Leihbibliothek eutſcher, engliſcher und franzöſiſcher Literatur Ednard Otftmann in Gießen, Schloßgaſſe Lit. A. Nr. 256. 8 Seih- und Ceſebedingungen. 1. 0Offensein der Bibliothek. Die Bibliothek ſteht zur Em⸗ ſl. pfangnahme und Rückgabe der Bücher jeden Tag von Morgens 7 Uhr bis Abends 8 Uhr offen. 3 3 2. Lesepreis. Bei Rückgabe eines geliehenen Buches wird von jedem Tag 5 Pf. bezahlt. Die Zeit eines Tages iſt zu 24 Stun⸗ den angenommen.— 3.(aution. Unbekannte Perſonen müſſen, bei Entgegennahme . eines Buches, eine dem Werthe deſſelben entſprechende Summe binterlegen, welche bei deſſen Zurückgabe von mir zurückerſtattet wird. 3 Ayonnement. Daſſelbe muß voraus bezahlt werden und auf 1 Monat: 1 Nt. Pf. 1 Mr. 50 Pf. 2 Mk. Pf. „ 3„ 5„=„ 3„=.„—„ 4 5. Auswäürtige Abonnenten haben für Hin⸗ und Zurückſendung ¹ der Bücher auf ihre eigenen Koſten und Gefahr ſelbſt zu ſorgen. 2 beträgte 4 4 4 für wöchentlich 2 Bücher: 4 Bücher: 6 Bücher: 6. Schadenersatz. 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Späte Jahrhunderte Sehen die Zeit, wo der Ocean Löſ't die Bande der Dinge, wo großer Erdſtrich ſich aufthut, ein Tiphys Neue Welten entdeckt, nicht der Länder Letztes iſt Thule. Seneca's Medea. Zehntes bis zwoͤlftes Bändchen. ——— Frankfurt am Main, 1829. 3 Gedruckt und verlegt bei Johann David Sauerlaͤnder. Anhan g. Erläͤuteruͤngen und Documente. Nro. I. Uebertragung der Reſte des Columbus von San Domingo nach Havanna. Mit Beendigung des Krieges zwiſchen Frankreich und Spanien im Jahre 1795 kamen alle ſpaniſche Beſitzun⸗ gen auf der Inſel Hispanſola durch den neunten Artikel des betreffenden Friedenstractates an die Krone Frankreich. um zur Erfuͤllung dieſer Abtretung die Hand zu bieten, wurde eine ſpaniſche Eskadre unter den Befehlen des Don Gabriel de Ariſtizabal, General Lieutenants der koͤniglichen Armada, zu der feſtgeſetzten Zeit nach der Inſel abgeſandt. Am 11. December 1795 ſchrieb dieſer Commandeur an den in San Domingo refidirenden Feldmarſchall und Gouver⸗ neur Don Toaquin Garcla: da er hoͤre, daß die Ueberreſte * des beruͤhmten Admirals Don Chriſtoval Colon in der Jrving's Columbus. 10— 12. 1 Hauptkirche dieſer Stadt ruhten, ſo halte er es fuͤr ſeine Pflicht als Spanier und als Commandant en chef der detachirten Eskadre Seiner Majeſtaͤt, die Entfernung der ſterblichen Reſte dieſes Helden nach der Inſel Cuba zu be⸗ antragen, da dieße letztere Inſel gleichfalls von ihm entdeckt worden und er dort zuerſt die Fahne des Kreuzes aufge⸗ pflanzt habe. Er druͤckte den Wunſch aus, daß dieſes auf amtlichem Wege und mit großer Sorge und Feierlichkeit geſchehe, damit es nicht durch irgend Jemandes Sorgloſig⸗ keit oder Vernachlaͤſſigung veranlaßt werde, daß eine Re⸗ liquie verloren gehe, an die ſich Ereigniſſe knuͤpften, welche die glorreichſte Epoche der ſpaniſchen Geſchichte bildeten; und damit allen Nationen gezeigt werde, wie die Spanier, ungeachtet des Verlaufs von Jahrhunderten, nie aufhoͤrten, dem Andenken diefes„wuͤrdigen und alles wagenden Gene⸗ rals der Meere“ alle Ehre zu erweiſen, und dieſe Pflicht grade jetzt feſt im Auge behielten, wo die verſchiedenen oͤf⸗ fentlichen Autoritaͤten, welche die ſpaniſche Herrſchaft dar⸗ ſtellten, die Inſel verließen. Da er keine Zeit habe, oder es große Umſtaͤnde machen wuͤrde, den Monarchen daruͤber zu befragen, ſo wende er ſich an den Gouverneur, als koͤ⸗ niglichen Vice⸗Patron der Inſel, und hoffe, daß er ſeine Bitte erfuͤllen, und erlauben werde, daß die Reſte des Ad⸗ mirals ausgegraben und auf dem Schiff San Lorenzo nach der Inſel Cuba gebracht wuͤrden. Die edlen Wuͤnſche dieſes hochherzigen Spaniers fanden bei dem Gouverneur eine warme Aufnahme. Er erwiederte ihm, der Herzog von Veraguas, Stamm⸗Erbe des Colum⸗ bus, habe dieſelbe Sorge an den Tag gelegt und Anwei⸗ ſungen geſandt, damit die noͤthigen Maßregeln auf ſeine Koſten unternommen wuͤrden, zugleich auch den Wunſch ausgedruͤckt, daß die Gebeine des Adelantado, Don Bar⸗ tholomeo Colon, gleichfalls ausgegraben— und eigends geſandte Inſchriften auf die Graͤber Beider geſetzt wuͤrden. Er fuͤgte hinzu, obgleich der Koͤnig dieſerhalb keine Befehle ertheilt habe, ſey doch der Vorſchlag ganz in Uebereinſtim⸗ mung mit den dankbaren Empfindungen der ſpaniſchen Na⸗ tion, und da er ſich der Mitwirkung aller Autoritaͤten auf der Inſel verſichert halte, ſo ſey er ſeines Theils bereit, denſelben in Ausführung zu bringen. Der General⸗Commandant, Ariſtizabal, machte ſodann dem Erzbiſchof von Euba, Don Fernando Portillo y Torres, der feinen Sitz damals in der Stadt San Domingo hatte, eine aͤhnliche Mittheilung, in der Hoffnung, ſeine Bill’gung und Beihuͤlfe zu dieſem frommen Unternehmen zu erhalten. Die Antwort des Erzbiſchofs war in Ausdruͤcken großer Artigkeit gegen den ritterlichen Commandeur und tiefer Ehrerbietung fuͤr das Andenken des Columbus abgefaßt, und bezeugte den lebhaften Wunſch, dieſen Tribut der Dank⸗ barkeit und Verehrung den Urberreſtin eines Mannes zu erweiſen, der ſo viel zum Ruhme der ſpaniſchen Nation bei⸗ getragen habe. Die Perſonen, welche fuͤr den Herzog von Veragtias zu handeln Auftrag hatten, der ehrwuͤrdige Dom⸗Oechant und das Domkapitel, ſo wie alle uͤbrige Perſonen und Autork⸗ taͤten, welchen Gabriel de Ariſtizabal aͤhnliche Communi⸗ 1* in der Hauptkirche ſtatt, indem die Vigilien und Meſſen .— 4— cationen machte, offenbarten denſelben Eifer, zu der Aus⸗ fuͤhrung dieſes feretlichen und erfreulichen Acts behuͤlflich zu ſeyn. Nachdem der würdige Commandeur Ariſtizabal alle dieſe vorbereitenden Schritte mit großer Foͤrmlichkeit und Puͤnkt⸗ lichkeit gethan, damit die Ceremonie auf eine recht feierliche oöͤffentliche Weiſe vor ſich gehe, wie es die Beruͤhmtheit des Columbus erheiſche, wurde das Ganze mit gebuͤhrendem Ernſt und Gepraͤnge ausgefuͤhrt. Am 20. December 1795 verſammelten ſich die ausge⸗ zeichnetſten Perſonen des Orts, die Wuͤrdenträͤger der Kirche und die Cioil⸗ und Militaͤr⸗Autoritaͤten in der Dom⸗ kirche. In Anweſenheit dieſer hochanſehnlichen Verſamm⸗ lung wurde ein kleines Gewoͤlbe uͤber dem Chor in der Hauptmauer an der rechten Seite des Hochaltars geoͤffnet. Darin fand man die Reſte eines bleiernen Sarges, eine Anzahl Knochen und eine Quantitaͤt Moder, augenſcheinlich die Ueberreſte eines menſchlichen Koͤrpers. Dieſe wurden ſorgfaͤltig geſammelt und in ein Gehaͤus von vergoldetem Blei, ungefaͤhr eine halbe Elle in die Länge und in die Breite und ungefaͤhr ein drittel Elle hoch, gethan, welches mit einem eiſernen Schloß verwahrt wurde, deſſen Schluͤſſel der Erzbiſchof erhielt. Dieſes⸗Gehaͤuſe ſetzte man in einen mit ſchwarzem Sammt uͤverzogenen und mit Goldborten und Franzen verzierten Sarg. Das Ganze wurde dann in ein vorlaͤufiges Grab oder Mauſoleum geſetzt. Am folgenden Tag fand eine andere große Feierlichkeit 3 2 — 3— fuͤr den Todten von dem Erzbiſchof feierlich gehalten wur⸗ den, welchen der General⸗Commandant der Armada, die Dominikaner⸗ und Franziscaner⸗Moͤnche und die Moͤnche vom Orden der Gnade ſammt den uͤbrigen ausgezeichneten Anweſenden beiwohnten. Nach dieſer Ceremonie hielt der Erzbiſchof eine Predigt. An demſelben Tag um vier Uhr Nachmittags wurde der Sarg mit der groͤßten Pracht und Feierlichkeit von einer geiſtlichen, Civil⸗ und Militaͤr⸗Proceſſion, mit florumwunde⸗ nen Fahnen, mit Choͤren und mit Loͤſung des Geſchuͤtzes, aufs Schiff gebracht. Die vornehmſten Perſonen der ver⸗ ſchiedenen Autoritaͤten trugen abwechſelnd den Sarg. Der Schluͤſſel wurde mit großer Foͤrmlichkeit von dem Gouver⸗ neur aus den Haͤnden des Erzbiſchofs genommen und in die Haͤnde des Gouverneurs von Havanna gelegt, um ihn in Verwahrung zu behalten, bis der Wille des Koͤnigs bekannt werde. Der Sarg wurde an Bord der Brigantine„der Entdecker, aufgenommen, welche, wie die ganze Flotte, Trauerzeichen aufgeſteckt hatte und die Ueberreſte des Columbus mit allen einem Admiral gebuͤhrenden Ehren ſalutirte. Aus dem Hafen von San Domingo wurde der Sarg nach der Bai von Ocoa gebracht und dort dem Schiff San Lorenzo uͤhergeben. Er war von einem Portrait des Co⸗ lumbus begleitet, welches der Herzog von Veraguas aus Spanien geſchickt hatte, damit es an dem Ort aufgehan⸗ gen werde, wo die Ueberreſte ſeines beruͤhmten Ahnen ruhen ſollten. ₰ — 6— Das Schiff ging ſogleich unter Segel und kam am 15. Januar 1796 bei Havanna auf Cuba an. Hier zeigte ſich dieſelbe tiefe Ehrerbietung fur das Andenken des Entdeckers. Die erſten Autoritaͤten erſchienen an Bord des Schiffes, von den vornehmſten See⸗ und Landoffizieren begleitet. Alles wurde mit denſelben umſtaͤndlichen Feierlichkeiten erfuͤllt. Die ſterblichen Reſte kamen aus dem Schiff in eine Felucca, welche ſie in der Mitte dreier Reihen von Felucca's und Booten von der koͤniglichen Marine, alle paſſend verziert und mit vornehmen Militaͤr⸗ und Civil⸗Perſonen beſetzt, an's Land fuͤhrte. Zwei Felucca's folgten; in der einen war eine Ehren⸗Wache mit Trauerfahnen und verhuͤllten Trom⸗ meln, in der andern der General⸗Commandant, der erſte Marinebeamte und der Generalſtab. Wie ſie an den Kriegsſchiffen im Hafen vorbeifuhren, ſalutirten Alle, wie es einem Admiral und General⸗Capitain zur See gebührt. Am Damm angekommen, begruͤßte ſie der Gouverneur der Inſel, von den Generalen und dem Generalſtab begleitet. Der Sarg wurde nun zwiſchen zwei Reihen Soldaten fort⸗ getragen, welche die Straßen entlang bis zum Obelisk auf dem Paradeplatz aufgeſtellt waren, und hier in einen eigens erbauten Leichenwagen gethan. Dann wurden die Ueberreſte foͤrmlich dem Gouverneur und General⸗Capitain der Inſel uͤberliefert, ihm der Schluͤſſel eingehaͤndigt, der Sarg geoͤff⸗ net und unterſucht und die wohlbehaltene Ueberlieferung ſeines Inhalts feierlich beſtaͤtigt. Nach Beendigung dieſer Handlung wurde der Sarg in großer Proceſſion und mit dem groͤßten Pomp nach der Domkirche gebracht. Meſſen — 7— und alle Todten⸗Ceremonien wurden von dem Biſchof ver⸗ richtet und die ſterblichen Ueberreſte des Columbus mit großer Ehrerbietung in die Mauer auf der rechten Seite des Hochaltars eingeſenkt.„Alle dieſe Ehren und Ceremo⸗ nien,“ ſagt das Document, aus welchem dieſe Nachrichten genommen ſind,*)„wurden von den geiſtlichen und welt⸗ lichen Autoritaͤten, den oͤffentlichen Koͤrperſchaften, dem gan⸗ zen Adel und der Buͤrgerſchaft von Havanna verrichtet, zum Zeichen der hohen Perehrung und des reſpectvollen Andenkens, in welchem ſie den Helden hielten, der die neue Welt entdeckt und zuerſt die Fahne des Kreuzes auf ihre Inſel gepflanzt hatte.“ Dieſes war die letzte Gelegenheit, wo die ſpaniſche Na⸗ tion dem Andenken des Columbus ihre Gefuͤhle zollte, und zu großer Befriedigung gereicht es dem Verfaſſer dieſes Werkes, eine ſo feierliche Ehrenbezeugung ausfuͤhrlich mit⸗ theilen zu koͤnnen, ein Gepraͤnge, welches voll Theilnahme, edel in allen Beziehungen und fuͤr den Charakter der Nation ſo ehrenvoll iſt. Wenn wir leſen, wie nach einem Zwiſchen⸗ raum von faſt dreihundert Jahren die Ueberreſte des Co⸗ lumbus als geheiligte National⸗Rellquien mit großer buͤr⸗ gerlicher und militaͤriſcher Feierlichkeit und mit dem Wett⸗ eifer der vornehmſten und wuͤrdigſten Leute, ihnen die hoͤchſte Achtung zu bezeugen, von dem Hafen von San Domingo hinweggeführt wurden, koͤnnen wir uns der Erinnerung nicht erwehren, daß dieſes derſelbe Hafen war, von wo er mit *) Navarrete collect. t. 2. p. 365. 4 ſchimpflichen Ketten beladen, an Ruf und Guͤtern augen⸗ ſcheinlich gefaͤhrdet und von den Verwuͤnſchungen des Poͤ⸗ bels verfolgt, nach Spanien geſchleppt wurde. Solche Eh⸗ ren koͤnnen freilich dem Todten nichts mehr geben, noch koͤn⸗ nen ſie das Herz, welches nun Staub und Aſche iſt, fuͤr alle Leiden und Sorgen, die es erduldet haben mag, ent⸗ ſchaͤdigen; aber ſie reden Buͤcher des Troſtes den ruhmwuͤr⸗ digen, doch verlaͤumdeten und verfolgten Zeitgenoſſen zu, und ermuthigen ſie, die gegenwaͤrtigen Beleidigungen ſtand⸗ haft zu ertragen, indem ſie ihnen zeigen, wie das wahre Verdienſt alle Verlaͤumdung uͤberlebt und ſeinen glaͤnzenden Lohn in der Bewunderung der Nachwelt findet. — Nro. II. Nachrichten üͤber die Abkömmlinge des Columbus. 7 Als Columbus ſtarb, folgte ihm ſein Sohn Diego in ſeinen Rechten als Vicekoͤnig und Gouverneur der neuen Welt nach, zurolge der ausdruͤcklichen Capitulations⸗Punkte, auf welche die Souveraine mit ſeinem Vater uͤbereingekom⸗ men waren. Er erſcheint nach dem einſtimmigen Zeugniß der Geſchichtſchreiber als ein Mann von großer Rechtlichkeit, — — 9— von achtungswerther, edler Natur. Herrera ſpricht wieder⸗ holt von der Liebenswuͤrdigkeit und Feinheit ſeines Beneh⸗ mens, und nennt ihn einen edlen Mann, aller Verſtellung fremd. Dieſes offene, ungeheuchelte Weſen ſetzte ihn oft der Hinterliſt ſchlauer Menſchen aus, die in Tuͤcke ergraut, ſein Leben in eine fortlaufende Reihe von Verlegenheiten verwik⸗ kelte; aber die Rechtſchaffenheit ſeines Charakters und die unbeſiegbare Macht der Wahrheit ließen ihn uͤber die Schwie⸗ rigkeiten ſiegen, in welchen ſich politiſchere und ſchlauere Kopfe gefangen haben wuͤrden. 6 Sogleich nach dem Tode des Admirals erklaͤrte ſich Don Diego als ſeinen Stamm⸗Erben und nahm ſich der Zuruͤck⸗ gabe der Familienrechte und Prioilegien an, welche waͤhrend der letzteren Lebensjahre ſeines Vaters ſuspendirt worden waren. Konnte jedoch der kalte und ſchlaue Ferdinand ſeine Pflichten der Dankbarkeit und Gerechtigkeit gegen Columbus vergeſſen, ſo nahm er noch weniger Anſtand, gegen die Sollicitationen ſeines Sohnes taub zu bleiben. Zwei Jahre lang betrieb Don Diego ſeine Anſpruͤche mit erfolgloſem Eifer. Er empfand die offenbare Ungnade des Koͤnigs um ſo ſchmerzlicher, da er als Page bei ſeinem Hofſtaate unter ſeinen Augen erzogen worden und ſein Charakter dadurch genau haͤtte bekannt ſeyn und gewuͤrdigt werden ſollen, Endlich, bei der Ruͤckkehr Ferdinands von Neapel im Jahre 1508 wagte er, mit der ſeinem Charakter inwohnenden Offenheit, gradezu die Frage an den Koͤnig:„ob Seine Majeſtaͤt ihm nicht als Gnade gewaͤhren wolle, was ihm dem Rechte nach zukomme, und warum Er zoͤgere, der — 10— Treue eines Mannes zu vertrauen, der an ſeinem Hofe er⸗ zogen worden?, Ferdinand erwiederte, daß er ihm zwar vollkommen trauen koͤnne, daß er aber ein ſo unumſchraͤnk⸗ tes Vertrauen nicht, auf den Zufall hin, auf ſeine Kinder und Erben zu uͤbertragen vermoͤge. Hierauf entgegnete Diego, daß es aller Gerechtigkeit und Vernunft zuwider⸗ laufe, ihn fuͤr die Suͤnden ſeiner Nachkommen, deren er vielleicht niemals haben werde, buͤßen zu laſſen. Demungeachtet, ſo ſehr der junge Admiral die Vernunft und die Gerechtigkeit auf ſeiner Seite hatte, fand er es un⸗ möglich, den ſchlauen Monarchen zur Erfuͤllung zu bewe⸗ gen. Da er alle Appellationen an die Grundſaͤtze der Bil⸗ ligkeit und Gefuͤhle der Großmuth fruchtlos fand, bat er um die Erlaubniß, ſeine Anſpruͤche in dem Wege Rechtens verfolgen zu duͤrfen. Der Koͤnig konnte ſich einem ſo ver⸗ nuͤnftigen Begehren nicht widerſetzen, und Don Diego fing vor dem Gerichtshof von Indien einen Proceß gegen den Koͤnig Ferdinand an, den er auf die wiederholten Capitu⸗ lationen zwiſchen der Krone und ſeinem Vater gruͤndete und worin er alle ihm von Ihren Majeſtaͤten ertheilten Wuͤrden und Vorrechte reclamirte. Ein Grund der Nichterfuͤllung dieſer Anſpruͤche war der, daß die in den von den Souverainen im Jahr 1492 gewaͤhrten Capitulations⸗Punkten dem Admiral und ſeinen Nachkommen ertheilte Wuͤrde als erblicher Vicekoͤnig keinen Beſtand haben koͤnne, weil ſie den Rechten des Staates und einem ausdruͤcklichen Geſetz zuwiderlaufe, welches, im Jahre 1480 zu Toledo erlaſſen, feſtſetze, daß kein Amt, welches die Rechtsverwaltung in ſich ſchließe, erblich verge⸗ ben werden duͤrfe, daß demnach die dem Admiral gewaͤhrte Statthalterſchaft nur auf die Dauer ſeines Lebens gehen koͤnne und daß ſie ſelbſt in dieſer Zeit ihm wegen ſeines aͤblen Betragens entzogen worden ſey. Solche Conceſſionen beeintraͤchtigten die erblichen Praͤrogative der Krone, deren ſich die Regierung nicht enfaͤußern koͤnne. Hiergegen erwie⸗ derte Don Diego: was die Kraft und Guͤltigkeit der Ueber⸗ einkunft betreffe, ſo ſey ſie ein bindender Vertrag, und kei⸗ nes ſeiner Privilegien duͤrfe zuruͤckgezogen werden. Durch koͤnigliche urkunden, datirt von Villa Franca den 2. Juni 1506 und von Almäzan den 28. Auguſt 1507, ſey befohlen worden, daß er, Don Diego, die Zehnten erhalten ſolle, und ſo ſeyen ihm auch die anderen Privilegien zu gewähren. Was das Anführen betreffe, baß ſein Vater der Statthal⸗ terſchaft wegen ſeiner Mißbraͤuche beraubt worden ſey, ſo verſtoße dieſes wider alle Wahrheit. Es ſey eine Frechheit von Seiten Bobadilla's geweſen, daß er ihn im Jahr 1500 als Gefangenen nach Spanien geſchickt; es ſey dieſes gegen den Willen und Befehl der Souveraine geſchehen, wie aus dem Schreiben von Valenzia de la Torre vom Jahr 1502 erhelle, worin ſie ihren Schmerz uͤber ſeine Verhaftung aus⸗ drückten und ihn verſicherten, ihm ſolle Genugthuung, und ſowohl ihm als ſeinen Kindern ihre Prioilegien un⸗ geſchmaͤlert erhalten werden.*) *) Auszüge aus den Proceßatten, von Munjos. Mſpt. Dieſer merkwuͤrdige Proceß wurde im Jahr 1508 be⸗ gonnen und mehrere Jahre fortgefuͤhrt. Im Laufe der Ver⸗ handlungen kam auch die Einwendung gegen die Anſpruͤche des Don Diego vor, daß ſein Vater nicht der erſte Ent⸗ decker der Terra Firma geweſen ſey, ſondern ſpaͤter nur einige Theile aufgefunden habe. Dieſe Behauptung wurde jedoch durch uͤberwiegende Zeugniſſe ganz zuruͤckgewieſen. Die Anſpruͤche des Don Diego wurden genau unterſucht und ſcharf erwogen, und der Gerichtshof von Indien ent⸗ ſchied einhellig zu ſeinen Gunſten, welches die Gerechtigkeit und Unabhaͤngigkeit dieſer Koͤrperſchaft in ein helles Licht ſetzte und viele armſelige Verkleinerer des hohen Ruhmes des Verſtorhenen zum Schweigen brachte.*) Ungeachtet dieſer Entſcheidung fehlte es dem ſchlauen Monarchen weder an Mitteln noch an Vorwaͤnden, die Abtretung ſolcher aus⸗ gedehnten Machtvollkommenheit zu verzoͤgeren, welche ſeiner umſichtigen Politik ſo ſehr entgegen war. Der junge Ad⸗ miral verdankte endlich ſeinen Erfolg in dieſem Proceß dem vorangegangenen gluͤcklichen Ausgang eines Proceſſes von ganz anderer Natur. Er verliebte ſich in Donna Maria de Toledo, Tochter Ferdinands von Toledo, Groß⸗Com⸗ mandeurs von Leon, Nichte Don Fadrique's de Toledo, des beruͤhmten Herzogs Alba, des erſten Guͤnſtlings des Koͤ⸗ nigs. Dieſes war ein Streben nach hoher Verwandtſchaft. *) Fernere Erwähnung dieſes Proceſſes geſchieht in dem Artikel: Amerigo Vespucci, 2 Der Vater und der Oheim des Fraͤuleins waren die maͤch⸗ tigſten Granden des ſtolzen Koͤnigreichs Spanien und des Koͤnigs Ferdinand lelbliche Vettern. Der Ruhm jedoch, welchen Columbus ſeinen Kindern nachgelaſſen, und ſeine ganz neuerlich von dem Gerichtshofe beſtaͤtigten Anſpruͤche gaben dem Diego anſehnliche Wuͤrden und hinlaͤngliche Reich⸗ thuͤmer, um ihm Ausſichten auf die erhabenſte Verbindung zu eroͤffnen. Er fand keine Schwierigkeiten, als er ſich um die Hand dieſer Dame bewarb, und ſo ward die fremde Fa⸗ milie des Columbus auf einem der ſtolzeſten Staͤmme Spa⸗ niens einheimiſch gemacht. Die natuͤrliche Folge blieb nicht aus. Diego hatte jenes magiſche Band„Verwandtſchaft“ gefunden, und die Gunſt Ferdinands, welche ſich ſo lange dem Sohne des Columbus verſchloſſen hatte, beſtrahlte ihn nun, wenn auch kalt, als den Neffen des Herzogs von Alba. Dem Vater und dem Oheim ſeiner Braut gluͤckte es, wie⸗ wohl erſt nach ſchwierigen Kaͤmpfen, das Widerſtreben des Monarchen zu beſiegen, und am Ende gewaͤhrte dieſer doch nur theilweiſe die ihm abgenoͤtyigte Handlung der Gerechtig⸗ keit. Er trat an Don Diego nur die Wuͤrden und Voll⸗ machten ab, welche Nicolas de Ovando genoſſen hatte, den er zuruͤckberief; wohlweislich aber verſagte er ihm den Ti⸗ tel als Vicekoͤnig. Die Zurüͤckberufung Ovando's war nicht bloß eine Maß⸗ regel, um dem Don Diego Platz zu machen; es war die ſpaͤte Erfuͤllung eines Verſprechens, welches er der Koͤnigin auf dem Todbette gegeben hatte. Die ſterbende Monarchin hatte ſie als Strafe fuͤr das Morden ihrer armen indiani⸗ ſchen Unterthanen in Xaragua und fuͤr die grauſame und ſchimpfliche Hinrichtung der Cazikin Anacaona verlangt. Ferdinand blieb indeſſen bei der Erfuͤllung der Bitte der Koͤnigin dem Ovando dennoch gewogen. Er empfand nicht daſſelbe Mitleid wie ſeine verklaͤrte Gemahlin, und wie ſehr auch Ovando ſich gegen alle Menſchlichkeit in ſeinem Betra⸗ gen gegen die Indianer verſuͤndigt hatte, war er doch ein wachſamer Beamter, und grade ſeine Unterdruͤckungen hat⸗ ten ſich vortheilhaft fuͤr die Krone ausgewieſen. Ferdinand befahl, daß die Flotte, welche den neuen Gouverneur hin⸗ uͤberbrachte, unter dem Kommando Ovando's zuruͤckkehren und er in dem ungeſchmaͤlerten Genuß jedes Eigenthums und der indianiſchen Sclaven verbleiben ſolle, in deren Beſitz er ſich befinde. Einige haben den Ovando als einen Mann geſchildert, der von Gewinnſucht frei geweſen ſey, der alle dem Elend der Eingebornen abgerungenen Reich⸗ thuͤmer nur ſeinem Koͤnig erworben habe, und es wird von ihnen angedeutet, daß ein geheimer Grund ſeiner Ungnade der geweſen ſey, daß er ſich den allmaͤchtigen und unver⸗ ſoͤhnlichen Biſchof Fonſeca zum Feinde gemacht habe.*) Der neue Admiral ſchiffte ſich in dem Hafen San Lucar am 9. Juni 1509 mit ſeiner Gemahlin, ſeinem Bruder Don Fernando, der nun zum Manne herangereift war und eine gute Erziehung genoſſen hatte, ſowie mit ſeinen beiden Oheimen Don Bartholomeo und Don Diego ein. Ein zahlreiches Gefolge aus der ſpaniſchen Ritterſchaft mit *) Charlevoix I, e. c. V. I, p. 272, 274. ihren Frauen begleiteten ſie; auch manches junge Fraͤulein von Rang und Familie, mehr durch Geburt als durch Ver⸗ moͤgen ausgszeichnet, wurde mit in die neue Welt hinuͤber⸗ geſchickt, um dort einen reichen Gemahl zu finden.*) Obgleich der Koͤnig dem Don Diego die Wuͤrde als Vicekoͤnig nicht gewaͤhrt hatte, ſo gab man ihm doch aus Hoͤflichkeit dieſen Titel und ſeine Gemahlin wurde allgemein mit demſelben angeredet. Don Diego fing ſeine Herrſchaft mit einem in der Co⸗ lonie bis dahin nicht geſehenen Glanze an. Die Vicekoͤnigin, welche eine Dame von großen Eigenſchaften war, bildete mit den edlen Rittern und jungen Fraͤuleins von Stande, die ſich in ihrem Gefolge befanden, eine Art von Hof, welcher einen gewiſſen Glanz uͤber die halbcultivirte Inſel verbrei⸗ tete. Die jungen Damen vermaͤhlten ſich bald mit den reichſten Coloniſten und trugen viel dazu bei, die rohen Sitten zu mildern, die in einem Zuſtande der Geſellſchaft uͤberhand genommen hatten, dem es bis dahin an dem heil⸗ ſamen Zwang und der gefaͤlligen Wohlanſtaͤndigkeit gebrach, welche der Einfluß der Frauen erzeugt. Don Diego hatte ſeine Anſtellung in dem Lichte eines Vice⸗Koͤnigreiches betrachtet, aber der Koͤnig traf bald Maßregeln, welche zeigten, daß er dieſe Meinung nicht aufkommen laſſen wolle. Ohne ſich um Diego zu bekuͤm⸗ mern, theilte er den Iſthmus von Darien in zwei große Provinzen mittelſt einer ideellen Linie bei dem Meerbuſen *) Las Casas, 1. II. cap. 49. MS, — 76— von Uraba, und ernannte Alonzo de Ojeda zum Gouver⸗ neur der oͤſtlichen Provinz, welche er Neu⸗Andaluſia nannte, dann einen Ritter Namens Diego de Nicueſſa zum Gouver⸗ neur der weſtlichen Provinz, welche die reiche Kuͤſte von Veragua einſchloß und welche er Caſtilla del Oro oder Gold⸗ Caſtilien nannte. Haͤtte ſich der Monarch von Grundſaͤtzen der Gerechtigkeit und Dankbarkeit leiten laſſen, ſo waͤre die Niederlaſſung auf dieſer Kuͤſte dem Adelantado Don Bar⸗ tholomeo Columbus uͤbergeben worden, welcher zu der Ent⸗ deckung dieſes Landes beigetragen und bei dem Unternehmen ſo viel erduldet hatte. Selbſt ſeine uͤberwiegenden Faͤhigkei⸗ ten zu dieſer Stelle haͤtten ihn der Politik des Koͤnigs em⸗ pfehlen ſollen; aber der vorſichtige und berechnende Ferdi⸗ nand kannte den kuͤhnen Geiſt des Adelantado und wußte wohl, daß er geneigt war, hohe und angemeſſene Bedingun⸗ geen zu verlangen. Er uͤberging ihn daher und zog unge⸗ duldigere und bequemer zu befriedigende Abenteurer vor. Don Diego fuͤhlte ſich gekraͤnkt uͤber dieſe Maßregel, die man ohne ſeine Theilnahme und Vorwiſſen ergriffen hatte. Er betrachtete ſie gradezu als eine Verletzung der ſeinem Vater und deſſen Erben gewaͤhrten Capitulations⸗ Punkte. Er hatte auch ferner noch Anfechtungen hinſichtlich des Gouvernements der Inſel St. Juan oder Portorico, die um die ſe Zeit beſucht und erobert wurde; aber nach ei⸗ ner Reihe von Widerwaͤrtigkeiten wurden doch endlich ſeine Beamte von der Krone anerkannt, Gleich ſeinem Vater hatte er mit boshaften Partheien in ſeinem Gouvernement zu kaͤmpfen; denn die Feinde des — 17— Vaters uͤbertrugen ihren Groll auch auf den Sohn. Einer Namens Miguel Paſſamonte, Schatzmeiſter des Koͤnigs, wurde unter dem Schutz und hauptſaͤchlich durch Anreizung des Biſchofs Fonſeca, der gegen den Sohn die unverſoͤhn⸗ liche Feindſchaft gegen den Vater fortſetzte, ſein erklaͤrter Gegner. Eine Menge kleiner Umſtaͤnde verwickelten ihn mit einigen Subalternen der Colonie; auch ſtand ein Ueber⸗ reſt der Gefaͤhrten Roldans gegen ihn auf.*) Bald hatten ſich zwei Partheien auf der Inſel gebildet, die eine war die des Admirals, die andere die des Schatz⸗ meiſters Paſſamonte. Der letzterenmaßte ſich an, ſeinen An⸗ hang die Parthei des Königs zu nennen. Sie bereiteten dem Don Diego alle moͤgliche Unannehmlichkeiten und ſand⸗ ten die heftigſten und unſinnigſten Verlaͤumdungen uͤber ſein Betragen nach Spanien. Unter andern gaben ſie vor, ein großes Haus mit vielen Fenſtern, welches er baute, ſey zu einer Feſtung beſtimmt, und verſicherten, er habe die Abſicht ſich zum unumſchraͤnkten Herrn der Inſel aufzuwerfen. Koͤ⸗ nig Ferdinand, der nun ſchon in Jahren vorgeruͤckt war, uͤberließ die Angelegenheiten Indiens groͤßtentheils dem Biſchof Fonſeca,“¹) der ihnen von Anfang an vorgeſtanden hatte, und ließ ſich hauptſaͤchlich durch die Rathſchlaͤge die⸗ ſes Praͤlaten leiten, welche den Nachkommen des Columbus nicht ſo leicht guͤnſtig lauteten. Die Klagen aus den Colo⸗ nieen waren kuͤnſtlich ſo dringend dargeſtellt, daß er im *) Herrera degd. 1. 1. VII. c. 12. **) Herrera decad. 1. 1. VII. c. 12. Irving's Colunbus. 10— 12. 2 Jahr 1510 einen unabhaͤngigen Gerichtshof in San Do⸗ mingo einſetzte, an welchen man von allen Entſcheidungen des Admirals appelliren konnte, ſelbſt in Faͤllen, die fruͤher ausſchließlich der Krone vorbehalten waren. Don Diego ſah dies als eine argwoͤhniſche und beleidigende Maßregel an, die darauf berechnet ſey, ſeine Macht zu untergraben. Freimuͤthig, offen und ohne Argwohn, war der junge Admiral nicht zu einem Streit mit den liſtigen Politikern gemacht, die ſich feindlich gegen ihn aufſtellten und darauf lauerten, ſeine kleinſten Fehler zu mißdeuten und ſie in Ver⸗ brechen zu verwandeln. Man haͤufte Schwierigkeiten auf ſeinen Weg, die er zu beſiegen unmoͤglich fand. Er hatte ſein Amt mit den hochherzigſten Abſichten angetreten, ent⸗ ſchloſſen, den Unterdruͤckungen ein Ziel zu ſetzen und alle Mißbraͤuche abzuſchaffen. Jeder Rechttiche hatte fch uͤber ſeine Ernennung gefreut. Aber bald mußte er finden, daß er ſich in ſeiner Faͤhigkeit verrechnet und alle ihn erwarten⸗ den Hinderniſſe zu klein angeſchlagen habe. Er urtheilte nach ſelnem eignen guten Herzen und hatte keinen Begriff von der Schlechtigkeit der Menſchen. Er widerſetzte ſich den„Repartimientos“ der Indianer, dieſer Quelle aller Arten von Unmenſchlichkeiten, aber er fand, daß alle reichen Leute auf der Colonie und die meiſten wichtigen Perſonen des Hofes ſich fuͤr ihr Fortbeſtehen intereſſirten. Er fand, daß der Verſuch, ſie abzuſchaffen, gefaͤhrlich und das Reſul⸗ tat zweifelhaft ſeyn werde: zugleich war dieſe Ungerechtig⸗ keit eine Quelle ungeheuern Gewinns fuͤr ihn ſelbſt. Eigen⸗ nutz verband ſich daher mit den anderen Ruͤckſichten, und 4 ——— was anfaͤnglich ſchwierig erſchien, zeigte ſich ſpaͤter ganz unthunlich. Die„Repartimientos“ blieben wie er ſie ge⸗ funden hatte, außer daß er diejenigen von den Oberaufſe⸗ hern, die ſich hart und grauſam bewieſen hatten, entfernte und von ſeinen elgnen Leuten hinſetzte, die ſich wahrſcheinlich eben ſo unwuͤrdig zeigten. Seine Freunde wurden aͤrgerlich, ſeine Feinde gewannen Muth, laut wurde von den Anhaͤngern derer gegen ihn geſchrieen, die er abgefetzt hatte, und man ſagte ſelbſt, wenn Ovando nicht um dieſe Zeit geſtorben waͤre, haͤtte man ihn wieder hinuͤbergeſchickt, um den Don Diego in's Netz zu ziehen. Die Unterwerfung und Errichtung einer Niederlaſſung auf der Inſel Cuba im Jahre 1510 war ein gluͤckliches Ereigniß in der Verwaltung des jetzigen Admirals. Er gratulirte dem Koͤnig Ferdinand zu der Erwerbung der groͤßten und ſchoͤnſten Inſel in der Welt, ohne daß er da⸗ bei einen einzigen Mann verloren habe. Dieſe Nachricht kam dem Koͤnige ſehr recht, aber ſie war von einer Menge Klagen gegen den Admiral begleitet. So wenig Theilnahme Ferdinand fuͤr Don Diego fuͤhlte, wurde er doch gewahr, daß die meiſten dieſer Klagen falſch waren und ihren Ur⸗ ſprung in der Eiferſucht und dem Neide ſeiner Feinde hat⸗ ten. Dennoch hielt er es fuͤr dienlich, im Jahr 1512 den Bartholomeo Columbus mit ſehr genauen Inſtructionen an ſeinen Neffen den Admiral abzuſenden. Don Bartholomeo behielt immer noch das Amt als Ade⸗ lantado en Indien, obgleich Ferdinand aus egoiſtiſchen Ruͤck⸗ ſichten ihn in Spanien zuruͤckhielt, waͤhrend er geringere 2* — 20— Leute auf Entdeckungsreiſen ausſandte. Nun fuͤgte er ſei⸗ nem Gehalt das Eigenthum und Gouvernement der kleinen Inſel Mona auf lebenslaͤnglich bei und gab ihm ein Repar⸗ timiento von zweihundert Indianern, mit der Oberaufſicht aͤber die in Euba zu entdeckenden Minen, eine Ernennung, welche ſich ſehr eintraͤglich bewies.*) Unter den Inſtructionen, welche der Koͤnig dem Don Diego ertheilte, war die Verfuͤgung, daß in Folge der Vor⸗ ſtellungen der Dominicaner⸗Moͤnche die Arbeiten der Ein⸗ gebornen auf ein Drittheil reducirt werden ſollten, daß Diego ſuchen moͤge, ſich von Guinea Negerſclaven zur Er⸗ leichterung der Indianer zu verſchaffen und daß die caraibi⸗ ſchen Sclaven am Bein gebrandmarkt werden ſollten, um ſie von den andern Indianern zu unterſcheiden und zu ver⸗ huͤten, daß dieſen die harte Behandlung derſelben zu Theil werde.**) Da die beiden Gouverneure Ojeda und Nicueſſa, welche der Koͤnig ernannt hatte, um den Iſthmus von Darien, auf der Terra Firma, zu coloniſiren und zu befehligen, mit ihrem Unternehmen nicht zu Stande kommen konnten, ſo ſchrieb der Monarch im Jahre 1514 nach Hispaniola und gab dem Adelantado Erlaubniß, wenn er Neigung dazu fuͤhle, die Anſiedelung an der Kuͤſte von Veragua zu uͤbernehmen und dieſes Land unter dem Admiral Don Dlego in Ueberein⸗ ſtimmung mit deſſen Privilegien zu verwalten. Haͤtte der Koͤnig ſeinen eigenen Vortheil recht erkannt und dem Talent *) Charlevoix hist. St. Domingo, p. 331. **) Herrera hist. Ind. dec. 1. 1, IX, c. 5. und den Verdienſten des Adelantado die gebuͤhrende Achtung gezollt, ſo wuͤrde er dieſe Maßregel fruͤher ergriffen haben. Nun war es zu ſpaͤt: Kraͤnklichkeit verhinderte den Don Bartholomeo, das Unternehmen auszufuͤhren; ſein thaͤtiges und muͤhevolles Leben neigte ſich zum Ende. Nachdem manche Verlaͤumdungen von Paſſamonte und anderen Feinden des Don Diego nach Spanten geſchrieben und von der Regierung viele Schritte gethan worden, welche er als Eingriffe in ſeine Wuͤrden und Prioilegien betrach⸗ tete, bat er um die Erlaubniß, am Hofe erſcheinen zu duͤr⸗ fen, um ſein Benehmen zu erklaͤren und zu rechtfertigen. Er erhielt dieſelbe und reiſte demzufolge am 9. April 1515 ab und ließ den Adelantado und die Vice Koͤnigin Donna Maria zuruͤck. Der Koͤnig empfing ihn mit großen Ehren⸗ bezeugungen, welche er gewiß auch verdiente. Irdes Unter⸗ nehmen, welches er gemacht oder geleitet hatte, war ihm gegluͤckt. Perlenfiſchereien hatten an der Kuͤſte von Cuba⸗ gua mit Erfolg begonnen, die Inſeln Cuba und Jamaika wurden ohne Blutvergießen unterworfen und cultivirt; ſein Benehmen als Gouverneur war gradſinnig und er hatte nur die Verlaͤumdungen uͤber die von ihm verſuchte Minde⸗ rung der Arbeiten der Indianer gegen ſich. Der Koͤnig befahl, daß alle Proceſſe gegen ihn am Appellationsgerichts⸗ hofe und ſonſt, fuͤr Entſchädigungen an die Eigenthuͤmer bei Regulirung der Repartimientos, niedergeſchlagen und die Faͤlle ihm elbſt zur Erwaͤgung uͤbergeben werden ſollten. Aber, ſowie bei aller dieſer Ganſt der Admiral einen An⸗ theil an dem Gewinn von den Provinzen von Caſtilla del — 22— Ocao in Anſpruch nahm, mit der Verſicherung, daß ſie von ſeinem Vater entdeckt worden, wie die Namen dieſer Oerter als Nombre de Dios, Puerto Bello und El Retrete deut⸗ lich bewieſen, befahl der König die foͤrmliche Befragung der Seeleute, die mit Chriſtoph Columbus geweſen waren, in der Hoffnung, dadurch zu beweiſen, daß er die Kuͤſte von Darien oder den Meerbuſen von Uraba nicht entdeckt habe. „Auf dieſe Art," fuͤgt Herrera hinzu,„wurde Don Diego immer in Streitigkeiten mit dem Fiscus verwickelt, ſo daß er mit Wahrheit ſagen konnte, daß er der Erbe der Be⸗ draͤngniſſe ſeines Vaters ſey.“*) Nicht lange nach der Abreiſe Don Diego's von San Domingo endigte ſein Oheim Bartholomeo ſein thaͤtiges und muͤhevolles Leben. Wir beſitzen keine naͤhere Nachrich⸗ ten von ſeinem Tode, noch auch eine Angabe ſeines Alters, welches ziemlich hoch geweſen ſeyn mag. Koͤnig Ferdinand ſoll großen Antheil an dieſem Ereign'’ß genommen haben, denn er hatte eine hohe Meinung von dem Charakter und den Talenten des Adelantado.„Er war,“ ſagt Herrera, „ein Mann von nicht minderem Werth als ſein Bruder der Admtral und wuͤrde, wenn ſich die Gelegenheit gezeigt haͤtte, große Proben davon abgelegt haben, denn er war ein trefflicher Seemann, tapfer und von edler Gemuͤthsart.⸗**) Charlevoir ſchreibt die unthaͤtigkeit, worin Don Bartho⸗ lomeo mehrere Jahre zu verharren gezwungen war, der — *) Herrera decad. 2. I. I, c. 7. **) Herrera decad,. 1. 1. X. c. 16. Eiferſucht und Sparſamkeit des Koͤnigs zu. Er fand die Familie ſchon zu maͤchtig, und der Adelantado wuͤrde, wenn er Mexiko entdeckt haͤtte, gewiß eben ſo gut Bedingungen gemacht haben, wie ſein Bruder der Admiral.*) Man ſagt, bemerkt Herrera, der Koͤnig habe es vorge⸗ zogen, ihn in europaͤiſchen Angelegenheiten zu gebrauchen, wiewohl dieſes nur geſchehen konnte, um ihn von anderen Gegenſtaͤnden abzuhalten. Nach ſeinem Tode nahm der König das Gouvernement der Inſel Mona zuruͤck, welches er ihm auf Lebenszeit gegeben hatte, und uͤbertrug ſein Repartimiento von zweihundert Indkanern auf die Vice⸗ koͤnigin Donna Maria. Waͤhrend der Admiral Don Diego auf eine Audienz zu ſeiner Rechtfertigung am Hofe drang, ſtarb Koͤnig Ferdi⸗ nand, am 23. Januar 1514. Sein Enkel und Nachfolger, Prinz Carl, nachher Carl V., befand ſich in Flandern. Die Regierung ruhte eine Zeit lang in den Häͤnden des Cardinals Pimenes, der es nicht unternehmen wollte, uͤber die Vor⸗ ſtellungen und Anſpruͤche des Admirals zu entſcheiden. Erſt im Jahr 1520 erlangte er von dem Kaiſer Carl V. eine Anerkennung ſeiner Unſchuld in allen gegen ihn erhobenen Anklagen. Da der Kaiſer fand, daß alles, was Paſſamonte und ſeine Parthei geſchrieben hatten, offenkundige Verlaͤum⸗ dungen ſeyen, befahl er, daß Don Diego ſeine Stelle wie⸗ der aatrete, obgleich der Proreß mit dem Fiscus immer noch im Gange war, und daß dem Paſſamonte geſchrieben *) Charlevoix hist, St. Domingo I. V. werde, daß er alle vorige Aergerlichkeiten und Zwiſte ver⸗ geſſen und in ein freundliches Benehmen mit Don Diego treten ſolle. Unter anderen Handlungen der Gerechtigkeit wurde ihm die Anerkennung ſeines Rechts gewaͤhrt, daß er ſein Amt als Vicekoͤnig und Gouverneur der Inſel Hispa⸗ niola und aller Plaͤtze, die ſein Vater entdeckt habe, aus⸗ uͤben ſolle, ⁴) Seine Gewalt ward jedoch durch neue Reglements ſehr vermindert, und ihm ein Oberaufſeher uͤbergeordnet, mit dem Recht, dem Rathe Angaben gegen ihn mitzutheilen, * doch mit keiner anderen Gewalt. Don Diego ſegelte im Anfang Septembers 1520 ab, und als er bei ſeiner An⸗ kunft in San Domingo fand, daß mehrere der Gouverneurs, durch ſeine lange Abweſenheit verwoͤhnt, ſich unabhaͤngig gemacht und ihre Gewalt mißbraucht hatten, ſandte er ſogleich Leute ab, um ſie abzuſetzen und verlangte Rechen⸗ ſchaft von ihrer Verwaltung. Dieſes zog ihm eine Menge heftiger und maͤchtiger Feinde ſowohl in den Colonien, als auch in Spanien zu. Waͤhrend der Abweſenheit bes Admirals hatte es in Hispaniola große Veraͤnderungen gegeben. Die Minen wurden vernachlaͤſſigt, da man den Bau des Zuckerrohrs als eine ergiebigere Quelle des Wohlſtandes kennen gelernt hatte. Es wurde zum Sprichwort in Spanien, daß die praͤchtigen Palaͤſte, welche Carl V. in Madrid und Toledo errichtete, von dem Zucker Hispaniola's gebaut ſehen. Von *) Herrera decad, 2. 1. IX. e. 7. — 25— Afrika hatte man eine große Anzahl Sclaven hinuͤberge⸗ bracht, da man dieſe fuͤr die Zucker⸗Plantagen brauchbarer fand, als die ſchwaͤchlichen Indianer. Die Behandlung der armen Neger wurde aͤußerſt grauſam und ſie ſchienen ſelbſt unter den Menſchlicheren keine Beſchuͤtzer gefunden zu ha⸗ ben. Die Sclaverei der Indianer war auf das Recht des Staͤrkeren gegruͤndet; aber die Neger, dachte man, ſeyen nach ihrer Farbe zu Sklaven geboren, und da ſie in ihrem eignen Lande gekauft und bezahlt worden, ſey dieſes ihr natuͤrliches Loos. Wie geduldig und ausdauernd auch dieſes Geſchlecht iſt, ſo reizten doch am Ende die über ſie ver⸗ haͤngten Grauſamkeiten die Neger zur Rache und am 27. Dezember 1522 brach der erſte Aufſtand der Afrikaner auf Hispaniola aus. Er begann in einer Zuckerplantage des Admirals Don Diego, wo ungefaͤhr zwanzig Sclaven, welche mit einer gleichen Zahl aus einer benachbarten Plankage zuſammentrafen, ſich Waffen aneigneten, gegen ihre Zucht⸗ meiſter aufſtanden, ſie ermordeten und ſich in das offene Land fluͤchteten. Es war ihre Abſicht, einige Plantagen zu pluͤndern, die Spanier zu erſchlagen, ſich durch die Befreiung ihrer Landleute zu verſtaͤrken, und entweder in den Beſitz der Stadt Agua zu kommen, oder in die Berge zu entfliehen. Wie die Nachricht von dieſem Aufruhr zu Don Diego in San Domingo gelangte, ging er, von mehreren der vor⸗ nehmſten Einwohner begleitet, um die Rebellen aufzuſuchen⸗ Am zweiten Tage machte er an dem Ufer des Fluſſes Nizao Halt, um mit ſeinem Trupp auszuruhen und den Verſtaͤr⸗ kungen Zeit zu laſſen, ihn einzuholen. Hier erfuhr einer — 26— Namens Melchor de Caſtro, welcher den Admiral begleitete, daß die Neger ſeine Plantagen verheert, ſein Haus geplüͤn⸗ dert, einen ſeiner Leute erſchlagen und ſeine indianiſchen Sclaven davon gefuͤhrt haͤtten. Ohne ſich von dem Admi⸗ ral zu beurlauben, ging er in der Nacht mit zwei Gefaͤhr⸗ ten weg, beſuchte ſeine Plantagen, fand alles in Verwuͤſtung, verfolgte die Neger und ſandte dem Admiral Huͤlfe. Acht Reiter wurden ſogleich zu ſeinem Succurs abgeſchickt, ſie waren mit Schilden und Lanzen bewaffner und hatten ſechs Infanteriſten hinter ſich aufſitzen. De Caſtro hatte drei Relter noch neben dieſer Verſtaͤrkung und holte an der Spitze dieſes kleinen Trupps die Neger bei Tagesanbruch ein. Die Inſurgenten ſtellten ſich in Reihe und Glied auf, mit Steinen und indianiſchen Speeren bewaffnet, und ſtießen lautes Getoͤſe und Geſchrei aus. Die ſpaniſchen Reiter faß⸗ ten ihre Schilde, legten ihre Lanzen aus und ſprengten in vollem Lauf auf ſie ein. Die Neger waren bald in die Flucht ge⸗ ſchlagen und flohen nach den Felſen, indem ſie ſechs Todte und mehrere Verwundete zuruͤckließen. De Caſtro war in den Arm verwundet worden. Der Admiral kam dazu und half ihm die Fluͤchtlinge verfolgen. Sowie man ihrer hab⸗ haft wurde, hing man ſie an den naͤchſten Baͤumen auf und dort blieben ſie als abſchreckende Beiſpiele fuͤr ihre Landsleute haͤngen. Dieſe ſchnelle Strenge hielt alle afrikaniſche Sclaven von ferneren aufruͤhreriſchen Verſuchen zuruͤck.*) In der ſcenzei waren die verſchiednen Feinde, 3 Herrara hist, Ind., decad. III, lib, IV, c, 9. 8 — 1 41 — 27— welche Don Diego ſich ſowohl in den Kolonien als in Spanien zugezogen hatte, thaͤtig und mit Erfolg beſchaͤf⸗ tigt. Sein alter Antagoniſt, der Schatzmeiſter Paſſa⸗ monte hatte ihn beſchuldigt, daß er ſich faſt alle Befugniſſe der koͤniglichen Audienz anmaße, und der landesherrlichen Declaration, welche ihn in ſein Amt als Vicekoͤnig einſetze, eine Ausdehnung gebe, welche der Regent nie gemeint haben koͤnne. Dieſe Vorſtellungen fanden Gewicht bei Hofe, und im Jahr 1523 erhielt Don Diego ein ſehr ſtren⸗ ges Schreiben von dem Collegium von Indien, welches ihn der verſchiednen ihm ſchuld gegehnen Mißbraͤuche und Exceſſe zieh und ihm, unter Androhung der Strafe, alle ſeine Privilegien und Titel einzubuͤßen, befahl, die von ihm gemachten Neuerungen zu widerrufen und die Dinge zu ihrem vorigen Stand zuruͤckzubringen. Um jede Ent⸗ ſchuldigung der Unkunde dieſes Mandats zu verhüten, wurde der koͤniglichen Audienz eingeſchaͤrft, es zu promul⸗ giren und alle Leute aufzufordern, ſich darnach zu achten, und zu bemerken, ob es richtig erfuͤllt werde. Der Admi⸗ ral erhielt ferner ein Schrelben von dieſem Collegium, welches ihn benachrichtete, daß ſeine Anweſenheit in Spa⸗ nien noͤthig ſey, um uͤber die vorerwaͤhnten Punkte Aus⸗ kunft und ſeinen Rath zu geben, wie verſchiednen Miß⸗ braͤuchen abzuhelfen und die Indianer zu behandeln und zu erhalten ſeyen; er wurde demzufolge aufgefordert, ſo⸗ gleich, ohne weitere Befehle abzuwarten, am Hofe zu erſcheinen.*) *) Herrera decad. 1. 1. V, c. 4. Don Diego verſtand dies als eine peremtoriſche Zu⸗ ruͤckberufung, und gehorchte. Bei ſeiner Ankunft in Spa⸗ nien erſchien er ſogleich vor dem Hofe zu Vittoria, mit dem freien und furchtloſen Geiſte eines gradſinnigen Man⸗ nes, und fuͤhrte ſeine Sache ſo gut, daß der Koͤnig und der Rath ſeine Unſchuld in allen Punkten der Anklage an⸗ erkannten. Er uͤberzeugte ſie noch aut⸗rdem von der Treue, mit welcher er ſi ch ſeiner Pflichten entledigt, von ſeinem Eifer fuͤr das offentliche Beſte und den Ruhm der Krone, und daß alle Anklagen gegen ihn von der Eiferſucht und Feindſchaft Paſſamonte's und anderer koͤniglichen Beamten in den Colonien herruͤhrten, welche jede hoͤhere Autoritaͤt auf der Inſel, die ſie im Zaum halte, haßten. Nachdem Don Diego ſeine Unſchuld voͤllig erwieſen und die Verlaͤumdungen ſeiner Feinde bloßgeſtellt hatte, hegte er das Vertrauen, daß er bald Gerechtigkeit in allen ſei⸗ nen Anſpruͤchen erfahren werde. Da dieſe jedoch einen An⸗ theil an dem Gewinn großer und ſehr eintraͤglicher Pro⸗ vinzen in ſich ſchloſſen, erfuhr er den Aufſchub und die Schwierigkeiten, welche ſolche Bitten zu erfahren pflegen; denn die Gerechtigkeit wird nur dann gern gewaͤhrt, wenn ſie nichts koſtet. Seine dringenden Sollicitationen erwirk⸗ ten endlich einen Befehl vom Kaiſer, daß eine Commiſſion niedergeſetzt werde, die aus dem Erzkanzler, Pater Loyaſa, Beichtvater des Kaiſers und Praͤſidenten des koͤniglichen Gerichtshofes von Indien und aus einer Anzahl anderer ausgezeichneten Perſonen beſtehen ſollte. Sie haͤtten in die verſchiedenen zwiſchen dem Admiral und dem Fiscus ſtrei⸗ — — 29— tigen Punkte einzugehen, ſowie in die Verhandlungen, welche vor dem Gerichtshofe von Indien bereits gepflogen worden, und dann nach dem zu entſcheiden, was die Gerechtigkeit in dieſem Falle erfordern werde. Die Sache wurde aber ſo in die Laͤnge gezogen und war mit ſo vielen Unannehmlichkeiten, Chikanen und fehl⸗ ſchlagenden Erwartungen verbunden, daß der unglückliche Diego wie ſein Vater uͤber der Verfechtung derſelben endlich ſtarb. Zwei Jahre lang war er dem Hofe auf ſeinen Zuͤgen von Stadt zu Stadt gefolgt, von Vittoria nach Burgos, Valladolid, Madrid und Toledo. Im Winter des Jahr’s 1525 ging der Kaiſer von Toledo nach Sevilla. Der Admiral unternahm es, ihm zu folgen, obgleich ſeine Conſtitution von Fatiguen und Aerger erſchuͤttert war und ſeine Geſundheit in dem Anflug eines ſchleichenden Fiebers dahinſchwand. Der Geſchichtſchreiber Oviedo ſah ihn in Toledo zwei Tage vor ſeiner Abreiſe und vereinigte ſeine Bitten mit denen ſeiner Freunde, um ihm in dieſem Zu⸗ ſtande und in ſolcher Jahrszeit von der Reiſe abzurathen. Ihre Bemuͤhungen waren vergeblich. Don Diego wurde die Groͤße ſeiner Krankheit nicht inne; er ſagte ihnen, er werde auf dem Wege nach Sevilla an der Kirche unſrer leben Frauen zu Guadaloupe vorbelkommen und bei dieſem Heiligthum ſeine Andacht verrichten, und er hoffe durch die Gnadenwirkung der Mutter Gottes bald ſeine Geſund⸗ heit wieder zu erlangen.*) Er verließ daher Toledo *) Charlevoix hist. St. Domingo I. 6. 4— 30— am 21. Februar 1526 in einer Sanfte, nachdem er die Beichte und das heilige Abendmahl genommen, und kam an demſelben Tag ungefaͤhr ſechs Stunden weit, nach Montalban, bier verſtaͤrkte ſich ſeine Krankheit in ſolchem Grade, daß er ſein Ende herannahen ſah. Er bheſchaͤftigte ſich am folgenden Tage mit dem Ordnen ſeiner Gewiſſens⸗ angelegenheiten und ſtarb am 23. Februar, wenig uͤber 50 Jahre alt, indem ſein fruͤhzeitiger Tod durch die aus⸗ geſtandenen Bekuͤmmerniſſe und Unruhen beſchleunigt wurde. „Er hatte ſich abgequaͤlt,, ſagt Herrara,„ſeine An⸗ ſpruͤche zu verfolgen und ſich gegen die Verlaͤumdungen ſeiner Neider zu vertheidigen, die mit vielen Liſten und Kunſtgriffen den Ruhm des Vaters und die Tugend des Sohnes zu verdunkeln ſtrebten.“*) Wir haben geſehen, wie die Entdeckung der neuen Welt den Reſt der Tage des Columbus in ein Gewebe von Ungluͤck, Erduldungen und Betruͤbniſſen verwandelte, und wie die Eiferſucht und Feindſchaft, welche er erweckt hatte, ſeinem Sohn zum Erbtheil wurden. Es bleibt nun noch uͤbrig, in der Kuͤrze zu zeigen, inwieweit die Abſichten der Fortdauer, des Reichthums und der Ehre ſeiner Fa⸗ milie in Erfuͤllung gingen. Bei dem Hinſcheiden Don Diego's befand ſich ſeine Ge⸗ mahlin und Familie in San Domingo. Er hinterließ zwei Soͤhne, Luis und Chriſtoval, und drei Toͤchter„ Maria, die ſich ſpaͤter mit Don Sancho de Cordova verheirathete, *) Herrera decad. 3, I. VIII, c. 15. 8 31— Juana, welche ſich mit Don Luis de Cuera verband, und Iſabella, welche ſich mit Don Giorge von Portugal, Graf von Gelves vermäaͤhlte. Er hatte auch einen natuͤrlichen Sohn Namens Chriſtoval.*) Nach dem Tode Don Diego's wollte ſeine hochherzige Gemahlin, die Vicekoͤnigin, welche er mit einer Anzahl kleiner Kinder zuruͤckließ, ihre Familtenrechte aufrecht er⸗ halten und geltend zu machen. Da ſie nicht anders glaubte, als daß ſie nach den dem Chriſtoph Columbus verwilligten Privilegien einen gerechten Anſpruch auf die Statthalter⸗ ſchaft der Provinz Veragua haͤtten, weil ſie von ihm ent⸗ deckt worden, ſo verlangte ſie von der koͤniglichen Audienz von Hispaniola die Erlaubniß, zu rekrutiren und eine Ar⸗ mada auszuruͤſten, um das Land zu coloniſtren. Die Au⸗ dienz verweigerte es und ſandte einen Bericht uͤber das Anſinnen an den Kaiſer ab. Er erwiederte, die Vicekoͤnigin ſolle nichts unternehmen, bis die Gerechtigkeit ihres An⸗ ſpruches ausgemittelt ſey; indem, wiewohl er zu verſchiednen . *) Memorial ajustado sobre el Estado de Veragua. Charlevoix erwähnt eines anderen Sohnes, Namens Diego, und nennt eine der Töchter Philippine. Spo⸗ torno ſagt, ſeine Tochter Maria habe den Schleier ge⸗ nommen; er verwechſelte ſie aber mit einer Nichte. Dieſes ſind unbedeutende Irrthümer, welche nur an⸗ geführt werden, um dem Vorwurf der ungenauigkeit zu entgehen. Die hiee von den Nachkommen des Co⸗ lumbus mitgetheilte Nachricht ſtimmt mit dem Stamm⸗ baum der Jamilie überein, welcher in einem großen Proceß wegen der Güter dem Gerichtshof von Indien vorgelegt wurde, — 32— Zeiten verſchiedene Perſonen als Commiſſarien beſtellt hatte, um die von dem Fiscal erhobenen Zweifel und Einwuͤrfe zu unterſuchen, doch nie eine Entſcheidung erfolgt war.*) Das von der Vicekoͤnigin beabſichtigte unternehmen kam nie zur Ausfuͤhrung. Kurz nachher ging ſie nach Spanien, um die Anſpruͤche ihres aͤlteſten Sohnes Don Luis, damals ſechs Jahre alt, zu vertreten. Carl V. war abweſend, aber die Kaiſerin empfing ſie ſehr gnaͤdig. Der Titel als Admiral von In⸗ dien wurde ihrem Sohn ſogleich ertheilt und der Kaiſer vermehrte ſeine Einkuͤnfte und verlieh der Familie noch an⸗ dere Gnaden. Doch konnte Carl V. nie dazu bewogen wer⸗ den, dem Don Luis den Titel Vicekoͤnig zu geben, ob⸗ gleich dieſe Wuͤrde ſeinem Vater wenige Jahre vor ſeinem Tode als ein erbliches Recht ertheilt worden war.*⁴) Im Jahre 1538 befand ſich der junge Admiral Don Luis bei Hofe, um dort vor den geeigneten Tribunaͤlen ſeine Anſpruͤche als Vicekoͤnig geltend zu machen; zwei Jahre ſpaͤter wurde der Proceß durch compromiſſariſche Entſcheidung geſchlichtet, wobei ſein Oheim Don Fernando und der Cardinal Loyaſa, Praͤſident des Collegiums von Indien, Schiedsrichter waren. Der Vergleich wurde dahin abgeſchloſſen, daß Don Luis zum Generalcapitain von His⸗ paniola ernannt wurde, jedoch unter ſolchen Beſchraͤn⸗ kungen, daß es wenig mehr als ein bloßer Titel war. Don 8 6*) Herrira decad. IV. lib, II., c. 6. 2*) Charlevoix hist, St. Domingo, 1, VI., p. 443. — 33— Luis ſchiffte nach Hispanſola über, blieb aber nicht lange dort. Er fand, daß ſeine Wuͤrden und Privilegien nur Quellen von Chikanen waren, und ging endlich einen Ver⸗ gleich ein, welcher ihm Erleichterung gewaͤhrte und den Koͤnig erfreute. Er gab alle jene Anſpruͤche als Vicekoͤnig der neuen Welt auf und nahm an ihrer Statt den Titel Herzog von Veragua und Marquis von Jamaika an.*) Er vertauſchte auch das Recht auf den zehnten Theil des Er⸗ trages von Indien mit einem Jahrgehalte von tauſend Dublonen in Gold.**) Don Luis erfreute ſich nicht lange dieſes Erſatzes einer gewiſſen, doch ſehr maͤßigen Einnahme fuͤr einen glaͤnzen⸗ den, doch unfruchtbaren Anſpruch. Er ſtarb kurz darauf und hinterließ keinen andern maͤnnlichen Sproͤßling als einen natuͤrlichen Sohn, Namas Chriſtoval. Mit ſeiner Gemahlin Donna Maria de Mosquera hatte er zwei Toͤch⸗ ker, Philippa und Maria, die letztere wurde Nonne in dem Kloſter St. Quirce in Valladolid. Don Luis hatte keinen rechtmäͤßigen Sohn; ihm folgte daher ſein Neffe Diego, Sohn ſeines Bruders Chriſtoval. Zwiſchen dieſem jungen Erben und ſeiner Baſe Philippa, Tochter des verſtorbenen Don Luſs kam es zum Proceß. Auch das Kloſter St. Quirce that Einſpruch wegen ſeiner Genoſſin Donna Maria, welche den Schleier genommen *) Charlevoix hist. St. Domingo c. 1. lib. VI., pp. 446— 447. **) Spotorno hist. Colomb,. p. 123, Irving's Columbus, 10—12, 3 — 34— hatte. Chriſtoph, der natuͤrliche Sohn des Don Luis nahm auch Theil an dem Proceß, wurde aber wegen fehlender Legitimitaͤt abgewieſen. Don Diego und ſeine Baſe Philippa fanden es bald beſſer, ihre beiderſeitigen Anſpruͤche und In⸗ tereſſen durch eine Heyrath auszugleichen, als einen unan⸗ genehmen Proceß fortzuſetzen. Sie vermaͤhlten ſich und ihre Verbindung war gluͤcklich, doch ohne Kinder⸗ Diego ſtarb ohne Nachkommen zu hinterlaſſen im Jahr 1578, und mit ihm erloſch der Mannsſtamm des Columbus. Einer der wichtigſten Proceſſe, den die Welt je geſehen, entſtand jetzt wegen der Beſitzungen and Wuͤrden, welche von dem großen Eatdecker herruͤhrten. Don Diego hatte zwei Schweſtern, Francisca und Maria, wovon die erſtere und die Kinder der letzteren, jedes ihre Anſpruͤche vor⸗ brachten. Zu dieſen Streiter en kam Bernardo Colombo von Cogeleto, welcher ſeinen Anſpruch als Nachkomme des Bartholomeo Columbus, des Adelantado, Bruders des Entdeckers, geltend machte. Dieſer wurde jedoch abge⸗ gewieſen, da der Adelantado keine anerkannte, und ſicher keine eheliche Leibegerben beſaß. Baldaſſer oder Balthaſar Colombo, von dem Haus von Cuccaro und Conzano in dem Herzogthum Montferrat in Piemont, war ein thaͤtiger und hartnaͤckiger Be⸗ werber; er kam eigends von Italien nach Spanien, wo er ſich mehrere Jahre der Verfolgung ſeines Proceſſes wid⸗ mete. Er brachte einen Stammbaum von ſeiner Familie zum Vorſchein, worauf ein Dominico Colombo, Herr von Cuccaro, eingezeichnet ſtand, von welchem er behauptete, daß er der Vater des Admirals Chriſtoph Columbus ſey, — 35— Er bewies, daß dieſer Dominico zu jener Zeit lebte und brachte viele Zeugen bei, welche gehoͤrt hatten, daß der See⸗ fahrer in dem Schloß Cuecaro das Licht der Welt erblickt habe; von dort ſollte er und ſeine beiden Bruͤder in fruͤher Jugent entlaufen und nie wieder zuruͤckgekehrt ſeyn.*) Unter dieſen Zeugen wird ein Moͤnch erwaͤhnt, welcher einen Eid darauf ableiſtete, daß Chriſtoph und ſeine Bruͤder in dem Schloß Cuecaro geboren ſeyen. Dieſes Zeugniß ward aber nachmals von dem Klaͤger zuruͤckgenommen, da es ſich fand, daß das Gedaͤchtniß des Moͤnchs ſich noch ein An⸗ ſehnliches uͤber hundert Jahre hinauf erſtreckte.**) Die Anſpruͤche Balthaſars wurden abgewieſen. Seine Beweiſe, daß Chriſtoph Columbus in Cuecaro geboren ſey, wurde unſtatthaft gefunden, da ſie ſich als bloßes Gerede oder uͤberlieferte Erzaͤhlungen auswieſen. Sein Vorfahr Domi⸗ neco, ſo erhellt aus ſeinem eigenen Anfuhren, ſtarb im Jahr 1456, nund es war erwieſen, daß Dominico, des Ad⸗ mirals Vater, noch uͤber dreißig Jahre nach dieſer Zeit lebte. Der Proceß wurde am 2, December 1608 von dem Rathe von Indien in letzter Inſtanz entſchieden. Die maͤnnliche Linie wurde fuͤr erloſchen erklaͤrt. Don Nuno oder Nugno Gelves de Portugallo wurde in Beſitz geſetzt und zum Her⸗ zog von Veragua ernannt. Er war der Enkel Iſabellens, der dritten Tochter Don Diego's(Sohnes des Entdeckers) von ſeiner Gemahlin der Vicekoͤnigin Donna Maria de *) Bossi hist. Columb. Dissert. p. 67. *¹⁴) jbid p. 63. 3* — 368 Toledo. Die Abkoͤmmlinge der zwei aͤlteren Schweſtern Iſa⸗ bella's hatten naͤhere Anſprüͤche; allein ihre Nachkommenſchaft erloſch vor der Entſcheidung des Proceſſes. Die zuerſt ge⸗ nannte Iſabella hatte ſich mit Don Georg von Portugal, Grafen von Gelves vermaͤhlt,„So,“ ſagt Charlevotr „kamen die Wuͤrden und Reichthuͤmer des Columbus an einen Zweig des Portugieſiſchen Hauſes Braganza, welcher in Spanien beſtand, deſſen Nachkommen folgenden Titel fuͤhren:„de Portugallo, Colon, Duca de Veragua, Mar⸗ quis de la Jamaica, y Almirante de las Indias.⸗⸗*) Der Proceß des Balthaſar Colombo von Cuccaro wurde unter drei verſchledenen Formen von dem Rath von In⸗ dien abgewieſen, und ſein Anſpruch aus dem fuͤr arme Verwandte ausgeſetzten Vermaͤchtniß wurde ebenfalls fuͤr un⸗ gültig erklaͤrt, wiewohl die andern Verwandten ſich dem⸗ ſelben willig bezeigten.**) Er ſtarb in Spanien, wo er mehrere Jahre mit Fuͤhrung ſeines Proceſſes zugebracht hatte. Sein Sohn kehrte nach Italien zuruͤck und be⸗ hauptete fortwaͤhrend die Rechtmaͤßigkeit ſeiner Anſprüche; er ſagte, es ſey unmoͤglich, in Spanien Recht zu finden; ſte ſeyen zu viel dabei intereſſirt, dieſe Guͤter und Wuͤrden 3 in ihrem Lande zu behalten, doch gab er an, er habe zwoͤlf⸗ tauſend Dublonen in Gold als Abfindungsſumme von den andern Partheien erhalten. Spotorno betrachtet dieſe Be⸗ hauptung, unter Anfuͤhrung eines gelehrten Canonici Igna⸗ „ Charlevoix hist. St, Domingo t. 1. 1. VI. p. 479. **) Boſſ's Diſſertation üͤber das Vate rland des Columbus. zio de Giovanni, als eine Prahlerei, um ſeine Niederlage damit zu bedecken, indem doch ſeine offenbare Armuth ihn Lügen geſtraft habe.*) Die Famille von Cuccaro behauptet immer noch ihr Recht und hegt große Ehrerbietung für das Andenden ihres ehrwuͤrdigen Ahnen, des Admirals; die Reiſenden pflegen ihr altes Schloß im Piemonteſiſchen mit glaͤubiger Verehrung als das Geburtshaus des Entdeckers der neuen Welt zu beſuchen. Nro. III. Fernan d o Columbus. Fernando Columbus(oder Colon, wie er auf Spaniſch heißt) der natuͤrliche Sohn und der Geſchichtſchreiber des Admirals, war in Cordova geboren. Ueber die eigentliche Zeit ſeiner Geburt iſt man ungewiß. Seinem Grabmal zu⸗ folge war es am 28. September 1488, aber nach ſeinen eigenhaͤndigen Papieren, die in der Kirche von Sevilla auf⸗ bewahrt werden und von Don Diego Ortiz de Zuniga, Ge⸗ ſchichtſchreiber dieſer Stadt, unterſucht wurden, ſcheint es am 29. Auguſt 1487 geweſen zu ſeyn. Seine Mutter *) Spotorno p. CXXVII. Donna Beatrix Enriquez ſtammte aus einer angeſehenen Famllie, war aber nie mit dem Admiral verheyrathet, wie einige ſeiner Biographen ausgemittelt haben. Im Fruͤhjahr 1494 wurde Fernando mit ſeinem alteren Bruder Diego von ihrem Oheim Don Bartholomeo nach Hofe gebracht, um beim Hofſtaate des Infanten Don Juan, des Sohnes und vermuthlichen Nachfolgers Ferdinands und Iſabellens, als Pagen zu dienen. Er und ſein Bruder ver⸗ blieben bis zum Tode des Prinzen in dieſer Stellung, wo alsdann die Koͤnigin ſie als Pagen in ihre eignen Dienſte nahm. Seine Erziehung war demzufolge ſehr ſorgfäͤltig und Ferdinand legte in ſpaͤteren Jahren Beweiſe von Bil⸗ dung und Gelehrſamkeit ab. Im Jahr 1502 begleitete Fernando, in dem zarten Alter von vierzehn bis fuͤnkzehn Jahren, ſeinen Vater auf ſeiner vierten Entdeckungsreiſe und beſtand alle eigenthuͤm⸗ liche und mamnigfaltige Gefahren derſelben mit einer Gei⸗ ſtesſtaͤrke, deren der Admiral mit Lob und Bewunderung gedenkt. Nach dem Tode ſeines Vaters ſcheint Fernando zwel Reiſen in die neue Welt gemacht zu haben, auch begleitete er den Kaiſer Carl V. durch Italien, Flandern und Deutſch⸗ land; nach Zuniga*) reiſte er durch ganz Europa und durch einen Theil von Afrika und Aſia. Da er Talente, Urtheilskraft und Eifer beſaß, ſo kamen ihm dieſe giiſtigen Vortheile dabei ſehr zu ſtatten und er erwarb ſich viele Kenntniſſe in *) Anales de Sevilla de 1593, No, 3. — 39— der Geographte, Nautik und Naturgeſchichte. Bei ſeiner Gewohnheit, ſich den Studien zu widmen und Bücher zu ſammeln, brachte er eine ausgewaͤhlte und doch zahlreiche Bibliothek von uͤber zwanzigtauſend Baͤnden, an Hand⸗ ſchriften und gedruckten Werken, zuſammen. Unter Auto⸗ ritaͤt des Kaiſers Carl V. unternahm er die Gruͤndung einer Academie und Schule der Mathematik in Seollla, und begann zu dieſem Ende die Erbauung elnes koſtſpie⸗ ligen Gebaͤudes außerhalb der Stadtmauern, gegen din Quadalqutvir, an der Stelle wo nun das Keoſter San Laureano gelegen iſt. Aber ſeine Conſtitution hatte von den Muͤhſeligkeiten, die er auf ſeinen Reiſen erduldet, ſehr gellten, und ein zu fruͤher Tod verhinderte ihn an der Er⸗ fuͤllung ſeines Planes mit der Academie und unterbrach ihn in andern Arbeiten. Er ſtarb in Sevilla am 12. Juli 1539, nach ſeinem Grabſtein funfzig Jahre, neun Monate und vierzehn Tage alt. Er hinterließ keine Nachkommen und war nie verheyrathet. Sein Leib wurde nach ſeinem Willen in die Domkirche von Sevilla begraben. Dieſem Gotteshaus vermachte er ſeine werthvolle Bibliothek.„Sie wurde,“ ſagt Zuniga,„in dem Kapitelgebaͤude der Kirche aufgeſtellt, ein Gebaͤude, welches fruͤher eine koͤnigliche Ka⸗ pelle geweſen war, und mit ſchoͤn ausgeſchnittenen Buͤcher⸗ geſtellen von Mahagony, und mit Frescogemaͤlden an Waͤn⸗ den und Decken verziert iſt; dort ſteht ſie vergeſſen und vernachlaͤßigt, doch der weltlichen Macht entzogen.“*) *) Zuniga Anales de Sevilla, I. XIV, p. 496. — 40— Don Fernando widmete ſich eifrig den Studien. Nach der Aufſchrift auf ſeinem Grabe ſchrieb er ein Werk in vier Buͤchern oder Baͤnden, deſſen Titel auf dem Grabmal ausgeloͤſcht iſt, und das Werk ſelbſt iſt verloren gegangen. Dieß iſt ſehr zu bedauern; denn nach Zuniga beſagen die Bruch⸗ ſtuͤcke der Inſchrift, daſſelbe habe, unter mannichfalttgen hiſtoriſchen, moraliſchen und geographiſchen Bemerkungen, Notizen uͤber die von ihm beſuchten Laͤnder, inſonderheit über die neue Welt und uͤber die Reiſen und Entdeckungen ſeines Vaters enthalten. Sein wichtigſtes und dauerndſtes Werk aber war die Geſchichte des Admirals, die er ſpaniſch ſchrieb. Alonzo de ulloa uͤberſetzte ſie ins Italieniſche, und nach dieſer ita⸗ lieniſchen Ueberſetzung oder vielmehr nach der Zuruͤcküber⸗ ſetzung derſelben ins Spaniſchen ſind die Ausgaben davon veranſtaltet worden, welche bisher in verſchiedenen Sprachen erſchienen ſind. Es iſt ſonderbar, daß das Werk im Spa⸗ niſchen nur als Ueberſetzung des Ulloa exiſtirt; es wimmelt von Fehlern in der Schreibart der Eigennamen und in den Datis und Entfernungen. Don Fernando war Augenzeuge verſchiedener von ihm erzaͤhlten Thatſachen, beſonders aus der vierten Entdek⸗ kungs⸗Reiſe, wo er ſeinen Vater begleitete. Er beſaß auch die Papiere und Karten ſeines Vaters und neue Do⸗ cumente aller Arten, um Auszuͤge daraus zu liefern, ſo wie er auch genauer mit den Hauptperſonen bekannt war, welche bei den von ihm erzaͤhlten Ereigniſſen vorkommen. Er war ein Mann von Rechtſchaffenheit und von Urtheil, und ſchrieb ruhiger, als es ſich erwarten ließ, wo er von Ge⸗ genſtaͤnden handelt, welche die Ehre, das Intereſſe und das Gluͤck ſeines Vaters angehen. Es iſt jedoch zu be⸗ dauern, wenn durch ſeine Schuld das ganze Leben ſeines Vaters vor ſeinen Entdeckungen, welches eine Periode von ungefäͤhr ſichs und fuͤnfzig Jahren umfaßt, in Dunkelheit blieb. Er ſcheint gewünſcht zu baben, eine Wolke daruͤber zu ziehen und ſeinen Vater dem Leſer nur von da an zu zeigen, wo er ſich durch ſeine Thaten beruͤhmt machte, und ſeine Lebensgeſchichte mit der Weltgeſchichte gewiſſermaßen eins geworden war. Sein Werk iſt jedoch eine unſchaͤtz⸗ bare Urkunde, welche großen Glauben verdient und gleich⸗ ſam der Eckſtein der Geſchichte des amerikaniſchen Feſt⸗ landts iſt. 8 Nro. IV. Abſtammung. des Columbus. Die Abſtammung Chriſtophs Columbus iſt ein Punkt lebhaften Controverſen geworden, der noch nicht hinlaͤnglich aufgeklaͤrt iſt. Mehrere angeſehene Familien, welche in Piacenza, Montferrat und in verſchiedenen Gegenden der — 42— Genueſiſchen Gebi⸗te Beſitzungen kaben, rechnen ihn zu ihrer Verwandtſchaft, und ihnen geſellte ſich neuerlich noch die edle Familie der Colombo in Modena zu.*) Das na⸗ tuͤrliche Verlangen, mit dieſem Manne von ausgezeichnetem Rufe verwandt ſeyn zu wollen, hat dieſe Nebenbuhlerſchaft hervorgerufen, beſonders vermehrt wurde ſie noch durch die Hoffaung, dereinſt jener Titel und Gluͤckslagen theiihaftig werden zu koͤnnen, wenn die maͤnnliche Linte der Nach⸗ kommenſchaft des Admirals erloͤſchen ſollte. Die Unter⸗ ſuchungen werden in eigenthuͤmliches Dunkel gehuͤllt, da grade ſeine naͤchſten Verwandten uͤber die Sache in unwiſſenheit geweſen zu ſeyn ſcheinen. Fernando Columbus erwaͤhnt in der Biographie des Admirals, nach einer pomphaften Einleitung, in welcher er einen ungewiſſen, nebelhaften Schimmer uͤber die Herkunft ſeines Vaters zu verbreiten ſucht, nur leiſe der Verſuche Einiger, ſeinen Namen zu verdunkeln, indem ſie ſtine Ab⸗ kunft aus verſchiedenen kleinen und unbedeutenden Doͤrfern herleiteten; dagegen verweilt er mit mehr Wohlgefallen bei Anderen, die ihn an Oerten geboren ſeyn laſſen, wo ſich Leute dieſes Namens von Verdienſten und viele Grabſtaͤtten mit Wappen und Denkmaͤlern des Colombo's befinden. Er erzaͤhlt, er ſey ſelbſt nach dem Schloß Cugureo gereiſt, um zwei Bruͤder aus der Familie der Colombo's zu beſuchen, welche reich und von Adel, der jüngſte ungeraͤhr hundert Fahr alt geweſen und welche Verwandte ſeines Vaters ge⸗ — *) Spotorno hist. Mem, p. 5. — — — weſen ſeyn follten; aber ſie konnten ihm daruͤber keine Auf⸗ klärung geben; darnach aͤußert er ſich in ſeinem erwaͤhnten verachtenden Tone uͤber dieſes Suchen nach Verwandtſchaf⸗ ten, und ſagt, er halte es beſſer, ſich damit zu begnuͤgen, ſeinen Stamm von dem Ruhm des Baters zu datiren, als umherzugehen und nachzuforſchen, ob ſein Vater„ein Kauf⸗ mann oder einer geweſen, der ſich Falken gehalten:“*) denn Leute ſoſcher Art ſterben taͤglich zu Tauſenden und ihr Name geht ſelbſt unter ihren Nachbarn und Verwandten ſogleich verloren, ſo daß man ſpaͤter nicht erfahren kann, wann ſie eigentlich lebten.. Nach dieſen und anderen Aeußerungen der Verachtung gegen ſolche nichtige Auszeichung, uͤberlaͤßt er ſich einem heftigen Ausfall gegen Agoſtino Giuſtiniani, den er einen lügenhaften Geſchichtſchreiber, e'nen ruͤckſichtsloſen, partheli⸗ ſchen oder boshaften Landsmann nennt, daß er in ſeinem Pſalter ſeinen Vater verlaͤumdet, als habe er ſich in ſeiner Jugend mit mechan'ſchen Handthierungen abgegeben. Wenn nach allen dieſen Eroͤrterungen Fernando die Frage von der Abkunft ſeines Vaters ganz im Dunkeln laͤßt und ausnehmend reizbar erſcheint bei jeder erniedrigen⸗ den Andeutung von Anderen, ſe geht doch ſeine ganze Ausfuͤhrung auf die Ueberzeugung hinaus, daß er in der That nichts von der Herkunft ſeines Vaters zu ruͤhmen wiſſe. *) Buchſtäblich im Original, Cazador de Volateria, ein Faltner. Die Falkenjaagd war in damaliger Zeit ein Vergnügen der vornehmſten Leute, und ſich Falken halten, war eigentlich ein Zeichen des Adels. Von dem Adel und dem Alter der Familie Colombo, mit welcher der Admiral wahrſcheinlich in einem entfernten Grade verwandt war, finden wir einige Notizen bei Her⸗ rera.„Wir hoͤren,“ ſagt er,„daß Kaiſer Otto II. im Jahr 940 den Bruͤdern, Grafen Pietro, Giovanni und Aleſſandro Colombo, die Lehnsguͤter beſtaͤtigte, welche ſie in den Jurisdictions⸗Bezirken der Staͤdte Ayqui, Savona, Aſti, Montferrato, Turin, Vicelt, Parma, Cremona und Bergamo und an anderen Orten in Italien beſaß n. Es erhellt, daß die Colombo's von Cuccaro, Cucureo und Pia⸗ cenza eine und dieſelbe Familie waren und daß der Kaiſer in eben dieſem Jahre 940 den genannten drei Bruͤdern die Schloͤſſer Cuccaro, Conzano, Roſignano und andere mehr, nebſt dem vierten Theil von Biſtanio, welches zum Reich gehoͤrte, geſchenkt hat.„*) Einer der kuͤhnſten Verſuche jener B vographen, welche den Columbus füͤr adelig ausgeben wollen, iſt, daß ſie ihm den Herrn Cuccaro's, einer Burg von Montferrat in Pie⸗ mont, zum Vater geben und behaupten, er ſey in dieſem ſeinem vaͤterlichen Schloß geboren. Von hier, heißt es, ſey er und ſeine Bruͤder in fruͤher Jugend entſprungen und nie wieder zuruͤckgekehrt. Dieſes wurde in dem Laufe eines Proceſſes behauptet, den ein gewiſſer Baldaſſer oder Bal⸗ thaſar Colombo fuͤhrte, welcher in Genua ſeinen Wohnſitz hatte, aber urſpruͤnglich von Cuccaro abſtammte, in wel⸗ chem Proceß er den Titel und die Beſitzungen des Diegr *) Herrera dec. 1, 1. 1 c. VII. 3 Sokon, Herzogs von Veragua, des Urenkels und letzten rechtmaͤßigen maͤnnlichen Nachkommen des Admirals bel deſſen Tode im Jahre 1578 in Anſpruch nahm. Der Ge⸗ richtshof von Indien entſchied gegen dieſe angebliche Ver⸗ wandtſ haft. Einige naͤhere Nachrichten von dieſem Proceß ſtnden ſich an einer andern Stelle dieſes Werks. Dieſe romanhafte Geſchichte ſteht, wie alle uͤbrige Ver⸗ ſuche, dem Columbus zu einer adeligen Verwandtſchaft zu verhelfen, in groͤßtem Widerſtreit mit der früheren Lebens⸗ geſchichte des Admirals, ſeinen langen Kaͤmpfen mit Duͤrf⸗ tigkeit und Unbekanntheit und mit den Schwierigkeiten, welchs er aus Mangel an Famillenverbindungen fand. Wis kann man glauben, ſagt Boſſt, daß dieſer naͤmliche Mann, dem in ſeinem harteſten Ungluͤck von ſeinen Feinden immer die Dunkelheit ſeiner Geburt vorgehalten wurde, auf dieſen Vorwurf nicht mit den Beweiſen ſeines Urſprungs geant⸗ worter haben ſollte, wenn er wirklich von den Herren von Cuccaro, Conzano und Roſignano abſtammte? ein Um⸗ ſtand, der ihm bel dem ſpaniſchen Adel aufs hoͤchſte zu gute gekommen waͤre.*) Ote verſchiedenen Familien der Colombo, welche mit dem großen Seefahrer verwandt ſeyn wollen, ſcheinen nur verſchiedene Zweige deſſelben Stammes zu ſeyn, und es wal⸗ ten wenig Zweifel ob, daß er in zentferutem Grade derſel⸗ den Familie angehoͤrte.. Indeſſen iſt es wahrſcheinlich, daß Columbus direct von *) Bossi Dissertation ee,. — 46— einer Familie von gewoͤhnlichen aber fleißigen Buͤrgersleuten baſtammte, welche von der Zeit des Wollkaͤmmers Glacomo Co⸗ lombo im Jahr 1311, wie Spotorno berichtet, in Genua lebte. Auch iſt dieſes gar nicht unvertraͤglich mit der Andeutung des Fernando Columbus, daß die Familie durch die lom⸗ bardiſchen Kriege von bedeutendem Vermoͤgen in große Ar⸗ muth herabgeſunken ſey. Die Fehden in Italien hatten da⸗ mals viele der edelſten Familien ungluͤchlich gemacht und zerſtreut, und waͤhrend einige Zweige in dem herrſchaft⸗ lichen Beſitz von Schloͤſſern und Guͤtern verblieben, ver⸗ miſchten ſich andere mit den geringſten Volkeklaſſen in den Staͤdten, 4 4 Nr. V. Geburtsort des Columbus. Es iſt viel Streit uͤber den Geburtsort des Columbus entſtanden. Die Bedeutenheit ſeines Namens hat verſchiedne Orte veranlaßt, ſich ihn als Sohn anzueignen, und aus lobenswerthen Gruͤnden, denn nichts wirft groͤßeren Glanz auf eine Stadt, als einem ausgezeichneten Mann das Da⸗ ſeyn gegeben zu haben. Die urſpruͤngliche und lang be⸗ — 4,— hauptete Meinung war fuüͤr Genua; aber die Staaten Pia⸗ cenza und Piemont erhoben ſo ernſthafte Anſpruͤche, daß die Akademie der Wiſſenſchaften in Genua im Jahr 1812 ſich veranlaßt ſah, drei ihrer Mitglieder, die Signors Serra, Carrega und Piaggſo, zu Commiſſarien zu ernen⸗ nen, um dieſe Anſpruͤche zu unterſuchen. Die Behauptung zu Gunſten Piacenza's war zuerſt im Jahr 1662 von Petro Maria Campi in der Kirchen⸗ geſchichte dieſer Stadt aufgeſtellt worden, wo angefuͤhrt wird, Columbus ſey aus dem Dorfe Pradello in dortiger Gegend zu Hauſe. Es erſcheint glaubwuͤrdig, daß Berto⸗ lino Colombo, Urgroßvater des Admirals, ein kleines Ei⸗ genthum in Pradello beſaß, deſſem Einkuͤnfte Dominico⸗ Columbo in Genua und nach ſeinem Tode ſeine Soͤhne Chriſtoph und Bartholomaͤus erhielten. Wenn dieſe Be⸗ hauptung zugegeben wird, iſt es darum wohl nicht noͤthig, daß der Admiral, ſein Vater oder Großvater jemals auf dieſem Gute gewohnt haben. Die beſonderen Umſtaͤnde dieſes Falles zeigen im Gegentheil, daß Genua ihre Hei⸗ math war. Der Anſpruch Piemonts wurde mit mehr Wahrſchein⸗ lichkeit verfochten. Man zeigte, daß ein Dominico Colombo Herr des Schloſſes Cuccaro in Montferrat war, zur Zeit, als Chriſtoph Columbus geboren wurde, der, wie man verſicherte, in ſeinem Schloß das Licht der Welt erblickte. Balthaſar Colombo, ein Abkoͤmmling dieſes Mannes, fing einen Prozeß vor dem Tribunal von Indien an, um den Admiral zu beerben, als ſein Mannsſtamm erloſchen war. Der Rath von Indien entſchied gegen ihn, wie in der vorhergehenden Nachricht bei Gelegenhelt ſeines Auſpruches erwaͤhnt worden iſt. Es wurde bewieſen„ daß Daminico Colombo, Vater des Admirals, ſowohl vor als viele Jahre nach dem Tode dieſes Herrn von Cuccaro, der denſelben Namen trug, in Genua lebte. Die drei von der Akademie der Wiſſenſchaften von Ge⸗ nua ernannten Commiſſarten entſchieden nach einer langen und ſorgfaͤltigen Unterſuchung in einem voluminoͤſen und umſtaͤndlichen Berichte zu Gunſten Genua's. Eine um⸗ faͤngliche Auseinanderſ tzung ihrer Nachforſchungen kann man in Signor Boſſus Geſchichte des Columbus nachl⸗ſen, der in einer gelungenen Abhandlung uͤber dieſen Gegen⸗ ſtand die Anſicht dieſer Maͤnner beſtaͤtigt. Man kann zu mehrerer Bekraͤftigung hinzufuͤgen, daß Peter Martyr und Bartholomeo Las Caſas, welche Zeitgenoſſen und Bekannte des Columbus waren, und der portugieſiſche Hiſtoriker Juan de Barros, alle den Columbus im Genueſiſchen ge⸗ boren ſeyn laſſen. Eine an Eroͤrterungen fruchtbare Unterſuchung wurde es unter den Genueſern ſelbſt, ob Columbus aus der Stadt Genua, oder aus einem anderen Orte ihres Ge⸗ bietes gebuͤrtig ſey. Finale und Oneglia und Savona, Städte an der Liguriſchen Kuͤſte in Weſten, Boggiasco, Cogoleto und mehrere andere Staͤdte und Doͤrfer nennen ihn den ihrigen. Seine Familie beſaß ein kleines Eigenthum bei einem Dorf oder Gehoͤfde zwiſchen Quinto und Nirvi, welches den Namen Torre dei Colombi fuͤhrt.*) Bartholomeo Columbus, des Admirals Bruder, ſchrieb ſich„von Terra Rubra“ in einer latkeiniſchen Aufſchrift auf eine Charte, welche er Heinrich VII. von England überreichte, und Fernando Columbus bemerkt in ſeiner Ge⸗ ſchichte des Admirals, daß derſelbe vor der Erlangung ſ einer Wuͤrden ſich eben ſo zu unterſchreiben gewohnt geweſen ſey. Cogoleto trug einſt die Palme davon. Die dortigen Famillen machen Anſpruch auf den Entdecker und bewahren ein Portrait von ihm. Der eine der zwei Admiräͤle, Na⸗ mens Colombo, mit welchen er ſegelte, oder beide, ſind aus dieſem Ort entſproſſen, und auf dieſe Art iſt ihr Ge⸗ burtsort mit dem ſeinigen verwechſelt worden.**) Savona, eine Stadt im Genueſiſchen, hat dieſelbe Ehre angeſprochen und dieſer Anſpruch iſt neuerlich wieder leb⸗ haft aufgeregt worden. Signor Giovani Battiſta Belloro, ein Advokat von Savona, hat dieſe Behauptung in einer ſcharfſinnigen Disputation vertheidigt. Sie iſt vom 12. Mai 1826, in Form zeines Brlefes an den Baron von Zach,***) Herausgeber eines werthvollen aſtronomiſchen und geogra⸗ phiſchen Journals, geſchrieben. Signor Belloro erklaͤrt es fuͤr eine ausgemachte Sache, *) Boſſi, in der franzöſtſchen Ueberſes zung, Paris 1824, p. 69. **⁴) Boſſi a. a. O. 7 ***) Correspondence Astronom. Geograph. du Baron de Zach; vol. 14½ cah. 6, lettre 29 1826. Irviag's Colunus. 10—12. 4 daß Domenico Colombo mehrere Jahre in Savona wohnte und dort eingebuͤrgert war, ein Ort, wo ein Chriſtoph Columbus im Jahr 1472 eine Urkunde unterzeichnet hatte. Er bemerkt, daß ein oͤffentlicher Platz in dieſer Stadt, gegen Ende des vierzehnten Jahrhunderts den Namen Platea Columbi gehabt, daß die liguriſche Regierung dieſem Diſtriet der Republik den Namen„Jurisdizione dei Co⸗ lombi,, in der Ueberzeugung gab, daß der große See⸗ fahrer von Savona gebuͤrtig ſey, und in Erwaͤgung, daß derſelbe unter ſeinen fruͤheſten Entdeckungen einer kleinen Inſel bei Hispaniola den Namen Savona gegeben hatte. Er citirt viele Schriftſteller aus Savona, beſonders Poeten und verſchiedene Geſchichtſchreiber und Dichter aus anderen Laͤndern und ſtellt ſo den Satz auf, daß Colum⸗ bus von Leuten ehrwuͤrdigen Anſehens fuͤr einen Einge⸗ bornen Savona's gehalten werde, Einen beſonderen Werth ligt er auf das Zeugniß des Nobile Francesco Spinola, Verwandten des gelehrten Praͤ⸗ laten Felippo Alberto Pollero, indem er anfuͤhrt, daß er das Grab des Chriſtoph Columbus in der Domkirche zu Se⸗ vella geſehen und die Grabſchrift ihn aus druͤcklich fuͤr einen Savonenſer erklare—„Hic jacet Christophorus Co- lumbus Savonensis.*) *) Eelippo Alberto Pollero, Epicherema, ciot breve discorso per difesa di sua persona e carattere; Torino, per Gio. Battista Zappata. MCDXOVI Cites 1694) in 4to. p. 47. — 51— Die von Signor Belloro beigebrachten Beweiſe zeigen zwar ſeinen Eifer fuͤr die Ehre ſeiner Geburtsſtadt, ſind aber doch nicht genügend, um das behauptete Factum feſt⸗ zuſtellen; eine viel groͤßere Anzahl von Gewaͤhrsmaͤnnern laͤßt ſich anführen und darunter mehrere ſeiner vertrauten Freunde, andere ſeine Mithuͤrger, welche ihn in der Stadt Genua ſelbſt geboren ſeyn laſſen. Unter den Schriftſtellern von Savona k ommt Giulio Salinorio, welcher den Gegen⸗ ſtand unterſuchte, ausdruͤcklich auf denſelben Schluß:— „ Genua, citta nobilissima, era la patria di Colombo.“ Signor Belloro ſcheint ſich darin nicht zu irren, daß Domenico der Vater des Admirals mehrere Jahre in Sa⸗ vona lebte. Aber es geht aus ſeiner eigenen Abhandlung hervor, daß der Chriſtoph, welcher dort im Jahre 1472 ein Teſtament als Zeuge unterfertigte, ſich ſelbſt von Ge⸗ nua herſchrieb.—„ Christopherus Columbus Laneriue de Janua.“ Dieſer Umſtand wird von andern Schrift⸗ ſtellern angefuͤhrt, welche dieſen Chriſtoph fuͤr den Entdecker halten, wie er ſich in einem Zwiſchenraum ſeiner fruͤheren Reiſen bei ſeinem Vater aufgehalten habe. So weit der Umſtand die Sache berührt, unterſtuͤtzt er die Idee, daß er aus Genua gebuͤrtig war. Das Epitaphlum, auf welches Signor Belloro ſich hauptfaͤchlich ſtuͤtzt, iſt ganz falſch. Chriſtoph Columbus lag nie in der Domkirche von Sevilla begraben und kein Monument war in dieſem Gotteshaus fuͤr ihn errichtet. Das Grab, auf welches der gelehrte Praͤlat Felippo Al⸗ 4⸗ — 32— berto Pollero anſpielt, mag das von Fernando Columbus, dem Sohne des Admirals geweſen ſeyn, welcher in der Domkirche von Sevilla begraben liegt, der er auch ſeine anſehnliche Bibliothek vermachte. Fuͤr ſein Andenken ward in dieſer Kirche ein Monument errichtet. Die von Signor Belloro citirte Aufſchrift mag faͤlſchlich von dem Nobile Francesco Spinola aus dem Gedaͤchtniß niedergeſchrieben worden ſeyn, in dem Mißverſtaͤndniß, daß er das Grab des Admirals geſehen habe. Da aber Fernando aus Cor⸗ dova gebuͤrtig war, ſo muß die Benennung Savonensis ein zweiter Irrthum des Nobile geweſen ſeyn. Dieſe Frage des Gebuetsortes wurde ferner mit großer Genauigkeit eroͤrtert und zu Gunſten Genua's beantwortet von D. Giovan' Batiſta Spotorno, Profeſſor der dortigen koͤniglichen Unverſitaͤt, in ſeiner hiſtoriſchen Abhandlung über Columbue. Er zeigt, daß die Familie der Colombi lange in Genua anſaͤſſig geweſen. Aus einem Auszuge der 2 Notariats⸗Regiſter geht hervor, daß ein Giacomo Co⸗ lombo, ein Wollkaͤmmer, im Jahr 1311 vor dem St. An⸗ dreas⸗Thor wohnte. Ein von der Academie in Genua vor⸗ gebrachter Contract bewies, daß im Jahr 1489 Domenico Colombo ein Haus nebſt Werkſtaͤtte und einen Garten mit einem Brunnen in der St. Andreas Thor⸗Straße beſaß, welches ehemals außerhalb der Stadtmauern lag und daher auch fuͤr den Wohnſitz des Giacomo Colombo gehalten wurde. Er miethete auch noch ein anderes Haus von den Moͤnchen des Kloſters St. Stephan in der Via Mulcento, 7 — 33— welche von der St. Andreas⸗Straße nach der Strada Giulia fuͤhrt.*) Signor Boſſi fuͤhrt an, daß Urkunden vom Jahre 1456 bis zu 1459, welche neuerlich in den Archiven des Klo⸗ ſters St. Stephan gefunden wurden, mehreremale den Na⸗ men Domenico Colombo tragen, und ihn als Sohn des Giovanni Colombo, Gatten der Suſanna Fontanaroſſa und Vater Chriſtophs, Bartholomeo's und Giacomo's(oder Diego's) bezeichnen.**) Auch bemerkt er, daß die Quft⸗ tungen der Miethgelder ausweiſen, daß die letzte Zahlung des Domenico Colombo fuͤr ſein Haus im Jahre 1480 ent⸗ richtet wurden. Er nimmt an, daß der Admiral in dem den Moͤnchen angehoͤrigen Hauſe geboren ſey, welches in der Via Mulcento lag, und daß er in der St. Stephans⸗ kirche getauft worden ſey. Er fuͤgt hinzu, daß den Com⸗ miſſarien der Akademie von Genua ein altes Manuſcript mitgetheilt worden ſey, an deſſen Rand der Notarius an⸗ gemerkt habe, daß der Name Chriſtoph ſich in den Kirchen⸗ buͤchern, als durch Taufe in der St. Stephanskirche er⸗ theilt, ausgewieſen habe.***) Andreas Bernaldes, der Pfarrer von Los Palacios, welcher ein vertrauter Freund des Columbus war, be⸗ merkt, er ſtamme aus Genua.