er mit Verſtärkungen und Vorräthen abgeſendet, nicht angekom⸗ men war. Seine Reiſe gibt einen merkwürdigen Abſchnitt von Unglücksfällen in dieſer begebnißreichen Geſchichte ab. Die Lerche ſegelte am ſechſten März 1813 von New⸗ York ab und ſetzte ihre Reiſe ohne jeden Unfall fort, bis ſie wenige Grade von den Sandwich⸗Inſeln entfernt war. Hier erhob ſich eine Bö, welche bald mit furchtbarer Hef⸗ tigkeit wehte. Die Lerche war ein rüſtiges, edles Schiff, das eine Zeitlang wacker mit dem Sturme kämpfte. — 193— Unglücklicherweiſe aber fing ſie eine Eule*) und wurde von einer ſchweren Welle getroffen, welche ſie auf die Deckbalken auswand. Auch das Steuer wurde in Lee geſchlagen, das Schiff war nicht mehr zu regieren, und ein neuer Wellenberg ſtürzte auf daſſelbe ein. Der Befehl wurde gegeben, die Maſten zu kappen. In der Eile und Verwirrung waren auch die Boote losgekappt worden. Das Wrack hob ſich nun, war aber eine todte Maſſe, vol⸗ ler Waſſer, von der ſchweren See überſpült, und alle Lukenklappen fort. Als die Mannſchaft gemuſtert wurde, fehlte ein Mann, und dieſer wurde ertrunken unten in der Back gefunden. Als man die Maſten kappte, war es ganz unmöglich geweſen, die nöthige Vorſicht zu beachten und mit der Takelage in Lee anzufangen, da dieſe der Stellung des Schiffes zufolge, gänzlich unter Waſſer war. Daher blie⸗ ben die Maſten und Spieren, die an dem Wrack mittelſt der Wanden und der Takelage hingen, vier Tage an der Seite entlang. Während dieſer ganzen Zeit rollte das Schiff in dem Bett des Meeres hin und her, die ſchweren Wellen brachen ſich über ihm, und die Spieren, welche hin und her dängelten, ſchlugen und zerquetſchten die halb ertränkten Matroſen, welche ſich an das Bugſpriet und die Stumpfen der Maſte anklammerten. Die Leiden der armen Leute waren unerträglich! — **) Sie lief auf den Wind. Ueberſ. 63.— 65. 13 — 194— Sie ſtanden bis zum Gürtel im Waſſer, jeden Augen⸗ blick von der Gefahr bedroht, durch jede heranrollende Welle weggeſpült zu werden. Sie konnten es in dieſer Lage nicht wagen zu ſchlafen, damit ſie ihren Halt nicht fahren ließen und weggeſchwemmt würden. Der einzige trockne Platz auf dem Wrack war das Bugſpriet. Hier ließen ſie ſich abwechſelnd auf eine halbe Stunde jedesmal feſtbinden, und kamen ſo zu einigen Augenblicken flüchtigen Schlafes. Am vierzehnten ſtarb der erſte Steuermann und wurde von den Wellen weggeſpült. Am ſiebzehnten wur⸗ den zwei Matroſen, deren Kraft erſchöpft war, über Bord geſchwemmt. Die nächſte Welle warf ihre Leichen wieder auf das Deck, wo ſie lange hin und her platſchten— ein grauſenhafter Anblick für ihre faſt dem Tode nahen Kame⸗ raden und unglücksgefährten. Ogden, der Supercargo, der am Bugſpriet war, rief den Leuten, welche den Leichen am nächſten waren, zu, ſie ſollten ſie an das Wrack feſt⸗ binden— als eine letzte ſchauderhafte Hülfe, im Falle ſie durch Hungersnoth auf das äußerſte getrieben würden! Am ſiebenundzwanzigſten legte ſich der Wind allmäh⸗ lig, und die See wurde ruhig. Die Natroſen ſchleppten ſich nun angeſtrengt auf dem Wrack herum, um es von den Hauptbelemmerungen zu befreien. Die Spieren wur⸗ den ausgeworfen, die Anker und Kanonen über Bord gebracht. Die Blinde⸗Raa wurde als Maſtſtumpen auf⸗ gerichtet und das Kreuzſegel daran geſetzt. Von einigen ——— — 195— zerbrochenen Spieren wurde ein Stelling gemacht, auf welcher die Matroſen über dem Waſſer ſtanden, ſich trok⸗ ken halten und behaglich ſchlafen konnten. Immer aber waren die Qualen, welche ſie durch Hunger und Durſt zu leiden hatten, noch ſehr groß. Glück⸗ licherweiſe war ein Sandwich⸗Inſulaner an Bord, ein mei⸗ ſterhafter Schwimmer, der den Weg in die Cajüte fand, und dann und wann eine Flaſche Wein und Porter her⸗ aufbrachte, zuletzt auch in den Pink eindrang und ein Fäß⸗ chen Wein rettete. Auch eine kleine Quantität rohen Schweinefleiſches wurde verſchafft und mit ſparſamer Hand ausgetheilt. Das Grauenhafte ihrer Lage wurde durch den Anblick einer zahlloſen Menge Haifiſche vermehrt, welche um das Wrack ſpielten, als harrten ſie ihrer Beute. Am vierundzwanzigſten ſtarb der Koch, ein Neger, und wurde in die See verſenkt, wo dieſe gierigen Unge⸗ heuer augenblicklich über ihn herfielen. Mehrere Tage waren ſie mit Hülfe ihres erbärmlichen Segels eine Strecke langſam vorgerückt, als ihnen am fünfundzwanzigſten Land zu Geſichte kam. Es war gegen fünfzehn Stunden entfernt, und ſie trieben zwei bis drei Tage Angeſichts deſſelben entlang. Am achtundzwanzigſten entdeckten ſie zu ihrer großen Freude, ein mit Eingebornen beſetztes Kanoe, das auf ſie zukam. Sie kamen an die Seite des Schiffes, und brach⸗ ten einen ſehr willkommenen Vorrath von Pataten. Sie ſagten ihnen, das Land, das ſie vor ſich hätten, ſei eine 13* — 196— der Sandwich⸗Inſeln. Der zweite Steuermann und einer der Matroſen begaben ſich in dem Kanoe an das Land, um Waſſer und Vorräthe zu holen, und von den Inſel⸗ bewohnern Hülfe zu ſchaffen, die das Wrack in den Hafen bugſieren ſollten. Die Leute kehrten nicht zurück, und keine Hülfe wurde vom Strande abgeſchickt. Am nächſten Täge kamen zehn bis zwölf Kanoes an die Seite des Schiffes, ſchwärmten aber wie eben ſo viele Haifiſche um das Wrack, und wei⸗ gerten ſich, es an das Land zu bugſieren. Die See ſchlug fortwährend mit ſolchem Ungeſtüm über das Schiff, daß es unmöglich war, ſich ohne die Hülfe von Bindſeilen an dem Steuer zu halten. Die Mann⸗ ſchaft war jetzt durch Hunger und Durſt ſo erſchöpft, daß der Kapitän ſah, wie es ihnen unmöglich ſei, dem Brechen der Wellen zu widerſtehen, wenn das Schiff auflaufen ſollte; er hielt es daher für das einzige Mittel, ihr Leben zu retten; daß ſie in den Kanoes an das Land gingen und ſich bereit hielten, das Wrack zu empfangen und zu ſchüz⸗ zen, wenn es an das Geſtade treiben ſollte. So kamen ſie denn Alle wohlbehalten an das Land, hatten aber die Küſte kaum betreten, als ſie von den Ein⸗ gebornen umringt und faſt ganz nackt ausgezogen wurden. Der Name dieſer ungaſtfreien Inſel iſt Tahoorowa. Während der Nacht trieb das Wrack an die Küſte, die Brandung umdonnerte es, und bald wurde es leck. Am folgenden Morgen ſah man eine Menge Fäſſer mit — 197— Lebensmitteln an das Land treiben. Die Eingebornen zer⸗ ſchlugen ſie wegen der eiſernen Reife, wollten aber der Schiffsmannſchaft nicht geſtatten, ſich des Inhalts zu bemächtigen oder an Bord des Wracks zu gehen. Da es der Mannſchaft an allem möglichen fehlte und es lange dauern konnte, ehe ſich ihnen eine günſtige Gele⸗ genheit bot, dieſe Inſeln wieder zu verlaſſen, ſuchte Ogden, ſobald dies thunlich war, die Inſel Owhyhee zu erreichen, und bemühte ſich, wegen der unterſtützung ſeiner Unglücks⸗ gefährten ein Uebereinkommen mit dem Könige zu treffen. Der erlauchte Tomaahmaah war, wie wir in einem frühern Kapitel gezeigt haben, ein verſchlagener Handels⸗ mann, und erwies ſich in dem gegenwäͤrtigen Falle als ein im Strandrechte ſehr bewanderter Mann. Seine Unterhandlungen mit M'Dougal und den andern„Eris der großen amerikaniſchen Pelzhandelsgeſellſchaft“ hatten in dem jetzigen Falle nur wenig Wirkung, und er ſcheute ſich nicht, von ihrem Unglück Nutzen zu ziehen. Er zeigte ſich bereit, der Mannſchaft während ihres Aufenthaltes in ſeinem Gebiete Lebensmittel zu liefern und alle Kleider, die aufgefunden werden könnten, an ſie zurückzuliefern; machte aber die Bedingung, daß das Wrack ihm als herrenloſes Gut, das der Zufall in ſeine Küſte geworfen, überlaſſen werde. Ogden mußte ſich dieſer Bedingung fügen, worauf der große Tomaahmaah ſeinen Günſtling, John Young, dem theerjackigen Statthalter von Owhyhee, Befehl gab, — 198— mit einer Schaar königlicher Garden auszuziehen, und zu Gunſten der Krone von dem Wrack Beſitz zu nehmen. Der Befehl wurde vollſtreckt, und Ladung und Mannſchaft nach Owhyhee gebracht. Die königliche Güte ſcheint in ihrem Walten ziemlich ſparſam geweſen zu ſein. Die Mannſchaft bekam nur ſehr magere Koſt; es iſt jedoch auffallend, daß man beim Durch⸗ leſen des Tagebuchs findet, wie dieſe Leute, nach allen den Müheſeligkeiten, welche ſie erduldet, wegen kleinlicher Unannehmlichkeiten ſo empfindlich waren, und den König als„ein wildes Ungehener“ ſchilderten, weil er ihnen einen „Topf zum Kochen“, und Ogden ein Meſſer und eine Gabel, die er vom Wrack mitgebracht hatte, verweigerte. Der Art war die unglückliche Kataſtrophe der Lerche; hätte ſie ihren Beſtimmungsort wohlbehalten erreicht, ſo würden die Angelegenheiten zu Aſtoria eine andere Wen⸗ dung genommen haben. Ein auffallendes Verhängniß ſcheint bei allen Expeditionen zur See obgewaltet zu haben, und die zu Land waren nicht minder unglücklich. Kapitän Northrop war am zwanzigſten December, als Hunt landete, noch auf den Sandwich⸗Inſeln. Hunt kaufte ſogleich um zehntauſend Dollars eine Brigg, der Pedlar genannt, und übergab Kapitän Northrop das Kommando derſelben. Am zweiundzwanzigſten Januar gingen ſie nach Aſtoria unter Segel, von wo ſie in mög⸗ lichſter Eile alles Eigenthum auf die ruſſiſchen Niederlaſ⸗ ſungen an der Nordweſtküſte bringen wollten⸗ damit —1,— ..— 199— daſſelbe nicht in die Hände der Engländer falle. So lau⸗ tete der Befehl, welchen Aſtor durch die Lerche übermacht h hatte. Wir laſſen nun Hunt ſeine Reiſe fortſetzen, und wen⸗ den unſere Blicke zu dem, was ſich während ſeiner Abwe⸗ . 5 ſenheit zu Aſtoria begeben. . 8 8 5 1 1. — 200— Neunundfünfzigſtes Kapitel. M'Taviſh's Ankunft zu Aſtoria— Benehmen ſeines Geleites. — unterhandlungen zwiſchen M'Dougal und M'Taviſh.— Abkommen wegen der Uebergabe von Aſtoria.— Zweifel an M'Dougal's Redlichkeit. Am zweiten October, fünf Wochen ungefähr nachdem Hunt in dem Sturmvogel von Aſtoria abgeſegelt war, brach M⸗Kenzie mit zwei Kanoes und zwölf Mann nach den Poſten Stuart's und Clarke's auf, um ſie von den neuen Entſchlüſſen, welche bei der letzten Verhandlung der Theilhaber in der Factorei gefaßt worden, in Kenntniß zu ſetzen. Er war noch nicht hundert Meilen flußaufwärts gekommen, als er auf ein Geſchwader von zehn Kanoes ſtieß, welche unter britiſcher Flagge luſtig thalab fuhren— die kanadiſchen Ruderer, wie gewöhnlich, in vollem Chore ſingend. Dieſes Geſchwader war von M'Taviſh ausgerüſtet worden, welcher einen andern Theilhaber der Nordweſt⸗ Compagnie, Namens J. Stuart, einige Commis und acht⸗ undſechzig Mann— in allem fünfundſiebzig Seelen— v — 201— bei ſich hatte. Sie hatten von der Fregatte Phöbe und dem Iſaak Todd gehört, die auf hoher See waren, und ſchifften nun thalab, ihre Ankunft zu erwarten. In einem der Kanoes kam Clarke als Paſſagier mit, da die beun⸗ ruhigende Nachricht ihn veranlaßt hatte, ſeinen Poſten am Spokan zu verlaſſen. MiKenzie beſchloß augenblicklich, ihn nach Aſtoria zurück zu begleiten, wendete das Ruder, und die beiden Parteien ſchlugen für die Nacht ihr Lager zuſammen auf. Die Anführer beobachteten natürlich den geziemenden Anſtand; einige der Untergeordneten konnten aber ihr großes Frohlocken nicht zurückhalten und rühmten ſich, ſie würden bald die britiſche Fahne auf den Mauern von Aſtoria aufpflanzen und die Amerikaner aus der Gegend verjagen. Im Laufe des Abends hatten M'Kenzie und Clarke eine geheime Unterredung, in welcher ſie übereinkamen, vor Tagesanbruch ohne Geräuſch aufzubrechen und thalab zu gehen, um MDougal zu guter Zeit von der Annähe⸗ rung dieſer Nordweſter in Kenntniß zu ſetzen. Die Letz⸗ tern waren jedoch vollkommen auf ihrer Hut; denn eben als M'Kenzie's Kanoes abſtoßen wollten, geſellten ſich einige von dem nordweſtlichen Geſchwader zu ihnen, und es fand ſich, daß M'Taviſh mit zwei Commis und eilf Mann an Bord waren. Mit dieſen beabſichtigte MTaviſh den Fluß hinab zu eilen und die Unterhandlungen abzu⸗ ſchließen, die übrige Convoy aber, bei der ſich eine große Menge Pelzwaaren befand, ſollte zurückbleiben und ſeiner fernern Befehle harren. Die beiden Parteien kamen am ſiebenten October zu Aſtoria an. Die Nordweſter lagerten ſich unter den Kano⸗ nen des Forts und pflanzten die britiſche Fahne auf. Die jungen Leute in dem Fort, Eingeborne der Vereinigten Staaten, waren im Begriffe, die amerikaniſche Flagge aufzuziehen, M'Dougal verbot es aber. Ein ſolches Ver⸗ bot ſetzte ſie in das größte Staunen, und ihr Aerger wuchs ungemein durch den Ton und die Weiſe, welche die Com⸗ mis und Dienſtleute der Nordweſt⸗Compagnie annahmen, die in jenem aufgeblaſenen und prahleriſchen Weſen umher⸗ ſtolzirten, das bei dieſen Helden der Wildniß ſo leicht anſchießt; ſie betrachteten ſich wirklich als die ſiegreichen Gewaltsherrn und ſahen auf die gedrückten und bedräng⸗ ten Aſtorier als die Beſiegten nieder. Am folgenden Tage rief M'Oougal die Commis zuſammen und las ihnen einen Auszug aus einem Briefe vor, welchen er von ſeinem Oheim, Angus Shaw, einem der Haupttheilhaber der Nordweſt⸗Compagnie erhalten hatte und in dem die Ankunft der Phöbe und des Iſaak Todd angekündigt wurde,„um alles, was amerikaniſch auf der Nordweſt⸗Küſte, zu zerſtören.