8——— A ꝛ* Leihbibliothet deutſcher, engliſcher und franzöſiſcher Literatur von.. Eduard Otftmann in Gießen, Schloßgaſſe Lit. A. Nr. 256. Leih- und Leſebedingungen. 1. Offensein der Bibliothek. Die Bibliothek ſteht zur Em⸗ 65 pfangnahme und Rückgabe der Bücher jeden Tag von Morgens jedem Tag 5 Pf. bezahlt. Die Zeit eines Tages iſt zu 24 Stun⸗ den angenommen.—— 7 3. Caution. Unbekannte Perſonen müſſen, bei Entgegennahme 8 7 Uhr bis Abends 8 Uhr offen. 1. 2. Lesepreis. Bei Rückgabe eines geliehenen Buches wird von„ d eines Buches, eine dem Werthe deſſelben entſprechende Summe hinterlegen, welche bei deſſen Zurückgabe von mir zurückerſtattet. wird. 8 d 4. Abonnement. Daſſelbe muß voraus bezahlt werden und beträgt: 8 1 für wöchentlich 2 Bücher: 4 Bücher: 6 Bücher: 4—————— auf 1 Monat: 1 Mk.— Pf. 1 Mk. 50 Pf. 2 Mk.— Pf. . 2 3 der Bücher auf ihre eigenen Koſten und Gefahr ſelbſt zu ſorgen. 6. Schadenersatz. 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Unvorbergeſehene Hinderniſſe haben die Uebertragung der Orien- tales wider Willen über Gebühr verzögert; mein Freund Freiligrath, der ſich gemeinſchaftlich mit mir dazu verbunden hatte, mußte die Arbeit ſpäter, aus gewichtigen Gründen wieder aufgeben, und konnte nur einige wenige Stücke beiſteuern, welche ſämmtlich mit ſeiner Chiffre bezeichnet ſind.— Hinſichtlich der von mir gelieferten Ueber⸗ ſetzungen habe ich nur zu bemerken, daß Treue des Inhalts wie der Form die Hauptaufgabe blieb, aber überall da, wo der franzöſiſche Dichter ſich in Spielereien und wunderlichen Geſtaltungen gefiel, die dem Geiſte unſerer Sprache durchaus zuwider ſind, und ohne ihm den größten Zwang anzutbun, nicht nachgebildet werden konnten, die letztere lieber in etwas aufgegeben wurde, um der erſtern nicht zu nahe zu treten.— Ich that es in der feſ berzengung, jeder Kenner Der Verfaſſer dieſer Sammlung gehört nicht zu Denjenigen, die der Kritik das Recht einräumen, den Dichter über ſeine Phantaſie zur Rechenſchaft zu ziehen und ihn zu fragen, warum er jenen Gegenſtand gewählt, dieſe Farbe gerieben, von jenem Baume gepflückt, aus dieſer Quelle geſchöpft habe. Iſt das Werk gut oder- ſchlecht? Das iſt das ganze Gebiet der Kritik. Uebrigens weder Lob noch Tadel für die angewandten Farben, ſondern allein hinſichtlich der Weiſe, in welcher ſie ange⸗ wandt wurden. Betrachtet man die Sache von einem etwas höhern Standpunkte aus, ſo gibt es in der Poeſie weder gute noch ſchlechte Gegenſtände, wohl aber gute und ſchlechte Dichter. Uebrigens iſt Alles Gegenſtand; Alles geht bei der Kunſt zu Lehen; Alles hat Bürger⸗ recht in der Dichtkunſt. Bekümmern wir uns alſo nicht um das Motiv, das dieß oder jenes Süjet wählen ließ, traurig oder luſtig, ſchrecklich oder gefällig, glänzend oder dunkel, ſeltſam oder einfach, eher als ein anderes. Unterſuchen wir, wie man gearbeitet hat, nicht worauf oder warum. Außerhalb dieſes Kreiſes hat die Kritik keine Urſache zu fragen, der Dichter keine Rechenſchaft abzulegen. Was ſoll die Kunſt mit Gängelbändern, Handſchellen, 5—— y Knebeln? Sie ſagt zu Euch: Geht und läßt Euch los in dem Garten der Poeſie, wo es keine verbotene Frucht gibt. Raum und Zeit gehören dem Dichter. Er gehe alſo, wohin es ihm gefällt und thue was ihm beliebt; das iſt das Geſetz. Er glaube an Gott oder an Götter, an Pluto oder Satan, an Canidia oder Morgana oder an Nichts; er bezahle das Fährgeld für den Styr; er gehöre zum Hexenſabbath; er ſchreibe in Proſa oder in Verſen; er bilde in Marmor oder gieße in Erz; er faſſe Fuß in dieſem Jahrhundert oder in jenem Klima; er ſei aus dem Süden, dem Norden, dem Weſten, dem Oſten; er ſei antik oder modern; ſeine Muſe ſei eine Muſe oder eme Fee, ſie kleide ſich mit der Colocaſia oder lege ein Panzerhemd an: das iſt vortrefflich. Der Dichter iſt frei. Verſetzen wir uns auf ſeinen Stand⸗ punkt und betrachten wir es näher. 3 Der Verfaſſer beſteht auf dieſen Ideen, ſo ſonnen⸗ klar ſie auch ſcheinen, weil eine gewiſſe Zahl von Ari⸗ ſtarchen noch nicht ſo weit iſt, ſie dafür zu halten. Er ſelbſt, ſo gering auch der Platz iſt, den er in der Literatur der Zeitgenoſſen einnimmt, iſt mehr als ein Mal der Gegenſtand dieſer Mißgriffe der Kritik geweſen. Es hat ſich oft gefunden, daß, anſtatt ihm einfach zu ſagen: Ihr Buch iſt ſchlecht, man ihm ſagte: Warum haben Sie dieß Buch gemacht? Warum dieſen Gegenſtand? Sehn Sie nicht, daß die Grundidee abſcheulich, grotesk, abſurd iſt(was thut das!) und daß das Süjet ſich — 1„ außerhalb der Grenzen der Kunſt bewegt? Das iſt nicht hübſch, nicht anmuthig. Warum nicht Gegenſtände behandeln, die uns gefallen und zuſagen? Was Sie da für ſeltſame Launen haben! und ſo weiter, und ſo weiter. Darauf hat er immer mit Feſtigkeit geantwortet, daß ſeine Launen ſeine Launen ſeien; daß er nicht wiſſe, worin die Grenzen der Kunſt beſtehen; daß er eine genaue Geographie für die intellectuelle Welt nicht kenne; daß er noch keine Poſtkarten der Kunſt mit den roth oder blau gezogenen Grenzen des Möglichen und Unmöglichen geſehn, und daß er endlich das gemacht habe, weil er es gemacht habe. Wenn ihn alſo heutzutage Jemand fragt, was dieſe Orientalen ſollen und was ihm eingegeben habe, einen ganzen Band hindurch im Morgenlande zu wandeln; was dieſes unnütze, rein poetiſche Buch bedeute, mitten in die ernſten Beſchäftigungen des Publikums und an die Schwelle einer Parlamentsſitzung hingeworfen; wo die paſſende Veranlaſſung ſei; worauf der Orient reime?... ſo wird er antworten: daß er nichts davon weiß, daß es eine Idee iſt, die ihn ergriffen hat und zwar auf eine ziemlich lächerliche Weiſe, im vorigen Sommer, als er die Sonne untergehn ſah. Er wird bloß bedauern, daß dieſes Buch nicht beſſer ſei. uUnd dann, warum ſollte es nicht mit einer Literatur in ihrem Geſammtweſen, und im Beſondern mit dem Werke eines Dichters ſein, wie mit jenen ſchönen alten ͤ 3 — 8— Städten Spaniens, wo man Alles findet: einen friſchen Spaziergang unter Orangenbäumen am Fluſſe entlang; weite der Sonne geöffnete Plätze für die Feſte, enge, krumme, mitunter dunkle Straßen, in welchen ſich tauſend Häuſer von allen Geſtalten und jedem Alter, hohe, niedre, ſchwarze, weiße, gemalte, in Stein gehauene Häuſer, mit einander verbinden. Labyrinthe von Gebäu⸗ den, die Seite an Seite aufgerichtet ſind, durch einander Palläſte, Spitäler, Klöſter, Kaſernen, Alle verſchieden, Alle ihre Beſtimmung in ihrem Bau geſchrieben tragend; Markplätze voll Volk und Lärm, Kirchhöfe wo die Leben⸗ den ſchweigen, wie die Todten; hier das Theater mit ſeinem Rauſchgold, ſeinen Fanfaren und ſeinem Flitter⸗ ſtaat; dort unten der alte, bleibende Galgen, deſſen Stein verwittert, deſſen Eiſen verroſtet iſt, mit einem im Winde knarrenden Gerippe— in der Mitte die große gothiſche Kathedrale mit ihren ſägenförmig geſtalteten Spitzen, ihrem breiten Glockenthurm, ihren fünf mit Basreliefs beſetzten Portalen, ihrem durchbrochenen Fries, der einem Spitzenkragen gleich, ihren ſoliden Gewölb⸗ pfeilern, die dem Auge ſo zerbrechlich erſcheinen; und dann, ihre tiefen Höhlen, ihr Wald von Pfeilern mit bizarren Capitälen, ihre glühenden Kapellen, ihre Myriaden von Heiligen und Reliquienkaſten, ihre Säulchen in Garben, ihre Einſetzroſen, ihre Bogengräten, ihre Lamet⸗ ten, die ſich in den Abſiden berühren und gleichſam einen Käfig von Kirchenfenſtern bilden, ihr Hochaltar mit — —,— — — tauſend Kerzen; wunderbares Gebäude, imponirend durch ſeine Maſſe, merkwürdig in ſeinen Einzelnheiten, ſchön eine halbe Meile und ſchön zwei Schritte weit;— und endlich, am andern Ende der Stadt, verſteckt in den Sykomoren und Palmbäumen, die orientaliſche Moſchee, mit den Kuppeln von Kupfer und Zinn, mit gemalten Thüren, gefirnißten Wänden, mit dem Licht von oben, den ſchmächtigen Arkaden, den Kaſſeletten die Tag und Nacht rauchen, den Verſen aus dem Koran über jeder Thür, mit ihren blendenden Allerheiligſten und der Moſaik ihres Bodens und ihrer Mauern; der Sonne geöffnet wie eine breite duftreiche Blume. Geywiß, der Verfaſſer dieſes Buches wird niemals ein Enſemble von Leiſtungen verwirklichen, auf welche man den Vergleich den er glaubte wagen zu dürfen, an⸗ wenden kann. Indeſſen, ohne zu hoffen, daß man in dem, was er baute, ſchon eine ungeſtalte Skizze der Monumente, die er ſo eben andeutete, finden werde, ſei es nur die gothiſche Kathedrale, oder das Theater, oder gar der ſcheußliche Galgen, wenn man ihn fragte, was er hier hat machen wollen, ſo würde er antworten, die Moſchee. Er verbirgt es ſich nicht, im Vorbeigehn geſagt, daß viele Kritiker ihn für verwegen und unſinnig halten werden, für Frankreich eine Literatur zu wünſchen, die man mit einer mittelalterlichen Stadt vergleichen könne. Das iſt eine der thörichteſten Einbildungen, auf die man 8— — 10= gerathen kann; das heißt offenbar, Unordnung, Verſchwen⸗ dung, Bizarrerie, falſchen Geſchmack verlangen. Weit beſſer iſt eine ſchöne und correcte Nacktheit, große ganz einfache Mauern, wie man ſagt, mit einigen keuſchen Verzierungen in gutem Geſchmack; Oven und Voluten, ein Bouquet von Bronze für die Cornichen, eine Wolke von Marmor mit Engelsköpfen für die Decken, eine Flamme von Stein für die Frieſe, und dann wieder die Oven und Voluten. Das Schloß von Verſailles, die place Louis XV, die rue de Rivoli: das iſt's,— Sprecht mir von einer ſchönen nach der Schnur gezogenen Literatur. Die andern Völker ſagen: Homer, Dante, Shaks⸗ peare. Wir ſagen Boileau. Aber weiter. Wenn man darüber nachdenkt, falls es anders der Mühe des Nachdenkens werth iſt, ſo findet man vielleicht die Phantaſie, welche dieſe Orientalen erzeugt hat, weni⸗ ger ſeltſauu. Man beſchäftigt ſich jetzt, und dieſes Reſul⸗ tat verdankt man tauſend Urſachen, die einen Fortſchritt herbei führten, weit mehr mit dem Orient, als man je gethan hat. Die orientaliſchen Studien ſind nie ſo weit getrieben worden. Im Jahrhundert Ludwig's XIV war man Helleniſt, jetzt iſt man Orientaliſt. Ein Schritt vorwärts iſt gethan. Niemals haben ſo viel geiſtige Kräfte zu gleicher Zeit den großen Abgrund, Aſien, durchwühlt. Wir haben heutzutage in jedem Idiom des Orients, von China bis nach Aegypten, einen Gelehrten eingelagert. 22 —2 — 11— Aus dem Allen entſpringt das Reſultat, daß der Orient, ſei es als Bild oder als Gedanke, eben ſowohl für den Verſtand wie für die Einbildung zu einer Art, von allgemeiner Beſchäftigung geworden iſt, der der Ver⸗ faſſer dieſes Buches vielleicht unwiſſentlich gehorcht hat. Die orientaliſchen Farben haben, wie von ſelbſt alle ſeine Gedanken, alle ſeine Träume getränkt; und ſeine Gedanken und Träume wurden wechſelweiſe und ohne daß er es wollte, hebräiſch, türkiſch, griechiſch, perſiſch, arabiſch, ſpaniſch ſelbſt; denn Spanien iſt noch Morgen⸗ land, Spanien iſt halb afrikaniſch, Afrika halb aſiatiſch. Er hat ſich von dieſer Poeſie, die ihm kam, beherr⸗ ſchen laſſen. Gut oder ſchlecht; er nahm ſie an und ſie machte ihn glücklich. Uebrigens hatte er immer eine lebhafte Sympathie als Dichter— man verzeihe ihm, daß er ſich einen Augenblick dieſen Titel anmaßt— für die Welt des Orients. Es war ihm, als ſähe er von weitem eine hohe Poeſie darin glänzen.— Es iſt eine Quelle, in welcher er ſchon lange ſeinen Durſt zu ſtillen wünſchte; dort iſt in der That Alles groß, reich, frucht⸗ bar, wie im Nittelalter, dieſem andern Meer der Poeſie.— Und da er hier doch darauf gekommen iſt, im Vorübergehn, warum ſollte er es nicht ſagen. Es ſcheint ihm, als habe man bis jetzt viel zu ſehr die moderne Epoche im Jahrhundert Ludwig's XIV und das Alterthum in Rom und Griechenland erblickt; würde man nicht von größerer Höhe und weiter ſchauen, wenn ͤͤ— man die moderne Aera im Mittelalter, und das Alter⸗ thum im Orient ſtudirte. Uebrigens, ſowohl was die Reiche wie die Litera⸗ turen betrifft, wird vielleicht binnen Kurzem der Orient berufen ſein, eine Rolle im Occident zu ſpielen. Schon hatte der denkwürdige, griechiſche Krieg alle Völker ver⸗ anlaßt, ſich nach dieſer Seite zu wenden. Jetzt ſcheint das Gleichgewicht Europa's nahe daran zu brechen; der ſchon verwitterte und riſſige europäiſche statuquo kracht von der Seite Conſtantinopels her. Der ganze Continent neigt ſich dem Orient zu. Wir werden große Dinge ſehn. Es fehlt der alten aſiatiſchen Barbarei vielleicht nicht ſo an bedeutenden Männern, wie unſere Civiliſation es glauben will. Man muß ſich erinnern, daß ſie es iſt, die den einzigen Koloß hervorgebracht hat, den dieß Jahrhundert Buonaparten gegenüberſtellen kann; wenn es überhanpt ein Gegenſtück zu Buonaparte gibt; dieſen genialen allerdings türkiſchen und tartariſchen Mann, dieſen Ali Paſcha, der zu Napoleon iſt, was der Tiger zum Löwen, der Geyer zum Adler. Im Januar 1829. 1 I. Das Feuer des Himmels. Da ließ der Herr Schwefel und Feuer regnen von dem Herrn vom Himmel herab auf Sodom und Gomorrha. Uud kehrte die Städte um und die ganze Gegend und alle Einwohner der Städte und was auf dem Lande gewachſen war. Geneſis 19, 24. 25. 1. Seht Ihr die Wolke zieh'n mit dunkler Seite, Bald bleich, bald roth, und glänzend in der Weite Und trübe, wie ein Sommer, unfruchtbar, Man glaubt zur Zeit, als wollt' auf Nachtwind's Schwingen Empor der Rauch, der gluthdurchzuckte, dringen Und das Geräuſch, das eine Stadt gebar. Naht ſie vom Himmel? von dem Fels, vom Meer? Trägt Flammenwagen ſie, Dämonenheere Vielleicht dem nahen Wandelſterne zu?— Wie kommt's, o Graus! daß plötzlich, hin und wieder Aus dem geheimnißvollen Schooß, hernieder Ein Blitz, gleich einer Schlange, zuckt im Nu? —„ — Meer!— Ueberall! Ringsum, ringsum die Fluth, Vergeblich ſtrebt der Vogel, daß er ruht; Hier Fluthen und dort unten Wogen, Die Welle ſchiebt die Welle raſtlos fort, Der Blick ſieht nur gedrängte Fluthen dort, Die unter tiefen Wellen fortgezogen. Mitunter zeigen in der Wogen Tanz Die bunten Floſſen bei der Sonne Glanz Und ihren blauen Schwanz ein Heer von Fiſchen. Der Heerde, die ſich ſchüttelt, gleicht das Meer, Der Himmel ſchließt es ehern rings umher, Wo blaue Fluthen ſich mit blauem Aether miſchen. 4 Soll ich das Meer austrocknen? So ſpricht im Flammen⸗ ſchein Die Wolke.— Sie zieht weiter; ihr ward zur Antwort; Nein! 3. Dort der Golf mit grünen Hügeln, Die ſich in dem Widerſchein Jener klaren Fluthen ſpiegeln; Luſt'ge Lieder ſchallen d'rein. Büffel weiden, Spieße fliegen, Fiſchfang, mit dem Wilde kriegen, Iſt des Stammes Luſt, daß Pfeile Ringen mit dem Blitz an Eile; Zelt und Krippe dort ſind ſein. Dieſen Wand'rern wird verdorben Nimmermehr die Luft, ſo rein; Kinder, Jungfrau'n, wilde Krieger Schlangen dort die bunten Reih'n, Und das Feuer auf der Eb'ne Mit ihm ſpielt des Abends Weh'n, Geiſtern gleich, die, wir im Traume, Ueber unſern Stirnen ſehn. Jungfrau'n mit dem dunkeln Buſen, Wie der heit're Abend ſchön, Lachten, daß ſie kaum im Glanze, Sich, des Kupferſpiegels, ſehn. And're, wie die Schweſtern, heiter, Die die Freude dort verband, Melkten aus der Ziegen Euter Weiße Milch mit ſchwarzer Hand. Männer, Frauen, unbekleidet, Badeten ſich in der Fluth. Wo hat wohl am vor'gen Tage Dieſes fremde Volk geruht? Ihrer Cymbeln ſchrilles Tönen, Das da wiehern macht das Roß, Miſchte ſich in Zwiſchenräumen Mit dem Meer, das brauſend floß. Die Wolke zauderte im Raum.— Iſt's dort? Doch Niemand weiß, wer ihr erwiedert: Fort! 4. Aegypten! Blond von Aehren macht ſich's kund, Die Felder, wie ein reicher Teppich, bunt, Eb'nen, an denen neue Eb'nen lagen; Die Fluth im Norden, kalt, im Süden heißer Sand, Sie ſtreiten ſich darum; doch lacht das Land Zwiſchen den beiden Seen, die es benagen. Drei Berge, ſo von Menſchenhand gebaut, Gen Himmel ragen, daß man nicht erſchau't Den Grund, den Aſche deckt, nach dort'ger Sitte. Vom ſpitzen Gipfel bis zum gelben Sand Breiten ſie aus den ungeheueren Rand Der Stufen, nur für Rieſenſchritte. Ein Gott von grünem Marmor, die Sphinx von rothem Stein Bewachten ſie, nicht zwang ſie blind zu ſein — 17— Der Wüſtenwind mit ſeinen Gluthen. Es ſegeln große Schiffe in den Port; Die Rieſenſtadt, gelagert an dem Bord Netzt ihre Füße in den Fluthen. 7 Brüllen hört man den mörderiſchen Smum Und auf den weißen Kieſeln wiederum, Die Schuppen knarren unter'm Bauch der Krokodille; Die Obelisken ragen ſchlank empor Und wie ein Tiegerfell, drängt ſich im Weſten vor Der gelbe Nil, bunt durch der Inſeln Fülle. Die Sonne ſank.— Es ſpiegelte die Fluth, Die von dem Abendwind geſichert ruht, Den gold'nen Ball zurück, den alle Menſchen ſegnen. Und an dem rothen Himmel und in dem rothen Meer, Wie zwei verbund'ne Könige, daher Sah' man zwei Sonnen ſich begegnen. Wo weil' ich? fragt die Wolke, die nun zu raſten ſtrebt. Suche! ſprach eine Stimme, vor der der Thabor bebt. 5. Rings Chaos, weite Wüſte, Sand ringsum, nichts als Sand, Fruchtbar an Ungeheuern, An Plagen für das Land, XVI. 3 2 — 13— Hier haftet nichts, die Berge,— — Brauſt wild der Sturm einher,— Mit ihrem gelben Kamme, Zerfließen wie das Meer. Mitunter ſtöret Lärmen Die heil'ge Stätte hier, Es ſind die Caravanen Von Mambreh und Ophir. Das Auge folgt der Menge, Die in des Sandes Gluth Sich ſchlängelt und entfaltet, Wie eine Boa thut. Nur Gott allein gehöret Die Wüſte, grabesſtumm, Er nur kennt ihre Grenzen, Aendert die Mitte um. Ein Nebel lagert immer Auf dieſem heißen Meer, Das, ſtatt des Schaumes, ſpritzet Die Aſche rings umher. Wandl ich zum See die Wüſte?— ſo jetzt die Wolke fragt⸗ Noch weiter! ihr zur Antwort die and're Stimme ſagt⸗ ——nͤnnnö Gleich einer Klippe, ſtarrend aus dem Meer, Ein Haufen Thürme, Schutt nun rings umher. Dort Babel ſich, verödet, finſter ſtrecket; Ein Zeuge von der Menſchen nicht'gem Sein, Hat vier der Berge es im Mondenſchein Mit ihrem Schatten einſt bedecket. In Trümmer ſtürzte das Gebäude tief, Der Sturmwind, der gefeſſelt d'rinnen ſchlief, Erfüllt es dumpf mit wunderſamen Lauten. Einſt ſummte rings herum das menſchliche Geſchmeiß⸗ Und Babel ſollte auf dem ganzen Erdenkreis Stolz ſeinen Kreis zieh'n, als ſie es erbauten. Die Stufen ſollten führen zum Zenith, Und jeglicher der Felſen von Granit Hatte nur eine Stufe hergegeben Und Gipfel neu auf Gipfeln auferbaut, So weit das Auge rings entmuthigt ſchaut, Pyramidaliſch ſich erheben. Die Rieſenſchlange und das Krokodill, Kleiner noch ſcheinend, als das Armadill, 2 ½ — 20— Schlüpfend durch dieſer Blöcke Felſenengen; Die Palmen, ſproſſend an der Thürme Saum, Verloren in dem ungeheuern Raum, Sie glichen Halmen, die hinunter hängen. Durch Mauerſpalten drang ein Elephant, Ein hoher Wald unter den Pfeilern ſtand, Den Menſchenwahnwitz ſo vermehret; Der Adler und der Rieſengeier Schaar Flog um die großen Hallen immerdar, So wie ein Bienenſchwarm zu ſeinem Korbe kehret. End' ich ſie?— ſprach die Wolke, zornesroth. Fort!— Herr! wohin entführt mich dein Gebot? 7. Sieh da! zwei Städte, fremd und unbekannt, Erhoben ſich bis an der Wolken Rand, Zu ſchlummern ſchienen ſie im Weh'n der Nacht Mit Göttern, Volk und Wagen, Lärm und Pracht. Zwei Schweſtern ſind ſie in demſelben Thal, Die Thürme baden ſich im Mondenſtrahl; Das⸗Auge ſah in der verwirrten Menge Pfeiler und Aquäducte, Stufengänge Und Elephanten, eine Kuppel tragend, Empor wie furchtbare Koloſſe ragend, — 21— Sah'n um ſich kriechend ſcheußliche Genoſſen Aus ſchimpflicher Vermählung wild entſproſſen, Hängende Gärten, voll von Blumen und Arkaden, Der Mond umſaumte ſprudelnde Cascaden; und Tempel, wo auf weichem Kiſſen nun Die Götzen mit Stierhäuptern finſter ruh'n; Kuppeln aus einem Block, die Hallen deckend, Wo, nimmer aufrecht ihre Häupter ſtreckend, Im Kreiſe ſitzend, an ſich ſchauend unverwandt, Eherne Götter, auf dem Knie die Hand; Palläſte, Treppen, ſchwarze dunkle Gänge, Wo rings der unbekannten Formen Menge, Die Brücken, die Kanäle, jedes Thor Erſchreckten dort den Blick, der ſich verlor. Die finſtern Hallen ſich erhoben hatten Bis in den Himmel mit den breiten Schatten, Ein ungeheuerer Haufen Dunkelheit, Der Himmel funkelte mit ſeinen Sternen weit Sie glänzten durch des Vorgebirges Bogen, Gleich Sternen, die ein ſchwarzer Schleier umzogen. Der Hölle Töchter, toll in der Begier, Denn es erfand jedwede Stunde hier Abſcheuliche Genüſſe, jede Thür Befleckendes Geheimniß in ſich hält, Und wie ein doppeltes, ein freſſendes Geſchwür Befleckten ſie die ganze weite Welt. — 22— Doch Alles ſchlief; in beiden Städten blinkt Nur hie und da ein Schimmer und verſinkt; Des Feſtes ketzte Fackeln in den Gaſſen Vergeſſen, unbeachtet dort gelaſſen; Die Mauerwinkel, die der Mondſchein bleicht, Ruh'n auf dem Waſſer, ſchneiden ab den Schatten; Nur in der Eb'ne hörte man vielleicht, Erſtickter Küſſe Odem ſich begatten. Der Wind von Sodom nach Gomorrha zog, 8 Hin Düfte tragend aus dem Luſtrevier. Die Wolke gerade da vorüberflog und aus dem Himmet rief die Stimme: Hier! 8. 1 Hal die Wolke ruht, Birſt, die rothe Gluth ” Reißt ſie toſend auf, und aus tauſend Stellen Nehmen Schwefelquellen Wüthend ihren Lauf; An Palläſten lecken Flammen wild und ſtrecken Sich zum Giebel auf. Gomorrha! Sodom! Welcher Flammenſtrom 1 1 f„ —— — 23— Decket jedes Dach, Da die wilden Gluthen Raſch dich überfluthen, Volk, voll tiefer Schmach! Nur auf dich hernieder Stürzen Donner wieder, Blitze wild und jach. Dieſes Volk erwacht, Das noch geſtern Nacht Nicht an Gott gedacht; Stürzende Palläſte, Wagen von dem Feſte, Alles ſinkt und kracht, Und die Menge findet, Wie der Weg ſich windet, Rings der Flamme Macht. Auf den ſtolzen Thürmen, Die den Himmel ſtürmen, Wankend in dem Thal; Dort im Dunkeln hängen Menſchen, die ſich drängen, Sterbend halb zumal, Wie auf alten Mauern Sich Ameiſen kauern, Schwarz und ohne Zahl. Ign ſich ſtürzt zuſammen — 241— Wer kann ſich bewegen Bei dem grauſen Regen, Wehe! Alles ſinkt, Und es reißen Flammen Brücken wild zuſammen, Jedes Dach zerſpringt. Wie die Funken fallen, Hüpfend in den Hallen, Wie das Feuer blinkt. Unter jedem Funken Wächſt und ſchwillt, wie trunken, Die entflammte Gluth; Eilet wie auf Flügeln, So wie, frei von Zügeln, Wild ein Roß es thut. Von den wilden Flammen Niedre Götzenbrut. Rauſchend, wogend drinnen, Peitſchen ſie die Zinnen Mit dem Silberſchein; Schwefel färbt der Gluthen Grün und rothe Fluthen Nagend am Geſtein, —— n—— — 25— Daß die Mayergruppen, Wie Eidechſenſchuppen, Schimmern blank und rein. Agath und Porphyre, Schmilzt, dem Wachs gleich, ihre Nacht, Grabſteine hier, Wie der Baum der Wieſe, Beugt der Marmorrieſe, Nabo, ſich vor ihr; Jede Säule glühet, Brennet, wirbelt, ſprühet, Gleich den Fackeln hier. Ganz vergeblich tragen Götterbilder Wagen Von der Höh' im Lauf; An des Gluthmeers Rande Beugt im Lichtgewande Sich ihr Fürſt darauf. Weh' umſonſt! Die Flammen Reißen wild zuſammen Ihres Tempels Bau. Den Pallaſt dann treiben Raſch ſie fort, nicht bleiben — 26— Kann die Menge dort; Klagend mit Gewinſel Von der ſtein'gen Inſel Nagt der Brand den Bord; Sie ragt aus den Fluthen, Sinkt dann in die Gluthen, Wie erſtarrt iſt fort. Seht, dem heißen Strande Nah't im Feſtgewande Jetzt der Prieſter Haupt. Die Tiare brennet Plötzlich ihm, er rennet Bleich und angſtbeſchwert, Greifet nach der Binde, Doch die Hand im Winde Wird, wie ſie verzehrt. Alles Volk zuſammen Blenden jetzt die Flammen, Furchtbar ſteigt die Fluth; Wie ſie in den Engen An dem Thor ſich drängen, Toſend, in der Wuth; Während, voller Grauen, Ueber ſich zu ſchauen Wilde Höllengluth. ——n— 18 2 Man ſagt, daß an dem Tag, ſo wie empor ſich richtet, Ein Züchtling, der im Kerker ſchon ergraute, um anzuſeh'n, wenn Einer wird gerichtet, Babel, die Sünderin, hinüber ſchaute. Man hörte, während dieſes ſich ergeben, Furchtbares Lärmen, das die Welt erfüllte, So furchtbar, daß es ſelbſt in Schrecken hüllte Die Völker, die in dunkeln Höhlen leben. 10. Die Gluth war unerbittlich. Aus der Stadt, Der brennenden, floh Keiner todesmatt; Doch hob er hoch empor die feigen Hände, und die zum letzten Male hier ſich ſah'n, Die fragten, welche Gottheit den Vulcan Mit ſeinen Flammen auf die Mauern ſende. Gegen die göttliche, die wilde Gluth, Schützt nimmer ſie der Marmordächer Hut, Gott weiß den, der ihm trotzt, zu richten. Sie rufen ihren Göttern— doch ſie ſeh'n, Wie die granit'nen Augen, die unbeweglich ſteh'n, Zu Lavathränen plötzlich ſich verdichten. — 28— So ſchwand im Wirbel Alles von der Flur, Mit ſeiner Stadt der Menſch und mit dem Gras die Spur, Gott hat mit dieſen Ebenen geſchaltet; Nichts blieb von dem zerſtörten Volk zu ſeh'n; Des unbekannten Windes nächtlich Weh'n Hat ſelbſt die Form der Berge umgeſtaltet. 