****) Agoſtino Giuſtiniank, ——;/C—U— *) Spotorno, in der engliſchen Ueberſetzung, p. XI. XII. **) Boſſi, franzöſiſche Ueberſetzung p. 76. ***) Boſſi, franzöſiſche Ueberſetzung, p 88. ****) Cura de Los Palacios, MS. c, 118. — 54— ein Zeitgenoſſe des Columbus, verſichert es gleichfalls in ſeinem Polyglotten⸗Pſalter, der in Genua im Jahr 1516 heraus kam. Antonio de Herrera, ein Geſchichtſchreiber von großer Zuverlaͤſſigkeit, der zwar kein Zeitgenoſſe war, aber Zugang zu den beſten Urkunden hatte, verſichert be⸗ ſtimmt, daß er in der Stadt Genua das Licht der Welt erblickt habe. Vorbemerkten Namen kann man den des Alexander Geraldini, Bruders des Nuncius und Gouverneurs der Kinder Ferdinands und Jſabellens, eines vertrauten Freun⸗ des des Columbus hinzufuͤgen;*) nicht minder Antonio Gallo,**) Bartholomeo Senaraya***) und Uberto Fog⸗ lietto, †) ſaͤmmtlich Zeitgenoſſen des Admirals und Einge⸗ borne Genuas, nebſt einem anonymen Schriftſteller, der in Venedig im Jahr 1509 einen Bericht von ſeiner Entdel⸗ kungsreiſe herausgab. ††) Es iſt unndoͤthig, Schriftſteller ſpäͤterer Zeiten zu nennen, welche daſſelbe behaupten, da ſie die Aufklaͤrung von dieſen erhalten haben muͤſſen. Die Frage uͤber den Geburtsort des Columbus iſt darum ſo im Detall abgehandelt worden, weil ſie ein Ge⸗ genſtand heftigen Streites geweſen iſt und noch immer bleibt. Man kann ſie jedoch durch die groͤßte Autoritaͤt, *) Alex. Geraldini, Itin. ad. Reg. sub. Aequinoct. *) Antonio Gallo,“ Annalen von Genua. Muratori, t. 23. ***½) Senaraya. Muratori t. 24. +) Foglietio, Elog. Flar. Ligur. 45 Grineus Nov. rb 55— durch Columbus ſelbſt, als hinlaͤnglich entſchieden anſehen. In einem Jeſtamente, welches er im Jahr 1498 errichtete und welches von den ſpaniſchen Gerichten in den Prozeſſen zwiſchen ſeinen Nachkommen als authentiſch angeſehen warde, erklaͤrt er zweimal, daß er in der Stadt Genua das Licht der Welt erbl'ckt habe:„siendo yo nacido in Genova,“ n„da ich in Genua geboren bin.“ Dieſe Verſicherung wie⸗ derholt er, um damit ſeinen Erben gewiſſe Bedingungen einzuſchaͤrfen, welche den Antheil bezeugen, den er an ſeiner Vaterſtadt nahm.„Ich will, daß gedachter Don Diego, mein Sohn, oder derjenige, welcher genanntes Mayorazgo (Majorat) erbt, immer in der Stadt Genua Jemanden von unſerer Familie ernaͤhre(der dort mit ſeinem Weibe wohnen wird) und ihm ein Einkommen gebe, womit er, als unſer Anverwandter, anſtaͤndig leben kann, und daß er dort Fuß und Wurzel faſſe als Eingeborner, ſo daß er Huͤlfe und Vortheile in dieſer Stadt genieße, wenn es Noth iſt;„denn eben daher kam ich und dort bin ich ge⸗ boren.“*) *) Item— Mando el dicho Don Mego mi hijo, o a la persona qui heredare el dicho mayorazgo, que tenga y sostenga siempre en la ciudad de Genova una persona de nuestro linage que tenga alli casa y muger, 6 le ordene renta con que puede vivir honestamente, como persona tan Ile- Fada a nuestro linage, y haga pié y raiz en la dicho ciudad como natural della, porque podra haber de la dicho ciudad ayuda e favor en las cosas del menester suyo, paues que della sal en ella nacl.“ — 56— In einer anderen Stelle ſeines Teſtaments aͤußert er ſich mit kindlicher Liebe üͤber Genua.„Ich will, daß ge⸗ dachter Don Diego oder derjenige, welcher genanntes Ma⸗ vorazgo erbt, ſtets auf die Ehre und das Wohl und das Wachsthum der Stadt Genua bedacht ſey und alle ſeine Faͤhigkeiten und Kraͤfte anwende, um die Wohlfahrt und Ehre dieſer Republit zu foͤrdern und zu vertheidigen, in allen Dingen, welche nicht gegen den Dienſt der Kirche Gottes und gegen den Köͤnig und die Koͤnigin unſre Ge⸗ bieter und ihre Nachfolger ſtreiten.“ Ein ungültiges Codizill, welches Columbus in Valla⸗ dolid am 4. Mai 1506, ſechzehn Tage vor ſeinem Tode errichtete, wurde um's Jahr 1785 in der Corſini'ſchen Bib⸗ llothek in Rom entdeckt. Es wird ein militairiſches Codi⸗ zill genannt, weil es auf die Art errichtet iſt, wie die Cioilgeſetze den Soldaten ein ſolches vor dem Beginn der Schlacht oder in der Erwartung des Todes erlauben. Es iſt auf das weiße Blatt eines kleinen Brevlers geſchrieben, welches Columbus vom Pabſt Alexander VII. zum Geſchenk erhielt. Columbus vermachte das Buch„ſeinem geliebten Vaterlande,“ der A publik Genua. Er befiehlt darin die Erbauung eines Hospitals in dieſer Stadt fuͤr die Armen, mit Vorſorge für ihren Un⸗ terhalt, und erklaͤrt die Republik fuͤr ſeinen Nachfolger in der Admiralſchaft von Indien, fuͤr den Fall, daß ſein Manneſtamm erloͤſchen ſollte. Man hat die Aechtheit dieſes Documentes in Zweifel geßogen. Es iſt bemerkt worden, wie unwahrſcheinlich es — 357— ſey, daß Columbus ein Auskunftsmittel getroffen haben ſollte, mit welchem er wahrſcheinlich unbekannt geweſen ſey. Die Einwuͤrfe ſind nicht zwingend. Columbus war an die Eigenthüͤmlichkeiten eines militäriſchen Lebens gewoͤhnt und ſchrieb oͤfters Briefe in kritiſchen Augenblicken, um ſich damit gegen einen drohenden ungluͤcklichen Ausgang zu ſchützen. Das fragliche Codizill muß, nach der Zeit ſeiner Ausſtellung, wenige Tage vor ſeinem Tode errichtet worden ſeyn, vielleicht in einem Augenblick, wo er ſein Ende nahe fuͤhlte. Dieſes mag auch einige Verſchiedenheit in ſeiner Handſchrift erklaͤren, beſonders da er zu Zeiten ſo heftig am Chiragra litt, daß er nicht im Stande war, zu ſchreiben, außer bei Nacht. Man hat auch beſondere Zweifel gegen die Unterſchrift erhoben, aber es ſcheint nicht, daß er die⸗ ſelbe immer auf dieſelbe Art machte; auch iſt dies ein Punct, worauf gewiß jeder, der einen Betrug beabſichtigt haͤtte, acht gegeben haben wuͤrde. Auch iſt es nicht wahr⸗ ſcheinlich, daß irgend Jemand einen Vortheil daraus hätte herleiten koͤnnen, wenn er eine ſolche falſche Urkunde ver⸗ fertigte, und daß wirklich ein ſolcher Vortheil Jemandes Abſicht geweſen waͤre. Im Jahre 1502 ſchrieb Columbus, als er gerade auf ſeine vierte und letzte Reiſe unter Segel ging, an ſeinen Freund, den Doctor Nicolo Oderigo, ehemaligen Geſand⸗ ten von Genua in Spanien, und uͤberſandte ihm Abſchrif⸗ ten aller ſeiner Privilegien und Auftraͤge von den ſpaniſchen Monarchen, von den Alcalden in Sevilla beglaubigt. Zu gleicher Zeit ſchrieb er an die St. Georg⸗Bank in Genua, — 58— mit Anweiſung des Zehnten ſeiner Revenuͤen an dieſe Stadt, um die Preiſe des Korns, des Weins und anderer Lebens⸗ mittel herabzuſetzen.— Wie ſollte Columbus einen ſo großen Antheil an Ge⸗ nua genommen haben, wenn er in einem andern Lande zu Hauſe geweſen waͤre, wie jene Laͤnder behauptet haben? Er war Genua keine Pflichten ſchuldig. Er hatte dort nur eine kurze Zeit ſeines fruͤheren Lebens zugebracht und ſein Vorſchlag der Enideckungsreiſe wurde, wie einige Ge⸗ ſchichtſchreiber erzaͤhlen, von dieſer Republik ſchnoͤde zuruͤck⸗ gewieſen. Nichts kann alſo eine ſo innige Theilnahme an dem Schickſal Genua's erklaͤren, als das kindliche Gefuͤhl, welches das Herz des Menſchen an ſeine Heimath feſſelt, wie ihn auch Zeit und Raum von ihr trennen und wie wenig er ihr auch verdanken moͤge.— Sodann, waͤre Columbus an einem andern Ort, Stadt oder Dorf, an der Genueſiſchen Kuͤſte, welche Anſpruͤche auf ihn machen, geboren, wie ſollte er dazu gekommen ſeyn, dieſe Legate der Stadt Genua und nicht ſeinem Ge⸗ burtsort zuzuwenden? Gewiß wurden dieſe Vermaͤchtniſſe ihm von den ge⸗ miſchten Empfindungen des Stolzes und der Liebe einge⸗ geben, ein Umſtand, welcher ſich gar nicht erklaͤren laͤßt, wenn die Wohlthat nicht ſeiner Vaterſtadt galt. Er war zu jener Zeit uͤber jede kleinliche Eitelkeit in dieſer Hinſicht erhaben. Sein Ruhm ſtrahlte ſo hell, daß er jedem noch ſo aͤrmlichen Gehoͤfde Glanz verliehen haͤtte; und ſeine ſtarke Vaterlandsliebe wurde nicht geraſtet haben, bis ſie — 59— den Fleck ausfindig gemacht und ſich bis in die Wiege ſeiner Kindheit heimlich eingeniſtet haͤtte. Dieſes ſcheinen maͤchtige Gruͤnde zu ſeyn, auf doelche das natuͤrliche Gefuͤhl führt, um Genua fuͤr ſeine Vaterſtadt zu erklaͤren. Nro. VI. Die Colom bv's. Waͤhrend der fruͤheren Lebenszeit des Columbus gab es zwei andere gleichnamige Seefahrer von einiger Bedeutung und Beruͤhmtheit, mit welchen er auf Reiſen war. Nach Fernando Columbus*) waren ſie Anverwandte ſeines Va⸗ ters, und Columbus ſagt in einem ſeiner Briefe:„ich bin nicht der erſte Admiral in unſerer Familie.“ Dieſe beide waren Onkel und Neffe; den letzteren nen⸗ nen die Geſchichtſchreiber Colombo den juͤngeren(die ſpa⸗ niſchen Geſchichtſchreiber Colombo el Mozo.) Der aͤltere von ihnen ſtand in franzoͤſiſchen Dienſten; wahrſcheinlich trat er in dieſelben, als Genua unter dem Schutz, oder vielmehr unter der Oberherrſchaft Frankreichs *) Hist. del Almirante, c. 1. — 60— ſtand. Es heißt, er ſey bei den Zuͤgen Johanns von An⸗ jou gegen Neapel mit geweſen und Columbus habe unter ſeinem Commando geſtanden. Es wird in Zurita's Annalen von Arragon*) erwähnt, 3 daß der aͤltere Colombo den Krieg, der zwiſchen Spanien und Portugal uͤber die Anſpruͤche der Prinzeſſin Juana um den Thron von Caſtilien entſtand, mitgemacht habe. Im Jahr 1476 entſchloß ſich der Koͤnig von Portugal, nach der Suͤdkuͤſte von Frankreich zu reiſen, um ſeinen Alliirten, Ludwig XI, anzufeuern, den Krieg in der Provinz Qui⸗ puzcoa fortzuſetzen. Der Koͤnig, ſagt Zurita, verließ Toro am 18. Juni und ging auf dem Fluß nach der Stadt Porto, um die Armada des Koͤnigs von Frankreich zu erwarten, deren Kapitain Colon(Colombo) war, welcher durch die Meer⸗ enge von Gibraltar ſchiffen ſollte, um nach Marſeille zu ſegeln. Nach einigem Zeieverlaufe kam endlich Colombo in der zweiten Haͤlfte des Julimonats mit der franzoͤſiſchen Ar⸗ mada bei Bormeo an der Kuͤſte von Biscaya an; hier hatte er einen heftigen Sturm zu beſtehen, verlor ſein erſtes Schiff, landete an der Kuͤſte von Galicien„ um Ri⸗ baldo anzugreifen, und verlor viele von ſeinen Leuten. Von da ging er nach Liſſabon, um den Koͤnig von Portugal ab⸗ zuholen, welcher im Auguſt mit einer Anzahl ſeiner Ade⸗ ligen auf die Flotte ging und zweitauſend zweihundert Mann zu Fuß und vierhundert und ſiebzig Reuter mit⸗ *) Lib, XIX, P. 261, — 61— nahm, um die portugieſiſchen Garniſonen laͤngs der Kuͤſte der Berberei zu vedſtaͤrken. Dieſes Geſchwader beſtand aus zwoͤlf Schiffen und fünf Caravelen. Die Flotte be⸗ ruͤhrte Ceuta und hielt dann bei Colibre, wo der Koͤnig ſich in der Mitte September ausſchiffen ließ, da das Wetter es ihm nicht erlaubte, bis Marſeille vorzudringen.*) Dieſer Colombo iſt offenbar der Seebefehlshaber, von welchem Jacob Georg Chaufepies in ſeinen Supplementen zu Bayle(Th. II, S. 126) folgende Bemerkungen bei⸗ bringt: „Ich weiß nicht,“ ſagt Chaufepies,„welchen Glauben eine Erzuͤhlung in der Ducatiana(Th. 1. S. 143) ver⸗ dient, daß Columbus im Jahr 1474 Kapttain mehrerer Schiffe im Dienſte Ludwigs XI. war, und daß er, da die Spanier zu der Zeit einen Einfall in Rouſſillon machten, es als Repreſſalien und dem zwiſchen beiden Kronen be⸗ ſtehenden Frieden nicht zuwider anſah, daß er ſpaniſche Schiffe in den Grund bohrte. Er griff daher zwei Ga⸗ leeren von dieſer Nation an, welche fuͤr Rechnung mehrerer Perſonen befrachtet war, und nahm ſie weg. Da man ſich uͤber dieſe That beim Koͤnig Ferdinand beſchwerte, ſchrieb derſelbe an Ludwig XI. uͤber die Sache, und dieſer Brief iſt vom 9. December 1474 datirt. Ferdinand nennt den Chriſtoph Columbus einen Unterthan Ludwigs; dieß geſchah, weil, wie bekannt iſt, Columbus ein Genueſer und Ludwig Souverain uͤber Genua war, obgleich er dieſe *) Zurita, l., XIX, c. 51. Stadt und Savona dem Herzoge von Mailand zu Lehn gegeben hatte. 2. Es iſt ſehr wahrſcheinlich, daß die Eskadre deſſelben Colombo es war, welche in den Jahren 1475 und 1476 in der Levante erſchien und unter andern das venetianiſche Geſchwader angriff, welches zum Schutz der Inſel Cypern aufgeſtellt war. Hiervon geſchieht in einem Briefe zweier mallaͤndiſchen Edelleute an den Herzog von Mailand Er⸗ waͤhnung, welcher im Jahr 1476 geſchrieben iſt und von Boſſi und nach ihm von Spotorno citirt wird. Der Neffe dieſes Colombo, welchen die Spanier Co⸗ lombo el Mozo nannten, commandirte ebenfalls einige Jahre nachher eine Eskadre in franzoͤſiſchen Dienſten und war im mittellaͤndiſchen Meere ſehr gefuͤrchtet, wie dieſes aus der folgenden Erlaͤuterung hervorgehen wird. Die Namen dieſer beiden Colombo's, des Oheims und des Neffen, erſcheinen in der Geſchichte von Zeit zu Zeit, waͤhrend der dunklen Lebensperiode des Admirals, nnd ſind deßhalb von Geſchicht⸗ ſchreibern mit ſeinem Namen verwechſelt worden. Fer⸗ nando Columbo's ſagt, daß ſein Vater einige Jahre mit Colombo dem Juͤngeren zur See geweſen ſey.*) Es iſt wahrſcheinlich, daß er zu verſchiedenen Zeiten ein unter⸗ geordnetes Commando bei den Eskadren beider, des Onkels unnd des Neffen, bekleidete und daß er bei den oben be⸗ merkten Anlaͤſſen mit zugegen war⸗ *) Hist. del Almirante, e 5. — Nro. VII. Expedition Johanns von Anjoun. Ui die Zeit, als Columbus das vier und zwanzigſte Jahr erreicht hatte, gerieth ſeine Vaterſtadt in einen Zu⸗ ſtand großer unruhe und Gefahr durch einen Einfall, wo⸗ mit Alphons V. von Arragon, Koͤnig von Reapel, ſie be⸗ drohte. Da die Republik Genua ſich zu ſchwach fuͤhlte, um es allein mit einem ſolchen Feind aufzunehmen, und ver⸗ gebens von Italien Beiſtand erwartete, begab ſie ſich unter den Schutz Car''s VII. von Frankreich. Dieſer Monarch ſandte Johann von Anjou, Sohn René's oder Renato's, Koͤnigs von Neapel, welchen Alphons vom Thron geſtoßen hatte, zu ihrem Beiſtand. Johann von Anjou, ſonſt auch Herzog von Calabrien genannt,*) uͤbernahm ſogleich das Commando der Stadt, verbeſſerte ihre Befeſtigungen und verſchloß den Eingang in den Hafen mit ſtarken Ketten Mittlerweile hatte Alphons eine b⸗deutende Landmacht auf⸗ 1*) Herzog von Calabrien war der Titel des Sohnes und Erbfolgers des Königs von Neapel, ſo wie der Kron⸗ drinz von England Prinz von Wales heißt. 9„ — 64— geboten und ſtand mit einer Flotte von zwanzig Schiffen und zehn Galeeren bei Ancona, an den Graͤnzen von Ge⸗ nua. Die Lage dieſer Flotte wurde aber ſehr gefaͤhrlich, als Alphons ploͤtzlich an einem hitzigen Fieber erkrankte und ſtarb, indem er die Koͤnigreiche von Aragon und Sicilien ſeinem Bruder Johann und das Koͤnigreich Neapel ſeinem Sohn Ferdinand hinterließ. Waͤhrend der Tod Alphonſens und die dadurch ent⸗ ſtandene Theilung ſeiner Herrſchaften die Beſorgniſſe Ge⸗ nua's verſcheuchten, gaben ſie dem Hauſe Anjou neue Hoff⸗ nungen, und der Herzog Johann, von Emiſſaͤren mehrerer mächtigen Partheigänger aus dem neapolitaniſchen Adel er⸗ muthigt, entſchloß ſich, einen kühnen Verſuch zur Weeder⸗ eroberung der Krone von Neapel zu wagen. Die Ge⸗ nueſer gingen mit Muth in ſeine Sache ein, und lieferten ihm Schiffe, Galeeren und Geld. Sein Vater Rens oder Renato ruͤſtete zu der Expedition zwoͤlf Galeeren in dem Hafen von Marſeille aus und gab ihm die Verſicherung einer anſehnlichen Geldunterſtuͤtzung und des Beiſtandes des Koͤnigs von Frankreich. Die glaͤnzende Natur der Un⸗ ternehmung zog die Aufmerkſamkeit der kuͤhnen und un⸗ ruhigen Geiſter damaliger Zeit an. Der ritterliche Edle, der gluͤckliche Soldat, der tollkuͤhne Corſar der waghalſige Abenteurer und der gewinnſuͤchtige Partheiganger traten unter den Bannern des Herzogs von Calabrien zuſammen. Es iſt von Hiſtorikern ausgemittelt, daß Columbus mit auf der genueſiſchen Flotte bei einer Eskadre war, welche einer der Colombos, ſein Verwandter, commandirte, — 65— Die Expedition gegen Neapel ging im October 1459 ab, und kam bei Seſſa zwiſchen den Muͤndungen des Ga⸗ rigliano und Volturno an. Die Nachricht ihrer Ankunft war das Signal zu einem allgemeinen Aufruhr; die un⸗ ruhigen Barone und ihre Vaſallen eilten, ſich mit der Fahne Anjou's zu verbinden, und der Herzog ſah bald die ſchoͤnſten Provinzen der neapolltaniſchen Beſitzungen unter ſeinem Scepter und konnte mit ſeiner Armee und Flotte, die Stadt Neapel ſelbſt bedrohen. In der Geſchichte dieſer Expedition erfahren wir von einer kuͤhnen That bei der Flotte, mit welcher Columbus ſich eingeſchifft hatte.— 1 Die Armee Johann's von Anjou befand ſich von einer groͤßeren Macht eng eingeſchloſſen an der Muͤndung dis Sarno in einer gefaͤhrlichen Lage. In dieſer Noth landete der Kapitain der Armada mit ſeinen Leuten und beſetzte die benachbarte Kuͤſte, in der Hoffnung, bei dem gemeinen Volk den fruͤheren Enthuſiasmus fuͤr das Banner Anjou's wieder zu erwecken, und vielleicht Neapel uͤberrumpeln zu koͤnnen. Bei der wenigen Mannszucht, die ſie vom eigent⸗ lichen Soldaten beſaßen und bei dem freibeuteriſchen Hang, der die Seeleute gewoͤhnlich beſeelt, zerſtreuten ſie ſich uͤber das Land und gingen hauptſaͤchlich aufs Pluͤndern aus. Sie wurden von der Infanterie angegriffen, in die Flucht ge⸗ ſchlagen und vfele verwundet und getoͤdtet. Als ſie nach den Schiffen zuruͤck wollten, fanden ſie die Paͤſſe von den Bewohnern Sorrents verſchloſſen und beſetzt und mußten ein furchtbares Blutbad von ihnen aushalten. Ihre Flucht Irving's Columbus. 10— 12. 5 — 66— ward nun ſtuͤrmiſch und verzweiflungsvoll, viele ſprangen in dem Wahnſinn des Entſetzens von Felſen und Abhaͤngen in's Meer, und nur ein kleiner Theil gelangte wieder zu den Schiffen⸗. Der Kampf Johanns von Anjou um die Krone von Neapel dauerte vier Jahre. Einige Zeit lang beguͤnſtigte ihn das Gluͤck, und der Preis ſchien ſchon in ſeinen Haͤn⸗ den zu ſeyn: aber jetzt folgten Ungluͤcksfäͤlle; er wurde auf mehreren Puncten geſchlagen; die unruhigen Edelleute ent⸗ wichen einer nach dem andern und kehrten wieder zu ihrem Gehorfam, zu Alphons zuruͤck. Der Herzog ſah ſich endlich genoͤthigt, ſich auf die Inſel Ischia zuruͤckzuziehen Hier blieb er einige Zeit, von acht Galeeren beſchützt, welche zugleich die Bai von Neapel beunruhigten.*) Bei dieſem Geſchwader, welches ibm treu blieb, bis er zuletzt die un⸗ gluckliche Unternehmung aufgab ſoll auch Columbus ge⸗ dient haben, 3 *) Colnucio Hist, Gap. l. VII, c. 17. — Nro. VIII. Gefangennehmung der venetianiſchen Galeeren durch Colombo den Jüngeren. 1 Da der Bericht von dem Seetreffen, durch welches, wie Fernando Columbus verſichert, ſein Vater zuerſt an die Köuͤſte Portugals verſchlagen wurde, von mehreren glaub⸗ wuͤrdigen Hiſtorikern als zuverlaͤſſig angenommen wird, ſo iſt es noͤthig, die beſonderen Gruͤnde mitzutheilen, welche dagegen ſtreiten. Fernando ſagt ausdrüͤcklich, es ſey ein von Marco Antonio Sabelico im achten Buch ſeiner zehnten Decade erzaͤhltes Treffen geweſen; das Geſchwader, bei welchem Columbus diente, ſey von einem berüͤchtigten Corſaren Na⸗ mens Columbus der Juͤngere(Colombo el Mozo) befehligt geweſen, und die Venetianer haͤtten eine Geſandtſchaft ane den Koͤnig von Portugal geſandt, um ihm fuͤr die Hülf zu danken, die er den venetianiſchen Kapitainen und See⸗ leuten geleiſtet. Alles dieſes wird in der That von Sa⸗ bellicus erzählt; aber die Schlacht fand im Jahr 1485 ſtatt, ein Jahr nachdem Columbus Portugal ſchon verloſſen — 5* 3 — 68— hatte, zurita erwaͤhnt dieſelbe Affaire in ſeinen Annalen von Arragon unterm Jahre 1485. Er ſagt Folgendes: „Zu dieſer Zeit ſegelten vier venetianiſche Galeeren von der Inſel Cadix und nahmen ihren Weg nach Flandern; ſie waren mit Handelsartikeln aus der Levante, inſonder⸗ heit von der Inſel Sicilien befrachtet, und als ſie an dem Cap Vincent vorbeikamen, wurden ſie von einem franzoͤſt⸗ ſchen Corſaren, dem Sohne des Kapitain Colon(Colombo) angegriffen, welcher ſieben Schiffe in ſeiner Armada hatte, und die Galeeren wurden den einundzwanzigſten Auguſt gefangen genommen.*) Ein viel umſtaͤndlicherer Bericht wird in dem Leben des Koͤnigs Johann II. von Portugal von Garcia de Reeſende mitgetheilt, der ihn gleichfalls unterm Jahre 1485 angibt. Er ſagt, die venetianiſchen Galeeren ſeyen von dem Franzoſen angegriffen und beraubt, und die Kapitaine und Mannſchaft verwundet, gepluͤndert und mißhandelt bei Cascoes ans Land gekommen. Hier erhielten ſie Beiſtand von Donna Maria de Meneſes, Graͤfin von Monſanto. Wie Koͤnig Johann von dem Ereigniß hoͤrte, war es ihm ſehr leid, daß ſo etwas an ſeiner Kuͤſte vorgegangen, und da er der Republik ſeine freundliche Geſinnung beweiſen wollte, ließ er die venetianiſchen Kapitaine mit reichen Kleidern von Selde und anderen koſtbaren Stoffen beſchen⸗ ken und verſah ſie mit Pferden und Maulthieren, damit *) Zurita lib. XX., c. 64. ſie in einer ihnen und ihrem Vaterlande angemeſſenen Wuͤrde vor ihm erſcheinen konnten. Er nahm ſie mit großer Guͤte und Auszeichnung auf, und aͤußerte ſich mit fürſtlicher Huld, ſowohl gegen ſie als auch gegen die Re⸗ publik, und als er von dem Treffen und von ihrer duͤrf⸗ tigen Lage hoͤrte, half er ihnen mit einer großen Summe aus, um ihre Galeeren den franzoͤſiſchen Coſaren wieder abzukaufen. Dieſe nahmen alle Handelsartikel an Bord ihrer Schiffe; aber Koͤnig Johann verbot den Kauf irgend eines Stuͤcks der Beute in ſeinen Reichen. Nachdem er ſich auf dieſe Weiſe großmuͤthig der Kapitaine angenommen, und der Noth ihrer Leute abgeholfen, ſetzte er ſie alle in den Stand, um in ihren eigenen Galeeren nach Venedig zuruͤckzukehren.— Die Repraͤſentanten der Republik waren ſo tief geruͤhrt von der Freigebigkeit des Koͤnigs Johann, daß ſie als⸗ bald eine ſtattliche Geſandtſchaft an dieſen Monarchen ab⸗ ſchickten, mit reichen Geſchenken und lebhaften Ausdruͤcken des Dankes. Geronimo Donato, ein durch Gelehrſamkeit unnd Wohlredenheit ausgezeichneter Mann, war mit dieſer Miſſion beauftragt. Er wurde ehrenvoll von dem Koͤnig empfangen und bewirthet, und mit koͤniglichen Geſchenken entlaſſen, unter welchen ſich Zelter und Maulthiere mit koſtbaren Decken und Sattelzeug und viele reich gekleidete Neger befanden.*) — *) Obras de Garcia de Reesende, c, 58. Rvora 1554. Folgendes iſt der Bericht, wie ihn Sabellicus in ſeiner Geſchichte von Venedig gibt.*) „Erano andate quatro Galee delle quali Barto- lomeo Minio era capiteno. Queste navigando per PIberico mare, Colombo il piu giovane, nipote di quel Colombo famoso corsale, fecesi incontro 3* Ve- neziani di notte appresso il Sacro Promontorio, che chiamasi hora Capo ⸗di San Vicenzo, con sette navi guernite da combattere. Egli quantunque nel primo incontro avesse seco disposto d'opprimere le navi Ve- neziane, si ritenne però dal combattere sin al giorno, tutta via per esser alla bataglia piu acconcio cos le seguia, che le prode del corsale toccavano le poppe- de Veneziani. Venuto il giorno, incontanente 1 Barbari diedero l'assalto, sostennero i Veneziani allora'empito del nemico, per numero delle navi *) Mareo Antonio Coccejo, beſſer unter dem Namen Sa⸗ bellicus bekannt— ein Beiname den er annahm, weil er in der pedantiſchen Academie des Pomponius Latus als Poet gekrönt worden war. Er war Zeitgenoſſe des Columbus und thut in dem achten Buch der zehnten Decade ſeiner Univerſalgeſchichte von ſeinen Entdeckungen kurze Erwähnung. Von einigen Schriftſtellern wird er der Livius ſeiner Zeit genannt; andere klagen ihn an, daß er voll von Verdrehungen der Wahrheit zu Gunſten Venedigs ſey. Der ältere Scaliger beſchuldigt ihn der Beſtechlichkeit und der Erkaufung mit venetia⸗ niſchem Golde, — 71— e de'combattenti superiore, e durd il confliitto atroce per molte ore. Rare fiate fu combattuto contro si- mili nemici con tanta uccisione, perchè a pena si cos- tuma d'attacarsi contro di loro se non per occasione. Affermano alcuni, che vi furono presenti, esser morti delle ciurme Veneziane da trecento uomini.“ „„Altri dicono che fu meno. Mori in quella zuffa Lorenzo Michele capitano d'una galera, e Giovanni Delfino d'altro capitano fratello. Era durata la zuffa dal fare del giorno fin' ad ore venti, ed erano le genti Vepeziani mal trattate. Era già la nave Delfina in potere de' nemici, quando le altre ad una si renderono. Narrano alcuni, che furono di quell' aspro conflitto partecipi, aver numerato nelle loro navi da proda a poppa oittanta valorosi uomini estiniti, i quali dal ne- mico veduti, lo mossero a gemere e dire conisdegno, che cosl avevano voluto i Veneziani, I corpi morti fu- rono gittati nel mare, e i feriti posti nel lido. Quei che remasero vivi, seguirono con le navi il Capitano vittorioso sin' a Lisbona ed ivi furono tutti licenziati. .. Quivi furono i Veneziani benignamente ri- cevuti dal Re, gli infermi furono medicati, gli altri ebbero abiti e denari secondo la loro condizione. . Oltre cid vietd in tutto il Regno, che alcuno non comprasse della preda Veneziana, portata da i corsali. La nuova dell avuta rovina non poco afflisse la città, erano perduti in quella mercatanzia — 72— da ducento mila ducati; ma il danno particolar degli uomini uccisi diede maggior afflizione.“— Marc, Ant, Sabelico hist. Venet. Decad. IV, 1, 3. Nro. IX. Amerigo Vespucci. Einer der fruͤheſten und faͤhigſten Seefahrer, welche der Spur des Columbus folgten, war Amerigo Vespucck. Viele haben ihn fuͤr den erſten Entdecker des ſuͤdlichen Feſtlandes gehalten und durch eine ſonderbare Laune des Zufalls iſt jedoch mit Beſtimmtheit dargethan, daß er auf den Namen eines Entdeckers keinen Anſpruch hat, daß er nur in un⸗ tergeordneter Stellung, mit Geſchwadern, welche andere be⸗ fehligten, dorthin ſchiffte; daß die Annahme ſeiner Fahrt als der erſten Reiſe eine Erdichtung iſt, und daß er das Feſtland erſt nachdem es von Columbus entdeckt und an den Kuͤſten erforſcht war, beſuchte. Da die Sache Gegen⸗ ſtand lebhafter und umſtaͤndlicher Controverſen geworden iſt, ſo wird es paſſend ſeyn, elne Ueberſicht davon dem gegenwaͤrtigen Werk einzuverleiben. die ganze neue Welt nach ihm benannt worden, Man hat — 73— Amerigo Vespucci war am 9, Marz 1451 in Florenz geboren, er ſtammte aus einer ſehr edlen, doch dazumal gerade nicht wohlhabenden Familie. Sein Vater hieß Ana⸗ ſtaſio, ſeine Mutter war Eliſabetha Mini. Er war ihr dritter Sohn und erhielt unter der Leitung ſeines Oheims Georgio Antonio Vespucci, eines gelehrten Moͤnches, von der Bruͤderſchaft San Marco, eine treffliche Erziehung, indem derſelbe damals Erzieher mehrerer vornehmen Per⸗ ſonen war. Amerigo Vespucci beſuchte Spanien und nahm ſeinen Wohnſitz in Sevilla, um einige Handels⸗Aufträge fuͤr die Familie Medici in Florenz zu beſorgen und durch ſeine Geſchicklichkeit die Verluſte und Ungluͤcksfaͤlle eines unge⸗ ſchickten Bruders wieder gut zu machen.*) Die Zeit ſeiner Ankunft in Spanien iſt ungewiß; aber aus verglichenen Datis und Umſtaͤnden, die in ſeinen Brie⸗ fen bemerkt ſind, ergibt ſich, daß er in Sevilla geweſen ſeyn muß, wie Columbus von ſeiner erſten Reiſe zuruͤckkehrte. Padre Stanislaus Canovai, Profeſſor der Mathematik in Florenz, welcher das Leben und die Reiſen Amerigo's Vespucci herausgegeben hat, ſagt, er habe von Koͤnig Fer⸗ dinand Auftraͤge erhalten und ſey dem Columbus auf deſſen zweite Reiſe im Jahr 1493 mitgegeben worden. Er leitet dieſes aus einer Stelle in der Weltbeſchreibung des Seba⸗ ſtian Muͤnſter her, welche im Jahr 1550 in Baſel gedruckt *) Bandini vita d'Amerigo Vespucci. — 24— wurde;*) aber Muͤnſter erwaͤhnt des Vespucci als eines Begleiters des Columbus auf ſeiner erſten Reiſe. Das Citat Canovai's iſt alſo unrichtig, und die Angabe Muͤnſters wird durch die Briefe Vespuccl's wideriegt, in welchen er bemerkt, er ſey von den Berichten aufgeregt worden, welche aus den neuentdeckten Laͤndern gekommen ſeyen. Nirgends in ſeinen Briefen iſt von einer ſolchen Reiſe die Rede, wel⸗ ches doch geſchehen waͤre, oder vielmehr, welches Stoff zu einem großen Briefe gegeben haͤtte, wenn er wirklich mit dort geweſen waͤre. Die erſte zuverlaͤſſig⸗ Notiz, welche wir von dem Auf⸗ enthalte des Bespucci in Spanien finden, iſt aus dem Fruͤhjahre 1496. Er erſcheint in Documenten der koͤnig⸗ lichen Archve von Sevilla als Agent fuͤr das Haus Jua⸗ noto Berardi, fuͤr einen reichen florentiniſchen Kaufmann, der in Sevilla wohnte; dieſer hatte ſich verbindlich gemacht, den ſpaniſchen Souverainen drei einzelne Ausruͤſtungen jede von vier Schiffen fuͤr den Dienſt der neuentdeckten Laͤnder zu liefern. Er mag einer der Erſten bei dieſer Sache geweſen ſeyn, welche im Namen des in Sevilla etablirten Handelshauſes abgeſchloſſen wurde, Berardi ſtarb im De⸗ cember 1495 und im folgenden Jahr finden wir Amerigo Ves⸗ pucci mit den Angelegenheiten der Ausruͤſtung beſchaͤftigt und mit den Schiffspatronen uͤber Bezahlung und Unter⸗ halt, nach den zwiſchen ihnen und dem ſeligen Juanoto *) Cosm, Munst, p. 1108. — 73— Berardi geſchloſſenen Contracten ſich arrangiren. Am 12. Januar 1496 erhielt er zu dieſem Ende zehntauſend Mara⸗ vedi's von Bernardo Pinelo, dem koͤniglichen Schatzmeiſter. Er ſetzte alles fuͤr die Abſendung der vier Caravelen in Bereitſchaft, damit ſie nach dem zwiſchen den Souverainen und dem Hauſe Berardi abgeſchloſſenen Contracte ſegeln könnten; er ſandte ſie am 3. Fforuar 1496 in See, aber am 18. hatten ſie einen Sturm zu beſtehen und litten Schiffbruch; die Mannſchaft wurde bis auf drei Mann ge⸗ rettet.*) Bei dieſen Geſchaͤften hatte Amerigo Bespucci Gelegenheit, Columbus naͤher kennen zu lernen, mit wel⸗ chem er, nach den Aeußerungen des Admirals ſelbſt, in einem ſeiner Briefe an ſeinen Sohn Diego, immer auf einem freundlichen Fuße geſtanden zu haben ſcheint. Durch ihre Unterredungen und durch ſeine Lieferungen zu dieſer Fahrt wurde er bald ſelbſt aufgemuntert, dieſe neuentdeckten Laͤnder zu beſuchen und an Unternehmungen Theil zu neh⸗ men, wovon Alles ſprach. Nachdem er ſich daher mit geo⸗ graphiſchen und nautiſchen Kenntniſſen naͤher bekannt ge⸗ macht, ruͤſtete er ſich, die Laufbahn als Entdeckungsfahrer ſelbſt zu betreten. Es dauerte nicht lange, ſo fuͤhrte er ſein Vorhaben aus. Im Jahr 1498 entdeckte Columbus auf ſeiner dritten Reiſe die Kuͤſte von Paria auf der Terra Firma; er hielt *) Sieſe Details ſind aus handſchriftlichen Notizen der könig⸗ lichen Archive von dem verſtorbenen zuverläſſigen Hiſto⸗ riker Munjoz gezogen. — 76— ſie dazumal fuͤr eine große Inſel, glaubte aber, daß ſich ein weites Feſtland ganz in der Naͤhe befinde. Er ſandte har gefundene Perlen nach Spanien und gab die freudigſten Berichte uͤber die vorausgeſetzten Reichthuͤmer dieſes Landes. Im Jahr 1499 wurde eine Expedition von vier Schiffen unter den Befehlen Alonzo's de Ojeda von Spanien aus⸗ geruͤſtet und ſegelte unter alnleitung der Karten und Briefe, welche Columbus der Regierung uͤberſandt hatte, ebenfallz nach Paria. Die Mittheilungen erhielt Ojeda von ſeinem Protector, dem Biſchof Fonſeca, der die Oberaufſicht der indiſchen Angelegenheiten fuͤhrte und ihm eine Selanbnſß Urkunde zu dieſer Reiſe ausſtellte. Wahrſcheinlich war Vespucci wieder bei den Lieferungen der Ausrüſtung intereſſirt und ſegelte in einem dem Hauſe Berardi gehoͤrenden Schiffe mit, auf ſolche Weiſe befaͤhigt, Antheil an dem Gewinn und Verluſt der Fahrt zu neh⸗ men; denn Iſabella hatte als Koͤnigin von Caſtilien allen Auslaͤndern ſtreng verboten, mit den transatlantiſchen Be⸗ ſitzungen Handel zu treiben, und hatte es ſelbſt den 1 de bornen Arragoniern nicht erlaubt. Dieſe Eskadre beſuchte Paria und die Kuͤſte eine Strecke von mehrexen hundert Meilen, wodurch ſie auf die Gewiß⸗ heit kamen, daß es Feſtland ſey, Sie kehrten im Jahr 1500 zuruͤck, und am 18. Jult deſſelben Jahres ſchrieb Amerigo Vespucci einen Bericht. von ſeiner Reiſe n Lorenzo di Pier Francisco de Medici von Florenz, ei Aufſatz, 4 welcher im Manuͤlercan verborgen blieb, bis er im Jahr * 1745 von Bandini an's Licht gezogen und dem Druck uͤber⸗ geben wurde. In dieſem Reiſebericht und in allen anderen Erzaͤhlungen ſeiner verſchiebenen Fahrten erwaͤhnt Vespucci nie eines anderen Theilhabers der Expeditionen. Er nennt die Zeit ſeiner Reiſe und ſagt, er ſey mit zwei Caravelen geſegelt, welche wahrſcheinlich ſein Antheil an der Expedition oder dielmehr die dazu gegebenen Schiffe des Hauſes Berardi waren. Er gibt eine intereſſante Erzaͤhlung von ſeiner Reiſe und von den verſchiedenen Arten des Verkehrs mit den Eingebornen, worin er in vielen weſentlichen Puncten mit den von Ojeda und ſeinen Seeleuten uͤber ihre Reiſe in den bei einem nachher zu erwaͤhnenden Proceß abgegebenen Erklaͤrungen uͤbereinſtimmt. Im Mai 1501 verließ Vespucci mit einem Male Spa⸗ nien und ging in Dienſten Emanuels Koͤnigs von Portugal zur See, und im Verlaufe dieſer Fahrt beſuchte er die Kuͤſte von Braſelien. Er gibt eine Beſchreibung von der⸗ ſelben in einem Briefe an Lorenzo di Pier Francesco de Medici, welche ebenfalls handſchriftlich blieb, bis ſie endlich Bartolozzi im Jahr 1789 in Oruck gab.*) Es ſindet ſich von einer ſolchen Reiſe des Amerigo Ves⸗ pueci in Dienſten Emanuels nichts in den Archiven von Torre do Tombo, den General⸗Arch'ven von Portugal, welche man zu dieſem Zweck wiederholt und ſorgfältig durch⸗ geſehen hat. Auch iſt es ſonderbar, daß ſein Name von *) Bartolozzi recherche historico. Firenze 1789. einem der portugirſiſchen Geſchichtſchreiber erwähnt wird, die in der Regel ſehr puͤnktlich waren, alle Seefahrer zu nennen, welche irgend eine wichtige Stellung bei ihnen ein⸗ genommen oder ausgezeichnete Dienſte geleiſtet hatten. Daß Vespucci jedoch an dieſen Kuͤſten hinſegelte, iſt nicht zu be⸗ zweifeln. Sein Neffe gab nach ſeinem Tode, bei einer Be weisfuͤhrung uͤber einen beſtrittenen Gegenſtand, die richtige Hoͤhe des Cap St. Auguſtin an, welche er aus dem Jour⸗ nal ſeines Oheims entnommen haben wollte. 3 Im Jahre 1504 ſchrieb Vespucci einen dritten Brief an denſelben Lorenzo de Medici mit genauer Auskunft uͤber die ſo eben angefuͤhrte, im Dienſte Portugals vollbrachte Reiſe. Dieſes war die erſte ſeiner Reiſebeſchreibungen, welche in Druck kam. Sie iſt in lateiniſcher Sprache in Strasburg ſchon im Jahre 1505 unter dem Titel erſchienen: „Americus Vesputius de orbe antarctico per Regem Portugalliae pridem invento.“*) 8 Ein neuer Abdruck dieſes Briefes erſchien im Jahre 1507 zu Vicenza in einer anonymen Sammlung von Rei⸗ ſen, welche Francanzio di Monte Alboddo, ein Einwohner von Vicenza herausgab. Er wurde im Jahre 15068 in Mailand in italieniſcher Sprache gedruckt und dann wieder lateiniſch in einem Buche, welches den Titel Itinerarium Portugalensium fuͤhrte. Bei der gegenwärtigen Erlaͤute⸗ *) Panzer, tom. VI, p. 33, in Esame Critico p. 88. Anotazione 1. — 79— rung iſt die matlaͤndiſche Ausgabe in italieniſcher Sprache*) und eine lateiniſche Ueberſetzung derſelben von Simon Gri⸗ näus in ſeinem Novus Orbis, welcher zu Baſel im Jahr 1532 erſchien, benutzt worden. Der Brief bezieht ſich bloß auf die erſte Reiſe des Vespucci von Liſſabon nach Braſilien im Jahre 1501. Wegen dieſer Reiſe nach Braſilien hielt man den Ame⸗ rigo Vespucci zuerſt fuͤr den Entdecken des Feſtlandes; ſein Name wurde daher anfaͤnglich dieſen ſüdlichen Regionen ge⸗ geben, nachher aber auf den ganzen Welttheil ausgedehnt. *) Dieſes ſeltene Buch, im Beſitz des Herrn O. Rich. Esg. wird für die älteſte gedruckte Sammlung von Reiſebe⸗ ſchreibungen gehalten. Die Seiten ſind nicht numerirt, die Blätter ſind bloß mit einem Buchſtaben des Alphabets unten immer an der achten Seite bemerkt. Es ent⸗ hält die älteſte Nachricht von den Reiſen des Columbus, von ſeiner erſten Fahrt bis zu ſeiner Ankunft in Ketten zu Cadix. Der Brief Vespucci's an Lorenzo de Medici nimmt das fünfte Buch des kleinen Bandes ein. Man hat gefunden, daß er urſprünglich ſpaniſch geſchrieben und von einem Namens Jocondo ins Italieniſche über⸗ ſetzt worden iſt. Ein früherer Abdruck wurde in Venedig im Jahre 1504 von Alberto Vercelleſe beſorgt⸗ Der Herausgeber ſoll Angelo Trivigiani, Secretär des vene⸗ tianiſchen Geſandten in Spanien geweſen ſeyn. Dieſer Trivigiani hat viele Detaits der Reiſen des Columbus aus den handſchriftlichen Decaden des Peter Martyr geſchöpft, welcher irrthümlich das Plagiat dem Aloyſius Cadamoſto zuſchreibt, deſſen Reiſen in derſelben Samm⸗ lung aufgenommen ſind. Das Buch hatte den Titel: Libretto di tutta la navigazione del Be de Es- pagna, delle Isole e Terreni nuovamente, trovati.“ — 80— Die Verdienſte ſeiner Reiſe wurden jedoch ſehr uͤbertrieben. Braſilien war ſchon fruͤher im Jahr 1500 von Pinzon ent⸗ deckt und im Namen Spaniens foͤrmlich in Beſitz genommen, und in eben dem Jahr geſchah daſſelbe von Pedro Alvarez Cabral von Seiten Portugals; Ereigniſſe, welche dem Ves⸗ pucci und ſeinen Gefaͤhrten unbekannt waren. Das Land blieb der zwiſchen den beiden Monarchien ſeſtgeſetzten De⸗ markations⸗Linie zufolge in dem Beſitz von Portugal. Vespucci machte im Dienſte dieſer Nation eine zweite Reiſe. Er ſagt, er habe eine Caravele in einem Geſchwa⸗ der von ſechs Schiffen kommandirt, auf einer Fahrt zur Entdeckung Malacca's, welches ihnen als der große Sta⸗ pelplatz alles Handels zwiſchen dem Ganges und dem in⸗ 3 diſchen Meere bezeichnet worden war. Eine ſolche Expe⸗ ditkon ging um jene Zeit unter dem Commando des Gon⸗ zalo Coelho unter Segel. Die Eskadre lief, nach Vespucci, am 10. Mai 1503 aus. Sie hielt ſich bei den capverdiſchen Inſeln wegen Einnahme von Erfriſchungen auf und ſegelte nachher an der Kuͤſte von Sierra Leone hin, konnte aber wegen widrigen Winden und ſtuͤrmiſcher See nicht landen. Nun ſteuerten ſie nach Suͤdweſt und legten in dieſer Rich⸗ tung dreihundert Seemeilen zuruͤck, bis ſie drei Grade ſuͤd⸗ lich von der Linie kamen, wo ſie eine unbewohnte Inſel entdeckten, welche ungefahr zwei Stunden lang und eine breit war. Hier ließ am 10. Auguſt der Kapitain des Geſchwaders ſein Schiff aus Unvorſichtigkeit an einen Felſen anlaufen, wodurch es ſcheiterte. Waͤhrend die anderen Schiffe Beiſtaud leiſteten, um die Mannſchaft und das Ei⸗ — — 81— genthum aus dem Wrak zu retten, erhielt Amerigo Ves⸗ pucci mit ſeiner Caravele den Auftrag, einen ſichern Hafen⸗ platz an der Inſel auszukundſchaften. Er ging ohne ſeine Schaluppe und mit weniger als der Haͤlfte ſeiner Mann⸗ ſchaft ab, da die Uebrigen bei dem Retten aus dem Wrak. mithalfen. Vespucei fand eine Bucht, wartete aber ver⸗ gebens mehrere Tage auf die Ankunft der Schiffe. Er ging in die See hinaus und begegnete hier einem einzigen Schiff, von welchem er erfuhr, daß das Schiff des Commandeurs untergegangen und die anderen weiter geſegelt ſeyen. Von dieſem Fahrzeug begleitet, richtete er nun ſeinen Lauf nach Braſilien, dem Befehle des Koͤnigs gemaͤß, fuͤr den Fall, daß Schiffe von der Flotte getrennt wuͤrden. Als er an der Kuͤſte ankam, entdeckte er die beruͤhmte Bai Aller Hei⸗ ligen, wo er ſich uͤber zwei Monate aufhielt, um die uͤbrige Flotte hier noch zu treffen. Endlich ging er zweihundert und ſechzig Seemeilen weiter ſuͤdlich, blieb dort fuͤnf Mo⸗ nate, erbaute ein Fort und nahm eine Ladung Faͤrbeholz mit. Dann ſchiffte er, nach Zuruͤcklaſſung von vier und zwanzig Mann in dem Fort, die mit Waffen und Ammu⸗ nition verſehen wurden, nach Liſſabon, wo er im Juni des Jahres 1504 ankam.*) Weder von dem Comman⸗ deur der Eskadre, noch von den vier Schiffen wurde je wieder etwas gehöͤrt. Vespucci ſcheint von dem Koͤnige von Portugal nicht den Lohn empfangen zu haben, den ſeine Dienſte verdienten, *) Schreiben des Vespucci an Soderini oder René, Ausg⸗ d. Canovai. Irving's Columbus. 10—12. 6 — 82— denn wir finden ihn fruͤh im Jahre 1505 in Sevilla, auf dem Wege zum ſpaniſchen Hofe, um eine Anſtellung zu ſuchen; er uͤberbrachte dem Don Diego Colon einen Brief von ſeinem Vater, vom 5. Februar datirt, worin dieſer ihn mit Waͤrme als ſeinen Freund empfiehlt und andeutet, daß er ungluͤcklich geweſen ſey. Folgendes iſt der Brief: „Mein theurer Sohn, „Diego Mendez ging am Montag den dritten dieſes Monats von hier weg. Nach ſeiner Abreiſe ſprach ich mit Amerigo Vespucci, dem Ueberbringer dieſes Briefes, welcher in Schiffahrts⸗Angelegenheiten dorthin(an Hof) geht. Das Gluͤck war ihm unguͤnſtig, wie ſo manchem Andern. Seine Anſtrengungen haben ihm nicht ſo viel eingetragen, als ſie billiger Weiſe geſollt haͤtten. Er kommt in meinem Auf⸗ trage und mit dem lebhaften Verlangen, etwas fuͤr mich zu thun, wenn es in ſeiner Macht ſteht. Ich kann hier nicht beſtimmen, was er uͤbernehmen koͤnnte, um mir nuͤtz⸗ lich zu ſeyn, denn ich weiß nicht, was die umſtaͤnde dort erheiſchen. Er kommt mit dem feſten Vorſatz, alles, was — in ſeinen Kraͤften ſteht, fuͤr mich zu thun. Sieh zu, worin er helfen kann und leiſte ihm Beiſtand, damit er alles ſage und thue, und ſeine Plaͤne in Au fuͤhrung bringe; aber macht alles insgeheim ab, damit man gegen ihn keinen Argwohn ſchoͤpfe. Ich habe ihm alles geſagt, was ich uͤber dieſe Angelegenheit ſagen kann, und habe ihn von der Be⸗ zahlung unterrichtet, die ich empfangen habe, und von dem, was zu entrichten iſt 2c.“*) *) Navarrete collect. Viag. t. 1. p. 351. — 83— Um dieſe Zeit erhielt Amerigo Vespucci von Koͤnig Ferdinand das Indigenat und kurz darauf wurde er und Pinzon zu Kapitainen einer Armada ernannt, welche auf den Gewuͤrzhandel und auf Entdeckungen ausgehen ſollte. Es exiſtirt eine koͤnigliche Ordonnanz, datirt Toro den 11. April 1505 zur Zahlung von 12000 Maravedi's als Aus⸗ ſtattung fuͤr„Amerigo de Vespuche, Einwohner von Se⸗ villa.“ Man traf Vorbereitungen zu dieſer Reiſe und ſchaffte Schiffe und Vorraͤthe an, aber dann wurde der Plan wieder aufgegeben. Wir beſitzen Notizen daruͤber von den Jahren 1505, 1507 und 1508, aus welchen hervorgeht, daß Amerigo Vespucci in Sevilla blieb, und auf die ſchwan⸗ kende Angelegenheit der Expedition harrte, bis die Es⸗ kadre eine andere Beſtimmung erhielt, ihre Ausruͤſtung ihnen verguͤtet und die Rechnungen berichtigt wurden. Waͤhrend dieſer Zeit genoß er einen Gehalt von 30,000 Maravedi's. Am 22,. Maͤrz 1508 bekam er eine Anſtellung als Ober⸗Pilote mit einem Gehalt von 75 000 Maravedus. Seine Hauptgeſchaͤfte waren, Karten fertigen zu laſſen, Steuermaͤnner zu examiniren, Aufſicht uͤber die Ausruͤſtun⸗ gen der Expeditionen zu fuͤhren und die Reiſeroute vorzu⸗ ſchreiben, welche die Schiffe nach der neuen Welt nehmen ſollten. Er ſcheint in Sevilla anſaͤßig geblieben zu ſeyn und ſeinen Dienſt bis zu ſeinem Tode, den 22. Februar 1512 verwaltet zu haben. Seine Wittwe, Maria Corezo, erhielt eine Penſion von 10,000 Maravedi's. Nach ſeinem Tode wurde ſein Neffe Juan Vespueci zum Ober⸗Plloten ernannt und trat vom 22, Mai in einen Gehalt von 20000 — 84— Maravedi's. Peter Martyr ſpricht mit großem Intereſſe von dem jungen Mann.„Der junge Vesputius iſt ein Mann, dem Americus Vesputius, ſein Oheim, die rechten Kenntniſſe eines Nautikers gerade wie durch eine Erbſchaft nach ſeinem Tode hinterließ, denn er war ein wahrer er⸗ probter Miiſter in der Kenntniß ſeiner Karte, ſeines Com⸗ paſſes und der Meſſung des Polarſternb mit dem Qua⸗ dranten..... Vespucci iſt mein ganz genauer Freund und ein witziger junger Mann, am deſſen Umgang ich großen Gekallen habe, und den ich daher oft zu Gaſt lade; er hat auch vien Reiſen an dieſen Kuͤſten gemacht und die Dinge, Walche es geſehen, genau aufnotirt.⸗* 1 Vespucei der Neffe behielt dieſe Stelle ſo lange Fon⸗ ſeca lebte, welcher der Beſchuͤtzer ſeines Oheims und ſeiner 3 Familie war. Er verlor kurz nach dem Tode dieſes Biſchofs ſeinen Gehalt und ſeine Anſtellung durch einen Rathsbe⸗ ſchluß vom 18. Maͤrz 1525. Seitdem kommt ſein Name in den Archioen von Indien nicht weiter vor. ieß iſt eine kurze Ueberſicht der Laufbahn des Amerigo Vespucci. Es iſt nur noch uͤbrig, die ſtreitigen Puncte ſeines Lebens zu eroͤrtern. Kurz nach ſeiner Ruͤckkehr von der letzten Erpedition, die er nach Braſilien unternahm, ſchrieb er einen Brief von Liſſahon, am 4. September 1504, worin er eine Ueberſicht aller ſeiner Reiſen gibt. Dieſer Brief iſt von beſonderer Wichtigkeit fuͤr die Unter⸗ ſuchung jener Thatſachen, da es der einzige iſt⸗ welcher —— *) P. Martyr decad. III, I. 5. — 65— die beſtrittene Reiſe erzaͤhlt, die ihn zum Entdecker des Feſtlandes machen ſollte. Er iſt in lateiniſcher Sprache geſchriehen geweſen und an René, Herzog von Lothringen gerichtet, welcher den Titel Koͤnig von Sicilien und Jeru⸗ ſalem annahm. Der fruͤheſte Abdruck dieſes Briefes erſchien im Jahr 1507 in lateiniſcher Sprache in St. Diez in Lothringen. Eine Abſchrift davon iſt in der vaticaniſchen Bibliothek (Nr. 9688) von dem Abbate Cancellieri gefunden worden. Bei der Abfaſſung dieſer Erlaͤuterung iſt ein Abdruck dieſes Briefes benutzt worden, der in dem Novus Orbis von Grinaͤus, Baſel 1532, ſteht. Das Schreiben enthaͤlt eine lebendige Beſchreibung der vier Reiſen, welche er nach der neuen Welt gemacht zu haben verſichert. In der Einlei⸗ tung entſchuldigt er ſich uͤber die Dreiſtigkeit, es an Koͤnig Renè gerichtet zu haben, indem er ihm ihre alte Jugend⸗ ſreundſchaft ins Gedaͤchtniß ruft, als ſie unter ſeinem vä⸗ terlichen Oheim die Elemente der Wiſſenſchaften zuſammen betrieben, und ſetzt hinzu, wenn die gegenwaͤrtige Erzaͤh⸗ lung Seiner Majeſtaͤt nicht ganz gefallen ſollte, ſo koͤnne er ſich nur der Worte des Plinius an Maͤcenas bedienen: „daß er vormals ſich mit ſeinen Taͤndeleien zu unterhalten gewohnt geweſen ſey.“ In der Einleitung zu dieſem Briefe benachrichtigt er René, daß Handelsangelegenheiten ihn nach Spanien ge⸗ fuͤhrt und daß er dort alle die Gluͤckswechſel erfahren, die dieſen Geſchaͤften folgen, und veranlaßt worden, dieſe Lauf⸗ bahn aufzugeben, und ſeine Bemuͤhungen auf Gegenſtaͤnde von elner hoͤheren und beſtaͤndigeren Natur zu richten. Er hatte den Vorſatz gefaßt, mehrere Welitheile zu beſuchen und ihre Wunder kennen zu lernen. Zu dieſem Gegen⸗ ſtande ſeyen Zeit und Ort guͤnſtig geweſen; denn Koͤnig Ferdinand habe gerade vier Schiffe zu der Entdeckung neuer Laͤnder im Weſten ausruͤſten laſſen und ihn unter die Zahl derer geſetzt, welche der Expedition beiwohnen ſollten.„Wir fuhren,“ ſetzt er hinzu,„am 20. Mai 1497 aus dem Hafen von Cadix ab, und nahmen unſern Lauf nach dem großen Weltmeere; auf dieſer Reiſe brachten wir achtzehn Monate zu, entdeckten viele Laͤnder und unzaͤhlige Inſeln, groͤßtentheils unbeohnt, dem Alterthum unbekannt.“⸗ Eine Abſchrift dieſes Briefes ſcheint zu derſelben Zeit (wie man ſagt in italieniſcher Sprache) an Piere Sodwinf, nachmals Gonfaloniere von Florenz, abgeſandt worden zu ſeyn; er erſchien einige Jahre ſpaͤter, und zwar erſt im Jahre 1510, in Italien unter dem Titel:„Lettera de Amerigo Vespucci, delle Isole nuevamente trovate in quatro suoi viaggi.“ Wir haben die italieniſche Verſion dieſes Briefes benutzt, wie ſie der ſchon erwäͤhnte Stanis⸗ laus Canovai mittheilt. Ein italieniſcher Schrifiſteller wollte behaupten, Ves⸗ pucci habe dieſen Brief nur an Soderini gerichtet, und die Adreſſe ſey durch Schmeichelei oder Mißverſtehen des loth⸗ ringiſchen Herausgebers an den Koͤnig René umgezndert worden, ohne zu merken, wie wenig die Beziehung auf fruͤhere Vertraulichkeit mit Soderini fuür einen Regenten paſſen koͤnne. Derjenige, der dieſe Bemerkung machte, kann kaum die Einleitung in der lateiniſchen Ausgabe ge⸗ leſen haben, wo der Titel„Ew. Majeſtaͤt“ oͤfters wieder⸗ holt wird und auch der Ausdruck,„ Durchlauchtigſter Koͤnig“ vorkommt, Der Brief war zuerſt in Lothringen, der Herrſchaft Renés, gedruckt, und der Herausgeber haͤtte es ſich doch wahrſcheinlich nicht erlaube, ſich dieſe Freiheit mit dem Namen ſeines Souverains zu nehmen. Es iſt die Frage, ob Vespucci denſelben Brief an den Koͤnig René und an Piere Soderini zugleich richtete, da beide mit ihm erzogen worden waren, oder ob er eine Abſchrift deſſelben an Soderini ſandte, welche nachher ihren Weg zum Druck fand. Die Adreſſe an Soderini mag durch Mißverſtaͤndniß des italieniſchen Herausgebers hingeſetzt worden ſeyn. Keinen der Drucke konnte Vespucci ſelber einſehen.. Die in dieſem Briefe als im Jahre 1497 genannte Reiſe iſt der große Punkt der Controverſe. Es wird feſt verſichert, daß keine ſolche Reiſe ſtatt hatte und die erſte Reiſe des Vespucei nach der Kuͤſte von Paria in der unter Ojeda im Jahre 1499 auslaufenden Expedition geweſen ſey. Man hat die Schiffs⸗Journale der Armada, welche in den indiſchen Archiven zu Sevilla exiſtiren, genau durch⸗ ſucht, aber es hat ſich keine Vormerkung einer ſolchen Reiſe, noch irgend eine offentliche Urkunde daruͤber zeigen wollen. Die, welche in den Angelegenheiten der ſpaniſchen Colo⸗ nien am meiſten bewandert ſind, verſichern, es haͤtte kein Commando, wie das von Vespucci behauptete, einem Frem⸗ den gegeben werden koͤnnen, er habe denn zuvor von den — 88— Souveralnen das Indigenat des Koͤnigreichs Caſtilte er⸗: halten, und dieſes erhielt er erſt im Jahr 1505, wo es ihm als Vorlaͤufer des ihm an der Seite Pinzons anver⸗ trauten Commando's gegeben wurde. Sein Bericht von jener Reiſe, die er im Jahre 1497 gemacht haben ſollte, iſt daher als eine Erdichtung ange⸗ ſehen worden, welche den Zweck gihabt, die Entdeckung Paria's ſich anzueignen, oder vielmehr wird behauptet, er habe die Reiſe, welche er wirklich mit Ojeda im Jahre 1499 machte, in zwei Fahrten getheilt, dabei eine Anzahl von Ereigniſſen ſeiner wirklichen Reiſe genommen, ſie ein 5 wenig veraͤndert und mit Beſchreibungen der Laͤnder und Voͤlker vermehrt, ſo daß es eine ganz wahrſcheinliche Er⸗ zaͤhlung von einer beſonderen Reiſe gegeben, und ſeine Ab⸗ reiſe auf 1497 voraus datirt, um dadurch als der erſte 3 Entdecker von Paria zu erſcheinen. Um dieſe Beſchuldigung zu beſtaͤtigen, hat man ver⸗ ſchiedene äͤhnliche Umſtaͤnde zwiſchen ſeiner angeblich im Jahre 1497 und der nach ſeinem erſten Briefe an Lorenzo de Medici im Jahre 1499 ſtattgefundenen Fahrt her⸗ ausgehoben. Dieſe Aehnlichkeiten betreffen die beſuchten Orte, den Verkehr und die Gefechte mit den Eingebornen und die Anzahl der Indianer, die ſie nach Spanien ge⸗ bracht und als Selaven verkauft haͤtten. Aber die Glaubwuͤrdigkeit dieſer Reiſe mußte noch eine haͤrtere Probe beſtehen. um das Jahr 1508 wurde gegen die ſpaniſche Krone von Don Diego, Sohn und Erben des Columbus, wegen des Goubernements gewiſſer Theile des 2 — 89— Feſtlandes und wegen eines Antheils an den daraus er⸗ wachſenen Revenuͤen, nach der Vereinbarung zwiſchen den Souverainen und ſeinem Vater, ein Proceß gefuͤhrt. Es war Sache der Krone, dem Columbus den Gegenbeweis zu fuͤhren, daß er die Kuͤſte von Paria und die Perleninſeln nicht entdeckt habe; denn wenn er ſie nicht entdeckt hatte, ſo waren die darauf bezuͤgigen Anſpruͤche ſeines Erben von keiner Kraft. Im Laufe dieſes Proceſſes fanden beſondere Zeugenver⸗ hoͤre im Jahr 1512 und 13 am Fiscal⸗Gerichtshofe ſtatt. Alonzo de Ojeda und nahe an hundert andere Leute wur⸗ den eidlich vernommen; dieſer Reiſende war der erſte ge⸗ weſen, welcher die Kuͤſte von Paria beſucht, nachdem Co⸗ lumbus ſie verlaſſen hatte, und zwar wenige Monate darauf. Die Ausſagen dieſer Zeugen exiſtiren noch in den Archiven von Indien und Sevilla unter den Acten, welche den Admiral Don Luis Colon betreffen, und bilden einen Theil der Proceß⸗Verhandlungen uͤber die Erhaltung ſeiner Privilegien, vom Jahre 1515 bis zum Jahre 1564. Der Verfaſſer des gegenwaͤrtigen Werkes hat zwei verſchiedene Abſchriften dieſer Zeugenverhoͤre vor ſich, die eine von dem verſtorbenen Hiſtoriker Munjos, und die andere vom Jahr 1826, von Don Tote de la Higuera y Lara, General⸗ Archivar von Indien in Sevilla unterzeichnet. Aus dieſen Zeugniſſen geht die Thatſache, daß Amerigo Vespucci den Oieda auf dieſer Reiſe von 1499 begleitet, klar hervor; zuerſt aus der Ausſage Ojeda's ſelbſt. Folgendes ſind die Worte ſeiner Depoſition.„Zu dieſer Reiſe, welche der — 90— genannte Zeuge machte, nahm er Juan de la Coſa und Morigo Vespuche(Amerigo Vespucci) und andere Steuer⸗ maͤnner mit.*)— Ein anderes Argument hat man aus der Aehnlichkeit vieler Theile der Erzaͤhlung des Vespucci mit Ereigniſſen dieſer Reiſe des Ojeda entnommen. Unter dieſen Aehnlichkeiten iſt eine beſonders auffallend. Vespucci ſagt in ſeinem Briefe an Lorenzo der Medici und auch in dem an René oder Soderini, daß ſein Schiff, nachdem es die Terra Firma verlaſſen, ſich bei Hispaniola aufgehalten habe, wo es ungefaͤhr zwei und einen halben Monat ge⸗ blieben und nach Vorraͤthen ausgegangen ſey; in dieſer Zeit, bemerkt er, hatten wir viele Gefahren und Bedraͤng⸗ niſſe von den Chriſten ſelbſt, die mit Columbus auf dieſer Inſel waren, zu erdulden(und ich glaube, aus Neid).**) Nun iſt es ſehr wohl bekannt, daß Ojeda eine Zeit lang an der oͤſtlichen Seite der Inſel zubrachte, um ſeine Schiffe mit Lebensmitteln zu verſehen, und daß zwiſchen ihm und den Spaniern an jenen Orten ernſthafte Zwiſtigkeiten aus⸗ *) En este viage que este dicho tesrigo hizo trujo consigo a Juan de la Cosa piloto Morigo Ves- Pache e otros pilotos **) Por la necessità del mantenimiento fummo all' Isola d'Antiglia(Hispaniola) che a questa che discoperse Christoval Colombo piu anni faà, dove facemmo molto mantenimiento e stemmô due mesi e 17 giorni, dove passammo molti pericoli e travagli con li medesimi Christiani que in questo isola stavanno col Colombo(eredo per invidia)— Brief des Vespucei. Abdruck bei Canovai, * — 1— brachen und ein Trupp, unter Anfuͤhrung Roldans, von Columbus ausgeſandt wurde, der auf ſeine Bewegungen acht haben mußte. Wenn denn Vespucci, wie eidlich er⸗ haͤrtet iſt, den Ojeda wirklich auf dieſer Reiſe begleitete, ſo draͤngt ſich der Schluß auf, daß er die Reiſe vorher, im Jahre 1497 nicht gemacht habe. Denn das Factum haͤtte dem Ojeda doch b⸗kannt ſeyn muͤſſen; er wuͤrde den Ves⸗ pucci fuͤr den erſten Entdecker erkannt haben und gewiß keinen Grund gehabt haben, ihn einer Ehre zu berauben, die er dem Columbus zuerkannte, mit welchem er auf gar keinem freundſchaftlichen Fuße ſtand.— Ojeda erklaͤrt jedoch ausdruͤcklich, die Kuͤſte ſey von Co⸗ lumbus entdeckt worden. Auf die Frage, wie er dieſe Sache wiſſen koͤnne, artwortete er, weil er die Karte des entdeckten Landes geſehen, welche Columbus damals dem Koͤnig und der Koͤnigin geſandt habe, und weil er unmit⸗ telbar darauf eine Entdeckungsreiſe gemacht und gefunden habe, daß das, was Columbus dort als entdeckt verzeich⸗ net, ſich ſo verhalte.*) Ein anderer Zeuge, Bernaldo de Haro, ſagte aus, er *)„Preguntado como lo sabe, dijo, que lo sabe porque vio este testigo la ſigura que el dicho Almirante al dicho tiempo embio a Castilla al Rey e Reina nuestros Senjores de lo que habia discubierto y porque este testigo luego vinoa descubrir y hallo que era verdad lo que dicho tiene que el dicho Almirante discubrio.“ Mſpt⸗ Prozeßakten des Diego Colon, pregunta 2. — 92— ſey mit dem Admiral geweſen und habe fuͤr denſelben einen Brief an den Koͤnig und die Koͤnigin geſchrieben(oder vielmehr abgeſchrieben), worin er mit Beilegung einer Karte die Fahrt, auf welcher er nach Parfa gekommen, beſchrieben haͤtte; und der Zeuge habe gehoͤrt, daß nach dieſer Karte andere verfertigt worden und Pedro Alonzo Ninjo und Ojeda und Andere, welche ſeitdem dieſe Gegenden be⸗ ſucht, nach derſelben Karte geſegelt waͤren.*)— Francisco de Morales, einer der beſten und glaubwur⸗ digſten Steuermaͤnner, bezeugte, daß er eine Seekarte ge⸗ N ſehen, die Columbus von der Kuͤſte von Paria entworfen, und er glaube, daß alle nach ihr geſchifft ſeyen. Viele in dieſem Proceß verhoͤrte Zeugen betheuerten die Thatſache, daß Paria von Columbus zuerſt entdeckt wor⸗ den ſey. Las Caſas, welcher ſich die Muͤhe gab, fie zu zaͤhlen, ſagt, das Factum ſey durch fuͤnfundzwanzig Augen⸗ zeugen und durch ſechzig Ohrenzeugen feſtgeſtellt worden. *)„Este testigo escribio una carta que el Al- mirante escriviera a el Rey e Reina N. N. 8. S. haciendo, les saber las perlas e cosas que habia hallado, y le embio segnalado con la dicha carta in una carta de marear, los rumbos e vientos pr. donde habia Ilegato a la Paria, e que este testigo oyo decir commo pr. aquella carta se havian hecho otras 6 pr ellas havian venido Pedro Alonso Merino(Ninjo) e Ojeda, e otros que despues han ido a aquellas partes.“ Miſpr. Pro⸗ ceßgeten des, Diego, pregunta 9, 4 „— 93— Viele von ihnen gaben auch an, daß die Kuͤſte ſuͤdlich von Paria und die ſich weſtlich nach der Inſel Margarita bis nach Venezuela erſtrecke, welche Vespucci im Jahre 1497 entdeckt haben ſollte, damals zuerſt von Ojeda entdeckt wurde, und nie zuvor, weder von dem Admiral,„noch von irgend einem Chriſten“ beſucht worden ſey. Alonzo Sanch⸗z de Carvajal ſagt, alle Entdeckungs⸗ reiſen, welche man nach der Terra Firma unternommen habe, ſeyen von Perſonen unternommen worden, welche mit dem Admiral geſegelt oder durch ſeine Inſtructionen und Anweiſungen im Stande geweſen waͤren, dem von ihm dargelegten Laufe zu folgen,“) und daſſelbe wurde von vielen andern Piloten und Seeleuten von Ruf und Er⸗ fahrung bezeugt. Es muͤßte ein ſonderbarer Zufall geweſen ſeyn, daß von den Zeugen, deren viele bei demſelben Geſchwader mit Ves⸗ pucci, im Jahre 1499, gedient haben mußten, keiner etwas davon gewußt haͤtte, daß er dieſe Kuͤſte zwei Jahre vorher entdeckt und ausgekundſchaftet haben ſollte. War dieſes wirklich der Fall, welchen Grund konnte er haben, das *)„Oue en todos los vioges que algunos hicieron discubriendo en la dicha tierra que ovieron na- vegado con el dicho Almirante y a ellos mostro muchas cosas de marear, y ellôs por imitacion e industria del dicho Almirante las aprendian y aprendieron e seguendo ago, due el dicho Al- mirante los habid mostrado, hicieron los viages que descubrieron en la Tierra Firme.“ Proceß⸗- geten, preguntada 10. Faclum zu verhelmlichen? und warum follten ſie es nicht geſagt haben, wenn ſie es wußten. Vespucci erzaͤhlt, er habe ſeine Reiſe im Jahr 1497 mit vier Caravelen ge⸗ macht; ſte ſeyen im October 1498 zuruͤckgekehrt, und dann habe er wieder mit zwei Caravelen im Mai 1499(die Zeit der Abſahrt Ojeda's) die Fahrt gemacht. Viele von den Seeleuten mußten doch wohl auf beiden Fahrten mitgeweſen ſeyn. Warum haͤtten auch Ojeda und die Anderen ſich von den Karten des Columbus fuͤhren laſſen, wenn ſie einen Mann an Bord hatten, der in den nautiſchen Wiſſen⸗ ſchaften ſo bewandert und aus ſeiner eigenen ganz friſchen Erfahrung mit der Kuͤſte beſtens bekannt war? Doch bei keinem der Piloten kommt ein Wort von der Reiſe und Entdeckung des Vespucci vor, obgleich alle andere See⸗ fahrer und Entdecker von ihnen genannt werden; auch er⸗ ſcheint kein einziger Seemann, der ihn auf jener angeblichen Reiſe begleitet haben will. 4 Ein anderer ſchlagender Umſtand, der ſich gegen die Wirklichkeit dieſer Reiſe erhebt, iſt, daß das angebliche Factum in dieſem Proceß nicht vorgebracht wurde, um die Anſpruͤche der Erben des Columbus zu vernichten. Ves⸗ pucci bemerkt, die Reiſe ſey unter Mitwiſſen und Geneh⸗ migung des Koͤnigs Ferdinand geſchehen; ſie muß alſo oͤffent⸗ lich ſanctionirt und bekannt geweſen ſeyn. Vespucei wohnte im Jahre 1508, wo dieſer Proceß anfing, und noch vier Jahre nachher als beſoldeter Staatsbeamter in Sevilla. Viele von den Piloten und Matroſen, die bei dieſen an⸗ — 95— geblichen Expeditionen mitgeweſen ſeyn ſollten, mußten bei der Hand ſeyn. War dieſe Reiſe einmal außer Zweifel geſtellt, ſo mußte ſie den Proc⸗ß, ſo weit derſelbe die Kuͤſte von Paria anging, ſogleich zu Gunſten der Krone been⸗ digen. Aber es ſcheint dem Verpucci, ſo lange er lebte, nicht einmal ein Zeugniß abgenommen worden zu ſeyn, und als der Fiscalgerichtshof im Jahre 1512— 13 die Fragsſtuͤcke vorlegte, erſch'en keiner ſeiner Seeleute, um fuͤr ihn Zeugniß abzulegen. Einer ſolchen in ihrer Natur ſo wichtigen und fuͤr die beſtrittene Thatſache ſo weſentlichen Reiſe wird nicht einmal entfernt erwaͤhnt, waͤhrend man ſich die vergebliche Muͤhe gab, den Beweis von der Reiſe des Ojeda zu fuͤhren, welche zu einer ſpaͤteren Zeit unter⸗ nommen wurde. Es iſt ein bemerkenswerther Umſtand, daß Vespueci ſeinen erſten Brief an Lorenzo de' Medieis im Jahre 1500 in dem erſten Monat nach ſeiner Ruͤckkehr von der wirk⸗ lich nach Paria unternommenen Reiſe beginnt und ſich uͤber ſein langes Stillſchweigen entſchuldigt, indem er ſagt, es habe ſich fruͤher nichts merkwuͤrdiges ereignet(„e gran tempo die non ho scritto a vostra magnificenza, e non lo ha causata altra cosa nessuna, salvo non mi essere accorso cosa degna di memoria“), und faͤhrt dann mit Ungeduld fort, ihm die Wunder zu beſchreiben, die er auf der Fahrt geſehen, von welcher er ſoeben zu⸗ ruͤckkomme. Es waͤre doch eine ſonderbare Vergeſſenheit, zu ſagen, es habe ſich nichts Merkwuͤrdiges ereignet, wenn — 96— er zuvor in den Jahren 1497— 98 eine Reiſe von acht⸗ zehn Monaten nach der neuen Welt gemacht haͤtte, und es waͤre faſt eben ſo ſeltſam, daß er im Verlaufe ſeines Briefes auch nicht das Mindeſte davon erwaͤhnt haͤtte. 2 Der Verfaſſer hat ſich bemüht, die Frage leidenſchafts⸗ los zu unterſuchen. Nachdem er die auf beiden Seiten vorgebrachten Angaben und Gruͤnde in Erwaͤgung gezogen, kann er der Ueberzeugung nicht widerſtehen, daß die im Jahr 1497 gemacht ſeyn ſollende Reiſe nicht ſtatt fand, und daß Vespucci keinen Anſpruch darauf hat, der erſte Entdecker der Kuͤſte von Paria zu heißen. Die Frage wird durch die Schwierigkeit, einer ſo gro⸗ ben Unwahrheit genuͤgende Motive unterzulegen, ſehr ver⸗ wirrend. Wie Vespucci jenen Brief ſchrieb, waltete kein Zweifel mehr ob, daß Columbus auf feiner erſten Reiſe das Feſtland entdeckt habe; denn Cuba ſah man ſtets fuͤr das aͤußerſte Ende Aſiens an, bis es im Jahre 1508 um⸗ ſchifft wurde. Vespucci mag Braſilien, Paria und die uͤbrigen Theile dieſer Kuͤſte für Theile eines abgeſonderten Feſtlandes gehalten haben und erpicht geweſen ſeyn, ſich den Ruhm ihrer Entdeckung zuzueignen. Es iſt behauptet worden, daß er nach ſeiner Ruͤckkehr von der Reiſe nach Braſilien eine Seekarte entworfen, worin er dieſem Theile des Feſtlandes ſeinen Namen gegeben häͤtte; aber dieſe Be⸗ hauptung iſt nſcht gehoͤrig erwieſen. Es ſcheint vielmehr, daß ſein Name jenem Theile des Continents von Anderen gegeben wurde, als ein Tribut, den man ſeinem vermeint⸗ —-— 97— ichen Verdienſt gebracht, indem man ſeine eigene Ver⸗ ſicherung von der Reiſe blindlings angenommen hatte.*) Es iſt ſonderbar, daß Fernando, der Sohn des Co⸗ kumbus, in der Lebensbeſchreibung ſeines Vaters, keine Be⸗ ſchuldigung gegen Vespucci vorbringt, daß er den Admiral um dieſe Entdeckung habe bringen wolle. Herrera iſt als der erſte genannt worden, der die Anklage vorbrachte, und zwar in ſeiner Geſchichte Indiens, welche zuerſt im Jahre 1601 erſchien; er hat deßhalb von den Anwaͤlten des Ves⸗ pucci ſcharfe Zurechtweiſung erfahren muͤſſen, als ob er dieſe Behauptung ſo in den Wind gemacht haͤtte. Aber Herrera fchoͤpfte nur aus dem, was er bei Las Caſas ge⸗ ſchrieben fand, welcher die Verhandlungen des fiskaliſchen Gerichtshofs vor ſich liegen hatte und ſich uͤber Vespucci ſehr entruͤſtete, daß er ſich einen ſo großen Betrug habe zu ſchulden kommen laſſen. 4 Man hat angefuͤhrt, Vespucci habe zu dieſer Betruͤgerei in einem Zeitpuacte ſeine Zuflucht genommen, als er in dem Colonial⸗Dienſte von Spanien eine Anſtellung ge⸗ ſucht; er habe es gethan, um den Biſchof Forſeca zu ver⸗ *) Die erſte Idee zu dem Namen ſcheint in dem bereits eitirten lateiniſchen Werke, welches in St. Dies in Lothringen im Jahr 1507 erſchien und worin der Brief des Vespueci an König René enthalten war, gegeben worden zu ſeyn. Nachdem der Autor von den anderen Welttheilen Aſta, Afrika und Europa geſprochen, empftehlt er für den vierten den Namen Amerige oder Amerika, nach Vespucei, den er für den Entdecker hielt. Irving's Columbus, 10—12, 7 — 98— ſoͤhnen, welcher ſehr begierig war auf alles, was die In⸗ tereſſen des Columbus beeintraͤchtigen konnte. Zur Beſtaͤr⸗ kung in dieſer Meinung wird die Protection angefuͤhrt, welche Vespurei und ſeine Familie ſtets bei Fonſeca genoſſen. Dieß iſt jedoch kein zureichender Grund, da es ſich nirgends zeigt, daß der Biſchof je Gebrauch von einer ſolchen Er⸗ findung machte. Vielleicht decken ſich noch andere Umſtaͤnde auf, aus welchen ſich dieſes falſche Vorgeben erklaͤren ließe, ohne der Wahrheitsliebe des Vespucei zu nahe zu treten⸗ Es mag am Ende der Schnitzer eines Herausgebers oder — die Einſchaltung eines Buchmachers geweſen ſeyn, der, wie in dem Falle Trivigiani's mit den Manuſeripten des Peter Martyr, darauf ausging, zerſtuͤckelte Materialien zuſam⸗ menzufuͤgen und ein Werk zu fabriciren, welches der herr⸗ ſchenden Neigung des Tages ſchmeichelte. In den verſchiedenen Editionen der Briefe des Ves⸗ pucei finden ſich die groͤßten Abweichungen und Widerſpruͤche in den Datis, offenbare Verſehen der fluͤchtigen und ſorg⸗ loſen Herausgeber. Einige derſelben ſind von neueren Au⸗ toren kritiſch berichtigt worden, indem ſie dieſe Briefe in ihre Werke einverleibten.*) Derſelbe Mangel an Genauig⸗ *) Ein Beiſpiel eines ſolchen Irrthums mag hier aus dem Abdruck des Briefes an Koͤnig René, in dem Novus Orbis des Grinageus vom Jahre 1582, Platz finden. Hier ſagt Vespueei, er ſey am 20.Mai MCCCCXCVII (1497) von Cadix abgeſegelt, achtzehn Monate abwefend geweſen und am 15. Oetober MCCCCXCIX(149⁰) nach Sadir zurückgekehrt, welches eine Abweſenbeit von neun keit, der zu dieſen Schnitzern führte, hat vielleicht zur Ein⸗ ſchaltung dieſer Reiſe gefuͤhrt, die aus den Briefen des Vespucci und den Berichten anderer Reiſenden herausge⸗ klaubt worden. Dieſes wird bloß als eine Moͤglichkeit hin⸗ ſtellt, um ſich zu erklaͤren, was eine ſo offenbare Erdich⸗ tung veranlaßt haben koͤnnte, die wir ungern einem Manne von ſo geſundem Sinn, von ſolchem Charakter und von ſo anerkanntem Rufe wie Vespueci zuſchreiben wuͤrden. Am Ende iſt es mehr eine Sache der Curioſität als von wahrer Wicht’gkeit, wiewohl es einer jener verwirren⸗ den Puncte iſt, wobei ernſthafte Maͤnner fortfahren, dick⸗ lelbige Buͤcher zu ſchreiben, bis der Gegenſtand durch den Berg von Controverſen, der auf ihn gehaͤuft wird, eine er⸗ dichtete Wichtigkeit erhalt. Es iſt eine öͤrtliche Ehrenſache der Literati's von Florenz geworden und ſie wetteifern einer mit dem andern in patriotiſchem Eifer, um den Ruhm ihres ausgezeichneten Landsmannes zu erhalten. Dieſer Eifer iſt ehrenwerth, wenn er in ſeinen Graͤnzen bleibt, aber es iſt zu bedauern, daß einige unter ihnen ſich in dieſen Strei⸗ und zwanzig Monaten geben würde. Er nennt als Tag ſeiner Abreiſe von Cadix auf ſeine zweite Fahrt Sonntag den 11. Mai MCCCCLXXXIX(1489) wodurch ſeine zweite Reiſe der erſten um acht Jahre vorſpringen würde. Wenn wir 1499 für 1489 leſen, ſo wird ſeine Abreiſe auf ſeine zweite Fahrt immer noch feiner Ruͤckkehr von der erſten um fünf Monate vorgus⸗ gehen. Canovai hat in ſeinem Abdruck das Datum ſener erſten Rückkehr in 1498 verändert, um die Reiſe auf achtzehn Monate veſch ränken zu können, 7* — 100— tigkeiten ſo ſehr erhitzt haben, daß ſie ſelbſt gegen das An⸗ denken des Columbus in Zorn entbrannt ſind und geſucht haben, ſeinen Ruhm im Allgemeinen anzugreifen, als ob aus der Vernichtung deſſelben dem Ruhme des Vespucei ir⸗ gend etwas zuwuͤchſe. Dieß erweckt Mißtrauen gegen ihre Urtheilskraft und gute Geſinnung; es ſchadet ihrer Sache und verletzt die Gefuͤhle der Menſchheit, welche nicht gleich⸗ guͤltig zuſehen kann, wenn ein Name, wie der des Co⸗ lumbus, raſch oder unbeſonnen im Laufe ſolcher literariſchen Fehden angefeindet wird. Es iſt ein Name, welchen die Geſchichte geheiligt hat; er iſt nicht mehr das Eigenthum einer Stadt oder eines Staates oder einer Nation, ſon⸗ dern der ganzen Welt. Auch koͤnnen die, welche den rechten Sinn fuͤr die Ver⸗ dienſte des Columbus haben, nicht den kleinſten Theil ſeines Ruhmes dem Ausgange dieſes minderwichtigen Streites an⸗ heimgeben. Ob er der erſte Entdecker Paria's war oter nicht, iſt eine Frage, die ſeine Erben intereſſirte, inſofern als ein Antheil an der Regierung und dem Ertrage dieſes Landes davon abhing, aber fuͤr ſeinen Ruhm iſt ſie von keiner Bedeutung. Aller Wahrſcheinlichkeit nach war der Europaͤer, welcher zuerſt das Feſtland der neuen Welt er⸗ reichte, Sebaſtian Cabot, ein geborner Venetianer, der in Dienſten von England ſchiffte. Im Jahre 1497 befuhr er die Kuͤſten von Labrador bis nach Florida] aber weder die Venetianer, noch die Englaͤnder haben deßhalb irgend einen Anſpruch erhoben. Das leuchtende Verdienſt des Columbus umfaßt die Entdeckung der ganzen weſtlichen Welt; Andere — 4101— moͤgen ſich in's Einzelne theilen. Gegen ihn iſt Vespucci nur ein untergeordneter Entdecker, gleichwie Janjes Pinzon, Ba⸗ ſtides, Djeda, Cabot und der ganze Schwarm, welcher ſeinen Spuren folgte. Als Columbus die erſte Küſte der weſtlichen Halbkugel erreicht hatte, war ſein großes Unter⸗ nehmen ſchon vollbracht, er hatte alles gethan, was für ſeinen Ruhm noͤthig war: das große Problem war geloͤſt, die neue Welt gefunden. „ Nr. X. Martin Alonzo Pinzon. Im Laufe des Proceſſes vor dem Fiscal⸗Gerichtshofe zwiſchen Don Diego und der Krone wurde ein ſchwacher Verſuch gemacht, das Verdienſt des Columbus zu verklei⸗ nern, und den Erfolg der großen Unternehmung ſeiner Entdeckung der Einſicht und dem Muthe des Martin Alonzo Pinzon zuzuſchreiben. Arias Perez Pinzon, Sohn des Martin Alonzo er⸗ klaͤrte,„als er einmal mit ſeinem Vater in vandelsge⸗ ſchaͤften, vor dem Zeitpunete der Entdeckung, in Rom ge⸗ weſen, haͤtten ſie oͤftere unterredungen mit einem in der — — — 102— Cosmographie ſehr bewanderten Gelehrten gehabt, der in Dienſten des Papſtes Innocens VIII. geſtanden und ihnen in der Bibliothek des Papſtes viele Manuſeripte gezeigt, aus deren einem ſein Vater die Kunde von den neuen Laͤn⸗ dern erhalten habe; es ſey eine Stelle bei einem Hiſtoriker von Salomo's Zeit geweſen, wo es heiße:„Schiffe durch das mittelaͤndiſche Meer nach dem Ende von Spanien, und von da nach Sonnenuntergang in einer Richtung zwiſchen Norden und Suͤden, bis zur Entfernung von fünf und neunzig Graden; dort wirſt du das Land Cipango finden, fruchtbar und voll Ueberfluß und an Groͤße Afrika und Europa gleich.,„Eine Abſchrift dieſes Documentes,“ ſetzte er hinzu,„habe ſein Vater von Rom mitg⸗bracht, mit dem Plan, dieſes Land auezuſuchen, und habe dieſe Abſicht oͤfters ausgedruͤckt; als Columbus nach Palos gekommen ſey, habe Martin Alonzo Pinzon ihm das Manuſeript gezeigt, wo⸗ durch er ſehr zu dem Unternehmen aufgemuntert worden; und außerdem habe er ihn mit Geld unterſtuͤtzt, um an den Hof zu gehen und ſeinen Vorſchlag zu machen.“ Ver⸗ muthlich war dieſes Manuſcript, wovon Arias Perez eine ſo unbeſtimmte Beſchreibung aus dem Gedaͤchtniß gibt, das Werk des Marco Polo, welches Columbus bereits gekannt hatte, mit begleitenden Bemerkungen uͤber Ophir und Tar⸗ ſchiſch und die von den Schiffen Salomo's gemachten Rei⸗ ſen; und es iſt ſehr die Frage, ob dieſer Beſuch des Mar⸗ tin Alonzo Pinzon zu Rom nicht ſtattfand, als ſein Kopf ſchon von den Geſpraͤchen mit Columbus in dem Kloſter La Rabida erhitzt war: Arias Perez erwaͤhnt immer des — 103— Manuſcripts, als ſey es dem Columbus nach ſeiner An⸗ kunft in Palos, um auf die Entdeckungsfahrt auszugehen, mitgetheilt worden. 3 Mehrore Zeugen ſtimmten darin überein, daß Martin Alonzo Pinzo allvermoͤgend geweſen ſey, um dem Colum⸗ bus Scheffe und Matroſen zu verſchaffen. Unter andern bezeugte Francisco Garcia Vallego: wenn Martin Alonzo Pinzon, derßihm bei der Unternehmung behuͤlflich war, und deſſen Verwandte und Freunde nicht geweſen waͤren, ſo haͤtte der Admeral die Reiſe nie machen koͤnnen, da ſich ſonſt ni mand bei ihm eingefunden haben wuͤrde, doch ſey das große Verlangen, welches Martin Alonzo bezeugt, ſeinen Souvera'nen zu dienen, vermoͤgend geweſen, ſeinen Bruder und dieſen Zeugen und andere Perſonen zu uͤber⸗ reden, und ſo habe ſich auch der Zeuge zur Meeresfahrt ensagiren laſſen. Der Sohn Pinzons und ſein Freund und Anhänger, derſelbe Francieco Garcia, gingen ſo weit, daß ſie er⸗ klärten, wenn Martin Alonzo nicht geweſen waͤre, wuͤrde der Admiral im Laufe ſeiner Reiſe umgek hrt ſeyn, nach⸗ dem er ſieben bis achthundert Seemeilen zuruͤckgelegt, ohne Land zu finden, und man ih, mit Verrath und offenem Aufruhr an Bord ſeines Schiffes bedroht haͤtte. Die in dem Charakter des Columbus begruͤndete Staͤrke und Be⸗ harrlichkeit und die taͤglichen Angaben ſeines Tagebuches liefern die genügende Woderlegung zu dieſer Beſchuldigung, welcher die Anhaͤnger Pinzons gar gerne Glauben ver⸗ ſchafft hatten. 7 — 104 Es erſcheint jedoch über allen Zweifel erhaben, daßs. Martin Alonzo Pinzon ein faͤhiger und unternehmender Seefahrer war, daß er mit Feuer in den großen Plan des Columbus einging und ihm weſentliche Dienſte bei der Aus⸗ ruͤſtung der Schiffe leiſtete. In dem ganzen Laufe der Fahrt benahm er ſich mit Muth und Treue, und unter⸗ ſtuͤtzte und ermuthigte den Admiral, wenn ihn das Murren ſeiner Leute in die Enge trieb. Nur, als das Land ent⸗ deckt war, und die Ausſicht auf augenblicklichen Gewinn von Schaͤtzen ſich zeigte, erwachte die Gier Pinzons ſo hef⸗ tig, daß er daruͤder die Subordination vergaß, welche zur Ausfuͤhrung jedes Unternehmens ſo unumgaͤnglich noͤthig iſt, und von ſo weſentlichem Einfluß bei einer Expedition von ſo außerordentlicher und gefaͤhrlicher Natur. ⸗ Nro. XI. Gerücht über den Piloten, welcher in dem Hauſe des Columbus geſtorben ſeyn ſoll. Unter den verſchiedenen Verſuchen der Neider des Co⸗ lumbus, ſeinen Ruhm zu verkleinern, war einer, welcher darauf berechnet war, ihm ſein ganzes Verdienſt als ur⸗ 105— ſpruͤnglicher Entdecker zu rauben. Es hieß, er haͤtte von dem Daſeyn eines Welttheils in den weſtlichen Regionen des Ozeans von einem durch Stuͤrme verſchlagenen Piloten Nachricht erhalten, den heftige Oſtwinde dorthin getrieben vnd der bei ſeiner Ruͤckkehr nach Europa in dem Hauſe des Columbus geſtorben ſey und ihm. die Karte und das Schiffsjournal von ſeiner Reiſe hinterlaſſen habe, mittelſt welcher er dann ſeiner Entdeckung nachgegangen ſey. Dieſe Fabel wird zuerſt von Oviedo, einem Zeitgenoſſen des Columbus in ſeiner Geſchichte von Indien erzaͤhlt, welche im Jahr 1535 erſchien. Er erwaͤhnt derſelben als ein Volksgeruͤchtes ohne alle Begruͤndung. Fernando Lopez de Gomara war der erſte, welcher dieſes Ge⸗ ruͤcht, in ſeiner im Jahr 1552 erſchienenen Geſchichte von Indien, gegen Columbus geltend machte. Er wiederholt daßelbe in den unbeſtimmteſten Ausdruͤcken, doch ohne den von jenem Autor beigebrachten Widerſpruch. Er ſagt, der Name und das Vaterland dieſes Piloten ſey unbekannt⸗ einige neunten ihn einen Andaluſier, der zwiſchen den cana⸗ riſchen Inſeln und Madeira geſegelt ſey, andere einen Bis⸗ cayier, der nach England und Frankreich Handel getrieben habe; noch andere einen Portugieſm, der zwiſchen Liſſabon und Mina an der Kuͤſte von Guinea gefahren ſey. Er druͤckt ſich eben ſo unbeſtimmt daruͤber aus, ob der Pilote die Caravele nach Portugal, nach Madeira oder nach einer. der Azoren geführt habe. Der einzige Punct, woruͤber die Verbreiter der Geruͤchte übereinſtimmten, waͤre, daß er in dem Hauſe des Columbus geſtorben ſey. Gomara ſetzt hinzu, — 106— dieſes Ereigniß habe Columbus zu dem Unternehmen ſeiner Reiſe nach den neuen Laͤndern geleitet.*). Die anderen fruͤheren Geſchichtſchreiber, welche des Co⸗ lumbus und ſeiner Reiſen gedenken, und ſeine Zeitgenoſſen waren, als Sabellicus, Peter Martyr, Giuſtiniank, Ber⸗ naldes, gewoͤhnlich der Prarrer von los Palacſos genannt, Las Caſas, Fernando der Sohn des Admirals und der un⸗ genannte Verfaſſer der Reiſe des Columbus, die von Ma⸗ dreguno ²*) aus dem Italieniſchen in's Lateiniſche uͤberſetzt wurde, ſchweigen alle uͤber dieſes Geruͤcht. 3 Benzont, deſſen Geſchichte der neuen Welt im Jahre 1565 erſchien, wiederholt das Maͤhrchen nach Gomara, deſſen Zeitgenoſſe er war, ſetzt aber aus druͤcklich hinzu, Gomara habe viel Falſches mit einigem Wahren vermengrt, um den Ruhm des Columbus zu verkleinern, aus Eifer⸗ ſucht, daß ſich kein Spanier der Ehre der Entdeckung er⸗ freuen ſollte. 8**)— Acoſta erwaͤhnt den Umſtand ganz kurz in ſeiner Natur⸗ und Sttten⸗Geſchichte Weſt⸗Indiens, welche im Jahr *) Gomara hist. Ind. c. 14. **) Navigatio Christophori Columbi Madrugnano in- terprete. Sie iſt in der Sammlung der Reiſen, No- vus orbis regionum, in der Ausgabe von 1555 ent⸗ halten, erſchien aber urſprünglich italieniſch, unter dem Namen von Montalbodo Francanzano(oder Franea⸗ pano de Montaldo) in einer Sammlung von Reiſen, betitelt: Nuevo Mundo; Vioenza 1507. ***½) Girolamo Benzoni hist. del nuevo mundo I. 1. fo. 12, in Venezia 1572, 4 — 107— 1591 herau kam, und folgt darin augenſcheinlich der Er⸗ zaͤhlung Gomara's.*)— Mariana merkt denſelben gleichfalls in ſeiner ao. 1592 erſchienenen ſpaniſchen Geſchichte an, aͤußert jedoch Zweifel über deſſen Glaubwürdigkeit, wäͤhrend er ebenfalls die Nachricht von Gomara hat.**) Herrera, welcher ſeine Geſchichte von Jndien im Jahre 1601 heraugab, nimmt keine Notiz von der Sache. Dieſes mag als eine Verwerfung des Geruͤchtes erſche nen; denn dieſer Geſchichtſchreiber iſt ausgezeichnet wegen ſeiner Ge⸗ nauigkeit und er war mit Gomara's Geſchichte wohl be⸗ kannt, da er ſie ausdrücklich in einem Puncte von beſon⸗ derer Wichtigkeit widerlegt.***) Garcilaſſo de la Vega, von Cusco in Peru gebuͤrtig, friſchte das Maͤhrchen mit ganz beſonderer Genauigkeit in ſeinen Commentaren der Incas im Jahre 1609 wieder auf. Er erzaͤhlt es ganz artig und umſtaͤndlich, beſtimmt die Zeit auf 1484„ein Jahr mehr oder minder,“ nennt den ungluͤcklichen Piloten Alonzo Sanchez de Huelva, die Beſtimmung ſeines Schiffes von den canariſchen Inſeln nach Madeira, und das unbekannte Land, zu welchem er verſchlagen worden, Hispaniola. Der Pilote, ſagt er, ging an's Land, nahm die Sonnenhoͤhe und ſchrieb einen Bericht uber alles, was er ſah und was ſich auf ſeiner *) Padre Ioseph de Acosta hist. Ind. I. I., c. 19. **½) Juan de Mariana hist. Espagna l. 26, c. 3 ***) Herrera hist, Ind. decad. 2. 1. III., c. 1. —— — 108— Reiſe ereignet hatte. Dann nahm er Vorraͤthe von Holz und Waſſer ein und machte ſich auf den Ruͤckweg. Er kam glücklich nach Europa zuruͤck, aber die Reiſe war lang⸗ wierig und ſtuͤrmiſch, und zwoͤlf von ſiebzehn, der Geſammt⸗ zahl ſeiner Leute, ſtarben vor Hunger und Ermattung. Die fuͤnf Ueberlebenden kamen bei Terceira an, wo ſie Co⸗ lumbus gaſtfreundlich auſnahm, aber alle ſtarben in ſeinem Hauſe in Folge der Muͤhſeligkeiten, die ſie ausgeſtanden hatten, und der Pilote zuletzt, mit Hinterlaſſung ſeiner Papiere als Vermaͤchtniß fuͤr ſeinen Wirth. Columbus hielt ſie ſorgfaͤltig geheim, verfolgte den darin vorgezeich⸗ neten Weg und erlangte ſo den Ruf, der erſte Entdecker der neuen Welt zu ſeyn.*) Dieſes ſiad die Hauptpuncte der umſtaͤndlichen Erzaͤh⸗ lung des Garcilaſſo de la Vega, 120 Jahre nach dem Er⸗ eigniß. Ruͤckſichtlich ſeiner Glaubwuͤrdigkeit bemerkt er, er habe die Geſchichte noch als Kind in Geſpraͤchen zwiſchen ſeinem Vater und den Nachbarn erzaͤhlen hoͤren, und be⸗ zieht ſich zur Beſtaͤtigung auf Acoſta's und Gomara's Ge⸗ ſchichten von Indien. Da die Geſpraͤche, auf welche er auf⸗ gemerkt hatte, ſechzig bis ſiebzig Jahre nach der Zelt des Geruͤchtes ſtattgefenden haben mußten, blieb Zeit genug, die unbeſtimmten Data in eine zuſammenhaͤngende Erzaͤhlung zu verwandeln, und ſo wiſſen wir nicht allein den Namen, die Heimath und die Route des Piloten, ſondern auch den *) Commentarios de los Incas„ lib. 1, e, 3. — 109— Namen des unbekannten Landes, nach welchem ſein Schiff verſchlagen wurde. Dieſen Bericht des Garcilaſſo de la Vega haben viele alte Geſchichtſchreiber nacherzaͤhlt, indem ſie auf den zuver⸗ ſichtlichm Ton ſeines Berichtes und auf die angefuͤhrten Gewahrsmaͤnner vertrauten.