“ Dieſe Nachricht wurde von den Commis, welche Ein⸗ geborne der Vereinigten Staaten waren, furchtlos vernom⸗ men. Mit unwillen hatten ſie geſehen, wie ihre vater⸗ ländiſcha Flagge von einem kanadiſchen Anführer geſtrichen — 203— wurde und die britiſche Flagge ihnen ſozuſagen vor den Augen flatterte. Tief in der Seele kränkte ſie auch das prahleriſche Weſen, welches die Nordweſter annahmen. In dieſer Gemüthsſtimmung hätten ſie gern ihre Fahne in der Luft entfaltet und der Fregatte Trotz gebo⸗ ten. Sie müſſe, ſagten ſie, dem Fort auf mehrere Meilen fern bleiben, und wenn ſie Boote ausſchicke, ſo könnten dieſe durch das Geſchütz der Factorei vernichtet werden. Es gab aber kaltblütigere und berechnendere Leute, in deren Händen die Angelegenheiten waren, und die nichts von dem patriotiſchen Stolze und Unwillen dieſer jungen Leute fühlten. Der Briefauszug war augenſcheinlich von M'Dougal nur vorgeleſen worden, um den Weg zu einem vorher verabredeten raſchen Geſchäftsabſchluß zu bahnen. An demſelben Tage machte M'Taviſh den Vorſchlag, den ganzen zu Aſtoria und auch den übrigen Poſten befind⸗ lichen Vorrath von Waaren und Pelzwerk, die der Geſell⸗ ſchaft gehörten, gegen Erſatz der Ankaufspreiſe und Speſen zu kaufen. M'Oougal nahm es über ſich, einzuwilligen, indem er die ganze Leitung des Geſchäftes kraft der, in dem Falle des Ausbleibens Hunt's, ihm übertragenen Gewalt ſich anmaßte. Dieſe Gewalt war aber beſchränkt und genau umſchrieben und dehnte ſich nicht auf ein Geſchäft von ſolcher Art und Wichtigkeit aus; Niemand widerſetzte ſich aber ſeiner Anmaßung, und er und M'Ta⸗ viſh trafen bald ein vorläufiges Uebereinkommen, mit dem der Letztere vollkommen zufrieden war. — 204— Kurz darauf kamen J. Stuart und die zurückgeblie⸗ bene Abtheilung der Nordweſter an und ſchlugen ihr Lager bei M'Taviſh auf. Jener ſprach ſich laut gegen die Bedin⸗ gungen des Uebereinkommens aus und beſtand auf einer Ermäßigung der Preiſe. Neue Verhandlungen mußten nun begonnen werden. Die Forderungen der Nordweſter wurden in einem gebieteriſchen Tone gemacht und ſie ſchienen ſehr geneigt, als Sieger unbedingten Unterwer⸗ fung zu fordern. Die Amerikaner ſahen mit Unwillen und Ungeduld auf den Gang der Dinge. Es kam ihnen vor, als ob M'Dougal eine, wenn nicht verrätheriſche, doch gewiß ſehr feige Rolle ſpielte. Er war ſtets auf dem Wege zu dem feindlichen Lager, um zu unterhandeln, ſtatt in ſeinen Mauern zu bleiben und in dem Fort die Eröffnungen zu erwarten. 1 Ihrer Anſicht nach war ſeine Lage nicht ſo verzwei⸗ felt, daß ſie ſolche Kriecherei entſchuldigte. Er hätte wahr⸗ lich die Bedingungen vorſchreiben können, unter welchen die Abtretung ſtatt finden ſollte. Die Nordweſt⸗Brigade hatte keine Munition mehr; ſie hatten keine Waaren, um ſich bei den Eingebornen Lebensmittel zu verſchaffen, und M'Dougal mußte die an allem Mangel Leidenden ernäh⸗ ren, wahrend er mit ihnen unterhandelte. Er dagegen hatte eine ſichere Wohnung und war mit Lebensmitteln gut verſehen, er hatte ſechszig Mann nebſt Waffen, Munition, Booten, und allem, was erforderlich —C—C—Q—Q—Q—ꝑC—CB—B—U—:— — 205— war zur Vertheidigung oder zum Rückzuge. Die fremde Brigade, unter den Kanonen des Forts gelagert, war in ſeiner Hand; erſchien ein Feind an der Mündung, ſo konnte er den koſtbarſten Theil des Eigenthums einpacken und ſich in irgend ein Verſteck flüchten oder in das Innere abgehen.. Die Betrachtungen hatten aber kein Gewicht bei MDougal oder wurden durch andere Beweggründe über⸗ ſtimmt. Er ſetzte die Verkaufspreiſe ſoweit herab, als J. Stuart es haben wollte, und am ſechszehnten October wurde ein Contrakt abgeſchloſſen, demzufolge Pelzwerk und Waaren aller Art, welche Aſtor in der Gegend gehörten, um ein Drittheil des wirklichen Werthes in den Beſitz der Nordweſt⸗Compagnie überging.*) Ein ſicheres Geleit durch die Nordweſt⸗Poſten wurde denen zugeſagt, welche nicht in den Dienſt dieſer Compagnie treten wollten, und der Betrag des ihnen ſchuldigen Soldes ſollte von der für Aſtoria bezahl⸗ ten Summe abgezogen werden. Das Benehmen und die Beweggründe M'Oougal's während dieſer ganzen Verhandlung wurden von den **½) Nicht ganz vierzigtauſend Dollars wurden für Pelz⸗ werke berechnet, die hunderttauſend Dollars werth waren. Ein Biberfell wurde zu zwei Dollars ange⸗ ſchlagen, obgleich es fünf werth war. Eine Landotter zu fünfsig Cents, obgleich fünf Thaler werth. Ein Seeotter zu zwölf Dollars, von fünfundzwanzig bis ſechszig Dollars werth. Für mehrere Pelzſorten wurde gar nichts gegeben. Ueberdies hätten die Güter und 7„ 77 22 Waſchbären.. .. -... 71 ſchwarze Bären 16 graue Bären andern Theilhabern heftig angegriffen. Er wurde ange⸗ klagt, die Vollmacht, welche ihm auf ſeinen eigenen Wunſch übertragen worden, falſch gedeutet und unter dem Ver⸗ ſprechen oder der Hoffnung, Vortheile für ſich zu erhalten, die Intereſſen Aſtor's der Nordweſt⸗Compagnie geopfert Er beſtand jedoch ſtets darauf, er habe für Aſtor den beſten Handel abgeſchloſſen, den die Umſtände zulieſ⸗ ſen, da die Fregatte ſtündlich erwartet wurde und in dieſem Falle das ganze Eigenthum dieſes Mannes weg⸗ genommen worden ſein dürfte. Er führte ferner an, Waaren für den indianiſchen Handel dreimal mehr einbringen müſſen, als der Betrag war, um den ſie verkauft wurden. 5 Folgende Schätzung wurde von den vorräthigen Artikeln gemacht: 17,705 Pfund Biber Pergament geſchätzt zu 200 Dollars, werth 500 D. 465 alte Biberfelle geſchätzt zu 166 D. werth 7 3508. 500,, „„ 4-6000„ 2500„ Für folgende Artikel wurde nichts zugeſtanden: werth das Stück 49 D. 40„ 200„ 100„ 150„ 400„ 1000„ Hunt's Rückkehr ſei zweifelhaft, indem die Fregatte zwei Jahre lang an der Küſte kreuzen und ſie von allen ameri⸗ kaniſchen Schiffen reinigen ſollte; auch habe er— und dieſe Behauptung wird durch ein Zeugniß von M'Taviſh beſtätigt— dieſem Herrn ein Uebereinkommen vorgeſchla⸗ gen, demzufolge das Pelzwerk nach Canton geſendet und auf Aſtor's Gefahr und für ſeine Rechnung verkauft werden ſollte; dieſer Vorſchlag ſei aber nicht angenommen worden. Ungeachtet aller dieſer Vorſtellungen bleiben mehrere Perſonen, welche bei den Verhandlungen gegenwärtig und mit dem ganzen Gang der Sache bekannt waren— und unter dieſen ſelbſt M'Kenzie, ſein gelegentlicher Beiſtand, — der feſten Ueberzeugung, er habe ein falſches Spiel geſpielt. Auch iſt es ihm nicht gelungen, ſich vor Aſtor zu rechtfertigen. Dieſer Mann erklärte in einem Briefe, welchen er einige Zeit hernach an Hunt ſchrieb, er betrach⸗ tete das Eigenthum als rein verſchleudert. „Wäre unſere Niederlaſſung und unſer Eigenthum,“ ſetzt er hinzu,„gradehin weggenommen worden, ſo würde ich dies vorgezogen haben; ich würde mich dann nicht verunglimpft fühlen.“ 3 All das mag unverdienter Verdacht ſein; er wird aber gewiß durch den Umſtand ſehr verſtärkt, daß M'Dou⸗ gal bald nach dem Abſchluſſe dieſer Angelegenheit ein Mit⸗ glied der Nordweſt⸗Compagnie wurde und einen Antheil erhielt, welcher ihm ein ſchönes Einkommen ſicherte. — 208— Sechzigſtes Kapitel. Ankunft eines fremden Schiffes.— Bewegung zu Aſtoria.— Kriegeriſches Anerbieten Comcomly's.— Die Engländer neh⸗ men Beſitz von Aſtoria.— Comcomly's Unwillen über das Benehmen ſeines Schwiegerſohns. Am Norgen des dreißigſten Novembers entdeckte man ein Schiff, welches Cap Disappointment umſegelte. Es legte ſich in der Baker's Bai vor Anker, und man ſah, daß es ein Kriegsſchiff war. Nun entſtand die beſorgliche Frage, welcher Nation es angehöre? warum es allein komme, wenn es ein engliſches ſei? wo das Kauffahrtei⸗ Schiff ſei, welches daſſelbe begleiten ſollte? was aus dem neu erworbenen Beſitze der Nordweſt⸗Compagnie werden ſollte, wenn es ein amerikaniſches ſeie In dieſer Ungewißheit belud M'Tavish in aller Eile zwei Boote mit allen den Ballen Pelzwerk, welche den Stempel der Nordweſt⸗Compagnie hatten, und fuhr nach Tongue⸗Point, drei Meilen. flußaufwärts. Dort wollte er eines verabredeten Zeichens von MDougal warten, wenn man den Charakter des Schiffes beſtimmt kenne. Wies es ſich als ein amerikaniſches aus, ſo hatte M'Ta⸗ vish einen ſchönen Vorſprung, und bonnte ſeine reiche — 209— Ladung leicht in das Innere verführen. Es iſt ſeltſam, daß dieſe raſche Weiſe, koſtbare, aber leicht zu transpor⸗ tirende Güter dem Bereiche eines feindlichen Schiffes zu entziehen, M'Dougal gar nicht in den Sinn kam, ſo lange ſie noch das Eigenthum Aſtor's waren! Mittlerweile ließ M⸗Dougal, welcher dem Namen nach noch Befehlshaber des Forts war, ein Kanoe in das Waſ⸗ ſer, bemannte es mit Leuten, die bisher in den Dienſten l der amerikaniſchen Pelzhandelsgeſellſchaft waren, und hielt auf das Schiff ab. Unterwegs befahl er ſeinen Leuten, ſich für Amerikaner oder Engländer auszugeben, je nach⸗ dem die Umſtände es forderten. Das Schiff erwies ſich als die britiſche Kriegsſcha⸗ luppe Racoon(Waſchbär) von ſechsundzwanzig Kanonen und hundertzwanzig Mann, von Kapitan Black befehligt. Nach der Mittheilung dieſes Offiziers waren die Fregatte Phöbe und die zwei Kriegsſchaluppen Cherub und Racoon in Convoy des Iſaac Todd von Rio⸗Janeiro abgeſegelt. An Bord der Phöbe hatte ſich John M⸗Donald, ein Theil⸗ haber der Nordweſt⸗Compagnie, als Paſſagier eingeſchifft, um von der erwarteten Kataſtrophe zu Aſtoria Nutzen zu ziehen. Durch ſtürmiſches Wetter war die Convoy jen⸗ ſeits Cap⸗Horn getrennt worden. Die drei Kriegsſchiffe kamen an der Inſel Juan Fernandez, ihrem verabredeten. Sammelplatze, wieder zuſammen, warteten aber vergeblich auf dem Iſaac Todd. 5 V Mittlerweile erhielten ſie Nachrichten von dem Unheil, 63.— 65. 14 — 210— welches Commodore Parker unter den britiſchen Wallfiſch⸗ fängern anrichtete. Commodore Hillger ging augenblicklich mit der Phöbe und dem Cherub unter Segel, um ihn aufzuſuchen, während M'Donald an Bord des Racoon gebracht wurde, und dieſes Schiff Befehl erhielt, die Reiſe nach dem Kolumbia fortzuſetzen. Die Offiziere des Racoon waren in ſehr heiterer Laune. Als die Agenten der Nordweſt⸗Geſellſchaft zu die⸗ ſer Expedition anreizten, hatten ſie von unermeßlicher Beute geſprochen, welche die glücklichen Eroberer Aſtoria's machen wüͤrden. Wahrend der Reiſe hatte M⸗Donald dieſe Erregung ſtets lebendig erhalten, ſo daß kein See⸗ kadet auf dem Schiffe war, der ſich nicht in Träumen von reichen Priſe⸗Geldern wiegte, und kein Lieutenant ſeinen Antheil um tauſend Pfund verkauft hätte. Wie groß mußte aber die Enttäuſchung dieſer Leute ſein, als ſie erfuhren, daß man ihrem kriegeriſchen Angriffe auf Aſtoria durch ein friedfertiges kaufmänniſches Ueber⸗ einkommen vorgebeugt habe; daß ihre erwartete Beute in dem gewöhnlichen Wege des Handels britiſches Eigenthum geworden, und daß all das von eben derſelben Geſellſchaft ins Werk geſetzt worden ſei, welche es bewirkt hatte, daß ſie, wie ſie es nun nannten, in den April geſchickt wur⸗ den. Sie fühlten ſich zum Beſten gehalten, und gehöhnt voon einer Schaar liſtiger Kaufleute, welche ſie gebraucht hätten, um die Nuß aufzubeißen, während ſie den Kern für ſich behielten. Mit einem Worte, MoDougal ſah ſich von ſeinen Landsleuten an Bord des Racoon ſo unfreundlich aufge⸗ nommen, daß er froh war, das Schiff in aller Eile ver⸗ laſſen und das Land wieder erreichen zu können. Er war eben in dem Fort geſchäftig, und machte Anſtalten zum Empfange des Kapitäns des Racoon, als ſein einäugiger indianiſcher Schwiegervater mit einer Schaar von Chinook⸗Kriegern erſchien, ſämmtlich in krie⸗ geriſcher Weiſe gemalt und gerüſtet. Der alte Comcomly hatte mit Verdruß die Ankunft eines„dicken Kriegs⸗Kanoe's“ geſehen, das die britiſche Flagge führte. Der alte verſchlagene Wilde war in dem Laufe ſeiner täglichen Beſuche auf dem Fort eine Art Politiker geworden. Er wußte, daß ein Krieg zwiſchen den Nationen beſtand, aber er wußte nicht, daß M'Dou⸗ gal und M'Tavish ein Abkommen unter ſich getroffen hat⸗ ten. Kein Wunder daher, wenn er für die Macht ſeines Schwiegerſohnes in Angſt war und für die neu geförderte Größe ſeiner Tochter bebte, und in aller Eile eine Schaar ſeiner grimmen Krieger um ſich ſammelte. „König Georg“, ſagte er,„hat ſein großes Kanoe geſchickt, um das Fort zu zerſtören, und alle die Inſaſſen zu ſeinen Sklaven zu machen. Sollen wir es leiden? Die Amerikaner ſind die erſten weißen Männer, welche ſich in dem Lande feſtgeſetzt haben. Sie haben uns wie Brüder behandelt. Ihr großer Häuptling hat meine Tochter 14* 212— und ſie zu ſeiner Squaw gemacht; wir ſind daher wie Ein Volk.