11. Der Palmbaum, der ſich aus dem Felſen dränget, Fühlt jetzt ſein Laub verdorrt, den Stamm verſenget, Von Lüften, ſchweren, heißen, angehaucht. Die Städte ſind nicht mehr,— wo ſie geſtanden, Dehnt ſich ein ſtarrer See in Eiſes Banden, Der wie der Schlund von einem Ofen raucht. —————— II. Canaris. Wenn ein beſiegtes Schiff auf off'nem Meere ſcheitert, und ſeine Segel bang Mit Löchern, von den Kugeln, den eiſernen, erweitert, Hängen am Maſt entlang; Wenn man nur Todte kann auf allen Seiten ſchauen, und Anker, Segel weggeſpühlt, Zerbroch'ne große Maſten, fortſchleppend ihre Tauen, Gleich Haar vom Wind durchwühlt; Wenn ſich das Schiff, von Rauch und lautem Lärm bedecket, Dreht wie ein Rad in Eil, Ein Haufen Menſchen dort ſich drängt und flieht erſchrecket, Vom Hintertheil zum Vordertheil; Wenn dann kein Krieger Antwort giebt auf der Führer Stimmen, Das Meer ſich thürmt mit Wuth, Erloſchene Kanonen im Zwiſchendecke ſchwimmen, Sich ſtoßend in der Fluth; — 30— Wenn den Koloß man ſieht, öffnend den Merieoden Die Wunde, klaffend weit, uUnd die Galeere blutet, trotz dem daß ſie umzogen Von eh'rner Rüſtung breit; Wenn auß's Gerathewohl ſie ſchwimmt wie eine Leiche, Miit off'nem Raume dort einher, Gleich einem todten Fiſch, deß Bauch, der große, bleiche, Verſilbert rings das grüne Meer: Dann Ruhm dem Sieger, Ruhm! es fällt im Pulver⸗ dampfe, Auf's fremde Schiff ſein Anker hin, So wie ein mächtiger Adler nach wildem, heißem Kampfe, Die Kralle legt auf ſeine Beute hin. 4 Am großen Maſt hat er alsbald emporgezogen, Sein Banner, das der Wind bewegt, Und deſſen gold'ner Schein ſich wechſelt in den Wogen, Entfaltet und zuſammenlegt. Dann ſieht die Völker man ſtolz ihre Farben halten, Und mit der höchſten Pracht, Den Purpur, den Azur, das Silber weit entfalten, Zu künden ihre Macht. — 31— Ihr Stolz der thörichte, der freudig es gewahret, Auf dieſem Glanze ruht, Als ob die ſchwarze Fluth etwas davon bewahret, Verdrängt gleich von der nächſten Fluth. Malta zog auf ſein Kreuz; Venedig hat den Leuen Im Wappen aufgeſteckt, Auf ſeinen Ruderſchiffen, und vor ihm bang ſich ſchauen Lebend'ge Löwinnen erſchreckt. Neapels Flagge glänzt hoch in der Luft vor Allen; Wenn ſie entfaltet ruht, Glaubt man, man ſähe von dem Schiff zum Meere wallen Aus Gold und Seide eine Fluth. 7 Es malt auf ſeinen Bannern wild flatternd um die Wette Hispanien, trotz dem Sturm Leon mit gold'nem Leu, ſo wie Navarra's Kette, Kaſtilien's Silberthurm. Rom hat die Schlüſſel, Mailand das Kind das in den Zähnen Der Wappenſchlange ſchreit; 4 Die Schiffe Frankreichs, Lilien von Golde, die ſich dehnen Auf ihrem Kupferkleid. Um ſeinen Halbmond hängt Stambul drei weiße Schweifen, So ſehr verabſcheut und geſchmäht; Amerika, das freie hat gold'nen Himmelsſtreifen, Mit blauen Sternen überſäßt. Den wunderbaren Adler läßt Oeſterreich ſich breiten Der glänzend auf dem ſchwarzen Feld, Ein ſchwarzes Haupt ausſtreckt nach beiden Seiten Der gleich bedrohten Welt. Der and're Doppeladler, der da gehorcht den Czaaren, Sein alter Gegner, trau'n! Will, ſo wie er, zwei Welten zu gleicher Zeit gewahren Die Eine haltend in den Klau'n. 18 Siegreich legt England ſtolz die glüh'nde Oriflamme Auf, im Triumph, der bittern Fluth, So reich daß für den Schatten man hält von einer Flamme Den Wiederſchein, der auf den Wogen ruht. So hält das Wappen an dem Maſt empor gezogen Der Fürſten mächt'ge Hand Und zwingt die Schiffe, die beſiegt ſind auf den Wogen Zu wechſeln mit dem Vaterland. — 33— Sie ſchleppen in den Reihen die Schiffe, welche trafen Des Schickſals Schläge hart und ſchwer, Und freu'n ſich ſtolz, wenn größer an Zahl nun zieht zum Hafen Die wappenreiche Flotte her. Sie werden immer an gefang'ne Schiffe ſchlagen Die Flaggen ihres Siegerthum; Denn, hoch an ſeiner Stirn ſoll der Beſiegte tragen Mit ſeiner Schande ihren Ruhm. Der gute Canaris allein, deß kühnem Schiffe Hell eine Gluthenfurche folgt, im Lauf Zieht ſtets, an dem im Kampf beſiegten Schiffe Der Brand ſtatt einer Flagge auf. XVI. 3 III. Die Häupter auf dem Serail. 0O Horrible, horrible, most horrible! Shakspeare, Hamlet. 1. Der dunkle Dom der Nacht mit ungezählten Sternen Beſchaute ſpiegelnd ſich in finſtern Meeresfernen; Das heitre Stambul ſchien, die hohe Stirn umhüllt, Gelagert an dem Golf, benetzt von deſſen Fluthen, Zu ſchlummern zwiſchen Glanz des Meer's und Himmels⸗ gluthen, So wie in einer Kugel von Sternen angefüllt. 6 So war es wie die Stadt der Geiſter anzuſchauen, Wenn ſchweigende Palläſte ſie in den Lüften bauen, Sah man die Harems, wo die Langeweile thront; Die blauen Kuppeln, die ſo wie der Himmel glühen Mit ihren tauſend Monden, die, wie es ſcheint, erglühen ImStrahl, den ausgeſandt der wahre Mond. Das Auge unterſchied der feſten Thürme Stätte, Die platten Dächer, der Moſcheen Minarette, — 35— Die mauriſchen Balcons im Kleezug ausgeſchnitzt; Die Fenſter, die ſich hinter den ſtummen Gittern decken, Vergoldete Palläſte, die Palmen die ſich ſtrecken Gleich Federbüſchen, oben wie Nadeln zugeſpitzt. Die Minarete, die hoch in den Himmel ragen Gleich Lanzeneiſen, die von weißem Schaft getragen; Bunte Kioske und Leuchtfeuer, wechſelnd dort; Auf dem Serail dem alten, das hohe Mauern kränzen, Hundert metall'ne Kuppeln, die in den Schatten glänzen Wie Rieſenhelme fort und fort. 2. O, das Serail!— Die Nacht, da zittert es vor Freude.— Bei froher Trommeln Klang, auf Teppichen von Seide Tanzten die Sultaninnen von ſeel'ger Luſt beglückt. Und wie ſich Könige mit Feſtgeſchmeide krönen Zeigt es ſich ſtolz dem Blicke von des Propheten Söhnen, Mit ſechs mal tauſend Häuptern reich geſchmückt. Bleich, mit erloſch'nem Blick, bedeckt mit ſchwarzen Haaren, So krönten ſie, die da gereiht auf Zinnen waren, Dort der Terraſſen bunter Blüthenhain; Voll Trauer, wie ein Freund, doch, wie er, Tröſtung reichend, Warf das Geſtirn des Todes, die blut'gen Züge bleichend, Der Mond auf ſie den falben Schein. 3* — 36— Drei unter ihnen, die vor Allen ſich erhoben, Bezeichneten das Thor nach Oſten furchbar oben; Des Raben Flügel ſchlug auf ſie herab; Es war als ob der Tod zn ihnen ſo getreten, Daß er im Kampf den Einen, den Andern traf im Beten, Den Dritten aber in dem Grab. Man ſagt, daß damals, während die Wachen reglos ſtehen, Gleich ihnen, unbeweglich und ſtumm den Dienſt verſehen, Urplötzlich die Drei ſprachen und ihrer Stimme Schall Gleich den Geſängen, denen man oft im Traume lauſchet, Der Fluth, die halb im Schlummer an das Geſtade rauſchet; Glich in dem Wald des Windes Wiederhall. 3. Die erſte Stimme. 6 Wo bin ich?... Meinen Brander! die Segel! raſch zuſammen. Es ruft, ihr Brüder, uns Miſſolunghi in Flammen, Die Türken nahmen, ach! die edeln Wälle ein. Wir wollen ihre Schiffe zu ihren Städten ſenden, Die Fackel ſoll in meinen Händen Für euch ein Pharus, Führer! für ſie ein Blitzſtrahl ſein! Fort! Lebewohl Korinth, deß Berge weithin ragen! Ihr Meere, wo die Felſen der Siege Namen tragen, — 327— Klippen des Archipel in naſſer Kluft; Ihr ſchönen Inſeln, wo ſich Lenz und Himmel einet Zum Segen, die am Tag ihr Blumenkörbe ſcheinet, So wie zur Nachtzeit Vaſen voller Duft! Leb' wohl, du neues Sparta, o Hydra, ſtolz und prächtig! Es kündet deine Freiheit, in Liedern ſich ſo mächtig, Die Mauern hüllen Maſten, o du Matroſenſtadt Leb' wohl! Du biſt's, in die wir Alle Hoffnung ſetzen, Den Raſen lieb' ich, den die dunkeln Wogen netzen, Den Fels, vom Blitz gepeitſcht, an dem die Welle nagt. Wenn nach der Rettung von Miſſolunghi ich kehre, Erhebe eine Kirche ſich neu zu Chriſti Ehre, Sterb' ich, fall' ich in ew'ge Nacht hinab; Wenn ich das Blut vergieße, das ich jetzt noch bewahre, So tragt auf Freiheits⸗Boden, ihr Brüder, meine Bahre, und rüſtet in der Sonne mir mein Grab. 3 Miſſolunghi! Die Türken!— Laßt unſ're kühnen Rotten Verjagen aus den Häfen, Kam'raden ihre Flotten, Mit ſeinen Feuerſchlünden verbrennt den Capitain! Auf! laſſet unſ're Brander die heißen Krallen wetzen; Kann mit den Meinen ich ſein Schiff beſetzen, Schreib' meinen Namen ich in Flammenſchrift daran. — 38— Sieg! Freunde!... Himmel!— Seht die Bombe, wie ſie wettert, Auf mein behendes Schiff hinſchlägt, das Deck zerſchmettert, Es brennt, es dreht ſich, öffnet ſich der Fluth! Es ſchreit umſonſt mein Mund, raſch decken ihr die Wogen; Lebt wohl, das Leichenhemd von Tang hält mich umzogen, Indeß mein Leib im Meeresſande ruht. Doch nein! Ich wache endlich— doch mich umhüllt ein Nebel Geheimnißvoll— Wie gräßlich! mein Arm fehlt meinem Säbel, Das finſtere Geſpenſt, was will es neben mir? Von Weitem hör' ich Chöre— Sind's Frauenſtimmen⸗ 3 klänge, Wie, oder murmeln Geiſter die Geſänge? Bin ich im Himmel?— Blut!— Weh! das Serail iſt hier. 4. Die zweite Stimme. Ja Canaris, du ſiehſt es, den Harem und mein Haupt, Das, um dieß Feſt zu ſchmücken, ward meinem Grab geraubt; — 39— Die Türken fanden ſelbſt zu meiner Gruft den Pfad. Sieh dieß vertrocknete Gebein iſt ihre Beute, 1 Iſt, was vom Botzaris dem hohen Sultan heute Des Grabes Wurm gelaſſen hat. Hör' zu! Ich ſchlummerte in meiner engen Welt, Als mich der Schrei erweckte: Weh! Miſſolunghi fällt! und halb erhob ich mich in meiner ew'gen Nacht. Ich höre der Kanonen dumpf, donnerähnlich Rollen, Des Kriegsgeſchreies wildes Grollen, Des Eiſens häuf'gen Schall, das Drängen in der Schlacht. Ich höre in der Stadt, erfüllt von Kampf und Morde, Den Ruf: Befreie du von dieſer Knechte Horde, Schatten des Botzaris, dein armes Griechenland! Und ich nur zu entflieh'n, zur Rettung für die Meinen Zerſchlug, im Dunkeln kämpfend, an jenen Marmorſteinen Mir die entfleiſchte Todtenhand.— Plötzlich, wie ein Vulcan, entzündet ſich, zerſpringet Der Boden.— Alles ſtill.— In andre Welten dringet Mein Blick und ſieht, was nie den Lebenden ward kund. Denn aus der Erde, aus den Flammen, aus dem Meere Entwichen raſch zahlloſer Seelen Heere, Theils fliegend himmelwärts, theils ſtürzend in den E Schlund. — 40— Die Sieger waren es, die meine Gruft aufdeckten, Sie miſchten nun mein Haupt mit euren, den befleckten, In des Tartaren Sack warf man ſie ohne Wahl. Da zitterte mein Körper enthauptet, vor Entzücken, Mir war's als ſtürb' ich, Freund, um recht mich zu beglücken, Für's Kreuz und Griechenland zum zweiten Mal. Es hat ſich unſer Schickſal auf Erden heut vollendet, Stambul, den Blick zu dieſer Erndte des Schwerdt's gewendet, Er ſtehet vor den Thürmen, den ſieben, zum Fanar; Und unſre Köpfe, der Verhöhnung Preis gegeben, Sie müſſen ſich auf dem Serail erheben, Den Sultan weidend und der Geier Schaar. Sieh alle unſ're Helden! Coſtas den Pallikaren, Chriſtos vom Berg Olymp; Hellas, der weit gefahren, Kitzos den Byron liebte, des ſangesreicher Quell; Und jenes Kind der Berge, das wir als Sieger krönen, Mayer, der wiederbrachte des Thraſybulos Söhnen Den Pfeil des Wilhelm Tell. Die unbekannten Todten, die da in unſern Reihen Durch unſ're Heldenſtirnen die feigen Stirnen weihen, Es ſind verfluchte Söhne des Eblis und Satan, Gemeine Schaar von Türken, dem Säbel untergeben, Sklaven, denen man raubt das Leben, Wenn noch ein Kopf ermangelt der Rechnung des Sultan. — 41— Ähnlich dem Minotaur, von dem die Väter künden, Lebt nur ein Menſch allein in dieſen Mördergründen, Die unſ're Fetzen zeigen dem Volke, knieend hier; Denn alle and'ren Zeugen des Feſtes in der Halle, Die ſcheußlichen Eunuchen, die ſtummen Mörder alle, Sie ſind, o Freund! ſo todt wie wir. Weß das Geſchrei?— Es iſt die Zeit, wo unſ're Frauen Und unſ're Schweſtern, Töchter, will ſeine Wolluſt ſchauen. Wo ihnen ihre Biüthe ſein gift'ger Peſthauch raubt; Der kaiſerliche Tiger vor Freude brüllend heute Zählt wechſelweiſe ſeine Beute; Jetzt unſ're Jungfrau'n, morgen von uns ein jedes Haupt. 5. Die dritte Stimme. Joſeph der Biſchof, grüßte euch, Brüder und Genoſſen, Miſſolunghi iſt hin.— Zum Untergang entſchloſſen Floh es den Hunger mit dem böſen, gift'gen Zahn; Die Türken riß es mit ſich in ſein Unglück nieder, Und zündet ſelbſt, ein furchtbar Opfer, wieder Den rächeriſchen Scheiterhaufen an. Als ich ſeit zwanzig Tagen die Stadt ſah Hunger leiden, Da rief ich: Krieger, Volk, kommt! es iſt Zeit zu ſcheiden Im heilgen Opfer ſagt ein Lebewohl der Noth; Empfangt an Gottes Tiſch aus meinen Prieſterhänden Der einzigen Nahrung letzte Spenden, Der Seele Speiſe, das von Gott geweihte Brod! O, welch' ein Abendmahl!— Die Lippen, die im Sterben Die heih'ge Hoſtie noch ſuchten zu erwerben; Die Krieger ohne Kraft, die dennoch Schutz gewährt; Troſtloſe Mädchen, Greiſe, arme Frauen, Und an der Mütter Brüſten, voller Grauen, Kinder, ſtatt Milch mit Blut genährt! Die Nacht kam und man ſchied; doch in des Dunkels Schweigen Sah die zerſtörten Wälle die Türken man erſteigen, Und ihren ſchwanken Schritten die Kirche offen ſtand; Auf eines Altar's Trümmern, der Letzte war's von Allen, Ließ raſch mein Haupt ein Säbel fallen; Ich betete, nicht kannt' ich ſie, die mich traf, die Hand. Beklaget Mahmoud, Brüder!— Ihm muß im wilden Glauben Gemeinſchaft ſeine Macht mit Gott und Menſchen rauben. Sein blödes Auge dringt bis in den Himmel nicht; Nur ſeine Krone, die ſtets wankt in unſern Tagen, Sie muß ein blutig Haupt auf jeder Zacke tragen, Er ſelbſt vielleicht iſt grauſam nicht. — 43— Der Armſte, ſtets der Qual der Angſt anheimgefallen, Verliert er jeden Tag von ſeinen Tagen allen; Es fehlt des Morgens ihm, fehlt ihm des Abends nicht. Stets Langeweile! Gleich den Götzen, die ſich ſchmücken, Die Sklaven ſich vor ihm verehrend bücken, Des Spahi Peitſche regelt den Weihrauch ihrer Pflicht.— Allein für euch muß Alles Luſt, Ehre, Freude werden, Ihr ſiegt in der Geſchichte, da ihr beſiegt auf Erden, und ſelbſt auf dem Serail ſollt ihr geſegnet ſein. Eu'r Ruhm kann durch den Tod doch nimmermehr ver⸗ gehen, Die grabberaubten Häupter werden euch zu Trophäen, Ein Monument iſt eu'r Gebein. Der Neid des Apoſtaten, er ſei auf euch gewendet. Fluch ihm, der frech das Waſſer der Taufe hat geſchändet Im Buch des Lebens ward vergebens er gezählt. Kein Engel harret ſein im Himmel, wo wir weilen, Verwünſchung möge ihn ereilen, 3 Da ſchon ſein bloßer Name wie Gift die Lippen quält. Du, chriſtliches Europa, vernimm du unſ're Klagen! Der heil'ge Ludwig hätte, uns Hülfe zuzutragen, Zu uns herbeigeführt der Ritter Heeresbann, O wähle endlich, ehe dein Gott ſelbſt aufgeſtanden, Zwiſchen Jeſus und Omar, zwiſchen dem Kreuz und Banden, Zwiſchen dem Heib'genſchein und dem Turban! Ja Botzaris, Joſeph, Canaris, heilge Schatten, Es höret eure Stimmen, die durch den Tod ermatten, Es wird das Zeichen ſehn auf eure Stirn gedrückt. Und beide Griechenlande ſie werden zu euch ſagen, Da zu dem Sühngeſange ſie Harf' und Laute ſchlagen Und zu euch kommen, Beide zwiefach mit Ruhm geſchmückt: „Ach Heilige ſeid ihr, Erhabene vor Allen! Halbgötter, Beichtiger, als Opfer uns gefallen, Euer Arm war ausgezeichnet in heißer Kampfes Gluth; Weh, daß der Todten Häupter in nied're Hände fielen! Dieß eu'r Calvarienberg nach euren Thermopylen, Für alle Opfer floß euer edles, reines Blut.“ L O, wenn Europa trauernd, mit ſolchem Blut beladen Nicht bis zu dem Serail ihm folgt auf ſeinen Pfaden, Bewahret Gott ihm auf der Reue bitt'res Leid.— Seefahrer, Prieſter, Krieger, euch fordern die Altäre, So, Himmel wie Olymp, erwarten euch, zur Ehre, Helden⸗Pleiade, Märtyrer⸗DOreieinigkeit! IV. ZBegeiſterung. Allons jeune homme: allons, marche! André Chéntér. Nach Griechenland! Lebt wohl! Lebt wohl; wir müſſen ſcheiden! Es fließe endlich nun der Henker Blut in Leiden, Wie einſt das Blut des armen Volkes floß. Nach Griechenland! Gebt Rache und Freiheit mir Geleite, Den Turban meiner Stirn; den Säbel an die Seite! Auf denn und ſattelt mir dieß Roß! Wann reiſen wir? Heut Abend.— Denn viel zu ſpät wär's Morgen. Pferd! Waffen! Laßt ein Schiff uns in Toulon beſorgen! Ein Schiff!— Auf Flügeln möcht' ich ziehn. Nur einige Trümmer noch vom alten Heer der Sieger,— und ungenblicklich ſäht ihr dieſe Türkentieger Vor uns, raſch wie Gazellen fliehn. Führ uns, o Fabrier, ſei wie ein Fürſt gebeten, Wo alle Kön'ge fehlten, da biſt du aufgetreten, — 46— Der du als Häuptling dieſer Horden kamſt, unter den neuen Griechen du, alter Römer's Schatten, Der du in deine Hände, einfach und ohn' Ermatten Das Schickſal eines Volkes nahmſt! Erwacht, erwacht von dieſes Schlummers Länge, Franzöſiſche Gewehre und ihr, ihr Schlachtenklänge, Bomben, Kanonen, heller Cymbelton! Erwacht ihr Roſſe, Säbel, denen fehlen Des Blutes Tropfen, um ſie recht zu ſtählen, Piſtolen mit zwiefacher Munition! Denn ich will Kämpfe ſehn, in Vorderreih'n ſtets weilen! Will ſehen, wie die Spahis gleich wildem Strome eilen Und ſtürzen auf das Fußvolk ſich; Seh'n, wie ihr Damascener, vom Roſſe fortgetragen, Im Nu vermag ein Haupt gewandt vom Rumpf zu 3 ſchlagen. Fort!——— doch ich armer Dichter, ich! Wohin entführet mich die kriegeriſche Weiſe? Es rufen mich zu ſich die Kinder und die Greiſe Ich, mich, den ſchon mit ſich reißt ein Hauch,— So wie ein Blatt, das von dem Baume abgefallen Und mit der Welle muß von Fluth zu Fluthen wallen, Gehn meine Tage hin in Traum und Rauch. 47— Es macht mich Alles ſinnen; der Berg, die Felder, Bäume, Es bringt der Flöte Ton den ganzen Tag mir Träume, Des Laubes Fliſtern reißt mich hin. Wenn bei des Abends Wehn die letzten Strahlen ſchwinden, Lieb ich den klaren See im tiefen Thal zu finden, Wo ſich die Wolken ſpiegeln drin. Ich lieb' es, wenn den Mond ich ſehe glühend leuchten, Aufſteigen aus dem Nebel, dem grauen, dichten, feuchten, Mehr, wenn die dunkle Wolke er erhellt. Die ſchwarzen, ſchweren Karren mag' ich gern Nachts gewahren, Die bei des Pachthof's Schwelle lärmend vorüberfahren und machen, daß der Hund im Dunkeln bellt. Kriegsruf des Mufti. Hierro, des pierta— te! Eiſen, erwache! Kriegsgeſchrei der Almogavaren. Zum Krieg die Krieger! Mahomet, Mahomet! treu! Die Hunde beißen die Tatze dem ſchlafenden Leu Und heben kühn ihr ſchändliches Haupt! Die gläubig ihr den Worten des Propheten lauſcht, Erſchlagt die Wankenden, vom Wein berauſcht, Die Männer, denen nur ein Weib erlaubt. Mit ſeinen Königen falle der Franken verflucht Geſchlecht, Spahi's, Timarioten, werft, ſchleudert! treffet recht!— Mitten in das Gefecht, in die Gefahr, 3 Turban und Säbel, eurer Hörner Schall, Die ſcharfen Bügel, gold'ne Dreieck all', Und eure Roſſe, mit dem wilden Haar! In Jeglichem von euch lebe Othman, Orthogruhs Sohn; Der Eine habe den Blick, der Andere den zürnenden Hohn. Auf, Führer! laßt mich euch ziehen ſehn. Wir nehmen dich wieder, Stadt, mit den Kuppeln von Azur, Weiche Setimah, die in unreiner Sprache nur Dieſe Babaren nennen Athen! VI. Der Schmerz des Paſcha. Von Allem getrennt was mir theuer war, verzehre ich mich einſam und verlaſſen. Byron. — Der Derwiſch ſprach: Was mag denn Allah's Schatten haben? Es iſt ſo reich ſein Schatz, ſo arm ſind ſeine Gaben, So finſter, unbeweglich, geizig, lacht bitter er. Hieb in des Vaters Säbel vielleicht er ſchlimme Scharten? Sah er, von den Soldaten, die des Befehls nicht warten, Aufbrauſen das erregte Meer? Was hat der Paſcha denn, was fehlet dem Veziere? Fragten, in Brand die Lunten haltend, die Bombardiere. Quälten die Imans gar dieß Eiſenhaupt vielleicht? Brach er den Ramazan? Haben ſie ihm, im Traume, Den Engel Azrael, der an der Erde Saume Hoch auf der Höllenbrücke ſteht, gezeigt? Was fehlt ihm nur? ſo murmeln die Jeoglans betroffen, Hat in den wiſden Strömen ein Schiffbruch wohl getroffen XVI. 4 ———„ Die Ladung Wohlgerüche, die ihn verjüngen kann? Ob ſeinen Ruhm man ihm in Stambul nicht verzeihet? Hat ein Zigeunerweib vielleicht ihm prophezeihet: Der finſtre Stumme komme an? Was hat der ſüße Sultan? ſo fragten die Sultanen, Traf er mit ſeinem Sohn gar unter den Platanen Die braune Favoritin mit ihrem Lockenhaar? Hat in ſein Bad ihm ſchlechte Eſſenzen man geſchüttet? Sah in des Fellah's Sack, im Staube ausgeſchüttet, Ein Haupt er, das für ſein Serail erwartet war? Was fehlt denn unſerm Herrn? So quälen ſich die Sklaven. Sie irren ſich.— Ach! wenn, verloren für die Braven Gleich einem Krieger ſitzend, der ſich beleidigt fühlt, Dem Greiſe, gleich unfähig der Jahre Laſt zu tragen, Er ſeit drei langen Nächten und ſeit drei langen Tagen Mit ſeinen Händen ſeine Stirn zerwühlt. So iſt es nicht, weil er ſah die Empörer ſtürmen, Und ihn belagern in des Harem's feſten Thürmen,* Bis in ſein Schlafgemach ſchleudern den Feuerbrand; Nicht, weil des Vaters Schwerdt ihm ſtumpf ward in den Händen, Nicht, weil er Azrael ſah an der Erde Enden Nicht, weil im Traum der Stumme vor ihm ſtand. — 1— Ach! volles Recht ließ er den Faſten wiederfahren, Bewacht iſt die Sultane, ſein Sohn zu jung an Jahren; Es ward kein Schiff vom Sturm dem Untergang geweiht; Der Tartar brachte die gewohnte Laſt wie immer; Nicht fehlt es dem Serail an Köpfen, Düften, Schimmer In der einbalſamirten Einſamkeit. Auch ſind die Städte nicht in Trümmer, dieſe reichen; Nicht Menſchenknochen ſind es, die in den Thälern bleichen; Nicht Griechenland, die Beute der Söhne des Omar, In Brand; nicht bitt're Klagen der Wittwen und der Erben, Kinder, die vor den Augen der armen Mütter ſterben, Noch Jungfrauſchaft zum Kauf gebracht auf den Bazar. Nein, nein, ſie ſind es nicht die finſteren Geſtalten Die, wie mit blut'gem Strahl das dichte Dunkel ſpalten, Zurück im Herzen laſtend der Reue bitt're Noth.— Was hat er denn der Paſcha, da ſich die Krieger ſehnen Nach ihm, der trüb und ſinnend ſitzt, wie ein Weib, in Thränen.... 2— Es iſt ſein Königstieger todt. 4*¾ —„» Lied der Seeränber. Wir führten in der Knechtſchaft Bande Ein hundert Chriſten, Fiſcher, fort, und raubten für den Harem, dort In allen Klöſtern auf dem Strande. Ihr kecken Räuber, auf das Meer! Wir zogen von Fetz nach Catane Und waren auf der Capitane Wohl achtzig tücht'ge Ruderer. 1 Ein Kloſter dort— die Anker fallen Gar ſchnell, am ufer dicht dabei; Und unſern Blicken zeigt ſich frei Ein Mädchen aus den frommen Hallen, Ganz ungeſtört ſchlief ſie am Meer, So ruhig unter der Platane.— Wir waren auf der Capitane Wobhl achtzig tücht'ge Ruderer.„ Mein ſchönes Mädchen, du mußt ſchweigen, Du folgſt uns jetzt.— Gut iſt der Wind, Du wechſelſt nur das Kloſter, Kind, Der Harem wird ſich auch ſo zeigen. — — 53— Der Sultan liebt die Knospen ſehr, Wir heilen dich vom Chriſtenwahne.— Wir waren auf der Capitane Wohl achtzig tücht'ge Ruderer. Nach der Kapelle will ſie fliehen— — Du magſt es wirklich, du, Satan!— — Wir wagen's, ſpricht der Capitan;— Sie weint, ſie flehet auf den Knieen.