*) Von dieſen haben es Neuere angenommen und auf ſolche Art iſt ein ſchweres Gewicht von Luͤgen und Betrug auf Columbus gewaͤlzt worden, welche dem Anſcheine nach von einer Menge wuͤrdiger Anklaͤger beſtaͤtigt werden. 1 „Die ganze Anſchuldigung laſtet aber auf Gomara, der ein unbeſtimmtes Geruͤcht leichthin wiederholte, ohne die **) Namen der Hiſtoriker, welche dieſe Geſchichte entweder im Detail nacherzählt oder die Beſchuldigung gegen Co⸗ lumbus aus ihr genommen haben: Bernardo Aldrede Antigueda de Espagna 1. 4, c. 17, f 36 7. Roderigo Caro, Antiguedad lib. 3, cap. 76. Juan de Solorzano, Ind. Iure, tom. 1, l. I, c. 5. Fernando Pizarro Varones IIlustr. del Nuevo Mundo, c. 2. Agostina Torniel Annual. Sacr. tom. 1. Ann. Mund. 1931 Nr. 48. Pet. Damarez, odr De Maliz, dial. 4, de Var. Hist. cap 4. 4 GrSarie Garcia, Orig. de Cos Indios, I. 1. c. 4.§. 1.. Juan de Torquemada, Monarch. Ind. I. 18, c. 1. Juan Baptista Riccioli, geogr. reform. 1. 3. Dieſem Verzeichniß von alten Autoren zuſſen ſich noch viele aus neuerer Zeit hinzufügen, — 110— beſtimmte Widerlegung von ſiebzehn Jahren vorher aus Ovisdo zu Huͤlfe zu nehmen, welcher Ohrenzeuge war, und aus deſſen Buch er wirklich das Geruͤcht abgeſchrieben zu haben ſcheint. Es muß noch bemerkt werden, daß Gomara unter den Geſchichtſchrbern den Ruf hat, ungenau und außerordent⸗ lich leichtglaͤubig gegen unbegruͤndete Erzaͤhlungen zu ſeyn.*) Es iſt nicht noͤthig, die Beſchuldigung weiter zu wider⸗ legen, befonders da es klar iſt, daß Columbus die Idee ſeiner Entdeckung im Jahre 1474 dem Paolo Toscanelli nach Florenz mittheilte, welches zehn Jahre vor dem Zeit⸗ puncte war, welchen Garcilaſſo de la Vega fuͤr jenes Er⸗ eigniß angibt. Nro. XII. Martin Behatm. Dieſer ausgezeichnete Geographe iſt ein Deutſcher, in Nuͤrnberg um s Jahr 1430 geboren. Seine Vorfahren *) Hijos de Sevilla, Nro. 2, p. 42, let. F. Daſſelbe wird geſagt in der Bibliotheca Hispagna nova l. J, f. 437;3 Bernel Diaz del Castillo Hist. de ia Conquista de la Nueva Espagna, fin de cap. 18, Juan Bautista Munjoz, Hiet, N. Mundo, Pro- logo, XVIII. — 111— kamen aus dem Pilſener Kreis in Boͤhmen, weßhalb er von einigen Geſchichtſchreibern Martin von Boͤhmen genannt wird, und die Aehnlichkeit ſeines Names mit dem des Lan⸗ des ſeiner Vorfahren gibt haͤufig zu einer Verwirrung in der Benennung Anlaß. Es iſt von Einigen behauptet worden, er habe unter Philipp Bervalde dem Aelteren, und von Anderen, er habe unter Johann Muller, ſonſt Regſomontanus genannt, ſtu⸗ diert; von Murr aber, welcher ſein Leben zum Gegenſtande fleißiger Unterſuchungen gemacht hat, ſtellt beide Behaup⸗ tungen in Abrede, Nach einer Correſpondenz zwiſchen Be⸗ ham und ſeinem Oheim, welche von Murr in ſpaͤten Jahren entdeckt hat, geht hervor, daß der fruͤhere Theil ſeines Lebens der Handlung gewidmet war. Einige haben ihm die Entdeckung der Inſel Fayal zugeſchrieben; allein dieß iſt ein Irrthum, der wahrſcheinlich von dem Umſtande her⸗ ruͤhrt, daß Job de Huertar, der Schwiegervater Behaims, dieſe Inſel im Jahr 1466 coloniſirte. Man ſetzt ſeine Ankunft in Portugal auf das Jahr 1481, waͤhrend Alphons V. noch auf dem Throne war; gewiß iſt es, daß er bald darauf wegen ſeiner Wiſſenſchaft am Hofe von Liſſabon in großen Credit kam, ſo daß er einer der Raͤthe wurde, welche der Koͤnig zur Verbeſſerung des Schiffahrtskunde ernannte, und einige haben ihm mit B ſtimmtheit den wichrigen Dienſt zugeſchrieben, welchen jene Raͤthe dem Handel durch Einfuͤhrung des Aſtrolabiums dei der Schiffahrt leiſteten. Im Jahre 148¼ ſandte Koͤnig Johann eine Expeditien — 112— unter Diego Cam, wie ihn Barros nennt, oder Cano nach Anderen, um längs der Kuſte von Afrika auf Ent⸗ deckungen auszugehen. Bei dieſer Fahrt war Behaim als Kosmographe mit. Sie paſſirten die Linie, entdeckten die Kuͤſte von Congo, ruͤckten bis zu zweiundzwanzig Graden fuͤnfundvierzig Minuten ſuͤdlicher Breite vor*) und ſtellten zwei Saͤulen, auf welchen der Wappen von Portugal ein⸗ gegraben war, an der Muͤndung des Fluſſes Zagra in Afrika auf, welcher dann auf einige Zeit den Namen Fluß der Saͤulen führte. Wegen der Dienſte, welche Behalm bei dieſer und bei fruͤheren Gelegenheiten leiſtete, ſoll er von Koͤnig Johann im Jahr 1485 in den Ritterſtand erhoben worden ſeyn; doch kommt von dieſem Umſtande bei gleichzeitigen Hiſtori⸗ kern nichts vor. Der Hauptbeweis, daß er dieſe Auszeich⸗ nung erhalten, iſt, daß er ſich auf dem von ihm ſelbſt ver⸗ fertigten Globus den Titel Eques Lusitanus gibt. 4 Im Jahr 1486 verheyrathete er ſich auf Fayal mit der Tochter des Job de Huertar, und man vermuthet, daß er dort einige Jahre geblieben und der im Jahre 1489 ihm geſchenkte Sohn Martin daſelbſt geboren ſey. Waͤhrend ſeines Aufenthaltes in Liſſabon und Fayal knüpfte ſich wahrſcheinlich die Bekanntſchaft zwiſchen ihm und Columbus an, auf welche Herrera und Andere anſpielen, und von ihm mag der Admiral einige auf den Inſeln umgehende *) Murrs Abhandlung über Behaim. — 113— Gerüchte von den an ihre Kuͤſten geworfenen Producten weſtlicher Laͤnder vernommen haben. Im Jahre 1491 kehrte er nach Nuͤrnberg zuruͤck, um ſeine Familie wiederzuſehen, und waͤhrend ſeines dortigen Aufenthaltes im Jahre 1492 beendigte er einen Erdglobus, den man fuͤr ein Meiſterſtuͤck damaliger Zeit hielt und den er auf Begehren der erſten Magiſtratsperſonen ſeiner Vater⸗ ſtadt unternommen hatte. Im Jahre 1493 kehrte er nach Portugal zuruͤck und ging von da nach Fayal. Im Jahre 1494 ſandte ihn Koͤnig Johann II., der eine große Meinung von ihm hatte, nach Flandern zu ſeinem natuͤrlichen Sohn, dem Prinzen Georg, dem ver⸗ muthlichen Erben ſeiner Krone. Auf dieſer Reiſe wurde Behaim gefangen genommen und nach England gebracht, wo er drei Monate durch Unpaͤßlichkeit feſtgehalten war. Nachdem er ſich erholt hatte, ging er wieder zur See, wurde aber aufs Neue von einem Seeraͤuber gefangen ge⸗ nommen und nach Frankreich gebracht. Nachdem er ſich losgekauft hatte, ging er nach Antwerpen und Bruͤgge, kehrte aber ſehr bald wieder nach Portugal zuruͤck. Mehrere Jahre hindurch hoͤrte man nichts mehr von ihm und wahr⸗ ſcheinlich lebte er in dieſer Zeit mit ſeiner Familie in Fayal, zu alt, um fernere Reiſen zu machen. Im Jahre 1506 kam er von Fayal nach Liſſabon und ſtarb daſelbſt. Die Behauptung, Behaim habe vor Columbus, auf jener Reiſe mit Cam, die weſtliche Welt entdeckt, gruͤndet ſich auf die falſche Auslegung einer in Hartmann Schedels, Irving's Columbus. 10— 12. 8 1 — 114— eines gleichzeitigen Schriftſtellers, Chronik interpolirten Stelle. Dieſer Paſſus beſagt: als die Seefahrer ſich im ſuͤblichen Weltmeere befunden, nicht weit von der Kuͤſte ent⸗ fernt geweſen, und die Linie paſſirt haͤtten, ſeyen ſie in eine andere Hemiſphaͤre eingetreren, wo ihr Schatten, wenn ſte nach Oſten blickten, nach Suͤden zu ihrer rechten Hand fiel, und hier haͤtten ſie eine neue Welt entdeckt, die bis da⸗ hin unbekannt geweſen, und welche man ſeit vielen Jahren zu ſuchen aufgegeben, ausgenommen die Genueſer, dieſe aber auch ohne Erfolg. „Hi duo, bono Deorum auspicio, mare meridio- nale sulcantes, a littore non longe evagantes, supe- rato circulo equinoctiali, in alterum orbem excepti sunt. Ubi ipsis stantibus orientem versus, umbra ad meridiem et dextram projiciebatur. Aperuere igitur sua industria alium orbem hactenus nobis incognitum et multis annis, a nullis quam Januensibus licet frustra temptatum.“ Dieſe Zeilen ſind ein Theil jener Stelle, welche von einer andern Hand in dem Original⸗Manuſcript der Sche⸗ del'ſchen Chronik eingeſchaltet ſtehen ſoll. Von Murr ver⸗ ſichert uns, daß ſie ſich nicht in der deutſchen Ueberſetzung dieſes Buches von Georg Alt befinde, welche am 5. Ocko⸗ ber 1493 vollendet ward; aber wenn ſie auch darin ſteht, ſo bezieht ſie ſich doch bloß auf die Entdeckung, welche Diego Cam auf der ſuͤdlichen Halbkugel machte, die vordem un⸗ bekannt war, und auf der Kuͤſte von Afrika jenſeits des Aequators, welches alles wie eine neue Welt erſchien und als eine ſolche damals beſprochen wurde. Die Genueſer, auf welche hier mit unerſprießlichen Verſuchen angeſpielt wird, waren Antonio de Nolle und Bartholomeo ſein Bruder und Raphael de Nolle ſein Neffe. Antonio war aus einer edlen Familie, verließ ſein Vaterland wegen einer Kraͤnkung und ging mit ſeinen genannten Anverwandten in zwei Caravelen nach Liſſabon; von da ſchifften ſie in por⸗ tugieſiſchen Dienſten und entdeckten die Inſel St. Jago ec.*) Die bei Schedel eiugeſchaltete Stelle erſchien gleichfalls in dem Werke de Europa sub Friderieo III. von Aeneas Sylvius, nachmals Papſt Pius II., welcher im Jahr 1464, lange vor der fraglichen Reiſe ſtarb. Die falſche Auslegung dieſer Stelle gab zuerſt Veranlaſſung zu der un⸗ richtigen Behauptung, daß Behaim die neue Welt vor Co⸗ lumbus entdeckt habe, als ob es moͤglich geweſen waͤre, daß ein ſolcher Umſtand ſich ereignen koͤnnen, ohne daß Behaim ſich den Ruhm der Entdeckung zugeeignet und die Welt unmittelbar einen ſo wichtigen Fund auspoſaunt haͤtte. Dieſer Irrthum iſt von verſchiedenen Autoren ohne rechte unterſuchung angenommen worden; einige derſelben hatten auch Magellan der Ehre berauben wollen, die Straße ent⸗ deckt zu haben, die ſeinen Namen fuͤhrt, indem ſie Behaim dieſelbe zuerkannten. Der Irrthum mit der Entdeckung Amerika's war zu erweislich, als daß er haͤtte allgemein werden koͤnnen, allein er lebte ploͤtzlich im Jahre 1786 durch einen Franzoſen von ſehr ehrenwerthem Charakter *) Barros dec, 1, 1. II, c. 1. Liſſabon 1552. —. 8* — 116— Namens Otto, wieder auf, welcher in Neu⸗York lebte und an Dr. Franklin einen Brief ſchrieb, den er der phi⸗ loſophlſchen Geſellſchaft von Philadelphia zu uͤbergeben bat, worin er den Anſpruch Behaims auf die Entdeckung der neuen Welt zu begruͤnden unternahm. Seine Abhandlung wurde in den Verhandlungen der amerikaniſchen philoſo⸗ phiſchen Geſellſchaft, II. Band, 1786, Artikel Nr. 35 ab⸗ gedruckt und hat in den Journalen der meiſten Nationen Europa's eine Stelle gefunden. Die Autoritaͤten, welche Hr. Otto zur Begruͤndung ſeiner Behauptung anfuͤhrt, ſind durchgaͤngig truͤgeriſch und werden groͤßtentheils ohne naͤhere Ausfuͤhrung gegeben. Seine Aufſtellungen ſind von Don Chriſtoval Cladera mit Fleiß und zur Genüͤge widerlegt worden.*) Der große Beweis des Hrn. Otto iſt eine Erdkugel, welche Behaim waͤhrend ſeiner Anweſenheit in Nuͤrnberg im Jahr 1492 verfertigte, in dem Jahre, wo Columbus auf ſeine erſte Entdeckungsreiſe ausging. Dieſer Globus wird, na Hrn. Otto, noch in der Bibliothek von Nuͤrnberg aufbewahrt, und auf ihm ſind alle Entdeckungen Behaims abgebildet, deren Zeichnungen der Art ſind, daß ſie nichts anderes vorſtellen koͤnnen, als die Kuͤſte von Braſilien und die Magellan⸗Straße. Dieſe Autoritaͤt machte Viele irre und wenn dieſelbe durchgefuͤhrt wurde, mußte ſie den An⸗ ſpruch des Columbus vernichten. 3 Ungluͤcklſcher Weiſe hing Hr. Otto bei ſeiner Beſchrei⸗ *) Investigaciones historicas, Madrid 1794. — 117— bung des Globus von der Augenbeſcheinigung eines Corre⸗ ſpondenten ab. Der Globus in der Bibliothek zu Nuͤrn⸗ berg ward im Jahre 1520 von Johann Schoͤner, Profeſſor der Mathematik*), lange nach den Entdeckungen und dem Tode von Columbus und Behaim verfertigt. Die wirk⸗ liche Erdkugel des Behaim, welche derſelbe im Jahre 1492 machte, enthaͤlt nicht eine einzige Inſel oder Küſte der neuen Welt und beweiſt auf dieſe Art, daß er mit ihnen voͤllig unbekannt war. Eine Abzeichnung oder ein Planiſphaͤrium von Behaims Globus iſt den Unterſuchungen des Cladera beigefuͤgt. Nro. XIII. 3 Scandinaviſche Entdeckungen. Es ſind viele gelehrte Abhandlungen geſchrieben worden, um zu beweiſen, daß die Scandinavier lange vor der Zeit des Columbus an der Nordkuͤſte von Amerika Entdeckungen gemacht haͤtten, allein der Gegenſtand ſcheint noch vielen Zweifeln unterworfen und in großes Dunkel gehuͤllt zu ſeyn. *) Cladera investig. hist. p. 115. — 118— Man hat behauptet, die Norweger haͤtten ſchon in dem neunten Jahrhundert eine große Strecke Landes weſtlich von Island entdeckt, welcher ſie den Namen Groß⸗Island gegeben, doch iſt dieſes von Anderen wieder fuͤr eine fa⸗ belhafte Tradition erklaͤrt worden. Die wahrſcheinlichſte Nachricht iſt von einem Namens Snorro Sturleſon in ſeiner Saga oder Chronik vom Koͤnig Olaus. Nach dieſem Autor wurde einer Namens Biorn von Island, der nach Groͤn⸗ land ſchiffte, um ſeinen Vater aufzuſuchen, von welchem er in einem Orkan getrennt worden war, von dem ſtuͤrmiſchen Wetter weit nach Suͤdweſten verſchlagen, bis er ein nie⸗ driges Land, mit Waldungen bedeckt und mit einer Inſel in deſſen Naͤhe, zu Geſicht bekam. Als das Wetter güͤnſtig wurde, wandte er ſich, ohne zu landen, nach Nordweſten und kam wohlbehalten in Groͤnland an. Seine Erzaͤhlung von dem geſehenen Lande reizte, ſo wird erzaͤhlt, den Un⸗ ternehmungsgeiſt Leifs, des Sohnes von Eric Rauda oder Rothkopf, dem erſten Anſiedler von Groͤnland. Es wurde ein Schiff ausgeruͤſtet und Leif und Biorn gingen mit ein⸗ ander nach dem unbekannten Lande ab. Sie fanden eine⸗ felſige und unfruchtbare Inſel, welcher ſie den Namen Helleland gaben, dann ein niedriges, ſandiges Land, mit Waͤldern bedeckt, welches ſie Markland nannten; zwei Tage ſpaͤter entdeckten ſie eine fortlaufende Kuͤſte, und noͤrdlich davon ein Elland, Dieſe letztere beſchrieben ſie als fruchtbar, mit ſchoͤnen Waldungen beſetzt, welche liebliche Fruͤchte und inſonderheit Weintrauben truͤgen, eine Frucht, welche ſie noch nicht kannten. Da einer ihrer — 119— Gefaͤhrten, ein Deutſcher, ſie von dem Namen und den Eigen⸗ ſchaften unterrichtete, ſo nannten ſie darnach die Gegend Binland. Sle fuhren einen Fluß hinauf, wo es viele Tiſche gab, beſonders Salmen, und kamen zu einem See, aus welchem der Fluß entſprang. Hier brachten ſie den Winter zu. Das Clima ſchien ihnen mild und angenehm; denn ſie waren an die heftige Kaͤlte des Nordens gewoͤhnt. In den kuͤrzeſten Tagen blieb die Sonne acht Stunden am Himmel: man hat hieraus geſchloſſen, daß das Land ungefaͤhr im 4A9ſten Grade noͤrdlicher Breite gelegen und entweder Neu⸗ fundland oder ein Theil der Kuͤſte von Nordamerika in der Naͤhe des Meerbuſens St. Lorenz geweſen ſey.*) Es wird hinzufuͤgt, die Verwandten Leiſs haͤtten mehrere Reiſen nach Vinland unternommen, mit den Eingebornen in Pelz⸗ werken Handel getrieben, und im Jahre 1121 ſey ein Biſchof Namens Eric von Groͤnland nach Vinland gegangen, um die Bewohner zum Chriſtenthum zu bekehren. Von dieſer Zeit an erfahren wir nichts mehr von Vinland, ſagt For⸗ ſter; und allem Anſcheine nach iſt der Stamm, welcher noch im Innern von Neufundland exiſtirt und von den an⸗ dern Wilden Nordamerika's, ſowohl in dem Aeußeren der Menſchen als auch in ihrer Lebensweiſe, ſo verſchieden iſt, und ſtets im Krieg lebt mit den Eskimo's der Nordkuͤſte, die Fortpflanzung jener alten Normannen. Der Verſaſſer dieſes Werkes beſaß nicht die Mittel, dieſe Erzaͤhlung bis zu ihren urſpruͤnglichen Quellen zu *) Forſters nördliche Reiſen, II, B. 2. Cap. — 120— verfolgen. Er theilt ſie nach der Gewaͤhrſchaft Malte⸗ Brun's und Forſters mit. Der letztere zog ſie aus der Saga oder Chronik des Snorro aus, der im Jahr 1179 geboren war und um 1215 ſchrieb, ſo daß ſein Bericht lange nach der Zeit gebildet wurde, von welcher er handelt. Forſter ſagt, die Data, welche hier erzaͤhlt worden, ſeyen aus einer großen Anzahl islaͤndiſcher Manuſcripte geſammelt und uns von Torfaͤus in ſeinen beiden Werken: Veteris Groenlandiae Descriptio, Hafniae 1706 und Historia Winlandiae Antiquae, Hafniae 1705 uͤberliefert. Forſter ſcheint keinen Zweifel gegen die Aechtheit der Facta gehegt zu haben. Soweit der Verfaſſer des vorliegenden Werkes den Spuren ſolcher Andeutungen hinſichtlich fruͤher Ent⸗ deckung von Theilen der neuen Welt zu folgen im Stande war, hat er in ihnen ſehr zutrauensvolle Eroͤrterungen aus ſehr unbeſtimmten und zweifelhaften Quellen gefunden. Ge⸗ lehrte Maͤnner geben ſehr gerne bloßen Schatten Wirklich⸗ keit, wenn ſie ihren vorgefaßten Theorieen zu Huͤlfe kommen. Die meiſten dieſer Berichte zeigen ſich, wenn man ſie der gelehrten Erlaͤuterungen ihrer Herausgeber entkleidet, wenig glaubwuͤrdiger als die uͤberlieferten Fabeln von den ertraͤumten Inſeln St. Borondon und der Sieben Staͤdte, die an einer anderen Stelle dieſes Werkes erlaͤutert werden. Indeſſen iſt es gar nicht unwahrſcheinlich, daß ſolche unternehmende und umherſchweifende Seefahrer, wie die Scandinavier, nach den Nor kuͤſten von Amerika, in die Gegend der Kuͤſte von Labrador oder der Geſtade von Neufundland gekommen ſeyen, und wenn die ielaͤndiſchen — — — 121— Mannſeripte, welche aus dem dreizehnten Jahrhundert her⸗ ruͤhren ſollen, als aͤcht und zuo rlaͤſſig gelten koͤnnen, von allen neueren Interpolationen frei erſcheinen, und richtig ausgelegt werden, ſo ſcheinen ſie die Thatſache allerdings zu beweiſen. Aber wenn man auch die Wahrheit der an⸗ gefuͤhrten Entdeckungen annimmt, ſo fuͤhrten dieſe doch zu keinem anderen Reſultate, als zur Communication zwi⸗ ſchen den Eingebornen von Groͤnland und den Eskimo's. Ihre Bekanntſchaft ſcheint ſich nicht auf andere Nationen ausgedehnt zu haben und bald von ihnen ſelbſt vernach⸗ laͤſſigt und vergeſſen worden zu ſeyn. Eine andere Behauptung einer fruͤhzeitigen Entdeckung des Feſtlandes von Amerika geſchieht auf den Grund einer Seekarte und Beſchreibung zweier Bruͤder aus Venedig, Namens Zeno, aber ſie ſcheint minder glaubwuͤrdig als die ſo eben erwaͤhnte zu ſeyn. Folgendes iſt der Inhalt derſelben: Nicolo Zeno, ein edler Venetianer, ſoll im Jahr 1380 eine Reiſe nach Norden unternommen haben, in einem Schiff, welches er auf ſeine eigene Koſten ausruͤſtete, um damit nach England und Flandern zu fahren. Auf dieſer noͤrdlichen Fahrt erhob ſich ein fuͤrchterlicher Sturm, der ihn mehrere Tage, er wußte nicht wohin, verſchlug, bis er nach Friesland kam, einer Inſel, woruͤber bei den Geo⸗ graphen viel Streit iſt, die aber fuͤr den Archipel der Faroer Inſeln gehalten wird. Die ſchiffbrüchigen Reiſen⸗ den wurden von den Eingebornen angegriffen, aber wieder befreit von Zichmni, einem Fuͤrſten der Inſeln, welche nach der Suͤdſeite von Friegland liegen, und Herzog eines anderen — 122— Gebietes, welches Schottland gegenuͤber lag. Zeno trat in Dienſte dieſes Fuͤrſten und half ihm Friesland und andere noͤrdliche Inſeln erobern. Bald ſtieß ſein Bruder Antonio Zeno zu ihm und blieb vierzehn Jahre in jenen Laͤndern. Waͤhrend ſeines Aufenthaltes in Friesland ſchrieb An⸗ tonio Zeno an ſeinen Bruder Carlo nach Venedig, und gab ihm Nachricht von einem Geruͤchte von Land im Weſten, welches durch einen gewiſſen Fiſcher entſtanden war. Nach der Erzaͤhlung dieſes Seemanns war er von einer Geſell⸗ ſchaft geweſen, die ungefaͤhr ſechs und zwanzig Jahre vor⸗ her in vier Fiſcherboͤten in die See hinausgefahren war. Sie wurden von einem heftigen Sturm uͤberfallen und mehrere Tage auf dem Meere umhergetrieben, bis das Boot, worin er und noch ſechs Gefaͤhrten waren, auf eine Inſel mit Namen Eſtotiland geworfen wurde, die unge⸗ faͤhr tauſend Meilen von Friesland entfernt ſeyn ſollte. Die Bewohner nahmen ſie gefangen und brachten ſie nach einer ſchoͤnen und volkreichen Stadt, wo der Koͤnig viele Doll⸗ metſcher holen ließ, um mit ihnen zu ſprechen; doch ſie konnten keinen von ihnen verſtehen, bis man einen Mann fand, der gleichfalls auf die Kuͤſte verſchlagen worden war und Lateiniſch ſprach. Sie blieben mehrere Tage auf der Inſel, welche reich und fruchtbar war und einen Ueber fluß an allen Arten von Metallen und beſonders an Gold beſaß.*) — *) Dieſer Bericht iſt von Hackluyt Band III. p. 123 ge⸗ nommen. Die Stelle von dem Gold und den anderen Metallen findet ſich nicht im italieniſchen Original bei Ramuſio(II, Th. S. 23.) und iſt wahrſcheinlich eingeſchoben. — 123— Ein hoher Berg ragte in der Mitte empor; aus ihm er⸗ goſſen ſich vier Fluͤſſe, welche das ganze Land bewaͤſſerten. Die Einwohner waren klug und mit den mechaniſchen Kuͤn⸗ ſten Europas bekannt. Sie bauten Korn, machten Bier und lebten in Haͤuſern von Stein gebaut. In der Biblio⸗ thek des Koͤnigs befanden ſich lateiniſche Buͤcher, doch ver⸗ ſtanden die Einwohner dieſe Sprache nicht. Sie hatten viele Staͤdte und Burgen, und trieben mit Groͤnland Han⸗ del in Pech, Schwefel und Pelzwerk. Wiewohl ſie in der Schiffahrt ſehr bewandert waren, kannten ſie doch nicht den Gebrauch des Compaſſes; ſie hielten die Frieslaͤnder wegen der Bekanntſchaft mit ihm ſehr in Achtung, und der König ſandte ſie mit zwoͤlf Barken aus, um ein Land im Suͤden Namens Drogeo zu beſuchen. Sie waͤren in einem Sturm faſt ums Leben gekommen, wurden aber an die Kuͤſte von Drogeo geworfen. Sie fanden in den Bewoh⸗ nern Menſchenfreſſer; man war ſchon daran, ſie zu er⸗ ſchlagen und zu verzehren, aber man ſchonte ihrer, da ſie im Fiſchen große Geſchicklichkeit zeigten. Der Fiſcher beſchreibt dieſes Drogeo als ein Land von großer Ausdehnung, oder vielmehr als eine neue Welt; die Bewohner ſeyen nackt und wild, doch ſuͤdweſtlich ſollte eine civillfirtere Region und ein milderes Cl'ma ſeyn, wo die Leute Kenntniſſe von Gold und Sllber beſaͤßen und in Staͤdten lebten, ihren Goͤtzen koſtbare Tempel errichteten und Menſchen opferten, die ſie hernach verzehrten. Nachdem der Fiſcher viele Jahre auf dieſem Feſtlande zugebracht hatte, waͤhrend welcher Zeit er in die Dienſte — 124— eines anderen Haͤuptlings uͤbertrat und verſchiedene Pro⸗ vinzen beſuchte, kamen Boͤte vom Eſtotiland an der Kuͤſte von Drogeo an. Der Fiſcher ging an Bord, machte den Dollmetſcher und trieb zwiſchen Eſtotiland und dem Feſt lande einige Zeit Handel, bis er ſehr reich wurde; dann ruͤſtete er eine eigene Barke aus und machte mit Huͤlfe einiger Leute der Inſel den Weg von tauſend Meilen auf dem Well⸗ meere zuruͤck und kam wohlbehalten in Friesland an. Die Nachricht, welche er von dleſen Laͤndern mitbrachte, bewogen Zichmni, den Fuͤrſten von Friesland, eine Expedition dort⸗ hin zu unternehmen und Antoniod Zeno ſollte ſie comman⸗ diren. Grade als ſie abſegeln wollten, ſtarb der Fiſcher, der als Fuͤhrer dienen ſollte; aber mehrere Matroſen, die ihn von Eſtotiland begleitet hatten, wurden ſtatt ſeiner ge⸗ nommen. Die Expeditton ſegelte unter der Anfuͤhrung Zichmni's; der Venetianer Zeno begleitete ſie bloß. Sie war ohne Erfolg. Nach Entdeckung einer Inſel Namens Icarea, wo ſie von den Eingebornen unfreundlich behandelt wurden und ſich zuruͤckziehen mußten, wurden die Schiffe von einem Sturm nach Groͤnland getrieben. Es wird der Verfolgung des Unternehmens weiter nicht gedacht. Die in dem Bericht des Zeno erwaͤhnten Laͤnder waren auf einer urſpruͤnglich in Holzſchnitt vervielfäͤltigten See⸗ karte verzeichnet. Die Inſ! Eſtotiland iſt von Malte⸗ Brun fuͤr Neufundland gehalten worden, ihre theilweiſe eiviliſirten Bewohner aber fuͤr die Abkoͤmmlinge der ſcandi⸗ naviſchen Coloniſten von Vinland, und die lateiniſchen Buͤcher in der Bibliothek des Koͤnigs fuͤr die Reſte der — 125— Bibliothek des groͤnlaͤndiſchen Biſchofs, der im Jahr 1121 dorthin gezogen war. Drogeo war nach ſeiner Vermuthung Neuſchottland oder Neuengland. Die civiliſirten Voͤlker in Suͤdweſten, welche in reichen Tempeln Menſchenopfer brachten, haͤlt er fuͤr die Mexicaner oder irgend einen alten Stamm von Florida oder Louiſiana. Das Vorausgegangene ſcheint dieſe Ableitung nicht zu beſtaͤtigen. Die ganze Erzaͤhlung wimmelt von Unwahr⸗ ſcheinlichkeiten, wovon nicht die kleinſte die unter den Be⸗ wohnern verbreitete Cultur, ihre Haͤuſer von Stein, ihre europaͤiſchen Künſte, und die Bibliothek ihres Koͤnigs iſt, wovon bei der nachfolgenden Entdeckung auch nicht eine Spur zu finden war; der Nachrichten von Mex'co nicht zu gedenken, wo ſie durch viele wilde Staͤmme eines großen Feſtlandes dringen mußten. Es iſt daher wohl Z'it, zu ſagen, daß dieſer Bericht nicht fruͤher als im Jahr 1558, lange nach der Entdeckung von Mexſco, im Druck erſchien. Francisco Marcolini, ein Nachkomme der 3 ni, gab ihn aus den Fragmenten von Briefen heraus, welche Antonio Zeno an Carlo ſeinen Bruder geſchrieben haben ſollte.„Es ſchmerzt mich,“ ſagt der Herausgeber,„daß das Buch und verſchiedene andere Schriften uͤber dieſen Gegenſtand er⸗ baͤrmlich zu Grund gegangen ſind; denn ich war noch ein Kind, als ſie in meine Haͤnde kamen, und ohne je zu wiſ⸗ ſen, was es war, zerwarf ich ſie und riß ſie in Stuͤcke, woran ich mich jetzt nur mit großem Herzeleid erinnern kann.*) *) Hackluyt collect. vol. III, p. 127. Dieſe wankende Behauptung Marcolini's erhaͤlt eine be⸗ deutende Stuͤtze durch die Einfuͤhrung Abrahams Ortelius, eines ausgezeichneten Geographen, in ſeinem Theatrum orbis, aber die ganze Geſchichte iſt von bedeutenden Com⸗ mentatoren fuͤr eine unverſchaͤmte Erdichtung erklaͤrt wor⸗ den. Forſter beſchwert ſich deßhalb als uͤber ein Beiſpiel hartnaͤckiger Unglaͤubigkeit, und ſagt, es ſey unmoͤglich, an der Exiſtenz des Landes zu zweifeln, von welchem Carlo, Nicolo und Antonio Zeno reden, die Originalaeten in den Archiven von Venedig bewieſen, daß der Ritter eine Reiſe nach Norden unternommen habe, daß ſein Bruder Antonio ihm gefolgt ſey, daß Antonio eine Karte gezeichnet, welche er mit zuruͤckgebracht und in ſeinem Haufe aufgehangen; wo ſie der oͤffentlichen Pruͤfung bis zur Zeit Mareolini's unterworfen geblieben ſey, als ein unwiderlegliches Beweis⸗ ſtuͤck deſſen, was er behauptete. Alles oben Angefüͤhrte zu⸗ gegeben, laͤßt ſich doch daraus nur beweiſen, daß Antonio und ſein Bruder in Friesland und Groͤnland waren. Ihre Briefe verſichern keinesweges, daß Zino die Reiſe nach Eſtotiland machte. Die Schiffe wurden durch einen Sturm nach Groͤnland gefuͤhrt, wonach wir nichts mehr von ihnen hoͤren, und ſeine Erzaͤhlung von Eſtotiland und Drogeo beruht ganz allein auf den Nachrichten von dem Fiſcher, nach deſſen Beſchreibung ſeine Serkarte vermuthungsweiſe ausgefuͤhrt iſt. Die ganze Geſchichte gleicht ſehr den Fa⸗ beln, die man kurz nach der Entdeckung des Columbus ver⸗ breitete, um anderen Nationen und Individuen den Ruf der Unternehmung zuzuwenden, — 127— Malte⸗Brun bemerkt, die erwaͤhnte Entdeckung von Vinland koͤnnte dem Columbus bekannt geweſen ſeyn, als er im Jahre 1477 die Reiſe nach der Nordſee machte,*) und da die Karte des Zeno in der oͤffentlichen Bibliothek in London in einem daͤniſchen Werke zu der Zeit zu finden geweſen, als Bartholomeo Columbus in jener Stadt mit Zeichnen von Seekarten beſchaͤftigt war, ſo moͤge er etwas davon erfahren und ſeinem Bruder mitgetheilt haben.**) Haͤtte Malte⸗Brun die Geſchichte des Columbus mit ſeiner gewohnten Genauigkeit durchforſcht, ſo wuͤrde er gefunden haben, daß derſelbe in ſeiner Correſpondenz mit Paolo Tos⸗ eanelli im Jahre 1474 die Abſicht ausgedruͤckt hatte, In⸗ dien auf dem geraden weſtlichen Wege aufzuſuchen. Seine Reiſe nach Norden unternahm er erſt drei Jahre ſpaͤter. Was den Aufenthalt Don Bartholomeo's in London betrifft, ſo fand dieſer erſt ſtatt, als Columbus dem Hofe von Por⸗ tugal, wenn nicht auch ſchon den Hoͤfen anderer Nationen, ſeine Vorſchlaͤge gemacht hatte. Wenn es daher gewiß iſt, daß er erſt ſpaͤter die zweifelhaften Erzaͤhlungen von Vin⸗ land und von den Abenteuern des Fiſchers hoͤrte, wie ſie Zeno oder wenigſtens Marcolini erzuͤhlte, ſo konnten dieſe offen⸗ bar ihn nicht zu der großen Unternehmung bewegen. Seine Fahrt hatte keinen Bezug auf ſie, ſondern war ein gerader weſtlicher Seeweg, nicht nach Vinland, Eſtotiland und *) Malte-Brun hist, de Geogr. t. I., 1. 17. *) Malte-Brun Geogr. universelle t, XIV., note sur la decouverte de l'Amerique, — 128— Drogeo, ſondern um Cipango und Cathay und die anderen Läͤnder aufzuſuchen, die nach Mareo Polo an den aͤußerſten Enden Indiens liegen ſollten. Nro. XIV. Umſchiffung von Afrika bei den Alten. Die Kenntniſſe der Alten von der atlantiſchen Kuͤſte Afrika's ſind von neueren Forſchern fuͤr weit minder aus⸗ gedehnt gehalten worden als man fruͤher angenommen hatte, und es wird bezweifelt, ob ſie irgend eine praktiſche Auto⸗ rität fuͤr den Glauben hatten, daß Afrika umſchifft werden koͤnne. Die angeführte Reiſe des Eudoxus von Cyzieus von dem rothen Meere nach Gibraltar, wiewohl ſie von Plinius, Pomponius Mela und Anderen erzäͤhlt wird, be⸗ ruht gaͤnzlich auf den Worten des Cornelius Nepos, wel⸗ cher nicht ſagt, woher er dieſe Nachricht hat. Poſſidonius (welchen Strabo citirt) gibt einen ganz verſchiedenen Be⸗ richt von dieſer Reiſe und verwirft jenen mit Unwillen. Die beruͤhmte Reiſe Hanno's des Chartaginienſers ſoll ungefaͤhr tauſend Jahre vor der chriſtlichen Zeitrechnung ſtattgefunden haben. Der Periplus Hannonis bleibt ein kurzer und dunkler Bericht von dieſer Fahrt und ein — 1209— Gegenſtand weitläͤufiger Auslegungen und Streitigkeiten. Einige haben ihn fuͤr eine Erdichtung unter den Griechen gehalten, aber ſeine Autentieitaͤt iſt mit Geſchicklichkeit ge⸗ rechtfertigt worden. Es erſcheint jedoch hinlaͤnglich erwieſen, daß man die Reiſe dieſes Seefahrers ſehr übertrieben hat, und daß er nie das aͤußerſte Ende von Afrika umſchiffte. Herr von Bougainville*) verfolgt ſeinen Weg bis zu einem Vorgebirge, welches er das Weſt⸗Horn nennt, und welches man fuͤr das Cap der Palmen fuͤnf bis ſechs Grade vom Aequator hielt; von da fuhr er nach einem anderen Vorge⸗ birg in derſelben Linie, welches er das Suͤd⸗Horn nannte, und vermuthlich das Vorgebirg der drei Spitzen iſt. Hr. Goſſelin in ſeinen Nachforſchungen uͤber die Geographie der Alten(t. 1, p. 162 etc.) behauptet jedoch nach einer ſcharfen Pruͤfung des Periplus Hannonis, daß Hanno nicht weiter als zum Cap Non gekommen ſey. Plinius, welcher den Hanno die ganze Kuͤſte von Afrika umſchiffen laͤßt, von der Meerenge von Gibraltar bis zu den Graͤnzen von Ara⸗ blen, hat nie den Periplus geſehen, vielmehr die Vorſtel⸗ lung aus den Werken Tenophons von Lampſacus entnommen⸗ Die Griechen uͤberluden die Erzäͤhlungen der Reiſenden mit allen Arten von Fabeln und auf ihre ungetreuen Abſchriften gründete Strabo viele ſeiner Behauptungen. Nach Herrn Goſſelin fuͤhren uns die Reiſetagebuͤcher des Hanno, Scy⸗ lar, Polybius, Statius, Seboſus und Juba, die Erzaͤh⸗ lungen des Plato, Ariſtoteles, Plinius und Plutarch, und *) Memoires de l'Acad. des Inscript. t. XXVI. Irving's Columbus. 10—12. 9 — 130— die Tafeln des Ptolemaͤus alle zu demſelben Reſultate, und beſtimmen, ungeachtet ihrer ſcheinbaren Widerſpruͤche, doch die Graͤnzen der Sch'ffahrt nach Suͤden auf die Nachbar⸗ ſchaft des Cap Non oder des Cap Bojador⸗ Die Meinung, Afrika ſey eine Halbinſel, welche Anſicht die Perſer, die Egypter, und vielleicht auch die Griechen mehrere Jahrhunderte vor der chriſtlichen Zeitrechnung un⸗ terhielten, war nach ſeiner Meinung nicht auf irgend be⸗ kannte Thatſachen begruͤndet, ſondern nur eine Vermuthung aus der Betrachtung der Unermeßlichkeit und Einheit des Oceans, oder vielleicht beruhte ſie nur auf alten Traditio⸗ nen, oder auf Vorſtellungen, welche die carthaginienſiſchen Entdeckungen jenſeits der Straße von Gibraltar und die der Egypter jenfeits des arabiſchen Meerbuſens erweckten⸗ Er meint, es habe eine ganz fruͤhe Zeit gegeben, wo die Geographie weit vollkommener geweſen ſey als in den Zeiten der Phoͤnizier und der Griechen, deren Kenntniſſe nur verwirrte Spuren deſſen geweſen, was man fruͤher beſſer gekannt haͤtte. Die Anſicht, daß das indiſche Meer ſich mit dem weſtli⸗ chen Oceane verbinde, war bei den Griechen und in der Schule von Alexandria bis zu der Zeit des Hipparchus an⸗ genommen. Sie ſchien ihre Beſtaͤtigung zu finden in der Richtung, welche die Kuͤſte von Afrika hinter dem Cap Aromata weſter nach Weſten nimmt, ſo viel ſie von Gee⸗ fahrern ausgekundſchaftet wurde. Man glaubte, die weſt⸗ liche Kuͤſte von Afrika runde ſich der öͤſtlichen entgegen und das ganze ſey in der Naͤhe des Aequators, noͤrdlich von dem⸗ ſelben, vom großen Weſtmeere begraͤnzt. Dieſer Anſicht war Sdates, welcher zur Zeft Alexanders lebte, dann Ara⸗ — 131— tus, Cleanthes, Cleomedes, Strabo, Pomponius Mela, Macrobius und viele Andere. Hipparchus ſtellte ein anderes Syſtem auf und brachte die Welt in einen Irrthum, welcher auf lange Zeit die Meeres⸗Communication zwiſchen Europa und Indien aufſchob. Er vermuthete, die Meere waͤren durch abgeſonderte Baſ⸗ ſins getrennt und die oͤſtlichen Kuͤſten von Afrika bildeten einen Umkreis rings um das indiſche Meer, ſo daß ſie die Kuͤſten von Aſien jenſeits der Muͤndung des Ganges br⸗ rührten. Spaͤtere Entdeckungen ſetzten, ſtatt den Irrthum zu widerlegen, nur die Verbindung der Feſtlande weiter hinaus. Marinus von Tyrus und Ptolemaͤus nahmen dieſe Meinung in ihren Werken an und erlaͤuterten ſie auf ihren Karten, welche Jahrhunderte lang den allgemeinen Glauben der Menſchen leiteten und die Idee fortpflanzten, daß Afrika ſich nach dem Suͤdpol erſtrecke, und daß es un⸗ moͤglich ſey, zur See bei den Kuͤſten von Indien anzukom⸗ men. Dennoch gab es Geographen, welche ſich zu der aͤl⸗ teren Idee neigten, daß eine Verbindung zwiſchen dem in⸗ diſchen Meere und dem atlantiſchen Ocean exiſtire. Sie hatte ihre Vertheidiger in Spanien und wurde von Pom⸗ ponius Mela und von Iſidor von Sevilla unterhalten. Auch einige Gelehrte Italiens im dreizehnten, vierzehnten und füͤnfzeh ten Jahrhundert glaubten daran, und ſo blieb ſie theilweiſe geltend, bis Prinz Heinrich von Portugal ſie kraͤftig verfolgte und endlich Vasco de Gama ſie im Triumph beſtaͤtigte, indem er das Vorgebirg der guten Hoffnung umſchiffte. 9* 1 — 132— Nro. XV. Schifſfe des Columbus. Doctor Robertſon bemerkt, indem er von der Kleinheit der Schiffe ſpricht, womit Columbus ſeine erſte Reiſe aus⸗ führte,„daß in dem funfzehnten Jahrhundert die Ladung und Geſtalt der Schiffe den kurzen und bequemen Reiſen, welche ſie laͤngs der Kuͤſte zu machen pflegten, ganz ange⸗ meſſen geweſen ſeyen.“ Wir beſitzen indeſſen viele Beweiſe, daß ſchon vor dem funfzehnten Jahrhundert große Schiffe bei den Spaniern wie auch bei andern Nationen im Ge⸗ brauch waren. In einem zu Barcellona im Jahre 1354 von Pedro IV, erlaſſenen Edict, welches verſchiedene Regu⸗ lative für die Sicherheit des Handels durchſetzt, wird cata⸗ loniſcher Handelsſchiffe mit zwei und drei Verdecken und von 8000 bis zu 12000 Centnern Erwaͤhnung gethan. Im Jahre 1419 miethete Alonzo von Aragon mehrere Kauffartheiſchiffe, um Artillerie, Pferde ꝛc. auf denſelben von Barcellona nach Italien zu transportiren, darunter befanden ſich zwei, deren jedes hundert und zwanzig Pferde trug, welches auf ein Schiff von mindeſtens 600 Tonnen ausgerechnet wird. 1 — 133— Vom Jahre 1463 geſchieht eines venetianiſchen Schiffes Erwaͤhnung, welches von England in Barcellona mit Wai⸗ zen beladen ankam und 700 Tonnen faßte.— Im Jahr 1497 kam dort ein caſtilianiſches Schiff von 12,000 Centnern Schiffsladung an. Dieſe Schiffs⸗Ankuͤnfte, welche gelegentlich zwiſchen anderen von aͤhnlicher Groͤße er⸗ waͤhnt werden, die in demſelben Hafen zuſammentrafen, zeigen, daß dazumal große Schiffe im Gebrauch waren v). Wrrlich wurden zur Zeit, als Columbus auf ſeine zweite Entdeckungsreiſe ausging, in dem Hafen von Borneo eine Caracca von 1250 Tonnen und vier Schiffe von 150 bis 450 Tonnen ansgeruſtet. Ihre Beſtimmung erhielt jedoch eine Aenderung; ſie wurden dazu gebraucht, den Muley Boabdil, den letzten mauriſchen Koͤnig von Granada, von den Kuͤſten ſeiner eroberten Beſitzthuͤmer nach Afrika uͤber⸗ zufuͤhren**).. Es lag alſo nicht an dem Mangel an großen Schiffen in den ſpaniſchen Haͤfen, daß die des Columbus ſo klein waren. Er hielt dieſe fuͤr die tauglichſten zu Entdeckungs⸗ reiſen, da ſie nur eine geringe Tiefe des Waſſers noͤthig hatten und darum leichter und ſicherer unbekannte Kuͤſten befahren und Baien und Fluͤſſe unterſuchen konnten. Er ließ ſich gefliſſentlich ſolche von kleinem Raume zu dieſem Dienſte bauen; ſo war die Caravele der Art, welche er auf ſeiner dritten Reiſe abſandte, um nach einer Oeffnung —— *) Capomani questiones criticas; quest, 6. *e) Archives de Ind. en Sevilla. — 134— des Meeres an dem oberen Ende des Golfs von Paria zu forſchen, als das Waſſer fuͤr ſeine eaiſe von hundert Ton⸗ nen zu ſeicht wurde⸗ Der ſonderbarſte Umſtand bei den Schiffen des Colum⸗ bus iſt, daß ſie offene Fahrzeuge geweſen ſeyn ſollen; denn es ſcheint ſchwer zu glauben, daß eine Reiſe von ſolcher Ausdehnung und Gefahr in Barken von ſo gebrechlichem Bau unternommen worden ſey. Dieſes wird jedoch aus⸗ druͤcklich von Peter Martyr in ſeinen Decaden verſichert, welche zu jener Zeit niedergeſchrieben wurden; und in den Memaire's des Columbus und ſeines Sohnes uͤber die Rei⸗ ſen kommen gelegentlich Bemerkungen vor, daß einige ſei⸗ ner Schiffe ohne Verdeck geweſen. Er nannte zu gleicher Zeit daſſelbe Fahrzeug ein Schiff und eine Caravele. Es hat juͤngſt noch einigen Streit uͤber die eigentliche Bedeu⸗ tung des Wortes Caravele gegeben. Der Chevalier Boſſi bemerkt in ſeinen Abhandlungen uͤber Columbus, daß in dem mittellaͤndiſchen Meere Caravele die groͤßte Art Kriegsſchiffe bei den Muſelmaͤnnern bedeute, und daß man in Portugal damit ein kleines Fahrzeug von 120 bis zu 140 Tonnen bezeichne; aber Columbus nannte zuweilen auch ein Fahr⸗ zeug von 40 Tonnen ſo. Du Cange in ſeinem Gloſſarium haͤlt es fuͤr ein Wort italieniſchen urſprungs. Boſſt erklaͤrt es fuͤr tuͤrkiſch oder arabiſch, und meint, es ſey durch die Mauren in die euro⸗ paͤtſchen Sprachen eingefuͤhrt worden. Mr. Edward Eve⸗ rett erlaͤutert den wahren Urſprung des Wortes aus Fer- — 135— rarii Origines linguae Italicae:" Caravela, navigii mi- noris genus. Lat. Carabus; Graece K α.οσ." Daß das Wort Caraoele ein kleines Fahrzeug bedeuten ſollte, geht aus einer Schiffs⸗Claſſiſication hervor, welche Koͤnig Alonzo in der Mitte des dreizehnten Jahrhunderts aufſtellte. In der erſten Klaſſe nennt er Naos oder große Schiffe, die nur mit Segeln gehen, einige mit zwei, an⸗ dere mit einem Maſt; in der zweiten Claſſe kleinere Fahr⸗ zeuge, als Caraccas, Fuſtas, Ballenares, Pinazas, Cara⸗ belas e.; in der dritten Claſſe ſtehen Fahrzeuge mit Se⸗ geln und Rudern, als Galeeren, Galeoten, Tardantes und Saetias*).. Boſſi gibt einen Abdruck von einem Briefe, den Co⸗ lumbus an Don Raphael Xanſis, Schatzmeiſter des Koͤnigs von Spanſen ſchrieb, wovon eine Ausgabe in der Stadt⸗ Bibliothek von Mailand eriſtirt. Dieſem Briefe ſind meh⸗ rere Holzſchnitte beigefuͤgt von Skizzen, die mit der Feder gezeichnet, dem Briefe beigegeben waren; er glaubt, daß dieſe von der Hand des Columbus ſeyen. Auf dieſen ſind Fahrzeuge abgebildet, welche wahrſcheinlich Caravelen ſeyn ſollen. Sie haben hohe Vorder⸗ und Hintertheile und Ca⸗ ſtells auf letzteren. Sie haben kurze Maſten mit breiten viereckigen Segeln. Eines hat außer den Segeln noch Ru⸗ derbaͤnke und ſoll wahrſcheinlich eine Galeere vorſtellen. Alle ſind augenſcheinlich Fahrzeuge von geringer Groͤße und leichtem Bau. *) Capomani quest. crit. In einem Werke, welches unter dem Titel Recherches sur le Commerce im Jahr 1779 in Amſterdam heraus kam, iſt ein Kupferſtich, der ein Schiff aus der letzten Haͤlfte des funfzehnten Jahrhunderts darſtellt. Er iſt von einem Gemaͤlde in der Kirche S. Giovanni e Paolo in Ve⸗ nedig genommen. Das Schiff hat viele Aehnlichkeit mit den erwaͤhnten, welche Columbus ſkizzirt haben ſoll; es hat zwei Maſte, der eine iſt ſehr klein und fuͤhrt ein dreieckiges Segel. Der Hauptmaſt hat ein breites viereckiges Segel. Das Vordertheil und das Hinterthell iſt hoch, mit Ver⸗ decken verſehen, und in der Mitte iſt das Schiff offen. Es laͤßt ſich daher wohl mit Gewißheit annehmen, daß die meiſten Schiffe, womit Columbus ſeine langen und ge⸗ fahrvollen Reiſen ausfuͤhrte, von dieſer leichten und gebrech⸗ lichen Bauart waren, und wenig groͤßer als die unbetraͤcht⸗ lichen Barken, welche in unſeren Tagen an den Kuͤſten und in den Fluͤſſen dahinziehen. Nro. XVI. Erſtes Landen des Columbus in der neuen Welt.* Man hat bis jetzt vermuthet, daß eine von den Baha⸗ ma⸗Inſeln, die, welche jetzt den Namen San Salvador *) Der Verfaſſer verdankt dieſe treffliche Prüſung der Reiſe — 137— traͤgt, auch als Cat⸗Island(Katzen⸗Inſel) bekannt iſt, der erſte Punct geweſen, wo Columbus in Beruͤhrung mit der neuen Welt gekommen ſey. Doch Don Martin Navarrete, Director des Hydrographiſchen Buͤreau's zu Madrid ꝛc. ꝛc., hat in der Einleitung ſeiner kuͤrzlich in Madrid herausge⸗ kommenen Sammlung ſpaniſcher Reiſen und Entdeckungen zu zeigen verſucht, daß es die Inſel Turk geweſen ſey, die groͤßte von einer Inſelgruppe, welche ungefaͤhr 100 See⸗ meilen(20 auf den Grad) fuͤdoͤſtlich von San Salvador liegt. Es iſt große Sorgfalt angewandt worden, die Anſicht Navarrete's aufrichtig zu unterſuchen und man hat ſie zu dem Ende mit dem Tagebuche des Columbus, welches in dem oben erwaͤhnten Werk erſchien, und mit den eigenen Bemerkungen des Schreibers dieſes Artikels verglichen, wel⸗ cher viel unter dieſen Inſeln geweſen war. Columbus beſchrelbt Guanahani, auf welcher er landete und welcher er den Namen San Salvador gab, als eine ſchoͤne und ſehr ausgedehnte Inſel; ſie ſey eben und mit Waldungen bedeckt, worin viele Baͤume Fruͤchte truͤgen; es gebe dort ſuͤßes Waſſer im Ueberfluß, und in der Mitte befinde ſich ein großer See; ſie habe eine ſtarke Bevoͤlke⸗ rung; er ſey eine ziemliche Strecke laͤngs der Kuͤſte, die des Columbus einem Marine⸗Officier der Vereinigten Staaten, deſſen Namen er ſehr bedauert nicht mitthei⸗ len zu dürfen. Er iſt an verſchiedenen Stellen dieſer Geſchichte durch nautiſche Belehrungen aus derſelben Quelle weſentlich unterſtuͤtzt worden, — — 138— ſich nach Nordnordoſt ziehe, in ſeinen Booten gefahren und beim Vorbeirudern von den Bewohnern mehrerer Doͤrfer be⸗ ſucht worden. Die Inſel Turk entſpricht nicht dieſer Be⸗ ſchreibung. Dieſelbe iſt ein niedriger Kay, der aus Sand und Fel⸗ ſen beſteht und ſich nach Norden und Suͤden, doch nur zwei Meinen weit, erſtreckt. Sie iſt von Holzwerk ent⸗ bloͤßt und beſitzt keinen einzigen Baum von natuͤrlichem Wachsthum. Sie hat kein ſuͤßes Waſſer, die Bewohner haͤngen ganz von den Eſternen und Tonnen ab, worin ſie das Regenwaſſer aufbewahren; auch hat ſie keinen See, nur einige Salzteiche, welche den ganzen Ertrag der Inſel lie⸗ fern. Man kann ſich dieſem Eiland nicht auf der öſtlichen, noch auch nordoͤſtlichen Seite naͤhern, weil es dort von Felſenriffen umg ben iſt Es hat keinen Hafen, ſondern einen offenen Weg an der weſtlichen Seite, wo die dort vor Anker liegenden Fahrzeuge ſich losmachen und in See gehen muͤſſen, ſobald der Wind von einer andern Himmels⸗ gegend als aus Nordoſten, der Richtung des gewoͤhnlichen Paſſatwindes weht, welcher uͤber die Inſel hinzieht; denn die Kuͤſte iſt ſo ſchroff, daß man keinen Ankergrund hat, als dicht dabei, und wenn der Wind vom Lande her zu wehen aufhoͤrt, werden die vor Anker liegenden Schiffe gegen die Felſen geſchlagen oder von der alsdann fuͤrchterlichen Bran⸗ dung hoch auf die Kuͤſte geſchleudert. Der unbeſuchte Weg des Habichtsneſtes(Hawlos-Nest) am fuͤdlichen Ende der Inſel, iſt noch gefaͤhrlicher. Dieſe Inſel, welche nicht die mindeſte Cultur vertraͤgt, liefert nur fuͤr wenige Schaafe — 139— und Pferde Nahrung. Die Bewohner erhalten ihren Le⸗ bensunterhalt von Außen, ausgenommen Fiſche und Schild⸗ kroͤten, die man dort in Menge faͤngt und welche die Haupt⸗ nahrung der Selaven ausmachen, die in den Salzwerken beſchaͤftigt ſind. Der ganze Reſchthum der Inſel beſteht in dem Ertrag der Salrteiche und in dem Stranden und Pluͤndern bei vielen Schiffbruͤchen, die ſich in der Naͤhe er⸗ eignen. Die Inſel Tark wuͤrde alſo im wilden Zuſtande nie bewohnt ſeyn, wo kein Handel exiſtirt und die Men⸗ ſchen ihre Leibesnahrung an dem Orte ziehen müſſen, den ſie bevoͤlkern. 5 Ferner: wie Columbus auf dem Punkte war Guanahani zu verlaſſen, war er unſchluͤſſig, welche unter einer großen Anzahl vor ihm liegender Inſeln er zuerſt beſuchen ſolle. Jetzt zeigt ſich von der Inſel Turk aus kein Land, außer die zwei Salz⸗Kay's, die ſuͤdlich davon liegen und mit welchen ſie die Inſelgruppe der Turk⸗Inſeln bildet. Das Tagebuch des Columbus ſagt uns nicht, welchen Weg er von Guanahani nach Conception genommen, aber er be⸗ merkt darin, ſie ſey von der erſteren funf Seemeilen ent⸗ fernt, und die Stroͤmung ſey ihm beim Hinſegeln entgegen geweſen, waͤhrend die Entfernung der Inſel Turk von Gran⸗Caico, welches Navarrete fuͤr das Conception des Columbus halt, faſt den doppelten Weg betraͤgt und die Stroͤmung zwiſchen dieſen Inſeln imm r nach Weſtnord⸗ weſten geht, welches bei der Fahrt von der Inſel Turk nach den Caicos nur guͤnſtig ſeyn koͤnnte Von Concepeion ging Columbus zunaͤchſt zu einer In⸗ — 140— ſel, w lche er neun Seemeilen davon in weſtlicher Richtung ſah und welcher er den Namen Fernandina gab. Dieſe mimmt Navarrete fuͤr Klein⸗Inagua, welche nicht weniger als zwei und zwanzig Seemeilen von Gran⸗Caico entfernt iſt. Auch muß man, ehe man nach Klein⸗Inagua kommt, dicht an drei Inſeln vorbei fahren, wovon jede groͤßer iſt als die Inſel Turk, deren aber keine in dem Tagebuche verzeichnet ſteht. Columbus beſchreibt Fernandina ſo, daß ſie ſich acht und zwanzig Stunden nach Suͤdoſt und Nord⸗ weſt erſtrecke, waͤhrend Klein⸗Inagua die groͤßte Laͤnge von vier Stunden in ſuͤdweſtlicher Richtung hat. Kurz die Beſchreibung von Fernandina hat mit Klein⸗Inagua nichts gemein. Von Fernandina ſegelte Columbus ſuͤdoͤſtlich nach Iſabella, welche Navarrete fuͤr Groß⸗Inagua haͤlt, waͤh⸗ rend doch dieſe letztere ſüdweſtlich von Klein⸗Inagua liegt, eine Richtung, die 90° von der Fahrt des Columbus ab⸗ weicht. Ferner: Columbus bemerkt gelegentlich am 20. Novem⸗ ber, Guanahani liege acht Seemeilen von Iſabella; die In⸗ ſel Turk aber liegt fuͤnf und dreißig Seemeilen von Groß⸗ Inagua. Als Columbus Iſabella verließ, ging er weſtſuͤd⸗ weſtlich nach der Inſel Cuba und fand die Islas Aunas. Dieſe Fahrt, von Groß⸗Inagua gezogen, wuͤrde auf die Küſte von Cuba ungefaͤhr bei dem Hafen Nipe treffen, waͤhrend Navarrete annimmt, Columbus habe zunaͤchſt die Key's ſüdlich von den Jumentos, welche weſtnordweſtlich von Inagua fuͤhren, getroffen, ein Lauf, der 450 von der wirklichen Fahrt des Columbus abweicht. Nach einigem — 141— Umherſchiffen in der Naͤhe von Euba befindet ſich Colum⸗ bus am 14. November in der See Nueſtra Segnora, von ſo vielen Inſeln umgehen, daß es ihm unmoͤglich wird, ſie zu zaͤhlen, waͤhrend Navarrete ihn an demſelben Tage zum Cap Moa kommen laͤßt, wo ſich nur eine kleine Inſel be⸗ findet und jede Inſelgruppe, die mit der Beſchreibung uͤber⸗ einkommen koͤnnte, mehr denn fuͤnfzig Seemeilen entfernt liegt.— Columbus benachrichtigt uns, daß San Salvador von Porto Principe fuͤnfundvierzig Seemeilen entfernt läge, aber die Inſel Turk iſt von dem Ort, welchen Navarrete fuͤr denſelben haͤlt, achtzig Seemeilen entfernt. Sodann bemerkt Columbus weiter, als er Cuba ver⸗ laſſen, ſey er ihrer Kuͤſte in einer Ausdehnung von 120 Seemeilen gefolgt. Wenn man zwanzig Seemeilen füͤr die Krüͤmmungen, denen er folgte, abzieht, ſo bleiben noch im⸗ mer 100. Doch Navarrete meint, er habe dieſe Inſel nur in einer Laͤnge von ſiebenzig Seemeilen befahren. Dieſes ſind die bedeutendſten Schwierigkeiten, welche die Anſicht Navarrete's bieten und welche unüͤberſteiglich er⸗ ſcheinen. Wir wollen nun den Weg des Columbus, welchen ſein Tagebuch angibt, verfolgen, und mit den beſten Karten vor uns unterſuchen, wie es mit der überlieferten Volks⸗ meinung harmonirt, daß er zuerſt auf der Inſel San Sal⸗ vator die neue Welt betreten habe. Wir erfahren aus dem Journal des Columbus, daß er am 11. October 1492 ſeinen Lauf weſtſuͤdweſtlich bis zu Sonnenuntergang fortſetzte und dann zu ſeinem alten weſt⸗ — 142— lichen Laufe zuruͤckkehrte, wo die Schiffe drei Seemeilen in einer Stunde zurncklegten. Um zehn Uhr ſah er nebſt an⸗ dern ſeiner Mannſchaft ein Licht, welches ihnen wie eine Fackel vorkam, die an einer Kuͤſte hn und her getragen werde. Er ſegelte vier Stunden weiter fort und legte dar⸗ in eine Stracke von zwoͤlf Seemeilen weiter nach Weſten zuruͤck, als ploͤtzlich um zwei Uhr Morgens in der Entfer⸗ nung von zwei Seemeilten gerade vor ihnen Land entdeckt wurde. Die zwoͤlf Seemeilen, welche ſie ſeit zehn Uhr zu⸗ rücklegten und die zwei Sermeilen Abſtand vom Lande, bil⸗ den eine Summe, welche voͤllig mit der Entfernung und Lage der Waeling's⸗Inſel von San Salvator uͤb reinſtimmt, und man vermuthet daher, daß das Licht, welches um jene Zeit geſeen wurde, auf der Watlings⸗Inſel war, an wel⸗ cher ſie dann vorbeiſegelten. Waͤre das Licht auf dem Lande gerade vor ihnen geſehen worden und ſie waͤren vier Stun⸗ den darauf losgeſegelt, drei Seemeilen in einer Stunde zu⸗ ruͤcklegend, ſo haͤtten ſie richtig auf der Kuͤſte ſtranden müͤſſen.— Da der Admiral, weil er dieſes Licht bemerkt hatte, den von den Souverainen fuͤr die Erſpaͤhung des er⸗ ſt.n Landes ausgeſetzten Lohn empfing, ſo hat man die Watling's⸗Inſel für das Land angeſehen, fuͤr welches dieſe Belohnung gemeint war. Als ſie am 12. October das Land gewahr wurden, lie⸗ ßen ſie die Schiffe bis zu Tagesanbruch treiben; dann gin⸗ gen ſie bei einer Inſel von großer Schoͤnheit, mit Waͤl⸗ dern bedeckt und ſehr bevoͤlkert, vor Anker. Die Eingebornen nannten ſie Guanahani, aber Colum⸗ — 143— bus gab ihr den Namen San Salvador. Er kundſchaftete die Kuͤſte aus, ging nordoſtlich und entdeckte einen Hafen, der eine gute Anzahl Schiffe aufnehmen konnte. Dieſe Be⸗ ſchreibung ſtimmt genau mit der ſuͤdoͤſtlichen Seite der Inſel uͤberein, wlche San Salvador oder Cat⸗Island heißt und ſich von Oſten nach Weſten zieht, mit einer Neigung der oͤſtlichen Spitze nach Nordnordoſt, und die den⸗ ſelben gruͤnenden und fruchtbaren Anblick gewaͤhrt. Die Schiffe waren wahrſcheinlich in dieſe Bal an der Suͤdoſt⸗ Seite von San Salvador am Morgen des 12. Octobers getrieben, waͤhrend ſie bis zu Tagesanbruch beilegten, auch erforſchte Columbus, waͤhrend er auf der Inſel blieb oder von ihr wegſegelte, das Land nicht ſo weit, daß er ent⸗ deckte, daß, was er fuͤr die ganze Laͤnge gehalten, nur die Begraͤnzung des einen Endes derſelben war, und daß der Haupttheil der Inſel dahinter lag und ſich weit nach Nord⸗ weſten erſtreckte. Von Guanahani ſah Columbus ſo viele andere Inſeln, daß er in Verlegenheit war, welche er zuerſt beſuchen ſolle. Die Indianer deuteten an, daß es eine unzaͤhlige Menge ſey und nannten die Namen von uͤber hundert derſelben her. Er entſchloß ſich nach der groͤßten, die er ſehen konnte, ab⸗ zugehen, welche ungefaͤhr fuͤnf Seemeilen entfernt ſchien; einige lagen naͤher, andere weiter hinaus. Die erkorne Inſel haͤlt man fuͤr die heutige Inſel Concepcion, und die anderen für jenen ſonderbaren Guͤrtel von kleinen Inſeln, welche La Cadena(die Kette) heißen und ſich laͤngs der Inſel San Salvador und an ihr vorbei von ſuͤdoͤſtlicher nach — 444— I nordweſtlicher Richtung erſtrecken: die naͤchſte der Gruppe lag naͤher als Concepcion, die uͤbrigen weiter entfernt. Nachdem ſie San Salvador am 14. Nachmittags ver⸗ laſſen hatten, um die gewaͤhlte Inſel zu beſuchen, legten ſie waͤhrend der Nacht bei und erreichten dieſelbe erſt ſpat am folgenden Tage, durch widrige Stroͤmungen zuruͤckge⸗ halten. Columbus gab dieſer Inſel den Namen Santa 9 Maria de la Concepeion; er erwaͤhnt weder ihre Entfernung von San Salvador, noch den Lauf, den er zu ihr machte. Wir wiſſen, daß in dieſer ganzen Umgebung die Stroͤmung ſtark und unausgeſetzt nach Weſtnordweſt geht, und da Co⸗ - lumbus alſo den Strom gegen ſich hatte, ſo mußte er in „ entgegengeſetzter Richtung, nach Oſtſuͤdoſt gefahren ſeyn. Auch ſah Columbus, als er Concepcion näher kam, eine andere Inſel im Weſten, die groͤßte, die er noch geſehen hatte; aber er ſagt uns, er habe bei Conception Anker ge⸗ worfen und ſey nicht nach dieſer groͤßeren Inſel ausge⸗ gangen, weil er nicht nach Weſten habe ſegeln koͤnnen. Daraus iſt denn erſichtlich, daß Columbus, indem er von San Salvador nach Concepcion ging, nicht weſtlich ſchiffte, indem er wegen des widrigen Windes, da es keine andere Urſache gab, nicht nach dieſer Richtung ſegeln konnte. Wenn wir nun die Karte in die Hand nehmen, ſo finden wir die gegenwaͤrtig als Conception bekannte Inſel oſtſuͤdoͤſtlich von Salvador und in der ganz zutreffenden Entfernung von fuͤnf Seemeilen, Columbus verließ Concepckon am 16. October und ſteuerte nach elner ſehr großen Inſel, die er neun Seemeilen — 145— entfernt im Weſten erbllckte und die ſich acht und zwanzig Stunden in ſuͤdoͤſtlicher und nordweſtlicher Richtung aus⸗ dehnte. Den ganzen Tag herrſchte Windſtille und er er⸗ reichte die Inſel erſt am folgenden Morgen den 17. Octo⸗ ber. Er nannte ſie Fernandina. Am Mittag ging er wieder unter Segel, um die Inſel zu umſchiffen und nach einer anderen Namens Samoet zu gehen; da jedoch der Wind von Suͤdoſt und Suden blies, gerade in der Richtung, in welcher er ſegeln wollte, machten ihn die Eingebornen auf⸗ merkſam, daß es ihm leichter werden wuͤrde, die Inſel mit guͤnſtigem Winde in nordweſtlicher Richtung zu umfahren. Er ging daher nordweſtlich und fand nach Zuruͤcklegung von zwei Seemeilen einen trefflichen Hafen mit einem engen Eingang, oder vielmehr mit zwri Eingaͤngen; denn es lag eine Inſel davor, welche ihn zuſchloß und dadurch ein be⸗ trächtliches Baſſin bildete. Aus dieſem Hafen fuhr er durch den andern nordweſtlichen Eingang aus und entdeckte den Theil der Inſel, welcher nach Oſten und Weſten geht. Die Eingebornen zeigten ihm an, daß dieſe Inſel kleiner als Samoet ſey und daß es beſſer waͤre, nach dieſer letzteren hin zuruͤckzukehren. Es war jetzt Windſtille eingetreten, aber bald erhob ſich ein Wind von Weſtnordweſt, welcher dem unternommenen Laufe gerade entgegen war, ſo wandte er ſich und ſegelte oſtſüdoͤſtlich, um das weite Meer zu ge⸗ winnen, denn das Wetter drohte mit Sturm, der ſich in⸗ deſſen in Regen verwandelte. Am folgenden Tag, den 18. October warfen ſie dem aͤußerſten Ende Fernandina's gegen⸗ uͤber ihre Anker aus. Irving's Columbus. 10—12. 10 „- — 146— Dieſe ganze Beſchreibung ſtimmt ſehr genau mit der Inſel Exuma uͤberein, welche ſuͤdlich von San Salvador und ſuͤdweſtlich und ſuͤdlich von Conception liegt. Die einzige Abweichung iſt die, daß Columbus Fernandina faſt weſtlich von Concepcion liegen und acht und zwanzig Stun⸗ den lang ſeyn laͤßt. Dieſe Unrichtigkeit muß daher kom⸗ men, daß er die lange Reihe von Cey's, la Cadena ge⸗ nannt, fuͤr einen Theil derſelben Inſel Exuma gehalten hatte, welche zuſammenhaͤngende Geſtalt jene wirklich an⸗ nehmen, wenn ſie von Conception aus geſehen werden, denn ſie laufen in derſelben ſuͤdoͤſtlichen und nordweſtlichen Rich⸗ tung. Ihre Direction, von demſelben Punkt aus geſehen, iſt gleichfalls weſtlich und ſüdweſtlich. Als Beweis, daß dieſes der Fall war, moͤge man beachten, daß er, bei ſeiner Anmaͤherung an dieſen Inſeln, ſtatt daß die Ausdehnung von Fernandina ſich anſcheinend vergroͤßerte, nun bemerkt, daß ſie zwanzig Stunden lang ſey, da er ſie doch vorher auf acht und zwanzig geſchaͤtzt hatte; er entdeckt nun, daß es ſtatt einer Inſel mehrere ſeyen und aͤndert ſeinen Lauf nach Suͤden, um die bemerklichſte derſelben zu erreichen. Daß die hier beſchriebene Inſel Exuma iſt, draͤngt ſich unwiderſtehlig auf. Die Entfernung von Concepeion, der merkwürdige Hafen mit einer Inſel davor, und weiter hinaus ihre Kuͤſte, die ſich nach Weſten wendet, alles iſt ſo genau beſchrieben, daß es ſcheinen ſollte, als waͤre die Karte nach den Angaben des Columbus ausgefuͤhrt. Am 19. Oectober verließen die Schiffe Fernandina und ſtruerten ſuͤdoͤſtlich mit Nordwind. Sie ſetzten dieſen Lauf — 147— drei Stunden fort, entdeckten Samoet im Oſten, ſteuerten darauf zu und kamen noch vor Mittag an der noͤrdlichen Spitze derſelben an. Hier fanden ſie eine kleine von Felſen umgebene Inſel und eine andere Parthie Felſenriffe zwiſchen ihr und Samoet. Dieſes Samoet erhielt von Columbus den Namen Jſabella und die Spitze gegen der kleinen Inſel über den Namen Cabo del Jaleo; das Cap an der Suͤd⸗ weſtſpitze von Samoet nannte Columbus Cabo de Laguna und bei dieſem letzten gingen ſeine Schiſſe vor Anker. Die kleine Inſel lag in der Richtung von Fernandina nach Iſa⸗ bella, oſtlich und weſtlich. Die Kuſte von der kleinen Inſel lag weſtlich zwoͤlf Seemeilen nach einem Cap, welches Columbus wegen ſeiner Schoͤnheit Hermoſa nannte; dieſes hielt er fuͤr eine von Samoet oder Iſabella getrennte Inſel, mit einer andern dazwiſchen. Von Cabo Laguna, wo er bis zum 20. October blieb, ſteuerte Columbus nach Nordoſt gegen Cabo del Isleo, da er aber an der innern Seite der kleinen Inſel Untiefen fand, ging er nicht vor Anker bis am folgenden Tag. Nahe bei dieſem Ende von Iſahella fanden ſie einen See, von welchem die Schiffe mit friſchem Waſſer verſehen wurden. Dieſe Inſel Iſabella oder Samoet ſtimmt in der Be⸗ ſchreibung genau mit Isla Larga uͤberein, welche oͤſtlich von Eruma liegt, daß es nur noͤthig iſt, mit aufgeſchlage⸗ ner Karte zu leſen, um ſich von der Einheit derſelben zu uͤberzeugen. Da Columbus die Inſel zu beſuchen beſchloß, welche die Eingebornen Cuba nannten und in weſtſüͤdweſtlicher Rich⸗ 4 10* — 148— tung von Iſabella liegend beſchrieben, ſo verließ er Cabo del Isleo um Mitternacht zu Anfang des 24. Oetobers und richtete demgemaͤß ſeinen Lauf nach Weſtſuͤdweſt. Der Wind wehte fortwaͤhrend leicht, mit Regen, bis zu Mit⸗ tag, wo er ſich verſtarkte, und am Abend lag Cap Ferde, die Südweſt⸗Spitze von Fernandina, ſieben Saemeilen nordoͤſtlich. Da die Nacht ſtuͤrmiſch wurde, ſo legte er bis zum Morgen bei und trieb nach der Berechnung nus zwei Seemeilen..„ Am Morgen des 25. ſegelte er wieder weſtſüdweſtlich, bis neun Uhr, wo er fuͤnf Seemeilen zuruͤckgelegt hatte: dann ſteuerte er weſtlich bis um drei Uhr, wo er eilf See⸗ meilen gekommen war; in dieſer Stunde wurde Land ent⸗ deckt, welches aus ſieben bis acht noͤrdlich und ſüdlich lie⸗ genden Cay's beſtand, die von den Schiffen funf Seemeilen entfernt lagen. Hier warf er am folgenden Tag im Süden vor den Inſeln Ander, und nannte ſie Islas de Vrena; ſie waren niedrig und betrugen fünf bis ſechs Stunden in der Ausdehnung. 8 Wenn man die von Columbus zuruͤckgelegten Strecken zu der Abreiſe von Fernandina und der Entfernung von dieſen Arena⸗Inſeln zur Zeit der Entdeckung zaͤhlt, ſo gibt dieß eine Summe von dreißig Seemeilen. Dieſe Summe von dreißig betraͤgt ungefaͤhr drei weniger als die Entfernung von der Suͤdweſtſpitze Fernandina's oder Exu⸗ ma's, von wo Columbus nach der Gruppe der Mucaras abging, welche öſtlich von Cayo Lobo in der großen Ba⸗ hama⸗Bank liegt und mit der Beſchreibung des Columbus — 140— aͤbereinſtimmt. Iſt es noͤthig, ſich bei der D ff renz von drei Seemeilen in einer Berechnung aufzuhalten, wo ſo dieles nach Muthmaßung angenommen wird, ſo kann die⸗ ſelbe einem Seemann gar leicht begegnen, ſo daß ein Un⸗ terſchied von zwei Seemeilen beim Treibenlaſſen in einer langen Nacht bei windigem Wetter nur klein iſt. Die Richtung von Exuma zu den Mucaras iſt etwa ſuͤdweſtlich bis ſuͤdlich. Der Lauf des Columbus weicht hiervon etwas ab, da es aber ſeine Abſicht war, als er von Iſabella weg⸗ fuhr, weſtſüdweſtlich zu ſteuern und da er dieß nachher in Weſten umänderte, ſo koͤnnen wir daraus ſchließen, daß er dieſes in Folge der Abweichung ſeines Laufes nach Süben that, indem er in der Nacht vorher beigelegt hatte. Am 27. October.— Bei Sonnenaufgang ging Columbus von den Islas de Arena odr Mucaras nach einer Inſel Namens Cuba, in ſüdſüdweſtlicher Fahrt. Wie es dunkel ward und er bis dahin ſiebzehn Seemeilen zuruͤckgelegt hatte, ſah er das Land und legte bis zum Morgen bei. An dieſer Stelle des Tagebuches beſchreibt Columbus die Localitäten nicht mit jener Genauigkeit, womit er bis dahin alles aufnotirt hatte. Nachdem die Schiffe bis zum Morgen langſam getrieben hatten, ſpannten ſie am 28. die Segel, gingen ſüdſüdweſtlich und traten in einen ſchoͤnen Fluß mit einem guten Hafen, den ſie San Salvador nannten. Dieſen Strich San Sal⸗ vador halten wir fuͤr den jetzt unter dem Namen Cara⸗ velas Grandes bekannten, welcher acht Seemeilen weſtlich von Nurvitas del Principe liegt. Seine Richtung und Ent⸗ fernung von den Mucaras ſtimmt genau mit der Fahrt des Columbus zuſammen, und ſeine Beſchreibung trifft, ſo weit als die Karten es bezeichnen, mit dem von ihm be⸗ ſachten Hafen uͤberein. 3 Am 29. October.— Columbus verließ den Hafen und ſchiffte weſtlich; nachdem er ſechs Seemeilen zurüuͤckgelegt hatte, kam er an eine Spitze der Inſel, die nach Nord⸗ weſten auslief, und die wir fuͤr die Punta Gorda halten; zehn Seemellen weiter traf er eine andere, die ſich nach Oſten erſtreckte, welche die Punta Curiana ſeyn wird. Eine Seemeile weiter entdeckte er einen kleinen Fluß und hinter dieſem einen anderen ſehr breiten, dem er den Namen Rio de Mares gab. Dieſer Fluß müundete in ein ſchoͤnes ge⸗ raͤumiges Baſſin in Form eines Sees, am Eingang mit einem offenen Ufer. Zu Graͤnzen hatte dieſes zwei runde Berge im Suͤdweſten, und nach Weſtnordweſt ein freies offenes Vorgebirg, zur Befeſtigung tauglich, weit ins Meer hinauslaufend. Dieſes halten wir fuͤr den ſchoͤnen Hafen und Fluß im Weſten von der Spitze Curiana; ſeine Ent⸗ fernung ſtimmt mit der Fahrt des Columbus von der Bucht Caravelas Grandes uͤberein, welche wir fuͤr den Haken von San Salvador erklaͤrt haben. Als Columbus am 30. Oe⸗ tober den Rio de Mares verlaſſen hatte, ging er nord⸗ weſtlich fuͤnfzehn Seemeilen; dort erblickte er ein Cap, dem er den Namen Cabo de Palmas gab. Dieſes ſcheint uns dasjenige zu ſeyn, welches den oͤſtlichen Eingang zu Laguna de Moron bildet. Jenſeits dieſes Cap's war ein Fluß, nach den Pusſagen der Eingebornen vier Tagereiſen von der 2 — 151— Stadt Cuba entfernt; Columbus entſchloß ſich dorthin zu ſchiffen. Nachdem er die ganze Nacht beigelegt hatte, erreichte er den Fluß am 31. October, fand ihn aber zu ſeicht fuͤr ſeine Schiffe. Man häͤlt ihn fuͤr Laguna de Moron. Hinter dieſem war ein von Sandbaͤnken umgebenes Cap, und ein anderes zog ſich weiter hinaus. Zwiſchen dieſen zwei Vor⸗ gebirgen war eine Bai, welche kleine Schiffe aufnehmen konnte. Die Uebereinſtimmung der Beſchreibung mit der Kuͤſte bei Laguna de Moron ſcheint klar zu ſeyn. Das Cap oͤſt⸗ lich von Laguna ſtimmt mit dem Cap Palmas, Laguna de Moron mit dem von Columbus beſchriebenen Fluß voll Un⸗ tiefen überein, und in dem weſtlichen Puncte des Eingangs, mit der Inſel Cabrion gegenuber, erkennen wir die zwei hinauslaufenden Cap's, von welchen er ſpricht, mit dieſem Raum dazwiſchen, der das Anſehn einer Bei hatte. Dieſes Alles iſt eine merkwuͤrdige Folge, die ſchwerlich anderswo zutreffen moͤchte, als an dem Ort, den Columbus beſucht und beſchrieben. Ferner, die Kuͤſte vom Hafen San Sal⸗ vador lief weſtlich bio zum Rfo de Mares, eine Strecke von ſiebzehn Stunden, und vom Rio de Mares zog ſie zum Cabo de Palmas, welches alles genau mit dem hier Vermutheten uͤbereinſtimmt. Da der Wind ſich nach Norden gedreht hatte, welches dem von ihnen angenommenen Lauf entgegen war, ſo wandten ſich die Schiffe und kehrten nach dem Rio de Mares zuruͤck. Am 12. November ſegelten die Schiffe aus dem Rio de Mares hinweg, um Babrque aufzuſuchen, eine Inſel, welche — 452— für goldhaltig ausgegeben wurde und öſtlich oder ſüdlich von dieſem Hafen liegen ſollte. Nachdem ſie acht Seemeilen mit guͤnſtigem Winde zuruͤckgelegt hatten, kamen ſie zu einem⸗ Fluß, worin man den erkennen kann, welcher grade weſt⸗ lich von Punta Gorda liegt. Vier Stunden weiter ſahen ſie einen anderen, den ſie Rio del Sol nannten. Er er⸗ ſchien als ein breiter Strom, aber ſie hielten ſich nicht auf, ihn zu unterſuchen, da der Wind zum Weiterfahren guͤn⸗ ſtig war. Dieſen muͤſſen wir fuͤr den jetzt Sabana genann⸗ ten Floß halten. Columbus ging nun zuruͤck und hatte zwoͤlf Seemellen vom Rio de Mares zuruͤckgelegt; aber in⸗ dem er weſtlich vom Hafen San Salvador zum Rio de Mares ſegelte, hatte er ſiebzehn Seemeilen gemacht. San Salvador bleibt daher fünf Seemeilen oͤſtlich vom Rio del Sol, und ſo finden wir bei einem Blick auf die Karte Caravelas Grandes in derſelben Entfernung von Sabana. Nach Zuruͤcklegung von ſechs Seemeilen vom Rio del Sol, welches in Allem achtzehn Seemeilen vom Rio de Mares betraͤg“, kam Columbus zu einem Cap, welches er Cabo de Cuba nannte, wahrſcheinlich weil er es fuͤr die Außerſte Spitze dieſer Inſel hielt. Dieſes ſtimmt genau mit der Entfernung der Punta Caſiana mit der kleineren, bei Cuba gelegen n Inſel Guajava uͤberein, und zwiſchen ihr und der groͤßeren Inſel Guajava muß Columbus durchge⸗ kommen ſeyn, als er zu dem Hafen San Salvador einlief, Entweder bemerkte er dieß nicht, da ſeine Aufmerkſamkeit von der praͤchtigen Inſel vor ihm erregt war, oder, wie ouch denkbar iſt, ſeine Schiffe koͤnnen durch den Canal, der — — — 153— zwei Seemeilen breit iſt, getrieben ſeyn, da man in der Nacht, vor der Ankunft im Hafen San Salvador, beige⸗ legt hatte. 2 Am 13. November, nachdem ſie die ganze Nacht ſich treiben laſſen, paſſirten ſie am Morgen eine Spitze, welche zwei Stunden breit war und gelangten dann in einen Meer⸗ buſen, der ſich nach Suͤdſuͤdweſt ausbreilete und nach Co⸗ lumbus Meinung Cuba von Bohio trennte. Im Hinter⸗ grunde des Golf's war eine breite Bay zwiſchen zweien Bergen. Er konnte nicht beſtimmen, ob es ein Meeresarm ſey; denn da er hier keinen Schutz vor dem Nordwind fand, ging er wieder in See. Aus dieſem erhellt, daß Colum⸗ bus zum Theil um die kleinere Inſel Guajava herumgekom⸗ men ſeyn mußte, welche er fuͤr das aͤußerſte Ende von Cuba hielt, ohne gewahr zu werden, daß das Segeln von weni⸗ gen Stunden ihn durch dieſen Canal nach dem Hafen San Salvador, ſeiner erſten Entdeckung auf Cuba, und ſo zu⸗ rück nach demſelben Rio dei Sol geführt haͤtte, an welchem er den Tag vorher vorbeigekommen war. Von den zweien Bergen, die er zu beiden Seiten jenes Eingangs geſehen hatte, entſpr'cht der groͤßere dem Pik Alto de Juan Daune, der ſieben Stunden weſtlich von Punta de Maternillos liegt. Da der Wind fortwaͤhrend noͤrdlich blies, ſchiffte er öſtlich vierzehn Seemeilen vom Cap Cuba, welches wir als die kleinere Inſel Guajava angenommen haben. Es iſt hier ſicher, daß die Spitze von Klein⸗Guajava von ihm fuͤn das Ende von Cuba gehalten wurde, denn er ſpricht von dem gedachten Lande hinter dem obengenannten Golf, als ſey es 1541=— die Inſel Bohio, und ſagt, er habe eine Strecke von zwan⸗ zig Stunden davon in der Richtung Oſtſuͤdoſt und Weſt⸗ nordweſt entdeckt. Am 14. November entſchloß er ſich, nachdem die Schiffe die Nacht uͤber mit einem Nordoſtwind getrieben hatten, ei⸗ nen Hafen zu ſuchen, und wenn er keinen faͤnde, zu denen zuruͤckzukehren, welche er auf der Inſel Cuba hinter ſich gelaſſen hatte; man wird ſich naͤmlich erinnern, daß er al⸗ les oͤſtliche von Guajava fuͤr Bohio hielt. Er ſteuerte da⸗ her oͤſtlich und ſͤdlich ſechs Seemeilen, und bog dann nach dem Lande ein. Hier ſah er viele Haͤfen und Inſeln; da aber der Wind ſtark wehete und die See hoch ging, wagte er nicht einzulaufen, ſondern fuhr die Kuͤſte entlang nord⸗ weſtlich und weſtlich eine Strecke von achtzehn Seemeilen, wo er einen bequemen Eingang und Hafen fand, in welchen er ſuͤdſuͤdweſtlich und dann ſuͤdoͤſtlich einfuhr, und uͤberall gute und offene Schifffahrt ſand. Hier ſah Columbus ſo viele Inſeln, daß er ſie nicht alle zaͤhlen konnte. Sie wa⸗ ren ſehr hoch und mit Baͤumen bedeckt. Columbus nannte die benachbarte See Mar de Nueſtra Senjora und den Ha⸗ fen in der Naͤhe des Eingangs zu dieſen Inſeln Porto del Principe. Dieſen Hafen, ſagt er, betrat er nicht eher als am folgenden Sonntag, welches vier Tage nachher war. Dieſer Theil des Schiffsjournals des Columbus iſt verwirrt und es finden ſich hier auch Ereigniſſe vordatirt, ſo daß es ausſieht, als ob das Journal ſpaͤter geſchrieben oder die Dinge im Abſchreiben verwechſelt worden waͤren. Es iſt klar, daß die Schiffe, waͤhrend ſie die vorige Nacht mit — 4155— Nordoſtwind trieben, nach Nordweſten weiter gefuͤhrt und von dem maͤchtigen Strom des Bahama⸗Canals weit in derſelben Richtung fortgeriſſen wurden. Als ſie ſich daher wandten, um nach den Haͤfen, die ſie auf der Inſel Cuba gelaſſen hatten, zuruͤckzukehren, kamen ſie nach ihnen zu unter den Wind, und entdeckten nun zuerſt die zahlreiche Inſelgruppe, wovon Cayo Romano die groͤßte iſt. Der Sirom dieſes Canals war allein hinreichend, die Schiffe weſtlich in eine Entfernung von zwanzig Seemellen zu fuͤh⸗ ren, welches die Strecke iſt, die ſie oöſtlich zuruͤckgelegt, ſeit ſie Cap Cubo, oder Guazava verlaſſen hatten; denn der Serom hatte einen Zeitraum von dreißig Stunden auf ſie gewirkt. Es laͤßt ſich die Einheit dieſer Kay's mit denen bei Cayo Romano nicht bezweifeln, denn es ſind die einzi⸗ gen in der Naͤhe von Cuba, welche nicht von niedrer und ſumpſiger Beſchaffenheit, ſondern breit und hoch ſind. Sie geben freie offene Schufffahrt und eine Menge artiger Haͤ⸗ fen; in ſpaͤteren Jahren wurden ſie Schlupfwinkel fuͤr die zraten, welche fuͤr ſich und ihre Beute in den abgelegnen Oertern dieſer hohen Kay's Sicherheit und Verborgenheit fanden. Nach der Beſchreibung des Columbus muͤſſen die Schiffe zwiſchen den Inſeln Baril und Pacedon eingelaufen ſeyn, und, längs Cayo Romano in ſuͤdoͤſtlicher Richtung weiter ſchiffend, an einem ſpäteren Tage ihren alten Ser⸗ weg in der Naͤhe von Klein⸗Guajava gefunden haben. Nicht nur ſagt Columbus hier nicht, daß er ſeinen Ankerplatz un⸗ ter dieſen Kay's geändert habe, ſondern ſein Journal zelgt uͤberhaupt Lein Ankerwerfen bis zur Zuruͤckkunft von der — 156— vergeblichen Fahrt nach Babeque an. Aus dem Geſagten geht klar hervor, daß es nicht in Porto Principe war, wo die Schiffe bei dieſer Gelegenheit vor Anker gingen; doch konnte der Ort nicht weit davon entfernt ſeyn, da Colum⸗ bus am 18 November von den Schiffen in ſeinen Booten dahin ausging, um am Eingang ein Kreuz zu errichten. Er hatte wahrſcheinlich den Eingang von draußen bemerkt, als er am 13. November öſtiich von Guajava ſegelte. Die Ein⸗ heit dieſes Hafens mit dem jetzt als Nuevitas del Principe bekannten wird deutlich, wenn man die Beſchreibung dieſes Eingangs lieſt. Columbus ſcheint ihn im Inneren nicht be⸗ ſucht zu haben. Am 19. November ſegelten die Schiffe wieder, um Ba⸗ beque aufzuſuchen. Bei Sonnenuntergang lag ihnen Porto Principe ſieben Seemeilen ſüdſuͤdweſtlich, und nachdem ſie die ganze Nacht und den folgenden Tag nordoͤſtlich und noͤrdlich geſegelt waren,(20. November) hatten ſie bis zehn Uhr Morgens eine Strecke von funfzehn Seemeilen auf dieſer Fahrt zuruͤckgelegt. Der Wind blies von Oſtſudoſt, welches grade die Rchtung war, wo Babeque liegen ſollte, und da das Wetter ungunſtig war, ſo entſchloß ſich Co⸗ lumbus, nach Porto del Principe zuruͤckzukeßren, welches eine Strecke von fuͤnfundzwanzig Se meilen betrug⸗ Er wollte nicht nach dem nur zwoͤlf Seemeilen entfernten Iſa⸗ bells fahren, damit die von San Salvador, welches acht Seemeilen von Iſabella lag, mitgenommenen Indianer nicht durchgehen moͤchten. Auf dieſe Weiſe hatte ſich Columbus, waͤhrend er nordoͤſtlich und noͤrdlich ſegelte, der Inſel Iſa⸗ — 157— bella auf eine kleine Entfernung genaͤhert. Dieſe Inſel lag alſo nach ſeiner Berechnung ſieben und dreißig Seemeilen von Porto Principe, und San Salvador war fuͤnf und vier⸗ gig Setmeilen von demſelben Orte entfernt. Das erſtere weicht nur acht Seemeilen, das zweite nur neun von der wahren Beſchaffenheit, oder von der wirklichen Entfernueg des Hafens Nusvitas del Principe von Isla Larga und San Salvador ab. Nehmen wir nun den Lauf des Colum⸗ bus von Iſabella nach Cuba vor, ſo ging er zuerſt weſtſuͤd⸗ weſtlich, dann weſtlich und nachher ſüdſüdweſtlch. Beruͤck⸗ ſichtigt man die verſchiednen Richtungen, die er nach jeder nahm, ſo ergibt ſich ein mietlerer Lanf, der nicht weſentlich von Suͤdweſt abweicht. Columbus hatte alio, indem es von Iſaballa ſuͤdweſtlich ſchiffte, den Hafen San Salvador an der Küſte von Cuba erreicht. Wie er nachher eine Fahrt nordoͤſtlich und noͤrdlich von Porto del Princ'pe machte, ging er in der Richtung von Iſabella. Daraus erklaͤren wir, daß der Hafen San Salvador, an der Kuͤſte von Cuba, weſtlich von Porto del Principe liegt, und auf dieſe Art iſt die ganze Verbindung hergeſtellt. Die zw⸗i von Co⸗ lumbus um zehn Uhr an demſelben 20. November geſehenen Inſeln müͤſſen einige der Kay's geweſen ſeyn, welchs weſt⸗ lich von den Jumentos liegen. Auf dem Ruͤckweg nach dem Hafen Principe brachte Columbus bis zur Dunkelheit zu, und fand, daß ihn die Stroͤmungen weſtlich gefuͤhrt hatten. Dieſes liefert einen hinlaͤnglichen Beweis von der Staͤrke des Stroms im Bahama⸗Canal; denn man wird ſich erin⸗ nern, daß er mit günſtigem Wind nach Cuba hinuͤberſchiffte. — 158— Nachdem er vier Tage, bis zum 24. November, mit leich⸗ ten Winden gegen die Gewalt dieſer Stroͤmung angekaͤmpft hatte, langte er endlich der ebenen Inſel gegenuͤber an, von wo er eine Woche zuvor ausgegangen war, um Babeque aufzuſuchen..— Wir werden auf dieſe Weiſe zufaͤllig belehrt, daß der Punkt, von welchem Columbus nach Babeque auslief, die⸗ ſelbe Inſel Klein⸗Guajava war, welche weſtlich von Nuevi⸗ tas del Princ'pe kiegt. Ferner: zuerſt wagte er ſich nicht in die Oeffnung zwiſchen den beiden Bergen, weil es aus⸗ ſah, als laufe die See dagegen an; wie er aber ein Boot hineinſandte, kam dieſes in ſuͤdweſtlicher dann in weſtlicher Richtung in einen ſchoͤnen Hafen. Die ebene Inſel lag noͤrd⸗ lich davon und bildete mit einer anderen eine ſichere Bai, welche ſo geraͤumig war, daß es die ganze ſpaniſche See⸗ macht haͤtte aufnehmen koͤnnen. Dieſe ebene Inſel loͤſt ſich in unſer altes Cap Cuba auf, welches wir fuͤr Klein⸗Gua⸗ java gehalten haben, und der Eingang oͤſtlich davon wird eins mit dem obenerwaͤhnten Meerbuſen, der zwiſchen zweien Bergen liegen ſoll, wovon wir den einen fuͤr den Alto de Juan Daune erklaͤrt haben, und welcher den Meerbuſen Cuha von Bohio zu trennen ſchien. Unſer Lauf wird von nun an ganz deutlich. Am 26. November ſegelte Colum⸗ bus bei Sonnenaufgang von Santa Catalina(der Name, In dieſem wird man ſogleich den ſchon erwaͤhnten hohen Pik Alto de Juan Daune erkennen. Auf deſſen Hoͤhe an⸗ — 159— gekommen, ſah er ein anderes Cap, funfzehn Seemeilen ent⸗ fernt, und ein anderes fuͤnf Seemeilen dahinter, welches er Cabo de Campana nannte. Das erſte muß die jetzige Spitze Padre, das zweite die Mulas⸗Spitze ſeyn; ihre Entfernun⸗ gen von Alto de Juan Daune ſind zu klein angeſetzt, aber des erfordert keine geringe Erfahrung, um die Entfernun⸗ gen der niedren Vorgebuͤrge von Cuba richtig zu ſchaͤtzen, wenn man ſie durch jene reine Atmoſphaͤre erblickt, welche die Inſel umgibt. Als Columbus in der Nacht des 27. an der Mulas⸗ Spitze vorbeigekommen war, blickte er in die weite Bat, welche ſuͤdoͤſtlich davon liegt; wie er das offene geſtreckte Vorgebirg, welches zwiſchen Port Nipe und Port Banes hinauslaͤuft, mit den weiten Baien zu beiden Seiten ſah, ſo hielt er beide fuͤr einen Meeresarm, der ein Land von dem anderen trennt, mit einer Inſel dazwiſchen. Bei Taco ging er eine kurze Zeit an's Land und kam dann am Abend des 27, in Baracoa an, welchem er den Namen Puerto Santo gab. Von Cabo del Pico nach Puerto Santo, eine Strecke von ſechzig Seemeilen, paſſirte er nicht weniger als neun gute Haͤfen und fuͤnf Fluͤſſe bis zum Cap Campana, und von da nach Puerto Santo acht Flüſſe, jeder mit einem guten Hafen verſehen; man findet ſie alle auf der Karte zwiſchen Alto de Juan Daune und Baracoa. Da er ſich nahe an der Kuͤſte hielt, ſo wurde er nach Südoſt von dem zuruͤcklaufenden Gewaͤſſer des Baha⸗ ma⸗Canals unterſtützt. Am 4. December ſegelte er von Puerto Santo oder Baracoa ab und erreichte am folgenden — 160— Tage das Ende von Cuba; mit günſtigem Wind ging er dann nach Suͤdoſt, um ſpaͤter Babeque zu ſuchen, welches nordoͤſtlich liegen ſollte, und bekam Bohio zu Geſicht, wel⸗ chem er den Namen Hiepaniola gab. Wo Columbus Cuba Lebewohl ſagt, erklärt er eine Strecke von 120 Seemeilen an ihren Kuͤſten zurückgelegt zu haben. Wenn wir zwanzig Seemeilen fuͤr die Well n⸗ ſtrömungen der Kuͤſte zugeben, ſo kommen die uͤbrigen 100 von der Mayſi's⸗Spitze g rechnet gerade auf Cabrion⸗Key, welches wir fuͤr die weſtliche Graͤnze ſeiner Entdeckungen angenommen haben. Die aſtronomiſchen Behachtungen des Columbus bilden damit keinen Widerſpruch; denn er ſagt uns, daß das In⸗ ſteument, deſſen er ſich b diente, um die Mittagshoͤten der Himmelskoͤrper zu meſſen, nicht mehr recht im S ande und daher unzuverlaͤſſig war. Er ſetzt ſeine erſte Entdek⸗ kung Guanahani in die Breite von Ferro, welche ungefaͤhr 270 30 noͤrdlicher Breite betraͤgt. San Salvador finden wir im 240 30“ und die Inſel Turk im 21° 30; beides weicht ſehr von der Wirklichkeit ab, aber es iſt ſicher leich⸗ ter einen Irrthum von drei als von ſechs Graden zu be⸗ gehen.. Mit Beiſeitelegung der g⸗ographiſchen Beweiſe wollen wir nun unterſuchen, wie die hiſtoriſchen Angaben mit der geaͤußerten Anſicht uͤbereinſtimmen, daß die Inſel San Sal⸗ vador der erſte Punkt war, welchen Columbus in der neuen Welt beruͤhrte. Herrera, den man fuͤr den zuverlaͤſſigſten und pünktlichſten unter den ſpaniſchen Geſchichtſchreibern haͤlt, ſchrieb ſeine Geſchichten von Indien um's Jahr 1600. Indem er die Reiſe des Ponce de Leon beſchreibt, welche dieſer im Jahr 1512 nach Florida unternahm, macht er folgende Bemerkungen*).„Sie verließen Aguado auf Por⸗ torico und ſteuerten nordweſtlich und noͤrdlich, und kamen in fuͤnf Tagen bei einer Inſel an, welche El Viejo genannt wurde, 22⁰° 30 noͤrdlicher Breite. Am folgenden Tage kamen ſie zu einer kleinen Inſel bei den Lucayos, Caycos genannt. Am achten Tag gingen ſie bei einer anderen In⸗ ſel Namens Yaguna im 240 vor Anker; es war am achten Tag, daß ſie von Portorico abgeſegelt waren. Dann ſchiff⸗ ten ſie nach der Inſel Manuega, im 240 30, und am eilften Tag erreichten ſie Guanahani, welches im 250 40* noͤrdlicher Breite liegt. Dieſe Inſel Guanahani war die⸗ jenige, welche von Columbus auf ſelner erſten Reiſe zuerſt entdeckt und San Salvador genannt wurde.“ Dieß iſt der Inhalt der Bemerkungen Herrera's nnd ſtimmt ganz mit der Lage San Salvador uͤberein. Die Breiten ſind zwar alle hoͤher angegeben, als wir ſie jetzt kennen; die von San Salvador entſpricht nur den Berry⸗Inſeln, die ſiebzig See⸗ meilen von der naͤchſten Kuͤſte Cuba's liegen; wäͤhrend Columbus ſagt, daß San Salvador nur fuͤnfundvierzig Seemeilen von Porto del Principe liege. Aber in jenen Ta⸗ gen, wo die Schifffahr noch in ihrer Kindheit ſtand, muͤſ⸗ ſen die Inſtrumente, womit man die Hoͤhen der Geſtirne maß, und die Declinations⸗Tafeln, wonach die Breiten ab⸗ — *) Herrera hist. Ind. dec. 1, lib. IX, cap. 10. Irving's Columbus. 10—12. 