“ Seine Krieger erklärten ſich Alle entſchloſſen, den Amerikanern mit Blut und Leben beizuſtehen, und deshalb kamen ſie für den Kampf gemalt und gerüſtet. Comcomly hielt ſeinem Schwiegerſohne eine begeiſterte Kampfrede. Er erbot ſich, Jeden von König Georg's Leuten zu tödten, der es wagen würde, das Land zu betreten. Dies ſei, ſagte er, eine leichte Sache. Das Schiff könnte nicht näher als ſechs Meilen vom Fort herankommen; die Mannſchaft nur in Booten landen. Die Wälder reichten bis zu dem Rande des Waſſers; darin wollte er und ſeine Krieger ſich verbergen, und den Feind erſchießen, ſo wie er den Fuß nur an das Land ſetzte. M'Dougal war ohne Zweifel für dieſe zarte Liebe von Seiten ſeines wilden Schwiegervaters ſehr dankbar, obgleich er durch den kriegeriſchen Geiſt, der ihm ſelbſt ſo ſehr fehlte, vielleicht in Verlegenheit geſetzt wurde. Er verſicherte jedoch Comcomly, ſeine Beſorgniſſe wegen ſei⸗ ner und ſeiner Tochter Sicherheit ſeien überflüſſſg; da die Bemannung des Schiffes, obgleich es dem König Georg gehöre, weder den Amerikanern, noch ihren indianiſchen Verbündeten ein Leid zufügen würde. Er rathe ihm und ſeinen Kriegern daher, ihre Waffen und Kampfhemden abzulegen, die Farben von ihrem Geſicht und ihren Kör⸗ pern zu waſchen und wie reinliche und höfliche Wilden zu erſcheinen, um die Fremden artig zu empfangen. Comcomly war durch dieſen Rath ſchmerzlich erſtaunt, denn er paßte gar nicht zu den indianiſchen Anſichten von dem Empfange einer feindlichen Nation, und nur nach wiederholten und beſtimmten Verſicherungen von den freundſchaftlichen Abſichten der Fremden konnte er bewegt werden, ſeinen herausfordernden Ton herabzuſtimmen. Seinen Kriegern trug er etwas vor, welches zur Erklärung des ſeltſamen Standes der Dinge dienen und vielleicht nebenher den friedlichen Charakter ſeines Schwie⸗ gerſohnes entſchuldigen ſollte. Sie zuckten Alle die Achſeln, und ließen ein indianiſches Grunzen als Zeichen ihrer Beiſtimmung vernehmen, worauf ſie mürriſch in ihr Dorf zurückkehrten, um für den Augenblick ihre Waffen abzu⸗ legen. Nachdem die geeigneten Anordnungen zum Empfange des Kapitäns Black getroffen waren, ließ dieſer Offizier ſeine Schiffsboote bemannen und landete mit geziemen⸗ dem Pompe zu Aſtoria. Nach den Reden, welche die Nordweſt⸗Compagnie hinſichtlich der Stärke des Platzes und des zu ſeiner Ueberwältigung nöthigen Geſchützes vor⸗ gebracht hatte, erwartete er eine Feſtung von einiger Bedeutung zu finden. Als er nichts denn Palliſaden und Bollwerke ſah, die auf die Vertheidigung gegen nackte Wilden berechnet waren, überſchlich ihn ein Gefühl unwil⸗ liger Ueberraſchung, dem ſich etwas Spott zugeſellte. „Iſt dies das Fort“, rief er,„von dem ich ſo viel habe reden hören? Ich will verd— t ſein, wenn ich es nicht in zwei Stunden mit einem Wiewfünder zuſammen⸗ geſchoſſen hätte!“ Als er aber den Betrag der koſtbaren Pelzwerke erfuhr, welche in die Hände der Nordweſter übergegangen waren, wurde er zornig und beſtand darauf, daß ein Ver⸗ zeichniß des ganzen von den Amerikanern erkauften Eigen⸗ thums gefertigt werde,„in der Abſicht, ſpäter in England Maßregeln zu treffen, um den Werth von der Nordweſt⸗ Compagnie zurückerſtattet zu ſehen.“ Als er jedoch kälter wurde, gab er jeden Gedanken, einen ſolchen Anſpruch geltend machen zu wollen, auf und ſöhnte ſich, ſo gut er konnte, mit dem Gedanken aus, von ſeinen handelsmänniſchen Beiſtänden überliſtet worden zu ſein. Am zwölften December wurde das Schickſal von Aſtoria durch eine regelmäßige Ceremonie entſchieden. Kapitän Black trat, im Geleite ſeiner Offiziere, in das Fort, ließ die britiſche Fahne aufpflanzen, zerbrach eine Flaſche Wein, und erklärte mit lauter Stimme, er nehme im Namen ſeiner britiſchen Majeſtät von der Niederlaſ⸗ ſung und dem Lande Beſitz, und verwandle den Namen Aſtoria in den„Fort George.“ Die indianiſchen Krieger, welche ihre Dienſte ange⸗ boten hatten, um die Fremden zu vertreiben, waren bei dieſer Gelegenheit anweſend. Die Verhandlung und die Uebergabe wurde ihnen als ein freundliches Uebereinkom⸗ men dargeſtellt; ſie ſchüttelten aber ihre Köpfe grimmig und betrachteten das Ganze als einen Akt der Unter⸗ jochung ihrer alten Verbündeten. Sie bedauerten, M'Dougal's Wünſchen ſich gefügt und ihre Waffen bei Seite gelegt zu haben, und bemerk⸗ ten, wie auch die Amerikaner die Thatſache verheimlichen möchten, ſo wären ſie doch ohne Zweifel Alle Sklaven; und ſie ließen ſich nicht vom Gegentheil überzeugen, bis ſie den Racoon abſegeln ſahen, uhne irgend jemand als Gefangenen mitzunehmen. Den alten Concomly angehend, ſo that er ſich auf ſeinen weißen Schwiegerſohn nichts mehr zu gut, ſondern ſchüttelte, ſo oft er ſeinetwegen gefragt wurde, den Kopf und ſagte, ſeine Tochter habe einen Irrthum begangen, und ſtatt einen großen Krieger zum Manne zu nehmen, ſich mit einer Squaw verheirathet., Einundſechzigſtes Kapitel. Ankunft der Brigg Pedlar zu Aſtoria.— Räumung der Nieder⸗ laſſung.— Abreiſe Mehrerer von der Geſeuſchaft.— Tragiſche Geſchichte, von Pierre Dorion's Squaw erzählt.— Reed's und ſeiner Gefährten Schickſal.— Aſtor's Verſuche, ſein Unternehmen zu erneuern.— Fehlſchlagung.— Schließliche Bemerkungen und Gedanken. Nachdem wir die Kataſtrophe in dem Fort von Aſtoria mitgetheilt, bleibt uns jetzt nichts mehr übrig, als einige loſe Enden dieſer weit venzweſäten Erzählung aufzuneh⸗ men und zu ſchließen. Am achtundzwanzigſten warf die Brigg Pedlar in dem Kolumbia⸗Fluſſe die Anker aus. Man wird ſich erinnern, daß Hunt dieſes Schiff auf den Sandwich⸗Inſeln gekauft hatte, um die in der Factorei geſammelten Pelzwaaren wegzubringen, und die Sandwich⸗ Iiulaner in ihre Hei⸗ math zurück zu geleiten. Als Hunt die übereilte und ſummariſche Weiſe kennen lernte, mit welcher M'Dougal das Eigenthum der Geſell⸗ ſchaft verſchleudert hatte, drückte er ſeinen Zorn in den ſtärkſten Worten aus, und beſchloß, Alles zu verſuchen, um die Pelzwaaren wieder zu erhalten. Sobald ſeine — 217— Wünſche in dieſer Bezichung bekannt wurden, kam MDougal, um ihn Namens der Nordweſt⸗Compagnie auszuforſchen, indem er ihm zu verſtehen gab, er hege keinen Zweifel, daß das Pelzwerk um einen Aufſchlag von fünfzig vom Hundert zurückgekauft werden könnte. Die Eröffnung war nicht geeignet, Hunt's Zorn und Unwillen zu beſänftigen, und dieſe erreichten den höchſten Grad, als er entdeckte, daß M'Dougal Theilhaber der Nordweſt⸗Compagnie geworden, und dieſes wirklich ſchon ſeit dem dreiundzwanzigſten December geweſen ſei. Er hatte jedoch ſeine Theilhaberſchaft geheim gehalten, und die Papiere der Pelzhandelsgeſellſchaft des ſtillen Mee⸗ res nicht aus ſeinen Händen gegeben; er hatte fortwäh⸗ rend als der Geſchäftsführer Aſtor's gehandelt, obgleich zwei Theilhaber der andern Geſellſchaft, M'Kenzie und Clarke, anweſend waren. Er hatte überdies ſeinen neuen Collegen Alles, was er von Aſtor's Planen und Geſchäfts⸗ Angelegenheiten wußte, mitgetheilt, und Abſchriften von ſeinen Geſchäftsbriefen für ihren Gebrauch gefertigt. M'Dougal's ganzes Benehmen war jetzt in Hunt's Augen falſch und abgekartet. Sein einziger Gedanke ging daher nun darauf, ihm alle auf die Angelegenheit bezüg⸗ lichen Papiere zu entziehen, und die Sache zum Schluſſe zu bringen; denn die Intereſſen Aſtor's ſtanden noch gänz⸗ lich auf dem Spiele, da man die Wechſel der Nordweſt⸗ Compagnie für die Aſtor zukommende Kaufſumme noch nicht in Händen hatte. Nicht ohne Schwierigkeiten ſetzte — 218— er ſich in den Beſitz der Papiere. Die Wechſel oder Schuldſcheine wurden ihm ohne weiteres eingehändigt. Dieſe ſandte er durch einen ſeiner Collegen, der im Be⸗ griffe war, zu Land nach New⸗York zu reiſen, an Aſtor. Als dies geſchehen war, ſchiffte er ſich am dritten April an Bord des Pedlar mit zwei Commis, Seton und Hal⸗ ſey ein, und ſagte Aſtoria ſein letztes Lebewohl. Am nächſten Tage— den vierten April— brachen Clarke, M'Kenzie, David Stuart und alle die Aſtorier, welche nicht in den Dienſt der Nordweſt⸗Compagnie über⸗ getreten waren, auf, um die Reiſe über das Felſengebirg zu machen. Es kann nicht in unſerm Plane liegen, die Leſer noch einmal über dieſe rauhe Bergbarre zu führen; wir wollen aber die Reiſenden auf einer Strecke ihres Weges begleiten, blos um ihre Zuſammenkunft mit einem Charakter zu berichten, der bereits in dieſem Werke auf⸗ getreten iſt. Als der Zug auf ſeinem Wege den Kolumbia hinan, an die Mündung des Wallah⸗Wallah⸗Fluſſes kamen, gin⸗ gen mehrere indianiſche Kanoes vom ufer ab, um ſie ein⸗ zuholen, und eine Stimme rief ſie in franzöſiſcher Sprache an, und bat ſie zu halten. Sie gingen demnach an das Ufer, und die in den Kanoes kamen zu ihnen. Zu ihrem Erſtaunen erkannten ſie in der Perſon, welche ſie angerufen hatte, die indiani⸗ ſche Frau des Pierre Dorion, die ihre zwei Kinder bei ſich hatte. Die Geſchichte, welche ſie erzählte, ſtand mit dem 4 — 219— Schickſale mehrerer unſerer unglücklichen Abenteurer in Verbindung. John Reed, der Ireländer, war, wie ſich der Leſer erinnern wird, während des Sommers an den Snake⸗ River geſchickt worden. Sein Geleite beſtand aus vier Kanadiern, Gilles Leclerc, Frangois Landry, Jean⸗Baptiſte Tureot und André La⸗Chapelle, und zwei Jägern, Pierre Dorion und Pierre Delaunay; Pierre Dorion war, wie A gewöhnlich, von ſeiner Frau und ſeinen Kindern begleitet. Der Zweck ihrer Sendung war ein zweifacher: ſie ſollten Biber fangen und die drei Jäger, Robinſon, Hoback und Rixner aufſuchen.. Im Laufe des Herbſtes verlor Reed einen Mann, Landry, durch den Tod; ein zweiter, Pierre Delaunay, ein Menſch von mürriſchem, verkehrtem Charakter, verließ ihn in einem Anfall von Spleen, und man hörte ſpäter nie wieder von ihm. Durch dieſe Verluſte wurde aber die Zahl ſeiner Begleiter nicht gemindert, da die drei Jaͤger, Robinſon, Hoback und Rixner, zu ihm geſtoßen waren. — Haus, wo ſſe den Winter hinbringen wollten; als dieſes fertig war, brachen die Leute auf, um zu trappen. Rixner, Leclerc und Pierre Dorion gingen ungefähr fünf Tage⸗ reiſen von dem Winterquartiere in einen Theil des Lan⸗ des, wo es eine Menge Biber gab. Hier ſchlugen ſie eine Hütte auf, und betrieben die Biberjagd mit vielem 6 Reed baute nun an dem Ufer der Snake⸗River ein V Erfolge, während die Leute draußen auf der Jagd waren, blieb Pierre Dorions Frau zu Hauſe, um die Felle zu bereiten, und die Mahlzeit herzurichten. Eines Abends, im Anfange des Januars, bochte ſie eben das Nachteſſen der Jäger, als ſie Fußtritte hörte und Leclerc bleich und blutend in die Hütte taumelte. Er ſagte ihr, eine Schaar Wilder ſei, während ſie bei den Fällen waren, auf ſie losgeſtürzt, und habe Rixner und ihren Mann getödtet. Er hatte kaum Kraft genug, ihr dieſe Kunde mitzutheilen, und fiel ohnmächtig auf die Erde. Die arme Frau ſah ein, daß ihr ganzes Heil in der Flucht beſtünde, zeigte aber in dieſer Bedrängniß jene Geiſtesgegenwart und Charakterſtärke, welche ſie ſo oft ausgezeichnet hatte. Mit großer Mühe fing ſie zwei Pferde ein, welche den Ihrigen gehörten. Sie nahm dann ihre Kleider und einen kleinen Vorrath von Biberfleiſch und gedörrtem Lachs zuſammen, bepackte eines der Pferde damit, und half dem verwundeten Manne, es zu beſteigen. Auf das andere Pferd ſetzte ſie ſich ſelbſt mit ihren Kin⸗ dern und enteilte der gefährlichen Gegend, in der Rich⸗ tung von Reed's Niederlaſſung ſich flüchtend. Am dritten Tage entdeckte ſie eine Horde Indianer zu Pferd, welche einer öſtlichen Richtung folgten. Sie ſtieg augenblicklich mit ihren Kindern ab, und half Leclere gleichfalls aus dem Sattel, und Alle verbargen ſich. Glück⸗ licherweiſe entgingen ſie dem ſcharfen Auge der Wilden, mußten aber ihre Reiſe mit der größten Vorſicht fortſetzen. — 221— Dieſe Nacht ſchliefen ſie ohne Feuer und Waſſer; ſie ſuchte ihre Kinder in ihren Armen warm zu halten; ehe der Morgen anbrach, ſtarb aber der arme Leclerc. Mit dem Grauen des Tages ſetzte die entſchloſſene Frau ihren Weg fort und erreichte am vierten Tage Reed's Blockhaus. Es war verlaſſen, und rings umher waren Spuren von Blut und Zeichen eines wüthenden Gemetzels. Da ſie nicht zweifelte, Reed und ſeine Leute ſeien ſämmtlich als Opfer gefallen, eilte ſie mit neuem Schrecken von dannen. Zwei Tage ging es in aller Haſt vorwärts; aller Nahrung baar, drohte ſie jeden Augenblick zu ſinken, war aber mehr für ihre Kinder als für ſich ſelbſt beſorgt. Endlich erreichte ſie eine Kette des Felſen⸗ gebirgs, in der Nähe des obern Theiles des Wallah⸗Wal⸗ lah⸗Fluſſes. Hier wählte ſie ſich zu ihrem Winter⸗ Aufenthalt eine wilde, einſame Schlucht. Glücklicherweiſe hatte ſie ein Büffelkleid und drei Hirſchhäute; von dieſen und der Rinde der Fichten und Cederngezweig machte ſie ſich in der Nähe eines Berg⸗ quells ein rohes Wigwam. Da ſie keine andere Nahrung hatte, tödtete ſie die zwei Pferde und räucherte ihr Fleiſch. Die Häute dienten ihr, die Hütte zu decken. Hier brachte ſie, ohne eine andere Geſellſchaft als die ihrer Kinder, den Winter öde hin. Gegen die Mitte des März waren ihre Vorräthe faſt erſchöpft. Sie packte daher, was ihr noch blieb, zuſammen, band es ſich auf den Rücken und trat mit ihren hülfloſen Kleinen ihre Wanderungen wieder — 222— an. Sie überſtieg den Kamm des Gebirgs, kam an die Ufer des Wallah⸗Wallah herab, und hielt ſich ihnen ent⸗ lang, bis ſie zur Ausmündung dieſes Fluſſes in den Kolumbia kam. Die Wallah⸗Wallahs empfingen und bewirtheten ſie gaſtfreundlich, und ſie war faſt ſeit zwei Wochen bei ihnen, als die Kanoes vorüber fuhren. Für den mörderiſchen Angriff der Wilden wußte ſie auf Befragen durchaus keinen Grund anzugeben; er war, wie es ſcheint, ganz muthwillig, und keinerlei Kränkung ging ihm voraus. Einige der Aſtorier hielten ihn für eine der grauſamen Thaten, wie die ſchwärmenden Hor⸗ den der Schwarzfüße ſie oft verüben; Andere aber haben ihn, mit größerer Wahrſcheinlichkeit, richtig geurtheilt zu haben, dem Stamme der naſendurchbohrten Indianer als eine Rachethat wegen des Todes ihres Kameraden, der auf Clarke's Befehl gehangen worden, zugeſchrieben. Iſt der Fall, ſo ſieht man daraus, daß dieſe raſchen und anſcheinend muthwilligen Ausbrüche blutiger Gewaltthätig⸗ keit die Folgen einer, wenn auch lange vorher ſtatt gehab⸗ ten, Kränkung ſind. Die Erzählung der indianiſchen Frau ſchließt die viel⸗ fältigen Abenteuer einiger in dieſer bunten Geſchichte auf⸗ tretenden Perſonen, wie die des biedern Ireländers Reed und Dorion's, des halbblütigen Dolmetſchers. Tureot unnd La⸗Chapelle gehörten zu den Leuten, welche Crooks während der Winterreiſe verlaſſen, und dann ein ſo unſe⸗ liges Leben unter den Indianern geführt hatten. Wir können nicht ohne viele Theilnahme auf das ausdauernde Trio von Kentuckiern— Robinſon, Rixner und Hoback— blicken, welche auf ihrem Wege in die Heimath zweimal umkehrten und in der Wildniß blieben, um unter den Händen von Wilden zu fallen. Die von Aſtoria zur See und zu Land zurückkehren⸗ den Abtheilungen erlebten unterwegs eben ſo viele Aben⸗ teuer, Fährlichkeiten und Unfälle, wie die weitberühmten Helden der Odyſſee; in verſchiedenen Zeiten erreichten ſie ihren Beſtimmungsort, und brachten Aſtor die traurige Nachricht von dem unglücklichen Ausgange ſeines Unter⸗ nehmens. Dieſer Mann war aber ſelbſt jetzt noch nicht geneigt, Alles für verloren zu geben. Sein Muth wurde im Gegen⸗ theile durch das unedle und undankbare Benehmen— denn ſo bezeichnete er es— der Nordweſt⸗Compagnie neu gehoben. „Ich kann nicht daran denken, ruhig und müßig zu bleiben“, ſagt er in einem Briefe an Hunt,„nachdem ich mich von ihr ſo behandelt geſehen.