— Ob ſie auch ſchrie und lärmte ſehr, Wir trugen ſie in die Tactane. Wir waren auf der Capitane Wohl achtzig tücht'ge Ruderer. Die Trauer hat ihr nichts genommen. Ihr Blick glich einem Talismann; Sie galt uns wohl tauſend Toman; Es hat der Sultan ſie bekommen. Ob ſie auch weint' und klagte ſehr, Erſt Nonne ward ſie, nun Sultane;— Wir waren auf der Capitane Wohl achtzig tücht'ge Ruderer. Die VIII. Man hörte den Geſang der Vögel, ſo harmoniſch wie die Poeſie. Sadi Guliſtan. Ach! wär' ich nicht gefangen, So liebt' ich dieſen Strand. Der Wellen ſanftes Klagen, Das maisbebaute Land. Die ungezählten Sterne, Wenn Abends in der Ferne Nicht Spahiſäbel blinkten Im Schatten dunkler Wand. Kein Tartarmädchen bin ich, Daß ein Eunuche mir, Der Zither Saiten ſtimmet Und hält den Spiegel hier. Von Sodom weit entlegen, Darf man Geſpräche pflegen Mit jungen Männern Abends Im Land, das Wiege mir. Gefangene. — ,55— Doch lieb' ich ein Geſtade Wo niemals, eisbeſchwingt, Der kalte Hauch des Winters Durch offne Fenſter dringt; Wo Sommers warmer Regen; Der Käfer, der verwegen Umherſchwirrt, gleich Smaragden Und in dem Graſe blinkt. Smyrna iſt eine Fürſtin Mit ihrem ſchönen Kranz; Und ihren Ruf erwiedert Der Frühling ſtets im Glanz. Wie friſch die Blumen glühen Und in der Schale blühen, So zeigen friſche Inſeln Sich rings im Wogentanz. Die rothen Thürme lieb' ich, Die Fahnen voll und reich; Die blanken, goldnen Häuſer, Dem Kinderſpielzeug gleic. Ich lieb' es, in den Räumen Der Zelte, ſüß zu träumen, Die Elephanten tragen, Behaglich, ſanft und weich. — 56— In dieſem Feenpallaſte. Glaubt gern mein Herz, beſchwingt, An die erſtickte Stimme, Die aus der Wüſte dringt. Den Genien zu lauſchen, Dem anmuthsvollen Rauſchen, Des Liedes, das in Lüften Ein Geiſt ſüß tönend ſingt. Ich liebe jene Düfte, Die dieſes Land erzeugt, Das Laub, das an den Fenſtern Den goldnen, ſanft ſich beugt; Das Waſſer aus der Quelle Am Palmbaum klar und helle, Den weißen Schwan, der aufwärts Zum Minaret entfleucht. Ich lieb' auf moos'gem Lager Ein ſchmachtend ſpaniſch Lied Zu ſingen, wenn den Reihen Süß die Gefährtin zieht. Wenn flüchtige Geſtalten Sich in dem Tanz entfalten, Und unter'm Sonnenſchirme Der Reigen naht und fieht. Ich liebe, wenn das Lüftchen Des Abends mich umfängt, Mag in der Nacht gern ſitzen, In holdem Traum verſenkt. Der Blick ruht auf den Fluthen, Nach heißen Tages Gluthen, Indeſſen bleich und ſilbern Der Mond in's Meer ſich ſenkt. Mondſchein. Per amica silentia lunae. Virgilius. Der Mond ſchien heiter auf den Wellen ſpielend; Das Fenſter iſt dem Abendhauch geräumt; Die Sultanin blickt auf das Meer, das wühlend Mit Silberfluth die ſchwarzen Inſeln ſäumt. Die Zither ſinkt aus ihren Händen klingend; Sie lauſcht— ein dumpfer Lärm das Echo trifft. Iſt es ein türkiſch Fahrzeug fernher dringend, Das durch den Archipel, mit Tartarruder, ſchifft? Sind es Seeraben raſch die Fluth durchſtreifend, Die perlend rollt von ihrem dunkeln Flügel? Iſt es ein Djinn mit heiſ'rer Stimme pfeifend, Der Thurmesſpitzen ſchleudert von dem Hügel? Wer trübt die Fluth bei dem Serail der Frauen? Seeraben nicht, ſich wiegend auf den Wogen; Kein Stein iſt fallend von dem Thurm zu ſchauen; Kein türkiſch Schiff kommt rudernd hergezogen. — 59— Nein, Säcke ſind's, die Seufzer leicht bewegen; Wohl ſähe man, das dunkle Meer durchwühlend, Geſtalten ſich in ihrem Innern regen.—— Der Mond ſchien heiter auf den Wellen ſpielend. Ner SFchleier. Haſt du heute Abend gebetet, Desdemona? Shakſpeare. Die Schweſter. Sprecht, was habt ihr, meine Brüder, Warum ſchaut ihr aufwärts nicht?. Eure Blicke funkeln gräßlich, Wie des Grabgewölbes Licht. Eure Gürtel ſind zerriſſen, Und ſchon blinkt zum dritten Mal Halb gezogen aus der Scheide Unter eurer Hand der Stahl. Der älteſte Bruder. Schlugſt du nicht heute deinen Schleier auf? Die Schweſter. Aus dem Bade kehrt' ich, Bruder, Von dem Bad kam ich zurück; Wohl verhüllt vor der Gjauren Und der Albaneſen Blick. Als ich die Moſchee erreichte und im Palankin geruht, Lüftet ich den Schlei'r ein wenig Vor dem Druck der Mittagsgluth. Der zweite Bruder. Da vging ein Mann vorüber— in grünem Kaftan— nicht? Die Schweſter. Ja... vielleicht— doch meine Züge Hat der Kühne nicht geſehn.— Doch ihr ſprecht mit leiſer Stimme, Heimlich— o was ſoll geſchehn? Wollt ihr Blut?— bei meiner Seele! Brüder,— er hat nichts geſchaut— Gnade!— wollt ein Weib ihr tödten, Schwach und nackt, euch anvertraut? Der dritte Bruder. Die Sonne war blutroth im Untergehn. Die Schweſter. Gnade— wehe mir! Vier Dolche Dringen mir in's Herz hinein! Laßt mich eure Knie umfaſſen O mein Schleier, weiß und rein. Flieht nicht meine blut'gen Hände; Brüder, unterſtützet mich! Ueber meinen Blick im Brechen Legt ein dichter Schleier ſich. Der vierte Bruder. Den Schleier ſchlägſt du wenigſtens nicht — XI. Die Favoritſultanin. Falſch wie die Welle. Shakſpeare. Hab' ich für dich, ſchöne Jüdin, Nicht den Harem faſt geleert? Dulde, daß die Andern leben, Soll denn ſtets ein Beilhieb folgen Jedem Fächerſchlag von dir? Ruhe aus, o junge Herrin, Und begnadige die Schaar! Du biſt Sultanin und Fürſtin, Laß ſie nun in Frieden; fordre Ihren Tod nicht jede Nacht. Zu mir, wenn du ſolches ſinneſt, Kommſt du zärtlicher heran; Immer ſeh ich bei den Feſten, Daß du Häupter willſt verlangen, Wenn dein Blick viel ſanfter wird. Eiferſüchtigſte von Allen! Herz von Stahl und doch ſo ſchön! — 64— Meinen Gattinnen verzeihe,— Sterben denn des Raſens Blumen In der Roſe Schatten hin? Bin ich nicht ganz dein? Was thut es, Wenn dich feſt mein Arm umſchlingt, Daß umſonſt vor meiner Pforte Hundert Frauen ſich verzehren Tieferſeufzend, gluthdurchzuckt? Laß ſie immer dich beneiden In der tiefen Einſamkeit; Laß ſie, wie die Wege, ziehen; Laß ſie leben; dein die Erde, Dein mein Leben und mein Thron! Dein, mein ganzes Volk, erzitternd; Stambul dein, das hier am Saum Tauſend Spitzen aufwärts richtend Sich im Meer wiegt, einer Flotte Gleichend, die vor Anker ſchläft. Dein und nimmermehr der Andern, Meine Spahi's, ſchön geſchmückt, Die dicht auf einander folgen, Fliegen, auf dem Roß ſich bückend, Wie die Ruderer auf der Bank. XVI. Nufe auf die niedern Blumen — 65— Cypern dein, mit alten Namen, Dein Baſſora, Trapezunt, Fez, ſo reich an Goldſtaub, Moſul, Wo die Welten Handel treiben, Erzerum ſo ſchön gebaut. Smyrna dein, mit neuen Häuſern, Die, gebleicht von bittrer Fluth. Dein der Ganges, den die Wittwen Fürchten; dein, die mit fünf Flüſſen In das Meer, die Donau, fällt! Fürchteſt du die Griechenmädchen? Lilien von Damanhour? Fürchteſt du die heißen Augen Von der Negerin, ſich bäumend Wie die Tigerin, vor Luſt? Was thut mir, geliebte Jüdin, Schwarzer Buſen, Roſenſtirn. Biſt nicht weiß noch kupferfarben, Doch du ſcheineſt mir vergoldet, Wie von einem Sonnenſtrahl. hn Nicht, o Fürſtin, mehr den Sturm; e — 66— Freu' dich deines Siegs in Frieden, Ford're nicht, daß deinen Thränen, Falle jedes Mal ein Haupt! Denke der Platanen Kühle, Denk' an's ſchön gewürzte Bad, An den Golf mit den Tartanen; Wie der Dolch muß Perlen haben So Sultanen der Sultan. ,— — 8— XII. Der Derviſch. Ali ritt einſt vorbei. Die höchſten Häupter ſchauten Zu Boden; jede Stirne war gleich mit der Arnauten Fuß;„Allah!“ ſagte Jedermann. Da trat ein Derwiſch vor, alt, finſter von Geberde; Er machte durch den Schwarm ſich Bahn, des Paſcha's Pferde Fiel in den Zaun er und hub an: „Ali⸗Tepeleni! der Lichter Licht! geſeſſen Im Divan auf dem Sitz der Erſten! Paſcha, deſſen Ruhm täglich ſich zu mehren ſucht! Hör' mich, Weſſir des Heers, Beſitzer von Fregatten! Erhabner! Schatten deß, der da iſt Gottes Schatten: Du biſt ein Hund nur, und verflucht! Ein Grablicht, unbewußt dir ſelbſt, erhellt dein Leben; Wie ein zu voll Gefäß ſieht auf dein Volk mit Beben Man dich ausgießen deine Wuth! Wie eine Senſ' im Gras, glühſt du auf ihren Stirnen; Zum Kitt, um aufzubau'n dein Luſtſchloß, macht dein Zürnen Ihr Mark, zermalmt in ihrem Blut! Doch auch dein Tag erſcheint! Gott ſpricht: zu Trümmern werde Dieß Janina!— weit wird ſich unter dir die Erde Aufthun, und dich verſchlingen! Hör', Ein eiſern Halsband wirſt am Baum Seyni du finden, Auf deſſen Aſten ſich gottloſe Seelen winden; Die Qual der Hölle quält ſie ſehr! Nackt wird dein Geiſt entflieh'n! dein offnes Schuldbuch zeigen Wird ernſt ein Dämon dir! o, er iſt ſtreng! verſchweigen Wird er dir deine Opfer nicht! Du wirſt ſie ſehn! ſie ziehn dir durch die ſchwarze Pforte Der Hölle blutig nach, zahlreicher als die Worte, Die zagend deine Seele ſpricht. 4 So wird es dir geſcheh'n! von deinen feſten Städten Wird keine dich, auch nicht dein Heerzug wird dich retten, Und was du ſonſt beſitzen magſt; Selbſt nicht, wenn ſterbend, gleich dem ſündigen Hebräer, Mit falſchen Namen du der Hölle Pfortenſteher Den himmliſchen, zu täuſchen wagſt!“ In ſeinem Kaftan trug der Paſcha drei Piſtolen, Sein krummer Säbel hing herab zu ſeinen Sohlen, — 69— Man ſah des Dolchgefäßes Schmelz. Den Zürnenden ließ er ausreden, neigt ſchweigend Die träumeriſche Stirn; darauf, vom Pferde ſteigend, Gab er ihm lächelnd ſeinen Pelz. F. Fr. — 70— XIII. Das feſte Schloß. Was denken dieſe Fluthen, die ohne Murmeln feuchten Die Seiten dieſes Felſens, die wie ein Harniſch leuchten? Wie? Sahen ſie denn in dem eignen Spiegel nicht, Daß dieſer Fels, des Fuß zerreißt ihr Eingeweide, Auf ſeinem Haupte trägt der Feſte weiß Geſchmeide, Die wie ein Turban um die ſchwarze Stirn ſich flicht? Was thun ſie?— Gegen wen iſt's, daß den Zorn ſie hüten? Gegen das Vorgebirge, das alte magſt du wüthen O Meer! Gewähre nur, daß der Matroſe ruht.— An dieſem Felſen nage! Mit ſeinem hohen Neſte Schwank' er und neige ſich; die ſtarke weiße Feſte, Sie ſtürze, mit dem Haupt voran, in deine Fluth! O ſage, wieviel Zeit mußt, treues Meer, du haben, Um dieſen Felſen mit der Feſtung zu begraben?— Ein Tag, ein Jahr, wie? oder ein Jahrhundert?— 3 Sprich.— Laß deine gelbe Fluth ſtets um den Fuß ſich breiten, O unerſchöpflich Meer, was ſind denn alle Zeiten, Wohl mehr als eine Welle, in deinem Schlund, für dich? — „— — 1— Verſchlinge dieſen Riff! Verwiſch' ihn mit den Wogen, Wenn unaufhörlich ſie darüber hingezogen! Durch grünbehaarte Algen entſtelle die Geſtalt! In deinem Schooß⸗ bring' ihn zur Ruhe unter Stürmen, uUnd jede Welle nehme, von ſeiner Feſte Thürmen, Stets einen Stein mit ſich, wenn ſie vorüber wallt: Daß nichts mehr davon bleibe, und Jeder ohne Grauen Aufathme, Ali Paſcha's Thurm fortan nicht zu ſchauen; Und daß dereinſt, wenn dem befleckten Strand er nah, Im finſtern Meer, der Schiffer von Kos, den Wirbel ſehend, Deß Mittelpunkt ſich höhlt, am Steuerruder ſtehend, Den ſtummen Paſſagieren zuruft: Da war's, da! Türkiſcher Marſch. Là— Allah— Ellallah! Koran. II n'y a d'autre dieu que Dieu. An meiner Seite trieft mein Dolch von ſchwarzem Blute, Und meine Streitaxt klirrt am Sattel meiner Stute. Den wahren Sohn des Kriegs ehr' ich und lieb' ich! Graut Nicht Belial vor ihm? Er küßt mit Furcht und Liebe Des Vaters Bart! Wich je ſein Turban einem Hiebe? Sein alter Säbel iſt ihm werth, wie eine Braut; Sein Dolman iſt durchbohrt von Stichen; ſie bedecken Ihn ganz; kaum iſt beſä't mit ſo viel runden Flecken Des königlichen Tigers Haut. An meiner Seite trieft mein Dolch von ſchwarzem Blute, Und meine Streitaxt klirrt am Sattel meiner Stute. An ſeinem Arme tönt und glänzt ein Kupferſchild, Roth, wie der Mond, wird es von einem Hof umgeben. Sein Pferd kau't ein Gebiß, an dem S Schaumtropfen kleben; Ein wirbelnd Staubgewölk folgt ihm durch das Gefild. — 13— Sprengt auf dem Pflaſter, daß es bebt, ein ſolcher Streiter, So ſtaunt das Volk und ſpricht: Es iſt ein Türkenreiter, O ſeht, wie reitet er ſo wild! An meiner Seite trieft mein Dolch von ſchwarzem Blute, und meine Streitaxt klirrt am Sattel meiner Stute. Dann giebt er Antwort, fliegt und ſtößt mit muth'gem Grimme In die Trompete, daß weithin ſchallt ihre Stimme; Er tödtet; jeder Feind, der fällt, mehrt ſeinen Zorn. Des Kaftans Scharlachroth friſcht mit der Blutes Röthe Er auf; ſein Roß wird matt; doch daß er mehr noch tödte, Klopft ſchmeichelnd er's, und giebt den Sporn. Wenn hunderttauſend Giaurs zuſammenruft das Horn, An meiner Seite trieft mein Dolch von ſchwarzem Blute, Und meine Streitaxt klirrt am Sattel meiner Stute. 3 Gern ſeh' ich, ſiegt er, daß, ſobald das Horn verklingt, Sklavinnen, ſchwarz von Aug' und Wimper, ſich ihm zeigen Daß er die Imans, die dein Minaret erſteigen, Bei Nacht Wein trinken läßt und ſelbſt bei Tag ihn trinkt, Daß nach dem Kampf er ſchwärmt, und noch vom Schlagen heiſer, Mit lauter Stimme lacht, und als ein wahrhaft Weiſer 4 Die Houri's und die Liebe ſingt. 1 — 74— An meiner Seite trieft mein Dolch von ſchwarzem Blute, Und meine Streitaxt klirrt am Sattel meiner Stute. Ernſt ſei er, kühn und ſchnell im Rächen jeder Schmach; Mehr lieb' er das⸗Geklirr' des Schwerts, als was auf Erden Die Andern lernen, um in Ruhe alt zu werden. Er denke nicht dem Tag', wo Alles aufhört, nach, Dem Tage, wo die Sonn' erliſcht, wo Feuergarben Man ſieht. Furchtlos ſei er! Wohl ihm, wenn lieber Narben Als Runzeln, er beſitzen mag. An meiner Seite trieft mein Dolch von ſchwarzem Blute, Und meine Streitaxt klirrt am Sattel meiner Stute. So iſt, Comparadgi, Spahi, Timariot, Der wahre, gläubige Soldat! Wer mit der Zunge Nur ſicht und weibiſch bebt, wenn er zu wildem Sprunge Sein Thier anſpornen ſoll; wer ſtets beim Aufgebot Zuletzt erſcheint; wer, wenn ein Feſtungswall erſtiegen, Die Achſen nicht mit Raub beſchwert, daß ſie ſich biegen, Daß jede zu zerbrechen droht. An meiner Seite trieft mein Dolch von ſchwarzem Blute, Und meine Streitaxt klirrt am Sattel meiner Stute. Wer gern mit Weibern ſpricht; bei einem Kriegerfeſt Nicht mitzureden weiß von eines Hengſts Geſchlechte; Wer außer ſich nach Kraft und Freuden ſucht; wer Nächte Und Tage ſchwelgeriſch die Dirnen nicht verläßt; — 75— Nicht auf der Reitbahn, nur im Harem wird geſunden, Den Brand der Sonne ſcheut, lieſt, und den Chriſtenhunden Den Wein von Cypern überläßt. An meiner Seite trieft mein Dolch von ſchwarzem Blute, und meine Streitaxt klirrt am Sattel meiner Stute. Der iſt ein Feiger, und kein Krieger! Höre mich! Den ſieht man niemals im Gefecht, wie er die Hacke Schwingt, und den Renner ſpornt, daß er mit der Schabracke Den Boden ſtreift, ſieht nicht, wie er im Bügel ſich Aufrichtet!— Er iſt gut zu einem Maulthiertreiber! Auch mag er Formeln, wie die Prieſter und die Weiber, Abmurmeln, leiſ' und feierlich! An meiner Seite trieft mein Dolch von ſchwarzem Blute, und meine Streitaxt klirrt am Sattel meiner Stute. Fr. Die verlorene Schlacht. Stützend ſeine ſchweren Glieder Auf den Wurfſpieß, ſchaut er nieder, Von dem Hügel auf die Schlacht; Sieht ſein flüchtend Heer ſich drängen, Und in Fetzen ſieht er hängen Seines Zeltes Sammetvracht. Em. Deschamps, Roderich während der Schlacht. „Allah! wer wird zurück mein furchtbar Heer mir geben? Wer meine Reiterei, die wiehernde, beleben? Und wer auf's Neue baut mein prächtig Lager mir, Daß Nächtens lodern ließ, ſo viele Flammenbrände, Daß es dem Auge ſchien, als ob der Hügel ſtände, In einem Sternenregen ſchier? Wer giebt mir meine Bey's zurück, in ihrer rothen, Lang weh'nden Pelze Schmuck? Wer euch, Timarioten, Die zum Gefecht ihr flog't, mit wildem Kriegesruf? Wer euch, ihr bunten Khans, und euch, ihr meine kecken, Schwarzbraunen Araber, die ihr, des Landmanns Schrecken, Das Maisfeld zeichnetet mit eurer Roſſe Huf? — 77— Ha, dieſe Renner all, mit ihren dünnen Schenkeln, Ich ſehe ſie nicht mehr durch dieſe Wieſen plänkeln, Leicht, mit der Schnelligkeit des aufgeſcheuchten Reh's! Ich ſehe ſie nicht mehr, umſonſt vom Tod gelichtet, Gewitterwolken gleich, vor welchen Alles flüchtet, Sich ſtürzen über die Quarré's! Todt ſind ſie: Staub und Schweiß beſudeln ihre Decken; Auf ihrem Kreuz zerrinnt das Blut in ſchwarzen Flecken; Für immer iſt erlahmt ihr ſonſt ſo ſchneller Bug. Und neben ihnen ruh'n die Reiter, friſch erſchlagen, Die geſtern ſchlummernd noch in ihrem Schatten lagen, Als um die Mittagszeit Halt machte jeder Zug. Allah! wer wird mein Heer, das blut'ge, mir erſetzen? Da liegt es, ausgeſtreut im Felde, gleich den Schätzen, Die des Verſchwenders Hand ſä't auf des Marktes Raum! Ha! Pferde, Reiterei, Beduinen und Tartaren, Ihr Trab und ihr Galopp, Gewieher und Fanfaren, Es iſt mir Alles wie ein Traum! O meine kühne Schaar und ihre treuen Pferde! Vergeſſen habt ihr nun, auf dieſer blut'gen Erde, Den Säbel, das Gebiß und des Gefechtes Brunſt. Wer durch die Eb'ne geht, muß über Leiber ſchreiten: Das iſt ein Unglücksfeld für lange, lange Zeiten; Heut' Abend Blutgeruch, und morgen Leichendunſt! Allah! es war ein Heer, und iſt nur noch ein Schatten! Sie ſchlugen wacker ſich, und ohne zu ermatten, Vom Frühroth bis zur Nacht; ſie kämpften Mann an Mann! Nur rinnt der Abendthau in ihrer Wunden Klaffen; Die Tapfern endigten: ſie ruh'n auf ihren Waffen, Die Raben aber fangen an. Einher ſchon flattern ſie, vom kahlen Vorgebirge, Daß gierig über's Feld ihr krummer Schnabel würge; Sie haben hackend ſich an's Leichentuch geſetzt. Hal dieſe geſtern noch vom Muthe trunk'nen Schaaren, Dieß mächt'ge Kriegesheer, iſt heut' ein Raub der Aaren, Und keinen Raben ſelbſt kann es verſcheuchen jetzt! O, hätt' ich noch dieß Heer, in ſeinen weißen Zelten! Mit ſeinem Ungeſtüm, erobern wollt' ich Welten; Ich ließe Könige beherrſchen ſein Gebot; Als Weib umarmt'ich es, auf blut'ger Hochzeitsbühne;— Doch wie befruchtete ſo viel entſchlaf'ne Kühne Der unfruchtbare Gatte Tod? Fluch! daß kein feindlich Schwert zerſchmettert' meinen Schädel! Noch geſtern war ich groß;— drei Führer, ſtolz und edel, Sie ſaßen regungslos, anziehend das Gebiß, Auf der getigerten Schabracke weichem Felle, und flattern ließen ſie auf meines Zeltes Schwelle Drei Banner, die dem Kreuz der Roſſe man entriß. — 79— An meinem Auge hing der Blick von vierzig Baſſen, und ritt ich im Galopp durch meines Lagers Gaſſen, So grüßte donnernd mich die Trommel, ſtraff geſpannt; Kanonen, die ſich leicht nach allen Seiten drehten, Auf ihren ſchwärzlichen, vierrädrigen Laffeten, Spie'n Feuer, wenn ich hob die Hand. Hal geſtern Schlöſſer noch und Gärten, Städte, Brücken! Griechinnen tauſendweis, ſie auf den Markt zu ſchicken! Mir waren Arſenal und Harem niemals leer! und heute, blutbefleckt, geſchlagen und vertrieben, Flieh' ich.. Von meinem Reich iſt Nichts, ach! mir geblieben; Allah! ſelbſt keinen Thurm mit Zinnen hab' ich mehr! Flieh'n muß ich, Großvezier und Paſcha!— jenen weiten, Verhüllten Horizont noch muß ich überſcheiten! Verſtohlen, wie ein Dieb, der durch das Dunkel flieht! Der zitternd ſteht und horcht, ob etwas auch ſich rege, und ſchier in jedem Baum, der ſich erhebt am Wege, Des Galgens düſter Schreckbild ſieht!“— Die Worte Reſchid's dieß, der jüngſt ſo wild noch drohte⸗ Wir Griechen hatten heut' nicht mehr als tauſend Todte. Er aber floh dieß Feld, dem er ein Heer gezollt. Er wiſchte träumeriſch das Blut von ſeinem Säbel; Zwei Pferde neben ihm zerkauten ihre Knebel, Und leer um ihren Bug klirrte der Bügel Gold. Fr. XVI. Die Schlucht. Der ſchwarze Kamm der Berge wird durch die Schlucht zerriſſen; Als wenn vom Kaukaſus hinreiſend zum Ledar, Einſt ein Titane, der nichts weiß von Hinderniſſen, Sich über ihre Häupter bahnt den Pfad, Mit ſeines Wagens ungeheurem Rad. Wie oft ach! wandelten ſie unſern ſchweren Zeiten Die Wogen von der Chriſten und der ungläubigen Blut, Wenn ſie zugleich den Säbel ſo wie das Mitleid weihten, Die Spur des Rieſenwagens plötzlich in eines breiten Uebergetretenen Bergſtroms Fluth. XVII. Das Kind. Die Türken waren da, zerſtört iſt rings die Flur; Chios, die Traubeninſel, jetzt eine Klippe nur, Chios, beſchattet ſonſt von Laubgewinden, Chios, das ſeine Wälder ſpiegelt in heller Fluth, Die Hügel, die Palläſte, und oft, wenn Alles ruht, Den Chor von Jungfrau'n, die zum Tanz ſich finden. Verwüſtet Alles; nicht doch, auf Trümmern und Geſtein Saß ein blauäugig, griechiſch Kind allein, Und beugte das gequälte Haupt. Das Einzige, ihm Schutz und Stütze reichend, War dort ein Weißdorn, blühend und ihm gleichend, Vergeſſen, wo ſonſt Alles war. geraubt. Du armes Kind! mit nacktem Fuß auf dem Felsgeſtein, Damit du raſch dir trockneſt die ſüßen Augen dein, Blau wie der Himmel und die Fluth, Damit durch ihr Azur, in Zähren eingehüllt, Der Blitz der Freude zucke, der Blick von Luſt erfüllt, und daß dein Haupt du hebeſt wohlgemuth: XVI. 6 Was wünſcheſt du? was ſoll man dir denn bringen, Um fröhlich wieder glatt und ſchön mit Luſt zu ſchlingen, In Locken an die Schultern weiß und rein, Die Haare, die das Eiſen nicht entweihte, Die, wie die Blätter auf der Trauerweide, Herunter hängen auf die Stirne dein? Was kann den finſtern Schmerz zu ſcheuchen taugen? Iſt es die Lilie, ſo blau, wie deine Augen, Die Ivan's finſtern Brunnen rings bekränzt? Die Frucht des Tuba, des ſo großen Baumes? So, daß ein jagend Roß, inmitten ſeines Raumes, Wohl hundert Jahr braucht, eh' es ihn umgrenzt. Willſt einen Vogel du in Wunderſchöne, Der ſüßer ſingt, als einer Flöte Töne, Und lauter, als die hellen Cimbeln klingen? Was willſt du? Blume— Frucht— den Vogel— ſag's geſchwind! „Freund,“ ſpricht das griechiſche, blauäugige Kind, „Pulver und Kugeln mußt du bringen!“ — 83— XVIII. Sara im Jade. Le soleil et les vents, dans ces bocages sombres Des feuilles sur son front faisaient flotter les ombres. Alfred de Vigng. Sara, ſchön durch träges Weſen, Schaukelt leiſe Sich im Hamak, der da hängt über eines Brunnens Becken, Mit dem Waſſer Ganz gefüllt des Ilyſſus; Und die ſchlanke, leichte Schaukel Scheinet wieder Aus der hellen Spiegelfluth, Mit der Holden, die ſich badet, Und ſich drüber Beugt, um ſich darin zu ſehn. Jedes Mal, wenn in dem Fluge, Raſch der Nachen Schwankend an das Waſeer ſtreift, Sieht in den bewegten Fluthen Man erſcheinen Schönes Füßchen, ſchönen Hals. 6* — 84— Mit dem Fuße ſchlägt die feuchte Fluth ſie ſchüchtern, Runzelnd das ſo klare Bild; Es wird roth ihr Marmorfüßchen; Schelmiſch lacht ſie, Ob der friſchen, kühlen Fluth. Bleib verborgen hier; verweile! Heißen Blickes, Siehſt in einer Stunde du, Aus dem Bad die Unbefangne Arglos ſteigen, Deckend mit dem Arm die Bruſt. Denn ein Rädchen, das der klaren Fluth entſteiget, Iſt ein Stern, der hell erglänzt; 6 Spähend, ob auch Niemand nahe, Froſtig ſchauernd In der friſchen, freien Luft. Dort iſt ſie, im dichten Laube; Es erſchrecket Sie das leiſeſte Geräuſch; Wie die Blüthe der Granate Tief erröthend, Wenn ein Käfer nur ſie ſtreift. — 85— Alles ſieht man, was die Kleider Sonſt verhüllen; uUnd in ihrer Augen Blau Gleicht ihr Blick, den nichts verſchleiert, Einem Sterne, Der am blauen Himmel glänzt. Wie von einer Pappel tröpfelt Nun das Waſſer, Von dem zarten Leib herab,. Als ob tropfenweiſe fielen, Alle Perlen Ihres Halsgeſchmeides hin. Aber Sara zögert lange, Unbekümmert, Eh ſie endet ſolches Spiel; Immer ſchaukelt ſie ſie ch ſchweigend, Flüſtert leiſe Dann, ganz leiſe mit ſich ſelbſt: „Ambrabäder würd' ich nehmen, Wenn ich wäre Capitane, Sultanin, In dem gelben Marmorbade, Nah dem Throne, Das von Greifen wird bewacht. — 886— „Einen ſeid'nen Hamak hätt' ich, Der ſich bieget unter meiner Glieder Laſt; Eine weiche Ottomane, Die verbreitet Liebeszauber⸗Wohlgeruch. „Unbekleidet könnt' ich ſcherzen, Unter'm Himmel, In des Gartens hellem Bach; Ohne Furcht, zu ſehn im Schatten Dunkeln Laubes Scheu, zwei Augen, gluthentbrannt. „Wer mich ſehen wollte, müßte Allem trotzen, Wagen ſein unruhig Haupt; G Des Heiduken bloßer Säbel, Des Eunuchen Schwarze Stirne drohte ihm. „Ohne daß man meine Trägheit.* Triebe, könnt' ich Schleppen laſſen mit dem Kleid, Auf den breiten Quaderſteinen, Die Sandalen, Mit Rubinen reich geſchmückt.“ — 87— Alſo ſpricht mit ſich als Fürſtin, Unaufhörlich, Voller Liebe ſchaukelnd ſich, Froh das junge Mädchen, lachend Und vergeſſend, Wie der Tag ſo raſch beſchwingt. Auf das Gras, von ihren Füßen Wenig ſchonend, Springt das Waſſer raſch zurück; Auf das Hemd mit reichen Falten, Das ſich ſchaukelt, Aufgehängt an grünem Strauch. unterdeſſen eilet rüſtig, Nach den Feldern, Der Genoſſen ganze Schaar; Sehet dort den luſt'gen Haufen Weiter ziehend uUnd ſich faſſend bei der Hand. Jede, ſo wie Sara ſingend, Zieht vorüber, und wirft ihr im Liede vor: —„O das faule, faule Mädchen, Das ſo ſpät ſich Anzieht an dem Erntetag.“ XIX. Erwartung. Esperaba, desperada. Eichhorn, ſchwing dich auf die Eiche, Auf die ſchwankendſten der Zweige, Die des Himmels Nachbarn ſind. Schwan, getreu den alten Thürmen, Eile, fliege, wie in Stürmen, Von der Kirche zu der Feſte, Von dem Thurm zum Wall geſchwind. Alter Adler, aus dem Horſte, Steig empor, empor vom Forſte Zu des Felſens ew'gem Eis; Und du, die im Neſt der Wüſte, Stets das Morgenroth begrüßte, Steige, ſteige, raſche Lerche, Auf, gen Himmel auf, voll Fleiß. Jetzt denn von den höchſten Bäumen, Von des Thurmes engen Räumen, Von dem Fels aus Himmelshöhn, Sagt mir, ob ihr durch das Dunkel Seht den ſchlanken Helmbuſch wallen, Hört des Roſſes Hufſchlag ſchallen, Könnt den Liebſten kehren ſehn? 1 — ⸗ Lazzara. Und dieſes Weib war ſehr ſchön. Buch der Könige XI., 2. Seht wie ſie läuft, o ſeht: auf ſtaubbedecktem Pfad, Auf weichem Raſen, über die volle grüne Saat, Die dunkler Mohn mit ſeinen Blumen kränzet; Auf ungebahntem Weg, auf eb'ner Bahn zumal, Durch Wälder, über's Feld, und über Berg und Thal, O ſeht, wie ſie im Laufen glänzet! Groß iſt ſie, ſie iſt ſchlank und wenn mit frohem Schritt, Den Korb mit Blumen auf dem Kopf, ſie vor uns tritt; So ſcheinet ſie, von fern geſehen, Wenn ſie die weißen Arme legt an ihr Haupt ſo ſchön, Gleich einer Amphora mit Marmorhenkeln ſchön, Wie ſie in den zerfall'nen Tempeln ſtehn. Sie iſt voll Jugend und voll Luſt, an Liedern reich; Barfuß und nah dem See jagt ſie von Zweig zu Zweig, Die bunten, ſchillernden Libellen; Sie lüftet ihr Gewand, geht, kommt, mit frohem Sinn, Bleibt ſtehn, es gäben willig für ihre Füße hin Die Vögel ihre Flügel, ſelbſt die ſchnellen.