11 — 162— gezogen wurden, ſo unvollkommen geweſen ſeyn, daß ſie den geſchickteſten Seefahrer jener Zeit unter den mechaniſch⸗ ſten unſerer Tage herabſetzen. Die zweite Inſel, bei welcher Ponce de Leon auf ſeiner nordweſtlichen Fahrt ankam, war eine der Caycos; die Erſte El Viejo genannt, muß alſo die Inſel Turk geweſen ſeyn, welche ſuͤdoͤſtlich von den Caycos liegt. Die dritte Infel zu welcher ſie kamen, war wahrſcheinlich Mariguana, die vierte Crooked⸗Jsland und die fuͤnfte Isla Larga. Eudlich kamen ſie nach Guanahani, dem San Salvador des Co⸗ lumbus. Wenn dieß mit der Inſel Turk fuͤr eine und die⸗ ſelbe Inſel zu halten waͤre, wie vermoͤchten wir die Folge von Inſeln zu finden, welche Ponce de Leon auf ſeiner Reiſe von Portorico nach San Salvador berührte*)? In gegenwaͤrtigen Bemerkungen haben wir noch keinen Werth auf die Gleichheit der Namen gelegt, welche San Salva⸗ dor, Concepceion und Porto del Principe, noch von Colum⸗ bus her behalten haben, obgleich das traditionelle Herkommen von großem Gewicht bei ſolchen Ortsbeſtimmungen iſt. Wir glauben den geographiſchen Beweis hinlaͤnglich gefuͤhrt zu haben, um die Welt in den Stand zu ſetzen, bei dem alten ererbten Glauben zu beharren, daß die gegenwaͤrtige *) Im erſten Kapitel von Herrera's Beſchreibung Indiens, die ſeiner Geſchichte beigefügt iſt, ſteht ein anderes Ver⸗ zeichniß der Bahama⸗Inſeln, welches das Obige beſtätigt. Es fängt mit dem enrgegengeſetzten Ende an, in Nord⸗ weſten, und läuft nach Südoſt herab. Es iſt unnö⸗ thig, daſſelbe hier aufzunehmen. — 163—„ Inſel San Salvador der Punct iſt, wo Columbus die neue Welt zuerſt betrat. Hergebrachte Meinungen der Art ſollten nicht ſo leichthin angegriffen werden. Es iſt eine gute alte Regel, die man bei Forſchungen eben ſowohl wie bei Territorial⸗Verhandlungen in Acht nehmen ſollte:„Ver⸗ ruͤcke nicht die alten Grenzſteine⸗“ 1 Nro. XVII. Grundſätze, wonach die in dieſem Werke vorkom⸗ menden Geldſummen in neueren Curs ver⸗ wandelt wurden. Unter der Regierung Ferdinands und Iſabellens wurde bie Mark Silber, welche acht Unzen oder funzig Caſtillanos hatte, in fuͤnfundſechzig Reales getheilt, und jeder Real zaͤhlte vierunddreißig Maravedis, ſo daß die Mark Silber 2,210 Maravedi's ausmachte. Unter den Silbermuͤnzen gab es Achtrealen⸗Stuͤcke, welche aus acht Realen beſtanden und mit einem kleinen Bruch den achten Theil einer Mark Sil⸗ ber oder eine Unze bildeten. Von den damals eurſirenden Goldmuͤnzen betrug der Caſtillano, oder Dobla de la Vanda, 490 Maravedi'’ und der Dueado 393 Maravedi's. 11* — 164— Wenn der Werth des Maravedi ſich in Spanien bis auf den heutigen Tag nicht veraͤndert haͤtte, ſo waͤre es leicht, eine Summe aus den Zeiten Ferdinands und Iſa⸗ bellens in gleichgeltende Summen heutiger Muͤnzſorten zu verwandeln; aber bei der allmaͤhligen Herabſetzung der Vellons oder der gemiſchten Metalle, die ſeit jener Zeit ſtatt fand, ſind der Real und der Maravedi in Vellon, die an die Stelle jener alten getreten ſind, endlich gegen das Jahr 1700 ungefaͤhr auf den dritten Theil des alten Werthes reducirt worden, welcher nun unter der Benennung Silber⸗Real, Silber⸗Maravedi verſtanden wird. Da jedoch das alte Acht⸗ realen⸗Stuͤck der Unze Silber ungefaͤhr gleichkam, und der Duro oder Dollar unſerer Zeit ebenfalls eine Unze aus⸗ macht, ſo kann man ſie als gleich annehmen. Wirklich wird im ſpaniſchen Amerika der Dollar, ſtatt daß man ihn in zwanzig Realen wie in Spanien ſcheidet; nur in acht Stuͤcke getheilt, welche Reales heißen und augenſcheinlich den Real aus der Zeit Ferdinands und Jſabellens darſtellen, wie der Dollar das Achtrealenſtuͤck repraͤſentirt. Die Unze Sil⸗ ber aber galt in alter Zeit 276 ½ Maravedi's. Bei Ver⸗ wandlung der in dieſem Werk in Maravedi's angegebenen Summen iſt die Angabe in Dollars daher durch die Di⸗ viſion mit 276 ½ geſchehen. Indeſſen iſt noch eine andere Berechnung vorzunehmen, um den gegenwaͤrtigen Werth irgend einer alten Summe Goldes oder Silbers zu finden. Es iſt noͤthig, die Veraͤn⸗ derung in Anſchlag zu bringen, welche der Werth der Me⸗ talle ſelbſt erfahren hat. In Europa gab vor der Entdek⸗ — 165— kung der neuen Welt eine Unze Gold einen Betrag von 3 Lebensmitteln oder Arbeitslohn, welcher ſich jetzt auf drei unzen belaͤuft; deßhalb iſt dort eine unze Gold auf das Dreifache des jetzigen Werths anzuſchlagen. Sodann kaufte man damals fuͤr eine Unze Silber, was gegenwaͤrtig vier Unzen Silber koſtet. Hieraus erhellt, daß der Werth des Goldes und Silbers eben ſo wohl gegen einander, als ge⸗ gen alle andere Beduͤrfniſſe abgewichen iſt. Dieſes kommt daher, weil aus der neuen Welt weit mehr Silber als Gold im Verhaͤltniß zu den vorher eurſirenden Maſſen in Umlauf kam. In dem funfzehnten Jahrhundert war eine Unze Gold ungefaͤhr zwoͤlf in Silber, und nun, im Jahre 1827, ſteht ſie mit ſechzehn gleich. Um den verhaͤltnißmaͤßigen Werth der in dieſem Werke vorkommenden Summen feſtzuſtellen, iſt daher noͤthig, daß ſie mit 3 multiplicirt werden, wenn ſie in Gold, und mit 4, wenn ſie in Silber genannt ſind*). Auch iſt noch zu bemerken, daß der Dollar in dieſem Werke zu 100 Cents der vereinigten Staaten und zu vier Schillingen ſechs Pence von England gerechnet iſt. *) Caballero Pesos y Medidas. J. B. Say écono- mie politique. Nro. XVIII. Marc p Polo. Die Reiſen des Marco Polo, oder Paolo, geben den Schluͤſſel zu manchen Abſchnitten und Theilen der Reiſen und Betrachtungen des Columbus, die ohne ſie ſchwerlich verſtanden wuͤrden. Marco Polo war aus Venedig gebuürtig, machte im dreizehnten Jahrhundert eine Reiſe nach den entlegenen und zu jener Zeit noch unbekannten Gegenden des Morgenlan⸗ des und erfuͤllte durch ſeine Berichte von den geſehenen Re⸗ gionen die ganze Chriſtenheit mit Neugierde. In ſeinen Reiſen gingen ihm voran ſein Vater Necolo und ſein Oheim Matteo Polo. Dieſe zwei Bruͤder waren von einer vor⸗ nehmen Familie in Venedig und ſchifften ſich im Jahr 1250*) zu einer Handelsreiſe nach dem Morgenlande ein. Sie fuhren äbers mittellaͤndiſche Meer und den Bosphorus und hielten ſich kurze Zeit in Conſtantinopel auf. Von hier gingen ſie durch das ſchwarze Meer nach Armenien, wo ſie ein Jahr verweilten und an dem Hofe eines Tartar⸗Fuͤrſten *) Ramusio tome II, p. 17. ed. Venet. 1606. — mit großer Gunſt behandelt wurden. Durch den Ausbruch eines Krieges zwiſchen ihrem Beſchützer und einem benach⸗ barten Potentaten und durch die Verluſte des erſteren, ka⸗ men ſie in Noth, ſich aus dem Lande fortzumachen und mit heiler Haut in ihre Heimath zuruͤckzukehren. Nach vieler⸗ lei Wanderungen erreichten ſie endlich Bochara in dem per⸗ ſiſchen Meerbuſen und blieben daſelbſt drei Jahre. Waͤh⸗ rend ſie ſich dort aufhielten, kam ein Geſandter eines der untergeordneten Tartarenfuͤrſten, der auf einer Reiſe zum Groß Chan begriffen war. Da er ſah, daß die beiden Bruͤ⸗ der mit der tartariſchen Sprache gut bekannt waren, ge⸗ wann er es uͤber ſie, daß ſie ihn begleiteten. Nach einer Reiſe von mehreren Monaten, waͤhrend welcher ſie von Schnee und Ueberſchwemmungen aufgehalten wurden, kamen ſie an dem Hofe Cublai's an, den man auch den Groß⸗ Chan nannte, welches Koͤnig der Koͤnig bedeutet, da er der oberſte Herrſcher der Tartaren war. Dieſer prachtliebende Fuͤrſt empfing ſie mit großer Auszeichnung; er befragte ſie üͤber die Laͤnder und Fuͤrſten im Weſten, ihre buͤrgerlichen und militaͤriſchen Einrichtungen und die Sitten und Ge⸗ bräͤuche der lateiniſchen Voͤlkerſchaften. Ueber alles war er neugierig nach der chriſtlichen Religion. Er erſtaunte ſo ſehr uͤber die Antworten dieſer Leute, daß er, nach Zuſam⸗ menberufung eines Rathes aus den vornehmſten Perſonen ſeines Koͤnigreiches, die zwei Bruͤder bat, in ſeinem Auf⸗ trage als Geſandte zu dem Papſt zu reiſen und ihn drin⸗ gend zu bitten, hundert gelehrte Maͤnner, die in dem chriſt⸗ lichen Glauben wohl unterrichtet waͤren, zu ſenden, um die — 168— Kernnntniß deſſelben den Weiſen ſeines Reiches mitzutheilen. Auch bat er ſie, ihm ein wenig Oel von der Lampe unſe⸗ res Erloͤſeres in Jeruſalem mitzubringen, auf deſſen wun⸗ derbare Eigenſchaften er Vertrauen ſetzte. Nachdem er ih⸗ nen Briefe in tartariſcher Sprache an den Papſt mitgege⸗ ben, ernannte er einen der Vornehmen ſeines Hofes, um ſie auf ihrer Miſſion zu begleiten. Indem er ſie beur⸗ laubte, uͤbergab er ihnen eine goldne Tafel, auf welcher das koͤnigliche Wappen eingegraben war; dieß ſollte als Paß dienen, auf deſſen Vorzeigung die Gouverneure der vec⸗ ſchiednen Provinzen ihnen unterhalt ſchaffen, ſie durch ge⸗ faͤhrliche Oerter mit Bedeckung geleiten und ihnen alle an⸗ dere noͤthige Dienſte auf Koſten des Groß⸗Chans leiſten ſollten. 1 Kaum hatten ſie zwanzig Meilen zuruͤckgelegt, als der Edelmann, welcher ſie begleitete, krank wurde, und ſie ſich genoͤthigt ſahen, ihn zuruͤckzulaſſen und ihre Reiſe allein fortzuſetzen. Ihr goldener Paß verſchaffte ihnen jede Auf⸗ merkſamkeit und Bequemlichkeit in den Laͤndern des Groß⸗ Chans. Sie kamen im April 1269 glucklich in Acre an. Hier erhielten ſie die Nachricht von dem kuͤrzlich erfolgten Tode des Papſtes Clemens IV, woruͤber ſie ſehr betruͤbt waren, da ſie befuͤrchteten, daß dadurch ihre Miſfion auf⸗ gehalten wuͤrde. Es befand ſich zu jener Zeit in Acre ein Legat des heiligen Stuhls, Tebaldo de Visconti von Pia⸗ cenza, dem ſie Bericht uͤber ihre Geſandtſchaftsreiſe ab⸗ ſtatteten. Er hoͤrte ſie mit großer Aufmerkſamkeit und Theilnahme an und gab ihnen den Rath, die Wahl des — 469— 5 neuen Papſtes abzuwarten, welche bald ſtattfinden muͤſſe, ehe ſie auf ihre Miſſion nach Rom gingen. Sie reiſten daher nach Negropont und von da nach Venedig, wo ſich waͤhrend der langen Abweſenheit in ihren haͤuslichen Angelegenheiten Vieles verändert hatte. Die Gattin Nicolo's, die er in geſegneten umſtaͤnden verlaſſen hatte, war geſtorben, waͤhrend ſie einem Sohne Marco das Leben gab, der nun neunzehn Jahre alt war. Als die Wahl des neuen Papſtes ſich zwei Jahre hin⸗ ausſchob, wurden ſie muthlos und fuͤrchteten, der Kaiſer der Tartarei moͤge unwillig werden uͤber den langen Auf⸗ ſchub der Bekehrung ſeiner und ſeines Volkes, ſie ent⸗ ſchloſſen ſich daher, dieſe Wahl nicht abzuwarten, ſondern nach Acre zu reiſen und von dem dortigen Legaten ſo viel Machtvollkommenheit und geiſtlichen Beiſtand fuͤr den Groß⸗ Chan zu erwirken, als er zu geben im Stande ſey. Auf dieſe zweite Reiſe nahm Nicolo Polo ſeinen Sohn Marco mit, welcher nachmals einen Bericht uͤber ihre Reiſe ſchrieb. Sie wurden wieder mit großer Gunſt von dem Lega⸗ ten Tebaldo aufgenommen, der zwar uͤber den Erfolg ihrer Miſſion beſorgt war, ſie aber mit Briefen an den Groß⸗ Chan verſah, worin die Lehren des chriſtlichen Glaubens vollſtaͤndig entwickelt waren. Hiermit und mit etwas Oehl von dem heiligen Grabe zogen ſie von dannen und gingen im September 1271 nach den entlegenen Landern der Tar⸗ tarei ab. Sie waren jedoch noch nicht weit gekommen, als von Rom die Nachricht kam, daß der Legate ſelbſt auf den heiligen Stuhl erhoben worden ſey. Er nahm den Namen — 170— Gregor X. an und decretirte, daß in Zukunft nach dem Tode eines Papſtes die Cardinaͤle im Conclave eingeſchloſſen bleiben ſollten, bis ſie uͤber einen Nachfolger einig ge⸗ worden ſeyen; eine weiſe Verordnung, welche ſeitdem beibe⸗ halten wurde und wodurch ſchnelle Entſcheidung bewirkt und den Intriguen vorgebeugt wird. Sogleich nach Empfang der Nachricht von ſeiner Er⸗ waͤhlung ſchickte er einen Eilboten an den Koͤnig von Ar⸗ menien ab, mit der Bitte, ihm die zwei Venetianer zuruͤck⸗ zuſenden, wenn ſie noch nicht weggereiſt waͤren. Sie kamen mit Freuden zuruͤck und erhielten neue Schreiben an den Chan, Auch wurden zwei beredte Moͤnche, Nicolo Vin⸗ centi und Gilpert de Tripoli mit ihnen geſandt, mit der Ermaͤchtigung, Prieſter und Biſchoͤfe einzuſetzen und Ablaß zu geben. Sie hatten Geſchenke von Kryſtall⸗Vaſen und anderen koſtbaren Artikeln mit, um ſie dem Groß⸗Chan zu uͤberreichen, und auf dieſe Art wohl ausgeruͤſtet, machten ſie ſich wieder auf die Reiſe.*) Als ſie in Armenien ankamen, geriethen ſie in große Lebens⸗Gefahr durch den Krieg, welcher dort wuͤthete, in⸗ dem der Sultan von Babylon ins Land eingefaller war. Sie nahmen auf einige Zeit ihre Zuflucht bei den Oberen eines Kloſters; die beiden ehrwuͤrdigen Vaͤter hatten allen Muth zur Fortſetzung der gefaͤhrlichen Reiſe verloren und beſchloſſen hier zu bleiben; die Venetianer aber verfolgten ihre Bahn. Sie waren lange unterwegs und ſetzten ſich 4 *) Bamusio t. III. — 171— großen Leiden und Erduldungen von Fluthen und Schnee⸗ geſtoͤber aus, da es gerade Winter war. Endlich erreichten ſie eine Stadt in den Gebieten des Chans. Wie dieſer Monarch von ihrer Ankunft hoͤrte, ſandte er ihnen auf vierzig Tagereiſen vom Hofe Staatsbeamte entgegen und ließ ihnen Quartiere fuͤr ihre Reiſe beſtellen.*) Er empfing ſie mit großer Huld, war ſehr erfreut uͤber das Reſultat ihrer Miſſion und uͤber die Briefe des Papſtes, das Oehl aber von der Lampe des heiligen Grabes, welches er aus ihren Haͤnden nahm, verſchloß er und bewährte es als ein koͤſtliches Kleinod. Die drei Venetianer, Vater, Bruder und Sohn er⸗ fuhren eine ſo ausgezeichnete Aufnahme bei dem Chan, daß die Hoͤflinge in Eiferſucht entbrannten. Marco wußte ſich indeſſen bald in die allgemeine Gunſt zu ſetzen und ſtand zugleich bei dem Kaiſer in ſehr hoher Achtung. Er er⸗ lernte die verſchiedenen Sprachen des Landes und bewies ſo merkwuͤrdige Faͤhigkeiten, daß der Chan ihn, ſeiner Jugend ungeachtet, zu mehreren Miſſionen und wichtigen Geſchaͤften gebrauchte. Auf dieſe Weiſe ſammelte er alle Arten von Belehrungen uͤber das große Reich. 2 Nachdem die Venetianer viele Jahre in der Taatarei zu⸗ gebracht hatten, trugen ſie doch wieder Verlangen, in ihr *) Bergeron hat in ſeiner Ueberſetzung aus dem Lateiniſchen den Schnitzer gemacht, daß der Chan ihnen 40,000 Mann als Bedeckung entgegengeſandt habe. Dieſes hat den Zorn der Kritiker gegen Marco Polo gereizt, die es als eine ſeiner ungeheuern Uebertreibungen angeben. — 12— Vaterland zuruͤckzukehren. Nur mit großer Muͤhe konnten ſie es uͤber den Chan gewinnen, ſie zu entlaſſen. Sie reiſten in dem Gefolge von Geſandten des Koͤnigs von In⸗ dien, welche eine Prinzeſſin der Tartarei nach ihrem Vater⸗ lande geleiteten, die mit ihrem Monarchen vermaͤhlt werden ſollte. Wiederum verſah ſie der großmüthige Chan mit goldnen Tafeln, nicht bloß als Paͤſſe, ſondern als Befehle an alle Befehlshaber in ſeinen Reichen, um ihnen alle noth⸗ wendigen Bequemlichkeiten und Vorraͤthe herbeizuſchaffen. Sie ſchifften ſich mit einer Flotte von vierzehn Segeln ein und fuhren an den Kuͤſten von Aſien nach einer Inſel, welche ſie Jana nannten, von da ſegelten ſie uͤber das in⸗ diſche Meer und kamen am Hofe des Koͤnigs von Indien an. Hier brachten ſie einige Zeit zu und erhielten dann neue Goldtafeln von dieſem Monarchen, damit ſie mit Ehren und Sicherheit durch ſein Koͤnigreich geleitet wuͤrden. Sie hatten eine lange und ſchwierige Reiſe nach Conſtantinopel. Von da fuhren ſie nach Venedig und kamen im Jahre 1295 in guter Geſundheit, und in uchſtäblichem Sinn mit Schaͤtzen beladen dort an. Ramuſio theilt in ſeiner Vorrede zur Reiſebeſchreibung des Marco Polo eine Menge Details uͤber ihre Ankunft mit, welche er der des Ulyſſes vergleicht. Sie waren arm gekleider, in groben Gewaͤndern nach der tartariſchen Lan⸗ desſitte. Wie ſie in Venedig ankamen, wollte ſi ſie Niemand kenne. Es waren ſo viele Jahre ſeit ihrer Abreiſe ver⸗ ſtrichen, ohne daß man Nachrichten von ihnen erhielt, ſo daß ſie entweder vergeſſen oder fuͤr todt gehalten wurden, ———— —— —— — 13— Außer ihrem fremden Anzuge hatte der Einfluß der ſuͤd⸗ lichen Sonne und die Aehnlichkeit, welche die Menſchen von Voͤlkern annehmen, unter weichen ſie eine Zeit lang wohnen, ihnen eher das Anſehen von Tartaren als von Italienern gegeben. 4 Sie traten in ihre eigene Wohnung, ein vornehmer Palaſt, der nachmals unter dem Namen La Corte de la Milione bekannt war. Sie trafen als Bewohner mehrere ihrer Verwandten an; aber dieſe zeigten ſich ſaͤumig, die Reiſenden zu erkennen, da ſie ihre Reichthuͤmer nicht kann⸗ ten und ſie wahrſcheinlich fuͤr arme Abenteurer hielten, die nur znruͤckgekehrt ſeyen, um ihrer Familie zur Laſt zu fallen. Die Polo's aber ſchlugen einen wirkſamen Weg ein, das Gedaͤchtniß ihrer Angehoͤrigen aufzufriſchen und ſich eine liebevolle Aufnahme zu bereiten. Sie luden alle zu einem Bankett ein. Bei der Ankunft der Gaͤſte erſchienen ſie reich gekleidet, in Gewaͤndern von carmoiſinfarbenem Atlas nach orientaliſchem Schnitt. Als man zur Tafel ging, kamen die Reiſenden, welche ſich entfernt hatten, in noch reicheren carmoiſinfarbenen Kleidern mit Blumen durchwirkt. Die erſten Kleider wurden zerſchnitten und unter die Diener⸗ ſchaft vertheilt; ſie waren von ſolcher Laͤnge, daß ſie auf der Erde ſchleiften,„welches ſagt Ramuſio, zu damaliger Zeit bei jenen Kleidern Mode war, die man im Hauſe trug.“ Nachdem ſie von den Speiſen gekoſtet, zogen ſie ſich wieder zuruͤck und erſchienen darauf in carmoiſinrothem Sammt, und die zweite Kleidung wurde abermals der Dienerſchaft gegeben; daſſelbe geſchah am Ende des Feſtes mit den Sammtgewaͤndern, als ſie in venetianiſcher Mode⸗ tracht erſchienen. Die Gaͤſte waren ganz in Erſtaunen verloren und konnten den Sinn dieſer Maskerade nicht faſſen. Nun ließen ſie die Diener hinausgehen und Marco Polo brachte die groben tartariſchen Kleider zum Vor⸗ ſchein, worin ſie angekommen waren: er ſchnitt ſie an ver⸗ ſchiedenen Stellen mit einem Meſſer auf und aus den geoͤff⸗ neten Naͤthen und Beſetzungen fiel eine Menge koſtbarer Juwelen, als Rubinen, Saphire, Smaragde und Dia⸗ manten heraus. Die ganze Tafel glaͤnzte von koſtbaren Schaͤtzen, die ſie von dem freigebigen Groß⸗Chan erhalten und auf dieſe Weiſe verborgen durch alle Gefahren ihrer langen Reiſe hindurch gebracht hatten. „Die Tiſchgeſellſchaft,“ ſagt Ramuſio,„war von Er⸗ ſtaunen erfuͤllt und die Gaͤſte ſahen nun deutlich, daß dieſe Maͤnner, was ſie Anfangs bezweifelt hatten, wirklich die hochgeachteten und tapferen Ritter, die Polo's ſeyen, und bewieſen ihnen demgemäß große Achtung und Ehrerbie⸗ tung.“ Die Erzaͤhlung dieſes ſonderbaren Feſtes haben wir von Ramuſio, der ſie nach uͤberlieferten Ausſagen gibt; er hoͤrte ſie oft von dem erlauchten Gasparo Malipiero, einem ſehr alten Edelmann und Senator erzaͤhlen, der ſie von ſeinem Vater und dieſer von ſeinem Großvater, und ſo zuruͤck bis zur Quelle, hatten. Wie das Geruͤcht von dieſem Bankett ſich durch Vene⸗ dig verbreitete und die Reichthuͤmer der Reiſenden bekannt wurden, kam die ganze Stadt, vornehm und gering, um — jj— —— — jj— — 175— die Polo's zu ſehen, ſie zu liebkoſen und zu ehren. Mat⸗ teo, der aͤllere Bruder wurde zur Magiſtrats Wuͤrde erho⸗ ben. Die jungen Leute der Stadt kamen taͤglich zu Marco Polo, um ſich mit ihm zu unterhalten, und er bewies ſich ausnehmend liebenswuͤrdig und mitthulend. Sie waren un⸗ erſaͤttlich mit ihren Fragen uͤber Cathay und den Groß⸗ Chan, die er alle mit großer Artigkeit beantwortete, und wobei er ihnen Details erzaͤhlte, welche ſie hoͤchlich erfreu⸗ ten. Weil er von den Reichthuͤmern des Groß⸗Chans im⸗ mer in runden Summen ſprach, ſo gaben ſie ihm den Na⸗ men Meſſer Marco Milioni. 3 Einige Monate nach ihrer Rückkunft erſchien Lampa Doria, Befehlshaber der genueſiſchen Seemacht, mit ſieben⸗ zig Galeeren in der Naͤhe der Inſel Cuzzola. Andrea Dandolo, der venezianiſche Admiral, wurde ihm entgegen geſandt. Marco Polo commandirte eine Galeere der Flotte. Sein gewohntes Gluͤck verließ ihn; da er mit ſeiner Galeere der erſte in der vorruͤckenden Linie war, und nicht gut un⸗ terſtuͤtzt wurde, ſo nahm man ihn gefangen, warf ihn in Ketten und brachte ihn nach Genua, Hier wurde er lange Zeit im Gefaͤngniß gehalten und alles angebotene Loͤſegeld verworfen. Das lange Gefangenhalten machte ſeinem Va⸗ ter und ſeinem Oheim große Sorge, und ſie fuͤrchteten, er moͤge nie wieder zuruͤckkehren. In dieſer traurigen Lage, ohne Erben mit ſo vielen Schäͤtzen, berathſchlagten ſie ſich mit einander. Sie waren beide ſehr betagt, aber Nicolo, be⸗ merkt Ramuſio, war von lebensluſtiger Naturv; ſie beſchloſ⸗ ſen, er ſolle ſich wieder verheirathen. Das that er denn, 4— 176— und zur Verwunderung ſeiner Freunde bekam er in vier Jahren drei Kinder.— 1 Mittlerweile war das Geruͤcht von Marco Polo's Rei⸗ ſen nach Genua gedrungen. Sein Gefaͤngniß wurde taͤglich von einer Menge Nobili's beſucht und man ſandte ihm Al⸗ les, was ihm die Einkerkung verſuͤßen konnte. Ein ge⸗ nueſiſcher Edelmann, der ihn jeden Tag beſuchte, gewann es endlich uͤber ihn, daß er eine Beſchreibung von den geſe⸗ henen Dingen verfaßte. Er bekam ſeine Papiere und Ta⸗ gebuͤcher von Venedig geſchickt und brachte mit Huͤlfe ſeiner Freunde das Werk zu Stande, welches nachher ſo vielen Laͤrm in der Welt machte. Die Verdienſte des Marco Polo wirkten ihm am Ende ſeine Befreiung aus. Er kehrte nach Venedig zuruͤck und fand ſeinen Vater mit einem Haus voll Kinder. Er nahm es gut auf, folgte dem Beiſpiel des alten Mannes, verhei⸗ rathete ſich, und bekam zwei Toͤchter, Moretta und Fan⸗ tina. Die drei Soͤhne ſeines Vaters aus zweiter Ehe ſtar⸗ ben ohne maͤnnliche Nachkommen, und der Stamm der Fa⸗ milie Polo erloſch im Jahre 1417. Dieſes ſind die Hauptnachrichten⸗ welche wir von den Verhaͤltniſſen des Marco Polo haben, eines Mannes, deſſen Reiſen lange Zeit großes Aufſehen in Europa machten und augenſcheinlich großen Einfluß auf die ſpaͤteren Entdeckun⸗ gen hatten. Seine glaͤnzende Erzaͤhlung von der Ausdeh⸗ nung, dem Ueberfluß und der Bevoͤlkerung der tartariſchen Reiche erfuͤllte Jedermann mit Bewunderung. Die Moͤg⸗ lichkeit, daß alle dieſe Regionen unter die Herrſchaft der — 177— Kirche gebracht werden koͤnnten und der Groß⸗Chan zu einem gehorſamen Vaſall des heiligen Stuhls gemacht wuͤrde, war lange Zeit ein Lieblingsgegenſtand der begeiſterten Miſ⸗ ſionäͤre der Chriſtenheit, und es waren viele, welche ſich die Bekehrung dieſes beneidenswerthen Unglaͤubigen auszufuͤhren getrauten. Selbſt nach Verlauf von zweihundert Jahren, als die Unternehmungen zur Entdeckung eines neuen Weges nach Indien ſo viele Entwürfe uͤber dieſe entlegenen Regionen des Morgenlandes aufgeregt hatten, wurde die Bekehrung des Groß⸗Chans wieder zum Volksthema, und es war ein zu traͤumeriſches und romantiſches Unternehmen, als daß es nicht die lebhafte Phantaſte des Columbus aufregen ſollte. Auf allen ſeinen Fahrten ſieht man ihn fortwaͤhrend nach den Laͤndern des Groß⸗Chans forſchen, und ſelbſt nach ſei⸗ ner letzten Expedition, als er von Alter, Erduldungen und Koͤrperſchwaͤche faſt ganz aufgerieben war, machte er in ei⸗ nem Briefe an die ſpaniſchen Monarchen, den er auf ſeinem Stechbette ſchrieb, den Antrag, Miſſionaͤre, welche die Be⸗ kehrung des Kaiſers der Tartaren unternehmen wollten, nach deſſen Reichen zu geleiten. Irving's Columbus. 10—12. Nro. XIX. Das Werk des Marco Polo. — Das Werk des Marco Polo ſoll nach Einigen urſprüng⸗ lich in lateiniſcher Sprache abgefaßt geweſen ſeyn, ⁴½) doch wurde es wahrſcheinlicher in italieniſcher Sprache niederge⸗ ſchrieben. Handſchriftliche Copieen kamen viele und ſehr ſchnell in umlauf; Ueberſetzungen erſchienen in verſchiedenen Sprachen, bis endlich die Erfindung der Buchdruckerkunſt es weit und breit in Europa bekannt machte. Im Laufe dieſer Ueberſetzungen und Vervielfaͤltigungen hat der urſpruͤngliche Text, nach Purchas, ſehr gelitten; und es iſt wahrſcheinlich, daß viele Uebertreibungen in Zah⸗ len und Maaßen, welche dem Marco Polo zur Laſt gelegt werden, die Fehler von Uberſetzern und Buchdruckern ſind. Wie das Werk zuerſt erſch'en, hielten es Einige fuͤr eine Zuſammenſ tzung von Luͤgen und Uebertrelbungen; aber Voſſius verſichert uns, daß es ſeiner Zeit unter den Gelehr⸗ ten in hoher Achtung ſtand. *) Prevost hist, des Voyages, t. XXVI, 1. 4. ch. 5. Paris 1549, — 179— Franz Pepin, Herausgeber der brandenburgiſchen Ueber⸗ ſetzung, nennt den Marco Polo einen Mann, der durch Froͤmmigkeit, Klugheit und Treue ausgezeichnet ſey. Atha⸗ naſius Kircher ſagt in ſeiner Beſchreibung von China, daß keiner von den Alten die Koͤnigreiche der entfernten Reglo⸗ nen des Oſtens mit mehr Genauigkeit geſchildert habe. Mehrere andere gelehrte Maͤnner haben Zeugniß von ſeinem Charakter abgelegt, und die meiſten weſentlichen Punkte ſei⸗ nes Werkes ſind von ſpaͤteren Reiſenden beſtaͤtigt worden. Doch iſt es offenbar, daß er ſehr zu Uebertreibungen neigte. Der geſchichtliche Theil ſeines Werkes iſt voll von Irrthu⸗ mern und Fabeln. Er verwechſelt die Namen der Oerter, i*ſt ſehr unzuverlaͤßig in den Entfernungen und gibt die Pol⸗ hoͤhe von den Stellen, wo er geweſen iſt, nicht an. Man hat ſehr gezweifelt, ob er alle beſchriebene Laͤn⸗ der wirklich geſehen habe, und geglaubt, ſeine Beſchreibung von der Tartarei und Cathay und von verſchiednen Theilen Indiens und den afrikaniſchen Kuͤſten ruͤhre von mahome⸗ taniſchen Erzählungen her. Ramuſio meint, einen großen Theil des dritten Buches habe er aus Erzaͤhlungen der Seeleute von den indiſchen Meeren geſammelt. Athanaſius Kircher wundert ſich, daß er nicht der chineſiſchen Mauer Erwaͤhnung thut, die er paſſirt haben mußte, wenn er nicht zu Waſſer in dieſes Land gekommen war. 3 Die wahrſcheinlichſte Annahme uͤber ſeine Reiſe iſt, daß er wirklich einen Theil der Laͤnder, die er beſchreibt, be⸗ ſucht und uͤber die anderen Theile aus verſchiednen Quellen 12* 1 — 180— Nachrichten geſammelt hat; daß er ſich kein regelmaͤßiges Tagebuch hielt, ſondern bei ſeiner Ruͤckkehr nach Hauſe ſein Werk aus verſchiednen Notizen und aus dem Gedaͤchtniß zuſammenſetzte. So vermiſchte ſich in ſeinem Geiſte was er geſehen und was er nur gehoͤrt hatte, und umlaufende Fa⸗ beln vom Morgenlande wurden mit eben ſo viel Ernſt und Beſtimmtheit wie ausgemachte Facta niedergeſchrieben. Man hat viel von einer Seekarte geſprochen, welche Marco Polo von Cathay mitgebracht haben ſollte, und die in dem Kloſter St. Michael de Murano in der Naͤhe von Venedig aufbe⸗ wahrt wurde, worauf das Vorgebirg der guten Hoffnung und die Inſel Madagascar angegeben ſind; Gegenden, de⸗ ren Entdeckung doch die Portugieſen erſt zweihundert Jahre ſpaͤter gemacht haben wollten. Man hat auch angefuͤhrt, Columbus habe das Kloſter beſucht, die Seekarte angeſt⸗ hen und daraus einige ſeiner Ideen uüͤber die Kuͤſte von In⸗ dien geſchoͤpft. Nach Ramuſio jedoch, welcher in dem Klo⸗ ſter war und den Prior deſſelben gut kannte, war die dort aufbewahrte Seekarte, die von einem der Moͤnche gezeich⸗ nete Copie von dem Original des Marco Polo, und es ſind ſeitdem viele Veraͤnderungen und Zuſaͤtze von anderer Hand darauf eingetragen worden, ſo daß ſie eine Zeit lang allen 4 Glauben bei den Einſichtsvollen verlor, bis man ſie mit dem Werk des Marco Polo wieder verglich und in der Haupt⸗ ſache mit ſeinen Beſchreibungen uͤbereinſtimmend fand.*) Das Vorgebirg der guten Hoffnung iſt unbezweifelt einer *) Ramusio, v. II, p. 17. — 4181— der Zuſäͤtze von ſpaͤterer Hand, nachdem die Portugieſen die Entdeckung gemacht hatten. Columbus erwaͤhnt dieſer Karte nicht, welches er doch wahrſcheintich gethan haben würde, wenn er ſie geſehen haͤtte. Er ſcheint ſich ganz von der des Paolo Toscanelli haben leiten laſſen, die anſcheinend nach der Original⸗Karte oder nach den Beſchreibungen des Marco Polo und den Seekarten des Ptolemaͤus entwor⸗ fen war. Wie die Welt im funsahnten Jahrhundert auf die ent⸗ legenen Theile Aſiens aufmerkſam wurde und die Portugie⸗ ſen ihre Verſuche machten, Afrika zu umſchiffen, wurde die Beſchreibung des Marco Polo wieder hervorgeholt. Dieſe und die Reiſen des Nicolo le Conte, des Venetianers, und des Hieronimo da San Stefano, eines Genueſers, ſollen die Fuͤhrer geweſen ſeyn, welchen die Portugieſen auf dieſen Reiſen gefolgt ſeyen.*) Vor allem gibt der Eindruck, welchen das Werk des Marco Polo auf die Seele des Columbus uͤbte, demſelben beſondere Merkwuͤrdigkeit und Wichtigkeit. Es war fuͤr ihn offenbar eine Orakelſchrift. Man vermuthet, er habe davon ein handſchriftliches Exemplar mit ſich gefuͤhrt. Er citirt das Werk haͤufig und muͤht ſich auf ſeinen Reiſen ab, wo er an den aſiatiſchen Kuͤſten zu ſeyn glaubt, die von jenem beſchriebenen Inſeln und Feſtlande wieder zu erkennen, und die beruͤhmte Inſel Cipango zu finden. Es wird daher ganz geeignet ſeyn, einige jener Plaͤtze *) Hist. des Voyages, tom. XL. 1. II. ch. 3 — 182— und die Art, wie der venetianiſche Reiſende von ihnen Er⸗ waͤhnung thut, naͤher zu beſchreiben, damit der Leſer genuͤ⸗ gender die Erwartungen kennen lerne, welche der Phantaſie des Columbus auf ſeinen Reiſen unter den weſtindiſchen In⸗ ſeln und an der Kuͤſte des Feſtlandes vorſchwebten. Die Hauptreſidenz des Groß⸗Chans war nach Marco Bolo die Stadt Cambalu(die man ſeitdem als Peking ken⸗ nen gelernt hat) in der Provinz Cathay. Dieſe Stadt, ſagt er, maß in's Gevierte vier und zwanzig(engl.) Meilen und war erſtaunlich ſchoͤn gebaut. Es war nach Marco Polo unmoͤglich, die ungeheure Menge und Auswahl von Kauf⸗ und Manufakturwaaren zu beſchreiben, die dort zu Markt gebracht wurden; ſie ſchienen ihm hinreichend, die ganze Welt damit zu verſehen. „Hier ſieht man in wunderbarem Ueberfluß die Edel⸗ ſtein?, Perlen, Seidenzeuge und die mancherlei Parfuͤme⸗ rien des Morgenlandes; es vergeht faſt kein Tag, wo nicht an tauſend Wagen mit Seide ankommen, wovon ſie in der Stadt wundervolle Gewaͤnder bereiten.“ „Der Palaſt des Groß⸗Chans iſt prachtvoll erbaut und hat vier(engl.) Meilen im Umkreis. Es iſt eigentlich eine Gruppe von Palaͤſten. Im Innern glaͤnzt er von Gold und Sllber, und hier werden die koͤſtlichen Vaſen und Edel⸗ ſteine des Regenten aufbewahrt.“ Alle kaiſerliche Anſtal⸗ ten zum Krieg, zur Jagd und zu verſchiednen Feſtlichkeiten werden von den Reiſenden in glaͤnzenden Ausdruͤcken be⸗ ſchrieben. 3 3 Aber obgleich Marco Polo in ſeiner Beſchreibung der — 183— Provinz Cathay und ihrer kaiſerlichen Hauptſtadt Cambalu ſo praͤchtig iſt, ſo uͤbertrifft er ſich doch noch, wo er zur Beſchrebung der Provinz Mangu uͤbergeht. Dieſe Provinz haͤlt man fuͤr den ſuͤdlichen Theil von China. Sie umfaßt, ſagt er, zwoͤlfhundert Staͤdte. Die Hauptſtadt Quinſay, worin man die Stadt Hang⸗chou erkennen will, liegt fuͤnf und zwanzig(engl.) Meilen vom Meer entfernt, doch ſteht ſie durch einen Fluß mit einem Seehafen in Verbindung und treibt großen Handel mit Indien.* Der Name Quinſay bebeutet nach Marco Polo„Stadt des Himm Is;“ er ſagt, er ſey daſelbſt geweſen und habe ſie fleiß'g durchwandert, er erklaͤrt ſie fuͤr die groͤßte Stadt der Welt, und dieſes iſt ſie unbezweifelt, wenn man die von dem Reiſenden angegebene Groͤße fuͤr wahr halten darf. Er bemerkt, ſie habe hundert Meiten im Umkreis;*) ſie ſey gleich Venedig auf kleine Inſeln erbaut und habe zwoͤlftau⸗ ſend ſteinerne Bruͤck n,**) deren Bogen ſo hoch ſeyen, daß *) Mandeville ſagt von Cambalu, es habe zehn Meilen der Lombardey im Umkreis, welches acht engl. Meilen ſind. **½) Ein anderer Ueberſetzungs⸗Schnitzer hat dem Marco Polo den unwillen von Georg Hornius zugezogen, der in ſeiner Urgeſchichte von Amerika IV. 3. ausruft: „Wer kann alles glauben, was er von der Stadt Quin⸗ ſay ſagt? Wie zum Beiſpiel, daß ſie ſteinerne Brücken, zwölftauſend Meilen hoch, beſitze! Wahrſcheinlich ſind viele von den Uebertreibungen in den Erzählungen des Marco Polo Ueberſetzungsfehler. Mandeville ſagt von derſelben Stadt, welche er Canſay nennt, ſie ſey auf das Meer gebaut wie Venedig und habe 1200 Brücken, jede mit einem Thurm.“ 3 — 184— die groͤßten Schiffe durchfahren koͤnnten, ohne ihre Maſte zu ſenken. Sie beſitze dreitauſend Bäder. Im Ganzen faſſe ſie ſechsmal hunderttauſend Familien. Sie enthalte eine Menge praͤchtiger Haͤuſer und einen See von dreißig Mei⸗ len im Umkreis innerhalb ihrer Mauern, an deſſen Geſta⸗ den herrliche Palaͤſte hoher Perſonen ſtänden. Die Bewoh⸗ ner von Quinſay ſeyen ſehr weichlich und neigten zu allen Arten von Luxus und Ergoͤtzungen, beſonders die Weiber, welche ſehr ſchön ſeyen. Es gebe ſehr viele Kaufleute und Kuͤnſtler; aber die Herren und Meiſter arbeiteten nicht, ſie haͤtten Diener, die alle Arbeit verrichteten. Die Provinz Mangi ſey durch den Groß⸗Chan erobert worden, welch er ſie in neun Koͤnigreiche getheilt, deren er jedem einen zins⸗ baren Koͤnig gegeben habe. Er ziehe aus ihr ungeheure Revenüen, denn das Land habe Ueberfluß an Gold, Silber, Seide, Zucker, Gewuͤrz und Aromen. Zipangu, Zipangri, oder Cipango. Funfzehn hundert(engl.) Meilen von den Kuͤſten Mangi's liegt im Ocean die große Inſel Zipangri, oder wie Colum⸗ bus ihren Namen ſchreibt, Eipango, welches man fuͤr Ja⸗ pan haͤlt. Marco Polo ſagt, ſie habe einen Ueberfluß an Gold, welches jedoch der Koͤnig ſelten aus dem Lande zu bringen erlaube. Der Koͤnig habe einen praͤchtigen Palaſt, mit Goldblechen bedeckt, wie man in anderen Laͤndern die — 185— Daͤcher der Palaͤſte mit Blei⸗ oder Kupferplatten decke. Die Hallen und Zimmer ſeyen gleichfalls mit Gold belegt, die Fenſter damit verziert, ſelbſt die Fußboden ſeyen von Gold, oft zwei Finger dick. Die Inſel bringe auch eine Menge der groͤßten und ſchoͤnſten Perlen hervor, ſowie eine Mannichfaltigkeit von Edelſteinen, ſo daß ſie in der That einen Ueberfluß von Koſtbarkeiten habe. Der Groß⸗Chan habe mehrere Verſuche gemacht, die Inſel zu erobern, allein vergebens; welches nicht zu verwundern, wenn es wahr iſt, was Marco Polo erzäͤhlt; daß naͤmlich die Bewohner ge⸗ wiſſe wunderthaͤtige Steine an ihren Armen tragen, die durch die Kraft teufliſcher Bezauberung ſie unverwundbar machten. Die Inſel Eipango war Gegenſtand eifrigen Su⸗ chens fuͤr Columbus. Um die Inſel Zipangri oder Cipango, und zwiſchen ihr und der Kuͤſte von Mangi wimmelt das Meer, nach Marco Polo, von kleinen Inſeln, an Zahl ſiebentauſend vierhundert und achtundvierzig. Alle tragen wohlriechende Baͤume und bringen Weihrauch im Ueberfluß hervor. Columbus glaubte ſich einmal in der Mitte dieſer Inſeln zu befinden. 3 Dieſes ſind die vornehmſten von Marco Polo beſchriebe⸗ nen Oerter, welche in den Briefen und Tagebuͤchern des Columbus vorkommen. Die Inſel Cipango war das erſte Land, welches er zu finden glaubte, und er hoffte dann zu der Provinz Mangi zu kommen, und den Groß⸗Chan in ſeiner Stadt Cambalu in der Provinz Cathay aufzuſuchen. Wenn der Leſer nicht dieſe praͤchtigen Beſchreibungen des Marso Polo zu Huͤlſe nimmt, von Gegenden, die von Golde — 186— ſtrotzen, von Staͤdten, wo ſelbſt die Dächer und Palaͤſte von Golde ſtrablen, wird er nur elne karge Vorſtellung von den glaͤnzenden Hoffnungen bekommen, walche den Co⸗ lumbus belebten, wie er nach ſeiner Meinung die aͤußerſten Enden Aſins entdeckte, Die zuverſichtliche Erwartung, bald in dieſen Regionen anzukommen und die Beſchre bungen des Venetlaners zu beſtaͤtigen, war es, welche ihn zu den Verſprechungen un⸗ mittelbarer Erndten von Reichthuͤmern gegen die Souv:⸗ raine verleitete, weßhalb ſo viele trugeriſche Hoffnungen entſtanden und er ort den Vorwurf hoͤren mußte, daß er falſche Erwartungen wecke und ſich gefliſſentliche Uebertrei⸗ bungen zu Schulden kommen laſſe. Nro. XX. Sir John Mandeville. Naͤchſt Marco Polo ſcheinen die Reiſen des Sir John Mandeville und ſeine Beſchrelbung der Laͤnder des Groß⸗ Chans laͤngs der aſiatiſchen Kuͤſte in dem Gemuͤthe des Co⸗ lumbus gewuchert zu haben. Mandeville war in der Stadt St. Albans geboren. Er — 187— war von ſeiner Kindheit an eifrig in den Wiſſenſchaften und widmete ſich nach Beendigung ſeiner Schulſtudien der Me⸗ dizin. Da er großes Verlangen trug, die entlegnen Laͤnder der damals bekannten Erde kennen zu lernen, das heißt Aſien und Afrika, und vor Allem das gelobte Land zu be⸗ ſuchen, ſo verließ er England im Jahr 1332, reiſte durch Frankreich und ſchiffte ſich in Marſeille ein. Nach ſeiner eignen Beſchreibung beſuchte er die Tuͤrkei, Armenien, Egypten, Ober⸗ und unter⸗Lybien, Syrien, Perſien, Chal⸗ daͤa, Aethiopien, die Tartarei, das Amazonenland und In⸗ dien, und hielt ſich in den Hauptſtaͤdten dieſer Laͤnder auf. Aber am meiſten, ſagt er, ſey er von dem gelobten Land erfreut geweſen, wo er lange Zeit vlieb; es mit der groͤß⸗ ten Genauigkeit erforſchte, und ſich bemuͤhte, allen Spuren unſeres Erloͤſers nachzugehen. Nach einer Abweſenheit von vierunddreißig Jahren kehrte er nach England zuruͤck, fand ſich aber vergeſſen und unbekannt bei der Mehrzahl ſeiner Landsleute und ein Fremdling in ſeiner Geburtsſtadt. Er ſchrieb eine Geſchichte ſeiner Reiſen in drei Sprachen, eng⸗ liſch, franzoͤſiſch und lateiniſch, denn er war Meiſter in vielen Sprachen. Er dedicirte ſein Werk dem Koͤnig Eduard III. Seine Wanderungen ſcheinen ihn weder mit der weiten Wel berreundet, noch mit ſeiner Heimath zufrieden geſtellt zu haben. Er ſpottete uͤber das Zeitalter und ſagte, es gebe keine Tugend mehr; die Kirche ſey im Ruin, bei der Geſſtlichkeit herrſchten Irrthuͤmer, Simonie auf dem Thron; mit einem Wort, der Teufel triumphire. Er ging bald aufs Feſtland zuruͤck und ſtarb iu Luͤttich im Jahr 1372. — 188— Er wurde in der Abtei der Gulielmiten in der Vorſtadt von Luͤttich begraben; Ortelius ſagt in ſeinem Itinerarium Belgiae, er habe dort ſein Grabmal geſehen, worauf in Stein das Bild eines Mannes mit einem getheilten Bart ausgehauen geweſen, der die Haͤnde gegen das Haupt er⸗ hoben, wahrſcheinlich zum Gebet, wie es auf den alten Grahmaͤlern gewoͤhnlich war, und ein Loͤwe zu ſeinen Fuͤßen. Es ſey eine Inſchrift dabei geweſen mit ſtinem Namen, ſeinen Eigenſchaften und namentlich mit ſeinem Titel, Pro⸗ feſſor der Medizin; er ſey ſehr fromm, ſehr gelehrt und ſehr mildthaͤtig gegen die Armen geweſen und nach einer Reiſe durch die ganze Welt in Luͤttich geſtorben. Die Leute des Kloſters zeigten auch ſeine Sporen und die Satteldecken der Pferde, die er auf ſeinen Reiſen geritten hatte. Die Beſchreibungen, welche Mandeville von dem Groß⸗ Chan, von der Provinz Cathay und von der Stadt Cam⸗ balu gibt, ſind kaum weniger uͤbertrieben, als die des Mareo Polo. Der koͤnigliche Palaſt hatte mehr als zwei Stunden im Umkreis. Der große Saal wurde von vier⸗ undzwanzig in Kupfer und Gold gearbeiteten Saͤulen ge⸗ tragen. Mehr als dreimalhunderttauſend Menſchen waren im Dienſte des Palaſtes beſchaͤftigt und lebten darin oder um ihn her, und von ihnen waren mehr als hunderttauſend zum Verſorgen der Elephanten, deren zehntauſend waren, und der verſchiedenen anderen Thiere da, als Raubvoͤgel, Falken, große und kleine Papagayen. An Feſttagen waren ſelbſt noch einmal ſo viele im Dienſt beſchaͤftigt. Der Titel dieſes Monarchen in ſeinen Schreiben war:„Chan, der — 189— Sohn Gottes, der erhabene Beſitzer der ganzen Erde, Herr Aller, die der Anderen Herren ſind.“ Auf ſeinem iegel war eingegraben:„Gott herrſcht im Himmel, Chan auf Erden.“ Mandeville iſt wegen der Uebertreibungen in ſeinen Reiſe⸗ abenteuern zum Sprichwort geworden; aber ſeine Beſchrei⸗ bungen von den Gegenden, welche er beſucht hat, ſind weit wahrhafter befunden worden, als man ſie angenommen hatte. Seine Erzaͤhlungen von Cathay und der reichen Provinz Mangi, welche mit denen des Marco Polo uͤbereinſtimmen, fanden bei Columbus großes Gewicht. Nro. XXI. Die Zonſen. Die Zonen waren ideelle Baͤnder oder Kreiſe am Him⸗ mel, von welchen man climatiſche Wirkungen auf correſpon⸗ dirende Guͤrtel der Erdkugel annahm. Die Polarkreiſe und die Wendekreiſe geben die Eintheilungen derſelben an. Die Mittelregion, welche ſich unter dem Lauf der Sonne hinzieht, wurde die heiße Zone genannt; den beiden Regionen zwiſchen den Wendekreiſen und den Polarkreiſen gab man den Namen der gemaͤßigten Zonen, und den uͤbri⸗ — 190— gen Theilen zwiſchen den Polarkreiſen und den Polen, den der kalten Zonen. Die Eisregfonen nach den Polen hin hielt man fuͤr un⸗ bewohnbar und unbeſcheffbar, wegen der ungeheueren Kaͤlte. „ Die brennende Zone oder vielmehr die Mitte derſelben un⸗ ter dem Arquator nahm man ebenfalls fuͤr unbewohnbar, unwirthlich und unzugaͤnglich an, wegen der fuͤrchterlichen Hitze. Die gemaͤßigren Zonen zwiſchen beiden dagegen hielt man fuͤr furchtbar, der Geſundheit zutraͤglich und zu den Zwecken des Lebens dienſam. 5 Die Erdkugel wurde von dem Aequator, einer ideellen Linie in ber Mitte zwiſchen beiden Polen, in zwei Halb⸗ kugeln gethellt. Das Ganze der den Alten bekannten Welt, war in der gemaͤßigten Zone der noͤrdlichen Halbkugel ent⸗ halten. 4 Man bildete ſich ein, wenn die gemaͤßigte Zone der ſuͤd⸗ lichen Halbkugel gleichfalls bewohnt waͤre, koͤnne dennoch kein Verkehr zwiſchen ihnen ſtatt ſinden, wegen der gluͤhen⸗ den Zone, welche dazwiſchen liege. Parmenides war nach Strabo der Erfinder dieſer Theorie der fuͤnf Zonen, aber er gab der heißen Zone auf beiden Seiten vom Aequator eine Ausdehnung uͤber die Wende⸗ kreiſe hinaus. Ariſtoteles unterſtützte dieſe Lehre von den Zonen. Zu ſeiner Zeit war nichts von den aͤußerſten Thei⸗ len des Nordens von Europa und Aſien bekannt, noch von 3 dem inneren Aethiopien und der ſuͤdlichen Ausdehnung von Afeika, die ſich jenſtits des Wendekreiſes des Steinbocks nach dem Vorgebirg der guten Hoffaung erſtreckt. Ariſto⸗ — 191— teles glaubte, es gebe eine bewohnbare Erde in der ſuͤdli⸗ chen Erdhaͤlfte, aber er hielt ſie von der damals bekannten Welt durch die undurchdringliche Zone der brennenden Hitze am Aequator fuͤr auf immer getrennt*). Plinius beſtaͤtigte die Meinung des Ariſtoteles von der gluͤhheißen Zone.„Die Temperatur der Centralregion der Erden, bemerkt er,„wo die Sonne ihren Lauf haͤlt, brennt wie von Feuer. Die gmaͤßigten Zon n, die zu beiden Sei⸗ ten liegen, koͤnnen wegen der heftigen Hitze dieſer Region in keine Verbindung mit einander kommen.⸗**) Strabo giebt dieſer von ihm erwaͤhnten Theorie ebenfalls ſeine Zuſtimmung, und es lirßen ſich noch andere von den alten Philoſophen, gleichwie auch Poeten anfuͤhren, welche dieſe Anſicht als die herrſchende Meinung bezeichnen**4). Es muß bem rkt werden, daß zu der Zeit, als Columbus ſeinen Antrag den Gelehrten Salamanca's vorlegte, die alte Theorie der brennenden Zone durch die neuen En’ deckungen noch nicht ganz widerlegt war. Die Portugieſen waren zwar in die Wendekreiſe eingedrungen; aber, obgleich man den gan⸗ zen Raum zwiſchen den Wendekreiſen des Krebſes und des Stein⸗ bocks im gewoͤhnlichen Sprachgebrauch die heiße Zone nannte, ſo ſollte ſich doch die eigentlich unbewohnbare und undurchdring⸗ liche Region nach der Lehre der Alten nur eine beſchraͤnkte Anzahl von Graden zu beiden Seiten des Aequators aus⸗ dehnen und ungefaͤhr den dritten Theil oder hoͤchſtens die *) Aristotelis Met. II. c. 5. **†) Plinius lib. I, c. 61. ***) Strabo lib, II. — 192— Haͤlfte der Zone bilden. Die Beweiſe, welche Columbus von den nach St. Georg la Mina unternommenen Reiſen herzuleiten ſuchte, waren daher denen nicht genuͤgend, welche der alten Theorie blindlings anhingen und die ſengende Re⸗ gion immer welter nach Suͤden und unmittelbar unter den Aequator verlegten. Nro. XXII. Von der Atlantis des Plato. „ Von der Inſel Atlantis iſt bei Plato in dem Dialog Timaͤus die Rede. Solon, der athenienſiſche Geſetzgeber, ſoll eine Reiſe nach Egypten unternommen haben. Er kommt in eine alte Stadt im Delta, der fruchtbaren Inſel, welche der Nil bildet, und hat Unterredungen mit gelehrten Prieſtern uͤber die Alterthuͤmer entfernter Weltalter; da gibt ihm einer unter ihnen eine Beſchreibung von der In⸗ ſel Atlantis und ihrer Verwuͤſtung, die nach ſeiner Beſchrei⸗ bung vor der Verbrennung der Welt durch Poaston ſtatt⸗ gefunden hat. Die Inſel lag, wie man ihm berichtete, in dem weſtli⸗ chen Oceane, der Meerenge von Gibraltar gegenuͤber. Es war von ihr ein bequemer Verkehr mit anderen Inſeln, die — 193— in der Naͤhe eines großen Feſtlandes lagen, welches Europa und Aſien an Groͤße uͤbertraf. Neptun ließ ſich auf dieſer Inſel nieder; von deſſen Sohn Atlas erhielt ſie den Namen, und er theilte ſie unter ſeine zehn Soͤhne. Seine Abkoͤmm⸗ linge regierten hier viele Weltalter hindurch in ungeſtoͤrter Folge. Sie machten Einfaͤlle in Europa und Afrika, un⸗ terjochten ganz Libyen bis nach Egypten und ganz Europa bis nach Kleinaſien. Die Athenienſer jedoch widerſtanden ihnen und jagten ſie in ihr atlantiſches Reich zuruͤck. Kurze Zeit nachher entſtand ein fuͤrchterliches Erdbeben und eine Ueberſchwem⸗ mung des Meeres, welche einen Tag und eine Nacht waͤhrte. Im Laufe derſelben ging die große Inſel Atlantis und alle ihre glaͤnzenden Staͤdte und kriegeriſchen Voͤlkerſchaften in den Fluthen unter und verſanken auf den Grund des Meeres, welches ſeine Gewaͤſſer uͤber die gewordene Tiefe ergoß und ſo den atlantiſchen Ocean bildete. Lange Zeit war das Meer nicht zu befahren wegen der Klippen und Sandbänke, des Moraſtes und der ſumpfigen Stellen, und der Truͤmmer der untergegangenen Landſtriche. Viele in neuerer Zeit haben dieſes fuͤr eine bloße Fabel gehalten; andere vermuthen, Plato habe bei einem Aufent⸗ halt in Egypten einige unbeſtimmte Nachrichten von den ranariſchen Inſeln gehoͤrt, und da er bei ſeiner Ruͤckkehr nach Griechenland dieſe Inſel bei ſeinen Landsleuten ſo ganz unbekannt gefunden, habe er ſie zum Sitz ſeiner po⸗ litiſchen und moraliſchen Fraͤumereien gemacht. Andere waren jedoch geneigt, dieſer Erzäͤhlung des Plato groͤßere Irving's Columbus. 10—12. 13 — 194— Bedeutung zu geben. Sie ſind der Meinung, daß eine ſolche Inſel wirklich exiſtirt haben koͤnne, daß ſie einen großen Theil des atlantiſchen Meeres ausgefuͤllt habe, und daß das dahinter liegende Feſtland Amerika geweſen ſey, von welchem auf dieſe Art die Alten Kunde gehabt haͤtten. Kircher haͤlt Atlantis fuͤr eine Inſel, die ſich von den ca⸗ nariſchen Inſeln bis zu den Azoren erſtreckt habe; ſie ſey wirklich in einer der Erdrevolutionen verſchlungen worden und dieſe kleinen Inſeln ſeyen noch zerſtreute Ueberreſte davon. Als weiteren Beweis, daß die neue Welt den Alten nicht unbekannt geweſen ſey, haben viele die ſeltſame Stelle in Sen⸗ca's Medea angefuͤhrt, welche wunderbar auf die Entdeckung paßt und wenigſtens zeigt, wie nahe die ent⸗ zündete Phantaſie des Dichters der Propheziihung kommt. Die Ausſpruͤche der alten Orakel waren ſelten ſo unzwei⸗ deutig. Venient annis Saecula seris, quibus Oceanus Vincula rerum laxet, et ingens Pateat tellus, typhisque novos Detegat Orbes, neo sit terris Ultima Thule. Goſſelin hat in ſeinen verdienſtlichen Forſchungen uͤber die Reiſen der Alten die Atlantis des Plato fuͤr nichts mehr und nichts weniger als eine der naͤchſten canariſchen Inſeln, fuͤr Fortaventura oder Lancerote, gehalten. —Qjniqi Nro. XXIII. Die erträumte Inſel St. Brandan. Eine der ſonderbarſten geograpbiſchen Taͤuſchungen, welche uns uͤberliefert werden, iſt diejenige, die lange Zeit die Einbildung der Bewohner der canariſchen Inſeln irrete. Stie glaubten ein bergiges Inſelland von ungefaͤhr neunzig Stunden Lange tief im Weſten zu erblicken. Man ſah es nur von Zeit zu Zeit und bei voͤllg reinem und heiterem Himmel. Den einen ſchien es hundert Seemeilen, den an⸗ dern vierzig, wieder andern nur fuͤnfzehn oder achtzehn Meilen entfernt zu ſeyn.*) Als man jedoch verſuchte, es zu erreichen, taͤuſchte es dann die Schiffer und war nicht mehr zu ſehen. Dennoch gab es viele glaubwuͤrdige Leute, die darin uͤber⸗inkamen, ein ſolches Land geſehen zu haben, und die Zeugniſſe der Bwohner von verſchiedenen Inſeln waren ſo voͤllig uͤber Geſtalt und Lage mit einander uͤberein⸗ ſtimmend, daß man allgemein an die Exiſtenz der Inſel glaubte und die Geographen ſie in ihre Stekarten eintrugen. Sie iſt auf dem Globus des Martin Behaim vom Jahr 1492, welchen von Murr gibt, und auf den meiſten See⸗ karten aus der Zeit des Columbus zu finden, und ungefaͤhr *) Teyjoo theatro critioo, tome IV. d. 10,§. 29. 13* — 196— 200 Seemeilen weſtlich von den canariſchen Inſeln ver⸗ zeichnet. Waͤhrend Columbus dem Hof von Portugal ſeinen Antrag machte, wandte ſich ein Bewohner von den cana⸗ riſchen Inſeln an Koͤnig Johann II., und bat um einige Schiffe um dieſe Inſel aufzuſuchen. In den Archiven von Torre di Tombo*) findet ſich auch etwas von einem Con⸗ traet zwiſchen der Krone Portugal und Fernando de Ulmo, Cavalier vom Hofſtaate des Koͤnigs und Kapitain der Inſel Terceira, demzufolge er auf ſeine eigene Koſten nach einer Inſel oder nach Inſeln, oder nach einem Feſtlande ausgehen wollte, welches die Inſel der ſieben Staͤdte ſeyn ſolle, unter der Bedingung, daß ihm und ſeinen Nachkommen die Juris⸗ dietion daruͤber zuſtehen und dem Koͤnig der Zehnte des Einkommens abgegeben werden ſolle. Dieſer Ulmo fand, daß das Unternehmen ſeine Kraͤfte uͤberſtieg und verband ſich mit einem Namens Juan Alphonſo del Eſtreito zu der Entdeckung. Sie waren mit zwei Caravelen im Monat Maͤrz 1487**) abzugehen im Begriff. Das Schickſal ihrer Unternehmung iſt unbekannt. Der Name St. Brandan oder Borondan, den man dieſer eingebildeten Inſel vor undenklicher Zeit gegeben, ſoll von einem ſchottiſchen Abt herruͤhren, der in dem ſechsten Jahrhundert bluͤhte und manchmal mit den vorbezeichneten Namen, manchmal auch St. Blandano oder St. Blanda⸗ *) Lib. IV. de la Chancelaria del aey Don Juan II., fol. 101. **) Torre di Tombo, lib. das VIhas, f. 119. — 197— nus genannt wird. In der Martyrologie des Auguſtiner⸗ ordens wird er als Patriarch uͤber 3000 Moͤnche genannt. In der Mitte des ſechsten Jahrhunderts begleitete er ſeinen Schuͤler St. Maclovio oder St. Malo, um gewiſſe Inſeln zu ſuchen, welche die Reize des Paradieſes beſitzen, mitten in dem Ocean liegen und von Unglaͤubigen bewohnt ſeyn ſollten. Nachdem dieſe muthigen irrenden Heiligen lange Zeit auf dem Weltmeere herumgeſchifft waren, landeten ſie endlich bei einer Inſel, Ima genannt. Hier fand St. Malo den Leib eines Rieſen in einem Grabe liegen. Er erweckte ihn wieder und hatte viele intereſſante Unterredungen mit ihm, wobei der Rieſe ihn unterrichtete, daß die Bewohner dieſer Inſel einige Kunde von der Dreieinigkeit haͤtten, und ihm nebenbei eine Beſchreibung von den Qualen gab, welche die Juden und Heiden in der Unterwelt auszuſtehen haͤtten. Da St. Malo den Rieſen ſo gelehrig und vernünftig fand, ſo entwickelte er ihm alle Lehren der chriſtlichen Religion, bekehrte ihn und taufte ihn mit dem Namen Mildum. Der Rieſe jedoch bat nach Verlauf von vierzehn Tagen, ſey es aus Lebensuͤberdruß, oder aus Ungeduld, der Segnungen ſeiner Bekehrung theilhaftig zu werden, um die Erlaubniß, wieder zu ſterben, welches ihm gewaͤhrt wurde. Nach einem anderen Bericht ſagte ihnen der Rieſe, er wiſſe von einer Inſel im Ocean, welche von Mauern von polirtem Golde beſchirmt waͤre, ſo glaͤnzend wie Kryſtall, die aber keinen Eingang haͤtten. Auf ihre Bitte wollte er es unternehmen, ſie dorthin zu fuͤhren; er faßte das Schiff am Kabeltau und warf ſich ins Meer. Doch war er noch — 198—„ nicht weit gekommen, als ſich ein Sturm erhob und alle Zaruͤckzukehren zwang; kurz darauf ſoll der Rieſe geſtorben ſeyn.*) Eine dritte Legende laͤßt den Heiligen am Oſter⸗ tage zum Himmel flehen, daß ſie Land finden moͤchten, um den Gottesdienſt mit gebuͤhrender Feierlichkeit zu verſehen: da erſchien ſogleich eine Inſel, auf welcher ſie ans Land gingen und daſelbſt eine feierliche Meſſe und das heilige Abendmahl hielten; darnoch, als ſie ſich wieder einſchifften und davon ſegelten, ſahen ſie zu ihrem Erſtaunen die ver⸗ meintriche Inſel in den Grund des Meeres verſinken, und ſte war nichts als ein ungeheurer Wallfiſch geweſen.**) Wie das Geruͤcht uͤber jenes Eiland umlief, welches man von den canariſchen Inſeln aus geſehen habe, das aber bei der Annäherung verſchwunden ſey, lebten die Legenden von von St. Brandan wleder auf und wurden auf dieſe unnah⸗ bare Inſel angewandt. Wir hoͤren auch, daß in den Ar⸗ chiven der Hauptkirche von Groß⸗Canaria ein altes latei⸗ niſches Manuſcript ſich befunden, worin dieſe Abenteuer der Heiligen erzaͤhlt worden. Durch Nachlaͤſſigkeit aber verſchwand dieſes Manuſcript.**) Einige haben behauptet, dieſe Inſel ſey ſchon den Alten bekannt und dieſelbe geweſen, welche bei Ptolemaͤus unter den gluͤcklichen oder canariſchen Inſeln als Aproſitus****) bezeichnet werde, ein griechiſches *) Gregorio Garcia, Origen de los Indios, t. I., c. 9. *) Sigeberto epist. ad Teitmar. Abbat. 2n) Nunjez de la Penja, conquist. de la Gran Canaria. *2*) Ptolemaeus I. IV. t. 4. — 199— Wort, welches unnahbar bedeutet, und wodurch ſich, nach Bruder Diego Philippo in ſeinem Buch uͤber die Menſch⸗ werdung Chriſti, zeige, daß ſie dieſelbe Eigenſchaft, das Auge zu täuſchen, ſchon in den alten Zeiten beſeſſen und den Fuͤßen der Menſchen unerreichlich geweſen.*) Aber welchen Glauben auch die Alten uͤber den Gegenſtand ge⸗ habt haben moͤgen, ſo iſt es doch gewiß, daß er der Wahr⸗ ſcheinlichkeit bei den Neueren ſtarkes Gewicht gab, waͤhrend die neueren Entdeckungen im Schwung waren, und daß es an einer Menge von Zeugniſſen dafuͤr nicht fehlte: Don Joſeph de Viera y Clavijo ſagt, es ſey niemals ein ſchwe⸗ rerer Widerſpruch oder groͤßeres Problem in der Erdkunde geweſen, da es die geſunde Kritik und allen Menſchenver⸗ ſtand mit Fuͤßen treten heiße, die Exiſtenz der Inſel anzu⸗ nehmen, und um ſie zu laͤugnen, muͤſſe man die Ueberlle⸗ ferung und Beobachtung in den Wind ſchlagen und an⸗ nehmen, daß viele Perſonen von Glauben nicht im geſunden Beſitz ihrer Sinne geweſen ſeyen. Der Glaube an dieſe Inſel hat lange nach der Zeit des Columbus fortgedauert. Das Eiland wurde oͤfters, von verſchiedenen Perſonen zugleich, immer an derſelben Stelle und in der naͤmlichen Geſtalt geſehen. Im Jahr 1526 ſchiffte eine Expedition unter den Befehlen von Fernando de Troya und Fernando Alvarez nach den canariſchen In⸗ ſiln, um die Entdeckung zu machen. Sie kreuzten in der ⸗) Fr. D. Philippo lib. VIII., fol. 25. *e) Hist. Bl. Can. 1. I., c. XXVIII. — 200— gewoͤhnlichen Richtung, aber vergebens, und das Fehlſchlagen ihrer Fahrt haͤtte das Publikum enttaͤuſchen ſollen.„Allein das Trugbild der Inſel,“ ſagt Vlera,„wirkte mit ſo ge⸗ heimem Zauber auf alle, die es ſahen, daß die Leute lieber an der Geſchicklichkeit der Seefahrer, als an ihren eigenen Sinnen irre wurden.“ Im Jahr 1570 wiederholten ſich die Erſcheinungen ſo oft und ſo deutlich, daß ein wahres Fieber der Neugierde alle Bewohner der canariſchen Inſeln ergriff und man beſchloß, eine neue Expedition nach der Erſchei⸗ nung auszuſenden. Damit es nicht ſcheinen moͤge, daß man zu ſchnell gehandelt, wurden alle Perſonen von Verdienſt und Anſehen, welche die Erſcheinung geſehen oder andere Beweiſe von ihrer Exiſtenz hatten, genau vernommen. Alonzo de Espinoſa, Gouverneur der Inſel Ferro, ſtattete demgemaͤß einen Bericht ab, worin mehr denn hun⸗ dert Zeugen, unter welchen mehrere Perſonen von der hoͤch⸗ ſten Glaubwuͤrdigkeit, ihre Ausſagen niedergelegt hatten, daß ſie die bekannte Inſel ungefaͤhr 40 Seemeilen nordweſtlich von Ferro geſehen, daß ſie dieſelbe mit Ruhe und Beſtimmtheit wahr⸗ genommen und die Sonne hinter einer ihrer Spitzen unter⸗ gehen geſehen. Zeusniſſe von noch groͤßerem Gewicht kamen von der Inſel Palma und Teneriffa. Es waren Portugieſen dort, welche behaupteten, ſie ſeyen, von einem Sturme umherge⸗ trieben, auf de Inſel St. Borondon angelangt. Pedro Vello, welcher der Steuermann des Schiffes war, behaup⸗ tete in einer Bai Anker geworfen und mit mehreren von der Mannſchaft das Land betreten zu haben. Sie tranken — 2⁰1— ſuͤßes Waſſer aus einem Bach und ſahen in dem Sand Fußtapfen von Menſchen, noch einmal ſo groß als die ge⸗ woͤhnlichen, und der Zwiſchenraum von einem zum andern war dieſer Groͤße angemeſſen. Sie fanden ein Kreus an einem benachbarten Baum genagelt, in deſſen Naͤhe drei Steine in Form eines Dreiecks ſtanden, und Feuerzeichen nahm man zwiſchen ihnen wahr, welche wohl von dort ge⸗ kochten Schalthieren herruͤhrten. Da ſie viel Hornvieh und Schafe in der Umgegend graſen ſahen, ſo gingen zwei von ihnen mit Lanzen bewaffnet in die Waͤlder, um Jagd auf die Thiere zu machen. Die Nacht kam heran, der Himmel wurde finſter und es erhob ſich ein ſtarker Wind. Die Leute an Bord des Schiffes riefen, ſie wuͤrden den Anker lichten, Vello beſtieg das Boot und eilte ſich, wieder an Bord zu kommen. In einem Augenblick verloren ſie das Land aus dem Geſicht, als ob ſie der Orkan davon fuͤhrte. Als der Sturm voruͤber und das Meer und der Himmel wieder heiter waren, ſuchten ſie vergebens nach der Inſel; keine Spur war davon zu ſehen; ſie mußten ihre Reiſe fortſetzen und beklagten den Verluſt ihrer beiden Gefaͤhr⸗ ten, welche ſie nothgedrungen in dem Wald zuruͤckgelaſſen hatten.*) Ein gelehrter Licentiate, Pedro Ortiz de Funez, In⸗ quiſitor von Groß⸗Canaria, forderte bei einem Beſuch auf Teneriffa einige Leute vor ſich, welche die Inſel geſehen zu *) Nunjez de la Pena I. I. c. 1, Viera hist, Isl. Can, t. 1. c. XXVIII. — 202— haben bezeugten. Unter dieſen befand ſich einer Namens Marcos Verde, ein in dieſen Gegenden wohl bekannter Mann. Er ſagte aus, bei ſeiner Ruͤckkehr aus der Ber⸗ berei habe er in der Naͤhe der canariſchen Inſeln ein Land erblickt, welches nach ſeinen Seekarten und Berechnungen keine der bekannten Inſeln ſeyn koͤnne. Er ſchloß, daß es die altbenannte Inſel St. Borondon ſey. Außer ſich vor Freuden, dieſes geheimnlßvolle Land entdeckt zu haben, fuhr er an deſſen bezauberten Kuͤſten hin, bis er in einem ſchoͤnen Hafen Anker warf, den der Ausgang einer Bergſchlucht bildete.„Es war gerade die Stunde des Ave Maria oder der Vesper. Die Sonne war untergegangen, die Schatten breiteten ſich uͤber das Land. Die Schiffer hatten ſich ge⸗ trennt und wa derten in verſchiedenen Richtungen, bis ſie einander nicht mehr rufen hoͤrten. Als die, welche an Bord waren, die Nacht hereinbrechen ſahen, gaben ſie Signale, damit die Wandernden an Bord zuruͤckkehrten. Sie ſchifften ſich wieder ein und hofften am folgenden Tag ihre Nach⸗ forſchungen fortſetzen zu koͤnnen, kaum waren ſie aber an Bord, als ein Wirbelwind aus der Bergſchlucht mit ſolcher Heftigkeit herabfuhr, daß er das Schiff vom Anker riß und ſie hinaus in die See verſchlug; und nie fanden ſie mehr eine Spur von dieſem verborgenen und unwirthlichen Eilande.“ 3 Ein anderes Zeugniß aus einem Manuſeript eines Na⸗ mens Abreu Galindo iſt noch zu erzaͤhlen; aber ob es von jener Zeit herruͤhrt, iſt nicht zu ermitteln. Es war die Ausſage eines franzoͤſiſchen Abenteurers, der viele Jahre — 203— vorher eine Reiſe zu den canariſchen Inſeln machte und von ein em heftigen Sturm uͤberfallen wurde, der ihm die Maſten entzwelbrach. Endlich trieben ihn die wuͤthenden Winde zu den Kuͤſten einer unbekannten, mit ſtattlichen Baͤumen bewachſenen Inſel. Hier landete er mit einem Theil ſeiner Mannſchaft, waͤhlte ſich einen Baum, den er zu einem Maſt tauglich fand, ſaͤgte ihn durch und bearbei⸗ tete ihn zu ſeinem Zweck. Der Schutzgeiſt der Inſel aber war ungehalten uͤber dieſes Landen auf ſeiner verbotenen Kuͤſte. Der Himme bekam ein düſteres und drohendes An⸗ ſehen, die Nacht nahete heran, und die Matroſen, welche ein Unglück fuͤrchteten, verließen ihre Arbeit und kehrten an Bord zuruͤck. Sie wurden wie gewoͤhnlich von der Kuͤſte hinweggetrieben, und kamen am naͤchſten Morgen bei der Inſel Palma an*) Die Menge von Zeugniſſen, welche im Jahr 1570 amt⸗ lich aufgenommen wurden, ſchienen ſo hinreichend, daß man eine neue Expedition noch in demſelben Jahre von der In⸗ ſel Palma aus unternahm. Sie wurde von Fernando de Villalobos, Regidor der Inſel befehligt, aber ſie war eben ſo erfolglos wie die fruͤheren. St. Borondon ſchien die Welt mit dem heiteren Erſcheinen ſeines vorgeſpiegelten Pa⸗ radieſes aus der Ferne zu necken, oder es in Stuͤrmen umhergeworfenen Seefahrern aufzuthun, aber den Blicken Aller, die darauf losgingen, zu verbergen. Immer noch **) Nunjez conquist de la Gran Cansria. Viera hist. etc. 1 — 204— blieben die Einwohner von Palma bei ihrem liebgewonne⸗ nen Traumbilde ſtehen. Vierunddreißig Jahre ſpaͤter, im Jahr 1605 ſandten ſie ein anderes Schiff nach ihm aus; es ſtand unter dem Befehl des Gaspar Perez de Acoſta, eines vollendeten Steuermanns, welchen Pater Lorenzo Pi⸗ nedo, ein ehrwuͤrdiger und in den Naturwiſſenſchaften be⸗ wanderter Franciskaner begleitete. Aber San Borondon weigerte ſich, ſeine Inſel Jemanden zu zeigen, ſey er nun Moͤnch oder Seefahrer. Nachdem ſie nach allen Richtungen gekreuzt, ſondirt, den Himmel, die Wolken, die Winde und und alles beobachtet hatten, was ihnen Anzeichen geben konnte, kehrten ſie zuruͤck, ohne etwas geſehen zu haben, was ſie zu Hoffnungen berechtigen konnte, Nun verfloſſen mehr als hundert Jahre ohne einen neuen Verſuch der Entdeckung dieſer Zauberinſel. Dann und wann wurden zwar die Leute wirder aufgeregt von neuen Geruͤchten, daß man ſie geſehen habe. Limonen und andere Fruͤchte und gruͤne Baumzweige, die nach den Kuͤſten von Gomara und Ferro hintrieben, wurden fuͤr Erzeugniſſe der verzauberten Haine St. Borondon's gehalten. Endlich im Jahr 1721 ſtieg die oͤffentliche Bethoͤrung zu ſolcher Hoͤhe, daß man eine vierte Erpedition unter den Befehlen des Don Gaspar Dominguez, eines Mannes von Redlichkeit und Talenten, ausſandte. Da dieſes eine Fahrt von geheimniß⸗ voller und wichtiger Art war, ſo hatte er zwei ehrwuͤrdige Patres als apoſtoliſche Kaplaͤne bei ſich. Sie ſegelten gegen Ende Oetobers von der Inſel Teneriffa ab und ließen das Volk in unbeſchreiblicher Spannung und Neugierde zuruͤck Das Schiff kam jedoch von ſeinem Kreuzzuge eben ſo erfolg⸗ los wie ſeine Vorgaͤnger zuruͤck. Wir haben keine Nachrichten von einer ſeitdem unter⸗ nommenen Expedition, obwohl die Inſel noch ſtets fortfuhr Gegenſtand des Nachdenkens zu ſeyn und von Zeit zu Zeit ihre ſchattigen Berge den Augen beguͤnſtigter Perſonen ent⸗ ſchleierte. In einem von der Inſel Gomara im Jahre 1759 von einem Franciskaner⸗Moͤnch an einen ſeiner Freunde geſchriebenen Brief erzaͤhlt derſelbe, er habe die Inſel von dem Dorfe Alaxero aus um ſechs Uhr am Morgen des dritten Mais geſehen. Sie ſchien ihm aus zwei hohen Ber⸗ gen mit einem tiefen Thal dazwiſchen zu beſtehen und als er ſie mit dem Fernrohr betrachtete, ſo kam es ihm vor, als ſey das Thal mit Baͤumen angefuͤllt. Er rief den Pfarrer Antonio Joſe Manrique und uͤber vierzig andere Perſonen herbei, welche ſie alle deutlich ſahen 5), Nicht bloß auf alten Seekarten aus der Zeit des Co⸗ lumbus iſt dieſe Inſel verzeichnet. Sie ſteht auf einer fran⸗ zoͤſiſchen Seekarte vom Jahr 1704 als eine der canariſchen Inſeln eingetragen, und Monſ. Gautier ſetzt ſie in einer geographiſchen Karte, die ſeinen Beobachtungen aus der Naturgeſchichte vom Jahr 1755 angehaͤngt iſt, fänf Grade weſtlich von der Inſel Ferro, in den 29. Grad'noͤrdlicher Breite**). 4 Dieſes ſind die Hauptthatſachen, welche uͤber die Inſel *) Viera hist. Isl. Can. t. I, e. 28. **) Viera 1. c. — 296— St. Borondon exiſtiren. Ihr wirkliches Vorhandenſeyn wurde lange Zeit feſt geglaubt. Vergebens bewieſen wie⸗ derholte Reiſen und Nachforſchungen ihre Nicht⸗Exiſtenz: das Publicum nahm nach Erſchoͤpfung aller Arten von Sophis⸗ men zum Uebernatuͤrlichen ſeine Zuflucht, um das Lieblings⸗ thema dieſer Erſcheinung zu vertheidigen. Man behauptete, die Inſel ſey durch die goͤttliche Vorſehung oder durch teuf⸗ liſche Kuͤnſte den Sterblichen unzugaͤnglich gemacht. Die Meiſten neigten ſich zu der erſteren Annahme. Man uͤber⸗ ließ ſich den tollſten Einbildungen in dieſer Hinſicht*); einige verwechſelten ſie mit der fabelhaften Inſel der ſieben Staͤdte, die irgendwo im Ocean liegen und wohin in alten Zeiten ſieben Biſchoͤfe und die ihnen nachfolgenden Gemein⸗ den ſich vor den Mauren gefluͤchtet haben ſollten. Einige von den Portugieſen hielten ſie fuͤr den Aufenthalt ihres erlorenen Koͤnigs Sebaſtian. Die Spanier behaupteten, Roderic der letzte Gothenkoͤnig ſey nach der ungluͤcklichen Schlacht von Guadalete vor den Mauren hierher entflohen. Andere meinten, es koͤnne der Sttz des irdiſchen Paradieſes ſeyn, der Ort, wo Enoch und Elias bis zum juͤngſten Tag in einem ſeligen Zuſtande leben ſollten, und er erſchiene zuweilen den Augen dor Sterblichen, waͤhrend er ihrem Suchen verſchloſſen werde. Die Poeſie ſoll dieſem Volks⸗ glauben eine ihrer ſchoͤnen Erdichtungen verdanken, die Gaͤr⸗ ten Armidens naͤmlich, wo Rinald in Bezauberung feſtge⸗ halten wurde, und welche Taſſo auf eine der canariſchen *) Viera l, c. — 209 8 1 Inſeln verlegt, iſt fuͤr ein und dieſelbe mit San Borondon gehalten worden*). Der gelehrte Pater Feyjoo“*) hat fuͤr dieſes geographi⸗ ſche Problem eine philoſophiſche Loͤſung gefunden. Er ſchreibt alle dieſe Erſcheinungen, welche ſo zahlreich und ſo ſehr beglaubigt ſind, daß ſie keinem Zweifel unterliegen, gewiſſen atmoſphaͤriſchen Trugbildern, gleich denen der Fata Morgana zu, welche man zuweilen in der Meerenge von Meſſina ſieht, wo die Stadt Reggio und ihre Umgegend in der Luft uͤber dem anſtoßenden Meer erſcheint, ein Phaͤ⸗ nomen, welches auch auf der Meeresſeite der Stadt Mar⸗ ſeille beobachtet worden iſt. Die Erzaͤhlungen von den See⸗ fahrern, die an dieſen verbotenen Kuͤſten gelandet und dann durch heftige Wirbelwinde und Stuͤrme wieder davon verſchlagen ſeyn wollten, erklaͤrte er fur bloße Erfindungen. Da das Volk indeſſen ungern Dinge aufgibt, die etwas Wunderbares und Geheimnißvolles beſitzen, und da dieſelben Luftbilder, welche jene Taͤuſchung zuerſt erzeugten, noch immer fortwaͤhren moͤgen, ſo iſt es nicht unwahrſcheinlich, daß unter den unwiſſenden und leichtgläubigen Leuten der canariſchen Inſeln noch ſtets der Glaube an die Inſel St. Brandan vorherrſcht und daß ſie noch zuweilen ihre zau⸗ berhaften Berge an dem entfernten Horizont des atlanti⸗ ſchen Meeres erblicken. *) Viera hist. Isl. Can.— **) Teatro critico, t. IV. d. 10. — 208— Nro. XXIV. Die Inſel der ſieben Städte. Eine der Volksuͤberlieferungen von dem Ocean, welche waͤhrend den Zeiten des Columbus im Schwunge waren, iſt die von der Inſel der ſieben Staͤdte. In einer alten Le⸗ gende hieß es, zur Zeit der Eroberung Spaniens und Por⸗ tugals durch die Mauren, als die Bewohner nach allen Seiten hinflohen, um der Sclaverei zu entgehen, haͤtten ſich ſieben Biſchoͤfe, welchen eine Menge ihrer Untergebenen gefolgt ſeyen, zu Schiff begeben und ſich ihrem Schickſal auf der hohen See uͤberlaſſen. Nachdem ſie einige Zeit umher⸗ geſtoßen worden, waͤren ſie bei einer unbekannten Inſel mitten in dem Ocean angekommen. Hier haͤtten die Bi⸗ ſchoͤfe die Schiffe verbrannt, um das Entweichen ihrer Ge⸗ meinden zu verhuͤten, und ſieben Stäͤdte gegruͤndet. Meh⸗ rere portugieſiſche Piloten ſollen zu verſchiednen Zeiten die Inſel erreicht haben, aber nie von dort zuruͤckgebehrt ſeyn, weil ſie, nach ſpaͤteren Berichten, von den Nachfolgern des Biſchofs zuruͤckgehalten wurden, um ſich vor Verfolgung zu ſichern. Endlich in der Zeit, als Prinz Heinrich von Por⸗ tugal ſeine Entdeckungen verfolgte, zeigten ſich, nach der allgemeinen Ueberlieferung, eines Tages mehrere Seeleute vor ihm und ſagten, ſie ſeyen ſoeben von einer Fahrt zu⸗ — 20⁰09— ruͤckgekommen, in deren Verlauf ſie auf jener Inſel ange⸗ kommen waͤren. Die Bewohner, erzaͤhlten ſie, ſpraͤchen ihre Sprache und haͤtten ſie ſogleich in die Kirche gefuͤhrt, um ihnen zu beweiſen, daß ſie echte Katholiken ſeyen, wor⸗ uͤber ſich die Seefahrer ſehr gefreut haͤtten. Dann waͤren jene mit ernſten Fragen in ſie gedrungen, ob die Mauren noch im Beſitz von Spanien und Portugal ſeyen. Waͤhrend ein Theil der Mannſchaft in der Kirche geweſen, habe ein anderer zum Gebrauch in der Kuͤche Sand an der Kuͤſte geholt; ſie haͤtten zu ihrem Erſtaunen gefunden, daß er zum dritten Theile Gold ſey. Die Bewohner der Inſel weauͤnſchten ſehr, daß die Schiffer bei ihnen bleiben moͤchten, bis ihr Gouverneur zuruͤckkehre, welcher abweſend war; aber die Seeleute, aus Furcht zuruͤckgehalten zu werden, ſchifften ſich ein und ſegelten davon. Dieſes war die Erzaͤhlung, welche ſie vor dem Prinzen Heinrich vorbrachten, in der Hoffnung eine Belohnung für ihre Nachricht zu erhalten. Der Prinz ſoll ihnen aber ſein Mißfallen daruͤber ausge⸗ druͤckt haben, daß ſie ſo ſchnell wieder weggefahren ſeyen und ihnen befohlen haben, zuruͤckzukehren und fernere Nach⸗ richten zu holen, aber die Leute, die ſich ohne Zweifel vor der Entdeckung ihrer Luͤgen fuͤrchteten, entwichen und man hoͤrte nichts mehr von ihnen.*)— Dieſe Geſchichte kam ſehr in Umlauf. Man hielt die Inſel der ſieben Staͤdte fuͤr die, welche Ariſtoteles als eine Entdeckung der Carthager angibt, und man verzeichnete *) Hist. del Almirante, c. 10. Irving's Columbus. 10—12. 14 — 210— ſie in den fruͤheren Seekarten zur Zeit des Columbus unter dem Namen Antilla. 1 11 Als Neu⸗Spanien entdeckt wurde, kamen uͤbertriebene Geruͤchte von der Cultur dieſes Landes nach Hispaniola; es hieß, die Leute dort truͤgen Kleider, ihre Haͤuſer und Tempel ſeyen ganz aus Stein erbaut, geraͤumig und oft praͤchtig, und man finde hie und da Kreuze bei ihnen. Juan de Grivalja, den man abgeſchickt hatte, um die Kuͤſte von PYucatan zu erforſchen, berichtete, als er loͤngs derſelben hingeſchifft ſey, habe er mit großer Verwunderung ſchoͤne und praͤchtige Gebaͤude von Stein und Kalk und viele hohe Thuͤrme in der Entfernung geſehen.*) Auf einige Zeit lebte die alte Tradition von den ſieben Städten wieder auf und viele glaubten, ſie ſeyen in denſelben Theilen von Neu⸗Spanien zu finden. Nro. XXV. Entdeckung der Inſel Madeira. Die Entdeckung Madeira's durch Macham beruht haupt⸗ ſaͤchlich auf der Autoritaͤt des Francieco Alcaforado, eines *) Torquemada Monarquia Indiana, I. IV. c. 4. Ori- gen de los Indios, por Fr. Greg. Garcia 1, IV. cap. 20. — 211— Ritters des Prinzen Heinrich von Portugal, der fuͤr dieſen eine Beſchreibung dieſes Ereigniſſes niederſchrieb. Dieſelbe ſcheint unter den portugieſiſchen Geſchichtſchreibern jedoch keinen großen Glauben gefunden zu haben. Barros er⸗ waͤhnt nichts davon; er ſchreibt die erſte Entdeckung der Inſel dem Joam Gonſalez und dem Triſtam Vaz zu, welche ſie, nach ſeiner Angabe, von Porto Santo aus wie eine Wolke am Horizont liegen ſahen.“) Der Abbé Prevoſt ſcheint jedoch in ſeiner allgemeinen Geſchichte der Reiſen(vol. VI.) geneigt zu ſeyn, dem Be⸗ richt des Alcaforado Glauben zu ſchenken.„Er wurde zu einer Zeit geſchrieben,“ bemerkt er,„als die Aufmerkſam⸗ keit des Publikums die mindeſten falſchen Angaben berichtigt haben wuͤrde, und Niemand war mehr als Alcaforado im Stande, einen genauen Bericht von dieſem Ereigniß zu ge⸗ ben, da er unter denen war, die an der zweiten Entdek⸗ kung Theil nahmen.“ Die urſprüngliche Erzaͤhlung war mit Ausſchmuͤckungen und Epiſoden uͤberladen: ſie wurde ins Franzoͤſiſche uͤberſetzt und kam in Paris im Jahr 1671 heraus. Der franzoͤſiſche Ueberſetzer ſchied die Verzierungen ans und behielt die Facta gewiſſenhaft bei. Die Geſchichte wird auf der Inſel Madeira fortgepflanzt und es exiſtirt daſelbſt noch ein Gemaͤlde, welches ſie vorſtellt. Folgendes iſt der Inhalt der franzoͤſiſchen Ueberſetzung; ich war nicht im Stande, mir das Original des Alcaforado zu ver⸗ ſchaffen. *) Barros Asia dec. 1. I. 1. cap. 3. 14* Waͤhrend der Regierung Eduards III. von England verliebte ſich ein junger Mann von großem Muth und von Faͤhigkeiten, Namens Robert Macham, in eine junge Dame von ſeltner Schoͤnheit, Namens Anna Dorſet. Sie war von hoͤherem Stande und von einer ſtolzen Ariſtokraten⸗Fa⸗ milie; aber die Vorzuüge Machams erwarben ihm bei ihr den Rang vor allen ſeinen Nebenbuhlern. Die Familie der jungen Lady wirkte indeſſen, um die Mißheirath zu verhin⸗ dern, einen Befehl vom Koͤnige aus, wornach Macham ver⸗ haftet und eingeſperrt wurde, bis ſie durch willkuͤhrliche Mittel die Tochter an einen Mann von Rang verheirathet hatten. Sowie die Trauung vollzogen war, fuͤhrte der Edelmann ſeine ſchoͤne und betruͤbte Braut auf ſeinen Land⸗ ſitz bei Briſtol. Macham wurde nun wieder in Freiheit ge⸗ ſetzt. Voll Unwillen uͤber das erlittene Unrecht und der Liebe ſeiner Geliebten gewiß, gewann er es uͤber einige Freunde, ihm in einem Plane Beiſtand zu leiſten, der ſeine Liebe und ſeine Rache befriedigen ſollte. Sie folgten dem neuvermaͤhlten Paare auf den Ferſen nach Briſtol; einer der Freunde erhielt bei der Familie des Edelmanns in der Eigenſchaft als Reitknecht Zutritt, er fand die junge Braut voll zaͤrtlicher Erinnerung an ihren Geliebten und voll Wi⸗ derwillen gegen den ihr aufgedrungenen Gemahl. Durch Vermittlung dieſes Freundes hatte Macham verſchiedene Un⸗ terredungen mit ihr, und hier ſannen ſie ein Mittel aus, nach Frankreich zu entfliehen, wo ſie ſich ihrer Leidenſchaft ungeſtoͤrt hinzugeben dachten. 3 Wie alles bereit war, ritt eines Tages die junge Dame, — 213— nur von dem angeblichen Reitknecht begleitet, aus, um wie ſie ſagte, friſche Luft zu ſchoͤpſen. Kaum waren ſie dem Hauſe aus dem Geſicht, ſo galoppirten ſie nach einem ver⸗ abredeten Ort an der Küſte des Canals, wo ein Boot auf ſie wartete. Sie wurden an Bord eines Schiffes gebracht, welches mit loſem Anker und mit flatternden Segeln in See zu ſtechen bereit ſtand. Hier vereinigten ſich die Lie⸗ benden wieder. Aus Furcht vor Verfolgung wurden ſogleich die Anker gelichtet; ſie fuhren eiligſt an der Kuͤſte von Cornwall voruͤber und Macham ſchwelgte ſchon in dem Triumph, bald mit ſeiner ſchoͤnen Beute die Kuͤſten des heitern und ritterlichen Frankreich zu betreten. Zum Un⸗ gluͤck erhob ſich in der Nacht ein widriger ſtuͤrmiſcher Wind, bei Tagesanbruch ſahen ſie ſich vom Land verſchlagen; die Matroſen waren unwiſſend und unerfahren; ſie wußten nichts vom Compaß, auch war es eine Zeit, wo man noch nicht die hohe See zu befahren pflegte. Dreizehn Tage wurden die Liebenden auf dem ſluͤrmiſchen Ocean umherge⸗ trieben, den Winden und Wellen zum Spiel. Die fluͤch⸗ tige Braut ward von Schrecken und Reue ergriffen und be⸗ trachtete dieſen Aufruhr der Elemente als Zorn des Him⸗ mels gegen ſie. Alle Bemuͤhungen ihres Geliebten waren nicht im Stande, die duͤſteren Ahnungen eines drohenden boͤſen Ausganges bei ihr zu verſcheuchen. Endlich hoͤrte der Sturm auf. Am vierzehnten Tage bemerkten die Matroſen in der Morgendaͤmmerung etwas, das wie ein Buͤſchel Waldung ausſah, welcher ſich aus dem Meer erhob. Freudig ſteuerten ſie darauf zu und hofften, — 2414— daß es eine Inſel ſey. Sie hatten ſich nicht getaͤuſcht. Wie ſie näher kamen, beleuchtete die aufgehende Sonne ſtattliche Waͤlder, deren Baͤume von einer ihnen unbekannten Art, waren. Züge von Voͤgeln kamen nach dem Schiff geflogen und ſetzten ſich ohne ein Zeichen von Furcht auf die Segel⸗ ſtangen und das Takelwerk. Das Boot wurde an die Kuͤſte geſandt, um zu kund⸗ ſchaften, und es kehrte bald mit ſo guten Nachrichten von der Schoͤnheit des Landes zuruͤck, daß Macham beſchloß, ſeine ohnmaͤchtige Gefaͤhrtin an's Land zu bringen, in der Hoffnung, daß ihre Lebensgeiſter und ihre Geſundheit durch die Ruhe und Luftveraͤnderung ſich wieder ſtaͤrken wuͤrden. Die treuen Freunde, welche ihnen zur Flucht behulflich ge⸗ weſen waren, begleiteten ſte an's Land; die Matroſen blie⸗ ben an Bord, um das Schiff zu bewachen. Das Land war wirklich entzuͤckend ſchoͤn, die Waͤlder prangten in uͤppigem Wachsthumz es gab Baͤume mit koͤſtlichen Fruͤchten, andere mit ſuͤßduftenden Bluͤthen; die Gewaͤſſer waren kuͤhl und durchſichtig, der Himmel heiter und die Luft hatte einen balſamiſchen Wohlgeruch. Die FThiere, welche ihnen begegneten, aͤußerten keine Zeichen von Furcht oder Wildheit, woraus ſie ſchloſſen, daß die Inſel unbewohnt ſey. Als ſie etwas vordrangen, fanden ſie eine ſchoͤnbeſchattete Wieſe, deren Grund von Lorbeerbaͤumen eingefaßt und von einem Bach des Gebirgs bewaͤſſert war, der uͤber Kieſel dahinrauſchte; in der Mitte ſtand ein maje⸗ ſtaͤtiſcher Baum, deſſen weite Aeſte Schatten vor den Son⸗ nenſtrahlen gaben. Hier baute Macham Lauben und be⸗ — 215— ſchloß einige Tage zu bleiben, in der Hoffnung, daß die Milde des Clima's und die heitere Stille dieſer entzuͤcken⸗ den Wildniß die wankende Geſundheit und die Lebensgeiſter ſeiner Gefaͤhrtin wieder erheben werde. Drei Tage jedoch waren kaum verfloſſen, als ſich ein heftiger Sturm von Nordoſt erhob und die ganze Nacht um die Inſel tobte. Am folgenden Morgen ging Macham aw's Ufer, aber da war kein Schiff mehr zu ſehen, wor⸗ aus er denn ſchloß, daß es in dem Sturm untergegan⸗ gen ſey. Beſturzung ergriff die bleine Geſellſchafft, die ſich nun verlaſſen mitten im Weltmeere auf einer unbewohnten In⸗ ſel fand. Der Schlag traf am haͤrteſten die verzagte und reuige Braut. Sie hatte ſich den Vorwurf machen müſſen, daß ſie die Urſache alles dieſes Ungluͤcks und von Anfang an durch boͤſe Vorbedeutungen gewarnt ſey. Sie hielt die⸗ ſelben nunmehr fuͤr erfüllt und ihr Schrecken war ſo groß, daß er ſie der Sprache beraubte: ſie ſtarb nach Verlauf von dreien Tagen, ohne ein Wort mehr zu ſprechen. Macham war vor Verzweiflung außer ſich, als er das unſelige Ende dieſes zarten und ſchonen Weſens mit anſah. Er machte ſich im tiefen Schmerz Vorwuͤrfe, daß er ſie ih⸗ rer Heimath, ihrem Vaterland, ihren Freunden entriſſen und ſie auf einer wilden Kuͤſte umkommen laſſen: alle Be⸗ muͤhungen ſeiner Freunde, ihm Troſt zuzuſprechen, waren vergeblich; er ſtarb fuͤnf Tage darauf vor Gram, und ſeine letzte Bitte war, daß man ſeinen Leib an die Seite ſeiner Geliebten begraben moͤge, am Fuße eines laͤndlichen Altars, — 216— den ſie unter dem großen Baum erbaut hatten. Sie er⸗ richteten an dieſer Stelle ein breites hoͤlzernes Kreuz, wor⸗ auf eine von Macham ſelbſt geſchriebene Inſchrift ſtand, welche in kurzen Worten ſeine bejammernswerthe Geſchichte enthielt und die Chriſten, welche dorthin kaͤmen, bat, an dieſem Ort eine Kapelle zu bauen, die dem Herrn Jeſus geweiht waͤre, Nach dem Tod ihres Ankuͤhrers beriethen ſich die Ge⸗ faͤhrten uͤber die Mittel, von dieſer Inſel zu entkommen. Das Boot des Schiffes war an der Kuͤſte zurückgeblieben; ſie beſſerten es aus, richteten es zur Reiſe ein und gingen mit demſelben unter Segel, in der Abſicht, nach England zuruͤckzukehren. Mit der geographiſchen Lage unbekannt und von den Winden umher geworfen, wurden ſie endlich an die Kuͤſte von Marocco verſchlagen, wo ihr Boot an den Felſen ſcheiterte und ſie in die Haͤnde der Mauren und ins Gefaͤngniß geriethen. Hier erfuhren ſie, daß ihr Schiff daſſelbe Schickſal gehabt, vom Ankerplatz im Sturm losge⸗ riſſen und auf dieſelbe unwirthliche Kuͤſte geworfen worden ſey, wo man alle Mannſchaft zu Selaven gemacht habe. Die Gefaͤngniſſe von Marocco waren gerade damals mit Gefangenen von allen Nationen angefuͤllt, die von den kreuzenden Kapern gefangen genommen waren. Hier tra⸗ fen die engliſchen Sclaven einen erfahrenen Piloten, einen Spanier aus Sevilla Namens Juan de Morales: er hoͤrte ihre Geſchichte mit großer Aufmerkſamkeit an, forſchte nach der Lage und Beſchaffenheit der von ihnen entdeckten Inſel unn theilte, wie es heißt, ſpaͤter bei ſeiner Erloͤſung aus der —-——— — 217— Gekangenſchaft die Sache dem Prinzen Heinrich von Por⸗ tugal mit. 8 In der obigen Erzählung des Alcaforado entſteht eine Schwierigkeit mit den Datis. Die Reiſe ſoll waͤhrend der Regierung Eduards III. ſtattgefunden haben, welche vom Jahre 1327 bis zum Jahre 1378 dauerte, und Morales, welchem die Englaͤnder ihre Reiſe erzaͤhlten, ſoll in portu⸗ gieſiſchen Dienſten bei der zweiten Entdeckung von Ma⸗ deira im Jahr 1418 und 1426 mitgeweſen ſeyn. Selbſt wenn die Reiſe und die Einkerkerung in dem letzten Jahre des Koͤnigs Eduard ſtatt fand, giebt dieß doch einen Unter⸗ ſchied von vierzig Jahren. Hackluyt theilt einen Bericht von derſelben Reiſe nach Antonſo Galvano mit; derſelbe weicht in einigen Einzeln⸗ heiten ab.