“ Er beſchloß daher, ſobald es die Umſtände erlaubten, ſein Unternehmen wieder in Gang zu bringen. Nach der Rückkehr des Friedens wurde in Folge des Vertrags von Gent und des Grundſatzes des„status ante bellum⸗ Aſtoria und das umliegende Gebiet wieder an die vereinigten Staaten zurückgegeben, und Kapitän Black wurde in der Kriegsſchaluppe Ontario abgeſandt, förmlich Beſitz davon zu nehmen. Im Winter 1815 erließ der Congreß ein Geſetz, wel⸗ ches den britiſchen Kaufleuten den Handel innerhalb der Grenzen der Vereinigten Staaten unterſagte. Nun glaubte Aſtor, der günſtige Augenblick ſei gekom⸗ men, ſein Lieblingsunternehmen zu verwirklichen, aber neue Schwierigkeiten ſtellten ſich ihm entgegen. Die Nord⸗ weſt⸗Compagnie war jetzt in völliger Thätigkeit an dem Kolumbia⸗Fluſſe und den ſich in ihn ausmündenden Haupt⸗ waſſern, hatte die Handelspoſten, welche ſie errichtet, inne, und trieb in dem ganzen Gebiet umher Handel, trotz des Verbotes des Congreſſes, deſſen dahin bezügliches Geſetz jenſeits der Gebirge allerdings ein todter Buchſtabe war. Sie aus dem Beſitze zu bringen, würde ein Unter⸗ nehmen von faſt kriegeriſchem Charakter geweſen ſein; denn ihre Geſchäftsführer und Bedienſtigten waren gut bewaffnet und im Gebrauche der Büchſe geübt, wie dies bei indianiſchen Kaufleuten gewöhnlich iſt. Die wilden und blutigen Kämpfe, welche zwiſchen den nebenbuhleri⸗ ſchen Handelsparteien der Hudſon⸗Bai⸗, und Nordweſt⸗ Compagnie ſtatt gefunden hatten, ließen gewahren, was von Handelsentzweiungen in den geſetzloſen Tiefen der Wildniß zu erwarten war. Aſtor hielt es daher nicht für räthlich, ohne den Schutz der amerikaniſchen Flagge irgend einen Verſuch zu machen. Er machte demzufolge dem Präſidenten der Vereinigien Staaten, Madiſon, durch — 225— Hrn. Gallatin eine informatoriſche Eröffnung, und erbot ſich, ſein Unternehmen wieder aufzufaſſen und Aſtoria herzuſtellen, wenn es von der amerikaniſchen Flagge geſchützt, und zu einem militäriſchen Poſten gemacht würde; er legte zugleich dar, daß das Commando eines Lieutenants hinreichen würde, die Niederlaſſung zu ſchützen. Dieſes Geſuch, das durch Hrn. Gallatin, einen der erleuchtetſten Staatsmänner unſeres Landes gebilligt und empfohlen wurde, fand günſtige Aufnahme; es geſchah aber kein Schritt, ihm Folge zu geben, da der Präſident aller Wahrſcheinlichkeit nach nicht geneigt war, ſich durch eine unmittelbare Einmiſchung oder einen öffentlichen Schritt etwas zu vergeben. Aſtor, den dieſe Sorgloſigkeit von Seiten der Regie⸗ rung entmuthigte, hielt es nicht für geeignet, ſeine Eröff⸗ nungen in einer förmlicheren Weiſe zu widerholen, und ſo ließ man den günſtigen Augenblick, Aſtoria's wieder habhaft zu werden, ungenützt vorübergehen. Auf dieſe Art wurden die britiſchen Handelsnieder⸗ laſſungen in den Stand geſetzt, ohne Beläſtigung tief Wur⸗ zel zu ſchlagen, und trotz des Verbotes des Congreſſes ihre Verzweigungen mehr und mehr auszudehnen, bis ſie ſich über das reiche Handelsgebiet verbreitet hatten, das Aſtor erſchloſſen. Die britiſche Regierung begann bald die Wichtigkeit dieſer Ländereien einzuſehen, und den Wunſch zu hegen, ſie in ſein Territorial⸗Gebiet einzuſchließen. Eine Streitfrage 63.— 65. 15 hinſichtlich des Rechtes dieſes Bodens entſtand ſonach, und wurde eine der verwickelt'ſten, die jetzt zwiſchen den Ver⸗ einigten Staaten und Großbritanien obſchweben. In dem erſten darauf bezüglichen Traktat vom zwanzigſten October 1818 blieb die Frage unentſchieden, und man kam über⸗ ein, daß das Land auf der Nordweſtküſte von Amerika, weſtlich von dem Felſengebirge, welches beide Nationen anſprachen, den Bewohnern Beider auf zehn Jahre zu Handelszwecken offen bleibe, und die Schifffahrt auf allen ſeinen Flüſſen mit gleichem Rechte von ihnen betrieben werden ſollte. Als dieſe zehn Jahre verſtrichen waren, dehnte ein folgender Vertrag von 1828 die Friſt abermals auf zehn Jahre aus. Dies iſt die Lage der Sache für den Augenblick. Wenden wir unſer Auge auf die Reihe der von uns erzählten Begebenheiten zurück, ſo ſehen wir keinen Grund, das Fehlſchlagen dieſes großen Handelsunternehmens irgend einem Fehler in dem Plane oder einer Unterlaſſung in der Ausführung deſſelben von Seiten des Entwerfers zuzuſchreiben. Es war ein großartiges unternehmen, rein durchdacht, und in Betracht der Schwierigkeiten und Koſten gut durchgeführt. Faſt vom Beginne herein aber ſtellte ſich ihm eine Reihe widriger Umſtände und Unfälle ent⸗ gegen, von denen manche allerdings der Vernachläßigung der Befehle und Inſtructionen Aſtor's beigemeſſen werden müſſen. Der erſte laähmende Schlag war der Verluſt des Tonquin, welcher offenbar nicht ſtatt gefunden haben würde, wenn man Aſtor's ernſtliche Mahnungen hinſichtlich des Benehmens gegen die Eingebornen beachtet hätte. Wenn dieſes Schiff ſeine Reiſe glücklich vollendet und Aſtoria zur rechten Zeit wieder beſucht haͤtte, ſo würde der Han⸗ del der Niederlaſſung ſeinen vorher beſtimmten Gang genommen und die zuverſichtliche Ausſicht auf Erfolg würde den Muth aller Betheiligten aufrecht erhalten haben. Seine unſelige Kataſtrophe erfüllte jedes Herz mit Bangen und bahnte zu der ſpätern Muthloſigkeit den Weg. Eine andere Urſache von Verlegenheiten und Verlu⸗ ſten war das Abweichen von Aſtor's Plan hinſichtlich der Reiſe des Bibers, nach dem Beſuche deſſelben zu Aſtoria. Die Abweichung von dieſem Plane hatte eine Reihe von Unfällen zur Folge, die der Niederlaſſung Unglück brachten und Hunt von ſeinem Poſten ferne hielten, als ſeine Gegenwart für das Unternehmen von der höchſten Wich⸗ tigkeit war; ſo weſentlich iſt es, daß ein Geſchäftsführer in jedem großen, verwickelten Unternehmen die Aufträge, welche der Erfinder und Leiter des Ganzen ihm ertheilt, treu und buchſtäblich erfüllt. Der Ausbruch des Krieges zwiſchen den Vereinigten Staaten und Großbritanien mehrte die Fährlichkeiten und Verlegenheiten des Unternehmens. Da keine Convoy zu bekommen war, wurde es ſchwer, Verſtarkungen und Vorrathe an Ort und Stelle zu ſchaffen und der Verluſt der Lerche kam noch zu dem Gewebe von Unfällen dazu. 15* — 228 Daß Aſtor gegen jede Schwierigkeit muthig ankämpfte und trotz jedes Verluſtes ſeinen Weg verfolgte, iſt hin⸗ reichend gezeigt worden. Wäre er durch paſſende Geſchäfts⸗ führer unterſtützt und durch die Regierung gehörig geför⸗ dert worden, ſo hätte das letzte Fehlſchlagen ſeines Planes noch abgewendet werden können. Es war ein großes Unglück für ihn, daß ſein Geiſt nicht auf ſeine Geſchäfts⸗ führer übergegangen war. Einige hatten nicht Befähigung genug, die wirkliche Natur und die Ausdehnung ſeines Planes zu begreifen; andere waren fremden Gefühlen und Intereſſen zugethan und im Dienſte einer feindlichen Geſell⸗ ſchaft aufgewachſen. Alle Sympathien, welche ſie früher vielleicht für ihn belebten, wurden durch den Krieg geſchwächt, wenn nicht ganz zerſtört. Sie betrachteten ſeine Sache als eine verlorne und dachten nur darauf, wie ſie ſich ihren fruͤhern Brodherrn nützlich machen könnten, um wieder eine Anſtellung zu finden. Die Abweſenheit Hunt's, des einzigen wirklichen Stellvertreters Aſtor's, zur Zeit der Capitulation mit der Nordweſt⸗Compagnie, machte die Reihe von Unfällen vollſtändig. Wäre dieſer Mann anwe⸗ ſend geweſen, ſo hätte, aller Wahrſchemlichkeit nach, die Uebergabe nicht ſtatt gefunden. Es iſt immer ſchmerzlich, einen großen, gemeinnützi⸗ gen Gedanken ſeinen Zweck verfehlen zu ſehen; wir bedauern aber das Fehlſchlagen dieſes Unternehmens aus einem nationalen Geſichtspunkte; denn wäre es mit Erfolg gekrönt worden, ſo würde es ſehr zum Vortheil und zur 229 Ausbreittung unſeres Handels beigetragen haben. Der Gewinn, welchen die britiſche Pelzhandels⸗Geſellſchaft aus den fraglichen Gebieten zieht, gibt, obgleich er ſehr bedeu⸗ tend iſt, keinen Maßſtab ab, nach welchem die Vortheile zu berechnen ſind, welche ſie abwerfen würden, wenn ſie ganz in den Häanden von Bürgern der Vereinigten Staa⸗ ten wären. Dieſe Geſellſchaft iſt, wie man geſehen hat, in der Natur und Ausdehnung ihrer Thätigkeit beſchrankt und kann von dem See⸗Vortheile nur wenigen Nutzen ziehen, welche ein Stapelplatz und ein Hafen an dieſer Küſte darbieten. In unſern Händen würde das Land— der wandernden Schaaren von Biberfangern und Kauf⸗ leuten nicht zu gedenken— von fleißigen Anſiedlern erſchloſſen und angebaut worden ſein; und die fruchtbaren Thäler, welche an ſeine Flüſſe grenzen und von ſeinen Bergen umſchloſſen werden, würden genöthigt worden ſein, die Schätze ihrer Bebauung auszuſtrömen und ſo den allgemeinen Reichthum zu vermehren. In Rückſicht auf den Handel würden wir eine Kette von Handelspoſten vom Miſſiſſippi und Miſſouri über das Felſengebirg erhalten haben, welche eine Heerſtraße von den großen Gebieten des Weſten bis an die Ufer des ſtillen Meeres abgegeben hätten. Wir hätten einen befe⸗ ſtigten Poſten und Hafen an der Mündung des Kolumbia gehabt, welcher den Handel dieſes Fluſſes und ſeiner Quellenſtröme, ſo wie einer großen Strecke des Binnen⸗ landes und der Küſte befehligt hätte; von wo aus ein — 230— thätiger Verkehr mit den Sandwich⸗Inſeln und eine unmit⸗ telbare, häufige Verbindung mit China möglich war. Mit Einem Worte, Aſtoria hätte alle Erwartungen Aſtor's, welche Jefferſon ſo gut verſtand und würdigte, verwirk⸗ licht und wäre nach und nach ein Handelsreich jenſeits des Gebirges geworden, bevölkert von„freien und unab⸗ hängigen Amerikanern, und durch die Bande des Blutes und des Intereſſes mit uns verbunden.“ Wir können daher nicht umhin, wiederholt zu bedauern, daß unſere Regierung die Eröffnung Aſtor's hintanſetzte und den Augenblick vorübergehen ließ, wo dieſes Gebiet friedlich, als etwas ſich von ſelbſt verſtehendes in unſern Beſitz hätte kommen, und zu Aſtoria unbeſtritten ein mili⸗ täriſcher Poſten errichtet werden können. Als es zu ſpät war, ſahen unſere Staatsmänner die Wichtigkeit dieſer Maßregel ein. Wiederholt ſind Beſchwerde⸗ ſchriften deshalb bei dem Congreſſe eingebracht worden, aber ohne Erfolg; unſere unbeſtrittenen Beſitzungen an zener Küſte, ſo wie unſer Handel auf dem ſtillen Meere haben immer noch keinen von der Nationalflagge und einer Militär⸗Gewalt beſchützten Sammelpunkt. Mittlerweile naht die zweite zehnjährige Friſt ihrem Ende. Im Jahre 1838 wird die Anſpruchsfrage von neuem zur Sprache kommen und, bei dem jetzigen ſehr freundſchaftlichen Zuſtande unſerer Verhältniſſe mit Groß⸗ britanien, wahrſcheinlich abermals zurückgeſetzt werden. Jedes Jahr aber wird der in Frage ſtehende Anſpruch — 231— wichtiger. Es gibt keinen eiferſüchtigeren und reizbareren Stolz als den des Territoriums. Da eine Welle der Auswanderung nach der andern in die ausgedehnten Gebiete des Weſten rollt, und unſere Anſiedlungen ſich dem Felſengebirge entgegenziehen, werden die lüſternen Augen unſerer Anſiedler darüber hinausſpähen, und ſie werden über jede Schranke und jedes Hinderniß unge⸗ duldig werden, welche ſich, wie ſie es betrachten, dem großen Ausgange unſeres Reiches entgegen ſetzen. Sollte ſich daher unglücklicherweiſe irgend etwas begeben, das die jetzige Eintracht der zwei Nationen ſtört, ſo kann dieſe übel behandelte Frage, die nun ſchlummert, plötzlich eine von kriegeriſcher Wichtigkeit und Aſtoria das Loſungswort in einem Kampfe um die Herrſchaft an den Küſten des ſtillen Meeres werden. 1 12 8 Anhang. Entwurf eines Geſuches an den Congreß, 1812 von Aſtor eingereicht. An den Senat und das Haus der Bevollmächtigten der Vereinigten Staaten. 