— — 90— Des Abends, wenn die Heerde bei ihrer Glöckchen Klang Zur Heimath brüllend zieht mit langſäm ſchwerem Gang, Und Alle ſich zum Tanz vereinen; So ſucht ſie nicht, was ſie zumeiſt zu ſchmücken pflegt: Die Blume, die ſie dann in ihren Haaren trägt, Wird immer uns die ſchönſte ſcheinen. Omer, der alte Paſcha von Negropont, wie gern Hätt' Alles er gegeben für dieſen lichten Stern; Sein Schiff mit donnerndem Geſchütze, Geſchirre ſeiner Pferde, die Wolle weiß und rein, Der Heerden, ſein Gewand, glänzend von Edelſtein, Und ſeine rothe ſeid'ne Mütze: Die weiten Donnerbüchſen, ſeine Piſtolen ſchwer, Mit Silberknopf, von ihm nun abgenutzt ſo ſehr, Die Büchſen, deren Kugeln weithin eilen; Den krummen 2 Damascener; er hätte ſelbſt verſchenkt Das Tigerfell, an dem ſein gold'ner Köcher hängt, Gefüllt mit der Mongolen Pfeilen: Den Sattel mit den breiten Steigbügeln in den Kauf, Und alle ſeine Schätze und den Schatzmeiſter drauf, Seine dreihundert Concubinen; Die Kuppel ſeiner Hunde, mit reichem gold'nem Band, Und ſeine Albaneſen, die tapfern, ſonnverbrannt, Mit ihren langen Karabinen:— — — M— Franken und Juden mit dem Rabbi allzumal, Den roth und grünen Kiosk und jeden Badeſaal, Deß Boden rings mit Moſaik umgeben; Die hohe Feſte die auf ſpitzen Winkeln ruht, und ſeine Sonnenwohnung ſich ſpiegelnd in der Fluth, Hätt' er ſo gern für ſie gegeben.— Sogar den Schimmel, den er im Serail erzieht, Deß Schweiß mit Silberſchaum die breite Bruſt umzieht, Die gold'nen Zügel die ihn halten; Sogar die Spanierin von Algier's Dey geſchenkt, Die wenn ſie ſich mit Anmuth, raſch im Fandango ſchwenkt, Zart aufhebt der Basquina Falten. Ein Paſcha iſt es nicht, ein Klephte nur iſt's, der Sie nahm und niemals etwas für ſie gegeben her; Die Armuth iſt ſtets ſein Begleiter: Ein Klephte, der nur Luft und Waſſer haben kann, und ein Gewehr vom Rauch wie Erz gebräunt, und dann Der Berge Freiheit und nichts weiter. 4 Wunſch! Wär' ich das Blatt, mit dem im Wirbel Des Windes Flügel raſch enteilt, Das fort ſchwimmt von der Fluth getragen, Bei dem das Auge träumend weilt. So gäb' ich, friſch vom Zweig mich löſend, Mich Preis dem leichten Morgenwind, So wie den ſilberhellen Wogen Des Bächleins, das aus Abend rinnt. Noch weiter, als der Fluß im Rauſchen, Noch weiter, als der dichte Wald, Noch weiter, als die tiefen Schluchten, Flög', eilt' ich, ohne Aufenthalt. —OVVV—B—F—FBęB—··— Noch weiter, als der Wölfin Höhle Und als der Turteltauben Neſt, Noch weiter, als wo in der Ebne Am Quell drei Palmen wurzeln feſt. Noch jenſeits jener Felſenkämme, Um die ſich wild Gewitter drängen, Und jenes See's, an deſſen Rande So viele Sträucher niederhängen. — 934 Noch weiter, als die dürren Länder Des Häuptlings von dem Maurenheer, Auf deſſen Stirne noch mehr Runzeln, Als wenn es ſtürmet auf dem Meer. und wie ein Pfeil, ſo flög' ich über Den Spiegelteich von Arta dann, und jenen Berg, von deſſen Gipfel Korinth nicht Mykos ſehen kann. Doch eines Morgens, wie gefeſſelt Mit übermächt'gem Zauberbann, Hielt ich dann bei dem ſchönen Mykos Mit ſeinen blanken Kuppeln an. Dort eilt' ich zu des Prieſters Tochter Mit ihrem ſchwarzen Augenpaar, Das an dem Fenſter ſang bei Tage Und Abends vor der Pforte war. Dann ruht' ich ganz nach meinen Wünſchen, Das fortgepflog'ne Blatt, mich aus, Auf ihrer Stirne mich vermiſchend Mit ihren Locken, blond und kraus. So wie der Papagei, der ſchnelle, Im gelben Kornfeld, oder auch Wie in dem ſchönen Himmelsgarten Die grüne Frucht auf gold'nem Strauch. — 95— XXII. Die eroberte Stadt. Die Flamme leuchtet, zehrt, König, wie du befohlen, Und es erſtickt ihr Brauſen des Volkes Jammerſchrei; Wie dunkles Morgenroth die Dächer rings vergoldend, So tanzt ſie auf den Trümmern und flackert wild und frei. Der Mond erhebt, ein Rieſe, ſich mit den tauſend Armen, Die flammenden Palläſte, ſie werden raſch zum Grab; Die Väter, Gatten, Frauen ſind unter'm Schwert gefallen, Und Raben ſtürzen gierig ſich auf die Stadt hinab. Die Mütter ſchaudern,— und die Jungfrauen beweinten Die Jugend, die geſchändete, im Rund, Die wilden Roſſe ihre Körper ſchleifen, Zuckend, von Küſſen und von Hieben wund. Ein weites Leichentuch hat nun. die Stadt umgeben, Und Alles beugt ſich ſtill, wo ſich erhebt dein Arm. Die Prieſter traf das Schwert bei den Gebeten, Ihr heilig Buch, es ſank, nutzlos aus ihrem Arm. Die Säuglinge, zerſchmettert von den Pfoſten, Verathmeten; ihr Blut trinkt noch der Stahl; Es küßt dein Volk den Staub von deinen Sohlen, An deinen Fuß befeſtigt mit köſtlichem Metall. — 914— Und dort auf ihrem lieben Haupte 1 Wär' ich gewiß noch ſtolzer weit, Als auf des Sultans Stirn' die Feder, und wenn auch nur für kurze Zeit. XXIII. Lebewohl der Arabiſchen Wirthin. Weil unſer ſchönes Land dich nicht zu feſſeln weiß, Der Palme Schatten nicht, und nicht der gelbe Mais, Die Füll' und Ruh' nicht, die uns krönen; Weil es, o fremder Mann, das Herz dir nicht bewegt, Wenn unſrer Schweſtern Schaar die jungen Brüſte ſchlägt, Und tanzt zu deines Liedes Tönen: Leb wohl!— Mit eigner Hand hab' ich für dich gezäumt, Daß du es bänd'gen kannſt, wenn es ſich muthig bäumt Dein Pferd, mit dem furchtloſen Auge; Den Sand wühlt auf ſein Huf; ſein Kreuz iſt rund und ſchön, Und leuchtend, wie ein Fels im Schilfmeer, anzuſehn, Den glatt geſpült der Brandung Lauge. So ziehſt du raſtlos denn, und fürchteſt nicht des Ritts Ermüdung! Wärſt du doch, wie fie, die trägen Schritts Ihr Dach von Tüchern oder Zweigen Man nie verlaſſen ſieht, die Abends müßig vor Des Zeltes off'ner Thür Erzählern leih'n das Ohr, Und träumend zu den Sternen ſteigen!⸗ — 97.— O, hätteſt du gewollt!— warum auch mußt du ziehn?— Wie gerne würde dir, im Zelt auf ihren Knieen, Der Mädchen Eine Datteln reichen! Gern hätte deinen Schlaf ſie mit Geſang bewacht, Gern einen Fächer dir aus grünem Laub gemacht, Die böſen Fliegen zu verſcheuchen. Doch du ziehſt einſam fort! Fremdling, ſehr ſtolz biſt du! Aus dem Geſtein des Wegs ſieht deines Pferdes Schuh, Den eiſernen, man Funken ſchlagen. Im Schatten glänzt dein Speer; ſchon mancher Geiſt zerriß An ihm die Flügel, ließ er in der Finſterniß Vom Sturm ſich durch die Wüſte tragen. Kehrſt du zurück, o dann, daß meine Hütte leicht Du findeſt, ſteig' auf dieß Gebirg! ſein Rücken gleicht Dem des Kameels! Haſt du erklommen Den Berg, dann ſieh' umher! mein Hüttendach von Rohr Iſt wie ein Bienenkorb; der Hütte einz'ges Thor Sieht hin, von wo die Schwalben kommen! und kehrſt du nicht zurück, o ſchöner weißer Mann, Der Mädchen dieſes Dorfs gedenk' zuweilen dann, Die barfuß tanzen auf den Dünen! Zugvogel, den ſein Hang von Land zu Lande treibt, O, denke gern an ſie; denn dein Gedächtniß bleibt Im Herzen Mancher unter ihnen! XVI. 7 — 93.— Leb' wohl denn!— Zieh' grad' aus!— Hüt' vor der Sonne dich; uns bräunt das Antlitz ſie, doch dir verſengt ihr Stich Die Roſen, die auf deinem glühen! Hüt' vor der Alten dich, die zaubert— fleuch im Trab! Vor ihnen auch, die Nachts mit einem weißen Stab Auf's gelbe Sandfeld Kreiſe ziehen! Fr. — 99— XXIV. Verwünſchung. Ed altro disse: ma non e'ho in mente. Dante. Und Andres ſagt' er; doch es iſt mir nicht gegenwärtig.! Er irre raſtlos, jung, doch ſchon gebückt, Auf grenzenloſem Sand, wo heiß die Sonne drückt, Sobald ſie uns ſich zeigt; Dem Mörder gleich, der in der Nacht entflieht, So hör' er auch, wohin er immer zieht, Den Tritt, der hinter ihm im Schatten ſchleicht. Auf Gletſchern, blank und ſcharf, wie eine Klinge, Gleit' er und falle, falle er und ſchwinge Sich auf, und halte ſich mit ſeinen Nägeln an; Statt eines Anderen auf's Rad getragen, Betheur' er ſeine Unſchuld, ſei geſchlagen Kreuzweiſe an den Galgen dann. Dort häng' er, mit der blaugefärbten Lippe, Den Tod, ihm ſichtbar nur, das ſcheußliche Gerippe, Schau lächelnd dann zu ihm hinauf. Sein Leichnam leide, ſtets noch ſo viel fühlend, Wie an ihm nagt der Tod, mit ſeinen Zähnen wühlend, Der langſam ihn zehrt auf. Er lebe nicht, und ſei doch auch kein Geiſt; Es möge Sonnengluth auf ihn zumeiſt Und Regen wild in Güſſen fallen; Er wache plötzlich auf vom Schlaf und ſchwinge Vergeblich ſich und quäle ſich und ringe, Zerfleiſcht von gieriger Vögel Krallen. — 101— XXV. Die zerhackte Schlange. Ubrigens haben die Weiſen geſagt: Man muß ſein Herz nicht an vergangliche Dinge heften. Sadi Guliſtan. Ich wache; Tag und Nacht träumt mein entflammtes Haupt und meine Wangen Thränen ſaugen, Seit dem Albayda ſchloß, vom Grab geraubt, Die herrlichen Gazellenaugen. Sie hatte fünfzehn Jahre, ein Lächeln frei von Harme, und liebte mich, und hat mir feſt vertraut, uUnd kreuzte ſie auf weißer Bruſt die Arme, War es, als ob man einen Engel ſchaut. Einſt ging ich ſinnend an des Meeres Strand, Wo ſich zwei Vorgebirge ſtrecken, Da war es, wo ich eine Schlange fand, Die gelb und grün, mit ſchwarzen Flecken. und ihren Körper, den die Welle netzte, uUnd der ſich wälzt' in ſeinem Blut, Das Beil in mehr als zwanzig Stück' zerfetzte und es ward roſenroth durch ihn der Schaum der Fluth; Die Ringe wandten kriechend ſich und ſterbend Auf dem verlaſſnen Sand, Wo noch mit heißerm Roth von Blut ſich frbend Empor ſie die gezackte Krone wand. und alle Stücke, ſich zerriſſen dehnend, Sich kriechend windend nun: 3 Sie ſuchten ſich, ſo wie die Lippen, ſehnend, Zum heißen Kuß es thun. Und wie ich träumt' und fleht' zu Gott hinauf In ſtummem Mitleid zu dem ew'gen Richter, Schlug das bezahnte Haupt das Flammenauge auf, Und ſprach zu mir:„O Dichter! „Bedaure dich allein;— weit gift'ger iſt dein Gram Und deine Wunde ſchmerzlicher und ſchlimmer: Albayda, die der grimme Tod dir nahm, Schloß die Gazellenaugen ach! auf immer. „Der Beilhieb bricht auch deinen jungen Schwung, Dein Sein und deine ſämmtlichen Gedanken, Um deinen letzten Schatz, deine Erinnerung, Verſtreut ſich ranken. „Dein Geiſt anmuthig, hell, mit weitem Flug, Der, wie die Schwalbe ſteigend, Den Himmel bald mit kühnem Fittig ſchlug, Bald wieder ſank, ſich ſanft zur Erde neigend, — 103— „Stirbt jetzt, wie ich, bei der getrübten Fluth,“ und ſeine Kräfte ſchwinden: Er kann die Stücke, zuckend und voll Blut, Nicht mehr verbinden. XXVI. Nourmahal die rothe. No es hestia que non fu hy trobada. Joan Lorenzo Segura de Astorga. Es giebt kein Raubthier, das man da nicht fand. Zwiſchen jenen ſchwarzen Felſen Seht das finſtre Dickicht ihr, Das ſich aufſträubt in der Eb'ne, Einem Büſchel gleich von Wolle, Der des Widders Hörner ſchmückt. Dort in ungebahntem Schatten Brüllt der blut'ge Tiger wild, Das erſchreckte Löwenweibchen, Brüllt der Schakal, die Hyäne Und der ſcheck'ge Leopard. Ungeheuer aller Arten Kriechen dort: der Baſiliſk und die ungeheure Boa, Die ein Baumſtamm lebend ſcheinet, Und der Hippopotamus. — 105— Adler mit den rothen Augen, Schlangen, böſer Affen Schaar Ziſchen, wie ein Schwarm von Bienen; Und das Bambusrohr, im Gehen Knickt der plumpe Elephant. Dort lebt, was da heult und ſummet, Jenes ſcheußliche Gezücht; In dem Walde brüllt's und wimmelt, unter jedem Buſche blitzt es, Und es heult aus jeder Schlucht. Nackt und einſam auf dem Mooſe, Wär mir's beſſer dort im Wald, Als vor Nourmahal der rothen, Die mit ſanfter Stimme redet, und mit ſüßen Augen blinkt. — 106— XXVII. Die Djinns. E come i gru van cantando lor lai, Facendo in aer di se lunga riga; Cosi vid' io venir, traendo guai Ombre portate dalla detta briga. HDantèe. Wall, Stadt Und Port, Der Gruft, Ruhort; Weiße Fluth, Wo Wellen Zerſchellen,—— Alles ruht. d In der Eb'ne Lärm erwacht; Nur das Wehen Iſt's der Nacht, Das da kreiſt, Wie ein Geiſt, Dem ein Flämmchen Folget meiſt. — 107— Die Stimme lauter, Wie Glöckchen, klingt, Von einem Zwerge, Der luſtig ſpringt. Er flieht, beſchwinget, Im Tacte ſpringet, und weiter dringet Auf Wellenſaum. Das Geräuſch kommt näher; Echo wiederhallt. Wie des Kloſters Glocke, Die verwünſchte, ſchallt. Wie der Lärm der Menge, Wachſend im Gedränge, Sterbend in der Länge, Wieder ſteigend bald. Gott! es iſt die Grabesſtimme Von den Djinns, wie dröhnt ſie nach! Fliehen wir vor ihrem Grimme unter's ſich're Treppendach. Schon erliſcht mir meine Lampe, Des Geländers Schatten ſteigt Aufwärts an der Mauer Rampe, Bis den Giebel er erreicht. — 108— Es zieht der Schwarm der Diinns vorüber, Und Staub aufwirbelnd weiter rennt; Der Eibenbaum im Flug zerſchmettert, Kracht, wie die Fichte, wenn ſie brennt. Der Haufe, ſchwer und doch ſo reißend, Der wild ſich durch den Raum bewegt, Gleicht einer dunkelgelben Wolke, Die einen Blitz im Schooße trägt. Sie ſind ganz nah', o laßt uns feſt verrammeln Den Saal, in dem wir trotzend ſie verhöhnen. Welch ſcheußlich Heer von Drachen und Vampyren! O welches Lärmen, Krachen, Toben, Dröhnen! Des Daches Balken weicht in ſeinen Fugen, Und muß ſich wie ein feuchter Grashalm biegen; Die alte, roſtzerfreſſ'ne Pforte zittert, Als wollte ſie aus ihren Angeln fliegen. Der Hölle Schreien! Stimme, die zittert, ſtöhnt und weint, Der fürchterliche Schwarm, vom Nordwind hergebracht, Hat ſich gewiß, o Himmel! auf meinem Haus vereint, Und von den ſchwarzen Schaaren die Mauer wankt und kracht. — 109— Es ſchwankt und knarrt und beugt ſich gedrückt das ganze Haus; Man glaubt, es ſei gerriſſen aus ſeinem feſten Grund, und wie ein welkes Blatt geſchleudert weit hinaus, Treib' es und ſchleudr' es wüthend der wilde Sturm⸗ wind rund. Prophet! wenn deine Hand mich rettet, Von den Dämonen wilder Nacht, Sei meine Stirw in Staub gebettet Vor deiner Weihaltäre Pracht! O laß an dieſen treuen Pforten Erſterben ihren Flammenodem! umſonſt an dieſen ſichern Orten, Laß toſen ihrer Flügel Macht! Sie ſind vorüber! Es bewegt Die Schaar ſich weiter; ſie entflieh'n! Nicht mehr an meine Pforte ſchlägt Ihr Fuß, da raſch ſie abwärts zieh'n. Die Luft erfüllt der Ketten Klirren; Doch wie der Schwarm vorüberfleugt, Erzittert in dem Wald die Eichen, Von ſeinem Flammenflug gebeugt. — 110— Das Schlagen ihrer Flügel Verliert ſich nach und nach, Verworren in der Eb'ne Und ſchwächer allgemach, Als zirpten nur die ſchrillen Und aufgeregten Grillen, Als fiele Hagel nieder Auf ein verwittert Dach. Wunderlicher Laute Ton noch zu uns ſchallt, So wie der Beduinen Hornesruf verhallt. Ein Geſang erhebt ſich Auf dem Flächenraum, und das Kind, ſüßträumend, Träumet gold'nen Traum. Dieſes Lärmen,* Das ſich legt, Wie die Well' an's Ufer ſchlägt, Gleicht der Klage, Die die Lippen Einer Heil'gen Sanft bewegt. — 111— Man ahnt Die Nacht.... O horcht, Es zieht, Entflieht,— — Ein Traum, Und ſtirbt 1 Im Raum.— d M G ' — 112— XXVIII. Sultan Achmet. O erlaube reizendes Mädchen, daß ich meinen Hals mit deinen Armen umwickele Hafiz. Zu Juana aus Granada, Die beſtändig ſingt und ſcherzet, Sagte Sultan Achmet einſt: — Gern gäb' ich mein Königreich Für Medina, und Medina Gern für deine Liebe hin!— — Werde Chriſt, erhab'ner König! Denn die Luſt iſt ungeſetzlich, Die man in den Armen eines Schwelgeriſchen Türken ſucht.. 8 Schon genug iſt's an der Sünde, Vor Verbrechen fürcht' ich mich.— — Bei den Perlen, deren Kette Glanz erhöht, o meine Herrin! Deinen Hals, ſo weiß wie Milch, Will ich thun was dir gefällt: Wenn du mir vergönnſt zu nehmen Dein Halsband zum Roſenkranz.— XXIX. Mauriſche Romanze. Dixô le: dime buen hombre Lo que preguntarte queria. Romancero. Auf der Jagd iſt Don Rodrigo, Ohne Degen, ohne Harniſch. Eines Sommertags, um Mittag; Unter'm Laube auf dem Graſe Setzt ſich nieder Don Rodrigo, Den den Kühnen man genannt. Haß verzehrt ihn wild und flammend, An den Maurenbaſtard denkt er, Seinen Neffen, deu Mudarra, Deſſen Bruder er getödtet Einſt durch ſeine blut'gen Pläne, Sieben Infanten von Lara. um ihn in dem Feld zu finden, Reiſt' er gerne durch ganz Spanien, Von Figuera nach Setubal; Einer von den Beiden ſtürbe.' In demſelben Augenblicke Kam ein Reiter hergeſprengt. XVI. 8 G — 114— „Ritter, ob ein Chriſt, ob Maure, Schlafend unter'm Feigenbaume, Leite Gott dich an der Hand.“— „Gott verſtreue ſeine Gnaden Auf dich, Reiter, der des Weges Du bei mir vorüberziehſt.“— „Ritter, ob ein Chriſt, ob Maure, Schlafend unter'm Feigenbaume, Auf dem Raſen hier im Thal. Rede, ſage deinen Namen, Daß man weiß, ob du den Helmbuſch Eines Tapfern oder Schurken Wallend auf dem Haupte trägſt.“— „Iſt es das, was dich bekümmert? Nun, von Lara, Don Rodrigo Nennt man mich, nun weißt du es, Donna Sancha meine Schweſter, So hat's wenigſtens ein Prieſter, Als er mich getauft, erzählt. Unter'm Feigenbaume wart' ich. Und von Alba nach Zamora Sucht' ich den Baſtard Mudarra, Dieſen Sohn der Renegatin, Der ein Schiff des Maurenkönigs Aliatar jetzt befehligt. — 115— Sucht' er nicht mir auszuweichen Würd' ich ihn alsbald erkennen, Denn er trägt beſtändig mit ſich unſeren Familiendolch; Ohne Scheide iſt die Klinge, Ein Agatſtein glänzt im Knopfe. Ja, bei meiner Chriſtenſeele! Ja, von and'rer Hand, als meiner⸗ Findet nicht der Wicht den Tod. Das iſt Glück, um das ich buhle.... „Dich benennt man Don Rodrigo, Don Rodrigo von Lara? Nun denn, gnäd'ger Herr, der Jüngling⸗ Der dich nennt und mit dir redet, Iſt der Baſtard Mudarra. Iſt der Rächer und der Richter, Suche jetzt dir eine Zuflucht.“— Jener ſpricht:„Du kommſt ſehr ſpät.“ n „Ich, der Sohn der Renegatin, Der befehligt die Fregatte Aliatar des Maurenkönigs.. Ich, mein Dolch und meine Rache, Alle drei im Einverſtändniß' Sind wir da!“—„Du kommſt ſehr ſpät.“ 8* ———— — 116— „Viel zu früh für dich, Rodrigo, Wenn du nicht des Lebens müde Biſt.... Hal dich erfaßt die Furcht; Deine Stirn erbleicht; gieb Schurke Mir dein Leben; deine Seele Deinem Engel, mag er ſie. Wenn mein Dolch, der aus Toledo, und mein Gott mir hülfreich dienen; Siehe meiner Augen Gluth, Denn ich bin dein Herr, dein Meiſter, uUnd ich reiße dir, Verräther, Aus den Zähnen ſelbſt den Hauch. Endlich ſtillt in deinem Blute Jenen Durſt, der ihn verzehrt, Donna Sancha's Neffe jetzt.— Oheim, Oheim! du mußt ſterben! Keinen Tag mehr, keine Stunde“— „Guter Neffe Mudarra! Einen Augenblick nur warte, Daß ich mir mein Schlachtſchwert hole.“— „Keinen Aufſchub geb' ich dir, Als den meine Brüder hatten, In der dunkeln Grabeshöhle, Wohin du ſie brachteſt.— Noch! —— Wenn ich bis zu dieſer Stunde Meine Klinge nackt bewahrte, Henker! war's, weil ich gewollt, Daß, die Renegatin rächend, Meines Dolchs, mit dem Agate, Scheide deine Kehle ſei.“ Granada. Ouien no ha visto a Sevilla No ha visto a Maravilla Sei ſie ferne oder nahe, Spaniſch oder Sarazeniſch, Nimmer giebt es eine Stadt Die Granada, ohne Thorheit Streitig macht der Schönheit Apfel, uUnd die voller Grazie Noch mehr Pracht des Orientes Als die reizende entfaltet, uUnter ſchön'rem Himmelsblau. . 4 Cadix hat ſeine Palmen, Murcia Orangenbäume, Jäen des gothiſchen Pallaſt's ſeltſame Räume, Sein Kloſter hat Agreda von Sanct Edmund erbaut, Segoria den Altar, daß Stufen Küſſe weihen, Die Waſſerleitung mit drei Bogenreihen, In der, von hohem Gipfel, den Bergſtrom man erſchaut. Llers hat Thürme, Barcelona Hebt auf einer Säule Spitze Einen Pharus über's Meer; — 119— Treu den Fürſten Arragoniens Schließt Tudela in den Grüften Ihren Eiſenſcepter ein; Dunkle Schmieden hat Toloſa Die Luftlöcher von der Hölle Scheinen in der Nacht zu ſein. Den Fiſch, der einſt das Auge Tobias hat geheilet, Spielt in dem Grund des Buſens, wo Fontarabia weilet, Es miſchet Alicante die Glockenthürme mit Den Minarets, Cordova mit ſeinen alten Gaſſen Hat die Moſchee, nicht kann der Blick die Wunder faſſen; Den Manzanares hat Madrid. Bilbao, bedeckt mit Fluthen, 1 Ziehet einen grünen Raſen Um die alten Mauern hin; Medina, die ritterliche Hüllt mit ihrer Fürſten Mantel Ihre ſtolze Armuth ein,. Hat nur ihre Sykamoren, b Dankt den Mauren ihre Brücken, n Ihre Aquäducte Rom Dreihundert Kirchen hat Valencia aufzuzeigen, Das ſtrenge Alcantara läßt ſich im Winde neigen, — 120— Die Türkenfahnen, an den Pfeilern aufgeſteckt, und auf drei Hügeln von der Sonne froh beſchienen Schläft Salamanca ein, im Klang der Mandolinen, und wird von den Studenten urplötzlich aufgeweckt. Tortoſa liebt warm Sanct Peter; Wie gemeiner Stein iſt Marmor In dem reichen Puycerda; Tuy prahlt mit achteck'ger Feſte; Taragona mit den Mauern, Die ein König einſt erbaut; Bei Zamora fließt der Douro, Die Giralda hat Sevilla, Toledo den Alcazar. Pennaflor iſt Marquiſe und Herzogin Girona; Zum Kampfe ſtets bereit, ſchließt finſter Pampelona Eh es im Mondſchein ſchlummert, der Thürme Gürtel feſt; Burgos weiß des Capitels Reichthümer auszubreiten: Wie eine Nonne ſtreng in ihrem Thun und Schreiten, Bivar, die ernſte ſich erblicken läßt. Alle dieſe Städte Spaniens Breiten aus ſich auf den Eb'nen, Oder krönen heohen Fels; Alle haben Citadellen, Wo niemals des Sturmes Glocke — 1221— Von ungläub'ger Hand erklang; Alle haben auf dem Dome Hohe Thürme; doch Granada Den Alhambra hat's allein. O der Alhambra! der Pallaſt, deß gold'ne Räume Mit Zauberklang die Geiſter, ſo wie im Reich der Träume, Erfüllt; die Feſte mit den Zinnen hehr beglückt, Wo bei des Mondes Schein magiſche Worte klingen Wenn ſeine Strahlen durch die tauſend Bogen dringen und er mit weißem Klee die Mauern ſchmückt. Ja, mehr Wunder hat Granada, Als umſchließet rothe Körner Ihrer Thäler ſchöne Frucht; Granada die wohl genannte, Wenn entfaltet ihre Banner, Wallend, der entflammte Krieg, Schrecklicher als die Granate Vor der Bataillone Fronte Bricht ſie aus in wildem Zorn. Denn ſchöner iſt und größer nichts auf der Welt zu finden Ob ſich Vivataubin Vivaconlud verbinden Durch ihre helle Trommel von Glöckchen rings umſchwebt, Ob auch mit Gluth ſich krönend ringsum wie ein Kalife Der blendende Generalife Hoch durch die Nacht den hellen Giebel hebt. Die Drommeten ihrer Thürme Klingen ſummend wie die Bienen, Deren Schwarm der Wind gejagt; Stets bereit hat für die Feſte Alcacara ſeine Glocken, 4 Die da dröhnen ihm im Schooß, Und erwecken die Dulcaynen In den afrikan'ſchen Thürmen Des ſonoren Albaycin. Die Nebenbuhlerinnen beſinget ſtets Granada, Es ſinget weicher noch die weiche Serenada, Mit reicher'n Farben ſtets ſchmückt es jedwedes Haus; Man ſagt, daß unbeweglich der Wind nicht vorwärts ſchreitet Wenn es am Sommerabend auf ſeinen Eb'nen breitet Die Frauen und die Blumen aus. Seine Ahne iſt Arabien; Afrika und Aſien würden Gern die Mauren ein zum Spiel Für Granada, muthig ſetzen; Doch Granada iſt katholiſch Und es treibt mit ihnen Spott; O, die ſchöne Stadt Granada Wär' ein anderes Sevilla Könnten zwei Sevilla's ſein.— Die Cyanen. si es verdado no, Vo no lo he hy de ver pero non lo quiero en olvido poner. Joan Lorenzo Segora de Astorga- Indeß der Stern, den zu den Ahren, Den blonden, miſcht die Sommmerzeit, Mit ſeinem blauen Schmelz die Furchen Der gold'nen Saaten decket weit: Eh' noch die Sichel auf den Fluren, Verwüſtet hat die Blumenwelt, Geht hin, o geht, ihr jungen Mädchen! und pflückt Cyanen in dem Feld. unter den Städten Andaluſiens Giebt es wohl keine, in der That, Die mehr als Pennafiel ſich ſtrecke Auf grünem Raſen, gold'ner Saat, und die in den gekerbten Mauern Mehr ſtolze Thurmeszinnen hält; Geht hin, o geht ihr jungen Mädchen! und pflückt Cyanen in dem Feld. — 124— Nicht giebt es eine Stadt der Chriſten, Kein Kloſter giebt es, Gott geweiht, Im Land des Papſtes wie des Königs, Wohin, zur Sant-⸗Ambroſiuszeit, Mehr ſonnverbrannte Pilger kommen Aus allen Gegenden der Welt: Geht hin, o geht ihr jungen Mädchen! Und pflückt Cyanen in dem Feld. Auch haben nirgends junge Frauen, Wenn man des Abends tanzt den Reih'n, Mehr Roſen auf der zarten Stirne, Mehr Flammen in des Herzens Schrein, Nie ſtrahlten hinter den Mantillen Meohr Blicke, lebhafter erhellt; Geht hin, o geht ihr jungen Mädchen! Und pflückt Cyanen in dem Feld. Alice, Andaluſiens Perle War in Penafiel zu Haus, Alice, die den Honig ſammelnd Als Blume wählt' die Biene aus. Die Tage, ach! ſind längſt verſchwunden, Wo ſie als Muſter aufgeſtellt; Geht hin, o geht ihr jungen Mädchen! Und pflückt Cyanen in dem Feld. — 125— Es kam in jene Stadt ein Fremder, Der ſtolz und ſehr hochfahrend war; Stammt' er aus Murcia, Sevilla, Wie oder aus Granada gar? Kam er vom ſandigen Geſtade, Wo Tunis ſein Geſchwaͤder hält...? Geht hin, o geht ihr jungen Mädchen! und pflückt Cyanen in dem Feld. Man wußt' es nicht.