„Die Reiſe ereignete ſich,“ ſagt er,„im Jahr 1344 zur Zeit Peters IV. von Arragon. Macham ging in einer Bai vor Anker, welche nach ihm Machio genannt wurde. Da die Dame krank war, ſo brachte er ſie an's Land, von ſeinen Freunden begleitet, und das Schiff ſe⸗ gelte ohne ſie weg. Nach dem Tode der Lady machte Ma⸗ cham aus einem Baumſtamm einen Canoe und wagte ſich darin mit ſeinen Gefaͤhrten in die offene See; ſie wurden an die Kuͤſte von Afrika verſchlagen, wo die Mauren, die es fuͤr eine Art Wunder hielten, ſie zu dem Koͤnig ihres Landes brachten, welcher ſie dann dem Koͤnige von Caſtilien ſchickte.“ Den uͤberlieferten Nachrichten zufolge, die von die⸗ ſer Reiſe noch exiſtiren, ſandte Heinrich II. von Caſtilten im Jahr 1395 Leute aus, um die Inſel aufs Neue zu entdecken. Nro. XXVI. Las Caaſ a s. Bartholomaͤus Las Caſas, Biſchof von Chiapa, deſſen in allen Geſchichten der neuen Welt ſo haͤufig Erwaͤhnung geſchieht, ward zu Sevilla im Jahr 1474 geboren und ſtammte urſpruͤnglich aus Frankreich. Der Familienname war Caſaus. Der erſte dieſes Namens, welcher in Spa⸗ nien vorkommt, diente unter den Bannern Ferdinands III., genannt der Heilige, in deſſen Kriegen mit den Mauren von Andaluſien. Er war bei der Wiedereroberung Sevilla's von den Mauren thaͤtig, wurde vom Koͤnige dafuͤr belohnt und bekam die Erlaubniß, ſich dort niederzulaſſen. Seine Nachkommen erhielten die Auszeichnung, geadelt zu werden, und ließen den Buchſtaben u aus ihrem Namen weg, um ihn der ſpaniſchen Sprache beſſer anzupaſſen. Antonio, der Vater Bartholomeo'e, ging im Jahre 1493 mit Columbus nach Hispaniola und kain im Jahre 1498 als ein reicher Mann nach Sevilla zuruͤck.*) Es iſt von einem der Biographen des Bartholomeo Las Caſas bemerkt worden, daß er den Columbus auf ſeiner dritten Reiſe im Jahr 1498 begleitete und mit ihm im Jahr 1500 zuruͤck⸗ *) Navarrete collec, Viag. t. 1. Introd. p. LXX. — 2419— kehrte.*) Dieſes iſt jedoch unrichtig. Er vollendete da⸗ zumal erſt ſeine Studien in Salamanca, und nahm Unter⸗ richt im Lateiniſchen, in der Dialectik, Logik, Metaphyſik, Ethik und Phyſik nach des Ariſtoteles angenommener Me⸗ thode und Grundſaͤtzen. Waͤhrend er auf der Univerſitaͤt lebte, hatte er einen indianiſchen Sclaven von ſeinem Vater zur Bedienung, welcher ihn von Columbus erhalten hatte. Als Iſabella in ihrem edlen Zorn befahl, daß die indiani⸗ ſchen Selaven ihrem Vaterlande zuruͤckgegeben werden ſoll⸗ ten, wurde dem Las Caſas auch dieſer eine Diener wegge⸗ nommen. Der junge Mann ward von dem Umſtande leb⸗ haft aufgeregt und wurde bei naͤherer Betrachtung der Sache von einem Eifer zu Gunſten der ungluͤcklichen Indianer entflammt, der ſein ganzes langes und thaͤtiges Leben hin⸗ durch nicht erkaltete. Er gluͤhte in dieſem Eifer auf, als er in einem Alter von ungefaͤhr achtundzwanzig Jahren den Gouverneur Ovando im Jahr 1502 nach Hispaniola be⸗ gleitete und Augenzeuge von den Scenen der Grauſamkeit wurde, die ſich unter deſſen Verwaltung ereigneten. Sein ganzes uͤbrigen Leben, ein Zeitraum von uͤber ſechzig Jahren, war dem Beſtreben geweiht, die Sache dieſer Ungluͤcklichen zu verfechten und ihren Leidenszuſtand zu mildern. Als Miſſionaͤr zog er durch die Wildniſſe der neuen Welt in verſchiedenen Richtungen und ſuchte die Indianer zu Chri⸗ ſten zu machen und zu cioiliſiren; als ihr Beſchuͤtzer und *) I. A. Llorente oeuvres de Las Casas p. 11. Paris 1822. — 220— Vertheidiger reiſte er oͤfters nach Spanien, machte vor den Hoͤfen und Monarchen Vorſtellungen uͤber ihre Leiden, ſchrieb Buͤcher zu ihren Gunſten, und bewies einen Eifer, eine Feſtigkeit und Unerſchrockenheit, die eines Apoſtels wuͤrdig ſind. Er ſtarb in dem hohen Alter von zwelund⸗ neunzig Jahren und wurde zu Madrid, in der Kirche des Dominikanerkloſters von Atocha, begraben, welcher Bruͤder⸗ ſchaft er anhoͤrte. Man hat Verfuche gemacht, die Wirklichkeit und Un⸗ zweideutigkeit der Menſchenliebe des Las Caſas zu verdaͤch⸗ tigen, wegen eines Mittels, zu welchem er ſeine Zuflucht nahm, um die Indianer von dem grauſam druͤckenden Joch zu befreien. Dieſe Bemuͤhung fand im Jahre 1517 ſtatt, als er auf einer ſeiner Miſſionen in Spanien ankam, um zu Gunſten jener Ungluͤcklichen Maßregeln auf Seiten des Gouvernements auszuwirken. Bei ſeiner Ankunft in Spa⸗ nien fand er den Cardinal Eimenes, welcher nach dem Tode Ferdinands die Regierung fuͤhrte, zu krank, um ſich ſeinem Anliegen zu widmen. Er ging daher nach Valladolid und erwartete dort die Ankunft den neuen Monarchen, Carls, Erzherzogs von Oeſterreich, nachmals Carl V. Er hatte viele Gegner an verſchiedenen Perſonen, die in hohem An⸗ ſehn ſtanden, Guͤter und Repartimientos in den Colonien beſaßen und ſich deßhalb fuͤr die Sclaverei der Indianer in⸗ tereſſirten; unter dieſen war nicht der geringſte an Nach⸗ druck der Biſchof Fonſeca, Praͤſident des Rathes von Indien. 3 Endlich kam der junge Souverain an, begleitet von — 221— mehreren Edelleuten ſeines Hofes in den Niederlanden, in⸗ ſonderheit von ſeinem Großcanzler Doctor Juan de Sal⸗ vagio, einem gelehrten und gradſinnigen Mann, den er uͤber alle Angelegenheiten der Verwaltung und Juſtiz um Rath fragte. Las Caſas kam bald mit dieſem Mann auf einen vertrauten Fuß und ſetzte ſich bei ihm in hohe Achtung; aber es erhob ſich von allen Seiten her viel Widerſpruch, daß ſeine verſchiedenen Vorſchlaͤge zur Erleiterung der Ein⸗ gebornen nur wenig Eingang finden konnten. In ſeinen Zweifeln und Beſorgniſſen nahm er ſodann ſeine Zuflucht zu einem Auskunftsmittel, welches er durch die beſonderen umſtaͤnde gerechtfertigt glaubte.*) Der Canzler Salvagio und die anderen Niederlaͤnder, welche den jungen Herrſcher begleiteten, hatten von ihm, ehe ſie Flandern verließen, die Erlaubniß ausgewirkt, daß man Sclaven von Afrika in die Colonien einbringen durfe, eine Maßregel, welche neuer⸗ eings im Jahre 1516 durch ein Decret des Cardinals Ri⸗ menes, waͤhrend er als Regent beſtellt war, verboten wurde. Der Canzler, der ein menſchenfreundlicher Mann war, ſoͤhnte ſein Gewiſſen mit dem allgemeinen Glauben aus, *) Herrera erwähnt es als ein Auskunftsmittel, nachdem alle andere fehlgeſchlagen ſeyen:„Bartholome de Las Casas viendo que sus conceptos hallaban in to- das partes diffcultad, i que las opiniones que tenia, por mucha familiaridad que habio sequi- do, 1 gran credito con el gran canciller, no podian haber efeto, se voluio a olros expe- dientes,“ etc.— Decad. 2, I. II. c. 20. daß ein Reger ohne Schaden ſuͤr ſeine Geſundheit die Arbeit von mehreren Indianern übernehmen koͤnne und daß es daher eine große Erſparung menſchlichen Elendes ſey. So leicht wird es dem zeitlichen Vortheil, ſich hinter plauſible Grunde zu verſtecken! Er konnte außerdem auch die Wohl⸗ fahrt der Afrikaner bei dem Tauſche wenig gefaͤhrdet glau⸗ ben. Sie waren in ihrem eigenen Lande an Stlaverei ge⸗ woͤhnt, und es hieß, ſie gediehen in der neuen Welt.„Die Afrikaner," bemerkte Herrera,„befanden ſich auf der Inſel Hispaniola ſo wohl, daß es die herrſchende Meinung war, ein Neger koͤnne nicht ſterben, es ſey denn, daß er ge⸗ haͤngt werde; denn noch keiner ſey an einer Krankheit um⸗ gekommen. Wie die Orangen fanden ſie in Hispanſola einen gedeihlichen Boden, und dieſer ſchien ihnen ſelbſt angemeſſener als ihr heimathliches Guinea.*) Als Las Caſas alle andere Mittel unwirkſam fand, ſuchte er dieſe berechnenden Anſichten des Canzlers zum Vortheil der Indianer zu benutzen. Er machte den Vor⸗ ſchlag, die Spanter, welche in den Colonien lebten, ſollten die Erlaubniß erhalten, ſich Neger zur Bearbeitung der Felder und der Bergwerke, ſowie zu andern ſchweren Ver⸗ richtungen kommen zu laſſen, welche dem Leben der Einge⸗ bornen verderblich und uͤber ihre Kraͤfte ſeyen,**) Er ſah offenbar die armen Afrikaner als wenig beſſer denn bloße Thiere an, und er arbeitete wie Andere auf die arithmeti⸗ ſche Verminderung des menſchlichen Elendes, indem er einen *) Herrera hist. Ind. d. 2. I. III. c. 4. **) Herrera I. c. d. 2. 1. II, c. 20. — 223— ſtarken Menſchen fuͤr drei oder vier ſchwaͤchere hinſtellen wollte. Er hielt außerdem die Indianer fuͤr eine edlere und geiſtigere Menſchenrace und ihre Erhaltung und Wohl⸗ fahrt daher fuͤr wichtiger als das allgemeine Intereſſe der Menſchlichkeit. Dieſes Mittel des Las Caſas iſt es, welches ſein An⸗ denken mit harten Vorwuͤrfen belaſtet hat. Man hat ihm groben Widerſpruch und ſelbſt die Einfuͤhrung„dieſes unmenſchlichen Handels in der neuen Welt“ aufgebuͤrdet. Dieſes letztere waͤre ein ſchwerer Vorwurf, aber hiſtoriſche Thatſachen und Ergebniſſe nehmen ihm die erſte Schuld ab und zeigen, daß dieſer Mißbrauch ſchon in den Colonien exiſtirte und durch koͤnigliche Decrete genehmigt war, lange ehe er an der Erledigung der Frage Theil nahm. Las Caſas ging erſt im Jahre 1502 nach der neuen Welt ab. Durch eine koͤnigliche Ordonnanz vom Jahre 1501 wurden dort Negerſclaven fuͤr zulaͤſſig erklaͤrt, wenn die⸗ ſelben unter Chriſten geboren ſeyen.*) Aus einem Briefe, welchen Ovando im Jahre 1503 ſchrieb, geht hervor, daß es deren zu jener Zeit in Hispaniola ſchon eine Menge gab, und er bittet darin, daß man noch mehr hinzubringen nicht erlauben moͤge. Im Jahre 1506 verbot die ſpaniſche Regierung die Einfuͤhrung von Negerſclaven aus der Le⸗ vante, oder von ſolchen, welche die Mauren zuſammen⸗ braͤchten, und ſetzte feſt, daß keine außer von Sevilla, die im chriſtlichen Glauben unterrichtet ſeyen, nach den Colonien — *) Herrera hist. Ind, dec, 2, 1. II, c. 8. — 224— gebracht werden duͤrften, damit ſie zur Bekehrung der In⸗ dianer beitragen koͤnnten.*) Im Jahr 1510 ließ Koͤnig Ferdinand auf die Nachricht von der Hinfaͤlligkeit der In⸗ dianer funfzig Afrikaner von Sevilla hinuͤbergehen, um in den Bergwerken zu arbeiten.“) Im Jahr 1511 befahl er, daß man eine große Anzahl in Guinea kaufen und nach Hispaniola bringen ſolle, in Anbetracht, daß ein Neger die Arbeit von vier Indianern thun koͤnne.***) In den Jahren 1512 und 1513 unterzeichnete er weitere Befehle uͤber denſelben Gegenſtand. Im Jahr 1516 gewäͤhrte Carl V. Privilegien fuͤr die Hollaͤnder, Neger in den Colonien einzufuͤh⸗ ren. Erſt im Jahre 1517 gab Las Caſas dieſem Handel ſeine Billigung. Derſelbe war bereits im Gang und er betrachtete ihn bloß aus dem Geſichtspunct, daß die kraͤftigen Schwar⸗ zen fuͤr die ſchwachen Indianer zum Erſatz dienen ſollten. Der Vorſchlag fand zu gleicher Zeit Vertheidigung bei den Hieronimiten, welche Miſſionaͤre in den Colonien waren. Die Grüͤnde des Las Caſas waren nur wohlmeinend, ob⸗ gleich auf irrige Anſichten vom Rechte gegründet. Er vollte ein Uebel zugeben, damit Gutes daraus hervorgehe; er wollte zwiſchen zweien Mißbraͤuchen waͤhlen und den zroͤßeren durch Anwendung des kleineren ausrotten. Sein Kaiſonnement, wie falſch es auch war, wurde von einigen er gelehrteſten und wohlwollendſten Maͤnner des Zeit⸗ lters fuͤr genuͤgend und menſchlich erklaͤrt; unter ihnen *) Herrera hist. Ind. d. 1. 1. VI. c. D. **) Herrera l. c. d. 1. 1. VIII. c. 9. 3 **) Herrera l. c. d. 1., I. IX.; c. 5, — 225— befand ſich auch der Cardinal Adrian, der ſpaͤter den paͤpſt⸗ lichen Stuhl beſtieg und ſich durch Guͤte und Menſchlichkeit auszeichnete. Der Handel wurde erlaubt, man fragte nach der Anzahl der erforderten Sclaven, ſie wurde auf vier tau⸗ ſend beſchraͤnkt und die Hollaͤnder bekamen das Monopol des Handels, den ſie ſpaͤter an die Genueſer verpachteten. Doctor Robertſon ſtellt bei Erzaͤhlung dieſer Sache das Betragen des Cardinals Pimenes und das des Las Caſas in Contraſt mit einander, und zwar ſehr zum Nachtheil des Letzteren.„Der Cardinal,“ bemerkt er,„dem man ſehr anlag, dieſen Handel zu beguͤnſtigen, verwarf die Propo⸗ ſition mit Fiſtigkeit, weil er die Ungerechtigkeit des Verfah⸗ rens einſah, die eine Menſchenrace in die Sclaverei zu ge⸗ ben, wenn es ſich darum handelte, der anderen die Freiheit zu gewaͤhren; aber Las Caſas war vermoͤge der eigenthuͤm⸗ lichen Inconſequenz der Menſchen, die mit ungeſtuͤmer Ge⸗ walt nach einem Lieblingsziel hinarbeiten, unfaͤhig, dieſe Un⸗ terſcheidung zu machen. In der Waͤrme ſeines Eifers, die Amerikaner vom Joch der Sclaverei zu befreien, erklaͤrte er es fuͤr rechtlich und nutzlich, ein viel ſchwereres Joch auf die Afrikaner zu laden.*) Dieſe Austheilung von Lob und Tadel iſt nicht ganz richtig. Las Caſas hatte keine Idee, daß er ein ſchwereres oder nur ein eben ſo ſchweres Joch den Afrikanern aufbuͤr⸗ dete. Denn dieſe hielt man fuͤr die Arbeit tauglicher und gegen die Sclaverei minder empfindlich. Waͤhrend die In⸗ 3 *) Bobertson hist, of America, p, 3, Irving's Columbus, 10— 12, 15 — 226— dianer unter ihren Muͤhſalen dahenſanken und in Hispa⸗ niola zu Tauſenden ſtarben, gediehen dort im Gegentheil die Neger ſehr. Herrera, auf welchen Doctor Robertſon ſich als Autoritäͤt beruft, nennt die Maßregel des Cardi⸗ nals æimenes nur ein anderes Motiv aus bloßen finanziel⸗ len Ruͤckſichten. Er ſagt, er habe befohlen, daß Niemand Neger nach Indien bringen ſolle, weil, da die Eingebornen dahinſchwanden und es bekannt war, daß ein Neger mehr arbeiten koͤnne als ihrer vier, wahrſcheinlich eine große Nachfrage nach afrikaniſchen Sclaven ſeyn wuͤrde, und man eine Auflage fuͤr dieſen Handel machen koͤnne, aus welchem ein Gewinn fuͤr den koͤniglichen Schatz erwachſen wuͤrde.*) Dieſe Maßregel wurde gleich darauf in Ausfuͤhrung ge⸗ bracht, obwohl erſt nach dem Tode des Cardinals, und es wurde aus pecuntaͤren Ruͤckſichten von dem Souv rain dazu Erlaubniß ertheilt. Flechker legt in ſeinem Leben des Car⸗ dinals Ximenes dem Verbot eine andere und mehr politiſche Abſicht bei. Der Cardinal, ſagt er, widerſetzte ſich der Ein⸗ führung von Negern in die Colonfeen, weil er beſorgte, ſie wuͤrden die Eingebornen verderben und durch Buͤndniſſe mit ihnen dem Gouvernement gefaͤhrlich werden. De Mar⸗ ſolter, ein anderer B ographe des Ximenes, gibt ebenfalls *) Porque como iban faltando los Indios, y se co- nocia, que un Negro trabajaba mas que quatro, por 10 qual habia gran demanda de allos, pare- cia que se padia poner algun tributo en la saca, de que resultaria provecho a la real haciunda, Herrera dec. 2. 1. II, c, 8. politiſche Gründe für dieſes Verbot an. Er erwaͤhnt einen Brief, welchen der Cardinal in dieſer Angeleg nheit ſchrieb, worin ex bemerkte, daß er die Natur der Neger kenne: ſie ſeyen zwar ein Volk, welches große Anſtrengun⸗ gen ertrage, aber auch ſehr fruchthar und unternehmend, und wenn ſie Zeit haͤtten, ſich in Amerika auszubreiten, wuͤrden ſie ſich unfehlbar empoͤren und den Spaniern die⸗ ſelben Ketten anlegen, welche ſie nun von dieſen zu tragen gezwungen ſeyen.*) Dieſe Facta zeigen, indem ſie die Maßregel des Cardinals jenes Glaubens bloßer Menſchlich⸗ keit entkleiden, den hellen Blick dieſes bedeutenden Staats⸗ manns, deſſen Weiſſagungen uͤber die Negerunruhen auf der Inſel Hispaniola ſo merkwuͤrdig in Erfuͤllung gegan⸗ gen ſind.. Cardinal Nimenes, ſo weiſe und rechtſchaffen er auch als Staatsmann war, ließ ſich doch nicht von Gewiſſens⸗ ſerupeln in dieſen Fragen des natuͤrlichen Rechtes irre ma⸗ chen; auch beſaß er nicht mehr Duldung gegen die wilden und ungläubigen Nationen, als ſeine Zeitgenoſſen uͤberhaupt. Er war Großinquiſitor von Spanien und waͤhrend der letz⸗ ten Regferungsjahre Ferdinands ſehr gluͤcklich geweſen, die widerſpenſtigen Mauren von Granada zu Sclaven zu ma⸗ chen. Er authoriſirte durch ausdruͤckliche Inſtructionen zu Fahrten, um die Indianer der caralbiſchen Inſeln zu er⸗ greifen und zu Sclaven zu machen, da er ſie fuͤr die Ar⸗ *) De Marsolier hist. du ministère du Cardinal Ni- menes 1. VI. Toulouse 1694. 15*† — 228— beit am tauglichſten, für Feinde der Chriſten und für Ca⸗ nibalen erklarte. Auch wird man es nicht fuͤr einen Be⸗ weis einer milden und toleranten Politik erklaͤren, daß er das Inquiſitzonsgericht in der neuen Welt einfuͤhrte. Dieſe Umſtaͤnde ſollen nicht dem Charakter des Ximenes zum Nach⸗ theil gereichen, ſondern nur zeigen, wie unrichtig man ihn auf Koſten von Las Caſas geprieſen hat. Beide müſſen in Verbindung mit den Gewohnheiten und Meinungen ihres Zeitalters betrachtet werden. Las Caſas war Verfaſſer mehrerer Werke, aber wenige derſelben ſind gedruckt worden. Das wichtigſte iſt die all⸗ gemeine Geſchichte von Indien, von der Entdeckung bis zum Jahre 1520 in drei Theilen. Sie exiſtirt nur im Manuſcript, iſt aber die Quelle, aus welcher Herrera und die meiſten anderen Geſchichtſchreiber ihren Stoff geſam⸗ melt haben. Das Werk iſt, obwohl weitlaͤuftig, doch ſehr ſchaͤtzbar, da der Verfaſſer Augenzeuge von vielen That⸗ ſachen war, andere von Perſonen hatte, welche bei den er⸗ zaͤhlten Vorgaͤngen zugegen waren, und ſich im Beſitz bedeu⸗ tender Documente befand. Es zeigt viel Gelehrſamkeit, doch in etwas roher und verwirrter Einkleidung. Seine Geſchichte wurde angefangen im Jahr 1527, als er im 53. Janhre ſtand und wurde beendigt im Jahre 1559, als er 85 Jahre alt war. Da viele Dinge aus dem Gedaͤchtniß niedergeſchrieben ſind, ſo kommen zuweilen Ungenauigkeiten vorz aber das Ganze traͤgt das Gepraͤge der Aufrichtigkeit und Wahrheit. Der Verfaſſer des gegenwaͤrtigen Werkes hat ſich des ihm zugaͤnglich gewordenen Manuſeripts mit großem Nutzen bedient und daraus viele fruͤher vernach⸗ laͤßigte intereſſante Thatſachen geſchopft, aber er hat es ſich zur Pflicht gemacht, dieſen Schriftſteller mit Vorſicht zu gebrauchen, indem er ihn mit andern Autoritaͤten verglich, und ausließ, was ihm von Vorurtheilen oder uͤbertriebenem Eifer eingegeben zu ſeyn ſchien. 4 Man hat Las Caſas wegen der ſtark aufgetragenen und⸗ uͤbertriebenen Declamationen in jenen Stellen angeklagt, die ſich auf die den Eingebornen angethanen Grauſamkeiten beziehen; auch iſt dieſe Beſchuldigung nicht ganz ohne Grund. Denſelben Eifer fuͤr der Sache der Indianer, wel⸗ cher aus ſeinen Handlungen hervorleuchtet, druͤcken ſeine Schriften aus; immer rein, oft heftig und zuweilen unzei⸗ tig, doch wo er irrt, geſchieht es ſtets in einen edlen und gerechten Sache. Wenn nur der zehnte Theil von dem, was er mit eignen Augen geſehen zu haben behauptet, wahr ſſt, und ſeine Wahrheitsliebe darf nicht bezweifelt werden, ſo muͤßte er alles natüͤrliche Gefuͤhl als Menſch verloren haben, wenn er ſich nicht in Ausdruͤcken des Unwillens und Entſetzens haͤtte vernehmen laſſen. Im Laufe ſeines Werkes, wo Las Caſas die vor ihm liegenden Original⸗Papiere erwaͤhnt, aus denen er viele Thatſachen entnahm, erregt es großes Bedauern, daß dieſe für die Welt verloren gehen mußten. Außer den Tagebä⸗ chern und Briefen des Columbus behauptet er eine Menge Briefe des Adelantado, Don Bartholomeo, beſeſſen zu ha⸗ ben, welcher beſſer als ſein Bruder ſchrieb, und deſſen Auf⸗ ſaͤtze voll Energie geweſen ſeyn muͤſſen. Intereſſanter als — 230— alles wäre die Karte, welche Columbus nach ſeinen Studien und Muthmaßungen entwarf und nach welcher er auf ſei⸗ 8 ner erſten Reiſe ſegelte. Welches koſtbare Document mußte dieſe fuͤr die Welt ſeyn! Dieſe Papiere moͤgen in dem Schutt irgend eines ſpaniſchen Kloſters vergraben und ver⸗ 1 geſſen liegen. Es iſt wenig Hoffnung in der gegenwaͤrtigen Ausartung der Kloͤſter, daß ſie je an's Tageslicht kommen. Die Moͤnche von Atocha verriethen in einer neuerlichen Un⸗ terredung mit einem der koͤniglichen Prinzen eine grobe Un⸗ wiſſenheit uͤber die Thatſache, daß dieſer beruhmte Mann in ihrem Kloſter begraben liege, und keiner von der Bruͤ⸗ derſchaft iſt im Stande, dem Fremden zu zeigen, wo ſeine Gebeine ruhen.*) Die Bekanntmachung dieſes Werkes des Las Caſas f wurde in Spanien nicht geſtattet, wo jedes Buch die Er⸗ 3 laubniß eines Eenſors haben muß, ehe es gedruckt werden darf. Die ſchrecklichen Gemaͤlde, welche es von den Grau⸗ ſamkeiten gegen die Indianer entwirft, wuͤrden, ſo glaubte man, einen Haß gegen die Eroberer erwecken. Las Laſas ſcheint ſelbſt an der Nuͤtzlichkeit der Bekanntmachung ge⸗ zweifelt zu habenz denn im Jahre 1560 machte er eine Anmerkung mit eigner Hand, die noch in den zwei erſtern Theilen des Originals ſteht, daß er ſie im Vertrauen dem *) Bei dieſen Nachrichten hat der Verfaſſer die intereſſante 3 Abhandlung des Herrn J. A. Lorrente benutzt, die ſei⸗ ner Sammlung der Werke des Las Caſas vorgedruckt iſt, und hat ſie mit der Geſchichte von Herrera verglichen, aus welcher ihre Thatſachen hauptſächlich genommen ſind. — 231— Collegium des Ordens der Predicadores von S. Gregorio in Valladolid zuruͤcklaſſe, und den Praͤlaten bitte, daß kein weltliches Individuum, noch ſelbſt die Eollegiaten ſeine Ge⸗ ſchichte vor Verlauf von vierzig Jahren leſen, und daß ſie nach dieſem Zeitraum gedruckt werden dürfe, wenn es ſich mit dem Wohle der Indianer und Spaniens vertrage.*) Aus den vorgenannten Gruͤnden iſt das Werk von den ppaniſchen Geſchichtſchreibern mit Vorſicht benußt worden, indem ſie viele Stellen von undankbarem Inhalt mit Stillae ſchweigen uͤbergingen oder nur kurz beruͤhrten. Dieſes Ge⸗ fuͤhl iſt ſehr natuͤrlich, wenn auch nicht lobenswuͤrdig; denn die Welt iſt nicht geneigt zwiſchen den Individuen und der Nation zu unterſcheiden, wovon dieſe nur ein Theil ſind. Die Geſetze und Verordnungen fuͤr die Verwaltung der neuentdeckten Laͤnder, und die Entſcheidungen des Ra⸗ thes von Indien uͤber alle ſtreitigen Punkte, ſind zwar ei⸗ nigermaßen mit der Bigotterie des Zeitalters gefaͤrbt, aber ausgezeichnet durch Weisheit, Gerechtigkeit und Menſchlich⸗ keit, und machen der ſpaniſchen Nation alle Ehre. Nur durch den Mißbrauch von Menſchen, denen die Ausuͤbung der Geſetze anvertraut ward, geſchahen dieſe Grauſamkeiten. Man ſollte auch daran ſich erinnern, daß daſſelbe Land, welches den blutdürſtigen und raͤuberiſchen Abenteurern, die jene Graͤuelthaten veruͤbten, das Daſeyn gab, auch das Va⸗ terland der fruͤhzeitigen Miſſionaͤre war, die, wie Las Ca⸗ ſas, dem blutigen Pfade der Entdeckung folgten und die — *) Navarrete collec. Viag. t. 1, Introd. p. LXXV. von ihren Landsleuten geſchlagenen Wunden verbanden; Maͤnner, die in einem wahren evangeliſchen Geiſte allen Arten von Gefahren und Drangſalen und ſelbſt dem Tode Trotz boten, nicht mit Ausſichten zeitlichen Gewinns oder Ruhms, ſondern von dem Verlangen beſeelt, den Zuſtand wilder und tiefgebeugter Nationen zu verbeſſern, und ihre Seelen zu retten. Die unerſchrockenen Unternehmungen und furchtbaren Reiſen vieler dieſer tugendhaften Maͤnner wuͤr⸗ den, recht gewuͤrdigt, romantiſcheren Schwung als die küͤhn⸗ ſten Ritterthaten und eine Quelle reinerer und hoͤherer Mo⸗ tive zeigen. Nro. XXVII. Peter Mar t h r. — Peter Martir oder Martyr, deſſen Schriften in dieſer Geſchichte viel benutzt worden ſind, war ein Italiener, zu Anghierra in dem Mailaͤndiſchen am 2. Februar 1455 ge⸗ boren. Er wird gewoͤhnlich Peter Martyr von Angleria genannt, wie man ſeinen Geburtsort lateiniſch bezeichnet. Er iſt einer der fruͤheſten Geſchichtſchreiber, die von Colum⸗ bus handeln, und war deſſen Zeitgenoſſe und vertrauter — 233— Bekannter. Erzogen wurde er zu Rom, und in Jahre 1487 forderte ihn, da er ſich einen ausgezeichneten Ruf als Gelehrter erworben hatte, der ſpaniſche Geſandte, Graf Tendilla auf, ihn nach Spanien zu begleiten. Er nahm dieſe Einladung willig an und wurde den Souverainen zu Saragoſſa vorgeſtellt. Iſabella war mitten in den Sorgen des Krieges von Granada für die geiſtigen Fortſchritte ih⸗ res Koͤnigreiches beſorgt und wuͤnſchte Martyr zum Lehrer für den jungen Adel des Hofes zu gewinnen. Mit ihrer gewohnten Zartheit jedoch ließ ſie zuerſt durch ihren Beicht⸗ vater Hernando de Talavera den Peter Martyr befragen, in welcher Eigenſchaft er ihr zu dienen wuͤnſche. Gegen ihre Erwartung antwortete Martyr:„im Dienſt der Waf⸗ fen.“ Die Koͤnigin erfuͤllte ſeinen Wunſch und er folgte ihr auf ihren Feldzuͤgen als einer ihrer Hof⸗ und Kriegs⸗ leute, ohne ſich auszuzeichnen und vielleicht auch ohne eine beſondere Anſtellung, in einer ſeinen Talenten ſo fremden Dienſtſphaͤre. Als mit der Uebergabe von Granada der Krieg beendigt war, vermochte es die Koͤnigin durch die Vermittlung des Großcardinals von Spanien, daß er die Unterweiſung der jungen Adeligen ihres Hofes uͤbernahm. Martyr ward mit Columbus bekannt, als dieſer bei den Souverainen ſollicitirte, und war bei deſſen glorreichem Empfang vor Ferdinand und Iſabella in Barcellona, nach der Ruͤckkehr von der erſten Reiſe, mit gegenwaͤrtig. Er war beſtaͤndig im koͤniglichen Feldlager waͤhrend des Krieges mit den Mauren, woruͤber ſeine Briefe viele intereſſante Einzelnheiten enthalten. Ferdinand und JIſabella ſchickten — 234— ihn im Jahr 1501 als Geſandten nach Venedig und von da zum Großſultan von Egypten. Der Sultan hatte im Jahr 1490 oder 1491 eine Geſandtſchaft an die ſpaniſchen Sou⸗ veraine geſchickt und drohen laſſen, wenn ſie nicht von dem Krieg gegen Granada abſtaͤnden, wuͤrde er alle Chriſten in Egypten und Syrien dem Tode weihen, alle ihre Tempel zerſtoͤren und das heilige Grab zu Jeruſalem verwuͤſten. Ferdinand und Jſabella betrieben den Krieg mit zehnfacher Energie und brachten ihn in dem naͤchſten Feldzuge zu ei⸗ nem ſiegreichen Ende, waͤhrend der Sultan noch immer mit dem Papſt in einer aͤhnlichen Negociation begriffen war. Sie ſchickten ſpaͤter den Peter Martyr als Geſandten an den Sultan ab, um ihre Maßregel zu erklaͤren und zu rechtfertigen. Martyr entledigte ſich der Pflichten ſeines Amtes mit große— Geſchicklichkeit, erhielt vom Sultan Er⸗ laubniß, die heiligen Oerter zu Jeruſalem wiederherzuſtel⸗ len und befreite die chriſtlichen Pilger von einer Menge Er⸗ preſſungen, denen ſie unterworfen geweſen. Waͤhrend er auf dieſer Geſandtſchaft war, ſchrieb er das Werk de lega- tione Babylonica, welches eine Geſchichte von Egypten in damaliger Zeit enthaͤlt. Bei ſeiner Ruͤckkanft nach Spanien wurde er mit Eh⸗ renſtellen und Penſionen belohnt und im Jahre 1524 zum Beiſitzer des Rathes von Indien ernannt. Sein Haupt⸗ werk iſt ein Bericht uͤber die Entdeckungen der neuen Wett, in acht Decaden, jede von zehn Kapiteln. Sie ſind Deca⸗ den der neuen Welt oder Decaden des Oceans genannt und wie alle ſeine anderen Werke urſpruͤnglich lateiniſch ge⸗ — 235— 3 ſchrieben, doch nachher in viele Sprachen uͤberſetzt worden. Er machte vertraulichen Gebrauch von allen Briefen, Pa⸗ pieren, Tagebuͤchern und Erzaͤhlungen der fruͤheren Ent⸗ decker, war mit vielen derſelben nahe bekannt und ſchoͤpfte Manches aus ihren muͤndlichen Erzaͤhlungen. Bei der Ab⸗ faſſung ſeiner Decaden gab er ſich große Muͤhe, von Co⸗ lumbus ſelbſt und von Anderen, die ſeine Gefaͤhrten gewe⸗ ſen, genaue Belehrung zu erhalten. In einem ſeiner Briefe(Nro. 153, vom Januar 1494., an Pomponius Läͤtus) bemerkt er, daß er grade einen Brief von Columbus empfangen habe, woraus erhellt, daß er mit ihm in Briefwechſel ſtand. Las Caſas ſagt, man müſſe ihm hinſichtlich jener Reiſen des Columbus großen Elauben ſchenken, doch enthielten ſeine D⸗caden einige Un⸗ genauigkeiten über nachherige Ereigniſſe in Indien. Mun⸗ joz legt ihm als Zeitgenoſſen, als ernſtem gebildeten, in den Thatſachen, welche er erzaͤhlt, wohlunterrichteten Mann von vollkommner Rechtſchaffenheit, großen Werth bei. Er bemerkt jedoch, daß ſeine Schriften, in der Aufregung des Augenblicks abgefaßt, oft umſtaͤnde erzaͤhlten, welche ſich ſpaͤter als irrig auswieſen; ſie ſeyen ohne Methode und Sorgfalt geſchrieben, und die Data und Ereigniſſe oft ver⸗ wechſelt, ſo daß ſie mit einiger Vorſicht geleſen werden müßten. Martyr war taͤglich mit Briefen an ausgezeichnete Per⸗ ſonen beſchaͤftigt und ſie bezogen ſich auf die laufenden Er⸗ eigniſſe des regen Hofes und Zeitalters, worin er lebte. Ja mehreren dieſer Briefe wird des Columbus und der „» — 236— Hauptereigniſſe ſeiner Reiſen gedacht, wie ſie gerade nach deſſen Ruͤckkehr bekannt wurden. Da gedachte Schreiben nicht allgemein bekannt, noch in Umlauf gekommen ſind, noch auch haͤufig eitirt werden, ſo wird es dem Leſer angenehm ſeyn, einige der Hauptſtellen mitgetheilt zu erhalten, die ſich auf Columbus beziehen. Ste verſetzen uns lebhaft in die Zeit jener Entdeckungen zuruͤck. 9 In einem ſeiner Briefe, datirt von Barcelona den 1. Mai 1493 und an C. Borromeo gerichtet, ſagt er:„In dieſen letzten Tagen iſt ein gewiſſer Chriſtoph Columbus von den weſtlichen Antipoden zuruͤckgekommen; ein Mann aus Ligurien, dem meine Souveraine mit Widerſtreben drei Schiffe anvertrauten, um die Region aufzuſuchen; denn ſie dachten, was er ſagte, ſey fabelhaft. Er iſt zuruͤckgekehrt uad hat Proben von vielen koſtbaren Dingen, inſonderheit von Gold mit zuruͤckgebracht, welches in dieſen Gegenden von der Natur freigebig ausgeſtreut iſt⸗*).— In einem anderen Briefe, ebenfalls aus Barcelona vom September deſſ. J. datirt, gibt er einen genaueren Bericht, Dieſes Schreiben iſt an den Grafen Tendilla, Gouverneur von Granada, und auch an Fernando Talavera, Erzbiſchof dieſer Dideeſe gerichtet, an denſelben, dem die— ſpaniſchen Souveraine die Vorſchlaͤge des Columbus zu be⸗ gutachten gaben. „Hoͤrtn, ſagt Peter Martyr in ſeinem Briefe,„von einer neuen Entdeckung. Ihr erinnert Euch des Liguriers *) Opus epist. P. Martyris Angleri, Epist, 131. — 237— Columbus, den unſere Souveraine mit ins Feld genommen haben, um nach einer neuen Hemiſphaͤre Landes der weſtli⸗ chhen Antipoden zu forſchen. Ihr werdet Euch wohl deſſen erinnern, denn Ihr hattet bei dieſen Verhandlungen ſelbſt mit zu thun; auch wuͤrde gewiß die Reiſe ohne Euren Rath nicht zu Stande gekommen ſeyn. Er iſt gluͤcklich wieder zuruͤckgekehrt und erzaͤhlt die Wunderdinge, die er entdeckt hat. Er zeigt Gold als Proben der Minen jener Laͤnder, auch Baumwolle und Arome und Pfeffer, brennender als der vom Caucaſus. Alle dieſe Dinge, nebſt rothem Faͤrbe⸗ holz, bringt das Erdreich freiwinig hervor. Er hat, wie er erzaͤhlt, von Gades die Sonne weſtlich fuͤnftauſend Mei⸗ len verfolgt und dort verſchiedene Inſeln getroffen und von einer derſelben Beſitz genommen, welche, wie er verſichert, von groͤßerem Umfang als ganz Spanien iſt. Hier fand er eine Menſchenrace, die zufrieden im Stande der Natur von Fruͤchten und Pflanzen und von Brod aus Wurzeln lebt. Dieſe Voͤlkerſchaften haben Koͤnige, einige groͤßer, andere kleiner; ſie bekriegen einander zuweilen mit Bogen und Pfeilen oder mit Lanzen, die geſchaͤrft und im Feuer gehaͤrtet ſind. Das Verlangen der Herrſchaft iſt bei ihnen maͤchtig, obwohl ſie nackt ſind. Sie haben auch Weiber. Was ſie anbeten, außer der Gottheit des Himmels, iſt nicht zuverlaͤßig anzugeben ꝛc.“*). In einem andern Briefe, gleichfalls vom September *) Opus epise, P. Martyris Anglerli, Epist, 134, .* gleiter, vielleicht von der Neuheit des Schauſpiels geblendet — 238— 1493 datirt und an den Cardinal und Vicekanzler Ascanius Seorza gerichtet, ſagt er: „ Mein Verlangen, erlauchter Prinz, Euch zu grfallen iſt ſo groß, daß ich es als einen erwuͤnſchten Anlaß in der großen Fluth der Ereigniſſe betrachte, wenn irgend etwas unter uns ſich zutraͤgt, woran Ihr Antheil nehmt. Von den Wundern dieſer Erdkugel, um welche die Sonne in vierundzwanzig Stunden ihren Lauf beſchreibt, ſind bis auf unſere Zeiten, wie Ihr wohl wiſſet, nur die von einer He⸗ miſphaͤre, vom goldenen Cherſones bis zu unſerem ſpani⸗ ſchen Gades, bekannt geweſen. Das Uebrige haben Cosmo⸗ graphen als unbekannt dahingeſtellt ſeyn laſſen; und wenn davon irgend Erwähnung geſchah, ſo war dieſes nur we⸗ nig und ungewiß. Aber nun iſt, o gluͤckſeliges Unterneh⸗ men! unter den Auſpicien unſerer Souveraine, was fruͤher von dem Urbeginn der Dinge verborgen gelegen, endlich entſchleiert worden. Das Exeigniß hat ſich ſo zugetragen. Hoͤrt, erlauchter Prinz. Ein g⸗wiſſer Chriſtoph Columbus, ein Ligurier, hat, von meinen Gebietern nach dieſen Reglo⸗ nen mit dreien Schiffen ausg'ſandt, die Sonne weſtlich uͤber fuͤnftauſend Meilen von Gades verfolgt und ſein n Weg zu den Antipoden vollendet. Dreiunddreißig Tage ſchifften ſie fortwährend, ohne etwas anderes als Himmel und Waſſer zu erblicken. Endlich riefen auf dem Maſtkorb des groͤßten Schiſfes, worauf Columbus ſelbſt ſich befand, die ausge⸗ ſtellten Wachen, daß ſie Land ſaͤhen. Er fuhr an den Kü⸗ ſten von ſechs Inſeln hin, deren eine, wie alle ſeine Be⸗ — 239— ausſagen, groͤßer als Spanien iſt.“ Martyr fährt nun fort, die bekannten Nachrichten von den Producten der In⸗ ſer, von den S tten und Gebraͤuchen der Eingebornen und inſonderheit von den unter ihnen ſtattfindenden Kriegen zu geben;„als wenn das Mein und Dein(das meum et tuum) bei ihnen ſo wie bei uns waͤre, und große Ueppig⸗ keit und die Begierde, Schaͤtze anzuhaͤufen, herrſchte; denn welches ſollten wohl die Beduͤrfniſſe nackter Menſchen ſeyn? Was ſich ferner begeben wird,“ ſetzt er hinzu,„werde ich in Zukunft erzäͤhlen. Lebet wohl“*). In einem andern Briefe aus Valladoldd vom 1. Fe⸗ bruar 1494 an Fernando de Talavera, Erzbiſchof von Granada gerichtet, bemerkt er:„Der Koͤnig und die Kö⸗ nigin ernannten den Columbus bei der Ruͤckkehr von ſeinem glorreichen Unternehmen in Barcelona zum Admiral des Weltmeeres und erlaubten ihm wegen ſeiner unſterblichen Thaten, ſich in ihrer Gegenwart zu ſetzen, eine Ehre und eine Gunſt, die, wie Ihr wißt, die hoͤchſte bei unſeren Monarchen iſt. Sie haben ihn wieder nach jenen Regionen ausgeſandt, und mit einer Flotte von achtzehn Schiffen verſehen. Es eroͤffnet ſich eine Ausſicht auf große Entdek⸗ kungen bei den weſtlichen antaretiſchen Antipoden“**). 3 In einem ſpaͤteren Brief an Pomponius Laͤtus, von Alcala des Henares den 9. December 1494 datirt, theilt *) Opus epist P. Martyris Anglerii. Epist. 135. **) Opus epist, P. Mariyris Anglerii. Epist. 141, — 240— er die erſten Neuigkeiten von dem Erfolg dieſer Expedi⸗ tion mit, „Spanien,“ ſagt er,„ breitet ſeine Schwingen aus, waͤchſt an Reichen und dehnt ſeinen Namen und Ruhm bis zu den Antipoden aus. Vgon achtzehn Schif⸗ fen, welche mein Herr dem Admiral Columbus zu ſeiner zweiten Reiſe nach der weſtlichen Halbkugel mitgegeben hat, ſind zwoͤlfe zuruͤckgekehrt und haben Baumwolle, große Baͤume von Faͤrbeholz und viele andere Artikel mitgebracht, die bei uns koſtbar und die natürlichen Produete der vor⸗ dem verſchloſſenen Welt ſind; unter anderm uͤberbrachten ſie keine kleinen Quantitaͤten von Gold. Auf der Oberflaͤche der Erde findet man dort rohe Maſſen gediegenen Goldes, von einem Gewicht, welches faſt allen Glauben uͤberſteigt. Einige Stuͤcke wiegen 250 Unzen, und man hofft andere von noch viel groͤßerem Gewicht zu finden, nach allem, was die nackten Eingebornen ſagen, wenn ſie ihr Gold unſerm Volk anpreiſen. Auch duͤrfen wir an den Leſtrigo⸗ nen und Polyphemen, die ſich von Menſchenfleiſch naͤhren, nicht laͤnger zweifeln. Wie er von den gluͤcklichen Inſeln, nun die canariſchen genannt, nach Hispaniola der Inſel, wo er ſich anfäͤnglich niederließ, ſegelte, richtete er ſeinen Lauf etwas nach Süden und kam bei einer unzaͤhligen Menge von Inſeln ſolcher Wilden an, welche ſie Menſchenfreſſer oder Caraiben nennen, und dieſe, obwohl ſie nackt gehen, ſind muthige Krieger. Sie vertheidigen ſich geſchickt mit Bogen und mit Keulen und haben Boote nur aus einem Baumſtamm gehoͤlt, doch ſehr geraͤumig, mit welchen ſie —— — 241— kuͤhne Einfaͤlle auf benachbarten Inſeln wagen, die von ſanfteren Menſchen bewohnt ſind. Sie greifen die Doͤrfer derſelben an, ſchleppen die Leute weg und verzehren ſie.*) Ein anderer Brief an Pomponius Laͤtus uͤber denſelben Gegenſtand iſt im Verlaufe dieſes Werkes ausfuͤhrlich mit⸗ getheilt worden. Zwar geben dieſe Auszuͤge nichts, was nicht ſchon des Breiteren in den Decaden deſſelben Autors vorkaͤme; aber ſie ſind intereſſant als die erſten Anküͤn⸗ digungen der Entd ckungen des Columbus und weil ſie die erſten Eindrucke dieſer außerordentlichen Ereigniſſe auf die Gemuͤther der gelehrteſten und edelſten Maͤnner des Zeit⸗ alters zeigen. Eine Sammlung der Briefe des Peter Martyr kam im Jahr 1530 unter dem Titel Opus Epistolarium Petri Martyris Anglerii heraus. Es iſt in achtunddreißig Buͤcher getheilt, wovon jedes die Briefe eines Jahres enthaͤlt. Man hat gegen dieſe Briefe dieſelben Einwaͤnde wie gegen ſeine Deeaden erhoben, aber ſie tragen denſelben Stempel der edlen Geſinnung, der Redlichkeit und der großen Bildung. Einen beſonderen Werth erhalten ſie dadurch, daß ſie in dem erſten Augenblick geſchrieben ſind, ehe noch die Facta, welche ſie enthalten, durch Vorurtheile oder gekliſſentliche Verdrehungen entſtellt wurden. Seine Werke beſitzen einen Schatz von intereſſanten Einzelnheiten, die bei keinem gleich⸗ zeitigen Hiſtoriker gefunden werden. Sie ſind reich an Ge⸗ *) Opus epist. P. Martyris Anglerii. Epist. 147. Irving's Columbus. 10—12. 16 — 242— danken, noch reicher an Thatſachen, voll Urbanttaͤt und von den edlen Empfindungen eines Gelehrten durchdrungen, der zugleich Weltmann war. Sie ſind eine Quelle, aus welcher Andere ſchoͤpeten und welche man mit einiger Vorſicht ſicher benutzen kann,— Er ſtarb zu Valladolid im Jahre 1526. Nro. XXVIII. O v e d b. Gonzalo Fernandez de Oviedo y Valdes, gewoͤhnlich nur Oviedo genannt, war zu Madrid im Jahr 1478 geboren und ſtarb zu Valladolid im Jahr 1557, neunundſiebzig Jahre alt. Er war von einer edlen aſturiſchen Familie und in der Kindheit(im Jahr 1490) zu einem der Pagen des Prinzen Juan, des vermuthlichen Thronfolgers, des einzigen Sohnes Ferdinands und Iſabellens auserſehen. In dieſer Stellung befand er ſich waͤhrend der Belagerung und Ein⸗ nahme von Granada, war demnach am Hofe zur Zeit, als Columbus ſeine Uebereinkunft mit Ihren katholiſchen Maje⸗ ſtaͤten traf und wohnte in derſelben Eigenſchaft dem glor⸗ reichen Einzuge des Entdeckers bef, wie er, eine Anzahl Einge⸗ borne der neuen Laͤnder in ſeinem Gefolge, Barcelona betrat. — 243— Im Jahr 1513 wurde er von Ferdinand nach der neuen Welt geſandt, um uͤber die Goldſchmelzwerke die Aufſicht zu führen. Mehrere Jahre lang diente er dort in mehreren Aemtern von Vertrauen und Rang, ſowohl unter Ferdi⸗ nand, als auch unter ſeinem Enkel und Nachfolger Carl V. Im Jahr 1535 wurde er zum Alcayde der Feſtung San Domingo in Hispantola, und ſpaͤter zum Hiſtoriographen von Indien ernannt. Als er ſtarb, hatte er der Krone über vierzig Jahre gedient, wovon er vier und dreißig in den Colonien zubrachte; er war achtmal uͤber den Ocean gefahren, wie er an verſchiedenen Stellen ſeiner Schriften anmerkt. Er ſchrieb mehrere Werke; das wichtigſte iſt ſeine Chronik von Indien in funfzig Buͤchern, welche in drei Abtheilungen zerfallen. Die erſte Abthellung enthaͤlt neun⸗ zehn Buͤcher und erſchien in Sevilla im Jahr 1535 und bann 1547 in Salamanca, mit einem zwanzigſten Buche vermehrt, welches von Schiffbruͤchen handelt. Das uͤbrige Werk exiſtirt nur im Manuſeript. Der Druck deſſelben wurde in Valladolid im Jahr 1557 begonnen, aber wegen ſeines Todes nicht fortgeſetzt. Es iſt eine der handſchrift⸗ lichen Schaͤtze der ſpaniſchen Colonial⸗Geſchichte. Er war ein unermuͤdlicher Schriftſteller, fleißig Data zu ſammeln und zu orzaͤhlen, und er ſchrieb eine große Zahl von Baͤnden, die in den ſpaniſchen Bibliotheken umher zerſtreut liegen. Seine Schriften ſind angefuͤllt mit Ergeb⸗ niſſen, die ſich unter ſeinen eigenen Augen zutrugen, oder ihm von Augenzeugen mitgetheilt wurden; aber im Urtheil und in der Unterſcheidungskraft kann er nicht genuͤgen. 16* — 244— Er ſammelte ſeine Thatſachen ohne kritiſche Sichtung und oft aus unglaubwuͤrdigen Quellen. In ſeiner Erzaͤhlung von der erſten Reiſe des Columbus begeht er mehrere große Irrthuͤmer, weil er den muͤndlichen Ausſagen eines Piloten Namens Hermann Perez Matheo folgt, der in dem Intereſſe der Pinzons und gegen den Admiral ſprach. Sein Werk iſt in Dingen, welche den Columbus ſelbſt angehen, wenig zuverlaͤſſig. Wenn er von einer ſpaͤteren Zeit der neuen Welt ſpricht, wo er aus eigener Beobachtung ur⸗ theilt, iſt er weit glaubwürdiger, obgleich man ihm Schuld gab, daß er zu bereitwillig ſich den Volksgeruͤchten und deren Verdrehungen hingebe. Seine Nachrichten von den Producten der neuen Welt und von den Sitten ihrer Be⸗ wohner ſind voll intereſſanter Einzelnheiten, und die beſten Berichte uͤber einige der kleineren Reiſen, welche denen des Columbus folgten, findet man in dem ungedruckten Theile ſeines Werkes. Nro. XXI. Eura de los Palacios. Andrez Bernaldez, oder Bernal, gewoͤhnlich unter dem Titel des Pfarrers von Los Palacios bekannt, weil er — — 245— von ungefaͤhr 1488 bis 1513 als Pfarrer in der Stadt Los Palacios ſtand, war in der Stadt Fuentes geboren und fungirte einige Zeit als Kaplan des Diego Deza, Erzbi⸗ ſchofs von Sevilla, eines der groͤßten und thaͤtigſten Freunde des Columbus. Bernaldesz war mit dem Admiral ſehr gut bekannt, welcher gelegentlich ſein Gaſt war und ihm im Jahr 1496 viele ſeiner Manuſcripte und Tagebuͤcher zuruͤck⸗ lies, deren ſich der Pfarrer bei einer Geſchichte Ferdinands und Iſabellens bediente, worin er einen Bericht uͤber die Reiſen des Columbus mittheilt. In ſeiner Erzuͤhlung von der Kuͤſtenfahrt des Admirals laͤngs der Suͤdſeite von Cuba iſt der Pfarrer genauer und deutlicher als alle andere Hiſto⸗ riker. Sein Werk exiſtirt bloß im Manuſcript, iſt aber den Hiſtorikern wohl bekannt, und ſie haben haͤufig Ge⸗ brauch davon gemacht. Im Beſitz des Herrn O. Rich, Squire, zu Madrid, befindet ſich eine merkwürdige hand⸗ ſchriftliche Chronik, die wir ſchon citirt haben, aus dieſer Geſchichte des Pfarrers von Los Palacios und aus den Werken anderer Geſchichtſchreiber jener Zeiten von einem damaligen Schriftſteller zuſammengetragen. In ſeinen Nach⸗ richten von der Reiſe des Columbus weicht er bei einigen kleinen Vorfaͤllen von dem Original des Manuſcriptes des Pfarrers ab. Der Verfaſſer dieſes Werkes hat dieſe Ab⸗ weichungen ſorgfaͤltig gepruͤft, und dieſelben, wo ſie ihm richtiger erſchienen, angenommen. Nro. XXX. „Navigatione del Re de Castiglia delle Isole e Paese nuovamente ritrovate.““ „Navigatio Christophori Colombi.“ Obiges ſind die Titel der in italieniſcher und in latei⸗ niſcher Sprache abgefaßten aͤlteſten Beſchreibung der erſten und zweiten Reiſe des Columbus, welche im Druck er⸗ ſchienen iſt. Sie kam anonym heraus und es exiſtiren einige intereſſante Nachrichten daruͤber. Urſpruͤnglich wurde ſie in italieniſcher Sprache von Montalbodo Fracanzo oder Fracanzano, oder Francapano de Montabaldo niedergeſchrie⸗ ben, denn die Gewaͤhrsmaͤnner weichen hinſichtlich des Na⸗ mens von einander ab, und kam zu Vicenza im Jahr 1507 in einer Sammlung von Reiſen heraus, welche„Mondo Nuovo, e Paese nuovamente ritrovate« betitelt war. Die Sammlung erſchien aufs Neue in Mailand im Jahr 1508, italieniſch, und in lateiniſcher Ueberſetzung von Ar⸗ changelo Madrignano unter dem Titel Itinerarium Portu- gallensium; dieſen Titel erhielt ſie, weil das Werk ſich hauptſächlich auf die Reiſen des Luigi Cadamoſto, eines Venetianers in portugieſiſchen Dienſten bezog. —— —— — 247— Simon Grinaͤus bereicherte die Sammlung ſpaͤter mit anderen Reiſen und ſie wurde lateiniſch zu Baſel im Jahr 1533*) von Hervagio unter dem Titel Novus Orbis Re- gionum etc. herausgegeben. Die Baſeler Ausgabe vom Jahr 1555 und die Mallaͤndiſche in italieniſcher Sprache vom Jahr 1508 ſind im Laufe dieſes Werkes benutzt worden. Peter Martyr**) ſpielt auf die Herausgabe unter dem erſten, lateiniſchen Titel Itinerarium Portugallensium an und beklagt ſich über den Autor, den er faͤuſchlich Cada⸗ moſto nennt, daß er die Materialien ſeines Werkes aus den drei erſten Kapiteln ſeiner erſten Decade des Oreans ge⸗ ſtohlen habe, von welchen er mehreren Perſonen, inſonder⸗ heit venetianiſchen Geſandten, Abſchriften anvertraut zu haben behauptet. Martyr's Decaden erſchienen erſt 1516 im Druck. 3 Dieſer Erzaͤhlung von den Reiſen des Columbus wird auch von Geo. Batiſta Spotorno in ſeiner hiſtoriſchen Ab⸗ handlung uͤber Columbus gedacht, als rühre ſie von einem Reiſegefaͤhrten des Columbus her. Es wird beim Durchleſen der Erzaͤhlung offenbar, daß, wenn auch der Autor ſich des Manuſcripts von Peter Mar⸗ tyr haͤufig bedient haben mag, er doch auch andere Quellen der Belehrung haben mußte. Seine Beſchreibung der Per⸗ ſon des Columbus, als eines Mannes von großer Statur und kraͤftigem Koͤrperbau, von roͤthlicher Farbe und laͤng⸗ *) Bibliotheca Pinello. **) Peter Martyr dec. II., cap. 7. lichem Geſicht, ruͤhrt nicht von Martyr, noch von einem anderen Schriftſteller her. Kein Hiſtoriker war ihm vor⸗ ausgegangen, außer Sabellicus im Jahe 1504, und das Portraft ſtimmt mit dem in der Blographie des Sohnes von Columbus gegebenen aͤberein. Wahrſcheinlich iſt dieſe Beſchreibung, welche erſt ein Jahr nach Columbus Tode erſchien, eine Art von Geld⸗ ſpeculation bei der Sammlung der Reiſen, die in Vicenza herauskam, und die Materialten ſind wohl aus muͤndlichen Mittheilungen, aus den Nachrichten, welche Sabellicus gibt, und dann hauptſaͤchlich aus einer Abſchrift der erſten De⸗ cade des Peter Martyr, zuſammengetragen. Nro. XXXI. Antonio de Herrera. Antonio Herrera de Tordeſillas, einer der in dieſem Werk am haͤufigſten citirten Autoren, iſt im Jahr 1565 geboren; ſein Vater war Roderich Tordeſillas und ſeine Mutter Agnes de Herrera. Er erhielt eine treffliche Er⸗ ziehung und trat in die Dienſte Vespaſians Gonzaga, Bru⸗ ders des Herzogs von Mantua, walcher Vicekoͤnig von — — — 249— Neapel fuͤr Philipp II. von Spanien wurde. Er war eine Zeit lang Secretaͤr dieſes Staatsmanns und mit allen ſeinen geheimen Angelegenheiten vertraut. Nachher ward er Haupthiſtoriograph von Indien bei Philipp II., der die⸗ ſem Titel eine große Penſion beifuͤgte. Er ſchrieb verſchie⸗ dene Buͤcher; aber das beruͤhmteſte iſt die allgemeine Ge⸗ ſchichte von Indien oder von den amerkkaniſchen Colonten in vier Baͤnden, welche acht Decaden umfaſſen. Als er dieſes Werk unternahm, wurden ihm alle Staatsarchive ge⸗ oͤffnet und er bekam Documente aller Art mitgetheilt. Die zwei erſten Baͤnde hat er mit großer Eile abgefaßt und ſich die Nachlaͤßigkeit zu Schulden kommen laſſen, daß er nicht hinlaͤnglichen Gebrauch von den unbeſtreitbaren Geſchichtsquellen machte, welche ihm auf ſolche Art geoͤffnet wurden. Die Sache war, daß er hiſtoriſche Abhandlungen im Manuſcript vorfand, welche einen großen Theil der erſten Entdeckungen umfaßten, und ſich begnuͤgte, die Ereigniſſe ſo anzugeben, wie er ſie darin beſchrieben fand. Es iſt gewiß, daß ein großer Theil ſeines Werkes wenig mehr als aus dem Manuſcript der Geſchichte Indiens von Las Caſas abgeſchrieben iſt und manchmal nur den Ausdruck maͤßigt und verbeſſert, wo er ſchwuͤlſtig iſt, auch mit Aus⸗ laſſung der heftigen Ausfälle des eifrigen Geiſtlichen, wo ſich's von den Leiden der Indianer handelt, und mit Un⸗ terdruͤckung mehrerer Umſtaͤnde, welche dem Charakter der ſpaniſchen Entdecker zum Nachtheil gereichen. Der Ver⸗ faſſer des gegenwaͤrtigen Werkes hat daher haͤufig die Ge⸗ ſchichte Herrera's auf Seite geſetzt und die Quelle ſeiner — 250— Belehrung, das Manuſcript der Geſchichte des Las Caſas, befragt. Munjoz bemerkt,„in der Regel habe Herrera nicht mehr gethan, als die Stuͤcke und Auszuͤge, die er von ver⸗ ſchiedenen Seiten erhalten, ſo zuſammenzuſtellen, wie ein Geſchichtſchreiber die Materialien, aus welchen er eine Ge⸗ ſchichte ſchreiben will, zuſammenzuſetzen pflegt.“ Er fuͤgt hinzu:„waͤre Herrera nicht ein gelehrter und urtheilsfaͤhi⸗ ger Mann geweſen, ſo haͤtte die Eile, womit er dieſe Ma⸗ terialien verband, ihn zu unzaͤhligen Irrthuͤmern verleiten muͤſſen.“ Die Bemerkung iſt richtig, doch muß man beden⸗ ken, daß es kein kleines Verdienſt fuͤr einen Hiſtoriker war, ſolche Materialten kritiſch zu ordnen und mit Gelehrſamkeit zu behandeln. Man hat Herrera auch den Vorwurf gemacht, daß er der Nation geſchmeichelt, die Thaten ſeiner Landsleute ver⸗ groͤßer und ihre Unthaten in milderem Lichte dargeſtellt, auch wohl verheimlicht habe. Dieſe Anklage erſcheint nicht von ernſthafter Art. Den Ruhm ſeines Vaterlandes be⸗ leuchten, iſt eine der edelſten Pflichten des Geſchichtſchrei⸗ bers, und es iſt ſchwer, zu viel von den außerordentlichen Unternehmung und glaͤnzenden Thaten der Spanier jener Zeit zu ſagen. Wenn er ihre Exeeſſe milder darſtellte, fo fiel er in einen liebenswürdigen und verzeihlichen Fehler, wenn es wirklich ein Fehler fuͤr einen Spanier war, ſie in Vergeſſenheit begraben zu wollen. Voſſius macht dem Herrera bedeutende Lobeserhebungen. „Keiner,“ ſagt er,„hat mit groͤßerem Fleiß, mit gröͤße⸗ —— —— — 251— rer Treue die Ausdehnung und die Graͤnzen der Provin⸗ zen, die Meeresſtroͤmungen, die Richtungen der Vorge⸗ birge und Inſeln, der Haͤfen und Buchten, die Flußwtn⸗ dungen und die Groͤße der Seen, die Laͤngen und Eigen⸗ thuͤmlichkeiten der Gegenden, die Erſcheinungen des Him⸗ mels, die zu Erbauung von Staͤdten beſtimmten Oerter angegeben, als Herrera.“ Man hat ihn in Spanien den Fuͤrſten der Geſchichtſchreiber von Amerika genannt, und hinzugefuͤgt, es ſey ſeitdem keiner aufgeſtanden, der ihm dieſen Titel ſtreitig machen koͤnne. Vielen, welche die Ma⸗ nuſcripte unterſuchen, aus welchen er mit wenigen Veraͤn⸗ derungen ganze Kapitel und Buͤcher in ſein Werk aufnahm, werden dieſes Lob uͤbertrieben finden, und ein großer Theil des Preiſes, welchen ihm ſein Werk uͤber Indien eingetra⸗ gen, gebuͤhrt eigentlich dem Las Caſas, der zu lange von ſeinem Abſchreiber verdunkelt worden iſt. Dennoch hat Herrera auffallende Brweiſe fleißiger Forſchung, vielſeitt⸗ ger Gelehrſamkeit und großer literariſchen Talente hinter⸗ laſſen. Seine Werke tragen den Stempel edler, recht⸗ ſchaffener Geſinnung und eines aufrichtigen Beſtrebens, die Wahrheit zu erzaͤhlen.— Er ſtarb im Jahr 1625 im ſech⸗ zigſten Lebensalter, nachdem er von Philipp IV. noch das Verſprechen erhalten, daß ihm die erſte vacante Stelle als Staatsſeeretär werden ſolle.) 1 erte mit wachſender Macht durch das ganze Leben des Co⸗ Nro. XXXII. Biſchof Fonſeca, Die eigene Bosheit, welche der Biſchof Juan Rodri⸗ guez de Fonſeca gegen Columbus und ſeine Familie bewies und welche eine der geheimen und hauptſaͤchlichen Urſachen ihres Unglücks war, iſt in dem Laufe dieſes Werkes oft be⸗ ſprochen worden. Sie ruͤhrte, wie gezeigt worden iſt, von einem Wortwechſel zwiſchen dem Admiral und Fonſeca zu Sevilla im Jahr 1493 her, wegen des Verzugs bei der Ausruſtung zur zweiten Reiſe und wegen der Anzahl der Dienerſchaft, welche den Haushalt des Admirals bilden ſoll⸗ te. Fonſeca erhielt einen Brief von den Souverainen, der ihm einen ſtillſchweigenden Vorwurf machte und ihm befahl, den Wuͤnſchen des Columbus ſoviel als moͤglich entgegenzu⸗ kommen und dafuͤr zu ſorgen, daß er mit Achtung und Ehrerbietung behandelt werde, Fonſeca vergaß nie dieſe Beſchaͤmung, und was bei ihm daſſelbe war, er vergab ſie nie. Seine Seele ſcheint von jener unverſoͤhnlichen Natur geweſen zu ſeyn, welche nie den Balſam der Vergebung in ſich aufnimmt und wo die einmal erhaltene Wunde ewig fortbrennt. Die auf jene Weiſe erzeugte Feindſeligkeit dau⸗ — 253— lumbus fort und wurde bei ſeinem Tode auf deſſen Sohn und Erben uͤbertragen. Dieſe hartnaͤckige Feindſeligkeit iſt im Laufe dieſes Werkes durch Thatſachen und Bemerkungen von Schriftſtellern erlaͤutert worden, wovon Einige Zeitge⸗ noſſen des Columbus waren, die ſich aber augenſcheinlich aus Gründen der Klugheit zuruͤckhielten, dem Unwillen freien Lauf zu laſſen, den ſie offenbar empfanden. Selbſt in dieſen Tagen wuͤrde ein ſpaniſcher Geſchichtſchreiber ſich huͤten, ſeine Gefuͤhle uͤber dieſen Gegenſtand frei auszu⸗ ſprechen, damit es ſeinem Werk in den Augen geiſtlicher Cenſoren der Preſſe keinen Schaden bringe. Auf diefe Weiſe iſt Biſchof Fonfeca zum großen Theil dem allgemei⸗ nen Haß entgangen, welchen ſein Betragen verdiente. Dieſer Praͤlat hatte die oberſte Aufſicht uͤber die ſpani⸗ ſchen. Colonial⸗Angelegenheiten, ſowohl unter Ferdinand und Iſabella, als auch unter dem Kaiſer Carl V. Er war ein thaͤtiger und unerſchrockner, aber ſelbſtiſcher, uͤber⸗ muͤthiger und heimtuͤckiſcher Mann. Seine Verwaltung traͤgt keine Spuren einer freien und edlen Politik; ſie iſt voll von Züͤgen der Anmaßung und Niedrigkeit. Er wi⸗ derſetzte ſich den wohlwollenden Verſuchen des Las Caſas, die Lage der Indianer zu verbeſſern und die Abſchaffung der Repartimientos zu bewirken, indem er ihn mit perſoͤn⸗ licher Anmaßung und Haͤrte behandelte.*) Der Grund, welcher dafuͤr angegeben wird, iſt, weil Fonſeca ſich durch dieſe eigentlichen Mißbraͤuche bereicherte und eine große *⁴) Herrera, d. 2. 1. II. c. 3. — 254— Anzahl ungluͤcklicher Indianer in der Sclaverei hielt, um in ſeinen Dienſten in den Colonieen zu arbeiten. Um zu zeigen, daß ſein Charakter nicht mit unverdien⸗ ter Strenge beurtheilt worden iſt, wird es dienlich ſeyn, ſein neidiſches und rachſuͤchtiges Betragen gegen Fernando Cortez auseinanderzuſetzen. Waͤhrend der Biſchof ſtets be⸗ relt war, leichtfertige Abenteurer zu begünſtigen, die ſich ſeinem Schutz empfahlen, hatte er nie den Geiſt, noch den Willen, die Verdienſte von glorreichen Befehlshabern wie Columbus und Cortez zu wuͤrdigen. Zu einer Zeit, als ſich zwiſchen Cortez und Diego Ve⸗ lasquez, dem Gouverneur von Cuba, Mißhelligkeiten ent⸗ ſpannen und der Letztere den Eroberer von Merxico mitten auf ſeiner glaͤnzenden Laufbahn zu verhaften ſtrebte, nahm Fonſeca, ohne auf das Verdienſt des Falles nur die ge⸗ ringſte Ruͤckſicht zu nehmen, ſich entſchieden des Velasquez an. Dieſer Gunſt lagen perſoͤnliche Ruͤckſichten zum Grunde; denn es war eine Heirath zwiſchen Velasquez und einer Schweſter des Biſchofs im Werke.*) Velasquez ſandte Klagen und unwahre Darſtellungen des Betragens des Cor⸗ tez nach Spanien; er ſtellte ihn als einen ungehorſamen und rückſichtsloſen Abenteurer hin, der ſich unumſchraͤnkte Gewalt in Neuſpanien anmaßen wolle. Die wahren Ver⸗ dienſte des Cortez hatten bereits die Bewunderung des Ho⸗ fes erregt; aber der Einfluß Fonſecas war ſo groß, daß er, grade wie in dem Falle mit Columbus, ſo gluͤcklich war, *) Herrera, d. 3, I. IV. c. 9. — 255— das Gemuͤth des Herrſchers gegen einen ſeiner verdienteſten Unterthanen zu ſtimmen. Einer Namens Chriſtoval de Ta⸗ pia, ein Mann obne alle Talente und ohne Charakter, aber dem es ſehr zur Empfehlung gereichte, daß er in Dienſten des Biſchofs geſtanden hatte,*) wurde mit aͤhnlichen Voll⸗ machten verſehen, wie ſie Bobadilla einſt erhielt, um den Columbus zu beeintraͤchtigen. Er ſollte das Betragen des Cortez unterſuchen, und, im Fall er es geeignet finden wuͤrde, ihn ergreifen, ſein Eigenthum einziehen und im Commando an ſeaine Stelle treten. Nicht zufrieden mit den foͤrmlichen Official⸗Schreiben, welche Tapia mitbekam, ſandte der Biſchof kurz nach ſeiner Abreiſe den Juan Bono de Quero mit Briefen in blanco, von ſeiner eignen Hand unterzeichnet, nebſt anderen, die an beſtimmte Perſon n gerichtet waren, worin er ihnen befahl, den Tapia zum Gouvernement zuzulaſſen und ſie verſicherte, daß der Koͤnig das Betragen des Cortez füͤr treulos halte.**) Nur die Vorſicht und Fſtigkeit des Cortez vrhuͤtete es, daß dieſe Maßregel ſeine Unternehmungen voͤllig unterbrach, wo nicht vernichtete. Wie die Zwiſtigkeiten zwiſchen Cortez und Velasquez in Spanien unterſucht und entſchieden werden ſollten, wider⸗ ſetzten ſich der Vater des Cortez und ſeine Anwaͤlte dagegen, daß Fonſeca einer der Schiedsrichter werde, indem ſie deſſen Feindſchaft gegen Cortez, deſſen Partheilichkeit für Velag⸗ *) Herrera, d. 3. I. I. c. 15. **) Herrera, d. 3. 1, III. c. 16. — 256— quez und das Factum anfuͤhrten, daß er im Begriff ſtehe, dem Letzteren ſeine Schweſter zur Frau zu geben. Cardi⸗ nal Adrian unterſuchte die Sache gruͤndlich und fand, daß ihrem Verlangen nachzugeben ſey. Fonſeca erhielt daher den Befehl, in dleſer Sache nicht zu praͤſidiren;„und es wurde gleichfalls angefuͤhrt,“ ſagt Herrera,„daß er den Cortez öoffentlich einen Verraͤther genannt, daß er ſeine Vorſtellun⸗ gen von dem Rath von Indien zu entfernen gewußt und erklaͤrt hatte, ſie ſollten, ſo lange er lebe, nie dahin gelan⸗ gen, daß er dem Koͤnig keinen genauen Bericht uͤber dißſe Dienſtgegenſtaͤnde abgeſtattet und daß er den Befehl gege⸗ ben, daß das indiſche Haus zu Sevilla keine Waffen, Kauf⸗ waaren oder Leute nach Neu⸗Spanien ablaſſen ſolle.“*) Cor⸗ tez ſelbſt erklaͤrte ſpaͤter,„daß er mehr Unruhen und Schwie⸗ rigkeiten von den Drohungen und Beleidigungen der Mint⸗ ſter des Koͤnigs erfahren, als es ihm gekoſtet, ſeine Siegs zu verfolgen.“**) Einen Vorwurf von viel ſchwaͤrzerer Art gegen Fon⸗ ſeca kann man in den Buͤchern Herrera's verſchleiert leſen, doch ſo verſteckt, daß er der Aufmerkſamkeit der folgenden Geſchichtſchreiber entging. Er weiſ't auf den Biſchof als auf den Anſtifter des Complotts eines verzweifelten treulo⸗ ſen Menſchen, der ſich vornahm, den Fernando Cortez aus der Welt zu ſchaffen. Dieſes war einer Namens Antonio de Villafanja; er machte eine Verſchwoͤrung, um den Cor⸗ *) Herrera, d. 3. 1. IV. c. 13. **) Herrera, d. 3. 1, I. c. 1.. — 257— tez ums Leben zu bringen und den Franzisco Verdugo, Schwager des Velasquez, an ſeine Stelle zu erwaͤhlen. Waͤh⸗ rend die Verſchwornen auf eine Gelegenheit lauerten, um den Cortez zu ermorden, bereute einer das Vorhaben und entdeckte ihm die Gefahr. Villafanja wurde arretirt. Er ſuchte ein Papier zu verſchlucken, welches ein Verzeichniß der Verſchworenen enthielt; aber man packte ihn bet der Gurgel und ein Stuͤck wurde ihm noch aus dem Munde geriſſen, worauf vierzehn Namen von wichtigen Perſonen ſtanden. Villafanja geſtand ſein Verbrechen; aber keine Tor⸗ turen konnten ihn zwingen, die Perſonen als ſeine Mit⸗ ſchuldige anzugeben, deren Namen auf dem Verzeichniß ſtanden, und er erklärte ſie dem Complott fremd. Er wurde auf Befehl des Cortez gehaͤngt.*) In der Unter⸗ ſuchung der Zwiſtigkeiten zwiſchen Cortez und Velasquez, welche im Jahr 1522 vor einem beſonderen Gericht ſtatt⸗ fand, und die aus dem Großkanzler und anderen Perſonen von Auszeichnung beſtand, wurde dieſe Hinrichtung Villa⸗ fanjas zu einem grauſamen und willuͤhrlichen Act der Ge⸗ walt geſtempelt, und bei ihrem Eifer, Cortez anzuklagen, erklaͤrte der Zeuge von Seiten des Alvarez, daß Villafanja zu ſeinem Attentat durch Briefe des Biſchofs Fonſeca an⸗ gereizt worden ſey(que se movid a lo que hizo con cartas del Obispo de Burgos.)*) Es iſt nicht wahr⸗ ſcheinlich, daß Fonſeca die Ermordung befohlen, aber es *) Herrera, d. 3. 1. I. c- 1. **) Herrera, d. 3. 1. IV. c. 3. Irving's Columbus, 10—12. 17 — 258— zeigt den Charakter ſeiner Agenten, und wie boshafter Na⸗ tur ſeine Inſtructionen geweſen ſeyn muͤſſen, wenn ſie glau⸗ ben konnten, daß eine ſolche Handlung mit ſeinen Wuͤn⸗ ſchen uͤbereinſtimme. Fonſeca ſtarb in Burgos am 4. November 1524 und wurde zu Coca beerdigt. Nro. XXXIII. Ueber die Lage des irdiſchen Paradieſes. Die Betrachtungen des Columbus uͤber die Lage des ir⸗ diſchen Paradieſes, ſo excentriſch ſie auch erſcheinen moͤgen, ſind doch von ſolcher Art, daß viele ernſte und gelehrte Maͤnner ſich mit dieſen Ideen beſchaͤftigt haben. Eine kurze Eroͤrterung ihre Meinungen uͤber dieſen intereſſanten Ge⸗ genſtand wird wohl dem gebildeten Leſer willkommen ſeyn, und den Vorſtellungen des Columbus etwas von ihrem an⸗ ſcheinenden Unſinn benehmen. Der Aufenthaltsort unſerer Stammeltern war von al⸗ ten Zeiten her Gegenſtand eifriger Forſchungen, und die Menſchheit war immer gineigt, ſich einen Ort vollkommner Gluͤckſeligkeit auszumalen, wo die Einbildungskraft, von — 259— der gemeinen Wirklichkeit des Lebens verletzt, ſich gern in ein ſelbſterſchaffenes Elyſium zuruͤcktraͤumte. Es iſt eine Vorſtellung, die zwar nicht mit unſerer Religion zuſammen⸗ haͤngt, aber in dem rohen Glauben der meiſten wilden Voͤl⸗ ker exiſtirt und bei dem ganzen Alterthum vorherrſchte. Die Betrachtungen uͤber den Garten Eden ſind denen der Grie⸗ chen uͤber die Gaͤrten der Hesperiden aͤhnlich, dieſer Region des Entzuͤckens, welche ſie ſtets an den entlegenſten Rand der bekannten Erde verlegten, welche ihre Dichter mit allen Reizen der Phantaſie ſchmuͤckten, wonach ſie immer ver⸗ langten, welches ſie aber niemals finden konnten. Einſt ſuchte man ſie in der großen Oaſe von Arabien. Die er⸗ ſchoͤpften Reiſenden begruͤßten nach ihren Kreuz⸗ und Quer⸗ zuͤgen durch die ſchwuͤle ſengende Wuͤſte dieſen gruͤnenden Boden mit Entzuͤcken; ſie erquickten ſich in ſeinen ſchattigen Lauben und an den Ufern ſeiner kuͤhlenden Stroͤme, wie die Mannſchaft eines von Stuͤrmen umhergeſtoßenen Schif⸗ fes an den Kuͤſten eines gruͤnen Eilandes im hohen Meer ſich ausruht; und von ſeiner einſamen Lage mitten in dem Ocean von Sand gaben ſie dem Land den Namen, die In⸗ ſel der Seligen. Wie die Kenntniſſe der Geographie ſich erweiterten, wurden die Hesperiden⸗Gaͤrten in immer groͤ⸗ ßere Ferne verlegt. Man ſetzte ſie an die Graͤnze der gro⸗ ßen Syrte, in die Naͤhe des Berges Atlas. Hier fand ſich nach Durchwanderung der furchtbaren Wuͤſten von Barca der Reiſende in einem ſchoͤnen und fruchtbaren Lande, von Baͤchen und ſtroͤmenden Quellen bewaͤſſert. Die von hier nach Griechenland gebrachten Orangen und Eitronen, die 178 — 260— dort bis dahin noch unbekannt waren, entzückten die Athenienſer durch ihr lachendes Gold und ihren koͤſtlichen Wohlſchmack, und ſie glaubten, nur die Garten der Hesperiden koͤnnten ſolche herrliche Fruͤchte hervorbringen. Auf dieſe Weiſe wurde die gluͤckliche Region der Alten von Land zu Land verlegt, immer an das entlegenſte unbekannteſte Ende der Welt, bis man die canariſchen Inſeln zum Sitz erkor, welche daher die gluͤcklichen oder hesperiſchen Inſeln genannt wurden. Hier blieben ſie, weil die Entdeckung nicht wei⸗ ter drang und weil dieſe Inſeln ſo entfernt lagen und ſo wenig bekannt waren, daß ſie den Erfindungen der Dichter freien Spielraum gaben.*) Eben ſo war die Lage des irdiſchen Paradieſes oder des Gartens Eden lange ein Gegenſtand wunderlichen Streites und beſchaͤftigte lebhaft die Aufmerkſamkeit der gelthrteſten Theologen. Einige verſetzten es nach Palaͤſtina oder in's gelobte Land; andere nach Meſopotamien in den reichen und ſchoͤnen Strich Landes, welchen die Windungen des Euphrat und Tigris begraͤnzen; andere nach Armenien, in ein von jaͤhen Berghaͤngen und undurchdringlichen Waͤldern umgebenen Thal, und nahmen an, Enoch und Elias ſeyen den Augen der Sterblichen entruͤckt worden, um daſelbſt in einem Zuſtande irdiſcher Gluͤckſeligkeit bis zur zweiten Zu⸗ kunft unſeres Erloͤſers zu leben. Andere gaben die Lage in weiter Entfernung an, wie zum Beiſpiel auf dem Taprobana *) Gosselyn, recherch. aur la géogr. des An- ciens, t. 1, — 261— der Alten, welches jetzt als die Inſel Ceylon bekannt iſt, oder auf der Inſel Sumatra, oder auf den gluͤcklichen, den canariſchen Inſeln, oder auf einer der Sundiſchen Inſeln, oder endlich in einem geſegneten Landſtrich unter dem Ae⸗ quator. Dieſe Forſcher gaben ſich große Muͤhe, den ausgeſuch⸗ ten Platz mit der im erſten Buche Moſis von dem Garten Eden gegebenen Beſchreibung in Einklang zu bringen; be⸗ ſonders mit jener großen Quelle, die ihn bewaͤſſerte und die ſich darauf in vier Stroͤme, den Piſon oder Phiſon, den Gihon, den Phrat und den Hidekel theilte. Die, welche ſich zu Gunſten des gelobten Landes erklaͤrten, hielten den Jordan fuͤr den großen Fluß, der ſich nachher in den Phi⸗ ſon, Gihon, Tigris und Euphrat getheilt, und wo nachmals der Sand die alten Strombette verwuͤſtet haͤtte; nach ihnen ſoll der Piſon urſpruͤnglich das wüͤſte und das gluͤckliche Arabien durchlaufen und ſich in den perſiſchen Meerbuſen er⸗ goſſen, der Gihon das noͤrdliche oder ſteinichte Arabien bewaͤſ⸗ ſert und ſich in den arabiſchen Meerbuſen oder das rothe Meer gemuͤndet, der Euphrat und der Tigris aber ihren Lauf von Eden nach Aſſyrien und Chaldaͤg genommen, und ſich dann in den perſiſchen Meerbuſen ergoſſen haben. Von den meiſten der aͤlteren Commentatoren wird der Fluß Gihon füͤr den Nil erklaͤrt. Die Quelle dieſes Stroms war unbekannt, doch offenbar weit von den Orten ent⸗ fernt, wo der Euphrat und der Tigris entſprang. Man überwand aber mit Scharfſenn die Schwierigkeit, indem man ihm einen unterirdiſchen Lauf von einigen hundert — 262— Stunden von der gemeinſamen Quelle gab, bis er in Abeſ⸗ ſinien das Tageslicht wieder erblickte.*) Eben ſo gab man dem Euphrat und dem Tigris einen unterirdiſchen Lauf unter dem rothen Meer durch, bis wo ſie in Armenien zu Tage kommen, als ob ſie aus einer gemeinſamen Quelle entſpraͤngen. Und ſo nahmen die, welche das irdiſche Pa⸗ radies auf Inſeln verlegten, an, daß die Fluͤſſe, welche auf ihnen entſprangen und jene vorgenannten bildeten, ent⸗ weder uͤber die Oberfläͤche des Meeres hinſtroͤmten, wie ſuͤ⸗ ßes Waſſer vermoͤge ſeiner groͤßeren Leichtigkeit uͤber dem ſalzigen ſchwimmen kann, oder daß ſie durch tiefe Adern und Canaͤle der Erde floͤſſen, wie die Quelle Arethuſa in Grlechenland ſich tief ins Erdreich verſenken und auf der Inſel Sicilien wieder zum Vorſchein kommen ſollte, waͤh⸗ rend der Fluß Alpheus, der ihr jedoch mit minderer Be⸗ harrlichkeit folgte, nicht weit von ihr in dem Meere ſelbſt in die Hoͤhe kam. 3 4 Einige ſtritten dafuͤr, daß die Suͤndfluth den Garten Eden zerſtoͤrt und die ganze Oberflaͤche der Erde verwan⸗ delt habe; ſo daß die Flüſſe ihren Lauf veraͤndert und ver⸗ ſchiedne Richtungen von denen in der Geneſis angegebenen genommen haͤtten. Andere dagegen, unter welchen der h. Auguſtinus in ſeinem Commentar uͤber das erſte Buch Mo⸗ ſis, behaupten, das irdiſche Paradies exiſtire noch in ſei⸗ ner urſpruͤnglichen Schoͤnheit und mit allen ſeinen Reizen, aber es ſey den Sterblichen verſchloſſen, da es ſich auf dem *) Teyjoo teatro critico, lib. VII,§. 2. — 263— Gipfel eines Berges von ungeheurer Hoͤhe befinde, naͤmlich in die dritte Region der Luft hinaufrage und ſich dem Mond naͤhere; auf dieſe Art ſey es durch die außerordent⸗ liche Hoͤhe von den Verheerungen der Suͤndfluth befreit ge⸗ blieben. Von Einigen wurde dieſer Berg unter den Aequator verlegt, oder wie man bei den Alten dieſes ideelle Band des Himmels metaphoriſch nannte,„die Tafel der Sonne,“*) welches den Raum zwiſchen den Wendekreiſen des Krebſes und des Steinbocks begreift, jenſeits deſſen die Sonne nie in ihrem Jahreslaufe hinkommt. Hier ſollte eine Ueberein⸗ ſtimmung der Tage und Naͤchte und der Jahreszeiten herr⸗ ſchen, und die Hoͤhe des Berges das Paradies uͤber die Hitze und die Stuͤrme der niedrigeren Regionen erheben. Andere verſetzten den Garten jenſeits des Aequators und nahmen ihn in der ſuͤdlichen Erdhaͤlfte an, indem ſie ver⸗ muthe'en, daß die heiße Zone das flammende Schwerd ſey, welches den Sterblichen den Eingang verwehre. Sie hat⸗ ten eine ſcharfſinnige Art und Weiſe, ihre Theorie zu un⸗ terſtuͤtzen. Sie bemerkten, daß das irdiſche Paradies an dem edelſten und gluͤcklichſten Ort der Erde und unter der edelſten Stelle des Himmels ſich befinden muͤſſe, da die Vor⸗ zuͤge eines Ortes nicht ſo ſehr von den Kraͤften der Erde, als von den gluͤcklichen Einfluͤſſen der Sterne und den guͤn⸗ ſtigen und gewogenen Aſpecten des Himmels herruͤhrten. *) Herodot, 1. III. Virgil Georg. 1. Pompanius Mela 1. III. c. 10. — 264— Nun beſtehe nach den Weltweiſen die Erde aus zwei Halb⸗ kugeln. Die ſuͤdliche hielten ſie fuͤr den oberen und die noͤrdliche für den unteren Theil; zur Rechten ſey Oſten, woher die anfaͤngliche Bewegung, das primum mobile, und zur Linken der Weſten, wohin ſich die Kugel drehe. Die⸗ ſes angenommen, bemerkten ſie, ſey es offenbar, daß, da der Kopf aller Dinge in der Natur und in der Kunſt im⸗ mer der beſte und edelſte Theil ſey, welcher die anderen Theile des Koͤrpers regiere, ſo muͤſſe auch der Suͤden als das Haupt der Erde, hoͤher und edler ſeyn, als der Oſten, der Weſten und der Norden, und in Uebereinſtimmung da⸗ mit fuͤhrten ſie die Anſicht verſchiedner Philoſophen unter den Alten, und beſonders die des Ptolemaͤus an, daß die Sterne der ſuͤdlichen Halbkugel groͤßer, glaͤnzender, vollkom⸗ mener, kurz von bedeutenderen Tugenden und Eigenſchaften als die der noͤrdlichen Hemiſphaͤre ſeyen, ein Irrthum der allgemein herrſchend war, bis ihn die neueren Entdeckungen widerlegten. Daraus zogen ſie den Schluß, daß auf dieſer ſuͤdlichen Halbkugel, unter dieſem reineren und ſtrahlenderen Himmel und dieſen kraͤftigeren und gütigeren Geſtirnen das irdiſche Paradies liegen muͤſſe. Es gab verſchiedene Vorſtellungen uͤber die Groͤße dieſer geſegneten Region. Da Adam und ſeine ganze Nachkom⸗ menſchaft dort hatte leben ſollen, wenn er nicht geſuͤndigt haͤtte, und da kein Tod ſeyn konnte, der die Zahl des Menſchengeſchlechtes verringerte, ſo nahm man an, daß die⸗ ſes irdiſche Paradies von großer Ausdehnung ſeyn muͤſſe, um alle zu faſſen. Einige gaben ihm eine Groͤße wie Eu⸗ — 265— ropa oder Afrika, andere nahmen die ganze ſuͤdliche Erd⸗ haͤlfte dafuͤr an. St. Auguſtin meinte, wenn die Menſch⸗ heit ſich vermehrt haͤtte, ſey eine große Anzahl ohne Tod in den Himmel aufgenommen worden, vielleicht die Eltern, wenn ihre Kinder zu reiferen Jahren gekommen ſeyen, oder ganze Geſchlechter der Menſchen am Ende gewiſſer Perio⸗ den und wenn die Bevoͤlkerung des irdiſchen Paradieſes ein gewiſſes Maaß erreicht haͤtte. Andere vermutheten, die Menſchheit wuͤrde, wenn ſie in dem Stande der Unſchuld geblieben waͤre, nicht ſo viel Platz wie jetzt gebraucht ha⸗ ben. Da ſie nicht noͤthig gehabt haͤtten, Thiere zu ihrer Ernaͤhrung aufzuziehen, ſo ſeyen keine Felder fuͤr ihr Fut⸗ ter noͤthig geweſen, und da die Erde nicht mit unfruchtbar⸗ keit heimgeſucht worden, ſo ſeyen keine ſo großen Land⸗ ſtriche noͤthig geworden, um Aecker brach liegen und mit den Erndten wechſeln zu laſſen, wie es die Landwirthſchaft erfordere. Die freiwillig und frei von Mißwachs treibenden Fruͤchte des Garten wuͤrden den einfachen Beduͤrfniſſen der Menſchen genügt haben. Dennoch, damit das Menſchenge⸗ ſchlecht ſich hier nicht auf einander draͤnge, ſondern hinlaͤngli⸗ chen Raum zur Erheiterung und Froͤhlichkeit, und fuͤr den Reiz des Wechſels und der Verſchiedenheit habe, ließen Ei⸗ nige den Garten mundeſtens hundert Stunden im Umkreis einnehmen. St. Baſil*) laͤßt ſich in ſeiner beredten Abhandlung *) St. Baſil hieß der Große. Seine Werke wurden von aller Welt geleſen und bewundert, ſelbſt von den Hei⸗ — 266— uͤber das Paradies mit Entzücken uͤber die Freuden dieſes geheiligten Aufenthaltes aus, der in die dritte Region der Luft erhoben, unter den gluͤcklichſten Himmeleſtrich gelegt worden ſey. Hier wird jedem Sinn ein reiner, ſtets be⸗ friedigender Genuß zu Theil. Das Auge erfreut ſich der bewunderungswuͤrdigen Reinheit der Luft, des ſchoͤnen Gruͤns der Baͤume und der nie ſchwindenden Reize der Blumen⸗ welt. Das Ohr ergoͤtzt ſich an dem Geſang der Voͤgel, der Geruchsſinn an den wuͤrzigen Duͤften der Felder. Auf gleiche Weiſe finden die anderen Sinne ihre Befriedigung. Hier iſt der Wechſel der Jahreszeiten unbekannt und das Clima verbindet die Fruchtbarkeit des Sommers mit der froͤhlichen Fuͤlle des Herbſtes und der erquickenden Friſche und Heiterkeit des Fruͤhlingsg. Da iſt die Erde immer gruͤn, die Blumen ſind immer in der Bluͤthe, die Waſſer durchſichtig und rein, nicht in wilden und truͤben Stroͤmen dahinrauſchend, ſondern in kryſtallhellen Quellen aufwal⸗ lend und ſich in friedlichen Silberſtroͤmen fortwindend. Dort duͤrf’n keine rauhen und ſtuͤrmiſchen Winde die Luft er⸗ ſchuͤttern und die Schoͤnheit der Haine verheeren; dort gibt es kein melancholiſches truͤbes Wetter, keinen uͤberſchwem⸗ menden Regen, noch tobenden Hagelſchlag, keine züͤckenden Blitze und hallenden Donner, keine empfindliche Winter⸗ kälte, keine bleichende und doͤrrende Sommerhitze, noch ir⸗ den. Sie ſind in einem erhabenen und majeſtätiſchen Styl geſchrieben, mit glänzenden Gedanken und um⸗ faſſender Gelehrſamkeit. — 267— gend etwas anderes, das Schmerz oder Sorgen oder Lange⸗ weile erregen kann; ſondern alles iſt gluͤcklich und ſanft und heiter; ewige Jugend und Freude herrſcht durch die ganze Natur und nichts welkt dahin und ſtirbt. Dieſelbe Vorſtellung gibt der h. Ambroſius in ſeinem Buche von dem Paradies*), ein Autor, den Columbus eben⸗ falls befragt und citirt hat. Er ſchrieb im vierten Jahr⸗ hundert und ſeine ruͤhrende Beredſamkeit und ſein anmu⸗ thiger und dabei kraͤftiger Styl ſicherten ſeinen Schriften eine große Popularitaͤt. Viele von dieſen Anſichten werden von Glanville, den man gewoͤhnlich Bartholomaͤus Anglicus nennt, in ſeinem Werk De Proprietatibus Rerum ange⸗ fuͤhrt, eine Schrift, mit welcher Columbus beſtimmt be⸗ kannt war. Sie iſt eine Art von Encyelopädie des allge⸗ meinen Wiſſens der Zeit und ſo angenehm geſchrieben, daß ſie ſich einem wiß⸗ und lernbegierigen Reiſenden von ſelbſt empfahl. Dieſer Schriftſteller citirt eine Behauptung des h. Baſilius und des h. Ambroſius, daß das Waſſer der Quelle, welche aus dem Garten Eden entſpringe, in einen großen See fall⸗, mit einem ſo fuͤrchterlichen Getoͤſe, daß die Bewohner der Umgegend taub geboren ſeyen, und daß aus dieſem See die vier Hauptſtroͤme entſpraͤngen, welche die Geneſis namhaft macht.**) *) St. Ambros. Opera edit. Coignard, Parisiis 1690. **) Peradisus autem in Oriente, in altissimo monte, de eujus cacumine eadentes aquae, maximum fa- ciunt lacum, quae in suo casu tantum faciunt strepitum et fragorem, quod omnes incolae, juxté — 268— Aber dieſe Stelle findet ſich nicht in dem Hexameron weder des Baſilius noch des Ambroſius, nach welchen ſie citirt wird, noch ſteht ſie in der Abhandlung uͤber das Pa⸗ radies von dem Erſteren, noch auch in dem Briefe uͤber daſſelbe Thema von Ambroſius an Ambroſius Sabinus. Es muß eine unrichtige Allegatſon ſeyn. Columbus ſcheint je⸗ doch davon eingenommen geweſen, und Las Caſas iſt der Meinung,*) daß er dorther ſeine Vermuthung ſchoͤpfte, daß die große Maſſe ſuͤßen Waſſers, welche den Meerbuſen La Ballena oder Parfa fuͤllt, aus der Quelle des Paradieſes komme, wenn auch von weiter Entfernung, und daß in dieſem Golf, den er fuͤr das aͤußerſte Ende Aſiens hielt, der Nil, der Tigris, der Euphrat und der Ganges ihren Urſprung haͤtten und unter Land und Meer in unterirdi⸗ ſchen Kanaͤlen fortliefen, bis zu den Plaͤtzen, wo ſie auf die Oberflaͤche der Erde kommen und ihren eigenen Namen annehmen.- Ich will mich nicht auf alle die anderen ausgedehnten Speculationen einlaſſen, die uͤber die Lage des irdiſchen praedictum lacum, nascuntur surdi, ex immo- derato sonitu seu fragore sensum auditus in par- vulis corrumpente. Yt dixit Basilius in Hexa- meron, simlliten et Ambrosins. Ex illo lacu, velut ox uno fonte, procedunt illa flumina qua- tuor, Phison qui et Ganges, Gyon qui et Milus dicitur, et Tigris ac Euphrates.— Bartholo- maei Anglici de Proprietatibus Rerum„ lib. XV., c. CXII. Francofurti 1540. *) Las Casas hist, Ind, c. CXLI. 4—— — 269— Paradieſes gemacht worden ſind, und vielleicht findet man, daß ich ſchon zu viel uͤber einen ſo traͤumeriſchen Gegen⸗ ſtand geſagt habe; aber um den Charakter des Columbus gehoͤrig zu beleuchten, iſt es nothwendig, dieſen Ideengang deutlich nachzuweiſen, welcher in ſeinem Kopfe herrſchte, als er die ſonderbaren Erſcheinungen der unbekannten Re⸗ Ronen betrachtete, die er erforſchte, was oft nur ſehr leiſe und oberflaͤchlich in ſeinen Tagebuͤchern und Briefen ange⸗ deutet iſt. Auch dieſe Speculationen verſetzen uns, gleich denen uͤber die ertraͤumten Inſeln im Ocean, in jene Zeit zuruͤck und laſſen uns das Geheimnißreiche und den Reiz der Vermuthungen empfinden, welche den groͤßten Theil der Welt beherrſchten, aber ſeitdem durch neuere Entdeckungen gaͤnzlich zerſtreut worden ſind. Es iſt genug geſagt wor⸗ den, um zu zeigen, daß in den Bemerkungen uͤber das ir⸗ diſche Paradies Columbus ſich keinen ppantaſtiſchen und willkuͤhrlichen Traͤumereien, den bloßen Erzeugniſſen einer erhitzten und verwirrien Einbildungskraft hingab. Wis traͤumeriſch ſeine Vermuthungen auch ausſehen moͤgen, ſie waren alle auf ſchriftlich niedergelegte Theorien gegruͤndet, die zu ſeiner Zeit wenig mindere als Orakelkraft hatten, und man wird bei ihrer Unterſuchung finden, daß ſie weit von den Traͤumereien und Theorieen der Weiſen uͤbertroffen wurden, die in den Schulen und Kloͤſtern fuͤr Muſterbilder der Weisheit und Gelehrſamkeit galten. —— 8 — 270— Nro. XXXIV. Teſtament des Columbus. Im Namen der allerheiligſten Dreieinigkeit, welche mir den Gedanken einfloͤßte und mir ees nachmals voͤllig klar machte, daß ich von Spanien nach Indien ſchiffen und ge⸗ hen koͤnne, wenn ich den Ocean nach Weſten durchſegelt; welches ich dem Koͤnige Don Ferdinand und der Koͤnigin Donna Iſabella unſeren Gebietern kund machte, und Die⸗ ſelben freuten ſich, mir die noͤthige Au⸗ruͤſtung an Mann⸗ ſchaft und Schiffen zu gewaͤhren und mich zu ihrem Admi⸗ ral uͤber gedachtes Meer zu ernennen in allen Theilen weſt⸗ lich von der angenommen n Linie von Pol zu Pol, hundert Seemeilen im Weſten von den Cap de Verde⸗ und den Azori⸗ ſchen Inſeln; und ſie ernannten mich auch zu ihrem Vice⸗ koͤnig und Gouverneur uͤber alle Feſtlande und Inſeln, die ich jenſeits dieſer Linie im Weſten entdecken würde, mit dem Recht, in den genannten Aemtern meinen aͤlteſten Soyn und deſſen Leibeserben zu Nachfolgern zu haben auf ewige Zeiten, und mit der Zuſicherung, des Zehnten von allen Dingen, die in dem genannten Bereich gefunden wuͤr⸗ den, und von allen Renten und Ernkuͤnften, die daraus — 241— erwuͤchſen, und des achten Theils von allen Laͤndern und von allem ſonſt, ſammt dem Gehalt, welcher meinem Rang als Admiral, Vicekoͤnig und Gouveneur gebuͤhrt; auch allen anderen Emolumenten, die damit in Verbindung ſtehen, wie es noch voͤlliger in dem Titel und in der Verwilligung enthalten iſt, die von Ihren Hoheiten ſanctlonirt worden. Und es gefiel dem allmaͤchtigen Gott, daß ich in dem Jahr Eintauſend vierhundert und zweiundneunzig das Feſt⸗ land von Indfen und viele Inſeln entdeckte, unter ihnen Hispaniola, welches die Indianer Ayte und die Monicon⸗ gos Cipango nennen. Ich kehrte darauf nach Coſtilicn zu ihren Hoheiten zuruͤck, welche mir fuͤr meinen Zweck eine zweite Expedition zu weiteren Entdeckungen und Nieder⸗ laſſungen erlaubten; und der Herr gab mir Sieg uͤber die Inſel Hispaniola, welche ſich ſechshundert Stunden weit ausdehnt, und ich eroberte ſie und machte ſie zinsbar; und ich entdeckte viele Inſeln von Canibalen bewohnt, und an⸗ dere ſiebenhundert Sermeilen im Weſten von Hispaniola, worunter Jamaica, welches wir Santiago nennen, und dreihundert und dreiunddreißig Stunden Feſtland von Su⸗ den nach Weſten, außerdem hundert und ſieben nach Nor⸗ den, welche ich auf meiner erſten Reiſe entdeckte, nebſt vielen Inſeln, wie ſich genauer aus meinen Briefen, No⸗ tizen und Karten ergibt. Da wir nun zu Gott hoffen, daß aus obengenannten Inſeln wie auch Feſtlande auf lange ein gutes und großes Einkommen erwachſe, wovon aus den obenerwaͤhnten Gruͤnden mir der zehnte und der achte Theil nebſt den gleichfalls genannten Gehalten und Emolumenten — 272—. gebuͤhren, und in Anbetracht, daß wir alle ſterblich ſind und daß es ſich fuͤr jeden ziemt, ſeine Angelegenheiten zu ordnen und ſeinen Erben und Nachfolgern das Eigenthum namhaft zuruͤckgelaſſen, welches er beſeſſen hat oder worauf er Anſpruͤche haben mag: demnach ſo habe ich beſchloſſen, ein untheilbares Erbe(Mayorazgo) aus dem genannten achten Theil der Laͤnder, Pläͤtze und Einkuͤnfte zu gruͤnden, auf was Art ich nunmehr beſtimmen werde.