3 Das Geſuch der amerikaniſchen Pelzhandels⸗Geſell⸗ ſchaft ſtellt achtungsvoll dar: Daß der Handel mit den verſchiedenen indianiſchen Stämmen Nord⸗Amerika's ſeit vielen Jahren faſt aus⸗ ſchließlich in den Händen von Kaufleuten Kanada's war, welchen Privatleute aus den Vereinigten Staaten mit einiger Ausſicht auf Erfolg nicht entgegen treten konnten, da ſie zu dieſem Behufe große und mächtige Verbindun⸗ gen geſchloſſen hatten, von britiſchem Geld unterſtützt wur⸗ den und ſich der Gunſt und des Schutzes der britiſchen Regierung erfreuten. Daß mittels des erwähnten, ſo ſyſtematiſch betrie⸗ benen Handels nicht allein die Bewohner der Vereinigten — 233— Staaten derjenigen commerciellen Vortheile und Gewinnſte beraubt worden ſind, auf welche ſie gerechte und natür⸗ liche Anſprüche haben, ſondern daß der britiſche Einfluß auf die indianiſchen Stämme groß und gefährlich gewor⸗ den, daß ihm ſchwer entgegen zu wirken, und derſelbe in kritiſchen Zeiten zum großen Nachtheile und Schaden unſerer Grenzniederlaſſungen ſich geltend machen kann. Daß die Bittſteller, um wenigſtens einestheils jenes Handels, und vorzugsweiſe den innerhalb der Grenzen der Vereinigten Staaten habhaft zu werden, in dem Jahre 1808 von dem Staate New⸗York eine Incorporations⸗ lete erhielten, wodurch ſie in den Stand geſetzt ſind, mit einem hinreichenden Kapital den erwähnten Handel mit den Indianern ſo zu betreiben, wie dies den Geſetzen und Anordnungen der Vereinigten Staaten in Bezug auf ſolchen Verkehr angemeſſen iſt. Daß die Bittſteller, nachdem das in der erwähnten Akte angezogene Kapital, im Betrage von einer Million Dollars, in gehöriger Weiſe zuſammengebracht war, mit Eifer und Thatigkeit an die wichtigen und ausgedehnten Anordnungen und Vorbereitungen gingen, welche der Zweck ihrer Verbindung nöthig machte oder veranlaßte, und unter vielem andern der Mickilimackinae⸗Compagnie von Kanada einen großen Theil der Handelsniederlaſſun⸗ gen und des im Handel befindlichen Kapitals abkauften. Auch ließen die vielen Bittſteller, in der Erwartung des aus der Benutzung der genannten Niederlaſſungen großen — 234— öffentlichen und Privat⸗Vortheils, während des Frühlings und Sommers 1810 einen Vorrath von Waaren aus England kommen, wie ſie dem indianiſchen Handel ange⸗ meſſen ſind; dieſe wurden in Folge des Erlaſſes des Prä⸗ ſidenten vom November dieſes Jahres nach Kanada, ſtatt nach New⸗York verſchifft und mit ſehr beträchtlichen Aus⸗ gaben in das Innere des Landes transportirt. Da ſie aber nicht geſetzlich in das indianiſche Gebiet innerhalb der Grenzen der Vereinigten Staaten gebracht werden konnten, wurden ſie auf der Inſel St. Joſeph, auf dem Huron⸗See, aufgeſtapelt, wo ſie noch jetzt ſind. Die Bittſteller erlauben ſich mit großer Ehrfurcht und unbedingter Hingabe an die Weisheit der Geſetzgebung dieſes Landes, zu erwägen zu geben, ob ſie nicht Anſprüche auf Nationalbeachtung und Ermuthigung haben, wenn man die Natur und Wichtigkeit ihres Unternehmens in das Auge faßt, welches, obgleich gefährlich und Unſicher hin⸗ ſichtlich ſeines Ertrages für die Unternehmer, in jedem Falle die öffentliche Sicherheit und. Vortheile mancher Art fördert. Wenn ihr Unternehmen der Art erſcheint, wie ſie es hier geſchildert haben, ſo ſtellen ſie ferner vor, daß der Handel, mit welchem ſie ſich beſchäftigen, ſich nur durch die Zufuhr regelmäßiger Vorräthe halten kann; daß er ohne dieſe nicht beſtehen kann und von den amerika⸗ niſchen Bürgern aufgegeben werden muß, wo er denn wieder in ſeine frühere Kanäle zurückkehren und eine größere, vielleicht nicht zu hemmende Ausdehnung erhalten würde. — —— — 235— unter dieſen umſtänden und nach allen jenen Erwä⸗ gungen der öffentlichen Wohlfahrt, welche ſich der Geſetz⸗ gebung des Landes neben den bereits hier aufgeführten darbieten werden, bitten wir ehrfurchtsvoll, daß ein Geſetz erlaſſen werde, welches den Präſidenten oder eine der unter ihm handelnden Behörden ermächtigt, Erlaubniß⸗ ſcheine zur Einfuhr ſolcher Waaren, welche zum Handel mit den Indianern nothwendig ſind, in das indianiſche Gebiet innerhalb der Grenzen der Vereinigten Staaten unter ſolchen Anordnungen und Beſchränkungen zu erthei⸗ len, wie dieſe das Staatseinkommen ſichern und die öffentliche Wohlfahrt fördern können. Die Bittſteller verharren u. ſ. w. Zum Zeugniß deſſen iſt das Siegel der amerikaniſchen Pelzhandels⸗Geſellſchaft hier beigefügt. New⸗York im März 1812. Aus Auftrag der Geſellſchaft. 8 Ein Geſetz, welches die amerikaniſche Pelzhandels⸗ Geſellſchaft und andere Bürger der Vereinigten Staaten berechtigt, die zum indianiſchen Handel nöthigen Waaren in die Gebiete innerhalb der Grenzen der Vereinigten Staaten einzuführen. Da die öffentliche Ruhe und Wohlfahrt es fordern, daß die eingebornen indianiſchen Stämme, welche inner⸗ . — 236— halb der Grenzen der Vereinigten Staaten woh Bedürfniſſe unter der Autorität und durch die Bürger der Vereinigten Staaten erhalten; werde von dem Senate und dem Haus der Repräſentanten der Vereinigten Staa⸗ ten, die im Congreß verſammelt ſind, verfügt, daß es dem Präſidenten der Vereinigten Staaten oder einem der Chefs der Departements, der dazu von ihm gehörig ermäͤchtigt wird, zugeſtanden werde, der amerikaniſchen Pelzhandels⸗Geſellſchaft, ihren Geſchäftsführern oder Fac⸗ toren oder andern Bürgern der Vereinigten Staaten, die ſich mit dem indianiſchen Handel befaſſen, in das india⸗ niſche Gebiet innerhalb der Grenzen der Vereinigten Staaten ſolche Waaren, Güter und Handelsartikel einzu⸗ führen, welche zu dem genannten Handel nöthig ſind, und zwar unter ſolchen Anordnungen und wie der genannte Präſident oder die Ch tements es für geeignet halten. nen, ihre Beſchränkungen, efs der Depar⸗ Brief des Herrn Gallatin an Aſtor. New⸗York, 5. Aug. 1835. Um Ihrem Wunſche zu entſprechen, werde ich ſolche Thatſachen hinſichtlich der in Ihrem Briefe vom 28. d. M. erwahnten Gegenſtände, wie ich mich deren entſinne, mit⸗ theilen. Ich kann mich in Betreff der Data und des Details irren und werde daher nun allgemeine Thatſachen anführen, die mir im Gedächtniſſe ſind. Nach dem Vertrag von 1794 mit Großbritanien war allen Bürgern und Unterthanen eines jeden Landes erlaubt, mit den Indianern innerhalb der Grenzen des andern Volkes Handel zu treiben. Die Gegenſeitigkeit war zumal nominell. Seit der Eroberung Kanada's war den Briten der ganze Pelzhandel auf den großen Seen und ihren Verbindungswegen mit all den weſtlichen Indianern, ſie mochten in den britiſchen Gebieten oder in denen der Vereinigten Staaten wohnen, von den Franzoſen über⸗ laſſen werden. Sie behaupteten die wichtigen weſtlichen Handelspoſten bis gegen das Jahr 1797. Und der india⸗ niſche Vertheidigungskrieg, welcher die Vereinigten Staa⸗ ten von 1776 bis 1795 zu beſtehen hatten, mußte die Indianer noch mehr entfremden und den Briten ihren ausſchließlichen Handel ſichern, der auf den Seen, wo nur immer Indianer in jenen Gegenden lebten, betrieben wurde. Kein Amerikaner konnte, ohne Gefahr ſeines Lebens und Eigenthums, dieſen Handel ſelbſt in den Ver⸗ einigten Staaten über Michilimackinac oder St. Mary betreiben. Und abgeſehen von dem Verluſte unſeres Han⸗ dels, war Großbritanien auch in den Stand geſetzt, einen ſehr gefährlichen Einfluß über unſere Indianer auszuüben. unter ſolchen Umſtänden theilten Sie unſerer Regie⸗ rung den Plan mit, demzufolge Sie ſich in den Stand geſetzt und geneigt zeigten, die eine Hälfte des Intereſſes — 238— der kanadiſchen Pelzhandels⸗Geſellſchaft zu kaufen, welche über Michilimackinac mit unſern eigenen Indianern Han⸗ del trieben. Sie wünſchten zu wiſſen, ob der Plan die Billigung der Regierung fände und in wie weit Sie auf deren Schutz und Aufmunterung rechnen bönnten. Die Verwaltung nahm dieſe Eröffnung mit großer Freude auf, und der Präſident Jefferſon ſchrieb deshalb an Sie. Auch ich erhielt, als Sekretär des Schatzes, Befehl, Ihnen einen offiziellen Brief zu dieſem Zwecke zugehen zu laſſen. Bei genauerer Unterſuchung der Sache wurde befunden, daß die Executiv⸗Gewalt nicht befugt ſei, Ihnen irgend eine unmittelbare Hülfe zuzuwenden, und ich glaube, daß Ihnen nichts mehr als eine vollſtändige Billigung Ihres Planes und allgemeine Zuſicherungen des Schutzes, der jedem mit erlaubten und nützlichen Zwecken beſchäftigten Bürger werden muß, zugekommen iſt. Sie verwirklichten den beabſichtigten Ankauf, in wel⸗ chem Jahre aber, entſinne ich mich nicht. Unmittelbar vor dem Kriege ſtellten Sie vor, eine große Menge Güter und Waaren, welche der indianiſche Handel forderte, nebſt Waffen und Munition, die zu jenem Geſchäfte, deren Eine Hälfte Ihnen zugefallen war, gehörten, ſeien in einer Factorei am Huron⸗See, innerhalb des britiſchen Gebietes, niedergelegt; um zu verhüten, daß ſie zuletzt nicht in die Hände der Indianer fielen, die ſich feindſelig beweiſen möchten, wünſchten Sie einen Verſuch zu machen, ſie in die Vereinigten Staaten einzuführen; Sie ſeien — 239— aber durch das damals beſtehende Geſetz des Nicht-Ver⸗ kehrs mit den britiſchen Beſitzungen davon abgehalten worden. Die Executiv⸗Gewalt konnte die Verfügungen, welche dieſes Geſetz zur Folge hatte, nicht aufheben; ich erhielt aber Befehl, die Collecteurs an den Seen zu bedeuten, daß ſie, im Falle Sie oder Ihre Geſchäftsträger ihnen freiwillig einen Theil der oben erwähnten Waaren u. ſ. w. zu bringen und überliefern ſollten, dieſelben aufzunehmen und in Verwahrung zu behalten und ſich keine Art von gerichtlicher Verfolgung zu erlauben hätten, bevor ſie fer⸗ nere Befehle erhalten. Zu dieſem Zwecke ſchrieb ich an die Collecteurs zu Detroit und Michilimackinac. Der Verſuch, die Waaren zu bekommen, gelang aber nicht, und ich kann nicht ſagen, in wie weit Sie durch dieſes Fehlſchlagen zu Schaden kamen; der Krieg erwies ſich jedoch für ein viel ausgedehnteres, wichtigeres Unter⸗ nehmen ſehr unglücklich. Von jener Zeit— aber ich habe das Jahr vergeſſen — hatten Sie es unternommen, auf Ihre eigene Rech⸗ nung— obgleich, wie ich glaube, unter einem New⸗Yorker Freibrief für die amerikaniſche Pelzhandels⸗Geſellſchaft— einen Verkehr mit den Indianern im Weſten des Felſen⸗ gebirgs einzuleiten. Auch dieſer Plan wurde der Regie⸗ rung mitgetheilt und fand natürlich deren volle Billigung und die beſten Wünſche für ſein Gedeihen. Sie betrieben — 240— dieſes Unternehmen auf großartige Weiſe, indem Sie mehrere Schiffe an die Mündung des Kolumbia⸗Fluſſes und ein zahlreiches Geleite zu Land über das Felſengebirg ſchickten und endlich die Niederlaſſung von Aſtoria grün⸗ deten. Durch Umſtände, mit welchen ich nun unvollſtändig bekannt bin, da ich auch zur Zeit des Krieges mit Eng⸗ land auf einer Sendung im Auslande befand, ſiel dieſe unglücklicherweiſe in die Hände des Feindes. Im Sep⸗ tember 1815 behrte ich zurück und ſchiffte im Juni 1816 abermals in Geſchäften nach Frankreich. Während dieſer Zeit beſuchte ich Waſhington zweimal— im October oder November 1815 und im März 1816. Bei einem dieſer Beſuche, und ich glaube, bei dem letzten, ließen Sie mich wiſſen, daß Sie die Abſicht hätten, den Verſuch noch ein⸗ mal zu wagen und Aſtoria wieder herzuſtellen, wenn Sie den Schutz der amerikaniſchen Flagge erhielten, zu welchem Zweck das Commando eines Lieutenants genügen würde. Sie baten mich, deshalb mit den Präſidenten zu ſprechen und ich that es. Hr. Madiſon ſagte mir, er wolle die Sache in Erwägung ziehen, und obgleich er ſich nicht beſtimmt ausſprach, ſchien es mir doch, als ob er den Vorſchlag günſtig aufnehme. Der Antrag war mündlich und ich weiß nicht, ob das Geſuch je in einer förmlicheren Weiſe wiederholt wurde. Ich ſchiffte mich bald darauf nach Europa ein und war ſieben Jahre abweſend. Ich hatte ſeit 1816 das Vergnügen nicht mehr, Hrn. Madiſon — 245— zu ſehen und habe nie wieder etwas von dem Betreffe gehört.— Ich habe die Ehre u. ſ. w. Albert Gallatin. Ueber den jetzigen Zuſtand des Pelzhandels Die Nordweſt⸗Compagnie erfreute ſich der Herrſchaft, welche ſie über die Handelsgebiete des Kolumbia erlangt hatte, nicht lange. Die Nebenbuhlerſchaft mit der Hudſon⸗ Bay⸗Compagnie, welche ſchon lange gewährt und viele Koſten verurſacht hatte, endigte mit dem Sturze der Nordweſter und mit dem Verderben der meiſten Theil⸗ haber dieſer Geſellſchaft. Die Ueberbleibſel der Compagnie wurden mit der andern Geſellſchaft verſchmolzen und das ganze Geſchäft unter dem Namen der Hudſon⸗Bay⸗Com⸗ pagnie fortgeführt. Dieſe Verbindung hatte 1811 ſtatt. Sie verließen hernach Aſtoria und erbauten eine große Niederlaſſung ſechszig Meilen am Fluſſe aufwärts an dem linken Ufer, und nannten ſie Fort⸗Vancouver. Dieſes lag in einer Gegend, wo Lebensmüttel leichter zu bekommen waren und wo jeder Gefahr von Seiten eines feindlichen Schiffes ziemlich vorgebeugt war. Die Geſellſchaft ſoll einen ſehr thätigen und ergiebigen Handel treiben. Sie wacht jedoch 63.— 65. 