— Er liebt Alice, Sie ſchenkt ihm wieder ihre Huld; Das Thal, das ſanfte, des Farama War Zeuge ihrer ſüßen Schuld. Des Abends ſchweiften in den Büſchen Sie, bei dem Glanz der Sternenwelt.... Geht hin, o geht ihr jungen Mädchen! Und pflückt Cyanen in dem Feld. Die Stadt lag finſter in der Ferne, Der Mond, den Liebenden geneigt— Indeß er hinter jenen Zinnen und Thürmen langſam aufwärts ſteigt, Hat jene ſchlanken, ſchwarzen Spitzen Mit ſeinem Silberglanz erhellt.... Geht hin, o geht ihr jungen Mädchen! und pflückt Cyanen in dem Feld. —— Doch eiferſüchtig auf Alice, Vom Fremdling träumend ſüßen Traum, Tanzten die Andaluſierinnen Froh unter duft'gem Blüthenbaum; Indeß, den raſchen Tanz belebend Das Horn zur Cither ſich geſellt.... Geht hin, o geht ihr jungen Mädchen! Und pflückt Cyanen in dem Feld. Der Vogel ſchlummert ſanft im Mooſe, Da ſchon der Geier ihn bedroht; So ſchlummerte in ihrer Liebe Alice, frei von Angſt und Noth. Don Juan, König von Caſtilien So hieß der ſchöngelockte Held.... Geht hin, o geht ihr jungen Mädchen! Und pflückt Cyanen in dem Feld. Gefahr bringt's, einen Fürſten lieben. So ward ſie eines Tags entführt Zu Roß, und auf Befehl des Königs Aus ihrem Lande fortgeführt. 1 Ein Kloſter ſie, ſeit jenen Stunden, Gefangen in der Zelle hält.... Geht hin, o geht ihr jungen Mädchen! und pflückt Cyanen in dem Feld, — 127— XXXII. Phantam e. Luenga es su noche, v cerrados Estan Ssus ojos pesados. Idos, idos en paz, vientos alados. Lang iſt ihre Nacht und geſchloſſen Sind ihre ſchweren Angen. Zieht, zieht in Frieden, geflügelte Winde. 1. Ach wieviel ſah ich ſchon der jungen Mädchen ſcheiden! Das iſt Beſtimmung ſo. Beute verlangt der Tod; Denn fallen muß das Gras ſtets vor der Siecheln Schneiden; Die auf dem Balle ſich an frohen Tänzen weiden, Zertreten Roſen, friſch und roth. Im Laufe durch das Thal muß ſich die Fluth verzehren, Der Blitz muß leuchten raſchem Tod geweiht, Neidiſch muß der April mit ſeinem Froſt verheeren Den ſchönen Apfelbaum, den ſeine Blüthen ehren: Duftreicher Schnee der Frühlingszeit. Das iſt das Leben, ja! es folgt die Nacht dem Tage; Man wacht zuletzt— ob göttlich oder verdammet— auf; Denn eine gier'ge Menge weilt bei dem Feſtgelage, Doch viele der Gelad'nen weichen von dem Gelage und ſtehen vor dem Schluſſe auf. Wie viele ſah ich ſterben.— Die Eine roſigblühend, Die Andre ſchien zu lauſchen himmelentſproſſ'nem Klang; Die Oritte ſtützte mit dem Arm die Stirn, ſich mühend und wie den Zweig der Vogel im Fluge beugt, entfliehend, Brach ihren Körper ihrer Seele Drang. Die Eine bleich, verwirrt, dem Wahnſinn preisgegeben, Sprach einen Namen leiſe, den Niemand kennt und ehrt; Die Andere entſchwand, wie Töne ſanft verſchweben; Die Dritte lächelte beiem Abſchied von dem Leben, Gleich einem Engel, der da wiederkehrt. Sie alle zarte Blüthen; ihr Tod ſo nah dem Werde, Eisvögel, die das Meer mit ihrem Neſt verſchlang; Es waren Tauben, die der Himmel gab der Erde, Geſchmückt mit Liebe, Jugend, anmuthiger Geberde: Ihr Daſein ach! nur einen Frühling lang. Wie todt! Wie! Euch ſoll ſchon des Grabes Decke hüten! Wie, ſoviel holde Weſen, die ohne Blick und Wort! Soviel erloſch'ne Fackeln und abgeriſſ'ne Blüthen! O, laßt mich in den abgefall'nen Blättern wüthen! Fort, zu des Waldes Gründen fort! — 129— Süße Erſcheinungen! Dort zu des Haines Enge, In meinen Träumen kommen und reden ſie mit mir; Ein zweifelhafter Tag zeigt mir und birgt die Menge; Dort in den Zweigen und dem dichten Laubgedränge, Da glänzen ihre Augen mir. Da fühlet meine Seele verſchwiſtert ſich mit ihnen; Das Leben wie der Tod vermag nichts über mich: Bald nehm' ich ihre Flügel, bald helf' ich wieder ihnen, O wunderbar Geſicht! wo ich mir todt erſchienen Und wo ſie lebend ſind, wie ich. Sie ſind die Form, die für mein Denken ich gefunden; Ich ſehe ſie vor mir; ſie rufen freundlich mich; Dann tanzen ſie den Reihn rings um ein Grab verbunden; Dann ſcheiden langſam ſie, allmählig nur entſchwunden... Ich ſinne und erinn're mich.— 3. Die junge Spanierin! vor Allen dieſe Eine! Mit weißer Hand, den Buſen unſchuldig angeſchwellt, Das ſchwarze Auge mit dem feuchten dunkeln Scheine, Der unbekannte Reiz, der friſche Glanz, der reine, Der eine fünfzehnjähr'ge Stirn erhellt! XVI. 9 — 130— Aus Liebe ſtarb ſie nicht; nicht Kampf, noch Luſt, noch Wagen, Hatte für ſie die Liebe, zu fern noch war ſie hier; Nichts machte noch bisher ihr Herz unruhig ſchlagen; Wie ſchön ſie iſt! ſo mußte, wer ſie erblickte, ſagen; Doch Jeder ſagt' es laut zu ihr. Zu ſehr liebt' ſie den Tanz; das endete ihr Leben— Den Tanz mit ſeiner Luſt und ſeinem Schein; Es iſt, als müßten noch der Todten Glieder beben, Wenn in der heitern Nacht Wolken den Mond umgeben und um ihn ſchlingen ihren Reih'n. Zu ſehr liebt' ſie den Tanz. Sobald ein Feſt gekommen, So träumte ſie drei Nächte, dachte drei Tage d'ran; uUnd Frauen, Muſikanten und Tänzer alle kommen Zu ihrem Schlaf und haben den Sinn ihr eingenommen, Daß er ſonſt Nichts vernehmen kann. Dann waren's Edelſteine, Halsbänder und Geſchmeide, Gürtel von dunkelm Taft mit wellengleichem Schein⸗ Wie Bienenflügel leicht, Gewänder feinſter Seide, Guirlanden, Blumen, Bänder zu reicher Augenweide: Es konnte herrlicher Nichts ſein. Sobald das Feſt begann, kam ſie herbeigeeilet, Mit den Geſpielinnen, die Fächer in der Hand, Indeß ſie mitten unter den ſeid'nen Schärpen weilet Und ſich zu Siegesklängen, vom Freudenrauſch ereilet, Ihr Herz mit der Muſik verband. — 131— Man ſah mit Luſt ſie froh ſich zu dem Tanze einen; Mit ſeinen blauen Flittern bewegte ſich ihr Kleid; Da unter der Mantille die dunkeln Augen ſcheinen Gleich Doppelſternen, die ſich in der Nacht vereinen, Um die ſich düſter eine Wolke reiht. An ihr war Alles Tanz und Scherz und freies Walten. Das Kind!— Wir ſah'n ihr zu, des Wechſels wohl bewußt. Denn auf dem Balle kann ſich nicht das Herz entfalten, Um ſeidene Gewänder muß dort die Aſche ſchalten und finſyrer Überdruß um Spiel und Luſt.— Sie aber, von der Runde, dem Walzer fortgezogen, Sie flog dahin und kehrte und ließ ſich keine Ruh, Berauſcht vom Blumenduft und von der Töne Wogen, Von heller Lichter Strahlen, die auf und nieder flogen, und vom Geräuſch der Tritte, ab und zu. O welches Glück! ſich ſo der Menge hinzugeben, Vom Ball erregt in wilder Gluth, Nicht wiſſen ob wir in der dunkeln Wolke ſchweben, Ob wir die Erde fliehen, ob wir uns kühn erheben, Getragen von der raſchen Fluth. 3 Doch ach, ſie mußte, wenn das Morgenroth erglommen, Scheiden, und an der Schwelle warten auf ihr Gewand; Dann fühlte oftmals ſie mit Schaudern und beklommen Auf ihrer nackten Schulter, wie kühl der Wind gekommen, Den plötzlich fröſtelnd ſie empfand. 9* O nach dem frohen Ball, wie viele trübe Stunden! Fort Schmuck und Tanz, fort Lachen und heiteres Geſchick! Da ſich hartnäckig nun der Huſten eingefunden, Da nach der Luſt das Fieber mit Schauern ſie umwunden, Da hellem Blicke folgt erloſch'ner Blick. 4. Sie ſtarb!— Mit fünfzehn Jahren, ſchön, und beglückt im Herzen, Starb, als vom Ball ſie ſchied, der uns mit Gram erfüllt; Der Tod nahm aus den Armen der Mutter, irr vor Schmerzen, Sie fort, die noch geputzt, die noch voll Luſt und Scherzen, Und hat in ew'ge Nacht ſie eingehüllt. Sie war noch ganz bereit ſo manchen Ball zu ſchmücken; Doch unbarmherzig riß der Tod die Blüthe ab, Und dieſe Eintagsroſen, die ihre Stirne ſchmücken, Die bei dem Feſte erſt erblühten, nach dem Pflücken, Die Knospen welkten nun im Grab. 4 5. Die arme Mutter! Ach! die nicht ſolch Ende dachte, und ſo viel Liebe auf dieß zarte Rohr gewandt, Die ihre Kindheit ſo ſorgfältig einſt bewachte, So manche trübe Nacht bei ihr mit Schmerz verbrachte und ſie gewiegt mit eigner Hand!. — 133— Wozu! Sie ruht im Grab, das kühler Raſen decket, Des Wurmes Beute, nur von ihm im Sarg bewacht; und wenn ein Feſt der Todten ſie aus dem Schlummer wecket, Der bleiern, ſtarr und kalt ſich über ſie geſtrecket In einer ſchönen Winternacht: So wird ihr ein Geſpenſt mit ſchauderhaftem Lachen Beiſtehn, ſtatt ihrer Mutter und rufen: Nun iſt's Zeit! Wird mit den Knochenfingern ihr ihren Haarſchmuck machen, Vom Kuß der blauen Lippen wird gräßlich ſie erwachen, Mit dem es ſie zum Feſt geweiht. Es wird die Zitternde zum grauſen Tanze leiten, Im luft'gen Chor, im Reihen, gleich dem Traum.— Am grauen Horizont iſt bleich der Mond, es breiten Die Strahlen ſich des Mondſcheinregenbogens, ſpreiten um dunkle Wolken ihren Silberſaum. 6. Ihr Alle, die der Tanz einladet ſich zu ſchmücken, Gedenkt der Spanierin, die nimmer wiederkehrt! Ihr jungen Mädchen.— Seht, ſie eilte voll Entzücken, Um ſich des Lebens Roſen mit raſcher Hand zu pflücken, Die Schönheit, Liebe, Jugendluſt beſcheert. — 134— Das arme Kind! Sie hat, von Feſt zu Feſten ziehend, Mit dieſen reichen Blüthen ſich voller Luſt geſchmückt; Ach, die Unglückliche, zu bald nur uns entfliehend, Riß, gleich Opheline, die Fluth, ſie mit ſich ziehend, Hinab, da ſie am Ufer Blumen pflückt. XXXIII. Mazeppa. An Louis Boulanger. Away! Away! Byron, Mazeppa. Fort! fort! 1. So, als Mazeppa, der in Wuth ausbricht und Thränen Sah ſeine Arme, Füße, die ſchwerdtgeſtreiften Seiten Gebunden, jedes Glied, Auf einem wilden Roß, genährt von Meeres Kräutern, Das raucht und Feuer ſprüht aus ſeinen weiten Nüſtern, Wie aus den Hufen, wenn es flieht. Als er in ſeinen Banden ſich wie ein Wurm gewunden, und hoch erfreuet hat mit dem unnützen Wüthen Der Henker freche Schaar, 3 Zurück nun endlich fällt ermüdet auf die Kruppe, Schweiß auf der Stirne, Schaum vor ſeinen wunden Lippen und Blut im Blick, der ſonſt ſo klar. Da tönt ein Schrei urplötzlich durch die Ebne Fliegen ſo Mann wie Roß auf leicht bewegtem Sande — 136— Hin, fortgeriſſen, odemlos; Allein, Staubwirbel wild mit ihrem Lärm erfüllend, Der ſchwarzen Wolke ähnlich, in der ſich Blitze ſchlängeln, Gehoben von der Winde Stoß. Fort geht's, dem Ungewitter gleich ziehn ſie durch die Thäler, Wie die Orkane, die ſich in den Bergen häufen, Gleich dem entflammten Meteor;. Schon ſind ſie nichts mehr als ein ſchwarzer Punkt im Nebel, Verwiſcht ſchon in der Luft gleich einem Flocken Schaumes, Gehoben von dem Meer empor. Fort geht's.— Der Raum iſt groß. In jener weiten Wüſte Endloſen Horizont, der immer neu beginnet Tauchen ſie, wie in tiefes Meer, Flug ähnlich reißt ihr Lauf ſie fort und große Eichen, und Städte, Thürme wie der Berge dunkle Ketten, Es wanket Alles rings umher. Wenn der Unglückliche, deß Haupt nah dem Zerſchmettern, Sich wehrt, ſo ſtürzt das Roß das vor dem Winde eilet, Mit Sprüngen, die noch mehr erſchreckt, Sich in die weite, dürre undurchſchreitbare Wüſte, Die mit den ſand'gen Falten wie ein geſtreifter Mantel, Vor ihnen aus ſich ſtreckt. — 137— Es malt ſich Alles ſchwankend mit unbekannten Farben; Er ſieht die Wälder und die breiten Wolken laufen, So wie den längſt verfall'nen Thurm, Die Berge, wo ein Strahl die Zwiſchenräume badet; Er ſieht's, es folgen Heerden von Stuten heiß und dampfend Ihm, wie im wilden Sturm! Den Himmel, wo die Schritte des Abends ſich verlängern Mit ſeinem Wolkenmeer in das von Neuem Wolken Sich ſtürzen wiederum, und deſſen Sonne, die die Wogen raſch durchſchneidet, Dreht ſich auf ſeiner Stirn, wie ſich ein Rad von Marmor Mit goldnen Adern drehet um. Sein Auge blicket irr' und glänzet, ſeine Haare Schleppen, es hängt ſein Haupt, es färbt ſein Blut die Wüſte Wie es den knot'gen Dornbuſch näßt, Die Stricke ſchlingen ſich um die geſchwoll'nen Glieder Und wieder feſter ſich, wie eine lange Schlange Im Biſſe ſchlingt die Knoten feſt. Das Roß, das Sattel nicht und nicht Gebiß verſpüret, Flieht immer, immer fließt ſein Blut hinab und rieſelt, In Fetzen fällt ſein Fleiſch ſchon, ach! Den heißen Stuten, die mit langen Mähnen folgten, Die wild und ſchnaubend ſich an ſeine Schritte ſchloſſen, Folgen nun ſchon die Raben nach. — 138— * Die Raben und der Habicht mit ſeinen runden Augen, Der Adler von den Schlachten, Fiſchadler, Ungeheuer, Dem hellen Tage unbekannt, Schielende Eulen, und der große falbe Geier, Der ſeinen nackten Hals ſo roth ſteckt in die Leichen Wie eine nackte Hand. Sie Alle breiten aus den finſtern Schwarm, verlaſſen, Um ihm zu folgen, den Steineichenbaum, die Neſter In dem verfall'nen Haus; Er, blutend und verloren, taub ihrem freud'gen Schreien Fragt, als er dort ſie ſieht, wer denn da oben breite Den großen, ſchwarzen Fächer aus. Es ſenkt die Nacht ſich finſter herab und ohne Sterne, Wie eine Koppel, die beflügelt, folgt dem Ärmſten Heißhungrig nach der Zug; Staubwirbeln gleich ſieht er ſie über ihm ſich heben, Als deckten ſie den Himmel, verliert ſie, hört dann wieder Im Schatten den verwirrten Flug. Nach dreien Tagen endlich des wilden, tollen Laufes, Nachdem ſie über Flüſſe mit Eis bedecket ſetzten, Durch Steppen, Wüſten, Wald, Stürzt hin das Roß bei'm Schrei der raubbegier'gen Vögel, Sein Eiſenhuf zermalmt den feſten Stein, es ſterben Die Kräfte, wie der Sturz verhallt. — 139— Da liegt der Ärmſte nun elend und nackt im Staube, Mit Blut befleckt und röther als man zur Zeit der Blüthen, Den Ahorn jemals fand; Die Wolke Vögel wendet ſich über ſeinem Haupte, und mancher Schnabel ſtrebt zu hacken ſeine Augen, Von Thränen ausgebrannt. Nun wohl. Seht der Verdammte der heulet und ſich windet, Der einem Leichnam gleicht,— die Stämme der Ukraine Sie machen einſt zum Fürſten ihn, und eines Tags die Felder mit Leichen überſäend Wird den Fiſchadlern er und Geiern ihre Beute, Wie zur Entſchädigung, nicht entziehn. Aus ſeinen Qualen wird ſich ſeine Größe heben, Einſt wird ſich mit dem Pelz der Atamans er gürten, Und groß dem Blick vorüber ziehn; Der Zelte Völker werden ſich vor ihm niederwerfen, Sie huldigen im Staube demüthig und begrüßen Dann mit Fanfarenklängen ihn. 2 So, wenn ein Sterblicher, auf dem ſein Gott ſich breitet, Sich lebend binden ſah auf deine dunkle Kruppe Genie, du wildes Roß! Ringt er vergebens, ach! du reißeſt ihn von dannen Fort aus der Wirklichkeit, zerſprengend mit den Hufen Jedwedes feſte Schloß. — 140— Du ſprengſt mit ihm durch Wüſten, wie über rauhe Gipfel Der Berge, über Meere und durch die dichten Wolken Der finſtern Region, Tauſend unreine Geiſter, die du haſt aufgeſtöret, Rings um den Reiſenden, ein unverſchämtes Wunder Drängen ſie ihre Legion. Auf deinen Flammenſchwingen durcheilet er im Fluge, Das Feld des Möglichen, ſo wie der Seele Welten, Und ſchöpft aus ew'ger Fluth; In ſturmerregter Nacht ſo wie in Sternennächten Flammt an des Himmels Stirn mit der Kometen Schweife Sein Haar in heller Gluth. Herrſchels ſechs Monde und den Ring Saturns, des Alten, Der Pol, der einen Nordſchein auf hoher Stirne bildet Und ſich in deſſen Glanze ſonnt, Das Alles ſchauet er; dein Flug, den Nichts ermüdet, Verſetzet ſtets von dieſen ganz unbegrenzten Welten Den idealen Horizont. Wer kann es wiſſen außer den Engeln und Dämonen, Was er erduldet dir zu folgen, welche Blitze Durchzucken ſein erregtes Hirn;. Wie er von heißen Funken oft wird verſenget werden, Ach! und wie in der Nacht ſo viele kalte Flügel Schlagen an ſeine Stirn. — 141— Er ſchreit entſetzt, doch du ſprengſt unaufhörlich weiter, Bleich und erſchöpft und beuchend; doch von dir fortgeriſſen Sinkt er zufammen bei dem Lauf; Denn jeder deiner Schritte ſcheint ihm ſein Grab zu höhlen — Da iſt das Ziel erreicht... er eilet, fliegt, er ſtürzet und ſteht als König wieder auf. XXXIV. Der zürnende Donaufluß. Belgrad und Semlin ſind im Kriege. In dem Bett, das ſonſt ſo friedlich, Wird der alte Donaufluß Von dem Donner des Geſchützes Jetzt urplötzlich aufgeweckt. Zitternd wähnt er, daß ihm träume; Doch er hört der Schlacht— Getöſe, Schlägt in ſeine Schuppenhände Und ruft ſie bei Namen laut: „Semlin, Belgrad! Türkin, Chriſtin! Saget mir, was habt ihr nur? Kann man, Gott ſoll mich erhalten! Denn nicht ein Jahrhundert ſchlafen, Ohne daß euch eiferſüchtig, Belgrad oder Semlin weckt! „Winter, Sommer, Herbſt und Frühling, Immer donnern eure Stücke; Eingewiegt vom ſteten Rauſchen Schlummert' ich in meinem Schilf; — 143— Doch ſo wie Seeungeheuer Waſſer aus den Nüſtern ſchleudern, Blaſen eure Feuerſchlangen Flammen hin auf meine Fluth. „Müß'ge Zauberſchweſtern bauten Eines Tages, um zu ſpotten, Euch einander gegenüber, An den beiden Ufern hin, Wie zwei Gäſte einer Schüſſel, Wie hoch auf derſelben Zinne, Adlers Horſt und Geiers Neſt. „Könnt ihr nicht verträglich leben, Meine Töchter! muß ich zittern Wegen des Geſchicks, das euch Nur vereint, um euch zu haſſen, Da ihr, als friedfert'ge Schweſtern, Spiegeln könntet in den Wellen. Semlin, deine ſchwarzen Thürme, Belgrad, deine Minarets! „Meine Fluth, die in das Weltmeer Stürzet, trennet euch umſonſt; Von dem Schloß, das überraget, Einet ihr euch und die Bombe Ziehet einen Brückenbogen Blitzend, luftig zwiſchen euch. — 144— „Ruhe! Schweiget! Beide Städte! Mich erzürnen Bürgerkriege. Wir ſind alt, d'rum laßt uns friedlich Schlummern in der Birken Schatten. Ruhe dieſen innern Kämpfen! Ohne eurer Feſten Lärmen, Hab' ich nicht genug, o Töchter! An dem Brauſen wilder Fluth. „Dieſen ſchönen Ort zur Hölle Wandeln Kreuz und Halbmond um; Für Koran und Evangelium Tauſcht behende Bomben ihr; Das heißt Feu'r und Lärm verlieren, Ich, der Gott einſt war, ich weiß es. „Mich vertrieben eure Götter, Jagten mich aus ihrem Kreiſe. Schatten iſt's, den ich erwähle, Wenn ſie im Pallaaſte bleiben, Nicht zu meinen Ufern kommen, Meine Bäume zu entwurzeln, Meine Muſcheln zu zerſchmettern, Mit den Bomben und den Kugeln. „Dieſe ſind die Frucht von ihrem Abſcheuwürd'gem Gottesdienſt; Keinen Lärm kannt' meine Zeit, — 145— Wenn der Stein der Katapulte Tag und Nacht ſchlug an die Städte, War es ohne Rauch und Lärm. „Ulm ſeht, eure Zwillingsſchweſter, Haltet euch, wie ſie, in Ruhe, Wie die Fäden ſich entwirren Dreht die Spindel um und lacht. Buda ſeht, die Nachbarin, Driſtra ſeht, die Sarazenin.— O was ſagte wohl der Aetna, Macht' Meſſina ſolchen Lärm? „Semlin zanket ſtets am meiſten, Sie fing ſtets das Unrecht an. Glaubet ihr, daß meine Fluthen, Dem uneb'nen Laufe folgend, Zwiſchen ihren Ufern nichts Hätten ſonſt zu thun, als eure Todten zum Euxin zu tragen? „Eure Mörſer haben ſoviel Rauch, daß jetzt in meiner Lieblings⸗ Grotte, wo Haubitzenſplitter Liegen, ſtetes Dunkel herrſcht. Tageshelle iſt verſchwunden; XVI. 10 — 146— und der Dunſt aus ihren Schlünden 4 Hüllt mich ein in tiefe Schatten, Wenn ich Abends auf dem Lager Sterne ſuche durch die Fluth. „Euch mit Wunden zu bedecken, Hofft ihr davon großen Ruhm? Die Palläſte werden Trümmer. 9 Laßt in euren ſchwarzen Mauern Mir den Krieg fortan verſtummen, Sonſt verlöſch' ich Eu'r Geſchütz. „Denn ich bin der ungeheure Donaufluß.— Weh' euch, beginn' ich! Nur aus Milde duld' ich euch! Wenn ich wollte, würden meine Wellen, die aus ihrem Kerker Auf die Felder losgelaſſen, Euch im Wirbel mit ſich reißen, Einer Kette gleich von Bergen Sich am Horizont erheben.“ Wahrlich, alſo kann man reden, Giebt man Antwort dem Geſchütz, Netzet man der Kön'ge Pforte Iſt, man Donaufluß und trägt Ruhig wie der Hellespont Schiffe mit dreifachem Deck. — 147— Nagt man hundert feſte Brücken, Zieht durch die acht Baiernländer, Nimmt in ſich auf ſechzig Flüſſe Und verſchlingt ſie auf der Flucht, Geht man hohl ſo wie das Meer, Breitet man ſich aus wie Schlangen Auf der Erde hin und fließt vom Abendland zum Morgenland. 10* XXXV. Träumerei. Lo giorno se n'andava, e l'aer bruro Togtieva gli animai che sono'n terra, Delle fatiche ioro. Dante. Der Tag ſchwand und die dunkle Luft eutlud die lebenden Weſen, die auf Erden ſind, ihrer Mühen. Laßt mich! es iſt die Stunde, wo rings der Dunſtkreis rauchet und die ungleiche Stirn in Nebelkreiſe tauchet, Die Stunde, wo die Sonne roth wird und untergeht; Der gelb geword'ne Forſt vergoldet nun die Höhen, In dieſer Spätherbſtzeit glaubt man den Wald zu ſehen, Wie er von Sonn' und Regen faſt eingeroſtet ſteht. O wer erbaut urplötzlich am Ende dieſer Räume Dort unten, während ich am Fenſter ſteh' und träume, und ſich der Schatten häuft im Grund des Corridor, Dort eine Maurenſtadt mit glänzend ſelt'nen Farben, Die, wie ſich die Raketen entfalten reich in Garben, Mit gold'nen Thürmen aus dem Nebel dringt hervor? — 149— O Genien, ſie belebe und ſie beſeele wieder, Die wie des Herbſtes Himmel verdüſtert, meine Lieder, Daß ſich mein Auge an dem Zauberglanze ſonnt; und lange, ſich in dumpfen, erſtickten Lärm verlierend, Die Feenpalläſte mit den tauſend Thürmen zierend, Zerreiße ſie im Nebel den blauen Horizont. — 150— XXXVI. Ertaſe. Und ich hörte eine ſtarke Stimme. Apokalypſe. In ſternenheller Nacht ſtand ich allein am Meer, Kein Wölkchen über mir, kein Segel zog daher, Mein Blick drang weiter, als die Körperwelt; Berg, Wald und Alles rings in der Natur, Es war, als fragten ſie im dumpfen Murmeln nur Die Meeresfluth, das Himmelszelt. Der gold'nen Sterne ungezählte Schaar Sprach laut und leiſe, klingend, hell und klar, und ſenkt das Flammenhaupt demüthiger; Die blaue Woge, die nichts lenkt noch ſtemmt, Indem ſie ihres Schaumes Perlen hemmt, Sprach mit ihr: Es iſt Gott, iſt Gott der Herr! — 151— XXXVII. Der Dichter an den Kalifen. Alle die auf Erden wohnen ſind vor ihm wie ein Nichts; er thut was ihm gefällt und Niemand kann ſeiner mächtigen Hand wider⸗ ſtehn, noch ihm ſagen: Warum haſt du ſo gethan?. Daniel. O Sultan Noureddin, Kalif von Gott geliebt! O du, dem er die Herrſchaft des Reichs der Mitte giebt, Vom gelben Fluſſe bis zum rothen Meere, Es pflaſtern Könige von jeder Nation, Mit ihrer Stirn im Staube den Weg zu deinem Thron Zu deines Angeſichtes Ehre! 1 Sehr groß iſt dein Serail, ſchön ſind die Gärten dein, und deiner Frauen Augen leuchten wie Fackelſchein, Die nur für dich durch ihre Schleier dringen. Wenn, kaiſerlicher Stern, den Völkern ohne Zahl Von den dreihundert Söhnen umgeben glänzt dein Strahl, und Sterne im Gefolge dich umringen. Dein grüner Turban iſt geſchmückt mit Edelſtein, Sehn kannſt du wie im Bade ſcherzen voll Luſt; allein, — 152— Wenn du dein Fenſter aufgeſchlagen, Die Frauen aus Madras ſo lieblich anzuſchau'n, Die Mädchen aus Aleppo, die auf dem Hals, ſo braun, Die weißen Perlenſchnüre tragen. Es ſcheint als würd' dein Säbel dir größer in der Hand, Am hellen Glanz wird er in jeder Schlacht erkannt, Kein Turban macht ihn je zerſpringen, Selbſt da nicht, wo der Kampf am heißeſten entbrennt, Wo jeder Elephant wild auf den Andern rennt Und ſie die Roſſe in den Rüſſeln bringen. Verſteckt iſt eine Fee in dem, was du geſchaut, Und wenn du ſprichſt, Kalif! ſo glaubt man: dieſer Laut Müßte aus and'rer Welt hernieder ſchweben; Gott ſelbſt bewundert dich und füllt mit Seligkeit Den gold'nen Becher an, der für dich iſt geweiht, Den deine Tage ſich einander geben. Doch oft in deinem Herzen, Noureddin, heller Strahl! Steigt ein Gedanke auf und läßt mit einem Mal Erſtarrend deine Größe ſchweigen; So ſehn zu Zeiten wir bei heißem Sonnenſchein Den Mond, der Todten Stern, am Himmel bleich und rein, Halb ſeine kalte Stirn uns zeigen. — 153— XXXVIII. Bonunaberdi. Grand comnme le monde. Der Sultan Frankiſtans, der nach den Pyramiden Kam, Bounaberdi, den der gift'ge Wind aus Süden Einhüllt, wie ein Gewand, ſteigt oft auf eine Höh', Von deren rieſ'ger Stirn' er, ſelbſt ein Rieſe, ſchauen Tief in den Abgrund kann; zu ſeinen Füßen grauen Zwei halbe Welten, dort der Sand und hier die See. Er ſteht allein. Tief liegt die Wüſte, die ihn feiert, Zu ſeiner Rechten, dicht von Staubgewölk verſchleiert, Das wie ein dunkles Tuch ſie ihm entgegen hält. Zu ſeiner Linken ſchäumt das Meer und ſchlägt mit Grimme Den Strand; zu ihm empor erhebt es ſeine Stimme Laut, wie ein Hund, vor dem Gebieter bellt. und Er, den dieß Gewölk, das neidiſch ihm verſtecken Die Wüſte will, und dieß gewalt'ge Brauſen wecken, Glaubt, wie man Einen der Geliebten denken ſieht, Daß ein unſichtbar Heer, zahllos, wie Sand am Meere, Den Staub und das Gebraus hervorbringt ihm zur Ehre, und ewig unter ihm die Wüſtenei durchzieht. — 154— Gebet. O, wenn du wieder kommſt, auf dem Gebirg zu träumen, Dann, Bounaberdi, ſieh' bei dieſen Palmenbäumen Auch mein Gezelt, vor dem die Dromedare knieen! Denn ich bin arm und frei, ein Scheik der Beduinen, Und ſag' ich Allah! ſo durchfliegt mein Pferd die Dünen, Im Kopf zwei Kohlen, die durch's Haar der Wimpern glüh'n F. F. XXXIX. Er. Damals war ich ein Rieſe und hundert Ellen boch. Buonaparte. 