— Erſtens ſoll Don Diego mein Sohn mein Nachfolger ſeyn, und im Fall er ohne Leibegerben ſtuͤrbe, ihm mein anderer Sohn Ferdinand nachfolgen, und ſollte Gott ihm auch keine Kinder geben und ich keinen anderen Sohn mehr bekommen, dann wird mein Bruder Don Bartholomeo und nach ihm ſein aͤlteſter Sohn ihnen nachfolgen; und ſollte Gott dieſen ohne Erben laſſen, ſo ſollen ihm ſeine andere Soͤhne einer nach dem andern auf immer folgen; oder wenn kein Sohn da iſt, ſo ſoll von Don Ferdinands Nach⸗ kommen in derſelben Art ein Sohn nach dem andern, oder an ihrer Statt meine beiden Bruͤder Bartholomeo und Diego, im Erbe folgen. Und ſollte es dem Herrn gefallen, daß das Vermoͤgen, nachdem es eine Zeit in irgend einer Reihe der vorgenannten Nachfolger keinen unmittelbaren und geſetzlichen maͤnnlichen Erben haͤtte, ſo ſoll die Erb⸗ folge auf den naͤchſten Verwandten uͤbergehen, der ein Mann von anerkannter Abkunft iſt und den Namen Co⸗ lumbus von ſeinem Vater und ſeinen Vorfahren ererbt hat⸗ Dieſes untheilbare Stammvermoͤgen ſoll auf keinerlei Weiſe auf ein Weib fallen, es ſey denn, daß ſich keine maͤnnliche Nachkommenſchaft in dieſem oder in einem anderen Welt⸗ theile finde, die von meiner eigenen Familie iſt und den Namen Columbus von ihren Ahnen her immer gefuͤhrt. Fuͤr ſolchen Fall(den Gott verhuͤten wolle) ſoll dann das Welb, welches die naͤchſte Verwandte des verſtorbenen Be⸗ ſitzers iſt, das Vermoͤgen ererben, und dieß unter den un⸗ ten naͤher angegebenen Bedingungen, welche ſich eben ſo⸗ wohl auf Don Diego meinen Sohn, als auch auf die Vor⸗ genannten und ihre Erben beziehen, deren jeder ſie erfuͤl⸗ len muß; und wenn ſolches nicht geſchieht, ſo ſind ſie ihres Erbes verluſtig, weil ſie ſich den hierin ausgedruͤckten Be⸗ dingungen nicht unterworfen haben, und das Vermoͤgen ſoll dann der dem entſetzten Erben naͤchſtverwandten Perſon anfallen; dieſe Perſon ſoll aber gleicherweiſe das Vermoͤgen verwirkt haben, wenn ſie ebenfalls die gedachten Bedingun⸗ gen nicht erfuͤllen wollte; und es ſoll dann eine andere Perſon, die naͤchſte von meiner Verwandtſchaft, ihr nach⸗ folgen, vorausgeſetzt, daß ſie darauf halten wolle, ſo daß die Erben fuͤr immer in der vorgeſchriebenen Form behar⸗ ren. Dieſe Verwirkung kann nicht wegen unbedeutender Dinge eintreten, die aus Proceſſen hervorgehen, ſondern nur aus wichtigen Gruͤnden, wenn der Ruhm Gottes oder mein eigener, oder meiner Familie Ruhm im Spiele iſt, welches eine vollkommene Erfuͤllung aller hier verordneten Dinge vorausſetzt; ſolches alles gebe ich den Gerichtshoͤfen anheim. Sodann bitte ich Seine jetztregierenden Heiligkeit und alle, welche ihm in der heiligen Kirche nachfolgen, wenn es ſich ereignen ſollte, daß dieſer mein letzter Wille Irving's Columbus. 10—12. 18 — 274— ſeines heiligen Beiſtandes und ſeiner Befehle zu ſeiner Er⸗ fuͤllung bedarf, daß ſolche Befehle ſtreng gehalten werden, unter der Strafe der Excommunication, und daß derſelbe auf keine Weiſe verunſtaltet werde. Und ſo bitte ich auch den Koͤnig und die Koͤnigin und ihren Erſtgebornen, den Infanten Don Juan unſeren Herrn, und ihre Nachfolger, um der Dienſte willen, die ich ihnen geleiſtet habe und weil es recht iſt, daß ihnen gefallen moͤge, nicht zu erlauben, daß dieſe meine letztwillige Verordnung, das Stammerbe betreffend, auf irgend eine Weiſe gefaͤhrdet werde, ſondern daß es in der Art und Weiſe auf immer verbleibe, wie ich es angeordnet habe; zum groͤßeren Ruhme des Allmaͤchtigen und damit es die Wurzel und Grundlage meines Stammes ſey, und ein Andenken an die Dienſte, die ich Ihren Ho⸗ heiten geleiſtet habe, indem ich, ein geborner Genueſer, heruͤber kam, ihnen in Caſtilien zu dienen, und weſtlich von dem alten Continent Indien und die vorerwaͤhnten Inſeln entdeckt habe. Demnach bitte ich Ihre Hoheiten, zu befeh⸗ len, daß dieſes mein Privileg und Teſtament in Kraft er⸗ halten und vollſtaͤndig und ohne allen Widerſpruch oder Weigerung nach dem Buchſtaben erfuͤllt werde. Auch bitte ich die Granden des Reiches und die Herren des Rathes und alle Andere, welche die Verwaltung der Juſtiz haben, daß es ihnen gefalle, dieſen meinen Willen und mein Teſta⸗ ment vor aller Kraͤnkung zu bewahren, und zu ſorgen, daß es nach meiner Verordnung erfullt werde; da es ge⸗ recht iſt, daß ein Edler, welcher dem Koͤnig und der Koͤ⸗ nigin und dem Koͤnigreich gedient hat, in den Verfuͤgungen — 275— aͤber ſein Vermoͤgen reſpectirt werde, wie es durch letzte Willen, Teſtamente, Errichtung von Majoraten oder Erb⸗ ſchaften geſchieht, und daß dieſe Dispoſitionen weder im Ganzen noch theilweiſe verletzt werden. Erſtens ſoll mein Sohn Don Diego und alle meine Nachfolger und Abkoͤmmlinge, ſowie meine Bruͤder Bartho⸗ lomeo und Diego, mein Wappen führen, ſo wie ich es nach meinem Tode hinterlaſſen werde, ohne etwas anderes hinzu zu ſetzen; und es ſoll ihr Siegel ſeyn, um damit alles zu beſiegeln. Don Diego mein Sohn oder wer ſonſt dieſes mein Stammvermoͤgen erben wird, ſoll, wenn er in den Beſitz der Erbſchaft kommt, mit der Chiffre, deren ich⸗ mich jetzt bediene, unterzeichnen, welche ein X iſt mit ei⸗ nem S daruͤber und einem M mit einem roͤmiſchen A dar⸗ uͤber, und uͤber dieſem noch ein 8, und dann ein griechi⸗ ſches Y mit einem 8 daruͤber, mit ihren Linien und Punc⸗ ten, wie ich es zu machen pflege, wie es aus meinen Un⸗ terſchriften zu erſehen, deren viel vorhanden ſind, und aus der gegenwaͤrtigen. 7 Er ſoll nur„der Admiral“ unterſchreiben, welche an⸗ dere Titel ihm auch der Koͤnig verliehen haben moͤge. Die⸗ ſes bezieht ſich jedoch nur auf die Unterſchrift, nicht auf die Herzaͤhlung ſeiner Titel, die er ganz ausſchreiben kann weun es ihm beliebt; nur die Unterſchrift ſoll immer„der Admiral“ ſeyn. Der genannte Don Diego oder jeder andere Erbe dieſes Stammvermoͤgens ſoll meine Aemter als Admiral des Oceans erben, welches weſtlich von einer angenommenen Linie zu 18* 3 — 276— verſtehen iſt, die Seine Hoheit hundert Seemeilen von den Azoren und den Cap de Verde Inſeln von Pol zu Pol zu ziehen befahlen, uͤber welches alles ich durch ſeinen Befehl Admiral des Meeres geworden bin, mit allen Priollegien, deren ſich Don Henrique als Admiral von Caſtilten zu er⸗ freuen hat, und ſie machten mich zu ihrem Gouverneur und Viscekoͤnig auf immer und ewig uͤber alle ſchon ent⸗ deckte oder noch zu entdeckende Inſeln und Feſtland, fuͤr mich und meine Erben, wie dieſes noch deutlicher aus met⸗ ner Uebereinkunft und meinen Prioilegien, die ſchon oben angefuͤhrt wurden, erhellt. 5 Item— Der genannte Don Diego oder jeder andere Erbe dieſes Vermoͤgens ſoll die Revenuen, welche ihm unſer Herr in Gnaden genießen laſſen wolle, in folgender Art, unter Gewaͤrtigung der obigen Strafe, vertheilen. Zuerſt ſoll er von dem ganzen Einkommen dieſes Ver⸗ moͤgens jetzt und zu allen Zeiten, und von allem was da⸗ von ertragen wird und einkommt den vierten Theil jähr⸗ lich meinem Bruder, dem Adelantado von Indien Bar⸗ tholomeo Columbus, geben, und dieſes ſoll fortdauern, bis er ein Einkommen von einer Million Maravedi's haben wird zu ſeinem Unterhalt und fuͤr die Dienſte, die er die⸗ ſem Stammvermoͤgen geleiſtet hat und noch leiſten wird, welche Million er als fir jedes Jahr erhalten ſoll, wenn der vierte Theil ſo weit reicht und er weiter nichts hat; wenn er dagegen einen Theil oder das Ganze dieſes Be⸗ laufes in Einkuͤnften beſitzt, ſoll er dann die gedachte Mil⸗ lion nicht erhalten, noch etwas davon, außer daß er von dem genannten vierten Theil bis zu der gedachten Summe — 277— einer Million habe, wenn es ſo weit reicht; und ſo viel Einkommen er außer dieſem vierten Theil hat, was es auch fuͤr eine Summe von Maravedi's in bekannten Ren⸗ ten an Eigenthum oder beſtändiger Anſtellung ſey, ſo iſt dieſer Belauf von Renten oder Revenuͤn aus Eigen⸗ thum oder Anſtellung abzuziehen; doch bei der genannten Million ſoll unberechnet bleiben, wenn er eine Mitgift von irgend einer Frau erhaͤlt, die er heyrathen wird, ſo daß, was er auch als Heyrathsgut mit ſeiner Frau erwerben wird, dafuͤr ſoll von der genannten Million nichts abgezogen werden, ſondern nur von dem, was er außer ſeines Wei⸗ bes Vermoͤgen erwerben und haben wird. Und wenn es Gott gefallen ſollte, daß er oder ſeine Erben und Nach⸗ kommen von ihrem Eigenthum und Aemtern eine Revenuͤe von einer Million aus Renten beziehen wuͤrden, ſo ſoll weder er noch ſeine Erben laͤnger etwas von dem gedachten vierten Theil des Stammvermoͤgens erhalten, ſondern die⸗ ſes dem Don Diego und ſeinem Erben verbleiben. Item— Von den Revenuͤen des Stammvermoͤgens oder von irgend einem andern vierten Thell deſſelben(ſollte es ſich ſo hoch belaufen) ſollen jedes Jahr meinem Sohn Fer⸗ dinand zwei Millionen bezahlt werden, ſo lange, bis ſich ſeine Revenuͤen auf zwei Millionen belaufen, auf dieſelbe Art und Weiſe wie in dem Falle Bartholomeo's, welcher gleichwie auch ſeine Erben die Million oder den Theil, der daran fehlt, erhalten ſollen. 3 Item— Der gedachte Don Diego oder Don Bartho⸗ lomeo ſoll aus dem genannten Vermoͤgen fuͤr meinen Bru⸗ der Diego ſolche Vorſehung treffen, daß er anſtaͤndig deben könne, da er mein Bruder iſt, dem ich keine beſondere Sum⸗ me anweiſe, da er ſich der Kirche angeſchloſſen hat, und daß ihm gegeben werde, was recht iſt; und dieſes ſoll ihm ſogleich zuſammen gegeben werden, und zwar ehe noch mein Sohn Ferdinand oder mein Bruder Bartholomeo oder ihre Erben etwas erhalten, und ganz nach dem Verhaͤltniß des Einkommens des Stammvermöͤgens. Und im Fall einer Mißhelligkeit daruͤber ſoll die Sache zweien unſerer Ver⸗ wandten oder anderen Ehrenmaͤnnern uͤberlaſſen werden, und ſollten dieſe verſchiedener Meinung ſeyn, ſo wuͤrden ſie fuͤr ihre ſchiedsrichterliche Entſcheidung einen Obmann zu waͤhlen haben, der ein rechtſchaffener und von keinem Theil beargwohnter Mann iſt. 8 Irem— Alle dieſe Einkommen, die ich dem Bartholo⸗ meo, Ferdinand und Diego hinterlaſſe, ſollen ihnen abge⸗ liefert und von ihnen in Empfang genommen werden, wie worgeſchrieben iſt, unter der Verbindlichkeit, daß ſie mei⸗ nem Sohne Diego und deſſen Erben treu und gehorſam ſind, ſowohl ſie als auch ihre Kinder; und ſollte es ſich zeigen, daß ſie oder irgend einer von ihnen in irgend etwas, das ſeine Ehre oder das Beſte der Familie oder des Ver⸗ möͤgens betrifft, gegen ihn gefehlt haben, ſey es in Wort oder That, wodurch ein Scandal nnd eine Erniedrigung meiner Familie entſtünde, und meinem Vermoͤgen Schaden erwuͤchſe, ſo ſoll Dieſem oder Dieſer in ſolchem Fall von der Zeit an nichts weiter gegeben werden, indem ſie immer dem Diego und ſeinen Nachfolgern getreu ſeyn ſollen, — 279— Item— Da es meine Abſicht war, als ich zuerſt die⸗ ſes Stammerbe gruͤndete, zu verfuͤgen, oder meinen Sohn Diego verfuͤgen zu laſſen, daß der zehnte Theil des Ein⸗ kommens zu Gunſten durftiger Perſonen verwendet werde, als Zehnte und zum Gedaͤchtniß des allmaͤchtigen und ewi⸗ gen Gottes; und da ich noch auf dieſer Meinung beharre, und auch hoffe, daß Seine Majeſtaͤt mir und denen, die es in dieſer oder in der neuen Welt ererben werden, beiſtehen werden, ſo habe ich beſchloſſen, daß der gedachte Zehnte auf folgende Weiſe ausgetheilt werde: Zuerſt iſt zu verſtehen, daß der vierte Theil der Reve⸗ nüen des Vermoͤgens, welchen ich meinem Bruder Don Bartholomeo zugeſprochen und vermacht habe, bis er ein Einkommen von einer Million hat, den Zehnten des ganzen Vermoͤgens miteinſchließt, und daß im Verhaͤltniß wie ſich das Einkommen meines Bruders Don Bartholomeo vergroͤßert, welche Vergroͤßerung dann von dem Betrag des vierten Theils des Stammvermoͤgens abgezogen wird, das gedachte Einkommen berechnet werden ſoll, um zu wiſſen, wie hoch der zehnte Theil ſich belaͤuft; und der Theil, welcher uͤber das iſt, was die Million des Don Bartholomeo voll macht, ſoll denen aus meiner Famllie ausgehaͤndigt werden, die von ihnen am meiſten beduͤrfen, indem es von dem gedachten Zehnten abgezählt wird, vor⸗ ausgeſetzt, daß ihr Einkommen ſich nicht auf fünfzigtauſend Maravedi's belaͤuft; und ſollte irgend Jemand von ihnen ein Emkommen von dieſem Belauf erhalten, ſo ſoll ihnen ein ſolcher Theil zuerkannt werden, wie es zwei Perſonen, — 280— die zu dem Zweck erwaͤhlt worden, mit Don Diego oder ſeinen Erben ausmachen werden. Es iſt aber ſo zu ver⸗ ſtehen, daß die Million, welche ich dem Don Bartholomeo zuruͤcklaſſe, den Zehnten des ganzen Einkommens des Ver⸗ moͤgens mit begreift, und dieſe Revenuͤe ſoll unter meine naͤchſten und duͤrftigſten Verwandten in der vorbezeichneten Weiſe ausgezahlt werden, und wenn Don Bartholomeo ſein Einkommen auf eine Million gebracht haben und ihm nichts mehr von dem vierten Theil zu geben ſeyn wird, dann ſoll mein Sohn Don Diego oder die Perſon, welche im Beſitz des Vermoͤgens iſt, nebſt zweien anderen Perſo⸗ nen, die ich hierin noch naͤher bezeichnen werde, die Rech⸗ nungen durchgehen und es ſo einrichten, daß der Zehnte immerfort den nothduͤrftigſten Gliedern der Familie, die in dieſem oder einem andern Welttheile wohnen und denen mit Fleiß nachzuforſchen iſt, ausbezahlt werde; und ſie ſollen von dem vierten Theil unterſtuͤtzt werden„ aus wel⸗ chem Don Bartholomeo ſeine Million bilden wird, und dieſe Summen ſollen in Rechnung geſtellt und von dem ge⸗ dachten Zehnten abgezogen werden, wo dann, ſollten ſie ſich hoͤher belaufen, der Ueberſchuß, der ſich an dem vier⸗ ten Theil ergibt, den duͤrftigſten Perſonen wte oben be⸗ merkt, gegeben werden ſoll, und ſollten ſie noch nicht hin⸗ reichen, Don Bartholemo es noch haben ſoll, bis ſein eigenes Vermögen ſich fortwaͤhrend ſo vermehrt, daß er die genannte Million ganz oder zum Theil fretlaͤßt. Item— Der genannte Don Diego, mein Sohn, oder wer der Erbe ſeyn wird 1 ſoll zwei Perſonen von Anſehen — 281— und Gewiſſenhaftigkeit und möglichſt nahe Verwandte der Familie ernennen, um die Revenuͤen und ihren Belauf ſorg⸗ faͤltig zu pruͤfen und den gedachten Zehnten aus dem vierten Theil, von welchem Don Bartholomeo ſeine Million empfangen ſoll, den dürftigſten Mitgliedern meiner Familie auszahlen, die hier oder irgendwo anders gefunden werden, nach welchen ſie ſich eifrig und gewiſſenhaft erkundigen ſollen; und da es ſich ereignen koͤnnte, daß der genannte Don Diego oder andere nach ihm, aus Rüͤckſichten fuͤr ihre eigene Wohlfahrt, oder wegen des Credits und der Erhaltung des gedachten Vermogens, nicht gern die ganze Summe ihres Einkom⸗ mens angaͤben; ſo mache ich es ihm dennoch zur Pflicht, die vorbezeichnete Summe auszuzahlen und ich lege es ihnen auf die Seele und aufs Gewiſſen es nicht anzugeben oder bekannt zu machen, außer mit Erlaubniß des Don Diego oder der Perſon, die ihm folgen wird; aber der obige Zehnte muß in der verordneien Art gezahlt werden. Item— Um allen Streit bei der Wahl der zwei naͤch⸗ ſten Verwandten zu beſeitigen, die mit Don Diego oder ſeinen Erben handeln ſollen, ſo ernenne ich hiermit Don Bartholomeo meinen Bruder zu dem einen und Don Fer⸗ nando meinen Sohn zu dem anderen; und wenn dieſe zwei⸗ an das Geſchaͤft gehen, ſollen ſie zwei andere Perſonen von den zuverlaͤſſigſten und naͤchſten Anverwandten erwaͤhlen, und dieſe ſollen wieder zwei andere erwaͤhlen, wenn die Pruͤfung beginnen ſoll, und ſo ſoll es mit Fleiß von einem zum andern gehalten werden, zum Dlenſt und zur Ehre Godttes und zum Beſten des gedachten Stammvermoͤgens. — 282— Item— Auch lege ich dem Diego oder wer ſonſt das Vermoͤgen erben wird, die Pflicht auf, in der Stadt Ge⸗ nua Jemanden von unſerer Familie zu unterhalten, daß er dort mit ſeinem Weib wohne, und ihm ein hinlaͤngliches Einkommen anzuweiſen, damit er dort anſtaͤndig lebe, als eine Perſon, die nahe mit der Familie verwandt iſt, von welcher ſie die Wurzel und Baſis in dieſer Stadt ſeyn ſoll; woraus ihr viel Gutes erwachſen moͤge, ſintemal auch ich dort geboren bin und von dorten kam. Item— Der genannte Don Diego oder wer nach ihm das Vermoͤgen ererben wird, muß in Wechſeln oder auf anderem Wege alle Summen, die er von dem Ertrage des Vermoͤgens ſparen kann, ausliefern und davon in ſeinem oder ſeiner Erben Namen Anſchaffung machen laſſen, daß es zu einem Kapitale in der St. Georgs⸗Bank angelegt werde, welche Bank ſechs Procente gibt und wo das Geld ſicher angelegt iſt, und dieſes ſoll den Zwecken, welche ich zu er⸗ klaͤren im Begriff bin, dienen. Item— Da es Jedermann von Rang und von Ver⸗ moͤgen ziemt, Gott zu dienen, entweder perſoͤnlich oder mit ſeinen Guͤtern, und da alle in der St. Georgs⸗Bank angelegte Gelder voͤllig ſicher ſind, und Genua eine edle Stadt und maͤchtig zur See iſt, und da zur Zeit, als ich es unternahm, auf die Entdeckung von Indien auszugehen, es mit der Abſicht geſchah, den Koͤnig und die Koͤnigin, unſere Gebieter, zu bitten, daß alles Geld, welches aus dem gedachten Indien gewonnen wuͤrde, zur Eroberung von Jeruſalem angewendet werde, da ſch ſie alſo bat, und des Ganzen zu bewerkſtelligen, ſo wird es ihm doch ſicher wuͤnſchen, oder ihm doch die Mittel geben werden, es als — 283— ſie dieſes nun thun, ſo iſt es gut: wo nicht, ſo ſoll auf alle Faͤlle der genannte Diego oder die Perſon, welche ihm in dieſem Anvertrauten folgen wird, alles Geld, was er kann, ſammeln und den Koͤnig unſern Herrn begleiten, wenn er zur Erorberung Jeruſalems auszieht, ſonſt aber allein mit aller Waffenmacht aufbrechen, die er aufbieten kann, und bei der Verfolgung ſolchen Zieles wird es dem Herrn gefallen, der Erfuͤllung dieſes Plans behuͤlflich zu ſeyn; und ſollte er nicht im Stande ſeyn, die Eroberung zum Theil gelingen. Darum ſoll er ſammeln und von al⸗ lem ſeinem Reichthum einen Fond in der St. Georgs⸗ Bank in Genua anlegen und ihn anwachſen laſſen bis zu einer Zeit, wo es ihm vorkommen will, als ob etwas von Erfolg hinſichtlich des Planes mit Jeruſalem zu unternehmen waͤre; denn ich glaube, daß wenn Ihre Hoheiten ſehen wer⸗ den, daß dieſes die Abſicht iſt, ſie ſelbſt es auszufuͤhren ihr Diener und Vaſall fuͤr ſie zu thun. Item— Ich mache es meinem Sohn Diego und meinen Nachkommen, inſonderheit aber dem, der dieſes Vermoͤgen erben wird, welches wie vorausbemerkt, aus dem Zehnten beſteht, von dem was in Indien beſeſſen und gewonnen wird, und aus dem achten Theil der Laͤndereien und Ren⸗ ten, welches alles, ſammt meinen Rechten und Emolumen⸗ ten als Admiral, Vicekoͤnig und Gouverneur ſich auf mehr denn fuͤnf und zwanzig Procent belaͤuft— ich mache es, ſage ich, zur Pflicht, alle dieſe Revenuͤen, ſowie auch ſeine Perſon und alle Mittel, die in ſeiner Gewalt ſind, dem — 284— guten und getreuen Dienſt und der Unterſtutzung Ihrer Hoheiten oder deren Nachfolger, ſelbſt mit Daranwagung ihres Lebens und Eigenthums, zu widmen; da naͤchſt Gott es Ihre Hoheiten waren, welche mir die erſten Mittel ga⸗ ben, die ſes Eigenthum zu gewinnen und zu bilden, ob wohl es wahr iſt, daß ich in dieſe Relche kam, um ſie zu dem Unternehmen einzuladen, und daß eine lange Zeit verſtrich, ehe einige Vorſorge getroffen wurde, daſſelbe in Ausfuͤhrung zu bringen, welches jedoch nicht zu verwundern iſt, da es ein Unternehmen war, wovon alle Welt nichts wußte und woran Niemand glauben wollte; deßhalb bin ich ihnen denn um ſo mehr verſchuldet, auch darum, daß ſie mich ſeitdem ſehr beguͤnſtigt und beſoͤrdert haben. Item— Ich verlange auch von Diego oder wer in den Beſitz des Stammvermoͤgens kommen wird, daß im Fall irgend ein Schesma in der Kirche Gottes eiatreten ſollte, oder wenn irgend Jemand, von w lchem Stand und in welcher Lage es auch ſeyn moͤge, verſuchen ſollte, ſi⸗ ihres Eigenthums und ihrer Ehren zu berauben, ſie ſich beeilen, zu den Fuͤßen Selner Helligkeit, vorausgefetzt, daß ſie ſelbſt keine Ketzer ſind(welches Gott verhuͤte), ihre Perſonen, Macht uund Reichthuͤmer darbringen, um ſolches Schisma zu unterdruͤcken und aller Beraubung der Ehre und des Eigenthums der Kirche zuvorzukommen. Item— Ich befehle, daß gedachter Dlego, oder wer auch das genannte Vemoͤgen beſitze, fuͤr die Ehre, das Wohl und das Wachsthum der Stadt Genua arbeite und ſtreite und allen ſeinen Einfluß und ſeine Macht anwende, um das Wohl und den Credit dieſer Republik zu verfechten — 265.— und aufrecht zu erhalten, in allen Dingen, die nicht gegen den Dienſt der Kirche Gottes oder der hohen Wuͤrde des Koͤnigs und der Koͤnigin, unſerer Gebieter und ihrer Nach⸗ folger verſtoßen. Item— Der genannte Dliego oder wer das Stammver⸗ moͤgen beſitzen oder ererben wird, außer dem vierten Theit des ganzen Einkommens, von welchem, wie vorher bemerkt, der Zehnte genommen werden ſoll, wenn Don Bartholomeo oder ſeine Erben die zwei Millionen oder einen Theil der⸗ ſelben erſpart haben ſollen, und wenn die Zeit kommen wird, daß eine Vertheilung unter unſeren Verwandten ge⸗ macht werden kann, ſollen den beſagten Zehnten ferner dazu anwenden, daß ſolchen Toͤchtern von unſerer Familie, die es beduͤrfen, Heyrathsguͤter gegeben, und uͤberhaupt alles Gute gethan werde, was in ihrer Macht ſteht. Item— Winn eine paſſende Zeit kommen wird, ſoll er eine Kirche auf der Inſel Hispaniola an dem tauglichſten Ort erbauen laſſen, und ihr den Namen Santa Maria de la Conc⸗peion geben; und dazu ſoll ein Hospital kommen, nach dem beſtmoͤglichen Plan, gleich denen in Italien und Caſtilien; und eine Kapelle ſoll errichtet werden, um darin Meſſen zu leſen fuͤr meine Serle und fuͤr die Seelen meiner Ahnen und meiner Nachkommen, mit frommer Weihung; denn gewiß wird der Herr uns in Gnaden ein hinlaͤngliches Einkommen zu dieſem und den vorgenannten Zwecken beſcheeren. Item— Ich befehle auch meinem Sohn Diego oder wer ſonſt das Vermoͤgen erben wird, keine Muͤhe zu ſparen, daß auf der Inſel Hispaniola vier gute Profeſſoren der Theologie eingeſetzt und unterhalten werden, zu dem Ende und in der Abſicht, daß ſie darauf denken und darauf hin arbeiten, die Bewohner von Indien zu unſerem heilkgen Glauben zu bekehren, und im Verhaͤltniß als nach Gottes Willen das Einkommen des Vermoͤgens wachſen wird, ſoll eben ſo die Zahl der Lehrer und geiſtlichen Perſonen ſich vermehren, die ſich beeifern werden, aus den Eingebornen Chriſten zu bilden, welches zu errelchen keine Ausgaben ge⸗ ſpart werden ſollen. Und zum Gedaͤchtniß ahes deſſen, was ich hiermit verordne und was oben feſtgeſetzt worden iſt, foll ein Monument von Marmor in der gedachten Kirche La Concepcion an dem ſichtbarſten Ort errichtet werden, um als Denkmal zu dienen fuͤr alles, was ich hier von dem genannten Diego verlange, ſowie von anderen Perſonen, welche darauf hinſehen moͤgen; dieſer Marmor ſoll eine In⸗ ſchrift zu dieſem Endzweck tragen. Item— Auch fordere ich von meinem Sohn Diego und wer ihm in dem Stammerbe nachfolgen wird, daß immer und ſo oft er zur Beichte geht, er zuerſt dieſes Document oder eine Copie davon dem Beichtvater vorweiſe und ihn bitte, es durchzuleſen, damit er im Stande ſey, nach der Erfullung deſſelben zu fragen; daraus wird ſeiner Seele viel Heil und Segen erwachſen, S. S. A. S. X. M. V. EL ALMIRANTE. — 287— Nro. XXXV. Unterſchrift des Columbus. Wie alles, was Columbus angeht, voll Intereſſe iſt, ſo hat auch ſeine Unterſchrift zu Eroͤrterungen Anlaß ge⸗ geben. Sie traͤgt di pedantiſchen und bigotten Charakter des Zeitalters und vielleicht auch den eigenthuͤmlichen Cha⸗ rakter des Mannes, der ſich geheimnißvoll aus allen Men⸗ ſchen erwaͤhlt und erleſen glaubte, um großen Zwecken zu dienen, und der demzufolge eine entſprechende Foͤrmlichkeit und Feierlichkeit in alle ſeine Angelegenheiten brachte. Stine Unterſchrift war folgende: 3. S. A, 8. X. M. V. XPO FERENS. Die erſte Haͤlfte der Namensunterſchrift XPO(für CHRISTO), iſt in griechiſchen Buchſtaben, die zweite FERENs iſt lateiniſch. Das war der Gebrauch in jenen Tagen, und ſelbſt auch gegenwaͤrtig bedient man ſich in Spanien beider, der grlechiſchen und der roͤmiſchen Buch⸗ ſtaben bei Unterzeichnungen und auf Inſchriften, Die Chiffren oder Anfangsbuchſtaben uͤber der Unter⸗ — 288— ſchrift haͤt man für eine fromme Anrufung. um ſie zu leſen, muß man mit den unterſten Buchſtaben anfangen und dieſe mit den oberen verbinden. Signor Geo. Batiſta Spotorno erklaͤrt ſie ſo: Xristus(Christus), Sancta Maria, Yosephus, oder auch; galva me Xristus, Ma- ria, Yosephus. Das Nordameritaniſche Review vom April 1827 ſchlaͤgt den Namen Jeſus fuͤr Joſ phus zu leſen vor, welches eine Verbeſſerung des Spotornoͤlchen Vorſchlags zu ſeyn ſcheint.— 1 Es war ein alter Gebrauch in Spanſen, der noch nicht ganz abgekommen iſt, daß man die Unterſchriften mit einigen Worten religtöͤſen Inhaltes verband. Eine Abſicht dieſer Sitte war, zu zeigen, daß der Schreiber ein Chriſt fey. Dieſes war von einiger Wichtigkeit in einem Lande, wo die Juden und Mahomedaner vertrleben und der Verfolgung unterworeen waren. Don Fernando, des Columbus Sohn, ſagt, ſein Vater hahe, wenn er die Feder in die Hand genommen, gewoͤhn⸗ lich mit dem Spruch angefangen„Jesus cum Maria sit nobis in vian und das Buch, welches der Admiral ab⸗ faßte und den Souverafnen zuſandte, die Prophezeihungen enthaltend, welche er auf ſeine Entdeckungen und auf die Eroberung des heiligen Grabes deutete, begannen mit den⸗ ſelben Worten. Dieſer Gebrauch entſpricht dem, die An⸗ fangsbuchſtaben heiliger Worte der Unterſchrift vorzuſ tzen, und gibt der Art ihrer Auslegung große Wahrſcheinlichkeit. Erlaͤuterungen und Anmerkungen 1 des Ueberſetzers. Ex ſter Ban d. Seite 10. Colon's Wappen ſſt als erſtes lithogra phirtes Blatt dem Codice diplomatico Colombo-Ameri- cano*) angehaͤngt. Es beſteht aus vier Hauptſchildern, die beiden oberen ſind der Thurm und der Loͤwe von Caſtilien und Leon, erſterer golden in rothem Felde, letzte⸗ rer golden in weißem Felde, die beiden unteren, das linke eine goldne Inſelgruppe von Wellen umgeben und goldnes Feſtland im Weſten und Suͤden, das rechte fünf quer in's Kreuz liegende goldne Anker in blauem Felde. Ein Fußſchild, nach oben und unten herzfoͤrmig zugeſpitzt, *) Codice diplomatico Colombo-Americano ossia Raccolta di documenti originali e inediti spettanti a Christoforo Colombo, alla scoperta ed al go- verno dell' America, publicato per ordine degli Illmi Decurioni della Città di Genova. Genova 1823.(Mit Columbus Bildniß nach der Büſte des Mo⸗ numents). Introduzione, LXXX Seiten, unterzeichnet D. Gio. Batista Spotorno. Angefügt ſind lithogra⸗ phirt 1) das Wappen, 2) das Monument in Genua, 3) und 4) Faeſimile's von zwei Briefen des Columbus⸗ Irving's Columbus. 10— 12. 19 — 290— enthaͤlt in goldnem Felde einen rechten Schraͤgbalken von blauer Farbe; die obere Spitze bildet einen Abſchnitt von rother Farbe.— Ohne Andeutung der Farben findet ſich das Wappen als Titelvignette bei der Ueberſetzung der Abhandlung des Spotorno zum Codice diplomatico von Adolph Wagner(Seipzig bei Fleiſcher 1825), auch bei der franzoͤſiſchen Uberſetzung der Sammlung von Navarrete, 1. Band unter dem Bildniß des Columbus zum Titelblatt. — Der Fußſchild mit dem Schraͤgbalken iſt das urſpruͤng⸗ liche Wappen oder Siegel der Familie des Columbus⸗ Ich finde dieſes außer den wenigen Andeutungen in den Quellen des Navarrete(Mehreres davon unten im 4. Bd. S. 275) bei Bossi vida di Christoforo Colombo etc. Milano 1818. S. 119 in den Worten:„Tra i privilegi a Co- lombo accordati contasi quello di portare unste alle arml di sua famiglia quelle di Castiglia e di Leone, e ciè ch'è ancora piu onorevole, altre insegne indi- canti il mondo nuovo scoperto. Questi ed altri onori furono estesi ai fratelli ed ai figli di Colombo, e tutta la di lui famiglia fu dichiarata nobile.,— Die⸗ ſes aͤußert auch ein anderer Italiener, obwohl in der Her⸗ ſtammung des Columbus falſch unterrichtet, naͤmlich Franc. Cancellieri in den Dissertazioni epistolari bibliogra- fiche sopra Christoforo Colombo, di Cuccaro nel Mon- ferrato, discopritore dell' America. Rom. 1809, ein Werk, welches mancherlei gelehrte Notizen uͤber Columbus und die Entdeckung enthaͤlt. Derſelbe warnt vor einer Ver⸗ wechslung der Familien Colombo und Colomba und erwaͤhnt — 291— dabei des in fruͤheren Zeiten geſtifteten, doch bald unterge⸗ gangenen Ordens della Colomba, Seite 11. Alexander Everett. Dieſer nordame⸗ rikaniſche Diplomat, welcher den erſten Anlaß zu vorliegen⸗ dem Geſchichtswerke gab, hat ſich durch verſchiedne Schrif⸗ ten im Fach der Politik und Nationaloͤkonomie ausgezeich⸗ net. Sein letztes Werk handeit von dem jetzigen Amerika. Seite 13. Eine Menge werthvoller Einzeln⸗ heiten ꝛc. Ehe noch das Edinburgh Review(September⸗ heft 1828) dem Werke Irving's volle Gerechtigkeit wider⸗ fahren ließ, haben ſich engliſche Blaͤtter bemuͤht, das Ver⸗ dienſt des Biographen als neuen Bearbeiters anzutaſten, und ihn wie einen literariſchen Freibeuter und Marktſchreier zu behandeln. Nur der oberflaͤchlichſten Lectuͤre konnte es entgehen, daß er wirklich Neues gab, welches freilich nach Munjoz und Navarrete ſo gar viel nicht ſeyn konnte, und daß die leitenden Ideen und ſo manche andere Dinge bei ihm allerdings neu und geiſtreich dargeſtellt ſind. Uebrigens zeugen Irving's Worte auf dieſer Seite und am Schluß der Vorrede hinlaͤnglich von Beſcheidenheit. Wer ſich die Muͤhe geben will, Seite 174 des 1. Bandes dieſer Ueber⸗ ſetzung, dann S. 173 des 2. Bandes, S. 56. 81. 110. 126. 127. 144. 152. 316 des 3. Bandes, endlich S. 75, 79 u. a. m. des letzten Bandes nachzuſehen, wird ſich uͤber⸗ zeugen, daß Irving auch außer der Benutzung der vorhan⸗ denen gedruckten Quellen gewiſſenhaft und unermuͤdlich fleißig war, daher keinesweges Navarrete's Sammlung, wie ſich auch ſogleich zeigen wird, pluͤnderte oder abſchrieb. Von 19*½ — 292— ſeinem großen Fleiß und kritiſchen Talent zeugt die Aus⸗ wahl von Eitaten und das ganze Gepraͤge der einzelnen Er⸗ oͤrterungen und Abhandlungen. Die Sammlung der Reiſen und Entdeckungen der Spa⸗ nier vom Ende des 15. Jahrhunderts, welche Navarrete*) auf Koſten Sr. Majeſtaͤt des Koͤnigs von Spanien in Druck gibt, beginnt mit zwei Theilen Original⸗Urkunden und Aktenſtuͤcken uͤber die Entdeckungsreiſen des Columbus. Der erſte Theil enthaͤlt Folgendes: Einleitung Navarrete's *) Der vollſtändige Titel iſt: Coleoczon de los viages„ descubrimientos que hicieron por mar los espan- noles desde fines del siglo XV con varios docu- mentos inéditos concernientes à la historia de la marina castellana y de los establecimientos es- pannoles en Indias, coordinada e illustrada por Don Martin Fernandez de Vavarrete, de la orden de San Juan, secretario de S. M., mi- nistro jubilado del consejo supremo de la guerra, director interino del deposito hidrografico, indi- viduo de numero de las reales academias espan- nolas y de la historia, consiarie y secretario de la de San Fernando. Tomo I Viages de Colon; Almirantazgo de Castilla. Tomo II Documentos de Colon y de las primeras poblaciones. De or- den de S. M. Madrid en la imprenta real, anno de I825. gr. 8. auch unter dem beſondern Titel: Col- leccion dée documentos concernientes a la persona, viages, y descubrimientos del Almirante D. Chri- stobal Colon, al gobierno y administracion de los primeros establecimientos de Indias, y a la marina castellana, Dem Werk ſind zwei Karten beigefügt.. — 293— uͤber die verſchiedenen Reiſen vor der Entdeckung Amerika's und Uebergang auf dieſe; Plan der Sammlung. In der zu Paris 1828 erſchienenen Ueberſetzung, 3 Baͤnde in 8,*) ſchließt der erſte Band mit einem Zuwachs aus Navarrete's Feder: Chronologiſche Ueberſicht von Reiſen und Entdeckun⸗ gen der Spanier von 1393 bis 1792. Dann folgt(im 2. Band der franzoͤſiſchen Ueberſetzung— im Original fort⸗ laufend im 1. Bande) die erſte Reiſe des Columbus in *) Relations des quate voyrages entrepris par Chri- stophe Colomb pour la decouverte du Nouveau Monde de 1492 à 1504, suivies de diverses lettres et pièces inedites, extraites des uarchives de la Monarchie Espagnole et publiées pour la première fois par ordre et sous les auspices de S. M. C. par Don Martin Fernandez de Vavarnete, Se- brétaire de S. M. C., Directeur du Depôt hydro- graphique de Madrid et de l'Acad. roy. d' Hist. lembre de T'acad. esp., Corresp. de la soc. de Geogr. etc. Ouvrage traduit de l'espagnol par M. M. F. T. A. Chalumeau de Verneuil, Membre de l'ac. roy. esp. d'hist, de la soc. roy. des antiq. et de celle de Géographie etc. et de la Roquetts, membre de l'ac. roy. esp. d'hist et de la commiss. centr. de la soc. de géogr. de Paris; revu sur leur traduction par M. de Wavarr'ete, et accomp. de notes des trad. et de M. M. Abel Remusat, Adrien Balbi, baron Cuvier, Jomard, Labondo- rie, Letronne, de Hossel, Si. Martin, Malcke- naer etc. Dedié à la soc. de Géogr. Avec deux portraits de Christ. Colomb, ses armoiries, le fac-simile d'une de ses lettres autographes, et deux cartes. — 294— dem Tagebuch an die Souveraine und in zwei Briefen des Columbus, an Luiz de Santangel, und an Don Ra- Phael Sanchez(Sanxis) Schatzmeiſter Ihrer katholiſchen Majeſtaͤten. Die zweite Reiſe wird nach dem Schrei⸗ ben des Dr. Chanca, als eines Augenzeugen, gegeben. Hierzu kommt das Memoire des Columbus an die Sou⸗ veraine, welches er dem Antonio de Torres mitgab; die darauf im Einzelnen erfolgten Reſolutionen ſind jedesmal 3 beigedruckt. Von der dritten Reiſe(mit ihr beginnt der franzoͤſiſche dritte Band) handelt das Schreiben des Co⸗ lumbus an die Monarchen(nach Las Caſas, aus dem Archiv des Herzogs von Infantado) und der Brkef deſſelben an die Amme des Prinzen Juan(nach Munjoz; er findet ſich auch im Codice Diplomatico, und Ad. Wagner hat ihn ſeiner Ue⸗ berſetzung der Abh. d. Spotorno beigegeben.) Die Urkun⸗ den der vierten Reiſe beſtehen aus dem Schreiben der Souveraine nebſt Inſtructionen an Columbus, einem klei⸗ nen Schreiben derſelben an den Commandanten der Flotte des Koͤnigs von Portugal, dem Bericht des Diego de Por⸗ ras, dem Schreiben des Columbus an die Souveraine und der Erzaͤhlung des Diego Mendez in ſeinem Teſtament. Vier Briefe des Columbus an J. D. Gaspard Gorricio und eilf an ſeinen Sohn Diego bilden den Schluß. Ein Anhang theilt Documente uͤber die Admiralswuͤrde von Caſtilien, Ehrenbezeugungen und Flottenbeſtimmungen mit, nach wel⸗ chen die Wuͤrden des Admirals von Indien geregelt wur⸗ den,(ogl. 4. Band S. 276 oben).— Hiermit ſchließt bis jetzt die franzoͤſiſche Ueberſetzung, welche ſich durch Treue — 295— und durch treffliche Anmerkungen verſchiedner ausgezeichne⸗ ten Gelehrten empfiehlt, von welchen einige hier aufgenom⸗ men worden ſind.— Der zweite Theil des ſpaniſchen Ori⸗ ginals enthält eine Menge kleinerer Aktenſtuͤcke und Urkun⸗ den, aus welchen ſich die Details der Ausruͤſtungen, die Zuſagen, Uebereinkunfte und Verordnungen der Souveraine, die letztwilligen Verfuͤgungen des Columbus, nebſt einer Menge anderer Einzelnheiten ergeben. Sie alle aufzuzaͤh⸗ len, geſtattet der beſchraͤnkte Raum nicht.— Irving hat die wichtigſten an ihrem Ort citirt. Ueber die Perſoͤnlichkeit und die fruͤheren Verdienſte Na⸗ varrete's erfahren wir aus der Vorrede der franzoͤſiſchen Ausgabe Folgendes: Der verſtorbene Koͤnig Karl I1V. faßte ſchon vor 40 Jahren den gluͤcklichen Vorſatz, über die Ge⸗ ſchichte der Colonieen Nachforſchungen in den Archiven von Simancas, Sevilla, Madrid ꝛc. anſtellen zu laſſen. Das Geſchaͤft der Durchmuſterung dieſer Archive wurde dem Don Martin Fernandez de Navarrete, einem thaͤtigen und ge⸗ lehrten Marine⸗Offieier anvertraut, der gegenwaͤrtig Direc⸗ tor des hydrographiſchen Depots von Madrid, Direetor der köͤniglichen Akademie der Geſchichte, Mitglied und Bibliothe⸗ kar der doͤniglichen Akademie von Spanien und mehrerer anderen Akademieen iſt, und ſich durch verſchiedene(nam⸗ haft gemachte) Schriften uͤber Schifffahrt, Marineweſen, und Entdeckungen ausgezeichnet hat. Herr von Navarrete vereinigt mit einem umfaſſenden Wiſſen eine tiefe Kenntniß der ſpaniſchen Sprache und ihrer alten Dialecte und hat ſich mehr als dreißig Jahre mit den beſagten ſchwierigen — 296— Nachforſchungen beſchaͤftigt, in denen ihn der verſtorbene Hiſtoriker Munjoz ſowſe D. G. Gonzalez, Archivar von Simancas, thaͤtig unterſtuͤtzten. Außer dieſen koͤniglichen Sammlungen benutzte er noch die Archive der ſpaniſchen Kloͤſter und Staäͤdte und mehrerer ausgezeichneten Staats⸗ 1 und Privatperſonen, wie des Herzogs von Veragua, des Herzogs von Infantado ꝛc. Seite 15 Herzog von Veragua, ſtammhal⸗ tender Abkömmling des Columbus. Der Manns⸗ ſtamm des Columbus erloſch; der Name, die Titel und eine Penſion ſtatt der ſtipulirten Einkuͤnfte aus den entdeckten Laͤndern, gingen an einen Enkel der Enkelin des Entdeckers uͤber. S. 4. Band, Selte 35 unten, ogl. mit S. 33 u. 34. Seite 17. Erl aͤuterungen. Der Verfaſſer iſt hierin der Manier des verſtorbenen Munjoz gefolgt, der ſeine Geſchichte der neuen Welt wenigſtens ſo anlegte. Man teriallen, ſowie Manuſeripttheile dieſes ausgezeichneten Ge⸗ ſchichtswerkes benutzt und an ihrem Ort citirt. Seite 21. Xerif al Edrizi, deſſen Geſchlecht von den mauritaniſchen Koͤnigen hergeleitet wird, iſt zu Ende des 11. Jahrhunderts in Ceuta geboren, ſtudierte in Spa⸗ nien und ſchrieb in Sieilien. Den Nubier oder nubiſchen — 297— Geographen nannte man ihn wohrſcheinlich durch Irrthum einiger Ueberſetzer, weil er ſich in weitlaͤufige Einzelnheiten uͤber Nubien, die Nilquellen ꝛc. einlaͤßt. Wir ſehen einer vollſtaͤndigen Herausgabe ſeiner hoͤchſt intereſſanten Werke in Paris, von einem ausgezeichneten Gelehrten Frankreichs, Amedée Jaubert, in Kurzem entgegen.(Lit. Bl. zum Morgenblatt v. 20. Febr. 1829. Nr. 15.) Seite 24 und 25. Eltern und Geſchwiſter des Columbus. Zur Ergänzung dient aus der Abhandlung von Spotorno: Seine Mutter hieß Suſanna und war eine ge⸗ borne Fontanaroſſa, aus dem Dorfe Sauli oder Sori an der Kuͤſte des mittellaͤndiſchen Meeres, wo die alten Co⸗ lombi ein Haus beſaßen. Seine Schweſter war an einen Kaͤſehaͤndler oder Fettkraͤmer verheirathet.— Die naͤhere Beſtaͤtigung dieſer Familiennachrichten findet ſich ſchon in Boſſi's kurzer Biographie des Columbus, S. 2: Ebbe Chri- stoforo poveri e non illustri genitori; Domenico la- najuolo, o tessitore di panni lani, e Susanna Fonta- narossa.*) Ebbe due minori fratelli, Bartolomeo e Giacomo, che venne poi detto Diego, ed una sorella, *) Jl Senarega(de reb. Genuens.) dice espressamente che il padre di Christoforo era tessitore di lane, e che i figli erano cordatori; e dubitando forse non di essere ben inteso, passa perfino a spie- gare qual fosse la natura del lavoro, e'essercizio di quegli arteſici. Ma soggiugne che lasciaron ben presto quella occupazione, a che Bartolomeo e Christoforo si rivolsero alla nautica. — 298— della quale ignoto è il nome, maritata con Giacomo Bavarello, pizzicagnolo. Seite 25 und 26. Schoͤne Hand und Zeichnen. Nach Las Caſas haͤtte er ſich mit beiden ſein Brod erwer⸗ ben koͤnnen; mit letzterem that er es auch. Von ſeiner Handſchrift ſind Faeſimile's folgenden Werken ange⸗ hängt: dem Codice diplomatico Colombo-Ameri- cano etc., 2 Briefe des Columbus; der franzoͤſiſchen Ue⸗ berſetzung von Navarrete's Sammlung 1 Brief. Seine Signatur gibt auch Boſſi unter dem Bildniß zum Titel. Von ihr am Ende der Anmerkungen. Fuͤr Zeichnungen von ſeiner Hand werden ausgegeben die bei Boſſi dem be⸗ kannten Brief an Raphael Sanchez oder Sanx's, Schatz⸗ meiſter Ihrer katholiſchen Majeſtaͤten, beigefügten unvoll⸗ kommnen und keinesweges geographiſchen Handzeichnungen zur Erlaͤuterung der Beſchreibungen. Seite 29. Ptolemaͤus der Aegypter, nach welchem wir das geocentriſche Syſtem(der Umdrehung von Sonne und Planeten um die Erde) nennen, bluͤhte von 125— 140 J. nach Chr. Geb.; er hat die wichtigſten aſtronomiſchen Ent⸗ deckungen und Erfahrungen des ihm bekannten Alterthums in ſein aſtronomiſches Werk zuſammengefaßt und gibt da⸗ mit einen Inbegriff der damaligen Sternkunde. Ruhmlich ſind auch ſeine Werke uͤber Erdbeſchreibung, Chronologie und Muſik, verloren jene uͤber Optik. Seine liejadm ppraseg, bei den Arabern Almageſt(großes Werk) ge⸗ nannt, wurde erſt 1538 nach einem Mſpt. auf der Nuͤrn⸗ — 299— berger Bibliothek zu Baſel gedruckt.(Siehe Dr. G. Th. Schubert's Naturgeſchichte und deſſelben Handbuch der Kos⸗ mologie. 1825. S. 26.) Von ſeiner und des Marinus von Tyrus, des bedeutendſten der alten Geographen vor Ptolemaͤus(ogl. Robertſon, Geſch. von Amerika Note XII und andere) Eintheilung des Aequators ſ. unten Seite 63. Ptolemaͤus lieferte eine umfaͤnglichere und ge⸗ nauere Weltkugel als alle ſeine Vorgaͤnger, beging aber da⸗ bei nach der damaligen unkenntniß große Irrthuͤmer, wie der, daß er Afrika bis zu dem Suͤdpol zog und immer breiter werden ließ.(S. Robertſon.) Seite 29. Averrhoes, von 1149— 1217 nach Chr. Geb., Arzt, Commentator des Ariſtoteles, Bearbeiter des Almageſt und aſtronomiſcher Beobachter. Seite 29. Alfraganus, der Rechner, eigentlich Al Fergani, ein beruͤhmter arabiſcher Aſtronom des 9. Jahrh., aus Fergana in Sogdiana, war blinder Nachbeter des Ptolemaͤus, aus deſſen Almageſt er einen im Orient be⸗ ruͤhmten Auszug lieferte.— Er nahm den Umfang der Erd⸗ kugel viel kleiner an als andere Erdbeſchreiber und berech⸗ nete den Grad des Aequators nicht auf 60, ſondern auf 56 Meilen. Seite 40. Die Ankunft des Columbus in Por⸗ tugal wird von Spotorno, mit Hindeutung auf Giuſtinia⸗ ni's Jahrbuͤcher von Genua(Fahr 1476) und auf Mura⸗ torls Italien, anders erzaͤhlt. Durch die buͤrgerlichen Fehden ſeiner Vaterſtadt beunruhigt, zog er ſich nach Liſſa⸗ bon, wo ſein Bruder Bartolomeo, ein geſchickter Kosmo⸗ graph, Schiffskarten fuͤr Reiſende fertigte, und noch viele andere Genueſer lebten. S. d. Wagneriſche Ueberſetzung S. 16 und 17. Seite 41 und folg. Prinz Heinrich von Por⸗ tugal, auch unter dem Namen Heinrich der Schif⸗ fer bekannt,„hinterließ(nach Munjoz Worten) der Welt ein ſeltnes Beiſpiel des Fleißes, der Standhaftigkeit und Wohlthaͤtigkeit, voll Eifer, ſein Vaterland zu verherrlichen und zu vergroͤßern, und das Evangelium in unbekannten Laͤndern auszubreiten,, Wir ſehen alſo, daß er in jeder Hinſicht dem Columbus ein Vorbild ward.— Auch Jo⸗ hann I1. ſorgte in Guinea, bei Anlegung des Forts de las Minas(Delmina), fuͤr die Fortpflanzung des Glaubens. Seite 42. Madeira wurde von den ſchoͤnen Wal⸗ dungen ſo genannt. Seite 47.„Das Cap Non, die Graͤnze der alten Unternehmungen,— witzig ſagt Voltaire Callg. Geſch.), es habe darum Non(non, nicht) geheißen, weil man es zu paſſiren nicht gewagt habe. Mehrere Gelehrte halten die⸗ ſes Vorgebirg fur eins und daſſelbe mit dem Cap Bojador. . Anm. zur franz. Ueberſ. des Navarrete 1 Bd. S. 67. Seite 47, Zonen. Hiervon in den Erlaͤuterungen. Seite 52 f. Portrait des Columbus, Leider weichen alle von einander ab und von den gleichzeitigen iſt wohl keins mehr vorhanden. Munjoz gibt zu ſeiner Ge⸗ ſchichte der neuen Welt einen Kupferſtich nach einem Ge⸗ maͤlde, welches in dem Hauſe des Herzogs von Berwick und Liria, eines Abkoͤmmlings des Helden, aufbewahrt wurde,„eine Figur in Lebensgroͤße, wahrſcheinlich im 17. Jahrhundert von einem mittelmäßigen Copiſten gemalt, worin aber Merkmale von der Hand des gleichzeitigen An⸗ tonio del Rincon, des beruͤhmten ſpaniſchen Hofmalers, er⸗ ſcheinen,“ von welchem Mann indeſſen nicht bekannt iſt, daß er den Columbus malte. In dem Diccionario historico de los mas ilustres profesores de las bellas artes en espuanna, por D. J. A. C. Bermudez, Madrid 1800, findet ſich bei dem Namen Rincon nichts darüber. Hieran ſind nun, wie Munjoz weiter bemerkt, kleine Aenderungen nach Anleitung der Beſchreibung des Fernando Colon an⸗ gebracht worden.— Zu Boſſi's Leben Colombo's erhalten wir ein ganz anderes Bild, welches der America des de Bry nachgeſtochen iſt. Theodor de Bry behauptete in ihm daſ⸗ ſelbe Bild zu beſitzen, welches ſich in-einem Zimmer des Raths von Indien befand, von wo es geſtohlen und in die Niederlande zum Verkauf gebracht wurde. Dieſes Portrait ſcheint die wenigſte Aehnlichkeit zu haben.— Voͤllig verſchie⸗ den iſt die Buͤſte in Genua, die dort auf dem Monument (uͤber der Kapſel des Codex diplomaticus) errichtet iſt. Der Kuͤnſtler, Peschiera, hielt ſich bei dieſem Marmorbild an keines der vorhandenen Portraits, ſondern an die Be⸗ ſchreibungen, wobei indeſſen das Indtviduelle verloren ge⸗ gangen ſeyn mag. Die Wagneriſche Ueberſetzung des Spotorno gibt ſie treu nach der Zeichnung der Original⸗ Ausgabe; auch iſt ſie dem 2. Band der franz. Ueberſetzung des Navarrete beigefuͤgt.— Der 1. Band diefer Ueberſetzung gibt wieder ein anderes Portrait mit der Unterſchrift: Christ. Colomb dessiné sur pierre d'après un tableau original contcmporain, appartenant à S. M. C. par Don Pedro Colomb, Duc de Veragua, arrière petit- fils de L'illustre navigateur.— Beſſer iſt es, die Be⸗ ſchreibungen mitzutheilen, wie ſie Spotorno zuſammenſtellt: (Wagneriſche Ueberſetzung S. 138 f.)„Sein Sohn Fer⸗ dinand, der 16 Jahre alt war, als ſein Vater ſtarb, ſagt: „„Er war ein gut gebauter Mann, etwas uͤber Mittelgroͤße, von langem Geſicht, etwas ſtarken Backenknochen, weder fett, noch mager, hatte eine Adlernaſe und helle Augen, huͤbſche und ſehr friſche Farben. In ſeiner Jugend hatte er lichtes Haar; als er aber an die dreißig kam, ward es ganz grau.““ In der alten Sammlung, die den Titel führt: Paesi nnovamente trovati, iſt folgende Beſchrei⸗ bung, entnommen aus einer langen Erzaͤhlung eines Reiſe⸗ gefaͤhrten.„„Chriſtoph Colombo, ein Genueſer, ein Mann von hohem, ſtarkem Wuchs, friſcher Farbe, großem Ver⸗ ſtande, langem Geſicht.“, Girolamo Benzoni, endlich, der ihn zwar niemals ſah, ſo wenig als Benvenuto Dante, ſpricht doch ſo umſtaͤndlich von ihm, daß er offenbar ent⸗ weder einer glaubwuͤrdigen Nachricht folgte, oder aus muͤnd⸗ lichen Erzaͤhlungen von Spaniern, die mit ihm geſchifft wa⸗ ren, ſchöpfte; er ſpricht folgendermaßen:„ Er war ein Mann von ziemlich gutem Wuchs, ſtarkem und thaͤtigem Koͤrper, geſundem Urtheil, hohem Verſtande und angeneh⸗ mem Anſehen, hatte funkelnde Augen, rothes Haar, Adler⸗ naſe, etwas großen Mund; vor Allem war er ein Freund der Gerechtigkeit, aber, wenn er gereizt wurde, leidenſchaft⸗ lich.„— Bei Boſſi habe ich den Auszug aus Girolamo — 303— Benzoni, storia de nuovo mondo, ſo gefunden:„era un uomo di giusta statura, con membre forti e ben con- stituite, con mente recta, eccelso ingegno, volto lieto ed ingenuo, occhi perspicaci e bionda capellatura." Seite 56. Paolo Toscanelli zu Florenz, war nach Boſſi's Leben Colombo’s(S. 153) kein Arzt, wie ihn auch Munjoz und Robertſon faͤlſchlich nennen, und wozu die Benennung fisico Anlaß gab, welche erſt in ſpaͤteren Zeiten den Aerzten gegeben wurde. In den Briefen des Columbus heißt es immer:„ A Christ. Colombo Paolo Fisico salute.“ Meiſter Paul trieb nach Landino's Zeugniß Mathematik, Aſtronomie, vorzüglich aber Geo⸗ graphie. 6 Seite 56. Ehrenvolle Verbindung mit Ge⸗ lehrten. Columbus ſelbſt wurde Schriftſteller. Eine Ab⸗ handlung von ihm unter dem Titel: De la racion de la tabla navigatoria erſchien erſt im Jahr 1629 mit einer anderen von einem Dr. Grajalis: Del uso de la carta de navegar im Druck. Das Jahr der Autorſchaft aber iſt nicht bekannt. Boſſi S. 77. Seite 65 und 74. Brief des Paolo Toscanelli an Fernando Martinez. Dieſer intereſſante Brief iſt ab⸗ gedruckt bei Boſſi, Seite 155. Die Karte des Behaim ſcheint gleich der verloren gegangenen des Columbus nach dieſem Brief entworfen zu ſeyn, daher ich das große Be⸗ dauern Irving's in der Note zu Seite 74 nicht theilen kann. Davon bei Behaim in den Erlaͤuterungen, Seite 67. Schilfrohr; wahrſcheinlich Bambus(Bam⸗- busa arundinacea.) Seite 74. Ueber den Einfluß des Marco Polo auf Paolo Toscanelli und Columbus iſt auch nachzuſehen: Bi⸗- blioteca italiana, Giugno 1828 pag. 298 sq. Seeite 76. Ueber die Nordfahrt des Columbus gibt es verſchiedne Auslegungen. Munjoz haͤlt die große Inſel, welche er paſſirt haben wollte(Buch II.§. 12) für Js⸗ land, Andre fuͤr Groͤnland„ wodurch er ſchon damals die neue Welt geſehen, Andre fuͤr Spitzbergen, noch Andre fuͤr eine ſüdlichere Kuͤſte oder Inſelgruppe. Boſſi ſagt(S. 84) die Schlußworte hießen:„E questa dei moderni e chia- mata Frislanda,“ die Bezeichnung paſſe aber weder auf Friesland(Norwegen?), noch auf Spitzbergen, noch auf die Majen⸗Inſel(Mainland?), noch auch auf Island. Es muͤſſe alſo ein Irrthum in der Berechnung obwalten. Er meint, man koͤnne das Frisland oder Firland, wie man es auch finde, fuͤr Fiſchland(terra pescosa, terra de' pesci) nehmen und die Orkaden, Schetland, Faroe ꝛc. haͤtten in der alten Sprache ſo heißen koͤnnen, und Frisland ſey ſpaͤ⸗ ter daraus geworden; es ſtehe auch nichts im Wege, daß es eine Inſelgruppe geweſen. Man ſieht leicht das Will⸗ kuͤhrliche in dieſer Auslegung, und das Wahrſcheinlichſte ſcheint doch wohl Island zu ſeyn. Seite 79. Rabbi Benjamin Ben Jonah, aus Tu⸗ dela im Koͤnigreich Navarra gebuͤrtig. Sprengel in ſei⸗ nen Anmerkungen zu Munjoz behauptet, S. 46, 47, durch die Reiſebeſchreibung dieſes Mannes ſey keineswegs der Ge⸗ — 305— ſchmack an Reiſen oder die Kenntniß entfernter Laͤnder ver⸗ breitet worden. Urſpruͤnglich hebraͤiſch geſchrieben, habe ſie nach ihrem Zweck eigentlich nur den Glaubensgenoſſen ge⸗ dient; auch enthalte ſie eine Menge Fabeln, Unrichtigkeiten und Uebereilungsfehler. Er habe keine Spur entdeckt, daß das Buch im Mittelalter geleſen oder benutzt worden ſey. Er citirt zu dem Ende ſeine Geſchichte der wicht. geograph. Entdeckungen, 2. Ausg. S. 271 ꝛc.— Herr de la Roquette gibt zur franz. Ueberſetzung des Navarrete folgende Anmer⸗ kung(1. Band S. 14). Baratier, der den Reiſebericht Benjamins von Tudela uͤberſetzt und mit gelehrten Anmer⸗ kungen begleitet hat, zeigt eine Menge Irrthuͤmer, Wider⸗ ſpruͤche und Ungereimtheiten in dieſer Schrift. Er ſucht ſo⸗ gar in der Vorrede zu beweiſen, daß der Verfaſſer niemals gereiſt ſey und nur die Reiſebeſchreibungen von Zeitgenoſ⸗ ſen geplundert habe. Dieſe Meinung iſt unter den Gelehr⸗ ten unentſchieden geblieben. Renaudot meint, die erſte he⸗ braͤiſche Ausgabe der Reiſebeſchreibung von 1543 enthalte nicht die geographiſchen Irrthuͤmer, wovon die Ueberſetzun⸗ gen wimmeln. Seite 80. Wilhelm Rubruquis. Als der heilige Ludwig(IX.) in Cypern war, kamen Geſandte von Ilchik⸗ hatai, dem mongoliſchen Befehlshaber von Perſien und Ar⸗ menien zu ihm, welche, in Folge verſchiedner, von euro⸗ paͤiſchen kreuzfahrenden Fuͤrſten(und auch von Pabſt Inno⸗ cenz IV.) verſuchten Miſſionen, welche zunaͤchſt mehr den politiſchen Zwecken dienen ſollten, eine Geneigtheit, zum Chriſtenthum uͤberzugehen, zu bezeugen ſchienen. Der hei⸗ Irving's Columbus. 10— 12. 20 — 306— lige Ludwig ſandte demzufolge auch eine Geſandtſchaft an die tartariſchen Fuͤrſten, mit kirchlichen Weihgeſchenken und Reliquien, namentlich mehreren Stuͤcken vom Kreuz Chriſti. Der Empfang, den der Geſandte Pater André de Lonju⸗ mel fand, entſprach ſo wenig den Erwartungen, daß als Ludwig in ſeinem frommen Eifer im Jayr 1253 eine zweite Miſſion verſuchte, er dem Franziskaner Guillaume de Rubruquis oder eigentlich Ruysbroek, den er damit beauftragte, verbot, ſich als den Geſandten des Koͤnigs von Frankreich zu erkennen zu geben. Der Reiſebericht dieſes Franziskanermoͤnchs, der viele Gegenden im Inneren Aſiens beſuchte, iſt beruüͤhmt geworden und enthaͤlt eine Menge geo⸗ graphiſche und hiſtoriſche Details uͤber dieſen Erdtheil. Von jenen Miſſionen der chriſtlichen Maͤchte nach Aſien handeln die Memoires sur les relations politiques des princes chrétiens, et particulierèment des rois de France avec les empereurs mongols, par Abel Remusat, tomes VI. et VII. de la nouvelle collection des Memoi- res de P'acad. des inscriptions et belles lettres. Die gegenwaͤrtige Notiz iſt einer Anmerkung des genannten Ge⸗ lehrten zum 1. Bde. der Ueberſetzung des Navarrete, S. 29 ff. entnommen. Herr v. Verneull theilt(ebendaſ. S. 28) eine 5 andre Anmerkung uͤber die verungluͤckte zweite Miſſion des h. Ludwig mit. Der Großchan Mangu, an welchen die Ge⸗ ſandtſchaft ging, Sohn Tuli's oder Tolei's„ Neffe Oktai's oder Ogotai's, beide Abkoͤmmlinge Tchinghis⸗Chans, ſollte gegen das Jahr 1253 auf Bitten des Koͤnigs von Arme⸗ nien, Hayton I., das Chriſtenthum angenommen und den — 307— Chriſten zur Vertilgung der Muſelmaͤnner in Palaͤſtina die Hand geboten haben. Aber Ludwig erſtaunte nicht wenig, als ihm die Geſandten dieſes Fuͤrſten nebſt verſchiednen Geſchenken einen Brief ihres Herrn uͤberreichten, worin dieſer ſich die Namen„Sohn Gottes“ und„Herr der Herren der Erde⸗ beilegte und dem heiligen Koͤnig befahl,„ſich genau an den Glauben und die Geſetze des großen Tchinghis⸗Chan zu hal⸗ ten, wenn er ſeine Freundſchaft erwerben und ſein Wohl⸗ wollen verdienen wolle.“ 5 Seite 85. Prieſter Johann. Ueber dieſen raͤthſel⸗ haften Namen gibt Herr von Verneuil in der franz. Ueber⸗ ſetzung des Navarrete 1. Bd. S. 396 folgende Auekunft: Einige Hiſtoriker haben ihn Ungam, andre Ogan und der Abée Marigny, der es ins Perſiſche uͤbertrug, Pereſt⸗Gani genannt. Sein wahrer Name war Togrul⸗Oungh⸗Chan. Beim Tode Koirem⸗Chans oder Chen⸗Chans oder Cohans (Koͤnig), des Beherrſchers der kheraitiſchen Tartaren und eines der maͤchtigſten Monarchen der aſiatiſchen Tartarei, bemaͤchtigte er ſich des Reiches deſſelben, im Jahr 1158, mit ſo viel Kraft und Kuͤhnheit, daß man ihn allgemein als den Nachfolger anerkannte. Er reſidirte in Caracorum, in Gelair, einer Provinz von Mogoliſtan. Das Maͤhrchen, welches ſich in Europa verbreitete, daß er das Chriſten⸗ thum angenommen und ſogar die Prieſterweihen empfangen, ruͤhrt von verſchiednen ruhmredigen Miſſionaͤren her, die, nach einigem gluͤcklichen Erfolg in der Provinz Gelair, nicht allein die Keckheit hatten, zu behaupttn, ſie haͤtten alle Tar⸗ taren und den Großchan, welcher ſelbſt Prieſter geworden 20* 1 — 308— ſey, bekehrt, ſondern ſogar falſche Schreiben von dieſem Mo⸗ narchen an mehrere chriſtliche Machthaber ausgehen ließen, als an Ludwig VII. von Frankreich, an den roͤmiſchen Kai⸗ ſer Friedrich I., an Emanuel, Kaiſer im Oſten, und an Pabſt Alexander III., welcher Letztere ſich dermaßen taͤu⸗ ſchen ließ, daß er dem Chan ein Antwortſchreiben ſandte, worin er ihn Sacerdotem Sanctissimum anredet.— To⸗ grul⸗Oungh⸗Chan hatte waͤhrend neunzehn Jahren den be⸗ ruͤhmten Tchingis⸗Chan an ſeinem Hofe, der ſich im Jahr 1169, nach ſeiner Niederlage durch die Merkiten, zu ihm fluͤchtete. Er gab ihm ſeine Tochter zur Gemahlin, und der Aerger, den dieß bei Gemouca, einem der Vaſallen des Chans, erregte, hatte einen Bund zur Folge, der dieſen vom Thron ſtieß und aus dem Reich verjagte. Aber Tchen⸗ ghis, ſein Schwiegerſohn, gab ihm Thron und Reich zu⸗ ruͤck. Im Jahr 1193 erregten die Feinde Schenghis⸗Chans bei ſeinem Schwager Sancoum den Verdacht, er habe die Abſicht, ihn des Thrones zu berauben. Sancoum unter⸗ richtete davon ſeinen Vater; Genghis ſollte verhaftet wer⸗ den, aber er entfloh nach Niron⸗Cayat, in ſein altes Reich, wo ſich ſeine vorigen Unterthanen und mehrere benachbarte kleine Voͤlkerſchaften ihm willig unterwarfen. An der Spitze eines zahlreichen Heeres uͤberzog er das Koͤnigreich der Khe⸗ raiten mit Krieg und der undankbare Togrul⸗Oungh⸗Chan wurde im Jahr 1202 beſiegt und durch zwel Haͤupter der Naiman⸗Tartaren auf der Flucht getoͤdtet.— Das noch⸗ malige Vyrkommen eines Prieſters Johann in Abeſſinien im 15. Jahrhundert, veranlaßt Herrn von — 309— Verneuil, nach einem Winke Navarrete's, zu folgender(hier in die Kuͤrze gezogenen) Anmerkung(S. 397 u. ff.): Don Pedro, Onkel Alphonſens V., Koͤnigs von Portugal, hatte in den Reiſebeſchreibungen des Venezianers Marco Polo ge⸗ leſen, daß in Indien ein maͤchtiger chriſtlicher Koͤnig, Na⸗ mens Prieſter Johann lebe; er beſchloß waͤhrend ſeiner Re⸗ gierung, gegen 1444, dieſen Monarchen aufſuchen zu laſſen und ſeine Freundſchaft zu gewinnen. Die Portugieſen, die dieß ihrem Handelsintereſſe angemeſſen fanden, willigten ein, aber die Umſtaͤnde verzoͤgerten die Ausfuͤhrung. Damals hatte man noch die verwirrteſten Vorſtellungen von der Geogra⸗ phie jener Laͤnder. So konnte es leicht kommen, daß man Abeſſinien, von welchem man wußte, daß der Koͤnig und deſſen Unterthanen Chriſten waren, mit dem obigen aſia⸗ tiſchen Reiche verwechſelte und daß die Reiſenden Cam, Aveiro, Covilham, Rodrigo de Lima und Alvarez, welche nachmals Johann II. mit Ausfuͤhrung des Projects des Don Pedro beauftragte, dem Hofe von Portugal nach einander Nachrichten von den Beherrſchern Abeſſiniens uͤberbrachten; ſelbſt Geſchichtſchreiber verfielen in dieſe Verwechslung, die um ſo laͤcherlicher war, da in dem langen Verzeichniß die⸗ ſer Monarchen ſich kein einziger mit dem Namen Johann findet. Wie aber keine Fabel ohne irgend einen hiſtoriſchen Grund iſt, ſo laͤßt ſich auch dieſe durch den Umſtand erklaͤ⸗ ren, daß mehrere Koͤnige von Abeſſinien das Prieſteramt verwalteten, wogegen aber der arabiſche Hiſtoriker Abou⸗ Selah Unrecht hat, wenn er behauptet, daß ſie alle Prie⸗ ſter geweſen ſeyen. Die Abeſſinier kommen uͤbrigens in der — 3710— Bibel oͤfters vor, ihre Bekehrung zum Judenthum ſchreibt ſich aus den Zeiten Salomo's und die zum Chriſtenthum von Conſtantin, gegen 330 n. Chr., her, und der h. Athana⸗ ſius und der h. Frumentius bewirkten ihren Uebertritt. Man kann noch hinzufuͤgen, daß die erſten Portugieſen ein Kreuz auf den Gewaͤndern des Koͤnigs, Kaiſers oder Negus von Abeſſinen erblickten, und daß dieß ſie wahrſcheinlich in der Idee beſtaͤrkte, daß dieſer Negus der Prieſter Johann ſey. Um nun die Fabel von dieſem indiſchen Koͤnige fortzupflan⸗ zen, bedurfte es nur einer Usbertragung des Schauplatzes von Aſien nach Afrika, Uebrigens nennen faſt alle ſpani⸗ ſche, portugieſiſche und italteniſche, auch andre Hiſtoriker den Regenten von Abeſſinien Prieſter Johann.“ Seite 82 u. 86. Phyſiker Roderigo und Joſeph, muß hier Aerzte heißen; beide waren koͤnigliche Leibaͤrzte und die geſchickteſten Cosmographen des Reichs, wie auch Munjoz erwaͤhnt.. Seite 82, Aſtrolabium. Munjoz ſpricht uͤber den Gebrauch dieſes Inſtrumentes deutlicher: Nach vielen Nach⸗ forſchungen und Berathſchlagungen erfand man die Anwen⸗ dung des Aſtrolabiums zum Gebrauch der Schiffahrt, um am Bord die Mittagshoͤhe der Sonne uͤber den Horizont zu beobachten. Die Abweichungen dieſes Geſtirns an allen Tagen des Jahres wurden berechnet und auf Tafeln ge⸗ bracht; dadurch wurde den Plloten die Kenntniß der Breite außerordentlich erleichtert; ſie ſchifften unerſchrocken durch das hohe Meer ꝛc.— Ueber die Erfindung des Compaſ⸗ ſes ſagt er in einer fruͤheren Stell⸗: Eine Interpolation, 4. — 311— welche die Araber in dem Buche von Steinen, das dem Ariſtoteles zugeſchrieben wird, gemacht haben, beweiſ't, daß die Philoſophen jenes Volkes die wunderbare Eigenſchaft des Magnets kannten, nach Norden zu zeigen. Aus un⸗ zweifelhaften Zeugniſſen erhelle, daß ſeit dem Anfange des 13. Jahrhunderts der Gebrauch dieſer Erfindung unter den Piloten im Gange war.“ Nach Robertſon war der Ent⸗ decker des See⸗Compaſſes Flavio Gioia, ein Buͤrger von Amalſi, einer neapolitaniſchen Handelsſtadt, ungefaͤhr im Jahr 1302. Geſch. von Amerika 1. Buch. Collinas et Trombellus de acus nauticae inventore. Inst. acad. Bonon. tom. II. part. III, pag. 372. In den oben S. 290 citirten diss. epist. Franc. Cancellieri wird die Entdeckung von dieſem Flavio Gioia, wie bei Munjoz, in Abrede geſtellt. Seite 91. Caravele. Nach Spotorno ein kleines Fahrzeug von 120 bis 140 Tonnen, wahrſcheinlich verwandt mit 40G, Krabbe, Krebs. S. auch 1. Bd. S. 165, und in den Erlaͤuterungen 4. Bd. S. 134. Seite 93. Den erſten Antrag ſoll Columbus Genua und zwar ſchriftlich gemacht haben. Die Worte bei Munjoz ſind folgende:„Vielleicht mochte er es ſchriftlich noch eher als dem Koͤnige von Portugal gethan haben, wie man ge⸗ meiniglich glaubt, von der tugendhaften Liebe zum Vater⸗ lande getrieben, die er trotz einer langen Abweſenheit bis zum letzten Athemzuge unveraͤnderlich erhlelt.“ Die erſte Autoritaͤt dafuͤr iſt wohl Peter Martyr; ſodann Ramuſio und Benzoni. S. Spotorno's Abhandlung uͤber Columbus, wo die Folge muthmaßlich ſo angegeben wird: Genua, — 312— Venedig, Frankreich, England, Portugal, oder der letzte Staat auch vor Genua. Aeltere Schriftſteller nennen erſt Genua, dann England, dann Portugal. Geraldini, Co⸗ lombo's Beſchuͤtzer, ſetzt zuerſt Frankreich, dann England und Portugal, Spotorno citirt fuͤr dieſe Annahme die Au⸗ toritaͤt Colombo's ſelbſt nach einem von Ferdinand ange⸗ fuͤhrten Briefe:„Ew. Hoheiten(von Spanien) zu dienen, war ich nicht geneigt, mich mit Frankreich, England oder Portugal einzulaſſen.“ Man ſehe jedoch die Note der fol⸗ genden Seiten 94 und 95, Seite 109. Ueber die letzten mauriſchen Koͤnige und ſonſtige hiſtoriſche Ereigniſſe dieſer Zeit findet man Naͤ⸗ heres in Conde's ſpaniſcher Geſchichte, wovon auch eine franzoͤſiſche Ueberſetzung erſchienen iſt. Seite 120, Pſalm 103. Extendens coelum sicut Pellem. Im hebr. a. Teſt. iſt es Pſalm 104, Vers 2, und die Stelle heißt:„Licht iſt dein Kleid, das du anhaſt; du brelteſt aus den Himmel wie einen Teppich(Jeriah„ Seite 130 und 131. Vorſtellungen an den Koͤ⸗ nig von England. Da Irving dieſen Theil der Bewer⸗ bungen zu unbeſtimmt einflicht(vergl. Note Seite 94, 95), ſo moͤge er hier nach der Erzaͤhlung Robertſons, Geſchichte von Amerika, 2. Buch, Platz finden: Als Columbus gegen das Ende des Jahres 1484 nach Spanken ging, um am Hofe Ferdinands und Iſabellens ſeine Vorſchlaͤge zu machen, Gtraf er, getaͤuſchter Hoffnungen eingedenk, die Vorſichtsmaß⸗ regel, ſeinen Bruder Bartholomeo nach England zu ſenden, um mit Heinrich VII. zu unterhandeln, der als einer der — 313— kluͤgſten und reichſten Fuͤrſten damaliger Zeit bekannt war. Aber leider erhielt er waͤhrend der Verzoͤgerungen, die er am ſpaniſchen Hofe erlebte, keine Nachrichten aus England. Sein Bruder war auf ſeiner Rriſe dahin ungluͤcklicherweiſe in die Haͤnde von Seeraͤubern gefallen, die ihn pluͤnderten und mehrere Jahre gefangen hielten. Endlich entfloh er und erreichte London, aber in ſo duͤrftigen Umſtaͤnden, daß er lange Zeit mit Kartenzeichnen hinbringen mußte, um nur ſo viel Geld zu eruͤbrigen, ſich ein anſtaͤndiges Kleid zu kau⸗ fen, womit er am Hofe erſcheinen konnte. Er legte dem Koͤnig die Vorſchlaͤge ſeines Bruders dar, und Heinrich nahm ungeachtet ſeiner großen Vorſicht und Sparſamkeii die An⸗ traͤge weit beifaͤlliger auf, als alle Fuͤrſten, an welche Co⸗ lumbus ſich bisher gewandt hatte. Seite 137. Ein zaͤrteres Band. Daß Columbus mit Beatrix Enriquez nicht verheirathet geweſen ſey, fuͤhrt eine Anmerkung zu der franzoͤſiſchen Ueberſetzung des Navarrete gegen Boſſi naͤher aus, Bd. 1, Seite 308. Die Vorſorge in dem Teſtament des Columbus ſcheint nicht al⸗ lein fuͤr die Armueh und Vernachlaͤſſigung der Mutter Fer⸗ dinands(Spotorno?), ſondern auch fuͤr den nicht geheilig⸗ ten Umgang zu ſprechen; indeſſen iſt doch von einer Legiti⸗ mation ihres Sohnes Fernando nirgends die Rede. Schwer laſtete auf des Sterbenden Seele gewiß ſchon der Umſtand, daß ſie, der er ſein Verharren in Spanien, alſo ſeine ganze Groͤße zu danken hatte, von ihm ſo ſchnoͤde vernachlaͤſſigt worden, auch wenn ſie ſich irgend eines Unrechts gegen ihn ſchuldig gemacht haͤtte. 3 3 — 314— Seite 145. Alhambra(ein arabiſches Wort, das Rothe, naͤmlich Haus) iſt der mauriſche Hauptpalaſt nebſt Burg zu Granada, der noch heutzutage gut erhalten iſt, und worin nach der Eroberung die ſpaniſchen Herrſcher zum Theil reſidirten. Dieſes feſte Schloß war von Alha⸗ mar gegruͤndet und die groͤßte der drei Burgen, welche die Spitzen der drei felſigen Huͤgel der Stadt Granada kroͤnen. Die beiden anderen Schloͤſſer hi ßen Antequerela oder die rothen Thuͤrme und Albaycin. Das Thal zwiſchen Albaycin und Alhambra durchfließt der Darro(Daro ober Rio del Oro), der ſich unweit Granada in den Xenil er⸗ ⸗gießt und durch ſeine mit reizenden Hainen eingefaßten Ufer eine romantiſche Landſchaft bildet.— Außer dieſer Alham⸗ bra gibt es noch eine Villa, dann einen Fiecken an dem Fluſſe gleiches Namens in Spanien. Seite 152. Siebzehntauſend Gulden zur Reiſe. Sprengel macht zu dieſer Angabe bei Munjoz folgende Be⸗ merkung:„Die Koſten der erſten Ausruͤſtung werden von den Schriftſtellern v rſchieden angegeben und Herr Munjoz weicht darin wieder von andern ab, indem er ſie nicht nur geringer als andre, ſondern auch in einer ungewoͤhnlichen ſpaniſchen Muͤnze nach Gulden, oder zu Diez y siete mil Florines anſchlaͤgt. Herrera, mit dem ſonſt der Verfaſſer bei den Unterhandlungen am caſtiliſchen Hofe genau uͤber⸗ einſtimmt, hat den Betrag der Reiſekoſten uͤbergangen. Fer⸗ nando Colon bemerkt(hist. del Alm. c. 14) nur bellaͤu⸗ fig, daß dieſer fuͤr alle Koſten der Reiſe nur 20,500 Pia⸗ ſter gefordert habe. Dr. Robertſon berechnet dieſe, ohne — 315— ſeine Quelle zu nennen, auf 4000 Pfund Sterling.— Spotorno bemerkt:„Da die beiden Caravelen, welche Co⸗ lombo erhielt, zwei Schiffe waren, welche die Gemeinde Palos jaͤhrlich drei Monate in koͤnigliche Dienſte geben mußte und die dritte auf Colombo's eigne Koſten ausgeruͤ⸗ ſtet ward, ſo koſtete die Entdeckung der neuen Welt Spa⸗ nien wen'ger als heut zu Tage der Ankauf eines Kauffar⸗ theiſchiffes. 2 Seite 162. Alcalden und Regidors, ſo viel wie Richter und Schoͤppen. Seite 168. Sein Schiff erhielt den Namen Santa Maria; dieß geſchah aus beſonderer Verehrung ſuͤr die hei⸗ lige Jungfrau, wie auch Robertſon bemerkt.— Jeden Abend wurde das Salve Regina oder der Abendhymnus an die h. Jungfrau abgeſungen. S. unt. Anm. z. Entdeckung S. 108. Seite 168. Schmale Segel, oder vielmehr ſpitz⸗ winklichte, dreieckige, ſogenannte lateiniſche Segel; ſie ſind jetzt nur noch auf kleineren Schiffen, beſonders im mittel⸗ laͤndiſchen Meere gebraͤuchlich, bei den noͤrdlichen Seefahrern aber groͤßtentheils abgeſchafft. Seite 168. General⸗Inſpector der Ausruͤ⸗ ſtung, oder Oberaufſeher des Geſchwaders, Controleur ge⸗ 4 nannt.(S. Anm. zu S. 207 u. 208). Seite 168. Ober⸗Alguazil, Alguazil⸗Mayor, eine aus der mauriſchen Zeit herruͤhrende Benennung, bedeutet Obervogt, Polizeichef. Seite 170, Bank von Saltes, eine Inſel, welche — 316— durch zwei Arme des Fluſſes Odiel, der Stadt Huelva ge⸗ genuͤber, gebildet wird.. Seite 173. Die fruͤher S. 37 und unten oͤfter(z. B. S. 180) vorkommende Berechnung wird das Schiffs⸗ journal oder Loggbuch genannt, worin nach der ſoge⸗ nannten Loggtafel in der jeden Mittag nachgemeſſenen Sonnenhoͤhe mittelſt des Quadranten(Aſtrolabiums) die Laͤnge und Breite conſtatirt wird.(S. oben Anm. zu S. 82). Seite 181. Abweichung der Magnetnadel. Dieſe Entdeckung des Columbus ſcheint nach einer Notiz in Dop⸗ pelmayrs hiſtor. Nachricht von Nuͤrnbergiſchen Kuͤnſtlern und Mathematicis, Nuͤrnberg 1730, Fol., bezweifelt werden zu muſſen:„Mr. Thevenot erweiſet in feinem A. 1681 zu Paris in 8. edirten Recueil des Voyages aus einem alten Manuſcript, wie in Frankreich ſchon längſtens, und zwar Anno 1269 einer Namens Petrus Adſigerus die Abwei⸗ chung des Magnets 5 Grad groß befunden(Conf. Act. Erud. Lips. A. 1683 pag 331).“— Die folgende Be⸗ ſchreibung und Erklaͤrung Seite 182 iſt etwas undeutlich. Bei Munjoz heißt es ſo:„Man ſah an verſchiednen Mag⸗ netnadeln, daß ſie mit Anbruch der Nacht nach Nordweſt wieſen und am fruͤhen Morgen auf der Mittagslinie ſtan⸗ den. Der ſinnreiche Colon zerſtreute groͤßtentheils ihre Furcht, indem er die Urſache dieſer Erſcheinungen auf eine ſcheinbave Art durch den Kreislauf, den der Polarſtern alle Tage um den Pol macht, erklaͤrte.,— Vergl. auch die S. 290 citir⸗ ten Diss. epist. di Franc. Cancellieri. Seite 183, Solarſyſtem des Copernicus, Die⸗ — 317— ſer Aſtronom, nach welchem das heliocentriſche Syſtem be⸗ nannt wird(ſ. Note zu S. 29), lebte von 1472(geb. zu Thorn) bis 1543. Er beobachtete den Himmel ſechs und dreißig Jahre lang und rechnete den Bewegungen der Him⸗ melskoͤrper nach, bis er endlich den Lauf der Planeten um die Sonne zur vollen Klarheit brachte. Indeſſen ſcheinen ſchon die alten Egypter von dem Umlauf der Planeten die richtigen Vorſtellungen gehabt zu haben, auch unter den Griechen Pythagoras und ſeine Schule(namentlich Philo⸗ laus und Ariſtarch); dieſe kannten nicht allein die taͤgliche Be⸗ wegung der Erde um ihre Achſe, ſondern auch ihre jaͤhrliche um die Sonne. S. Schuberts Kosmologie, Nuͤrnberg 1823. S. 32 und 26. Seite 184. Rabo de junco iſt der Phacton aethereus Lin.(Cuvier's Anmerkung zur Ueberſetzung des Navarrete). Seite 184. Voͤgel, von denen weite Fluͤge uͤber's Meer nicht bekannt ſind. Daſſelbe glaubten die Portugieſen damals bei ihren Entdeckungen, aber ſie irr⸗ ten ſich, wie Columbus. Robertſon gibt hieruͤber folgende lehrreiche Anmerkung:„Wenn man nach Weſtindien ſegelt, trifft man oft Voͤgel in einer Entfernung von 200 Seemei⸗ len von der naͤchſten Kuͤſte(Stoane's nat. hist. of Ja- maica, vol. 1, pag. 30). Catesby ſah eine Eule zur See, als ſein Schiff noch 600 Seemeilen vom Land entfernt war (nat. hist. of Carolina, pref. p. 7. Hist. nat. de M. Buffon tom. XVI. p. 32). Auch Cook bemerkt:„Kein Menſch weiß noch, wie weit der oder jener Seevogel geht; ich wenigſtens kenne keinen aus dem ganzen Geſchlecht, auf — 318— den man ſich hinſichtlich der Naͤhe des Landes verlaſſen koͤnnte.⸗ Reiſe nach dem Sudpol 1. Bd. S. 275 engl. Y. Seite 185. Note. Der Artikel die Winde iſt in den Erlaͤuterungen nicht vorhanden, wahrſcheinlich iſt er ausge⸗ blieben; oder ſollte der Artikel der Zonen damit gemeint ſeyn? Seite 186. Breite Strecken von Kraͤutern und Pflan⸗ zen; verſchiedne Arten Seegras oder Seetang(fucus), der ſich in großer Ausdehnung in dem offenen Meere auf⸗ und. fortrankt. Die Angſt der Seefahrer war indeſſen nicht ohne Grund(ſchreibt Navarrete in einer Note), denn ſie naͤher⸗ ten ſich den Felſenriffen, die in unſeren Seekarten, als im Jahre 1802 geſehen, verzeichnet ſind. Das, dieſe Seetang⸗ Maſſen betreffende, auf S. 191 enthaltene Citat von Hum⸗ bold heißt woͤrtlich„perſoͤnliche Erzaͤhlungen“(personal narratives), ein Band Reiſen, die er unter dieſem Titel herausgab, weil er vorher Schilderungen ohne Einflechtung ſeiner perſoͤnlichen Schickſale herausgegeben hatte. 3 Seite 186. Ein Krebs, d. h. Seekrebs, Krabbe. Selte 186. Thunfiſche( scomber- thynnus), ſie wer⸗ den ſehr haͤuſig in dieſen Meeren angetroffen und machen große Wanderungen. Seite 199. Erſte Abweichung und Ruͤckkehr zur Fahrt nach Wiſten.— Bei dieſer Gelegenheit kann auf die beiden dem Werke beigegebenen Karten aufmerkſam gemacht wer⸗ den. Dieſe dankenswerthe Zugabe ruͤhrt von Navarrete her, aus deſſen Sammlung ſie Irving ſeinem Werke beifuͤgte. unſere beiden Karten ſind in etwas verkleinertem Maaßſtabe, — 319— doch ohne der Deutlichkeit zu ſchaden, entworfen. Strenge geographiſche Correctheit kann nicht verlangt werden, und einzelne kleine Auslaſſungen von Namen enthaͤlt ſchon das Original, 3 Seite 200. Fliegende Fiſche(trigla volitans, exocoe- tus evolans L.) Auf den alten Holzſchnitten und Kupfer⸗ ſtichen finden ſich von dieſen Entdeckungereiſen Abbildungen, wo ſie faſt wie Heuſchrecken die Luft erfuͤllen. Seite 2033 Thiere, die ihnen begegneten. Nach Mun⸗ joz fanden ſie Albatroſſe(diomedea exulans) und andere Vögel, Turteltauben und kleine Singvoͤgel, ſodann auch Krebſe. Seite 205. Die Dinge, welche ihnen entgegenſchwam⸗ men, waren nach Munjoz, eine gruͤne Binſe, einer von den Fiſchen(in unſerer Ueberſetzung iſt ſtatt gruͤner Fiſch, junger Fiſch zu leſen), die ſich zwiſchen Klippen erzeugen, ein Brettchen, ein Rohr, ein kuͤnſtlich gearbeiteter Stock, vom ufer abgeriſſenes Gras und ein Dornzweig mit rothen Beeren. Es iſt intereſſant, dieſen letzten Tag der Meerfahrt genau nach dem Tagebuch zu haben: Jueves (Donnerſtag) 11. de Octubre. Navegòô al Ouesudueste, tuvieron mucha mar mas que en todo el viage habian tenido(die See ging hoͤher als je). Vieron pardelas (Sturmvögel) y un junco verde(grüne Binſe) junta ä la nao. Vieron los de la carabela Pinta una canna(Rohr) y un palo(Stock), y tomaron otro palillo labrado ä lo que parecia con hierro(ein kleiner Stock, anſchei⸗ nend mit eiſernem Werkzeug geſchnitzt), y un pedazo di — 320— canna y otra yerba que nace en tierra(Pflanzen vom Land) y una tablilla(Taͤfelchen). Los de la carabela ninna tambien vieron otras sennales de tierra y un palillo cargado descaramojos(por de escaramnjos, Navarrete, ein Zweig mit Knospen, Dornen. Bei Herrera un ramo de espino con su fruto, ein Dornzweig mit ſei⸗ ner Frucht). Con estas sennales respiraron y alegrä- ronse todos(allgemeine Freude). Anduvieron en este dia hasta puesto el sol veinte y siete leguas. Seite 207 und 208. Sonnenuntergang und Nacht der Entdeckung. Das Tagebuch faͤhrt ſo fort: Despues del sol puesto navegé à su primer camino al Oueste: andarian doce millas cada hora, y hasta dos horas despues de media noche andarian noventa mil- las, que son veinte y dos leguas y medis. Y porque la carabela Pinta era mas velera é iba delante del Almirante, halld tierra y hizo las sennas quel Almi- rante habia mandato. Esta tierra vido primero un marinero que se decia Rodrigo de Triana; puesto que el Almirante à las diez de la noche, estando en el castilla de popa(in dem Caſtell des Hintertheils ſei⸗ nes Schiffes) vido lumbre(eicht); aunque fue cosa tan cerrada que ne quiso afirmar que fuese tierra(unſiche⸗ rer Schimmer); pero llamö à PerG Gutierrez, repos- tero destrados(tapissier nach der franz. Ueberſ.) del Rey, é déjole, que parecia lumbre, que mirase él, y asi lo hizo y védola: dijolo tambien à Rodrigo San- chez de Segovia quél Rey y la Reina enviaban en el — 321— armada por veedor(Controleur), el cual no vido nada porque no estaba en lugar d la pudiese ver. Des- pues quel Almirante lo dijo se vido una vez 6 dos, y era como una candelilla de cera(wie ein Wachslicht oder Fackel von Wachs) que se alzaba y levantaba, 10 cual 6 pocos pareciera ser indicio de tierra, Pero el Almir ante tuvo pon cierto estar junlo d la tierrd. (Jeſte Zuverſicht, daß er Land gefunden). Por lo cuel cuando dijeron la„Salve,*) que la accostumbran de- cir é cantar à su manera todos los marineros y se hallan todos, rogé y amonestöélos el Almirante que *) Das„Salve Reginan iſt ein Kirchengeſang aus dem 11. Jahrhundert, der noch jetzt in der römiſchen Kirche in einem ausgezeichneten Anſehen ſteht, und den die Italiener den Schiffergeſang zu nennen pflegen, weil er bei Seeſtürmen und Schiffbrüchen gewöhnlich angeſtimmt wird.(A. J. Nambach Authologie chriſtl. Geſänge ꝛc. Altona und Leipzig 1817, 1⸗ Band S. 247 f.) Hier iſt er: Salve Regina, mater misericordiae, Vita, dulcedo et spes nostra, salve. Ad te clamamus exules, fllii Hevae. Ad te suspiramus gementes et flentes in hac lacrymarum valle. Eja ergo advocata nostra, illos tuos miseri- cordes oculos ad nos converte, Et Jesum, benedictum fructum ventris tui, nobis post hoc exilium ostende, O clemens, o pia, o dulcis virgo Maria. Irving's Columbus. 10— 12,: 21 322 hiciesen buena guarda al castillo de proa, y mirasen bien por la tierra, y que al que le dijese primero que via tierra le daria luego un jubon de seda(ſeid⸗ nes Wamms), sin las otras mercedes que los Reyes habian prometido, que eran diez mil maravedis de juro a quien primero la viese." Hier folgt nun das 4 la dos horas der zweitnaͤchſten Note. Seite 208. Pedro Gutierrez war alſo nicht Kammer⸗ berr, noch Kammerjunker(gentleman of the kings bed- chamber); Robertſon nennt ihn a page of the queens wardrobe, Edelknabe der Konigin.— Nach Robertſon wurde nicht Rodrigo Sanchez von Segovia, ſondern der Controleur(2) des Geſchwaders, Salcedo, herzugerufen. Seite 209.„Land.“ Die Schiffe kamen zuſammen, und ſobald es heller Tag ward, erkannten ſie eine ſlache anmuthige Inſel mit verſchiedenen Baͤches und vielem grü⸗ nen Gebüſch. Entzuückt und mit Freudethraͤnen im Auge Wir uͤberſetzen es ſo: Gegrüßt ſeyſt Du Königin, Mutter der Gnaden, Du Leben, ſüße Hoffaung, ſey gegrüßt. Dich rufen wir Verbannte, Söhne Eva's. Zu Dir ſeufzen wir ächzend und weinend in dieſem Thränenthal. Fürbitterin, o wende Deine milden Augen auf uns nieder, Und zeig uns Jeſum, die gebenedeite Frucht Deines Leibes, nach dieſer Verbannung, 0 gnädige, fromme, holdſelige Jungfrau Maria. — 323— erhob der Admiral ſein Herz zu Gott empor, um ihm Dank und Preis zu ſagen, und ſtimmte den Lobgeſang Te Deum laudamus an. Die froͤhlichen Gefaͤhrten ſtimmten mit ein; und nach Erfuͤllung dieſer erſten Pflicht gegen den Urheber alles Guten ließen Alle dem Strom unausſprechlicher Freude freien Lauf. Munjoz hat dieſes aus anderer Quelle als dem Tagebuch des Columbus geſchoͤpft. Dieſes verbreitet ſich nicht weiter uͤber das Gluͤck und den Jubel bei der Entdeckung, wenigſtens wie es uns Las Caſas uͤberliefert hat, denn in ſeiner Handſchrift heißt es nur ſo: A las dos horas despues de media noche pareciò la tierra, de la cual estarian dos leguas. Amanaron todas las velas, y quedaron con el treo que es la vela grande sin bonetas, y pusiéronse à la corda temporizando hasta el dia viernes que llegaron àâ una isleta de los Lucayos, que se llamaba en lengua de Indios Gaana- hani. Eben ſo einfach erzählt es Irving S. 209 oben. Das Tagebuch bezeichnet dann nur kurz den Anblick der Inſel und ihrer ſogleich ſichtbaren Bewohner, von welchen Columbus ſagt: ellos son de la color de los canarios (wie die Guanchen), ni negros ni blancos. Seite 212. Der Notar des Geſchwaders; er wird hier zuerſt genannt, weil ſeine Perſon bei der Beſitzergrei⸗ fung nach den ſpaniſchen Geſetzen noͤthig war. Seite 217. Canoe oder Canot. Dieſe Wllden ſchie⸗ nen in der Handhabung ihrer Fahrzeuge noch ſehr unge⸗ ſchickt. In der Suͤdſee bedienen ſich die Wilden, um das .. 21 K — — 324— Umſchlagen zu verhindern, der Balancierſtangen und Ausle⸗ ger.