16 — 242— ſehr eiferſüchtig gegen jede Einmiſchung oder Theilnahme an dieſem Handel und nimmt ihn, von den Küſten des ſtillen Meeres bis zu dem Felſengebirge und eine bedeu⸗ tende Strecke nach Norden und Süden für ſich allein in Anſpruch. Die amerikaniſchen Händler und Trayper, welche ſich über das Gebirge wagen, müſſen ſich ſüdlich und fern von den Wegen der Hudſon⸗Bay⸗Brigaden hal⸗ ten, ſtatt ſich der Theilnahme an dem Handel entlang des Kolumbia und ſeiner Quellenflüſſe zu erfreuen, wie es der Vertrag mit ſich bringt. Aſtor hat ſich ganz von der amerikaniſchen Pelzhan⸗ dels⸗Geſellſchaft, ſo wie von jeder Art Geſchäft zurück⸗ gezogen. Ramſay Crooks ſteht jetzt an der Spitze der Geſellſchaft; ihre Haupt⸗Niederlaſſung iſt zu Michilimacki⸗ nac, und ſie erhält ihre Pelzwaaren von den Factoreien, welche von dieſer Nation abhängen, ſo wie von jener am Miſſiſſippi, Miſſouri und dem Nellowſtone⸗River und auf dem ausgedehnten Landſtriche, welcher ſich bis zu dem Felſengebirge hinzieht. Die Geſellſchaft hat Dampfboote in ihren Dienſten, in welchen ſie die Flüſſe hinaufgeht und bis tief in das Herz jener Gebiete eindringt, welche einſt ſo beſchwerlich in Kielbooten und Barken, oder von Brigaden zu Fuß und zu Pferd mühſam erſchloſſen wur⸗ den. Das erſte Erſcheinen von Dampfbooten in der Tiefe dieſer Wäſſer und Wildniſſe ſoll as größte Erſtaunen und Schrecken bei ihren wilden Bewohnern verurſacht haben. Außer dieſen bereits erwähnten Haupt⸗Geſellſchaften haben ſich kleinere Compagnieen gebildet, welche auf das unerſchrockenſte in die entlegenen Theile des fernen Weſten vordringen und die Bergbarren überſchreiten. Eine der bemerkenswertheſten iſt die Aſhley⸗Compagnie zu St. Louis, welche auf eigene Rechnung trappt und mit den Indianern einen ausgedehnten Handel treibt. Der Muth, der Unter⸗ nehmungsgeiſt und die Kühnheit Afhley's ſind Gegenſtände glänzenden Ruhmes in dem fernen Weſten, und ſeine Abenteuer und Fährlichkeiten liefern Stoff zu vielen Grenz⸗ geſchichten. Eine andere Geſellſchaft von hundertundfünfzig Per⸗ ſonen zu New⸗York, die ſich im Jahre 1831 bildete, und an deren Spitze Kapitän Bonneville, aus der Landmacht der Vereinigten Staaten ſteht, fand den Weg in früher wenig bekannte Gegenden und bezieht große Pelzladungen aus dem Gebiete zwiſchen dem Felſengebirg und den Küſten von Monterey und Ober⸗Kalifornien, an dem Bnonaventura und Tinipanogos⸗Fluſſe. Die Pelzländer am ſtillen Meere, öſtlich vom Felſen⸗ gebirge werden jetzt(ausſchließlich der Privatunternehmun⸗ gen und einzelnen Biberfänger und Kaufleute) von den Ruſſen eingenommen; eben ſo nordweſtlich von der Be⸗ rings⸗Straße bis zur Queen⸗Charlotte⸗Inſel(53⁰ N. Br.); von da ſüdlich am Kolumbia⸗Fluſſe von der Hudſon⸗Bay⸗ Compagnie; wahrend Aſhley's⸗Compagnie und die unter Kapitän Bonneville ſich des übrigen Theils des Gebietes dis Kalifornien bemächtigt haben. Wirklich wird der ganze 16* — 244— Raum von dem Niſſiſſippi bis zu dem ſtillen Meere nach allen Richtungen durchzogen. Die Jäger durchſtreifen die Gebirge und Wälder, vom Polarmeere bis zu dem Golf von Mexico. Jeder Strom, jeder Quellenfluß, vom Kolumbia bis zur Mündung des Rio del Norte, und vom M'Kenzie bis zu dem Colorado im Weſten, von ihren Bergquellen an bis zu ihren Ausmündungen, ſind ent⸗ ſchloſſen und werden nach Bibern durchſucht. Faſt alle amerikaniſchen Pelze, welche nicht der Hudſon's⸗Bay⸗Com⸗ pagnie gehören, werden nach New⸗York gebracht und entweder in dem Lande verkauft oder auf fremde Märkte verführt. Die Hudſons⸗Bay⸗Compagnie verſchifft ihre Pelz⸗ waaren aus ihren Factoreien zu York⸗Fort und von Mooſe⸗River, auf den Hudſon's Bay; ihre Sammlungen vom Grand⸗River u. ſ. w. werden von Kanada und die Sammlungen vom Kolumbia nach London gebracht. Keine ihrer Pelzwerke kommen in die Vereinigten Staaten, ausgenommen von London her. Die Pelzwaaren der Vereinigten⸗Staaten gehen haupt⸗ ſächlich nach London. Ein kleiner Theil wird nach Canton, ein noch kleinerer nach Hamburg verſchifft; die Ausfuhr vom Biber, Otter und andern Fellen nach Mexico iſt im Zunehmen begriffen. Von Baltimore, Philadelphia und Boſton aus werden Pelze verſendet; die Hauptverſchiffung aus den Vereinigten Staaten iſt aber von New⸗York nach London, von wo ſie nach Leipzig, einem berühmten — 245= Markt für Pelze gehen; während der großen Meſſen dieſer Stadt werden ſie abgeſetzt und in allen Theilen des Feſtlandes vertheilt. Die nordamerikaniſchen Staaten führen aus Süd⸗ Amerika und den Cobos⸗Inſeln mehrere Pelzarten ein; Felle von Bibern, Ottern u. ſ. w. werden jährlich von Santa Fe geſandt. Das nördliche Europa liefert Pelze von Eichhornchen, wilden Katzen, Iltiſſen, blauen Kanin⸗ chen und Haſen; die meiſte Zufuhr kömmt aber von Lon⸗ don, wo ſich faſt der ganze nordamerikaniſche Pelzhandel concentrirt hat. Der Art iſt der jetzige Zuſtand des Pelzhandels, und man ſieht, daß die ausgedehnte Herrſchaft der Hudſon's⸗ Bay⸗Compagnie und ihr Monopol in dem Gcbiete, zu welchem Aſtoria der Schlüſſel war, dahin wirkte, daß der Hauptſtrom dieſes reichen Handels in die Koffer Groß⸗ britaniens abfloß, und London der Hauptſtapelplatz wurde, ſtatt New⸗York, wie Aſtor beabſichtigt hatte. Wir laſſen nun einige Bemerkungen über die Thiere folgen, welche in dieſem Handel die geſuchteſten ſind. Von den pelztragenden Thieren wird„das koſtbare Hermelin,“ wie man es auszeichnend nennt, in der beſten Qualität nur in den kalten Regionen Aſiens und Euro⸗ pa's gefunden.*) Sein Pelz iſt vollkommen weiß, die **) Ein Thier, Sivat genannt, eine Art Hermelin, ſoll in Nordamerika gefunden werden, ſteht aber weit unter dem Europäiſchen und Aſtatiſchen. Der Verf. Spitze ſeines Schwanzes ausgenommen, welche von pracht⸗ voll glänzender Schwärze iſt. Die Wirkung, welche die Befeſtigung dieſer ſchwarzen Spitzen auf den weißen Pel⸗ zen hervorbringt, iſt bewundernswerth und wurde bei andern Pelzwerken oft nachgeahmt, aber nie erreicht. Das Hermelin iſt eine Art Wieſel und gleicht in ſeinem Baue dem gewöhnlichen Wieſel und mißt vierzehn bis ſechszehn Zoll von der Spitze der Naſe bis zu dem Ende des Schwanzes. Der Körper iſt zehn bis zwölf Zoll lang. Es wohnt in hohlen Bäumen, an den ufern der Flüſſe, am liebſten aber in Buchenwäldern; es lebt von kleinen Vögeln, iſt ſehr ſcheu und ſchläft bei Tage, wah⸗ rend es des Nachts nach Nahrung ausgeht. Der Pelz des ältern Hermelins wird dem des jüngern vorgezogen. Es wird mit Fallen und Schlingen gefangen, zuweilen auch mit ſtumpfen Pfeilen geſchoſſen. Man hat Verſuche gemacht, es zu zähmen; es iſt aber ungemein wild und wurde unzähmbar gefunden.. Der Zobel ſteht dem Hermelin kaum nach. Er iſt in dem nördlichen Europa und Siberien zu Haus und gehört zu dem Wieſelgeſchlechte. In Siberien und dem ruſſiſchen Lappland findet man es von der koſtharſten Art und dunkelſten Farbe. In ſeinen Sitten gleicht er dem Hermelin. Er lebt von kleinen Eichhörnchen und Vögeln, ſchläft bei Tag und ſtreift des Nachts nach Beute umher. Die Größe und die dunkle Schattirung ſeiner Farbe abgerechnet, gleicht er dem Marder in jeder Hinſicht ſo 3— 247— ſehr, daß die Naturforſcher es unentſchieden gelaſſen haben, ob er die koſtbarſte und ſchönſte Marderart, oder eine Abart dieſer Gattung ſei.*) Seine Größe wechſelt von achtzehn bis zwanzig Zoll. Die prachtvolle dunkle Farbe des Zobels und das ſchneeige Weiß des Hermelins, die Länge und die eigen⸗ thümliche faſt flüſſige Sanftheit ihrer Häute und Pelze haben vereint ihnen in allen Ländern und in allen Zeit⸗ altern der Welt den Vorzug geſichert. Sie haben heute noch denſelben Werth, welchen ſie, andere Pelzarten gegen⸗ über, hatten, als ſie den Rang des ſtolzen Kreuzfahrers bezeichneten und das Wappen ſchmückten; nur werden ſie jetzt von den Reichen ohne Unterſchied getragen. Die Marder aus dem nördlichen Aſien und den Ber⸗ gen von Kamſchatka ſind den Amerikaniſchen weit vorzu⸗ ziehen, obgleich in jedem Ballen amerikaniſcher Marder⸗ pelze ſich eine gewiſſe Anzahl findet, die ſchön ſchattirt und von einer prachtvollen dunkelblauen Olivenfarbe ſind. Dieſen ſtehen an Werth für Putz und Brauchbarkeit am nächſten die Seeotterfelle und die des Feuerfuchſes. ²*) Je feiner der Pelz und je ſchwärzer ſeine Farbe, deſto höher wird er geſchätzt; ob aber der Unterſchied von dem Alter des Thieres, oder von einer Eigenthümlich⸗ keit ſeines Aufenthaltes herrührt, iſt nicht bekannt. Es weicht nicht mehr von dem gewöhnlichen Marder ab, als das arabiſche Pferd von dem langhaarigen kangdiſchen. Der Verf. — 248— Der Feuerfuchs iſt der glänzendrothe Aſtens; er iſt prachtvoller gefärbt, und der Pelz ſchöner, als ein anderer dieſer Gattung. Wegen des Glanzes ſeiner rothen Farbe und der Feinheit des Pelzes ſteht er in hohem Werthe. An der Nordoſtküſte von Aſten ſteht er im höchſten Preis. Das Seeotterfell, das zuerſt 1725 von den aleutiſchen Inſeln und den Kurilen in den Handel gebracht worden, iſt ungemein ſchön, zart, dicht, im Winter prachtvoll ſchwarz mit einem Seidenglanze. Der Pelz der jungen Thiere iſt von ſchöner brauner Farbe. Die Seeotter findet ſich in großer Menge auf der Berings⸗Inſel, Kamſchatka, den aleutiſchen und Fox⸗Inſeln, ſo wie auch auf den gegenüber liegenden Küſten Nordamerika's. Zuweilen wird ſie mit Netzen gefangen, gewöhnlicher aber mit Keulen und Speeren. Sie nährt ſich vorzüglich von Hum⸗ mern und andern Schalthieren. Im Jahre 1789 waren Pelze in Siberien ſo ſelten geworden, daß der Vorrath für den Bedarf der aſiatiſchen Länder nicht hinreichte. Zu dieſer Zeit wurde die Seeotter auf die Märkte von China gebracht. Die Felle erreichten einen ſo hohen Preis, daß augenblicklich einige amerika⸗ niſche und britiſche Expeditionen auf die Nordinſeln des ſtillen Meeres, an Nootka Sund, und die Nordweſtküſte Amerika's ausgerüſtet wurden; die Ruſſen hatten aber von dem Striche Landes, welchen ſie jetzt inne haben, bereits Beſitz genommen und wegen des Handels der Seeotterfelle mit den Koudek⸗Stämmen ſich abgefunden. 5 — 249— Sie ſprechen jedoch den Alleinhandel nicht an, und die amerikaniſchen Schiffe, welche nach Nordweſten Handel treiben, tauſchen die Felle die ganze Küſte entlang von den Indianern ein. Eine Zeitlang ſtanden die Felle des Seekalbs in dem Handel ſehr gering. Süd⸗Georgia, 1675 entdeckt(550 S. Br.), wurde erſt 1771 durch Kapitän Cook erſchloſſen. Die Ame⸗ rikaner begannen ſogleich, Seekalbfelle von da nach China zu verführen, wo ſie die unglaublichſten Preiſe erreichten. Eine Million zweihunderttauſend Felle kamen allein von dieſer Inſel her, und eine faſt gleich große Zahl von der Deſolation⸗Inſel, ſeit man ſich mit dieſem Handelsartikel zu befaſſen begann. 3 Die Entdeckung der Süd⸗Schottlands⸗Inſeln im Jahre 1818(63 S. Br.), ſteigerte den Handel mit Seekalb⸗ fellen in hohem Grade. In den Jahren 1821 belief ſich die Zahl der von dieſen Inſeln gelieferten Felle auf drei⸗ hundert zwanzigtauſend. Dieſes ſchätzbare Thier iſt jetzt von faſt allen dieſen Inſeln verſchwunden, da es die Jäger wahrhaft auf ſeine Ausrottung abgeſehen zu haben ſchienen. Auf den Cobos⸗Inſeln werden ſie noch gefunden, da die umſichtige Regierung von Montevideo die Fiſcherei oder Jagd einigermaßen zu beſchränken bedacht war, wodurch die jährliche Rückkehr der Seekälber geſichert iſt. Zu gewiſſen Zeiten des Jahres kommen dieſe Amphibien, um ihr Fell zu erneuen, an die ſchwarzen, düſtern Klippen und Abhänge heran, wo ſich keine Spur von Vegetation — 250— findet. In der Mitte des Januars werden dieſe Inſeln theilweiſe vom Schnee frei und an günſtigen Lagen zeigt ſich da und dort ein Fleckchen kurzen, ſpärlichen Graſes; die Seekälber ſuchen dieſe jedoch des Futters wegen nicht auf. Sie bleiben nicht weniger als zwei Monate ohne Nahrung auf dem Geklipp und kehren dann ſehr abge⸗ magert in die See zurück. Bären verſchiedener Art und Farbe, viele Fuchsarten, Wölfe, Biber, Ottern, Marder, Waſchbären, Dächſe, Luchſe, Biſamratten, Kaninchen, Haſen, Eichhörnchen u. ſ. w. finden ſich in Nordamerika.. Der Biber, Otter, Luchs, Haſe und Waſchbär werden hauptſächlich zu Hüten verwendet, während die manch⸗ fachen Bärenarten vortreffliches Material zu Kleiderbeſatz, Kavallerie⸗Mützen und andern militäriſchen Zwecken abge⸗ ben. Der Pelz des ſchwarzen Juchſes iſt unter allen amerikaniſchen Arten der ſchätzbarſte; nächſt ihm der rothe, welcher nach Smyrna und Canton verführt wird. In China wird der rothe zu Futter⸗Beſatz und Biberkleidern verwendet; man macht ihn bunt, indem man das Schwarz der Füße flecken⸗ oder wellenartig einſetzt. Es gibt viele andere Varietäten des amerikaniſchen Fuchſes, z. B. der graue, der weiße, der ſilberfarbige, der braune u. ſ. w. Der ſilberfarbige Fuchs iſt ein ſeltenes Thier und in dem waldigen Gebiete unter den Fällen des Kolumbia⸗Fluſſes zu Haus. Er hat einen langen, dicken, dunkelbleifarbenen Pelz mit langen Haaren, deren Spitze ſtets weiß gefärbt —— — — 251— iſt, wodurch ein helles, glänzendes Silbergrau entſteht, welches Manche für ſchöner halten, als die Farbe jeder andern Fuchsart. Die Häute des Büffels(Biſon), des Felſengebirgs⸗ ſchaafs(Aſahtah), mancher Hirſcharten, ſo wie der Anti⸗ lope, ſind in den Pelzhandel mit den Indianern und Trappern des Norden und Weſten eingeſchloſſen. Fuchs⸗ und Seekalb⸗Felle werden von Grönland nach Dänemark verſchickt. Der weiße Pelz des arktiſchen Fuch⸗ ſes und des Polar⸗Bären wird zuweilen in den Ballen gefunden, welche den Handelsleuten von den nördlichſten Indianerſtämmen gebracht werden. Das ſilbergefleckte Kaninchen iſt in England zu Haus, und wird von da nach Rußland und China verſendet. Andere Pelze braucht und bezahlt man nach den Lau⸗ nen der Mode ſowohl in denjenigen Ländern, wo ſie als Schutz gegen die Rauhheit des Klima's dienen, wie bei den Bewohnern milderer Himmelsſtriche, die, tartariſcher oder ſklavoniſcher Abſtammung, eine Vorliebe für Pelzbe⸗ kleidung hegen ſollen. Der Art ſind die Bewohner von Polen, Süd⸗Rußland, China, Perſien, Türkei und all der Nationen gothiſchen Urſprungs in den mittlern und weſt⸗ lichen Theilen Europa's. Auch unter den brennenden Sonnenſtrahlen Syriens und Aegyptens und den milden Himmelsſtrichen Buchariens und der unabhängigen Tar⸗ tarei iſt eine ſtete Nachfrage und ein bedeutender Ver⸗ brauch dieſes Artikels, obgleich hier eine phyſiſche Noth⸗ wendigkeit nicht vorliegt. In unſern eigenen gemäßigten Breitegraden werden ſie außer ihrer Verwendung bei Gewerben u. ſ. w. als Putz⸗ und Erwärmungsmittel im Winter gebraucht, und eine große Menge wird zu beider⸗ lei Zwecken jährlich in den Vereinigten Staaten abgeſetzt. Aus den vorſtehenden Angaben geht hervor, daß der Pelzhandel fortan abnehmen muß. Der vorgeſchrittene Zuſtand der geographiſchen Wiſfenſchaften zeigt, daß neue Ländertheile nicht mehr zu erſchließen ſind. In Nord⸗ amerika mindern ſich die Thiere allmählig, theils in Folge der ausdauernden Bemühſungen und der rückſichtsloſen Metzelei der Jäͤger und Trapper, theils indem ſich der Menſch zu ſeiner eigenen Benutzung die Wälder und Ge⸗ wäſſer aneignet, welche ihnen Schutz und Nahrung gaben. Mit den Eingebornen weichen ſie vor der Fluth der Sit⸗ tigung zurück; doch wird eine kleine Anzahl Thiere in den Gebirgsgegenden und unbekannten Strichen Amerika's bleiben, wenn man der Habſucht der Jäger geeignete Schranken ſetzen kann. 3 Höhe des Felſengebirgs. Man hat mehrfache Höhenberechnungen bes Felſen⸗ gebirgs, es iſt aber zweifelhaft, ob eine derſelben richtig iſt; nach der allgemeinen Annahme gehört es nicht zu den — 253— höchſten der bekannten Gebirge. Durch die große Erhe⸗ bung der Ebenen, von denen es aufſteigt, wird ſeine Höhe für das Auge ſehr vermindert. Nach Long beſteht es aus manchfach ſich geſtaltenden Bergen, Barren und Piks. Die höchſten Theile ſind mit ewigem Schnee bedeckt, was dazu beitragt, ihnen ein leuchtendes, und in großer Ent⸗ fernung, ſelbſt ein glänzendes Ausſehen zu geben; daher haben einige der erſten Reiſenden ihnen auch den Namen „die glänzenden Gebirge“ beigelegt. James's Pik iſt gewöhnlich als der höchſte der gan⸗ zen Kette angeſehen, und ſeine Höhe durch trigonometri⸗ ſche Berechnung auf ungefähr achttauſendfünfhundert Fuß feſtgeſtellt worden. Long ſchloß jedoch aus den Schneelagen an den Kuppen anderer Piks in nicht großer Entfernung von jenem, daß ſie viel höher ſeien. Da wir in Erfah⸗ rung gebracht hatten, daß Profeſſor Renwick zu New⸗York eine Anſicht über die Höhe dieſes Gebirgs ausſprach, welche die ihnen gewöhnlich beigemeſſene weit überſteigt, ſo erſuch⸗ ſuchten wir ihn um Mittheilung der Autorität, auf welche ſich ſeine Anſicht gründete, und ſetzen hier ſeine Ant⸗ wort her:— Columbia⸗College, New⸗York, 23. Febr. 1836. Ihrem Wunſche zu entſprechen, theile ich einige That⸗ ſachen mit, welche ſich auf die Höhe des Felſengebirgs beziehen, und gebe Ihnen die Quellen an, denen ich meine Nachrichten verdanke. In einer Unterhaltung mit Simon M'Gillivray, einem Theilhaber der Nordweſt⸗Compagnie, behauptete er, die Gebirge in der Nähe der Straße, welche die Kaufleute dieſer Geſellſchaft gewöhnlich zögen, ſeien faſt ſo hoch wie die Himalayas. Er war ſelbſt dieſen Weg gekommen, hatte die beſchneiten Stuppen der Piks geſehen, und einen Grad Kälte erfahren, der einen Spiritus⸗Thermometer forderte, um ihn anzuzeigen. Seine Autorität für die Schätzung der Höhen war ein Mann, welcher viele Jahre als Geometer dieſer Geſellſchaft angeſtellt geweſen war. Dieſe Unterhaltung fand vor ungefähr ſechszehn Jah⸗ ren ſtatt. 4 Ein oder zwei Jahre ſpäter hatte ich das Vergnügen, bei Major Delafield mit Hrn. Thompſon, dem Manne, auf welchen ſich M'Gillivray berufen, zu Mittag zu ſpei⸗ ſen. Ich fragte ihn über die von M'Gallivray avgegebenen Umſtände, und er ſagte mir, durch barometriſche und tri⸗ gonometriſche Berechnungen zugleich habe er die Höhe eines der Piks auf ungefähr fünfundzwanzigtauſend Fuß beſtimmt, und es fänden ſich in der Nähe andere von faſt glei⸗ cher Höhe. Ich zeichne u. ſ. w. James Renwick. Bemerkungen über die indianiſchen Stämme und den Schutz unſeres Handels. In dem Laufe unſeres Werkes wagten wir einige Bemerkungen über die indianiſchen Stämme der Prairien und die Gefahren, welche durch ſie unſern Handel jenſeits des Felſengebirgs und mit den ſpaniſchen Grenzen in Zu⸗ kunft bedrohen könnten. Seitdem wir jene Bemerkungen niedergeſchrieben, ſind uns einige vortreffliche Beobachtun⸗ gen und Winke über denſelben Gegenſtand in der Hand⸗ ſchrift zu Geſicht gekommen; ihr Verfaſſer iſt Kapitän Bonneville, Offizier in dem Landheere der Vereinigten Staaten, welcher erſt vor kurzer Zeit von einem langen Aufenthalte unter den Stämmen des Felſengebirgs zurück⸗ gekehrt iſt. Kapitän B. billigt den Plan ſehr, welcher die Regierung der Vereinigten Staaten in der neueſten Zeit angenommen hat— ein Regiment Dragoner zum Schutze unſerer weſtlichen Grenzen und des Handels über die Prairien zu organiſiren. „Keine andere Art Militärmacht“, ſagt er,„iſt über⸗ haupt im Stande, es mit dieſen ruheloſen, wandernden Horden aufzunehmen, deren Schnelligkeit und Kraft zumal entgegengeſetzt werden muß, und die Ueberzeugung, daß ine Truppe, die dieſe Eigenſchaften verbindet, ſtets bereit — 256— i*ſt, ihre Unbilden an den Anſiedlern und Kaufleuten zu rächen, wird ſehr geeignet ſein, ſie in der Ausübung jener Diebereien und Mordthaten zu zügeln, welche ſie bisher ungeſtraft begingen, ſo oft Liſt oder Uebermacht ihnen den Vortheil gag. Ihr Intereſſe hat bereits einiges beigetra⸗ gen, ſie gegen unſere Landsleute friedfertiger zu ſtimmen. Von den unter ihnen lebenden Kaufleuten erhalten ſie ihre Lebensmittel und Bedürfniſſe in Ueberfluß und zu ſehr billigen Bedingungen, und wenn man daran denkt, daß eine ſehr bedeutende Menge von Waaren jährlich als Ge⸗ ſchenke von der Regierung unter ihnen vertheilt werden, ſo wird man leicht einſehen, daß ſie hinſichtlich ihrer wich⸗ tigſten Hülfsmittel großentheils von uns abhängen. Wird außerdem noch eine Militärmacht in ihre Gebiete geſandt, ſo läßt ſich nicht bezweifeln, daß die gewünſchte Sicherheit und Ruhe für unſer Volk erzielt werde. Der Gedanke aber, eine dauernde Eintracht und Freundſchaft unter den verſchiedenen öſtlichen und weſtlichen Stämmen ſelbſt her⸗ zuſtellen, ſcheint mir, wenn nicht unmöglich, doch wenig⸗ ſtens unendlich ſchwieriger, als viele treffliche Philantropen gehofft und geglaubt haben.“ „Diejenigen Stämme, welche erſt vor kurzer Zeit unſere Anſiedlungen verlaſſen haben, um ſich an den weſt⸗ lichen Grenzen niederzulaſſen, und denen Ackerbau, Gewerbe und Künſte der Geſittung nicht ganz fremd mehr ſind, haben in dem Vermögen, das ſie ſich erwarben, und in dem Schutz und der Unterſtützung, die ihnen geworden, — 257— zu viele Vortheile, um ſo leicht verleiten zu laſſen, die Waffen gegen uns zu ergreifen, beſonders wenn ſie zu der völligen Ueberzeugung gebracht werden, daß ihre neue Heimath ihnen dauernd und ungeſtört verbleibe; und Politik und Menſchlichkeit fordern in gleichem Grade, daß wir ihre Lage auf jede mögliche Weiſe zu verbeſſern ſuchen.“ „Ein ganz anderer Fall aber iſt es mit den Oſagen, den Konzas, den Pawnees und andern unſteten Horden jenſeits der Grenzen der Anſiedelungen. Wild und ruhe⸗ los in ihren Sitten, ſind ſie für eine Beaufſichtigung oder Sittigung bei weitem nicht ſo empfänglich; durch ſtarke und für ſie unwiderſtehliche, in ihrer Lage und ihren Bedürfniſſen gegründete Urſachen werden ſie täglich zu Gewaltthätigkeiten und Betrug getrieben. Ihr ſteter unterhalt zum Beiſpiel, hängt von den Büffeljagd⸗Gebie⸗ ten ab, die in großer Entfernung von ihren Dörfern lie⸗ gen. Zweimal des Jahrs müſſen ſie lange und gefährliche Reiſen unternehmen, um für ſich und ihre Familien die nöthigen Lebensmittel herbeizuſchaffen. Zu dieſem Zwecke ſind Pferde ganz unentbehrlich, ſowohl zu ihrer Sicherheit und Bequemlichkeit, wie zum Transport ihrer Nahrungs⸗ mittel und ihrer kleinen Habe; ohne ſie würden ſie einen großen Theil des Jahres in Armuth und kläglichem Elende leben müſſen. Sie haben keine Zuchtſtuten, auch nichts, wodurch ſie ſich ihren jährlichen Bedarf an Pferden ver⸗ 63.— 65. 17 — 258— ſchaffen könnten, und ſind bemüht, bei andern Stämmen weſtlich und ſüdweſtlich ſo viele Pferde zu ſtehlen, als ſie brauchen. Unſer eigenes Volk und die Stämme, welche unmittelbar an unſern Grenzen leben, können wirklich vor ihren Räubereien geſchützt werden; und die Konzas, Oſa⸗ gen, Pawnees und andere können bewogen werden, ſo lange unter ſich in Frieden zu leben, als ſie die alte Sitte beibehalten dürfen, bei den Camanches und andern ent⸗ fernten Völkerſchaften die nöthige Raſſe für die Krieger, und Packpferde für den Transport zu den Jagdgründen und heimwärts zu erheben. Sobald ſie aber gezwungen werden, gegen die Stämme die mexikaniſche Grenze ent⸗ lang ſich friedlich und unſchädlich zu betragen; ſobald ſie ſehen, daß jeder Verletzung der Rechte derſelben der rächende Arm unſerer Regierung folgt, muß der Erfolg ſein, daß ſie dem Elende und dem Mangel, den ſie nicht gern ertragen, verfallen, und der Strafe für jeden Ver⸗ ſuch, ihre Lage auf die einzige, ihnen bis jetzt begreifliche Weiſe zu verbeſſern, gewiß ihr unergiebiges Gebiet ver⸗ laſſen, und ſich in die Nachbarſchaft der mexikaniſchen Provinzen zurückziehen, wo ſie dann fortfahren, ohne Unterſchied gegen die Mexikaner und unſere Handelsleute und Reiſende ihr Räͤuberhandwerk zu treiben.“ „Die Indianer der Prairien ſind faſt nicht zu zählen. Ihre große Reiterkunſt, welche nach meiner Anſicht die jedes andern Volkes auf der weiten Erde übertrifft, ihre grenzenloſe Kühnheit, ihre Liſt und Gewandtheit in der — 259— Kampfweiſe der Wildniß und die erſtaunliche Raſchheit und Heimlichkeit, mit welcher ſie ſich auf ihren Kriegs⸗ zügen zu bewegen pflegen, werden ſie ſtets zu ſtörenden und gefährlichen Nachbarn machen, wenn ihre Bedürfniſſe oder ihre Unzufriedenheit ſie zu Feindſeligkeiten an unſern Grenzen veranlaßt. Ihre Art und Weiſe, Krieg zu füh⸗ ren, wird ſie ſtets gegen eine endliche und völlige Nieder⸗ lage ſichern, und ihre Familien ſchützen, an irgend einem noch ſo harten Schlage Theil zu nehmen, welchen unſere Rache ihnen verſetzen dürfte.“ „Die Camanches beziehen von den Mexikanern ihre Pferde und Maulthiere, denen ſie ſie ſtets in undenklicher Menge zu ſtehlen bemüht ſind; von den Camanches bezie⸗ hen wieder ihrerſeits durch gleiche Anwendung von Liſt und Keckheit alle die wandernden Stämme des fernen Weſten ihren Bedarf an dieſen Thieren. Unter allen die⸗ ſen umſtänden ſcheint es mir daher das räthlichſte, uns zu begnügen, auf unſern eigenen unmittelbaren Grenzen den Frieden zu erhalten und es den Mexikanern und Camanches nnd allen mit dieſen überworfenen Stämmen zu überlaſſen, ihre Zwiſtigkeiten und Beſchwerden, ſo gut ſie können, zu ſchlichten.“ „Um unſern Handelsbrigaden, welche ſich nach allen Richtungen auf den großen Prairien umhertreiben, völli⸗ gen Schutz nnd Sicherheit zu geben, bedarf es, meiner 17* Anſicht nach, weniger umſichtigere Maßregeln von Seiten der Regierung, deren Koſtenbetrag ſehr beſchränkt iſt. Und indem man dieſes Ziel erreicht, welches an ſich ſelbſt ſchon ein Gegenſtand von öffentlichem Intereſſe und Wich⸗ tigkeit iſt, könnte ein anderes gleichfalls erſtrebt werden, — nämlich, den Staaten einen ſehr ergiebigen und ſtets wachſenden Handel zu ſichern, welcher jetzt nach Santa⸗Fe unmittelbar durch Karawanen geht.“ „Hinſichtlich des erſteren Wunſches iſt zu bemerken: die Indianer können nur dadurch hingebracht werden, das Leben und Eigenthum der amerikaniſchen Reiſenden zu achten, daß man ſie hinſichtlich ihrer Bedürfniſſe von uns abhängig macht; dies kann auf keine beſſere und erfolg⸗ reichere Weiſe geſchehen, als wenn man an einem Punkte, welcher Vortheile genug darbietet, die verſchiedenen Stämme zu veranlaſſen, lieber ihn als die Plätze zu wählen, welche ſie jetzt des Eintauſches wegen beſuchen, einen Handels⸗ poſten errichtet, wo ſich fortdauernd Kaufleute aufhalten; denn es iſt eine wohlbekannte Thatſache, daß ſie die In⸗ dianer ihre Kaufleute und alſo die ſtets ſchützen, für welche dieſe ſich intereſſiren, ſo lange ſie Vortheil von ihnen zu ziehen Hoffnung haben. Die jenen im Norden durch den Aufenthalt der Agenten der Hudſon's⸗Bai⸗Com⸗ pagnie unter ihnen geſtellte Alternative macht die Lage unſeres Volkes in jenen Gegenden weniger ſicher; ich glaube aber, es wird ſich ſchon bei flüchtiger Unterſuchung herausſtellen, daß ſüdlicher eine ſolche Oppoſition nicht — 261— ſtatt finden kann, wodurch die Vortheile einer Niederlaſ⸗ ſung wie die hier angedeutete, aufgehoben würden.