1. Stets Er! Er überall! Erſtarret, wie in Gluthen, Bewegt ſein Bild, Gedanken in mir die mich durchfluthen, Den ſchöpferiſchen Odem gießt er in meinen Geiſt; Aus meinem Munde ſtrömen die Worte, ich muß beben, Sobald ſein Rieſenname von Glorien umgeben In voller Größe ſich in meinen Verſen weiſt. Dort ſeh ich ihn wie er ſcharf die Haubitze richtet, Dort, wo für Königsmörder er wild das Volk vernichtet. Dort, wie er den Tribunen nimmt als Soldat ihr Reich, Dort, Conſul, jung und ſtolz, in ſchönem Traum ſich wiegen Von künft'gem Herrſcherthum und wunderbaren Siegen, unter dem langen, ſchwarzen Haar ſo bleich. Dann mächt'ger Kaiſer, der das Haupt zur Erde ſenket, Der von des Hügels Höhe die Schlachtenordnung lenket, Und einen Stern den Kriegern, den freudigen verſpricht; Ich ſeh' ihn dem Geſchütz den Donner anbefehlen, Mit ſeiner Seele waffnend ſechshunderttauſend Seelen, und wie aus ſeinen Augen ein Strahl des Blitzes bricht. Dann als Gefang'nen, arm, verſpottet und gepeinigt, Der über ſeiner Bruſt die Arme ſtill vereinigt, Indeß es drinnen gährt; wo ſich der Felſen thürmt An dem die Ungewitter tobend vorüber ſtreifen, Läßt er ſein Denken mit gebeugter Stirne ſchweifen, In der es unabläſſig ſtürmt. Wie iſt er da ſo groß, wo ſeine Kraft gebunden,. Wo Englands Kerkerknechte durch Hohn ihn frech verwunden, Wo in des Unglücks Weihe er ſeine Rechte ſtählt; Wo ſeines Fußes Tritt zwei Welten angeſtrenget, Belauſchen, im Erxil er hinſtirbt, eingezwänget, Da ihm die friſche Luft in ſeinem Käſig fehlt. Wie iſt er da ſo groß als nah d'ran Gott zu ſehen, Im Blick dem brechenden ihm heil'ge Thränen ſtehen, Und er ſein trauernd Heer zu ſeinem Tode ruft, Sich bei den Kriegern, daß er einſam ſtirbt, beklagend und ſeinen Schlachtenmantel als Leilach um ſich ſchlagend, Vom Feldbett ſteiget in die Gruft. 2. Zu Rom, wo das Conclave einſt den Senat beerbte, Wo Eis der Berge Gipfel und wo ſie Lava färbte, Dort im Alhambra, wie im Kreml der drohend brennt, Dort iſt er überall. Ich find' am Nil ihn wieder, Von ſeiner Morgenröthe erglänzt Aegypten wieder, Sein kaiſerlicher Stern geht auf im Orient. — 157— Sieger, begeiſtert und mit Blendwerk ſich umhüllend, Ein Wunder ſelbſt die Welt mit Wundern rings erfüllend, Verehrten alte Scheiks den Emir jung und fein, Da ſich das Volk zur Flucht vor ſeinen Waffen wendet, Erhaben ſchien er ſo den Stämmen, die verblendet, Ein Mahomet des Oceidents zu ſein. Ihr Feenweſen macht' ihn ſchon zum Eigenthume, Das Feld des Arabers iſt voll von ſeinem Ruhme, Es war der Beduine, der freie ſein Genoß; Die kleinen Kinder richten ſich ſtreng nach unſrer Sitte, Nach der Franzoſen Trommel die ungelenken Schritte; Bei ſeines Namens Klange wiehert das wilde Roß. Zuweilen kommt er auf eumidiſchem Orkane, Die große Pyramide erwählend zum Altane, und überſchaut die Wüſte mit ihrem gelben Sand; Vierzig Jahrhunderte, die ſich in Schlummer gatten, Hat dann aus ihrer Gruft, der tönenden, ſein Schatten Mit lautem Ruf herauf gebannt. Er ſpricht: Empor! Alsbald muß Jedes ſich erheben, Ob in die Hand ein Scepter, ob ihm ein Schwert gegeben, Satrapen, Pharaonen, Magen, Volk aller Zeit, Stumm, ſtaubig, unbeweglich, er ſcheinet ſie zu zählen; Sie aber beugen ſich gehorſam den Befehlen, Die er jetzt giebt aus der Vergangenheit. — 158— So wird zum Denkmal Alles, wo dieſer Mann im Lande, Der Unauslöſchliche; er wandelt auf dem Sande: Was macht es, daß Aſſur von ſeiner Fluth bedeckt, Daß ſtets des Nordwind Brauſen ermüde ſeine Fluren, Sein bolloſſaler Fuß läßt ewig dort die Spuren, Wenn er ihn auf die Wüſte ſtreckt. 3 Geſchichte, Poeſie, er ſteht auf eueren Zinnen, In dieſen hohen Welten nichts Großes zu beginnen Vermag ich, ohne daß ſein Name wird genannt; Napoleon! ich bin dein Memnon, Sonne! Immer Wenn du erſcheinſt, im Tadel wie in des Lobes Schimmer, Drängt ſich auf meinem Munde der Lobgeſang entbrannt, Du— Engel oder Teufel— beherrſcheſt unſ're Zeiten, Dein Adler trägt im Flug uns keuchend in die Weiten, Dem Blick ſelbſt, der dich flieht, biſt überall du nah. Stets wirfſt du deinen Schatten auf unſ'rer Bilder Helle, Glänzend und finſter ſteht auf des Jahrhunderts Schwelle Napoleon ſtets aufrecht da. So, wenn der Fremde des Veſuvs Gebiet durchſpähet, Wenn von Neapel hin nach Portici er gehet, Wenn träumeriſch er mit unſtetem Schritte ſtört Dort Iſchia, das die Woge mit ſeinen Düften füllet, Die Woge deren Rauſchen, in Düfte eingehüllet, Gleich der Sultanin Liebeslied man hört.— 159— Ob er zu Paeſtum ſchaut die hohe Colonnade, Ob zu Puzzuoli lauſcht der luſt'gen Serenade, Die bei dem Tuscer⸗Wall die Tarantella ſang; Ob im Vorübergehn Pompeji er erwecket, Die Mumienſtadt, die wie ein Leichnam dort ſich ſtrecket, Den einſtmals der Vulcan verſchlang; Ob zu dem Pauſtlipp er mit der Barke dringet, Da wo der braune Schiffer Taſſo Virgilen ſinget; Stets, wo der Baum ſich auf dem grünen Raſen ſonnt, Stets mitten auf dem Meer, wie an der Wieſen Rande, Vom hohen Cap, wie von dem blühn'den Inſelſtrande Sieht er den Rieſen rauchend am Horizont. XL. November. Ich ſagte zu ihm: die Roſe des Gartens hat, wie du weißt, kurze Dauer, und die Roſen⸗ zeit iſt ſehr bald verſtrichen. Sobald der Herbſt die Tage verkürzt, die er verſchlinget, Den Abend und den Morgen um ihre Gluthen bringet, Wenn des Novrmbers Nebel am blauen Himmel weilt, Wenn es im Walde brauſt, wie Schnee die Blätter fallen, Dann ziehſt du Muſe dich zurück in mir, vor Allen, Wie ein erſtarrtes Kind, das zu dem Feuer eilt. Denn vor dem düſtern Winter, der zu Paris nun ſummet, Erliſcht dein Sonnenſchein des Orients, verſtummet Dein Traum von Aſien, und du erblickeſt nur Vor dir die Straße mit dem wohlbekannten Lärmen, und Nebelſtreifen, die um deine Fenſter ſchwärmen, und an den ſpitzen Dächern des Rauches ſchwarze Spur. Dann ſcheiden dir in Menge Sultane und Sultanen, Palmbäume, Pyramiden, Galeeren, Capitanen, Der vielgefräz'ge Tiger, der Alles wild verſchlingt, Die Dünns mit tollem Flug, Tänze der Bajaderen, Die Araber, die mit den Dromedaren kehren Und die Giraffe, die im Lauf ſo ungleich ſpringt; — 161— Die weißen Elephanten, die braune Frauen tragen, Städte mit hohen Kuppeln, wo gold'ne Monde ragen, Magier, Baals Prieſter, Imans des Mahomed, Das Alles flieht, verſchwindet; kein Harem mehr im Blühen und kein Gomorrha mehr, das hellen Scheines Glühen Auf's dunkle Babel wirft, kein mauriſch Minaret.— Das iſt Paris, der Winter.— Deinen verwirrten Liedern Verweigert Alles ſich, es wird ſie Nichts erwiedern; Paris, das weite, iſt dem Klephten viel zu klein; Es würde dort der Nil die ufer überſteigen, Bengalens Roſen fröre, wo ſelbſt die Grillen ſchweigen; In dieſem Nebel würden erſtarrt die Peri's ſein. Dann, unbefang'ne Muſe, den Orient beklagend, Kommſt du zu mir, faſt nackt, die Augen niederſchlagend. „— Haſt du nicht, ſagſt du mir, im Herzen, das noch glüht, Etwas zu ſingen, Freund! es langweilt mich vor Allen, Seh' ich von deinem Fenſter den dichten Regen fallen, Da mich vor Kurzem noch der Sonne Glanz durchglüht.“ Dann nimmſt du meine Hände mit deinen beiden Händen, Wir ſetzen, wo ſich nicht Profane zu uns wenden, uns hin, die ſüßeſte Erinn'rung biet' ich dir, Von meiner Jugend, von den Spielen der Genoſſen, Der Jungfrau Reden, die ſo oftmals mich verdroſſen, Jetzt eines Andern Weib, beglückte Mutter hier. XVI. 11 Sieh, dann erzähl' ich auch, wie in den Kloſtergängen Die Glocken mich erfreuten mit ihren Silberklängen, Wie meine Freiheit wild und jugendlich erwacht, und daß ich zehn Jahr alt, wenn ſtill der Abend graute, Mit ernſtem Suchen nach des Mondes Augen ſchaute, Wie ſich die Blume öffnet in lauer Sommernacht. Dann ſiehſt du mit dem Fuß mich auch die Schaukel ſchwingen, Von der die Stricke knarrend am alten Baume hingen, Fort! daß es unſ'rer Mutter ſtets große Angſt gemacht; Dann nenw' ich dir darauf der ſpan'ſchen Freunde Namen, Madrid, wo ärgerlich wir in die Schule kamen, und für den großen Kaiſer der Kinder Kampf und Schlacht; Den guten Vater noch, und manche Jungfrau, ſcheidend Mit fünfzehn Jahren, Blumen, den frühen Tod erleidend; Allein die erſte Liebe iſt dir vor Allem werth, 4 Der friſche Schmetterling, deß Flügel, kaum berühret, Den Glanz verliert, der fliehend ein neues Daſein führet, und der nur einen Tag in unſern Tagen währt. VBalladen. Renouvelons aussi Toute vielle pensée. Joachim du Hellayf. I. Eine Fee. Sei's Urgele, ſei's Morgana, Gern hab' ich's in ſtillem Traum, Daß ſich eine Fee, durchſichtig, Gleich der Blume, die verwelket, Niederbeugt auf meineStirn. Sie iſt's, deren zarte Laute Mir erzählt, in ſtarkem Klang, Eure Mährchen, Paladine! Die unglaublich ſchienen, wäre Nicht Eu'r Leben es noch mehr. Sie iſt's, die dem, was ich ehre, Mich zu einen mir befiehlt; Und die will, daß ich verbinden Mit der Harfe des Trouvére Einen Ritterhandſchuh ſoll. In der Wüſte, die mich fordert, Iſt in Allem ſie verſteckt; Und ſie macht, für meine Seele, Eine Flamme aus jedem Strahle, Eine Stimme aus jedem Lärm. — 166— Sie— die in bewegter Welle Murmelnd aus dem Felſen kommt, und, gequält mir zu gefallen, Hängt an ſchwarzen Glockenthurmes Spitze auf den Silberſchwan. Wenn mein Heerd im Winter lodert Kauert ſie ſich nieder d'rin, Zeigt mir am geſtirnten Himmel Jenen Stern, der ſterbend funkelt, Wie ein Auge nach dem Schlaf. Wenn ich unſ're alten Wiegen Suche in verfall'nem Bau, So umringt ſie mich mit Bildern, Läßt die Luft durch Erker brauſen, Gleich dem Lärm des Stroms der Zeit. Sie, die mir verwirrtes Jagen Bringt, erwach' ich in der Nacht, Sie erweckt bei Abendſtille, um das Ohr mir einzuſchläfern, Waldhornklang im Waldesgrund. Sei's Urgele, ſei's Morgana, Gern hab' ich's, in ſtillem Traum, Daß ſich eine Fee, durchſichtig, Gleich der Blume, die verwelket, Niederbeugt auf meine Stirn. — 167— II. Der Sylphe. „Du, die in dieſen Mauern, ſo ähnlich den Sylphiden, Dieß helle Fenſter zeigt meinen begier'gen Augen, O Jungfrau öffne mir! Jurcht quält mich, es iſt Nacht, Nacht, die die Luft erfüllt mit ſchrecklichen Geſtalten, und den geſchied'nen Seelen ein Kleid aus Dunſt gebracht. „Nicht bin ich Jungfrau, einer von jenen weiſen Pilgern, Die lange Kunde geben von langer Reiſefahrt. Von jenen Kämpfern keiner, die Schönheit liebt und fürchtet, und deren Horn, die Pagen ſo wie die Diener weckend, Zum Dank für Gaſtfreiheit den Krieg hat aufgeſpart. „Nicht ſchweren Stab hab' ich, noch eine ſtarre Lanze; Ich habe keinen Bart, nicht Haare ſchwarz und lang, Nicht niedern Roſenkranz, kein Schwert, gewohnt der Siege; Mein Hauch, vor dem ein Halm kaum nickend ſich beweget, Entlockt der Tapfern Horn kaum einen ſchwachen Klang. „Noch wen'ger als ein Traum, ein Kind der Luft, ein Sylphe Bin ich, des Frühlings Sohn, des friſchen Morgens Duft, Des hellen Heerdes Gaſt in langen Winternächten; Ich bin der Geiſt, den ſtill das Licht dem Thau entführet, Durchſichtiger Bewohner der unſichtbaren Luft. „Ein glücklich Paar heut' Abend mit feierlicher Stimme Sprach leiſe von der Liebe und ihrer Gluth und Macht; Ich hörte Alles; denn ich weilte neben ihnen. In einem Kuſſe fingen ſie meines Flügels Spitze, und ehe meine Freiheit mir wurde, kam die Nacht. „Es iſt zu ſpät, in meine Roſe nun zu kommen; Geſchloſſen iſt mein Haus. O Freifrau, nimm mich ein! Den Sohn des Tags nimm auf, der ſich zur Nacht verirrte, 3 Geſtatte, daß bis Morgen in deinem Bett ich ruhe, Ich brauche wenig Platz und werde ſtille ſein. „Es folgten meine Brüder dem hingeſchwund'nen Lichte, Des Abends Thränen, die das Gras benetzt im Thal; Die Lilien ſchloſſen ihnen auf ihre Hönigkelche.... Wohin nur fliehn? Ich ſehe nicht Blumen mehr im Felde, Thautropfen nicht, und nirgends noch einen Himmels⸗ ſtrahl. — 169— „Fräulein erhöre mich, daß nicht das tiefe Dunkel In ſeinen Schatten, wie in einem Netz, mich fängt, Zwiſchen den weißen Geiſtern und ſchwarzen Nacht⸗ geſpenſtern und den Dämonen, die die Hölle ſelbſt nicht zählet, Zwiſchen der Eulenſchaar, die ſich am Kirchhof drängt. „Es iſt die Stunde, wo die Todten klappernd tanzen, Und unbeweglich ſie der bleiche Mond beſcheint; Wo der Vampyr, entſetzlich! mit ſtarkem Arm erhebend Unnützen Stein, zur Gruft— furchtbarer Schrecken— ſchleppet Den armen Todtengräber, der zitternd ängſtlich weint. Bald mißgeſtalte Zwerge, geſchwärzt von Staub und Aſche, Steigen in Abgrundsſchlucht die Gnomen feierlich; Der tolle Irrwiſch ſtreift umher am Schilfgeſtade, Der heiße Salamander eint ſich zu der Undine, und auf dem Waſſer kreuzen bläuliche Flammen ſich. „O— wenn, um ſein langweilig Verſtummen zu erheitern, Ein Todter in die Gruft mich ſperrte zum Gebein; Wenn nun ein Zauberer, der meine Angſt verſpottet, Mich bände in dem Thurm, wo Mitternacht erſchallet, und ich im Flug der Glocke Gefährte müßte ſein! — 170— „Waß ſich dein Fenſter öffnen... Ach, wenn du mir es weigerſt, Muß ich ein altes Neſt im Moos mir ſuchen; heiß Mit den Enechſen kämpfen, die in der Ruhy ich ſtörte: Offne.... rein iſt mein Auge und ſanft ſind meine Worte, Wie ſie ein Liebender dem Liebchen ſaget leiſ'. „Und ich bin doch ſo ſchön. O ſäh'ſt du meine Flügel Zittern im Tageslicht ſo durchſichtig und rein; Ich habe der Lilien Weiße, zu der wir Abends fliehen. Um meines Odems Ouft und meines Leibes Strahlen Pflegen die Roſen ſtets in heft'gem Streit zu ſein. „Es ſoll dir meinen Ruhm ein ſüßer Traum verkünden; Denn neben mir— wohl weiß es das holde Liebchen mein— Sind Schmetterlinge plump und Kolibris gar häßlich; Wenn ich als Fürſt gekleidet, in Himmelsblau und Perlen, Ziehe in meine Blüthen, meine Palläſte ein. „Mich friert im dunkeln Schatten, ich weine ach vergebens; O könnt' ich dir doch bieten, daß du mir machteſt Platz, Den Tropfen Thau, der mein, mitſammt den gold'nen Kelchen. Doch nein! Nichts hab' ich mehr, ich bin dem Tod verfallen; Denn jede Sonne giebt und nimmt mir meinen Schatz. — 171— „Was ſoll ich dir zum Tauſch dafür im Schlafe bringen? Den Schleier eines Engels, den Gürtel holder Feen? Verſchönen will die Nacht ich mit des Tages Zauber, Es ſoll dein Schlaf, indeß dein Glück dabei nicht wechſelt, Vom Himmelstraum zu dem der Liebe übergehn. „Umſonſt bedeckt mein Odem die feuchte Fenſterſcheibe. O Jungfrau, wähn'ſt du denn, daß in der tückiſchen Nacht Des irren Sylphen Stimme verberge den Geliebten, Der dich betrügt; o nein, ich bin ſo ſchwach und ſchüchtern, Mein Schatte, hätt' ich einen, hätte mir Furcht gemacht.“— Er weinte— Plötzlich klang von dem bemooſten Thurme, Gleich einem Geiſterruf, ein Laut in dunkler Nacht. Es war gewiß ein Geiſt und keine Menſchenſtimme; Alsbald erſchien die Dame auf gothiſchem Balcone.— Man weiß es nicht, ob ſie dem Sylphen aufgemacht. Die Großmutter. To die— to sleep. Shaspeure, Sterben— ſchlafen. „Schläfſt du?... Erwache doch o Mutter unſ'rer Mutter! Dein Mund bewegt gewöhnlich ſich in dem Schlummer auch. Denn deinem Schlaf gleicht oft dein Beten, nach dem Scheine; Heut' Abend gleichſt du dem Madonnenbild von Steine; Dein Mund iſt unbeweglich, ſtumm deines Odems Hauch. „Was ſenkſt noch tiefer als gewöhnlich du die Stirne? Was thaten Böſes wir, daß du uns nicht mehr gut; Die Lampe, ſiehl erliſcht, das Feuer in der Halle; Wenn du nicht redeſt, ſterben gewißlich bald wir Alle, Wir Beide und die Lampe, ſo wie des Heerdes Gluth. „Bei der erloſch'nen Lampe wirſt du dann todt uns finden. Was aber wirſt du ſagen, wenn du vom Schlaf erwacht? Wir werden kein Gehör auf deine Klagen geben, Zu deiner Heil'gen flehend uns wieder zu beleben, Drückſt du vergeblich uns an dich, die ganze Nacht. — 173— „O lege deine Hand in unſ're warmen Hände; O ſing' uns doch ein Lied vom armen Troubadour; Erzähl uns von den Rittern, bedienet durch die Feen, Die ihren Liebchen brachten ſtatt Blumen Siegstrophäen und deren Schlachtenruf, ein Liebesname nur. „Erzähl' uns, welches Zeichen gefährlich den Geſpenſtern, und welcher Eremit den Teufel fliegend fand; Von dem Rubin, darin des Gnomenfürſten Krone, und was der Dämon mehr fürchtet, trotz ſeinem Hohne, Die Pſalmen des Turpin, das Schlachtſchwerdt des Roland. „Wo nicht, zeig uns die Bibel mit ihren ſchönen Bildern, Den gold'nen Himmel und die Heihgen mit dem Schein, Das Jeſuskind, die Krippe, den Ochſen laß uns ſehen, und laß uns auf den Seiten von dem etwas verſtehen und leſen, das zu Gott von uns ſpricht,— dem Latein. „Mutter.— Allmählig ſieh', verlöſcht des Lichtes Schimmer. Der luſt'ge Schatten tanzt rund um den dunkeln Heerd; Es werden Geiſter gar in unſ're Hütte treten, Erwach aus deinem Schlaf und unterbrich dein Beten! Willſt du uns denn erſchrecken, die ſonſt der Furcht gewehrt? „Wie kalt ſind deine Arme! Gott! Hffne deine Augen, Du ſprachſt von einer Welt uns ſonſt, vom ew'gen Licht, Vom Himmel und vom Grab, vom kurzen Menſchenleben und von dem Tod.— Dumußt, Großmutter, Antwort geben! Was iſt denn das, der Tod?— Ach, du antworteſt nicht.“ — 174— Noch lange klagten ſie, allein, in ihrem Kummer; Der neue Tag erweckte die Mutter nicht vom Schlummer; Der Glocke dumpfe Klänge hin durch die Lüfte ziehn; Es hat am Abend Jemand, dort im Vorübergehen, Vor dem verwaiſten Lager, dem heil'gen Buch, geſehen, Die beiden kleinen Kinder noch betend auf den Knie'n. — 175— IV. An Trilby, den Hausgeiſt von Argyle.“ A vous, ombre légère, Oui d'aile passagère par le monde volez Et d'un sifflant murmure Lombrageuse verdure Doucement esbranlez. Joffre ces violettes, Ces lys et ces fleurettes Et ces roses ici; Ces vermeillettes roses pout fraichement escloses Et ces oeillets aussi. Vielle Chanson. Dir, leichter Schatten, der du mit flüchtigem Flügel durch die Welt eilſt und mit pfeifendem Murmeln das ſchattige Laub ſanft erſchütterſt, biete ich dieſe Veilchen, dieſe Lilien, dieſe Blümchen und dieſe Roſen hier; dieſe rotben, ganz friſch aufgeblühten Roſen und dieſe Nelken auch. Du biſt's Geiſt! Sprich was dich führet Hieher? Auf des Abends Schein Kamſt du.— Es umweht dein Odem Koſend mild die Wange mein. *) Trilby iſt der Held eines reizenden Mährchens, von Chr. Nodier, das in Frankreich außerordentlichen Beifall fand. D. Ueb. — 146— Du enthüllſt dich meinen Blicken, überſchütteſt mich mit Funken, Deiner Flügel Rauſchen tönet Wie Geſang, ſo hold und fein. Deine Stimme, der ſich Seufzer Miſchen, klinget wohl bekannt; Sei willkommen, ſchöner Trilby Der mich einſam hauſend fand. Denn es birgt mein gaſtlich Hüttchen Kein demüthig Schiffermädchen Deſſen halb entblößtem Buſen Du dich küſſend zugewandt. Suchſt den Kobold du im Heerde, Der ſich ſchlau davon gemacht; Meine Fee und die Sylphide, Die geſchäftig mir gebracht, Wenn ſie leiſe mich beſuchen, Auf den reichen, bunten Flügeln, Süßes denken an dem Tage, Süße Träume in der Nacht. Willſt du nicht zu den Undinen Die mit Tanz ſich gürten fein; Zu den Zwergen, deren Stimmchen Reden nur zu mir allein? Willſt du meine Gnomen wecken, Stäubchen in der Luft verfolgen, Dich in meiner Hausgeſpenſter Leichentücher hüllen ein? Ach entflieh! die theuern Gäſte Birgt nicht mehr mein kleines Haus, Mit dem Banne trieb man grauſam Meine lieben Geiſter aus. Die Undine ward erſticket Und wie doppelte Trophäe, Hat man meine Fee genagelt Dicht bei meiner Fledermaus. Meine Zwerge und Geſpenſter, Wagen, in des Zornes Drang, Nicht einander mehr zu rufen Auf dem Thurm, bei Hörnerklang; Ach! mein Zauberhof, in Angſten, Floh vor ihren ſchweren Waffen; Man riß aus die gold'nen Flügel Meinem Sylphen, weinend, bang. Fürchte ſelber ihren Donner, Ungleichartiges Gefecht, Mehr als jene alte Stimme Die den Dougal einſt gerächt, XVI. 12 — 178— Deſſen weltberühmte Hütte Sieht in nebelvollen Nächten Auf der ſchaumbenetzten Klippe, Fingals Schatten ungeſchwächt. Er, der dich aus deinen Bergen Hat in unſer Land geführt, Hatte gleich dir zur Genoſſin Hoffnung, deren Wunſch uns rührt; Lang' ſah ſeine trübe Jugend Frankreich, ſeine Mutter fliehen Im Exil, wo wie Homer's Er ſein Lied nur mit ſich führt. Trüb' und doch zugleich erhaben, Wenn ſein Flug voll Anmuth zieht, Liebt den Abgrund ſelbſt der Dichter, Den der kühne Adler flieht; 3 Liebt den Duft verblüh'nder Blumen,/ Gold der irrenden Kometen, und ſanft in der Luft, der Glocken Dumpf verhallend Klagelied. So liebt er die wilde Wüſte Wo den Schritt nichts hemmen kann; Edel trotzt ſein Herz dem Tode Um zu flieh'n der Knechtſchaft Bann. — 179— Wenn ihn rufen unterdrückte, Wird er gleich der Völker Seele, Für ſie iſt er eine Flamme, Die nicht auslöſcht der Tyrann. So iſt Nodier der Dichter.— Sag dem Freund, ſo gut und wahr, Daß ich lieberfüllt gezittert, Für dich fürchtend die Gefahr. Sag' ihm, daß er dich bewache; Heitr' ihn auf mit deinen Spielen Kind, und wenn er ſchläft, ſo ſchlumm're Du auf ſeinem Lockenhaar. Irre nicht ſo in die Weite, Denn den Trilby's zürnt man ſehr; Fürchte dich vor Qual und Folter Die mein Sylphe litt ſo ſchwer; Fingen dich ſie, welcher Jubel! Sie beſudelten mit ſchwarzer Dinte deinen ſchillerfarb'gen Mantel ſicherlich nunmehr. Oder mit dem Faun zu tanzen Wär' ein Unglück, das dir droht, Und es brächten dich die Satyre Und Sylvane ſo in Noth, — 180— Zwängen dich die Hand zu legen In die alten, hagern Hände Der verblüheten Najaden Die zweitauſend Jahr ſchon todt. Die Wolken des Himmels ſelbſt fürchten, daß ich meine Feinde in ihrem Schooß aufſuche. Motenebbi. Krieger! Ich bin im Lande der Gallier geboren. Wie durch den Bach, ſo ſchritten die Ahnen durch den Rhein; Die Mutter badete mich in dem Schnee, dem hellen, Als Kind; der Vater ſchmückte mir mit drei Bärenfellen, Er, der breitſchult'rige, die Wiege zart und klein. Denn es war ſtark mein Vater. Jetzt feſſelt ihn das Alter. Von der gefurchten Stirn fällt weiß ſein Haar herab. Schwach iſt er und bejahrt, er naht ſich ſeinem Ende, Die Eiche auszureißen vermögen kaum die Hände, Die ſeinen Schritten dienen ſoll als Stab. 4 Ich trete für ihn ein; ſein Wurfſpieß, ſeine Stiere Hab' ich, die Art, den Bogen und ſeinen Halsſchmuck auch; Ich, der ich kann,— ich, der da ſoll den Greis erſetzen— Die Füße tief im Thal mich auf den Hügel ſetzen, Und fern die Pappeln beugen mit meines Odems Hauch — 182— Erwachſen war ich kaum, als auf den wilden Alpen, Von Fels zu Felſen hin, ich neue Wege fand; Vor meinem Haupt, wie vor dem Berg die Wolken ſtehen Sah ich, die Adler konnt' ich in ihrem Flug erſpähen Am Himmel hoch und greifen mit der Hand. Ich kämpfte mit Gewittern, mein Odem löſchte rauſchend Die falben Blitze aus auf ihrer wilden Bahn; Freudig, raſch vor mir her den Walffiſch luſtig treibend, Offnete ſich das Meer vor mir, in Schaum zerſtäubend, uUnd beſſer als der Sturm wühlt' ich im Ocean. Ich irrte und verfolgte, zu ſicher meiner Beute, Den Habicht in der Luft, in tiefer Fluth den Hai; Der Bär, von mir erwürgt, ſtarb ohne alle Wunde; und oft, die Hand im Rachen, in dunkler Winterſtunde, Brach ich dem Luchſe ſein Gebiß entzwei. Die Kinderſpiele ſind mir nun entblößt vom Reize;, Dafür lieb' ich den Krieg und feine Rüſtung jetzt, Den Flug, mit dem die Frauen und Greiſe ihn belegen, Das Lager und den Krieger, der kühn auf ſeinen Wegen Mir mein Erwachen mit dem Schlachtgeſchrei ergötzt. Im Staube und im Blut, wenn heißes Handgemenge, In dichte Wirbel hüllt das Heer gar fürchterlich, Erheb' ich mich und folge des heißen Kampfes Gluthen, Wie der Seerabe ſich ſtürzt auf die trüben Fluthen, So ſtürz' ich auf die Reihen mich. So wie ein Schnitter unter den gelben, reifen Garben, In der Erſchlag'nen Reihen ſteh' aufrecht ich allein, Murmelnd verlieret ſich ihr Schrei'n vor meiner Stimme; Mit bloßer Fauſt zerhämmer' ich Rüſtungen im Grimme, Beſſer als eine Eiche geriſſen aus dem Hain. Ich gehe immer nackt. Mein Muth, dem Alles weichet, Lacht eurer Eiſenkrieger in euerm Schlachtenfeld; Nur nach der Eſchenlanze will im Gefecht ich greifen und nach dem leichten Helm, den ohne Mühe ſchleifen Zehn Stiere, die das Joch geſellt. er Brückenketten Ringe reiß ich wie ſpielend ab; Weit beſſer als ein Widder kann ich die Mauern ſtürmen, und feſt, Leib gegen Leib, ring' ich mit ihren Thürmen uUnd in die Gräben werf' ich die Zinnen raſch hinab. Nutzlos will ich die Feſten mit Leitern nicht erſtürmen, 4 O, wenn ich meinen Opfern muß einſt, ihr Krieger! folgen, So laßt nicht mein Gebein dem Raben auf dem Feld; Begrabt mich in den Bergen, die hoch gen Himmel ragen, Daß, ſieht er ihre Zinnen, der Fremdling möge fragen, Welches Gebirg mein Grab enthält. VI. Die Braut des Heerpankers. „Der Herr Herzog der Bretagne Rief zum mörderiſchen Kampf, So von Nante bis Mortagne, Auf dem Berg wie in der Eb'ne Seiner Krieger Heeresbann. Freiherrn ſind es, deren Wappen Grabenſich're Feſten ſchmückt, Die im Schlachtenlärm ergrauten Knappen, Lanzenknechte; Einer D'runter iſt mein Bräutigam. Pauker, zog nach Aquitanien Er, und dennoch wähnt man ihn Einen Hauptmann, wenn ſein edles, Stolzes Weſen man erblicket Und ſein goldgeſchmücktes Wamms. Seit dem Tage quält mich Bangen; Als mein Loos ich ſeinem fügt' Sprach ich: Heilige Brigitte, Daß er niemals ihn verlaſſe, Gieb auf ſeinen Engel acht! — 185— Zu dem Abt ſprach ich: Meſſire, Betet für die Krieger fromm.