(S. Langsdorf's und Anderer Reiſen). Seite 218. Calabaſchen oder Calebaſſen. Dieſe Trink⸗ gefaͤße beſtehen gewoͤhnlich aus Cocosnuͤſſen; man hat ſie auch von Kuͤrbiſſen, vom Calebaſſen⸗Kuͤrbis(crescentia cujete), Flaſchen⸗Kuͤrbis. Der Kalebaſſen⸗ oder Affen⸗ brodbaum hat eine Frucht wie ein großer Kuͤrbis, mit har⸗ ter Schale und etwas ſaͤuerlichem Fleiſche. Seite 218., Caſſava, aus der Wurzel der YVuka bereitet. Es iſt(nach G. Th. Schuberts Naturgeſchichte, 1826) die giftig bittere Wurzel der Jatropha manihoc oder des Manioc's, welche bei ihrem ſcharfen und har⸗ zichten Stoff ein ſchleimiges Satzmehl enthaͤlt und ein ſehr nahrhaftes Brod liefert; denn jener giftige Stoff wird durch's Feuer ſo ganz unſchaͤdlich gemacht, daß man ihn fuͤr ſich allein abkocht und abſchaumt, und dann als Sauce an Speiſen nimmt. Uebrigens gibt es auch nach Humbold eine ſuͤße, gaͤnzlich unſchaͤdliche Buka oder Maniocpflanze, die jedoch ſeltner zum Brodbereiten genommen wird, als die giflige.— Intereſſante Details uͤber dieſe und andere Ge⸗ genſtaͤnde des alten Weſtindiens liefern die„Nachrichten uͤber die fruͤheren Einwohner von Nordamerika und ihre Denkmaͤler, geſammelt von Fr. W. Aſſal, Berghaupt⸗ mann des Staates Pennſylvanien, mit einem Vorbericht vom Prof. Mone in Heidelberg. 1827. 8.“„Das Ma⸗ nioc— heißt es S. 117— wovon das Caſſava oder Caſſada gemacht wurde, war ein Hauptnahrungsmittel der Caraiben(der Vf. legt bei dieſen Nachrichten die Be⸗ ſchreibung des William Sheldon on the island of Ja- V V — 325— maica zum Grunde). Es wäͤchſt aus der Wurzel einer Staude, die 7—8 Fuß hoch und ſo dick wie ein Manns⸗ arm wird. Die Rinde iſt grun, roth, violett, Stamm und Aeſte ſind voll Knoſpen oder Knoten, wo alte Blaͤtter ab⸗ fallen und neue ſich hervordrangen. Die Blaͤtter des Ma⸗ niocs wachſen in Buͤſcheln und ſind wie die fuͤßen Kartoffeln geſtaltet. Das Holz iſt weich und ſehr zerbrechlich. Die Pflanze gedeiht beſſer von Abiegern oder Reißern, als von Saamen. Die Hauptwurzel treibt drei bis vier Nebenwur⸗ zeln; aus dem Stamm gehen ſonſt noch ſieben bis acht an⸗ dere, deren Dicke und Laͤnge ſich nach dem Alter der Staude und der Guͤte des Bodens richtet. Die gewoͤhn⸗ liche Groͤße der Wurzeln iſt die der Rothruͤben, manchmal viel groͤßer; in ihrer Conſiſtenz gleichen ſie der Paſtinak⸗ wurzel und reifen gewoͤhnlich in acht Monaten. Die beſte Wurzel iſt die weiße, und dieſe allein reift in dieſer Zeit. Die breitblättrige, rothe und andere Sorten erfordern 16 bis 18 Monate zur Reife. Dieſe Staude wurde auf folgende Weiſe von den Indianern gebaut. Es wurden im Felde 6 Zoll tiefe Furchen, 3 Fuß weit von einander aus⸗ gegraben; in dieſe legten ſie Reiſer des Maniocs, die ge⸗ gen 18 Zoll Länge hatten; ein Ende derſelben ſah aus der Erde hervor; das uͤbrige wurde mit Grund bedeckt. Die Pflanzen mußten rein von Unkraut erhalten werden. Zur Zeit der Reife wurde der Stock mit ſammt den Wurzeln wie die Kartoffeln ausgezogen und die etwa ſtecken gebliebe⸗ nen ausgegraben, welches leicht war, da die Wurzeln nicht tief in die Erde greifen. Die Wurzeln wurden dann von ihrer Rinde und Haut g reinigt und zuſammen in einen 326 Behaͤlter geworfen, wo ſie rein gewaſchen, geſchabt oder gerieben wurd n, ungefaͤhr wie Moͤrrettig. Darauf wurde dieſes Muß in einen cylindriſchen Durchſchlag gebracht, der von der Rinde der Latania gemacht war. Dieſer Durch⸗ ſchlag war 6 bis 7 Fuß lang und 4 bis 5 Zoll im Durch⸗ meſſer, war ſtrumpfartig gewoben, ſo daß er durch den Inhalr ausgeſpannt werden konnte und beim Auspreſſen des Safts des Manioc ſich wieder zuſammenzog. Wenn er gefuͤllt war, war der Durchmeſſer groͤßer, die Laͤnge aber nahm ab. Er wurde gefuͤllt an einem Baumaſt aufgehaͤngt und an den unteren Theil ein mit Steinen beſchwerter Korb gehaͤngt, um durch dieſes Gewicht den Saft nach und nach herauslaufen zu machen, welcher von giftiger Beſchaffenheit war. Da die Elaſticitaͤt des Durchſchlags das Gewicht auf⸗ waͤrts zog, ſo wurde dadurch der Prozeß ſehr befoͤrdert. Sobald das Manioe trocken war, wurde es zu zartem Mek! zerſtoßen, von dieſem ward das Caſſava bereitet, wel⸗ ches fruͤher und noch jetzt das Brod der Eingebornen der Tropenlaͤnder Amerika's iſt. Der Saft des Manioc iſt toͤdtlich für Menſchen und Vieh, und wurde fuͤr ein ſtark wirkendes Gift gehalten. Magen und Eingeweide der Thiere, die am Genuſſe dieſes Saftes ſterben, wurden je⸗ doch nicht angegriffen und entzuͤndet, die Bruſt ſchwoll kaum ein wenig, ſo daß der Tod mehr einer Erſtickung glich, da die Subſtanz nicht gaͤhrt und in den Zwoͤlffingerdarm hin⸗ abſteigt. Andre waren der Meinung, daß dieſe Eigenſchaf⸗ ten von der Kaͤlte des Maniocs herruͤhren, welche ein Er⸗ ſtarren der Lebensgeiſter hervorbringe, die Circulation des — 327— Blutes hemme und ohne materielle Verletzung der Organe den Tod bewirke. Die Wirkung des Manioc⸗Saftes iſt gleich der, welche der zu haͤufige Genuß des jungen gruͤnen Klees auf das Rindvieh hervorbringt und woran es haͤufig zu Grunde geht, wenn nicht zeitig genug Huͤlfe geſchafft und die große Menge Luft, welche ſich im Koͤrper aus ihm erzeugt hat, beſeitigt wird. In beiden Faͤllen werden die naͤmlichen Huͤlfsmittel angewendet, welche in ſehr ſtarker Bewegung, Rennen und Reiben, und in Einſchuͤttung von Branntwein, Oal und Theriak u. dgl. beſtehen, wodurch die Lebensgeiſter wieder erfriſcht und die Reſpiration wieder hergeſtellt wird. Ein anderes Mittel, die Wirkung des Manioc zu hintertreiben, war Olivenoͤl und lauwarmes Waſſer, welches als Brechmittel Erleichterung ſchafft. Der Saft der Ananas und der Citronen wurde haͤufig angewen⸗ det, vielleicht aus dem Prinzip, wonach vegetabiliſche Saͤu⸗ ren die beſten Gegengifte gegen vegetabiliſche Gifte ſind.— Daß der Saft des Manioc kein wirkliches Gift iſt, geht daraus hervor, daß er durch Koche: dieſe Eigenſchaft ver⸗ Uert. Die Indianer gebrauchen ihn nicht allein zu ihrem Wiecu(Getraͤnk, wovon weiter unten), ſondern auch zu al⸗ len ihren Bruͤhen. Vor der Ankunft der Europaͤer beſtand das Jaſtrument, mit welchem ſie den Manioc rieben, aus einer Wurzel oder Baumaſt, welcher ſtarke Stacheln hat, wie z. B. der Sandbüchſenbaum, der ſtachliche Aloebaum ꝛc., oder aus einem Stuͤck Holz, welches mit Holzſplittern ver⸗ ſehen, eine Art Raspel oder Reiber vorſtellte. Wenn der Manioe hinlaͤnglich gepreßt war, nehmen ſie taͤglich davon, — 328— was ſie zu verzehren gedachten, und druͤckten ihn in eine Art Kuchen, Ehe die Europaͤer eiſerne Platten nach den weſtindiſchen Inſeln brachten, buken die Indianer ihr Caſ⸗ ſava auf flachen Steinen, die zu dieſem Behufe ihre noͤ⸗ thige Dunne erhielten. Viele derſelben findet man noch zu jetziger Zeit auf den weſtindiſchen Inſeln. Dieſe Steinplat⸗ ten waren gegen 2 Fuß lang, 15 Zoll breit und ſehr glatt, ſie wurden uͤber dem Feuer ſo erwaͤrmt, daß man kaum die Waͤrme mit der Hand ertragen konnte; dann wurden ſie drei Finger dick mit dem Caſſava⸗Trige belegt, die Dicke des Teiges verminderte ſich nach und nach waͤhrend dem Backen und wurde zu einem feſten Kuchen; die aufſteigen⸗ den Blaſen wurden mit einem hoͤlzernen Spatel niederge⸗ druͤckt. Wenn die untere Seite ſich von der Platte loͤſte, wurde der Kuchen vermittelſt des Spatels auf die obere Seite gedreht und auch auf dieſer Seite gar gebacken. Dar⸗ auf wurde derſelbe 2 bis 3 Stunden in die Sonne gelegt, um die zuruͤckgebliebene Feuchtigkeit noch vollends herauszu⸗ ziehen. Am Rande waren die Kuchen bloß 2 bis 3 Linien dick und in der Mitte erhabener. Die Rinde war von gold⸗ gelber Farbe, das Innexe aber weiß wie Schnee und ſehr angenehm von Geruch und. Geſchmack, und obgleich die In⸗ ſeln Salz erzeugten, ſo genoſſen die Indianer doch keines, darum war der Geſchmack ihres Caſſavas fuͤr manchen Eu⸗ ropaͤer ekelhaft ſuͤß. An einem trockenen Orte und manch⸗ mal der Sonne ausgeſetzt, konnte es mehrere Monate und auch ein Jahr lang aufbehalten werden. Es war eine naͤh⸗ vende, geſunde und leicht verdauliche Speiſe. Wenn Euro⸗ — 329— päer daran gewoͤhnt ſind, ſchmeckt es ihnen beſſer als Wei⸗ zenbrod und die Indianer ziehen es ſelbigem vor. Das Caſ⸗ ſava ſchwillt im Waſſer auf wie Brod. Ein Kuchen deſſel⸗ ben, 3 bis 4 Linien dick und 2 Fuß lang, hat ein Gewicht von 2 Pfund. Es iſt rauh wie Brod von Mais gebacken. Seitdem die Europaͤer anfingen, auf den weſtindiſchen In⸗ ſeln den Manioc zu bauen, machten ſie verſchiedene Ver⸗ ſuche, die Zubereitung zu vervollkommnen. Sie preſſen ihn mit einem Hebel in Formen, und die ganze Einrichtung iſt die der alten Wein⸗ und Moſtkeltern vermittelſt ſchwerer Baͤume. Es wird in Oefen gedoͤrrt, zu Mehl zerrieben und dann als Kaufwaare verſendet. Der Manioc, welcher in Jamaika bereitet wird, iſt ſo muͤrbe und zerbrechlich wie Oblaten. Wenn man ſich an ſeinen Genuß gewoͤhnt hat, ſo iſt es ein gutes Nahrungsmittel, obgleich im Anfange etwas widerlich.— Außer dieſer einen Yuka hatten die Ca⸗ raiben noch eine andere Art Mantoc, welche die beſchriebe⸗ nen Eigenſchaften nicht beſaß und dieſe heißt ausſchließlich in Jamaika Caſſada. Die Wurzeln haben die groͤßte Aehn⸗ lichkeit mit den Ruͤben, ſind aber vielmehr feſt und trocken; meiſt ſind ſie inwendig weiß und haben ein talkartiges An⸗ ſehen, ſie werden zu dem näͤmlichen Zweck wie die vorigen verwendet.“— In Langsdorfs Reiſe um die Welt wird erzaͤhlt, daß die Mandioc⸗Wurzel auch in Braſi⸗ lien noch an vielen Orten Hauptnahrungsmittel iſt. Die feinere Art heißt Tapiocca und iſt eine wahre weiße Sago, die groͤbere, welche man Farinſa de Pao nennt, wird von den Aermeren gegeſſen. Die Braſilianer genjeßen dieſes Nahrungsmittel als Brodmehl oder mit den Speiſen ge⸗ miſcht. Frocken werfen ſie die Koͤrner geſchickt in den Mund.— Von anderen Brod und Nahrungsmitteln wei⸗ ter unten. Seite 218 und 219. Baumw olle. Die Indtaner gewannen ſie hauptſaͤchlich aus der Staude, die ſie anbau⸗ ten. Zum Spinnen bedienten ſie ſich einer Art von Spin⸗ deln, die von ſehr ſchwerem und hartem Holze verfertigt waren; eines drehte die Spindel und ein anderes zog die Wolle zu einem bedeutend langen Faden aus. Webſtuͤhle zu verfertigen haben die Caraiben noch jetzt weder Kennt⸗ niſſe noch Fleiß genug, daher die Arbett des Webens der Schuͤrgen, Haͤngmatten ꝛc.(davon unten) den damit beſchaͤf⸗ tigten Weibern viele Muͤhe macht. Aſſal Nachrichten ꝛc. S. 112. 131. Seite 219. Goldzierrathen. Columbus hielt die⸗ ſen Schmuck anfaͤnglich für Muͤnzen und ſah in ſeiner Ein⸗ bildung fremde Buchſtaben darauf.(Sprengel nach Herrera S. 23.) Seite 222.„Die weißen Maͤnner ſeyen vom Himmel herab gekommen., Von dem Glauben an die unſterblich⸗ keit der Spanier theilt Oviedo(1. 16. c. 8, bei Ramuſio t. 8. S. 174) welcher von 1513— 45 unter den India⸗ nern lebte, einen merkwuͤrdigen Fall mit. Die Einwohner von Portorico wollten ſich uͤberzeugen, ob ihre neuen Her⸗ ren, wie ſie, ſterbliche Menſchen waͤren. Einer ihrer Ca⸗ ziken ſuchte daher durch allerlei Liebkoſungen einen jungen Spanier, Namens Salcedo, an ſich zu locken. Sie uͤber⸗ — 331— redeten ihn, ſich von ihnen durch einen großen Fluß tragen zu laſſen. In der Mitte deſſelben ließen ſie ihn fallen und hielten ihn ſo lange unter Waſſer, bis er erſtickt war. Sie brachten ihn hierauf todt an's Ufer, glaubten aber nicht, daß er geſtorben ſey, ſondern riefen ihm zu: Salcedo, ſtehe auf, wir ſind nicht daran Schuld, daß Du in den Fluß gefallen, blieben drei Tage bei ihm, bis er zu riechen anfing, und meldeten dieſes ihrem Cazi⸗ ken. Er aber wollte ihre Anzeige nicht glauben, ſchickte Andere hin, um zu ſehen, ob Salcedo nicht aufſtaͤnde, be⸗ gab ſich ſelber nach dem Orte, jedoch ohne ſich von ſeinem Tode zu uͤberzeugen. Er ließ ihn noch mehrere Tage be⸗ wachen, bis der Koͤrper ganz in Faͤulniß gerathen war. Alsdann fingen ſie erſt an, die Spanier für ſterblich zu halten, und nicht lange darauf erfolgte eine allgemeine Empoͤrung,(Sprengel b. Munjoz.) Seite 226. Ein Stuͤck Caſſava⸗Brod als Seevorrath. Vielleicht war dieſes Brod aus Piſang, deſſen ſich die In⸗ dianer als Seevorrath bedienten. So erzaͤhlt Aſſal a. a. O. S. 122. Sie ſammelten die Piſang⸗Frucht vollkommen reif, kneteten ſie zu einem Teig, welcher durch ein Sieb gedruͤckt, dann in Kuchenform gepreßt und in der Sonne oder in heißer Aſche getrocknet wurde. Ward er am Feuer getrocknet, ſo wickelten ſie den Teig zuvor in die Blaͤtter des wilden Piſangs. Dieſe Kuchen loͤſ'ten ſie zum Gebrauch in vielem Waſſer auf und bereiteten auf dieſe Weiſe in kur⸗ zer Zeit ein angenehmes Getraͤnk.“ Seite 226. Drachenblut⸗Baum(dracaena dra- 00 L.) Es fragt ſich, ob dieſes der Baum iſt, von wel⸗ chem die Spanier hier und anderwaͤrts den Staub der Saa⸗ menkapſeln als Faͤrbemittel, zum Schutz vor den Sonnen⸗ ſtrahlen, der Luft und den Inſekten, gebraucht ſahen, ja, der den Leichnamen zur Haltbarkeit gegeben wurde, ſowie den Haͤngmatten zur Reinlichkeit(?). Nach Aſſal heißt der Faͤr⸗ beſtoff Raucau, Arnatto oder Achiote und iſt die Grundlage zum Faͤrben des rothen, blauen, gelben, grünen und braunen Tuches.(Bei uns iſt der Faͤrbeſtoff unter dem Namen Orleans bekannt.) Der Baum waͤchſt in vie⸗ len Gegenden Amerikas, hat die Groͤße eines Pflaumen⸗ baums, iſt jedoch etwas ſtammiger und buſchiger, die Rinde ſchwaͤrzlich, die Bläͤtter groß, ſtark und dunkelgruͤn. Er traͤgt des Jahres zweimal rothe und fleiſchrothe Bluͤthen in großen Buͤſcheln, welche den Blumen der wilden Roſe oder der Eglantine gleichen; auf dieſe folgen Buͤſchel von Huͤlſen, welche ſtachelich ſind und denen des Rosmarin gleichen. Dieſe Kapſeln ſind voll Saamen, der rund und klein wie Korkander ausſieht, er iſt in ein fleiſchrothes Baſthaͤutchen eingewachſen. Die Haͤutchen wurden mit gro⸗ ßer Muͤhe vom Saamen abgeloͤſ't, der dann weiß und hart erſcheint. Aus dieſem Haͤutchen wurde das Raucau verfer⸗ tigt. Die Europaͤer verſuchten auf eine ſchnellere und wohlfeilere Weiſe das Raucau zu bereiten. Zu dem Ende weichten ſie den Saamen in Kufen ein und ruͤhrten ihn haͤufig mit hoͤlzernen Schaufeln unter einander, wodurch die Haͤutchen ſich von ſelbſt vom Saamen abloͤſ'ten und oben auf ſchwammen. Die Methode der Indianer war viel — 333— langſamer, doch bezahlte ſie die Feinheit des Raucau wieder fuͤr ihre Muͤhe. Der caraibiſche Raucau gilt im Handel dem feinen Karmin gleich, und gibt um die Haͤlfte beſſer aus, a's der von Europaͤern bereitete. Die europaͤiſchen Faͤrber wollen aber die Muͤhe der indianiſchen Weiſe nicht bezahlen. Die Indianer ſammelten gewoͤhnlich den Raucau, ſchuͤtteten ihn aus ſeinen Huͤlſen, rieben ihn in den Haͤnden, welche mit Parapat oder Palmachriſti Öl benetzt waren, ſo löſten ſie den zarten Baſt von den Saamenkoͤrnern und kneteten ihn zu einem Teige, welchen ſie auf Blaͤttern im Schatten etwas abtrocknen ließen, weit die Sonne, wie ſie glaubten, der Farbe ſchadete. Darauf machten ſie hand⸗ große Kugeln davon und wickelten ſie bis zum Gebrauch in die Blaͤtter des wilden Piſang⸗ Seite 228. Hamaks. Wir folgen hier wieder Aſſal. „Der Gebrauch der Haͤngmatten unter den Caraiben gab Mehreren die Veranlaſſung zu der Vermuthung, daß ſie von Seeabenteurern abſtammten, die nach Weſtindien ver⸗ ſchlagen worden und zu Lande ihre Gewohnheit, in ſolchen Matten zu ſchlafen fortſetzten.“(Die Aehnlichkeit mit den Guanchen, den Urbewohnern der canariſchen Inſeln koͤnnte vielleicht auf dieſe Vermuthung leiten. S. weiter unten.) „Da man die Haͤngmatten auch bei den Indianern des Feſt⸗ landes antrifft, ſo koͤnnten dieſe ſie von jenen, wie umge⸗ kehrt, angenommen haben; doch iſt beides ungewiß.“(Fuͤr den Gebrauch auf dem Feſtlande ſprechen die Ueberſchwem⸗ mungen, auch der Ueberfall ſchaͤdlicher Thiere, Schlangen ꝛc. weßhalb die nordamerikaniſchen Wilden z. B. ihre Kinder — 334— auf dem Brett, welches ihre Wirege iſt, an die Wand haͤn⸗ gen, wenn ſie ausgehen).„Die Hamaks wurden von gro⸗ bem Baumwollen⸗Zeuge gemacht, waren 6— 7 Fuß lang und 12— 14 breit. An beiden Enden wurden Straͤnge oder Baͤnder befeſtigt, die ſtark und wohl gedreht und 2— 3 Fuß lang waren; jeder dieſer Straͤnge bekam an ſeinem Ende eine Schleife; ſie wurden dann alle in ein langes ſtarkes Seil eingefaßt und daran zwiſchen zwei Pfoſten des Hauſes in die Hoͤhe gezogen. Die meiſten dieſer Haͤngmat⸗ ten waren roth mit Raucau gefaͤrbt, andere roth und ſchwarz, ſchachbrettartig, mit großer Genauigkeit. Dle Ver⸗ fertigung derſelben war bloß Geſchaͤft der Weiber, und ein Indianer wuͤrde ſich fuͤr entehrt gehalten haben, wenn er eine Haͤngmatte nur gefaͤrbt oder gemalt haͤtte. Die Ar⸗ beit koſtete die Weiber viele Muͤhe und Zeit. Wegen der Groͤße und Dicke des Zeuges wurden zur Verfertigung zwei Weiber erfordert, denn von Webſtühlen war hier nicht die Rede. Der Zettel wird an zwei Stuͤcke Holz auf bei⸗ den Seiten der Huͤtte befeſtigt und ausgeſpannt, abwechſelnd uͤber und unter die Draͤhte des Zettels wird dann der Ein⸗ ſchlag geſchoben und mit einem ſchweren hoͤlzernen Meſſer zuſammengetrieben. Dieſe Haͤngmatten ſind von vorzuͤglicher Guͤte, beſſer als die europaͤiſchen, ſchon wegen der groͤßeren Feſtigkeit des baumwollnen Garns. Dadurch, daß ſie ſelbſt gefaͤrbt waren und die taͤglich neu angeſtrichenen Indianer in dieſen Haͤngmatten faullenzten, nahmen ſie einen wider⸗ lichen Geruch von Farbe und Oel an, und bevor ſie wohl gereinigt und ausgelaugt waren, durfte man nicht darin —————·,,— — 335— ſchlafen, ohne befürchten zu muͤſſen, von veneriſchen Krank⸗ heiten angeſteckt zu werden, die dort einheimiſch und ur⸗ ſpruͤnglich waren.⸗ 4 Seite 232. Chamaleon in der Fabel. Dieſer Farbenwechſel iſt nicht fabelhaft. Schubert erzaͤhlt ihn in ſeiner Naturgeſchichte fuͤr Kinder(S. 171) ſo:„das Thier beſteht nur aus Haut und Knochen, c. dabei ſieht es, je nachdem ihm kalt oder warm, heiter oder uͤbellaunig zu Muthe iſt, bald gruͤnlich, bald gelblich, weißlich, roͤthlich aus, und hat ſo oft in einem Tage gleichſam 4 bis 5 ver⸗ ſchiedene Kleider an.“ Seite 232.„Die ſchon erwaͤhnten Hunde.“ Sie ſind fruͤher nicht erwaͤhnt, ſpaͤter(S. 236) werden ſie als ſolche bezeichnet, die nicht bellen. Dieſe ſind auch in Aſien hei⸗ miſch und geben einen der vielen Winke von Einwanderun⸗ gen dorther, wovon weiter unten. Dieſes Thier, heißt es bei Aſſal, welches bei den Eingebornen beider Continente die Stelle des Hundes vertritt, iſt ſehr verſchieden von dem europaͤiſchen, entweder eine ganz beſondere Gattung, oder wenigſtens eine ſehr entfernte Abart. Der indianiſche und ſibiriſche Hund ſind beide meiſt weiß, haben zottige Haare, ſpitzige Naſen und aufrechtſtehende Ohren, ſind gefraͤßig, verſchlagen, ſtehlen wo ſie koͤnnen, drehen ſich haͤufig gegen ihre Meiſter, ſind ſehr ſchwer zu zaͤhmen, und verfallen leicht und geſchwind wieder in den Zuſtand der Wlldheit. Auf beiden Continenten werden ſie zum Laſttragen und Zie⸗ hen gebraucht. Sie ſind nur zu zänkiſchem Knurren und Zaͤhneflaͤtſchen geneigt, und ihre Stimme iſt mehr ein Heu⸗ — 336— 4 8 len als ein Bellen.— Wie auf den Inſeln der Suͤdſee, wurden die Hunde auch gemaͤſtet und gegeſſen.(P. Mar⸗ tyr, dec. 1, lib. 3.) Seite 232. Eine Art Kaninchen, Utia genannt; die⸗ ſes eßbare Thier finde ich nirgends naͤher beſtimmt.„Mun⸗ joz nennt zuerſt zwei andere vierfuͤßige Thiere, eins, das einem Dachſe aͤhnlich ſah,(Moſchusſchwein?) und eine Art großer Maͤuſe(Raton?) wie die indianiſchen, die ſehr gut zu eſſen ſind.“ III. Buch§. 19. Spater VI. Buch§. 44 kommen indeſſen die Utia's vor„ſchmackhafter als die Ka⸗ ninchen, und ſo zahlreich, daß ein indiſcher Knicht mit ei⸗ nem Hunde den Tag 15—20 ſeinem Herrn liefert.“(Worte des Columbus). Seite 232. Die Guanas erklaͤrt Sprengel bei Mun⸗ joz fuͤr die bekannte große Kammeidechſe(Leguans); Mun⸗ jog nennt ſie Iguanas und bezeichnet ſie nach den Berich⸗ ten als Amphibie von außerordentlicher Groͤße und graͤß⸗ lichem Anblick. Weiter unten bei Irving kommt eine Stelle aus Peter Martyr vor, wie die Spanier ihren Ekel uͤber⸗ wanden, wo auch die Eidechſen⸗Geſtalt beſchrieben wird. Nicht zu verwechſeln alſo wären dieſe ſogenannten„Schlan⸗ gen“ mit einem andern Leckerbiſſen der Indianer, dem gro⸗ ßen fetten Wurm, der in der Kohlpalme niſtet(Aſſal), und von dem wir keine Andeutung finden. Seite 237. Flamingo's(Phoenicopterus ruber) ein großer, ſchoͤn rother Sumpf⸗Vogel, welcher Schlangen und anderes Ungeziefer frißt; er baut ein Neſt wie einen Backofen mit oben liegenden Eiern, und bei'm Bruͤten ſtreckt — 337— er die langen Beine zu b iden Sitten nieder, als wenn er ritte.(G. H. Schubert.) Seite 237. Nach der Note iſt folgender Abſot Vn Druck ausgeblieben: „Von ſolcher Art iſt der Gtanz der animaliſchen und vegetabiliſchen Welt in dieſen tropiſchen Climaten, wo eine gluͤhende Sonne gewiſſermaßen ihren eignen Glanz jedem Geg⸗ nſtande gibt und die Natur in uͤppiger Fuͤlle aufſchte⸗ ßen laͤßt. Die Voͤgel zeichnen ſich im Allgemeinen nicht durch Geſang aus, und man hat die Bemerkung gemacht, daß bei dem befiederten Geſchlecht Farbenpracht ſelten mit ſchoͤnen Stimmen vereinigt zu finden iſt. Columbus be⸗ merkt jedoch, daß er mehrere Arten auf den Baͤumen ſchoͤn ſingen gehoͤrt habe, dabei taͤuſchte er ſich oft mit der Ein⸗ bildung, die Stimme der Nachtigall zu hoͤren, eines Vogels, der dieſen Laͤndern ganz fremd iſt. Er war frei⸗ lich in einer Stimmung, wo er alles durch ein reizendes, verſchoͤnerndes Medium wahrnahm. Sein Herz war zum Ueberſtroͤmen voll, denn er erfreute ſich der Erfuͤllung ſei⸗ ner Hoffnungen und des ſauer erkaͤmpften aber glaͤnzenden Lohnes ſeiner Muͤhen und Gefahren. Alles umher betrach⸗ tete er mit dem leebevollen und entzuüͤckten Auge des Ent⸗ deckers, in welchem ſich Frohlocken mit Bewunderung miſchte, und es iſt ſchwer, ſich die hinreißenden Gefuͤhle zu denken, wie er die Reize jener jungfraulichen Welt entſchleierte, die er durch ſeinen Muth und ſeine Standhaftigkeit gewon⸗ nen hatte.“— Nach des Columbus Worten fanden ſich uͤberall Voͤgel„von ſuͤßem Geſang“; aber auch einige Irving's Columbus. 10— 12. 22 — 338— ſeiner Gefaͤhrten glaubten die Nachtigall zu hoͤren, ſ. unten S. 251. Seite 239., Hurricanes werd als indianiſches Wort, mit Variationen in der Ausſprache(weiter unten) angege⸗ ben; es iſt als ſolches Wort in die engliſche Sprache, und in die deutſche als„Orkan⸗ uͤbergegangen, bedeutet aber hier die eigenthuͤmlichen fuͤrchterlichen Orkane dieſer Tro⸗ penlaͤnder, wovon unten mehr. Seite 246, Zeile 6 friſches Waſſer lies ſuͤßes Waſſer. Dieſes Verſehen kommt noch ein Paarmal vor. Seite 246. Stamm⸗Aloe. Im Spaniſchen ſteht linaloe. Ich finde anderwaͤrts Sebeſtencordie, woraus das bekannte Aloeholz gewonnen werde.— Das Agallocha oder Aloe⸗ holz iſt(nach Schubert) von einer Excoecaria oder Aqui- laria, aus dem Geſchlecht der Euphorbiaceen oder Trikok⸗ ken, worin aromatiſche und harzige Stoffe vorherrſchen, und wozu auch die Maniocpflanze gehoͤrt. Seite 248. Kartoffel und Batatas(solanum tuberosum). Das ſchwarze Solanum(sol. nigrum) wird jetzt auf Domingo wie Spinat gekocht und gegeſſen. Nahr⸗ haft wie die gemeine Kartoffel ſind die neuerdings bekannt gewordenen amerikaniſchen Arten des Sol, montanum und Cari. Eßbar ſind die Fruͤchte von 801. meloangina und insanum, die man in Indien mit Zucker und Gewuͤrz ge⸗ nießt, noch mehr der Liebegapfel(sol. lycopersicum) der in Amerika und im ſuͤdl. Europa genoſſen wird.— Bekanntlich ſandte zuerſt Drake die Kartoffel als Lebens⸗ mittel nach England; durch Mißverſtaͤndniß genoß man an⸗ — 339— faͤnglich die Frucht, die natuͤrlich ſehr ſchlecht ſchmeckte, und entdeckte nachher durch Zufall erſt die Trefflichkeit der Wur⸗ zelknollen(Schubert). Seite 250. Tobacco oder Tabaco. Damals be⸗ kümmerten ſich die Spanier nicht einnal um den Namen. Zu dieſer Notiz bei Munjoz merkt Sprengel an, hieraus erhelle, daß die Spanier nicht erſt durch den Eremiten Roman Pane, den Colon 1496 auf St. Domingo zu⸗ ruͤckließ, um an der Bekehrung der Eingebornen zu arbei⸗ ten, fuͤr den erſten gehalten, der dieſer Gewohnheit derſel⸗ ben erwaͤhnt. Den Bericht von ſeinem Aufenthalte unter den Wilden hat Ferdinand Colon ganz in der Lebensbe⸗ ſchreibung ſeines Vaters eingeſchaltet, aber Pane kennt we⸗ der das Wort Tabacos, noch das Tabakrauchen; wenig⸗ ſtens findet ſich von beiden in ſeinem verworrenen Aufſatz keine Spur. Die dahin gezogene Stelle ſagt bloß: ſie haͤt⸗ ten Kalebaſſen mit einem gewiſſen Pulver angefuͤllt, welches Cogioba heiße; dieß nahmen ſie mit einem Rohr eines hal⸗ ben Armes lang. Das eine Ende ward in's Pulver, das andere in die Naſe geſteckt und auf dieſe Art aus dem Ge⸗ faͤß gezogen. Es berauſchte und ward von ihnen fuͤr ein ſehr ſtarkes Purgiermittel gehalten. Vom Anzuͤnden des Pulvers, und daß dadurch Rauch hervorgebracht werde, fin⸗ det ſich bei ihm auch nicht die mindeſte Anzeige. Vielleicht hat das Einziehen des Pulvers durch die Naſe die Veran⸗ laſſung gegeben, in dieſem jetzt unbekannten Heilmittel das Tabakrauchen zu finden. Denn wirklich rauchten die Inſu⸗ laner ihren Tabak durch die Naſe, wie Oviedo(lib, 5 22* — 340— c. 2) umſtandlich beſchreibt. Dieß nannten ſie Tabaco, aber nicht das Kraut, deſſen angebrannte Blaͤtter in beſon⸗ deren Pfeifen geraucht wurden. Einige waren nach ihm einfache hoͤlzerne Roͤhren, andere gabelfoͤrnig geſtaltet, ſo daß die beiden oberen O. ffnungen in die Naſenloͤcher paß⸗ ten. Zu ſeiner Zeit hatten die Neger ſchon das Rauchen angenommen, auch viele Spanier, weil ſie glaubten, es lindere die Schmerzen der veneriſchen Seuche.— Unter den entdeckten Alterthuͤmern der Ureinwohner Nordamerikas fin⸗ den ſich Spuren des Tabakrauchens in ausgegrabenen Pfei⸗ fenkoͤpfen, wovon Aſſal S. 62, 65. Nachricht gibt. Die Uebereinſtimmung der Sitte des Tabakrauchens gegen die vier Weltgegenden, den Himmel und die Erde bei jeder feierlichen Handlung unter den Ind anern und den Hor⸗ den der aſtatlſchen Tartaren, ſcheint mit dem aͤlteren aſia⸗ tiſchen Gebrauch gemeinſame Abſtammung zu begruͤnden. Aſſal S. 82. Seite 250. Agi, Ages oder ſuͤßer Pfeffer. Oviedo beſchreibt dieſe Frucht, welche Oldendorp eßbares Aron (Arum esculentum) nennt, ſehr umſtaͤndlich(lib. 6, c. 3). Er ſagt, ſie gleiche großen Ruͤben, die aber groͤßer als die ſpaniſchen waͤren. Sie wachſen unter der Erde, haben eine weißliche, ſtaͤrkere Haut als die Ruͤben, und wiegen drei, vier und mehrere Pfunde. Sie werden durch Sproͤßlinge fortgepflanzt und dienten zu ſeiner Zeit den Eingebornen und Negern geroͤſtet und gekocht zur gewoͤhnlichen Speiſe. Auch die Spanier eßen ſie gern auf verſchiedene Art zube⸗ reitet. Peter Martyr beſchrelbt ſie faſt met denſelben Wor⸗ — 341— ten in ſeinen Briefen, unt. a. in dem v. 13. Sept. 1493. Auf den engliſchen Zuckerinſeln werden ſi: Eddoes genannt (Sprengel). Man nannte die Frucht auch Yom⸗Wurzel (Munjoz III. Buch§. 29.)— Dieſe Pflanze iſt nicht zu verwechſeln mit dem Piment, oder Jamaikapfeffer, einem Gewuͤrz, wovon weiter unten. Seite 250 letzte Zeile, ſoll auch Mais ſtehen; dieſe wohlthättge Pflanze(zea mays), auch tuͤrkiſcher Waizen ge⸗ nannt, obgleich Amerika das Vaterland iſt(daher auch der Name indianiſches Korn), iſt noch das Hauptgetraide Nord⸗ amerika's, und hat ein nahrhaftes, ſuͤßlich ſchmeckendes Mehl. Die maͤnnlichen Bluͤthen ſtehen oben und ſehen wie Kornaͤhren aus, die weiblichen unten am Stengel mit lan⸗ gen duͤnnen Faͤden(den Piſtillen), die aus einer Blattſcheide heraushaͤngen, worin der Kolben mit den weiblichen Bluͤ⸗ then, welche die ſchoͤnen gelben, oft roth gefaͤrbten Koͤrner tragen.(Schubert.)— Bei Robertſon kommen faͤlſchlich nur 5 Nahrungs⸗Gewächſe vor, Mais, Manioc, Piſang, Kartoffel und als Gewürz der Piment. Seite 251. Eine Species Lupine oder Gemuß⸗ bohne; bei Munjoz nach Sprengel:„welſche Bohnen von dunkelrother Farbe, die den Wolfsbohnen glichen.“ Es iſt aͤußerſt ſchwer, dieſe und andere undeutlich genannte Pflan⸗ zen zu beſtimmen, und man iſt noch uͤber manche Gewaͤchſe nicht einig, od ſie dort einheimiſch oder eingebracht ſind; ſo war uͤber das ſicherlich eingebrachte Zuckerrohr lange großer Streit.. Seite 251. Die Baumwollenſtaude(gossypium) — 342— iſt hier ausdruͤcklich genannt. Sie bluͤht wie die verwandte Malve, hat aber in ihrer vierfaͤcherigen Saamenkapſel viele Wolle, in der die Saamen weich eingebettet liegen(Schu⸗ bert).— Die große Menge Baumwolle bei den Indianern bewundern alle Schriftſteller jener Zeiten. Fernando Colon bemerkt, daß ein Indianer von San Salva⸗ dor fuͤr drei Kupfermünzen vier Centner davon weggege⸗ ben habe.(Spr.) 3 Seite 252, Die Fackeln der Indianer beſtanden aus Citronenholz oder aus zuſammengebundenen Rohrbuͤſcheln. Mit Fackeln wurde auf vielerlei Jagd gemacht, auf Krebſe, Papagayen, Fiſche.(Aſſal S. 134.)! Seite 252. Goldbarren. Davon weiter unten. Seite 257. Puerto del Prinzipe. Munjoz iſt hier ausfuͤhrlicher(III. Buch§. 19). Indem man zwiſchen den Inſeln umherfuhr, fand man große Auſtern, die Per⸗ lenmuſcheln zu ſeyn ſchienen, ſpuͤrte einen ſtarken Biſamge⸗ ruch, ſah Maſtir und unendlich viel Aloe, eine Menge ſehr hoher Palmen von verſchiedener Gattung, große Nußbaͤume und tauſend andere unbekannte Pflanzen. Die Seeleute fingen nebſt vielen andern Fiſchen einen, der einem Schweine glich, ganz mit einer harten Schale bedeckt war und nichts weiches hatte, als den Schwanz und die Augen, auch viele Voͤgel ꝛc.(auch das dachsaͤhnliche Thier und die Art Maͤuſe, wovon oben.) Seite 258. Meile, Seemeile. Colon bediente ſich der Bezeichnung nach italieniſchen Meilen, die kleiner ſind als die ſpaniſchen Meilen, denn vier von jenen gehen auf — 343— dvei von dieſen, und auf eine legua-(Navarrete zum Ta⸗ gebuch). Bei der franzoͤſiſchen Ueberſetzung iſt von Herrn von Verneuil ſolgende Note: Du temps de Colomb il fallait en mer vingt lieues espagnoles ou soixante mil- les pour un dégré, mais il comptait quatre mille par lieue au lieu de trois, comme on le voit par la note ci-dessus; sur terre c'est dixsept lieues ou cin- quante en milles.— Es iſt unmoͤglich, in die Angaben der verſchiednen Quellen und Ueberſetzungen eine durchge⸗ hende Uebereinſtimmung zu bringen, und Irving gebraucht z. B. öfters ſeine heimiſche Meilenzahl, ohne darauf auf⸗ merkſam zu machen. Seite 259. Signalfeuer bei Nacht; ſie wurden durch Laternen gegeben, die an einem der Caſtelle oder auf den Maſten aufgeſteckt wurden. In der Flotte hatte die verſchiedene Art und Zahl der Leuchten immer ihre eigne telegraphlſche Bedeutung. Wenn Nebelwetter eintrat, ſo gab man die Zeichen durch Trompetenſtoͤße.(Man ſehe die von Navarrete bekannt gemachten Verordnungen uͤber die Admiralswuͤrde von Caſtilien ꝛc. im 1. Bd., franz. Ueberſetzung Ende des 3. Bandes.. Seite 260 und 261. Sta. Katharina. Den Na⸗ men, den er dieſem Fluſſe gab, nahm er von dem Tag, den er daſelbſt zuerſt zubrachte. Dieſe Art der Benennung nach dem Kalenderheiligen, die ganz mit ſeinen religioͤſen Anſichten uͤbereinſtimmte, wiederholte er oͤfters, ſ. 3⸗ B. S. 265, 266. Seite 261. Fichte oder Tanne, Pinus; auch Ce⸗ — 344— dern und andere Pinusarten wachſen auf Cuba.— Die Fichte findet ſich ringfoͤrmig ausgebreitet vm die ganze noͤrd⸗ liche Habkagel, in Europa vom 70, Grad noͤrdl. Breite (wo noch die Foͤhre als niedriges Geſtraͤuch erſcheint), in Amerika etwa vom 64. Grad an bis an den Wendekreis hinab. Auf Teneriffa geht noch Pinus canariensis bis zum Meer herunter; auf der sleinen Inſel Jsola de los Pi- nos bei Cuba, ungefaͤhr unter dem Wendekreiſ', findet ſich Pinus orientalis faſt bis zur Meeresflaͤche; in Mexico iſt noch bis zum 16. Grad, jedoch nur auf Gebirgen, pinus occident. relig. und histella; dieß ſcheint die ſuͤdlichſte Graͤnze(Schubert allg. Naturgeſchichte). Seite 262. Canoes aus einzelnen Baumſtaͤmmen. Dieſe großen Canoes waren von C-dern(Munjoz), einige fand man, die vortrefflich gearbeitet waren und unter einem Obdach von geflochtenen Zweigen vor Wetterſchaden ver⸗ wahrt und bideckt lagen. Seite 262. Die Gegenſtaͤnde, die ihnen hier noch auffielen, waren die Bewaffaung und Federbuͤſche der Wil⸗ den, und ein Haus mit Muſchelſchalen an der Decke, das ſte anfaͤnglich fuͤr einen Goͤtzentempel hielten(Munjoz).. Seite 263. Alpha und Omega. In dleſem Punkte blieb Columous jedoch nicht feſt; denn nach ſeiner Ruͤckkehr von der Reiſe meinte er, Cuba ſey eine groͤßere Inſel als England und Schottland zuſammengenommen, indem ihre noͤrdliche Kuͤſte ſich in grader Linie von Abend nach Mor⸗ gen uͤber zweihundert Seemeilen erſtrecke, von denen er faſt die Haͤlfte zuruͤckgelegt habe, und nur noch zwei Provinz⸗n, — 345— jede von funfsig bis ſechzig Meilen in der Laͤnge, zu unter⸗ ſuchen übrig waͤren. Dieß wiſſe er aus der Erzaͤhlung der Inſulaner, die ihn begleiteten und dieſes Archipels kundig wären. Wobei ich nicht weiß(ſagt Munjoz), was ich am meiſten bewundern ſoll, enrweder dieß aus ſo truͤgli⸗ chen Berechnungen der Wahrheit ſo nahe kommende Reſul⸗ tat, oder die Unerſchrockenheit jener ſo weite Strecken ſchif⸗ fenden Inſulaner, ihre Geſchicktichkeit dieſe zu berechnen, die Kunſt und Erfindungskraft, womtt ſie ſich erklaͤrten und verſtändlich machten, oder auch den Verſtand und Fleiß des Colon, der waͤhrend eines Umgangs von wenig Mona⸗ ten von ſo rohen Wilden ſo großen Nutzen ziehen konnte, bei allen Mißverſtändniſſen, wie die Fabel von Menſchen mit einem Schweife, die in der einen noch unbeſuchten Pro⸗ venz geboren wuͤrden.(Munjoz.) Seite 266. Puerto de la Concepcion. Hierzu Munjoz: es iſt unſtreitig der Hafen, der nachmals den Na⸗ men Mosquitos erhielt und er nannte ihn Concepcion, als er am 8. Dec.(Mariaͤ Empfaͤngniß) vor einem Unge⸗ witter dort auf einige Tage Schutz fand.— Er bemerkte auf dieſer Inſel Baͤume, die den Sterneichen und Frucht⸗ bäumen von Europa glichen, ſah Fichten und Myrthen, Saatfelder wie Weizen und Gerſte(Mais), ſiſchte Gruͤnd⸗ linge, Meeraͤſchen und andere uns bekannte Fiſche, glaudte te Nachtigal zu hoͤren, ſah ſelbſt Weiber, ſo weiß und ſchoͤn faſt wie die Spanierinnen— daher der Name Espaniola. Seite 269. Papagayen. Dieſe Thiere wurden fol⸗ gendermaßen gefangen und gezaͤhmt. Nachdem man des — 346— Abends bemerkt hatte, wo ſich ein Flug derſelben zur Ruhe auf einen Baum niedergelaſſen hatte, trugen ſie in der Nacht gluͤhende Kohlen darunter und machten einen Rauch von einer Art Gummi und gruͤnem Piment, der ſie betaͤubt machte, daß ſie herabfielen. Die ſo gefangenen Papagayen werden dann durch Hunger und durch Tabaksdampf, wo⸗ mit man ſie trunken macht, gezaͤhmt.(Aſſal S. 130.) Seite 270, Banane(musa sapientum, musa paradi- siaca). Nicht zu verwechſeln mit der Brodfrucht(artocar- pus incisa), die erſt 1792 von den Suͤdſee⸗Inſeln durch die Englaͤnder nach Weſtindten verpflanzt wurde. Eine nahrhafte, wohlſchmeckende Frucht, wie ein Gemiſch aus Mehl, Zucker, Butter und Eyer. Man ißt die feigenartige Frucht roh oder in Waſſer oder Milch abgekocht, auch in Butter geroͤſtet, wo ſie wie Pfannkuchen ſchmeckt(Langsdorf). Iſt ſehr haͤufig in Egypten ꝛc, und im heißen Aſien. Die ſchoͤnen laͤnglich runden Blaͤtter werden halbmannslang, der Stamm waͤchſt mehrere Ellen hoch(bis zu 14 Fuß) wird ziemlich dick, aber nicht feſt. Die kleinen Bluͤthen dringen aus einer bunten Scheide; die Fruͤchte ſind faſt laͤnglich wie Gurken; reif werden ſie lieblich ſuͤß und weinartig ſaftig. Die Ma⸗ homedaner glauben, daß durch dieſe Frucht unſere erſten Eltern verfuͤhrt worden ſeyen(Schubert). Der Piſ ang gleicht dem Bananas, die Frucht iſt jedoch mehr als noch ſo groß und noch ſo zahlreich. Er wird gewoͤhnlich gruͤn geſammelt und geroͤſtet oder gekocht. Er iſt ein be⸗ traͤchtlicher Nahrungsartikel fuͤr die Neger und vielen Ar⸗ men, der weißen Bevoͤlkerung dient er als Brodſurrogat. — 347— Die Franzoſen in Weſtindien heißen den Piſang Bana⸗ nas und die Bananas Figues. Die Caraiben bedienten ſich des Piſangs als Proviant auf den Seefahrten(Zuberei⸗ tung wie Caſſava, ſ. oben). Der reife Piſang und Bana⸗ nas haben eine angenehme ſtechende Suͤße. Die Blaͤtter wachſen in Buͤſcheln wie die des Palmbaums, haben eine Laͤnge von 12 Fuß und eine Breite von 2 Fuß. Die Bluͤthe, der ein Buͤſchel Frucht nachfolgt, iſt ſehr ſchon. Der Stiel neigt ſich in einem Bogen nach dem Boden zu und hat an ſeinem Ende einen großen purpurrothen Kegel, der wie ein Gewicht ausſieht. Schriftſteller, die vor mehr als 100 Jah⸗ ren ſchrieben, ſprachen von den Bananen und Piſang der Caraiben und ihrem Gebrauch zur See. In den Waͤldern von Jamaika kommt der wilde Piſang vor, der dem gebau⸗ ten aͤhnlich ſieht, ſeine Bluͤthe iſt jedoch verſchieden, auch traͤgt er keine Fruͤchte.(Aſſal S. 121, 122.) Seite 271. Heirathen. Michaelis in ſeinem moſai⸗ ſchen Recht 2. Th. S. 171 ff. macht den Indianern die nahen Heirathen zum Vorwurf und leitet davon zum Theil die Schwaͤchlichkeit und kleinere Statur dieſes Menſchenge⸗ ſchlechts ab, wobei er jedoch auch dem eigenthuͤmlichen mo⸗ raſtig⸗feuchten(vielmehr feuchtheißen) Clima ſeinen Antheil zugeſteht, welches Loͤwen, Hunde und andere Thiere dort ſchwach und ſelbſt muthios mache. Bei Aſſal findet ſich fol⸗ gende Notiz: Erwachſene Caraiben hatten das Recht, die Toͤchter ihrer Verwandten zu Weibern zu nehmen, auch konnten ſie ſie ſchon im fruͤhen Alter wegnehmen und zu Weibern ihrer Soͤhne erziehen. Nur zwei Grade der Ver⸗ wandtſchaft waren von der Heirath ausgeſchloſſen, nämlich Mutter und ihre Soͤhne, und Bruͤder und Schweſtern. Die Zahl der Weiber war nicht beſtimmt, jeder konnte nehmen ſo viel ihm geluͤſtete. Haͤufig heiratheten ſie verſchieden, oder alle Schweſtern. Sie waren der Meinung, ſie koͤnnten ſich beſſer vertragen, und da ſie mit einander aufgewachſen ſeyen und einander gut kennten, wuͤrden ſie geſaͤlliger gegen einander und ihrem Eheherrn gehorſamer ſeyn. Denn die Caraiben und alle andere Indlaner betrachteten ihre Weiber als Sclaven, und wenn ſie denſelben noch ſo ſehr gewogen waren, ſo erhoben ſie dieſelben doch keineswegs der be⸗ ſchwerlichen Dienſte durch eigne Huͤlfe. Auch Aſſal nennt ſie wie der Entdecker, bei allem Frohſinn und munteren Weſen, zuruͤckhaltend und beſcheiden, worin ſie von andern Weibern der Wilden eine Ausnahme machten, eben ſo die Maͤnner mit der Eiferſucht, die ihnen im hoͤchſten Grade eigen war, ſo daß der geringſte Verdacht der Untreue ei⸗ nem Weibe das Leben koſten konnte,(Aſſal). Seite 276. Tragbahre, ein Stuhl oder Thronſeſ⸗ ſel, der mittelſt Stangen auf den Schultern getragen wurde, Bei den vornehmeren Caziken, beſonders des Continents, hatte er einen Baldachin, wie viele alte Abbildungen zeigen. Auch die Europaͤer laſſen ſich heutiges Tages in einigen Colonieen auf ſolchen Tragſtuͤhlen mit Baldach'ns von ihren Selaven tragen, wie die Portugieſen in Braſilien von den Negern auf den ſogenannten cadeirinhas.(fl. Stuͤhle.) Seite 278. Cazike d. i. Herr der Uebrigen. Seite 278. St. Thomas, nach dem Kalendertag. — 349— Seite 278. Guͤrtel mit farbigen Steinen und Kno⸗ chen, oder auch Muſcheln, Korallen und harten Bohnen. Ein ſolcher Guͤrtel iſt bei den Wilden ein Freundſchafts⸗ und Friedenszeichen(Wampum⸗Guͤrtel, ſ. unten).— Sogar die⸗ ſer Schmuck war den damals in Caſtilien getragenen Guͤr⸗ teln aͤhnlich.(Munjoz.) Seite 278. Hoͤlzerne Maske mit goldnen Augen (auch Ohren) Naſe und Zunge; dieſes Geraͤth ſcheint nur eine Koſtbarkeit und kein Theil der Gottesverehrung gewe⸗ ſen zu ſeyn; denn ſo waren auch die Augen und Ohren des Thiers an den Ehrenſeſſeln fuͤr die der arabiſchen Sprache kundigen Geſandten(oben), nach Fernando Colon, von Gold. Hist. del Almirante, cap. 27. Seite 280.„Cibao“— Cipango. Columbus brach bei dieſem taͤuſchenden Klang in die Worte aus: „unſer Herr, der alle Dinge in ſeinen Haͤnden hat, ſey meine Huͤlfe und gebe mir nach ſeinem Wohlgefallen.“ Al⸗ lem Anſehen nach beſorgt, die entdeckten Reiche moͤchten den Hof weniger befriedigen, ſehnte er ſich nach Gold, um ſeine Verſprechungen zu erfuͤllen.(Munjoz.). Seite 282. Schiffspatron(ship- master), wird beſſer woͤrtlich Schiffsmeiſter genannt. Seite 283. Pedro Gutierrez lcben tapissier) heißt hier Mundſchenk(repostero?) Jedenfalls war ſein Rang nicht unbedeutend; ogl. S. 302. Seite 286 und 287. Die Trommel von gtehoͤlten Baumkloͤtzen kommt noch heutzutage in Braſilien, und die Raſſel zum Geſang auch in Nordamerika vor; die jetzt — 350— in Europa reiſenden Oſagen ſangen vor Tlſch(wahrſchein⸗ lich um ſich Appetit zu machen) bis zur Erſchoͤpfung mit Begleitung ſolcher runden mit Koͤrnern gefuͤllten Raſſeln. Das wilde und kindiſche Entzuͤcken mit den Schellen trifft man in Mozarts Zauberfloͤte trefflich geſchiädert. Seite 291. Durch den Geruch unterſcheiden die Wil⸗ den nicht bloß das Metall(daß ſie hier alles Turey nann⸗ ten, war Folge des Reizes der Neuheit), ſondern wie die Affen beriechen ſie erſt fremde Lebensmittel, als Brod, Zucker, Zwieback, ehe ſie ihnen trauen. Die Beiſpiele fin⸗ den ſich faſt bei allen wilden Nationen. Hierher gehoͤrt auch das ſcharfe Wittern entfernter Menſchen und Thiere, im Krieg und aus der Jagd, worin ſich dieſe Indianer be⸗ ſonders auszeichneten. Wir kennen auch in der cioiliſirten Welt Faͤlle von hoͤherer Ausbildung einzelner Sinne, z. B. des Taſtſinnes, wo durchs Befuͤhlen ſogar die Faͤrbung un⸗ terſchieden werden kann, und ein Sinn den anderen ver⸗ tritt. Seite 295. Das Fort beſtand nur aus einem hoͤlzer⸗ nen Thurm, auf einem unterirdiſchen Gewoͤlbe ruhend und von einem Graben umgeben.(S. auch Seite 301.) „Seite 298. Piment oder rother Pfeffer. Die⸗ ſes Gewuͤrz, welches die Indianer Agi nannten, auch un⸗ ter dem Namen Jamaikapfeffer bekannt iſt, trafen die Spa⸗ nier zuerſt bei ihrer Ankunft und Bewillkommnung im Ha⸗ fen St. Thomas, wo ſie auch die erſten irdenen Trinkge⸗ fäße kennen lernten(Munjoz). Colon nannte ihn in ſeinem Tagehuch den gewuͤrzhaften Lorbeerbaum, lernte aber nur die würzige Eigenſchaft der Blaͤtter kennen. Wir nehmen, in Ermangelung neuerer Angaben, Sprengels An⸗ merkung zu Huͤlfe. Brian Edwards, ein damaliger Reiſen⸗ der, beſchreibt dieſen Baum mit gleichem Entzuͤcken, wie die Entdecker. Nach ihm gibt es wohl keinen ſchoͤneren Baum im Reiche der Gewaͤchſe als dieſen, der den Pimento, All⸗Spice oder das engliſche Gewuͤrz hervorbringt. Der glatte, glaͤnzende Stamm, entbloͤßt von aller Rinde, erhebt ſich 15— 20 Fuß gerade aufwaͤrts. In dieſer Hoͤhe breitet er ſich nach allen Seiten in ſtarken Zweigen aus, die reich mit dunkelgruͤnen Blaͤttern, denen des Lorbeerbaums ähnlich, bekleidet ſind, und in den Monaten Juli und Au⸗ guſt durch die Fuͤlle ſchoͤner weißer Bluͤthen gehoben wer⸗ den. Die Blaͤtter ſind eben ſo wohlriechend wie die Bluͤ⸗ then, und man erhaͤlt durch Deſtilliren aus ihnen ein wohl⸗ riechendes Bl, das in Europa zuweilen fuͤr Nelkenoͤl ver⸗ kauft wird. Die Beeren werden bald nach der Bluͤthe mit der Hand gepfluͤckt, und ein Baum liefert ohne weitere Pflege jaͤhrlich 150 Pfund Beeren oder einen Centner trock⸗ nen Pimento. Merkwuͤrdig iſt, daß dieſer Baum allen Bemuͤhungen, ſeine Cultur auszubreiten und zu erhoͤhen, ſo ſehr widerſtrebt.— Die Frucht iſt, wie Munjoz bemerkt, an Geruch und Geſchmack der Muskatnuß, dem Zimmt und der Nelkenbluͤthe zuſammen gleich. Aſſal berichtet von der Kuͤche der Indianer, daß ſie dieſes Gewuͤrz an viele Speiſen und Getraͤnke thaten, auch als Sauce zurichteten, welches Piementado genannt wurde, und aus dem Saft des Manioc, einer Infuſion von zerdruͤcktem Piment und — 352— dem Zuſatz von Citronenſaft oder einer andern Saͤure be⸗ ſtand. Dieß war ihre Lieblingsbruͤhe, ſie genoſſen ſie mit jeder Speiſe, und immer ſo helß, wie ſie nur trinken konn⸗ ten. Auch ein Krebsgericht, mit Zitronenſaft, Waſſer und geſtoßenem Piment war bei ihnen ſehr beliebt.— Colum⸗ bus zog den Agipfeffer dem Malagueta(Malagete) oder den Paradieskoͤrnern, einem pfefferartigem Ge⸗ wuͤrz von der Kuͤſte Gu nea's(daher Pf fferkuͤſte) vor, wel⸗ ches damals in Porkugal und Spanien allgemein im Ge⸗ brauch war und anfaͤnglich fuͤr den orientaliſchen Pfeffer ge⸗ halten wurde. Nach der Entdeckung Oſtindiens verſchwand er aus dem Handel.(Spr.) Seite 299. Rhabarber. Dieſe Pflanze meinte Vi⸗ cente Yanjez gefunden zu haben; Columbus zeigte ſich hier wie in andern Dingen leichtglaͤubig.(Statt dem Wort „Arten“ iſt„Proben“ zu ſetzen.) Seite 302. Pedro Gutierrez— und Rodrigo de Escobedo(blieb im Druck aus) wurden zu Lieutenants und Nachfolgern beſtimmt. Seite 302. Bei den aufgezaͤhlten Coloniſten lieſ't Mun⸗ joz ſtatt Arzt, Wundarzt; auch heißt es ſtatt Schreiner Kalfaterer(caulker), der die Schiffe picht, theert und ausbeſſert. Seite 303. Mit den Weibern ſ. oben Anm. S. 348; doch ruͤhmt der Biograph die Weiber(die unver⸗ heiratheten) als gefaͤllig; ſ. S. 293 unten. Seite 308. Monte Chriſti; auch nach der Geſtalt Granja(Getraidehaufen). — 353— Seite 309. Gruppe kleiner Inſeln. Munjoz: „wo er ſieben Inſeln entdeckt habe, welche Inagua, einige Inſelchen der Caycos und die uͤbrigen angraͤnzenden bis Abreojos oder zu den Untiefen von Babueca ſeyn moch⸗ ten.“ Seite 311. Drei Meerjungfern. Munjoz:„Er ſah in der Ferne im Meere drei haͤßliche Fiſche mit einem etwas menſchenaͤhnlichen Kopfe, Pen welcher Art er auch andere an der Kuͤſte von Guinea beobachtet hatte, und hielt ſie fuͤr die fabelhaften Sirenen, wiewohl nicht von der ver⸗ meintlichen Schoͤnheit. Vielleicht waren es weibliche See⸗ kaͤlber(Manaties), die man auch Fiſch⸗Weib nennt.,— Sie gehoͤren zu den ſogenannten grasfreſſenden Wallfiſchen (sirenia) mit 2 Eutern vorn an der Bruſt, mit Backen⸗ zaͤhnen mit platten Kronen, Bartborſten an der Schnauze und abgerundetem Kopf, ſo daß ſie von fern geſehen etwas menſchenaͤhnliches haben, inſonderheit der Manati(mana- tus) in Amerika.(Schubert.) Seite 312. Am 11. Jaͤnner entdeckte er einen guten Hafen am Fuß eines Berges, der gleichſam von den Wolken, die ihn bedeckten, verſilbert war; daher er ihnen den Namen Monte y puerto de Plata(Silberberg und Hafen) gab.(Munjoz.) Seite 313. Große Bai, die Bucht oder der Golf Samana. Er landete hier in der Abſicht, die Wirkungen der Oppoſition und Conjunktion gewiſſer Geſtirne, die er nach vier Tagen erwartete, zu beobachten. Am 16. Jaͤnner ging er aber unter Segel, ohne den Stand der Planeten Irving's Columbus. 10—12. 23 — 354— abzuwarten, deren Einfluͤſſen die Aſtrologen in den rohen Zeiten tauſend Wunder zuſchrieben.(Munjoz.) Seite 313. Haͤßlich bemalt, d. h. mit geſchwaͤrz⸗ ten Geſichtern.(Munjoz.) 3 Seite 314. Mantinino oder Matinino.(San Juan.) Eine andere nannten ſie Carib.(Portorico.) Seite 316. Schnur oder Guͤrtel mit Perlen; bei Munjoz eine Art Corallen; als Friedenszrichen(Wampum⸗ Guͤrtel.) Seite 320. Thunfiſche und Hayfiſche, beide eß⸗ bar. Von erſteren iſt beſonders die eigentliche Makrele (Scomber scomber) wohlſchmeckend und wird eben ſo gern friſch als eingeſalzen, wie der Hering, dem ſie nachſtellt, gegeſſen. Aber auch der Hay(squalus; sq. Glaucius der groͤßere, sq. coeruleus der kleine) wird in ſuͤdlichen See⸗ haͤfen gefangen und zu Markt gebracht; ſo in Liſſabon, auf Teneriffa, wo er von armen Leuten gegeſſen wird. In England kommt er wohl auch zu Markt, wird aber nur als Lockſpeiſe zum Angeln benutzt. Die Ruſſiſche Expedition des Kapitain Kruſenſtern ließ ſich das Fleiſch des Hay auf der Reiſe von den Sandwichs⸗Inſeln nach Kamtſchatka, da ihre Vorraͤthe ausgegangen waren, gut ſchmecken, obgleich das Fleiſch hart, trocken und fade iſt.(Langsdorfs Reiſe.) Seite 326. Aufruhr ſeiner Empfindungen. ie er ihn zu beſchwichtigen ſuchte, zeigt eine ruͤhrende Stelle im Tag buch:„Der ewige Gott,“ ſo ſchrieb er nie⸗ der,„gab mir den Gedanken ein; Er ebnete die unendli⸗ chen Hinderniſſe, bis er ausgefuͤhrt wurde; Er gab mir — 355— Muth und Kraft wider alle meine Gefaͤhrten, die gegen mich aufſtanden und die Ruͤckkehr beſchloſſen hatten; endlich gab Er mir, was ich ſuchte. Er wird ſein Werk hinaus⸗ fuͤhren. Was fuͤrchte ich? Aber Schwachheft und Angſt ſchlagen meine Seele nieder!" Seite 340. Alonzo de Acunja, bei Munjoz: Al⸗ varo de A. Seite 342. Sacaben, kl. Stadt in Eſtremadura. Seite 342. Columbus mußte ſich vor dem Koͤnige be⸗ decken und niederſetzen. Er ließ ihn uͤberhaupt als Grande behandeln.(Munjoz.) Seite 343. Tractat von 1479, ſ. S. 373, Seite 344. Paͤpſtliche Bulle. Der Papſt ſchenkte den Portugieſen zu verſchiedenen Zeiten, im Jahr 1443, 1452, 1454 und 1455 die Laͤnder der Saracenen und Hei⸗ den in Afrika, um ſie fuͤr die vielen Koſten und Aufopfe⸗ rungen bei den Entdeckungen zu entſchädigen, doch mit Vor⸗ behalt der Rechte Spaniens in Nordafrika., Ein Mehreres bei Sprengel Anm, zu Munjoz S. 206. Seite 350 die Note. Auf die Landkarten zeichnete man damals Thiere, Menſchen, Pflanzen ꝛc., an den Stellen, wo von ihnen die Rede war. Der Contraſt dieſer großen Ab⸗ bildungen auf den kleinen Flaͤchen und die abenteuerlichen, monſtroſen Geſtalten gaben jenen Karten(die unter andern in Theodor de Bry's Amerika, mehrere Baͤnde in Folio, Oppenheim 1610 ec, verewigt ſind), ein wunderliches Aus⸗ fehen. Seite 352. Bajonne les Bayona(in Galizien). 23* 20 — 356— Seite 261. Der Empfang lautet bei Munjoz alſo: „Bei ſeinem Eintritt erhob ſich das huldreiche koͤnigliche Paar, reichte ihm die Haͤnde zum Kuß, ohne die Knieebeu⸗ gung zuzugeben, und befahl ihm, ſitzend zu reden: die groͤßte Ehre, die den Grandes nur ſelten aus außerordent⸗ licher Gnade und Dankbarkeit widerfuhr.⸗ Seite 261. Die mitgebrachten Gegenſtaͤnde finden wir bei Munjoz mehr detaillirt: Erdarten zur Ma⸗ lerei dienlich, Bernſtein, Erſtſtufen, Baumwolle, allerlei Saamenarten, Zweige und Wurzeln von aromatiſchen und mediziniſchen Pflanzen, Aloe, Maſtix, Rhabarber(vgl. oben) Purpur(d. h. Raucau od. Orleans), Agi⸗Pfeffer von verſchiedenen Geſtalten ꝛee. Mais, Yuka, Batatas (convolvolus batatas Lin., mit eßbarer Wurzel) und viele andere unbekannte Fruͤchte ꝛe.“ Zu den nahrhaften Wur⸗ zeln gehoͤrt auch der Yam(discorea alata und sativa). Unter den balſamtragenden Gewaͤchſen war wohl auch der Copaiva(copaifera officinalis), der in Braſilien ſchwar⸗ zer lbaum(oleo breto) genannt wird und wohlriechendes Harz in Menge ausſtroͤmt. Seite 367. Wappen. Bei Munjoz(4. Buch,§. 23) heißt es ſo: Acht Tage vor Ertheilung einer erweiter⸗ ten Beſtallung(28. Mai) war er mit ſeinen Erben auf alle kuͤnftige Zeiten begnadigt worden, in ſeinem Wappen⸗ ſchilde das Wappen von Caſtilien und Leon in den beiden oberen Quartieren und in den beiden unteren zur Rechten vergoldete Inſeln in Meereswogen und zur Linken ſein eignes Wappen zu fuͤhren. Dazu kamen hernach fuͤnf Anker, als Zeichen der Admiralswuͤrde und die Umſchrift: A Castilla y ä Leon Nuevo Mundo diò Colon.“ Seite 378. Juan de Soria war Contador oder Rechnungsführer.— Hallamt, oder Zollhaus. Seite 380. Zwei Drittheile des Kirchenzehn⸗ tenz dieß iſt ein Irrthum; es war nur ein Drittheil. Sprengel merkt dazu an: Der paͤpſtliche Hof ertheilte ſchon 1274 den Koͤnigen von Caſtilien die Freiheit, zur nachdruͤcklichen Fuͤhrung des Krieges mit den Arabern in Spanien ein Drittheil aller geiſtlichen Zehnten zu heben. Dieſe Revenue nennt man in der ſpaniſchen Finanzſprache Tercias Reales; ſie iſt mit gewiſſen Abaͤnderungen ſpaͤter in Amerika eingeführt worden, wird auch noch in Spanien fuͤr Rechnung des Koͤnigs gehoben. Seite 382.(Ausgebliebene Stelle Irving's vor dem erſten Abſatz).„Um dem Himmel die Erſtlinge aus dieſen Heidenvoͤlkern darzubringen, wurden die ſechs Indianer, welche Columbus mit nach Barcelona gebracht hatte, mit großem Pomp und Feierlichkeiten getauft, indem der Koͤnig, die Koͤnigin und der Infant Juan die Pathen waren. Man naͤhrte ſehr die Hoffnung, daß ſie bei der Ruͤckkehr in ihr Vaterland die Einführung des Chriſtenthums unter ihren Landsleuten erlelchtern wuͤrden. Einer von ihnen blieb auf Verlangen des Infanten bei deſſen Hofſtaate, ſtarb aber nicht lange nachher: ein ſpaniſcher Geſchichtſchreiber 8) macht die Bemerkung, daß er nach unſerem Glauben der *) Herrera hist. Ind. decad. 1, 1. II, cap. 5. — 358— erſt⸗ ſeines Volkes geweſen, der in den Himmel gekommen.“ Seite 392. Zuckerrohr; alſo nicht dort heimiſch. Seite 397. Escuderos de d pie, fuͤrſtliche Bediente zum Verſchicken, wir wuͤrden Hoffouriere oder Or⸗ donnanzen ſagen. Zweiter Ban d. Seite 13. Mari⸗galante, die huldvolle Maria, oder von der Geſtalt der Inſel, die freundliche, wie Redonda die runde, Selte 13. Der gewuͤrzhafte Lorbeer, es war der Piment. Seite 14. Hausgeräth.„Einen hoͤheren Grad von Kunſt ſah man in den Häuſern und ihren bedeckten Gaͤn⸗ gen, in einer Art von Weberſtuͤhlen, worauf ſie Tep⸗ piche verfertigten, und in zwei hoͤlzernen Bildſaͤulen, am Fuße mit Schlangen umwunden.“(Munjoz.) Seite 15, Ananas, engliſch Pin- apple(von der Form des Tannenzapfens). Die Gattung Ananas(Bro- melia) unterſcheidet ſich von allen anderen Liliaceen durch ihre fleiſchige, ſuͤß oder bei manchen Arten auch etwas ſaͤuer⸗ lich ſchmeckende Frucht, in welcher zugleich ein ſchwach ad⸗ ſtringirendes, gewuͤrzhaftes Prinzip iſt.(Schubert.) S ite 17. Vergiftete Pfeile; ſie waren unter den Caraiben allgemein im Gebrauch. Das Gift war der Saft des Manſchinellenbaums, in welchen ſie die Pfeilſpitzen — 359— tauchten, worauf ſie ſelbige in die Blaͤtter des Cachibo oder Palmbaums bis zum Gebrauch einwickelten. Um den Pfeil⸗ ſpitzen das Giſt wieder zu nehmen, warfen ſie ſie in heiße Aſche und rieben ſie ab. Die Pfeile, welche ſie zur Jagd brauchten, hatten keine Widerhaken, und diejenigen Pfeile, womit ſie bloß kleine Voͤgel ſchießen wollten, umwickelten ſie an den Enden der Spitzen mit Baumwolle, um das zu tiefe Eindringen zu verhindern und die Federn vor dem Blute zu ſichern. Zum Fiſchſchießen brauchten ſie Pfeile mit langem Federbart. Die Pfeile waren von Rohr und die gehaͤrteten Spitzen aus dem ſogenannten Gruͤnholz. Aus⸗ fuͤhrlicher Aſſal, S. 122 und 123, auch 130. Seite 18, 19, 20, 30. Spuren von Menſchen⸗ freſſern.— Die Caraiben ſind in der Geſchichte als Can⸗ nibalen, als Menſchenfreſſer gebrandmarkt, und waren es vielleicht minder, als, wie behauptet wird, faſt alle rohen Voͤl⸗ ker. Einen hoͤchſt intereſſanten Aufſatz uͤber dieſen Gegen⸗ ſtand hat Langsdorff in ſeiner Reiſe um die Welt bei Gelegenheit der Inſel Nukahiwa(von den Waſhington⸗ oder neuen Markeſas⸗Inſeln) eingewebt, von welchem ich hier, mit Beziehung auf die benutzten Quellen,*) einen Auszug mittheile. Der Vf. beginnt mit der Bemerkung, daß kein Geſchoͤpf auf Erden gegen ſein eignes Geſchlecht ſo ſehr *) De anihropophagia et diversis ejus cgusis, vom Prof. Meiners in Göttingen(Gött. gel. Anz. 153. St. v. 26. Sept. 1785) und ein Mſpt. von J. de Loureiro, Vf. der flora Cochinchinensis, benutzt bei einem Aufenthalt in Liſſabon 1797— 1802. 360 wuͤthe, wie der Menſch. Beruͤhmte Maͤnner zweifelten ohne Grund an der Wirklichkeit von Menſchenfreſſern, da es doch unwiderſprechlich ſey, daß ſich faſt alle Voͤlker der Erde in ihrem roheſten Zuſtande dieſes Laſters ſchuldig ge⸗ macht haͤtten. Wir ſeyen von ſolchen Voͤlkern unterrichtet, daß weiße Menſchen wohlſchmeckender ſeyen als Neger, und Englaͤnder beſſer ſchmeckten als Franzoſen.*) Ferner ſoll das Fleiſch von jungen Maͤdchen und Weibern, beſonders aber von neugebornen Kindern bei weitem das Fleiſch der ſchoͤnſten Junglinge und Maͤnner an Wohlſchmack uͤbertref⸗ fen, und endlich das Innere der Hand und der Fußſohlen allen uͤbrigen Theilen vorzuziehen ſeyn. Die Beweggruͤnde zu dieſer unnatuͤrlichen Begierde nennt er folgende: 1) Die äußerſte Noth. Es werden Beiſpiele angefuͤhrt, wo Menſchen in Oſtindien bei einer Hungersnoth zuerſt Leich⸗ name aßen, und ſpaͤter aus Luͤſternheit Lebende anfielen. Hierzu wird aus Herodot das bekannte Ereigniß erzaͤhlt, wo Cambyſes gen Aethiopien zog und am Ende in den Sandwuͤſten ſein Heer durch Verzehren des zehnten Man⸗ nes erhalten mußte. In Nukahiwa ſchlagen bei einer Hun⸗ gersnoth viele Maͤnner ihre Weiber und Kinder todt, um ſich mit ihrem Fleiſch das Leben zu friſten. Die Noth weckte hier und bei anderen Voͤlkern 2) die Luͤſternheit und *) Eine auffallende Unterſcheidung ſoll auch der Hayfiſch zwi⸗ ſchen den Nationen machen, und 3. B. von einem Eng⸗ länder, Franzoſen und Spanier nur den erſteren ergrei⸗ fen, vor dieſem aber noch den Neger, Pferde und Hunde dagegen den Menſchen vorziehen,(Aſfal S. 150 f.) — 361— Leckerhaftigkeit. Die Mexicaner toͤdteten und aßen Menſchen ohne Noth, unter dem Vorwand ihren Goͤtzen zu froͤhnen, die Tabugas in Braſilien und andere ſuͤdamerika⸗ niſche Nationen maͤſteten ihre Gefangene fuͤr den Gaumen⸗ kitzel Moncte lang; ja die Jaygas, Anzigos, rohe Voͤlker Afrikas, toͤdten und eſſen ihre Landsleute und verkaufen das Fleiſch auf den Maͤrkten. Aus Aſien erzaͤhlt Plinius (lib. 7, c. 2.), daß der groͤßte Theil der ſcythiſchen oder tartariſchen Voͤlker Menſchenfreſſer ſeyen, und die neueſten Reiſebeſchreiber beweiſen uns, daß beinahe alle Bewohner der Suͤdſee⸗Inſeln ꝛc. das Menſchenfleiſch mit großem Ver⸗ gnuͤgen verzehren. Nach Plinius waren von den italieni⸗ ſchen Voͤlkern die Leſtrigonen in alter Zeit Menſchenfreſſer. Daſſelbe verſichert Strabo(lib. 4, p. 192) von den alten Bewohnern Irlands, und Coͤlius Rhodriginus(lect. antiq. lib, 28, c. 2.) von den Schottlaͤndern. Ja es iſt hoͤchſt wahrſcheinlich, daß alle unſere Vorfahren in jenen alten ro⸗ heſten Zeiten Menſchenfreſſer waren(2) 3) Unmenſch⸗ lichkeit aus Pietät. Die Maſſageten, jenſeits des caspiſchen Meeres, und die Eſſedonier, ein ſeythiſches Volk in der Nachbarſchaft des maͤotiſchen Sees, hatten, nach He⸗ rodot und Pomponius Mela, die Gewohnheit, ihre alten hinfaͤlligen Verwandten unter Luſtbarkeiten, mit Thierfleiſch vermiſcht, in ihren Eingeweiden zu begraben.(Andeutung in der deutſchen Redensart freßlieb. ꝛc.) 4) Haß, Rache und Verachtung. Beiſpiele aus Cochinchina, von Soldaten, Rebellen, wo der Feind getoͤdtet und gegeſ⸗ ſen, oder ihm die Leber ausgeriſſen und verzehrt wurde — 362— (daher die Redensart des Haſſes bei ihnen: ich wünſche die Leher oder das Fleiſch dieſer Perſon zu eſſen). Bei ande⸗ ren Nationen aͤußert ſich die Rachſucht durch den Wunſch, das Blut des Feindes zu trinken(der Ausdruck blut⸗ duͤrſtig). In der franzoͤſiſchen Revolution erſchien der Menſch wieder in der fruͤheren beſtialiſchen Rohheit, und es zeigten ſich aͤhnliche Spuren von unnatuͤrlichen Geluͤſten aus Rachſucht und Haß.— Ein verwilderter Franzoſe auf der Inſel Nukahiwa war allem Anſchein nach auch dieſer Lieb⸗ haberei ergeben. Die Prieſter dort laſſen aus bloßem Ge⸗ luͤſten Leute uͤberfallen, um ſie zu verzehren, wobei ſie goͤtt⸗ liche Traͤume vorſchuͤtzen. Bei Erkrankung der Prieſter werden Menſchenopfer fuͤr die Wiedergeneſung verzehrt. Dem Helden, der einen Feind getöodtet hat, wird der Kopf zu Theil, er ſchneldet ihn ſogleich ab, und trinkt das Blut und Gehirn aus. Dieſe Schaͤdel werden als Trophaͤen be⸗ wahrt.“— Wir finden von dieſen ſchaudererregenden Er⸗ zaͤhlungen bei Langsdorff einen paſſenden Uebergang zu un⸗ ſerer Geſchichte„ indem auch die Leute des Columbus friſch abgeſchnittene Koͤpfe von Menſchen fanden, und ihre Glieder am Feuer erblickten. Munjoz erzaͤhlt dieß ſo:„Nichts war auffallender, als unter den Lebensmitteln Koͤpfe und Glied⸗ maßen friſchgetoͤdteter Menſchen zu ſehen, deren Fleiſch ſie mit dem Fleiſche der Thiere zuſammenkochten, viele von ih⸗ ren Knochen, rein abgenagt, aufbewahrten und ihre Schaͤ⸗ del zu Gefaͤßen brauchten.“ Aſſal(oder Scheldon)— bei weſchem es wie eine Antwort auf die ſoeben ausgezogenen Berichte lautet:„wollte man allen Maͤhrchen glauben ſo — 363— waͤren alle Nationen der Welt Menſchenfreſſer geweſen“— geſteht doch ein, es moͤchte wohl nicht gelaͤugnet werden konnen, daß die Caraiben nicht manchmal Stuͤcke von ihren erſchlagenen Feinden verzehrten,*) wie die Mohigan, Var⸗ rangenſet und andere nordamerikaniſche Indianerſtaͤmme, doch haͤtten ſie keinen Triumph mit dem rohen Skalpiren ihrer Feinde getrieben, wie dieſe. Die Spanier, faͤhrt Aſſal fort, konnten nie die Thatſache des Cannibalismus aus eigner Erfahrung beweiſen. Wenn Columbus Schaͤdel und Knochen fand, mußten ſie nicht grade von aufgefreſſe⸗ nen Menſchen herruͤhren; wahrſcheinlich gehoͤrten ſie den Vorfahren oder Verwandten der Caraiben zu, welche ſie ſorgfaͤltig in dem Boden ihrer Huͤtten beiſetzten. Der ge⸗ roͤſtete oder im Rauch getrocknete Mannsarm war ein ge⸗ woͤhnliches Siegeszeichen und blieb es noch 200 Jahre nach⸗ her. Im Kampfe waren ſie ſchrecklich, ſobald dieſer aber vorbei war, behandelten ſie ihre Gefangenen menſchlich.“— Es iſt alſo um ſo mehr zu beklagen, daß die Haͤrte und Grauſamkeit der Spanier und an derer Nationen dieſes Ge⸗ ſchlecht, ſo wie die ſanften guͤtigen Indianer der benach⸗ barten Inſeln, ſo ſchnoͤde dem Untergang entgegenfuͤhrte, und ſie ihr Andenken zu beflecken ſuchten, waͤhrend ſie ſelbſt ſo ſchuldig waren, und unnatuͤrlich ſchlachteten, indeß jene nur *) Nach eugliſchen und franzöſiſchen Schriſtſtellern ſollen ſie (wie Scheldon mit einigem Glauben erzählt) ſogar große Lüſtlinge im Menſchenfraß geweſen ſeyn und unter den Europäern den Engländern, als dem leckerſten Fleiſche, den Vorzug gegeben haben, — 364— natuͤrlicher Rohheit folgten. Zu jetziger Zeit belaͤuft ſich nach Aſſal die Anzahl der Caraihen auf Dominica kaum noch auf dreißig Familfen.— Daß uͤbrigens alle Voͤlker⸗ ſchaften der neuen Welt wahrſcheinlich fruͤher Menſchenfreſ⸗ ſer geweſen, finden wir bei Robertſon durch glaubwuͤrdige Autoritaͤten beſtaͤtigt.„ Selbſt in jenen Gegenden," ſagt er im 4. Buch der Geſch. v. Amerika,„wo Umſtaͤnde, die wir nicht kennen, dieſen Gebrauch großentheils vernichtet haben, ſcheint er vormals wohlbekannt geweſen zu ſeyn, wie wir es noch in den Sprachen aufbewahrt finden. Die Irokeſen ſagen beim Aufruf zum Krieg: laßt uns gehn und unſere Feinde freſſen ꝛc. Selbſt die civiliſirten Mext⸗ caner und Peruaner zeigten dieſe Liebhaberei. Aber die wildeſten Staͤmme fraßen nur ihre Feinde.,— Die un⸗ gluͤcklichen Knaben, welche man fand,(Irving Seite 20, Munjoz IV. Buch§. 34) ſcheinen doch gegen die Annahme Robertſon's zu ſprechen, daß die Caralben die Leidenſchaft nicht auf dieſe Weiſe in Leckeref ausarten ließen. Seite 26. Ende des Kampfes, bei Munjoz:„End⸗ lich mit Gewalt ergriffen und aufs Hauptſchiff gebracht, ſchienen ſie gefeſſelte wilde Thiere zu ſeyn. Das Angeſicht gräßlich und rings um die Augen mit Ruß geſchwaäͤrzt; das Haar kreuzweis geſchnitten, ungleich und verworren. Die Weiber ſowohl als die Maͤnner glaubten ſich des Na⸗ mens Caribe, der tapfer und kuͤhn bedeutet, wuͤrdig.,— Bei Robertſon Note 52 finden ſich intereſſante Belege zu der Behauptung von der thieriſchen Beſchraͤnktheit und Un⸗ empfindlichkeit dieſer wilden Weſen,„worin ſie noch unter — 365— den Negern ſtanden. Die ſtieren Augen ſind der wahre Spiegel der Seelen, welche ohne Funktionen zu ſeyn ſchei⸗ nen.“ Dieſem widerſpricht einigermaßen S. 31 und der im Verlauf geſchilderte Cazike Caonabo. Seite 28. Dieſe Inſeln ſind die noch jetzt ſo benann⸗ ten virginiſchen, oͤſtlich von Portorico. Seite 29 und 31. Kriegskeule. Sie diente den Caraiben zum perſönlichen Zweikampf, war zwei Zoll dick, oben etwas ſtaͤrker, unten ſchwaͤcher, von hartem Holz mit ſcharfen Kanten und die Seiten mit gefaͤrbten Skulpturar⸗ beiten. Schon die Kinder übten ſich mit kleineren Keulen, ſowie Bogen und Pfeilen. Aſſal S. 124. Seite 33. Die Urgeſchichte Amerika's, oder die Art, wie die neue Welt nach und nach bevoͤlkert wurde,*) iſt eine der intereſſanteſten und noch ſehr in Dunkel gehuͤll⸗ ten Fragen der Geſchichte. Daß die Bewohner dieſes Welt⸗ theils von Urbeginn dieſem Boden entſproſſen ſind, ſammt den vierfuͤßigen Thieren, iſt nicht anzunehmen, da nicht nur die aͤlteſte Urkunde des Menſchengeſchlechts, und die Tradi⸗ tionen der Voͤlker, der Amerikaner ſelbſt,**) auf Einwande⸗ rungen nach einer alles uͤberſchwemmenden Fluth hinweiſen, *) Ein reichhaltiges Verzeichniß der älteren Literatur, mit näherer Angabe der Conjekturen, fndet ſich in dem Juni⸗ heft 1828 des intereſſanten Journals: Columbus oder amerikaniſche Miseellen, von Dr. Röding. ¼) In Nordamerika bewahrt der Stamm der Schawaneſen die Sage, daß ihre Vorfahren vor grauen Zeiten über das Meer kamen, und ſie feierten bis vor kurzem ein Jahres⸗ ſondern auch die Natur⸗ und Alterthumsforſcher gerade in Beziehung auf Amerika auf daſſelbe Reſultat gekommen ſind, indem die eigenthuͤmlich aſiatiſchen und gemiſchten Ra⸗ cen der Bewohner, die Sitten und Gewohnheiten, endlich die aufgefundenen Alterthuͤmer, und „ was die minder zahl⸗ reichen Saͤugethiere betri t, die Degeneration ihrer in Aſien vorhandenen Arten,*) die Haupt⸗Einwanderung von dort⸗ her mehr als wahrſcheinlich machen.„Die Eskimo's,“ ſagt Robertſon(Geſch. v. Amerika 4. Buch)„ſind das ein⸗ zige Volk von Amerika, welches den noͤrdlichen Europaͤern gleicht, und ſie weichen von allen Nationen deſ amerikani⸗ ſchen Feſtlandes in der Sprache, dem Anſehen und den Sit⸗ ten ab. Unter allen anderen Bewohnern Amerlka's iſt aber eine ſo auffallende Aehnlichkeit in der Geſtalt und in den geiſtigen Eigenſchaften, daß wir ſie, ungeachtet der Ab⸗ feſt zur Erinnerung daran. Aſſal S. 87. im Verlauf eine Sage von einer die Haytier ſich in den Mittelpunk die alten Griechen. Aſſal, nachdem er der ähnlichen Hunde gedacht, bemerkt: „ Das wilde Schaaf Louiſtanas und Califormiens iſt das tartariſche Thier gleiches Namens, das Taye⸗Taye des nordweſtlichen Amerika's iſt ein Thier gleicher Gattung das Argali des nordöſtlichen Aſtens. Die Bergziege iſt ihr Ovis Ammon, Der Prairie⸗Wolf und der Schakal haben große Aehnlichkeit mit einander und die Antilopen ſind beiden Welttheilen gemein. Wenn alle Thiere Nord⸗ gſien's und Amerika's naturhiſtoriſch unterſucht ſind, wird man finden, daß viele mit einander übereinſtimmen und von demſelben Geſchlechte ſind,“ Irving erzählt großen Fluth, wo aber t der Dinge ſetzen, wie ** ½ ———O⏑̈⏑’— — 367— weichungen, welche das Clima oder ungleiche Fortſchritte in der Cultur hervorgebracht haben, von einerlei Abſtammung herleiten muͤſſen. Sie haben in allen ihren Eigenthumlich⸗ keiten einige Aehnlichkeit mit den rohen Staͤmmen des nord⸗ oͤſtlichen Aſiens, aber durchaus keine mit den nordeuropaͤi⸗ ſchen Nationen. Wir duͤrfen ſie daher aus Aſien herleiten und den Schluß ziehen, daß ihre Voraͤltern ſich anfaͤnglich an der nordweſtlichen(ruſſiſchen) Kuͤſte niederließen und allmaͤhlig ſich uͤber das ganze Feſtland verbreiteten. Dieſe Bevoͤlkerungeart ſtimmt mit den Traditionen der Merxika⸗ ner überein, die, ſo unvollkommen ſie auch ſind, groͤßeren Glauben als die Sagen aller anderen amerikaniſchen Voͤlker⸗ ſchaften verdienen. Nach dieſen Traditionen kamen ihre Vorfahren aus einem weitentfernten Lande, nordweſtlich von Mexico, und gewiß verbreiteten ſie ſich grade in der uͤber⸗ lieferten Art in's Innere von Amerika. Die Beſchreibun⸗ gen von dieſen Voraͤltern paſſen ganz auf die rohen Tarta⸗ ren, die wir vermuthen duͤrfen.— Aſſal geht in ſeinen Nachrichten uͤber die Ureinwohner von Nordamerika weiter. Er liefert Beſchreibungen von ſehr wichtigen Alterthuͤmern, die nach ſeiner Anſicht einem unbekannten, hoͤher als die In⸗ dianer gebildeten Volke angehoͤrten und aus merkwuͤrdig ge⸗ ſtalteten Wohn⸗ und Begraͤbnißplaͤtzen, Beluſtigungsoͤrtern, Renn⸗ und Spfelbahnen, Tempeln, Lagern, Waffenplaͤtzen, Veſten, Staͤdten oder Doͤrfern ꝛc. beſtehen. Die miiſten dieſer Werke ſind an den Ufern bedeutender und fiſchreicher Stroͤme vom Ohio bis zum Miſſiſſippi errichtet, faſt nie auf ſchlechtem Boden, ſondern ſtets auf dem fruchtbarſten, — 368— vor Ueberſchwemmung ſicherem Grunde, dabet trifft man glaſirtes Erdengeſchirr von Sand, auch von Hornſtein und Thon gebrannt, auch ein ſteinartiges zum Theil polirtes Gemenge von Thon und Gips, ſodann Gerippe von kleinen menſchlichen Koͤrpern, ſelten uͤber fuͤnf Fuß hoch, der Bau ſtark unterſetzt, das Geſicht kurz und breit, waͤhrend die indlaniſche Race von ſchlankem, mehr hagerem, ſteifaufge⸗ richteten Koͤrperbau iſt. Und indem ſich die indianiſchen Alterthuͤmer m tief unter der Erdoberflaͤche finden, werden die Ueberreſte dieſes Volkes immer mehrere Fuß tief im Grunde und zwar hauptſaͤchlich im aufgeſchwemmten Flußbo⸗ den angetroffen. Es war ein Volk ohne Schrift, doch trieb es wohl Ackerbau und Viehzucht. Kupfer, oxydirtes Eiſen, auch etwas Silber und Gold, findet man an Waffenſtuͤcken und Zierrathen. Sie hatten geometriſche und aſtronomiſche Kenntniſſe und mußten auch mit dem Gebrauch der Mag⸗ netnadel bekannt ſeyn. Einige verbrannten ihre Todten, und die Reſte ihrer Gottesverehrung laſſen auf den Dienſt der Sonne, des Mondes, ja auf die Trinitaͤtslehre ſchließen. Dieſes und die Art der Anbauung an den heiligen Stroͤmen ſtimmt mit den Hindu, dagegen manche Gebraͤuche der neue⸗ ren Indianer, als die Art des Tabakrauchens, das beſon⸗ dere Haarſcheeren, ſowie die Koͤrperbildung mehr mit den Chineſen uͤberein, und hierauf geht auch die beſtimmte An⸗ ſicht des Verfaſſers.— Daß Pyoͤnicier oder Chartaginien⸗ ſer ſchon den Seeweg nach Weſtindien gefunden oder viel⸗ mehr dahin verſchlagen worden, ſoll aus entdeckten alten Denkmaͤlern hervorgehen. Auch die Guanchen, die Urbe⸗ „ — 369— wohner der canariſchen Inſeln, koͤnnten nordafrikaniſchen urſprungs geweſen ſeyn, Kauffartheifahrer oder Anſiedler, die in dieſem Paradieſe verwilderten und deren Nachkom⸗ men von der uͤbrigen Welt nichts wußten. Im Gegenſatz mit ihnen ſtehen die Caraiben, die Nomaden der Gewaͤſſer, deren Spuren vom Innern Nordamerika's uͤber Florida und ihre Inſelkette bis ſüdlich nach Braſilien reichen, ein muthi⸗ ges, erfahrnes Geſchlecht, welches die ganze rohe Mannheit des neuen Erdtheils repraͤſentirte, waͤhrend die anderen In⸗ dianer ſanft und duldend wie die Hindus gefunden wurden. Wohl trafen die Spanier in den Caraiben das raͤthſel⸗ hafteſte, aber auch das wichtigſte Volk fuͤr ihre Entdeckun⸗ gen, und gewiß waren damals unter dieſen kecken See⸗ raͤubern mehr ſolche großartige Raturen wie Caonabo, und weniger viehiſche, wie ſpaͤterhin nach Chanvalon, de la Borde, Tertre, Rochefort und Anderen. Seite 56. Mit den Wellen zu kaͤmpfen, ſchien dieſen Inſulanern eine wahre Luſt. Aſſal erzaͤhlt davon ein merkwuͤrdiges Beiſpiel. Auf der Windſeite einiger Inſeln der Caraiben hat die See außerordentliche Brandungen, hauptſaͤchlich da, wo die Kuͤſte hoch iſt. Sieben ungeheure Wellen erheben und brechen ſich hinter einander am Ufer mit fuͤrchterlicher Gewalt. Nach wenigen Augenblicken der Ruhe erheben ſich ſieben andere. Die drei letztern Wogen ſind immer die groͤßten und heftigſten. Ueber dieſe Wogen hinweg glitt kuͤhn und ſorglos das Boot der Caraiben zum Ufer, wo es auf's Trockne gezogen und an Steine befeſtigt ward. Wollten ſie ſich wieder einſchiffen, ſo ward alles Irving's Columbus. 10— 12 24 — 370— Gepaͤck und die Weiber und Kinder ia die Mitte des Boo⸗ tes auf den Boden geſetzt, die Maͤnner ordneten ſich den Seiten des Bootes entlang, und jeder ſtemmte ſich an den Platz, wo ſein Ruder lag, um es mit der Schnelligkeit zu ergreifen, welche hiezu erforderlich war. Sobald die großen Wellen am ufer gebrochen waren, gab der Steuermann, den kritiſchen Augenblick beachtend, das Zeichen; das Schiff ſtieß vom Lande, die Maͤnner ſprangen hinein, jeder an ſeinen Platz, der Steuermann zuletzt. Nun ruderten ſie mit allen Kraͤften, um der ſteigenden Woge vorzukommen und ihre Hoͤhe mit dem ganzen Boote in ſchraͤger Richtung zu erhalten, um nicht von ihr wieder auf's Land zuruͤckge⸗ ſchlagen zu werden, welches durch einen Augenblick der Ver⸗ ſpaͤtung geſchehen konnte, das Boot erſchien klebend am Waſſerberg wie ein Polype an ſeinem Felſen, jeden Augen⸗ blick drohend umzuſtuͤrzen zum Schrecken der Zuſchauer. Angekommen auf dem Haupte der Welle ſchwellten hoch in die Luft die Enden des Bootes, es wiegte ſich in ſeinem Mittel einen Augenblick auf dem Ruͤcken der Welle und glitt auf der anderen Seite in gleich ſchraͤg erhaltener Rich⸗ tung die Woge hinab. Jede neue Welle erforderte dieſe Arbeit, und nichts als der groͤßte Muth, Anſtrengung und Geſchicklichkeit war vermoͤgend, ſich in und durch dieſe Ge⸗ fahr zu leiten. 3 Seite 60. La Plantal. La Plata. Seite 62. Krankheiten; Wechſelfieber, Ceciones. Seite 77. Der Markſcheider Fermin Cado, oder Zedo, mochte nicht ſo voͤllig unrecht haben, wie es Irving — 371— darſtellt. Denn man hatte auf den Inſeln eine geringere, mit Silber zuſammen geſchmolzene Art Gold, Guanin genannt, ohne Zweifel vom Feſtlande. S. unken S. 172. Seite 79: Boye oder Wahrtonne, ſſt eine alte verpichte Tonne, welche auf dem Waſſer ſchwimmt, um den Anker zu bezeichnen. Man legt auch ſolche Wahrtonnen an gefaͤhrlichen Hafen⸗ und Uferſtellen aus. Seite 82. Cavallerie. Es waren nicht mehr als 20 Reiter beim Heere, die verſchiedentlich einzeln genannten Lanzenritter von Granada: Ojeda, Maldonado, Margarit, Carvajal, Torres, Aguado, Luxan ꝛc. Seite 91. Schoͤpften und wuſchen den Sand. Dieſes geſchieht noch heutiges Tags mittelſt Calebaſſen oder Schuͤſſeln in Peru und Braſilien. Seite 96. Gott. Er hatte zwei Namen: Jocauna und Guamaonocon. Seiner Mutter gab man deren fuͤnf: Attab ira, Mamona, Guacarapita, Jiella, Guimazoa. P. Martyr, dec. 1, lib. 9. Seite 99. Dieſes Feſt hat Aehnlichkeit mit dem grü⸗ nen Mais⸗Tanz der Nordamerikaner, ein Dankfeſt fuͤr die Erſtlinge der Erde. Von keinem Volk(ſagt Aſſal S. 94) ward die Guͤte der Gottheit mit mehr und innigerer Dank⸗ barkeit anerkannt und geprieſen, und kein Volk ergab ſich Gott mit ſo unbegraͤnztem Vertrauen und ſtrengem Halt wie die Indianer. Seite 101. Das Weib als Schlange,(wem faͤllt nicht Raphaels eben ſo geſtaltete Paradieſes⸗Schlange ein);, doch dieſe ungalante Verwechslung iſt weder von den In⸗ 24* — 372— dianern, noch von P. Martyr, noch von Irving begangen worden, denn es heißt nur, ſie ſeyen wie die Ameiſen auf den Baͤumen gelaufen und ſo glatt wie Aale geweſen.*) Seite 101. Die Menſchen, aus einer Hoͤhle her⸗ vorgegangen. Dieſe Hoͤhle wurde vor ihrem Austritt von einem Mann, Namens Machochael, jede Nachts bewacht; dieſer ging einſt, um ſich umzuſehen, weiter; die aufgehende Sonne uͤberraſchte ihn und verwandelte ihn in einen Stein. Ein anderer, der eben ſo Nachts zum Fiſchen ging, wurde in einen der Balſambaͤume am uUfer(Myrobalanus) verwan⸗ delt.— Der Cazike Vagoniona, uͤber den Verluſt des in eine Nachtigall verwandelten Freundes troſtlos, ging mit den Wei⸗ bern, die ihre Kinder ſaͤugten, heraus, und ließ ſie auf der Inſel Matinino ſitzen; die Kinder aber nahm er mit fort und legte ſie an's Ufer eines Fluſſes, wo ſie aus Durſt Toa, Toa(d. h. Mama, Mama) ſchrieen; ſo ſchreiend wur⸗ den ſie in Froͤſche verwandelt. Vagoniona aber kam bei ſeinem Umherſchweifen an's Meer, und klagte, daß er nicht ſelbſt verwandelt werde; da tauchte aus der Tiefe ein ſchö⸗ 3) Die Stelle lautet bei Peter Martyr ſo: Viros autem Mos, quos sine foeminis in antris relictos dixi- mus, lotum se ad pluviarum aquarum recepti- cula noctu referunt exiisse: atque una noc- tium, animalia quaedem foeminas aemulantia, ve- luti formicarum agmine, reptare per arbores my- robalanos a longo vidisse. Ad foeminea illa ani- malia procurrunt, capiunt: veluti anguillae de manibus eorum labuntur. Von den Eingefaugenen heißt es dann: carere foeminea natura comperiunt; Post consultationem— picus auis adducitur et foe- minis sexum aperit. — — nes Weib, welches ihn mit hinabnahm und ihm die mar⸗ mornen Steine, Cibas genannt, und helle Goldſtuͤck’ oder Guanin gab, die noch bis auf dieſen Tag als heilig verehrt werden. Nan erſt ſeyen die Maͤnner Nachts aus der Hoͤhle gegangen, haͤtten beim Baden die Weibchen auf den Bal⸗ ſambaͤumen geſehen und ſich durch warzige Maͤnner(scabio- sos leprososque) ihrer bemaͤchtigt. P. Martyr, dec. 1, 1. 9. Seite 103. Die Geſchichte mit der Ueberſchwem⸗ mung geht ſo aus: die Bruͤder waͤren in der Angſt hin und hergeſtreift, haͤtten aber nirgends Ruhe gefunden. Da ſeyen ſie an die Thuͤre eines Baͤckers(pistor) gekommen, haͤtten geklopft und Brod begehrt. Der Mann waͤre im Zorn auf den erſten losgefahren und haͤtte ihn ſo heftig an⸗ geſpieen, daß dieſer einen großen Geſchwulſt bekommen, wo⸗ ran er faſt geſtorben waͤre; ſie haͤtten ihm aber das Ge⸗ waͤchs mit einem ſcharfen Stein aufgeſchnitten, und daraus ſey denn— der Schoͤpfung Meiſterſtuͤck, das Weib, hervor⸗ gegangen, welches nachmals die Inſel mit ihnen bevoͤlkert habe. Dieſe und aͤhnliche Maͤhrchen, wie die tollſten unſe⸗ rer Kindermaͤhrchen, zeichnete Roman Pane auf(Peter Martyr, dec. 1, lib. 9.)— Die uͤbrigen Sagen der Amerikaner von der großen Fluth faßt Schubert in ſeiner allg. Naturgeſchichte S. 334 ſo zuſammen:„Selbſt bei einigen Voͤlkern der anderen Halbkugel wird auf ziem⸗ lich kenntliche Weiſe alles das wieder gefunden, was die h. Schrift von der allgemeinen Fluth und von der Rettung des Stammvaters der neuen Weltenzeit erzaͤhlt, und es findet ſich der Noah der aͤlteſten urkunde als Corcox und Teoci⸗ — 374— paktli bei den Mexicanern, als Teppi bei den Michnocha⸗ neſen und als jener in der alten Darſtellung von der Taube und dem Raben begleitete Greis bei den Bewohnern von Cuba wieder. In mehreren dieſer Sagen zeigt ſich die Taube, ſtatt welcher zuweilen ein Colibri gefunden wird, mit dem Zweige im Schnabel, und zuweilen iſt ſie(durch Vermiſchung oder Verſchmelzung zweier verſchiedenen Mo⸗ mente der h. Urkunde zu einem) die Wiedergeberin der bei den Kindern des neuen Stammvaters verloren gegange⸗ nen Sprache.“ Seite 104. Sich unter die Lebenden miſchen, auch auf wunderliche Weiſe den Alp ſpielen: Mortuos putant noctu vagari, lectisque inter vivos versari ajunt ac decipere mulieres, sumpta virili forma etc,(P. Martyr, dec. 1, lib. 9.) Seite 127. Utia'e. Hier beſchreibt ſie Munjoz ſo: in der Geſtalt kleine Kaninchen, am Kopfe aber einer Maus aͤhnlich. Seite 142. Der hier beſchriebene Fiſch iſt der Schiffs⸗ ſauger, Schiffshalter, Saugefiſch(echeneis remora), der ſich oft in Geſellſchaft des Hay's befindet, und ſich an ihn und andere Seethiere, auch an Schiffe feſtſaugt; die India⸗ ner nannten ihn Guaycan, die Spanier Reverſo(Umge⸗ kehrt) weil er ſich mit ſeinem platten, gefurchten Kopf und Ruͤcken feſtſaugt, und ſo als Angel dient.— Sonſt fiſchten die Indianer theils mit Netzen, theils mit Pfeilen, die ſie durch Stuͤckchen Holz an einem nachgezogenen Faden ver⸗ folgten, theils durch die betaͤubende Lauge eines klein zer⸗ — — 375— ſtückelten Holzes(bois à enivrer), theils durch Nachſtel⸗ lung mit der Hand an ihren Schlupfwinkeln.(Aſſal S. 131.) Seite 148. Der Mangrove⸗Baum(Rhizophora) ind. Mangle⸗Baum, waͤchſt in großer Menge an den Kuͤſten der Weſtindier. Aus der Rinde des weißen Mangle⸗ baums bereiteten ſie eine Art Schnur oder ſtarkes Garn zu Webereien. Wenn der rothe Manglebaum voll Fruͤchte war, deuteten ſie dieß auf heftige Orkane.(Aſſal.) Seite 151. Der Alligator oder Kaiman, iſt das amerikaniſche Krokodill(crocodilus scelerops); es hat einen kurzen breiten ſtumpfen Ruͤſſel und eine vor den Au⸗ gen vorſpringende Hautfalte, die von einem Auge zum an⸗ dern geht, am Nacken vier Querreihen von Schuppen, und gleich dem Nilkrokodill unter der Zunge zwei große Druͤſen, welche eine nach Moſchus riechende Feuchtigkeit ausſondern. (Schubert.) Seite 151. Weinſtocke oder Traubenbaͤume(uvéres), eine von den europäiſchen ſehr verſchiedene Art.