“ „Bei Erwägung dieſer Sache ſtellt ſich uns zuerſt die Frage dar, wo treiben dieſe Stämme jetzt ihren Tauſch⸗ handel, und wer liefert ihnen die nöthigen Bedürfniſſe? Sie begeben ſich faſt ausſchließlich zu den Mexikanern, welche ſelbſt von uns kaufen, was die Indianer am erſten ſuchen. Von dieſem Geſichtspunkte aus wäre es, caeteris paribus, uns ganz leicht, den Handel allein an uns zu ziehen. Es fehlt uns nichts als eine Oertlichkeit, die den Eingebornen gelegener iſt, als die, welche die Mexikaner zu bieten haben, und wir haben einen unbeſtrittenen Vor⸗ rang; und die Auswahl eines ſolchen Punktes fordert nur die Kenntniß der einzigen Thatſache, daß dieſe Stämme unwandelbar an den Quellenwaſſern des Arkanſas über⸗ wintern, und dort ihre Büffelkleider zum Austauſch berei⸗ ten. Dieſe Kleider ſind ſchwer, und der Transport iſt für die Indianer mühſam. Nur die Noth veranlaßt ſie, mit ſo ſchwerem Gepäck lange Reiſen zu machen. Ein an den Quellenwaſſern des Arkanſas errichteter Handelspoſten müßte alſo den Nordamerikanern unfehtbar den Vorzug von den Mexikanern ſichern. Man laſſe dann zuweilen die Dragoner in ſtarken Abtheilungen das Gebiet dieſer Stämme durchziehen, und das Gefühl unſrer Macht zu ſchützen und zu ſtrafen in ihnen recht lebendig werden, und wir werden bald eine vollſtändige und erfreuliche Sicherheit für alle Bürger, welche jenſeits der Grenze Handel treiben, und ein Ende aller Beraubungen und Kränkungen herbeigeführt ſehen, welche nun den Schrit⸗ ten des Reiſenden auf den Prairien folgen und den ergie⸗ bigſten Verkehr hemmen und unmöglich machen.“ „Ein ſolcher Handelspoſten braucht nicht ſtärker als fünfzig Mann zu ſein; fünfundzwanzig werden als Jäger beſchäftigt, um die Garniſon mit Lebensmitteln zu verſe⸗ hen; die übrigen dienen zum Schutz gegen die Feindſelig⸗ keiten der Wilden. Eine ſolche Niederlaſſung, neunzig Meilen von Santa⸗Fe oder Tous, auf dem trefflichen Boden des Arkanſas, inmitten einer Fülle von Holz, würde nicht nur mit einem ſehr unbedeutenden Aufwande zu unterhalten ſein, ſondern auch die andern wichtigeren Vor⸗ theile darbieten, deren wir ſchon gedacht haben, und den Schutz der Handelsleute mit den indianiſchen Stämmen außer allem Zweifel ſetzen.“— „Dieſer große Handel, welcher durch Karavanen nach Santa⸗Fe betrieben wird, befrachtet jäͤhrlich hundert Laſt⸗ wagen mit Waaren, welche in den nördlichen Provinzen Mexiko's gegen baares Geld und Biberfelle abgeſetzt wer⸗ den. Die vielen als Kontrebande ausgeſchloſſenen Artikel und die ungeheuern Abgaben, welche auf allen denen liegen, die von der mexikaniſchen Regierung zugelaſſen werden, ſetzen dem Handel ſo viele Schwierigkeiten ent⸗ gegen, daß ich überzeugt bin, ein an dem Arkanſas ange⸗ — 263— legter Handelspoſten werde nicht nur den Stapelplatz des ganzen Handels, wie er jetzt beſteht, ſondern könne ſeine Thätigkeit noch viel weiter ausdehnen. Die Mexikaner könnten hier ihre Vorräthe einkaufen und ſie zu Preiſen erhalten, welche jeden andern Markt, wo er auch ſein möchte, zu Grunde richteten.“ „Dieſer bei dieſem Poſten ſich vereinigende Doppel⸗ verkehr mit den Mexikanern und Indianern würde einem großen Dorfe, wo Kaufleute und Arbeiter wohnen, Ent⸗ ſtehung geben, und von dieſer ganzen Gegend als ein dauernder, unſchätzbarer Vortheil willkommen geheißen werden. Einige Packpferde würden die ganze Kleidung und Munition, welche der Poſten in den erſten Jahren braucht, hinbringen können, und zwei leichte Feldſtücke würden die ganze Artillerie ausmachen, welche er zu ſei⸗ nem Schutze bedarf. Alle die zum Gebrauche der Nieder⸗ laſſung erforderlichen Pferde könnten von den Merikanern um den wohlfeilen Preis von zehn Dollars für jedes gekauft werden. Die Indianer am obern Miſſouri geben Pferde ſehr billig ab, und die Abtheilung, welche die Nord⸗ gränze bewacht, könnte bei ihnen jeden allenfalſigen Ver⸗ luſt dieſer Thiere leicht erſetzen, und auch in dieſer Gegend würde ein Poſten ſehr wohlfeil unterhalten werden können.“ „Dieſe Erwägungen und meine perſönlichen Beobach⸗ tungen geben mir die völlige Ueberzeugung, daß zwei von — 261— der Regierung errichtete Handelspoſten, der eine an der Mündung des Yellowſtone⸗River, und der andere am Arkanſas, alle unſere Bürger in jedem Theile der großen Wildniß des Weſten vollkommen ſchützen und dem Han⸗ del unberechenbare Vortheile ſichern würden.“ — Inhalt des dritten Theils.. 3. Seite Zweiundvierzigſtes Kapitel. Ausgedehnte Plane.— Aſtor will mit der ruſſiſchen Pelzhan⸗ delsgeſellſchaft in Verbindung treten.— Ein Agent wird nach St. Petersburg geſchickt.— Plan zu einem jährlich abgehenden Schiffe.— Der Biber wird ausgerüſtet.— Seine Befrachtung und Be⸗ mannung.— Inſtructionen für den Kapitän.— Die Sandwich⸗Inſeln.— Gerüchte von dem Schick⸗ ſale des Tonquin.— Vorſicht bei der Ankunft an der Mündung des Kolumbia Dreiundvierzigſtes Kap. Thätiges Leben zu Aſtoria.— Verſchiedene Expeditionen werden aus⸗ gerüſtet.— Robert Stuart und ein Geleite nach New⸗York beſtimmt.— Seltſames Benehmen des John Day.— Sein Schickſal.— Räuberpaß und gefährliche Tragſtelle.— Klapperſchlangen.— Ihr Widerwillen gegen Taback.— Ankunft bei den Wallah⸗Wallah's.— Ankauf von Pferden.— — 266— Seite Stuart's und ſeiner Schaar Abreiſe nach dem Fel⸗ ſengebirge......... 53 Vierundvierzigſtes Kap. Stuart's Weg.— Oede Wildniß.— Durſtvolles Reiſen.— Ein Wäldchen und ein Bächlein.— Die blauen Berge. — Eine fruchtbare Ebene mit Bächen.— Schwe⸗ I felquelle.— Reiſe den Snake⸗River entlang.— Gerüchte von weißen Männern.— Der Schlangen⸗ Indianer und ſein Pferd.— Ein Schlangenführer. — Ein mitternächtiger Aufbruch.— Unerwartetes Zuſammentreffen mit alten Kameraden.— Geſchichte von Trapper⸗Mühſeligkeiten.— Salmen.— Fülle. — Eine große Fiſcherei.— Art, den Lachs zu ſpießen.— Ankunft am Caldron⸗Linn.— Zuſtand der Verſtecke.— Neuer Siinß der drei kentu⸗ ckiſchen Trapper...... 25 Fünfundvierzigſtes Kay. Die Snake⸗River⸗ Oeden.— Spärliches Mahl.— Irre Wanderer.— Diebiſche Indianer.— Ein rieſenhafter Krähen⸗ Häuptling.— Ein Eiſenfreſſer zurecht gewieſen.— 8 Indianiſche Signale.— Rauch auf den Bergen.— Mad⸗River.— Ein Lärm.— Ein indianiſcher Streifzug.— Eine Flucht.— Ein roher indianiſcher Scherz.— Ein Scharfſchütze um ſeinen Schuß gebracht...... 45 Sechsundvierzigſtes Kax. Unberittene Reiſende. — j— — 267— Seite — Vorbereitungen zur Fußreiße.— Scharfblickende Kundſchafter.— Das Gepäck verbrannt.— Ein Marſch zu Fuß.— Uebergang über einen Fluß.— Das verwundete Elenn.— Indianiſche Pferde.— Eigenſinniges Benehmen M'Lellan's.— Große Aus⸗ ſicht von einem Berge.— Ferne Krater von Vul⸗ kanen.— Crvok's Krankheit........ Siebenundvierzigſtes Kap. Ben Jones und ein grauer Bär.— Felſige Höhen.— Bergſtröme. — Spuren von Me'vLellan.— Vulkaniſche Reſte.— Mineraliſche Erdarten.— Eigenthümlicher Thon zu Töpferwaaren.— Me'Lellan's unglückliche Lage.— Hungersnoth.— Schauderhafter Vorſchlag eines Verzweifelten.— Ein matt gehetzter Büffelſtier.— Ein gieriges Mahl.— Indianiſche Gräber.— Gaſt⸗ freie Snakes.— Ein trauriges Bündniß Achtundvierzigſtes Kap. Landſchaft am ſpaniſchen Fluſſe.— Fährte von Krähen⸗Indianern.— Ein Schneeſturm.— Ein ermunterndes Feuer und ein Büffelmahl.— Eine Salzebene.— Erklettern eines Berges.— Vulkaniſcher Gipfel.— Verlöſchter Krater. — Seemuſcheln.— Lager auf einer Prairie.— Glück⸗ liche Jagd.— Gutes Mahl.— Romantiſche Sce⸗ nerie.— Felspaß.— Schäumende Schnellen.— Die feurigen Engen........... Neunundvierzigſtes Kap. Winterſtürme.— 86 — 268— Seite Ein Halt und eine Berathung.— Winter⸗Cantoni⸗ rung.— Schönes Jagdrevier.— Wild der Berge und der Ebenen.— Glückliche Jagd.— Crooks und ein grauer Bär.— Das Wigwam.— Großhorn und Schwarzblume.— Büffelfleiſch und Wildpret.— Gutes Quartier und gute Laune.— Ein Allarm. — Eindringlinge.— Unwillkommene Gäſte.— Ver⸗ wüſtungen der Speiſekammer.— Feinſchmeckerthaten hungriger Wilden.— Das gute Quartier aufgegeben 96 Fünfzigſtes Kap. Rauhe Winterreiſe.— Hügel und Ebenen.— Schnee und Eis.— Das Wild verſchwin⸗ det.— Eine große öde Ebene.— Ein zweiter Halt für den Winter.— Ein neues Wigwam.— Neujahrsfeſt. — Büffelrücken, Zungen und Markknochen.— Rück⸗ kehr des Frühlings.— Kanoes werden in das Waſſer gelaſſen.— Schlechte Schifffahrt.— Marſch zu Fuß.— Große Prairien.— Verlaſſene Lager.— Pawnee⸗ Frauen.— Ein Ottoe⸗Indianer.—Kriegsneuigkeiten. — Reiſe den Laplatte und Miſſouri hinab.— Empfang zu Fort⸗Oſage.— Ankunft zu St. Louis.. 109 Einundfünfzigſtes Kap. Abkommen zwiſchen Aſtor und der ruſſiſchen Pelzhandelsgeſellſchaft.— Krieg zwiſchen den Vereinigten Staaten und Eng⸗ lang.— Inſtructionen für Kapitän Sowle, den Kommandanten des Bibers.— Ausrüſtung der Lerche.— Nachrichten von Stuart's Ankunft. 122 — 269— Zweiundfünfzigſtes Kap. Ufer des Wallah⸗ Wallah.— David Stuart geht an den Oakinagan ab.— Clarke's Weg den Lewis⸗Fiuß hinauf.— Chipunniſh oder Indianer mit durchbohrten Naſen. — Ihr Charakter, ihr Ausſehen, ihre Sitten.— Diebiſches Volk.— Zurückhaltung der Boote.— Die Poſten am Pointed⸗Heart und Spokanfluß.— MKenzie, ſein Weg, den Cocmocnumfluß hinauf. — Horden wandernder Indianer.— Reed's Reiſe zu den Verſtecken.— Abenteuer wandernder Voya⸗ geurs und Biberfänger Dreiundfünfzigſtes Kap. Hunt's Abreiſe in dem Biber.— Vorſichtsmaßregeln in der Factorei. — Streifzug an der Wollamut.— Düſtere Beſorg⸗ niſſe.— M'Kenzie's Ankunft.— Zuſtand am Sha⸗ haptan.— Kriegsnachrichten.— M⸗Dougal's Nie⸗ dergeſchlagenheit.— Entſchluß, Aſtoria zu verlaſſen. — MiKenzie's Abreiſe in das Innere.— Abenteuer an den Stromſchnellen.— Beſuch bei den Freibeu⸗ tern zu Wiſhram.— Eine gefahrvolle Lage.— Zuſammentreffen mit MeTaviſh und ſeinem Geleite. — Ankunft an dem Shahaptan.— Geplünderte Verſtecke.— Beſchluß der Winter⸗Theilhaber, Aſtoria nicht zu verlaſſen.— Clarke's Ankunft bei den Nez- percés.— Der Handel mit dem ſilbernen Becher. Seite . 12²29 — 270— Seite — Ein Indianer gehängt.— Ankunft der Winter⸗ Theilhaber zu Aſtoria........ Vierundfünfzigſtes Kap. Unzufriedenheit der Theilhaber mit M'Dougal.— Zweideutiges Beneh⸗ men dieſes Mannes.— Die Theilhaber kommen überein, Aſtoria zu verlaſſen.— Verkauf der Waa⸗ ren an M'Tavish.— Unordnungen für ein Jahr.— Unterzeichnung eines Manifeſtes durch die Theil⸗ haber.— M'Tavish's Abreiſe in das Innere Fünfundfünfzigſtes Kap. Aſtor's Beſorgniſſe. — Ausſchreiben der Nordweſt⸗Compagnie.— Nach⸗ richt von einer kritiſchen Schiffs⸗Expedition gegen Aſtoria.— Aſtor wendet ſich an die Regierung, um Unterſtützung zu erhalten.— Die Fregatte Adams erhält Befehl zur Ausrüſtung.— Glänzende Nach⸗ richten von Aſtoria.— Der Sonnenſchein wird plötzlich durch Wolken bedeckt. 4. Sechsundfünfzigſtes Kap. Staatsangelegenhei⸗ ten zu Aſtoria.— M'Dougal hält um die Hand einer indianiſchen Prinzeſſin an.— Heirathsgeſandt⸗ ſchaft an Comcomly.— Heirathsgebräuche bei den Chinooks.— Uebereinkunft und Nadelgeld.— Die „Heimfahrt der Braut.— Ein kluger Schwieger⸗ vater.— Hunt's Ankunft zu Aſtoria.. Siebenundfünfzigſtes Kap. Reiſe des Bibers nach Neu⸗Archangel.— Ein ruſſiſcher Gouverneur. — — 271— Seite — Tolle Herrſchaft.— Tiſch⸗Tyrannei.— Handel bei den Flaſchen.— Reiſe nach Kamtſchatka.— Robbenfang.— Niederlaſſung zu St. Paul.— Seeſtürme.— Hunt bleibt auf den Sandwich⸗ Inſeln.— Geſchäfte des Bibers zu Canton.— Hunt's Rückkehr nach Aſtoria..... 175 Achtundfünfzigſtes Kap. Nebereinkommen unter den Theilhabern.— Hunt ſegelt in den Sturmvo⸗ gel ab.— Kömmt an den Marqueſas⸗Inſeln an.— Nachricht von der Fregatte Phöbe.— Hunt ſchifft nach den Sandwich⸗Inſeln.— Reiſe der Lerche.— Ihr Schiffbruch.— Verhandlungen mit den Ein⸗ gebornen der Sandwich⸗Inſeln.— Tamaahmaah's Benehmen...... 188 Neunundfünfzigſtes Kap⸗ Noaviſh's Ankunft zu Aſtoria.— Benehmen ſeines Geleites.— Unter⸗ handlungen zwiſchen M'Dougal und M'Taviſh.— Abkommen wegen der Uebergabe von Aſtoria.—. Zweifel an M'Oougal's Redlichkeit..... 200 Sechzigſtes Kap. Ankunft eines fremden Schiffes. — Bewegung zu Aſtoria.— Kriegeriſches Anerbie⸗ ten Comcomly's.— Die Engländer nehmen Beſitz von Aſtoria.— Comcomly's Unwillen über das Benehmen ſeines Schwiegerſohns..... 208 Einundſechzigſtes Kap. Ankunft der Brigg Ped⸗ lar zu Aſtoria.— Raumung der Niederlaſſung.— Seite Abreiſe Mehrerer von der Geſellſchaft.— Tragiſche Geſchichte, von Pierre Dorion's Squaw erzählt.— Reed's und ſeiner Gefährten Schickſal.— Aſtor's Verſuche, ſein Unternehmen zu erneuern.— Fehl⸗ ſchlagung.— Schließliche Bemerkungen und Gedanken 216 Anhang: Entwurf eines Geſuches an den Congreß, 1812 von Aſtor eingereicht.... 23³2 Brief des Herrn Gallatin an Aſtor... 236 Ueber den jetzigen Zuſtand des Pelzhandels... 241 Höhe des Felſengebirgs..... 253 Bemerkungen über die indianiſchen Stämme und den Schutz unſeres Handels......... 255 —.f— ————— —22 dadaaaaaaaagwazurwwmwmmwömmpnmammmmmmmmnn 16 17 18