— Da ich weiß, daß er es wünſchet, Hab' ich gleich drei ſchwere Kerzen Dem Sanct Gildas dargebracht. unſern Frauen von Loretto Hab' im Grame ich gelobt, Auf dem Bruſtlatz zu befeſt'gen, Unverſchämtem Blick verſchloſſen, Eines Pilgers Muſchelſchmuck. Nicht durch theure Liebespfänder Konnt' er Tröſtung ſenden mir; Denn es hat, um Gruß zu bringen, Die Vaſallin keinen Pagen, Keinen Knappen der Vaſall. Heute muß er aus dem Kriege Kehren mit dem gnäd'gen Herrn, Nicht mehr ein gemeiner Liebſter. und die ſonſt geſenkte Stirne Heb' ich jetzt; mein Stolz iſt Glück. Siegreich bringt zurück der Herzog Jetzt ſein Banner aus der Schlacht; Kommet zu dem alten Thore. Seht vorüberziehn des Fürſten Schaar und meinen Bräutigam! — 186— Sehet, wie zu dieſem Feſte Prächtig iſt geſchmückt ſein Roß, Das einher zieht, das mit Federn Reich gezierte Haupt bewegend, Wiehernd unter ſeiner Laſt. Schweſtern, euch ſo langſam putzend, Kommt und ſehet in der Näh' Meinen Sieger und die Pauken, Zitternd unter ſeinen Händen, Deren Klang das Herz erfreut. Seht ihn ſelber in dem Mantel, Den ich für ihn reich geſtickt. Herrlich wird er ſein! Ihn lieb' ich! Seinen Helm mit Pferdeſchweife Trägt er wie ein Diadem. Das Zigeunerweib, das ſchlimme, Zog mich hinter einen Pfeiler, Sagte geſtern mir(Gott ſchütz' uns!) Daß ein Paukenſchläger fehlen Würde, bei der Feſtmuſik. Doch ich hab' ſo viel gebetet, Daß ich hoffe,— ob es gleich Nir ein ſchwarz Begräbniß zeigte Und mit Vipernblicken ſagte: Dort erwart' ich morgen dich. — 187— Fort mit finſteren Gedanken! Horch! Die Trommeln hör' ich ſchon. Sieh, dort ſammeln ſich die Damen, Dort ſind reiche Purpurzelte, Blumen, und die Fahnen wehn. Seht der Zug wogt in zwei Reihen. Erſt der Pikenträger Schaar; Dann in ſeidenen Gewändern, Die Barone unter Fahnen, Sammtbarette auf dem Haupt. Nun der Prieſter Meßgewänder! Herolde auf weißem Roß; Alle tragen ihrer Herren Wappen, zu des Stamms Gedächtniß Auf den Stahlharniſch gemalt.— Sehet doch der Tempelherren Perſerrüſtung— o wie ſchön! Seht die Schützen aus Lauſanne, Mit der langen Partiſane, Angethan mit Büffelwamms. Nah der Herzog! Seine Banner Flattern in der Ritter Schaar; Einige genomm'ne Fahnen Kommen ſchimpflich als die letzten.— Dort die Paukenſchläger! Seht!“ — 188— Alſo ſprach ſie.— Ihre Blicke Drangen in die dichten Reih'n.— Unter die gleichgült'ge Menge Sank zurück ſie— ſtarr und ſterbend— — Da vorbei die Pauken ſchon. VII. Das Gefecht. Die Heere bewegen ſich, der Angriff iſt furchtbar, die Kämpfer ſind furchtbar, die Wunden ſind furchtbar, das Gefecht iſt furchtbar. Gonzalez Berceo, die Schlacht von Simancas. Hirt, ändre deinen Weg! Von Speeren und von Bogen, Sieh' dort zwei dichte Reih'n am Fuß der Hügel wogen; Zwei Bataillone nahn mit kriegeriſchem Gang, Auf ihrer Führer Wink, die Haß und Ruhmgier trennen, Bereiten ſie ſich vor, zum Aneinanderrennen, Hör das Geſchrei! dich ſchaudert, es iſt ihr Schlachtgeſang. „Raubvögel, ſchüttelt das Gefieder, Herbei, herbei aus Horſt und Kluft, Auf dieſem Blachfeld laßt euch nieder Als wär' es eine friſche Gruft! Das Schwerdt gezogen!— Vor des Tages Entfliehen, noch die Feinde ſchlag' es! Längſt ſchwieg der Abendpſalmen Ton! Der Prieſter, welcher zieht mit Jenen Ließ ihre letzte Vesper tönen, Den Segen gab uns unſ'rer ſchon. — 190— „Halbert, Normannen Freiherr, Ronan der Fürſt von Gallen, Die Kräfte hier zu meſſen, das iſt ihr Wohlgefallen; Die Gallier ſind kühn, Normannen ſind geſchickt, Ihr ſehet dieſe ſich in Eiſenharniſch ſtecken, Und Jene machen, ſich die wilde Stirn zu decken, Den Helm aus Wolfes Rachen, mit Zähnen ausgeſchmückt. „Was fragen wir nach Wittwen Harme, Sagt, was uns Waiſenklage thut: Wir waſchen Morgen unſre Arme Im Fluſſe rein, von Koth und Blut. Feſt unſ're Reihn, verbrennt die Zelte! Drometen ſchmettert in dem Felde, Schreckt die verhaßten Feinde ab, Die ſich umſonſt entwickelt haben; In jeder Furche ſchon gegraben, Iſt für die ganze Schaar ihr Grab. „Staubwirbel hüllen ſie.— Gegeben iſt das Zeichen, uUnd ihre ſchweren Schritte, des Donners Rollen gleichen.— So wie zwei ſchwarze Pferde, die ihrer Zügel los, So wie zwei große Stiere, die ſich im Kampfe faſſen, Brechen mit großem Lärm die beiden Eiſenmaſſen, Die zwiefach ehr'ne Stirn jetzt mit demſelben Stoß. — 191— „Auf Krieger! Angriff wird geblaſen! Auf eilet, ſchlagt! zu Tod und Fall! Auf bei der Sachſenhörner Raſen, Bei der Normannen⸗Zinken Schall! Auf, Dolche, Degen, Lanzenfahnen, In Blut getauchte Partiſanen, Streitäxte, Meſſer, raſch gefällt; Auf ſtoßet eure rauhen Spitzen In der zerſchellten Rüſtung Ritzen, Dem Dornſtrauch gleichend in dem Feld! „Wo iſt die Sonne denn? Sie glänzt in Dunſt getauchet, Wie in entflammter Schmiede ein Schild roth glühend rauchet, Der Stahl thut leuchtend ſich in blut'gem Nebel kund; Ein glüh'nder Ofen ſcheint das Thal jetzt, in der Weite, Man möchte ſagen, daß ſich in der Eb'ne breite, Urplötzlich ſich eröffnend der Hölle grauſer Schlund. V„Es zieht der Kampf ſich in die Länge, Die Heere drängen furchtbar ſich, Im Blute watet ſchon die Menge, Der Helden Spiel verwickelt ſich. Nur immer vorwärts, immer weiter! Das Fußvolk greift empört die Reiter Und ihrer Roſſe Harniſch an; V Die ſchaumbedeckten Pferde ſchaudern, Die Keulen fallen ohne Zaudern Auf Stahl und Leder, Thier und Mann. — 192— „Chaos, in dem ſich Waffen, Reiter und Roß geſellen, Die Gallier, ganz bedeckt mit blutbeſchmutzten Fellen, Stürzen ſich auf die Tartſchen, die mörd'riſch zugeſpitzt, Da mit den Todten ſie zu ſterben kühn entbrennen und einer Feſte gleich, mit wildem Muth berennen Den Reiter der Normannen, der hoch im Sattel ſitzt. „Laßt, die ihr Schwert zerbrochen haben, Kämpfen mit Nägeln und Gebiß, Um zu entgehn der Wölf' und Raben Heißhunger, ſicher und gewiß! Gefangen Keiner! Keiner Sklave! Und müßt ihr ſterben, ſterbt als Brave! Nur den Getödteten gebt Raſt; Daß wenn das Morgenlicht ergrauet Es noch zerbroch'ne Schwerdter ſchauet, Von uns mit ſtarker Fauſt erfaßt!“— Komm Hirt! Es ſinkt die Nacht.— Es fließt mehr Blut im Dunkeln, Von noch viel wildern Hieben ſieht man die Panzer funkeln, Es trotzet ſeinem Zügel das Pferd in ſolcher Noth. Komm, laß ſie nur den Kampf, den blutigen beenden; Sie Alle, die voll Gier ſich zu dem Streite wenden, Ruh'n ſämmtlich morgen aus, als Sieger oder todt. XVI. 92 VIII. einen Wanderer. Au soleil couchant, Toi qui vas cherchant Fortune, prends garde de choir; La terre, le soir, Est brune. L'Océan trompeur Couvre de vapeur La dune. Vois, à Phorizon, Aucune maison! Aucune! Maint voleur te suit; La chose est la nuit. Commune. Les Dames des bois Nous gardent parfois Rancune. Elles vont errer: Crains d'en rencontrer. Quelqu'une. Les lutins de l'air Vont danser au clair De lune. La chanson du fou Der du bei Sonnenuntergang dein Glück ſuchſt, hüte dich zu fallen; die Erde iſt des Abends braun; der trügeriſche Ocean bedeckt die Düne mit Dünſten. Sieh am Horizont 13 — 194— kein Haus, keines! Mancher Dieb folgt dir; das Ding iſt bei Nacht gemein; die Damen des Waldes haben oft einen Zahn auf uns; ſie ſtreifen jetzt, büte dich irgend einer zu begegnen; die Luftgeiſter tanzen im Mond⸗ ſchein. Das Lied des. Narren. O Reiter, der du ſpät, allein von deinem Hunde Begleitet, dröhnen machſt das Pflaſter unter dir, Der Tag war heiß, wohin ziehſt du zu dieſer Stunde? Warum entſattelſt du noch nicht dein müdes Thier? Die Nacht!— Und fürchteſt du denn nicht, daß du im Nebel Des Berg's den Räuber ſiehſt, am Gürtel ſeinen Säbel? Daß von den Wöffen, die, ſobald der Tag erliſcht, Nach Raub gehn, und den Huf nicht ſcheu'n, ſich plötzlich einer An deinen Sattel hängt, und mit dem Schaum ſeiner Fangzähne mörderiſch dein ſchwarzes Blut vermiſcht? Und fürchteſt du denn nicht, daß dich ſo ſpät am Abend Ein Irrlicht blenden wird? Daß, in der Irre trabend, Du— wehe dir!— wie es in alter Zeit geſchah, Von einer Stätte träumſt, wo helle Scheiben glänzen, Vergoldete Faſanen den Feuerheerd bekränzen, Und doch das Licht ſtets weicht, das du gewähnt ſo nah. O hüte dich, daß du dich nah'ſt des Ortes Feuern, Wo ihren Sabbath die Dämonen heulend feiern, Den Ort, von Gott verflucht, von Satanas entweiht; Dem Zauberſchloß, von dem die Hölle die Geſchichte Erzählen kann; das, öd' bei Tage, Nachts von Lichte Erglüht, und Funken aus den goth'ſchen Fenſtern ſpei't. Einſamer Reiſender, der du, von deinem Hunde Begleitet, dich im Trab ſo ſchnell entfernſt von hier, Der Tag war heiß! kehr' ein!— warum zu dieſer Stunde Entſattelſt du noch nicht dein ſchweißbedecktes Thier? F. u. W. 13*† Die Fee und die Peri. Ihr flüchtig Schattenbild wird durch die Blätter wehen; Auf Wolken wirſt du ſie berniederſteigen ſehen; Sie funkeln in der Luft, und aus des Meeres Schaum Erheben ſie ſich oft, ſüß lächelnd wie ein Traum; Und klagend, wie bei Nacht der Weſtwind klagt 6 im Rohre, Wird ihrer Stimme Ruf ertönen deinem Ohre. André Chénier. 1. O Kinder, wenn ihr ſterb't, ſo nehm't euch wohl in Acht, Daß nicht ein böſer Geiſt, von eurer lichten Fährte Gelockt, euch auf der Bahn zum Himmel irre macht! Hört, was vor Jahren mich ein alter Weiſer lehrte:— Dämonen, die, wenn auch dem Paradieſe fern, Doch nicht verfallen ſind der Hölle ew'gen Gluthen, Unſtet und ruhelos, in Lüften und in Fluthen— So ſchweifen ſie einher bis auf den Tag des Herrn. Verwieſen aus dem Kreis der himmliſchen Cohorten, Hält man für Engel ſie nach ihren ſüßen Worten. — 197— Flieh't! Wer den Argen folgt, der ſchaut den Himmel nie! Sie übergeben ihn des Fegefeuers Flammen!— O, fragt mich nicht, woher mir dieſe Kinder ſtammen; Die Väter heiligten, ich wiederhole ſie! 2. Die Peri. Wohin entfliehſt du?... Zu den Thoren Des Himmels?... Ach, der Weg iſt weit! Du junge Seele, kaum geboren und ſchon geſtorben, ſei erkoren Zu meines Schloſſes Herrlichkeit! In meinen Gärten ſtets von Zweigen Sei deine ſüße Stirn' umweht! Von fern aus unſerm luft'gen Reigen Will deine Mutter ich dir zeigen, Die trüb an deiner Wiege ſteht. Komm zu der Peris heiterm Tanze! Mir, als der Schönſten, dient ihr Chor; Ich ſtrahl' in meiner Schweſtern Kranze, Schön wie die Roſe, deren Glanze Sich neigt des Gartens ganzer Flor. — 198— Mein Arm erglänzt von Demantringen, Ein ſeid'ner Turban ſchmückt mein Haar; Und laß ich meinen Flug erklingen, So glüh'n auf meinen Purpurſchwingen Drei Flammenaugen wunderbar. Mein Leib iſt weißer als ein Schleier, Der ferne flattert in der Luft; Er ſchimmert wie ein Gangesreiher; Sein Glüh'n iſt eines Sternes Feuer, Sein Duft iſt einer Blume Duft! Die Fee. Des Abends Purpurwolken glühen; Komm, ſchönes Kind, ich bin die Fee! Ich herrſche, wo der Sonne Sprühen Hinabziſcht Abends in die See. Der Occident küßt meine Füße; Wenn ſeinen Nebel ich begrüße, So flammt er auf, wie Scharlach ſchier; Von trübem Ouftgewölk umſponnen, Erbau' in untergeh'nden Sonnen Ich meine Zauberſchlöſſer mir. — 199— Azur'ne Flügel ſieh' mich ſchmücken;— Umſchweb' ich munt'rer Sylphen Zug, So glauben alle, meinem Rücken Entzitt're Silberlicht im Flug. Sieh', meine Rechte glüht wie Roſen; Mein Odem iſt des Zephyrs Koſen, Der nächtlich um die Fluren weht; Mein lockig Haar wallt golden nieder, und das Getöne meiner Lieder Wird durch ein Lächeln ſtets erhöht. Ich habe Blätterheiligthume, und Muſchelgrotten, ſtill und hehr; Ich laſſe wiegen mich die Blume, Ich laſſe wiegen mich das Meer. O komm, ich will dein Haupt verklären! Ich will der Wolke Zieh'n dich lehren, und zeigen dir der Fluth Geroll! Komm, durch die Luft mit mir zu ſchwimmen, Willſt du, daß ich der Vögelſtimmen Geheimniß dir verrathen ſoll? Die Peri. Ich wohn' im Orient; ich wohne, wo die Sonne Schön wie ein König iſt in ſeines Zeltes Wonne, Wo ihre Scheibe ſtolz in ew'ger Bläue rollt; So, eines lächelnden Geſtades Emir tragend, Die Welle mit den Rudern ſchlagend, Zieht durch azur'ne Fluth ein Fahrzeug, das von Gold. Es ward der Orient bedacht mit allen Schätzen. Auf and'rer Länder Flur, nach mürriſchen Geſetzen, Wächſt bei der lieblichen ſtets auch die bitt're Frucht. Doch Gott, der Aſien anſieht mit milder'n Blicken, Läßt ſeine Flur mehr Blumen ſchmücken, G Mehr Sterne ſeine Nacht, mehr Perlen ſeine Bucht. Von dort, wo Memnons Bild daſteht in ſtummer Trauer, Erſtreckt ſich mein Gebiet bis an die große Mauer, An deren Ringe matt der Völker Sturm zerſchellt; Die China's alten Staat umgürtend wie ein Gürtel, Schier eines ganzen Welttheils Viertel, In ihrem Schooße trägt wie eine fremde Welt. — 201— Ich habe Städte, groß und herrlich anzuſchauen: Das funkelnde Lahor mit ſeinen Blumenauen, Das prächt'ge Ispahan, Damaskus und Kaſchmir; Bagdad, das, panzergleich, ſtahlharte Mauern decken, Aleppo, das der Feinde Schrecken, und deſſen Murmeln tönt wie Meeresmurmeln ſchier. Wie eine Fürſtin thront Myſor' auf gold'nem Sitze; Medina d'rauf, die Stadt, die ſtarrend hundert ſpitze Thürm' an die glüh'nde Wand des Horizontes lehnt, Sie ſchimmert wie ein Heer, gelagert im Gefilde, Das, funkeln laſſend ſeine Schilde, Mit einem Lanzenwald ſein blitzend Lager krönt. Wer in der Wüſtenei die Trümmer Thebens ſchaute, Der glaubt, ſie harreten des Volks, das ſie erbaute. Zwei Städte läßt Madras in ſeinen Mauern ſtehn. Auf Delhis Wällen ruh'n bewaffnete Trabanten; Es können Kriegeselephanten, Zu zwölf in einer Reih', durch ſeine Thore gehn. Begleite mich, o Kind, nach meines Reichs Geſtaden! umſchwebe du mit mir die Dächer des Nomaden, Die, runden Körben gleich, mit Blumen ſind gefüllt! Die Bajadere ſieh' mit aufgelöstem Haare, Am Abend, wenn die Dromedare Halt machen, wo der Born der Wüſte perlend quillt! Da glüh'n im Feigenwald und bei den Sykomoren Zinnkuppeln, wie ſie trägt das Minaret des Mohren; Ihr Perlenmutterdach läßt die Pagode glüh'n; Der Porcellanthurm ſprüht im Sonnenſcheine Funken, Und in den himmelblauen Junken Erhebt verſchleiert ſich der Purpurbaldachin. Ich will entwirren dir die Zweige der Platane, Die uns das Bad verbirgt der träumenden Sultane; O komm gerettet ſei die holde Jungfrau, die, Erzitternd ihres Herrn und ſeiner Wächter Grimme, Lauſcht, ob der Wind ihr bringt die Stimme, Die ſüßer als das Lied ihr klingt des Bengali. Im Orient einſt hat das Paradies gelegen.— Der Lenz beſchüttet ihn mit Roſen allerwegen; Ein Garten, lächelt er, und duftet für und für! O komm, daß dich die Pracht des Orients begrüße! Die bang du ſeufzeſt, komm, o Süße! Thu' ich dir Eden auf, was gilt der Himmel dir? Die Fee. Und meine Heimath ſind des Abends Duftgefilde, Dort, wechſelnd in der Luft ſein nebelhaft Gebilde, Zieht langſam das Gewölk.— Verfolgend einen Traum, Sein flatternd Haar bereift, ſein Auge kühn und blitzend, Auf einem mooſ'gen Steine ſitzend, Sieht es der Siedler zieh'n im Raum. —* Denn wiſſe, ſchönes Kind, durch meiner Nebel Kräuſeln, Durch meiner Berge Schnee und meiner Wälder Säuſeln Wird allezeit ein Herz, das blutet, mild erfriſcht! und dann auch durch den Stern, den ſüßen, der beſcheiden und hoffend bei des Tages Scheiden Dem Abend ſeinen Aufgang miſcht. Mein dunkler Himmel wird beweinen deine Schmerzen, Kind, das der Ewige losriß vom Mutterherzen! Des Thales Wiederhall, der abendliche Wind, Des Baches Klageton, der Wälder flüſternd Singen, Das Alles ſoll dich nun umklingen Anſtatt des Wiegenlied's, mein Kind! Entflieh' dem öden Kreis der blauen Horizonte! Beglückt der Himmel nur, der ſich verſchleiern konnte; Das Land, auf das durch Duft der Strahl der Sonne fällt! Wo man die Lüfte ſieht, von Nebelreih'n durchſchwommen, Gleichwie von Flotten, welche kommen Aus einer unbekannten Welt! Für mich iſt's, daß zur See der Winde ſtürmiſch Toſen Die Fluth zuſammenballt zu prächt'gen Waſſerhoſen; Ich feſſ'le den Orkan durch meiner Lieder Schall; und weißt du, daß ich auch den Regenbogen ſchmücke? Wie eine Perlenmutterbrücke Beſpringt er Fluthen von Kryſtall. — 2014— Mein ſind der mauriſchen Alhambra ſchlanke Bogen; Mein iſt der Grotte Pracht, in welcher ſeine Wogen An Pfeilern von Baſalt läßt branden Staffa's Meer; Dem Fiſcher ſteh' ich bei, und lauſche ſeinen Bitten, Baut ſeine räucherigen Hütten Auf Fingals alten Schlöſſern er. Dort ſchreck' ich oft die Nacht mit täuſchenden Auroren; Ich fahre durch die Luft mit ſprüh'nden Meteoren; Ich mache, daß die See mit Flammen bunt ſich ſchürzt. Der Jäger auf dem gels, ſieht er das Thal ſich röthen, Glaubt einen brennenden Kometen Zu ſchau'n, der in das Meer ſich ſtürzt. Komm, junge Seele, komm! und laß uns dann zuſammen Bevölkern die Abtei mit luft'gen Irrwiſchflammen; Nimm dieſes Silberhorn, daß es im Forſte ſchallt; Mit meiner Zwerge Schaar durch das Gebirge reite; Führ' an die unſichtbare Meute, Die jede Nacht durchbellt den Wald! Barone ſollſt du ſeh'n, knie'nd vor der Gatterthüre Des Thurms, daß ihre Hand los die Sandale ſchnüre Des Pilgers;— ihre Burg erhebt ſich feſt und kühn. Die holde Schloßfrau dann, für eines Pagen Leben Siehſt du ihr ſchwimmend Aug' erheben Zu der gemalten Scheiben Glüh'n. Wir ſind es, deren Hauch durchſäuſelt die Portale und das ſonore Schiff der goth'ſchen Kathedrale; Und wenn der Espe Laub im Mondenſchimmer bebt, Dann— mancher alte Hirt wird ſtaunend es bezeugen!— Sind wir es, deren Zug den Reigen Um ſtiller Weiler Kirchthum webt. O komm, ich öffne dir des Occidentes Riegel!— Der Himmel iſt noch weit, und ſchwach ſind deine Flügel! Vergiß die weite Fahrt in meiner Schweſtern Chor! Sieh', unſer Reich iſt groß! In wilder Schönheit glüht es Den ufern ſeiner Heimath zieht es Verwund'rungsvoll der Fremdling vor! und ſchwankend hörte ſie das Kind, und ſah zurücke, Denn ſüß zum Ohre dringt der Geiſter trüg'riſch Flehn; Ihm war, als ob ſich heut' die Erde doppelt lne Doch plötzlich, ſiehe da! entſchwand es ihrem Blicke · Es ſah den Himmel offen ſtehn! Fr. Das Turnier des Königs Johann. Knappe, ſattle Mir im Schloß Jetzt mein raſches Treues Roß. Denn vor Freude Hüpft mein Herz, Preſſ' ich meiner Bügel Erz. Aul, daß raſch du Vorwärts ſprengſt, Mein getreuer Berberhengſt; Vom Turniere Hör' mich an, Unſers Königs, Herrn Johann. Hab' ein Pfaffe, Feiſt und dick, 's Dintenfaß zum Wappenſtück; Hinter'm Gitter Spreng' die Dirn' Sich mit Beten Stirn' und Hirn! Wir, die Gott mit Gnaden freut Und uns machte; Edelleut' Müſſen lärmen Wild und viel; Und der Krieg iſt Nur ein Spiel. Meine Seele Ward erbost; Denn die Klinge Fraß der Roſt; Und es wandelt Sie ſich d'rum Faſt in eine Kunkel um. Dieſe Stadt da, Lärmerfüllt, Die die graue Stirn' enthüllt, 208— Mit gar manchem Burgverließ, Thurm und Zinnen, Iſt Paris. Das Gedräng'! Bei Meinem Schild! Das dem Bach' gleich Abwärts quillt, Und ſich treibt bald So, bald ſo, Iſt die Straße Saint Marceau. Notre⸗Dame! Wie ſo ſchön! Habe Schön'res Nie geſehn. Möchte d'rinnen Prieſter ſein, Daß mein Grab ich Brächt' hinein. Dort die Tänze, Der Geſang, Paaren Burſch' und Mädchen ſchlank. Welche Feſte! Wieviel Köpfe Vor und nach, Auf der Häuſer Giebeldach. Dort der Schlingel, Schön geſchmückt,f Wie ein Ochſe, Bläst und drückt, Spielt den Marſch Von Luzarche Fort und fort, Auf der neuen Brücke dort. Dort der Louvre, Schwer und breit, Oeffnet ſich, bei Tag nur weit; „Schließt die Krone Um und um; In dem Thurme Welch Geſumm! XVI. 14 Heil dem König und den Frau'n! Kannſt der Kampfſtatt Flammen ſchau'n; Wo die Menge, Die ſich reibt, Mit Gedränge In die Enge Wild ſich treibt.— Nicht gewartet, Nur heran! Zarten Blickes Greift mir an. Von den Sätteln, Hold zu ſchau'n, Auf dem Altan Süße Frau'n. Saulx Tavanne, Wie prahlt er ſo, Dieſer Schlingel; Und Chabot, Guter Fechter, Weckt zum Gruß Mons Fontraille Hinkefuß. Drunten Serge, Der ſich band, Junggeſelle Hin zu pilgern Zum gelobten Heilegen Land. Da Lothaire! den Man zum Spott Herzog heißet Ohne Land, Und Sauveterre, Den den Gott Und den Teufel Man genannt. Der Vidome Von Conflans Schreitet ſeiner Holden Dame, Ganz gemach, Langſam nach. Mehr als einer Schoͤnen, Augen 14* 212— übergehn, Dieſe Braune Mit den weißen Lilienarmen Anzuſehn. Droben glänzt, wie Mondesſchein, Yfeult mit der Stirn, ſo rein.— Drunten ſitzen Alte nur, Schön geſchmückt mit Gold'ner Binde Auf Azur. In den Schranken, Blick' empor! Bertha, Alix, Leonor'; Dam' Irene, Deine Pathe, Lieb und hold, Und die Königin Ganz in Gold. Dam' Irene Spricht alſo: Wie? die Königin Hier nicht froh? Und die Hoheit Redet: Ich? Liebe Gräfin, Gram und Trauer Quälen mich. Man beginnet. Glockenklang, Lanzenſtöße, Lärm und Drang! Schreckensrufen Nah' und fern; Denn man ſchlägt ſich Und erſchlägt ſich Bei Sanct Jörge Und dem König, unſerm Herrn! Dort die Menge Eiſenfluth, Stößt und drängt ſich Voller Gluth. Regt, bewegt ſich 214— Hin und her, Sauſet, brauſet, Wie die Welle In dem Meer. In der Eb'ne Blitzt es auf; Drüben, hüben, Ab und auf. Welches Toſen, Welch Geſchwärm! Blut und Treſſen, Engelsfreude, Höllenlärm! Auf, mein Renner, Halte feſt, Dieſem Grauen Mach' ein Feſt.— Zur Belohnung Geb' ich her, Heu und Häckſel, Hafer, mehr Als ein Mönchlein, Dick und feiſt, Fratzen ſchneidet Allermeiſt, — 215— Wenn es bettelnd Terminirt, Oder betet In den Straßen, Die du mit mir Durchpaſſirt.— Dort ein Page Stürzt am Thurm; Eine Lilie, Die geknicket Ward vom Sturm. Hat den letzten Tag gehabt; Sinkt in Ohnmacht, Giebt den Geiſt auf Und verlanget Einen Abt. Der Fanfare Gold'ner Klang, Die dich machte Scheu und bang, Schallt noch laut um — 216— Seinen Fall; Traur'ger Wettkampf Dort, der Flöte und des Hornes Wiederhall. Jungfrau'n, Mönche Hoch empor, Tragen große Kerzen vor. Schöne Augen Weinen dort, Still im Dunkeln, Um den Armen Fort und fort. Denn die holde Iſabeau Wird von nun an Nicht mehr froh. Welch Geſtöhne, Seufzer hier, Bange Thränen.— O wie herrlich, Ein Turnier! Auf, mein Alter! Wie der Blitz, Laß uns kehren Nun zu unſerm Freiherrnſitz. Auf, noch raſcher! Finden nun Weiches Lager, Um zu ruh'n. Du den Hafer Auf der Bahn, Ich das Mönchlein, Den Kaplan; Dieſen Frommen Aus und ein, Der mich todt macht Mit Latein. Der da ſchreibet, Friſch und warm, Jede That von Meinem Arm, Die auf meine Koſten er Stellt auf breitem Pergamente Prächtig her. Denn ein wahrer Herr Baron Läßt ſolch Amt dem Bauernſohn. Seine Hand ſtets, Wenn er ſchreibt, Knickt die Feder, Und die Blätter Gleich zerreibt. XI. Die beiden Schützen. Dames, ayez un conte lamentable, Baiſ. Damen, hört eine klägliche Geſchichte. Es war die Zeit der Nacht, voll Finſterniß und Schrecken, Wo man bei jedem Schritt befürchtet aufzuwecken Dämonen, die noch trunken vom Hexenſabbath ſind; Die Zeit, in der man zu den Anderen ſpricht leiſe Und wo der Wanderer ſich ſputet auf der Reiſe, Damit den Ausgang er der Schlucht gewinnt. Es gingen zwei Wildſchützen, dort in des Thales Grunde, Wo Ihr den alten Thurm noch einſam ſeht, zur Stunde, Der, als nach Paläſtina zog unſ'rer Könige Heer. Von einem Eremiten, wie unſ're Väter ſagen, Bloß mit des Kreuzes Zeichen gebaut ward in drei Tagen und Nächten, keine Stunde mehr.