(Munjoz.) Seite 156. Aurea Cherſoneſus, wahrſcheinlich die Halbinſel Malacca; Taprobana, die Inſel Ceylon. Seite 172. Guanin, eine geringere Art Gold. Pe⸗ ter Martyr nennt ſie tabulas Navas ex aurichalco, gelb, aus einer meſſingar igen Subſtanz. Mehr Aufſchluß uͤber dieſe noch vorhandene und geſuchte Compoſition gibt Aſſal S. 124. Das Caracoli(das ſpaniſche Caracola heißt Seemuſchel, alſo wahrſcheinlich von der Form, oder tropiſch als Schmuck), ein nur von Maͤnnern getragener Zierrath, beſteht aus einem Metall, welches fuͤr ſich auch den gleichen — 376— Namin fuͤhrt. Es kam vom Feſtlande von Suͤdamerika heruͤber und wurde fuͤr ein einfaches Metall gehalten; doch immer nur brachten es Indianer, nie konnten es die Weißen finden, darum glaubte man, es ſey eine Zuſammenſetzung, welche die Indianer bereiteten.*) Noch nie konnte es von den geſchickteſten europaͤiſchen Metallgießern nachgeahint wer⸗ den; denn das Caracolt der Indianer enſcheint wie feines Silber, mit untermiſchten gelblichen Flammen, in feiner Politur ſpielend, welche unvergleichlich iſt, und weder durch langes Begrabenſeyn im Grunde, noch in der See im ge⸗ ringſten erblindet. Die bis jetzt naͤchſte Compoſition, welche in Europa nachgeahmt worden, beſteht aus 6 Theilen fei⸗ nem Silber, 3 Theilen feinem Kupfer und 1 Theil feinem Golde; ſie iſt jedoch in Politur und Eigenſchaften weit un⸗ ter dem caraibiſchen Caracolf. Die Zierrathen von dieſem Metall hatten die Geſtalt eines wachſenden Mondes; ſie hingen an kleinen Ketten, welche an den beiden Hoͤrnern des Mondes befeſtigt waren, und wovon das mittelſte Glied einen Haken oder Schleife hatte, woran es getragen wurde. Ein Caraibe in ſeinem vollen Ornat trug fuͤnf ſolche Ca⸗ *) Dieſes wird wohl das Richtige ſeyn. In dem Orien- tal herald, Auguſt 1828, Pag. 298 ff. finden ſich in⸗ tereſſante Notizen über Peru, wo der Schmelzhäu⸗ ſer gedacht wird, die zur königlichen Prarogative gehör⸗ ten, und wovon noch einige exiſtiren. In den Minen von Pecaxes ſind Ueberbleibſel von Bergwerken zu ſehen, welche beweiſen, daß die Peruaner ein regelmäßiges Sy⸗ ſtem des Bergbaues beſaßen, doch ſehr verſchwenderiſch mit den Minen umgingen, — 377— racolis, naͤmlich zwei in den Ohren, etwa 2%¼ Zoll lang, von der Dicke eines Groſchens, ſtatt der Kettchen hatten ſie oft nur Baumwollendraht; das dritte im Naſenknorpel, von gleicher Groͤße; das vierte in der unteren Lippe, es war ͤ groͤßer als die vorigen, und reichte bis zur Mitte des Halſes; das fuͤnfte auf der Bruſt, 5— 6 Zoll lang und in ein kleines duͤnnes Brettchen von ſchwarzem Holz eingelegt. Wenn ſie die Caracolis nicht trugen, ſteckten ſie Holzſplit⸗ ter in die Oeffnungen der Ohren, der Naſe und der Lippe, um ſie vor dem Schließen zu bewahren, wodurch ſie das Anſehen geringter und gejochter Schweine erhielten. Statt deſſen ſteckten ſie auch gruͤne Steine(Amulete) oder Vogel⸗ federn hinein.— Die weiter genannten kleinen bunten Steine oder Perlen, waren zum Theil harte farbige Bohnen. Seite 175. Seewoͤlfe. Ueber die Phoca⸗Arten, Seehund, Seekalb, Seeloͤwe, Seebaͤr, ſ. G. M⸗ Stellers ausführliche Beſchreibung von ſonderbaren Meerthieren Halle 1753. 8. Seite 178 und 179. Erkranken des Columbus. Er fiel, ſagt Munjoz, in eine tiefe Schlafſucht, des Gebrauchs ſeiner Sinne voͤllig beraubt. Seite 182. Hier traͤgt Frving, gleich wie Munjoz, den Erfolg der Bewerbung in England nach. Seite 184 und 192. Bartholomaͤus ward mit Bei⸗ legung des Titels Don ausdruͤcklich geadelt(Munjoz). Herrera erwaͤhnt ſchon bei der erſten Zuruͤckkunft des Co⸗ lon der Ehren ſeiner abweſenden Bruͤder: a sus hermanos, ☛ — 378— don Bartolome, y don Diego(aunque a la sazon no se hallavan en la Corte) hizieron los Reyes algunas mercedes y honras. Seite 185. Des Bartholomaͤus Bild im Profil findet man bei Herrera, ſpan. Orig. Ausg. 1. Th. 1601 fol. auf dem Titelblatt.— Das gegenuͤberſtehende Bild des Entdeckers iſt eins der ſchlechteſten; es gleicht aber etwas dem Originalbilde, wovon die franz. Ueberſ. Navarrete's eine Lithographie liefert. Oben in den Ecken von Herreras Titelblatt ſind die Bilder von Ferdinand und von Iſabella, beide ſchlecht, doch wohl nach aͤhnlichen Muͤnzen. Seite 216 und 217. Der eingeſperrte Cazike Cao⸗ nabo wuͤthete und tobte Anfangs wie ein an Ketten lie⸗ gendes wildes Thier. Nachdem ſich die erſte Hitze gelegt hatte, gab er vor, ſeine Laͤnder litten Einfaͤlle von gewiſſen Caziken, und bat den Admiral, ſie zu vertheidigen und eine gehoͤrige Anzahl Spanier dahin zu ſenden. Man merkte den tuͤckiſchen Anſchlag, und Ojeda begab ſich wohl begleitet und geruͤſtet nach Maguana, wo die bei Irving geſchilderte Schlacht erfolgte.(Munjoz V. Buch,§. 29.) Seite 235. Kupferne Muͤnze am Halſe. Sie wurde von Zeit zu Zeit veraͤndert oder vertauſcht, um die Saͤumigen zu erkennen. Herrera dec. 1, lib, 2, cap. 17. Seite 240. Ungeſunde Koſt und Elend, Im Zuſtande der Melancholie erhingen ſich die Indianer ſehr haͤufig(wir werden ſpaͤter auf Beiſpiele kommen), oder ſie aßen Erde und Koth, bis die Waſſerſucht oder andere toͤd⸗ tende Krankheiten erfolgten. Dieſe verderbliche Gewohnheit, f — 379— Erde zu eſſen, ſcheint auf den weſtindiſchen Inſeln einhei⸗ miſch zu ſeyn. Die weißen Kreolen ſind nicht von einer Neigung zu dieſem Appetit ausgenommen. Die Caraiben⸗ ſelaven aßen Erde, ſo oft ſie geſtraft oder mißhandelt wur⸗ den.(Aſſal S. 147.) Seite 250. Zum Laͤutern der edlen Metalle, wurde Queckſilber mitgegeben. Sprengel macht auf das vor⸗ her unbekannte Faktum aufmerkſam, daß alſo der Gebrauch des Queckſilbers hierzu und zum Amalgamiren der Silber⸗ erze(ſtatt des Schmelzens) den alten Spaniern und Ara⸗ bern bekannt geweſen.. Seite 265 und 266. Gruben, Schachten— Ophir. Man ſah Merkmale von tiefen Aushoͤhlungen nach Art der alten Brunnen. Auch fand man einſt, wie Peter Martyr ſchreibt, ein Stuͤck Metall, dem Glockenmetall aͤhnlich, das uͤber ſechs Arroben(150 Pfund) wog und in dem Vorhof eines gewiſſen Caziken ſich befand, wo es, der Sage nach, von der Zeit der Vorfahren her gelegen hatte.(Munjoz Buch V.§. 37.)— Es iſt kein Wunder, daß dieſe und aͤhn⸗ liche Nachrichten den Columbus zu dem Glauben verleite⸗ ten, er ſey an dem Ophir, wo Salomo ſeine Schaͤtze ge⸗ holt, angekommen. Haͤtten uͤbrigens die Inſulaner Berg⸗ werkskunde beſeſſen, ſo wuͤrde man doch ſpaͤter einmal Spu⸗ ren davon entdeckt haben; aber auch die Fahrt an der Kuͤſte von Parla leitet zum ſüdlichen Feſtlande, nach Peru hin. 5 Seite 286 unten, Salza l. Salſas. Seite 324. Geträͤnke. Dieſe Inſulaner bereiteten — 380— verſchiedene Arten von Getraͤnken. Aſſal(oder Sheldon) gibt daruͤber folgende Nachrichten:„Eine Art glich dem Bier an Farbe und Wirkung. Sie nannten es Wiecu, und bereiteten es in irdenen Gefaͤßen, die ſie zu 5— 6 Zoll mit Waſſer fuͤllten, dann einiges zerbroͤckelte Caſſava, 12— 15 zerſchnittene Kartoffeln hineinthaten und ungefähr 3— 4 Quart ſuͤßen Fruchtſaft zugoſſen. Nach Einfuͤhrung des Zuckerrohrs zerſchnitten ſie 8— 10 reife Rohre in kleine Stuͤcke, quetſchten ſie mit eben ſo viel reifem Piſang oder Bananas und ſetzten dieſes noch hinzu. Die Oeffnung des Geſchirres wurde verſchloſſen und nachdem es 2 bis 4 Tage gegohren katte, wieder geoͤffnet und der angeſetzte Schaum und Unreinlichkeit mit einem Calebaſſen⸗Seiher weggenommen, worauf das Getraͤnk fertig war. Es war ſtark, naͤhrend, erfriſchend und berauſchend. Auf Feſte be⸗ reiteten ſie beſonders ſtarkes; dabet hielten ſie ihre Trinkge⸗ lage, welche meiſt mit Mord und Todſchlag endigten. Ein zweites nicht ſo haͤuftges Getraͤnk, welches dem Birnm o ſt ahnlich war, hieß Mabie. Es wurde wie das Wiecu be⸗ reitet und die Ingredienzien waren Waſſer, feiner Syrup, ſuͤße Kartoffeln und Orangen. Dieſes Gemiſch hatte in 30 Stunden gegohren, war erfriſchender und ſchoͤner von Farbe als das Wiecu, aber ſehr berauſchend und verurſachte Blaͤ⸗ hung und Kolik.— Außerdem berxeiteten ſie noch eine Art Wein von dem Saft der Cachu und Ananas, außer⸗ ordentlich ſtark und berauſchend. Der gegohrene Saft der Ananas iſt ſehr kauſtiſch, und gefaͤhrlich, viel davon zu trin⸗ ken.“ Bekannt iſt noch ein ſolches unter dem Namen Pul⸗ — 381— que, aus der Magury(agave americana), welche in reich⸗ licher Menge einen weinartigen Saft gibt, der gegohren ein geiſtiges, ſehr geſundes und nahrhaftes Getraͤnk wird, aber anfaͤnglich durch ſeinen faulſigen Geruch vom Genuß ab⸗ ſchreckt(Schubert).— Der Hang zu ſtarken Getraͤnken artete bei der Ankunft der Europaͤer in ein gefaͤhrliches und trauriges Branntweintrinken aus. Fuͤr Rum war ih⸗ nen alles feil, und fuͤr ein Glas Branntwein haͤtte ſich ein Caraibe des Tags zehnmal taufen laſſen, ſo widrig ihnen auch die Chriſten wurden. Es exiſtiren hiervon und von der blinden Raſerei ihrer Betrunkenheit viele traurige Bei⸗ ſpiele(auch Aſſal erzaͤhlt deren). Seite 331. Mirobalane(Myrobalanus). Dieſer Baum kommt als ein Balſambaum ſchon bei Plinius vor. Bei Peter Martyr, dec. 1, lib. 9.(Roman Pane) ſpielen die Mythen mit ihm. Auch kommt an einer anderen Stelle vor, die Fruͤchte deſſelben machten das Schweinefleiſch ſchmackhafter.— Bei Munjoz heißt die Stelle: An gewiſſen Baäͤumen ſah man Fruͤchte, wie die morgenlaͤndiſchen Mira⸗ bellen(ſo bei Sprengel), vielleicht die, ſo unter dem Na⸗ men Hobos bekannt ſind.“ Bei Schubert finde ich unter den Therebinthaceen oder Balſamgewächſen Spondias Miro- balanus, Stamm harzig, Frucht von woͤſſerigem, ſaͤuerli⸗ chem Fleiſche, meiſt adſtringirend. Seite 336. Der Golfſtrom hat bei ſeinem Ausfluß aus dem Canal von Bahama eine Geſchwindigkeit, welche auf jede Stunde uͤber eine geogr. Meile, mithin viermal mehr betraͤgt, als die Geſchwindigkeit der Seine bei Paris; — 382— ſiebenhundert Meilen vom Canal entfernt, iſt ſie nur halb ſo groß, und uͤberhaupt, nach von Humbold, bis Terre⸗ neuve, im Mittel etwa taͤglich neun Meilen. Auch wenn man den Kreis, den der Golfſtrom beſchreibt, ſo klein als moͤglich annimmt: von Mexico nach Terreneuve, von da nach den Azoren, Madera, Cap⸗verd, und dann mit der großen Aequatorealſtroͤmung wieder zuruͤck nach dem mexi⸗ caniſchen Meerbuſen ꝛc., ſo betraͤgt dennoch ſein Weg auf 1900 Meilen, zu deſſen Zuruͤcklegung er zwei Jahre und 10 Monate gebraucht. Wenn der Wind in entgegengeſetz⸗ ter Richtung mit dem Golfſtrome weht, vermindert ſich ſeine Breite, und ſeine Geſchwindigkeit vermehrt ſich. Entgegen dem gew. Reſultate der zuerſt erwaͤhnten Beobachtungen fand Corner das Meereswaſſer des mexicaniſchen Golfſtroms, der ſich uͤberhaupt auf eine ſehr weite Ferne hin durch eine hoͤhere Temperatur auszeichnet, ganz heiß.(Schubert.) Seite 343. Die Erhoͤhung der Erdkugel am Aequator. Eine faßliche Darſtellung dieſer großen Entdek⸗ kung des Columbus finde ich in Bailly's Abriß der Aſtro⸗ nomie, aus dem Franzoͤſiſchen uͤberſetzt von Jahn(Saſchen⸗ encyelopaͤdie, Leipzig 1828) wo es, S. 170, ſo heißt: Schon Newton und Huyghens hatten die Abplattung der Erde unterſucht. Sie hatten, indem ſie die Erde anfaͤng⸗ lich kugelrund annahmen, bewieſen, daß, wenn ſie eine Be⸗ wegung um ihre Achſe haͤtte, ſie ale dann gegen den Aequa⸗ tor zu aufgeſchwollen und an den Polen eingedruͤckt ſeyn muͤſſe; ſie hatten demzufolge die Groͤße dieſer Abplattung nach der Schaͤtzung der Centrifugalkraft(das Fliehen des —— —— — 383— Mittelpunkts) berechnet. Andrerſeits erkannte Richer, wel⸗ cher verſchiedner Beobachtungen wegen nach Cayenne ge⸗ ſchickt worden war, daß ſeine in Paris regulirte Pendeluhr unter dem Aequator zu ſpaͤt ging; dieſes zeigte an, daß daſelbſt die Schwere geringer und folglich die Entfernung vom Mittelpunkt der Anziehung groͤßer war. Dieſe ſeit⸗ dem an vielen Orten ſehr oft erneuerten Pendelbeobachtun⸗ gen gaben immer das naͤmliche Reſultat und zeigten an, daß die Erde ein an den Polen abgeplattetes Sphaͤrold wäͤre, ſowie es auch die Theorie lehrte und die Aehnlichkeit der anderen Planeten muthmaßen ließ.— Um endlich die Frage zu entſchelden, ward beſchloſſen, daß man einen Grad des Meridians an zwei weit von einander entfernten Orten, für welche der Fehler der Beobachtung geringer als die vermuthete Ungleichheit waͤre, meſſen ſollte. Godin, Bou⸗ guer, La Condamine reiſten nach Peru, Maupertuis, Clai⸗ raut und andere nach Lappland ab. Die Vergleichung ih⸗ rer Meſſungen zeigte zwar die Abplattung der Erdkugel an den Polen, allein ſie gab dieſelbe viel groͤßer an, als ſie wirklich iſt. Auch bewies Lacaille, indem er von neuem die Grade in Frankreich maß, daß ſie beſtaͤndig, wenn man immer mehr nach Norden zu ginge, ſich verlaͤngerten.— Erſt am Ende des letzten Jahrhunderts loͤßten Mechain und Delambre endlich vollſtaͤndig die Frage. Dieſe beiden Gelehrten waren beauftragt, den Werth des Eldhalbmeſſers zu berichtigen, wovon man die Läͤnge des Métre, das zum Normalmaaß aller Maaße beſtimmt war, abgeleitet hatte. Sie fuͤhrten durch die unnachahmliche Vollkommenheit ihrer — 384— Operationen ihren Auftrag aus. Nachdem man die Lage zweier aͤußerſten Punkte einer weiten Ebene in der Umge⸗ gend von Melun und einer andern in der Naͤhe von Per⸗ pinan beſtimmt hatte, beſaßen beide gelehrte Geometer die unglaubliche Geduld, dieſe zwei Standlinien mit doppelten Toiſen von Platina zu meſſen, und hierauf trigonometriſch den Zwiſchenraum, und dieſer Arbeit verdankt man die Kenntniß von der wahren Geſtalt der Erde. Die Schwie⸗ rigkeiten muß man aus den Werken dieſer Gelehrten ſelbſt kennen lernen. Seitdem haben Arago und Biot die Meridianvermeſſung weiter ausgedehnt, auf der einen Seite bis zu den Baleariſchen und auf der andern bis zu den Orkadiſchen Inſeln. Aus der Maſſe von Arbeiten geht nun hervor, daß unſere Erde ein am Aequator aufgeſchwollenes und an den Polen abgeplattetes Sphaͤroid iſt, und daß dieſe Abplattung den 306ten Theil des Durchmeſſers vom Aequator betraͤgt. Seite 357 und 361. Hanf. Dieſes iſt ein Irrthum; die Indianer kannten ihn nicht. Vielleicht hielt man dafuͤr den feingeſchabten Baſt von Baͤumen wie die Latania. Von dieſem, der zu allerlei Hausgeraͤthſchaften ſauber verarbeitet wurde, ſ. Aſſal S. 127. Derſelbe berichtet indeſſen, daß man unter den Alterthuͤmern der Urbewohner von Nord⸗ amerika hanfaͤhnliche Baͤnder gefunden. Seite 367. Feuertod. Juan Mateo und ſeine drei getauften Bruͤder wurden von ihrem Lehrer Fray Roman fuͤr Maͤrtyrer gehalten, weil ſie beim Verſcheiden riefen: Dios naboria daca, ich bin der Knecht Gottes. — 385— Dritter Banud. Seite 63 und 117. Brief an die Amme des Infanten Juan. Er iſt Document Nr. XLIII des Codice diplo- matico Colombo-Americano unter dem Titel: Tresſado de una carta mensagera qu'el Almirante escrivio al Ama del Principe Don Juan(que gloria aya) el anno de 41500, viniendo preso de las, Yndias(von Ad. Wagner mit uͤberſetzt) und die Anrede iſt„Muy vir- tuosa sennora!", Ueber die Stellung dieſer Dame kann kaum Zweifel ſeyn, da ſie Ama und Aya genannt wird, wovon das erſtere Waͤrterin, Amme(nourice), das zweite Gouvernante heißt. Sie war fur die erſte Jugend des Prinzen. S. auch die franz. Ueberſ. Navarrete's 3, Band, Seite 48. Seite 125. Das ſchoͤne Sternbild des Kreu⸗ zes am Suͤdpol. Es war zweihundert Jahre vorher von Dante geweiſſagt, Purgatorio Canto 1.] Jo mi volsi a man destra, e posi mente All altro polo, e vidi quattro stelle Non vista mai, for che alla prima gente. Goder pareva il ciel di lor fiamelle. O settentrional vedovo sito, Poi che privato sei di mirar quelle. Irving's Columbus. 10—12, 25 — 386— Rechts, an des andern Poles Firmament Erſchienen dann vier Sterne meinen Blicken, Die nur dem erſten Paar zu ſchau'n vergönnt. Ihr Schimmer ſchien den Himmel zu entzücken: O mitternächt'ger Bogen, ſo verwaiſ't, Weil du an ihnen nie dich kannſt erquicken! Kannegießer macht zu dieſen Verſen die Anmerkung, die vier Sterne ſeyen den Erklärern zufolge die vier Cardinal⸗ Tugenden, die Klugheit, Gerechtigkeit, Tapferkeit und Maͤßigkeit. Eine allegoriſche Bedeutung ſey jedenfalls darin zu ſuchen,„wenn auch Dante vielleicht ſchon die vier Sterne des Kreuzes im Centaur kannte., Woher aber ſollte er ſie kennen? Kannegießer ſcheint damit eine untergegangene Ueberlieferung von den Alten zu verſtehen. Seite 128. Holzwurm, oder Bohrwurm, Schiffs⸗ bohrmuſchel,(teredo navalis). Die beiden Spritzroͤhren haben einen kalkigen Schließdeckel, mittelſt welchem ſich das Thier in Holz bohrt und oft großen Schaden thut(Schu⸗ bert). Auf den Sandwichs⸗Inſeln ſoll eine Holzart wach⸗ ſen, die demſelben widerſteht, wodurch das Beſchlagen der Schiffe mit Kupferplatten uͤberfluͤſſig wuͤrde(Langsdorff). Die Schiffe des Columbus, die dieſer neueren Erfindung entbehrten, wurden auf der vierten Reiſe von dieſem Thier wie Honigzellen durchloͤchert(Worte des Columbus). Seite 148, Bekehrung der Volker. Ein dieſen Gegenſtand behandelndes Geſchichtswerk haben wir vus der Feder des Direktors der Bafeler Miſſions⸗Anſtalt, Dr. Blumhard, zu erwarten. Seite 162 Note. Dieſe Sammlung iſt der ſchon oͤfters citirte Codex diplomaticus etc Seite 165. Groß⸗Canaria d. h. Fortaventura. Seite 190. Graͤber mit Mumien. Einer der in⸗ tereſſanteſten Gegenſtände der Unterſuchung uͤber Amerika, aber auch einer der verwirrendſten. Unter den Alterthuͤ⸗ mern Nordamerlka's zeigt es ſich, daß die Urbewohner ihre vornehmen Todten einestheils wahrſcheinlich verbrann⸗ ten, mehr aber noch als Mumien in dreifachem Einſchlag bewahrten; der erſte beſtand aus einer Art grobem Linnen⸗ tuch, der zweite aus einer Art Netzwerk von grobem Drath mit ſehr kleinen Maſchen, worin die bunten Federn von allerlei Voͤgeln kunſtreich wie ein Gefieder verbunden wa⸗ ren,(Mexico, Suͤdſee⸗Inſeln) und der dritte Einſchlag war entweder wieder Linnen oder zuſammengenähtes Leder, Hirſchhäͤute ꝛc. Die Koͤrper ruhen in Graͤbern und Hoͤh⸗ len, in zuſammen gezogner Stellung und ſitzender Lage, waren aber nicht durch aromatiſche Subſtanzen erhalten. Unter den Indianerhorden am Columb'afluß und bei eini⸗ gen am Miſſiſſippi iſt die Sitte der Beiſ tzung Todter von Rang folgende. Der Leichnam wird mit Zierrathen und Waffen in einen Canoe gelegt, der an beiden Enden mit gedrehten Baſtſeilen verſehen und zwiſchen zw ien Baͤumen aufgehaͤngt wird, dieſelbe Sitte wie bei vielen Suͤdſee⸗In⸗ ſulanern. Bei den Caraiben war wirkliche Beerdigung in ſitzeuder oder gekauerter Stellung wie im Leben, und mit 25* — 383— den Waffen; zuerſt bis an die Kniee im Sand, dann, wenn alle Verwandte den Leichnam geſehen hatten(Leichenſchau), wurde das Grab vollends ausgefuͤllt. Das Einreiben von Raucau ſchien ſie ziemlich zu erhalten. Auch hob man ein⸗ zelne Gliedmaßen beſonders auf(Aſſal). Hier bei Colum⸗ bus heißen ſie einbalſamirt, oder in Baumwolle gewickelt. Das Verbrennen ſcheint außer den Menſchenopfern wenig oder gar nicht vorgekommen zu ſeyn.— Auf die Erhaltung der Todten von Rang waren auf dem Feſtlande die Perua⸗ ner vor Allen beſorgt. Dieſes bezeugt die große An⸗ zahl von Mumien, die noch erhalten in den Huacas oder Erdpyramiden gefunden wurden. Die Art und Weiſe jedoch, wie ſie ihre Todten aufbewahrten, blieb ihren euro⸗ paͤiſchen Ueberwindern ein Geheimniß. In dem Tempel von Cusco, in freier Luft, dem oͤffentlichen Anblicke und einem Clima ausgeſetzt, das die haͤrteſten Subſtanzen ver⸗ zehrt, waren die Koͤrper ihrer Herrſcher der Reihe nach, von dem Gruͤnder des Reiches, Mano⸗Capak, bis auf den letzten ſeiner Nachfolger aufgeſtellt. Man erzählt, daß ſie ſich auf Saͤnften befanden, in einer Stellung und Kleidung, daß ſie noch zu leben ſchienen. Einige vermuthen, dieſe Koͤrper moͤchten dem Froſte ausgeſetzt und ſo erhalten wor⸗ den ſeyn, eine Verfahrungsart, durch welche die Peruaner in andern Faͤllen beſondere Wirkungen hervorbrachten; doch ſcheint dieß unmoͤglich, wenn man ſich erinnert, daß noch jetzt Mumien in Graͤbern und Pyramiden in Thaͤlern ge⸗ funden werden, wo der Einfluß der Kaͤlte kaum je gefuͤhlt worden iſt. Am wahrſcheinlichſten iſt, daß die Peruaner — 389— mit einer Zubereitung von Gummi und Balſam oder andern vegatabiliſchen Sukſtanzen von der werkſamſten Art bekannt waren, die ſie in ihren Waͤldern fanden und deren genaue Kenntniß ſich nicht mehr erhalten hat. Dieß iſt nicht die einzige Sonderbarkeit, in der die alten Peruaner den Egyp⸗ tern glichen.(The oriental herald. August 1828 pag. 300, nach dem Morgenblatt, Kunſtbl. Nro. 17 v. 26. Febr. 1829.)— Auf der Inſel Nukahiwa(Marqueſas) fand Langsdorff Einreibung der Todten mit Cocos⸗Sl. Dieß Geſchaͤft dauert Wochen und Monate lang, wodurch der Koͤrper gegen Faͤulniß bewahrt und am Ende in eine wahre Mumie verwandelt wird. Zuletzt wickelt man den Leichnam in Tuͤcher, die vorher in dieſem Sl getraͤnkt wor⸗ den, und ſetzt ihn auf ein beſonders Geruſt in dem Fami⸗ lienbegraͤbniß. Seite 195. Muſchelhoͤrner. Langsdorff erzaͤhlt von aͤhnlichen Kriegstrompeten auf Nukahiwa, aus einem großen Kink⸗ oder Tritonshorn(murex tritonis), an deſ⸗ ſen unterer aufgeſchliffener Spitze(welche zugleich das Ende iſt, und die enge Muͤndung zu dem innern hohlen, gewun⸗ denen Raum darbietet) man eine Cocosſchale oder die Huͤlſe einer lnuß als Mundſtüͤck befeſtigt hatte, und welches etwa wie ein Hirtenhorn toͤnte. Seite 208. Das eigenthümliche Leuchten des Mee⸗ r es bei ſtarken Bewegungen oder auch bei Windſtillen wird ſehr oft beobachtet, das letztere mehr in heißeren, jenes auch in kaͤlteren Gegenden. Eine andere Art von Phosphores⸗ cenz verbreiten manche groͤßere und kleinere Thiere im Mee“ — 390— reswaſſer, nicht bloß Quallen⸗Arten, ſondern auch groͤßere und kleinere Fiſche.(Schubert.) Seite 210. Hayfiſche; dieſe ſcheinen von der ganz großen, gefaͤhrlichen Art,(Squalus Carchiarias) Paraco⸗ tas, Menſchenfreſſer, geweſen zu ſeyn, den man jetzt kaum noch uͤber 25 Fuß lang findet. Schon der mit ſcharfen Zaͤhnen, deren Reihen wie Artiſchockenblätter uͤber⸗ einander liegen, bewaffnete Rachen, verraͤth die furchtbare Raubthiernatur dieſes rieſenhaften Freſſers(Schubert). Auch ein dortiger Wallſiſch, der Kaſchelot,(Physeter ma- crocephalus) verſchlingt Menſchen(Amerik. Mise.). Seite 247. Viſion. Im 3. Bd. der franz. Ueberſ. des Navarrete S. 134 ff. iſt in einer Note das Schreiben im Original enthalten. Seite 288. Heulen und Klagen bei der Monds⸗ finſterniß. Einige nordamerikaniſche Voͤlkerſchaften glauben, daß die Sonnen⸗ und Mondsfinſterniſſe von einem boͤſen Geiſt herruͤhren, der ihnen das Licht rauben wolle. Bei der Sen ca⸗Nation(am See Ontario) herrſcht die Gewohn⸗ heit, zu ſchreien und zu rufen und jeden erdenklichen Laͤrm zu machen, um den Geiſt zu erſchrecken. Die Tſchippewaͤ thun daſſelbe, nur aus anderen Gruͤnden; ſie glauben, Sonne und Mond ſeyen im Kampf mit einander, durch den Laͤrm wollen ſie die Aufmerkſa.nkeit auf ſich ziehen, und ſo die Kaͤmpfenden trennen. Sonne und Mond trennen ſich wirklich, und Eſchippewaͤ erfreut ſich wieder des freundli⸗ chen Lichts der Sonne.(Aſſal.) Seite 348. Dieſe und die fruͤher erzaͤhlten Grauſam⸗ — 391— keiten bringen uns ein Bild der Standhaftigkeit nahe, wel⸗ ches die Geſchichte von dem edlen Caziken Guatimozin uberliefert. Der ſonſt ſo hochherzige Cortez ließ ihn auf gluͤhende Kohlen ſetzen, um ihn zum Geſtaͤndniß verborgener Schaͤtze zu bringen. Ein mit ihm geſolterter Indianer, von der Qual uͤberwaͤltigt, ſah ſeinen Koͤnig flehend an; aber nen ſtrafenden Blick zu, mit den Worten:"Liege ich denn hier auf Roſen?“ Der duldende Liebling v rharrte im Schweigen und ſtarb. Dieſer See⸗ lengroͤße konnte Cortez nicht widerſtehen, er ließ Guatimo⸗ zin auf freien Fuß ſetzen. Seite 351. Austauſchung des Namens. Dieſer Gebrauch findet ſich auf vielen Inſeln der Suͤdſee. Guatimozin warf ihm ei Seite 371. Tod Iſabellens. Irving weicht in dieſem Ereigniß von der bisherigen Annahme ab, daß Co⸗ lumbus bei ſeiner Ruͤckkehr die Koͤnigin nicht mehr am Le⸗ ben getroffen, wie es Robertſon erzaͤhlt. Nach dieſem kam er nim Dezember“(ſo lautet die Marginar⸗Notiz) im Ha⸗ fen San Lucar an und erfuhr hier die Nachricht von dem am„9. Nodember“ eingetretenen Todesfall. In der Note citirt er Fernando Columbus und Herrera. Der Letztere gibt aber keine Zeit an und ſagt nur, daß Colon in Seoilla die Nachricht erhalten.(dec. 1, lib. 6, cap. 13.) Irving bezeichnet den 7. November als Tag der Ankanft in Spa⸗ nien und den 26. November als Todestag der Koͤnigin. heit Fernando kein Citat Als Quellen nennt er bei erſterer Begeben Colon und Las Caſas; bei letzterer findet ſich — 392— und nur der Brief an den Sohn bei der eben erhaltenen Nachricht iſt vom 3. Dezember, ohne den Ort(Sevilla) angegeben. Sind die Zahlen richtig gedruckt, dann beruhen die Aenderungen wahrſcheinlich allein auf den Briefen, die jedenfalls die ſicherſte Quelle ſind.— Es iſt intereſſant zu bemerken, daß in dieſem Todesjahr der Eroberer von Neu⸗ ſpanien nach der neuen Welt abging(Herrera) und ſo die Vor⸗ ſehung einen neuen Ring zur Kette knuͤpfte. Ihm voranging in der Entdeckung Yukatans Juan de Grijalva(1518), nach⸗ dem es andere nur beruͤhrt hatten. Daß zuvor ſchon Bal⸗ boa die Landenge von Darien(Panama), wo Columbus den Durchgang geſucht hatte, uͤberſchritten(1513) und von dem unabſehlichen Suͤdmeere Beſitz genommen, indem er mit bloßem Schwerd in die Wellen trat, daß noch fruͤher (1512) Ponce de Leon Florida fand, und Cortez erſt 1519 aus Auftrag des Velasquez, dem er Cuba erobern half, den unſterblichen Feldzug unternahm, endlich Pizarro vom Jahr 1524 an, ſich aus dem niedrigſten Stand(er huͤtete in Spa⸗ nien die Schweine) zum Entdecker und Eroberer von Peru ꝛc. .aufſchwang, darf hier, mit Verweiſung auf Robert⸗ ſon's Geſchichte von Amerika, 5. Buch, nur angedeutet werden. Seite 388. Das militariſche Codizill macht den Eingang damit: da ihm das vom heiligen Vater verehrte Andachts⸗Buͤchlein viel Troſt in Bedraͤngniſſen und Trüb⸗ ſalen gewaͤhrt habe, ſo ſchenke er es ſeiner geliebten Vater⸗ ſtadt und ſetze ſie darin zur Erbin ein ꝛc. Hier iſt das Document, welches auch Boſſi S, 240 mittheilt: — —— — 393— Oodicillus more militari Christophori Colombi.— Cum 8. 8. Alexander P. P. VI. me hoc devotissimo precum libello honorarit, summum mibi praebente solatium in captivitatibus, praeliis, et adversitatibus meis, volo ut post mortem meam pro memoria trada- tur amantissimae meae patriae, Reipublicae Genuensi; et ob beneficia in eadem urbe recepta volo ex stabi- libus in Italia redditibus erigi ibidem novum hospi- tale, ac pro pauperum in patria meliori substentatione; deficienteque linea mea masculina in admiralatu meo Indiarum et annexis juxta privilegia dicti regis in suc- cessorem declaro et substituo eandem Rempublicam 8. Georgii. Datum Valledoliti 4. Maji 1506.(Signatur). S ite 391. Am Himmelfahrtsfeſt, am 20. Mai 1506 ſtarb Columbus in Valladolid, dem Orte ſeiner letzten peinvollen Krankheit, nach Angabe ſeines mehrjaͤhri⸗ gen Freundes Andrez Bernaldez, gegen ſiebenzig Jahre alt. Die allgemeine Annahme war bisher, daß er im 59. Jahre geſtorben ſey. Wenn dieſes Alter auch auf der Bio⸗ graphie des Fernando Colon beruht, ſo mißtraute er ihr wohl wegen der vielen Schreib⸗ und Ueberſetzungsfehler (S. 4. Band, S. 40) und hielt ſich an das Mſpt. des ſehr zuverlaͤſſigen Cura de los Palacios. Seite 392. hallò(fand). Man lieſ't hier und in dem Motto des Wappens auch did(gab). 3 ——;ʒ—y—y— — 394— Vierter Band. (Erläuterungen.) Seite 7. Von Cuba und von Havanna, der Haupt⸗ ſtadt dieſer Inſel, die durch den raſtlos thaͤtigen General⸗ Capitain Vives gegenwärtig in einem ſehr bluͤhenden Zu⸗ ſtande iſt, findet man oͤfters Mittheilungen in den bereits citirten amerikaniſchen Miscellen von Dr. Roͤding. Das Maiheft 1828, S. 398— 400, enthaͤlt eine Beſchreibung und Abbidung von Havanna ſowie von der Domkirche, wo Columbus begraben liegt. S. auch Amerik. Misc. 1825, 1. Bd. S. 11 und 329. Seite 22, 1. Zeile, Ocao, lies Oro. Seite 27. Audienz. Wir wollen uns uͤber dieſen Punkt, und die Regierungsform der ſpaniſchen Colonieen uͤberhaupt, von Heeren(Geſch. d. europ. Staatenſyſt. ꝛc. Goͤtt. 1819, S. 90, 9½) in der Kuͤrze belehren laſſen. Die eroberten Laͤnder wurden Provinzen des Mutterlandes und blieben es. Ihre Verfaſſungen bildeten ſich allmaͤhlig, und wie gewoͤhnlich copirte man, ſo weit es anging, die V rfaſſung des Mutterſtaates. Hier ward die ganze Verwaltung einem hoͤchſten, bloß vom Koͤnig abhaͤngigen Collegio, dem Rath von Indien(Consejo Real y su- premo de Indias) in Madrid uͤbertragen, dem in Han⸗ delsſachen ein Handlungs⸗ und Gerichtshof(Audienzia Real de la Contratacion) in Sevilla untergeordnet ward. Dadurch wurde eine feſtere Colonial⸗Politik als bei irgend einer anderen Nation gegruͤndet. Dort wurden Vicekdnige(Virreyes) als Stellvertreter des Monarchen ernannt; fuͤr die Juſtiz aber wurden die Audiencias als hoͤchſte inlaͤndiſche Tribunaͤle, und zugleich zum Rath fuͤr die Vicekoͤnige in Regierungsſachen, errichtet. Von ih⸗ nen als Gerichtshoͤfen fand noch eine Appellation an den Rath von Indien ſtatt. Die Staͤdte(Ciudades, Villas und Lugares) wäaͤhlten ſich ihre Cabildos oder Munici⸗ palitaͤten.(Zur Zeit Don Diego's war die Competenz die⸗ ſer Behoͤrden noch ſehr unbeſtimmt und collidirend). Seite 36, Titel. Er iſt incorrect angegeben, und heißt: de Portugallo Colon, Dux de Versgua, Marques de la Jamaica, y Almirante de las Indias. 4 Seite 38, 39. Spotorno, indem er Fernando als unehelichen Sohn bezeichnet(darnach iſt oben Selte 313 die Anmerkung zu berichtigen), erzählt von ihm fol⸗ gendes(Wagner S. 113, 114.)"Er trat zur Kirche und widmete ſich ſchriftthuͤmlichen Forſchungen, durchreiſ'te Eu⸗ ropa, um einen großen Buͤcherſchatz zu ſammeln, und nahm aus Flandern zwei Gelehrte mit, Nicolaus Clenar⸗ dus und Andreas Vaſeus, die er beſoldete; er beſuchte auch ſeines Vaters Geburtsort Genua, ſtarb zu Sevilla ꝛc. und vermachte den Dominikanern daſelbſt ſeine große Buͤcher⸗ ſammlung von 12000 Baͤnden.“ Dieſe Bibliothek iſt unter dem Namen der Colombina bekannt. Seite 43. Der Pſalter U. Giuſtiniani's war ein Polyglotten⸗Pſalter in hebraͤiſcher, griechiſcher, arabi⸗ — 396— ſcher und chaldaͤiſcher Sprache, mit lateiniſchem Commentar; Genua 1516. Giuſtiniani, Dominikanermoͤnch und Biſchof von Nevio in Corſika, ruͤckte einen Abriß der Geſchichte des Entdeckers in dieſe ſeine Erklaͤrung der Pſalmen ein, und zwar zu Pſalm 19, Vers 5, bei den Worten:„Ihre Schnur geht aus in alle Lande und ihre Rede an der Welt Ende.“„In omnem terram exivit filum eorum et in fines mundi verba eorum., Er ſagt von Columbus: vilibus ortus parentibus, er ſey von geringen Eltern ge⸗ boren. Die in Murr's Abhandlung abgedruckte biographi⸗ ſche Skizze iſt 7 Octavſeiten ſtark. Sie ſchließt mit den Worten: qui si Graecorum heroum temporibus natus fuisset, procul dubio in deorum numerum relatus es- set. Mit dieſer Apotheoſe konnte ſich Fernando Colon ent⸗ ſchaͤdigt halten. Seite 44. Die Lehnsguͤter der Grafen Colombo waren nach Herrera belegen in den Gebieten von Ayqui, Saona, Aste, Monferrato, Turin, Verceli, Parma, Cremona. Die drei folgenden Schloͤſſer lauten wie bei Herrera. Seite 45. Fuͤr die buͤrgerliche Herkunft Colon's gibt auch Spotorno ein triftiges Argument; er bemerkt naͤm⸗ lich, daß in den koͤniglichen Patenten, die ihm, ſeinen Soͤhnen und Nachkommen den Titel Don gegeben, ſeines Adels und ſeiner Familie nicht erwaͤhnt werde, wiewohl es in der⸗ lei Ausfertigungen, wo es Vorrechte und Auszeichnungen gelte, ſtets Brauch ſey, den Glanz der Vorfahren zu er⸗ waͤhnen.(Ueberſ. v. Wagner, S. 86). Seite 49. Terra Rubra, Bei Hakluyt finden wir — 397— die Verſe, die auf der Weltkarte des Bartholomaͤus ſtan⸗ den, mit dem Datum 13. Febr. 1488.(Ich gebe ſie hier nach Murr's Abhandlung uͤber Behaim): Janua cui patria est, nomen cui Bartholomaeus Columbus de Terra rubra, opus edidit illud, Londoniis, anno domini 1480 atque insuper anno Octavo, decimaque die cum tertia mensis Februarii. Laudes Christo cantentur abunde. „Terraroſſa(terra rubra) iſt ein Weiler bei Quinto, öſt⸗ lich von Genua. Die Urkunden von Savona ſprechen nie von unſeres Helden Großvater Giovanni Colombo, ohne den Beiſatz de Quinto, zum ſchlagenden Beweis, daß der Entdecker von Amerika nicht Neffe des Lanza Colombo, Herrn der Schloͤſſer Cuccaro und Conzano ſeyn konnte.“ (Spotorno). Seite 51. Christophorus Columbus Lanarius de Janua: Wollarbeiter von Genua. Senarega er⸗ klaͤrt die Benennung ſchon deutlich mit cardatore(di panni) Tuchbereiter(von cardo, Diſtel, Kraͤmpel). Dieſes waren die Soͤhne; der Vater aber war lanaluojo oder tessitore di lane, Wollweber. Seite 77 und 87. Reiſeberichte des Vesp ucei. Dieſe intereſſanten Aktenſtuͤcke, von der angeblichen Entdek⸗ kungsfahrt im Jahr 1497 und von der wirklichen Reiſe im J. 1499 ſind in Theodor de Bry's Amerika, 10. Th. abgedruckt. Seite 97, Note. Amerige, Amerika. Da Ame⸗ rico unſer deutſches Emmerich iſt, ſo muͤßten wir die neue Welt darnach eigentlich Emmerike nennen. — 398— Seite 110 ff. Martin Behaim. Den Vornamen fuͤhrten Vater, Sohn und Enkel. Das Portrait des See⸗ fahrers findet man in Doppelmayrs hiſt. Nachr. v. d. Nuͤrnbergiſchen Mathematicis und Künſtlern, Nuͤrnb. 1730 auf der beruͤhmten Weltkarte, und von juͤngerem Alter in dem Taſchenbuch von Nuͤrnberg 1. Th. Nuͤrnb. 1821.— Das Geſchlecht der Freiherrn von Behaim, Patrizier der ehem. Reichsſtadt Nuͤrnberg, bluͤht noch daſelbſt, und das Stammhaus,(das jetzige Klettiſche Haus auf dem Heumarkt) iſt durch ein großes Hautrelief auf der Fronte des Hauſes kenntlich, welches eine ſitzende Jungfrau mit Schiff und Globus darſtellt.— Der Schwiegervater unſeres Behaim hieß Jobſt de Huͤrter von Moͤrkercken; die Portugieſen nannten ihn Job Dutra(von Murr's Abhandlung.) Seite 112, von Murr's Abhandlung uͤber Be⸗ haim. Der Titel iſt: Diplomatiſche Geſchichte des portu⸗ gieſiſchen Ritters Martin Behaim von Rürnberg, nebſt Be⸗ ſchreibung ſeines Erdglobus, von M. Chriſtoph Theophil von Murr. 3. Auflage, Nrnbg. 1802, 8.(die erſte er⸗ ſppien 1778). Ins Franzoͤſiſche uͤberſetzt von M. H. J. Jansen im Recueil de pièces interessantes, auch fuͤr ſich Paris und Straßb. 1802, 8. Seite 112. Egues Lusitanus. Daß Behaim portu⸗ gieſiſcher Ritter war, daruͤber ſchweigen zwar, wie Murr berichtet, Reſende, Barros, Vasconcelles und die uͤbrigen portugieſiſchen Geſchichtſchreiber, aber es wuͤrde eine große Keckheit vecrathen, wenn er ſich, ohne es zu ſeyn, Portu⸗ gieſiſcher Ritter geſchrieben haͤtte. Bei Murr(und fruͤher — 399— bei Doppelmayr 1730) iſt ein al'es Blatt von unbekannter Handſchrift aus den Papieren der Familie Behaim abge⸗ druckt, vorauf genau beſchrieben wird, wie Martin Be⸗ haim im Jahr 1485 am 18. Februar in der Stadt Albaſ⸗ ſavas(Alcobaca) in Portugal vom Koͤnig vor dem gan⸗ zen Hof zum Ritter geſchlagen worden ſey. V. Murr be⸗ merkt zwar, daß dieſes unmoͤglich am 18. Februar habe ge⸗ ſchehen koͤnne, da Behaim noch einen Monat vorher ſich mit der Flotte an der Spitze von Afrika befunden habe; er nimmt uͤbrigens die Thatſache ebenfalls als richtig an. Seite 112. Fayal wurde nach den ſchoͤnen Buchen⸗ baͤumen(fagus, im Portug. faye) benannt, wie Madera von den Waldungen uͤberhaupt, und die Azoren zuſam⸗ men von den vielen dort niſtenden Habichten. Seite 113. Erdglobus des Behaim. Er iſt in Murr's Abhandlung genau beſchrieben und wird von der Familie Behaim bewahrt. Das Planiſphaͤrium davon iſt bei Murr und ſchon fruͤher 1730 bekannt gemacht in Dop⸗ pelmayrs Nachrichten c. Dieſer Schriftſt ller begeht einen ſtarken Irrthum, indem er den Ritter Behaim zum Entdek⸗ ber der neuen Welt macht und doch die Karte, auf welcher Aſien an Europa ſtoͤßt, mit der Jahrszahl 1492, wo die Entdeckung durch Columbns geſchah, ſein m Werke beifuͤgt. Seite 114. Eingeſchaltete Stelle. Die Nachricht beruht auf v. Murr' Abhandlung, der das Orig. Mſpt. Schedels einſah. 8 Seite 116. Cladera ſ. auch Boſſi S. 155. Seite 117. Globus von Johann Schoͤner. Er — 4⁰00— machte ihn, nach v. Murr's Zeugniß, auf Koſten ſeines Goͤn⸗ ners Johann Seyler in Bamberg. Derſelbe hat einen Durch⸗ meſſer von drei Nuͤrnberger Fuß(der Behaimiſche hat 1 Faß 8 Zoll Pariſer Maaß) und traͤgt folgende Inſchrift: Hic Globus immensum complectens partibus orbem Atque typum teretis sinuoso corpore mundi, Est studio vigili glomeratus certe duorum, Unius impensis: tribuit nam cuncta Joannes Seylen ad illius quae commoda censuit usus. Alter Joannes Schoener multa catus arte In spiram hanc molem compegit arte rotundam Et supper impressis signavit ubique figuris, Quando salutiferi partus numeravimus annos Mille et quingentos et quatuor addita lustra.(1520) Seite 117. Seandinaviſche Entdeckungen Irving behandelt dieſen Artikel mit großer kritiſcher Schaͤrfe, welche nur Dank verdient, wie nahe ſie auch zweien beruͤhmten Maͤnnern tritt. Doch moͤchte die isläͤn⸗ diſche Ueberlieferung, welche Snorre Sturleſon*) in *) Suorre Sturleſon, geb. 1178, aus einer Familie, die ihre Ahnen auf das Ynglinga⸗ und das Lodbrocksge⸗ ſchlecht zugleich zurückführte, war der geiſtreichſte, ge⸗ lehrteſte, reichſte und mächtigſte Isländer ſeiner Zeit, und nahm lebhaften Antheil an den Partheiungen auf ſeiner Inſel. Im Jahr 1218 beſuchte er Norwegen, dann Schweden, und erhielt dort Auszeichnungen und Aemter. Durch Eiferſucht und Kabalen geſchah eß nach ſeiner Heimkehr, daß er im 63. Jahre ermordet wurde. S. Geijers Geſch. v. Schweden, 1. Th. S. 317 f. — 401— ſeiner Sammlung nordiſcher Koͤnigsſagen oder Heims⸗ kringla(ſo heißt ſie von den Anfangsworten der Vorrede) mittheilt, nicht die Zweifel verdienen, welche Irving gegen Forſters Anerkenntniß erhebt. In Erlk Guſtaf Geijer's Geſchichte von Schweden 1. Theil, deutſche Ueberſetzung, Sulzbach 1826, Seite 165, iſt die erſte Anſiedlung in Groͤnland alſo beſchrieben:„Ungefaͤhr hundert Jahre nach der Ankunft der erſten(norwegiſchen) Bebauer der Inſel Island(874 J. n. Chr.) gingen andere von da nach Groͤnland*) und ſtifteten Colonieen auf deſſen oͤſtlicher und weſtlicher Kuͤſte.*) Sie fanden ſpaͤterhin im Suͤden *)„Es war 15 oder 16 Winter, ehe das Chriſtenthum nach Island kam,(ſagt Are Frode Schedae c. 6) alſo 985— 6; denn Island wurde im Jahr 1000 chriſtlich,“⸗ **)„Da die glaubwürdigſten isländiſchen Quellen, Are Frode, Heimskringia ed. Peringsk. T. 1 pog. 337 (wie aus dem Zuſammenhang erhellt) und LKandnama T. 2, c. 14, dieß bezeugen, ſo halten wir uns nicht für berechtigt, mit Eggers die alte Colonie bloß auf die Weſtküſte Grönlands zu beſchränken, wo die neuen däniſchen Colonieen ſind. Mit der alten Colonie hörte alle Gemeinſchaft im 13. Jahrhundert auf. Da in ſpä⸗ reren Zeiten Gröniand wieder beſucht wurde, fanden ſich in dem alten ſogenannten Vesterbygd Ruinen von Häu⸗ ſern und Kirchen(Cranz grönl. Hiſt. S. 377, 380)⸗ Aber dem Osterbygd von Grönland, wohin die Islän⸗ der die alte Hauptcolonie verlegen, hat man ſich aller Verſuche ungeachtet, lange nicht nähern können. Erſt in neuerer Zeit ſcheinen die Hinderniſſe durch die Veränderung des Polareiſes vermindert zu ſeyn. 1817 ſah der hamburgiſche Schiffer Olof Ocken die Oſtküſte Irving's Columbus. 10—12, 26 — 402— von Groͤnland andere Kuͤſten, anfaͤnglich voll kahler Ge⸗ birge, tiefer unten flacheres Land, endlich ein gutes Land an einer Meerenge, mit einer Inſel im Norden. Da wa⸗ ren Stroͤme reich an Lachs, eine Art Getraide wuchs wild, auch Fruͤchte, welche Weintrauben aͤhnelten,“) weßhalb die erſten Entdecker**) das Land Vin land das gute nann⸗ ten. Diejenigen, welche es nach ihnen beſuchten; trafen auch Eingeborne, aͤhnlich denen, welche man vorher in Groͤn⸗ land gefunden hatte***) und tauſchten von ihnen Pelzwaa⸗ von Gröaland unter 790 N. Br. 1821 ſahen ſie Manby und Scoresby unter 740 30¹. 1822 glückte es dem Capitain Seoresby(Journal of a voyage to the northern whalefishery. Edinb. 1823) die Oſtküſte Grönlands vom 690—750 zu befahren. Einwohner fan⸗ den ſich keine, wohl aber Spuren, daß die Kuͤſte nicht lange vorher beſucht worden war. Die Hitze war im Julius groß und das Gras ſo üppig, daß die Reiſenden den alten Namen Grönland nicht unpaſſend fanden, welchen(nach Are Frodo) die erſten Caloniſten dem ande gaben, um mehrere dorthin zu locken. *)„Vinber; Heimskringla I. 333. Andreas Rudman, der 1697 als Geiſtlicher nach Neuſchweden am Dela⸗ ware in Nordamerika geſandt wurde, ſchreibt au Prof. Jac. Arrhenius in upſala, daß dort Weintrauben und Weinbeeren wild wuchſen. Palmsk. Samml.“ *½)„Leif, Sohn von Erik Röde.“„ Er führte auch das Chriſtenthum in Grönland ein.“ **½)„Are Frode, c. 6. Sie wurden ihres kleinen (skrala) Wuchſes wegen von den Isländern Skrälingar genannt, und die Beſchreibung, die von ihnen gegeben wird, erinnert an die Eskimo's.“(Vgl. Aſſal S. 11. 58.) — 403— ren ein. Uobrigens bildete ſich keine elgentliche Verbindung mit dieſem Lande. Doch wurde es 1121 von einem groͤn⸗ laͤndiſchen Biſchof beſucht;*) ohne Zwetfel aber iſt es ein Theil der Kuͤſte von Nordamerika, welcher in dieſen alten islaͤndiſchen Nachrichten 500 Jahre vor Columbus erſcheint. Die Eyrbyggiaſaga(c. 64.) erzaͤhlt, daß ein Gudleif Gun⸗ laugſon gegen das Ende von Olof des Heiligen Regierung auf einer Seereiſe weſtlich von Irland vom Sturme weit in's Meer nach Suͤdweſten getrieben worden ſey. Er kam *)„Torfaeus Vinlandia antiqua, p. 71. An der Mün⸗ dung des St. Lorenzfluſſes in Nordamerika iſt auf der ſüdlichen Seite eine Landſtrecke, die Gaspé heißt(oder Gasſpeſie) und die vormals von einem indianiſchen Stamm bewohnt wurde, der die Sonne anbetete und durch gebildetere Sitten ſich auszeichnete. Ein Theil dieſes Stammes verehrte vor der Ankunft der Miſſio⸗ näre das Kreus, und bewahrte eine mündliche Ueber⸗ lieferung von einem ehrwürdigen Manne, der einſt dieß heilige Zeichen zu ihnen gebracht und dadurch ihr Land von einer anſteckenden Krankheit befreit haben ſoft. Man iſt verſucht, in dieſem Lande das alte Vinland und in dem Apoſtel den grönländiſchen Biſchof zu erkennen. Maltebrun neueſtes Gemälde von Amerika, aus dem Franz. Leipz. 1819, S. 145.— Die Mittelzahl von der verſuchten Erklärung der ſchwiexrigen Stelle über die Länge des kürzeſten Tages in Vinland, in der Heims⸗ kringla, ſetzt den kürzeſten Tag auf 8 Stunden(Torfaei Vinl. ant, gegen das Ende.) Dieſe Lage unter dem 490 ſtimmr mit der erwähnten amerikaniſchen Gegend überein. Sie wird als fruchtbar beſchrieben, und die Seenebel, denen ſie(wie bemerkt wird) ausgeſetzt iſt, müſſen die Winter milder machen.“ zuletzt an ein unbekanntes Land, wo er und ſeine Beglei⸗ ter von den Einwohnern gefeſſelt wurden. Dieſe Einwoh⸗ ner ſprachen eine unbekannte Sprache, welche Aehnlichkeit mit der iriſchen zu haben ſchien. Ein alter anſehnlicher Mann, den alle Einwohner mit Ehrfurcht empfingen, be⸗ freite ſie. Er ſprach mit den Islaͤndern in der nordiſchen Sprache, fragte nach Thurida, der Schweſter des auf Is⸗ land maͤchtigen Snorre Gode, und ſandte ihr einen goldnen Ring und ein Schwerd fuͤr ihren Sohn. Seinen Namen wollte er nicht ſagen und verbot ſeinen Landsleuten, ihn aufzuſuchen, weil die Einwohner treulos und grauſam waͤ⸗ ren und die Kuͤſte Mangel an Haͤfen haͤtte. Gudleif brachte die Geſchenke nach Hauſe und man ſchloß in Island, daß dieſer Mann Bjoͤrn Breidvikingakappe ſeyn muͤſſe, ein be⸗ rühmter Dichter, der Thurida liebte, deßwegen von ihrem Bruder und ihrem Manne verfolgt wurde und 998 Island verlaſſen hatte. Dieſer Bjoͤrn hatte vorher den ſchwediſchen Prinzen Styrbjoͤrn anf ſeinen Kriegszuͤgen begleitet und erſt nach des Prinzen Tod ſeinen Dienſt verlaſſen.“ Seite 128 ff. Umſchiffung von Afrika bei den Alten. Irving hat bei dieſer Unterſuchung die be⸗ ruͤhmte von Herodot(4. Buch, 42. Kap.) erzaͤhlte Um⸗ ſchiffng von Afrika uͤbergangen, die hier nachgetragen wer⸗ den muß.„Als der aͤgyptiſche Koͤnig Nekos(ein Zeitge⸗ noſſe Nebukadnezars) ſein Vorhaben, den Nil mit dem arabiſchen Meerbuſen durch einen Kanal zu verbinden, nicht weiter verfolgte, ſandte er Phoͤnizier zu Schiff aus, mit dem Befehl, daß ſie auf ihrer Heimfahrt durch die Saͤulen — 405— des Herkules(Meerenge von Gibraltar) in das mittellaͤn⸗ diſche Meer ſchiffen und ſo wieder nach Egypten zuruͤckkeh⸗ ren ſollten. Die Phoͤnizier fuhren demgemaͤß vom rothen Meer aus nach dem ſuͤdlichen Ocean. Im Herbſt gingen ſie an einer Kuͤſte Libyens(Afrika's) an's Land, wo ſie ſaͤeten und erndeten. Dann ſetzten ſie ihre Reiſe fort. So kamen ſie nach Verlauf von zwei Jahren im dritten durch die Saͤulen des Herkules nach Egypten zuruͤck. Sie erzaͤhl⸗ ten, was vielleicht Anderen, mir aber nicht glaublich iſt, daß ſie auf ihrer Fahrt um Libyen die Sonne zur rechten Hand hatten.“ Dieſer letzte Umſtand, ſo unglaͤubig und unwiſſend ihn Herodot vorbringt, macht gerade die Umſchiffung im hoͤchſten Grade wahrſcheinlich, da den Schiffern die Sonne, nachdem ſie ihnen unterm Aequa⸗ tor ſenkrecht geſtanden, jenſeits deſſelben noͤrdlich ſtatt ſuͤd⸗ lich zu ſtehen kommen mußte. Zwar hat ſich Mannert in ſeiner Geographie der Griechen und Roͤmer mit Scharfſinn dagegen vernehmen laſſen, allein ſeine Gruͤnde ſcheinen mir nicht zureichend. Daß es eine ſchon 150 Jahre alte Volks⸗ ſage war, ſchadet nicht, denn ſie traͤgt den Stempel der Wahrheit in ſich, und eher koͤnnte die Ueberlieferung ſich bei der ſchwierigen Kuͤſtenfahrt in der Zeit geirrt haben, als daß man das ſchnelle Erndten bezweifeln duͤrfte, welches z. B. den Spaniern auf Hispaniola ſo bewunderungswuͤr⸗ dig erſchien. Auch die Verheimlichung der Fahrt, die Sen⸗ dung von Phoͤniziern, die Unternehmungsluſt Neko's findet Mannert zweifelhaft, geſteht jedoch, daß ſeine Gruͤnde die unmoͤglichkeit der Fahrt nicht bewieſen. Uebrigens muͤſſe — 406— der Gedanke, daß Afrika umſchifft werden koͤnne, bei den Phoͤniziern und Egyptern ſchon viel aͤlter geweſen ſeyn, weil ſonſt jener poſitive Befehl der Rückkehr durch die Meerenge nicht gegeben worden waͤre. Auf jeden Fall wird alſo das von Herodot erzählte Fartum den bisherigen Glau⸗ ben nicht verlieren, und ſo erklaͤrt naͤchſt Gatterer auch Heeren(Ideen 2, Th. 1. Abth. Eing.)„ daß Afrika, zu⸗ folge dieſes auf eine ſeltne Weiſe beglaubigten Zeugniſſes im hohen Alterthum umſchifft wurde.“ Noch ein fruͤheres beruͤhmtes Factum aus der alten Welt hat Irving hier unberuührt gelaſſen, die ſalomoniſchen Fahrten nach den ſuͤdlichen Meeren und in den fernen Oſten. In 2 Chron. 9, v. 21 heißt es bei Erzäͤhlung der königlichen Pracht:„Denn die Schiffe des Koͤnigs fuhren von Tarſis(Larteſſus, wo jetzt Cadix liegt, Plin,) mit den Knechten Hiram, und kamen in drei Jahren ein⸗ mal, und brachten Gold, Silber, Elfenbein, affen und Pfauen (tukijim).“ Dieſes letzte Wort worauf die alten Ausleger und Ueberſetzer uͤbereinkommen,(obwohl es auch Papagaien ec. heißen koͤnnte) deutet ſehr beſtimmt auf das ferne Aſien, und zur Beſtaͤtigung dient noch, daß der Pfau im Mala⸗ bariſchen Togei heißt(Geſenius hebr. Lex.). In drei Jah⸗ ren aber um Afrika herum nach Indien und zuruͤckzukom⸗ men, wenn auch durchs rothe Meer, war wohl ſchwer moͤg⸗ lich. Michaelis bemerkt bei der Schifffahrt Salomos in ſei⸗ nem moſaiſchen Recht(1. Th. S. 230) Folgendes:„ Ich kann hier die Gruͤnde nicht anfuͤhren, warum ich ſo denke, (etwas davon im spicilegio geographiae Hebr. exterae — 407— Seite 98— 101) ich glaube aber, Afrika ſey von Salomo umſchifft und das Schiff, ſo drei Jahr unter Weges blieb und er oͤfters zum Umtouſch der Waaren anlegte, ſey durch die Meerenge von Gibraltar wieder zuruͤckgekommen.“ Schade, daß uns die Auseinanderſetzung der Gruͤnde dieſes ſcharfſinnigen Gelehrten abgehen. Etwas zweifelhafter koͤnnte die Umſchiffung Afrika's erſcheinen, wenn wir zwei andere Stellen des alt. Teſt. 1. Koͤn. 9, v. 26— 28 und 1. Koͤn. 10, v. 22, mit obiger vergleichen. In der erſteren heißt es:„ Und Salomo machte auch Schiffe zu Ezeon⸗Geber, die bei Eloth liegt, am Ufer des Schilfmeers, im Lande der Edomiter“(d. i. in der oöͤſtlichſten Ecke der Landzunge des Horeb und Sinai).„ Und Hiram ſandte ſeine Knechte im Schiff, die gute Schiffsleute und auf dem Meer erfah⸗ ren waren, mit den Knechten Salomo. Und kamen gen Ophir*) und holeten daſelbſt vierhundert und zwanzig Zentner Gold, und brachten es dem Koͤnig Salomo.“ Die zweite lautet:„Denn das Tarſisſchiff des Koͤnigs, das auf dem Meer mit dem Schiff Hirams fuhr, kam in dreien Jahren einmal, und brachte Gold, Silber, Elfenbein, Affen und Pfauen.“ Durch dieſe Stellen koͤnnte die obige erſte (2. Chron.) erlaͤutert oder berichtigt zu werden. Entwe⸗ —— *) Ophir wird verſchieden erklärt, für Indien überhaupt, für Ceylon oder Taprobana, den Cherſoneſus aurea oder Malacca ꝛe. Vielleicht bedeutet es überhaupt ſü dliche Meerländer; doch kann es auch Afrika heißen, da Afer und Ofir(das O iſt Aleph Vad) faſt eins ſind. Ein Berg Ophir liegt auf der Inſel Sumatra bei Malaccg. — 408— der war das Meerſchiff ein Schiff, welches nur durch die Meerenge von Gibraltar fuhr, oder es hieß ſo viel wie In⸗ dienfahrer, ein Schiff erſten Ranges(gleichwie das Tarſis⸗ ſchiff), im rothen Meer gebaut; dieſe letztere Erklaͤrung duͤrften wir aber eigentlich nur dann waͤhlen, wenn wir die Umſchiffung Afrika's fuͤr unmoͤglich hielten, welches wir doch wohl nicht koͤnnen, und ſo bleibt uns mindeſtens die um⸗ ſchiffung von ganz Afrika wie bei Koͤnig Neko. Die Fahrt um Afrika nach Oſtindien, und von da zuruͤck in das rothe Meer, iſt, in der gegebenen Zeit, noch minder wahrſchein⸗ ich als die Neko's, aber doch nicht unmoͤglich, wenn wir annehmen, daß die aͤlteren Schiffer hoͤhere antiche Kennt⸗ niſſe als die ſpaͤteren beſaßen. Ueber den Periplus Hannonis t Heeren in ſeinen Ideen ꝛc., bei Afrika, ſehr belehrend; er theilt den ganzen Bericht Koͤnig Hanno's als Anlage mit und erklaͤrt ihn fuͤr eine Inſchrift in einem Haupttempel Chartago's, zum oͤffentlichen Denkmal der Fahrt; zu vergleichen iſt da⸗ mit, was Mannert a. a. O. 1. Th. S. 47 ff. beibringt. Anſchaulich erlaͤutern bei Letzterem zwei Karten dieſe und andere Gegenſtaͤnde, die eine, wie Eratoſthenes und Strabo ſich die Erde dachten, und die andere, wie ſie Ptolemaͤus annahm. Der abenteuerliche Periplus des Eudoxus aus Cyzicum nach dem luͤgenhaften Cornelius Nepos wird bei Mannert ꝛc. S. 25 ff. gebuͤhrend abgewieſen.— Die Anſicht Goſſelins, daß ſelbſt Hanno nicht weiter, als bis zum Cap Nun gekommen ſey, erhaͤlt von Heeren die Be⸗ richtigung, daß ſein ſuͤdlichſter Punkt die Muͤndung des — — 409— Gambia geweſen und daß in Herodots Zeiten die Charta⸗ ger eine regelmaͤßige Schifffahrt bis zu der Goldkuͤſte hat⸗ ten, wohin Hanno's Entdeckungsreiſe vielleicht zuerſt den Weg gebahnt,(Herren's Ideen 2. Th. 1. Abth. Beilage V. Saͤmmtl. hiſt. Werke 13. Th. S. 511 ff.). Seite 132 ff. Schiffe des Columbus, offene Fahrzeuge. Außer Boſſi, bei welchem die Schiffe etwas undeutlich gezeichnet ſind⸗ finden ſie ſich in den alten Samm⸗ lungen der Reiſen von Th. de Bry u. A. Auch bei von Murr iſt auf einem Holzſchnitt von der Magellan⸗Straße vorn eine ſolche Caravele, breit und bauchig, ohne Verdeck und mit hohem Vorder⸗ und Hintertheil nebſt Caſtell, deutlich abgebildet⸗ Seite 136 ff. Erſtes Landen: ein Commentar, dem ohne Speclalkarte kaum zu folgen iſt. Noch ſchwieri⸗ ger wurde die Ueberſetzung durch Oruckfehler und techniſche Ausdruͤcke, weßhalb ich forſchende Kenner bitten muß, das Original zu Rathe zu ziehen⸗ Seite 166 ff. Ueber Marco Polo und ſein Werk iſt viel geſchrieben worden, beſonders von ſeinen Landsleu⸗ ten, den Italienern*)(ogl. Anm. S. 30⁰⁴); auch gibt es —— *) Zu erwähnen iſt vornehmlich plac. Zurla di Marco Polo e degli altri viaggiatori Veneziani piu illus- tri. Con appendice sulle antiche mappe geo- rafiche lavorate in Venezia. Ven. 1818, doch geht er in den Erfindungen der Chineſen zu weit. Was die Magnetnadel betrifft, ſo wurde deren beſchränkterer — 410— viele aͤltere Ausgaben und Ueberſetzungen. Der deutſche Leſer kann ſich in folgender, nach Bergeron Sammlung orientaliſcher Reiſen entworfenen Ueberſetzung„Marco Pao⸗ lo'’s Reiſe in den Orient wäͤhrend der Jahre 1272 bis 1295, verdeutſcht von Felix Peregrin. Ronneburg und Leipzig 1802. 8.“ den Genuß dieſes originellen Werks verſchaffen und im Geiſte dem Entdecker von Amerika dabei folgen. Als hervorſtechende Stellen ſind mir bei'm Durchblaͤttern auſgefallen Seite 66 und 131 f., vom Prieſter Johann, S. 94 und 101 die Maſchinen, deren Feuerſchluͤnde Steine ausſpeien, S. 148 Schlachten edler Fremden, S. 186 Freſ⸗ ſen der Feinde und S. 203 und 206 der verſtorbenen(er⸗ Gebrauch ſchon früher bei anderen Völkern erweitert. Ein provencaliſcher Dichter, Guyot, ſang am Hoflager Friedrichs I. zu Mainz im Jahr 1181 folgendes: Jcelle étoile ne se muet Un art font, qui mentir ne puet Par vertu de la Marinette Une pierre laide, noirette Ou le fer volontiers se joint. Das Wort Marinette beweiſ't, daß der Magnet ſchon damals bei der Schifffahrt eingeführt war(Gehlers phyſik. Wörterb. Leipz. 1798, Art: Compaß). Athanaſius Kir⸗ cher will behaupten, daß ſchon Salomo ſich des Com⸗ paſſes für nach Opbir bedient habe. Eine Stelle bei Ariſtoteles über die Magnetnadel iſt eine Interpolation (S. Gehler a. a. O. und Munjoz oben Anm. S. 311.) Die Eigenſchaft des Steins aber kannten die Alten, Ariſtot. Plin. u. A. — 411— ſtickten) Angehörigen,*) S. 214 f. Selbſtopferung von Frauen, Kriegern, Verbrechern, S. 161 Verbrennen der Todten, S. 229 Amazonen⸗Inſel, S. 224 nahe Heirathen, Levirats⸗Ehe. S. 214, 218, 236 Grab des Apoſtels Tho⸗ mas, S. 232 fordernde Fluth nach Madagaskar, S. 235 Archipel voll Inſeln.— Zur Vergleichung dient v. Murr's Abhandlung uͤber Behaim, ſowie Ramuſio und Bergeron. Seite 186 ff. Sir John Mandewille. Es iſt das Volksbuch Johann de Montevilla, welches man noch auf den Maͤrkten kauft. Eine kritiſche Ausgabe waͤre ſehr noͤthig wegen der vielen Fehler. In geographiſcher Hal⸗ tung ſteht Mandeville dem Mareo Polo nach, verbreitet ſich aber weitlaͤufig uͤber andere Laͤnder, beſonders Palaͤ⸗ ſtina, Egypten.— Zwiſchen ihm und Marco Polo ſtehen die Reiſen Oderich's von Portenau(bis 1330), die aber auf unſeren Gegenſtand keinen Bezug haben.— Wie von Montevilla bei G öͤrres(deutſche Volksbuͤcher), ſo iſt von Petro della Valle, einem viel Spaͤteren(1610) bei Goͤthe(Noten u. Abhdl. z. weſtoͤſtl. Divan) ausfuͤhr⸗ licher die Rede. Seite 192. Hinſichtlich der Atlantis des Plato muͤſſen wir uns wegen Mangel an Raum mit kuͤrzeren er⸗ gaͤnzenden Andeutungen begnuͤgen. Ich ziehe zu dem Ende aus, was ſchon ziemlich kurz P. Fr. Kannegießer in der —— *) Ich finde in Venturin's Chronik des 19. Jahrh. feſt verſichert, daß die Franzoſen bei Leipzig aus Hunger und Elend die Leiber ihrer Todten benagten. — 412— Encyelopaͤdie von Erſch und Gruber im Art. Atlantis mit⸗ theilt. Die Inſel lag im atlantiſchen Ocean und war groͤ⸗ ßer als Aſien und Libyen(Afrika) zuſammen genommen. Neptun erhielt dieſe Inſel zu ſeinem Eigenthum und zeugte mit Klito, der Tochter des Evenor und der Leucſppe, welche dort aus der Erde gewachſen waren, fuͤnf Paar Soͤhne. Nachdem er die Inſel zehnfach getheilt hatte, gab er jedem Sohn einen Theil. Dem äͤlteſten, Atlas, wies er die Mitte der Inſel und uͤberhaupt den groͤßten und ſchoͤnſten Theil an, und machte ihn zum Koͤnig über das Ganze. Ihre Nachkommen bluͤhten hier viele Menſchenal⸗ ter und breiteten ihre Herrſchaft noch auf andere Inſeln, und ſogar bis nach Hetrurien und Egypten aus. Als ſie auch nach Griechenland vordringen wollten, wurden ſie durch die Athenaͤer und ihre Bundesgenoſſen heldenmuͤthig zuruͤck⸗ gedraͤngt. Dieſes Reich des Atlas war ein Ideal weiſer, guter Verfaſſung, geſegnet durch Ueberfluß an Menſchen und mannichfaltigen Thieren, an Reichthum und Herrlich⸗ keit, ſtark durch Heere und Flotten, ausgezeichnet durch vollendete Wiſſenſchaften, Küͤnſte und Meiſterwerke, kurz ein Reich, in welchem die Einwohner unter der Herrſchaft der Nachkommen des Atlas das behaglichſte, beneidenswertheſte Leben fuͤhrten, bis ſie in Sittenloſigkeit und Laſter aus⸗ ſchweiften. Da vernichteten Erdbeben und Ueberſchwemmun⸗ gen in einem Tage und einer Nacht die Inſel Atlantis, und an ihre Stelle trat ein dicker Brei, welcher die Schiff⸗ fahrt in dieſes Meer fernerhin unmoͤglich machte. Zu glei⸗ cher Zeit wurden auch in Grlechenland die Bevoͤlkerung, die bluͤhenden und fruchtbaren Oecken der Berge und alle Cultur, Denkmaͤler und Herrlichkeiten verſchlungen. Dieß ſoll 10,000 Jahr vor Solon geſchehen ſeyn.— Plato Kri⸗ tias“) ganz, wo aber das Ende des Romans verloren gegan⸗ gen iſt, und Timaͤus p. 289 ed. Bip., vgl. Bailly let- tres sur l'orig. des sc. Lond. 1778 und deſſen Lettres sur l'Atlantide de Platon et sur Panc. hist. de l'Asie Paris et Amsterd. 1779. Noch neuerlich machte Brant⸗ ſon in ſeinen Unterſuchungen uͤber St. Helena auf die Inſeln Aſcenſion u. a. als moͤgliche Reſte der Atlantis aufmerkſam(ſ. Misc. a. d. n. ausl. Lit. VIII. Band.)— Was im Geſellſchafter, Maiheft 1828 in einer der Anlagen aus Paris berichtet wird uͤber die Atlantiden, nach ei⸗ nem puniſchen Denkmal mit Inſchriften, welches auf der Inſel Creta oder Cypern gefunden ſeyn ſoll, gleicht einer Myſtifi⸗ cation und bedarf noch ſehr der Beſtaͤtigung. Seite 195 ff., 208 ff. Ueber die Inſeln St. Bran⸗ dan(auch St. Brendan genannt) und der ſieben Staͤdte oder Antilla, findet man Literatur und Nach⸗ richten in v. Murrs Abhandlung über Behaim. Es heißt aber dort und bei Doppelmayr ſtatt Septe Citade, ſieben Staͤdte: Septe Ritade, ſieben Netze, welches keinen Sinn gibt. Auf des Cosmographen Diego Ribero Welltkarte von 1529(von welcher Sprengel bei Munjoz eine Abbildung — *) Merkwürdig iſt an zweien Stellen die Erwähnung einer trocknen und einer regneriſchen Jahrszeit, wie in Weſt⸗ indien und Südamerikg⸗ — 414— der neuen Welt nebſt Erlaͤuterungen liefert) findet ſich ſchon nichts mehr von dieſen Fabellaͤndern. Seite 210 ff. Inſel Madeira. Durch freundſchaft⸗ liche Mittheilung erhalte ich ein neueres Werk: A history of Madeira, with a series of twenty-seven coloured engravings illustrative of the costumes, manners and occupations of the inhabitants(abſichtliche Karrikaturen; zwei Seeanſichten ſind brav) London publ. by R. Acker- mann. 1821. Kl. fol. In dieſem belehrenden Werk, welches Dr. Gourlays natural history, climate, productions etc. of Madeira, 1811, und auch eine in England 1820 heraus⸗ gekommene kurze hiſtoriſche Skizze benutzt hat— finde ich folgende ergaͤnzende Data: Ovington bemerkt in ſeiner Ge⸗ ſchichte von Surat, einige Geographen ſchrieben den See⸗ fahrern Johann Gonſalvo und Triſtram, die unter dem Prinzen Heinrich ſchifften, die Entdeckung zu, aber Cordeyro, ein hoͤher beglaubigter portugieſiſcher Geſchicht⸗ ſchreiber, dem viele Späͤtere beiſtimmten, ſchreibe ſie dem Englaͤnder Machin zu, der eine junge Lady, Namens d'Arfet oder d'Orſet, oder auch Eufet, uͤber den Canal ent⸗ fuͤhrte. Die Geſchichte des Paars und der Reiſegeſellſchaft ſtimmt ganz mit unſerm Text nach der franz. Ueberſ. des Alcaforado uͤberein. Von Morales heißt es, er habe auch Troa de Amores geheißen, ſey auf ſeiner Fahrt nach Spa⸗ nien bei der Kuͤſte von Algarbien gefangen genommen und von Joao Gonſalves Zarco nach Liſſabon gebracht worden. Prinz Heinrich der Schiffer habe ſeinen Vater zur Entdek⸗ kungsfahrt vermocht und Zarco damit beauftragt. Von Algarbien ging er am 1. Juni 1419 nach der kuͤrzlich ent⸗ deckten Inſel Porto Santo ab, welche unter den Befehlen Barth. Pereſtrello's ſtand. Dem Abrathen der Einwohner ungeachtet, die das undeutliche nebelhafte Bild der Inſel am Horizont fuͤr den Sitz von Daͤmonen hielten, fuhr er dahin ab und landete am 14. deſſ. M. an deren oͤſtlichſter Spitze, die er dem Kalenderheiligen zu Ehren St. Laurenz nannte,*) eben die Kuͤſte, wo Machin hin verſchlagen wurde. Er fand ganz das beſchriebene Paradies und auch das Denkmal des ungluͤcklichen Paares, wonach er dem Ort den Namen Machleo gab, den er noch traͤgt. Er nahm am 2. Juli Beſitz vad ließ in einem bereits von den Britten bearbeite⸗ ten hohlen Baumſtamm eine Meſſe leſen, ſpaͤter ein Seelenamt fuͤr die Verſchiedenen halten, und aus jenem rie⸗ ſenhaften Baum, der ihr Schutzdach geweſen, baute man uͤber ihrem Grab, wie es Machin verordnet hatte, die Kirche zum Welterloͤſer. Die Gebeine der Liebenden ruhen unter den Platten des Chors.— Zarco und ſeine Leute fanden weder wilde Thiere, noch giftiges Gewuͤrm, noch ſchaͤdliche Inſekten, aber Schwaͤrme von buntfarbigen Voͤgeln, die ſich ohne Scheu mit ihnen vertraulich machten.“*) Die herrli⸗ *) Columbus fand alſo dieſen Gebrauch vor. Indeſſen fällt St. Laurenz auf den 10. Auguſt, daher iſt die behaup⸗ tete Benennung nach dem Schiff wahrſcheinlicher; vgl. übr. Sprengel's Abhandlung zu Ribero's Karte bei Mun⸗ joz S. 443. **) Es lebt dort ein ſchön ſchlagendes graues Vöglein mit ſchwarzem Kopf, welches die Bewohner tinto negro 1 — 416— chen Landſchaften mit den duftendſten balſamiſchen Halnen und Kraͤutern veranlaßten den Namen Madeira(Hainland). Auf dem Platz, wo die Hauptſtadt gegruͤndet wurde, wuchs viel Fenchel, daher der Name Funchal, den fie noch hat. Zarco wurde zum Dank fuͤr ſeine Entdeckung geadelt und zum Gouverneur ernannt; von ihm leiten die vornehmſten Familien Madeira's ihren Urſprung her. Es iſt bekannt, daß England dieſer Inſel, wo das Jahr faſt nur aus Fruͤh⸗ ling und Herbſt beſteht, ſeine ſchwindſuͤchtigen Soͤhne und Toͤchter, als in den letzten Hafen der Geſundheit, ſendet (last haven of health; ſ. a history etc. S. 50), als ob die Britten ein Recht der Geneſung auf dieſer Inſel haͤt⸗ ten und hier einen beſonderen Segen dafuͤr faͤnden, daß das erſte brittiſche Paar, das dieſe Inſel betreten, hier in aͤhn⸗ lichem Verſchmachten geendet. Seite 218 ff. Ueber Las Caſas und die anderen Ge⸗ ſchichtſchreiber vgl. die Einleitung v. Munjoz.— Auf Seite 241 leſe man opus epistolarum P. M. A. Seite 258 ff. Lage des irdiſchen Paradieſes. — Ueber die Inſel Taprobana(S. 260 f.) und andere wichtige Punkte Aſiens, deren Mythen, Cultur und Bevoͤl⸗ nennen,(a history etc.§. 33) wahrſcheinlich das Schwarz⸗ blättchen, der Mönch, sylvia atricapilla. Dann hät⸗ ten wir ja die Nachtigall von Weſtindien gefun⸗ den, die den Spaniern in Hispaniola ihr Vaterland zu⸗, rückzauberte, denn dieſer Vogel, von demſelben Geſchlecht wie die Nachtigall, ſingt faſt ſo ſchön wie ſie. War nun dieſer Vogel urſprünglich einheimiſch? — 417— kerung, findet man wichtige und auch fuͤr unſere Geſchichte mehr oder minder bedeutſame Forſchungen und Hypotheſen in C. Ritters Vorhalle europaͤiſcher Voͤlkergeſchichten vor Herodotus, um den Kaukaſus und an den Geſtaden des Pontus. Berlin 1820. S. 53, 61, 72, 113, 176, 337, 422 ꝛc.(die Vergleichung von Venus Anadyomene auf der Muſchel mit Noah'’s Arche moͤchte doch etwas gewagt ſeyn.) Ueber alle dieſe Gegenſtaͤnde iſt auch Creuzers Symbo⸗ lik und Mythologie und Mone's nordiſche Mytho⸗ logie zu vergleichen.— G. Th. Schubert, einer unſerer geiſtreichſten Naturphiloſophen, bekennt ſich zu der Anſicht, daß der urſpruͤngliche(ſelige) Wohnſitz des Menſchenge⸗ ſchlechts im Norden erxiſtirt hahe. Er unterſtäͤtzt dieſe Lieb⸗ lingsidee mit Sagen der Griechen, Germanen, Indier, Mercaner, und findet auch in den relcheren Gebirgszuͤgen des Nordens und in den ſchoͤneren, groͤßeren Sternen des noͤrdlichen Himmels eine Beſtaͤtigung. Nach einem Citat bei eben dieſem Schriftſteller nimmt Link in ſeiner„Ur⸗ welt“ S. 243 ff. mit uͤberwiegend wahrſcheinlichen Gruͤn⸗ den Medien oder ſeine Nachbarſchaft als gemeinſchaftlichen Ausgangspunkt nach der großen Fluth an.(Schubert allg. Naturgeſch. S. 330 ff.— Ueber die große Fluth daſ⸗ S. 332 ff. U ber gemeinſame Abſtammung des Menſchen⸗ geſchlechts S. 323 ff.) Seite 270 ff. Teſtament des Columbus. Es iſt dieſes nicht das eigentliche Teſtament oder der letzte Wille des Columbus, den er auf dem Tootbette machte(ſ. 3. Bd. Seite 388 ff.) ſondern das Majorat, welches er nach Irving's Columbus. 10—12. 27 — 418— einem koͤniglichen Patent d. d. Burgos, den 23. April 1497(Faculdad al Almirante D. Christobal Colon para fundar uno o mas Mayorazgos) ſtiftete, und zugleich Teſtament*) nannte, weil es natuͤrlich uͤber das Haupt⸗ und Stammvermögen verfuͤgte und dabei die Vertheilung von gewiſſen Summen aus demſelben feſtſetzte(ſ. 2. Band Seite 200 ff.) Es iſt aus Sevilla, und am Schluß datirt: Don⸗ nerſtag den 22. Februar 1498(welches bei Irving feblt). Na⸗ „varrete fügt in Anmerkungen bei:„obgleich man keinen Grund hat, die Aechthelt dieſes Documentes, das vor den Gerichten oft gezeigt und nie als untergeſchoben anzegriffen worden iſt, zu bezweifeln, ſo habe ich doch in keinem Archiv ein Origi⸗ nal mit der Unterſchrift des Admirals oder eine legaliſirte Abſchrift gefunden. In dem Koͤniglichen Archiv zu Siman⸗ cas exiſtirt aber eine Beſtaͤtigung des Majorats von Colum⸗ bus, ausgeſtellt d. 28. September 1501; dieſes Document, wel⸗ ches vorſtehender Verfuͤgung des Admirals groͤßere Kraft und Anſehen geben muß, wird uns nun uͤberzeugen, daß wirklich die fruͤhere Urkunde fuͤr guͤltig erklaͤrt worden iſt, obwohl er eine andere mit ſeiner eignen Unterſchrift vom 1. April 1502 ſubſtituirte, die er in dem Kloſter Las Cuevas von Sevilla in den Haͤnden des Frater Gaspar Gorricio *) Testamento y institucion nennen es die Akten des Navarrete, Colon ſeroſt an verſchiednen Stellen abwechſelnd compromiso y testamento, ordinacion e test, privilegio y test., compromiso de mayorazgo. — — —, 419— niederlegte, kurz ehe er ſeine letzte Reiſe unternahm.“(Na⸗ varrete ergaͤnzt ſeine Anmerkung zum Original in einer Note zum 1. Band S. 325 der franzoͤſiſchen Ueberſetzung, mit Einruͤckung der fraglichen koͤnigl. Beſtaͤtigung). Es thut mir leid, daß mich der Raum verhindert, die Berichtigungen durch daz eigentliche Teſtament ſchon jetzt dem Publikum vor⸗ zulegen.— Ich beſchraͤnke mich auf das Noͤthigſte, indem ich in dem vorliegenden fruͤheren Majorat und Teſtament einige Druckfehler und dunkle Stellen bei Irving mit denen des genau verglichenen Originals belege:— S. 270 vorl. 3. Bereich(jurisdiction Irv.) almirantazgo.— S. 271, Z. 17 und 18, 20„und andere ſiebenhundert Seemeilen im Weſten von Hispan'ola“„y setecientas,(leguas) nal Poniente de la Espagnola“.. nund dreihundert und dreiunddreißig Stunden Feſtland, ꝛc.„e trescientas e treinta é tres leguas de tierra-firme ete.“ Seite 272 iſt zu Zeile 14—20 folgende Aenderung und Emſchaltung zu machen:„und ſollte auch ihm der Herr keine Erben geben, ſo ſoll mein Bruder Don Diego, verheirathet oder im Stande ſich zu verheirathen, und nach ihm ſein aͤlteſter Sohn erben, und ſo von Grad zu Grad auf alle Folgezeit hinaus, anfangend von meinem Sohn Don Diego und von ſeinen Soͤhnen von einem zum andern auf immer, oder wenn ſein Nachkomme ſtirbt, ſoll mein Sohn Don Fernando, wie es geſagt iſt, und eben ſo ſein Sohn folgen, und dann von Sohn zu Sohn auf immer, er und der obgenannte Don Bartholomco, wenn an ihn die Reihe 27* — 420— kommt, ſowie an Don Diego, meine Brüder.*)— Zeile 4 v. u.„Mann von anerkannter Abkunft,(man of legiti- mate birth) im Origenal hombres legitimos.— S. 275 3 3. 1— 3 hurch letzte Willen(will), Teſtamente(testa- 4 ment), Errichtung von Majoraten oder Erbſchaften“, im Original: por testamento o compromiso e mayorazgo e heredad.— S. 277, im erſten Item ſoll es zuerſt 1 Million, dann 2 Millionen heißen(Zeilen 7 u. 6 v. u.)**) * *) Wiewohl jetzt der Sinn mit der Nachfolge des ganzen Mannsſtammes klar iſt, will ich doch die ganze Stelle bei Navarrete von„Erſtens“ an zur Vergleichung ber⸗ ſetzen: Primeramente que haya de suceder ä mi D. Diego, mi hijo, y si del dispusiere nuestro Sen- nor antes que él hobiese hijos, que ende suceda D. Fernando, mi hijo, y si dél dispusiere nuestro Sennor sin que hobiese hijo, d yo hobiese otro hijo, que suceda D. Bartolomé, mi hermano, y dende su hijo mayor, y si del dispusiere nuestro Sennor sin heredero que suceda D Diego, mi her- mano, siendo casado o para poder casar, é que suceda ä él su hijo mayor, é asi de grado en grado perpetuamente para siempre jamas, comen- zando en D. Diego, mi hijo, y sucediendo sus hi- jos, de uno en otro perpetuamente, ô falleciendo el hijo suyg-suceda D. Fernando, mi hijo, como dicho es, y asi su hijo, y prosigan de hijo en hijo para siempre él y los sobredichos D. Barto- lomé, si ä l llegare i ä D. Diego, mis herma- nos etc. **) Ich füge zur Rechtfertigung der Aenderung den ganzen Abſatz aus dem Spaniſchen bei:. 4 9 — 421— — S. 278 en dem Item 3. 2 muß es ſtatt Diego, Bru⸗ der Diego(hermano Diego) heißen.— S. 284 iſt das 4 erſte Item nicht ganz woͤrtlich uͤberſetzt(fehlt bei Schisma; 4 durch unſere Sünden), auch laͤßt die Stelle mit dem Papſt im Original eine Dunkelheit, ob er ſelbſt als Ketzer(Aria⸗ ner), oder die Stammerben gemeint ſind.*)— S. 285 Z. 9 heißt es wirklich im Widerſtreit mit S. 276,„ die zwei Mllionen oder einen Theil derſelben“(los dos cuen- tos o parte dellos). Es ſteht dieß auch im Widerſtreit Item: babrä de la dicha renta del dicho Ma- yorazgo, G de otra cuarta parte della, D. Fer- nando, mi hijo, un cuento cada anno, si la dicha cuarta parte tanto montare, fasta que él haya dos cuentos de renta por la misma guisa y manera que estä dicho de D. Bartolomé, mi hermano, el y sus herederos, asi como D. Bartolomé mi hermano y los herederos del cual asi habrän el dicho un cuento, ö la parte que faltare para ello. Ich ſetze deßhalb die ganze Stelle her: Item: mando al dicho D. Diego, ö ä quien poseyere el dicho mayorazgo, que si en la Jgle- sia de Dios, por nuestros pecados, naciere alguna cisma, 6 que por tirania alguna persona, de cual- quier grado é estado que sea é fuere, l e quisiere desposeer de su honra ö bienes, que so la pena sobredicha se ponga ä los pies del Santo Padre, salvo si fuese herético(lo que Dios non quiera) la persona é personas se dererminen é pongan por obra de le servir con toda su fuerza é renta é ha- cienda, y en querer librar el dicho cisma, êé de- fender que no sea despojada la Jglesia de su honra y bienes.— — 422— mit S. 277, wo von der Rente an Fernando die Rede iſt; doch iſt es woͤrtlich und es ſcheint ſich auch hier nur die Unbehuͤlflichkeit, die verwirrende Deutlichmachung des Erblaſſers kund zu geben.— S. 285 Z. 7 v. u.„mit frommer Weihung, im Original: con mucha devocion, ſo auch Irving with great devotion; es bezieht ſich auf das Meſſe leſen d. h., ſie ſollen ſie mit Andacht halten. Die folgende Stelle„denn gewiß“ ꝛc. heißt im Spanrſchen: que placerà a nuestro Sennor de nos dar tanta renta, que todo se podra cumplir lo que arriba dije.— S. 286 3. 11„ſichtbarſten Ort“(the most conspicuous place) im Spaniſchen: lugar mas publico. Z. 14„welche darauf hinſehen“(who may lool upon it) im Original: que le vieren.— Am Schluß das Datom: Jueves en veinte y dos de Febrero de mil cuatrocientos noventa y ocho.— Seite 275.„Mein Wappen, ſowie ich es nach mei⸗ nem Tode hinterlaſſen werde., Wir muͤſſen bei der Bil⸗ dung dieſes Wappens mehrere Zeitpunkte beachten. Im Mai 1493, kurz nach der Entdeckung, erhielt Colon von den Souverainen als Wappen in vier Schildern, Thurn und Loͤwe von Spanien, und die Inſelgruppe, und im un⸗ teren linken Felde ſollte ſein urſprungliches Siegel ſtehen. Dazu kamen ſpaͤter die fuͤnf Anker der Admirals wuͤrde und die bekannte Deviſe. Hierbei mußte nun ein fünftes Schild fuͤr das Familienwappen entſtehen. In dem Mayorazgo vom 22. Februar 1498 ſagt Columbus nur die obigen Worte, woraus hervorzugehen ſcheint, daß er noch Aende⸗ —r — — 423— rungen an dem Wappen fuͤr moͤglich hielt. Im Jahr 1502, ehe er auf ſeine letzte Entdeckungsfahrt abging, ſandte er nach Genua an Dr. Nic. Oder'go, ſeinen Freund, die be⸗ glaubigten Abſchriften der Documente, weiche jetzt den Co- dice diplomatico von Spotorno bilden. Auf der Kap⸗ ſel befand ſich das Siegel, wie es oben in meiner erſten Anmerkung S. 289 f. beſchrirben iſt. Sein Familienwappen bildet darauf ein Fußſchildchen, an dem nun veelleicht der obere rothe Abſchnitt ſeinen Stamm Terra roſſa bezeich⸗ net, und der Schräͤgbalken, wie ich vermuthen muß, allen Colombo's eignete, welche nachmals ſeine Verwandtſchaft re⸗ clamirten. Nun fragt es ſich, ob dieſ's Wappen bis zu Columbus Tode nicht geaͤndert worden iſt? Dieß muͤßte ſich aus dem Familienarchiv oder Siegel des Herzogs von Veragua ergeben, aber es iſt daruͤber weder bei Irving eine Andeutung, noch habe ich uͤberhaupt in der Sammlung des Navarrete etwas Naͤheres vom Wappen der Familie gefun⸗ den, welches immer in Hinſicht auf verwandtſchaftliche An⸗ ſpruͤche ꝛc. ein wichtiges Document iſt. Nach einer muͤnd⸗ lichen Mittheilung von Darmſtadt, wo ein Abkoͤmmling des Columbus vor einiger Zeit auf ſeiner Durchreiſe die Biblio⸗ thek beſuchte, ſtimmte das Wappen bei'm Codice diploma- tico mit einem gravirten, welches er bei ſich fuͤhrte, uͤberein. 3 Berichtigung: Seite 304, Zeile 15(Mainland?) lies (Jan Mayen). ——ÿ;ͦ— ͦ———— —. 424— Schlußbemeyvkung. Indem ich fruͤher, als ich gewuͤnſcht, die Ergaͤnzungen . 3u Irving's intereſſanter Beographie beendigen mußte— ich haͤtte namentlich gern noch mehrere ſeltene Quellen auf der Darmſtäͤdter Hofbibliothek, ſowie die Werke von Hum⸗ bold und anderen Reiſenden benutzen moͤgen— kann ich zum Gluͤck mehrere kleine Nachtraͤge auf die Herausgabe einer nicht minder intereſſanten Urkundenſammlung verſparen, worin die anziehendſten Briefe und ſonſtige ſchrift⸗ liche Aufſaͤtze des Columbus mit Auszuͤgen aus den wichtig⸗ ſten Akten der ſpaniſchen Archive und verwandten Zeugniſſen. der Mitlebenden verbunden erſcheinen und zu dieſen weſent⸗ lichen Ergaͤnzungen noch Portraits, Faeſimile's, die Karte Behaims(womit die erſte des Columbus ohne Zweifel uͤber⸗ einſtimmte), die Stammtafel des Columbus und andere kleine Beilagen kommen ſollen, in einem Preiſe und mit typographiſcher Ausſtattung, die gewiß nichts zu wuͤnſchen üͤbrig laſſen. M. Frankfurt a. M., d. 28. Maͤrz 1829. J u h a l t. —— Anhang. Erlaͤuterungen und Documente. Seite Nro. I. Uebertragung der Reſte des Columbus von St. Domingo nach Havanna.. 4 „ II. Nachrichten uͤber die Tbkömmlinge des Columbus.. 3.. 8 „ III. Fernando Columbus. 57 „ IV. Abſtammung des Columbus... 41 „ V. Geburtsort des Columbus... 46 „ Fl. Die Colombo's..... 59 2„ VII. Expedition Johanns von Anjou. 63 „ VIII. Gefangennehmung der venetianiſchen Ga⸗ leeren durch Colombo d. J...—. 67 „ IX. Amerigo Vespucci..... „ X. Martin Alonzo Pinzon... 101 „ XI. Geruͤcht über den Piloten, welcher in dem Hauſe des Columbus geſtorben ſeyn ſoll.. 104 „ XII. Martin Behaim.... 110 4„ XIII. Secandinaviſche Entdeckungen.. 1175 „ XIV. umſchiffung von Afrika bei den Alten. 128 „ XV. Schiffe des Columbus... 13³2 .„ XVI. Erſtes Landen des Columbus 61 der neuen Welt....... 136 Nro. XVII. Grundſäͤtze, wonach die in dieſem Werke vorkommenden Geldſummen in neueren Curs ver⸗ wandelt wurden..... „ XVIII. Marco Poſo... „ XIX. Das Werk des Marco Polo ——. Zipaagu, Zipangri, oder Cipango. „ XX. Sir John Mandeville.... „ XXI. Die Zonen.—.. „ XXII. Von der Atlantis des Plato.. „ XXIII. Die ertraͤumte Inſel St. Brandan „ XXIV. Die Inſel der ſieben Staͤdte.. „ XXV. Entdeckung der Inſel Madeira * . „ XXVI. Las Caſas..... „ XXVII. Pter Martyr.... „ XXVIII. Oviedo.. „ XXIX. Cura de los Palacios.. „ XXX. Navigatione del Re de Castilia delle Isole etc.— Navigatio Chr. Columbi. „ XXXI. Antonio de Herrera.—.. „ XXXII. Biſchof Fonſeca... „ XXXIII. ueber die og des irdiſchen Para. dieſen.. 3... XXXIV. Feſtament des Golumbus.. XXXV. Naterſchrif des Columbus.. Erlaͤuterungen und Anmerkungen dee Ueberſetzers zum ganzen Werk..... 3. Seite 163 166 178 184 186 189 192 195 208 210 218 232 4 242 244 6 246 2448I 252² * * 289 Cooper's ſaͤmmtliche Werke. Ueberſetzt von Mehreren und herausgegeben von C. A. Fiſcher. 51 Bändchen. Auf weißem Druckvelinpapier, geheftet Rthlr. 9.— oder fl. 14. 12 kr. Auf ord. Druckpapier, geheftet Rthlr. 6. 2 gr. oder fl. 9. a8. Inhalt: Der Spion. 6 Bdchn.— Der letzte der Mo⸗ hikaner. 6 Bdchn.— Die Anſiedler ven Susquehanna. 6 Bdchn.— Der Lootſe. 6 Bdchn.— Lionel Lincoln. 6 Bochn.— Die Steppe(Pratrie). 6 Bdchn.— Der rothe Freibeuter,(Red Rover) 6 Bdchn.— Die Nordameri⸗ kaner, geſchildert von einem reiſenden Hageſtolzen. 9 Bdchn. Friſch, originell und lebenskraͤftig, wie ſein Vaterland, ſind Cooper's Dichtungen. Eine neue, reizende Welt thut ſich vor uns auf. Amerika's großartige Natur ſteht vor uns da, und der trunk'ne Blick mag ſich nicht ſatt ſehen an den herrlichen Gebilden. Und wie er die Natur hinreißend ſchoͤn malt, ſo die Menſchenwelt und das Leben. So ganz verſchieden von dem ſtereotypen europaͤlſchen Leben iſt das Amerika's. Anders erſcheint und eigentbuͤmlich ausgepraͤgt auch der Menſch. Charaktere, wie ſie Europa nicht kennt, — liefert Amerika— denn was hier verflacht iſt, das iſt dort jugendkraͤftig. Und dieſe intereſſanten Charaktere faßt Cooper mit eigenthuͤmlicher Kraft auf, und ſtellt ſie meiſterhaft dar. Daher die allgemeine Liebe zu ſeinen Schriften, daher die wunderbare Gewalt, womit er das Gemuͤth feſſelt. Denn es iſt wabrlich nicht das Inte⸗ reſſe der Fabel, was uns ſo feſſelt— dieſe iſt loſe, locker, — es iſt die Art und Weiſe, wie er ſie behandelt, ſchmuͤckt. (Didaskalla. 1828. 254.). Dieſe wohlfelle Taſchenausgabe, iſt fuͤr den hierbei an⸗ gefuͤhrten, aͤußerſt billig geſtellten Preiß, durch alle ſoliden Buchhandlungen zu beziehen. Friedemann und die Seinen, oder das Gottesreich auf Erdeen. Ein Familien⸗Buch zur Veredlung des häusliche und bürgerlichen Lebens. Von G. A. Gruner 4 Theile. 12. Geh. Die Wahrheit der allgemeinen chriſtlichen Lehre von Glauben, Denken und Thun wird nur dann recht und ganz erkannt, wenn ſie gelebt, im Herzen durch das Leben er⸗ fahren wird. Es erſcheint deswegen als ein gutes Mittel zu einem ſchoͤnen Zwecke, das chriſtliche Leben, wie es unter den Menſchen nicht eben iſt, aber gar wohl feyn koͤnnte, und alſo auch ſollte, in einem Lebens⸗Gemaͤlde aufzu⸗ ſtellen. Ich habe mich ſeſt Jahren mit dieſem Gedanken und mit deſſen Ausführung beſchaͤftiget, und dadurch im eigenen Innern an Heiterkeit, Ruhe und an Zuverſicht im Glauben gewonnen. Denkt Euch, geliebte, treue Schuͤler, und Ihr andern Freunde, die ich durch muͤndliche und ſchriftliche Anſprache unter den Lehrern in den deutſchen Volksſchulen gefunden habe, denkt Euch, fromme Eltern, die Ihr Euern Kindern den Glauben an die Wzahrheit, die uͤber die Irrſale und veiden des Lebens erhebt, bewahren wollt, denkt Euch, aͤhn⸗ lich Geſtimmte im deutſchen Volke, unter meinem Beginnen einen Verſuch eines Seitenſtuͤckes zu des verewigten Peſta⸗ lozzi Lienhardt und Gertrud, und Ihr moͤchtet nicht ſon⸗ derlich irren. Gr. Roſenkranz eines Katholiken. Von H. Koenig. 12. Geheftet. Rapoleon durch ſich ſelbſt gerichtet. Von J. Weitzel. 12. Geh. Frankfurt a. M., den 25. April 1829. J. D. Sauerlaͤnder.