— 4 Die Beiden zündeten, obwohl juſt nicht geheuer War Zeit und Ort, zum Mahl ſich furchtlos an ein Feuer, Und ſetzten ſich, da ſie ihr Waldhorn abgelegt, Hin auf ein Heil'genbild von Stein, das ſeine Hände Gefaltet hielt und ſchien, als ob ſich's betend wende Im Staube, und noch ſeine Lippen regt'. — 220— Die Flamme warf indeſſen gar wunderliche Helle Auf Berg und Wald und auf des alten Thurmes Wälle, Die Eulen ſcheuten ſich in ihrer Kluft, fürwahr! Die Fledermäuſe, die ein Hexenſabbath fordert, Sie ſtreiften durch die Flamme, indeß empor ſie lodert, Mit ihrem großen, ſchwarzen Flügelpaar. Der jüngre Schütze ward befragt nun von dem alten: Trägſt du ein hären Hemd?— Pflegſt Feſttag du zu halten? Erwiedert Jener ihm und Jeder dabei lacht. Da hören ſie Gelächter die Stille unterbrechen, Wüſt war das Thal und dicht das Dunkel; Beide ſprechen: Es iſt das Echo, das im Walde lacht. 1 Plötzlich zeigt ihren Blicken ſich einer Flamme Schimmern, Mit blauen Furchen ſeh'n ſie es am Berge ſchimmern, Die beiden Läſterer erſchreckt es dennoch nicht; Sie werfen neue Aſte auf die erhitzte Erde, G Und ſagen: Sieh' das iſt der Schein von unſer'm Herde Der ſich im nahen Waſſeerfalle bricht. Das Echo aber—(Jeder muß ſich vor Furcht hier bücken—) War Satan, der da lachte, hoch auf des Hügels Rücken; Der Schein, er ging von ſeinem Körper aus in die Nacht; Es war der bleiche Tag, den er bringt unſern Räumen, Der ſchwefelſchwang're Strahl, den er in grauſen Träumen Uns aus der Hölle hat gebracht.— 221— Bei dem entweih'nden Jubel ihrer ſündhaften Freude, Stürzt er herbei, gleich wie ein Wolf auf ſeine Beute, Hat ſie mit heißen Augen im Finſtern angeſehn. —„O lacht und läſtert nur in jeder freien Stunde, Gar bald laſſ' ich das Lachen auf Euxem wüſten Munde Zum Zähneknirſchen übergehn!“ Die breite Spur eines geſpalt'nen Fußes zeigte Erloſchne Aſche, als der Morgen ſtill ſich neigte, Verlaſſen war das Thal den ganzen Tag und ſchwieg; Doch eine blaue Flamme in mitternächt'ger Stunde, Gewahrte dort ein Hirte, in jenes Herdes Runde, Die nicht empor zum Himmel ſtieg. Wie ſie am Boden hin ſich kriechend fort bewegte, Hört er ein Lachen das ſich in der Wüſte regte, Und ſtarr ward er vom Grauſen das über ihn gebracht; Satan und ſein Gefolge konnt' er dort nicht entdecken, Und konnte nicht begreifen, in ſeinem tiefen Schrecken, Was ſie erlitten, daß ſie ſo gelacht. Allnächtlich warf von nun die wunderſame Helle Auf Berg und Wald und Feld der Herd an jener Stelle, Die Eulen ſcheuten ſich in ihrer Kluft fürwahr! Die Fledermäuſe, die der Hexenſabbath fodert, Sie ſtreiften durch die Flammen, indeß empor ſie lodert, Mit ihrem großen, ſchwarzen Flügelpaar. — 222— Nichts, eh' im Morgenroth die Schatten nicht verſchwammen, Vermochte je zu löſchen die wilden Höllenflammen; Ob auch ein Ungewitter ausbrach mit großer Wuth, Das Lachen ſcholl noch lauter als nur der Donner rollte, Die Flamme ſchlug empor vom Staub, als ob ſie wollte Sich einen mit der Blitze Gluth. Endlich in einer Nacht erhob das Bild von Steine Des alten Heil'gen ſich in ſeinem Wunderſcheine, Drei Schritte that er zu derſelben Zeit; Das grauſe Höllenwunder verſtand er zu beſchwören, Sprach mit den ſtarren Lippen: Gott möge mich erhören! Und öffnet die granit'nen Arme weit. Alsbald erloſch nun Alles, Flammen, Gelächter, Blitzen; Die beiden Schützen ſah man am andern Morgen ſitzen Todt auf dem Bild von Stein.— So war es, ja gewiß.— Begraben wurden ſie; der Gutsherr unterdeſſen Vermachte der Kirche des Orts für Seelenmeſſen Gar fromm drei Deniers Pariſis. Wenn irgend eine Lehre ſich birgt in der Geſchichte, Was macht's!— Ich will daß man ſie glaube und nicht richte; Sie glaube?— O was ſagt' ich!— Die Zeit iſt längſt dahin. Nur halb noch will man jetzt dem Glaubeu hin ſich geben, Und Keiner, da wir nur nach eitehm Wiſſen ſtreben, Verſteht andächtig hinzuknie'n.— XII. Das Geſtändniß des Burgherrn. Pource aimez-moy, cependant qu' estes belle. Ronsdrd. Darum liebt mich, ſo lange Ihr ſchön ſeid. Höre mich, o Magdalene! Sieh, der Winter mied die Eb'ne, Die er geſtern noch durchdrang. Komm zum Wald, wo mein Gefolge Sich zurückzieht, weitgeführet Durch des Hornes irren Klang. Sagen kann man, Magdalene! Daß der Frühling, deſſen Odem Ihre Gluth den Roſen giebt, Sein Gewand, ſo voll von Blumen, Auf die Flur heut' Nacht verſtreuet, Daß er ſei von dir geliebt. Wäre ich, o Magdalene! Doch das Lamm, deß weiße Wolle Wird gepflegt von deiner Hand! Wär' ich der beſchwingte Vogel, Den du lockeſt in den Lüften, Wenn er deinem Blick entſchwand!... 221— Wär' ich doch, o Magdalene! Der Eremit von Tambelaine, Dem, nach brünſtigem Gebet, Keuſch dein Mund, vor ſeinem Ohre, Deine letzten, kleinen Sünden Schüchtern jungfräulich geſteht. Hätt' ich doch, o Magdalene! Nur das Auge der Phaläne, Wenn mein Kind zum Schlaf ſich legt, Und ſie mit den bunten Flügeln An die klaren Fenſterſcheiben Deiner ſtillen Kammer ſchlägt. Wenn dein Buſen, Magdalene! Aus dem Fiſchbeinleibchen ſchlüpfet, Nicht vom Mieder mehr bedrängt, Und die Schaam, dich nackt zu ſehen Mit dem Kleid, unſchuld'ge Dirne! Deinen Spiegel raſch verhängt! Wenn du wollteſt, Magdalene! Sollte voll bald von Vaſallen Deine kleine Wohnung ſein; Und dein Betpult ſollte decken, Mit dem ſchwarzen Schillertafte, Seiner Bögen rauhen Stein. = 225 Wenn du wollteſt, Magdalene! Sollte ſtatt des Majoranes, Der dein niedlich Käppchen ſchmückt, Eine Grafen⸗ oder Freiherrn⸗ Krone, gleich dein Köpfchen zieren, Reich mit Perlen ausgeſchmückt. Wenn du wollteſt, Magdalene! Macht' ich dich zur Edeldame; Sieh, Roger der Graf bin ich.— Laß die Hütte mir zur Liebe, Oder willſt du, daß in einen Hirten ich verwandle mich? XVI. 15 XIII. Der Hexenſabbath. An Ch. Nodier. Hic chorus ingens .. Colit orgia. Arienus. Seht vor dem ſchwarzen Kloſter den Mond ſich trüb verſchleiern, Als gält' es heimlich dort Myſterien zu feiern; Der Geiſt der Mitternacht grauſend vorüberflieht Und ſchaukelt zwölfmal ſich, da er die Glocke zieht; Der Lärm bewegt die Luft, du hörſt ihn weithin rollen Und eingeſchloſſen in der Glocke ſcheint ſein Grollen. Das Schweigen kehret mit dem Dunkel... Horcht, wer ſchreit So fürchterlich? Wer ſendet den hellen Schein ſo weit? O Gott, die Wölbungen, die Thürme, Thüren, Stangen, Es iſt, als wären ſie vom Feuernetz umfangen; Und das geweihte Waſſer, in dem ein Wedel ruht, Braust im granit'nen Keſſel hoch auf mit wilder Fluth. Laßt unſern Heiligen empfehlen uns zuſammen! In dieſen blauen Strahlen, in dieſen rothen Flammen, —j;ʒ — 227— Mit Lärm und mit Geſang, mit Seufzern und Geſchrei, Kommen aus Fluß und Schlucht, aus Wald und Fels herbei Die Larven und die Drachen, die Vampyre, die Gnomen, Wie ſie die Hölle nur ſich träumet in Phantomen, Die Hexe, die dem Grab, dem öden, iſt entwiſcht, Auf einem Birkenaſt, der durch die Lüfte ziſcht; Die Zaub'rer, deren Stirnen Tiaren myſtiſch kränzen, Auf denen flammend Worte der Kabbala erglänzen, Die finſteren Dämonen, Spukgeiſter voller Liſt: Durch das geſprengte Thor, durch's Dach, das offen iſt, Durch die zerbroch'nen Scheiben ziehn ſie nun ein mit Sauſen In das zerſtörte Kloſter, wo ihre Fluthen brauſen. Aufrecht in ihrer Mitte ſteht Lucifer nun hier, Birgt unter Eiſenmütze die Stirn von einem Stier; Die bunten Flügel deckt er mit dem Meßgewande, Es ruht ſein Fuß auf des zerſtörten Altar's Rande. O Graus! an dieſem Ort nun ſingen ſie zur Nacht, Wo unaufhörlich ſonſt das Auge Gottes wacht. Die Hände ſuchen ſich... alsbald beginnt die Runde, So dumpf wie ein Orkan, ſich drehend in dem Grunde, Und vor dem Blick, der nicht den Umriß faſſen kann, Tritt jede ſcheußliche Geſtalt nun wechſelnd an. Man glaubte, daß die Hölle in Finſterniß ſich drehe uUnd daß man ihren Thierkreis voll grauſer Zeichen ſehe. 15* — 228— Vom Kreiſe fortgeriſſen fliegen ſie allzumal, und mit dem Fuße leitet Satan der Stimmen Schall. Es ſtört ihr Schritt, von dem die Rieſenbogen beben, Die Todten, die dort unten dem Schlummer hingegeben. „Miſcht euch ohne Wahl! Während daß die Menge Sauſend ihn umkreiſet, Tritt Satan mit Füßen Kreuz, Altar zumal! Paſſend iſt die Stunde, Und die ew'ge Flamme Gleicht auf ſeinen Flügeln Fürſtenpurpur⸗Strahl!“ Es ſtört ihr Schritt, von dem die Rieſenbogen beben, Die Todten, die dort unten dem Schlummer hingegeben. b „Sieg dem dunkeln Trug! Kommet, Schweſtern, Brüder, Kommt aus allen Orten, Auf aus Schlucht und Grüften, Nehmt hierher den Zug! Hölle iſt Begleiter, Kommt in ganzen Schaaren und in Wagen, welche Zieht der Greife Flug!“ Es ſtört ihr Schritt, von dem die Rieſenbogen beben, Die Todten, die dort unten dem Schlummer hingegeben. „Zwerge Hinkebrut, Kommet ohne Reu'e, Vampyre, deren Lippen Niemals ſich entwöhnen Von der Todten Blut; Kommet Höllenweiber, Nebenbuhlerinnen, Treibet eurer Stuten Ungezähmte Wuth!“ Es ſtört ihr Schritt, von dem die Rieſenbogen beben, Die Todten, die dort unten dem Schlummer hingegeben. „Ihr, im Kirchenbann Irrende Zigeuner, Gottverfluchte Juden, Bleiche Nachtgeſpenſter, Komme wer da kann! Kommt vom Wind getragen, Steiget auf's Geſimſe Der verfall'nen Mauer, Flieget, kriecht heran! Es ſtört ihr Schritt, von dem die Rieſenbogen beben, Die Todten, die dort unten dem Schlummer hingegeben. — 230— „Böcke! Euch geſellt! Kommt ihr magern Pſyllen, Hag're Aspiolen! Kommt, wie Hagelſchauer Stürzet euch auf's Feld! Zwietracht ſei verbannet, Nahet euch im Tacte, Schlinget wilde Reihen, Singet, daß es gellt!“ Es ſtört ihr Schritt, von dem die Rieſenbogen beben, Die Todten, die dort unten dem Schlummer hingegeben. „Jetzt wird's trefflich ſein! Zauberlehrling ſenge Deines Bartes Haare, Die mit rothem Blute Reich du ſalbteſt ein! Jeder werf' in's Feuer Irgend eine Beute, Und zermalme knirſchend Bleiches Todtenbein!“ Es ſtört ihr Schritt, von dem die Rieſenbogen beben, Die Todten, die dort unten dem Schlummer hingegeben. V 231— „Keck, mit wildem Fluch Und mit kecker Stimme Paradirt der Böſe, Sanct Matthäi Verſe Voller Liſt und Trug; und in der Kapelle, Wo ſein Fürſt ihn fordert, Buchſtabirt ein Teufel Gottes heilig Buch.“ Es ſtört ihr Schritt, von dem die Rieſenbogen beben, Die Todten, die dort unten dem Schlummer hingegeben. „Aus der Gruft gekehrt, Breit' in jedem Stuhle Aus, ein falſches Mönchlein Das Gewand, das ſengend Sein Gebein verſehrt; Und ein ſchwarzer Laie Hefte die verfluchten Flammen, an die Fackeln, 1 Sonſt ſo fromm genährt.“ 8 Es ſtört ihr Schritt, von dem die Rieſenbogen beben, Die Todten, die dort unten dem Schlummer hingegeben. „Satan iſt euch nah! Mit den groben Händen In dem dicken Staube Schreibet, ſchreibt ihr Hexen Abracadabral! Flieget falbe Vögel, Deren kahle Flügel Oben an der Decke Hängen auf Smarra!“ Es ſtört ihr Schritt, von dem die Rieſenbogen beben, Die Todten, die dort unten dem Schlummer hingegeben. „Das Signal erſchallt Und uns ruft die Hölle: Habe jede Seele Keine and're Flamme Einſt, jung oder alt! Möge alle Weſen. So in ihre Kreiſe Schließen unſ'rer Runde Wilde Allgewalt!“ Des Frühroths bleiche Lichter nun durch die Wölbung ſchweben, und der Dämonen Schwarm flieht raſch der Hölle zu; Die Todten, die von Neuem ſich hin dem Schlummer geben Legen auf's ſtaub'ge Kiſſen die kalte Stirn zur Ruh'. Die Legende von der Nonne. An L. Boulanger. Acabose vuestro bien N vuestros males no a caban. Spaniſche Ballade. Dein Gutes endete ſich, aber deine Uebel nehmen kein Ende. O kommt, ihr deren Augen funkeln, Ich trag' euch ein Geſchichtchen vor; Kommt zu mir; ich will euch erzählen Von Donna Padilla del Flor. Die aus Alanje; wißt, es häufen Haidrücken ſich und Hügel dort. Kinder! Die Ochſen ziehn vorüber, Thut eure rothen Schürzen fort. Seht in Granada giebt es Mädchen Und in Sevilla auch zu ſehn, Die um die kleinſte Serenade Die Liebe gleich um Gnade flehn, Und die des Abends keck umarmen Alsbald die Herrchen, auf mein Wort! Kinder! Die Ochſen ziehn vorüber, Thut eure rothen Schürzen fort. — 234— Nicht darf man ſo leichtſinnig reden Von dieſer Donna Padilla, Da nimmer man in ſpan'ſchen Augen So keuſche Flamme glänzen ſah. Sie floh die Männer, die verfolgen Die Mädchen bei den Pappeln dort; Kinder! Die Ochſen ziehn vorüber, Thut eure rothen Schürzen fort. Nicht ſüße Sorgfalt, heit're Reden, Nichts war es daß ſie hold empfing;— Denn für ein Wort aus ſchönem Munde, Für dunkler Augen Liebeswink Sind ſonſt die Herrn und Junggeſellen, Gar ſehr empfänglich, auf mein Wort! Kinder! Die Ochſen ziehn vorüber, Thut eure rothen Schürzen fort. Sie nahm den Schleier zu Toledo, Zum Schmerz dem menſchlichen Geſchlecht; Als ob, wenn man nicht eben häßlich Man Gott zu freien hat das Recht. Es fehlte wenig, daß nicht weinten Soldaten und Studenten dort.— Kinder! die Ochſen ziehn vorüber, Thut eure rothen Schürzen fort. — 235— Sie ſprach:„Fern von dem Weltgewühle Wer da fromm für die Sünder fleht, Wie glücklich iſt er! Welcher Friede Ruht im Geſange und Gebet; Denn unſer Schirm ſind ſtets die Engel Wenn uns der Böſe drohet dort!“— Kinder! Die Ochſen ziehn vorüber, Thut eure rothen Schürzen fort. Allein, kaum war ſie in dem Kloſter, Als ihr auch ſchon die Liebe nah.— Ein ſtolzer Räuber aus der Gegend Kam hin und ſagte:„Ich bin da.“ An Keckheit übertreffen Räuber Oft Ritter, glaubt es auf mein Wort! Kinder! Die Ochſen ziehn vorüber, Thut eure rothen Schürzen fort. Gar häßlich war er: harte Züge, Rauh wie der Handſchuh ſeine Hand; Doch Liebe wirkt geheim; die Nonne Bald heiße Gluth für ihn empfand. Man findet Rehe die vertauſchen Den Bock mit Ebern, auf mein Wort! Kinder! Die Ochſen ziehn vorüber, Thut eure rothen Schürzen fort. Um ſich zu nah'n den heil'gen Mauern, Dem frommen Kloſter, Gott geweiht, Legt oftmals an, der freche Räuber, Ein härnes Eremitenkleid. Selbſt in des Tempelherren Rüſtung Schlich er ſich ein, der Schlaue, dort. Kinder! Die Ochſen ziehn vorüber, Thut eure rothen Schürzen fort. Die Chronik ſagt, es gab die Nonne, Verleitet von der Hölle Macht, Dem Räuber, bei dem Heihgenbilde Ein Stelldichein, in dunkler Nacht. Zur Stunde wo die Raben krächzen Und ſich in Schaaren treiben fort. Kinder! Die Ochſen ziehn vorüber, Thut eure rothen Schürzen fort. Padilla wollte,— Anathema! Einſt, die verſtockte Sünderin, Sich in der Kirche ſelber geben Dem Räuber, voller Inbrunſt, hin, Bis zu der Stunde, wo die Kerzen Erlöſchen auf den Leuchtern dort. Kinder! Die Ochſen ziehn vorüber, Thut eure rothen Schürzen fort. — 237— Als nun, in's Schiff hinabgeſtiegen, Die Nonne dem Banditen rief, Antwortet ihr ſtatt ſeiner Stimme Der Donner, ſchauerlich und tief. Gott wollte, daß er niederſchlüge Das Liebespaar des Satans dort. Kinder! Die Ochſen ziehn vorüber, Thut eure rothen Schürzen fort. Es zeigt, den Zorn der Gottheit ſchildernd, Der Hirt jetzt noch des Kloſters Spur, Dort, wo der Fels ſich abwärts neiget, Verkohlter Mauern Reſte nur. Zwei Thürme, die die Zeit geſpalten.— Beſorgt treibt er die Heerde fort. Kinder! Die Ochſen ziehn vorüber, Thut eure rothen Schürzen fort. Sobald die Nacht des alten Kloſters Weit off'nen Thorweg dunkelt ſtumm, So wandeln ſich am Horizonte Die Thürme in zwei Rieſen um; Zur Stunde wo die Raben krächzen Und ſich in Schaaren jagen dort. Kinder! Die Ochſen ziehn vorüber, Thut eure rothen Schürzen fort. — 238— um Mitternacht verläßt die Nonne Mit einer Ampel ihr Gemach, und kriechet längs den alten Mauern, Ein and'rer Geiſt folgt ſtill ihr nach. Sie ſchleppen Ketten an den Füßen Und Blöcke ſchwer am Halſe fort. Kinder! Die Ochſen ziehn vorüber, Thut eure rothen Schürzen fort. Die Lampe kommt, verſchwindet, glänzet, Die Mauer ſie dem Blick entzog, Bald ſcheint ſie hinter einem Gitter, Bald auf dem einen Thurme hoch. Es folgen ihren trüben Strahlen Geſpenſtergleiche Schatten dort; Kinder! Die Ochſen ziehn vorüber, Thut eure rothen Schürzen fort. Die beiden Geiſter, die die Flamme Verſengt, gehüllt in's Grabgewand, Sie ſuchen ſich um ſich zu einen, Doch Keines je das And're fand; Denn ihre Schritte ſtets verwirren Sich auf den Treppenſtufen dort. Kinder! Die Ochſen ziehn vorüber, Thut eure rothen Schürzen fort. I * — 239— Denn wißt, es ſind gefeite Stufen, Auf denen ſich ihr Fuß verwirrt; Das Eine iſt im Grabgewölbe Indeß das And're oben irrt, Und unter ihnen ſtets verändern Sich Treppen und Geländer dort.— Kinder! Die Ochſen ziehn vorüber, Thut eure rothen Schürzen fort. Die Grabesſtimme dumpf erhebend, So ſuchen ſie, inbrünſtig, ſich Und wandeln— aber auf den Staffeln Verirren ſie auf's Neue ſich. So quälen ſie ſich und ermüden, Einander ſtets verfehlend dort. Kinder! die Ochſen ziehn vorüber, Thut eure rothen Schürzen fort. Dort an die Fenſter ſchlägt mit Schauern Gewaltig wild der Regenſturm, Er pfeift durch des Gewölbes Lücken; Es wimmert in dem Glockenthurm. Man höret Seufzer, die erſtarren Das Blut, unheimlich ſtöhnen dort. Kinder! Die Ochſen ziehn vorüber, Thut eure rothen Schürzen fort. Zwei Stimmen, eine ſchwach, die andere Laut, klagen:—„O, wann wird uns Ruh? Wir leiden ach für unſ're Sünden Doch ewig, das iſt immerzu! Die Stunden ſelber werden müde, Das Sandglas drehend, fort und fort.“ Kinder! Die Ochſen ziehn vorüber, Thut eure rothen Schürzen fort. Die Hölle, ach! kann nicht verlöſchen!— Es ſuchen ſich in jeder Nacht Ein ſchwarz Geſpenſt, ein weißer Schatten, Auf ihrer ſchauerlichen Wacht, Bis zu der Stunde, wo erſterben Die Kerzen auf den Leuchtern dort. Kinder! Die Ochſen ziehn vorüber, Thut eure rothen Schürzen fort. Wenn zitternd bei dem wilden Lärmen Zur Nacht ein Wand'rer ängſtlich fragt, Die Engel, mit dem Kreuz ſich ſegnend, Wen Gottes Rache nur ſo plagt? So ſchreiben plötzlich Flammenſchlangen Zwei Namen auf die Pfeiler dort.— Kinder! Die Ochſen ziehn vorüber, Thut eure rothen Schürzen fort. 2141— Sanct Ildefons, der Abt, verlangte, Daß die Geſchichte jederzeit,. Um ſie vor Laſtern zu bewahren, Den Jungfrauen, die ſich Gott geweiht, Beſorgt erzähle die Priorin, An jedes Kloſters heilgem Ort.— Kinder! Die Ochſen ziehn vorüber, Thut eure rothen Schürzen fort. XVI. 16 Inhalt. DOrientalen. Vorwort..... Das Feuer des Himmels.... Canaris..... Die Häupter auf dem Serail. Begeiſterung........ Kriegsruf des Mufti Der Schmerz des Paſcha. Lied der Seeräuber.. Die Gefangene...... Mondſchein........ Der Schleier. Die Favoritſultanin. Der Derwiſch..... Das feſte Schloß.... Türkiſcher Marſch....... Die verlorene Schlauht... Die Schlucht.. Das Kind..... Sara im Bade.. Erwartung... ... Lazzara......... Wunſch!... Die eroberte Stadt... Lebewohl der Arabiſchen Wirthin. Verwünſchung... .... ... Die zerhackte Schlange. Neurmadan die rothe Sultan Nehreet Mandiſche Nomanze. (An Louis Bulanger) Der zürnende Doxaneiſ.. Der Hicher an den Kalſfn. Die Fpbmeutter.. An Prich, den Hausg eiſt von Argyle die Weftnn des Herrzauien. An einen Wanderer. Die Fee und die Peri... Das Turnier des Königs Johe ann. Die beiden Schützen.. Das Geſtändniß des Burgherrn.. (An Ch. Nodier).. 4 (An L. Boulanger) 1 Der Hexenſabbath. Die Legende von der Nonne. Seite. 101 10⁴4 106 112 113 118 123 127 135 142 148 150 151 153 155 160 165 167 172 175. 181 184 189 193 196 206 219 223 226 2³³ — —,— In demſelben Verlage ſind folgende empfehlenswerthe Schriften erſchienen und um beigeſetzte Preiſe durch alle Buchhandlungen zu beziehen: J. F. Cooper's fämmtliche mMmerke. 126 Bändchen. Geh. Ausgabe auf Druckvelinpapier Nthlr. 23. fl. 35. 48 kr. rhein. fl. 32. 45 kr. C. M. Auf Druckpapier Rthlr. 15. 2 gr. fl. 24. 12 kr. rhein. fl. 22. 36 kr. C. M. —8. Dieſelben enthalten: Der Spion.— Der Letzte der Mohikaner.— Die Anſiedler.— Der Lootſe.— Lionel Lincoln.— Die Steppe.— er rothe Freibeuter.— Die Nordamerikaner.— Die Grenzwohner.— Die Waſſernixe.— Der Bravo.— Die Heidenmauer.— Der Scharf⸗ richter von Bern.— Die Monikins.— Ausflüge in die Schweiz.— Aufenthalt in Frankreich, Ausflug an den Rhein und zweiter Beſuch in die Schweiz.— England und das ſociale Leben der Hauptſtadt.— Erinnerungen an Curopa.— Italien.— Die Heimfahrt oder die Jagd. Washington Irving’s ſämmtliche Werke. Aus dem Engliſchen überſetzt. 74 Bändchen. Geheftet. Auf Velinpapier Rthlr. 13. 2 gr. fl. 21. 24 kr. rhein. fl. 19. 38 kr. C. M. Auf Druckpapier Rthlr. 9. fl. 15. 6 kr. rhein. fl. 13. 30 kr. C. M. Dieſelben enthalten; Das Skizzenbuch.— Erzählungen eines Reiſen⸗ den.— Bracebridge⸗Hall.— Eingemachtes.— Die Geſchichte des Lebens und der Reiſen Chriſtoph's Columbus.— Die Eroberung von Granada.— Humoriſtiſche Geſchichte von New⸗York.— Reiſen der Gefährten des Columbus.— Die Alhambra, oder das neue Skizzenbuch.— Die Reiſe auf den Prairien.— Abbotsford und Newſtead⸗Abtey.— Erzählungen Lun der ſProberung Spaniens.— Aſtoria.— Abentheuer des Capitain onneville. Bibliot hek klaſſiſcher Schriftſteller Nordamerika's. 1— 4s Bändchen. James Paulding's amerikaniſche Romane. 4 Theile. Rthlr. 1. 12 gr. fl. 2. 24 kr. rhein. fl. 2. C. M. Dieſelben enthalten: Wohlauf nach Weſten.— Des Holländers Heerd. In dieſer neuen Sammlung, welche nur das Gediegenſte der nord⸗ amerikaniſchen Literatur aufnimmt, zeichnen obige Werke durch die Friſche romantiſcher Schilderungen und durch den rein ſittlichen Charakter ſich vorzüglich aus. 3... „Der Name Paulding gehört in Amerika zu den gefeierten, und mit Recht nennt man ihn den Lieblingsſchriftſteller der Bewohner der neuen Welt. Seine Schöpfungen ſind original und national zugleich. Mit Vorliebe ſchildert er das Leben der Hinterwäldler, die Gefabren und Schrecken der Wildniſſe, der Wäͤlder und Ströme, die Einſamkeit der neuen Anſiedler, ihre Kämpfe mit Rothhäuten, Tiegern und Wölfen; die großartige Natur ſeines Vaterlandes, das Anmutbvolle und Erbabene der Scenerien der neuen Welt u. ſ. w. Seine Charaktere ſind ſtets anziehend und ſo mannichfaltig als das Leben ſie beut, Die Darſtellung iſt raſch bewegt, dramatiſch, und ſeſſelt ſtets die Aufmerkſamkeit des Leſers. Beachtenswerth iſt die moraliſche Tendenz, welche jedem ſeiner Romane zum Grunde liegt und um deren willen man ſeine Werke der Jugend mit Nutzen in die Hand gibt. Der ſittliche Adel der Grundſätze unſers Verfaſſers hat viel zu dem großen Beifall beigetragen, welchen er ſelbſt bei dem ernſt⸗ſtrengen Anglo⸗Amerikaner fand. Wir geben die Romane Paulding's in einer geſchmackvollen und treuen Bearbeitung nach der ganz neuen, zu Neu⸗Yorkerſcheinen⸗ den Original⸗Geſammtausgabe. Die übrigen Bände werden raſch folgen. Herabgeſetzter Preis! Wegen eingetretener Concurrenz ſehe ich mich veranlaßt die in meinem Verlage erſchienene Ausgabe von Lard Byron's ſämmtlichen Werken. Herausgegeben von Profeſſor Dr. Adrian. Mit dem Bildniſſe des Verfaſſers, einem Faeſimile ſeiner Schrift und einer Anſicht von Newſteed⸗Abtey. 8. 12 Bände auf weißem Druckpapier ohne Stahl⸗ ſtiche. Von dem ſeitherigen Laden⸗Preiſe von Rthlr. 6. 18 gr. auf Rthlr. 4. fl. 2. rhein. fl. 5. 50 kr. C. M. herabzuſetzen. Die Preiſe der Ausgaben mit Stahlſtichen bleiben unverändert wie bisher.. Die Dichtungen Lord Byron's ſind wie überall ſo auch in unſerm deutſchen Vaterlande ſo allgemein und rühmlichſt be⸗ kannt, und die Ueberſetzungen obiger Ausgabe bereits ſo ſehr als gelungen und des großen Dichters würdig anerkannt,— daß ich es für überflüſſig erachte, hier noch Mehreres zur Empfehlung derſelben hinzuzufügen.— Der Tartar. Novelle von Gnſtav von Heeringen. 2 Theile. Rthlr. 2. 18 gr. fl. 4. 48 kr. rhein. fl. 4. 8 kr. C. M. Parzen und Eumeniden. Von. Dhr. Guſtav Bacherer. Zwei Baͤnde. Rthlr. 3. fl. 5. 24 kr. rhein. fl. 4. 30 kr. C. M. Inhalt: Der Zauber⸗Jüngling von Strasburg. Der Todten⸗ gräber von Gürau.— Geiſter⸗Rache.— Allemanniſche Liebe. Salon deutſcher Zeitgenoſſen. Politiſche, literariſche und geſollſchaftliche Charaktere aus der Gegenwart. Von Dr. Guſtav Vacherer. Erſter Theil. 8. Geh. Rthlr. 1.9 gr. fl. 2. 24 kr. rhein. fl. 2. C. M. Inbalt: J⸗ von Schlayer.— J. G. von Pabl.—§. Winter. Bei dem allgemeinen und in ſtetem Wachsthume begriffe⸗ nen Intereſſe, wymit die politiſchen und Culturverhältniſſe der Gegenwart das deutſche Gemüth erfüllen, ſind wir der Em⸗ pfehlung eines Werkes, das ſeinen Inhalt durch dieſe Verhält⸗ niſſe empfangen, billig überhoben; weßhalb wir die Ueberzeu⸗ gung ausſprechen dürfen, daß kein patriotiſcher und vorwärts⸗ ſtrebender Deutſche es unterlaſſen werde, demſelben ſeine ganze Aufmerkſamkeit und Theilnahme zuzuwenden. Der Jakobsſtern. Eine Meſſiade von Ludwig Storch. 4 Theile. Rthlr. 6. 18 gr. fl. 11. 45 kr. Zimmergarten. Erzählungen in verſchiedenen Formen. Von Ludwig Storch. 1r und 2r Theil. Rthlr. 3. fl. 5. 24 kr. — 8 —